Citation: 8C_719/2022 E. 6.6

6.6. Die Beschwerdegegnerin bringt schliesslich - im Rahmen des Streitgegenstands einer Hilflosenentschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten Grades nach Art. 37 Abs. 3 IVV zulässigerweise - vor, es bestehe Bedarf an dauernder Überwachung (lit. b). Sie beruft sich dabei auf das Urteil 8C_272/2022 vom 28. Oktober 2022. Zu beurteilen war in jenem Fall eine schwere Form einer Glykogenspeicherkrankheit. Der Überwachungsbedarf manifestierte sich bedingt durch eine strikte galaktose- und fruktosefreie Ernährung mit Glukosezufuhr via Sonde, wobei die Versicherte zur Verhinderung von metabolischen Entgleisungen auf regelmässige Blutzuckerkontrollen angewiesen war. Das Bundesgericht schützte die Annahme eines anspruchsbegründenden Überwachungsbedarfs als willkürfrei, was aber nicht ohne Weiteres den gleichen Schluss in Bezug auf die Betreuung eines an Diabetes erkrankten Kindes zulässt. Gleiches gilt bezüglich der vom Bundesgericht ebenfalls als anspruchsbegründend erachteten nächtlichen Überwachung des Beatmungsgeräts einer am Undine-Syndrom (kongenitales zentrales Hypoventilationssyndrom) leidenden Versicherten, die während der ganzen Überwachungsdauer die stete Aufmerksamkeit der Spitexfachkraft erforderte (BGE 142 V 144). Dass die Vorinstanz bei der Beurteilung des Überwachungsbedarfs von einem zu engen Verständnis ausgegangen wäre, wird von der Beschwerdegegnerin nicht dargetan. Soweit sie geltend macht, es bedürfe in der Nacht einer 12-stündigen Überwachung beziehungsweise Pflege, ist auf die für das Bundesgericht verbindliche vorinstanzliche Feststellung zu verweisen, wonach im Normalfall, in vier Nächten pro Woche, ein Zeitaufwand für Kontrollen von jeweils acht Minuten anfällt. Zusätzliche Korrekturen (zusätzliche Insulingabe mittels Pen, wozu die Beschwerdegegnerin geweckt werden muss) mit nachfolgend erforderlichen erneuten Kontrollen, die zwei bis drei Mal pro Woche erforderlich seien, benötigen gemäss kantonalem Gericht, in Abweichung von der Abklärungsperson, umgerechnet auf einen Durchschnitt pro Tag zusätzlich sieben Minuten. Auch damit lässt sich, entgegen der Beschwerdegegnerin und anders als in dem von ihr angerufenen Urteil 8C_272/2022 (E. 4) zugrunde liegenden Fall, kein Bedarf an dauernder Überwachung begründen.