Citation: U 174/06 14.12.2006 E. 4

4.1 Der Unfall vom 5. Mai 2002 hat zu keinen neuen Gesundheitsschädigungen geführt, welche geeignet wären, die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu beeinträchtigen. Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass schon kurz nach dem Unfall eine deutliche Besserung der zunächst im Vordergrund gestandenen Nacken- und Schulterschmerzen eingetreten ist und der Beschwerdeführer bereits am 27. Mai 2002 die Erwerbstätigkeit im bisherigen Rahmen wieder aufnehmen konnte. Bei den in der Folge geklagten Lumbalgien handelt es sich um ein vorbestehendes chronifiziertes Leiden, welches nicht unfallbedingt ist, wie im Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 19. März 1999 rechtskräftig festgestellt wurde. Nicht unfallbedingt sind sodann die linksseitigen Kieferbeschwerden, welche der Beschwerdeführer nach den Angaben des behandelndem Arztes Dr. med. I.________ erstmals am 12. April 2003 erwähnte. Die am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Z.________ vorgenommene Untersuchung vom 11. Juli 2003 ergab die Diagnose einer Myoathropathie der Kau- und Halsmuskulatur, was nach Meinung von Dr. med. S.________, Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA, ein typisch psychosomatisches Problem ohne fassbares Substrat darstellt (Stellungnahme vom 25. Februar 2004). Im MEDAS-Gutachten vom 31. Dezember 2004 werden Anhaltspunkte für eine neurologische Ätiologie verneint und es wird die Auffassung vertreten, die Schmerzen seien am ehesten auf eine Pathologie im Bereich des Kiefergelenks zurückzuführen. Für diese Annahme sprechen die Feststellungen im Bericht des Universitätszentrums vom 16. April 2004, wonach Anamnese und klinische Untersuchung auf eine Diskopathie im linken Kiefergelenk sowie eine Tendomyopathie hinwiesen, welche zum Teil mit einer Hyperaktivität der Kaumuskulatur zu erklären sei. Im Hinblick darauf, dass die Kieferbeschwerden erstmals rund ein Jahr nach dem Unfall geltend gemacht wurden und laut Bericht des Universitätszentrums Z.________ eine Diskopathie beidseits besteht, ist ein Zusammenhang mit dem Unfall vom 5. Mai 2002 nicht als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten. Das Gleiche gilt für die Beschwerden im linken Ellbogen und Unterarm. Bei der Untersuchung vom 6. Juli 2002 konnte Dr. med. I.________ eine Umfangdifferenz von 1,5 cm am linken Unterarm und ein leichtes Streckdefizit im Ellbogen mit Schmerzdruckpunkten im Bereich des M. biceps und in der Cubita, jedoch keine Hinweise auf einen ossären oder artikulären Defekt feststellen. Bei der MEDAS-Untersuchung im Oktober 2004 liessen sich für die angegebenen Schmerzen im linken Unterarm keine sensiblen oder motorischen Ausfälle finden, was laut Gutachten gegen eine neurologische Genese im Sinne einer radikulären Schmerzsymptomatik spricht. Des Weiteren wird ausgeführt, die linksseitigen Symptome im Bereich der oberen und unteren Extremitäten liessen sich aufgrund der klinisch zu erhebenden Befunde am Bewegungsapparat nicht erklären. Wie bei der Voruntersuchung bestünden zahlreiche nicht organische Zeichen, die auf eine rheumatologisch nicht zu erklärende Symptomausweitung hindeutenden. Von dieser Beurteilung ist umso weniger abzugehen, als sich der Beschwerdeführer beim Unfall vom 28. Oktober 1992 am rechten Ellbogen verletzt hatte und auch damals schon kurz nach dem Unfall keine objektiven Befunde mehr erhoben werden konnten, weshalb weitere Leistungen abgelehnt wurden. Was schliesslich die nach dem Unfall vom 5. Mai 2002 geklagten Sehstörungen betrifft, ist ein Unfallzusammenhang ebenfalls auszuschliessen, nachdem die Abklärungen der SUVA ergeben haben, dass ein angeborener Astigmatismus hyperopicus sowie eine Presbyopie vorliegen, welche in den Jahren 2002 und 2003 zu einer Brillenkorrektur Anlass gaben. 4.2 Aufgrund der medizinischen Akten ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es sich bei den geklagten Beschwerden überwiegend um Symptome einer Somatisierungsstörung handelt, was umso nahe liegender erscheint, weil eine derartige Entwicklung schon im Anschluss an die früheren Unfälle festgestellt worden war. Im psychiatrischen Fachgutachten vom 12. Oktober 2004 wird eine Somatisierungsstörung gemäss ICD-10 F45.0 diagnostiziert, "insofern als Beschwerden durch die somatischen Erkrankungen nicht erklärbar sind". In diesem Zusammenhang ist auf die Rechtsprechung hinzuweisen, wonach auch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität begründet. Vielmehr besteht eine Vermutung dafür, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Etwas anderes ist nur anzunehmen, wenn besondere Umstände gegeben sind, welche eine Überwindung der Schmerzproblematik auch bei Aufbietung der zumutbaren Willensanstrengung nicht erwarten lassen (BGE 131 V 50 Erw. 1.2). Solche Gründe sind hier nicht ersichtlich. Bei den psychiatrischen Untersuchungen wurden akzentuierte Persönlichkeitszüge, aber keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer festgestellt. Zwar ist die Störung laut Gutachten vom 12. Oktober 2004 so weit fortgeschritten, dass die Möglichkeiten zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit vermutlich begrenzt bleiben. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass einer Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit vorab invaliditätsfremde Gründe (anhaltender medico-legaler Konflikt, sekundäre Folgen der Arbeitskarenz, begrenzte Sprachkenntnisse) entgegenstehen. Im Übrigen wird die Auffassung vertreten, die Aufgabe der bis Juli 2003 ausgeübten Erwerbstätigkeit von 50% lasse sich mit einer psychiatrischen Störung nicht erklären. Daraus ist zu schliessen, dass der Schmerzstörung keine invalidisierende Bedeutung zukommt, woran auch die psychiatrisch bestätigte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 30% nichts zu ändern vermag. Sie wird damit begründet, dass der Versicherte hauptsächlich aufgrund der erhöhten "Ablenkung durch die umfangreichen Beschwerden" und der etwas erhöhten Ermüdbarkeit wegen Schlafstörungen in der Ausübung einer den somatischen Beschwerden angepassten Tätigkeit eingeschränkt sei. Wie im Gesamtgutachten ausgeführt wird, ergibt sich daraus jedoch keine zusätzliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Es muss daher bei der Feststellung bleiben, dass keine die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigenden psychischen Unfallfolgen bestehen.