Citation: 6B_1153/2021 E. 2.4.3

2.4.3. Wie in E. 2.2 hiervor erwähnt, stellt die Vorinstanz bei der Prüfung des bedingten Strafvollzugs dem Beschwerdeführer eine ungünstige Legalprognose. Sie übersieht indes, dass sich der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids angesichts des (damals) laufenden Asylverfahrens legal in der Schweiz aufhielt. Mithin konnte er - zumindest in diesem Zeitpunkt - gar nicht im Sinne von Art. 115 AIG rückfällig werden (vgl. BGE 134 IV 97 E. 7; E. 2.4.2 hiervor). Eine Gefahr, dass sich der Beschwerdeführer erneut nach Art. 115 AIG wegen rechtswidriger Einreise bzw. rechtswidrigen Aufenthalts strafbar macht, bestand nur für den Fall, dass das hängige Asylgesuch abgewiesen wird und ein erneuter Wegweisungsentscheid ergeht (zum Ganzen auch: Urteil 6B_1127/2018 vom 27. September 2019 E. 1.5). Unabhängig davon, dass sich der Beschwerdeführer bloss auf ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht für die Zeit des Asylverfahrens berufen konnte und insofern ein behördlicher Entscheid, der sein Aufenthaltsrecht materiell prüft und für die Zukunft bejaht, im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils noch nicht vorlag, zog die Vorinstanz jedenfalls nicht in Erwägung, dass das SEM angesichts der Lageentwicklung vor Ort am 11. August 2021 den Vollzug von rechtskräftigen Wegweisungen nach Afghanistan bis auf Weiteres sistiert hatte (vgl. die Medienmitteilung des Bundesrats vom 18. August 2021 zur humanitären Aufnahme von Personen aus Afghanistan in der Schweiz). Im breiten Mittelfeld der Ungewissheit hat der Strafaufschub den Vorrang (BGE 134 IV 82 E. 4.2). Inwiefern die Vorinstanz bei dieser Ausgangslage von einer klaren Schlechtprognose für den Beschwerdeführer hinsichtlich der Delikte gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a und b AIG hätte ausgehen dürfen, ist nicht ersichtlich. Abgesehen von der (mehrfachen) Verurteilung wegen denselben Delikten hat der Beschwerdeführer - soweit ersichtlich - keine Vorstrafen. Eine Schlechtprognose für andere Straftaten bestand daher ebenso wenig (zum Ganzen auch: Urteil 6B_1127/2018 vom 27. September 2019 E. 1.5).