Citation: 9C_790/2018 E. 3.1

3.1. Es betrifft dies zum einen die Bestimmungen zur freiwilligen Taggeldversicherung nach KVG (Art. 67 ff. KVG). Art. 72 KVG enthält dabei zwingende Normen insbesondere zum Anspruchsbeginn (Abs. 2), zur Dauer des Anspruchs (Abs. 3) sowie zur Kürzung der Leistung bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit (Abs. 4). Laut Abs. 2 Satz 1 entsteht der Taggeldanspruch, wenn die versicherte Person mindestens zur Hälfte arbeitsunfähig ist. Vertraglich kann jedoch schon bei einer Arbeitsunfähigkeit von unter 50 % - hier gemäss Ziff. 8.1.4 Abs. 2 der anwendbaren Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB), Ausgabe 2011, zur Lohnausfallversicherung KVG der Beschwerdegegnerin von mindestens 25 % - ein Taggeldanspruch statuiert werden. Abs. 2 Satz 2 von Art. 72 KVG sieht sodann vor, dass der Anspruch am dritten Tag nach der Erkrankung entsteht, sofern nichts anderes vereinbart ist; der Leistungsbeginn kann jedoch gegen eine entsprechende Herabsetzung der Prämie aufgeschoben werden (in casu Wartefrist von 14 Tagen [Ziff. 8.3.1 Abs. 2 AVB]). Das Taggeld ist ferner für eine oder mehrere Erkrankungen während mindestens 720 Tagen innerhalb von 900 Tagen zu leisten (Art. 72 Abs. 3 KVG; Ziff. 8.3.1 Abs. 1 AVB). Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird - so Abs. 4 der Bestimmung - ein entsprechend gekürztes Taggeld während der in Abs. 3 vorgesehenen Dauer geleistet; mithin zählen Tage teilweiser Arbeitsunfähigkeit bei der Berechnung der Leistungsdauer als ganze Tage und es findet keine proportionale Verlängerung der Bezugs- und Berechnungsperiode statt. Als Gegenleistung für den Taggeldausfall erhält die versicherte Person einen Versicherungsschutz für die Restarbeitsfähigkeit. Der Versicherungsschutz für die restliche Arbeitsfähigkeit bleibt mit anderen Worten erhalten (siehe u.a. Gebhard Eugster, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG, 2. Aufl. 2018, N. 28 zu Art. 72 KVG [nachfolgend: Rechtsprechung]; ders., Krankenversicherung, in: Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 3. Aufl. 2016, S. 845 Rz. 1472 [nachfolgend: Krankenversicherung]; Ziff. 8.2.2/1 und 8.3.1 Abs. 4 AVB). Mit der restlichen Arbeitsfähigkeit in diesem Sinne ist - wie die Vorinstanz in E. 3.2 des angefochtenen Entscheids eingehend und zutreffend erwog - das trotz Krankheit noch erzielbare Erwerbseinkommen im Zeitpunkt der Erschöpfung der maximalen Beitragsdauer von 720 Tagen gemeint (vgl. Eugster, Krankenversicherung, a.a.O., S. 845 Rz. 1472 mit weiteren Hinweisen). Nach Ausschöpfung des Taggeldanspruchs erfolgt somit keine Aussteuerung im Umfang der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während der gesamten Bezugsdauer. Eine erneute Leistungspflicht des Taggeldversicherers ergibt sich in derartigen Konstellationen erst wieder, wenn die versicherte Person abermals im erforderlichen Prozentsatz arbeitsunfähig wird (Eugster, Rechtsprechung, a.a.O., N. 28 zu Art. 72 KVG). Die Leistungsausschöpfung führt grundsätzlich zum automatischen Erlöschen des Versicherungsverhältnisses (BGE 125 V 106 E. 4 S. 111; Eugster, Krankenversicherung, a.a.O., S. 834 Rz. 1439).