Citation: 9C_326/2023 E. 3.4

3.4. In der Sache führt der Beschwerdeführer vor allem eine Rückfallneigung der Kontraktur in Verbindung mit den operationsspezifischen Risiken Gewebeverlust und Infektionsrisiko an. Die medikamentöse Behandlung sei die schonendere Methode, zumal sie öfter wiederholt werden könne als der handchirurgische Eingriff. Eine Vergütung der Behandlung im Ausland kommt nach der Rechtsprechung indessen nur in Betracht, wenn in der Schweiz entweder überhaupt keine Behandlungsmöglichkeit besteht oder die hier verfügbare Therapieform im konkreten Fall mit wesentlichen Risiken verbunden ist, die erheblich grösser sind als die alternative Behandlung im Ausland (E. 3.1). Im Interesse einer gleichmässigen Behandlung der Versicherten muss die Frage, ob eine schwerwiegende Versorgungslücke gegeben sei, einerseits zwar nach Massgabe der individuellen Umstände beurteilt werden. Anderseits darf - wiederum aus Gründen der Gleichbehandlung - aber auch nicht allein die subjektive Interessenlage der betroffenen Person massgebend sein. Die Beurteilung ist vielmehr zu objektivieren, indem danach gefragt wird, ob eine allfällige medizinische Ausnahme vom Territorialitätsprinzip für alle versicherten Personen mit einem vergleichbaren individuellen Behandlungskontext begründet erschiene. Unter diesen Vorgaben ist die Beurteilung der Vorinstanz nicht zu beanstanden. Wie das kantonale Gericht verbindlich (Art. 105 Abs. 1 BGG) festgestellt hat (oben E. 1.2), stehen den potentiellen und tatsächlichen Vorteilen einer Behandlung mit B.B.________ mögliche erhebliche Nebenwirkungen gegenüber. Wenn sodann ein Gewebeverlust und eine beschränkte Wiederholbarkeit als Nachteile der Operation (offene Strangexzision) stark ins Gewicht fallen würden, müsste sich die alternative medikamentöse Therapie wohl als Behandlungsstandard etabliert haben und entsprechend auch weiterhin heilmittelrechtlich zugelassen sowie in der Spezialitätenliste aufgeführt sein. Das trifft aber nicht mehr zu. In einer Gesamtbetrachtung - auch unter Einbezug etwa der jeweiligen therapiebedingten Arbeitsunfähigkeiten - kann jedenfalls nicht gesagt werden, dass die Risikoabwägung so eindeutig zugunsten der medikamentös-minimalinvasiven Behandlung im Ausland ausfällt, dass die operative Behandlung in der Schweiz als nach Art. 32 Abs. 1 KVG unzweckmässig bezeichnet werden müsste. Zu Recht hat die Vorinstanz daher eine Ausnahme vom Territorialitätsprinzip nach Art. 36 Abs. 1 KVV verneint.