Citation: I 334/99 03.05.2001 E. 2

2.- a) Beim Wiedererwägungsgesuch vom 18. November 1992 stützte sich der Versicherte auf ein Gutachten vom 10. November 1992 von Dr. med. J.________, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Darin wurde im wesentlichen festgestellt, dass K.________ im Zusammenhang mit seiner koronaren Herzkrankheit 1981 an einem chronifizierten allgemeinen psychosomatischen Syndrom leide und deswegen seither ununterbrochen und vollständig arbeitsunfähig geblieben sei. Der im Rahmen der angeordneten MEDAS-Begutachtung beigezogene Dr. med. M.________ stellte demgegenüber die Diagnose eines kulturell schlecht verwurzelten, wenig arbeitsmotivierten, einfach strukturierten Türken. Bei Mitberücksichtigung der bestehenden somatischen Beschwerden kamen die Gutachter zum Schluss, seit dem 12. August 1993 bestehe eine 40 %ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Mit Urteil vom 26. Januar 1996 (I 292/95) hob das Eidgenössische Versicherungsgericht die Verfügung der IV-Stelle Uri, wonach dem Beschwerdeführer eine Härtefallrente zugesprochen wurde, und den diese bestätigenden Entscheid des Obergerichts des Kantons Uri auf. In den Erwägungen, auf welche im Dispositiv verwiesen wurde, wurde festgestellt, die vorhandenen medizinischen Unterlagen liessen die entscheidende Frage, ob der psychische Zustand des Versicherten Krankheitswert aufweise, nicht beantworten. Die Verwaltung werde dies unter Ergänzung der Akten abklären. Die IV-Stelle veranlasste in der Folge eine erneute MEDAS-Abklärung. Dr. med. V.________ welcher die psychiatrische Begutachtung durchführte, erhob als Diagnose eine schwere chronifizierte Anpassungsstörung auf erlebte somatische Erkrankung mit diffuser (psychosomatischer) Somatisierungsstörung auf dem Boden einer kümmerentwickelten, einfach strukturierten überängstlichen Persönlichkeit. In der Beurteilung wies er darauf hin, dass die diesbezüglichen Hinweise von Dr. J.________ offensichtlich nirgendwo Einfluss genommen hätten. Er schliesse sich dessen Meinung an, dass der Versicherte als Folge seiner psychischen Erkrankung (d.h. der Fehlverarbeitung des somatischen Krankheitsgeschehens) arbeitsunfähig geworden sei. Die Störung habe Krankheitswert. Der Beschwerdeführer leide seit Jahren darunter und sei auf seine somatische Störung fixiert. Bisherige Behandlungen seien erfolglos verlaufen und mit einem Therapieerfolg könne kaum mehr gerechnet werden. Es sei somit ein Endzustand erreicht. Die Arbeitsunfähigkeit bestehe im Ausmass von 75 %, spätestens seit 1993 (MEDAS-Gutachten vom 4. Dezember 1996). b) Dr. V.________ setzte sich in seiner Beurteilung eingehend mit der Frage auseinander, ab wann die Störung Krankheitswert hatte. Einleitend betonte er, dass die von Dr. J.________ gestellte Diagnose eines psychosomatischen Syndroms bei Status nach koronarer Herzkrankheit auch heute noch Gültigkeit habe. Wenn von hypochondrisch gesprochen worden sei, so sei dies im Zusammenhang mit der damals schon bestandenen Fixierung, nicht aber im Sinne einer eigentlichen Hypochondrie, zu sehen. Denn es habe sich um eine neurotische Fehlverarbeitung des für den Versicherten bedrohlichen Geschehens einer koronaren Herzkrankheit gehandelt, die in der Folge zur vorhandenen Somatisierung und Fixierung geführt habe. Hinzu komme, dass eine psychologische Betreuung im Sinne einer psychagogischen Führung mit Angstabbau usw. in der Rehabilitationszeit und nachher praktisch gefehlt habe. Diese Überlegungen sind überzeugend und ohne weiteres nachvollziehbar. Es wird einleuchtend dargestellt, dass die damaligen psychischen Beschwerden in direktem Zusammenhang mit dem somatischen Leiden standen. Es ist daher davon auszugehen, dass die Gesundheitsstörung ihren Anfang im Jahre 1981 nahm und sich in der Folge entwickelte (vgl. die diesbezüglichen Hinweise im Bericht des Dr. P.________, Spital X.________ [1984] und im Gutachten des Dr. D.________ [1985]). Im Sommer 1992 - bei der Untersuchung durch Dr. J.________ - war der Zustand bereits chronifiziert. Es finden sich keine medizinischen Hinweise darauf, dass in der unmittelbar davor liegenden Zeit entscheidende zusätzliche somatische Vorfälle eingetreten wären, die eine akute Verschlechterung verursacht hätten. Es ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, dass die massgebliche Einschränkung der Erwerbsfähigkeit nicht nur im Zeitpunkt des ersten Wiedererwägungsgesuchs (29. April 1992), sondern bereits im Jahr davor bestanden hat. Unter Berücksichtigung von Art. 48 Abs. 2 IVG steht dem Versicherten damit mit Wirkung ab 1. April 1991 eine ganze Invalidenrente zu.