Citation: 1B_237/2021 E. 3.1

3.1. Dem angefochtenen Beschluss ist bezüglich Ausführungsgefahr zu entnehmen, dass drohendes und aggressives Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber seinen Angehörigen und seiner (Ex-) Freundin in den Jahren 2020 und 2021 zu mehreren Interventionen durch die Polizei und Behörden geführt habe. Mit Strafbefehl vom 15. Januar 2021 sei er sodann wegen mehrfacher Drohung zum Nachteil seines Bruders sowie wegen Nötigung zum Nachteil seines Vaters zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden. Zudem sei ihm untersagt worden, mit seiner Familie Kontakt aufzunehmen, oder sich im Umkreis von 200 Metern zu deren Einfamilienhaus aufzuhalten. Die im Strafbefehl geschilderten Delikte seien mit jenen, die ihm im vorliegenden Verfahren zur Last gelegt würden, durchaus vergleichbar, zumal dort ebenfalls Todesdrohungen gegenüber Familienmitgliedern geäussert worden seien. Im Rahmen des mit Strafbefehl vom 15. Januar 2021 abgeschlossenen Strafverfahrens sei durch die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Fachstelle Forensic Assessment & Risk Management (Fachstelle PUK), am 11. Januar 2021 ein forensisch-psychologischer Befundbericht im Sinne einer Risikoeinschätzung mit Interventionsempfehlungen erstellt worden. Diesem sei zusammenfassend zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer sowohl Hinweise auf eine Persönlichkeitsproblematik als auch eine psychotische Problematik bestünden und er einige konfliktfördernde Persönlichkeitseigenschaften aufweise. So scheine er vor allem bei subjektiv erlebter Ungerechtigkeit in Bezug auf seine Familie zu impulsivem Verhalten zu neigen und sehe Drohungen als adäquates Mittel zur Frustrationsbewältigung an. Die Wahrscheinlichkeit einer etwaigen Gefährdung durch schwere zielgerichtete Gewalt im Sinne einer akuten Ausführungsgefahr der Drohung sei aktuell als maximal moderat zu bezeichnen. Aufgrund der seither erneut eingetretenen polizeilichen Vorkommnisse sei entsprechend der Weisung in der Haftanordnungsverfügung vom 19. März 2021 bei der Fachstelle PUK ein Nachtrag zu diesem Befundbericht vom 11. Januar 2021 eingeholt worden. In diesem Nachtrag vom 6. April 2021 werde zusammenfassend festgehalten, dass der soziale Empfangsraum nun noch ungeordneter erscheine als zum Zeitpunkt der früheren Risikoeinschätzung, was zu einer weiteren Akzentuierung der Problematik führe. Dass sich der Beschwerdeführer nun offenbar auch gegenüber Drittpersonen drohend, eventuell tätlich verhalten und gegen Auflagen (Kontaktverbot) verstossen habe, zeige, dass sein Verhalten zunehmend expansiv werde und auch Personen ausserhalb der Familie miteinschliesse. Es sei weiterhin zu erwarten, dass er mit bedrohlichem Verhalten und Drohungen auffällig werde und in diesem Zusammenhang nicht auszuschliessen, dass er gegenüber Personen inner- und ausserhalb seiner Familie, die ihn frustrieren oder beengen würden, auch tätlich werde. Die akute Ausführungsgefahr der Drohung werde weiterhin als moderat eingeschätzt. Die Vorinstanz gelangte mit Blick auf diese Ausgangslage zum Schluss, es erscheine fraglich, ob derzeit von einer sehr ungünstigen Prognose für schwere Verbrechen im Sinne von Art. 221 Abs. 2 StPO ausgegangen werden könne. Bei den Taten, die der Beschwerdeführer seinen Angehörigen mutmasslich angedroht habe, handle es sich zweifellos um schwere Gewaltdelikte. Gemäss Feststellung der Fachstelle PUK wirkten die angedrohten Handlungen hinsichtlich Ausführungsort, -zeitpunkt und -mittel aber wenig konkretisiert. Es entstehe der Eindruck, dass der Beschwerdeführer - wie im Befundbericht festgehalten - Drohungen als adäquates Mittel zur Frustrations- und Konfliktbewältigung erachte, da ihm andere Bewältigungsstrategien zu fehlen schienen. Die Staatsanwaltschaft habe gemäss eigenen Angaben aufgrund der sich dem Anschein nach in den letzten Tagen gesteigerten Gewaltbereitschaft des Beschwerdeführers eine vollständige psychiatrische Begutachtung veranlasst. Bis zum 7. Juni 2021 sei eine Vorabstellungnahme des Gutachters zum psychischen Zustand des Beschwerdeführers zu erwarten. Wie die Staatsanwaltschaft festhalte, sei in den letzten Monaten und Wochen vor der Verhaftung eine Steigerung der Kadenz der Vorkommnisse erkennbar und habe der Vorfall auf der Gemeindeverwaltung, soweit bekannt, erstmals auch eine dem Beschwerdeführer unbekannte Drittperson betroffen. Ein Blick auf die dokumentierten bisherigen Polizeiinterventionen zeige zudem, dass der Beschwerdeführer nicht nur gedroht habe, sondern unter anderem auch eine Wohnung verwüstet, herumgeschrien und seiner (Ex-) Freundin ins Gesicht gespuckt bzw. sie mit Cola überschüttet haben soll. Gemäss Angaben der Mutter des Beschwerdeführers habe er ausserdem seine Schwester gewürgt sowie heftig in eine Fensterscheibe gestossen und sei auf seinen jüngeren Bruder losgegangen, wobei nicht bekannt sei, wie lange diese Vorfälle zurücklägen. Wie es sich mit diesem Gefährdungspotential konkret verhalte, werde das bereits in Auftrag gegebene Gutachten zeigen. Bis die Vorabstellungnahme vorliege, sei gestützt auf die Akten die Ausführungsgefahr zu bejahen.