Citation: U 358/05 03.01.2007 E. 5

5.1 Laut Vorinstanz und Beschwerdegegnerin ist für die Adäquanzbeurteilung gemäss den in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa festgelegten Kriterien vorzugehen. Die Beschwerdeführerin hält dafür, die in BGE 117 V 366 Erw. 6a aufgestellten Regeln seien massgeblich. 5.1.1 Nach Lage der umfangreichen medizinischen Akten ist überwiegend wahrscheinlich, dass im Anschluss an das Unfallereignis vom 24. Januar 2000 und die dabei erlittene Distorsionsverletzung der HWS eine erhebliche psychische Fehlentwicklung ihren Anfang nahm. Als stark belastend erwies sich dabei die psychosoziale Situation, insbesondere auch die schwierigen beruflichen Verhältnisse. Nachdem die Beschwerdeführerin im April 2000 die Arbeit bei der Firma A.________ wieder ganztags aufgenommen hatte, musste sie von der Projektarbeit zur Datenerfassung wechseln, und das Arbeitsverhältnis wurde schliesslich auf Ende September 2000 aufgelöst. Ab Januar 2001 war die ausgebildete Bauingenieurin als Sachbearbeiterin im Offertwesen tätig, wobei ihr die Arbeit im hektischen und lauten Grossraumbüro nicht zusagte. Nach den anamnestischen Angaben im Bericht der B.________, M.Ps., vom 20. April 2002 arbeitete die Beschwerdeführerin zuletzt in steter Furcht, den Anforderungen am Arbeitsplatz nicht zu genügen und deswegen wieder arbeitslos zu werden, was auf Ende November 2002 denn auch eintrat. In diagnostischer Hinsicht sind sich die beteiligten Ärzte insofern uneins, als im polydisziplinären Gutachten des Zentrums E.________ vom 20. März 2003 als Hauptdiagnose eine schwere (gemischte) depressive Anpassungsstörung mit Störung der Gefühle und des Sozialverhaltens genannt wird, während laut Bericht der Dr. med. M.________ vom 31. August 2002 und dem von der IV-Stelle Zürich eingeholten Gutachten des Dr. med. I.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Zug, vom 28. Februar 2004, von einer mittelschweren depressiven Episode auszugehen ist. 5.1.2 Ungeachtet der eben dargelegten diagnostisch-klassifikatorischen Differenzen fragt sich, ob das festgestellte komplexe Beschwerdebild noch als Symptom der am 24. Januar 2000 erlittenen Distorsionsverletzung qualifiziert werden kann, oder ob nicht vielmehr von einer selbstständigen sekundären Gesundheitsschädigung auszugehen ist. Wie es sich damit verhält, kann indes offen bleiben, weil in beiden Konstellationen die Kriterien gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa anwendbar sind (vgl. Erw. 2.2 hievor) und - mit der Vorinstanz und entgegen der Vorbringen der Beschwerdeführerin - jedenfalls davon auszugehen ist, dass die physischen Beschwerden im Verlaufe der gesamten Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Ins Gewicht fällt dabei, dass der behandelnde Arzt Dr. med. D.________ bereits am 4. Mai 2000 von einem protrahierten Verlauf mit Ausbildung eines posttraumatischen Belastungssyndroms sprach. Die Dres. med. F.________ und K.________, Klinik S.________, diagnostizierten in ihrem Bericht vom 19. Juli 2000 u.a. eine posttraumatische Belastungsreaktion und hielten fest, bezüglich des Schleudertraumas sei die Neurologie absolut unauffällig. Dr. med. S.________ wies in seinem Gutachten vom 24. Juli 2001 auf eine Symptomausweitung hin. Die Psychologin B.________ gab an, die Ursachen der kognitiven Minderleistungen (Verlangsamung, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen) seien in erster Linie in der schweren depressiven Verstimmung und der ausgeprägten Überängstlichkeit im Alltagsleben sowie in den Schmerzen und in der Müdigkeit zu suchen. Zusätzlich negativ beeinflusst werde das Funktionieren durch eine posttraumatische Belastungsstörung (Bericht vom 20. April 2002). Dr. med. Boban diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsstörung (Bericht vom 31. Juli 2002); Dr. med. Rafaisz ging von einem Schleudertrauma der HWS und einer depressiven Entwicklung aus (Bericht vom 26. August 2002). Dr. med. M.________ (Bericht vom 31. August 2002) wie Dr. med. I.________ (Gutachten vom 28. Februar 2004) diagnostizierten eine mittelschwere depressive Episode, während im Gutachten des Zentrums E.________ (vom 20. März 2003) als Hauptdiagnose eine schwere (gemischte) depressive Anpassungsstörung mit Störung der Gefühle und des Sozialverhaltens genannt wird. 5.2 Im kantonalen Gerichtsentscheid wird, wie bereits im Einsprache-entscheid, für die Adäquanzbeurteilung von einem Unfall im mittleren Bereich ausgegangen, ohne dass ausgeführt wird, ob es sich um einen mittelschweren Unfall im mittleren Bereich oder einen Grenzfall zu einem schweren oder leichten Unfall handelt. Nach der gesamten Aktenlage (einschliesslich der polizeilichen Ermittlungsakten, welche eine Fotodokumentation des Unfalles enthalten) ist von einem mittel-schweren Unfall im mittleren Bereich auszugehen. Die Adäquanz der psychischen Unfallfolgen ist daher zu bejahen, wenn eines der in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa erwähnten Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind. Die Vorinstanz hat dies mit ein-lässlicher, in allen Teilen zutreffender Begründung, auf die verwiesen wird, vereint. Dem kantonalen Gericht ist beizupflichten, dass allenfalls das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen erfüllt ist, wobei es aber offenkundig an einer besonderen Ausprägung mangelt.