Citation: 6B_364/2009 19.08.2009 E. 3.4

3.4.1 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers steht im zu beurteilenden Fall ausser Frage, dass die von ihm begangenen Delikte die psychische und sexuelle Integrität der Opfer schwer beeinträchtigt haben und die Anforderungen an die Anlasstat gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB erfüllt sind (angefochtenes Urteil S. 17 f.). Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen. Ebenso ausser Frage steht, dass der Beschwerdeführer eine ausgeprägte homosexuelle Pädophilie (ICD-10 F 65.4) respektive eine psychische Störung von erheblicher Schwere im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB aufweist, mit der die Taten im Zusammenhang stehen (vorinstanzliche Akten pag. 2638 S. 37). 3.4.2 Zu prüfen ist, ob als weitere Voraussetzung gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB auch die voraussichtliche Erfolglosigkeit einer stationären therapeutischen Massnahme nach Art. 59 StGB erfüllt ist (E. 3.2.1 hievor). Hier mag grundsätzlich zutreffen, dass die Therapie von Sexualdelinquenten im Massnahmevollzug nicht von vornherein ohne Aussicht auf Erfolg ist (Urteil 6B_162/2007 vom 21. August 2007 E. 6.4; NORBERT NEDOPIL, Forensische Psychiatrie, 3. Aufl. 2007, S. 242 ff.). Die Vorinstanz folgt in der Feststellung einer fehlenden Therapierbarkeit den Beurteilungen der Gutachterin in den schriftlichen Expertisen. Dr. G.________ wurde zudem anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung eingehend befragt (vorinstanzliche Akten pag. 2824 S. 18 ff.). Der Beschwerdeführer macht geltend, die Gutachterin habe verschiedene Veränderungen in seiner Person in den letzten 23 Jahren nicht berücksichtigt. Auch sei den diesbezüglichen Ausführungen des Therapeuten lic. phil. H.________ im Bericht vom 23. Dezember 2008, welche den Wandel der letzten zwei Jahre schildern würden, nicht genügend Rechnung getragen worden. Diese Rügen sind unzutreffend und im Übrigen ungeeignet, Mängel der Gutachten substanziiert aufzuzeigen und deren Überzeugungskraft in Frage zu stellen. Die vom Beschwerdeführer wiederholt geltend gemachten Umstände (wie beispielsweise die im Rahmen des Strafvollzugs erlebten sexuellen Kontakte zu erwachsenen Männern, die seit 2003 erlangte "Beziehungsfähigkeit" zu 16-jährigen und älteren Jugendlichen) wurden nach den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (angefochtenes Urteil S. 19 f.) in den Gutachten erwähnt und gewürdigt. Dr. G.________ führt beispielsweise aus, dass unter 16-jährige Knaben im Strafvollzug nicht verfügbar gewesen seien. Deshalb habe sich der Beschwerdeführer an erwachsene Männer halten müssen, wobei er solche ausgewählt habe, die jung ausgesehen hätten (vorinstanzliche Akten pag. 3162). Es ist auch nicht ersichtlich, was der Beschwerdeführer zu seinen Gunsten aus den von ihm erwähnten Beziehungen seit dem Jahre 2003 abzuleiten vermag, erfolgten doch die hier interessierenden Delikte ab demselben Jahr. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, das Alter sei bei einer medikamentösen Behandlung von Relevanz und die Gutachterin beantworte die Frage nicht, weshalb eine aktuelle medikamentöse Behandlung keinen Erfolg verspreche, kann auf die entsprechenden Ausführungen der Gutachterin verwiesen werden: Im Gutachten aus dem Jahre 2006 wird festgestellt, dass die erfolgte Applikation einer Androcur-Medikation während eines Jahres nicht den erwarteten Effekt (sondern nur depressive Verstimmung und körperliche Schwäche) bewirkt hat, dass bereits ein Gutachten aus dem Jahre 1998 eine Indikation zur medikamentösen Behandlung verneinte und dass die frühere, erfolglose antiandrogene Androcur-Behandlung über einen hinreichend langen Zeitraum und in ausreichender Dosierung erfolgte (vorinstanzliche Akten pag. 2638 S. 9, 11, 17, 28 und 33 ff.). Die Gutachterin gelangt zum Ergebnis, dass kein therapeutischer, psychiatrischer, psychotherapeutischer oder psychopharmakologischer Ansatz erkennbar sei, durch den sich der Gefahr neuerlicher Straftaten mit hinreichender Aussicht auf Erfolg begegnen lasse (vorinstanzliche Akten pag. 2638 S. 39). Zum nämlichen Schluss gelangt Dr. G.