Citation: 6B_971/2018 E. 2.4.2

2.4.2. Die von der Beschwerdeführerin gegen die Annahme eines Notwehrexzesses erhobenen Rügen verfangen nicht. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe gar nicht geprüft, ob eine mildere Verteidigungshandlung als die ohne Vorwarnung in die Brust des Verstorbenen abgegebenen zwei Schüsse möglich und Erfolg versprechend gewesen wäre, ist unzutreffend und wird von der Beschwerdeführerin selbst widerlegt. Dass sie die von der Vorinstanz aufgeführten alternativen und weniger einschneidenden Verteidigungshandlungen durch früheres Ziehen der Waffe, Abgeben eines Warnschusses oder eines Schusses ins Bein des Verstorbenen als "widersprüchlich und rechtsfehlerhaft" einstuft, belegt, dass die Vorinstanz sich mit der Problematik auseinandergesetzt hat. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör infolge einer mangelhaften oder fehlenden Begründung liegt nicht vor (vgl. BGE 143 IV 40 E. 3.4.3; Urteil 6B_90/2019 vom 7. August 2019 E. 3.4.1, zur Publ. bestimmt; je mit Hinweisen). Hingegen ist der Beschwerdeführerin zuzustimmen, dass die Erwägungen der Vorinstanz zum Notwehrexzess nicht (vollends) überzeugen. Es ist in der Tat nicht ersichtlich, inwieweit die Beschwerdeführerin erheblich dazu beigetragen haben soll, dass es überhaupt zur Situation mit tödlichem Ausgang gekommen ist. Die Vorinstanz verneint explizit ein Mitverschulden der Beschwerdeführerin am Angriff durch den Verstorbenen und damit an der Notwehrlage. Die Mitnahme der geladenen Pistole in Erwartung eines möglichen Angriffs war nach Ansicht der Vorinstanz "dumm", aber nicht ursächlich für den Angriff und ist mithin für die Beurteilung der Angemessenheit der Verteidigungshandlung ebenso unerheblich wie der Umstand, dass die Beschwerdeführerin die Pistole rechtswidrig ohne den erforderlichen Waffentragschein mit sich führte. Die Normen des Waffenrechts dienen nicht dazu, einen Angreifer vor der Gefahr zu schützen, infolge eines rechtswidrigen Angriffs verletzt oder getötet zu werden; umgekehrt werden Verstösse gegen das Waffengesetz (WG; SR 514.54) nicht durch Art. 15 StGB gerechtfertigt. Zutreffend weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass ein früheres Ziehen der Pistole (vor Beginn des Angriffs) bereits aus rechtlichen Gründen ausscheidet respektive als mildere Verteidigungshandlung nicht erfolgversprechend gewesen wäre, da der Verstorbene sie nach ihren nicht zu widerlegenden Aussagen trotz vorgehaltener und anschliessend durchgeladener Pistole angegriffenen hat. Auch ein Warnschuss macht unter diesen Umständen (in dubio pro reo) wenig Sinn, zumal sich der Verstorbene gemäss der vorinstanzlichen Feststelllungen nach dem ersten Schuss weiterhin noch leicht auf die Beschwerdeführerin zubewegt hat.