Citation: 5A_248/2023 E. 4.3.5

4.3.5. Zu Recht weist ZOGG sodann darauf hin, dass eine Streitpartei auch auf die Einreichung einer Klage verzichten kann, wenn im Schlichtungsverfahren keine Einigung erzielt wurde (ZOGG, a.a.O.). Entfiele nun die Zuständigkeit der Kindesschutzbehörde schon mit der Einreichung eines Schlichtungsgesuchs, so hätte ein Elternteil es in der Hand, einen Entscheid der Kindesschutzbehörde über die Kinderbelange mit der blossen Einleitung eines (später nicht weiterverfolgten) Schlichtungsverfahrens zu hintertreiben, namentlich dann, wenn der Kindesunterhalt vor der Kindesschutzbehörde - wie hier - noch kein Thema war. Dies vertrüge sich nicht mit dem Ziel des Gesetzgebers, mit der Kompetenzattraktion gemäss Art. 298b Abs. 3 und Art. 298d Abs. 3 ZGB gespaltene und von Doppelspurigkeiten geprägte Zuständigkeiten zur Regelung der Kinderbelange zu vermeiden (s. dazu EVA SENN, Verfahrensrechtliche Streiflichter zu den Revisionen der elterlichen Sorge und des Kindesunterhaltsrechts, in: FamPra.ch 2017 S. 974). Nach alledem gibt es im vorliegenden Fall, wo die Kindesschutzbehörde nicht mit der Abänderung der Unterhaltsvereinbarung vom 14./22. November 2021, sondern nur mit dem Sorgerechtsstreit und weiteren Kinderbelangen befasst war, keinen Grund, für die in Art. 298b Abs. 3 und Art. 298d Abs. 3 ZGB vorgesehene Zuständigkeitsordnung in Abweichung vom klaren Gesetzeswortlaut auf den Zeitpunkt der Einreichung des Schlichtungsgesuchs vom 18. Oktober 2022 abzustellen. Dieses Ergebnis steht darüber hinaus im Einklang mit dem eingangs erwähnten Grundsatz, wonach die Kindesschutzbehörde jene Verfahren, die bei ihr im Zeitpunkt der Einleitung eines gerichtlichen Verfahren anhängig sind, zu Ende führt (E. 4.3.2). Die Vorinstanz kommt mithin zu Recht zum Schluss, dass die Zuständigkeit der Kindesschutzbehörde erst mit der Einreichung der Klage beim Unterhaltsgericht entfällt. Die Beschwerde ist insofern unbegründet. Nachdem der angefochtene Entscheid mit dieser Begründung vor Bundesrecht standhält, braucht das Bundesgericht nicht zu erörtern, was es mit dem von der Vorinstanz erhobenen Vorwurf auf sich hat, wonach die Beschwerdeführerin mit ihrem prozessualen Verhalten den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt habe. Erweist sich auch nur eine von mehreren Begründungen des vorinstanzlichen Urteilsspruchs als bundesrechtskonform, so ist es der angefochtene Entscheid selbst (BGE 142 III 364 E. 2.4; 133 III 221 E. 7; 130 III 321 E. 6). Wie schon vor der Vorinstanz kann mit Blick auf die hier zu beurteilende Streitfrage schliesslich offenbleiben, ob die Beschwerdeführerin in der hier gegebenen Konstellation die Schlichtungsbehörde überhaupt anrufen musste (vgl. oben E. 4.1 am Ende).