Citation: 8C_804/2021 E. 4.3.4

4.3.4. Weshalb diese mit BGE 140 V 290 präzisierte Invaliditätsbemessung für Teilerwerbstätige ohne Aufgabenbereich nach Einführung von Art. 27bis IVV per 1. Januar 2018 bundesrechtswidrig sein soll, ist nicht stichhaltig begründet. Diese Bestimmung betrifft Teilerwerbstätige, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen und für die der Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode ermittelt wird (Art. 27bis Abs. 2 und 3 IVV). Vorliegend geht es jedoch um eine teilerwerbstätige Person ohne zusätzlichen Aufgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG, da die Beschwerdeführerin zugunsten ihrer Freizeit und somit freiwillig auf eine Vollerwerbstätigkeit verzichtet hat. Eine indirekte Diskriminierung der Frauen nach Art. 8 Abs. 2 und 3 BV, wie die Beschwerdeführerin einwendet, ist in diesem Zusammenhang nicht zu erkennen. Die Präzisierung im Sinne von BGE 142 V 290 erfolgte sodann, weil die bisherige Praxis zur Invaliditätsbemessung Teilerwerbstätiger ohne einen Aufgabenbereich gemäss BGE 131 V 51 unter anderem zu einer mit dem Rechtsgleichheitsgebot (Art. 8 Abs. 1 BV) nicht zu vereinbarenden Bevorzugung Teilerwerbstätiger ohne einen anerkannten Aufgabenbereich gegenüber Teilerwerbstätigen mit einem anerkannten Aufgabenbereich führte (vgl. SVR 2019 IV Nr. 34 S. 104, Urteil 9C_583/2018 E. 4.1; Urteil 8C_846/2015 vom 3. Juni 2016 E. 6.3). Denn die Reduktion des zumutbaren erwerblichen Arbeitspensums, ohne dass die dadurch frei werdende Zeit für die Tätigkeit in einem Aufgabenbereich verwendet wird, war rechtsprechungsgemäss für die Methode der Invaliditätsbemessung ohne Bedeutung. Inwiefern nun das seit 1. Januar 2018 anzuwendende Berechnungsmodell der gemischten Methode nach Art. 27bis IVV zu einer Bevorzugung Teilerwerbstätiger mit Aufgabenbereich gegenüber solchen ohne Aufgabenbereich führen soll, wie beschwerdeweise behauptet, erschliesst sich nicht. Dieser Einwand zielt demnach ins Leere. Triftige Gründe für eine Rechtsprechungsänderung ergeben sich mit anderen Worten nicht (zu den Voraussetzungen: BGE 141 II 297 E. 5.5.1; 137 V 417 E. 2.2.2), weshalb kein Raum bleibt für die Durchführung eines reinen Einkommensvergleichs (ohne Gewichtung) unter der Annahme einer Vollerwerbstätigkeit und einer gleichzeitigen Hochrechnung des Valideneinkommens auf ein 100%-Pensum, wie in der Beschwerde geltend gemacht wird. Die Anwendung von BGE 142 V 290 erfolgte demnach bundesrechtskonform. Damit liegt keine rentenbegründende Invalidität vor und es bleibt bei der vorinstanzlich bestätigten Verneinung eines Rentenanspruchs.