Citation: U 40/03 12.08.2003 E. 4

4.1 Gemäss Aussage des Beschwerdeführers zuhanden des SUVA-Inspektors vom 16. Juni 1999 waren er und sein Beifahrer während des Ausweichmanövers am 18. April 1999 "hin- und hergeschüttelt" worden, ohne sich indes den Kopf angeschlagen zu haben. Nach den Angaben des erstbehandelnden Arztes Dr. med. B.________ bestand Ende Mai 1999 u.a. eine leichte Einschränkung der HWS-Rotation beidseits (Bericht vom 29. Juni 1999). Dr. med. C.________, welchen der Beschwerdeführer erstmals am 4. Juni 1999 konsultierte, veranlasste eine radiologische Abklärung der HWS bei Dr. med. A.________, die das Vorhandensein einer Klippel-Feil-Fehlhaltung, einer angeborenen Wirbelmissbildung, ergab (Berichte des Dr. med. A.________ vom 7. Juni 1999 und des Dr. med. C.________ vom 17. Juni 1999). Anlässlich einer orthopädischen Sprechstunde stellte Dr. med. D.________ schliesslich die Diagnose eines Status nach HWS-Distorsion bei Klippel-Feil-Syndrom (Physiotherapie-Verordnung vom 15. Juni 1999; Bericht vom 28. Juni 1999), welche auch die Ärzte der Klinik für Neurologie des Spitals S.________ (Bericht vom 23. Juli 1999), Dr. med. C.________ (Bericht vom 1. September 1999) sowie Dr. med. K.________, Facharzt Allgemeine Medizin FMH, (Bericht vom 2. November 1999) bestätigten. Dr. med. M.________ diagnostizierte in seiner Beurteilung vom 27. Januar 2001 u.a. ebenfalls einen Status nach cervico-cephalem Akzelerations-/Dezelerationstrauma und auch Dr. med. G.________ gelangte in seinem Bericht vom 1. März 2001 zum Schluss, es bestünde ein Zustand nach einem Distorsionstrauma der HWS. Frau Dr. phil. O.________ hielt in ihren Angaben vom 20. März 2001 sodann fest, aus neuropsychologischer Sicht entsprächen die Untersuchungsbefunde einer minimalen Funktionsstörung im Bereich rechts frontaler Strukturen. In seinem Gutachten vom 24. Januar 2002 führte Dr. med. F.________ ferner aus, der Patient leide an einem Status nach Verkehrsunfall mit HWS-Distorsion mit einer regredienten cervicalen Symptomatik, mit einer neurovegetativen-neurootologischen und einer gewissen neuropsychologischen Symptomatik sowie mit einer reaktiven Depression vor. Vorbestehend sei ein Klippel-Feil-Syndrom Typ-2 mit Blockwirbelbildung C2/C3 und suboccipitaler Dysplasie ohne neurologische Ausfälle. Er legte weiter dar, dass die vorbestandene Wirbelfehlbildung bis zum Unfall ohne klinische Symptomatik geblieben sei, wobei die seit dem Unfallereignis beschriebenen Symptome zum Bild einer HWS-Distorsion passten. Es sei nicht anzunehmen, dass die Klippel-Feil-Fehlbildung in der fraglichen Zeit allein zu den betreffenden Beschwerden geführt hätte, obwohl eine gewisse Mitwirkung im Verlauf der Chronifizierung im Rahmen von 20 bis 30 % zu berücksichtigen sei. Hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs stellte er fest, dass unfallbedingt eine Teilkausalität von 75 bis 80 % und unfallfremd (Klippel-Feil-Fehlbildung) eine solche von 20 bis 25 % bestehe. Die psychischen Faktoren - Dr. med. C.________ hatte in seinem Bericht vom 1. September 1999 noch von einer, wenn auch bereits wieder abklingenden Depression gesprochen - stünden aktuell nicht mehr im Vordergrund, sie hätten lediglich eine interkurrente Episode dargestellt. Gesamthaft betrachtet gelangten die involvierten Ärzte übereinstimmend zum Ergebnis, dass der Beschwerdeführer am 18. April 1999 ein HWS-Distorsionstrauma bei vorbestehender Klippel-Feil-Fehlbildung erlitten hat. Zu diesem Schluss kamen die Experten, obwohl der Versicherte, zumindest zu Beginn der ärztlichen Behandlung, stets angab, er habe nach dem Unfall vorerst keinerlei Beschwerden verspürt, er seiner beruflichen Tätigkeit als Zimmermann zunächst weiterhin nachgegangen ist und die geklagten Beschwerden - ein zunehmendes Ziehen im Nacken, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle sowie Konzentrationsstörungen - glaubhaft erst ca. eine Woche nach dem Unfall (26. oder 27. Juni 1999) aufgetreten sind (vgl. Berichte des Dr. med. C.________ vom 8., 17. und 28. Juni 1999, des SUVA-Inspektors vom 16. Juni 1999, des. Dr. med. D.