Citation: 1A.3/2003 06.08.2003 E. 2

Der Beschwerdeführer stellte vor Verwaltungsgericht das Gesuch um Durchführung eines Augenscheines und führte zur Begründung namentlich aus: "Die Tiefe des Bachtobels, die Steilheit der Talflanken, der Aufforstungserfolg am linken Steilhang, die akute Gefährdung meines Wirtschaftgebäudes direkt oberhalb eines übersteilen Hanges sowie meine erfolgreichen Sohlenstabilisierungen sind aus den umfangreichen Vorakten nicht ersichtlich; sie können nur im Gelände gezeigt, begriffen und gewürdigt werden. Daher beantrage ich die Durchführung eines Lokalaugenscheins!" Das Verwaltungsgericht erachtete den Sachverhalt indessen aufgrund der Akten als hinreichend erstellt und sah von einem Augenschein ab. Nach der Rechtsprechung kann der Richter das Beweisverfahren schliessen, wenn die Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind oder wenn er aufgrund bereits abgenommener Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass seine Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde. Das Bundesgericht greift auf Beschwerde wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs hin nur ein, wenn die Beweiswürdigung offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, auf einem offenkundigen Versehen beruht oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (124 I 208 E. 4a S. 211, mit Hinweisen). Anhand dieser Anforderungen ist im vorliegenden Fall aufgrund der konkreten Umstände zu prüfen, ob das Verwaltungsgericht im Hinblick auf den zu treffenden Entscheid von einem Augenschein im Giessbachtobel absehen durfte. Augenscheine dienen ebenso wie andere Beweismassnahmen allein der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, das heisst der Feststellung einer konkreten Gegebenheit im Hinblick auf einen zu treffenden Entscheid. Hingegen geht es nicht um die Prüfung, welche rechtlichen oder tatsächlichen Folgerungen aus möglichen Sachverhaltsfeststellungen zu ziehen sind. Dies verkennt der Beschwerdeführer in verschiedener Hinsicht, wenn er annimmt, dass ein Augenschein die Ungeeignetheit gewisser Massnahmen hätte aufzeigen können. Ein Augenschein hätte von vornherein nicht belegen können, ob eine Verschiebung von Steinblöcken in der Bachsohle an der Sohlenstabilität etwas ändern würde. Desgleichen hätte nicht festgestellt werden können, ob der am linken Abhang fortschreitende, mit gewissen Landverlusten zu Lasten des Beschwerdeführers und Gefährdungen von dessen Liegenschaften verbundene Abflachungsprozess durch Verbauungen in der Bachsohle beeinflusst werde oder nicht. Ein Augenschein wäre kaum geeignet, die Angemessenheit des umstrittenen Projektes, seine Zweckmässigkeit oder gar die Auswirkungen der einen oder andern Variante nachzuweisen. Ebenso wenig ist es möglich, das Erscheinungsbild und die naturnahe Gestaltung des noch nicht realisierten Projektes an Ort und Stelle abzuklären. Umgekehrt geht das Verwaltungsgericht davon aus, dass die beiden Flanken des Giessbaches steil und erosionsgefährdet sind und dass der linke Abhang tatsächlich verschiedentlich ins Rutschen kam. Dies erfordert nach der Auffassung des Verwaltungsgerichts wasserbauliche Massnahmen am Giessbach. Diese Annahmen stellt der Beschwerdeführer nicht in Abrede. Ferner geht auch das Verwaltungsgericht vom Erfordernis einer naturnahen Ausgestaltung im betroffenen Gebiet des wilden Giessbaches aus. Auch unter diesem Gesichtswinkel durfte daher auf einen Augenschein verzichtet werden. Bei dieser Sachlage kommt der sachverhaltlichen Rüge, der Zufahrtsweg auf der linken Bachseite sei nicht derart steil, wie vom Verwaltungsgericht angenommen, keine entscheidende Bedeutung zu. Demnach kann nicht gesagt werden, das Verwaltungsgericht habe unter Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen auf einen Augenschein verzichtet. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkte als unbegründet.