Citation: U 373/01 04.07.2002 E. 2

2.- Streitig ist zunächst der für den Rentenanspruch massgebende Invaliditätsgrad. a) Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer wegen der Schussverletzungen vom 30. Juli 1995 an einer Parese des linken Beines mit belastungsabhängigen Bein- und Rückenschmerzen leidet. Beim Austritt aus der Rehaklinik V.________ Ende November 1996 bestand noch eine erhebliche Beeinträchtigung der Gehfähigkeit (ca. 1 km ohne Stöcke mit der Notwendigkeit von Pausen); zudem ist dem Versicherten das Tragen von Gewichten und das Einnehmen von Zwangshaltungen sowie Kauerstellungen nicht zumutbar. Er vermag daher die bisherige Tätigkeit als Pulverbeschichter in einem Industriebetrieb und ähnliche körperbelastende Arbeiten nicht mehr auszuüben; dagegen sind ihm leichtere, vorwiegend sitzend zu verrichtende Tätigkeiten möglich, sofern regelmässig kleinere Pausen eingeschaltet werden können. SUVA-Kreisarzt Dr. med. W.________ gelangte anlässlich der Abschlussuntersuchung vom 6. Januar 1997 zum Schluss, der Versicherte sei für eine wechselbelastende, vorwiegend sitzend zu verrichtende Tätigkeit bei stündlichen Pausen von 10 bis 15 Minuten als voll arbeitsfähig zu betrachten. Diese Beurteilung wird bestätigt durch die Ergebnisse der von der Invalidenversicherung angeordneten beruflichen Abklärung. Gemäss Bericht der Beruflichen Abklärungsstelle (BEFAS) vom 4. November 1998 vermöchte der Beschwerdeführer nach einer Einarbeitungszeit von drei bis sechs Monaten ganztags eine leichte, vorwiegend sitzend zu verrichtende Tätigkeit auszuüben, sofern er die Arbeitsposition ab und zu wechseln und sich während fünf Minuten in der Stunde entlasten kann. Nicht mehr möglich ist das Begehen von Leitern und Gerüsten sowie häufiges Treppensteigen und längeres Gehen. In einer geeigneten leichteren Tätikeit vermag der Versicherte nach Auffassung der BEFAS eine Leistung von 90 % zu erbringen. Wenn die SUVA gestützt hierauf zum Schluss gelangt ist, der Versicherte sei in einer geeigneten leichteren Tätigkeit auch ohne vorgängige Eingliederung mindestens zu 50 % arbeitsfähig, so lässt sich dies nicht beanstanden. Etwas anderes ergibt sich entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch aus den Berichten des Paraplegiker-Zentrums nicht. Zwar haben dessen Ärzte in einem Bericht vom 23. Februar 1999 eine volle Arbeitsunfähigkeit angegeben. Auf Rückfrage der SUVA stellten sie jedoch fest, die Arbeitsunfähigkeit sei im Hinblick auf die Durchführung einer intensiven Physiotherapie lediglich vorübergehend auf 100 % festgesetzt worden. In einem weiteren Bericht vom 12. Mai 1999 schätzten sie die Arbeitsfähigkeit wieder auf 50 % bei einer maximalen Arbeitszeit von 4 1/4 Stunden im Tag, wobei eine Aufteilung auf 2 Stunden am Morgen und 2 1/4 Stunden am Nachmittag mit einer Mittagspause von drei bis vier Stunden vorzunehmen sei; zudem sollte der Versicherte morgens und nachmittags jeweils eine Pause von 15 bis 20 Minuten einschalten können. Damit wird bestätigt, dass der Beschwerdeführer im Rahmen einer geeigneten leichteren Tätigkeit jedenfalls zu 50 % arbeitsfähig ist, wie die SUVA bei der Beurteilung des Rentenanspruchs angenommen hat. Soweit der behandelnde Arzt Dr. med. M.________, Arzt für allgemeine Medizin, in seinen Berichten vom 31. Januar 1998 und 15. November 1999 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgeht, vermag dies angesichts der gegenteiligen Feststellungen der übrigen Ärzte nicht zu überzeugen. b) Dem Beschwerdeführer kann auch insoweit nicht beigepflichtet werden, als er geltend macht, die verbleibende Arbeitsfähigkeit sei auf dem allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt nicht verwertbar und es falle höchstens eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte in Betracht. Die beruflichen Abklärungen in der Rehaklinik V.