Citation: I 479/99 17.01.2000 E. 3

3.- Es steht ausser Frage, dass der Beschwerdegegner an Schwerhörigkeit leidet und demzufolge Anspruch auf zwei Hörgeräte mit Selbstregulierung hat. Streitig ist, in wel- chem Umfang die Kosten des angeschafften Geräts von der Invalidenversicherung zu übernehmen sind. a) Die IV-Stelle lehnt die vollständige Kostenübernah- me ab mit der Begründung, weil die Versorgung grundsätzlich einfach und zweckmässig zu erfolgen habe, die angepassten Hörgeräte jedoch einer bestmöglichen Versorgung entsprä- chen, könne eine Kostenvergütung nur nach Tarif 62.15 und nicht nach Tarif 62.17 erfolgen. Nicht jedes Hörgerät sei je nach Situation des Versicherten einfach und zweckmässig. Vielmehr handle es sich bei Geräten der Tarifposition 62.17 schon zum Vornherein um solche mit verschiedenen Spezial- funktionen und Technologien im Sinne einer bestmöglichen Versorgung, weshalb sie in der Regel die Voraussetzung der Einfachheit und Zweckmässigkeit übersteigen würden. Falls solche Geräte unter ganz bestimmten Voraussetzungen trotz- dem zu übernehmen seien, müsse der Facharzt ausdrücklich darauf hinweisen, was mit Bezug auf die vom Beschwerdegeg- ner beantragten Hörgeräte nicht der Fall sei. Vielmehr habe Dr. med. S.________ eine binaurale Versorgung im Sinne der Basisversorgung in einfacher und zweckmässiger Form unter- stützt (Berichte vom 21. November 1997 und 17. Januar 1998). Ein Gerät ohne digitale Signalverarbeitung und Multimikrofontechnologie vermöge diesen Ansprüchen zu genü- gen. b) Das kantonale Gericht ging demgegenüber davon aus, der Facharzt habe sich zur Frage, ob beim Beschwerdegegner eine wesentlich bessere Versorgung nötig sei, nicht in nachvollziehbarer Weise geäussert. Zwar habe sich Dr. med. S.________ klar für eine binaurale Versorgung ausgespro- chen, ohne jedoch eine Antwort darauf zu geben, ob für die Ausübung der Erwerbstätigkeit eine digitale Signalverarbei- tung, die Multikanal- und die Multimikrofontechnologie erforderlich seien. Es wies daher die Sache zur Klärung dieses Punktes an die Verwaltung zurück. c) Gemäss Rz 5.07.8 der vom BSV herausgegebenen Weg- leitung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invali- denversicherung (WHMI) in der seit Januar 1993 gültigen Fassung werden Hörgeräte, deren Anschaffungskosten die Kostenlimiten übersteigen, nur dann zu Lasten der Invali- denversicherung abgegeben, wenn keine preisgünstigeren Geräte den Anforderungen zu genügen vermögen; die Schluss- expertise hat sich darüber auszusprechen. Wählen Versicher- te ein Gerät, dessen Kaufpreis über demjenigen der Modell- gruppe liegt, die nach Ansicht der Experten oder Akustiker den Anforderungen genügen würden, so haben sie gemäss Rz 5.07.9 WHMI das Hilfsmittel selber anzuschaffen und die Mehrkosten zu tragen. Nach dem IV-Rundschreiben 125 vom 14. August 1997 betreffend die einfache und zweckmässige Hörgeräteversorgung können Hörgeräte der Tarifpositionen 60.11 bis 60.17 ohne besondere Begründung durch Fachärzte abgegeben werden. Dies bedeutet allerdings nicht, dass in Einzelfällen nicht auch Geräte einer höheren Tarifposition abgegeben werden dürften. Zweifelt die IV-Stelle in einem solchen Fall jedoch an der Einfachheit und Zweckmässigkeit einer Versorgung, muss sie vom Arzt eine entsprechende Begründung verlangen. Ist diese nicht nachvollziehbar, dür- fen die Mehrkosten nicht übernommen werden. Nach mehrmonatigen Versuchen mit den HdO-Geräten "Widex Senso C9-T" nahm Dr. med. S.________ die Schlusskon- trolle vor. Gemäss Bericht vom 17. Januar 1998 resultierte bei der Messung mit und ohne binaurale Versorgung ein durchschnittlicher Hörgewinn von über 20 dB, bei deutlicher Verbesserung der Diskrimination. Des Weitern führt der Spe- zialarzt aus, auf Grund der subjektiven Angaben des Ver- sicherten und der objektiven audiometrischen Messresultate werde Kostenübernahme der binauralen Versorgung im Sinne der Basisversorgung in einfacher und zweckmässiger Form beantragt. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass nicht genau ersichtlich ist, was der Arzt mit dieser Aussage meint. Mangels einer begründeten Stellungnahme kann nicht schlüssig beurteilt werden, ob die zur Diskussion stehenden oder allenfalls welche anderen Hörgeräte aus medizinischer Sicht unter Berücksichtigung der vom Versicherten ausgeüb- ten Tätigkeit die Voraussetzung der Einfachheit und Zweck- mässigkeit erfüllen. Der vorinstanzliche Rückweisungsent- scheid lässt sich unter diesen Umständen nicht beanstanden.