Citation: I 370/05 24.10.2005 E. 4

4.1 Ob ein Versicherter als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätiger oder als Nichterwerbstätiger einzustufen ist - was je zur Anwendung einer andern Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, gemischte Methode) führt -, ergibt sich aus der Prüfung, was der Versicherte bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (vgl. Art. 27bis Abs. 2 IVV). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 150 Erw. 2c, je mit Hinweisen; in BGE 130 V 396 nicht publizierte Erw. 3.3.1) 4.2 Verwaltung und Vorinstanz gingen für den Gesundheitsfall von einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit der Versicherten im Take-Away aus. Aus den Akten ergibt sich dazu Folgendes: Zwar gab die Versicherte bei der Berufsberatung anlässlich des Erstgesprächs am 12. September 2001 an, sie habe 1997 zusammen mit drei anderen Personen einen Take-Away eröffnet, wo die Versicherte zuerst 100 % gearbeitet habe bis zum dritten Kind. Nachher wäre sie wieder zu 100 % eingestiegen, da ihre Mutter im gleichen Haus wohne, die Kinderbetreuung schon vorher übernommen habe und auch das dritte Kind betreut hätte. Als Aufgaben im Take-Away wurden genannt: Telefondienst, kochen, rüsten, vorbereiten, aufräumen, abwaschen, Party-Service vorbereiten. Ebenso wurde im Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vom 29. April 2003 angegeben, die Arbeitsbereiche teilten sich auf in Bestellungsaufnahme, Küchenarbeit (allgemeine Hilfsarbeiten), Putzen, Verkauf/Bedienung. Die Büroarbeiten und Buchhaltungsvorbereitungen würden durch die Freundin von Herrn M.________ gemacht, während dieser neben seinen anderen Tätigkeiten zusätzlich für den Einkauf zuständig gewesen sei. Der Betrieb sei 7 Tage pro Woche geöffnet, wobei ihr selbst zwei Freitage in der Woche zugestanden seien. Die Betreuung der Kinder und der ganze Haushalt habe vom Ehemann gewährleistet werden können, der im selben Betrieb gesundheitlich bedingt "nur ein 50%-Pensum inne hatte (entlöhnt)", sowie von der Grossmutter, die in der Nähe wohne. Der rechtlichen Einfachheit halber (Nachfolgeregelung) habe man die Firma per ........ 2002 in eine GmbH umgewandelt. Dadurch, dass die Versicherte im Betrieb nicht mehr arbeitstätig sei, sei der Ehemann an der Seite von Herrn M.________ involviert worden. Demgegenüber wurde im BEFAS-Bericht vom 28. November 2002 ausgeführt, von Mai 1997 bis zu ihrem letzten Arbeitstag am 24. Dezember 2000 habe die Versicherte ihren Mann in dessen Betrieb unterstützt, indem sie telefonische Bestellungen entgegengenommen habe usw. Im Rahmen der Wiedergabe der subjektiven Angaben wurde ausserdem festgehalten, die Versicherte habe schon im Betrieb mitgeholfen, der Mann könne jetzt nicht mehr arbeiten, ihre Mutter würde jetzt im Take-Away mitarbeiten, weil sie dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr tun könne. Schliesslich führte die Versicherte in der IV-Anmeldung als ergänzende Bemerkungen an, sie könne keine schweren Sachen oder ihr Kind aufheben. Sie könne nicht längere Zeit stehen bleiben zum Beispiel für Wäsche aufhängen, Wäsche bügeln und Badewanne reinigen. Sie habe keine Spitex zu Hause. Dabei erwähnte die Beschwerdegegnerin keine weiteren Einschränkungen im Bereich der Erwerbstätigkeit im Take-Away, sondern nur solche betreffend die Haushalttätigkeit. 4.3 Auf Grund dieser widersprüchlichen Aktenlage lässt sich die Statusfrage nicht zuverlässig beantworten und es kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die Versicherte ab 1. Oktober 1996 bis zur Schwangerschaft bzw. bis am 24. Dezember 2000 tatsächlich zu 100 % erwerbstätig war und im Gesundheitsfall weiterhin zu 100 % erwerbstätig wäre. Vielmehr bedürfen die näheren Umstände der Arbeitsaufnahme und des - vor und nach der Geburt des dritten Kindes - ausgeübten Arbeitspensums der Beschwerdegegnerin einer näheren Abklärung. Dabei wird die IV-Stelle weitere detaillierte Angaben zum Arbeitspensum, zu den Arbeitszeiten und den im Take-Away anfallenden Tätigkeiten wie auch Auskünfte von Drittpersonen wie des Mitgesellschafters M.________ und des Ehemannes der Versicherten sowie weitere Unterlagen (Gesellschaftsvertrag der Kollektivgesellschaft "P.________" usw.) einholen. Hernach wird sie über die Statusfrage neu entscheiden und allenfalls die Einschränkung im Aufgabenbereich abklären.