Citation: 6F_5/2022 E. 2.3.4

2.3.4. Für den aus Sicht des Gerichtshofs rechtswidrigen Freiheitsentzug sprach der Gerichtshof dem Gesuchsteller eine gerechte Entschädigung im Sinne von Art. 41 EMRK zu (oben E. 2.3.2). Eine Entschädigung aufgrund einer Konventionsverletzung ist im Verfahren vor dem Gerichtshof zu verlangen und ist im Revisionsverfahren vor Bundesgericht nicht mehr möglich (BGE 142 I 42 E. 2.2.1; Urteil 6F_18/2020 vom 22. Juli 2020 E. 2.1). Im zitierten BGE bezog sich das Bundesgericht auf die Botschaft vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, wo festgestellt wird, die gegenseitigen Subsidiaritäten [im Sinne des Wortlauts von Art. 41 EMRK] hätten sich in der Praxis nicht selten als problematisch erwiesen und führten manchmal zu einem befremdlichen Hin und Her zwischen Bern und Strassburg. Nach dieser Totalrevision gilt heute folgende Rechtslage: "Es wird nicht mehr möglich sein, über ein Revisionsverfahren wegen Verletzung der EMRK eine Entschädigung zu gewähren. Begehren um eine finanzielle Entschädigung müssen deshalb im Rahmen des Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geltend gemacht werden" (BBl 2001 4202 4352 f.). Insoweit schliesst daher die Zusprechung der "gerechten Entschädigung" gemäss Art. 41 EMRK durch den Gerichtshof die Revision des bundesgerichtlichen Urteils aus (ELISABETH ESCHER, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, N. 5 zu Art. 122 BGG; Urteil 6F_8/2018 vom 22. Mai 2018 E. 2.2.5). Die Revision öffnet nicht den Weg dazu, eine vom Gerichtshof beurteilte Sache neu zu beurteilen. Hat der Gerichtshof nach Feststellung der Verletzung von Verfahrensrechten die beantragte Entschädigung nach Art. 41 EMRK inhaltlich geprüft, kann darauf im Revisionsverfahren nicht mehr zurückgekommen werden (BGE 142 I 42 E. 2.2 ff.). Auf das im Revisionsverfahren vor Bundesgericht erneut gestellte Entschädigungsbegehren ist deshalb nicht einzutreten.