Citation: 2A.542/2003 09.02.2004 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin 2 war bei Einreichung des Nachzugsgesuchs 17 Jahre alt und ist im jetzigen Zeitpunkt seit bald einem Jahr volljährig. Die Beschwerdeführerin 3 steht zur Zeit im 17. Altersjahr. Beide Töchter leben seit demnächst acht Jahren bei ihrem Vater in der Türkei, dem im türkischen Scheidungsurteil die elterliche Gewalt über die beiden Töchter übertragen worden war. Erst mit Urteil des Zivilgerichts Üsküdar vom 27. November 2001 betreffend "Änderung der Vormundschaft" wurde das Sorgerecht über die beiden Töchter auf die Beschwerdeführerin 1 übertragen, worauf diese am 13. Mai 2002 das Gesuch um Nachzug der beiden Töchter gestellt hat. 3.2 Das Verwaltungsgericht hat im angefochtenen Entscheid ein Schreiben der beiden Töchter vom 31. Januar 2003, das diese an die "zuständigen Behörden" richteten, in deutscher Übersetzung im Wortlaut wiedergegeben. In diesem Schreiben legten die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 dar, ihre Beziehung zu ihrem Vater habe sich allmählich gelöst, nachdem dieser 1998 nochmals geheiratet habe. Der Vater habe die Stiefmutter unterstützt, obwohl diese sie sehr schlecht behandelt habe. Als die Stiefmutter 1999 ein Kind bekommen habe, seien sie ganz und gar ausgeschlossen worden. Täglich habe es Streitereien gegeben. Währenddessen habe der Vater immer mehr getrunken. Das Verwaltungsgericht hat daraus geschlossen, dass jedenfalls bis zur Wiederverheiratung des Vaters eine vorrangige Beziehung der beiden Töchter zu ihm bestand. Was in der Beschwerdebegründung dagegen vorgebracht wird, vermag nicht zu überzeugen. Bis zur Umteilung des elterlichen Sorgerechts auf die Beschwerdeführerin 1 ist nichts ersichtlich, was darauf schliessen liesse, dass die Kinder gegen den Willen der Beschwerdeführerin 1 in der Türkei lebten. Insbesondere hat die Beschwerdeführerin 1 das Scheidungsurteil, mit dem die elterliche Gewalt auf den Vater übertragen wurde, nicht angefochten und bis ins Jahr 2001 nichts unternommen, um eine Umteilung zu erwirken. Sie selbst hat in ihrem Schreiben vom 17. Mai 2002 an das Migrationsamt erklärt, die Kinder hätten sie am Telefon beschimpft und ihr gesagt, sie sei nicht mehr ihre Mutter, sie wollten sie nicht mehr. 3.3 Zur Begründung der vorliegenden Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird geltend gemacht, die beiden Töchter seien Opfer des Verhaltens des Vaters geworden, der sie gegen die Mutter aufgehetzt habe. Abgesehen von dem Umstand, dass die beiden Töchter im März 1996 mit ihrem Vater in die Türkei ausreisten und seither bei diesem leben, fehlt für diese Betrachtungsweise jeder Anhaltspunkt. Insbesondere fehlt es an irgendwelchen Briefen der Töchter aus der Zeit seit März 1996 bis zum Januar 2003 sowie an nachgewiesenen Versuchen der Beschwerdeführerin 1, wieder zu einer befriedigenden Beziehung zu ihren Töchtern zu gelangen. Insbesondere aus dem Schreiben der Beschwerdeführerinnen 2 und 3 vom 31. Januar 2003, das während des bereits hängigen Nachzugsverfahrens verfasst worden ist, lässt sich nicht schliessen, sie hätten bis zur Wiederverheiratung ihres Vaters zu diesem nicht die vorrangige Beziehung gehabt. Selbst wenn die Beziehung zum Vater von diesem anfänglich erzwungen gewesen wäre, wie die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 in diesem Schreiben darzulegen versuchen, so fehlt doch jeder Hinweis darauf, dass in den auf die Scheidung der Eltern folgenden Jahren die Beziehung zum Vater nicht klarerweise vorrangig war gegenüber derjenigen zur Mutter. Insbesondere aus der im Schreiben vom 31. Januar 2003 enthaltenen Formulierung, mit der Wiederverheiratung des Vaters habe sich die Beziehung der Beschwerdeführerinnen 2 und 3 zu ihm allmählich gelöst, durfte das Verwaltungsgericht bis zu diesem Zeitpunkt auf eine vorrangige Beziehung zum Vater schliessen. 3.4 Dass mit der Wiederverheiratung des Vaters Probleme auftauchten, ist nichts Aussergewöhnliches. Wie das Verwaltungsgericht zutreffend ausgeführt hat, kommt es im Zuge der altersbedingten Ablösung von Kindern von dem bisher betreuenden Elternteil immer wieder zu einer Annäherung an den von diesem getrennt lebenden Elternteil. Diese Annäherung kann durch die Wiederverheiratung des bisher betreuenden Elternteils gefördert werden, indem seitens der heranwachsenden Kinder versucht wird, auf diese Weise den Problemen, die das Auftauchen einer neuen Bezugsperson mit sich bringt, zu begegnen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerinnen ergibt sich daraus jedoch keine Notwendigkeit eines Nachzugs in die Schweiz. Die Beschwerdeführerin 1 ist ihrerseits wieder verheiratet. Die Beschwerdeführerinnen 2 und 3, die während der letzten rund acht Jahre und damit während der ihre Persönlichkeit prägenden Jugendjahre in der Türkei gelebt haben, haben somit noch keine Beziehung zu dem neuen Ehemann der Beschwerdeführerin 1 aufbauen können, der um fünf Jahre jünger ist als diese und aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt. Dass es im Falle eines Nachzugs der Töchter zwischen diesen und dem neuen Partner der Beschwerdeführerin 1 ebenfalls zu Konflikten kommen könnte, ist im Hinblick darauf, dass die Beschwerdeführerin 2 bereits volljährig und die Beschwerdeführerin 3 bereits im 17. Altersjahr steht, keineswegs auszuschliessen.