Citation: 2P.55/2002 20.06.2002 E. A

X.________ ist Eigentümerin einer 4 1/2-Zimmerwohnung im 1. und 2. Dachgeschoss der Liegenschaft B.________ im Zentrum von A.________. Diese Liegenschaft ist in 15 Stockwerkeigentumseinheiten aufgeteilt: drei Ladenräumlichkeiten im Erdgeschoss und Zwischengeschoss, die alle von Y.________ erworben wurden, sowie zwölf Wohnungen in den darüber liegenden Geschossen. Zwischen den Ladenräumlichkeiten im Erdgeschoss befand sich eine zum gemeinschaftlichen Eigentum gehörende Passage, die gegen die Hauptstrasse hin nach vorne offen war und als Eingang zu den beiden Läden diente. Von dieser Passage aus bestand kein direkter Zugang zu dem die Wohnungen erschliessenden Treppenhaus, das einzig von der Hausrückseite zugänglich ist. Y.________ beabsichtigte, die durch die Passage getrennten Läden unter Einbezug der Passage zusammenzulegen. Am 25. März 1996 wurde in einer Stockwerkeigentümerversammlung mehrheitlich beschlossen, Y.________ die Passage mittels eines langfristigen Mietvertrages zur Nutzung zu überlassen und ihm bauliche Veränderungen zu gestatten. Diesen Beschluss focht X.________ beim zuständigen Bezirksgericht an. Nachdem Y.________ bereits mit Umbauten begonnen hatte, intervenierte X.________ am 17. September 1996 auch gegen die von der Gemeinde insoweit erteilte Baubewilligung. Hierauf erinnerte die Gemeinde Y.________ an die ihm mit der Bewilligung gemachte Auflage, es müsse das Einverständnis aller Stockwerkeigentümer zu den baulichen Veränderungen vorliegen. Am 19. November 1996 vereinbarte Y.________ mit X.________, dass sie unter anderem einer Übertragung der alleinigen Nutzung an der erwähnten Passage zustimme und ihre noch hängige Anfechtungsklage zurückziehen werde. Im Gegenzug verpflichtete sich Y.________ zur Bezahlung eines Betrages von Fr. 300'000.-- an X.________. In der Folge räumte die Stockwerkeigentümergemeinschaft Y.________ gegen eine einmalige Zahlung von Fr. 80'000.-- eine Dienstbarkeit an der Passage ein. X.________ zog ihre Anfechtungsklage zurück und genehmigte auch die baulichen Änderungen, worauf sie die ihr von Y.________ versprochenen Fr. 300'000.-- erhielt. Y.________ forderte später den Betrag von Fr. 300'000.-- mit der Begründung zurück, die Vereinbarung zwischen ihm und X.________ sei sittenwidrig. Die entsprechende Klage von Y.________ wies das Kantonsgericht von Graubünden mit Urteil vom 4. Mai 1999 letztinstanzlich ab.