Citation: 1B_289/2022 E. 5.3

5.3. Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde in erster Linie erneut vor, gemäss Gutachten seien die Rückfallraten des Prognoseinstruments VRAG-R tief, weshalb sich die Haft nicht rechtfertigen lasse. Es sei unzulässig, dieses Prognoseinstrument zu benutzen, ohne letztlich darauf abzustellen. In seiner Replikeingabe ergänzt er diese Ausführungen sodann insoweit, dass sich aus dem Gutachten nicht ergebe, weshalb die genannten Methoden ausgewählt worden seien. Weiter sprächen die Ergebnisse zweier Prognoseinstrumente, nämlich des VRAG-R sowie die abstrakten Basisrückfallraten, gegen die Annahme einer Wiederholungsgefahr und einzig die Kriterien nach Dittmann würden ihm eine ungünstige Prognose ausstellen. Im Gutachten werde jedoch nicht erklärt, weshalb letztlich auf diese Kriterien abzustellen sei. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die abstrakten Basisrückfallraten kein eigenständiges Prognoseinstrument sind. Vielmehr handelt es sich hierbei um die durchschnittliche Rückfallrate aller Täter einer bestimmten Deliktskategorie über einen bestimmten Zeitraum (vgl. BRÄGGER/ZANGGER, Freiheitsentzug in der Schweiz, 2020, S. 228 f.). Sodann wurde im Gutachten durchaus begründet, weshalb vorliegend nicht auf das standardisierte Prognoseinstrument VRAG-R abgestellt werden könne, was die Vorinstanz für nachvollziehbar hielt (vgl. E. 5.2 hiervor). Damit setzt sich der Beschwerdeführer nicht auseinander, womit er seiner Begründungspflicht nach Art. 42 BGG nicht hinreichend nachkommt und darauf nicht weiter einzugehen ist (vgl. E. 4.3 hiervor). Das Vorgehen der Gutachterin und mit ihr der Vorinstanz ist ohnehin nicht zu beanstanden: Gemäss bundesgerichtlicher Praxis vermögen standardisierte Prognoseinstrumente, die wie VRAG-R auf verallgemeinerten statistisch-empirischen Befunden beruhen, einzig Anhaltspunkte über das strukturelle Grundrisiko zu geben, stellen für sich allein aber keine fundierte individuelle Gefährlichkeitsprognose dar. Hierfür bedarf es einer weitergehenden, differenzierten Einzelfallanalyse durch die Sachverständige (Urteile 6B_582/2017 vom 19. Juni 2018 E. 2.2; 6B_424/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 3.3; 6B_772/2007 vom 9. April 2008 E. 4; vgl. auch IVANA BABIC, Das psychiatrische Gutachten im Strafverfahren, 2019, S. 272 f., wonach der gegenwärtige wissenschaftliche Stand die Verwendung eines gemischten nomothetisch-idiographischen Ansatzes sei), wie sie vorliegend unbestrittenermassen vorgenommen wurde.