Citation: 6P.105/2006 02.11.2006 E. 2.3

2.3.1 Die Vollmacht vom 11. Mai 2005, welche Rechtsanwältin B.________ der von ihr eingereichten Nichtigkeitsbeschwerde vom 8. Mai 2006 beilegte, enthielt den offiziellen Vollmachtstext des Zürcher Anwaltsverbandes. Danach wurde die Rechtsanwältin vom Beschwerdeführer betreffend Strafverteidigung "zu allen Rechtshandlungen einer Generalbevollmächtigten mit dem Recht, Stellvertreter zu ernennen, bevollmächtigt". "Die Vollmacht schliesst insbesondere ein: ... Vertretung vor allen Gerichten, ... Ergreifung von Rechtsmitteln ... , Vollzug von Urteilen ...". 2.3.2 Ein solche Generalvollmacht genügt in der Regel auch für das bundesgerichtliche Verfahren (BGE 117 Ia 440 E. 1a mit Hinweisen insbesondere auf Poudret/Sandoz, Commentaire de la loi fédéral d'organisation judiciaire, 1990, N 2.2.3 zu Art. 29). Was gemäss dem zitierten Entscheid für das Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde gilt, muss erst recht für das Verfahren der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde gelten. Dies bedeutet indessen nicht, dass das Bundesgericht von einem Anwalt keine Vollmacht nachfordern kann. Das Nachfordern einer aktuellen Vollmacht rechtfertigt sich unter anderem, wenn Zweifel über den Umfang einer im kantonalen Verfahren ausgestellten Vollmacht bestehen, wenn mithin fraglich ist, ob das vom Anwalt eingereichte Rechtsmittel durch diese Vollmacht gedeckt ist (BGE 117 Ia 440 E. 1b). 2.3.3 Vorliegend wurden wegen der Besonderheit des Falles beide Anwälte zur Nachreichung einer aktuellen Vollmacht aufgefordert, wobei allerdings eine Androhung des Nichteintretens auf die Beschwerde im Säumnisfall unterblieb. Die Besonderheit des vorliegenden Falles besteht darin, dass Fürsprecher A.________ den Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ausfällung des (ersten) Obergerichtsentscheids vom 10. März 2005 als amtlicher Verteidiger vertrat; dass der Beschwerdeführer in der Folge mit Vollmacht vom 11. Mai 2005 Rechtsanwältin B.________ als erbetene Verteidigerin bevollmächtigte, das Urteil des Obergerichts vom 10. März 2005 beim Bundesgericht anzufechten; dass Rechtsanwältin B.________ den Beschwerdeführer auch im neuen Verfahren vor dem Obergericht vertrat, nachdem das Bundesgericht die Sache an dieses zurückgewiesen hatte; dass im Rubrum des (zweiten) Obergerichtsentscheids vom 23. März 2006 neben Rechtsanwältin B.________ als Verteidigerin auch Fürsprecher A.________ als amtlicher Verteidiger figuriert, welchem dieses zweite Urteil "z.K." zugestellt wurde; dass gegen dieses Urteil namens des Beschwerdeführers sowohl Fürsprecher A.________ als auch Rechtsanwältin B.________ - offenbar unabhängig und ohne Wissen voneinander - eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde erhoben, wobei Fürsprecher A.________ auf eine Vollmacht, die sich in den Akten befinde, verwies, und Rechtsanwältin B.________ ihre Vollmacht vom 11. Mai 2005 beilegte. 2.3.4 Dass Rechtsanwältin B.________ innert der erstreckten Frist keine aktuelle Vollmacht nachreichte, weil sie dazu nicht in der Lage war, da der Beschwerdeführer ihr keine neue Vollmacht ausstellte, ist unter den gegebenen Umständen unerheblich. Rechtsanwältin B.________ war aufgrund der ihr vom Beschwerdeführer am 11. Mai 2005 erteilten Generalvollmacht zur Einreichung der vorliegenden eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde bevollmächtigt, da im Zeitpunkt der Einreichung dieser Eingabe der Beschwerdeführer diese Vollmacht nicht widerrufen hatte und nichts darauf hindeutete, dass der Beschwerdeführer nach der Ausfällung des (zweiten) Obergerichtsurteils vom 23. März 2006 einen anderen Rechtsanwalt bevollmächtigt haben könnte, beispielsweise seinen früheren amtlichen Verteidiger, der im zweiten Verfahren vor dem Obergericht inaktiv geblieben war. Im Übrigen besteht zwischen dem vorliegenden Verfahren und dem ersten Verfahren vor dem Bundesgericht, in welchem der Beschwerdeführer durch Rechtsanwältin B.________ vertreten war, ein enger Zusammenhang, geht es doch im vorliegenden Verfahren unter anderem um die Frage, ob die Vorinstanz im hier angefochtenen Entscheid den Weisungen und Erwägungen des Bundesgerichts im Urteil vom 16. November 2005 genügend Rechnung getragen hat. 2.4 Demnach ist davon auszugehen, dass sowohl Fürsprecher A.________ (aufgrund der Vollmacht vom 25. April 2006) als auch Rechtsanwältin B.________ (aufgrund der Vollmacht vom 11. Mai 2005) bevollmächtigt waren, als Vertreter des Beschwerdeführers gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau vom 23. März 2006 Beschwerden an das Bundesgericht zu erheben.