Citation: 6B_1165/2019 E. 1.5.3

1.5.3. Diese vorinstanzliche Beurteilung ist nicht zu beanstanden. Die Sachverständige zeigt in ihrem Gutachten vom 18. April 2018 anhand der Biografie des Beschwerdeführers ausführlich und nachvollziehbar auf, wie sie zu ihrer Einschätzung gelangt, wonach in erster Linie eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis als Grunderkrankung diskutiert werden müsse. Bei ihrer Beurteilung setzt sie sich mit den Erkenntnissen des ersten Gutachters und der Einschätzung der bisher behandelnden Ärzte und Therapeuten auseinander. Dabei berücksichtigt sie insbesondere, dass die behandelnden Ärzte der Klinik für Forensische Psychiatrie Rheinau (nachfolgend KFP Rheinau) das tatzeitnahe psychotische Zustandsbild als Folge einer Intoxikation mittels des Opioids Bexin interpretierten. Insbesondere legt sie anschaulich dar, dass die Therapie des Beschwerdeführers zunächst erfolgversprechend verlaufen sei, bis es ab Herbst 2015 zu Regelverstössen und einer zunehmend destruktiven Dynamik gekommen sei, was sich auch negativ auf die Therapiefortschritte ausgewirkt habe. Sie führt aus, wenn man den bisherigen Massnahmenverlauf betrachte, so zeigten sich beim Beschwerdeführer wiederholte affektive Schwankungen mit deutlichen dysphorischen Verstimmungen und seit mindestens 2016 ein deutliches Misstrauen gegenüber Ärzten sowie Therapeuten und eine deutliche Feindseligkeit. Anlässlich ihrer kurzen Exploration hätten wiederum ein sehr deutliches Misstrauen ihr gegenüber und gegenüber der Begutachtungssituation sowie eine Feindseligkeit gegenüber den Behörden und der Massnahmeninstitution imponiert. Im Gespräch hätten offensichtliche Hinweise auf eine florid-psychotische Symptomatik, im Sinne von Sinnestäuschungen, formalen Denkstörungen oder einer offensichtlichen wahnhaften Symptomatik gefehlt. Das Erscheinungsbild des Beschwerdeführers und insbesondere sein Interaktionsverhalten mit der Sachverständigen, welches sich im Übrigen mit dem beschriebenen Interaktionsverhalten in der Massnahmeneinrichtung decke, könne jedoch als psychosenah beschrieben werden und nicht alleine auf eine Persönlichkeitsstörung zurückgeführt werden. Das Verharren des Beschwerdeführers in dieser destruktiven Dynamik lasse sich besser mit einer schizophrenen Grunderkrankung erklären. Damit erklärt die Sachverständige anschaulich, worauf sie ihre Hypothese stützt und begründet in der Folge nachvollziehbar, weshalb sie in einem ersten Schritt eine medikamentöse Behandlung empfiehlt (Gutachten S. 58 ff., 67 f.). Anlässlich ihrer Einvernahme im vorinstanzlichen Verfahren legte die Sachverständige die wesentlichen Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zwischen einer Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen Zügen und einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis dar und erläuterte, was die Unterscheidung der beiden Diagnosen so schwierig mache. Vorliegend liege die Schwierigkeit darin, dass man erneut eine eingehende klinische Untersuchung vornehmen müsste. Es wäre auch empfehlenswert, die kognitive Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers zu prüfen. In aller Regel gehe Schizophrenie mit einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit einher (Akten Vorinstanz, act. 1, Einvernahmeprotokoll Sachverständige vom 26. Juli 2019S. 24 f. [nachfolgend Einvernahmeprotokoll Sachverständige]). Angesprochen auf den Umstand, dass in der KFP Rheinau die Diagnose einer schizophrenen Erkrankung nicht erhärtet worden sei, führte die Sachverständige aus, das Verhalten des Beschwerdeführers, das er vor allem nach der Verlegung in den offenen Vollzug beziehungsweise in die offene Massnahmenstation gezeigt habe, sei zunehmend unverständlich geworden. Sie stelle die Hypothese