Citation: 5A_58/2024 E. 4.3

4.3. Die Beschwerdeführer vermögen nicht nachvollziehbar zu erklären, weshalb das Bundesgericht von seiner bisherigen Rechtsprechung abrücken und entgegen der herrschenden Lehrmeinung für den Beginn der Verdachtsfrist auf eine Betreibung abstellen sollte, die durch Rechtsvorschlag eingestellt (Art. 78 Abs. 1 SchKG) und nicht weiterverfolgt wurde (s. Sachverhalt Bst. A.c). Soweit sie argumentieren, dass BGE 108 II 516 nicht einschlägig sei, schildern sie zwar, inwiefern sich der damals beurteilte Fall vom vorliegenden unterscheidet. Weshalb diese Unterschiede dagegen sprechen, auch im konkreten Fall auf diese Rechtsprechung abzustellen, ist der Beschwerde jedoch nicht zu entnehmen und auch nicht ersichtlich. Zu Recht wird im Schrifttum auf die Rechtsnatur der Anfechtungsklage als betreibungsrechtliche Klage mit Reflexwirkung auf das materielle Recht hingewiesen, die es mit sich bringt, dass der Anfechtungsanspruch nur für das laufende Betreibungsverfahren Geltung hat und das Anfechtungsurteil nur mit Bezug auf ein bestimmtes Vollstreckungsverfahren Wirkung entfaltet (RÜEDI, a.a.O., S. 9 f., mit Hinweis auf BGE 130 III 672 E. 3.2). Dementsprechend kann ein Vollstreckungsverfahren, das bereits durch den gegen den Zahlungsbefehl erhobenen Rechtsvorschlag eingestellt wurde, auch nicht als vorausgegangene Betreibung im Sinne von Art. 288a Ziff. 3 SchKG bei der Berechnung der Verdachtsfrist in Rechnung gestellt und (mit-) berücksichtigt werden. Die Verlängerung der Verdachtsfristen nach Art. 288a Ziff. 3 SchKG soll dem Schuldner die Möglichkeit nehmen, die Anfechtbarkeit bestimmter Rechtshandlungen dadurch zu erschweren oder zu verunmöglichen, dass er allein zu Verzögerungszwecken gemäss Art. 74 ff. SchKG Rechtsvorschlag erhebt oder gestützt auf Art. 83 Abs. 2 SchKG eine Aberkennungsklage einleitet (PIERRE-ROBERT GILLIÉRON, Commentaire de la loi fédérale sur la poursuite pour dettes et la faillite, Articles 271-352, 2003, N 30 zu Art. 288a SchKG). Soweit die Beschwerdeführer damit argumentieren, dass das Recht zur Fortsetzung einer Betreibung schon ein Jahr nach Zustellung des Zahlungsbefehls erlösche (Art. 88 Abs. 2 Satz 1 SchKG), übersehen sie, dass diese Frist im Falle eines Rechtsvorschlags zwischen der Einleitung und der Erledigung eines dadurch veranlassten Gerichts- oder Verwaltungsverfahrens stillsteht (Art. 88 Abs. 2 Satz 2 SchKG). Dass der Beschwerdegegner in der Betreibung Nr. vvv des Betreibungsamts Thalwil-Rüschlikon-Kilchberg von der Möglichkeit des Rechtsvorschlags Gebrauch machte, ist somit auch unter dem Blickwinkel von Art. 88 Abs. 2 SchKG kein Grund, als vorausgegangene Betreibung im Sinne von Art. 288a Ziff. 3 SchKG neben der Betreibung Nr. www des Betreibungsamts Bern-Mittelland, mit der die Beschwerdeführer den Pfändungsverlustschein Nr. xxx erwirkten, auch noch jene durch Rechtsvorschlag eingestellte und nicht weiterverfolgte Betreibung im Kanton Zürich zu berücksichtigen. Unbehelflich ist schliesslich auch der Einwand der Beschwerdeführer, dass der Schuldner die Berechnung der Verdachtsfrist durch die Aufgabe seines bisherigen (schweizerischen) Wohnsitzes zu seinen Gunsten beeinflussen und ihre paulianischen Anfechtungsansprüche zunichte machen könnte, wenn die Auffassung des Obergerichts zuträfe. Gemäss Art. 24 BV ist es Schweizerinnen und Schweizern unbenommen, ihren Wohnsitz in der Schweiz zu verlegen (Absatz 1) oder sich ins Ausland abzumelden (Absatz 2). Entsprechend war der Schuldner nicht verpflichtet, durch den Verbleib an seinem bisherigen Wohnsitz und Betreibungsort (Art. 46 Abs. 1 SchKG) sicherzustellen, dass gegen ihn eingeleitete Betreibungen abgeschlossen werden konnten, und auf diese Weise im Hinblick auf allfällige Anfechtungsklagen einem späteren Einsetzen der Verdachtsfrist entgegenzuwirken. Vorbehalten bleibt der Fall, da der Schuldner seinen Wohnsitz gerade in der Absicht verändert und/oder aufgibt, die Rechte der Gläubiger zu schmälern oder die Durchsetzung ihrer Ansprüche zu vereiteln. Allein eine solche Eventualität hat nicht zur Folge, dass bei der Berechnung der Verdachtsfrist nach Art. 288a Ziff. 3 SchKG auch jene Betreibungen zu berücksichtigen sind, die der Ausstellung des Verlustscheins wohl vorausgingen, wegen eines Wohnsitzwechsels des Schuldners oder seines Wegzugs ins Ausland aber nicht zu Ende geführt werden konnten. Vielmehr ist ein solches Verhalten unter dem Blickwinkel der missbräuchlichen Rechtsausübung (Art. 2 ZGB) zu beurteilen. Ob die Beschwerdeführer gegen die diesbezüglichen vorinstanzlichen Erwägungen aufkommen, ist im Folgenden zu prüfen.