Citation: 9C_304/2021 E. 5.1

5.1. Zu prüfen ist somit nachstehend, ob es sich als bundesrechtswidrig erweist, dass das kantonale Gericht diese leistungsablehnende Verfügung - mit Blick auf die im Verfügungszeitpunkt vorliegende Aktenlage und die damals geltende Rechtslage - nicht als offensichtlich unhaltbar qualifizierte. Zwar hat eine IV-Stelle rechtsprechungsgemäss auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4). Dies ändert aber nichts daran, dass hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes entscheidend ist, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Diese Grundsätze gelten auch und besonders dann, wenn eine PTBS diagnostiziert ist. Im Rahmen der von der rechtsanwendenden Behörde vorzunehmenden Überprüfung, ob klassifikatorischen Vorgaben (gemäss ICD-10 oder einem anderen anerkannten Klassifikationssystem) tatsächlich eingehalten sind, kommt bei diesem Leiden der Frage, ob das auslösende Ereignis als geeigneter Stressor im Sinne der einschlägigen klassifikatorischen Vorgaben gemäss ICD-10 F43.1 betrachtet werden kann, besondere Bedeutung zu (vgl. Urteil 9C_289/2017 vom 4. September 2017 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im Lichte dieser im Verfügungszeitpunkt geltenden Rechtsprechung erscheint der Schluss der IV-Stelle, es sei bei unbekannt gebliebenem auslösenden Trauma, die Diagnose einer (komplexen) PTBS nicht hinreichend nachvollziehbar begründet, nicht als offensichtlich unhaltbar.