Citation: I 566/02 24.04.2003 E. 4

4.1 Bei der Invalidenversicherung handelt es sich im Wesentlichen um eine so genannte finale Versicherung. Das bedeutet, dass sie das Risiko der Invalidität unabhängig vom Vorliegen eines bestimmten versicherten Ereignisses wie Krankheit oder Unfall deckt (BGE 120 V 102 f. Erw. 4c/d mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Zürich 1997, S. 14 f.), währenddem im - kausalen - System der obligatorischen Unfallversicherung nur insoweit eine leistungsbegründende Invalidität besteht, als der zugrunde liegende Gesundheitsschaden durch eines der versicherten Ereignisse gemäss Art. 6 UVG (mit-)verursacht ist (vgl. Art. 36 UVG). Diese Differenzierung kommt vorliegendenfalls indes nicht zum Tragen, weil ausschliesslich Folgen des am 16. Mai 1996 erlittenen schweren Verkehrsunfalls zur Diskussion stehen. Der von beiden Sozialversicherungszweigen zu berücksichtigende Gesundheitsschaden ist somit deckungsgleich. 4.2 Gründe für eine ausnahmsweise abweichende Festlegung der Invalidität (Erw. 3.2 hievor) sind nicht ersichtlich. Die Annahme einer vollständigen Invalidität ist materiellrechtlich keineswegs offensichtlich unrichtig. Sämtliche spezialisierten Abklärungsstellen, die sich mit dem Versicherten befasst haben, weisen darauf hin, dass bleibende organisch nachweisbare Dysfunktionen vorliegen, welche auf die beim Unfall erlittenen Hirnschädigungen zurückzuführen sind. 4.2.1 Zwar äusserte die Klinik X.________ Zweifel an der Kooperation und Motivation des Versicherten und verwies darauf, dass die physiotherapeutischen und neuropsychologischen Befunde verschiedentlich inkonsistent gewesen seien. Der Versicherte sei für mittelschwere körperliche Arbeiten ohne repetitives Heben von schwereren Lasten medizinisch-theoretisch zu 100 % arbeitsfähig (Austrittsbericht vom 20. Februar 1998). Die Rehaklinik Y.________ ging dagegen - unter Berücksichtigung des vom Versicherten gezeigten, letztlich nicht voll erklärbaren Verhaltens - in ihrem Austrittsbericht vom 4. Juni 1998 von einer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht verwertbaren Leistungsfähigkeit aus. 4.2.2 Der Unfallversicherer hat diesen Differenzen Rechnung getragen, indem er bei der Neurologischen Universitätsklinik am Kantonsspital Basel ein weiteres Administrativgutachten einholte. Die Verfasser dieser einlässlichen Expertise vom 12. April 2000 gehen von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus, die selbst im Falle einer Verbesserung des Gesundheitszustandes dauerhaft sein werde. Die Auffassung der Verwaltung, die vollständige Arbeitsunfähigkeit sei im Basler Gutachten letztlich nur durch eine nichtärztliche Neuropsychologin festgestellt worden, überzeugt nicht. Denn die in Basel durchgeführte neuropsychologische Abklärung (Teilgutachten vom 21. Dezember 1999) ist Bestandteil einer umfassenden neurologischen Beurteilung, die durch einen Assistenz- und einen leitenden Arzt erstattet und im Übrigen vom Chefarzt der Neurologischen Universitätsklinik visiert wurde. Im neurologischen Hauptgutachten findet sich unter anderem die Feststellung, die erhobenen neuropsychologischen Defizite seien durch die strukturellen posttraumatischen Läsionen, welche sich in der Magnetresonanztomographie (MRI) des Schädels darstellen liessen, gut erklärbar. Diese objektivierbaren Befunde überlagern nach Feststellung der Gutachter die konkurrierenden Risikofaktoren (vermutete - allenfalls adoleszenzbedingt - vorbestehende auffällige Persönlichkeitsstruktur, Fremdsprachigkeit, Immigrationssituation, schlechte Schulbildung). Letztere liessen sich nicht gesondert quantifizieren, da auch ohne sie auf Grund der traumatischen Hirnschädigung schwere funktionelle Störungen angenommen werden müssten.