Citation: 4A_391/2022 E. 3.4.1

3.4.1. Die Beschwerdeführerin postuliert eine Haftung aus Vertrag und macht geltend, entgegen der Vorinstanz komme es für das Entstehen von Sorgfalts- und Treuepflichten der Beschwerdegegnerin ihr gegenüber nicht darauf an, dass im Verhältnis der Parteien keine Vergütung vereinbart worden sei. Auch die Vorinstanz gehe davon aus, dass letztlich immer der Versicherungsnehmer für das Wirken des Brokers, d.h. der Beschwerdegegnerin, aufkomme, sei es direkt durch Entschädigung des den Broker bezahlenden Versicherers oder indirekt über die Versicherungsprämien. Der Vorinstanz ist indes zuzustimmen, dass - mangels einer Entschädigung durch die Beschwerdeführerin - nicht ersichtlich ist, weshalb die Beschwerdegegnerin auch ihr gegenüber eine Verpflichtung, namentlich in Form von Sorgfalts- und Treuepflichten, hätte eingehen wollen. Es ist daher nachvollziehbar, wenn die Vorinstanz erwog, die Regeln über das Direktversicherungsgeschäft seien auf das hier zu beurteilende Rückversicherung sverhältnis nicht anwendbar. Mit ihrem Vorbringen vermag die Beschwerdeführerin zudem nicht aufzuzeigen, dass zwischen ihr und der Beschwerdegegnerin ein Vertragsverhältnis zustandegekommen wäre, welches (vertragliche) Sorgfalts- oder Treuepflichten begründen könnte. Dass dies explizit und schriftlich erfolgt wäre, behauptet die Beschwerdeführerin nicht. Sie bringt auch sonst nichts vor, was einen Verpflichtungswillen der Beschwerdegegnerin ihr gegenüber im Rahmen der von der Vorinstanz zusammengefassten Parteienkorrespondenz aufzeigen oder begründen könnte. Die Vorinstanz lehnte daher eine Haftung der Beschwerdegegnerin aus Vertrag zu Recht ab. Die Beschwerdeführerin scheint mit ihrer Argumentation im Übrigen zu verkennen, dass es ihr unbenommen gewesen wäre, mit der Beschwerdegegnerin ein Vertragsverhältnis einzugehen und dies deutlich - für die Gegenpartei erkennbar - zum Ausdruck zu bringen. Solches verneinte die Vorinstanz ohne Verletzung von Bundesrecht. Die theoretischen Ausführungen und Verweise der Beschwerdeführerin auf die Lehre, wonach unabhängig vom gewählten Entschädigungsmodell vertragliche Pflichten des Versicherungsbrokers gegenüber dem Versicherer bestehen können, gehen daher letztlich an der Sache vorbei. Soweit die Beschwerdeführerin argumentiert, das vorliegende Entschädigungsmodell sei gewählt worden, weil es angesichts der vielen beteiligten Versicherungen nicht praktikabel gewesen wäre, wenn die Beschwerdegegnerin (die Brokerin) von jeder involvierten Versicherung einzeln bezahlt worden wäre, ergeht sie sich in Spekulation und begründet ihre Annahme nicht. Darauf ist nicht einzugehen. Nicht zu folgen ist nach dem vorstehend Gesagten schliesslich dem Argument der Beschwerdeführerin, wonach es aufgrund eines konkludent zustandegekommenen Vertragsverhältnisses im Rahmen der Ausarbeitung der Vertragsunterlagen durch die Beschwerdegegnerin an dieser gewesen wäre, sicherzustellen, dass im Rückversicherungsverhältnis zwischen der D.________ Ltd. und der Beschwerdeführerin "das Rückversicherungsrisiko lege artis, d.h. back-to-back von der Retrozessionärin übernommen" würde, d.h., dass die E.________ Conditions auch im Verhältnis zwischen der D.________ Ltd. und der Beschwerdeführerin Gültigkeit haben würden. Die Vorinstanz verneinte auch ein konkludent zustandegekommenes Vertragsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin aufgrund der Akten schlüssig (oben E. 3.3.2).