Citation: 4A_474/2024 E. 5.3

5.3. Den formellen Ordre public sieht der Beschwerdeführer durch einen Verstoss gegen die Grundsätze in dubio pro reo und der lex mitior verletzt. Beides trifft nicht zu. Disziplinarmassnahmen privater Sportverbände bei Dopingbefunden sind nicht an strafrechtlichen Prinzipien wie der Unschuldsvermutung oder des Grundsatzes in dubio pro reo zu messen (Urteile 4A_528/2022 vom 13. März 2023 E. 4.3.3; 4A_470/2016 vom 3. April 2017 E. 3.4; 4A_178/2014 vom 11. Juni 2014 E. 5.2; je mit Hinweisen). Ohnehin ist nicht belegt, dass das Schiedsgericht nach seiner einlässlichen Würdigung aller Beweismittel Zweifel am Dopingverstoss gehabt hätte. Der Vorwurf, das TAS habe gegen den Grundsatz der lex mitior verstossen, scheitert bereits am Nachweis, dass die von ihm angerufenen Identifikationskriterien für rEPO gemäss dem Technischen Dokument TD2024EPO der WADA effektiv vorteilhafter sind als die angewendeten Kriterien gemäss der Version des Technischen Dokuments TD2022EPO. Nach der Beurteilung des TAS trifft dies nicht zu und hat der Beschwerdeführer im schiedsgerichtlichen Verfahren denn auch auf diesem Vorbringen nicht beharrt (Award Rz. 257 und 258). Ohnehin ist äusserst fraglich, ob der Grundsatz der lex mitior, der wie der Grundsatz in dubio pro reo aus dem Strafrecht stammt, bei der schiedsgerichtlichen Beurteilung von Disziplinarsanktionen privater Organisationen überhaupt zum Ordre public zu zählen ist. Der in diesem Zusammenhang vom Beschwerdeführer angerufene Grundsatz in dubio contra stipulatorem ist entgegen seiner Meinung kein Bestandteil von in dubio pro reo, sondern eine Auslegungsregel im Vertragsrecht. Er zählt nicht zum formellen Ordre public, weshalb auf die diesbezüglichen Ausführungen nicht einzutreten ist.