Citation: 6B_97/2019 E. 1.2.2

1.2.2. Die Vorinstanz nimmt in rechtlicher Hinsicht an, bei einem Anlage- oder Börsenbetrug sei das Merkmal der Schädigung regelmässig in demjenigen Zeitpunkt erfüllt, in welchem das Geld des Anlegers entgegen den ihm abgegebenen Versprechungen nicht angelegt werde. Der Schaden sei mithin zu bejahen, sobald die Gelder der Anleger in den Machtbereich des Täters gelangt seien, der diese Mittel von vornherein nicht zu deren Anlage, sondern zur Finanzierung von Rückleistungen an andere Investoren, von Betriebskosten, Vermittlerprovisionen, persönlichen Ausgaben oder spekulativen Vorhaben einzusetzen beabsichtige (angefochtenes Urteil S. 26 f.). Im zu beurteilenden Fall habe B.________ ein betrügerisches Geldanlagesystem im Sinne eines Ponzi-Schemas initiiert, bei welchem den Investoren aussergewöhnlich hohe - in Wirklichkeit aber weder beabsichtigte noch existierende - Renditen und Sicherheiten versprochen, die investierten Gelder in Wirklichkeit indes nicht oder nur in einem weit geringeren Ausmass angelegt und die Erwartungen der Anleger mittels Ausschüttungen aus den von neuen Kunden einbezahlten Geldern erfüllt worden seien. Die Besonderheit eines solchen Systems bestehe darin, dass in der Regel verschiedene Anleger über eine gewisse Dauer Gelder einzahlten und die Täterschaft die verschiedenen Einlagen insofern miteinander verknüpfe, als sie diese für Ausschüttungen an andere Kunden verwende. In Bezug auf den Eintritt des Vermögensschadens bei einem Schneeball-Anlagesystem bzw. einem Ponzi-Schema unterscheidet die Vorinstanz grundsätzlich zwischen den einzelnen Investoren und dem Gesamtkomplex. Während der Schaden bei den einzelnen Investoren jeweils mit ihrer Vermögensdisposition eintrete und die einzelne Betrugstat in diesem Zeitpunkt vollendet sei, erscheine bei dem Betrugssystem als Gesamtkomplex nur der Zeitpunkt des letzten bei den betroffenen Anlegern erfolgten Mittelabflusses als für den Schadenseintritt massgebend. Mit Blick auf die Beendigung des Betruges erwägt die Vorinstanz, jede vermeintliche Rendite- und/oder Kapitalrückzahlung diene dem Zweck, den beim Begünstigten erweckten individuellen Irrtum weiter zu unterhalten und so die Weiterexistenz des ganzen Betrugssystems zu gewährleisten. Solange in einem derartigen System die Täuschung der Betrugsopfer durch aktive Massnahmen, wie vermeintliche Renditezahlungen oder Kapitalrückzahlungen, am Leben erhalten werde, manifestiere die Täterschaft, dass sie grundsätzlich auf weitere Kundeneinzahlungen und somit auf einen weiteren Zuwachs ihrer Bereicherung spekuliere. Daher sei eine solche Betrugstat nicht bereits beim rückblickend letzten Mittelzufluss eines Investors beendet. Der im Rahmen eines Ponzi- oder Schneeballsystems erfolgte Betrug sei vielmehr erst durch die letzte feststellbare Täterhandlung, die dem Versuch der Vorspiegelung eines funktionierenden Systems diene, in der Regel eine vermeintliche Renditeauszahlung oder Kapitalrückzahlung an einen Investor, als beendet anzusehen (angefochtenes Urteil S. 27 ff.).