Citation: 7B_858/2024 E. 4.6

4.6. Aufgrund des aktuellen Untersuchungsstandes bestehen beim Beschwerdeführer konkrete Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung bzw. eine erhebliche psychopathologische Persönlichkeitsstörung. Nach den bisherigen Ermittlungen hat er eine auffällig hohe kriminelle Energie, Empathielosigkeit und Kaltblütigkeit nach der Tötung seiner Ehefrau, der Mutter seiner beiden Kinder, an den Tag gelegt. Das medizinisch-forensische Abschlussgutachten vom 17. Juni 2024 über die Obduktion und das Ergänzungsgutachten vom 18. Juni 2024 sprechen deutlich gegen seine Darstellung, es habe sich beim Erwürgen bis zum Todeseintritt um blosse Notwehr gegenüber einem angeblichen Messerangriff des Opfers gehandelt. Nach den Feststellungen der Gutachterinnen ist aufgrund der Spuren an den Körpern des Opfers und des Beschwerdeführers auch nicht ersichtlich, ob vor dem Erwürgen überhaupt ein angeblicher Messerangriff auf ihn erfolgt sei. Sein planmässiges und systematisches Vorgehen, über mehrere Stunden hinweg, bei der Zerstückelung und versuchten Beseitigung der Leiche mittels Spezialwerkzeugen und Chemikalien bzw. bei der Vernichtung und Manipulation von Spuren (Verletzungsbild am Körper des Opfers) spricht aus der Sicht des Haftrichters vorläufig auch gegen den vom Beschwerdeführer vorgebrachten Erklärungsversuch, es habe sich dabei um eine spontane "Panik-Reaktion" gehandelt. Im Übrigen bestehen Anzeichen für eine gezielte Verstümmelung bzw. ritualisierte Entwürdigung der Leiche, die ebenfalls Anhaltspunkte für eine mögliche psychische Störung begründen. So ist den medizinischen Gutachterinnen besonders aufgefallen, dass der Beschwerdeführer - als einziges vollständig herausgeschnittenes Organ - die Gebärmutter des Opfers sorgfältig aus dem Leichnam entfernt habe. Weiter spricht sein gesamtes Verhalten vom 13. Februar 2024 im aktuellen Untersuchungsstadium für eine massive Gewaltbereitschaft des Beschwerdeführers, besonders gegenüber seinen jeweiligen Lebenspartnerinnen, teilweise mit sadistisch-soziopathischen Zügen. Dabei zeigen sich Anhaltspunkte für eine wenig ausgeprägte Frustrationstoleranz und eine geringe Impulskontrolle. Auch lässt sich eine zunehmende Gewalteskalation feststellen: Eine frühere Lebenspartnerin des Beschwerdeführers sagte bei ihrer staatsanwaltlichen Einvernahme vom 22. Juli 2024 aus, dass er auch schon gegen sie (bis April 2016) mehrfach massive Gewalt ausgeübt habe. Anlässlich eines seiner häufigen Wutanfälle sei er ihr (nach einem gemeinsamen Besuch bei ihren Eltern) mit dem Auto über ihren Fuss gefahren. Während der anschliessenden Fahrt habe er ihr angedroht, sie aus dem Fahrzeug zu werfen. Ein anderes Mal habe er während einer gemeinsamen Autofahrt eine Vollbremsung vorgenommen, sodass sie mit dem Kopf gegen das Armaturenbrett aufgeschlagen sei und ein Schleudertrauma erlitten habe. Auch am damaligen Wohnort des Beschwerdeführers in Bern sei es zu häuslicher Gewalt gekommen. Dabei habe er sie, die damalige Lebenspartnerin, "mit der Hand auch am Hals gepackt und gegen die Wand gestossen". Bei Streitigkeiten habe er manchmal "die Kontrolle verloren". Er habe sie dann jeweils geschlagen ("gemüpft") "oder gegen die Wand gehalten und sie gewürgt". Aufgrund von Äusserungen einer Drittperson gehe sie, die damalige Lebenspartnerin, davon aus, dass es schon vor ihrer Beziehung mit dem Beschwerdeführer zu "Problemen" mit dessen früheren Partnerinnen ("Gewalt oder sexuelle Sachen") gekommen sei. Nach den Feststellungen der Strafbehörden sei es im Übrigen aktenkundig, dass der Beschwerdeführer seine Ehefrau schon vor dem untersuchten Tötungsdelikt vom 13. Februar 2024 gewürgt habe. Diesbezüglich lägen Photos des Opfers mit (bereits früher erlittenen) Würgemalen vor, eine polizeiliche Notfallanzeige vom 14. Juli 2023 und belastende Aussagen von Gewährspersonen (vgl. angefochtener Entscheid, S. 16, E. 3.2/a/bb).