Citation: 4A_197/2020 E. 4.3

4.3. Gemäss § 68 Abs. 1 Satz 1 aZPO/ZH hat jede Partei in der Regel die Gegenpartei im gleichen Verhältnis zu entschädigen, wie ihr Kosten auferlegt werden. Nach § 64 Abs. 2 aZPO/ZH werden die Gerichtskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt; obsiegt keine Partei vollständig, werden die Kosten verhältnismässig verteilt. Von dieser Regel kann gemäss § 64 Abs. 3 aZPO/ZH insbesondere dann abgewichen werden, wenn die unterliegende Partei sich in guten Treuen zur Prozessführung veranlasst sah oder wenn der klagenden Partei die genaue Bezifferung ihres Anspruchs nicht zuzumuten war und ihre Klage grundsätzlich gutgeheissen wurde. Die Vorinstanz verwies auf die Rechtsprechung zur aZPO/ZH. Danach verletzt es kein klares Recht, wenn im Haftpflichtprozess die Kosten- und Entschädigungsfolgen auch dann gänzlich zu Lasten der beklagten Partei geregelt werden, wenn sich die klagende Partei erheblich überklagt hat und wenn ihr eine genaue Bezifferung der Klage zunächst nicht möglich oder zumutbar war (ZR 102/2003 S. 280 ff., Nr. 59 E. II.3b und c). In der Lehre wird auf Art. 42 Abs. 2 OR sowie das sogenannte Veranlassungsprinzip verwiesen und die Auffassung vertreten, in Haftpflichtprozessen dürfe ein gewisses Mass an Überklagen der klagenden Partei hinsichtlich der Kostentragungspflicht nicht schaden, wenn ihr die genaue Bezifferung zunächst nicht möglich gewesen sei. Andernfalls würde der Anspruch auf vollen Schadenersatz, wie ihn das materielle Haftpflichtrecht vorsehe, in Frage gestellt (ZR 102/2003 S. 282 Nr. 59 E. II.3b mit Hinweisen auf FRANK/STRÄULI/MESSMER, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 1997, N. 29 zu § 64 ZPO; EUGEN BUCHER, Hundert Jahre schweizerisches Obligationenrecht, ZSR 102/1983 II S. 293; PETER STEIN, Wer zahlt die Anwaltskosten im Haftpflichtfall? ZSR 106/1987 I S. 635 ff., 658; GAUCH, Der Deliktsanspruch des Geschädigten auf Ersatz seiner Anwaltskosten, in: recht 1994 S. 189 ff. 194; SCHAFFHAUSER/ZELLWEGER, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Bd. II, 1988, N. 966; vgl. auch BGE 113 II 323 E. 9 S. 341 ff.; 112 Ib 322 E. 7 S. 333).