Citation: 5A_224/2022 E. 3.2

3.2. Das Obergericht konstatiert, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Berufung keine Ausführungen zur Obhutszuteilung mache und es ihr vielmehr um die Wohnsitznahme in Portugal gehe. Da sie beantrage, den erstinstanzlichen Entscheid auch in der Obhuts- und Besuchsrechtsfrage aufzuheben, seien diese Punkte "von Amtes wegen" trotzdem zu prüfen. Der Beschwerdegegner erkläre sich bereit, im Falle einer Auswanderung der Beschwerdeführerin die alleinige Obhut zu übernehmen. Er akzeptiere aber den erstinstanzlichen Obhutsentscheid; die Parteien hätten die alternierende Obhut gelebt und das verfügte Besuchsrecht sei vom Kantonsgericht deutlich erweitert worden. In der Folge prüft und bejaht die Vorinstanz die Frage, ob eine alternierende Obhut als Betreuungsmodell möglich und mit C.A.________s Wohl vereinbar ist. Beide Eltern seien gleichermassen erziehungsfähig und ihre Wohnorte sprächen - unter Vorbehalt eines Umzugs - nicht dagegen. Bis anhin sei C.A.________ primär von der Mutter betreut worden; angesichts seines Alters spiele die persönliche Betreuung und Stabilität aber nicht mehr eine so grosse Rolle, weshalb die bisher gelebte Rollenverteilung weder für noch gegen eine alternierende Obhut spreche. Auch der Faktor Stabilität habe aufgrund des Alters des Kindes keine so grosse Bedeutung mehr. Die Kooperationsfähigkeit der Eltern erachtet das Obergericht als gegeben; C.A.________s Wille lasse sich nicht eindeutig eruieren. Der Beschwerdegegner habe glaubhaft dargetan, dass er C.A.________ nicht bloss jedes zweite, sondern fast an jedem Wochenende betreute, was das Kantonsgericht hätte würdigen müssen. Ebenso verkenne das Kantonsgericht, dass mit einer alternierenden Obhut nicht zwingend eine wesentliche Reduktion des väterlichen Arbeitspensums (und eine entsprechende finanzielle Einbusse) einhergehen müsse, könne der Beschwerdegegner C.A.________ doch auch abends, in den Ferien und an den Wochenenden betreuen. Weshalb das Kantonsgericht dem Antrag des Beschwerdegegners auf Anordnung der alternierenden Obhut nicht nachkam, sei vor diesem Hintergrund nicht ersichtlich. Entscheidend sei aber, dass der Beschwerdegegner das erstinstanzliche Verdikt akzeptiert und insofern den (in Art. 298 Abs. 2ter ZGB vorausgesetzten) Antrag auf Anordnung der alternierenden Obhut zurückgezogen habe. Daher könne im Berufungsverfahren keine alternierende Obhut mit erweiterten Betreuungsanteilen des Beschwerdegegners angeordnet werden; dasselbe gelte hinsichtlich der erstinstanzlichen Besuchsrechtsregelung. Als Nächstes befasst sich der angefochtene Entscheid mit der Frage, ob das Kantonsgericht der Beschwerdeführerin zu Recht eine Verlegung des Wohnsitzes nach U.________ (FR) oder Portugal verbot. Zu beantworten sei die Frage, ob das Kind mit dem wegzugswilligen Elternteil wegziehen oder unter Neuzuteilung der Obhut beim anderen Elternteil verbleiben soll. Das Kantonsgericht habe stattdessen geprüft, ob C.A.________ mit beiden Parteien hierzulande bleibt oder mit der Beschwerdeführerin nach Portugal wegzieht. Mit dieser unkorrekten Beurteilung greife der erstinstanzliche Entscheid in die Bewegungsfreiheit der Beschwerdeführerin ein. Denn als Alleininhaberin der Obhut könne die Mutter nicht ohne C.A.________ wegziehen. Da ihr jedoch verboten wurde, C.A.