Citation: 8C_663/2021 E. 5.6.5

5.6.5. Ebenso wenig vermag der beanstandete Verzicht auf testpsychologische Zusatzuntersuchungen einen gutachterlichen Mangel im Sinn einer unvollständigen Expertise zu begründen. Es liegt im Ermessen der oder des psychiatrischen Sachverständigen zu entscheiden, inwiefern testpsychologische Befunde der Anamnese dienen und angezeigt sind (vgl. die Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie [SGPP] vom 16. Juni 2016 [3. vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage, SZS 2016 S. 435 ff.], Ziff. 4.3.2.2 S. 11; VENZLAFF/FOERSTER/DRESSING/HABERMEYER, Psychiatrische Begutachtung - Ein praktisches Handbuch für Ärzte und Juristen, 7. Aufl. 2020, Ziff. 2.7.3 S. 22 f.; DOHRENBUSCH/SCHNEIDER/MERTEN, Zur Bedeutung der Testpsychologie bei der ICF-orientierten Begutachtung, in: Schneider et al. [Hrsg.], Begutachtung bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen - Autorisierte Leitlinien und Kommentare, 2012, S. 65 ff., Ziff. 5.1 S. 68). Es trifft nicht zu, dass die Ergebnisse eines psychiatrischen Gutachtens generell nicht aussagekräftig wären, wenn solche Tests nicht durchgeführt wurden (vgl. Urteile 9C_725/2013 vom 29. Januar 2014 E. 4.3; 9C_618/2013 vom 4. Dezember 2013 E. 4.1). Testpsychologischen Untersuchungen kommt nach den aktuell geltenden Qualitätsstandards in der psychiatrischen Begutachtung bloss ergänzende Beweisfunktion zu (vgl. Urteile 9C_51/2021 vom 29. März 2021 E. 4.3; 9C_362/2020 vom 21. Oktober 2020 E. 3.4; 9C_454/2019 vom 12. September 2019 E. 3.3.3; 9C_276/2017 vom 23. April 2018 E. 4.3.1; 9C_953/2012 vom 5. April 2013 E. 3.2.1).