Citation: 1A.45/2005 02.06.2005 E. 4

Diese Überlegungen geltend entsprechend, soweit sich die Kostenauflage auf das Unterliegen der Beschwerdeführerin im Strafpunkt stützt. Die Beschwerdeführerin hatte beantragt, der Angeklagte sei zusätzlich wegen einfacher Körperverletzung (Venenverschluss nach Injektion mit einer verunreinigten Spritze) und fahrlässiger Körperverletzung (Ansteckung mit Hepatitis C) zu verurteilen. Damit sollte begründet werden, weshalb auch der Venenverschluss und die Ansteckung mit Hepatitis-C bei der Festsetzung der Genugtuung als Folgen einer Straftat hätten berücksichtigt werden müssen. Aufgrund der oben dargelegten Kombination des OHG-Verfahrens mit dem Straf- und dem Adhäsionsverfahren war es für das Opfer bzw. seine Rechtsvertreterin nicht ohne weiteres klar, dass es die so begründete Erhöhung der Genugtuungsforderung geltend machen konnte, ohne auch den strafrechtlichen Entscheid in Frage zu stellen, an den der Strafrichter im Adhäsionsverfahren gebunden ist (BGE 120 Ia 101 E. 2e S. 108). Zwar gilt dies nicht für die OHG-Behörde (BGE 129 II 312 E. 3 S. 317 ff.); aufgrund des oben geschilderten Konnexes zwischen Adhäsions- und OHG-Ansprüchen war jedoch die Rechtslage im Kanton Thurgau im Zeitpunkt der Berufungseinlegung nicht klar. Im Übrigen hätte das Obergericht, wäre nur der OHG-Entscheid angefochten gewesen, prüfen müssen, ob der Venenverschluss bzw. die Hepatitis-Ansteckung Folgen einer Straftat sind. Es hätte deshalb ebenfalls prüfen müssen, ob die Beschwerdeführerin in die Injektion wirksam eingewilligt hatte und ob dem Angeklagten hinsichtlich der Hepatitis-Infektion ein Sorgfaltsverstoss vorgeworfen werden kann (vgl. BGE 122 II 211 E. 3b S. 215). Insofern kann nicht gesagt werden, dass die Berufungsanträge der Beschwerdeführerin im Strafpunkt zu einem erheblichen Mehraufwand oder einer Verkomplizierung des Verfahrens geführt haben.