Citation: 6B_375/2023 E. 2.5

2.5. Im Rahmen der Strafzumessung prüft die Vorinstanz, ob der Beschwerdegegner von Strafe zu befreien ist, weil die Beschwerdeführerin durch ungebührliches Verhalten zu den Beschimpfungen unmittelbar Anlass gab (Art. 177 Abs. 2 StGB). Die Erstinstanz nahm an, dass die Beschwerdeführerin die Beschimpfungen des Beschwerdegegners zumindest am 1. und 3. August 2020 durch eigenes ungebührliches Verhalten im Sinne von Art. 177 Abs. 2 StGB provoziert hatte. Von einer Strafbefreiung sah die Erstinstanz jedoch ab und nahm bloss eine Strafminderung vor. Die Vorinstanz erwägt, nur schon der umfangreiche E-Mail-Verkehr dokumentiere, dass die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner jahrelang einen Umgang pflegten, der von Respektlosigkeit, gegenseitigen Beleidigungen und Drohungen geprägt sei, nota bene auch von Seiten der Beschwerdeführerin. Die Erstinstanz habe daher zu Recht festgestellt, dass die Beschwerdeführerin den Beschwerdegegner beleidigt habe, bevor dieser sie am 1. und 3. August 2020 beschimpft habe. Die Schwelle der Provokationen gemäss Art. 177 Abs. 2 StGB sei ohne Weiteres überschritten gewesen. Sie habe dem Beschwerdegegner nämlich mit unflätigen Worten mitgeteilt, er solle sich an den Kosten der Zahnspange des Kinds beteiligen, weil es die unvorteilhafte Zahnstellung von ihm geerbt habe. Die Vorinstanz betont, dass das Gesetz keine verhältnismässige Reaktion des Beschwerdegegners in dem Sinne verlangt, dass diese verbale Provokation nur mit einer gleichwertigen Beschimpfung beantwortet werden durfte. Es erschiene angesichts des rüden und primitiven Umgangstons als unbillig, den Beschwerdegegner für einzelne, von der Beschwerdeführerin provozierte Beschimpfungen zu bestrafen, die Beschwerdeführerin hingegen nicht. Mit dieser Begründung sieht die Vorinstanz von einer Bestrafung des Beschwerdegegners ab.