Citation: U 177/05 10.04.2006 E. 5

5.1 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 Erw. 5.1.2 mit Hinweisen [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]). Im vorliegenden Fall handelt es sich nicht um einen Auffahrunfall, sondern um eine frontal-seitliche Kollision (Streifkollision) von Personenwagen. Laut biomechanischer Kurzbeurteilung ist von einer kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung (delta-v) des vom Versichertem gesteuerten Personenwagens von 20 bis 30 km/h auszugehen, was nach gutachterlicher Auffassung für Unfälle der vorliegenden Art noch im Harmlosigkeitsbereich für nicht unerhebliche HWS-Beschwerden liegt. Auch unter Berücksichtigung des Unfallhergangs und der entstandenen Fahrzeugschäden, wie sie sich aus den Polizeiakten ergeben, kann nicht von einer sehr heftigen Kollision ausgegangen werden. Der Unfall ist daher als mittelschwer und jedenfalls nicht als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Unfällen oder gar als schwerer Unfall zu qualifizieren (vgl. die in SZS 2001 S. 431 ff. erwähnte Rechtsprechung). Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 5.2 Der Unfall vom 4. Juni 2002 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 [Urteil S. vom 31. Mai 2000, U 248/98 Erw. 4 und 5]) - von besonderer Eindrücklichkeit. Er hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteile C. vom 28. April 2005, U 386/04, D. vom 4. September 2003, U 371/02, T. vom 6. Februar 2002, U 61/00, und D. vom 16. August 2001, U 21/01). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 Erw. 4.3 mit Hinweisen [Urteil A. vom 24. Juni 2003, U 193/01]). Solche Umstände sind hier nicht gegeben. Dass der Versicherte unmittelbar vor der Kollision nach rechts geblickt und den Zusammenstoss nicht vorausgesehen hat, genügt nicht (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 Erw. 5.2.3 [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]; Urteile D. vom 24. Juni 2005, U 290/04, und N. vom 14. März 2005, U 82/04). Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden vor. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Der Versicherte konnte von den Ärzten des Spitals U.________ bereits am Tag nach dem Unfall bei problemlosem klinischem Verlauf und in gutem Allgemeinzustand zur Nachkontrolle durch den Hausarzt entlassen werden. Die ärztliche Behandlung bestand in der Folge in ambulanter Physiotherapie und medikamentöser Schmerzbekämpfung. Nach der im Zentrum D.________ durchgeführten physikalischen Behandlung teilte Dr. med. B.________ dem behandelnden Arzt und der SUVA am 21. Oktober 2002 mit, therapeutisch liessen sich keine weiteren Fortschritte erzielen. Zum gleichen Schluss gelangten die Ärzte der Klinik H.________, welche im Austrittsbericht vom 5. Februar 2003 eine Fortsetzung der ambulanten Physiotherapie als nicht erforderlich bezeichneten. Auch wenn später - ohne wesentlichen Erfolg - weiterhin physiotherapeutische Massnahmen durchgeführt wurden, handelt es sich insgesamt nicht um eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer (Urteile N. vom 14. März 2005, U 82/04, P. vom 24. September 2003, U 361/02, und S. vom 8. April 2002, U 357/01). Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden, wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Dass die zu erwartende Heilung nach zunächst günstigem Verlauf ausgeblieben ist, muss auf die psychische Symptomatik zurückgeführt werden. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff. [Urteil L. vom 30. August 2001, U 56/00]). Der behandelnde Arzt sah einen Arbeitsversuch mit voller Erwerbstätigkeit am bisherigen Arbeitsplatz bereits für die Zeit ab 15. Juli 2002 vor. Dass dieser wie auch weitere Arbeitsversuche per 1. September und 1. Oktober 2002 scheiterten, ist weitgehend auf unfallfremde Gründe (ungeeignete Tätigkeit, psychosoziale Gründe) zurückzuführen. Soweit weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit bestanden hat, war sie zunehmend psychisch bedingt. Nicht als erfüllt gelten kann schliesslich auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen. Nach dem Unfall kam es zu einer wesentlichen Besserung der Beschwerden bis zu praktischer Beschwerdefreiheit. Die später erneut und zunehmend aufgetretenen Beschwerden konnten nicht objektiviert werden und waren überwiegend psychisch bedingt. Selbst wenn noch körperliche Dauerschmerzen bestanden haben, ist das Kriterium jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden zu verneinen. Der Einspracheentscheid, mit welchem die SUVA die Taggeldleistungen auf den 3. März/14. April 2003 herabgesetzt bzw. aufgehoben hat, besteht folglich zu Recht.