Citation: 6B_384/2022 E. 2.2

2.2. Gemäss Vorinstanz kam der forensisch-psychiatrische Sachverständige zum Schluss, dass der Beschwerdegegner an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und paranoiden Anteilen leide. Die Aussagen des Beschwerdegegners zum angeklagten Vorfall seien von seinem Weltbild und Staatsverständnis geprägt. Seine Aussagen seien über alle Einvernahmen hinweg konstant, und zwar in unterschiedlichen Worten und mit spontanen Details angereichert. Sie stimmten in Bezug auf den äusseren Geschehensablauf auch weitgehend mit den Angaben der Polizeibeamten überein. Weil der Beschwerdegegner die Staatsgewalt ablehne, interpretiere er sein Handeln zu Unrecht als gerechtfertigt. Doch seine Angaben zu den objektiven Geschehnissen erschienen glaubhaft. Die Vorinstanz betont, dass sich der Beschwerdegegner immer wieder stark belaste. So habe er angegeben, dass er gezielt der Polizeibeamtin in die Augen geschaut und die Ladung auf Kopfhöhe ausgerichtet habe. Die Aussagen des Beschwerdegegners enthalten gemäss Vorinstanz viele Realitätskriterien und wirken grundsätzlich glaubhaft. Allerdings habe sich der Beschwerdegegner allein gegen vier Polizeibeamte aufgelehnt. Daher sei fraglich, ob er in diesem dynamischen Geschehen die Dinge wirklich so detailliert wahrgenommen habe wie behauptet. Der Beschwerdegegner sei der Polizei als unberechenbar bekannt gewesen. Gemäss Aussagen der Polizeibeamten sei unklar gewesen, ob es sich beim vom Beschwerdegegner behändigten Gegenstand um eine Pfefferspray-Pistole oder eine Schusswaffe gehandelt habe. Daher hätten sich alle Beteiligten in einer ausserordentlichen Stresssituation befunden. Im Wesentlichen ist umstritten, aus welcher Distanz der Beschwerdegegner die Pfefferspray-Pistole auf die Polizeibeamtin abfeuerte. Dazu prüft die Vorinstanz ausführlich die Aussagen der Polizeibeamten und des Beschwerdegegners. In einer Gesamtwürdigung stellt die Vorinstanz fest, der Beschwerdegegner habe fliehen wollen, während die Polizeibeamten ihn in Handschellen legen wollten. In diesem Gerangel sei es ausgeschlossen, zuverlässig zu beurteilen, aus welcher Distanz der Beschwerdegegner die Pfefferspray-Pistole gegen die Polizeibeamtin abgefeuert habe. Die Polizeibeamtin konnte dem Strahl aus der Pfefferspray-Pistole glücklicherweise ausweichen. Gemäss Vorinstanz sei sie nahe auf der linken Seite des Beschwerdegegners gestanden und habe versucht, dessen linken Arm auf dessen Rücken zu bringen. Gleichzeitig habe der Polizeibeamte versucht, den rechten Arm des Beschwerdegegners zu halten. Der Beschwerdegegner habe sich jedoch aus den Griffen der Polizeibeamten winden können. Es sei ihm gelungen, die Pfefferspray-Pistole mit seinem rechten Arm aus der rechten Jackentasche zu nehmen und abzudrücken. Die Polizeibeamtin sei links hinter dem Beschwerdegegner an dessen Seite gestanden. Er habe sich also schräg nach hinten links drehen müssen, um auf sie zu schiessen. Damit erscheine die Aussage des Beschwerdegegners, dass mehr als eine Armlänge Distanz zwischen der Polizeibeamtin und der Pfefferspray-Pistole bestanden habe, nicht völlig abwegig. Bei dieser Positionierung erscheine eine Distanz von weniger als 50 cm aber auch von mehr als 50 cm möglich, je nachdem wie sich die Beteiligten bewegt hätten. Aus diesen Gründen drängen sich der Vorinstanz mehr als nur theoretische Zweifel auf, dass der Abstand zwischen der Pfefferspray-Pistole des Beschwerdegegners und der Polizeibeamtin beim Abfeuern weniger als 50 cm betragen habe. Die Vorinstanz geht unter Beachtung des Grundsatzes "in dubio pro reo" in Abweichung vom angeklagten Sachverhalt davon aus, dass der Beschwerdegegner die Druckstösse aus der Pfefferspray-Pistole aus einer Distanz von über 50 cm auf die Polizeibeamtin abgab. Bei dieser Distanz seien nach der objektiven Beweislage keine bleibenden körperlichen Schädigungen zu erwarten. Der Beschwerdegegner sei davon ausgegangen, dass schwere Verletzungen, die über eine vorübergehende Reizung hinausgehen, durch den Einsatz der Pfefferspray-Pistole unwahrscheinlich sind.