Citation: 2C_112/2019 E. 4.2

4.2. Eine Scheinehe liegt nicht bereits dann vor, wenn auch ausländerrechtliche Motive die Fortdauer der Lebensgemeinschaft beeinflusst haben. Erforderlich ist, dass der Wille zur Führung der Lebensgemeinschaft im Sinn einer auf Dauer angelegten wirtschaftlichen, körperlichen und spirituellen Verbindung zumindest bei einem der Ehepartner fehlt (BGE 121 II 97 E. 3b S. 102). Grundsätzlich muss die Migrationsbehörde nachweisen, dass die Ehe nur formell bestand. Dass die Ehe nur zum Schein geführt wird, darf dabei nicht leichthin angenommen werden (BGE 135 II 1 E. 4.2 S. 10). Die Behörden müssen den Sachverhalt von Amtes wegen möglichst zuverlässig abklären. Allerdings wird der Untersuchungsgrundsatz durch die Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert (vgl. Art. 90 AIG). Diese kommt naturgemäss bei Tatsachen zum Tragen, die eine Partei besser kennt als die Behörden und die ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vertretbarem Aufwand erhoben werden können (BGE 143 II 425 E. 5.1 S. 43; 138 II 465 E. 8.6.4 S. 496 f.). Wenn sich die Hinweise für eine ausländerrechtlich relevante Tatsache wie etwa eine Scheinehe stark verdichtet haben, kann die Mitwirkungspflicht auf Basis der gesamten Sachlage Anlass dazu geben, die relevante Tatsache zu vermuten. Es ist dann an der Ausländerin bzw. dem Ausländer, diese tatsächliche Vermutung mittels Gegenbeweises umzustossen (Urteile 2C_631/2018 vom 4. April 2019 E. 2.3; 2C_138/2018 vom 16. Januar 2019 E. 3.2).