Citation: 6P.73/2002 07.11.2002 E. 2

2.1 Die Beschwerdeführer machen geltend, die Feststellungen des Obergerichts betreffend ihre persönliche Betroffenheit bei der Lektüre der inkriminierten Äusserungen und ihre mit der Einreichung der Klage verfolgten Ziele beruhten auf willkürlicher Beweiswürdigung. Sie verfolgten entgegen der Meinung des Obergerichts keineswegs nur ein "überindividuelles" Interesse. Dass es ihnen mit dem Prozess (auch) um die Anerkennung der historischen Wahrheit gehe, ändere nichts daran, dass sie durch die inkriminierte Petition in ihren persönlichen Gefühlen verletzt worden seien, was sie denn auch deutlich zum Ausdruck gebracht hätten (staatsrechtliche Beschwerde S. 22 f.). Der Einwand geht an der Sache vorbei. 2.2 Die in der Beschwerde beanstandeten Ausführungen im angefochtenen Urteil (S. 24 f.) stellen lediglich ergänzende Erwägungen dar. Das Obergericht hat nämlich an anderer Stelle ausdrücklich Folgendes festgehalten (angefochtener Entscheid S. 23 f.): "Leugnung oder Verharmlosung von Völkermord vermag unbestrittenermassen insbesondere bei Überlebenden oder Angehörigen Getöteter tiefe Betroffenheit auszulösen. Diese ist aber nicht Schutzobjekt von Art. 261bis StGB. Rassendiskriminierung in Form von 'blossem' Leugnen von Völkermord kann ein einzelnes Individuum - unabhängig von seiner persönlichen Lebensgeschichte - nicht im Rechtssinne verletzen...". Damit bringt das Obergericht deutlich zum Ausdruck, dass es seines Erachtens bei der Straftat der Leugnung von Völkermord oder andern Verbrechen gegen die Menschlichkeit, auch wenn sie bei Einzelnen, etwa wegen der persönlichen Lebensgeschichte, tiefe Betroffenheit auslösen mag, keine Verletzten im strafprozessrechtlichen Sinne geben kann. Diese Auffassung ist, wie dargelegt, nicht willkürlich.