Citation: 2C_392/2017 E. 2.4.3

2.4.3. Es kann hier offenbleiben, ob das Spannungsverhältnis zwischen dem Aufdruck des falschen Endtermins für den Ablauf der Rechtsmittelfrist und der zutreffenden Rechtsmittelbelehrung oder die dargelegte Ungereimtheit hinsichtlich der Dauer der Rechtsmittelfrist je für sich allein genommen bereits dazu führen, dass sich der damalige Vertreter mangels gebührender Aufmerksamkeit nicht mehr auf den Grundsatz von Treu und Glauben berufen konnte (vgl. E. 2.3 hiervor). Zumindest zusammen genommen und in Kombination mit der unbestritten gebliebenen eingeschriebenen Zustellung (vgl. E. 2.4.1 hiervor) lassen sie das Verhalten des Vertreters im Zusammenhang mit der verspäteten Rechtsmitteleinreichung indes als unsorgfältig erscheinen: Hätte allein schon ein Blick ins Gesetz ausgereicht, um festzustellen, dass es für den Beginn des Fristenlaufs auf die Eröffnung des Einspracheentscheids und nicht etwa auf ein auf diesen aufgedrucktes Datum ankam, so wäre angesichts der zutreffenden Rechtsmittelbelehrung jedenfalls von einem Anwalt zu erwarten gewesen, dass er den Fehler in der Verfügung bemerkt und entsprechend reagiert hätte. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass dem damaligem Vertreter der Beschwerdeführer als dipl. Wirtschaftsprüfer (und damit allenfalls verfahrensrechtlich weniger erfahrener Person als einem Anwalt) der Unterschied zwischen aufgedrucktem Datum und Eröffnungsdatum nicht geläufig war. Auch dann hätte er sich angesichts des erheblichen Auseinanderklaffens zwischen Zustellung des Einspracheentscheids und Dauer der Rechtsmittelfrist gemäss Rechtsmittelbelehrung einerseits (30 Tage) sowie gemäss aufgedrucktem Enddatum andererseits (46 Tage) Fragen stellen müssen. Es ist zwar nicht völlig undenkbar, dass infolge Vorliegens eines Friststillstandsgrunds die tatsächlich für die Einreichung eines Rechtsmittels zur Verfügung stehende Frist länger ist als die im Gesetz genannte Frist. Dass ein Friststillstandsgrund vorliegt und die Rechtsmittelfrist deshalb tatsächlich länger ist, darf indessen nicht leichthin angenommen werden. Selbst wenn das Vorliegen eines Friststillstandsgrunds vermutet wird, gehört es zu den elementaren Pflichten eines jeden - und damit auch des prozessual unerfahrenen - Vertreters einer Partei, dass er sich Gewissheit über das Bestehen des vermuteten Friststillstandsgrunds verschafft. Hier hat sich der damalige Vertreter einfach auf den aufgedruckten Endtermin für die Einreichung eines Rechtsmittels verlassen, obwohl dieser eine erheblich längere tatsächliche als die gesetzliche Frist bedeutete, und hat keine entsprechenden Abklärungen getroffen. Das Versäumnis des Vertreters abzuklären, warum hier gemäss Aufdruck eine wesentlich längere als die gesetzliche vorgesehene Frist greifen sollte, war unmittelbar kausal für die verspätete Rechtsmitteleinreichung.