Citation: 8C_568/2009 16.09.2009 E. 3

3.1 Es ist unbestritten, dass sich die geklagten vielfältigen Leiden der Beschwerdeführerin, die Dr. med. T.________ im Bericht vom 4. Januar 2007 diagnostisch als konsistentes thoracospondylogenes Syndrom verbunden mit Kopfwehattacken und diffusen Weichteilschmerzen zusammenfasste, fachmedizinisch nicht objektivieren liessen. Das kantonale Gericht erwog, die Auskünfte der behandelnden Ärzte des EPD vom 27. Oktober beziehungsweise 7. Dezember 2004 seien zwar wenig aussagekräftig, hingegen gehe aus dem Bericht des Dr. med. S.________ vom 21. Dezember 2007 klar hervor, dass die Versicherte aus psychiatrischer Sicht seit Erlass des Einspracheentscheids vom 9. Januar 2006 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen sei, weshalb kein Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG vorliege. Der Umstand, dass die IV-Stelle in der ersten Rentenablehnungsverfügung lediglich von einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % ausgegangen sei, stelle allenfalls einen Grund für deren Wiedererwägung dar, worauf jedoch kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch bestehe. 3.2 Der Auffassung des kantonalen Gerichts kann in rechtlicher Hinsicht nicht beigepflichtet werden. Den Berichten der Ärzte des EPD auf dem Formular "Arztbericht für Erwachsene" vom 7. Dezember 2004 sowie dem "Beiblatt zu Arztbericht" ist zu entnehmen, dass die Versicherte vom 1. November 2003 bis 25. November 2004 (Datum der letzten Untersuchung) vollständig arbeitsunfähig war und eine prognostische Beurteilung zu jenem Zeitpunkt nur erschwert möglich und von einer weiteren Chronifizierung der diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) mit hypochondrischen Anteilen (ICD-10: F.45.2) auszugehen war. Frau Dr. med. I.________, Chefärztin Psychosomatik der Klinik W.________ (Bericht vom 3. März 2005), schätzte die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, bedingt durch die Angstsymptomatik und die hypochondrische Störung, bei 30 % eines Vollzeitpensums ein. Von dieser Einschätzung ging die IV-Stelle bei der Bestimmung des hypothetischen Invalideneinkommens aus, wobei sie im Zeitraum bis Erlass des rechtskräftigen Einspracheentscheids vom 9. Januar 2006 keine zusätzlichen ärztlichen Auskünfte einholte. 3.3 Gemäss Berichten des Dr. med. S.________ vom 24. Januar 2007 (Neubeginn der psychiatrischen Behandlung im EPD) und 21. Dezember 2007 litt die Versicherte neu zusätzlich an einer mittels der Hamilton-Depressions-Skala bestätigten mittelschweren Depression (ICD-10: F32.1) sowie differentialdiagnostisch an einer Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0; bestätigt im Bericht vom 21. Dezember 2007), womit entgegen den in diesem Punkt offensichtlich unrichtigen Feststellungen der Vorinstanz im Vergleich mit den dem Einspracheentscheid vom 9. Januar 2006 zugrunde gelegten ärztlichen Auskünften eine psychiatrisch relevante Änderung des Gesundheitszustands belegt ist. Ob dieser die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinflusste, lässt sich allerdings aufgrund der weiteren teils wenig nachvollziehbaren Angaben des Dr. med. S.________ nicht schlüssig beurteilen. Er hielt unter der Rubrik "Vollständige Arbeitsunfähigkeit" fest, "Die Patientin wurde durch den ehemaligen Assistenzarzt EPD, Dr. med. C.________, und Oberärztin Frau Dr. med. N.________, vom 1.11.03 - 17.6.05 zu 100% und seither und bis am 17.6.05 [Behandlungsabschluss im EPD] zu 50 % beurteilt. Vom 24.1.07 (Wiederaufnahme der Behandlung im EPD) - heute und auf weiteres durch den Ref. zu 50 % AUF ...". Zunächst ist unklar, ab welchem Zeitpunkt eine hälftige Arbeitsunfähigkeit bestand. Weiter ist dem Bericht vom 21. Dezember 2007 zu entnehmen, dass die Versicherte nach dem 17. Juni 2005 (Beendigung der psychiatrischen Behandlung) und vor dem 24. Januar 2007 (Neubeginn der psychiatrischen Behandlung) nicht in psychiatrischer Behandlung bei der EPD stand, weshalb die vorinstanzliche Feststellung, die Versicherte sei seit Erlass des Einspracheentscheids vom 9. Januar 2006 aus psychiatrischer Sicht stets zu 50 % arbeitsunfähig gewesen, auf unvollständigen Grundlagen beruht. Insgesamt ist der Sachverhalt hinsichtlich der Auswirkungen der von Dr. med. S.________ im Bericht vom 21. Dezember 2007 festgehaltenen Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit unvollständig festgestellt, weshalb der Fall an die IV-Stelle zu weiteren Abklärungen zurückzuweisen ist.