Citation: 1A.164/2002 10.09.2002 E. 3

Der Beschwerdeführer beruft sich ferner auf Art. 8 EMRK. Am 30. April 2002 habe er eine Landsmännin geheiratet, die im Kanton Zürich die Niederlassungsbewilligung besitze. Durch die Auslieferung nach Italien würden die Ehegatten sehr weit und für lange Zeit auseinander gerissen und die junge Ehe einer schweren Belastung ausgesetzt. Für seine Ehefrau sei eine Übersiedlung nach Italien unzumutbar; aufgrund ihres geringen Verdienstes (Fr. 2'800.-- monatlich) könne sie sich wiederholte Reisen nach Italien nicht leisten. Auch für die Resozialisierung des Beschwerdeführers sei es besser, wenn die Strafe in der Schweiz vollzogen werde, wo sich seine Ehefrau befinde und er anschliessend mit seiner Familie wohnen werde. 3.1 Das Bundesgericht erkannte in BGE 122 II 485 (nicht veröffentlichte E. 3e), dass es sich in gewissen ausserordentlichen Fällen rechtfertigen könne, einem Ersuchen um Auslieferung eines Straftäters nicht stattzugeben, wenn die Auslieferung zu einem unverhältnismässigen Eingriff in das Familienleben des Beschwerdeführers führen würde. In diesem Urteil wurde die Auslieferung eines wegen Vermögensdelikten bestraften Ausländers an die Bundesrepublik Deutschland verweigert, weil seine zu 100% invalide und suizidgefährdete Lebensgefährtin, die gerade ihr drittes Kind erwartete, auf ihn angewiesen war. Eine Abwägung der auf dem Spiel stehenden Interessen ergab, dass das Interesse des Straftäters und seiner Lebensgefährtin am Schutz des Familienlebens dem Interesse Deutschlands am Vollzug des Rests einer zehn Jahre früher ausgesprochenen und bereits weitgehend verbüssten Strafe in Deutschland (anstatt in der Schweiz) vorging. 3.2 Im vorliegenden Fall liegen die Verhältnisse anders. Der italienische Staat hat ein gewichtiges Interesse an der Vollstreckung der gegen den Beschwerdeführer verhängten Strafe, die (von der angerechneten Untersuchungshaft abgesehen) noch nicht verbüsst worden ist. Anders als im Fall BGE 122 II 485 ist die Ehefrau des Beschwerdeführers nicht invalid und deshalb auf die Anwesenheit des Beschwerdeführers nicht besonders angewiesen. Zwar wird die Auslieferung den Kontakt des Beschwerdeführers zu seiner Ehefrau erschweren; zumindest gelegentliche Besuche der Ehefrau im benachbarten Italien bleiben jedoch möglich. Die Heirat fand während des Auslieferungsverfahrens statt, d.h. in Kenntnis der möglicherweise bevorstehenden Trennung. Die Auslieferung des Beschwerdeführers stellt damit zwar einen Eingriff in den durch Art. 8 EMRK garantierten Anspruch auf Achtung seines Privatlebens dar, ist aber gemäss Art. 8 Abs. 2 EMRK gerechtfertigt.