Citation: 6B_215/2013 E. 2.4

2.4. Art. 53 lit. a StGB verlangt, dass die Voraussetzungen für die bedingte Strafe erfüllt sind (Art. 42 Abs. 1 StGB). Wiedergutmachung ist mithin bis zu einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren möglich. Der Strafverzicht wird damit bis in den Bereich der mittleren Kriminalität hinein erlaubt. Er scheidet aus, wenn eine auch nur teilbedingte Strafe für das Delikt angezeigt erscheint. Damit stellt Art. 53 StGB sicher, dass bei schwereren Strafen keine Wiedergutmachung erfolgen kann (BGE 135 IV 12 E. 3.4.3). Beim Erfordernis des geringen öffentlichen Strafverfolgungsinteresses im Sinne von Art. 53 lit. b StGB geht es um das infolge der Unrechtswiedergutmachung verringerte Strafbedürfnis der Allgemeinheit. Selbst wenn sich die Tatschwere im Rahmen von Art. 53 lit. a StGB hält und volle Wiedergutmachung geleistet wurde, entfällt das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung nicht zwingend (BGE 135 IV 12 E. 3.4.3). Zu beurteilen bleibt, ob die Verhängung einer Strafe unter spezial- oder generalpräventiven Gesichtspunkten noch notwendig erscheint. Während die Strafzwecke ganz allgemein zu berücksichtigen sind, ist bei der Beurteilung der öffentlichen Strafverfolgungsinteressen auch nach den betroffenen Rechtsgütern zu unterscheiden. Deshalb kann auch bei voller Wiedergutmachung eine Strafbefreiung aus general- oder spezialpräventiven Gründen unerwünscht sein oder, etwa im Bereich der Körperverletzung - oder Sexualdelikte, nur zu einer Strafmilderung führen (vgl. BGE 135 IV 12 E. 3.4.3; FRANZ RIKLIN, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, Art. 53 Rz. 29; FELIX BOMMER, Bemerkungen zur Wiedergutmachung (Art. 53 StGB), in forumpoenale 3/2008, S. 171 ff., S.174).