Citation: 6B_526/2020 E. 1.4

1.4. Der Vorinstanz ist bei der Bewertung der im Hinblick auf den Eventualvorsatz zu berücksichtigenden Umstände nicht zu folgen. Der Beschwerdegegner hat mit den anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gemachten Aussagen ausdrücklich Bezug auf sein Wissen im Tatzeitpunkt genommen. Sein Wissen um die Gefahr von Faustschlägen und Tritten gegen den Kopf eines Menschen ergibt sich damit nicht nur aus der allgemeinen Lebenserfahrung, dass derartige Faustschläge und Tritte zu schwerwiegenden Verletzungen führen können, sondern wird durch die gemachten Aussagen ausdrücklich bestätigt (vgl. Urteil 6B_1146/2018 vom 8. November 2019 E. 4.4). Ferner ist der Vorinstanz nicht zu folgen, wenn sie aus der Tat des Beschwerdegegners im Jahre 2013 auf sein fehlendes Wissen hinsichtlich der von Tritten gegen den Kopf ausgehenden Gefahr schliesst. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner im Zusammenhang mit der einschlägigen Tat Gelegenheit hatte, Kenntnis von dieser Gefahr zu nehmen. Insofern sind die angeführten Aussagen des Beschwerdegegners sowie die einschlägige im Jahr 2013 begangene Tat als massgebende Hinweise auf das beim Beschwerdegegner im Tatzeitpunkt vorliegende Wissen um die Gefahr seines Faustschlags und seiner Kopftritte gegen den Kopf des Opfers zu werten. Die Vorinstanz weist auf die Aussagen der von ihr als glaubhaft erachteten Zeugen hin, wonach der Beschwerdegegner gegen den Kopf des Opfers wie auf einen Fussball "gekickt" habe. Unter Berücksichtigung dessen ist nicht nachvollziehbar, wie der Beschwerdegegner ein noch kalkulierbares Risiko eingegangen sein soll (vgl. Urteil 6B_1146/2018 vom 8. November 2019 E. 4.3). Bei der Kopfregion handelt es sich um einen besonders sensiblen Bereich des menschlichen Körpers. Kopfverletzungen, insbesondere Verletzungen der Hirnregion, können gravierende Folgen nach sich ziehen (Urteil 6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.2.2). Schliesslich ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (oben E. 1.2.2) unerheblich, dass das Opfer dem Beschwerdegegner nur für kurze Zeit schutzlos ausgeliefert war oder der Beschwerdegegner nicht geradezu mit voller Wucht gegen den Kopf des Opfers eingetreten hat. Es ist nicht erforderlich, dass derartige aggravierende Momente für die Erfüllung des Tatbestandes der versuchten schweren Körperverletzung hinzutreten. Gestützt auf die dargelegten Umstände nahm die Vorinstanz fälschlicherweise an, dass der Beschwerdegegner keine Kenntnis der Gefahr seines Faustschlags in das Gesicht und die Tritte gegen den Kopf des Opfers hatte und keine schwere Körperverletzung in Kauf nahm. Indem die Vorinstanz den Eventualvorsatz des Beschwerdegegners im Hinblick auf die schwere Körperverletzung verneinte, verletzte sie Bundesrecht.