Citation: I 251/02 28.11.2002 E. 3

Für die Beantwortung der vorliegend streitigen Frage, ob dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente zusteht, sind der Gesundheitszustand und die funktionelle Leistungsfähigkeit des Versicherten massgebend. 3.1 Gemäss dem vom Hausarzt des Beschwerdeführers aufgelegten Bericht der Rheumatologischen Klinik und Poliklinik des Spitals X.________ vom 13. Juli 1998 wurden damals ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom und leichte degenerative Veränderungen diagnostiziert. Die Ärzte hielten fest, dass die Schmerzen eine nur diskrete objektivierbare Entsprechung fänden, dass sie den Patienten der Gutartigkeit seines Zustandes versichert und ihn zur raschen Wiederaufnahme einer vollen Arbeitstätigkeit ermuntert hätten. Dr. med. S.________, Spezialarzt für Rheumaerkrankungen, stellte am 3. April 2000 die Diagnose eines erneuten Schubes des bekannten Lumbo-Thorakovertebralsyndroms bei Haltungsanomalie, degenerativen Veränderungen sowie fibromyalgisch-funktioneller Komponente. Er empfahl neben körperlicher Fitness die Arbeit, wenn immer möglich, nicht zu unterbrechen. Im von der IV-Stelle eingeholten Bericht des behandelnden Arztes Dr. med. B.________ vom 15. August 2000 findet sich die Diagnose einer Fibro-Myalgie seit 1976 mit bewegungs- und belastungsabhängigen Schmerzen im Beckenbereich, weniger ausgeprägt auch im Schultergürtelbereich. Damit verbunden seien Schlafstörungen mit chronischer Müdigkeit, wobei die an Intensität allmählich zunehmenden Schmerzen und Müdigkeit wachsende Probleme mit der Arbeitsleistung und entsprechende Unzufriedenheit des Arbeitgebers auslösten. Der Hausarzt hielt fest, dass die effektive Arbeitsfähigkeit gemäss Aussagen des Arbeitgebers seit Monaten nur noch ca. 50% betrage und bezifferte die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit als Hilfsarbeiter im technischen Dienst ab 1. Juni 2000 bis auf weiteres mit 50 %. Auf die Frage, welche Tätigkeiten trotzdem und in welchem Ausmass noch zumutbar seien, antwortete er, dass alle Arbeiten mit entsprechender Mehrzeit ausgeführt werden könnten. 3.2 Im Rahmen der interdisziplinären Abklärung diagnostizierte Dr. med. R.________ als beigezogener Spezialarzt für Rheumatologie & phys. Medizin ein lumbovertebrales (panvertebrales) Schmerzsyndrom bei/mit einer leichten Fehlhaltung der LWS, einer kleinen Diskusprotrusion L4/5 ohne radikuläre Zeichen sowie leichtgradigen degenerativen Veränderungen L4-S1. Seiner Ansicht nach waren/sind die krankhaften Befunde nicht sehr gravierend und übersteigen das altersübliche Mass höchstens geringfügig. Ein Fibromyalgiesyndrom bestehe nicht, da die Anzahl von Tender points zu gering sei, ihre Verteilung auf die Lumbal-Beckenrückseite begrenzt sei und zudem auch kaum vegetative Begleitsymptome vorhanden seien. In der bisherigen Tätigkeit ging Dr. med. R.________ von einer grob geschätzten Arbeitsfähigkeit von 75 % aus, wohingegen er eine dem Leiden angepasste Tätigkeit (Ausschluss von Rückenschwerarbeit) aus somatisch-rheumatologischer Sicht zeitlich und leistungsmässig ohne Einschränkung zu 100 % als zumutbar erachtete (Gutachten vom November 2000). Dr. med. H.________ als Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie diagnostizierte einen weitgehend unauffälligen psychischen Befund und verneinte psychosomatische Zusammenhänge. Die Arbeitsfähigkeit erachtete er aus psychiatrisch/psychosomatischer Sicht als nicht eingeschränkt (Gutachten vom 30. November 2000). Aus interdisziplinärer Sicht hielten die beigezogenen Spezialisten den Versicherten bei einer geeigneten Tätigkeit für weitgehend arbeitsfähig, wobei auf ungünstige invaliditätsfremde Faktoren hingewiesen werden könne, welche die Arbeitsfähigkeit - krankheitsfremd - herabsetzten (Gutachten vom November 2000). 3.3 Dr. med. B.________ hielt in seinen Schreiben vom 11. Januar und 19. März 2001 an der Diagnose eines atypischen Fibromyalgiesyndroms im Rahmen einer larvierten Depression fest. Das Schmerzleiden provoziere für den Patienten einen beträchtlichen Leidensdruck mit Krankheitswert. Die nach intensiver Rücksprache mit dem Arbeitgeber beschriebene 50%ige Arbeitsunfähigkeit sei diesem Krankheitswert durchaus angepasst. Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens wurde ein Gutachten des Spitals X.