Citation: 2C_294/2023 E. 6.7.1

6.7.1. Die Vorinstanz führte aus, die Definition, dass extreme Witterung kumulativ Kälte, Nässe und Wind voraussetze, widerspreche neuesten Erkenntnissen der Verhaltensforschung, wonach unter Umständen ein Witterungselement alleine genüge, um Schafe zu veranlassen, einen Witterungsschutz aufzusuchen. Dabei stützte sie sich auf Körner und andere, a.a.O., S. 129 f. und 139 f., die ihrerseits (auf S. 139 und 143 f.) auf die Studie Piirsalu und andere verweisen. Diese Studie untersuchte das Verhalten von Schafen, denen ein künstlicher Witterungsschutz (Scheune, Folientunnel) zur Verfügung stand, in Relation zu den jeweiligen Witterungsbedingungen. Sie zeigt u.a. eine Korrelation zwischen der Umgebungstemperatur und der Anzahl Schafe auf, die einen verfügbaren Witterungsschutz tatsächlich nutzten: Je tiefer die Temperatur war, desto mehr Schafe hielten sich drinnen auf. Entsprechende Korrelationen bestehen auch in Bezug auf Windkälte ("wind chill") und Luftfeuchtigkeit; zudem nutzen Schafe den Schutz bei Wind häufiger, wenn dieser direkt auf sie auftrifft, als wenn die Windrichtung von Bäumen, Gebäuden oder sonstigen Hindernissen geändert wird (Piirsalu und andere, a.a.O., S. 6 und 8). Damit wird die Argumentation der Vorinstanz durch die Studie jedenfalls insofern gestützt, als die höhere Intensität einzelner Witterungsfaktoren (tiefere Temperatur, feuchtere Luft etc.) zumindest einen Teil der Schafe vermehrt zum Aufsuchen eines Witterungsschutzes veranlasst. Der Beschwerdeführer bestreitet dies nicht. Er betont im Wesentlichen nur, dass die Korrelation zwischen den Witterungsfaktoren und der Anzahl Schafe im Witterungsschutz nach dieser Studie schwach sei und dass Schafe namentlich auch bei sehr tiefen Temperaturen mehrheitlich draussen blieben. Das mag zutreffen, ist aber insofern nicht entscheidend, als das Tierschutzrecht nicht bezweckt, die Mehrheit der Tiere einer Gruppe zu schützen, sondern das Wohlergehen jedes einzelnen Tieres (vgl. Urteile 2C_416/2020 vom 10. November 2020 E. 4.2.1; 2C_958/2014 vom 31. März 2015 E. 4.2.3). Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Studie sich primär auf Kälte bezieht und andere Faktoren zum Teil wenig oder gar nicht berücksichtigt, namentlich die Nässe des Bodens. Sie hat daher für den vorliegenden Sachverhalt nur begrenzte Aussagekraft.