Citation: 2C_851/2017 E. 5.1

5.1. Die inhaltliche Richtigkeit eines ausländischen Strafurteils ist nicht durch die hiesigen ausländerrechtlichen Behörden zu prüfen; hierfür zuständig sind die Strafgerichte bzw. die Rechtsmittelinstanzen des Staates, in dessen Namen die Verurteilung erfolgte. Den schweizerischen Migrationsbehörden fehlt für eine entsprechende Kontrolle das erforderliche Fachwissen bezüglich des angewandten ausländischen Straf- und Strafprozessrechts, auch haben sie keinen oder nur einen sehr beschränkten Zugang zum Beweisergebnis des Strafurteils. Es kann von ihnen nicht erwartet werden, dass sie für die sich ihnen stellenden migrationsrechtlichen Fragen Zeugen bezüglich der Berechtigung der strafrechtlichen Vorwürfe anhören oder weitere Abklärungen im Ausland vornehmen; das Verwaltungsgericht hat die entsprechenden Anträge des Beschwerdeführers deshalb zu Recht und ohne Verletzung von dessen Anspruch auf rechtliches Gehör abgewiesen. Auch die Kontrolle der Rechtsstaatlichkeit des ausländischen Verfahrens kann durch die schweizerischen Migrationsbehörden bloss beschränkt überprüft werden: Nur wenn sich die Verletzung minimaler Verfahrensgarantien als offensichtlich erweist, ist den entsprechenden Mängeln im Bewilligungsverfahren Rechnung zu tragen. Das ausländische Urteil ist auf die Einhaltung des schweizerischen "Ordre public" zu prüfen und nicht hinsichtlich des Strafpunkts als solchem. Der Beschwerdeführer hat im Zusammenhang mit diesem richtigerweise am 14. April 2015 in Polen darum ersucht, das Urteil des Bezirksgerichts Warschau vom 18. Juli 2011 aufzuheben und das Verfahren wieder aufzunehmen. Zu prüfen bleibt indessen, ob verfahrensrechtliche Minimalgarantien offensichtlich - und damit migrationsrechtlich relevant - verletzt wurden oder das angefochtene Urteil dem schweizerischen "Ordre public" derart widerspricht, dass im Rahmen der Anwendung des Widerrufsgrunds von Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG nicht darauf abgestellt werden kann.