Citation: 6B_1246/2023 E. 2.4.4

2.4.4. Im Ergebnis folgt die Vorinstanz nach dem Gesagten weder dem Erstgutachten (Annahme einer in relevantem Ausmass verminderten Steuerungsfähigkeit, welche vereinbar ist mit einer mittelgradigen Minderung der Schuldfähigkeit) noch dem Zweitgutachten (vollständig erhaltene Steuerungsfähigkeit). Dem Einwand des Beschwerdeführers, bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit handle es sich um eine für die Strafzumessung absolut zentrale Frage, ist zuzustimmen. Die Einschätzung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit setzt im vorliegenden Fall besonderes fachärztliches Sachwissen voraus, um die Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit zuverlässig zu beurteilen. Gerade deshalb wurden vorliegend auch zwei forensisch-psychiatrische Gutachten in Auftrag gegeben. Mit ihrem Vorgehen setzt sich die Vorinstanz jedoch über die gutachterlichen Schlussfolgerungen, insbesondere bezüglich der Steuerungsfähigkeit, hinweg und stellt ihr eigenes Wissen an die Stelle desjenigen der sachverständigen Personen. Zwar nimmt sie eine umfassende Würdigung der beiden Gutachten vor. Sie vermischt in der Folge jedoch die wesentlichen Erkenntnisse der beiden Gutachten in unzulässiger Weise, zieht einzelne Feststellungen aus den beiden Gutachten heraus und kommt schliesslich - sozusagen im Sinne eines eigenen "Obergutachtens" - zu einer dritten, von beiden Gutachten im Ergebnis abweichenden Feststellung bezüglich der Steuerungsfähigkeit, obwohl es sich dabei um eine Fachfrage handelt. Indem die Vorinstanz die beiden Gutachten einerseits als schlüssig bezeichnet und auf weitere Beweiserhebungen verzichtet bzw. den Antrag des Beschwerdeführers auf Einholung eines Obergutachtens abweist, andererseits in wesentlichen Punkten bzw. im Ergebnis von beiden Gutachten abweicht, verfällt sie in Willkür und verletzt Art. 189 StPO.