Citation: 1P.571/2001 24.09.2001 E. 3

3.- a) Der Freiheitsentzug stellt einen Eingriff in das verfassungsmässige Recht der persönlichen Freiheit gemäss Art. 10 Abs. 2 BV dar. Ein solcher Eingriff ist nur zulässig, wenn er auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruht, im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist. Zudem darf die persönliche Freiheit weder völlig unterdrückt noch ihres Gehalts als Institution der Rechtsordnung entleert werden (BGE 124 I 80 E. 2c S. 81, mit Hinweis). Bei staatsrechtlichen Beschwerden, die gestützt auf das verfassungsmässige Recht der persönlichen Freiheit wegen der Ablehnung eines Haftentlassungsgesuches bzw. der Verlängerung der Untersuchungshaft erhoben werden, prüft das Bundesgericht im Hinblick auf die Schwere des Eingriffes die Auslegung und Anwendung des entsprechenden kantonalen Rechts frei. Soweit jedoch reine Sachverhaltsfragen und damit Fragen der Beweiswürdigung zu beurteilen sind, greift es nur ein, wenn die tatsächlichen Feststellungen der kantonalen Instanz willkürlich sind (BGE 123 I 268 E. 2d S. 271, mit Hinweis). b) Gemäss § 58 der Strafprozessordnung des Kantons Zürich darf Untersuchungshaft unter anderem dann angeordnet werden, wenn der Angeschuldigte eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtigt wird und ausserdem aufgrund bestimmter Anhaltspunkte ernsthaft befürchtet werden muss, er werde sich der Strafverfolgung oder der zu erwartenden Strafe durch Flucht entziehen (Ziff. 1) oder er werde Spuren oder Beweismittel beseitigen, Dritte zu falschen Aussagen zu verleiten suchen oder die Abklärung des Sachverhaltes auf andere Weise gefährden (Ziff. 2). c) Der Beschwerdeführer stellt einen dringenden Tatverdacht in Abrede. Der Verdacht beruhe teilweise auf nicht existierenden Aussagen Dritter sowie falschen Rückschlüssen der Untersuchungsorgane aus Einvernahmen und Telefonabhörungen. aa) Im Gegensatz zum erkennenden Sachrichter haben Haftrichter und Bundesgericht bei der Überprüfung des allgemeinen Haftgrundes des dringenden Tatverdachts keine erschöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender Beweisergebnisse vorzunehmen. Macht ein Inhaftierter geltend, es bestehe kein ausreichender Tatverdacht, ist vielmehr allein zu prüfen, ob genügend konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Beschwerdeführer eine Straftat begangen hat und das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejaht werden kann (BGE 116 Ia 143 E. 3c S. 146). bb) Der Haftrichter hat in seinen Verfügungen vom 13. Dezember 2000 und 28. Februar 2001, auf welche im angefochtenen Entscheid verwiesen wird, erwähnt, dass der Beschwerdeführer durch Aussagen mehrerer Drittpersonen belastet werde und er diverse verschlüsselte Telefongespräche geführt habe. Diese Indizien sind genügend konkret, um im Rahmen des Haftprüfungsverfahrens den dringenden Verdacht zu begründen, dass der Beschwerdeführer am Handel mit mehreren Kilogramm Heroin beteiligt war. Der Beschwerdeführer anerkennt selber, "dass die von der Polizei hergestellten Verbindungen einen gewissen Verdacht begründen, (er) könnte in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein. " Er sieht sich denn auch mit dem Vorwurf einer qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz konfrontiert. Die in Art. 19 Ziff. 2 BetmG vorgesehene Strafdrohung lautet auf Zuchthaus oder Gefängnis nicht unter einem Jahr, womit eine Busse bis zu einer Million Franken verbunden werden kann. Bei dieser Sach- und Rechtslage haben die kantonalen Behörden zu Recht angenommen, dass der Beschwerdeführer unter dringendem Verdacht steht, ein Vergehen oder ein Verbrechen begangen zu haben. d) Der Beschwerdeführer bestreitet sodann die Haftgründe der Flucht- und Kollusionsgefahr wie auch die Verhältnismässigkeit einer weiteren Inhaftierung. aa) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts wird für die Annahme der Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit gefordert, dass sich der Angeschuldigte, wenn er in Freiheit wäre, der Strafverfolgung und dem Vollzug der Strafe durch Flucht entziehen würde. Die Schwere der drohenden Strafe darf als Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden. Sie genügt für sich allein jedoch nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die gesamten Verhältnisse des Angeschuldigten in Betracht gezogen und konkrete Gründe dargetan werden, die eine Flucht nicht nur als möglich, sondern als wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Höhe der zu erwartenden Freiheitsstrafe kann immer nur neben anderen, eine Flucht begünstigenden Tatsachen herangezogen werden (BGE 117 Ia 69 E. 4a S. 70, mit Hinweisen). bb) Der Haftrichter hat die Fluchtgefahr mit den schwer wiegenden Vorwürfen gegen den Beschwerdeführer und der damit drohenden Freiheitsstrafe, dessen Verbundenheit zu seinem Heimatland sowie der Tatsache, dass er von seiner in der Schweiz lebenden Ehefrau getrennt lebt, begründet. Diese Indizien hat der Beschwerdeführer weder bestritten noch gar substanziiert widerlegt. Er beruft sich bloss auf das angebliche Fehlen eines dringenden Tatverdachts und eine ungenügende Begründungsdichte im angefochtenen Entscheid; dazu kann indes auf das oben Erwähnte verwiesen werden. Soweit damit die Beschwerde in diesem Punkt überhaupt den Begründungsanforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG (vgl. BGE 127 I 38 E. 3c S. 43) zu genügen vermag, ist sie unbegründet. Ist die Fluchtgefahr demnach zu bejahen, kann offen bleiben, ob der Haftrichter auch eine Kollusionsgefahr annehmen durfte, ohne dadurch die verfassungsmässigen Rechte des Beschwerdeführers zu verletzen. cc) Eine mildere Massnahme als die Inhaftierung des Beschwerdeführers ist nicht ersichtlich, zumal auch dieser selber nicht darlegt, welche Massnahme überhaupt in Betracht fallen würde. Seine persönliche Freiheit wird demnach durch die Verlängerung der Untersuchungshaft nicht verletzt.