Citation: 1B_392/2019 E. 3.3

3.3. Es ist notorisch, dass im Milieu viele Frauen arbeiten, die - zum Beispiel weil sie keine gültige Aufenthaltsbewilligung haben, ihre Einkünfte nicht versteuern, ihre Tätigkeit geheim halten wollen etc. - den Kontakt mit der Polizei scheuen und deshalb gegen sie verübte Straftaten nicht anzeigen. Da somit bei Straftaten gegen Prostituierte mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen ist, lässt sich aus dem Umstand, dass bei der Polizei zurzeit keine weiteren Überfälle eines als Freier auftretenden Räuberpärchens bekannt sind, nicht ohne weiteres ableiten, dass es keine solchen gab. Das Vorgehen der Täter - z.B. die Buchung von zwei in der gleichen Gegend arbeitenden Prostituierten mit einem Abstand von einer halben Stunde oder die umfassende Ausrüstung mit einer echt aussehenden Softair-Pistole mit Schalldämpfer, Knebel, Handschellen, Spritzen mit einschläfernden Medikamenten etc. - deutet jedenfalls auf ihre Bereitschaft hin, je nach Bedarf beliebige Überfälle auszuführen. Entgegen der Auffassung des Zwangsmassnahmenrichters könnte auch das bei der Hausdurchsuchung sichergestellte Papier mit weiblichen Vornamen, Uhrzeiten und Gemeinden ein Hinweis darauf sein, dass noch weitere Überfälle ausgeführt oder geplant wurden. Dies umso mehr, als der Beschuldigte nach den Angaben seiner Lebensgefährtin und Komplizin seit Ende 2017 nicht mehr mit Prostituierten verkehrt, was dagegen spricht, dass er mit diesen bloss Termine für sexuelle Dienstleistungen vereinbaren wollte. Ohne Erhebung der Randdaten dürfte es angesichts des unkooperativen Verhaltens der Beschuldigten schwierig oder unmöglich sein, die vier Frauen zu eruieren und abzuklären, in welcher Beziehung sie zum Beschuldigten standen. Die Argumentation des Zwangsmassnahmenrichters, die Strafverfolgungsbehörden müssten nach dem Grundsatz der Subsidiarität zunächst auf anderen Wegen die Frauen identifizieren, um anschliessend, wenn sich der Verdacht erhärten sollte, dass der Beschuldigte sie überfallen hat, eine Randdatenerhebung zu beantragen, ist jedenfalls wenig kohärent.