Citation: I 798/03 08.07.2004 E. 4

4.1 Die medizinische Aktenlage zeigt das folgende Bild: 4.1.1 Am 24. März 2001 diagnostizierte Dr. med. T.________ ein seit ca. acht Jahren bestehendes chronisches hyperkeratotisches rhagadiformes Handekzem, eine - ebenfalls seit Jahren vorhandene - Periarthropathia humeroscapularis chronica rechts sowie chronisch rezidivierende Lumboischialgien beidseits. Als Maurer bescheinigte er dem Versicherten eine 100 % Arbeitsunfähigkeit seit 5. September 2000. 4.1.2 Dr. med. R.________ stellte in seinem Bericht vom 11. Mai 2001 die Diagnosen eines chronischen lumbospondylogenen Syndroms beidseits, eines chronischen Nacken-Schulter-Arm-Syndroms beidseits, eines chronischen hyperkeratotischen rhagadiformen Handekzems bei polyvalenter Sensibilisierung auf Zementinhaltsstoffe sowie einer somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung. Zu letzterem Krankheitsbild führte er aus, dass trotz der vorhandenen somatischen Beschwerden eine erhebliche Überlagerung bestehe, da die Diskrepanzen zwischen den objektiven Befunden und den subjektiven Angaben des Patienten kaum zu übersehen seien. Zusätzlich sei wahrscheinlich eine Entwicklung in Richtung einer somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung bereits eingetreten, wofür mindestens die klar nachweisbaren positiven zwei von fünf Waddel-Zeichen sprechen würden. Aus rheumatologischer Sicht attestierte er dem Versicherten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für leichte wechselnd belastende Tätigkeiten, wohingegen eine schwerere körperliche Beschäftigung mit repetitivem Heben schwerer Lasten oder monotoner Arbeit nicht mehr geeignet sei. Zudem seien Tätigkeiten, bei welchen der Beschwerdeführer mit Zement in Kontakt komme, auf Grund der bestehenden Kontaktallergie kontraindiziert. 4.1.3 Mit Arztzeugnis vom 16. Mai 2001 stellte Dr. med. T.________ eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit für leichte, wechselnd belastende Tätigkeiten fest. Schwere körperliche Beschäftigungen mit repetitivem Heben von Lasten über 20 Kilogramm oder monotonen Arbeiten seien dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Ebenfalls keine Eignung bestehe für Arbeiten in Kontakt mit Zement oder dessen Inhaltsstoffen. 4.1.4 Nach einem stationären Aufenthalt vom 18. Juli bis 7. August 2001 in der Rehaklinik A.________ gaben die behandelnden Ärzte in ihrem Bericht vom 9. August 2001 an, dass der Versicherte als Bauarbeiter nicht mehr einsatzfähig sei. Bei einer Tätigkeit mit Wechselbelastung bis maximal zehn Kilogramm und unter Vermeidung der Exposition zu ekzemauslösenden Substanzen bestehe demgegenüber ab 8. August 2001 ein 100 %iges Leistungsvermögen. Das Vorliegen einer psychischen Gesundheitsstörung bestätigten sie anlässlich ihrer Diagnosestellung nicht, erwähnten aber im Rahmen des weiteren Prozederes eine Anpassung der antidepressiven und analgetischen Medikation bei Bedarf. 4.1.5 Der Hausarzt Dr. med. T.________ bekräftigte in seinem Verlaufsbericht vom 13. Dezember 2002 - die letzte Kontrolle hatte am 11. Oktober 2002 stattgefunden - die durch Dr. med. R.________ erhobenen Befunde (samt somatoformer Schmerzverarbeitungsstörung) und hielt ergänzend fest, dass zur Zeit keine Therapie durchgeführt werde. Angesichts der hartnäckigen Symptome mit chronischer somatoformer Schmerzverarbeitungsstörung erscheine die Prognose im Hinblick auf eine Heilung jedoch schlecht. 4.2 Aus diesen Unterlagen erhellt, dass auf Grund der orthopädisch-rheumatologischen Befunde seit 5. September 2000 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere Tätigkeiten, namentlich auch in der angestammten Beschäftigung als Bauarbeiter, besteht. Für leichtere, wechselbelastende Arbeiten wird demgegenüber - aus rheumatologischer Sicht - ein uneingeschränktes Leistungsvermögen bescheinigt. Wie den Akten indes ebenfalls zu entnehmen ist, wurde erstmals im Bericht des Dr. med. R.________ vom 11. Mai 2001 auch eine psychische Gesundheitsstörung in Form einer somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung erwähnt. Während der Arzt des Spitals X.________ zum damaligen Zeitpunkt noch von einer Entwicklung in Richtung einer somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung sprach, beurteilte Dr. med. T.________ die Prognose für eine Heilung auf Grund der "hartnäckigen Symptomatik mit chronischer somatoformer Schmerzverarbeitungsstörung" in seinem Verlaufsbericht vom 13. Dezember 2002 bereits als schlecht. Die Ärzte der Rehaklinik A.