Citation: I 256/01 25.09.2001 E. 3

3.- a) Anlässlich des Unfalls vom 12. Juni 1994, bei dem der Versicherte als Fussgänger von einem Personenwagen angefahren wurde, zog er sich eine erstgradig offene, distale Oberschenkelquerfraktur links, multiple Rissquetschwunden im Bereich des Oberschenkels und Knies links sowie eine Rissquetschwunde an der linken Hohlhand zu (Arztzeugnis UVG des Dr. med. W.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 27. Juni 1994; Bericht des SUVA-Kreisarztes Dr. med. E.________ vom 7. November 1994; Austrittsbericht der Klinik B. vom 24. Februar 1995). In der Folge bestand auf Grund dieser Verletzungen und entsprechender funktioneller Einschränkungen eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (Austrittsbericht der Klinik B. vom 24. Februar 1995). b) Vom 2. August bis 8. September 1995 hielt sich der Beschwerdeführer erneut in der Klinik B. auf. Dort fand neben medizinischen Untersuchungen auch eine berufliche Abklärung statt. Im entsprechenden Abschlussbericht vom 25. September 1995 wird ausgeführt, der Versicherte sei seit 11. September 1995 medizinischtheoretisch zu 50 % arbeitsfähig, wobei mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei. Leichte industrielle Tätigkeiten, die er sitzend oder stehend ausüben könne, seien ihm, je nach Arbeitsplatz, ganztags zumutbar. Diese Beurteilung wird in einem ausführlichen Bericht des Dr. med. O.________, Chirurgie FMH, Abteilung Unfallmedizin der SUVA, vom 9. März 1996 bestätigt. Dr. med. O.________ gelangt zum Ergebnis, dass der Versicherte in einer leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit im Industriebereich ab 9. September 1995, also nach dem Aufenthalt in der Klinik, eine volle Leistung hätte erbringen können. Angesichts dieser überzeugenden und schlüssigen Stellungnahmen ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass ab 9. September 1995 auf Grund der somatischen Restfolgen des Unfalls vom 12. Juni 1994 für eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr bestand. Ein erneuter Unfall vom 30. Januar 1996, als der vom Versicherten gelenkte Personenwagen mit einem anderen Auto kollidierte, führte wohl zu einer Arbeitsunfähigkeit vom 2. Februar bis 13. März 1996, zeitigte jedoch keine längerfristigen gesundheitlichen Folgen mit erwerblichen Auswirkungen. Die am 15. März 1996 durchgeführte Operation zur Entfernung des nach dem Unfall vom 12. Juni 1994 eingesetzten Osteosynthese-Materials verlief komplikationslos. Gleichzeitig konnte eine Läsion im Bereich des linken Knies ausgeschlossen werden (Bericht des Spitals W. vom 26. März 1996). Die MEDAS-Begutachtung vom 1. Mai 1998 ergab aus rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit als Bauarbeiter von weniger als 30 %, in Bezug auf eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit jedoch eine solche von 100 %. Damit ist auf Grund des somatischen Beschwerdebildes von einem ab 9. September 1995 grundsätzlich unverändert gebliebenen Zumutbarkeitsprofil auszugehen. c) Umstritten ist, ob der Beschwerdeführer an einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden leidet. aa) Der Austrittsbericht der Klinik B. vom 27. September 1995 erwähnt einen Bericht des SUVA-Kreisarztes Dr. med. H.________ vom 7. März 1995, in welchem auf die Gefahr einer psychischen Fehlentwicklung hingewiesen wird, und eine Stellungnahme des Neurologen Dr. med. J.________ vom 4. April 1995, der eine psychische Betreuung und antidepressive Behandlung vorschlug. Klare Anhaltspunkte für das Vorliegen einer entsprechenden Störung während dieses Zeitraums bestehen jedoch nicht. bb) Am 17. April 1996 begab sich der Versicherte freiwillig zur stationären Behandlung in die Psychiatrische Klinik S., wo er sich bis 23. Mai 1996 aufhielt. Im entsprechenden Bericht vom 1. Juli 1996 diagnostizieren die dortigen Ärztinnen eine Anpassungsstörung mit depressiven und psychotischen Symptomen sowie einem sekundären Drogenkonsum (Kokain, Heroin), ICD F 43.2. Sie attestieren dem