auf, dass das gezeigte Verhalten mit einer Persönlichkeitsstörung allein nicht mehr erklärt werden könne (Einvernahmeprotokoll Sachverständige S. 27). Auf Frage der Verteidigung, ob der Beschwerdeführer nach der Abflachung des psychotischen Schubes, der zum Anlassdelikt geführt habe, Anzeichen für Psychosen gezeigt habe, erläuterte die Sachverständige, das Verhalten des Beschwerdeführers auf der offenen Massnahmenstation habe zumindest psychosenah angemutet. Es habe verschiedene Vorfälle gegeben, bei welchen immer wieder beschrieben worden sei, dass der Beschwerdeführer für Erklärungen oder für nachvollziehbare Argumente nicht erreichbar gewesen sei. Auch sonstige Auffälligkeiten seien auf der Station beobachtet worden. Diese hätten letztlich zu einer Eskalation geführt, da sich der Beschwerdeführer dem Gespräch zunehmend verweigert beziehungsweise sich der Erklärung zunehmend unzugänglich gezeigt habe. Das sei für sie nicht mehr nachvollziehbar, wenn sie einzig von der Hypothese einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ausgehe. In diesem Fall wäre zu erwarten gewesen, dass der Betroffene irgendwann Abstand nehme und herauszufinden versuche, was nicht gut laufe (Einvernahmeprotokoll Sachverständige S. 29 f.). Auf die Frage der Verteidigung, wie häufig bei schizophrenen Erkrankungen während knapp neun Jahren keine psychotischen Zustände auftreten würden, führte die Sachverständige aus, rund ein Drittel der Schizophrenieerkrankten würden chronifizieren. Eine Chronifizierung könne sich in einer Produktivsymptomatik oder einer Minussymptomatik niederschlagen. Ersteres sei beim Beschwerdeführer nicht der Fall. Letzteres bedeute, dass jemand kognitiv weniger leistungsfähig sei als zuvor. Auch dies führe zu einer Residualsymptomatik. Wenn man davon ausgehe, dass die Chronifizierung im vorliegenden Fall eher auf einer Minussymptomatik laste, bei welcher in Stresssituationen eine Feindlichkeit ersichtlich sei oder ein Misstrauen, wäre dies auch ein Schizophrenismus. Dies sei nicht beschränkt auf Fälle, in denen eine Produktivsymptomatik sichtbar bleibe (Einvernahmeprotokoll Sachverständige S. 31). Aus den gutachterlichen Ausführungen ergibt sich hinreichend nachvollziehbar, auf welche Überlegungen die Sachverständige ihre Hypothese einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis stützt. Diese setzt sich mit den Beurteilungen anderer Fachpersonen auseinander und legt stimmig dar, weshalb sie davon abweichen würde. Ihre Hypothese stützt die Sachverständige nach dem Gesagten insbesondere auf das Verhalten des Beschwerdeführers beziehungsweise dessen Massnahmenverlauf ab Herbst 2015. Demgegenüber datiert das Protokoll der Vollzugskoordinationssitzung der KFP Rheinau, worin die Einschätzung der den Beschwerdeführer behandelnden Fachpersonen wiedergegeben wird, wonach es bei diesem nicht um eine schizophrene Psychose gehe, weshalb keine neuroleptische Rezidivprophylaxe indiziert sei, vom 21. September 2015 (Vollzugsakten, act. 44 S. 2). Folglich konnten die Fachpersonen der KFP Rheinau das veränderte Verhalten des Beschwerdeführers ab Herbst 2015, das für die Sachverständige nicht mehr mit einer Persönlichkeitsstörung des narzisstischen Typus erklärbar ist, bei ihrer Beurteilung nicht berücksichtigen. Dass es sich bei ihrer Einschätzung um eine Hypothese handelt, legt die Sachverständige offen und zeigt auf, dass und wie die diagnostischen Unsicherheiten ihrer Ansicht nach im weiteren Massnahmenverlauf geklärt werden müssen. Die Kritik des Beschwerdeführers an der Hypothese der Sachverständigen ist unbegründet. Zu deren differenzialdiagnostischen Einschätzung äussert er sich nicht. Letztlich gelangt die Vorinstanz auch zutreffend zum Schluss, dass es sich nicht um eine abschliessende Diagnose handelt.