Citation: I 373/02 02.09.2003 E. 7

7.1 Die Versicherte reiste am 25. Januar 1983 in die Schweiz ein. Sie ist verheiratet und Mutter dreier Töchter, geboren 1977, 1985 und 1991. Seit Mai 1984, mithin ab dem siebten Altersjahr der jüngsten Tochter, bis Mai 1985 arbeitete sie zu 100 % als Näherin bei der Firma E.________ AG. Von Mitte 1985 bis Mai 1986 reduzierte sie die Arbeit bei dieser Firma unbestrittenermassen wegen der weiteren Schwangerschaft und der Geburt der zweiten Tochter im Dezember 1985 auf rund 50 %. Ab August 1986 bis November 1986 war sie zu 100 %, danach bis Juni 1997 durchschnittlich zu 63,18 % bei der Firma C.________ AG tätig. Im Juni 1987 wurde sie wegen eines Krebsleidens am linken Auge operiert. Danach war sie bis zur Beendigung der Arbeit bei der C.________ AG per Ende Oktober 1987 zu 100 % krank geschrieben. Seit 1. April 1988, also auch seit der Geburt des dritten Kindes im Jahre 1991, arbeitet sie während 4,45 Stunden pro Tag als Fliessbandarbeiterin bei der Firma J.________. Die jüngste Tochter wurde früher mehrheitlich durch die älteste Tochter betreut. Diese war im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses nunmehr selber als kaufmännische Angestellte erwerbstätig, wohnte aber gegen Abgabe eines Wohn- und Kostgeldes noch bei den Eltern. Der Ehemann der Versicherten arbeitete bei der Firma Z.________ AG in X.________. Die beiden jüngeren Töchter gingen am Wohnort zu Schule. Die zweitälteste Tochter war fast sechzehn Jahre alt und damit weitgehend selbstständig. Die jüngste Tochter war knapp zehnjährig. Bei Kindern dieses Alters ist es nicht ungewöhnlich, dass Mütter bereits wieder ganztags erwerbstätig sind und für die Betreuung der Kinder, soweit sie nicht durch den Schulbesuch beschäftigt sind, allenfalls die Dienste einer Drittperson in Anspruch nehmen (Urteil T. vom 15. März 2001 Erw. 2b, I 135/00). Im vorliegenden Fall kann davon ausgegangen werden, dass anstelle der jetzt erwerbstätigen ältesten Tochter die zweitälteste die Betreuung der jüngsten übernimmt, zumal die Versicherte wegen ungenügender Deutschkenntnisse gar nicht in der Lage wäre, ihr bei der Erledigung der Schulaufgaben behilflich zu sein. Weiter hat die Haushaltsabklärung gezeigt, dass der Ehemann und die Töchter durchaus bereit waren, einen Teil der anfallenden Arbeiten zu übernehmen. 7.2 Vorliegend fällt entscheidend ins Gewicht, dass die Versicherte im Jahre 1984, als sie nur ein Kind hatte, klar ihre Bereitschaft gezeigt hat, ohne Gesundheitsschaden eine ganztägige Erwerbstätigkeit auszuüben. Später arbeitete sie mit zwei Kindern eine zeitlang zu 100 % bzw. zu 63 % und danach trotz dreier Kinder und der gesundheitlichen Beeinträchtigung jahrelang zu rund 50 %. Diese Umstände sprechen dafür, dass sie als Gesunde im Zeitpunkt des Verfügungserlasses, als sich die Kinderbetreuung praktisch nur noch auf die zehnjährige Tochter beschränkte, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wieder einer vollen Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre. Nicht stichhaltig ist das Argument von Verwaltung und Vorinstanz, es seien keine finanziellen Verhältnisse ersichtlich, die die Versicherte zwingen würden, einer ganztägigen Arbeit nachzugehen. Zum einen ist der ökonomische Aspekt nur eines von mehreren zu berücksichtigenden Kriterien. Zum anderen ist nicht entscheidend, ob und gegebenenfalls inwieweit die Ausübung einer Erwerbstätigkeit wirtschaftlich notwendig ist, sondern inwieweit sie bei den gegebenen Verhältnissen als überwiegend wahrscheinlich erscheint. Nachvollziehbar ist zudem der Wunsch der Versicherten nach einem finanziellen Spielraum (vgl. auch Urteile G. vom 19. August 2002 Erw. 2.2, I 160/02, L. vom 15. März 2002 Erw. 2c/bb, I 36/01, und U. vom 13. Dezember 2001 Erw. 3c, I 532/01). Da die persönlichen und familiären Verhältnisse für die Annahme einer vollen Erwerbstätigkeit sprechen, ist die Invaliditätsbemessung in Anwendung der Methode des Einkommensvergleichs (Art. 28 Abs. 2 IVG) vorzunehmen. Die Sache ist daher an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie in diesem Sinne über den Rentenanspruch neu verfüge. Hiermit bleiben den Parteien alle Rechte, insbesondere der doppelte Instanzenzug, gewahrt (BGE 125 V 417 Erw. 2c).