Citation: 6B_459/2007 18.01.2008 E. 6.3

6.3.1 Gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB wird der Schuldner, der durch Misswirtschaft, namentlich durch ungenügende Kapitalausstattung, unverhältnismässigen Aufwand, gewagte Spekulationen, leichtsinniges Gewähren oder Benützen von Kredit, Verschleudern von Vermögenswerten oder arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung oder Vermögensverwaltung, seine Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, seine Zahlungsunfähigkeit herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähigkeit seine Vermögenslage verschlimmert, mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bestraft, sofern über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt worden ist. Die Eröffnung des Konkurses ist objektive Strafbarkeitsbedingung (Alexander Brunner, Basler Kommentar StGB Bd. II, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 165 StGB N. 11). Der Tatbestand der Misswirtschaft stellt einen Auffangtatbestand zu den Tatbeständen des betrügerischen Konkurses und des Pfändungsbetrugs gemäss Art. 163 StGB und der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung im Sinne von Art. 164 StGB dar. 6.3.2 Beim Kriterium des Verschlimmerns von Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit trotz deren Kenntnis ist die Auslegung der Generalklausel von Art. 165 StGB, d.h. die Interpretation unsorgfältiger Handlungen des Schuldners und die entsprechende Qualifikation der Sorgfaltspflicht, in der Regel nicht problematisch, denn aufgrund der Kenntnis der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation kann eine erhöhte Aufmerksamkeit des Schuldners erwartet werden (Brunner, a.a.O., Art. 165 StGB N. 22). Bei juristischen Personen sind ihre Organe zur sorgfältigen Vermögensverwaltung verpflichtet. Für den Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft ist die Sorgfaltspflicht in Art. 717 OR umschrieben (Brunner, a.a.O., Art. 165 StGB N. 24). Als Tathandlung kommt insbesondere das Verschleudern von Vermögenswerten in Betracht. Ein solches massloses Rechtsgeschäft kann beispielsweise im Erwerb wertloser Schuldbriefe durch den Bevollmächtigten einer zahlungsunfähigen Aktiengesellschaft liegen. Dadurch wird deren Vermögenslage verschlimmert, was eine Bankrotthandlung nach Art. 165 StGB darstellt (Brunner, a.a.O., Art. 165 StGB N. 38). Zwischen der Vermögenseinbusse und der Bankrotthandlung muss ein Kausalzusammenhang bestehen (Trechsel, a.a.O., Art. 165 StGB N. 5). 6.3.3 Der subjektive Tatbestand fordert Vorsatz nur hinsichtlich der Bankrotthandlung, für die Vermögenseinbusse genügt grobe Fahrlässigkeit (Trechsel, a.a.O., Art. 165 StGB N. 6). 6.4 Gemäss den Bilanzen der F.________ Unternehmung per Ende 1992, 1993 und 1994 war die Gesellschaft überschuldet, was vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird. Die Übernahme einer fremden Schuld ohne adäquate Gegenleistung verschärfte die Überschuldungssituation der F.________ Unternehmung weiter. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, vermag die mutmassliche zivilrechtliche Nichtigkeit der Schuldübernahme hieran nichts zu ändern. Der Erfolg, d.h. die Verschlimmerung der Überschuldung, wäre für die Gläubiger im Konkurs nur nicht eingetreten, wenn die zivilrechtliche Unwirksamkeit erfolgreich geltend gemacht worden wäre, was vorliegend gerade nicht der Fall war. Die objektive Strafbarkeitsbedingung der Konkurseröffnung ist ebenso erfüllt. Subjektiv nahm der Beschwerdeführer zumindest in Kauf, dass die F.________ Unternehmung durch die Schuldübernahme ein für sie nachteiliges Rechtsgeschäft abschloss. Der Schuldspruch wegen Misswirtschaft nach Art. 165 Ziff. 1 StGB verletzt daher kein Bundesrecht.