Citation: 6B_402/2022 E. 2.5

2.5. Fraglich ist, ob die Verteidigungshandlung verhältnismässig war. Der Beschwerdeführer ging von einem drohenden Eingriff in seine körperliche und angesichts des dem Angriff vorhergehenden Verhaltens des Beschwerdegegners 2 auch in seine sexuelle Integrität aus. Gemäss den vorinstanzlichen Erwägungen ist der Notwehrexzess in der Anzahl und Intensität der gegen den Kopf des Beschwerdegegners 2 gerichteten Schläge zu erkennen. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers kommt es nicht lediglich auf eine Beurteilung des zweiten, eventuell dritten Schlages an, sondern die Faustschläge sind gesamthaft als Handlungseinheit zu beurteilen. Ob bei zwei Schlägen bereits von einer "Salve von Schlägen", wie dies die Vorinstanz erwägt, auszugehen ist, erscheint fraglich. Die Faustschläge waren jedoch unbestrittenermassen von äusserster Heftigkeit und führten entsprechend zu einer lebensbedrohlichen Situation und schwerwiegenden Gesundheitsschäden für den Beschwerdegegner 2. Der Beschwerdeführer vergrösserte das durch einen wuchtigen Faustschlag gegen den Kopf ohnehin bereits geschaffene massive Gesundheitsrisiko massgebend, indem er es nicht dabei beliess, sondern noch mindestens einmal heftig gegen Kopf des Beschwerdegegners 2 schlug. Der Notwehrexzess liegt vorliegend in der Kombination von Anzahl und Heftigkeit der Schläge gegen den Kopf des Beschwerdegegners 2. Sofern der Beschwerdeführer vorbringt, er sei dem Beschwerdegegner 2 körperlich unterlegen gewesen, weicht er von den für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen, wonach der Beschwerdeführer nicht von einer kämpferischen Überlegenheit des Beschwerdegegners 2 ausgehen konnte, ab. Die Faustschläge des Beschwerdeführers gegen das Gesicht des Beschwerdegegners 2 gingen in ihrer Anzahl in Kombination mit ihrer Heftigkeit unter den gegebenen Umständen über das Mass einer zulässigen Notwehrhandlung hinaus. Das vom Beschwerdeführer gewählte Vorgehen zur Abwehr der Packbewegung erscheint in Würdigung der gesamten Umstände nicht mehr als verhältnismässig. Der Beschwerdeführer hat mit seinen für den Beschwerdegegner 2 lebensbedrohlichen Faustschlägen die Grenzen der erlaubten Notwehr überschritten. Die vorinstanzliche Bejahung eines Notwehrexzesses verletzt kein Bundesrecht.