Citation: 6B_687/2008 26.12.2008 E. 2

2.1 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, der objektive Tatbestand von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sei nicht erfüllt. Ihr sei im Gegensatz zu Y.________ keine selbständige Entscheidungsbefugnis zugekommen, weshalb ihr weder die Kleider noch die Einnahmen aus den internen Verkäufen anvertraut gewesen seien (Beschwerde S. 10-12). 2.2 Die Vorinstanz hat erwogen, in Bezug auf den Tatbestand der Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB stelle sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine Sache, die dem Arbeitgeber anvertraut sei, auch der Arbeitnehmerin als anvertraut zu gelten habe. Abzustellen sei insoweit auf den allgemeinen strafrechtlichen Organbegriff, welcher alle natürlichen Personen einschliesse, die im Rahmen der Tätigkeit einer juristischen Person eine selbständige Entscheidungsbefugnis hätten. Dies treffe auch zu, wenn die natürliche Person diese Befugnis mit einer anderen teile oder wenn sie der Aufsicht oder Kontrolle unterstellt sei, solange ihr nur ein genügender Bereich eigener Entscheidung und Verantwortung eingeräumt bleibe. Die Beschwerdeführerin habe als Atelierleiterin eine solche selbständige Entscheidungsbefugnis besessen. Folglich seien die dem Arbeitgeber der Beschwerdeführerin anvertrauten F.________-Kleider zugleich auch dieser selbst anvertraut gewesen (angefochtenes Urteil S. 16-18). 2.3 Die Ausführungen im angefochtenen Urteil sind nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz hat vorliegend willkürfrei festgestellt, dass die Beschwerdeführerin als operative Leiterin des Ateliers über eine weitreichende selbständige Entscheidungskompetenz verfügte. Gestützt hierauf verletzt der Schluss der Vorinstanz, die Kleider der Firma F.________ seien im Sinne des allgemeinen strafrechtlichen Organbegriffs (auch) der Beschwerdeführerin anvertraut gewesen, kein Bundesrecht. 2.4 Die Beschwerdeführerin bestreitet schliesslich auch den subjektiven Tatbestand. Die Vorinstanz erbringe den erforderlichen Nachweis nicht, dass sie mit der Tatbestandsverwirklichung gerechnet und diese billigend in Kauf genommen habe. Vielmehr könne ihr höchstens vorgeworfen werden, pflichtwidrig unvorsichtig gehandelt zu haben, indem sie die mögliche und erkennbare Rechtswidrigkeit der Kleiderverkäufe und des Missbrauchs der Verkaufserlöse nicht einzuschätzen vermocht und leichtsinnig eine Tatbestandsverwirklichung übersehen habe (Beschwerde S. 8-10). 2.5 Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Damit erhebt das neue Recht den von Lehre und Rechtsprechung auch unter der früheren Fassung der Bestimmung von Art. 18 Abs. 2 aStGB anerkannten Eventualvorsatz, nach welchem Vorsatz auch bei demjenigen Täter vorliegt, der den Eintritt des Erfolgs für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2), nunmehr ausdrücklich zum Gesetz. Nach der Rechtsprechung betrifft, was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, sogenannte innere Tatsachen, und ist damit Tatfrage. Rechtsfrage ist demgegenüber, ob im Lichte der von der kantonalen Instanz festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt erscheint. Das gilt grundsätzlich auch, wenn bei Fehlen eines Geständnisses des Täters aus äusseren Umständen auf jene inneren Tatsachen geschlossen werden muss (BGE 133 IV 222 E. 5.3; 130 IV 58 E. 8.5). 2.6 Die Vorinstanz hat, wie dargelegt, willkürfrei ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe um das Eigentum der Firma F.________ an den Kleidern gewusst und daher aufgrund der gesamten Umstände nicht davon ausgehen können, dass die Firma F.________ ohne Gegenleistung bereit gewesen sei, die nicht unerheblichen Erlöse aus dem Verkauf der besten Kleidungsstücke dem Atelier P.________ zu überlassen. Wenn die Beschwerdeführerin bei dieser Sachlage keine weiteren Erkundigungen getätigt hat, war ihr dieser Umstand offenbar gleichgültig. Die von der Vorinstanz gestützt darauf gezogenen Schlussfolgerungen, die Beschwerdeführerin habe die Veruntreuung der eingenommenen Verkaufserlöse zumindest in Kauf genommen und somit eventualvorsätzlich gehandelt, verletzen kein Bundesrecht. Denn wem der Eintritt eines als möglich erkannten Erfolges völlig gleichgültig ist, dem ist sein Eintreten ebenso recht wie sein Ausbleiben. In einer solchen Einstellung aber liegt eine Entscheidung für die mögliche Rechtsgüterverletzung (Claus Roxin, Strafrecht Allgemeiner Teil, 4. Aufl. 2006, § 12 N. 30), so dass der Schuldspruch wegen Veruntreuung zu Recht erfolgt ist.