Citation: 5A_452/2022 E. 5.1

5.1. Ist ein Überbau unberechtigt und erhebt der Verletzte, trotzdem dies für ihn erkennbar geworden ist, nicht rechtzeitig Einspruch, so kann, wenn es die Umstände rechtfertigen, dem Überbauenden, der sich in gutem Glauben befindet, gegen angemessene Entschädigung das dingliche Recht auf den Überbau oder das Eigentum am Boden zugewiesen werden (Art. 674 Abs. 3 ZGB). Letztere Bestimmung ist analog anwendbar, wenn bei der Erstellung der grenzüberschreitenden Baute - wie hier - beide Grundstücke demselben Eigentümer gehörten und erst später in verschiedene Hände gelangten (BGE 97 III 89 E. 4; 78 II 131 E. 4). In einer solchen Konstellation kann dem Eigentümer des Grundstücks, von dem die überragende Baute ausgeht, gegen angemessene Entschädigung das dingliche Recht auf den Überbau oder das Eigentum am Boden zugewiesen werden, wenn die Umstände es rechtfertigen. Die weiteren Erfordernisse von Art. 674 Abs. 3 ZGB lassen sich auf Fälle dieser Art nicht übertragen (BGE 78 II 131 E. 4 in fine).