Citation: 6P.120/2004 23.03.2005 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer beanstandet, dass die ersten Befragungen der Geschädigten am 20. und 22. Mai 1997 nicht durch eine Video-aufzeichnung festgehalten wurden. Indem das Obergericht die schran-kenlose Verwertung der Protokolle der nicht audiovisuell festgehalte-nen Befragungen der Geschädigten vom 20. und 22. Mai 1997 zugelassen und derart auf sie abgestellt habe, dass sie die Aussagen der Geschädigten als glaubhaft eingestuft habe, habe es die Un-schuldsvermutung und die Verteidigungsrechte des Beschwerde-führers sowie kantonales Recht verletzt (staatsrechtliche Beschwerde S. 7 f.) 3.2 Gemäss Art. 10c Abs. 2 OHG, auf den der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang verweist, hat die erste Einvernahme des kindlichen Opfers im Strafverfahren so rasch als möglich stattzufinden (Satz 1). Sie wird auf Video aufgenommen (Satz 5). Letzteres dient dazu, die Äusserungen des Kindes in optimaler Weise festzuhalten und eine Wiederholung möglichst überflüssig zu machen (Bericht der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats zur parlamentarischen Initiative "Sexuelle Ausbeutung von Kindern. Verbesserter Schutz", BBl 2000 3744 ff., 3759 f.). Art. 10c OHG gemäss Bundesgesetz vom 23. März 2001 ist am 1. Oktober 2002 in Kraft getreten. Er ist daher vorliegend nicht anwendbar. Dass das angefochtene Urteil und der erstinstanzliche Entscheid nach dem Inkrafttreten beziehungsweise dem Erlass dieser Bestimmung gefällt worden sind, ist unerheblich. Massgebend ist insoweit der Zeitpunkt der Einvernahmen und nicht der Zeitpunkt der Ausfällung des Urteils, in welchem die Aussage als Beweismittel verwertet wird. Da somit Art. 10c OHG vorliegend nicht anwendbar ist, kann dahingestellt bleiben, welche Konsequenzen sich ergeben, wenn eine erste Einvernahme entgegen Art. 10c Abs. 2 Satz 5 OHG nicht auf Video aufgenommen wird. 3.3 Nach § 107 Abs. 2 StPO/AG, auf welchen der Beschwerdeführer im Weiteren verweist, "sollen" Kinder, die an Unzuchtsdelikten Erwachsener beteiligt sind, "ohne zwingende Gründe nicht mehr als einmal ..... einvernommen werden". Eine mehrfache Befragung kann unter anderem dadurch vermieden werden, dass die erste Einvernahme auf Video festgehalten wird. Aus § 107 Abs. 2 StPO/AG ergibt sich indessen nicht, dass die erste Einvernahme des Kindes auf Video aufgenommen werden muss und, wenn dies unterbleibt, nicht verwertbar ist. Die staatsrechtliche Beschwerde ist daher auch in diesem Punkt abzuweisen.