Citation: 8C_683/2009 26.02.2010 E. 5

5.1 Während sich im Rahmen des eigentlichen Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG; E. 3 [Ingress] hievor) das Valideneinkommen nach Massgabe des an der früheren Stelle realisierbaren Verdienstes bestimmt, welches sich gemäss Arbeitgeberangaben im Jahr 2008 auf Fr. 56'745.- belaufen hätte (E. 4.2 hievor), ist das Invalideneinkommen auf Grund von LSE-Tabellenwerten zu bestimmen, weil der Beschwerdegegner keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, welche ihm an sich zumutbar wäre. Dabei ist von dem für den gesamten privaten Sektor eruierten Totalwert für Männer bei Arbeiten mit Anforderungsniveau 4 gemäss Tabelle TA 1 (vgl. E. 4.1 hievor) der LSE 2006 auszugehen, welcher bei Fr. 56'784.- liegt und hochgerechnet auf das Jahr 2008 (Normalarbeitszeit von 41,6 Wochenstunden, Nominallohnentwicklung 2007 von 1,6 % und 2008 von 2,0 % [Die Volkswirtschaft 2009, Heft 7/8, S. 90, Tabelle B 9.2, und S. 91 Tabelle B 10.2]) laut Einspracheentscheid vom 4. Juli 2008 Fr. 61'466.- (recte: Fr. 61'200.25) ausmacht. Diese Beträge (Valideneinkommen: Fr. 56'745.-, Invalideneinkommen: Fr. 61'466.- [recte: Fr. 61'200.25]) sind als Ausgangswerte der nachfolgenden rechnerischen Schritte zu betrachten. 5.2 Das kantonale Gericht erachtete einen 20%igen Leidensabzug als gerechtfertigt, was die SUVA, welche ihrerseits in ihrem Einspracheentscheid vom 4. Juli 2008 einen Abzug von lediglich 10 % zu gewähren bereit war, beanstandet. 5.2.1 Die Frage, ob vom LSE-Tabellenlohn ein Leidensabzug (E. 3.2 hievor; BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301 mit Hinweisen) vorgenommen werden kann, ist rechtlicher Natur und insoweit vom Bundesgericht frei überprüfbar. Dabei wird sich vor dem Hintergrund der in vorstehender E. 3.3 wiedergegebenen Parallelisierungsrechtsprechung namentlich die Frage stellen, ob dem Umstand Rechnung getragen worden ist, dass dieselben einkommensbeeinflussenden Faktoren nicht sowohl einen Parallelisierungs- als auch einen Leidensabzug zu begründen vermögen. Die Festlegung der Höhe eines Leidensabzuges hingegen beschlägt eine typische Ermessensfrage, welche angesichts der dem Bundesgericht zukommenden Kognition letztinstanzlicher Korrektur nur mehr dort zugänglich ist, wo das kantonale Gericht sein Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat, also bei Ermessensüberschreitung, -missbrauch oder -unterschreitung (BGE 132 V 393 E. 2.2 S. 396 und E. 3.3 S. 399). Zu beachten ist, dass das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen soll, sondern sich bei einem Eingreifen auf Gegebenheiten stützen können muss, welche eine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 135 V 297 E. 6.2 S. 305). 5.2.2 Als bereits für die Parallelisierung der Vergleichseinkommen ursächliche einkommensbeeinflussende Faktoren berücksichtigte das kantonale Gericht im angefochtenen Entscheid ausdrücklich mangelnde Sprachkenntnisse, den Ausländerstatus sowie die fehlende Ausbildung für die früher ausgeübte Tätigkeit als Käsereimitarbeiter. Als einen Leidensabzug rechtfertigend qualifizierte es demgegenüber den Umstand, dass der Beschwerdegegner faktisch nur noch über ein Auge verfügt. Diese mit gewissen Einschränkungen auch im Berufsleben verbundene Behinderung stufte es nebst dem Alter und der Notwendigkeit eines eine berufliche Neuorientierung bedingenden Stellenwechsels als genügend gravierend ein, um einen 20%igen Leidensabzug zu begründen. Die SUVA wendet diesbezüglich unter Hinweis auf ein Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (seit 1. Januar 2007: I. und II. sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) vom 10. August 2005 (U 343/2004) ein, dass eine Einäugigkeit nach der Rechtsprechung kaum geeignet ist, überhaupt einen Leidensabzug auszulösen. Tatsächlich befand das Gericht in jenem Urteil, dass - ebenfalls wegen eines praktisch vollständigen Verlusts der Sehfähigkeit des linken Auges - kein Anlass zur Annahme einer erheblichen leidensbedingten Lohnbenachteiligung bestehe, da dem Versicherten zahlreiche Tätigkeiten offenstünden, bei welchen sich die vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht oder nur in geringem Masse