Citation: 6B_11/2024 E. 2.3.2

2.3.2. In der Folge gelangt die Vorinstanz zum Schluss, selbst wenn die Erstinstanz auf das Verschiebungsgesuch eingetreten wäre, hätte sie es zumindest betreffend den Beschwerdeführer abweisen müssen. Der Beschwerdeführer reichte ein Arztzeugnis vom 26. Juni 2023 ein, wonach er wegen Krankheit für den 26. Juni 2023 vollständig arbeits-, sport- und reiseunfähig sei. Die Vorinstanz verweist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach eine Erkrankung die rechtsuchende Person davon abhalten muss, selbst innert Frist zu handeln oder eine Drittperson mit der Vornahme der Prozesshandlung zu betrauen. Dass dem so ist, muss mit Arztzeugnissen belegt werden, wobei die blosse Bestätigung eines Krankheitszustands zur Anerkennung eines Hindernisses nicht genügt (vgl. Urteil 6B_1093/2022 vom 2. August 2023 E. 1.3 zu Art. 50 Abs. 1 BGG mit weiteren Hinweisen). Macht die säumige beschuldigte Person eine Krankheit geltend, hat sie glaubhaft zu machen, dass sie deswegen davon abgehalten wurde, den Termin wahrzunehmen. Ein Arztzeugnis bildet dabei keinen absoluten Beweis, sondern unterliegt wie alle Beweismittel der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Die Vorinstanz nimmt zu Recht an, dass sie nicht an das vom Beschwerdeführer eingereichte Arztzeugnis gebunden ist. Vielmehr musste sie dieses frei nach ihrer aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung würdigen (vgl. etwa Urteil 7B_8/2021 vom 25. August 2023 E. 5.4.3). Dabei erwägt die Vorinstanz schlüssig, dass das Arztzeugnis vom 26. Juni 2023 keine Angaben enthält, die eine Plausibilitätsprüfung zulassen. Gemäss Vorinstanz ist das Arztzeugnis derart unspezifisch, dass daraus nicht auf eine Verhandlungsunfähigkeit des Beschwerdeführers geschlossen werden kann. Die Vorinstanz übersieht nicht, dass das Arztzeugnis an die Erstinstanz adressiert wurde. Sie weist aber zutreffend darauf hin, dass aus diesem Umstand keine Verhandlungsunfähigkeit folgt. Denn ob die in einem Arztzeugnis geschilderten Einschränkungen relevant sind, entscheidet das Gericht und nicht der Arzt. Die Vorinstanz erwägt im Einzelnen, dass die Sportunfähigkeit der Teilnahme an einer Hauptverhandlung nicht entgegensteht. Auch die erwähnte Reiseunfähigkeit sei nicht mit Verhandlungsunfähigkeit gleichzusetzen. Was "reiseunfähig" konkret bedeute, sei eine Frage der Interpretation, da das Arztzeugnis keine weiteren Angaben wie etwa eine Diagnose enthalte. Das Arztzeugnis sei als Beweismittel frei zu würdigen. Die Vorinstanz weist darauf hin, dass der Beschwerdeführer offenbar eine Arztpraxis aufgesucht habe, die ungefähr einen Kilometer von seinem Wohnort entfernt sei. Also habe die Erstinstanz zu Recht erwogen, dass auch eine Fahrt vom Wohnort des Beschwerdeführers an das Gericht möglich gewesen wäre. Weshalb dem nicht so sein solle, könne weder dem Arztzeugnis noch der Beschwerde entnommen werden. Die Vorinstanz fasst zusammen, der ärztliche Vermerk, wonach der Beschwerdeführer am 26. Juni 2023 zu 100 % arbeits-, sport- und reiseunfähig gewesen sei, gehe nicht über eine blosse Behauptung hinaus und lasse sich inhaltlich in keiner Weise nachvollziehen.