Citation: U 271/05 13.02.2006 E. 3

3.1 Was zunächst den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den geltend gemachten Beschwerden anbelangt, hat das kantonale Gericht nach sorgfältiger Würdigung der medizinischen Aktenlage auf den Bericht des Dr. med. M.________ vom 13. Mai 2003 abgestellt und einen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellten Kausalzusammenhang verneint. Bezüglich der medizinischen Beurteilung durch Dr. med. Y.________ vom 17. Juni und 19. November 2004 hat es dargelegt, dass diese den rechtsprechungsgemäss geforderten Kriterien an einen medizinischen Bericht in verschiedener Hinsicht nicht genüge. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, von den beigezogenen Ärzten habe ausser dem Versicherungsmediziner Dr. med. I.________ keiner, insbesondere nicht Dr. med. M.________, wie er in seinem Schreiben vom 11. Juli 2005 bestätige, die Kausalität zwischen Beschwerden und Unfallereignis verneint. Wenn sodann einer der Berichte den Anforderungen entspreche, sei dies derjenige des Dr. med. Y.________ vom 17. Juni 2004 mit Ergänzung vom 19. November 2004. Insgesamt seien die ärztlichen Beurteilungen indessen widersprüchlich, weshalb zur Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs eine polydisziplinäre Begutachtung einzuholen sei. 3.2 Den aufgelegten Arztberichten ist zu entnehmen, dass die am Unfalltag konsultierte Frau Dr. med. V.________ eine Kontusion der Halswirbelsäule diagnostiziert, zur Behandlung Medikamente, einen Halskragen sowie Physiotherapie verordnet und die voraussichtliche Behandlungsdauer auf sechs bis acht Wochen geschätzt hatte (Arztzeugnis vom 13. November 2001). Nachdem die Beschwerdeführerin die Behandlung bei Frau Dr. med. V.________ am 26. August 2002 wegen Nackenmuskulaturverspannungen und häufiger Kopfschmerzen wieder aufgenommen hatte, veranlasste die Ärztin diverse Untersuchungen. Gestützt auf eine Magnet-Resonanz-Tomographie des Schädels stellte Frau Dr. med. E.________, Oberärztin Radiologie am Medizinischen Zentrum Z.________, am 14. Oktober 2002 eine chronische Sinusitis maxillaris links bei normaler MRT des Gehirns fest. Dr. med. D.________ bezeichnete die Wertigkeit dieser MRI-mässig diagnostizierten chronischen Sinusitis im Bericht vom 1. November 2002 als unklar. Es könne sich dabei - so der HNO-Spezialist - durchaus um einen Zufallsbefund ohne klinische Relevanz handeln. Ein Zusammenhang der Beschwerden mit der Zervikalproblematik oder eine anderweitige neurologische Ursache wären ebenso denkbar. Am 16. Dezember 2002 stellte der Augenarzt Dr. med. S.________ einen normalen Augenbefund beidseits fest. Aufgrund anhaltender Beschwerden überwies die Hausärztin die Versicherte am 11. März 2003 an die Klinik C.________. Sie diagnostizierte dabei einen Status nach HWS-Kontusion am 2. Oktober 2001 mit persistierenden Kopfschmerzen und subjektiver Visusverschlechterung sowie einen Status nach Schulterverletzung links in der Kindheit und stellte die Frage, ob die aktuellen Beschwerden nicht mehr auf die in der Kindheit erlittene Schulterverletzung zurückzuführen seien. Der Orthopäde Dr. med. F.________ hielt im Bericht vom 2. Mai 2003 fest, es handle sich um ein zervikospondylogenes Syndrom nach HWS-Distorsion vor 1 ½ Jahren, wobei die Schulter im täglichen Leben nicht gross störend sei. Da er eine Weiterabklärung der HWS für indiziert hielt, untersuchte der Neurologe Dr. med. M.________ die Versicherte am 13. Mai 2003. Gestützt auf die Röntgenaufnahmen vom 2. Oktober 2001 stellte er eine Schiefhaltung der HWS nach links sowie eine beginnende Unkovertebralarthrose C4/5 und C3/4, ansonsten keine degenerativen Veränderungen oder ossären Läsionen fest. Es bestünden - so der Spezialist - eine muskuläre Dysbalance im Nacken-Schultergürtel links betont mit fokalen myofascialen Irritationen, bei Haltungsschwäche und posttraumatischer chronischer Dysfunktion der linken Schulter mit chronischer Subluxation, jedoch keine relevanten Funktionseinschränkungen der HWS oder zervikoradikulären Ausfälle. Die HWS-Beweglichkeit sei gut und schmerzarm. Die Kopfschmerzen und Visusstörungen sodann seien mit Migräneattacken vereinbar. Die körperliche Belastungs- und Arbeitsfähigkeit schliesslich werde mehr durch die eingeschränkte Funktionsfähigkeit des linken Armes als durch die zervikokraniale Problematik bestimmt; seitens der Wirbelsäule bestehe längerfristig keine verminderte Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der vorhandenen medizinischen Berichte verneinte der Kreisarzt die Kausalität zwischen Beschwerden und Auffahrunfall am 23. Juli 2003. Nachdem die SUVA mit Verfügung vom 6. November 2003 und Einspracheentscheid vom 7. April 2004 einen Anspruch auf weitere Leistungen verneint hatte, legte die Versicherte im Beschwerdeverfahren einen Bericht und ein Schreiben des Dr. med. Y.