Citation: 2C_214/2023 E. 4.6.6

4.6.6. Als Verfügungen gelten autoritative, einseitige, individuell-konkrete Anordnungen der Behörde, die in Anwendung von Verwaltungsrecht ergangen, auf Rechtswirkungen ausgerichtet sowie verbindlich und erzwingbar sind (vgl. Art. 5 VwVG; BGE 141 II 233 E. 3.1 mit Hinweisen). Ausschlaggebend für die Qualifikation eines Verwaltungsaktes als Verfügung sind deren Strukturmerkmale (materieller Verfügungsbegriff; BGE 135 II 38 E. 4.3; Urteil 2C_ 854/2016 vom 31. Juli 2018 E. 4.1 [nicht publ. in BGE 144 II 376]). Die Form der Anordnung, wie Bezeichnung, Rechtsmittelbelehrung oder Unterschrift, ist nicht entscheidend, kann aber einen Eröffnungsmangel begründen, der die Anordnung anfechtbar (oder nichtig) macht, dem Verfügungsadressat aber keine Nachteile bringen darf (BGE 150 II 26 E. 3.5.4; 143 II 268 E. 4.2.1; Urteil 2C_603/2023 vom 21. Februar 2024 E. 5.3). Die Anordnung von Isolation und Quarantäne stellt hoheitliches Handeln dar, da in die Rechte des Einzelnen eingegriffen und ihm Pflichten auferlegt werden, welche seine Grundrechte beschränken (vgl. vorstehend E. 4.6.2 4.6.2). Mit dem E-Mail vom 26. Januar 2021 wurde die Quarantäne für die Beschwerdeführerin bis und mit 31. Januar 2021 angeordnet. Die Vorinstanz hat das E-Mail zutreffend als Verfügung qualifiziert (angefochtener Entscheid E. 3.2). Dass die Verfügung in Form des E-Mails in formeller Hinsicht Eröffnungsmängel aufwies (namentlich keine Unterschrift, keine Rechtsmittelbelehrung, keine korrekte Zustellung), ist für deren Qualifikation nicht ausschlaggebend. Der Verfügungscharakter ist vor Bundesgericht denn auch nicht bestritten. Erlassen hat die Verfügung nicht die D.________ AG, sondern der Kantonsärztliche Dienst. Dieser hat die Verfügungsbefugnis nicht abgegeben, sondern vielmehr die D.________ AG beauftragt, in seinem Namen standardisierte und vorformulierte E-Mails zu verschicken. Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem E-Mail: Dieses weist die Gesundheitsdirektion als Absenderin, Verantwortliche, Urheberin und Ansprechperson aus. Der Kantonsärztliche Dienst bestätigt zudem, dass die D.________ AG in seinem Namen verfügt habe. Die D.________ AG hatte keine Verfügungsbefugnis; sie hat die Quarantäne denn auch nicht in eigenem Namen verfügt und somit keinen Anschein hoheitlichen Handelns erweckt. Festzuhalten ist somit, dass das E-Mail zwar eine Verfügung war und als solche in die Verfassungsrechte der Beschwerdeführerin eingriff. Allerdings wurde sie nicht im Namen und in der Verantwortung der D.________ AG, sondern namens, im Auftrag und unter der Kontrolle der Gesundheitsdirektion erlassen, welche auch nach aussen hin auftrat (vgl. vorstehend E. 4.6.5). Beim Contact Tracing handelt es sich wie gezeigt um ein Massengeschäft, bei dem ohne Weiteres mehrere Tausend Quarantäne-Anordnungen pro Tag erlassen werden mussten (vorstehend E. 4.6.2). Für das Gelingen des Contact Tracing ist wesentlich, dass die möglicherweise angesteckten Personen möglichst rasch benachrichtigt werden können (Urteil 2C_369/2021 vom 22. September 2021 E. 6.4). In Anbetracht dessen ist dieses Vorgehen in der besonderen Lage der Corona-Pandemie verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, zumal die Quarantäne-Anordnung nicht in einer Verfügung im formellen Sinn erlassen wurde.