Citation: U 205/03 15.06.2005 E. 5

5.1 Gemäss der Vorinstanz kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer am 23. Oktober 1995 ein Schleudertrauma oder eine schleudertraumaähnliche Verletzung erlitten hat. Sie stuft die Kollision als eher bagatelläres Unfallereignis ein, bei dem es sich nicht um ein typisches Geschehen mit wahrscheinlicher Schleudertraumafolge gehandelt hat. Der Beschwerdeführer habe bei der seitlichen Streifkollision der zwei nebeneinander fahrenden Personenwagen keine unmittelbaren körperlichen Verletzungen erlitten und keine sofortige ärztliche Betreuung benötigt. Erst am 28. Oktober 1995, dem fünften Tag nach dem Unfall, habe er den Hausarzt aufgesucht, obwohl er bereits im Verlauf des zweiten Tages nach dem Unfall Beschwerden in der Halsgegend verspürt haben wolle. Es lägen jedoch keine gesicherten medizinischen Erkenntnis darüber vor, dass solche Beschwerden in der Hals- und Nackenregion tatsächlich innert 24 bis 72 Stunden nach dem Unfall aufgetreten seien. Der erstbehandelnde Hausarzt habe für die ersten zehn Monate nach dem Unfall ausschliesslich so genannte "Arztzeugnisse UVG" mit kürzester Befundbeschreibung und keine anderen Arztberichte ausgestellt, und seine Befunde liessen keineswegs zwingend auf eine HWS-Distorsion schliessen. Erst ein Jahr nach dem Unfall seien auf Beschreibung des Patienten hin von ärztlicher Seite erstmals und rückwirkend Beschwerden festgehalten worden, die den Schluss auf das Vorliegen von zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zulassen würden. 5.2 Der Beschwerdeführer hält dagegen, bei der Kollision vom 23. Oktober 1995 könne nicht von einem bagatellären Verkehrsunfall gesprochen werden. Infolge des seitlichen Kollidierens des unfallverursachenden Personenwagens sowie des abrupten Aufpralls des eigenen Fahrzeugs am Trottoirrand habe er innert kürzester Zeit zwei schlagartig eintretende Beschleunigungsmechanismen am Oberkörper und am Kopf erlitten. Unmittelbar nach dem Unfall sei er kurz benommen gewesen, im Verlaufe des zweiten Tages nach dem Unfall habe er kontinuierlich zunehmende, vom Nacken aufziehende Schmerzen verspürt. Er habe nicht gleich einen Arzt aufgesucht, weil er die Beschwerden als solche empfunden habe, die nach wenigen Tagen wieder abklingen würden. Als sie in den folgenden zwei bis drei Tagen immer mehr zugenommen hätten und zu erheblichen Bewegungseinschränkungen führten, habe er sich am 28. Oktober 1995 zu seinem Hausarzt in Behandlung begeben. Alle involvierten Ärzte hätten ein Schleudertrauma der HWS respektive eine äquivalente Verletzung diagnostiziert und keiner habe Zweifel daran geäussert. Die Vorinstanz sei willkürlich und ohne sich auf eine medizinische Grundlage stützen zu können davon abgewichen. 5.3 Für die Beschwerdegegnerin war die seitliche Streifkollision am 23. Oktober 1995 keineswegs derart gravierend, wie es der Beschwerdeführer gegenüber den Ärzten und den Gerichten glaubhaft machen wolle. Auf Grund des fotografisch dokumentierten Schadenbildes könne der Unfall nicht so stattgefunden haben, wie es der Beschwerdeführer angebe. Das unfallverursachende Fahrzeug habe den Wagen des Beschwerdeführers auf der Seite von vorne nach hinten "gekratzt" und es habe sich augenscheinlich überhaupt keine relevante Auffahrkollision ereignet. Die Ärzte hätten ab einem gewissen Zeitpunkt ungeprüft die unzutreffende, weil gar nicht mögliche Unfallversion des Beschwerdeführers übernommen. Keiner habe sich die Mühe genommen, den Unfallhergang zu verifizieren und die polizeilichen Akten beizuziehen. Über den Verlauf der Beschwerden in den ersten drei Tagen nach der Kollision sei nichts dokumentiert. Es sei ausgeschlossen und mit dem konkreten Unfallhergang nicht vereinbar, dass der Beschwerdeführer innerhalb kürzester Zeit zwei vollständig verschiedenen Unfall- und Beschleunigungsmechanismen der Wirbelsäule ausgesetzt gewesen sei. Eine relevante HWS-Verletzung des Beschwerdeführers aus dem Schadenfall vom 23. Oktober 1995 sei mit Sicherheit auszuschliessen.