Citation: 2C_510/2014 E. 5.1

5.1. Stellt das Gericht im Rahmen einer inzidenten Normenkontrolle die Verfassungswidrigkeit eines angewendeten Erlasses fest, so hat es grundsätzlich den darauf gestützten Entscheid aufzuheben und die Verfassungswidrigkeit zu beheben. Das Bundesgericht hat allerdings selber verschiedentlich in Fällen, in denen es eine Verfassungsverletzung festgestellt hat, darauf verzichtet, einen angefochtenen Entscheid aufzuheben, sondern sich mit einem Appellentscheid begnügt. Die Gründe dafür können darin liegen, dass die blosse Aufhebung des angefochtenen Entscheids eine Regelungslücke oder einen rechtsfreien Raum schaffen würde (Urteil 1P.437/2003 vom 27. Januar 2004 E. 4.1, nicht publ. in: BGE 130 I 106) oder zum Ergebnis hätte, dass eine Verfassungsverletzung durch eine andere ersetzt würde (BGE 112 Ia 311 E. 2c S. 313 f.), oder darin, dass es mehrere Möglichkeiten zur rechtskonformen Umsetzung gibt und es nicht Sache des Gerichts ist, unter verschiedenen Möglichkeiten eine Wahl zu treffen (BGE 136 I 352 E. 5.2 S. 363 f.; 131 I 74 E. 6.1 S. 84). Ein Grund kann auch sein, dass die notwendigen Vorkehren in der Zuständigkeit anderer als der beschwerdegegnerischen Behörde liegen (BGE 137 V 210 E. 5 S. 266). Schliesslich hat das Bundesgericht berücksichtigt, dass die Herstellung eines verfassungskonformen Zustands zeitlich nicht immer innert nützlicher Frist möglich ist (BGE 131 I 74 E. 6.1 S. 84), und deshalb den zuständigen Behörden einen gewissen Zeitraum für die Anpassung an eine geänderte Verfassungsbestimmung eingeräumt; dabei wurden freilich Fristen von sieben bis vierzehn Jahren für die Anpassung an die Gleichbehandlung von Mann und Frau (revArt. 4 Abs. 2 aBV, gemäss Verfassungsrevision vom 14. Juni 1981) als zu lange betrachtet (BGE 123 I 56 E. 3b S. 60 f.; 116 Ia 359 E. 10b S. 380; 116 V 198 E. II/3b S. 215).