Citation: I 164/02 05.12.2003 E. 3.2

3.2.1 Die Vorinstanz begründete die Ablehnung eines Anspruchs auf medizinische Eingliederungsmassnahmen unter anderem sinngemäss damit, die Versicherte habe 1997 ihre hauptberufliche Festanstellung, in welcher sie erwerblich voll eingegliedert gewesen sei, freiwillig auf 70 % reduziert, um im Gegenzug den Anteil einer Nebenbeschäftigung auszuweiten, welche höhere Anforderungen an die visuellen Fähigkeiten stelle und für sie deshalb von vornherein nicht geeignet gewesen sei. Aus einer allfälligen kataraktbedingten Einschränkung in der Nebenerwerbstätigkeit als Chorleiterin und Organistin könne sie daher keinen Anspruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen ableiten, selbst wenn sie in dieser Tätigkeit auf Binokularsehen angewiesen sein sollte. Dieser Argumentation ist schon deshalb nicht zu folgen, weil einerseits die Versicherte gemäss IK-Zusammenruf bereits seit mindestens 1989 im Bereich Kirchenmusik einer Nebenerwerbstätigkeit nachging und andererseits der graue Star erst im Verlauf des Jahres 1999 in der Form einer "relativ schnell fortschreitenden hinteren Schalentrübung der Linse" entdeckt wurde, so dass kein Zusammenhang zwischen der Veränderung der Beschäftigungsanteile und dem Eintritt der Sehfähigkeitsbeeinträchtigung besteht. 3.2.2 Das Tätigkeitsspektrum der als Sachbearbeiterin (Markenspezialistin) und Übersetzerin berufstätigen A.________ ergibt sich aus den Angaben des Dr. iur. E.________, gemäss Schreiben vom 27. März und 19. Dezember 2001. In Bezug auf die Nebenerwerbstätigkeit als Chorleiterin bzw. Dirigentin und Organistin ist auf die von der Versicherten zutreffend dargelegten Anforderungen gemäss ihrer vorinstanzlichen Eingabe vom 22. Dezember 2001 abzustellen. 3.3 Steht fest, welches die visuell anspruchvollste Tätigkeit der A.________ ist, hat die IV-Stelle gemäss Präzisierungen im Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02) einen fachärztlichen Bericht zur diesbezüglichen Notwendigkeit des Binokularsehens einzuholen, der nicht allein auf die subjektiven Angaben der Versicherten abstellt, sondern vielmehr für die streitigen Belange umfassend ist, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wird und der konkreten medizinischen Situation Rechnung trägt (vgl. dazu BGE 125 V 353 Erw. 3a). Soweit der einseitige Ausfall der Sehfähigkeit durch Angewöhnung an den Verlust des stereoskopischen Sehens zumutbarerweise kompensiert werden kann (vgl. z.B. die viermonatige Wartefrist nach dem Verlust eines Auges in der Führerausweis-Kategorie B gemäss Anhang 1 zur Verordnung vom 27. Oktober 1976 über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr [VZV; SR 741.51]), hat dies der Augenarzt im Einzelfall zu berücksichtigen und dazu Stellung zu nehmen. Zusätzlich wird er die Frage betreffend die Auswirkungen von störenden Blendeffekten beantworten müssen. Können störende Blendeffekte oder andere einseitige Sehfähigkeitsbeeinträchtigungen im Zusammenhang mit Bildschirmarbeit durch Abdecken eines Auges vermieden werden, stellt diese Vorkehr eine dem Eingliederungszweck angemessene, zweckmässige und zumutbare Massnahmen dar, welche gegebenenfalls als realistische Alternative im Vergleich zur Übernahme einer Staroperation als medizinische Eingliederungsmassnahme in Frage kommt (Urteil B. vom 30. September 2003, I 14/03). Erfolgt die augenärztliche Beurteilung dieser Fragen - wie hier - erst nach bereits durchgeführter Operation, sind sie medizinisch prognostisch aufgrund der Verhältnisse vor der fraglichen Operation (AHI 2000 S. 299 Erw. 2b mit Hinweisen) zu beantworten, wobei es zur Aufgabe des Arztes oder der Ärztin gehört, dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person ohne die am 8. Mai 2001 durchgeführte Staroperation am rechten Auge arbeitsunfähig geworden wäre (vgl. BGE 125 V 261 Erw. 4 mit Hinweisen). 3.4 Die im Zusammenhang mit der zweiten Kataraktoperation am rechten Auge vom 8. Mai 2001 erstellten Berichte der behandelnden Augenärzte Dres. med. C.________ und D.________ genügen den dargelegten praxisgemässen (Erw. 3.3 hievor) Anforderungen an die medizinische Beurteilung der Notwendigkeit des Binokularsehens nicht. Obwohl Dr. med. C.________ mit Schreiben vom 19. Dezember 2001 im vorinstanzlichen Verfahren zuhanden der Versicherten bestätigte, dass sie "in ihrer Funktion als Markenspezialistin/Übersetzerin mit achtstündigem Einsatz pro Tag am Computer (Online Dateien) und als Dirigentin/ Organistin auf ein gutes Binokularsehen angewiesen" sei und er deshalb die "Übernahme der Kosten beider Operationen [...] durch die Invalidenversicherung" beantrage, unterliess er es, differenziert zu den erforderlichen Aspekten der Notwendigkeit des Binokularsehens (Erw. 3.3 hievor) Stellung zu nehmen. Unbekannt blieb auch, inwieweit störende Blendeffekte durch zumutbares Abdecken des nicht operierten rechten Auges bei der Bildschirmarbeit und gegebenenfalls auch bei der Tätigkeit als Dirigentin/Organistin hätten vermieden werden können. Insbesondere fehlt es an einer Beantwortung der Frage nach der Angewöhnung und Anpassung an den funktionellen Verlust eines Auges in Bezug auf die behauptete Beeinträchtigung des stereoskopischen Sehens und die angeblich daraus resultierende Unfähigkeit, gewisse Symbole auf dem Bildschirm erkennen zu können. 3.5 Fehlt es an den erforderlichen Grundlagen zur Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit der Versicherten (vgl. Erw. 3.2 hievor), sind der angefochtene Entscheid und die Verwaltungsverfügung aufzuheben. Die Sache ist an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese bei den ergänzenden Abklärungen nach den Erwägungen Ziffer 3.1 bis 3.3 vorgehen und anschliessend über das Leistungsgesuch betreffend die rechtsseitige Kataraktoperation vom 8. Mai 2001 neu verfügen wird.