Citation: 5A_399/2022 E. 2.3

2.3. Die Beschwerdeführerin akzeptiert ausdrücklich die Feststellung der Vorinstanz, dem Beschwerdegegner habe zum Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens grundsätzlich ein verzehrbares Vermögen von Fr. 650'000.-- zur Verfügung gestanden. Sie kritisiert jedoch, die Vorinstanz habe den Sachverhalt willkürlich festgestellt bzw. die Beweise willkürlich gewürdigt und die Untersuchungsmaxime willkürlich nicht angewendet. Zusammengefasst führt sie Folgendes aus: Die Vorinstanz sei ausschliesslich gestützt auf die Aussagen des Beschwerdegegners und ohne Vorliegen von Beweisurkunden davon ausgegangen, der Beschwerdegegner habe den Erlös aus Aktienverkäufen für die Rückzahlung von privaten Darlehen verwendet. Die Vorinstanz hätte diese Behauptung abklären und untersuchen müssen, "was und in welchem Umfang mit dem Erlös aus den Aktienverkäufen passiert ist". Die Sachverhaltsfeststellung sei unhaltbar und die Vorinstanz stelle willkürlich ohne Beweisurkunden auf die unglaubhaften Aussagen des Beschwerdegegners ab. Die Schlussfolgerung, dieser Umstand (Rückzahlung von Darlehen) spreche dafür, dass nur ein Teil der Fr. 650'000.-- für die Deckung von Unterhaltsbeiträgen verzehrt und als Einkommen angerechnet werden könne, sei unhaltbar. Die Beweiswürdigung, wonach die Aussagen des Beschwerdegegners glaubhaft seien, sei nicht haltbar. Die Steuererklärungen 2018 und 2019 sagten zur angeblichen Darlehensrückzahlung nichts aus, Zahlungsbelege fehlten und die Höhe der Rückzahlungen sei weder behauptet noch nachgewiesen. Damit habe die Vorinstanz auch die Untersuchungsmaxime willkürlich nicht angewendet, was dazu führe, dass die Quote des monatlichen Vermögensverzehrs und damit letztlich Unterhaltszahlungen an die Tochter und die Beschwerdeführerin von monatlich Fr. 30'950.-- (21 Monate Vermögensverzehr zu 100 % von Fr. 650'000.--) auf Fr. 7'740.-- reduziert würden. Dies führe zu einem "dem Gerechtigkeitsgedanken widersprechenden unbilligen Urteil, wenn der alleinstehende Beschwerdegegner 75 % des Vermögens für sich behalten kann und nur 25 % an die Restfamilie auszahlen muss". Schliesslich habe die Vorinstanz auch den Ehevertrag willkürlich gewürdigt. Habe eine Ehefrau keine güterrechtlichen Ansprüche aus der Ehescheidung (insbesondere nicht in Bezug auf das übrige, nicht liquide Vermögen des Beschwerdegegners in Höhe von Fr. 2 Mio.), müsse sie umso mehr Ansprüche haben auf den Unterhalt während des Bestehens der Ehe, da sie güterrechtlich leer ausgehe und da der Beschwerdegegner während der gesamten Ehe die finanziellen Lasten der Familie mit Lohneinkommen und Kapitalgewinnen aus Aktien, teilweise mit Krediten finanziert, getragen habe. Zudem sei die Vereinbarung betreffend nachehelichen Unterhalt vom 25. Mai 2010 nicht berücksichtigt worden, wonach sich der Beschwerdegegner verpflichtet habe, der Beschwerdeführerin nach der Ehescheidung Fr. 150'000.-- pauschal zu bezahlen und zusätzlich Fr. 12'000.-- monatlichen Unterhalt. Insgesamt sei ein Vermögensverzehr von nicht lediglich 25 %, sondern 75 % zumutbar. Das Argument, es handle sich um Eigengut, greife bei der Tochter jedenfalls ohnehin nicht. Zudem spiele es gerade keine Rolle, ob es sich um Eigenguts- oder Errungenschaftsvermögen handle. Im Ergebnis sei die Anrechnung von 25 % des Vermögensverzehrs als Einkommen stossend, widerspreche dem Gerechtigkeitsgedanken und sei als Missbrauch von gerichtlichem Ermessen zu qualifizieren. Trotz Verlustschein für nicht bezahlte Unterhaltsbeiträge verzichte die Vorinstanz auf einen einmaligen Vermögensverzehr per sofort zwecks Abdeckung und Auflösung des Verlustscheins.