Citation: 5C.87/2000 01.03.2001 E. 4

4.-a) Die Beklagten rügen eine Verletzung von Art. 611 Abs. 3 ZGB, wonach die Verteilung der Lose nach Vereinbarung oder durch Losziehung unter den Erben erfolgen soll. Sie machen geltend, weder das Bezirksgericht Werdenberg noch die Vorinstanz hätten Lose gebildet; diese seien aber Voraussetzung dafür, dass der Richter eine direkte Zuweisung der Nachlassgegenstände vornehmen könne. Eine direkte Zuweisung durch den Richter komme zudem nur dann infrage, wenn einer der Erben sie verlange. Dies sei hier nicht der Fall. Insbesondere sei die Zuweisung der Parzelle Nr. 1 an den Beklagten 1 nicht ausgewiesen. Bei der Losbildung müssten zudem der Ortsgebrauch, die persönlichen Verhältnisse und die Wünsche der Mehrheit berücksichtigt werden. Im vorliegenden Fall sei weder ein Ortsgebrauch nachgewiesen, noch liege eine Mehrheitsmeinung vor, welche eine Losbildung erlaube. Die Vorinstanz weise die Parzellen Nrn. 3 und 4 zu Unrecht mit der Begründung der Beklagten 1 zu, die Beklagten hätten sich lediglich gegen die Zuweisung an die Beklagte 1 gewendet, aber nicht vorgebracht, wer die Liegenschaften hätte übernehmen sollen. Sie hätten zumindest implizit die Auffassung vertreten, die Liegenschaften seien der Klägerin zuzuweisen. b) Das Kantonsgericht hat ausgeführt, dem Richter komme die selbstständige Zuweisungskompetenz zu. Bei der Zuteilung gelte der Grundsatz der Gleichberechtigung. Die gegensätzlichen Parteiinteressen sollten durch Berücksichtigung des Ortsgebrauchs, der persönlichen Verhältnisse und der Wünsche der Mehrheit der Miterben gelöst werden (Art. 611 Abs. 2 ZGB). In differenzierter Anwendung dieser Grundsätze und insbesondere unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse der Parteien hat das Kantonsgericht zunächst die Parzellen Nrn. 2 und 1 an die Klägerin bestätigt. Anschliessend hat es geprüft, ob der Teilungsrichter berechtigt ist, die Zuweisung der Nachlassgegenstände an die Beklagten vorzunehmen, und hat diese Frage bejaht. Schliesslich hat es die Liegenschaften Nrn. 3 und 4 an die Beklagte 1 bestätigt und ebenso die Zuweisung der Sparguthaben an den Beklagten 2. c) Was die Beklagten dagegen vorbringen, dringt aus bundesrechtlicher Sicht nicht durch. aa) Gemäss Art. 604 Abs. 1 ZGB kann jeder Miterbe zu beliebiger Zeit die Teilung der Erbschaft verlangen. Das haben die Parteien getan. Sie haben nicht nur die Feststellung der Erbschaft, sondern auch deren Teilung verlangt (insb. Begehren 1a der Beklagten). Die Klägerin hat zudem die Zuweisung der Parzellen Nrn. 2 und 1 anbegehrt. Der Anspruch aus Art. 604 Abs. 1 ZGB geht an sich nur auf Vornahme der Teilung, nicht auch auf Zuweisung bestimmter Objekte. Gestützt auf Äusserungen in der Lehre (Tuor/Picenoni, Berner Kommentar, N. 4 f und g zu Art. 604 ZGB und eine Reihe dort zitierter Autoren) sowie einer älteren Rechtsprechung (BGE 69 II 357 E. 7 und 10 S. 369) hat das Bundesgericht in BGE 101 II 41 E. 4b S. 45 erneut bestätigt, dass der angerufene Richter allenfalls ein vollstreckbares Urteil zu fällen habe, d.h. ein solches, das die Teilung durchführt und die Verteilung der Erbschaftsbestandteile auf die einzelnen Erben durch die Vollzugsorgane unmittelbar ermöglicht (so auch mit einlässlicher Begründung Seeberger, Die richterliche Erbteilung, Diss. Freiburg 1992 S. 65 ff. mit zahlreichen Hinweisen). Das Kantonsgericht hat somit kein Bundesrecht verletzt, indem es die Erbschaftsbestandteile konkret zugewiesen hat (so auch: nicht veröffentlichter Entscheid des Bundesgerichts vom 22. Juni 1995 i.S. N.B. und L.H. gegen J.H. und K.H. mit Hinweisen). bb) Das Kantonsgericht hat überzeugende Überlegungen über die Verteilung der Erbschaftsgegenstände angestellt, die von den Beklagten nicht hinreichend begründet als bundesrechtswidrig gerügt werden (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Ihre Ausführungen darüber, dass das Kantonsgericht ihren Wünschen nicht vollumfänglich gefolgt ist, genügt als Begründung nicht. Im Übrigen ist die Zuweisung der Parzellen Nrn. 2 und 1 an die Klägerin nicht bundesrechtswidrig, weil diese dort seit 1961 wohnt und das Grundstück zusammen mit andern Parzellen selber bewirtschaftet (Neukomm/Czettler, Das bäuerliche Erbrecht, 5. Aufl. Brugg 1982 S. 133; Seeberger, Die richterliche Erbteilung, Freiburg 1992, S. 231; zurückhaltender bei der Berücksichtigung des Selbstbewirtschafters: Escher, Zürcher Kommentar, N. 1a zu Art. 617 ZGB). Demgegenüber wohnen die Beklagten nicht in der Nähe. Die starke Gewichtung der persönlichen Verhältnisse bei der Verteilung der Erbschaftsgegenstände ist nicht zu beanstanden (so auch See-berger, a.a.O., S. 219; Schaufelberger, Basler Kommentar, N. 7 zu Art. 604 ZGB). Dass die übrigen Liegenschaften bei dieser Sachlage den Beklagten zugewiesen werden, ergibt sich aus dem Grundsatz der Gleichbehandlung der Erben, zumal diese nicht die Versteigerung der Grundstücke beantragen. Die Beklagten können die der Beklagten 1 zugewiesenen Grundstücke auf ihren Wunsch unter sich anders verteilen, als vom Gericht beschlossen. Die Berufung muss aus diesen Gründen abgewiesen werden, soweit darauf eingetreten werden kann.