Citation: 2C_860/2017 E. 5.2.3

5.2.3. Das angebotene Produkt der Beschwerdeführerin 2 unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von einer solchen klassischen Anleihe, auf die sich Art. 3a Abs. 3 lit. b aBankV bezieht; die Anleger wurden nicht im Sinne von Art. 1156 OR informiert (letzte Jahresrechnung, Konzernrechnung sowie Revisionsbericht der Emittentin) : Die B.________ AG verfügte seit dem 24. Januar 2012 über keine ordentliche Revisionsstelle mehr, womit die neu hinzukommenden Investoren sachbedingt von keinen aktualisierten Revisionsberichten Kenntnis nehmen konnten. Die Gesellschaft, welche Anleihensobligationen ausgibt oder ausstehend hat, untersteht zwingend der ordentlichen Revision und sie hat einen Revisionsbericht eines Fachexperten vorzulegen. Dieser hat für den Investor unmittelbar einsehbar zu sein, damit er einen fundierten Anlageentscheid treffen kann, was ihm hier nicht möglich war. Im Übrigen enthält der Anleihensprospekt der "Zwangswandelanleihe" keine Angaben über die Vertretung der Anleihensgläubiger, obwohl diese von Gesetzes wegen eine Gläubigergemeinschaft bilden. Insgesamt hat - wie die Vorinstanzen zu Recht festgestellt haben - kein den gesetzlichen Anforderungen genügender Prospekt bestanden, weshalb den Anlegern auch keine genügenden Informationen im Sinne von Art. 1156 i.V.m. Art. 652a OR zur Verfügung standen. Nur sofern die vom Obligationenrecht vorgeschriebenen Mindestinformationen gesamthaft zugänglich gemacht werden, sind Anleihen vom Geltungsbereich des Bankengesetzes ausgenommen. Fehlen die nach Art. 1156 i.V.m. Art. 652a OR vorgeschriebenen Elemente oder Teile davon, handelt es sich nicht mehr um eine Anleihensobligation im Sinne von Art. 3a Abs. 3 lit. b aBankV, sondern um eine gewöhnliche Publikumseinlagen. Die Information des Publikums durch die notwendigen Angaben im Prospekt soll einen gleichwertigen Schutz bieten, wie ihn die Aufsicht der FINMA gewährleisten würde; es rechtfertigt sich nur in diesem Fall, die Anleihensobligation vom Geltungsbereich des Bankengesetzes auszunehmen (so OLIVIER ARTER, a.a.O., S. 94 ff., Ziffer 10.2.2.1.2.4; vgl. auch BAHAR/STUPP, in: Watter/Vogt/Bauer/Winzeler [Hrsg.], BSK Bankengesetz, 2. Aufl. 2013, N. 17 ff. zu Art. 1 BankG).