Citation: 5A_224/2022 E. 3.3

3.3. Die Beschwerdeführerin rügt zunächst Willkür in der Sachverhaltsfeststellung. Das Obergericht gehe fälschlicherweise davon aus, dass sie ihren Wohnsitz ohnehin, das heisst auch ohne C.A.________, nach Portugal verlegen werde. Gestützt auf diese falsche und nicht bewiesene Vermutung und in klarem Widerspruch zur tatsächlichen Situation teile es die Obhut auf den Beschwerdegegner um, weil ein Wegzug von C.A.________ dem Kindeswohl widerspreche. Die Beschwerdeführerin beteuert, sowohl im erstinstanzlichen Verfahren als auch vor der Vorinstanz dargelegt zu haben, dass sie selbstverständlich bei ihrem Sohn in der Schweiz bleibe, sofern ihr das Gericht den Wegzug nach Portugal nicht bewillige. Dies habe auch das Kantonsgericht richtig festgestellt. Indem sich das Obergericht über diese Tatsache hinwegsetze, stelle es den Sachverhalt in Bezug auf die Frage des Wohnsitzwechsels willkürlich fest. Für die Beschwerdeführerin ist offensichtlich, dass das Obergericht die Obhut nicht umgeteilt hätte, falls es sich nicht über die vom Kantonsgericht anerkannte Tatsache hinweggesetzt hätte, dass sie ihren Wohnsitz nie ohne C.A.________ verlegen würde. Ausgehend von der Tatsache, dass sie die Schweiz nicht ohne das Kind verlasse, und von seiner Einschätzung, dass der Wegzug nach Portugal C.A.________s Wohl widerspreche, hätte das Obergericht den erstinstanzlichen Entscheid bestätigen müssen und keine Obhutsumteilung vornehmen bzw. sich die Frage der Obhutsumteilung gar nicht stellen dürfen. Die Obhut sei einzig aufgrund der Überlegung umgeteilt worden, dass sie, die Beschwerdeführerin, ihren Wohnsitz nach Portugal verlegen könne, ein solcher Wegzug jedoch nicht C.A.________s Wohl entspreche. Damit sei auch das Ergebnis des angefochtenen Entscheids offensichtlich willkürlich. Als willkürlich tadelt die Beschwerdeführerin auch die Art und Weise, wie das Obergericht Art. 301a Abs. 2 ZGB anwendet. Mit der Umteilung der Obhut weiche der angefochtene Entscheid von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ab, wonach es tendenziell im Wohl des Kindes liege, bei der bisherigen Hauptbezugsperson zu bleiben und folglich mit dieser wegzuziehen. Aus dieser Rechtsprechung gehe unmissverständlich hervor, dass die persönliche Betreuung und das Näheverhältnis zur Hauptbetreuungsperson höher zu gewichten sind als das persönliche Umfeld. Wie das Obergericht selbst richtig darlege, sei C.A.________ bereits während des ehelichen Zusammenlebens von ihr betreut worden. Damit sei sie, die Beschwerdeführerin, C.A.________s Hauptbezugsperson. Indem das Obergericht die Obhut trotzdem umteile und die Stabilität im persönlichen Umfeld höher gewichte als die Stabilität in Bezug auf die persönliche Betreuung durch die Hauptbezugsperson, setze es sich über die von der Rechtsprechung vorgegebenen Grundsätze hinweg und verfalle in Willkür. Des Weitern erkläre das Obergericht in seinen Erwägungen zur alternierenden Obhut zu Gunsten des Beschwerdegegners, dass die persönliche Betreuung und die Stabilität für C.A.________ angesichts seines Alters nicht mehr eine so grosse Rolle spielen würden, um ihr dann im Kontext der Obhutsumteilung zu ihren Ungunsten entgegenzuhalten, dass sie C.A.________ in Bezug auf das persönliche Umfeld nicht die nötige Stabilität bieten könne, da sie im Kanton Obwalden ein paar Mal umgezogen sei. Damit widerspreche sich die Vorinstanz in krasser Weise; alleine dieses Beispiel vermöge die Willkür bestens aufzuzeigen. Nicht ansatzweise zutreffend sind laut der Beschwerdeführerin sodann die vorinstanzlichen Ausführungen betreffend die Wohnsituation in Portugal. Die Beschwerdeführerin verweist auf ihre Berufungsschrift. Zum einen verkenne das Obergericht, dass das Haus ihrer Mutter nicht die beabsichtigte Wohnsituation, sondern lediglich die Alternative sei, falls sie, die Beschwerdeführerin, nicht in ihrer eigenen Liegenschaft wohnen kann. Zum anderen habe sie ausführlich dargelegt, dass in diesem Haus nur ihre Mutter lebe und die andere Etage leer stehe. Wie das Obergericht nun schliesse, dass in diesem Haus verschiedene Personen wohnen, sei nicht ansatzweise ersichtlich. "Klarerweise willkürlich" sei auch die Folgerung der Vorinstanz, dass der Beschwerdegegner willens und fähig sei, seinen Sohn zu betreuen oder durch Dritte betreuen zu lassen. Die Beschwerdeführerin erinnert daran, dass der Beschwerdegegner im laufenden Eheschutzverfahren zu keinem Zeitpunkt die alleinige Obhut über C.A.