Citation: U 78/04 11.10.2004 E. 3

Streitig und zu prüfen ist im Lichte der vollen Kognition (vgl. Erw. 1 hievor) der Anspruch des Beschwerdeführers auf Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen nach dem 1. November 1999 sowie auf Rentenleistungen und Integritätsentschädigung. Während der Unfallversicherer dem Beschwerdeführer ab 1. November 1999 noch abgestufte Invalidenrenten während eines Jahres (jeweils sechs Monate gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50 % und von 25 %) sowie eine Integritätsentschädigung von 20 % zusprach, bestätigte die Vorinstanz zwar die verfügte Integritätsentschädigung von 20 %, erkannte indes im Sinne einer reformatio in peius auf Fallabschluss ab 1. November 1999 (Einstellung von Heilkosten- und Taggeldleistungen) und lehnte jeglichen Anspruch auf Invalidenrente ab. Dabei verneinte sie den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den bestehenden psychischen Beschwerden und betrachtete hinsichtlich der vorhandenen somatischen Beschwerden ab 1. November 1999 eine angepasste Tätigkeit als voll zumutbar, was im Einkommensvergleich keinen rentenbegründenden Invaliditätsgrad ergab. Für diese Schlussfolgerungen stützte sie sich hauptsächlich auf das Gutachten des Dr. med. H.________ vom 3. Juni 1999. 3.1 Der Beschwerdeführer spricht dem Gutachten des Dr. med. H.________ zunächst den Beweiswert ab, weil dieser sich in einer Aktennotiz vom 9. Juli 1997 für einen raschen Fallabschluss ausgeprochen und die Schmerzangaben des Versicherten als unglaubwürdig qualifiziert habe, was sich im Nachhinein als unzutreffend herausgestellt habe. Zwar mag es beweisrechtlich nicht als optimale Lösung bezeichnet werden, einen Arzt mit der abschliessenden Begutachtung zu beauftragen, welcher sich in einer früheren Phase des Versicherungsverlaufes in einer Weise geäussert hat, die sich in der Folge nicht bestätigte. Tatsächlich hatte der konsultierte Dr. med. K.________, Spital Y.________, nach der Aktennotiz des Dr. med. H.________ vom 9. Juli 1997 am 26. Januar 1998 einen operationswürdigen Befund (unter anderem Lockerung des Transplantats) erhoben, welcher am 1. Juli 1998 durch einen weiteren Eingriff angegangen werden musste. Jedoch führt dieser Umstand weder zur Annahme unzulässiger Vorbefassung noch Parteilichkeit des Dr. med. H.________. Der Umstand, dass eine frühere Prognose dieses Arztes sich nicht bestätigte, spricht nicht zum Vornherein gegen den Beweiswert seines Gutachtens vom 3. Juni 1999. 3.2 Hingegen kann der Beweiswürdigung der Vorinstanz aus folgenden Gründen nicht abschliessend beigepflichtet werden: 3.2.1 Werden die von Dr. med. H.________ in seiner Expertise zusammengestellten Röntgenbefunde vom 29. August 1995, 7. Februar 1996, 18. September 1997 und 12. April 1999 unter sich und im Vergleich zu den Röntgenbefunden vom 26. Januar 2001 der Klinik Z.________ gemäss deren Bericht vom 30. Januar 2001 und der Röntgenaufnahmen des Dr. med. K.________ vom 21. Juli 2003 sowie unter Berücksichtigung der Angaben der beteiligten Ärzte zu den Ergebnissen ihrer klinischen Untersuchungen gewürdigt, ergeben sich erhebliche Anhaltspunkte für einen fortschreitenden krankhaften Prozess im betroffenen rechten Kniegelenk: - Fanden sich am 29. August 1995 noch völlig normale ossäre- und Gelenksverhältnisse (insbesondere zeigte das tangential dargestellte Femoro-Patellargelenk keine Auffälligkeiten), war am 12. April 1999 im seitlichen Strahlengang ein "ausgeprägter knöcherner Defekt mit zusätzlicher Osteophytenbildung am Unterpol der Patella nach Transplantathebung" zu erkennen. - Was die Stabilität anbelangt, sprach Dr. med. H.________ von einer leichten Lockerung des zentralen Pfeilers "mit einem Lachmann ++ bei allerdings negativem Pivot-Shift-Phänomen", wogegen die Ärzte der Klinik Z.________ am 30. Januar 2001 im "Untersuch nach Lachmann" einen deutlich verlängerten Weg "mit ++ bis +++, jedoch vorhandenem Anschlag" erhoben und einen - offenbar positiven - "Pivot-Shift" beifügten. - Konnte Dr. med. H.________ am 12. April 1999 noch eine "normale Weite" des medialen und lateralen Gelenkspaltes wiedergeben, ist im Bericht der Klinik Z.________ vom 30. Januar 2001 doch schon von einer geringgradigen Gelenkspaltverschmälerung medial die Rede, im Bericht des Dr. med. K.________ vom 29. Dezember 2003 von einer mässigen Verschmälerung des medialen Gelenkspaltes femoro-tibial mit Ausziehung des medialen Kondylus und des medialen Tibiaplateaus; Letzterer berichtet auch von wesentlich pathologischen Befunden im Tibiaplateau, Hinterhornbereich des medialen Restmeniskus und der Patella; Befunde, welche so von Dr. med. H.________ nicht festgestellt und wiedergegeben worden sind. - Die Expertise des Dr. med. H.________ weist die Fixationsschrauben oberhalb des lateralen Femurkondylus und an der Tuberositas tibiae "in situ" aus, wogegen nach dem Bericht der Klinik Z.________ einer der zwei femoralen Bohrkanäle "weit anterior" liegt. Diese Entwicklung bezüglich des Sitzes des Osteosynthesematerials ist es denn auch, welche Dr. med. K.________ im Bericht vom 29. Dezember 2003 zur Empfehlung veranlasst, das störende Osteosynthesematerial zu entfernen. 3.2.2 Auf dem Weg der freien Beweiswürdigung (vgl. Erw. 2 hievor) ergeben sich damit nicht zu entkräftende Anhaltspunkte für eine die Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränkende Kniepathologie. Unter diesen Umständen ist die Einholung eines Gerichtsgutachtens zur Ausräumung der medizinischen Lücken, Unklarheiten und Widersprüche unerlässlich, weshalb die Sache zu diesem Zweck an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Dabei wird sie je nach dem Ergebnis der Abklärungen die Zusammenhangsfrage bezüglich der persistierenden organischen Befunde samt ihren Auswirkungen auf Invalidität und Integrität neu zu prüfen haben, ebenfalls die Frage der adäquaten Kausalität der beim Beschwerdeführer während der jahrelangen Behandlungen eingetretenen depressiven Entwicklung und der entsprechenden Kriterien.