Citation: 8C_106/2023 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, der Kreisarzt Dr. med. D.________, Facharzt für Chirurgie FMH, auf dessen Einschätzung die Suva abgestellt habe, habe im Bericht vom 7. Mai 2021 den medizinischen Endzustand und das Zumutbarkeitsprofil des Beschwerdegegners festgelegt. Die Suva habe verkannt, dass er nicht von einem gesundheitlichen Endzustand ausgegangen sei, sondern sich nur deshalb abschliessend geäussert habe, weil der Beschwerdegegner eine angezeigte Rückeninfiltration nicht habe durchführen wollen. Am 1. März 2021 habe der Kreisarzt aber noch festgehalten, hinsichtlich der Rückenbeschwerden sei der Endzustand nicht erreicht und der Beschwerdegegner sei arbeitsunfähig. Am 7. Mai 2021 habe er den Endzustand als erreicht angesehen, obwohl es keine weiteren Untersuchungen oder Erkenntnisse hinsichtlich des Rückens gegeben habe. Die einzige neue Erkenntnis sei gewesen, dass der Beschwerdegegner zwischenzeitlich am 16. April 2021 vom Diabetologen untersucht worden sei. Aus dessen Sicht habe es damals keine Probleme mit der Zuckerkrankheit gegeben, weshalb diese einer Infiltration nicht entgegengestanden habe. Diesbezüglich habe sich die Suva aber nicht auf einen Bericht des Diabetologen, sondern auf eine telefonische Auskunft der Ehefrau des Beschwerdegegners gestützt. Allein daraus habe nicht auf einen Endzustand geschlossen und der Rentenanspruch geprüft werden dürfen. Denn am 1. März 2021 habe sich Dr. med. D.________ im Einklang mit den behandelnden Ärzten von einer Infiltration noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes versprochen. In den nachfolgenden Berichten sei nicht begründet worden, weshalb dies plötzlich nicht mehr der Fall gewesen sein soll. Aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdegegner eine zumutbare Behandlung verweigert habe, dürfe nicht auf einen Endzustand geschlossen werden. Vielmehr hätte die Suva ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchführen müssen. Die Sache sei daher an die Suva zurückzuweisen, damit sie beim Diabetologen eine Stellungnahme dazu einhole, ob dem Beschwerdegegner die Infiltration zumutbar sei. Sollte dies zutreffen, habe die Suva ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren nach Art. 21 Abs. 4 ATSG vorzunehmen, bevor sie über den Fall- und Leistungsabschluss entscheide. Sollte die Infiltration hingegen unzumutbar sein, würde sich ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren erübrigen. In beiden Fällen habe die Suva bis zum neuen Entscheid allfällige Heilbehandlungskosten zu übernehmen und Taggelder nach Massgabe der attestierten Arbeitsunfähigkeit auszurichten. Bei dieser Sachlage erübrige sich die von der Suva (zu Unrecht) vorgenommene Prüfung des Leistungsanspruchs. Für eine nach Durchführung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens vorzunehmende Rentenprüfung sei die Einholung eines versicherungsunabhängigen orthopädischen Gutachtens angezeigt, da mehr als nur geringe Zweifel an den Beurteilungen des Kreisarztes bestünden.