Citation: U 171/00 07.12.2001 E. 3

3.- a) Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG). Danach hat das Gericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialversicherungsrichter alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 f. Erw. 1c, je mit Hinweisen). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die SUVA und durch UVG-Privatversicherer eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb mit Hinweisen). Bei Parteigutachten rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (BGE 125 V 353 Erw. 3b/dd mit Hinweis). Auch eine solche Expertise enthält Äusserungen eines Sachverständigen, welche zur Feststellung eines medizinischen Sachverhalts beweismässig beitragen können. Daraus folgt indessen nicht, dass eine solche Expertise den gleichen Rang besitzt wie ein vom Gericht oder von der Verwaltung im Rahmen des Abklärungsverfahrens eingeholtes Gutachten. Es verpflichtet indessen - wie jede substanziiert vorgetragene Einwendung gegen ein solches Gutachten - den Richter, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend, zu prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder von der Verwaltung förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (vgl. BGE 125 V 351). b) Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Ablehnung der Leistungspflicht für die Zeit ab 21. März 1995 auf die Aktengutachten und Stellungnahmen ihres Vertrauensarztes Dr. med. K.________; dieser geht wie bereits dargelegt (Erw. 2a) von einer degenerativen Genese der medialen Kompartimentsarthrose aus, welche ihrerseits zur valgisierenden Tibiakopfosteotomie Anlass gegeben hat, und betrachtet die Meniskusläsion nicht als Ursache, sondern vielmehr als Folge dieser Gonarthrose. Seine Schlussfolgerungen sind zwar ausführlich begründet, überzeugen jedoch insofern nicht, als ihnen die Annahme eines krankhaften Vorzustandes (Varusfehlstellung des rechten Knies und Lateralisationstendenz der Patella) zugrunde liegt, welcher indes, wie Dr. med. D.________ bemerkt, für die Zeit vor dem 7. August 1992 nicht ausgewiesen ist. Zum einen liegen für die Zeit vor dem Unfall gar keine medizinischen Unterlagen vor. Zum andern wird erstmals im Krankengeschichte-Eintrag des Dr. med. Y.________ vom 14. Juli 1993 mit Bezug auf das Röntgenbild vom 16. Februar 1993 lediglich auf einen verschmälerten Gelenkspalt im lateralen Patellagleitlager beidseits hingewiesen und eine leichte Varusachse erstmals im Bericht vom 20. Dezember 1994 mit Hinweis auf ein Röntgenbild vom 19. Dezember 1994 erwähnt, wogegen am 18. Februar 1993 noch über unauffällige ossäre Verhältnisse berichtet wurde; auch die Lateralisationstendenz der Patella wird erstmals am 18. Februar 1993 beschrieben, mit dem Zusatz "erstaunlicherweise mehr links als rechts" und im Arthroskopiebericht vom 16. Januar 1995 wird sogar erwähnt, die Patella sei gut zentriert. Schliesslich erwähnt Dr. med. D.________ sogar ein Röntgenbild vom 23. September 1992, auf welchem normale Verhältnisse vorliegen; dieses hat jedoch in den Ausführungen des Dr. med. K.________ offenbar keinen Niederschlag gefunden. Dies wirft die Frage auf, ob das Vorbestehen und damit auch der Nachweis der Varusfehlstellung für die Beurteilung der Entwicklung der Gonarthrose und damit der Kausalität der beklagten Beschwerden überhaupt massgebend ist oder ob vielmehr bereits auf Grund der übrigen von Dr. med. K.________ aufgeführten Umstände (Risslokalisation am Hinterhorn des Meniskus, Ausfaserung als typische Art eines degenerativen Risses, volle Arbeitsfähigkeit der Versicherten während zweieinhalb Jahren sowie deren Alter und Gewicht) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer degenerativen Entwicklung der Gonarthrose ausgegangen werden muss. Wie es sich damit verhält, lässt sich auf Grund der Akten indes nicht schlüssig beurteilen. Zum einen ist es in erster Linie Sache der Ärzte, sich zum Gesundheitszustand der Versicherten und zu den medizinischen Ursache-Wirkung-Zusammenhängen zu äussern, zum andern sind sich Dr. med. K.________ und Dr. med. D.________ gerade in der grundsätzlichen Frage der Entwicklung von Gonarthrosen, insbesondere im Zusammenhang mit Meniskusläsionen, nicht einig. Im übrigen ergibt sich aus den Ausführungen des Dr. med. K.________ auch nicht, ob er fälschlicherweise von einer nachgewiesenen Varusfehlstellung ausgeht oder vielmehr auf Grund der Befunde nach dem Unfall schliesst, ein solcher Vorzustand habe bestehen müssen (etwa weil sich eine Varusfehlstellung nicht in der Zeit vom Unfall bis zur erstmaligen Feststellung entwickeln konnte). Es lässt sich deshalb die Kausalität und damit die Leistungspflicht des Unfallversicherers für die Zeit ab dem 21. März 1995, entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung, nicht zuverlässig beurteilen, namentlich nicht in Bezug auf die entscheidende Frage nach dem Erreichen des Status quo sine in grundsätzlicher und zeitlicher Hinsicht (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3a mit Hinweis). Die Sache ist daher zur Klärung der offenen Fragen nach dem Vorzustand und dem Erreichen des Status quo an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die erforderlichen Abklärungen unter vollständiger Berücksichtigung der medizinischen Unterlagen nachhole und über den Leistungsanspruch neu verfüge.