Citation: 6B_59/2022 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwog, dass der ausschliesslich über die pakistanische Staatsbürgerschaft verfügende Beschwerdeführer eine Straftat verübt habe, die nach Art. 66a Abs.1 lit. o StGB eine obligatorische Landesverweisung zur Folge hat. Einen schweren persönlichen Härtefall verneinte sie aus folgenden Überlegungen: Der Beschwerdeführer sei zwar schon lange in der Schweiz, jedoch erstmals im Alter von 21 Jahren in die Schweiz eingereist. Er habe somit die prägende Kindheit, Jugendzeit und Adoleszenz in Pakistan verbracht, wo er auch einige Jahre gearbeitet habe. Er spreche relativ gut Deutsch, wenn auch nicht immer einwandfrei verständlich, was nach einem Aufenthalt von rund 20 Jahren in der Schweiz allerdings auch erwartet werden könne. Neben Deutsch werde in seiner Familie Urdu gesprochen. Über eine Berufsausbildung verfüge der Beschwerdeführer nicht, er habe einzig einen ungefähr zweimonatigen Gastronomiekurs in der Schweiz besucht. Er sei während seines Aufenthalts in der Schweiz verschiedentlich im Gastronomiebereich tätig gewesen. Aktuell arbeite er zu 100 % als Servicefachangestellter und verdiene monatlich ca. Fr. 4'000.-- netto. Zusätzlich nehme er monatlich ein paar hundert Franken mit dem Safran- und Morchelhandel ein, den er neben seiner unselbständigen Berufstätigkeit aufzuziehen versuche. Die berufliche Integration des Beschwerdeführers könne vor diesen Hintergründen grundsätzlich als geglückt, aber nicht überdurchschnittlich bezeichnet werden. Zu diesem Schluss führe zunächst, dass die Familie trotz der Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers während zweier Jahre sozialhilfebedürftig gewesen sei. Weiter bestünden Zweifel an der langfristigen finanziellen Selbständigkeit der Familie. Nach Einschätzung des betreuenden Sozialdienstes sei die Gefahr eines erneuten Sozialhilfebezuges nicht von der Hand zu weisen. Auch die angekündigte Arbeitstätigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Eine umfangreiche Arbeitstätigkeit der Ehefrau sei jedenfalls nicht zu erwarten. Betreffend die soziale Integration des Beschwerdeführers erwog die Vorinstanz, es sei zu würdigen, dass er zu den Personen, mit denen er den Drogenhandel betrieb, keinen Kontakt mehr pflege. Der Beschwerdeführer verfüge aufgrund seiner Arbeitstätigkeit über ein gewisses soziales Umfeld ausserhalb seiner Familie. Allerdings sei er nicht in besonderem Masse sozial integriert. Ausserhalb des Berufsalltags fehlten nach wie vor soziale Kontakte wie etwa Vereinstätigkeiten. Seine soziale Integration gehe nicht über eine normale Integration hinaus. Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer aus rein finanziellen Beweggründen und ohne eine eigene Suchterkrankung im mengenmässig qualifizierten Bereich mit Betäubungsmitteln gehandelt und damit die öffentliche Sicherheit und Ordnung der Schweiz massiv missachtet habe. Damit spreche einzig die Aufenthaltsdauer in der Schweiz für einen Härtefall. Der Grad seiner Integration entspreche dem, was nach einem Aufenthalt von rund 20 Jahren in der Schweiz als normal zu bezeichnen sei. Eine darüber hinausgehende, besonders gute Integration liege weder in sprachlicher noch in beruflich-wirtschaftlicher oder sozialer Hinsicht vor. Weiter seien der Beschwerdeführer und seine Familienmitglieder in guter gesundheitlicher Verfassung und somit nicht dringend auf eine ärztliche Versorgung angewiesen, die nur in der Schweiz gewährleistet wäre. Die mit einer Landesverweisung verbundene Härte übersteige deshalb nicht jene Schwierigkeiten, die typischerweise mit einer Landesverweisung verbunden seien. Auch mit Blick auf das Recht auf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 13 BV und Art. 8 EMRK ergebe sich nichts anderes. Ein Recht auf