Citation: 1P.408/2003 30.10.2003 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer macht zu Recht (oben E. 2.2. zweiter Absatz) nicht geltend, dass ihm hätte Gelegenheit eingeräumt werden müssen, der ihn belastenden Tochter direkt Ergänzungsfragen zu stellen. Er behauptet indessen, dass weder er noch sein Verteidiger während des gesamten Strafverfahrens jemals die Möglichkeit gehabt hätten, Fragen zur Sache an die Belastungszeugin zu stellen. Er sei zwar mit dem Vorsitzenden des Strafgerichts einig gegangen, dass an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wegen der seit den angeblichen Übergriffen verstrichenen Zeit von R.A.________ keine zuverlässigen Angaben mehr erhältlich gewesen wären und es daher sinnvoll und zu deren Wohl gewesen war, auf eine Befragung zur Sache zu verzichten. Nichtsdestotrotz halte er fest, dass er vor erster Instanz an seinem Anspruch auf Befragung der Belastungszeugin festgehalten habe. Es könne ihm nicht angelastet werden, dass ihm im Rahmen der Voruntersuchung keine Möglichkeit eingeräumt worden sei, von seinem Fragerecht Gebrauch zu machen. 3.2 Nach dem Protokoll der Hauptverhandlung des Strafgerichts, dessen Richtigkeit nicht bestritten ist, wurde R.A.________ am 15. Mai 2002 in Begleitung einer Vertrauensperson unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Auskunftsperson befragt. Nachdem der Beschwerdeführer darauf hingewiesen wurde, er könne selber entscheiden, ob er während der Befragung von R.A.________ warten wolle, um Ergänzungsfragen stellen zu lassen, wurde R.A.________ auf ihre Wahrheitspflicht und ihr Aussageverweigerungsrecht hingewiesen. Sie erklärte auf Befragen, sie wisse alles im Hinterkopf, aber nicht im Detail. Danach wurde sie hinausgeschickt, und die Staatsanwaltschaft und die Parteivertreter hatten Gelegenheit, dem Gericht die zu stellenden Frage zu unterbreiten. Dabei schlug der Vertreter des Beschwerdeführers auch Fragen zur Sache vor ("Was hat Dir der Papi für ein Leid angetan ?"). In der Folge beantwortete R.A.________ eine Frage nach dem Verhalten des Vaters wie folgt: "Er hat mir sehr weh getan. Wenn wir in der Schule Sexualkunde hatten, spürte ich den Schmerz wieder oder so. Ich will nicht über Details reden, aber ich stehe dazu, was ich sagte. Ich hoffe, er macht es nicht mehr, weder bei mir noch bei anderen. (..)". Nach dem Protokoll wurde nach dem Abschluss der Befragung durch das Gericht von keiner Seite beantragt, Ergänzungsfragen zu stellen. 3.3 Der Beschwerdeführer hatte somit an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung Gelegenheit, R.A.________ Ergänzungsfragen stellen zu lassen, und er wurde sogar ausdrücklich auf dieses Recht hingewiesen. Die Auskunftsperson hat auch deutlich gemacht, dass sie sich an das Vorgefallene jedenfalls in groben Zügen erinnern könne. Es ist auch durchaus plausibel, dass sich das im Zeitpunkt der Verhandlung gut 12½ - jährige Mädchen an so einschneidende Vorfälle wie sexuelle Übergriffe durch den Vater erinnerte, auch wenn diese 2½ Jahre und mehr zurücklagen. Der Beschwerdeführer hatte somit in einem Zeitpunkt Gelegenheit, Ergänzungsfragen an die ihn belastende Tochter stellen zu lassen, in welchem diese noch durchaus in der Lage war, sich zu den Anklagepunkten substantiell zu äussern, auch wenn sie sich wohl nicht mehr an alle Details erinnern konnte. Die Rüge, eine solche Möglichkeit sei ihm vorenthalten und dadurch sein konventions- und verfassungsmässiges Recht, Ergänzungsfragen an seine Tochter stellen zu lassen, verletzt worden, ist unbegründet.