Citation: 2C_293/2014 E. 5.3.1

5.3.1. Nach der Rechtsprechung kann im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 50 Abs. 2 AuG eine psychische bzw. sozio-ökonomische Druckausübung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen und Einsperren einen für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an unzulässiger Oppression erreichen. Dies ist der Fall, wenn die psychische Integrität des Opfers bei einer Aufrechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft schwer beeinträchtigt würde. Indessen begründet nicht jede unglückliche, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung bereits einen nachehelichen Härtefall und ein weiteres Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Die anhaltende, erniedrigende Behandlung muss derart schwer wiegen, dass von der betroffenen Person bei Berücksichtigung sämtlicher Umstände vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie einzig aus bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrechterhält und in einer ihre Menschenwürde und Persönlichkeit verneinenden Beziehung verharrt (BGE 138 II 229 E. 3.2.2 S. 233 f.). Die ausländische Person trifft bei den Feststellungen des entsprechenden Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht. Sie muss die eheliche Gewalt bzw. häusliche Oppression in geeigneter Weise glaubhaft machen. Wird häusliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet, muss die Systematik der Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar konkretisiert und beweismässig unterlegt werden (BGE 138 II 229 E. 3.2.3 S. 235). Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei ihr aufgrund der Umstände nicht möglich gewesen sei, die häusliche Oppression zu belegen. Da sie das Haus nicht heimlich habe verlassen können, um zum Arzt oder zur Polizei zu gehen, habe sie erst nach der Trennung von ihrem Mann ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen können. Diese Vorbringen sind nicht geeignet, die von der Vorinstanz vorgenommene Würdigung in Frage zu stellen. Wenn die Beschwerdeführerin, wie sie vorgibt, erst nach der Trennung ärztliche Hilfe in Anspruch habe nehmen können, hatte sie im kantonalen Verfahren ausreichend Gelegenheit, Angaben zu Arzt- bzw. Psychiaterbesuchen zu machen und entsprechende Unterlagen einzureichen. Die für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz enthalten jedoch keine Hinweise auf entsprechende Konsultationen der Beschwerdeführerin, die ggf. die psychische Oppression durch ihren Ehemann und ihre Schwiegereltern hätten belegen können. Auch die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur am 2. November 2011 von ihr beim Migrationsdienst eingereichten schriftlichen Stellungnahme überzeugen nicht. Einerseits distanziert sie sich von dem Schreiben, indem sie angibt, es sei nicht von ihr verfasst und nur auf Druck ihrer Eltern eingereicht worden. Andererseits zögert sie nicht, darauf zu verweisen, um die von ihr behauptete psychische Misshandlung durch die Schwiegereltern zu belegen. Die in diesem Zusammenhang wenig substanziierten und widersprüchlichen Ausführungen der Beschwerdeführerin sind nicht geeignet, ihre Behauptungen hinsichtlich der angeblichen Ausübung von psychischer Gewalt zu erhärten. Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz in ihrer Gesamtbetrachtung aller relevanten Umstände das Vorliegen häuslicher Gewalt psychischer Natur in der von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V m. Art. 50 Abs. 2 AuG geforderten Intensität verneint hat.