Citation: I 182/06 03.10.2006 E. 5

Zu beurteilen ist zunächst, in welchem zeitlichen Ausmass die Beschwerdegegnerin sich ausserhäuslich betätigen würde, wenn sie gesundheitsbedingt nicht eingeschränkt wäre. Während das kantonale Gericht diese Frage mangels aussagekräftiger Angaben offen gelassen und die Sache zwecks Vornahme weiterer Abklärungen in diesem Punkt an die IV-Stelle zurückgewiesen hat, vertritt die Beschwerde führende Verwaltung die Auffassung, es sei von einer Aufteilung der Aufgabenbereiche Erwerbstätigkeit/Haushalt von 48 %/52 % auszugehen, wie sie gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 18. September 2003 erhoben worden sei. Die Versicherte macht demgegenüber letztinstanzlich geltend, auf Grund der Akten sei ausgewiesen, dass sie ihr bisheriges Teilpensum als Primarlehrerin per August 2003 auf eine Vollzeitbeschäftigung erhöht hätte. 5.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung führt (vgl. aber zur Einkommensvergleichsmethode auch im Fall einer bloss 80%igen Erwerbstätigkeit: BGE 131 V 51) -, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Diese Frage beurteilt sich nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass des Einspracheentscheides entwickelt haben (vgl. Erw. 3.1 hievor), wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 Erw. 2c mit Hinweisen). Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig zu betrachten ist, beurteilt sich praxisgemäss sodann nicht danach, ob sie vor ihrer Heirat erwerbstätig war oder nicht. Diese Tatsache kann allenfalls ein Indiz darstellen. Entscheidend ist vielmehr jene Tätigkeit, welche die versicherte Person ausüben würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Es ist demnach zu prüfen, ob sie ohne Invalidität mit Rücksicht auf die gesamten Umstände (dazu gehören die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse) vorwiegend erwerbstätig oder im Haushalt beschäftigt wäre. Für die Beurteilung und Festlegung des im Gesundheitsfall mutmasslich ausgeübten Aufgabenbereichs sind ausser der finanziellen Notwendigkeit, eine Erwerbstätigkeit wieder aufzunehmen oder auszudehnen, auch allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen (BGE 117 V 195 Erw. 3b mit zahlreichen Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur). 5.2 Die Beschwerdegegnerin, welche Ausbildungen als Primarlehrerin und als Kunsttherapeutin absolviert hat, nahm ihre berufliche Tätigkeit nach einem über zehnjährigen, durch die Geburt ihrer drei Kinder in den Jahren 1984, 1986 und 1988 bedingten Unterbruch anfangs 1995 als Leiterin einer Spielgruppe teilzeitlich wieder auf. Zusätzlich begann sie ab November 1995 auch wieder als Primarlehrerin zu arbeiten, wobei sie ihr anfängliches Pensum von sechseinhalb Lektionen ab August 2001 auf sieben Lektionen pro Woche ausbaute. Gleichzeitig war sie als Schulleiterin tätig und wurde anfangs 1998 in den Gemeinderat gewählt, welchem sie ab Januar 2001 als Vizepräsidentin und Präsidentin der Kanalisationskommission vorstand. Des Weitern engagierte sie sich in diversen gemeinnützigen Organisationen. Die Versicherte bewohnt mit ihrer Familie ein Einfamilienhaus mit 840 m² Umschwung (davon 120 m² Gemüsegarten) mit ca. zehn Hochstammobstbäumen, Blumenrabatten, Rasen, Weide, Schwimmbad sowie Tieren (Schafe, Hasen und Hühner). 5.2.1 Vor diesem, namentlich im Abklärungsbericht Haushalt vom 18. September 2003 wiedergegebenen Hintergrund ging die Beschwerdeführerin davon aus, dass die Versicherte ohne die sich nach dem Unfall vom 9. April 2001 manifestierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen weiterhin im Umfang von 48 % (Pensum Primarlehrerin: 25 bzw. 24,14 %; Pensum Schulleiterin: 10 %; Pensum Gemeinderätin; knapp 14 %) erwerbstätig gewesen wäre und sich zu 52 % den erweiterten häuslichen Verrichtungen sowie anderweitigen nicht entlöhnten Beschäftigungen gewidmet hätte. Dieser Aufteilung widersetzte sich die Beschwerdegegnerin grundsätzlich nicht, machte aber bereits während der Erhebungen im Haushalt wie auch im Einspracheverfahren sowie in den anschliessenden gerichtlichen Prozessen stets geltend, sie hätte als Gesunde ab August 2003, unter gleichzeitiger Reduktion ihrer übrigen Tätigkeiten, ein Vollpensum als Primarlehrerin aufgenommen. Die unter den Parteien jedenfalls bis August 2003 unbestrittene - und auch auf Grund des damaligen Alters der drei Kinder nachvollziehbare - Annahme einer Erwerbstätigkeit der Versicherten im Ausmass von 48 % erübrigt entgegen der Betrachtungsweise des kantonalen Gerichts, zumindest für den Zeitraum bis Ende Juli 2003, eine Rückweisung der Sache an die Verwaltung und zusätzliche Abklärungen in diesem Punkt. Soweit im vorinstanzlichen Entscheid der erwerbliche Charakter der Tätigkeit der Beschwerdegegnerin als Gemeinderätin angezweifelt wird, ist darauf hinzuweisen, dass dafür in den Jahren 1999 und 2000 ein Entgelt von je Fr. 4500.