Citation: 1A.183/2001 18.09.2002 E. 6

Die Beschwerdeführer rügen ferner eine Verletzung der Planungspflicht und von Art. 24 RPG. 6.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung dürfen Bauten und Anlagen, die ihrer Natur nach nur in einem Planungsverfahren angemessen erfasst werden können, nicht auf dem Wege einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG bewilligt werden, sondern unterliegen einer Planungspflicht (BGE 124 II 252 E. 3, 120 Ib 207 E. 5, mit Hinweisen). Indessen muss aufgrund der Planungspflicht die Planung nur dann angepasst werden, wenn die vorgesehene Baute nicht zonenkonform ist, insbesondere wenn sie ausserhalb der Bauzone liegt; entspricht das Projekt dem Zweck der Zone, besteht von vornherein kein Grund, eine Änderung des Zonenplanes zu verlangen (vgl. BGE 124 II 252 E. 3). Ebenso wenig ist in diesem Fall eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG erforderlich. 6.2 Die geplante Jagd- und Tontaubenschiessanlage sowie das Schützenhaus der 300-m-Schiessanlage liegen in der Intensiverholungszone der Gemeinde Wittenbach. Der Scheibenstand mit Kugelfang sowie das Verbindungskabel zwischen Schützenhaus und Scheibenstand liegen teilweise in der Landwirtschafts-, teilweise in der Grünzone. 6.3 Gemäss Art. 18bis des kantonalen Gesetzes vom 6. Juni 1972 über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht (Baugesetz, BauG) sind Intensiverholungszonen für eine intensive Nutzung des Bodens durch Bauten und Anlagen zu Erholungszwecken bestimmt. Dem Zweck der Zone entsprechen insbesondere Sporthallen, grosse Hartplätze, Camping- und Zeltplätze sowie Reithallen und gewerbliche Pferdeställe. Das Verwaltungsgericht hat erwogen, auch Anlagen zur Ausübung des Schiesssports seien mit dieser Zweckbestimmung vereinbar. Dabei geht es um die Anwendung kantonalen Rechts, welche das Bundesgericht nur auf Willkür hin überprüft (vorne E. 1.2). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Auffassung des Verwaltungsgerichts willkürlich sein soll. Die Intensiverholungszone, welche nur gerade das Grundstück Nr. 2070 umfasst, ist im Rahmen des Zonenplanes von 1992 offensichtlich im Hinblick auf die dort schon seit Jahrzehnten vorbestehende Jagd- und Tontaubenschiessanlage festgelegt worden und dient klarerweise dem Zweck, eine Zone zu schaffen, in welcher der Schiesssport betrieben werden kann. Sowohl die Jagd- und Tontaubenschiessanlage als auch der innerhalb der Intensiverholungszone liegende Teil der 300-m-Anlage können daher als zonenkonform betrachtet werden. 6.4 Die Intensiverholungszone ist freilich überlagert durch das Landschaftsschutzgebiet Sittertobel gemäss Schutzplan zur Allgemeinen Schutzverordnung der Gemeinde Wittenbach vom 30. August 1983 (ASchV). In diesem Schutzgebiet dürfen gemäss Art. 6 Abs. 1 ASchV keine Bauten und Anlagen (einschliesslich Geländeveränderungen) erstellt werden; ausgenommen sind Wiederaufbau und zulässige Erweiterung gemäss kantonalen und eidgenössischen Vorschriften sowie Bauten und Anlagen, die von ihrer Zweckbestimmung her nicht ausserhalb dieses Landschaftsschutzgebietes realisiert werden können oder an deren Errichtung ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht. 6.4.1 Die Beschwerdeführer sind der Ansicht, diese in Art. 6 Abs. 1 ASchV vorgesehenen Ausnahmen seien bundesrechtswidrig, da sie nicht mit Art. 17 RPG vereinbar seien. Sie scheinen daraus zu folgern, dass auch die auf dem Grundstück Nr. 2070 in der Intensiverholungszone vorgesehenen Anlagen nicht zonenkonform seien. Art. 17 RPG legt nur in allgemeiner Hinsicht fest, was Schutzgebiete umfassen. Die Kantone sind zwar nach Art. 17 RPG gehalten, im Rahmen der Nutzungsplanung Schutzzonen auszuscheiden oder andere geeignete Massnahmen zum Schutz von Flüssen und deren Ufer zu treffen (Urteil 1P.438/1998 vom 1. März 1999, E. 4b). Dies bedeutet jedoch nicht, dass von Bundesrechts wegen sämtliche Flussufer einem Bauverbot unterliegen würden. Welche Flussufer geschützt sind und was dieser Schutz konkret bedeutet, richtet sich nach kantonalem Recht. Dieses kann auch Überlagerungen von Schutzzonen und gewissen Nutzungen vorsehen (Urteil 1P.133/1999 vom 17. August 1999 in Pra 2000 Nr. 8 E. 5c S. 37). In Anbetracht dessen ist Art. 6 Abs. 1 ASchV nicht als bundesrechtswidrig zu erachten. 