Citation: 2P.280/2001 30.04.2002 E. 3

3.1 Keiner Erörterung bedarf die Frage, ob die Y.________ AG, die Darlehensnehmerin, eine der Beschwerdeführerin nahe stehende Dritte war. Es handelte sich dabei um eine Gesellschaft, deren Aktienkapital die Beschwerdeführerin zu 100 % besass. Damit beruft sie sich übrigens zu Unrecht darauf, dass sie - sofern bei ihr die übrigen Voraussetzungen für eine Besteuerung gegeben wären - Empfängerin von bloss der Hälfte der geldwerten Leistung gewesen sei (Beschwerdeschrift S. 6 Ziff. 7); indem sie alleinige Inhaberin der Darlehensnehmerin war, floss ihr die in der Gewährung und anschliessenden Abschreibung des Darlehens bestehende Leistung vollumfänglich zu. Vor Bundesgericht zu Recht nicht mehr bestritten wird sodann von der Beschwerdeführerin, dass sie eine besondere Einflussmöglichkeit auf die Geschäftsgestaltung der X.________ AG hat bzw. hatte (vgl. hierzu die zutreffenden Ausführungen in angefochtenen Entscheid, E. 3b S. 7 f.). Eine derartige beherrschende Stellung kann, im Zusammenhang mit weiteren Kriterien, ein Indiz dafür sein, dass es sich bei der Leistung an den nahe stehenden Dritten letztlich um eine geldwerte Vorteilszuwendung an den Aktionär im Sinne von Art. 20 Abs. 1 lit. c DBG handelt (vgl. Gehrig, a.a.O., S. 53; s. zum Beispiel Konstellation im Urteil 2A.552/1998 vom 21. September 1999, RDAT 2000 I N.13t S. 653, E. 2c). 3.2 In der Beschwerde wird jedoch bestritten, dass das Darlehensgeschäft zwischen der X.________ AG und der Y.________ AG nur wegen der Aktionäreigenschaft (bzw. wegen der beherrschenden Stellung) der Beschwerdeführerin bei der X.________ AG zustande gekommen bzw. in dieser Form (vollständige Abschreibung) abgewickelt worden sei. Ferner wird geltend gemacht, dass jedenfalls eine Besteuerung in der Veranlagungsperiode 1997/98 (Bemessungsjahre 1995 und 1996) unzulässig sei, weil der Vermögenszufluss im Zeitpunkt der Darlehensgewährung (September 1994) erfolgt sei und damit in der vorausgehenden Veranlagungsperiode hätte erfasst werden müssen, sofern ein solcher der Beschwerdeführerin steuerrechtlich überhaupt zugerechnet werden könne. 3.2.1 Ob die Darlehensgewährung insgesamt geschäftsmässig begründet war, bestimmt sich, wie vorne dargelegt (E. 2.2.), aufgrund eines Drittvergleichs, wobei die Umstände des Geschäfts in ihrer Gesamtheit zu berücksichtigen sind. Als Kriterien, die dafür sprechen, dass ein Dritter das Darlehen nicht gewährt hätte, fallen unter anderem in Betracht: Höhe der Darlehenssumme im Verhältnis zu den eigenen Mitteln der Darlehensnehmerin, Darlehenszinsen werden nicht bezahlt bzw. jeweilen zum Kapital geschlagen, Gewährung (bzw. die Verwendung) des Darlehens steht mit dem statutarischen Zweck der darlehensgebenden Gesellschaft in keinerlei Zusammenhang, fehlende Bonität der Schuldnerin, Fehlen von Sicherheiten und von Bestimmungen über die Rückzahlung des Darlehens, tatsächlich fehlende Rückzahlung (angefochtener Entscheid S. 5, mit Hinweisen; s. André Rouiller, Geldwerte Leistungen in Form von Aktionärsdarlehen, in ASA 55 3, S. 8 f.). Der Y.________ AG wurden nebst demjenigen von der X.________ AG auch weitere Darlehen gewährt. Insbesondere bestand einerseits ein Darlehen der Beschwerdeführerin von Fr. 400'000.--, und daneben erhielt die Y.________ AG ein Bankdarlehen von Fr. 650'000.