Citation: 8C_286/2017 E. 5.2

5.2. Die Tatsachenfeststellungen des kantonalen Gerichts, namentlich die aus den medizinischen Akten gewonnene Erkenntnis, wonach es für die geltend gemachte Schmerzproblematik keine organische Ursache gibt, sind im letztinstanzlichen Prozess verbindlich. Das gilt auch für jene, es gebe bezüglich der Schmerzen - trotz differentialdiagnostischer Auseinandersetzung mit in Frage kommenden psychosomatischen Leiden - auch keine psychiatrische Diagnose. Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285 mit Hinweis). Vorliegend haben die Ärzte gerade keine Gesundheitsbeeinträchtigung diagnostiziert, welche die Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in irgendeiner Weise einschränken würde. Dass dabei insbesondere der psychische Gesundheitszustand nur unvollständig abgeklärt worden wäre, ist nicht dargetan. Entsprechend entfällt auch eine Prüfung der Leistungsfähigkeit mittels der in BGE 141 V 281 entwickelten Rechtsprechung. In der psychiatrischen Beurteilung des Dr. med. F.________ vom 2. Juni 2015 sind als Diagnosen ein Abhängigkeitssyndrom von Alkohol, aktive Abhängigkeit (ICD-10: F10.24), eine Störung von Psyche und Verhalten im Zusammenhang mit gefährlichem Gebrauch von Cannabis (ICD-10: F12), eine Störung von Psyche und Verhalten im Zusammenhang mit gefährlichem Gebrauch von Nikotin (ICD-10: F17.8) und akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1) angeführt. Eine krankheitswertige Beeinträchtigung der Alltagsfunktionen, welche bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aufzugreifen ist oder mit anderen Worten, eine Diagnose als Referenz für allfällige Funktionseinschränkungen (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1.2 S. 286 f.) wird nicht erwähnt. Auch der Beschwerdeführer legt kein Arztzeugnis vor, welches ihm eine psychische Krankheit attestieren würde. Der Umstand alleine, dass dem Versicherten vom Bundesamt für Gesundheit mit Verfügung vom 19. Mai 2016 eine Ausnahmebewilligung gemäss Art. 8 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel und die Psychotropen Stoffe (BetmG) zur Anwendung eines Cannabinoides ("Dronabinol") erteilt wurde, kann eine regelrecht gestellte Diagnose eines invalidisierenden Gesundheitsschadens nicht ersetzen. Die genannte Ausnahmebewilligung stützt sich denn auch nicht auf eine bestimmte Diagnose. Damit ist der Erkenntnis des kantonalen Gerichts, aus der Verwendung von "Dronabinol" könne nicht auf das Vorliegen einer Gesundheitsschädigung geschlossen werden, vollumfänglich zuzustimmen. Die Tatsache, dass ein bestimmtes Schmerzmittel verschrieben wird, besagt nichts über die invalidisierende Wirkung des Schmerzes. Es braucht diesbezüglich auch keiner weiteren medizinischen Abklärung. Es ist nicht ersichtlich, und wird auch nicht geltend gemacht, dass sich der - psychische - Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch die Suva verändert, insbesondere verschlechtert hätte. Da der Umstand, dass dem Beschwerdeführer eine Ausnahmebewilligung zum Gebrauch von "Dronabinol" erteilt wurde, auf die Entscheidfindung keine Einfluss hatte, musste die IV-Stelle diese Tatsache auch nicht dem RAD zur medizinischen Bewertung vorlegen. Es mag zwar wünschenswert erscheinen, dass medizinische Unterlagen wie fachärztliche Berichte, deren Relevanz nicht von vornherein verneint werden kann, dem RAD zur Stellungsnahme vorgelegt werden. Ein unbedingter gesetzlicher Anspruch darauf besteht indessen nicht (Urteil 9C_858/2014 vom 3. September 2015 E. 3.3; zusammenfassend veröffentlicht in SZS, 2015 S. 562).