Citation: 2C_545/2020 E. 4.2.2

4.2.2. Die Beschwerdeführerin macht vorliegend sinngemäss geltend, die Verweigerung einer Parteientschädigung für das Verwaltungsbeschwerdeverfahren laufe auf eine willkürliche Anwendung von § 201 Abs. 2 VRG/LU hinaus, weil das Amt für Migration eine offenbare Rechtsverletzung begangen habe. Dem Amt für Migration hatten bei Erlass der Verfügung vom 11. Juni 2018 verschiedene Schreiben, welche das Bundesgericht in seinem Urteil vom 2C_922/2019 vom 26. Februar 2020 zur Beurteilung der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten sexuellen Übergriffe ihres Schwiegervaters herangezogen hat, nicht vorgelegen. Im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung noch nicht vorhanden waren namentlich ein Schreiben der Kursleiterin und Koordinatorin der C.________ Deutsch- und Integrationskurse vom 25. Juni 2018 und ein Schreiben der Geschäftsführerin von "D.________" vom 28. Juni 2018 (vgl. E. 5.2 des Urteils). Dessen ungeachtet hätte das Amt für Migration bei Erlass der Verfügung schon aufgrund der damals vorliegenden Übersetzung eines Protokolls der Polizei von U.________ vom 19. Juli 2017 und dem Schreiben einer Mitarbeiterin von "D.________" vom 25. Mai 2018 - ebenso wie die Vorinstanz nach dem Urteil 2C_922/2019 vom 26. Februar 2020 - den Umstand, dass die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit den fraglichen sexuellen Übergriffen offensichtlich mit verschiedenen Personen in Kontakt gestanden hatte, als Indiz für die Richtigkeit ihrer Darstellung werten müssen (vgl. E. 5.2 und E. 5.5.3 des Urteils). Da sich der rechtserhebliche Sachverhalt bei Erlass der Verfügung vom 11. Juni 2018 im Übrigen nicht rechtswesentlich anders gestaltete als beim Justiz- und Sicherheitsdepartement sowie bei der Vorinstanz im ersten Rechtsgang, ist auch dem Amt für Migration eine offensichtlich unrichtige Sachverhaltsfeststellung vorzuwerfen. Vor diesem Hintergrund ist es in der Tat willkürlich, dass die Vorinstanz mit ihrem Urteil im Ergebnis eine offenbare Rechtsverletzung durch das Amt für Migration im Sinne von § 201 Abs. 2 VRG/LU verneint und der Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung für das Verwaltungsbeschwerdeverfahren zugesprochen hat (vgl. auch Urteil 1C_513/2015 vom 18. Februar 2016 E. 5 [willkürliche Verneinung eines groben Verfahrensfehlers oder einer offenbaren Rechtsverletzung im Sinne von § 201 Abs. 2 VRG/LU bei einer Konstellation, bei welcher ohne hinreichende Hinweise auf eine fehlende Fahreignung eine Fahreignungsuntersuchung angeordnet, der Anspruch auf rechtliches Gehör von Art. 29 Abs. 2 BV verletzt und die Anordnung verspätet widerrufen wurde]; siehe ferner Urteil 8C_109/2019 vom 25. September 2019 E. 2.2.2 zur willkürlichen Verneinung eines groben Verfahrensfehlers im Sinne von § 201 Abs. 2 VRG/LU bei einem Fall, in welchem eine Kündigung mit fundamentalen Verfahrensfehlern behaftet war). Dabei bleibt es selbst bei Berücksichtigung des Umstandes, dass nach der Rechtsprechung etwa eine Gehörsverletzung nicht zwingend einen groben Verfahrensfehler im Sinne des VRG/LU bildet (vgl. Urteil 1C_255/2017 vom 24. Oktober 2017 E. 7.2; zu weiteren Konstellationen, bei welchen eine willkürliche Anwendung von § 201 VRG/LU durch Verneinung eines groben Verfahrensfehlers und einer offenbaren Rechtsverletzung - anders als vorliegend - verneint wurde, vgl. Urteile 1C_750/2013 vom 28. April 2014 E. 5; 2C_507/2013 vom 18. September 2013 E. 3.3; 1C_488/2008 vom 21. April 2009 E. 2.2 ff.; 2P.100/2001 vom 12. Juli 2011 E. 3b). Die Beschwerde ist damit auch insoweit gutzuheissen, als das angefochtene Urteil dahingehend abzuändern ist, dass der Beschwerdeführerin für das Verwaltungsbeschwerdeverfahren eine Parteientschädigung zugesprochen und damit das in diesem Verfahren gestellte Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung als gegenstandslos abgeschrieben wird. Auf die Frage der Höhe der zuzusprechenden Parteientschädigung wird zurückzukommen sein (vgl. hinten E. 6).