Citation: I 73/05 13.09.2006 E. 6

6.1 Wie aus der Darstellung der attestierten Arbeitsunfähigkeitsperioden (Erwägung 5.1) indessen hervorgeht, bestand ab dem 15. Mai 1998 bis zum 23. November 1999 eine Phase mit einer erheblichen Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit. In diesen Zeitraum fällt auch die Kombinationstherapie mit Interferon alpha und Ribavirin, während welcher die Beschwerdeführerin bloss im Rahmen von 40 % als arbeitsfähig erachtet wurde. Durchschnittlich betrug diese im genannten Zeitraum 63,34 %. Da die Beschwerdeführerin ab 15. Mai 1999 bis auf weiteres zu 60 % arbeitsunfähig war - was vorliegend mit einer Erwerbsunfähigkeit im selben Ausmass gleichzusetzen ist, da sie auch in einer anderen Tätigkeit nicht vermehrt hätte arbeiten können - hätte sie ab jenem Zeitpunkt Anspruch auf eine halbe Invalidenrente gehabt, wenn sie sich dafür rechtzeitig, d.h. spätestens im Mai 2000 angemeldet hätte. Davon geht gemäss Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2003 selbst die IV-Stelle aus. Da kein Anwendungsfall von Art. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG vorliegt, wonach auch Nachzahlungen von mehr als 12 Monaten nach Anmeldung möglich sind, wenn die versicherte Person den anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht kennen konnte, hat die Invalidenversicherung aber keine entsprechenden Leistungen auszurichten. 6.2 Weil sich die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin im November 1999 wieder verbesserte und ab Januar 2000 unter den für eine Rentenberechtigung minimalen Wert von 40 % fiel, hätte die Rente - wäre sie denn ausgerichtet worden - in Anwendung von Art. 88a Abs. 1 IVV spätestens ab April 2000 revisionsweise aufgehoben werden müssen, da - wie unter Erwägung 4.3 dargelegt - damals keine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit mehr bestand. Der Gesundheitszustand verschlechterte sich indessen wieder, weshalb der Beschwerdeführerin ab dem 27. Juli 2000 von Dr. med. M.________ eine 40%ige, ab 21. Oktober 2000 eine 50%ige und ab dem 23. Dezember 2001 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde. 6.3 Gemäss Art. 29bis IVV werden bei der Berechnung der Wartezeit nach Art. 29 Abs. 1 IVG früher zurückgelegte Zeiten angerechnet, wenn eine Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades aufgehoben wurde, aber in den drei darauf folgenden Jahren die auf dasselbe Leiden zurückzuführende Arbeitsunfähigkeit erneut ein rentenbegründendes Ausmass erreicht. Wäre der Beschwerdeführerin also in der Zeit vom Mai 1999 bis Ende März 2000 eine Rente ausgerichtet worden, hätte sie keine Wartezeit gemäss Art. 29 IVG mehr zurücklegen müssen, sondern der Rentenanspruch wäre nach den revisionsrechtlichen Regeln von Art. 88a Abs. 2 IVV, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen ist, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat, ab 27. Oktober 2000 wieder aufgelebt. In BGE 117 V 23 hat das Eidgenössische Versicherungsgericht entschieden, dass Art. 29bis IVV auch anwendbar ist, wenn der (erste) Rentenanspruch nur deshalb nicht bestand, weil die versicherte Person den Anspruch verspätet geltend gemacht hatte. Dadurch sollte vermieden werden, dass diese durch eine verspätete Anmeldung quasi doppelt bestraft würde. 6.4 Die Beschwerdeführerin meldete sich am 18. Januar 2001 zum Leistungsbezug an. In Anwendung des Dargelegten hat sie demnach ab 1. Januar 2000 (Art. 48 Abs. 2 Satz 1 IVG) bis 16. April 2000, somit drei Monate nach Eintritt einer bloss noch 30%igen Arbeitsfähigkeit ab 16. Januar 2000 (Art. 88a Abs. 1 IVV), Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Diese lebt am 27. Oktober 2000, drei Monate nach der erneut attestierten Arbeitsunfähigkeit ab 27. Juli 2000 von 40 % (Art. 88a Abs. 2 IVV) wieder auf und ist auf den 23 März 2001 (3 Monate nach dem Attest einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit per 23. Dezember 2000; Art. 88a Abs. 2 IVV) revisionsweise auf eine ganze Rente zu erhöhen.