Citation: 6B_125/2024 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz verneint einen schweren persönlichen Härtefall. Die im Jahr 1981 geborene Beschwerdeführerin sei 2014 und damit vor rund neun Jahren zwecks Heirat mit ihrem Ehemann in die Schweiz eingereist. Das Paar habe im Jahr 2015 geheiratet. Im Jahr 2020 sei die leibliche Tochter des Ehemannes, die Stieftochter der Beschwerdeführerin, in den gemeinsamen Haushalt eingezogen (vgl. Urteil S. 27). Seit dem Vorfall im Jahr 2022 lebe das Paar getrennt. Im bisherigen Verfahren sei eine Scheidung im Raum gestanden. Im Berufungsverfahren habe die Beschwerdeführerin allerdings erklärt, sie und ihr Ehemann hätten als Paar wieder zueinandergefunden und beabsichtigten, wieder zusammenzuziehen, sobald die Privatklägerin volljährig sei. Die Verteidigung habe anlässlich der Berufungsverhandlung zudem ein vom 2. Oktober 2023 datiertes Bestätigungsschreiben des Ehemannes zur Beziehungswiederaufnahme und Fortführung der Ehe eingereicht. Es dürfte sich diesbezüglich jedoch um ein vorformuliertes Schreiben handeln, das der Ehemann nur noch habe unterzeichnen müssen, so dass an seinem tatsächlichen Ehewillen Restzweifel verblieben. Der Ehemann sei denn auch nicht an die Berufungsverhandlung gekommen. Es stelle sich daher die Frage, ob der Schutzbereich von Art. 13 BV bzw. Art 8 EMRK überhaupt genügend tangiert sei. Ohnehin gelte aber zu beachten, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann bereits in der Vergangenheit eine Fernbeziehung geführt hätten, als sie noch in Brasilien gelebt habe. Es wäre den Eheleuten daher zumutbar, ihre allfällig wiederaufgenommene Beziehung temporär mittels regelmässigen Besuchen des Ehemannes und moderner Kommunikationsmittel aufrechtzuerhalten. Was die Zumutbarkeit der Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Brasilien angehe, sei festzuhalten, dass sie den überwiegenden Teil ihres bisherigen Lebens und insbesondere auch die prägenden Kinder- und Jugendjahre in Brasilien verbracht habe, wo heute noch ihre Verwandtschaft lebe. Besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen gesellschaftlicher Natur in der Schweiz seien hingegen nicht dokumentiert. In beruflicher Hinsicht sei die Beschwerdeführerin im Tatzeitpunkt arbeitslos gewesen und vom Ehemann finanziell unterstützt worden; seither habe sie temporär gearbeitet. Ihre bisherigen Berufserfahrungen in der Telemarketing- und Kleiderbranche sowie in der Gastronomie werde sie in Brasilien weiterhin erwerbsträchtig einsetzen können. Einer Resozialisierung in das Heimatland stehe folglich nichts im Wege. Selbst wenn bei einer Gesamtbetrachtung - so die Vorinstanz weiter - ein persönlicher Härtefall noch knapp bejaht würde, müsse die Beschwerdeführerin aufgrund des überwiegenden öffentlichen Interesses aus der Schweiz verwiesen werden. Sie habe die versuchte schwere Körperverletzung eventualvorsätzlich begangen. Es handle sich um ein schwerwiegendes Delikt gegen die körperliche Integrität, welches ein keinesfalls mehr leichtes Verschulden beinhalte. Die Beschwerdeführerin sei mit einem Messer mit einer Klingenlänge von ca. 8 cm auf die minderjährige Stieftochter losgegangen, welche sich in ihr Zimmer zurückgezogen habe, wobei lediglich der Ehemann einen zweiten Angriff habe verhindern können. Vor diesem Hintergrund bestehe zumindest ein geringes Rückfallrisiko bezüglich eines Gewaltdelikts und damit eine überwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die Landesverweisung sei somit auch mit Blick auf Art. 8 EMRK verhältnismässig und völkerrechtlich zulässig.