Citation: 1P.219/2001 12.07.2001 E. 2

2.- a) Nach Auffassung des Beschwerdeführers ist die Beweiswürdigung im angefochtenen Entscheid willkürlich, weil das Obergericht gestützt auf das Gutachten der Psychiatrischen Dienste des Kantons Aargau bezüglich des Tötungsdelikts vom 22. Mai 1998 eine verminderte Zurechnungsfähigkeit verneint habe. Das Gutachten sei nicht schlüssig und in sich widersprüchlich, weshalb ein Obergutachten hätte angeordnet werden müssen. b) Willkür in der Beweiswürdigung liegt nach ständiger Praxis des Bundesgerichts vor, wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen, auf einem offenkundigen Fehler beruhen oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufen. Dabei genügt es nicht, wenn der angefochtene Entscheid sich nur in der Begründung als unhaltbar erweist; eine Aufhebung rechtfertigt sich erst, wenn er auch im Ergebnis verfassungswidrig ist. An diesem aus Art. 4 aBV abgeleiteten Willkürbegriff hat sich durch den am 1. Januar 2000 in Kraft getretenen Art. 9 BV inhaltlich nichts geändert (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41, mit Hinweis). Ein Verstoss gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung kann namentlich dann vorliegen, wenn der Richter auf ein nicht schlüssiges Gutachten abstellt oder er auf gebotene zusätzliche Beweiserhebungen verzichtet. Solche sind zu treffen, wenn dem Richter die Schlüssigkeit einer Expertise in wesentlichen Punkten zweifelhaft erscheint. Nach der Rechtsprechung darf der Richter in Sachfragen nur aus triftigen Gründen von der Expertise abweichen (BGE 118 Ia 144 E. 1c S. 146 f., mit Hinweisen). c) aa) Die gerichtlich eingesetzten Experten haben beim Beschwerdeführer gestützt auf dessen Biografie, die Fremdangaben sowie die aktuellen psychiatrischen und psychologischen Untersuchungen eine Störung des Sozialverhaltens bei einer inneren Verwahrlosung festgestellt. Gemäss der ICD-10-Klassifikation psychischer Krankheiten sei eine derartige Störung durch ein sich wiederholendes und andauerndes Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens charakterisiert (Gutachten S. 28). Diese aus psychiatrischer Sicht diagnostizierte Störung entspreche dem rechtlichen Begriff einer geistig mangelhaften Entwicklung. Sie habe die Einsichtsfähigkeit des Beschwerdeführers in das Unrecht der Tat nicht beeinflusst. Die Störung habe wohl die Steuerungsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinträchtigt, doch dürfe dies allein noch keine forensisch relevante Verminderung der Zurechnungsfähigkeit zur Folge gehabt haben. Erst die Kombination mit Kokain- und Alkoholkonsum habe zu einer maximal leichtgradig verminderten Zurechnungsfähigkeit führen können (Gutachten S. 31). bb) Das Obergericht hat zu dieser Expertise festgehalten, sie entspreche vollumfänglich den von der Praxis an psychiatrische Gutachten gestellten Anforderungen, beruhe auf mehreren eingehenden körperlichen und testpsychologischen Untersuchungen und berücksichtige sowohl die Vorakten wie auch fremdanamnestische und eigene Angaben des Angeklagten. Die Beurteilung sei inhaltlich sachgerecht und widerspruchsfrei, die Schlussfolgerungen seien begründet, schlüssig und nachvollziehbar. Es bestehe kein Anlass, an den gutachterlichen Ausführungen zu zweifeln. Diese Erwägungen sind nicht offensichtlich unhaltbar. Bei der Beantwortung der Frage nach einer allfälligen Verminderung der Zurechnungsfähigkeit im Sinne von Art. 11 StGB haben die Gutachter ausdrücklich die von ihnen diagnostizierte Störung des Sozialverhaltens erwähnt. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers haben demnach die Gutachter die Ergebnisse ihrer testpsychologischen Untersuchungen bei der Beurteilung der Zurechnungsfähigkeit berücksichtigt. Die Gutachter haben sodann mit einleuchtender Begründung verneint, dass die diagnostizierte Störung des Sozialverhaltens allein eine Verminderung der Zurechnungsfähigkeit des Beschwerdeführers im Tatzeitpunkt hätte bewirken können. Die Ausführungen des Beschwerdeführers bieten schliesslich keinen hinreichenden Grund anzunehmen, er leide an einem weitergehenden, von den Gutachtern nicht erkannten psychischen Gesundheitsschaden. Das Obergericht durfte unter diesen Umständen von der Anordnung eines Obergutachtens absehen und die Frage einer verminderten Zurechnungsfähigkeit des Beschwerdeführers gestützt auf das vorliegende psychiatrische Gutachten prüfen, ohne dadurch in Willkür zu verfallen. Die Rüge der Verletzung von Art. 9 BV erweist sich als unbegründet. Die staatsrechtliche Beschwerde ist aus den genannten Gründen abzuweisen, soweit auf sie eingetreten werden kann.