Citation: 8C_591/2019 E. 3.3

3.3. Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, die revisionsweise Aufhebung oder Herabsetzung einer Invalidenrente sei auch dann nicht mit Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK zu vereinbaren, wenn der Statuswechsel von "teilerwerbstätig (mit Aufgabenbereich) " zu "vollerwerbstätig" allein auf familiären Beweggründen beruhe, namentlich wenn der Betreuungsbedarf der Kinder wegfalle. Soweit ersichtlich wurde diese Frage in der Rechtsprechung bislang nicht untersucht. Zwar hielt das Bundesgericht in BGE 144 I 21 fest, dass die revisionsweise Aufhebung oder Herabsetzung einer Invalidenrente auch dann gegen Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK verstosse, wenn allein familiäre Gründe (insbesondere die Aufnahme einer Teilerwerbstätigkeit zufolge abnehmenden Betreuungsaufwands) für einen Statuswechsel von "nichterwerbstätig" zu "teilerwerbstätig" (mit Aufgabenbereich) sprechen (BGE 144 I 21 E. 4.3 bis 4.7 S. 26 ff.). Allerdings betonte es auch stets, dass das EGMR-Urteil Di Trizio vom 2. Februar 2016 wie auch die Folgerechtsprechung allein die wegen eines Statuswechsels zu Teilerwerbstätigkeit (mit Aufgabenbereich) anwendbare gemischte Methode der Invaliditätsbemessung betreffen. Diese Methode hatte der EGMR im erwähnten Urteil in verschiedener Hinsicht wegen der Auswirkungen bezüglich Organisation des Familien- und Berufslebens kritisiert und dabei namentlich auf methodeninhärente Mängel hingewiesen. Demgegenüber verneinte das Bundesgericht explizit eine analoge Anwendung der Di-Trizio-Rechtsprechung auf den Wechsel hin zur spezifischen Methode, bei der die Invalidität der versicherten Person allein danach ermittelt wird, in welchem Ausmass sie unfähig ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3 ATSG). Denn im Anwendungsbereich der spezifischen Methode gibt es von vornherein keine Erschwernisse bezüglich Vereinbarkeit von Familienleben und Wahrnehmung beruflicher Interessen. Ebenso wenig wirken dort die für die gemischte Methode typischen nachteiligen Folgen, die im Übrigen nunmehr mit der per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Änderung von Art. 27 und 27bis IVV beseitigt werden sollten (zum Ganzen: BGE 144 I 28; Urteil 8C_806/2017 vom 28. März 2018 E. 3.2.1). Es liegt nahe, diese Überlegungen auf den hier streitigen Statuswechsel hin zur allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu übertragen. Wie es sich im Einzelnen damit verhält, muss hier jedoch nicht weiter geprüft werden. Dies, weil im Fall der Beschwerdeführerin die (hypothetische) Steigerung des Arbeitspensums auf 100 %, wie gezeigt, nicht allein aus familiären Gründe erfolgte, so dass die Anwendung der Di-Trizio-Rechtsprechung von vornherein ausser Betracht fällt. Der Revisionsgrund ist daher gegeben.