Citation: I 178/04 12.08.2004 E. 2

Unter den Verfahrensbeteiligten umstritten ist zum einen, ob die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden vollzeitlich oder - wie von Vorinstanz und Verwaltung angenommen - lediglich zu 80 % erwerbstätig wäre. 2.1 Dem Abklärungsbericht Haushalt vom 11. April 2003 ist zu entnehmen, dass die Versicherte auf die Frage, ob sie ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausüben würde, erklärte, bei guter Gesundheit weiterhin als Ernährungsberaterin in der Klinik V.________ tätig gewesen zu sein, wobei sie auch nicht geplant habe, das bisherige Arbeitspensum - von 80 % - zu ändern. Diesem Vermerk opponierte sie in ihrer Stellungnahme vom 28. März 2003 zur durchgeführten Haushaltsabklärung zuhanden der IV-Stelle nicht. In ihren im März/April 2003 selbst verfassten Bemerkungen zum MEDAS-Gutachten vom 2. Dezember 2002, wiedergegeben im Schreiben ihres Rechtsvertreters an die Beschwerdegegnerin vom 19. März 2003, hielt sie sodann fest, dass sie seit ca. 1983 bis 2002 stets nur im Ausmass von 80 % gearbeitet habe, "weil sie schon damals etwas überfordert" gewesen sei. Sie habe immer ihr Bestes geben und die Arbeiten korrekt und zur vollen Zufriedenheit des Arbeitgebers erledigen wollen. Aus den Akten geht denn auch hervor, dass die Beschwerdeführerin jedenfalls vom 1. Mai 1989 bis 28. Februar 1991 in der Klinik U.________ (Arbeitszeugnis vom 28. Februar 1991) sowie vom 1. März 1991 bis 31. August 2002 in der Klinik V.________ (Arbeitgeberbericht vom 30. Mai 2001, Kündigung vom 13. Mai 2002) jeweils zu 80 % ihrem Beruf als Ernährungsberaterin nachgegangen ist. Auf Grund dieser Sachlage, des Umstands, dass die Versicherte ihre Einwände gegen das für den Gesundheitsfall auf 80 % geschätzte Arbeitspensum erstmals - nunmehr anwaltlich vertreten - im Verlaufe des Einspracheverfahrens vorbrachte und der Aussage des Dr. med. L.________ in dessen Bericht vom 21. Februar 2002, wonach die Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit frühestens seit 1997 bestanden hätten, ist das kantonale Gericht zum Schluss gelangt, dass die Behauptung der Beschwerdeführerin, ohne Gesundheitsschaden vollzeitig tätig zu sein, nicht rechtsgenüglich erstellt und damit von einem Status 80 % (Erwerb) und 20 % (Haushalt) auszugehen sei. 2.2 Soweit letztinstanzlich erneut geltend gemacht wird, die Versicherte sei einzig aus gesundheitlichen Gründen seit längerer Zeit nur zu 80 % erwerbstätig und würde als Gesunde in einem Vollpensum arbeiten, kann dem - aus den von der Vorinstanz bereits einlässlich dargelegten Gründen, welchen das Eidgenössische Versicherungsgericht vollumfänglich beipflichtet - nicht gefolgt werden. Zu ergänzen bleibt, dass nach den medizinischen Akten, insbesondere den Berichten der Klinik X.________ vom 11. März 2002, der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie/Allergologie des Spitals Y.________ vom 22. August 2002 und des Dr. med. W.________ vom 13. November 2003, die ersten gesundheitlichen Probleme schon in den 70er- (Magen) und 80er-Jahren (Rücken) auftraten. So hielt Dr. med. B.________, FMH Physikalische Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, in seinem MEDAS-Teilgutachten vom 21. Oktober 2002 denn auch u.a. fest, dass die Patientin seit ca. 15 Jahren attackenweise an rezidivierenden Lumbalgien mit sich verringerndem schmerzfreiem Intervall leide. Ab Dezember 1996 verstärkten sich die Rückenbeschwerden zunehmend, sodass am 2. Juni 1997 eine Diskushernienoperation notwendig wurde (Operationsbericht der Klinik V.________ vom 2. Juni 1997), welche aber keine Erleichterung brachte. Im Gegenteil traten die nächtlichen Lumbalgien danach in noch stärkerem Masse auf, bis sich im Frühjahr 2000 eine akute Verschlechterung mit sensomotorischen Ausfällen S1 links sowie einem radikulären Schmerzsyndrom S1 links einstellte und es in der Folge ab 3. Mai 2000 immer wieder ganz oder teilweise zu Arbeitsausfällen kam (MEDAS-Gutachten vom 2. Dezember 2002; Berichte des Dr. med. L.________ vom 21. Februar 2002, der Klinik für Rheumatologie und Klinischen Immunologie/Allergologie des Spitals Y.________ vom 22. August 2002 und des Dr. med. W.