--. In der Folge entrichtete die Y.________ AG den mit der X.________ AG vereinbarten Zins nicht, vielmehr wurde die Zinsforderung zur ursprünglichen Darlehensforderung geschlagen. Per Ende 1996 musste das Anlagevermögen massiv herabgesetzt werden. Für das (nur unwesentlich - vermutlich durch Rückzahlungen, näheres ergibt sich aus den Darstellungen in den Rechtsschriften nicht - verminderte) Bankdarlehen (per Ende 1996 noch Fr. 585'000.--) blieb allein deshalb genügend Deckung, weil die Darlehen sowohl der Beschwerdeführerin als auch der X.________ AG auf Null abgeschrieben wurden. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Y.________ AG angesichts der finanziellen Verhältnisse (Eigenkapital von Fr. 150'000.--, erheblicher Fremdfinanzierungsbedarf) das für die Aufnahme ihres Betriebs erforderliche Bankdarlehen von Fr. 650'000.-- nur darum aufnehmen konnte, weil Fremdkapital zusätzlich von anderer Seite, insbesondere auch von der X.________ AG, zur Verfügung gestellt wurde. Dass das Darlehen von letzterer erwirkt werden konnte, ist offensichtlich darauf zurückzuführen, dass die Beschwerdeführerin massgeblich Einfluss auf deren Geschäftstätigkeit hatte, dies umso mehr, als ein Zusammenhang zwischen Darlehensgewährung und Geschäftszweck der X.________ AG nicht ersichtlich ist. Die Bonität der Darlehensnehmerin wurde insofern durch das Zusammenwirken der X.________ AG mit der Beschwerdeführerin gewährleistet. Diese Umstände reichen indessen zur Annahme einer Darlehenssimulation nicht aus. Dagegen spricht vor allem die Gewährung des Bankdarlehens. Und es kann der Beschwerdeführerin nicht unterstellt werden, sie habe bereits zum Zeitpunkt der Gründung der Y.________ AG vorausgesehen, dass deren Geschäftsgang eine Abschreibung des Darlehens würde erforderlich werden lassen; eine derartige Entwicklung konnte für sie schon darum nicht wünschbar sein, weil sie selber ein Darlehen in der Höhe von Fr. 400'000.-- zur Verfügung gestellt hatte. Für den Zeitpunkt der Darlehensgründung ist jedenfalls (noch) kein genügend nachvollziehbarer Beweggrund der Beschwerdeführerin ersichtlich, darauf hinzuwirken, dass die X.________ AG auf die Darlehensforderung verzichten sollte. Die kantonalen Behörden, definitiv auch das Verwaltungsgericht, haben, anders als die Beschwerdeführerin dies darzustellen versucht, die These der Simulation schliesslich fallen gelassen. Die erwähnten Umstände der Darlehensgewährung sind jedoch bei der Beurteilung der weiteren Entwicklung zu berücksichtigen. Obschon die Y.________ AG schon bald nach der Betriebsaufnahme in Schwierigkeiten geriet, verzichtete die X.________ AG auf jede Art von Sicherstellung; sie liess vielmehr sogar die Zinsforderung stehen. Um die Darlehensnehmerin wieder ins finanzielle Gleichgewicht zu bringen, akzeptierte sie schliesslich, in Abstimmung mit der Beschwerdeführerin, eine vollständige Abschreibung der Darlehensforderung. Wie dies die Eidgenössische Steuerverwaltung in ihrer Vernehmlassung zutreffend ausdrückt, hat sie dadurch zusammen mit der Beschwerdeführerin die Darlehensnehmerin saniert. Während dies für die Beschwerdeführerin als Alleinaktionärin der Darlehensschuldnerin nahe lag, gab es für sie selber keinen nachvollziehbaren Grund für eine derartige Handlungsweise. Als an der Y.________ AG nicht beteiligte Gesellschaft hatte die X.