Citation: 2C_534/2022 E. 3.2

3.2. Nach Art. 51 Abs. 1 lit. b AuG erlischt der Anspruch auf Familiennachzug gemäss Art. 42 AuG, wenn einer der Widerrufsgründe gemäss Art. 63 AuG vorliegt, insbesondere wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt unter anderem bei mutwilliger Verschuldung vor (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG i.V.m. Art. 80 Abs. 1 lit. b VZAE; ab 1. Januar 2019: Art. 77a Abs. 1 lit. b VZAE). Mutwillige Verschuldung ist rechtsprechungsgemäss gegeben, wenn die Verschuldung selbstverschuldet und qualifiziert vorwerfbar ist, d.h. ein von Absicht, Böswilligkeit oder qualifizierter Fahrlässigkeit getragenes Verhalten vorliegt (Urteile 2C_20/2022 vom 7. Juli 2022 E. 6.4; 2C_834/2021 vom 24. Februar 2022 E. 3.2; 2C_410/2021 vom 4. November 2021 E. 2.3). Wurde bereits eine ausländerrechtliche Verwarnung (Art. 96 Abs. 2 AuG) ausgesprochen, ist entscheidend, ob die ausländische Person danach weiterhin mutwillig Schulden angehäuft hat (bezüglich Einfluss der Lohnpfändung vgl. Urteil 2C_834/2021 vom 24. Februar 2022 E. 3.3). Entscheidend ist, welche Anstrengungen zur Sanierung der finanziellen Situation unternommen worden sind. Positiv zu würdigen ist ein Schuldenabbau, negativ die weitere Anhäufung von Schulden in vorwerfbarer Weise (Urteile 2C_20/2022 vom 7. Juli 2022 E. 6.4; 2C_834/2021 vom 24. Februar 2022 E. 3.3; 2C_410/2021 vom 4. November 2021 E. 2.4). Ob die mutwillige Verschuldung die Qualität eines schwerwiegenden Verstosses bzw. einer schwerwiegenden Gefährdung (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG) in Abgrenzung zu einem "bloss" erheblichen oder wiederholten Verstoss (respektive einer solchen Gefährdung) gegen die öffentliche Ordnung (Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG) erreicht, beurteilt sich nach Massgabe des Umfangs der Schulden, wobei sich keine klare Grenze ziehen lässt (Urteile 2C_354/2020 vom 30. Oktober 2020 E. 2.4; 2C_93/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.5). Eine schwerwiegende Gefährdung der öffentlichen Ordnung nahm das Bundesgericht bei mutwillig unbezahlt gebliebenen öffentlich- oder privatrechtlichen Schulden in der Höhe von Fr. 199'999.85 (Verlustscheine; Urteil 2C_354/2020 vom 30. Oktober 2020), Fr. 188'000.-- (Verlustscheine; Urteil 2C_517/2017 vom 4. Juli 2018) und Fr. 172'543.-- (Verlustscheine, zusätzlich offene Betreibungen im Umfang von Fr. 4'239.--; Urteil 2C_997/2013 vom 21. Juli 2014) an. Dagegen reichte eine durch Mutwilligkeit verursachte (vgl. dazu oben) Schuldenhöhe von rund Fr. 54'000.-- (Verlustscheine und Betreibungen; Urteil 2C_93/2018 vom 21. Januar 2019) noch nicht, um den Tatbestand einer schwerwiegenden Gefährdung zu erfüllen.