Citation: 1B_411/2020 E. 3.2

3.2. Das Obergericht führt aus, das Verfahren befinde sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Zudem bestehe vom Kerngeschehen eine Videoaufnahme. Der Beschwerdeführer habe indes den Vorwurf, in erheblicher Verletzungs- oder gar Tötungsabsicht gehandelt zu haben, bestritten. Ausserdem habe er sich - zumindest sinngemäss - auf Notwehrhilfe bzw. auf eine Provokation und Bedrohung seines Bruders, F. B.________, berufen. Er habe angegeben, von seinem Bruder telefonisch einen Hilferuf erhalten zu haben. Dieser habe ihm angeblich gesagt, in Lebensgefahr zu sein bzw. in Schwierigkeiten zu stecken. Auf seiner Fahrt nach Urdorf hätten die beiden ein weiteres Mal telefoniert. Zum Tatort sei der Beschwerdeführer im Auto in Begleitung von zwei Männern gekommen. Seine Beteuerung, diese nicht näher zu kennen und nicht instruiert zu haben, werde durch die Videoaufnahme in Frage gestellt. Danach seien die Unbekannten zuerst aus dem Auto gestiegen, scheinbar zielgerichtet auf C. E.________ zugestürmt und hätten diesen unter der Mithilfe von F. B.________ unvermittelt mit Schlägen und Tritten zu Fall gebracht. Der Beschwerdeführer habe seinerseits erst ins Geschehen eingegriffen, als C. E.________ bereits am Boden gelegen habe. Dass F. B.________ beim Eintreffen des weissen Autos in der Tiefgarage von den Gebrüdern E.________ tätlich angegangen oder auch nur geschubst worden wäre, wie der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, lasse sich der Videoaufnahme nicht entnehmen. Eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Gericht erscheine nahe liegend. Es handle sich um schwerwiegende Tatvorwürfe gegenüber mehreren Beschuldigten, wobei zwei Täter bisher nicht hätten gefasst werden können. Das spätere Einschreiten des Beschwerdeführers könne nicht losgelöst von den vorangegangenen Geschehnissen beurteilt werden. Auch seinen Aussagen zufolge seien diese Vorkommnisse ausschlaggebend für sein Handeln gewesen. Die beteiligten Gruppen hätten dazu und insbesondere zur Rollenverteilung und ihren jeweiligen Streitbeiträgen keine übereinstimmenden Angaben gemacht. Ebenso seien die konkreten Umstände, unter denen sich der Beschwerdeführer zum späteren Tatort begab, weitgehend unklar. Auch dazu lägen in wesentlichen Punkten divergierende Aussagen vor. Namentlich stellten die Aussagen von C. E.________ und H.________ die Version des Beschwerdeführers in Frage, wonach er seinen Bruder in Lebensgefahr wähnte bzw. gestützt auf die erhaltenen Informationen und die Wahrnehmungen bei seinem Eintreffen von einer unübersichtlichen und ernsthaften Bedrohungslage ausgehen musste. Die aktenkundige Videoaufzeichnung liefere diesbezüglich keine eindeutigen Aufschlüsse. Entgegen dem Dafürhalten des Beschwerdeführers vermöge daher die Tatsache, dass die Tathandlungen auf Video dokumentiert sind, eine fortbestehende Kollusionsgefahr im Hinblick auf das Hauptverfahren nicht auszuschliessen. Vielmehr seien die Aussagen der Mitbeschuldigten und insbesondere auch jene des Geschädigten C. E.________ und des Zeugen H.________ zu den Tathintergründen bedeutsam für die Beurteilung allfälliger Motive des Beschwerdeführers sowie hinsichtlich der Rollenverteilung, was einen erheblichen Einfluss auf die Schuldfrage und das Strafmass haben werde. Es bestünden konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer die Freiheit zu Beeinflussungsversuchen missbrauchen könnte. Im Tatvorwurf komme eine erhebliche Gewaltbereitschaft zum Ausdruck. Die bekannten involvierten Personen verkehrten zudem alle im selben Kollegenkreis. Laut dem Beschwerdeführer stehe der Geschä digte C. E.________ der Familie B.________ sehr nahe und habe ihr einiges zu verdanken. C. und D. E.________ hätten je mit Schreiben an die Staatsanwaltschaft vom 20. bzw. 21. November 2019 ihr "Desinteresse" an einer Strafverfolgung der Gebrüder B.________ erklärt und dies damit begründet, die "Tätlichkeiten" seien darauf zurückzuführen, dass die "Herren B.________" gereizt worden seien; ihre Reaktion sei somit verständlich gewesen. Weshalb sich die Geschädigten konkret dazu veranlasst gesehen hätten, eine solche Erklärung abzugeben, sei nicht bekannt. Vor dem Hintergrund der Videoaufnahme, dem Verlauf und der scheinbaren Brutalität der Schlägerei nach dem Eintreffen des Beschwerdeführers am Geschehensort seien die Schreiben jedoch objektiv kaum nachvollziehbar. Entsprechend liessen die Desinteressenserklärungen auf eine gewisse Beeinflussbarkeit der Geschädigten schliessen. Gemäss der Aussage von I.________, der am Tatabend im Club als Stellvertreter des Lokalchefs gearbeitet habe, sei die Familie von F. B.________ zu ihnen gekommen und habe nach den Videoaufnahmen gefragt. J.________, ein weiterer Zeuge, der als Gast im Club gewesen sei, habe einen Tatverlauf geschildert, der sich mit den Videoaufnahmen nicht vereinbaren lasse. Insbesondere habe er ausgesagt, der Beschwerdeführer sei mit einer Eisenstange attackiert worden und habe C. E.________ einmal und D. E.________ zweimal mit der Faust geschlagen. Er habe zudem beteuert, die an der Schlägerei Beteiligten nicht zu kennen und mit keinem von ihnen Kontakt gehabt zu haben. Die Frage, weshalb die Verteidigerin von F. B.________ seine Telefonnummer gehabt habe, habe er nicht beantworten können.