Citation: H 110/05 12.10.2005 E. 3

3.1 Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 127 V 437 Erw. 3d/aa, 126 V 132 Erw. 2b mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung kann eine - nicht besonders schwerwiegende - Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Heilung eines - allfälligen - Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 127 V 437 Erw. 3d/aa, 126 I 72, 126 V 132 Erw. 2b, je mit Hinweisen). Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 116 V 187 Erw. 3d; Urteil K. vom 2. Dezember 2003, U 33/03, Erw. 1.2). 3.2 Indem die Ausgleichskasse der Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren weder die beantragte Akteneinsicht gewährte noch die gestellten Beweisanträge behandelte, hat sie ihr das rechtliche Gehör vollumfänglich verweigert. Bei der Gewichtung dieses Umstandes ist weiter zu berücksichtigen, dass dem Gehörsanspruch im Einspracheverfahren besondere Bedeutung zukommt, wenn bereits die angefochtene Verfügung ohne vorgängige Anhörung erging. Entgegen der in der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin geäusserten Ansicht kann nicht gesagt werden, die beigezogenen Akten seien für den Entscheid von vornherein irrelevant gewesen. Denn die Antwort auf die zur Diskussion stehende materiellrechtliche Frage, ob die umstrittenen Vergütungen eine selbstständige oder eine unselbstständige Erwerbstätigkeit betreffen, kann auch von Tatsachen aus der Sphäre des Zahlungsempfängers abhängen, welche der Auftrag- oder Arbeitgeberin nicht ohne weiteres bekannt sind. Wenn im Einspracheentscheid ausführlich auf die beigezogenen Dokumente Bezug genommen wurde, vermag dies die zuvor erfolgte Vereitelung der Mitwirkungsrechte nicht zu beheben und spricht überdies gegen die Behauptung, diese Unterlagen hätten den Entscheid nicht beeinflusst. Unter diesen Umständen muss das Vorgehen der Ausgleichskasse als schwere Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör qualifiziert werden, welche einer Heilung im gerichtlichen Rechtsmittelverfahren prinzipiell nicht zugänglich ist. Die Beschwerdeführerin hat die entsprechende Rüge in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erneut vorgebracht und damit zu erkennen gegeben, dass ihr an einem korrekten Ablauf des Verfahrens mehr liegt als an einer unverzüglichen materiellen Beurteilung. Ein Absehen von einer Rückweisung aus prozessökonomischen Gründen scheidet daher ebenfalls aus.