Citation: 2C_688/2017 E. 4.4

4.4. Zutreffend ist, dass die Ausübung von Freizügigkeitsrechten grundsätzlich nicht von den Absichten abhängig ist, aus denen sie ausgeübt werden (Urteil EuGH C-109/01 vom 23. September 2003 [Akrich] Rn. 55.f). Vorausgesetzt wird aber, dass das Freizügigkeitsrecht tatsächlich zu den von ihm verfolgten Zwecken beansprucht wird (Urteil EuGH 53/81 vom 23. März 1982 [Levin], Rn. 20-23). Nach der Rechtsprechung des EuGH sind die Mitgliedstaaten berechtigt, Massnahmen zu treffen, um die missbräuchliche Ausnutzung des Unionsrechts zu verhindern, sofern sich aus einer Gesamtwürdigung der Umstände ergibt, dass trotz formaler Einhaltung der in der Unionsregelung vorgesehenen Bedingungen das Ziel dieser Regelung nicht erreicht wurde (Urteile EuGH C-167/01 vom 30. September 2003 [Inspire] Rn. 136;, C-186/10 vom 21. Juli 2011 [Oguz], Rn 25; C-58/13 und C-59/13 vom 17. Juli 2014 [Torresi], Rn 42-45). Auch die Freizügigkeitsrechte nach FZA stehen unter dem Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs (BGE 139 II 393 E. 2.1 S. 395; 136 II 177 E. 3.2.3 S. 186). Das gilt insbesondere auch im Rahmen des Familiennachzugs im Rahmen des FZA: So ist die Berufung auf eine formal noch bestehende Ehe rechtsmissbräuchlich, wenn sie ausschliesslich (noch) dazu dient, die ausländerrechtlichen Zulassungsvorschriften zu umgehen (BGE 144 II 1 E. 3.1 S. 4; 130 II 113 E. 9 und 10 S. 129 ff.). Ebenso wenig können sich Nachkommen auf den Familiennachzug berufen, wenn es in Wirklichkeit nicht um die Realisierung einer Eltern-Kind-Gemeinschaft geht, sondern darum, mit einem nicht freizügigkeitsberechtigten Ehemann in der Schweiz eine neue Familiengemeinschaft gründen zu wollen (Urteil 2C_71/2016 vom 14. November 2016 E. 3.5-3.7).