Citation: 8C_1062/2009 31.08.2010 E. 4.2

4.2.1 Ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (zur diesbezüglich ausschliesslichen Relevanz bei der Prüfung der Unfallschwere: BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126; Urteile U 2/07 vom 19. November 2007 E. 5.3.1, in: SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, und [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 503/05 vom 17. August 2006 E. 2.2, 3.1 und 3.2, in: SZS 2008 S. 183) ist der tätliche Übergriff vom 31. März/1. April 2010 innerhalb der gemäss BGE 115 V 133 (E. 6 S. 138 ff.) vorzunehmenden Kategorisierung in Anbetracht der in vergleichbaren Fällen ergangenen Rechtsprechung jedenfalls weder als schweres noch als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den schweren Unfällen zu qualifizieren. So wurde etwa in einem Fall, in welchem eine Frau beim Spazieren auf der Strasse von einem Unbekannten angefallen, geschlagen, zu Boden geworfen und mit Tötungsabsicht gewürgt wurde, bevor der Angreifer durch Passanten überwältigt werden konnte, ein mittelschwerer Vorfall angenommen (Urteil [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 215/94 vom 21. Juni 2006 E. 6, in: RKUV 1996 Nr. U 256 S. 215). Im Urteil U 9/00 vom 28. August 2001 (in: RKUV 2001 Nr. U 440 S. 350) stufte das Eidg. Versicherungsgericht einen Angriff, bei welchem die mit einem Mann und dessen Sohn zusammenlebende Versicherte ohne ersichtlichen Anlass und ohne Vorwarnung vom Sohn gepackt, auf den Boden geworfen, mehrmals mit dem Kopf auf den Boden geschlagen, mit Kniestössen traktiert und mit dem Tod bedroht worden war und sich erst durch an ihren Partner gerichtete Hilferufe zu retten vermochte, als mittelschweres Ereignis an der oberen Grenze ein. Den entscheidenden graduellen Unterschied zum zuvor zitierten Urteil erblickte das Gericht darin (E. 6c), dass die Drohungen des Angreifers geeignet waren, die Versicherte in Bezug auf dessen Absichten ernsthaft zu beunruhigen, dieser ausserdem zu ihrem Familienkreis gehörte und ein Ungleichgewicht der Kräfte (Alter, Geschlecht) vorlag. In casu erfolgte der Übergriff durch den damaligen Freund der Beschwerdeführerin und damit ebenfalls durch eine Vertrauensperson. Im Gegensatz zur Situation, welche dem Urteil U 9/00 vom 28. August 2001 zugrunde lag, kam der Angreifer im vorliegenden Fall jedoch nach einigen Minuten, nachdem die Versicherte ihm auf seine Bitte hin eine Ohrfeige versetzt hatte, wieder zur Vernunft und liess von ihr ab. Todesdrohungen waren nach den polizeilichen Akten in jenem Zeitpunkt keine ausgestossen worden (sondern erst zwei Tage später; vgl. Einvernahmeprotokolle vom 3. und 4. April 2006). Der Schweregrad des Vorfalles ist angesichts dieser Verhältnisse gesamthaft vergleichsweise als leicht geringer zu werten, weshalb ihm die Qualität eines mittelschweren Ereignisses im mittleren Bereich zuzugestehen ist. Soweit letztinstanzlich vorgebracht wird, zur Beurteilung der Unfallschwere im Rahmen der Adäquanzprüfung sei massgeblich auf das Gutachten der Frau Dr. med. A.________ vom 16. April 2008 abzustellen, verkennt die Beschwerdeführerin, dass bezüglich des - in diesem Kontext relevanten - objektiv fassbaren Unfallgeschehens detaillierte, unmittelbar im Anschluss an den Vorfall erhobene Angaben in Form von polizeilichen Akten vorliegen. Die mehr als zwei Jahre später verfassten gutachtlichen Ausführungen hatten demgegenüber primär das subjektive, durch den Zeitablauf allenfalls leicht verzerrte Erleben der Versicherten und die Verarbeitung des Vorgefallenen zum Gegenstand. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, wie sie die Beschwerdeführerin im Umstand erblicken will, dass die Vorinstanz sich nicht in genügendem Masse mit der betreffenden Expertise auseinandergesetzt bzw. diese nur mangelhaft gewürdigt habe, ist nicht ersichtlich. 