Citation: 1P.228/2005 20.04.2005 E. 3

3.1 Als erstes macht der Beschwerdeführer geltend, der allgemeine Haftgrund des dringenden Tatverdachts sei nicht gegeben. 3.2 Bei der Überprüfung des allgemeinen Haftgrundes des dringenden Tatverdachts hat das Bundesgericht im Gegensatz zum erkennenden Sachrichter keine erschöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender Beweisergebnisse vorzunehmen. Macht ein Inhaftierter geltend, er befinde sich ohne ausreichenden Tatverdacht in strafprozessualer Haft, ist jedoch zu prüfen, ob aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat und eine Beteiligung des Beschwerdeführers an dieser Tat vorlie gen, die kantonalen Behörden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejahen durften. Im Haftprüfungsverfahren genügt dabei der Nachweis von konkreten Verdachtsmomenten, wonach das inkriminierte Verhalten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllt (BGE 116 Ia 143 E. 3c S. 146). Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen lässt dabei nur wenig Raum für ausgedehnte Beweismassnahmen. Zur Frage des dringenden Tatverdachts bzw. zur Schuldfrage hat der Haftrichter weder ein eigentliches Beweisverfahren durchzuführen noch dem erkennenden Strafrichter vorzugreifen (BGE 124 I 208 E. 3 S. 210, mit Hinweisen). 3.3 Im Einzelnen bringt der Beschwerdeführer vor, die Geschädigte habe zum Vorwurf der Vergewaltigung widersprüchliche Aussagen gemacht. Es würden deshalb erhebliche Zweifel bestehen, ob sich der Vorfall überhaupt ereignet habe. Zudem habe die Geschädigte eine belastende Aussage nach der ersten Videobefragung zurückgezogen und anlässlich der zweiten Videobefragung erneut vorgebracht. Dieses Aussageverhalten stelle ihre Glaubwürdigkeit ebenfalls in Frage. Mit Ausnahme eines Vorfalls am 30. Dezember 2004 gebe es keine Zeugen, die sich zu den strafrechtlichen Vorwürfen äussern könnten. Die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung wegen Vergewaltigung und wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind sei mangels Beweisen äusserst gering. Der Haftgrund des dringenden Tatverdachts sei daher nicht gegeben. 3.4 Zur Begründung des dringenden Tatverdachts stützt sich die Haftrichterin auf die Aussagen des Täters selbst sowie die Aussagen der Geschädigten und deren Vaters. Dieser habe am 30. Dezember 2004 beobachtet, wie der Angeschuldigte hinter der Geschädigten gestanden, ihr die Hände auf die Brüste gelegt und sie am Gesäss berührt habe. Der Angeschuldigte bestreite dies. Nach seinen Aussagen habe er seine Hände lediglich auf die Schultern der Geschädigten gelegt. Immerhin habe er damit zugegeben, hinter der Geschädigten gestanden zu haben. Auch habe er ausgesagt, mit den Händen bei den Brustansätzen gewesen zu sein, als der Vater hinzutrat. Weiter habe er zu Protokoll gegeben, dass er an den Schultern der Geschädigten gedrückt habe. Das Vorbringen des Angeschuldigten, mit der Strafanzeige habe sich der Vater der Geschädigten an ihm rächen wollen, sei eine reine Schutzbehauptung. Auch die Behauptung des Angeschuldigten, sein Cousin sei aufgefordert worden, dem Vater der Geschädigten Fr. 20'000.-- zu bezahlen, habe sich nicht erhärtet. Nach Auffassung der Haftrichterin liegen im jetzigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte vor, die gegen die Glaubwürdigkeit der Aussagen des Vaters der Geschädigten sprechen. Auch die Aussagen der Geschädigten sind nach Auffassung der Haftrichterin trotz einigen Widersprüchen als glaubhaft zu qualifizieren. Die Widersprüche könnten auf den Entwicklungsrückstand, die Unsicherheit und die Schamgefühle der Geschädigten zurückgeführt werden. Auch sei unklar, wie weit die Geschädigte von den Eltern, insbesondere der Mutter in sexuellen Belangen aufgeklärt worden sei. Deren Aussagen würden darauf hindeuten, dass auch sie ein zurückhaltendes, mit Scham behaftetes Verhältnis zur Sexualität habe. Hinzu komme der religiöse Hintergrund der Geschädigten, für welche die Vorfälle eine grosse Schande bedeuten würden. Weiter erwähnt die Haftrichterin, dass die Geschädigte einer Kollegin von den sexuellen Vorfällen mit dem Angeschuldigten erzählt habe, wobei diese nicht klar habe aussagen können, ob die Geschädigte an den sexuellen Handlungen Gefallen gefunden habe oder nicht. 3.5 Diese Erwägungen der Haftrichterin sind nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer bringt denn auch keine substanziierte Kritik dagegen vor. Er äussert sich weder zur Glaubwürdigkeit der Aussagen des Vaters noch zeigt er auf, inwiefern die Widersprüche in den Aussagen der Geschädigten andere als die von der Haftrichterin genannten Ursachen haben könnten. Unerheblich ist für das Haftprüfungsverfahren, dass die Kollegin der Geschädigten keine Aussagen darüber machen konnte, ob diese an den sexuellen Handlungen mit dem Angeschuldigten Gefallen fand. Für die Anordnung und Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft genügt bereits der dringende Tatverdacht, dass der Angeschuldigte den Straftatbestand der sexuellen Handlungen mit einem Kind (Art. 187 StGB) erfüllt haben könnte. Es braucht nicht auch der dringende Tatverdacht der versuchten Vergewaltigung (Art. 190 StGB) vorzuliegen. Nach dem Gesagten ist die Haftrichterin somit nicht in Willkür verfallen, wenn sie aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts bejaht.