Citation: 6B_336/2019 E. 3.2

3.2. Die Tathandlung bei der Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB besteht in der Aneignung. Aneignung bedeutet, dass der Täter die fremde Sache oder den Sachwert wirtschaftlich seinem eigenen Vermögen einverleibt, sei es, um sie zu behalten oder zu verbrauchen, sei es, um sie an einen andern zu veräussern, bzw. dass er wie ein Eigentümer über die Sache verfügt, ohne diese Eigenschaft zu haben (BGE 129 IV 223 E. 6.2.1; 118 IV 148 E. 2a). Das blosse Zurückbehalten eines anvertrauten Gegenstands stellt noch keine Aneignung dar. Erforderlich ist eine äusserlich erkennbare Betätigung, die einen Aneignungswillen manifestiert (BGE 121 IV 23 E. 1c; BERNARD CORBOZ, Les infractions en droit suisse, 3. Aufl. 2010, N. 8 zu Art. 138 StGB). Die Überprüfung der Tathandlung bedingt folglich zwangsläufig auch die Beurteilung innerer Tatsachen. Dabei ist zu prüfen, ob der Täter einerseits einen Willen auf dauernde Enteignung des bisherigen Eigentümers und anderseits einen Willen auf mindestens vorübergehende Zueignung an ihn selbst, d.h. auf Verwendung der Sache zu seinen eigenen Zwecken, aufweist (BGE 118 IV 148 E. 2a; vgl. auch STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl. 2010, § 13 N. 9 ff.). Der subjektive Tatbestand der Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfordert Vorsatz und ein Handeln in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht. Nach der Rechtsprechung bereichert sich bei der Veruntreuung von Vermögenswerten unrechtmässig, wer die Vermögenswerte, die er dem Berechtigten jederzeit zur Verfügung zu halten hat, ohne fähig und gewillt zu sein, sie jederzeit sofort zu ersetzen (BGE 133 IV 21 E. 6.1.2; 118 IV 27 E. 3a S. 29 f.; je mit Hinweisen).