Citation: I 470/06 08.05.2007 E. 5

5.1 Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin im Anschluss an den Unfall vom 20. August 1998 die bisherige Tätigkeit am 5. Oktober 1998 wieder voll aufgenommen, das Pensum wegen zunehmender Beschwerden ab dem 23. November 1998 aber auf 75 % reduziert hat. Dementsprechend attestierte die behandelnde Ärztin Dr. med. N.________, Allgemeine Medizin FMH, eine volle Arbeitsfähigkeit ab 5. Oktober 1998 und eine Arbeitsunfähigkeit von 25 % ab dem 23. November 1998. Der vom Unfallversicherer mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragte Neurologe Dr. med. H.________, diagnostizierte einen Status nach Schädelprellung rechts parietal und wahrscheinlicher Commotio cerebri mit postkommotioneller Stressanfälligkeit und erhöhter Ermüdbarkeit sowie subjektivem Entfremdungsgefühl im Bereich der linken Hand, rechtsparietalem Druckgefühl und Lichtempfindlichkeit bei seit dem Unfall abgeklungener unfallfremder Migräne und Spannungskopfschmerzen. Die Arbeitsfähigkeit als Sonderschullehrerin schätzte er auf 75 % mit der Feststellung, die Versicherte könne die Arbeit anfangs April möglicherweise wieder voll aufnehmen (Gutachten vom 6. Januar 1999). In einem nach einem zweiten Unfall vom 17. Februar 1999 (erneute Schädelprellung) erstatteten Bericht vom 17. März 1999 führte er aus, es sei anzunehmen, dass der Status quo ante im Juli 1999 erreicht und die Versicherte trotz des neuen Unfalls wieder voll arbeitsfähig sein werde. In einem Kurzgutachten vom 24. August 1999 bestätigte er diese Beurteilung und stellte fest, die Versicherte werde ab dem 23. August 1999 ihre Arbeit wieder zu 100 % aufnehmen. Nach Wiederaufnahme der vollen Erwerbstätigkeit kam es indessen zu einer Zunahme der Beschwerden. Laut Bericht des Vertrauensarztes der kantonalen Beamtenversicherungskasse Dr. med. U.________ vom 16. Januar 2000 warf die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin zu Unrecht unkollegiales Verhalten und Desinteresse am Schulbetrieb vor, was zu einer reaktiven Depression und einer vollen Arbeitsunfähigkeit ab dem 20. Oktober 1999 führte. Die Beschwerdeführerin wurde deshalb auf den 29. Februar 2000 vorzeitig pensioniert. Wegen der psychischen Beeinträchtigungen wurde sie von Dr. med. E.________, Institut W.________, untersucht, welcher eine subdepressive Stimmungslage feststellte und das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung verneinte (Bericht vom 11. März 2000). Eine neuropsychologische Untersuchung durch Frau Dr. phil. T.________, vom 10./19. Oktober 2000 zeigte eine leichte Funktionsstörung insbesondere in Form einer reduzierten und schwankenden Konzentration, kognitiver Ermüdung und reduzierter Dauerbelastbarkeit (Bericht vom 3. November 2000). In einem Bericht vom 2. Oktober 2000 hielt die behandelnde Ärztin Dr. med. N.________ dafür, als Sozialpädagogin mit Klassenunterricht könne die Versicherte aus heutiger Sicht nicht mehr eingesetzt werden; dagegen dürfte eine Tätigkeit als Einzeltherapeutin oder allenfalls in Kleinklassen zumindest im Umfang von 50 % möglich sein. Zum gleichen Ergebnis gelangte die vom Unfallversicherer mit einer neurologischen Beurteilung beauftragte Frau Dr. med. I.________ (Gutachten vom 15. Februar 2001). In einem weiteren Bericht vom 26. Juni 2001 stellte die behandelnde Ärztin fest, bei einer ganzheitlichen Betrachtungsweise liessen sich die geltend gemachten Beschwerden mit einer 50-prozentigen Arbeitsfähigkeit als Heil- und Sonderpädagogin nicht vereinbaren. Der Versicherten sei eine Arbeitsfähigkeit von 30 % zu attestieren, damit sie versuchen könne, eine selbständige Tätigkeit in Form von Einzeltherapie vorerst an drei halben Tagen aufzubauen. In einem neuen Gutachten vom 10. April 2002 schloss auch die Neurologin Dr. med. I.________ auf eine Arbeitsunfähigkeit von 70 %. Die Berichte enthalten keine Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands; im neurologischen Gutachten wird vielmehr eine leichte Besserung der Beschwerden erwähnt. Offensichtlich sollte mit der attestierten Arbeitsunfähigkeit der konkreten beruflichen Situation der Versicherten Rechnung getragen werden. Diesbezüglich geht aus der Beschwerde vom 21. Januar 2002 gegen die Verfügung vom 5. Dezember 2001 hervor, dass sich die Versicherte im Hinblick auf eine spätere selbständige Tätigkeit um eine Anstellung bei der "Beratungsstelle Z.