Citation: U 322/02 07.10.2003 E. 3

3.1 Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der den Anspruch erhebenden Person glaubhaft zu machen. Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang ist auf die Beweismaxime hinzuweisen, wonach die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen; in RKUV 2000 Nr. U 377 S. 183 nicht veröffentlichte Erw. 2c des Urteils S. vom 3. Januar 2000, U 236/98; Urteil W. vom 21. August 2001, U 26/00, Erw. 1b in fine). 3.2 In der Bagatellunfallmeldung UVG vom 22. März 2001 wie auch in der Unfallmeldung UVG vom 28. März 2001 meldete der Personaldienst der Stadtverwaltung X.________ jeweils Folgendes: "Beim obligatorischen Turnunterricht musste Frau Z.________ einen Purzelbaum rückwärts machen, dabei hat sie sich im Nacken-/Schulterbereich verletzt". Im Arztschein zur Bagatellunfallmeldung der Klinik B.________ vom 24. März 2001 findet sich die gleiche Formulierung. Das Arztzeugnis UVG des Dr. med. L.________ vom 10. April 2001 umschreibt den Unfallhergang wie folgt: "Beim Turnunterricht bei der Rolle rückwärts plötzliche Halsschmerzen". In dem als Ergänzung zur Unfallmeldung der Versicherten zugestellten "Frageblatt zur Verletzung" gab diese am 2. April 2001 an, sie habe, nach Durchführung eines "Rückwärtspurzelbaums" im Turnunterricht, einen grossen Schmerz in der linken Schulterhälfte verspürt. Die Frage, ob sich "etwas Besonderes, Unvorhergesehenes (Sturz, Anschlagen, usw.)" ereignet habe, verneinte sie. Nachdem die "Berner" der Versicherten am 6. Juni 2001 mitgeteilt hatte, dass sie mangels Vorliegens eines Unfalles keine Leistungen erbringen würde, gab diese mit Schreiben vom 3. Juli 2001 "noch einmal den genauen Ablaufbeschrieb" des Ereignisses vom 20. März 2001 wieder. Darin wies die Versicherte darauf hin, dass sie bei der Rückwärtsbewegung ausgerutscht und schräg gelandet sei, wobei sie beim Versuch, sich zu retten, mit der linken Schulter aufgeschlagen sei. Zur Begründung, weshalb sie im Frageblatt die Frage, ob sich etwas Besonderes ereignet habe, verneint hatte, führte sie aus, das Ausrutschen sei im Formular nicht erwähnt gewesen, und wies im Weitern daraufhin, dass "der Ablauf eines Rückwärtspurzelbaums an und für sich Bewegungsabläufe beinhaltet, welche sehr schwierig zu beschreiben sind". In der vom 8. September 2001 datierenden Einsprache legte die Versicherte sodann dar, dass nach ihrer Ansicht kein Widerspruch zwischen der "Aussage der ersten Stunde" und der späteren Darstellung gemäss Schreiben vom 3. Juli 2001 bestehe, weil in letzterem lediglich der Ablauf des Unfallherganges detaillierter - aber eben nicht anders - geschildert werde. Noch einmal betonte die Versicherte dabei die Schwierigkeiten bei der Koordination des Ablaufs eines Rückwärtspurzelbaums und das einer solchen Bewegung inhärente Gefahrenpotential. Bei der Ausführung dieser Übung könne man "jederzeit ausrutschen, überdrehen oder falsch aufschlagen".