Citation: 6B_621/2015 E. 1.3.2

1.3.2. Die erste Instanz führt zur Gefährdung im konkreten Fall unter Hinweis auf ein Gutachten Folgendes aus. Bei den anabolwirksamen Substanzen könnten Nebenwirkungen wie Blutdruckerhöhung, Wassereinlagerungen, Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems, Herzhypertrophie, Veränderung des Fettstoffwechsels, Leberschäden, Schädigung des Immunsystems, Blutgerinnsel und Schlaganfall auftreten. Es gebe auch psychische Nebenwirkungen wie Depressionen, Selbstüberschätzung ("Supermann-Syndrom") sowie Agressionen bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen. Weiter könnten geschlechterspezifische Veränderungen auftreten: Bei Frauen eine Vermännlichung mit Stimmbruch, Klitorisvergrösserung, männlicher Behaarung und Zyklusstörungen; bei Männern Schrumpfen der Hoden, Verminderung der Spermienzahl, Impotenz, Prostataprobleme und Brustwachstum. Auch bei den Erektionsförderern seien schwerwiegende Nebenwirkungen wie beispielsweise plötzlicher Herztod, Schlaganfall, plötzlicher Sehverlust und akute Hörminderung bis hin zu Taubheit möglich. Bei Mischkonsum, wie er in Bodybuilder-Kreisen regelmässig der Fall sei, seien die Nebenwirkungen stärker ausgeprägt und häufiger. Auch könne Mischkonsum zu bleibenden Organschäden führen. Im Weiteren sei bekannt, dass bei Bodybuildern die Tendenz bestehe, die betreffenden Substanzen überzudosieren und sie auch über eine längere Zeitspanne einzunehmen, um möglichst schnell ein sichtbares und spürbares Resultat zu erzielen. Der Beschwerdegegner habe denn auch seinen Kunden immer wieder geraten, weniger zu nehmen. Abnehmer aus Bodybuilder-Kreisen seien aufgrund ihrer Neigung zu Mischkonsum sowie der Tendenz zur Überdosierung und Langzeiteinnahme zu einer Risikogruppe zu zählen. Die Gesundheitsgefährdung werde weiter vergrössert durch die Tatsache, dass die Produkte teilweise illegal hergestellt worden seien und somit die Gefahr bestehe, dass die Vorschriften über die Sterilität nicht vollumfänglich eingehalten worden seien; dadurch bestehe ein erhöhtes Infektionsrisiko. Weiter enthielten die Verpackungen teilweise keine Beschriftung beziehungsweise keine Beipackzettel und somit keine Angaben zu den Inhaltsstoffen und zur Dosierung, womit die Gefahr einer Beeinträchtigung der Gesundheit durch eine Verwechslung der Medikamente oder eine Falsch- bzw. Überdosierung erhöht sei. Abschliessend hält es die erste Instanz zudem für relevant, dass der Beschwerdegegner zusammen mit den anabolen Substanzen auch Erektionsförderer verkaufte. Es sei somit davon auszugehen, dass zumindest ein Teil der Abnehmer durch die Einnahme von anabolen Substanzen Potenzschwierigkeiten bekommen und deshalb die Erektionsförderer benötigt hätten. Nach der Auffassung der ersten Instanz stellten die aufgelisteten Nebenwirkungen nicht bloss eine abstrakte Gefahr dar. Vielmehr sei erwiesen, dass die anabolen Substanzen, welche der Beschwerdegegner selber konsumiert und weitergegeben habe, auch konkret zu Beeinträchtigungen der Gesundheit (Potenz) geführt hätten. Gestützt auf die genannten Tatsachen sei es als erstellt anzusehen, dass die betreffenden Substanzen insbesondere in der Bodybuilder-Szene, welche zur Risikogruppe zähle, zumindest als konkret gesundheitsgefährdend einzustufen seien (erstinstanzliches Urteil S. 18 f.).