auswirkten. Entsprechend lehnte es die Zubilligung eines leidensbedingten Abzugs vom anhand von LSE-Tabellenlöhnen bestimmten Invalideneinkommen ab (Urteil U 343/04 vom 10. August 2005 E. 3.3). Auch im vorliegenden Fall sind Arbeiten, welche besondere Anforderungen an das Stereosehen stellen oder mit der Gefahr einer Verletzung des noch gesunden anderen Auges verbunden sind, ungeeignet. Dennoch stehen dem Beschwerdegegner auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch zahlreiche Tätigkeiten offen, welche er praktisch ohne Einschränkungen und vollzeitlich zu verrichten vermöchte. Da - wie die SUVA richtig darlegt - auch den vom kantonalen Gericht zusätzlich berücksichtigten Faktoren Alter und Notwendigkeit eines Stellenwechsels mit beruflicher Neuorientierung keine die Lohnhöhe massiv beeinträchtigende Bedeutung beizumessen ist, lässt sich nicht ohne weiteres nachvollziehen, inwiefern sich die Vorinstanz veranlasst sehen konnte, den von der SUVA noch auf 10 % festgesetzten Leidensabzug gleich auf 20 % zu erhöhen. 5.2.3 Auch wenn eine genauere Überprüfung dadurch verunmöglicht wird, dass die SUVA keine Begründung für den von ihr zugestandenen 10%igen Abzug aufgezeigt hat, kann im Hinblick auf die angeführte Rechtsprechung doch gesagt werden, dass jedenfalls die Gewährung eines leidensbedingten Abzuges von 20 % eindeutig übersetzt ist, zumal einzelne abzugsrelevante Umstände schon für den vorinstanzlichen Parallelisierungsentscheid ausschlaggebend waren. Die SUVA ihrerseits hatte demgegenüber bei der Vornahme eines leidensbedingten Abzuges sämtliche Merkmale, welche einen solchen begründen können, zu berücksichtigen, hat sie doch - wie in vorstehender E. 4.2 erwähnt - eine Parallelisierung bis zum Erlass des Einspracheentscheids vom 4. Juli 2008 noch gar nicht in Betracht gezogen. Ob unter diesen Umständen die von ihr dort zugestandene, in der Beschwerdeschrift allerdings nicht mehr wiederholte Annahme eines Abzuges von 10 % genügend ist, muss an dieser Stelle offenbleiben. Nicht angebracht scheint es jedenfalls, auf Grund der gemäss vorinstanzlichem Entscheid für einen Leidensabzug einzig in Frage kommenden drei Kriterien Einäugigkeit, Alter und Notwendigkeit eines Stellenwechsels auf Seiten des Invalideneinkommens eine 10 % übersteigende Reduktion zuzulassen. Wird ein 10%iger Leidensabzug vom nach LSE-Tabellen bestimmten Invalideneinkommen von jährlich Fr. 61'466.- (recte: Fr. 61'200.25) vorgenommen, verbleiben Fr. 55'319.40 (recte: Fr. 55'080.22). 5.3 Dieser Wert kann erst nach Vornahme der Parallelisierung um 2,64 % (E. 4.3 hievor) in die Einkommensvergleichsrechnung eingesetzt werden. Dazu ist er um 2,64 % zu reduzieren, womit sich ein parallelisiertes Invalideneinkommen von Fr. 53'858.96 (recte: Fr. 53'626.10) ergibt. Dieses ist dem Valideneinkommen von Fr. 56'745.- (E. 5.1 hievor) gegenüberzustellen, womit ein unter 10 % liegender und deshalb nicht rentenbegründender (E. 3 [Ingress] hievor) Invaliditätsgrad von gerundet 5 % resultiert. 5.4 Der Vorinstanz gefolgt werden kann schliesslich insoweit nicht, als sie argumentiert, wenn die beiden Vergleichseinkommen auf das gleiche Niveau angehoben werden und die versicherte Person auch in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist, entspreche der Invaliditätsgrad dem allfälligen Leidensabzug. Es trifft zwar grundsätzlich zu, dass bei lohnmässig gleichwertigen Betätigungen auf Seiten des Validen- als auch auf Seiten des Invalideneinkommens der Invaliditätsgrad auf Grund der konkreten Umstände mit der Höhe des leidensbedingten Abzugs zusammenfallen kann. Dies ist indessen nach der in BGE 135 V 297 präzisierten Rechtsprechung, wonach eine Parallelisierung nur in dem 5 % übersteigenden Ausmass der Abweichung von branchenüblichen Durchschnittslöhnen vorzunehmen ist, dann nicht mehr möglich, wenn es tatsächlich zu einer Parallelisierung kommt. Die vorinstanzliche Betrachtungsweise würde einen vollen Ausgleich einer allfälligen Unterdurchschnittlichkeit des vor Eintritt des Versicherungsfalles erhaltenen, auf den Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns bezogenen Salärs bedingen, was sich mit der eben angesprochenen neuen Rechtsprechung nicht in Einklang bringen liesse.