Citation: 4A_614/2014 E. A

A.a. Die B.________ SA (Verkäuferin, Klägerin, Beschwerdegegnerin) ist eine Aktiengesellschaft schweizerischen Rechts mit Sitz in U.________, Schweiz. Sie bezweckt insbesondere den Kauf und Verkauf von Stahl aller Art. Sie firmiert seit dem 28. August 2009 unter "B.________ SA". Zuvor, auch zur vorliegend relevanten Zeit, firmierte sie noch unter "B2.________ SA". Die A.________ S.p.A. (Käuferin, Beklagte, Beschwerdeführerin) ist eine Aktiengesellschaft italienischen Rechts mit Sitz in V.________, Italien. Sie stellt Stahl sowie Halberzeugnisse aus Stahl für das Bauwesen her. A.b. Die Parteien schlossen am 15. Mai 2008 einen ersten Kaufvertrag über rund 5'000 Metrische Tonnen (nachfolgend: "MT") Walzdraht SAE 1008B mit einem Durchmesser von 6,5 mm (nachfolgend: "Walzdraht 6,5 mm") zu einem Preis von USD 1'050.-- pro MT ab. Die Bezahlung sollte mittels eines Dokumentenakkreditivs erfolgen, welches die Beklagte am 21. Mai 2008 durch die Bank C.________ S.p.A., Italien, zuhanden der (Korrespondenz-) Bank der Klägerin, Bank D.________, Belgien, Zweigniederlassung Genf eröffnen liess. Am 23. Mai 2008 schlossen die Parteien einen zweiten Kaufvertrag über rund 2'000 MT Walzdraht SAE 1008B mit einem Durchmesser von 8 mm (nachfolgend: Walzdraht 8 mm) zu einem Preis von USD 1'050.-- pro MT ab. Die Bezahlung sollte ebenfalls mittels des bereits eröffneten Dokumentenakkreditivs erfolgen. Die Käuferin veranlasste diesbezüglich - wie im entsprechenden Kaufvertrag vorgesehen - am 27. Mai 2008 eine Ergänzung des bereits eröffneten Dokumentenakkreditivs, wobei insbesondere der Betrag auf USD 7'350'000.-- erhöht wurde. Beide Kaufverträge sahen eine Verschiffung des Walzdrahtes in W.________, China, bis spätestens am 15. Juni 2008 und die Zahlbarkeit des Kaufpreises 90 Tage nach Ausstellung des Konnossements vor. In beiden Verträgen wurde bei den Lieferbedingungen auf die Incoterms (2000) -Klausel CIF verwiesen. Sodann enthielten beide Kaufverträge wie auch das Dokumentenakkreditiv eine Liste der von der Verkäuferin einzureichenden Dokumente, wozu insbesondere die unterzeichneten Rechnungen, die Originalkonnossemente sowie das Herstellungszertifikat (nachfolgend: Mill Test Certificate) der Herstellerin, welches gemäss Dokumentenakkreditiv die chemischen und mechanischen Eigenschaften für jede Schmelznummer aufzuweisen hatte, zählten. Die Zugfestigkeit des Walzdrahtes hatte nach der Spezifikation in beiden Kaufverträgen mindestens 400 Megapascal (nachfolgend: "MPA") zu sein. Unbestritten ist, dass zumindest vereinzelte Nutzungen von Stahl eine Mindestzugfestigkeit bedingen. A.c. Auf Verlangen der Verkäuferin vom 17. Juni 2008 bzw. 4. Juli 2008 veranlasste die Käuferin mit Schreiben vom 18. Juni 2008 bzw. 7. Juli 2008 zwei weitere Änderungen des Dokumentenakkreditivs, indem der späteste Verschiffungszeitpunkt des Walzdrahtes vom 15. Juni 2008 zuerst auf den 5. Juli 2008 und hernach auf den 11. Juli 2008 und das Verfalldatum des Akkreditivs vom 6. Juli 2008 zunächst auf den 21. Juli 2008 und dann auf den 1. August 2008 verschoben wurde. Die Verkäuferin wurde jeweils über die Akkreditivänderungen (via SWIFT und mit Fax von der Bank D.________) informiert. A.d. Der Walzdraht wurde schliesslich auf das Schiff "E.________" verladen und am 10. Juli 2008 in W.________, China, verschifft. Die Verkäuferin transportierte mit dem gleichen Schiff für drei weitere Käufer in Italien Walzdraht, der von derselben chinesischen Herstellerin stammte. A.e. Der Seefrachtführer stellte für den Walzdraht 6,5 mm (4'989.836 MT) und für den Walzdraht 8 mm (1'999.880 MT) am 10. Juli 2008 je ein Konnossement aus. Die ersten Rechnungen der Verkäuferin, diejenige für den Walzdraht 6,5 mm in der Höhe von USD 5'239'327.