Citation: U 282/00 21.10.2003 E. 4

4.1 Die Vorinstanz hat die Adäquanz des Kausalzusammenhangs angesichts der im Gutachten der Rheumaklinik Y.________ vom 21. Oktober 1998 festgestellten Chronifizierung und psychischen Überlagerung des Beschwerdebildes (massive Beeinträchtigung der Lebensqualität, dyshorische Stimmungslage mit wahrscheinlich reaktiver Depression, affektive Labilität, erhöhte Reizbarkeit und starke Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls) mit entsprechender Behandlungsbedürftigkeit (antidepressive/antriebssteigernde Medikation; Therapie) nach Massgabe der Rechtsprechung zu psychischen Fehlentwicklungen nach Unfällen beurteilt (BGE 115 V 133 ff. sowie 123 V 99 Erw. 2a; vgl. Erw. 2.3 hievor). Diesem Vorgehen wäre nur dann beizupflichten, wenn die psychischen Leiden bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz erlangt oder die somatischen Beschwerden zumindest im Verlaufe der ganzen Entwicklung bis zum Beurteilungszeitpunkt im Juli 1998 (Einspracheentscheid) gesamthaft ganz in den Hintergrund gedrängt haben (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437). Wie es sich damit tatsächlich verhält, kann offen gelassen werden. Denn selbst wenn die Adäquanzbeurteilung nicht gemäss der in BGE 115 V 133 ff. dargelegten Rechtsprechung, sondern im Sinne der Vorbringen des Beschwerdeführers gestützt auf die Schleuder- bzw. Schädel-/Hirntrauma-Praxis nach BGE 117 V 359 vorgenommen wird, bleibt dies ohne Einfluss auf das Ergebnis, wie aus folgenden Erwägungen erhellt. 4.2 Das kantonale Gericht hat den Arbeitsunfall vom 20. März 1997 ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf zutreffend dem mittleren Bereich zwischen schweren Unfällen einerseits und banalen bzw. leichten Unfällen andererseits zugeordnet. Daran vermag auch die gegenüber den Ausführungen der Vorinstanz (leicht) abweichende Darstellung des Unfallhergangs durch den Beschwerdeführer sowie dessen Rechtsvertreter nichts zu ändern. Danach wurde der Versicherte - ohne Schutzhelm - von einer aus rund fünf Metern Höhe fallenden 2,5 Meter langen, 0,5 Meter breiten und 15,6 kg schweren Beton-Schaltafel mit einer Aufprallgeschwindigkeit von rund 20 km/h am Kopf getroffen, worauf er sogleich bewusstlos wurde und aus rund 1,5 Metern von einem Dumper auf den harten Betonboden stürzte; die Bewusstlosigkeit dauerte zwei bis drei Minuten; nach einer Ruhephase nahm er kurz darauf seine Arbeit wieder auf und konsultierte erst rund 20 Tage später einen Arzt. Bei objektiver Betrachtungsweise (vgl. BGE 115 V 139 Erw. 6) und im Lichte der bisherigen Kasuistik (RKUV 1995 Nr. U 215 S. 91 Erw. 3b mit weiteren Hinweisen) handelt es sich hier entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers weder um einen schweren Unfall noch um einen solchen im Grenzbereich zu den schweren Unfällen. Für die Anordnung weiterer Sachverhaltsabklärungen besteht kein Anlass. 4.3 Die Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs lässt sich bei Unfällen, welche bezüglich des Schweregrades dem mittleren Bereich zuzuordnen sind, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten; vielmehr sind weitere, objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die gemäss Rechtsprechung hiefür massgebenden Kriterien (siehe BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa; BGE 117 V 366 ff. Erw. 6) wurden vom kantonalen Gericht richtig dargelegt, weshalb darauf verwiesen wird. 4.3.1 Nach den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz hat sich der Arbeitsunfall vom 20. März 1997 objektiv betrachtet weder unter dramatischen Begleitumständen ereignet noch ist er durch besondere Eindrücklichkeit gekennzeichnet; von einer schweren oder besonders gearteten Verletzung kann mit Blick auf das allenfalls erlittene leichte Schädel-Hirntrauma ebenfalls nicht die Rede sein. Des Weitern ist sowohl hinsichtlich der physisch als auch der psychisch bedingten Beschwerden eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, zu verneinen. 