Citation: 1B_129/2015 E. 3.2

3.2. Im Urteil 1B_353/2013 vom 4. November 2013 befand das Bundesgericht, ob ein dringender Tatverdacht eines Verbrechens oder Vergehens trotz eines erstinstanzlichen Freispruchs gegeben sei, entscheide sich nach konkreten Anhaltspunkten, die dafür sprechen, dass sich die beschuldigte Person im Sinne der Berufung der Staatsanwaltschaft schuldig gemacht haben könnte und das Berufungsgericht deshalb eine Strafe aussprechen könnte (E. 3.3.3 mit Hinweisen). Im zitierten Fall war der Beschuldigte von der Erstinstanz allerdings nur teilweise freigesprochen worden. Das Vorliegen konkreter Anhaltspunkte beurteilt sich nach einem strengeren Massstab, wenn der erstinstanzliche Freispruch vollumfänglich und einstimmig erfolgt ist und das Gericht in der Sache sorgfältig begründet hat. In einem solchen Fall sind die Begründungsanforderungen an das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts entsprechend hoch. Die Staatsanwaltschaft resp. die Vorinstanz kann es dann nicht dabei belassen, auf die Anklageerhebung vom 30. Januar 2015 vor der ersten Instanz zu verweisen, oder lediglich auszuführen, ein Schuldspruch sei nicht ausgeschlossen. Des Weiteren kann vom Beschwerdeführer auch nicht erwartet werden, er müsse dartun, die Annahme eines dringenden Tatverdachts sei unhaltbar, nachdem er erstinstanzlich freigesprochen worden ist. Das von der Vorinstanz zitierte Urteil 1B_234/2011 vom 30. Mai 2011 ist nicht einschlägig, weil dort über die Fortsetzung der Sicherheitshaft eines erstinstanzlich Verurteilten zu befinden war (dieser Aspekt bildete auch nicht Streitgegenstand vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, vgl. Entscheid Cimendag gegen Schweiz vom 18. Februar 2014 [Nr. 55137/12]). Ob das von der Vorinstanz unter dem Titel des drohenden Tatverdachts Ausgeführte vor Bundesrecht standhält, ist zweifelhaft, kann aber offen bleiben.