Citation: 1P.7/2002 18.03.2002 E. 3

Nachfolgend wird zunächst untersucht, ob die der Verurteilung zugrunde gelegten einzelnen Beweiselemente (soweit in der Beschwerde substantiiert beanstandet) willkürfrei gewürdigt worden sind. Sodann ist zu prüfen, ob bei objektiver Betrachtung aller relevanten Beweiselemente offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an der Schuld des Beschwerdeführers fortbestehen. 3.1 Die kantonalen Gerichte werfen dem Hauptangeklagten vor, er habe zwischen August und Dezember 1998 den damals 12jährigen privaten Beschwerdegegner sexuell missbraucht und genötigt. Das Opfer sei vom Hauptangeklagten mehrmals in eine Garage hinter einem Kebab-Stand in Unterkulm gelockt bzw. (unter Androhung von Schlägen) genötigt worden. Dort habe der Hauptangeklagte jeweils seinen Penis und den After des Opfers mit Flüssigseife aus einem Seifenspender eingeschmiert und gewaltsam den Analverkehr vollzogen. Beim ersten Übergriff (an einem Mittwochabend) habe der Beschwerdeführer auf das Opfer aufgepasst bzw. dieses an der Flucht gehindert, während der Hauptangeklagte den Seifenspender und Toilettenpapier geholt habe. Ähnliche sexuelle Übergriffe des Hauptangeklagten hätten beim Waldhaus Unterkulm, in dessen Wohnung in Unterkulm sowie (am 5. Dezember 1998) auf einem Parkplatz beim Salzlager Gontenschwil stattgefunden. 3.2 Der Beschwerdeführer beanstandet die Auffassung des Obergerichtes als willkürlich, wonach "von den Sachverhaltsdarstellungen des Opfers anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme auszugehen" sei. "Die behauptete Anwesenheit des Beschwerdeführers" vor dem ersten sexuellen Übergriff habe "für das Opfer besonders hervorstechen und unauslöschlich in dessen Erinnerung haften bleiben" müssen. Dennoch habe es bei seiner Befragung vor Bezirksgericht die (bei der polizeilichen Einvernahme noch behauptete) Anwesenheit des Beschwerdeführers nicht mehr erwähnt. Während das Opfer vor der Polizei die Präsenz des Beschwerdeführers als Grund erwähnt habe, weshalb es vor dem sexuellen Übergriff "nicht weggelaufen" sei, habe es vor Bezirksgericht "einzig und allein die vom Hauptangeklagten angedrohten Schläge" als Grund dafür genannt. 3.3 Im angefochtenen Entscheid wird erwogen, die Aussagen des mutmasslichen Opfers seien "insofern widersprüchlich, als das Opfer bei der ersten Befragung angegeben" habe, der Beschwerdeführer habe auf das Opfer aufgepasst, während "der Hauptangeklagte WC-Papier holen gegangen sei". Vor Bezirksgericht habe das Opfer hingegen ausgesagt, "der Hauptangeklagte habe die Seife im Haus geholt, und es sei zu diesem Zeitpunkt niemand bei ihm gewesen". Dabei sei allerdings mitzuberücksichtigen, "dass zwischen der ersten polizeilichen Befragung und der Befragung des Opfers vor Vorinstanz fast zwei Jahre liegen". Es sei "daher ohne weiteres möglich, dass sich das Opfer vor Vorinstanz nicht mehr an die Einzelheiten der Vorfälle und damit auch nicht mehr an die Beteiligung" des Beschwerdeführers "beim ersten Übergriff zu erinnern vermochte", zumal der Beschwerdeführer "für das Opfer lediglich eine untergeordnete Rolle gespielt" habe und eine "Verschmelzung einzelner Vorfälle bei mehreren Vorfällen von relativ hoher Ähnlichkeit häufig" vorkomme. "Dass es einer Auskunftsperson mit zunehmendem Zeitablauf schwieriger fällt, die vorgefallenen Einzelheiten den jeweiligen Vorgängen noch korrekt zuzuordnen bzw. sich noch daran zu erinnern", treffe "auch auf den ersten von mehreren ähnlichen Vorfällen zu". Hinzu komme, dass dem Umstand, ob der Beschwerdeführer "beim ersten Übergriff während der kurzen Abwesenheit des Hauptangeklagten die Aufpasserrolle übernommen hat, aus der Sicht des Opfers lediglich eine marginale und untergeordnete Bedeutung" zukomme. Einerseits sei die Abwesenheit des Hauptangeklagten und die Anwesenheit des Beschwerdeführers "nur von kurzer Dauer" gewesen. Andererseits sei "für ein Opfer der stattfindende sexuelle Übergriff an sich von zentraler Bedeutung, nicht aber die vorgängige, lediglich kurze Anwesenheit eines Dritten". Daher sei es "nachvollziehbar, dass die Erinnerung des Opfers an die weniger zentralen Punkte eines der diversen sexuellen Übergriffe im Verlaufe der Zeit verblasst" sei, und es sich vor Bezirksgericht "nicht mehr an die Aufpasserrolle" des Beschwerdeführers habe erinnern können (angefochtener Entscheid, S. 53 f. Ziff. 6a - b). In diesen Erwägungen ist keine Willkür ersichtlich. 3.4 Wie sich weiter aus den Strafakten ergibt, hat der Beschwerdeführer anlässlich der polizeilichen Befragung vom 7. Dezember 1998 - noch bevor er mit konkreten Anschuldigungen wegen Beteiligung an Kindesmissbrauch konfrontiert wurde - Abstreitungen gemacht, wonach er "den Jungen" (gemeint: das mutmassliche Opfer) nicht sexuell missbraucht habe. Am 9. Dezember 1998 hat der Beschwerdeführer zu Protokoll gegeben, er und der Hauptangeklagte hätten sich vom mutmasslichen Opfer dessen Geschlechtsteil zeigen lassen. Der Beschwerdeführer sei daraufhin weggegangen, während der Hauptangeklagte und das Opfer erst zwei Minuten später nachgekommen seien. Der Beschwerdeführer habe nicht gesehen, was in der Zwischenzeit passierte. Zwar hat der Beschwerdeführer diese Aussage später widerrufen. Dennoch konnte sein Aussageverhalten von den kantonalen Gerichten willkürfrei als belastendes Beweiselement gewürdigt werden. 3.5 Bei objektiver Würdigung der vorliegenden Beweisergebnisse (Aussagen des Opfers, des Beschwerdeführers und des Hauptangeklagten, Augenscheine durch das erstinstanzliche Gericht, DNA-Spurenanalysen sowie Tensidspurenanalyse) drängen sich keine offensichtlich erheblichen und schlechterdings nicht zu unterdrückenden Zweifel daran auf, dass der Beschwerdeführer im Jahre 1998 (durch Überwachen des Opfers in einer Garage in Unterkulm) einen kausalen Tatbeitrag zum sexuellen Missbrauch eines Kindes beigesteuert hat. Was die Hauptstraftat betrifft, kann in diesem Zusammenhang auf die ausführlichen Erwägungen im Urteil des Bundesgerichtes vom 5. März 2002 (Verfahren 1P.8/2002, E. 3.1-3.3) verwiesen werden.