Citation: 2C_473/2022 E. 3.2.2

3.2.2. Es genügt, diesbezüglich auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung in verschiedenen Rechtsbereichen zu verweisen: Die Verzugszinsen bezwecken unabhängig vom tatsächlichen Nutzen und Schaden, den Zinsverlust des Gläubigers und den Zinsgewinn des Schuldners in pauschalierter Form auszugleichen. Hingegen weisen sie nicht pönalen Charakter auf und sind unabhängig von einem Verschulden am Verzug geschuldet (vgl. dazu mit ausführlicher Begründung u.a. BGE 139 V 297 E. 3.3.2.2; 134 V 199 E. 3.3.1; BGE 129 V 345 E. 4.2.1; m.w.H; siehe auch oben E. 3.1.2). Damit steht das angefochtene Urteil im Einklang, wenn es festgehalten hat, dass die Verzugszinsregelung des Mehrwertsteuergesetzes ohne Zweifel nicht dem Strafrecht zuzuordnen ist. Zumindest im - hier eingehaltenen - Gestaltungsspielraum von Art. 108 lit. a MWSTG hat der Verzugszins keinen abschreckenden oder vergeltenden Zweck. Er ist weder eine strafrechtliche Sanktion, noch kommt in der Feststellung, dass Verzugszins geschuldet sei, ein strafrechtlich relevanter Vorwurf zum Ausdruck. Ebenso unbegründet ist die Rüge einer Verletzung der Unschuldsvermutung (vgl. E. 5.6 des angefochtenen Urteils gesamthaft). Was die Beschwerdeführerin dagegen einwendet, erweist sich als unzureichend, um dem Verzugszins unter den spezifischen Umständen eines "Nullzinsumfeldes" einen pönalen Charakter zuzuschreiben. Als ungenügend erweist es sich insbesondere, wenn die Beschwerdeführerin geltend macht, allein die Betragshöhe des Verzugszinses werde von ihr als Adressatin der Forderung als echte Sanktion in der Form einer Kriminalstrafe empfunden. Mit einer solchen Argumentation ist auch eine Verdachtssrafe oder ein Verstoss gegen die Unschuldsvermutung nicht dargetan.