Citation: 6B_694/2024 E. 1.2.2

1.2.2. Mit Blick auf die rechtliche Würdigung erwägt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe mit seinem Taschenmesser mehrmals auf den Beschwerdegegner 2 eingestochen, wodurch dieser zwei Stich- und eine Schnittverletzung erlitten habe. Die Tiefe der Stichverletzung in der rechten Achselhöhle sei ein Indiz für die Wucht, mit der er zugestochen haben müsse. Obschon die Messerklinge nur ca. 7 cm lang sei, habe sie eine 10 cm tiefe Wunde verursacht. Die Lage der Stich- und Schnittverletzungen zeuge zudem von einer gewissen Dynamik. Neben den Stichverletzungen habe der Beschwerdeführer dem Beschwerdegegner 2 eine Schnittverletzung am rechten Beckenkamm sowie eine oberflächliche Schnittverletzung an der rechten Wange zugefügt. Es sei daher davon auszugehen, dass er das Messer nicht kontrolliert eingesetzt habe. Weil keine inneren Organe im Bauchraum und keine grösseren Blutgefässe verletzt worden seien, habe sich der Beschwerdegegner 2 zwar nicht in akuter Lebensgefahr befunden. Immerhin sei aber ein Lungenflügel aufgrund der Stichverletzung kollabiert. Gemäss Stellungnahme des Kantonsspitals Luzern werde dies bei jungen, gesunden Patienten normalerweise gut kompensiert. Jedoch hätte sich bei der Verletzung am Thorax ein Spannungspneumothorax entwickeln können, was zu einer lebensgefährlichen Situation hätte führen können. Sowohl bei der Stichverletzung am Thorax als auch betreffend jener im linken Unterbauch hätte bei leicht unterschiedlicher Lokalisation des Stichkanals eine Verletzung von grösseren Gefässen (Arterie, Leistenarterie) erfolgen können, was ebenfalls zu einer unmittelbaren Lebensgefahr hätte führen können. Es bedürfe keiner besonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass Messerstiche in Brust und Bauch eines Menschen dessen Tod zur Folge haben könnten, so die Vorinstanz weiter. Der Beschwerdeführer habe zwar kein Messer mit langer Klinge verwendet; gleichwohl sei von seiner Handlung, namentlich mit Blick auf die Art und Weise, wie er die Messerstiche ausgeführt habe, eine erhebliche Wahrscheinlichkeit für den Eintritt des Todes beim Opfer ausgegangen. Er habe die von ihm geschaffene Gefahr angesichts der unvermittelten Stiche und Schnitte nicht weiter kontrollieren können, weshalb es vom Zufall abhängig gewesen sei, ob er lebenswichtige Strukturen verletzen würde. Der Beschwerdeführer habe erkannt, dass er die Folgen seiner heftig ausgeführten Stiche hinsichtlich des Verletzungsrisikos weder kalkulieren noch habe dosieren können. Indem er dennoch gehandelt und sein Messer in der umschriebenen Art gegen den Beschwerdegegner 2 eingesetzt habe, habe er den Eintritt von dessen als möglich erkanntem Tod in Kauf genommen. Mit anderen Worten habe sich ihm beim Messereinsatz die Möglichkeit tödlicher Verletzungen als so wahrscheinlich aufdrängen müssen, dass sein Handeln als Billigung dieses Erfolgs auszulegen sei. Ob er den Tod gewollt habe, sei nicht entscheidend, zumal dem Beschwerdeführer keine direkte Tötungsabsicht vorgeworfen werde. Der von ihm zu seiner Entlastung angeführte Entscheid des Bundesgerichts (Urteil 6B_775/2011 vom 4. Juni 2012) führe zu keinem anderen Ergebnis. Die in jenem Fall verwendete Messerklinge sei gerade einmal halb so lang gewesen wie diejenige des Messers des Beschwerdeführers.