Citation: 6P.165/1999 02.08.2000 E. 2

2.- Die Beschwerdeführer rügen die Verletzung von Parteirechten durch Nichtanordnung eines Obergutachtens. In diesem Zusammenhang machen sie geltend, das Obergericht sei verschiedentlich in Willkür verfallen. a) aa) Soweit die Beschwerdeführer die Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. eine formelle Rechtsverweigerung zu rügen scheinen, sind sie nicht zu hören. Das Obergericht hat sich mit den aus seiner Sicht zentralen Einwänden der Beschwerdeführer und den dazu angerufenen Privatgutachten auseinander gesetzt und sie widerlegt. Die Beschwerdeführer legen nicht in einer Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügenden Weise dar, dass und inwiefern das Obergericht ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt haben soll, indem es in antizipierter Beweiswürdigung nicht jeden der zahlreichen Einwände behandelte. bb) Gegenstand der Rügen bildet das nach Ansicht der Beschwerdeführer willkürliche Abstellen auf die im Gutachten enthaltenen tatsächlichen Schlussfolgerungen zur Frage, ob die körperliche Einwirkung der Beschwerdeführer auf das Opfer eine wesentliche Mitursache im Sinne der natürlichen Kausalität für den Herztod gesetzt hat. Die dazu getroffenen Feststellungen sind tatsächlicher Natur und deshalb mit staatsrechtlicher Beschwerde zu rügen (BGE 98 IV 168 E. 2, S. 173). Dabei sind Qualität und Inhalt eines Gutachtens und die Tatsache, ob ein Gericht die im Gutachten enthaltenen Erörterungen für überzeugend hält oder nicht, Fragen der Beweiswürdigung, die prinzipiell mit staatsrechtlicher Beschwerde wegen Verletzung von Art. 4 aBV bzw. Art. 9 BV (Willkür) aufgeworfen werden können (vgl. BGE 106 IV 97 E. 2a). Auf die Beschwerde ist damit grundsätzlich einzutreten. b) Der Richter würdigt ein Gutachten grundsätzlich frei, auch wenn er mangels eigener Fachkenntnisse einen Sachverständigen beizieht (vgl. Art. 249 BStP). Doch darf er in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe seine Meinung an Stelle derjenigen des Experten setzen; weicht er von der Expertenmeinung ab, muss er dies begründen. Verlangt das Gesetz den Beizug eines Gutachters, darf der Richter von dessen Folgerungen abweichen, wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien deren Überzeugungskraft ernstlich erschüttern. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise kann gegen Art. 4 aBV verstossen (BGE 101 IV 129 E. 3a mit Hinweisen; 102 IV 225 E. 7b, 118 Ia 144 E. 1c). Der Richter wird namentlich dann von den Schlussfolgerungen eines Gutachters abweichen dürfen, wenn sich dieser schon in seinem Gutachten widersprüchlich äussert oder bei einer nachfolgenden Einvernahme in wichtigen Punkten von der im Gutachten vertretenen Auffassung abweicht. Dasselbe gilt, wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Er ist in seinem Entscheid auch dort weitgehend frei, wo ein Gutachten ausdrücklich auf bestimmte Akten oder Zeugenaussagen gestützt wird, deren Beweiswert oder Gehalt der Richter anders bewertet (BGE 101 IV 129 E. 3a). Allerdings wird der Richter angesichts der zunehmend komplexer werdenden Entscheidungssituationen und Entscheidungsabläufe in aller Regel einem Gutachten - allenfalls nach dessen Ergänzung oder nach dem Einholen weiterer Gutachten - folgen. Denn das Abweichen von einem Gutachten erfordert vom Richter, dass er sich über gleiche oder grössere Sachkunde ausweisen müsste, als sie der Experte besitzt. Er wird jedoch häufig mit einer selbstständigen Überprüfung der wissenschaftlichen Überzeugungskraft eines Gutachtens überfordert sein und vielfach nur eine laienhafte Plausibilitätskontrolle vornehmen können. Vom erwähnten Vorgehen bei einer mangelhaften Expertise abgesehen, kann der Richter indessen, will er von einem an sich mangelfreien Gutachten abweichen, den Gutachter zur Erläuterung vorladen, eine Ergänzung anordnen oder ein neues oder mehrere neue Gutachten in Auftrag geben (zur Würdigung mehrerer Gutachten BGE 107 IV 7 E. 5). Damit besitzt der Richter angesichts mangelhafter oder zwar mangelfreier, ihn aber nicht überzeugender Gutachten mehrere Möglichkeiten und ist einem Gutachter nicht einfach "ausgeliefert".