Citation: 4P.139/2006 20.09.2006 E. A

B.________ (Beschwerdegegner) führt einen Betrieb mit dem Zweck von Oberflächenveredelungen. Die A.________ SA (Beschwerdeführerin) stellt unter anderem Cappucci (Glasfaserschutzkappen) her, die für die Verkoppelung von Glasfaserkabeln benutzt werden. Um ein Austreten des Laserlichts am Ende des Glasfaserkabels zu verhindern, sind diese Cappucci in einem spezifischen galvanischen Verfahren schwarz zu verchromen. Im Jahre 2000 fragte die Beschwerdeführerin den Beschwerdegegner betreffend die Durchführung von Schwarzverchromungen von Cappucci in grossen Mengen an. Der Beschwerdegegner hatte schon zuvor kleinere Aufträge von der Beschwerdeführerin erhalten. Er war an dem Auftrag sehr interessiert. Allerdings verfügte sein Betrieb nicht über die nötige Automatisierung zur Bewältigung des Auftrags und hatte er bisher kaum Erfahrung mit Schwarzverchromungen. Bei seinen Machbarkeitsabklärungen gelangte der Beschwerdegegner an die C.________ SA, X.________, von der er eine Offerte zu 12,5 Rappen pro Stück bei Grossmengen erhielt. Der Beschwerdegegner liess zudem die C.________ SA testhalber an ihm zu diesem Zweck übergebenen Cappucci-Prototypen Schwarzverchromungen ausführen, die er an die Beschwerdeführerin weiterleitete, ohne diese darüber zu informieren, dass die Teile nicht durch ihn selber verarbeitet worden waren. Um die Verarbeitung der Cappucci in seinem Betrieb selber zu ermöglichen, empfahl er der Beschwerdeführerin, bei zwei Drittfirmen eine Galvanikanlage und eine Bestückungsanlage zu beziehen. Am 2./5. Oktober 2000 einigten sich die Parteien zum einen darauf, dass der Beschwerdegegner die Schwarzverchromungen der Cappucci durchführt. Zum anderen verpflichtete sich die Beschwerdeführerin, die beiden vom Beschwerdegegner vorgeschlagenen Anlagen mit auf Fr. 420'000.-- geschätzten Anschaffungskosten zu finanzieren. Die Vereinbarung sah als Entgelt für die Investition der Beschwerdeführerin in die Anlagen eine graduelle, zeitlich gestaffelte Reduzierung des Stückpreises vor, unter der Bedingung, dass die Anlagen zum fraglichen Zeitpunkt installiert und in Betrieb genommen seien. Weiter einigten sich die Parteien auf Mengenunabhängigkeit der Preise, sahen allerdings vor, dass der Verarbeitungspreis nach der Lieferung von 500'000 und 1'000'000 Stück je neu auszuhandeln sei. Bereits in den ersten Monaten der Zusammenarbeit von November 2000 bis April 2001 gab die Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner grosse Mengen, d.h. über 1'500'000 Stück, in Auftrag. Der Beschwerdegegner war davon überrumpelt und es kam zu Leistungsstörungen seinerseits, wobei die Qualität der Verarbeitung zunächst nicht zu beanstanden war. Der Beschwerdegegner berechnete allerdings, nachdem zuerst 30 Rappen pro Stück in Rechnung gestellt worden waren, für die Lieferungen im Februar und Mai 2001 25 Rappen pro Stück anstatt der im Vertrag vorgesehenen 15 Rappen. Er begründete dies damit, dass die Bestückungsanlage noch immer nicht funktionstüchtig sei. Unbestrittenermassen war die Lieferantin dieser Anlage nie im Stande, die Anlage in Betrieb zu setzen und hat diese nie richtig funktioniert. Der Beschwerdegegner hat entsprechend seit Beginn der Zusammenarbeit bis Ende Mai 2001 die Cappucci nicht selber verchromt, sondern diese ohne Wissen und Zustimmung der Beschwerdeführerin durch die C.________ SA verarbeiten lassen. Erst im Juni 2001 begann er mit der Verarbeitung der Cappucci in seinem Betrieb. Während die Beschwerdeführerin die Lieferung vom Februar 2001 zu 25 Rappen pro Stück zögerlich akzeptiert hatte, weigerte sie sich im Mai 2001, den höheren Preis von 25 Rappen zu bezahlen. Weiter teilte sie dem Beschwerdegegner mit, sich nach einer Alternativlösung für die Verarbeitung der Cappucci umzusehen, wobei sie dem Beschwerdegegner am 3. Mai 2001 und am 3. Juli 2001 weitere Cappucci zur Verarbeitung übergab. Ende September 2001 trat die Beschwerdeführerin bei der Suche einer Alternative für die Durchführung der Verchromung ihrerseits mit der C.________ SA in Kontakt. Dabei wurde sie darüber ins Bild gesetzt, dass der Beschwerdegegner die Cappucci an die C.________ SA zur Verarbeitung weitergegeben hatte. Sie war darüber entrüstet und beabsichtigte abermals, das Geschäftsverhältnis zum Beschwerdegegner abzubrechen. Betreffend der Bestellungen ab Mai 2001 kam es zu erheblichen Lieferverzögerungen. Der Beschwerdegegner stellte der Beschwerdeführerin indessen im Oktober 2001 die baldige Lösung der Probleme mit der Bestückungsanlage in Aussicht. Mit Schreiben vom 19. Oktober 2001 erklärte die Beschwerdeführerin jedoch, der Beschwerdegegner habe zu hohe Preise weiterverrechnet und ihr sei dadurch ein Schaden von Fr. 123'000.-- entstanden; das Vertragsverhältnis werde abgebrochen und für ungültig erklärt; für die weitere Zusammenarbeit und die zur Verfügung gestellten Maschinen sollte eine Lösung gefunden werden.