Citation: I 625/02 01.04.2003 E. 2

2.1 Streitig und zu prüfen ist die Höhe des Invaliditätsgrades. Der Beschwerdeführer rügt, bei der Bemessung des Invalideneinkommens seien Vorinstanz und IV-Stelle gestützt auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch Dr. med. R.________ und Frau Dr. med. L.________ zu Unrecht und in willkürlicher Beweiswürdigung davon ausgegangen, eine leichte Tätigkeit ohne Heben und Tragen von schweren Gegenständen und ohne Überkopfarbeiten sei ihm ganztags weiterhin zumutbar. Diese beiden Ärzte hätten ausser Acht gelassen, dass die Schulterschmerzen auch bei leichter Arbeit nach einiger Zeit auftreten, weshalb selbst für solche Tätigkeiten die Arbeitsfähigkeit zeitlich eingeschränkt sei. Es sei daher auf den Bericht von Dr. med. D.________ abzustellen, wonach die Arbeitsfähigkeit auch für leichtere Arbeiten lediglich 50 % betrage. 2.2 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 40 BZP in Verbindung mit Art. 19 VwVG; Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG [vgl. auch Art. 61 lit. c ATSG]). Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abgestellt wird. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet, und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sowie nachvollziehbar sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). Im Rahmen des so konkretisierten Grundsatzes der freien Beweiswürdigung darf auch den aus einem anderen Verfahren beigezogenen ärztlichen Gutachten je nach ihrem materiellen Gehalt Beweiskraft beigemessen werden, wobei der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) verlangt, dass dem Versicherten vor der entscheidenden Behörde umfassend Gelegenheit zur Stellungnahme geboten wird (BGE 125 V 337 Erw. 4b; Bühler, Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten, in: Schaffhauser/Schlauri, Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 205). 2.3 Die im vorliegenden Fall von der Versicherungskasse der Stadt X.________ zwecks Beurteilung der arbeitsvertraglichen Krankenlohnleistungen eingeholten Gutachten von Frau Dr. med. L.________ vom 8. Juni und 31. Oktober 2000 genügen den dargelegten, höchstrichterlich geltenden Anforderungen. Sie sind unter Berücksichtigung aller relevanten medizinischen Vorakten und eigener Untersuchungen erstattet worden, sind umfassend und berücksichtigen die vom Versicherten geklagten Beschwerden. Die Schlussfolgerung, der Versicherte sei für die angestammte Tätigkeit als Kehrichtlader berufsunfähig, für wenig schulterbelastende Arbeiten (ohne Heben von schweren Lasten und ohne Überkopfarbeiten) hingegen vollständig arbeitsfähig, korreliert mit dem objektiven medizinischen Befund (deutlich ausgeprägte Funktionseinschränkung beider Schultergelenke), ist nachvollziehbar und überzeugend. Der Beschwerdeführer nahm im vorinstanzlichen Verfahren zu diesen Gutachten eingehend Stellung, sodass auch sein Gehörsanspruch gewahrt wurde. Den Ausführungen von Frau Dr. med. L.________ ist daher volle Beweiskraft zuzuerkennen. 2.4 Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde dagegen vorgebracht wird, vermag zu keinem anderen Ergebnis zu führen. Soweit der Versicherte geltend macht, der von seinem Hausarzt nachträglich mit einer Arbeitsfähigkeitsbeurteilung beauftragte Dr. med. D.________ habe abweichend von Frau Dr. med. L.________ festgestellt, dass die Schulterschmerzen auch bei leichten, nicht schulterbelastenden Arbeiten aufträten, weshalb die entsprechende Arbeitsfähigkeit lediglich 50 % betrage, kann ihm nicht gefolgt werden. Dr. med. D.________ hat lediglich in der von ihm - im Übrigen erst nach dem Erlass der streitigen Verfügung erhobenen und daher im vorliegenden Verfahren nur mit Vorbehalten zu berücksichtigenden (BGE 121 V 366 Erw. 1b) - Anamnese festgehalten, der Versicherte habe die Schulterschmerzen als "belastungsabhängig" bezeichnet; er begründet dagegen nicht, weshalb die Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten lediglich auf 50 % - mit möglicher Steigerung auf 75 % - betragen soll. Die Vorinstanz ist daher zu Recht zum Schluss gelangt, die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. med. D.________ sei nicht geeignet, die Beweiskraft der Ausführungen von Frau Dr. med. L.________ in Frage zu stellen, zumal auch keine Verletzung der hiefür massgebenden, aus dem Verfahrensgrundsatz der freien Beweiswürdigung fliessenden bundesrechtlichen Beweiswürdigungsregeln vorliegt. Soweit der Versicherte geltend macht, seine Beschwerden hätten sich von Oktober 2000 bis Februar 2002 verstärkt, kann er damit nicht gehört werden; eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes hätte er allenfalls mit einem Revisionsbegehren geltend zu machen. Vorinstanz und IV-Stelle sind somit zutreffend von einer ganztägigen Resterwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leichten, nicht schulterbelastenden Arbeit ausgegangen.