Citation: 5A_293/2024 E. 4.4

4.4. Die Beschwerdeführerin verweist sodann darauf, dass der Beschwerdegegner die ihm mit Entscheid vom 27. Oktober 2021 auferlegten Weisungen (Art. 307 Abs. 3 ZGB; vgl. vorne Bst. A.a) nicht eingehalten hat. Die Erfüllung dieser Weisungen sei indes unabdingbare Voraussetzung für eine Wiederaufnahme des persönlichen Verkehrs. Ein Besuchsrecht könne daher auch in begleiteter Form nicht vorgesehen werden, bevor der Beschwerdegegner den Nachweis erbringe, dass er die ihm auferlegte Therapie erfolgreich besucht habe. Damit missachtet die Beschwerdeführerin, dass Kindesschutzmassnahmen im Allgemeinen und damit auch Weisungen nach Art. 307 Abs. 3 ZGB nicht in materielle Rechtskraft erwachsen. Mit ihnen soll eine Sachlage nicht ein für alle mal und für die Betroffenen unumstösslich geregelt werden. Vielmehr werden sie aufgrund eines zeitlich und sachlich konkret ermittelten Sachverhalts angeordnet und sollen nur so lange dauern, wie sie nötig sind (Urteil 5A_701/2022 vom 25. Januar 2023 E. 4.3; AFFOLTER-FRINGELI/VOGEL, Berner Kommentar, 2016, N. 6 zu Art. 313 ZGB). Entsprechend sind (auch) Massnahmen zum Schutz des Kindes der neuen Lage anzupassen, wenn sich die Verhältnisse verändern (Art. 313 Abs. 1 ZGB). Bei dieser Rechtslage kann der Erfüllung der am 27. Oktober 2021 erlassenen Weisungen hinsichtlich der Anpassung des Besuchsrechts des Beschwerdegegners nicht die von der Beschwerdeführerin ins Auge gefasste "Sperrwirkung" zukommen. Der Umstand, dass der Beschwerdegegner diesen unbestritten nicht nachgelebt hat, steht daher weder der Anpassung der Regelung des persönlichen Verkehrs noch jener der Weisungen gegenüber. Letztere ist vor Bundesgericht in der Sache freilich nicht umstritten, womit es bei der diesbezüglichen Feststellung des Obergerichts bleibt, eine Therapie würde sich mit Blick auf die veränderte Sachlage heute erübrigen. Unter diesen Umständen braucht nicht geklärt zu werden, ob die Beschwerdeführerin sich in diesem Zusammenhang ohne Begründung und damit unzulässig auf (unechte) Noven beruft (Art. 99 Abs. 1 BGG).