Citation: U 297/99 14.07.2000 E. 2

2.- Bei der Berechnung des versicherten Verdienstes ist streitig, ob Überstunden mit zu berücksichtigen sind. a) Zur Ermittlung des hypothetischen Valideneinkommens ist von jenem Lohn auszugehen, den der Versicherte aufgrund seiner beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände zu erwarten gehabt hätte. Wenn dabei in der Regel beim zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft wird, beruht dies auf der empirischen Feststellung, dass die bisherige Tätigkeit ohne Invalidität in der Regel weitergeführt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein. Entscheidend ist letztlich immer, was der Versicherte im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ohne Invalidität tatsächlich verdienen würde (RKUV 1999 Nr. U 327 S. 110 Erw. 4a mit Hinweis). b) In den Akten finden sich folgende Belege zum Verdienst des Beschwerdeführers: - eine Unfallanzeige der Firma E.________ vom 1. September 1982, wonach der Grundlohn Fr. 16.10 in der Stunde betrug, dies bei einem Pensum von 45 Stunden in der Woche. Dazu kamen Fr. 210.- im Monat für Kinderzulagen sowie eine Prämie von Fr. 300.- im Monat. Das ent- sprechende Formular enthält keine Rubrik "Überstunden". An Ende findet sich die Bemerkung, der Beschwerdeführer (als Saisonnier angestellt) habe nur bis 13. August 1982 gearbeitet, da er noch 90 Stunden oder 2 Wochen Ferien- anspruch gehabt habe. - ein Gesprächsprotokoll, wonach am 7. April 1995 eine Ver- treterin der erwähnten Firma gegenüber dem SUVA-Inspektor angegeben hat, 1994 hätte der Versicherte einen Stunden- lohn von Fr. 24.-, 1995 einen solchen von Fr. 25.- er- zielt. Dazu wäre jeweils ein Anteil von 8,33 % Ferienent- schädigung und eine Gratifikation von der Hälfte des im betreffenden Jahr erzielten durchschnittlichen Monats- lohns gekommen. Zusätzlich hätte der Beschwerdeführer eine Prämie von Fr. 400.- im Monat für seine Funktionen als Equipenchef erhalten. Die Frage nach den möglichen und betriebsüblichen Überstunden werde noch abgeklärt. - eine Mitteilung der Firma E.________ an die SUVA vom 11. Mai 1995, sie habe in ihren Betrieben A.________, B.________ und C.________ acht Mitarbeiter nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und die von ihnen 1994 ge- leisteten Überstunden erfasst. Dabei hätten sich Werte von zwischen 105,00 und 259,00 Überstunden zum Tarif von 125 % des Stundenlohns (Arbeit zwischen 20.00 und 22.00 Uhr gemäss Auskunft vom 7. April 1995) bei allen 8 Angestellten, 2,5 Stunden zum Tarif von 150 % (Ar- beitszeit nach 22 Uhr) bei 2 Arbeitnehmern sowie zwischen 0 und 12,00 Stunden zum Tarif von 200 % des Stundenlohns (Sonntagsarbeit) bei 5 Leuten ergeben. - eine zweite Aufstellung geleisteter Überstunden vom 1. Januar bis 30. Oktober 1995, für welche die Firma E.________ erneut 8 Mitarbeiter aus den Betrieben A.________, B.________ und C.________ zufällig ausgewählt hatte. Alle 8 Angestellten wiesen zwischen 38,5 und 180 Überstunden zum Tarif von 125 % auf. Dazu kamen bei 7 Arbeitnehmern zwischen 4 und 6 Überstunden zum Tarif von 150 %, bei vier von ihnen überdies 9 bis 18 Stunden zum 200 %-Tarif. - Einträge im Individuellen Konto (IK) des Versicherten, wonach er 1982 bei zwei verschiedenen Arbeitgebern Ein- kommen erzielt hat: einmal Fr. 2200.- von Januar bis Mai, sodann Fr. 33'187.- von Januar bis August. c) Der Beschwerdeführer hat gemäss den Angaben seiner Firma im Jahr 1982 nur bis am 13. August gearbeitet. Hinzu kamen zwei Wochen Ferienanspruch. Dies ergibt für 1982 eine gesamte Arbeitszeit von 8 Monaten. Daher bezieht sich der Eintrag im IK, welcher für die erwähnte Periode ein Einkommen von Fr. 33'187.