Citation: I 41/03 08.04.2003 E. 3.1

3.1.1 Zum Einkommensvergleich ist vorab festzustellen, dass Verwaltung und Vorinstanz bei der Festsetzung des hypothetischen Valideneinkommens zu Recht auf die Durchschnittswerte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) zurückgegriffen haben. Wie auf Grund des Auszuges aus den individuellen Konten des Beschwerdeführers dokumentiert ist, waren die Einkommensverhältnisse während der Jahre 1986 bis 1998 sehr unstabil und geprägt von grossen Einkommensschwankungen, häufigen Arbeitsplatz- und Branchenwechseln und langen Phasen der Arbeitslosigkeit. Das auf Grund der LSE ermittelte hypothetische Valideneinkommen von Fr. 54'240.- übersteigt jedes vom Beschwerdeführer seit 1986 erzielte Jahreseinkommen weit, zum Teil gar um ein Mehrfaches. In Anbetracht dessen ist die Forderung nicht begründet, bemessen auf die knapp zweieinhalb Monate dauernde Teilzeit-Temporäranstellung bei der X.________ AG (vgl. Schreiben Z.________ Treuhand AG vom 26. Februar 2001) sogar noch ein höheres Valideneinkommen (Fr. 59'244.-) zu berücksichtigen. 3.1.2 Bezüglich der Festsetzung des Invalidenlohns ist der Vorinstanz darin zu folgen, dass hier nicht von einer konkreten beruflich-erwerblichen Situation ausgegangen werden kann, weil der Beschwerdeführer nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung keine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, bei der besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben waren (BGE 117 V 18 Erw. 2c/aa; RKUV 1991 Nr. U 130 S. 272 Erw. 4a, je mit Hinweisen), auch wenn der Beschwerdeführer seine Arbeit bei der Firma Y.________ GmbH laut Arbeitgeberbericht (vom 23. Mai 2001) bereits am 1. Oktober 2000 aufgenommen hat, und nicht im Januar 2001 (Vorinstanz) oder im Januar 2000 (Beschwerdeführer). Gegen die Stabilität der Anstellung spricht zudem nicht nur die damals offenbar bereits länger rechtskräftig verfügte und im Vollzug ausgesetzte Wegweisung, sondern ebenso der Umstand, dass der Beschwerdeführer das betreffende Arbeitsverhältnis ebenfalls bereits nach wenigen Monaten auflöste. Unter diesen Umständen haben Verwaltung und Vorinstanz zu Recht auch zur Bestimmung des hypothetischen Invalideneinkommens auf die LSE zurückgegriffen. 3.2 Hingegen erlauben die verfügbaren Unterlagen noch keine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches in medizinischer Hinsicht. Auf Grund der Berichte der behandelnden Psychiater Dres. med. L.________ und S.________ ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer an einer reaktiven Depression und möglicherweise an einer somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung leidet, welche nach Darstellung beider Ärzte in leichten Tätigkeiten eine 50-prozentige Arbeitsunfähigkeit bewirkt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Beweisfrage vorliegend speziell gelagert ist, weil es im Wesentlichen gerade nicht wie sonst die Regel darum geht, einander widersprechende medizinische Berichte objektiv zu prüfen und dann zu entscheiden (und die Gründe dafür anzugeben), warum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abzustellen ist; es liegen hier nicht Berichte verschiedener Psychiater vor, die einander widersprechen, sondern der Psychiater Dr. med. L.________ hat am 15. November 2001 seinen ersten Bericht vom 5. März 2001 in einem zentralen und wesentlichen Punkt widerrufen und es damit begründet, er sei bei seiner Berichterstattung missinterpretiert worden. Zwar hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass die Aussagen des Arztes im Bericht vom 5. März 2001 ihrer Eindeutigkeit wegen gar nicht falsch interpretiert werden konnten. Es ist aber nicht untersucht worden (beispielsweise durch Zeugeneinvernahme), warum der Arzt seine Einschätzung innerhalb des halben Jahres zwischen der Berichterstattung und dem Widerruf so grundsätzlich revidierte. Seine Darstellung, er sei bei der Beantwortung der Fragen im IV-Arztbericht davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht bereits zu 50 % arbeitsunfähig sei, und habe mit seinen Angaben ausdrücken wollen, dass aus psychiatrischer Sicht keine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe, ist ohne nähere Abklärungen nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Schliesslich hat ja auch der nach Dr. med. L.________ die Behandlung fortsetzende Psychiater Dr. med. S.________ das Bestehen einer 50-prozentigen Arbeitsunfähigkeit attestiert (Zeugnis vom 22. März 2002), und es ist bisher kein psychiatrisches Gutachten erstellt worden, dass die Einschätzungen der beiden behandelnden Ärzte widerlegt hat. Angesichts dessen waren die Voraussetzungen für eine antizipierte Beweiswürdigung durch die Vorinstanz nicht erfüllt (vgl. dazu Kieser, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, S. 212, Rz 450; Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., S. 39, Rz 111 und S. 117, Rz 320; Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., S. 274; vgl. auch BGE 122 II 469 Erw. 4a, 122 III 223 Erw. 3c, 120 Ib 229 Erw. 2b, 119 V 344 Erw. 3c mit Hinweis). In medizinischer Hinsicht nicht untersucht wurde zudem, mit welcher Begründung der behandelnde Arzt Dr. med. M.________, Spezialarzt FMH für innere Medizin, speziell Rheumatologie, dem Beschwerdeführer für die Jahre 1999 bis 2001 regelmässig aus rheumatologischer Sicht eine 50- bis 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit bestätigte; dieser Arzt wurde bislang nie zur Berichterstattung eingeladen.