Citation: 5A_850/2020 E. 3

Vorweg ist zu bemerken, dass insbesondere das Bezirksgericht, sodann aber auch das Obergericht von einer lebensprägenden Ehe spricht, welche Anspruch auf Fortsetzung des gemeinsam gelebten Standards gebe. Dies geht insofern an der Sache vorbei, als die Frage der Lebensprägung einzig beim nachehelichen Unterhalt gemäss Art. 125 ZGB relevant ist (zuletzt und mit inhaltlicher Modifizierung des Begriffes: BGE 147 III 249; 147 III 308), während bei vorsorglichen Massnahmen im Rahmen des Scheidungsverfahrens noch ehelicher Unterhalt im Sinn von Art. 163 ZGB festgelegt wird (BGE 145 III 169 E. 3.6; Urteil 5A_112/2020 vom 28. März 2022 E. 6.2), bei welchem nicht die Frage der Lebensprägung entscheidend ist, sondern vielmehr der Gleichbehandlungsgedanke im Vordergrund steht (Urteile 5A_112/2020 vom 28. März 2022 E. 6.2; 5A_849/2020 vom 27. Juni 2022 E. 4 und 5), weil nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung - unter Vorbehalt von Sparquoten und Berücksichtigung von scheidungsbedingten Mehrkosten - im Rahmen der verfügbaren Mittel grundsätzlich beide Ehegatten einen Anspruch auf eine gleiche Lebenshaltung haben, solange die Ehe besteht (zuletzt BGE 147 III 293 E. 4.4 S. 296 und 299; Urteile 5A_112/2020 vom 28. März 2022 E. 6.2; 5A_849/2020 vom 27. Juni 2022 E. 5). Einzig stellt sich bereits in diesem Stadium die Frage nach einer vollständigen Ausschöpfung der Eigenversorgungskapazität, sofern in tatsächlicher Hinsicht erstellt ist, dass mit einer Wiederaufnahme des gemeinsamen Haushaltes nicht mehr ernsthaft gerechnet werden kann (BGE 130 III 537 E. 3.2; 137 III 385 E. 3.1; 138 III 97 E. 2.2; 147 III 301 E. 6.2); darauf wird in E. 4 zurückzukommen sein. Weiter ist vorab zu den einzelnen Rügen des Ehemannes festzuhalten, dass nach neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung für sämtliche Unterhaltskategorien (Kindesunterhalt: BGE 147 III 265; Scheidungsunterhalt: BGE 147 III 293; ehelicher Unterhalt: BGE 147 III 301) grundsätzlich nur noch die zweistufige Methode mit Überschussverteilung anwendbar ist. Die Anwendung einer anderen Methode bleibt ausnahmsweise möglich, ist aber speziell zu begründen (147 III 265 E. 6.6; 147 III 293 E. 4.5; 147 III 301 E. 4.3). Für den vorliegenden Fall springt ins Auge, dass selbst bei einer hohen Sparquote - während der Ehe wurden mehrere Liegenschaften erworben, wobei das Obergericht in tatsächlicher Hinsicht festgehalten hat, der Umfang stehe nicht fest und die vom Ehemann behauptete sparsame Lebenshaltung sei jedenfalls nicht glaubhaft - die Ehefrau mit der zweistufigen Methode offensichtlich deutlich besser gefahren wäre: Wird der vom Obergericht zugebilligte gebührende Unterhalt von Fr. 8'914.-- auch beim Ehemann eingesetzt, würde bei einem damaligen gemeinsamen Einkommen von rund Fr. 40'000.-- pro Monat eine Sparquote von mehr als 50 % übrig bleiben; dabei ist noch gar nicht einbezogen, dass im gebührenden Unterhalt von Fr. 8'914.-- die trennungsbedingten Mehrkosten der Ehefrau berücksichtigt sind, namentlich der Mietzins von Fr. 2'590.--. Ausgehend von einem damaligen gemeinsamen Einkommen von rund Fr. 40'000.-- und unter Berücksichtigung der trennungsbedingten Mehrkosten würde der Ehefrau mithin bei einer (zweifellos in beträchtlicher Höhe vorhandenen, aber nicht konkret ausgewiesenen) Sparquote ein höherer gebührender Unterhalt zustehen, als er vom Obergericht angenommen worden ist. Vor diesem Hintergrund erweist sich das angefochtene Urteil (unter Vorbehalt einer allfällig höheren Eigenversorgung der Ehefrau, dazu E. 4) jedenfalls im Ergebnis nicht als willkürlich. Da Willkür nur dann vorliegt, wenn sich der angefochtene Entscheid auch im Ergebnis nicht halten lässt (vgl. die in E. 1 zitierte Rechtsprechung), könnte es beim Gesagten sein Bewenden haben. Weil jedoch das Bundesgericht den Methodenpluralismus erst nach Vorliegen des angefochtenen Urteils abgeschafft hat, sei dennoch in der gebotenen Kürze auf die einzelnen Willkürrügen des Ehemannes eingegangen. Er will seiner Ehefrau einen gebührenden Unterhalt von lediglich Fr. 4'749.-- zugestehen (dazu E. 3.1 - 3.5) und ab August 2020 einen Vollzeiterwerb mit einem hypothetischen Einkommen von mindestens Fr. 4'513.-- zumuten (dazu E. 4).