6.4.2 Die kantonalen Instanzen haben erwogen, das Vorhaben erfülle die Voraussetzungen von Art. 6 Abs. 1 ASchV. Die Jagd- und Tontaubenschiessanlage sei als Wiederaufbau oder zulässige Erweiterung bestehender Bauten zu betrachten. Bezüglich der Frage des zulässigen Masses der Erweiterung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 ASchV sei auf Art. 24c RPG und Art. 42 der Raumplanungsverordnung vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) abzustellen. Die Regierung hat demgemäss im Rahmen des Rekursverfahrens entschieden, die Grundfläche des zum Tontaubenschiessstand gehörenden Blockhauses müsse auf 101,4 m2 verkleinert werden, da die ursprünglich vorgesehene Fläche von 119 m2 das Mass der zulässigen Erweiterung sprenge. Die Errichtung des 300-m-Standes liege im öffentlichen Interesse und sei daher ebenfalls mit Art. 6 Abs. 1 ASchV vereinbar. Die Beschwerdeführer kritisieren dies als unrichtige Anwendung von Art. 24 und 24c RPG sowie von Art. 41 und 42 RPV. Sie halten dafür, dass die Identität der Bauten und Anlagen nicht gewahrt bleibe; auch bestehe kein öffentliches Interesse an der 300-m-Anlage. 6.4.3 Da die Jagd- und Tontaubenschiessanlage sowie der Schiessstand der 300-m-Anlage in der Intensiverholungszone zonenkonform sind (E. 6.3), stellt sich die Frage einer unrichtigen Anwendung von Art. 24 oder 24c RPG bzw. Art. 41 und 42 RPV von vornherein nicht (oben E. 6.1; BGE 118 Ib 503 E. 5c und d S. 506 f.). Es ist demzufolge im Lichte des vom Bundesgericht anzuwendenden Bundesrechts (Art. 104 lit. a OG) nicht massgeblich, ob es sich beim Neubau der Jagd- und Tontaubenschiessanlage um eine Erweiterung handelt, die nach Art. 41 oder 42 RPV zulässig wäre. Wenn das Verwaltungsgericht im Rahmen der Prüfung, ob das Vorhaben nach Art. 6 Abs. 1 ASchV zulässig sei, die Kriterien von Art. 24c RPG und Art. 42 RPV herangezogen hat, so hat es dabei nicht Bundesrecht, sondern diese Bestimmungen als subsidiäres kommunales Recht angewendet. Sie bleiben dabei kommunales Recht (vgl. Urteil 1A.244/2000 vom 8. November 2001 in Pra 2002 Nr. 84 E. 2a S. 475), dessen Anwendung das Bundesgericht nur auf Willkür hin überprüft (vorne E. 1.2). Indessen ist nicht ersichtlich, inwiefern die verwaltungsgerichtliche Auslegung von Art. 6 Abs. 1 ASchV willkürlich sein soll. 6.5 Unbestritten nicht zonenkonform sind demgegenüber die ausserhalb der Intensiverholungszone liegenden Teile der Anlage. Es handelt sich dabei um ein Verbindungskabel über die Sitter mit zwei Stahlstützen von je ca. 2 Metern Höhe an den beiden Ufern sowie den Scheibenstand mit Kugelfang. Diese Teile liegen teilweise in der Landwirtschaftszone der Gemeinden Wittenbach und Waldkirch, teilweise im Grüngebiet F (Freihaltegebiet) der Gemeinde Waldkirch. Bezüglich dieser Anlagenteile stellt sich die Frage, ob ihre Errichtung der Planungspflicht unterliegt. Zumindest bedürfen sie einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG. Nicht zu beurteilen sind dabei die nördlich der Sitter liegenden Scheiben der Jagdschiessanlage. Wie aus dem Protokoll des Augenscheins vom 12. März 1999 hervorgeht, bestehen nördlich der Sitter bereits bisher drei Gamsscheiben für die Jagdschiessanlage. Im Zuge des Neubauprojekts sollen nur noch zwei davon betrieben werden. Diese geniessen Bestandesschutz (Art. 24c Abs. 1 RPG) und bedürfen daher keiner Ausnahmebewilligung. 