Citation: 6B_1363/2019 E. 2.4.5

2.4.5. Ausgehend von diesen Aussagen des Beschwerdeführers ist grundsätzlich von einem gefährlichen und krass verantwortungslosen Trinkverhalten auszugehen, da der gemäss eigenen Angaben nicht (mehr) alkoholgewöhnte Beschwerdeführer in der Tatnacht im Ausgang eine grosse Menge alkoholischer Getränke konsumierte, dies obschon er sich seiner erhöhten Reizbarkeit unter dem Einfluss von Alkohol bewusst war. Dass mit einem extremen Alkoholkonsum Enthemmung, erhöhte Aggressionsbereitschaft und auch Bewusstseinsstörungen einhergehen können, muss grundsätzlich als bekannt vorausgesetzt werden. Vorliegend führte der starke Alkoholkonsum zwar nicht zu einer vollständigen, jedoch zu einer ganz erheblichen Verminderung der Zurechnungsfähigkeit. Ein solches Trinkverhalten muss bei der Strafzumessung dennoch nicht einfach unberücksichtigt bleiben. Solche Tatumstände sind zwar nicht im gleichen Umfang wie eine fahrlässige "actio libera in causa" zu berücksichtigen, da die konkrete Tat - trotz Kenntnis der mit der massiven Alkoholisierung einhergehenden Beeinträchtigungen - nicht voraussehbar war. Indes rechtfertigt es sich umgekehrt auch nicht, den Täter bei einer solchen Sachlage verschuldensmässig so zu stellen, wie wenn die verminderte Schuldfähigkeit bspw. auf eine (unverschuldete) Persönlichkeitsstörung zurückzuführen wäre. Die Vorinstanz wird bei der Neubeurteilung daher auch prüfen müssen, ob auf die Aussagen des Beschwerdeführers gegenüber dem Gutachter zu seinem Trinkverhalten abgestellt werden kann. Das Gericht ist nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungsgründe gewichtet (BGE 142 IV 265 E. 2.4.3 S. 271; 136 IV 55 E. 5.6 S. 61). Die Vorinstanz muss daher nicht in Zahlen begründen, wie sie die einzelnen Elemente (blosse Reststeuerungsfähigkeit, selbstverschuldete massive Trunkenheit, allenfalls Voraussehbarkeit der erhöhten Aggressivität in stark alkoholisiertem Zustand) in die Strafzumessung einfliessen lässt. Sie muss jedoch nachvollziehbar darlegen, wie sie die Verminderung der Schuldfähigkeit in Berücksichtigung dieser Elemente insgesamt gewichtet.