Citation: 2C_468/2020 E. 4.2.1

4.2.1. Seit dem 1. Oktober 2016 entscheiden grundsätzlich die Strafgerichte über die Landesverweisung von straffällig gewordenen ausländischen Personen (vgl. Art. 66a StGB [AS 2016 2329] in Verbindung mit Art. 63 Abs. 3 AIG). Dementsprechend unzulässig ist nach Art. 63 Abs. 3 AIG ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung, der nur damit begründet wird, dass ein Delikt begangen wurde, für das ein Strafgericht bereits eine Strafe oder Massnahme verhängt, jedoch von einer Landesverweisung abgesehen hat. Zu den Taten, für welche (unabhängig von der Höhe der Strafe) eine Landesverweisung ausgesprochen werden kann, zählt auch die schwere Körperverletzung (Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB). Dabei kann auch der blosse Versuch einer schweren Körperverletzung eine Landesverweisung nach sich ziehen (vgl. BGE 144 IV 168 E. 1.3 S. 170). Stehen ausschliesslich Delikte zur Diskussion, die vor dem 1. Oktober 2016 begangen wurden, ist eine Landesverweisung von vornherein nicht möglich und ist Art. 63 Abs. 3 AIG nicht anwendbar (BGE 146 II 1 E. 2.1.2 S. 4; Urteil 2C_305/2018 vom 18. November 2019 E. 4.2 und 4.3).