Citation: 6B_481/2024 E. 2.3.3

2.3.3. Gemäss Vorinstanz wiegt das Geständnis die Vorstrafe auf. Die Betroffenheit des Beschwerdeführers durch den Verlust eines Freundes berücksichtigt sie nur leicht. Was aber massiv ins Gewicht falle, sei die Verletzung des Beschleunigungsgebots. Die Vorinstanz verweist zutreffend auf das Urteil 6B_260/2020 vom 2. Juli 2020. Demnach mildert das Gericht gestützt auf Art. 48 lit. e StGB die Strafe, wenn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Dieser Strafmilderungsgrund ist bei Wohlverhalten in jedem Fall zu beachten, wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen sind. Für die Berechnung ist der Zeitpunkt des Berufungsurteils massgebend. Gesetzlich wohl verhalten hat sich, wer keine strafbare Handlung begangen hat. In welchem Mass die Strafe bei Vorliegen dieses Strafmilderungsgrunds zu reduzieren ist, hängt davon ab, wie viel Zeit seit der Tat verstrichen ist (vgl. dort E. 2.3.3 mit zahlreichen Hinweisen auf Rechtsprechung und Lehre). Die Verletzung des Beschleunigungsgebots und der Zumessungsgrund des verminderten Strafbedürfnisses infolge Zeitablaufs nach Art. 48 lit. e StGB sind auseinanderzuhalten. Während es beim Beschleunigungsgebot um die Verfahrensdauer und um das Verhalten der Behörden geht, welche gehalten sind, ein Strafverfahren innert nützlicher Zeit anhand zu nehmen und voranzutreiben, wird beim Zumessungsgrund von Art. 48 lit. e StGB auf den Zeitablauf seit der Tat abgestellt. Es liegt ihm somit der Verjährungsgedanke zugrunde. Sind die Voraussetzungen beider Bestimmungen erfüllt, das heisst hat das Verfahren überlange gedauert und liegen die Taten weit zurück, sind sie nebeneinander anzuwenden (vgl. dort E. 2.3.5 mit Hinweisen). Die Vorinstanz gelangt zum Schluss, dass nicht nur das Beschleunigungsgebot verletzt sei, sondern auch die Voraussetzungen von Art. 48 lit. e StGB erfüllt seien. Denn seit der Tat seien über 6 Jahre vergangen. Dies entspreche beinahe zwei Dritteln der Verjährungsfrist von 10 Jahren, welche für fahrlässige Tötung, fahrlässige schwere Körperverletzung und Fahren in fahrunfähigem Zustand gelte. Die Verteidigung habe zu Recht ausgeführt, dass nicht nur die Untersuchung lange gedauert habe, sondern auch die Zeit zwischen der Fällung des erstinstanzlichen Urteils am 19. Juli 2021 und dem Versand der Begründung am 25. April 2023. Auch die Staatsanwaltschaft sehe deshalb einen Grund für eine Strafreduktion. Der Beschwerdeführer lebe seit langer Zeit in Ungewissheit, ob er eine Freiheitsstrafe zu verbüssen habe. Daher sei eine Reduktion der Freiheitsstrafe auf 4 Jahre und 6 Monate gerechtfertigt.