Citation: 6B_985/2023 E. 2.3.2

2.3.2. Bergbahn- und Skiliftunternehmen, welche Pisten erstellen und diese für den Skilauf öffnen, sind grundsätzlich verpflichtet, die zur Gefahrenabwehr zumutbaren Vorsichts- und Schutzmassnahmen vorzukehren. Diese sogenannte Verkehrssicherungspflicht verlangt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zum einen, dass Pistenbenützer vor nicht ohne Weiteres erkennbaren, sich als eigentliche Fallen erweisenden Gefahren geschützt werden. Zum andern ist dafür zu sorgen, dass Pistenbenützer vor Gefahren bewahrt werden, die selbst bei vorsichtigem Fahrverhalten nicht vermieden werden können. Die Grenze der Verkehrssicherungspflicht bildet einerseits die Zumutbarkeit und andererseits die Selbstverantwortung des einzelnen Pistenbenützers (BGE 130 III 193 E. 2.2 f. mit Hinweisen; Urteile 7B_11/2022 vom 6. Oktober 2023 E. 2.2.4; 6B_1209/2020 vom 26. Oktober 2021 E. 2.4.3; 4A_489/2014 vom 20. Februar 2015 E. 5.1). Schutzmassnahmen können nur im Rahmen des nach der Verkehrsübung Erforderlichen und Möglichen verlangt werden, wenn auch ein Mindestmass an Schutz immer gewährleistet sein muss. Gefahren, die dem Schneesport inhärent sind, soll derjenige tragen, der sich zur Ausübung des Schneesports entschliesst. Auch das Fehlverhalten eines Pistenbenützers, der in Missachtung von Signalisationen fährt, stürzt und dabei verunfallt, ist der Selbstverantwortung zuzurechnen (BGE 130 III 193 BGE 130 III 193 E. 2.3; 117 IV 415 E. 5a; Urteil 4A_206/2014 vom 18. September 2014 E. 3.3). Wie weit die Verkehrssicherungspflicht im Einzelnen reicht, hängt von den Gegebenheiten des Einzelfalles ab. Als Massstab sind jeweils die SKUS-Richtlinien und die SBS-Richtlinien beizuziehen. Obwohl diese Richtlinien kein objektives Recht darstellen, erfüllen sie eine wichtige Konkretisierungsfunktion im Hinblick auf die inhaltliche Ausgestaltung der Verkehrssicherungspflicht (BGE 130 III 193 E. 2.3 mit Hinweisen; Urteile 7B_11/2022 vom 6. Oktober 2023 E. 2.2.4; 6B_1209/2020 vom 26. Oktober 2021 E. 2.4.3; 4A_489/2014 vom 20. Februar 2015 E. 5.1). Das Bundesgericht ist an die Richtlinien nicht gebunden, sondern entscheidet selbst, welche Sorgfalt im Einzelfall geboten war, wobei das Sorgfaltsmass eine flexible, sich stets nach den tatsächlichen Gegebenheiten zu richtende Grösse bildet (BGE 130 III 193 E. 2.3; Urteile 7B_11/2022 vom 6. Oktober 2023 E. 2.2.5; 6B_1209/2020 vom 26. Oktober 2021 E. 2.4.3; je mit Hinweisen). Dabei ist es im Wesentlichen aber eine Frage des sachgerichtlichen Ermessens, welche Sicherheitsvorkehren die zu beurteilende örtliche Situation in einem bestimmten Zeitpunkt erfordert hätte. In diesen Beurteilungsspielraum greift das auf eine reine Rechtskontrolle beschränkte Bundesgericht nur mit Zurückhaltung und nur dann ein, wenn die Auffassung der Vorinstanz als unvertretbar erscheint (BGE 130 III 193 E. 2.3 mit Hinweisen; Urteile 4A_206/2014 vom 18. September 2014 E. 3.3; 6B_925/2008 vom 9. März 2008 E. 1.1).