Citation: 6B_1381/2022 E. 2.3.4

2.3.4. Entsprechend den gleichlautenden Formulierungen von Art. 21 Abs. 3 StPO in den drei Amtssprachen wird auch von den Kommentatoren nicht verlangt, dass die Revisionsrichter nicht dem gleichen Berufungsgericht oder der gleichen Berufungsstrafkammer angehören dürfen. Es genügt, wenn die Kantone einen personell von der Berufungskammer unabhängigen Spruchkörper für Revisionen schaffen (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, Rz. 1604 S. 719 f.) beziehungsweise wenn sie in der Ausführungsgesetzgebung, mindestens jedoch in einem vom Gericht erlassenen Reglement, sicherstellen, dass diese Ausstandsregel auch respektiert werden kann (ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 4 zu Art. 21 StPO). Mit anderen Worten ist bei der Revision das Berufungsgericht "anders zu besetzen", wenn die Revision eines Entscheids der Rechtsmittelinstanz selbst verlangt wird (DOMINIK HASLER, Rollenwechsel im Strafverfahren, in: Luzerner Beiträge zur Rechtswissenschaft, 2019, Fn. 1733), respektive für die Revision eine andere "Richterschaft" vorzusehen, als über die Berufung befunden hat (FRANZ RIKLIN, StPO Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung mit JStPO, StBOG und weiteren Erlassen, Orell Füssli Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 3 zu Art. 21 StPO). Nach den französischen Kommentatoren muss jedenfalls sichergestellt werden, dass nicht ein und dieselbe Richterperson ("membre de la juridiction d'appel") in der gleichen Sache am Berufungsurteil und im Revisionsverfahren mitwirkt (HENZELIN/MAEDER MORVANT, a.a.O., N. 10 zu Art. 21 StPO; JEANNERET/KUHN, in: Précis de procédure pénale, 2018, Rz. 6025 S. 189 und Rz. 19035 S. 625; MOREILLON/PAREIN-REYMOND, Petit Commentaire, Code de procédure pénale, 2. Aufl. 2016, N. 9 zu Art. 21 StPO).