Citation: 1P.433/2000 21.07.2000 E. 4

4.-Gegenüber den Ausführungen des Obergutachters wendet die Beschwerdeführerin ein, "in psychiatrischen Fachkreisen" sei "anerkannt, dass eine entsprechende Anhörung von gut einer Stunde niemals ausreichen" könne, "um zum Schluss der Verwahrung zu gelangen". Ausserdem habe der psychiatrische Gutachter "sämtliche chemisch toxikologischen Gutachten sowohl von Göttingen als auch von Dr. E.________ übergangen". Die Oberexpertise weise darüber hinaus noch weitere "gewichtige Mängel" auf. a) Gegenstand des Haftentlassungsverfahrens ist die Frage, ob sich den vorliegenden Akten, insbesondere der psychiatrischen Oberexpertise vom 21. März 2000, sachliche Anhaltspunkte für das Bestehen des Haftgrundes der Fortsetzungsgefahr entnehmen lassen. Ob die im psychiatrischen Gutachten getroffenen Feststellungen eine strafrechtliche Verwahrung rechtfertigen, ist demgegenüber nicht im Haftentlassungsverfahren zu entscheiden, sondern im hängigen Strafverfahren (vgl. dazu auch schon Urteil des Bundesgerichtes vom 1. September 1997 i.S. R.K.________ [1P. 419/1997], E. 2b). Der Einwand, der Obergutachter habe zwei von der Verteidigung in Auftrag gegebene chemisch-toxikologische Privatexpertisen unberücksichtigt gelassen, lässt die Annahme von erheblicher Rückfallsgefahr nicht als unzulässig erscheinen. Zum einen legt die Beschwerdeführerin selbst dar, dass die chemisch-toxikologischen Gutachter sich zumindest uneinig sind, ob sich eine Vergiftung der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder nachweisen lasse. Zum anderen vermöchte selbst der Nachweis einer Vergiftung an der hier massgeblichen Frage der Fortsetzungsgefahr kaum Entscheidendes zu ändern. Die Beschwerdeführerin legt jedenfalls nicht dar, inwiefern ihr gegenwärtiger psychischer Zustand durch den Nachweis einer chronischen Vergiftung als weniger besorgniserregend einzustufen wäre. b) Daran vermag auch das Vorbringen nichts zu ändern, das psychiatrische Gutachten lasse "nähere Umfeldabklärungen" zur Frage vermissen, welche Verwandte oder Amtspersonen "mit Leib und Leben bedroht" und welche "stetigen Gewalteinwirkungen von Seiten des getöteten Ehemannes" erfolgt seien. Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, was unter solchen "Umfeldabklärungen" konkret zu verstehen wäre. Ebenso wenig wird erläutert, inwiefern davon Informationen erwartet werden könnten, welche die gutachterlichen Schlüsse zum psychischen Zustand der Beschwerdeführerin als unzulässig erscheinen liessen. Im Übrigen wird in der Expertise (Seite 4 unten) auf "ausführliche Umfeldbefragungen" hingewiesen, welche "im Rahmen der Ermittlungen" erfolgt seien. Auch die Kritik am Gutachten, wonach auf die "symbiotische Psychose zwischen Mutter und Sohn" nicht näher eingegangen werde und "der betreuende Psychiater der Beschwerdeführerin in der Strafanstalt Hindelbank" nicht beigezogen worden sei, lässt die ungünstige Prognose im jetzigen Zeitpunkt und Prozessstadium nicht als sachwidrig erscheinen. c) Gestützt auf die vorliegenden Akten muss die Rückfallprognose im Falle einer Entlassung aus dem vorläufigen Straf- bzw. Massnahmenvollzug im gegenwärtigen Zeitpunkt als sehr ungünstig eingestuft werden. Ob sich im weiteren Verfahrensverlauf daran etwas ändern könnte, etwa aufgrund allfälliger neuer Beweiserhebungen (wie z.B. einer weiteren psychiatrischen Begutachtung) oder im Lichte einer etwaigen strafrichterlichen Neubeurteilung im Appellationsverfahren, ist hier nicht zu entscheiden. Angesichts der schlüssigen Ausführungen des psychiatrischen Obergutachtens ist zu befürchten, dass die Beschwerdeführerin nach der beantragten Haftentlassung mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut krankheitsbedingte aggressive Wahnschübe erleiden und in schwerwiegender Weise delinquieren könnte. Dabei fällt namentlich der Umstand erschwerend ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin sich nach den vorliegenden Akten bisher strikte therapieunwillig gezeigt hat. d) Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob neben der Fortsetzungsgefahr noch weitere zulässige Haftgründe zu bejahen wären. e) Die von der Beschwerdeführerin angerufenen weiteren Grundrechte (Art. 10 Abs. 3 BV, Art. 29 - 32 BV, Art. 3 und Art. 6 EMRK) haben in diesem Zusammenhang keine über das bereits Dargelegte hinausgehende Bedeutung. Soweit sie geltend macht, "eine Verwahrung" komme bei ihr als "Erstlingstäterin" und "im Quervergleich zu den bisher Verwahrten (...) in keiner Weise in Frage", bzw. die vom Kriminalgericht angeordnete Verwahrung stelle eine "unmenschliche Bestrafung" dar, kann darauf nicht eingetreten werden, da die Frage der Verwahrung als strafrechtliche Sanktion (freiheitsentziehende sichernde Massnahme) nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheides bildet (vgl. Art. 84 Abs. 1 OG). Inwiefern der angefochtene Entscheid das rechtliche Gehör oder das in Art. 31 Abs. 4 BV verankerte Beschleunigungsgebot verletze, wird (entgegen der Vorschrift von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG) nicht ausreichend substantiiert. Entsprechende Grundrechtsverletzungen sind auch aus den vorliegenden Akten nicht ersichtlich.