Citation: U 395/04 12.09.2006 E. 2.3

2.3.1 Das Gutachten des Prof. Dr. med. G.________ erschüttert die im Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 14. Mai 2002 gemachte Feststellung, wonach in all den verschiedenen Untersuchungen keinerlei Hinweis auf ein somatisches Substrat habe festgestellt werden können und bereits kurze Zeit nach dem Unfall die Beschwerden psychisch überlagert worden seien (Sachverhalt Ziff. A hievor). Die vom Gerichtsgutachter gestützt auf einlässliche Abklärungen sorgfältig und überzeugend diagnostizierte Hüftgelenksschädigung - Pincer-Impingement beidseits bei Coxa profunda, verstärkt durch weitgehend zirkumferenzielle Knochenapposition des Pfannenrandes beidseits; rechts chronisch symptomatisch, links beginnend symptomatisch - stellt mit Blick auf den ersten Prozess vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht eine neue, bisher unverschuldet verborgen gebliebene physische Tatsache dar. Es bleibt deren Rechtserheblichkeit zu prüfen. 2.3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1, 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 2, 1994 Nr. U 206 S. 329 Erw. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76 Erw. 4b). Der Beweis des Wegfalls des natürlichen Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (AJP 2006 S. 236 [U 424/04] Erw. 4 mit Hinweisen). 2.3.3 Die diagnostizierte Hüftgelenksschädigung ist als komplexer pathomechanischer Prozess zu verstehen, für welchen laut Gerichtsgutachten verschiedene Faktoren ursächlich sind (Coxa profunda, chronisches Anschlagen, verbunden mit einer gewissen Neigung zur Knochenapposition der Pfannenränder). Die beteiligten Orthopäden - nebst dem Gerichtsgutachter Dr. med. M.________ von der SUVA, der sich in den Berichten vom 29. November 2004 und 20. März 2006 äusserte - stimmen darin überein, dass das chronische Pincer-Impingement unter Berücksichtigung der nahezu zirkumferenziellen Knochenapposition bereits im Zeitpunkt des versicherten Ereignisses vom 16. Oktober (mit Sturz auf Kopf und Rücken; vgl. die Unfallmeldung UVG vom 26. Oktober 1998 sowie den Bericht der Neurochirurgischen Klinik, Spital X.________, vom 30. Oktober 1998) bestanden hat. Dem Unfall kommt gestützt auf die einlässlichen und überzeugenden Darlegungen des Gerichtsgutachters die Bedeutung zu, dass er den pathologischen Prozess hat symptomatisch werden lassen. Dessen Einschätzung, wonach der Unfall gleichsam "das Fass zum Überlaufen brachte", wird dadurch belegt, dass unmittelbar im Anschluss an das Unfallgeschehen für die diagnostizierte Hüftgelenksschädigung charakteristische, behandlungsbedürftige Beschwerden aufgetreten sind. Die gutachterliche Beurteilung, wonach die Symptome zu einem späteren Zeitpunkt auch ohne das Unfallereignis aufgetreten wären und dem Unfall für die Dauer von einem bis zwei Jahren richtunggebender Charakter zukomme, ist dahingehend zu würdigen, dass bei schicksalsmässigem Verlauf auch ohne das versicherte Ereignis innert der genannten Zeitspanne von ein bis zwei Jahren ein entsprechender Zustand (Status quo sine) eingetreten wäre. "Richtunggebend" kann hier, im gesamten Kontext der gutachterlichen Darlegungen gewürdigt, entgegen sämtlichen Vorbringen der Gesuchstellerin klarerweise nicht bedeuten, dass der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen versichertem Unfall und Hüftgelenksschädigung zeitlich unbegrenzt bestand. In Anbetracht des durch Prof. G.________ einleuchtend dargelegten Umstandes, dass der "Labrumriss", d.h., die Unterflächenruptur des Labrums, deren Auslösung durch den Unfall vom 16. Oktober 1998 nicht zu eruieren ist (Gutachten S. 11), nur einen Teilaspekt einer weitergehenden Hüftgelenksproblematik darstellt - die ihrerseits eindeutig vorbestehend und krankhafter Genese ist -, lässt sich eine zeitlich unbeschränkte (bleibende) richtunggebende Verschlimmerung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. statt vieler Urteil H. vom 18. September 2002, U 60/02) nicht vertreten. In Betracht fällt nach Lage der Akten lediglich eine vorübergehende Verschlimmerung. Der Gerichtsgutachter räumt ein, dass eine präzise Aussage darüber nicht möglich sei, ob der Status quo sine - gesundheitlicher Zustand, wie er sich ohne Unfall dargestellt hätte - nach einem oder zwei Jahren erreicht gewesen wäre. Indem der Unfall laut gutachterlicher Beurteilung für ein bis maximal zwei Jahre (teil-)kausal für die Hüftgelenksschädigung war, hält der auf Ende 1999, d.h. nach etwas mehr als 14 Monaten nach dem Unfallereignis, verfügte und im ersten Prozess durch das Eidgenössische Versicherungsgericht bestätigte Fallabschluss aus somatischer Sicht unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten stand. 2.3.4 Gestützt auf die Vorbringen der Gesuchstellerin, welche eine initiale psychische Fehlentwicklung selber mit Grund in Abrede stellt, und in Anbetracht der medizinischen Akten mangelt es an Anhaltspunkten dafür, dass in der Zeit bis Ende 1999 ein krankheitswertiges psychisches Leiden eintrat, welches über das Datum des nach wie vor rechtsbeständigen Fallabschlusses hinweg andauerte. Sofern auf der Grundlage der über Ende 1999 hinaus fortdauernden (Schmerz-)Symptomatik (an deren Unfallkausalität es nach dem Gesagten fehlt) des bis Sommer 2004 zumindest im Kern nicht richtig erkannten Hüftleidens eine psychische Beeinträchtigung mit Krankheitswert aufgetreten sein sollte, fiele eine Leistungspflicht des Unfallversicherers mangels natürlicher Kausalität des Ereignisses vom 16. Oktober 1998 dafür ausser Betracht. Es besteht daher kein Anlass, hinsichtlich des Vorliegens einer psychischen Gesundheitsschädigung, welche von der Gesuchstellerin als "Arbeitshypothese" angeführt wird, Beweisvorkehren zu treffen. Insgesamt fehlt es an der Erheblichkeit der neuen Tatsachen im Sinne von Art. 137 lit. b OG.