Citation: 1A.263/1999 22.06.2000 E. 4

4.- a) Das Verwaltungsgericht hat im Grundsatz eine Entschädigung für den Versorgerschaden, den die Beschwerdeführerin durch den Tod ihres Ehemanns erleidet, anerkannt. Für die Berechnung des Versorgerschadens hat esseinem Entscheid ein gerundetes Jahreseinkommen von F. von 50'000 Franken zu Grunde gelegt. Es ist weiter von einer Witwenquote von 54% ausgegangen undhat diese wegen möglicher bescheidener Erwerbstätigkeit umweitere 2% auf 52% gekürzt. Schliesslich hat es angenommen, dass der umstrittene Versorgerschaden nicht mit einer Rente, sondern mittels einer Kapitalzahlung abzugelten sei(BGE 117 II 609 E. 10c S. 625). In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht werdendiese Grundlagen nicht in Zweifel gezogen. b) In Bezug auf die Höhe des Versorgerschadens ist beider Berechnung der Kapitalzahlung umstritten, welche Dauerder Erwerbstätigkeit des verstorbenen Ehemanns der Kapitalisierung zu Grunde zu legen ist. Das Verwaltungsgericht hat hierfür auf das Pensionierungsaltervon 65 Jahren abgestellt und daher die Kapitalisierung fürverbundene Leben nach Tabelle 26 von STAUFFER/SCHÄTZLE(temporäre Verbindungsrente bis Alter 65 des aktiven Versorgers) vorgenommen. Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, für den Ausgleich des Versorgerschadens sei im vorliegenden Fall dashypothetische Aktivitätsende massgebend und daher von Tabelle 25 von STAUFFER/SCHÄTZLE (Verbindungsrente füraktiven Versorger und Versorgte) auszugehen. c) Das Verwaltungsgericht hat dargelegt, dass die neuerebundesgerichtliche Rechtsprechung die Kapitalisierung bei Invaliditätsschäden auf den Eintritt des AHV-Alters hinvornehme. In BGE 123 III 115 hat sich das Bundesgericht mitder Frage nach der zeitlichen Berechnung im Einzelnenauseinander gesetzt und sowohl auf die Rechtsprechung alsauch auf die daran geübte Kritik in der Doktrin verwiesen. Es ist zum Schluss gekommen, dass zumindest beiunselbständiger Erwerbstätigkeit nicht auf die statistische Erwerbsfähigkeit, sondern gemäss dem gewöhnlichen Lauf der Dinge auf den Eintritt des AHV-Alters abzustellen sei (BGE123 III 115 E. 6a-c S. 117). Dieser Entscheid ist mit BGE124 III 222 E. 3a S. 226 sinngemäss bestätigt worden. Dieselbe Auffassung wird in der Doktrin vertreten (vgl. ROLAND BREHM, Berner Kommentar, Band VI/1/3/1, 2. Auflage1998, Rz. 46 ff., insbes. 46b f. und 60 der Vorbemerkungenzu Art. 45 und 46 OR; STAUFFER/SCHÄTZLE, Barwerttafeln, 4. Auflage 1989, Rz. 634 f.; STEPHAN WEBER, Der Rentenschaden: Zur Berechnung des "Invaliditätsschadens" auf neuer Grundlage, in: SJZ 88/1992 S. 232). Was die Beschwerdeführerin gegen die Kapitalisierung aufdas Alter von 65 Jahren des verstorbenen Ehemanns konkretvorbringt, vermag keine Bundesrechtsverletzungnachzuweisen. Nach der dargelegten Rechtsprechung wird bei unselbständig Erwerbenden generellauf das AHV-Alter abgestellt. Es bedürfte daher ganzbesonderer und konkreter Umstände, um auf einen späteren Zeitpunkt zu kapitalisieren. Solche liegen nicht vor. Insbesondere kann es nicht allein auf den Wunsch und dieallfällige Notwendigkeit eines weiteren, über das AHV-Altervon 65 Jahren hinaus reichenden Erwerbseinkommens ankommen. Denn es kann in keiner Weise abgeschätzt werden, welche Verhältnisse dannzumal hinsichtlich Arbeitsmarkt und dertatsächlichen Möglichkeit einer weiteren Erwerbstätigkeitsowie des Gesundheitszustandes des Ehemanns der Beschwerdeführerin vorliegen würden. d) Die Beschwerdeführerin macht in Bezug auf