Citation: 8C_163/2024 E. 3.2

3.2. Die Beschwerdeführerin wendet zusammengefasst ein, die Wiedererlangung gewisser Alltagsfunktionen durch ihren Ehemann habe den Familienalltag nicht verändert. Es sei deshalb nicht einzusehen, inwiefern sie bei Aufwendung nur eines "Mindestmasses an Aufmerksamkeit", hätte realisieren müssen, dies würde bereits seinen Rentenanspruch beeinflussen. Er habe das "typische Leben eines chronisch psychisch Kranken mit Familie und vier Kindern" geführt (vgl. Bericht des Psychiaters Dr. med. H.________ vom 2. April 2019), wobei sie unverändert die ganze damit zusammenhängende Last getragen habe. Der Vorwurf quasi grobfahrlässiger Ignoranz an sie gehe deshalb fehl. Am 7. November 2016 habe sie bei der IV-Stelle um Akteneinsicht ersucht und von diesem Zeitpunkt an vom laufenden Revisionsverfahren gewusst. Praxisgemäss zerstöre aber erst die Kenntnis der Umstrittenheit des Rechtsanspruchs den guten Glauben, was jedoch mit der blossen Einleitung eines Revisionsverfahrens noch nicht der Fall sei. Andernfalls würde jede laufende Rentenrevision immer den guten Glauben beim weiteren Leistungsbezug zerstören bzw. wäre gutgläubiger Leistungsbezug überhaupt nicht mehr denkbar, da letztlich die Möglichkeit einer Rentenüberprüfung immer bestehe bzw. diese in aller Regel (auch) ohne weiteren Anlass periodisch vorgenommen werde. Sie habe nicht vorausahnen müssen, dass das Revisionsverfahren zur Umstrittenheit des Rentenanspruchs führen würde. Denn lange habe nicht einmal die IV-Stelle gewusst, welche Schlüsse sie aus ihren Abklärungen ziehen sollte. In der Observation seien zwar vereinzelt die ausschlaggebenden Funktionsveränderungen ihres Ehemanns beobachtet worden. Trotzdem habe die RAD-Ärztin Dr. med. I.________ am 19. Oktober 2016 festgestellt, er weise ein "niedriges ausserhäusliches Aktivitätsniveau" auf, das demjenigen eines Rentners entspreche. Noch am 27. März 2018, nach Vorliegen des MEDAS-Gutachtens vom 11. Dezember 2017, sei Dr. med. I.________ zum Schluss gelangt, es liege bloss eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts vor, und der Gesundheitszustand ihres Ehemanns habe sich seit dem Referenzzeitpunkt nicht relevant verändert. Ihm und ihr - der Beschwerdeführerin - sei ausserdem das Ergebnis der Begutachtung nicht bekannt gegeben worden. Sodann sei der Fall bei der IV-Stelle ein weiteres Jahr liegen geblieben, bis der Rechtsdienst am 17. Januar 2019 dafür plädiert habe, auf den Rentenanspruch mangels massgeblicher Veränderung nicht revisions-, sondern wiedererwägungsweise zurückzukommen. Mit dieser Einschätzung und dem MEDAS-Gutachten sei ihr Ehemann erst durch die Akteneinsicht seiner Rechtsvertreterin vom 18. März 2019 bzw. beim Standortgespräch vom 3. April 2019 konfrontiert worden. Ihr sei somit frühestens nach dieser Akteneinsicht bekannt geworden, dass sein Rentenanspruch nicht nur überprüft werde, sondern umstritten sei.