Citation: 1P.549/2001 11.01.2002 E. 4

Im hier zu beurteilenden Fall käme einer allfälligen Beweisaussage des Kindes keine entscheiderhebliche Wirkung zu. Selbst wenn das Kind die Aussagen seines Vaters sinngemäss bestätigen könnte, erschiene die Auffassung der kantonalen Instanzen, dass dies am Beweisergebnis nichts Wesentliches ändern würde, nicht geradezu unhaltbar. 4.1 Zunächst liegt der streitige Vorfall bereits 1 1/2 Jahre zurück. Dass sich ein achtjähriges Kind an derart lange zurückliegenden Ereignisse noch mit ausreichender Genauigkeit erinnern könnte, muss als fraglich bezeichnet werden. Ausserdem liegt die Gefahr der Beeinflussung durch Bezugspersonen auf der Hand. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes kann die Meinungsbildung eines Kindes im Vorschulalter sogar durch "die unausgesprochene Erwartungshaltung" seines sozialen Umfeldes beeinflusst werden (vgl. BGE 124 III 90 E. 3c S. 93 in fine; BGHStr, NJW 52 [1999] 2747 f.). Dem gesetzlichen Vertreter (Vater) des Kindes geht es denn laut Beschwerdeschrift auch in erster Linie um den Nachweis, dass das Kind die Sachverhaltsdarstellung des Vaters bestätige und damit glaubhafter erscheinen lasse. Sodann ist zu berücksichtigen, dass das Kind im Zeitpunkt des streitigen Vorfalls erst 6 1/2 Jahre alt und damit noch im Vorschulalter war (vgl. BGE 124 III 90 E. 3c S. 93 f.). 4.2 Im Weiteren erscheint die Darstellung des Vaters (ungeachtet der möglichen Aussage seines Kindes) bereits aufgrund der übrigen Beweisergebnisse als nicht sehr glaubwürdig. Die kantonalen Instanzen weisen darauf hin, dass der Vater einerseits zu Protokoll gegeben habe, das Kind sei nach dem streitigen Vorfall vom 16. Mai 2000 (ca. 21.00 Uhr) "voller Blut" gewesen, und eine "Blutspur" habe "vom Spielplatz bis zum Veloraum und von dort bis zur Hausnummer 9" geführt. Anderseits habe der Vater das Kind erst zwei Tage später (am 18. Mai 2000) ärztlich untersuchen lassen. Der Arzt habe ausser geringen Blutresten in der Nase des Kindes keine Verletzungen feststellen können. In der Strafklage vom 7. Juli 2000 habe der Vater ausserdem vorbringen lassen, sein Sohn sei "klarerweise" nicht am Erdbeerdiebstahl beteiligt gewesen, der zur (angeblichen) "brutalen" Auseinandersetzung mit dem privaten Beschwerdegegner Anlass gegeben habe. Bei der untersuchungsrichterlichen Befragung vom 18. Oktober 2000 habe der Vater hingegen eingeräumt, dass sein Sohn Erdbeeren vom Feld des privaten Beschwerdegegners weggenommen habe. Widersprüchliche Angaben habe der Vater auch zum Ort der behaupteten tätlichen Auseinandersetzung gemacht. Angesichts der vorliegenden Akten ist in diesen Erwägungen keine Willkür ersichtlich. 4.3 Schliesslich ist auch noch darauf hinzuweisen, dass es sich im vorliegenden Fall nicht um eine schwerwiegende Strafsache handelt. Laut Beschwerdeschrift habe der private Beschwerdegegner das Kind am 16. Mai 2000 (im Rahmen von Retorsionsmassnahmen gegen mutmassliche "Erdbeerdiebe") mehrmals auf den Kopf geschlagen. Gemäss Arztzeugnis vom 18. Mai 2000 seien in den Nasenöffnungen des Kindes "geringe Reste von Blutkrusten" festzustellen gewesen. Ausserdem habe es unter Schlafschwierigkeiten bzw. Angstträumen gelitten. 4.4 Im hier zu beurteilenden Fall läge eine persönliche Befragung des Kindes weder in dessen wohlverstandenem Interesse, noch drängt sie sich im Interesse der Strafverfolgung bzw. der Wahrnehmung schutzwürdiger Parteirechte auf. Der heute acht Jahre alte Beschwerdeführer wurde als Privatkläger im Strafverfahren durch zwei erwachsene Personen wirksam vertreten, nämlich durch seinen Vater und dessen Anwalt. Der Strafrichter durfte in willkürfreier antizipierter Beweiswürdigung davon ausgehen, dass eine Befragung des Kindes am ermittelten Beweisergebnis nichts Entscheidendes mehr zu ändern vermöchte. Eine Verletzung des anwendbaren kantonalen Verfahrensrechtes wird vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht. Bei dieser Sachlage hält der Verzicht auf weitere Beweisvorkehren bzw. auf persönliche Anhörung des Beschwerdeführers sowohl vor Art. 29 Abs. 2 BV als auch vor Art. 12 der UNO-Kinderrechtskonvention stand.