Citation: 7B_878/2023 E. 3.3.1

3.3.1. Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer am 9. September 2020 nicht "nur" wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind (Art. 187 Ziff. 1 StGB), sondern darüber hinaus wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt (Art. 196 StGB) verurteilt. Letztere Bestimmung ist zwar aufgrund ihrer Ausgestaltung als Vergehenstatbestand selbst keine Anlasstat im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB; sie tritt aber ergänzend zu Art. 187 Ziff. 1 StGB hinzu und konkretisiert diese Bestimmung hinsichtlich der Eingriffsschwere infolge der Inanspruchnahme entgeltlicher sexueller Dienste von Minderjährigen (vgl. Botschaft vom 4. Juli 2012 zur Genehmigung des Übereinkommens des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch [Lanzarote-Konvention] sowie zu seiner Umsetzung [Änderung des Strafgesetzbuchs] BBl 2012 7614 Ziff. 2.6.2.2). Durch diese Form der systematischen sexuellen Ausbeutung wird die besonders schützenswerte physische und psychische Gesundheit der Kinder sowie deren ungestörte sexuelle Entwicklung massiv beeinträchtigt, zumal diese oft noch im Erwachsenenalter unter den Folgen der Übergriffe leiden (vgl. Botschaft vom 11. März 2005 über die Genehmigung des Fakultativprotokolls vom 25. Mai 2000 zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes, betreffend den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornografie, BBl 2005 2811 Ziff. 1.1). Nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind Straftaten im Zusammenhang mit der Prostitution von Kindern mithin geeignet, bei den Opfern eine äusserst schwerwiegende Integritätsbeeinträchtigung zu bewirken. Dies verdeutlichen die besonderen Schutzmassnahmen, welche auf nationaler und internationaler Ebene zur Verhinderung von Straftaten im Zusammenhang mit Kinderprostitution getroffen wurden (vgl. Präambel zum Fakultativprotokoll vom 25. Mai 2000 zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornografie [SR 0.107.2] und Präambel zum Übereinkommen vom 25. Oktober 2007 des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch [Lanzarote-Konvention; SR 0.311.40]).