Citation: 2C_372/2023 E. 7.1

7.1. Das Recht auf Achtung des Familienlebens (Art. 8 Ziff. 1 EMRK; Art. 13 Abs. 1 BV) verschafft an sich keinen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BGE 149 I 72 E. 2.1.1; 144 I 266 E. 3.2). Jedoch wird der Schutzbereich dieses Grundrechts berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung zu einer Person mit gefestigtem Anwesenheitsrecht in der Schweiz (z.B. Schweizer Bürgerrecht) beeinträchtigt, ohne dass es ohne Weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, das Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 144 I 266 E. 3.3 mit Hinweisen). Ein derartiger Eingriff in das Familienleben bedarf der Rechtfertigung aufgrund einer Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK (BGE 144 I 91 E. 4.2; 140 I 145 E. 3.1). Diese deckt sich mit der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 36 BV bzw. Art. 96 des Ausländer- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG; SR 142.20) (Urteil 2C_269/2023 vom 9. April 2024 E. 6). Bei ausländerrechtlichen Entfernungsmassnahmen infolge Straffälligkeit sind die individuellen Interessen der Betroffenen und ihrer Angehörigen, im Land zu bleiben bzw. ihre Beziehung weiter im Land leben zu können, und die öffentlichen Interessen daran, dass straffällige Ausländer die Schweiz aus Sicherheitsgründen verlassen, gegeneinander abzuwägen (BGE 142 II 35 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil 2C_348/2020 vom 10. Juli 2020 E. 5.1). Zu berücksichtigen sind dabei namentlich die Art und Schwere der begangenen Straftat, der seit der Tat vergangene Zeitraum und das Verhalten während diesem, die bisherige Aufenthaltsdauer im Land und der Grad der Integration, die sozialen, kulturellen und familiären Bindungen im Aufnahme- und im Herkunftsland, der Gesundheitszustand sowie allgemein die dem Betroffenen und seiner Familie bei einer Ausreise drohenden Nachteile (BGE 139 I 31 E. 2.3.3; Urteile 2C_159/2023 vom 6. Februar 2024 E. 4.3; 6B_191/2020 vom 17. Juni 2020 E. 1.6.2; je mit Hinweisen).