Citation: 6B_958/2020 E. 3.4

3.4. Gestützt auf den Unfallrapport der SUVA und die von der C.________AG eingereichten Unterlagen durfte die Vorinstanz zwar willkürfrei davon ausgehen, dass eine Fehlmanipulation von B.A.________ an der Fernbedienung des Hallenkrans das Unfallgeschehen ausgelöst hatte und B.A.________ in Sicherheitsbelangen im Jahre 2011 und in der Handhabung des Hallenkrans im Jahre 2015 instruiert worden war. Indessen verletzt sie Bundesrecht und verfällt in Willkür, wenn sie gestützt auf die erwähnten Dokumente eine Untersuchung der bei der C.________AG gelebten Sicherheitskultur als nicht erforderlich bezeichnet. Dem Arbeitgeber obliegt nicht nur die Ausbildung und Instruktion des Arbeitnehmers, sondern auch die Überwachung und Kontrolle der Einhaltung der für die Arbeitsplatzsicherheit wesentlichen Regeln (vgl. E. 3.3.3). Das Strafrecht kennt keine Schuldkompensation (BGE 106 IV 58 E. 1; Urteil 6B_274/2019 vom 28. Februar 2020 E. 2.6). Das Fehlverhalten von B.A.________ schliesst deshalb eine Mitverantwortung der bei der C.________AG für die Einhaltung und Kontrolle der Sicherheitsvorschriften verantwortlichen Personen nicht aus. Aus dem von der Beschwerdegegnerin beigezogenen Unfallrapport der SUVA und den von der C.________AG eingereichten Dokumenten ergibt sich weder, wer bei der C.________AG in Bezug auf die Betriebssicherheit und Unfallverhütung die Verantwortung getragen hat, noch ob die betreffenden Personen dieser Verantwortung durch Vornahme der nötigen Aufsicht und Kontrolle ihrer Mitarbeiter nachgekommen sind. Aus dem Stillschweigen des Unfallrapports der SUVA zur Sicherheitskultur der C.________AG zu schliessen, Letzterer sei hinsichtlich Überwachung und Kontrolle der Einhaltung der für die betriebliche Sicherheit erforderlichen Vorschriften keine Pflichtverletzung vorzuwerfen, greift zu kurz. Gegenstand des Unfallrapports der SUVA war die Abklärung der (unmittelbaren) Unfallursache, hingegen nicht die Untersuchung der Einhaltung der der C.________AG obliegenden Kontroll- und Überwachungspflichten. Ebenso wenig kann aus der Zusammenarbeit der C.________AG mit dem ASA-Spezialisten D.________ bei der Information zur Arbeitssicherheit im Jahre 2011, beim eintägigen Kurs zur Handhabung des Hallenkrans im Jahre 2015 sowie bei der Erstellung der Weisung Nr. 04-13 vom 4. Juli 2013 betreffend zwingend einzuhaltender Arbeitssicherheitsbestimmungen (für welche kein Visum von B.A.________ dokumentiert ist) abgeleitet werden, die für die Betriebssicherheit verantwortlichen Personen bei der C.________AG seien ihren Überwachungs- und Kontrollpflichten nachgekommen, insbesondere als nach 2015 keine weitere Zusammenarbeit mit D.________ oder seiner Unternehmung dokumentiert ist. Allein der Umstand, dass B.A.________ an den beiden mehrere Jahre zurückliegenden Veranstaltungen teilgenommen hat und entsprechend in der Handhabung des Hallenkrans und der dabei einzuhaltenden Sicherheitsregeln instruiert worden ist, genügt zur Einhaltung der Überwachungs- und Kontrollpflicht grundsätzlich nicht (vgl. Urteil 6B_ 1334/2019 vom 27. März 2020 E. 2.5.2). Aus dem vorinstanzlichen Entscheid geht nicht hervor, in welchem Umfang B.A.________ nach seiner mehrere Jahre zurückliegenden, eintägigen Instruktion in der Handhabung des Hallenkrans für diese Tätigkeit eingesetzt wurde, ob er die erforderliche Erfahrung für diese Tätigkeit aufwies und ob sein Wissen zwischendurch aufgefrischt worden ist. Vor dem Hintergrund, dass sich B.A.________ gemäss Unfallrapport der SUVA im Gefahrenbereich aufgehalten hat, und unter Berücksichtigung von Regel 4 der sieben lebenswichtigen Regeln für Metallbauer, welche unter anderem auch Verhaltensregeln beim Transport von Lasten enthält, welche der Verhinderung von Unfällen mit pendelnden Lasten dienen, drängt sich die Frage auf, weshalb sich B.A.________ in diesem Gefahrenbereich aufgehalten und ob die Arbeitgeberin die notwendigen Unfallverhütungsmassnahmen getroffen hat. Die Untersuchung der Beschwerdegegnerin ist somit entgegen der Ansicht der Vorinstanz hinsichtlich der Pflichten der Arbeitgeberin, für die Kontrolle und Durchsetzung der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften besorgt zu sein, unvollständig, und die Vorinstanz verletzt Bundesrecht, wenn sie von einem klaren Fall von Straflosigkeit ausgeht. Inwiefern eine allfällige Übermüdung von B.A.________ zum Unfallgeschehen beigetragen haben könnte, ist in der weiteren Untersuchung zu klären. Ob B.A.________ ein derart schweres Selbstverschulden vorzuwerfen ist, dass jegliches Drittverschulden in den Hintergrund gedrängt und zur Unterbrechung des diesbezüglichen Kausalverlaufs führen würde, kann gestützt auf den aktuellen Stand der Abklärungen nicht zweifellos beantwortet werden.