Citation: 2C_62/2018 E. 5.4

5.4. Die Vorinstanz erwog, je näher infizierte Tiere an das Stadium der klinischen Erkrankung kommen würden, desto höhere Erregermengen könnten sie in der Regel ausscheiden. Solche Tiere würden neben klinisch auffälligen Tieren, die ständig massenhaft Erreger über den Kot ausscheiden, als "high shedders" bezeichnet. Mit Zunahme der Erregerdosis nehme die Wahrscheinlichkeit einer Infektion weiterer Tiere zu, wobei die aufgenommene Menge den weiteren Verlauf der Neuinfektion beeinflusse. Nach dem Willen des Gesetzgebers seien folglich nicht sämtliche infizierten Tiere zu entfernen, sondern ausschliesslich diejenigen, die den Erreger in hohen Mengen ausscheiden würden. Auf diese Weise solle die Prävalenz von Paratuberkulose in der Schweiz auf einem stabilen niedrigen Niveau gehalten werden (vgl. hierzu Erläuterungen zur Änderung der Tierseuchenverordnung und der Verordnung über die Entsorgung von tierischen Nebenprodukten vom 28. Oktober 2015, Ziff. II, 1.1 S. 1). Die vorinstanzlichen Erwägungen deuten darauf hin, dass davon ausgegangen wurde, bei den Kühen "B.________" und "C.________" handle es sich um "high shedders": Der positive Erregernachweis im Kot sowie die ersten Anzeichen von Abmagerung würden darauf hindeuten, dass sich die Tiere bereits im Übergangsstadium zum klinischen Stadium befunden und den Erreger somit bereits in hohem Masse (intermittierend) ausgeschieden hätten. Die Vorinstanz verweist unter anderem auf die Stellungnahme des BLV vom 22. August 2016, wonach jedes Tier mit klinischen Anzeichen und positivem Erregernachweis den Erreger übermässig ausscheide und damit als Seuchenfall im Sinne der TSV gelte, sowie auf den Steckbrief Paratuberkulose des Friedrich-Loeffler-Instituts, wonach der Erregernachweis bei Tieren, die den Erreger in grossen Mengen ausscheiden, auch in Kotproben möglich sei (vgl. Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Steckbrief Tuberkulose, Stand 20. Januar 2016). Soweit sie daraus zu schliessen scheint, dass die Tiere angesichts des Erregernachweises im Kot als "high shedders" zu bezeichnen und gemäss dem Willen des Verordnungsgebers auszumerzen seien, kann der Vorinstanz indes nicht gefolgt werden. Die Regelung gemäss Art. 237 ff. TSV lässt keinen Spielraum für eine solche Erweiterung der Definition von Seuchenfällen. Wie die Gesundheitsdirektion in ihrem Rekursentscheid vom 9. März 2017 ausführte, hat der Verordnungsgeber dem Ziel, klinisch kranke Tiere zu entfernen, die den Erreger in hohen Mengen ausscheiden, dadurch Rechnung getragen, dass für die Diagnosestellung nebst dem Erregernachweis zusätzlich auch klinische Anzeichen einer Infektion oder pathologisch-anatomische Veränderungen vorliegen müssen. Die Eliminierung von Tieren, die den Erreger in hohen Mengen ausscheiden, stehe im Fokus. Letztlich sei die konkret ausgeschiedene Erregermenge für die Diagnose eines Seuchenfalls jedoch nicht weiter relevant, weswegen Art. 237 Abs. 1 TSV keine differenzierten Vorgaben bezüglich der Erregerdichte statuiere (vgl. Rekursentscheid der Gesundheitsdirektion vom 9. März 2017, E. 5e S. 16).