Citation: 6B_103/2023 E. 9.7.3

9.7.3. Das Bundesgericht entschied im Urteil BGE 142 IV 329 in Änderung seiner früheren Rechtsprechung, eine Zusatzstrafe gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB könne nur zu inländischen Entscheiden ausgesprochen werden (BGE, a.a.O., E. 1.4.1). Zur Begründung wurde im erwähnten Entscheid ausgeführt, es handle sich bei Art. 49 StGB um eine Strafzumessungsnorm, die nur zur Anwendung gelange, wenn die zu beurteilende Straftat der schweizerischen Gerichtsbarkeit nach den Bestimmungen über den räumlichen Geltungsbereich unterliege. Art. 49 Abs. 2 StGB solle gewährleisten, dass das in Abs. 1 verankerte Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz zur Anwendung gelange, erweitere hingegen den Anwendungsbereich des StGB nicht. Implizite Voraussetzung für eine Zusatzstrafe nach Art. 49 Abs. 2 StGB sei, dass für die bereits beurteilten und noch zu beurteilenden Delikte im Falle gleichzeitiger gerichtlicher Beurteilung eine Gesamtstrafe hätte ausgesprochen werde können. Komme eine gemeinsame gerichtliche Beurteilung nicht in Betracht, da die im Ausland begangenen Straftaten nicht in den (räumlichen) Geltungsbereich des StGB fielen, müsse dies auch im Rahmen retrospektiver Konkurrenz gelten (BGE, a.a.O., E. 1.4.1).