________" beworben hatte, nachdem sie Kenntnis davon erhalten hatte, dass die Organisation demnächst veräussert werden sollte. Als die Bemühungen um ein Anstellungsverhältnis auf der Basis eines Pensums von 50 % gescheitert waren, übernahm sie die Beratungsstelle und ist seither als Seniorpartnerin zusammen mit weiteren Personen (Juniorpartnern) selbständigerwerbend. Die Beschwerdeführerin gibt an, zu einem Pensum von 30 % zu arbeiten. Die Akten enthalten in diesem Punkt allerdings unterschiedliche Angaben. Wie es sich diesbezüglich verhält, kann indessen offen bleiben. Mit der Feststellung, sie habe sich bei der Beratungsstelle Z.________ um eine Anstellung mit einem Pensum von 50 % beworben, räumt die Beschwerdeführerin selber ein, dass sie sich in diesem Umfang als arbeitsfähig erachtete. Dies muss auch im Rahmen der ausgeübten selbständigen Erwerbstätigkeit gelten, zumal die Versicherte dabei in der Zeiteinteilung freier ist und insbesondere in der Eigenschaft als Seniorpartnerin auch leitende und administrative Aufgaben zu erfüllen hat, bei denen sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen weniger stark auswirken. Aufgrund der medizinischen Vorakten besteht daher kein Grund, von der Beurteilung im Gutachten des Zentrums R.________ abzugehen, wonach die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung sowohl der organischen als auch der psychischen Befunde in der Tätigkeit als Sonderpädagogin jedenfalls bei Einzelunterricht zu 50 % arbeitsfähig ist. 5.2 Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Privatgutachten führen zu keinen anderen Erkenntnissen. Nach der Expertise des Dr. med. K.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 30. Dezember 2003 leidet die Versicherte an einer Neurasthenie (ICD-10 Ziff. F48.0) bzw. einem pseudoneurasthenischen Syndrom (organische emotional labile [asthenische] Störung: Ziff. F06.6), womit zum Ausdruck gebracht wird, dass die bestehenden Beschwerden vorwiegend eine hirnorganische Ursache (Commotio cerebri) haben. Im psychiatrischen Teilgutachten vom 2. Februar 2004 führt Frau Dr. med. L.________ aus, der Beschwerdekomplex lasse sich zwar - wie von Dr. med. K.________ beschrieben - unter die Diagnose eines pseudoneurasthenischen Syndroms subsumieren, differenzialdiagnostisch falle aber auch eine mittelgradige depressive Störung (ICD-10 Ziff. F32) in Betracht. Unter dem Aspekt der Affektivität und der in den Vorgutachten beschriebenen affektiven Distanziertheit seien auch konversionsneurotische Anteile nicht auszuschliessen. Diese Beurteilung erscheint nicht als unzutreffend, nachdem Dr. med. U.________ bei der vertrauensärztlichen Untersuchung vom 14. Januar 2000 eine reaktive Depression festgestellt hatte. Anderseits erscheint die Beurteilung im psychiatrischen Privatgutachten nicht in allen Teilen als gesichert. Nach den klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 sind die unter Ziff. F06 aufgeführten sonstigen psychischen Störungen, wozu das pseudoneurasthenische Syndrom (ICD-10 Ziff. F06.6) gehört, nur zu diagnostizieren, wenn unter anderem ein zeitlicher Zusammenhang (von Wochen oder einigen Monaten) zwischen dem Eintritt der Hirnfunktionsstörung und dem Auftreten des psychischen Syndroms besteht (vgl. Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], 4. Aufl., S. 77). Im vorliegenden Fall sind die psychischen Beeinträchtigungen jedoch erst längere Zeit nach dem Unfall und in Zusammenhang mit invaliditätsfremden Belastungsfaktoren (schwierige Lebenssituation, Kränkungen am Arbeitsplatz) aufgetreten. Zu weiteren Abklärungen hinsichtlich Art und Ursache der bestehenden Beeinträchtigungen besteht indessen kein Anlass. Massgebend für die Beurteilung sind nicht die Diagnose und die Frage nach der Organizität bzw. Unfallkausalität der psychischen Beeinträchtigungen, sondern deren Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit. Diesbezüglich enthält das Privatgutachten aber keine Angaben, welche zu einer anderen Beurteilung führen. Der Befund, die Beschwerdeführerin sei als Sonderpädagogin bei selbständiger Erwerbstätigkeit mit freier Zeiteinteilung lediglich zu ungefähr 20 % arbeitsfähig, wird von Dr. med. K.