Citation: 8C_612/2014 E. 4.2.2

4.2.2. Der Beschwerdeführer bringt zudem vor, soweit die Vorinstanz die Validenkarriere als Lehrer verneine, weil er - nota bene nach dem Unfall und mit den nachgewiesenen neuropsychologischen und Verhaltensdefiziten - das Assessment nicht bestanden habe, stelle sie überhöhte Anforderungen an den Beweis. Um eine Schlechterstellung gegenüber anderen Versicherten zu verhindern, welche nach einem solchen Unfall trotz der nachweislichen Defizite nicht noch versucht hätten, die ursprünglichen Berufswünsche zu verwirklichen, müsse bereits die kundgegebene Absicht mit den konkreten Schritten für den geforderten Beweis genügen. Eine andere Interpretation würde dazu führen, dass sich die Bemühungen des Versicherten, trotz des schweren Unfallereignisses doch noch den Lehrerberuf zu ergreifen, nachteilig auswirken würden. Er wäre in diesem Fall besser bedient gewesen, hätte er den Vorkurs und die Eignungsprüfung nicht gemacht. Dieser Negativanreiz bzw. diese Abstrafung sei nicht im Sinne der Gesetzgebung bzw. des Grundsatzes "Eingliederung vor Rente". Selbst wenn nicht allein schon wegen der vor dem Unfall vorgenommenen konkreten Schritte die Validenkarriere als Lehrer anerkannt würde, sei die Unfallkausalität des Scheiterns des Assessments ausgewiesen. Bei der Ermittlung des Valideneinkommens sei deshalb vom Lohn eines Primarlehrers auszugehen. Dieser hätte gemäss Auskunft des Volksschulamtes des Kantons Zürich ab 1. Januar 2012 Fr. 96'672.- und ab 1. Januar 2013 Fr. 100'028.- betragen. 4.2.2.1. Zur Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen). Da die Invaliditätsbemessung der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit dauernden Erwerbsfähigkeit zu entsprechen hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG), ist auch die berufliche Weiterentwicklung mitzuberücksichtigen, welche die versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. Blosse Absichtserklärungen genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums, Ablegung von Prüfungen usw. kundgetan worden sein (BGE 96 V 29; SVR 2010 UV Nr. 13 S. 51, 8C_550/2009 E. 4.1 mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Bei in jungen Jahren verunfallten Versicherten, die im Zeitpunkt des versicherten Ereignisses am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn standen, entzieht sich die hypothetische Tatsache einer Jahre später im Gesundheitsfall ausgeübten bestimmten Tätigkeit naturgemäss einem strikten Beweis. Deshalb dürfen in derartigen Konstellationen die Anforderungen an den massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht überspannt werden (Urteil B 55/02 vom 9. April 2003 [mit Zusammenfassung in SZS 2004 S. 67]). 4.2.2.2. Es ist dem Versicherten beizupflichten, dass die vor dem Unfall kundgegebene Absicht, Primarlehrer zu werden, zusammen mit der Anmeldung zum Vorkurs an der Hochschule B.________ im Einzelfall für den Beweis einer Validenkarriere als Primarlehrer genügen kann. Erforderlich ist jedoch, dass der Berufswunsch vor dem Hintergrund der vor dem versicherten Ereignis vorhanden gewesenen persönlichen Fähigkeiten realistisch erscheint. Deshalb ist die Vorinstanz der Frage, ob das Assessment aus unfallkausalen Gründen gescheitert sei, berechtigterweise nachgegangen. In diesem Rahmen hat sie jedoch dem Umstand zu wenig Rechnung getragen, dass sich im Verlauf der Jahre nach dem Unfall vom 18. Februar 2004 eine langsame Besserung der neuropsychologischen Störungen einstellte. Der Beschwerdeführer weist zu Recht darauf hin, dass die unfallbedingten gesundheitlichen Defizite zur Zeit des Assessments der Hochschule B.________ vom 15. Juli 2005 verglichen mit den Befunden zur Zeit der Untersuchung durch das Institut I.________ anfangs 2008, durch die Klinik K.________ im Jahr 2012 und durch Dr. phil. G.________ im Jahr 2013 unbestrittenermassen noch wesentlich ausgeprägter waren. Es ist mit dem Versicherten einig zu gehen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Nichtbestehen des Assessments und den unfallbedingten Einschränkungen aber auch dann nicht zu negieren wäre, wenn mit der Vorinstanz vom Gesundheitszustand ausgegangen würde, wie er im Bericht des Instituts I.________ vom 22. Januar 2008 beschrieben wird. Anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung vom 14. Januar 2008 wurden unter anderem eine mittelgradig reduzierte Verarbeitungsgeschwindigkeit und ein mittelgradig reduzierter Antrieb, eine zeitliche Verzögerung für den Beginn von Arbeiten, ein zusätzlicher Zeitbedarf für qualitativ gute Leistungen, eine zunehmende Ermüdung, eine deutlich reduzierte Daueraufmerksamkeit mit Leistungseinbruch, eine diskrete Verminderung der mentalen Flexibilität, Schwächen im Arbeitsgedächtnis und in der Arbeitsgeschwindigkeit sowie (anamnestisch) Veränderungen in der Persönlichkeit und in der affektiven Stimmungslage festgestellt. Diese Minderleistungen haben sich im Rahmen des Assessments, in welchem die Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation, Kooperation, Überzeugungs- und Durchsetzungsvermögen, Leistungsmotivation/Engagement und Umgang mit Informationen/Strukturierungsvermögen getestet wurden, zweifellos im damaligen Zeitpunkt noch verstärkt negativ ausgewirkt. Es ist davon auszugehen, dass die neuropsychologischen Defizite unfallkausal zum Nichtbestehen des Assessments beigetragen haben, nachdem der Versicherte die Aufnahmeprüfung für das Lehrerseminar bestanden und - vor Eintritt des versicherten Ereignisses - die obligatorische Schule und die Diplommittelschule erfolgreich abgeschlossen hatte. Denn es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass dem Versicherte vor dem Unfall die notwendigen Fähigkeiten für den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zum Primarlehrer gefehlt hätten. Entgegen der Ansicht des kantonalen Gerichts spricht auch die von der SUVA protokollierte Aussage der Eltern des Versicherten, dass dieser schon immer introvertiert gewesen sei und sich nie gut habe durchsetzen können, nicht per se schon gegen eine Validenkarriere als Primarlehrer. Diese Angaben sind ohnehin schon deshalb nicht aussagekräftig, weil sich die Eltern dabei auf einen Vergleich mit dem Bruder des Versicherten stützten, dessen Persönlichkeitsprofil nicht bekannt ist. Da die Anforderungen an den massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit für eine Berufskarriere als Primarlehrer beim im Zeitpunkt des Unfalls erst 20-jährigen Versicherten nicht zu hoch sein dürfen (vgl. E. 4.2.2.1 hiervor), ist daher davon auszugehen, dass er ohne die Folgen aus dem versicherten Ereignis vom 18. Februar 2004 Primarlehrer geworden wäre.