Citation: 2C_743/2019 E. 4.3.3

4.3.3. Bei Obligationen ohne überwiegende Einmalverzinsung, Darlehen, Forderungen aus Bank- und Spareinlagen und sonstigen Guthaben im Sinne von Art. 20 Abs. 1 lit. a DBG gilt demgegenüber nach der herrschenden Lehre das sogenannte subjektive Herkunftsprinzip, welches an die Person des Leistungserbringers anknüpft. Danach werden sämtliche Leistungen des Schuldners beim Gläubiger steuerlich als Vermögensertrag erfasst, wenn und soweit sie einen Bezug zur Kapitalschuld aufweisen, aber nicht zu ihrer Tilgung führen (vgl. AGNER/ JUNG/STEINMANN, Kommentar zum Gesetz über die direkte Bundessteuer, 1995, N. 1 zu Art. 20 DBG; BLUMENSTEIN/LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl. 2016, S. 218; XAVIER OBERSON, Droit fiscal suisse, 4. Aufl. 2012, N. 112 f. zu § 7; YVES NOËL, in: ders./Aubry Girardin [Hrsg.], Commentaire Romand, LIFD, 2. Aufl. 2017, N. 12 zu Art. 20 DBG; RISI/PREISIG, Geänderte Besteuerung der Obligationen und derivativen Finanzinstrumente, ST 73/1999 S. 601; JEAN-MARC RIVIER, L'imposition du revenu des obligations à intérêt unique prédominant, ASA 62, S. 449 ff., S. 455; WEIDMANN/SCHMID, a.a.O., S. 54; sinngemäss auch WALTER JECK, Neuste Entwicklungen bei der Besteuerung moderner Finanzinstrumente, ASA 68, S. 177 ff., S. 187; a.M. ANDRI MENGIARDI, Die Besteuerung der Investition in derivative Anlageprodukte ["strukturierte Produkte"] nach Schweizer Recht, 2008, S. 85 f. [in Bezug auf strukturierte Produkte]; RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., N. 20 zu Art. 20 DBG; kritisch auch Locher, a.a.O, N. 8 zu Art. 20 DBG; vgl. zum Ganzen Urteil 2C_77/2017 vom 16. Januar 2019 E. 4.3.2). Gilt das subjektive Herkunftsprinzip, bilden Leistungen Dritter prinzipiell keinen steuerbaren Ertrag, weil nach diesem Prinzip als steuerbarer Ertrag aus einem Forderungsrecht nur Leistungen des Schuldners an den Gläubiger, welche keine Rückzahlung des Kapitals darstellen, zu betrachten sind (WEIDMANN/SCHMID, a.a.O, S. 53). Zu den steuerbaren Zinsen eines Guthabens im Sinne von Art. 20 Abs. 1 lit. a DBG gehören nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entsprechend dem subjektiven Herkunftsprinzip sämtliche geldwerten Leistungen des Schuldners an den Gläubiger, soweit sie nicht zur Tilgung der Kapitalschuld führen. Unerheblich ist dabei, ob eine Leistung periodisch oder in Form einer Einmalentschädigung entrichtet wird. Entsprechend unterliegen auch ein Emissionsdisagio (Differenz zwischen dem Begebungskurs und dem Rückzahlungsbetrag) und ein Rückzahlungsagio (Differenz zwischen Nennwert und höherem Auszahlungsbetrag) der Besteuerung nach Art. 20 Abs. 1 lit. a DBG, und zwar am Ende der Laufzeit (siehe zum Ganzen Urteil 2A.203/2006 vom 17. Oktober 2007 E. 3.1 in: ASA 77 S. 546, StR 63/2008 S. 40, mit Hinweisen).