Citation: 6B_63/2020 E. 3.2.2

3.2.2. Was den hypothetischen Kausalzusammenhang betrifft, führt die Vorinstanz im Wesentlichen aus, D.E.________ sel. sei nach der um 17.00 Uhr durchgeführten CT-Untersuchung um ca. 17.15 Uhr wieder auf der Station gewesen. Angesichts dessen, dass die Entzündung nach den schlüssigen und nachvollziehbaren Darlegungen in den Gutachten vom 26. Februar 2013 und vom 23. Januar 2014 sowie den überzeugenden Ausführungen des einvernommenen Sachverständigen G.________ mindestens 24 Stunden vor dem Todeszeitpunkt (Feststellung des Todes am 19. August 2010 um 6.25 Uhr) begonnen habe, sei davon auszugehen, dass eine Laboruntersuchung um ca. 17.30 Uhr des 18. August 2010, welche nur wenig Zeit in Anspruch nehmen dürfte, Hinweise auf eine Entzündung gegeben hätte. Dasselbe sei von Blutdruck, Puls und Fieber anzunehmen. Dass bei D.E.________ sel. abends um 21.00 Uhr eine Körpertemperatur von 37.7 C° gemessen wurde, vermöge daran nichts zu ändern. Im Wissen um die bis dahin bestehenden Symptome sowie um die weiteren Entzündungszeichen hätte der Beschwerdeführer reagieren und D.E.________ sel. reoperieren müssen. Hätte der Beschwerdeführer wie geboten die CT-Bilder sowie die gegebenen Befunde (nicht geklärte postoperative Schmerzen trotz Schmerztherapie, störende Menge Luft im Bauchraum, Risiko einer Anastomoseninsuffizienz, letzte Laborwerte von 9.35 Uhr desselben Tages, gemessene Temperatur mehrheitlich an der Grenze zu Fieber und mehrmaliges Kollabieren des Patienten) mit der zu erwartenden Sorgfalt analysiert und D.E.________ sel. pflichtgemäss weiter ärztlich untersucht oder untersuchen lassen, hätten sich in den klinischen und laborchemischen Untersuchungen Befunde gezeigt, welche die Entzündung im Bauchraum von D.E.________ sel. dokumentiert hätten. Der Beschwerdeführer hätte mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit das Ausmass der Anastomoseninsuffizienz und der damit einhergehenden Bauchfellentzündung erkannt und umgehend eine Reoperation in die Wege geleitet. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sei davon auszugehen, dass eine solche um 18.00 Uhr des 18. August 2010 möglich gewesen wäre, zumal gewisse Schritte zur Vorbereitung der Reoperation nebeneinander erledigt werden könnten. So könne beispielsweise der Operationssaal vorbereitet werden, während der Patient und seine Angehörigen aufgeklärt werden. Dasselbe gelte für das Aufbieten weiterer Mitarbeiter des Operationsteams. Mit einer Reoperation um ca. 18.00 Uhr hätte der Patient mit hoher Wahrscheinlichkeit (80%) überlebt. Selbst wenn D.E.________ sel. erst gegen 19.00 Uhr operiert worden wäre, wäre die Überlebenswahrscheinlichkeit nach wie vor hoch gewesen. Damit seien die vom Beschwerdeführer unterlassenen ärztlichen Untersuchungen für den Tod von D.E.________ sel. hypothetisch kausal.