Citation: 2C_522/2015 E. 4.2

4.2. Nach der Rechtsprechung kann der Fortbestand der elterlichen Beziehung zum hier gefestigt anwesenheitsberechtigten Kind einen wichtigen Grund zum Verbleib im Land bilden (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG; vgl. BGE 140 II 289 E. 3.4.1 S. 292; 138 II 229 E. 3.1 S. 291). Dabei ist jeweils die Gesamtsituation zu würdigen und die entsprechende Regelung verfassungs- bzw. konventionskonform anzuwenden (Art. 13 BV; Art. 8 EMRK; Urteil 2C_1125/2014 vom 9. September 2015 E. 4.1). Der Anspruch aus Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG geht in diesem Zusammenhang nicht weniger weit als jener aus Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK (Urteile 2C_173/2011 vom 24. Juni 2011 E. 4; 2C_930/2012 vom 10. Januar 2013 E. 4.1; BGE 137 I 247 E. 2.2 in fine). Der nicht sorge- bzw. obhutsberechtigte ausländische Elternteil kann die familiäre Beziehung mit seinem Kind in der Regel nur in beschränktem Rahmen leben, nämlich durch die Ausübung des ihm eingeräumten Rechts auf persönlichen Umgang. Damit er dieses wahrnehmen kann, ist nicht unbedingt erforderlich, dass er sich dauerhaft im selben Land aufhält wie das Kind und dort über ein Anwesenheitsrecht verfügt. Unter dem Gesichtswinkel des Anspruchs auf Familienleben (Art. 13 Abs. 1 BV sowie Art. 8 Ziff. 1 EMRK) kann es insbesondere bei deutlich überwiegendem öffentlichen Interesse (Straffälligkeit) genügen, wenn er den Kontakt im Rahmen von Kurzaufenthalten vom Ausland her ausüben kann, wobei allenfalls dessen Modalitäten anzupassen sind. Ein weitergehender Anspruch fällt indessen in Betracht, wenn in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine besonders enge Beziehung zum Kind besteht (so etwa bei einer geteilten Obhut bzw. einer faktisch gleichwertigen Betreuung mit gemeinsamem Sorgerecht), die Beziehung wegen der Distanz zum Heimatland des Ausländers praktisch nicht aufrecht erhalten werden kann und das bisherige Verhalten des Ausländers in der Schweiz zu keinen grösseren Klagen Anlass gegeben hat (BGE 140 I 145 E. 4.2 und 4.3 S. 149 ff.; 139 I 315 E. 2.2 S. 319; 120 Ib 1 E. 3c S. 5, 22 E. 4 S. 24 ff.; Urteile 2C_1231/2012 vom 20. Dezember 2012 E. 3.3; 2C_858/2012 vom 8. November 2012 E. 2.2; 2C_751/2012 vom 16. August 2012 E. 2.3). Auch die Prüfung der Situation eines Ausländers, der nicht mehr im gemeinsamen Haushalt mit seiner schweizerischen Ehegattin zusammenlebt, nicht über die Obhut verfügt, jedoch über das gemeinsame minderjährige Kind mit schweizerischer Nationalität noch die elterliche Sorge ausübt, orientiert sich an den dargelegten Abwägungskriterien eines besuchsberechtigten ausländischen Elternteils (BGE 140 I 145 E. 4.2 S. 149; Urteile 2C_1125/2014 vom 9. September 2015 E. 4.2 ff.; 2C_1095/ 2014 vom 17. Juli 2015 Sachverhalt lit. B und E. 4.3). Bei solchen Konstellationen stellt ein Verstoss gegen die öffentliche Ordnung keine unabhängige Bedingung dar, die zwangsläufig zum Widerruf der Aufenthaltsbewilligung führt (BGE 140 I 145 E. 3 und 4 S. 146 ff.). Es handelt sich aber immerhin um ein Kriterium unter anderen, das in der Interessenabwägung zu berücksichtigen ist. Dabei ist ihm grundsätzlich keine geringere Bedeutung einzuräumen, als dies im umgekehrten Familiennachzug für ein Kind mit Schweizer Bürgerrecht der Fall wäre (BGE 140 I 145 E. 4.1 S. 148 und E. 4.3 S. 150 f.). Massgeblich sind immer die tatsächlich gelebten Beziehungen der ausländischen Person zu den in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Familienmitgliedern (BGE 140 I 145 E. 4.2 S. 149; 135 I 143 E. 3.1 S. 148).