Citation: 2C_868/2016 E. 6.2

6.2. Soweit das Auslieferungsabkommen bestimmte Fragen nicht abschliessend regelt, ist das schweizerische Landesrecht anwendbar, namentlich das Bundesgesetz über internationale Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. März 1981 (IRSG; SR 351.1) und die dazugehörigen Verordnungsbestimmungen. Das innerstaatliche Recht gilt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann, wenn es die Rechtshilfe gegenüber dem EAUe erleichtert (vgl. das Urteil 1C_644/2015 vom 23. Februar 2016 E. 1.5; nicht publ. in BGE 142 IV 175 ff. mit Hinweisen; HEIMGARTNER, a.a.O., S. 39 ff.). Nach Art. 38 Abs. 1 lit. a IRSG darf der Verfolgte nur wegen einer vor der Auslieferung begangenen Handlung, für welche die Auslieferung nicht bewilligt wurde, verfolgt oder bestraft oder an einen dritten Staat weitergeliefert werden, falls er trotz des Hinweises auf die Folgen das Hoheitsgebiet des ersuchenden Staats nicht innert 45 Tagen nach seiner bedingten oder endgültigen Entlassung verlassen hat, obwohl er die Möglichkeit hierzu gehabt hätte ("Schonfrist", "délai de répit"), oder er nach Verlassen dieses Gebiets wieder dorthin zurückkehrt und sein weiterer Aufenthalt nunmehr als freiwillig zu gelten hat (vgl. BGE 118 Ib 462 ff.; PETER POPP, Grundzüge der Internationalen Rechtshilfe in Strafsachen, 2001, N. 323 f.; ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière pénale, 4. Aufl. 2014, N. 736 f.; HEIMGARTNER, a.a.O., S. 165).