Citation: 2C_140/2021 E. 3.5.5

3.5.5. Für dieses Auslegungsergebnis spricht auch die historische Einbettung der Norm. Wohl erstmals im Urteil P.115/1923 vom 27. April 1923 E. 1 (Schweizerische Bundesbahnen gegen Kanton Basel-Stadt) hat das Bundesgericht den Rechtsbegriff des Sondervorteils umrissen. Seither gilt, dass die mit dem öffentlich-rechtlichen Beitrag zu deckende Vorzugslast (charge de préférence, contributo di miglioria) dem wirtschaftlichen Vorteil entspricht, der einer Person oder einer Personengruppe individuell-konkret aufgrund dessen entsteht, dass das Gemeinwesen eine öffentliche Einrichtung oder ein öffentliches Werk erstellt oder erneuert. Im Anschluss an den Entscheid von 1923 hat das Bundesgericht dem Rechtsinstitut schärfere Konturen verliehen, dabei am grundsätzlichen Konzept aber festgehalten (unter vielen: BGE 132 II 371 E. 2.3 [Gemeinde Sissach/BL]; 131 I 313 E. 3.3 [Gemeinde Bern]; 129 I 346 E. 5.1 [Kanton Waadt]; 122 I 305 E. 4b [Gemeinde Lausanne/VD]; 74 I 222 E. 2 [Gemeinde Schmerikon/SG]; 70 I 124 E. 1 [ebenfalls Gemeinde Schmerikon/SG]). Ob die beitragspflichtige Person die den Sondervorteil hervorrufende Infrastruktur tatsächlich in Anspruch nimmt, ist zwar - anders als bei einer Benützungsgebühr, die ebenfalls eine Kausalabgabe darstellt - von keiner Bedeutung. Der individuell-konkret zurechenbare wirtschaftliche Vorteil muss aber konkretisiert und nicht bloss theoretisch/abstrakter Natur sein (BGE 131 I 313 E. 3.3). Diese ständige Rechtsprechung, die auf das Präjudiz aus dem Jahr 1923 zurückgeht, wird dem kantonalen Gesetzgeber bei seinen Gesetzeswerken von 1950 bzw. 1970 bekannt gewesen sein. Dass er davon hätte abweichen wollen, ist weder ersichtlich noch macht die Gemeinde dies überhaupt geltend.