Citation: 8C_266/2008 22.08.2008 E. 4.2

4.2.1 Die nach dem Unfall vom 30. Juli 1999 aufgetretenen gesundheitlichen Beschwerden sind gemäss ärztlichen Auskünften durch den zweiten Unfall vom 6. April 2000 verstärkt worden. Unter diesen Umständen ist den gesundheitlichen Folgen der zwei Unfälle gemäss der in vorstehender E. 4.1.2 zitierten Rechtsprechung im Rahmen der Beurteilung der einzelnen Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. 4.2.2 Die Vorinstanz hat die zwei Auffahrunfälle vom 30. Juli 1999 und 6. April 2000 unter Berücksichtigung des augenfälligen Geschehensablaufs und den sich entwickelten Kräften (vgl. biomechanische Kurzbeurteilungen [Triage] der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik, c/o Institut für biomedizinische Technik, Universität und ETH X.________, vom 15. Januar 2001) als mittelschwer an der Grenze zu den leichten Unfällen zugeordnet. Diese Beurteilung, welche in Übereinstimmung mit der Praxis zu vergleichbaren Ereignissen (vgl. Sachverhalt und E. 4.3.1 f. des Urteils U 239/06 vom 12. April 2007 mit Hinweis auf die in RKUV 1998 Nr. U 307 S. 448 [U 169/97] erwähnte Kasuistik) steht, wird letztinstanzlich zu Recht nicht beanstandet. Von den weiteren, objektiv fassbaren und unmittelbar mit den Unfällen in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umständen, welche als massgebende Kriterien in die Gesamtwürdigung einzubeziehen sind, müssten demnach für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter Weise gegeben sein. Dabei räumt der Beschwerdeführer explizit ein, dass weder das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit der Unfälle noch dasjenige einer ärztlichen Fehlbehandlung vorliegen. 4.2.3 Gemäss BGE 134 V 109 genügt die Annahme eines HWS-Schleudertraumas für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der dafür typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06, E. 5.3; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04, E. 5.2.3 mit Hinweisen). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06, E. 5.3; RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357, U 193/01, E. 4.3 mit Hinweisen). Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 f.). Solche Umstände liegen hier insofern vor, als der Versicherte in relativ kurzem zeitlichen Abstand (etwas mehr als acht Monate) zwei Schleudertraumen der HWS erlitten hat. In einem ähnlichen Fall legte das Eidgenössische Versicherungsgericht dar, es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass pathologische Zustände nach HWS-Verletzungen bei erneuter Traumatisierung ausserordentlich stark exazerbieren können. Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits durch einen früheren versicherten Unfall erheblich vorgeschädigte HWS betrifft, ist demnach speziell geeignet, die typischen Symptome hervorzurufen, und deshalb als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren (SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1 E. 3.4.2 [U 39/04]). Hier ist allerdings fraglich, ob der erste Unfall vom 30. Juli 1999 eine erhebliche und dauerhafte Schädigung der HWS zur Folge hatte (vgl. Gutachten des Dr. med. A.________ vom 21. Januar 2002). Fest steht, dass es beim zweiten Unfall zu einer Verstärkung der Symptomatik kam. Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung ist demnach zu bejahen. 4.2.4 Hinsichtlich der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung ist zunächst darauf hinzuweisen, dass viele der ärztlich angeordneten Massnahmen einzig der Abkärung des Gesundheitszustandes dienten. Vom 28. Juni bis 26. Juli 2000 erfolgte ein Rehabilitationsaufenthalt in der Rehaklinik I.________ (vgl. Bericht vom 5. September 2000). Ansonsten beschränkte sich die ärztliche Behandlung auf ambulante Physio- und Psychotherapie mit Verordnung von Medikamenten, ohne dass die angegebenen Beschwerden wesentlich beeinflusst werden konnten. Dr. med. N.________ erwähnte in diesem Zusammenhang im psychiatrischen Gutachten vom 27. Juni 2002 eine "Belle Indifférence"; der Versicherte schildere schwerste Schmerzen mit grosser Distanziertheit, so als spräche er von einer Drittperson. Laut Gutachten des Universitätsspitals X.________ (Dres. med. B.________, P.________ und Prof. L.