Citation: 2C_1116/2018 E. 7.3.2

7.3.2. Nach herrschender Lehre muss auch die internationale Steuerausscheidung primär quotenmässig-direkt nach Steuerbilanz erfolgen, was eine relative Selbständigkeit der Betriebsstätte voraussetzt (AGNER/JUNG/STEINMANN, a.a.O., N. 8 zu Art. 52 DBG; LOCHER, N. 25 zu Art. 52 DBG; LOCHER/MARANTELLI/OPEL, Einführung in das internationale Steuerrecht der Schweiz, 4. Aufl. 2019, S. 418; RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N. 4 zu Art. 52 DBG; vgl. dazu auch STEFAN OESTERHELT/SUSANNE SCHREIBER, in: Martin Zweifel/Michael Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl. 2017, N. 12 ff. zu Art. 52 DBG; vgl. aber zum Ausschluss quotenmässiger Methoden im internationalen Verhältnis nach Streichung des früheren Art. 7 Abs. 4 des OECD-Musterabkommens gemäss der aktuellen Fassung dieses Abkommens Urteil 2C_151/2017, 2C_152/2017, 2C_178/2017, 2C_179/2017 vom 16. Dezember 2019 E. 3.5.3, zur Publikation vorgesehen). Art. 52 Abs. 3 Sätze 2 und 3 DBG sehen - zwecks Vermeidung doppelter Verlustverrechnungen bzw. doppelter Nichtbesteuerungen - vor, dass Verluste ausländischer Betriebsstätten nur vom inländischen Stammhaus, nur provisorisch und unter dem Vorbehalt, dass sie im Betriebsstättestaat nicht bereits (mittels Verlustrücktrag) berücksichtigt worden sind, übernommen werden. Sodann hält Art. 52 Abs. 4 DBG fest, dass ausländische Unternehmen mit beschränkter Steuerpflicht in der Schweiz den in der Schweiz erzielten Gewinn zu versteuern haben, womit in Bezug auf beschränkt steuerpflichtige juristische Personen der objektmässigen Methode gegenüber der quotenmässig-direkten Methode der Vorrang eingeräumt wird (vgl. Urteile 2C_18/2014 vom 15. Januar 2015 E. 2.2.2; 2P.140/2005 vom 28. November 2005 E. 4.3). Aufgrund dieser gesetzlichen Konzeption vertritt ein Teil der Lehre die Auffassung, die Abgrenzung zwischen Stammhaus und Betriebsstätte sei im internationalen Verhältnis sowohl bei beschränkter als auch bei unbeschränkter Steuerpflicht in der Schweiz nach der objektmässig-direkten Methode vorzunehmen (OESTERHELT/SCHREIBER, a.a.O., N. 16 zu Art. 52 DBG; AGNER/JUNG/STEINMANN, a.a.O., N. 5 ff. zu Art. 52 DBG; siehe auch Kreisschreiben ESTV Nr. 8 vom 18. Dezember 2001, Ziff. 4.1; ausführlich BRÜLISAUER, Gewinnabgrenzung, S. 51 ff.). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Steuerausscheidung bei Steuerpflichtigen mit Betriebsstätten in der Schweiz und Sitz sowie tatsächlicher Verwaltung im Ausland aufgrund des Wortlautes von Art. 52 Abs. 4 DBG nach der objektmässigen Methode vorzunehmen (Urteile 2C_972/2018 vom 2. Oktober 2019 E. 5; 2C_18/2014 vom 15. Januar 2015 E. 2.2.2; 2P.140/2005 vom 28. November 2005 E. 4.3). Wie es sich in Bezug auf die Steuerausscheidungsmethode bei juristischen Personen mit Sitz oder tatsächlicher Verwaltung in der Schweiz und Betriebsstätten im Ausland verhält, hat das Bundesgericht bislang noch nicht entschieden (vgl. auch Urteil 2C_151/2017, 2C_152/2017, 2C_178/2017, 2C_179/2017 vom 16. Dezember 2019 E. 3.7 [zur Publikation vorgesehen], wo im konkreten Fall offen gelassen wurde, ob die quotenmässig-indirekten Methoden im internationalen Verhältnis noch Anwendung finden können).