Citation: 4A_496/2019 E. 5.2

5.2. Kann die Tatsache, dass die Beurkundung nicht in Graubünden erfolgte, für das Gesamtgeschäft nicht beanstandet werden, stellt sich nur noch die Frage, ob eine zusätzliche Beurkundung in Graubünden hätte erfolgen müssen, weil es auch um ein dort gelegenes Grundstück ging. Auch diese Frage kann offenbleiben, da das geplante Geschäft nicht abgewickelt wurde, sondern die Beschwerdeführerin anders über die Liegenschaft disponiert hat, offensichtlich in Einklang mit den einschlägigen Formvorschriften. Selbst wenn man zu Gunsten der Beschwerdeführerin annehmen wollte, sie sei an das ursprüngliche Geschäft betreffend das Grundstück nicht gebunden und die Beschwerdegegnerin könne auch nach erfolgtem Verkauf an sich keinen gültigen Anspruch auf Ablieferung des Kaufpreises erheben, wären die Auswirkungen auf das Gesamtgeschäft zu betrachten. Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, weshalb davon auszugehen sein sollte, redliche Parteien in der Situation der Prozessparteien hätten im Bewusstsein eines allfälligen Formmangels auf das Gesamtgeschäft verzichtet. Daher hätte, wenn die Beschwerdeführerin nicht bereit war, die Formvorschriften nachzuholen, eine Anpassung der Vereinbarung erfolgen müssen, indem die Beschwerdeführerin das Entgelt, das sie als Gegenleistung dafür versprochen hatte, dass der Insolvenzverwalter keine Ansprüche gegen sie geltend macht, in einer anderen Form leisten müsste als durch den Verkauf der Liegenschaft in der in den Vereinbarungen geplanten Art und Weise. Dieses Entgelt entspricht dem Wert, der beim geplanten Verkauf der Liegenschaft hätte erzielt werden können. Damit wäre man im Ergebnis wieder beim eingeklagten Verkaufspreis angelangt. Die Beschwerdeführerin kann nicht gleichzeitig den Vollzug der Auseinandersetzungsvereinbarungen in Bezug auf das Grundstück verweigern, im Übrigen aber unverändert daran festhalten. Denn dies hätte zur Folge, dass sie die volle Gegenleistung erhält, selbst aber nicht bereit ist, die von ihr als Äquivalent geschuldete Leistung zu erbringen. Dieses Verhalten wäre gegenwärtig in sich völlig unvereinbar und damit widersprüchlich und missbräuchlich und verdiente keinen Rechtsschutz (BGE 143 III 55 E. 3.4 S. 62, 666 E. 4.2 S. 673; 138 III 401 E. 2.2 S. 403). Dass die Beschwerdeführerin die Vereinbarungen insgesamt für ungültig erklären will, hilft ihr nichts, da sich die Ungültigkeit der Gesamtvereinbarung nicht zwingend aus einer allfälligen Formungültigkeit eines Einzelgeschäfts im Rahmen der Gesamtvereinbarung ableiten lässt und die Beschwerdeführerin mit ihren Vorbringen zur angeblichen Unsittlichkeit der Vereinbarungen vor Bundesgericht nicht durchgedrungen ist (vgl. E. 4 hiervor). Ihr Versuch, unter Anrufung der Formnichtigkeit das Leistungsgleichgewicht zu ihren Gunsten zu verschieben, ist zum Scheitern verurteilt.