Citation: 5A_747/2020 E. 4.2.4

4.2.4. Was im konkreten Fall die realen Möglichkeiten der Beschwerdegegnerin angeht, im erlernten Beruf ein Erwerbseinkommen zu erzielen, lässt die Beschwerde eine Auseinandersetzung mit den vorinstanzlichen Feststellungen vermissen. Der Beschwerdeführer beschränkt sich stattdessen darauf, dem angefochtenen Entscheid die eigene Sichtweise des Sachverhalts gegenüberzustellen. Damit genügt er den gesetzlichen Begründungsanforderungen (s. E. 2.3) nicht. Soweit der Beschwerdeführer aber beanstandet, wie das Obergericht die Zumutbarkeit einer (für möglich befundenen) Tätigkeit als Hilfskraft mit bescheidenen Verdienstaussichten beurteilt, lässt der angefochtene Entscheid in der Tat aufhorchen. Denn allein der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin während der Ehe bzw. während des Zusammenlebens in wohlhabenden Verhältnissen lebte und einen kostspieligen Lebensstil pflegte, schliesst nicht aus, ihr auch eine Erwerbstätigkeit zuzumuten, mit der sich gemessen an der bisherigen privilegierten Lebenshaltung nur wenig Geld verdienen lässt. Daran ändert entgegen der Meinung des Obergerichts auch Art. 125 Abs. 2 Ziff. 3 ZGB nichts, der besagt, dass die Lebensstellung während der Ehe beim Entscheid über den nachehelichen Unterhalt zu berücksichtigen ist. Diese Norm hat nicht zum Zweck, Ehegatten in begüterten Verhältnissen bei grundsätzlich gegebener Erwerbsmöglichkeit aus Statusgründen a priori davor zu bewahren, auch mit einer allenfalls wenig einträglichen und mit ihrem sozialen Prestige kaum vereinbar erscheinenden Erwerbsarbeit zu ihrer nachehelichen Eigenversorgung beizutragen. Sie schützt unter dem Blickwinkel der Zumutbarkeit vielmehr diejenigen Ehegatten, die aufgrund einer vom Paar getroffenen Entscheidung ihre berufliche Laufbahn aufgaben, sich Haushalt und Kindererziehung widmeten und den andern Ehegatten in seiner beruflichen Entwicklung auf diese Weise unterstützten (E. 4.2.3). Dass eine solche Situation hier die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im Tieflohnsegment als unzumutbar erscheinen lässt, ist dem angefochtenen Entscheid jedenfalls nicht mit der wünschbaren Deutlichkeit zu entnehmen. Immerhin stellt das Obergericht aber fest, dass sich die Beschwerdegegnerin ausschliesslich der Familie widmete und dem Beschwerdeführer im Haushalt, Haus und Garten "den Rücken freihielt". Der Beschwerdeführer stellt dies vor Bundesgericht nicht in Abrede, noch bestreitet er, mit seinen Einkünften die Eigenversorgungslücke finanzieren zu können, die der Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung ihres (vor Bundesgericht nicht mehr streitigen) monatlichen Liegenschaftsertrags von Fr. 11'500.-- zur Deckung ihres gebührenden nachehelichen Unterhalts noch verbleibt. Gestützt auf diese Erkenntnisse - und nur auf diese (zur Möglichkeit und Zulässigkeit der Motivsubstitution infolge Rechtsanwendung von Amtes wegen s. BGE 132 II 257 E. 2.5) - ist dem Obergericht im Ergebnis beizupflichten, wenn es der Beschwerdegegnerin mit Blick auf die Finanzierung ihres nachehelichen Unterhalts keine Erwerbstätigkeit zumutet. Im Übrigen ist dem angefochtenen Entscheid zwar zu entnehmen, dass das Alter der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt der Trennung nach der Gerichtspraxis gegen eine Verpflichtung zur Erwerbstätigkeit spreche. Dass die Vorinstanz bei der Beurteilung dem Lebensalter der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt der Trennung eine von allen übrigen Faktoren losgelöste abstrakte Bedeutung im Sinne einer Vermutung gegen die Zumutbarkeit einer Erwerbsarbeit beigemessen hätte (s. zur Aufgabe der "45er-Regel das zur Publikation vorgesehene Urteil 5A_104/2018 vom 2. Februar 2021 E. 5), macht der Beschwerdeführer aber nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich.