Citation: 6B_34/2020 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz geht davon aus, als Schändung stellten sich sexuelle Handlungen an einer Person dar, die völlig ausserstande sei, einzuwilligen oder sich zu wehren, und die so zum blossen Objekt sexueller Wünsche degradiert werde. Davon könne hier - trotz der missachteten Bedingung, nur geschützten Beischlaf zu praktizieren - keine Rede sein, nachdem die Privatklägerin ausdrücklich und freiwillig in den Geschlechtsverkehr eingewilligt habe. Das durch Art. 191 StGB geschützte Rechtsgut der sexuellen Integrität sei in dieser Situation nicht verletzt. Entscheidend sei, dass sich die strafrechtliche Einwilligung immer nur auf das "Ob" einer sexuellen Handlung beziehe, nicht aber auf das "Wie". Es liege eine wirksame, rechtsgutbezogene und tatbestandsausschliessende Einwilligung vor. Stealthing sei daher nach geltendem Recht nicht strafbar. Das ergebe sich im Übrigen auch aus der Überlegung, dass die Täuschung allein keine Widerstandsunfähigkeit hervorgerufen habe. Weder sei es zu einem völlig überraschenden sexuellen Übergriff gekommen noch bilde die heimliche Entfernung des Kondoms eine Zäsur, nach welcher ein neuer, nicht dem Willen der betroffenen Person entsprechender Geschlechtsverkehr beginne. Der Umstand, dass sich der Beschuldigte inzwischen nicht mehr an die gestellte Bedingung gehalten habe, ändere nichts daran, dass der fortgesetzte Geschlechtsverkehr nach wie vor durch das ursprüngliche Einverständnis der Privatklägerin gedeckt sei.