Citation: I 813/02 07.05.2003 E. 5

Vorweg zu prüfen ist, ob die Vorinstanz gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen zu Recht die Auffassung vertrat, der Beschwerdeführerin sei in Bezug auf ihre angestammte Tätigkeit unter Berücksichtigung der invaliditätsbedingten somatischen und psychischen Einschränkungen die erwerbliche Verwertung einer (Rest-) Arbeitsfähigkeit von 70 % zumutbar. 5.1 Der die Versicherte seit September 1996 behandelnde und ihr anfänglich eine volle Arbeitsunfähigkeit attestierende Rheumatologe Dr. med. B.________ reichte der IV-Stelle mit seinem Bericht vom 23. September 1998 das Rheumaklinik-Gutachten ein und schloss sich gleichzeitig ausdrücklich und vollumfänglich der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung des Prof. Dr. med. M.________ an. Dieser hielt die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Geschäftsführerin eines Radio- und Fernsehgeschäfts mit angeschlossener Videothek - bei Verzicht auf schwer belastende Arbeiten mit repetitivem Heben von Gewichten über 10-15 Kilogramm - für 70 % arbeitsfähig. Der Chefarzt der Klinik Y.________, Dr. med. S.________, ging gemäss Bericht vom 10. April 1997 - unter Vermeidung von "körperlichen Schwerarbeiten (d.h. Lastenheben über 15 kg, langandauernde Bewegungs- und Haltungsstereotypien wie stundenlanges Arbeiten am Computer)" - in Bezug auf die Hauptaufgabe der Versicherten im Verkauf und in der Beratung ihres eigenen Radio- und Fernsehgeschäfts sogar von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus. Nachdem Dr. med. B.________ der Beschwerdeführerin "in einer minimal angepassten Tätigkeit unter Vermeidung des Hebens von Gewichten über 30 kg" eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von "höchstens 30 %" attestiert hatte (Bericht vom 4. November 1997), vollzog sie einen Arztwechsel und begab sich in die Betreuung des Dr. med. P.________. Dieser führte in seinem Schreiben an die Versicherungen Q.________ vom 22. Dezember 1997 unter anderem aus: "Ich habe Frau Keiser, nachdem sie diverse Spezialisten konsultiert hat, wohl vorübergehend zur Betreuung übernommen (gemäss Frau K.________, nächster Arzt Prof. E.________, Klinik C.________). - Meiner Beurteilung nach handelt es sich um einen Weichteilrheumatismus, möglicherweise im Sinne einer Fibromyalgie. Diese Krankheit ist unter der Gruppe der psychosomatischen Krankheiten zu subsumieren. Trotzdem tendiert Frau Keiser dazu, weitere Spezialisten zu konsultieren, sowie noch ein weiteres MRI sich verabfolgen zu lassen. - Ich habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass dies meines Erachtens nicht in Frage komme. Im Sinne einer Kostensparmassnahme möchte ich Sie bitten, bei dieser Patientin in ihrem Begehren deutlich einen Riegel zu schieben, sie allenfalls von einem ihrer Vertrauensärzte beurteilen zu lassen. - Ich hoffe, dass es Ihnen gelingt, hier weitere teure Untersuchungen abzulehnen." Die von IV-Stelle beim Medizinischen Zentrum Z.________ in Auftrag gegebene polydisziplinäre Begutachtung führte in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit unter gesamthafter Berücksichtigung aller invaliditätsbedingten Einschränkungen zur abschliessenden Beurteilung (MZZ-Gutachten vom 13. Januar 2000): "Die Arbeitsfähigkeit als Verkäuferin, bzw. Radiogeschäftsbetreiberin beträgt 70 %, wenn gewährleistet ist, dass die Versicherte keine schweren Lasten über 20 kg heben muss. Die restlichen 30 % wären vorgesehen für physiotherapeutische Massnahmen, bzw. Erholungsphasen. Bezüglich des allgemeinen Arbeitsmarktes als Angestellte im Team würde eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vorliegen, wenn die Versicherte diesbezüglich motiviert wäre und auch Arbeiten in wechselnder Position annehmen würde." 5.2 Was die Beschwerdeführerin gegen die Zuverlässigkeit und die Schlüssigkeit des MZZ-Gutachtens vorbringt, ist unbegründet. Sie rügt zu Unrecht, aus der "speditiven" Arbeitsweise am Medizinischen Zentrum Z.________, wo für die gutachterliche Untersuchung nur gerade ein Tag benötigt worden sei, müsse auf eine unsorgfältige und unvollständige Sachverhaltsfeststellung geschlossen werden, weshalb das Gutachten auf einem "fehlerhaften Fundament" beruhe. Ihrer eigenen Argumentation widerspricht, wenn sich die Versicherte selber auf einen äusserst kurzfristig erstellten halbseitigen Bericht des Dr. med. D.________, Klinik C.