-- (4'989.836 MT x USD 1'050.--) und diejenige für den Walzdraht 8 mm in der Höhe von USD 2'099'874.-- (1'999.880 MT x USD 1'050.--), datieren vom gleichen Tag. A.f. Nachdem die Verkäuferin von der chinesischen Herstellerin das Mill Test Certificate erhalten hatte, teilte sie der Käuferin zwei Wochen nach der Verschiffung mit E-Mail vom 24. Juli 2008 mit, dass 12 von 101 Schmelznummern ("heats") des Walzdrahtes 6,5 mm und 33 von 93 Schmelznummern des Walzdrahtes 8 mm eine Zugfestigkeit von weniger als 400 MPA aufweisen würden. In der Folge kam es zu einer Vertragsänderung, wobei für Walzdraht 6,5 mm und Walzdraht 8 mm ohne Mindestzugfestigkeit von 400 MPA eine Preisreduktion von USD 30.-- pro MT vereinbart wurde. Die Verkäuferin war aber auch nach der Vertragsänderung verpflichtet, abgesehen von 592.85 MT des Walzdrahtes 6,5 mm, weiterhin Walzdraht mit einer Mindestzugfestigkeit von 400 MPA zu liefern. A.g. Mit Schreiben vom 1. August 2008 veranlasste die Käuferin bei ihrer Bank (C.________) zwei weitere Änderungen des Dokumentenakkreditivs: Der Preis für Schmelznummern mit einer Zugfestigkeit unter 400 MPA wurde um USD 30.-- auf USD 1'020.-- pro MT reduziert und die Gültigkeitsdauer des Akkreditivs wurde - entgegen dem mit E-Mail der Verkäuferin vom 31. Juli 2008 unterbreiteten Vorschlag zur Verlängerung derselben auf den 15. August 2008 - auf den 10. August 2008 verlängert. Die Akkreditivänderungen wurden der Verkäuferin am 4. August 2008 (via SWIFT und mit Fax der Bank D.________) mitgeteilt. A.h. Am 11. August 2008 erhielt die Käuferin die Nachricht, dass die Verkäuferin gleichentags die Akkreditivdokumente einschliesslich Konnossemente bei der Bank D.________ eingereicht habe. Am 16. August 2008 ging der Käuferin eine Kopie dieser bei der Bank D.________ eingereichten Akkreditivdokumente zu. A.i. Der Walzdraht traf am 15. August 2008 in X.________, Italien, ein und wurde bis am 22. August 2008 entladen. Am 22. August 2008 fragte die Käuferin nach, ob die Akkreditivdokumente abgesandt worden seien, bei ihrer Bank (C.________) seien sie noch nicht angekommen. Sie brauche vom Walzdraht 6,5 mm und der Schiffsagent gebe das Material ohne Originalkonnossement nicht heraus. A.j. Die Bank D.________ teilte der Bank C.________ schliesslich mit Schreiben vom 22. August 2008 mit, dass sie die Akkreditivdokumente "on approval basis" präsentiere, da das Akkreditiv abgelaufen sei. Die Bank C.________ nahm diese Dokumente spätestens am 25. August 2008 entgegen und leitete sie "on approval basis" an die Käuferin weiter. Bei den eingereichten Dokumenten befanden sich die am 10. Juli 2008 ausgestellten Konnossemente und Rechnungen. A.k. Am 25. und 26. August 2008 liess die Verkäuferin der Käuferin per E-Mail korrigierte Rechnungen zukommen, die schliesslich für 593.316 MT vom Walzdraht 6,5 mm und für 693.888 MT vom Walzdraht 8 mm die vereinbarte Reduktion von USD 30.--, d.h. insgesamt Reduktionen von USD 17'799.48 und USD 20'816.64 enthielten. Die korrigierten Rechnungen beliefen sich somit auf USD 5'221'528.32 für den Walzdraht 6,5 mm und auf USD 2'079'057.36 für den Walzdraht 8 mm. A.l. Am 25. August 2008 informierte die Verkäuferin die Käuferin, ihr Beauftragter im Hafen von X.________ habe mitgeteilt, dass "die Chinesen" den Walzdraht 8 mm (mit einer Mindestzugfestigkeit von 400 MPA) nicht aussortiert hätten; sie wisse nicht, wie viele Schmelznummern unter 400 MPA liegen würden. A.m. Mit E-Mail vom 3. September 2008, 11.26 Uhr, teilte die Verkäuferin der Käuferin indessen mit, es sei nun bestätigt, dass die Aussortierung des Walzdrahtes 8 mm beendet sei. Die Reparaturarbeiten an den gebrochenen Spulen seien immer noch im Gang. Die Bank D.