Citation: 2A.413/2000 12.12.2000 E. 3

3.- a) Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG ist ausgerichtet auf die rechtliche Absicherung des Zusammenlebens der Gesamtfamilie und damit zugeschnitten auf den Fall, dass die eheliche Beziehung der gemeinsamen Eltern intakt ist (vgl. BGE 126 II 329 E. 2a S. 330; 125 II 585 E. 2a S. 586; 118 Ib 153 E. 2b S. 159). Sind jedoch die Eltern getrennt und hält sich lediglich ein Elternteil in der Schweiz auf, kann es nicht um die Zusammenführung der Gesamtfamilie gehen. Diesfalls entspricht es dem Zweck der gesetzlichen Regelung nicht, einen bedingungslosen bzw. - wie der Beschwerdeführer fälschlicherweise meint - nur durch das Rechtsmissbrauchsverbot beschränkten Anspruch auf Nachzug der Kinder anzunehmen (BGE 126 II 329 E. 2b S. 331; 125 II 585 E. 2b S. 586; 118 Ib 153 E. 2b S. 159). Ein Nachzugsrecht setzt vielmehr voraus, dass das Kind zu dem in der Schweiz lebenden Elternteil die vorrangige familiäre Beziehung unterhält. Dabei kommt es nicht allein auf die bisherigen Verhältnisse an, sondern es können auch nachträglich eingetretene oder gar künftige Umstände wesentlich werden. Das ist etwa der Fall, wenn neue familiäre Abhängigkeiten entstehen oder sich die Beziehungsintensitäten verlagern, beispielsweise infolge des Hinschieds desjenigen Elternteils, der bisher das Kind betreut hat (BGE 125 II 585 E. 2a S. 586 f., mit Hinweisen; vgl. auch BGE 126 II 329 E. 2b S. 331). Das gesetzgeberische Ziel, das familiäre Zusammenleben zu sichern, wird regelmässig verfehlt, wenn der in der Schweiz niedergelassene Elternteil das Kind erst kurz vor Erreichen des 18. Altersjahrs zu sich holt, nachdem er jahrelang von ihm getrennt gelebt hat. Eine Ausnahme kann nur dann gelten, wenn die Familiengemeinschaft in der Schweiz aus guten Gründen erst nach Jahren hergestellt wird; solche Gründe müssen sich aus den Umständen des Einzelfalles ergeben (BGE 126 II 329 E. 2b S. 331; 125 II 585 E. 2a S. 587, mit Hinweisen). b) Das Verwaltungsgericht hat die erwähnten Grundsätze richtig angewandt. Die Voraussetzungen für einen Nachzug von B.________ sind nicht erfüllt: Als der Beschwerdeführer im Sommer 1986 in die Schweiz übersiedelte, liess er den damals vierjährigen Knaben im Kosovo zurück. Nach seinen Angaben wurde B.________ in der Folge von seinen Grosseltern väterlicherseits betreut; die Kindesmutter habe nichts mehr von B.________ wissen wollen. Damit hatte B.________ zu seinen Grosseltern die vorrangigen Beziehungen. In welchem Umfang sich der Beschwerdeführer selber überhaupt um das Kind kümmerte, hat der Beschwerdeführer weder dargetan noch belegt. Er beschränkt sich auf die Aussage, er habe B.________ im Kosovo "regelmässig besucht". Im Übrigen weilte sein Sohn unstreitig nie, auch nicht besuchsweise, beim Beschwerdeführer in der Schweiz. Erst als der Sohn gut 17 1/2 Jahre alt war, wurde das Gesuch um Nachzug gestellt. Dafür, dass dies nicht früher geschah, vermag der Beschwerdeführer keine einleuchtenden Gründe vorzubringen. Insbesondere dringt der Hinweis auf seinen Unfall im Jahre 1990 nicht durch, hinderte dieser ihn doch nicht, kurz darauf eine neue Familie mit heute drei Kindern (geboren 1992, 1996 und 1998) zu gründen. Abgesehen davon, dass die Vorinstanz den Sachverhalt nicht offensichtlich unrichtig, unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt hat (vgl. Art. 105 Abs. 2 OG und oben E. 2), kann daher auch von dem vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang angebotenen Beizug eines Berichtes des Sozialdienstes des Kantons Luzern im Wege antizipierter Beweiswürdigung abgesehen werden (vgl. BGE 122 II 464 E. 4a S. 469; 115 Ia 97 E. 5b S. 101). Der erwähnte Unfall erklärt ebenso wenig, warum nicht vorher ein Nachzugsantrag gestellt wurde. Unbehelflich ist die diesbezügliche Begründung des Beschwerdeführers, er habe sich nach der Heirat im Jahre 1986 "in erster Linie an das Leben mit einer schweizerischen Ehefrau" gewöhnen müssen. Heute ist der Sohn B.________ sowohl nach schweizerischem als auch nach jugoslawischem Recht volljährig und sollte in der Lage sein, für sich selber zu sorgen. Zwar macht der Beschwerdeführer geltend, B.________ sei "noch recht klein und hilflos, so dass ihm ein selbständiges Leben noch nicht zugemutet werden kann. Er ist auf eine Betreuung nach wie vor angewiesen". Wie es sich damit verhält, braucht nicht weiter geklärt zu werden, denn gerade dann sollte B.________ nicht aus der ihm doch einigermassen vertrauten Umgebung herausgerissen werden, zumal er in Montenegro, wo er sich derzeit aufhält, nach Darstellung des Beschwerdeführers selber "jemanden gefunden hat, der ihm einigermassen beisteht". Demgegenüber kennt er die Schweiz überhaupt nicht und beherrscht auch keine Landessprache. Sodann befinden sich den Akten zufolge seine Grosseltern und seine Mutter in dessen Nähe. Letztere hatte das elterliche Sorgerecht offensichtlich nie verloren, erklärte sie sich doch erst am 9. Dezember 1999 - am gleichen Tage und von demselben Rechtsanwalt beglaubigt wie eine entsprechende Erklärung von B.________ - im Zusammenhang mit dem Nachzugsantrag damit einverstanden, dass der Beschwerdeführer die gesetzliche Vormundschaft für B.________ übernehme. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sind die politischen Verhältnisse in Jugoslawien (Kosovo bzw. Montenegro) nicht im Rahmen des Gesuchs um Familienzusammenführung nach Art. 17 Abs. 2 ANAG zu berücksichtigen (vgl. BGE 119 Ib 81 E. 3b und c S. 89 f.). Dieser vom Beschwerdeführer geltend gemachte Umstand bestätigt vielmehr sogar, dass es den Gesuchstellern nicht in erster Linie um die Herstellung der Familiengemeinschaft geht, da der Nachzugsantrag erst im Hinblick auf die veränderte politische Situation gestellt wurde. Nach dem Gesagten hat das Verwaltungsgericht folglich zu Recht angenommen, dass ein familiäres Zusammenleben von Vater und Sohn kein vorrangiges Ziel darstellt und keine guten Gründe im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. E. 3a) gegeben sind, diese Gemeinschaft erst kurz vor Erreichen der Mündigkeit des Kindes herzustellen.