Citation: U 3/03 04.09.2003 E. 3

Streitig ist zur Haupsache der Anspruch auf Taggelder, Integritätsentschädigung sowie Invalidenrente und in dieser Hinsicht insbesondere, ob die geklagten psychischen Beschwerden adäquat kausale Unfallfolgen sind, was die Vorinstanz im Gegensatz zum Beschwerdeführer verneint. 3.1 Die Vorinstanz legte ihrem Entscheid bezüglich der somatischen Beschwerden das ihrerseits in Auftrag gegebene Gutachten des Dr. med. W.________, orthopädische Chirurgie FMH, vom 4. April 2002 zu Grunde, was der Beschwerdeführer bemängelt, da der Gerichtsgutachter insbesondere voreingenommen gewesen sei und seine Expertise auf unvollständigen Akten basiere. Zwar lagen ihm, wie der Versicherte vorbringt, die am Unfalltag erstellten Röntgenbilder der Lendenwirbelsäule (LWS) nicht vor. Dies vermag jedoch den Beweiswert des Gerichtsgutachtens nicht zu erschüttern, zumal die gestellte Diagnose einer Fraktur des obersten Lendenwirbelkörpers nicht strittig ist und ansonsten dem Gutachter sämtliche Unterlagen zur Verfügung standen, so auch die Berichte des erstbehandelnden Arztes, Dr. med. S.________, orthopädische Chirurgie FMH, vom 26. August 1997, sowie des Spitals Z.________ vom 26. September 1997, in welchem der Versicherte vom 26. August bis 18. September 1997 hospitalisiert war. Ebenfalls ins Leere geht der Einwand, zur weiteren Abklärung einer allfälligen Nervenwurzelreizung hätte ein MRI erstellt werden müssen. Dr. med. W.________ legt glaubhaft dar, dass keine hinreichenden Gründe für diesbezügliche weitere Untersuchungen bestehen, insbesondere da Dr. med. G.________, Facharzt FMH für Innere Medizin, spez. Rheumaerkrankungen, am 11. August 1999 anlässlich einer durch die Invalidenversicherung veranlassten medizinischen Abklärung durch die MEDAS ebenfalls keine nachweisbaren Hinweise für eine radikuläre Störung fand. Auch hinsichtlich der geklagten Hüftbeschwerden, welche Dr. med. W.________ nicht als unfallursächlich ansieht, ergibt sich in der gesamten medizinischen Aktenlage kein Anhaltspunkt für eine - nebst der festgestellten degenerativen Veränderung - unfallbedingte Schädigung derselben. Ebenso wenig ist seine Schätzung der Arbeitsfähigkeit (in Beurteilung des Bewegungsapparates) auf 60 % widersprüchlich zur Angabe des Rheumatologen Dr. med. G.________, welcher im Gegensatz zum Orthopäden Dr. med. W.________ bei der Angabe einer Restarbeitsfähigkeit von 35 % eine gesamthafte Einschätzung unter Einbezug der körperlichen und geistigen Voraussetzungen vornahm. Die weiter vorgebrachte Rüge, Dr. med. W.________ sei befangen, ist nach der für sachverständige Personen sinngemäss anwendbaren Rechtsprechung zur Unabhängigkeit und Unparteilichkeit des Richters (BGE 120 V 364 Erw. 3a; RKUV 1999 Nr. U 332 S. 193 mit Hinweisen) zu beurteilen. Demnach kann bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände namentlich nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Hinsicht als begründet erscheinen (BGE 120 V 365 Erw. 3a, 119 V 465 Erw. 5b, je mit Hinweisen). Auch wenn an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzulegen ist (BGE 123 V 176 Erw. 3d; AHI 1997 S. 306 Erw. 3d, je mit Hinweis), ergeben sich aus dem zur Diskussion stehenden Gutachten keine Anhaltspunkte, welche auf eine mangelnde Objektivität oder Voreingenommenheit des Experten schliessen liessen. Damit liegen insgesamt keine Gründe vor, welche die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen vermöchten (BGE 125 V 352 Erw. 3b/aa mit Hinweisen), womit von einer erneuten orthopädischen Begutachtung abzusehen ist. Somit kann in somatischer Hinsicht auf die von Dr. med. W.________ vorgenommene Schätzung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit abgestellt werden, welcher die unfallbedingte Einschränkung mit 20 % beziffert. Zwar schätzt er damit den Grad der Arbeitsunfähigkeit höher ein als der SUVA-Kreisarzt Dr. med. B.________, welcher anlässlich der Abschlussuntersuchung vom 24. September 1998 bei Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert, was insoweit nachvollziehbar ist, als Dr. med. W.________ von einer schwerwiegenderen Wirbelsäulenverformung ausgeht. 3.2 In Bezug auf das psychische Beschwerdebild liess die Vorinstanz die Frage der natürlichen Kausalität offen. Im Lichte der medizinischen Unterlagen erscheint es zwar naheliegend, dem Unfall teilursächliche Bedeutung für die psychiatrisch erfasste Pathologie beizumessen, was praxisgemäss für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen-hangs (BGE 121 V 329 Erw. 2a, 119 V 338 Erw. 1 in fine, 117 V 360 Erw. 4b) genügen würde. Im Gutachten der MEDAS vom 2. September 1999 wird denn auch ausgeführt, dass Persönlichkeitsveränderungen, welche sicher schon vor dem Unfall bestanden hätten, offensichtlich durch die Unfallfolgen in einer Weise akzentuiert worden seien, dass gemäss psychiatrischer Beurteilung eine berufliche Wiedereingliederung nicht mehr möglich sei. Der konsiliarisch beigezogene Psychiater und Psychotherapeut Dr. med. M.________ führt die geschätzte Arbeitsunfähigkeit auf den Unfallzeitpunkt zurück, die diagnostizierte infantile Persönlichkeitsstruktur mit dissozialem Verhalten (ICD F60.4) wird aber nicht direkt als unfallursächlich bezeichnet. Selbst wenn in Beachtung des Parteigutachtens des Dr. med. I.