Citation: 6B_595/2021 E. 5.2

5.2. Die Vorinstanz prüft zunächst den Antrag des Beschwerdeführers auf Einholung eines Obergutachtens und setzt sich dabei ausführlich mit dessen Kritik am aussagepsychologischen Gutachten vom 4. Dezember 2019 sowie der von ihm ins Recht gelegten methodenkritischen Stellungnahme von E.________ sowie deren Aussagen und jener der beiden Sachverständigen anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung auseinander. Sie gelangt zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer bzw. E.________ nicht gelinge, gewichtige und zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien vorzubringen, welche die Überzeugungskraft des Gutachtens ernsthaft zu erschüttern in der Lage seien. Zwar sei es dem Gutachten nicht möglich gewesen, alle Fragen zu beantworten - wobei darin auch offengelegt worden sei, wo möglicherweise Fragen unbeantwortet geblieben seien -, jedoch seien die erfolgten Ausführungen in sich überaus schlüssig und auch die Methodik sei nachvollziehbar dargelegt. Die Expertise kranke mithin auch nicht an Mängeln, die derart offensichtlich seien, dass sie auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar seien. Somit stelle das Gutachten eine rechtsgenügliche Grundlage für eine umfassende und taugliche richterliche Beweiswürdigung der Opferaussagen dar, womit der Antrag des Beschwerdeführers auf Einholung eines Obergutachtens abzuweisen sei (Urteil S. 27 ff.). Im Rahmen ihrer Beweiswürdigung gibt die Vorinstanz zunächst das Ergebnis des aussagepsychologischen Gutachtens zusammengefasst wieder. Demnach hätten sich keine Hinweise dafür ergeben, dass aufgrund der diagnostizierten psychischen Störung (rezidivierende depressive Störung, differentialdiagnostisch Anpassungsstörung) und damit verbundenen psychopathologischen Auffälligkeiten die Aussagetüchtigkeit der Geschädigten zu den aussagerelevanten Zeitpunkten beeinträchtigt gewesen wäre. Auch aktuell lasse sich ihre allgemeine Aussagetüchtigkeit bejahen. Das Gutachten verneine suggestive Einflüsse auf die Erinnerungsfähigkeit des Opfers. Anhand der inhaltlichen Aussagebewertung kämen die Gutachterinnen zur Einschätzung, dass aus aussagepsychologischer Sicht vieles für den Erlebnisbezug der hier zur Diskussion stehenden Aussagen spreche. Ein ganz sicherer Nachweis gelinge aussagepsychologisch (d.h. allein anhand der Aussagen - die Würdigung weiterer Beweismittel liege nicht in der aussagepsychologischen Kompetenz) mit der methodisch und juristisch geforderten Eindeutigkeit nicht, was sich in der eingeschränkten Möglichkeit zur Beurteilung der Aussagekonstanz und insbesondere im wechselhaften Aussageverhalten (zeitweiliger Widerruf) des Opfers begründe. Die Beurteilung der Frage, ob eine Beeinflussung durch dritte Personen in der von der Geschädigten geschilderten Art und Weise stattgefunden habe oder nicht und ob gegebenenfalls deshalb die Rücknahme von Belastungen erfolgt sei, es sich also um einen in der Drucksituation getätigten und nicht glaubhaften Widerruf gehandelt habe, liege hier nicht in der aussagepsychologischen Kompetenz, sondern sei der Beweiswürdigung vorbehalten. In der Folge prüft die Vorinstanz die Glaubhaftigkeit der Ausführungen der Geschädigten, wobei sie in einem ersten Schritt auf die einzelnen vom Beschwerdeführer zusammen mit E.________ im Berufungsverfahren vorgebrachten Rügen hinsichtlich des erstinstanzlichen Urteils bzw. des aussagepsychologischen Gutachtens eingeht, mit Ausnahme jener Vorbringen, die sie zuvor bereits behandelt hat. In einem zweiten Schritt prüft sie die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Opfers gestützt auf das aussagepsychologische Gutachten. Zur inhaltlichen Aussagequalität der Aussagen der Geschädigten hält sie abschliessend fest, die Annahme, dass die Aussagen des Opfers nicht realitätsbegründet seien (Nullhypothese) könne nicht mehr aufrechterhalten werden. Konsequenterweise sei davon auszugehen, dass die Aussagen der Geschädigten ihrem wirklichen Erleben entsprächen (Urteil S. 34 ff.). Schliesslich würdigt die Vorinstanz die Aussagen des Beschwerdeführers sowie die objektiven Beweismittel. Sie gelangt zum Schluss, die Aussagen des Beschwerdeführers seien nicht als glaubhaft zu werten. Zudem stützten die objektiven Beweismittel die von der Geschädigten geschilderte Sachverhaltsversion. Im Ergebnis sei somit der Sachverhalt in dem Umfang als erstellt anzusehen, wie ihn die erste Instanz gestützt auf die Anklageschrift angenommen habe (Urteil S. 70 ff.).