Citation: 5A_652/2016 E. 2.3

2.3. Gemäss der deutschen Übersetzung von Art. 14 Ziff. 1 EAÜ besagt der Grundsatz der Spezialität, dass die ausgelieferte Person wegen einer anderen, vor der Übergabe begangenen Handlung als derjenigen, die der Auslieferung zugrunde liegt, nur dann verfolgt, abgeurteilt, zur Vollstreckung einer Strafe oder sichernden Massnahme in Haft gehalten oder einer sonstigen Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit unterworfen werden darf, wenn die Vertragspartei, die sie ausgeliefert hat, zustimmt (Bst. a) oder wenn die ausgelieferte Person, obwohl sie dazu die Möglichkeit hatte, das Hoheitsgebiet der Vertragspartei, der sie ausgeliefert worden ist, innerhalb von 30 Tagen nach ihrer endgültigen Freilassung nicht verlassen hat oder wenn sie nach Verlassen dieses Gebiets dorthin zurückgekehrt ist (Bst. b). Nichts anderes ergibt sich aus dem einschlägigen deutschen und schweizerischen Recht. Wie das Verwaltungsgericht zutreffend betont, setzt der Tatbestand von Art. 14 Ziff. 1 EAÜ voraus, dass die ausgelieferte Person vor ihrer Übergabe eine "andere" Handlung begangen hat, also eine Handlung, die sich von derjenigen unterscheidet, die der Auslieferung zugrunde liegt. Mit dieser (anderen) "begangenen Handlung" ist eine Tat im strafprozessualen Sinne gemeint. Dies ergibt sich schon aus der entsprechenden Formulierung "offence committed" ("begangene Straftat") in der offiziellen englischsprachigen Fassung des Übereinkommens und ist im Übrigen im Schrifttum unbestritten: "Handlung" im Sinne von Art. 14 Ziff. 1 EAÜ bedeutet ein einheitlicher geschichtlicher Lebensvorgang, das heisst das gesamte Verhalten der ausgelieferten Person, soweit es nach natürlicher Auffassung einen einheitlichen und zusammenhängenden Ausschnitt aus der historischen Lebenswirklichkeit darstellt (vgl. zu § 11 des deutschen Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen [IRG] VOGEL/BURCHARD, in: Grützner/Pötz [Hrsg.], Internationaler Rechtshilfeverkehr in Strafsachen, 3. Aufl., Heidelberg, N 36 zu § 11 IRG; KUBICIEL, in: Ambos/König/Rackow [Hrsg.], Rechtshilferecht in Strafsachen, Baden-Baden 2015, N 129 zu § 11 IRG). Auch für die Autoren, auf die sich der Beschwerdeführer beruft, bezieht sich das Spezialitätsprinzip auf "vor der Auslieferung begangene strafbare Handlungen" (GARRÉ, in: Niggli/Heimgartner [Hrsg.], Basler Kommentar, Internationales Strafrecht, 2015, N 2 zu Art. 38 IRSG) bzw. auf "Delikte..., für welche Rechtshilfe bewilligt wurde" (HEIMGARTNER/NIGGLI, in: Niggli/Heimgartner [Hrsg.], Basler Kommentar, Internationales Strafrecht, 2015, Einführung, N 48).