Citation: 5F_11/2015 E. 4.1

4.1. Ob die Scheinehe im Lichte der Rechtsprechung (E. 3 oben) von einem oder von beiden Ehegatten gewollt sein muss, kann dahingestellt bleiben. Entscheidend für den Tatbestand des offenbaren Rechtsmissbrauchs ist erstens, dass der Wille fehlt, eine Ehe als echte Lebens- und Schicksalsgemeinschaft zu begründen oder später zu leben, und dass sich deshalb kein Ehegatte auf Rechtswirkungen der Ehe soll berufen können (vgl. PICHONNAZ, Commentaire romand, 2010, N. 43 zu Art. 123 ZGB; z.B. für den Unterhalt: Urteil 5P.142/2003 vom 9. Juli 2003 E. 2.2, in: FamPra.ch 2003 S. 912). Hinzukommen muss zweitens, dass durch die Eheschliessung ausländerrechtliche Bestimmungen umgangen werden wollen (vgl. A MARCA, Commentaire romand, 2010, N. 31-34, und GEISER, Basler Kommentar, 2014, N. 14-14e, je zu Art. 105 ZGB; für Art. 97a ZGB: Urteil 5A_30/2014 vom 15. April 2014 E. 3.3, in: FamPra.ch 2014 S. 695 f., mit Hinweisen).