Citation: 5A_744/2023 E. 3.2

3.2. Das Obergericht konstatiert, dass sich C.________s Aufenthaltsort und Lebensmittelpunkt immer in der Schweiz befunden hätten. Im Februar 2020 hätten die Eheleute eine Eigentumswohnung in W.________ (Norwegen) erworben, die sie von Beginn weg an Dritte vermietet hätten. Von Plänen, gemeinsam nach W.________ (Norwegen) umzuziehen, hätten die Parteien nach C.________s Geburt Abstand genommen. Ein allfälliges Einverständnis des Beschwerdeführers mit einem Wegzug habe sich auf den Umzug als Familie bezogen; eine Zustimmung zu einem Wegzug der Beschwerdegegnerin mit C.________ allein lasse sich daraus nicht ableiten. Zur bisherigen Betreuungssituation ist dem angefochtenen Entscheid zu entnehmen, dass C.________ während des sechsmonatigen Mutterschaftsurlaubs überwiegend von der Beschwerdegegnerin betreut wurde. Der Beschwerdeführer habe nach einem einmonatigen Vaterschaftsurlaub sein Vollpensum wieder aufgenommen, sei aufgrund der Coronavirus-Pandemie aber zu Hause gewesen und habe die Beschwerdegegnerin in C.________s Betreuung unterstützt. Hinsichtlich der Betreuungssituation ab Anfang 2021 schildert die Vorinstanz ausführlich die auseinandergehenden Darstellungen der Parteien. Zusammenfassend sei davon auszugehen, dass beide Parteien ab Januar 2021 mehr als 50 %, aber weniger als 100 % im Homeoffice arbeiteten. Wer C.________ im Einzelnen wie oft betreute, lasse sich nicht eruieren; eine klassische Rollenverteilung sei jedenfalls nicht gelebt worden. Vielmehr hätten beide Parteien wohl versucht, Kinderbetreuung und Arbeit im Homeoffice unter einen Hut zu bringen. Nach der Einleitung des Eheschutzverfahrens im März 2022 hätten die Parteien vereinbart, dass C.________ vormittags vom Vater und nachmittags von der Mutter betreut wird, was unbestrittenermassen funktioniert habe. Vereinzelte mehrtägige Abwesenheiten würden für die Frage, ob ein Elternteil als Hauptbetreuungs- oder Hauptbezugsperson anzusehen ist, keine Rolle spielen. Könne der andere Elternteil für das Kind sorgen, so liege darin zumindest ein Indiz dafür, dass (auch) dieser Elternteil eine Hauptbezugsperson ist. Am 31. Dezember 2022 habe die Beschwerdegegnerin die eheliche Liegenschaft verlassen; seither werde C.________ gemäss den Vorgaben des erstinstanzlichen Urteils (s. Sachverhalt Bst. B.b) betreut. Im Ergebnis sei davon auszugehen, dass C.________ zu beiden Eltern eine enge Beziehung hat, weshalb das Bezirksgericht zu Recht beide Parteien gleichermassen als C.________s Hauptbetreuungs- und Hauptbezugspersonen angesehen habe. In der Folge kommt die Vorinstanz auf weitere Beurteilungskriterien zu sprechen. Zur "Wunschheimat" der Beschwerdegegnerin hält sie fest, dass offenbleiben könne, ob die Beschwerdegegnerin mit C.________ in Norwegen oder längerfristig in Singapur leben wolle. Aktuell deute nichts darauf hin, dass sie nach Singapur ziehen möchte; aufgrund des unterzeichneten Arbeitsvertrags mit Arbeitsort in W.________ (Norwegen) sei vielmehr glaubhaft, dass sie nach Norwegen wegziehen will. Daran ändere nichts, dass die Beschwerdegegnerin aktuell eine eigene Wohnung miete, nachdem sie drei Monate bei Freunden untergekommen sei. Sich so zu verhalten, als ob der Wegzug bewilligt würde, könne nicht verlangt werden, noch sei es angesichts der ungewissen Verfahrensdauer zumutbar, bei Freunden zu wohnen. Das Kriterium der Stabilität der Verhältnisse gewichtet das Obergericht mit Blick auf das bisher gelebte Betreuungsmodell als neutral. Zum künftigen Betreuungskonzept ist seinem Entscheid zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer erkläre, die Betreuung selbst übernehmen zu wollen und zu können, und geltend mache, seine Arbeit "massiv" auf 50 % eingeschränkt zu haben und flexibel zu sein. Darin liegt laut Vorinstanz kein Betreuungskonzept. Allein schon aufgrund seiner Einkünfte, die sich nicht um 50 % reduziert hätten, sei nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer nur in einem Pensum von 50 % arbeite. Noch unglaubhafter erscheine, dass er als einziger Geschäftsführer für die D.________ GmbH tätig sein und zugleich die Tochter betreuen könne, ohne auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein. Schon während des Zusammenlebens, als die Beschwerdegegnerin einen gewichtigen Teil der Betreuung übernommen habe, seien die Parteien auf Unterstützung angewiesen gewesen. Es leuchte nicht ein, weshalb es anders sein sollte, wenn der Betreuungsanteil der Beschwerdegegnerin entfiele und C.________ älter und damit aktiver werde. Das Betreuungskonzept der Beschwerdegegnerin sehe vor, dass sie von 09:00/10:00 Uhr bis 15:00/16:00 Uhr arbeite und C.