Citation: U 473/00 20.11.2001 E. 3

3.- a) Erhebliche Schädigungen des Gehörs stellen eine Berufskrankheit nach Art. 9 Abs. 1 UVG dar, wenn sie ausschliesslich oder vorwiegend durch Arbeiten im Lärm verursacht worden sind (Ziff. 2 lit. a des Anhangs 1 zur UVV). Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob das Ohrenleiden des Versicherten eine Berufskrankheit im Sinne dieser Bestimmungen darstellt, wobei eine "vorwiegende" Verursachung von Krankheiten durch bestimmte Arbeiten nur dann gegeben ist, wenn diese im gesamten Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen (BGE 119 V 200 f. Erw. 2a mit Hinweis). b) Nach Untersuchungen des Bereichs Akustik der SUVA (Bericht vom 9. Juni 1999) betrug die durchschnittliche Lärmbelastung, welcher der Beschwerdeführer während seiner Tätigkeit für seine vormalige Arbeitgeberin ausgesetzt war, in der Zeit vom 11. März 1963 bis 17. August 1964 höchstenfalls 95 Dezibel (dB) sowie vom 18. August 1964 bis 30. August 1977 in der Abteilung Finissage C und vom 31. August 1977 bis 31. Mai 1996 in der Abteilung "Vico"-Zettelei 77dB. Diese Werte erhellen, dass der Versicherte einzig zu Beginn seiner Beschäftigung möglicherweise - die konkrete Arbeitsabteilung während dieser Zeit ist unbekannt - einem gehörgefährdenden Schallpegel von maximal 95 dB exponiert war. Von Mitte 1977 bis 1996 lag die Lärmbelastung in der Abteilung Zettelei mit höchstens 77 dB indes nicht einmal mehr im Grenzbereich der Gehörgefährdung (85 - 87 dB). Unter Bezugnahme auf diese Angaben sowie den Bericht des Dr. med. Y.________ vom 24. Juni 1999 und das gerichtlich eingeholte Aktengutachten des Dr. med. S.________ vom 28. August 2000, von dessen Schlussfolgerungen abzuweichen im Lichte der in BGE 125 V 352 f. Erw. 3b/aa und RKUV 2000 Nr. U 377 S. 185 f. Erw. 4a aufgeführten Grundsätze kein Anlass besteht, hat die Vorinstanz mit zutreffender Begründung dargelegt, dass der Hörverlust im Bereich des linken Mittelohres nicht durch die Tätigkeit in der Firma X.________ AG verursacht wurde, sondern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die chronische Mittelohrentzündung zurückzuführen ist, die ihrerseits ebenfalls in keinem Zusammenhang mit der am ehemaligen Arbeitsplatz bestehenden Lärmbelastung steht. In Berücksichtigung der Tatsache, dass der Versicherte von Mitte August 1964 bis Ende Mai 1996 lediglich einem deutlich unter dem kritischen Grenzwert liegenden Schallwert und einzig in der verhältnismässig kurzen Zeit von März 1963 bis August 1964 - möglicherweise - einer höheren Lärmbelastung ausgesetzt war, hat das kantonale Gericht ferner korrekt erwogen, dass auch die diagnostizierte Hochton-Innenohrschwerhörigkeit, deren Ursache grundsätzlich in einer chronischen Lärmbelastung bestehen kann, hier nicht erstelltermassen vorwiegend durch die berufliche Tätigkeit hervorgerufen wurde. Sodann ist in Bezug auf die Innenohrproblematik bei einem festgestellten Hörverlust rechts von 16,3 % und links von 28,4 % auch die für die Anerkennung einer arbeitsbedingten Erkrankung gemäss Ziff. 2 lit. a des Anhangs 1 zur UVV vorausgesetzte Erheblichkeit des Gehörschadens zu verneinen (vgl. die von der SUVA herausgegebene Tabelle 12 ["Integritätsschaden bei Schädigung des Gehörs"], deren Tabelle 2 einen Integritätsschaden bei binauralem Hörverlust in dieser Höhe verneint; Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 2. Aufl., Zürich 1995, S. 68). c) Unbehelflich ist der Einwand des Beschwerdeführers, in den früheren Jahren seiner Erwerbstätigkeit habe er noch keinerlei Gehörschutzmittel tragen müssen. Wie hievor dargelegt, war der Versicherte lediglich von März 1963 bis August 1964 einer gehörgefährdenden Lärmbelastung ausgesetzt, einer Zeitspanne, welche - auch ohne Gehörschutzmassnahmen - auf Grund ihrer relativ geringen Dauer nicht geeignet war, eine Innenohrschwerhörigkeit zu verursachen. In der Folge betrugen die massgebenden Werte während der restlichen Arbeitszeit (bis 1996) im Durchschnitt 77 dB oder weniger. Auch aus dem Hinweis, zu Beginn der Beschäftigung bei der Firma X.________ AG hätte noch kein Hörschaden bestanden, vermag der Beschwerdeführer, selbst wenn hievon auszugehen wäre, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Gemäss Gutachten des Dr. med. S.________ vom 28. August 2000 kann das Innenohr auch durch wiederholte Infekte, gerade auch in Begleitung einer chronischen Mittelohrentzündung, geschädigt werden oder aber eine Schädigung durch das Vorliegen eines sogenannten "vulnerablen Gehörs" begünstigt worden sein. Auch falls Letzteres zutreffen würde und die berufliche Lärmbelastung eine entsprechende Innenohrschädigung bewirkt hätte, fehlte es zur Bejahung einer arbeitsbedingten Erkrankung indes an der Erheblichkeit der Innenohrschädigung. Weitere Beweismassnahmen, insbesondere die beantragte Zeugeneinvernahme von ehemaligen Angestellten der Firma X.________ AG, erübrigen sich, da der Sachverhalt hinreichend geklärt ist und ergänzende Untersuchungen nichts am fehlenden Nachweis einer mehr als 50%igen (Art. 9 Abs. 1 UVG), geschweige denn mindestens 75%igen (Art. 9 Abs. 2 UVG) beruflichen Einwirkung zu ändern vermöchten (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b).