Citation: 6B_900/2024 E. 3.2

3.2. Der mittelbare Täter nützt entweder intellektuelle/psychische Defizite des Tatmittlers aus (z.B. Sachverhaltsirrtum, Mängel der Zurechnungsfähigkeit, Hypnose/Trance, Drogen-/Alkoholeinfluss, schuldausschliessende Interessenkonflikte usw.) oder er nötigt den Tatmittler zur Tatausführung (MARC FORSTER in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd. I, 4. Aufl. 2019, N. 28 zu Vor Art. 24 StGB). Voraussetzung für die Bejahung mittelbarer Täterschaft ist demnach, dass dem Hintermann aufgrund seiner Einwirkung auf die das Delikt unmittelbar ausführende Person die tatsächliche Tatherrschaft über den Geschehensablauf zukommt; dem Tatwerkzeug dagegen fehlt es an der Tatherrschaft. Einzig wenn der Hintermann darüber entscheiden kann, ob und allenfalls wie ein konkret bestimmtes Delikt verübt werden soll, kann ihm dieses strafrechtlich auch zugerechnet werden (Urteil 6P.34/2007 vom 18. April 2007 E. 4.3 mit Hinweis auf DIETER CHRISTIAN HUBER, Die mittelbare Täterschaft beim gemeinen vorsätzlichen Begehungsdelikt, Diss. Zürich 1995, S. 78 f. und S. 120). Keine Bedeutung erlangt hingegen vorliegend die Rechtsfigur des eigenhändigen Delikts, nach der nur Täter sein kann, wer die Tathandlung in eigener Person vornimmt. Mittäterschaft und mittelbare Täterschaft werden damit begrifflich ausgeschlossen. Die Rechtsfigur ist in der Literatur umstritten und hat in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bisher eine lediglich marginale Rolle gespielt (Urteil 1C_592/2019 vom 16. Dezember 2019 E. 4.1 mit diversen Hinweisen auf die Kontroverse in der Lehre; kritisch zu dieser Rechtsfigur insbesondere mit Blick auf den Tatherrschaftsgedanken MARC FORSTER in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd. I, 4. Aufl. 2019, N. 33 und N. 41 ff. zu Vor Art. 24 StGB). Im Bereich der (vorliegend zu beurteilenden) Sexualdelinquenz erweist sie sich jedenfalls als überholt: Obwohl nur ein Mann unmittelbar Täter einer Vergewaltigung im Sinne von aArt. 190 StGB sein kann, kann sich eine andere Person, auch eine Frau, als mittelbare Täterin oder Mittäterin dieses Delikts schuldig machen (BGE 125 IV 134 E. 2; siehe ferner [zur Mittäterschaft] Urteile 6B_1437/2020 vom 22. September 2021 E. 1.2.2; 6B_95/2015 vom 25. Januar 2016 E. 5.2; 6B_875/2009 vom 22. März 2010 E. 5.3.2).