Citation: 4A_432/2017 E. 3.3

3.3. Das Schiedsgericht bejahte die Zuständigkeit des FIFA Players' Status Committee - und davon ausgehend indirekt seine eigene Zuständigkeit - gestützt auf Ziffer 6 des Vermittlungsvertrags vom 1. September 2011. Dem angefochtenen Entscheid lassen sich jedoch keine Feststellungen einer tatsächlichen Einigung der Parteien hinsichtlich der Streiterledigung entnehmen. Entsprechend ist Ziffer 6 des Vermittlungsvertrags vom 1. September 2011 nach dem Vertrauensprinzip auszulegen. Während die fragliche Klausel kein Schiedsgericht - geschweige denn das TAS -erwähnt, unterwerfen sich die Parteien nach ihrem Wortlaut ausdrücklich der Gerichtsbarkeit der Handelsgerichte der Hauptstadt Argentiniens ("las partes se someten al la jurisdicción y decisión del las tribunales ordinarios en lo Comercial de Capital Federal, República Argentina"), dies unter Bezugnahme auf den Anspruch auf den verfassungsmässigen Richter ("con fundamento en la garantía constitucional del juez natural [art. 18 C.N."). Wie der Hinweis auf die beiden erwähnten Verbandsinstanzen ("sin perjudicio que podrán ocurrir por ante las instancias federativas nacionales e internaciones que correspondan [Órgano de Resolución de Litigos AFA y Comisión del Estatuto del Jugador FIFA en el orden international]") genau zu verstehen ist, erschliesst sich weder aus dem Wortlaut noch aus den Umständen des Vertragsschlusses. Während der angefochtene Entscheid davon ausgeht, es bestehe ein Vorrang der fraglichen Verbandsinstanzen, sobald der Rechtsstreit in deren Zuständigkeit falle, spricht der Beschwerdegegner von einer alternativen Zuständigkeit der Verbandsorgane. Aus der Bezugnahme auf die beiden erwähnten Verbandsinstanzen der AFA und der FIFA lässt sich jedoch kein klarer mutmasslicher Wille der Parteien entnehmen, Streitsachen aus dem Vermittlungsvertrag vom 1. September 2011 von der staatlichen Gerichtsbarkeit auszunehmen und einer Entscheidung durch ein Schiedsgericht zu unterstellen. Abgesehen davon, dass es sich bei den zwei aufgeführten Instanzen nicht um Schiedsgerichte handelt, sondern um blosse verbandsinterne Organe, bestehen keine Hinweise darauf, dass die Vereinbarung des Gerichtsstands als reine Ersatzzuständigkeit für den Fall zu verstehen wäre, dass die Verbandsorgane sich als unzuständig erklären sollten (vgl. Urteil 4A_244/2012 vom 17. Januar 2013 E. 4.4). Bei einem Rechtsstreit zwischen Spieler und Spielervermittler unterscheiden die im angefochtenen Entscheid erwähnten Verbandsregeln lediglich zwischen nationalen und internationalen Streitigkeiten, die entweder in die Zuständigkeit des Nationalverbands oder des FIFA Players' Status Committee fallen; in sachlicher Hinsicht sind keine besonderen Einschränkungen der Zuständigkeit ersichtlich. Ausgehend von der schiedsgerichtlichen Auffassung eines Vorrangs der Zuständigkeit dieser Verbandsorgane verbliebe daher für die vereinbarte Zuständigkeit der staatlichen Gerichte von Buenos Aires praktisch kein Raum. Ein solches Verständnis entspricht unter Berücksichtigung der gewählten Formulierung der Klausel, die im Grundsatz die Zuständigkeit der staatlichen Gerichte vorsieht, nicht dem mutmasslichen Willen der Parteien. Der von den Parteien ausdrücklich betonte Anspruch auf den verfassungsmässigen Richter spricht auch gegen die - nicht näher begründete - Auffassung des Beschwerdegegners, den Parteien stehe das Recht zu, nach Wahl entweder die in der Vertragsklausel erwähnten verbandsinternen Instanzen (und anschliessend ein Schiedsgericht) oder die staatlichen Gerichte in Buenos Aires anzurufen. Abgesehen davon, dass die Zuständigkeit eines Schiedsgerichts in der Klausel nicht erwähnt wird, ergibt sich nach dem Vertrauensprinzip keine eindeutige Rangfolge zwischen der Zuständigkeit der Verbandsorgane einerseits und derjenigen der staatlichen Handelsgerichte andererseits. Der vertraglichen Regelung fehlt es damit an der Bestimmtheit hinsichtlich der Streiterledigung durch ein Schiedsgericht; ihr lässt sich nach Treu und Glauben keine übereinstimmende Willenserklärung entnehmen, Steitsachen aus dem Vermittlungsvertrag von der staatlichen Gerichtsbarkeit auszunehmen. Das vom Beschwerdegegner angerufene Schiedsgericht hat sich daher für die Beurteilung der Streitsache zu Unrecht für zuständig erklärt.