Citation: C 109/04 09.06.2005 E. 3

3.1 Die Arbeitslosenkasse hat den Anspruch auf Insolvenzentschädigung abgelehnt, weil sich der Beschwerdegegner monatelang mit mündlichen Vertröstungen seines ehemaligen Arbeitgebers habe hinhalten lassen. Erstmals im September 2000 habe er die Bezahlung des 13. Monatslohnes für das Jahr 1999 und der seit März 2000 ausstehenden Monatsgehälter schriftlich angemahnt. Weil er während längerer Zeit keine konkreten Schritte zur Durchsetzung seiner Lohnansprüche unternommen habe, sei er der arbeitslosenversicherungsrechtlichen Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen, weshalb kein Anspruch auf Insolvenzentschädigung bestehe. 3.2 Das kantonale Gericht und der Beschwerdegegner gelangen demgegenüber zur Auffassung, dass eine Insolvenzentschädigung auszurichten sei. Die Vorinstanz führt an, die mehrfachen mündlichen Mahnungen in der Zeit von April bis September 2000 seien insbesondere im Hinblick auf das lange Arbeits- und Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber als hinreichende Bemühungen im Sinne von Art. 55 Abs. 1 AVIG zu betrachten. Weil der Beschwerdegegner einem Betreibungsregisterauszug habe entnehmen können, dass in der Zeit von 1. Januar 1994 bis 1. September 2000 elf Betreibungen gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber mit einer Betreibungssumme von über fünf Millionen Franken angehoben worden seien, habe er von einer Überschuldung des Arbeitgebers ausgehen können und daher von der Stellung eines Rechtsöffnungsbegehrens absehen können. Er habe die ihm zumutbaren Vorkehren unternommen, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, weshalb die Arbeitslosenkasse gehalten sei, Insolvenzentschädigung auszurichten. 3.3 Das Beschwerde führende seco verneint den Anspruch auf Insolvenzentschädigung, weil die Zahlungsunfähigkeit des ehemaligen Arbeitgebers keines der in Art. 51 Abs. 1 lit. a und b AVIG vorausgesetzten zwangsvollstreckungsrechtlichen Stadien erreicht habe.