________ vom 28. Juni 1999 sowie der Dres. med. H.________ und E.________ vom 23. Juli 1999). 4.2 Ist ein Schleudertrauma der HWS diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depressionen, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem für ein Schleudertrauma der HWS typischen Beschwerdebild sowie der als Folge davon eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel zu bejahen (BGE 119 V 338 Erw. 1 in fine mit Hinweis). Nicht erforderlich ist, dass der Unfall mit einem Bewusstseinsverlust oder einer Amnesie verbunden war und die typischen Beschwerden bereits unmittelbar nach dem Unfall aufgetreten sind (zur Latenzzeit vgl. RKUV 1995 Nr. U 221 S. 113). Stellen sich Schmerzen im Nacken- und Kopfbereich erst einige Wochen nach dem (Auffahr-)Unfall ein und wird die Diagnose eines HWS-Schleudertraumas erst einige Monate später erstmals erwähnt, ist dieser mit Zurückhaltung zu begegnen (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29; Urteil W. vom 30. April 2001, U 396/99, Erw. 2b). Nach heutiger medizinischer Erkenntnis können bei einem Schleudertrauma der HWS indessen auch ohne nachweisbare pathologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle der verschiedensten Art auftreten (BGE 117 V 363 Erw. 5 d/aa). Des Weitern ist zu beachten, dass es für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 360 Erw. 4b). Die Schwere des Unfallereignisses und der dabei erlittenen Verletzungen ist beim Schleudertrauma der HWS nicht bei der Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs, sondern bei der Adäquanzbeurteilung zu berücksichtigen. 4.3 Im Lichte der dargelegten Rechtsprechung ist davon auszugehen, dass zwischen den vom Beschwerdeführer auch nach dem 15. November 1999 geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigungen und dem Unfall vom 18. April 1999 ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist. Zum einen steht auf Grund der einhelligen ärztlichen Berichte mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest (BGE 126 V 360 Erw. 5b mit Hinweisen), dass der Versicherte ein HWS-Schleudertrauma erlitten hat; zum anderen klagt er glaubwürdig über Beschwerden, die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehören. So hat er bereits etwa eine Woche nach dem Unfall zunehmend ein Ziehen im Nacken, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle sowie Konzentrationsstörungen verspürt und deshalb Ende Mai 1999 einen Arzt aufgesucht. Diese Beeinträchtigungen, welche sich in der Folge noch verstärkten und zu denen auch Probleme mit dem Ohrdruck, Auffassungsschwierigkeiten, zeitweise sich einstellende Visusstörungen sowie vermehrte Müdigkeit hinzutraten (vgl. die Berichte des Dr. med. C.________ vom 28. Juni 1999 und der Dres. med. H.________ und E.________ vom 23. Juli 1999), haben zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Zimmermann geführt, welche bis heute andauert (der Versicherte befindet sich seit dem 14. August 2000 in einer von der Invalidenversicherung finanzierten Umschulung zum Koch). An diesem Ergebnis ändert der Umstand, dass zur Zeit des Unfalles bereits eine vorbestehende Wirbelfehlbildung existiert hat, nichts, wurde dieses Leiden doch erst mit dem Unfallvorfall manifest (vgl. RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 f. Erw. 4b mit Hinweisen) und ist, mit Blick auf das gesamthafte Beschwerdebild, - wie Dr. med. F.________ in seinem Gutachten vom 24. Januar 2002 überzeugend dargelegt hat - lediglich für einen geringen Teil des Gesundheitsschadens ursächlich. Ebenfalls kein anderes Resultat vermögen die ärztlichen Beurteilungen durch Dr. med. I.________ vom 21. September 2000 und 6. März 2002 herbeizuführen. Denn das darin enthaltene Hauptargument zur Leistungsablehnung, es seien keine physischen Folgen des Verkehrsunfalles vom 18. April 1999 feststellbar, ist im Lichte der ständigen Rechtsprechung bei Unfällen mit Schleudertrauma der HWS ohne organisch nachweisbares Substrat (BGE 117 V 363 ff. Erw. 5d) nicht stichhaltig.