Citation: 8C_638/2020 E. 4.3.2

4.3.2. Aus den Gutachten der psychiatrischen Dienste vom 12. Februar 2007 und 6. Juni 2008 ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin lediglich in einem geschützten Arbeitsumfeld zu 10 bis 20 % leistungsfähig gewesen war. Nach den von ihnen und auch von anderen Ärzten empfohlenen und von der IV-Stelle gestützt darauf durchgeführten Integrations- und beruflichen Eingliederungsmassnahmen erreichte die Beschwerdeführerin im Rahmen eines auf sechs Monate angelegten Arbeitsversuchs als kaufmännische Verwaltungsangestellte bei der Einwohnergemeinde X.________ zeitweilig eine Leistungsfähigkeit von gegen 50 %, wobei die berufliche Massnahme wegen erneut aufgetretener gesundheitlicher Probleme vorzeitig abgebrochen werden musste. Weiter ist den Akten zu entnehmen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ab April 2012 wieder erheblich verschlechtert hatte, weswegen sie ab 15. Oktober bis 16. November 2013 erneut stationär betreut werden musste. Gemäss Austrittsbericht der Klinik B.________, Psychosomatik und Psychotherapie, vom 18. Dezember 2013 hatten sich die positiven Erfahrungen während des Aufenthalts im sozialen Milieu merklich stabilisierend auf die depressive Stimmungslage ausgewirkt. Allerdings werde die Beschwerdeführerin lange Zeit benötigen, um mit Hilfe psychosozialer Unterstützung der Spitex ihre Tagesstruktur halten und den Alltag bewältigen zu können. Die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit würde die Beschwerdeführerin überfordern und die Gefahr einer erneuten schweren psychophysischen Dekompensation mit sich bringen. Am 23. August 2017 wurde die Beschwerdeführerin von ihrer Psychologin wegen des sich zunehmend verschlechternden Gesundheitszustands (depressive Symptomatik mit Angst- und Zwangsstörung) erneut den psychiatrischen Diensten zur stationären Behandlung zugewiesen. Die Rehabilitation führte zwar zu einer deutlichen Besserung des akut aufgetretenen psychotischen Schubes. Indessen hielten die Sachverständigen der psychiatrischen Dienste fest, aufgrund der langjährigen vielschichtigen psychiatrischen Erkrankung der Patientin (rezidivierende depressive Störung in Kombination mit traumatisierenden Erlebnissen aus der Vergangenheit sowie einer ausgeprägten Zwangs- und teilweise überwundenen Angststörung) sei von einer ungünstigen Prognose auszugehen. Eine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe nicht. In dem von der IV-Stelle eingeholten Bericht vom 27. März 2019 wiederholten sie ihre Auffassung, dass die Beschwerdeführerin auf dem öffentlichen Arbeitsmarkt nicht mehr eingesetzt werden könne. Angesichts dieser Auskünfte von den die Beschwerdeführerin in den Jahren 2007 und 2008 begutachtenden und danach therapeutisch intensiv begleitenden medizinischen Fachpersonen genügen die rudimentären Stellungnahmen des RAD den in E. 2.2.2 f. hievor genannten Anforderungen nicht, um als beweiskräftig gelten zu können. Die betreffenden Berichte sprechen deutlich gegen die Auffassung des RAD, die Beschwerdeführerin vermöge sich von den rezidivierend auftretenden depressiven Episoden mit psychotischen Schüben jeweils soweit zu erholen, um nach einer stationären Rehabilitation während einer längeren Zeit wieder arbeitstätig sein zu können. Jedenfalls bestehen zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit der Auskünfte des RAD. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang insbesondere auch darauf, dass die psychiatrischen Dienste wiederholt darlegten, die Beschwerdeführerin stosse bei einem Arbeitspensum von 50 % im geschützten Rahmen bei der chur@work, bei der sie laut Arbeitsvertrag vom 1. Juni 2018 Fr. 200.- verdiente, immer wieder massiv an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Dasselbe ging bereits aus den im Bericht der psychiatrischen Dienste vom 21. Dezember 2017 detailliert zitierten medizinischen und anderen Auskünften hervor. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz Bundesrecht verletzt hat, indem sie ohne weitere Abklärung eine anspruchsrelevante Veränderung des gesundheitlichen Zustandes beziehungsweise dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verneint hat. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist daher der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.