Citation: 6B_780/2010 13.01.2011 E. 5.8

5.8.1 Der Beschwerdeführer hält die vorinstanzliche Würdigung der Aussagen des Opfers ohne Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens für willkürlich (vgl. Beschwerde S. 21 f. Ziff. 9). 5.8.2 Nach der Praxis des Bundesgerichtes ist die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Beweisaussagen primär Sache der Gerichte (BGE 129 I 49 E. 4 S. 57; 128 I 81 E. 2 S. 86 mit Hinweisen). Bei Besonderheiten in der Person oder in den Aussagen eines wichtigen Zeugen kann die Anordnung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens als sachlich geboten erscheinen. Bei kindlichen Opferzeugen kann sich ein kinderpsychologisches Aussagegutachten insbesondere aufdrängen, wenn beim Kind Anzeichen für eine sprachliche oder kognitive Entwicklungsstörung bestehen, die es dem Gericht erschwert, eine fachgerechte Aussagenanalyse und Beweiswürdigung vorzunehmen. Analoges kann zutreffen, wenn die Opferbefragung nicht professionell erfolgt ist oder wenn bloss rudimentäre oder schwer verständliche Aussagen des Kindes vorliegen, die näherer Interpretation bedürfen (BGE 128 I 81 E. 1 bis E. 3 S. 84 ff.; s. auch BGE 129 I 49 E. 6.1 S. 59 f., je mit Hinweisen). In der Regel sind aber Aussagen von kindlichen Zeugen durch das Gericht selbst zu würdigen, sofern sie klar und verständlich sind und auch ohne besondere kinderpsychologische Fachkenntnisse interpretiert werden können (vgl. BGE 128 I 81 E. 2 und E. 3 S. 84 ff. mit Hinweisen). Dem Gericht steht bei der Beantwortung der Frage, ob aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalles der Beizug eines Sachverständigen zur Glaubwürdigkeitsbegutachtung notwendig ist oder nicht, ein Ermessensspielraum zu (BGE 129 I 49 E. 4 S. 57 mit Hinweis; 129 IV 179 E. 2.4 S. 184 f. mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung zum Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) ist zusätzlichen Beweisanträgen nur dann Folge zu leisten, falls weitere Abklärungen entscheiderheblich erscheinen und sich als sachlich geboten aufdrängen. Der Richter kann das Beweisverfahren hingegen schliessen, wenn er in willkürfreier antizipierter Beweiswürdigung davon ausgehen kann, weitere Ergänzungen vermöchten am relevanten Beweisergebnis nichts Entscheidendes mehr zu ändern (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f. mit Hinweisen). 5.9 Im vorliegenden Fall erscheinen die Aussagen des Opfers im Kerngeschehen praktisch widerspruchsfrei, realitätsnah und glaubwürdig (vgl. angefochtenes Urteil S. 54 bis 73). Seine Angaben, wonach der Beschwerdeführer mit dem Finger anal und vaginal eingedrungen ist, stimmen mit dem Verletzungsbild und den in seiner Unterwäsche vorgefundenen DNA-Spuren des Beschwerdeführers überein. Es schilderte zudem Details weiterer sexuellen Handlungen. Beispielsweise zeigte es mit der Hand vor, wie es den Beschwerdeführer manuell befriedigen musste, wobei dieser auf den Boden ejakulierte (act. 54 S. 15: es sei so weisses Zeug auf den Boden gelangt). Auch wenn es sich nach den vorinstanzlichen Feststellungen beim Opfer um eine retardierte Primarschülerin mit beschränktem Intellekt und Sprachvermögen handelt (angefochtenes Urteil S. 45), wies dieses keine derart erhebliche Entwicklungsstörung auf, dass es dem Gericht nicht möglich gewesen wäre, seine Aussagen sachgerecht zu würdigen. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Aussagen des Opfers, welches im Befragungszeitpunkt mit neun Jahren dem Kleinkindalter entwachsen war, nur gestützt auf besondere kinderpsychologische Fachkenntnisse verstanden bzw. vom Gericht verfassungskonform gewürdigt werden könnten. Insbesondere ergeben sich keine Hinweise, dass das Opfer nicht die Regelklasse besuchen würde (2. Klasse Primarschule E.________, act. 54 S. 3). Sodann wurden zwei ausführliche und fachgerechte Videobefragungen des Mädchens zu sehr heiklen und intimen Details durchgeführt. Die Verteidigung erhielt im Einklang mit den Bestimmungen von Art. 43 OHG Gelegenheit, der zweiten Befragung zu folgen und Ergänzungsfragen zu stellen. Ins Gewicht fällt schliesslich, dass die Analyse und Würdigung der Aussagen des Opfers durch die kantonalen Gerichte sehr detailliert und sachlich überzeugend ausgefallen ist (vgl. angefochtenes Urteil S. 27 bis 73). Die Vorinstanz durfte ohne Willkür davon ausgehen, dass auch ein kinderpsychologisches Glaubwürdigkeitsgutachten am relevanten Beweisergebnis voraussichtlich nichts Entscheidendes mehr zu verändern vermöchte. Damit war es zulässig, in antizipierter Beweiswürdigung auf eine Begutachtung des Kindes zu verzichten.