Citation: I 767/01 28.04.2003 E. 4.2

4.2.1 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit geht Dr. L.________ davon aus, dass für die bisherige Tätigkeit als Isolierspengler eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit, für eine angepasste Tätigkeit ohne Heben von Lasten über 10 kg und ohne ungeeignete Arbeitsstellung (vornübergeneigt, Reklinationsstellung) aus somatischer Sicht dagegen eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Die SUVA-Ärzte erachten aufgrund der organischen Befunde leichte bis mittelschwere Arbeiten ganztags als zumutbar. Dr. S.________, Oberarzt am Spital Y.________, erklärte eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von maximal 50 % als zumutbar und hielt fest, dass die vier täglich zumutbaren Arbeitsstunden für leichte rückenadaptierte Tätigkeiten vorzugsweise mit Pausen auf zwei mal zwei Stunden aufgeteilt werden sollten (Berichte Dr. S.________ vom 9. März 2001 und vom 19. April 2001). Der Hausarzt, Dr. med. M.________, Allgemeine Medizin FMH, erachtet den Beschwerdeführer seit 1999 als zu 100 % arbeitsunfähig. Er begründet im Schreiben vom 28. November 2001 an den Vertreter des Beschwerdeführers seine ausdrücklich von der Einschätzung der IV-Stelle abweichende Beurteilung damit, dass er den Versicherten seit langem kenne. 4.2.2 Die Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit durch Dr. L.________ und die SUVA-Ärzte einerseits weichen von denjenigen des Hausarztes und von Dr. S.________ andererseits ab. Die unterschiedliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruht bezüglich der feststellbaren organischen Ursachen der Beschwerden nicht auf abweichenden Diagnosen. Dr. L.________ und der Kreisarzt der SUVA sehen die unbestrittenen Befunde jedoch nicht als Ursache oder zumindest nicht als primäre Ursachen der Beschwerden. Auch für Dr. S.________ steht die Schmerzproblematik im Vordergrund. Die unterschiedliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit lässt sich auch nicht allein damit erklären, dass die behandelnden Ärzte des Spitals Y.________ die psychische Komponente miteinbezogen haben. Die Frage der somatisch begründeten Einschränkung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit bedarf deshalb einer erneuten fachärztlichen Abklärung, welche - wie sich aus der nachfolgenden Erwägung ergibt - am besten im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung erfolgt. 4.3 Gestützt auf Hinweise in den Berichten der Dr. L.________ und der Rehaklinik Z.________ liess die IV-Stelle den Versicherten psychiatrisch untersuchen. Im Gutachten vom 16. September 1999 stellt Dr. med. H.________, Psychiatrie Psychotherapie FMH, die Diagnose einer mässig ausgeprägten Hypochondrie (ICD-10: F45.2) bei ungünstigen soziokulturellen Umständen. In der Beurteilung wies er darauf hin, dass angesichts der Diskrepanz zwischen objektiven Befunden und dem stark ausgepägten Schmerzsyndrom an eine psychogene Überlagerung, namentlich an eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, gedacht worden sei. Von den für die Annahme dieser Diagnose (ICD-10 [F60.2]) erforderlichen sechs Kriterien sei praktisch keines gegeben. Der Experte weist darauf hin, dass hypochondrische Störungen sich oft bei chronischen Schmerzsyndromen fänden und als reaktiv anzusehen seien. Die diagnostizierte Hypochondrie sei vorliegend nur mässig ausgeprägt und stelle für sich genommen keinen Gesundheitsschaden dar, welcher die Erwerbsfähigkeit massgeblich einschränke. Daneben bestünden aber massgebliche soziokulturelle Umstände, welche die Erwerbsfähigkeit einschränkten. Nach Dr. H.________ geht das Unvermögen des Beschwerdeführers, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, überwiegend auf soziokulturelle Umstände zurück. Gemäss der Rechtsprechung (BGE 127 V 299 Erw. 5a) bilden soziokulturelle Umstände keinen im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG versicherten Gesundheitsschaden. Es braucht viel mehr in jedem Fall zur Annahme einer Invalidität ein medizinisches Substrat, das (fach)ärztlicherseits schlüssig festgestellt ist und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Es mag zutreffen, dass die Hypochondrie oftmals eine Reaktion auf ein chronische Schmerzsyndrom ist, doch hier wird bereits im psychosomatischen Konsilium der Rehaklinik Z.________ - aufgrund einer umfassenden Anamnese - auf eine (länger zurückreichende) Disposition des Beschwerdeführers zu Psychosomatosen hingewiesen. Mit diesen Befunden setzt sich der Gutachter überhaupt nicht auseinander. Weil die Frage nach dem Vorliegen einer psychischen Störung nicht genügend geprüft wurde und der Gutachter die zentrale Frage nicht beantwortet, ob der Beschwerdeführer über psychische Ressourcen verfügt, die es ihm erlauben, mit seinen Schmerzen umzugehen, kann das Gutachten nicht als umfassend angesehen werden. Auf das Gutachten, welches offenbar aufgrund eines einzigen Gespräches und ohne Beisein eines Dolmetschers erstellt wurde, obwohl der Beschwerdeführer der deutschen Sprache nur beschränkt mächtig ist, kann deshalb nicht abschliessend abgestellt werden. Die Frage einer allfälligen psychischen Erkrankung und deren Auswirkung auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit ist durch eine neue psychiatrische Begutachtung im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung zu klären. 4.4 Aus den angeführten Gründen wird die Sache zur Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung an die Verwaltung zurückgewiesen.