Citation: 4A_398/2022 E. 5.5

5.5. Einzig in Bezug auf die Berücksichtigung nachträglichen Parteiverhaltens beanstanden sie grundsätzlich zu Recht, dass solches bei der objektivierten Auslegung nicht von Bedeutung ist (BGE 144 III 43 E 3.3; 132 III 626 E. 3.1 in fine). Indessen stützte die Vorinstanz ihre Auslegung keineswegs massgebend auf nachträgliches Parteiverhalten, sondern auf den Vertragstext in seinem Wortlaut und Zusammenhang, den Vertragszweck sowie die gesamten Umstände, die dem Vertragsabschluss vorausgingen und ihn begleiteten, mithin auf die Entstehungsgeschichte des Vertrags. Der von den Beschwerdeführerinnen beanstandete Hinweis der Vorinstanz auf das Verhalten der Parteien erscheint denn auch vielmehr als Bekräftigung des Auslegungsergebnisses, das sie ohnedies gefunden hat. Das wird besonders deutlich betreffend die kritisierte Erwägung der Vorinstanz, wonach, wenn die im Anhang 5.1.1 CMA prognostizierten Bestellmengen mit den tatsächlichen Bestellmengen verglichen würden, festgestellt werden könne, dass sich die gesamthaft bestellten Produkte in den 21 Vertragsmonaten weitgehend mit den im Anhang 5.1.1 CMA prognostizierten Bestellmengen für die 21 Vertragsmonate deckten. Zwar beruhen die zum Vergleich herangezogenen tatsächlichen Bestellmengen auf einem dem Vertragsabschluss nachfolgenden Parteiverhalten. Der Umstand bekräftigt aber nur, was die Vorinstanz bereits gestützt auf den Vertragstext und -zweck befand, nämlich dass sich die Beschwerdeführerinnen von Anfang an zur Herstellung und Lieferung der prognostizierten Mengen verpflichtet haben, sofern sie von den Beschwerdegegnerinnen verbindlich bestellt wurden. Gleiches gilt für die im weiteren beanstandete Bezugnahme auf späteres Parteiverhalten, wonach die Beschwerdeführerinnen auf mehrere Anwaltsschreiben, mit denen Nicht- bzw. Zuweniglieferungen gerügt worden seien, nie mit der Entgegnung reagiert hätten, dass sich aus dem CMA gar keine Lieferpflicht ergebe und somit keine Vertragsverletzung durch die Beschwerdeführerinnen vorliege. Wohl ist dieser nachträgliche Umstand bei der objektivierten Vertragsauslegung nicht von Bedeutung, indessen erkannte die Vorinstanz auch ohne diesen eine von Anfang an bestehende Herstellungs- und Lieferpflicht der Beschwerdeführerinnen. Die grundsätzlich zu Recht gerügte vorinstanzliche Erwähnung nachträglichen Parteiverhaltens im Rahmen der objektivierten Vertragsauslegung entbehrt mithin der Entscheidrelevanz, weshalb sie ebenfalls nichts am im Übrigen bundesrechtskonform gefundenen Auslegungsergebnis der Vorinstanz zu ändern vermag.