Citation: I 567/03 20.04.2004 E. 2

Streitig ist der Anspruch auf Umschulung zur Gymnastiklehrerin resp. zur Bewegungspädagogin. 2.1 Es ist nach Lage der Akten erstellt und auch nicht bestritten, dass der Beschwerdegegnerin wegen ihrer Kniebeschwerden ihre angestammte Tätigkeit als Verkäuferin nicht mehr zumutbar ist, und dass die Versicherte die invaliditätsmässigen Voraussetzungen für den Umschulungsanspruch erfüllt (BGE 124 V 110 Erw. 2b mit Hinweisen). Streitig ist dagegen, ob die von der Beschwerdegegnerin beantragte Ausbildung zur Gymnastiklehrerin resp. Bewegungspädagogin auf Grund des bestehenden Knieleidens geeignet, somit zweckmässig im Sinne des Art. 8 Abs. 1 IVG ist, und ob von einer solchen Umschulung prognostisch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann, dass dadurch die Erwerbsfähigkeit unter Berücksichtigung der gesamten noch zu erwartenden Arbeitsdauer wesentlich verbessert und erhalten werden kann (Art. 8 Abs. 1 zweiter Satz in Verbindung mit Art. 17 Abs. 1 IVG; vgl. BGE 122 V 80 Erw. 3b/bb und cc). 2.2 Die Beschwerde führende IV-Stelle verneint gestützt auf die in den Akten liegenden Berichte und Stellungnahmen der IV-Ärztin Frau Dr. med. G.________ diese gesetzlichen Erfordernisse. Diese werden demgegenüber vom kantonalen Gericht und der Beschwerdegegnerin bejaht, im Wesentlichen gestützt auf die Einschätzung der Klinik Y.________ vom 26. April 2001 und 7. November 2002 sowie der damit übereinstimmenden Meinung der Frau Dr. med. K.________ vom 8. August und 10. Oktober 2000. 2.3 Sowohl für den Standpunkt der Verwaltung wie auch für denjenigen der Beschwerdegegnerin lassen sich nach Lage der Akten je beachtliche Gründe anführen: Eine Umschulung zur Gymnastiklehrerin resp. Bewegungspädagogin scheint angesichts des unbestrittenermassen bestehenden Knieleidens, der damit verbundenen physischen Anforderungen und auch der voraussichtlich noch langen Aktivitätsdauer unzweckmässig zu sein. Auf der andern Seite ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass die Beschwerdegegnerin diesen Beruf ohne Gefahr einer künftigen Verschlimmerung des Gesundheitszustandes ausüben könnte, weil er nicht mit - für sie medizinisch nicht zumutbarem - ständigem Stehen oder Sitzen verbunden ist, sondern geradezu therapeutische Wirkung haben kann. Weiter erlaubt diese Tätigkeit eine Schonung der Kniegelenke durch die Abwechslung der Positionen in der Unterrichtssituation und muss daher nicht mit einer kontraindizierten besonderen Belastung der Kniegelenke einhergehen. Entgegen der vorinstanzlichen Auffassung kann jedoch nicht abschliessend auf die Darlegungen der Klinik Y.________ abgestellt werden, da - wie die IV-Stelle zu Recht anführt - die Angaben im Administrativgutachten einerseits zu sehr auf den momentanen Gesundheitszustand der Beschwerdegegnerin beschränkt sind und andererseits weitgehend auf den von der Versicherten gemachten Angaben beruhen. Entscheidend für die Leistungszusprechung im Lichte der in Erw. 2.1 hievor erwähnten Kriterien (Zweckmässigkeit und Wesentlichkeit des Eingliederungserfolges unter Berücksichtigung der gesamten künftigen Arbeitsdauer) ist jedoch die Frage, ob eine Verschlechterung der Kniegelenksverhältnisse durch die dauernde künftige Ausübung der beruflichen Tätigkeit als Gymnastiklehrerin resp. Bewegungspädagogin medizinisch-prognostisch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (dazu BGE 126 V 360 Erw. 5b mit Hinweisen) ausgeschlossen werden kann. Diesbezüglich ist der Sachverhalt nach Lage der Akten nicht spruchreif, weil die Krankheitswertigkeit der diagnostizierten Kniegelenksbefunde von den Ärzten unterschiedlich eingeschätzt wird: In ihrer Ergänzung vom 7. November 2002 beurteilt die Klinik Y.________ den Gesundheitszustand dahin, dass eine MR-tomographische Untersuchung beider Knie keine grösseren Knorpeldefekte im femoropatellären Gelenk gezeigt habe und standardradiographisch sowie MR-tomographisch keine Anzeichen für eine Patelladysplasie bestünden; weiter seien auch im Rahmen der klinischen Untersuchung weder reibende Geräusche noch charakteristische Schmerzangaben bei gewissen Beugestellungen des Knies erhoben worden, was sonst bei grösseren Knorpel-/Knochenschäden der Fall sei. Dem hält die IV-Stelle gestützt auf die Beurteilung der IV-Ärztin Frau Dr. med. G.________ entgegen, dass das MRI sowohl im rechten als auch im linken Knie "Pathologien zeigt". Worin diese aber bestehen und inwiefern ihnen ein Verschlechterungspotenzial im Hinblick auf die gewünschte berufliche Tätigkeit innewohnen soll, vermag die Verwaltung nicht in schlüssiger Weise aufzuzeigen. Wenn die IV-Ärztin geltend macht, die Versicherte habe in der Vergangenheit immer wieder über Kniegelenksschmerzen geklagt, ist dieser Umstand insofern nicht beweiskräftig für ihre prognostisch ungünstige Beurteilung, als die Versicherte bisher immer wieder überwiegend stehend zu verrichtende Tätigkeiten versah. Das trifft insbesondere für die Beschäftigung als Rezeptionistin (im Umfang von 40 %) in einem Fitness-Center zu, von der die IV-Stelle - resp. deren Ärztin - auch in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wieder behauptet, es handle sich um eine wechselbelastende Tätigkeit, obwohl dies seitens der Beschwerdegegnerin stets in Abrede gestellt und ausgeführt worden ist, es handle sich vor allem um stehende Arbeit. 2.4 In Anbetracht dieser Divergenzen in der medizinischen Beurteilung der Krankheitswertigkeit und -anfälligkeit bei voraussichtlicher Ausübung des Berufes als Gymnastiklehrerin resp. Bewegungspädagogin bleibt nichts anderes übrig, als - wie von der IV-Stelle eventualiter beantragt - eine arbeitsmedizinische Begutachtung durchzuführen. Da hier die Umschulung in einen konkreten Beruf zur Debatte steht, erscheint eine arbeitsmedizinische Abklärung näher liegend als eine Untersuchung in sportmedizinischer oder orthopädischer Hinsicht. Die Begutachtung hat sinnvollerweise in Zusammenarbeit mit einem den Beruf seit längerem praktizierenden Gymnastiklehrer oder Bewegungspädagogen (z.B. einem Absolventen der Gymnastikberufsschule Zürich) zu erfolgen. Nur so kann abgeklärt werden, mit welchen kniebelastenden Anforderungen dieser Beruf tatsächlich verbunden ist. Die Hinweise der Beschwerde führenden IV-Stelle auf die in den Akten liegende Dokumentation über das Berufsbild reichen hiezu nicht aus.