Citation: 9C_641/2023 E. 4.2

4.2. Aktengemäss vermutete die Beschwerdegegnerin, nachdem sie bereits im Januar 2019 Einsicht in die Strafakten erhalten hatte, spätestens ab dem 25. November 2019, der Beschwerdeführer könnte in einem höheren Pensum arbeitstätig gewesen sein und damit ein höheres Einkommen erzielt haben. Wie in E. 3.2 dargelegt, ist die Versicherung verpflichtet, allfällige Abklärungen innert angemessener Frist durchzuführen. Die Beschwerdegegnerin wartete nach dem 25. November 2019 mehr als eineinhalb Jahre ab, bevor sie Einsicht in die Steuerakten des Beschwerdeführers beantragte. Auch nach der Meldung über die Verschlechterung des Gesundheitszustands durch den Beschwerdeführer am 3. Juni 2020 liess sie rund sechs Monate verstreichen, bevor sie am 11. Dezember 2020 den Auftrag zu einem kardiologischen Gutachten vergab. Dieses wurde nach dreieinhalb Monaten erstellt. Insgesamt wäre es der Beschwerdegegnerin bei Handeln innert angemessener Frist daher spätestens im Herbst 2020 möglich gewesen, die Akten auf demjenigen Stand zu halten, den sie zum Zeitpunkt des Vorbescheids vom 7. Juli 2021 hatten. Die Revisionsfrist begann demnach aufgrund der Säumnis nicht erst im Juni 2021, als die Akten tatsächlich vollständig waren, sondern bereits rund acht bis neun Monate zuvor zu laufen, da die Akten zu diesem Zeitpunkt hätten vollständig sein können. Die Vorinstanz hat also Bundesrecht verletzt, indem sie zum Schluss kam, die Revisionsfrist von 90 Tagen sei durch die Beschwerdegegnerin gewahrt worden.