________) vom 8. Juli 2004 waren aus somatischer Sicht keine weiteren medizinischen Massnahmen, welche eine wesentliche Verbesserung der Symptomatik bewirken könnten, anzubieten. Die empfohlene psychiatrisch/psychotherapeutische Behandlung wurde offenbar wiederaufgenommen oder weitergeführt (vgl. Gutachten des Dr. med. Q.________ vom 21. Mai 2007). Insgesamt betrachtet ist eine fortgesetzt spezifische, nicht aber eine belastende ärztliche Behandlung anzunehmen. 4.2.5 Erhebliche Beschwerden lagen nicht vor, weil angesichts der Feststellungen in den Gutachten des Dr. med. A.________ vom 21. Januar 2002, des Universitätsspitals X.________ (Dres. med. B.________, P.________ und Prof. L.________) vom 8. Juli 2004 sowie des Spital V.________ vom 14. Mai 2006 (zitiert im Anhang des Gutachtens des Dr. med. Q.________ vom 21. Mai 2007) keine Befunde erhoben werden konnten, welche die als massiv geschilderten Beschwerden auch nur annähernd zu erklären vermochten. Zudem ist auch in diesem Zusammenhang auf die von Dr. med. N.________ (psychiatrisches Gutachten vom 27. Juni 2002) erwähnte "Belle Indifférence" hinzuweisen. Hinsichtlich der psychiatrischen Befunde ist zudem eine allfällige Persönlichkeitsstörung wie auch eine Panikstörung bei der Adäquanzbeurteilung ausser Acht zu lassen (vgl. E. 3.3.2 hievor). Die von den Gutachtern (Dres. med. N.________ vom 27. Juni 2002 und Q.________ vom 21. Mai 2007) weiter diagnostizierte leichte depressive Störung stellt für sich allein keine derart schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigung dar, dass das in Frage stehende Kriterium zu bejahen wäre. 4.2.6 Weiter ist weder aufgrund der Akten noch der Vorbringen in der letztinstanzlichen Beschwerde ersichtlich, inwiefern ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen vorliegen sollen. 4.2.7 Zu prüfen ist schliesslich, ob das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen gegeben ist. Der Beschwerdeführer macht hiezu geltend, er habe nach dem ersten Unfall vom 30. Juli 1999 gemäss ärztlicher Empfehlung die Berufstätigkeit bei der Firma M.________ AG bereits am 26. September 1999 zu einem hälftigen Pensum wieder aufgenommen. Wegen Verstärkung der Nacken- und Kopfschmerzen sowie Schwindel und Übelkeit habe er die Arbeit am nächsten Tag niederlegen müssen. Nach dem zweiten Unfall vom 6. April 2000 sei eine weitere Berufstätigkeit nicht mehr möglich gewesen. Diese Schlussfolgerung ist mit der medizinischen Aktenlage nicht in Einklang zu bringen. Wie bereits erwähnt (vgl. E. 3.3.1), ist gemäss Gutachten des Universitätsspitals X.________ vom 8. Juli 2004 mit Zusatzbericht vom 1. Februar 2005 sowie des Spitals V.________ vom 14. Mai 2006 (zitiert im Gutachten des Dr. med. Q.________ vom 21. Mai 2007) aus somatischer Sicht zumindest in einer mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit gegeben. Die vom neurologischen Gutachter Dr. med. A.________ (Expertise vom 21. Januar 2002) angegebene hälftige Arbeitsunfähigkeit beruhte auf der Annahme, dass fachmedizinisch weiter abzuklärende weichteilrheumatische Beschwerden vorliegen konnten. Gemäss den psychiatrischen Ergebnissen der Dres. med. N.________ (Gutachten vom 27. Juni 2002) und Q.________ (Gutachten vom 21. Mai 2007) war der Versicherte seit den Unfällen vom 30. Juli 1999 und 6. April 2000 zu 40 % oder 30 % dauernd arbeitsunfähig, wobei diese Einschätzungen auch auf unfallfremden Faktoren beruhten (Persönlichkeitsstörung; Panikstörung). Selbst wenn eine Iangdauernde teilweise Arbeitsunfähigkeit bejaht würde, ist das zu prüfende Kriterium nicht erfüllt, weil ohne weiteres feststeht, dass der Versicherte nie ernsthafte Anstrengungen unternahm, sich in den Arbeitsmarkt wieder einzugliedern. 4.3 Insgesamt betrachtet liegen höchstens zwei (Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung und allenfalls fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung) der massgeblichen sieben Adäquanzkriterien gemäss BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130 vor, wobei eine besondere Ausprägung nicht gegeben ist. Der adäquate Kausalzusammenhang der Unfälle vom 30. Juli 1999 und 6. April 2000 mit den über den 1. Juni 2005 hinaus geklagten gesundheitlichen Beschwerden ist daher in Bestätigung des vorinstanzlichen Ergebnisses zu verneinen.