Citation: 6B_1002/2017 E. 2.6.3

2.6.3. Soweit die Beschwerdeführerinnen bemängeln, die Glaubhaftigkeitsgutachten seien ohne begründeten Anlass und bereits zwei Monate nach Eröffnung der Strafuntersuchungen in Auftrag gegeben worden, bleibt unklar, worauf ihre Rüge abzielt. Dies kann jedoch offenbleiben, da der Einwand unbegründet ist. Nach der Rechtsprechung drängt sich der Beizug eines Sachverständigen für die Prüfung der Aussagen nur bei besonderen Umständen auf. Dies ist etwa der Fall, wenn bruchstückhafte oder schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkinds zu beurteilen sind, bei ernsthaften Anzeichen geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit des Zeugen beeinträchtigen könnten, oder wenn konkrete Anhaltspunkte für eine Beeinflussung durch Drittpersonen bestehen (vgl. BGE 129 IV 179 E. 2.4 S. 184; Urteile 6B_23/2017 vom 14. November 2017 E. 1.2; 6B_113/2017 vom 26. September 2017 E. 1.2; 6B_79/2014 vom 16. Oktober 2014 E. 1.3; je mit Hinweisen). Dem Gericht steht bei der Frage, ob aufgrund der konkreten Umstände eine Begutachtung notwendig ist oder nicht, ein Ermessensspielraum zu (Urteile 6B_23/2017 vom 14. November 2017 E. 1.2; 6B_653/2016 vom 19. Januar 2017 E. 3.2; 6B_1294/2015 vom 18. Mai 2016 E. 5.1; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz legt nachvollziehbar und überzeugend dar, dass aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerinnen und deren Mutter Anlass zur Einholung von Glaubhaftigkeitsgutachten bestanden habe. So hätten die Beschwerdeführerinnen die Übergriffe wenig detailliert, sehr knapp, teilweise widersprüchlich und nicht lebensnah geschildert, was auf einen nicht realen Erlebnishintergrund habe schliessen lassen. Auch hätten die Beschwerdeführerinnen keine individuell geprägten Schilderungen der Übergriffe vorgebracht, sondern insgesamt sehr ähnliche Vorfälle ohne grosse Detaildichte, die sie von den unabhängig agierenden Beschwerdegegnern 2-4 innerhalb grösserer Zeiträume erlebt haben wollten. Ferner habe die Mutter der Beschwerdeführerinnen im Zusammenhang mit den erhobenen Vorwürfen angegeben, seit gut einem Jahr mit den Beschwerdeführerinnen über "so Sachen" zu sprechen. B.A.________ habe ausgesagt, dass sie manchmal mit ihren Geschwistern darüber spreche, meistens jedoch mit der Mama (Entscheid S. 8). Die Beschwerdeführerinnen setzen sich mit dieser vorinstanzlichen Feststellung mit keinem Wort auseinander und zeigen insbesondere nicht auf, dass sie willkürlich ist. Aufgrund der dargelegten Aussagen der Beschwerdeführerinnen und deren Mutter lagen zumindest Anhaltspunkte für eine Beeinflussung der Beschwerdeführerinnen durch ihre Mutter oder ihre Schwestern vor. Kommt hinzu, dass D.A.________ bei ihrer Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft erst zwei Jahre und neun Monate alt war und ihre Aussagen entsprechend eher karg sowie wenig spontan ausfielen. Insgesamt überschritt die Beschwerdegegnerin 1 ihr Ermessen nicht, indem sie angesichts der Aussagen der Beschwerdeführerinnen und deren Mutter Glaubhaftigkeitsgutachten als notwendig erachtete. Daran ändert auch nichts, wenn die Vorinstanz entgegen dem von den Beschwerdeführerinnen zugezogenen Facharzt davon ausgeht, nach dem Einführen einer Gabelzinke oder eines Schaufel- beziehungsweise Besenstiels seien bei einem zwei- bis dreijährigen Kleinkind massive Verletzungen zu erwarten gewesen, die wohl nicht hätten unentdeckt bleiben können. Weshalb die Beschwerdegegnerin 1 die Gutachten zu früh eingeholt haben soll, ist nicht ersichtlich. Als sie die Gutachten in Auftrag gab, lagen die Aussagen der Beschwerdeführerinnen vor und es bestanden wie dargelegt auch Anhaltspunkte dafür, dass diese beeinflusst wurden. Da es bei Glaubhaftigkeitsgutachten darum geht, die Aussagetüchtigkeit der betroffenen Person und die Glaubhaftigkeit deren Aussagen zu beurteilen, ist nicht nachvollziehbar, weshalb mit deren Einholung bis nach der Einvernahme weiterer Zeugen und der Auswertung von DNA-Material hätte zugewartet werden sollen. Angesichts der Dauer, die normalerweise für die Ausfertigung dieser Gutachten benötigt wird, war es im Hinblick auf das Beschleunigungsgebot vielmehr angebracht, die Gutachten zeitnah in Auftrag zu geben.