6.6 Nachfolgend ist zunächst zu prüfen, ob die genannten streitigen Anlagenteile, die ausserhalb der Intensiverholungszone vorgesehen sind, der Planungspflicht unterliegen (vorne E. 6.1). 6.6.1 Wann ein nicht zonenkonformes Vorhaben so gewichtig ist, dass es erst nach einer entsprechenden Änderung des Zonenplanes bewilligt werden kann, ergibt sich aus den Planungsgrundsätzen und -zielen (Art. 1 und 3 RPG), dem kantonalen Richtplan und der Bedeutung des Projekts im Lichte der im Raumplanungsgesetz und im kantonalen Recht festgelegten Verfahrensordnung. Ein gewichtiges Indiz dafür, dass ein Vorhaben nur aufgrund einer Nutzungsplanung bewilligt werden kann, ist der Umstand, dass es UVP-pflichtig ist (BGE 124 II 252 E. 3; s. auch Urteil 1A.27/1998 vom 9. Juni 1998 in Pra 1998 Nr. 149 E. 2b S. 804). So besteht für grössere Schiessanlagen in der Regel eine Planungspflicht (BGE 119 Ib 439 E. 4b), zumal diese der UVP-Pflicht unterliegen. Das Bundesgericht hat hingegen zugelassen, dass kleinere Schiessanlagen auf dem Wege der Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG bewilligt werden (BGE 119 Ib 439 E. 4c und nicht publ. E. 5b [betr. eine Anlage mit acht Scheiben]; BGE 117 Ib 20 E. 3c, 114 Ib 125 E. 4c, 112 Ib 39 E. 5a; ferner Urteile 1A.248/1994 vom 12. April 1996, E. 4b, und 1A.254/1993 vom 19. Oktober 1994, E. 2). 6.6.2 Das im vorliegenden Verfahren streitige Vorhaben unterliegt nicht der UVP-Pflicht (vorne E. 5). Im Unterschied zu BGE 119 Ib 439 sind hier nicht bloss acht, sondern zwölf Scheiben geplant. Umgekehrt geht es aber nur um den Scheibenstand mit Kugelfang und die Verbindungskabel, während das Schützenhaus nicht ausserhalb der Bauzone liegt. Scheibenstand und Kugelfang sind inklusive Treppe insgesamt etwa 28 Meter lang (ohne Treppe ca. 24 Meter) und ca. 9 Meter breit. Die Höhe beträgt ab bestehendem Terrain rund 6 Meter, wobei eine Terrainaufschüttung vorgesehen ist, ab welcher die Höhe des Kugelfangs noch ca. 3 Meter betragen wird. Eine derartige Anlage ist nicht so beschaffen, dass sie nur in einem Planungsverfahren sachgemäss beurteilt werden könnte (vgl. BGE 119 Ib 439 E. 4c). Sie kann somit unter den Voraussetzungen von Art. 24 RPG mittels einer Ausnahmebewilligung bewilligt werden. Auch dass das Gebiet Sittertobel nach dem am 27. September 1989 ergangenen kantonalen Gesamtplan Natur- und Heimatschutz im Landschaftsschutzgebiet liegt, hat nicht zur Folge, dass der geplante Scheibenstand der Planungspflicht unterliegt. Dem Landschaftsschutz ist jedoch in der Interessenabwägung bei der Erteilung der Ausnahmebewilligung Rechnung zu tragen (vgl. BGE 119 Ib 439, nicht publ. E. 5). 6.6.3 Wenn die Beschwerdeführer vorbringen, die geplanten Anlagen mit insgesamt sieben Scheibenständen, Hasen- und Wildschweinscheibe, fünfzehn Tontaubenwurfmaschinen und 300-m-Anlage mit 12 Scheiben könnten nur in einem Planungsverfahren angemessen erfasst werden, so übersehen sie, dass eben der grösste Teil der vorgesehenen Gesamtanlage nicht ausserhalb der Bauzone liegt, sondern auch ohne Planungsverfahren bereits zonenkonform ist (vorne E. 6.3). 6.7 Zu prüfen ist sodann, ob die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung zu Recht als erfüllt erachtet worden sind. 6.7.1 Eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG kann nur erteilt werden, wenn der Zweck der Baute einen Standort ausserhalb der Bauzone erfordert (lit. a) und wenn dem Vorhaben keine überwiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen (lit. b). Für Schiessanlagen besteht grundsätzlich eine negative Standortgebundenheit, da sie kaum innerhalb einer Bauzone realisiert werden können (BGE 119 Ib 439, nicht publ. E. 5a, und 112 Ib 39 E. 