Citation: 5A_972/2020 E. 3.2

3.2. Balkone betreffen je nach Ausgestaltung die Konstruktion, in jedem Fall aber das äussere Ansehen der Liegenschaft, weshalb sie (nicht sonderrechtsfähige) gemeinschaftliche Bauteile sind (Art. 712b Abs. 2 Ziff. 2 ZGB); sie bleiben auch dann gemeinschaftlich, wenn daran ein Sondernutzungsrecht besteht (vgl. dazu allgemein BGE 141 III 357 E. 3.2; Urteil 5A_116/2011 vom 14. März 2011 E. 5; WERMELINGER, Zürcher Kommentar, 2. Aufl. 2019, N. 165 zu Art. 712a ZGB und N. 127 zu Art. 712b ZGB). Unter Vorbehalt der nachfolgend (E. 5) zu diskutierenden Einwendungen stimmt der Beschwerdeführer der Qualifikation der Balkone als gemeinschaftliche Bauteile ausdrücklich zu. Entgegen dem, wovon er gestützt auf seine Argumentation auszugehen scheint, ist die Gültigkeit eines Beschlusses der Versammlung der Stockwerkeigentümer über bauliche Massnahmen an gemeinschaftlichen Bauteilen nicht generell davon abhängig, ob es für diese einen unmittelbaren oder tatsächlichen "Bedarf" gibt. Vielmehr hängt die Gültigkeit eines Beschlusses von der Art der baulichen Massnahme (notwendig; nützlich; luxuriös) und gestützt darauf von der Einhaltung des gesetzlichen (oder des gegebenenfalls davon abweichenden reglementarischen) Quorums ab. Mit anderen Worten kann eine nicht (unbedingt) notwendige bauliche Massnahme mit einem qualifizierten Mehr beschlossen werden, sofern sie (auch) eine Wertsteigerung oder Verbesserung der Wirtschaftlichkeit oder Gebrauchsfähigkeit der Sache bezweckt und damit als nützliche bauliche Massnahme einzustufen ist.