Citation: 4C.291/1998 22.03.2000 E. 5

5.- a) Nach dem angefochtenen Entscheid hat sich am 30. Oktober 1995 Folgendes ereignet: Der Kläger weigerte sich, eine Arbeitsleistung zu der von seinem Vorgesetzten verlangten Zeit zu erbringen. Er erklärte, wenn dies von ihm verlangt werde, höre er unverzüglich auf zu arbeiten. Der Vorgesetzte erwiderte, der Kläger könne sich die Sache noch bis zum nächsten Tag überlegen. Der Kläger packte seine privaten Sachen im Büro zusammen und verliess den Arbeitsplatz. Er nahm seine Arbeit nicht wieder auf und meldete sich nicht mehr beim Beklagten. Erst auf das Schreiben vom 3. November 1995 reagierte der Kläger und bot dem Beklagten seine Arbeitskraft an. b) Im Rahmen der Berufung ist das Bundesgericht an diese tatsächlichen Feststellungen des Obergerichts, die vom Kassationsgericht nicht beanstandet wurden, gebunden (Art. 63 Abs. 2 OG). Der Kläger ist der Ansicht, das Obergericht habe in seinem Verhalten zu Unrecht eine Kündigung erkannt, da diese klar und unzweifelhaft ausgesprochen werden müsse; von einer Kündigung sei aber nie die Rede gewesen und es liege allenfalls eine Arbeitsverweigerung vor. Das Obergericht hat die Erklärung des Klägers nach dem Vertrauensprinzip ausgelegt und keinen übereinstimmenden tatsächlichen Willen der Parteien festgestellt. Im Rahmen der Berufung kann das Bundesgericht die Auslegung nach dem Vertrauensprinzip frei überprüfen. Dabei ist nicht allein vom Wortlaut auszugehen, weshalb unerheblich ist, ob der Kläger das Wort "Kündigung" verwendet hat. Zu prüfen ist vielmehr, ob der Beklagte unter Berücksichtigung der gesamten Umstände die Erklärung des Klägers als Kündigung verstehen durfte (BGE 125 III 305 E. 2b S. 308 f., 435 E. 2a/aa S. 438 f. je mit Hinweisen). c) Eine fristlose Kündigung darf nicht leichthin angenommen werden. Nicht jedes Fernbleiben von der Arbeit nach einem Streit kann als fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses gewertet werden (Staehelin, Zürcher Kommentar zu Art. 337d OR N. 3). Der Kläger hat indes nicht nur seine Arbeitsstelle verlassen, sondern auch die privaten Gegenstände aus dem Büro mitgenommen. Zusammen mit der Erklärung, unter diesen Umständen unverzüglich mit der Arbeit aufhören zu wollen, deutet dies eindeutig auf eine fristlose Kündigung hin. Der Kläger hatte am 13. September 1995 schon einmal fristlos gekündigt und musste damit rechnen, dass der Beklagte sein Verhalten entsprechend auslegen würde. Hätte der Kläger nicht kündigen wollen, hätte er dies klarstellen müssen. Der Beklagte hatte dem Kläger ausdrücklich einen Tag Bedenkzeit gewährt, um sich die Sache noch einmal zu überlegen. Aus dem Stillschweigen musste der Beklagte auf eine endgültige Beendigung des Arbeitsverhältnisses schliessen. Dass der Kläger einen hinreichenden Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses gehabt hätte, behauptet er in der Berufung nicht, weshalb das angefochtene Urteil auch insoweit zu bestätigen ist, als es von den Ansprüchen des Klägers eine Entschädigung wegen ungerechtfertigter Kündigung in Abzug gebracht hat.