Citation: U 199/04 14.07.2005 E. 5

5.1 In ZAK 1985 S. 325 ging das Eidgenössische Versicherungsgericht aufgrund der ärztlichen Angaben davon aus, dass die in Frage stehende Vestibularisneurektomie (Durchtrennung des Gleichgewichtsnervs) für den 60jährigen Versicherten nicht mit einer besonderen Gefahr für Leben und Gesundheit verbunden wäre. Entscheidend war aber die subjektive Seite. Denn laut behandelndem Arzt habe der Versicherte eine panische Angst vor dem Eingriff. Auch wenn es sich dabei nicht um ein Leiden mit Krankheitswert handle, bestehe kein Grund, diesen Umstand bei der Frage der Zumutbarkeit der Massnahme nicht mitzuberücksichtigen. Von wesentlicher Bedeutung sei weiter, dass im Hinblick auf das fortgeschrittene Alter des Versicherten nicht nur die Erfolgsaussichten der Operation, sondern auch die Aussichten auf eine volle Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit herabgesetzt seien. Unter diesen Umständen wurde die Zumutbarkeit der Operation verneint (S. 326 f. Erw. 2). Im Urteil V. vom 8. Januar 2004, I 861/02, stand eine Hüftoperation (Einsetzen einer Hüftgelenkstotalprothese) bei einem 40jährigen Versicherten zur Diskussion. Trotz vom Psychiater festgestelltem chronischem Angst- und Depressionszustand mit chronischen somatoformen Störungen wurde die Operation auch aus subjektiver Sicht als zumutbar betrachtet. Im Urteil B. vom 1. März 2005, U 287/03, ging es um eine Handgelenksarthrodese rechts. Aus ärztlicher Sicht wurde die Operation als zumutbar betrachtet, obwohl festgestellt werden musste, dass aufgrund der Motivation bzw. der ängstlichen Erwartungshaltung des Versicherten mit einem schlechten Resultat gerechnet werden müsse. 5.2 Nach der Refraktur anfangs Februar 2001 hatten sich die Ärzte am Kantonsspital O.________ nach Rücksprache mit dem Versicherten zunächst für eine konservative Behandlung entschlossen (Bericht vom 14. März 2001). Fünf Wochen später schlugen sie nach nochmaliger ausführlicher Diskussion mit dem Versicherten eine erneute osteosynthetische Stabilisierung der Radiusschaftfraktur rechts vor, wobei im Bericht vom 23. April 2001 erwähnt wurde, dass nun auch der Beschwerdeführer auf eine definitive Versorgung dränge. Nach Einschalten des Anwalts des Versicherten im Mai 2001 wurde ein bereits festgelegter Operationstermin abgesagt mit der Begründung, der Versicherte habe nach den verschiedenen Operationen und Behandlungen Zweifel am Sinn des vorgeschlagenen Eingriffs geäussert; ferner scheine er, nach den Feststellungen des Anwalts, offenbar nicht begriffen zu haben, worum es bei der Operation gehe. Auf Wunsch des Anwalts vom 31. Mai 2001 wurde beim Kantonsspital A.________ eine second opinion eingeholt. Dr. med. R.________ erwähnte im Bericht vom 5. November 2001, dass er "dies" (technisch relativ einfacher Eingriff, ohne wesentliche Komplikationsrisiken durchführbar) mit dem Versicherten eingehend erörtert und ihm erklärt habe, die Erfolgsaussichten eines derartigen Eingriffs lägen bei nahezu 100 %. Trotzdem wolle der Beschwerdeführer gegenwärtig von einer operativen Reintervention nichts wissen, da er befürchte, dadurch seine offenbar mühsam wiedergewonnene Selbständigkeit bei den Verrichtungen des täglichen Lebens erneut zu verlieren. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung am 22. November 2001 wiederholte der Versicherte, dass er einfach Bedenken habe. Der behandelnde Arzt, Dr. med. F.________, meldete am 18. Dezember 2001, der Versicherte sei bezüglich der operativen Korrektur "uneinsichtig". Und am 22. Januar 2002 teilte der Anwalt telefonisch mit, dass der Versicherte den Eingriff nach wie vor ablehne, worauf die SUVA das Mahnverfahren durchführte. In der nachfolgenden Eingabe des Anwalts vom 28. Februar 2002 ist davon die Rede, dass der Beschwerdeführer mit seinem jetzigen Zustand vollumfänglich zufrieden sei; er könnte die Operation nur auf sich nehmen, wenn man ihm den Erfolg zu 100 % garantieren könnte; seine Zurückhaltung sei nachvollziehbar. Im Zeitraum nach der Refraktur, als sich die Frage einer erneuten Osteosynthese stellte, bis zur endgültigen Ablehnung dieses Eingriffs anfangs 2002 (der Beschwerdeführer war damals 46jährig), d.h. im Zeitraum von rund 12 Monaten, ist in den Akten nichts ersichtlich, was darauf schliessen liesse, dass die subjektive Zumutbarkeit der Operation in Frage stehen könnte. Die Korrespondenz zwischen dem Anwalt des Versicherten und der SUVA und die ergänzenden Abklärungen (second opinion; Kreisarztuntersuchung) bezogen sich vielmehr auf die objektive Zumutbarkeit. Von einer besonderen Ängstlichkeit bzw. einer panischen Angst, welche später aufgrund des Explorationsgesprächs vom 19. März 2003 im Gutachten des Dr. med. B.________ erwähnt wurde, ist nichts ersichtlich. Wie die SUVA in der vorinstanzlichen Beschwerdeantwort mit Recht festhält, besteht eine grosse Diskrepanz zwischen dem auffälligen Verhalten des Versicherten bei der Untersuchung durch Dr. med. B.________ und demjenigen, welches in den Unfallakten ausgewiesen ist. Kommt hinzu, dass Dr. med. B.________, soweit es um die fragliche Operation geht, sich auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers stützt und dessen Äusserungen wiedergibt. Weiter ist zu beachten, dass das Gutachten zu Handen der IV erstattet worden ist. Es äussert sich nicht zur Zumutbarkeit der fraglichen Operation, und es kann diesbezüglich auch nichts gegen die Zumutbarkeit abgeleitet werden. Es lässt sich somit nicht beanstanden, dass SUVA und Vorinstanz (auch in subjektiver Hinsicht) die Zumutbarkeit bejaht haben.