Citation: I 492/04 10.02.2005 E. 3

3.1 Bei Prüfung des streitigen Anspruchs auf Vergütung der Kosten der fraglichen Massnahme ist von der Rechtstatsache auszugehen, dass der Beschwerdegegnerin die leihweise Abgabe der Vergrösserungsgeräte und -software als persönliches Hilfsmittel am Arbeitsplatz rechtskräftig zugesprochen worden ist. Dass die entsprechende Verfügung vom 9. August 2001 zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne sei (Art. 53 Abs. 2 ATSG) oder auf einem mangelhaften, zu einer Revision Anlass gebenden Tatsachenfundament beruht (Art. 53 Abs. 1 ATSG), was die Anspruchsberechtigung möglicherweise ausschlösse, ist auf Grund der Akten zu verneinen. 3.2 Die Beschwerdegegnerin ist seit 1. Dezember 2001 beim BSV angestellt, wo sie am Bildschirm vor allem die Vollzugswebsite zu betreuen sowie Merkblätter und Uebersichten in verschiedenen Sprachen und unterschiedlichen Formaten zu bearbeiten hat. Der IV-Stelle ist darin beizupflichten, dass nicht ohne weiteres einzusehen ist, weshalb sie das abgegebene Lese- und Schreibsystem an diesem Arbeitsplatz nicht installiert hat. Wie die Beschwerdegegnerin in der letztinstanzlich zusammen mit der Vernehmlassung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichten Stellungnahme selber ausführt, erledigt sie zu Hause mit Hilfe dieses Programms berufliche Aufgaben und liest Fachliteratur. Ausserdem ist der IV-Stelle zuzustimmen, dass die geltend gemachte Instabilität des Systems (häufig vorkommende Abstürze des Computers) kein Hinderungsgrund zum Einsatz des Hilfsmittels an der Arbeitsstelle ist, zumal das BSV über Fachpersonal im Informatikbereich verfügt, welches in der Lage ist, entsprechende Störungen zu beheben. Es ist daher anzunehmen, dass die Vergrösserungssoftware der Version 7.06 L2 beruflich durchaus nutzbringend eingesetzt werden kann. Indessen bringt die Beschwerdegegnerin (wie schon im Einsprache- und vorinstanzlichen Verfahren) vor, sie vermöge die vorgelesenen Texte auf dem Bildschirm nicht mitzuverfolgen, weil die gesprochenen Wörter nicht ihrer Sehbehinderung angepasst hervorgehoben würden, wogegen die neue Version 8.03 L2 fortlaufend jedes mündlich vorgetragene Wort mit einem Rahmen markiere. Dadurch sei sie nun in der Lage, die gehörten Texte gleichzeitig auf dem Bildschirm zu lesen. Diese glaubhaften Angaben werden durch die Offerte der A.________ AG vom 22. Oktober 2003 insoweit bestätigt, dass die weiterentwickelte Vergrösserungssoftware u.a. verbesserte Anzeigenschemen mit Invertierung von Farben und Eliminierung problematischer Farbtöne aufweist. In Würdigung der gesamten Umstände ist festzustellen, dass die vorgenommenen Anpassungen des von der Invalidenversicherung abgegeben Lese- und Schreibgeräts die Arbeitstätigkeit der Beschwerdegegnerin nicht nur erhalten sondern auch erleichtern. Sie hat daher Anspruch auf Vergütung der entstandenen Kosten im Rahmen des Einfachen und Zweckmässigen. 3.3 Zu prüfen bleibt die Leistungspflicht der Invalidenversicherung in masslicher Hinsicht. Der Betrachtungsweise der Vorinstanz, welche die Kosten des Updates unter die Betriebs- und Unterhaltskosten subsumiert hat, ist nicht beizupflichten. Gemäss Art. 7 Abs. 2 Satz 1 HVI übernimmt die Versicherung die Kosten, sofern nicht ein Dritter ersatzpflichtig ist, wenn ein von ihr abgegebenes Hilfsmittel trotz sorgfältigem Gebrauch der Reparatur, Anpassung oder teilweisen Erneuerung bedarf. An die Kosten für den Betrieb und den Unterhalt von Hilfsmitteln gewährt die Versicherung einen jährlichen Beitrag, der vom Bundesamt für Sozialversicherung festgelegt wird (Art. 7 Abs. 3 Sätze 1 und 2 HVI). Nach der im Zusammenhang mit Personenwagen ergangenen Rechtsprechung ist als Reparatur- bzw. Erneuerungsaufwand das zu betrachten, was Fahrtauglichkeit und Verkehrssicherheit verlangen und als Betriebsaufwand das, was für die jederzeitige Betriebsbereitschaft des (verkehrssicheren) Fahrzeugs noch vorgekehrt werden muss (ZAK 1964 S. 174, 1965 S. 453, 1967 S. 99). In fahrtauglichem, verkehrssicherem Zustand ist ein Automobil nur, solange der Motor, das Getriebe, die Lenkung, die Aufhängung, die elektrische Anlage (zu welcher die Batterie einschliesslich Zündungs- und Lichtanlage gehört), das Bremssystem und die Bereifung in Ordnung sind (ZAK 1964 S. 174). Analog verhält es sich bei Computeranlagen, welche an die technische Entwicklung von Hard- und Software angepasst werden, um die Betriebstauglichkeit zu erhalten. Das Update des von der Invalidenversicherung abgegebenen Schreib- und Lesesystems ist somit als Anpassung oder teilweise Erneuerung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 Satz 1 HVI zu qualifizieren. Unbestritten ist, dass die im Gesuch des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes vom 5. November 2003 erwähnten einzelnen Komponenten (Update Zoom Text, Grafikkarte Matrox Millenium G550, Sound Blaster live 1024, Installation und Konfiguration, Gebrauchstraining) für die Anpassung der Hilfsmittelhard- und software notwendig sind. Die Kosten im Umfang von Fr. 1'264.- stehen, was ebenfalls nicht bestritten ist, in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Zweck, die Leistungsfähigkeit der Versicherten am Arbeitsplatz bzw. ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. Die Invalidenversicherung hat somit die entstandenen Kosten gestützt auf Art. 8 Abs. 1 HVI zu übernehmen.