Citation: B 153/06 09.08.2007 E. 3

3.1 In der Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung vom 15. Juni 2004 gab der Beschwerdeführer an, er leide seit dem Jahr 2001 an einem Burn-out-Syndrom (Blockierung, Leistungsunfähigkeit, Arbeitsunfähigkeit, dauernder Erschöpfungszustand). Der stetig steigende Leistungsdruck sowie der dauernde Umsatzdruck hätten ihn nach 35-jähriger Verkaufstätigkeit völlig ausgelaugt und krank gemacht. Bei geringstem Druck oder Problemen sei er blockiert und nicht mehr funktionsfähig, weshalb er für den Arbeitsprozess unbrauchbar geworden sei. Die altersbedingte Abnahme des Gedächtnisses sowie ein kontinuierlich lauter werdender Tinnitus behinderten ihn zusätzlich. Dies habe schliesslich zu Kündigungen durch die letzten drei Arbeitgeber geführt. Aus dem Anmeldeformular geht des Weiteren hervor, dass der Beschwerdeführer im Januar/Februar 2004 durch Dr. med. M.________ psychotherapeutisch behandelt wurde. Im Bericht dieses Arztes vom 22. Juni 2004 werden als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Depressionen mit Burn-out-Syndrom sowie eine vermehrte Vergesslichkeit genannt; als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit werden eine Schwerhörigkeit sowie ein Tinnitus erwähnt. Nach den ärztlichen Angaben bestehen die Depressionen und das Burn-out-Syndrom "seit einigen Jahren", die vermehrte Vergesslichkeit "seit Jahren". Die Frage nach dem Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von mindestens 20 % wird mit "unklar" beantwortet. In dem in der Folge eingeholten psychiatrischen Gutachten stellt Dr. med. K.________ nebst einem therapieresistenten Tinnitus sowie einer Innenohrschwerhörigkeit beidseits eine mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32.1) fest. Zum Krankheitsverlauf führt er aus, der Versicherte leide seit ca. 1990 an depressiven Verstimmungen und seit ca. 1994 an Überforderungen am Arbeitsplatz. Ab 1996 sei es wiederholt zu Situationen gekommen, in denen er im Kundengespräch blockiert gewesen sei und nicht mehr habe argumentieren können. In der Folge sei es zu einer zunehmenden Verschlimmerung dieser Symptomatik mit begleitenden psychovegetativen Erscheinungen (kalter Schweiss, Zittern der Hände, Durchfall etc.) gekommen. Seine Tätigkeit als Verkäufer und Verkaufsleiter sei dadurch zunehmend erschwert worden bis er seinen Aufgaben schliesslich nicht mehr habe nachkommen können. Dementsprechend seien ihm die Arbeitsverhältnisse in immer kürzeren Abständen gekündigt worden. Zur Frage nach dem Eintritt einer dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit stellt der Gutachter fest, eine solche dürfte seit 1997 bestehen. In welchem Umfang sei schwierig abzuschätzen. Allenfalls wäre damals eine Teilzeittätigkeit von ca. 50 % noch möglich gewesen. Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit dürfte seit dem Jahr 2000 bestehen. Dr. med. B.________ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Invalidenversicherung schloss sich dieser Beurteilung an. Dementsprechend setzte die IV-Stelle den Beginn der für die Wartezeit nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG massgebenden Arbeitsunfähigkeit auf das Jahr 2000 fest. Der genaue Zeitpunkt war insofern ohne Belang, als sich der Versicherte erst am 15. Juni 2004 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung angemeldet hatte und ein Anspruch frühestens im Juni 2003 entstehen konnte (Art. 48 Abs. 2 IVG). 