Citation: 1A.85/2000 19.06.2000 E. 4

4.- Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, gegen B.________, G.________ und K.________ sei in Russland kein Strafverfahren eröffnet worden. Aus diesem Grunde könnten die Betroffenen ihre Verteidigungsrechte nicht ausüben. Gegen B.________ sei eine Strafuntersuchung gar nicht möglich, weil er in Russland parlamentarische Immunität geniesse. Somit würde das Verfahren in Russland gegen den schweizerischen "ordre public" verstossen und die Rechtshilfe müsse deshalb verweigert werden. Die Beschwerdeführerin kann sich zunächst nicht auf Verteidigungsrechte oder eine Immunität von Drittpersonen berufen (BGE 125 II 356 E. 3b/bb S. 362 ff.; 115 Ib 68 E. 6 S. 87). Die parlamentarische Immunität eines Beschuldigten hat im Übrigen nur der Sachrichter im ersuchenden Staat zu beurteilen und zu beachten. Sinngemäss ruft die Beschwerdeführerin jedoch mit ihrer Behauptung Art. 1 Ziff. 1 EUeR an, aus dem sich ergibt, dass Rechtshilfe nach diesem Abkommen nur gewährt wird, wenn im ersuchenden Staat ein Strafverfahren läuft. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, ist jedoch keine Anklageerhebung nötig. Die Eröffnung einer Voruntersuchung genügt, wenn diese dazu bestimmt ist, später ein Strafverfahren herbeizuführen (BGE 123 II 161 E. 3a S. 165 mit Hinweisen). Die Bundesanwaltschaft verweist auf die Ergänzung des Rechtshilfeersuchens vom 12. November 1999. Diese belege, dass in Russland eine Strafuntersuchung gegen B.________ und seine angeblichen Komplizen fortgesetzt werde. Darin kündigt der Untersuchungsrichter die Erhebung einer Anklage wegen Betruges an. Der Vorwurf der Geldwäscherei werde gegen B.________, nicht aber gegen G.________ und K.________, vorderhand fallen gelassen, könne aber unter Umständen dank der aus der Schweiz erhaltenen Unterlagen wieder aufleben. Die Untersuchungsbehörden betonten, dass die Verfahren gegen B.________ entgegen Presseberichten nicht eingestellt worden seien. In dieselbe Richtung weist die vom stellvertretenden Generalstaatsanwalt am 22. November 1999 bewilligte Verlängerung der Frist für die Voruntersuchung bis zum 18. Juni 2000. Somit bleibt es die Absicht der ersuchenden Behörden, Anklage zu erheben. Dafür kann Rechtshilfe gewährt werden.