Citation: U 331/05 27.04.2006 E. 2

Streitig ist, ob es sich beim Vorfall vom 21. Juli 2001 um einen Unfall im Rechtssinne handelt. 2.1 Über den Ablauf des fraglichen Ereignisses finden sich in den Akten folgende Angaben: In der Unfallmeldung vom 31. Juli 2001 führte die Versicherte handschriftlich aus: "Nach dem Mittagessen von Hr. M. wollte ich ihn mit dem Patientenheber ins Bett bringen. Als ich Hr. M. alle Gurten befestigt habe, war das Gerät defekt. Darauf holte ich eine Arbeitskollegin und zu zweit brachten wir Hr. M. in zwei Schritten aufs Bett. Hr. M. ist sehr schwer u. liegt zusätzlich auf Superweichmatratze." Im Arztzeugnis UVG vom 2. August 2001 hielt Dr. med. Z.________ zum Unfallhergang fest: "Durch das Heben eines schweren Patienten wegen Defekt des Hebeliftes kam es zu einem akuten Verhebetrauma mit akut heftigst einschiessenden Schmerzen tief lumbal. Die Patientin konnte sich kaum noch bewegen". Im Fragebogen zur "obligatorischen Unfallversicherung" gab die Versicherte am 8. August 2001 handschriftlich an: "Ich wollte Herr M. mit dem Patientenheber ins Bett bringen. Der Pat.-Heber funktionierte nicht, war defekt. Darauf holte ich eine 2. Pflegeperson. Herr M. ist sehr schwer + kann nicht mithelfen. In zwei Schritten transferierten wir ihn auf den Bettrand. Hr. M. liegt zusätzlich auf einer Vakummatratze und der zweite "Lupf" war zuviel für mich und ich verspürte starke Sz. im Rücken". Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs liess die Beschwerdeführerin am 24. Oktober 2003 durch ihren Rechtsvertreter ausführen: Tatsächlich ist nämlich insofern beim Transfer etwas Programmwidriges vorgefallen, als Frau B.________, welche beim Transfer mithalf, plötzlich sagte, sie könne nicht mehr und Herr M. bei dieser Gelegenheit losliess. Damit musste Frau T.________ nicht rechnen. Herr M. drohte unten wegzurutschen und klammerte sich an Hals und Schulter von Frau T.________. Frau T.________ gelang es zwar reflexartig, den Patienten unter Zuhilfenahme des linken Beines auf die Matratze zu hieven, verspürte aber während dieses Manövers plötzlich einen stark einschiessenden Schmerz in der LWS. Sie schrie denn auch vor Schmerzen auf. Frau B.________ kann diesen Vorfall bezeugen. Als Frau T.________ den Bericht vom 8. August 2001 verfasste, stand sie bereits seit längerem seit dem Unfall vom 21. Juli 2001 unter dem Einfluss von starken Schmerzmitteln (Morphin). Es ist daher verständlich, wenn Frau T.________ bei der Schilderung des Unfalles nicht sämtliche Details des Unfallherganges mit der erforderlichen Genauigkeit wiedergab. Die Zeugin B.________ gab am 4. Juli 2005 auf Befragung zum Vorfall vom 21. Juli 2001 zu Protokoll: "An diesen Vorfall kann ich mich noch erinnern. Dies war eine besondere Begebenheit. Ich weiss noch, dass dies im Sommer 2001 geschehen ist, es war sehr heiss an einem Sonntag. Es war an einem Abend, als wir einen Mann im Rollstuhl ins Bett bringen wollten. Dies war ein schwerer Mann, der nicht mehr viel Kraft hatte und dem es nicht mehr so gut ging. Wie der Mann hiess, weiss ich nicht mehr. Wir wollten den Mann vom Rollstuhl ins Bett transferieren. Dies mit dem Kran. Der war jedoch kaputt, weshalb wir versucht haben, den Mann zu zweit ins Bett zu transferieren. Die Beschwerdeführerin und ich standen je auf einer Seite und haben den Mann unter dem Arm gestützt, damit er auf die Beine kommt. Dann haben wir ihn abgedreht, damit er aufs Bett sitzen konnte. Soweit ging es eigentlich noch gut, aber er sass zu wenig sicher auf der Bettkante. Der Patient wurde "gschperrig", weil er Angst hatte. Eine von uns hat seinen Oberkörper gehalten, die andere hat die Beine ins Bett gedreht. Ich weiss nicht mehr, wer was gemacht hat. Ich hatte das Gefühl, dies ging noch ordentlich. Ich habe am Schluss die Beschwerdeführerin gefragt, ob es für sie schwierig gewesen sei, ob sie zu viel Kraft habe aufwenden müssen. Sie sagte mir darauf, sie habe schon