Citation: 4A_472/2019 E. 3.4

3.4. Die Beschwerdeführerin beruft sich schliesslich darauf, dass sie entgegen der Auffassung der Vorinstanz bis am 8. Mai 2019 habe zuwarten können, die eingeschriebene Gerichtssendung bei der Post abzuholen. Es sei unzulässig, das Ende einer Frist auf den letzten Tag der Abholfrist anzusetzen. Das Kreisgericht hätte daher ihrem Begehren um Fristerstreckung zustimmen und ihr eine neue Frist ansetzen müssen. Die Vorinstanz habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, willkürlich nach Art. 9 BV gehandelt und die Bestimmung von Art. 6 EMRK verletzt. Auch diese Rüge geht fehl: Die Erstinstanz setzte der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 24. April 2019 eine "letzte, nicht erstreckbare Nachfrist bis 8. Mai 2019", die benötigten Unterlagen für das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einzureichen. Da die Nachfristansetzung mit dem ausdrücklichen Vermerk versehen war, dass es sich um eine "letzte, nicht erstreckbare Nachfrist" handelt (vgl. Urteil 5A_280/2018 vom 21. September 2018 E. 4.1 mit Hinweisen), musste die Beschwerdeführerin bis zu einer gegenteiligen Antwort des Gerichts nach Treu und Glauben davon ausgehen, es werde ihr keine weitere Erstreckung gewährt und die Frist zur Nachreichung der Unterlagen werde am 8. Mai 2019 endgültig ablaufen. Wenn die Beschwerdeführerin in dieser Situation (peremptorisch angesetzte Nachfrist) trotzdem ein weiteres Fristerstreckungsgesuch einreichte, wie sie es am 29. April 2019 tat, musste sie damit rechnen, dass einem solchen Gesuch nicht entsprochen werden könnte und es bei der peremptorisch angesetzten Nachfrist bleibt. Die Richterin entschied umgehend über das erneute Fristerstreckungsgesuch und stellte den Entscheid der Beschwerdeführerin als eingeschriebene Sendung zu. Deshalb ist es unverständlich, dass sie - trotz ausgewiesener zeitlicher Dringlichkeit - auf die im Briefkasten deponierte Abholeinladung nicht sogleich reagierte, sondern bis zum letzten Tag der siebentägigen Abholungsfrist zuwartete, auch wenn die sieben Tage an sich zur Verfügung stehen (vgl. BGE 143 V 249 E. 6.5). Wartete die Beschwerdeführerin unter den vorliegenden konkreten Umständen aber grundlos sieben Tage, um die eingeschriebene Sendung des Gerichts abzuholen, kann sie sich - wie die Vorinstanz zutreffend erwog - nach Treu und Glauben (Art. 2 ZGB, Art. 52 ZPO) nicht mehr darauf berufen, sie habe nach Empfang des Schreibens nicht mehr rechtzeitig reagieren können und brauche eine weitere Fristverlängerung. Vielmehr bleibt es in einem solchen Fall bei der bereits am 24. April 2019 angesetzten, "letzten, nicht erstreckbaren Nachfrist bis 8. Mai 2019". Ansonsten könnte eine Partei auf diese Weise ohne Rechtfertigung eine weitere Erstreckung peremptorisch angesetzter Fristen "erzwingen". Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem von der Beschwerdeführerin zitierten Urteil 5A_280/2018. Der diesem Entscheid zugrundliegende Sachverhalt unterscheidet sich von der hier vorliegenden Konstellation in zentralen Punkten (vgl. Urteil 5A_280/2018 vom 21. September 2018 E. 4.2) : Im Gegensatz zum dortigen Entscheid wurde hier die Frist einerseits ausdrücklich als eine "letzte, nicht erstreckbare" bezeichnet. Andererseits qualifizierte die Vorinstanz das Verhalten der Beschwerdeführerin als trölerisch, was diese vor Bundesgericht nicht hinreichend in Frage stellte, indem sie bloss das Gegenteil behauptet und erklärt, das Zusammentragen von vielen Belegen und Dokumenten sei zeitaufwendig.