Citation: I 460/06 04.04.2007 E. 4

4.1 Entgegen der Darstellung im angefochtenen Entscheid ist die Frage, zu welchem Prozentsatz die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden erwerbstätig wäre, nicht nur unter dem eingeschränkten Gesichtspunkt der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfügung (Wiedererwägung) zu prüfen. Bei einer Verfügung über Versicherungsleistungen bildet grundsätzlich einzig die Leistung Gegenstand des Dispositivs. Nach der Rechtsprechung zu Art. 103 lit. a OG wird das Rechtsschutzinteresse verneint, wenn sich die Beschwerde nur gegen die Begründung der angefochtenen Verfügung richtet, ohne dass eine Änderung des Dispositivs verlangt wird. Die Beantwortung der Frage, welcher Invaliditätsgrad der Rentenzusprechung zugrunde gelegt wurde, dient in der Regel lediglich der Begründung der Leistungsverfügung. Sie könnte nur dann zum Dispositiv gehören, wenn und insoweit sie Gegenstand einer Feststellungsverfügung ist (BGE 115 V 417 Erw. 3b/aa mit Hinweisen). 4.2 Bei der Rentenzusprechung im Jahre 1997 spielte es keine Rolle, ob der Invaliditätsgrad 68 % oder über 70 % betrug, da die Beschwerdeführerin auf jeden Fall Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hatte. Die einzelnen Bemessungsfaktoren, zu welchen unter anderem auch die prozentuale Aufteilung zwischen Erwerbs- und Hausarbeit gehört, konnten und mussten damals mangels Rechtsschutzinteresses nicht angefochten werden (vgl. Erwägung 4.1). Damit ist die in der Verfügung vom 12. August 1997 gemachte Feststellung einer je hälftigen Tätigkeit nicht in Rechtskraft erwachsen und frei überprüfbar. 4.3 Fraglich ist demnach, in welchem Pensum die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Revisionsverfügung, also im Juni 2005 ohne gesundheitlichen Probleme erwerbstätig gewesen wäre. Es geht dabei um ein hypothetisches Sachverhaltselement, welches nur mit einem gewissen Wahrscheinlichkeitsgrad, nie aber mit Sicherheit bestimmt werden kann. Der im Zeitpunkt des cerberovaskulären Insults im April 1995 geltende Arbeitsvertrag ist dabei nur ein Indiz, kann aber nicht für sich allein entscheidend sein, um die hypothetische Erwerbstätigkeit zu ermitteln. In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass die Versicherte von 1978 bis August 1994 während 16 Jahren in einem Pensum von 57 % bei der gleichen Arbeitgeberin tätig war. Wegen einer Umstrukturierung (Neueröffnung eines Restaurants) mit neuem Arbeitsplatz bei derselben Firma wurde ihr Arbeitsvertrag auf den 1. August 1994 dahingehend modifiziert, dass nur noch von einem Pensum von 50 % ausgegangen wurde. Die Lohnabrechnungen in den Folgemonaten zeigen aber, dass der tatsächliche Arbeitseinsatz zwischen 60 und 65 % eines Vollpensums lag. Zudem bestätigt die damalige Vorgesetzte schriftlich, dass eine wegen des guten Geschäftsverlaufs geplante Erhöhung des Arbeitspensums auf 60 % einzig an der inzwischen eingetretenen Erkrankung der Versicherten scheiterte. Damit besteht für die Annahme, dass die Beschwerdeführerin je hälftig erwerbstätig und im Haushalt arbeiten würde, nur wenig Raum. Das wird gestützt durch den Umstand, dass sie an ihrem Arbeitsplatz überaus geschätzt war und ein 2-Personen-Haushalt in einer Vierzimmerwohnung ohne weiteres auch neben einer 60%igen Erwerbstätigkeit erledigt werden kann. Tatsächlich hatte die Beschwerdeführerin also trotz anderslautender vertraglicher Vereinbarung nie in einem 50%-Pensum gearbeitet, weshalb es auch als überwiegend wahrscheinlich erscheint, dass sie dies im Jahre 2005 nicht getan hätte. Entsprechende Indizien dafür fehlen. Andererseits fehlt es auch an konkreten Grundlagen für die Annahme einer über 60%igen Berufsttätigkeit. Die Tatsache allein, dass mit Überstunden während einiger Monate ein Pensum von 65 % erreicht wurde, besagt nichts darüber, dass dieses über Jahre hinweg gleich geblieben wäre. 4.4 Für die Invaliditätsbemessung ist daher von einer 60%igen Erwerbstätigkeit und einer 40%igen Haushaltstätigkeit auszugehen. Basierend auf für die jeweiligen Tätigkeitsbereiche ermittelten Einschränkungen von 100 % in der Erwerbstätigkeit und 35 % im Haushalt ergibt das einen Gesamtinvaliditätsgrad von 74 %, womit die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.