Citation: 6B_1363/2019 E. 1.3.2

1.3.2. Prof. Dr. H.________ kommt im Gutachten vom 25. September 2014 zum Schluss, der Beschwerdeführer habe im Tatzeitpunkt an einer akuten Alkoholintoxikation mit Wahrnehmungsstörungen (ICD-10: F10.04) gelitten, die bei erhaltener Einsichtsfähigkeit zu einer schweren Verminderung der Steuerungsfähigkeit geführt habe (kant. Akten, Urk. 29/19, Gutachten Prof. Dr. H.________ vom 25. September 2014, S. 45 f.). Der Alkoholrausch habe beim Beschwerdeführer eine hochgradige Bewusstseinseinengung, verbunden mit einer Situationsverkennung, wahnhaftem Beziehungserleben und Halluzinationen ausgelöst. Diese alkoholbedingte Bewusstseins-Wahrnehmungsstörung sei mit schweren Beeinträchtigungen der psychischen und voluntativen Funktionen einhergegangen. Die grundsätzliche Fähigkeit des Beschwerdeführers zur Einsicht in das Unrecht der ihm vorgeworfenen Tat sei zum Tatzeitpunkt aus forensisch-psychiatrischer Sicht gegeben gewesen. Aus psychiatrischer Sicht sei wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer die Situation und Handlungen des Privatklägers im Rahmen seiner Bewusstseinseinengung verkannt und dessen Aussagen wahnhaft verarbeitet habe. Aufgrund eines Realitätsverlustes und von Wahrnehmungsstörungen im Rahmen des Alkoholrausches sei der Beschwerdeführer zum Tatzeitpunkt nicht mehr in der Lage gewesen, die Situation adäquat zu würdigen. Er habe auf die wahrgenommene Bedrohung überschiessend und weitgehend ungehemmt-aggressiv reagiert. In der Tatsituation habe das psychotische Erleben Oberhand über Hemmungs- und Steuerungskräfte gewonnen. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht habe die Wahrnehmungsstörung im Rahmen des Rauschzustands die Steuerungsfähigkeit in starkem Ausmass herabgesetzt, jedoch nicht vollständig aufgehoben. So sei der Beschwerdeführer über längere Zeit immer wieder zum Tatort zurückgekehrt, gegebenenfalls aus der Ambivalenz heraus, etwas tun/helfen zu müssen, und er habe gegenüber den Polizisten geäussert, es etwas übertrieben zu haben. Auch, dass er auf die Ansprache des Tramführers zunächst relativ adäquat reagiert habe, dann aber davongelaufen sei, als sich die Polizei genähert habe und sich dann ohne Gegenwehr habe verhaften lassen, spreche gegen eine vollständig aufgehobene Steuerungsfähigkeit (angefochtenes Urteil E. 3.1.1 S. 15 f.; Gutachten, a.a.O., S. 40-43).