Citation: 2C_1116/2018 E. 8.1

8.1. Die ESTV bestreitet, dass sich die mit den Schreiben vom 11. Dezember 2008 und 12. November 2010 gegebene Auskunft im für den Vertrauensschutz erforderlichen Sinne auf eine konkrete, die Beschwerdeführerinnen berührende Angelegenheit bezog. Sie macht in diesem Kontext geltend, ein gegengezeichnetes Ruling vermöge unter Vertrauensschutzgesichtspunkten nur dann volle Wirkung zu entfalten, wenn darin der gesamte Sachverhalt abgebildet sei. Entgegen der ESTV ist vorliegend davon auszugehen, dass sich die Schreiben vom 11. Dezember 2008 und 12. November 2010 in einer für den Vertrauensschutz genügenden Weise auf eine konkrete Angelegenheit der Beschwerdeführerinnen bezogen. Denn die KSTV/GL erklärte gemäss den bindenden Feststellungen im angefochtenen Urteil in diesen Schreiben, wie bei den Beschwerdeführerinnen ab dem 1. Januar 2007 bzw. ab dem 1. Januar 2008 die direkte Bundessteuer erhoben werde (nach dem angefochtenen Urteil wurde überdies jedenfalls im Schreiben betreffend die Beschwerdeführerin 2 vom 12. November 2010 auf die Tätigkeit und den Wirkungskreis beider Beschwerdeführerinnen Bezug genommen). Entgegen der Ansicht der ESTV setzt ein Vertrauensschutz auf der Grundlage der Schreiben vom 11. Dezember 2008 und 12. November 2010 grundsätzlich nicht voraus, dass darin der Sachverhalt direkt oder mittels Verweisung auf ein anderes Schriftstück umfassend festgehalten ist. Denn die Form der Auskunftserteilung ist für die Eignung einer Auskunft als Vertrauensgrundlage nicht massgeblich; selbst eine mündliche Auskunft kann unter Umständen Bindungswirkung entfalten (vgl. BGE 120 V 445 E. 4c S. 450; 91 I 133 E. 4b S. 137). Im Übrigen hat die für die Auskunftserteilung zuständige kantonale Behörde vorliegend bezeichnenderweise nicht geltend gemacht, sie habe nicht gewusst, worum es gehe, bzw. man habe ihr den Sachverhalt nicht vollständig vorgelegt.