Citation: 8C_735/2022 E. 4.2

4.2. Dieser Einwand ist insofern stichhaltig, als Dr. med. C.________ auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Psychiatrie D.________ im Bericht vom 4. Februar 2020 in der Tat nicht einging. Es finden sich keine Äusserungen dazu, weshalb er davon abweichend eine volle Arbeitsfähigkeit attestierte. Der psychiatrische Experte legte zwar dar, dass er, anders als im Bericht der Psychiatrie D.________ vom 4. Februar 2020, keine mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F32.1), sondern bloss eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.00) feststellen konnte. Ebenso wenig erachtete er eine Persönlichkeitsstörung als gegeben. Die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) mit chronischem unspezifischem multilokulärem Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.9) bestätigte er hingegen. Er hielt überdies fest, dass die Beschwerdeführerin keine psychiatrische Behandlung mehr beanspruche, indessen eine Schmerzgruppe besuche. In der ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 3. Mai 2021 betonte Dr. med. C.________, die genannten psychischen Störungen wögen nicht derart schwer, dass der Beschwerdeführerin die notwendige Willensanstrengung dennoch zu arbeiten, nicht zugemutet werden könne. Der Beschwerdeführerin ist zuzustimmen, dass sich die fehlende Arbeitsunfähigkeit gemäss Expertise nicht zwingend aus dem Verneinen einer Persönlichkeitsstörung oder dem festgestellten Schweregrad der depressiven Störung ergibt. Es hätte einer nachvollziehbaren und schlüssigen Begründung bedurft, weshalb im Gutachten bei der Festsetzung der Arbeitsfähigkeit eine zur Einschätzung der behandelnden Psychiater diametral entgegengesetzte Meinung vertreten wurde und sich jene aus medizinischer Sicht nicht halten liesse, zumal die Schmerzproblematik ebenfalls festgestellt wurde. Der Hinweis von Dr. med. C.________ auf die der Beschwerdeführerin zumutbare "notwendige Willensanstrengung" zur Verwertung einer Arbeitsfähigkeit löst die bestehenden Differenzen nicht rechtsgenüglich auf. Dies gründet - entgegen der Beschwerde - nicht in der verwendeten Formulierung, aus der nicht ohne Weiteres abzuleiten ist, der Gutachter verwende ein überholtes "versicherungsmedizinisches Konzept" (vgl. BGE 137 V 64; 130 V 352; zuletzt: BGE 140 V 8 E. 2.2), sondern es ergibt sich aus der fehlenden Nachvollziehbarkeit.