Citation: I 487/05 29.09.2005 E. 2

Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer wegen der bestehenden Femurkopfnekrose in beiden Hüftgelenken im angestammten Beruf zu 70% arbeitsunfähig ist. Streitig und zu prüfen ist, inwieweit die Folgen der im Jahre 2001 operierten Diskushernie zervikal C7/TH1 (mikrotechnische Diskektomie) zu einer Einschränkung in einer sitzenden Erwerbstätigkeit führen. 2.1 Der Hausarzt Dr. med. B.________ schätzt die Arbeitsunfähigkeit in einer abwechselnd sitzend und stehend zu verrichtenden Tätigkeit auf 30% bis höchstens 50% ein (Berichte vom 14. März und 19. November 2003), wogegen Dr. med. R.________ bei einer überwiegend im Sitzen auszuübenden Beschäftigung von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgeht (Bericht vom 16. Februar 2004). Dr. med. G.________ kommt nach Studium der Krankengeschichte und einer gleichentags erfolgten Exploration zum Ergebnis, dass eine Umstellung auf eine sitzende Tätigkeit unmöglich sei, da der Versicherte nach zwanzig bis dreissig Minuten jeweils massive Nackenbeschwerden angebe und die Arbeit abbrechen müsse (Bericht vom 12. August 2004). 2.2 In Würdigung dieser medizinischen Unterlagen erwog die Vorinstanz, auf die Beurteilung des Dr. med. B.________ sei nicht abzustellen, der Erfahrungstatsache Rechnung tragend, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen. Dr. med. G.________ lege nicht überzeugend dar, weshalb der Beschwerdeführer wegen des seit längerer Zeit asymptomatischen Zervikalsyndroms nicht in dem von den anderen Ärzten attestierten zeitlichen Umfang erwerbstätig sein könne. Es sei auf den Bericht des Dr. med. R.________ abzustellen, welcher den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert ärztlicher Gutachten vollumfänglich entspreche. Demgegenüber bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, die Vorinstanz lege bei der Beweiswürdigung zu viel Gewicht auf die formalen Aspekte und zu wenig auf den materiellen Gehalt der ärztlichen Unterlagen. Es sei nicht einzusehen, weshalb ausschliesslich auf den Bericht des Dr. med. R.________ abzustellen sei, der den Versicherten nie selbst untersucht habe, die allenfalls konsultierten medizinischen Akten nicht nenne und ausschliesslich zur Diagnose der Femurkopfnekrose Stellung nehme. Der Hausarzt habe eher zu Ungunsten seines Patienten ausgesagt. Dr. med. G.________ sei als Orthopäde durchaus in der Lage, eine HWS-Problematik zu beurteilen. Wenn nicht auf dessen Bericht abgestellt werden könne, seien weitere Abklärungen unumgänglich. 2.3 Der Vorinstanz ist insoweit beizupflichten, dass der Beschwerdeführer nach der operierten Diskushernie zervikal in seinem angestammten Beruf ab Juli 2001 bis zum Auftreten der Hüftgelenksprobleme im Frühjahr 2002 wieder vollständig arbeitsfähig war. Im Leistungsgesuch werden keine Beschwerden im Bereich des Nackens erwähnt. Dr. med. B.________ hält in den Berichten vom 14. März und 19. November 2003 zudem fest, der Status nach Diskushernien-Operation wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit nicht aus, welche nicht näher dargelegte Aussage allerdings unvereinbar mit der Arbeitsunfähigkeitsschätzung (30 bis maximal 50% in einer eher sitzenden Tätigkeit) ist. Schliesslich ist zu erwähnen, dass der leitende Arzt Rheumatologie, Dr. med. K.________, Klinik S.________, laut dem von Dr. med. B.________ im Verwaltungsverfahren eingereichten Bericht vom 20. März 2003 eine Umschulung in eine sitzende Tätigkeit empfiehlt, mithin implizit eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit wegen des Zervikalsyndroms verneint. Auf der anderen Seite liegen Anhaltspunkte vor, dass der Beschwerdeführer an einer Symptomatik im Bereich der Halswirbelsäule leidet. Dem Verlaufsprotokoll vom 18. September 2003 ist zu entnehmen, dass der Berufsberater hinsichtlich des Antrags auf Rentenprüfung empfohlen hat, zur Beurteilung des zumutbaren Invalideneinkommens Abklärungen zu treffen, ob für halswirbel-/nackenbelastende Tätigkeiten wie etwa an der Kasse im Detailhandel, als Chauffeur oder in industriellen, sitzenden Verrichtungen, eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Die IV-Stelle hat jedoch keine entsprechend lautende Frage an die Ärzte gestellt. Auf die Folgen des Zervikalsyndroms ist erstmals Dr. med. G.________ auf Anfrage des Rechtsvertreters näher eingegangen mit dem Ergebnis, das Zervikalsyndrom hindere den Beschwerdeführer an der Ausübung einer sitzenden Erwerbstätigkeit. 2.4 Angesichts dieser Aktenlage kann die Frage, ob eine zervikale Symptomatik besteht und gegebenenfalls inwieweit sich diese auf die Arbeitsfähigkeit in einer dem Knieleiden angepassten Erwerbstätigkeit auswirkt, nicht abschliessend beantwortet werden. Dementsprechend ist die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie ergänzende medizinische Abklärungen vornehme. Es liegen gemäss Bericht des Dr. med. G.________ vom 12. August 2004 zudem Hinweise vor, dass ein chirurgischer Eingriff die Auswirkungen der Femurkopfnekrose und damit die Arbeitsfähigkeit deutlich verbessern könnte. Die IV-Stelle wird deshalb auch zu prüfen haben, ob dem Beschwerdeführer eine Operation zumutbar ist.