Citation: 5A_765/2022 E. 6.3.2

6.3.2. Die Beschwerdeführerin ist hingegen der Ansicht, aus der Klageschrift gehe unzweideutig hervor, dass sie als gesetzliche und pflichtteilsgeschützte Erbin am streitgegenständlichen Nachlass ihres Vaters partizipieren wolle. Um diese gewünschte Teilnahme am väterlichen Nachlass zu erreichen, müsse die erhobene Klage in erster Linie darauf abzielen, dem klaren Wortlaut des Erbvertrags vom 13. Mai 2011 zum Durchbruch zu verhelfen bzw. darauf abzustützen, das heisse, ihre Erbenstellung durchzusetzen. Da der Erbvertrag für sich keine Enterbung und auch keinen Eingriff in den Pflichtteil der Beschwerdeführerin vorsehe, brauche sie diesen auch nicht anzufechten. Der Wille der Beschwerdeführerin und die Begründung in der Klageschrift vom 25. September 2019 ziele unzweideutig darauf ab, dass sie Erbenstellung habe und sie mindestens (bzw. eventualiter) den ihr zustehenden Pflichtteil zugesprochen erhalte. Auf Einwand der Beschwerdegegner habe sie deswegen ihre Anträge präzisiert. Somit stehe fest, dass sie implizit bereits in der Klageschrift von Anfang an (vorfrageweise) die Ungültigkeit bzw. Herabsetzung des Erbvertrags und ihre Partizipation am streitgegenständlichen Nachlass als gesetzliche und pflichtteilsgeschützte Erbin angestrebt habe, wonach sie mindestens (bzw. eventualiter) den ihr zustehenden Pflichtteil zugesprochen erhalten solle, allerdings immer auch mit der Ansicht verbunden, dass der Erbvertrag klar sei und sie bereits deshalb Erbenstellung habe. Indem der angefochtene Entscheid dies negiere, verletze er Art. 18 OR. Ausserdem sei "dies" auch willkürlich, weil aktenwidrig, was Art. 9 BV verletze.