________ und der BEFAS haben gezeigt, dass er über besondere feinmanuelle Fähigkeiten und ein gutes Auffassungsvermögen verfügt, weshalb ihm ein weites Feld von Betätigungsmöglichkeiten offen steht. Nach Meinung der BEFAS fallen insbesondere Montagearbeiten mit erhöhten Anforderungen im technischen und elektronischen Bereich oder das Überwachen und Bedienen von Maschinen in Industriebetrieben in Betracht, wobei eine Einarbeitungszeit von drei bis sechs Monaten als erforderlich betrachtet wird. Ob es sich dabei um eine eigentliche Ausbildung (Anlehre) oder ein blosses Arbeitstraining handelt, ist fraglich, bedarf jedoch keiner näheren Prüfung. Entscheidend in Bezug auf die Übergangsrente ist, dass dem Beschwerdeführer auch zahlreiche Tätigkeiten offen stehen, die keine besonderen Anforderungen stellen und die er ohne vorgängige berufliche Massnahmen ausüben könnte. In Betracht fallen beispielsweise einfache Montage- und Kontrollarbeiten in der industriellen Produktion, welche er ohne weiteres zu verrichten vermöchte. Die Gehbehinderung und die belastungsabhängigen Bein- und Rückenschmerzen setzen der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit zwar deutliche Grenzen. Nach den ärztlichen und berufsberaterischen Feststellungen sind die Einschränkungen aber nicht derart, dass eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit praktisch ausgeschlossen oder nur unter einem nicht realistischen Entgegenkommen des Arbeitgebers möglich wäre. c) Mit dem Einspracheentscheid hat die SUVA das für den Einkommensvergleich massgebende Invalideneinkommen gestützt auf Lohnangaben aus der internen Arbeitsplatz-Dokumentation (DAP, Verdienstverhältnissse 1997) auf Fr. 26'000.- festgesetzt und einem Valideneinkommen von Fr. 77'600.- gegenübergestellt, was zu einem Invaliditätsgrad von 66 2/3 % führt. Dabei hat sie vom Durchschnittslohn aus den herangezogenen DAP-Arbeitsplätzen von Fr. 57'800.- (bzw. Fr. 28'900.- bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 %) einen Abzug von rund 10 % vorgenommen. Angesichts der lediglich geringfügigen Abweichung der DAP- von den hier massgeblichen Tabellenlöhnen (bei einem monatlichen Bruttolohn [Zentralwert] für einfache und repetitive Tätigkeiten männlicher Arbeitnehmer, Anforderungsniveau 4, privater Sektor, gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung [LSE] 1996, S. 17, Tabelle TA 1, von Fr. 4294.-, aufgerechnet auf 41,9 Wochenstunden [Die Volkswirtschaft, 2001 Heft 12, S. 80, Tabelle B 9.2], angepasst an die Nominallohnentwicklung 1997 von 0,5 % [Die Volkswirtschaft, a.a.O., S. 81, Tabelle B 10.2], resultiert bei einem 50 %-Pensum ein Jahreseinkommen von Fr. 27'122.-, welches aus leidensbedingten Gründen noch geringfügig zu reduzieren wäre) ist die Berechnung gestützt auf die DAP-Löhne nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer bringt gegen die Bemessungsgrundlagen nichts vor. Er macht lediglich geltend, vom Invalideneinkommen sei ein leidensbedingter Abzug von 25 bis 30 % vorzunehmen, weil er in der Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei, unter einem starken Leidensdruck stehe und psychisch beeinträchtigt sei. Zu einem leidensbedingten Abzug (vgl. hiezu BGE 126 V 75 ff.) besteht indessen kein Anlass, weil die vorliegend berücksichtigten DAP-Verweisungstätigkeiten auf die bestehende Behinderung zugeschnitten sind und mit der Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % der Beeinträchtigung in der Leistungsfähigkeit in weitem Masse Rechnung getragen wird. In Betracht fällt höchstens ein Abzug wegen Teilzeitbeschäftigung und der damit allenfalls verbundenen Lohnbenachteiligung (vgl. LSE 1998, S. 20, Tabelle 6). Diesen Umstand hat die SUVA mit der vorgenommenen Herabsetzung des Invalideneinkommens um rund 10 % aber hinreichend berücksichtigt. Es muss daher bei der Feststellung bleiben, dass die Zusprechung einer Rente von 66 2/3 % zu Recht besteht.