Citation: I 409/03 01.12.2003 E. 3

Streitig ist der Anspruch auf eine Invalidenrente und in diesem Zusammenhang insbesondere das Ausmass der Arbeitsfähigkeit. Nicht mehr streitig ist dagegen die Bemessung des Invaliditätsgrades anhand des Einkommensvergleichs gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG. 3.1 Das kantonale Gericht stellt auf die Einschätzung des Instituts Y.________ im Gutachten vom 25. März 2002 ab und nimmt eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer leidensangepassten Tätigkeit an. Die Versicherte ist demgegenüber der Ansicht, die Einschätzung in der Expertise treffe nicht zu, sondern es sei auf die Auffassungen des Dr. med. H.________ und des PD Dr. med. L.________ sowie der Schmerz-Sprechstunde des Spitals X.________ abzustellen und - wegen psychischer und physischer Erschöpfung - von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. 3.2 Gemäss dem Gutachten des Instituts Y.________ vom 25. März 2002 ist die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Schwesternhilfe vollständig arbeitsunfähig; zumutbar zu 80 % sind jedoch körperlich leichte und adaptierte Tätigkeiten (d.h. ohne Tragen, Ziehen und Heben von Lasten über fünf bis zehn Kilogramm, in Wechselbelastung durchgeführt, ohne repetitive Funktionsbewegungen der Wirbelsäule und ohne längere Einnahme von Zwangshaltungen der Wirbelsäule). Das polydisziplinäre Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen (vgl. auch die in die Begutachtung einbezogenen ausführlichen Untersuchungsresultate des Dr. med. R.________ in dessen Bericht vom 5. September 2001), berücksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden; zudem ist es in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und enthält begründete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Die Einschätzung des Instituts Y.________ wird überdies durch den im letztinstanzlichen Verfahren aufgelegten Bericht der Interdisziplinären Schmerz-Sprechstunde des Spitals X.________ vom 8. Januar 2003 indirekt bestätigt, indem dort die "Wiedereingliederung in einen Beruf mit leichter Belastung, z.B. kaufmännische Angestellte mit der Möglichkeit[,] die Sitz- und Stehposition häufig zu wechseln", empfohlen wird. Die seither ergangenen und in den Akten liegenden Arztberichte sind weder geeignet, zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu führen, noch vermögen sie Zweifel an der Zuverlässigkeit der Ausführungen der Expertise des Instituts Y.________ zu wecken (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb) oder eine Grundlage für weitere Abklärungen darzustellen: - PD Dr. med. L.________ hält in seinem Bericht vom 10. Mai 2002 nur fest, dass eine Arbeitsleistung im Pflegebereich nicht mehr möglich sei und "andere Erwerbstätigkeiten ... der Patientin offenbar nicht offen" stünden, wobei er allerdings für letzteres - ohne zusätzliche medizinische Begründung - nur auf die Aussagen der Beschwerdeführerin abstellt. - Derselbe Arzt äussert sich im Bericht vom 7. Juni 2002 nicht zur Arbeitsfähigkeit. Auch wenn er davon ausgeht, die Versicherte sei "glaubhaft völlig erschöpft", vermag dies nichts an der Auffassung des Instituts Y.________ zu ändern, denn diese Erschöpfung war der Gutachterstelle ebenfalls bekannt gewesen, da die Beschwerdeführerin in der Anamnese angegeben hatte, während 24 Stunden Schmerzen zu haben und in der Nacht kaum mehr als drei Stunden schlafen zu können. - Auch die Auffassung des Dr. med. H.________ vom 27. Juni 2002 basiert allein auf den als glaubhaft erachteten Aussagen der Versicherten, die dem Institut Y.________ bekannt gewesen sind. - Die Poliklinik für Wirbelsäulenchirurgie hält im Bericht vom 22. August 2002 zwar fest, dass eine Arbeitstätigkeit nicht vorstellbar sei, jedoch fusst auch diese Feststellung auf den bereits im Gutachten des Instituts Y.________ berücksichtigten Angaben der Beschwerdeführerin; im Weiteren räumt der beteiligte Arzt ein, keine differenzierte Beurteilung liefern zu können. Damit ist davon auszugehen, dass die Versicherte in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist. Weitere Abklärungen sind nicht notwendig. 