Citation: 5C.100/2000 20.07.2000 E. 4

4. A. Zürich 1995, S. 31 f.) und reichte im Sinne der vom Kläger implicite angerufenen Rechtsprechung aus, ihr den Scheidungsanspruch abzuerkennen: Vorwiegend schuldig ist der Ehegatte, der nach jahrelanger, nicht ernsthaft gestörter Ehe eine ehewidrige Drittbeziehung anknüpft (z.B. BGE 88 II 241 Nr. 35) und diese auch zur Rettung der Ehe nicht abzubrechen gewillt ist (z.B. BGE 78 II 300 Nr. 51); untergeordnete Verfehlungen des andern Ehegatten fallen umso eher ausser Betracht, wenn er sich um die Erhaltung der Ehe aktiv bemüht hat (z.B. BGE 111 II 1 E. 1e, nicht veröffentlicht). Indessen ist jeder Einzelfall auf Grund seiner konkreten Umstände zu beurteilen und hervorzuheben, dass der Scheidungsanspruch einem Ehegatten nur abgesprochen werden darf, wenn dessen Verschulden dasjenige des andern Ehegatten zusammen mit objektiven Zerrüttungsursachen an kausaler Bedeutung deutlich übertrifft (statt vieler: Lüchinger/Geiser, Basler Kommentar, N. 18 f. zu aArt. 142 ZGB mit Nachweisen). Auch dem Kläger sind grobe Entgleisungen vorzuwerfen gewesen, selbst wenn eingeräumt werden muss, dass sein übermässiger Alkoholkonsum und seine herabwürdigenden Äusserungen über die Beklagte in dem Zeitpunkt auftreten, in dem ihre Drittbeziehung das Eheleben ernsthaft zu beeinträchtigen anfängt, und dass in den ihm anzulastenden Ehewidrigkeiten - obschon nicht als bloss reaktives Verhalten festgestellt - doch ein weitaus geringeres Zerstörungspotenzial liegt als in ihrer Hinwendung zu einem Dritten, die die Ehe als Geschlechtsgemeinschaft im Kern getroffen hat; zu beachten ist dabei gewiss auch, dass er - im Gegensatz zu ihr - um die Erhaltung der Ehe bemüht gewesen war und zu diesem Zweck mehrfach einen Ehetherapeuten aufgesucht hatte (E. 2b S. 11 des angefochtenen Urteils), was seine Verhaltensweise abermals in einem milderen Licht erscheinen lässt. Andererseits haben zusätzlich objektive Gründe für die Zerrüttung eine Rolle gespielt. Insgesamt kann dem Kantonsgericht nicht ernsthaft vorgeworfen werden, es habe - nach Massgabe des Prozessstoffes - nicht alle im Sinne des Gesetzes beachtlichen Umstände einbezogen; dass seine Entscheidung bei den gegebenen Verhältnissen als offensichtlich unbillig erschiene, darf selbst bei einem Grenzfall wie dem vorliegenden nicht leichthin bejaht werden (vgl. dazu Bühler/Spühler, N. 74 zu aArt. 146 ZGB). Die Annahme, das der Beklagten anzulastende Verhalten überwiege die übrigen Zerrüttungsfaktoren nicht deutlich genug, verletzt Bundesrecht nicht.