Citation: 6B_941/2019 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwägt, bezüglich der Prozessvoraussetzung des gültigen Strafantrags für die Straftatbestände der Drohung, der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und der Tätlichkeiten könne vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der ersten Instanz verwiesen werden. Demgemäss sei die Beschwerdegegnerin am 11. November 2015 persönlich innert laufender Strafantragsfrist auf dem Polizeiposten V.________ erschienen, um Strafanzeige gegen den Beschwerdeführer zu erstatten. Sie habe dabei angegeben, eine Vergewaltigung anzeigen zu wollen. In Bezug auf die strittigen Antragsdelikte finde sich im betreffenden Polizeirapport weder in positiver noch in negativer Hinsicht eine ausdrückliche Erklärung. Zu prüfen sei somit, ob nach den allgemeinen Grundsätzen, die für die Auslegung von rechtserheblichen Erklärungen gelten, eine Verfolgung des inkriminierten Sachverhalts in jeder Hinsicht, insbesondere aber in Bezug auf Antragsdelikte, verlangt worden sei oder ob die Beschwerdegegnerin mit ihren Ausführungen zum Ausdruck gebracht habe, sie beschränke ihren Strafverfolgungswillen auf die Vergewaltigung. Für Letzteres spreche, dass sie in ihrem Strafantrag ausdrücklich nur davon spreche, dass sie "eine Vergewaltigung anzeigen wolle". Allerdings gehe aus dem von der Beschwerdegegnerin anlässlich der Anzeigeerstattung geschilderten Geschehensablauf klar hervor, dass sie damit auch die erfolgte Drohung, die Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und die Tätlichkeiten zur Anzeige habe bringen wollen. Die Beschwerdegegnerin habe konkrete und detaillierte Ausführungen in Bezug auf den Geschehensablauf in der Tatnacht gemacht und auch den Zusammenhang erläutert, in dem die genannten Antragsdelikte erfolgt seien. Bei der Beschwerdegegnerin handle es sich um einen juristischen Laien und es könne von ihr nicht erwartet werden, dass sie die zutreffende rechtliche Qualifikation eines Sachverhalts im Strafantrag umschreibe. Sinn und Zweck des Strafantrags sei es gerade, dass anhand des darin beschriebenen Sachverhalts eine Strafuntersuchung eingeleitet werden könne, in deren Rahmen die Untersuchungsbehörden den Sachverhalt weiter abklären und in der Folge nach einer von ihr vorzunehmenden rechtlichen Qualifikation der fraglichen Vorkommnisse, die untersuchten Delikte zur Anklage bringen könnten. Angesichts des anlässlich der Anzeigeerstattung vom 11. November 2015 durch die Beschwerdegegnerin geschilderten Geschehensablaufs und des engen Zusammenhangs zwischen dem Delikt der Vergewaltigung und den weiteren Antragsdelikten bestünden keine Zweifel, dass die Beschwerdegegnerin den Lebenssachverhalt umfassend zur Anzeige habe bringen wollen. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdegegnerin die Verfolgung einzelner Antragsdelikte nicht beabsichtigt hatte. Somit liege ein gültiger Strafantrag für die Vorwürfe der Drohung, der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und der Tätlichkeiten vor.