Citation: I 840/05 27.09.2006 E. 3

3.1 Für die Zeit vom 19. September 2001 (Neuanmeldung) bis Ende Dezember 2002 ist gestützt auf das Gutachten der MEDAS vom 1. Februar 2002 davon auszugehen, dass die Versicherte für körperlich eher leichte bis vereinzelt mittelschwere Tätigkeiten ohne besondere Stressbelastung oder Zwangshaltungen zu 50 % arbeitsfähig ist. In erwerblicher Hinsicht ist das jährliche Valideneinkommen in Höhe von Fr. 42'714.-, das die Versicherte im Gesundheitsfall als Hilfsarbeiterin mit einem Vollzeitpensum für das Jahr 2002 erzielen könnte, zu Recht unbestritten geblieben. Da die Beschwerdeführerin seit 27. April 1995 keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt hat und somit ihre zuvor umschriebene Restarbeitsfähigkeit nicht in dem ihr zumutbaren Rahmen erwerblich umsetzt, ist bei der Ermittlung des Invalideneinkommens von den Ergebnissen der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2002 auszugehen (BGE 126 V 76 Erw. 3b/bb mit Hinweisen). Gegenüber dem korrigierten (vgl. BGE 126 V 81 Erw. 7a) Tabellenlohn der mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten beschäftigten Frauen von Fr. 47'700.- nahm die Verwaltung und die Vorinstanz unter Berücksichtigung aller Umstände einen 10%igen Abzug vor, was, entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin, der Angemessenheitskontrolle im Rahmen von Art. 132 OG (in der bis Ende Juni 2006 gültig gewesenen Fassung; Erw. 1) stand hält (vgl. BGE 126 V 81 Erw. 6 mit Hinweis). Die Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 42'714.- und des auf dieser Basis ermittelten, einer Arbeitsfähigkeit von 50 % entsprechenden Invalideneinkommens von Fr. 21'465.- (Invaliditätsgrad von 50 %) begründet sodann den Anspruch auf eine halbe Rente ab 1. September 2002 (BGE 130 V 353 Erw. 2.2.2). Es kann offen bleiben, ob die Verwaltung zu Recht unter Berufung auf ein unterdurchschnittliches Valideneinkommen einen zusätzlichen Abzug von 10.5 % vom Tabellenlohn vorgenommen hat. Denn die daraus resultierende Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 42'714.- und des reduzierten Invalideneinkommens von Fr. 19'221.- (Invaliditätsgrad von 55 %) begründet ebenfalls einen Anspruch auf eine halbe Rente. 3.2 Gestützt auf das Gutachten der MEDAS vom 27. Februar 2004 wurde eine psychische Verschlechterung seit Beginn 2003 festgestellt. Es ist davon auszugehen, dass die Versicherte an einer depressiven Störung mittleren Grades mit somatischen Symptomen (ICD?10:F32.11) und an einem diffusen, nacken- und kreuzbetonten chronischen Schmerzsyndrom mit vielen vegetativen Begleiterscheinungen leidet. Unter Beachtung aller Aspekte, sowohl der psychischen Störungen als auch des chronischen Schmerzsyndroms, besteht eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % ab Januar 2003. Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringen lässt, dringt nicht durch. Insbesondere vermag der Einwand, Dr. med. L.________, FMH für Rheumatologie, bestätige in seinem Arztbericht vom 23. September 2004 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit, an der medizinischen Beurteilung schon deswegen nichts zu ändern, weil dieser Arzt ausdrücklich auf psychosoziale Faktoren verweist. Wie im angefochtenen Entscheid zutreffend erwogen wird, sind invaliditätsfremde Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) bei der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit invaliditätsrechtlich unbeachtlich (BGE 130 V 355 Erw. 2.2.5 mit Hinweisen). Nachdem das Gutachten der MEDAS vom 27. Februar 2004 keine Fibromyalgie diagnostizierte, überzeugt auch der Hinweis des Dr. med. L.________ auf eine seit 2001 bestehende Fibromyalgie nicht. Entgegen den weiteren Vorbringen liegen hinreichende medizinische Abklärungen vor, die eine zuverlässige Beurteilung erlauben, so dass mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, der Versicherten sei ab Beginn 2003 eine leidensangepasste Tätigkeit von noch 40 % zumutbar. Gestützt auf Art. 88a Abs. 2 IVV ist diese Verschlechterung der Erwerbstätigkeit ab 1. April 2003 rentenerheblich. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (2003: 1.4 %, 2004: 0,9 %, Die Volkswirtschaft 2006 Heft 7/8 S. 91 Tabelle B 10.2) und der auf 40 % reduzierten Arbeitsfähigkeit ergibt die Gegenüberstellung des Valideneinkommens (2003: Fr. 43'312.-, 2004: Fr. 43'702.-) und des Invalideneinkommens, basierend auf den Tabellenlöhnen (2003: Fr. 17'412.-, 2004: Fr. 17'569.-), einen Invaliditätsgrad von 60 %, was für die Zeitspanne vom 1. April 2003 bis 31. Dezember 2003 unverändert einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente, hingegen ab 1. Januar 2004 auf Grund der 4. IV-Revision Anrecht auf eine Dreiviertelsrente begründet (Art. 28 Abs. 1 IVG [AS 2003 3837 3853]). Ob bei der Bemessung des Invalideneinkommens zusätzlich zum leidensbedingten Abzug als Folge eines unterdurchschnittlichen Valideneinkommens ein zusätzlicher Abzug vorzunehmen ist - wie die Verwaltung dies praktizierte - kann offen bleiben. Wie bereits bei der Anspruchsberechtigung vom 1. September 2002 bis 31. Dezember 2002 (Erw. 3.2 hievon) ergibt sich auch für die nachfolgenden Anspruchsperioden kein anderes Resultat (Valideneinkommen: 2003/ Fr. 43'312.-, 2004/Fr. 43'702.-; Invalideneinkommen: 2003/Fr. 15'592., 2004/Fr. 15'733.-; ergibt einen Invaliditätsgrad von 64 %). 3.3 Der Beschwerdeführerin steht somit ab 1. September 2002 bis 31. Dezember 2003 eine halbe und im Sinne des kantonalen Gerichtsentscheids ab 1. Januar 2004 eine Dreiviertelsrente zu. Ein Obsiegen ist damit nicht verbunden, da die Beschwerdeführerin für die Zeit ab 1. Januar 2004 keine ganze Invalidenrente, wie beantragt, beanspruchen kann und für die Zeit davor nicht mehr erhält, als was ihr die Beschwerdegegnerin vorsorglich ausgerichtet hatte.