Citation: 6B_772/2022 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz hält zunächst fest, gemäss Vermerk auf der Entzugsverfügung vom 22. November 2016 sei diese eingeschrieben versandt worden, doch habe der direkte Zustellnachweis fünf Jahre später nicht mehr erbracht werden können. Indes habe die DSUS den Nachweis erbringen können, dass von den am 22. November 2016 versandten Einschreibesendungen nur eine als nicht in Empfang genommen zurückgekommen sei, alle anderen Sendungen, auch die an den Beschwerdeführer adressierte, hätten laut DSUS korrekt zugestellt werden können. Auch habe der Beschwerdeführer in der polizeilichen Einvernahme vom 19. August 2017 im Rahmen des Vorverfahrens betreffend den Entzug des Führerausweises auf die Frage, ob er gewusst habe, dass er in der Zeit vom 22. Mai 2017 bis 21. August 2017 kein Fahrzeug habe lenken dürfen, ausgesagt: "Ja dies war mir bewusst und war auch so eröffnet". In den späteren Einvernahmen habe er sich zu dieser Aussage nicht äussern wollen und habe zuletzt abgestritten, vom Ausweisentzug Kenntnis gehabt zu haben. Im Verfahren SAO 2018 1805 habe der Beschwerdeführer am 12. März 2019 in Bezug auf die Eröffnung bzw. Zustellung der Entzugsverfügung ausgesagt, die Verfügung sei ihm irgendwann zugestellt worden, er wisse nicht, ob von der Polizei oder vom Strassenverkehrsamt. Der Beschwerdeführer habe die Entzugsverfügung eingereicht und erklärt, er gehe davon aus, dass es in der Verfügung um einen Führerausweisentzug gegangen sei und habe argumentiert, dass er zum Tatzeitpunkt über einen deutschen Führerausweis verfügt habe und daher in der Schweiz habe Auto fahren dürfen. Die Vorinstanz hält fest, dass der Beschwerdeführer im Verlaufe der Untersuchung zwei unterschiedliche Versionen der gleichen Verfügung (nicht deckungsgleiche Signaturen, "Copie-Stempel") eingereicht habe, wobei er in der Einvernahme vom 12. März 2019 beim Einreichen einer Version der Verfügung ausgeführt habe, dass ihm die Verfügung irgendwann zugestellt worden sei. Unter "zugestellt" könne nichts anderes als eine postalische Zustellung gemeint sein. Auch dies zeige auf, dass dem Beschwerdeführer die Verfügung nicht - wie von ihm später geltend gemacht - ausgehändigt, sondern zugestellt worden ist. Hätte der Beschwerdeführer, wie später im Verfahren von ihm geltend gemacht, die Entzugsverfügung erst anlässlich der Einvernahme vom 19. August 2017 ausgehändigt erhalten, so wäre nicht nachvollziehbar, weshalb er bei dieser Einvernahme sowie auch im Verfahren SAO 2018 1805 mit keinem Wort erwähnt habe, dass ihm die Verfügung nicht zugestellt worden sei und er sie nun zum ersten Mal sehe. Vielmehr habe der Beschwerdeführer anfangs die Zustellung zugegeben und argumentiert, er habe trotz Führerausweisentzugs mit einem ausländischen Führerausweis ein Fahrzeug in der Schweiz lenken dürfen. Später habe er die Strategie gewechselt, indem er den Empfang der Entzugsverfügung in Frage gestellt habe. Nach Vornahme einer Gesamtwürdigung, insbesondere gestützt auf die Erstaussagen des Beschwerdeführers, erachtet es die Vorinstanz als erstellt, dass ihm die Verfügung vom 22. November 2016 korrekt per Einschreiben zugestellt wurde und er diese zur Kenntnis nahm (Urteil S. 6 ff.). Die Vorinstanz führt weiter aus, der Beschwerdeführer habe in der polizeilichen Einvernahme vom 3. Dezember 2020 zunächst eingeräumt, es könne sein, dass er am 18. Juli 2017 bei der DSUS in Visp am Schalter für den Bereich Führerausweisentzug vorgesprochen habe; er sei vorbeigegangen wegen des Führerausweisentzugs. Dass dies nicht möglich gewesen wäre, weil er an dem Tag in Deutschland gearbeitet hätte, habe der Beschwerdeführer mit keinem Wort erwähnt. Auf Vorhalt der Aussagen des Zeugen B.