Citation: 1C_451/2022 E. 2.6

2.6. Für die Vorinstanz ist entscheidend, dass die verbliebenen, mobilisierbaren WMZ-Reserven mit der erwarteten Bevölkerungsentwicklung korrespondieren. Nach der voraussichtlichen Genehmigungspraxis der Regierung betreffend Ortsplanungsrevision könnten Gemeinden mit mehr als 500 Einwohnerinnen und Einwohnern - trotz grundsätzlichem Rückzonungsbedarf - pro 100 Einwohnerinnen und Einwohner einen Bauplatz im Sinne einer angemessenen Reserve beibehalten. Aus der einschlägigen technischen Wegleitung des ARE GR ergebe sich, dass Gemeinden mit überdimensionierten WMZ, wozu die Gemeinde Sumvitg gehöre, die WMZ-Reduktion stufenweise anzugehen haben. In erster Priorität seien nicht erschlossene bzw. nicht überbaubare WMZ-Reserven am Siedlungsrand und ortsbaulich bedeutende (momentan einer WMZ zugeordnete) Freiräume heranzuziehen und im Rahmen der Ortsplanungsrevision einer anderen Zone als einer WMZ zuzuweisen, in zweiter Priorität sollen auch erschlossene WMZ-Reserven am Siedlungsrand einer geeigneten anderen Zone als einer WMZ zugewiesen werden, als Drittes dann nicht erschlossene WMZ-Reserven innerhalb des Siedlungskörpers und schliesslich auch noch bereits erschlossene WMZ-Reserven innerhalb des Siedlungskörpers (siehe ARE GR, Technische Wegleitung zur Ermittlung des Bauzonenbedarfs in der Ortsplanung vom Dezember 2020, S. 4 f.). Die periphere Lage bzw. eine solche am Rand des (effektiv) überbaubaren Siedlungsgebietes sei nach den Ausführungen des Verwaltungsgerichts für die Bejahung eines realistischen Rückzonungspotenzials einer Parzelle nicht das einzig massgebende Kriterium. So könne etwa eine bestehende Erschliessung gegen eine (prioritäre) Rückzonung sprechen. Vorliegend soll der Gemeindevorstand im Hinblick auf die Revision der Nutzungsplanung weitere Entscheidungen gefällt haben bzw. sollen gewisse Parzellen, wozu die Parzelle Nr. 4915 jedoch nicht gehöre, bereits zur Aus- bzw. Rückzonung vorgesehen worden sein. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass eine Baubewilligungserteilung während einer geltenden Planungszone keine Ausnahme sei, sofern das Bauvorhaben die zukünftige Planung (voraussichtlich) nicht erschweren könne, sondern ein eigentlicher Anspruch auf die Bewilligung bestehe. Beim Weiler Clavadi/Tuor sei zu beachten, dass dieser, wie weitere Weiler in der Gemeinde auch, eine langgezogene Form aufweise, wobei sich sämtliche Liegenschaften entlang der Hauptstrasse Via Clavadi positionierten, so dass kein eigentlicher Dorfkern vorhanden sei. Die Parzelle Nr. 4915 sei Teil der stärksten Anhäufung von Gebäuden im Weiler Clavadi/Tuor und zwischen der Via Clavadi und der Via Clavadi-Tuor eingefasst. Überdies erscheine die Parzelle am Eingang des Dorfes bzw. des Weilers Clavadi/Tuor als passender Siedlungsabschluss. In Anbetracht der Siedlungsstruktur der Gemeinde Sumvitg mit verschiedenen Weilern könne die Parzelle Nr. 4915 in Bezug auf den Weiler Clavadi/Tuor durchaus als innerhalb bzw. zumindest am Rand des weitgehend überbauten Gebiets gelegen betrachtet werden. Die Parzelle Nr. 4915 sei kein in sehr hoher Priorität zurückzuzonendes Grundstück. Der Kanton habe denn auch die Parzelle Nr. 4915 nicht als potenzielle Auszonungsfläche bezeichnet bzw. nicht ins Auge gefasst, diese Parzelle als Auszonungsfläche zu bezeichnen. Somit erscheine der Entscheid der Vorinstanz, die Parzelle Nr. 4915 aus dem potenziellen Auszonungsgebiet auszuschliessen, als "durchaus vertretbar", basiere er doch "auch auf durchaus plausiblen sowie richtplan-, verfassungs- und gesetzeskonformen Überlegungen". Der Entscheid, das strittige Bauvorhaben - trotz der geltenden Planungszone - als bewilligungsfähig zu erachten, sei auch im Rahmen der verwaltungsgerichtlichen Kognition gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG nicht zu beanstanden.