Citation: 6B_1180/2015 E. 4.2

4.2. Auch was der Beschwerdeführer weiter gegen das angefochtene Urteil einwendet, führt zu keinem anderen Ergebnis. So verkennt die Vorinstanz etwa keineswegs, dass sich der vorliegende Sachverhalt deutlich von demjenigen unterscheidet, welcher dem Urteil 6B_954/2010 vom 18. Juli 2013 zugrunde lag. Dass die vom Opfer in jenem Entscheid erlittenen Verletzungen ungleich gravierender waren, als die von der Privatklägerin im vorliegenden Fall, ist für sich allein noch kein stichhaltiges Argument gegen den Schuldspruch der versuchten schweren Körperverletzung, zumal beim Versuch der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg eben nicht eintritt. Im Übrigen nimmt die Vorinstanz den vom Beschwerdeführer genannten Entscheid auch nicht zum Ausgangspunkt für die Beurteilung des vorliegenden Falles (Beschwerde S. 14). Sie geht lediglich davon aus, dass der Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung unter anderem dann als erfüllt gelten kann, wenn jemand einem am Boden liegenden Opfer mit voller Wucht mit dem Fuss gegen den Kopf tritt, wofür sie auf die seitens der Verteidigung zitierte Rechtsprechung verweist (angefochtenes Urteil S. 23). Es trifft entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers auch nicht zu, dass die Vorinstanz ihm, soweit sie in Bezug auf die Heftigkeit der Schläge von einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit ausgehe, konsequenterweise hätte eine vollumfängliche Schuldunfähigkeit attestieren müssen (Beschwerde S. 16, 21). Die Beurteilung der Frage, ob er die Wucht der Fusstritte in seinem aufgewühlten Zustand dosieren konnte, erfordert keinen Beizug einer sachverständigen Person (Art. 182 StPO). Im Übrigen hat die Staatsanwaltschaft am 10. Oktober 2012 ein forensisch-psychiatrisches Gutachten zu den Fragen des Vorliegens einer psychischen Störung, zu einer Einschränkung der Schuldfähigkeit, zur Rückfallgefahr und zur Notwendigkeit der Anordnung einer Massnahme eingeholt. Der Gutachter gelangt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer aufgrund der ausgeprägten Impulsivität und der leichtgradigen Alkoholwirkung am Tattag von einer leichtgradigen Minderung der Steuerungsfähigkeit auszugehen sei (Gutachten vom 29. Juli 2013, act. 23/11 S. 46 f., 50; vgl. auch Ergänzungsgutachten vom 22. Januar 2014, act. 23/18 S. 13 f., 17). Gestützt hierauf haben die kantonalen Instanzen eine leichtgradig eingeschränkte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB angenommen (angefochtenes Urteil S. 28). Insofern ist die Vorinstanz nicht vom Gutachten abgewichen. Die in Bezug auf die Begehung der Tat insgesamt anerkannte leichtgradige Einschränkung der Schuldfähigkeit lässt sich nicht unbesehen auf die Frage übertragen, ob der Beschwerdeführer in seinem emotionalen Ausnahmezustand die Wucht, mit welcher er mit Füssen und Knien auf den Kopf der Privatklägerin eingeschlagen hat, bewusst beherrschen konnte. Denn dass der Täter im Augenblick der Tat den Kopf verloren hat, heisst noch nicht, dass ihm damit auch die vom Recht vorausgesetzte Fähigkeit abhanden gekommen ist, diesen zu bewahren (SCHÖNKE/SCHRÖDER-PERRON/WEISSER, Strafgesetzbuch, Kommentar, 29. Aufl. 2014, § 20 N 15). Mit anderen Worten bedeutet die Annahme eines Handelns im Affekt für sich allein noch nicht, dass diesem emotionalen Zustand in jedem Fall auch schuldeinschränkende Wirkung zukommt (Impulstaten; normalpsychologischer Affekt). Dass der Beschwerdeführer bewusst lediglich mit einer moderaten Intensität auf die Privatklägerin eingetreten und demzufolge willentlich auf intensivere Gewalteinwirkung verzichtet hätte (Beschwerde S. 17 f.), hat die Vorinstanz somit zu Recht verneint. Unbehelflich ist schliesslich der Hinweis des Beschwerdeführers auf das Urteil 6B_1250/2013 vom 24. April 2015 E. 3.2 (Beschwerde S. 20). Der dem Entscheid zugrunde liegende Fall unterscheidet sich von der vorliegenden Konstellation insofern, als in jenem Entscheid ein Schuldspruch wegen eventualvorsätzlicher Tötung zu beurteilen war. Diesen hat das Bundesgericht als bundesrechtswidrig aufgehoben. Dass der Sachverhalt als eventualvorsätzliche schwere Körperverletzung zu würdigen war, stand aber, obwohl das Opfer "keine augescheinlichen Verletzungen aufwies", ausser Frage. Insgesamt ist der Schluss der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer eine schwere Körperverletzung in Kauf genommen hat, nicht zu beanstanden. Es liegt auch keine Verletzung der Begründungspflicht vor, weil sich das angefochtene Urteil nicht darüber auslässt, welche Tatvariante von Art. 122 StGB gegebenenfalls erfüllt wäre. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet.