Citation: 6B_137/2009 07.10.2009 E. 2

Die Vorinstanz wich vom Gutachten ab, weil es durch die Entwicklung der letzten 14 Monate überholt sei. Sämtlichen Berichten sei zu entnehmen, dass sich der Beschwerdegegner durchwegs positiv entwickelt und grosse Fortschritte gemacht habe. Bereits die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK) habe im Februar 2008 attestiert, dass er gut kooperiere, und solange er die Depotmedikamente einnehme und die Behandlung beim Therapeuten stattfinde, gebe es auch keine Hinweise auf eine Fremdgefährdung. Der Beschwerdegegner befinde sich nun seit 9 Monaten in Freiheit, ohne dass es je zu einem negativen Zwischenfall gekommen sei. Aufgrund der diversen Berichte des Therapeuten sei davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner sich erfolgreich an sämtliche auferlegten Weisungen halte und hoch motiviert sei, sein Leben nun auf eine solide Basis zu stellen (angefochtener Entscheid S. 16 ff. Ziff. 3.2.1.3). Auf den ersten Blick erscheinen diese Argumente als triftige Gründe, welche die Überzeugungskraft der Feststellungen des Gutachters erheblich erschüttern, mithin ein Abweichen vom Gutachten erlauben (BGE 129 I 49 E. 4; 130 I 337 E. 5.4.2). Demgegenüber kritisiert die Beschwerdeführerin zu Recht, dass die Vorinstanz einerseits ihre Schlussfolgerung hauptsächlich auf die Berichte und Aussagen des Therapeuten abstützt, dem im vorliegenden Verfahren keine Sachverständigenfunktion zukommen kann (BGE 128 IV 241 E. 3.2), und dass sie anderseits mehrere Fachfragen nicht eingehend hat abklären lassen. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend darlegt, hätten folgende Punkte gutachterlich beurteilt werden müssen: Seitdem der Beschwerdegegner die Behandlung beim Therapeuten begonnen hat, ist er offenbar kooperativ. Nachdem er sich aber bereits früher "aus reiner Berechnung" kooperativ gezeigt und - als Sexualdelikte zur Sprache kamen - auch eine mehrjährige Therapie abgebrochen hatte, stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Kooperation tatsächlich ist. Der Gutachter diagnostizierte beim Beschwerdegegner eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, mit deutlicher Impulsproblematik, eine Abhängigkeit von Heroin, Kokain und Cannabis sowie eine rezidivierende akute polymorphe psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie. Er erachtete die Krankheitsbilder einer Therapie und Medikation zugänglich, doch seien nur längerfristig und allenfalls moderate Erfolge zu erwarten. Bei dieser Ausgangslage hätte die Vorinstanz beim Gutachter nachfragen müssen, wie die Fortschritte und Erfolge der laufenden Therapie hinsichtlich des Krankheitsbildes zu werten sind, ob sich die Legalprognose zwischenzeitlich verändert hat und bereits jetzt eine ambulante Massnahme angezeigt ist. Die Vorinstanz ordnete eine ambulante Massnahme an unter anderem mit der Begründung, die Taten des Beschwerdegegners seien nie über eine einfache Körperverletzung hinausgegangen. Diese offensichtlich unrichtige Annahme der Vorinstanz ist zu korrigieren (Art. 97 Abs. 1 BGG). Denn gemäss Strafregisterauszug wurde er im Jahre 1986 wegen Notzucht und unvollendeten Versuchs dazu mit 4 ½ Jahren Gefängnis bestraft.