Citation: 4A_403/2022 E. 7.3.2

7.3.2. Die Beschwerdeführerin verweist ferner darauf, dass nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung "in Zweifelsfällen die Vermutung zugunsten der mildesten Verpflichtung, also der Bürgschaft, gelte". In der Tat hat das Bundesgericht zum Zwecke der Abgrenzung der Garantie von der Bürgschaft schon erwogen, dass zur Verwirklichung des vom Bürgschaftsrecht angestrebten Schutzes des Verpflichteten im Zweifelsfall eher auf Bürgschaft zu schliessen ist (BGE 113 II 434 E. 2c). Die von der Beschwerdeführerin ins Feld geführte Vermutung greift indes aus zwei Gründen nicht: Erstens handelt es sich bei der Beschwerdeführerin ausweislich der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen um eine im Immobilienbereich tätige Gesellschaft. Als solche kann sie die namentlich für Privatpersonen grundsätzlich geltende Vermutung für eine Bürgschaft nicht in Anspruch nehmen, besteht doch bei ihr kein besonderes Bedürfnis, vor dem (allenfalls unüberlegten) Eingehen von Sicherungsgeschäften in Bezug auf Forderungen aus dem Bau- und Immobiliengeschäft geschützt zu werden (vgl. Urteil 4A_279/2009 vom 14. September 2009 E. 4.7). Die Vermutung ist - zweitens - deshalb nicht einschlägig, weil sie nur Platz greift, wenn die Vertragsqualifikation nach dem Vertrauensprinzip nicht zu einem Ergebnis führt (Urteil 4A_279/2009 vom 14. September 2009 E. 3.4 und 4.7). Nachdem die Vorinstanz angesichts des evidenten wirtschaftlichen Eigeninteresses der Beschwerdeführerin erkannt hatte, dass zweifelsfrei eine Garantie vorliegt, brauchte sie auf die Bürgschaftsvermutung auch aus diesem Grund nicht Rückgriff zu nehmen.