Citation: U 283/06 23.02.2007 E. 7.2

7.2.1 Das Gesetz ist in erster Linie nach seinem Wortlaut auszulegen. Ist der Text unklar oder lässt er verschiedene Deutungen zu, so muss unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente (insbesondere Entstehungsgeschichte, Systematik sowie Zweck der Bestimmung) nach der wahren Tragweite der auszulegenden Norm gesucht werden. Dabei hat sich die höchstrichterliche Rechtsprechung bei der Auslegung von Erlassen stets von einem pragmatischen Methodenpluralismus leiten lassen und es abgelehnt, die einzelnen Auslegungselemente einer Prioritätsordnung zu unterstellen (zum Ganzen BGE 131 III 33 E. 2 S. 35, 130 V 229 E. 2.2 S. 232; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 68/02 vom 18. August 2005, E. 3.1). 7.2.2 Der Vorinstanz ist beizupflichten in Bezug auf die Anwendbarkeit der 30-tägigen erstinstanzlichen Beschwerdefrist von Art. 60 Abs. 1 ATSG auf Verfahren betreffend Zuweisungen im Sinne von Art. 73 Abs. 2 UVG. Der klare Wortlaut von Art. 106 UVG spricht dafür, dass die dreimonatige "besondere Beschwerdefrist" (Überschrift dieser Gesetzesbestimmung) "in Abweichung von Art. 60 ATSG" - nur, aber immerhin - "bei Einspracheentscheiden über Versicherungsleistungen" zur Anwendung kommt. Zuweisungsstreitigkeiten nach Art. 73 Abs. 2 UVG fallen offensichtlich nicht unter den Begriff "Versicherungsleistungen" und somit nicht in den Anwendungsbereich von Art. 106 UVG. Nichts anderes ergibt sich aus der Gesetzessystematik, wonach Art. 73 UVG unter dem fünften Titel "Organisation" (Art. 58 ff. UVG) steht, während die "Versicherungsleistungen" in den Art. 10-52 UVG unter dem dritten Titel geregelt sind. In der Eigenschaft als eine Art Auffangnetz sorgt die Ersatzkasse subsidiär im Sinne von Art. 73 Abs. 1 UVG für den lückenlosen Versicherungsschutz der nicht bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) versicherten Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber der Pflicht zur Versicherung bei einem registrierten Versicherungsträger nicht nachgekommen sind (Urteil U 17/06 vom 6. November 2006). Im Unterschied dazu befasst sich Abs. 2 von Art. 73 UVG nicht mit verunfallten, sondern mit zu versichernden Arbeitnehmern. Entgegen der Beschwerdeführerin (Verwaltungsgerichtsbeschwerde S. 6) beinhaltet der Zuweisungsentscheid im Sinne von Art. 73 Abs. 2 UVG nicht die Verpflichtung zu Lasten des betroffenen Unfallversicherers, in einem konkreten Fall Versicherungsleistungen zu erbringen. Die Zuweisung ist nur - aber immerhin - Voraussetzung dafür, dass der erfasste Unfallversicherer nach Eintritt des versicherten Risikos bei einer versicherten Person die gesetzlichen Leistungen erbringt. Handelt es sich bei der Zuweisung im Sinne von Art. 73 Abs. 2 UVG offensichtlich nicht um "Versicherungsleistungen" nach Art. 106 UVG, gelangt nach dem Gesagten im erstinstanzlichen Rechtspflegeverfahren die 30-tätige Beschwerdefrist von Art. 60 Abs. 1 ATSG zur Anwendung.