Citation: I 520/01 09.07.2002 E. 4

4.- Im Rahmen der Überprüfung des strittigen Invaliditätsgrades stellt sich insbesondere mit Blick auf die invaliditätsbedingten Einschränkungen in der Haushaltstätigkeit die Frage, ob eine zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades gestützt auf die vorliegenden Akten in rechtsgenüglicher Weise möglich ist. a) Das Bundesamt für Sozialversicherung hat für die Invaliditätsbemessung bei im Haushalt tätigen Versicherten Verwaltungsweisungen erlassen, welche die bei der Beurteilung zu berücksichtigenden Aufgabenbereiche nennen und hiefür prozentuale Anteile festlegen (KSIH Rz. 3095). Während die früheren Weisungen (Wegleitung über Invalidität und Hilflosigkeit, gültig ab 1. Januar 1985) für die einzelnen Tätigkeitsbereiche feste Ansätze vorsahen, sehen die seit 1. Januar 2000 gültigen neuen Weisungen Mindest- und Höchstansätze vor, innerhalb welcher die Anteile der einzelnen Bereiche festzusetzen sind. Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht zu den früheren Weisungen festgestellt hat, beruhen diese auf einer sachgemässen Abwägung der aus Gesetzmässigkeit und Rechtsgleichheit sich ergebenden Erfordernisse einerseits sowie der Notwendigkeit verwaltungsmässiger Praktikabilität anderseits und sind als gesetzeskonform zu betrachten (ZAK 1986 S. 235 Erw. 2d). Dies gilt um so mehr für die neuen Weisungen, welche für die einzelnen Tätigkeitsbereiche variable Ansätze vorsehen und damit eine vermehrte Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalles zulassen. Es besteht kein Grund, die auf Fachkenntnissen der hiefür zuständigen Institutionen beruhenden Richtwerte in Frage zu stellen. Die im jeweiligen Einzelfall massgebenden Faktoren zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wie zum Beispiel die einzelne Einschränkung im konkreten Aufgabenbereich beim Betätigungsvergleich müssen mit grosser Sorgfalt festgesetzt werden (AHI 2001 S. 274 Erw. 4c). Zu ergänzen ist, dass den ärztlichen Schätzungen der Arbeitsfähigkeit kein genereller Vorrang gegenüber den Abklärungen der Invalidenversicherung im Haushalt zukommt (Urteil S. vom 4. September 2001, I 175/01). Nach der Rechtsprechung bedarf es des Beizuges eines Arztes, der sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, nur in Ausnahmefällen, insbesondere bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (AHI 2001 S. 161 Erw. 3c; nicht veröffentlichtes Urteil W. vom 17. Juli 1990, I 151/90). b) Gemäss Gutachten der Universitäts-Poliklinik Y.________ (Seite 3 unten) ist die Beschwerdeführerin "aus ganzheitlicher Sicht in ihrem angestammten Beruf im Reinigungsdienst als Putzfrau zu 100 % arbeitsunfähig". Die Verwaltung stellte bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades in Bezug auf den erwerblichen Tätigkeitsanteil von 50 % auf diese medizinische Beurteilung ab (Verfügung vom 10. April 2000). Demgegenüber ist nicht nachvollziehbar, warum sie beim Aufgabenbereich Wohnungspflege (Position 5.3) im Haushaltsabklärungsbericht (Seite 4) die invaliditätsbedingte Einschränkung lediglich auf 70 % veranschlagte (statt auf 100 % wie in der Putzfrauenarbeit gemäss Gutachten). Immerhin sind die unter der Rubrik Wohnungspflege aufgeführten Tätigkeiten "Abstauben/Staubsaugen/Bodenpflege/Fensterputzen" mit jenen einer Putzfrau sehr wohl vergleichbar, wenn nicht sogar identisch. Korrigiert man gestützt auf die gemäss Gutachten festgestellte vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Erwerbstätigkeit als Putzfrau die Einschränkung in der vergleichbaren Tätigkeit der Wohnungspflege im Haushalt bei der Position 5.3 des Haushaltsabklärungsberichts von 70 % auf 100 %, so ergibt dies bereits einen um 6 % höheren Wert an Behinderung von total 37 %. Unter Berücksichtigung der unbestrittenen Gewichtung der Haushalts- und Erwerbstätigkeit zu je 50 % folgt daraus für den Haushaltsbereich ein Invaliditätsgrad von 18,5 % bzw. ein gesamthafter Invaliditätsgrad von 68,5 %. Weiter wird im Kommentar zur Position 5.3 des Haushaltsabklärungsberichts von der Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin, S.________, auch noch das Betten erwähnt ("Betten machen möglich, braucht jedoch Hilfe beim Neubeziehen"), obwohl das Betten nicht unter Position 5.3, sondern 5.5 erfasst wird. Zusätzlich zu diesen Unklarheiten wies die kantonale Rekurskommission zutreffend darauf hin, die Beschwerdegegnerin dürfe den Umstand, dass der Beschwerdeführerin durch den Wegfall der Erwerbstätigkeit mehr Zeit für den Haushalt zur Verfügung stehe, bei der Invaliditätsbemessung nicht berücksichtigen (vgl. demgegenüber unter "Bemerkungen" vor Position 6. im Haushaltsabklärungsbericht auf Seite 5), da sonst das Resultat der Invaliditätsschätzung verfälscht werde (vgl. BGE 125 V 155 Erw. 5b). Es sei "nicht ganz klar, ob im vorliegenden Fall bei der Einschätzung der Invalidität im Haushalt durch die Beschwerdebeklagte [= Beschwerdegegnerin] eine solche Verfälschung stattgefunden habe". Der Haushaltsabklärungsbericht vom 28. Mai 1999 lässt demnach die geforderte Sorgfalt (Erw. 4a hievor) vermissen, weshalb die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Recht nicht darauf abstellte. Da der Haushaltsabklärungsbericht nicht nachvollziehbare Ungereimtheiten enthält, die eine zuverlässige Bewertung der Einschränkungen in den einzelnen Tätigkeiten verunmöglichen, ist die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie diese Abklärungen im Haushaltsbereich neu vornimmt. c) Verwaltung und Vorinstanz stützten ihren Entscheid im Ergebnis massgebend auf das Gutachten (Seite 4 oben) ab, wobei sie "im Bereich der Haushaltsarbeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 20-30 %" ausgingen und den Mittelwert von 25 % als Einschränkung in der Haushaltstätigkeit berücksichtigten. Demgegenüber kommt - wie bereits erwähnt - der ärztlichen Schätzung der Arbeitsfähigkeit kein genereller Vorrang gegenüber den Abklärungen der Invalidenversicherung im Haushalt zu (Erw. 4a hievor). Die Gutachter haben sich bei der von ihnen vorgenommenen Schätzung der Arbeitsunfähigkeit nicht zu den konkreten Einschränkungen in den einzelnen Aufgabenbereichen der Haushaltstätigkeit geäussert oder diese begründet. Auch bleibt die Diskrepanz zwischen der vollen Arbeitsunfähigkeit "für sämtliche Berufe in der freien Marktwirtschaft und auch in einem geschützten Rahmen" einerseits und der immerhin 70 bis 80%igen Arbeitsfähigkeit in der Haushaltstätigkeit andererseits ohne nachvollziehbare Begründung. Die IV-Stelle wird deshalb zur Erläuterung dieser Unklarheiten im Rahmen der Aktenergänzung (Erw. 2b hievor) - soweit für die Bemessung des Invaliditätsgrades erforderlich - gegebenenfalls weitere medizinische Abklärungen veranlassen.