4.3.2 Erfüllt ist hingegen das Kriterium der Dauerbeschwerden. Ausschlaggebendes Gewicht kann ihm jedoch nicht beigemessen werden, nahmen doch zumindest die Nacken- und Kopfschmerzen sowie Schwindelgefühle in den Monaten nach dem Unfall zumindest vorübergehend merklich ab (Angaben des Versicherten gegenüber der SUVA vom 11. Februar 1998; Bericht des Hausarztes vom 27. Februar und vom 10. März 1998; Gutachten der Rheumaklinik Y.________ vom 21. Oktober 1998), wogegen die mangels natürlichem Kausalzusammenhang zum Unfallereignis hier unbeachtlichen Lumbalbeschwerden (vgl. Erw. 3.1 hievor) allmählich in den Vordergrund traten; von psychischen Problemen war bis zum Vorliegen des Gutachtens der Rheumaklinik Y.________ vom 21. Oktober 1998 in keinem der Arztberichte die Rede. 4.3.3 Bezüglich der Dauer der ärztlichen Behandlung ist festzuhalten dass die Dauerbeschwerden wohl Anlass zu wiederholten Konsultationen des Hausarztes gaben (Berichte des Dr. med. H.________ vom 1. Mai 1997 sowie vom 7. Januar und 10. März 1998), sodann nebst medikamentöser Schmerztherapie am 22. Juli und am 26. November 1997 im Spital X.________ interspinale Infiltrationen durchgeführt wurden und ferner im März 1998 eine ambulante Physiotherapie in Gang war (Bericht des Dr. med. H.________ vom 10. März 1998). Soweit jedoch diesen Massnahmen die Qualität einer eigentlichen ärztlichen Behandlung zugesprochen werden kann, beziehen sie sich nahezu ausschliesslich auf die Linderung der nicht als unfallbedingt einzustufenden Rückenbeschwerden (vgl. Erw. 3.1 hievor). Die Behandlungsbedürftigkeit des psychischen/psycho-physischen Leidens (mittels Antidepressiva, Psychotherapie) wurde dagegen erstmals im Privatgutachten der Rheumaklinik Y.________ vom 21. Oktober 1998 festgestellt, welches in erster Linie den aktuellen psychischen Zustand ins Auge fasste. Das Gutachten enthält - ebenso wie die vorangehenden Arztberichte - keine Hinweise darauf, dass eine Psychotherapie bereits zu einem früheren Zeitpunkt indiziert gewesen wäre. Es muss daher angenommen werden, dass sich eine ärztliche Hilfe mit Bezug auf die seelische Belastung nicht vor Herbst 1998 aufdrängte; eine erstmalige Therapie wurde schliesslich erst im Mai 1999 begonnen (Arztzeugnis des Dr. med. A.________; Psychiatrische Dienste, vom 7. Januar 2000). Gesamthaft betrachtet ist - abgesehen von den hier unbeachtlichen Rückenschmerzen - eine kontinuierliche, mit gewisser Planmässigkeit auf die Verbesserung des (objektiven) Gesundheitszustands ausgerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer nicht ersichtlich, was umso mehr gilt, als eine während zwei bis drei Jahren dauernde Behandlungsbedürftigkeit (im Sinne medikamentöser Schmerz- sowie Physiotherapie) nach Schleudertrauma der HWS oder ähnlichen Verletzungsmechanismen mit vergleichbarem Beschwerdebild durchaus üblich ist (vgl. Urteil H. vom 30. Mai 2003 [U 353/02] Erw. 3.3). 4.3.4 Nicht durchzudringen vermag der Beschwerdeführer mit dem Einwand, entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen seien mit Blick auf die "neurologischen resp. neuropsychologischen Beschwerden" der schwierige Heilungsverlauf sowie erhebliche Komplikationen zu bejahen. Namentlich lässt der Umstand, dass nach dem Unfall eine gewisse psychische Überlagerung - mit Symptomen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, zeitweiliges Augenflimmern, (subjektiven) Höreinbussen und Ohrensummen (linksbetont), Müdigkeit, Wetterfühligkeit und Kälteempfindlichkeit sowie eine disphorische Stimmungslage mit reaktiver Depression, affektiver Labilität und erhöhter Reizbarkeit - einsetzte, welche zu einer Schmerzchronifizierung und fortdauernden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beitrug sowie medikamentöse Behandlung erforderte, nicht ohne weiteres auf einen schwierigen Heilungsverlauf schliessen. Die genannten