Citation: 6B_659/2018 E. 3.3.3

3.3.3. Die Beurteilung des Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB kann kriteriengeleitet nach der Bestimmung über den "schwerwiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAV; SR 142.201) vorgenommen werden (Urteil 6B_371/2018 vom 21. August 2018 E. 2.5; ferner Urteil 6B_706/2018 vom 7. August 2018 E. 2.2-2.5). Die Vorinstanz prüft die folgenden Kriterien näher: Integration in der Schweiz: Der Beschwerdeführer entgegne den erstinstanzlichen Erwägungen, die von Jugenddelinquenz und Spannungen gezeichneten ersten Jahre würden etwas relativiert, da er sich von 2009 bis 2017 nichts mehr habe zuschulden kommen lassen. Er habe sich nach den Startschwierigkeiten integriert. Er könne Temporäreinsätze leisten und bemühe sich um eine Festanstellung. Resozialisierungschancen in Tunesien: Dass ihn die Familie der Ehefrau nicht aufnehmen würde, leuchte grundsätzlich ein. Deren Aufenthaltsrecht sei an das seine geknüpft (vgl. oben E. 3.1, dritter Abs.). Er habe bis zum 15. Lebensjahr in Tunesien gelebt. Ein dichtes Beziehungsnetz sei hilfreich, aber nicht notwendig. Er müsste seine Resozialisierung in Tunesien wie in der Schweiz ohne abgeschlossene Berufsausbildung bestreiten. Medizinische Versorgung: Aufgrund der medizinischen Grundversorgung in Tunesien könnten die Geburtsgebrechen des Kindes keinen Härtefall bewirken. Familiäre Bindung in der Schweiz: Seine Ehefrau und das Kind müssten ihm wohl nach Tunesien folgen. Unter dem Gesichtspunkt des Härtefalls sei die Beziehung zu den beiden älteren Kindern zu prüfen. Er habe diese jedes zweite Wochenende bei sich auf Besuch. Seit seiner Inhaftierung schiesse die Alimentenhilfe die Unterhaltsbeiträge vor. Das enge Verhältnis zu seiner Tochter würde von deren Mutter bestätigt. Bei einer Landesverweisung könnte er den Kontakt zu den beiden Kindern nicht mehr pflegen. Der Härtefall könne aber nicht bei einer Drittperson begründet werden. Er müsse sich bei ihm selber auswirken. Faktisch würde die Vater-Kind-Beziehung auf einer telefonischen bzw. videoübertragenen Basis weiterexistieren. Selbst wenn ihn die Kinder ferienhalber besuchten, wäre eine gewisse Härte sicherlich zu bejahen. Interessenabwägung: Das Ziel der Landesverweisung sei die Verhinderung weiterer Straftaten in der Schweiz. Für das öffentliche Interesse spielten eine Rolle die ausgefällte Strafe, die Art der begangenen Delikte, eine grosse Rückfallgefahr, eine wiederholte Straffälligkeit, eine erneute Straffälligkeit nach verbüsster Freiheitsstrafe sowie Straffälligkeit nach migrationsrechtlicher Verwarnung (mit Hinweis auf BUSSLINGER/UEBERSAX, a.a.O., S. 103). Für die Vorinstanz fällt bei der Bewertung des öffentlichen Interesses ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer die harte Droge Kokain verkaufte und damit die Gesundheit vieler Menschen gefährdete. Er habe sich nicht in finanzieller Notlage befunden. Nach der Sanktionshöhe liege ein schweres Delikt im Rahmen der Katalogtaten vor. Auch bei der Vorstrafe aus dem Jahre 2008 habe mit dem Raub eine Katalogtat vorgelegen. Es bestehe ein grosses öffentliches Interesse an der Landesverweisung. Das private Interesse überwiege nicht. Es liege kein schwerer persönlicher Härtefall vor, welcher es als gerechtfertigt erscheinen liesse, ausnahmsweise von einer Landesverweisung abzusehen. Aufgrund seiner familiären Bindungen in der Schweiz sei die Landesverweisung auf lediglich 5 Jahre auszusprechen.