3.3 In einem nächsten Schritt ist zu entscheiden, ob die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit (Erw. 3.2 hievor) erwerblich umzusetzen vermag. Referenzpunkt für die Verwertung ist der hypothetische ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 28 Abs. 2 IVG). Nach der Rechtsprechung handelt es sich dabei um einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes; Letzteres gilt auch im Bereich der un- und angelernten Arbeitnehmer. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 276 Erw. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. Erw. 3b). Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob ein Invalider unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob er die ihm verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 291). Für die Versicherte stehen - trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen - auf diesem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend leichte Hilfs-, Kontroll- und Überwachungstätigkeiten offen, so dass nicht von realitätsfremden und in diesem Sinne unmöglichen oder unzumutbaren Einsatzmöglichkeiten ausgegangen wird. Denn die zumutbare Tätigkeit ist vorliegend nicht nur in so eingeschränkter Form möglich, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers ausgeübt werden kann (ZAK 1989 S. 322 Erw. 4a). Die Kritik in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde verkennt den rein hypothetischen Charakter des ausgeglichenen Arbeitsmarktes, an dem festzuhalten ist, weil nur so die Risiken Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abgegrenzt werden können. So geht es beim als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt nicht um reale, geschweige denn offene Stellen, sondern um (gesundheitlich zumutbare) Beschäftigungsmöglichkeiten, welche der Arbeitsmarkt von seiner Struktur her, jedoch abstrahiert von den konjunkturellen Verhältnissen, umfasst (Urteil C. vom 16. Juli 2003, I 758/02). 3.4 Da der Beschwerdeführerin die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zumutbar ist (vgl. Erw. 3.3 hievor) und kein tatsächlich erzieltes Einkommen vorliegt, ist für die Bestimmung des Einkommens nach Eintritt des Gesundheitsschadens (Invalideneinkommen) auf statistische Angaben - wie die Schweizerische Lohnstrukturerhebung - zurückzugreifen (BGE 126 V 76 Erw. 3b/bb), welche allein die Lohnsituation auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt widerspiegeln können. Nach der Rechtsprechung (BGE 126 V 77 Erw. 3b/bb) ist dabei auf den Median der standardisierten Bruttolöhne abzustellen: Gemäss Tabelle A1 der Lohnstrukturerhebung 2000 beträgt der Zentralwert für die mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im privaten Sektor bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden beschäftigten Frauen monatlich Fr. 3658.- brutto. Dieser Betrag ist auf die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden (Die Volkswirtschaft 7/2003 S. 90 Tabelle B9.2) im Jahre des theoretischen Rentenbeginns 2001 (BGE 129 V 222) anzupassen, was unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung von 2.5 % für 2001 (Die Volkswirtschaft 7/2003 S. 91 Tabelle B10.2) zum Betrag von monatlich Fr. 3908.80 resp. jährlich Fr. 46'905.60 führt. Den vorhandenen Einschränkungen der Versicherten ist - übereinstimmend mit den überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz - mit einem behinderungsbedingten Abzug von 10 % Rechnung zu tragen (vgl. BGE 126 V 78 Erw. 5), was zu einem jährlichen Betrag von Fr. 42'215.05 führt, was bei einer Arbeitsfähigkeit von 80 % (vgl. Erw. 3.2 hievor) ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 33'772.05 ergibt. Das Einkommen ohne Invalidität (Valideneinkommen) ist von der Vorinstanz zu Recht anhand des zuletzt verdienten und auf eine Vollzeitstelle umgerechneten Lohnes auf Fr. 51'289.-- für das Jahr 2001 festgesetzt worden, was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde denn auch nicht bestritten wird. Bei einem Invalideneinkommen von Fr. 33'772.05 resultiert ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 34.15 %. In der dem theoretischen Rentenbeginn im Jahr 2001 folgenden Zeit ist - unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung - keine erhebliche Veränderung der hypothetischen Bezugsgrössen eingetreten (BGE 129 V 222).