Citation: 6B_161/2016 E. 1.4.2

1.4.2. Auch in rechtlicher Hinsicht verstösst der angefochtene Entscheid gegen Bundesrecht. Selbst wenn man mit der Vorinstanz davon ausgeht, dass Kopfstösse generell abstrakt geeignet sind, schwere Körperverletzungen im Sinne von Art. 122 StGB zu verursachen, erlaubt dies vorliegend nicht den Schluss, der Beschwerdeführer habe (eventual-) vorsätzlich hinsichtlich einer schweren Körperverletzung gehandelt. Der Gesetzgeber hat im Rahmen der Revision der Körperverletzungsdelikte durch das Bundesgesetz vom 23. Juni 1989 (in Kraft seit 1. Januar 1990; AS 1989 2449 2456) die sogenannten erfolgsqualifizierten Delikte (Art. 122 Ziff. 2, Art. 123 Ziff. 2 und 3 sowie Art. 124 aStGB) ersatzlos gestrichen mit der Begründung, die erhebliche Strafschärfung bei Eintritt einer schweren Folge komme einer Erfolgshaftung gleich, die den Grundsätzen des Schuldstrafrechts widerspreche. Richte der Täter seinen Vorsatz allein auf die Körperverletzung und wolle keinen anderen Erfolg, dann sei der Erfolg - soweit voraussehbar - lediglich fahrlässig verursacht. Wo der Vorsatz für eine Tat nicht nachgewiesen werden könne, bleibe der Täter allenfalls wegen fahrlässiger Begehung strafbar. Bei Beweisschwierigkeiten dürften nicht Tatbestände mit leicht gemilderten Strafdrohungen in die Lücke springen, die auf blossen Vorsatzvermutungen beruhen, denn zwischen Fahrlässigkeit und (Eventual) -Vorsatz gebe es keine weitere Schuldform (Botschaft über die Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches - Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben etc. vom 26. Juni 1985, BBl 1985 II S. 1027 ff.; vgl. auch: BGE 134 IV 29 E. 4.1 mit Hinweisen). Bezieht sich der Vorsatz des Täters nicht auf die schwere Schädigung, kommt selbst bei vorsätzlicher Begehung des Grunddelikts der einfachen Körperverletzung lediglich Fahrlässigkeit hinsichtlich der schweren Verletzung in Betracht (vgl. 6B_633/2015 vom 12. Januar 2016 E. 1.4.2; Art. 125 Abs. 2 StGB; ROTH/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 2. Aufl. 2013, N. 40 zu Art. 123 StGB). Dass eine Tathandlung abstrakt geeignet ist, eine schwere Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB herbeizuführen, genügt für sich nicht ohne Weiteres, um (Eventual-) Vorsatz des Täters hinsichtlich einer der in Art. 122 StGB beschriebenen Folgen anzunehmen. Dies ergibt sich bereits aus dem Tatbestand der qualifiziert einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB, der gerade der besonderen Gefährlichkeit der Tathandlung Rechnung trägt. Die Körperverletzung muss mit einem Tatmittel (Gift, Waffe oder ein gefährlicher Gegenstand) verübt werden, das ein hohes Risiko einer schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB bewirkt (vgl. BGE 111 IV 123 E. 4; Urteile 6B_1174/2014 vom 21. April 2015 E. 1.3.2; 6B_590/2014 vom 12. März 2015 E. 1.3; ROTH/BERKEMEIER, a.a.O., N. 11 zu Art. 123 StGB). Gelten jedoch Körperteile wie Arme und Beine oder Schultern nach einhelliger Auffassung nicht als als gefährliches Werkzeug i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB (vgl. ROTH/BERKEMEIER, a.a.O., N. 22 zu Art. 123 StGB mit Hinweisen), müssen bei abstrakt lebensgefährlichen Tathandlungen ohne Tatwerkzeuge weitere Umstände hinzutreten, die im konkreten Fall auf den Eintritt und die Inkaufnahme einer schweren Verletzung i.S.v. Art 122 StGB schliessen lassen. Derartige Umstände zeigt die Vorinstanz nicht auf und können vorliegend weder aufgrund des Kopfstosses als Tathandlung noch dem Verletzungsbild angenommen werden. Dass der Beschwerdeführer in Bezug auf eine nach dem Allgemeinverständnis "schwere" Beeinträchtigung der körperlichen Integrität (z.B. Nasenbeinbruch, "Kopfverletzung") eventualvorsätzlich handelte, lässt vorliegend nicht den Schluss zu, dass er eine lebensgefährliche Verletzung oder eine andere schwere Schädigung von A.________ i.S.v. Art. 122 StGB für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hat, da als schwere Körperverletzungen nur ganz erhebliche Beeinträchtigungen gelten, deren Eintritt und damit Inkaufnahme nicht leichthin angenommen werden kann.