Citation: U 406/05 03.04.2006 E. 3

3.1 Trotz der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geäusserten Kritik ist mit der Vorinstanz auf das Gutachten vom 2. April 2004 abzustellen. Es wird sowohl hinsichtlich der Grundlagen als auch inhaltlich den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Stellungnahme (BGE 125 V 352 Erw. 3a) gerecht. Die Ergebnisse werden ausgehend von den Befunden, unter Berücksichtigung aller angegebenen Symptome und soweit erforderlich in Auseinandersetzung mit den Vorakten nachvollziehbar begründet und erläutert. 3.2 Es steht mit der Vorinstanz mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer an keinen organisch nachweisbaren Folgen des Unfalls vom 6. Oktober 2000 mehr leidet oder im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Beschwerdegegnerin am 31. Mai 2004 gelitten hat. Das interdisziplinäre Gutachten des Zentrums A.________ vom 2. April 2004 ist diesbezüglich eindeutig und überzeugend. 3.2.1 Die Gutachter verneinten das Vorliegen des typischen Beschwerdebildes nach einem HWS-Distorsionstrauma oder einer ähnlichen Verletzung wie auch eine milde traumatische Hirnverletzung, welche Beurteilung vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt wird. Für die angegebenen Nackenbeschwerden fanden sie kein organisches Korrelat. Sie beurteilten die leichtgradigen degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS als altersentsprechend. Eine organische Ursache konnten sie einzig für das beschwerdemässig im Vordergrund stehende Lumbovertebralsyndrom erheben. Diesbezüglich gingen die Experten davon aus, dass das Unfallereignis vom 6. Oktober 2000 das Lumbovertebralsyndrom mit Kreuzschmerzen (und Ausstrahlung ins linke Bein) vorübergehend habe manifest werden lassen. Erwähnenswert sei einerseits, dass der Beschwerdeführer prätraumatisch unter Kreuzschmerzen gelitten habe und behandelt worden sei, und dass anderseits degenerative LWS-Veränderungen radiologisch und computertomographisch dokumentiert seien. Beim organischen Lumbovertebralsyndrom habe es sich um eine vorübergehende Verschlimmerung eines latent vorhandenen Vorzustandes gehandelt. Der Verlauf der weiteren Symptomatik mit persistierenden Kreuzschmerzen sei durch die Schmerzfehlverarbeitung und eine Symptomausweitung gekennzeichnet. Unter Berücksichtigung der unfallbedingten Beschwerden organischer Genese sei die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht eingeschränkt. Das organische Lumbovertebralsyndrom beurteilten die Gutachter nicht als überwiegend wahrscheinlich unfallbedingt, sondern lediglich mit der Wahrscheinlichkeit "möglich". 3.2.2 Was der Beschwerdeführer dagegen einwendet ist unbehelflich. Seine Kritik am Fragenkatalog ist insofern unbegründet und verspätet, als dieser unter Beachtung seiner Mitwirkungsrechte erstellt wurde. Die Fokussierung des Beschwerdeführers auf die angeblich verfehlt formulierte "Ausstiegsfrage" lässt ausser Acht, dass die Beantwortung der Frage nach dem Dahinfallen der Kausalität nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit dem gesamten Gutachten zu würdigen ist. Obwohl die Gutachter nicht ausdrücklich nach dem Erreichen des status quo sine oder ante gefragt wurden, haben sie diesbezüglich begründet dargelegt, dass die degenerativen LWS-Veränderungen das Lumbovertebralsyndrom hinlänglich erklären und eine unfallbedingte Verschlechterung nicht festzustellen ist. Die Beurteilung der Experten, dass der Unfall lediglich eine vorübergehende Verschlimmerung eines latent vorhandenen Vorzustandes bewirkt habe, stimmt mit dem unfallmedizinischen Erfahrungssatz überein, dass bei Unfällen ohne morphologische Schädigungen der Wirbelsäule ein degenerativer Vorzustand durch den Unfall zwar erstmals manifest wird, dass die Chronifizierung der Beschwerden aber zunehmend auf andere, unfallfremde Faktoren zurückzuführen ist (vgl. Bär/Kiener, Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule, in Medizinische Mitteilungen der SUVA Nr. 67 vom Dezember 1994, S. 45 ff.). Ergänzend kann auf Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 52, verwiesen werden, wonach die Kontusion der Wirbelsäule eine bisher stumme, vorbestehende