Citation: 2C_827/2017 E. 5.2

5.2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist ein möglicher Aufenthaltsanspruch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 AuG, der den Beschwerdeweg an das Bundesgericht öffnet (Art.83 lit. c Ziff. 2 BGG e contrario). Der Härtefallgrund der stark gefährdeten sozialen Wiedereingliederung stellt eine Variante bzw. einen Teilaspekt der wichtigen persönlichen Gründe i. S. v. Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG bzw. des nachehelichen Härtefalls dar und ist deshalb als neue rechtliche Begründung zu betrachten, welche vor Bundesgericht im Rahmen des (weder erweiterten noch geänderten [aliud] Streitgegenstandes) grundsätzlich zulässig ist (BGE 136 V 362 E. 3.4 und 4.1 S. 365 ff.; Urteil 2C_94/2017 vom 7. Februar 2018 E. 1.3 und 1.4). Da das Bundesgericht seinem Urteil den von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalt zugrunde legt (Art. 105 Abs. 1 BGG), wird die Zulässigkeit einer neuen rechtlichen Begründung an die Voraussetzung geknüpft, dass sie sich auf einen im vorinstanzlichen Entscheid festgestellten Sachverhalt stützt. Ausnahmsweise kann das Bundesgericht aber die Sachverhaltsfeststellung ergänzen (Art. 105 Abs. 2 BGG), namentlich wenn die Vorinstanz einen Sachverhalt mangels Relevanz gar nicht zu beurteilen hatte, dieser aber infolge einer anderen rechtlichen Betrachtung des Bundesgerichts rechtserheblich wird. Unzulässig ist dies nur, wenn dazu neue Tatsachen im Sinne von Art. 99 Abs. 1 BGG festgestellt werden müssten. Hingegen kann eine neue rechtliche Begründung jedenfalls dann erfolgen, wenn sie sich auf aktenkundige Tatsachen stützt (BGE 136 V 362 E. 4.1 S. 366 f. mit Hinweisen). Vorliegend hat die Vorinstanz festgestellt, dass sich die Beschwerdeführerin seit mehr als sechs Jahren in der Schweiz aufhält und seit dem 28. November 2012, mithin seit fast fünf Jahren, in der Schweiz berufstätig ist. Dass die Beschwerdeführerin sich somit in der Schweiz eine gewisse Existenz aufgebaut hat, ist unbestritten. Der Härtefallgrund der stark gefährdeten sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsland (Art. 50 Abs. 1 lit. b i. V. m. Art. 50 Abs. 2 AuG) ist beispielsweise für geschiedene Frauen (mit Kindern) gedacht, welche in ein patriarchalisches Gesellschaftssystem zurückkehren müssen und dort der Ächtung und Diskriminierung ausgesetzt sind. Weitere Anwendungsfälle sind Zwangsehen und Ehen im Zusammenhang mit Menschenhandel. Vorausgesetzt wird aufgrund der konkreten Umstände im Einzelfall eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat und Familienleben der ausländischen Person, die mit ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfallen der gestützt auf Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AuG abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sind. Da Art. 50 Abs. 1 AuG von einem Weiterbestehen des Anspruchs nach Art. 42 und 43 AuG spricht, muss der Härtefall sich auf die Ehe und den damit verbundenen Aufenthalt beziehen. Ist der Anspruch an Art. 50 AuG bereits untergegangen, weil es etwa am Zusammenwohnen fehlte, ohne dass wichtige Gründe für das Getrenntleben gegeben gewesen wären, kann der Anspruch nach Art. 50 AuG regelmässig nicht wieder aufleben. Dass ein Leben in der Schweiz einfacher wäre, genügt regelmässig nicht für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls (BGE 137 II 345 E. 3.2.2 und 3.2.3 S. 349 f.; Urteile 2C_578/2011 vom 1. Dezember 2011 E. 3.2; 2C_155/2011 vom 7. Juli 2011 E. 4.7). Vorliegend macht die Beschwerdeführerin keine Gründe geltend, welche eine intensive Beeinträchtigung ihres Privatlebens aufgrund einer Rückkehr nach Serbien aufzeigen. Aus der Ehe mit B.A.________ lassen sich solche Gründe nicht ableiten, wohnten doch die Ehegatten bereits nach kurzer Ehedauer nicht mehr zusammen und führte auch eine Berufung auf Art. 49 AuG nicht zu einer mindestens dreijährigen Ehegemeinschaft. Die Beschwerdeführerin bringt mit ihren Ausführungen, wonach in Serbien nichts auf sie warte, bloss zum Ausdruck, dass ein Leben in der Schweiz für sie einfacher wäre. Dies begründet jedoch keinen nachehelichen Härtefall. Ebenso wenig genügt für einen nachehelichen Härtefall die angebliche gute Integration der Beschwerdeführerin in der Schweiz und ihre Berufstätigkeit. Gemäss den Akten ist die Beschwerdeführerin in Serbien geboren, hat den weitaus grössten Teil ihres bisherigen Lebens in Serbien verbracht (Einreise in die Schweiz im 21. Lebensjahr), verfügt dort noch über ein familiäres Umfeld und ist mit den Lebensumständen und Verhältnissen in Serbien bestens vertraut, sodass eine soziale Wiedereingliederung in ihrem Heimatland ohne Weiteres möglich sein sollte. Das Ehepaar ist zudem kinderlos geblieben. Unter den gegebenen Umständen ist es unerheblich, ob die Vorinstanz, wie von der Beschwerdeführerin kritisiert, trotz der rund zweijährigen Zeitspanne zwischen kantonaler Beschwerde und vorinstanzlichem Entscheid keine neueren Informationen zum Sachverhalt eingeholt hat (vgl. Urteil 2C_578/2011 vom 1. Dezember 2011 E. 3.3). Die Voraussetzungen von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Art. 50 Abs. 2 AuG sind mangels nachehelichem Härtefall offensichtlich nicht erfüllt und eine Verletzung von Bundesrecht liegt nicht vor.