________ vom 17. Juni 2004 zu den Akten. Der von ihr beigezogene Neurologe hält es nach zwei Konsultationen sowie zwei Computer-Tomographien für wahrscheinlich, dass die Nackenschmerzen sowie die Migräne auf den Unfall vom 2. Oktober 2001 zurückzuführen seien. Die durchgeführten Abklärungen hätten abnorme Stellungen und Beweglichkeiten der HWS-Wirbel ergeben, wie sie oft bei HWS-Distorsionen zu sehen seien. Alle Bewegungen erfolgten vorsichtig und langsam bei Nackenschmerzen. Der Versicherungsmediziner Dr. med. I.________ stellte am 20. September 2004 anhand der vorhandenen medizinischen Berichte fest, die Beschwerdeführerin habe eine eher geringe Distorsion der HWS erlitten und zuerst Zeichen einer langsamen Besserung aufgewiesen. Aus unerklärten Gründen habe sich dieser Kurs nach ungefähr einem Jahr geändert, indem sich die Versicherte arbeitsunfähig gefühlt und zunehmende schmerzbedingte Bewegungseinschränkungen der HWS und des Oberkörpers entwickelt habe. Die HWS-Befunde der beiden Neurologen Dr. med. M.________ und Dr. med. Y.________ wichen stark voneinander ab. Zudem enthielten die Kausalitätsbeurteilungen des Dr. med. Y.________ nur mögliche Zusammenhänge 3 ½ (recte 2 ½) Jahre nach dem Unfallereignis, keine biologisch-wissenschaftlich fundierte Erklärungen, die den Grad der Wahrscheinlichkeit erreichten. Dr. med. Y.________ hielt im Schreiben vom 19. November 2004 an seiner Beurteilung fest und kritisierte, dass Dr. med. I.________ seine Stellungnahme lediglich aufgrund der Aktenlage abgegeben habe. Im mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde neu aufgelegten Schreiben vom 11. Juli 2005 stellt Dr. med. M.________ klar, dass im Bericht vom 13. Mai 2003 nicht zur Kausalität zwischen dem diagnostizierten Zustand und dem Unfallereignis vom 2. Oktober 2001 Stellung genommen worden sei. Vielmehr seien lediglich Befunde erfasst, eine zusammenfassende Diagnose gestellt und Therapievorschläge unterbreitet worden. 3.3 Eine Würdigung der dargelegten medizinischen Berichte ergibt, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Auffahrkollision vom 2. Oktober 2001 eine Distorsion der HWS erlitten hatte und dass innerhalb von drei Monaten eine merkliche Verbesserung eintrat, welche eine vollumfängliche Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit erlaubte sowie zu einem Unterbruch der medizinischen Betreuung zwischen 5. Februar und 26. August 2002 führte. Zur Frage, ob die im Herbst 2002 erneut geltend gemachten Beschwerden in Form von Nackenmuskulaturverspannungen und Kopfschmerzen auf das Unfallereignis vom 2. Oktober 2001 zurückzuführen sind, ob sie allenfalls im Zusammenhang mit einer in der Kindheit erlittenen Schulterverletzung stehen oder aber andere unfallfremde Ursachen haben, liegen widersprüchliche Meinungen vor. Wie die Beschwerdeführerin vorbringt, kann die Beurteilung des Dr. med. Y.________ vom 17. Juni 2004 nicht einfach als nicht den Anforderungen entsprechend abqualifiziert werden, beruht sie doch - im Gegensatz zur Stellungnahme des Dr. med. I.________ vom 20. September 2004 - auf Untersuchungen der Versicherten und berücksichtigt zudem die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben, legt die medizinischen Zusammenhänge dar und zieht die Schlussfolgerungen. Auf sie allein kann indessen auch nicht abgestellt werden, erfolgte sie doch erst 2 ½ Jahre nach dem Unfallereignis, sind die Hinweise auf organische Befunde nicht schlüssig und weisen ihre Schlussfolgerungen Widersprüche auf zu denjenigen des früher beigezogenen Neurologen Dr. med. M.________ vom 13. Mai 2003, wobei wiederum zu berücksichtigen ist, dass Dr. med. M.________ gemäss Schreiben vom 11. Juli 2005 nicht zur Kausalität Stellung genommen hat. Aus der durch Dr. med. F.________ am 2. Mai 2003 gestellten Diagnose eines zervikospondylogenen Syndroms nach HWS-Distorsion schliesslich lässt sich - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - ebenfalls keine Aussage zur Kausalität ableiten, treffen doch solche Formulierungen rechtsprechungsgemäss nur eine anamnestische Feststellung (in HAVE 2005 S. 351 veröffentlichtes Urteil B. vom 16. Juni 2005, U 264/04, Erw. 4.1). Die Frage, ob es sich bei den ab Herbst 2002 geklagten Gesundheitsbeschwerden um eine natürliche Folge des versicherten Unfalles handelt, kann daher nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit beantwortet werden. Da die Adäquanz des Kausalzusammenhangs - wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen - fehlt, kann jedoch von weiteren diesbezüglichen Untersuchungen abgesehen werden (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 ff. Erw. 3c).