5a S. 49; Urteile 1A.248/1994 vom 12. April 1996 in URP 1996 S. 650, E. 4c, und 1A.71/2001 vom 17. Dezember 2001, E. 3d). Sie erfordern jedoch oftmals nicht einen ganz bestimmten Standort. In solchen Fällen verlangt die Rechtsprechung den Nachweis, dass keine besser geeigneten Standorte für die projektierte Anlage zumutbar sind. Eine absolute Standortgebundenheit in dem Sinne, dass eine Anlage nur zulässig ist, wenn überhaupt kein anderer Standort in Betracht fällt, wird jedoch nicht verlangt (BGE 112 Ib 39 E. 5a S. 49). Die Prüfung, ob ernsthaft in Betracht fallende Alternativstandorte besser geeignet wären, fällt teilweise mit der umfassenden Interessenabwägung nach Art. 24 lit. b RPG zusammen (BGE 119 Ib 439, nicht publ. E. 5b, und 119 Ib 463 E. 6c S. 472; Urteil 1A.248/1994 vom 12. April 1996 in URP 1996 S. 650, E. 4c). 6.7.2 Das Verwaltungsgericht hat erwogen, die Errichtung von 300-m-Schiessanlagen liege grundsätzlich im öffentlichen Interesse. Die bestehende Schiessanlage Bächi der Gemeinde Wittenbach müsse aus Lärmschutzgründen stillgelegt werden. Eine Mitbenützung der Schiessanlagen Bleichenbach/Bernhardzell oder Breitfeld durch die Wittenbacher Schützen komme nicht in Frage. Zwar seien unbestritten die technischen Kapazitäten sowohl bei der Schiessanlage Bleichenbach als auch im Breitfeld vorhanden. Es komme indessen nicht auf die technischen Kapazitäten an, da eine Mitbenützung dieser Anlagen aus anderen Gründen nicht in Betracht falle. Auf der Schiessanlage Bleichenbach müsse gemäss der Expertise Noser mit 28 Schiesshalbtagen für die Schiessvereine der Gemeinden Häggenschwil und Waldkirch für die ausserdienstlichen Schiessen gerechnet werden. Die Zuweisung der Wittenbacher Schützen würde auch bei einer Halbierung der Zahl der Schiesspflichtigen 5-6 Schiesshalbtage allein für das obligatorische Programm erfordern. Das ergäbe insgesamt 33-34 Schiesshalbtage. Gemäss der Vereinbarung zwischen der Eidgenossenschaft und den Gemeinden Waldkirch und Häggenschwil dürfe aber die Schiessanlage durch die berechtigten Schützenvereine lediglich an 24 Schiesshalbtagen benützt werden. Der Kanton lehne eine Zuweisung zur Schiessanlage Bleichenbach auch wegen der unzumutbaren Folgen für die Vertragsgemeinden ab. Hinsichtlich der Schiessanlage Breitfeld, bei welcher es sich um eine Waffenplatzschiessanlage des Bundes handle, falle eine Zwangszuweisung durch die kantonale Militärbehörde von vornherein ausser Betracht. Zudem wäre dies wegen des zu grossen Anfahrtswegs (14 km) für die Wittenbacher Schützen unzumutbar. Die Schiessanlage könne deshalb mangels Alternativen nur am vorgesehenen Standort verwirklicht werden (E. 5c S. 36 oben des angefochtenen Entscheids des Verwaltungsgerichts). 6.7.3 Die Beschwerdeführer bestreiten nicht, dass die bestehende Schiessanlage Bächi aus Lärmschutzgründen aufgehoben werden soll. Sie kritisieren hingegen die vom Verwaltungsgericht vorgenommene Bedarfsbeurteilung; ein öffentliches Interesse bestehe nur am obligatorischen Schiessen (Art. 63 MG), nicht aber an anderen Schiessübungen. In der zukünftigen Armee seien bedeutend weniger Personen schiesspflichtig als bisher. Diese reduzierte Anzahl von Wittenbacher Schützen könnte auch auf anderen Plätzen schiessen. Die kantonalen Behörden könnten die Wittenbacher Schützen gemäss Art. 125 Abs. 2 MG und Art. 28 lit. f SO diesen Anlagen zuweisen. Das Verwaltungsgericht habe zu Unrecht angenommen, eine Mitbenützung der Schiessanlagen Bleichenbach/Bernhardzell und Breitfeld komme nicht in Betracht und eine kantonale Zuweisung dieser Anlagen wäre unzumutbar. Zumindest hätten die kantonalen Instanzen dies näher abklären sollen. Eine Ausnahmebewilligung könnte zudem höchstens in dem Umfang erteilt werden, den die Schiesspflichtigen von Wittenbach für das obligatorische Schiessen minimal benötigten. Für die in der zukünftigen Armee reduzierte Zahl von Schiesspflichtigen seien jedenfalls nicht zwölf Scheiben erforderlich. 