Citation: 1A.208/2000 16.08.2000 E. 4

4.- Der auf die zeitliche Reihenfolge von Krediterteilung und Amtsantritt gestützte Einwand des Beschwerdeführers kann auch nicht durchdringen, soweit er als Rüge verstanden wird, die Voraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit sei nicht erfüllt. a) Rechtshilfemassnahmen, welche die Anwendung prozessualen Zwangs erfordern, dürfen zwar nur angeordnet werden, wenn die dem Rechtshilfebegehren zu Grunde liegende Tat sowohl nach dem Recht des ersuchenden Staats als auch nach schweizerischem Recht strafbar ist (Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR in Verbindung mit dem dazugehörigen Vorbehalt der Schweiz). Erforderlich ist, dass die im Ausland verfolgte Handlung die objektiven Merkmale eines Straftatbestands nach schweizerischem Recht aufweist (BGE 124 II 184 E. 4b/cc S. 188; vgl. auch Art. 64 IRSG). Im Rechtshilfeersuchen ist die strafbare Handlung so genau zu umschreiben, dass die schweizerischen Behörden beurteilen können, ob das genannte Erfordernis der doppelten Strafbarkeit erfüllt ist (BGE 118 Ib 111 E. 4b S. 122). Dazu genügt regelmässig "eine kurze Darstellung des Sachverhalts" (Art. 14 Ziff. 2 EUeR). Es kann von den Behörden des ersuchenden Staats nicht verlangt werden, dass sie die Tat, die Gegenstand der Strafuntersuchung bildet, lückenlos und völlig widerspruchsfrei darlegen. Die Rechtshilfe dient ja gerade dazu, Fragen zu klären, die im ausländischen Strafverfahren bisher noch offen geblieben sind (BGE 117 Ib 64 E. 5c S. 88). Im Rahmen der Rechtshilfeverfahren genügt es demnach, wenn der im Ersuchen angeführte Sachverhalt "prima facie" nach schweizerischem Recht als strafbar erscheint (BGE 124 II 184 E. 4b/cc S. 188; 122 II 422 E. 3c S. 431). b) Die Darstellung des vorgeworfenen Verhaltens im Rechtshilfeersuchen ist äusserst knapp. Sie kann aber als gerade noch genügend angesehen werden. Mit dem Obergericht kann das beschriebene Verhalten eines Amtsträgers, einen seiner Firma in seinem Amtsbereich gewährten Kredit weder zurückzuzahlen noch bestimmungsgemäss zu verwenden, als ungetreue Amtsführung, Veruntreuung und eventuell Amts- missbrauch qualifiziert werden. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, nach russischem Recht sei er als stellvertretender Generaldirektor der FPK gar nicht Beamter, verkennt er, dass auch Kader einer gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft unter Art. 312 und 314 StGB fallen können (BGE 113 Ib 175 E. 7b S. 183).