Citation: 5D_179/2009 05.02.2010 E. 3

3.1 Das Kantonsgericht führt - zusammengefasst - aus, grundsätzlich habe der Schuldner dem Gläubiger direkt zu leisten, ansonsten er die Schuld nicht gehörig erfüllt habe (GAUCH/SCHLUEP/ SCHMID/REY, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Bd. II, 9. Aufl., N. 2070). Somit gelte in der Regel nur die Zahlung an den Gläubiger, nicht an einen Gläubiger des Gläubigers als Tilgung (DANIEL STAEHELIN, Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, SchKG I, N. 9 zu Art. 81 SchKG). Die Leistung mit erfüllender Wirkung an den legitimierten Vertreter sei jedoch - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin - unter bestimmten Voraussetzungen möglich, namentlich wenn eine Vertretungsvollmacht zur Entgegennahme von Zahlungen für den Vertreter vorhanden sei und diese dem Dritten ordnungsgemäss kundgetan worden sei ("Einziehungsermächtigung": GAUCH/SCHLUEP/SCHMID/REY, a.a.O., N. 2073 und 2086). Das Bestehen bzw. die Kundgebung des Vertretungsverhältnisses sei grundsätzlich vom Dritten zu beweisen. Der gute Glaube des Dritten werde nach einmal kundgetaner Vollmacht vermutet. Bestreite die Gegenpartei das Vertretungsverhältnis, trage sie die Beweislast (ROLF WATTER /YVES SCHNELLER, Basler Kommentar, OR I, 4. Aufl., N. 14 zu Art. 34 OR und N. 29 ff. zu Art. 33 OR). Indem die Beschwerdeführerin Rechtsanwalt Vital mit Vollmachtsurkunde vom 27. Juni 2007 als ihren Rechtsvertreter bestimmt habe, habe sie ihn ermächtigt, gemäss der unterschriebenen Vollmacht Zahlungen an ihrer Stelle in Empfang zu nehmen. Rechtsanwalt Vital habe mit Schreiben vom 29. Februar 2008 den Vertreter des Beschwerdegegners ersucht, den Betrag von Fr. 53'524.35 auf sein Klienten-Treuhandkonto zu überweisen. Die Beschwerdeführerin mache jedoch geltend, sie habe die Vollmacht per Faxschreiben am 4. März 2008, also noch vor der Zahlung der Gegenpartei an Rechtsanwalt Vital, widerrufen. Demgegenüber behaupte die Gegenpartei, sie habe nichts von einem derartigen Widerruf gewusst bzw. ihr sei ein derartiges Faxschreiben nie zugegangen. Zur Auslegung der Vollmacht des Anwalts der Beschwerdeführerin nach dem Vertrauensprinzip wird auf das Urteil des Kantonsgerichts verwiesen (Art. 109 Abs. 3 BGG). Es wird weiter ausgeführt, ein Widerruf löse den guten Glauben des Dritten in die vormals gültige Vollmacht nur auf, wenn er ihm zugehe. Zum Beweis des Zugangs der Widerrufserklärung bei der Gegenpartei lege die Beschwerdeführerin ein Faxjournal mit dem Sendevermerk zum relevanten Faxschreiben ins Recht. Zwar weise ein Faxjournal nicht darauf hin, was genau, zumindest aber, dass etwas versendet worden sei. Sei im Faxjournal bei einer Versendung der Vermerk "O.K." angegeben, sei dies grundsätzlich ein weiteres Indiz, dass diese dem Adressaten zugegangen sei und sich damit in seinem Herrschaftsbereich befunden habe. Durch den Sendebericht werde nur die Herstellung der Verbindung zwischen dem Sende- und dem Empfangsgerät angezeigt, für die geglückte Übermittlung der Daten und das Ausbleiben von Störungen besitze das Sendeprotokoll hingegen keinen Aussagewert (Urteil des Deutschen Bundesgerichtshofs vom 7. Dezember 1994, VIII ZR 153/93 E. 3). Es sei daher aus beweistechnischen Gründen üblich und angezeigt, sich des Eingangs der Versendung zu vergewissern. ROLF H. WEBER sei ebenfalls wenig optimistisch mit Bezug auf die Beweiseignung des baren Sendeprotokolls (E-Commerce Recht: Rechtliche Rahmenbedingungen elektronischer Geschäftsformen, Zürich 2001, S. 341). Es sprächen lediglich Indizien dafür, dass Daten einer per Fax übermittelten Willenserklärung, deren Übertragung im Sendeprotokoll wie im vorliegenden, mit dem O.K.-Vermerk bestätigt sei, an den Empfänger übermittelt worden und ihm zugegangen sei. Es liege jedoch keine Protokollkopie vor, auf dem die Zeit, Empfangsnummer und ähnliche bestätigende Merkmale auf dem Kopf des Faxschreibens gedruckt wären. Eine solche würde immerhin darauf hinweisen, dass das vorgelegte Schreiben (KB 4) tatsächlich Inhalt der Versendung gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe damit den rechtsgenüglichen Beweis nicht erbracht, dass Rechtsanwalt Bianchi vom Inhalt ihres Faxschreibens auch tatsächlich Kenntnis genommen habe. Die Rechtsöffnungsbeschwerde sei demnach - allerdings mit anderer Begründung als jener der Vorinstanz - abzuweisen.