Citation: 1C_172/2020 E. 5.6

5.6. Schliesslich ist auf die Bestimmung von Art. 94 Abs. 2 KRG hinzuweisen. Danach ist für den Erlass und die Durchsetzung von Wiederherstellungsverfügungen zwar die kommunale Baubehörde zuständig (Satz 1). Bei vorschriftswidrigen Zuständen ausserhalb der Bauzonen trifft indessen die BAB-Behörde (d.h. das kantonale Amt für Raumentwicklung Graubünden) die erforderlichen Massnahmen, sofern die kommunale Baubehörde trotz Aufforderung durch den Kanton untätig bleibt (Satz 2). Gemäss dem angefochtenen Entscheid und den Akten wurde zwar das ursprüngliche Baugesuch vom 2. Juli 2009 von der BAB-Behörde beurteilt, nicht aber das nachträgliche vom 22. August 2014, obwohl gemäss Art. 25 Abs. 3 RPG bei allen Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen die zuständige kantonale Behörde entscheidet, ob sie zonenkonform sind oder ob eine Ausnahmebewilligung erteilt werden kann. Dass die BAB-Behörde von den teilweise vorschriftswidrigen Zuständen auf der in einer Nichtbauzone gelegenen Wiesner Alp Kenntnis hätte, ist somit nicht belegt. Unter diesen Umständen kann aber nicht von einer eigentlichen Vollzugsverweigerung im Sinne der Rechtsprechung gesprochen werden (Urteil 1C_398/2011 vom 7. März 2012 E. 3.9). Eine solche läge erst vor, wenn auch die BAB-Behörde trotz Kenntnis der vorschriftswidrigen Zustände ihre subsidiäre Zuständigkeit nach Art. 94 Abs. 2 KRG nicht wahrnehmen würde und ebenfalls untätig bliebe. Auch dieser Umstand wird von der Vorinstanz zu berücksichtigen sein.