Citation: 4A_496/2019 E. 3.6

3.6. Vor diesem Hintergrund ist es nicht offensichtlich unhaltbar, wenn die Vorinstanz eine Hemmung der Verjährung annimmt, selbst wenn man davon ausgeht, das deutsche Recht lasse die blosse materielle Berechtigung nicht genügen, sofern diese die Prozessführungsbefugnis nicht einschliesse (dies stellt die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf Literaturstellen in Abrede, so dass allenfalls auch eine abweichende Auffassung denkbar wäre, was unterstreicht, dass das Ergebnis nicht geradezu willkürlich ist). Im zu beurteilenden Fall war der Insolvenzverwalter, der die Vereinbarungen abgeschlossen hatte, jedenfalls bereits vor Einleitung des Hilfskonkurses materiell aus diesen berechtigt. Insoweit spielt es keine Rolle, dass die Klage vor Anerkennung des Konkurses angehoben wurde. Mit Einleitung des Hilfskonkurses eröffnet das schweizerische IPRG dem ausländischen Insolvenzverwalter einen Weg, um für die Durchsetzung des Anspruchs besorgt zu sein. Insoweit besteht in der Tat eine Analogie zu Mängeln bei der Zuständigkeit, bei Vereinbarung eines Schiedsgerichts und bei der Wahl des falschen Rechtswegs. In all diesen Fällen hat es der die mit Mängeln behaftete Klage Einreichende in der Hand, durch Einreichung der Klage auf dem richtigen Rechtsweg oder beim zuständigen Gericht für die Durchsetzung des Anspruchs besorgt zu sein, im Gegensatz zu einem nicht zur Prozessführung Berechtigten, sofern ein anderer darüber zu entscheiden hat, ob die Forderung überhaupt durchgesetzt wird. Die besondere Form der Durchsetzung im Rahmen des schweizerischen Hilfskonkurses erfolgt mit Blick auf die Verteilung des Erlöses und hat grundsätzlich keinen Einfluss auf die Verpflichtung der Schuldnerin und die Wahrscheinlichkeit, dass die Forderung eingetrieben wird. Da es vom Zweck der Verjährungshemmung naheliegend ist, genügen zu lassen, dass der Schuldner auch aus der an sich mangelhaften Klage erkennt, dass er mit einer Durchsetzung der Forderung zu rechnen hat, weil die Klage von einer Person ausgeht, die (wenn auch ausschliesslich im Rahmen des Hilfskonkurses) dafür sorgen kann, dass die Forderung tatsächlich eingefordert und durchgesetzt wird, und weil der Entscheid darüber, ob die Forderung durchgesetzt werden sollte, auch aus Sicht des schweizerischen Rechts bereits vor Anerkennung des Konkurses bei dem ausländischen Insolvenzverwalter lag, erscheint es nicht offensichtlich unhaltbar, die vom Insolvenzverwalter eingeleitete Klage als ausreichend im Sinne von § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB anzusehen, obwohl nach schweizerischem Recht für Vermögenswerte in der Schweiz die Prozessführungsbefugnis fehlte. Die Beschwerdeführerin zeigt nicht rechtsgenüglich auf, dass diese Auslegung angesichts der deutschen Rechtsprechung offensichtlich unhaltbar wäre. Ob sämtliche Begründungselemente, welche die Vorinstanz zu diesem Ergebnis führten, zutreffen, braucht unter diesen Umständen nicht geprüft zu werden. Auf die entsprechenden Rügen ist nicht einzutreten. Ebenso kann offenbleiben, ob mit Blick auf die deutsche Lehre und Rechtsprechung und die aus deutscher Sicht angenommene Universalität des Konkurses Klagen des Insolvenzverwalters im Ausland, wenn er nach deutschem Recht prozessführungsbefugt wäre, unabhängig von der Zulässigkeit der Klage verjährungshemmende Wirkung zukommt, was die Beschwerdegegnerin aus der deutschen Rechtsprechung abzuleiten scheint.