Citation: 2C_1055/2020 E. 1.2.2

1.2.2. 1.2.2.1. In ihrem Rechtsbegehren 2stellt die Steuerpflichtige Anträge zum Veranlagungsverfahren im Kanton Zug. Darüber hinaus scheint die Steuerpflichtige auch hinsichtlich der direkten Bundessteuer vortragen zu wollen, der Einspracheentscheid vom 29. Oktober 2019 sei "eins zu eins" umzusetzen. Ihr Antrag kann einzig noch auf die Aufrechnung von Fr. 96'000.-- gerichtet sein, nachdem den übrigen Begehren der Steuerpflichtigen schon im Einspracheverfahren entsprochen wurde. 1.2.2.2. Nicht einzutreten ist auf Antrag 2 von vornherein insofern, als die Steuerpflichtige auch Begehren zu den Veranlagungsverfügungen und Einspracheentscheiden des Kantons Zug stellt. Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist als ordentliches devolutives und grundsätzlich reformatorisches Rechtsmittel ausgestaltet (BGE 144 I 208 E. 3.1 S. 211; 141 II 14 E. 1.3 und 1.5 S. 23 f.; 138 II 169 E. 3.3 S. 171), sodass Anfechtungsobjekt vor Bundesgericht einzig der vorinstanzliche Entscheid sein kann. 1.2.2.3. Alsdann ist Folgendes von Belang: Die Vorinstanz hat festgestellt, dass sich gemäss Einspracheentscheid ein steuerbarer Reingewinn von Fr. 0.--ergeben habe (angefochtener Entscheid, E. 5 sowie Sachverhalt, lit. C und D.d). Mangels einer rechtsgenüglichen Rüge und Begründung im Sinne von Art. 106 Abs. 2 BGG (hinten E. 1.5) ist diese Feststellung für das Bundesgericht verbindlich. Entsprechend ist Folgendes zu beachten: Praxisgemäss kann lediglich die Entscheidformel (das Dispositiv) einer Verfügung in formelle und materielle Rechtskraft erwachsen, nicht die Sachverhaltsfeststellungen oder die Erwägungen zur Rechtslage (die Motive). Aus diesem Grund kann auch nur das Dispositiv Bindungswirkung entfalten (BGE 140 I 114 E. 2.4.2 S. 120). Über den "Nullgewinn" hinaus ist damit in einer "Nullveranlagung" zum Verlust in betraglicher Hinsicht noch nichts gesagt. Die Frage nach Höhe und Verrechnung noch nicht verrechneter Vorjahresverluste stellt sich erst, sobald in einer späteren Steuerperiode insgesamt - also unter Berücksichtigung der noch nicht verrechneten Vorjahresverluste - ein steuerbarer Reingewinn auftritt. Trotz der eingetretenen Rechtskraft der auf null Franken lautenden Veranlagungsverfügungen kann und muss die Veranlagungsbehörde dann klären, wie hoch der Verlust seinerzeit ausgefallen war. Erst diese Feststellung erlaubt es, im Rahmen von Art. 67 Abs. 1 DBG bzw. Art. 25 Abs. 2 StHG über die Verlustverrechnung zu befinden (BGE 140 I 114 E. 2.4.4 S. 120; so auch BGE 143 II 674 E. 3.1 S. 677; Urteil 2C_514/2017 vom 13. Dezember 2017 E. 2.3.1). Ergibt sich eine Nullveranlagung, fehlt es der steuerpflichtigen Person aus diesen Gründen regelmässig an einem Feststellungs- oder einem andersartigen Rechtsschutzinteresse, das sie zur Anfechtung des Entscheids berechtigen könnte (BGE 140 I 114 E. 2.4.1 S. 119 f.). Anders könnte es sich verhalten, wenn die Nullveranlagung - trotz Fehlens einer zurzeit zu bezahlenden Steuer - unmittelbare Rechtswirkungen entfaltet, deren Klärung keinen Aufschub erduldet (Urteil 2C_514/2017 vom 13. Dezember 2017 E. 2.3.2). Solche Gründe liegen hier nicht vor. Die Frage, ob die verbliebene Aufrechnung von Fr. 96'000.-- bundesrechtskonform sei, ist nicht heute zu entscheiden. 