Citation: I 234/05 29.07.2005 E. 2

Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente. 2.1 In medizinischer Hinsicht gelangten die IV-Stelle und ihr folgend die Vorinstanz zum Ergebnis, was den somatischen Aspekt anbelange, werde die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, der früher als Serviceangestellter gearbeitet hatte und nach zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit seit mehreren Jahren als Hausmann tätig gewesen war, durch Kniebeschwerden eingeschränkt. Ihnen könne jedoch durch die Ausgestaltung der konkreten Arbeit Rechnung getragen werden. Denn die Ausübung einer leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit unter Vermeidung häufigen Kniens sowie längerer Gehstrecken sei uneingeschränkt möglich (Arbeitsfähigkeit 100%). Diese Einschätzung stützt sich auf das Gutachten des Medizinischen Zentrums Y.________ vom 17. Februar 2004. Die diesem zu Grunde liegenden Untersuchungen der Rheumatologin Dr. med. A.________ ergaben keine Hinweise auf eine Bewegungseinschränkung der Gelenke oder der Wirbelsäule sowie entzündliche Gelenksveränderungen. Die Röntgenbefunde fielen altersentsprechend normal aus, ohne degenerative Veränderungen zervikal, thorakal, lumbal sowie an den Kniegelenken beidseits. Die Ärztin interpretierte die Beschwerden des Versicherten, welcher insbesondere Schmerzen im Knie- und lumbalen Rückenbereich, aber auch an den Oberschenkeln, Schultern und Ellenbogen angegeben hatte, im Rahmen eines chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndroms sowie diffuser Polyarthralgie und Weichteilbeschwerden ohne klinisches oder bildgebendes Korrelat mit Verdacht auf Vorliegen einer psychischen Störung. Auf Grund der objektivierbaren Befunde lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit begründen. Allerdings müssten häufig kniende Tätigkeiten oder längere Gehstrecken vermieden werden, dies bei anamnestischem Meniskusschaden und Status nach rezidivierenden Kniegelenksergüssen links. Diese schlüssige und in nachvollziehbarer Weise begründete Beurteilung wird durch die übrigen medizinischen Unterlagen nicht in Frage gestellt. So hatte bereits die orthopädische Universitätsklinik B.________ in ihrem Bericht vom 11. Juli 2001 die Arbeitsfähigkeit weitgehend identisch umschrieben. Die am 15. September 2004 durchgeführte mediale Maxillektomie links führt, wie das kantonale Gericht zutreffend erwogen hat, zu keiner abweichenden Beurteilung. 2.2 Der Beschwerdeführer leidet ausserdem an einer chronischen Alkoholabhängigkeit, deren Beginn sich nicht zuverlässig ermitteln liess, wobei jedoch von einer langjährigen Dauer auszugehen ist. Die invalidenversicherungsrechtliche Bedeutung dieser Symptomatik hängt von den in Erw. 1.3 hievor genannten Kriterien ab. 2.2.1 Was den Gesundheitszustand vor dem Eintritt der Alkoholabhängigkeit anbelangt, wird von psychiatrischer Seite auf eine selbstunsichere, passiv-abhängige Persönlichkeit hingewiesen, welche allenfalls bereits damals vorgelegen haben könnte. Das Gutachten des Dr. med. N.________ vom 25. September 2001 erwähnt zusätzlich eine familiär bedingte defizitäre Entwicklung und Identitätsfindung in der Jugendzeit. Die Akten enthalten jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer vor dem Eintritt der Alkoholabhängigkeit an schwerwiegenden pathologischen Befunden gelitten hätte. Auch wenn einzelne Aspekte der Biographie sowie der Persönlichkeitsstruktur möglicherweise geeignet waren, zu einer etwas erhöhten Suchtgefährdung beizutragen, kann nicht davon gesprochen werden, dass der Alkoholismus als Folge einer psychischen Störung mit Krankheitswert eingetreten wäre. 2.2.2 Ein invalidisierendes Leiden liegt demnach im Zusammenhang mit der Alkoholabhängigkeit nur dann vor, wenn die Sucht ihrerseits zur Ausbildung einer Krankheit geführt hat, als deren Folge ein die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist. Letztes kann nach dem bereits Gesagten in Bezug auf die somatischen Befunde ausgeschlossen werden. Was den psychiatrischen Aspekt anbelangt, führte Dr. med. I.