Citation: 4A_614/2014 E. 12.2

12.2. Ein Zinsanspruch erst ab 9. Februar 2010 ergibt sich nach Auffassung der Beschwerdeführerin auch aus Art. 78 CISG. Sie macht unter Hinweis auf die Lehre geltend, nach Art. 78 CISG setze die Fälligkeit des Zinsanspruchs voraus, dass die zu verzinsende Summe derart bekannt ist, dass der Schuldner dieser umgehend nachkommen kann (Wilhelm-Albrecht Achilles, Kommentar zum UN-Kaufrechtsübereinkommen [CISG], Neuwied/Kriftel/Berlin 2000, N. 3 zu Art. 78 CISG; Barry Nicholas, in: Commentary on the International Sales Law, Bianca/Bonell [Hrsg.], Mailand 1987, N. 3.1 zu Art. 78 CISG). Auf den Zeitpunkt des Deckungsgeschäfts könne es somit nicht ankommen. Sie habe die angeblich geschuldete Schadenersatzsumme erst mit der Klageeinleitung am 9. Februar 2010 gekannt. Selbst wenn aber auf den Zeitpunkt des Schadenseintritts abzustellen wäre, müsste auf die effektiv getätigten Deckungsverkäufe abgestellt werden und nicht - wie es die Vorinstanz tat - auf den vom Gericht bestimmten Zeitpunkt. Die von der Beschwerdeführerin zitierten Lehrmeinungen (Achilles, a.a.O., N. 3 zu Art. 78 CISG; Nicholas, a.a.O., N. 3.1 zu Art. 78 CISG) sind eine Minderheitsmeinung. Die ganz überwiegende Lehre geht davon aus, auf Schadenersatzansprüchen sei unabhängig davon, ob die genaue Höhe des Anspruchs schon feststeht oder nicht, ab Schadenseintritt ein Schadenzins zu entrichten (Michael Feit, in: UN-Kaufrecht - CISG, Brunner [Hrsg.], a.a.O., N. 3 zu Art. 78 CISG; Staudinger/Magnus, a.a.O., N. 8 zu Art. 78 CISG; Huber, in: Münchener Kommentar, a.a.O., N. 4 zu Art. 78 CISG; Klaus Bacher, in: Kommentar zum Einheitlichen UN-Kaufrecht - CISG, Schlechtriem/Schwenzer [Hrsg.], a.a.O., N. 6 und 10 ff. zu Art. 78 CISG; Magnus, a.a.O., N. 5 zu Art. 78 CISG mit weiteren Hinweisen). Der Mehrheitsmeinung ist zu folgen. Schadenszins ist geschuldet ab Schadenseintritt. Die Vorinstanz ging zutreffend davon aus, dass bei einer Schadensberechnung nach Art. 75 CISG der Zinsanspruch in jenem Zeitpunkt entsteht, in dem das Deckungsgeschäft vorgenommen wird. Bei der Schadensberechnung stellte sie der (geminderten) Kaufpreisforderung aber nicht die Erlöse aus den von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten tatsächlichen Deckungsverkäufen gegenüber, weil sie annahm, spätestens mit Schreiben vom 10. Oktober 2008 habe die Beschwerdeführerin die Erfüllung verweigert. Angesichts der drastisch fallenden Stahlpreise zwischen Juli 2008 und Februar 2009 hätte die Beschwerdegegnerin daher unverzüglich und schon im Oktober 2008 Deckungsverkäufe tätigen müssen, und nicht erst im November 2008. Entsprechend errechnete sie den Deckungserlös zum Nachteil der Beschwerdegegnerin gestützt auf einen (höheren) Durchschnittsmarktwert im Zeitraum Oktober/November 2008. Dem trug sie bei der Festsetzung des Zinsenlaufs für den Schadenszins Rechnung, indem sie nicht auf die effektiven Deckungsverkäufe abstellte, sondern auf den Zeitpunkt, in dem die Beschwerdegegnerin die Deckungsverkäufe hätte tätigen sollen. Andernfalls käme es zu einer doppelten und in sich widersprüchlichen Kürzung des Schadenersatzanspruchs. Das ist folgerichtig und nicht zu beanstanden.