Citation: 1B_225/2015 E. 2.4

2.4. Den Beschwerdeführer belasten folgende Umstände: Er verfügt unbestrittenermassen über keine gesicherte Arbeitsstelle in der Schweiz, wobei ihm dabei aber zugute zu halten ist, dass er jeweils im Stundenlohn als Hilfselektromonteur und Sicherheitsangestellter gearbeitet hat. Zudem fällt erschwerend ins Gewicht, dass er sich dahingehend geäussert haben soll, nach Serbien gehen zu wollen, dessen Staatsbürgerschaft er besitzt; in der Schweiz halte ihn nichts. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sind die diesbezüglichen Feststellungen der Vorinstanz weder rein spekulativ noch unbelegt, gehen sie doch aus den Akten hervor und werden durch einen Zeugen bestätigt. Letzterer hat dem Beschwerdeführer diese Aussage aber nicht geglaubt, weshalb an deren Ernsthaftigkeit grundsätzlich zu zweifeln ist. Ausserdem hat er diese Absicht bisher offensichtlich nicht in die Tat umgesetzt, obwohl er in der Vergangenheit Gelegenheit dazu gehabt hätte. Ob er sich nun nach der Auseinandersetzung mit seiner damaligen Partnerin nach Serbien absetzen würde, dürfte massgeblich von der Schwere der Tatvorwürfe abhängen. Angesichts der in der Anklageschrift beantragten Freiheitsstrafe von 7.5 Monaten, droht ihm im Falle einer Verurteilung keine empfindliche Freiheitsstrafe. Dieser Antrag der Staatsanwaltschaft ist unter dem Gesichtswinkel des Beschleunigungsgebots in Haftsachen (Art. 5 Abs. 2 StPO), der Verpflichtung zur raschestmöglichen richterlichen Prüfung der Rechtmässigkeit des Freiheitsentzugs (Art. 31 Abs. 4 BV, Art. 5 Abs. 3-4 EMRK) und der besonderen Schwere des Grundrechtseingriffs beachtlich (vgl. Urteil 1B_51/2015 vom 7. April 2015 E. 4). Dass bei einer freiheitsentziehenden Sanktion von 7.5 Monaten ein allfälliger bedingter Vollzug möglich wäre (Art. 42 Abs. 1 StGB), lässt nach der Rechtsprechung zwar weder die Fluchtgefahr dahinfallen, noch die erstandene Haft als unverhältnismässig (im Sinne von Art. 212 Abs. 3 StPO) erscheinen (vgl. BGE 133 I 270 E. 3.4.2 S. 281 f.; 125 I 60 E. 3d S. 64; je mit Hinweisen). Bei einer Anrechnung der bisher erstandenen Haft von mehr als drei Monaten begründet aber der dem Beschwerdeführer drohende (Rest-) Strafvollzug keinen erheblichen Fluchtanreiz (vgl.e contrario Urteil 1B_325/2014 vom 16. Oktober 2014 E. 3.3 mit Hinweis). Darüber hinaus muss der Beschwerdeführer wohl angesichts der beantragten Freiheitsstrafe nicht damit rechnen, dass bei einer Verurteilung seine Niederlassungsbewilligung widerrufen wird (vgl. dazu BGE 139 I 31 E. 2 S. 32 ff.). Auch dies kann gegen eine Flucht sprechen. Schliesslich ist zugunsten des Beschwerdeführers zu würdigen, dass er in der Schweiz aufgewachsen und hier verwurzelt ist. Seine Schwester und seine Eltern, bei denen er gemäss eigener Aussage wohnhaft ist, leben ebenfalls in der Schweiz. Es ist deshalb berechtigterweise davon auszugehen, dass er hier über ein soziales und familiäres Umfeld verfügt. Seine Bindungen zur Schweiz erscheinen im Vergleich zu Serbien, wo er nie gewohnt und gelebt hat, enger, weshalb angenommen werden kann, dass sie eine erheblich fluchtmindernde Wirkung entfalten. Eine Gesamtwürdigung der Umstände lässt nach dem Gesagten eine Fluchtgefahr nicht als möglich erscheinen, womit der Haftgrund gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO zu Unrecht bejaht worden ist.