Citation: 1C_520/2022 E. 4.1

4.1. In Bezug auf das schutzwürdige Interesse der Beschwerdegegnerin an der Akteneinsicht erwog die Vorinstanz, die beiden Vorfälle und die dabei entstandene Gewässerverschmutzung seien öffentlich breit wahrgenommen und diskutiert worden. Die Produktionsanlage der Beschwerdeführerin (im vorinstanzlichen Verfahren: Beschwerdegegnerin) befinde sich in grosser Nähe zur Goldach und zum Bodensee und damit zu einem wichtigen Binnengewässer mit weit überregionaler Bedeutung. Bereits diese örtliche Lage exponiere die Beschwerdeführerin bei Ereignissen wie den vorgefallenen besonders. Es seien Vermutungen aufgekommen, die Beschwerdeführerin habe keine hinreichenden Vorkehren getroffen und sei allenfalls bei der juristischen Aufarbeitung der Ereignisse aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung bevorzugt behandelt worden. Diese Umstände erzeugten ein öffentliches Interesse, was auch die mediale Aufarbeitung der Vorfälle rechtfertige. Die Beschwerdegegnerin, die dieses öffentliche Interesse mit ihrer Berichterstattung bisher bedient und dadurch wohl auch gefördert habe, habe damit ihre Kritik- und Kontrollfunktion wahrgenommen, die ihr als Medienunternehmen obliege. Sie habe entsprechend ein schützenswertes Interesse daran, ihre Berichterstattung auf geeigneten Angaben aufzubauen und die dafür nötigen journalistischen Informationen beschaffen zu können. Weiter hielt die Vorinstanz fest, weite Teile des journalistischen Informationsinteresses seien durch den Zugang zum Strafbefehl bereits bedient worden. Mit Verweis auf Art. 69 Abs. 3 lit. a StPO merkt sie an, dass das Vorverfahren (Ermittlungsverfahren der Polizei und Untersuchung der Staatsanwaltschaft) grundsätzlich geheim sei und die Ermittlungen durch die staatlichen Organe - und nicht etwa durch Medienunternehmen - zu führen seien. Damit seien dem Interesse Medienschaffender an einer Akteneinsicht Schranken gesetzt. Die vorliegend entstandenen Vorwürfe, die Beschwerdeführerin sei bei den amtlichen Abklärungen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung privilegiert behandelt worden, könnten hingegen ohne Einsicht in die gesamten Verfahrensakten nicht geklärt werden. Die Beschwerdegegnerin verfüge unter diesen Voraussetzungen und aufgrund der Verschmutzung eines wichtigen Gewässers im Rahmen ihrer medialen Kritik- und Kontrollfunktion über ein schützenswertes Interesse an einer Akteneinsicht.