Citation: 8C_124/2008 17.10.2008 E. 6

6.1 Innerhalb des Sozialversicherungsrechts spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen praktisch keine Rolle (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Eine manuelle ärztliche Untersuchung der versicherten Person fördert klinische, nicht aber objektivierbare Ergebnisse zu Tage. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar sind und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde auf Ergebnisse klinischer Untersuchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht. Folglich kann von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 109 E. 9 Ingress S. 122, 117 V 359 E. 5d/aa S. 363; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen, U 479/05). Diese Untersuchungsmethoden müssen zudem wissenschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 mit Hinweisen). Beispielsweise sind ein Thoracic outlet Syndrom (TOS), myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde für sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen zu betrachten (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 E. 4.1 mit Hinweisen, U 339/06; Urteile U 36/00 vom 1. März 2001, E. 4, und U 172/97 vom 18. Juni 1999, E. 3). Auch Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken sowie Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit können für sich allein nicht als klar ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden. Gleiches gilt für Nackenverspannungen bei Streckhaltung der HWS mit Retrohaltung (SVR 2008 UV Nr. 2 S. 3 E. 5.2 mit Hinweisen, U 328/06; Urteile 8C_806/2007 vom 7. August 2008, E. 8.2, U 334/06 vom 6. Dezember 2006, E. 3; erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 5.1 mit Hinweisen). 6.2 Gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 12. Mai 2006 und die übrigen medizinischen Unterlagen ist der Vorinstanz beizupflichten, dass für die gesundheitlichen Beschwerden der Versicherten im Zeitpunkt der Leistungseinstellung auf den 30. September 2006 kein auf den Unfall vom 22. November 2002 zurückzuführendes organisches Substrat mehr objektivierbar und fassbar war. Kein anderes Ergebnis ergibt sich auch hinsichtlich der als unfallkausal anerkannten Verletzungen der Zähne 11, 21 und 44. Im Übrigen hat die SUVA im Schreiben vom 5. Januar 2007 zugestanden, für eine allenfalls notwendige Erneuerung des Kompositaufbaus am Zahn 44 aufzukommen (E. 3.2.2 hievor). 6.3 Die von der Versicherten letztinstanzlich vorgebrachten Einwendungen und angerufenen medizinischen Berichte vermögen hieran nichts zu ändern. 6.3.1 In der Beschwerde vom 15. Februar 2008 machte ihr Rechtsvertreter geltend, die bestehenden gesundheitlichen Beschwerden der Versicherten seien psychisch bedingt. Gleichwohl verlangte er eine orthopädische, rheumatologische, ORL-ärztliche, ophthalmologische sowie erneute neuropsychologische und psychiatrische Abklärung sowie eventuell die Durchführung einer Magnetresonanztomographie von Schädel und HWS. Hiezu ist festzuhalten, dass es grundsätzlich der MEDAS überlassen war, über Art und Umfang der aufgrund der konkreten Fragestellung erforderlichen Untersuchungen zu befinden. Aufgabe des Versicherers und des Sozialversicherungsgerichts ist es alsdann, das Gutachten bei der Beweiswürdigung unter anderem darauf zu prüfen, ob es für die streitigen Belange umfassend ist und auf allseitigen Untersuchungen beruht (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 109 E. 9.5 S. 125; Urteil U 7/07 vom 9. Januar 2008, E. 4.1 mit Hinweisen). Die Magnetresonanztomographie von Schädel und HWS stellt nach dem heutigen Stand der medizinischen Wissenschaft kein geeignetes Beweismittel zur Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden nach HWS-Traumen dar (BGE 134 V 231). Der Rheumatologe Dr. med. Y.________, dessen Berichte der MEDAS bekannt waren, beschrieb in demjenigen vom 11. August 2003 die Beschwerden als ausgeprägtes myofasziales Schmerzsyndrom. Dies ist keine organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolge (E. 6.1 hievor). Hinsichtlich der beantragten ophthalmologischen Abklärung ist festzuhalten, dass Frau Dr. med. E.________, Ophthalmologie FMH, im Bericht vom 28. März 2003 keine organisch hinreichend nachweisbaren Unfallfolgen feststellte, auf eine weitere Augen-Behandlung verzichtete und diesbezüglich eine Arbeitsunfähigkeit verneinte. Bezüglich der geforderten ORL-ärztlichen Abklärung ist festzuhalten, dass aus den Berichten der entsprechenden Ärzte Dres. med. D.________ vom 2. Dezember 2005 und T.________ vom 7. Dezember 2005 keine Hinweise auf organisch hinreichend nachweisbare Folgen des Unfalls vom 22. November 2002 hervorgehen. Auf Grund der neuropsychologischen Abklärung im Rahmen der MEDAS-Begutachtung vom 12. Mai 2006 wurde festgestellt, strukturelle hirnorganische Veränderungen könnten nicht als wahrscheinlich postuliert werden. Schliesslich wurden die erforderlichen apparativen/bildgebenden Abklärungen durchgeführt (vgl. auch E. 6.3.2 hienach), weshalb es nicht zu beanstanden ist, dass die MEDAS auf eine zusätzliche klinische Abklärung durch einen orthopädischen Facharzt verzichtete (E. 6.1 hievor). Insgesamt sind von weiteren medizinischen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zur Frage eines objektivierbaren und fassbaren organischen Substrats des Gesundheitsschadens zu erwarten, weshalb sie nicht durchzuführen sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 131 I 153 E. 30 mit 157, 124 V 90 E. 4b S. 94; SVR 2007 IV Nr. 45 S. 149 E. 4, I 9/07). 6.3.2 Aus den mit persönlichen Eingaben vom 20. Februar und 9. April 2008 aufgelegten weiteren Arztberichten, Röntgenbildern der HWS und des Kopfes vom 23. und 28. November 2002 sowie 15. Februar 2006 sowie dem Wahrnehmungsbericht der Frau C.________ vom April 2007 kann die Versicherte nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die Röntgenbilder waren der MEDAS bekannt bzw. diejenigen vom 15. Februar 2006 wurden von ihr selber in Auftrag gegeben. Zudem berücksichtigte die MEDAS das Resultat der vom Neurologen Dr. med. A.________ veranlassten Computer-Tomographie (CT) der HWS vom 30. August 2004. Nicht gefolgt werden kann der Berufung der Versicherten auf die biomechanische Kurzbeurteilung (Triage) der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom 20. März 2003, woraus sich ergebe, dass ihre Schmerzen biomechanisch erklärbar seien. Denn eine unfalltechnische oder biomechanische Analyse vermag allenfalls gewichtige Anhaltspunkte zur - einzig mit Blick auf die Adäquanzprüfung relevanten - Schwere des Unfallereignisses zu liefern (vgl. E. 9 hienach); sie bildet jedoch keine hinreichende Grundlage für die Kausalitätsbeurteilung (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357 E. 3.2, U 193/01; erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 7.1). Unbehelflich ist das Vorbringen der Versicherten, sie habe beim Unfall vom 22. November 2002 den Hinterkopf angeschlagen. Denn gemäss dem MEDAS-Gutachten vom 12. Mai 2006 leidet sie nicht unter einer milden traumatischen Hirnverletzung (mild traumatic brain injury [MTBI]; hiezu vgl. Urteile 8C_263/2008 vom 20. August 2008, E. 3.2.3, und 8C_369/2008 vom 11. August 2008, E. 7.1 mit Hinweis).