Citation: 8C_385/2020 E. 4.2

4.2. Die Beschwerde führende Arbeitslosenkasse wendet dagegen ein, aufgrund der Regelung von Art. 28 Abs. 2 AVIG komme der Leistungspflicht der Arbeitslosenversicherung gegenüber derjenigen der Krankentaggeldversicherung nach VVG subsidiären Charakter zu. Art. 28 Abs. 1 und Abs. 4 AVIG wie auch Art. 73 Abs. 1 KVG begründeten eine direkte Leistungspflicht der jeweiligen Versicherung. Gegenüber dem Krankentaggeldversicherer sei sie nicht vorleistungspflichtig. An dieser Koordinationsregelung ändere nichts, dass sich die versicherte Person bei der Invalidenversicherung angemeldet und letztlich gestützt auf eine festgestellte Arbeitsfähigkeit von 80 % keinen Anspruch auf Invalidenrente habe. Die beiden beteiligten Krankentaggeldversicherer hätten daher zu Unrecht anlässlich des mit der Versicherten abgeschlossenen Vergleichs die von September 2016 bis April 2017 ausgerichteten Arbeitslosentaggelder abgezogen, wobei sie von der ärztlich attestierten vollständigen (bis 31. August 2016) bzw. 80%-igen (ab 1. September 2016) Arbeitsunfähigkeit ausgegangen seien. Die Frage des Arbeitsunfähigkeitsgrads der Versicherten im Zusammenhang mit Art. 15 Abs. 2 AVIG und Art 15 Abs. 3 AVIV trete bei dieser Konstellation in den Hintergrund. Die Vorleistungspflicht nach Art. 70 Abs. 2 lit. b und Art. 15 Abs. 3 AVIV greife erst ab Ende des Krankentaggeldanspruchs am 5. Mai 2017. Die Vorinstanz verkenne, dass die Arbeitslosenkasse systemfremd während des gesamten Zeitraums in faktischer Vorleistung ein volles Taggeld ausgerichtet habe, obwohl die Beschwerdegegnerin nur im Umfang von 20 % dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestanden sei. Die Ausführungen des kantonalen Gerichts zur Überentschädigung gingen dabei fehl. Art. 69 ATSG (Überentschädigung) sei hier nicht anwendbar Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung nach Art. 53 ATSG seien erfüllt.