Citation: 8C_552/2019 E. 5.1

5.1. Die ÖKK rügt im Wesentlichen, entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei im Zweifelsfall zuungunsten des Unfallversicherers zu entscheiden, wobei bereits dann ein Zweifel vorliege, wenn nebst einem möglichen Suizidversuch auch andere Möglichkeiten in Betracht fielen. Es sei nicht zulässig, zwischen zwei Tatbestandsvarianten abzuwägen und auf die wahrscheinlichere zu schliessen. Vielmehr dürfe nur dann auf Suizid geschlossen werden, wenn jede andere Deutung mit Sicherheit ausgeschlossen werden könne. Entgegen der Ansicht der ÖKK hat bei mehreren möglichen Varianten die Beurteilung, ob ein Suizid (-versuch) oder ein Unfall vorliegt, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu erfolgen (vgl. etwa SVR 2017 UV Nr. 23 S. 75, 8C_581/2016 E. 4.3). Das Bundesgericht führt dazu explizit aus: "Die Vermutung [der Unfreiwilligkeit einer Selbsttötung] verbietet aber nicht, aus dem Umstand, dass aufgrund der Sachlage ein unfreiwilliger Tod als weniger wahrscheinlich als ein Suizid erscheint, auf das Vorliegen einer Selbsttötung zu schliessen" (SVR 2017 UV Nr. 23 S. 75, 8C_581/2016 E. 3.3; vgl. auch SVR 2017 UV Nr. 29 S. 96, 8C_773/2016 E. 3.3). Entgegen der Ansicht der ÖKK müssen nicht alle möglichen Varianten mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Zudem spricht auch der Umstand, dass keine psychische Störung vorlag, die Verletzungsart für einen Suizid untypisch war und kein Abschiedsbrief gefunden wurde, nicht gegen das Vorliegen einer suizidalen Handlung (SVR 2017 UV Nr. 29 S. 96, 8C_773/2016 E. 4.2). Schliesslich ist auch die Berufung der ÖKK auf Art. 8 ZGB unbehelflich. Denn dieser gilt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes nur eingeschränkt, da die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig ausgeschlossen ist (BGE 138 V 218 E. 6 S. 222), resp. bei Beweislosigkeit die versicherte Person die Folgen des fehlenden Nachweises für die Erfüllung der Leistungsvoraussetzungen zu tragen hat (BGE 140 V 290 E. 4.1 S. 297; 139 V 547 E. 8.1 S. 563).