Citation: 6F_19/2018 E. 1.2.2

1.2.2. In der Berufungserklärung vom 20. Juli 2017 unter dem Titel 1. Vorbemerkung zur Urteilsbegründung der Vorinstanz [erste Instanz] führte der Gesuchsteller nach einem Absatz mit rein theoretischen Erörterungen aus, diesem Mass an Begründungstiefe und -dichte genüge das Urteil der Vorinstanz [ersten Instanz] nicht. Die Vorinstanz [erste Instanz] habe sich mit den an der Hauptverhandlung vom 31. Mai 2017 geäusserten Vorbringen des Gesuchstellers und seiner Verteidigung teilweise gar nicht auseinandergesetzt. Insbesondere nicht zur geltend gemachten Verletzung des Anklageprinzips [...]. Damit verletze sie das rechtliche Gehör des Gesuchstellers und das Geschäft sei zur erneuten Begründung und neuen Eröffnung an die Vorinstanz [ersten Instanz] zurückzuweisen. [...] Unter dem Titel 2. Verkehrsregelverletzung (Dispositivziffer 1) erörterte der Gesuchsteller sodann, nach Art. 90 Abs. 2 SVG mache sich strafbar, wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorrufe oder in Kauf nehme. Es werde also eine "grobe Verkehrsregelverletzung", mithin eine gravierende Missachtung einer wichtigen Verkehrsvorschrift, sowie das Merkmal der dadurch hervorgerufenen ernstlichen Gefährdung verlangt. Diese beiden Kriterien müssten kumulativ erfüllt und angeklagt sein. Dies sei jedoch nicht der Fall. Dem Gesuchsteller werde gemäss Anklage bzw. Strafbefehl einzig vorgeworfen, eine wichtige Verkehrsvorschrift missachtet zu haben. Das objektive Tatbestandsmerkmal der Hervorrufung einer ernstlichen Gefährdung hätte aber zwingend ebenfalls in der Anklage enthalten sein müssen, damit deren Sachverhalt überhaupt unter den objektiven Tatbestand des Art. 90 Abs. 2 SVG subsumiert werden könne (BSK SVG-Gerhard Fiolka, Art. 90 N44). Auf diese Thematik sei die Vorinstanz [erste Instanz] in ihren Erwägungen mit keinem Wort eingegangen [Hervorhebung durch das Bundesgericht]. Des Weiteren halte die Vorinstanz [erste Instanz] die in der Anklage behaupteten Fahrgeschwindigkeitsschätzungen und Abstände für erstellt, obwohl keinerlei hinreichend verlässliche Auswertungen vorliegen würden [...] (kantonale Akten Verfahren 6B_1382/2017, Berufungserklärung vom 20. Juli 2017 S. 3 f.).