Citation: 6P.194/2001 03.12.2002 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer rügt die auf die ärztlichen Berichte abgestützten Feststellungen der Vorinstanz zu den Verletzungsfolgen der angeblichen Tat und die Abweisung seiner diesbezüglichen Beweisanträge (Einvernahme der beiden beteiligten Ärztinnen und medizinisches Obergutachten) durch das Obergericht. 3.1.1 Die Vorinstanz selbst stellt gewisse Differenzen in den Berichten der beiden Ärztinnen fest und setzt sich mit den bereits vor Obergericht vorgebrachten Einwendungen des Beschwerdeführers gegen das Abstellen auf die Berichte von Dr. C.________ auseinander. Der Beschwerdeführer rügt vor Bundesgericht, Dr. C.________ sei auf Grund der von der Beschwerdegegnerin geschilderten Gewalt bei der angeblichen Tat voreingenommen gewesen; insbesondere sei sie von der nachgewiesenermassen falschen Voraussetzung ausgegangen, der Beschwerdeführer habe die Beschwerdegegnerin mit einer Waffe bedroht. Die erstuntersuchende Ärztin Dr. D.________, welche die Beschwerdegegnerin ebenfalls gynäkologisch untersucht habe, stelle demgegenüber fest, dass die diagnostizierte Verletzung des Hymens auch bei einem einvernehmlichen Sexualkontakt verursacht worden sein könne. Dr. C.________ stelle eine Rissverletzung an der Stirne fest, wogegen Dr. D.________, bestätigt durch die Beschwerdegegnerin, nur eine Prellung diagnostiziere; vor allem aber stelle Dr. C.________ eine Rissverletzung an der vorderen Scheidenwand fest, was von der Dr. D.________ nicht bestätigt werde. Beim Vorgehen des Obergerichts ist keine Willkür ersichtlich, zumal sich die Berichte der beiden Ärztinnen nicht eigentlich widersprechen; vielmehr stellt Dr. C.________ weitergehende Verletzungen fest, als sie Dr. D.________ diagnostizierte. Dr. C.________ diagnostiziert im Unterschied zu Dr. D.________ eine Rissverletzung in der Scheide der Beschwerdegegnerin. Dieser Umstand ist aber insofern nicht erstaunlich, als Dr. D.________ die Beschwerdegegnerin zur "weiteren Behandlung und Abklärung" zu Dr. C.________ wies. Dass deren Untersuchung deshalb einen zusätzlichen Befund ergab, erscheint ohne Weiteres damit erklärbar, dass Dr. C.________ als spezialisierte Ärztin eine genauere gynäkologische Abklärung vornahm, als dies Dr. D.________ getan hatte; dasselbe gilt für die von Dr. C.________ festgestellte Schwellung der Schamlippen. Jedenfalls ist die diesbezügliche Annahme des Obergerichts nicht willkürlich. Im Übrigen besteht Einigkeit darüber, dass die Kopfverletzung für das Strafverfahren nicht von Bedeutung war, weil die Beschwerdegegnerin selbst angab, sich diese Verletzung bei einer anderen Gelegenheit zugezogen zu haben; ob es sich dabei um ein Hämatom oder um eine Rissverletzung handelte, ist deshalb nicht von Bedeutung. Schliesslich stellen beide Ärztinnen übereinstimmend weitere Verletzungen fest, welche auf Gewalteinwirkung hinweisen und mit der von der Beschwerdegegnerin geschilderten Tat erklärt werden können. Dass Dr. C.________ die schwereren Verletzungen im Genitalbereich fälschlicherweise deshalb diagnostizierte, weil sie sich von einer übertriebenen Gewaltschilderung des Opfers beeinflussen liess und deshalb eine Verletzung diagnostizierte, welche nicht bestand, ist nicht plausibel. In wesentlichen Punkten stimmen die ärztlichen Berichte überein, die Abweichungen sind nicht unglaublich, wie der Beschwerdeführer behauptet. Schliesslich stellt Dr. D.________ nicht grundsätzlich - wie der Beschwerdeführer behauptet - fest, die Verletzungen könnten auch bei einem einvernehmlichen Sexualkontakt entstanden sein; diese Äusserung bezieht sich allein auf den Deflorationsbefund. 