Citation: 5P.155/2006 27.07.2006 E. 1

1.1 Wird ein kantonales Urteil gleichzeitig mit staatsrechtlicher Beschwerde und mit Berufung angefochten, wird in der Regel der Entscheid über Letztere bis zur Erledigung der staatsrechtlichen Beschwerde ausgesetzt (Art. 57 Abs. 5 OG). Vorliegend bestehen keine Gründe, von dieser Praxis abzuweichen. 1.2 Die staatsrechtliche Beschwerde und die Berufung sind identisch. Unter diesen Umständen ist nach der Rechtsprechung besonders sorgfältig zu prüfen, ob die beiden Rechtsmittel den jeweiligen Begründungsanforderungen entsprechen (BGE 116 II 745 E. 2b S. 748). 1.3 Von hier nicht zutreffenden Ausnahmen abgesehen, bei denen die verfassungsmässige Ordnung nicht schon durch Aufhebung des angefochtenen Entscheids oder Erlasses wieder hergestellt werden kann, ist die staatsrechtliche Beschwerde rein kassatorischer Natur (BGE 124 I 327 E. 4a S. 332; 118 Ia 64 E. 1e, je mit Hinweisen). Die Anträge 2 und 3, der Vormundschaftsbehörde Anweisungen zu geben, sind somit unzulässig. Der Antrag 4, ein unbeschränktes Besuchsrecht für die Beschwerdeführerin anzuordnen, ist bereits mit der Präsidialverfügung vom 28. April 2006 abgewiesen worden. 1.4 Auf die Anträge 6 und 7 betreffend die Anhörung des Vaters des Kindes und der Beschwerdeführerin vor Bundesgericht kann nicht eingetreten werden, denn der Anhörungsanspruch beschränkt sich auf schriftliche Stellungnahmen und gewährleistet grundsätzlich keinen Anspruch auf ein mündliches Gespräch (vgl. BGE 122 II 464 E. 4c S. 469; Jörg Paul Müller, Grundrechte in der Schweiz, 3. Aufl., S. 524-525). 1.5 Ebenfalls nicht eingetreten werden kann auf den Antrag 8 mit Bezug auf eine mündliche Verhandlung. Art. 30 Abs. 3 BV räumt dem Betroffenen kein Recht auf eine öffentliche Verhandlung ein, sondern er beschränkt sich darauf zu gewährleisten, dass, sofern eine Verhandlung abgehalten wird, diese öffentlich ist, es sei denn, das Gesetz sehe eine Ausnahme vor. Nach wie vor besteht ein Anspruch als solcher auf eine öffentliche (mündliche) Verhandlung nur in den Fällen von Art. 6 Ziff. 1 EMRK oder sofern das anwendbare Verfahrensrecht dies vorsieht oder wenn sich eine solche aus beweisrechtlichen Überlegungen als notwendig erweist (BGE 128 I 288 E. 2.6 S. 293).