Citation: 7B_878/2023 E. 5.2.2

5.2.2. Das Gericht stützt sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer Massnahme auf eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 StGB). Es würdigt Gutachten grundsätzlich frei (Art. 10 Abs. 2 StPO), darf aber davon in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe abrücken und muss Abweichungen begründen (BGE 142 IV 49 E. 2.1.3 mit Hinweis; 141 IV 369 E. 6.1; Urteile 6B_321/2023 vom 16. Juni 2023 E. 4.5.3; 6B_766/2022 vom 17. Mai 2023 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 149 IV 325; 6B_492/2022 vom 20. Juni 2022 E. 2.3). Ob die zur "Gefährlichkeit" gutachterlich erarbeiteten Befundtatsachen oder Risiken als einschlägig im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB zu werten sind, ist normativer Natur und damit in die Beurteilungskompetenz des Gerichts gestellt, das die forensisch-psychiatrische Risikoanalyse in seine Gesamtwürdigung einzubeziehen hat. Das bedeutet, dass das Gericht das Gutachten selbständig beurteilen muss und die Prognoseentscheidung nicht dem Sachverständigen überlassen darf. Das Gericht muss im Ergebnis eine eigenständige Beurteilung des Sachverständigenbeweises vornehmen, damit es gestützt darauf einen eigenverantwortlichen Entscheid zur "Gefährlichkeit" treffen kann (Urteile 6B_492/2022 vom 20. Juni 2022 E. 2.3; 6B_1051/2021 vom 3. März 2022 E. 3.3.4; 6B_1294/2021 vom 10. Januar 2022 E. 1.4.2; je mit Hinweisen). Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung (Art. 9 BV) verstossen. Erscheint dem Gericht die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Ein Gutachten stellt namentlich dann keine rechtsgenügliche Grundlage dar, wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern (BGE 146 IV 114 E. 2.1; 142 IV 49 E. 2.1.3; je mit Hinweis; Urteil 6B_800/2022 vom 16. August 2023 E. 2.3.2). Das trifft etwa zu, wenn der Sachverständige die an ihn gestellten Fragen nicht beantwortet, seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht begründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder die Expertise sonst wie an Mängeln krankt, die derart offensichtlich sind, dass sie auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar sind (BGE 141 IV 369 E. 6.1; Urteile 6B_321/2023 vom 16. Juni 2023 E. 4.5.3; 6B_766/2022 vom 17. Mai 2023 E. 3.3 nicht publiziert in: BGE 149 IV 325; je mit Hinweisen). Ob das Gericht die in einem Gutachten enthaltenen Erörterungen für überzeugend halten und dementsprechend den Schlussfolgerungen der Experten folgen durfte, ist eine Frage der Beweiswürdigung, die das Bundesgericht nur unter dem Aspekt der Willkür prüft (vgl. BGE 141 IV 369 E. 6.1). Zum Begriff der Willkür und zu den für eine Willkürrüge - genauso wie für die angebliche Verletzung von Grundrechten und von kantonalem respektive interkantonalem Recht (Art. 106 Abs. 2 BGG) - geltenden qualifizierten Begründungsanforderungen kann auf die bisherige Rechtsprechung verwiesen werden (Urteil 7B_796/2023 vom 4. Dezember 2023 E. 2.2.2 mit Verweis auf BGE 148 IV 39 E. 2.3.5, 356 E. 2.1; 147 IV 73 E. 4.1.2; je mit Hinweisen). Auf ungenügend begründete Rügen oder allgemeine appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 148 IV 356 E. 2.1; 147 IV 73 E. 4.1.2 mit Hinweisen; 146 IV 114 E. 2.1 mit Hinweis, 88 E. 1.3.1 mit Hinweisen; Urteil 7B_704/2023 vom 13. Februar 2024 E. 2.2.6).