Citation: 1C_572/2016 E. 3.5

3.5. Gemäss Art. 16 Abs. 4 BZO ist in den genannten Zonen die Nutzung der Untergeschosse zu Wohn- und Arbeitszwecken nur dort (d.h. an solchen Orten) gestattet, wo sie aufgrund der Hangneigung natürlich anfallen. Der Wortlaut dieser Bestimmung lässt die Auslegung zu, dass das natürliche Anfallen der Untergeschosse aufgrund der Hangneigung entstehen bzw. durch diese bewirkt werden muss. Bezüglich des möglichen Zwecks für das Erfordernis einer relativ starken Hangneigung führte die Vorinstanz nachvollziehbar aus, mit Zunahme der Hangneigung eines Baugrundstücks müssten vermehrt Untergeschosse anstelle von Vollgeschossen errichtet werden, weshalb ab einem gewissen minimalen Neigungswinkel auch die Nutzung dieser Untergeschossen zu Wohn- und Arbeitszwecken zugelassen werden könne, um eine optimale Ausnützung der am Hang gelegenen Grundstücke zu erreichen. Demnach kann in vertretbarer Weise angenommen werden, Art. 16 Abs. 4 BZO bezwecke die Ermöglichung der besseren bzw. optimaleren Nutzung von Grundstücken an steilen Hanglagen bzw. die Schaffung eines Ausgleichs für die an solchen Lagen eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Dieser Zweck ist mit der Auslegung der Baukommission Erlenbach vereinbar. Daran vermag nichts zu ändern, dass die Gemeinde Erlenbach in Ziff. 2.4 des erläuternden Berichts vom 22. April 2014 zur Umsetzung der Initiative Affolter angab, der bezüglich der Anzahl von nutzbaren Untergeschossen in Art. 15 BZO vorgesehene Vorbehalt von Art. 16 Abs. 4 BZO sei landschaftlich motiviert. So ist denkbar, dass sich diese Motivation auf das grundsätzliche Verbot der Nutzung von Untergeschossen als Wohn- und Arbeitsräume bezieht und damit die Ausnahme bei relativ steilen Hanglagen nicht erfasst. Da im vorliegenden Fall die erforderliche Neigung des Hanges ausser Frage steht, ist ein Widerspruch zum genannten Zweck von Art. 16 Abs. 4 BZO nicht ersichtlich, da mit der Zulassung der Nutzung des Untergeschosses zu Wohn- und Arbeitszwecken eine bessere Ausnützung des Baugrundstücks ermöglicht wird. Zwar trifft zu, dass die Gemeinde Erlenbach in Ziff. 4.1 des vorgenannten Berichts vom 22. April 2014 ausführte, wenn der Boden eines nutzbaren Untergeschosses um mindestens 1,2 m tiefer als das abgegrabene Terrain liege, sei eine sinnvolle Wohnnutzung aus wohnhygienischer wie auch aus gestalterischer Sicht in Frage gestellt. Diese Angabe lässt sich jedoch nicht unbesehen auf den vorliegenden Fall übertragen, weil gemäss den bewilligten Bauplänen die Tieferlegung des anrechenbaren Untergeschosses gegenüber dem abgegrabenen Terrain bloss etwa einen Meter beträgt. Dass deshalb aus wohnhygienischen Gründen eine Wohnnutzung fragwürdig sei, macht die Vorinstanz nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich, zumal diese zur Verhinderung der Wohnnutzung eine erhebliche Reduktion der vorgesehenen Fensterfläche verlangt. Der vom Baurekursgericht und der Vorinstanz zitierte Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 30. Juni 2010 betraf den damaligen Art. 33 der Bau- und Zonenordnung der Gemeinde Herrliberg vom 21. Juni 1995 (BZO/Herrliberg), der in der Zone W2/30 bei Ausnutzung der erlaubten Vollgeschosszahl die Nutzung von Untergeschossen zu Wohn- oder Arbeitszwecken nur zuliess, wenn sie mehrheitlich unter dem gewachsenen Boden liegen oder natürlich anfallen (Urteil des Verwaltungsgerichts VB.2010.00156 vom 30. Juni 2010 E. 4.1). Bezüglich dieser Regelung ging das Verwaltungsgericht im genannten Urteil davon aus, ein Untergeschoss falle dann "natürlich" an, wenn es aufgrund des (gewachsenen) Terrainverlaufs ohne Abgrabungen frei liege, weshalb die Auslegung der Baurekurskommission nicht rechtsverletzend sei, wenn sie verlange, dass das Untergeschoss bergseitig unter dem gewachsenen Boden und talseitig weitgehend über dem gewachsenen Boden liege (E. 4.3). Die Annahme, das natürliche Anfallen von Untergeschossen erfordere, dass diese ohne Abgrabungen freiliegen, ist jedoch nicht zwingend, da auch nach der vorinstanzlichen Definition natürlich anfallende Untergeschosse bergseitig gegenüber dem gewachsenen Terrain Abgrabungen erfordern. Solche Abgrabungen in den Hang hinein sind von den Nachbargrundstücken aus gesehen weniger sichtbar als Aufschüttungen. Entsprechend liess Art. 33 BZO/Herrliberg die Nutzung von Untergeschossen zu Wohn- oder Arbeitszwecken unabhängig vom natürlichen Anfallen zu, wenn sie mehrheitlich unter dem gewachsenen Boden liegen. Art. 33 BZO/Herrliberg weicht insoweit von Art. 16 Abs. 4 BZO ab, der zudem die Hanglage bezüglich des natürlichen Anfallens von Untergeschossen im Gegensatz zu Art. 33 BZO/Herrliberg erwähnt. Diese beiden Bestimmungen enthalten somit unterschiedliche Regelungen, weshalb sie nicht zwingend gleich ausgelegt werden müssen. Die Baukommission Erlenbach verfiel damit nicht in Willkür, wenn sie bei der Anwendung von Art. 16 Abs. 4 BZO von der Auslegung von Art. 33 BZO/Herrliberg abwich, die im Urteil des Verwaltungsgerichts vom 30. Juni 2010 als nicht rechtsverletzend qualifiziert wurde. Nach dem Gesagten erweist sich die von der Baukommission Erlenbach vorgenommene Auslegung von Art. 16 Abs. 4 BZO als vertretbar. Die Vorinstanz hat somit diese Auslegung der kommunalen Baubehörde zu Unrecht als unhaltbar qualifiziert und insoweit die Gemeindeautonomie bezüglich des Ermessensspielraums bei der Auslegung von kommunalem Recht verletzt.