Citation: 1P.112/2001 28.02.2001 E. 4

4.- Den dringenden Tatverdacht erachtete der Vizepräsident der Beschwerdekammer aufgrund der Aussagen des Tatopfers und des Verhaltens des Beschwerdeführers bei seiner Festnahme am Tag nach dem Vorfall als gegeben. Daran vermöge nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer die Gewaltanwendung beim eingestandenen Vollzug des Geschlechtsverkehrs am 17. Februar 2000 fest abstreite und einen Suizidversuch sowie die Schussabgabe durch das Küchenfenster in Richtung der gewaltsam in seine Wohnung eindringenden Polizeigrenadiere am Tag darauf nicht zu erklären wisse. Die vom Beschwerdeführer verfassten Abschiedsnotizen und seine Suizidhandlungen bei seiner Festnahme widersprächen dem Einwand der offensichtlichen Unglaubwürdigkeit der Anzeigerin. Der Beschwerdeführer macht geltend, es gebe keine Anhaltspunkte oder Beweise, dass die Schussabgabe in seinen Kopf eine Suizidhandlung und nicht ein Unfall gewesen sei. Insbesondere sei völlig offen, ob die von ihm verfassten "Abschiedsnotizen" nicht in den vorangegangenen Wochen, in denen er sich in einem schlechten Zustand befunden habe, verfasst worden seien. Auch könne der Zeitpunkt der Schussabgabe durch das Küchenfenster nicht eruiert werden, weshalb sie auch einige Tage vorher erfolgt sein könnte. Der Vizepräsident der Beschwerdekammer lasse auch weitere Umstände ausser Acht, die klar gegen einen Tatverdacht sprächen. So habe der Taxifahrer, der die Anzeigerin nach der angeblichen Tat nach Hause gefahren habe, als völlig ruhig, gefasst und nicht aufgelöst geschildert. Auch habe die medizinische Untersuchung der Anzeigerin nicht den geringsten Befund ergeben. Fest steht, dass der Beschwerdeführer sich am Tag, nachdem er mit der Anzeigerin unbestrittenermassen Geschlechtsverkehr hatte, mit zwei Pistolen bewaffnete, als die Polizei in sein Haus eindringen wollte, und dass er zu einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt einen Schuss durch das Küchenfenster ins Freie abgab. Unbestritten ist auch, dass vom Beschwerdeführer verfasste "Abschiedsnotizen" vorgefunden wurden und er sich vor seiner Festnahme eigenhändig mit einem Kopfschuss in lebensgefährlicher Weise verletzte. Damit liegen genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat vor, dass der Vizepräsident der Beschwerdekammer das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejahen durfte (vgl. BGE 116 Ia 143 E. 3c). Daran vermögen die Vorbringen, die Abschiedsnotizen könnten schon früher verfasst worden sein und bei der Schussabgabe in den Kopf des Beschwerdeführers könnte es sich auch um einen Unfall gehandelt haben, ebensowenig etwas zu ändern, wie der Einwand, die Schussabgabe durch das Küchenfenster sei möglicherweise bereits in einem früheren Zeitpunkt erfolgt. Bei der Überprüfung des dringenden Tatverdachts kann es nicht Sache des Haftrichters sein, dem Sachrichter vorgreifend eine erschöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender Umstände vorzunehmen (vgl. BGE 116 Ia 143 E. 3c). Dies gilt auch für die angeblich zu Unrecht nicht berücksichtigten medizinischen Untersuchungsergebnisse und Aussagen des Taxifahrers. Die Rüge, der Vizepräsident der Beschwerdekammer sei zu Unrecht von einem dringenden Tatverdacht ausgegangen, erweist sich somit als unbegründet.