Citation: 1A.150/1999 01.02.2000 E. 3

3.- a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Verwaltungsgericht sei seiner verfassungsmässigen Prüfungs- und Begründungspflicht nicht nachgekommen, indem es die notwendigen Beweise nicht abgenommen und die Opferqualität allein mit dem Argument verneint habe, die von ihr angeführten Straftatbestände seien objektiv nicht ausgewiesen. Ihrem Antrag, sie psychologisch zu begutachten, habe das Verwaltungsgericht nicht entsprochen, obwohl ein entsprechender Bericht für die Beurteilung der Opferqualität im vorliegenden Fall unabdingbar gewesen wäre. Zur Intensität der Integritätsbeeinträchtigung habe das Verwaltungsgericht gar nicht Stellung genommen, obwohl es dazu jedenfalls hinsichtlich der gemäss dem Entscheid des Amtsstatthalteramts nachgewiesenen Sachentziehung und Ehrverletzung verpflichtet gewesen wäre. b) In der neuen Bundesverfassung ist der Anspruch auf rechtliches Gehör in Art. 29 Abs. 2 gewährleistet. Dieser entspricht hinsichtlich der Voraussetzungen dem aus Art. 4 aBV abgeleiteten Anspruch (vgl. Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 über eine neue Bundesverfassung, BBl 1997 I, S. 182). Das in Art. 4 aBV gewährleistete rechtliche Gehör dient der Sachaufklärung und garantiert dem Betroffenen ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im Verfahren. Er soll sich vor der Urteilsfassung zur Sache äussern, erhebliche Beweise beibringen, Einsicht in die Akten nehmen und an der Erhebung von Beweisen mitwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis äussern können, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 124 I 241 E. 2 und 49 E. 3a; 122 I 53 E. 4a; je mit Hinweisen). Insbesondere folgt aus Art. 4 aBV die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen. Die Begründungspflicht soll dazu beitragen, dass sich die Behörde nicht von sachfremden Motiven leiten lässt; sie dient in diesem Sinn sowohl der Transparenz der Entscheidfindung als auch der Selbstkontrolle der Behörde. Die Begründung muss dem Betroffenen gestatten, sich ein Bild über die Tragweite des Entscheids zu machen und diesen in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterzuziehen (BGE 124 II 146 E. 2a; 124 V 180 E. 1a; 117 Ib 64 E. 4 S. 86 mit Hinweisen). Daher muss die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen darstellen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt. Andererseits darf sich die Begründung auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, muss sich also nicht mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Argument des Beschwerdeführers auseinander setzen (vgl. dazu ausführlich BGE 112 Ia 107 E. 2b mit Hinweisen; BGE 123 I 31 E. 2c). c) Aus dem angefochtenen Urteil geht hervor, dass das Verwaltungsgericht dem Straftatbestand der Sachentziehung generell keine integritätsbeeinträchtigende Wirkung beimisst, weil es sich dabei um ein reines Vermögensdelikt handle. Hinsichtlich der Ehrverletzung hat das Verwaltungsgericht die Opferstellung der Beschwerdeführerin zusätzlich mit der Begründung verneint, die diesbezüglich geführte Strafuntersuchung sei eingestellt worden, weil die Beschwerdeführerin ihren Strafantrag zurückgezogen habe. Dieses Verhalten deute darauf hin, dass die Beschwerdeführerin durch die Äusserungen von R.________ in ihrer Integrität nicht derart stark beeinträchtigt worden sei, dass sich die Zusprechung einer Entschädigung oder Genugtuung rechtfertigen würde, zumal sie den Strafantrag gestützt auf eine Entschuldigung und die Bezahlung einer Genugtuung von Fr. 400. -- durch R.________ zurückgezogen habe. Unter diesen Umständen könne jedenfalls nicht von einem aussergewöhnlich schweren Fall einer Ehrverletzung die Rede sein, weshalb es auch nicht erforderlich sei, weitere Beweiserhebungen vorzunehmen. Mit diesen Ausführungen hat das Verwaltungsgericht entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht bloss zum Nachweis der von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Straftaten, sondern im Ergebnis auch zur Frage der Integritätsbeeinträchtigung Stellung genommen. Die rechtlichen und tatsächlichen Überlegungen, die zur Abweisung der Beschwerde geführt haben, sind im vorinstanzlichen Urteil enthalten. Hinsichtlich der Sachverhaltsermittlung ist nicht zu beanstanden, dass dem Beweisantrag der Beschwerdeführerin auf psychologische Begutachtung nicht stattgegeben wurde, mit der Begründung, sie habe mit dem Rückzug des Strafantrags selbst die Einstellung der Untersuchungshandlungen verursacht. Von einem Grenzfall musste das Verwaltungsgericht nicht ausgehen (s. vorne E. 2c). Aus den Akten ergeben sich im Übrigen keine Anhaltspunkte, wonach die verwaltungsgerichtliche Sachverhaltsfeststellung fehlerhaft wäre. Nach dem Gesagten hat sich das Verwaltungsgericht mit den Rügen der Beschwerdeführerin zur Prüfung der Opferstellung und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege hinreichend auseinander gesetzt und den Entscheid des Sozialamts unter Bezugnahme auf die einschlägige Rechtsprechung und Lehre bestätigt. Die Rüge der Verletzung der Prüfungs- und Begründungspflicht erweist sich demnach als unbegründet.