Citation: 4P.209/2005 02.11.2005 E. 3

Das aus Art. 29 Abs. 1 BV fliessende Verbot des überspitzten Formalismus wendet sich gegen prozessuale Formstrenge, die als exzessiv erscheint, durch kein schutzwürdiges Interesse gerechtfertigt ist, zum blossen Selbstzweck wird und die Verwirklichung des materiellen Rechts in unhaltbarer Weise erschwert oder gar verhindert (BGE 128 II 139 E. 2a S. 142 mit Verweisen). Dass tatsächliche Vorbringen und Beweismittel im Zivilprozess bis spätestens zu einem bestimmten Verfahrensstadium eingereicht werden müssen, und dass verspätete Vorbringen aus dem Recht gewiesen werden, entspricht grundsätzlich den Anforderungen an ein geordnetes Verfahren, das innert nützlicher Zeit zu einem Ende geführt werden soll. Die Beschwerdeführerin beanstandet denn auch nicht an sich als verfassungswidrig, dass die urnerische Zivilprozessordnung Noven im kantonalen Berufungsverfahren nur zulässt, wenn die Verspätung entschuldbar ist. Sie geht aber zu Unrecht davon aus, dass sie keinen Anlass gehabt habe, den "Aussendienstvertrag" als Handelsreisendenvertrag im Sinne der Art. 347 ff. OR anzusehen. Da sie mit der Anwendung der einschlägigen Bestimmungen rechnen musste, hätte sie die Möglichkeit gehabt, die von ihr insoweit für rechtserheblich erachteten Tatsachen rechtzeitig zu behaupten und die entsprechenden Beweismittel einzureichen oder zu beantragen. Die Rüge, das Obergericht habe das Verbot des überspitzten Formalismus missachtet, ist unbegründet.