Citation: 6B_637/2023 E. 1.3.4

1.3.4. Schliesslich vermag der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen, dass die Vorinstanz seinen psychopathologischen Zustand zur Tatzeit willkürlich festgestellt oder in bundesrechtswidriger Weise auf eine volle Zurechnungsfähigkeit geschlossen hätte. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist es nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz in Übereinstimmung mit dem Gutachter und angesichts der konkreten Tatumstände von einer erheblichen Alkoholgewöhnung ausgeht. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er trotz des in erheblicher Menge konsumierten Alkohols zu zielgerichtetem Handeln fähig war. Dies gilt sowohl für die Handhabung des Gewehrs, das Zielen - und Treffen - als auch das Nachtatverhalten. Der Beschwerdeführer konnte nach der Schussabgabe das Gewehr sichern und wegräumen und seiner Freundin eine klare SMS-Mitteilung über seine Tat machen. Er war geistesgegenwärtig genug, eine Tasche mit Verbandszeug zu ergreifen, zum Tatort zu eilen und erste Hilfe zu leisten. Dabei konnte er den Anwesenden sinnvolle Anweisungen erteilen, namentlich, dass sie die bereits herbei gerufene Ambulanz einweisen sollten, und er war in der Lage, dem Opfer einen Druckverband anzulegen und es in stabile Seitenlage zu bringen. Die Vorinstanz nimmt zu Recht an, dass dieses Verhalten angesichts der getrunkenen Menge ohne erhebliche Alkoholgewöhnung nicht möglich gewesen wäre. Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte plötzliche Adrenalinschub genügt als Erklärung hierfür nicht. Jedenfalls vermag dies die vorinstanzliche Auffassung nicht als willkürlich auszuweisen. Dies gilt ebenso für den Einwand, zufolge der Polizei sei er sichtlich betrunken gewesen. Der Beschwerdeführer lässt hier ausser Acht, dass er nach der Tat rund einen Deziliter Heuschnaps, also hochprozentigen Alkohol, trank. Die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Blutalkoholkonzentration und deren Folgen für die Zurechnungsfähigkeit gehen letztlich an der Sache vorbei resp. ändern am Ergebnis nichts. Wie die Vorinstanz zutreffend erwägt, bildet die Blutalkoholkonzentration für die Schuldfähigkeit lediglich eine grobe Orientierungshilfe. Massgebend sind stets die konkreten Umstände, d.h. die Feststellungen über Alkoholisierung oder Nüchternheit bzw. den psychopathologischen Zustand (der Rausch), nicht dessen Ursache, die sich in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt. Es besteht eine erhebliche Variabilität, die von der konkreten Situation, der Alkoholgewöhnung und weiteren Umständen abhängt. Allein aus den Werten der Blutalkoholkonzentration lässt sich das Ausmass einer alkoholtoxischen Beeinträchtigung nicht ableiten (vgl. BGE 122 IV 49 E. 1b; Urteil 6B_648/2014 vom 28. Januar 2015 E. 2.2, nicht publ. in BGE 141 IV 34 E. 2.2; FELIX BOMMER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, Art. 19 N. 62 ff.). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat auch eine Blutalkoholkonzentration von 2 Promillen nicht automatisch eine verminderte Schuldfähigkeit zur Folge. Die Vorinstanz verzichtet willkürfrei in antizipierter Beweiswürdigung auf ein Gutachten bei einem Suchtspezialisten (vgl. hierzu BGE 146 III 73 E. 5.2.2; 144 II 427 E. 3.1.3; je mit Hinweisen). Im Übrigen trifft es nicht zu, dass sie den enthemmenden Alkoholkonsum partout nicht ansprechen würde. Sie berücksichtigt diesen im Gegenteil ausdrücklich bei der Strafzumessung (oben E. 1.2.4).