Citation: BGE 149 III 71 E. 4.5

Weil der Dritte bei einem echten Vertrag zu Gunsten Dritter den Anspruch nach der anwendbaren Rechtsordnung regelmässig so erwirbt, wie es die Vertragsparteien ausgestaltet haben (vgl. Urteile 4A_528/2019 vom 7. Dezember 2020 E. 3.1; 4A_44/2011 vom 19. April 2011 E. 2.4.1; MANKOWSKI, a.a.O., N. 252 zu Art. 25 Brüssel Ia-VO), äussert sich auch die Lehre im Rahmen von Art. 23 LugÜ zur hier strittigen Wirkung der Gerichtsstandsvereinbarung, ohne aber die Frage des konkret anwendbaren Rechts in diesem Zusammenhang in der Regel weiter zu konkretisieren. So wird insoweit für die Gerichtsstandsvereinbarung nach Art. 23 LugÜ richtig ausgeführt, dass bei einem echten Vertrag zu Gunsten Dritter die Parteien dem Dritten den Anspruch so einräumen können, dass dieser die zu seinen Gunsten geschaffene Forderung einzig vor dem vertraglich vereinbarten Forum einklagen kann (MANKOWSKI, a.a.O., N. 386 zu Art. 25 Brüssel Ia-VO; SCHLOSSER, a.a.O., N. 43 zu Art. 25 EuGVVO; GEIMER/SCHÜTZE, Europäisches Zivilverfahrensrecht, 4. Aufl. 2020, N. 205 zu Art. 25 EuGVVO; MARKUS MÜLLER-CHEN, Wirkungen einer Gerichtsstandsvereinbarung gegenüber Dritten, in: Gedenkschrift für Claire Huguenin, Wolfgang Portmann und andere (Hrsg.), 2020, S. 309 ff., 318; RAINER HAUSMANN, in: Unalex Kommentar, Brüssel I-Verordnung, Simons/Hausmann [Hrsg.], 2012, N. 134 zu Art. 23 Brüssel I-Verordnung; HELMUT HEISS, Gerichtsstandsvereinbarungen zulasten Dritter, insb. in Versicherungsverträgen zu ihren Gunsten, IPRax 2005 S. 497 ff., 497; DONZALLAZ, a.a.O., S. 978 Rz. 6642; PATRICK KRAUSKOPF, Der Vertrag zugunsten Dritter, 2000, S. 265 Rz. 1041; LAURENT KILLIAS, Die BGE 149 III 71 S. 78 Gerichtsstandsvereinbarungen nach dem Lugano-Übereinkommen, 1993, S. 248 Fn. 83; a.M. wohl BUCHER, a.a.O., N. 52 zu Art. 23 LugÜ; GAUDEMET-TALLON/ANCEL, Compétence et exécution des jugements en Europe, 6. Aufl. 2018, S. 227 Rz. 170; kritisch: OETIKER/JENNY, in: Basler Kommentar, Lugano-Übereinkommen, Oetiker/Weibel [Hrsg.], 2. Aufl. 2016, N. 14 f. zu Art. 13 LugÜ). Dem begünstigten Dritten wird in einer solchen Situation "nicht genommen, sondern gegeben: nämlich eine Forderung, deren (prozessuale) Durchsetzungsmöglichkeit allerdings geregelt ist" (REINHOLD GEIMER, Zuständigkeitsvereinbarungen zugunsten und zu Lasten Dritter, Neue juristische Wochenschrift [NJW] 1985 S. 533 ff., 534). Es wäre auch nicht sachgerecht, wenn der Dritte die vertragliche Leistung aus dem Vertrag beanspruchen, die Wirkung der Gerichtstandsklausel aber verweigern könnte (MÜLLER-CHEN, a.a.O., S. 318). Insoweit wird von der herrschenden Lehre im Rahmen von Art. 23 LugÜ zu Recht geschlossen, dass die Parteien dem Dritten bei einem echten Vertrag zu Gunsten Dritter den Anspruch so einräumen können, dass dieser die zu seinen Gunsten geschaffene Forderung einzig vor dem vertraglich vereinbarten Forum einklagen kann.