________ vom 29. August 2001 zu den Akten gegeben. Dort wurden anlässlich der Untersuchung im August 2001 eine Schmerzstörung mit Krankheitswert vom affektiv-motorischen Typ nach Mainzer Schmerzwerkstatt, ein behandeltes whs primäres fibromyalgisches Syndrom, Nikotinabusus sowie kontrollbedürftiger erhöhter Bluthochdruckwert diagnostiziert. Die Ärzte hielten fest, dass nach den strengen Kriterien der Amerikanischen Rheumatologie-Gesellschaft die Diagnosestellung einer primären Fibromyalgie nicht möglich sei, wobei eine solche aufgrund der Schilderung der Befunde durch die Voruntersucher sehr wahrscheinlich sei. Die im Untersuchungszeitpunkt vorliegende Schmerzstörung habe eindeutig Krankheitswert. Die langbestehenden Beschwerden hätten ihrerseits zu psychosozialen Begleitumständen geführt mit Abnahme der Arbeitsfähigkeit und einer vollständigen Neugestaltung des privaten Lebens, was sich insgesamt im Sinne eines Circulus vitiosus ungünstig auswirke. Die Arbeitsfähigkeit sei deutlich eingeschränkt, wobei für eine genaue Beurteilung eine eingehende Abklärung nötig wäre. 3.4 Wie die Vorinstanz nach sorgfältiger Würdigung der Aktenlage zutreffend festgehalten hat, erlauben die vorhandenen Berichte eine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers. Insbesondere die interdisziplinäre Begutachtung durch die Dres. med. R.________ und H.________ vom November 2000 erfüllt die an ein Gutachten gestellten Kriterien. Sie ist - wie das kantonale Gericht darlegt - für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden. Die Darlegung der Zusammenhänge sowie die Beurteilung der medizinischen Situation leuchten ein und die Schlussfolgerungen der Experten sind begründet. Nicht bestätigt wurde im interdisziplinären Gutachten das vom Hausarzt diagnostizierte atypische Fibromyalgiesyndrom, wobei die abweichende Beurteilung überzeugend begründet wurde. Wie die Vorinstanz bereits erwähnte, fand diese Diagnose denn auch in den Berichten der Rheumatologischen Klinik und Poliklinik des Spitals X.________ vom 13. Juli 1998 sowie des Dr. med. S.________ vom 3. April 2000 keine Bestätigung. Was die aus allfälligen gesundheitlichen Beschwerden resultierende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit anbelangt, waren sich die bis zum Verfügungserlass beigezogenen Ärzte mit Ausnahme des Hausarztes darin einig, dass der Beschwerdeführer weiter arbeiten sollte und könnte. In der interdisziplinären Begutachtung vom November 2000 wurde die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit mit 75 %, in einer angepassten Tätigkeit (unter Ausschluss von Rückenschwerarbeit) mit 100 % beziffert. Wenn der Hausarzt dem Beschwerdeführer eine wesentlich tiefere Arbeitsfähigkeit attestiert, ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass Hausärzte erfahrungsgemäss eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc) und dass vorliegend im Speziellen der behandelnde Arzt seine Angaben - wie aus seinen Schreiben vom 11. Januar und 19. März 2001 hervorgeht - massgeblich auf die Beschreibungen des Arbeitgebers stützte. Zutreffend ist, dass die Beurteilung des Hausarztes gewisse Entsprechungen im nach Verfügungserlass eingeholten Gutachten des Spitals X.________ vom 29. August 2001 findet. Diesbezüglich ist jedoch - wie dies bereits die Vorinstanz getan hat - anzumerken, dass der Bericht die bisherigen medizinischen Beurteilungen nicht zu entkräften vermag, da zur Frage des Gesundheitszustandes wie auch der noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit für den massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden können. Zudem fällt insbesondere ins Gewicht, dass für die Abnahme der Arbeitsfähigkeit psychosoziale Begleitumstände verantwortlich gemacht wurden. Auf solche wurde bereits in der interdisziplinären Begutachtung hingewiesen, wobei sie dort zutreffenderweise als invaliditätsfremde Faktoren bezeichnet wurden. Unter Ausschluss dieser invaliditätsfremden Faktoren (BGE 127 V 294, Praxis 1997 Nr. 49 S. 252) sind Vorinstanz und Verwaltung somit zu Recht von einer Arbeitsfähigkeit von 75 % in der bisherigen sowie von 100 % in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen. Für die Einholung weiterer medizinischer Beurteilungen besteht entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kein Anlass.