Leidenskomponenten, einschliesslich die depressive Problematik, gehören zum typischen Beschwerdebild nach HWS-Traumen oder vergleichbaren Verletzungsmechanismen (vgl. BGE 117 V 360 Erw. 4b; Urteil A. vom 21. März 2003 [U 335/02] Erw. 3.2). Allein ihr Vorhandensein mitsamt den damit verbundenen negativen Auswirkungen für die Bejahung eines schwierigen Heilungsverlaufs genügen zu lassen, hiesse die Eigenständigkeit eines jeden für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Beurteilungsfaktors zu verkennen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer wiederholt die hier nicht als unfallkausal eingestuften Rückenbeschwerden als sein Hauptproblem bezeichnet hat; im Zusammenhang mit einem allenfalls erlittenen Schädel-/Hirntrauma wurden lediglich "leichte kognitive Minderleistungen" festgestellt, die zumindest teilweise psychisch überlagert seien (Gutachten der Rheumaklinik Y.________ vom 21. Oktober 1998); die erstmals im Herbst 1998, also eineinhalb Jahre nach dem Unfall, ärztlich diagnostizierten psychischen Leiden sind gemäss Gutachten der Rheumaklinik Y.________ vom 21. Oktober 1998 nicht nur im Kontext der eigentlichen Schmerzsymptomatik zu sehen, sondern rühren auch von der gesamten beruflichen und sozialen Belastungssituation des Beschwerdeführers (Arbeitslosigkeit, Geldschwierigkeiten, Gefühl mangelnder Unterstützung durch Dritte, Zukunftsängste, familiäre Spannungen) her. In Anbetracht dieser Umstände ist ein schwieriger Heilungsverlauf bezüglich der als natürliche Ursache des Unfalls vom 20. März 1997 in Betracht fallenden Beschwerden zu verneinen. 4.3.5 Zu prüfen bleiben Grad und Dauer der Arbeitsfähigkeit. Diesbezüglich ist den Akten zu entnehmen, dass die Ärzte den Beschwerdeführer nach dem Unfall zumindest phasenweise im angestammten Beruf als Kranführer als (teil-) arbeitsfähig erachteten (Bericht des Dr. med. K.________, Orthopädische Klinik am Spital X.________, vom 26. Juni 1997 [volle Arbeitsfähigkeit]; Bericht des Dr. med. R.________, Chefarzt der orthopädischen Klinik am Spital X.________, vom 20. Januar 1998 [grösseres Teilpensum als Kranführer medizinisch zumutbar]) und ihm im November 1997 volle Leistungsfähigkeit bei körperlich leichteren Tätigkeiten attestiert wurde (Bericht des Dr. med. N.________, Orthopädische Klinik am Spital X.________, vom 26. November 1997; bestätigt von Dr. med. H.________ im Bericht vom 27. Februar 1998). Wenn im Gutachten der Rheumaklinik vom 21. Oktober 1998, auf welches sich auch die IV-Stelle stützte, von einer seit dem 10. April 1997 durchgehend bestehenden (vollen) Arbeitsunfähigkeit die Rede ist, verträgt sich dies zum einen nicht mit den vorangehenden ärztlichen Stellungnahmen, zum andern wird die Aussage durch die Feststellung der Gutachter in dem zuhanden der Invalidenversicherung erstellten Zusatzbericht vom 17. Dezember 1998 relativiert, "zur Zeit" der neurologischen/neuropsychologischen Untersuchung (1. Oktober 1998) sei der Beschwerdeführer "vorläufig" nicht arbeitsfähig. Wird das Kriterium einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Kranführer trotz gewisser Ungereimtheiten gleichwohl bejaht, so kommt ihm in Würdigung der gesamten Aktenlage jedenfalls nicht ausschlaggebendes Gewicht zu. 4.4 Nach dem Gesagten sind lediglich Dauerbeschwerden und eine hinsichtlich Grad und Dauer ins Gewicht fallende Arbeitsunfähigkeit zu bejahen. Da im Übrigen keines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, reicht dies nicht aus, um dem Arbeitsunfall vom 20. März 1997 eine rechtlich massgebende Bedeutung für die physisch und psychisch bedingte Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ab Juni 1997 zuzuschreiben. Mangels eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfallereignis und den seit der Rückfallmeldung geklagten Beschwerden haben Vorinstanz und SUVA somit eine ab jenem Zeitpunkt bestehende Leistungspflicht des Unfallversicherers zu Recht verneint.