Citation: 9C_234/2023 E. 2.2.3

2.2.3. Im Hinblick auf die Frage, ob sich der Gesundheitszustand seit der Verfügung vom 12. Dezember 2019 relevant verschlechtert habe, stellt die Vorinstanz den damaligen gutachterlichen Feststellungen die aktuellen medizinischen Unterlagen gegenüber, namentlich einen Bericht der Psychiatrischen Dienste der U.________ Spitäler vom 3. Mai 2021, einen Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. B.________ vom 7. Juli 2021 sowie das im aktuellen Verfahren veranlasste Administrativgutachten vom 2. Februar 2022: Die Psychiatrischen Dienste diagnostizieren anlässlich einer stationären Behandlung (Mitte März bis Ende April 2021) u.a. eine rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig mittelgradige Episode) und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Die Behandlung habe, trotz guter Mitarbeit des Patienten, nicht zu einer wesentlichen Besserung der Symptomatik geführt. Aktuell stünden - durch eine chronifizierte Schmerzsymptomatik negativ beeinflusst - eine erhöhte Ermüdbarkeit, eine Schlafstörung, eine Konzentrationsstörung und eine deutlich reduzierte psychische und körperliche Belastbarkeit im Vordergrund. Dr. B.________ betont, seit über zehn Jahren bestehe eine progrediente depressive Entwicklung und eine Erschöpfungssymptomatik, die sich unter dem Eindruck von körperlichen Beschwerden (Herzinfarkt 2014, Schlafapnoesyndrom) weiter verschlechtert hätten; gegenwärtig bestehe eine (im Frühjahr 2021 stationär behandelte) mittelgradige bis schwere Episode einer rezidivierenden depressiven Störung, eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen und eine Verbitterungsstörung im Sinn einer sonstigen Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10 F43.8), dies in Komorbidität mit einem chronischen lumbovertebralen und zervikovertebralen Schmerzsyndrom und weiteren körperlichen Beeinträchtigungen. Es seien Einschränkungen der Belastbarkeit, des Antriebs, des Durchhaltevermögens und der kognitiven Präsenz zu erwarten, die sich auf alle beruflichen Tätigkeiten leistungsmindernd auswirken könnten. Die Arbeitsfähigkeit erreiche aus psychiatrischer Sicht höchstens 25 Prozent. Demgegenüber kommt die MEDAS zum Schluss, ein chronifiziertes generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom und ein "chronifizierendes" lumbospondylogenes Schmerzsyndrom sowie eine Periarthropathie der linken Schulter führten - ausschliesslich wegen dieser rheumatologischen Befunde - zu einer Arbeitsunfähigkeit von 80 Prozent in der angestammten Tätigkeit und von 10 Prozent in einer Verweisungstätigkeit. Ein psychiatrisches Krankheitsbild sei nicht gegeben. Die berichteten Konzentrationsstörungen könnten ebensowenig verifiziert werden wie etwaige Beeinträchtigungen der Merkfähigkeit und des Gedächtnisses. Die Willenskräfte seien ausreichend strukturiert und regelrecht, der Antrieb ausreichend. Die Affektivität sei "demonstrativ zum depressiven Pol hin verschoben", dabei "aufheiterbar und auslenkbar". Bei einem einschlägigen Test (Beck'sches Depressionsinventar) habe der Beschwerdeführer einen Wert verwirklicht, der eine schwere depressive Symptomatik anzeige. Wegen Auffälligkeiten in der Beschwerdevalidierung sei dieses Ergebnis allerdings nicht verwertbar. In weiteren Tests habe der Beschwerdeführer Werte erreicht, die für das zielgerichtete Vortäuschen einer nicht vorhandenen Symptomatik resp. für eine nicht-authentische Beschwerdeschilderung sprächen.