1.2.2.4. Die Steuerpflichtige bringt hierzu vor, dass keine "gewöhnliche Nullveranlagung" vorliege. Sie begründet dies damit, dass sie in ihrer Einsprache vom 1. Februar 2019 "bewusst sieben Rechtsbegehren" gestellt habe. Die Anträge 1 und 2 hätten die Aufrechnungen zum Inhalt gehabt, der Antrag 3 die Vorjahresverluste. Als einziger Antrag sei Antrag 4 konkret auf die Nullveranlagung ausgerichtet gewesen. Antrag 6 habe die Unverwertbarkeit der seitens der Abteilung ASU erstellten Akten betroffen. Insgesamt sei die Stossrichtung der Einsprache weit über die Anfechtung der Nullveranlagung hinausgegangen. Nachdem die Einsprachebehörde festgestellt habe, die Einsprache werde vollumfänglich gutgeheissen, heisse dies, dass auch über die anderen Aspekte entschieden worden sei. Die Vorinstanz berufe sich daher zu Unrecht auf die Praxis zu den Nullveranlagungen. 1.2.2.5. Dieser Sichtweise ist nicht zu folgen. Vorab ist festzuhalten, dass die Veranlagungsbehörde als Einsprachebehörde mit ihren Einspracheentscheiden vom 29. Oktober 2019 die Einsprachen inhaltlich nur dahingehend guthiess, dass sie von der Aufrechnung des Leasingaufwandes absah und die Verlustverrechnung zuliess. An der Aufrechnung von Fr. 96'000.-- betreffend die B.________ GmbH hielt sie fest. Daraus ergab sich ein steuerbarer Reingewinn von minus Fr. 36'755.-- bzw. Fr. 0.-- (Sachverhalt, lit. C). Hinzu kommt Folgendes: Bei der Auslegung einer Verfügung, die aufgrund von Bundesrecht ergeht, handelt es sich um eine frei zu prüfende Rechtsfrage (BGE 132 II 21 E. 2.1 S. 24). Nach den allgemeinen Auslegungsgrundsätzen, die auch im Bereich von Verfügungen und Urteilen Anwendung finden, muss das Dispositiv eines Entscheids nicht nur nach seinem allenfalls missverständlichen Wortlaut, sondern nach seinem wahren Sinn ausgelegt werden. Zu fragen ist, wie es die Verfahrensbeteiligten nach den gesamten Umständen in guten Treuen verstehen durften und mussten (BGE 116 Ia 56 E. 3b S. 58). Zum besseren Verständnis des Dispositivs sind die Erwägungen des Urteils heranzuziehen, wenngleich später nur das Urteilsdispositiv in Rechtskraft erwachsen kann und vollstreckbar ist (BGE 136 III 345 E. 2.1 S. 348; 128 III 191 E. 4a S. 195; 125 III 8 E. 3b S. 13; Urteil 2C_423/2012 vom 9. Dezember 2012 E. 1.2). Mithin ist der tatsächliche rechtliche Gehalt zu suchen (BGE 132 V 74 E. 2 S. 76; 120 V 496 E. 1a S. 497). Auch dass die Steuerpflichtige der Meinung ist, die Veranlagungsverfügungen seien durch die Abklärungen der Abteilung ASU "kontaminiert" worden, ändert am fehlenden Rechtsschutzinteresse nichts. Die Steuerpflichtige wird ihre diesbezüglichen Argumente vortragen können, sobald sich - unter Anrechnung der noch nicht verrechneten Vorjahresverluste - insgesamt ein positives Ergebnis ergibt. Auf den Antrag 2, Ziff. 1-5, ist daher nicht einzutreten. 1.2.2.6. Dasselbe gilt - wiederum aufgrund des Nullergebnisses, welches den Wegfall des an sich bestehenden Rechtsschutzinteresses hervorruft - hinsichtlich des Antrags 2, Ziff. 6-7. Wie dargelegt, ist auf formelle Rügen, die an sich vorab zu behandeln wären (Urteil 2C_196/2017 vom 21. Februar 2019 E. 3, nicht publ. in: BGE 145 II 49; 2C_761/2017 vom 25. Juni 2018 E. 3, nicht publ. in: BGE 144 II 386; BGE 141 V 557 E. 3 S. 563), von vornherein nicht einzugehen, wenn der Antrag als solcher unzulässig ist.