Citation: I 620/03 21.01.2004 E. 3

Unbestrittenermassen leidet die Beschwerdeführerin seit Jahren an einem Rückenleiden im Sinne eines lumbospondylogenen Schmerzsyndroms. Uneinigkeit herrscht unter den Verfahrensbeteiligten jedoch darüber, ob die Leistungsfähigkeit der Versicherten im Erwerbsleben oder im Haushalt zusätzlich durch ein psychisches Leiden vermindert ist. 3.1 Anhaltspunkte dafür finden sich in den Akten mehrfach: 3.1.1 Einem Bericht des Dr. med. W.________ vom 7. Dezember 2001 ist der Hinweis auf eine therapieresistente depressive Entwicklung bei Asylproblematik sowie ein Status nach erfolgreicher Behandlung von Panikattacken zu entnehmen. Weiter führt er aus, dass es gelungen sei, die Panikattacken mittels begleitender und medikamentöser Psychotherapie zum Verschwinden zu bringen. Bei ausgeprägter degenerativer sowie weitgehend therapieresistenter depressiver Problematik bestehe indessen nach wie vor ein markanter Leidensdruck. 3.1.2 PD Dr. med. S.________ wies in seinem Bericht vom 25. Juli 2001 sodann darauf hin, dass die Prognose angesichts der "sozialen Isolierung/wohl auch Depression" ungünstig sei. Am 2. Oktober 2001 sprach er ferner von einer analgetischen und antidepressiven medikamentösen Therapie. 3.1.3 Die Ärzte des Spitals X.________, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation, hatten der Versicherten bereits mit Bericht vom 26. März 1999 "die konsequente Fortsetzung der eingeleiteten antidepressiven Therapie nochmals nahegelegt". Am 14. September 2000 diagnostizierten sie rezidivierende depressive Episoden. 3.1.4 Frau Dr. med. V.________ bemerkte in ihrem Bericht vom 11. März 1999, seit ca. einem Jahr - offenbar im Anschluss an den Tod der 100-jährigen Mutter und dem Besuch in der Türkei - sei es zunehmend zu einer depressiven Verstimmung gekommen, wobei die antidepressive Medikation zufolge Nutzlosigkeit abgesetzt worden sei. 3.1.5 Sowohl die beiden Berichte des Spitals X.________, Medizinische Klinik, vom 27. Februar und 1. März 1999 wie auch diejenigen der Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation vom 26. August, 21. September und 14. Oktober 1998 sowie 15. Februar 1999 weisen unter ihren Diagnosen auf ein depressives Zustandsbild hin. 3.1.6 Die Ärzte des Departementes für Innere Medizin, Medizinische Poliklinik, des Spitals Y.________ nennen in ihrem Bericht vom 6. März 1998 ebenfalls eine voraussichtlich seit dem Tod der Mutter im März 1997 sich verstärkende psychische Problematik, welche psychiatrischer Unterstützung bedürfe. 3.2 Diese Aktenlage zeigt deutlich auf, dass die Beschwerdeführerin seit dem Tod ihrer Mutter im Frühjahr 1997 zunehmend unter einem depressiven Verstimmungsbild gelitten hat, welches medikamentös angegangen worden ist. Dr. med. W.________ führt in seinem Bericht vom 7. Dezember 2001 aus, dass in der Folge aufgetretene Panikattacken mittels Psychotherapie erfolgreich hätten behandelt werden können, die weitgehend therapieresistente depressive Problematik jedoch - zusammen mit dem somatischen Beschwerdebild - nach wie vor einen markanten Leidensdruck darstelle. Entgegen den Schlussfolgerungen des kantonalen Gerichts, welches ein psychisches Leiden mit Krankheitswert verneint, kann angesichts dieser Anhaltspunkte das Fortdauern der depressiven Episoden und eine allfällige dadurch bewirkte Beeinträchtigung des erwerblichen und haushaltlichen Leistungsvermögens bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses (vom 3. Oktober 2002), welcher rechtsprechungsgemäss die Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis darstellt (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen), nicht ausgeschlossen werden. Daran ändert auch die Angabe im Abklärungsbericht Haushalt vom 24. Juni 2002 nichts, wonach die Versicherte die ihr verschriebenen Antidepressiva nicht einnehme. Vielmehr stellt der darin enthaltene Hinweis, die Beschwerdeführerin sei depressiv und deshalb auf Medikamente angewiesen, ein Indiz für das Weiterbestehen des psychischen Leidens dar. Da bezüglich der psychischen Gesundheitsstörungen medizinische Unterlagen für das Jahr 2002 indes gänzlich fehlen - die Berichte des Spitals X.________, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation, vom 19. Februar und 4. April 2002 befassen sich einzig mit dem somatischen Leiden -, ist keine abschliessende Beurteilung möglich. Die Sache ist daher auch in dieser Hinsicht zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, welche - um dem gesamten Beschwerdebild der Versicherten, insbesondere auch allfälligen Wechselwirkungen zwischen physischen und psychischen Beeinträchtigungen gerecht zu werden - ein polydisziplinäres Gutachten bei einer Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) zu veranlassen haben wird. Dabei werden insbesondere die psychiatrischen Fachspezialisten sich nicht nur zur Arbeitsfähigkeit sondern auch zum Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin im Haushalt zu äussern haben. Der zur Abklärung des Behinderungsgrades im Haushalt ausgearbeitete Fragebogen - und damit generell die Erhebung vor Ort - ist nämlich vorwiegend für die Beurteilung der Invalidität infolge körperlicher Gebrechen ausgerichtet, weshalb für die Beurteilung psychischer Erkrankungen bei der Invaliditätsbemessung im Haushalt der medizinischen Begutachtung erhöhtes Gewicht beizumessen ist (Urteile B. vom 22. Dezember 2003, I 311/03, und L. vom 31. Oktober 2003, I 422/03, Erw. 4.2 mit Hinweisen).