Citation: U 56/06 24.08.2007 E. 6.2

6.2.1 Der Unfall vom 7. Oktober 2000 - derjenige vom 29. Oktober 2000 hatte nur zu einer vorübergehenden, zum 18. Dezember 2000 bereits wieder auf den Vorzustand abgeheilten Verschlimmerung geführt (E. 4 i.f. hievor) - ereignete sich weder unter dramatischen Begleitumständen noch ist er als besonders eindrücklich zu bezeichnen. 6.2.2 Was sodann das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen anbelangt, vermag die Diagnose eines Schleudertraumas dieses für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände (wie etwa eine ungünstige Körperhaltung; vgl. RKUV 1998 Nr. U 297 S. 245 E. 3c, U 16/97), welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 348/03 vom 7. Juli 2004, E. 4.2 mit Hinweis). Entgegen später davon abweichenden Behauptungen (vgl. z.B. die Anamnese gemäss Bericht der Klinik X.________ vom 8. Juli 2004) ist gestützt auf die Unfallmeldung UVG vom 18. Oktober 2000, die Schadenmeldung vom 20. Oktober 2000 an die Basler Versicherungen sowie die Beschreibung des Unfallherganges der Versicherten vom 7. November 2000 nach der Beweismaxime der "Aussage der ersten Stunde" (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47, RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546 ff. E. 3.3.4 [U 236/03], je mit Hinweisen) davon auszugehen, dass die Versicherte bei der Auffahrkollision vom 7. Oktober 2000 in ihrem still stehenden Wagen am Steuer mit Blickrichtung nach vorne sass, auf einen frei werdenden Parkplatz wartete und von dem von rechts hinten herannahenden Fahrzeug sowie von der folgenden Kollision am Heck ihres Fahrzeuges überrascht wurde. Die Polizei wurde nicht an den Unfallort beigezogen und ein Unfallprotokoll nicht erstellt. Die ersten medizinischen Berichte nach dem Unfall enthalten keinerlei Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin bereits unmittelbar nach dem Ereignis irgend eine Beeinträchtigung ihrer Gesundheit wahrgenommen hätte. Erst nach Arbeitsbeginn im Spital C.________ - etwa 40 Minuten nach dem Unfall vom 7. Oktober 2000 (06.50 Uhr) - traten Kopf- und Nackenschmerzen verbunden mit Übelkeit auf. Eine befreundete Krankenschwester riet der Versicherten daraufhin, "sich auf dem Notfall des Spitals vorzustellen" (Bericht der Klinik X.________ vom 8. Juli 2004, S. 2), wo röntgenologisch ossäre Läsionen ausgeschlossen werden konnten. Der behandelnde Hausarzt befürwortete mit Bericht vom 18. Januar 2001 die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit als Raumpflegerin bei voller Arbeitsfähigkeit ab 15. Januar 2001 und prognostizierte den Heilbehandlungsabschluss auf Ende Januar 2001. Am 6. März 2001 berichtete er über einen wechselhaften Verlauf der Beschwerden mit insgesamt aber doch subjektiver und objektiver Besserung. Nebst ambulanter Physiotherapie erfolgten noch ein bis zwei Arztbesuche pro Monat. Der Hausarzt ging nunmehr von einem Heilbehandlungsabschluss etwa Ende April 2001 aus. Während der Neurologe Dr. med. W.________ anlässlich der spezialärztlichen Untersuchung vom 21. März 2002 ausschliesslich normale Befunde erhob und keinerlei Anzeichen eines organischen Leidens fand, wies der Kreisarzt-Stellvertreter Dr. med. A.________ am 4. November 2002 auf eine recht gute Beweglichkeit der HWS hin, erwähnte eine klopfdolente untere HWS und obere BWS sowie palpable Myogelosen am oberen Trapeziusrand mit Ausstrahlungen in beide Schulterbereiche, verneinte jedoch periphere Sensibilitätsstörungen. Diese Beschwerden, wofür auch Dr. med. A.________ kein organisches Substrat im Sinne einer strukturellen Veränderungen zu finden vermochte, hielten belastungsabhängig bis zur kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 18. Februar 2003 an. Zudem berichtete der Kreisarzt-Stellvertreter am 4. November 2002, dass es zwischenzeitlich mit der eingetretenen Schwangerschaft (die Geburt des zweiten Kindes erfolgte im Oktober 2002) "zu einer deutlichen Linderung der HWS-Beschwerden" gekommen sei. Der Unfall vom 7. Oktober 2000 hatte somit keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Daran ändert nichts, dass Dr. med. A.________ anlässlich der Abschlussuntersuchung vom 18. Februar 2003 die Einbusse der gesundheitlichen Unversehrtheit unter Berücksichtigung der persistierenden Beschwerden im Bereich der HWS und des Schultergürtels auf 10% schätzte. Denn die hier zu beantwortende Frage nach der für die Leistungspflicht des Unfallversicherers unter anderem vorausgesetzten Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen Gesundheitsstörung und Unfall ist eine Rechtsfrage, welche nicht von den medizinischen Experten, sondern von der Verwaltung und im Beschwerdefall vom Gericht zu entscheiden ist (BGE 112 V 30 E. 1b S. 33, in BGE 115 V 413 nicht publizierte E. 11 sowie Urteile des Bundesgerichts U 339/05 vom 27. März 2007, E. 5.2, und des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 400/99 vom 8. Februar 2001, E. 3b). 