Citation: I 462/00 17.12.2001 E. 3

3.- a) Was zunächst die Arbeitsfähigkeit betrifft, ergibt sich aus den Akten Folgendes: aa) Im Bericht der Dres. med. W.________ und F.________, Spital X.________, vom 17. November 1995 über die stationäre Behandlung vom 26. Oktober bis 15. November 1995 wurde eine medio-laterale Diskushernie L5/S1 mit lumboradikulärem Schmerzsyndrom sowie ASR-Abschwächung rechts diagnostiziert. Seit Mitte Oktober leide der Versicherte an ins rechte Bein ausstrahlenden Rückenschmerzen, die sich unter NSAR-Medikation gebessert hätten. Am 25. Oktober habe er ein Verhebetrauma mit massiver Schmerzexacerbation erlitten. Vorerst bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis mindestens 25. November 1995. Längerfristig dränge sich wohl eine berufliche Umstellung auf, müsse doch der Patient als Speditionsbeifahrer unausweichlich immer wieder schwere Lasten heben. Im Bericht des gleichen Spitals vom 5. Januar 1996 wurde ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit bis 25. November 1995 attestiert. Im Verlaufsbericht vom 22. Februar 1996 wurde zudem festgehalten, der Patient sei ab 26. Februar 1996 zu 50 % arbeitsfähig geschrieben worden. bb) Der SUVA-Kreisarzt Dr. med. A.________ erklärte im Anschluss an eine Untersuchung vom 16. Januar 1996, unter den gegebenen Umständen komme eine Arbeitsaufnahme in der bisherigen Tätigkeit über längere Sicht kaum in Frage, andererseits sei bereits jetzt eine berufliche Neuorientierung zur Diskussion zu stellen. Im Bericht der kreisärztlichen Untersuchung vom 29. März 1996 stellte er fest, auf Grund der Beschwerden, die bis zu diesem Tag andauerten und nach einem Arbeitsversuch erneut exacerbiert hätten, habe die Arbeit nicht aufgenommen werden können. Wegen des heutigen Beschwerdebildes, das auf Grund einer gewissen Verdeutlichungstendenz nicht genau objektiviert werden könne, sei eine Arbeitsfähigkeit auch heute nicht realistisch durchzusetzen. cc) Dem Gutachten der Rehabilitationsklinik Y.________ vom 22. Januar 1998 ist zu entnehmen, dass der Versicherte an einer chronischen lumbospondylogenen Schmerzkrankheit mit somatoformer Komponente und Hinweisen auf Aggravation sowie einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Aus rheumatologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Sämtliche ambulanten und stationären therapeutischen Massnahmen hätten zu keiner bleibenden Besserung der Beschwerden geführt. Initial habe eine Korrelation zur computertomographisch nachgewiesenen Diskusherniation L5/S1 bestanden. Diese Situation habe sich je länger je mehr verwässert. Die Beschwerden würden immer mehr generalisieren und in den Vordergrund trete eine Persönlichkeitsstörung des Versicherten. Betreffend Zuordnung zur strukturellen Diskopathie L5/S1 falle auf, dass der Versicherte ein diskrepantes Verhalten zeige. Im Sitzen und im Liegen würden deutlich unterschiedliche Möglichkeiten und Verhaltensmuster aufgezeigt. Auch die Kompression im Rumpfbereich erkläre nicht die im Kreuz dabei empfundenen Schmerzen. In der Selbstbeurteilung der körperlichen Fähigkeiten entsprächen die gemachten Angaben, soweit dies auf Grund des Verhaltensmusters während der Untersuchung verglichen werden könne, nicht der Realität. Kein strukturelles Korrelat, auch nicht die Diskusherniation L5/S1 könne die beklagten Beschwerden erklären. Vielmehr habe eine Chronifizierung und Generalisierung stattgefunden. Inwiefern auch eine Aggravation eine Rolle spiele, könne nur vermutet werden. Aus rheumatologisch/neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Unter Berücksichtigung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung müsse von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen werden. In seinem konsiliarischen Gutachten vom 13. Januar 1998 diagnostizierte der EPD eine narzisstische Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F60. 8 und schätzte die Arbeitsfähigkeit des Versicherten aus psychiatrischer Sicht auf 50 %. Es sei diesem eine halbtägige Tätigkeit zumutbar, ja therapeutisch erwünscht, bei der er abwechselnd sitzen, stehen und gehen könne. Auf Grund seiner intellektuellen und sprachlichen Fähigkeiten scheine eine nicht zu anspruchsvolle Aufgabe adäquat. Es werde Arbeitsvermittlung der Invalidenversicherung empfohlen. Die Voraussetzungen für eine Umschulung seien nicht gegeben. Daneben solle eine Psychotherapie durchgeführt werden. dd) In seinem Bericht vom 23. Juli 1998 führte Dr. med. L.________ aus, beim Versicherten habe sich eine eigentliche psychosomatische Schmerzkrankheit entwickelt. Geprägt sei diese Erkrankung durch chronische Schmerzzustände vorwiegend im unteren Rückenbereich weichteilrheumatischer Art sowie eine depressive Verstimmung verbunden mit der Vorstellung "alle seien gegen ihn". Obwohl die Entwicklung dieser Erkrankung zeitlich gesehen nach dem Unfallereignis eingesetzt habe, könnten nicht alle Elemente kausal analytisch mit dem Unfall in Zusammenhang gebracht werden. Obwohl die Prognose dieser Erkrankung schlecht sei, seien seiner Meinung nach die Massnahmen und Klärungen zur beruflichen Wiedereingliederung nicht ausgeschöpft. Nach wie vor halte er an einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % fest. ee) Med. pract. H.