Citation: U 356/05 05.07.2006 E. 2

2.1 Der Beschwerdeführer litt seit anfangs 2002, also bereits seit über einem Jahr vor dem Unfall, an einem rechtsdominanten zervikovertebralen Schmerzsyndrom, das im Wesentlichen auf mässiggradige degenerative Veränderungen der Wirbelsegmente C3/4 bis C6/7 zurückgeführt wurde (Bericht der Radiologie N.________, vom 17. Mai 2002). Im Frühsommer 2002 wurde deswegen fachärztlich vor einem hohen Chronifizierungsrisiko gewarnt und in diesem Zusammenhang auf ungünstige psychosoziale Begleitumstände hingewiesen (Bericht des Rheumatologen Dr. F.________, vom 7. Juni 2002). Für diese Zeit sind überdies generalisierte Gelenkschmerzen dokumentiert (Bericht der Orthopädischen Universitätsklinik am Kantonsspital Z.________ vom 16. April 2003). Aus den Akten ergibt sich des Weiteren, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfall (verdachtsweise) an einer Depression litt (Bericht der Rheumatologischen Universitätsklinik, Spital Y.________, vom 15. Juli 2003). 2.2 Der Beschwerdeführer macht zu Recht geltend, dass bei Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule aus dem Umstand allein, dass mit bildgebenden diagnostischen Methoden kein organisches Substrat nachweisbar ist, nicht auf eine fehlende natürliche (Teil-)Ursächlichkeit eines Unfalls geschlossen werden darf, welcher mit einer erheblichen Belastung der entsprechenden Körperpartie einherging. Nach dem Gesagten bestanden aber vor dem Unfall degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule, denen die geklagten Beschwerden in einem gewissen Ausmass zugeschrieben werden können. Zudem war ebenfalls schon vor dem versicherten Ereignis eine psychische Fehlentwicklung gegeben, welche für einen erheblichen Teil der Symptomatik verantwortlich zeichnete. Soweit nach dem Unfall eine Verschlimmerung stattgefunden hat, ist diese quantitativer Natur (Erw. 2.3 hienach); eine qualitative Änderung der Symptomatik im Sinne eines Eintritts zusätzlicher schleudertraumaspezifischer Befunde (wie etwa neuropsychologische Ausfälle) ist diagnostisch nicht ausgewiesen. Auch zeigten sich im Vergleich der Magnetresonanztomographien vom Mai 2002 und Dezember 2003 keine signifikanten Unterschiede im organischen Substrat. Weitere Abklärungen hinsichtlich organischer Unfallfolgen sind nicht notwendig. Im Bericht des Spitals Y.________ vom 15. Juli 2003 wird im Hinblick auf die möglichen Unfallfolgen insofern Abklärungsbedarf geortet, als unter anderem eine funktionelle Magnetresonanztomographie angeregt wird. Eine solche wurde denn auch am 15. Dezember 2003 angefertigt; sie förderte indes keine ersichtlichen Hinweise auf eine Unfallkausalität zutage. 2.3 In der Zeit nach dem Unfall leidet der Beschwerdeführer verstärkt an den bereits zuvor festgestellten Symptomen. Es fragt sich daher, ob beim Unfall eine richtunggebende Verschlimmerung des Vorzustandes eingetreten sein könnte, ob also das versicherte Ereignis einen nachhaltigen Einfluss auf die Schwere der Beeinträchtigung ausgeübt hat. Bereits ein Jahr vor dem Unfall wurde ein akutes, chronifizierendes zervikovertebrales Schmerzsyndrom diagnostiziert (Bericht des Rheumatologen Dr. F.________ vom 7. Juni 2002). Der Zusatz, wonach ein Schmerzsyndrom "nicht spezifizierbarer Ätiologie" gegeben sei, zeigt, dass die durch ein MRT objektivierten mässiggradigen Veränderungen der Halswirbelsäule (mit Osteochondrosen und Diskusprotrusionen C3 bis C7 und ossärer Foraminalstenose C6/C7 rechts) allein nicht ausreichten, um die Symptomatik zu erklären. Deren verstärkte Manifestation wurde verschiedentlich einer verselbständigten Schmerzchronifizierung zugeschrieben, die sich unter dem Druck ungünstiger psychosozialer Faktoren sowie aufgrund einer sich anbahnenden Depression ergeben habe (vgl. Erw. 2.1 hievor). Die gesundheitliche Entwicklung nach dem Unfall stand denn auch bald im Zeichen einer funktionellen Überlagerung und eines zur Generalisierung neigenden Schmerzsyndroms. Es sei davon auszugehen, dass - bei organischer Grundlage mässiggradiger degenerativer Wirbelsäulenveränderungen - eine ungünstige Schmerzverarbeitung mit Chronifizierung stattgefunden habe; durch den Verkehrsunfall vom Mai 2003 dürfte die Schmerzfehlverarbeitung verfestigt zum Tragen gekommen sein (Bericht des Neurologen Dr. B.________, vom 28. Januar 2004; vgl. auch das psychiatrische Gutachten des Dr. S.________, vom 13. März 2004). Die Interpretation der kausalen Aspekte hinsichtlich des Beschwerdebildes im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens fügt sich somit nahtlos in die vor dem Unfall gemachten Beobachtungen ein. Bei dieser Ausgangslage besteht kein Grund zur Annahme, dass der Unfall - im Verein mit einer aufgrund der degenerativen Veränderungen gegebenenfalls erhöhten Anfälligkeit der Halswirbelsäule - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Verschlimmerung des organischen Vorzustandes geführt haben könnte. Mit Blick auf die ausgeprägte psychische Überlagerung als dem im Vordergrund stehenden Erklärungsmuster steht dieser Schluss auch nicht im Widerspruch zur biomechanischen Kurzbeurteilung durch die Arbeitsgruppe für Unfallmechanik, Zürich, vom 15. Dezember 2003, wonach die festgestellten Beschwerden und Befunde - unter Berücksichtigung des Alters sowie der vorbestehenden Nackenbeschwerden aufgrund von degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule - durch die Kollisionseinwirkung erklärbar seien. 2.4 Dagegen hat das versicherte Ereignis zu einer Ausweitung der Schmerzfehlverarbeitung geführt. Soweit in diesem Sinne tatsächliche psychische Unfallfolgen vorliegen, bleibt deren Adäquanz zu klären. Nach dem in Erw. 1.2 hievor Gesagten ist an sich nach BGE 115 V 133 vorzugehen, wenn bei einer versicherten Person bereits vor dem Unfall psychische Beschwerden vorlagen, die durch das Unfallereignis verstärkt wurden. Da die im medizinischen Dossier beschriebene vorbestehende psychische Dynamik für sich allein schon massgebende Ursache für die Verschlimmerung des Gesundheitszustands darstellt, entfällt aber die Notwendigkeit, belastende Faktoren im Sinne der Adäquanzrechtsprechung (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) zu prüfen und zu gewichten. Der Umstand, dass die Verschlimmerung vollumfänglich im Rahmen einer unabhängig vom Unfall bestehenden Fehlverarbeitung erfolgt, führt hier per se zur Verneinung der Adäquanz. Mangels rechtserheblichen Kausalzusammenhangs besteht über Juli 2004 hinaus keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin mehr.