6.2.3 Bezüglich der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist eine Behandlungsbedürftigkeit während zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS oder äquivalenten Verletzungen mit ähnlichem Beschwerdebild noch als in einem üblichen Rahmen liegend zu betrachten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 462/04 vom 13. Februar 2006, E. 2.4.3 mit Hinweisen). Die Behandlung beschränkte sich ab 2003 auf etwa einen Besuch beim Hausarzt pro Monat. Zudem wurde im Januar 2003 die ambulante Physiotherapie wieder aufgenommen. Bis zum strittigen Fallabschluss per Ende Juli 2003 waren keine stationären Aufenthalte zu Behandlungs- und/oder Rehabilitationszwecken erforderlich. Am 12. August 2003 berichtete Dr. med. B.________, er habe die Beschwerdeführerin im Laufe der Zeit während Phasen mit verstärkter Schmerzsymptomatik und teilweise "depressiven Momenten" auch psychopharmakologisch behandelt. Der unfallbedingte Tod ihres Vaters habe zu einer Verschärfung der psychischen Problematik geführt. Die SUVA übernahm ab dem ersten Unfall vom 7. Oktober 2000 bis zur verfügten Einstellung sämtlicher Versicherungsleistungen zum 31. Juli 2003 die Heilbehandlung, obwohl bereits im Zeitpunkt der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 18. Februar 2003 von den damals fortgesetzt durchgeführten therapeutischen Massnahmen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG) mehr zu erwarten gewesen war. Zudem erklärte sich die SUVA bereit, die nach dem 31. Juli 2003 vom Hausarzt eingeleitete Psychotherapie bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 5. Oktober 2004 zu übernehmen. Unter diesen Umständen ist das Kriterium der ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung nicht als erfüllt zu betrachten. 6.2.4 Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, ist nichts bekannt. 6.2.5 Der Unfall vom 7. Oktober 2000 hatte keine Dauerbeschwerden zur Folge. Zum einen berichtete der behandelnde Hausarzt bereits am 18. Januar 2001, dass eine langsame Besserung der Beweglichkeit des Kopfes sowie des Verspannungszustandes der Nacken- und Schultergürtelmuskulatur feststellbar sei. Die muskulären Verspannungen hätten sich jedoch noch nicht vollständig gelöst. Am 6. März 2001 wies Dr. med. B.________ auf einen wechselhaften Verlauf der Entwicklung des Gesundheitszustandes hin, insgesamt sei aber doch eine subjektive und objektive Besserung erreicht worden. Dr. med. A.________ fand am 13. Mai 2002 eine allseits recht gut bewegliche HWS bei subjektiv persistierenden belastungsabhängigen Beschwerden, welche sich während der Schwangerschaft (bei der ersten kreisärztlichen Untersuchung im Mai 2002 war die Versicherte im vierten Monat schwanger) leicht verringert hatten. Nach Angaben des Hausarztes ging es der Beschwerdeführerin mitunter wochenweise recht ordentlich, wobei sowohl gute Phasen wie auch Zeitabschnitte mit subjektiv stärkerer Schmerzsymptomatik zu verzeichnen waren. Unter den gegebenen Umständen kann nicht von anhaltenden Dauerbeschwerden gesprochen werden. 6.2.6 Hingegen muss von einem schwierigen Heilungsverlauf ohne nachhaltige Besserung des Beschwerdebildes ausgegangen werden. Trotz verschiedener Therapien konnte keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes erreicht werden. Das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs kann - wenngleich auch nicht in besonderer Weise - als erfüllt angenommen werden. 6.2.7 Gemäss Arztzeugnis UVG des Dr. med. B.________ vom 17. November 2000 war die Versicherte ab 9. Oktober 2000 voll arbeitsunfähig. Zwei Arbeitsversuche in der angestammten Tätigkeit bei einer Arbeitsfähigkeit von 50% scheiterten im Januar 2001. Ab 1. Juni 2002 war die Beschwerdeführerin nach Einschätzung ihres Hausarztes zu 50% arbeitsfähig. Somit ist eine namhafte unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit über längere Zeit ausgewiesen, weshalb das Kriterium einer hinsichtlich Dauer und Grad erheblichen Arbeitsunfähigkeit als erfüllt zu betrachten ist (vgl. zur Kasuistik RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544, U 56/00). 6.3 Eine Gesamtwürdigung des Unfallgeschehens und der unfallbezogenen objektiv erfassbaren Umstände zeigt, dass weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise (vgl. Urteile U 37/06 vom 22. Februar 2007 [E. 7.8], U 41/06 vom 2. Februar 2007 [E. 10.7] und U 372/06 vom 12. Januar 2007 [E. 7.4]) gegeben sind. Die Unfalladäquanz der ab 1. August 2003 geklagten Befindlichkeitsstörungen ist daher zu verneinen. Der Einspracheentscheid vom 17. Februar 2005 besteht folglich zu Recht, weshalb der diesen bestätigende, hier angefochtene Entscheid im Ergebnis nicht zu beanstanden ist.