Citation: U 214/04 15.03.2005 E. 3

3.1 Zu prüfen ist weiter, ob für die psychischen Unfallfolgen eine Integritätsentschädigung geschuldet ist. Unbestritten ist die Integritätsentschädigung von 30 % für die somatischen Unfallfolgen. Die Vorinstanz sprach der Versicherten zusätzlich eine Integritätsentschädigung wegen der Beeinträchtigung der geistigen bzw. psychischen Integrität im Umfang von ebenfalls 30 % zu. Insgesamt erhöhte sie damit die Integritätsentschädigung gegenüber dem Einspracheentscheid von 30 % auf 60 %. 3.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird die Verpflichtung zur Ausrichtung einer Integritätsentschädigung für die psychische Beeinträchtigung mit dem Hinweis auf die fehlende Adäquanz des Kausalzusammenhanges bestritten. Wie dargelegt (Erw. 2 hievor), ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 8. November 1993 und dem psychischen Gesundheitsschaden der Versicherten zu bejahen. Damit steht aber noch nicht fest, dass die Voraussetzungen der Ausrichtung einer Integritätsentschädigung für einen solchen Gesundheitsschaden erfüllt sind. 3.3 Grundsätzlich besteht ein Anspruch auf Integritätsentschädigung auch bei Beeinträchtigungen der psychischen Integrität (BGE 124 V 29). Voraussetzung für eine Integritätsentschädigung ist allerdings eine eindeutige individuelle Langzeitprognose, welche für das ganze Leben eine Änderung durch Heilung oder Besserung des Schadens praktisch ausschliesst. Bei der Beurteilung der Dauerhaftigkeit psychogener Unfallfolgen ist an das Unfallereignis anzuknüpfen und von der Praxis auszugehen, wie sie für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Unfallfolgen Geltung hat (BGE 124 V 44 f. Erw. 5c/bb). Danach wird die Adäquanz bei banalen bzw. leichten Unfällen in der Regel ohne weiteres verneint und bei schweren Unfällen in der Regel bejaht; bei mittleren Unfällen bedarf es besonderer, objektiv erfassbarer Umstände, damit die Adäquanz bejaht werden kann (BGE 115 V 138 ff. Erw. 6). In Anlehnung an diese Praxis ist der Anspruch auf Integritätsentschädigung bei banalen bzw. bei leichten Unfällen regelmässig zu verneinen, selbst wenn die Adäquanz der Unfallfolgen ausnahmsweise bejaht wird. Auch bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Dauerhaftigkeit des Integritätsschadens in der Regel verneinen, ohne dass in jedem Einzelfall eine nähere Abklärung von Art und Dauerhaftigkeit des psychischen Schadens vorzunehmen wäre. Etwas anderes gilt nur ausnahmsweise, namentlich im Grenzbereich zu den schweren Unfällen, wenn aufgrund der Akten erhebliche Anhaltspunkte für eine besonders schwerwiegende Beeinträchtigung der psychischen Integrität bestehen, die einer Besserung nicht mehr zugänglich zu sein scheint. Solche Indizien können in den weiteren unfallbezogenen Kriterien erblickt werden, wie sie bei der Adäquanzbeurteilung zu berücksichtigen sind, sofern sie besonders ausgeprägt und gehäuft gegeben sind und die Annahme nahe legen, sie könnten als Stressoren eine lebenslang chronifizierende Auswirkung begünstigt haben. Bei schweren Unfällen schliesslich ist die Dauerhaftigkeit des Integritätsschadens stets zu prüfen und nötigenfalls durch ein psychiatrisches Gutachten abzuklären, sofern sie nicht bereits aufgrund der Akten als eindeutig erscheint (BGE 124 V 45 oben Erw. 5c/bb). 3.4 Es stellt sich somit die Frage, ob im vorliegenden Fall die gegenüber der Adäquanzprüfung erhöhten Voraussetzungen für die Bejahung der Dauerhaftigkeit des psychischen Gesundheitsschadens erfüllt sind. Gemäss dem Zusatzbericht des Dr. med. M.________ vom 20. Februar 2004 zur Beantwortung der Frage nach einem psychisch bedingten Integritätsschaden liegt bei der Versicherten eine andauernde Persönlichkeitsänderung vor. Aus ärztlicher Sicht wird ein psychischer Integritätsschaden leichten bis mittelschweren Grades bejaht. Weil das Unfallereignis vom 8. November 1993 als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren zu qualifizieren ist, ist die Dauerhaftigkeit des psychischen Integritätsschadens aus rechtlicher Sicht dann anzunehmen, wenn die bei der Adäquanzbeurteilung zu berücksichtigenden unfallbezogenen Kriterien besonders ausgeprägt und gehäuft erfüllt sind und die Annahme nahe legen, sie könnten als Stressoren eine lebenslang chronifizierende Auswirkung begünstigt haben. Im vorliegenden Fall sind mehrere Adäquanzkriterien erfüllt und es steht aufgrund der bereits durchgeführten psychiatrischen Abklärungen fest, dass insofern eine besonders schwerwiegende Beeinträchtigung der psychischen Integrität besteht, als diese einer Besserung nicht mehr zugänglich zu sein scheint. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz zu Recht auch für den psychischen Gesundheitsschaden eine Integritätsentschädigung zugesprochen.