Citation: 8C_550/2009 12.11.2009 E. 4.3

4.3.1 Beim Versicherten finden sich bis zum Unfallereignis am 26. April 1997 (aber auch später) keine konkreten Schritte im Hinblick auf die Weiterbildung zum Schreinermeister. Er befand sich im Unfallzeitpunkt erst im dritten von vier Lehrjahren in der Ausbildung zum Schreiner. Der Umstand, dass es sich bei ihm um einen intelligenten, motivierten und begabten Lehrling gehandelt hat, welchem der Lehrmeister und ein ehemaliger Mitarbeiter als Zeugen die Fähigkeiten zum Schreinermeister bescheinigten, stellt keinen konkreten Anhaltspunkt für eine berufliche Weiterbildung dar. Ebenso wenig kann ein in der Lehre besuchter Förderkurs Fachrechnen oder das im Rahmen der Lehre besuchte Freifach CAD-Zeichnen als konkreter Schritt zur Weiterbildung zum Schreinermeister angesehen werden. Die vom Versicherten vorgebrachten generellen Absichtserklärungen reichen angesichts der praxisgemäss vorausgesetzten Beweisanforderungen für den Nachweis einer berufliche Weiterentwicklung nicht. Eine berufliche Laufbahn hängt neben persönlichen Qualifikationen und Einsatzwillen regelmässig von weiteren nicht beeinflussbaren äusseren Umständen ab (Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts U 12/96 vom 28. August 1996 E. 3b). Dies gilt umso mehr, je höher und weiter entfernt die Ziele liegen. Vorliegend geht es um die hypothetische Annahme einer bestimmten Tätigkeit des Versicherten knapp zehn Jahre nach dem Eintritt seines Gesundheitsschadens. Die SUVA verweist zu Recht auf die Angaben des Verbandes Schweizer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM), wonach es insbesondere im Schreinerberuf zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten verschiedenster Anforderungsstufen gibt, von praxisorientierten Weiterbildungen über Eidgenössische Berufsabschlüsse, Weiterbildungen an Höheren Fachschulen, bis zu Bachelor- und Masterabschlüssen auf Fachhochschulniveau. Es kann daher grundsätzlich nicht nur jeweils von einer Weiterbildung zum Schreinermeister als einzigem Weg nach der Ausbildung zum Schreiner ausgegangen werden. Hinzu kommt als weiterer hypothetischer Faktor der Zeitpunkt einer Weiterbildung zum Schreinermeister, der gemäss Angaben des früheren Arbeitgebers für gewöhnlich zwischen dem 25. Altersjahr (verlangtes Mindestalter für den Beginn der Schreinermeisterschule) und dem 45. Altersjahr liegt. Das Gericht darf hingegen lediglich die hypothetische berufliche Weiterentwicklung bis zum Rentenbeginn berücksichtigen (BGE 129 V 222). Die Annahme einer weiterführenden beruflichen Entwicklung zum Schreinermeister über den Abschluss der Lehre zum Schreiner hinaus kann unter diesen Voraussetzungen nicht überwiegend wahrscheinlich als erstellt gelten. Sie erweist sich als spekulativ. 4.3.2 Aus der nach dem Unfallereignis eingeschlagenen beruflichen Laufbahn lassen sich keine Rückschlüsse auf die berufliche Entwicklung ohne Gesundheitsschaden ziehen. Weiterbildungsanstrengungen im Bereich des Schreinerberufs lagen keine mehr vor. Die nach der Umschulung zum Sozialarbeiter mittels Weiterbildung zum Mental-Coach und Schulsozialarbeiter eingeschlagene Invalidenkarriere lässt keine Rückschlüsse auf eine berufliche Weiterentwicklung in der ursprünglichen Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden zu. Insgesamt kann damit aufgrund der fehlenden konkreten Anhaltspunkte nicht von einer Tätigkeit des Versicherten als Schreinermeister ausgegangen werden. Die SUVA zog bei der Bestimmung des Valideneinkommens zu Recht gestützt auf Angaben des ehemaligen Arbeitgebers das Einkommen eines ausgebildeten Schreiners heran.