Citation: 5C.1/2001 02.04.2001 E. 5

5.- Die Klägerin wendet gegen das angefochtene Urteil ein, der Beklagte widersetze sich ihrer Scheidungsklage nach Art. 115 ZGB rechtsmissbräuchlich. Dass das endgültige Scheitern der Ehe im Rahmen von Art. 114 ZGB abgewartet werden müsse, sei bei einer blossen Scheinehe zwecklos. Deshalb müsse ihr Interesse an der sofortigen Auflösung der Ehe gegen dasjenige des Beklagten an der Fortsetzung abgewogen werden. Ob Art. 114 ZGB von der scheidungsunwilligen Partei überhaupt rechtsmissbräuchlich angerufen werden kann, ist fraglich, kann aber offen bleiben, weil rechtsmissbräuchliches Verhalten des Beklagten ohnehin nicht nachgewiesen wäre: Das Obergericht hat offen gelassen, ob auch der Beklagte die Ehe nur zum Schein eingehen wollte; denn dieser behauptete, er liebe die Klägerin immer noch und warte auf deren Rückkehr. Steht somit nicht fest, dass der Beklagte aus anderen als den geschilderten Gründen an der Ehe festhalten will, scheitert der Vorwurf der Klägerin, der Beklagte widersetze sich rechtsmissbräuchlich der Scheidung. Denn für diese rechtliche Schlussfolgerung fehlen die erforderlichen Tatsachenfeststellungen (Art. 63 Abs. 2 OG; BGE 121 III 60 E. 3d S. 63; 107 II 172 E. 2 S. 178 je mit Hinw.). Die Klägerin hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (Art. 8 ZGB) und kann eine Rückweisung der Sache zur Ergänzung des Sachverhalts unter dem Gesichtswinkel des Rechtsmissbrauchs nicht erwirken, weil sie nicht mit Aktenhinweisen belegt, dass sie entsprechende Beweisanträge prozesskonform gestellt hat, die übergangen worden sind (Art. 64 Abs. 1 OG; BGE 119 II 353 E. 5c/aa S. 357; 115 II 484 E. 2a).