Citation: U 466/04 16.02.2006 E. 2.1

2.1.1 Die Ärzte des ZMB stellten in dem im Auftrag der kantonalen IV-Stelle und der SUVA erstellten Gutachten vom 21. November 2002 im Wesentlichen folgende Diagnosen: «Hauptdiagnose (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) - Status nach Verkehrsunfall am 21.5.99 - Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion - Somatoforme Schmerzstörung - Leichte depressive Episode - Chronifiziertes cervikocephales und cervikobrachiales Schmerzsyndrom, vorwiegend rechtsbetont mit mässigen Tendomyosen im Nacken-Schulterbereich ohne objektive Befunde einer spinalen, radikulären bzw. peripher-neurogenen Läsion, - Sensibilitätsstörung im rechten oberen Quadranten, aufgrund von Charakter und Verteilungsmuster topisch nicht zuordenbar - Schwindelbeschwerden ohne objektiv fassbares Korrelat einer vestibulären Läsion. Nebendiagnose (ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) - Tinnitus Grad II bei normaler vestibulo-cochleären Funktion (...)» In der abschliessenden Beurteilung wurde ausgeführt, die multiplen somatischen Beschwerden hätten nicht objektiviert werden können. Das heute vorhandene cervikobrachiale Schmerzsyndrom sei im Rahmen einer psychosomatischen Entwicklung zu verstehen, die nach einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion im Anschluss an den Unfall aufgetreten sei. Im Vordergrund der medizinischen Symptomatik stehe neben der psychosomatischen Entwicklung eine vorwiegend dysphorisch-apathisch gehemmte Depressivität. Diese sei auch Ursache der kognitiven Einschränkungen des Versicherten und Begleitsymptomatik der psychosomatischen Krankheit. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen und psychosomatischen Gründen wurde auf 40 % beziffert. 2.1.2 Das Gutachten des ZMB vom 21. November 2002 stützt sich auf umfassende Untersuchungen, erfolgte unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden sowie in Kenntnis der Vorakten, leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Gegebenheiten ein und vermag in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. Es genügt somit den von der Rechtsprechung gestellten beweisrechtlichen Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c). Darauf kann abgestellt werden, und zwar auch für die Zeit bis zum Einspracheentscheid vom 18. Dezember 2003. Es bestehen keine Anhaltspunkte und es wird auch nicht geltend gemacht, dass sich der medizinische Sachverhalt seit der Begutachtung im August 2002 bis zu diesem Zeitpunkt in einer für die Beurteilung relevanten Weise geändert hätte. 2.2 Aufgrund des Gutachtens ist davon auszugehen, dass keine wesentlichen organischen Unfallfolgen mehr bestehen. Die geltend gemachten Beschwerden sind Symptome einer psychosomatische Entwicklung im Sinne einer somatoformen Schmerzstörung mit einer leichten, vorwiegend dysphorisch-gehemmten Depression als Folge einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21). Der Versicherte zeigte bei der mehrtägigen Abklärung zwar weitgehend das typische Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der HWS, einschliesslich der psychischen Symptome wie Reizbarkeit, Affektlabilität und Depression. Die Symptomatik ist indessen nicht auf eine organische Schädigung, insbesondere eine milde traumatische Hirnverletzung, sondern in erster Linie auf eine psychosomatische und depressive Entwicklung zurückzuführen. Als Symptome dieser Entwicklung haben nach Auffassung der Gutachter auch der Tinnitus, die Schwindelzustände und die Konzentrationsstörungen zu gelten. 2.2.1 Die Aussagen im Gutachten des ZMB vom 21. November 2002 stehen abgesehen vom Tinnitus im Einklang mit den übrigen medizinischen Akten. Insbesondere wurde bereits im Austrittsbericht der Klinik E.________ vom 26. Juni 2000 eine psychische Störung am ehesten im Sinne einer Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (F43.25) diagnostiziert. Eine teilweise funktionelle Überlagerung der Beschwerden bei weitgehend freier Beweglichkeit der HWS stellten sodann auch der Rheumatologe Dr. med. A.________ und der Neurologe Dr. med. D.________ fest (Berichte vom 16. Juli 2001 und 24. April 2002). 2.2.2 Für die Beurteilung des Tinnitus stellten die Gutachter des ZMB im Wesentlichen auf den Bericht der Abteilung für Audiologie und Neurootologie des Spitals X.________ vom 29. August 2002 ab, wo der Versicherte am 5. und 8. Juli sowie 15. und 26. August 2002 untersucht worden war. Danach erfüllten die Angaben des Patienten die Plausibilitätskriterien für Tinnitus nicht. Die objektiven Befunde ergaben eine normale vestibulo-cochleäre Funktion. Der Kausalzusammenhang der Beschwerden zum Unfall vom 21. Mai 1999 wurde auch aufgrund der Beschreibung des Unfallherganges durch den Versicherten als unwahrscheinlich bezeichnet. Demgegenüber hatte der HNO-Spezialist Prof. Dr. med. K.________ in seinem Bericht vom 17. April 2002 die Plausibilitätskriterien für Tinnitus als erfüllt bezeichnet und die Kausalitätsfrage bejaht. In seiner Stellungnahme vom 13. März 2003 zum ZMB-Gutachten vom 21. November 2001 zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdegegners führte Prof. K.________ u.a. aus, sowohl das Reintonaudiogramm wie auch die Tinnitusmessungen im Spital X.________ hätten unplausible Kurven bzw. Messwerte ergeben. Im Unterschied dazu hätten die von ihm im Abstand von einem Jahr erstellten Audiogramme und jene der HNO-Spezialisten der SUVA absolut plausible Resultate ergeben. Es sei anzunehmen, dass beim Audiogramm und bei der Tinnitusmessung im Spital X.________ nicht mit der nötigen Sorgfalt vorgegangen worden sei. Sodann genügten bei HWS-Torsionsmechanismen offensichtlich schon geringe mechanische Intensitäten, um einen Tinnitus hervorzurufen. Dies lasse sich ohne weiteres belegen. In ihrer Entgegnung vom 20. Mai 2003 stellten die Ärzte des ZMB fest, eine sichere organische Ursache für den Tinnitus habe nicht gefunden werden können. Nach überwiegender fachärztlicher Meinung sei aber ein organisch bedingter Tinnitus ohne ein relevantes Trauma mechanischer oder akustischer Art praktisch ausgeschlossen. Es komme dazu, dass dieses Symptom im Kontext mit vielen anderen charakteristischen psychosomatischen Symptomen auftrete. Sie seien daher der Auffassung, dass es sich von Anfang an um eine überwiegend wahrscheinlich im Vordergrund stehende psychosomatische Entwicklung gehandelt habe, unter welche auch der Tinnitus zu subsumieren sei. Bei dieser Aktenlage bleibt zwar unklar ob ein Tinnitus überhaupt gegeben ist und ob er gegebenenfalls als unfallbedingt zu gelten hat. Von weiteren Abklärungen kann indessen abgesehen werden. Der Stellungnahme des Prof. K.________ vom 13. März 2003 lassen sich keine Hinweise darauf entnehmen, dass die von den Gutachtern des ZMB geäusserte Auffassung, wonach der Tinnitus als Folge der psychosomatischen Entwicklung zu verstehen ist, unzutreffend sein könnte. Es ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch in Bezug auf dieses Symptom davon auszugehen, das der Versicherte spätestens ab 1. Oktober 2003 an keinen relevanten unfallbedingten organischen Beschwerden mehr litt.