Citation: 1A.113/2001 04.09.2001 E. 2

2.- In prozessualer Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin, das Vorgehen der kantonalen Behörden sei bundesrechtswidrig. Insbesondere seien die einschlägigen Bestimmungen des IRSG zum kantonalen Beschwerdeverfahren missachtet worden. a) Das IRSG schreibt vor, dass das Ersuchen von der ausführenden kantonalen (bzw. eidgenössischen) Behörde zunächst vorgeprüft wird (Art. 80 IRSG). Soweit das Ersuchen als zulässig erachtet wird, erlässt die ausführende Behörde eine summarisch begründete Eintretensverfügung, ordnet die zulässigen Rechtshilfehandlungen an und lässt diese (nach dem eigenen Verfahrensrecht) ausführen (Art. 80a IRSG). Entsprechende Eintretens- und Zwischenverfügungen sind grundsätzlich sofort vollstreckbar (Art. 80l Abs. 2 IRSG). Nach Vollzug der Rechtshilfehandlungen ist den Berechtigten Einsicht in die Akten zu gewähren, soweit dies für die Wahrung ihrer Interessen notwendig ist. Die Einsichtnahme oder die Teilnahme am Verfahren darf nur für Aktenstücke und Verfahrenshandlungen verweigert werden, für die Geheimhaltungsgründe bestehen (Art. 80b IRSG). Danach erlässt die ausführende Behörde eine begründete Schlussverfügung über die Gewährung und gegebenenfalls den Umfang der Rechtshilfe (Art. 80d IRSG). Gegen die Schlussverfügung der ausführenden kantonalen Behörde (und gegen die der Schlussverfügung vorangehenden Zwischenverfügungen) ist die kantonale Beschwerde gegeben (Art. 23, Art. 80e IRSG). Gegen den Entscheid der letztinstanzlichen kantonalen Behörde, mit dem das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird, steht sodann die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht offen (Art. 80f IRSG). Für Beschwerden in Rechtshilfesachen gelten die Verfahrensbestimmungen von Art. 80e - Art. 80l IRSG. Beschwerden gegen die Schlussverfügung oder gegen jede andere Verfügung, welche die Übermittlung von Auskünften aus dem Geheimbereich oder die Herausgabe von Gegenständen oder Vermögenswerten an das Ausland bewilligt, haben aufschiebende Wirkung (Art. 80l Abs. 1 IRSG). b) Entgegen diesen Vorschriften hat das Bezirksamt Aarau bereits unmittelbar nach Eingang des Rechtshilfeersuchens und erfolgter "Vorprüfung gemäss Art. 80 IRSG" die Rechtshilfe bewilligt und entschieden, "die zu erhebenden Unterlagen" seien "an die ersuchende Behörde in Deutschland" herauszugeben. Vor der Bewilligung der Rechtshilfe hat das Bezirksamt weder den Betroffenen das rechtliche Gehör gewährt (Art. 80b IRSG), noch geprüft, ob und in welchem Umfang die erhobenen Kontenunterlagen rechtshilfeweise ausgehändigt werden dürfen (Art. 80d IRSG). c) Im Weiteren haben die kantonalen Behörden die Bestimmungen von Art. 80e ff. IRSG missachtet. aa) Unzutreffend ist namentlich die Erwägung des Obergerichtes, für die Beschwerdefrist in Rechtshilfesachen sei das kantonales Strafprozessrecht massgeblich, weshalb "gemäss § 213 StPO nur die Beschwerde mit 20-tägiger Beschwerdefrist (§ 214 StPO) zur Verfügung" stehe und "die der angefochtenen Verfügung des Bezirksamtes Aarau beigefügte Rechtsmittelbelehrung mit Angabe einer Rechtsmittelfrist von 30 Tagen unter Hinweis auf Art. 80i" (recte: Art. 80k) "IRSG daher falsch" sei (angefochtener Entscheid, S. 3 E. 1a). Das IRSG enthält einschlägige prozessuale Vorschriften für das Beschwerdeverfahren in Rechtshilfesachen. Diese sind nicht nur auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht (gegen Verfügungen letztinstanzlicher kantonaler Behörden) anwendbar (Art. 80f IRSG), sondern auch auf die (kantonale) Beschwerde gegen Verfügungen der ausführenden kantonalen Behörde (Art. 80e IRSG; vgl. Peter Popp, Grundzüge der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen, Basel 2001, N. 581). Die Beschwerdefrist gegen die verfahrensabschliessende Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde (Art. 80d IRSG) beträgt somit (entgegen der Ansicht des Obergerichtes) 30 Tage (Art. 80k IRSG). bb) Ebenfalls unzutreffend ist nach dem Gesagten die Auffassung des Obergerichtes, der Vorwurf eines Verstosses "gegen Art. 80l IRSG" gehe "wohl an der Sache vorbei", da für die Frage der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde (gegen Schlussverfügungen) "§ 214 StPO" massgeblich sei. Nach dieser Bestimmung habe die kantonale Beschwerde "keine aufschiebende Wirkung". Eine solche dürfe sie "nach der Natur der Sache auch nicht haben, weil sonst die Rechtshilfe - gerade auch in Fällen wie dem vorliegenden durch Beiseiteschaffen von Beweismitteln - hintertrieben werden könnte" (Vernehmlassung des Obergerichtes vom 3. Juli 2001, S. 2 Ziff. 1). Entgegen der Auffassung des Obergerichtes führt die in Art. 80l Abs. 1 IRSG bei Beschwerden gegen Schlussverfügungen (grundsätzlich) vorgesehene aufschiebende Wirkung nicht zu einer "Hintertreibung" der Rechtshilfe. Die der Schlussverfügung vorangehenden Eintretens- und Zwischenverfügungen, mit denen vorläufige prozessuale Zwangsmassnahmen (Beschlagnahmungen, Kontenerhebungen usw.) angeordnet werden können, sind laut Art. 80l Abs. 2 IRSG nämlich sofort vollstreckbar. Ohne aufschiebende Wirkung der Anfechtung von Schlussverfügungen (und der gleichzeitigen Überprüfung vollzogener Zwangsmassnahmen) würde hingegen der Rechtsschutz der Betroffenen unterlaufen. d) Zusammenfassend ist festzustellen, dass das prozessuale Vorgehen der kantonalen Behörden in verschiedener Hinsicht gegen das Bundesrecht verstösst.