Citation: C 10/04 17.09.2004 E. 2.3

2.3.1 Nach ständiger Rechtsprechung zu Art. 30 Abs. 3 Satz 3 und Abs. 3bis AVIG in Verbindung mit Art. 45 Abs. 3 AVIV ist der Bemes-sung der Einstellungsdauer bei Ablehnung einer (auch amtlich) zugewiesenen zumutbaren Arbeit nicht zwingend ein schweres Verschulden zugrunde zu legen. Damit bildet die Bestimmung von Art. 45 Abs. 3 AVIV lediglich die Regel, von welcher beim Vorliegen besonderer Umstände im Einzelfall abgewichen werden darf. Insoweit ist das Ermessen von Verwaltung und Sozialversicherungsgericht nicht auf eine Einstellungsdauer im Rahmen eines schweren Verschuldens beschränkt, sondern lässt es auch eine mildere Sanktion zu. Art. 45 Abs. 3 AVIV schreibt die Annahme eines schweren Verschuldens unter Vorbehalt eines entschuldbaren Grundes vor. Wird ein solcher Grund bejaht, ist diese Bestimmung nicht anwendbar und die Einstellungs-dauer bemisst sich nach der Regel des Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG. Diese im konkreten Einzelfall liegenden Gründe können, wie etwa die Befristung einer Stelle, eine objektive Gegebenheit beschlagen (BGE 130 V 126 Erw. 3.2 - 3.5; ARV 2000 Nr. 9 S. 49 ff. Erw. 4b). 2.3.2 In Anwendung dieser Rechtsprechung besteht kein Grund, von der Regel des Art. 45 Abs. 3 AVIV abzuweichen, wonach vorliegend von einem schweren Verschulden auszugehen ist. Dabei ist der Argu-mentation des Beschwerdeführers beizupflichten. Entgegen der vom Versicherungsgericht in seiner Vernehmlassung zur Verwaltungsge-richtsbeschwerde vertretenen Betrachtungsweise kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Sanktionsraster des seco, weil er für die Ablehnung einer auf drei Monate befristeten Stelle nur die Annah-me eines mittelschweren Verschuldens vorsehe (Einstellung zwischen 23 und 30 Tagen, AM/ALV-Praxis 99/1), erst für die Ablehnung einer auf vier Monate befristeten Stelle die Möglichkeit für die Annahme eines schweren Verschuldens öffne (Einstellung zwischen 27 und 34 Tagen, AM/ALV-Praxis 99/1). In der Tat lässt sich eine Einstellung von 31 Tagen für die Nichtannahme der G.________ zugewiesenen Arbeit in den Sanktionsraster des seco sehr wohl einfügen, zumal sich daraus nach entsprechender Umrechnung bei Ablehnung einer auf dreieinhalb Monate befristeten Stelle eine Einstellungsdauer zwischen 25 und 32 Tagen ergibt. Die Auffassung des Beschwerdeführers, mit der Annahme eines schweren Verschuldens und der verfügten Einstellungsdauer von 31 Tagen für die Ablehnung der auf dreieinhalb Monate befristeten Stelle sei dem Raster des seco Rechnung getragen worden, ist daher begründet. 2.4 Nicht zutreffend ist sodann die Erwägung der Vorinstanz, es laufe auf eine verfassungswidrige (Art. 8 Abs. 2 BV) Diskriminierung der schwangeren Frauen im Zusammenhang mit der Stellensuche hinaus, wenn in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde als verschuldenser-schwerend gewichtet werde, dass sich die Versicherte in Anbetracht der fortschreitenden Schwangerschaft umso mehr um die zugewiesene Stelle hätte bemühen müssen bzw. wenn ihr ein konsequentes Verschweigen der Schwangerschaft vorgeworfen werde. Von der Be-schwerdegegnerin wurden diesbezüglich keine erhöhten, sondern lediglich, angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage, der begrenzten Arbeitsaussichten im betreffenden Arbeitssegment und der wegen der fortschreitenden Schwangerschaft von ihr selber angeführten Schwierigkeiten, ernsthafte Bemühungen bei der Stellensuche verlangt. Da sich die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung einzig nach dem Grad des Verschuldens bemisst (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG; BGE 122 V 40 Erw. 4c/aa mit Hinweisen; ARV 2000 Nr. 9 S. 49 Erw. 4a), erweist sich auch der vorinstanzliche Einwand, die misslichen finanziellen Verhältnisse der Versicherten hätten deren Situation im Hinblick auf eine ordentliche Bewerbung erschwert, nicht als zutreffend. 2.5 Wenn das RAV vorliegend die Einstellungsdauer auf 31 Tage fest-gesetzt hat, hat es unter den gegebenen Umständen weder sein im Rahmen der Verwaltungspraxis zustehendes Ermessen missbraucht (Art. 104 lit. a in Verbindung mit Art. 132 Ingress OG; vgl. BGE 123 V 150), noch kann darin eine unangemessene Handhabung des Ver-schuldensmassstabes erblickt werden (Art. 104 lit. c Ziff. 3 in Verbin-dung mit Art. 132 lit. a OG; vgl. BGE 116 Ib 356 Erw. 2b und BGE 114 V 316 Erw. 5a). Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die vom Beschwerdeführer verfügte Einstellungsdauer zu Unrecht auf 25 Tage verringert. Insoweit ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde begründet.