Citation: 4A_226/2020 E. 5.1

5.1. Im Einzelnen erwog sie, die Beschwerdeführerin sei auf den Handel mit Getränkeabfüllanlagen spezialisiert. Sofern sie gewusst habe oder hätte wissen müssen, dass die Beschwerdegegnerin auf der gelieferten Maschine auch Smoothies und Fruchtsäfte habe produzieren wollen, hätte sie diese abmahnen müssen. Dass die Beschwerdeführerin dies gewusst habe, leitete sie aus den Zeugenaussagen von F.________, Mitarbeiter der Beschwerdeführerin, und von G.________, damaliger Geschäftsführer der Beschwerdeführerin, sowie der Parteiaussage des Geschäftsführers und Verwaltungsratspräsidenten der Beschwerdegegnerin, H.________, ab. Vor allem aber stützte sie sich auf die Offerte der Beschwerdeführerin vom 14. Dezember 2011, welche auch Weithalsflaschen umfasst habe, welche gemäss dem Erstgutachter bekanntlich für Fruchtsäfte, Eistee und ähnliche Produkte verwendet würden. Nachdem die Offerte explizit CSD- resp. Sirup-Flaschen aufführe, könnten die Weithalsflaschen nur für ein anderes Produkt gedacht gewesen sein. Das gelte umso mehr, als die Offerte auch "Liquid Food" als abzufüllendes Produkt angebe, womit wiederum gemäss übereinstimmenden Zeugen- bzw. Parteiaussagen nicht CSD oder gewöhnlicher Sirup habe gemeint sein können, ansonsten es keinen Sinn gemacht hätte, "Liquid Food" eigens als zusätzliches Produkt aufzuführen. Auch in der kommerziellen Auftragsbestätigung vom 20. Januar 2012 sei wiederum vermerkt, dass Weithalsflaschen verarbeitet werden sollen. Schliesslich erscheine auch in der technischen Auftragsbestätigung vom 15. März 2012 eine Weithalsflasche bzw. ein "Verschluss 0,25 l Weithals". Der Begriff "Liquid Food" werde hier zusätzlich spezifiziert, nämlich als "Hot juice homogenized". Sowohl G.________ als auch H.________ hätten ausgeführt, dass es sich dabei um einen (Frucht-) Saft handle. Daraus ergebe sich zwar nicht, dass ein Smoothie gemeint sei, jedoch müsse es um einen Fruchtsaft gehen, der nicht klar sei, ansonsten eine Homogenisierung keinen Sinn machen würde. Denkbar sei ein Fruchtsaft mit Fasern oder eben ein Smoothie, d.h. eine Mischung aus Fruchtpüree und Fruchtsaft. Weiter hinten im Anhang zur Auftragsbestätigung vom 15. März 2012 sei sogar eine Flasche abgebildet, die als "Smoothie 250 ml" bezeichnet werde. Unbestritten sei sodann, dass die Beschwerdegegnerin bei den von der Beschwerdeführerin organisierten Abfüllversuchen am 2. März 2012 in Roverbella/Italien neben anderen Produkten zehn gefüllte, etikettierte und verschlossene Smoothie-Flaschen nach Deutschland geschickt habe. Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe die Beschwerdeführerin somit gewusst, dass mit der Anlage auch Smoothies abgefüllt werden sollten. Dessen ungeachtet habe sie am 15. März 2012 die technische Auftragsbestätigung unterzeichnet, ohne die Beschwerdegegnerin abzumahnen. Die erste Abmahnung sei erst am 15. Juni 2012 erfolgt, als die Anlage bereits geliefert und in Betrieb genommen worden sei. Zusammenfassend schloss die Vorinstanz, die Beschwerdeführerin habe gewusst, dass die Beschwerdegegnerin auf der Anlage auch Smoothies abfüllen wolle. Trotzdem habe sie diese nicht abgemahnt. Die Beschwerdegegnerin habe deshalb voraussetzen dürfen, dass auf der Anlage auch Smoothies abgefüllt werden könnten. Einen Antrag der Beschwerdeführerin auf Edition der von der Firma I.________ an die Adresse der Beschwerdegegnerin erstellten Konkurrenzofferte, wies die Vorinstanz ab. Einer solchen Offerte seien nicht zwingend die gleichen Anforderungen zugrunde gelegen. Sie vermöge daher den Beweis einer abweichenden Vereinbarung zwischen den Parteien nicht zu erbringen.