Citation: 5P.46/2000 06.04.2000 E. 3

3.-Der Beschwerdeführer wirft dem Obergericht mehrfach willkürliche Beweiswürdigung vor. In der Würdigung von Beweisen steht dem kantonalen Richter ein weiter Ermessensspielraum zu, in den das Bundesgericht nur mit Zurückhaltung eingreift. Willkürlich ist die Beweiswürdigung etwa, wenn der Sachrichter einseitig einzelne Beweise berücksichtigt (BGE 112 Ia 371 E. 3 mit Hinweisen) oder aus dem Ergebnis des Beweisverfahrens voreilige Schlüsse zieht (BGE 100 Ia 119 E. 4 S. 127, E. 6 S. 130; 101 Ia 545 E. 4d S. 551 f.; 112 Ia 315 E. 3b S. 317). a) Willkür in der Beweiswürdigung erblickt der Beschwerdeführer darin, dass das Obergericht einen bestimmten Passus im Gutachten des Hauseigentümerverbandes ebenso übergangen habe wie dessen Schreiben vom 18. Juni 1998 und den Ergänzungsbericht des Kreisschätzers. aa) Der strittige, im Gutachten des Hauseigentümerverbandes enthaltene Passus lautet wie folgt: "Nach freiem Ermessen des Schätzers und unter Berücksichtigung der rezessiven Wirtschaftslage liegt der Verkehrswert im Rahmen des ermittelten Realwertes. Dieser Verkehrswert ist ein objektiver Schatzungswert. Ein im freien Handel erzielbarer Verkaufspreis richtet sich jedoch nach Angebot und Nachfrage, zum Teil aber auch nach subjektiven Gesichtspunkten. Er kann deshalb den geschätzten Verkehrswert sowohl über- als auch unterschreiten". Das Obergericht hat diese Textstelle keineswegs übergangen, sondern sie vielmehr im angefochtenen Urteil wiedergegeben und sich damit auch auseinandergesetzt. Dabei wurde eingehend dargelegt, weshalb es ihm gerechtfertigt erschien, den Verkaufserlös nicht mit dem Verkehrswert der Liegenschaft gleichzusetzen. Der Beschwerdeführer habe die Verkehrswertschätzung im Gutachten des Hauseigentümerverbandes nicht angefochten, so dass diese als anerkannt gelte. Dem hält der Beschwerdeführer zwar entgegen, der Umstand, dass er innert Frist zum Gutachten nicht Stellung genommen habe, dürfe nicht als Zustimmung zum darin genannten Schätzungswert gewertet werden. Indessen ist ihm das Gutachten mit einer zehntägigen Frist zur Stellungnahme zugestellt worden. Hätte er tatsächlich Zweifel an der Richtigkeit des Schätzungswertes gehabt, so hätte er zweifellos dem Gericht fristgerecht unter Angabe von Gründen mitgeteilt, dass er den Wert als unmassgeblich erachte. Angesichts des Stillschweigens seitens des Beschwerdeführers hat das Obergericht ohne Willkür davon ausgehen dürfen, der Beschwerdeführer sei mit dem Schätzungswert von Fr. 743'000.-- einverstanden. bb) Das Obergericht hat sodann darauf hingewiesen, nach Ansicht der Beschwerdegegnerin sei die Liegenschaft weit unter dem geschätzten Verkehrswert veräussert worden; der Beschwerdeführer habe ungeachtet des neuesten Gutachtens über den Verkehrswert keine näheren Ausführungen darüber gemacht und schon gar nicht nachgewiesen, dass es ihm trotz entsprechender Anstrengungen nicht möglich gewesen sei, das Haus zu einem höheren Preis zu verkaufen. Auch angesichts dessen entspreche der Verkaufserlös nicht dem Verkehrswert der Liegenschaft. Wenn das Obergericht gestützt auf die erwähnten Überlegungen nicht auf den erzielten Verkaufspreis, sondern auf den im neuesten Gutachten ermittelten Schätzungswert abgestellt hat, so ist dies nicht unhaltbar, konnte es doch seine Auffassung mit sachlich vertretbaren Argumenten untermauern. cc) Sachliche Gründe vermag das Obergericht auch dafür anzuführen, dass es nicht auf das Schreiben des Hauseigentümerverbandes vom 18. Juni 1998 abgestellt hat. Zum einen erachtete es schon das Zustandekommen dieses Schreibens als ungeeignet, den im Gutachten genannten Schätzungswert aus den Angeln zu heben; als gerichtlich bestellter Experte, der das Gutachten des Hauseigentümerverbandes ausgefertigt habe, sei X.________ unter Strafdrohung gestanden, was bei der Abfassung des Schreibens nicht der Fall gewesen sei. Hinzu komme, dass das Schreiben vom 18. Juni 1998 nicht etwa eine Ergänzung des Gutachtens bilde, sondern davon erheblich abweiche, ohne dass dafür eine schlüssige Begründung gegeben werde. Zu dieser Abweichung habe der Kläger weder eine Befragung des Experten beantragt, noch ein Ergänzungsgutachten verlangt. Es sei denn auch nicht ersichtlich, wie der Gutachter den augenfälligen Widerspruch zwischen der Expertise und dem späteren Schreiben auflösen könnte. Dass das Obergericht unter diesen Umständen das Schreiben vom 18. Juni 1998 nicht als massgeblich zur Bestimmung des entscheidenden Wertes der Liegenschaft erachtet hat, erweist sich als haltbar und somit als nicht willkürlich. dd) In Bezug auf die weitere Rüge, das Obergericht habe auch den Ergänzungsbericht des Kreisschätzers W.________ übergangen, ist zu bemerken, dass der Beschwerdeführer in der bezirksgerichtlichen Verhandlung vom 22. April 1998 den Antrag gestellt hat, eine Neuschätzung der Liegenschaft durch den Hauseigentümerverband vornehmen zu lassen, weil er mit dem Ergebnis des Ergänzungsberichtes des Kreisschätzers nicht einverstanden war. Der Beschwerdeführer gerät somit mit sich selbst in Widerspruch, wenn er nunmehr dem Obergericht vorwirft, einen Schätzungsbericht nicht berücksichtigt zu haben, den er selber als nicht massgeblich erachtete und durch ein neues Gutachten korrigieren lassen wollte. b) Zusammenfassend erweist sich der Vorwurf willkürlicher Beweiswürdigung als unbegründet; das Obergericht hat in Bezug auf den für die güterrechtliche Auseinandersetzung massgebenden Liegenschaftswert keine voreiligen Schlüsse gezogen, vielmehr die verschiedenen relevanten Elemente sorgfältig gegeneinander abgewogen und seine Schlussfolgerungen auf sachlich haltbare Argumente abgestützt.