Citation: 6B_1273/2021 E. 4.3.1

4.3.1. Die Vorinstanz führt aus, die gut 18-jährige Beschwerdegegnerin 2 leide unbestritten an einer Entwicklungsstörung, die ihre Fähigkeit einschränke, Informationen zu verarbeiten. Der Beschwerdeführer belässt es dabei vorzubringen, die Beschwerdegegnerin 2 weise kognitive Defizite auf, jedoch hätten die Strafbehörden im gesamten Strafverfahren nicht abgeklärt, worin die Defizite bestehen würden und wie sich diese auf das Aussageverhalten der Beschwerdegegnerin 2, namentlich den Inhalt und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, auswirken würden. Inwieweit die Vorinstanz zu Unrecht und willkürlich davon ausgehe, die Beschwerdegegnerin 2 sei teilweise auf dem Entwicklungsstand einer 9-Jährigen und ihr fehle unter anderem das Verständnis für Zeit und Zahlen, zeigt er indes nicht auf. Die Vorinstanz führt aus, die kognitiven Beeinträchtigungen der Beschwerdegegnerin 2 wären denn bei ihren beiden Befragungen auch offensichtlich zu Tage getreten (angefochtenes Urteil S. 15). Angesichts des Umstands, dass die Beschwerdegegnerin 2 im Jahr 2018 unter der Woche in einer betreuten Wohngruppe für kognitiv beeinträchtigte Menschen in einer Stiftung gelebt und eine Fachschule für junge Erwachsene mit einer Beeinträchtigung besucht hat, und zudem zu ihrem Entwicklungsstand die Zeugenaussagen ihrer Betreuerinnen in diesen Institutionen vorliegen, die nicht nur aus eigener Wahrnehmung, sondern als Sozialpädagogin bzw. Erziehungswissenschaftlerin und Fachperson Betreuung auch sachkundige Angaben zum Entwicklungsstand der Beschwerdegegnerin 2 machen können (angefochtenes Urteil S. 14), ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz erwägt, eine Begutachtung habe sich nicht aufgedrängt und dränge sich nicht auf. Die Rüge des Beschwerdeführers ist insoweit unbegründet. Der Beschwerdeführer zeigt denn auch nicht auf, inwieweit die Vorinstanz gestützt auf ihre Feststellungen zu den kognitiven Einschränkungen der Beschwerdegegnerin 2 eine willkürliche Beweiswürdigung vornehme. Vielmehr geben die vorinstanzlichen Ausführungen auch in dieser Hinsicht zu keiner Kritik Anlass. Die Vorinstanz legt detailliert dar, wie sich die kognitive Entwicklungsstörung auf das Aussageverhalten auswirkt, wenn sie unter anderem festhält, die Beschwerdegegnerin 2 könne nicht alle Informationen verarbeiten, ihr fehle das zeitliche Verständnis, sie könne Abläufe kaum chronologisch erzählen, es falle ihr schwer, sich sprachlich auszudrücken, sie habe kein Zahlenverständnis. Mit der Vorinstanz sind diese Umstände bei der Würdigung der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 zu berücksichtigen. Der Vorinstanz ist beizupflichten, wenn sie erwägt, insbesondere deshalb könne nicht von vornherein aus dem teilweise sehr widersprüchlich erscheinenden Aussageverhalten der Beschwerdegegnerin 2 geschlossen werden, dass sie falsche Angaben mache. Sie bezieht sich dabei zu Recht auch auf die Aussagen der Psychologin und der Zeuginnen, die sie insgesamt als glaubhaft erachtet. Mit der Vorinstanz sind die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 damit unter Berücksichtigung ihrer dargelegten Einschränkungen sorgfältig zu prüfen.