________ führten in ihrem Bericht vom 9. August 2001 schliesslich zwar keine entsprechende Diagnose auf, wiesen aber auf eine Medikation mit Antidepressiva hin. 4.2.1 Es bestehen somit gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer nicht nur in somatischer, sondern auch in psychischer Hinsicht Defizite aufweist, welche sich seit 2001 zunehmend verstärkt zu haben scheinen. Diesen gesundheitlichen Verhältnissen wird die Vorinstanz mit ihrem blossen Vermerk, dass die vermutete somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung bezüglich Arbeitsfähigkeit in den jeweiligen Arztberichten bereits mitberücksichtigt worden sei, nicht gerecht. Zum einen bedarf es rechtsprechungsgemäss (vgl. Erw. 2 hievor) zur Beurteilung der Frage, ob ein psychisches Leiden, sofern für dessen Existenz - wie vorliegend - konkrete Hinweise vorhanden sind, geeignet ist, eine invalidisierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit herbeizuführen, grundsätzlich der Einschätzung einer entsprechend spezialisierten Fachperson, d.h. eines Psychiaters oder einer Psychiaterin. Eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung vermag zwar als solche nur in Ausnahmefällen, unter bestimmten Voraussetzungen, eine langdauernde, zu einer Invalidität führende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken (noch nicht in der Amtlichen Sammlung publiziertes Urteil N. vom 12. März 2004, I 683/03, Erw. 2.2.3 mit Hinweisen). Ob diese Ausnahmesituation im Einzelfall gegeben ist oder eben nicht, kann jedoch in der Regel - von gewissen eindeutigen Konstellationen abgesehen (vgl. dazu Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Invaliditätsbemessung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 89 ff.) - einzig durch eine psychiatrische Abklärung ermittelt werden. Während Ärzte und Ärztinnen anderer Fachrichtungen durchaus in der Lage sein mögen, die Symptome eines psychischen Leidens, namentlich einer somatoformen Schmerzstörung, zu erkennen, bilden die psychiatrischen Stellungnahmen zum psychischen Gesundheitszustand und - in erster Linie - zu dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotential unabdingbare Grundlage für die Beurteilung der Rechtsfrage, ob und gegebenenfalls inwieweit einer versicherten Person unter Aufbringung allen guten Willens die Überwindung ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft zumutbar ist (noch nicht in der Amtlichen Sammlung veröffentlichtes Urteil N. vom 12. März 2004, I 683/03, Erw. 2.2.5 mit Hinweisen). Diesen Anforderungen wurde im vorliegenden Fall offenkundig nicht nachgelebt. Insbesondere finden sich in den Akten weder nach dem ersten Hinweis des Dr. med. R.________ von Mitte Mai 2001 auf psychische Beschwerden noch der hausärztlichen Feststellung am 13. Dezember 2002, wonach die hartnäckige Symptomatik mit chronischer somatoformer Schmerzverarbeitungsstörung die Prognose auf eine Heilung verschlechtere, Anhaltspunkte für die Anhandnahme vertiefter psychiatrischer Untersuchungen durch die Verwaltung. Dies wiegt umso mehr, als einerseits nach der Aktenlage nicht zuverlässig und schlüssig gesagt werden kann, dass die massgeblichen Kriterien, deren es für die Bejahung der Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess bedarf (vgl. Urteil N. vom 12. März 2004, I 683/03, Erw. 2.2.3 mit Hinweisen), klarerweise nicht erfüllt sind und anderseits auch nicht eindeutig feststellbar ist, ob Ausschlussgründe vorliegen, die gegen die invalidisierende Wirkung der geltend gemachten Schmerzen sprechen (vgl. dazu Meyer-Blaser, a.a.O., S. 90 ff.). Überdies ist bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheides eingetretenen Sachverhalt abzustellen (BGE 129 V 4 Erw. 1.2 mit Hinweisen), welcher hier vom 17. Juni 2003 - und damit über ein halbes Jahr nach der letzten ärztlichen Stellungnahme - datiert. Ferner wird aus dem Bericht des Leiters des RAV vom 26. April 2002 an die IV-Stelle deutlich, dass der Versicherte auch während seiner Teilnahme am Arbeitsprojekt Y.________ vom 5. September 2001 bis 4. März 2002 stets über gesundheitliche Probleme geklagt hat. 4.2.2 Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, welche die notwendigen Aktenergänzungen vorzunehmen und hernach - auch über mögliche berufliche Eingliederungsmassnahmen (Umschulung, Arbeitsvermittlung) - zu befinden haben wird. Die erforderlichen weiteren Abklärungen bestehen dabei primär in der Einholung eines psychiatrischen Gutachtens, welches, damit den aktuellen Wechselwirkungen zwischen somatischem und psychischem Krankheitsbild Genüge getan werden kann, bevorzugterweise im Rahmen einer interdisziplinären MEDAS-Begutachtung, samt rheumatologischer Abklärung, zu veranlassen ist. Der begutachtenden Fachperson der Psychiatrie obliegt alsdann anlässlich der - naturgemäss mit Ermessenszügen behafteten - ärztlichen Stellungnahme zur Arbeits(un)fähigkeit und der Darlegungen zu der dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit die Aufgabe, durch die zur Verfügung stehenden diagnostischen Möglichkeiten fachkundiger Exploration der Verwaltung (und im Streitfall dem Gericht) aufzuzeigen, ob und inwiefern der Versicherte über psychische Ressourcen verfügt, die es ihm - auch mit Blick auf die entsprechenden Kriterien - erlauben, mit seinen Schmerzen umzugehen. Entscheidend ist, ob er, von seiner psychischen Verfassung her besehen, objektiv an sich die Möglichkeit hat, trotz seiner subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen (noch nicht in der Amtlichen Sammlung publiziertes Urteil N. vom 13. März 2004, I 683/03, Erw. 2.2.4 mit Hinweisen; vgl. allgemein zu den Grundlagen der psychiatrischen Begutachtung: Meyer-Blaser, a.a.O., S. 62. ff. und S. 88 f.). Der psychiatrische Experte wird sich zudem auch zur Frage zu äussern haben, ob eine zusätzliche neuropsychologische Untersuchung, wie vom Beschwerdeführer beantragt, indiziert ist.