Citation: 9C_755/2020 E. 5.3

5.3. Die Pflicht zur Selbsteingliederung steht der Leistungspflicht der Invalidenversicherung gegenüber und geht ihr vor (BGE 113 V 22 E. 4a S. 28). Die versicherte Person hat von sich aus das ihr Zumutbare zur Verbesserung der Erwerbsfähigkeit beizutragen, in erster Linie durch Ausschöpfung sämtlicher medizinischer Behandlungs- und weiterer therapeutischer Möglichkeiten (spezifisch bei psychischen Leiden: BGE 127 V 294 E. 4 b/cc S. 297). Die IV-Stelle muss nicht das Resultat dieser Massnahmen abwarten oder die versicherte Person vorgängig zur Selbsteingliederung auffordern (zit. Urteil 8C_385/2017 E. 5.3.2). Überdies fallen medizinische Massnahmen, die auf die Behandlung des Leidens an sich gerichtet sind, nicht in den Zuständigkeitsbereich der Invalidenversicherung, sondern der Krankenversicherung. Entsprechen die aus medizinischer Sicht notwendigen "Überbrückungsmassnahmen" nicht Eingliederungsmassnahmen im Sinn von Art. 8 ff. IVG, darf die Verwaltung von der Fiktion einer zumutbaren Verwertung der - vorerst noch - rein medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit ausgehen (zit. Urteile 8C_385/2017 E. 5.3.; 9C_432/2015 E. 5.2.2; I 601/05 E.2.3.3).