Citation: 5A_42/2020 E. 5.5

5.5. Dem Beschwerdeführer ist darin beizupflichten, dass das Kantonsgericht auf der Seite der Beschwerdegegnerin die Frage der Ausdehnung der Erwerbstätigkeit nicht geprüft hat. Die pauschale Begründung des Kantonsgerichts, wonach genügend Mittel vorhanden sind, um den Bedarf der Familie zu decken und die Anrechnung eines höheren, hypothetischen Einkommens aufseiten der Beschwerdegegnerin daher nicht angezeigt sei, lässt die vorstehend zitierte bundesgerichtliche Rechtsprechung ausser Acht. Der Umstand, dass das Eheschutzurteil (voraussichtlich) bald durch ein Scheidungsurteil, welches ebenfalls die Unterhaltsbeiträge zum Gegenstand hat, ersetzt wird, entbindet das Eheschutzgericht - entgegen dem, was die Beschwerdegegnerin anzunehmen scheint - freilich nicht davon, die Unterhaltsbeiträge korrekt zu ermitteln. Vielmehr hat das Eheschutzgericht in Fällen, in denen erstellt ist, dass mit einer Wiederaufnahme des gemeinsamen Haushalts nicht mehr ernsthaft gerechnet werden kann, im Rahmen von Art. 163 ZGB die für den nachehelichen Unterhalt geltenden Kriterien, namentlich den Vorrang der Eigenversorgung, miteinzubeziehen und aufgrund der neuen Lebensverhältnisse zu prüfen, ob und in welchem Umfang vom Ehegatten, der bisher den gemeinsamen Haushalt geführt hat, davon aber nach dessen Aufhebung entlastet ist, erwartet werden kann, dass er seine Arbeitskraft anderweitig einsetze und eine Erwerbstätigkeit aufnehme oder ausdehne. Dass eine vorhandene Arbeitskapazität auszuschöpfen ist, entspricht denn auch einem allgemeinen Grundsatz im Unterhaltsrecht (vgl. zum Ganzen Urteil 5A_800/2019 vom 9. Februar 2021 E. 6.2 mit Hinweisen, zur Publikation vorgesehen). Vorliegend hat das Kantonsgericht weder Feststellungen zur Wahrscheinlichkeit einer Wiederaufnahme des gemeinsamen Haushaltes getroffen noch hat es geprüft, inwiefern der Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung des Schulstufenmodells die Ausdehnung ihrer Erwerbstätigkeit zumutbar und möglich erscheint. Die Beschwerdegegnerin behauptet zu Recht, dass im Einzelfall vom Schulstufenmodell abgewichen werden darf. Jedoch stellen die Erwägungen des Kantonsgerichts vorliegend entgegen ihrem Dafürhalten keine Begründung für eine solche Abweichung dar. Das Kantonsgericht ist bei der Festlegung des Einkommens der Beschwerdegegnerin somit in Willkür verfallen. Das angefochtene Urteil ist daher aufzuheben und an das Kantonsgericht zurückzuweisen, damit es die Frage der Ausschöpfung der Erwerbstätigkeit der Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung der dargelegten Rechtsprechung (vgl. E. 5.4 und E. 5.5) prüft und gestützt darauf allfällige Anpassungen bei den Unterhaltsbeiträgen vornimmt. In diesem Zusammenhang wird es auch das neu festgesetzte Einkommen des Beschwerdeführers zu berücksichtigen haben (vgl. E. 4.3.3). Aufgrund der Rückweisung erübrigt es sich, auf die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Bemessung der Unterhaltsbeiträge einzugehen.