Citation: 6B_1231/2022 E. 2.1

2.1. Die Parteien haben in ihrer schriftlichen Berufungserklärung verbindlich anzugeben, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anfechten (Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO) und auf welche Teile sich die Berufung allenfalls beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO). Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO). Das Berufungsgericht muss die Einschränkung der Berufung respektieren, soweit die Beschränkung auf einzelne Punkte eindeutig und der Grundsatz der Untrennbarkeit oder inneren Einheit nicht verletzt ist. In die Dispositionsfreiheit der beschuldigten Person ist nur zurückhaltend einzugreifen. Ein solcher Eingriff ist auf die Verhinderung von gesetzeswidrigen oder unbilligen Entscheidungen beschränkt. Eine umfassende, freie Überprüfung (blosse Unangemessenheit) ist damit ausgeschlossen. Es soll verhindert werden, dass das Berufungsgericht auf einer materiell unrichtigen Grundlage urteilen muss. Art. 404 Abs. 2 StPO kommt vorwiegend bei einer qualifiziert unrichtigen Rechtsanwendung durch die Erstinstanz bei gleichzeitiger Beschränkung der Berufung auf die Sanktion zur Anwendung. Beschränkt etwa die beschuldigte Person die Berufung auf den Strafpunkt, kann es dem Gericht nicht verwehrt sein, auch den Schuldpunkt neu zu beurteilen. Dabei kann das Gericht die beschuldigte Person nicht nur milder bestrafen, sondern das Verfahren auch einstellen oder ein weniger schweres Delikt sanktionieren. Gesetzwidrig wäre eine Entscheidung auch dann, wenn die Erstinstanz eine unzulässige Sanktion ausgesprochen hätte. In erstinstanzliche Ermessensentscheide kann hingegen in keinem Fall eingegriffen werden; eine Beschränkung der Dispositionsmaxime rechtfertigt sich nur bei Willkür (Urteil 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3 mit Hinweisen). Macht das Berufungsgericht von Art. 404 Abs. 2 StPO Gebrauch, hat es den Verfahrensbeteiligten vorab Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben (Urteile 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3; 6B_634/2012 vom 11. April 2013 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Wird die erstinstanzlich zugesprochene amtliche Entschädigung weder von der beschuldigten Person noch von der Staatsanwaltschaft angefochten, erwächst sie in Rechtskraft. Eine Korrektur der amtlichen Entschädigung von Amtes wegen nach Art. 404 Abs. 2 StPO ist nur noch denkbar, wenn die Erstinstanz das ihr zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise ausgeübt hat, selbst wenn das genehmigte Honorar recht hoch erscheint. Für die Überprüfung der amtlichen Entschädigung von Amtes wegen besteht kein Anlass, wenn die erstinstanzliche Festlegung der amtlichen Entschädigung nicht geradezu gesetzeswidrig oder unbillig ist (Urteil 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3 mit Hinweis auf Urteil 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2).