Citation: 9C_710/2024 E. 4.4.2

4.4.2. Streitig ist sodann, ob die Einschätzungsmitteilung vom 9. Juli 2020 zu einer weiteren Unterbrechung geführt hat. Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Einschätzungsmitteilung sei nicht ihr, sondern der "B.________ AG" zugestellt worden, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits Steuernachfolgerin gewesen und die "B.________ AG" per 30. Juni 2020 aus dem Mehrwertsteuerregister gelöscht gewesen sei. Der ESTV sei dies bekannt gewesen, weshalb ihr nicht vorgeworfen werden könne, sie habe die Steuernachfolge nicht gemeldet. Aus den für das Bundesgericht bindenden vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen (Art. 105 Abs. 1 BGG; vorne E. 2.2) ergibt sich, dass die ESTV zwischen Juni 2019 und April 2020 bei der "B.________ AG" eine Kontrolle durchgeführt hat. Diese deklarierte sodann für die ersten beiden Quartale 2020 Umsätze. Erst als sie die Abrechnung für das dritte Quartal nicht einreichte und von der ESTV am 10. März 2021 ermahnt wurde, teilte sie der ESTV am 27. März 2021 mit, dass sie ihre Aktivitäten per 31. Dezember 2019 vollständig eingestellt habe. In der Folge wurde die "B.________ AG" rückwirkend per 30. Juni 2020 aus dem Mehrwertsteuerregister gelöscht (Sachverhalt B des angefochtenen Urteils). Inwieweit die ESTV bei dieser Sachlage bereits im Frühjahr 2020 hätte wissen müssen, dass die "B.________ AG" nicht mehr aktiv war, ist nicht ersichtlich. Alleine die Umfirmierung und die Gründung der Beschwerdeführerin gaben der ESTV offenkundig keinen Anlass, von einer Steuernachfolge auszugehen. Die ESTV hat daher die Einschätzungsmitteilung vom 9. Juli 2020 zu Recht an die "B.________ AG" versandt, was sich die Beschwerdeführerin anrechnen lassen muss, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt bereits die Steuernachfolge angetreten hatte. Damit wurde die relative Festsetzungsverjährung am 9. Juli 2020 erneut unterbrochen (Art. 42 Abs. 2 MWSTG).