Citation: 5C.251/2001 19.04.2002 E. 3

3.-Was die Berufungsklägerin gegen den angefochtenen Entscheid vorbringt, ist nicht geeignet, diesen als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen. a) Die Berufungsklägerin wendet sich nicht gegen die Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteil 5C.4/2001 vom 26. April 2001). Sie ist aber der Ansicht, die vom Bundesgericht darin aufgezeigten Kriterien, wie die Dauer des Pflegeverhältnisses, die Urteilsfähigkeit des zu adoptierenden Kindes, dessen geäusserter Adoptionswunsch sowie die fehlende Mutter-Kind-Beziehung resp. die Gründe für deren Fehlen stellten sich bei jeder Adoption und seien für die Interessenabwägung gleichermassen massgebend. Trotz des Wortlautes von Art. 12 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0.107) sei eine Interessenabwägung vorzunehmen, wobei nicht nur die Interessen des Kindes, sondern auch jene der Mutter in Betracht zu ziehen seien. Überdies gälten für die Stiefkinderadoption strengere Voraussetzungen für ein Absehen von der elterlichen Zustimmung. Mit dieser sehr allgemein gehaltenen Kritik setzt sich die Berufungsklägerin indes nicht in der erforderlichen Weise mit den Argumenten des angefochtenen Entscheides auseinander (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 116 II 745 E. 3 S. 749). Sodann zeigt sie auch nicht auf, welche ihrer Ansicht nach strengeren Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit von der Zustimmung der leiblichen Mutter zur Adoption abgesehen werden könnte. Insoweit ist daher auf die Berufung nicht einzutreten. b) Nach dem angefochtenen Entscheid ist das Kind im Auftrag des Gerichts zur Frage der Adoption ausführlich befragt worden. Das nunmehr 14-jährige Mädchen zeigte sich über die wesentlichen Folgen der Annahme an Kindesstatt zutreffend informiert und es wusste überzeugend zu begründen, weshalb die Adoption seinem eigenen Wunsch entspricht. Die Berufungsklägerin behauptet, der Adoptionswille des Mädchens sei nicht gefestigt; das Mädchen sei sich über die Adoption nicht im Klaren, zumal es die entsprechenden Informationen nur von seinem Vater und seiner Stiefmutter erhalten habe und nicht sämtliche Umstände, die seine leibliche Mutter betreffen, habe in Betracht ziehen können. Mit diesen Ausführungen kritisiert die Berufungsklägerin jedoch in unzulässiger Weise die Beweiswürdigung der Vorinstanz. Insoweit ist daher auf die Berufung nicht einzutreten (BGE 120 II 97 E. 2b S. 99; 114 II 289 E. 2a; 125 III 78 E. 3a). c) Die Berufungsklägerin macht geltend, die Vorinstanz gehe ohne eingehende Begründung von der Urteilsfähigkeit des Kindes mit Bezug auf die Frage der Adoption aus und stütze diese Auffassung einzig auf Äusserungen des Kindes sowie mit dem lapidaren Hinweis darauf, dass die Urteilsfähigkeit bei einem 14-jährigen Mädchen ohnehin zu vermuten sei. Da in Fragen der Kinderbelange die Offizialmaxime gelte, hätte die Vorinstanz die Frage der Urteilsfähigkeit näher abklären müssen, was aber in Verletzung von Bundesrecht unterblieben sei. Sodann verstosse es gegen Art. 8 ZGB, ihr die Beweislast für die wesentlichen Tatsachen aufzubürden. Zudem lasse der dem angefochtenen Beschluss zu Grunde liegende Sachverhalt keineswegs auf Urteilsfähigkeit des Kindes schliessen, weshalb die vorinstanzliche Beweiswürdigung Art. 8 ZGB verletze. Die Berufungsklägerin macht nicht geltend, die Vorinstanz sei von einem falschen Begriff der Urteilsfähigkeit ausgegangen (BGE 91 II 327 E. 8 S. 338). Nach dem angefochtenen Entscheid ist das Kind im Auftrag des Gerichts zur Frage der Adoption ausführlich befragt worden. Das nunmehr 14-jährige Mädchen zeigte sich über die wesentlichen Folgen der Annahme an Kindesstatt zutreffend informiert und es wusste überzeugend zu begründen, weshalb die Adoption seinem eigenen Wunsch entspricht. Damit hat das Obergericht im Rahmen der Beweiswürdigung eingehend begründet, weshalb es das Kind als urteilsfähig betrachtet. Hat es sich aber aufgrund der Befragungen ein schlüssiges Bild über die entscheidenden Tatsachen zur Bejahung der Urteilsfähigkeit machen können, so war es nicht gehalten, zu weiteren Abklärungen zu schreiten (vgl. Urteil C.496/1987 vom 28. April 1988, E. 2b). Von einer Verletzung der Offizialmaxime kann daher keine Rede sein. Wo der Richter - wie hier das Obergericht - in Würdigung von Beweisen zur Überzeugung gelangt, eine Tatsache sei bewiesen, ist die Beweislastverteilung gegenstandslos (BGE 114 II 289 E. 2a S. 291). Nicht verletzt ist Art. 8 ZGB sodann durch die Beweiswürdigung, zumal er diese Frage gar