Citation: 8C_124/2008 17.10.2008 E. 7

7.1 Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhanges von organisch nicht nachweisbaren Unfallfolgeschäden eines Schleudertraumas bzw. einer äquivalenten Verletzung muss geprüft werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund getreten sind. Trifft dies zu, gelangen die von der Rechtsprechung in BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 ff. zur Adäquanz von psychischen Unfallfolgen entwickelten Grundsätze zur Anwendung (BGE 134 V 109 E. 6.1 S. 116); andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 f. und 369 E. 4b S. 382 f. festgelegten, in BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. teilweise modifizierten Kriterien (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99; erwähnte Urteile 8C_33/2008, E. 6.1, und 8C_28/2008, E. 4.2). 7.2 Aufgrund der medizinischen Akten ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass die Versicherte beim Unfall vom 22. November 2002 eine HWS-Distorsion erlitten hat. Der Kreisarzt Dr. med. F.________ legte im Bericht vom 21. Juli 2003 dar, er vermute, die Versicherte leide an einer nicht leichten Depression. Dr. med. Y.________ diagnostizierte im Bericht vom 11. August 2003 ein chronisches cerviko-thorako-lumbovertebrales Syndrom mit muskulärer Dekonditionierung und depressivem Stimmungsbild. Im Bericht vom 17. Oktober 2003 führte der Kreisarzt Dr. med. F.________ aus, bislang sei es nicht gelungen, das chronifiziert verlaufende Beschwerdebild einer genauer definierbaren verletzten anatomischen Struktur zuzuordnen, was aber nicht überrasche, wenn man sich die psychische Verfassung der Versicherten vor Augen halte. Die Psychiaterin Frau Dr. med. Z.________, diagnostizierte im Bericht vom 18. Dezember 2004 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), Angst und depressive Störung (ICD-10: F41.2) sowie eine posttraumatische Anpassungsstörung (ICD-10: F43.1); das Schleudertrauma vom 22. November 2002 sei Auslöser dieser psychischen Beschwerden gewesen. Aus diesen Arztberichten und dem MEDAS-Gutachten vom 12. Mai 2006 (vgl. E. 5.2 hievor) ergibt sich insgesamt, dass die psychische Problematik der Versicherten im Zeitraum bis zum Fallabschluss auf den 30. September 2006 bzw. Erlass des Einspracheentscheides am 17. November 2006 (BGE 129 V 167 E. 1 S. 169) sehr ausgeprägt war. Damit ist davon auszugehen, dass ihre Beschwerden ein eigenständiges psychisches Leiden darstellen (vgl. BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 126; erwähntes Urteil 8C_28/2008, E. 4.2). Demnach ist die adäquate Kausalität - der Vorinstanz folgend - nach der unverändert weiter bestehenden Praxis für psychische Unfallfolgen, mithin unter Ausschluss psychischer Aspekte, zu prüfen (BGE 134 V 109 E. 6.1 S. 116, 115 V 133 ff.; erwähntes Urteil 8C_28/2008, E. 4.4 mit Hinweisen). Der Rechtsvertreter der Versicherten führt denn auch in der Beschwerde vom 15. Februar 2008 aus, es sei unbestritten, dass die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs nach den Regeln über die psychischen Unfallfolgen zu erfolgen habe. In ihrer persönlichen Eingabe vom 9. April 2004 betreffend die präzisierte Schleudertraumapraxis (BGE 134 V 109) macht die Versicherte keine Einwendungen, die ein anderes Ergebnis zu begründen vermöchten. 7.3 Hinsichtlich der natürlichen Kausalität (zum Genügen einer Teilursächlichkeit zur Bejahung der Kausalität: BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweisen) zwischen dem Unfall vom 22. November 2002 und der psychischen Problematik ist das MEDAS-Gutachten unklar. Im psychiatrischen Konsiliargutachten vom 8. Mai 2006 wurde ausgeführt, der Unfall sei nicht bedeutungslos; er habe die bestehende psychische Problematik verstärkt und zum Teil seien neue Beschwerden hinzugekommen; inwieweit die vorbestehende Symptomatik ohne den Unfall einen ähnlichen Verlauf genommen hätte, könne heute nicht gesagt werden; aus psychiatrischer Sicht sei es nicht möglich, zwischen vorbestehender Erkrankung und unfallbedingten Schäden zu unterscheiden; aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte zu 50 % arbeitsfähig. Im Schlussgutachten vom 12. Mai 2006 wurde demgegenüber ausgeführt, eine unfallkausale Arbeitsunfähigkeit bestehe bezüglich der psychischen Folgen nur möglicherweise (E. 5.2 hievor). Indessen erübrigen sich weitere Erhebungen zur natürlichen Kausalität. Denn selbst wenn diese zu bejahen wäre, fehlt es - wie die nachstehenden Erwägungen zeigen - an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 3c; erwähntes Urteil 8C_28/2008, E. 4.5 mit Hinweis).