Citation: 6B_436/2010 06.12.2010 E. 5

Wegen Schändung wird gemäss Art. 191 StGB insbesondere bestraft, wer eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zu einer sexuellen Handlung missbraucht. 5.1 Offenkundig handelt es sich bei den vorgeworfenen um "eindeutig sexualbezogene" Handlungen (BGE 125 IV 58 E. 3b; Berührung der Scheide am 28. Mai und 6. Juli 2006; Massage der Klitoris am 10. Juli 2006; Eindringen mit der Fingerspitze in die Scheide am 10. Juli 2006). Die als medizinisch indiziert beurteilten Massagen "nahe am Schambereich" bezieht die Vorinstanz ausdrücklich nicht in ihre Schuldsprüche ein. Insoweit ist die Beschwerde unbegründet. Es ist deshalb auch die im Urteil 6S.448/2004 E. 1.2.4 offen gelassene Frage nicht zu prüfen, ob die irrtümliche Annahme, eine Behandlung sei medizinisch indiziert, Widerstandsunfähigkeit begründen kann. 5.2 Nach konstanter Rechtsprechung gilt als widerstandsunfähig, wer nicht im Stande ist, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu wehren. Art. 191 StGB schützt Personen, die einen zur Abwehr ausreichenden Willen zum Widerstand gegen sexuelle Übergriffe nicht oder nicht sinnvoll bilden, äussern oder betätigen können. Dabei genügt, dass das Opfer vorübergehend zum Widerstand unfähig ist. Die Gründe für die Widerstandsunfähigkeit können dauernder oder vorübergehender, chronischer oder situationsbedingter Natur sein. Erforderlich ist, dass die Widerstandsfähigkeit gänzlich aufgehoben ist (ausführlich BGE 133 IV 49 E. 7.2; auf diesen Grundsatzentscheid stützen sich auch die vom Beschwerdeführer angerufenen Urteile 6B_206/2009 E. 3.1, 6B_527/2008 E. 3.1 und 6B_453/2007 E. 3.1). Demnach ist entscheidend, dass die vorgeworfene Berührung eine sexuelle Handlung ist und das Opfer diese Berührung aus den genannten Gründen nicht von vornherein verhindern kann (Urteil 6S.448/2004 E. 1.2.3). 5.3 Der Beschwerdeführer berücksichtigt in seiner Analyse der bundesgerichtlichen Rechtsprechung diese massgeblichen Kriterien nicht. So kommt er zu seinem Ergebnis, dass die körperliche Lage des Opfers (alleine) entscheidet, ob der Tatbestand Anwendung findet oder nicht, und folgert, dass vorgängige sexuelle Belästigung durch den Therapeuten oder Rückenlage des Opfers als solche Schändung grundsätzlich auszuschliessen vermöchten. Das trifft die Sache nicht. Wie erwähnt, gilt als widerstandsunfähig im Sinne von Art. 191 StGB, wer nicht im Stande ist, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu wehren. Dabei kann die körperliche Lage des Opfers eine Rolle spielen. Therapeuten vermögen aber ohne weiteres zwischen einer medizinischen Massage und einer Intimmassage zu unterscheiden. Eine ungewollte Berührung der Geschlechtsteile ist bei fachgerechter Massage praktisch weitgehend auszuschliessen. Kommt es zu einer ungewollten Berührung, wird ein Therapeut die Behandlung unterbrechen, den Patienten aufklären und mit diesem das weitere Vorgehen besprechen müssen (Fortsetzung oder Abbruch der Massage). Der Patient seinerseits kann auf eine fachgerechte Massage vertrauen und muss nicht mit Übergriffen rechnen (BGE 133 IV 49 E. 5.3 und 7.4). Er kann und soll sich entspannen können, selbst wenn er an Beinen oder am Unterleib behandelt wird. Weiter ist Patienten zuzugestehen, dass sie nicht leicht einschätzen können, wie "nahe" am Intimbereich Massagen noch medizinisch indiziert sind. Die beiden Frauen liessen sich an den Beinen aufgrund einer medizinischen Indikation vom Beschwerdeführer behandeln. Dieser war der Physiotherapeut der Sportgruppe, zu der sie gehörten. Es fällt bereits auf, dass sie bis auf das Bikini entkleidet auf dem Massagetisch liegen mussten. Bei fachgerechter Massage werden Körperregionen, die nicht aktuell behandelt werden, in der Regel abgedeckt. Die beiden Frauen mussten aber nicht mit Übergriffen rechnen. Sie waren bloss unsicher, "wie weit" die Massage indiziert war. Dass sie die Massage fortsetzen liessen, vermag den Beschwerdeführer nicht zu entlasten (BGE 133 IV 49 E. 7.4). Die Berührung ihrer Geschlechtsteile aber überraschte sie. Als sie diese Berührung realisierten, war der Tatbestand von Art. 191 StGB bereits vollendet (BGE 133 IV 49 E. 7.3 und 7.4). Es handelte sich um eine situationsbedingte Widerstandsunfähigkeit. Zutreffend nimmt die Vorinstanz hingegen unter den festgestellten Umständen an, nach dem ersten massiven Übergriff am 10. Juli 2006 (Massage der Klitoris) sei der anschliessende zweite Übergriff (Eindringen mit der Fingerspitze in die Scheide) nicht mehr dermassen überraschend erfolgt, dass Widerstandsunfähigkeit angenommen werden könnte. Das war keine "übliche" Massage mehr (Urteil 6B_206/2009 E. 3.4.4). Dass diese Patientin beim ersten Übergriff am 10. Juli 2006 in Rückenlage und beim anschliessenden zweiten in Bauchlage war, erweist sich somit nicht als entscheidend. Diese beiden Übergriffe beurteilt die Vorinstanz überdies zutreffend nicht als eine natürliche Handlungseinheit. Die Vorinstanz verletzt kein Bundesrecht.