Citation: 6B_1025/2019 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz erwägt, Rechtsanwältin Claudia Brun habe eine Vollmacht aufgelegt, mit welcher sie von der B.________ Genossenschaft betreffend das "Ereignis vom 21. Juli 2017, B.________-Filiale in C.________ / A.________ (Strafverfahren) " mandatiert worden sei. Der Strafantrag der Beschwerdeführerin habe sich gegen die verantwortliche (n) Personen der B.________-Filiale in C.________ gerichtet. Gleichzeitig mit dem Strafantrag habe die Beschwerdeführerin adhäsionsweise eine Schadenersatzforderung gegen die B.________ Genossenschaft erhoben. Angesichts dieses Strafantrags habe die B.________ Genossenschaft gewusst, dass sich der Strafantrag gegen eine oder mehrere Personen aus dem Kreise ihrer Mitarbeitenden richtete und dass eine allfällige Strafbarkeit jener Personen auch für sie selbst zivilrechtliche Folgen oder gar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Bereits zu Beginn des Strafverfahrens seien Einvernahmen der Mitarbeiter der B.________ erfolgt. Die Einvernahmen hätten für die Beurteilung der Strafbarkeit und der adhäsionsweise erhobenen Zivilklage wichtige Verfahrenshandlungen dargestellt. Es sei daher aus Sicht der B.________ Genossenschaft angezeigt gewesen, für sich und ihre Mitarbeitenden eine Rechtsvertreterin mit der Verteidigung im Strafverfahren zu beauftragen, obwohl die beschuldigten Mitarbeitenden noch nicht im Einzelnen identifiziert gewesen seien. Dass im Strafantrag nicht die B.________ Genossenschaft, sondern ihre Mitarbeitenden der fahrlässigen Körperverletzung beschuldigt worden seien und die B.________ Genossenschaft daher in restriktiver Auslegung von Art. 111 Abs. 1 StPO genau genommen nicht als beschuldigte Person bezeichnet werden könne, ändere nichts daran, dass sie angesichts der im Raum stehenden Unternehmensstrafbarkeit (über deren Anwendbarkeit die Beschwerdeführerin nach gestelltem Strafantrag nicht disponieren könne), der adhäsionsweise gegen sie erhobenen Zivilforderung und der für die Beurteilung der Strafbarkeit entscheidenden Verfahrenshandlungen ein berechtigtes Interesse daran gehabt habe, die Verteidigung ihrer namentlich noch nicht bekannten Mitarbeitenden bereits in einem frühen Verfahrensstadium zu bestellen. Damit habe Rechtsanwältin Claudia Brun im zugrundeliegenden Verfahren neben der B.________ Genossenschaft auch die (namentlich nie identifizierten) beschuldigten Personen verteidigt, womit Art. 429 Abs. 1 lit. a sowie Art. 432 Abs. 1 und 2 StPO entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin Anwendung finden würden und eine Gesetzesgrundlage für die Verpflichtung der Beschwerdeführerin zur Bezahlung einer Entschädigung an die B.________ Genossenschaft bestehe.