________ gab in seinem Zeugnis vom 25. Februar 1999 an, der Versicherte leide an ausgeprägten, chronischen Rückenbeschwerden bei bekannten Bandscheibenproblemen. In der Folge habe sich auch eine reaktive Depression entwickelt. Er kenne den Versicherten seit Oktober 1998 und habe bisher nie den Eindruck erhalten, dieser möchte nicht gesund/arbeitsfähig werden. In seiner Stellungnahme vom 8. Juni 1999 führte er aus, da der Versicherte trotz Schmerzen immer arbeitswillig gewesen sei und damit dieser Gelder der Arbeitslosenversicherung beziehen konnte, habe er ihn ab Oktober 1998 zu 25 % arbeitsfähig (mit Einschränkung von Seiten des Rückens) geschrieben. ff) Im Bericht vom 20. Januar 2000 führte Dr. med. B.________, Spezialarzt FMH für Psychiatrie, aus, die bereits vom EPD erwähnte andauernde Persönlichkeitsänderung gemäss ICD 10 F62 scheine sich immer mehr zu verfestigen. Der Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht nicht arbeitsfähig. gg) Dr. med. S.________, Spezialarzt FMH für Rheumatologie, attestierte am 24. Februar 2000 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis auf Weiteres und führte aus, der Versicherte sei seit 8. April 1999 bei ihm in Behandlung. Die Anzahl der akuten lumbal radikulären Schmerzen habe in den letzten sechs Monaten zugenommen, sodass das Krafttrainingsprogramm aufgegeben werden musste, was ebenfalls zur psychischen Verschlechterung des Zustandes geführt habe. b) Vorinstanz und Verwaltung haben in Würdigung dieser medizinischen Unterlagen zu Recht auf das Gutachten der Rehabilitationsklinik Y.________ sowie das psychiatrische Konsilium des EPD abgestellt und eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer leichten Hilfsarbeitertätigkeit angenommen. Es besteht kein Anlass, die Zuverlässigkeit dieser auf eingehenden Abklärungen beruhenden spezialärztlichen Beurteilungen in Frage zu stellen. So liegen keinerlei Anhaltspunkte für die Annahme vor, die begutachtenden Ärzte hätten es an der erforderlichen Sorgfalt und Objektivität fehlen lassen. Die beiden Gutachten genügen den von der Rechtsprechung herausgebildeten Kriterien für ein medizinisches Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a); sie sind umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen die beklagten Beschwerden, sind in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden und leuchten in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ein. Sie würdigen die medizinische Gesamtsituation in hinreichender und schlüssiger Weise und stehen entgegen der Auffassung des Versicherten nicht im Widerspruch zu den Berichten des Spitals X.________, welches bereits ab 26. Februar 1996 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 % im angestammten Beruf attestierte. Insbesondere überzeugt die Schlussfolgerung, dass auf Grund einer Generalisierung die rheumatologischen Beschwerden gegenüber einer Persönlichkeitsstörung in den Hintergrund getreten sind, weshalb aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr besteht. Die Gutachten stehen auch nicht im Widerspruch zum Bericht der VEBO, in welchem festgehalten wurde, der Versicherte müsse als nicht vermittelbar bezeichnet werden, da dieser nicht die Frage nach der Zumutbarkeit einer Arbeit beantwortet und auch nicht beantworten kann; dies ist Sache des Arztes. Die VEBO hat denn auch selbst eine medizinische Begutachtung als notwendig erachtet. Ergänzender Abklärungen, wie sie der Beschwerdeführer beantragt, bedarf es daher nicht, da hievon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung, BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 II 469 Erw. 4a). Daran ändern auch die übrigen, zum Teil nach Verfügungserlass erstellten Arztberichte nichts. Die beiden knappen Berichte des med. pract. H.________ überzeugen medizinisch nicht, nachdem dieser zur Begründung der Arbeitsunfähigkeit angibt, er habe bisher nie den Eindruck erhalten, der Versicherte möchte nicht arbeitsfähig werden, und auf die Arbeitslosenversicherung verweist. Auch der knappe Bericht des Dr. med. L.________ vermag die ausführlich begründeten Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen, wie die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat. Schliesslich tragen die fast ein Jahr nach Verfügungserlass erstellten Berichte der Dres. med. B.________ und S.________ nichts weiter zur Feststellung des Sachverhaltes bei, wie er sich bis zum Verfügungserlass - Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 121 V 366 Erw. 1b) - verwirklicht hat. Soweit der Versicherte eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes für den Zeitraum nach Verfügungserlass geltend machen sollte, kann dies im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden, jedoch allenfalls einen Grund für ein Revisionsverfahren darstellen.