Citation: 5A_451/2022 E. 4.1

4.1. Nach Dafürhalten des Obergerichts bedeutet "freistehend" nach dem auch hier massgebenden allgemeinen Sprachgebrauch, dass ein Haus nicht mit einem Nachbarhaus zusammengebaut oder verbunden ist. Der geplante Neubau bestehe aus zwei zusammengebauten Häusern, die baulich-funktional getrennt und axialsymmetrisch gespiegelt seien. Beide Häuser mit (später) je eigener Hausnummer verfügten über die für ein Einzelhaus erforderliche Infrastruktur und bildeten je für sich eine geschlossene Einheit. Es handle sich um ein zusammengebautes Doppelhaus, in dem später zwei Familien beherbergt werden dürften. Der Neubau bilde indes eine optisch-architektonische Einheit bzw. ein organisches Ganzes und erscheine in der Gestalt eines (freistehenden) Einzelhauses, von dem er sich nicht unterscheide. Es sei von aussen nicht erkennbar, ob die Trennung der Wohneinheiten horizontal oder vertikal erfolge. Als Einzelhaus könnte das Projekt in gleichem Ausmass und bei gleicher Gestaltung auch dann gebaut werden, wenn die Wohneinheiten horizontal angeordnet wären. Bei objektiver Betrachtung bestehe kein schützenswertes Interesse der berechtigten Grundstücke an einer horizontalen anstelle einer vertikalen Gliederung des Hauses: Das projektierte Gebäude passe sich vorteilhaft in die landschaftliche Umgebung ein und Nutzungsintensität sowie Immissionen würden sich nicht danach unterscheiden, ob zwei Familien über- oder nebeneinander wohnten. Dies gelte auch für den Garten. Zwar könne sich dessen Aufteilung auf die Bewirtschaftung auswirken. Die Dienstbarkeit enthalte aber keine Vorschriften hinsichtlich einer einheitlichen Gartengestaltung. Auf keinen Fall verhindert werden könne sodann eine Parzellierung des Grundstückes, die bereits heute möglich, indes nicht geplant sei. Der Dienstbarkeitszweck werde eingehalten. Dieser bestehe in der Sicherstellung einer lockeren, einheitlichen und gehobenen und sich vorteilhaft in die Landschaft einpassenden Überbauung des Quartiers. Insbesondere sollten keine Mehrfamilienhäuser oder Wohnblöcke errichtet werden. Der so ermittelte Dienstbarkeitszweck sei im Verhältnis zu Eigentümern massgebend, die wie hier das dingliche Recht im Vertrauen auf das Grundbuch erworben haben. Auf die subjektiven Vorstellungen der Beschwerdeführer komme es nicht an.