Citation: 9C_579/2022 E. 3

Das kantonale Gericht hat eine Bindung der Pensionskasse an die Entscheidungen der IV-Stelle bejaht. Diesbezüglich hat es erwogen, die IV-Stelle habe sowohl den Vorbescheid als auch die unangefochten gebliebene Rentenverfügung vom 9. Februar 2021 der Pensionskasse eröffnet. Diese hätte in Bezug auf den von der IV-Stelle festgelegten Beginn des Wartejahres (7. Januar 2017), auf den Rentenanspruch an sich und auf dessen Umfang ein schutzwürdiges Interesse (im Sinne von Art. 59 ATSG) an der Anfechtung der Rentenverfügung gehabt. D ie diese Punkte betreffenden Entscheidungen der IV-Stelle - insbesondere die von ihr verneinte Eingliederbarkeit des Versicherten in den ersten Arbeitsmarkt - seien nicht offensichtlich unhaltbar. Die abschliessende, im Rahmen des internen interdisziplinären Verlaufsforums vom 8. Juli 2020 getroffene Einschätzung der IV-Stelle entbehre weder einer schlüssigen Begründung noch einer entsprechenden ärztlichen Feststellung. Die Verwaltung habe aufgrund begründeter Zweifel an der Beweiskraft des BEGAZ-Gutachtens (resp. an der darin enthaltenen Arbeitsfähigkeitsschätzung) die Einschätzungen ihrer Berufsfachleute miteinbezogen. Der ebenfalls langjährig mit dem Versicherten befasste Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) habe nicht nur am besagten Verlaufsforum teilgenommen, sondern selbst auf die Diskrepanz zwischen der gutachterlichen Einschätzung und den Erfahrungen aus den Eingliederungsbemühungen hingewiesen. Weiter hat die Vorinstanz den zeitlichen und sachlichen Zusammenhang zwischen der am 7. Januar 2017 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der (invalidenversicherungsrechtlich) im Januar 2018 entstandenen Invalidität des Beschwerdegegners bejaht. In diesem Zusammenhang hat sie insbesondere festgestellt, in concreto habe die IV-Stelle in rein somatischer Hinsicht die bisherige Arbeit als Chauffeur für nicht mehr zumutbar gehalten, aber eine Arbeitsfähigkeit von 80 % für leidensangepasste Tätigkeiten angenommen. Demgegenüber habe insbesondere die psychische Beeinträchtigung zur Berentung des Beschwerdegegners geführt. Diesbezüglich sei die IV-Stelle von der psychiatrischen Arbeitsfähigkeitsschätzung im BEGAZ-Gutachten abgewichen, weil dabei die komplexe Vergangenheit resp. die Biographie des Beschwerdegegners, den man "während ca. zwei Jahren" vergeblich einzugliedern versucht habe, nicht beachtet worden sei. Der psychiatrische Experte habe insbesondere Folgendes ausgeführt: Die im Oktober 2016 erfolgte Kündigung habe in den akzentuierten, narzisstischen und vulnerablen Persönlichkeitszügen des Beschwerdegegners mit hohen Selbstanforderungen und verminderter Anpassungsfähigkeit an äussere und berufliche Realitäten gegründet; der Beschwerdegegner tendiere dazu, sich immer wieder mit somatischen Beschwerden, sprich Schmerzen, aus der Situation befreien zu können, was sich schon in der Kindheit resp. Jugend angebahnt zu haben scheine; auch wenn es zusätzlich somatische Grundlagen für die erlebten Schmerzen gebe, müsse eine seit Jahren bestehende, in der Persönlichkeitsstruktur verankerte Schmerzfehlverarbeitung angenommen werden. Die IV-Stelle habe die so verstandene "Biographie" des Beschwerdegegners - nach diversen (gescheiterten) Eingliederungsmassnahmen - als Beleg für die fehlende Vermittlungs- und Eingliederungsfähigkeit gewertet. Der Beschwerdegegner sei denn auch ab August 2016 unter Angabe von Rückenschmerzen nur noch kurzzeitig und in der Regel reduziert arbeitsfähig gewesen. Die von der IV-Stelle postulierte vollständige Arbeitsunfähigkeit (ausserhalb eines geschützten Rahmens) ab dem 7. Januar 2017 beruhe somit für die Zeit vom 7. bis zum 31. Januar und vom 14. Februar bis zum 10. Juni 2017 ebenfalls und für die Zeit vom 1. bis zum 13. Februar sowie ab dem 11. Juni 2017 ausschliesslich auf der aus psychischen Gründen fehlenden Eingliederungsfähigkeit. Folglich hat das kantonale Gericht die Pensionskasse im Zusammenhang mit der Invalidität des Beschwerdegegners für leistungspflichtig gehalten.