Citation: 6B_192/2020 E. 2.5

2.5. Wie ausgeführt liegt eine retrospektive Konkurrenz in Bezug auf das Urteil vom 20. Mai 2015 vor. Nach der neueren Rechtsprechung hätte das Kantonsgericht am 20. Mai 2015 bei der Bemessung der Teilzusatzstrafe grundsätzlich zwischen den früheren Taten und den Delikten nach der (damals) letzten Verurteilung unterscheiden müssen. Die Delikte der verschiedenen Komplexe wären getrennt und selbständig zu würdigen gewesen. Dabei stellt sich die Frage, welche Strafe es ausgesprochen hätte, wenn das Kantonsgericht die Delikte nach den Ersturteilen mit den hier zur Diskussion stehenden Delikten gleichzeitig beurteilt hätte. Diese Beurteilung wäre selbständig respektive unabhängig von den früheren Verurteilungen erfolgt. Die Vorinstanz stellt als Grundstrafe auf die Teilzusatzstrafe vom 20. Mai 2015 ab. Dabei unterscheidet sie nicht zwischen den früheren Taten und den Delikten nach der (damals) letzten Verurteilung. Sie setzt sich mithin nicht näher mit den am 20. Mai 2015 abgeurteilten Taten auseinander, die nach den Ersturteilen verübt wurden. Dies ist nicht zu beanstanden. Eine Unterscheidung zwischen Taten, die vor und solchen, die nach dem Ersturteil begangen wurden, nahm das Gericht im Entscheid vom 20. Mai 2015 nicht vor. Für die nach dem Ersturteil begangenen Taten legte es mithin keine unabhängige Strafe fest (vgl. das Urteil des Kantonsgerichts vom 20. Mai 2015 S. 85 f.). Die Präzisierung der Rechtsprechung zur teilweisen retrospektiven Konkurrenz erfolgte mit BGE 145 IV 1 und damit nach dem Entscheid vom 20. Mai 2015. Eine nachträgliche Differenzierung zwischen Taten vor und Taten nach dem Ersturteil und damit eine nachträgliche Beurteilung des jüngsten Deliktkomplexes seit dem Ersturteil ist nicht möglich. Gleiches gilt, wenn im Falle teilweiser retrospektiver Konkurrenz eine getrennte Beurteilung im genannten Sinne zwar erfolgt, infolge eingeschränkter Begründungspflicht (Art. 82 StPO) aber nicht schriftlich vorliegt. Art. 49 Abs. 2 StGB erlaubt keine erneute Überprüfung der in Rechtskraft erwachsenen Grundstrafe (BGE 142 IV 265 E. 2.4.1 S. 268 f.). Hingegen beschränkt sich die Vorinstanz - obwohl sie ihrem Wortlaut nach eine Zusatzstrafe zum Urteil vom 20. Mai 2015 ausfällt - im Ergebnis darauf, die im vorliegenden Verfahren neuen Delikte zu beurteilen. Sie setzt die Strafe dafür auf 13 Monate fest. Weiter erwägt sie, daraus ergebe sich zusammen mit der Grundstrafe von 18 Monaten eine hypothetische Gesamtstrafe von 31 Monaten. Nach einer Reduktion um zwei Monate (auch unter Berücksichtigung einer Verletzung des Beschleunigungsgebots) und unter Abzug der Grundstrafe bemesse sich die Zusatzstrafe auf 11 Monate. Aus diesen Erwägungen geht hervor, dass die Vorinstanz die Strafe für die neuen Delikte mit der am 20. Mai 2015 ausgefällten Strafe im Ergebnis addiert und nicht asperiert. Dass sie eine Reduktion von zwei Monaten gewährt, ändert daran nichts. Hätte die Vorinstanz für die neuen Delikte ausgehend von der Grundstrafe vom 20. Mai 2015 eine Zusatzstrafe gebildet, wäre diese durch die Asperation tiefer ausgefallen. Das in diesem Sinne methodisch falsche Vorgehen der Vorinstanz wirkt sich zu Lasten des Beschwerdegegners aus. Hält die Vorinstanz zudem fest, aufgrund des Asperationsprinzips sei sie nicht an die gesetzliche Mindeststrafe gebunden (Entscheid S. 40), sind diese Erwägungen unklar. Sollte sie damit zum Ausdruck bringen, die Einzelstrafen seien nicht innerhalb des ordentlichen Strafrahmens des jeweiligen Straftatbestands festzusetzen, trifft dies mit der Beschwerdeführerin nicht zu (BGE 142 IV 265 E. 2.4.3 S. 271). Da die Vorinstanz wie ausgeführt die Strafe für die neuen Delikte mit der Grundstrafe faktisch addiert und nicht asperiert, fällt ihre Strafzumessung gleichwohl im Ergebnis zu Lasten des Beschwerdegegners aus. Nachdem die Beschwerdeführerin die Methodik der Strafzumessung beanstandet und eine höhere Strafe beantragt, erübrigen sich weitere Erwägungen dazu.