Citation: I 471/06 16.05.2007 E. 4.1

4.1.1 Die medizinischen Akten ergeben folgendes Bild: Nachdem der Versicherte am 23. Dezember 2003 bei der Arbeit eine Treppe hinuntergestützt war, wobei er mit dem Rücken auf der Treppe und mit den Knien an einer Stützmauer aufschlug, suchte er am 29. Dezember 2004 die (Notfall-) Ärztin Dr. med. F.________ auf. Diese stellte sowohl am Rücken als auch an beiden Knien eine Druckdolenz, aber keine Hämatome im Rückenbereich oder Schwellungen an den Knien fest. Frau Dr. med. F.________ diagnostizierte eine Knie- und Rückenprellung und attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis zur weiteren Behandlung durch den Hausarzt Dr. med. B.________. In der Folge klagte der Versicherte über massive Beschwerden und Beeinträchtigungen, weshalb er mehrfach ärztlich untersucht wurde. Ein MRI beider Kniegelenke vom 10. Mai 2004 zeigte einen diskreten Kniegelenkserguss, einen schrägen Meniskusriss und eine leicht verstärkte Knorpeldegeneration auf der rechten Seite; im linken Knie fand sich ebenfalls ein leichter Kniegelenkserguss, eine leichte Meniskusdegeneration sowie eine diskrete Chondropathia patellae (Knorpeldegeneration). Eine klinische Untersuchung war aufgrund der starken Schmerzbekundungen des Beschwerdegegners praktisch nicht möglich (vgl. Bericht des Dr. med. Z.________, FMH für orthopädische Chirurgie, vom 25. März 2004; Konsilium des Dr. med. G.________, FMH für Chirurgie, Rehaklinik X.________, vom 22. Juli 2004): Dr. med. Z.________ konnte überhaupt keine Befunde erheben, weil der Versicherte sämtliche Berührungen als schmerzhaft empfand; Dr. med. G.________ führte aus, die medialen beidseitigen Meniskusläsionen seien ohne klinische Symptome geblieben. Kreisarzt Dr. med. W.________ erklärte am 14. Oktober 2004, es seien fast keine somatischen Befunde zu erheben; die Druckdolenz lasse auf eine leichte (altersentsprechende) Chondropathie schliessen. Die eingeschränkte Beweglichkeit sei somatisch nicht zu erklären und könne durch Überlistung vollständig aufgehoben werden. Im Bereich der lumbalen Wirbelsäule bestünden leichte Verspannungen. 4.1.2 Mit bemerkenswerter Einigkeit stellten die mit dem Versicherten befassten Ärzte eine beträchtliche Diskrepanz zwischen den fassbaren Befunden und den geklagten Beschwerden fest (vgl. orthopädisches Konsilium des Dr. med. G.________ vom 22. Juli 2004; kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. W.________ vom 14. Oktober 2004; Auskünfte des Dr. med. B.________ vom 30. März und 28. September 2004; vgl. auch die Angaben des Physiotherapeuten N.________, Physikalische Therapie, vom 7. Oktober 2004). Auch konnte sich der Beschwerdegegner, wenn er sich unbeobachtet fühlte, und nach Ablenkung auch in Untersuchungssituationen, normal bewegen und gab beispielsweise zunächst selbst bei sanfter Palpation des Rückens Schmerzen an, kurz darauf war aber eine stärkste Massage möglich (Austrittsbericht der Rehaklinik X.________). Zahlreiche Widersprüche finden sich auch im übrigen Verhalten des Versicherten. Einerseits erklärte er, kaum gehen, lediglich eine Viertelstunde sitzen zu können und auch nicht in der Lage zu sein, zur kreisärztlichen Untersuchung nach Zürich zu reisen. Andererseits weigerte er sich, während des Rehabilitationsaufenthaltes in der Klinik X.________ zu übernachten, weil er zu Hause viele Tiere (darunter einen Hund) habe, die er versorgen müsse; auch pendelte er offenbar problemlos regelmässig von seinem (temporären) Wohnort in C.________ zur Physiotherapie nach D.________. Schliesslich steht die Tatsache, dass er nach ärztlicher Einschätzung sehr muskulös ist und insbesondere über eine sehr kräftige Ober- und Unterschenkelmuskulatur verfügt (kreisärztliche Untersuchung vom 14. Oktober 2004), in augenfälligem Widerspruch zu seinen Schilderungen, sich kaum bewegen zu können. 4.2 In psychischer Hinsicht ergab die psychosomatische Abklärung in der Rehaklinik X.________ keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden (psychosomatisches Konsilium der Psychologin T.________ und des Dr. med. K.________, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. Juli 2004). Soweit der Hausarzt als wahrscheinlichste Ursache für die Beschwerden eine somatoforme Schmerzstörung vermutete, kann diese in Würdigung des fehlenden psychiatrischen Substrates und der ärztlicherseits eindrücklich beschriebenen aggravatorischen Tendenzen (E. 4.1.2 hievor) nicht als invalidisierender Faktor berücksichtigt werden (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50 f.; 130 V 352 E. 2.2.3 S. 353 ff.). 4.3 Die Ärzte an der Rehaklinik Y.________ (Dres. med. A.________ [Assistenzärztin] und U.________ [Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation]), SUVA-Kreisarzt Dr. med. W.________ und Hausarzt Dr. med. B.________ attestierten zwar in der Tat eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit). Diese Einschätzungen beruhen indessen, wie den entsprechenden Ausführungen eindeutig zu entnehmen ist, nicht auf einem schlüssig nachgewiesenen psychischen oder organischen Leiden (vgl. Bericht des Dr. med. W.________ vom 14. Oktober 2004: "anamnestische und demonstrierte Einschränkungen sind somatisch weder nachweisbar noch erklärbar"; Austrittsbericht der Rehaklinik X.________: "aufgrund der psychogenen Überlagerung [...] lässt sich die aktuelle körperliche Belastbarkeit nur schätzen"; Auskünfte und Bericht des Dr. med. B.________ vom 28. September und 25. November 2003: "Fall ist sehr dubios"; "am ehesten somatoforme Schmerzsverarbeitungsstörung"). Die Ärzte kamen übereinstimmend zum Schluss, es könne weder in organischer noch in psychischer Hinsicht ein Gesundheitsschaden objektiviert werden, der die geklagte Symptomatik zu erklären vermöchte. Dass die Einschätzungen des Dr. med. B.________ und der Ärzte an der Rehaklinik X.________ im Rahmen des Verfahrens vor der Unfallversicherung eingeholt wurden, gibt in Würdigung der übereinstimmenden Beurteilungen (massive Symptomausweitung und deutliche Selbstlimitierung bei nur geringen pathologischen Befunden) keinen Anlass zu zusätzlichen Abklärungen, da keinerlei Hinweise auf weitere krankheitsbedingte Leiden vorliegen. Die IV-Stelle hat somit zu Recht auf das Einholen weiterer medizinischer Berichte verzichtet und einen Leistungsanspruch des Versicherten verneint.