Citation: 2A.591/1998 22.03.2000 E. 6.-

Ob das willkürfrei ausgelegte kantonale Recht mit dem angerufenen Grundrecht vereinbar ist, prüft das Bundes- gericht frei (BGE 124 I 25 E. 4a S. 32, mit Hinweis). a) Das öffentliche Interesse an der Beschränkung der beruflichen Tätigkeit des Besamungstechnikers ergibt sich einerseits aus tierseuchenpolizeilichen Überlegungen (vgl. Art. 69 aBV bzw. Art. 118 der neuen Bundesverfassung, BV) und anderseits aus Gründen des Tierschutzes (vgl. Art. 25bis aBV bzw. Art. 80 BV), insbesondere aber aus Art. 2 Abs. 3 des eidgenössischen Tierschutzgesetzes, wonach niemand ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder es in Angst versetzen darf. In diesem Sinn verlangt das öffentliche Interesse, dass die heikleren Manipulationen, welche die Tiere im oben beschriebenen Sinn gefährden können, möglichst den dafür ausgebildeten Tierärzten vorbehalten bleiben. b) Die Massnahme, die betreffenden Tätigkeiten den Tierärzten vorzubehalten, ist zur Wahrung dieses öffentli- chen Interesses zweifellos geeignet. Sie ist aber auch er- forderlich: Entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers genügt eine Verpflichtung des Besamungstechnikers, nach der "umfassenden Untersuchung der Geschlechtsorgane" einen Tier- arzt beizuziehen, wenn der Verdacht besteht, dass der Zu- stand des Tieres tierärztliche Abklärung und Behandlung erfordert, gerade nicht: Entgeht dem Besamungstechniker etwa eine ernsthafte, möglicherweise übertragbare Krankheit, so kann sich der Tierhalter aufgrund dieser Untersuchung in ei- ner falschen Sicherheit wiegen. Der damit verbundenen Gefahr kann nicht anders als damit begegnet werden, dass den Besa- mungstechnikern die umfassende Untersuchung der Geschlechts- organe nicht erlaubt wird. Dass insbesondere die rektale Ovarienkontrolle den Tierärzten vorbehalten werden muss, ist erforderlich namentlich wegen der im Departementsentscheid - auf den sich das Verwaltungsgericht stützt - beschriebenen Gefahr, dass bei einem brünstigen Tier ein im Begriffe der Ovulation stehender randständiger Follikel am Ovar platzen könnte. Dass der Kanton Graubünden anscheinend eine von derjenigen des Kantons Thurgau abweichende gesetzliche Re- gelung kennt, ändert an dieser Beurteilung nichts. Die Si- cherheit von Mensch und Tier geht zudem dem Interesse des Beschwerdeführers am Anbieten einer zusätzlichen Dienstleis- tung und damit einer neuen Einkommensquelle eindeutig vor. Damit ist der Eingriff in die Handels- und Gewerbe- freiheit verhältnismässig; es ist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers auch nicht ersichtlich, inwieweit der angefochtene Entscheid an einem inneren Widerspruch leiden sollte.