Citation: 1P.417/2002 31.01.2003 E. 3

3.1 Art. 29 Abs. 3 BV (Art. 4 aBV) und Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK gewährleisten die unentgeltliche Beiordnung eines amtlichen Verteidigers, falls dies im Interesse der Rechtspflege erforderlich erscheint und der Angeschuldigte mittelos ist (BGE 128 I 225 E. 2.3 S. 226; 120 Ia 48 E. 2b/bb S. 51). Auch der amtlich verteidigte Angeschuldigte hat Anspruch auf eine sachkundige, engagierte und effektive Wahrnehmung seiner Parteiinteressen. Wird von den Behörden untätig geduldet, dass der amtliche Verteidiger seine anwaltlichen Berufs- und Standespflichten zum Schaden des Angeschuldigten in schwerwiegender Weise vernachlässigt, kann darin eine Verletzung der in Art. 29 Abs. 3 BV und Art. 6 Ziff. 3 EMRK gewährleisteten Verteidigungsrechte liegen (BGE 120 Ia 48 E. 2b/bb S. 51 mit Hinweisen insbesondere auf die Praxis der Strassburger Rechtsprechungsorgane). 3.2 Falls die genannten Anforderungen in der Person eines amtlichen Verteidigers nicht bzw. nicht mehr erfüllt sind, kann der Angeschuldigte nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung den Wechsel des amtlichen Verteidigers beantragen. Ein entsprechendes Gesuch ist jedoch nur (und immer dann) zu bewilligen, wenn aus objektiven Gründen eine sachgemässe Vertretung der Interessen des Angeschuldigten durch den Offizialverteidiger nicht mehr gewährleistet ist. Dass der Angeschuldigte ihm lediglich aus subjektiven Motiven das Vertrauen abspricht, reicht für einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf Auswechslung des Offizialverteidigers nicht aus (BGE 116 Ia 102 E. 4b/aa S. 105; 114 Ia 101 E. 3 S. 104, je mit Hinweisen). Dabei darf insbesondere der gute Wille des Angeschuldigten vorausgesetzt werden, mit seinem amtlichen Verteidiger konstruktiv zusammenzuarbeiten, zumal grundsätzlich dieser die Art und Weise der Verteidigung bestimmt und jedenfalls nicht bloss unkritisches Sprachrohr seines Mandanten ist (BGE 116 Ia 102 E. 4b/bb S. 105). 3.3 Pflichtverletzungen des Offizialverteidigers können namentlich in krassen Frist- und Terminversäumnissen, mangelnder Sorgfalt bei der Vorbereitung von Einvernahmen und anderen Prozesshandlungen, mangelnder Vorsorge für Stellvertretungen oder groben Unregelmässigkeiten bei der Rechnungsstellung liegen (vgl. BGE 120 Ia 48 E. 2c/d S. 52 f.). Auch bei der Prüfung, ob Verfahrens- und Beweisanträge im Interesse des Angeschuldigten zu stellen seien, hat der amtliche Verteidiger die nötige Sorgfalt anzuwenden. Dabei steht ihm jedoch ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Als Pflichtverletzung, welche eine Abberufung rechtfertigen würde, kann nur sachlich nicht vertretbares bzw. offensichtlich fehlerhaftes Prozessverhalten des Verteidigers in Frage kommen (siehe zum Ganzen den Entscheid des Bundesgerichtes vom 2. März 1999 in ZBl 101 (2000) S. 27 ff.). 3.4 Was der Beschwerdeführer gegen die Ablehnung des beantragten Verteidigerwechsels vorbringt, lässt den angefochtenen Entscheid nicht grundrechtswidrig erscheinen. Offensichtliche Pflichtverletzungen des Offizialverteidigers, welche aus verfassungsrechtlicher Sicht einen Verteidigerwechsel notwendig erscheinen liessen, sind nicht ersichtlich. Sowohl im Verfahren vor der JGK-Direktion wie auch vor der Anklagekammer hatte der Beschwerdeführer den Wechsel des amtlichen Verteidigers beantragt. Somit war Fürsprecher B.________ in den genannten Verfahren nicht als Vertreter des Beschwerdeführers tätig und damit auch nicht gehalten, ihm die jeweiligen Entscheide zu eröffnen. Dies wäre die Pflicht der entscheidenden Behörden gewesen. Der Beschwerdeführer verkennt, dass es sich zu seinen Gunsten auswirken kann, wenn sich Fürsprecher B.________ im Strafverfahren auf den offensichtlich angeschlagenen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers berufen will. Im Übrigen ist der Argumentation der Anklagekammer zuzustimmen. Die Verdächtigungen des Beschwerdeführers sind nicht substantiiert und es ist nicht dargetan, in welcher Art und Weise der amtliche Verteidiger entgegen den Interessen seines Mandanten gewirkt haben soll. Ein offensichtlich fehlerhaftes Prozessverhalten des Verteidigers lässt sich nicht erkennen.