Citation: 4A_377/2016 E. 2.3.3

2.3.3. Der Grundsatz, dass der Werkeigentümer nur für den bestimmungsgemässen Gebrauch seines Werks haftet, gilt nicht unbeschränkt. Ausnahmsweise bejahen Lehre und Rechtsprechung die Haftung des Werkeigentümers selbst bei einem zweckwidrigen Verhalten bestimmter Personengruppen, insbesondere von Kindern. Zu denken ist erstens an Werke, bei denen aufgrund ihrer Beschaffenheit augenfällig ist, dass Unvernunft und Unvorsicht zu schweren Schädigungen führen können (BGE 130 III 736 E. 1.5 S. 743). Eine weitere Gefahrenquelle stellen Werke dar, die Kinder zu einer bestimmungswidrigen Benützung verleiten (BGE 130 III 736 E. 1.5 S. 744 mit Hinweis auf BGE 116 II 422 betr. ein sog. "Plauschbad", in dem das Bundesgericht die Haftung des Werkeigentümers mit der Begründung bejahte, dass Konzeption und Zweckbestimmung des Wellenbades, der angesprochene Kreis der Benützer und das von einem Teil dieser Benützer zu erwartende unvernünftige Verhalten einen gefährlichen Zustand schafften). Das Bundesgericht hat die massgebenden Grundsätze zur Werkeigentümerhaftung bei Kinderunfällen wie folgt zusammengefasst (BGE 130 III 736 E. 1.6 mit Hinweisen) : Der Werkeigentümer darf grundsätzlich darauf vertrauen, dass Kinder sich gemäss der ihrem Alter entsprechenden, durchschnittlichen Vernunft verhalten. Kinder, die in Bezug auf die Benützung eines bestimmten Werks nicht über die erforderliche Vernunft verfügen, gehören unter Aufsicht. Dies muss insbesondere für den Strassenverkehr gelten, da das Strassennetz nicht eine für jeden Verkehrsteilnehmer optimale Sicherheit zu gewährleisten braucht. Der Strasseneigentümer darf darauf vertrauen, dass nur verkehrsgeschulte Kinder sich unbegleitet im Strassenverkehr aufhalten. Ausnahmsweise hat der Werkeigentümer jedoch besondere Sicherheitsvorkehren zur Verhinderung zweckwidrigen Verhaltens durch Kinder zu treffen, wenn das Werk aufgrund seiner Beschaffenheit besondere Risiken in sich birgt, die bei fehlender Vernunft und Vorsicht zu schweren Schädigungen führen, oder wenn das Werk aufgrund seiner besonderen Zweckbestimmung Kinder zu einer bestimmungswidrigen Benützung verleitet. Voraussetzung der Haftbarkeit des Werkeigentümers ist aber in jedem Fall, dass das zweckwidrige Verhalten voraussehbar ist und zumutbare Massnahmen getroffen werden können, damit eine zweckwidrige Verwendung nicht erfolgt. Gegen ein ausgefallenes Verhalten muss der Werkeigentümer selbst bei Kindern keine Vorkehren vornehmen (BGE 130 III 736 E. 1.6). Das Bundesgericht hat diese Grundsätze der Rechtsprechung allgemein für die Werkeigentümerhaftung bei Kinderunfällen zusammengefasst; entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht trifft nicht zu, dass damit eine auf den Strassenverkehr beschränkte Spezialregelung geschaffen worden wäre, die für Wohnquartiere von vornherein bedeutungslos wäre. Es erübrigt sich zudem, auf die Rechtslage nach deutschem Recht und die Rechtsprechung zu § 836 BGB einzugehen, welche die Beschwerdeführer selber für nicht einschlägig halten.