3.1.2 Auch unter dem Gesichtspunkt der Prozessökonomie wäre es grundsätzlich wünschenswert, wenn Sachverständige auf Antrag in der Hauptverhandlung befragt würden, sofern deren vor der Verhandlung zu den Akten genommene Berichte unterschiedliche Feststellungen oder Schlussfolgerungen enthalten. Unter den gegebenen Umständen war es jedoch nicht geradezu zwingend erforderlich, die beiden Ärztinnen vor Gericht zu befragen oder eine Oberexpertise einzuholen. Absolut zwingend wäre dies nur gewesen, wenn sich die Berichte widersprochen hätten, was heisst, wenn ein Bericht Feststellungen enthalten hätte, welche vom anderen Bericht ausgeschlossen worden wären. In casu war dies jedoch nicht eigentlich der Fall. Das Obergericht konnte daher die Feststellungen zur Verletzungsschwere ohne Befragung der Ärztinnen und eines Obergutachters willkürfrei treffen. 3.2 Der Beschwerdeführer hat im kantonalen Verfahren die Befragung des Stiefvaters der Beschwerdegegnerin und die Einholung und den Beizug eines Leumunds- und Amtsberichtes über denselben beantragt. Das Obergericht hat diese Beweisergänzungsanträge in antizipierter Beweiswürdigung abgewiesen. Der Beschwerdeführer rügt diesen Entscheid und den Umstand, dass das Obergericht im Rahmen der antizipierten Beweiswürdigung die Aussagen der Zeugin B.________ und seine eigenen ausser Acht gelassen habe. Damit seien der Grundsatz in dubio pro reo und die §§ 26 und 27 StPO/AG in willkürlicher Weise verletzt worden. Die genannten Befragungen und Beweismittel wären nach Auffassung des Beschwerdeführers erforderlich gewesen, um abzuklären, ob nicht der Stiefvater die Beschwerdegegnerin verprügelt und ihr so die äusseren Verletzungen zugefügt habe, die als Hinweise auf Gewaltanwendung im Auto gedeutet worden seien. Ebenso wäre abzuklären gewesen, ob nicht der Stiefvater die Beschwerdegegnerin dazu gedrängt habe, eine Vergewaltigung vorzuschützen, um die Schande des vorehelichen Geschlechtsverkehrs wenigstens etwas zu mildern, und ob der Stiefvater Zeugen zu beeinflussen versucht habe. Dabei wäre es darum gegangen, Rückschlüsse auf den Charakter des Stiefvaters der Beschwerdegegnerin und auf deren familiäres Umfeld zu ziehen. Nach ständiger Praxis kann das Beweisverfahren geschlossen werden, wenn die gestellten Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, oder wenn der Richter, ohne dabei geradezu in Willkür zu verfallen, annehmen darf, die verlangten zusätzlichen Beweisvorkehren würden am relevanten Beweisergebnis voraussichtlich nichts mehr ändern (so genannte "antizipierte" oder "vorweggenommene" Beweiswürdigung, vgl. BGE 125 I 127 E. 6c/cc S. 135; 124 I 208 E. 4a S. 211; 121 I 306 E. 1b S. 308 f.; 119 Ib 492 E. 5b/bb S. 505 f.). Die Aussagen der Zeugin B.________ sind aus nachvollziehbaren Gründen (mehrseitige Loyalitätskonflikte) etwas widersprüchlich und unklar ausgefallen. Auch wenn der Stiefvater die Zeugin zu beeinflussen versucht und bedroht hätte, könnte daraus nicht abgeleitet werde, er habe die Beschwerdegegnerin verprügelt und ihr so die fraglichen Verletzungen zugefügt. Sowohl die Beschwerdegegnerin wie auch deren Mutter haben klar dementiert, dass der Stiefvater gegenüber der Beschwerdegegnerin gewalttätig war. Unter diesen Umständen durfte das Obergericht ohne Willkür auf die Einvernahme des Stiefvaters verzichten, zumal es keine weiteren Hinweise auf die vermutete Gewalttätigkeit gibt. In antizipierter Beweiswürdigung war es nicht willkürlich, von der Befragung des Stiefvaters und von einem Leumundsbericht über diesen keinen wesentlichen Beitrag zur Sachverhaltsfeststellung zu erwarten.