Citation: U 219/05 06.03.2006 E. 3

Den wichtigsten Berichten der umfangreichen medizinischen Akten lassen sich folgende Aussagen entnehmen: 3.1 Die Gutachter der MEDAS diagnostizierten als Leiden mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom und residuelles radikuläres Syndrom L5 rechts bei Zustand nach Diskushernienoperation L5/S1 rechts im August 1994, Segmentdegeneration L5/S1 und neurologischen Hinweisen auf intermittierende leichte Wurzelreizung S1 rechts, Restbeschwerden am rechten Fuss bei Zustand nach Supinationstrauma am 27. Oktober 1994, Status nach fibulotalarer Bandplastik rechts im Januar 1995 und langanhaltender Sudeckdystrophie, sowie Restbeschwerden am linken Fuss bei Zustand nach Supinationstrauma am 18. August 1997 und passagerer Sudeckdystrophie. Die Arbeitsfähigkeit wurde in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Abteilungsleiter sowie in anderen leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten auf 50 % geschätzt (Gutachten vom 7. Dezember 1999). Frau Dr. med. L.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in ihrem psychiatrischen Teilgutachten eine narzisstische Persönlichkeit (ICD-10 F 60.8) fest. Aus psychiatrischer Sicht bestehe im aktuellen Beruf keine Arbeitsunfähigkeit; diese könne sich aber ergeben, wenn der Versicherte aus seiner Arbeit keinen besonderen Wert mehr schöpfen könne, da er auf Grund seiner Persönlichkeitsstruktur auf Spiegelung von aussen bzw. narzisstische Nahrung durch Selbstobjekte angewiesen sei, um psychisch stabilisiert zu sein. 3.2 Dr. med. R.________ diagnostizierte am 30. Juni 2000 einen Status nach Diskushernienoperation, eine Peroneusparese rechts, rezidivierende Distorsionen OSG mit Sudeck-Restzustand, eine depressive Entwicklung, eine Retraumatisierung des Rückens nach Sturz Anfang 2000 sowie ein schweres Schleudertrauma am 1. Juni 2000. 3.3 Am 9. August 2000 berichtete die Chirurgische Klinik X.________, nach anfänglicher Behandlung mit weichem Kragen und Physiotherapie sei keine wesentliche Besserung eingetreten. Er klage weiterhin über Kopfweh, Schwindel und zeitweiliges Erbrechen. Zudem bestünden Gedächtnisprobleme. Es liege ein erhebliches therapieresistentes und auch zwei Monate nach dem Unfall noch stark symptomatisches Schleudertrauma der HWS vor. Nebst Restbeschwerden einer Diskushernienoperation und Sacrumkontusion scheine eine depressive Stimmung vorhanden, insbesondere weil er seit Frühjahr 2000 arbeitslos sei. 3.4 Im Bericht des S.________ vom Januar 2001 wurde eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression (wegen Zeitablaufs längere depressive Reaktion, ICD-10 F 43.21) sowie Status nach HWS-Schleudertrauma im Juni 2000 mit weiterhin bestehender Gleichgewichtsstörung, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisproblemen (DD Depression, Schmerzstörung) diagnostiziert. Aus psychiatrischer Sicht würden beginnende psychische Symptome seit Beendigung der Arbeitstätigkeit im Februar 2000 vorliegen. 3.5 Im Rahmen einer biomechanischen Kurzbeurteilung (Triage) vom 16. Februar 2001 kam A.________ unter Berücksichtigung der biomechanischen Besonderheit des Fehlens von Kopfstützen zum Schluss, dass die Erklärbarkeit der geklagten Beschwerden auch unter Berücksichtigung dieses Umstandes auf Grund der geringen Belastung (Delta-v unterhalb des Bereiches von 10-15 km/h) fraglich sei, da sich bei Kollisionen mit derart geringer Intensität oft nicht einmal ein Kontakt des Kopfes mit der Stütze ergebe. Die vorbestehenden (unfallfremden) Schädigungen der LWS könnten allenfalls die festgestellten Beschwerden erklären. 3.6 Die Orthopädische Klinik Z.________, in welcher der Versicherte von 30. Januar bis 23. Februar 2001 hospitalisiert war, diagnostizierte ein cervicocephales Schmerzsyndrom bei Status nach HWS-Distorsion am 1. Juni 2000 und Spannungstyp-Kopfschmerz bei Dekonditionierung im Nacken-Schulterbereich, ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechts, Restbeschwerden am rechten und am linken Fuss, den Verdacht auf Detrusor-Sphincter internus-Dyssynergie sowie eine depressive Episode. Im Rahmen des neurologischen Konsiliums konnte klinisch-neurologisch kein pathologischer Befund erhoben werden; es bestehe keine relevante Impulsleitungsstörung im Bereich des cervicalen Rückenmarks. Gemäss psychiatrischem Konsilium leide er an einer depressiven Episode vorwiegend mit Beeinträchtigung des Selbstwerterlebens, der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit und mit ausgeprägten vegetativen Symptomen (hand- und fussbetonte Schweissausbrüche). Aus rheumatologischer Sicht sei er weiterhin voll arbeitsunfähig (Bericht vom 14. März 2001). 