Citation: 8C_285/2007 13.12.2007 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin erlitt beim Auffahrunfall vom 28. Dezember 2001 eine HWS-Distorsion. Anlässlich der ambulanten Behandlung in der Notfallabteilung des Spitals Y.________ wurden Nacken-, Brust- und Kopfschmerzen festgestellt. In der Folge kamen weitere Beschwerden hinzu, welche zum typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma gehören, nämlich Schwindel, Übelkeit und Schlafstörungen wie auch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen. Mit Blick auf das Unfallgeschehen, die Art der erlittenen Verletzung und die in der Folge aufgetretenen Beschwerden käme an sich - wie von der Beschwerdeführerin postuliert - die Anwendung der Rechtsprechung zur Adäquanzbeurteilung bei einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS oder diesem äquivalenten Verletzungen (BGE 117 V 359) in Frage. Voraussetzung dieser besonderen Kausalitätsbeurteilung ist aber, dass die festgestellten Gesundheitsschädigungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfall stehen, was im vorliegenden Fall nicht oder nur zum Teil zutrifft (vgl. oben E. 2 und unten E. 3.2). 3.2 Die Beschwerdeführerin leidet neben den im Vordergrund stehenden Kopf- und Nackenschmerzen auch unter Schwindel und leichten neurologischen Beeinträchtigungen. Umstritten ist insbesondere, ob die neuropsychologischen Beeinträchtigungen auf den versicherten Unfall zurückzuführen sind. Während der Gutachter A.________ die Auffassung vertritt, die Beschwerdeführerin habe sich beim Unfall vom 28. Dezember 2001 (nur) möglicherweise eine milde traumatische Hirnschädigung, welche die neuropsychologischen Defizite erklären würde, zugezogen, kommt der Neuropsychologe lic. phil. H.________ zum Ergebnis, für die festgestellte leichte neuropsychologische Funktionsschwäche seien mehrere Faktoren ursächlich, wobei ein unfallbedingter hirnorganischer Faktor teilweise am aktuellen Bild beteiligt sei. Die Vorinstanz begründet in überzeugender Würdigung der Akten, weshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall ein Schädelhirntrauma erlitten hat. Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringen lässt, kann nicht zu einer anderen Beurteilung führen. Insbesondere kann nicht gesagt werden, die Vorinstanz habe eine eigene medizinische Beurteilung vorgenommen. Die Vorinstanz würdigte nämlich lediglich und richtigerweise die vorhandenen Akten hinsichtlich der in dem Gutachten A.________ und dem neuropsychologischen Bericht unterschiedlich beantworteten Frage nach dem Eintritt einer milden traumatischen Hirnschädigung anlässlich des Unfalls vom 28. Dezember 2001 und zeigte dabei auf, dass sich aufgrund der echtzeitlichen Unterlagen weder feststellen lässt, dass überhaupt ein Kopfanprall stattgefunden hat noch dass eine Amnesie eingetreten wäre. Letztere bildet zwar keine notwendige Voraussetzung für die Annahme eines leichten Schädelhirntraumas. Sie hätte aber im vorliegenden Fall, in welchem einerseits der Kopfanprall zweifelhaft und andererseits ein früheres Unfallereignis mit Beteiligung des Kopfes aktenkundig ist, die These vom Auftreten einer derartigen Verletzung erhärtet. Unter den gegebenen sachverhaltsmässigen Umständen erscheint die Beurteilung des Gutachters, eine milde traumatische Hirnschädigung sei zwar möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich, als einleuchtend. Mit der abweichenden Einschätzung des Neuropsychologen lic. phil. H.________ hat sich Dr. med. A.________ auseinandergesetzt. Er begründet in nachvollziehbarer Weise, weshalb er diese nicht übernimmt. Weil sich das Gutachten A.________ auch hinsichtlich der Beurteilung der Unfallkausalität der neuropsychologischen Defizite als schlüssig erweist, kann auch unter diesem Aspekt auf die Einholung des verlangten neurologischen Obergutachtens verzichtet werden. 3.3 Zusammenfassend ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der status quo sine bezüglich der Kopf- und Nackenschmerzen spätestens im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. med. A.________ erreicht war. Für die Schwindelbeschwerden besteht zwar eine organische Ursache (kalorische Untererregbarkeit des linken Gleichgewichtorgans). Diese ist aber schwerlich - sicher nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit - unfallbedingt (Bericht PD Dr. med. L.________ vom 16. Juli 2004). Die festgestellten neuropsychologischen Beeinträchtigungen sind höchstens möglicherweise, nicht aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch eine anlässlich des versicherten Unfalles erlittene hirnorganische Schädigung erklärbar; eher ist davon auszugehen, dass diese Beeinträchtigungen schmerzbedingt (Schmerzinterferenz) sind. Die neuropsychologischen Beeinträchtigungen sind deshalb nur insofern und solange als unfallbedingt zu betrachten, als die Kopf- und Nackenschmerzen unfallkausal erscheinen. Mit der Vorinstanz ist im Zeitpunkt der Leistungseinstellung der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den geklagten somatischen Beschwerden und dem Unfall vom 28. Dezember 2001 zu verneinen.