Citation: 1C_321/2023 E. 3.4.4

3.4.4. Bei der Beurteilung der Frage, was gestützt auf die Besitzstandsgarantie gemäss Art. 24c RPG als landwirtschaftliche Nutzung zu gelten hat, ist jedoch nicht auf die heutigen Bestimmungen zur Zonenkonformität von Bauten und Anlagen abzustellen. Vielmehr ist zu prüfen, was am 1. Juli 1972 als landwirtschaftliche Nutzung galt. Das Bundesgericht hat im Urteil 1C_101/2009 vom 11. Dezember 2009 erkannt, dass hierfür Art. 20 aGSchG und Art. 27 der Allgemeinen Gewässerschutzverordnung vom 19. Juni 1972 (aAGSchV; AS 1972 967) sowie die dazu ergangene bundesgerichtliche Rechtsprechung Anhaltspunkte geben (zitiertes Urteil E. 2.5, wonach ein sachlich begründetes Bedürfnis vorausgesetzt wurde). Im Unterschied zum genannten Urteil ist vorliegend aber nicht umstritten, dass auf dem Hof im Jahr 1972 noch ein landwirtschaftlicher Betrieb bestanden hat bzw. ein landwirtschaftliches Gewerbe betrieben wurde. Streitig ist nur, ob der Brennerei, die sich auf dem landwirtschaftlichen Betrieb befand, zu diesem Zeitpunkt ebenfalls eine landwirtschaftliche Zweckbestimmung zugesprochen werden konnte. Dass dies zu bejahen ist, wenn die Brennerei ausschliesslich eigene, auf dem Hof selbst produzierte Ernte verarbeitet hat, wird auch vom Beschwerdeführer zu Recht nicht in Abrede gestellt. Entgegen dem Beschwerdeführer verliert die Brennerei aber - auch in Anwendung des Rechts zum Zeitpunkt des massgeblichen Stichtags - ihre landwirtschaftliche Zweckbestimmung selbst dann nicht, wenn sie zum Teil auch zugekaufte Drittware verarbeitet haben sollte. Dies jedenfalls solange überwiegend eigene Ernte verwendet wurde und kein eigentlicher nichtlandwirtschaftlicher Gewerbebetrieb vorlag. Auch in diesem Fall hängt die Brennerei eng mit dem landwirtschaftlichen Betrieb zusammen und dient der Nutzung des Kulturlands. Der Begriff der landwirtschaftlichen Nutzung ist im Zusammenhang mit Art. 24c RPG nicht restriktiv auszulegen (in diesem Sinne auch Urteil 1C_101/2009 vom 11. Dezember 2009 E. 2.5).