Citation: U 106/04 05.11.2004 E. 4.2

4.2.1 Nach der Rechtsprechung ist eine Adäquanzbeurteilung auch bei leichten Unfällen mit Schleudertrauma der HWS vorzunehmen, wenn die unmittelbaren Folgen das Beschwerdebild nicht mehr als offensichtlich unfallunabhängig erscheinen lassen. Dabei sind die Kriterien heranzuziehen, die für Unfälle im mittleren Bereich gelten (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2, 1998 Nr. U 297 S. 243; vgl. auch RKUV 1992 Nr. U 154 S. 249 Erw. 2c). Diese Gerichtspraxis ist aufgrund ihres Ausnahmecharakters (BGE 117 V 366 Erw. 6a und 383 Erw. 4b) zurückhaltend anzuwenden. Das ist schon deshalb angezeigt, weil es sich bei den in Betracht fallenden unmittelbaren Unfallfolgen um Umstände handelt, z.B. Komplikationen durch die besondere Art der erlittenen Verletzung, verzögerter Heilungsverlauf, langdauernde Arbeitsunfähigkeit (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2, 1998 Nr. U 297 S. 244 Erw. 3b), welche (auch) bei der Prüfung der massgebenden Kriterien von Bedeutung sind (BGE 117 V 367 Erw. 6a und 383 Erw. 4b). Das Eidgenössische Versicherungsgericht bejahte solche unmittelbare Folgen eines leichten Unfalles, die das Beschwerdebild nicht mehr als offensichtlich unfallunabhängig erscheinen lassen, beispielsweise bei einer versicherten Person, die: - nach einer Auffahrkollision am Unfallort von Übelkeit und Schwindel befallen wurde, bei welcher bereits am nächsten Tag eine Halswirbelsäulendistorsion (mit Nackenmuskelspann, Druckdolenz über der HWS und Schwindel) diagnostiziert wurde und die bei im Wesentlichen unverändertem Beschwerdebild seit dem Unfall durchgehend ganz oder teilweise arbeitsunfähig war (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357); - bei einem Sturz eine Schädelprellung links sowie eine HWS-Distorsion mit Abknickmechanismus erlitt und bei welcher im unmittelbaren Anschluss daran eine Reihe typischer Symptome einer solchen Verletzung (Brechreiz, Schluckschmerz, Übelkeit, ungerichteter Lagerungsschwindel, dauerndes, wechselnd ausgeprägtes, wanderndes, aber vor allem in der linken Scheitel- und Ohrenregion lokalisiertes Kopfweh mit kribbelnden Missempfindungen, Nackenschmerzen, Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie depressive Reaktion) auftraten (Urteil T. vom 14. Februar 2002 [U 406/00]); - nach einer Auffahrkollision über anhaltende Kopfschmerzen und neuropsychologische Störungen klagte, mehr als ein halbes Jahr arbeitsunfähig war und bei welcher schliesslich ein chronisches cervicocephales und -brachiales sowie psychosomatisches Schmerzsyndrom beidseits und leichtgradige neuropsychologische Residuen, Status nach einem HWS-Trauma, diagnostiziert wurde (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243). 4.2.2 Im Lichte dieser Präjudizien sind vorliegend unmittelbare Folgen des Sturzes vom 22. Februar 2000, die das Beschwerdebild nicht mehr als offensichtlich unfallunabhängig erscheinen lassen, zu verneinen. Die Beschwerdeführerin klagte nach dem Sturz vom 22. Februar 2000 über Kopf- und Rückenschmerzen sowie eine zunehmende Geräusch- und Lärmempfindlichkeit. Die otologische Abklärung ergab abgesehen von einer Hyperakusis im Sinne leicht abgeflachter Stapediusreflexe bei einzelnen Frequenzen keinen Befund. Weitere für ein Schleudertrauma der HWS oder eine äquivalente Verletzung oder ein Schädelhirn-Trauma typische Symptome (vgl. BGE 119 V 338 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b und 382 Erw. 4b) fehlten. Eine Woche später am 6. März 2000 nahm die Versicherte die Arbeit wieder auf. Am 1. Mai 2000 schloss der Hausarzt die Behandlung ab. Danach musste sie mehr als ein halbes Jahr keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Ebensowenig war die Arbeitsfähigkeit gesundheitlich bedingt wesentlich eingeschränkt. Zumindest erfolgte keine Unfallmeldung. Ende November 2000 suchte die Versicherte wegen plötzlich akutem Verschwommensehen, Schmerz und Druck im Kopf sowie Konzentrationsschwächen den Hausarzt wieder auf. Die medizinischen Abklärungen ergaben im Wesentlichen neuropsychologische Defizite sowie eine leichte reaktive Depression. Gemäss Hausarzt bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % vom 25. November bis 3. Dezember 2000 und von 50 % ab 4. Dezember 2000. Unter diesen Umständen ist die Unfallkausalität der seit November 2000 geklagten Beschwerden und einer allenfalls dadurch bedingten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit ohne weiteres zu verneinen. 4.3 Der angefochtene Entscheid ist somit rechtens.