Citation: U 74/06 27.04.2006 E. 3.3

3.3.1 Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG; Art. 19 VwVG in Verbindung mit Art. 40 BZP) verlangt, dass Sozialversicherungsrichter und Unfallversicherer bei der Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhanges alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv prüfen und danach entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung der Kausalitätsfrage gestatten. Insbesondere müssen bei einander widersprechenden medizinischen Berichten das gesamte Beweismaterial gewürdigt und die Gründe angegeben werden, warum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abgestellt wird (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c mit Hinweisen). 3.3.2 Dr. med. E.________ hat die ihm von der Allianz unterbreiteten Fragen, ob der Unfall vom 26. Februar 1996 sicher, wahrscheinlich oder bloss möglicherweise die Ursache der seit Juni 1999 erneut behandlungsbedürftigen Beschwerden, beziehungsweise ob unfallfremde Faktoren "im Verletzungsbereich" vorlägen, im Gutachten vom 8. August 2001 dahingehend beantwortet, dass der Unfall "mit Sicherheit Ursache der zur Zeit behandlungsbedürftigen Beschwerden" sei. Unfallfremde Faktoren lägen nicht vor. Die kernspintomographisch nachgewiesene Diskusdegeneration Th 5/6 sei "eindeutig als posttraumatisch zu werten", weil der 6. Brustwirbelkörper die stärkste Keildeformation aufweise und diese zu einer gleichzeitigen Verletzung der Bandscheibe Th 5/6 geführt habe. Am 19. April 2005 untersuchte Dr. med. E.________ den Beschwerdegegner erneut klinisch und radiologisch. Gemäss Bericht dieses Arztes vom selben Tag leidet der Patient nach wie vor an den Folgen des Skiunfalles vom 26. Februar 1996. Die Röntgenaufnahme zeige im Vergleich zu den Voraufnahmen vom 5. Juli 2001 eine unveränderte keilförmige Deformierung von Th 5 - Th 7 infolge Deckplattenimpression. Diese Stellungnahmen beinhalten eine zweifelsfreie Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den beim Unfall erlittenen Verletzungen und den ab Juni 1999 erneut ärztlich behandelten Rückenbeschwerden. 3.3.3 Dr. med. C.________ hat, explizit nach der Unfallkausalität gefragt, im Bericht vom 31. Oktober 2000 festgehalten, der Unfall sei "mit Sicherheit" Ursache der heute bestehenden gesundheitlichen Störungen, wobei diese teilweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung mit depressiver Symptomatik zurückzuführen seien. Damit wurde das Vorliegen von unfallkausalen somatischen Beschwerden mittelbar ebenfalls bejaht. 3.3.4 Die von der IV-Stelle des Kantons Graubünden mit der Begutachtung des Beschwerdegegners beauftragten Ärzte der Institution Z.________ hatten mangels entsprechender Fragestellung zur Unfallkausalität der gesundheitlichen Störungen zwar nicht Stellung zu nehmen (vgl. Gutachten vom 23. Dezember 2001). Aus dem rheumatologischen Untergutachten vom 3. Dezember 2001 geht jedoch hervor, dass die am Bewegungsapparat erhobenen Befunde "abgesehen von einer lokalen Schmerzsymptomatik im Frakturbereich" zwar gering sind, das "arbeitsmedizinisch relevante Problem" aber in einer verminderten Belastbarkeit der mittleren bis oberen Brustwirbelsäule besteht. Damit lokalisierte der Rheumatologe die somatisch bedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen und die daraus resultierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit unmissverständlich im Bereich der beim Unfall vom 26. Februar 1996 frakturierten und deformierten Brustwirbelkörper Th 4 - 7, was in Uebereinstimmung mit der medizinischen Beurteilung des Dr. med. E.________ steht. 3.3.5 Die weiteren mit den Gesundheitsstörungen des Beschwerdegegners seit Juni 1999 befassten Ärzte haben sich zur Unfallkausalität der erhobenen somatischen Befunde und geltend gemachten körperlichen Beschwerden nicht geäussert. 3.4 Die medizinischen Akten enthalten keine Anhaltspunkte, dass der natürliche Kausalzusammenhang bei Leistungseinstellung auf den 20. Juli 2002 und bis zu dem für die richterliche Überprüfung massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheides vom 15. Juli 2005 (vgl. BGE 130 V 446 Erw. 1.2 mit Hinweisen) zwischen den beim Unfall vom 26. Februar 1996 erlittenen Frakturen und Deformationen der Brustwirbelkörper Th 4 - 7 sowie den ab Juni 1999 ärztlich behandelten Rückenbeschwerden gänzlich dahingefallen sein könnte. Es kann auch keine Rede davon sein, dass sich hiefür kein "organisches Korrelat" finden lasse. Die Deformationen an den erwähnten Brustwirbelkörpern sind radiologisch mehrfach nachgewiesen worden. Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz ein rechtserheblicher Kausalzusammenhang zwischen den als Rückfall gemeldeten Beschwerden und dem Unfall vom 26. Februar 1996 zu bejahen. Abgesehen davon hätte die Allianz - wie dargelegt (Erw. 2.2) - die Beweislast für das Dahinfallen der natürlichen Unfallkausalität zu tragen, wenn erhebliche Zweifel an der erforderlichen Unfallkausalität beständen.