Citation: 8C_419/2009 03.11.2009 E. 6

6.1 Mit der Beurteilung der Frage, ob eine medizinische Massnahme die gesetzlichen Anforderungen von Art. 12 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2007 in Kraft gestandenen Fassung) der dauernden und wesentlichen Verbesserung der Erwerbsfähigkeit erfülle, aufgrund des medizinischen Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Durchführung der Massnahme bestanden hat, soll vermieden werden, dass Versicherte, die auf eine rechtskräftige Verfügung warten, bevor sie sich beispielsweise einer Operation unterziehen, anders behandelt werden als solche, die den Erlass der Verfügung nicht abwarten. Eine solch ungleiche Behandlung liesse sich mit Art. 12 IVG nicht vereinbaren, der die voraussichtliche Tauglichkeit der Massnahme beurteilt wissen will, unabhängig davon, ob das sachimmanente Risiko des Misslingens der Massnahme eintritt oder nicht (BGE 98 V 33 E. 2 S. 35; SVR 2009 IV Nr. 18 S. 47, 9C_156/2008 E. 3.1). 6.2 Eine in diesem Sinne durchzuführende medizinisch-prognostische Beurteilung schliesst nicht aus, dass im Rahmen der Beweiswürdigung medizinische Unterlagen beigezogen werden, die zwar erst nach Durchführung der medizinischen Massnahme erstellt wurden, sich jedoch auf Tatsachen beziehen, die bereits vorher bestanden haben und diese lediglich präzisieren. So verhält es sich mit Bezug auf die Berichte des Dr. med. P.________, auf welche die Vorinstanz im Wesentlichen abgestellt hat. Dieser diagnostizierte am 18. Januar 2008 nebst einer Cataracta präsenilis beidseits eine Myopia media. Die Frage, ob noch andere Augenerkrankungen vorliegen würden, beantwortete er mit "Myopia magna". Am 9. April 2008 äusserte sich die RAD-Ärztin zu diesem Bericht und gab an, die Myopia magna stelle einen Nebenbefund dar, welcher die Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des Eingliederungserfolges in Frage stellen könne. Da Dr. med. W.________ im Bericht vom 15. August 2007 und Dr. med. S.________ im Bericht vom 2. Oktober 2007 das Vorliegen von anderen Augenerkrankungen ausdrücklich verneinten, gelangte der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin an Dr. med. P.________ und ersuchte diesen um eine präzisierende Stellungnahme. Dieser führte am 9. Juli 2008 aus, es liege eine Myopia media und somit eine mittlere Kurzsichtigkeit vor. Hinweise auf eine maligne Form der Myopie verneinte er. Aufgrund der bestehenden Ausgangslage sei von einer stabilen Myopie auszugehen, welche den Eingliederungserfolg nicht gefährde. Es lässt sich entgegen der beschwerdeführerischen Auffassung nicht beanstanden, dass die Vorinstanz diese ergänzende Stellungnahme in die Beurteilung miteinbezogen hat, zumal vor der Operation von den mit dem Versicherten befassten Augenärzten nie eine maligne Myopie postuliert wurde und Dr. med. W.________ die Prognose ausdrücklich als gut bezeichnete (vgl. Bericht vom 15. August 2007), während sich Dr. med. S.________ am 2. Oktober 2007 und Dr. med. P.________ am 18. Januar 2008 zur Prognose nicht geäussert hatten. Ein Widerspruch dazu liegt auch nicht im Hinweis des Dr. med. P.________ vom 11. März 2008 begründet, am 4. März 2008 habe kein stabilisierter Zustand bestanden. Dieser Umstand lässt sich ohne weiteres mit dem noch nicht abgeschlossenen Heilungsprozess begründen, welcher sich mit Blick auf die im Bericht vom 18. Januar 2008 angegebene mutmassliche Arbeitsunfähigkeit von zwei bis vier Wochen nach dem zweiten Eingriff vom 28. Februar 2008 durchaus noch im üblichen Rahmen bewegte. Da keiner der Fachärzte eine andere Augenkrankheit oder eine maligne Myopie bestätigte, erweist es sich nicht als rechtsfehlerhaft, wenn die Vorinstanz die im Bericht des Dr. med. P.________ vom 18. Januar 2008 erwähnten Pigmentverschiebungen der Makula nicht als krankhaften Nebenbefund gewertet hat. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin erweist sich die vorinstanzliche Bestätigung einer qualifizierten Eingliederungswirksamkeit der Staroperationen daher nicht als bundesrechtswidrig.