Citation: 6B_1470/2022 E. 2.5.1

2.5.1. Die Vorinstanz setzt sich über knapp vier Seiten mit den persönlichen Verhältnissen des Beschwerdeführers auseinander. Sie geht dabei auf seine persönliche, seine familiäre, die gesundheitliche sowie seine berufliche Situation ein und wägt seine Interessen gegen diejenigen der Öffentlichkeit nach Schutz vor weiterer Delinquenz des Beschwerdeführers ab. Es kann ihr vor diesem Hintergrund nicht vorgeworfen werden, dass sie die Interessenabwägung schematisch oder gar widerwillig vorgenommen habe. Unerfindlich ist auch, woraus der Beschwerdeführer darauf schliesst, dass die Vorinstanz ihren Entscheid schon vor Durchführung der Interessenabwägung getroffen habe. Die Vorinstanz gesteht dem Beschwerdeführer korrekterweise ein beträchtliches persönliches Interesse an einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz zu. Sie erwägt aber auch zu Recht, dass sich dieses im Wesentlichen in der Vermeidung der mit einem Umzug ins Ausland verbundenen Mühen erschöpfe. Tatsächlich spricht darüber hinaus nur wenig für einen weiteren Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz. Dieser hat keine Ausbildung absolviert, arbeitet zur Zeit nicht, wird von der Sozialhilfe unterstützt und hat Schulden. Seine wirtschaftlichen Aussichten in der Schweiz sind - auch wenn er "nicht zuletzt aufgrund von Referenzen" immer wieder temporäre Anstellungen gefunden habe - ausgesprochen bescheiden. Dass er mit einem gültigen Pass wieder eine Anstellung finden werde und gewillt sei, eine Ausbildung zu beginnen, sind derweil Spekulationen. Eine biografische Weiterentwicklung oder Kehrtwende - wie sie vom Beschwerdeführer in Aussicht gestellt wird - ist derzeit nicht erkennbar und ungewiss. Abgesehen vom Kontakt zu seiner Freundin und seiner Mutter (vgl. dazu nachfolgend) macht der Beschwerdeführer schliesslich auch keine soziale Verwurzelung geltend. Die Vorinstanz setzt sich sodann mit dem Bezug des Beschwerdeführers zu Sri Lanka auseinander, wobei es - entgegen seiner Ansicht - nicht ersichtlich ist, dass sie diesen überbewerten würde. So berücksichtigt sie namentlich, dass der Beschwerdeführer nur Teile seiner Kindheit im Haushalt seiner Mutter verbracht habe, er abgesehen von seinem Bruder keine Bezugspunkte zu Sri Lanka habe und keinen Kontakt zu dortigen Verwandten pflege. Der Beschwerdeführer hat aber, wie von der Vorinstanz ebenfalls zutreffend berücksichtigt, zumindest einen Teil seiner Kindheit bei seiner Mutter und damit in einem tamilischen Haushalt verbracht. Er beherrscht Tamilisch mündlich, auch wenn er die Sprache nicht lesen oder schreiben kann. Vor diesem Hintergrund ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz schliesst, dass ihm die tamilische Kultur "nicht unbekannt" die schweizerische Kultur ihm aber auch "vertraut" sei. Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, wenn er auf voraussichtliche Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit den lokalen Behörden hinweist. Seine anfänglichen beruflichen Möglichkeiten in Sri Lanka dürften sich zudem auf Tätigkeiten im Tieflohnbereich beschränken. Dasselbe trifft jedoch - wie im angefochtenen Urteil zu Recht ausgeführt - auch auf seine hiesigen professionellen Aussichten zu. In Sri Lanka lebt zudem der Bruder des Beschwerdeführers, der ihm bei einer Angewöhnung behilflich sein könnte. Seiner Mutter wäre es sodann unbenommen, ihn von der Schweiz aus (oder im Rahmen von Besuchen vor Ort) zu unterstützen. Wie im angefochtenen Urteil erwogen, erscheint eine Integration in seinem Heimatland letztlich nicht wesentlich weniger erfolgversprechend als in der Schweiz. Ohnehin vermag ein allenfalls günstigeres wirtschaftliches Fortkommen in der Schweiz, das zurzeit fraglich und völlig offen steht, einen Verbleib in der Schweiz nicht zu begründen (Urteil 6B_1123/2020 vom 2. März 2021 E. 3.3.7 mit Hinweis). Nicht zu berücksichtigen ist schliesslich der Umstand, dass in der Schweiz ganz grundsätzlich bessere wirtschaftliche Bedingungen als in Sri Lanka herrschen würden (Urteil 6B_1453/2022 vom 8. Juni 2023 E. 1.4.5 mit Hinweisen). Auch der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers spricht vorliegend nicht gegen eine Landesverweisung. Die Vorinstanz stellt zwar fest, dass er seit seiner Geburt an einem Herzklappenfehler leide, sich deswegen jedoch nicht in Behandlung befinde, sich nicht operieren lassen wolle und auch keine Medikamente einnehme. Er lehne jegliche Behandlung ab. Insofern ist weder ersichtlich noch wird vom Beschwerdeführer geltend gemacht, dass im Falle seiner Ausweisung eine rapide und irreversible Verschlechterung seiner gesundheitlichen Situation drohen könnte (vgl. supra E. 2.3.6). Der Beschwerdeführer kann sich entgegen seiner Ansicht auch nicht auf den Schutz des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK berufen. Zu seiner Tochter pflegt er unbestrittenermassen keinen Kontakt und unterstützt sie auch nicht finanziell, womit nicht von einer tatsächlich gelebten Beziehung auszugehen ist. Das Verhältnis zu seiner Mutter würde nur bei Vorliegen eines besonderen Abhängigkeitsverhältnisses in den betreffenden Schutzbereich fallen (vgl. supra E. 2.3.4). Ein solches ist - auch wenn der Beschwerdeführer regelmässig bei ihr übernachte - nicht ersichtlich. Ein Härtefall im Sinne einer Reflexwirkung aufgrund der Suizidgefährdung seiner Mutter liegt ebenfalls nicht vor, kümmert sich doch nunmehr der Stiefvater des Beschwerdeführers um sie. Sie würde demnach im Falle einer Ausreise des Beschwerdeführers nicht auf sich alleine gestellt zurückbleiben. Die Trauer über die Landesverweisung des Beschwerdeführers reicht dazu auch dann nicht aus, wenn es sich dabei um ihren einzigen in der Schweiz verbliebenen Sohn handeln sollte. Im Hinblick auf die rund dreijährige Beziehung zu seiner Freundin sind derweil keine Hinweise auf eine eheähnliche Verbindung ersichtlich (vgl. supra E. 2.3.4). Weder unterstützt sich das Paar gegenseitig (finanziell), noch wohnt der Beschwerdeführer mit seiner Partnerin in einem gemeinsamen Haushalt. Das Recht auf Achtung des Familienlebens im Sinne von Art. 8 EMRK ist mithin auch in dieser Hinsicht nicht tangiert. Dasselbe gilt für das Recht auf Schutz des Privatlebens. Der Beschwerdeführer lebt zwar seit seiner Geburt ununterbrochen in der Schweiz, den verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen zufolge ist er aber weder sozial noch beruflich überdurchschnittlich integriert und lebt von der Sozialhilfe. Angesichts seiner schlechten Integration lässt sich ein verfassungs- und konventionsrechtlich geschütztes "Privatleben", das einer Landesverweisung entgegenstünde, nicht bejahen (vgl. supra E. 2.3.3).