Citation: 8C_987/2008 31.03.2009 E. 6

Die einzelnen Adäquanzkriterien sind wie folgt zu beurteilen: 6.1 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls besteht unverändert weiter (BGE 134 V 109 E. 10.2.1 S. 127). Es ist objektiv zu beurteilen und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc, U 287/97; Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 7.1). Das Kriterium ist vorliegend hinsichtlich des vom Versicherten erlittenen Auffahrunfalls mit der Vorinstanz zu verneinen. Der vom Beschwerdeführer diesbezüglich angeführte Umstand, dass die Kollision mit einem Sattelschlepper erfolgte, genügt hiefür nicht und wurde bereits bei der Beurteilung der Unfallschwere berücksichtigt. 6.2 Der Sinngehalt des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen wurde bereits verschiedentlich näher umschrieben. Zu betonen ist, dass rechtslogisch die Annahme eines Schleudertraumas der HWS (resp. einer der weiteren, adäquanzrechtlich gleich behandelten Verletzungen) lediglich bestimmt, dass die Schleudertrauma-Praxis anzuwenden ist. Hingegen genügt die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können. Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen. Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten HWS-Verletzung oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein. Mit dieser inhaltlichen Umschreibung ist das Kriterium weiterhin zu verwenden (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 mit Hinweisen). Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen wurde ursprünglich mit Bezug auf die psychischen Unfallfolgen entwickelt und betrifft insbesondere die erfahrungsgemässe Eignung einer Verletzung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140). Übertragen auf die Schleudertrauma-Praxis hat es dementsprechend als erfüllt zu gelten, wenn die Unfallverletzung in besonderer Weise geeignet ist, eine intensive, dem typischen Beschwerdebild (BGE 119 V 335 E. 1 S. 338) entsprechende Symptomatik zu bewirken (vgl. BGE 117 V 359 E. 7b S. 369 oben). Vorliegend hat die Vorinstanz unter Verweis auf das in SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 publizierte Urteil U 339/06 vom 6. März 2007 E. 5.3 zutreffend dargelegt, dass die vom Beschwerdeführer eingenommene Körperhaltung nicht geeignet war, eine besondere Schwere der für das Verletzungsbild typischen Beschwerden herbeizuführen. Der Beschwerdeführer gab auch lediglich an, dass sein Kopf leicht nach links abgedreht gewesen sei. Weitere besondere Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen konnten, liegen nicht vor. Eine besondere Schwere der Beschwerden kann sodann nicht aus dem Empfinden des Versicherten hergeleitet werden; vielmehr braucht es eine besondere objektive Schwere. Bezüglich der Kopfschmerzen berichtete Dr. med. L.________ am 21. März 2006 von einer gewissen Verbesserung der Situation, da diese doch nicht mehr ganz immer vorhanden seien. Insgesamt können die Beschwerden nicht als derart ausgeprägt bezeichnet werden, dass dieses Kriterium als gegeben betrachtet werden könnte. Nicht ausgewiesen sind schliesslich weitere erhebliche Verletzungen, welche für die Beurteilung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen bedeutsam sein könnten. Das vom Beschwerdeführer behauptete Vorliegen einer milden traumatischen Hirnschädigung kann gemäss den bundesgerichtlichen Kriterien nicht als erwiesen betrachtet werden. Nach allgemein anerkannter Lehrmeinung setzt die Diagnose einer milden traumatischen Hirnverletzung (mild traumatic brain injury [MTBI]) entweder eine Episode von Bewusstlosigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmittelbar vor oder nach dem Unfall oder eine Bewusstseinstrübung (z.B. Benommenheitsgefühl, Desorientierung) im Zeitpunkt der Verletzung voraus (ADRIAN M. SIEGEL, Neurologisches Beschwerdebild nach Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule, in: Siegel/Fischer [Hrsg.], Die neurologische Begutachtung, Zürich 2004, S. 166 Tabelle 9, mit bibliographischen Hinweisen; Urteil U 14/05 vom 29. Mai 2006 E. 3.1). Eine Bewusstlosigkeit ist aktenmässig nicht erstellt. Der Beschwerdeführer erwähnte im Erhebungsblatt der SUVA am 31. März 2004 leichte Benommenheit, jedoch keinen Gedächtnisverlust. Die Polizei hielt sodann lediglich fest, dass der Beschwerdeführer über Schmerzen im Nacken klagte. Ebenso ergab das MRI des Schädels keinen relevanten pathologischen Befund. Die SUVA hat somit gestützt auf die neurologischen Beurteilungen ihres versicherungsmedizinischen Dienstes das Vorliegen von relevanten Auswirkungen einer allfälligen milden traumatischen Hirnverletzung zu Recht verneint. Ob das zu prüfende Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen bei Vorliegen eines solchen Befundes anders beurteilt worden wäre, kann damit offenbleiben. 6.3 Für das Kriterium der ärztlichen Behandlung entscheidwesentlich ist, ob nach dem Unfall bis zum Fallabschluss eine fortgesetzt spezifische, die versicherte Person belastende Behandlung notwendig war (BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128). Es ist nicht bekannt, welchen Behandlungen sich der Versicherte im Zeitpunkt des Fallabschlusses per 31. August 2007 noch unterzog. Am 17. Mai 2006 absolvierte er ein Mal pro Woche eine Massagebehandlung. Er benötigte nur noch Medikamente zum Einschlafen. Es ist festzuhalten, dass medizinische Abklärungsmassnahmen und blosse ärztliche Verlaufskontrollen in diesem Rahmen nicht zu berücksichtigen sind (Urteile 8C_57/2008 vom 16. Mai 2008, E. 9.3.3 mit Hinweis). Zudem ist eine Behandlungsbedürftigkeit (in Form medikamentöser Schmerz- und Physiotherapie) während zwei bis drei Jahren nach einem HWS-Schleudertrauma respektive äquivalenten Verletzungen mit ähnlichem Beschwerdebild durchaus üblich (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4 in fine, U 380/04; Urteil 8C_402/2007 vom 23. April 2008, E. 5.2.3). Unter diesen Umständen ist das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung insgesamt nicht erfüllt. 6.4 Adäquanzrelevant können sodann nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128). Dieses Kriterium kann in Übereinstimmung mit der Vorinstanz, auf deren Erwägungen verwiesen wird, als - wenn auch nicht besonders ausgeprägt - erfüllt betrachtet werden. 6.5 Das nicht geänderte Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat (BGE 134 V 109 E. 10.2.5 S. 129), ist unbestrittenermassen nicht erfüllt. 6.6 Unverändert beibehalten wird das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6 S. 129). Diese beiden Teilaspekte müssen nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V 359 E. 7b S. 368 f.). Aus der ärztlichen Behandlung, den anhaltenden Beschwerden sowie der Arbeitsunfähigkeit - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (E. 6.3 f. hievor und 6.7 hienach) zu berücksichtigen sind - darf entgegen der Auffassung des Versicherten nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 7.6 mit Hinweisen). Lediglich aufgrund des Alters des Beschwerdeführers von 61 Jahren im Zeitpunkt des Fallabschlusses am 31. August 2007 kann nicht einfach auf einen schwierigen Heilungsverlauf geschlossen werden. Überdies hielt Dr. med. L.________ - bei dem keine eigentliche Behandlung, sondern nur noch eine Verlaufskontrolle stattfand - am 21. März 2006 fest, dass die Beschwerden bei Status nach HWS-Distorsionstrauma subjektiv in geringerer Intensität persistieren würden. Insgesamt ist dieses Kriterium vorliegend nicht erfüllt, wie die Vorinstanz zu Recht erkannt hat.