Citation: 6B_98/2024 E. 2.4.3

2.4.3. Die Vorinstanz wendet die Rechtsprechung zu Messerstichen und Stichverletzungen ungeachtet der Besonderheiten im konkreten Einzelfall an und bejaht gestützt darauf ein eventualvorsätzliches Handeln. Die Ausgangslage ist indes - wie der Beschwerdeführer zu Recht rügt -, keineswegs vergleichbar. In der vorliegend zu beurteilenden Sache steht für das Bundesgericht verbindlich fest, dass der Beschwerdeführer dem Beschwerdegegner in kurzer Abfolge zwei Stich-/Schnittverletzungen, zunächst am Hals, dann am Unterbauch beibrachte, wobei er mit dem scharfkantigen messerähnlichen Gegenstand ausholte und diesen schwungvoll gegen den Beschwerdegegner zum Einsatz brachte. Der Beschwerdegegner erlitt dadurch eine Schnitt-/Stichverletzung bzw. Hautdurchtrennung auf der linken Halsseite am Übergang zum Nacken über dem trapezförmigen Muskel, eine Stichverletzung bzw. Hautdurchtrennung mit glatten Wundrändern am Unterbauch links sowie zwei Schnittverletzungen bzw. Hautdurchtrennungen mit glatten Wundrändern am rechten Ringfingermittelglied, einmal von fingerwärts nach handgelenkwärts und einmal daumenseitig. Die Vorinstanz geht - obwohl es sich nicht mehr erstellen lässt, ob und gegebenenfalls was für ein Messer im Spiel war - von einem scharfkantigen, messerähnlichen Gegenstand als Tatwaffe aus. Sie hält fest, die genaue Länge der freien Klinge lasse sich den Akten nicht entnehmen. Ebenso wenig stehe fest, wie tief der Beschwerdeführer mit der Klinge in den Unterbauch eingedrungen sei. Wohl halte das Gutachten fest, dass die Wunde tiefer als lang (1 cm) gewesen und auf dem Wundgrund das Unterhautfettgewebe sichtbar gewesen sei. Daraus liessen sich jedoch keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die Tiefe der Verletzung ziehen. Bei der Verletzung am Hals habe das Gutachten im Gegensatz zur Länge der Wunde (0.5 cm) gar keine Angaben zur Tiefe machen und deshalb auch nicht feststellen können, ob es sich dabei um eine Schnitt- oder Stichverletzung handle. Zugunsten des Beschwerdeführers geht die Vorinstanz von einer weniger als 0.5 cm tiefen Schnittverletzung aus. Bei den beiden Verletzungen an der Hand handle es sich klarerweise um oberflächliche Schnittverletzungen. Entsprechend ist vorliegend weder erstellt, welche Tatwaffe zum Einsatz kam, noch welche genaue Beschaffenheit diese hatte. Ebenso geht die Vorinstanz hinsichtlich der Verletzung am Hals aufgrund mangelnder Angaben zur Tiefe zugunsten des Beschwerdeführers von einer weniger als 0.5 cm tiefen Verletzung aus. Die Vorinstanz schliesst einzig vom Umstand, dass es sich bei der Tatwaffe um ein "Messer bzw. einen messerähnlichen Gegenstand" handelte, sowohl auf das Wissen des Beschwerdeführers um die Möglichkeit des Todeseintritts sowie auf seinen Willen, diesen Erfolg herbeizuführen bzw. in Kauf zu nehmen. Damit greift sie zu kurz. Aus der abstrakten Möglichkeit lebensgefährlicher Verletzungen kann nicht ohne Auseinandersetzung mit der konkreten Situation auf einen Tötungsvorsatz geschlossen werden (vgl. Urteil 6B_775/2011 vom 4. Juni 2012 E. 2.5; vgl. oben E. 2.4.2). Die Vorinstanz geht fehl, wenn sie bei der vorliegenden Ausgangslage die Schlussfolgerung zieht, die Möglichkeit einer tödlichen Verletzung habe sich dem Beschwerdeführer beim inkriminierten Stich gegen den Hals und Unterbauch des Beschwerdegegners als so wahrscheinlich aufdrängen müssen, so dass sein Handeln nur als Inkaufnahme des möglichen Todeseintritts ausgelegt werden könne. Vielmehr liegt vorliegend keine Konstellation vor, in der von einem eventualvorsätzlichen Handeln bezüglich der Tötung des Beschwerdegegners auszugehen ist.