Citation: 6B_565/2022 E. 1.4.2

1.4.2. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung setzt die Begehung eines Anschlussdelikts grundsätzlich voraus, dass die Vortat abgeschlossen ist. Solange die Vortat andauert und nicht abgeschlossen ist, ist nur Gehilfenschaft oder Mittäterschaft an der Vortat möglich. Dies gilt für den Tatbestand der Geldwäscherei wie auch für den Tatbestand der Hehlerei (vgl. Urteile 6B_97/2019 vom 6. November 2019 E. 3.3.1; 6B_295/2019 vom 8. August 2019 E. 1.3; in Bezug auf den Tatbestand der Hehlerei: Urteil 6B_497/2014 vom 6. März 2015 E. 5.3.1; je mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat sich, soweit ersichtlich, zum Erfordernis der Abgeschlossenheit der Vortat nicht erschöpfend geäussert, namentlich hat es in einem jüngeren Urteil ausdrücklich offen gelassen, ob Geldwäscherei beim Betrug als Vortat bereits vor der Vollendung der Vortat möglich ist (vgl. Urteil 6B_295/2019 vom 8. August 2019 E. 1.4). Dabei hat es zudem auf die im Schrifttum teilweise abweichenden Ansichten betreffend die genaue Ausgestaltung des Erfordernisses der Abgeschlossenheit der Vortat hingewiesen (vgl. E. 1.3 des vorerwähnten Urteils). In einem vorangegangenen älteren Urteil hat es mit Bezug auf die Konstellation einer versuchten Vortat unter Verweis auf die Lehre immerhin festgehalten, dass auch im Fall einer versuchten Vortat der Tatbestand der Geldwäscherei nur dann erfüllt ist, wenn durch die strafbare (versuchte) Handlung illegale Vermögenswerte angefallen sind (vgl. Urteil 6B_1120/2015 vom 29. September 2016 E. 1.3.2). Hieran ist anzuschliessen. Die Vortat hat in jedem Fall derart fortgeschritten zu sein, als dass mittels derselben Vermögenswerte generiert worden sind. Denn erst dann können Einziehungs-, Auffindungs- und Herkunftsermittlungsinteressen betreffend aus deliktischen Tätigkeiten herrührende Vermögenswerte (Tatprodukte, sog. producta sceleris, sowie Verbrecherlohn, sog. pretium sceleris) überhaupt bestehen, die mit einer Geldwäschereihandlung vereitelt werden könnten (am Tatwerkzeug, sog. instrumentum sceleris, ist keine Geldwäscherei möglich, vgl. dazu ebenfalls Urteil 6B_1120/2015 vom 29. September 2016 E. 1.3.2). Diese Auffassung ist mit der übrigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung vereinbar, die hervorhebt, dass die Vereitelung von Einziehungs-, Auffindungs- und Herkunftsermittlungsinteressen das Bestehen solcher Interessen voraussetzt (vgl. namentlich Urteile 6B_295/2019 vom 8. August 2019 E. 1.3; 6B_1046/2015 vom 28. April 2016 E. 3.3; 6B_115/2007 und 6B_141/2007 vom 24. September 2007 E. 5.3.1 bzw. E. 6.3.1), und findet ebenso in der aktuellen Lehre ihre Stütze, soweit sich diese zur Frage denn konkret äussert (vgl. ACKERMANN/ZEHNDER, in: Kommentar Kriminelles Vermögen, Kriminelle Organisation: Einziehung, Kriminelle Organisation, Finanzierung des Terrorismus, Geldwäscherei, Bd. II, 2018, N. 290 und insbesondere 815 zu Art. 305bis StGB; EGGER TANNER, Die strafrechtliche Erfassung der Geldwäscherei [...], 1999, S. 43; PIETH, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd II, 4. Aufl. 2019, N. 24 zu Art. 305bis StGB).