Citation: 2C_460/2017 E. 3.4.2

3.4.2. Der Arztbericht F.________ vom 3. Februar 2012 nimmt nur auf die Auseinandersetzung vom 28. Januar 2012 Bezug, während psychische Gewalt kein Thema ist. Im Arztbericht F.________ vom 10. Februar 2012 wird ausgeführt: "Hat keine Alpträume mehr, hat die Bilder der besagten Nacht langsam weg." Damit wird wiederum ausschliesslich auf die Auseinandersetzung vom 28. Januar 2012 Bezug genommen, während eine psychische Unterdrückung nicht angesprochen wird. Dieser Umstand setzt sich in den weiteren Arztberichten fort. Die Feststellungen der Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin in mehreren Stellungnahmen bzw. Befragungen, wobei eine Stellungnahme (vom 5. Mai 2016) später als der Arztbericht D.________/E.________ datiert ist, keine psychische Oppression erwähnt hat und das Eheleben positiv beschreibt, wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. Die Erklärung dieses Widerspruchs vermag nicht zu überzeugen. Ein Strafverfahren ist nicht auf einen bestimmten Gegenstand beschränkt, sondern wird je nach Aussagen der involvierten Personen auf weitere Tatbestände erweitert (Art. 311 Abs. 2 Schweizerische Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 [StPO; SR 312.0]). Die polizeiliche Einvernahme vom 15. Februar 2012 war nicht auf die mögliche Körperverletzung vom 28. Januar 2012 limitiert. Die Beschwerdeführerin hat selbst die frühere Auseinandersetzung vom 14. Dezember 2011 und deren Umstände geschildert und ausgesagt, sie sei damals von einem einmaligen Ereignis ausgegangen und habe deshalb auf eine Anzeige verzichtet. Mit dem Vorwurf ihres Ehemannes konfrontiert, dass sie auf ihn eingeschlagen habe, führt sie lediglich dessen Schlafprobleme und ständiges Rauchen ins Feld. Auch bei der offenen Frage nach weiteren Bemerkungen bringt sie keine psychische Druckausübung vor, sondern finanzielle Unstimmigkeiten zwischen den Eheleuten. Bereits anlässlich der Einvernahme vom 15. Februar 2012 wäre es, hätte eine psychische Oppression stattgefunden, naheliegend gewesen, dass die Beschwerdeführerin diese schildert. Die Stellungnahmen vom 12. November 2012 und 5. Mai 2016 erfolgten abgesehen davon nicht im Rahmen des Strafverfahrens, sondern des ausländerrechtlichen Verfahrens bezüglich Überprüfung des Aufenthaltsrechts (Gewährung des rechtlichen Gehörs). Auch hier hatte die Beschwerdeführerin mehrmals die Gelegenheit, eine allfällige psychische Druckausübung darzulegen. Stattdessen zeichnete sie unbestrittenermassen ein positives Bild der Ehe und schloss eine Wiedervereinigung selbst am 5. Mai 2016 nicht aus. Der Arztbericht D.________/E.________ kontrastiert mit den früheren Arztberichten sowie mit der genannten Einvernahme bzw. den Stellungnahmen, welche teilweise vor und nach diesem Arztbericht erfolgten, bezüglich psychischen Drucks in auffälliger Weise. Nur in diesem Arztbericht wird ausgeführt, dass sich der Ehemann nach der Heirat plötzlich als sehr aggressiv entpuppt, anhaltender Stress begonnen habe und der Streit zum täglichen Problem geworden sei, der schliesslich in einer Gewaltanwendung gegipfelt habe. Schliesslich wird ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin daraufhin die Scheidung eingereicht habe, was von der Beschwerdeführerin selbst mehrmals umgekehrt geschildert wurde (Scheidungswille des und Scheidungseinreichung durch den Ehemann). In noch stärkerem Kontrast zur genannten Einvernahme bzw. den erwähnten Stellungnahmen und den Arztberichten F.________ steht nun die von der Beschwerdeführerin erstmals vor Verwaltungsgericht vorgebrachte Schilderung, sie sei von ihrem Ehemann wie eine Sklavin behandelt worden, Deutsch zu lernen sei ihr verboten worden, sie habe sich mit niemandem verabreden dürfen sowie ihre Bekleidung und Haarfarbe seien ausschliesslich durch ihn bestimmt worden.