Citation: 4A_256/2017 E. 4.3.1

4.3.1. Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, mit diesen Falschangaben habe der Beschwerdegegner zudem Tatsachen verschwiegen, nach denen er einerseits von ihr explizit gefragt worden sei und die folglich auf Begehren des Versicherers erfolgt seien, und die andererseits zur Feststellung der Folgen der Ereignisse dienlich seien (Art. 40 i.V.m. Art. 39 Abs. 1 VVG). Da es um eine Krankentaggeldversicherung bei Arbeitsunfähigkeit gehe, könne nicht strittig sein, dass die von ihr anlässlich der Befragung vom 26. Juni 2012 verlangten Angaben zur Feststellung der Folgen des Ereignisses (hier der Arbeitsfähigkeit [recte: Arbeitsunfähigkeit]) dienlich sein können. Bei der Prüfung der Frage, ob eine attestierte 100 %ige Arbeitsunfähigkeit wegen einer psychischen Erkrankung gerechtfertigt sei, müsse auch das Aktivitätsniveau der versicherten Person in allen vergleichbaren Lebensbereichen, sein Verhalten in der Freizeit und im Alltag abgeklärt werden. Zur Klärung dieser Rahmenbedingungen und der konkreten Aktivitäten im Alltag würden auch Fragen betreffend Aufenthalt im Betrieb, der Durchführung von Arbeitsversuchen, dem Tagesablauf, der medizinischen Behandlung, dem Gesundheitsverlauf und der während der Dauer der Arbeitsunfähigkeit vorgenommenen Tätigkeiten, welche eine Affinität zum ausgeübten Beruf haben, gehören. Wenn der Versicherer solche Fragen im Rahmen der Abklärung des Sachverhalts zur Klärung der eigenen Leistungspflicht bei geltend gemachter Arbeitsunfähigkeit stelle, könne der Versicherte diesbezüglich keine falschen Angaben machen, ohne damit den objektiven Tatbestand von Art. 40 i.V.m. Art. 39 Abs. 1 VVG zu verletzen. Äusserungen zur Tagesgestaltung und zum Tagesablauf seien durchaus massgebend zur Einschätzung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit und daher geeignet, Bestand und Umfang der Leistungspflicht der Beschwerdeführerin i.S.v. Art. 40 VVG zu beeinflussen. Für die Relevanz dieser Angaben spreche einerseits, dass sie anlässlich einer Besprechung zur Klärung des massgeblichen Sachverhalts im Rahmen der Schadenabwicklung erfolgt seien. Andererseits müsse analog Art. 4 Abs. 3 VVG von der Vermutung der Relevanz einer Tatsache ausgegangen werden, wenn der Versicherer diese Fragen im Rahmen einer protokollarischen Befragung bei der Schadenabwicklung stelle.