Citation: 5C.213/2004 13.01.2006 E. 3

Wird beim Betrieb einer Eisenbahn ein Mensch getötet oder körperlich verletzt, so haftet der Inhaber der Eisenbahnunternehmung für den daraus entstandenen Schaden, sofern er nicht beweist, dass der Unfall durch höhere Gewalt, durch Verschulden Dritter oder durch Verschulden des Getöteten oder Verletzten verursacht ist (Art. 1 Abs. 1 EHG). 3.1 Das Selbstverschulden des Geschädigten oder das Verschulden eines Dritten vermag die Bahnunternehmung dann zu entlasten, wenn es die einzige Unfallursache darstellt oder gegenüber anderen Faktoren, namentlich der Betriebsgefahr der Bahn, an ursächlicher Bedeutung so sehr überwiegt, dass diese als adäquate Mitursache des Unfalls ausscheiden. Haben neben der mit dem Bahnbetrieb normalerweise verbundenen Betriebsgefahr und dem Selbst- oder Drittverschulden noch weitere, von der Bahn zu vertretende Umstände, wie insbesondere das Verschulden von Angestellten der Bahn oder eine über das normale Mass hinausgehende erhöhte Betriebsgefahr den Unfall mitverursacht, so reicht in der Regel auch ein grobes Selbst- oder Drittverschulden nicht aus, die Bahn vollständig von ihrer Haftpflicht zu befreien (BGE 87 II 301 E. 2 S. 306 f.; 102 II 363 E. 3 S. 365 ff. mit Hinweisen). 3.2 Von der Klägerin wird im Grundsatz nicht in Abrede gestellt, dass sie am Unfall ein Selbstverschulden trifft. Ebenso ist anerkannt, dass im Verhalten von Y.________, welcher die Wagentüre nach Abfahrt des Zuges wieder geöffnet hat, ein Drittverschulden zu sehen ist. Strittig ist dagegen die Intensität des Selbst- und Drittverschuldens, sowie die Frage der Kumulation des Verschuldens der Klägerin und desjenigen von Y.________. Zudem macht die Klägerin geltend, auch die Beklagte trage ein Verschulden am Unfall und habe darüber hinaus eine erhöhte Betriebsgefahr zu verantworten.