Citation: 6B_914/2020 E. 1.6.1

1.6.1. Die Landesverweisung ist eine primär sichernde strafrechtliche Massnahme (vgl. Art. 121 Abs. 2 und 5 BV; Urteil 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.2 mit Hinweisen). Bei der Bestimmung der öffentlichen Interessen im Sinn von Art. 66a Abs. 2 StGB und bei ihrer Gewichtung gegenüber den privaten Interessen stehen die Natur und Schwere der Anlasstat, die darin sich manifestierende Gefährlichkeit des Täters für die öffentliche Sicherheit und die Prognose über das deliktische Rückfallrisiko im Vordergrund (erwähntes Urteil 6B_627/2018 E. 1.6.2). Bezüglich der Wiederholungsgefahr darf das Gericht auch Straftaten berücksichtigen, die der Ausländer vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB (1. Oktober 2016) begangen hat (Urteil 6B_651/2018 vom 17. Oktober 2018 E. 8.3.3 mit Hinweisen). Die Vorinstanz nimmt an, ein Härtefall liege (knapp) vor, erkennt indessen ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Landesverweisung (oben E. 1.5). Der Beschwerdeführer rügt diese Abwägung als bundesrechtswidrig. Bezüglich des zugrundeliegenden Härtefalls beanstandet er, die Konsequenzen der Massnahme für sein Leben würden unzureichend erfasst (vgl. E. 1.1). Die diesbezüglichen Vorbringen sind auch für die Interessenabwägung bedeutsam, einmal für die Gewichtung des privaten Interesses. Die aktuellen Lebensumstände betreffen sodann ebenso die Frage, in welchem Ausmass die Anwesenheit des Beschwerdeführers die öffentliche Sicherheit (weiterhin) gefährdet. Je weniger klar das private oder das öffentliche Interesse das jeweils andere überwiegt, desto eingehender sind die Interessenspositionen gegeneinander abzuwägen. Die Abwägung ist im Urteil darzustellen. Die Entscheidmotive müssen gegebenenfalls aufzeigen, inwiefern sich das Rückfallrisiko seit dem Anlassdelikt verändert hat. Ist die betreffende Entwicklung nicht abgeschlossen, hängt die Prognose über die Rückfallgefahr auch von der absehbaren weiteren Veränderung der Risikofaktoren ab.