Citation: 5A_208/2024 E. 9.2.1

9.2.1. Die Bindungstoleranz des Beschwerdeführers beurteilte die Vorinstanz als eingeschränkt. Sie erwog, der Beschwerdeführer überhöhe seine eigenen Betreuungsfähigkeiten bzw. stelle seine eigenen Vorzüge bei der Betreuung wiederholt in den Vordergrund, während er auf die Bedeutung der Betreuung durch die Beschwerdegegnerin nicht eingehe und deren Betreuungsfähigkeiten in Frage stelle. Dies lasse daran zweifeln, dass der Beschwerdeführer den Kontakt des Sohnes zur Mutter unterstütze und fördere. Dafür, dass der Beschwerdeführer den Sohn nicht motiviere, zur Beschwerdegegnerin zu gehen, spreche insbesondere die Tatsache, dass die Übergaben zur Ausübung des Besuchsrechts gemäss Beiständin nicht gut verlaufen würden und sich der Sohn sträube, zur Mutter zu gehen. Für das Kindeswohl wesentlich in Betracht falle sodann, dass der Beschwerdeführer das Befinden des Sohnes zu verkennen scheine. Darüber hinaus instrumentalisiere der Beschwerdeführer seinen Sohn. Dies machte die Vorinstanz an verschiedenen Vorkommnissen fest, wobei sie insbesondere die Vorfälle rund um den strafrechtlich relevanten Vorwurf des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin habe den Sohn geschlagen, und eine E-Mail des Psychotherapeuten des Sohnes berücksichtigte: Der Beschwerdeführer warf der Beschwerdegegnerin vor, den Sohn am 11. Juni 2021 mit einem iPad ins Gesicht geschlagen zu haben. Dem Polizeirapport sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am besagten Tag zwei Videos gedreht habe, in welchen der Sohn gesagt habe, dass die Beschwerdegegnerin ihm die Verletzung an der Lippe mit dem iPad zugefügt habe. Gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers sei auf dem einen Video zu sehen, wie der Sohn ins Auto einsteige und umgehend erzähle, dass seine Mutter ihn mit dem iPad geschlagen und dass er Schmerzen an der Lippe habe. Solche Beweismittel, so die Vorinstanz, irritierten. Es erscheine nicht glaubhaft, dass der Sohn exakt im Moment der Videoaufnahme bei einem alltäglichen Vorgang wie dem Einsteigen in ein Auto von sich aus von einem derart schwerwiegenden Vorfall erzählen würde. Die Vorwürfe gegen die Beschwerdegegnerin erschienen unglaubhaft; das Aussageverhalten des Sohnes lasse darauf schliessen, dass er massgeblich vom Beschwerdeführer beeinflusst worden sei. Unerklärlich bleibe zudem, weshalb der Beschwerdeführer erst Monate nach dem angeblichen Vorfall Strafanzeige erstattet habe, sollte sich der Vorfall tatsächlich wie von ihm behauptet ereignet haben. Es überrasche daher nicht, dass das Strafverfahren rechtskräftig eingestellt worden sei. Der Beschwerdeführer hatte im kantonalen Verfahren sodann den Antrag gestellt, beim den Sohn behandelnden Psychotherapeuten einen Bericht einzuholen. Die Vorinstanz warf dem Beschwerdeführer auch hier vor, seinen Sohn zu instrumentalisieren: Der E-Mail des Psychotherapeuten sei zu entnehmen, dass dieser die Behandlung des Sohns im Oktober 2023 sofort beendet habe, nachdem er vom Beweisantrag erfahren hatte. Aus der E-Mail gehe weiter hervor, dass der Beschwerdeführer gewusst habe, dass der Psychotherapeut nicht in einen solchen Bericht einwillige. Offenbar (so der Psychotherapeut) benutze der Beschwerdeführer die Behandlung des Sohnes dazu, seine Rechtssache voranzubringen; eine Behandlung des Sohnes sei aber nur möglich, wenn diese nicht dazu instrumentalisiert werde, den väterlichen Willen durchzusetzen. Insgesamt sei anzunehmen, dass der Beschwerdeführer den Kontakt des Sohnes zu seiner Mutter unter seiner alleinigen Obhut nicht hinreichend unterstütze. Aufgrund seiner zweifellos ablehnenden Haltung gegenüber der Beschwerdegegnerin bestehe die grosse Gefahr, dass es zu einer Entfremdung des Kindes von seiner Mutter komme, auch wenn die Besuchstage und -wochenenden - mangels gegenteiliger Vorbringen - jeweils stattgefunden hätten. Der Beschwerdeführer scheine nicht in der Lage zu sein, seinen Sohn zu betreuen, ohne ihn zu instrumentalisieren, was es zur Wahrung des Kindeswohls dringend zu verhindern gelte.