Versicherten in Bezug auf eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter für die Zeit des stationären Aufenthaltes eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und ab 24. Mai eine solche von 50 %, wobei der Gesundheitszustand als besserungsfähig bezeichnet wird. Berufliche Massnahmen erachten sie als angezeigt; Gegenindikationen im bisherigen Beruf seien eine verminderte Belastbarkeit und eine sehr schnell erreichte Schmerzgrenze in den Beinen. Gemäss der der Vorinstanz eingereichten Bestätigung vom 3. November 1998 weilte der Beschwerdeführer vom 7. bis 9. April 1997 erneut in der Psychiatrischen Klinik S.. Die Diagnose lautete auf eine "Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten" sowie "Politoxikomanie". Anlass zu beiden Behandlungen hätten depressive Verstimmungszustände mit Suizidalität geboten; dem Drogenkonsum sei sekundäre Bedeutung zugekommen. cc) Die Abklärung durch die MEDAS - das Gutachten vom 1. Mai 1998 wurde, entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, nicht dem obligatorischen Unfallversicherer, sondern der IV-Stelle erstattet und war auch durch sie in Auftrag gegeben worden - ergab grenzwertige psychopathologische Befunde. Eine zuverlässige Beurteilung des psychischen Beschwerdebildes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit konnten die Gutachter auf Grund der Überlagerung durch den Drogenkonsum nicht vornehmen. Sie erklären, eine verlässliche psychiatrische Beurteilung werde nur nach einer mehrmonatigen stationären Drogenentzugsbehandlung möglich sein. Ohne Bereitschaft des Versicherten zu dieser Massnahme müsse jede psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich abgelehnt werden. dd) Dr. med. P.________, Allgemeine Medizin FMH, erklärt in einem Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 26. Juni 1998, nach seiner Ansicht sei der Beschwerdeführer zu 100% arbeitsunfähig. Dieselbe Auffassung vertritt in einem gleichentags verfassten Brief auch Dr. med. W.________, Allgemeine Medizin FMH. ee) Den beiden Hinweisen aus dem Jahr 1995 ist keine Aussage zur Frage zu entnehmen, ob ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden vorliege, sondern es wird sinngemäss eine entsprechende Abklärung angeregt. Die im Bericht der Psychiatrischen Klinik S. vom 1. Juli 1996 sowie dem der Vorinstanz eingereichten Schreiben dieser Klinik vom 3. November 1998 diagnostizierte Anpassungsstörung begründet nicht ohne weiteres eine Invalidität im Sinne von Art. 4 IVG, zumal einzig auf Gegenindikationen im bisherigen Beruf hingewiesen, zur Zumutbarkeit einer anderen Erwerbstätigkeit nicht Stellung genommen und der Zustand des Patienten als besserungsfähig bezeichnet wird. Die erforderliche Abklärung konnte schliesslich im Jahr 1998 durch die MEDAS vorgenommen werden. Die dortigen Ärzte stellen in ihrem umfassenden, auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Gutachten keine durch einen psychischen Gesundheitsschaden bedingte Arbeitsunfähigkeit fest, erklären allerdings gleichzeitig, eine verlässliche Beurteilung sei zur Zeit nicht möglich. Dr. med. P.________ und Dr. med. W.________ äussern sich nicht zum Krankheitsbild, welches eine vollständige Arbeitsunfähigkeit begründen soll. Zudem bleibt unklar, ob sich ihre Einschätzung nur auf die bisherige Tätigkeit oder auf sämtliche in Frage kommenden Arbeiten bezieht. Unter diesen Umständen ist das Vorliegen eines invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens für die Zeit bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung vom 15. Oktober 1998, welcher praxisgemäss die zeitliche Grenze der gerichtlichen Überprüfung festlegt (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen), nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 125 V 195 Erw. 2) erstellt. Weitere Abklärungen sind nicht vorzunehmen, da davon für den vorliegend zu beurteilenden Zeitraum keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung, vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis).