Citation: 6B_781/2021 E. 2.6.1

2.6.1. Massgebend ist, dass der Beschwerdeführer im Kosovo im Jahr 1963 geboren ist und dort seine Kindheit sowie einen Teil seiner Jugendjahre verbracht hat. Zwar ist die Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers in der Schweiz beachtlich, jedoch schliesst die Vorinstanz aus den vielen Wohnsitzwechseln seit dem Jahr 1990 nachvollziehbar auf eine fehlende Verwurzelung. Hinsichtlich seiner familiären Situation setzt sich der Beschwerdeführer nicht mit den vorinstanzlichen Erwägungen auseinander, wonach es seiner Ehefrau zumutbar sei, ihn für die beschränkte Dauer der Landesverweisung in den Kosovo zu begleiten (Art. 42 Abs. 2, 106 Abs. 2 BGG). Mit der Vorinstanz können die weiteren familiären Beziehungen zu seinen volljährigen Kindern und seinen Enkeln auch über die Distanz mittels moderner Kommunikationsmittel gepflegt werden (vgl. Urteile 6B_149/2021 vom 3. Februar 2022 E. 2.5.1 mit Hinweis; 6B_780/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.5 mit Hinweisen). Sofern der Beschwerdeführer diesbezüglich den erhöhten Begründungsanforderungen zu genügen vermag (Art. 106 Abs. 2 BGG; oben E. 2.3.5), zeigt er auch unter dem Blickwinkel des in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerten Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens nicht auf, dass die Landesverweisung nicht gerechtfertigt wäre. Nachvollziehbar erscheint angesichts der Darlegung seiner Familiensituation schliesslich auch die Auffassung der Vorinstanz, wonach die Aussagen des Beschwerdeführers diesbezüglich unkonstant seien. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind auch hinsichtlich der Resozialisierungsmöglichkeiten im Kosovo nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer ist mit der dortigen Sprache und Kultur vertraut. Eine Bedrohungslage im Kosovo erachtet die Vorinstanz als unglaubwürdig, was der Beschwerdeführer nicht begründet beanstandet. Zudem berücksichtigt die Vorinstanz nachvollziehbar, dass die Eltern des Beschwerdeführers im Haus des Onkels im Kosovo wohnen, wodurch die Resozialisierung in seinem Heimatland vereinfacht wird. Wenn der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, die Vorinstanz hätte in Erfahrung bringen müssen, ob seine Eltern überhaupt noch im Haus des Onkels wohnen würden, wie seine Beziehung zu ihnen sei und wie sich die Wohnsituation in diesem Haus überhaupt gestalte, verkennt er, dass das Sachgericht nicht gehalten ist abzuklären, ob der Beschwerdeführer bei Bekannten oder der Familie wohnen kann. Noch weniger ist es dafür zuständig, dem Beschwerdeführer ein Dach über dem Kopf für die Zeit der Landesverweisung zu organisieren, wie es aus der Beschwerdeschrift hervorzugehen scheint. Im Rahmen der Härtefallprüfung berücksichtigt die Vorinstanz zu Recht und ausreichend, dass der Beschwerdeführer über soziale Kontakte in seinem Heimatland verfügt, welche eine Wiedereingliederung vereinfachen können. Familiäre Beziehungen stellen in dieser Hinsicht einen wichtigen Anhaltspunkt dar und der Beschwerdeführer zeigt nicht auf, aus welchen Gründen die Beziehung zu seinen Eltern bzw. der Umstand, dass diese im Kosovo lebten, im konkreten Fall nicht zu beachten sei. Sein Vorbringen, wonach seine Eltern keine Stütze, sondern vielmehr eine Belastung seien, ist als rein appellatorisch zurückzuweisen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sprechen zudem auch die berufliche Situation sowie sein Alter nicht für die Annahme eines schweren persönlichen Härtefalls. Die Vorinstanz erachtet die berufliche Integration angesichts des fehlenden Lehrabschlusses, seiner Arbeitslosigkeit, der Teilinvalidität sowie der teilweise Sozialhilfeabhängigkeit nachvollziehbar als ungenügend, selbst wenn dies teilweise auf gesundheitliche Probleme zurückzuführen sei. Entsprechend ist auch nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer würde bei einer Ausweisung nicht aus einem funktionierenden beruflichen Umfeld herausgerissen. Überdies berücksichtigt die Vorinstanz zu Recht, dass der Beschwerdeführer sich in einer desolaten finanziellen Situation befindet, hohe Schulden hat und seinen Zahlungsverpflichtungen generell nicht nachkommt. Kein Anlass zu Kritik gibt schliesslich auch die vorinstanzliche Auseinandersetzung mit der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers. Zwar ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer mit psychischen Problemen zu kämpfen hat und deshalb erstinstanzlich eine ambulante Behandlung im Sinne einer deliktsorientierten Therapie angeordnet wurde. Jedoch setzt sich die Vorinstanz detailliert mit dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers auseinander und argumentiert schlüssig, seine gesundheitlichen Probleme würden eine Landesverweisung zulassen. Sie stützt sich dabei vorwiegend auf das Gutachten und führt aus, der Beschwerdeführer instrumentalisiere sein ärztliches Helfernetz, um unter anderem im Rahmen der Strafuntersuchungen und im sozialen Bereich Vorteile für sich zu erlangen. Die deutliche Fähigkeit, sich bzw. anamnestische Daten so darzustellen, wie diese für ihn gerade opportun zu sein schienen, springe ins Auge. Das Gutachten halte weiter fest, der Beschwerdeführer beanspruche zeitlich sehr eng zu strafrechtlichen Ermittlungen psychiatrische Hilfe. Unter anderem könne beim Beschwerdeführer von einer wesentlichen Fokussierung auf die eigene Person, auf eigene Interessen und auf eigene Bedürfnisse gesprochen werden. Er inszeniere sich als Opfer und zeige ausgeprägt dissoziale bzw. antisoziale Wesenszüge. Überdies zeige er ein hochmanipulatives und interessengeleitetes Verhalten, welches über rein dissoziale bzw. antisoziale Wesenszüge hinausgehen würden. Er bagatellisiere, verschleiere, lasse bestimmte Informationen weg und hebe andere Informationen selektiv in den Vordergrund. Entsprechend geht die Vorinstanz nachvollziehbar davon aus, der Beschwerdeführer stelle seine gesundheitliche Situation dramatischer dar, als sie eigentlich sei. Damit setzt sich der Beschwerdeführer nicht auseinander. Er argumentiert vielmehr einzig, es bestünden im Kosovo keine adäquaten Behandlungsmöglichkeiten für seine gesundheitlichen Probleme, was von der Vorinstanz nicht genügend und nicht korrekt abgeklärt worden sei. Die Vorinstanz stützt sich dabei wiederum vorwiegend auf das Gutachten, welches eine mögliche Behandlung des Beschwerdeführers in seinem Heimatland prüft und attestiert. Der Kosovo verfügt heute nachweislich über ein mehrstufiges, nahezu flächendeckendes staatliches Behandlungssystem für einen Grossteil der psychischen Erkrankungen. Es existieren spezialisierte Einrichtungen (Mental Health Centers) und der Zugang zu Medikamenten ist gewährleistet (vgl. dazu Urteil 2C_779/2017 vom 26. Oktober 2018 E. 4.3). Die bereits grösstenteils als appellatorische Kritik zurückgewiesene Auffassung des Beschwerdeführers, wonach auf keiner der drei Stufen gemäss Versorgungsmodell eine Behandlungsmöglichkeit besteht, überzeugt nicht. Mit der Vorinstanz ist von ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten in seinem Heimatland auszugehen, weshalb auch aufgrund des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers kein schwerer persönlicher Härtefall anzunehmen ist.