Citation: 8C_243/2022 E. 4.2.3

4.2.3. Weiter wird der Beweiswert des psychiatrischen Teilgutachtens bestritten, weil sich kein schlüssiges Gesamtbild ergebe. Insbesondere sei die Herleitung des Zumutbarkeitsprofils mangelhaft. Zu dieser Kritik äusserte sich die Vorinstanz einlässlich. Sie legte dar, dass der psychiatrische Experte Dr. med. D.________ das Belastungsprofil und die darauf fussende Arbeitsfähigkeit unter Einbezug der geschilderten Beschwerden und der bestehenden funktionellen Einschränkungen hergeleitet habe. Zusammenfassend sei dieser von einer seit einigen Jahren bestehenden verminderten emotionalen Belastbarkeit unterschiedlicher Ausprägung ausgegangen, die sich einschränkend auf die Leistungsfähigkeit im Berufsleben auswirke. Die Beschwerdeführerin verfüge aus psychiatrischer Sicht aber über ausreichend Ressourcen, um auf einem "zumindest ausreichend belastbaren" Aktivitätsniveau ihr alltägliches Leben überwiegend autonom zu gestalten, selbst wenn über eine gelegentliche Unterstützung durch ihren Sohn und dessen Freundin berichtet werde. In der Längsschnittbetrachtung der erfolgten Behandlungen sei bei der Beschwerdeführerin von einer langjährigen chronifizierten rezidivierenden Depression auszugehen, wobei ihre Motivationshaltung "mit eigener Willensanspannung eine relevante Besserung insbesondere hinsichtlich ihrer Gestaltungsfähigkeit zu erzielen", aufgrund unbewusster Versorgungswünsche begrenzt bleibe. Hinsichtlich der reduzierten emotionalen Belastbarkeit bestehe aus subjektiver Sicht eine deutlich höhere Einschränkung, als sich in Berücksichtigung der objektiven Parameter begründen lasse. Nach dem psychiatrischen Gutachter spreche der nachgewiesene Medikamentenspiegel sodann für eine unzureichende Adhärenz. Dass die psychiatrische Einschätzung einer vollen Arbeitsfähigkeit hinsichtlich einer einfachen Tätigkeit ohne Verantwortungsbereich mit klar vorgegebenen Handlungslinien, gegebenenfalls auch in Teamarbeit, ohne besonderen Zeitdruck und unter Tagesschichtbedingungen nicht aus den psychiatrischen Befunden hergeleitet sein soll, ist nicht ersichtlich. Der Gutachter legte einleuchtend dar, weshalb er aus den festgestellten psychisch begründeten Beeinträchtigungen in Form einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD 10 F33.1), sowie der somatoformen Schmerzstörung (ICD 10 F45.4) und der hieraus resultierenden Einschränkung der emotionalen Belastbarkeit keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit ableitete. Die Beschwerdeführerin besitze mithin hinreichende psychische Ressourcen, um trotz der Schmerzen zu arbeiten, wobei der Experte die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungskraft aus psychiatrischer Sicht als leidensadaptiert bezeichnete. Im Rahmen der Konsistenzprüfung ergaben sich sodann aus orthopädischer und psychiatrischer Sicht Inkonsistenzen, während der Pneumologe auf eine ungenügende und nur minimale Mitarbeit hinwies. Der psychiatrische Gutachter zeigte auf, dass die Beschwerdeführerin gerade im Hinblick auf ihr unmittelbares soziales Umfeld über stabile Bindungs- und Beziehungsmuster verfüge, einfachen Interessensneigungen nachzugehen vermöge und die primärpersönlichen Fähigkeiten besitze, der in den letzten Jahren sich abzeichnenden Regression mit einer zumutbaren Willensanspannung entgegenzutreten. Insofern bestehe eine Inkonsistenz im Hinblick auf ihre emotionale Belastbarkeit und die attestierte Arbeitsunfähigkeit durch die behandelnden Ärzte. Die seit September 2014 aufgrund degenerativer Veränderungen des Bewegungsapparates attestierte Arbeitsunfähigkeit könne aus psychiatrischer Sicht nicht nachvollzogen werden. Hiergegen bringt die Beschwerdeführerin keine substanziierten stichhaltigen Einwände vor. Wenn im Gutachten unter dem Aspekt der Konsistenz auf inkonsitentes Verhalten hingewiesen wurde, ist dies, anders als die Beschwerdeführerin anzunehmen scheint, aus rechtlicher Sicht korrekt. Denn unter dem Aspekt der Konsistenz sind Gesichtspunkte des Verhaltens zu beurteilen (vgl. dazu BGE 141 V 281 E. 4.4), was die Gutachter getan haben. Darunter fällt auch die Wertung des Verhaltens der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2). Wie die Vorinstanz ferner zutreffend feststellte, setzte sich der psychiatrische Experte - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - hinreichend mit den bei den Akten liegenden Arztberichten und dem Vorgutachten der Abklärungsstelle C.________ vom 11. Dezember 2018 auseinander. Auf mehreren Seiten befasste er sich mit früheren ärztlichen Stellungnahmen und begründete dabei nachvollziehbar, weshalb einzelnen Beurteilungen in diagnostischer Hinsicht und in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht gefolgt werden kann. Nicht entscheidend ist, dass sich der Gutachter nicht mit allen in den medizinischen Akten aufgeführten Befunden im Einzelnen auseinandersetzte, nachdem ihm das vollständige medizinische Dossier zur Verfügung stand, wie die Vorinstanz bereits anmerkte. Eine zusammenfassende Beurteilung auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der einzelnen Gutachter im Sinne einer Zusammenführung und Darlegung der Ergebnisse aus den einzelnen Fachrichtungen fand statt. Unauflösbare Widersprüche oder Begründungslücken, die die Beweiskraft der Expertise in Frage stellen könnten, vermag die Beschwerdeführerin bezüglich der konsensualen Beurteilung und auch insgesamt nicht darzulegen. Namentlich lässt sich solches nicht mit dem unsubstanziierten Einwand begründen, die vom neurologischen Gutachter erwähnten Inkonsistenzen bestünden offensichtlich nicht. Der neurologische Gutachter gab diesbezüglich an, dass objektive neurologische Ausfälle nicht dokumentiert seien und insoweit Inkonsistenzen bestünden, als sich die attestierte Arbeitsunfähigkeit seit 2014 aus neurologischer Perspektive nicht nachvollziehen bzw. begründen lasse. Zweifel am Beweiswert des Gutachtens ergeben sich hieraus nicht. Wenn die Beschwerdeführerin weiter die Nichtbeachtung von Wechselwirkungen in medizinischer Hinsicht rügt, ist nochmals festzuhalten, dass das Gutachten in Kenntnis der Vorakten erging. Inwiefern die Vorinstanz in willkürlicher Weise leistungsmindernde Wechselwirkungen in diagnostischer Hinsicht übersehen haben soll, ist nicht auszumachen. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich eine von der Vorinstanz abweichende Beweiswürdigung und Beschreibung der gesundheitlichen Verhältnisse vornimmt, läuft dies auf eine unzulässige appellatorische Kritik hinaus (BGE 140 III 264 E. 2.3). Dass die Vorinstanz hinsichtlich der Arbeitsfähigkeitsschätzung offensichtlich unrichtige Sachverhaltsfeststellungen getroffen oder die zu beachtenden Beweiswürdigungsregeln verletzt haben sollte, lässt sich nicht ersehen. Folglich konnte ohne Bundesrecht zu verletzen auf das SMAB-Gutachten vom 24. März 2021 abgestellt und auf weitere medizinische Abklärungen verzichtet werden.