Citation: 6S.212/2005 02.10.2005 E. A

Am Donnerstag, 14. November 2002, setzten in der oberen Surselva intensive Regenfälle ein. Bis am folgenden Sonntag, dem 17. November, wurden sehr hohe Niederschlagsmengen gemessen (Ilanz: 203.0 l/m2; Pigniu: 199.8 l/m2; Tavanasa: 214.4 l/m2; Trun: 252.3 l/m2). Wie in anderen betroffenen Gemeinden war die Feuerwehr auch in Rueun seit den frühen Morgenstunden des 16. Novembers mit Kontroll- und Aufräumarbeiten beschäftigt. So setzte sie unter anderem eine schwere Baumaschine bei der Örtlichkeit Grava unterhalb des Dorfes Rueun ein, um einen Wasserausbruch aus dem Valdunbach zu verhindern. Am gleichen Tag kam es im Ual da Valdun gegen 12.10 Uhr zu einem ersten, entlang des Valdunbachs durch Rueun laufenden so genannten Murgang (durch starken Regen oder Schneeschmelze hervorgerufener Schlammstrom mit Gesteinschutt). Der Bach trat in der Folge bei Grava über die Ufer und überschwemmte das Gebiet oberhalb der Kantonsstrasse. Die Oberalpstrasse musste gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Die mit den so genannten Wuhrarbeiten (Wehrarbeiten) beschäftigten Feuerwehrleute konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Um das Wasser des Valdunbachs wieder in den ursprünglichen Lauf zu leiten, bot der Gemeindevorstand drei schwere Baumaschinen auf. Gleichzeitig liess er die Anwohner aus dem gefährdeten Dorfgebiet evakuieren. In der Folge führten die bei verschiedenen Arbeitgebern tätigen Maschinisten A.________, B.________ und X.________ drei Bagger nach Rueun. Dort instruierte sie C.________ über den Einsatz. C.________ war als Mitglied des Gemeindevorstandes für die Wasserversorgung zuständig. Anschliessend begannen B.________ und X.________, mit dem angeschwemmten Material entlang des Valdunbachs einen Damm zu bauen. A.________ baggerte seinerseits angeschwemmtes Material (so genanntes Rüfenmaterial) aus dem Bachbett auf die Werkstrasse. Die Arbeiten waren nahezu beendet, als es im Ual da Valdun gegen 16.00 Uhr zu einem zweiten Murgangschub kam. Der Gerinnebereich unterhalb der Brücke zum oberen Dorfteil wurde durch die abgehenden Geröll- und Schlammmassen gefüllt. Diese erfassten auch die drei Baumaschinen und rissen sie talwärts mit. X.________ wurde aus der Führerkabine seines Baggers geschleudert. Er konnte rund 250 Meter weiter unten lebensgefährlich verletzt (u.a. mehrere Rippenbrüche, Lungenprellung mit Lungenkollaps, Hirnblutung, Leber- und Milzriss, komplexe Knieverletzung, Gesichtsschädelbruch) aus den Schlammmassen gerettet werden. B.________ wurde seinerseits mit schweren Verletzungen (stumpfes Brustkorbtrauma mit Rippenserienfraktur, Herzprellung und Unterschenkelfraktur) aus seiner Baumaschine geborgen. A.________ konnte erst gegen 18.00 Uhr nach Beizug eines schweren Bergungsgeräts und unter Einsatz eines Helikopters aus seiner Führerkabine befreit werden. Er war unterkühlt und wies verschiedene Prellungen sowie Hautablederungen auf. Trotz erfreulich verlaufendem Heilungsverlauf muss bei X.________ laut einem am 6. März 2003 eingeholten Arztbericht mit bleibenden psychischen und physischen Nachteilen gerechnet werden. X.________ verzichtete darauf, Strafantrag wegen Körperverletzung zu stellen.