Citation: 1P.544/2003 12.11.2003 E. 4

Der Beschwerdeführer rügt ferner, das Kantonsgericht habe Art. 208 StP willkürlich angewendet, indem es eine erneute Befragung von A.________ und B.________ im Berufungsverfahren abgelehnt habe. Diese Bestimmung gehe insofern über das in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Konfrontationsrecht des Angeklagten hinaus, als Beweise, die für die Schuldfrage oder die Sanktion von erheblicher Bedeutung sein können und bei denen der persönliche Eindruck für die Urteilsfindung entscheidend sei, auf blossen Parteiantrag an der Gerichtsverhandlung erneut abzunehmen seien, ohne Rücksicht darauf, ob bereits im Untersuchungsverfahren eine Konfrontation stattgefunden habe. Ein Verzicht auf die beantragte Beweiserhebung sei nach Art. 208 Abs. 3 lit. b StP nur zulässig, wenn sie nicht möglich oder mit unverhältnismässigen Schwierigkeiten verbunden sei. Dies sei im vorliegenden Fall offensichtlich nicht der Fall gewesen. 4.1 Das Kantonsgericht führte hierzu aus, dass die mehreren Aussagen der drei Belastungszeuginnen durchwegs von hoher Qualität seien; angesichts dessen sowie der eher untergeordneten Bedeutung der Belastungen durch A.________ und B.________ erscheine eine nochmalige Befragung dieser beiden Zeuginnen ausschliesslich unter dem Aspekt des "persönlichen Eindrucks" unverhältnismässig, zumal das Gericht aufgrund des sehr langen Zeitablaufs (bis zu mehr als sechs Jahren) kaum einen entscheidwesentlichen Eindruck von den zwei Mädchen zum Zeitpunkt des zur Beurteilung stehenden Geschehens oder gar neue Erkenntnisse bezüglich der fraglichen Vorfälle gewinnen könnte. 4.2 Die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen sexueller Handlungen mit A.________ und B.________ beruht ausschliesslich auf den Aussagen dieser Zeuginnen. Insofern handelte es sich um Aussagen, die für die Schuldfrage von erheblicher Bedeutung waren, auch wenn die einmaligen Verfehlungen gegenüber A.________ und B.________ von ihrem Ausmass her nicht besonders schwer wogen und deshalb für die Strafzumessung von untergeordneter Bedeutung waren. 4.3 Art. 208 StP verlangt jedoch kumulativ, dass es sich um Beweismittel handelt, bei denen der persönliche Eindruck für die Urteilsfindung entscheidend ist. Dies kann, muss aber nicht zwangsläufig bei Zeugenaussagen der Fall sein. Liegt das zu beurteilende Geschehen bereits viele Jahre zurück und wurden die Zeugen im Laufe des Untersuchungs- und Strafverfahrens schon mehrfach dazu befragt, ist es nicht willkürlich anzunehmen, dass eine erneute Befragung im Berufungsverfahren keine neuen Aufschlüsse bringen und dem persönlichen Eindruck deshalb geringes Gewicht beizumessen ist. Dies gilt jedenfalls dann, wenn die bereits vorliegenden Aussagen von hoher Qualität sind und das Gericht keinen Zweifel an deren Glaubhaftigkeit hegt. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den Zeuginnen um Opfer i.S.d. des Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1991 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG; SR 312.5) handelte, denen eine mehrfache Konfrontation mit dem Angeklagten zu ersparen ist, wenn dies für die Wahrheitsfindung und zur Wahrung der Verteidigungsrechte des Angeklagten nicht unbedingt erforderlich ist (Art. 5 Abs. 4 und 5 OHG). Das Kantonsgericht hat deshalb das Willkürverbot (Art. 9 BV) nicht verletzt, als es den Antrag auf erneute Befragung von A.________ und B.________ im Berufungsverfahren ablehnte.