Citation: U 508/06 14.03.2008 E. 6

In BGE U 394/06 vom 19. Februar 2008 hat sich das Bundesgericht auch kritisch mit dem verschiedentlich erhobenen Einwand auseinandergesetzt, mit der Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhanges bei organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden müsse bis zur Beendigung des normalen, unfallbedingten Heilungsprozesses zugewartet werden. Es hat erkannt, dass nicht danach zu fragen ist, in welchem Zeitpunkt die Adäquanzprüfung vorzunehmen ist, sondern wann der Unfallversicherer den Fall (unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung) abzuschliessen hat (erwähntes Urteil, E. 3.2). Dies hat gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Zeitpunkt zu geschehen, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Das Bundesgericht hat klargestellt, der Fallabschluss dürfe nicht mit der Begründung, der adäquate Kausalzusammenhang könne noch nicht geprüft werden, über diesen Zeitpunkt hinausgezögert werden (erwähntes Urteil, E. 3 und 4). Aus dem Gesagten erhellt, dass der von der Allianz auf den 31. Januar 2005 verfügte folgenlose Fallabschluss nicht mit der Begründung der verfrühten Adäquanzprüfung für unrechtmässig erklärt werden kann. Die Rechtmässigkeit des Fallabschlusses beurteilt sich, da keine Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung zur Diskussion stehen, danach, ob von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung ab 1. Februar 2005 noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden konnte. Die Allianz bestreitet dies. 6.1 Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG zu verstehen ist, hat das Bundesgericht in BGE U 394/06 vom 19. Februar 2008 näher umschrieben. Danach bestimmt sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, wobei die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (besagtes Urteil, E. 4.3 mit Hinweisen). 6.2 Soweit aus ärztlicher Sicht teilweise gegenteilige Auffassungen vertreten wurden, spricht das im Januar 2005 gezeigte Heilbehandlungsresultat gegen eine noch erzielbare namhafte Besserung des Gesundheitszustandes. Litt der Beschwerdegegner unmittelbar nach dem Unfall nicht nur an einer leicht schmerzhaften Bewegungseinschränkung der HWS, sondern auch an leichten Kopfschmerzen, so beschränkte sich der Gesundheitsschaden ab Juni 2004 im Wesentlichen auf eine "Beschwerdepersistenz im Nacken rechts, vor allem in der Rechtsrotation" (Bericht des Dr. med. S.________ vom 8. Dezember 2004). Von Ende Januar 2004 bis gegen Ende Mai 2004 bedurften die geklagten Beeinträchtigungen weder ärztlicher noch manualtherapeutischer Behandlung, ohne dass es in diesem Zeitraum jemals zu unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit kam. Die Physiotherapieverordnung des Hausarztes vom 18. Juni 2004 erfolgte zum Zwecke einer Verbesserung der Gelenks- und Muskelfunktion sowie einer Ergonomieinstruktion. Der Versicherte begab sich jedoch erst ab 12. August 2004 in die verordnete physiotherapeutische Behandlung. 18 Therapie-Sitzungen und sechs Hausarztkonsultationen zwischen Juni und Dezember 2004 vermochten nach Angaben des Dr. med. S.________ nur eine geringe Schmerzreduktion zu bewirken, weshalb er bei unverändertem Beschwerdebild ab Dezember 2004 eine chiropraktische Behandlung veranlasste, welche laut Angaben des Chiropraktors vom 20. Januar 2005 kaum eine Wirkung zeitigte. Trotz der nach Leistungseinstellung per 1. Februar 2005 fortgesetzten Chirotherapie (zuletzt alle zwei Monate) und zusätzlicher Heilgymnastik beschrieb der Hausarzt die vom Versicherten mehr als neun Monate nach der Terminierung weiterhin geklagten Beschwerden am 8. November 2005 dahingehend, dass nach wie vor noch immer dieselben "bewegungsabhängigen HWS-Schmerzen, insbesondere bei der Kopfdrehung nach rechts" bestünden. War demnach von einer Fortsetzung der Heilbehandlung ab 1. Februar 2005 keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten und lagen - entgegen der Argumentation des Beschwerdegegners im vorinstanzlichen Verfahren - keine unfallbedingten, organisch (hinreichend) erklärbaren Gesundheitsschäden vor, erfolgte die von der Allianz vorgenommene Adäquanzprüfung unter den gegebenen Umständen nicht zu früh. 6.3 War nach dem Gesagten das im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG endgültige Heilbehandlungsergebnis per 31. Januar 2005 erreicht worden, ist der strittige Einspracheentscheid vom 13. Januar 2006 insoweit nicht zu beanstanden, als die Allianz damit die Einstellung der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) per 31. Januar 2005 bestätigt hat. 6.4 Soweit das kantonale Gericht einen Anspruch auf weitere Unfallversicherungsleistungen über den 1. Februar 2005 hinaus bejahte, ist der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie über die materielle Richtigkeit des Einspracheentscheides vom 13. Januar 2006 hinsichtlich eines allfälligen Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung befinde. Die Parteien können im kantonalen Verfahren ihre diesbezüglichen Standpunkte ergänzend erläutern, sofern sie sich dazu aufgrund der mit BGE U 394/06 vom 19. Februar 2008 präzisierten bundesgerichtlichen Praxis veranlasst sehen. Sollte das kantonale Gericht hienach die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen einem allenfalls über den 1. Februar 2005 hinaus dauerhaft verbleibenden Gesundheitsschaden und dem Unfall vom 27. Januar 2004 bejahen, hat es die Sache zur Festlegung der weiteren Leistungen an die Allianz zurückzuweisen.