Citation: 7B_194/2022 E. A

A.a. Am 19. Oktober 2015 stürzte der Gipser B.________ auf der Baustelle "C.________" in U.________ von einem Baugerüst ca. 2.5 m in die Tiefe. Als Folge dieses Sturzes erlitt er ein leichtes Schädelhirntrauma, eine undislozierte Fraktur im Bereich der rechten Schulter, ein stumpfes Thoraxtrauma, ein stumpfes Abdominaltrauma, eine Ellbogenkontusion rechts sowie Abschürfungen am rechten Oberarm und am linken Knie. B.________ musste mindestens eine Woche hospitalisiert werden und war bis am 15. März 2017 100 % arbeitsunfähig. Seinen Beruf als Gipser bzw. Arbeiten auf dem Bau kann er bis zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr ausüben. Noch am Tag des Unfalls stellte das Arbeitsinspektorat fest, dass die Baugerüste auf der gesamten Baustelle "C.________" nicht in betriebsfähigem Zustand waren und verfügte die Einstellung sämtlicher Arbeiten auf den Gerüsten. Am betroffenen Baugerüst konnten folgende Mängel festgestellt werden: Lose hingelegte Bretter als Eckverbindungen, halb durchgebrochene oder morsche bzw. stark verwitterte Gerüstbretter, mangelhafte Verschraubungen sowie deformierte und daher Stolperfallen bildende Gerüstbrett-Halterungen. Insbesondere das unfallrelevante Gerüstbrett war mangelhaft. A.b. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen den Geschäftsführer des Gerüstbauunternehmens wie folgt Anklage: "A.________ war als Geschäftsführer der D.________ AG verantwortlich für die Instandstellung und den Unterhalt der Baugerüste an mindestens drei Mehrfamilienhäusern auf der Baustelle "C.________" an der V.________-strasse in U.________. Er stellte die Baugerüste auf der Baustelle ab September 2014 pflichtwidrig nicht SUVA-konform, d.h. bereits mit erheblichen Mängeln auf bzw. liess diese aufstellen. Die Mitarbeiter E.________ und F.________ (Vorarbeiter) unterstanden seiner Leitung resp. seinen Anweisungen. Er wies seine Mitarbeiter zwar an, alte Bretter auszusortieren, überprüfte die Einhaltung seiner Weisung aber pflichtwidrig nicht. Mindestens ein Brett wies am 19. Oktober 2015 morsche Stellen und ausgerissene Verschraubungen auf. Solche Mängel treten nicht von heute auf morgen auf, sondern beanspruchen eine gewisse Abnutzungszeit. Ausserdem behob der Beschuldigte während der Bauphase von September 2014 bis Oktober 2015 eingetretene und durch den Bauleiter G.________ durchschnittlich ca. zweimal pro Monat telefonisch oder mit E-Mail an die H.________ AG resp. den Baustellenpolier I.________ oder den Bauführer J.________ gemeldete und an ihn weitergeleitete Mängel nicht umgehend selber oder liess diese beheben (...). Es wäre aber unabhängig von einer Meldung der Firma H.________ AG die Pflicht des Beschuldigten gewesen, als Subunternehmer der Firma H.________ AG und Verantwortlicher für den Gerüstbau auf der Baustelle, das Baugerüst inkl. Bretter, Metallstangen, Verstrebungen, etc., regelmässig auf den ordnungsgemässen Zustand zu überprüfen und fortlaufend Instand zu stellen. (...) Der Beschuldigte wusste, dass er als Geschäftsführer der D.________ AG verantwortlich für die Instandstellung und den Unterhalt der Baugerüste an den drei Mehrfamilienhäusern auf der Baustelle "C.________" (...) war. Als langjähriger Gerüstbauer wusste er, dass er die gesetzlichen Vorschriften für den Bau, insbesondere die Vorschriften der Bauarbeitenverordnung (BauAV) und die SUVA-Richtlinien zum Schutz der Arbeitnehmer, einhalten musste. Trotzdem stellte er unter Missachtung der gebotenen Sorgfaltspflicht ein Gerüst mit bereits erheblichen Mängeln auf (...), resp. er verliess sich darauf, dass seine Mitarbeiter das Gerüst regelkonform erstellen und unterliess eine Überprüfung des Zustands des errichteten Gerüsts. Er behob gemeldete Mängel pflichtwidrig nicht unverzüglich, so dass am 19. Oktober 2015 die oben erwähnten Mängel an den Gerüsten sichtbar vorhanden waren. Durch die pflichtwidrige Verletzung der Regeln der Baukunde gefährdete er fahrlässig Leib und Leben der Arbeiter auf der Baustelle. (...) Durch rechtzeitige Auswechslung des unfallursächlichen Brettes oder Behebung der Mängel des Brettes resp. Einhaltung der Arbeitssicherheitsvorschriften hätte der Beschuldigte den Unfall von B.________ und dessen folgenschwere Verletzungen vermeiden können. (...)."