Citation: 5A_37/2024 E. 2.2.1

2.2.1. In prozessualer Hinsicht erwog das Obergericht, mit der Testamentseröffnung werde der Inhalt einer letztwilligen Verfügung den Betroffenen zur Kenntnis gebracht. Alle an der Erbschaft Beteiligten erhielten eine Abschrift der eröffneten Verfügung, soweit diese sie angehe. Das Eröffnungsgericht habe die Eröffnungsempfänger - insbesondere alle Erben, Vermächtnisnehmer und einen allfälligen Willensvollstrecker - zu ermitteln und zu bestimmen. Zu diesem Zweck sei allenfalls eine Auslegung des Testaments notwendig. Diese Auslegung habe immer nur provisorischen, unpräjudiziellen Charakter, d.h. sie habe keine materiell-rechtliche Wirkung. Über die formelle und materielle Rechtsgültigkeit einer letztwilligen Verfügung und die definitive Ordnung der materiellen Rechtsverhältnisse befinde das Eröffnungsgericht nicht; dies bleibe im Streitfall dem anzurufenden ordentlichen Zivilgericht vorbehalten. Damit sei die Eröffnungsbehörde auch zur abschliessenden Klärung der Frage der gültigen Einsetzung einer Willensvollstreckerin nicht zuständig. Da im Testamentseröffnungsverfahren somit grundsätzlich nicht über materielles Recht entschieden werde und das Urteil dem ordentlichen Gericht vorbehalten bleibe, prüfe das Obergericht nach ständiger Praxis im Rechtsmittelverfahren auch lediglich, ob das Einzelgericht bei der Testamentseröffnung in diesem beschränkten Rahmen zutreffend vorgegangen sei.