Citation: U 2/01 16.10.2002 E. 2

2.1 Das kantonale Gericht ging im angefochtenen Entscheid unter Wiedergabe der verschiedenen ärztlichen Auffassungen davon aus, dass ein natürlicher Kausalzusammenhang mit der Beinlängendifferenz und dem Unfallereignis überwiegend wahrscheinlich sei. Diese Schlussfolgerung anerkennt die Beschwerdeführerin ausdrücklich. Zur hier strittigen Frage, ob die festgestellten Lumbalbeschwerden auf diese unfallbedingte Beinlängenverkürzung zurückzuführen und somit ebenfalls als unfallkausal zu werten seien und wenn ja, ob diese Beschwerden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten zeitigten, liess es sich in Würdigung der medizinischen Akten von folgenden Überlegungen leiten. Die behandelnden Orthopäden des Spitals Y.________ würden davon ausgehen, dass die lumbalen Beschwerden mit der Beinlängenverkürzung zusammenhängen und damit auf das Unfallereignis zurückzuführen seien (Bericht vom 15. September 1999). Eine Beinverkürzung mit entsprechender Fehlhaltung der Wirbelsäule sei gemäss diesen Ärzten objektivierbar. Der frühere Hausarzt der Versicherten, Dr. med. S.________, stimme dieser Auffassung zu, wenn er festhalte, das Becken sei infolge der Beinlängenverkürzung nach rechts gekippt und dass dieser Befund wahrscheinlich für die belastungsabhängigen Rückenbeschwerden verantwortlich sei (Bericht vom 25. Juli 1997). Auch der neue Hausarzt, Dr. med. L.________, halte fest, dass zumindest «subjektiv» sich ein Zusammenhang der lumbalen Beschwerden mit dem durch die Beinlängenverkürzung verursachten Beckenschiefstand aufdränge, auch wenn dies aufgrund der eher geringgradigen Befunde kontrovers beurteilt werden könne (Bericht vom 10. September 1999). Demgegenüber seien die vom Unfallversicherer beigezogenen Ärzte Dr. med. V.________ (Schreiben vom 5. und 15. Juni 1998; Bericht vom 13. Dezember 1997) und Dr. med. H.________ der Auffassung, dass die Rückenbeschwerden ereignisfremd seien. Dr. med. H.________ führe die lumbalen Beschwerden auf die bei der Versicherten festgestellte lumbo-sakrale Übergangsstörung zurück, die unstreitig nicht mit der Beinlängenverkürzung zusammenhänge, da diese bereits am Unfalltag festgestellt worden sei (Gutachten vom 29. März 1999). 2.2 Diese unterschiedlichen ärztlichen Beurteilungen würdigte das kantonale Gericht dahingehend, für die Auffassung von Dr. med. V.________ und Dr. med. H.________ sprächen neben dem Umstand, dass bei der Versicherten Anomalien vorlägen (lumbo-sakrale Übergangsstörung) die Tatsache, dass die Beinlängendifferenz relativ früh entdeckt und mittels Schuheinlage ausgeglichen worden sei. Es habe sich in der Folge auch eine (vorübergehende) Besserung des Zustandes eingestellt. Andererseits sei nicht zu verkennen, dass die Versicherte vor dem Unfall unstreitig nicht unter lumbalen Beschwerden gelitten habe. Die diagnostizierte lumbo-sakrale Übergangsstörung habe somit vor dem Unfall zu keinen Beschwerden geführt. Im Weiteren sei auch für den medizinischen Laien nachvollziehbar, dass eine durch Unfall im Erwachsenenalter verursachte Beinlängenverkürzung zu muskulären Dysbalancen und damit einhergehenden Rückenbeschwerden führen könne. Wenn Dr. med. H.________ in seinem Gutachten festhalte, eine geringe Beinlängenverkürzung wie vorliegend komme in der Durchschnittsbevölkerung häufig vor, ohne dass sie zu Beschwerden führe, hielten dem die behandelnden Orthopäden des Spitals Y.