6.7.4 Der Bau von Schiessanlagen liegt grundsätzlich im öffentlichen Interesse (s. etwa BGE 114 Ia 114 E. 4b S. 118, ebenso 119 Ib 439 nicht publ. E. 7a und 10c). Gemäss Art. 63 MG müssen Angehörige der Armee ausserdienstliche obligatorische Schiessübungen bestehen. Ferner unterstützt der Bund gemäss Art. 62 Abs. 2 MG die anerkannten Schiessvereine für die mit Ordonnanzwaffen und mit Ordonnanzmunition durchgeführten Schiessübungen. Gemäss Art. 3 Abs. 1 SO (in der Fassung vom 24. Januar 1996) gelten als Schiessübungen und Ausbildungskurse im Interesse der Landesverteidigung nicht nur die obligatorischen Programme (mit Einschluss der Nachschiess- und Verbliebenenkurse), sondern auch weitere Schiessübungen (Bundesprogramm 50 m, Feldschiessen, Vereinstrainings, Schiesswettkämpfe und Vorübungen zu den Bundesübungen, Schiesswettkämpfe der militärischen Verbände und Vereine, Schiesskurse, Schützenmeisterkurse, Jungschützenleiterkurse, sowie Jungschützenkurse und -wettkämpfe). Auch diese Schiessanlässe liegen im öffentlichen Interesse. Nicht im öffentlichen Interesse liegen demgegenüber die rein zivilen, sportlichen Schiessen (vgl. BGE 120 Ib 89 nicht publ. E. 5b, 119 Ib 463 E. 5d und 6a S. 470 ff., 117 Ib 20 E. 5 S. 26, ferner Urteil 1A.105/1990 vom 4. Juli 1991, E. 3b; Hansjörg Seiler, Kommentar USG, Zürich 2001, N 28 zu Art. 5). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer besteht somit ein öffentliches Interesse an der 300-m-Anlage, und zwar für weit mehr als nur für die obligatorischen Übungen. 6.7.5 Nach der früheren Rechtslage war jede Gemeinde verpflichtet, eine Schiessanlage zur Verfügung zu stellen. Nur wenn sich in einer Gemeinde kein geeigneter Schiessplatz finden liess, konnte die kantonale Militärbehörde den Schützen dieser Gemeinde einen anderen Schiessplatz anweisen. Die Beurteilung, ob zumutbare Alternativstandorte bestehen, konnte sich deshalb grundsätzlich auf die jeweilige Gemeinde beschränken (BGE 112 Ib 39 E. 5a S. 48 f.). Schon unter der damaligen Rechtslage hat allerdings das Bundesgericht entschieden, dass die Gemeinden bei der Errichtung neuer Schiessanlagen abzuklären haben, ob nicht eine Gemeinschaftsanlage in Frage komme (BGE 119 Ib 439, nicht publ. E. 6c/cb). Nach dem jetzt geltenden Art. 133 Abs. 1 MG sorgen die Gemeinden dafür, dass die Schiessanlagen, die für die ausserdienstlichen militärischen Schiessübungen sowie die entsprechende Tätigkeit der Schiessvereine benötigt werden, unentgeltlich zur Verfügung stehen. Dies setzt nicht voraus, dass jede Gemeinde eine eigene Schiessanlage besitzt. Nach Art. 125 Abs. 2 MG weisen die Kantone Schiessvereine den Anlagen zu und fördern Gemeinschafts- oder Regionalanlagen. Nach Art. 3 SchAV ist der Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zur Errichtung einer Gemeinschaftsschiessanlage anzustreben, damit rationeller gebaut und das vorhandene Gelände besser ausgenützt werden kann. Kann in einer Gemeinde keine Schiessanlage gebaut werden und ist ein Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde nicht möglich, so verordnet gemäss Art. 24 Abs. 1 SO die kantonale Militärbehörde - nach Anhören des eidgenössischen Schiessanlagenexperten und des zuständigen eidgenössischen Schiessoffiziers - die Zuweisung einer fremden Gemeindeschiessanlage oder den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zu einem Zweckverband für die Errichtung einer Gemeinschaftsschiessanlage oder die Errichtung einer Gemeindeschiessanlage auf dem Gebiet einer anderen Gemeinde. Das Bundesrecht verlangt somit, dass die Möglichkeit von Gemeinschaftsanlagen gründlich geprüft wird, bevor eine