Citation: U 222/05 21.03.2006 E. 6

6.1 Nach der unbestrittenen Darstellung der Versicherten befand sie sich im Zeitpunkt des strittigen Ereignisses auf einer steil abfallenden Treppe im Freien, führte mit der rechten Hand einen 25 bis 30 kg schweren Einkaufswagen und trug in der linken Hand Mineralwasserflaschen mit einem Gesamtgewicht von 9 kg, als der Einkaufswagen kippte und sie diesen reflexartig mit der linken Hand aufzufangen versuchte. Dabei verlor sie das Gleichgewicht und fiel auf die Knie. Gleichzeitig verspürte sie einen Schmerz in der linken Schulter. 6.2 Entgegen dem Vorgehen der SUVA sind die Körperbewegungen nicht isoliert zu beurteilen, sondern der Bewegungsablauf ist - sowohl in rechtlicher wie sachverhaltlicher Hinsicht - gesamthaft zu betrachten (Urteil B. vom 4. November 2005, K 90/03). So gesehen stellt das Geschehen vom 31. Dezember 2003 eine heftige Bewegung dar, die eine durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderung der Körperlage mit sich brachte. Die Reflexbewegung mit dem linken Arm wurde durch das nicht unbeachtliche Gewicht in der linken Hand derart gestört, dass die Versicherte das Gleichgewicht verlor und auf die Knie fiel. Gleichzeitig verspürte sie einen Schmerz in der linken Schulter. Es hat somit eine physiologische Bewegung stattgefunden, der ein zwar nicht ungewöhnliches, jedoch gegenüber dem normalen Gebrauch der Körperteile gesteigertes Gefährdungspotential (nicht unbeachtliches Gewicht an beiden Händen) innewohnte (BGE 129 V 470 Erw. 4.2.2 und 4.2.3). Demnach ist ein äusseres Ereignis im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV zu bejahen. Da auch die übrigen Tatbestandsmerkmale (plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung auf den menschlichen Körper) erfüllt sind, ist die SUVA dem Grundsatz nach für die Folgen der am 31. Dezember 2003 zugezogene Muskelzerrung im linken Schulterbereich leistungspflichtig. Daran ändern auch die degenerativen Befunde nichts, da es nach der Rechtsprechung genügt, wenn ein äusseres Ereignis erstellt ist, welches zumindest im Sinne eines Auslösungsfaktors die eingetretene Gesundheitsschädigung bewirkt hat (BGE 129 V 466 Erw. 2.1 mit Hinweis; vgl. auch Urteil S. vom 27. Juni 2001, U 127/00, Urteil S. vom 27. Juni 2001, U 158/00, sowie Urteil R. vom 27. Juni 2001, U 92/00). 6.3 Nach dem Gesagten ist die SUVA im Grundsatz für die Folgen der am 31. Dezember 2003 erlittenen Muskelzerrung im Bereich der linken Schulter leistungspflichtig. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass die im Zeitpunkt der Leistungsablehnung bestehenden Beschwerden alle auf die unfallähnliche Körperschädigung zurückzuführen sind. Auf Grund der Akten lässt sich diese Frage nicht abschliessend beurteilen. Insbesondere ist aus dem Bericht des Dr. med. O.________ nicht ersichtlich, inwiefern die medizinische Behandlung, welche den vom erstbehandelnden Arzt prognostizierten Zeitrahmen von vier bis sechs Wochen übersteigt und sich auf weitere Körperteile ausgedehnt hat (cervicospondylogenes Syndrom, HWS-Beschwerden), durch die zugezogene Muskelzerrung indiziert war. Die Sache ist deshalb an die SUVA zurückzuweisen, damit sie abkläre, welche der geklagten Beschwerden auf die erlittene unfallähnliche Körperschädigung zurückzuführen sind, und hernach über den Anspruch auf Taggelder sowie - bei allfälligen langfristigen Auswirkungen - über den Anspruch auf eine Rente sowie eine Integritätsentschädigung entscheide.