Citation: 8C_641/2023 E. 4.2

4.2. Das kantonale Gericht führte aus, der Regierungsrat habe den zum 1. Juli 2020 neu eingefügten Abs. 4 von Art. 8 SHV/BE gestützt auf Art. 86 Abs. 1 AIG und mit Blick auf vergleichbare Regelungen anderer Kantone erlassen, welche für vorläufig Aufgenommene unabhängig von der Dauer ihres Aufenthaltes tiefere Unterstützungsansätze als für die einheimische Bevölkerung vorsehen. Zu dieser Rechtslage hat die Vorinstanz mit Urteil vom 29. Juni 2022, 100/2021/205U, publiziert in BVR 2023 S. 51 ff., festgehalten, die sozialhilferechtliche Ungleichbehandlung der vorläufig Aufgenommenen sei mit dem verfassungsmässigen Rechtsgleichheitsgebot zwar grundsätzlich vereinbar (BVR 2023 S. 51 ff. E. 6.1 ff.), doch dränge sich nach Ablauf von zehn Jahren im Status der vorläufigen Aufnahme eine Annäherung an den Grundbedarf von Einheimischen und Personen mit anerkannter Flüchtlingseigenschaft auf (BVR 2023 S. 51 ff. E. 7.8). Die Reduktion des Ansatzes für den Grundbedarf sei daher nach zehn Jahren im rechtmässigen Status der vorläufigen Aufnahme (BVR 2023 S. 51 ff. E. 7.8.2) von rund 30% auf etwa 15% (also 85% des regulären Ansatzes) zu vermindern (BVR 2023 S. 51 ff. E. 8.3). Dementsprechend hat der Regierungsrat des Kantons Bern zwischenzeitlich Art. 8 Abs. 4 SHV/BE per 1. Januar 2023 angepasst sowie einen neuen Abs. 4a mit den Unterstützungsansätzen für vorläufig Aufgenommene "nach Ablauf von zehn Jahren seit Erteilung der vorläufigen Aufnahme" eingefügt. Fest steht, dass die Beschwerdeführenden bis zum Ende des hier strittigen Rahmenbudgets am 31. Oktober 2022 (E. 2.1) noch nicht während zehn Jahren über einen rechtmässigen vorläufigen Aufenthalt in der Schweiz verfügten (E. 2.2).