________ in nachvollziehbarer Weise entgegen, dass geringfügige Beinlängenverkürzungen regelmässig zwar dann keine Beschwerden zur Folge hätten, wenn sie angeboren seien; anders sei die Sachlage jedoch dann, wenn eine Verkürzung erst im Erwachsenenalter eintrete. Die Muskulatur sei dann an die Ungleichheit nicht angepasst, sodass lumbale Beschwerden auftreten könnten. Im Weiteren könne Dr. med. H.________ auch insofern nicht uneingeschränkt gefolgt werden, als er festhalte, die Beinverkürzung sei durch Schuherhöhung ausgeglichen. Es sei diesbezüglich zu beachten, dass bei der Bemessung der Beinlängendifferenz zwischen den verschiedenen Ärzten erhebliche Unterschiede bestünden. Es würden Differenzen von 0,8 bis 2 cm genannt. Zuerst sei eine Einlage von 0,5 mm, dann eine von 1 cm angeordnet worden. Ob bei dieser Sachlage die Beinlängendifferenz tatsächlich in genügender Art und Weise ausgeglichen worden sei bzw. werde, sei daher nicht ganz klar. Immerhin sei auch nach der Verordnung von Einlagen noch festgestellt worden, dass eine deutliche Fehlstatik der Wirbelsäule durch die posttraumatisch bedingte Beinverkürzung bestehe. Zusammenfassend hielt das kantonale Gericht fest, bei dieser Sachlage sei es ihm nicht möglich, gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten abschliessend über die Frage der Unfallkausalität der lumbalen Beschwerden zu entscheiden. Die Sache sei daher, wie dies der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. L.________ vorschlage, zur Einholung eines zusätzlichen orthopädischen Gutachtens zur Frage der Kausalität und der Auswirkungen der lumbalen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit an die Unfallversicherung zurückzuweisen. 2.3 Diese Überlegungen des kantonalen Gerichts, welche auf einer sorgfältigen Würdigung der verschiedenen ärztlichen Unterlagen beruhen, lassen gewisse Zweifel an den Stellungnahmen der Dres. med. V.________ und H.________ zur Unfallkausalität der lumbalen Beschwerden aufkommen. Aufgrund der Akten bestehen keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdegegnerin vor dem Unfall an lumbalen Beschwerden gelitten hat. Ferner hatte der Unfall eine Beinlängendifferenz mit Beckenschiefstand zur Folge, die zwar mit Schuheinlagen ausgeglichen wurde. Schliesslich halten neben den beiden Hausärzten Dr. med. S.________ und Dr. med. L.________ insbesondere die operierenden Ärzte der chirurgischen und orthopädischen Abteilung des Spitals Y.________ in der Stellungnahme vom 15. September 1999 eine Verursachung der lumbalen Beschwerden durch die Beinverkürzung für möglich, weil diese erst im Erwachsenenalter entstanden ist. Diese Gründe, namentlich Letzterer, lassen gewisse Zweifel an der Beurteilung des Dr. med. H.________ im Gutachten vom 29. März 1999 aufkommen, dessen Begründung für die Verneinung der Unfallkausalität sich im Wesentlichen darauf beschränkt, solch leichte Beinlängendifferenzen seien häufiger als völlig symmetrische Beinlängen bei der Durchschnittsbevölkerung und führten nicht zu irgendwelchen Rückenproblemen; zudem könne eine leichte Beinlängendifferenz ohne weiteres durch eine Talonette oder Absatzerhöhung ausgeglichen und damit eine mögliche leichte Muskeldysbalance behoben werden. Unter diesen Umständen rechtfertigt sich die Einholung eines zusätzlichen Gutachtens, woran die Einwendungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts ändern. Es wird Sache der Beschwerdeführerin sein, das Gutachten unter Gewährung des rechtlichen Gehörs zu veranlassen und hernach erneut über den Leistungsanspruch der Beschwerdegegnerin zu verfügen.