Citation: 5A.4/2001 10.07.2001 E. 6

6.- Die Beschwerdeführer wenden weiter ein, die neuen Stiftungsräte seien amtsunfähig. Sie stünden im gleichen Interessenkonflikt wie Gustav Rau. Hinzu komme bei Fürsprecher Dietrich Stettler, dass er mitgewirkt habe, die Rückkehr der nach Japan ausgeliehenen Bilder in den Tresorraum zu verhindern. Bei Lukas Imark und René Peterhans sei einzubeziehen, dass sie Gustav Rau gegenüber zur Interessenwahrung verpflichtet seien, weil dieser sie vorgeschlagen habe. Die Organe der vier Stiftungen (Drittweltstiftung, Kunststiftung, Medizinalstiftung und Crelona-Stiftung) müssten mit unterschiedlichen Personen besetzt werden, weil sehr viele Berührungspunkte bestünden, die zu Ziel- und Interessenkonflikten führten. Was die Beschwerdeführer unter diesem Blickwinkel ausführen, zeigt nur auf, dass in bestimmten Einzelfällen Interessenkonflikte bestehen oder entstehen können. Weshalb eine rechtmässige Geschäftsabwicklung in solchen Situationen nicht mit geeigneten aufsichtsrechtlichen Massnahmen sichergestellt werden könnte, ist damit jedoch weder dargetan noch ersichtlich. Dem zuständigen Organ bzw. der Aufsichtsbehörde steht bei der personellen Besetzung der Stiftungsräte ein weiter Ermessensspielraum zu. Bei der Auswahl dürfen auch die fachlichen Kenntnisse der Personen und Gesichtspunkte der rationellen Geschäftsführung (mögliche Synergieeffekte durch gleiche Besetzung verwandter Stiftungen) einbezogen werden. Grösstmögliche Unabhängigkeit muss weder als das einzige noch als das wichtigste Kriterium betrachtet werden. Es ist deshalb nicht erkennbar, weshalb die drei neuen Stiftungsräte als von vornherein amtsunfähig gelten müssten. Fürsprecher Dietrich Stettler ist soweit ersichtlich bisher bloss als Rechtsvertreter von Gustav Rau und von Personen aus dessen Umfeld tätig geworden. Die von den Beschwerdeführern angerufenen Beweismittel belegen nichts anderes. Allein der Umstand, dass er im Rahmen seiner Berufstätigkeit die Interessen seiner Auftraggeber vertreten hat, schliesst ihn aber nicht notwendigerweise von der Übernahme eines Amtes als Stiftungsrat aus. Zwar behaupten die Beschwerdeführer zumindest sinngemäss, Dietrich Stettler sei von seinem Klienten Gustav Rau abhängig. Konkrete Hinweise, die einen solchen Schluss erlauben würden, vermögen sie freilich nicht zu nennen. Die Befürchtungen der Beschwerdeführer erscheinen umso weniger als berechtigt, als es vorliegend um den Stiftungsrat der Drittweltstiftung geht und sich ihre Vorhaltungen allesamt auf Vorgänge im Zusammenhang mit der Kunststiftung beziehen. Ausserdem hat die Aufsichtsbehörde dem angeblich widerrechtlichen Mitwirken von Dietrich Stettler bei der Weiterleitung von Bildern der sog. Japanausstellung (anstelle der vordem verfügten Rückführung) letztlich die Genehmigung erteilt. Gegen die beiden anderen neuen Stiftungsräte Lukas Imark und René Peterhans wird in der Beschwerde nichts Substantiiertes vorgebracht. Nur weil sie bei einer Revisionsgesellschaft arbeiten, wie sie Gustav Rau im November 2000 als allfälligen Ersatz für die Stiftungsbeistände vorgeschlagen hat, kann nicht auf ihre Abhängigkeit vom Stifter geschlossen werden. Ebenso wenig erlaubt ihr Brief vom 23. März 2001 im Namen der Dr. Rau'schen Kunststiftung an den Beschwerdeführer 2 diesen Schluss. Da der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuerkannt worden ist (Präsidialverfügung vom 16. März 2001), steht die Ernennung von Lukas Imark und René Peterhans zu Stiftungsräten der Drittweltstiftung noch dahin. Diese beiden Personen sind daher im interessierenden Zeitpunkt noch nicht zur Interessenwahrung gegenüber der Drittweltstiftung verpflichtet gewesen, haben aber durchaus Interessen der Kunststiftung vertreten dürfen, da sie bereits rechtskräftig in den Stiftungsrat dieser Stiftung berufen und im Handelsregister eingetragen worden waren (vgl. nicht veröffentlichter Entscheid des Bundesgerichts [5A. 8/2001] vom 22. Mai 2001).