Citation: I 556/04 22.12.2004 E. 3

Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch. 3.1 Das kantonale Gericht erwog, in einer leidensangepassten Tätigkeit sei von einer uneingeschränkten Leistungsfähigkeit auszugehen. Demgegenüber beruft sich der Beschwerdeführer auf die im letztinstanzlichen Verfahren neu eingereichten Berichte des Prof. Dr. med. S.________ vom 18. Dezember 2003 und 3. September 2004, wonach lediglich eine 50 % Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bestehe. Er lässt im Wesentlichen vorbringen, die Einschätzungen des Spezialisten Prof. Dr. med. S.________ seien fachlich fundierter als jene des Hausarztes, der von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ausgehe. Zudem stützten sich die Aussagen des Prof. Dr. med. S.________ auf neuere eingehende Untersuchungen, weshalb der Darlegung des spezialisierten Arztes grösseres Gewicht zukomme. Den Ausführungen der Ärzte an der Klinik B.________ könne im Sinne eines Umkehrschlusses ebenfalls entnommen werden, dass ohne operativen Eingriff eine leichte körperliche Tätigkeit nicht im Umfang von 100 % zumutbar sei. Aus somatischer und psychischer Sicht sei maximal von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten angepassten Tätigkeit auszugehen. 3.2 Die medizinischen Akten ergeben folgendes Bild: 3.2.1 Die Ärzte am Spital T.________, wo der Versicherte vom 17. bis 20. Juni 2002 hospitalisiert war, führten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an: Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei/mit Diskushernie L4/5 breitbasig median ohne Kompression, L5/S1 bilateral mediolateral mit Nervenwurzeltangierung S1 beidseits (Computertomogramm der LWS vom 27. Mai 2002), 5- gliedrige LWS, Bogenwurzel intakt, Osteochondrose L3-S1, Traction spur Bodenplatte Lendenwirbelkörper (LWK) 5 und muskuläre Dysbalance. Sie attestierten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit vom 17. bis 30. Juni 2002, eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 7. Juli 2002 und empfahlen eine rasche stufenweise Integration in den Arbeitsprozess sowie die Weiterführung der medizinischen Trainingstherapie ambulant. Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig (Berichte vom 25. Juni 2002 und 14. Februar 2003). 3.2.2 Dr. med. W.________, bei dem sich der Versicherte seit 16. Januar 2002 in Behandlung befand, hielt am 20./21. November 2002 fest, der Gesundheitszustand sei stationär, die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden. Vom 16. Januar bis 7. April 2002 habe hinsichtlich der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden, vom 8. April bis 16. Juni 2002 eine solche von 50 % und seit 17. Juni 2002 sei der Versicherte wiederum gänzlich arbeitsunfähig. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit könne ihm eine ganztägige Erwerbstätigkeit zugemutet werden. Diese Einschätzung bestätigte der um eine Stellungnahme angefragte medizinische Dienst der IV am 14. März 2003. 3.3 Die im letztinstanzlichen Verfahren vor Ablauf der Beschwerdefrist aufgelegten Arztberichte datieren zwar nach dem Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildenden Einspracheentscheid vom 18. Oktober 2003 (BGE 129 V 4 Erw. 1.2 mit Hinweis). Soweit sie jedoch Rückschlüsse darauf zulassen, wie sich der Gesundheitszustand bis zum Erlass des Einspracheentscheides entwickelt hat, können sie berücksichtigt werden (vgl. BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen). 3.3.1 Am 14. November 2003 wurde der Beschwerdeführer in der Wirbelsäulensprechstunde an der Klinik B.________ untersucht. Dabei stellte Dr. med. Ä.________ eine beidseitige Lumboischialgie bei Segmentdegeneration L5/S1, eine paramediane Diskushernie L5/S1 sowie eine foraminale Stenosierung L5/S1 links fest. Dr. med. Ä.________ schlug eine operative Behandlung (Spondylodese L5/S1 mit interkorporeller Abstützung) vor, sofern die primär vorzunehmende Ausschöpfung der Rehabilitationsmöglichkeiten die Schmerzsymptomatik nicht beeinflusse oder diese zunehme. