Citation: M 3/98 05.10.2000 E. 5

5.- Die zweite Expertenfrage ist im Sinne von Art. 5 Abs. 1 lit. b aMVG (Ausschluss der Haftung der Militärversicherung, wenn sie den Beweis erbringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist) formuliert, betrifft somit den hier nicht gegebenen Fall, dass die koronare Herzkrankheit als während des Dienstes in Erscheinung getreten zu gelten hätte. Dies spricht indessen nicht von vornherein gegen die Erheblichkeit des Gutachtens vom 5. Juni 1997 für die an sich zu prüfende Frage, ob die unbestrittenermassen sicher vordienstlich bestandene Erkrankung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch Einwirkungen während des EK 90 verschlimmert wurde (vgl. Art. 6 zweiter Satz aMVG). Allerdings hat die Vorinstanz allgemein und nicht wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in Erw. 7 des Urteils vom 28. August 1996 eingeschränkt auf Gefässverengungen nach einer allfälligen Verschlimmerung gefragt. a) Gemäss Gutachten kann nach medizinischer Erfahrung nicht ausgeschlossen werden, dass die Belastungen durch den Dienst eine Verschlimmerung oder in ihrem Ablauf eine Beschleunigung der vordienstlichen Krankheit bewirkten, sodass diese weiter fortschritt, als wenn kein Dienst geleistet worden wäre. Die lange währende ausserordentlich gros- se Stress-Situation sei, so der Experte weiter, mit Wahrscheinlichkeit mindestens zum Teil für die erwähnten, während des EK 90 aufgetretenen, aber gegenüber dem Truppenarzt nicht geäusserten Beschwerden verantwortlich, welche mit einer Angina pectoris im Rahmen einer koronaren Herzkrankheit vereinbar seien. In Bezug auf die Auswirkungen des dienstlichen Stresses auf die nachdienstliche Zeit sei anzunehmen, dass durch das nachträgliche Aufgebot sich die Arbeit in den Wochen vor und nach dem Ergänzungskurs dermassen angehäuft habe, dass der Stress fortgewirkt habe und als Auslöser des 15 Tage nach Dienstende erlittenen Infarktes angesehen werden könne. Die Zusatzfrage (für den Fall, dass nach medizinischer Erfahrung eine durch die Belas- tungen des Dienstes bewirkte Verschlimmerung nicht ausgeschlossen werden kann), um wieviele Prozent die Verschlimmerung das Risiko eines Myokardinfarktes erhöht habe, könne "höchstens arbiträr in Prozenten beantwortet werden, befinden wir uns doch auf Grund der im Dienst aufgetretenen Symptome in ihrem Zusammenhang mit einer koronaren Herzkrankheit in der Grauzone, die irgendwo zwischen fehlendem Zusammenhang und sicherem Zusammenhang liegt". Aus diesem Grund und unter Berücksichtigung aller erwähnten Umstände werde der Prozentsatz mit 50 % beziffert. Aufgrund dieser Beurteilung und des Aktengutachtens vom 5. April 1995, wo der Experte u.a. ausführte, von einer möglichen Quantifizierung einer allfälligen Verschlimmerung müsse Abstand genommen werden, zumal es an der Kausalität fehle, ist das kantonale Gericht zum Schluss gelangt, es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erwiesen, dass der Militärdienst das vorbestehende Leiden verschlimmert bzw. das Risiko eines Infarkts erhöht habe. b) aa) Das Gutachten vom 5. Juni 1997 ist in Bezug auf die Zusammenhangsfrage nach Art. 6 aMVG insofern unklar, als es eine Verschlimmerung der koronaren Herzkrankheit als Folge des ausserordentlichen psychischen und physischen Stresses während des EK 90 nicht ausschliesst und das darauf zurückzuführende erhöhte Risiko eines Infarktes auf 50 % beziffert, bei der Begründung