Citation: I 63/00 23.10.2001 E. 4

4.- a) Musste eine erstmalige berufliche Ausbildung wegen Invalidität abgebrochen werden, ist gemäss Art. 6 Abs. 2 IVV eine neue berufliche Ausbildung der Umschulung nur gleichgestellt, wenn das während der abgebrochenen Ausbildung zuletzt erzielte Erwerbseinkommen höher war als das nach Art. 24 Abs. 2bis IVG zulässige Höchsttaggeld für Alleinstehende mit den vollen Zuschlägen nach den Art. 24bis und 25 IVG. Art. 6 Abs. 2 IVV stellt somit für Versicherte, die bei Eintritt der Invalidität in einer erstmaligen beruflichen Ausbildung standen und diese invaliditätsbedingt aufgeben mussten, höhere Anforderungen an die Anerkennung einer vor dem Versicherungsfall ausgeübten und damit Anspruch auf eine Umschulung verschaffenden Erwerbstätigkeit, indem Einkünfte realisiert worden sein müssen, welche über dem sonst als Abgrenzungskriterium dienenden ökonomisch bedeutsamen Erwerbseinkommen liegen (BGE 121 V 188 Erw. 3a). Nachdem die Beschwerdegegnerin vor Abschluss ihrer Ausbildung zur Psychiatriekrankenschwester verunfallte, muss vorliegend Art. 6 Abs. 2 IVV zur Anwendung gelangen. Daran ändert nichts, dass sie ihre Lehre nach dem Unfall noch abschliessen konnte. Entscheidend ist, dass im Zeitpunkt des Versicherungsfalles noch kein Lehrabschluss vorlag und die gesundheitliche Beeinträchtigung die Ausübung dieses Berufs in der Folge als ungeeignet und auf die Dauer unzumutbar erscheinen liess (vgl. Arztbericht PD Dr. K._______, Co-Chefarzt der Chirurgischen Klinik des Spitals Y._______, vom 19. August 1996; Gutachten Dr. med. S._______, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie, vom 19. Juni 1996; Stellungnahme des ärztlichen Dienstes der IV-Stelle des Kantons Zürich vom 22. Mai 1998). Weil auf die Verhältnisse bei Eintritt des für die Eingliederungsmassnahme spezifischen Versicherungsfalles abzustellen ist, gestaltet sich die Rechtslage gleich wie bei einem invaliditätsbedingten Abbruch der erstmaligen beruflichen Ausbildung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 IVV (BGE 121 V 188 Erw. 3b). b) Versicherte erhalten in der erstmaligen beruflichen Ausbildung laut Art. 24 Abs. 2bis und 3 IVG in Verbindung mit Art. 21bis Abs. 3 IVV höchstens den Mindestbetrag der Entschädigungen gemäss Art. 9 Abs. 1 und 2 EOG mit den vollen Zuschlägen nach Art. 24bis und 25 IVG. Nur wenn das in der Lehre vor Eintritt des Versicherungsfalles zuletzt erzielte Einkommen diesen Höchstbetrag übersteigt, kann die neu angetretene Lehre als Nachwuchsinformatikerin aufgrund von Art. 6 Abs. 2 IVV als der Umschulung gleichgestellte berufliche Massnahme gelten. Als Alleinstehender hätte der Beschwerdegegnerin nach Art. 9 Abs. 2 EOG im Jahre 1994 eine Mindestentschädigung von Fr. 31.- pro Tag zugestanden (Art. 9 Abs. 2 EOG und Art. 1 und 2 der Verordnung 94 vom 27. September 1993 über die Anpassung der Erwerbsersatzordnung an die Lohnentwicklung [V 94; SR 834. 12] in Verbindung mit Art. 16a EOG und Art. 2 der V 94 [15 % der Gesamtentschädigung von Fr. 205.- ergibt aufgerundet Fr. 31.-]). Zu diesem Ansatz wären der Alleinstehendenzuschlag nach Art. 24bis IVG von Fr. 12.- pro Tag (Art. 22ter IVV in der 1994 gültig gewesenen Fassung) sowie der Eingliederungszuschlag nach Art. 25 IVG von maximal Fr. 27.- pro Tag (Art. 22bis Abs. 1 IVV in Verbindung mit Art. 11 Abs. 1 AHVV, je in der 1994 gültig gewesenen Fassung) gewährt werden. Das somit resultierende Mindesttaggeld von Fr. 70.- hätte die Beschwerdegegnerin an jedem Tag der Eingliederung beanspruchen können, bei Erfüllung der allgemeinen Voraussetzungen somit auch an den in die Eingliederungszeit fallenden Sonn- und Feiertagen. Der minimale Taggeldanspruch hätte sich somit im Jahre 1994 auf Fr. 25'550.- pro Jahr belaufen. Diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin mit ihrem Lehrlingslohn vor Eintritt des Versicherungsfalles (Fr. 19'855.-) indessen bei weitem nicht erreicht, womit eine Qualifikation der Ausbildung zur Nachwuchsinformatikerin als Umschulung aufgrund von Art. 6 Abs. 2 IVV ausser Betracht fällt. Es handelt sich daher bei der neuen beruflichen Ausbildung um eine erstmalige berufliche Ausbildung.