- ausweist, offensichtlich auf die bei der Firma E.________ geleistete Arbeit, zumal die entsprechende Abrechnungsnummer schon seit 1975 im IK erscheint. Wird von den Zahlen in der Unfallanzeige vom 1. September 1982 ausgegangen, käme der Versicherte ohne Überstunden auf folgenden Lohn: 9 Stunden pro Tag x Fr. 16.10 x 21,7 Arbeitstage im Monat x 8 Monate + 8 x Fr. 210.- Kinderzulagen + 8 Prämien zu Fr. 300.-. = total Fr. 29'234.65. Dieser Betrag liegt Fr. 3952.25 unter dem im IK aufgeführten Eintrag von Fr. 33'187.- Der Beschwerdeführer muss also zusätzliche Einkünfte bei der selben Firma erzielt haben. In Verbindung mit der Tatsache, dass bei den erwähnten beiden Stichkontrollen ausnahmslos alle insgesamt 16 Angestellten der Betriebe A.________, B.________ und C.________ beachtliche, in 14 Fällen dreistellige Überstundenzahlen aufwiesen, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer 1982 Überstunden geleistet hat und solche ohne seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen weiterhin erbracht hätte. d) Der zweite im IK für 1982 vermerkte Verdienst wurde von einem andern Arbeitgeber bezahlt, steht doch bei diesem Eintrag eine andere Abrechnungsnummer. Es fehlen jedoch weitere Hinweise zu diesem Einkommen. Die entsprechende Abrechnungsnummer erscheint im IK nur 1981 und 1982 mit Lohnbeträgen, die auf einen Nebenerwerb schliessen lassen. Der erwähnte zweite Eintrag kann daher vorliegend nicht berücksichtigt werden. Mangels hinreichender Anhaltspunkte ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer ohne seine Unfälle auch heute Nebenverdienste erzielen würde. e) Zu prüfen bleibt, in welchem Ausmass die Überstunden in die Berechnung des versicherten Verdienstes einzubeziehen sind. aa) Beginnt die Rente mehr als fünf Jahre nach dem Unfall, ist laut Art. 24 Abs. 2 UVV der Lohn massgebend, den der Versicherte ohne den Unfall im Jahr vor dem Rentenbeginn bezogen hätte, sofern er höher ist als der letzte vor dem Unfall erzielte Lohn. Auf den vorliegenden Fall trifft dieser Tatbestand zu, begann doch die Rente am 1. Januar 1996, somit mehr als fünf Jahre nach dem zweiten Unfall vom August 1990. Ausserdem steht fest, dass das Einkommen, das der Beschwerdeführer 1995 hätte erzielen können, höher gewesen wäre als der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn. Demnach ist vorliegend der Verdienst zu ermitteln, welchen der Beschwerdeführers 1995 mit Einbezug der Überstunden als Gesunder mutmasslich erzielt hätte. bb) Die Firma E.________ hat zweimal stichprobenweise je acht Angestellte auf die von ihnen geleisteten Überstunden untersucht. Die dabei ermittelten Zahlenwerte können als repräsentativ gelten, da die Auswahl der Mitarbeiter nach dem Zufallsprinzip erfolgte, dabei Leute dreier Filialen betraf, die Überstunden zweier Jahre (1994 und Januar bis Oktober 1995) erfasst wurden und sich zwischen dem Durchschnitt der Zahlen von 1994 und der auf ein Jahr umgerechneten Werte von Januar bis Oktober 1995 keine grossen Abweichungen ergeben. Es rechtfertigt sich daher, von den Zahlen für 1995 auszugehen, diese auf ein Jahr umzurechnen, die Anzahl der Stunden pro Tarifstufe (125 %, 150 % bzw. 200 %) nach dem gewichteten arithmetischen Mittel aufzuteilen und hierauf den versicherten Verdienst des Beschwerdeführers um die solcherart ermittelten Zuschläge für Überstunden zu erhöhen. Die SUVA, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird die entsprechenden Berechnungen durchführen und hernach ihre Leistungen aufgrund des dabei ermittelten neuen versicherten Verdienstes erhöhen.