Citation: 5A_626/2022 E. 5.2.4

5.2.4. 5.2.4.1. Als Nächstes bemängeln die Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz den technischen Fortschritt im landwirtschaftlichen Strassentransport und den unternehmerischen Handlungsspielraum unberücksichtigt lasse bzw. veralteten Vorstellungen verhaftet sei. Der ortsübliche Bewirtschaftungsbereich sei ein dynamischer Begriff. Traktoren und Zugfahrzeuge würden schneller fahren und hätten grössere Transportkapazitäten als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die im angefochtenen Entscheid zitierte Rechtsprechung sei mehr als zwanzig Jahre alt und nicht mehr zeitgemäss. Unter Hinweis aufs Schrifttum machen die Beschwerdeführer geltend, dass die alten Richtgrössen, wonach der ortsübliche Bewirtschaftungsbereich in der Regel um die 3-4 km liege und die absolute Grenze von 10 km nicht übersteige, aufgegeben worden sei und nach heutigem Verständnis wegen der fortschreitenden Technisierung auch Distanzen zum Betriebszentrum von weit über 10 km als zulässig erachtet würden. Soweit das Kantonsgericht argumentiere, dass schnellere Fahrzeuge auch höhere Anforderungen an die Eignung der Strassen stellen würden, vermische es den Teilgehalt der Fahrdistanz mit jenem der Befahrbarkeit, was sich mit dem ortsüblichen Bewirtschaftungsbereich nicht vereinbaren lasse. Ausserdem könne es nicht angehen, wegen einer einzelnen Kurve auf einer Wegstrecke von 5,9 km das Element des technischen Fortschritts auszublenden. 5.2.4.2. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer können die technologischen Errungenschaften aus neuerer Zeit, die sie in der Landwirtschaft ausgemacht haben wollen, für sich allein genommen nicht zu einer abstrakten und generellen Vergrösserung des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereichs bzw. zu einer Erhöhung der als zulässig erachteten Fahrdistanz führen. Vielmehr kommt es auf die Verhältnisse des Einzelfalls an. Die Beschwerdeführer hätten es in der Hand gehabt, den kantonalen Instanzen aufzuzeigen, wie und mit welchen Mitteln sie ihr bäuerliches Gewerbe bewirtschaften und weshalb sie die streitgegenständlichen Grundstücke trotz der relativen Entfernung beispielsweise wegen der beabsichtigten Bewirtschaftungsart oder dank ihres technisch fortgeschrittenen Fahrzeug- bzw. Maschinenparks wirtschaftlich bewirtschaften könnten. Das haben sie nicht getan. Damit erweist sich der Vorwurf, das Kantonsgericht habe einen entscheidwesentlichen Aspekt ausser Acht gelassen, als unbegründet. Die auch unter Hinweis auf die Lehre erfolgenden weiteren Ausführungen der Beschwerdeführer - Neuorientierung der Agrarpolitik; grösserer unternehmerischer Spielraum der Landwirte; Aufhebung von Art. 33 des Bundesgesetzes über die landwirtschaftliche Pacht vom 4. Oktober 1985 (LPG; SR 221.213.2), der in seiner bis am 31. August 2008 gültigen Fassung im Fall einer Zupacht ein Einspracherecht vorsah, wenn das zuzupachtende Grundstück ausserhalb des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereichs lag - mögen ihre Berechtigung haben. Sie laufen indes darauf hinaus, die gesetzlich vorgesehene Begrenzung des Verwandtenvorkaufsrechts (und der anderen Vorkaufs- und Zuweisungsrechte) auf Grundstücke, die im ortsüblichen Bewirtschaftungsbereich liegen, gänzlich abzuschaffen. Denn was die Beschwerdeführer postulieren, lässt sich nur schwer mit der Ortsüblichkeit vereinbaren. Die Ortsüblichkeit ergibt sich aus einer Analyse der massgeblichen Verhältnisse innerhalb eines bestimmten Einzugsgebiets (s. oben E. 3).