Citation: 1C_180/2023 E. 4.2

4.2. Der Beschwerdeführer hielt in seiner Einvernahme zur Auslieferung vom 20. Oktober 2022 und nachfolgenden Eingaben am Vorwurf fest, die Vereinbarung über das Eingeständnis einer Straftat, welche dem Urteil des Obergerichts Belgrad zugrunde liegt, sei unter Druck, aufgrund von Misshandlungen der Polizei bzw. der für ihn lebensbedrohlichen Situation im Belgrader Bezirksgefängnis zustande gekommen: Nach seiner Festnahme am 6. Dezember 2017 sei er mehrere Tage in verschiedene Wohnungen gebracht worden, die er nicht gekannt habe; er sei getreten, geschlagen und gezwungen worden, ihn belastende Umstände zu schildern, und aufgefordert worden, Namen von Hintermännern zu nennen. Er sei mehrere Tage durch Belgrad gefahren worden, um etwaige Wohnungen von Hintermännern zu identifizieren, was ihm jedoch nicht möglich gewesen sei. Nachts sei er in der Polizeistation in Belgrad festgehalten worden, wo er wiederum geschlagen und am Schlaf gehindert worden sei. Er habe dem Druck nicht mehr standgehalten und ein Geständnis abgegeben. Anschliessend sei er in das Bezirksgefängnis in Belgrad gekommen. Dort sei er in einer Gemeinschaftszelle untergebracht gewesen. Während seiner Inhaftierung sei er durch einen Mitgefangenen mit einem abgebrochenen Spiegel am Hals schwer verletzt worden; der Mitgefangene habe sich anschliessend selbst umgebracht. Die Wache sei bei diesem Vorfall zu spät eingeschritten, und er sei anschliessend ungenügend medizinisch versorgt worden. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands und weil er um sein Leben gefürchtet habe, habe er dann eingewilligt, die Vereinbarung über das Eingeständnis einer Straftat zu unterzeichnen.