________ in dieser Zeit den Kindergarten besuche. Dass dies so umsetzbar ist, habe der Beschwerdegegner nicht bestritten; diesbezügliche Zweifel seien auch nicht ersichtlich. Zusammenfassend hält die Vorinstanz fest, dass das künftige Betreuungskonzept schon deshalb für die Beschwerdegegnerin spreche, weil der Beschwerdeführer "kein solches darzulegen" vermocht habe. Die Fremdbetreuung sei insofern zu relativieren, als C.________ neben ihren Eltern schon früh mit diversen Bezugspersonen in Kontakt gekommen und zudem davon auszugehen sei, dass auch der Beschwerdeführer auf Fremdbetreuung angewiesen wäre. Weiter stellt die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdegegnerin in Norwegen - anders als der Beschwerdeführer in der Schweiz - über ein familiäres Umfeld verfüge. Aufgrund der bisherigen räumlichen Distanz sei indes nicht davon auszugehen, dass die Familienmitglieder in W.________ (Norwegen) enge Bezugspersonen von C.________ sind. Vor diesem Hintergrund spreche das familiäre Umfeld zwar für die Obhutszuteilung an die Beschwerdegegnerin; das Kriterium sei indessen "nur schwach zu gewichten". Mit Blick auf C.________s Alter, Sprache, Beschulung und übriges soziales Umfeld zieht das Obergericht in Erwägung, dass sich C.________ in Norwegen zuerst einleben müsste, dafür die dortige Sprache spreche; demgegenüber sei sie mit den hiesigen Verhältnissen vertraut, der deutschen Sprache aber nicht mächtig. Da sich Kleinkinder in der Regel leicht einleben und neue Sprachen erlernen würden, seien die Kriterien nur von untergeordneter Natur und neutral zu gewichten. Mit Bezug auf die Förderung der Kontakte zum anderen Elternteil widerspricht das Obergericht dem Einwand des Beschwerdeführers, dass der Beschwerdegegnerin C.________s enge Beziehung zu ihrem Vater entweder nicht bewusst sei oder sie diese nicht zulassen könne. Das Vorbringen sei unsubstanziiert. Zutreffend sei aber der Hinweis, dass die Beschwerdegegnerin auch für den Fall ihres Verbleibs in der Schweiz auf einem minimalen Besuchsrecht beharre. Als relevant für die Bindungstoleranz des Beschwerdeführers erachtet die Vorinstanz die unbestrittene Tatsache, dass er die Beschwerdegegnerin Anfang März 2022 nach ihrer Rückkehr aus Singapur aus der ehelichen Wohnung ausschloss und ihr das Kind vorenthielt, was zu einem Polizeieinsatz führte. Allein wegen dieses Vorfalls sei es jedoch nicht zu einer Entfremdung gekommen; zudem dürfe die seitherige Entwicklung nicht ausgeblendet werden. Im Zusammenhang mit Differenzen betreffend C.________s Betreuung über die Weihnachtsfeiertage 2022 stellt der angefochtene Entscheid klar, dass sich der Beschwerdeführer nicht fehlende Bindungstoleranz vorwerfen lassen müsse, wenn er im Einklang mit den Vorgaben des Gerichts handelte. Im Ergebnis sei die Bindungstoleranz bei beiden Parteien grundsätzlich zu bejahen, wenn auch in etwas eingeschränktem Ausmass. Gestützt auf die hiervor resümierten Erwägungen ist für das Obergericht entscheidend, dass der Beschwerdeführer über kein Betreuungskonzept verfügt und C.________ in W.________ (Norwegen) auch ein familiäres Umfeld erwartet. Folglich überwögen die Gründe, die Obhut über C.________ der Beschwerdegegnerin zuzuweisen und ihr zu bewilligen, ihren Wohnsitz zusammen mit der Tochter nach W.________ (Norwegen) zu verlegen. Was den persönlichen Verkehr zwischen Vater und Tochter angeht, erachtet es das Obergericht angesichts der grossen Entfernung zwischen den Wohnsitzen der Eltern als sachgerecht, dem Beschwerdeführer neben dem Besuchsrecht auch Videotelefonate zuzugestehen. Hinsichtlich des Besuchsrechts stellt das Obergericht auf den Antrag der Beschwerdegegnerin ab; die von ihr beantragten drei Wochen Ferien pro Jahr erachtet es aber als unzureichend, da sich der Kontakt zwischen Vater und Kind durch den Wegzug zwangsläufig verringern werde. Ab dem vierten Altersjahr sei eine Beschränkung auf höchstens eine zusammenhängende Woche unangebracht, zumal der Beschwerdeführer nicht mehr an C.________s Alltag werde teilnehmen können. Schliesslich sei es unter den gegebenen Umständen angezeigt, den sich aus C.________s Umzug ergebenden zusätzlichen Kosten für die Ausübung des Besuchsrechts im Rahmen der Festsetzung der Kinderalimente angemessen Rechnung zu tragen und sie unter Berücksichtigung der jeweiligen finanziellen Leistungsfähigkeit auf beide Eltern zu verteilen. Für die Zeit bis zum Wegzug bleibt es dem angefochtenen Entscheid zufolge bei der erstinstanzlichen Betreuungsregelung (vgl. Sachverhalt Bst. B.d).