dieser Aussage aber Bezug nimmt auf den Zusammenhang der im Dienst aufgetretenen Symptome mit einer solchen Erkrankung, den der Experte zum Teil möglicherweise bis höchstens wahrscheinlicherweise als gegeben erachtet (vgl. Erw. 3a am Ende). Wird damit eine auf dienstliche Einwirkungen zurückzuführende Verschlimmerung der Gesundheitsschädigung im Sinne einer (Richtung gebenden) Erhöhung des Infarktrisikos verneint, oder ist vom umgekehrten Fall auszugehen, wobei der Kausalanteil lediglich 50 % beträgt? bb) Im instruktionsrichterlich eingeholten Bericht vom 9. August 2000 hat der Gutachter die betreffenden Aussagen dahin gehend erläutert, dass "effektiv (...) eine Verschlimmerung der vordienstlich bestandenen koronaren Herzkrankheit durch die als ausserordentlich gross bezeichnete Belastung im Zusammenhang mit dem EK 90 höchstens wahrscheinlich ist, im Sinne von nicht wahrscheinlicher als das Gegenteil". Im Weitern hat der Experte festgehalten, soweit die während des Dienstes aufgetretenen Symptome als Ausdruck einer mehr oder weniger typischen Angina pectoris interpretiert werden könnten, handle es sich nicht um eine instabile Angina pectoris, da die hiefür typischen Merkmale eines rezidivierend in Ruhe auftretenden Brustschmerzes, der oft Crescendo-Charakter aufweist, fehlten. Damit verneint er die im Aktengutachten vom 5. April 1995 erwähnte zweite Verlaufs-Möglichkeit der koronaren Herzkrankheit ("Eine bereits vorbestehende atherosklerotische Plaque in einem Herzkranzgefäss reisst und hat eine lokale Thrombose zur Folge, was zu einer plötzlichen Gefässverengung führt. Dieses Ereignis kann entweder [...] unbemerkt ablaufen, oder aber eine instabile Angina pectoris oder sogar [...] einen Myokardinfarkt bewirken"). Anderseits ist nach Meinung des Experten für den Fall des Vorliegens einer (stabilen) Angina pectoris davon auszugehen, dass sich die Situation noch während des Dienstes stabilisiert habe, was die Symptome anbetrifft. Ob sich auch koronaranatomisch eine Stabilisierung eingestellt habe, wisse man indessen nicht, da der Zusammenhang zwischen anginösen Symptomen und Veränderungen der Koronararterien ausserordentlich komplex und variabel sei. c) Aufgrund der klaren und schlüssigen Aussagen im erläuternden Bericht vom 9. August 2000 zu den Expertisen vom 5. Juni 1997 und 5. April 1995 lässt sich der erforderliche natürliche Kausalzusammenhang zwischen EK 90 und Myokardinfarkt im Sinne der auf dienstliche Einwirkungen zurückzuführenden (Richtung gebenden) Erhöhung des Infarktrisikos nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit herstellen. Von einer weiteren Begutachtung sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis); mithin kann offen bleiben, ob ein Fall von Beweislosigkeit vorliegt, da sich dies nach den Regeln der Beweislastverteilung zu Ungunsten des Beschwerdeführers auswirkt (vgl. Art. 8 ZGB und BGE 117 V 264 Erw. 3b). Anzufügen bleibt, dass der Zusammenhang im dargelegten Sinne nicht über den nachdienstlichen beruflichen Stress, der gemäss Experte einerseits eine direkte Folge des EK war und ohne diesen nicht aufgetreten wäre und anderseits massgeblich für den Eintritt des Myokardinfarktes zwei Wochen nach Dienstende verantwortlich war, (wieder) hergestellt werden kann. Anders zu entscheiden hiesse im Ergebnis, dem Dienst als solchem eine haftungsbegründende kausale Bedeutung beizumessen, was offensichtlich der gesetzlichen Konzeption widerspricht.