Citation: 6B_1241/2023 E. 1.4.1

1.4.1. Die Vorinstanz begründet ausreichend und willkürfrei, weshalb sie von einer Reaktionszeit des Beschwerdeführers von einer Sekunde ausgeht. Unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung erwägt sie, die sogenannte Bremsreaktionszeit betrage Untersuchungen zufolge selbst bei einer erhöhten Bremsbereitschaft mindestens eine Sekunde. Geringere Werte von 0,7 bis 0,8 Sekunden Reaktionszeit könnten nur erreicht werden, wenn der Lenker seinen Blick ununterbrochen auf das vorausfahrende Fahrzeug richte und ein abruptes Abbremsmanöver erwarte. Dies könne in tatsächlicher Hinsicht nicht angenommen werden. Vielmehr müsse aufgrund der Sorgfalts- und Vorsichtspflichten des Beschwerdeführers davon ausgegangen werden, dass er seine Aufmerksamkeit auf den gesamten Verkehr und nicht nur den vor ihm fahrenden Lieferwagen gerichtet habe. Überdies sei ausgeschlossen, dass er über eine Distanz von 380 Metern mit einem jederzeitigen abrupten Bremsmanöver gerechnet habe. Wäre dies der Fall gewesen, hätte er zweifelsfrei einen deutlich grösseren Abstand hergestellt, da er über eine langjährige Fahrpraxis verfüge und die Abstandsvorschriften demnach kennen müsse. Es sei somit von einer Bremsreaktionszeit von einer Sekunde auszugehen. Damit stehe fest, dass selbst ein kürzerer Bremsweg seines Fahrzeugs unter Berücksichtigung sämtlicher genannten Faktoren den zu geringen Abstand nicht hätte ausgleichen können (vgl. Urteil S. 5 f.). An diesen Ausführungen ist nichts zu beanstanden. Insgesamt vermögen die Einwände des Beschwerdeführers keine Willkür in der vorinstanzlichen Würdigung darzulegen. Soweit der Beschwerdeführer eine tiefere Reaktionszeit mit Blick auf weitergehende Studien begründet, da diese kürzere Bremsreaktionen belegten, kann ihm nicht gefolgt werden. Zwar zeigt die von ihm zitierte wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 1981 auf, dass 50 % der Testpersonen Werte von 0,61 Sekunden für die Einleitung des Bremsmanövers benötigten. Dies jedoch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Testperson den Blick ausschliesslich auf das vorausfahrende Fahrzeug gerichtet hatte (M. BURCKHARDT UND ANDERE, Die Brems-Reaktionsdauer von Pkw-Fahrern, in: JÜRG BOLL, Grobe Verkehrsregelverletzung, 1999, S. 55 ff.). Diesen Faktor berücksichtigt die Vorinstanz, indem sie erwägt, der Beschwerdeführer habe seine Aufmerksamkeit auf den gesamten Verkehr und nicht nur auf den vor ihm fahrenden Lieferwagen gerichtet, womit sie folgerichtig eine höhere Reaktionszeit festsetzt. Mit der blossen Behauptung, er habe sich freilich auf den vor ihm fahrenden Lieferwagen fokussiert und grundsätzlich Bremsbereitschaft erstellt, vermag der Beschwerdeführer keine Willkür in der gegenteiligen vorinstanzlichen Feststellung aufzuzeigen. Als unbehelflich erweist sich auch der Hinweis des Beschwerdeführers auf das "Kölner Modell". Bei dem von ihm geltend gemachten Medianwert von 0,6 Sekunden wurde die sog. Blickzuwendungszeit noch nicht berücksichtigt (vgl. HANS BÄUMLER, Reaktionszeiten im Strassenverkehr, in Zeitschrift Sachverständige, Heft 2/2009, S. 80). Es ist - wie bereits erwähnt - unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer seine Aufmerksamkeit auf den gesamten Verkehr gerichtet und demnach die Bremsreaktionszeit auf eine Sekunde festgelegt hat. Sofern die sachverhaltliche Kritik des Beschwerdeführers überhaupt den erhöhten Begründungsanforderungen genügt (vgl. Art. 42 Abs. 2 i.V.m. Art. 106 Abs. 2 BGG), vermag er nicht aufzuzeigen, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung und Sachverhaltsfeststellung schlechterdings unhaltbar sein sollten. Somit ist auch der Grundsatz "in dubio pro reo" als Beweiswürdigungsregel vorliegend nicht verletzt (vgl. BGE 148 IV 409 E. 2.2; 146 IV 88 E. 1.3.1).