einzelgemeindliche Schiessanlage bewilligt wird (Urteile 1A.236/1993 vom 30. Januar 1996, E. 5, und 1A.143/1988 vom 24. Mai 1989, E. 3e/ea). Eine absolute Pflicht, sich einer Gemeinschaftsanlage anzuschliessen, besteht aber nicht (BGE 126 II 480 E. 4c S. 486 f., 119 Ib 439 nicht publ. E. 6c/cc und 11a). Gemäss Amtsbericht des VBS ist eine Zwangszuweisung auf eine ausserkommunale Anlage erst dann in Betracht zu ziehen, wenn eine Gemeinde ihren schiessrechtlichen Pflichten nicht nachkommt. Im vorliegenden Fall - wie das VBS weiter ausführt - wolle aber die Gemeinde Wittenbach mit dem Bau der neuen Anlage ihre Pflichten erfüllen, so dass eine allfällige Zwangszuweisung zum jetzigen Zeitpunkt rechtlich nicht möglich wäre. Dies ist dahingehend zu ergänzen, dass eine Zuweisung auch dann in Frage kommt, wenn eine Gemeinde zwar ihren schiessrechtlichen Pflichten nachkommen möchte, dies aber aus objektiven zwingenden Gründen nicht möglich ist, weil sich z.B. auf dem Gebiet der Gemeinde kein geeigneter Standort findet. Der vom VBS vertretenen Auffassung ist aber jedenfalls insoweit zuzustimmen, als eine Zwangszuweisung fragwürdig ist, wenn eine Gemeinde ihren schiessrechtlichen Pflichten nachkommen will und die andere Gemeinde sich mit sachlichen Gründen gegen die Übernahme der Schützen aus der ersten Gemeinde wehrt. Insbesondere darf das Anliegen, Gemeinschaftsanlagen zu fördern, nicht dazu führen, dass eine unerwünschte Lärmbelastung einfach vom einen zum andern Ort transportiert wird. Lehnt die Standortgemeinde einer bestehenden Anlage mit sachlichen Argumenten, namentlich aus Gründen des Lärmschutzes, die Neuzuweisung von Schützen einer anderen Gemeinde ab, so kann eine solche Zuweisung von den kantonalen Behörden nur dann angeordnet werden, wenn die in dieser anderen Gemeinde in Aussicht genommene Lösung als unbefriedigend bezeichnet werden müsste (BGE 119 Ib 439, nicht publ. E. 6c/cc). Dabei steht den kantonalen Militärbehörden bei der Handhabung von Art. 24 SO ein beträchtlicher Ermessensspielraum zu (vgl. BGE 119 Ib 439, nicht publ. E. 11a). 6.7.6 Die Beschwerdeführer gehen bei ihrer Kritik an der von der Expertise Noser und dem Verwaltungsgericht getroffenen Bedarfsermittlung von der unzutreffenden Annahme aus, dass ein öffentliches Interesse nur an den obligatorischen Schiessübungen bestehe (s. vorstehende E. 6.7.4). Diese Kritik beruht somit auf falschen Voraussetzungen. Aus den Akten geht hervor, dass im Zusammenhang mit der Errichtung des Truppenübungsplatzes Bernhardzell und der Schiessanlage Bleichenbach der zu erwartende Lärm für die Bevölkerung von Bernhardzell eine grosse Rolle gespielt hat. Die Gemeinde Waldkirch lehnte und lehnt mit Rücksicht auf die Lärmbelastung in Bernhardzell das frühere Ansinnen der Gemeinde Wittenbach strikt ab, auf dem Platz Bleichenbach schiessen zu können. Die dortige Schiessanlage wurde aus diesem Grund schliesslich nur für die Gemeinden Waldkirch und Häggenschwil errichtet. Die Benützung der Anlage ist vertraglich unter Mitbeteiligung der Gemeinde Waldkirch geregelt. In diesem Vertrag wurde die Zahl der Schiesshalbtage auf jährlich 24 begrenzt. Diese Zahl ergab sich offensichtlich aus dem Bestreben, die Lärmbelastung für die Bevölkerung zu begrenzen und zugleich die Koordination mit der Truppe sicherzustellen. Die Gemeinde Waldkirch hat im Rahmen des kantonalen Verfahrens und vor Bundesgericht erklärt, sich gegen eine allfällige Zuweisung der Wittenbacher Schützen mit allen Mitteln zu wehren. Eine Zuweisung der Wittenbacher Schützen zur Anlage Bleichenbach durch den Kanton könnte somit nur gegen den Widerstand der Gemeinde Waldkirch angeordnet werden. Es ist jedenfalls nicht bundesrechtswidrig, wenn die kantonalen Behörden unter diesen Umständen von einer Zwangszuweisung der Wittenbacher