Citation: 4A_141/2022 E. A

Am 18. Juli 1992 fuhr A.________ (Verunfallte; Beschwerdeführerin) als Beifahrerin in einem Personenwagen auf der Lidostrasse in Unterägeri vom Dorf herkommend in Richtung Strandbad. Dabei kam es zu einer Kollision mit einem Personenwagen, der aus der Seehofmattstrasse von rechts kommend nach links in die Lidostrasse Richtung Dorf einbiegen wollte, und die Verunfallte wurde verletzt. Die zugezogene Polizei rapportierte gegen den Lenker des einbiegenden Personenwagens wegen Nichtgewährens des Vortritts beim Sicheinfügen in den Verkehr gemäss Art. 36 Abs. 4 SVG und Art. 5 Abs. 3 der Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV/SR 741.11). In der Folge liess der zuständige Polizeirichter die Vortrittsverhältnisse durch die Polizei nochmals genauer abklären, die feststellte, der einbiegende Lenker habe sich nicht auf einer Hofausfahrt, sondern auf einer Quartierstrasse befunden. Daraufhin erliess der Polizeirichter am 12. November 1992 einen Strafbefehl gegen den Lenker des Personenwagens, in dem sich die Verunfallte befand, wegen Nichtgewährung des Rechtsvortrittes gemäss Art. 36 Abs. 2 SVG. Dieser Strafbefehl wurde rechtskräftig (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_527/2007 vom 25. Februar 2008 Sachverhalt A). A.a. Bereits auf der Unfallstelle äusserte sich die Verunfallte über Übelkeit und Schmerzen und liess sich in der Folge ärztlich behandeln, wobei die Kosten von der C.________ Versicherung als ihrer persönlichen Unfallversicherung, von ihrer Krankenkasse und von ihr selber getragen wurden. Anfang 1998 gelangte sie erneut wegen des beim Unfall erlittenen Schleudertraumas an die C.________ Versicherung, weil sich ihre Beschwerden intensiviert hätten. Die C.________ Versicherung veranlasste in der Folge verschiedene medizinische Abklärungen. Am 2. September 1999 meldete sie bei der D.________ Versicherung als Haftpflichtversicherung des Lenkers des Personenwagens, in dem sich die Verunfallte befunden hatte, sowie bei der E.________ Versicherung als Haftpflichtversicherung des Lenkers des einbiegenden Fahrzeugs Regressansprüche an. A.b. Die Verunfallte betraute am 21. Mai 1999 B.________ (Beauftragter; Beklagter; Beschwerdegegner) mit ihrer anwaltlichen Vertretung. Er zog zu Beginn des Mandates die Akten des Strafverfahrens bei und stellte dabei die unterschiedliche Einschätzung der Vortrittssituation durch Polizei und Polizeirichter fest. Bereits nach der ersten Kontaktaufnahme und noch vor der offiziellen Mandatierung hatte er der Verunfallten mitgeteilt, es sei in ihrem Fall vieles verpasst worden, es sei aber noch nicht hoffnungslos, vordringlich sei ein Verjährungsunterbruch gegenüber der D.________ Versicherung. Er zeigte am 30. Juni 1999 der D.________ Versicherung seine Vertretung an und holte von ihr einen Verzicht auf die Verjährungseinrede ein, der mehrmals verlängert wurde. In der Folge brachte er sich in den Abklärungs- und Begutachtungsprozess bei der C.________ Versicherung ein und hielt Kontakt mit der D.________ Versicherung. Mit der E.________ Versicherung nahm er nie Kontakt auf. A.c. Die C.________ Versicherung sprach der Verunfallten am 7. Mai 2001 eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine Einschränkung von 10 % zu. Zur Abklärung einer weiteren gesundheitlichen Verschlechterung veranlasste die C.________ Versicherung am 5. September 2002 eine erneute Begutachtung bei der F.