Citation: 4A_312/2024 E. B

Nach erfolglosem Schlichtungsversuch erhob der Verunfallte am 11. Juli 2019 beim Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland eine Teilklage und verlangte von seiner Arbeitgeberin eine Genugtuung von Fr. 30'000.-- nebst Zins unter dem Vorbehalt der Nachklage. B.a. Am 24. März 2021 wies das Kreisgericht die Klage kostenfällig ab. Obwohl sämtliche haftungsbegründende Voraussetzungen gegeben waren, verneinte es eine Haftung der Arbeitgeberin, weil den Verunfallten ein grobes Selbstverschulden treffe, das den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der fehlenden Schutzvorrichtung an der Prägemaschine und der eingetretenen Schädigung unterbreche. B.b. Die gegen diesen Entscheid erhobene Berufung wies das Kantonsgericht St. Gallen am 15. April 2024 grundsätzlich ab, korrigierte den Entscheid des Kreisgerichts aber insofern von Amtes wegen, als im erstinstanzlichen Verfahren keine Gerichtskosten zu erheben seien und dem Verunfallten der Kostenvorschuss zurückzuerstatten sei. Im Gegensatz zum Kreisgericht erachtete das Kantonsgericht das Selbstverschulden des Verunfallten zwar nicht als derart grob, dass der adäquate Kausalzusammenhang unterbrochen würde. Jedoch liege die ihm zustehende Genugtuung betraglich unter der Integritätsentschädigung, die er erhalten hatte, so dass ihm keine Forderung gegenüber der Arbeitgeberin verbleibe. Das Kantonsgericht nahm die Bewertung der immateriellen Beeinträchtigung in zwei Phasen vor: B.b.a. Es legte in einer ersten Phase einen Basisbetrag fest aufgrund der objektiven immateriellen Unbill, die als Folge einer bestimmten Gesundheitsschädigung an sich entsteht. Diesen Basisbetrag setzte das Kantonsgericht entsprechend der unstreitigen Integritätsentschädigung auf Fr. 31'500.-- fest. B.b.b. In einer zweiten Phase berücksichtigte das Kantonsgericht die Besonderheiten des Einzelfalles. Es erhöhte den Basisbetrag um insgesamt 30 % (je 10 % mit Blick auf die eingetretene Wesensveränderung nach Extrembelastung einerseits sowie die posttraumatische Belastungsstörung andererseits und schliesslich die erfolglose Wiedereingliederung samt Beeinträchtigung im wirtschaftlichen Fortkommen) auf rund Fr. 41'000.--. Sodann berücksichtigte es eine Selbstverschuldensquote von (wenigstens) einem Viertel und errechnete damit insgesamt eine Genugtuung von Fr. 30'750.-- (Fr. 41'000.-- - Fr. 10'250.-- [25 %]), welche die Integritätsentschädigung nicht erreichte.