Citation: 1C_451/2020 E. 4.4.2

4.4.2. Auch die Meinungsverschiedenheiten zu Fragen der Schulmedizin seien nicht bereits mit seinem Praktikumsbeginn entstanden. Als Pflegeassistent sei er damals praktisch ausschliesslich im gastronomischen Pflegebereich (Essen verteilen und Betten machen) tätig gewesen. In medizinische Arbeitsabläufe im eigentlichen Sinn sei er erst mit Beginn seiner Ausbildung zum Fachangestellten Gesundheit im August 2013 miteinbezogen worden. Erst ab diesem Zeitpunkten hätten sich aus den gemeinsamen Gesprächen wegen den unterschiedlichen Ansichten zur Schulmedizin vermehrt Konflikte ergeben. Diese hätten ihren Höhepunkt erreicht, als sich die Hepatitiserkrankung seiner Mutter zu Beginn des Jahres 2014 verschlimmert habe. Wegen der Uneinigkeit über die adäquate Behandlungsmethode seiner Mutter und der hierfür erforderlichen finanziellen Unterstützung sei es wiederholt zum Streit gekommen. Zur eigentlichen Eskalation der ehelichen Probleme sei es aber erst im Frühjahr 2014 gekommen, als ihn ein Verwandter seiner Ex-Ehefrau in deren Anwesenheit beleidigt und rassistisch beschimpft habe. Als ihn seine damalige Ehefrau in dieser Situation nicht verteidigt habe, habe dies für ihn einen Vertrauensbruch dargestellt, der ihn kurze Zeit später zur endgültigen Trennung bewogen habe. Der Beschwerdeführer gesteht zwar ein, dass dieser Vorfall ohne die vorbestehenden Differenzen wohl nicht zur sofortigen Trennung geführt hätte. Die ehelichen Probleme seien aber nicht bereits im Zeitpunkt des Einbürgerungsverfahrens derart gravierend gewesen, dass von einer Täuschungshandlung im Sinne von Art. 41 Abs. 1 aBüG auszugehen sei. Vielmehr hätten die Ehegatten zu diesem Zeitpunkt in guten Treuen noch davon ausgehen dürfen, in einer stabilen und zukunftsgerichteten Ehe zu leben.