Citation: I 483/03 10.12.2003 E. 4

Verwaltung und Vorinstanz stützten sich bei ihrer Beurteilung des Invaliditätsgrades einzig auf den Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 9. September 2002, wonach im Haushaltsbereich ein Invaliditätsgrad von 33 % bestehe. Die Beschwerdeführerin lässt lediglich vorbringen, ihre Rechte seien verletzt worden, weil die IV-Stelle den medizinischen Sachverhalt nicht genügend abgeklärt habe. Sie leide an "Gleichgewichtsstörungen, Angstgefühlen, Depressionen, Neurosis und Schlafstörungen". Der Haushaltsabklärungsbericht wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde weder als Ganzes, noch in einzelnen Punkten gerügt oder in Frage gestellt. Die rudimentäre Begründung bindet das Eidgenössische Versicherungsgericht hingegen nicht (Art. 132 lit. b und c OG). 4.1 Verwaltung und kantonales Gericht gehen davon aus, bei einem Betätigungsvergleich sei die ärztliche Beurteilung dessen, was eine Versicherte in welchem Umfang zumutbarerweise noch zu leisten vermöge, abdingbar. Sie berufen sich dabei auf AHI 2001 S. 161 Erw. 3c mit Hinweis auf ein unveröffentlichtes Urteil W. vom 17. Juli 1990 Erw. 3, I 151/90. In dieser Absolutheit kann dem nicht gefolgt werden. Vielmehr ist es wichtig, dass eine qualifizierte Abklärungsperson vor Ort Kenntnis der seitens der Mediziner gestellten Diagnosen und der sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Eine analoge Funktion kommt dem Arztbericht für den Beweiswert eines Abklärungsberichts im Bereich der Bemessung des Betreuungsaufwandes bei der Feststellung eines Hauspflegebeitrages gemäss Art. 14 IVG (BGE 128 V 93 Erw. 4) zu. In der nicht publizierten Erw. 2.3.2 des Urteils BGE 129 V 67 werden die in BGE 128 V 93 f. formulierten Anforderungen für eine voll beweiskräftige Entscheidungsgrundlage nunmehr auch auf einen Abklärungsbericht angewendet, der im Hinblick auf eine strittige Hilfsmittelabgabe nach IVG verfasst worden war. Schliesslich wird im zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteil M. vom 27. Oktober 2003 (I 138/02) auch im Hinblick auf die Frage, unter welchen Umständen einem Abklärungsbericht an Ort und Stelle für die Beurteilung der Hilflosigkeit im Sinne von Art. 36 IVV ein voller Beweiswert zukommt auf die in BGE 128 V 93 f. entwickelten Voraussetzungen verwiesen. Es ist nicht ersichtlich, warum dies im Grundsatz nicht auch für die Haushaltsabklärungen bei einem Betätigungsvergleich in Sinne von Art. 28 Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 27 IVV gelten soll. Darin liegt kein Widerspruch zu dem vom kantonalen Gericht zitierten Urteil S. vom 26. Oktober 2000 (AHI 2001 S. 158 ff., insbesondere Erw. 3c S. 161). Dort wird die Frage erörtert, ob es einer erneuten ärztlichen Einschätzung der Behinderung im gewohnten Tätigkeitsbereich einer Versicherten bedarf, wenn die Haushaltsabklärung und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeitseinschätzung eines Arztes divergieren. Vorliegend geht es indessen nicht um eine ärztliche Überprüfung des Berichts, sondern um die Frage, welche Grundlagen einer Abklärungsperson zur Verfügung stehen müssen, damit diese überhaupt eine aussagekräftige Beurteilung vornehmen kann. Ohne die medizinische Grundlage würde ein Bericht einzig auf den - subjektiven - Angaben der Betroffenen über ihre Leistungsfähigkeit beruhen, was einer rechtskonformen Invaliditätsbemessung (vgl. Erw. 3 hievor) widerspräche. 4.2 Beim Betätigungsvergleich im Sinne von Art. 27 IVV verhält es sich in Bezug auf die Frage, unter welchen Umständen einem Abklärungsbericht an Ort und Stelle (gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV, in der bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung) voller Beweiswert zukommt, im Wesentlichen gleich, wie wenn der Anspruch auf Beiträge an die Hauspflege, Hilfsmittel oder derjenige auf Hilflosenentschädigung strittig ist. Auf einen voll beweiskräftigen Abklärungsbericht ist demnach - ausgehend von den in BGE 128 V 93 f. Erw. 4 entwickelten Voraussetzungen und unter Berücksichtigung der in AHI 2000 S. 317 Erw. 2b dargelegten Grundsätze zur Zusammenarbeit zwischen dem Arzt einerseits und der Verwaltung sowie dem Gericht andererseits - zu erkennen, wenn der Bericht folgenden Anforderungen genügt: Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf die Bewältigung der sich im konkreten Haushalt ergebenden Erfordernissen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Die Angaben der Haushalt führenden Person sind zu berücksichtigen, divergierende Meinungen im Bericht aufzuzeigen. Schliesslich muss der Abklärungsbericht plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen Aufgaben im Haushalt sein. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigende Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen.