Citation: 4A_277/2023 E. 5.2.7

5.2.7. Zur Beurteilung des Verhaltens der Parteien nach Vertragsschluss habe die Erstinstanz ausschliesslich zwei E-Mails vom 3./9. Juli 2019 (vgl. hiervor Sachverhalt lit. A.f) berücksichtigt und festgehalten, F.________ hätte als Antwort auf den Vorschlag der Beschwerdeführerin, den zweiten Aktienkauf am 12. Juli 2019 zu vollziehen, nicht den 25. Juli 2019 vorgeschlagen, wenn noch wesentliche Vertragspunkte hätten verhandelt werden müssen. Werde die E-Mail vom 9. Juli 2019 isoliert betrachtet, spreche sie in der Tat eher dafür, dass F.________ zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen sei, ein zweiter Aktienverkauf könne direkt vollzogen werden. Eine derart isolierte Betrachtungsweise sei aber nicht gerechtfertigt. Vielmehr seien die gesamten Geschehnisse im Sommer 2019 zu betrachten. Werde der weitere Verlauf der E-Mail-Korrespondenz zwischen den Parteien miteinbezogen, könne der Auffassung der Erstinstanz nicht gefolgt werden. Indem F.________ der Beschwerdeführerin schon kurze Zeit nach dem 12. Juli 2019 einen Vertragsentwurf zugesandt habe, habe er zum Ausdruck gebracht, er erachte einen solchen zweiten Vertrag für erforderlich. Später habe er dies noch ausdrücklich geäussert. Die Beschwerdeführerin habe zwar eingewandt, aus ihrer Sicht sei eine erneute Genehmigung des Verkaufs durch die übrigen Aktionäre nicht nötig, gegen den Abschluss eines neuen schriftlichen Vertrags habe sie aber keine Einwände erhoben. Im Gegenteil habe sie Änderungen am Entwurf angebracht und in Aussicht gestellt, bei Einverständnis mit diesen Änderungen den Vertrag zu unterzeichnen. Damit habe sie sich auf Vertragsverhandlungen eingelassen. Aus dem nachvertraglichen Verhalten seien Indizien für die Standpunkte beider Parteien zu finden. Da zu jenem Zeitpunkt ihr Verhältnis offenbar bereits angespannt gewesen sei, sei im Übrigen nicht ausgeschlossen, dass ihre Äusserungen bereits von strategischen Überlegungen im Hinblick auf eine zukünftige Auseinandersetzung geprägt gewesen seien. Insgesamt sei das nachvertragliche Verhalten der Parteien wenig aussagekräftig.