Citation: 8C_456/2013 E. 4.2.2

4.2.2. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers steht im vorliegenden Verfahren nicht der Vergleichszeitraum vom 9. März 2009 (Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung) bis 12. Mai 2011 zur Debatte. Von Belang ist, ob in der Zeit zwischen 10. November 2009 (erste ablehnende Verfügung) und 4. Januar 2012 (zweite ablehnende Verfügung) eine gesundheitliche Verschlechterung eingetreten ist, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt (E. 3 hiervor). 4.2.2.1. In der Verfügung vom 10. November 2009 hatte die Verwaltung namentlich auf die Einschätzung des ehemals behandelnden Dr. med. O.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 20. Mai 2009 abgestellt. Nach seiner Schilderung fühlte sich der Beschwerdeführer aufgrund der dominierenden Angst- und Panikstörung schon damals nur sicher, wenn in einigen Minuten Entfernung eine Person seines Vertrauens ansprechbar war. Dies war in seinem Wohnquartier, aber auch bei seinem letzten Arbeitgeber im Wohnheim garantiert. Dieselbe Sicherheit hätte gemäss den Angaben des Psychiaters auch bei einem allfälligen neuen Arbeitgeber durch Vorgesetzte oder andere Vertrauenspersonen sowie durch die Nähe eines Arztes, einer psychiatrischen Ambulanz oder einer ähnlichen Institution gewährleistet werden können. 4.2.2.2. Soweit der Beschwerdeführer sinngemäss geltend macht, aus dem Einweisungszeugnis des Dr. med. K.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und des L.________, Fachpsychologe für Psychotherapie, vom 28. April 2010, dem Austrittsbericht der Klinik X.________ vom 20. Juli 2010 und der Stellungnahme des Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (nachfolgend: RAD), vom 10. Januar 2011 sei eine anhaltende Verschlechterung des Gesundheitszustandes abzuleiten, kann ihm nicht gefolgt werden. In diesem Zusammenhang ist die am 20. Mai 2009 von Dr. med. O.________ geschilderte Ausprägung der Angst- und Panikstörung - entgegen der Ansicht des Versicherten - durchaus relevant, weil der Verwaltungsakt vom 10. November 2009 auf dieser Einschätzung basierte (E. 4.2.2.1 hiervor). Deshalb hat sie als Vergleichsbasis zu gelten. Mit einem "falschen chronologischen Ablauf" in der Darstellung der medizinischen Unterlagen durch die Vorinstanz (Beschwerde, Ziffer 3) hat die späte Erwähnung des Berichts im angefochtenen Gerichtsentscheid somit nichts zu tun und eine Fehlbeurteilung ist daraus mitnichten entstanden. Die ab 3. Juli 2009 behandelnden Fachpersonen Dr. med. K.________ und L.________ berichteten am 28. April 2010, der Versicherte wünsche eine stationäre Behandlung, um sein Leben aus diesem Setting heraus neu einrichten zu können, nachdem dessen Partnerin sich dazu entschieden habe, per Juli 2010 wegzuziehen. Sie gingen damals mit Blick auf die Trennung von einer akut verstärkten Angstproblematik aus. Im Austrittsbericht der Klinik X.________ vom 20. Juli 2010 wurden als aktuelle Belastungsfaktoren die Trennung von der Partnerin, die Kündigung der Wohnung und die Arbeitslosigkeit genannt. Als Diagnosen wurden unter anderem eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und eine Persönlichkeitsstörung angegeben. Eine Arbeitsfähigkeit sei bei Austritt noch nicht vorhanden gewesen, weshalb eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis zum 17. Juli 2010 ausgestellt worden sei. Bezüglich der depressiven Symptomatik sei es zu einer Teilremission gekommen, die Angstsymptomatik sei weitgehend geblieben und das Vermeidungsverhalten habe leicht reduziert werden können. Dr. med. E.________ führte am 10. Januar 2011 aus, es sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten, und hielt dafür, Art und Umfang seien gutachterlich festzustellen. Zu diesem Zweck veranlasste die IV-Stelle das psychiatrische Gutachten des Dr. med. S.________ vom 4. August 2011. Darin gelangte der Experte zum Schluss, der Beschwerdeführer leide unter einer Angstneurose mit Panik und einer ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F41.0 und F60.6); es bestehe eine "zeitlich volle" Arbeitsfähigkeit ohne Leistungsverminderung. Der Gesundheitszustand habe sich eher verbessert. 4.2.2.3. Es trifft nicht zu, dass sich Dr. med. S.________ in seiner Stellungnahme vom 6. November 2011 in einen Widerspruch zu seinem Gutachten setzte. Soweit er eine effektive Verschlechterung des Gesundheitszustandes beschrieb, bezog er sich explizit auf die Entwicklung (anstehender Auszug der Partnerin aus der gemeinsamen Wohnung) vor Einweisung in die Klinik X.________ (vom 10. Mai 2010) und betonte, dass er die im Austrittsbericht der Klinik diagnostizierte mittelgradige depressive Episode nicht übersehen habe. Wesentlich sei, dass er bei seiner Untersuchung keine depressive Störung mehr habe feststellen können. Auch der Vorwurf, die vom früheren Rechtsvertreter des Versicherten eingeholte Stellungnahme des Dr. med. T.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und des D.________, Dipl. klin. Psychologe, Psychoanalytiker und Psychotherapeut SGP, vom 4. Februar 2012 habe keine hinreichende Beachtung gefunden, ist unbegründet. Die Vorinstanz musste aus der darin enthaltenen, unzutreffenden Kritik am Gutachten des Dr. med. S.________ keine anderen Schlüsse ziehen. So entbehrt unter anderem die Behauptung, Dr. med. S.________ habe neben einer 100%igen Arbeitsfähigkeit gleichzeitig auch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, jeder Grundlage, da es sich beim angesprochenen Attest um die Wiedergabe der früheren Einschätzung anderer Ärzte handelt. 4.2.2.4. Der Versicherte verkennt, dass eine vorübergehende Verschlechterung seines Gesundheitszustandes allseits anerkannt ist. Fälschlicherweise geht er davon aus, Dr. med. S.________ habe den Zeitraum nach dem Klinikeintritt ab 10. Mai 2010 als massgebend erachtet und dabei eine marginale Verbesserung während des stationären Aufenthalts als Verbesserung des Gesundheitszustandes seit dem 9. März 2009 (Erstanmeldung bei der Invalidenversicherung) ausgegeben. Als Vergleichszeitpunkte nahm der Experte korrekt den "früheren Entscheid (..) der IV", also das Datum des Verwaltungsaktes vom 10. November 2009 (welcher auf der Einschätzung des Dr. med. O.________ vom 20. Mai 2009 basierte) und die Daten seiner Untersuchungen (12., 20. und 27. Mai 2011) an. Eine erneute gesundheitliche Verschlechterung nach der Begutachtung bis zum Erlass der zweiten ablehnenden Verfügung vom 4. Januar 2012 wurde vom Versicherten nicht geltend gemacht.