Citation: 1C_485/2022 E. 4.3.1

4.3.1. Laut Vorinstanz gelte im Kanton Appenzell Innerrhoden gemäss Art. 10 Abs. 2 VNH/AI in Naturschutzzonen grundsätzlich ein Bauverbot. Davon seien einzig Bauten und Anlagen ausgenommen, die für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Naturschutzzone unbedingt erforderlich seien. Aus welchen Gründen die Bestimmungen der kantonalen VNH/AI den bundesrechtlichen Bestimmungen zur Bewilligung von Bauten ausserhalb der Bauzone vorgehen sollten (Art. 24 ff. RPG), wird jedoch nicht erläutert. Insbesondere wäre darzulegen, inwiefern die in Art. 24c Abs. 2 RPG geregelte erweiterte Besitzstandsgarantie in zulässiger Weise durch die kantonale Gesetzgebung (vgl. Art. 27a RPG) eingeschränkt worden ist. Dabei lässt sich fragen, ob eine kantonale Verordnung dazu eine ausreichende gesetzliche Grundlage darstellt, selbst wenn sie wie vorliegend vom kantonalen Gesetzgeber erlassen worden ist (vgl. MUGGLI/JÄGER, in: Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone, 2017, N. 26 zu Art. 27a RPG). Zudem wäre auch präzise aufzuzeigen, wie sich die Zweckbestimmung von Art. 2 Abs. 3 VNH/AI, wonach Anordnungen so zu treffen sind, dass die Rechte der Eigentümerschaft nicht mehr als notwendig beschränkt werden, mit der vorgenommenen Auslegung von Art. 10 Abs. 2 VNH/AI in Einklang bringen liesse. In Zusammenhang mit der Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201) hat das Bundesgericht festgehalten, es sei nicht davon auszugehen, dass die Besitzstandesgarantie nach Art. 24c RPG auf Verordnungsstufe eingeschränkt werde. Jedoch seien die in der GSchV verfolgten Ziele als öffentliches Interesse anzuerkennen und dementsprechend gemäss Art. 24c Abs. 5 RPG als wichtige Anliegen der Raumplanung einzubeziehen (vgl. Urteile 1C_43/2015 vom 6. November 2015 E. 7.3; 1C_345/2014 vom 17. Juni 2015 E. 4.1.3). So wäre grundsätzlich auch mit den vorliegend einschlägigen Zielsetzungen des Natur- und Heimatschutzes umzugehen, auf welche sich Art. 1 VNH/AI bezieht (vgl. dazu bspw. Urteile 1C_10/2019 vom 15. April 2020 E. 4 und 1C_79/2022 vom 30. September 2022 E. 4 und 6 betreffend ein Grundstück, welches zusätzlich vom Perimeter eines im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung [BLN] verzeichneten Objekts erfasst war).