________ beantragt, den erstinstanzlichen Obhutsentscheid akzeptiert und damit sein Bewusstsein zum Ausdruck gebracht habe, dass eine Alleinobhut bei ihm nicht C.A.________s Wohl entspricht und auch nicht mit seiner Erwerbstätigkeit vereinbar ist. Angesichts der Arbeitszeiten des Beschwerdegegners beschränke sich die persönliche Betreuung durch diesen auf ein paar wenige Stunden am Abend sowie auf die Wochenenden, was keineswegs in C.A.________s Interesse und Wohl liege. Auch die vorinstanzliche Erwägung, wonach der Beschwerdegegner für C.A.________s Betreuung seine Mutter in die Schweiz holen könne, lässt die Beschwerdeführerin nicht gelten. Das Obergericht verkenne, dass ausländische Staatsangehörige nicht "einfach so" für die Betreuung von Grosskindern in die Schweiz "geholt" werden und hier verbleiben können; insofern könne keine Rede davon sein, dass der Beschwerdegegner die Kindesbetreuung mit seinem familiären Umfeld gewährleisten könne. Ebenso wenig entspreche es C.A.________s Interesse, fünf Tage pro Woche fremdbetreut zu werden, nachdem sie, die Beschwerdeführerin, eine persönliche Betreuung gewährleisten könne und zudem die Hauptbezugsperson des Kindes sei. Allein dass beide Eltern erziehungsfähig seien, bedeute keineswegs, dass es keine Rolle spiele, ob C.A.________ von seiner Hauptbezugsperson - der Mutter - oder vom Vater betreut wird. Die Beschwerdeführerin insistiert, dass keine Anhaltspunkte vorliegen, um vom Grundsatz abzuweichen, wonach es im Interesse des Kindes liege, mit dem wegzugswilligen Elternteil mitzugehen, sofern es sich dabei - wie hier - um die Hauptbezugsperson handelt. Das Obergericht habe sich bei seinem Entscheid über den Wohnsitzwechsel nicht von den Interessen und vom Wohl von C.A.________ leiten lassen und damit eindeutig Art. 301a Abs. 2 ZGB und die diesbezügliche Rechtsprechung verletzt. Willkürlich sei nicht nur die Begründung, sondern auch das Ergebnis des angefochtenen Entscheids. Im Anschluss daran rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung der Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit (Art. 24 und Art. 10 BV). Aus seinem Entscheid, C.A.________ in die alleinige Obhut des Beschwerdegegners zu geben und ihr, der Beschwerdeführerin, damit den Wegzug nach Portugal zu ermöglichen, leite das Obergericht implizit ab, dass ihre Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit nicht mehr eingeschränkt sei. Dies treffe jedoch nicht zu, denn wie dargelegt hätte dem Obergericht bewusst sein müssen, dass sie die Schweiz ohne C.A.________ nicht verlassen und ihren Wohnsitz ohne C.A.________ nicht nach Portugal verlegen würde. Indem es diese Tatsache mit keinem Wort berücksichtige, sondern pauschal ausführe, mit der Obhutszuteilung an den Beschwerdegegner stehe ihrem Wegzug nach Portugal nichts mehr im Weg, setze das Obergericht sie ins "Müttergefängnis" Schweiz und die Interessen des Vaters über die Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit der Mutter. An dieser faktischen Einschränkung der besagten Grundrechte ändere auch der vorinstanzliche Hinweis nichts, dass sie nach der Obhutszuteilung ihren Wohnsitz nach Portugal verlegen könne. Schliesslich beklagt sich die Beschwerdeführerin über eine Verletzung ihres Anspruchs auf Achtung des Familienlebens und des Rechts auf Familie (Art. 13 f. BV und Art. 8 EMRK). Diese Verletzung liege darin, dass der angefochtene Entscheid sowohl C.A.________ als auch ihr die Möglichkeit des Zusammenlebens verwehre. Die in Art. 8 Abs. 2 EMRK genannten Rechtfertigungsgründe für einen Grundrechtseingriff seien eindeutig nicht gegeben.