Citation: 9C_439/2024 E. 5.2.1

5.2.1. Steuerpflichtige gehen in der Regel davon aus, dass der Sachverhalt, den sie verwirklichen, von der ESTV so behandelt wird, wie es in den Praxisfestlegungen resp. Verwaltungsverordnungen festgehalten ist. Wenn sich diese Erwartung nicht erfüllt, ist nicht von vornherein ausgeschlossen, dass allenfalls der Grundsatz von Treu und Glauben respektive das Vertrauensschutzprinzip verletzt sein könnte (vgl. Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV; vgl. speziell zu individuellen Auskünften der ESTV Urteil 9C_363/2024 vom 28. November 2024 E. 5). Allerdings ist eine Verletzung des Vertrauensschutzes im Zusammenhang mit Verwaltungsverordnungen nicht leichthin anzunehmen, da diese nicht individuell-konkrete Zusicherungen sind, sondern generell-abstrakte Praxisformulierungen. Weicht die zuständige Behörde im Einzelfall von einer generell-abstrakten Verwaltungsverordnung ab, könnte dies dann treuwidrig und ein Anlass für Vertrauensschutz sein, wenn sie die Anwendung der Verwaltungsverordnung individuell zugesichert oder bei der steuerpflichtigen Person anderweitig ein entsprechendes Vertrauen geweckt hat (vgl. BGE 146 I 105 E. 5.1.2; Urteil 9C_419/2023 vom 4. Oktober 2024 E. 4.4.2).