Citation: 2P.113/2006 29.08.2006 E. 6

6.1 Es lässt sich ohne Willkür vertreten, dass nur der freie Rechtsanwalt den Anwaltsberuf im Sinne des Zürcher Anwaltsgesetzes ausübt, nicht aber derjenige, welcher im Rahmen eines Anstellungsverhältnisses seinen Arbeitgeber in Rechtsfragen berät oder nach aussen hin vertritt. Wie das Verwaltungsgericht zu Recht bemerkt, rückt bei einer derartigen unselbständigen Berufstätigkeit der Gedanke des Publikumsschutzes, wie er mit der Unterstellung unter die anwaltlichen Berufsregeln und dem Eintrag ins Anwaltsverzeichnis verbunden ist, in den Hintergrund. Zwar kann dem als Unternehmensjuristen tätigen Rechtsanwalt ebenfalls ein hohes Mass an Verantwortung und Selbständigkeit zukommen; dieser untersteht aber seinem Arbeitgeber gegenüber den Regeln des Arbeitsrechts. Der Arbeitgeber kann daher nicht mit dem Klienten eines freien Rechtsanwalts verglichen werden; besondere Standesregeln und eine staatliche Aufsicht, wie sie zum Schutz des Publikums für die selbständigen Anwälte geboten sind, erscheinen insoweit entbehrlich. Mit dem Beschwerdeführer 1 ist zwar anzunehmen, dass ein gewisses (öffentliches) Interesse daran bestehen mag, die den Anwaltstitel führenden Unternehmensjuristen im Verkehr mit Behörden und Dritten - trotz fehlender Unabhängigkeit - zur Einhaltung der anwaltlichen Berufsregeln zu verpflichten. Es ist dennoch ohne weiteres vertretbar, diesen Personenkreis von den für unabhängige Rechtsanwälte geltenden besonderen Vorschriften sowie der damit verbundenen staatlichen Aufsicht auszunehmen. 6.2 Was der Beschwerdeführer 1 hiergegen vorbringt, ist unbehelflich: 6.2.1 Entgegen dessen Auffassung ergibt sich aus dem Wortlaut von § 10 AnwG/ZH keineswegs zwingend, dass für den Eintrag ins Anwaltsverzeichnis die Unabhängigkeit des Bewerbers kein Kriterium bilden darf. Im Übrigen wäre die streitige Auslegung des Begriffs der "Anwaltstätigkeit" nach dem Gesagten selbst dann nicht willkürlich, wenn der Wortlaut von § 10 AnwG/ZH eher für die vom Beschwerdeführer 1 vertretene Interpretation sprechen würde. Ferner scheint der Beschwerdeführer 1 zu verkennen, dass hier nicht zu prüfen ist, ob das Verwaltungsgericht bei seiner Gesetzesauslegung methodisch korrekt vorgegangen ist; ausschlaggebend ist allein, ob die streitige Auslegung im Ergebnis vertretbar ist. Schliesslich erscheint es durchaus sinnvoll, dass sich die mit dem Vollzug des kantonalen Anwaltsgesetzes betrauten Behörden bezüglich der Anforderungen an die institutionelle Unabhängigkeit auch in jenem Bereich, der den Kantonen zur Regelung verblieben ist, an die Normen des eidgenössischen Anwaltsgesetzes und die diesbezügliche Rechtsprechung des Bundesgerichts anlehnen, selbst wenn deren Tragweite dem kantonalen Gesetzgeber bei Erlass des Zürcher Anwaltsgesetzes nicht bekannt war. 6.2.2 Im vorliegenden Zusammenhang kann auch keine Rede von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. der Begründungspflicht (Art. 29 Abs. 2 BV; vgl. BGE 126 I 9 E. 2b 102 f.) sein: Das Verwaltungsgericht hat im angefochtenen Entscheid ausführlich dargelegt, worauf seine Auffassung von der Anwaltstätigkeit beruht. Damit war es dem Beschwerdeführer 1 ohne weiteres möglich, sich über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft zu geben und diesen sachgerecht anzufechten. Auf mehr hat er von Verfassungs wegen nicht Anspruch: Die Prüfungs- und Begründungspflicht zwingt die urteilende Behörde nicht dazu, alle ihre Überlegungen wiederzugeben oder auf alle Vorbringen der Parteien im Einzelnen einzugehen (BGE 121 I 54 E. 2c S. 57; 117 Ib 481 E. 6b/bb S. 492).