Citation: U 365/02 16.09.2003 E. 4

4.1 Das Spital Y.________, wo die Versicherte vom 17. August bis 17. September 1999 hospitalisiert war, stellte im Bericht vom 29. September 1999 folgende Diagnose: lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD 10-M54.4) mit/bei Fehlform, Fehlhaltung und muskulärer Dysbalance, Status nach Morbus Scheuermann, degenerativen Veränderungen (Osteochondrose L3/L4), Übergangsanomalie (Lumbalisation S1), deutlicher Überlagerung; beginnende laterale Gonarthrose rechts mit/bei Genu valgum, Läsion des lateralen Meniskus und leichter Retropatellararthrose; Hyperventilationsanfälle bei psychosozialer Überlastungssituation; Grand mal-Epilepsie (Diagnose 82), Valproat-Behandlung. Die Versicherte leide seit dem Sturz vom 9. Februar 1999 an heftigen, tieflumbalen Rückenschmerzen ohne Schmerzausstrahlung, jedoch mit persistierenden Gefühlsstörungen im Bereich beider Beine ca. ab Bauchnabelhöhe und mit häufigen diffusen Kribbelparästhesien im Bereich beider Beine. Die bisherigen bildgebenden Abklärungen (konventionelle Aufnahmen, Computertomographie) hätten lediglich degenerative Veränderungen im Bereich der LWS mit einer geringen ossär-bedingten Einengung des lateralen Recessus L5/S1 gezeigt, jedoch keinen Anhaltspunkt für das Vorliegen traumatisch-bedingter ossärer Veränderungen. Die bei der Versicherten und ihrem Ehemann initial dominierenden Erklärungsversuche mit somatischen Ursachen hätten durch mehrfache Gespräche, u.a. mit dem Psychiater, insoweit beeinflusst werden können, als die Versicherte nun einen Zusammenhang zwischen ihren nicht beeinflussbaren Schmerzen und ihrem "angegriffenen Nervenkorsett" sehe. Aus rheumatologischer Sicht bestehe derzeit insbesondere für kniebelastende Arbeiten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Angesichts der Gesamtsituation bestehe derzeit jedoch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. 4.2 Das orthopädische Gutachten des Dr. med. S.________ vom 16. Oktober 2000 stützte sich u.a. auf eine Röntgenuntersuchung vom 14. März 2000 und auf ein MRI der LWS vom 17. März 2000. Dr. med. S.________ stellte folgende Diagnose: chronische Lumbalgien bei Status nach Kontusion der LWS vom 9. Februar 1999, Spondylarthrosen L3/S1, beginnender Gonarthrose rechts, Retropatellararthrose sowie geringgradiger Läsion des lateralen Meniskus rechts sowie Grand mal-Epilepsie. Bei der klinischen Untersuchung falle eine ausgeprägte, schmerzhafte Funktionseinschränkung der Lendenwirbelsäule auf. Die radiologische Abklärung habe bis auf altersentsprechende, mässiggradige degenerative Veränderungen im Sinne von Spondylarthrosen L3-S1 keine pathologischen Befunde ergeben; diese seien sicherlich vorbestehend. Sie seien jedoch vor dem Unfall asymptomatisch gewesen. Mit dem Sturz sei es zu einer Traumatisierung dieser degenerativen Veränderungen mit seither anhaltenden Beschwerden gekommen. Die zusätzlich beklagten Kniebeschwerden rechts seien erst ca. zwei Monate nach dem Unfall aufgetreten und seien bei ebenfalls radiologisch vorbestehenden, degenerativen Veränderungen mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht auf den Unfall zurückzuführen. Im Rahmen der Untersuchung falle eine verstärkte Schmerzempfindlichkeit auf. Wie bereits von diversen Voruntersuchern bemerkt, liege der Verdacht auf eine psychische Überlagerung nahe. Dies sei aber Folge und nicht Ursache der beklagten, seit dem Unfall bestehenden Rückenbeschwerden. Da die Versicherte vor dem Unfall keine Rückenbeschwerden gehabt habe, seien die aktuell geklagten Beschwerden sowie die allenfalls vorhandene psychische Überlagerung als Unfallfolge zu werten. Da die Versicherte aktuell nicht beschwerdefrei sei, könne nicht behauptet werden, der Status quo sine sei erreicht. Inwieweit die allfällige psychische Überlagerung die tatsächlich vorhandenen, somatischen Beschwerden verstärke, lasse sich aus orthopädischer Sicht nicht beurteilen. Hiefür sei eine psychiatrische Begutachtung notwendig. Aufgrund der aktuell beklagten, subjektiven Beschwerden sowie der klinisch schmerzhaften Funktionseinschränkung der LWS sei die Versicherte in der zuletzt ausgeübten, rückenbelastenden Tätigkeit nur noch stundenweise, maximal zwei Stunden täglich, arbeitsfähig. Medizinisch-theoretisch sei sie in einer leichten, rückenschonenden Tätigkeit zu mindestens 50 % arbeitsfähig. Die konservativen Therapien seien ausgeschöpft. Aufgrund der bisherigen Untersuchungen lasse sich nicht beurteilen, ob allenfalls eine operative Behandlung die Beschwerden lindern und damit die Arbeitsfähigkeit verbessern könnte. Hiefür müssten weitere Abklärungen mittels diagnostischer Infiltrationen und Discographien zur exakten Lokalisation des Schmerzursprungs erfolgen. Zur Zeit lehne die Versicherte entsprechende Infiltrationen und eine allfällige Operation ab. 4.3 Im psychiatrischen Gutachten des Spitals X.________ vom 21. Juni 2001 wurde Folgendes diagnostiziert: depressive Störung, gegenwärtig leichten Grades (ICD-10: F32.0), vorwiegend reaktiv bedingt durch andauernde Schmerzsymptomatik nach Unfallereignis am 9. Februar 1999; v.a. morbide Adipositas (BMI 33); Epilepsie, gemäss Akten Grand mal-Epilepsie. Der Einfluss psychischer Faktoren an der derzeitigen Arbeitsunfähigkeit, vor allem Erschöpfbarkeit, Antriebsstörung und verminderte emotionale Belastbarkeit, betrage gegenwärtig maximal 25 %. Die psychischen Beschwerden seien mit hoher Wahrscheinlichkeit als Folge des langdauernden Schmerzsyndroms durch den Unfall zu werten. Es lägen grundsätzlich noch Unfallfolgen vor im Sinne des reaktiv bedingten depressiven Syndroms; dieses sei unter optimaler Behandlung psychotherapeutisch und antidepressiv medikamentös besserungsfähig. Differenzialdiagnostisch könne eine somatoforme Schmerzstörung diskutiert werden; allerdings lasse sich der laut ICD-Definition "anhaltende schwere und quälende Schmerz" psychopathologisch nicht eruieren; auch finde sich kein ursächlicher psychosozialer Konflikt. Die jetzigen Beschwerden seien vorwiegend, d.h. über 75 % als unfallbedingt zu werten.