Citation: 1C_3/2024 E. 5.1

5.1. Das Verwaltungsgericht liess offen, ob dem Kanton oder der Gemeinde die Kompetenz zur Festsetzung von Grenzwerten für Infraschall zukomme, der vom Regelungsbereich der Lärmschutz-Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) ausdrücklich ausgenommen sei (Art. 1 Abs. 3 lit. b LSV). Jedenfalls aber sei unklar, wer derartige Grenzwerte wann und auf welcher rechtlichen und wissenschaftlichen Grundlage erlassen solle. Damit werde die Möglichkeit der Errichtung von Grosswindenergieanlagen im Gebiet Braunau-Wuppenau auf unbestimmte Dauer verunmöglicht. Dies widerspreche nicht nur dem nationalen Interesse am Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch dem kantonalen Richtplan. Die Beurteilung von Infraschall müsse im Einzelfall, anhand eines konkreten Projekts, beurteilt werden. Entsprechendes gelte für die Festsetzung von Grenzwerten für Lichtimissionen. Die "architektonische Wirkmächtigkeit" betreffe in erster Linie die Frage der Gestaltung/Einordnung in die landschaftliche bzw. bauliche Umgebung; diese könne nicht mit Grenzwerten erfasst werden, sondern sei anhand der konkreten Verhältnisse im Einzelfall bzw. beim Vorliegen eines konkreten Projekts zu beurteilen. Überdies sei die Ergänzung der Gesetzgebung mit neuen Baubegriffen und Messweisen, wie dies ein Betrachtungswinkel darstellen würde, gemäss Art. 2 Abs. 2 der interkantonalen Vereinbarung vom 22. September 2005 über die Harmonisierung der Baubegriffe (IVHB; RB 700.2) untersagt. Das Verwaltungsgericht erachtete es als nicht nachvollziehbar, auf welcher - insbesondere wissenschaftlichen - Grundlage Grenzwerte für den Schattenwurf von Rotorblättern im Siedlungsgebiet festzusetzen wären. Wie im Ergänzenden Bericht zur Richtplanänderung Windenergie vom 15. Oktober 2018 (nachfolgend: Ergänzender Bericht) festgehalten werde, sei der Schattenwurf erst auf Stufe Projekt detailliert zu prüfen. Wenn bereits vorgängig Grenzwerte für den Schattenwurf von Rotorblättern zu definieren wären, würde dies eine umfassende Beurteilung anhand des konkreten Bauprojekts von vornherein vereiteln. Die Festsetzung von Abständen zu Wohnhäusern sei zwar vom Bundesgericht als zulässig erachtet worden (Urteil 1C_149/2021 vom 25. August 2022 E. 2.4). Vorliegend widerspreche jedoch der in Art. 44 Abs. 3 BauR vorgesehene Mindestabstand von 700 m der übergeordneten Planung, da er die Realisierung von Windenergieanlagen de facto vereiteln würde. Angesichts des Konnexes zwischen dieser Bestimmung und der entsprechenden Richtplanfestlegung sei diese vom Departement zu Recht als unzulässig qualifiziert worden.