Citation: 2P.261/2001 16.05.2002 E. 4

Der Beschwerdeführer 1 ist Alleinaktionär der X.________ AG, von welcher er am 12. November 1997 die Aktien der Y.________ AG zum Preis von Fr. 305'412.-- übernommen hat. Bei der Y.________ AG handelt es sich um eine Vermögensverwaltungsgesellschaft, deren Anlagevermögen sich aus Wertschriften und Edelmetallen zusammensetzt. Die Steuerbehörde ermittelte einen Substanzwert von Fr. 443'829.--, basierend auf einem Aktienkapital von Fr. 50'000.--, offenen Reserven von Fr. 301'323.-- und stillen Reserven auf den Wertschriften von Fr. 142'317.--, von denen ein Abzug von 35 Prozent für latente Steuern gemacht wurde. Verglichen mit dem tatsächlich für die Aktien bezahlten Preis von Fr. 305'412.-- ergab dies einen Unterpreis von Fr. 138'417.--, welcher dem Beschwerdeführer 1 beim steuerbaren Einkommen als geldwerte Leistung aus Beteiligung aufgerechnet wurde. 4.1 Die Beschwerdeführer sind der Meinung, es sei falsch, den Verkehrswert der gekauften Aktien nach deren Substanzwert zu bestimmen. Es müsse vielmehr massgeblich auf den Ertragswert abgestellt werden, der angesichts von geringen Gewinnen in den letzten Geschäftsjahren niedrig sei. Zudem hätten bei der Verkehrswertberechnung Risiko und latente Steuern berücksichtigt werden sollen. Sie werfen dem Verwaltungsgericht eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) vor, weil es auf ihre entsprechenden Einwände nicht eingegangen sei; materiell sei es in Willkür verfallen (Art. 9 BV). 4.2 Was den verfassungsrechtlichen Gehörsanspruch gemäss Art. 29 Abs. 2 BV betrifft, so folgt daraus nicht, dass sich die urteilende Behörde mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand einlässlich auseinander setzen müsste. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b S. 102 f.; 124 II 146 E. 2a S. 149; 112 Ia 107 E. 2b S. 109 f.). Das Verwaltungsgericht hat kurz dargelegt, dass es den Substanzwert als massgebend erachtet; es hat sich ebenfalls zur Frage der latenten Steuern geäussert. Von einem Risikoabzug haben die Beschwerdeführer zwar in ihrer Einsprache an die Steuerverwaltung gesprochen, nicht aber in der Beschwerde an das Verwaltungsgericht, in welcher sie einen solchen Abzug nicht einmal mehr in ihrer eigenen Verkehrswertberechnung vornahmen. 4.3 Materiell entspricht die Vorgehensweise der Steuerverwaltung und des Verwaltungsgerichts der Wegleitung der Eidgenössischen Steuerverwaltung zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert (Ausgabe 1995), wonach bei reinen Vermögensverwaltungsgesellschaften der Substanzwert massgebend ist (Rz. 46). Dies ist sachgerecht, denn der Wert einer solchen Gesellschaft hängt von ihren Anlagen ab, hier namentlich dem Wertschriftenportefeuille, welches zum jeweiligen Kurswert der enthaltenen Wertschriften an Dritte veräussert werden könnte. Auf den Ertragswert kommt es nicht an, was - für reine Vermögensverwaltungsgesellschaften - auch der Meinung von Helbling entspricht, auf dessen Ausführungen zur Bedeutung des Ertragswerts die Beschwerdeführer zu Unrecht verweisen (vgl. Carl Helbling, Unternehmensbewertung und Steuern, 9. Auflage, Düsseldorf 1998, S. 210). Des Weiteren hat die Steuerverwaltung die latente Steuerlast auf den nicht versteuerten Reserven berücksichtigt. Aus welchem Grund schliesslich bei einer Vermögensverwaltungsgesellschaft noch einem Unternehmerrisiko Rechnung getragen werden müsste, ist nicht ersichtlich und wird von den Beschwerdeführern auch gar nicht begründet. Zwar kann der Wert der Anlagen Schwankungen unterliegen, doch in beide Richtungen, wobei sich kotierte Wertschriften jedenfalls zum jeweiligen Kurswert veräussern lassen. Die Einwände der Beschwerdeführer gegen die Bewertung sind nicht geeignet, den angefochtenen Entscheid als willkürlich erscheinen zu lassen. Die kantonalen Behörden durften mithin, ohne Verfassungsrecht zu verletzen, davon ausgehen, dass dem Beschwerdeführer 1 von der X.________ AG eine geldwerte Leistung im Betrag von 138'417 Franken ausgerichtet worden ist.