Citation: 8C_933/2009 28.04.2010 E. 4.4.4

4.4.4.1 Das Kriterium der Fehlbehandlung sieht die Beschwerdeführerin dadurch erfüllt, dass ihr bei der Erstbehandlung im Spital B.________ und drei Wochen später durch den behandelnden Arzt ein weicher Halskragen verordnet worden sei. Sie macht unter Hinweis auf eine in der deutschen Fachzeitschrift "Der Unfallchirurg 4/2004" veröffentlichte Umfrage geltend, die Verabreichung eines Halskragens sei eine veraltete Therapiemethode, welche zu einer Verschlimmerung des Leidens führen könne; eine solche sei bei ihr denn auch eingetreten. Der Internet-Zusammenfassung dieser Umfrage lässt sich zwar entnehmen, dass die Verabreichung einer Halskrause als veraltete Therapiemethode zu betrachten sei und eine Ruhigstellung die Beschwerden oft noch verschlimmere. Vorliegend hat das Tragen des weichen Kragens aber offenbar sogar eine deutliche Schmerzlinderung bewirkt (Bericht des Dr. med. M.________, Spezialarzt FMH für Chirurgie, speziell Handchirurgie, vom 6. September 2005). Der Halskragen wurde im Übrigen nur in der ersten Zeit nach dem Unfall verordnet und auch getragen, wohingegen die Verschlimmerung des gesundheitlichen Zustandes, welche die Beschwerdeführerin dem Tragen des Halskragens zuordnen will, erst drei Jahre nach dem Unfall nach einer zeitweiligen Besserung eintrat. Für die Annahme, dass sich infolge des Tragens eines Halskragens noch Jahre danach eine Verschlimmerung einzustellen vermöchte, findet sich weder in den ärztlichen Berichten des vorliegenden Falles noch in dem ins Recht gelegten Fachartikel eine Stütze. Wie das Bundesgericht überdies bereits festgestellt hat, liegt allein auf Grund des Umstandes, dass einer versicherten Person ein weicher Halskragen verordnet worden ist, keine Fehlbehandlung im Sinne des einschlägigen Adäquanzkriteriums vor (Urteil 8C_1020/2008 vom 8. April 2009 E. 5.6, in: SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142). 4.4.4.2 Eine Fehlbehandlung will die Beschwerdeführerin im Weitern darin erkennen, dass die psychosoziale Problematik erst verspätet angegangen worden sei. Die Beschwerdegegnerin stellt dazu letztinstanzlich zutreffend fest, dass psychosoziale Probleme einer medizinischen Behandlung nicht zugänglich sind. Tatsächlich bezieht sich das Kriterium der Fehlbehandlung spezifisch auf die ärztliche Behandlung; es kann nicht dadurch erfüllt werden, dass sich der Unfallversicherer zu wenig oder zu spät um die versicherte Person kümmert. Es mag zwar zutreffen, dass eine frühere Einsetzung des Case-Managements wünschbar und sinnvoll gewesen wäre. Dazu ist allerdings zu bemerken, dass sich die Versicherte in der Akutphase in offensichtlich guter Betreuung durch Dr. med. M.________, dem Arzt ihres Vertrauens, befand. Die in den von der Beschwerdeführerin angeführten Empfehlungen einer ärztlichen Arbeitsgruppe ("Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen in der Akutphase nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma [sog. Schleudertrauma]", in: Schweizerisches Medizinisches Forum, Nr. 47 vom 20. November 2002, S. 1119 ff.) verlangte therapeutische Führung wurde durch diesen Arzt vollumfänglich gewährleistet, zumal er mit der psychosozialen Situation seiner Patientin bestens vertraut war (vgl. Berichte des Dr. med. M.________ vom 6. und 27. September 2005). Bezeichnenderweise wird in den genannten Empfehlungen in diesem Zusammenhang denn auch die Rolle des Hausarztes betont (S. 1124). Eine Fehlbehandlung ist also auch unter diesem Aspekt nicht auszumachen. 4.5 Da mithin keines der massgeblichen Kriterien besonders ausgeprägt vorliegt und lediglich das Kriterium der körperlichen Dauerbeschwerden allenfalls als erfüllt betrachtet werden kann, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 2. August 2005 und den über den 30. Juni 2008 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden zu verneinen. Der Unfall stellt zwar Auslöser oder Verstärker, nicht aber eigentliche Ursache der gesundheitlichen und vor allem psychischen Störungen dar, unter denen die Versicherte litt und noch immer leidet. Unter solchen Umständen hat der Unfallversicherer nicht dauerhaft für die fortbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen einzustehen. Damit ist die Leistungseinstellung nicht zu beanstanden.