Citation: 5A_767/2015 E. 3.3.1

3.3.1. Nach Art. 229 Abs. 2 ZPO können neue Tatsachen und Beweismittel zu Beginn der Hauptverhandlung unbeschränkt vorgebracht werden, falls weder ein zweiter Schriftenwechsel noch eine Instruktionsverhandlung stattgefunden haben. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll durch den im Zug der Differenzbereinigung zwischen den Räten eingefügten Art. 229 Abs. 2 ZPO sichergestellt werden, dass sich jede Partei grundsätzlich zweimal unbeschränkt äussern kann, entweder im Rahmen eines doppelten Schriftenwechsels oder eines einfachen Schriftenwechsels mit anschliessender Instruktionsverhandlung oder eines einfachen Schriftenwechsels im Rahmen der ersten Parteivorträge an der Hauptverhandlung (BGE 140 III 312 E. 6.3.2.3 S. 314 f.). Die Lehre ist einhellig der Auffassung, mit dem Ausdruck "zu Beginn der Hauptverhandlung" sei gemeint, dass neue Tatsachen und Beweismittel in den ersten Parteivorträgen zu Beginn der Hauptverhandlung (Art. 228 Abs. 1 ZPO) vorgebracht werden können (CHRISTOPH LEUENBERGER, Kommentar zur schweizerischen Zivilprozessordnung, 3 Aufl. 2016, N. 12 zu Art. 229 ZPO; ERIC PAHUD, Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO), Kommentar, 2. Aufl. 2016, N. 21 zu Art. 229 ZPO; LAURENT KILLIAS, Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band II, 2012, N. 19 zu Art. 229; DENIS TAPPY, Code de procédure civile commenté, 2011, N. 20 zu Art. 229 ZPO; MICHAEL WIDMER, Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO), 2010, N. 3 zu Art. 229 ZPO).