Citation: 2C_1067/2019 E. 2.4

2.4. Den öffentlichen Interessen an einem Bewilligungswiderruf stellte die Vorinstanz die persönlichen Interessen des Beschwerdeführers, seiner Ehefrau und der beiden Kinder an einer Aufrechterhaltung seiner Bewilligung gegenüber. Sie berücksichtigte dabei insbesondere, dass der Beschwerdeführer mehr als 15 Jahre in der Schweiz gelebt hat, hier ununterbrochen beim gleichen Arbeitgeber angestellt war und von diesem als guter Arbeitnehmer geschätzt wurde. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass die privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung nicht zu überwiegen vermögen, und zwar namentlich deshalb, weil der Beschwerdeführer erst im Alter von 22 Jahren in die Schweiz gekommen und sein Verhalten am Arbeitsplatz (bzw. gegenüber der Arbeitskollegin) nicht tolerierbar sei. Was die Würdigung der privaten Interessen des Beschwerdeführers betrifft, sind die Ausführungen im angefochtenen Urteil zwar knapp gehalten. Doch es ist in der vorliegenden Konstellation bundesrechtskonform, dass die Vorinstanz das öffentliche Interesse am Bewilligungswiderruf höher gewichtet hat als die entgegenstehenden privaten Interessen. Zwar rügt der Beschwerdeführer sinngemäss, die Vorinstanz habe willkürlich und unter Verstoss gegen Art. 6 EMRK, Art. 29 und Art. 30 BV sowie Art. 14 des UNO-Paktes II (SR 0.103.2) allein gestützt auf einen Polizeirapport vom 12. Februar 2009 festgestellt, dass die eheliche Beziehung nur noch wegen der Kinder weitergeführt werde. Diese Rüge verfängt jedoch nicht. Zum einen hat die Vorinstanz (in einem obiter dictum) lediglich die Frage aufgeworfen, aber letztlich offengelassen, ob die Ehe des Beschwerdeführers noch tatsächlich gelebt wird. Zum anderen ist die Antwort auf diese Frage ohnehin nicht rechtserheblich für den Ausgang des Verfahrens. Denn auch im Falle der Annahme einer tatsächlich gelebten ehelichen Beziehung (und selbst dann, wenn entgegen der Vorinstanz nicht von einer schlechten Integration der Ehefrau ausgegangen würde), wäre der streitbetroffene Bewilligungswiderruf verhältnismässig, zumal - wie erwähnt - von einer erheblichen Rückfallgefahr auszugehen ist (vgl. E. 2.3.1. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe willkürlich und aktenwidrig festgestellt, die Ehefrau des Beschwerdeführers sei schlecht integriert und spreche kein Deutsch, ist im Übrigen auch deshalb nicht stichhaltig, weil der Beschwerdeführer nicht in hinreichend substantiierter Weise darlegt, welche Beweise die Vorinstanz in diesem Kontext willkürlich gewürdigt oder ausser Acht gelassen haben soll [vgl. zur Substantiierungsobliegenheit bei der Rüge der willkürlichen Sachverhaltsfeststellung bzw. Beweiswürdigung BGE 140 III 264 E. 2.3 S. 266; 139 II 404 E. 10.1 S. 444 f.]). An diesem Ergebnis kann auch die Tatsache nichts ändern, dass der Beschwerdeführer - ebenso wie seine Ehefrau - den überwiegenden Teil seines Lebens in der Schweiz verbracht hat und seine Kinder von Geburt an hier aufgewachsen sind. Besondere Umstände im Heimatland, welche dem Beschwerdeführer eine Rückkehr unzumutbar machen würden, sind nicht ersichtlich. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz habe in Verletzung ihrer Untersuchungspflicht die Verhältnisse im Heimatland nicht genügend festgestellt, ist ihm entgegenzuhalten, dass diese Pflicht (namentlich) durch die Mitwirkungspflicht des betroffenen Ausländers relativiert wird (vgl. Art. 90 AuG bzw. AIG sowie anstelle vieler Urteil 2C_248/2019 vom 12. Dezember 2019 E. 2.4.1) und nicht dargetan ist, dass der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren substantiiert Umstände geltend gemacht hätte, welche Anlass zu weiteren Untersuchungen gegeben hätten. Zwar weist der Beschwerdeführer zutreffend darauf hin, dass negative Tatsachen im strikten Sinne kaum beweisbar sind (vgl. Urteile 2C_661/2015 vom 12. November 2015 E. 3.2; 2C_780/2010 vom 21. März 2011 E. 2.4; 2C_38/2009 vom 5. Juni 2009 E. 3.2 und 4.1). Gleichwohl hätte er im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht näher darlegen - wenn auch nicht zwingend beweisen - müssen, inwiefern es in seinem Heimatland (wie von ihm behauptet) an "geeigneten Strukturen" bzw. Existenzgrundlagen fehlen soll. Selbst wenn es dem Beschwerdeführer im Übrigen nicht leicht fallen sollte, in seiner Heimat eine neue Existenz aufzubauen, wird er dabei auf seine in der Schweiz gemachten Berufserfahrungen als (vorgebrachterweise von seinem Arbeitgeber geschätzter) Maler zurückgreifen können. Sollten die Ehefrau und seine beiden Kindern dem Beschwerdeführer nicht in seine Heimat folgen wollen, wird er die Beziehungen zu ihnen zudem besuchsweise grenzüberschreitend und dank der neuen Medien praktisch auch täglich pflegen können (vgl. BGE 144 I 91 E. 5.1 S. 97; 139 I 315 E. 2.2 S. 319; der schon von der Vorinstanz gemachte Hinweis auf die elektronischen Kommunikationsmittel erscheint angesichts der gefestigten Rechtsprechung entgegen dem Beschwerdeführer nicht als zynisch). Zwar werden mit der aufenthaltsbeendenden Massnahme die Möglichkeiten, die familiären Beziehungen zu leben, erschwert. Doch muss dies vorliegend als Konsequenz der strafrechtlichen Verfehlungen des Beschwerdeführers hingenommen werden. Sollte er sich in der Heimat bewähren und weiterhin eine anspruchsbegründende Beziehung bestehen, ist aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine künftige Wiedererwägung und spätere Rückkehr nicht zum vornherein ausgeschlossen (vgl. Urteil 2C_395/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 4.4; THOMAS HUGI YAR, Von Trennungen, Härtefällen und Delikten - Ausländerrechtliches rund um die Ehe- und Familiengemeinschaft, in: Achermann et al. [Hrsg.], Jahrbuch für Migrationsrecht 2012/2013, 2013, S. 31 ff., S. 133 ff.).