________ habe noch keine Bestätigung von der Käuferin erhalten, dass diese die (von der Bank C.________ weitergeleiteten) Dokumente für den Walzdraht 6,5 mm angenommen habe; für den Walzdraht 8 mm werde sie möglicherweise eine neue Rechnung ohne die Reduktion präsentieren. A.n. Die Käuferin verlangte in der Folge am 3. September 2008, Proben vom Walzdraht 8 mm nehmen zu dürfen und teilte der Bank C.________ mit Schreiben vom gleichen Tag mit, dass sie die Akkreditivdokumente zurückweise und der ausländischen Bank (D.________) zur Verfügung stelle. Darüber wurde die Verkäuferin tags darauf durch (SWIFT-) Mitteilung der Bank C.________ an die Bank D.________ in Kenntnis gesetzt. A.o. Am 5. September 2008 erklärte sich die Klägerin mit der Probeentnahme einverstanden. Ihr Einverständnis war notwendig, weil die Käuferin ohne die Originalkonnossemente keinen Zugang zum Walzdraht hatte. Sie liess Proben von 30 Schmelznummern des Walzdrahtes 8 mm entnehmen. Gemäss dem Prüfungsbericht vom 8. September 2008, dem sog. Bericht S.________, lag die Zugfestigkeit bei 14 der 30 Proben unter 400 MPA. Darüber hinaus wurden im betreffenden Bericht (zumindest) in Bezug auf einige Rollen ("alcuni fasci") "difetti di confezionamento" festgestellt. A.p. Die Käuferin informierte die Verkäuferin am 15. September 2008, dass sie den Walzdraht wegen Qualitätsmängeln nicht annehme und bezahle. Weiter teilte sie mit, dass sie die Akkreditivdokumente wegen der bekannten Nicht-Konformität nicht angenommen habe; die Ware bleibe folglich im Eigentum der Lieferantin und zu deren Verfügung. A.q. Am 19. September 2008 fand zwischen den Parteien auf Wunsch der Verkäuferin ein Treffen statt. Die Käuferin legte der Verkäuferin den Prüfungsbericht S.________ vom 8. September 2008 vor und monierte insbesondere die fehlende Mindestzugfestigkeit. Sie wies anlässlich dieses Treffens eine von der Verkäuferin angebotene Kaufpreisreduktion um USD 1'400'000.-- zurück. Die Käuferin teilte der Verkäuferin mit, dass sie den Walzdraht wegen Qualitätsmängel nicht annehme. A.r. Mit Schreiben vom 6. Oktober 2008 bot die Verkäuferin der Käuferin die Konnossemente an und mahnte den Kaufpreis unter Hinweis auf dessen Fälligkeit am 8. Oktober 2008 ab. Die Käuferin antwortete mit Schreiben vom 10. Oktober 2008, dass sie die Annahme und Bezahlung des Stahls zufolge Qualitätsmangel bzw. Nichtkonformität mit den vertraglichen Spezifikationen verweigere. A.s. Die Verkäuferin hatte sich anlässlich des Treffens vom 19. September 2008 geweigert, den Walzdraht einer gesamthaften Untersuchung zu unterziehen. Sie beauftragte dann aber Ende September - über die F.________ SA, Genf - die F.________ Italia S.p.A. (nachfolgend: "F.________") damit, Proben von beiden Walzdrähten zu nehmen. Die Tests wurden am 29. September 2008 durchgeführt. Gemäss Prüfungsbericht der F.________ vom 27. Oktober 2008 lag die Zugfestigkeit bei 20 von 24 Proben des Walzdrahtes 6,5 mm und des Walzdrahtes 8 mm, d.h. bei rund 83 %, unter 400 MPA. A.t. Mit Schreiben vom 7. November 2008 setzte die Verkäuferin der Käuferin eine Frist bis am 13. November 2008, um zu bestätigen, dass sie die Ware annehme, oder aber zu erklären, dass sie die Ware definitiv nicht annehme. Zudem drohte sie Drittverkäufe an. A.u. Daraufhin stellte die Käuferin am 10. November 2008 einen Antrag auf gerichtliche Begutachtung des Walzdrahtes durch das Gericht in Gorizia. Durch die Stellungnahme der Verkäuferin vom 15. Dezember 2008 erfuhr die Käuferin vom Bericht der F.________ vom 27. Oktober 2008. Sie hob die Kaufverträge spätestens am 13. Januar 2009 auf. Mit Entscheid vom 26. Mai 2009 trat das Gericht in Gorizia mangels Zuständigkeit auf das Begehren der Käuferin nicht ein.