Citation: 2C_562/2023 E. 4.5

4.5. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden: Die Beschwerdeführerin hat die Schweiz weder freiwillig nach Kroatien verlassen noch war sie dazu bereit. Dies hat sie mehrfach klar geäussert. Sowohl bei der Vorinstanz als auch vor Bundesgericht bringt sie vor, aus Angst in Kroatien unterschiedliche Identitäten angegeben zu haben. Sie wirft Kroatien "gravierende Menschenrechtsverletzungen", Push-Backs und Polizeigewalt vor. Auch wenn sie dies nicht im Sinne eines Wegweisungshindernisses hinreichend begründet hat (Art. 106 Abs. 2 BGG; vorstehend E. 2.1), verdeutlichen die Aussagen, dass sie keinesfalls nach Kroatien zurückkehren möchte. Dazu kommt, dass sie auch in Slowenien ohne Not zugegebenermassen falsche Angaben gemacht hat. Einen Grund dafür nennt sie nicht. Wenn sie lediglich geltend macht, die in einem anderen Land früher gemachten Angaben könnten nicht zum jetzigen Zeitpunkt eine erhebliche Fluchtgefahr in der Schweiz begründen, kann ihr nicht gefolgt werden. Vielmehr sieht der Gesetzestext ausdrücklich vor, dass auch das Verhalten im Ausland ein konkretes Anzeichen für Fluchtgefahr sein kann. Ausserdem hat sie dadurch gezeigt, dass sie nicht gewillt ist, mit der notwendigen Aufrichtigkeit zu kooperieren. Indem sie innerhalb von sechs Monaten in der Schweiz wiederum ein neues Asylgesuch mit einer dritten Identität gestellt hat, obschon ihr aufgrund der zwei früheren Asylverfahren bewusst sein musste, dass im Schengenraum nur ein Staat für jene Gesuche zuständig ist, versuchte sie sich hier offenbar zumindest ein vorübergehendes Anwesenheitsrecht zu erschleichen. Nachdem ihr der Wegweisungsvollzug in Aussicht gestellt worden ist, ist es nicht glaubwürdig, dass sie sich anders als in Slowenien, von wo aus sie offenbar in die Schweiz und nicht nach Kroatien weiterreiste, hier den Behörden zur Verfügung halten würde. Mit der Vorinstanz ist daher davon auszugehen, dass bei einer Gesamtbetrachtung vorliegend eine hinreichend konkrete Gefahr bestand, dass sich die Beschwerdeführerin dem Dublin-Verfahren entziehen könnte. Die Vorinstanz hat somit kein Bundes- oder Völkerrecht verletzt, wenn sie aufgrund des bisherigen Verhaltens der Beschwerdeführerin auf eine konkrete Fluchtgefahr geschlossen hat.