Citation: U 554/06 27.11.2007 E. 5

Zu prüfen bleibt, wie es sich mit der adäquaten Kausalität der organisch nicht nachweisbaren Beeinträchtigungen verhält. 5.1 SUVA und Vorinstanz verneinen den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den im Zeitpunkt der Leistungseinstellung noch vorhandenen psychischen Beschwerden und dem Unfallereignis nach den für Unfälle mit psychischen Folgeschäden geltenden Regeln (BGE 115 V 133 ff.), da die somatischen Beeinträchtigungen - so das kantonale Gericht - im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik nicht mehr im Vordergrund gestanden seien und eine starke psychische Überlagerung vorgelegen habe. 5.2 Die Adäquanzbeurteilung nach HWS-Distorsionen (ohne organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgeschäden) hat grundsätzlich nach der in BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 und 369 E. 4b S. 382 dargelegten Rechtsprechung zu erfolgen (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99). Von diesem Grundsatz ist u.a. abzuweichen, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber unmittelbar nach dem Unfall ganz in den Hintergrund treten, die physischen Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben oder aber die psychischen Beeinträchtigungen nicht mehr als Symptome der Distorsionsverletzung, sondern als selbstständige sekundäre Gesundheitsschädigung zu qualifizieren sind. Diesfalls ist die Prüfung der adäquaten Kausalität praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfällen gemäss BGE 115 V 133 ff. vorzunehmen (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103; E. 2.2 hievor). 5.2.1 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 12. März 2003 galt als am auffälligsten die relative Zerfahrenheit des Versicherten. Die deswegen durchgeführte neuropsychologische Untersuchung zeigte eine schwere Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Die nach dem Unfall aufgetretenen Beschwerden - so lic. phil. H.________ - hätten sich im Erleben des Patienten ausgeweitet und beträfen derzeit körperliche, neuropsychologische und psychische Bereiche. Das allgemeine Verhalten sei auffällig und wenig zielgerichtet, der Patient wirke kompliziert, schweife ab, zeige sich bei Schwierigkeiten unsicher und ängstlich und sei im Vorgehen stark bis teilweise grotesk verlangsamt. Das Gesamtleistungsniveau sei weit unterdurchschnittlich, wobei die extrem tiefen Resultate nicht in Übereinstimmung mit dem äusseren Erscheinungsbild und den offensichtlich funktionierenden Alltagsfähigkeiten stünden. Die Psychiaterin Dr. med. B.________ schrieb am 3. September 2003, der Beschwerdeführer habe sich mangels Besserung der Beschwerden nach dem Unfall Sorgen um seine Zukunft gemacht und Angst bekommen, dass er nie wieder arbeiten und für sich sorgen könne. Diese Umstände hätten ihn deprimiert, weshalb er sich von sich aus entschlossen habe, einen Psychiater aufzusuchen. Ihr gegenüber habe er erwähnt, er könne sich nicht konzentrieren, sei verlangsamt und vergesslich, könne intellektuell und beruflich praktisch nichts mehr machen, habe oft ein Gefühl der inneren Leere, oft aber auch panikartige Angstzustände. Da er alleinstehend sei, leide er am meisten unter Zukunfts- und Existenzängsten. Frau Dr. med. B.________ schloss aus der etwas hypochondrisch gefärbten Sorge um den Gesundheitszustand, aus den Zukunftsängsten und aus dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit auf Depressivität. Der Kreisarzt Dr. med. O.________ stellte im Bericht vom 29. Oktober 2003 die psychologisch-psychiatrische Situation in den Vordergrund. Er hielt fest, dass der Versicherte beruflich in einer schwierigen Situation stehe, wohl eine gute Ausbildung, aber kaum eine reelle Aussicht auf ein erneutes Fussfassen im Erwerbsleben habe. Im Rahmen einer von der SUVA veranlassten psychiatrischen und neurologischen Untersuchung verneinten die Dres. med. L.________ und T.________ eine Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht, hielten jedoch eine differentialdiagnostische Abklärung des psychopathologisch auffälligen Zustandsbildes für erforderlich (Berichte vom 4. November 2004). Diese Abklärung in der Psychiatrischen Klinik X.________ zeigte gemäss Bericht vom 4. April 2005 depressive Symptome sowie ein erhöhtes psycho-vegetatives Erregungsniveau und führte zur Diagnose eines Verdachts auf posttraumatische Belastungsstörung ICD-10 F. 43.1. 5.2.2 Auf Grund dieser medizinischen Aktenlage ist mit SUVA und Vorinstanz davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer psychisch nicht in der Lage war, den an sich glimpflich verlaufenen Unfall vom 13. Dezember 2002 in adäquater Weise zu verarbeiten, sondern es vielmehr zu erheblichen psychischen Störungen kam, die im Zeitpunkt der Leistungseinstellung im Vordergrund standen. Ob die physischen Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind - dies ist nämlich für die Annahme einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall erforderlich - braucht nicht abschliessend geklärt zu werden. Für die psychischen Probleme des Beschwerdeführers sind nämlich - wie aus den verschiedenen Abklärungen hervorgeht - emotionale und psychosoziale Probleme von entscheidender Bedeutung, nicht aber der Umstand, dass beim Unfall überwiegend wahrscheinlich eine Distorsion der HWS erfolgte. Sind die aufgetretenen psychischen Probleme, wie hier, nicht blosse Symptome der anlässlich des Unfalls überwiegend wahrscheinlich erlittenen Distorsionsverletzung der HWS, sondern als selbstständige sekundäre Gesundheitsschädigung zu beurteilen, ist bei der Adäquanzprüfung gemäss den in BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Kriterien vorzugehen (in diesem Sinne: RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79 ff. E. 2b; Urteil U 277/04 vom 30. September 2005). Die Adäquanzprüfung der Vorinstanz nach den Kriterien gemäss BGE 115 V 133 ff. ist daher zumindest im Ergebnis nicht zu beanstanden. 5.3 Die Vorinstanz hat den Unfall vom 13. Dezember 2002 in Übereinstimmung mit der SUVA zu Recht als mittelschwer qualifiziert. Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einziges der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 140). Bei der Prüfung der einzelnen Kriterien sind nur die organisch bedingten Beschwerden zu berücksichtigen, während die psychisch begründeten Anteile, deren hinreichender Zusammenhang mit dem Unfall den Gegenstand der Prüfung bildet, ausgeklammert bleiben. Wie das kantonale Gericht zutreffend dargelegt hat, hat sich der Unfall vom 13. Dezember 2002 weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch ist das Geschehen als besonders eindrücklich zu qualifizieren. Ferner kann weder von einer schweren noch von einer im Hinblick auf die in Frage stehende Adäquanzbeurteilung besonders gearteten Verletzung gesprochen werden. Für eine ärztliche Fehlbehandlung fehlen jegliche Hinweise. Des Weiteren kann insofern nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung gesprochen werden, als diese in immer stärkerem Masse durch die psychischen Beschwerden bestimmt wurde und sich immer weniger gegen die primären Unfallfolgen richtete. Dasselbe gilt im Hinblick auf Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Unter diesem Blickwinkel sind auch die unfallbezogenen Kriterien des schwierigen Heilungsverlaufs oder erheblicher Komplikationen und der körperlichen Dauerschmerzen zu verneinen. Auf die diesbezüglichen Erwägungen des vorinstanzlichen Entscheids kann verwiesen werden. Die praxisgemäss vorzunehmende Gesamtwürdigung führt nach dem Gesagten zu einer Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs, weshalb die Einstellung der Leistungen per Ende Januar 2005 nicht zu beanstanden ist.