Citation: 8C_614/2019 E. 6.5

6.5. PD Dr. med. G.________ hat gestützt auf die Akten und die aktuelle medizinische Literatur zur "tendovaginitis stenonsans" (schnellender Finger) zur streitigen Frage eingehend Stellung genommen. Dabei führte er aus, dass der Grund für das Phänomen des schellenden Fingers meist unklar sei. Er prüfte drei mögliche Ursachen und verwarf sogleich die erste mit der Begründung, dass ein akutes Trauma selten für eine Verengung des Ringbandes verantwortlich sei. Die Möglichkeit einer traumabedingten Veränderung der Sehne schloss er ebenfalls aus, dies nach genauer Analyse der Röntgenbilder der Finger und in Einklang mit dem Kreisarzt Dr. med. D.________, der im Übrigen lediglich diese Variante untersucht hatte. Als weitere Ursache für das "Schnellen" der Finger prüfte sodann PD Dr. med. G.________ die Ruhigstellung wegen der Metacarpalefraktur. Er legte dar, dass bei vorbestehenden Ringbandeinengungen die Bewegung der Sehnen durch die "Ruhigstellung eingestellt" sei, womit der Metaplasieprozess in Ruhe weiter fortschreiten könne, um dann bei erneuter Mobilisation der Finger und der Hand (u.a durch die Ergotherapie) sich umso stärker zu manifestieren. Dies alles deute auf eine vorbestehende Problematik hin, die durch den Unfall exazerbiert worden sei. Ohne Unfall wäre der postulierte Metaplasieprozess in den beiden Ringbändern "irgendwann" symptomatisch geworden (immerhin hätten 2 bis 3 % der Bevölkerung eine Ringbandsymptomatik). Durch die Ruhigstellung, bedingt durch die konservative Therapie einer Metacarpale-IV-Fraktur, sei es bei der Remobilisierung nach Abheilung der Fraktur zur Manifestation der "schnellenden Finger" (Dig IV und V) links gekommen. Es liege mithin eine temporäre Verschlimmerung eines Vorzustandes vor. Diese Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet und stehen im Übrigen in Einklang mit der ebenso schlüssig begründeten Ansicht des Dr. med. E.________, der auch den Unfall vom 7. November 2015 als Auslöser der symptomatischen Ringbandstenosen sah. Die im präoperativen Bericht angefügte Bemerkung des Operateurs, wonach es sich beim geplanten Eingriff nicht um die Behandlung einer Unfallfolge handle, vermag an der Beweislage nichts zu ändern. Zum einen ist diese Aussage keineswegs begründet. Zum anderen handelt es sich um eine Anmerkung, die im Gegensatz zu den anderen medizinischen Stellungnahmen nicht zur Klärung der Kausalitätsfrage verfasst wurde. Übereinstimmend mit den übrigen Fachärzten sprach sich schliesslich auch Dr. med. C.________ in begründeter Weise zu Gunsten einer Unfallkausalität aus. Demzufolge ist von einer unfallbedingten vorübergehenden Verschlimmerung eines Vorzustandes auszugehen. Steht somit fest, dass die Ringbandstenosen links zumindest in einem teilursächlichen Zusammenhang mit dem Unfall vom 7. November 2015 stehen, trägt die Beschwerdeführerin die Beweislast für einen behaupteten Wegfall der Kausalität aufgrund des Erreichens des Status quo sine vel ante (vgl. hiervor E. 6.2).