Citation: 2C_95/2024 E. 4.3.4

4.3.4. Anders als in der zivilrechtlichen Rechtsprechung bleibt in der ausländerrechtlichen Rechtsprechung die hälftige Betreuung massgeblich. Während im Zivilrecht abhängig von der Art der Obhut der Barunterhalt des Kindes auf die Eltern verteilt wird (BGE 147 III 265 E. 5.5), sollen die Betreuungsleistungen im ausländerrechtlichen Kontext die fehlende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des ausländischen Elternteils ausgleichen können, damit dieser dennoch eine besonders enge Beziehung in wirtschaftlicher Hinsicht haben kann. Dieser Rechtsprechung liegt der Gedanke zugrunde, dass Geld- und Naturalunterhalt gleichwertig sind (Art. 276 ZGB; Urteile 2C_271/2023 vom 12. Februar 2024 E. 5.5.3; 2C_497/2014 vom 26. Oktober 2015 E. 6.1). Durch die Betreuungsleistung kann die (unmögliche und unzumutbare) Geldleistung durch entsprechende Naturalleistungen kompensiert werden (BGE 143 I 21 E. 6.3.5). Die Betreuung durch den nicht obhutsberechtigten Elternteil muss jedoch ein Mass erreichen, welches den hauptbetreuenden Elternteil wesentlich entlastet, damit von einer alternierenden Obhut im Sinne dieser Rechtsprechung gesprochen werden kann (BGE 143 I 21 E. 6.3.2). Als massgebliche alternierende Obhut im ausländerrechtlichen Kontext gilt daher weiterhin nur jene, bei der die Eltern die Betreuung weitgehend zu gleichen Teilen übernehmen, das Kind mithin etwa hälftig betreuen.