Citation: M 2/99 24.01.2000 E. 3

3.- Im Anschluss an die Neuanmeldung vom 14. Juni 1994 anerkannte die Militärversicherung am 10. Januar 1996 ihre Leistungspflicht für die Kniebeschwerden beidseits. Ent- sprechend ist das BAMV für sämtliche diagnostischen und therapeutischen Massnahmen im Zusammenhang mit den Kniebe- schwerden bis Ende Juli 1996 vollumfänglich aufgekommen. Mit dieser Haftungsanerkennung in Verbindung mit der bis 31. Juli 1996 erfolgten Leistungserbringung ist die Zusam- menhangsfrage zwischen den ursprünglichen dienstlichen Ein- wirkungen 1988 und dem Gegenstand der versicherungsmässigen Abklärung bildenden Leidenszustand in dem Sinne vorent- schieden, als von einer Haftung der Militärversicherung bis und mit 31. Juli 1996 auszugehen ist. Was die Folgezeit an- belangt, geht es um den Beweis von Tatsachen, welche diese anerkannte Leistungsberechtigung aufheben. Somit trägt das BAMV die Beweislast (siehe Erw. 2b). a) Zwar klagte der Beschwerdeführer im Anschluss an den Fussmarsch im WK 1988 zunächst über Beschwerden in beiden Knien, indessen musste in der Folge lediglich das linke Knie wegen lateral aufgetretener Schmerzen behandelt werden, welche sowohl von dem ihn nach Dienstende weiter behandelnden Dr. H.________ als auch vom konsultierten Orthopäden Dr. E.________ als "Periostose li. Knie lat." oder als "Tendoperiostosen im Bereich des Tractus und am Kapselansatz lateral" diagnostiziert wurden. Die Dres. I.________ und O.________ vom Chefärztlichen Dienst des BAMV haben in ihrem Aktengutachten vom 30. September 1996 dieses Krankheitsbild wie folgt beschrieben: "Es handelt sich bei diesem Krankheitsbild um Schmerzen im Bereiche von Sehnen- und Kapselansatz (in diesem Fall an der Aussenseite des linken Kniegelenkes), welche in der Regel durch Überlastung entstehen. Gerade das so genannte "Tractus-Syndrom" ist als typische Überlastungsreaktion bei Läufern bekannt und wegen seines protrahierten Ver- laufs auch gefürchtet. Es handelt sich hierbei also um eine Schädigung der Weichteile in der Umgebung des Knie- gelenkes; das Gelenk selber ist nicht beteiligt und weist deshalb normalerweise keinen Erguss auf. In der Regel ist diese Symptomatik, welche nur konservativ und vor allem mit Schonung behandelt wird, nach spätestens sechs Monaten geheilt." Diese medizinische Beurteilung des im WK 1988 erlitte- nen Gesundheitsschadens ist zutreffend. Der beschriebene Krankheitsverlauf stimmt mit demjenigen überein, der sich beim Versicherten einstellte. Nach Dienstende hielten seine Beschwerden im linken Knie unter konservativer Behandlung an und klangen erst im Januar 1989, nach ca. drei Monaten ab, nachdem er Ende November oder Anfang Dezember 1988 14 Tage mit der Arbeit ausgesetzt und sich geschont hatte. Bei der Untersuchung vom 17. Februar 1989 erhob der konsul- tierte Spezialarzt Dr. E.________ unauffällige Befunde im linken Knie, und der Versicherte gab an, dass die Beschwer- den bis vor etwa fünf Wochen angehalten hätten und er jetzt beschwerdefrei sei. b) In der Folge begab sich der Beschwerdeführer erst wieder ab 1. März 1994 wegen Schmerzen und Entzündungsschü- ben in den Knien, insbesondere im Bereich des linken Knies, in ärztliche Behandlung bei Dr. U.________. Zwar hatte er bereits am 17. Oktober 1992 Dr. N.________ wegen exacer- bierter Beschwerden im linken Knie in den Vormonaten kon- sultiert und um ein Zeugnis zuhanden des Militärarztes ersucht, aber keine ärztliche Behandlung beansprucht. Zwi- schen dem Abschluss der Behandlung der dienstlichen Gesund- heitsschädigung im Februar 1989 und dem Wiederaufflackern von Beschwerden im linken Knie sowie deren ärztlichen Be- handlung ab 1. März 1994 liegt somit ein behandlungsfreies Intervall von fünf Jahren. Dass der Versicherte während dieser Zeit ein einziges Mal einen Arzt aufgesucht hat, ohne sich indessen behandeln zu lassen, obschon er dies zuvor regelmässig getan hat, lässt den Schluss zu, dass er schmerzfrei gewesen ist. Daran ändert die in der Verwal- tungsgerichtsbeschwerde geäusserte Behauptung, er sei seit 1988 nie mehr vollständig beschwerdefrei gewesen, nichts (vgl. Steger-Bruhin, Die Haftungsgrundsätze der Militärver- sicherung, Diss. St. Gallen 1996, S. 179, mit Hinweis auf das nicht veröffentlichte Urteil Z. vom 25. Juni 1980). c) Die nach Wiederaufnahme der ärztlichen Behandlung ab 1. März 1994 bis zu dem in tatsächlicher Hinsicht mass- gebenden Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Einspra- cheentscheides vom 12. August 1997 (BGE 121 V 366 Erw. 2b mit Hinweisen) in den Akten anzutreffenden Diagnosen für die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden im linken Knie sind vielfältig sowie zum Teil ungenau und unbestimmt: -"unklare Entzündungsreaktion Knie links" (Anmeldung Dr. U.