Citation: I 610/03 02.02.2004 E. 4

4.1 Was den psychischen Gesundheitszustand anbelangt, hat Frau Dr. med. D.________ in ihrem Bericht vom 17. Januar 2000 eine beginnende depressive Symptomatik festgestellt. Dr. med. E.________ sprach in seinem Bericht vom 5. Juni 2000 bereits von Episoden mit depressiver Verstimmung und Dr. med. C.________ diagnostizierte am 26. Juni 2001 sodann eine mittelgradige depressive Episode mit Angstzuständen und Anpassungsstörung (starkes Heimweh; ICD-10: F32.1). Er bescheinigte der Patientin aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In ihrem Gutachten vom 6. Dezember 2001 nannten Dr. med. H.________ und lic. phil. O.________ als Diagnose eine chronisch rezidivierende Depression bei psychosozialer Belastung, aktuell leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0), und schätzten die Versicherte in einer ausserhäuslichen Tätigkeit zu 30 % arbeitsunfähig ein. 4.2 Mit der Begründung, dass die psychischen Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin nach den ärztlichen Angaben zur Hauptsache auf zwei Ursachen beruhten, nämlich darauf, dass die der deutschen Sprache nicht mächtige Versicherte Mühe mit ihrer soziokulturellen Integration in der Schweiz bekunde (soziale Isolierung, Mangel an Bezugspersonen, starkes Heimweh nach der Türkei) und unter einer gestörten Beziehung zu ihrem Ehemann leide, verneinte die Vorinstanz das Vorliegen eines invaliditätsrelevanten selbstständigen psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG. Angesichts des Umstands, dass lediglich eine depressive Episode, nicht aber eine andauernde Depression festgestellt worden sei, bestünde keine von den erwähnten soziokulturellen und psychosozialen Faktoren verselbstständigte psychische Störung mit Krankheitswert, die sich auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auswirke. 4.2.1 Dem kann nicht vorbehaltlos zugestimmt werden. Wohl ist zutreffend, dass soziokulturelle und psychosoziale Faktoren allein nicht einen zu Erwerbsunfähigkeit führenden Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG darstellen können. Es braucht in jedem Fall zur Annahme einer Invalidität ein medizinisches Substrat, das (fach)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (vgl. AHI 2000 S. 153 Erw. 3). Ist anderseits eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwartet werden kann zu arbeiten (eventuell in einem geschützten Rahmen vgl. Praxis 1997 Nr. 49 S. 255 Erw. 4b) und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 Erw. 5a mit Hinweisen). 4.2.2 Die Beschwerdeführerin leidet seit längerem zunehmend an einer depressiven Störung, welche Dr. med. H.________ und lic. phil. O.________ Ende 2001 als chronisch rezidivierende Depression bei psychosozialer Belastung qualifizierten. Auch wenn im damaligen Zeitpunkt lediglich eine leichte depressive Episode feststellbar war und soziokulturelle sowie psychosoziale Faktoren zweifellos stark zur Entstehung des psychischen Krankheitsbildes beigetragen bzw. dieses (mit)verursacht haben, kann daraus allein noch nicht gefolgert werden, dass sich zwischenzeitlich nicht eine verselbstständigte psychische Störung herausgebildet hat, welche sich im massgeblichen Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 6. November 2002 (vgl. Erw. 3.2 hievor) auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auswirkte. Immerhin weist der Umstand, dass die Versicherte seit 1996 in psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. med. C.________ steht und vom 1. bis 27. September 2000 notfallmässig in der Psychiatrischen Klinik Y.________ hospitalisiert war, auf eine - von blossen depressiven Verstimmungszuständen zu unterscheidende - Chronifizierung des Leidens hin, wie dies im Gutachten des Dr. med. H.________ und des lic. phil. O.________ auch bestätigt worden ist. Da auf Grund der medizinischen Unterlagen nicht zuverlässig beurteilt werden kann, ob den eigentlichen psychischen und psychosomatischen Beeinträchtigungen gegenüber der soziokulturellen Belastungssituation selbstständige Bedeutung zukommt, drängt sich auch in diesem Punkt eine ergänzende medizinische Begutachtung auf.