Citation: 6P.36/2006 03.08.2006 E. 6

Die Vorinstanz begründet die tatbestandsmässige Sorgfaltspflichtverletzung der Beschwerdeführerin einerseits mit der Missachtung des Vortritts von A.________ und andererseits mit der fehlenden Beleuchtung ihres Fahrrads, das aufgrund des Einbruchs der Nacht für den Unfallbeteiligten nur sehr schwer erkennbar gewesen sei. 6.1 Die Vorinstanz nimmt unter Verweis auf die Ausführungen der ersten Instanz zutreffend an, dass sich die bei der Einmündung der Kreuzstrasse in die Bahnhofstrasse auf der rechten Strassenseite angebrachte Tafel "ausgenommen Motorfahrräder und Fahrräder" auf das linksseitig aufgestellte Signal "Rechtsabbiegen" (vgl. Art. 24 Abs. 2 SSV) bezog und A.________ somit geradeaus fahren durfte. Auf die Erwägungen der Vorinstanzen kann verwiesen werden. Der Beschwerdeführerin ist einzuräumen, dass die Signalisation bei der Einmündung der Kreuzstrasse in die Bahnhofstrasse nicht eindeutig war. Das Signal "Rechtsabbiegen" war auf der linken Strassenseite angebracht. Gemäss Art. 103 Abs. 1 SSV stehen Signale jedoch am rechten Strassenrand und können nur in zwingenden Ausnahmefällen links angebracht werden. Ob es sich hier um einen solchen Ausnahmefall handelt, kann indessen offen gelassen werden, da die Signalisation für A.________ jedenfalls einen schützenswerten Rechtsschein begründete (vgl. etwa BGE 128 IV 184) und die Beschwerdeführerin nicht geltend macht, sie sei einem Sachverhaltsirrtum unterlegen. Doch selbst wenn dies der Fall wäre, ist jedenfalls nicht ersichtlich und wird von ihr auch nicht geltend gemacht, dass es nicht zum Unfall gekommen wäre, wenn A.________ nach rechts abgebogen wäre. Im Übrigen führt die Vorinstanz zutreffend aus, dass von einer 13jährigen Fahrradfahrerin verlangt werden muss, dass sie die Vortrittsregeln kennt. Die Marktgasse und die Kreuzstrasse münden unmittelbar nebeneinander (vgl. kt. act. 13/2) in die Bahnhofstrasse. Gemäss Art. 15 Abs. 2 VRV haben Benützer zweier mit dem Signal "Kein Vortritt" belasteten Strassen, die am gleichen Ort in eine Strasse mit Vortrittsrecht einmünden, unter sich den Rechtsvortritt zu beachten. Nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz konnte die Beschwerdeführerin nicht auf die Bahnhofstrasse hinausfahren, ohne den Vortrittsberechtigten A.________ in seiner Fahrt zu behindern und zu gefährden (angefochtenes Urteil, S. 6). Sie missachtete daher nicht nur die Vortrittsregelung gemäss Art. 15 Abs. 2 VRV, sondern auch die Pflicht gemäss Art. 14 Abs. 1 VRV, den Vortrittsberechtigten in seiner Fahrt nicht zu behindern und dafür vorausblickend die Geschwindigkeit frühzeitig zu mässigen und nötigenfalls vor Beginn der Verzweigung zu halten. Der angefochtene Entscheid verletzt auch in diesem Punkt kein Bundesrecht. 6.2 Die Vorinstanz begründet die der Beschwerdeführerin zur Last gelegte Fahrlässigkeit im Wesentlichen damit, dass sie an ihrem Fahrrad trotz einbrechender Nacht kein Licht hatte. Nicht zu beanstanden ist die Annahme, das fehlende Licht sei für den Unfall adäquat kausal gewesen, da sie aus diesem Grund für A.________ nur sehr schwer erkennbar war (angefochtenes Urteil, S. 7 f. mit Hinweis auf das erstinstanzliche Urteil). Mit der Verletzung seines Vortrittsrechts durch ein unbeleuchtetes Fahrrad musste der Unfallbeteiligte in der gegebenen Situation nicht rechnen. Die Vorinstanz hat unter zutreffender Anwendung der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Art. 18 Abs. 3 Satz 1 StGB eine Sorgfaltspflichtverletzung der Beschwerdeführerin und insbesondere die Vorhersehbarkeit des Geschehensablaufs bejaht. Selbst wenn man annehmen wollte, dass A.________ ungenügend auf den Verkehr von links geachtet und auch durch das Einspuren auf die linke Fahrbahnseite der Kreuzstrasse das Rechtsfahrgebot missachtet hat, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, vermag dies ihr Fehlverhalten nicht in den Hintergrund zu drängen. Im Strafrecht gibt es keine Verschuldenskompensation. Der Verweis der Beschwerdeführerin auf den Vertrauensgrundsatz geht fehl, weil hier nicht die allfällige Strafbarkeit des Unfallbeteiligten zur Diskussion steht.