Citation: 6B_1427/2020 E. 6.5

6.5. Der Zweitgutachter diagnostizierte eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, emotional-instabilen und narzisstisch-paranoiden Merkmalen (ICD-10: F61.0), ein adultes ADHS-Syndrom, einen Zustand nach Alkoholmissbrauch sowie nach polytropem Konsum psychotroper, insbesondere amphetaminartiger Substanzen (Kokain, Ritalin ohne Verordnung; Beschluss S. 41, 52). Bei der Vorhersage von Gewaltstraftaten im VRAG werde der Beschwerdeführer in die Risikokategorie 7 von 9 eingeordnet, die im 10-Jahresintervall mit Rückfallraten von 64 % vergesellschaftet sei. In der Psychopathy-Checkliste erziele er einen hohen Wert, der nur von 17 % der Straftäter überschritten werde. Die generelle Rückfälligkeit seiner Gruppe liege bei 51,2 %, jene für Gewaltdelikte bei 29,9 %. Er zeige mithin ein erhöhtes Risiko für Gewaltstraftaten (Beschluss S. 41 f., 56 f.). Erneute Massnahmen nach Art. 59 StGB oder jene nach Art. 63 StGB seien nicht zweckmässig. Im Vollzugs- und Therapieverlauf sei es zu einem Nachlassen impulsiver und auch aggressiver Verhaltensbereitschaften gekommen. Seit seiner bedingten Entlassung verdeutlichten sich seine dissozialen und narzisstischen Persönlichkeitseigenschaften (Beschluss S. 42-44). Das Szenario der Variante 1 der sozialen Integration sei das am wenigsten wahrscheinliche. Nach der wahrscheinlichsten Variante 2 werde sich der Beschwerdeführer nicht an Vorgaben kontrollierender Instanzen orientieren, mit vielfältigen, allerdings lockeren Bezügen zum früheren kriminellen Umfeld. In der Variante 3a lasse sich ein Szenario hochgradiger Gefährdung skizzieren, in der er in eine ähnliche Verfassung gerate wie zum Zeitpunkt der Gewaltstraftat 1997, wobei das Eskalationspotential vorwiegend davon abhängig sei, ob er wieder in den Besitz von Waffen käme, was in diesem Szenario durchaus wahrscheinlich wäre; Ausgangsbedingung wäre die Intensivierung des Alkoholkonsums. Die Variante 3b ergebe sich, wenn er wieder fest ins kriminelle und gewaltbereite Milieu integriert wäre; hier deute sich eine ungünstige Entwicklung an. Der Zweitgutachter betrachte die Varianten 3a und 3b als wahrscheinlicher als die Variante 1, aber zur Zeit weniger als die Variante 2 (Beschluss S. 45-47, 57 f.).