Citation: 6S.701/2000 06.03.2001 E. 1

1.- Die Beschwerdeführerin ist Geschädigte im Sinne von Art. 270 BStP in der bis zum 31. Dezember 2000 geltenden Fassung und Opfer im Sinne des Opferhilfegesetzes sowie gemäss Art. 270 lit. e BStP in der seit 1. Januar 2001 geltenden Fassung. Sie hat im kantonalen Strafverfahren adhäsionsweise eine Geldsumme als Genugtuung gefordert. Die Vorinstanz ist im angefochtenen Beschluss im Verfahren der Berufung gegen einen den Beschwerdegegner wegen mehrfacher Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 StGB) verurteilenden erstinstanzlichen Entscheid auf die Anklage nicht eingetreten mit der Begründung, die Strafverfolgung sei verjährt, da seit den inkriminierten Taten mehr als fünf Jahre verstrichen seien. Infolge des Nichteintretens auf die Anklage ist die Vorinstanz auch auf die Schadenersatz- und Genugtuungsforderung der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. Der Entscheid der Vorinstanz kann sich auf die Beurteilung der Zivilforderung auswirken. Zwar hat sich die Vorinstanz nicht mit den Fragen befasst, ob der Beschwerdegegner die ihm in der Anklageschrift zur Last gelegten Handlungen in tatsächlicher Hinsicht begangen habe und ob sie gegebenenfalls in strafrechtlicher Hinsicht tatbestandsmässig und rechtswidrig seien. Die Vorinstanz hat einzig entschieden, dass im vorliegenden Fall die strafrechtliche Verjährungsfrist gemäss Art. 187 Ziff 5 StGB, der vom 1. Oktober 1992 bis zum 31. August 1997 in Kraft war, lediglich fünf Jahre betrage. Gemäss Art. 60 Abs. 1 OR verjährt der Anspruch auf Schadenersatz oder Genugtuung in einem Jahr von dem Tage hinweg, wo der Geschädigte Kenntnis vom Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat, jedenfalls aber mit dem Ablauf von zehn Jahren, vom Tage der schädigenden Handlung an gerechnet. Wird jedoch die Klage aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für die das Strafrecht eine längere Verjährung vorschreibt, so gilt diese gemäss Art. 60 Abs. 2 OR auch für den Zivilanspruch. Bei Annahme einer strafrechtlichen Verjährungsfrist von fünf Jahren gemäss dem angefochtenen Beschluss wäre im vorliegenden Fall der Anspruch auf Genugtuung in fünf Jahren, seitdem die Beschwerdeführerin Kenntnis vom Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hatte, verjährt. Der Zivilrichter ist an einen Entscheid des Strafrichters betreffend die Dauer der strafrechtlichen Verjährungsfrist grundsätzlich gebunden (s. Art. 53 OR e contrario). Auf die Nichtigkeitsbeschwerde ist daher einzutreten.