Citation: U 151/01 14.10.2004 E. 4

4.1 Die Versicherte klagt über andauernde Nackenbeschwerden mit Ausstrahlungen in den Hinterkopf, die Schultern und den Rücken; ferner gibt sie Konzentrationsstörungen sowie Störungen im Denkvermögen an. Eine objektivierbare traumatische Ursache für die Nackenbeschwerden konnte nicht gefunden werden. Es bestand eine volle Beweglichkeit der HWS, und es konnten weder Verspannungen der Nackenmuskulatur noch ein reaktives myofasziales Schmerzsyndrom festgestellt werden. Anderseits wurden im Spital X.________ bereits im Jahre 1990 degenerative Veränderungen an der HWS festgestellt. Bei einer MRI-Untersuchung im gleichen Spital vom 17. März 1999 zeigte sich zusätzlich eine Arthrose in den oberen Kopfgelenken. Auch hinsichtlich der geltend gemachten Hirnleistungsstörungen fehlen konkrete Hinweise auf eine traumatische Ursache. Eine neuropsychologische Untersuchung vom 8. Oktober 1999 ergab leichte bis mittelschwere Minderfunktionen wahrscheinlich multifunktioneller Ätiologie, wobei auch psychische Faktoren beteiligt sind. Diesbezüglich geht aus den Akten hervor, dass es schon im März/ April 1990 zu einem paranoid-psychotischen Schub gekommen war, welcher als teilweise reaktiv beurteilt wurde (Bericht des Psychiaters Dr. C.________, vom 4. November 1990). Nachdem das Spital X.________ bereits im Jahre 1990 eine psychosomatische Komponente festgestellt hatte, wurde im Gutachten des Spitals Y.________ vom 30. Dezember 1992 eine Unfall- und Krankheitsverarbeitungsstörung diagnostiziert. Im Sommer 1995 und erneut auf die zweite Rückfallmeldung vom 15. Mai 1997 wurde die Beschwerdeführerin vom behandelnden Arzt Dr. N.________ einer psychiatrischen Untersuchung und Behandlung zugeführt. Am 21. September 1998 berichtete dieser Arzt über eine starke psychogene Überlagerung der bestehenden Schmerzen. Eine ambulante Untersuchung in der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals Y.________ vom 17. August 1998 führte zur Diagnose einer anhaltenden, aufgrund von psychosozialen Problemen exazerbierten somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4). Im Bericht der Rehaklinik Z.________ vom 1. Dezember 1999 wird zusätzlich eine depressive Entwicklung erwähnt, wobei davon ausgegangen wird, dass der Unfall vom 15. Dezember 1989 eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst hat. Die SUVA bestreitet das Vorliegen dieses Beschwerdebildes unter Hinweis auf die nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10, Kapitel V, 2. Aufl. 1995, F 43.1) hiefür geltende Umschreibung. Wie es sich hinsichtlich der genauen Diagnose verhält, kann indessen offen bleiben. Auch kann von weiteren Abklärungen hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den vorstehend beschriebenen Beschwerden und dem Unfallereignis abgesehen werden, wie sich aus den nachstehenden Darlegungen ergibt. 4.2 Nach der Rechtsprechung ist für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Gesundheitsschaden und Unfallereignis nicht entscheidend, ob die im Anschluss an ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS auftretenden Beschwerden medizinisch eher als organischer oder als psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa). Die Unterscheidung ist jedoch insoweit von Belang, als die Adäquanzbeurteilung nicht nach den für Schleudertraumen und äquivalente Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 138 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen hat, wenn die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Dies setzt indessen voraus, dass die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufweist (RKUV 2002 Nr. U 467 S. 438 Erw. 3a). Wird die Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 99 Erw. 2a in einem späteren Zeitpunkt angewendet, ist zu prüfen, ob im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Nur wenn dies zutrifft, ist die Adäquanz nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) zu beurteilen (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 439 Erw. 3b; Urteil G. vom 21. September 2004, U 132/01). 4.3 Die Beschwerdeführerin hat beim Unfall vom 15. Dezember 1989 ein Schleudertrauma der HWS erlitten. Unmittelbar nach diesem Ereignis litt sie jedoch nicht an den für diesen Unfallmechanismus typischen Beeinträchtigungen (vgl. dazu BGE 117 V 360 Erw. 4b), sondern es standen Beschwerden im Bereich des Kiefergelenks und eine psychische Störung im Vordergrund. Auch im weiteren Verlauf dominierten psychische Beschwerden, was Jahre später die Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals Y.________ veranlasste, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei zusätzlich bestehender psychosozialer Belastungssituation zu diagnostizieren (Bericht vom 17. August 1998). Im Bericht der Rehaklinik Z.________ vom 1. Dezember 1999 wurde zusätzlich eine depressive Entwicklung erwähnt und davon ausgegangen, dass der Unfall eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst habe. Damit steht fest, dass die Adäquanzbeurteilung nach den für psychische Unfallfolgen geltenden Rechtsprechung zu erfolgen hat, wovon im Übrigen auch die Parteien ausgehen. Dabei ist das Unfallereignis aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit der Vorinstanz dem mittleren Bereich zuzuordnen (vgl. auch RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.). 4.4 Der Unfall hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. Auch hat die Beschwerdeführerin keine Verletzungen von besonderer Schwere und insbesondere keine Verletzungen erlitten, die erfahrungsgemäss geeignet sind, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. Dieser Schluss drängt sich hier schon deshalb auf, weil die für ein Schleudertrauma der HWS oder eine äquivalente Verletzung typischen Symptome nach dem Unfall das Beschwerdebild in keiner Weise prägten, sondern, sofern manifest, klar im Hintergrund blieben. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, sowie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen kann nicht die Rede sein. Nicht erfüllt sind auch die Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sowie von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Schon kurze Zeit nach dem Unfall waren die Beschwerden zunehmend psychisch überlagert. Im November 1991 konnte der Fall abgeschlossen werden und war die Versicherte wieder voll arbeitsfähig. Abgesehen von einer kurzfristigen Behandlung wegen erneuter, teilweise psychogener Beschwerden im Jahre 1993 erfolgte eine Behandlung zu Lasten des Unfallversicherers erst wieder Mitte 1997, wobei zunächst Kieferbeschwerden und in der Folge wieder Nackenbeschwerden im Vordergrund standen. Nach Auffassung der untersuchenden und behandelnden Ärzte war das Beschwerdebild in hohem Masse psychisch überlagert. Soweit die Behandlungsbedürftigkeit und die Arbeitsunfähigkeit aber psychisch bedingt waren, hat dies bei der Adäquanzbeurteilung unberücksichtigt zu bleiben. Weil eine weitgehend psychische Schmerzproblematik bestand, kann auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen nicht als erfüllt gelten. Selbst wenn die Beschwerdeführerin auch während der rund vier Jahre, in denen keine Behandlung zu Lasten der SUVA erfolgte, an körperlichen Beschwerden gelitten haben sollte, ist dieses Kriterium jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Da somit weder ein Beurteilungskriterium in besonders ausgeprägter Weise noch mehrere der massgebenden unfallbezogenen Kriterien gegeben sind, ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den über den Zeitpunkt des Einspracheentscheides hinaus anhaltenden Beschwerden zu verneinen. Die SUVA hat ihre Leistungen demnach zu Recht auf den 24. Mai 1999 eingestellt.