Citation: 6B_57/2021 E. 2.4.2

2.4.2. Die Vorinstanz erwägt weiter plausibel, weshalb mit der Bezeichnung "Gründung" in den Darlehensverträgen der Aufbau der Investmentfirma des Beschwerdegegners (im weiteren Sinne) und nicht bloss - wie vom Beschwerdeführer in seiner Beschwerde wiederholt geltend gemacht - die Kosten der Umfirmierung gemeint gewesen seien. Sie führt wie erwähnt aus, der Beschwerdegegner habe schon seit Juni 2009 über eine Einzelfirma verfügt und somit keine solche gründen müssen. Als die beiden Verträge aufgesetzt worden seien, habe der Beschwerdeführer gewusst, dass besagte Firma schon bestanden habe. Es sei damit für ihn offensichtlich gewesen, dass mit dem Begriff der "Gründung" nicht der eigentliche Gründungsakt, sondern vielmehr der Aufbau der Firma, d.h. der nötigen Infrastruktur und eines Kundestammes, habe gemeint sein müssen. Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er dem Beschwerdegegner das erste Darlehen gegeben habe, damit dieser Kunden akquirieren und dabei zeigen könne, dass er "einen Kunden habe", der bereits soundsoviel bei ihm investiert habe. Daraus lasse sich schliessen, dass er einer allfälligen Behauptung des Beschwerdegegners bereits viele Kundengelder zu verwalten, keinen Glauben geschenkt habe. Bei dieser Sachlage sei die Erwartung des Beschwerdeführers, dass lediglich Fr. 2'000.-- bis Fr. 3'000.-- in die Firma des Beschwerdegegners fliessen würden und dieser den Restbetrag von ca. Fr. 150'000.-- an den Finanzmärkten anlegen werde, unrealistisch gewesen. Der Aufbau der Firma habe bis zum Erreichen der Gewinnschwelle beträchtliche Kosten verursachen müssen, zu deren Bezahlung der Beschwerdegegner auf das vom Beschwerdeführer geliehene Geld habe zurückgreifen dürfen. Als die beiden Darlehensverträge aufgesetzt und unterzeichnet worden seien, habe der Beschwerdeführer überdies gewusst, dass der Beschwerdegegner soeben seine Arbeitsstelle bei der "D.________ SA" verloren gehabt habe. Die Entlassung des Beschwerdegegners sei das Zeichen dazu gewesen, ihm den Rest des Geldes (i.e. das zweite Darlehen) zu geben. Der Beschwerdeführer habe in dieser Situation damit rechnen müssen, dass der Beschwerdegegner während einer ersten Phase seiner selbständigen Erwerbstätigkeit in Ermangelung eines Gewinns auch seinen Lebensunterhalt aus den Darlehen würde bestreiten müssen. Darin habe keine Zweckentfremdung des Darlehens gelegen. Die Ausführungen der Vorinstanz sind nicht unhaltbar. Wie von dieser korrekt erwogen, wurde im ersten Vertrag zwar festgehalten, dass das Geld (auch) an den Finanzmärkten investiert werden sollte, jedoch wurde nicht spezifiziert, in welchem Verhältnis es auf die beiden Vertragszwecke aufzuteilen sei. Der erste Satz der Vereinbarung ("Der Darlehensgeber gewährt dem Darlehensnehmer zur Gründung einer Investmentfirma in U.________ [...] ein Darlehen") legt jedenfalls nicht nahe, dass es sich bei der "Gründung" lediglich um einen untergeordneten oder nebensächlichen Zweck handelte. Der zweite Darlehensvertrag über Fr. 98'000.-- nennt sodann einzig die "Gründung" einer Investmentfirma als Zweck, womit überhaupt keine anderweitige Verwendung dieser Tranche vereinbart wurde. Die vorinstanzliche Auslegung erscheint umso schlüssiger, als tiefe Umfirmierungskosten (der Beschwerdeführer nennt Beträge zwischen Fr. 160.-- bis Fr. 2'000.-- resp. Fr. 3'000.--) schon mit dem ersten Darlehen über Fr. 60'000.-- abgedeckt gewesen wären. Es hätte diesfalls kein ersichtlicher Grund mehr bestanden, im zweiten Darlehensvertrag als - einzigen - Zweck (noch einmal bzw. weiterhin) die "Gründung" der Investmentfirma zu nennen, wenn darunter nicht weitere (angesichts der Höhe des Darlehens von Fr. 98'000.-- substantielle) Kosten zu subsumieren gewesen wären. Die Darlehen hätten - nach dem erfolgreichen Aufbau der Firma - soweit ersichtlich auch aus einem zukünftigen Unternehmensgewinn zurückgezahlt werden können. Mithin ist nicht einsichtig, dass die im ersten Vertrag genannte Anlage an den Finanzmärkten "nur dann" Sinn ergebe, wenn das Darlehen nicht nur für gründungsbezogene Kosten (im engeren Sinn) verwendet werden durfte, bzw. dass die Parteien sich (bei Zulässigkeit einer vollständigen Abschöpfung der Kredite) zwingend auf eine Regelung der reinen Verzinsung des Darlehensbetrags ohne Finanzanlage geeinigt hätten (was die Parteien im zweiten Darlehensvertrag im Übrigen weitgehend getan haben). Dass die vorinstanzliche Auslegung des Gründungsbegriffs im Vertragstext "keine Stütze" finde, ist insofern unbehelflich, als die Vereinbarung offensichtlich ungenau formuliert wurde ("Gründung" einer bereits bestehenden Firma) und demnach nicht wortgetreu ausgelegt werden kann. Auch die vom Beschwerdeführer vertretene Lesart (wonach "Gründung" die Umfirmierung bezeichne) entspricht nicht der wörtlichen Formulierung. Willkür ist diesbezüglich nicht auszumachen. Wenn der Beschwerdeführer sodann vorbringt, der Beschwerdegegner habe im relevanten Zeitraum über bedeutende Geldzuflüsse verfügt und daher kein Darlehen zur Bestreitung seines Lebensunterhalts benötigt, so zeigt er keine Willkür auf. Wie von der Vorinstanz zutreffend erwogen, steht es einem Geschäftsmann unabhängig von seiner finanziellen Lage frei, für den Aufbau seiner Firma Kredite aufzunehmen. Weiter liegt es in der Natur der Sache, dass die Staatsanwaltschaft als Anklagebehörde in ihrer Anklageschrift von einem die beschuldigte Person belastenden Tatsachenfundament ausgeht. Daraus lässt sich nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers ableiten. Willkür ist in dieser Hinsicht weder dargetan noch ersichtlich.