________, wonach er den Beschwerdeführer darauf hingewiesen habe, dass er in der Schweiz auch nicht mit einem deutschen Führerausweis ein Auto lenken dürfe, worauf der Beschwerdeführer erwidert habe, er sei mit dem Auto gekommen und werde wieder damit wegfahren, habe der Beschwerdeführer die Aussage verweigert. Ebenso wenig habe der Beschwerdeführer zur Aussage des Zeugen, er habe gesehen, wie der Beschwerdeführer am Steuer seines Autos weggefahren sei, Stellung genommen. In der Berufungsverhandlung habe der Beschwerdeführer zwar eingeräumt, dass er bei der DSUS im Sommer 2017 vorgesprochen habe, dies sei aber nicht am 18. Juli 2017 gewesen. Die Vorinstanz erwägt, die Aussagen des Zeugen B.________ würden mit den Angaben in der per 18. Juli 2017 datierten Aktennotiz von C.________, welcher deren Inhalt auch als Zeuge als zutreffend bestätigt habe, im Einklang stehen. Als Zwischenergebnis hält die Vorinstanz fest, es sei erstellt, dass der Beschwerdeführer bei der Hin- und Rückfahrt zur Besprechung bei der DSUS selbst das Fahrzeug gelenkt habe (Urteil S. 13 ff.). Zum Zeitpunkt des Vorsprechens des Beschwerdeführers bei der DSUS hält die Vorinstanz weiter fest, die Anklage stütze sich bei der Angabe des Tatzeitpunkts vom 18. Juli 2017 auf die von C.________ erstellte und per 18. Juli 2017 datierte "Interne Aktennotiz". In dieser Aktennotiz halte C.________ Folgendes fest: B.________ hätte ihn angerufen, da es um sein Dossier gehe. Er (C.________) habe dann mit dem Beschwerdeführer telefoniert. Der Beschwerdeführer habe geäussert, weil er keinen Schweizer Führerausweis mehr besitze, habe die Verfügung vom 22. November 2016 für ihn keine Gültigkeit. Er (C.________) habe den Beschwerdeführer auf den letzten Satz von Ziff. 1 der Verfügung verwiesen und habe ihm diesen vorgelesen, da der Beschwerdeführer sich nicht mehr daran habe erinnern können. Dieser sei inhaltlich nicht einverstanden gewesen, habe sehr "hässig" reagiert und das Telefonat sei abgebrochen worden. Daraufhin habe er (C.________) ein zweites Telefonat von B.________ erhalten, der ihm mitgeteilt habe, dass der Beschwerdeführer am Steuer seines Autos wegfahre. Die Vorinstanz hält fest, es sei unerheblich, dass dem Beschwerdeführer diese Aktennotiz anlässlich der Akteneinsicht im Administrativverfahren angeblich nicht zugestellt worden sei, da ihm die Aktennotiz in der Strafuntersuchung zur Kenntnis gebracht worden sei und er auch von der schriftlichen Stellungnahme sowie der Zeugenaussage von C.________ betreffend den Tatzeitpunkt vom 18. Juli 2017 Kenntnis gehabt habe. Als Zeuge habe C.________ ausgesagt, der Beschwerdeführer habe die Verfügung vom 22. November 2016 von sich aus erwähnt und gesagt, diese betreffe nur den Schweizer Führerausweis. Weiter habe C.________ als Zeuge ausgeführt, das Datum des 18. Juli 2017 müsse stimmen, denn er habe die Aktennotiz am gleichen Tag, als er mit B.________ und dem Beschwerdeführer telefoniert habe, erstellt. Der Zeuge B.________ habe sich an das genaue Datum nicht mehr erinnern können. Der Beschwerdeführer habe einen Arbeitsrapport ins Recht gelegt, wonach er zum Tatzeitpunkt des 18. Juli 2017 den ganzen Tag in Deutschland gearbeitet habe. Dieser Rapport sei gemäss Angaben des Beschwerdeführers von ihm selbst ausgefüllt und von seinem Vorgesetzten kontrolliert und genehmigt worden. Es falle auf, dass der Beschwerdeführer auch im Verfahren SAO 2018 1805 für jenen Tatzeitpunkt vom 26. Mai 2017 (Anzeige durch seine damalige Ehefrau wegen tätlicher Übergriffe während einer Fahrt trotz Entzugs am 26. Mai 2017) einen Arbeitsrapport eingereicht habe, wonach er an diesem Tag in Deutschland gearbeitet habe, dies obwohl der medizinische Bericht des Spitals betreffend die Verletzungen der Ehefrau vom 26. Mai 2017 datiere. Die Vorinstanz misst der Aktennotiz und den Zeugenaussagen einen höheren Beweiswert zu als dem vom Beschwerdeführer eingereichten Arbeitsrapport, zumal der Beschwerdeführer selbst anfangs eingeräumt habe, es sei möglich, dass er bei der DSUS am 18. Juli 2017 vorgesprochen habe. Sie erachtet den Tatzeitpunkt vom 18. Juli 2017 als erstellt (Urteil S. 18 ff.).