Spondylarthrose, Spondylose oder andere Wirbelsäulenerkrankung symptomatisch machen kann, wobei es sich meistens um eine vorübergehende Verschlimmerung handelt. Unter Hinweis auf weitere Publikationen (insbesondere Morscher/ Chapchal, Schäden des Stütz- und Bewegungsapparates nach Unfällen, in: Baur/Nigst, Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 192) wird die Auffassung vertreten, dass die traumatische Verschlimmerung degenerativer Erkrankungen der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten ist und in Fällen, da die Beschwerden nach einer einfachen Kontusion länger dauern, oftmals eine psychische Anpassungsstörung oder Fehlentwicklung dahinter steht (Urteile B. vom 25. Mai 2004, U 129/03, Erw. 5.5 und H. vom 18. September 2002, U 60/02, Erw. 3.2). Der gutachterliche Schluss, wonach das Lumbovertebralsyndrom nicht (mehr) überwiegend wahrscheinlich unfallbedingt sei und unfallbedingte Beschwerden organischer Genese die Arbeitsfähigkeit nicht einschränkten, ist nachvollziehbar und überzeugt. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist beweismässig allein entscheidend, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben (vgl. oben Erw. 1.1). Dies ist auf Grund des Gutachtens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Unbegründet ist der Vorwurf, das Gutachten sei widersprüchlich. Die verschiedenen Aussagen des Gutachtens zur Genese und Kausalität des Lumbovertebralsyndroms sowie zur Arbeitsfähigkeit sind in sich stimmig. Die vom Beschwerdeführer für die Widersprüchlichkeit der Expertise angeführte Aussage, "dass das unfallfremde Lumbovertebralsyndrom (das heisst ohne das Trauma) die Arbeitsfähigkeit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit beeinträchtigt hätte" basiert auf einer unvollständigen Zitierung. Tatsächlich haben die Experten ausgeführt, "dass das unfallfremde Lumbovertebralsyndrom allein (ohne Trauma und ohne die daraus resultierende Schmerzfehlverarbeitung) die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit beeinträchtigt hätte", was mit der Aussage übereinstimmt, dass die Arbeitsfähigkeit nicht mehr durch unfallbedingte organische Ursachen eingeschränkt sei. Nicht stichhaltig ist weiter die Rüge, Kreisarzt Dr. med. S.________ habe die medizinische Situation und die Unfallkausalität der persistierenden Beschwerden im Bericht vom 23. Januar 2002 anders beurteilt als die Gutachter des Zentrums A.________. Abgesehen davon, dass sich der Kreisarzt im Bericht vom 23. Januar 2002 zur Unfallkausalität der persistierenden Beschwerden nicht explizit äusserte, ist diese Beurteilung überholt. Kreisarzt Dr. med. S.________ hat den Beschwerdeführer am 4. August 2003 erneut untersucht und gemäss seiner Beurteilung zeigte sich weiterhin ein linksbetontes Lumbovertebralsyndrom ohne nachweisbare radikuläre Symptomatik, und lag eine Schmerzausweitung bei zunehmenden psychischen Problemen vor. Zur Kausalitätsfrage nahm der Kreisarzt nicht Stellung, vielmehr wurde auf Grund seines Berichtes vom 4. August 2003 die Begutachtung durch das Zentrum A.________ veranlasst. In der Expertise des Zentrums A.________ wurden die Berichte des Kreisarztes berücksichtigt und die gutachterliche Beurteilung steht nicht in Widerspruch zu seinen medizinischen Feststellungen. Was schliesslich die Beanstandung und die verlangte Nichtberücksichtigung des neuropsychologischen Teilgutachtens des Psychologen lic. phil. B.________ betrifft, so stösst dieser Antrag insofern ins Leere, als bei der gutachterlichen Gesamtbeurteilung auf diese Untersuchung mangels verwertbarer Resultate nicht entscheidend abgestellt wurde. Es kann deshalb offen bleiben, ob und welche Bedeutung dem Fähigkeitsausweis der Schweizerischen Vereinigung der Neuropsychologinnen und Neuropsychologen bei der neuropsychologischen Abklärung zukommt. 3.2.3 Zusammenfassend erweisen sich die beschwerdeführerischen Rügen am Gutachten als unbegründet und es ist beweismässig darauf abzustellen. Damit erübrigen sich weitere Abklärungen. Es muss mit der Feststellung sein Bewenden haben, dass der Beschwerdeführer an keinem Gesundheitsschaden leidet, der auf eine unfallbedingte organische Ursache zurückzuführen ist.