Citation: 2C_626/2023 E. 3.3

3.3. Der vorliegende Fall weist die prozessuale Besonderheit auf, dass das Familiennachzugsgesuch sowohl für die Tochter als auch für den Sohn gestellt wurde. Die Vorinstanz behandelt die beiden Geschwister jedoch unterschiedlich. Da die Tochter im März 2022 volljährig wurde und die Grossmutter, die die beiden Kinder betreute, zu jenem Zeitpunkt noch lebte, bejahte die Vorinstanz im massgeblichen Zeitpunkt von der Gesuchseinreichung im Dezember 2021 bis zur Volljährigkeit der Tochter im März 2022 eine ausreichende Betreuung für sie im Heimatland. In der Folge verneinte die Vorinstanz wichtige familiäre Gründe für die Tochter (angefochtener Entscheid E. 2.3.2.2, E. 2.3.2.6). Dies ist für sich genommen bundesrechtlich nicht zu beanstanden, nachdem die Tochter nur wenige Monate vor der Volljährigkeit stand und ihre Integration in der Schweiz mangels Sprachkenntnissen und Bezug zur Schweiz schwierig sein dürfte (angefochtener Entscheid E. 2.3.2.5.2; vorstehend E. 3.2). Für den nach wie vor minderjährigen Sohn ist hingegen auch die Zeit nach dem Tod der Grossmutter im April 2022 relevant. Nachdem mit der Grossmutter die Betreuungsperson verstorben ist, die knapp volljährige Schwester aufgrund der eigenen Betroffenheit und der schwierigen lokalen Gegebenheiten genau so wenig geeignet war wie der Onkel, der bei nächster Gelegenheit zu seiner Familie ins Ausland flüchten wollte, besteht für den Sohn keine ausreichende Betreuungsalternative im Heimatland. Daher bejahte die Vorinstanz wichtige familiäre Gründe für den Sohn und hiess dessen Gesuch um Familiennachzug gut (angefochtener Entscheid E. 2.3.3.2). Indem die Vorinstanz das Gesuch um nachträglichen Familiennachzug des Bruders guthiess, trennte sie die beiden Geschwister, welche unbestrittenermassen ihr gesamtes Leben zusammen verbracht haben.