Citation: 8C_679/2022 E. 5

Gemäss kantonalem Gericht begründete die von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene Stellungnahme von Dr. med. E.________ hinreichende Zweifel gegen die Zuverlässigkeit der vertrauensärztlichen Berichte. Es könne darauf daher nicht abgestellt werden. Inwiefern die Vorinstanz insoweit Bundesrecht verletzt haben sollte, ist nicht erkennbar. Praxisgemäss (oben E. 3) bedarf es im Rahmen des Entlastungsbeweises durch den Unfallversicherer einer Beleuchtung und Gewichtung des gesamten Ursachenspektrums. Daran fehlt es vorliegend mit der blossen Feststellung des Vertrauensarztes, dass Bagatelltraumen generell nicht geeignet seien, eine Sehnenverletzung herbeizuführen, zumal die von der Beschwerdegegnerin beauftragte Dr. med. E.________ unter Verweis auf medizinische Fachliteratur die Auffassung vertritt, dass ein "Malletfinger" auch durch ein "minor trauma" verursacht werden könne. Gestützt auf Internetrecherchen stellte das kantonale Gericht in der Folge fest, dass Strecksehnenrupturen am Fingerendgelenk häufig von Abrissen betroffen seien. Meist passiere dies etwa beim Bettenmachen oder bei Ballsportarten. Bereits harmlose Bagatellverletzungen würden genügen. Zudem bestünden gestützt auf den Bericht des Spitals C.________ keine Hinweise auf eine relevante Erkrankung. Damit verletzte die Vorinstanz die massgeblichen Grundsätze über die Würdigung von Arztberichten. Kann auf versicherungsinterne Berichte wegen auch nur geringfügiger Zweifel nicht abgestellt werden, fehlt es an zuverlässigen medizinischen Beurteilungsgrundlagen und ist ein Gutachten einzuholen. Das kantonale Gericht erwog unter anderem antizipierend, der entsprechende Beweis sei infolge Zeitablaufs nicht zu erbringen. Dabei verkennt die Vorinstanz, dass die Diagnosestellung anlässlich der Erstkonsultation im Spital C.________ auf einer bildgebenden Untersuchung beruhte. Zwar mag der entsprechende Bericht äusserst kurz gefasst sein, jedoch ist davon auszugehen, dass die damals angefertigten Bilder noch vorhanden und weiterer Interpretation zugänglich sind, immerhin als Ausgangspunkt für die erforderliche konkrete medizinische Beurteilung und Gewichtung sowohl des geltend gemachten Hergangs als auch des Vorzustandes als mögliche Teilursachen des Sehnenrisses. Ebenso wenig wie die Feststellung des Vertrauensarztes, dass Bagatelltraumen als Ursache generell nicht in Frage kämen, genügt jedenfalls diejenige des kantonalen Gerichts gestützt auf die ebenfalls bloss rudimentären Ausführungen von Dr. med. E.________ sowie die seinerseits entdeckten Internetquellen, dass im Gegenteil auch harmlose Mechanismen geeignet seien, einen Sehnenriss herbeizuführen. Gleichzeitig verletzte die Vorinstanz damit auch das dem Unfallversicherer mit Art. 6 Abs. 2 UVG eingeräumte Recht zur Führung eines Entlastungsbeweises. Die Beschwerde erweist sich damit als begründet. Die Sache ist an die Branchen Versicherung zu ergänzenden Abklärungen und zu erneutem Entscheid über ihre Leistungspflicht für den Sehnenriss am rechten Mittelfinger aus unfallähnlicher Körperschädigung zurückzuweisen.