Citation: 9C_765/2019 E. 2

Wenn die Beschwerdeführerin vorab eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) und des Grundsatzes des doppelten Instanzenzugs geltend macht, weil die Vorinstanz keine ergänzende Stellungnahme zum Verlaufsgutachten vom 17. August 2018 eingeholt und sich die Beschwerdeführerin dazu wie auch zum Abweichen von der ärztlich festgestellten Restarbeitsfähigkeit nicht habe äussern können, dringt sie nicht durch. Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob sich die Ärzte an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen nach BGE 141 V 281 gehalten haben (BGE 143 V 418 E. 6 S. 427). Daher ist es - wie dies die Vorinstanz mit Blick auf die Expertise der Dr. med. B.________ vom 17. August 2018 getan hat (vgl. E. 3.2) - im Grundsatz zulässig, aus rechtlicher Sicht von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abzuweichen, ohne dass diese ihren Beweiswert verliert (statt vieler: BGE 144 V 50 E. 4.3 S. 53 f.; Urteil 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin liegt darin keine Motivsubstitution (dazu BGE 140 V 85 E. 4.2 S. 87; 125 V 368 E. 3 S. 369 f.). Im Übrigen ist ein Ergänzungs- oder Klärungsbedarf mit Blick auf die Ausführungen der Dr. med. B.________, was die beantragte Einholung einer Stellungnahme einzig rechtfertigen könnte, weder erkennbar noch beschwerdeweise (genügend) substanziiert. Ebenso wenig zu überzeugen vermag das Argument, die Beschwerdeführerin habe nicht mit der Prüfung der Standardindikatoren nach BGE 141 V 281 rechnen müssen und es habe kein Anlass bestanden, sich in den Vorverfahren dazu zu äussern. Vielmehr erging die Verfügung vom 23. Januar 2019 angesichts der im Gutachten vom 17. August 2018 gestellten Diagnosen (vgl. E. 4.1) offenkundig in Anwendung der einschlägigen Rechtsprechung (insbesondere BGE 143 V 409 und 418, datierend vom 30. November 2017). Dies ergibt sich auch aus der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 3. September 2018, wonach im Gutachten zu den Standardindikatoren Stellung genommen worden sei, weshalb darauf abgestellt werden könne. Folglich war für die Beschwerdeführerin klar zu erkennen, welche Umstände rechtlich bedeutsam sein würden.