Citation: 5A_723/2023 E. 5.2

5.2. Die Vorinstanz erwog, seit dem Scheidungsentscheid seien im Hinblick auf die (elterliche Sorge und) Obhut mehrere wesentliche Veränderungen eingetreten. Verändert habe sich zum einen die tatsächliche Wohn- und Betreuungssituation der Tochter: Diese sei im November 2020 zur Mutter gezogen, weil sie bei dieser wohnen wollte. Nachdem sie während mehr als einem Jahr zumindest grösstenteils bei ihrer Mutter gewohnt habe, sei sie wieder während fast einem Jahr grösstenteils bei ihrem Vater wohnhaft gewesen. Seit mehreren Monaten wohne sie wieder grösstenteils bei der Mutter und wolle sich nicht festlegen, wann sie bei welchem Elternteil wohne, sei aber offenkundig nicht mehr gewillt, auf unbestimmte Zeit grösstenteils nur noch beim Vater zu wohnen. Zum anderen besuche sie die Schule am Wohnort der Mutter, wo sich daher auch der Mittelpunkt ihres sozialen Lebens befinde. Die Beibehaltung der alleinigen (elterlichen Sorge und) Obhut des Vaters sei geeignet, das Wohl der Tochter ernsthaft zu gefährden. Beide Elternteile seien erziehungsfähig und es bestünden enge und gelebte Bindungen der Tochter zu beiden Elternteilen, die auch bereit seien, in den Kinderbelangen miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. Die geografische Situation sei zwar aufgrund der nicht besonders guten Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (der Vater wohne 12 Kilometer vom Wohnort der Mutter entfernt in Frankreich) nicht besonders günstig, stehe einer solchen aber (auch aufgrund von Fahrdiensten des Vaters und eines Freundes des Vaters) nicht entgegen, weil die Tochter ihre sozialen Beziehungen am Wohnsitz der Mutter auch dann pflegen könne, wenn sie beim Vater wohne. Beide Elternteile seien massgeblich an der Betreuung der Tochter beteiligt und hätten faktisch eine alternierende Obhut gelebt. Gestützt auf die mit Entscheid der Erstinstanz genehmigte Vereinbarung vom 13. Dezember 2021 habe sich die Tochter für die Dauer des Verfahrens vorsorglich auch rechtlich in der alternierenden Obhut beider Elternteile befunden. Damit sprächen die Stabilität und Kontinuität der Verhältnisse für die alternierende Obhut, was sich auch die Tochter wünsche. Die alternierende Obhut entspreche folglich aller Voraussicht nach eindeutig dem Wohl der Tochter, weshalb die Erstinstanz diese zu Recht angeordnet habe.