Citation: 5A_888/2016 E. 3.1

3.1. Die Vorinstanz erwog, der Sohn der Parteien solle zu gleichen Teilen abwechselnd bei jedem Elternteil leben und von diesen betreut werden. Die Parteien hätten eingeräumt, dass das erstinstanzlich verordnete Wechselmodell bislang im Wesentlichen funktioniert habe. Die Kindsmutter meine zwar, dass der Sohn sie jeweils sehr vermisse. Es fänden sich allerdings keine konkreten Anhaltspunkte, dass das Wohl des Kindes dadurch beeinträchtigt wäre. Vielmehr würden Kinder, die sich nicht zwischen Mutter und Vater entscheiden müssten, nach dem aktuellen Stand der sozialwissenschaftlichen Forschung weniger unter Loyalitätskonflikten, Verlustängsten sowie Gefühlen des Verlassenseins und der Zurückweisung leiden. Mehr gemeinsame Zeit mit beiden Eltern in der alternierenden Betreuung führe zu einer engeren emotionalen Eltern-Kind-Beziehung und zu einer verbesserten Beziehung des Kindes zu beiden Eltern. Eine bessere bzw. engere Beziehung des Kindes zum Vater gehe jedenfalls nicht zulasten der Beziehung zur Mutter. Bei beiden Parteien seien erzieherische Fähigkeiten gegeben und beide Elternteile hätten zeitlich die Möglichkeit, sich persönlich um das Kind zu kümmern. Gegen die Betreuung der Grosseltern väterlicherseits während eines Tages unter der Woche sprächen keine Gründe, und der Kindsvater beteilige sich bereits heute im Rahmen des ausgedehnten Besuchsrechts wesentlich an der Pflege und Erziehung des Kindes. Die Bedenken der Kindsmutter, dass mit dem Wechsel zwischen den Elternhäusern und der zusätzlichen Betreuung durch die Eltern des Kindsvaters, welche das Kind im Übrigen in der Wohnung des Ehemannes betreuen würden, eine Belastung des Kindes verbunden wäre, lasse sich wissenschaftlich nicht belegen. Es gebe keine Befunde, dass Kinder im Residenzmodell gesünder sein sollen. Auch das Alter des Kindes spreche nicht dagegen, zumal auch Kleinkinder in alternierender Obhut ohne Weiteres mit gleichen Betreuungsanteilen betreut werden könnten. Gerade bei Kleinkindern sei die Bedeutung des regelmässigen Kontakts zu beiden Eltern wichtig. Die Kindsmutter halte den konkreten Erwägungen der Vorinstanz lediglich in allgemeiner Weise ihre eigene Auffassung entgegen, wonach es im Interesse des Kindes sein solle, wenn sie künftig keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehe und sich vollumfänglich der Betreuung des Kindes widmen möchte. Inwiefern allerdings die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bei einem Wechselmodell der Parteien dem Kind zum Nachteil gereichen solle, vermöge sie nicht aufzuzeigen. Da bei alternierender Obhut beide Eltern erwerbstätig sein könnten, verfügten die Familien in der Regel über ein höheres Gesamteinkommen. Da das Armutsrisiko Alleinerziehender besonders hoch sei, erwachse aus der alternierenden Obhut insgesamt ein wirtschaftlicher Vorteil für die Familie, aber auch für die Volkswirtschaft. Eine Verbesserung der finanziellen Verhältnisse der Familie wirke sich nicht zuletzt auch zugunsten des Kindes aus. Die von der Kindsmutter ins Feld geführten finanziellen Motive des Ehemannes seien vor diesem Hintergrund nicht beachtlich. Die bisherigen Ausführungen sprächen allesamt dafür, dass die geteilte Obhut dem Kindeswohl entspreche. Fraglich sei einzig, ob die Kommunikation und Kooperationsfähigkeit der Eltern genügend gut für dieses Betreuungssystem funktioniere. Die Eltern hätten jedoch einen besonnenen und teils auch selbstkritischen Eindruck hinterlassen, so dass zu hoffen sei, dass sie ein Mindestmass an Kommunikation und Kooperation aufbrächten, um die jeweilige Übergabe und die anfallenden Informationspflichten sachlich absprechen und durchführen zu können. Trotz der aufgezeigten Kooperations- und Kommunikationsdefizite der Parteien stelle die alternierende bzw. gemeinsame Obhut für das Kind die sich aufdrängende Lösung dar. Daraus folge, dass dem Kindesvater zugestanden werden müsse, weiterhin ein Arbeitspensum von 80 % auszuüben. Der Zeitanteil, welchen das Kind beim Vater verbringe, sei allerdings moderat zu reduzieren, um die Egalität der Eltern zu unterstreichen und den Parteien eine bessere Lastenverteilung zu ermöglichen. Der Kindsmutter, welche künftig wohl einer Erwerbstätigkeit nachgehen werde, stehe alternierend ein ganzer Tag am Wochenende zu. Dem Kind solle damit signalisiert werden, dass Mutter und Vater gleichbedeutend seien. Der Kindsvater habe somit das Kind in den geraden Kalenderwochen ab Freitag, 18:00 Uhr, bis Dienstag, 18:00 Uhr, und in den ungeraden Kalenderwochen ab Samstag, 18:00 Uhr, bis Dienstag, 18:00 Uhr, zu betreuen, während das Kind in den übrigen Zeiten durch die Mutter betreut werde. Hinsichtlich der Ferienregelung hielt die Vorinstanz an der erstinstanzlichen Ferienregelung von sechs Wochen fest, da der Kindsvater gewillt und in der Lage sei, dafür die notwendige Zeit aufzuwenden.