Citation: 1B_28/2022 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz erwog, sich bereits zweimal ausführlich mit der Kollusionsgefahr durch den Beschwerdeführer befasst zu haben; auf die entsprechenden Beschlüsse vom 19. Oktober 2020 und 27. Mai 2021 könne verwiesen werden. Über die bereits behandelten Kollusionsversuche hinaus habe der Beschwerdeführer mit den Briefen, die er vor dem 15. Dezember 2020 aus dem Gefängnis geschmuggelt und seiner Familie zugänglich gemacht habe, erneut das Verfahren zu seinen Gunsten zu beeinflussen versucht. Der Einwand des Beschwerdeführers, er habe ausdrücklich nicht gewollt, dass seine Tochter von diesen Briefen erfahre, überzeuge nicht. In den Briefen sei es darum gegangen, dass diese ihre Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zurückziehen solle, wovon mit der diesbezüglichen Verurteilung auch das Bezirksgericht ausgegangen sei. Der Beschwerdeführer habe seine Tochter also mindestens über Dritte beeinflussen wollen. Zwar sei dem Beschwerdeführer darin zuzustimmen, dass sämtliche Aussagen der beiden Töchter, der Ehefrau sowie diverser weiterer Auskunftspersonen und Zeugen unter Wahrung der Teilnahmerechte und in gerichtlich verbindlicher Weise festgehalten worden seien. Auch sei die Tochter B.________ an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom Sachgericht mit Videoaufzeichnung persönlich angehört worden. Angesichts der überragenden Bedeutung deren Aussagen könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich das Obergericht im Rahmen der Berufungsverhandlung auch noch einmal einen persönlichen Eindruck der Tochter verschaffen möchte. Entscheidender sei jedoch, dass selbst bei einem Absehen von einer erneuten Befragung wegen des starken Kollusionsdrangs des Beschwerdeführers zu befürchten sei, dass er sie zu einer Rücknahme ihrer Vorwürfe bewegen könnte. Würde sie sich dann mit dieser Absicht von sich aus bei den Strafbehörden melden, wäre eine erneute Befragung wohl unumgänglich. Dadurch könnte der Beschwerdeführer das Berufungsverfahren trotz der Videoaufnahmen der bisherigen Einvernahmen immer noch zu seinen Gunsten beeinflussen, weil ihre Aussagen nicht frei von Widersprüchen schienen. Die Kollusionsgefahr sei deshalb weiterhin zu bejahen.