Citation: 1P.110/2007 26.07.2007 E. 3

3.1 Den Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung zum Nachteil des Beschwerdegegners 2 begründet das Obergericht unter Hinweis auf die von ihm als zutreffend erachtete Sachverhaltswürdigung des Bezirksgerichts Baden im Wesentlichen damit, dass es die Aussagen des Beschwerdegegners 2 als konstant und glaubwürdig erachtet, während es das Aussageverhalten des Beschwerdeführers als widersprüchlich und unglaubhaft ansieht. Auch die Äusserungen des als Auskunftsperson befragten A.________ wertet es sinngemäss als Bestätigung der Angaben des Beschwerdegegners 2. Die vom Beschwerdeführer ins Spiel gebrachte anonyme Zeugin lässt es ausser Würdigung. 3.2 Der Beschwerdeführer bezeichnet die Sachverhaltsdarstellung des Obergerichts als "falsch" und hält dem im Wesentlichen seine eigenen Sachverhaltsbehauptungen entgegen, so etwa, wie der Sachverhalt sich aus der Sicht des Beschwerdeführers abspielte, was die angebliche anonyme Zeugin wahrgenommen habe, was genau der Beschwerdeführer anlässlich der Schlägerei gesagt habe, dass die Schlägerei vom Beschwerdegegner angezettelt worden und ein Verletzungsvorsatz des Beschwerdeführers nicht belegt sei. Insoweit sind seine Vorbringen rein appellatorisch. Darauf ist zum vorneherein nicht einzutreten. Thema der staatsrechtlichen Beschwerde ist nicht eine neuerliche Würdigung von Behauptungen, die von der letzten kantonalen Instanz gerade verworfen worden sind; darzutun ist vielmehr, dass und inwieweit die letzte kantonale Instanz den Sachverhalt unter Verletzung verfassungsmässiger Rechte festgestellt hat. 3.3 Der Beschwerdeführer erachtet es als willkürlich, dass das Obergericht die von ihm ins Spiel gebrachte anonyme Zeugin aufgrund der eingereichten E-Mails nicht wenigstens im Sinne eines Indizes zu seinen Gunsten gewürdigt hat. 3.3.1 Nach dem im schweizerischen Strafprozessrecht geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung entscheiden die Organe der Strafrechtspflege frei von Beweisregeln und nur nach ihrer persönlichen Ansicht aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber, ob sie eine Tatsache für bewiesen halten. Dieser Grundsatz entbindet aber nicht von der Beachtung prozessualer Formen (Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54, Rz. 8, S. 246), deren Zweck es insbesondere ist, die Rechte des Beschuldigten zu wahren und einer Verfälschung der Wahrheit vorzubeugen (BGE 133 I 33 E. 2.1 S. 36 f. mit Hinweisen). Bei der Beschaffung von Informationen durch Zeugen oder Auskunftspersonen sind daher die prozessualen Formen einzuhalten. Nach den Verfahrensgarantien von Art. 6 Ziff. 1 i.V.m. Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK hat der Beschuldigte ein Recht darauf, erhebliche Belastungs- und Entlastungszeugen laden zu lassen und zu befragen. Die Identität der Zeugen ist grundsätzlich offenzulegen (BGE 133 I 33 E. 3.1 S. 42; 132 I 127 E. 2 S. 129; 125 I 127 E. 8c S. 148). Dies schliesst allerdings nicht aus, die Identität des Zeugen ausnahmsweise geheim zu halten und von einer direkten Konfrontation des Zeugen mit dem Beschuldigten abzusehen, wenn dies zur Wahrung schutzwürdiger Interessen erforderlich ist. Als solche gelten namentlich die Gewährleistung der persönlichen Sicherheit des Zeugen (BGE 133 I 33 E. 3.1 S. 42; 132 I 127 E. 2; 125 I 127 E. 6c/ff und d S. 137 ff.; 121 I 306 E. 2b S. 309). 3.3.2 Der Beschwerdeführer hat nach den Akten im kantonalen Verfahren nicht die - gegebenenfalls anonyme - Ladung der fraglichen Zeugin bzw. Zeuginnen verlangt, und er macht auch nicht geltend, dass die fragliche Person von Amtes wegen zu laden gewesen wäre. Insoweit wird keine Verfassungsrüge erhoben. Im Übrigen verstiess es weder gegen das einschlägige strafprozessuale Beweisrecht noch gegen das Willkürverbot und die Unschuldsvermutung, sondern wäre im Lichte der dem Strafprozess zugrundeliegenden Prinzipien gegenteils höchst problematisch gewesen, auf von einer Partei eingereichte anonymisierte E-Mails unbekannter Herkunft abzustellen, solange die Einvernahme der betreffenden Person an sich möglich ist. Die Rüge willkürlicher Beweiswürdigung bzw. einer Verletzung der Unschuldsvermutung dringt daher nicht durch. 3.4 Der Beschwerdeführer kritisiert, dass sich das Obergericht mit der Aussage des Beschwerdegegners 2, dass dieser sich dem Beschwerdeführer als kräftemässig überlegen erachte, nicht auseinandergesetzt habe. Der Beschwerdeführer substanziiert diese Rüge nicht; es wird nicht ersichtlich, weshalb und inwieweit die Würdigung des Obergerichts deshalb methodisch oder im Ergebnis gegen verfassungsmässige Rechte verstosse. Das Obergericht durfte sich auf die Erwägungen beschränken, die es ohne Willkür als wesentlich ansehen durfte. 3.5 Unzutreffend ist die Rüge, das Obergericht habe dem Beschwerdeführer zu Unrecht das Eingeständnis in den Mund gelegt, den Beschwerdegegner vorsätzlich am Auge verletzt zu haben. Der vom Obergericht gezogene Schluss auf vorsätzliches Handeln des Beschwerdeführers ist Ergebnis seiner Beweiswürdigung insgesamt und nicht isolierter Verwertung eines Geständnisses. Wo das Obergericht auf das Geständnis des Beschwerdeführers bezüglich der Verletzung Bezug nimmt, spricht es lediglich von "Verursachung". 3.6 Die sonstigen Vorbringen des Beschwerdeführers zur Beweiswürdigung des Obergerichts schlagen ebenfalls nicht durch. Die Erwägung, dass der Beschwerdegegner 2 den Kernsachverhalt konstant und im Wesentlichen gleichlautend geschildert hat, ist nicht willkürlich, ebenso wenig die Feststellung, dass beim Beschwerdeführer insbesondere die späte Erinnerung daran, Verursacher der Augenverletzung zu sein, widersprüchlich erscheint. Was die Aussage der Auskunftsperson betrifft, verkennt das Obergericht deren begrenzten Beweiswert nicht, misst es ihr doch lediglich Indizcharakter zu, indem es sich darauf beschränkt, dessen Eindruck über die Person des Angreifers wiederzugeben. Immerhin fügt sich dieser Eindruck in die Gesamtwürdigung des Obergerichts, das angesichts der situativen Stimmigkeit der mehrfach weitgehend gleichlautend wiederholten Ablaufschilderung des Beschwerdegegners 2, zumal auch der konstant immer wieder gemachten Aussage, dass der Beschwerdeführer erklärt habe, er "nehme" dem Beschwerdegegner 2 "das Auge", ohne Verletzung des Willkürverbots und der Unschuldsvermutung auf vorsätzliche Täterschaft des Beschwerdeführers schliessen durfte.