Citation: U 442/06 17.09.2007 E. 3

3.1 Am Tag nach dem Unfall begab sich der Beschwerdeführer zum Arzt, welcher ein HWS-Schleudertrauma mit Kopfschmerz und eingeschränkter HWS-Beweglichkeit diagnostizierte und den voraussichtlichen Arbeitsbeginn auf 28. Mai 2001 datierte (Arztzeugnis UVG vom 18. Juli 2001). Am 9. April 2002 meldete die Arbeitgeberin des Versicherten einen Rückfall, dies nachdem in der Praxisklinik Y.________/BRD eine Fehlhaltung der HWS und eine HWS-Distorsion festgestellt worden waren (Bericht vom 7. Januar 2002). Eine erste kreisärztliche Untersuchung vom 12. Juli 2002 zeigte ein eher mildes Zervikalsyndrom mit Besserungstendenz, wobei allenfalls eine leichte linksrotatorische Blockade bestehe. Das Vorliegen eines leichten rechtsbetonten Zervikalsyndroms wurde anlässlich der Untersuchung vom 12. November 2002 bestätigt (Berichte vom 15. Juli und 13. November 2002). Nach einem stationären Aufenthalt in der Rehaklinik Z.________ vom 9. April bis 21. Mai 2003 wurde im Austrittsbericht vom 11. Juni 2003 neben dem Status nach HWS-Distorsionstrauma eine reaktive depressive Störung erwähnt. Die neurologische Nachkontrolle im April 2004 ergab praktisch durchwegs normale Resultate. Im Bericht vom 2. April 2004 wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen nicht gegeben sei. Eine mittelgradige depressive Episode wurde auch im von der Invalidenversicherung eingeholten psychiatrischen Gutachten vom 17. Juni 2004 diagnostiziert. Seit der Kündigung des Arbeitsvertrages bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Die depressive Episode - so der Facharzt - sei zwar durch die Unfallfolgen ausgelöst worden, jedoch nur auf dem Boden einer frühkindlichen Mangelerfahrung erklärbar. Anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 23. Juni 2004 schliesslich wurden ein leichtes Zervikalsyndrom rechtsbetont sowie eine Depression diagnostiziert. Der Kreisarzt wies darauf hin, dass im Untersuchungszeitpunkt die erheblichen psychischen Probleme im Sinne einer Depression im Vordergrund stünden. Von Seiten der HWS-Problematik liege nach wie vor ein leichtes Zervikalsyndrom vor. Aufgrund der organischen Unfallrestfolgen wären dem Versicherten - so der Kreisarzt - alle durchschnittlichen wechselbelastenden Männerarbeiten zumutbar mit Ausnahme von repetitiven Überkopfarbeiten sowie von repetitivem Heben oder Tragen von Lasten über 20 kg. 3.2 Die Vorinstanz und die SUVA gehen aufgrund der dargelegten Berichte davon aus, dass der Beschwerdeführer im massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids an einem Zervikalsyndrom und an psychischen Beschwerden litt. Wenn das kantonale Gericht festhält, die Unfallversicherung habe das Vorliegen organischer Unfallfolgen verneint, trifft das so nicht zu. Vielmehr hat die SUVA in der Verfügung vom 1. Juli 2004 und im Einspracheentscheid vom 18. August 2005 festgehalten, der Beschwerdeführer leide noch an einem leichten Zervikalsyndrom, weshalb ihm gewisse Arbeiten nicht mehr möglich seien, und hat ihm eine Integritätsentschädigung zugesprochen. Für eine allfällige weitere Behandlung der organischen Unfallfolgen hielt sie denn auch das Rückfallrecht vor. Der organische Restbefund genüge indessen - so die Unfallversicherung - nicht für über den 30. Juni 2004 hinausgehende Leistungen, insbesondere nicht für Rentenleistungen. Was die psychischen Beschwerden anbelangt, verneinte die SUVA den adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall. Das kantonale Gericht qualifizierte die psychischen Beschwerden als selbstständige sekundäre Gesundheitsschädigung und kam in Anwendung der Rechtsprechung für psychische Unfallfolgen gemäss BGE 115 V 133 ebenfalls zum Schluss, dass der adäquate Kausalzusammenhang mit dem Unfall nicht gegeben sei. Der Beschwerdeführer