________ vom 13. November 2003). Auch die Versicherte selber hielt in ihrer IV-Anmeldung im Übrigen fest, dass schon vor der Diskushernienoperation Beschwerden bestanden hätten, diese aber erst seit 1997 vermehrt aufgetreten seien. Damit einher geht die Beurteilung der MEDAS-Ärzte, wonach, bedingt durch die psychischen Schwankungen der Explorandin und den undulierenden Verlauf der Schmerzsymptomatik, von einer ab 1998 vorliegenden Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden dürfe. Daraus erhellt, dass die Beschwerdeführerin zwar bereits seit längerer Zeit an gesundheitlichen Problemen litt, diese sich aber erst nach der Operation im Juni 1997 intensiviert haben und in das - sich auf Grund des Durchhaltewillens der Versicherten nicht sofort manifestierende - reduzierte Leistungsvermögen ab 1998, in die Anfang Mai 2000 beginnenden regelmässigen Arbeitsabsenzen und schliesslich in die endgültige Aufgabe ihrer Tätigkeit im März 2002 mündeten. Dass sie ihr Pensum seit 1983 aus gesundheitlichen Motiven auf 80 % beschränkt haben soll, erscheint angesichts dieses Krankheitsverlaufs, zumal die Beschwerdeführerin gegenüber den Ärzten der MEDAS selber erklärt hatte, bis im Mai 2000 stets uneingeschränkt und erfolgreich gearbeitet zu haben, nicht glaubhaft und lässt sich auch nicht anhand der letztinstanzlich aufgelegten Stellungnahmen von Bekannten und Freunden der Beschwerdeführerin erstellen. Dabei handelt es sich nicht um fachärztliche Beurteilungen des Gesundheitszustandes der Versicherten während der letzten zwanzig Jahre, sondern um subjektive Einschätzungen der Beschwerdeführerin nahe stehender, ihr wohlgesinnter Personen. Nichts anderes lässt sich ferner aus dem ebenfalls neu aufgelegten Bericht des Dr. med. W.________ vom 1. April 2004 schliessen, betreut dieser die Versicherte doch erst seit dem 29. August 2003 und ist somit kaum in der Lage, sich verlässlich zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bis zurück ins Jahre 1983 bzw. zu den Gründen, welche die Versicherte damals zur Reduktion ihres Arbeitspensums bewogen haben, äussern zu können. Weitere Beweisvorkehren - wie die bereits im kantonalen Verfahren auch zur Statusfrage beantragte Parteibefragung - erübrigten sich vorinstanzlich, da davon keine neuen entscheidwesentlichen Erkenntnisse zu erwarten gewesen wären (antizipierte Beweiswürdigung; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b mit Hinweis auf BGE 124 V 94 Erw. 4b und 122 V 162 Erw. 1d). Das kantonale Gericht durfte daher darauf verzichten, zumal die Versicherte keinen ausdrücklichen Parteiantrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung, sondern lediglich einen Beweisantrag im Sinne eines Parteiverhörs hatte stellen lassen (BGE 122 V 55 Erw. 3a mit weiteren Hinweisen; vgl. auch BGE 125 V 38 Erw. 2 und das Urteil K. vom 8. April 2004, I 573/03). Kein gegenteiliges Ergebnis vermag die Beschwerdeführerin unter Berufung auf Art. 61 lit. e ATSG herbeizuführen, wird darin doch lediglich normiert, dass die Parteien durch das kantonale Versicherungsgericht zur Verhandlung vorgeladen werden können, sofern es die Umstände rechtfertigen. Im Weitern ist dem Begehren um Durchführung einer mündlichen Verhandlung mit Anhörung der Beschwerdeführerin vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht nicht zu entsprechen. Zwar kann der Präsident eine mündliche Parteiverhandlung anordnen (Art. 112 in Verbindung mit Art. 132 OG sowie Art. 9 Abs. 2 des Reglementes für das Eidgenössische Versicherungsgericht vom 16. November 1999). Das geschieht indessen nur ausnahmsweise, wenn es für die Entscheidung in der Sache von unmittelbarer Bedeutung ist (RKUV 1996 Nr. U 246 S. 167 Erw. 6c/bb mit Hinweisen). Auch aus Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK folgt kein genereller Anspruch auf mündliche Äusserung und Anhörung vor Gericht. Insbesondere verpflichtet Art. 6 Ziff. 1 EMRK den letztinstanzlichen Richter nicht zur Durchführung einer Parteiverhandlung, wenn sich keine Sach- und Rechtsfragen stellen, die nicht zuverlässig auf Grund der Akten entschieden werden können (BGE 127 V 493 unten f. Erw. 1b mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall besteht kein Anlass zur Anordnung einer Parteiverhandlung, weil es nach dem Gesagten keiner weiteren Abklärungen zum Status der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall bedarf. Da im Begehren um persönliche Anhörung - ebenfalls - kein Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK zu erblicken ist, kann von einer parteiöffentlichen Beratung ebenfalls abgesehen werden (vgl. auch das zuvor genannte Urteil K. vom 8. April 2004, I 573/03).