________ vom 14. Juni 1994); -"am ehesten... unspezifische Synovitis anteromedial, unklarer Genese, mit neurovegetativer Beteiligung..." (Stellungnahme Dres. S.________ und P.________ vom 20. April 1994); -"unklare, chronische Knieschmerzen beidseits" (Bericht Leitender Arzt Dr. M.________ und Oberärztin Dr. R.________, beides Spezialärzte für Rheumatologie, Spital X.________, vom 18. August 1995); -"unklare chronische Knieschmerzen beidseits (DD: Chondro- pathia patellae) " (Stellungnahme Dr. C.________, Oberarzt Rheumatologie des Spitals X.________, vom 19. Oktober 1995); -"retropatelläres Schmerzsyndrom beidseits" (Expertise Assistenzarzt Dr. W.________, visiert von Chefarzt Dr. von L.________, Spital Y.________, vom 15. Dezember 1995); -"verschiedene unklare Gelenksbeschwerden und funktionelle Beschwerden. Anteriores Knieschmerz-Syndrom" (Stellung- nahme Dr. A.________, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, vom 7. Juni 1996); -"Knieschmerzen beidseits: Periarthropathia genu bei Ver- dacht auf Condropathia patellae bds.; anhaltende soma- toforme Schmerzstörung; Patella bipartita und kartilagi- läre Exostose der Fibula rechts; atypisch verlaufende rheumatoide Arthritis nicht ausgeschlossen; Verdacht auf anankastische Persönlichkeitsstörung" (Gutachten MEDAS vom 27. Juni 1996). Gemeinsam ist diesen Diagnosen, dass sie mit dem nach dem WK 1988 diagnostizierten Knieleiden an der Aussenseite links nicht übereinstimmen, sondern neue und andersartige Gesundheitsschäden als Ursache der im linken Knie geklagten Beschwerden umschreiben. Weiter fällt auf, dass der Versi- cherte ab März 1994 stets über gleichartige Beschwerden in beiden Knien klagte, wogegen im WK 1988 nur Beschwerden im linken Knie aufgetreten waren und behandelt werden mussten. Soweit die diagnostizierten neuen Krankheitsbilder über- haupt das linke Knie betreffen, handelt es sich entweder um entzündliche Krankheitsprozesse (unspezifische Synovitis) oder um eine Knorpelveränderung im Bereich der Kniescheibe (Chondropathia patellae und Patella bipartita), also durch- wegs um ein pathologisches Geschehen im Inneren des Knie- gelenks (intraartikulär). In keinem der zahlreichen Arzt- berichte findet sich ein Anhaltspunkt dafür, dass diese neuen und andersartigen Krankheitsbilder nach einem be- schwerdefreien Intervall von rund fünf Jahren in natürlich kausaler Weise auf die im Jahre 1988 an der Aussenseite des linken Knies erlittene Weichteilschädigung zurückgeführt werden könnten. Bei dieser Aktenlage ist mit überwiegender Wahrschein- lichkeit davon auszugehen, dass die von 1994 bis 1996 Ge- genstand der diagnostisch-therapeutischen Vorkehrungen bil- denden Beschwerden nicht mehr zum Symptomenkreis desjenigen Leidens gehören, für das die Militärversicherung 1988 ihre Haftung anerkannt hat. Entsprechend ist das Vorliegen eines Rückfalls oder von Spätfolgen der im WK 1988 erlittenen Tendioperistose im linken Knie ab 31. Juli 1996 zu vernei- nen. d) An diesem Ergebnis ändert die anlässlich einer MRI- Untersuchung vom 29. Januar 1998 im Radiologie-Institut Z.________ gestellte Diagnose einer geringfügigen Lädierung des vorderen Kreuzbandes und eines Gelenksergusses im linken Knie nichts. Denn sie lässt keine Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zum massgeblichen Zeitpunkt (siehe Erw. 3c am Anfang hievor) zu. Ohnehin fehlt es bezüglich dieser Erguss- und Kreuzbandpathologie am erforderlichen natürlichen Kausalzusammenhang mit der rund neun Jahre zurückliegenden dienstlichen Gesundheitsschädigung an der Aussenseite des linken Knies, weshalb es sich dabei nicht um Spätfolgen des während des WK 1988 aufgetretenen Gesundheitsschadens handelt.