das Kapitalisierungsalter weiter geltend, die genannte Rechtsprechung beziehe sich lediglich auf Invaliditätsschäden und könne daher nicht auf dievorliegend umstrittene Entschädigung für einen Versorgerschaden übertragen werden. Da sie auch über das AHV-Alter ihres Ehemannes von diesem abhängig wäre, müsseder Versorgerschaden bis zum Ende der üblichen A-ktivitätauf der Basis des Erwerbseinkommens und danach auf Grunddes Einkommens aus Renten und/oder Vermögen berechnetwerden, welche gemeinsam den Versorgten zukämen. Wegen derkomplizierten doppelten Berechnung werde von der Doktrindas Abstellen auf die volle Aktivität gemäss demstatistischen E-rwerbsfähigkeitsalter empfohlen. Diese Rüge der Beschwerdeführerin erweist sich alsunbegründet. Sowohl beim Invaliditätsschaden als auch beim Versorgerschaden geht es in erster Linie darum, eine Entschädigung für das entgangene Erwerbseinkommensicherzustellen. Das Erwerbseinkommen nimmt grundsätzlichmit dem Erreichen des AHV-Alters sein Ende. Beimentgangenen Einkommen handelt es sich daher in beiden Schadensfällen um dieselbe Grösse. Demnach hat auch deren Berechnung grundsätzlich auf dieselbe Weise zu erfolgen. Esist deshalb nicht einzusehen, weshalb die Frage, aufwelches Alter hin kapitalisiert wird, bei Invaliditäts- undbei Versorgerschaden unterschiedlich beantwortet werdensollte. Unterschiede bei der konkreten Berechnung ergebensich wegen der unterschiedlichen Anspruchsberechtigtenlediglich insofern, als beim Versorgerschaden auch das Alter der versorgten Person mitberücksichtigt und dahereine kapitalisierte Rente für verbundene Leben zugesprochenwird. Das Verwaltungsgericht hat im angefochtenen Entscheidüberzeugend dargelegt, dass das Kapitalisierungsalterhinsichtlich Invaliditätsschaden und Versorgerschadengleich bleibt. Das geht auchaus der Rechtsprechung und der Literatur hervor, welche Invaliditätsschaden und Versorgerschaden insoweit nichtunterscheiden. Das Bundesgericht machte diesbezüglich inden Entscheiden BGE 123 III 115, wo ein Invaliditätsschadenin Frage stand, und BGE 124 III 222, in dem es um die Anrechnung eines Versorgerschadens ging, keinen Unterschied. BREHM nennt im Abschnitt über die Kapitalisierung beide Fälle in einem Zug (BREHM, a.a.O., Rz. 27 f. und 42/43 der Vorbemerkungen zu Art. 45 und 46 OR). e) Es ist der Beschwerdeführerin einzuräumen, dass überdas AHV-Alter ihres Ehemannes hinaus Versorgungsleistungenauch aus andern Quellen als aus dem Erwerbseinkommenfliessen könnten, denen aus der Sicht des Haftpflichtrechtsbzw. des Schadensausgleichs nach dem Opferhilfegesetzgrundsätzlich Rechnung zu tragen wäre. Solche über das Erwerbseinkommen hinausgehende Versorgungsleistungen sindindessen im vorliegenden Fall nicht ersichtlich. Soweit essich dabei um Erträge aus dem Vermögen des Ehemanneshandeln sollte, ist dieses der Beschwerdeführerin ohnehinauf Grund von Güter- und Erbrecht bereits zugekommen undbrauchen entsprechende Leistungen nicht ausgeglichen zuwerden. Leistungen aus dem Sozialversicherungsrecht an den Ehemann nach Erreichen des AHV-Alters wären allein diesemzugestanden und können nicht unter dem Gesichtswinkel eines Versorgerschadens berücksichtigt werden (vgl. STAUFFER/SCHAETZLE, a.a.O., Rz. 255). f) Demnach ist die Beschwerde in Bezug auf die Berechnungdes Versorgerschadens abzuweisen. Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang sinngemäss einen Rentenschaden bzw. Rentenverkürzungsschaden geltend macht, ist darauf in der folgenden Erwägung einzugehen.