Citation: 6B_315/2020 E. 6.3.3

6.3.3. Die vorinstanzlichen Erwägungen betreffend Sorgfaltspflichtverletzung erweisen sich als teilweise widersprüchlich und unklar. So geht die Vorinstanz ausdrücklich davon aus, dass sich der Kranführer, d.h. der Beschwerdeführer, vom Gruppenchef, Polier oder wie vorliegend vom Verantwortlichen des Unternehmens, das sich einen Kran ausleiht, die Anweisungen zum Transport der Last geben lässt. Gemäss ihren Erwägungen erachtet sie das arbeitsteilige Vorgehen zwischen C.________ und dem Beschwerdeführer als üblich sowie zulässig. Denn die Vorinstanz legt dar, I.________ und K.________ hätten mehrfach betont, dass der Chef (der Gruppenführer) die Kommandos erteile und die Kranführer für das sichere Abstellen der Ladung keine Verantwortung tragen würden. Diesen Ablauf habe auch der Sachverständige, L.________, im Wesentlichen insofern bestätigt, als es bei einer Kranausleihe drei "Player" gebe, den Drittunternehmer, den Anweiser, der die Kommandos gebe, und der Kranführer (Urteil S. 35 E. 7.10.5; vorinstanzliche Akten amtl. Bel. 53 Ziff. 6, 10 und 17). Somit steht die vorinstanzliche Beweiswürdigung entgegen der Meinung des Beschwerdeführers grundsätzlich nicht im Widerspruch zu den Ausführungen des Sachverständigen und denjenigen von K.________ sowie I.________. Die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers gehen folglich an der Sache vorbei (vgl. E. 5.4.3). Angesichts dieser Erwägung der Vorinstanz sollte aber auch darauf geschlossen werden können, dass diese damit den mehrfachen Erklärungen des Sachverständigen folgt. Anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung führte L.________ zusammengefasst nämlich weiter aus, der Einweiser sei dafür verantwortlich, dass er die Last am Kran richtig anhänge und dann richtig wieder abhänge. Der Kranführer sei dafür verantwortlich, dass er die Last nach dem Anheben ohne Kollision und ohne Probleme zum Bestimmungsort befördere, der ihm vom Anweiser vorgegeben werde, und dort abstelle (vorinstanzliche Akten amtl. Bel. 53 Ziff. 6). Weiter erörterte der Experte, der Auftraggeber (hier C.________) sage dem Kranführer bezüglich Absenken, Aufnehmen und auch Lösen des Gehänges, was er machen müsse. Der Kranführer sei vielleicht 20-40 Meter in der Höhe in der Kabine, dann müsse er jemanden haben, der es unten mache und die Verantwortung trage. Im Prinzip sei es egal, wo der Kranführer stehe. Der Auftraggeber C.________ sage, was er mit dem Kran machen müsse, von A nach B, und wo er abstelle. Dann sage er, er könne das Gehänge ablösen. Die Kranführer seien nicht dafür verantwortlich, dass das Element sicher stehen müsse. Seine Meinung sei nicht gefragt, wenn er sehe, dass ein Element umfalle. Es sei das Fachwissen desjenigen gefragt, der abhänge. Das wisse der Kranführer nicht, wenn Herr C.________ sage, dass das Element sicher stehe. Es sei möglich, dass ein Kranführer in der Schulung gehört habe, dass es A-Böcke zur Sicherung von Lasten gebe. Er sei aber nicht dafür verantwortlich (Urteil S. 25 E. 7.5; vorinstanzliche Akten amtl. Bel. 53 Ziff. 16 f. und Ziff. 30 ff.). Allerdings erwägt die Vorinstanz zudem, der Hebevorgang sei erst abgeschlossen, wenn das Bauteil vom Kran abgehängt sei, weshalb die Sicherung des Ladeguts nach dem Abstellen und noch vor dem Abhängen in den Zuständigkeitsbereich des Kranführers