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit hielt er fest, dass der Versicherte für schwere körperliche Arbeit zu 100 % arbeitsunfähig bleibe. Leichte körperliche Arbeiten mit Heben und Tragen bis maximal 10 kg seien mittelfristig im Umfang von 100 % realistisch. 3.3.2 Prof. Dr. med. S.________, der um eine Zweitmeinung zum operativen Eingriff angefragt worden war, untersuchte den Beschwerdeführer am 3. und 16. Dezember 2003. Er diagnostizierte eine schwere Segmentpathologie L5/S1 bei/mit Diskushernie L5/S1 (radiologisch eher regredient) und Foramenstenose L5 beidseits (relevanz offen); eine Diskusprotrusion L3/4/5 (relevanz offen) und eine schwere psychosoziale Belastungssymptomatik (chronische Arbeitsunfähigkeit, Folteropfer). Von einer Operation riet er dringend ab, bestätigte aber die Indikation zur stationären Rehabilitation und führte aus, für eine körperliche Schwerarbeit, etwa als Metallbauschlosser, bestehe vermutungsweise eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, in einer leichten oder mittelschweren Tätigkeit sei der Versicherte vermutungsweise zu 50 % arbeitsfähig. 3.3.3 Vom 24. März bis 14. April 2004 hielt sich der Beschwerdeführer zur stationären Rehabilitation in der Klinik I.________ auf. Im Austrittsbericht vom 19. April 2004 diagnostizierten die Ärzte zum einen ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, fraglich ein lumbosakrales Reiz-Schmerzsyndrom bei Diskushernie L5/S1 mit Kompression der linken und Tangieren der rechten Wurzel S1 (Magnetresonanz-Untersuchung [MRI] der LWS vom 7. Oktober 2003), zum andern "laut Akten [eine] psychosoziale Belastungssituation mit Arbeitsunfähigkeit seit 17. Juni 2002". Sie attestierten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für die bisher ausgeübte Tätigkeit. Schmerzbedingt sei die Belastbarkeit der LWS speziell bei Tätigkeiten mit allzu grosser Rückenmonotonie vermindert. Psychische Einschränkungen bestünden in Zusammenhang mit der wahrscheinlich somatoformen Komponente der Schmerzen. In der psychosomatischen Abklärung vom 29. März 2004 hielt Dr. med. P._________ fest, eine somatoforme Komponente der Schmerzen sei wahrscheinlich (ICD-10 F45.4); eine wesentliche depressive Verstimmung finde sich nicht. Die in früheren Arztberichten angeführte Traumatisierung in der Türkei durch Folterung trete als Belastungsfaktor deutlich hinter die belastende Beziehungssituation (zweimalige Scheidung, wobei die zweite Scheidung für den Versicherten offenbar überraschend kam) zurück. Eine Begleitung durch einen Psychotherapeuten/Psychiater könne - eine gewisse Motivation des Versicherten vorausgesetzt - in Zukunft eventuell hilfreich sein. 3.4 Unbestrittenerweise ist die bisherige Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter im Metallbau nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Tätigkeit gehen sowohl Dr. med. W.________ als auch die Ärzte am Spital T.________ von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus. Eine abweichende Einschätzung "im Sinne eines Umkehrschlusses" lässt sich, entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, dem Bericht der Ärzte an der Klinik B.________ vom 21. November 2003 nicht entnehmen. Zwar trifft es zu, dass die dortigen Mediziner eine Operation empfahlen und ausführten, in einer leichten körperlichen Arbeit sei mittelfristig eine 100%ige Arbeitsfähigkeit realistisch. Sie hielten aber explizit fest, dass vorrangig die Rehabilitationsmöglichkeiten ausgeschöpft werden sollten und erst bei mangelndem Erfolg eine operative Behandlung geboten sei. Soweit der Beschwerdeführer unter Berufung auf eine Stellungnahme des Prof. Dr. med. S.________ vom 3. September 2004 die Ansicht vertritt, eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten körperlichen Tätigkeit sei mittelfristig ausschliesslich nach einem operativen Eingriff realistisch, kann ihm bei der gegebenen Aktenlage nicht gefolgt werden.