Citation: 5A_604/2024 E. 3.2

3.2. Im zweitinstanzlichen Verfahren kritisierte der Ehemann insbesondere die Annahme einer weitgehend klassischen Rollenteilung und machte geltend, dass die Ehefrau bereits in China und sodann auch in der Schweiz stets mit erheblichen Pensen erwerbstätig gewesen sei. Das Kantonsgericht hielt diesbezüglich fest, dass die Ehefrau während der Jahre in China nach eigenen Angaben in der Tourismusbranche nicht hätte Fuss fassen können und ihr auch keine Arbeitsbewilligung erteilt worden sei, weshalb sie für diese Zeit als nicht erwerbstätig zu gelten habe. Daran ändere nichts, dass die Parteien in China offenbar über eine Haushaltshilfe verfügt hätten und der Sohn den Kindergarten der deutschen Schule in Shanghai besucht habe. Sodann sei sie in der Schweiz nach eigener Behauptung nur vereinzelt erwerbstätig gewesen; so habe sie in den Steuererklärungen von 2010 bis 2016 nur für das Jahr 2014 einen Betrag von Fr. 1'196.-- deklariert. Im Rahmen des Eheschutzverfahrens habe sich zwar gezeigt, dass diese Angaben nicht zugetroffen hätten und sie zwischen Juni 2014 und April 2016 durchschnittlich ein Einkommen von rund Fr. 1'000.-- erzielt habe. All dies ändere aber nichts daran, dass die Ehe als lebensprägend anzusehen sei. Die Ehefrau habe für die Ehe ihr Heimatland und ihren damals 15-jährigen vorehelichen Sohn verlassen und der stets vollzeitig erwerbstätige Ehemann habe sich auf sein berufliches Fortkommen konzentrieren können, während sie sich in erster Linie um das gemeinsame Kind gekümmert habe. Dass der Ehemann den Sohn in der Freizeit ebenfalls betreut und ihm bei der Erledigung der Hausaufgaben geholfen habe, ändere daran nichts. Der Lebensplan der Ehefrau habe sich nach dem elfjährigen Zusammenleben derart verändert, dass ihr die Rückkehr zu den wirtschaftlichen, aber auch persönlichen Verhältnissen vor der Ehe nicht mehr zumutbar sei. Sodann bestätigte das Kantonsgericht im Zusammenhang mit dem zuletzt gelebten ehelichen Standard die vom Ehemann kritisierte Berechnung des Einkommens (Anrechnung des Dividendeneinkommens), der Auslagen (Berücksichtigung der Zahnbehandlungskosten sowie die Höhe der Steuern) und der Sparquote. Ebenso wenig folgte es den Beanstandungen des Ehemannes im Zusammenhang mit dem hypothetischen Einkommen der Ehefrau (diese könne gemäss dem statistischen Lohnrechner Salarium in der Innerschweiz in der Branche "Reisebüros, Reiseveranstalter, Reservierungsdienstleistungen" auf der Stufe "oberes und mittleres Kader" einen Nettolohn von rund Fr. 6'000.-- erzielen; diese habe in böswilliger Schädigungsabsicht ihre beiden Wohnungen in Russland weit unter Wert an ihre beste Freundin verkauft und es seien ihr die wegen des Verkaufes entgehenden Mietzinseinnahmen von Fr. 900.-- anzurechnen; dieser seien sodann die Erträge aus ihrem Vermögen von rund Fr. 800'000.-- anzurechnen); vielmehr übernahm das Kantonsgericht in beweiswürdigender Bestätigung einer 100 %-igen Arbeitsfähigkeit das erstinstanzlich angenommene hypothetische Einkommen von Fr. 3'000.-- und liess es dabei bewenden. Ebenso wenig folgte es den Ausführungen des Ehemannes betreffend höhere eigene Bedarfspositionen. Angesichts der zeitlichen Entwicklung (Volljährigkeit des Sohnes und Gewissheit für die Ehefrau, dass sie ab Januar 2024 vollzeitig erwerbstätig würde sein müssen) gewährte es jedoch keine zusätzliche Übergangsphase und bildete im Übrigen nur noch zwei Phasen, nämlich eine erste bis zum Erreichen des AHV-Alters des Ehemannes sowie eine zweite (dazu spezifisch E. 5.2) bis zum Erreichen des ursprünglichen AHV-Alters der Ehefrau.