Citation: 6B_103/2023 E. 3.2.2

3.2.2. Das Spezialitätsprinzip ist in Art. 14 EAUe und in Art. 3 ZPIV EAUe geregelt, wobei Art. 3 ZPIV EAUe Art. 14 EAUe ersetzt. Wird die der ausgelieferten Person zur Last gelegte Handlung während des Verfahrens rechtlich anders gewürdigt, so darf sie gemäss den erwähnten Bestimmungen nur insoweit verfolgt oder abgeurteilt werden, als die Tatbestandsmerkmale der rechtlich neu gewürdigten strafbaren Handlung die Auslieferung gestatten würden (Art. 14 Ziff. 3 EAUe und Art. 14 Ziff. 4 EAUe in der Fassung gemäss Art. 3 ZPIV EAUe). Eine härtere rechtliche Qualifikation der im Auslieferungsersuchen umschriebenen Taten als Mord anstelle von vorsätzlicher Tötung bzw. als bandenmässiger Raub anstelle von einfachem Raub ist damit zulässig und bedarf - anders als im Prinzip die Strafverfolgung für weitere, nicht dem Auslieferungsersuchen zugrundeliegende Taten (vgl. Art. 14 Ziff. 1 EAUe) - keines Nachtragsersuchens. Dies gilt unabhängig davon, ob sich die Skrupellosigkeit und die Bandenmässigkeit sachverhaltsmässig bereits aus dem Auslieferungsersuchen ergab. Selbst wenn dies entgegen der Vorinstanz nicht der Fall wäre, handelt es sich bei der neuen Würdigung nicht um eine neue Tat bzw. einen neuen Lebenssachverhalt im Sinne von Art. 14 Ziff. 1 EAUe, sondern lediglich um eine härtere rechtliche Qualifikation im Sinne von Art. 14 Ziff. 3 EAUe bzw. von Art. 14 Ziff. 4 EAUe in der Fassung gemäss Art. 3 ZPIV EAUe, für welche die Auslieferung a fortiori ebenfalls zulässig ist. Insbesondere die Anforderungen an das Strafmass (vgl. Art. 2 Ziff. 1 EAUe; Art. 2 Ziff. 1 EU-Auslieferungsübereinkommen) sind auch bei der qualifizierten rechtlichen Würdigung ohne Weiteres erfüllt. Mögliche Auslieferungshindernisse macht der Beschwerdeführer denn auch nicht geltend.