Citation: 1C_147/2023 E. 3.4

3.4. Die kantonalen Instanzen hätten demnach prüfen müssen, ob die bewilligungspflichtigen Arbeiten, die ohne Baubewilligung und damit formell rechtswidrig ausgeführt wurden, nachträglich bewilligt werden können (siehe zur formellen und materiellen Rechtswidrigkeit etwa C HRISTIAN MÄDER, Das Baubewilligungsverfahren, 1991, Rz. 614 ff.; BERNHARD WALDMANN, in: Fachhandbuch Öffentliches Baurecht, 2016, Rz. 6.2 ff.). Hierzu sieht das kantonale Recht wie dargelegt vor, dass der Bauherrschaft eine Frist zur Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs anzusetzen ist (Art. 159 Abs. 1 lit. c PBG). Bereits das Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV) gebietet jedoch die Durchführung eines nachträglichen Baubewilligungsverfahrens (vgl. WALDMANN, a.a.O., Rz. 6.6 mit Hinweisen; im gleichen Sinne CHRISTOPH KÄGI, in: Kommentar zum Planungs- und Baugesetz des Kantons St. Gallen, 2020, N. 12 zu Art. 159 PBG). Indem die Vorinstanz den Entscheid des Departements schützte, das den Rückbau ohne Durchführung eines nachträglichen Baubewilligungsverfahrens anordnete, verletzte sie Bundesrecht. Aus den vorinstanzlichen Erwägungen folgt nämlich nicht, dass eine nachträgliche Bewilligung von vornherein ausgeschlossen erscheint. Der strittige Abbruchbefehl stellt unter diesen Umständen einen unverhältnismässigen Eingriff in die Eigentumsgarantie dar.