Citation: 9C_421/2010 01.07.2010 E. 4

4.1 Der Wiedererwägungsgrund liegt zwar im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen, dies aber nicht bei der Beweiswürdigung oder anderer Ermessenszüge aufweisender Schritte der Invaliditätsbemessung, sondern in der Anwendung falscher Rechtsregeln im ausserordentlichen Bemessungsverfahren. Wie das Bundesgericht im Urteil I 990/06 (E. 4.2) ausgeführt hat, kann der von der Firma des Beschwerdeführers erwirtschaftete Betriebsgewinn nicht dem Erwerbseinkommen gleichgesetzt werden, und bietet unter den gegebenen Umständen allein das ausserordentliche Verfahren des erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs (BGE 128 V 29 E. 1 S. 30) Gewähr für eine zuverlässige Invaliditätsbemessung. 4.2 Der beschwerdeweise erhobene Einwand, die Rentenzusprechung nach einem reinen Betätigungsvergleich bei Selbstständigerwerbenden sei damals feste Praxis gewesen und deren Änderung unzulässig, ist offensichtlich unbegründet. Denn spätestens seit 1978 stand die gebotene erwerbliche Gewichtung des Ergebnisses aus dem Betätigungsvergleich im Rahmen des ausserordentlichen Verfahrens für die Invaliditätsbemessung Selbstständigerwerbender für die Rechtsadressaten - Versicherungsorgane und versicherte Personen - klar fest (BGE 104 V 135 E. 2c S. 137 unten f.). Wenn nun eine Durchführungsstelle in der Folge eine Invaliditätsbemessung vornahm, welche nicht dieser publizierten, in den folgenden Jahren immer wieder und keineswegs erst mit BGE 128 V 29 bestätigten Rechtspraxis folgte (so AHI 1998 S. 120 E. 1a und S. 252 E. 2b; Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH] Rz. 3103 ff.), liegt darin geradezu ein klassischer Grund zur Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG, der keiner zeitlichen Befristung unterliegt (Urteil I 276/04 vom 28. Juli 2005 E. 2). Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufung auf den öffentlichrechtlichen Vertrauensschutz sind offensichtlich nicht erfüllt (BGE 135 V 201 E. 5 und 6 S. 204 f.), dies darüberhinaus auch deshalb nicht, weil in der abschliessenden Interessenabwägung (BGE 135 V 201 E. 6.2 S. 208) hier das Gebot an der Korrektur eines während vielen Jahren offensichtlich zu Unrecht erfolgten Rentenbezuges prävalierte.