Citation: 5A_126/2023 E. 3.1

3.1. Gemäss Art. 229 Abs. 1 ZPO werden neue Tatsachen und Beweismittel in der Hauptverhandlung nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und entweder erst nach Abschluss des Schriftenwechsels oder nach der letzten Instruktionsverhandlung entstanden sind (echte Noven; Bst. a) oder bereits vor Abschluss des Schriftenwechsels oder vor der letzten Instruktionsverhandlung vorhanden waren, aber trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorher vorgebracht werden konnten (unechte Noven; Bst. b). Mit dem Erfordernis, die Noven ohne Verzug vorzubringen, will das Gesetz Verfahrensverzögerungen entgegenwirken. Mehr als ein paar Wochen darf eine Partei nach der Entdeckung der Noven jedenfalls nicht verstreichen lassen (Urteil 5A_141/2019 vom 7. Juni 2019 E. 6.3 mit Hinweis). Entsprechend kann ein neues Vorbringen nach der Rechtsprechung als "ohne Verzug" in das Verfahren eingeführt gelten, wenn die Partei binnen zehn Tagen oder ein bis zwei Wochen reagiert. Wurde ihr für eine bestimmte Eingabe schon eine Frist gesetzt, darf sie auch mit der Noveneingabe bis zum Ablauf dieser Frist warten, zumal das Verfahren dadurch nicht verzögert wird (Urteil 5A_451/2020 vom 31. März 2021 E. 3.1.1 mit Hinweisen). So oder anders lässt sich nicht unabhängig von den konkreten Umständen, insbesondere der Komplexität der Noven, beurteilen, ob eine Noveneingabe im Sinne von Art. 229 Abs. 1 ZPO "ohne Verzug" erfolgt ist. Entsprechend hat das Gericht in Würdigung der Umstände im Einzelfall zu entscheiden, ob die Noven rechtzeitig vorgebracht wurden (Urteil 4A_70/2021 vom 15. Juli 2021 E. 4.2 mit Hinweisen).