Citation: 2A.59/2000 20.04.2000 E. 3

3.- a) Nach Art. 10 Abs. 1 ANAG kann ein Ausländer aus der Schweiz ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde (lit. a) oder wenn sein Verhalten im Allgemeinen und seine Handlungen darauf schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich in die im Gaststaat geltende Ordnung einzufügen (lit. b). Dieser Ausweisungsgrund ist namentlich gegeben bei schweren oder wiederholten Verstössen gegen gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen, bei grober Verletzung allgemeiner Gebote der Sittlichkeit, bei fortgesetzter böswilliger oder liederlicher Nichterfüllung der öffentlichrechtlichen oder privatrechtlichen Verpflichtungen und bei sonstiger fortgesetzter Liederlichkeit oder Arbeitsscheu (Art. 16 Abs. 2 der Vollziehungsverordnung vom 1. März 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAV; SR 142. 201]). b) Gemäss Art. 11 Abs. 3 ANAG soll eine Ausweisung jedoch nur verfügt werden, wenn sie nach den gesamten Umständen angemessen erscheint. Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 ANAV). Ob sich die Ausweisung im Sinne der Art. 11 Abs. 3 ANAG und Art. 16 Abs. 3 ANAV als "angemessen", d.h. verhältnismässig (BGE 125 II 105 E. 2a S. 107, 521 E. 2a S. 523; 114 Ib 1 E. 1b S. 2), erweist, ist eine Rechtsfrage, die vom Bundesgericht im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde frei überprüft wird (Art. 104 lit. a OG). Dem Bundesgericht ist es jedoch verwehrt, sein eigenes Ermessen - im Sinne einer Überprüfung der Zweckmässigkeit (Opportunität; vgl. BGE 116 Ib 353 E. 2b S. 356 f.) der Ausweisung - an die Stelle desjenigen der zuständigen kantonalen Behörde zu setzen (vgl. Art. 104 lit. c Ziff. 3 OG; BGE 125 II 105 E. 2a S. 107, 521 E. 2a S. 523, je mit Hinweisen). Je länger ein Ausländer in der Schweiz anwesend war, desto strengere Anforderungen sind grundsätzlich an die Anordnung einer Ausweisung zu stellen (BGE 125 II 521 E. 2b S. 523; 122 II 433 E. 2c S. 436). Zu berücksichtigen ist auch, in welchem Alter der Ausländer in die Schweiz gelangt ist. Doch selbst bei einem Ausländer, der bereits hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht hat, ist eine Ausweisung nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht ausgeschlossen (vgl. BGE 122 II 433, wo der Beschwerdeführer seit der Geburt 29 Jahre in der Schweiz gelebt hatte). Erst recht gilt dies für Ausländer, die wie der Beschwerdeführer erst als Jugendliche in die Schweiz gelangt sind (vgl. BGE 125 II 521, wo der Beschwerdeführer im Alter von zwölf Jahren einreiste). Entscheidend ist aber in jedem Fall die Verhältnismässigkeitsprüfung, die gestützt auf die gesamten wesentlichen Umstände des Einzelfalles vorzunehmen ist. Ist der Ausländer im Besitz einer Niederlassungsbewilligung, bedeutet dies in der Regel, dass er über engere Beziehungen zur Schweiz verfügt bzw. bereits seit längerer Zeit hier lebt und integriert ist. Etwas anderes gilt insbesondere dann, wenn der Ausländer im Rahmen des Familiennachzugs zu einer Niederlassungsbewilligung gelangt ist. Hat er sich diesfalls schon nach nur kurzer Anwesenheit Verfehlungen zuschulden kommen lassen, spielt es daher keine wesentliche Rolle, dass er über eine Niederlassungsbewilligung und nicht nur über ein weniger starkes Anwesenheitsrecht verfügt. Hält er sich jedoch schon längere Zeit hier auf, nähert sich die Rechtsstellung derjenigen eines solchen Ausländers an, der seine Niederlassungsbewilligung selbständig erworben hat; die gegen den Ausländer erhobenen Vorwürfe müssen dann schwerer wiegen, um eine Ausweisung zu rechtfertigen.