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1. Januar 2003, die natürliche Kausalität zu bejahen wäre, fehlt es an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs - wie sich aus den Erwägungen in Ziffer 3.4 ergibt - weshalb mit der Vorinstanz die Frage der natürlichen Kausalität letztlich offen gelassen werden kann (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 68 Erw. 3c). 3.3 Der Beschwerdeführer stellt Antrag auf Kostenübernahme des Parteigutachtens des Dr. med. I.________. Rechtsprechungsgemäss rechtfertigt es sich, die vom Versicherten veranlasste Untersuchung einer vom Versicherer angeordneten Begutachtung gleichzustellen und diesem gestützt auf Art. 57 UVV die entsprechenden Kosten aufzuerlegen, wenn sich der medizinische Sachverhalt erst aufgrund des vom Versicherten beigebrachten Untersuchungsergebnisses schlüssig feststellen lässt (RKUV 1994 Nr. U 182 S. 47). Die Kosten der im Beschwerdeverfahren eingereichten Privatgutachten sind der obsiegenden Partei zu ersetzen, wenn sie im Hinblick auf die Interessenwahrung erforderlich oder doch geboten waren (BGE 115 V 62). Mit SUVA und Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Expertise zur Entscheidfindung nichts beizutragen vermag, auch wenn diese den natürlichen Kausalzusammenhang im Gegensatz zum kantonalen Gericht eindeutig bejaht. Wie die SUVA in ihrer Stellungnahme vom 12. Februar 2003 richtig ausführt, hat sie zum einen das Vorliegen einer natürlichen Kausalität nie in Abrede gestellt, zum andern geht es letztlich um die rechtliche Beurteilung der Adäquanz der psychischen Beschwerden zum Unfallereignis, womit sich das Parteigutachen als nicht entscheidrelevant erweist und der Antrag um Kostenübernahme abzuweisen ist. 3.4 Die Beurteilung der adäquaten Kausalität hat nach der in BGE 115 V 133 entwickelten Rechtsprechung zu erfolgen (vgl. Erw. 2 hievor), weshalb eine Differenzierung zwischen den physischen und psychischen Komponenten im Rahmen der Prüfung der massgebenden unfallbezogenen Kriterien vorzunehmen ist (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). 3.4.1 Dem kantonalen Gericht ist darin beizupflichten, dass es sich beim 3-4 Meter tiefen Sturz vom Heuboden in das Futtertenn nicht um einen schweren Unfall handelt. Es traten zwar sofort Schmerzen im Rücken auf, jedoch ohne Ausstrahlung in die Beine, so dass der Beschwerdeführer wieder selbstständig aufstehen konnte. Erst nachdem im Verlauf die Schmerzen stark zunahmen, begab er sich in hausärztliche Pflege, worauf er notfallmässig ins Spital eingewiesen wurde. Aufgrund dieses Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen ging die Vorinstanz bei der Prüfung der adäquaten Kausalität richtigerweise von einem Unfallereignis im mittleren Bereich aus, welches innerhalb dieses Rahmens im Lichte der in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff. wiedergegebenen Rechtsprechung weder an der Grenze zu den leichten Unfällen eingeordnet werden kann, noch zu den schweren Fällen im mittleren Bereich zu zählen ist. Entgegen der Annahme des Beschwerdeführers ist dabei auch nicht sein subjektives Unfallerlebnis massgebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (BGE 115 V 139 Erw. 6, bestätigt in: BGE 124 V 44 Erw. 5c/aa). 3.4.2 Da ein mittelschwerer, nicht den Grenzbereich zu den schweren Ereignissen beschlagender Unfall vorliegt, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nur zu bejahen, falls ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden unfallbezogenen Kriterien (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit; BGE 115 V 140; 6c/aa) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Dieses Erfordernis ist im vorliegenden Fall nicht erfüllt, wie das kantonale Gericht in einlässlicher und sorgfältiger Würdigung der Sach- und Rechtslage, welche zu wiederholen sich erübrigt, richtig erkannt hat. 3.5 Die Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde rechtfertigen keine andere Betrachtungsweise. Bejaht werden kann nur das Vorliegen körperlicher Dauerschmerzen, auch kann dem Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden. Es liegt aber keine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung vor, die erlittenen Verletzungen waren nicht besonders schwer und insbesondere erfahrungsgemäss auch nicht geeignet, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Weder liegt eine ärztliche Fehlbehandlung vor, noch bestehen ein schwieriger Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen. Schliesslich sind auch Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit aufgrund der körperlichen Schädigung nicht von besonderem Ausmass, zumal Dr. med. W.________ die unfallbedingte Arbeitsfähigkeit auf 80 % schätzt und nach acht Monaten eine Arbeitsaufnahme im Umfang von 50 % als zumutbar erachtet wurde. Nach dem Gesagten haben Vorinstanz und SUVA zu Recht den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und der psychischen Beeinträchtigung verneint und diesen Gesundheitsschaden für die Bemessung der hier streitigen Ansprüche des Versicherten unberücksichtigt gelassen.