Citation: I 359/98 02.03.2000 E. 3

3.- a) Nach dem Gutachten der Psychiatrischen Klinik X.________ vom 7. Juli 1995 leidet der Beschwerdeführer an einer schweren depressiv-narzisstischen Neurose mit grosser Rückzugstendenz und fehlendem Vertrauen in tragfähige Beziehungen bei wohl schwerer Selbstwertstörung. Bedingt durch die sekundäre Polytoxikomanie betrage die Arbeitsunfähigkeit über 70 %. Verwaltung und Vorinstanz haben sich bei ihrer Entscheidfindung nicht auf diese Expertise abgestützt mit der Begründung, das Gutachten lege nicht nachvollziehbar dar, dass die Sucht auf ein invalidisierendes psychisches Leiden zurückzuführen sei. Vielmehr könne dem Gutachten entnommen werden, dass sich der Beschwerdeführer völlig normal entwickelt habe. Die Jugendzeit sei nicht durch pathologische Geschehnisse gekennzeichnet, und auch die Schule (inkl. Gymnasium) habe der Versicherte problemlos durchlaufen. Einen äusseren, krankhaften Anlass zur - mit Haschischkonsum im Untergymnasium begonnenen - Drogenkarriere, welche dem Schulbesuch ein Ende gesetzt habe, sei daraus nicht ersichtlich. Die erstmals 1993 gestellte Diagnose einer (leichten) narzisstischen Störung sei (einzig) auf den drogenbedingten sozialen Abstieg zurückzuführen. b) Ob diese Beweiswürdigung vor dem Hintergrund der in Erw. 2b dargelegten Grundsätze Stand hält, kann offen gelassen werden. Im letztinstanzlich aufgelegten Bericht (vom 9. August 1998) diagnostizierte Dr. K.________ eine schwere depressiv-narzisstische Neurose mit sekundärer Drogensucht. Dabei räumte der Psychiater ein, dass er als Therapeut vor derselben Tatsache gestanden sei wie die Ärzte der Poliklinik, nämlich dass sich die Erhebung der Anamnese äusserst schwierig dargestellt habe, da vom Beschwerdeführer krankheitsbedingt kaum relevante Daten erhältlich seien. Dies stelle aber Ausdruck der psychischen Erkrankung dar, welche dazu geführt habe, dass der Versicherte kaum mehr Zugang zu seinen Gefühlen habe, kein primäres Vertrauen entwickle und sehr zurückgezogen lebe. Psychodynamisch falle eine ausgesprochene Ambivalenz auf, die zu einer zwanghaft anmutenden Entscheidungsunfähigkeit führe. So sei das Verhältnis gegenüber seinem Bruder von Eifersucht geprägt (Malträtierung des Bruders im Kleinkindesalter mit potenziell letalem Ausgang), und auch dasjenige zu seinem Vater müsse als zwiespältig bezeichnet werden (Idealisierung einerseits, Bekämpfung mit möglicherweise unbewusster Verweigerungstendenz andererseits). Aus dem Gemisch dieser Regungen resultiere eine weitgehende Handlungsunfähigkeit und Depressivität, die der Ansprecher möglicherweise im Sinne eines Heilungsversuchs mit Drogen "behandelt" habe. Diese Persönlichkeitsstruktur sei trotz jahrelangem Drogenabusus immer noch deutlich sichtbar. Dies sei an sich ungewöhnlich, zeigten doch die meisten Drogenpatienten nicht sichtbar "Über-Ich-Konflikte", sondern manifest ein ausgesprochenes Fehlen davon. Ebenso neigten sie zu einer "Entweder-oder"-Sicht mit vollständiger Schuldzuweisung an die Aussenwelt. Trotz langjähriger Drogengeschichte sei der Beschwerdeführer dermassen als hochneurotisch zu bezeichnen, dass er wohl auch ohne Drogenprobleme grösste Arbeitsschwierigkeiten hätte. Sodann weist der Schulpsychologische Dienst in seinem Bericht vom 10. August 1998 darauf hin, dass der damals noch nicht 17jährige Beschwerdeführer im ersten Gymnasium wegen Leistungsschwierigkeiten und Schlafstörungen zur Abklärung angemeldet worden sei. Dabei hätten sich gewisse Überforderungssymptome, starke affektive Schwierigkeiten, einen zielgerichteten Einsatz psychischer Energien beeinträchtigende Identitätsprobleme sowie beginnende Schlafstörungen gezeigt. c) Auf Grund dieser schlüssigen, die Nachvollziehbarkeit der von den Ärzten der Psychiatrischen Klinik X.________ gestellten Diagnose einer schweren depressiv-narzisstischen Neurose ermöglichenden Berichte einerseits, des Berichts des Projekts Janus vom 6. August 1998, welcher das von Dr. K.________ festgestellte Verhaltensmuster auf Grund eigener Beobachtungen bestätigt andererseits, kann als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (BGE 125 V 195 Erw. 2, 121 V 47 Erw. 2a, 208 Erw. 6b mit Hinweisen) erstellt gelten, dass die Drogensucht auf ein invalidisierendes psychisches Leiden zurückzuführen und damit invalidenversicherungsrechtlich relevant ist. Da auf Grund der Akten davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer das ihm ärztlich ausgewiesene restliche Leistungsvermögen von weniger als 30 % auf dem für ihn in Frage kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt wirtschaftlich nicht verwerten kann, hat er Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, deren Beginn am 1. August 1993 unbestritten ist.