Citation: 1A.186/1999 04.05.2000 E. 7

7.- a) Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, die angeordnete Wiederherstellung sei unverhältnismässig. Es lägen keine schutzwürdigen öffentlichen Interessen vor, die das private Interesse an der Erhaltung der vorliegend geschaffenen Werte bzw. die Eigentumsgarantie überwögen. Zu berücksichtigen sei insbesondere das eindeutige Volksmehr zur Revision des RPG, mit dem die Erweiterung von Nebenverdienstmöglichkeiten auch mit baulichen Massnahmen bejaht worden sei. Der Neubau störe das Erscheinungsbild des Weilers in keiner Art und Weise und genüge den Anforderungen auf Identitätswahrung des Stöcklis. Hinzu komme, dass die Erstellung eines Querfirstes mit erheblichen ästhetischen, energie- und lichttechnischen Nachteilen verbunden wäre und technisch überhaupt unmöglich sei, weshalb das Verwaltungsgericht von einer Wiederherstellung hätte absehen müssen, statt die Akten zur Lösung der technischen Probleme an die BVE zurückzuweisen. Die Wiederherstellungsmassnahmen würden zudem die finanziellen Möglichkeiten des Beschwerdeführers übersteigen. b) Die Sanktion des Abbruchs bzw. der Wiederherstellung ist unzulässig, wenn die Abweichung gegenüber dem Gesetz gering ist und die berührten allgemeinen Interessen den Schaden, der dem Eigentümer durch den Abbruch entstünde, nicht zu rechtfertigen vermögen. Zwar kann sich auch ein Bauherr, der nicht gutgläubig gehandelt hat, gegenüber einem Abbruchbefehl auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit berufen. Er muss aber in Kauf nehmen, dass die Behörde aus grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und der baurechtlichen Ordnung, den Interessen an der Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes erhöhtes Gewicht beilegen und die dem Bauherrn allenfalls erwachsenden Nachteile nicht oder nur in geringerem Masse berücksichtigen (BGE 111 Ib 213 E. 6b S. 224 mit Hinweis). c) Im Lichte dieser Rechtsprechung ist die Wiederherstellungsverfügung nicht zu beanstanden. Nach dem in vorstehender Erwägung 5 Ausgeführten ist der erstellte Anbau in erheblichem Ausmass baurechtswidrig und kann nicht von einer geringfügigen Abweichung vom Gesetz gesprochen werden. Ob der Anbau in seiner heutigen Form keinen zusätzlichen Boden beansprucht, ist nicht entscheidend (vgl. BGE 114 Ib 317). Die Trennung des Siedlungsgebietes vom Nichtbaugebiet gehört zu den fundamentalen raumplanungsrechtlichen Prinzipien (vgl. BGE 119 Ia 300 E. 3b S. 303; 119 Ib 124 E. 2a S. 127 f.). An der konsequenten Verhinderung von Bauten, die dieser Ordnung wie auch der übrigen baurechtlichen Ordnung widersprechen, besteht ein grosses öffentliches Interesse (vgl. BGE 124 II 538 E. 2c). Demgegenüber erscheinen die dem Beschwerdeführer aus der Wiederherstellung erwachsenden finanziellen Nachteile, wie das Verwaltungsgericht zutreffend darlegte, als nicht so schwerwiegend, dass deshalb auf die Wiederherstellung aus Gründen der Verhältnismässigkeit verzichtet werden dürfte. Dies umso weniger, als der Beschwerdeführer sich die Kosten seines rechtswidrigen Vorgehens selber zuzuschreiben hat und nicht geduldet werden kann, dass der Schutz der baurechtlichen Ordnung durch eigenmächtiges Handeln leichthin in Frage gestellt wird. Zu berücksichtigen ist namentlich, dass die kantonalen Behörden bereits auf eine vollumfängliche Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes verzichtet haben, indem sie lediglich die Änderung der Dachgestaltung verlangten. Die vom Beschwerdeführer behaupteten technischen Schwierigkeiten und die Nachteile der Erstellung eines Daches mit Querfirst, mögen die erheblichen öffentlichen Interessen, den von den kantonalen Behörden zu Recht als gesetzmässig befundenen Zustand wenigstens teilweise herzustellen und das Stöckli mit dem Anbau wieder als Einheit in Erscheinung treten zu lassen, nicht zu überwiegen. Insbesondere ist aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers und nach den Ausführungen des Verwaltungsgerichts nicht davon auszugehen, dass die behaupteten technischen Schwierigkeiten einer Querfirstkonstruktion unlösbar sind. Auch geht es nicht an, die Unverhältnismässigkeit der Wiederherstellung mit Schwierigkeiten oder Nachteilen eines Querfirstes infolge der gegenüber der Baubewilligung erweiterten Grundfläche des Anbaus zu begründen, nachdem die kantonalen Behörden bereits in grosszügiger Auslegung des Verhältnismässigkeitsprinzips auf eine Reduktion der Grundfläche verzichtet haben. Schliesslich ist es auch nicht zu beanstanden, dass das Verwaltungsgericht die Eignung und Notwendigkeit der angeordneten Wiederherstellungsmassnahmen zur wenigstens teilweisen Erreichung der gesetzlichen Ziele bejaht hat, wozu auf seine zutreffenden Erwägungen verwiesen werden kann. Insbesondere ist unter den gegebenen Umständen auch eine vom Beschwerdeführer vorgeschlagene Bewilligung unter der Auflage, das Gebäude nicht dem Zweck zu entfremden, zur Erreichung der gesetzlichen Ziele ungenügend, da der Anbau nach dem vorstehend Ausgeführten bereits mit seiner heutigen Zweckbestimmung der gesetzlichen Ordnung widerspricht.