Citation: 7B_71/2022 E. 3.4

3.4. Zur Frage der Untersuchungsrelevanz bzw. der zeitlichen Verhältnismässigkeit der Untersuchungsmassnahme erwägt die Vorinstanz Folgendes: Aus der Entsiegelung und Durchsuchung des sichergestellten Mobiltelefons seien weitere Erkenntnisse zur Abklärung des Sachverhalts zu erwarten. Insbesondere könnten dort gespeicherte Kontakt-, Text-, Sprach- und Bilddaten voraussichtlich Aufschluss geben über die Zeitdauer des Betriebs der Hanfplantage, den Umfang der Pflanzungen und allenfalls bereits erfolgter Ernten sowie über allfällige mitbeteiligte Personen. Dem Beschwerdeführer sei zwar darin zuzustimmen, dass er laut Rubrum des Entsiegelungsgesuchs lediglich verdächtigt werde, Betäubungsmittel angebaut zu haben. Das sichergestellte Mobiltelefon weise jedoch (entgegen seiner Auffassung) "bereits einen Konnex zu dem im Rubrum erwähnten Tatverdacht betreffend Anbau von Betäubungsmitteln auf", was ausreiche, um die Untersuchungsrelevanz zu bejahen. Im Eventualstandpunkt habe der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Entsiegelungsverfahren eine zeitliche Beschränkung der Entsiegelung beantragt, nämlich auf Mobiltelefon-Daten ab August 2021, subeventualiter ab Mai 2021. Mit Hinweis auf Aussagen des (Unter-) Vermieters des für den untersuchten Marihuanaanbau gemieteten Raumes habe er Folgendes geltend gemacht: Er habe beim (Unter-) Vermieter des Raumes erst ab August 2021 ein "Praktikum" gemacht. Aus seinen Handydaten vor August 2021 seien daher keine deliktsrelevanten Erkenntnisse zu erwarten. Ein wesentlicher Anstieg der Stromkosten (durch die Bewirtschaftung des gemieteten Raumes) sei denn auch erst gegen Ende 2021 und Anfang 2022 erfolgt. Hinzu komme, nach den Vorbringen des Beschwerdeführers, dass der (Unter-) Vermieter die fraglichen Lagerräume selber erst seit Mai 2021 gemietet habe. Mit der Vorbereitung bzw. dem Betrieb der Indoor-Hanfanlage wolle er, der Beschwerdeführer, erst ab Mitte Januar 2022 begonnen haben. Dem hält die Vorinstanz entgegen, dass die konkrete Zeitdauer, in der Marihuana bzw. Cannabis angebaut wurde, noch ungeklärt sei und Gegenstand der Strafuntersuchung bilde. Die Aussagen des (Unter-) Vermieters und des Beschwerdeführers zu dessen Arbeitstätigkeit bzw. Praktikum seien widersprüchlich. Seit wann er den fraglichen Raum gemietet habe, sei derzeit ebenfalls unklar. Nach den Aussagen des (Unter-) Vermieters sei zwischen ihnen kein schriftlicher Untermietvertrag unterzeichnet worden. Die Angaben betreffend die Schlüsselübergabe des Mietraums an den Beschwerdeführer seien ungenau bzw. widersprüchlich. Aus den Akten ergebe sich auch, dass der (Unter-) Vermieter die Räumlichkeiten bereits vor Mai 2021 genutzt habe. Nach jetzigem Untersuchungsstand sei nicht ersichtlich, wann die Indoorhanfanlage in Betrieb genommen worden sei. Diesbezüglich könne auch nicht auf die sich teilweise widersprechenden Angaben des Beschwerdeführers bzw. des (Unter-) Vermieters abgestellt werden. Im Übrigen hält es die Vorinstanz für "wahrscheinlich, dass der Beschuldigte den Anbau des THC-haltigen Cannabis bereits längere Zeit vor dem August bzw. Mai 2021 geplant und bereits vor der Nutzung des Mietraumes bzw. Inbetriebnahme der Hanf-Indooranlage mit Lieferanten oder allfälligen Mittätern kommuniziert" habe. Es bestehe folglich objektiv Anlass zur Annahme, dass auch die Daten vor August bzw. Mai 2021 für die Abklärung der mutmasslichen Straftat hilfreich sein könnten. Von einer zeitlichen Beschränkung der Entsiegelung sei deshalb abzusehen. Eine detaillierte Triage und Aussonderung wäre nach der Praxis des Bundesgerichtes nur dann vorzunehmen gewesen, wenn der Beschwerdeführer jene Aufzeichnungen benannt hätte, die seiner Ansicht nach offensichtlich keinen Sachzusammenhang mit der Strafuntersuchung aufwiesen. Dies habe er aber unterlassen. Zwar habe der Beschwerdeführer gestanden, dass er der Betreiber der entdeckten Hanfplantage gewesen sei. Bei zahlreichen relevanten Fragen habe er jedoch die Aussage verweigert. Die Strafbehörden hätten von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person erheblichen Tatsachen abzuklären. Der massgebliche Sachverhalt sei noch nicht hinreichend geklärt. Zu diesem gehörten insbesondere auch die zeitliche Dauer des Betriebes der Hanfplantage bzw. der Pflanzungen und Ernten sowie die involvierten Personen. Auch sei es die Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, die vorliegenden Beweisaussagen mittels Sachbeweisen zu überprüfen, dies nicht zuletzt auch deshalb, weil ein allfällig widerrufenes Geständnis zu Beweisschwierigkeiten führen könnte. Es sei im vorliegenden Fall keine andere und mildere Massnahme ersichtlich als die Durchsuchung des sichergestellten Mobiltelefons, um verlässlichen Aufschluss über die Art und das Ausmass der untersuchten Straftat zu erhalten.