Citation: 9C_129/2019 E. 6.3

6.3. Die Beweislast dafür, dass im Rahmen der Ermittlung des Valideneinkommens die Regel der Anknüpfung an den zuletzt erzielten Verdienst (vgl. dazu BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30; 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2009 IV Nr. 28 S. 79, 8C_576/2008 E. 6.2; Urteil 9C_63/2018 vom 9. November 2018 E. 4.4.2) im konkreten Fall nicht greift, trifft die Verwaltung, wenn sich wie im vorliegenden Fall ein Abweichen zu Ungunsten der versicherten Person (tieferes Valideneinkommen) auswirkt (Art. 8 ZGB; Urteil 9C_818/2018 vom 5. April 2019 E. 4.2.1 e contrario). Dabei gilt es zu beachten, dass die blosse Familiengründung (wie bei der Statusfrage, wo sie für sich allein noch keinen Revisionsgrund darstellt, vgl. Urteil 9C_497/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.1) wohl Anlass für weitere Abklärungen bietet, für sich allein indessen den Beweis eines tieferen Valideneinkommens nicht zu erbringen vermag. Einigkeit besteht darüber, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall bis zur Geburt ihrer Tochter weiterhin bei der X.________ AG tätig geblieben wäre. Das kantonale Gericht ging weiter davon aus, die karriereorientierte und ehrgeizige Beschwerdeführerin würde auch danach als Mutter einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehen; entsprechend bestätigte es deren Status als Vollerwerbstätige. Beweispflichtig für die Annahme, die Beschwerdeführerin würde diese volle Erwerbstätigkeit nach der Geburt der Tochter überwiegend wahrscheinlich nicht mehr in angestammter Tätigkeit ausüben, ist die IV-Stelle. Entgegen den Erwägungen im angefochtenen Entscheid gelingt dieser Beweis nicht mit dem abstrakten Hinweis, das hohe Arbeitspensum sei nur schwerlich mit der Aufgabe einer alleinerziehenden Mutter zu vereinbaren. Dies umso weniger, als die Vorinstanz zugleich einräumt, in zahlreichen Beispielen würde diese Doppelbelastung durchaus funktionieren. Dass es sich im vorliegenden Fall gerade anders verhalten soll, ist eine blosse Annahme, welche nicht wahrscheinlicher ist als die gegenteilige Darstellung der Beschwerdeführerin: Diese beteuert seit jeher sie hätte im Gesundheitsfall ihr Arbeitspensum selbst als Mutter nicht reduziert. Insbesondere hatte sie sich bereits am 14. April 2016 gegenüber der zuständigen Abklärungsperson der IV-Stelle dahingehend geäussert und dabei auf gute Betreuungsmöglichkeiten (Krippe, Verwandtschaft, Kindsvater), ein gutes soziales Netzwerk sowie die Möglichkeit von Home Office hingewiesen. Konkrete Gründe, im vorliegenden Fall an den konsistenten Ausführungen der Beschwerdeführerin zu zweifeln, sind nicht ersichtlich (vgl. diesbezüglich auch das Urteil 9C_311/2013 vom 12. November 2013 E. 6.1). Auch die Abklärungsperson räumte (zumindest vorerst) ein, sie könne die Angaben mit Blick auf die Erwerbsbiographie und die finanziellen Möglichkeiten zur Sicherstellung einer Kinderbetreuung nachvollziehen. Insoweit sie sich im Ergebnis dann doch gegenteilig äusserte, ist dieser Schluss weder begründet noch mit Blick auf ihre diametral entgegenstehenden vorherigen (begründeten) Ausführungen nachvollziehbar. Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass weder die eine Möglichkeit (die Beschwerdeführerin würde auch als alleinerziehende Mutter weiterhin in der Kaderposition bei der X.________ AG arbeiten) noch die andere (sie würde unter diesen Umständen zwar weiterhin als Vollerwerbstätige arbeiten, allerdings in einem kleineren Stundenpensum an anderer Stätte) wahrscheinlicher erscheint. Die Folgen dieser Beweislosigkeit hat die in casu beweisbelastete IV-Stelle zu tragen, weshalb zu Gunsten der Beschwerdeführerin davon auszugehen ist, dass sie im Gesundheitsfall auch ab April 2013 in ihrer angestammten Tätigkeit weitergearbeitet hätte. Ein separater Einkommensvergleich (vgl. dazu E. 5.3 hievor) für diesen Zeitraum erübrigt sich.