Citation: 4C.244/2005 07.10.2005 E. 2

Die Kläger sind durch zwei Rechtsanwälte vertreten. Wenn mehrere Personen vom Auftraggeber gemeinsam beauftragt werden, ist gemäss Art. 403 Abs. 2 OR zu vermuten, dass den Beauftragten eine Kollektivvollmacht erteilt wurde (Walter Fellmann, Berner Kommentar, 2. Aufl., Bern 1992, N 169 zu Art. 403 OR, mit Hinweisen). Im Unterschied zur Solidarvollmacht, bei welcher jeder Bevollmächtigte einzeln für den Vollmachtgeber handeln kann, können mehrere Bevollmächtigte bei der Kollektivvollmacht den Vollmachtgeber im Rahmen der aktiven Vertretung nur gemeinsam vertreten (Gauch/Schluep/Schmid/Rey, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Bd. I, 8. Aufl., Zürich 2003, Rz. 1429). Demgegenüber gilt bei der passiven Vertretung die Regel, dass die Vertretungsmacht jedem Kollektivvertreter einzeln zusteht. Dies bedeutet, dass die Vertretungswirkung auch dann eintritt, wenn die Erklärung von Dritten (z.B. die Aufforderung des Gerichts zur Leistung einer Kaution) sich nur an einen einzelnen Kollektivvertreter richtet (Roger Zäch, Berner Kommentar, Bern 1990, N 68 zu Art. 33 OR; Gauch/Schluep/Schmid/Rey, a.a.O., Rz. 1433; je mit Hinweisen). Wie sich aus der Anschrift des Kostenvorschussformulars vom 22. Juli 2005 ergibt, wurden sowohl Rechtsanwalt Y.________ als auch Rechtsanwalt X.________ als Kollektivvertreter der Kläger aufgefordert, innert Frist eine Kaution von Fr. 20'000.-- zu leisten. Der Umstand, dass die Aufforderung nur an die Adresse eines Kollektivvertreters geschickt wurde, ändert nichts an der Wirksamkeit der Fristansetzung. Wie erläutert wäre es nämlich ausreichend gewesen, die Aufforderung, die Kaution von Fr. 20'000.-- zu leisten, an einen der mehreren Kollektivvertreter zu richten. Durch die Kautionsaufforderung vom 22. Juli 2005 wurde die Kautionsfrist somit auf jeden Fall ausgelöst, zumal auf dem Formular beide Kollektivvertreter aufgeführt sind.