Citation: 2C_891/2022 E. 6.6.2

6.6.2. Anders als die Vorinstanz erwägt (vorne E. 6.1), ist angesichts der grundsätzlich nicht befristeten Natur der vorliegend zu beurteilenden Vereinbarung (vorne E. 5) nicht per se davon auszugehen, dass die Mittel nur für einen kurzen Zeitraum zur Verfügung stehen. Dabei zu berücksichtigen ist, dass das latente Risiko des Wegfalls der Mittel auch im Anwendungsbereich von Art. 24 Abs. 1 Anhang I FZA nie vollständig ausgeschlossen werden kann, und dass die Behörden eine einmal gestützt auf Art. 6 FZA i.V.m. Art. 24 Abs. 1 Anhang I FZA erteilte Aufenthaltsbewilligung jederzeit widerrufen können, sobald feststeht, dass die zu Grunde liegenden Unterhaltszahlungen wegfallen respektive weggefallen sind (vorne E. 6.3). Gleichzeitig fällt das freizügigkeitsrechtliche Aufenthaltsrecht grundsätzlich (erst) mit der effektiven Einstellung der Unterhaltszahlungen dahin (vgl. zur deklaratorischen Wirkung von Aufenthaltsbewilligungen, die gestützt auf das Freizügigkeitsabkommen erteilt werden: BGE 142 II 35 E. 5.3; 136 II 329 E. 2.2; 134 IV 57 E. 4), und kann ein allfälliger Widerruf der gestützt auf Art. 24 Anh. I FZA erteilten Aufenthaltsbewilligung deshalb in jedem Fall erst auf den Zeitpunkt des effektiven Wegfalls der Unterhaltszahlungen erfolgen. Die in der vorgelegten Unterhaltsvereinbarung vorgesehene Kündigungsfrist von sechs Monaten und eine entsprechende Information durch den Garanten im Zeitpunkt der Kündigung gibt den Behörden die nötige Zeit, um die für den Bewilligungswiderruf notwendigen Schritte einzuleiten und diesen - gegebenenfalls - im Hinblick auf den Zeitpunkt des effektiven Wegfalls der Mittel zu verfügen. Die von der Beschwerdeführerin vorgeschlagene Unterhaltsvereinbarung mit Kündigungsfrist von sechs Monaten trägt damit dem öffentlichen Interesse, eine Belastung der Sozialwerke möglichst zu vermeiden, ausreichend Rechnung und gewährleistet den Ausgleich mit dem effet utile des Freizügigkeitsabkommens. Sie erscheint somit grundsätzlich zum Nachweis ausreichender finanzieller Mittel i.S.v. Art. 24 Abs. 1 Anhang I FZA geeignet, soweit sie mit einer entsprechenden Meldung an die Behörden im Kündigungszeitpunkt einhergeht.