Citation: I 265/01 31.03.2004 E. 3

3.1 Laut Prospekt der Herstellerin und Vertreiberin der Giger MD medical device-Geräte werden diese von Physiotherapeuten, Ärzten, Kliniken und Gesundheitszentren erfolgreich angewendet bei Gelenk- und Rückenproblemen, Arthrosen sowie Durchblutungsstörungen. Gemäss der von den Eltern des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Stellungnahme von Dr. med. habil., Dr. rer. nat., Dipl. Ing. X.________, vom 12. April 2000 ist das Giger MD medical device baby ein "medizinisches Gerät zur Therapie des Nervensystems im Rahmen einer Koordinationsdynamik-Therapie", mit welchem durch eine funktionelle Reorganisation des verletzten (oder pathologisch funktionierenden) Zentralnervensystems (ZNS) physiologische Funktionen vom Patienten wiedererlangt werden könnten, wenn es fachgerecht eingesetzt werde. Die Wirkungsweise beschreibt Dr. X.________ wie folgt: "Auf dem speziellen Koordinationsdynamik-Therapiegerät werden auf einfache Weise koordinierte rhythmische Bewegungen von Armen, Beinen und Rumpf ausgeführt, wie z.B. beim Skilaufen, wobei die Neurone im integrativ angeregten zentralen Nervensystem des Menschen über die koordinierte Aktivität der Rezeptoren von Haut, Gelenken und Muskeln zum räumlich-zeitlich koordinierten Feuern angeregt werden. Während der Sportler mit gesundem Nervensystem koordinierte Bewegungen von alleine ausführen kann, muss bei einem Patienten mit verletztem ZNS die Koordination mit einem exakt arbeitenden Gerät vorgegeben werden (instrumentiertes instruiertes Lernen). Durch dieses koordinierte Ganzkörpertraining auf Millisekunden genau, einschliesslich des visuellen Bio-Feedbacks, werden die Neurone des Rückenmarkes und des Gehirns wieder zum koordinierten Feuern (Frequenz- und Phasenkoordination) angeregt. Die Neurone hatten durch die Verletzung das räumlich-zeitlich koordinierte Feuern teilweise verloren. Verbesserungen in der Organisation des verletzten zentralen Nervensystems können mit dem Gerät gemessen werden, wenn ein Computer angeschlossen wird." Die Koordinationsdynamik-Therapie beruht nach den weiteren Ausführungen Dr. X.________s auf 18-jähriger human-neurophysiologischer Forschungsarbeit (Messung von Regelmechanismen im zentralen Nervensystem des Menschen) und ist die einzige Methode der Wiederherstellung von Funktionen des ZNS, die auf neuro-elektrophysiologischen Messungen beruhe, also eine medizinisch-wissenschaftliche Grundlage habe. Mit der Koordinationsdynamik-Therapie würden neue Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft ("hier speziell beim pathologisch funktionierenden zentralen Nervensystem: Selbstorganisation neuronaler Netzwerke, Frequenz- und Phasenkoordination beim Feuern der Neurone des ZNS, Neubildung von Nervenzellen") klinisch zur Anwendung gebracht (vgl. auch die verschiedenen Beiträge von Giselher Schalow/Guido A. Zäch zur Koordinationsdynamik-Therapie in: Physiotherapie 1999, Zeitschrift des Schweizerischen Physiotherapeuten-Verbandes [SPV], Sonderdruck). 3.2 Was den Behandlungserfolg beim Beschwerdeführer anbelangt, attestierte Dr. X.________ dem versicherten Knaben in einer weiteren Stellungnahme vom 16. September 2000 "wesentliche Fortschritte bei der funktionellen Reorganisation seines ZNS" auf Grund der im Februar 1999 begonnenen Koordinationsdynamik-Therapie auf dem Giger MD-Gerät. Diese zeigten sich insbesondere in einer Senkung des Lähmungsniveaus, einer Verminderung der Affektkrämpfe (von rund 80 auf etwa 20 pro Monat) sowie in einer Verbesserung der Bewegungsmöglichkeiten (Krabbeln, Aufrichten, Dreiradfahren). Auch PD Dr. B.________, Leitender Arzt der Neuro-Orthopädischen Abteilung am Spital Y.________, stellte in seinem medizinischen Bericht vom 8. Juni 2000 - allerdings ohne Bezugnahme auf die Therapie am Giger MD-Gerät - gegenüber der Voruntersuchung vom 24. November 1999 "motorisch deutliche Fortschritte" fest: Der Beschwerdeführer könne sich jetzt besser in den Kniestand aufziehen und sei "im Rumpf stabiler". Da weitere Fortschritte zu erwarten seien, habe man beschlossen, mit der Hüft-Rekonstruktion noch zuzuwarten und im Herbst nochmals darüber zu diskutieren. Laut Bericht des Physiotherapeuten K.________ vom 20. September 2000 hat sich dank der gezielten Heimarbeit mit dem Giger MD-Gerät von bis zu eineinhalb Stunden pro Tag die Koordination verbessert, "was jetzt dazu führte, dass (der versicherte Knabe) seit rund einem Monat mit Bein-Orthesen an einem Rollator etwa 20 m zurücklegt". Die weitere erfreuliche Entwicklung lässt sich der von Schalow/Kuntoutuskeskus/Nyffeler in Physiotherapie 2000/2001, S. 3 ff., unter dem Titel Koordinationsdynamik-Therapie/Myelomeningozele (Spina bifida) veröffentlichten Fallstudie über den Beschwerdeführer entnehmen.