Citation: 4A_25/2021 E. 2.6

2.6. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung von Art. 56 Abs. 1 OR und Art. 8 ZGB. Sie macht geltend, die Vorinstanz habe ihr die Beweislast für eine Sorgfaltspflichtverletzung des Fuhrmanns auferlegt. Es obliege dem Tierhalter, den Entlastungsbeweis zu erbringen. Er habe die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Die Beschwerdeführerin trägt vor, der Sachverhalt sei in Bezug auf das Verhalten des Tiers klar, nicht jedoch bezüglich des Verhaltens des Fuhrmanns im entscheidenden Zeitpunkt nach der kontrollierten Wende. Sein Verhalten und seine Leinenhaltung, als er die Kontrolle über das Pferd verlor, sei wichtiger Teil des Sorgfaltsbeweises und damit vollumfänglich durch die Beschwerdegegnerin zu erbringen. Wenn diese es trotz der eindeutigen Formulierung im Gutachten unterlasse, hierüber Beweis zu führen, so scheitere nach der gesetzlichen Konzeption der Entlastungsbeweis und die Haftung müsse bejaht werden. Dass das Pferd nach der kontrollierten Linkswende durchging, dränge den Schluss auf, dass dem Fuhrmann in der Leinenführung ein Fehler unterlaufen sei. Es komme hinzu, dass er aufgrund der Linkswende erneut auf die fiktive Gefahr des Mistkrans zuhielt, welcher das Scheuen des Pferds erst ausgelöst hatte. Bei Pferden seien gemäss Gutachten die Augen mit den unterschiedlichen Gehirnhälften verknüpft. Somit könne eine zuvor mit dem linken Auge wahrgenommene Gefahrenquelle nach einem Seitenwechsel nunmehr mit dem rechten Auge als komplett neues Objekt wahrgenommen werden. Pferde könnten nicht unbedingt eine Verbindung zur vorangegangenen Situation herstellen. Es sei möglich, dass der Mistkran das Pferd nach der Wende erneut erschreckte und es deshalb durchging. Genau dies hätte der Fuhrmann aber antizipieren müssen.