Schützen auf den Platz Bleichenbach absehen, selbst wenn eine solche Zuweisung rein technisch möglich wäre. Die bei Planung und Zuweisung von Schiessanlagen zu berücksichtigenden Aspekte beziehen sich nicht nur auf den Schutz von Landschaftsschutzgebieten, sondern ebenso auf den Lärmschutz und eine möglichst gerechte Verteilung der Lärmbelastung. Selbst wenn im Rahmen der Armeereform die Zahl der Schiesspflichtigen oder die Benützung durch die Truppe abnimmt, folgt daraus nicht ohne weiteres, dass die frei gewordene Kapazität auf der Anlage Bleichenbach für die Schützen von Wittenbach eingesetzt werden müsste. Genauso gut kann die Reduktion der Lärmbelastung der Bevölkerung von Bernhardzell zugute kommen. Es liegt ohne weiteres im Ermessen des Kantons, unter solchen Umständen auf eine Zwangszuweisung der Wittenbacher Schützen zur Anlage Bleichenbach zu verzichten. Was den Schiessplatz Breitfeld betrifft, so ergibt sich aus den Akten, dass dieser dem Bund gehört (Waffenplatz Neuchlen-Allschwilen). Anerkannte Schiessvereine können Waffenplatzschiessanlagen des Bundes mit ihren Einrichtungen und dem Material benützen, soweit dadurch der Schiessbetrieb der Truppe nicht gestört wird. Die Bewilligung zur Benützung von Waffenplatzschiessanlagen wird durch das Bundesamt für Betriebe des Heeres erteilt (Art. 12 Abs. 1 und 2 SchAV). Aus dem Mitbericht des VBS ergibt sich, dass die Benützung der Anlage Breitfeld vertraglich geregelt ist und einer Beteiligung der Gemeinde Wittenbach nebst dem Bund auch die übrigen sechs Vertragsparteien zustimmen müssten, worunter sich auch ausserkantonale befinden. Eine Zuweisung der Wittenbacher Schützen zur Anlage Breitfeld kann daher von vornherein nicht einseitig durch den Kanton angeordnet werden. Abgesehen davon hätte die Benützung dieser Anlage für die Wittenbacher Schützen unbestritten einen Anfahrtsweg von ca. 14 km zur Folge. Es liegt im Ermessen der kantonalen Behörden, ungünstige Distanzverhältnisse in ihren Entscheid miteinzubeziehen. Insgesamt ist somit davon auszugehen, dass eine Mitbenützung anderer Anlagen wohl theoretisch denkbar wäre, aber mit erheblichen rechtlichen und faktischen Schwierigkeiten verbunden wäre. Unter diesen Umständen kann nicht beanstandet werden, dass die grundsätzlich im öffentlichen Interesse liegende Bereitstellung von Schiessanlagen für die Wittenbacher Schützen durch eine gemeindeeigene Anlage und nicht durch eine Mitbenützung anderer Anlagen angestrebt wird. Es ist von keiner Seite geltend gemacht worden, dass andere Standorte in der Gemeinde Wittenbach besser geeignet wären. In Berücksichtigung der vorliegend gegebenen Verhältnisse ist die Anlage somit als standortgebunden zu erachten. 6.7.7 Die Ausnahmebewilligung unterliegt sodann einer umfassenden Interessenabwägung (Art. 24 lit. b RPG). Lenkender Massstab dafür bilden hauptsächlich die Planungsziele und -grundsätze des Raumplanungsgesetzes sowie die Grundsätze des Umweltschutzgesetzes. Soweit das positive Recht einzelne Aspekte der Interessenabwägung konkret regelt, ist zu prüfen, ob das Vorhaben mit diesen Vorschriften zu vereinbaren ist (BGE 119 Ib 439, nicht publ. E. 5b). Im Übrigen müssen die einschlägigen Interessen erhoben und gegeneinander abgewogen werden. Ob diese Interessen vollständig ermittelt und mit genügender Sorgfalt abgewogen worden sind, unterliegt der Rechtskontrolle durch die Gerichte (BGE 121 II 378 E. 1e/bb S. 384, 112 Ib 424 E. 3 S. 428). In der relativen Gewichtung der einzelnen Interessen steht jedoch den zuständigen Behörden ein weitgehender Beurteilungsspielraum zu, soweit sie nicht durch Rechtsvorschriften festgelegt ist (vgl. BGE 126 II 43 E. 4c S. 47). Das auf eine Rechtskontrolle beschränkte Bundesgericht (Art. 104 OG) greift nur mit Zurückhaltung in die durch