Citation: U 369/05 23.11.2006 E. 8

8.1 Beim Unfall vom 27. Februar 1999 kann nicht von besonders dramatischen Begleitumständen oder besonderer Eindrücklichkeit gesprochen werden (vgl. Erw. 7 hievor). 8.2 Ferner vermag die Diagnose eines HWS-Schleudertraumas sowie einer HWS-Distorsion das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen (u.a. Urteile M. vom 7. August 2003 Erw. 5.2, U 346/02, und B. vom 22. Mai 2002 Erw. 4c, U 339/01). Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 Erw. 5.2.3 [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04], mit Hinweisen; Urteil J. vom 21. Juni 2006 Erw. 3.2.1, U 265/05). Solche Umstände sind hier nicht gegeben. Hieran ändert entgegen der Auffassung der Versicherten nichts, dass die aus dem Unfall resultierenden gesundheitlichen Beschwerden weiterhin andauern. Dies ist im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden) zu berücksichtigen (erwähntes Urteil U 265/05 Erw. 3.2.1). 8.3 Zu prüfen ist weiter das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. 8.3.1 Nach dem Unfall absolvierte die Versicherte neben der Behandlung bei Dr. med. G.________ Craniosacral-, Farb-, osteopathische und manuelle Therapie, Massage, Osteopathie sowie seit Frühling 2000 ein Aufbautraining im Fitnesscenter. Am 21. September 2000 gab Dr. med. G.________ an, ab 1. März 2000 sei die Versicherte wieder zu den ursprünglichen 80 % als Personalassistentin arbeitsfähig; die Belastbarkeit sei immer noch deutlich herabgesetzt und Osteopathie sowie Farbtherapie seien immer noch regelmässig nötig, um den Zustand aufrecht erhalten zu können. Laut seinem Zeugnis vom 30. Oktober 2000 erfolgte auf diesen Zeitpunkt ein vorläufiger Fallabschluss. Ab 27. Juni 2001 absolvierte die Versierte eine Fussreflexzonenmassage bei Frau S.________. Am 25. September 2002 führte Dr. med. G.________ aus, die Versicherte habe bis jetzt regelmässig Therapien machen müssen, um ihren Zustand mit der 80%igen Arbeitsfähigkeit und eine angepasste Lebensqualität aufrecht erhalten zu können. Alternativmedizinische Therapien seien in dieser Situation intermittierend sicher nötig, wenn auch zeitweise etwas weniger. Im Bericht vom 22. November 2005 legte er dar, die Versicherte sei bis 19. September 2002 in seiner Behandlung gewesen. Zur Aufrechterhaltung des Zustandes seien regelmässig Therapien sowie Fussreflexzonenmassage und Osteopathie etc. notwendig gewesen. Gemäss dem Bericht der Praxis für Osteopathie vom 22. September 2005 dauerte die Behandlung mit bis dahin 29 Sessionen an (Erw. 9.1.3 hienach). Nach dem Unfall vom 27. Februar 1999 war die Versicherte mithin während rund 3 Jahren und 8 Monaten bei Dr. med. G.________ in Behandlung. Praxisgemäss wird eine Behandlungsbedürftigkeit (im Sinne medikamentöser Schmerz- und Physiotherapie) während zwei bis drei Jahren nach einem HWS-Schleudertrauma respektive äquivalenten Verletzungen als durchaus üblich betrachtet (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 239 Erw. 5.2.4; Urteil O. vom 23. Mai 2006 Erw. 4.2, U 5/06). Zu beachten ist vorliegend, dass die Behandlung (inkl. die alternativmedizinische) gemäss den Angaben Dr. med. G.________ seit 1. März 2000 im Wesentlichen der Aufrechterhaltung des bestehenden Gesundheitszustandes diente. Auch gemäss der Zentrum Z.________-Expertise vom 12./21. August 2003 und der Ergänzung vom 15. Januar 2004 war der Gesundheitszustand weiterhin stabil und keine Veränderung zu erwarten (Erw. 4.1 hievor). Eine Behandlung, die lediglich noch der Erhaltung des bestehenden Gesundheitszustandes und nicht der Heilung dient, ist indessen im Rahmen der Adäquanzprüfung grundsätzlich nicht von Relevanz (in HAVE 2004 S. 119 zusammengefasstes Urteil K. vom 11. Februar 2004 Erw. 2.4 f., U 246/03; erwähntes Urteil U 265/05 Erw. 3.2.2; Urteile S. vom 27. April 2006 Erw. 6, U 393/05, L. vom 5. Dezember 2005 Erw. 4.3, U 32/05, und P. vom 15. Oktober 2003 Erw. 3.3, U 154/03). Weiter ist festzuhalten, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht in diversen Fällen, in denen alternativ- bzw. komplementärmedizinischen Behandlungen durchgeführt wurden, das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht als erfüllt ansah (vgl. erwähntes Urteil U 265/05 Erw. 3.2.2; Urteile H. vom 28. Juni 2005 Erw. 3.2.2, U 376/04, K. vom 23. Dezember 2005 Erw. 4.3, U 289/04, und P. vom 24. September 2003 Erw. 3.3, U 361/02). Im erwähnten Urteil U 376/04 Erw. 3.2.2 führte es diesbezüglich aus, die Wirksamkeit der komplementär- und alternativmedizinischen Massnahmen (in casu Akupunktur, Osteopathie und Alexandertechnik) sei umstritten. Es besteht in casu kein Anlass, das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung auf Grund der durchgeführten alternativmedizinischen Massnahmen zu bejahen, zumal hievon - wie gesagt - ab 1. März 2000 keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war. Die Versicherte macht geltend, die Zürich habe die alternativmedizinischen Therapiekosten übernommen. Falls heute deren Zweckmässigkeit bestritten werde, hätte die Zürich sie diesbezüglich abmahnen müssen. Dieser Einwand ist unbehelflich. Eine vorgängige Abmahnung der Versicherten wäre allenfalls erforderlich gewesen, wenn die Zürich beabsichtigt hätte, die anfallenden Behandlungskosten nicht zu übernehmen. Im Rahmen der Adäquanzfrage ist es indessen irrelevant, ob die Zürich die Versicherte abgemahnt hat oder nicht. Es wird vom Versicherer nicht verlangt, dass er die versicherte Person vorgängig darüber aufklärt, welche Behandlungen er im Rahmen der künftigen Adäquanzprüfung berücksichtigen werde und welche nicht. 8.3.2 Gemäss dem Bericht des Dr. med. T.________ vom 18. Mai 2005 traten bei der Versicherten im Oktober 2003 - mithin nach der Leistungseinstellung, aber vor Erlass des Einspracheentscheides - zusätzlich zu den Rückenschmerzen asthmoide Atembeschwerden mit thorakalem Druckgefühl und einem plötzlichem Stimmverlust auf. Es habe eine ca. 4-wöchige inhalative Kortikoidbehandlung stattgefunden (vgl. Erw. 9.1.1 hienach). Auf Grund der Akten steht nicht fest, ob diese Atembeschwerden zum Unfall vom 27. Februar 1999 in einer natürlichen Kausalität stehen, zumal sie erst nach der Untersuchung im Rahmen der Zentrum Z.________-Begutachtung (Erw. 4 hievor) auftraten. Dr. med. A.________ legte im Bericht vom 22. Juni 2005 dar, für die asthmoiden Beschwerden und die zeitweilige Beeinträchtigung der Stimme resp. den Stimmverlust finde er keine Erklärung (Erw. 9.1.2 hienach). Selbst wenn die natürliche Kausalität aber zu bejahen wäre, könnte die ca. 4-wöchige Behandlung dieses Leidens nichts daran ändern, dass insgesamt nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung gesprochen werden kann. 8.4 Die Farbtherapeutin Frau F.________ gab im Bericht vom 22. November 1999 an, die Versicherte habe nicht mehr täglich Schmerzen; die schmerzlosen Phasen verlängerten sich. Am 29. Mai 2001 legte sie dar, die beschwerdefreien Phasen der Versicherten würden sichtlich immer länger. Im Rahmen der Zentrum Z.________-Begutachtung gab die Versicherte an, die Therapiemassnahmen hätten die Beschwerden deutlich gebessert. Zuletzt sei sie 2 Monate (Februar/März 2003) ferienhalber in Indien gewesen, was insgesamt zu einer Besserung, jedoch nicht zu absoluter Beschwerdefreiheit geführt habe. Heute seien die Beschwerden von wechselnder Intensität und Lokalisation. Zeitweise habe sie auch schmerzfreie Tage. Unter diesen Umständen kann nicht von über den gesamten Zeitraum andauernden Beschwerden (vgl. RKUV 2005 Nr. U 549 S. 241 Erw. 5.2.6) ausgegangen werden, weshalb das Kriterium der Dauerbeschwerden nicht erfüllt ist. 8.5 Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, liegt nicht vor, was unbestritten ist. 8.6 Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden) zu berücksichtigen ist - darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteil S. vom 10. Februar 2006 Erw. 4.2, U 79/05, mit Hinweisen). Solche Gründe sind hier nicht gegeben, zumal Dr. med. G.________ am 11. November 1999 und 3. Februar 2000 den Heilungsverlauf als günstig taxierte. Sein Bericht vom 25. September 2002 sowie das Zentrum Z.________-Gutachten vom 12./21. August 2003/15. Januar 2004 lassen ebenfalls nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen schliessen. Aus dem von ihr angeführten Urteil H. vom 28. Mai 2003 Erw. 4.2.4, U 12/03, kann die Versicherte nichts zu ihren Gunsten ableiten.