Citation: U 134/03 12.01.2004 E. 4

4.1 Zur Arbeitsfähigkeit und der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen führt Kreisarzt Dr. med. C.________ im Bericht vom 17. Oktober 2001 aus, wegen des Teilverlustes der Endglieder II und III der (dominanten) rechten Hand seien der Versicherten Tätigkeiten, bei denen es ausgesprochen auf die Fingergeschicklichkeit und das Feingefühl ankomme, nicht mehr zumutbar. Ganztags uneingeschränkt vermöge sie leichte bis mittelschwere manuelle Arbeiten zu verrichten, für welche taktiles Geschick nicht erforderlich sei. Die aktuelle Leistungseinbusse von 30% sei mit Sicherheit nicht organisch, sondern psychologisch bedingt: Die Versicherte habe bei vielen Aufgaben Angst, gehe ihnen aus dem Weg und sei dadurch langsamer. Rein organisch betrachtet wären die zugewiesenen Arbeiten uneingeschränkt ganztags zumutbar. Gemäss Stellungnahme der Arbeitgeberin vom 30. März und 24. Juli 2001 hatte die Beschwerdeführerin nach Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit zu 50% die gleichen Pflichten zu erfüllen wie vor dem Unfall, wobei die frühere Hauptbeschäftigung (Bestücken von ISDN- und TT-Steckern), welche viel Feingefühl erfordert, nur noch 10% eines vollen zeitlichen Pensums ausmachte. Bei einer Arbeitstätigkeit von 50% betrug die effektive Leistung für die zugewiesenen Aufgaben 33 1/3%. Grobmanuelle Arbeiten konnten ihr nicht angeboten werden. Seit Wiederaufnahme des vollen zeitlichen Pensums werde die Versicherte soweit als möglich an geeigneten Maschinen eingesetzt, sie erbringe jedoch nicht die gewünschte Leistung. Sie sei deutlich verlangsamt, mache Pausen und klage über Schmerzen. Über die gesamte Arbeitszeit gesehen erfülle sie die an sie gestellten Anforderungen im Umfange von 70%. Die Arbeiten seien körperlich leicht, jedoch handbetont und setzten Fingerfertigkeit voraus. Die Versicherte weigere sich, bestimmte Maschinen zu bedienen; es fehle an Eigeninitiative und einer positiven Einstellung. Aus diesen Angaben ist zu schliessen, dass teilweise unfallfremde Ursachen für die ungenügende Verwertung der Arbeitsfähigkeit ausschlaggebend sind. Anderseits ist die Beschwerdeführerin am bisherigen Arbeitsplatz offenbar nicht optimal eingegliedert, indem sie zum Teil Hantierungen vorzunehmen hat, welche feinmanueller Art sind und besondere Anforderungen an die Geschicklichkeit der Finger stellen. Insofern ist fraglich, ob die Leistungseinbusse an der bisherigen Arbeitsstelle tatsächlich ausschliesslich psychisch bedingt ist. Wie es sich damit verhält, kann indessen offen bleiben. Auf Grund der ärztlichen Auskünfte ist anzunehmen, dass die Versicherte aus organischer Sicht im Rahmen einer geeigneten Tätigkeit ohne wesentliche Einschränkungen vollständig arbeitsfähig ist. Zu weiteren Abklärungen in diesem Punkt besteht kein Anlass, zumal auch nach der fachärztlichen Einschätzung des Dr. med. D.________ die Beschwerdeführerin bei einer geeigneten Tätigkeit (weniger Feinarbeit, eher Hantieren mit gröberen Gegenständen) einen vollen Arbeitseinsatz zu leisten vermag (Bericht vom 2. März 2001). 4.2 Die Vorinstanz hat das für die Invaliditätsbemessung massgebende Einkommen, welches die Versicherte trotz des Gesundheitsschadens auf dem allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt bei zumutbarer Ausnützung der Arbeitsfähigkeit erzielen könnte (Invalideneinkommen), auf Fr. 47'333.- festgelegt und ist zum Schluss gelangt, dass im Vergleich zum Valideneinkommen von Fr. 43'550.- selbst bei einem leidensbedingten Abzug von 15% keine anspruchsbegründende Invalidität von mindestens 10% resultiere (Art. 18 Abs. 1 UVG). Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, das Invalideneinkommen sei um 20% zu reduzieren, womit sich ein Invaliditätsgrad von 14% ergebe. Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) ab. Der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens 25% zu begrenzen ist (BGE 126 V 79 Erw. 5b/aa-cc). Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin wegen der Fingerverletzung auch im Rahmen einer geeigneten angepassten Beschäftigung in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, wobei allerdings durchaus Tätigkeiten denkbar sind, bei welchen sich die Beeinträchtigungen nicht oder nur gering auswirken dürften. Höchstens teilweise gegeben sind die Abzugskriterien des Alters, der Dienstjahre und der Nationalität/ Aufenthaltskategorie. Die Versicherte war im Zeitpunkt des Unfalls noch nicht 30 Jahre alt und arbeitete seit 1995 in der gleichen Anstellung. Ein möglicherweise anzunehmender Minderverdienst bei Teilzeitbeschäftigung entfällt, weil die Beschwerdeführerin vollzeitlich erwerbstätig sein kann. Das Invalideneinkommen ist mit der Vorinstanz daher um höchstens 15% herabzusetzen. Dem kantonalen Gericht ist auch insoweit beizupflichten, als vom monatlichen Bruttolohn (Zentralwert) für Frauen mit einfachen und repetitiven Tätigkeit (Anforderungsniveau 4) im Sektor Produktion von Fr. 3'641.- auszugehen ist (Bundesamt für Statistik, Die Schweizerische Lohnstrukturerhebung [LSE] 2000, S. 31, TA1). Hochgerechnet auf ein Jahreseinkommen und auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.8 Stunden (Statistisches Jahrbuch der Schweiz 2002, S. 207, T3.2.3.5) und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 2,5% (2001) und 2,3% (2002; Bundesamt für Statistik, Lohnentwicklung 2002, S. 33, T1.2.93) bis zum Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs im Januar 2002 (vgl. BGE 129 V 223 Erw. 4.1 mit Hinweisen) resultiert ein Einkommen von Fr. 47'876.-, welches entsprechend den leidensbedingten Einschränkungen um 15% herabzusetzen ist (Fr. 40'694.-). Das Valideneinkommen ist ausgehend vom letzten Lohn von Fr. 43'550.- (3'350.- x 13) im Jahr 2001 und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 2,3% im Jahr 2002 auf Fr. 44'551.- festzulegen. Im Vergleich zum Invalideneinkommen von 40'694.- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 8,05%, womit die für den Rentenanspruch vorausgesetzte Grenze von mindestens 10% (Art. 18 Abs. 1 UVG) nicht erreicht wird. Daran vermag nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführerin vor dem Unfall ein verglichen mit den statistischen Löhnen leicht niedrigeres Einkommen erzielt hat, weil in der Regel von dem vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Verdienst auszugehen ist und nicht von einem unüblich tiefen Lohn gesprochen werden kann (vgl. Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 205).