Citation: 4A_167/2023 E. 3.2.2

3.2.2. Die Vorinstanz erwog, zwar sei für sich allein nicht klar, dass die offerierten Fr. 580.-- als Pauschalpreis zu verstehen seien. Die Abkürzung "LE" stehe unstreitig für Leistungseinheit, hier für Laufmeter. Da aber in der nachfolgenden Spalte "Menge" "1.00" stehe, dränge sich der Schluss auf, die Offerentin (die Beschwerdeführerin) solle nur für einen Meter offerieren. Auch sei zwar erklärbar, dass die Beschwerdeführerin den offerierten Preis von Fr. 580.-- mit den nach der Ausführung der Arbeiten gemessenen tatsächlichen 392.2 Metern multipliziere und so auf eine Forderungssumme von rund Fr. 227'000.-- komme. Dies stimme vom Mechanismus her mit der Berechnung anderer von ihr geleisteter Arbeiten überein. Jedoch bestehe zu dieser Berechnung ein offenkundiger Widerspruch, wenn die zu reinigende Strecke mit 450 Metern angegeben werde, dann aber unter Menge nur "1.00" stehe. Das angegebene Ausmass müsste auch in der Zeile mit den zu offerierenden Preisen erscheinen, so wie dies bei vorerwähnten anderen Arbeiten der Fall war. Auch das in der Offerte angegebene Zwischentotal (Fr. 124'923.10) entspreche nicht der Forderungssumme oder dem Produkt von Laufmeter und Preis pro Meter (450 x Fr. 580.--). Zudem umfasse das Zwischentotal auch andere Positionen der Leistungskategorie "237 Kanalisation und Entwässerungen". Wenn, wie vorliegend, nur eine Summe genannt werde (die Fr. 580.--), dränge sich für einen vernünftigen und korrekten Adressaten resp. Vertragspartner nach Treu und Glauben der Schluss auf, dass die streitige Position mit dem angegebenen Franken-Betrag pauschal offeriert werde. Daran ändere nichts, dass die Strecke am Ende 392.2 Meter, statt 450 Meter betragen habe. Eine derartige Ungenauigkeit sei in der Baubranche notorisch normal und müsse als von beiden Parteien stillschweigend akzeptiert gelten.