Citation: 4A_172/2022 E. A

B.________ (Beschwerdegegner, Kläger), geboren 1964, war ab dem 14. Oktober 2019 als Monteur für die C.________ Sàrl tätig. Der entsprechende schriftliche Arbeitsvertrag datiert vom 14. Oktober 2019. Er sieht eine bestimmte Dauer vor, nämlich vom 14. Oktober 2019 für zwei Monate bis 14. Dezember 2019. Im Rahmen dieses Anstellungsverhältnisses war B.________ bei der A.________ AG (Versicherung; Beschwerdeführerin) durch Kollektivvertrag gegen Lohnausfall bei Krankheit versichert. Vom 6. bis 7. Januar 2020 und ab dem 13. Januar 2020 wurde B.________ aufgrund eines Rektumkarzinoms (Darmkrebs) krankheitsbedingt eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Nachdem die Treuhänderin des Arbeitgebers am 7. März 2020 den Schadensfall der Versicherung mit amtlichem Formular gemeldet hatte, wies die Versicherung mit Schreiben vom 12. März 2020 den Arbeitgeber darauf hin, dass das Ereignis mehr als 7 Arbeitstage nach dem Ablauf der Wartefrist und damit verspätet gemeldet worden sei, und setzte ihm Frist, um die Gründe für die verspätete Meldung anzugeben. Mit E-Mail vom 4. April 2020 teilte die Treuhänderin der Versicherung mit, dass sie nicht gewusst habe, dass der Schadenfall innert 7 Tagen der Versicherung gemeldet werden müsse. Sie entschuldige sich für die verspätete Meldung, die darauf zurückzuführen sei, dass sie seit Januar 2020 überlastet sei. Am 5. Juni 2020 liess die Tochter von B.________ der Versicherung diverse Arztzeugnisse zukommen. In der Folge versuchte die Versicherung vergeblich, von der Treuhänderin bzw. dem Arbeitgeber Informationen und Unterlagen zum Anstellungsverhältnis von B.________ zu erhalten. Am 9. September 2020 teilte die Versicherung dem Arbeitgeber unter Verweis auf Art. 39 Abs. 2 VVG mit, dass er seiner Pflicht, den geltend gemachten Versicherungsanspruch zu begründen und die erforderlichen Unterlagen beizubringen, nicht nachgekommen sei, weshalb er den Anspruch verloren habe. Ausserdem sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass B.________ über den 14. Dezember 2019 hinaus beim Arbeitgeber angestellt gewesen sei. Gleichentags schrieb die Versicherung auch B.________, dass erhebliche Zweifel daran bestünden, dass er über den 14. Dezember 2019 hinaus für den Arbeitgeber tätig gewesen sei. Es liege kein Versicherungsfall vor, weshalb auch kein Anspruch auf Taggeldleistungen bestehe. Am 9. Oktober 2020 teilte B.________ der Versicherung mit, dass er sehr wohl über den 14. Dezember 2019 hinaus für den Arbeitgeber tätig gewesen sei (im Dezember 2019 auf einer Baustelle in U.________, ab Januar 2020 auf einer Baustelle in V.________). Auf Verlangen sei ihm im Mai 2020 ein neuer, unbefristeter Arbeitsvertrag ausgestellt worden, der erst am 26. September 2020 per 31. Oktober 2020 aufgelöst worden sei. Er liess der Versicherung am 9. und 29. Oktober sowie am 6. November 2020 diverse Unterlagen zukommen. Im Folgenden hielt die Versicherung an ihrem Standpunkt fest, wonach keine Versicherungsdeckung bestehe.