Citation: 4A_395/2021 E. 2

Ist ein Anspruch teilbar, so kann auch nur ein Teil eingeklagt werden (Art. 86 ZPO). Lehre und Rechtsprechung unterscheiden zwischen echter und unechter Teilklage. Mit der "echten Teilklage" wird ein quantitativer Teilbetrag aus dem gesamten Anspruch eingeklagt, bei der "unechten Teilklage" verlangt die klagende Partei einen individualisierbaren Anspruch des Gesamtbetrags (vgl. BGE 145 III 299 E. 2.3 S. 301; 143 III 254 E. 3.4 S. 258). Insbesondere mit Blick auf die Rechtskraft von Urteilen, in welchen eine Teilklage abgewiesen wird, ist sodann gegebenenfalls zwischen der Teilklage über einen einzig betragsmässig beschränkten Teil einer Forderung und der Teilklage über einen oder mehrere Schadensposten zu differenzieren (siehe Urteil 4A_449/2020 vom 23. März 2021 E. 6.4.3, zur Publikation vorgesehen). Die Beschwerdeführerin machte in der Klagebegründung geltend, sie habe durch den Unfall "unter dem Titel Erwerbsschaden, Haushaltschaden, weitere Kosten, Genugtuung, Anwaltskosten etc." einen grossen Schaden erlitten. Allein für die Jahre 2009 bis 2019 ergebe sich ein Erwerbsschaden von Fr. 207'462.--. Sie klage nun im vereinfachten Verfahren einen "Teil des aufgelaufenen Erwerbsschadens" ein, wobei sich die Teilklage - so präzisierte sie in einer späteren Stellungnahme - auf den Erwerbsschaden der Jahre 2009 und 2010 beziehe. Umstritten ist, ob die in Reaktion darauf erhobene Widerklage der Beschwerdegegnerin auf Feststellung, dass der Beschwerdeführerin aus dem betreffenden Unfallereignis "keine Forderungen" zustehen, zulässig ist. Diese Widerklage ist aufgrund ihres Streitwerts von über Fr. 30'000.-- grundsätzlich im ordentlichen Verfahren zu behandeln (siehe Art. 243 Abs. 1 ZPO e contrario).