Citation: 7B_283/2022 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erachtet die Tatbestände der Drohung und der einfachen Körperverletzung als erfüllt, nicht aber denjenigen der versuchten Tötung. Zur Begründung verweist sie zunächst auf das Gutachten von Dr. med. C.________ vom 22. Juli 2019. Laut diesem sei der zeitliche Abstand zwischen der Handlung und dem Erfolg (Aussetzen der Gehirnfunktion) bei einem Verlegen der Luftwege grösser als bei einer Kompression der Halsgefässe durch Würgen, weil das Gehirn immer noch mit Blut, wenn auch sauerstoffarmem, versorgt werde. Dieses Zeitfenster liege, ähnlich wie beim Ertrinken, bei bis zu drei Minuten. Eine solche Zeitspanne dürfte, so die Vorinstanz, vorliegend bei Weitem nicht erreicht worden sein, da sich die Beschwerdeführerin gewehrt und sich zeitweise habe befreien können. Ausserdem habe der Beschwerdegegner 2 seine Handlung einmal selbst unterbrochen. Der letztgenannte Umstand und seine damit einhergehende Frage, ob sie sterben wolle, deuteten darauf hin, dass der Beschwerdegegner 2 weder den Tod noch eine unmittelbare Lebensgefahr bei der Beschwerdeführerin in Kauf genommen habe. Er sei ihr zudem, trotz seines alkoholisierten Zustands, physisch offensichtlich deutlich überlegen gewesen. Hätte er der Beschwerdeführerin für längere Zeit die Luftzufuhr abstellen wollen, hätte er einerseits entschiedenere Gewalt anwenden können, sodass sie sich nicht mehr hätte wehren können, und andererseits hätte er sie diesfalls wohl nicht gefragt, ob sie sterben wolle. Gerade diese Frage deute vielmehr darauf hin, dass es ihm darum gegangen sei, sie in Todesangst, nicht aber in Lebensgefahr zu versetzen. Er sei offensichtlich ausgerastet, weil die Beschwerdeführerin sein Handy habe nutzen wollen und er davon ausgegangen sei, sie schreibe ihrem Freund D.________, was Gefühle der Eifersucht hervorgerufen habe. Angesichts seiner aus dem Sachverhaltskomplex "Förderung der Prostitution" bekannten Neigung zu impulsivem Verhalten und Gewalt passe es ins Bild, dass er einmal mehr gegenüber einer Frau seine Überlegenheit und Macht habe demonstrieren wollen. Ein Eventual-Tötungsvorsatz (und auch ein direkter Vorsatz hinsichtlich Gefährdung des Lebens) seien deshalb zu verneinen.