Citation: I 793/04 04.05.2005 E. 5

Materiell streitig und zu prüfen ist nunmehr einzig der Beginn des Anspruchs auf eine Invalidenrente, wobei hierbei die Frage interessiert, ob in zeitlicher Hinsicht für die Neuanmeldung auf das Gesuch vom 5. April 2002 oder die Eingabe des Beschwerdeführers vom 20. Juni 2002 abzustellen ist. 5.1 Die Verwaltung ist auf das Gesuch vom 5. April 2002, mit dem der Beschwerdeführer eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend machte und weitere medizinische Abklärungen verlangte, mit formloser Mitteilung vom 11. April 2002 "nicht eingegangen". Die Anmeldung hat zwar auf amtlichem Formular zu erfolgen (Art. 65 Abs. 1 IVV). Macht der Versicherte seinen Anspruch durch formloses Schreiben geltend, so hätte ihm die Versicherung aber ein entsprechendes Formular zum Ausfüllen zustellen müssen, sofern sich die zur Festsetzung der Leistung erforderlichen Angaben nicht in klarer Weise bereits aus den vorhandenen Unterlagen ergeben hätten. Die Wirkungen der Anmeldung werden auf den Eingang des ersten Schreibens zurückbezogen (BGE 103 V 69; ZAK 1984 S. 403). Zudem hat die IV-Stelle weder eine angemessene Frist zur Einreichung von Beweismitteln angesetzt noch auf den Anspruch auf eine Verfügung hingewiesen. Dadurch hat sie die in Erw. 3 erwähnten verfahrens-rechtlichen Grundsätze verletzt, woraus dem Beschwerdeführer kein Nachteil erwachsen darf. Nachdem er am 19. Juni 2002 sein Leistungsbegehren auf amtlichem Formular erneuerte und die Einreichung eines Arztberichts in Aussicht stellte, worauf die Verwaltung das Revisionsbegehren materiell prüfte, ist für die Beurteilung des Rentenbeginns auf die Neuanmeldung vom 5. April 2002 abzustellen. 5.2 Mit Blick auf den Gesundheitszustand des Versicherten ist auf Grund des Gutachtens von Dr. med. H.________ vom 25. Januar 2003 davon auszugehen, dass schon längere Zeit vor dessen Begutachtung - nach der ärztlichen Schätzung seit 1997 - eine für den Beginn der Wartezeit relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Dies stimmt mit der Beurteilung von Dr. med. S.________ überein, der bereits am 14. April 2000 die Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf ab 1. Mai 1998 auf 70 % schätzte, weshalb die Annahme von Verwaltung und Vorinstanz bezüglich des Beginns der einjährigen Wartezeit ab Mai 2002 fehl geht. Im späteren Bericht vom 29. August 2002 nahm Dr. med. S.________ unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 21. März 2001 ausschliesslich zur Verschlechterung des Gesundheitszustands Stellung und erachtete den Versicherten "als Koch sicher zu 50 % arbeitsunfähig", ohne sich zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit zu äussern. Aus diesem Bericht kann deshalb nicht geschlossen werden, Dr. med. S.________ habe den Versicherten erst ab Mai 2002 als teilweise arbeitsunfähig erachtet. Auch im Gutachten von Dr. med. K.________, FMH, Physikalische Medizin, Rehabilitation/Rheumatologie, vom 22. Januar 2001 zu Handen der beruflichen Vorsorgeeinrichtung, von dem die Verwaltung am 21. März 2001 bei Verfügungserlass keine Kenntnis hatte, wurde dem Versicherten in der angestammten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Lediglich Dr. med. L.________ schätzte den Beschwerdeführer als Koch voll arbeitsfähig (Gutachten vom 8. November 2000). Darauf kann jedoch nicht entscheidend abgestellt werden, nachdem die Verwaltung dieser Beurteilung im Revisionsverfahren nicht gefolgt ist und dem Beschwerdeführer bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine halbe Rente zugesprochen hat. Überdies liesse dieses Gutachten höchstens Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt der Beurteilung zu, nicht aber hinsichtlich der nachfolgenden Entwicklung. 5.3 Weil die einjährige Wartezeit von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG nicht nur längere Zeit vor der Neuanmeldung vom 5. April 2002 eröffnet worden, sondern auch abgelaufen war, hat der Beschwerdeführer gemäss Art. 48 Abs. 2 IVG und unter Berücksichtigung der rechtskräftigen rentenablehnenden Verfügung vom 21. März 2001 Anspruch auf Nachzahlung der halben Rente ab 1. April 2001.