Verbleib in der Schweiz lasse sich nur unter besonderen Umständen daraus ableiten. Eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integration genügen hierzu nicht; erforderlich seien besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur. Solche lägen nach dem Ausgeführten nicht vor und die Landesverweisung erweise sich mit Blick auf die Integration des Beschwerdeführers nicht als besonders hart. Was das Familienleben anbelange, lasse sich - so die Vorinstanz - ein Härtefall erst bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des Ausländers auf das in Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK gewährleistete Familienleben annehmen. Der Beschwerdeführer habe keine familiäre Beziehung mit einer gefestigt anwesenheitsberechtigten Person in der Schweiz, die vom Schutzbereich von Art. 8 EMRK erfasst wäre. Seine Ehefrau und Kinder, die als Kernfamilie grundsätzlich unter den Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK fielen, seien im Rahmen des Familiennachzuges in die Schweiz gekommen. Ihre Aufenthaltstitel seien von dem des Beschwerdeführers abhängig, da sie selbst noch nicht lange genug in der Schweiz seien, um über ein eigenes gefestigtes Anwesenheitsrecht zu verfügen. Weiter sei es der Ehefrau des Beschwerdeführers und den gemeinsamen Kindern möglich und zumutbar, ihr Familienleben mit dem Beschwerdeführer in Pakistan zu pflegen. Die Ehefrau sei einzig aufgrund ihrer Heirat mit dem Beschwerdeführer in die Schweiz gekommen. Es könne ihr mangels besonderer Integration in der Schweiz ohne Weiteres zugemutet werden, in ihr Heimatland zurückzukehren. Gleiches gelte für die Kinder, auch wenn eine Rückkehr nach Pakistan für die älteren, bereits schulpflichtigen Kinder eine grosse Umstellung bedeute. Die Kinder sprächen jedoch Urdu, seien durch ihr Elternhaus mit der pakistanischen Kultur vertraut und befänden sich in einem anpassungsfähigen Alter. Mit diesen Voraussetzungen sei es ihnen möglich, sich in Pakistan zu integrieren und dort Fuss zu fassen. Auch mit Blick auf die Kinderrechtskonvention ergäben sich keine anderen Schlüsse: Sogar wenn die gemeinsamen Söhne in der Schweiz verblieben und eine enge Eltern-Kind-Beziehung wegen der Distanz zwischen der Schweiz und Pakistan praktisch nicht aufrecht erhalten werden könne, lasse dieser Umstand eine ausländerrechtliche Wegweisung nicht bereits als unverhältnismässig erscheinen. Das gelte umso mehr bei einer strafrechtlichen Landesverweisung. Schliesslich stünden mit Blick auf die Wiedereingliederung des Beschwerdeführers in Pakistan die von ihm geltend gemachten fehlenden Perspektiven und allfälligen privaten Schwierigkeiten bei einer Rückkehr in sein Heimatdorf einer Wiedereingliederung in Pakistan nicht entgegen. Der Beschwerdeführer sei seit seiner Ankunft in der Schweiz mehrfach in Pakistan gewesen und habe selbst eingeräumt, dass er dabei keine Probleme mit den Behörden gehabt habe. Er habe denn auch in Pakistan geheiratet. Er und seine Frau pflegten offenbar zumindest mit deren Familie Kontakt. Der Beschwerdeführer sei in seiner Heimat somit durchaus sozial und kulturell verankert. Er sei mit den lokalen Begebenheiten und der Kultur in Pakistan vertraut. Die Tatsache, dass die wirtschaftliche Situation sowie die Bildungsmöglichkeiten für seine Kinder in der Schweiz besser sein dürften, treffe auf zahlreiche Länder der Welt zu und stelle keine vergleichsweise besondere Härte dar. Dem Beschwerdeführer drohe in Pakistan weder eine Verfolgung noch wäre seine Rückkehr mit anderen völker- oder landesrechtlich verpönten Nachteilen verbunden. In Erwägung all dieser Umstände kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass eine Landesverweisung für den Beschwerdeführer keinen schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB begründet.