Citation: 5A_156/2022 E. 3.3.3

3.3.3. Die Beschwerdeführerin ist anwaltlich vertreten. Es konnte für sie in der Folge nicht überraschend sein, dass das Obergericht auf den Kontostand bei der K.________ und das Darlehen der Tochter eingehen würde und dass diesbezüglich aktuelle Ausführungen und Belege erforderlich sein würden. Ebenso wenig konnte es überraschen, dass sich das Obergericht mit dem Verbleib der Restbeträge der Konti I.________ und F.________ befassen würde, zumal das letztgenannte Gegenstand des Kollokationsprozesses ist und das erstere darin ebenfalls erwähnt wird. Wenn das Obergericht darauf verzichtet hat, von der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin eine weitere Stellungnahme einzuholen oder selber weitere Untersuchungen anzustellen, so ist dies nach der dargestellten Rechtsprechung nicht zu beanstanden. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder des Untersuchungsgrundsatzes ist nicht ersichtlich. Daran ändert das Vorbringen der Beschwerdeführerin nichts, das Gesuch vor Obergericht sei vollständig gewesen, weshalb die oben genannte bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Ausschluss einer Nachfristsetzung nicht anwendbar sei. Des Weiteren besteht - wie bereits gesagt (oben E. 3.1) - kein Anspruch darauf, dass die Rechtsmittelinstanz bei der Prüfung der Mittellosigkeit (im Rahmen der Behandlung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege für das Rechtsmittelverfahren) die vorgelegten Tatsachen und Beweismittel gleich wertet wie die erste Instanz, die die unentgeltliche Rechtspflege gewährt hat. Wenn die Rechtsmittelinstanz diesbezüglich zu einem anderen Ergebnis kommt als die erste Instanz, liegt keine unerwartete Sachverhaltsfeststellung oder Rechtsanwendung vor. Dass unterschiedliche Gerichte zu unterschiedlichen Schlüssen kommen können, liegt vielmehr im Wesen der Rechtsfindung. Auch darauf hat sich eine anwaltlich vertretene Partei einzustellen. Dies gilt vorliegend umso mehr, als die erstinstanzliche Verfügung vom 9. Juni 2017, in der das Bezirksgericht die Mittellosigkeit behandelt hat, nicht das Ergebnis eines detaillierten Abwägungsprozesses ist. Vielmehr hat sich das Bezirksgericht im Wesentlichen darauf beschränkt, die Behauptungen der Beschwerdeführerin wiederzugeben, um diese dann "gesamthaft betrachtet" als genügende Darlegung ihrer Prozessarmut zu werten.