Citation: I 635/03 17.03.2004 E. 3

Zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente. Dabei ist der Sachverhalt massgebend, wie er sich bei Erlass der streitigen Verwaltungsverfügung am 20. Dezember 2002 präsentierte (oben Erw. 1). 3.1 Dr. med. M.________, Facharzt für physikalische Medizin, speziell Rheumatologie, hält in seinem Bericht vom 30. September 2000 ein chronisches rezidivierendes Lumbovertebralsyndrom, zeitweise Lumboischialigien rechts bei schwerster Osteochondrose L4/5 und L5/S1 mit Diskusprotrusionen auf dieser Bandscheibenhöhe, ein massives Zervikovertebral- und Lumbovertebralsyndrom bei Flachrücken im Gefolge eines Schleudertraumas am 28. November 1999, PHS calcaria links mehr als rechts, Gonarthrose bei Patelladysplasie sowie einen Fersensporn bei Senk-Spreizfussdeformität fest. Die Versicherte ist nach seiner Einschätzung bis auf weiteres sowohl im Erwerbsbereich wie auch bei der Haushaltarbeit nicht mehr arbeitsfähig. Dr. med. H.________, Facharzt für Neurologie, erwähnt in seinem Bericht vom 6. November 2000 (unter Hinweis auf frühere Berichte) einen Status nach zweiseitiger Auffahrkollision mit Halswirbelsäulendistorsion und persistierendem Zervikalsyndrom mit Minderbeweglichkeit der Halswirbelsäule nach links, rotatorischer Fehlstellung C1 bis C3 nach links, ohne nennenswerte degenerative Veränderungen, sowie wahrscheinlich mit Weichteilkontusion im Bereich des rechten Beckenkamms, ohne ossäre Veränderungen. Die Versicherte sei ab 19. Juni 2000 zu 40 % und ab 18. August 2000 zu 50 % arbeitsunfähig. Im polydisziplinären Gutachten des Aerztlichen Begutachtungsinstituts GmbH (ABI), vom 22. März 2002, werden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein Zustand nach Verkehrsunfall mit Heck- und Frontalkollision am 28. November 1999 mit einer Halswirbelsäulendistorsion konsekutiv mit linksbetontem oberem Zervikalsyndrom ohne radikuläre und/oder spinale Ausfälle sowie mit einer leichten bis mässig ausgeprägten neuropsychologischen Funktionsstörung, eine rezidivierende Lumboischialgie bei Diskopathie L4/5 und L5/S1, eine Adipositas permagna (BMI 36 kg/m2), eine leichte Periarthritis humeroscapelaris beidseits mit Tendinitis calcarea beider Schultern (links mit Partialruptur der Rotatorenmanschette) sowie eine Femoropatellararthrose beidseits bei bekannten Patelladysplasien diagnostiziert. Den festgestellten akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10, Z 73.1) wird kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugeschrieben. Die angestammte Tätigkeit als Sekretärin wird ab 28. November 1999 zu 50 %, eine angepasste Tätigkeit zu 60 % als zumutbar erachtet. Mehrfach enthalten ist der Hinweis auf die Diskrepanz zwischen der subjektiven Einschätzung der Versicherten und den Befunden sowie der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Dr. med. M.________ geht in seinem Bericht vom 9. September 2002 von denselben Diagnosen wie am 20. September 2000 aus; allerdings habe sich die Schulterproblematik akzentuiert. Auch bestehe keine Änderung bei der Arbeitsfähigkeit. Dr. med. H.________ hält am 31. Oktober 2002 einen stationären bis verschlechterten Gesundheitszustand sowie die zusätzliche Diagnose einer "frozen shoulder" fest. 3.2 Die von der Beschwerdeführerin erhobenen Vorwürfe gegen das Gutachten des ABI sind nicht stichhaltig. Es ist umfassend, berücksichtigt die Vorakten sowie die geklagten Beschwerden, stützt sich auf eigene Untersuchungen ab und enthält nachvollziehbare Schlüsse. Zudem umfasst es nebst einer internistischen Untersuchung auch ein neurologisches sowie ein psychiatrisches Teilgutachten. Entgegen der Ansicht der Versicherten ändert auch der Umstand, dass die streitige Verwaltungsverfügung rund ein Jahr nach den von den Fachärzten des ABI vorgenommenen Untersuchungen erlassen wurde, nichts daran. Denn einerseits bezeichnen sowohl Dr. med. M.________ wie auch Dr. med. H.________ den Gesundheitszustand der Versicherten als stationär bis verschlechternd, wobei sich diese Verschlechterung auf die Schulterproblematik bezieht, welche im Gutachten des ABI (einschliesslich der Hospitalisation im März 2001) bereits Eingang gefunden hatte. Mit Frau Dr. med. G.________, IV-Stelle, ist denn auch festzuhalten, dass "frozen shoulder" lediglich der englische Ausdruck für eine starre Schulter ist und damit pathologische Prozesse im Bereich der Weichteile in der Umgebung des Schultergelenks gemeint sind, welche unter Periartropathia humeroscapularis zusammengefasst werden (vgl. auch Pschyrembel, 259. Aufl., Berlin/New York 2002, wo beim Stichwort "frozen shoulder" auf die Erläuterungen zum Eintrag "Periarthropathia humeroscapelaris" verwiesen wird). Insbesondere aber enthalten weder der Bericht des Dr. med. M.________ vom 9. September 2002 noch jener von Dr. med. H.________ vom 31. Oktober 2002 begründete Befunde, welche eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes als wahrscheinlich erscheinen lassen würden. Auch aus den beigezogenen Akten der SUVA ergibt sich nichts anderes, zumal die von Dr. med. H.________ attestierte 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit bzw. die dieser zugrunde liegenden Schmerzexacerbationen weder im Unfallschein noch im Verlaufsbericht vom 11. Dezember 2001 näher beschrieben und begründet werden. So erachtete auch der zuständige Kreisarzt in seinem Bericht vom 26. August 2002 gestützt auf die Darstellungen der Dres. med. M.________ und H.________ eine Verschlechterung im geltend gemachten Ausmass nicht für ausgewiesen. Daran ändert auch der Bericht des Dr. med. M.________ vom 11. September 2003 nichts, da sich dieser auf den Krankheitsverlauf seit dem 9. Oktober 2002 bezieht, vorliegend jedoch der nach Erlass der Verwaltungsverfügung liegende Sachverhalt nicht in die Beurteilung miteinbezogen werden darf (oben Erw. 1). Im Übrigen ist auch darauf hinzuweisen, dass in Bezug auf Hausärzte das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen soll, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen). Entgegen der Ansicht der Versicherten findet auch keine Addition der unfallbedingten und nicht unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit statt; massgebend ist in der Invalidenversicherung vielmehr die gesamthaft gesehene zumutbare Arbeitsfähigkeit. Nach dem Gesagten ist es nicht zu beanstanden, dass Verwaltung und Vorinstanz bei der Frage der Arbeitsfähigkeit auf die Einschätzung des ABI abgestellt haben.