Citation: 5A_1048/2019 E. 3.2

3.2. Nach der gesetzlichen Regelung werden Errungenschaft und Eigengut jedes Ehegatten nach ihrem Bestand im Zeitpunkt der Auflösung des Güterstandes ausgeschieden (Art. 207 Abs. 1 ZGB). Als Zeitpunkt der Auflösung des Güterstandes gilt bei gerichtlicher Anordnung der Gütertrennung der Tag, an dem das Begehren eingereicht worden ist (Art. 204 Abs. 2 ZGB). Massgebend für den Wert der bei der Auflösung des Güterstandes vorhandenen Errungenschaft ist der Zeitpunkt der Auseinandersetzung (Art. 214 Abs. 1 ZGB). Erfolgt die güterrechtliche Auseinandersetzung im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens, so ist der Tag der Urteilsfällung (BGE 142 III 65 E. 4.5; 137 III 337 E. 2.1.2; 121 III 152 E. 3a mit Hinweis) oder ein diesem möglichst nahe gelegener Zeitpunkt massgebend (ALTHAUS/BOHNENBLUST, Der massgebliche Wert in der güterrechtlichen Auseinandersetzung, FamPra.ch 2020 S. 673; STECK/FANKHAUSER, in: FamKomm Scheidung, 3. Aufl. 2017, N. 7 zu Art. 214 ZGB). Lehre und Rechtsprechung lassen aber Abweichungen von diesem Grundsatz zu, namentlich durch Vereinbarung der Parteien (Urteil 5A_346/2015 vom 27. Januar 2017 E. 3, in: FamPra.ch 2017 S. 536; für einen Anwendungsfall vgl. Urteil 5A_104/2012 vom 11. Mai 2012 E. 2.1, in: FamPra.ch 2012 S. 1139). Die Einigung auf einen anderen Zeitpunkt für die Bewertung kann auch implizit geschehen (vorzitiertes Urteil 5A_346/2015 a.a.O.; Urteil 5C.279/2006 vom 31. Mai 2007 E. 7 mit Hinweisen, in: FamPra.ch 2007 S. 904). Die für den Bestand und für die Bewertung massgebenden Zeitpunkte sind klar zu unterscheiden (BGE 136 III 209 E. 5.2). Dass zwischen dem Zeitpunkt der Auflösung des Güterstandes und der güterrechtlichen Auseinandersetzung eingetretene Wertveränderungen berücksichtigt werden, ist nach der gesetzlichen Regelung gewollt (BGE 136 III 209 E. 5.2; 135 III 241 E. 4.1). Bei der güterrechtlichen Auseinandersetzung sind die Vermögensgegenstände zu ihrem Verkehrswert einzusetzen (Art. 211 ZGB). Verkehrswert im Sinne des Gesetzes ist der Wert, der bei einem Verkauf auf dem freien Markt realisierbar wäre (BGE 136 III 209 E. 6.2.1 mit Hinweis). Die Höhe des Verkehrswerts beschlägt eine Tatfrage (Urteile 5A_667/2019 vom 7. April 2020 E. 3.1; 5A_339/2015 vom 18. November 2015 E. 9.3 mit Hinweis), die Wahl der Methode für deren Ermittlung demgegenüber eine Rechtsfrage (BGE 146 III 73 E. 5.2.1 mit Hinweisen).