________, welcher den Versicherten im Rahmen der Begutachtung durch das medizinische Zentrum Y.________ untersuchte, zur Diagnose aus, der Versicherte zeige eine langjährige, chronische Alkoholabhängigkeit und ausserdem Züge einer unsicheren und abhängigen Persönlichkeit. Differenzialdiagnostisch sei hier zu unterscheiden zwischen einer aethylbedingten Wesensveränderung und vorbestehenden labilen Persönlichkeitszügen, welche durch den aktuell fortdauernden Alkoholkonsum verstärkt würden. Begleitend bestehe eine subdepressive Stimmungslage, also (wegen mangelnder Ausprägung) keine eigentliche Depression. Die Arbeitsfähigkeit sei suchtbedingt deutlich eingeschränkt. In der aktuellen Untersuchung könne aber keine krankheitsbedingte Einschränkung festgestellt werden. Aus heutiger Sicht sei auch nicht anzunehmen, dass die bestehenden kognitiven Probleme (Vergesslichkeit, Einschränkung des Altgedächtnisses) persistieren würden, wenn der Versicherte eine seit langem anstehende Alkoholabstinenz einhielte. Prognostisch bestehe allerdings bei fortwährendem erheblichem Alkoholkonsum ein erhebliches Risiko zur Entwicklung hirnorganischer und damit auch Wesensveränderungen. Diese Einschätzung ist mit derjenigen des Dr. med. N.________, welcher den Versicherten am 25. September 2001 psychiatrisch begutachtet hatte, vereinbar. Nach dessen Beurteilung leidet der Beschwerdeführer an einer floriden Alkoholabhängigkeit mit allen Anzeichen diverser Folgestörungen, darunter Affektinkontinenz und Wesensveränderung sowie sekundärer Depressionssymptomatik. Ferner wird ebenfalls über eine selbstunsichere, passiv-abhängige Persönlichkeit mit deutlichen Dekompensationszeichen berichtet. Die chronische Suchtproblematik führe zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um etwa 50%, wobei jedoch unter professioneller Therapie und Rehabilitation mit einer weitgehenden Restitution zu rechnen sei, während bei ausbleibender Behandlung eine ungünstige längerfristige Prognose gestellt werden müsse. Dr. med. N.________ geht somit von einer Arbeitsunfähigkeit aus, welche im Wesentlichen auf dem Alkoholabusus beruht und durch dessen zielgerichtete Behandlung grösstenteils behoben werden könnte. Ein zusätzliches sekundäres psychisches Leiden mit erheblichen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit liegt auch nach der Beurteilung dieses Arztes nicht vor. Der Bericht des Psychiatriezentrums R.________ vom 22. April 2004 weist auf neuropsychologische Einschränkungen hin, welche durch den Alkoholmissbrauch verursacht seien. Auch insoweit ist jedoch nicht von einem selbstständigen sekundären Gesundheitsschaden mit Krankheitswert auszugehen, zumal aus dem Bericht weiter hervorgeht, dass der Alkoholmissbrauch für die Arbeitsunfähigkeit entscheidend ist. Die Aussage des Dr. med. I.________, die kognitiven Probleme würden bei Alkoholabstinenz wahrscheinlich nicht persistieren, wird auch durch den Bericht des Psychiatriezentrums nicht in Frage gestellt. Die von allen Ärzten angesprochenen Massnahmen der Therapie und Rehabilitation schliesslich stellen keine selbständigen Zielsetzungen der Invalidenversicherung dar, für die gesetzlich umschriebene Leistungen ausgerichtet werden können (AHI 2001 S. 231 Erw. 7 mit Hinweis). 2.3 Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdeführer auf Grund der somatischen Symptomatik insofern in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, als er die angestammte Tätigkeit als Serviceangestellter nicht mehr ausüben kann. Eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne häufiges Knien und längere Gehstrecken wäre ihm jedoch aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ganztags und mit voller Leistung zumutbar. Die Alkoholabhängigkeit bleibt auf Grund der konkreten Konstellation ohne Einfluss auf die Beurteilung.