Citation: 9C_131/2025 E. 2.2.3

2.2.3. Im vorliegenden Zusammenhang ist der Wortlaut von Art. 39 Abs. 2 StHG insofern klar, als er in zeitlicher Hinsicht keinerlei Vorgaben macht, indem er nicht vorschreibt, zu welchem Zeitpunkt die Veranlagungsbehörde des Wohnsitz- oder Sitzkantons der Veranlagungsbehörde des anderen Kantons Kenntnis von der Steuererklärung und von der Veranlagungsverfügung zu geben hat. Die drei gleichwertigen Sprachfassungen (Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004 über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt [PublG; SR 170.512]; BGE 149 II 442 E. 4.3.3; 148 II 243 E. 4.2.2; 145 II 130 E. 2.2.1) sind übereinstimmend gehalten und lassen keine aufschlussreichen Unterschiede erkennen. Dass die Veranlagungsverfügung als solche erst nach Abschluss der Veranlagungstätigkeit an den anderen Kanton weitergeleitet werden kann, versteht sich von selbst. Keine derartige logische Fixierung besteht in Bezug auf die Steuererklärung. Insofern lässt Art. 39 Abs. 2 StHG offen, ob die Veranlagungsbehörde des Wohnsitz- oder Sitzkantons sogleich, etwas später oder gar erst zusammen mit der Veranlagungsverfügung zur Bekanntgabe an den anderen Kanton zu schreiten hat. Dies bleibt grundsätzlich dem Ermessen der Veranlagungsbehörde des "Leitkantons" überlassen. Dem Wohnsitz- oder Sitzkanton, auch "Leitkanton" oder "Leadkanton" genannt, kommt "faktisch eine Führungsrolle zu" (BGE 142 II 182 E. 3.2.4; 139 I 64 E. 3.6; Urteile 9C_674/2022 vom 12. April 2023 E. 7.3; 2C_1055/2020 vom 3. März 2021 E. 3.2.2).