Citation: 5A_800/2022 E. 4.2

4.2. Im vom Beschwerdeführer zitierten Leitentscheid geht das Bundesgericht davon aus, dass Kinder in der Regel ab dem vollendeten sechsten Altersjahr anzuhören sind, jedoch nicht von vornherein ausgeschlossen ist, je nach den konkreten Umständen auch ein etwas jüngeres Kind anzuhören, zum Beispiel wenn von mehreren Geschwistern das jüngste kurz vor dem genannten Schwellenalter steht (BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Als der angefochtene Entscheid erging, war der Beschwerdegegner 1 noch nicht sechs Jahre alt, weshalb rechtsprechungsgemäss keine Kindesanhörung durchzuführen war. Im Zeitpunkt der letzten Eingabe im Berufungsverfahren (25. Juni 2021) war der Beschwerdegegner 1 gar erst viereinhalb Jahre alt. Besondere Umstände, weshalb sich im konkreten Fall eine Abweichung vom erwähnten Schwellenalter aufdrängte, nennt der Beschwerdeführer nicht. Er macht auch nicht geltend, im Berufungsverfahren je Gründe für eine Abweichung vom Schwellenalter vorgetragen und in diesem Sinne eine Anhörung gefordert zu haben, ohne von der Vorinstanz damit gehört worden zu sein. Von überspitztem Formalismus kann schon deshalb nicht die Rede sein, weil die Altersgrenze für die Anhörung des Kindes keine blosse Formvorschrift darstellt (s. zum überspitzten Formalismus BGE 135 I 6 E. 2.1). Mit dem Entscheid über die Anhörung eines weniger als sechs Jahre alten Kindes verbindet sich vielmehr die Frage, ob sich das Gericht ein persönliches Bild machen und dadurch ein zusätzliches Element bei der Sachverhaltsfeststellung und Entscheidfindung verschaffen soll (BGE 131 III 553 E. 1.2.2). Im Übrigen tut der Beschwerdeführer auch nicht dar, welchen Erkenntnisgewinn er sich im konkreten Fall von einer Anhörung seines Sohnes erhofft hätte (s. dazu BGE 146 III 203 E. 3.3.2).