Citation: 6B_1246/2023 E. 2.4.3

2.4.3. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, für die Beurteilung der Steuerungsfähigkeit sei entscheidend, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum zwischen 2011 und 2014 keiner Ausbildung oder Berufstätigkeit nachgegangen sei, daher auch keinerlei Alltagsstruktur gehabt, alleine gelebt habe und sozial insofern isoliert gewesen sei, als er mit Ausnahme seiner Eltern keine realen Kontakte mehr gepflegt habe. Eine Einschränkung der Steuerunfähigkeit erscheine vor diesem Hintergrund plausibel (vgl. Urteil S. 51 f.). Die Einschätzung im Zweitgutachten, wonach der Beschwerdeführer einen "biographischen Knick" zeige, "wie er nicht selten bei jungen Erwachsenen typischerweise in der Adoleszenz mit zunehmender Selbstverantwortung und höherer Stressbelastung beobachtbar" sei, greife zu kurz und vermöge nicht vollständig zu überzeugen. Der Schlussfolgerung im Zweitgutachten, wonach nicht von einzelnen umschriebenen Zeitpunkten mit ausgeprägt schlechter psychischer Verfassung mit relevanter Ausprägung auf die Steuerungsfähigkeit gesprochen werden könne, sei entgegenzuhalten, dass das unter den Anklageziffern 1 und 2 beschriebene Vorgehen des Beschwerdeführers gerade Ausdruck seines kombinierten Störungsbildes und des dadurch ausgelösten Deliktsmechanismus sei, welcher im Erstgutachten überzeugend dargestellt worden sei (vgl. Urteil S. 52 f.). Da entsprechend der Einschätzung im Zweitgutachten nur eine leicht- bis allenfalls mittelgradig ausgeprägte depressive Episode vorgelegen habe, lasse sich das hartnäckige, zielstrebige und unablässige Vorgehen des Beschwerdeführers, das im Zusammenhang mit den Anklageziffern 1 und 2 habe erstellt werden können, durchaus mit einer Verminderung von Aktivität vereinbaren, die symptomatisch für eine solche Störung sei (vgl. Urteil S. 53). Folglich sei zugunsten des Beschwerdeführers im Ergebnis mit dem Erstgutachten davon auszugehen, dass er sich aufgrund der Wechselwirkung zwischen seinem psychisch schwer beeinträchtigten Zustand bzw. seinem kombinierten Störungsbild (Somatisierungsstörung, leicht- bis mittelgradige depressive Episode, Pädophilie) und den damaligen Lebensumständen, insbesondere seiner sozialen Isolation und der fehlenden Alltagsstruktur, nicht ausreichend dem Drang habe widersetzen können, die Taten gemäss den Anklageziffern 1 und 2 zu verüben. Daraus ergebe sich eine massgebliche Einschränkung der Steuerungsfähigkeit. Dem Zweitgutachten könne dagegen nicht vollständig gefolgt werden, wenn demnach die Kombination der verschiedenen psychischen Störungen mit der damaligen Lebenssituation des Beschwerdeführers als nicht relevant einschränkend hinsichtlich der Steuerungsfähigkeit eingeschätzt worden sei (vgl. Urteil S. 53 f.). Die Vorinstanz hält bezüglich der Frage, in welchem Umfang die Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei, fest, eine exakte Einstufung der Herabsetzung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit sei praxisgemäss nicht möglich. Eine mittlere Einschränkung sei aber nicht leichthin anzunehmen. Da dem Beschwerdeführer im Einklang mit dem Zweitgutachten nur eine leicht- bis allenfalls mittelgradig depressive Episode zwischen 2011 und 2014 zu attestieren sei, erscheine es unter Berücksichtigung der weiteren relevanten Umstände angezeigt, von einer leichten Verminderung der Schuldfähigkeit im genannten Zeitraum auszugehen (vgl. Urteil S. 54).