4.2.2 Der adäquate Kausalzusammenhang könnte somit nur für den Fall bejaht werden, dass eines der relevanten Adäquanzkriterien besonders ausgeprägt erfüllt wäre oder mehrere - mindestens drei - der Kriterien in gehäufter Weise vorliegen würden (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 141; Urteil 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 E. 4.5 mit Hinweisen, in: plädoyer 2010/2, S. 53). Vor dem Hintergrund, dass die Versicherte nachts im Schlaf von ihrem damaligen Partner völlig überraschend attackiert und misshandelt worden war, ist das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände/besonderen Eindrücklichkeit als gegeben anzusehen, wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Form. Sämtliche der als mittelschwer qualifizierten Unfälle weisen eine gewisse Eindrücklichkeit auf, sodass allein daraus noch nicht auf eine besondere Ausprägung geschlossen werden kann. Die übrigen Kriterien sind demgegenüber mit der Vorinstanz, welche diese sogar unter Anwendung der - für die Versicherten regelmässig günstigeren - Schleudertrauma- bzw. Schädel-Hirntraumapraxis verneint hat, auszuschliessen. Es kann auf die überzeugende Begründung im angefochtenen Entscheid (E. 4.4) verwiesen werden, der in der Beschwerde denn auch keine substanziierte Opposition erwächst. Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 31. März/1. April 2006 und allfälligen, noch andauernden Beschwerden besteht unter diesem Titel folglich nicht. 4.3 An den - auf Grund der allgemeinen Adäquanzformel zu prüfenden und damit eine Wertung darstellenden (vgl. E. 4.1 in fine hievor) - Kausalzusammenhang zwischen so genannten Schreckereignissen und nachfolgenden psychischen Beschwerden werden alsdann hohe Anforderungen gestellt. Diese sind insbesondere an den Beweis der Tatsachen, die das Schreckereignis ausgelöst haben, und an die Aussergewöhnlichkeit des fraglichen Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock zu stellen. Nach der Rechtsprechung besteht die übliche und einigermassen typische Reaktion auf derartige Ereignisse erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate überwunden wird (BGE 129 V 177; Urteile 8C_341/2008 vom 25. September 2008 E. 2.3 und U 548/06 vom 20. September 2007 E. 2.5, in: SVR 2008 UV Nr. 7 S. 22, je mit Hinweisen). 4.3.1 Aus wissenschaftlichen Forschungen ist bekannt, dass die häusliche Gewalt gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann und die Schwere der Folgen von der Intensität und der Dauer der Gewalteinwirkung beeinflusst wird. Namentlich sind das mögliche Spektrum und Ausmass der gesundheitlichen Auswirkungen von Gewalt neben der Schwere der Übergriffe wesentlich davon beeinflusst, ob Gewalt systematisch und/oder kumulativ über einen längeren Zeitraum hinweg ausgeübt wird und Gewaltbetroffene und Gewaltausübende in einer engen sozialen und/oder emotionalen Beziehung bzw. in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen (beispielsweise Familien- und Paarbeziehungen). Eine Beendigung der Gewaltsituation ist unter diesen Voraussetzungen deutlich erschwert (siehe zum Themenbereich etwa die Untersuchung des deutschen Statistischen Bundesamtes "Gesundheitliche Folgen von Gewalt unter besonderer Berücksichtigung von häuslicher Gewalt gegen Frauen", in: Heft 42 vom 13. April 2010 aus der Reihe "Gesundheitsberichterstattung des Bundes", S. 14 und 16 [abrufbar unter www.gbe-bund.de/]). 4.3.2 Nach Lage der Akten, namentlich der polizeilichen Einvernahmeprotokolle, ist es innerhalb eines Zeitraums von rund zwei Wochen zu drei, hinsichtlich ihres Gewaltpotentials unterschiedlich heftigen körperlichen Übergriffen des damaligen Partners der Versicherten gekommen, wobei der zweite, in der Nacht vom 31. März auf 1. April 2006 aufgetretene Vorfall in Bezug auf Intensität und Gewalteinwirkung das deutlich gravierendste Ereignis bildet. In der Folge, am Abend des 2. April 2006, verwies die Beschwerdeführerin ihren Freund dauerhaft der Wohnung und stellte am nächsten Tag Strafantrag wegen Drohung/Körperverletzung. Mit dem kantonalen Gericht, dessen Entscheid auch in diesem Punkt überzeugt, ergeben die einzelnen Bedrohungselemente in ihrer Gesamtheit trotz unbestrittener Eindrücklichkeit kein Bild, welches nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung als im Lichte der zitierten medizinischen Forschungsergebnisse (sowie der massgebenden, vorinstanzlich einlässlich wiedergegebenen Judikatur) geeignet erscheint, langjährige, die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigende psychische Beschwerden auszulösen. Zum einen erlitt die Versicherte körperlich jeweils eher leichtgradige Verletzungen (in Form von Hämatomen, Schwellungen und Rötungen am Körper), welche rasch und folgenlos abheilten, und dauerte die Gewalteinwirkung zum anderen, wenn auch mehrfach begangen, nicht über eine längere Zeitspanne an; die Beschwerdeführerin zeigte sich auf Grund der Vorfälle - trotz späterer, subjektiv schwieriger Verarbeitung der Geschehnisse - in der Lage, die Beziehung zu beenden und sich von ihrem Partner zu lösen. Die Adäquanz ist somit auch unter diesem Gesichtspunkt zu verneinen.