Citation: 7B_60/2023 E. 2

Der Beschwerdeführer weist unter Berufung auf Art. 84 Abs. 4 StPO darauf hin, dass die Ausfertigung des Berufungsurteils grundsätzlich innert 60, höchstens 90 Tagen zu erfolgen hat, diese gesetzlichen Fristen vorliegend aber nicht eingehalten wurden. Bei Art. 84 Abs. 4 StPO handelt es sich indessen lediglich um Ordnungsvorschriften, welche das Beschleunigungsgebot konkretisieren. Deren Nichteinhaltung kann ein Indiz für eine Verletzung des Beschleunigungsgebots sein. Mit der Missachtung der Fristen von Art. 84 Abs. 4 StPO geht allerdings nicht zwingend auch eine Verletzung des Beschleunigungsgebots einher (Urteile 6B_187/2021 vom 2. August 2023 E. 10; 6B_1168/2020 vom 11. Oktober 2022 E. 2.4.3; 6B_13/2020 vom 29. Januar 2020 E. 4). Das schriftlich begründete Berufungsurteil der Vorinstanz ging dem Beschwerdeführer am 17. Mai 2023 zu, mithin rund einen Monat nach Ablauf der 90-Tagefrist. Dass die zu beurteilende Strafsache umfangreich und komplex war, wie die Vorinstanz anführt, stellt der Beschwerdeführer nicht in Abrede. Der Vorinstanz ist denn auch die Anzahl Verfahrensbeteiligter, namentlich 36 Privatklägerinnen und -kläger, und der Umfang des Urteils von knapp 100 Seiten zugutezuhalten. Die Dauer erscheint daher vertretbar. Im Übrigen hat das Bundesgericht in seinem Urteil 1B_443/2021 vom 6. Oktober 2021 in Bezug auf die Ausfertigung des erstinstanzlichen Urteils bereits festgehalten, dass die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Delikte auf eine nicht zu unterschätzende Komplexität hindeuten. In diesem Entscheid wurde unter Berücksichtigung, dass Haftsachen mit besonderer Beschleunigung zu behandeln sind, eine Verletzung des Beschleunigungsgebots zwar bejaht. Der Beschwerdeführer übersieht aber, dass die Erstinstanz die gesetzlich vorgesehene Frist von 90 Tagen für komplexe Fälle gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO "weit überschritten" hatte. Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots liegt demnach insoweit nicht vor.