Citation: I 538/06 28.03.2007 E. 3.2

3.2.1 Die Beschwerdegegnerin war seit 1988 regelmässig während einiger Stunden wöchentlich in ihrem erlernten Beruf als Zahnarztassistentin tätig. Im Oktober 1990 begann sie zusätzlich stundenweise als Haushelferin zu arbeiten, welches Pensum sie nach der Trennung von ihrem Ehemann im September 1997 ab Dezember des gleichen Jahres auf 50 % sowie ab März 1998 auf 70 % erhöhte. Nachdem sie im Juli 1996 eine Ausbildung zur hauswirtschaftlichen Angestellten erfolgreich abgeschlossen und 1997 ein Diplom in klassischer Massage erworben hatte, begann sie sich anfangs 1998 berufsbegleitend zur Hauspflegerin auszubilden. Kurz bevor sie diesen Lehrgang beenden konnte, erlitt sie im April 2002 eine Hirnblutung. Danach befragt, wie viel sie bei guter Gesundheit arbeiten würde, gab die Beschwerdegegnerin anlässlich der Erhebungen im Haushalt Mitte Oktober 2003 an, dass sie auch diesfalls "zur Zeit im Rahmen von 70 % weitergearbeitet hätte"; da die Arbeit als Haushelferin sowohl psychisch wie auch physisch sehr belastend sei, könnte sie sich kein Vollzeitpensum in diesem Beruf vorstellen (vgl. Abklärungsbericht Haushalt vom 16. Oktober 2003, zu Frage 2b). 3.2.2 Aus der Ausbildungs- und Berufsbiographie der Versicherten, namentlich dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin in der Zeit vor Eintritt des Gesundheitsschadens mit einer Erwerbstätigkeit von rund 72 % sowie dem Lehrgang zur Hauspflegerin zeitlich vollständig ausgelastet war, zog das kantonale Gericht den Schluss, dass die Versicherte als Gesunde in der Lage und gewillt gewesen wäre, entsprechend einem 100%igen Arbeitspensum Zeit für die Erwerbstätigkeit aufzuwenden. Die zielstrebige und erfolgreiche Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin lasse es als überwiegend wahrscheinlich erscheinen, dass sie nach Abschluss der Ausbildung weiterhin im gleichen Ausmass tätig gewesen wäre und ihre berufliche Tätigkeit entsprechend ausgeweitet hätte. Die Vorinstanz verkennt hiebei, worauf die Beschwerde führende IV-Stelle zur Recht hinweist, dass die Versicherte im Rahmen der Haushaltsabklärungen eine für den Gesundheitsfall vollzeitige Tätigkeit als Haushelferin klar und deutlich verworfen hat. Die betreffende Aussage hat auch für die Tätigkeit als ausgebildete Hauspflegerin zu gelten, da sich diese jedenfalls hinsichtlich der geistigen und körperlichen Anforderungen nicht grundlegend von denjenigen einer Haushelferin unterscheiden dürfte. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass die hauspflegerische Beschäftigung noch anspruchsvollere - und damit belastendere - Aufgaben beinhaltet. Eine hypothetische Ausweitung des bisherigen geringen Beschäftigungsgrades als Zahnarztassistentin oder die Aufnahme einer Tätigkeit im Bereich der klassischen Massage wurde sodann mit keinem Wort erwähnt, weshalb darauf, obwohl grundsätzlich denkbar, nicht ohne weiteres geschlossen werden darf bzw. derartige Alternativmöglichkeiten nicht ohne nähere Anhaltspunkte als mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt angesehen werden können. Zu berücksichtigen gilt es überdies, dass im Verlauf des Abklärungsverfahrens gemachte Angaben praxisgemäss stärker zu gewichten sind, als spätere, anders lautende Erklärungen, welche von Überlegungen sozialversicherungsrechtlicher Natur beeinflusst sein können (AHI 2000 S. 197 E. 2d; Urteil des EVG U 430/00 vom 18. Juli 2001, E. 3, auszugsweise publ. in: RKUV 2001 Nr. U 437 S. 342; Urteile des EVG I 590/03 vom 28. Juni 2004, E. 4.3.1, und I 77/03 vom 2. September 2003, E. 3.2.3; vgl. auch BGE 121 V 45 E. 2a [mit Hinweisen] S. 47). Der Einwand, die Versicherte würde ohne gesundheitliche Einschränkungen vollzeitig einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wurde denn auch erst vor dem kantonalen Gericht, nicht aber im Rahmen des Einspracheverfahrens erhoben. Es bestehen ferner keine Hinweise, dass die Beschwerdegegnerin den Bedeutungsgehalt der Fragestellung nicht erfasst hätte. Vielmehr hielt die involvierte IV-Abklärungsperson in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 6. Oktober 2005 ausdrücklich fest, dass Punkt 2b der Abklärung "würde heute ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausgeübt?" anlässlich der Abklärung ausführlich mit der Versicherten besprochen worden sei. Was schliesslich die ökonomischen Verhältnisse anbelangt, erhält die Beschwerdegegnerin monatliche Alimentenzahlungen ihres geschiedenen Ehegatten in Höhe von Fr. 700.-. Dieser Betrag samt dem Verdienst, den die Versicherte als gesunde, diplomierte Hauspflegerin in einem 70%-Pensum sowie stundenweise als Zahnarztassistentin verdienen würde (vgl. hierzu auch E. 5.1 hernach), erscheinen als für die Bestreitung des Lebensunterhaltes einer alleinstehenden Person ohne weitere finanzielle Verpflichtungen ausreichend. Eine sich daraus ergebende unmittelbare Notwendigkeit, den bestehenden Beschäftigungsgrad auszuweiten, ist jedenfalls nicht erkennbar. Es bleibt somit bei der Annahme der IV-Stelle, dass die Beschwerdegegnerin im Gesundheitsfall zu 72 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde und zu 28 % im Aufgabenbereich Haushalt tätig wäre. Die Invalidität ist daher nach der gemischten Bemessungsmethode zu ermitteln.