Citation: 2C_929/2014 E. 2.4

2.4. Im Steuerrecht wird mit der Veranlagungsverfügung Bestand und Umfang der Steuerforderung, mithin des Geldbetrages, welcher der Private dem Gemeinwesen schuldet, festgesetzt (Blumenstein/Locher, System des Schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl. 2002, S. 391). Das Dispositiv der Veranlagungsverfügung enthält jedoch nicht nur den geschuldeten Steuerbetrag, sondern auch die Veranlagungsfaktoren (Locher, Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 2015, N. 13 zu Einführung zu Art. 147 ff. DBG; zum Begriff der Steuerfaktoren [Einkommen, Vermögen, Gewinn, Kapital, Grundstückgewinn] Zweifel, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG]; 2. Aufl. 2002, N. 39 zu Art. 46 StHG). Anfechtbar und bei unterlassener Anfechtung der formellen Rechtskraft zugänglich sind demnach nur die im Dispositiv festgelegten Steuerfaktoren (BGE 140 I 114 E. 2.4.2 und E. 2.4.3 S. 120); den einzelnen Positionen, welche etwa in Anwendung des Nettoprinzips zur Ermittlung des steuerbaren Einkommens Anwendung finden (insbesondere die abziehbaren Gewinnungskosten, vgl. dazu Reich, Steuerrecht [zit. Steuerrecht], 2. Aufl. 2012, S. 89, 220) kommt nur eine Begründungsfunktion zu. Dies schliesst nicht aus, dass gewisse Aspekte eines Steuerfaktors (einzelne Positionen der Veranlagung) im Laufe des Verfahrens durch eine Partei nicht mehr in Frage gestellt werden können. Anerkennt etwa eine Partei ausdrücklich, dass sich ihr Begehren nicht auf einen bestimmten Rechtsgrund stützt - beispielsweise die verlangte Reduktion der Einkommenssteuer nicht auf eine Erhöhung der Berufsauslagen - kann sie später in Anwendung des Grundsatzes von Treu und Glauben (Art. 9, Art. 5 Abs. 3 BV) nicht mehr darauf zurückkommen; eine nachträgliche Geltendmachung eines zuvor verworfenen Standpunktes liefe auf ein widersprüchliches Verhalten hinaus (venire contra factum proprium, Urteil 2C_446/2007 vom 22. Januar 2008 E. 3.1, auszugsweise veröffentlicht in StR 63/2008 S. 376, mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung).