Citation: 6B_1442/2021 E. 2.3.2

2.3.2. Im wieder aufgenommenen Verfahren hat das Gericht ex nunc zu entscheiden. Dabei sind sämtliche Beweise und Vorbringen, also jene des Bewilligungsverfahrens sowie die in der neuen Hauptverhandlung vorgebrachten, zu berücksichtigen und frei zu würdigen. Das Gericht muss im wieder aufgenommenen Verfahren auf der Grundlage des aktuellen Stands der Tatsachen entscheiden und nicht auf der Basis des dem angefochtenen Urteil zugrunde liegenden Sachverhalts (BGE 141 IV 145 E. 6.3). Dem Gericht im wieder aufgenommenen Verfahren ist es nicht verwehrt, Tat- und Rechtsfragen anders zu entscheiden als das Gericht im aufgehobenen Urteil, wenn ihm die Überzeugung vom Vorhandensein der früher angenommenen Tatsachen fehlt oder ihre seinerzeitige rechtliche Würdigung als unrichtig erscheint. Im wieder aufgenommenen Verfahren muss das Gericht nicht das aufgehobene Urteil überprüfen, sondern die Sache neu und selbständig verhandeln und entscheiden (BGE 141 IV 145 E. 6.3 mit Hinweisen). Diese in BGE 141 IV 145 E. 6.3 zu § 434 aStPO/ZH i.V.m. Art. 385 bzw. aArt. 397 StGB dargelegten Grundsätze sind auch auf das Revisionsverfahren nach StPO anzuwenden und gelten namentlich für das wieder aufgenommene Verfahren nach Art. 414 Abs. 2 StPO.