Citation: 6S.289/2001 20.03.2002 E. 2

2.- a) Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung von Art. 189 Abs. 1 und Art. 190 Abs. 1 StGB geltend. Er bringt vor, die Vorinstanz habe zu Unrecht das Nötigungsmittel des Unter-psychischen-Druck-Setzens bejaht. Seine verbalen Be- einflussungen Y.________, ihre Alkoholabhängigkeit, sowie das zwischen ihnen damals bestehende Machtgefälle und der Altersunterschied vermöchten weder einzeln noch kombiniert die Anforderungen an eine tatbestandsmässige Nötigung zu er- füllen. b) Die Vorinstanz erachtet den angeklagten Sach- verhalt vollumfänglich als erwiesen. In rechtlicher Hinsicht verweist sie auf die Würdigung der hier massgeblichen Sach- verhalte durch das Bezirksgericht, das auf mehrfache se- xuelle Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB (Sachverhalt gemäss E. A. Abs. 2 f.) sowie auf mehrfache Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 StGB (Sachverhalt gemäss E. A. Abs. 1) schloss. Bei der Prüfung des psychischen Druckes im Sinne der genannten Bestimmungen erwähnt das Bezirksgericht am Rande auch die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Telefonate an Y.________. Es führt aus, der Beschwerdeführer habe Y.________ jeweils gedroht, er werde allen erzählen, was für eine Person sie sei. Sie sei dadurch eingeschüchtert worden. Den ihr angedrohten Nachteil habe sie nur abwenden können, indem sie den sexuellen Wünschen des Beschwerdeführers nachgekommen sei. Dieser habe ihr auch nahegelegt, über die Sexualkontakte zu schweigen, weil er sonst seine Stelle verlieren würde. Y.________ habe dies als Drohung aufgefasst, weil es bei ihr das Gefühl ausgelöst habe, sie wäre an einem allfälligen Stellenverlust des Be- schwerdeführers schuld. In diesem Zusammenhang sei we- sentlich, dass der Beschwerdeführer für die Geschädigte mehr als ein blosser Therapeut gewesen sei. Dies zeige sich da- ran, dass er sie auch nach seiner Beförderung zum Geschäfts- führer des Blauen Kreuzes weiterhin regelmässig betreut ha- be, obwohl B.________ ihre Therapie übernommen und der Be- schwerdeführer selber keine Behandlungen mehr durchgeführt habe. Er habe sich sehr intensiv um Y.________ gekümmert. Sie habe in ihm eine Vaterfigur gesehen. Übereinstimmend damit habe der Beschwerdeführer selbst die Beziehung zu ihr als Vater-Tochter-Verhältnis bezeichnet. Die Geschädigte habe daher befürchtet, sie würde seine Hilfe und Unter- stützung, aber auch die Vaterfigur in ihm verlieren, falls sie sich seinen Aufforderungen widersetzte. Diese Angst habe dadurch Nahrung erhalten, dass der Beschwerdeführer ihr gegenüber abweisend und kühl geworden sei, sobald sie seine Annäherungen abzuwehren versuchte. Diese eigentliche An- drohung des Entzuges der "Vaterliebe" sei vor dem Hinter- grund zu sehen, dass Y.________ zu ihren eigenen Eltern eine sehr schlechte Beziehung gehabt und den Beschwerdeführer als Ersatz für ihre Eltern betrachtet habe. Wesentlich erscheine auch, dass der Beschwerdeführer auf Grund seines Therapie- verhältnisses zur Geschädigten deren Persönlichkeitsstruktur sehr gut gekannt habe. So sei ihm insbesondere auch der Umstand bekannt gewesen, dass sie sich nur sehr schlecht habe wehren können. Indem der Beschwerdeführer in einer Weise verbal auf Y.________ eingewirkt habe, dass sie sich seinen Aufforderungen in sexueller Hinsicht nicht mehr habe widersetzen können, habe er ihr sexuelles Selbstbestimmungs- recht verletzt und sie unter Anwendung psychischen Drucks zur Vornahme beziehungsweise Duldung der sexuellen Hand- lungen und des Geschlechtsverkehrs genötigt. Die Vorinstanz führt dazu ergänzend aus, es sei rechtlich unbeachtlich, ob der Beschwerdeführer die sexuellen Handlungen in seiner Funktion als Mitarbeiter und Therapeut des Blauen Kreuzes oder (ab Frühling 1993) in privater Mission während seiner Freizeit vorgenommen habe. Entscheidend sei, dass er - trotz seiner Beförderung zum Geschäftsführer - die Betreuung der Geschädigten fortgeführt habe. Am Vertrauens- und Abhängig- keitsverhältnis von Y._______, das während seiner langjährigen Tätigkeit als Therapeut beim Blauen Kreuz entstanden und gewachsen sei, habe sich durch seine Beförderung nichts geändert.