Citation: 6B_139/2017 E. 2.3.2

2.3.2. Einleitend hält die Vorinstanz fest, die Sistierung und Einstellung seien formell nur in Bezug auf den Vorwurf der versuchten Nötigung gestützt auf Art. 55a StGB erfolgt, da in der Sistierungsverfügung vom 15. Mai 2013 die weiteren Vorwürfe vergessen worden seien. Die Einstellungsverfügung sei unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Der Einstellungsverfügung vom 20. November 2013 ist weiter zu entnehmen, dass das Verfahren in Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen einfachen Körperverletzung, eventualiter mehrfachen Tätlichkeit formell gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO mangels hinreichendem Tatverdacht aufgrund der "Aussage gegen Aussage-Situation" eingestellt wurde, da der Tatbestand in der Sistierungsverfügung versehentlich nicht aufgeführt wurde. Hinsichtlich der Beschimpfung wertete die Staatsanwaltschaft die Desinteresseerklärung der Beschwerdeführerin als Rückzug des Strafantrags und stellte das Verfahren gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO ein. Daraus ergibt sich, dass die Desinteresseerklärung der Beschwerdeführerin die Staatsanwaltschaft dazu bewog, das gesamte Strafverfahren einzustellen. Die Vorinstanz erwägt zu Recht, dass die von der Beschwerdeführerin angeführten Beweismittel bereits im Zeitpunkt der Einstellung erhältlich zu machen gewesen wären. Dass die Staatsanwaltschaft damals auf weitere ärztliche Abklärungen und Zeugenbefragungen verzichtete, war einzig auf die Desinteresseerklärung der Beschwerdeführerin zurückzuführen. Die Vorinstanz darf somit annehmen, es erscheine als rechtsmissbräuchlich, wenn die Beschwerdeführerin nunmehr die Abnahme von Beweisen verlange, die einzig aufgrund ihres früheren Verhaltens nicht abgenommen worden seien. Offen kann bleiben, inwiefern der Grundsatz von Treu und Glauben und das Verbot des Rechtsmissbrauchs differenziert anzuwenden sind, je nachdem ob die Privatklägerschaft oder die Staatsanwaltschaft betroffen sind (vgl. dazu GRÄDEL/HEINIGER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 6 f. zu Art. 323 StPO).