Citation: 8C_522/2022 E. 7.1

7.1. Das kantonale Gericht verfällt einem falschen Verständnis von Art. 45 Abs.4 AVIV, wenn es allein deshalb einen entschuldbaren Grund für das neuerliche Einreichen des Arztberichts in einem Bewerbungsverfahren erblickte, weil die Arbeitslosenkasse nach dessen vorgängiger erstmaliger Kenntnisnahme der Beschwerdegegnerin nicht die Vermittlungsfähigkeit abgesprochen hatte. Solange eine Person zum Leistungsbezug angemeldet ist, hat sie alles ihr Zumutbare zu unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu beenden. Wenn sie der Auffassung ist, nicht mehr vermittlungsfähig zu sein, steht es ihr frei, sich vom Leistungsbezug abzumelden. Es geht aber nicht an, einerseits Leistungen der Arbeitslosenkasse zu beanspruchen, auf der anderen Seite gegenüber potenziellen Arbeitgebern aber klar zum Ausdruck zu bringen, sich gar nicht als vermittlungsfähig zu betrachten, was die Beschwerdegegnerin mit dem Einreichen des fraglichen Arztberichtes bei der Stellenvermittlerin gemäss vorinstanzlicher Auffassung aber im Ergebnis getan hat. Wird durch ein solches Vorgehen eine objektiv betrachtet zumutbare Arbeitsstelle abgelehnt, liegt - wie eingangs dargelegt - nach der gesetzgeberischen Konzeption ein schweres Verschulden vor. Dass die Verwaltung diesen Bericht nicht (bereits) bei früherer Gelegenheit als eine Vermittlungsunfähigkeit suggerierend beanstandet hat, ist in diesem Zusammengang unbeachtlich.