________ nicht näher begründet und vermag schon deshalb nicht zu überzeugen, weil die Versicherte eigenen Angaben zufolge ein Pensum von 30 % leistet. In der nachträglichen Stellungnahme vom 19. Januar 2005 beruft sich Dr. med. K.________ auf die Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung vom Sommer 2003, wonach sie derzeit acht Stunden in der Woche arbeite. Abgesehen davon, dass die Versicherte im Mai 2004 eine Arbeitszeit von neun bis elf Wochenstunden genannt hat, wird damit - wie schon in den Berichten der behandelnden Ärztin vom 26. Juni 2001 und der neurologischen Sachverständigen vom 10. April 2002 - auf das effektive Arbeitspensum abgestellt und dieses ohne nähere Prüfung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit gleichgestellt. Das Gutachten ist daher nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu führen und gibt auch keinen Anlass zu ergänzenden Abklärungen. Das Gleiche gilt hinsichtlich des bei Prof. Dr. med. S.________ eingeholten Gutachtens vom 29. Juli 2004. Darin äussert sich der Gutachter zwar eingehend zum bestehenden Beschwerdebild und den therapeutischen Möglichkeiten, ohne dass sich daraus allerdings grundlegend neue und andere Erkenntnisse ergeben. Es fehlt sodann an einer ziffernmässig genauen Schätzung der Arbeitsfähigkeit. Zur Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Versicherten als Sonderpädagogin in einer Schulklasse führt Prof. Dr. med. S.________ aus, gegenüber dem Einzelunterricht erfordere der Unterricht einer ganzen Schulklasse insbesondere die gleichzeitige Verarbeitung verschiedenster Informations- und Reizeinwirkungen und beanspruche hauptsächlich die geteilte Aufmerksamkeit und die Konzentration. Eine solche Tätigkeit sei der Versicherten heute und wohl auch längerfristig insbesondere aufgrund der neuropsychologischen Störungen in Verbindung mit dem (von Dr. med. K.________ festgestellten) pseudoneurasthenischen Syndrom nicht mehr zumutbar. Zudem werde durch das Stehen beim Klassenunterricht, allenfalls auch kurze Gehen, die Haltung beansprucht, was primär zu einer Verstärkung der Nacken-Kopfschmerzen und sekundär zu einer Beeinträchtigung der Energie für neuropsychologische Leistungen führe. Zur Arbeitsfähigkeit in anderen zumutbaren Tätigkeiten hält der Privatgutachter fest, vergleichbar mit der Tätigkeit als Sonderschullehrerin seien Verweisungstätigkeiten, die einerseits die Haltung und Kopfbeweglichkeit, anderseits auch mentale Leistungen beanspruchten. Eine derartige kombinierte Beanspruchung führe bei der Versicherten auch weiterhin zu einer relativ rasch (innerhalb von ein bis zwei Stunden) auftretenden Ermüdung bzw. Erschöpfung, so dass derzeit und auch mittelfristig im Grunde nur Tätigkeiten in Frage kämen, die von der Versicherten selber zeitlich eingeteilt werden könnten. Diese Feststellungen decken sich im Wesentlichen mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten des Zentrums R.________ und bestätigen die Zumutbarkeit einer selbständigen Tätigkeit als Sonderpädagogin mit Einzelunterricht. Aufgrund der gutachterlichen Ausführungen ist davon auszugehen, dass die ausgeübte selbständige Tätigkeit den Anforderungen an eine angepasste Tätigkeit optimal entspricht, indem die Beschwerdeführerin in zeitlich kurzen Abständen und weitgehend frei zwischen körperlich und mental belastenden Tätigkeiten wechseln und auch vermehrt Pausen einlegen kann. Anhaltspunkte dafür, dass ihr eine solche Tätigkeit unter Berücksichtigung sowohl der somatischen als auch der psychischen Befunde nicht zumindest im Umfang von 50 % möglich und zumutbar ist, lassen sich dem Gutachten nicht entnehmen. Mit der Vorinstanz ist daher festzustellen, dass die Verwaltung gestützt auf das Gutachten des Zentrums R.________ zu Recht von einer Arbeitsfähigkeit als Sonderpädagogin von 50 % ausgegangen ist. Zu bestätigen ist der kantonale Entscheid auch insoweit, als die Sache an die Verwaltung zurückgewiesen wird, damit sie einen konkreten Einkommensvergleich durchführe und hierauf über den Leistungsanspruch neu verfüge.