________. Das entsprechende Gutachten vom 20. Juni 2003 bejahte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen Kausalzusammenhang der meisten Beschwerden mit dem Unfallereignis vom 18. Juli 1992 und veranschlagte die Arbeitsfähigkeit mit 70 %. Gestützt darauf sprach die C.________ Versicherung der Verunfallten am 23. August 2004 eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit von 30 % zu. A.d. In der Folge bereitete der Beauftragte eine Schadenseingabe an die D.________ Versicherung vor. Am 2. Mai 2005 erhielt er Kenntnis von einem Gutachten, das die D.________ Versicherung zur Frage des Vortritts und des Verschuldens am Unfall vom 18. Juli 1992 in Auftrag gegeben hatte. Gemäss diesem Gutachten hatte der Versicherungsnehmer der D.________ Versicherung den Vortritt und war der Versicherungsnehmer der E.________ Versicherung vortrittsbelastet. Der Beauftragte erkannte, dass sich daraus das Risiko eines Haftungsausschlusses der D.________ Versicherung als Solidarschuldnerin ergab, sah aber keinen Anlass zu einer Strategieänderung gegenüber der E.________ Versicherung. A.e. Am 30. September 2005 erhob die Verunfallte gegen die D.________ Versicherung beim Kantonsgericht Zug Klage über rund Fr. 2'500'000.-- Schadenersatz. Das Kantonsgericht beschränkte das Verfahren auf die Frage der Haftung beziehungsweise der Haftungsquoten und wies die Klage am 11. Dezember 2006 ab. Die gegen dieses Urteil erhobene kantonale Berufung wies das Obergericht des Kantons Zug am 20. November 2007 ab (zit. Urteil 4A_527/2007 Sachverhalt A). A.e.a. Die kantonalen Gerichte kamen entgegen der Auffassung der Strafbehörden zum Schluss, den Lenker des Fahrzeugs, in dem sich die Verunfallte befunden hatte, treffe am Unfall keinerlei Schuld. Das einbiegende Fahrzeug habe ein klar markiertes Trottoir überqueren müssen und sei daher nach Art. 15 Abs. 3 VRV vortrittsbelastet gewesen (zit. Urteil 4A_527/2007 E. 2). Dessen Lenker, der mit Fussgängern auf dem überquerenden Trottoir habe rechnen müssen, wäre angesichts der schlechten Sichtverhältnisse zu erhöhter Vorsicht verpflichtet gewesen (zit. Urteil 4A_527/2007 E. 5.3). A.e.b. Gestützt auf diese Feststellungen erkannte das Bundesgericht am 25. Februar 2008, der Lenker des einbiegenden Fahrzeugs habe die der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer dienende Pflicht zu erhöhter Vorsicht verletzt, wobei seine Verletzung als grob einzustufen sei. Damit gelinge dem Halter des Fahrzeugs, in dem sich die Verunfallte befunden hatte, der Nachweis, dass der Unfall durch grobes Verschulden eines Dritten verursacht worden sei, ohne dass ihn selbst oder Personen, für die er verantwortlich sei, ein Verschulden treffe und ohne dass fehlerhafte Beschaffenheit des Fahrzeuges zum Unfall beigetragen habe. Entsprechend könne er sich nach Massgabe von Art. 59 Abs. 1 SVG von seiner Haftung befreien (zit. Urteil 4A_527/2007 E. 5.3). Ob der Anspruch gegenüber der D.________ Versicherung zudem absolut verjährt war, wie das Obergericht des Kantons Zug angenommen hatte, liess das Bundesgericht offen, da der Verunfallten diesbezüglich im kantonalen Verfahren das rechtliche Gehör nicht hinreichend gewährt worden war (zit. Urteil 4A_527/2007 E. 3.3). A.f. Mit Blick auf die Urteile der Zuger Gerichte und des Bundesgerichtes hätte die Verunfallte allfällige Ansprüche gegen die E.________ Versicherung richten müssen, bei welcher der für den Unfall verantwortliche Lenker versichert war. Diese waren allerdings inzwischen unstreitig verjährt. Die Verunfallte wirft dem Beauftragten diesbezüglich eine Verletzung seiner anwaltlichen Sorgfaltspflichten vor und leitet daraus Schadenersatzansprüche ab.