Citation: 6B_1155/2017 E. 2.8.5

2.8.5. Die vorinstanzliche Beurteilung ist nicht mit "Zynismus" (oben E. 2.8) zu qualifizieren, umso weniger als die Vorinstanz ein gewisses Verständnis für den Beschwerdeführer bekundet. Auch die gerichtliche Einladung an die Vollzugsbehörde, "entsprechende Möglichkeiten zu prüfen", lässt sich nicht missverstehen. Die Vollzugsbehörde wird an der Prüfung nicht vorbeikommen (Art. 64b StGB). Nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz ihre Kompetenz im Rahmen des "Streitgegenstands" ausübt. Die Vollzugsbehörde darf die Richtigkeit eines Urteils nicht überprüfen (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 1848; aber oben E. 1.3). Der Beschwerdeführer übergeht, dass die Vorinstanz seinen Antrag der Vollzugsbehörde zuständigkeitshalber zur Prüfung zuweist. Hinsichtlich eines "Abstandsgebots" ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer angebotene Verlegungen ablehnte. Er will eine externe ambulante Therapie ohne deliktrelevanten Bezug (ebenso rapportiert im Privatgutachten S. 44) und verkennt damit die strafrechtliche Massnahme, die einzig zur Verbesserung der Legalprognose angeordnet werden kann. Der Privatgutachter nimmt einerseits an, die gemeinsame Wellenlänge der zwei psychisch beeinträchtigten Personen gewährleiste eine stabile und harmonische Bindung; andererseits erkennt er eine allgemeine, totalistische Färbung des Beziehungsbedürfnisses des Beschwerdeführers, der eine symbiotische, konflikt- und schmerzfreie Beziehung suche und auf Disharmonien und Spannungen, wenn diese auch nur schon ansatzweise aufträten, massive Reaktionen von Unverträglichkeit und Intoleranz bis hin zu aggressiven Ausbrüchen zeige (Privatgutachten S. 63; auch Gutachten S. 70). Sein Entlassungsprojekt, mit dieser Frau leben zu wollen, erscheint angesichts der unbehandelten psychischen Verfasstheit in legalprognostischer Sicht als unrealistisch. Sexual- und Gewaltstraftaten sind zurzeit nicht hinreichend wahrscheinlich durch das Alter als deliktprotektiven Faktor auszuschliessen (vgl. Urteil 6B_1198/2016 vom 29. Juni 2017 E. 1.3.2). Zu beachten ist ferner der Gleichbehandlungsgrundsatz, auf den die Vorinstanz hinweist ("Präjudiz"), denn eine sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung oder Privilegierung eines Insassen ist zu vermeiden. Schliesslich spricht der jahrelange Vollzugsaufwand, wie er im Gutachten rapportiert wird, gegen ein zynisches Vorgehen der Vollzugsbehörden. Es müsste sich ohnehin fragen: Cui bono? Es ist auf eine aktuelle Publikation von LUISA HAFNER hinzuweisen (Therapieverweigerung im Massnahmenvollzug, Der Umgang mit fehlender Kooperation von persönlichkeitsgestörten Straftätern im Vollzug der stationären Therapiemassnahme, in: Schweizerische Zeitschrift für Kriminologie [SZK] 2/2017, S. 40). Eine Gegenposition vertritt MARIO GMÜR: Die Psychotherapie habe im Strafvollzug nach seinen Beobachtungen persönlichkeitsverletzende, repressive, sadistische, damit insgesamt totalitäre Züge angenommen (Das Verschuldensprinzip wird ausgehebelt, in: plädoyer 4/2017, S. 28, 30). Diesen Standpunkt scheint auch der Beschwerdeführer einzunehmen.