Citation: 4A_5/2014 E. 3.3

3.3. Die Betriebsgefahr eines Motorrades und diejenige eines Postautos gälten grundsätzlich als gleichwertig. Das höhere Gewicht der Postautos werde durch die deutlich erhöhte Verletzbarkeit des Motorradfahrers aufgewogen. Das mit angemessener Geschwindigkeit erfolgte Fahren seitens des Postautofahrers könne im zu beurteilenden Fall nicht als erhöhte Betriebsgefahr oder anderer besonderer Umstand i.S.v. Art. 61 Abs. 1 SVG gewertet werden, da es ein Kreuzen für entgegenkommende Motorräder oder Autos nicht verunmöglicht und sich in keiner Weise unfallverursachend ausgewirkt habe. Aus dem gleichen Grund begründe auch die Tatsache, dass der Postautolenker aufgrund der Bauart seines Fahrzeugs die Kurve nur mit einem Überragen der Mittellinie in die Gegenfahrbahn hinein befahren konnte, nicht eine erhöhte Betriebsgefahr respektive einen anderen besonderen Umstand im Sinne von Art. 61 Abs. 1 SVG. Ob der Umstand, dass der Postautolenker beim Bremsen auf die Passagiere Rücksicht nehmen müsse, abstrakt die Betriebsgefahr erhöhe, liess die Vorinstanz offen, da zufolge des zur Verfügung stehenden Kreuzungsraums kein Anlass für eine starke Bremsung bestanden habe. Ausschliesslich das Fehlverhalten des Motorradfahrers habe den Unfall verursacht.