Citation: I 643/05 05.07.2006 E. 3

3.1 Gemäss Kündigungsschreiben wurde das Arbeitsverhältnis seitens der Arbeitgeberin wegen ungenügender Leistungen aufgelöst. Nach einer ungenügenden Beurteilung der Arbeitsleistung anlässlich des Mitarbeitergesprächs vom 5. Mai 2003 und der Darlegung der Leistungsziele sei die Leistung des Beschwerdeführers auch sechs Monate später als ungenügend zu qualifizieren. Im Beschluss des Bezirksrates Y.________ vom 13. Mai 2004, der auf Grund einer Beschwerde des Versicherten wegen diskriminierender und missbräuchlicher Kündigung erfolgte, wird ausgeführt, aus den Zielvereinbarungen gehe hervor, dass der Beschwerdeführer trotz anderslautender Absprache oftmals Arbeits-und Wochenrapporte nicht pünktlich, und wenn, immer wieder unvollständig abgegeben habe. Trotz gegenteiliger Abmachung habe er offenbar immer wieder die Arbeitsstelle beim Kunden verlassen, ohne die Arbeit abgeschlossen zu haben und/oder den Vorgesetzten darüber zu informieren. Auch nach den getroffenen Zielvereinbarungen habe es gemäss den eingereichten Unterlagen immer wieder Kundenreklamationen über die Arbeitsweise und das Verhalten des Beschwerdeführers gegeben, er habe offenbar immer wieder die Privatsphäre der Kunden verletzt. Die Auflage, auf eine saubere und gepflegte Erscheinung zu achten, habe er nur zum Teil erfüllt. Mehrheitlich habe er die gesetzten Ziele während der Bewährungsfrist nicht erreicht. Auch unter Berücksichtigung der reduzierten Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, die schon anlässlich der Einstellung festgestellt worden war und zu einer tieferen Lohneinstufung geführt hatte, habe die Arbeitgeberin zu Recht festgestellt, dass dessen Leistungen ungenügend seien. Sowohl die Zuverlässigkeit (Einhaltung von Abmachungen mit Vorgesetzten, pünktliche Abgabe von vollständigen Arbeitsrapporten, schlechte Erreichbarkeit via Natel) wie auch sein Verhalten (Einschlafen an Sitzungen, Verletzung der Privatsphäre) seien Punkte, die der Rekurrent von sich aus verändern könnte, indem er an sich selber höhere Anforderungen stelle und an sich arbeite, weshalb die Kündigung des Arbeitsverhältnisses nicht als missbräuchlich im Sinne von Art. 336 Abs. 1 lit. a OR erscheine, auch wenn der Grund für die ungenügenden Leistungen in einer Eigenschaft des Rekurrenten liegen möge (reduzierte Leistungsfähigkeit). 3.2 Darüber, ob es primär gesundheitliche Gründe waren, die zur Kündigung des Arbeitverhältnisses als Elektromonteur führten, sind sich die Parteien uneinig. Während die Vorinstanz mit der IV-Stelle davon ausgeht, die Kündigung sei nicht wegen einer bloss medizinisch begründeten, verminderten Leistungsfähigkeit erfolgt, macht der Beschwerdeführer geltend, Grund für die verminderte Leistungsfähigkeit und auch für die von der Arbeitgeberin gemäss Beschluss des Bezirksrates Y.________ vom 13. Mai 2004 beanstandeten Verhaltensweisen seien seine Geburtsgebrechen. Die Frage, aus welchen Gründen die Arbeitgeberin den Versicherten tatsächlich entlassen hat, kann im Nachhinein wohl auch durch nähere Abklärungen bei der Arbeitgeberin nicht mehr festgestellt werden. Dies braucht aber so auch nicht entschieden zu werden: Im Vordergrund steht nicht der Kündigungsgrund der Arbeitgeberin, sondern die Frage, ob der Versicherte bei der dort ausgeübten Tätigkeit in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war (BGE 115 V 133 Erw. 2, 105 V 141 Erw. 1b; ZAK 1985 S. 224 Erw. 2b). Für den streitigen Leistungsanspruch und die geforderte spezifische Invalidität ist massgebend, ob der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, die durchschnittlichen Anforderungen zu erfüllen, welche auf dem für ihn in Frage kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt von einem voll leistungsfähigen Elektromonteur verlangt werden. Zwar kann sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, ob die Verhaltensweisen, die vom letzten Arbeitgeber als Kündigungsgründe angegeben wurden, Ausdruck eines Gesundheitsschadens sind, dies aber nur insoweit, als ein Arbeitnehmer durch solche Verhaltensweisen den durchschnittlichen Anforderungen - bezogen auf den relevanten allgemeinen Arbeitsmarkt - nicht zu genügen vermag, ein solches Verhalten also ein Anstellungshindernis seitens des Arbeitgebers darstellt und mit der Tätigkeit eines Elektromonteurs nicht vereinbar ist. 3.3 Bei der Beurteilung, ob dem Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen die Tätigkeit des Elektromonteurs nicht zumutbar ist, ist es zunächst Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 125 V 261 Erw. 4, 115 V 134 Erw. 2, 114 V 314 Erw. 3c, 105 V 158 Erw. 1). Der Arzt oder die Ärztin sagt mit andern Worten, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch ihr Leiden eingeschränkt ist (BGE 107 V 20 Erw. 2b). Ausserhalb des ärztlichen Aufgabenbereichs liegt dagegen die Beurteilung der Frage, ob und gegebenenfalls inwieweit die funktionelle Leistungseinbusse mit den durchschnittlichen Anforderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt an einen Elektromonteur nicht vereinbar ist, dem Beschwerdeführer also eine solche Tätigkeit nicht zumutbar ist und damit eine Invalidität, d.h. voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit begründet (Urteil Z. vom 15. September 2005, I 160/05). Dabei steht entgegen der Auffassung der Vorinstanz eine frühere jahrelange, volle Eingliederung der Annahme einer spezifischen Invalidität und der Gewährung von beruflichen Massnahmen nicht entgegen: So können anders als konjunkturell bedingte Schwierigkeiten bei der Stellensuche, welche grundsätzlich in den Bereich der Arbeitslosenversicherung gehören und dort unter Umständen nach arbeitsmarktlich indizierten Präventivmassnahmen rufen, auch strukturelle Änderungen in dem für die versicherte Person in Frage kommenden Arbeitsmarkt zu einer Umschulung der Invalidenversicherung führen (Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 127; unveröffentlichtes Urteil B. vom 29. September 1993, I 436/92). Zudem kann eine Umschulung auch die Funktion haben, eine gesundheitlich bedingte Zurücksetzung beispielsweise bei neuen Technologien in der Arbeitswelt wettzumachen und damit die ohne eine solche Massnahme behinderungsbedingt eingeschränkten Anstellungschancen auf dem Arbeitsmarkt wesentlich zu verbessern (unveröffentlichtes Urteil L. vom 30. August 1993, I 166/93). Sodann ist nicht auszuschliessen, dass die frühere Arbeitgeberin an den Versicherten nicht die gleich hohen Anforderungen stellte, wie sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für Elektromonteure üblich sind, nachdem der Versicherte von der Arbeitgeberin in Kenntnis verminderter Leistungsfähigkeit zwar eingestellt wurde, dies aber zu einem tieferen Lohn.