Citation: 6B_1464/2019 E. 2.2

2.2. Den vorinstanzlichen Erwägungen zum Schuldspruch der versuchten vorsätzlichen Tötung ist im Wesentlichen zu entnehmen, der Beschwerdeführer habe ausser Kontrolle und aufgrund des Verletzungsbildes wahllos mit dem Schweizer Taschenmesser, das eine Klingenlänge von 6,7 cm sowie Klingenbreite von 1,2 cm aufweise, auf seine damalige Ehefrau eingestochen. Sie habe laut Gutachten 38 Stich- und Schnittverletzungen, verteilt auf Kopf, Hals, Rumpf sowie Extremitäten und drei Bissverletzungen am rechten Arm aufgewiesen. Drei Stichverletzungen seien an der Leber mit freiem Blut in der Bauchhöhle sowie Luft in der rechten Brusthöhle festgestellt worden. Aufgrund eines relevanten Blutverlusts habe sich das Opfer in einem lebensgefährlichen Zustand befunden und wäre ohne sofortige notärztliche Versorgung der Verletzungen an der Leber sowie Entfernung der Luft in der Brusthöhle verstorben. Das Opfer habe nicht entkommen können und sei dem Beschwerdeführer wehrlos ausgeliefert gewesen (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.5 S. 7 f.). Der Beschwerdeführer habe hauptsächlich gegen Brust und Bauch rechts gestochen. Er habe dreimal die Leber getroffen und nur knapp die arteria carotis interna verfehlt. Die Sorgfaltspflichtverletzung wiege schwer. Bei den unzähligen, wahllos verteilten sowie unkontrolliert ausgeführten Messerstichen insbesondere in Brust und Bauch sei das Risiko der Tatbestandsverwirklichung, d.h. des Eintritts des Todes, als hoch einzustufen. Es seien keine Umstände ersichtlich, wieso er dieses Risiko nicht habe erkennen oder voraussehen können. Der Beschwerdeführer habe in der dynamischen Auseinandersetzung nicht darauf vertrauen können, dass die Todesgefahr sich nicht verwirklichen oder abgewendet werden könne. Der glimpfliche Ausgang sei einzig dem physischen Einschreiten von Passanten und der schnellen notärztlichen Versorgung zuzuschreiben. Der Beschwerdeführer hätte weiter eingestochen. Von einer fehlenden Tötungsabsicht könne keine Rede sein, was er überdies durch seine Äusserung, er werde das Opfer umbringen, auch verbal zum Ausdruck gebracht habe. Es liege direkter Vorsatz vor (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.5 S. 7 und E. 2.7 S. 11). Die Vorinstanz erwägt weiter, der Beschwerdeführer habe sich durch seine Ehefrau gekränkt, beleidigt, in der Ehre sowie im Stolz verletzt, provoziert und als Mann winzig gefühlt, weil sie sich nicht nach seinem Wunsch verhalten habe. Er habe mithin nicht über ihr Leben bestimmen können. Keiner der Gründe wie Kommunikation mit anderen Männern, Ferien alleine planen, das Vorlesen von sogenannten Todesnachrichten, das Verweigern des Heimfahrens oder der aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers gefasste Entschluss, ihn zu verlassen, rechtfertigten die Tat oder liessen sie bei Beurteilung nach ethischen Gesichtspunkten in einem milderen Licht erscheinen. Sowohl eine heftige Gemütsbewegung als auch eine grosse seelische Belastung fielen ausser Betracht, da jedenfalls die Entschuldbarkeit nicht gegeben sei. Auch wenn der Beschwerdeführer aufgrund dieser Gründe wütend sowie subjektiv gekränkt gewesen sei und sich verzweifelt gefühlt habe, liege deren Ursache und Zunahme gerade in seinem kontrollierenden sowie eifersüchtigen Verhalten. Überdies hätten die Streitpunkte seit längerem bestanden. Es könne offenbleiben, ob der Beschwerdeführer ein traditionell sowie nach Sittenrecht lebender oder ein offener Mensch sei, wie er behaupte. Denn es wäre nicht eine Kultur, sondern eine Tat sowie ihr Täter zu beurteilen. Die Verwerflichkeit sei nach der ethischen Qualität des Beweggrundes und nicht nach der Herkunft des Täters zu beurteilen. Der Beweggrund liege in der Eifersucht und vor allem im gekränkten Ego des Beschwerdeführers (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.8 S. 12 f.).