Citation: 2C_17/2018 E. 2.2.2

2.2.2. Die Beschwerdeführerin wurde im abgekürzten Strafverfahren mit rechtskräftigem Entscheid des Kreisgerichts Rheintal vom 4. November 2015 wegen Betrugs und Betrugsversuchs zu Lasten der Sozialversicherungsanstalt zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt. Die begangene Rechtsgutverletzung hat als schwerwiegend zu gelten, wurde doch gerade Betrug zum Nachteil von Sozialversicherungsanstalten als besonders verwerfliche Verhaltensweise, die einen Landesverweis zu rechtfertigen vermag, im Sinne einer Anlasstat in Art. 121 Abs. 3 lit. b BV verankert, was auslegungsweise bei der Interessenabwägung berücksichtigt werden kann (BGE 139 I 16 E. 5.3 S. 31; 139 I 31 E. 2.3.2 S. 34; Urteil 2C_822/2016 vom 31. Januar 2017 E. 3.3.1). Auch das im Strafmass von 21 Monaten Freiheitsstrafe zum Ausdruck gebrachte Verschulden der Beschwerdeführerin ist als schwerwiegend einzustufen: Gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 28. April 2015, welche angesichts dessen, dass das Strafurteil im abgekürzten Verfahren erging, für die Tatumstände und die Frage des Verschuldens massgeblich ist und gestützt auf Art. 105 Abs. 2 BGG berücksichtigt werden kann (oben, E. 2.1), hat die Beschwerdeführerin zusammen mit E.________, die als ihre Dolmetscherin fungierte, ein Scheinbild ihres psychischen Gesundheitszustandes errichtet und gepflegt. Dies tat sie durch unwahre Angaben und Zurschaustellung eines von schwerer Krankheit gezeichneten Daseins, das ihr eine Arbeit, die Betreuung der Kinder, die Besorgung des Haushaltes, den Unterhalt von sozialen Kontakten und die Ausübung alltäglicher Verrichtungen ohne fremde Hilfe verunmögliche. Die Beschwerdeführerin täuschte mit Hilfe von E.________ die für die Zusprechung von Leistungen der Invalidenversicherung zuständigen Personen und medizinischen Fachpersonen spätestens ab Sommer 2007 über ihren Gesundheitszustand, um bei diesen über ihre Arbeitsfähigkeit einen Irrtum hervorzurufen und diesen aufrechtzuerhalten, wodurch ihr ermöglicht werden sollte, ihren Lebensunterhalt und (teilweise) jenen der Familie auf Dauer zu bestreiten sowie in ihrem serbischen Heimatstaat den Bau eines Hauses zu finanzieren. Sowohl die Beschwerdeführerin wie auch E.________ wussten, dass die Beschwerdeführerin an den von ihr geltend gemachten Beschwerden nicht in einem invalidisierenden Ausmass litt und sie demzufolge keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hatte. In Tat und Wahrheit sei die Beschwerdeführerin spätestens ab Sommer 2007 (wieder) eine vitale, lebenstüchtige, sozial unauffällige bis aufgeschlossene, auf eine modische Erscheinung und teilweise aufwändige äussere Aufmachung bedachte junge Frau gewesen, die Festivitäten (grosse Familienfeste, Diskothekenbesuche) schätzte und Freude am ab 2007 in der serbischen Heimat u.a. mit Mitteln aus den IV-Zahlungen gebauten Hause hatte und dauernd in der Lage war, ihre Kinder liebevoll und aufmerksam zu betreuen und zu erziehen, mit diesen und der Familie längere Freizeitaktivitäten zu bestreiten (Freibadbesuche, Picknicks, Durchführung von Kindergeburtstagen, Kindergartenbesuche, Besuch Fasnachtsumzug), mit Ehemann und/oder anderen Familienangehörigen (darunter auch E.________) Ausflüge, Kurzurlaube, Ferien zu machen, Einkäufe selbstständig zu tätigen und Haushaltsarbeiten auszuführen. Auch hatte die Beschwerdeführerin keine Mühe damit gehabt, sich länger als eine Stunde und ungezwungen ausserhalb der eigenen vier Wände aufzuhalten. Aufgrund ihrer Täuschungen erwirkte die Beschwerdeführerin eine Rentenverfügung und erhielt ab November 2009 bis Mai 2012 Zahlungen der Invalidenversicherung im Betrag von Fr. 258'944.--, welche die Sozialversicherungsanstalt bei Kenntnis des tatsächlichen Sachverhalts nie erbracht hätte. Während den laufenden Abklärungen und auch nach der Einreichung einer Strafanzeige am 31. Januar 2013 erbrachte die Sozialversicherungsanstalt noch bis im Juni 2013 weitere Rentenbeträge von Fr. 53'204.--. Wären die Täuschungen der Beschwerdeführerin nicht aufgedeckt worden, wäre der Sozialversicherungsanstalt bei gleichbleibender Rentenpflicht ein zusätzlicher Schaden von Fr. 1'227'082.-- bis zur Pensionierung der Beschwerdeführerin bzw. bis zur Volljährigkeit ihrer Kinder entstanden. Die systematische Vorgehensweise, mit welcher die Beschwerdeführerin durch die Errichtung und Aufrechterhaltung eines Lügengebäudes ihrer Familie und sich den Aufenthalt in der Schweiz finanzieren lassen wollte, sprechen für eine beträchtliche kriminelle Energie, indizieren ein gravierendes ausländerrechtliches Verschulden und begründen ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Ausreise der Beschwerdeführerin.