Citation: 1P.454/2003 04.11.2003 E. 2

Der Beschwerdeführer macht geltend, indem die Anklagekammer eine Entschädigung für seine anwaltliche Vertretung im Verfahren vor dieser Instanz verweigere, verstosse sie in willkürlicher Weise gegen § 60 StPO/TG und gegen den unbestrittenen Rechtsgrundsatz, wonach der obsiegenden Partei in einem Prozess eine angemessene Entschädigung für ihre anwaltliche Vertretung zustehe. § 60 StPO/TG lautet wie folgt: "In Rechtsmittelverfahren sind die Kosten und Parteientschädigungen der unterliegenden Partei zu belasten, sofern nicht besondere Umstände eine Abweichung rechtfertigen." 2.1 Die Anklagekammer vertritt im angefochtenen Entscheid sowie in ihrer Vernehmlassung an das Bundesgericht die Auffassung, dass der Beschwerdeführer nur teilweise bzw. nur zur Hälfte obsiegt habe. Aus diesen Gründen habe sie gestützt auf § 60 StPO/TG auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr verzichtet, dem Beschwerdeführer jedoch auch keine Parteientschädigung zugesprochen. 2.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei mit seinen Anträgen nicht nur teilweise, sondern vollumfänglich durchgedrungen. Dabei sei es unerheblich, dass sich die Vorinstanz von anderen als den in der Beschwerdeschrift angeführten Erwägungen leiten liess. Die Anklagekammer habe auch keine besonderen Umstände genannt, welche im vorliegenden Fall ein Abweichen von der Regel von § 60 StPO/TG rechtfertigen würden. 2.3 Willkürlich ist ein Entscheid nicht schon dann, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst dann, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt sodann nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 127 I 54 E. 2b; 125 I 166 E. 2a S. 168; 124 I 247 E. 5 S. 250; 123 I 1 E. 4a S. 5; je mit Hinweisen). Strittig ist vorliegend einzig die Frage, ob der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen nur teilweise oder ob er vollständig durchgedrungen ist. Die Anklagekammer begründete den Kostenentscheid ausschliesslich mit dem Unterliegen bzw. Obsiegen des Beschwerdeführers und nennt keine anderen Gründe für die Verweigerung der Parteientschädigung. Entscheidend für die Frage des Unterliegens bzw. Obsiegens ist, in welchem Ausmass die Rechtsmittelinstanz den Begehren eines Verfahrensbeteiligten folgt; ohne Bedeutung ist, mit welcher Begründung dieses Prozessergebnis erreicht wird (Niklaus Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, dargestellt am Beispiel des Kantons St. Gallen, Bern 1994; Derselbe, Gerichts- und Parteikosten im Strafprozess, in Christian Schöbi [Hrsg.], Gerichtskosten, Parteikosten, Prozesskaution, unentgeltliche Prozessführung, Bern 2001, S. 39). Entgegen der Auffassung der Anklagekammer war das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers keineswegs vage formuliert. Er beantragte, die "angefochtene Verfügung [Einstellungsverfügung des Bezirksamts Arbon vom 30. Oktober 2002] sei aufzuheben; das Verfahren sei zur weiteren Untersuchung und zur Bestrafung des Beschwerdeführers an die Vorinstanz zurückzuweisen" (Beschwerdeschrift vom 4. Dezember 2002, S. 2, Akten der Anklagekammer, act. 13). Wie aus der Begründung der Beschwerde hervorgeht, verlangte der Beschwerdeführer sodann "die Aufhebung der angefochtenen Verfügung explizit nur soweit (...), als der Tatbestand des Hausfriedensbruchs in Frage steht" (Beschwerdeschrift, Ziff. 7, act. 14). Der Beschwerdeschrift ist ferner zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nur für sich allein Beschwerde führte und nicht etwa stellvertretungsweise auch für seine Partnerin. In Ziff. 2 des Beschlusses der Anklagekammer wird die Beschwerde, "soweit das Hausrecht des Beschwerdeführers betroffen ist, gutgeheissen und das Bezirksamt Arbon angewiesen, eine Strafverfügung im Sinne von § 6 Abs. 2 Ziff. 2 StPO zu erlassen". In der Folge verurteilte das Bezirksamt Arbon G.B.________ wegen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB. Der Beschwerdeführer ist somit mit seinem Antrag der Sache nach voll durchgedrungen. Die in der Vernehmlassung vorgetragene Argumentation der Anklagekammer, sie habe auf Grund des vagen Rechtsbegehrens des Beschwerdeführers und auf Grund der vorgetragenen Begründung davon ausgehen müssen, der Beschwerdeführer verlange, dass G.B.________ wegen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB verurteilt werde, begangen zum Nachteile von K.B.________ und zum Nachteile des Beschwerdeführers, mithin des mehrfachen Hausfriedensbruchs, vermag als Begründung für ein bloss teilweises Obsiegen des Beschwerdeführers nicht zu überzeugen. Zwar ist der Anklagekammer zuzustimmen, dass das Rechtsbegehren im Zusammenhang mit der Beschwerdebegründung zu verstehen ist und dass der Beschwerdeführer seinen Antrag im Wesentlichen damit begründete, seine Partnerin habe ihren Ehemann keinesfalls freiwillig in die Wohnung hinein gelassen; dieser sei dort verweilt, obwohl er erwiesener- und zugegebenermassen mehrfach und unmissverständlich zum Verlassen aufgefordert worden sei. Der Beschwerdeführer ging indessen davon aus, dass er gemeinsam mit seiner Partnerin das Hausrecht über die Wohnung innehabe (vgl. Beschwerde Ziff. 5, act. 14) und es für das Vorliegen eines Hausfriedensbruchs hinsichtlich der gemeinsamen Wohnräume wesentlich sei, ob seine Partnerin mit der Anwesenheit ihres Ehemannes in der Wohnung einverstanden war oder nicht (vgl. staatsrechtliche Beschwerde Ziff. 17). Die Anklagekammer wählte eine andere juristische Konstruktion, kam aber auch dabei zum Schluss, dass sich G.B.________ des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht hat. Es erscheint als sachwidrig und damit willkürlich, dem Beschwerdeführer deswegen eine Parteientschädigung zu verweigern.