Citation: 4C.351/2000 20.07.2001 E. 6

6.- Nach Auffassung der Klägerin hat das Handelsgericht Art. 42 Abs. 2 OR verletzt, indem es hinsichtlich aller Aspekte am strikten Beweis gemäss Art. 42 Abs. 1 OR festgehalten habe. a) Wie die Klägerin zutreffend ausführt, enthält Art. 42 Abs. 2 OR eine bundesrechtliche Beweisvorschrift, die dem Geschädigten den Schadensnachweis erleichtern soll. Die Schätzung nach dieser Bestimmung ist nicht nur bei Unmöglichkeit des ziffernmässigen Nachweises der Schadenshöhe, sondern auch für den Fall vorgesehen, dass sich der Eintritt eines Schadens nicht strikte beweisen lässt. Damit soll dem Geschädigten jedoch nicht die Möglichkeit eröffnet werden, ohne nähere Angaben Schadenersatz in beliebiger Höhe zu fordern. Vielmehr hat er alle Umstände, die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung erlauben oder erleichtern, soweit zumutbar zu behaupten und zu beweisen. Das Bundesgericht hat daher ausdrücklich festgehalten, dass Art. 42 Abs. 2 OR den Geschädigten seiner Substanziierungsobliegenheit nicht enthebe. Der Schluss, dass tatsächlich ein Schaden in der behaupteten Grössenordnung eingetreten ist, muss sich dem Gericht mit einer gewissen Überzeugungskraft aufdrängen, und der Eintritt des geltend gemachten Schadens im behaupteten Umfang darf nicht bloss im Bereich des Möglichen liegen, sondern muss als annähernd sicher erscheinen. Da der Schaden konkret zu bemessen ist, bedarf es auch für die Schätzung konkreter und bewiesener tatsächlicher Grundlagen, die nur insoweit durch Annahmen aufgrund allgemeiner Erfahrungswerte ersetzt werden können, als konkrete Feststellungen unmöglich sind oder nur mit objektiv unverhältnismässigem und daher unzumutbarem Aufwand getroffen werden können (vgl. zum Ganzen BGE 122 III 219 E. 3a mit Hinweisen). b) Die Behauptungen der Klägerin in Bezug auf die im Zusammenhang mit der Geleiseblockade der Beklagten erbrachten Eigenleistungen erwiesen sich als ungenügend substanziiert und erlaubten es nicht, den geltend gemachten Aufwand unter den Rechtsbegriff des Schadens zu subsumieren (oben E. 4b/bb). Hinsichtlich des Materialaufwandes sowie der Leistungen Dritter wurden die Behauptungen nach den im Berufungsverfahren nicht überprüfbaren Erwägungen der Vorinstanz sodann nicht in der vom kantonalen Recht vorgeschriebenen Form erhoben (oben E. 5). Die Klägerin legt nicht dar und es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern es ihr objektiv unzumutbar gewesen sein soll, die tatsächlichen Grundlagen ihres Schadens in den Formen des kantonalen Prozessrechts detailliert zu behaupten. Bei dieser Sachlage ist eine Verletzung von Art. 42 Abs. 2 OR zu verneinen, zumal diese Bestimmung entgegen der Auffassung, welche die Klägerin zu vertreten scheint, den Geschädigten nicht vor einem Verlust seines Anspruches zu schützen vermag, wenn er den Schaden ungenügend substanziiert oder seine Sachbehauptungen in prozessual unzulässiger Form vorbringt.