ziemlich Kraft aufwenden müssen. Die Beschwerdeführerin und ich haben am Abend bevor wir heimgingen, auf dem Balkon noch miteinander gesprochen und dort sagte sie mir das erste Mal an diesem Tag, es stimme etwas nicht mehr im Rücken. Sie habe ein komisches Gefühl. Dies war das erste Mal, dass sie mir mitgeteilt hat, es sei ihr in den Rücken geschossen." Auf die Frage, ob ihr die Beschwerdeführerin schon während des Vorganges (Patient ins Bett legen) auch darüber geklagt habe, es sei ihr in den Rücken geschossen, führte die Zeugin zudem aus: "Nein, jedenfalls mag ich mich nicht daran zu erinnern." Und auf die Frage, ob sie während des Vorgangs den Patienten einmal plötzlich losgelassen habe, weil sie keine Kraft mehr gehabt habe: "Nein, ich hätte mich gehütet, dies zu machen, sonst hätte die Beschwerdeführerin ja das ganze Gewicht selber tragen müssen". Die Frage, ob ihr klar gewesen sei, dass sich die Aussage der Beschwerdeführerin, es sei ihr in den Rücken geschossen, auf den Transfer des Patienten bezog, bejahte sie ebenso wie die Frage, ob sie den Patienten je nach Verfassung mit oder ohne Kran ins Bett transferiert hätten, wobei sie anfügte, an diesem Tag hätten sie den Patienten mit dem Kran ins Bett transferiert, der aber eben defekt gewesen sei. 2.2 Die Vorinstanz erachtete auf Grund dieser Aussagen eine Störung des programmässigen Ablaufs nicht als erwiesen und damit das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht als erfüllt. Insbesondere seien die von der Beschwerdeführerin zwei Jahre nach dem Ereignis geschilderten Sachverhaltsumstände nicht erwiesen, weshalb der Unfallbegriff nicht erfüllt sei. Demgegenüber bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, die Aussage der Zeugin sei insofern zu relativieren, als diese sich habe schützen und nicht zugeben wollen, dass sie den Pensionär plötzlich losgelassen habe. Abgesehen davon sei jedoch entscheidend, dass auch gemäss Zeugenaussage etwas Besonderes, Programmwidriges vorgefallen sei. Es habe unerwartet ein zu grosses Gewicht aufgefangen und stabilisiert werden müssen, denn die Zeugin habe ausgesagt, der Transfer sei zwar normal verlaufen, der Pensionär sei aber plötzlich "gschperrig" geworden. 2.3 Dass sich der fragliche Vorfall tatsächlich so zugetragen hat, wie er zwei Jahre danach erstmals durch den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin dargestellt wurde, dass also die Zeugin den Pensionär plötzlich losgelassen hat und die Beschwerdeführerin deshalb unvermittelt das ganze Gewicht des Patienten tragen musste, ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, verneinte die Zeugin doch einen solchen Hergang in ihrer Befragung ausdrücklich. Dass sie zum eigenen Schutz ein falsches Zeugnis abgelegt haben sollte, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, ist nicht anzunehmen, zumal in den vorherigen Schilderungen des Hergangs durch die Beschwerdeführerin selbst jegliche Anhaltspunkte für den erst später behaupteten Ablauf fehlen. Die durch den Rechtsvertreter nachträglich geschilderte Sachverhaltsdarstellung überzeugt daher nicht. Sodann ist nicht erstellt, dass im Rahmen des in Frage stehenden Patiententransports eine andere Programmwidrigkeit vorgefallen wäre. Dafür ergeben sich aus den Akten keinerlei Anhaltspunkte. Insbesondere den Schilderungen des Vorfalles durch die Beschwerdeführerin in der Unfallmeldung vom 31. Juli 2001 wie auch im Fragebogen vom 8. August 2001 kann kein Hinweis auf eine andere Ungewöhnlichkeit entnommen werden. Es ist nicht ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin unerwartet ein zu grosses Gewicht auffangen und stabilisieren musste, wie sie das nunmehr geltend macht. Aus der Schilderung der Zeugin, wonach der Pensionär plötzlich "gschperrig" geworden sei, kann dies jedenfalls nicht mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. Erw. 1.2 hievor) geschlossen werden. Damit ist ein Unfall im Rechtssinne zu verneinen.