Citation: 9C_649/2022 E. 3.3

3.3. Der Beschwerdeführer scheint der Auffassung zu sein, dass bereits die Wiederveräusserung der streitbetroffenen Liegenschaft am gleichen Tag zu einem wesentlich höheren Preis für die Steuerverwaltung Anlass hätte sein müssen, den steuerbaren Grundstückgewinn auf der Basis des Wiederveräusserungspreises bzw. des Verkehrswerts der Liegenschaft zu ermitteln. Ihm kann nicht gefolgt werden. Zwar ist eine solche Diskrepanz ein Indiz dafür, dass der Veräusserer vom Erwerber neben dem Kaufpreis aus der Veräusserung weitere Leistungen empfangen haben könnte, die ebenfalls Bestandteil des Veräusserungserlöses bilden (vgl. § 132 Abs. 1 StG/TG; Art. 12 Abs. 1 StHG). So kann etwa der unterpreisige Verkauf an eine vom Veräusserer gehaltene Gesellschaft eine Kapitaleinlage darstellen, die sich im Umfang der Diskrepanz zwischen Kaufpreis und Verkehrswert positiv auf den Beteiligungswert auswirkt (vgl. BGE 143 II 33 E. 3.2.5) Gewisse Kantone gehen beweiswürdigend sogar davon aus, dass der beurkundete Kaufpreis rechtsgeschäftlich keine Bedeutung habe, wenn die Wertdifferenz eine bestimmtes Mass überschreitet und zwischen den Parteien eine besondere Beziehung besteht (vgl. Urteil 2C_1081/2018 vom 29. Januar 2020 E. 2.2 und 2.2.1, in: StE 2020 B 44.12.3 Nr. 9). Die Steuerverwaltung tat also angesichts der erheblichen Differenz zwischen dem Veräusserungs- und dem Wiederveräusserungspreis auf jeden Fall gut daran, das Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und der Erwerberin bzw. deren Inhaber näher abzuklären. Diese Abklärungen brachten jedoch weder weitere Leistungen zugunsten des Beschwerdeführers noch eine besondere Beziehung zwischen den Parteien ans Licht. Die Steuerverwaltung hatte also keinen Grund, in ihrer Veranlagung vom 1. Juli 2015 vom beurkundeten Kaufpreis abzuweichen. Dass die Erwerberin rund drei Monate später am 7. Oktober 2015 ihrerseits eine Liegenschaft unterpreisig an eine vom Beschwerdeführer kontrollierte Gesellschaft verkaufen würde, konnte der Steuerverwaltung zum Zeitpunkt der Veranlagung naturgemäss noch nicht bekannt sein.