Citation: K 147/02 16.02.2005 E. 5

Streitig und zu prüfen ist die Leistungspflicht der obligatorischen Krankenpflegeversicherung für die Entfernung der beiden unteren Weisheitszähne 38 und 48. In diesem Zusammenhang hat die Versicherte der Krankenkasse zwei Rechnungen des Dr. med. Dr. med. dent. S.________ vom 12. April 2002 über die Beträge von Fr. 780.40 und Fr. 249.85 eingereicht. 5.1 Im Zahnschadenformular vom 20. Februar 2002 diagnostizierte der behandelnde Arzt bezüglich der beiden unteren Weisheitszähne 38 und 48 eine Verlagerung, pericoronale Infekte im Unterkiefer beidseits, einen Abszess sowie eine follikuläre Zyste mit Abszessbildung im Unterkiefer links. In den folgenden Berichten erwähnte er zusätzlich einen Engstand in der Unterkieferfront, welcher kieferorthopädisch behandelt werde. 5.2 Nach Beizug ihres Vertrauenszahnarztes lehnte die KPT eine Übernahme der Behandlungskosten ab, im wesentlichen mit der Begründung, die Weisheitszähne 38 und 48 seien nicht verlagert, sondern stünden an ihrem richtigen Platz in der richtigen Achse. Ein gekippter oder gedrehter Zahn gelte nicht als verlagerter Zahn. Was den Krankheitswert anbelange, so der Vertrauenszahnarzt, bestünden keine Anzeichen einer Zystenbildung und vom Behandlungsbericht her auch keine Hinweise auf eine Abszessbehandlung. Eine Indikationsstellung zur Extraktion aus orthodontischen Gründen (Platzmangel) schliesslich löse keine Pflichtleistung aus. In einem späteren Bericht erwähnte Dr. med. dent. Z.________ als Krankheitswert eine Osteolyse distal von Zahn 38, welcher jedoch mangels Verlagerung keine Leistungspflicht zu begründen vermöge. 5.3 Die Vorinstanz würdigte die verschiedenen medizinischen Berichte und kam zum Schluss, dass eine Verlagerung für keinen der zwei betroffenen Weisheitszähne mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei. Da bereits die erste Voraussetzung der Leistungspflicht zu verneinen sei, könne die Frage des Vorliegens eines qualifizierten Krankheitswertes offen bleiben. 5.4 Was zunächst die Verlagerung der beiden unteren Weisheitszähne anbelangt, gehen die Meinungen des behandelnden Arztes Dr. med. Dr. med. dent. S.________ und des Vertrauenszahnarztes Dr. med. dent. Z.________ auseinander, indem der erstere eine Verlagerung bejaht und behauptet, die Zähne 38 und 48 wichen distal gegen den aufsteigenden Unterkieferast ab und stünden eindeutig ausserhalb der Zahnreihe im Kieferwinkelbereich, während der letztere eine Verlagerung verneint und ausführt, die Zähne stünden an ihrem richtigen Platz in der richtigen Achse in der Zahnreihe. Da die Verlagerung als erste Voraussetzung einer allfälligen Leistungspflicht der obligatorischen Krankenpflegeversicherung aufgrund der widersprüchlichen Aktenlage nicht beantwortet werden kann, ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie zur Frage der Verlagerung der unteren Weisheitszähne 38 und 48 im Sinne von Erwägung 3.2 hievor ein Obergutachten einhole und anschliessend neu entscheide. Im Rahmen dieser Begutachtung ist auch abzuklären, ob die Dentition der zu Beginn der Behandlung noch nicht 20jährigen Beschwerdeführerin bereits abgeschlossen war oder noch in Entwicklung stand, lässt doch der in Erw. 3.2 dargelegte Richtwert des 18. Altersjahres eine Spannbreite von einigen Jahren zu. Bei abgeschlossener Dentition wäre die zweite Leistungsvoraussetzung des qualifizierten Krankheitswertes zu verneinen, da die Pathologie und die notwendigen Massnahmen zu deren Beseitigung oder Verringerung für dessen Vorliegen nicht ausreichen. Die Behandlung bestand im wesentlichen in der Entfernung der Weisheitszähne und in drei Konsultationen. Selbst wenn die vom behandelnden Arzt geltend gemachte Pathologie vorhanden war, konnte sie durch die Entfernung der Weisheitszähne 38 und 48 behoben werden, ohne dass ein Ersatz der entfernten Zähne oder andere aufwändige Massnahmen notwendig geworden wären. Auch fehlen jegliche Anhaltspunkte für irgendwelche Schwierigkeiten oder besondere Komplikationen. Anders zu beurteilen wäre die Frage des qualifizierten Krankheitswertes bei noch in Entwicklung stehender Dentition, kann er in diesen Fällen - wie in Erwägung 3.2 dargelegt - doch auch in einer Behinderung der geordneten Gebissentwicklung liegen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Versicherte wegen bereits eingetretener Engstandbildung in der Unterkieferfront in kieferorthopädischer Behandlung stand und einen Retainer trug. Bei einer Dentition in Entwicklung wäre damit gemäss Rechtsprechung das Erfordernis des qualifizierten Krankheitswertes trotz des sich im Rahmen haltenden Behandlungsaufwandes in Form der Behinderung einer geordneten Gebissentwicklung durch Druck der Weisheitszähne von beiden Seiten als erfüllt zu betrachten.