________ zwei Jahre später: Sie verneint im Gutachten aus dem Jahre 2009 erneut die Therapiefähigkeit des Beschwerdeführers und legt eingehend dar, weshalb der Einsatz des LHRH-Agonisten Lucrin nicht indiziert sei; insbesondere sei Lucrin bei Vorliegen einer Pädophilie nicht zugelassen, mithin würde es sich um einen Therapieversuch ausserhalb des Indikationsgebietes handeln ("off label use"), der stets von einer psychotherapeutischen Behandlung begleitet werde und vor allem bei einer - beim Beschwerdeführer nicht bestehenden - Hypersexualität Aussicht auf Erfolg habe (vgl. vorinstanzliche Akten pag. 3160 ff.). Die Gutachterin hält fest, in der Abteilung Forensische Psychiatrie der UPK Basel werde Lucrin seit dem Jahre 2002 therapeutisch eingesetzt. Mit Lucrin und weiteren, neueren Medikamenten habe die UPK Basel schweizweit am meisten Erfahrungen (vorinstanzliche Akten pag. 2824 S. 21). Die Gutachterin gilt somit in der hier entscheidenden Frage der Therapiefähigkeit des Beschwerdeführers ohne weiteres als Sachverständige im Sinne von Art. 56 Abs. 3 und 4 StGB. Sie gelangt zum Ergebnis, dass eine medikamentöse Behandlung aktuell nicht indiziert ist. Der Beschwerdeführer vermag keine triftige Gründe aufzuzeigen, weshalb das Gutachten in dieser Frage als nicht schlüssig zu werten und deshalb davon abzuweichen wäre. Sein Hinweis, wonach der erfolglose, medikamentöse Behandlungsversuch zeitlich weit zurückliege, ist zwar zutreffend. Die Gutachterin legt jedoch dar, weshalb eine Behandlung mit Androcur nicht indiziert sei (u.a. auf Grund einer fehlenden Hypersexualität). Insbesondere vermag sie seit der erfolglosen Androcur-Medikation keine veränderten Verhältnisse zu Gunsten des Beschwerdeführers, mithin keine seither eingetretenen positiven Behandlungsansätze auszumachen. Vielmehr hält sie im Rahmen des erstinstanzlichen Hauptverfahrens mündlich fest, zum damaligen Zeitpunkt (1986) sei der Beschwerdeführer wesentlich formbarer gewesen und eine erneute Behandlung sei deshalb aussichtslos respektive nicht hinreichend aussichtsreich (vorinstanzliche Akten pag. 2824 S. 22 und 25). Zudem wurde der Beschwerdeführer bereits während 3½ Jahren erfolglos psychotherapeutisch behandelt. Mithin stützt sich die Gutachterin nicht auf vage Prognosen, sondern auf frühere, unbestritten adäquate und gescheiterte Versuche ab und verfügt sie somit über entsprechendes Erfahrungswissen im konkreten Fall (vgl. zur Beurteilung der Behandelbarkeit HEER, in: Basler Kommentar, a.a.O., N. 106 zu Art. 64 StGB; Stratenwerth, a.a.O., § 8 N. 8). Aus diesen Gründen erweist sich die Rüge des Beschwerdeführers in diesem Punkt als unbegründet. 3.4.3 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er sei entgegen der Auffassung der Gutachterin therapiewillig, und es liege keine hohe Rückfallgefahr vor, setzt er sich mit den Ausführungen der Sachverständigen und der vorinstanzlichen Beweiswürdigung nicht genügend auseinander und zeigt er nicht substanziiert auf, inwiefern die Beweiswürdigung auch im Ergebnis offensichtlich unhaltbar sei (BGE 133 IV 286 E. 1.4 S. 287; 133 II 249 E. 1.4 S. 254 f.). Seine persönlichen Schilderungen, auf welche die Vertreterin verweist, erschöpfen sich in weitschweifigen Wiederholungen seiner eigenen Sicht der Dinge. Sie genügen den Begründungsanforderungen gemäss Art. 106 Abs. 2 BGG nicht, weshalb auf die Beschwerde insoweit nicht einzutreten ist. 3.4.4 Die Gutachten von Dr. G.________ aus den Jahren 2006 und 2009 sowie die mündlichen Ausführungen der Expertin anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sind somit schlüssig und überzeugend. Gestützt darauf hat die Vorinstanz willkürfrei die Behandlungsunfähigkeit des Beschwerdeführers bejaht und die Möglichkeit einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB verneint. Aus diesem Grund besteht für die Anordnung eines zusätzlichen Gutachtens kein Anlass. Schliesslich verletzt die Anordnung der Verwahrung nach Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB auch kein Bundesrecht.