________, vom 5. Januar 1998 zur gleichentags stattgefundenen neurologischen Untersuchung beruft, wo die Arbeitsfähigkeit ohne eigenständige nachvollziehbare Begründung abschliessend als "glaubhaft stark eingeschränkt" umschrieben wurde. Entgegen der Beschwerdeführerin ist kein Widerspruch darin ersichtlich, dass ihr aus rein psychiatrischer Sicht (MZZ-Gutachten S. 15) in Bezug auf Teamarbeit eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % attestiert, jedoch gemäss zusammenfassender Beurteilung unter Mitberücksichtigung der rheumatologischen Befunde (MZZ-Gutachten S. 18) hinsichtlich Teamarbeit eine Arbeitsfähigkeit von ca. 50 % zugemutet wurde. Denn die psychischen und somatischen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit fallen nicht bei jeder Tätigkeit in gleicher Weise ins Gewicht, obwohl in der Regel bei Zusammentreffen verschiedener Gesundheitsbeeinträchtigungen sich deren erwerblichen Auswirkungen überschneiden, weshalb der Grad der Arbeitsunfähigkeit diesfalls aufgrund einer sämtliche Behinderungen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen ist. Eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funktionsstörungen und Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade ist nicht zulässig (RDAT 2002 I Nr. 72 S. 485; unveröffentlichte Urteile M. vom 9. Juli 1999 [I 352/98] Erw. 2b; P. und S. vom 20. Dezember 1999 [I 361/99] Erw. 2b, M. und G. vom 24. Februar 1997 [I 243/96] Erw. 3d/aa und R. vom 10. Juli 1989 [I 94/89] Erw. 2b). Selbst wenn demzufolge die als Verdachtsdiagnose festgestellte hypochondrische Störung auch in der Betätigung als Radio- und Fernsehgeschäftsführerin Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben könnte, steht fest, dass die Versicherte als Selbstständigerwerbende in geringerem Ausmass auf Teamfähigkeit angewiesen ist als eine weisungsgebunden arbeitende Unselbstständigerwerbende. In der angestammten Tätigkeit ist deshalb auf jeden Fall von einer tieferen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als von 50 % auszugehen. Praxisgemäss ist vorliegend mit Blick auf den angestammten Beruf vielmehr von einer Überschneidung der erwerblichen Auswirkungen durch die somatischen und psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen auszugehen, weshalb sich die abschliessende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung gemäss MZZ-Gutachten als schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei erweist. 5.3 Der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt ist - nach zweifacher Begutachtung - aktenkundig umfassend und ausreichend untersucht worden (vgl. dazu die Arztberichte des Dr. med. D.________ vom 19. März 1999, des Dr. med. P.________ vom 22. Dezember 1997 und des Dr. med. B.________ vom 4. November 1997). Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb nicht auf die überzeugenden Ergebnisse der umfassenden MZZ-Begutachtung abgestellt werden könnte. Im Vergleich zu den Erkenntnissen gemäss polydisziplinärem MZZ-Gutachten vermag die Beschwerdeführerin aus den teils abweichenden medizinischen Berichten weiterer behandelnder Ärzte nichts zu ihren Gunsten abzuleiten; während zum Beispiel Dr. med. A.________ in seinen Angaben vom 11. Mai 2000 zur Leistungsfähigkeit auf die subjektiven Angaben der Versicherten abstellte, findet sich im Kurzbericht des Dr. med. H.________ vom 22. Dezember 1997 keine nachvollziehbare Begründung für die attestierte Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. N.________ ging in seinem "ärztlichen Attest zur Vorlage bei der Rechtsschutzversicherung" vom 6. Juli 1998 sogar nachweislich von falschen Voraussetzungen aus, indem er sich darauf abstützte, Prof. Dr. med. M.________ habe im Rheumaklinik-Gutachten "eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % errechnet", während im Gegenteil Letzterer am genannten Ort in Bezug auf die angestammte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 % attestierte. Insbesondere fehlt es an neueren, medizinisch begründeten Beurteilungen, die eine im Vergleich zum MZZ-Gutachten abweichende Auffassung zum Ausdruck brächten. In Bezug auf den im vorliegenden Verfahren für die Beurteilung des Falles in zeitlicher Hinsicht massgebenden Sachverhalt (BGE 121 V 366 Erw. 1b) ist demzufolge auf die Ergebnisse der verhältnismässig nahe beim Verfügungszeitpunkt (31. Oktober 2000) erfolgten MZZ-Begutachtung vom 11. Januar 2000 abzustellen. 5.4 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass IV-Stelle und Vorinstanz nach umfassender Würdigung sämtlicher medizinischer Unterlagen gestützt auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung gemäss MZZ-Gutachten mit Blick auf die angestammte Tätigkeit davon ausgingen, dass der Beschwerdeführerin trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen die Verwertung einer Arbeitsfähigkeit von 70 % zumutbar ist.