Citation: U 417/99 20.07.2000 E. 2

2.- a) Die Ärzte des ZMB haben in ihrem Gutachten vom 11. Januar 1999 zur unfallbedingten Beeinträchtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers wie folgt Stellung genommen: "Aufgrund seiner Schulterpathologie ist der Versicherte als Chauffeur zu höchstens 50 % arbeitsfähig. Allerdings nur für leichte Arbeit, das Fahren von schweren Lastwagen ist ihm nicht mehr zumutbar. ... Der Versicherte vermag auf- grund der unfallbedingten Veränderungen an der linken Schulter keine Tätigkeiten mehr auszuüben, wo ein Einsatz des linken Armes auf oder über der Horizontalen, mit und ohne Gewicht notwendig ist. Das Fahren von Lastwagen ist dem Versicherten ebenfalls aufgrund der verminderten Be- lastbarkeit des linken Armes nicht mehr möglich. Zumutbar sind Tätigkeiten im Sitzen, Stehen und Wechselbelastungen, ohne die bereits erwähnten Einschränkungen." Diese ärztlichen Angaben sind dahin zu verstehen, dass dem Beschwerdeführer auf Grund seines Gesundheitsschadens in der linken Schulter die weitere Ausübung seines angestammten Berufs als Chauffeur nur noch unter verschiedenen sachlichen (keine schweren Lastwagen) und zeitlichen (halbtags oder halbe Leistung bei voller Arbeitszeit) Einschränkungen zumutbar ist, ihm aber jede leichte, wechselbelastende Tätigkeit, die teils stehend, teils sitzend verrichtet werden kann und keinen Einsatz des linken Armes auf oder über Kopfhöhe erfordert, ganztags zugemutet werden kann. Praktisch-wirtschaftlich fällt eine Verwertung dieser Restarbeitsfähigkeit in einer Kontroll-, Überwachungs- oder leichten Montagetätigkeit in Betracht, die abwechslungsweise sitzend, stehend oder gehend ausgeübt werden kann. Die ärztliche Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit beruht auf eingehenden Untersuchungen, berücksichtigt die vorhandenen Vorakten und die vom Versicherten geklagten Beschwerden, steht mit den medizinischen Befunden und Diagnosen in Einklang und ist für den Rechtsanwender gut nachvollziehbar. Es kommt ihr daher volle Beweiskraft zu (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 571 Erw. 3b/bb mit Hinweisen), und sie wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht beanstandet. Er rügt auch nicht das gestützt darauf von der Vorinstanz ermittelte jährliche Invalideneinkommen von Fr. 35'655.75 als solches, sondern macht im Wesentlichen lediglich geltend, die Vorinstanz sei zu Unrecht von einer vollzeitlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit in einer Verweisungstätigkeit ausgegangen. Gestützt auf Art. 36 Abs. 2 UVG seien die zusätzlichen, krankheitsbedingten Beeinträchtigungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit mit zu berücksichtigen, weshalb der Beschwerdeführer nur noch halbtageweise einsatzfähig sei und nur noch die Hälfte des bei unqualifizierter Hilfsarbeit realisierbaren Einkommens von rund Fr. 3700.- monatlich, also von Fr. 22'200.- pro Jahr, erzielen könne. b) aa) Die Bestimmung von Art. 36 Abs. 2 UVG setzt voraus, dass der Unfall und das nicht versicherte Ereignis eine bestimmte Gesundheitsschädigung gemeinsam verursacht haben. Dagegen ist diese Bestimmung nicht anwendbar, wenn die beiden Einwirkungen einander nicht beeinflussende Schäden verursacht haben, so etwa wenn der Unfall und das nicht versicherte Ereignis verschiedene Körperteile betreffen und sich damit die Krankheitsbilder nicht überschneiden. Diesfalls sind die Folgen des versicherten Unfalles für sich allein zu bewerten (BGE 121 V 333 Erw. 3c mit Hinweis, bestätigt im noch nicht veröffentlichten Urteil M. vom 17. April 2000 [U 276/99]). Die Leistungskürzung beruht in der obligatorischen Unfallversicherung auf dem Kausalitätsprinzip (BGE 113 V 137 Erw. 5a). Danach hat die Versicherung ihre Leistungen grundsätzlich nur für Gesundheitsschäden zu erbringen, die durch ein versichertes Ereignis oder dessen Folgen natürlich und adäquat kausal verursacht worden sind. An diesem Grundsatz hat Art. 36 UVG gegenüber der Regelung im alten Recht (Art. 91 KUVG) nichts geändert. Mit dieser Bestimmung sind lediglich die Durchbrechungen des Kausalitätsprinzips für jene Fälle erweitert worden, in denen ein Gesundheitsschaden durch das Zusammentreffen konkurrierender, teils unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen bewirkt worden ist (Botschaft zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 18. August 1978, BBl 1976 III 175 und 197). Hingegen besteht für die obligatorische Unfallversicherung übereinstimmend mit dem alten Recht nach wie vor keine Leistungspflicht für vorbestehende oder nach dem Unfall aufgetretene (interkurrente) Krankheiten, auf welche der Unfall überhaupt keinen Einfluss ausgeübt hat (BGE 113 V 58 Erw. 2 mit Hinweisen). bb) Im vorliegenden Fall lassen sich die auf den Unfall zurückzuführenden Affektionen im Bereich der linken Schulter und die krankheitsbedingten Gesundheitsschäden des Beschwerdeführers - degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule, Kardiomyopathie mit permanentem Vorhofflimmern, chronischer Äthylabusus und Adipositas permagna - klar trennen und sind voneinander unabhängig. Die einzelnen Krankheitsbilder betreffen unterschiedliche Körperteile und die unfallfremden Krankheiten des Beschwerdeführers haben den Gesundheitsschaden in der linken Schulter nicht beeinflusst. Da somit die Krankheitsbilder klar auseinander gehalten werden können, hat die Vorinstanz die Invalidität des Beschwerdeführers zu Recht ausschliesslich und allein nach Massgabe der durch den Gesundheitsschaden in der linken Schulter bewirkten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bemessen und die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit ausser Acht gelassen. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist daher unbegründet.