Citation: 8C_446/2007 28.12.2007 E. 8

8.1 Im Hinblick darauf, dass einerseits die unmittelbaren Unfallfolgen rasch abgeheilt waren, die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen in der Folge höchstens in geringem Masse vorhanden waren und auch später keine wesentlichen somatischen Befunde erhoben werden konnten und dass anderseits schon anlässlich der Rückfallmeldung Anfang 2005 vom behandelnden Arzt auf eine zunehmende depressive Entwicklung sowie eine Schmerzausweitung geschlossen wurde (Berichte Dr. med. S.________ vom 29. März und 15. April 2005) und sich der Beschwerdeführer in der Folge einer psychotherapeutischen Behandlung unterzogen hat, ist davon auszugehen, dass für die Fortdauer des Beschwerdebildes psychische Faktoren ausschlaggebend waren. Auch wenn offenbar kein psychisches Leiden mit Krankheitswert vorliegt, ist auf Grund der vorhandenen medizinischen Akten anzunehmen, dass die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben waren, im Vergleich zur psychischen Problematik in der massgebenden Zeitspanne kurz nach dem Unfall bis zur Rückfallmeldung Anfang 2005 und dem für die Beurteilung ausschlaggebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom 16. September 2005 aber ganz in den Hintergrund getreten sind. Die Adäquanzbeurteilung ist daher nicht nach den für Schleudertraumata oder schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln vorzunehmen (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99, RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437, je mit Hinweisen). 8.2 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle bei der Adäquanzbeurteilung in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 E. 5.1.2 mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall bestehen insofern besondere Verhältnisse, als der Beschwerdeführer kurz nacheinander zwei Auffahrunfälle erlitten hat und der Heilungsprozess bei Eintritt des schwereren zweiten Unfalls noch nicht abgeschlossen war. Zudem ist der alkoholisierte Unfallverursacher - mit allerdings unbekannter Geschwindigkeit - offenbar praktisch ungebremst in den stehenden Personenwagen gestossen, welcher von der Bushaltestelle auf die Strasse geschleudert wurde. Der Sachschaden am angefahrenen Fahrzeug wurde polizeilich auf ca. Fr. 10'000.- geschätzt. Es rechtfertigt sich unter diesen Umständen, den Unfall als mittelschwer im engeren Sinn zu qualifizieren, wie auch die SUVA im Einspracheentscheid vom 16. September 2005 angenommen hat. 8.3 Auch wenn es sich jedenfalls beim zweiten Unfall um eine heftige Kollision gehandelt hat, haben sich die beiden Unfälle nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch waren sie - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313) - von besonderer Eindrücklichkeit. Sie hatten weiter keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung und insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen. Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 E. 4.3 mit Hinweisen). Solche Umstände sind hier indessen nicht gegeben. Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden vor. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Die medizinischen Massnahmen beschränkten sich auf ambulante Physiotherapie, die Verordnung eines Halskragens und eine medikamentöse Behandlung. Bereits am 2. Juni 2000 konnte die Behandlung abgeschlossen werden. Eine erneute ärztliche Behandlung erfolgte anscheinend erst Ende 2004/Anfang 2005. Dabei stand jedoch die psychische Problematik im Vordergrund, was bei der Adäquanzbeurteilung unberücksichtigt zu bleiben hat (Urteil U 79/05 vom 10. Februar 2006). Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteile U 79/05 vom 10. Februar 2006, U 343/02 vom 25. Oktober 2002 und U 313/01 vom 7. August 2002). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Vielmehr war es die psychische Symptomatik, welche zu einem protrahierten Heilungsverlauf geführt hat. Zum Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer bereits am 25. Oktober 1999 die Arbeit wieder voll aufnehmen konnte. Die Aufgabe der seit 2003 bei der Firma I.________ verrichteten Tätigkeit erfolgte nach Angaben des Beschwerdeführers wegen der Sehbeschwerden. Diese sind nach dem Gesagten indessen nicht unfallbedingt. Dass er ab März 2004 nicht mehr arbeitete, lässt sich höchstens teilweise mit Unfallfolgen begründen und war weitgehend psychisch bedingt, wofür auch der Umstand spricht, dass die somatische Behandlung Anfang 2005 eingestellt und von einer psychiatrischen Therapie abgelöst wurde. Das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit kann unter diesen Umständen nicht als erfüllt gelten. Ob schliesslich das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen zu bejahen ist, kann offen bleiben, weil es jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden zu verneinen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.