Citation: 9C_464/2021 E. 4.3.2

4.3.2. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich somit zwar um eine theoretische Grösse, sodass nicht ohne gewichtige Gründe von einer Unverwertbarkeit der verbliebenen Leistungsfähigkeit ausgegangen werden darf. Dennoch lässt sich in Berücksichtigung des vom Gerichtsgutachter beschriebenen Zumutbarkeitsprofils der vorinstanzliche Schluss auf eine wirtschaftliche Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit in Bejahung eines intakten Zugangs zum ausgeglichenen Arbeitsmarkt hier nicht halten. So erscheint es mit der Beschwerdeführerin als praktisch unmöglich, dass sie im ersten Arbeitsmarkt eine Arbeitsstelle zu einem Pensum von 80 % finden könnte, die sämtliche der vom Gutachter aufgelisteten Bedingungen erfüllte. So hätte eine potentielle Arbeitgeberin zu akzeptieren, dass es zu regelmässigen Arbeitsunterbrüchen käme und die Beschwerdeführerin während ihrer Arbeit unter Impulskontrollverlusten litte. Ferner würde vorausgesetzt, dass der Arbeitsplatz nur mit wenigen Stressfaktoren verbunden wäre, der Mitarbeiterstamm stabil sein müsste, kein rascher Wechsel der Produktpalette und des EDV-Systems erfolgte und Kundenkontakt ausgeschlossen wäre. Das Finden eines solchen auf persönlichen Kontakt über vermittelnde Bekannte hin angebotenen Arbeitsplatzes im "geschützten Rahmen", wie von Dr. med. C.________ explizit als erforderlich bezeichnet, ist, auch unter Berücksichtigung von Nischenarbeitsplätzen, realistischerweise nicht zu erwarten; es bestehen daher praktisch keine Anstellungschancen. Ob die vom kantonalen Gericht geschützte Beurteilung des Gerichtsgutachters, die Beschwerdeführerin sei in einem entsprechenden beruflichen Umfeld zu 80 % leistungsfähig, angesichts der übrigen ärztlichen Einschätzungen überhaupt Stand hält, braucht damit nicht abschliessend beantwortet zu werden.