Citation: U 15/00 19.03.2003 E. 3

3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt laut Art. 9 Abs. 1 UVV die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper. Rechtsprechung und Lehre haben schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffes) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche Behandlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines Unfalles voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart des Versicherten sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschenden Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie Lähmungen, Herzschlag etc.) hervorzurufen (EVGE 1939 S. 116 Erw. 4, RKUV 2000 Nr. U 365 S. 89; Bühler, Der Unfallbegriff, in Alfred Koller [Hrsg.], Haftpflicht- und Versicherungsrechtstagung 1995, S. 248 ff.; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 183 ff.; Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 28 f.). In jüngerer Zeit hat das Eidgenössische Versicherungsgericht diese Rechtsprechung bestätigt und dahingehend präzisiert, dass auch bei Schreckereignissen nicht nur die Reaktion eines (psychisch) gesunden Menschen als Vergleichsgrösse dienen kann, sondern in diesem Zusammenhang ebenfalls auf eine "weite Bandbreite" von Versicherten abzustellen ist. Zugleich hat es dabei relativierend, unter Bezugnahme auf den massgeblichen Unfallbegriff (BGE 118 V 61 Erw. 2b und 283 Erw. 2a; ferner BGE 122 V 232 Erw. 1 mit Hinweisen), betont, dass sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit definitionsgemäss nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber bezieht, weshalb nicht von Belang sein könne, wenn der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog (RKUV 2000 Nr. U 365 S. 89 mit Hinweisen). 3.2 Der Beschwerdeführer und sein Geschäftspartner wurden am 15. März 1996 von drei ihnen teilweise bekannten Männer im Zusammenhang mit einer geschäftlichen Angelegenheit aufgesucht. Dabei wurde der Beschwerdeführer durch eine Person verbal und mit einem Messer mit dem Tode bedroht, während sein Partner auch noch geschlagen wurde. Wegen Angstzuständen suchte er am 19. März 1996 erstmals Dr. med. S.________ auf. SUVA und kantonales Gericht verneinen, dass der Vorfall vom 15. März 1996 als aussergewöhnliches Schreckereignis im Sinne der Rechtsprechung und damit als Unfall im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVV zu qualifizieren ist. Das kantonale Gericht begründet seine Auffassung damit, dass die Bedrohung nicht plötzlich und nicht völlig überraschend gekommen sei. Es handle sich nicht um einen Überfall aus dem Hinterhalt. Auch eine anderweitige unerwartete und dramatische Situation, welche geeignet gewesen sei, einen Schock auszulösen, liege nicht vor. Vielmehr sei das geltend gemachte Ereignis im Zusammenhang mit Verhandlungen gestanden, bei denen der Kläger von vornherein wusste, worum es im Wesentlichen ging. 3.3 Der hier zu beurteilende Vorfall zeichnet sich dadurch aus, dass der Beschwerdeführer keine Verletzungen des Körpers erlitten hat. Unter diesen Umständen bereitet die Frage Schwierigkeiten, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Unfall anzunehmen ist, wenn das Ereignis den Körper überhaupt nicht oder doch nur unwesentlich verletzt, hingegen derart wirkt, dass es eine psychische Störung verursacht. Maurer (a.a.O., S. 184) mahnt unter Hinweis auf Piccard (in: Gelpke/Schlatter, Unfallkunde, 2. Aufl. 1930,S. 23 ff.) zur Zurückhaltung und spricht psychischen Affektionen, die weder die Folge einer plötzlichen schweren Körperschädigung noch auch umgekehrt die unmittelbare Ursache einer solchen sind, die Eigenschaft eines Unfalles im Rechtssinne ab. Ob bei Ereignissen, bei denen weder die versicherte Person noch Drittpersonen verletzt oder getötet werden, namentlich bei deliktischen Handlungen wie Raubüberfall, Drohung, Erpressung etc. die bisherige Rechtsprechung zum Begriff des Schreckereignisses modifiziert werden soll, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht im Urteil A. vom 19. Dezember 2002 (U 412/99) offengelassen. Auch im vorliegenden Fall muss aus nachfolgenden Erwägungen dieser Frage ebenso nicht nachgegangen werden wie auch unbeantwortet bleiben kann, ob der Vorfall vom 15. März 1996 als aussergewöhnliches Schreckereignis im Sinne der bisherigen Rechtsprechung zu qualifizieren ist. 3.4 Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat im erwähnten Urteil A. vom 19. Dezember 2002 (U 412/99) entschieden, dass der adäquate Kausalzusammenhang zwischen einem Schreckereignis ohne körperliche Verletzungen und den nachfolgend aufgetretenen psychischen Störungen nach der allgemeinen Adäquanzformel zu beurteilen ist. Es verneinte bei einer Versicherten, die als Spielsalonaufsicht überraschend nach Geschäftsschluss von einem vermummten Mann mit der Pistole bedroht und zur Geldherausgabe gezwungen worden war, den adäquaten Kausalzusammenhang. Es führte namentlich an, dass solche Ereignisse nach einiger Zeit überwunden werden können. Diese Überlegungen haben auch im vorliegenden Fall zu gelten. Zwar ist der erpresserischen Drohung mit dem Messer zur Eintreibung von Schulden eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen. Doch ist sie nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet, langjährige Angst- und depressive Zustände auszulösen. SUVA und kantonale Gericht haben daher zu Recht die Leistungspflicht für den Vorfall vom 15. März 1996 verneint.