Citation: 5A_430/2023 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz erwog, der Sohn werde seit der Trennung der Parteien ausschliesslich von seiner Mutter betreut. Sie sei zweifellos seine Hauptbezugsperson und er habe eine enge Bindung zu ihr. Es scheine ihm auch heute noch schwer zu fallen, sich von ihr zu lösen bzw. sich vollends auf die - nicht (mehr) von seiner Mutter begleiteten - Kontakte mit dem Beschwerdeführer einzulassen. So befinde sich die von der Erstinstanz erlassene Besuchsregelung noch immer in der ersten Phase. Der Beschwerdeführer betreue den Sohn, in Begleitung der sozialpädagogischen Fachperson, jeweils an einem Tag pro Woche für die Dauer von grundsätzlich acht Stunden. Gemäss Einschätzung der Beiständin habe der Sohn die Besuchsregelung noch nicht ganz verinnerlicht. Zudem hätten vereinzelt Besuche abgebrochen werden müssen, weil der Sohn heftig geweint und zu seiner Mutter habe gehen wollen. Mit anderen Worten befinde sich die Vater-Kind-Beziehung nach wie vor im Aufbau und die Erwägungen der Erstinstanz hätten insofern auch heute noch Gültigkeit. Der Ausbau der Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Sohn habe sich stets am Kindeswohl als oberste Maxime des Kindesrechts zu orientieren. Das Kindeswohl sei für die Regelung des Eltern-Kind-Verhältnisses immer der entscheidende Faktor und die Interessen und Wünsche der Eltern hätten in den Hintergrund zu treten. Würde der Beschwerdeführer im gegenwärtigen Zeitpunkt für berechtigt erklärt, seinen Sohn hälftig zu betreuen, bedeutete dies für das Kind aller Voraussicht nach eine massive Überforderung. Dem Antrag des Beschwerdeführers auf Anordnung einer alternierenden Obhut sei folglich nicht stattzugeben. Vielmehr sei weiterhin auf einen schrittweisen, sich am Wohl des Sohnes orientierenden Ausbau des Besuchsrechts hinzuarbeiten. Hinzu komme, dass sich das Verhältnis zwischen den Parteien im Verlaufe des gerichtlichen Verfahrens stetig verschlechtert habe und sich heute in hohem Masse konfliktbehaftet zeige. Würde der Sohn unter die alternierende Obhut der Parteien gestellt, wäre daher zu befürchten, dass er dem gravierenden Elternkonflikt noch mehr ausgesetzt würde, was seinen Interessen offensichtlich zuwiderlaufe.