3.7 Nach Erhalt weiterer Informationen führte A.________ eine technische Unfallanalyse durch, welche ihre Aussagen vom 16. Februar 2001 erhärtete (Bericht vom 15. Oktober 2001). 3.8 Die neurootologische Untersuchung vom 11. Dezember 2001 durch Dr. med. F.________, Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie sowie Arbeitsmedizin, SUVA, ergab eine mittelschwere bis schwere vestibuläre Funktionsstörung, welche wahrscheinlich überwiegend zervikogen bedingt sei; mitursächlich könne auch die psychotrophe Medikation sein. Eine wesentliche, unfallbedingte Hörstörung könne jedoch nicht nachgewiesen werden. Der Tinnitus sei nur zeitweise vorhanden, könne nicht "gematched" und müsste bei anhaltenden Beschwerden später erneut geprüft werden. 3.9 Anlässlich des stationären Aufenthalts in der Klinik Y.________ vom 7. November bis 12. Dezember 2001 hielt diese im Austrittsbericht vom 21. Dezember 2001 ein cervicocephales Schmerzsyndrom, ein chronisch rezidivierendes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, eine Bewegungseinschränkung beider Sprunggelenke, thorakale Restbeschwerden bei Zustand nach einer Rippenfraktur links, eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühl und Sozialverhalten (ICD-10 F 43.52), eine mittelschwere bis schwere zentrale vestibuläre Funktionsstörung sowie eine mittelschwere schmerz- und reaktiv-psychisch bedingte neuropsychologische Leistungseinschränkung fest. Aus somatischer Sicht sei eine leichte, wechselbelastende und den Leiden angepasste Tätigkeit mindestens halbtags zumutbar; die Aufnahme einer Arbeit sei jedoch von der psychischen Stabilisierung abhängig. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht wurde nicht festgelegt. Gemäss dem neuro-psychologischen Konsilium vom 14. November 2001 lag eine mittelschwere Störung mit verminderter konzentrativer Belastbarkeit vor, deren Ursache nicht-hirnorganisch sei, da keine Hinweise auf eine erlittene milde traumatische Hirnverletzung bestünden. Im Vordergrund stehe eine schmerzbedingte und reaktiv-psychische Leistungsverminderung. Im psychosomatischen Konsilium vom 19. November 2001 schlossen sich die Gutachter den Aussagen im neuro-psychologischen Konsilium sowie den Feststellungen von Frau Dr. med. L.________ anlässlich des MEDAS-Gutachtens an. Zur Zeit könne von einer psychisch knapp kompensierten Gesamtsituation ausgegangen werden. Als Ursache der Anpassungsstörung gelte nicht ein einzelnes Unfallgeschehen, sondern die Summe der Belastungsfaktoren infolge der verschiedenen Unfallereignisse. 3.10 Auf Grund weiterer medizinischer Unterlagen nahm A.________ am 9. Juli 2002 eine biomechanische Beurteilung vor, welche die früheren Aussagen im Ergebnis bestätigte. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Aufprall auf Grund der leichten Heckkollision als "ganz massiv" erlebt worden sei. Da die medizinischen Aussagen nicht angezweifelt würden, sei nach anderen Ursachen der Beschwerden zu suchen. Am ehesten kämen dafür die vorbestehenden Wirbelsäulenprobleme und die beiden Stürze aufs Steissbein in Frage. Denn dabei handle es sich um Schwachpunkte, die bei erneuter Belastung stärker betroffen würden, als bei voller Gesundheit erwartet werden müsste. Damit könnten Belastungen, die im Normalfall nicht als traumatisch angesehen würden, allenfalls die erniedrigte Schwelle überschreiten und Beschwerden auslösen, die man sonst nicht erklären könnte. 3.11 Am 2. März 2005 berichtete S.________, der Versicherte befinde sich seit 10. Januar 2001 in psychiatrischer Behandlung. Die Exazerbationen der depressiven Reaktion (ICD-10 F 43.21) würden durch die weiterhin bestehende sozialversicherungsrechtlich nicht abgeschlossene Situation in Verbindung mit fortbestehenden Zukunftsängsten verursacht. Hinzu komme der Status nach HWS-Schleudertrauma im Juni 2000 mit weiterhin bestehenden Gleichgewichtsstörungen, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisproblemen, Kopfschmerzen und chronifizierten Rückenschmerzen.