Citation: 6B_568/2020 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt, die im Rahmen des polizeilichen Ermittlungsverfahrens erfolgte Befragung des Beschwerdeführers vom 27. März 2017 sei verwertbar. Sie habe um 14.55 Uhr angefangen. Damit habe sie vor den bzw. in Unkenntnis der Aussagen des Beschwerdegegners stattgefunden, dessen Einvernahme um 15.26 Uhr begonnen habe. Bei dieser ersten Befragung sei zu klären gewesen, ob der Beschwerdeführer überhaupt an der fraglichen Auseinandersetzung beteiligt gewesen sei und welche Rolle er dabei gespielt habe. Zu diesem Zeitpunkt sei noch nicht klar gewesen, dass es sich um einen Fall notwendiger Verteidigung handeln könne. Die ermittelnde Polizei habe damals zwar schon gewusst, dass der Beschwerdegegner eine Kopfverletzung erlitten habe, weshalb er mit der Ambulanz ins Spital gebracht worden sei. Sie habe aber erst nach der Befragung der Personen davon ausgehen können, dass der Beschwerdeführer verdächtigt werde. Dass sich C.________, der vor dem Beschwerdeführer einvernommen worden sei, im weiteren Verlauf der Untersuchung nicht als Beschuldigter, sondern als Zeuge entpuppt habe, ändere daran nichts. Die zur Eröffnung einer Strafuntersuchung erforderlichen tatsächlichen Hinweise auf eine strafbare Handlung müssten erheblich und konkreter Natur sein. Blosse Gerüchte oder Vermutungen würden nicht genügen. Der Anfangsverdacht müsse auf einer plausiblen Tatsachengrundlage beruhen, aus der sich die konkrete Möglichkeit der Begehung einer Straftat ergebe. Die Strafuntersuchung hätte somit nicht bereits nach der polizeilichen Einvernahme von C.________ eröffnet werden müssen. Der Verwertbarkeit der polizeilichen Einvernahme des Beschwerdeführers vom 27. März 2017 stehe daher nichts entgegen (Urteil S. 7 ff. E. 2). Die Vorinstanz hält in Bezug auf die Verwertbarkeit der Aussagen des Beschwerdegegners fest, dieser sei noch am Tag des Vorfalls polizeilich einvernommen worden. Das Verfahren habe sich da noch im polizeilichen Ermittlungsverfahren befunden. Bei diesen selbständigen Ermittlungen der Polizei bestehe kein Anspruch auf Parteiöffentlichkeit; Art. 147 StPO sei nicht anwendbar. Im Übrigen sei der Beschwerdeführer der Einvernahme des Beschwerdegegners vom 10. April 2017, als dieser die früheren Ausführungen bekräftigt habe, audiovisuell zugeschaltet gewesen und habe Ergänzungsfragen stellen können. Die Aussagen des Beschwerdegegners vom 27. März 2017 seien daher verwertbar (Urteil S. 10 E. 3).