Citation: 6B_383/2013 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz nimmt an, die Geschädigte sei bei beiden Anklagesachverhalten einerseits durch einfache Lügen, deren Überprüfung ihr nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar gewesen sei, getäuscht worden. Andererseits habe die Beschwerdeführerin sie von der möglichen Überprüfung abgehalten bzw. habe sie nach den Umständen vorausgesehen, dass die Geschädigte die Überprüfung ihrer Angaben vor dem zeitlichen und existenziellen Hintergrund und angesichts des entstandenen besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. In Bezug auf den ersten Anklagesachverhalt führt die Vorinstanz aus, die Beschwerdeführerin habe der Geschädigten eine ganze Palette von Unwahrheiten aufgetischt. Im Ergebnis habe sie der Geschädigten zumindest eine mehrschichtige Fantasiegeschichte präsentiert. Darin habe sie in eindringlicher und überzeugender Weise das trostlose Bild einer auf sich allein gestellten, arbeitslosen, dreifachen Mutter gezeichnet, die in wirtschaftlich hoffnungsloser Situation und mit illegalem Aufenthaltsstatus in der Fremde zu überleben versuche. Für einen normalen Bürger sei nicht überprüfbar, ob sich eine Person illegal in der Schweiz aufhalte oder über einen geregelten Status verfüge und ob diese Person Kinder habe. Eine solche Überprüfung wäre auch nicht zumutbar. Für die Beschwerdeführerin sei zudem voraussehbar gewesen, dass die Geschädigte, die sie unverkennbar ernst genommen und ihr offensichtlich habe helfen wollen, von einer Überprüfung ihrer Angaben absehen werde. Zudem habe die Beschwerdeführerin eine zeitliche Dringlichkeit und eine unmittelbare existenzielle Notlage vorgespiegelt. Die Beschwerdeführerin habe bewusst ein älteres Opfer ausgesucht, von dem sie mit erhöhter Wahrscheinlichkeit habe erwarten können, dass es mit mehr Mitleid auf die behauptete Situation reagieren würde als ein Durchschnittsmensch. Sodann habe die Beschwerdeführerin sehr schnell erfasst, dass die Geschädigte eine tiefgläubige Person gewesen sei und habe dies ohne Skrupel ausgenutzt (angefochtenes Urteil S. 44 ff.; vgl. auch erstinstanzliches Urteil S. 24 f.). Hinsichtlich des zweiten Anklagesachverhalts erwägt die Vorinstanz, die Beschwerdeführerin habe der Geschädigten mit der Behauptung, ihre drei Jahre alte Tochter sei schwer nierenkrank, liege im Spital Basel und brauche dringend eine sehr kostspielige Nierentransplantation, für welche sie selber aufkommen müsse, erneut Unwahrheiten aufgetischt. Angesichts der vorausgegangenen erfolgreichen Täuschungen und der geschaffen Vertrauensbasis habe sie davon ausgehen können, dass die Geschädigte ihre Angaben nicht überprüfen werde bzw. dass diese gar nicht oder nur mit grösster Mühe überprüfbar gewesen seien. Zudem habe sie die Geschädigte durch geschickte Manipulation davon abgehalten, ihre Angaben zu prüfen (angefochtenes Urteil S. 56 ff.; vgl. auch erstinstanzliches Urteil S. 30 ff.). In Bezug auf die Opfermitverantwortung gelangt die Vorinstanz zum Schluss, die Geschädigte sei für ihre Schädigung nicht in einem Masse selbst verantwortlich gewesen, dass Arglist entfalle. Sie habe als alleinstehende Pensionärin zurückgezogen gelebt. Ihre Schulbildung umfasse 8 Jahre. In ihrer Berufszeit habe sie durchwegs untergeordnete und zudienende Tätigkeiten ausgeführt. Sie sei sehr empfänglich für Hilfe suchende Menschen, verfüge über die Fähigkeit, sich in diese hineinzuversetzen, und sei offensichtlich stets bemüht, Gutes zu tun und Not zu lindern. Aufgrund ihres Alters, ihrer Persönlichkeit, ihrer Lebenssituation und vor allem auch ihres christlichen Weltbildes sei sie nicht in der Lage gewesen, der angeblich notleidenden Beschwerdeführerin gegenüber, für die sie erkennbar tiefes Mitleid empfunden und Sympathien entwickelt habe, mit dem objektiv notwendigen Misstrauen zu begegnen. Sie sei zwar ziemlich unbedarft und - gerade weil sie der Beschwerdeführerin zu viel geglaubt und deren Erklärungen nicht weiter hinterfragt habe - auch leichtsinnig gewesen. Diese Situation habe die Beschwerdeführerin mit ihrem hochdramatischen Auftreten und dem eindringlichen Appell an die herzensgute Geschädigte aber gezielt herbeigeführt und in der Folge schamlos missbraucht und ausgenutzt (angefochtenes Urteil S. 48 ff. und 60 ff.; vgl. auch erstinstanzliches Urteil S. 26 f. und 31 ff.).