Citation: I 70/05 15.06.2006 E. 3.2

3.2.1 Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 131 V 45 Erw. 2.3, 130 V 172 Erw. 4.3.1, 232 Erw. 2.1, 129 V 204 Erw. 3.2, 127 V 61 Erw. 3a, 126 V 68 Erw. 4b, 427 Erw. 5a). 3.2.2 Die vorliegend massgebende Rz 208-210.5 KSME gibt vor, dass die IV-Abklärungen - gemäss SSO - erst nach dem Frontzahnwechsel vorgenommen werden sollen, weil die Winkel während des Frontzahnwechsels nicht genau bestimmt werden können. Zwingend ist nach der im November 2005 eingefügten Ergänzung der Durchbruch der Zähne 11 und 21. Wie dem Bericht des Dr. med. dent. B.________ vom 15. April 2005 zu entnehmen ist, wurde die Beschränkung der Abklärungen auf den Zeitpunkt nach dem Frontzahnwechsel von den IV-Beauftragten gegenüber dem BSV angeregt und fand in dieser Form auch Eingang in die SSO-Informationen für Zahnärztinnen und Zahnärzte über die Eidgenössische Invalidenversicherung IV, Ausgabe 2004. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die IV-Beauftragten der SSO gemäss den Ausführungen des Dr. med. dent. B.________ bei der Formulierung die überweisenden Allgemeinpraktiker im Auge hatten und darum eine möglichst klare, damit aber auch allgemein gehaltene Fassung wählten, welche nicht jedem Einzelfall Rechnung trägt. 3.2.3 Im vorliegend zu beurteilenden Fall zeigt sich bereits auf Grund des Fernröntgenbildes vom 27. Mai 2002, welches vor vollständig erfolgtem Frontzahnwechsel erstellt wurde, dass die Anspruchsvoraussetzungen für medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 208 GgV Anhang erfüllt sind. Dabei besteht der Anspruch auf medizinische Massnahmen unabhängig davon, ob Ziffer 208 GgV Anhang in der bis Ende 2004 oder in der bis Ende 2002 gültig gewesenen Fassung zur Anwendung kommt. Denn die medizinischen Fachpersonen sind sich einig, dass der Durchbruch der Incisiven 12 und 22 nicht geeignet war, einen massgeblichen Einfluss auf den ANB-Winkel auszuüben. Es ist der Beschwerdeführerin beizupflichten, dass die Erstellung eines zweiten Fernröntgenbildes nach Durchbruch der Zähne 12 und 22 unter den vorliegenden Umständen überflüssig ist und der behandelnde Facharzt mit gutem Grund darauf verzichten durfte. Bei diesem klaren medizinischen Sachverhalt kann nicht auf den Wortlaut der für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlichen (vgl. Erw. 3.2.1 hiervor) und im vorliegenden Zusammenhang irreleitenden (massgebend war eben gerade nicht der Durchbruch der Zähne 12 und 22, sondern der Durchbruch der Zähne 11 und 21) Rz 208-210.5 KSME abgestellt werden.