Citation: 5A_208/2024 E. 9.1.1

9.1.1. Zur Bindungstoleranz der Beschwerdegegnerin hielt die Vorinstanz Folgendes fest: Zwar sei aktenkundig, dass die Beschwerdegegnerin den Kontakt des Sohnes zu seinem Vater teilweise verweigert habe. Im Juni 2021 habe sie selbst erklärt, den Sohn bis auf Weiteres bei sich behalten zu haben. Dies sei zwar nicht angemessen, die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin jedoch zu relativieren, denn weitergehende aussergerichtliche Betreuungsregelungen gälten nur, solange sich die Parteien einig sind. Es sei der Beschwerdegegnerin daher nichts vorzuwerfen, wenn sie aufgrund der schwierigen elterlichen Situation der gerichtlich genehmigten Betreuungsregelung habe nachleben wollen, zumal auch der Beschwerdeführer bereits von einer aussergerichtlichen Vereinbarung Abstand genommen und die Einhaltung der gerichtlich genehmigten Betreuungsregelung verlangt habe. Für die Zeit von Mitte August bis Mitte September 2018, für die der Beschwerdeführer geltend machte, seinen Sohn nicht gesehen zu haben, woraufhin die Beschwerdegegnerin entgegnete, mit ihm in den Ferien gewesen zu sein, gelte es zu berücksichtigen, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keine konkrete Betreuungsregelung gegeben habe. Im Laufe des Verfahrens habe die Beschwerdegegnerin ausgeführt, der Sohn habe seinen Vater gerne und sie wolle bzw. hoffe, dass der Kontakt zum Vater bzw. die Betreuung durch beide Elternteile funktioniere. Sie wolle, dass der Sohn einen Vater habe und es sei nie ihr Ziel gewesen, die Betreuung des Sohnes durch den Beschwerdeführer irgendwie zu erschweren. Der Verlauf bis zur vorsorglichen Obhutszuteilung durch die Erstinstanz zeige, dass die Beschwerdegegnerin den Sohn trotz Konfliktsituation und schwerwiegender Vorwürfe seitens des Beschwerdeführers zu diesem habe gehen lassen und die Besuche nicht vereitelt habe. Durch den Umzug der Beschwerdegegnerin mit dem Sohn zu ihrem neuen Partner sei der Kontakt des Kindes zum Vater nicht erheblich beeinträchtigt worden; auch sei der Umzug nicht aus dem Grund erfolgt, den Sohn vom Vater zu trennen. Es seien keine konkreten Anhaltspunkte vorhanden, dass die Beschwerdegegnerin den Kontakt des Sohnes zu seinem Vater nicht zulassen und fördern würde. Insgesamt kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass sich eine fehlende Bindungstoleranz der Beschwerdegegnerin nicht bestätigen lasse; im Gegenteil sei davon auszugehen, dass sie über die nötige Bindungstoleranz verfüge.