Citation: 6B_987/2021 E. 4.5

4.5. Der Beschwerdeführer macht zu Recht einen persönlichen Härtefall gemäss Art. 66 Abs. 2 Satz 1 StGB geltend. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, sind die lange Anwesenheit sowie die Absolvierung der gesamten Schulzeit in der Schweiz als ein Indiz für das Vorliegen eines Härtefalls zu werten. Der Beschwerdeführer lebt seit seinem 7. Lebensjahr in der Schweiz und verbrachte damit insbesondere die prägenden Jugend- und Adoleszenzjahre hier. Aufgrund des Bezugs einer ganzen Invalidenrente seit April 2016 kann ihm nicht vorgehalten werden, keiner Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sodann wohnt er mit seiner aus Costa Rica stammenden Freundin, die nach seinen Angaben in der Schweiz geboren und aufgewachsen sei, sowie seinem zweiten Kind zusammen. Die erste gemeinsame Tochter (geb. yy.yy.2020) lebt wegen mehrerer Geburtsgebrechen in einem Kinderheim. Mit Entscheid der KESB vom 15. Oktober 2020 wurde das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Mutter über die Tochter aufgehoben. Der Beschwerdeführer gibt an, sein Kind dreimal pro Woche zu besuchen. Vor Vorinstanz führte er aus, dass die Heirat für den 19. August 2021 geplant sei. Gemäss seinen Ausführungen konnte die Trauung aber noch nicht stattfinden, weil sein Ausländerausweis abgelaufen sei. Es sei aber ein neuer Termin für ein Vorbereitungsgespräch beim Zivilstandsamt vereinbart worden. Insgesamt ist damit von einem eheähnlichen, gefestigten Konkubinat auszugehen, weshalb sich der Beschwerdeführer unter den genannten Umständen auf Art. 8 EMRK berufen kann (vgl. Urteil 6B_1474/2019 vom 23. März 2020 E. 1.4 mit Hinweisen). Aufgrund der Fremdplatzierung der Tochter kann der Partnerin des Beschwerdeführers nicht ohne Weiteres zugemutet werden, dem Beschwerdeführer nach Serbien zu folgen (vgl. Urteil 6B_1465/2020 vom 18. November 2021 E. 4.2.3). Dieser kann den Kontakt zur fremdplatzierten Tochter - entgegen den vorinstanzlichen Ausführungen - auch nicht ohne Weiteres über moderne Kommunikationsmittel oder Kurzbesuche pflegen. Unter dem Aspekt des Familienlebens ist Art. 8 EMRK berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 144 I 266 E. 3.3; 91 E. 4.2 und E. 5.1; 144 II 1 E. 6.1). Anders als die Vorinstanz erwägt, sind die familiären Bindungen in der Schweiz angesichts des Umstands, dass sowohl seine Partnerin als auch seine drei Kinder hier leben als stark zu gewichten. Gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen hat der Beschwerdeführer keine Verwandten mehr in Serbien. Erschwerend kommt hinzu, dass er über keine Berufsausbildung verfügt. Daran ändert nichts, dass er die Invalidenrente auch in Serbien beziehen könnte und seine gesundheitlichen Probleme dort behandelt werden können. Eine Ausweisung hätte somit negative Auswirkungen auf eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung. Der Beschwerdeführer kann sich insoweit auf das Recht auf Familienleben nach Art. 8 EMRK berufen (BGE 144 I 266 E. 3.3; 91 E. 4.2; 144 II 1 E. 6.1; je mit Hinweisen). Der Eingriff in das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens (Art. 13 BV und Art. 8 EMRK), das die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern schützt (BGE 145 I 227 E. 5.3), wiegt daher schwer. Auch wenn aus beruflicher und finanzieller Sicht die Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz als mässig zu bezeichnen ist, sind seine Bindungen mit der Schweiz angesichts der langen Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers im Gastland, der hier verbrachten Kindheit und Jugendjahre und seiner familiären Situation von einer derartigen Intensität, dass seine Verweisung nach Serbien ihn in eine schwere persönliche Situation versetzen würde, weshalb die erste kumulative Voraussetzung von Art. 66a Abs. 2 StGB entgegen der vorinstanzlichen Auffassung erfüllt ist. Zu prüfen bleibt, ob die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz überwiegen.