Citation: U 211/06 30.01.2007 E. 4

4.1 Das kantonale Gericht erklärte Art. 36 Abs. 2 UVG für anwendbar, weil ein sich überschneidendes, gegenseitig beeinflussendes Beschwerdebild von unfallfremden und unfallkausalen Gesundheitsschäden bestehe. 4.2 Art. 36 UVG geht von der Annahme aus, dass nicht bloss ein Unfall, sondern zusammen mit ihm auch andere (unfallfremde) Faktoren eine bestimmte Gesundheitsschädigung bewirken können. Art. 36 UVG kommt gerade dann zur Anwendung, wenn der Unfall und das nicht versicherte Ereignis einen bestimmten Gesundheitsschaden gemeinsam verursacht haben, die Krankheitsbilder sich also überschneiden. Art. 36 Abs. 2 UVG ist lediglich dann nicht anwendbar, wenn die beiden Einwirkungen einander nicht beeinflussende Schäden verursacht haben, so etwa wenn der Unfall und das nicht versicherte Ereignis verschiedene Körperteile betreffen und sich damit die Krankheitsbilder nicht überschneiden. Diesfalls sind die Folgen des versicherten Unfalls für sich allein zu bewerten (BGE 126 V 116 f. Erw. 3a). 4.3 Der Beschwerdeführer litt vor dem Unfall an Restsymptomen der Poliomyelitis. Es handelte sich dabei um eine Lähmung der linken Schulter, des linken Arms und der linken Hand sowie eine leichte Parese des linken Beines. Die rechte Hand, der rechte Arm und das rechte Bein waren von der Krankheit nicht betroffen. Wie der Versicherte zutreffend geltend macht, betrafen die Krankheit und der Unfall, der eine Gesundheitsschädigung am rechten Handgelenk bewirkte, verschiedene Körperteile, weshalb eine Kürzung nach Art. 36 Abs. 2 UVG entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht in Betracht fällt. Wenn diese feststellt, dass die zu beurteilende Gesundheitsschädigung an der rechten Hand durch den vorbestehenden Schaden an der linken Hand zusätzlich negativ beeinflusst worden sei und sich der Schaden an der rechten Hand bis zu einem gewissen Grad nur zusammen mit der vorbestehenden Beeinträchtigung der linken Hand auswirke, weshalb davon auszugehen sei, dass auch unfallfremde Faktoren die Beschwerden in der rechten Hand mitbeeinflussten, verkennt sie, dass es sich bei den von ihr genannten Punkten im Wesentlichen um (erwerbliche) Auswirkungen der Verletzung handelt. Im Anwendungsbereich des Art. 36 UVG ist indessen die Gesundheitsschädigung als solche massgebend, wie sich bereits aus dem Wortlaut von Abs. 1 und 2 dieser Bestimmung ergibt. 4.4 Anwendbar ist hingegen Art. 28 Abs. 3 UVV, der wie folgt lautet: War die Leistungsfähigkeit des Versicherten aufgrund einer nicht versicherten Gesundheitsschädigung vor dem Unfall dauernd herabgesetzt, so ist für die Bestimmung des Invaliditätsgrades der Lohn, den er aufgrund der vorbestehenden verminderten Leistungsfähigkeit zu erzielen im Stande wäre, dem Einkommen gegenüberzustellen, das er trotz der Unfallfolgen und der vorbestehenden Beeinträchtigung erzielen könnte. Die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers war aufgrund der Folgen der Poliomyelitis bereits vor dem Unfall vom 20. Februar 1987 erheblich eingeschränkt, wie zahlreichen Arztberichten und anderen Dokumenten mit aller Deutlichkeit entnommen werden kann. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, bei der Ermittlung des hypothetischen Einkommens ohne Invalidität sei nicht nach Art. 28 Abs. 3 UVV vorzugehen, kann ihm daher nicht gefolgt werden.