Citation: 1P.474/2004 03.12.2004 E. 4

Schliesslich kritisiert der Beschwerdeführer die Schlussfolgerungen, welche das Appellationsgericht aufgrund des rechtsmedizinischen Gutachtens vom 24. Dezember 2002 zur Altersbestimmung von Y.________ gezogen hat. 4.1 Nach seinem Dafürhalten stellte das Gutachten lediglich fest, der Junge sei im August 2002 mit grosser Wahrscheinlichkeit noch keine 16 Jahre alt gewesen. Im Gutachten werde auf ein Alter zwischen 12.25 und 16.75 Jahren hingewiesen. Der Gutachter hätte zu diesem Ergebnis befragt werden müssen, damit er entweder letzte Zweifel ausräumen könne oder zugeben müsse, dass eine genügende Wahrscheinlichkeit bestanden habe, der Junge sei zum Tatzeitpunkt älter als 16 Jahre alt gewesen. 4.2 Das Appellationsgericht berief sich für die Altersfeststellung auf das erwähnte Gutachten und sah keinen Grund, an der Richtigkeit des Ergebnisses zu zweifeln. Nach der Ansicht des Gerichtes bestätige das Gutachten vielmehr, dass das im Ausweis des Jungen aufgeführte Geburtsdatum des 1. Januar 1987 mit grosser Wahrscheinlichkeit richtig sei. Das Strafgericht habe daher zu Recht erkannt, dass der Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB (sexuelle Handlungen mit Kindern unter 16 Jahren) in objektiver Hinsicht erfüllt sei. 4.3 Der Beschwerdeführer wendet sich vorliegend nicht gegen die sexuellen Handlungen als solche, sondern gegen die Feststellung, der Junge sei im August 2002 jünger als 16 Jahre alt gewesen. Das rechtsmedizinische Gutachten zur Altersbestimmung stützte sich auf drei verschiedene Untersuchungsmethoden ab. Erstens wurde eine körperliche Untersuchung vorgenommen. Diese kam zum Ergebnis, dass der Junge zum Zeitpunkt dieser Untersuchung (10. Dezember 2002) älter als 13.8, höchstwahrscheinlich aber jünger als 16 Jahre war. Das zahnärztliche Gutachten kam, zweitens, zum Schluss, das Alter im Untersuchungszeitpunkt am 6. Dezember 2002 sei auf 16 Jahre, plus minus drei Monate, zu schätzen. Die radiologische Beurteilung des Handröntgenbildes brachte als dritte Untersuchung ein Knochenalter von 14-15 Jahren, plus minus 21 Monate, hervor. Zusammenfassend folgerten die Experten, der Untersuchte sei im Dezember 2002 "höchstens um die 16 Jahre alt" gewesen, "wahrscheinlich aber jünger". Daraus schlossen sie, im August 2002 habe das Alter von Y.________ "mit grosser Wahrscheinlichkeit weniger als 16 Jahre" betragen. 4.4 Wie bereits ausgeführt reicht blosse Wahrscheinlichkeit für die richterliche Überzeugung im Rahmen der Unschuldsvermutung und insbesondere des Grundsatzes "in dubio pro reo" gemäss Art. 32 Abs. 1 BV für eine Verurteilung nicht aus. Wenn nun aber das Gutachten allein von "grosser Wahrscheinlichkeit" spricht, so ist nicht mit genügender Sicherheit auszuschliessen, dass der Junge im August 2002 bereits älter als 16 Jahre war. Die körperliche Untersuchung ging von einer Bandbreite von 13.8 bis "höchstwahrscheinlich" jünger als 16 Jahre aus, die radiologische Beurteilung der Hand ergab ein "Knochenalter 14/15 Jahre (+/- 21 Monate)", d. h. möglicherweise auch von fast 17 Jahren, die Analyse der Zähne vermochte das Alter mit "16 Jahre (+/- 3 Monate)" am weitesten einzugrenzen, liess aber nach wie vor einen 16ten Geburtstag zwischen dem 6. September 2002 und dem 6. März 2003 als möglich erscheinen (Geburtsdatum zwischen dem 6. September 1986 und dem 6. März 1987), also unter Umständen wenige Tage nach den vorgeworfenen Handlungen zwischen dem 9. August 2002 und dem 20. bzw. 26. August 2002, dabei handelte es sich ausdrücklich um eine Schätzung. Angesichts der Altersspannweite, die das Gutachten gesamthaft, aber auch jede Untersuchungsmethode für sich genommen, letztlich nach wie vor lassen, kann dieses nicht als genügenden Beweis für das Alter von Y.________ betrachtet werden, d. h. dafür, dass er im August 2002 jünger als 16 Jahre gewesen sei. Das Appellationsgericht selber kommt denn auch allein zum Schluss, dass das Geburtsdatum vom 1. Januar 1987 im Ausweis "mit grosser Wahrscheinlichkeit" richtig sei, was, wie dargelegt, nicht ausreicht. Letztlich bleiben offenkundig erhebliche Zweifel daran bestehen und damit an der Schuld des Beschwerdeführers, soweit für die einzelnen Schuldsprüche die Altersgrenze von 16 Jahren massgebend war. Eine Verurteilung trotz erheblichen und nicht zu unterdrückenden Zweifeln verletzt aber den aus der Unschuldsvermutung abgeleiteten Grundsatz "in dubio pro reo".