Citation: 6B_103/2023 E. 4.3

4.3. Das Gutachten vom 25. November 2015 und das Ergänzungsgutachten vom 14. März 2017 sind im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Gutachterauftrag an das IRM Basel aus dem Jahr 2010 zu beurteilen. Die erneute Auswertung erfolgte, weil sich die Strafverfolgungsbehörden mit den neueren, sensibleren Kits zusätzliche Erkenntnisse erhofften (vgl. angefochtenes Urteil S. 56). Der Beschwerdeführer übergeht mit seiner Kritik, dass die Polizei gestützt auf Art. 255 Abs. 2 lit. b StPO berechtigt war, eine Auswertung der Asservate zu verlangen, und der zuständige Staatsanwalt die ergänzenden Gutachten vom 25. November 2015 und 14. März 2017 gemäss der Vorinstanz beim Gutachter zusätzlich auch mündlich in Auftrag gab. Ebenso wenig setzt sich der Beschwerdeführer mit dem bereits von der Vorinstanz zitierten Bundesgerichtsurteil BGE 141 IV 423 auseinander, wonach es sich bei der Schriftlichkeit der Gutachtenserteilung im Falle von dauernd bestellten oder amtlichen Sachverständigen nicht um Gültigkeits-, sondern um Ordnungsvorschriften handelt (BGE, a.a.O., E. 3; vgl. zur Funktion der wissenschaftlichen Mitarbeitenden der Institute für Rechtsmedizin als ständig bestellte amtliche Sachverständige im Sinne von Art. 183 Abs. 2 StPO: § 13 des Einführungsgesetzes des Kantons Solothurn vom 10. März 2010 zur Schweizerischen Strafprozessordnung und zur Schweizerischen Jugendstrafprozessordnung [EG StPO/SO; BGS 321.3]). Im Übrigen ergibt sich aus dem Gutachten vom 25. November 2015 und dem Ergänzungsgutachten vom 14. März 2017, welche natürlichen Personen daran beteiligt waren (vgl. kant. Akten, AS 2081 ff. und AS 2181 ff.). Der Beschwerdeführer hätte allfällige Ausstandsgründe daher rechtzeitig geltend machen können. Eine Verletzung des in Art. 184 Abs. 3 Satz 1 StPO verankerten Anspruchs auf rechtliches Gehör kann nach der Rechtsprechung durch die nachträgliche Gewährung von Akteneinsicht in den Gutachterauftrag und das Gutachten geheilt werden. Bringt die beschuldigte Person nach Einsicht in den Gutachterauftrag und das Gutachten keine Ausstandsgründe oder Anmerkungen zu den Gutachterfragen resp. Ergänzungsfragen vor, ist von einem Verzicht auf eine Stellungnahme zur sachverständigen Person und den Gutachterfragen auszugehen (BGE 148 IV 22 E. 5.5.2). Ohnehin bestand bezüglich der Laboruntersuchungen zwecks Erstellung von DNA-Profilen gemäss Art. 184 Abs. 3 Satz 2 StPO jedoch kein Anspruch auf vorgängige Anhörung zur Person des Gutachters. Schliesslich ist auch ein Beizug von Hilfspersonen trotz der in Art. 185 Abs. 1 StPO verankerten persönlichen Verantwortlichkeit nicht per se unzulässig (vgl. Art. 184 Abs. 2 lit. b und Art. 187 Abs. 1 StPO sowie BGE 144 IV 176 E. 4). Die Rügen des Beschwerdeführers sind unbegründet, soweit sie den gesetzlichen Begründungsanforderungen überhaupt zu genügen vermögen.