Citation: U 281/01 16.10.2002 E. 2

Der Beschwerdeführer beruft sich auf die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Zürich vom 4. August 2000, mit welcher ihm ab 1. April 1996 eine ganze Rente auf Grund eines Invaliditätsgrades von 100 % zugesprochen wurde, und macht geltend, es bestehe kein hinreichender Grund, von der Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung abzugehen. 2.1 Weil der Invaliditätsbegriff in der Invalidenversicherung mit demjenigen in der obligatorischen Unfallversicherung (und in der Militärversicherung) grundsätzlich übereinstimmt, hat die Bemessung der Invalidität, auch wenn sie für jede Versicherung grundsätzlich selbstständig vorzunehmen ist, für den gleichen Gesundheitsschaden in der Regel zum gleichen Ergebnis zu führen (BGE 119 V 470 Erw. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 123 V 271 Erw. 2a). Nach der Rechtsprechung (BGE 126 V 288 ff.) dürfen zumindest rechtskräftig abgeschlossene Invaliditätsschätzungen eines andern Versicherers nicht unbeachtet bleiben. Vielmehr müssen sie als Indiz für eine zuverlässige Beurteilung gewertet und als solches in den Entscheidungsprozess erst später verfügender Versicherungsträger mit einbezogen werden. Wo die später verfügende Versicherung die Möglichkeit hat, den ihr ordnungsgemäss eröffneten Entscheid des andern Versicherers anzufechten (Art. 129 Abs. 1 UVV), und hievon nicht Gebrauch macht, hat sie diesen grundsätzlich gegen sich gelten zu lassen. Zumindest hat sie sich die Vermutung der Richtigkeit der bereits vorhandenen Invaliditätsbemessung entgegenhalten zu lassen. Eine abweichende Invaliditätsbemessung kann in solchen Fällen nur noch ausnahmsweise in Frage kommen, wobei an die Begründung strenge Anforderungen zu stellen sind. Anlass für ein Abweichen von einer bereits rechtskräftigen Invaliditätsschätzung eines andern Versicherers können, nebst den von der Rechtsprechung bereits bisher anerkannten Gründen (BGE 119 V 471 Erw. 2b mit Hinweisen), äusserst knappe und ungenaue Abklärungen sowie kaum überzeugende oder nicht sachgerechte Schlussfolgerungen geben (BGE 126 V 294 Erw. 2d). 2.2 Im vorliegenden Fall ist die Verfügung der Invalidenversicherung nach Erlass der SUVA-Verfügung vom 12. November 1999, aber vor dem Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2000 ergangen. Die SUVA hat im Einspracheentscheid dazu Stellung genommen und dargelegt, weshalb ihrer Auffassung nach der Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung nicht gefolgt werden kann. Die vorgebrachte Begründung ist zwar nicht durchwegs stichhaltig. Nach den gesamten Umständen ist die SUVA indessen zu Recht zum Schluss gelangt, dass der Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung keine Bindungswirkung beizumessen ist. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützt sich die IV-Stelle im Wesentlichen auf Berichte der Klinik Y.________ vom 13. Juni 1997, des Dr. med. M.________, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Handchirurgie, vom 22. September 1999 und des behandelnden Arztes Dr. med. N.________, Allgemeinpraktiker, vom 30. Juli 1997 und 1. Oktober 1999. Dr. med. M.________ geht davon aus, dass der Beschwerdeführer die linke Hand zufolge starker Schmerzen praktisch nicht mehr einsetzen kann, weshalb er in der bisherigen Tätigkeit als Maler zu 100 % arbeitsunfähig ist; eine behinderungsangepasste (einhändige) Tätigkeit vermag er dagegen ganztags auszuüben. Demgegenüber nimmt Dr. med. N.________ im Bericht vom 1. Oktober 1999 eine vollständige Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit an, wobei er von einer vollen Gebrauchsunfähigkeit der linken Hand und einer teilweisen Gebrauchsunfähigkeit der rechten Hand zufolge eines Karpaltunnelsyndroms ausgeht. Diesbezüglich geht aus den Akten hervor, dass Dr. med. M.________ erstmals im Juni 1999 eine entsprechende Verdachtsdiagnose gestellt hatte. Die von diesem Arzt veranlasste neurologische Untersuchung durch Dr. med. R.________, Zürich, bestätigte die Diagnose eines leichten Karpaltunnelsyndroms. Anlässlich der Untersuchung vom 15. Juni 1999 gab der Beschwerdeführer an, seit mehr als einem Jahr an ständigem Kribbeln mit Gefühlsverminderung an den Fingern I-IV der rechten Hand zu leiden; Schmerzen verneinte er, ebenso ein verstärktes nächtliches Auftreten der Gefühlsstörungen. Daraus ist zu schliessen, dass dem Karpaltunnelsyndrom nicht invalidisierende Bedeutung beizumessen ist. Im Bericht des Dr. med. M.________ vom 22. September 1999 blieb der Befund an der rechten Hand denn auch unerwähnt. Ohne dass es weiterer Abklärungen insbesondere zur Unfallkausalität des leichten Karpaltunnelsyndroms bedürfte, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass seitens der rechten Hand keine die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende Gesundheitsschädigung besteht. Damit kann der Feststellung des behandelnden Arztes vom 1. Oktober 1999, wonach eine volle Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit besteht, nicht gefolgt werden. Dies umso weniger, als aus einem Bericht des gleichen Arztes vom 30. Juli 1997 zu schliessen ist, dass dabei auch die persönlichen, ausbildungsmässigen und arbeitsmarktlichen Verhältnisse berücksichtigt werden, was indessen nicht Aufgabe des Arztes ist (vgl. BGE 115 V 134 Erw. 2 mit Hinweisen). Ebenso wenig kann der Auffassung des Berufsberaters der IV-Stelle im Bericht vom 7. Februar 2000 gefolgt werden, wonach dem Beschwerdeführer kein Arbeitsmarkt mehr offen steht, auf dem er seine Restarbeitsfähigkeit verwerten kann. Nach dem Gesagten wird dabei zu Unrecht davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer auch an der dominanten rechten Hand in der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist. Er ist jedenfalls für einhändig zu verrichtende Tätigkeiten einsetzbar und es besteht nach den medizinischen Akten kein Anlass, von der vorinstanzlichen Feststellung abzugehen, wonach ihm zumindest ausnahmsweise auch die Zuhilfenahme der schmerzhaften linken Hand zumutbar wäre. Auf Grund der ärztlichen Angaben ist mit SUVA und Vorinstanz anzunehmen, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer behinderungsangepassten leichteren Tätigkeit (beispielsweise Kontroll- und Überwachungstätigkeiten in Industrie und Gewerbe, Portierdienste, einfache Maschinenbedienungsfunktionen), welche geringe Anforderungen an die Funktionstüchtigkeit der Hände stellen, ganztags zumutbar wäre. Diese Auffassung hat nicht nur Dr. med. M.________, sondern auch die Klinik Y.________ (Gutachten vom 16. April 1993 und Bericht vom 13. Juni 1997) und der Handchirurge Dr. med. S.________ im Gutachten vom 18. Mai 1998 vertreten, wobei dieser Arzt eine Rentenneurose diagnostizierte und die Eingliederung von einer vorgängigen Therapie dieses Leidens abhängig machte. Selbst wenn daraus auf eine die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende psychische Störung zu schliessen wäre, vermöchte dies zu keinem andern Ergebnis zu führen, weil eine solche angesichts der Geringfügigkeit des Unfallereignisses nicht adäquat unfallkausal wäre (BGE 115 V 139 Erw. 6a).