Citation: 1P.2/2005 26.05.2005 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt, das Obergericht habe nicht über die gesamten Untersuchungsakten verfügt und damit nicht in voller Kenntnis der Fakten entschieden. Er habe sich auf diverse bei den Untersuchungsakten liegende Belege berufen, welche vom Obergericht nicht berücksichtigt worden seien, da sich dieser Teil der Akten nicht beim Gericht, sondern beim Untersuchungsrichteramt befunden habe. Es habe sowohl Art. 9 BV als auch Art. 29 Abs. 2 BV verletzt, indem es ohne vollständige Aktenkenntnis entschieden habe. 2.1 Nach § 158 Abs. 1 der Luzerner Strafprozessordnung vom 3. Juni 1957 (StPO) erhebt der Staatsanwalt Anklage. Diese hat u.a. "den Sachverhalt nebst den nötigen Belegstellen" zu bezeichnen (§ 159 Ziff.2 StPO). Es liegt somit in der Verantwortung des Staatsanwaltes, die von ihm erhobenen Vorwürfe mit den ihm zweckdienlich scheinenden Beweismitteln zu beweisen. Grundsätzlich ist es daher nicht zu beanstanden, dass er nicht alle vom Untersuchungsrichteramt erhobenen Akten ins gerichtliche Verfahren einführte, sondern nur diejenigen, die geeignet sind, das Beweisergebnis zu beeinflussen. Insofern ist nicht ersichtlich, und der Beschwerdeführer legt dies auch nicht näher dar (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG), inwiefern das Obergericht nur schon deswegen die Verfassung verletzt haben sollte, weil es die vom Staatsanwalt nicht ins gerichtliche Verfahren einbezogenen Untersuchungsakten nicht von Amtes wegen beizog. 2.2 Im Überweisungserkanntnis des Kantonalen Untersuchungsrichteramtes vom 14. Januar 2000 wird zudem unter dem Titel "8. Orientierung über die Aktenlage" (S. 11) ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die als nicht relevant eingestuften Geschäfts- und Buchhaltungsunterlagen nicht überwiesen, sondern beim Kantonalen Untersuchungsrichteramt Kriens bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils aufbewahrt würden. Der Beschwerdeführer musste somit spätestens seit der Zustellung des Überweisungserkanntnisses wissen, dass ein Teil der vom Untersuchungsrichteramt erhobenen Akten nicht ans Kriminalgericht überwiesen wurde. Er macht nicht geltend, vor Kriminal- oder Obergericht je den ganzen oder teilweisen Beizug dieser Akten beantragt zu haben, obwohl ihm dies ohne weiteres möglich und zumutbar gewesen wäre. Es ist unter diesen Umständen mit Treu und Glauben nicht vereinbar, dem Obergericht vorzuwerfen, es habe die Verfahrensgarantien von Art. 29 BV verletzt, indem es diese Akten beizuziehen unterliess. Die Rüge ist verspätet, darauf ist nicht einzutreten.