Citation: 6B_729/2024 E. 2.7.1

2.7.1. Er trägt vor, beim stark übergewichtigen Opfer habe ein erhöhtes postoperatives Komplikationsrisiko bestanden. Deshalb habe er einen Platz auf der Überwachungsstation (IMC; Intermediate Care-Station) reserviert. Aus unerfindlichen Gründen habe Dr. med. F.________ die Verbringung des Opfers auf die normale Station angeordnet. Da er für die nachoperative Versorgung nicht mehr zuständig gewesen sei, habe er nach der Operation das Spital verlassen, sei aber den ganzen Abend zu Hause nur rund 10-15 Minuten vom Spital entfernt gewesen. Als der Blutdruck des Opfers kurz nach der Operation ohne gleichzeitigen Pulsanstieg abgesunken sei, hätte Dr. med. F.________ erkennen müssen, dass eine Nachblutung das Problem sein könnte. Wäre er darüber informiert worden, hätte er das Opfer nachoperieren und die Blutung stillen können. Es sei unverständlich, dass er nicht informiert worden sei. Dr. med. F.________ habe sich fehlerhaft verhalten. Ihn hingegen treffe keine Schuld, dass er keine lebensrettenden Massnahmen habe ergreifen können. Die Rüge ist unbegründet. Gegen Dr. med. F.________ wurde auch ein Strafverfahren geführt. Er wurde am 30. September 2021 rechtskräftig freigesprochen. Dieser Freispruch ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Ohnehin kann sich der Täter, der durch sein Verhalten eine Bedingung für den Eintritt des Erfolgs gesetzt hat, nicht damit entlasten, dass der Erfolg - wie in den Konstellationen der "Doppelkausalität", der "alternativen Kausalität" oder der "hypothetischen Ersatzursachen" - auch ohne die von ihm gesetzte Bedingung, etwa infolge des Verhaltens eines andern, gleichwohl eingetreten wäre. Massgebend für die objektive Zurechnung ist, dass der Täter durch sein Verhalten eine Bedingung für den Erfolg in seiner konkreten Gestalt gesetzt hat (BGE 135 IV 56 E. 3.1.2 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. auch HARDY LANDOLT, Medizinalhaftung - Aktuelle Rechtsprechung zu ausgewählten Problembereichen der Arzthaftung, HAVE 2009 S. 329 ff.). Im vorliegenden Fall besteht der Erfolg in seiner konkreten Gestalt darin, dass das Opfer verblutete. Hierfür hat der Beschwerdeführer die Hauptursache gesetzt, indem er die Gallenblasenschlagader nicht lege artis verschlossen hat. Mit dem Tod des Opfers durch Verbluten in dieser konkreten Gestalt hat sich die Kausalkette verwirklicht, in welcher der Beschwerdeführer durch sein Verhalten die entscheidende Ursache gesetzt hat.