Citation: 4A_605/2020 E. 4.2.2

4.2.2. Die Vorinstanz berücksichtigte, dass der Unternehmer gemäss Art. 59 Abs. 1 SIA-Norm 118 Anspruch auf eine zusätzliche Vergütung hat, falls ausserordentliche Umstände die Fertigstellung hindern oder übermässig erschweren, welche nicht vorausgesehen werden konnten oder welche nach den von beiden Vertragsparteien angenommenen Voraussetzungen ausgeschlossen waren. Diese Bestimmung ist dem Art. 373 Abs. 2 OR nachgebildet und stellt einen Anwendungsfall der so genannten "clausula rebus sic stantibus" dar. Verträge sind so zu erfüllen, wie sie vereinbart worden sind ("pacta sunt servanda"), soweit die Parteien nicht einvernehmlich eine neue Vertragsregelung treffen. Zwar ist nach der "clausula rebus sic stantibus" eine richterliche Anpassung auch gegen den Willen einer Partei möglich, wenn sich die Umstände nach Vertragsabschluss so grundlegend ändern, dass eine gravierende Äquivalenzstörung eintritt (BGE 135 III 1 E. 2.4 S. 9 f.; vgl. BGE 138 V 366 E. 5.1 S. 371; 127 III 300 E. 5b S. 304 f. mit Hinweisen). Voraussetzung für eine richterliche Vertragsanpassung nach der "clausula rebus sic stantibus" ist, dass die Verhältnisänderung beim Abschluss des Vertrags weder voraussehbar noch vermeidbar war (BGE 135 III 1 E. 2.4 S. 10; 127 III 300 E. 5b S. 304 f.; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz verneinte ausserordentliche unvorhersehbare Umstände. Sie stützte sich dabei auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach das Erfordernis der Unvorhersehbarkeit "vom Standpunkt eines sachkundigen und sorgfältigen Unternehmers aus und nach einem eher strengen Massstabe" zu beurteilen ist (BGE 109 II 333 E. 3 S. 336; Urteil 4C.292/2002 vom 20. November 2003 E. 3.1), "da jede Werkausführung zu festen Pauschal- oder Einheitspreisen ein spekulatives Element enthält, das auch als Risiko zu berücksichtigen ist" (BGE 104 II 314 E. b S. 317; 58 II 421 S. 423; vgl. auch BGE 59 II 372 E. 4 S. 380). Zu Recht liess die Vorinstanz das Argument der Beschwerdeführerin nicht gelten, dass die Ausmasse bei einer Grossüberbauung vorliegender Dimension nicht vorgängig hätten überprüft werden können. Der Umfang des Bauprojekts allein führt nicht zur Annahme einer Unvorhersehbarkeit. Zudem erwog die Vorinstanz überzeugend, die ausserordentlichen Umstände müssten zu einem krassen, offenbaren Missverhältnis zwischen der Werkleistung und der Vergütung führen, so dass die Einhaltung der offerierten Preise nach Treu und Glauben nicht mehr verlangt werden könne. Sie verwies dabei auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 113 II 513 E. 3b S. 516; 104 II 314 E. b S. 317). Als Massstab nahm die Vorinstanz den Vergleich zwischen der vereinbarten Vergütung und den effektiven Herstellungskosten ohne Unternehmensgewinn (vgl. BGE 104 II 314 E. b S. 317). Sie ging davon aus, das Missverhältnis beziehe sich nicht auf einzelne Positionen, sondern auf die Gesamtleistung und die Gesamtvergütung. Dies ist nicht zu beanstanden. Was die konkrete Würdigung betrifft, so erwog die Vorinstanz, die Beschwerdeführerin mache bezüglich sechs Positionen Mehrmengen geltend. Davon überschritten nur die Position 212.111 und die Position 711.101 die Schwelle von 100 %, weshalb die Gesamtleistung in keinem Missverhältnis zur Gesamtvergütung stehe. Schliesslich wies die Vorinstanz den Antrag der Beschwerdeführerin ab, es sei ein Gutachten zur Frage zu erstellen, ob wesentlich mehr Material verbaut worden sei als vorgesehen. Sie begründete die Abweisung mit mangelnder Substanziierung und verwies darauf, dass die Beschwerdeführerin ihre quantitativen Behauptungen nur unvollständig aufstelle. Auch diese Erwägung hält vor Bundesrecht stand (BGE 144 III 67 E. 2.1 S. 68 f.; Urteile 4A_38/2020 vom 22. Juli 2020 E. 6.2.2; 5A_837/2019 vom 8. Mai 2020 E. 4.1; 4A_462/2017 vom 12. März 2018 E. 6.2.3; je mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund kann offenbleiben, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausging, dass die Beschwerdeführerin eine rechtzeitige Anzeige gemäss Art. 59 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 SIA-Norm 118 versäumt hatte.