Citation: 4A_255/2022 E. 4.3.2

4.3.2. Die Beschwerdeführerin verweist auf Seite 4 Ziffer 7 ihrer Klage. Sie habe dort so exakt und detailliert wie möglich dargelegt, wer für sie als juristische Person, wann und in welcher Form gegenüber dem Beschwerdegegner die Unverbindlichkeitserklärung abgegeben habe. Anschliessend habe sie die Befragung von C.________ offeriert. An der angegebenen Stelle führte die Beschwerdeführerin Folgendes aus: " Vor dem 1. September 2018 hat die Klägerin [Beschwerdeführerin] gegenüber dem Beklagten [Beschwerdegegner] mitgeteilt, dass sie den Vertrag nur aufgrund der damaligen ungünstigen wirtschaftlichen Situation und Ausgangslage überhaupt nochmal eingegangen ist und hat bereits die Vereinbarung infolge Übervorteilung und Verletzung von Art. 27 und Art. 28 des Zivilgesetzbuches als unverbindlich und nichtig erklärt. " Wie die Vorinstanz ohne Verletzung von Bundesrecht ausführt, genügen diese Ausführungen den Anforderungen an eine substanziierte Tatsachenbehauptung nicht. Aus den Ausführungen ergibt sich nicht, dass die Anfechtung durch C.________ erfolgt sein soll. Darüber hinaus wird in der zitierten Stelle weder ausgeführt, wann genau die Beschwerdeführerin den Vertrag angefochten haben will, noch in welcher Form dies geschehen sein soll. Sie macht einzig pauschal geltend, dies sei vor dem 1. September 2018 erfolgt. Vor diesem Hintergrund durfte die Erstinstanz und mit ihr die Vorinstanz ohne Verletzung von Bundesrecht auf die Befragung von C.________ betreffend die Frage der Unverbindlichkeitserklärung verzichten. Denn das Beweisverfahren dient nicht dazu, fehlende substanziierte Behauptungen zu ersetzen oder zu ergänzen, sondern setzt solche vielmehr voraus (Urteile 4A_24/2021 vom 24. Juni 2021 E. 6.4.2; 4A_449/2017 vom 26. Februar 2018 E. 4.3; 4A_113/2017 vom 6. September 2017 E. 6.1.1). Soweit die Ausführungen an der angegebenen Stelle in der Berufung über die zitierte Stelle in der Klage hinausgehen, zeigt die Beschwerdeführerin nicht auf, dass sie diese Tatsachen bereits im erstinstanzlichen Verfahren prozesskonform eingebracht hat bzw. die Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO erfüllt gewesen wären. Die Rüge einer Gehörsverletzung durch die nicht erfolgte Befragung von C.________ ist unbegründet. Ebenso wenig ist der Vorinstanz eine unfaire Behandlung oder Willkür vorzuwerfen. Nicht ersichtlich ist schliesslich auch, inwiefern die Vorinstanz einen unzulässigen Zirkelschluss begangen haben soll. Die Vorinstanz durfte entsprechend ohne Verletzung von Bundesrecht davon ausgehen, eine fristgerechte Unverbindlichkeitserklärung sei - mangels substanziierter Behauptungen - nicht erstellt, womit auf die Voraussetzungen der Übervorteilung nicht mehr eingegangen werden müsse. Nichts ändert diesbezüglich der Einwand der Beschwerdeführerin, der Tatbestand der Übervorteilung hätte als Rechtsfrage von Amtes wegen geprüft werden müssen.