Citation: 6B_257/2013 E. 1.2.2

1.2.2. Die Vorinstanz gelangt zur Überzeugung, dass das Verhalten der Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund der behaupteten Übergriffe seltsam anmutet. Sie weist darauf hin, dass die Beschwerdeführerin nach dem ersten Vorfall weiterhin im Elternhaus des Beschwerdegegners blieb und während weiterer Nächte Zimmer und Bett mit dem Beschwerdegegner teilte (obgleich sie ursprünglich eine Übernachtung in Mazedonien geplant hatte und eine solche möglich gewesen wäre), nach der Rückkehr in die Schweiz den Kontakt aufrechterhielt, ein Visum organisierte und den Beschwerdegegner am 7. Februar 2011, wenige Tage nach der behaupteten Vergewaltigung in Uster, heiratete. Die Beschwerdeführerin blieb in der Folge trotz täglicher sexueller Übergriffe beim Beschwerdegegner. Die Polizei suchte sie Ende April 2011 wegen eines anderen Vorfalls auf. Die Vorinstanz verweist auf die bereits in den ersten zwei Einvernahmen deponierten Erklärungen der Beschwerdeführerin, wonach eine albanische Frau, welche unverheiratet und nicht mehr Jungfrau sei, das gesellschaftliche Ansehen verliere und von der Familie verstossen werde. Sie selbst sei, so die Darstellung der Beschwerdeführerin, nichts mehr wert gewesen, nachdem sie (nach dem ersten inkriminierten Vorfall) nicht mehr Jungfrau gewesen sei. Ihr sei nichts anderes übrig geblieben, als den Beschwerdegegner zu heiraten. Mit diesen Erklärungen, welche im Wesentlichen an die albanische Kultur und deren Wertvorstellungen anknüpfen, setzt sich die Vorinstanz in der Folge sorgfältig auseinander. Sie unterstreicht, dass die Darlegung der Beschwerdeführerin für eine streng traditionelle Albanerin Sinn macht. Gleichwohl bleibt nach der vorinstanzlichen Überzeugung eine erhebliche Ungewissheit, ob die albanische Kultur einer seit ihrem 8. oder 9. Lebensjahr in der Schweiz lebenden Schweizerin mazedonisch-albanischer Herkunft, welche in der Schweiz die Schul- und Berufsausbildung absolviert hat, keine andere Handlungsmöglichkeit offenlässt, auf eine Vergewaltigung zu reagieren. Mithin ist die Reaktion der damals rund 25-jährigen Beschwerdeführerin nach der vorinstanzlichen Würdigung geeignet, ihre Glaubwürdigkeit zu beeinträchtigen, selbst wenn die Beschwerdeführerin das geschilderte Verhalten mit ihrer Kultur respektive konservativen Einstellung zu erklären vermag. Ihre traditionelle Haltung vermag durchaus Anlass gegeben haben, dass sie sich nach dem ersten Geschlechtsverkehr mit dem Beschwerdegegner, mit welchem sie die für sie bedeutsame Jungfräulichkeit verlor, in ihre Rolle als zukünftige Ehefrau gefügt hat (Entscheid S. 6 ff. und erstinstanzliches Urteil S. 27 ff.).