Citation: I 219/01 14.05.2002 E. 2

2.- a) Mit Verwaltung, Vorinstanz und BSV ist als erstellt zu betrachten, dass eine Schulung des Beschwerdegegners in einer Kleinklasse nach dem Volksschulgesetz des Kantons St. Gallen möglich und zumutbar wäre, da damit den spezifischen Förderungsbedürfnissen hinreichend Rechnung getragen werden könnte. Streitig und zu prüfen ist, ob die Invalidenversicherung auf Grund der Tatsache, dass die Gemeinde M.________, wo der Versicherte wohnhaft ist, keine Kleinklassen führt und stattdessen das in der kantonalen Verordnung über den Volksschulunterricht verankerte, für die Bedürfnisse des Beschwerdegegners nicht ausreichende Modell mit integrativer Schulung gewählt hat, unter dem Titel Sonderschulung Beiträge an den Unterricht in der Schule X.________ zu leisten hat. b) Ist ein Minderjähriger im Stande, im Rahmen des Volksschulunterrichts eine Sonderklasse zu besuchen, so besteht selbst dann kein Anspruch auf Sonderschulbeiträge, wenn an seinem Wohnort keine Sonderklasse geführt wird bzw. wenn die Schulbehörde die vom Versicherten besuchte private Schule als Sonderschule im Einzelfall anerkannt hat. Es ist nicht Sache der Invalidenversicherung, Mängel in der kantonalen Schulorganisation durch Gewährung von Sonderschulbeiträgen auszugleichen (ZAK 1989 S. 601). In dem in Pra 1991 Nr. 169 S. 749 veröffentlichten Urteil G. vom 21. Dezember 1990 (I 221/90), auf welches sich die Vorinstanz beruft, erklärte das Eidgenössische Versicherungsgericht diese Rechtsprechung für nicht anwendbar in einem Fall, in welchem ein Kanton versuchsweise eine Zusammenführung von sonderschulbedürftigen und normalbegabten Schülern durch gemeinsamen Unterricht in den Nebenfächern angeordnet hatte, welche Unterrichtsform für den Versicherten gebrechensbedingt unzumutbar war. Diese schulischen Gegebenheiten des Kantons seien von der Invalidenversicherung im Rahmen von Art. 19 IVG hinzunehmen. Es könne nicht von Unvollkommenheiten in der Organisation des kantonalen Schulwesens gesprochen werden, welche von der Invalidenversicherung nicht auszugleichen sind. Auch wenn es sich bei der Sonderschulbedürftigkeit um einen bundesrechtlich (Art. 19 IVG in Verbindung mit Art. 8 IVV) normierten Begriff handle, ändere sich nichts daran, dass die invaliditätsmässige Leistungsvoraussetzung des Art. 19 IVG, d.h. die gebrechensbedingte Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit, die Volksschule unter Einschluss von Sonder-, Hilfs- und Förderklassen zu besuchen, vom Stand der Schulgesetzgebung des jeweiligen Kantons abhängt. c) Der hier zu beurteilende Sachverhalt ist nur insoweit mit demjenigen, der dem Urteil G. vom 21. Dezember 1990 (Pra 1991 Nr. 169 S. 749) zu Grunde lag, vergleichbar, als am Wohnort des Beschwerdegegners ebenfalls keine in Betracht fallende Unterrichtsmöglichkeit an einer Volksschule besteht. Indessen hätte der Versicherte im vorliegenden Fall die Gelegenheit gehabt, eine seinen Bedürfnissen entsprechende Kleinklasse in einer anderen Gemeinde zu besuchen. So wird in A.________ rund 3 km von M.________ entfernt, eine solche Kleinklasse geführt, wobei der Schülertransport durch die Schulgemeinden organisiert wird, wie der Aktennotiz des BSV über eine Anfrage beim Erziehungsdepartement des Kantons St. Gallen vom 4. April 2001 entnommen werden kann. Die Schulgesetzgebung des Kantons St. Gallen ermöglichte somit dem Beschwerdegegner den Unterricht in einer auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen, zur Volksschule gehörenden Kleinklasse, die nahe von seinem Wohnort gelegen ist. Ein Anspruch auf Sonderschulbeiträge nach Art. 19 Abs. 1 IVG besteht daher nicht (unveröffentlichtes Urteil S. vom 10. Juni 1992, I 434/90).