________ AG ebenso wenig Anlass für einen vollständigen Forderungsverzicht wie die Bank, deren Darlehensforderung durch ihr Zusammenwirken mit der Beschwerdeführerin vollständige Deckung erhielt. Selbst wenn das Festhalten an der Darlehensforderung zum Konkurs der Y.________ AG geführt hätte, hätte sie jedenfalls eine selbst in Berücksichtigung der Konkurskosten nicht völlig zu vernachlässigende Konkursdividende erzielen können; warum eine nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführte Gesellschaft ihre Forderung vollumfänglich abschreiben sollte, um das Weiterbestehen der Darlehensschuldnerin zu ermöglichen und dadurch den Bestand der Forderung einer anderen Darlehensgläubigerin in vollem Umfang zu garantieren, ist nicht nachvollziehbar. Die Abschreibung des Darlehens erfolgte somit ausschliesslich im Interesse der der Beschwerdeführerin gehörenden Darlehensschuldnerin, mithin im Interesse der Beschwerdeführerin. Sämtliche Voraussetzungen dafür, die abgeschriebene Forderung in vollem Umfang ihr als Einkommen gemäss Art. 20 Abs. 1 lit. c DBG aufzurechnen, sind erfüllt. 3.2.2 Da der Darlehensvertrag zum Zeitpunkt seiner Begründung nicht simuliert war, erübrigen sich Erwägungen darüber, ob im Falle der Simulation eines Darlehens zwischen zwei Gesellschaften, die von der gleichen Person gehalten bzw. beherrscht werden, die Aufrechnung beim Beteiligungsinhaber zwingend auf den Zeitpunkt der Darlehensgewährung hin vorzunehmen wäre (vgl. ASA 53 54, E. 8, S. 64 f.); die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführerin stossen ins Leere. Vorliegend sind die massgeblichen Vorgänge in der Sanierung der Darlehensnehmerin zu erblicken, welche erst durch die Abschreibung der Darlehensforderung bewirkt wurde. Der Beschwerdeführerin ist damit eine auf ihre Eigenschaft als Beteiligungsinhaberin zurückzuführende Leistung - selbst aus ihrer Sicht bzw. nach ihrem in dem Sinn zu Tage tretenden eindeutigen Willen (vgl. Reich, a.a.O., N. 48 zu Art. 20) - definitiv erst gegen Ende des Jahres 1996 zugeflossen. Es ist nicht nur nahe liegend, sondern erscheint vielmehr geboten, für die steuerrechtliche zeitliche Zuordnung auf den Zeitpunkt der Abschreibung des Aktivpostens in der Bilanz der X.________ AG abzustellen (StE 2001 B 24.4 Nr. 58, E. 3f.; vgl. ASA 66 554, E. 5d, S. 562). Was die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang aus dem Umstand ableiten will, dass die Steuerbehörden schon zum Zeitpunkt, als sie die X.________ AG für die Steuerjahre 1995 und 1996 (Bemessungsjahr unter anderem 1994) veranlagten, von der Abschreibung des Darlehens Kenntnis gehabt hätten (Beschwerdeschrift Ziff. 6 S. 5 f.), ist unerfindlich. Abgesehen davon, dass sie dabei - zu Unrecht - davon ausgeht, der Besteuerung liege die Annahme einer Simulation zugrunde, ist nicht entscheidend, was die Steuerbehörden mehrere Jahre nach den tatsächlichen Vorgängen wussten. Vielmehr kommt es, wie dargelegt, darauf an, ab welchem Zeitpunkt die an der Geschäftsabwicklung Beteiligten, vorab die Beschwerdeführerin selber, den Zufluss der Leistung bewusst und definitiv bewirkt haben. Die Erfassung des fraglichen Vermögenszuflusses in der Veranlagungsperiode 1997/98 ist nicht zu beanstanden. 3.3 Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde erweist sich damit in jeder Hinsicht als unbegründet.