Citation: 8C_42/2020 E. 5

Wie das kantonale Gericht zutreffend darlegte, hatte die anlässlich des Unfalls im Jahr 1980 unter anderem erlittene strukturelle Hirnschädigung - wie auch die übrigen unfallkausalen Gesundheitsschäden - im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung nicht zu einer Erwerbseinbusse geführt. Mit der am 26. Mai 1982 rückwirkend ab 1. März 1981 zugesprochenen Invalidenrente von 10 % wurde, was die Suva bestätigte und nach damals geltendem Recht üblich war, denn auch keine Erwerbsunfähigkeit, sondern eine unfallbedingte Beeinträchtigung der körperlichen Integrität (Taubheit links und weitere von Zeit zu Zeit auftretende Beschwerden) abgegolten. Aus der medizinischen Aktenlage ergibt sich sodann unbestrittenermassen, dass der Beschwerdegegner bis Ende 2004, zuletzt als Logistiker, im Erwerbsleben nicht relevant eingeschränkt war. Im Rahmen des aufgrund einer Wirbelsäulenproblematik im August 2005 eingeleiteten IV-Verfahrens wurde im Wesentlichen auf das von der IV-Stelle eingeholte MEDAS-Gutachten vom 28. Januar 2011, dessen Beweiswert unbestritten war, abgestellt. Darin fanden sich als Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein organisches Psychosyndrom F07.2 bei Status nach traumatischer Hirnverletzung durch Verkehrsunfall vom 29. Januar 1980, eine verminderte mentale Leistungsfähigkeit mit mittelschweren verbalen Gedächtnisdysfunktionen und leichten Aufmerksamkeitsschwierigkeiten multikausaler Genese, eine teilweise noch subsyndromale depressive Störung F32.8, psychologische Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Erkrankungen F54 sowie ein Residualzustand mit Periarthropathia humeroscapularis und leichter Impingement-Symptomatik der rechten Schulter. Die früher ausgeübte Tätigkeit als Logistik-Mitarbeiter hielten die Gutachter für nicht mehr zumutbar, wobei sich vor allem die Minderbelastbarkeit der rechten operierten Schulter limitierend erweise. Die Tätigkeit als Securitas-Mitarbeiter sei dem Versicherten zu 70 % möglich, längerfristig wegen der eingeschränkten kognitiven Leistungsfähigkeit, der Notwendigkeit, Auto zu fahren, und der erhöhten psychischen Belastung bei alleine auszuführenden Nachteinsätzen indes eher ungeeignet. In einer angepassten Tätigkeit attestierten die Gutachter dem Versicherten eine 80%ige Arbeitsfähigkeit, limitiert vor allem durch die Konzentrations- und Antriebsstörungen, aber auch die Verlangsamung und die erhöhte Ermüdbarkeit. Insgesamt hielten die Experten einen anhaltenden Gesundheitsschaden mit relevanter Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit seit 6. Dezember 2004 für gegeben. Es bestünden neuropsychologische Funktionsstörungen mit relevanten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, die zumindest teilweise auf das anlässlich des Unfalls vom 29. Januar 1980 erlittene Schädel-Hirntrauma zurückzuführen seien, wobei sich die kognitiven Defizite erst zusammen mit weiteren Faktoren (Schulteroperation, Stellenverlust etc.) als relevant störend manifestiert hätten. Erfahrungsgemäss könnten die Folgen eines Schädel-Hirntraumas zum Teil jahrelang kompensiert werden und sich erst mit zunehmendem Alter und/oder in der Kumulation mit weiteren Beschwerden im späteren Verlauf wieder manifestieren. Im Rahmen des am 17. November 2015 bei der Suva eingeleiteten Revisionsverfahrens wurde von Dr. med. C.________ eine neurologische Beurteilung zu den Fragen des Kausalzusammenhangs der geltend gemachten Beschwerden mit dem Unfallereignis vom 29. Januar 1980 sowie einer eingetretenen erheblichen Verschlimmerung seit Rentenfestsetzung eingeholt, dies mit Bezug auf das MEDAS-Gutachten vom 28. Januar 2011. In seiner Beurteilung vom 9. Mai 2016 hielt der beigezogene Neurologe die Schlussfolgerungen des von der IV-Stelle eingeholten Gutachtens für nachvollziehbar. Einen natürlichen Kausalzusammenhang der aktuell geklagten neurologischen/ neuropsychologischen Einschränkungen mit dem Unfallereignis vom 29. Januar 1980 qualifizierte er als zumindest teilweise überwiegend wahrscheinlich. Er verwies diesbezüglich auf die MRT-Untersuchung des Neurokraniums vom 7. April 2010, die im Bereich der rechten Frontobasis einen Kontusionsdefekt zeigte, welcher nach den echtzeitlich dokumentierten Verletzungen überwiegend wahrscheinlich als Unfallfolge anzusehen sei. Dass die frontale Hirnverletzung Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Versicherten habe, hielt Dr. med. C.________ für überwiegend wahrscheinlich. Als überwiegend unfallbedingt betrachte er die 2011 dokumentierten leichten Störungen der Aufmerksamkeit und die leichte Persönlichkeitsveränderung mit rigiden Persönlichkeitszügen. Die Gedächtnisstörungen seien nur möglicherweise auf den Unfall zurückzuführen, da diesbezüglich auch unfallfremde Faktoren eine Rolle spielten. Zur Frage der erheblichen Verschlimmerung des unfallbedingten medizinischen Befundes seit der Rentenfestsetzung führte Dr. med. C.________ aus, die Fähigkeit des Versicherten, die unfallbedingten kognitiven Funktionseinbussen zu kompensieren, habe mit den Jahren abgenommen. Eine sekundäre Verschlechterung der neuropsychologischen Funktionsstörungen sei anhand der Befunde nicht anzunehmen.