Citation: 4A_74/2024 E. 3.1

3.1. Ein Vertrag - und damit auch die Änderung oder Aufhebung eines Vertrages - kommt durch übereinstimmende gegenseitige Willensäusserung zustande (Art. 1, 115 OR). Eine Willensäusserung ist eine private Kundgabe eines Willens zur Begründung, Änderung oder Beendigung eines Rechts oder Rechtsverhältnisses (JÄGGI, Zürcher Kommentar, 1959, N 35 zu Art. 1 OR; KRAMER, Berner Kommentar, 1986, N 4 zu Art. 1 OR; MÜLLER, Berner Kommentar, 2018, N 12 f. zu Art. 1 OR). Gegenseitigkeit bedeutet, dass die Vertragsannahme als Antwort auf die (an den Annehmenden adressierte) Offerte wiederum an den Offerenten gegenüber erklärt wird. Die Erklärungen müssen aufeinander bezogen sein (Urteil 4A_265/2018 vom 3. September 2018 E. 2.2.3 m.w.H.). Es ist nach dem Vertrauensprinzip zu bestimmen, ob überhaupt eine Willenserklärung vorliegt (Urteile 4A_193/2019 vom 23. September 2019 E. 5.3.1; 4A_456/2009 vom 3. Mai 2010 E. 3.3.1; 4A_437/2007 vom 5. Februar 2008 E. 2.4; je mit Hinweisen). Es ist demnach zu beurteilen, ob ein bestimmtes Erklärungsverhalten vom Empfänger nach Treu und Glauben als Willensäusserung verstanden werden durfte, rechtsgeschäftlich tätig zu werden und sich ihm gegenüber rechtlich zu verpflichten (zit. Urteil 4A_456/2009 E. 3.3.1 mit Hinweis).