Citation: 4A_91/2022 E. 4.2

4.2. Betreffend die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte erhöhte Betriebsgefahr erwog die Vorinstanz, es erscheine fraglich, ob C.________ sich überhaupt auf eine erhöhte Betriebsgefahr an der Unfallstelle berufen könne. Die erhöhte Betriebsgefahr des Trams an dieser Stelle liege - im Hinblick auf Fussgänger - in der fehlenden Abgrenzung zwischen Tramtrassee und Fussgängerzone begründet. Der ortskundige Velofahrer C.________ habe den niveaulosen Übergang vom Trottoir in den Fussgängerbereich längs des Tramtrassees und auf dieses bewusst genutzt, als er mit 15-18 km/h auf die Kreuzung zugefahren sei. Diese Situation sei vergleichbar mit derjenigen eines unbewachten Bahnübergangs, die nicht per se eine erhöhte Betriebsgefahr darstelle und bei der der Autofahrer oder Fussgänger vor der Überquerung wisse, dass er sich besonders versichern müsse, ob kein Zug oder eben Tram von links oder rechts nahe. Jedenfalls könne der erhöhten Betriebsgefahr für den Trambetrieb an der U.________strasse im Bereich der Unfallstelle bei der Abwägung der von der Bahnunternehmung einerseits und von C.________ andererseits zu vertretenden Unfallursachen kein erhebliches Gewicht beigelegt werden. C.________ hätte als Ortskundiger den ihm bekannten Gefahren durch erhöhte Vorsicht Rechnung tragen sollen und wäre ihnen, wenn er dies getan hätte, mit Sicherheit entgangen. C.________ sei vorzuwerfen, dass er verbotenerweise auf dem linken Trottoir in Gegenrichtung des fahrenden, die U.________strasse überquerenden Verkehrs gefahren sei und die U.________strasse habe überqueren wollen. Dies habe er mit einer Geschwindigkeit von ca. 15-18 km/h getan und damit ein deutlich höheres Tempo aufgewiesen als die an dieser Stelle sich aufhaltenden Fussgänger. Zudem sei es ihm nicht möglich gewesen, seine Aufmerksamkeit ungeteilt auf die Querung der U.________strasse zu richten, habe er doch auch aufpassen müssen, dass er nicht mit einem Fussgänger zusammenstosse. Er sei mit den örtlichen Verhältnissen vertraut und habe gewusst, dass an dieser Stelle jederzeit ein Tramzug von links oder rechts nahen konnte. Dies hätte ihn veranlassen sollen, so zu fahren, dass es ihm jederzeit möglich gewesen wäre, rechtzeitig anzuhalten und einem Tram den Vortritt zu lassen, erst recht, wenn er verbotenerweise und in Gegenrichtung des Strassenverkehrs auf dem Trottoir fahre. Durch seine Fahrweise habe er ein rechtzeitiges Ausweichen verunmöglicht. Unterlasse ein Velofahrer an einer übersichtlichen Stelle diese Vorsicht, könne er sich nachher nicht auf die besondere Gefährlichkeit des Bahnbetriebs berufen, wenn ihm ein Unfall zustosse. Das Selbstverschulden des Velofahrers C.________ sei daher als so schwerwiegend zu gewichten, dass dieses als alleinige adäquate Ursache des Unfalls gewertet werden müsse.