Citation: 6P.57/2007 11.07.2007 E. 6

Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe dem Verstoss gegen das Beschleunigungsgebot bei der Strafzumessung nicht angemessen Rechnung getragen. 6.1 Gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK hat jedermann Anspruch darauf, dass seine Sache innert angemessener Frist gehört wird. Wird eine Verletzung dieses so genannten Beschleunigungsgebots angenommen, kann als mittelbare Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde gerügt werden, das Bundesrecht sei nicht verfassungs- bzw. konventionsgemäss ausgelegt und angewendet worden (BGE 119 IV 107 E. 1b). Das Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um den Beschuldigten nicht unnötig über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Wird eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes festgestellt, ist diesem Umstand angemessen Rechnung zu tragen. Dabei ist einerseits zu berücksichtigen, wie schwer der Beschuldigte durch die Verfahrensverzögerung getroffen wurde, andererseits aber auch, wie gravierend die ihm vorgeworfenen Straftaten sind und welche Strafe ausgesprochen werden müsste, wenn keine Verletzung des Beschleunigungsgebotes vorliegen würde. Rechnung zu tragen ist schliesslich auch den Interessen der Geschädigten (BGE 117 IV 124 E. 4e). Der Richter ist verpflichtet, die Verletzung des Beschleunigungsgebotes in seinem Urteil ausdrücklich festzuhalten und gegebenenfalls darzulegen, in welchem Ausmass er diesen Umstand berücksichtigt hat (BGE 124 I 139 E. 2a; 117 IV 124 E. 4). 6.2 Der Beschwerdeführer beanstandet, die Ausarbeitung der Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft habe 2 1/2 Jahre beansprucht, wovon die Vorinstanz lediglich 1 Jahr als Verfahrensverzögerung anerkannt habe. Korrekterweise hätte sie 2 Jahre als Verzögerung anrechnen müssen. Mit seiner Argumentation verkennt der Beschwerdeführer, dass von den Behörden nicht verlangt werden kann, dass sie sich ständig einem einzigen Fall widmen. Zeiten, in welchen das Verfahren stillsteht, sind unumgänglich. Hinzu kommt, dass ein Indizienprozess mehr Aufwand erfordert als ein Verfahren mit einem geständigen Angeklagten. So ist insbesondere darauf zu achten, dass die Indizienkette lückenlos ist und ein bestimmter Sachverhalt möglichst durch mehrere Indizien gestützt wird. Dass sich die Anklageschrift eng an das Überweisungserkanntnis anlehnt, liegt in der Natur der Sache, weil es sich ja um den gleichen Fall handelt. Doch hatte die Staatsanwaltschaft zu prüfen, ob die einzelnen Indizien stichhaltig sind und ob sie eine lückenlose Kette bilden. Wenn die Vorinstanz für diesen Abschnitt des Verfahrens eine Zeitspanne von 1 1/2 Jahren als angemessen erachtet, ist dies noch nicht zu beanstanden. 6.3 Der Beschwerdeführer rügt, auch beim Verfahren vor Kriminalgericht sei wegen der Dauer von 14 1/2 Monaten von einer Verzögerung von einem halben Jahr auszugehen. Zunächst ist auch hier darauf hinzuweisen, dass es in jedem Verfahrensabschnitt Zeiten geben kann, in denen das Verfahren stillsteht. Wie der Beschwerdeführer selbst zugesteht, musste das psychiatrische Gutachten aus dem Jahre 2002 aktualisiert werden, was etwas mehr als einen Monat beanspruchte. Für ihn ist nicht ersichtlich, inwiefern die Zivilklagen die Verfahrensdauer beeinflusst haben sollen. Je mehr Parteien an einem Verfahren teilnehmen, desto mehr Aufwand ergibt sich, um beispielsweise die Legitimationsfrage oder verfahrensleitende Anordnungen abzuklären. Zudem stand den Zivilparteien das Recht zu, die Akten einzusehen, was jeweils mit Fristen und entsprechender zeitlicher Verzögerung verbunden war. Insgesamt erachtete die Vorinstanz deshalb die Zeitspanne von 14 1/2 Monaten für das erstinstanzliche Verfahren zu Recht als angemessen. 6.4 Die Vorinstanz prüfte auch, ob das Verfahren insgesamt zu lange gedauert hatte, was - zusätzlich zur überlangen Anklageerhebung - theoretisch möglich gewesen wäre. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wollte die Vorinstanz damit nicht die erwähnte Verzögerung "heilen". Denn sonst hätte sie nicht klipp und klar eine Verzögerung des Verfahrens von einem Jahr festgehalten. Auch ihre Erwägung, ohne die Verletzung des Beschleunigungsgebots hätte sie eine lebenslängliche Zuchthausstrafe für vertretbar erachtet, würde keinen Sinn machen, wenn sie von einer "Heilung" des Mangels ausgegangen wäre. Bei der Bewertung, in welchem Ausmass der Mangel zugunsten des Beschwerdeführers zu veranschlagen sei, berücksichtigt die Vorinstanz zutreffend die Strafempfindlichkeit des Beschwerdeführers, die Schwere seiner Taten und die Interessen der Geschädigten. Da keines dieser Elemente zugunsten des Beschwerdeführers in die Waagschale fällt, verletzte die Vorinstanz kein Bundesrecht, als sie den Beschwerdeführer anstelle einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilte. 6.5 Damit erweist sich die Nichtigkeitsbeschwerde als unbegründet.