Citation: 8C_526/2024 E. 4.1.1

4.1.1. Die Vorinstanz hat in ihrem Urteil vom 13. März 2020 überzeugend begründet, weshalb eine erneute psychiatrische Begutachtung unumgänglich war (vgl. E. 3.1 hiervor). Insbesondere fehlte im psychiatrischen Teilgutachten des Dr. med. C.________ - wie im Übrigen im gesamten Estimed-Gutachten - eine kritische Auseinandersetzung mit den Observationsunterlagen. Gerade bei der Beurteilung der Konsistenz hätte sich eine eingehende Befassung damit aufgedrängt. So wurde der Beschwerdeführer Anfang 2016 bei längeren Autofahrten und über mehrere Tage beim Skifahren und beim Après-Ski an gut frequentierten Bars mit mässiger bis lauter Party-Musik beobachtet, ohne dass sich der geringste Hinweis auf eine Schmerzproblematik gezeigt hätte. Wie die Vorinstanz feststellte, war der Beschwerdeführer dabei gesellig, kontaktfreudig und stets gut gelaunt, ohne dass Anzeichen von Unbehagen ersichtlich gewesen wären. Im Rahmen einer Besprechung mit Verantwortlichen der IV-Stelle am 12. Oktober 2015 berichtete er demgegenüber noch von einem teilweise kompletten Ausfall der Beine. Auf unebenem Gelände könne er praktisch nicht gehen. Die weiteste Distanz, die er in den letzten Jahren zurückgelegt habe, sei von ihm zu Hause zu einem Café (ca. 300 Meter). Weitere Strecken seien aus Angst vor Stürzen nicht möglich. Tätigkeiten wie Skifahren könne er seit dem Unfall nicht mehr ausüben. Mit dem Auto könne er maximal eine Stunde zurücklegen, dann brauche er eine Pause. Er sei auch nicht mehr in der Lage, sich an lärmigen Orten oder in grossen Menschenmengen aufzuhalten. Es habe nie Phasen gegeben, in denen es ihm gut gegangen sei. Der damalige Anwalt des Beschwerdeführers machte im Nachhinein ergänzend noch geltend, der Beschwerdeführer verfüge über beinahe kein Gespür in Beinen und Armen. Er könne während ca. 15 Minuten PC-Arbeiten ausüben, da die Konzentration und das Sitzen nicht gut seien. Trotz dieser behaupteten enormen Einschränkungen war der Beschwerdeführer gemäss Feststellungen der Vorinstanz offenbar in der Lage, im Januar 2016 an mehreren Tagen Ski zu fahren. Aus einer Diebstahlmeldung vom 7. Februar 2015 erhellt im Übrigen, dass er bereits am 31. Januar 2015 Ski fahren war. Während eines Aufenthalts in einer Bar wurden seine Skistöcke und sein Helm mit Skibrille gestohlen. Insoweit kann auch nicht von einer einmaligen, versuchsweisen Erprobung der Belastungsgrenze ausgegangen werden. Mit Blick auf diese erheblichen Diskrepanzen erscheint die Beurteilung des Dr. med. C.________, die Observationsunterlagen hätten aus rein psychiatrischer Sicht keine Auswirkungen auf die gutachterliche Einschätzung, nicht nachvollziehbar. Zumindest wäre eine Erklärung angezeigt gewesen, inwiefern sich das anlässlich der Observation gezeigte Verhalten mit der diagnostizierten depressiven Störung, einer chronischen Schmerzstörung und einer damit einhergehenden 80%igen Arbeitsunfähigkeit vereinbaren lässt.