Citation: 1C_99/2023 E. 4.2

4.2. Zwar sind die beiden Projekte WOV und "N02 Halbanschluss Altdorf" wegen der unterschiedlichen Zuständigkeiten richtigerweise in verschiedenen Verfahren bewilligt worden (vgl. E. 2.2.2 hiervor). Allerdings sind die WOV und der Halbanschluss räumlich, funktional und betrieblich so eng miteinander verknüpft, dass es sich lärmschutzrechtlich - entgegen dem angefochtenen Urteil - um Teile einer Gesamtanlage handelt (vgl. E. 2.3 hiervor). Wie den Technischen Berichten zur WOV vom 29. März 2018 und dem Technischen Bericht zum Ausführungsprojekt "N02 Halbanschluss Altdorf" vom 17. Mai 2019 zu entnehmen ist, sind die beiden Teilanlagen WOV und Halbanschluss je mit sehr umfangreichen und aufwändigen Bauarbeiten verbunden. Neu entstehen sollen insbesondere ein ca. 1350 m langer Strassenkorridor inklusive Überquerung des Schächenbachs, eine rund 372 m lange Einfahrtsrampe auf die Nationalstrasse N02 Richtung Norden, eine rund 388 m lange von der Nationalstrasse N02 Richtung Süden führende Ausfahrtsrampe und mehrere Kreisel zum Anschluss der neuen Bauwerke an das bestehende Strassennetz. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf ca. 36 Mio. Fr. (WOV: 24,36 Mio. Fr., Halbanschluss: 11,67 Mio. Fr.). Das Gesamtvorhaben hat grosse Auswirkungen auf die Lärmsituation, wobei es für gewisse Gebiete mit einer Entlastung und für andere Gebiete mit einer zusätzlichen Belastung verbunden ist. Nach dem Ausgeführten handelt es sich bei der Gesamtanlage - bestehend aus WOV und Halbanschluss - lärmschutzrechtlich um eine neue (Gesamt-) Anlage im Sinne von Art. 25 USG. Die vor dem Inkrafttreten des USG erstellte Nationalstrasse wäre für sich alleine zwar als bestehende Verkehrsanlage zu qualifizieren, welche als solche nur untergeordnete bauliche Anpassungen erfahren soll. Mit Blick auf ihre neue Funktion als Umfahrungsroute von Altdorf im Rahmen des Gesamtprojekts (WOV und Halbanschluss) und den damit verbundenen Mehrverkehr von 10-20 % wird die bestehende Nationalstrasse im Bereich des neuen Anschlusses jedoch Teil des übergeordneten Projekts bzw. der Gesamtanlage. Die bestehende Fahrbahn der Nationalstrasse erscheint im Verhältnis zur neuen (Gesamt-) Anlage von geringerer Bedeutung als der umfangreiche neue Teil. Ausgehend von der Fahrbahn der bestehenden Nationalstrasse im Bereich des neuen Halbanschlusses handelt es sich bei der Gesamtanlage nicht mehr nur um eine wesentliche Änderung, sondern um eine übergewichtige Erweiterung einer bestehenden Anlage im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Im Gegensatz zu den Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Urteil bildet die Stammachse der Nationalstrasse im Bereich des geplanten Halbanschlusses lärmschutzrechtlich somit keine separat zu beurteilende, bestehende Anlage, sondern ebenfalls Bestandteil der neuen (Gesamt-) Anlage. Dass die Nationalstrasse N02 früher bereits lärmschutzrechtlich saniert worden ist, ändert daran nichts.