Citation: 1C_58/2023 E. 6.4.3

6.4.3. Die Vorinstanz folgt der Auffassung der Gemeinde sowie der übereinstimmenden Einschätzung der kantonalen und kommunalen Fachbehörden. Sie erachtet es als richtigen Ansatz, Gebäude des Bautyps Scheune, die in der gesamten Altstadt Rheinfelden in der Minderzahl seien und von denen in den letzten 20 Jahren gemäss einer Besichtigungstour anlässlich des Augenscheins vom 2. Dezember 2022 nur einzelne zu Wohnhäusern umgebaut worden seien, hinsichtlich der Gestaltung der Fenster anders zu behandeln als typische Altstadt-Wohnhäuser, deren Fenster mit Sprossen versehen werden müssten. Im Falle von Scheunen werde der Wahrung des Ortsbildschutzes besser Rechnung getragen, wenn man den Scheunencharakter durch lochartige Fassaden nach Möglichkeit erhalte. Trotz der Wohnnutzung im Innern bleibe auf diese Weise der Scheunencharakter wenigstens aussen ablesbar und erkennbar. Es läge somit im klaren Interesse einer guten Gestaltung, bei Bauten des Typs Scheune auf Sprossenfenster zu verzichten. Wegen der geringen Anzahl ehemaliger Scheunen, die neu zu Wohnhäusern umgebaut werden, bestehe auch keine Gefahr, dass vom Grundsatz von Sprossenfenstern in der Altstadt zu oft abgewichen und die Ausnahme zur Regel werde. Die Vorinstanz bejaht auch das Vorliegen von ausserordentlichen Verhältnissen. Das tradierte Altstadtbild lasse sich beim Bautyp Scheune, anders als bei typischen Altstadt-Wohnhäusern, mit hochrechteckigen, schmalen Fenstern ohne Sprossen besser erhalten als mit einer unsachgemässen Anlehnung an die nach spätgotischem Vorbild ausgestalteten, einem bestimmten Muster folgenden und mit Sprossen versehenen Fenster von Wohnhäusern. Der Gemeinderat weise zutreffend darauf hin, dass Fenster mit Sprossen unter den besonderen Umständen des hier zu beurteilenden Einzelfalls historische Tatsachen verunklärten und sich dadurch nachteilig auf das Ortsbild der Altstadt auswirken würden. Dies sei keinesfalls im Sinne des Gesetzgebers, der mit der Sprossenfenstervorschrift in Art. 19 Abs. 4 der Spezialbauvorschriften letztlich das Ortsbild schützen wollte. Dabei sei dem Umstand zu wenig Beachtung geschenkt worden, dass sich in der Altstadt nicht nur die typischen Wohnhäuser mit Strossenfenstern, sondern vereinzelt auch ehemalige Scheunen befänden, die vor allem in neuerer Zeit hin und wieder zu Wohnraum umgenutzt würden. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit dessen, dass Bauten von unterschiedlichem Typus möglichst authentisch wirken und sich nicht an andere Bautypen anlehnen bzw. diese nachahmen sollten, dürfte auch seit Erlass der Spezialbauvorschriften Anfang der 1990er-Jahren noch einmal gewachsen sein.