nicht regelt (BGE 114 II 289 E. 2a S. 291). Soweit die Berufungsklägerin schliesslich von einem anderen als dem vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt ausgeht, ist auf die Berufung nicht einzutreten (Art. 63 Abs. 2 OG; BGE 120 II 97 E. 2b S. 99). d) Nach den vorinstanzlichen Ausführungen hat die Berufungsklägerin zwischen 1987 und 1988 1 3/4 Jahre mit dem Kind verbracht. Nach Ansicht der Vorinstanz hat dieser Umstand jedoch keinen Einfluss auf das Adoptionsverfahren, zumal die Mutter seit 1988 überhaupt keinen Kontakt mit ihrer Tochter unterhalten hat. Die Berufungsklägerin macht geltend, aus der Tatsache, dass keine Beziehung mit der Tochter bestehe, lasse sich nicht schliessen, dass die Mutter-Kind-Beziehung als schlecht bzw. gestört im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung angesehen werden könne (Urteil 5C.4/2001 vom 26. April 2001, E. 2c). Dass zwischen Mutter und Tochter keine Beziehung bestehe, dürfe der Berufungsklägerin nicht angelastet werden, zumal dieser Umstand laut den vorinstanzlichen Feststellungen auf objektiven Gründen beruhe. Relevant sei schliesslich, dass im vorliegenden Fall die Tochter ihre Mutter kennenlernen möchte, was jedoch auf den Fall nicht zugetroffen habe, welcher vom Bundesgericht am 26. April 2001 beurteilt wurde. Diesen Aspekt habe die Vorinstanz bei seiner Interessenabwägung nicht berücksichtigt und damit Art. 265c Ziff. 2 ZGB verletzt. Entgegen den Behauptungen der Berufungsklägerin hat die Vorinstanz dieses vom Fall 5C.4/2001 abweichende Element keineswegs übersehen. Es vermag indes nicht einzuleuchten, weshalb der vorliegende Fall allein wegen dieses Unterschiedes anders zu beurteilen wäre. Die Vorinstanz hat für das Bundesgericht verbindlich festgestellt, dass zwischen Mutter und Tochter seit 1988 keine Beziehung mehr besteht. Nur weil keine gestörte, sondern überhaupt keine Beziehung zwischen Tochter und Mutter gegeben ist, kann nicht gesagt werden, das Absehen von der mütterlichen Zustimmung zur Adoption verletze Bundesrecht. Dass das Kind seine Mutter kennenlernen möchte, spricht nicht gegen den vorhandenen und deutlich geäusserten Adoptionswunsch des Kindes. e) Die Berufungsklägerin wirft dem Obergericht vor, es habe bei seiner Interessenabwägung nicht genügend berücksichtigt, dass das zu adoptierende Kind erst 14 Jahre alt sei. Die rechtliche Gleichstellung mit der Halbschwester stelle kein gewichtiges Element für die Adoption dar. Schliesslich seien die Unterschiede zwischen einem Stiefkindverhältnis und der Adoption entgegen der Auffassung der Vorinstanz keineswegs erheblich. Mit diesen Ausführungen kritisiert die Berufungsklägerin indes nicht, die Vorinstanz sei von einem falschen Begriff der Interessenabwägung ausgegangen; sie wendet sich vielmehr gegen die Gewichtung der einzelnen Elemente durch das Obergericht; inwiefern das Obergericht dabei sein Ermessen unrichtig ausgeübt haben könnte, bleibt unerfindlich. f) Die Berufungsklägerin macht sodann geltend, ihr sei das rechtliche Gehör verweigert worden, indem das Obergericht auf ihre Beweisanträge ohne Begründung und ohne formellen Entscheid nicht eingetreten sei. Nicht begründet worden sei ferner, weshalb die Zeugenliste nicht in Betracht gezogen wurde. Damit rügt die Berufungsklägerin indes eine Verletzung verfassungsmässiger Rechte, die nicht mit Berufung, sondern mit staatsrechtlicher Beschwerde zu rügen gewesen wäre (Art. 43 Abs. 1 in fine OG). g) Die Berufungsklägerin rügt schliesslich in allgemeiner Form, die Vorinstanz habe die in Kinderbelangen herrschende Offizialmaxime verletzt, indem sie den Sachverhalt mit Bezug auf die Frage nicht näher abgeklärt habe, weshalb über so lange Zeit kein Kontakt zwischen Mutter und Tochter bestanden habe. Erst aufgrund dieser Abklärungen hätte die wesentliche Frage beantwortet werden können, weshalb sich die Mutter nicht um das Kind kümmern konnte. Damit habe die Vorinstanz die Offizialmaxime sowie Art. 8 ZGB verletzt. Der Vorwurf erweist sich als unbegründet. Die Berufungsklägerin hat sich im Rahmen des Adoptionsverfahrens zu den streitigen Punkten geäussert, und die entsprechenden Ausführungen finden sich im angefochtenen Urteil. Die Vorinstanz hat überdies unbestrittenermassen festgestellt, dass seit 1988 kein Kontakt der Berufungsklägerin mehr mit der Tochter bestanden habe, wobei dieser Umstand - wenn überhaupt - nur in geringem Masse dem Verschulden der Berufungsklägerin zuzuschreiben sei. Unter diesen Umständen ist nicht ersichtlich, inwiefern die Offizialmaxime bzw. Art. 8 ZGB verletzt sein könnten.