demgegenüber macht geltend, er habe ein Schleudertrauma mit dem dazugehörenden typischen bunten Beschwerdebild erlitten, weshalb gemäss BGE 117 V 359 keine Differenzierung zwischen somatischen und psychischen Beschwerden vorzunehmen und der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen sei. 3.3 Aus den Akten ersichtlich und unbestritten ist, dass der Versicherte anlässlich des Unfalls vom 17. Mai 2001 eine HWS-Distorsion erlitten hat. Die daraus resultierenden somatischen Beschwerden waren gemäss den in Erwägung 3.1 erwähnten medizinischen Berichten bescheiden und erschöpften sich im Wesentlichen in einem Zervikalsyndrom. Dieses führte zu zeitweiser Arbeitsunfähigkeit unterschiedlichen Ausmasses und hatte zur Folge, dass dem Beschwerdeführer gewisse Arbeiten, u.a. die bisherige Tätigkeit als Chemikant, nicht mehr möglich waren. Mit der Vorinstanz ist jedoch davon auszugehen, dass nur ein Teil des für die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis vorausgesetzten bunten Beschwerdebildes vorhanden war. Psychische Beschwerden in Form einer reaktiven depressiven Störung wurden erstmals im Austrittsbericht der Rehaklinik Z.________ vom 11. Juni 2003, mithin über zwei Jahre nach dem Unfallereignis und nach Verlust der Arbeitsstelle per Ende April 2003 erwähnt. Entsprechend attestierte der von der Invalidenversicherung beigezogene Dr. med. G.________ dem Versicherten im Gutachten vom 17. Juni 2004 aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit der Kündigung des Arbeitsvertrages. Wohl erwähnte er, die depressive Episode sei durch die Unfallfolgen ausgelöst worden, doch hielt er sie nur auf dem Boden einer frühkindlicher Mangelerfahrung erklärbar, die es dem Versicherten verunmögliche, mit den seit dem Unfall bestehenden leichten körperlichen Beschwerden adäquat umzugehen. 3.4 Dem Beschwerdeführer ist darin beizupflichten, dass die psychischen Gesundheitsstörungen nicht unmittelbar nach dem Unfallereignis aufgetreten sind und die somatischen Beschwerden in den Hintergrund treten liessen. Hingegen kann - wie das kantonale Gericht zutreffend erkannt hat - in Anbetracht der medizinischen Aktenlage nicht von einer mit dem somatisch-psychischen Beschwerdebild nach HWS-Distorsion im Regelfall eng verflochtenen Entwicklung die Rede sein. Vielmehr ist die psychische Problematik als selbstständige Erkrankung zu qualifizieren, für welche das Unfallgeschehen und seine Folgen wohl ein Auslöser bildeten, die jedoch weitgehend unfallfremde psychosoziale Ursachen hat. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass sich die aktuelle Ausprägung des Leidens auch nach einem Unfall mit anders gearteter Verletzung in gleicher Weise hätte einstellen können (vgl. Urteil U 5/06 vom 23. Mai 2006, E. 3.2.2 mit Hinweisen). Würden psychische Beschwerden, die im Anschluss an einen Unfall mit Distorsionsverletzung der HWS auftreten, ungeachtet ihrer Pathogenese stets nach den Kriterien gemäss BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 f. auf ihre Adäquanz hin überprüft, bestünde, wie bereits dargelegt (E. 2.2 hievor in fine), die Gefahr, identische natürlich kausale psychische Unfallfolgen adäquanzrechtlich, je nachdem, unterschiedlich zu beurteilen, ob beim Unfall zusätzlich eine Distorsionsverletzung der HWS (oder ein äquivalenter Verletzungsmechanismus) auftrat oder nicht, was nicht angeht. Liegt nach dem Gesagten keine mit der HWS-Distorsion in engem Zusammenhang stehende psychische Problematik, sondern eine selbstständige sekundäre Gesundheitsschädigung vor, ist die Adäquanzbeurteilung auch dann nach BGE 115 V 133 ff. vorzunehmen, wenn das psychische Beschwerdebild die körperlichen Beschwerden nicht eindeutig in den Hintergrund gedrängt hat (Urteil U 5/06 vom 23. Mai 2006, E. 3.2.2 mit Hinweisen).