3.2 Im Hinblick darauf, dass die bereits früher dokumentierte Schwerhörigkeit und der Tinnitus nach ärztlicher Auffassung ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleiben und die bestehende psychische Beeinträchtigung (depressive Episode, Burn-out-Syndrom) bis Anfang 2004 zu keinen ärztlichen Behandlungen Anlass gegeben hat, handelt es sich bei den ärztlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit um eine rückwirkende medizinisch-theoretische Beurteilung, welche für sich allein nicht genügt. Dazu kommt, dass in Bezug auf die Stichhaltigkeit der ärztlichen Angaben Zweifel bestehen. Abgesehen davon, dass der fragliche Eintritt der Arbeitsunfähigkeit als "unklar" bzw. "schwer abschätzbar" bezeichnet wird, stützen sich die Beurteilungen vorab auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und beruhen auf tatsächlichen Annahmen, welche nicht durchwegs zutreffend sind. So wird in der gutachterlichen Beurteilung davon ausgegangen, dass der Versicherte nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei der Firma N.________ Ende Februar 1998 zunehmend überfordert gewesen sei und ihm die drei weiteren Stellen in immer kürzeren Abständen gekündigt worden seien. Effektiv war der Beschwerdeführer im Anschluss an die Tätigkeit für die Firma N.________ während vier Monaten (1. März bis 30. Juni 1998) bei der Firma P.________, während zwei Jahren (1. Juli 1998 bis 30. Juni 2000) bei der Firma O.________ AG und während anderthalb Jahren (1. Juli 2000 bis 18. Dezember 2001) bei der Firma D.________ angestellt. Wie schon bei der Firma N.________ erfolgten die Kündigungen bei den Firmen O.________ AG und D.________ aus (betriebs)wirtschaftlichen Gründen und es wurden seitens der Arbeitgeber keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen festgestellt. Gegen die Annahme einer relevanten Arbeitsunfähigkeit sprechen auch die in den Akten enthaltenen Angaben des Beschwerdeführers zu den einzelnen Arbeitsverhältnissen. In einer Übersicht über die bisherigen Tätigkeiten führt er aus, er habe als "Key Account Manager" für die Firma O.________ AG bereits im ersten Geschäftsjahr den Umsatz um 90 % steigern können. Durch die betriebliche Reorganisation im Jahr 2000 sei u.a. die "KAM-Abteilung" aufgelöst worden, weshalb er sich entschlossen habe, das Stellenangebot der Firma D.________ anzunehmen. Seinen Angaben zufolge war er auch beim neuen Arbeitgeber erfolgreich und konnte bereits im ersten Geschäftsjahr die "D.-Champions-League" erreichen. Die Zusammenlegung der beiden Filialen X.________ und Y.________ in Z.________ veranlassten ihn, "eine neue Herausforderung zu suchen". In der Folge war er arbeitslos bei voller Vermittlungsfähigkeit. Während der Arbeitslosigkeit besuchte er vom 21. Januar bis 25. Februar 2002 einen Kurs. Am 1. Juni 2002 trat er die Stelle bei der Firma Q.________ an, die ihm auf den 30. November 2002 gekündigt wurde. Gemäss Kündigungsschreiben vom 18. Oktober 2002 erfolgte die Auflösung des Arbeitsverhältnisses wegen der "bei weitem nicht ausreichenden Vertriebsaktivitäten" des Arbeitnehmers. Dass die ungenügende Leistung krankheitsbedingt war, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Laut dem von der Invalidenversicherung eingeholten Fragebogen für den Arbeitgeber hatte die Firma Q.________ keine Kenntnis von einem Gesundheitsschaden des Arbeitnehmers. Fest steht zudem, dass sich der Beschwerdeführer im Anschluss an die Kündigung erneut bei der Arbeitslosenversicherung zum Leistungsbezug gemeldet und sich als voll vermittlungsfähig bezeichnet hat. Wird zusätzlich berücksichtigt, dass er sich unbestrittenermassen erst im Januar 2004 in ärztliche Behandlung begeben und sich erst im Juni 2004 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung gemeldet hat, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz zum Schluss gelangt ist, für die Zeit vor Anfang 2004 sei eine relevante Arbeitsunfähigkeit nicht mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen.