Citation: 9C_826/2007 16.04.2008 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 und 61 lit. c ATSG), indem die Vorinstanz wie schon die IV-Stelle bei lückenhafter medizinischer Aktenlage, ohne die erforderlichen Abklärungen getätigt oder veranlasst zu haben, davon ausgegangen sei, er könne eine leidensangepasste Tätigkeit zu 100 % ausüben und dadurch ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen. 2.1 Verwaltung und Vorinstanz haben bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen auf die Berichte der Klinik X.________ vom 1./9. und 8. Juni 2006 abgestellt, worin die Ärzte zum Ergebnis gekommen sind, dem Beschwerdeführer sei bei Vermeiden von repetitiven Arbeiten und Heben von Lasten die Ausübung leichter bis mittelschwerer Tätigkeiten noch möglich. Den Umstand, dass sich die Rapporte zum zeitlichen Umfang der Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit nicht äussern, deutete die Vorinstanz dahin gehend, es sei damit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Da die IV-Stelle auch den Umfang der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit von Amtes wegen festzustellen hat (Art. 43 Abs. 1 ATSG; Art. 57 Abs. 1 lit. b und d IVG), fragte sie in dem der Klinik X.________ unterbreiteten Formular ausdrücklich: "Wie beurteilen Sie die Arbeitsfähigkeit des Versicherten a) bis heute und b) auf längere Sicht? In welchem Rahmen und Umfang ist eventuell die Ausübung einer anderen (welcher?) besser geeigneten Erwerbstätigkeit zumutbar?". Die Ärzte der Klinik X.________ haben in den Berichten vom 1. und 8. Juni 2006 diese Fragen nicht vollständig beantwortet, und die IV-Stelle hat es unterlassen nachzufragen. Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung, die Ärzte hätten im Bericht vom 1. Juni 2006 auf eine zumutbare Verweisungstätigkeit von 100 % geschlossen ist aktenwidrig, weil sich eine solche Schlussfolgerung aus der Aussage, unter einschränkenden Rahmenbedingungen seien nur noch leichte bis höchstens mittelschwere Arbeiten zumutbar, weder ausdrücklich noch sinngemäss ergibt. 2.2 Die Beschwerde ist nach dem Gesagten insofern begründet, als angesichts der im entscheidwesentlichen Punkt unpräzisen und mit einem erheblichen Mangel behafteten Angaben der Klinik X.________ die Vorinstanz auf einer unvollständig erhobenen Sachverhaltsgrundlage ihr Urteil gefällt hat, was eine Aktenergänzung gebietet. Bei dieser Gelegenheit hat die IV-Stelle zu berücksichtigen, dass der Schmerztherapeut Prof. Dr. med. A.________, Facharzt FMH für Anästhesiologie, Praxis für Schmerztherapie, sich in seinem Bericht vom 21. November 2006 bei weitgehend übereinstimmender Diagnose und für den gleichen Zeitraum lediglich auf eine 50-prozentige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit festgelegt hat. Prof. Dr. med. A.________ hat u.a. eine "Kissing Spine L3-L5" diagnostiziert; gemäss Roche Lexikon Medizin, 5. Auflage 2003, handelt es sich bei diesem (Baastrup)-Syndrom um durch Hyperlordose ausgelöste Neugelenkbildungen (Nearthrosen) zwischen den sich berührenden ("kissing spine") und sich gegenseitig abschleifenden Dornfortsätzen der LWS, welche zu örtlichem Druckschmerz, Kreuzschmerzen und Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule führen. Da im Bericht der Klinik X.________ vom 8. Juni 2006 auf der Höhe L3/4 keine Beeinträchtigung diagnostiziert worden ist, könnte sich hier allenfalls ein zusätzliches Element ergeben, das im Hinblick auf die offene Frage nach dem Umfang der Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen ist.