falle (Urteil S. 39 f. E. 8.2.2.2). Hierzu ist indessen anzumerken, dass der Umstand, dass der Hebevorgang erst abgeschlossen ist, wenn die zu transportierende Last vom Kran abgehängt worden ist, im Lichte der eindeutigen Angaben des Sachverständigen und der Zeugen nicht bedeuten muss, dass der Kranführer deshalb ausnahmslos auch für die Sicherung des Ladeguts nach dessen Abstellen verantwortlich ist. Sodann hält die Vorinstanz fest, Usanzen im Baugewerbe über die Regelung allfälliger zivilrechtlicher Haftbarkeit seien unbeachtlich (Urteil S. 39 E. 8.2.2.2). Diese Argumentation greift zu kurz. In dieser Absolutheit erweist sich die vorinstanzliche Erwägung als unzutreffend. Wie bereits dargelegt, ist es für die Frage, ob und inwiefern eine Person für die Missachtung von Vorschriften auf einer Baustelle strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen ist, in jedem Einzelfall abzuklären, wie weit der Aufgabenkreis und somit der Verantwortungsbereich der Beteiligten reichen. Da sich dies aufgrund gesetzlicher Vorschriften, vertraglicher Abmachungen oder der ausgeübten Funktionen sowie nach den jeweiligen konkreten Umständen bestimmt (E. 6.3), sind die Usanzen auf dem Baugewerbe sehr wohl zu beachten und können sogar massgebend sein, auch wenn sie "lediglich" eine allfällige zivilrechtliche Verantwortlichkeit regeln. Im Ergebnis verletzt die Vorinstanz jedoch kein Bundesrecht, wenn sie vorliegend die Verletzung der Regeln der Baukunde durch den Beschwerdeführer bejaht. Sie erwägt in diesem Zusammenhang zutreffend, dass das arbeitsteilige Vorgehen zwischen ihm als Kranführer und C.________ als Gruppenleiter sowie Anweiser unter den gegebenen Umständen Ersteren nicht zu entlasten vermag. Selbst wenn die Verantwortung für die Sicherung des Ladeguts nach dem Abstellen hauptsächlich oder gänzlich C.________ oblag, traf den Beschwerdeführer gleichwohl die Pflicht zur Einhaltung der Regeln der Baukunde. Er muss bei seiner Tätigkeit als Kranführer die allgemein anerkannten Sicherheitsregeln berücksichtigen und hat allfällig festgestellte Mängel, welche die Arbeitssicherheit beeinträchtigen, sogleich zu beseitigen (vgl. Art. 11 VUV). Nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz konnte der Beschwerdeführer von seiner erhöhten Position aus die Dimensionen des Betonelements (8.86 m lang, 2.31 m hoch und bloss 20 cm dick) wahrnehmen. Ferner konnte er sehen, dass das Element auf der 20 cm breiten Längsseite aufrecht stehend und lediglich mittels einer Hebebühne gesichert abgestellt werden sollte. Entgegen seiner Behauptung lag keine Situation vor, in der er (vollständig) auf die Kommandos von C.________ angewiesen gewesen wäre (Beschwerde S. 11 Ziff. 4.1.1 und S. 13 Ziff. 4.1.4). Vorliegend waren das Umkippen dieses 10 Tonnen schweren Betonelements und die damit geschaffene Gefahrenlage so offensichtlich, dass sie auch der Beschwerdeführer erkannt haben muss. Indem er es trotz des von ihm festgestellten "Mangels", der die Arbeitssicherheit beeinträchtigt, unterliess, gebotene Schutzmassnahmen zu dessen Beseitigung vorzunehmen oder zu veranlassen, hat er nicht die anerkannten Regeln der Baukunde beachtet. Es bestanden augenfällig konkrete Anzeichen dafür, dass der Beschwerdeführer nicht auf die Sorgfalt von C.________ vertrauen konnte, trotzdem folgte er ohne Weiteres dessen Anweisungen.