Citation: 1C_424/2022 E. 3.4.2

3.4.2. Neben dem kantonalen Recht verleiht Art. 29 Abs. 1 BV einen (bundes-) verfassungsrechtlichen Anspruch auf Wiedererwägung und Revision (vgl. BGE 138 I 61 E. 4.3; 136 II 177 E. 2.1). Danach kann insbesondere um Wiedererwägung oder Revision ersucht werden, wenn sich die Umstände wesentlich geändert haben oder wenn erhebliche Tatsachen und Beweismittel namhaft gemacht werden, die in einem früheren Verfahren nicht bekannt waren, die früher aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht geltend gemacht werden konnten oder die mangels Veranlassung nicht geltend gemacht werden mussten (BGE 138 I 61 E. 4.3; 127 I 133 E. 6; 113 Ia 146 E. 3a; je mit Hinweisen). Liegen keine (zulässigen) Rückkommensgründe vor, ist das entsprechende Gesuch abzuweisen bzw. ist darauf nicht einzutreten. Sind hingegen Rückkommensgründe gegeben, ist zu prüfen, ob Anlass zur Änderung des ursprünglichen Entscheids besteht und hat die Behörde einen neuen Sachentscheid zu treffen (vgl. BGE 147 III 238 E. 1.2 zu Art. 121 ff. BGG; Tschannen/Müller/Kern, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Bern 2022, S. 322 Rz. 849 ff.; Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 3. Aufl., Zürich 2021, S. 437 f. Rz. 2006 ff.; S. 440 f. Rz. 2023 ff.). Ebenfalls aus Art. 29 Abs. 1 BV folgt ein verfassungsrechtlicher Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist bzw. ein Verbot der Rechtsverzögerung (vgl. BGE 144 I 318 E. 7; 135 I 265 E. 4.4) sowie ein Verbot der Rechtsverweigerung (vgl. BGE 144 II 184 E. 3.1; 135 I 6 E. 2.1). Das Verbot der Rechtsverzögerung ist verletzt, wenn ein Verfahren unangemessen lange dauert, was nach dessen Art und den konkreten Umständen einer Angelegenheit zu beurteilen ist (vgl. BGE 144 I 318 E. 7.1; 135 I 265 E. 4.4). Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn eine rechtsanwendende Behörde auf eine Eingabe nicht eintritt oder eine solche ausdrücklich bzw. stillschweigend nicht an die Hand nimmt und behandelt, obwohl sie dazu verpflichtet wäre (vgl. BGE 144 II 184 E. 3.1; 135 I 6 E. 2.1; Urteil 2C_857/2019 vom 11. November 2020 E. 2.2.5). Insgesamt ergibt sich aus Art. 29 Abs. 1 BV somit, dass eine Behörde gegen das Verbot der Rechtsverzögerung bzw. der Rechtsverweigerung verstösst, wenn sie ein Gesuch um Wiedererwägung oder Revision zu spät oder gar nicht behandelt, obschon gestützt auf diese Bestimmung ein entsprechender Anspruch besteht.