Citation: 6B_147/2022 E. 2.4.2

2.4.2. Was das Verhalten des Beschwerdeführers anbelangt, ist zwar zutreffend, dass das ihm in der Anklageschrift vorgeworfene "faktische Billigen" der Tat für eine Gehilfenschaft nicht ausreicht (vgl. Anklageschrift S. 4 letzter Absatz sowie E. 2.2.3 oben). Von einem solchen geht die Vorinstanz jedoch nicht aus, sondern sie sieht in der Unterstützung der Tatentschlossenheit des Fahrers durch das Filmen der verkehrsregelwidrigen Fahrweise die strafrechtlich relevante Gehilfenschaftshandlung. Dieser Vorwurf und der diesbezügliche Sachverhalt sind in der Anklageschrift hinreichend umschrieben, weshalb eine vom Beschwerdeführer sinngemäss gerügte Verletzung des Anklagegrundsatzes nicht zu erkennen ist. Dass es zu einer entsprechenden, den Tatbestand der Gehilfenschaft erfüllenden Unterstützung gekommen ist, begründet die Vorinstanz sodann nachvollziehbar. Ihre Folgerungen, der Beschwerdeführer habe zumindest mit der massiven Geschwindigkeitsüberschreitung gerechnet und diese in Kauf genommen, und er habe durch sein dennoch vorgenommenes Filmen der Beschleunigungsfahrt den Fahrer in seiner Tatentschlossenheit mindestens eventualvorsätzlich bestärkt und damit gehilfenschaftlich gehandelt, sind in Anbetracht der sich aus der Videoaufnahme ergebenden und von der Vorinstanz willkürfrei festgehaltenen Umstände nicht zu beanstanden. Die dagegen vorgebrachte Kritik des Beschwerdeführers beschränkt sich über weite Strecken auf eine bloss appellatorische Darlegung der eigenen Sichtweise, auf die nicht einzutreten ist. Das gilt sowohl für seine Interpretation des vom Fahrer geäusserten Einleitungssatzes "tschecke mers out" als türkischen Ausspruch, mit der er zu begründen versucht, dass der Fahrer entgegen der vorinstanzlichen Feststellung von einer abgeschalteten Kamera ausgegangen sei, wie auch für seine Argumentation, er sei von der massiven Beschleunigung überrascht worden und habe diese folglich nicht bewusst gefilmt. Der Beschwerdeführer präsentiert damit lediglich Geschehensvarianten, ohne darzulegen, weshalb der von der Vorinstanz festgestellte Sachverhalt geradezu ausgeschlossen und damit unhaltbar wäre. Inwiefern die vom Beschwerdeführer angeführten weiteren Punkte, namentlich sein anfängliches Schweigen an der ersten Einvernahme und eine angeblich falsch wiedergegebene Kameraführung, entscheidrelevante Auswirkungen nach sich gezogen hätten, zeigt er darüber hinaus ebenfalls nicht nachvollziehbar auf. Soweit sich die Kritik des Beschwerdeführers auf die vorinstanzliche Feststellung der Wirkung seines Verhaltens, d.h. des Filmens, auf das Handeln des Fahrers bezieht, vermögen seine Einwände ausserdem in der Sache nicht zu verfangen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung leistet psychische Hilfe, wer den Täter in irgendeiner Form zur Tat ermutigt, seine Tatentschlossenheit stützt oder bestärkt, dadurch etwa, dass er Hilfe zusagt, letzte Zweifel und Hemmungen des Täters beseitigt oder ihn davon abhält, den gefassten Entschluss wieder aufzugeben (BGE 79 IV 145 S. 147; 70 IV 12 E. 3; Urteile 6B_894/2009 vom 19. Januar 2010 E. 1.5.3; 6P.40/2005 vom 1. September 2005 E. 2.1; zur psychischen Gehilfenschaft namentlich durch blosses Verbleiben in der Wohnung vgl. jüngst Urteil 6B_1118/2022 vom 30. März 2023 E. 2.2). Der psychische Gehilfe wirkt in dem Sinne in affektiv-emotionaler Hinsicht auf den Haupttäter ein, bestärkt diesen seelisch in seinem Tatentschluss und erleichtert diesem damit die Durchführung der Straftat (vgl. FORSTER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N. 23 zu Art. 25 StGB mit Hinweis). Eine entsprechende Einwirkung auf den Tatentschluss kann auch durch Filmen des Tathandelns erfolgen, sofern der Filmende dies für den gefilmten Täter erkennbar in Gutheissung des Tathandelns vornimmt. Der Filmende bringt damit - gleich wie der Anfeuernde oder sonstwie verbal seinen Zuspruch Kundtuende - aktive, motivierende Zustimmung zum Ausdruck, die einen bestärkenden Einfluss auf den Tatentschluss des Täters hat. Ein solches Verhalten geht über blosse straflose innere Billigung hinaus und wirkt sich kausal auf das Handeln des Haupttäters aus, da Letzterem durch die Zustimmungsbekundung ein konkreter praktischer Nutzen psychischer Art zuteil wird, der ihm ohne dieselbe nicht zugekommen wäre (vgl. zum Filmen als unterstützende Zuspruchshandlung namentlich Urteile 6B_1119/2022 vom 30. März 2023 E. 3.3.1 und 6B_95/2015 vom 25. Januar 2016 E. 7.4, in denen der Filmende aufgrund weitergehender Handlungen allerdings als Mittäter qualifiziert wurde). Vor diesem Hintergrund und nachdem vorliegend sowohl das Filmen seitens des Beschwerdeführers als auch seine Absicht, die Geschwindigkeitsüberschreitung mindestens im Sinne des Eventualvorsatzes "zu wollen", für den Fahrer erkennbar waren, ist nicht zu kritisieren, dass die Vorinstanz dem Filmen der Beschleuniungsfahrt einen motivierenden Effekt auf die Tatentschlossenheit des Fahrers zuspricht. Gleichermassen nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz in diesem Zusammenhang den Fahrer nicht gesondert befragt hat. Denn die dargelegte Wirkung von psychischen Gehilfenschaftshandlungen stellt eine auf allgemeiner Lebenserfahrung beruhende, normative Feststellung dar (vgl. dazu E. 2.2.5 oben), die keinen Raum offen lässt, sie auf dem Weg der Würdigung konkreter Sachbeweise umzustossen. Entgegen dem Beschwerdeführer war die Vorinstanz folglich nicht gehalten, den Fahrer dazu einzuvernehmen, inwiefern ihn das Handeln des Beschwerdeführers beeinflusst hat oder nicht, sondern durfte sie den betreffenden Beweisantrag des Beschwerdeführers in willkürfreier antizipierter Beweiswürdigung ablehnen.