Citation: 6B_1061/2023 E. 1.5.2

1.5.2. Diese rechtliche Beurteilung ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz bejaht eine Vergewaltigung durch Gewaltanwendung zu Recht. Wohl ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, dass die Vorinstanz in ihren rechtlichen Erwägungen im Einzelnen nicht darlegt, inwiefern er der Beschwerdegegnerin 2 körperlich überlegen war und wie genau das "Zurückzwingen" auf das Bett vonstatten ging. Daraus kann er allerdings nichts für sich ableiten. Auf eine körperliche Überlegenheit als solche kommt es nicht an, sondern vielmehr auf die Gesamtheit aller Umstände des Tathandelns. Diesbezüglich hält sich die Vorinstanz in ihrer rechtlichen Würdigung zwar kurz. Unter Berücksichtigung ihrer Ausführungen zum Sachverhalt gibt die Vorinstanz in ihrem Urteil über das konkrete Tatgeschehen, namentlich auch die Rückkehr der Beschwerdegegnerin 2 in das Bett, jedoch hinreichend Aufschluss. So hält die Vorinstanz im Rahmen der Sachverhaltsfeststellung zum Geschehen ab Beginn der zweiten Phase fest, die Beschwerdegegnerin 2 lege detailliert dar, wie sie in einem Moment der Unaufmerksamkeit des Beschwerdeführers vom Bett habe heruntergehen, ihre Unterhose holen und zur Tür laufen können. Als sie, die Unterhose "schon halb angezogen", versucht habe, die abgeschlossene Tür zu öffnen, sei der Beschwerdeführer von hinten gekommen, sei wieder in sie eingedrungen, habe sie genommen und zurück auf das Bett gestossen und ihr die Unterhose ausgezogen. Er habe den Penis alsdann wieder von vorne in die Scheide eingeführt und sie habe erneut "nei, bitte nöd" gesagt und versucht, sich zu wehren (vgl. angefochtenes Urteil E. 2.11.3 S. 35). Die Vorinstanz stützt sich zur Sachverhaltsfeststellung betreffend die zweite Phase - die der Beschwerdeführer wie erwähnt nicht bemängelt (vgl. E. 1.1 und 1.4 oben) - auf die Schilderung der Beschwerdegegnerin 2 ab (vgl. dazu angefochtenes Urteil E. 2.11.3 f. S. 35-38). Damit hat auch der soeben wiedergegebene Geschehensablauf als erstellt zu gelten. Das übersieht der Beschwerdeführer, wenn er anführt, die Vorinstanz mache "nicht geltend", er habe (bereits vor der Tür) seinen Penis von hinten in die Scheide der Beschwerdegegnerin 2 eingeführt. Unter Beachtung insbesondere des besagten Geschehensablaufs steht die objektive Tatbestandsmässigkeit des Verhaltens des Beschwerdeführers ausser Frage: Sein übergriffiges Handeln - das Nachgehen zur Tür, das dortige Eindringen mit seinem Penis in die Beschwerdegegnerin 2 im Stehen sowie das Zurückstossen derselben auf das Bett, wo er den Geschlechtsverkehr schliesslich auf ihr liegend vollzog - geht über das für die Durchführung des blossen Geschlechtsakts Notwendige hinaus und erfüllt den tatbestandlichen Gewaltbegriff nach aArt. 190 Abs. 1 StGB. Indem die Beschwerdegegnerin 2 gemäss dem verbindlichen Sachverhalt ihr Unwohlsein bereits vor dem Aufstehen bzw. während des noch einvernehmlichen Geschlechtsakts gezeigt hat, inmitten des Geschlechtsakts plötzlich aufgestanden ist und versucht hat, das Zimmer zu verlassen, sowie noch danach zurück im Bett mehrmals geäussert hat "nei, bitte nöd" (vgl. dazu angefochtenes Urteil E. 2.11.3 S. 35, E. 3.5 S. 41), hat sie des Weiteren sowohl verbal als auch körperlich hinreichend Gegenwehr geleistet und ihre Ablehnung unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Der Beschwerdeführer hat sich demzufolge mit körperlicher Kraftentfaltung über eine hinreichend tatkräftige und manifeste Willensbezeugung der Beschwerdegegnerin 2 hinweggesetzt, um mit ihr den Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Er muss sich damit den Vorwurf der Anwendung von Gewalt zur Erzwingung des Beischlafs im Sinne von aArt. 190 Abs. 1 StGB gefallen lassen. Die Tatsache, dass sich die Beschwerdegegnerin 2 im Bett letztlich nicht mehr wehrte, sondern den Beschwerdeführer gewähren liess, als er sich auf ihr befand, ändert an diesem Ergebnis nichts. Denn das Opfer einer Vergewaltigung nach aArt. 190 Abs. 1 StGB muss seine einmal gezeigte (verbale oder körperliche) Gegenwehr nicht während der gesamten Dauer des mit Gewalt erzwungenen Akts aufrecht erhalten, sondern darf diese aufgeben, namentlich unter dem Eindruck der Aussichtslosigkeit seiner Abwehrbemühungen (vgl. E. 1.3.4 oben). Eine solche Situation ist hier zu bejahen. So blieben nicht bloss die wiederholten mündlichen Ablehnungsbekundungen der Beschwerdegegnerin 2 erfolglos, sondern sie konnte sich dem Beschwerdeführer selbst mittels Flucht, was von ihr einen besonderen Effort verlangte, nicht entziehen. Zugleich bleibt angesichts der kaum zu übertreffenden Deutlichkeit ihrer Abwehrreaktion kein Raum, um in der Aufgabe der Gegenwehr eine Einwilligung in die Fortsetzung des Geschlechtsakts zu erkennen. Unabhängig davon, ob die Beschwerdegegnerin 2 zuletzt einem Schock unterlag, wie die Vorinstanz annimmt und der Beschwerdeführer in Frage stellt, vermag sich ihre Aufgabe der Gegenwehr auf die Tatbestandsmässigkeit des beschwerdeführerischen Handelns mithin nicht auszuwirken. Das von der Vorinstanz festgestellte Verhalten des Beschwerdeführers in der zweiten Phase des Geschehens erfüllt nach dem Gesagten den objektiven Tatbestand der Vergewaltigung nach aArt. 190 Abs. 1 StGB. Die Kritik des Beschwerdeführers ist unbegründet.