- ausbezahlt wurde. Gemäss Abs. 27 Abs. 2 IVV - in der seit 1. Januar 2003 geltenden Fassung - werden jedoch lediglich nicht entlöhnte karitative Einsätze bzw. - ab 1. Januar 2004 - gemeinnützige Tätigkeiten als Teil der Aufgaben der im Haushalt beschäftigten Versicherten angesehen (vgl. für die Zeit vorher: Rz 3095 des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], in der ab 1. Januar 2001 geltenden Fassung, Position "Verschiedenes" ["gemeinnützige Tätigkeiten"]; zum Ganzen: BGE 130 V 364 f. Erw. 3.3.2 sowie Urteil W. vom 8. Mai 2006, I 898/05, Erw. 3.3.1), worunter das gemeinderätliche Amt nicht fällt, wenn diesem in Anbetracht der für den doch nicht unerheblichen zeitlichen Aufwand eher geringen Entlöhnung ein ehrenamtlicher Aspekt auch nicht abgesprochen werden kann. Ebenfalls für diese Lösung spricht im Übrigen der - analogieweise zu berücksichtigende - Umstand, dass im IV-Hilfsmittelbereich eine in diesem Rahmen relevante Erwerbstätigkeit bereits angenommen wird, wenn das jährlich erzielte Einkommen mindestens Fr. 3861.- (Rz 1017 des Kreisschreibens des BSV über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung [KHMI] in Verbindung mit Anhang 1 Ziff. 6.1 KHMI [in der vom 1. Februar 2000 bis 31. März 2004 in Kraft gestandenen Fassung]; vgl. auch BGE 130 V 363 Erw. 3.2.1) bzw. Fr. 4208.- (Rz 1017 KHMI in Verbindung mit Anhang 1 Ziff. 6.1 KHMI [in der seit 1. April 2004 geltenden Fassung]) erreicht. 5.2.2 Was den Zeitraum ab August 2003 anbelangt, erscheinen die Verhältnisse demgegenüber, wie das kantonale Gericht zutreffend erkannt hat, unklarer. Zwar bestehen gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdegegnerin ihr bisheriges Teilpensum als Lehrerin tatsächlich im August 2003 auf ein Vollpensum erhöht hätte. So brachte sie dieses Argument bereits anlässlich der ersten Haushaltserhebungen gegenüber der IV-Abklärungsperson vor und hielt daran konsequent während der gesamten folgenden Verfahren fest (vgl. auch die von der Versicherten verfassten "Gedanken zum IV Bericht vom 31.10.03"). Ferner bestätigt das Schreiben der Primarschulkommission der Gemeinde Bannwil vom 26. März 2006, dass eine entsprechende Vollzeitstelle an ihrem bisherigen Arbeitsort auf August 2003 frei geworden wäre und offenbar reelle Chancen der Beschwerdegegnerin bestanden hätten, diese zu übernehmen. Des Weitern wohnten die Kinder der Versicherten im Zeitpunkt der Haushaltsabklärungen (von September 2003) zwar offenbar noch im Elternhaus, waren aber damals bereits 15-, 17- sowie 19-jährig und somit der intensivsten Betreuungsphase entwachsen. Der letztinstanzlichen Vernehmlassung der Versicherten vom 31. März 2006 ist sodann zu entnehmen, dass die beiden älteren Kinder mittlerweile ausgezogen sind und nurmehr die jüngste Tochter zu Hause lebt. Entgegen der Auffassung der IV-Stelle lassen diese Indizien durchaus die Annahme einer ab August 2003 erhöhten Erwerbstätigkeit zu, zumal eine damit einhergehende Reduktion der anderweitigen ehrenamtlichen Beschäftigungen wohl ohne weiteres möglich gewesen wäre. Dem kantonalen Gericht ist indessen darin beizupflichten, dass allein auf Grund der derzeitigen Aktenlage eine entsprechende, im Gesundheitsfall vorgenommene Pensumserweiterung nicht als mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt gelten kann. Namentlich fehlen Angaben darüber, wie die Führung des gesamten Haushaltes (samt Umschwung [Gemüsegarten, Obstbäume, Schwimmbad] und Tieren) bei einem beruflichen Vollpensum der Beschwerdegegnerin organisiert worden wäre, fehlt es doch sowohl dem Ehemann der Versicherten als vollzeitlich tätigem Aussendienstmitarbeiter wie auch den sich im Jahre 2003 in der Lehre befindenden bzw. noch schulpflichtigen Kindern zumindest tagsüber an den hierfür erforderlichen Zeitreserven. Der regelmässige wöchentliche Einsatz einer Reinigungshilfe, wie im Abklärungsbericht Haushalt vom 18. September 2003 angedeutet, vermöchte dafür - jedenfalls für sich allein - noch keine Abhilfe zu schaffen. Ebenfalls noch zu verdeutlichen sein wird, in welchem Rahmen und bezüglich welcher Tätigkeiten die Beschwerdegegnerin ihre anderweitigen Engagements (Gemeinderätin, ehrenamtliche Beschäftigungen etc.) konkret reduziert hätte, sowie die finanzielle Situation der Familie. Die durch das kantonale Gericht entschiedene Rückweisung der Sache in diesem Punkt erweist sich daher, soweit den Zeitraum ab August 2003 betreffend, als rechtens. Sollte die Verwaltung, nachdem sie die entsprechenden Abklärungen vorgenommen hat, zur Annahme gelangen, dass die Versicherte ohne gesundheitliche Einschränkungen auf August 2003 ein Vollpensum als Lehrerin aufgenommen hätte, und bewirkte dieser Statuswechsel eine Änderung des Invaliditätsgrades, wäre diese im Moment ihres Eintritts, d.h. ab August 2003, zu berücksichtigen (vgl. Urteil H. vom 6. Februar 2006, I 599/05, Erw. 5.2.3 mit Hinweisen).