Citation: U 535/06 18.09.2007 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin litt nach Lage der Akten auch über den 31. Januar 2005 hinaus an Beschwerden, welche im Sinne der natürlichen Kausalität auf den Unfall vom 23. April 2003 zurückgehen. Prof. Dr. med. E.________ weist diesbezüglich in seinem Bericht vom 14. März 2005 auf einen noch deutlich vorhandenen Restzustand eines akuten postcommotionellen Syndroms hin. Im Rahmen der entsprechenden Untersuchungen konnten keine strukturellen Läsionen des Gehirns nachgewiesen werden. Dies ergibt sich insbesondere aus den Berichten des Kantonsspitals X.________ vom 24. April und 3. Juni 2003, dem Bericht des Kreisarztes Dr. med. D.________ vom 31. Oktober 2003 sowie dem kreisärztlichen Abschlussbericht des Dr. med. Z.________ vom 28. September 2004 (mit der gestützt auf die zwischenzeitliche augenärztliche Beurteilung vorgenommenen Ergänzung vom 20. Dezember 2004), die in diesem Punkt mit den übrigen medizinischen Unterlagen übereinstimmen. 3.2 Da somit organisch nicht (hinreichend) nachweisbare Unfallfolgeschäden zur Diskussion stehen, ist zu prüfen, ob die Adäquanzbeurteilung entsprechend der Auffassung von SUVA und Vorinstanz nach Massgabe der mit BGE 115 V 133 begründeten Rechtsprechung zu den psychogenen Unfallfolgen oder, wie die Beschwerdeführerin geltend machen lässt, in Anwendung der Praxis zum Schädel-Hirntrauma (BGE 117 V 369) zu erfolgen hat. Die Frage kann nicht offen gelassen werden, da sich die Antwort auf das Ergebnis auswirkt: Der Unfall vom 23. April 2003 ist mit Blick auf den augenfälligen Geschehensablauf (BGE 129 V 177 E. 4.1 S. 183 mit Hinweis) als mittelschwer zu qualifizieren. Die Adäquanzbeurteilung hängt somit davon ab, ob ein einzelnes der durch die Rechtsprechung entwickelten unfallbezogenen Kriterien (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 respektive 117 V 369 E. 4b S. 383) in besonders ausgeprägter Weise vorliegt bzw. die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 141, 117 V 369 E. 4c S. 384). Im Rahmen der auf die physischen Aspekte beschränkten Betrachtung gemäss BGE 115 V 133 ff. wäre die Adäquanz zu verneinen. Demgegenüber hätten auf Grund der gegenwärtigen Aktenlage bei Anwendung der Praxis nach BGE 117 V 369 die Kriterien der Dauerbeschwerden, des schwierigen Heilungsverlaufs sowie des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit als erfüllt zu gelten, was für die Bejahung der Adäquanz ausreicht. 3.3 Nach Lage der Akten hat die Beschwerdeführerin anlässlich des Unfalls vom 23. April 2003 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Schädel-Hirntrauma erlitten. Im Anschluss daran traten gemäss dem Austrittsbericht des Kantonsspitals X.________ vom 24. April 2003 Kopfschmerzen auf. In der Folge entwickelten sich weitere Symptome, welche dem für spezifische HWS-Verletzungen typischen Beschwerdebild (BGE 119 V 335 E. 1 S. 338 oben) zugerechnet werden können. Aus den Berichten des Dr. med. E.________, der Hausärztin Dr. med. S.________, des Kantonsspitals X.________ und der Höhenklinik Y.________ sowie den augenärztlichen Stellungnahmen wird deutlich, dass im Verlauf der ersten Monate nach dem Unfall eine ganze Reihe von Symptomen vorlag, welche dem Beschwerdebild zuzuordnen sind. In der Folge trat nach Lage der Akten keine vollständige Besserung ein. Psychische Auffälligkeiten werden in den genannten Berichten ebenfalls erwähnt. Der psychiatrische Spezialarzt Dr. med. C.________, der die Beschwerdeführerin laut einer telefonisch eingeholten Auskunft vom 15. September 2004 seit dem 20. Mai 2003 behandelte, stellt in seinem ausführlichen Bericht vom 26. Juli 2004 die Diagnosen einer psychogenen Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) sowie nichtorganischer Insomie (ICD-10 F51.0) in Verbindung mit psychogenen Essattacken (ICD-10 F50.4). Damit ist das Vorliegen eines psychischen Beschwerdebildes von erheblicher Intensität nachgewiesen. Die für die Adäquanzprüfung anzuwendende Methode hängt nach dem Gesagten davon ab, wie sich diese Symptomatik zum bunten Beschwerdebild nach dem erlittenen Schädel-Hirntrauma verhält. Für das Vorliegen einer unfallunabhängigen psychischen Fehlentwicklung im Sinne der unter E. 2.2 hiervor am Ende zitierten Urteile bestehen keine Anhaltspunkte. Vielmehr weist die Diagnose einer Anpassungsstörung deutlich auf einen Zusammenhang mit dem Unfallereignis hin. Entscheidend ist somit, ob unter den durch das Ereignis vom 23. April 2003 (mit-)verursachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen die psychischen Komponenten ganz im Vordergrund standen. Prof. Dr. med. E.________ weist in seinem ausführlichen Bericht vom 14. Mai 2003 auf einzelne psychische Symptome hin, welche aber dem Beschwerdebild des erlittenen Schädel-Hirntraumas zuzuordnen sein dürften und damals offenbar keine dominierende Rolle spielten. In dieselbe Richtung weisen die Angaben im Bericht des Kantonsspitals X.________ vom 5. Juni 2003 sowie die von der Hausärztin Dr. med. S.________ im Arztzeugnis UVG vom 16. Juni 2003 gestellte Diagnose. Da somit die in zeitlicher Nähe zum Unfallereignis verfassten medizinischen Berichte und Stellungnahmen nicht auf eine psychische Störung schliessen lassen, welche gegenüber dem bunten Beschwerdebild deutlich im Vordergrund gestanden wäre, setzt die Anwendbarkeit der Praxis nach BGE 115 V 133 voraus, dass das postcommotionelle Syndrom während der gesamten Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gegenüber der psychischen Kompontente gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt hat und die entsprechenden Beschwerden damit ganz in den Hintergrund getreten sind (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 E. 3b S. 439, U 164/01). Diesbezüglich enthalten die Akten jedoch - entgegen der Auffassung von SUVA und Vorinstanz - keine zuverlässige Beurteilungsgrundlage. Vielmehr sind zur Klärung des Verhältnisses zwischen postcommotionellem Syndrom und psychischem Gesundheitsschaden sowie des Umfangs der Arbeitsunfähigkeit, falls sich dieser als für die Anspruchsbeurteilung relevant erweist und nicht aus den Akten der Invalidenversicherung hervorgeht, ergänzende Abklärungen in Form einer polydisziplinären Begutachtung erforderlich. Auch Prof. Dr. med. E.________ hat die Notwendigkeit einer weiteren fachärztlichen Expertise in seinem Bericht vom 14. März 2005 - kurz vor dem Erlass des Einspracheentscheids - bejaht. Angesichts des zeitlichen Ablaufs lässt sich der Beweiswert dieser Stellungnahme nicht mit dem Argument verneinen, dieser Arzt habe seine Empfehlung in Unkenntnis der Akten abgegeben. Die Sache ist daher zur Ergänzung der Abklärungen an die SUVA zurückzuweisen.