Citation: 6B_774/2020 E. 3.3.5

3.3.5. Insoweit der Beschwerdeführer alsdann zumindest sinngemäss eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes geltend macht (Beschwerde S. 31), ist eine solche nicht erkennbar. Nach Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist. Art. 6 Ziff. 1 EMRK vermittelt diesbezüglich keinen weitergehenden Schutz als Art. 29 Abs. 1 BV. Gemäss Art. 5 Abs. 1 StPO nehmen die Strafbehörden die Strafverfahren unverzüglich an die Hand und bringen sie ohne unbegründete Verzögerung zum Abschluss. Das Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörden, ein Strafverfahren mit der gebotenen Beförderung zu behandeln, nachdem die beschuldigte Person darüber in Kenntnis gesetzt wurde. Sie soll nicht länger als notwendig den Belastungen eines Strafverfahrens ausgesetzt sein. Die Beurteilung der angemessenen Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Ob sich die Dauer als angemessen erweist, ist in jedem Einzelfall unter Würdigung aller konkreten Umstände zu prüfen (BGE 143 IV 373 E. 1.3.1 mit Hinweisen). Von den Behörden und Gerichten kann nicht verlangt werden, dass sie sich ständig einem einzigen Fall widmen. Aus diesem Grund sowie wegen faktischer und prozessualer Schwierigkeiten sind Zeiten, in denen das Verfahren stillsteht, unumgänglich. Wirkt keiner dieser Verfahrensunterbrüche stossend, ist eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen. Dabei können Zeiten mit intensiver behördlicher oder gerichtlicher Tätigkeit andere Zeitspannen kompensieren, in denen aufgrund der Geschäftslast keine Verfahrenshandlungen erfolgten. Eine Sanktion drängt sich nur auf, wenn seitens der Strafbehörde eine krasse Zeitlücke zu Tage tritt. Dabei genügt es nicht, dass die eine oder andere Handlung mit einer etwas grösseren Beschleunigung hätte vorgenommen werden können. Als krasse Zeitlücke gilt etwa eine Untätigkeit von 13 oder 14 Monaten im Stadium der Untersuchung, eine Frist von vier Jahren für den Entscheid über eine Beschwerde gegen eine Anklagehandlung oder eine Frist von zehn oder elfeinhalb Monaten für die Weiterleitung eines Falles an die Beschwerdeinstanz (BGE 130 IV 54 E. 3.3.3; Urteile 6B_122/2017 vom 8. Januar 2019 E. 11.7.1; 6B_987/2016 vom 28. Oktober 2016 E. 1.2.1; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz erwägt, dass die Bearbeitung des Falles einzig zwischen dem Ablauf der Frist für die Anschlussberufung bis zum Zeitpunkt geruht habe, in welchem die Bemühungen zur Terminierung der Berufungsverhandlung hätten in Angriff genommen werden können. Diese Zeitspanne habe rund sieben Monate betragen (angefochtenes Urteil S. 42). Das erstinstanzliche Urteil war am 1. November 2018 gefällt und am 22. November 2018 eröffnet worden; der Versand des begründeten Urteils erfolgte am 11. Februar 2019. Die Berufungserklärung des Beschwerdeführers ging beim Obergericht am 25. Februar 2019, jene des Beschwerdegegners 2 am 2. März 2019 ein. Die Frist für die Einreichung allfälliger Anschlussberufungen dauerte bis Ende März 2019. Die Vorladungen für die auf den 9. März 2020 anberaumte Berufungsverhandlung wurden anfangs Dezember 2019 versandt. Die Berufungsverhandlung samt mündlicher Urteilseröffnung fand alsdann am 9. März 2020 statt (angefochtenes Urteil S. 7, 50). Dem Beschwerdeführer ist zwar beizupflichten, dass das kantonale Verfahren ab Ende März 2019 grundsätzlich beförderlicher hätte geführt werden können. Entscheidend ist aber, dass zwischen dem (eröffneten) erstinstanzlichen und dem zweitinstanzlichen Urteil eine Dauer von rund 15 Monaten liegt bzw. das Berufungsverfahren ab Eingang der Berufungserklärungen rund zwölf Monate gedauert hat, was zu keiner Beanstandung Anlass gibt (BGE 130 IV 54 E. 3.3.3). Mithin erscheint damit der Verfahrensstillstand von sieben Monaten weder krass noch besonders stossend, da von den Behörden und Gerichten nicht verlangt werden kann, dass sie sich ständig einem einzigen Fall widmen, womit unumgänglich ein Stillstand von Verfahren einhergeht. Die Vorinstanz hat alsdann die Gesamtdauer des Verfahrens bis zur Berufungsverhandlung zu Recht als kurz bezeichnet, womit sie ohne Weiteres von einer Kompensation der fraglichen Zeitspanne ausgehen durfte. Die Rüge, das Beschleunigungsgebot sei verletzt worden, erweist sich damit als unbegründet.