Citation: B 40/99 21.01.2000 E. 3

3.- Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet ein- zig die Frage, ob der Versicherungsvorbehalt vom 24. Mai 1985 bei der der Beschwerdegegnerin unbestrittenermassen zustehenden Zweidrittelsrente zum Tragen kommt. Die Vorin- stanz verneint dies im Wesentlichen mit der Begründung, der angebrachte Versicherungsvorbehalt sei zwar rechtmässig zu- stande gekommen und genüge auch hinsichtlich der inhaltli- chen Bezeichnung den Anforderungen; hingegen sei die Be- schwerdegegnerin wegen anderer gesundheitlicher Beschwerden (Rückenschaden) als denjenigen, für welche der Vorbehalt Gültigkeit besitze (Augenleiden), teilweise arbeitsunfähig geworden. Während die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Rechtmässigkeit des Vorbehaltes die Ansicht der Vorinstanz teilt, erachtet sie das Augenleiden als alleinige Ursache der teilweisen Erwerbsunfähigkeit. Die Versicherte bestrei- tet demgegenüber - zu Recht - bereits die Rechtsgültigkeit des Vorbehaltes. a) Die massgebenden, am 1. Januar 1982 in Kraft getre- tenen Statuten sahen die Möglichkeit, einen Vorbehalt anzu- bringen, überhaupt nicht vor. Es kann auch nicht aus dem Grundsatz, wonach das Kleinere im Grösseren enthalten ist (a maiore minus), geschlossen werden, aus der in Ziff. 1.2.4 der Statuten enthaltenen Befugnis des Vorstan- des der Beschwerdeführerin, die Aufnahme eines Mitgliedes von einer ärztlichen Untersuchung abhängig zu machen und die Aufnahme zu verweigern, ergebe sich, dass während lau- fender Versicherungszeit die Anbringung eines Vorbehaltes zulässig sei. Eine solche Massnahme kann sich für eine versicherte Person noch empfindlicher auswirken als die Nichtaufnahme in den überobligatorischen Bereich einer um- hüllenden Kasse, weil es eine Person treffen kann, die anlässlich des Eintritts noch gesund war und deshalb in die Vollversicherung aufgenommen wurde. b) Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist der Vorbe- halt auch nicht durch eine Änderung des Vorsorgevertrages gültig angebracht worden. aa) Im Bereich der vorliegend betroffenen freiwilligen beruflichen Vorsorge wird das Rechtsverhältnis zwischen ei- ner Vorsorgeeinrichtung und dem Vorsorgenehmer durch den Vorsorgevertrag begründet, der den Innominatsverträgen (ei- gener Art) zuzuordnen ist. Als solcher untersteht er in erster Linie den allgemeinen Bestimmungen des Obligationen- rechts. Das Reglement stellt den vorformulierten Inhalt des Vorsorgevertrages bzw. dessen Allgemeine Bedingungen (AGB) dar, denen sich der Versicherte ausdrücklich oder durch konkludentes Verhalten unterzieht (BGE 118 V 232 Erw. 4b, 116 V 221 Erw. 2 mit Hinweisen; vgl. ferner BGE 119 V 144 Erw. 5b). Dies schliesst nicht aus, dass im Einzelfall auch vom Reglement abweichende Abreden getroffen werden können (Riemer, Vorsorge-, Fürsorge- und Sparverträge der berufli- chen Vorsorge, in: Innominatsverträge, Festgabe zum 60. Ge- burtstag von Walter R. Schluep, S. 237). Allerdings bedarf es hiefür einer entsprechenden Vereinbarung zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem versicherten Arbeitnehmer (BGE 122 V 145 Erw. 4b, 118 V 232 Erw. 4b je mit Hinweisen). bb) Wird das Schreiben der Vorsorgeeinrichtung an die Versicherte vom 24. Mai 1985 näher betrachtet, so erhellt, dass es sich bei diesem um eine Neufestsetzung des Jahres- beitrages von bisher Fr. 2310.- auf Fr. 3744.- gestützt auf ein höheres Einkommen handelte. Daraus errechnete sich eine höhere Jahresrente. Das Schreiben diente gleichzeitig als Versicherungsausweis. Auf der Rückseite war der in Frage stehende Vorbehalt mit vier Schreibmaschinenzeilen ange- bracht. Unterzeichnet auf der Vorderseite war das Schreiben durch den Geschäftsführer der Vorsorgeeinrichtung. Daraus, dass die Versicherte im Anschluss an dieses Schreiben nicht reagierte, kann nun nicht geschlossen werden, dass der Vor- sorgevertrag zwischen der Vorsorgeeinrichtung und der Ver- sicherten, der durch die Statuten vorformuliert ist, abwei- chend geregelt worden sei (BGE 118 V 232 Erw. 4b, 122 V 145 Erw. 4b). Ein Ausbleiben einer Reaktion der Versicherten bedeutet insbesondere nicht deren Zustimmung zu einer für sie inhaltsschweren Änderung des Vorsorgevertrages. c) Steht nach dem Gesagten fest, dass der Versiche- rungsvorbehalt vom 24. Mai 1985 mangels rechtsgenüglicher Vereinbarung zwischen den Parteien keine Gültigkeit hat, erübrigt sich die Prüfung der von der Beschwerdeführerin in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde einzig aufgeworfenen Fra- ge, auf welches Leiden die Invalidität der Beschwerdegegne- rin letztlich zurückzuführen ist. Der angefochtene Ent- scheid ist daher im Ergebnis nicht zu beanstanden (vgl. Erw. 2).