die kantonalen Behörden vorgenommene Interessenabwägung ein; dies gilt insbesondere dann, wenn die Beurteilung von örtlichen Verhältnissen abhängt (BGE 117 Ib 270 E. 4c S. 284, 115 Ib 131 E. 3, 112 Ib 26 E. 3, 111 Ib 85 E. 3). Das Verwaltungsgericht hat die landschaftliche Schönheit des Sittertobels gewürdigt und festgehalten, vor dem Hintergrund des hohen Schutzbedürfnisses vermöchten nur gewichtige entgegenstehende Interessen einen Eingriff zu rechtfertigen. Es hat sich in diesem Zusammenhang auch mit der Jagd- und Tontaubenschiessanlage auseinandergesetzt, die jedoch - wie dargelegt (vorne E. 6.4.3) - im Zusammenhang mit Art. 24 RPG keine Rolle spielt. Hinsichtlich der ausserhalb der Intensiverholungszone liegenden Teile (Scheibenstand, Kugelfang) hat das Gericht ausgeführt, mangels tauglicher Alternativen sei ein ausgewiesenes öffentliches Interesse der Gemeinde Wittenbach anzuerkennen, die vorgesehene 300-m-Schiessanlage am vorgesehenen Standort zu verwirklichen. Zudem komme die Anlage als Ersatz für die bestehende Anlage Bächi nicht in unbelastetes Gebiet zu liegen. In dem niederzuhaltenden Teil der Ufervegetation befänden sich viele Fichten, die standortfremd seien, so dass sich der aus ihrer Niederhaltung entstehende ökologische Schaden relativiere. Die lärmmässige Belästigung der Beschwerdeführer sei nicht unzulässig, und weitere Immissionen seien nicht ersichtlich. Diese Ermittlung und Abwägung der Interessen ist rechtlich nicht zu beanstanden. Der Platzbedarf für den Scheibenstand und den Kugelfang ist nicht gross. Zudem ist ein abgelegenes und steiles Stück Land betroffen, welches für die landwirtschaftliche Nutzung nicht besonders bedeutsam ist. Es ist nicht bundesrechtswidrig, wenn die kantonalen Behörden angenommen haben, das charakteristische Bild der Landschaft werde infolge der geringen Ausmasse und der guten Einfügung in das Gelände nicht gestört. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer besteht zudem ein öffentliches, militärisches Interesse an der Anlage (vorne E. 6.7.4), welches auch im Rahmen der raumplanerischen Beurteilung zu berücksichtigen ist (Art. 1 Abs. 2 lit. e RPG). Dass die Anlage ausser für die im öffentlichen Interesse liegenden Schiessen auch für das zivile Schiessen verwendet wird, ändert daran nichts, da die raumplanerisch allenfalls unerwünschten Auswirkungen der Anlage (abgesehen vom Lärm) eher durch deren grundsätzliche Existenz als durch die Intensität der Benützung bedingt sind. Das Verwaltungsgericht hat sodann erwogen, die gegenüber der bisherigen Anlage Bächi vorgesehene geringfügige Erweiterung von zehn auf zwölf Scheiben liege im planerischen Ermessen der Gemeinde. Auch dies ist nicht rechtsfehlerhaft, sogar wenn davon ausgegangen wird, dass der im öffentlichen Interesse liegende Teil des Schiessens auch auf weniger Scheiben geschossen werden könnte. Es ist der Gemeinde nicht vorzuwerfen, wenn sie im Hinblick auf eine allfällige Bevölkerungszunahme die Anlage ein bisschen grösser dimensioniert als unbedingt nötig. Zudem liegen diejenigen Interessen, welche allenfalls gegen die Errichtung der Anlage sprechen, im konkreten Fall weniger in der Dimensionierung des Scheibenstandes als vielmehr in der grundsätzlichen Frage, ob die Anlage mit ihren Lärmimmissionen und den Eingriffen in die Vegetation überhaupt errichtet werden soll. Diese Aspekte würden auch durch eine geringfügige Reduktion der Länge von Scheibenstand und Kugelfang nicht erheblich verändert. Im Gegenteil hätte eine geringere Scheibenzahl tendenziell zur Folge, dass an mehr Schiesshalbtagen geschossen werden müsste, was lärmschutzrechtlich nachteilig wäre. 6.7.8 Demgemäss ergibt sich, dass die Erteilung der Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG insgesamt nicht bundesrechtswidrig ist.