Citation: 6B_739/2021 E. 3.1

3.1. Er habe vorgebracht, dass die neuen Tatsachen die beweisrechtlichen Grundlagen des Urteils aus dem Jahr 2012 auch insofern erschütterten, als dass sie die Glaubhaftigkeit der damaligen Aussagen von B.________ erheblich in Zweifel ziehen würden. Anhand der neuen Tatsachen sei erstellt, dass B.________ mehrmals die Unwahrheit gesagt habe. Zudem liessen neue Aussagen z.T. auf eine suggestive Beeinflussung durch bisher nicht erwähnte und u.a. mit der Materie vertraute Drittpersonen wie einem Polizeimitarbeiter und einem Anwalt schliessen. Dies sei im Urteil aus dem Jahr 2012 nicht thematisiert worden. Die Gesamtheit dieser Umstände - mehrmaliges Relativieren der Aussagen; eingestandene Falschdarstellungen, um glaubwürdig zu wirken; suggestive Einflüsse, die in der Untersuchung nicht offen gelegt worden seien; Widersprüche, die sich nicht anders erklären liessen, als dass B.________ die Unwahrheit gesagt habe - zeitige erhebliche Implikationen auf die Glaubhaftigkeit der ursprünglichen Aussagen. Auch in diesem Sinne seien die neuen Tatsachen geeignet, die Beweisgrundlage des Urteils 2012 so zu erschüttern, dass ein wesentlich milderes Urteil möglich sei. Die Verurteilung beruhe praktisch ausschliesslich auf den Angaben von B.________. Weitere Beweismittel bestünden nicht, weshalb bei Unglaubhaftigkeit von deren Aussagen ein Freispruch wahrscheinlich sei. Dies gelte auch für den aufrecht erhaltenen Vorwurf des erzwungenen Schluckens des Ejakulats, da sich anhand der neuen Tatsachen erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen insgesamt ergäben. Folglich könne auch in diesem Punkt nicht auf die Aussagen von B.________ abgestellt werden. Anhand des Risikos einer Strafverfolgung wegen falscher Anschuldigung habe sie denn auch einen guten Grund, mindestens einen Teil des Vorfalles weiterhin als gegen ihren Willen erzwungen darzustellen. Mit diesen Vorbringen habe sich die Vorinstanz nicht auseinandergesetzt und damit ihre Begründungspflicht verletzt. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung könnten Aussagen eines Zeugen, welche die Glaubhaftigkeit eines wichtigen Belastungszeugen in Zweifel ziehen würden, einen erheblichen Revisionsgrund darstellen. Es sei nicht einzusehen, weshalb dies für Aussagen eines Zeugen, die seine eigene Glaubhaftigkeit in Zweifel ziehen, nicht gelten sollte. Vor diesem Hintergrund wären die ursprünglichen Aussagen im Rahmen einer Gesamtwürdigung auch unter Berücksichtigung der neuen Tatsachen zu berücksichtigen gewesen. Dabei hätte auffallen müssen, dass B.________ ihre ursprünglichen Aussagen mehrere Male abgeschwächt und sich dabei in Widersprüche verstrickt habe. Es sei nicht ersichtlich, ob die Vorinstanz davon ausgehe, dass neue Aussagen eines Belastungszeugen, die seinen ursprünglichen Aussagen widersprechen und damit deren Glaubhaftigkeit in Frage stellen, keine neuen Tatsachen und Beweismittel im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO sein könnten; oder aber davon, dass dieser Umstand im konkreten Fall nicht erheblich im revisionsrechtlichen Sinne sei. Wäre die Vorinstanz der Meinung gewesen, die ursprünglichen Aussagen seien besonders glaubhaft und es sei auf diese abzustellen, hätte sie dies begründen müssen. Der blosse Hinweis darauf, dass die neuen Aussagen mutmasslich nicht kollusionsfrei seien, genüge hierfür nicht. Die unterschiedlichen Aussagen von B.________ wären einander gegenüberzustellen und umfassend zu würdigen gewesen.