________s Wohnsitz zu verlegen, sei sie faktisch gezwungen, an ihrem bisherigen Wohnsitz zu bleiben. Dieser Eingriff in die Grundrechte der Beschwerdeführerin lasse sich nicht rechtfertigen. Zu prüfen ist laut Vorinstanz vielmehr, ob C.A.________ mit der Beschwerdeführerin wegziehen kann oder ein Obhutswechsel zum Beschwerdegegner angezeigt ist. Ausgangspunkt ist für das Obergericht das seit der Trennung gelebte Betreuungsmodell, dem zufolge der Beschwerdegegner C.A.________ beinahe jedes Wochenende betreut habe. Zudem hätte das Kantonsgericht die alternierende Obhut anordnen müssen. Ob ein Wegzug oder ein Obhutswechsel angezeigt erscheint, sei gleichermassen zu prüfen, da nicht davon auszugehen sei, dass das Kind stets mit dem obhutsberechtigten Elternteil wegziehen wird. Das Obergericht erinnert daran, dass beide Eltern gleichermassen erziehungsfähig sind. Für C.A.________ als schulpflichtiges, siebenjähriges Kind sei das persönliche Umfeld hierzulande umso wichtiger, zumal er Portugal nur aus den Ferien kenne, was für einen Verbleib in der Schweiz und die Zuteilung der Obhut an den Beschwerdegegner spreche. C.A.________s Wunsch erachtet die Vorinstanz unter Hinweis auf die Akten der Kindesanhörung erneut als "nicht eruierbar". Gegen einen Umzug spreche sodann die ungeklärte Wohnsituation der Beschwerdeführerin in Portugal; das Haus der Grosseltern erscheine nicht als angemessen, zumal darin verschiedene Personen wohnen. Der Umzug nach U.________ (FR) sei scheinbar doch nicht mehr geplant. Die Beschwerdeführerin lebe laut Schreiben vom 23. Februar 2022 an der V.________strasse xxx in W.________ (OW), sei aber offensichtlich erneut umgezogen und lebe gemäss Whatsapp-Nachricht im selben Ort an der X.________strasse yyy. Für das Obergericht stellt sich damit die Frage, ob die Beschwerdeführerin C.A.________ die nötige Stabilität in Bezug auf das persönliche Umfeld geben kann. Was die Betreuungssituation beim Vater angeht, stellt das Obergericht fest, dass der Beschwerdegegner jeweils von 7.00 Uhr bis 16.45 Uhr an verschiedenen Orten in der Schweiz arbeite und C.A.________s Betreuung am Abend und an den Wochenenden ohne weiteres persönlich übernehmen könnte. Auch könnte er - wie von ihm vorgeschlagen - seine Mutter in die Schweiz holen und eine Tagesmutter organisieren, um C.A.________s Betreuung sicherzustellen. Demnach sei der Beschwerdegegner willens und fähig, seinen Sohn zu betreuen oder durch Dritte betreuen zu lassen. Insgesamt sprechen der Vorinstanz zufolge viele Gründe für C.A.________s Verbleib beim Beschwerdegegner und für die Alleinzuteilung der Obhut an den Vater. Auf das Einholen eines Berichts beim schulpsychologischen Dienst könne in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden, zumal es mehrere Gründe für eine Neuzuteilung der Obhut gebe. Daher sei dem Modell des Verbleibs von C.A.________ in der Schweiz der Vorzug zu geben, dem Beschwerdegegner die alleinige Obhut zuzuteilen und damit der Beschwerdeführerin zu ermöglichen, alleine in Portugal Wohnsitz zu nehmen. Im Anschluss daran regelt die Vorinstanz das Besuchsrecht der Beschwerdeführerin neu und erklärt, "im Sinne eines geordneten Übergangs" sei die Neuzuteilung der Obhut per Ende März 2022 anzuordnen; damit werde dem Bedürfnis der Beschwerdeführerin, nach Portugal ziehen zu können, Rechnung getragen. Sollte die Beschwerdeführerin doch nicht alleine nach Portugal ziehen wollen, so wäre die Obhutsfrage in einem Abänderungsverfahren neu zu beurteilen.