Citation: 6B_902/2019 E. 1.4.1

1.4.1. Die Beschwerdegegnerin 2 nahm am 20. Januar 2015 ein Telefongespräch zwischen dem Beschwerdeführer und D.________ sowie in der Tatnacht vom 27. auf den 28. Januar 2015 Gesprächsfetzen und Geräusche auf einen Tonträger auf, indem sie ein Tonaufnahmegerät unter dem Tisch im Büro des Beschwerdeführers im Erdgeschoss des gemeinsamen Wohnhauses platziert hatte. Da das Büro zweifellos zum Privatbereich gehört, handelt es sich um nichtöffentliche Gespräche, welche die Beschwerdegegnerin 2 ohne Einwilligung der Beteiligten bezüglich des fremden Telefongesprächs, aber auch ohne Einwilligung des Beschwerdeführers bezüglich der Aufnahme in der Tatnacht, somit rechtswidrig, unter Verletzung von Art. 179bis Abs. 1 StGB resp. von Art. 179quater Abs. 1 StGB auf ein Tonband aufgenommen hat. Ob ihr Vorgehen gerechtfertigt war, kann offen bleiben (vgl. Urteile 6B_786/2015 vom 8. Februar 2016 E. 1.3; 6B_983/2013 vom 24. Februar 2014 E. 3.3). Die Vorinstanz qualifizierte das Verhalten des Beschwerdeführers als versuchte vorsätzliche Tötung. Dabei handelt es sich einerseits um ein Verbrechen und um eine schwere Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO (BGE 137 I 218 E. 2.3.5.2) und andererseits um eine Katalogtat im Sinne von Art. 269 Abs. 2 lit. a StPO. Damit hätten die Strafverfolgungsbehörden die Überwachung des Telefon-, Brief- und IT-Verkehrs des Beschwerdeführers und gestützt auf Art. 280 f. StPO (insb. Art. 281 Abs. 1 StPO) auch die Überwachung der Wohnliegenschaft des Beschwerdeführers anordnen und die fraglichen Beweismittel selbst erheben können, wenn ihnen der Tatverdacht gegen den Beschwerdeführer bekannt gewesen wäre. Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass die aufgezeichneten Gespräche Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin 2 zulassen. Je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher überwiegt das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse des Beschuldigten an der Unverwertbarkeit des fraglichen Beweises (BGE 137 I 272 E. 4). Das führt dazu, dass vorliegend die Interessenabwägung unzweifelhaft zugunsten des öffentlichen Interesses an der Wahrheitsfindung ausfällt und die Audioaufnahmen von der Vorinstanz ohne Verletzung von Bundesrecht verwertet werden durften.