Citation: 1P.539/2004 11.02.2005 E. 2

2.1 Die Beschwerdeführerin rügt (S. 7 ff.), es hätte ein psychologisches Gutachten zur Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Vergewaltigung eingeholt werden müssen. Indem die kantonalen Gerichte davon abgesehen hätten, hätten sie ihren Anspruch auf rechtliches Gehör und die Unschuldsvermutung verletzt. 2.2 Nach der Rechtsprechung ist es Aufgabe des Richters, Beweise zu würdigen, namentlich die Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen und die Glaubwürdigkeit der aussagenden Person zu beurteilen. Eine Glaubwürdigkeitsbegutachtung durch einen Sachverständigen drängt sich in der Regel sachlich erst dann auf, wenn der Richter aufgrund besonderer Umstände auf zusätzliches medizinisches oder psychologisches Fachwissen angewiesen ist. Dies ist etwa dann der Fall, wenn Anzeichen bestehen, dass die betreffende Person wegen einer ernsthaften geistigen Störung, Drogensucht, übermässigen Medikamentenkonsums oder sonstiger Umstände in ihrer Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Wiedergabefähigkeit beeinträchtigt und zur wahrheitsgemässen Aussage nicht fähig oder nicht willens sein könnte. Eine Begutachtung kann auch geboten sein, wenn konkrete Anhaltspunkte für eine Beeinflussung des Zeugen durch Dritte vorliegen oder wenn schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkindes zu beurteilen sind. Dem Richter steht bei der Beantwortung der Frage, ob aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalles der Beizug eines Sachverständigen zur Glaubwürdigkeitsbegutachtung notwendig ist oder nicht, ein Ermessensspielraum zu (BGE 129 I 49 E. 4 S. 57; 129 IV 179 E. 2.4 S. 184; 128 I 81 E. 2 S. 86; 118 Ia 28 E. 1c S. 30 ff.; Urteil 1P.674/2002 vom 9. April 2003 E. 2.1, mit Hinweisen). Besondere Umstände, die nach der angeführten Rechtsprechung die Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens nahe legen können, sind hier nicht gegeben. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine Erwachsene, welche sich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte befindet. Jedenfalls behauptet sie substantiiert nicht das Gegenteil. Damit waren die kantonalen Gerichte bei der Würdigung ihrer Aussagen nicht auf die Hilfe eines Sachverständigen angewiesen. Sie waren ohne weiteres in der Lage, sich über die Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen selber ein Bild zu machen. Indem sie von der Einholung eines Gutachtens abgesehen haben, haben sie das ihnen zustehende Ermessen nicht überschritten. Eine Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV ist zu verneinen. Inwiefern im vorliegenden Zusammenhang die Unschuldsvermutung verletzt sein soll, legt die Beschwerdeführerin nicht in einer den Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügenden Weise dar. Darauf ist nicht einzutreten. Die Beschwerde ist auch im vorliegenden Punkt abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.