Citation: 6B_743/2019 E. 1.5.3

1.5.3. Im Strafverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 Abs. 1 StPO; oben E. 1.3). Der Grundsatz gilt auch im ausländerrechtlichen Verwaltungsverfahren: Die Parteien unterliegen im Bewilligungsverfahren bei der Sachverhaltsermittlung einer spezialgesetzlichen Mitwirkungspflicht gemäss Art. 90 lit. a AIG (Urteil 2C_27/2018 vom 10. September 2018 E. 2.2). Die Migrationsbehörden müssen den Sachverhalt von Amtes wegen möglichst zuverlässig abklären. Indessen wird der Untersuchungsgrundsatz durch die Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert. Diese Pflicht kommt naturgemäss bei Tatsachen zum Tragen, die eine Partei besser kennt als die Behörde und die ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vertretbarem Aufwand erhoben werden könnten (Urteil 2C_296/2019 vom 31. Juli 2019 E. 3.4). Im Strafverfahren gilt keine Mitwirkungspflicht; verweigert die beschuldigte Person ihre Mitwirkung, so wird das Verfahren gleichwohl fortgeführt (Art. 113 Abs. 1 und 2 StPO). Der Beschwerdeführer setzt sich vor Bundesgericht in eklatanten Widerspruch zum kantonalen Prozessverhalten (contra facta propria) und prozessiert unter Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben (Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO; oben E. 1.3.2).