Citation: I 566/02 24.04.2003 E. 3

3.1 Der Invaliditätsbegriff in der Invalidenversicherung stimmt mit demjenigen in der obligatorischen Unfallversicherung grundsätzlich überein, weshalb die Schätzung der Invalidität mit Bezug auf den gleichen Gesundheitsschaden praxisgemäss den gleichen Invaliditätsgrad zu ergeben hat (BGE 119 V 470 Erw. 2b). Nach der Rechtsprechung (BGE 126 V 293 f. Erw. 2d) ist es nicht gerechtfertigt, der Invaliditätsbemessung des einen Sozialversicherungsträgers ungeachtet der diesem im Rahmen seiner Abklärungen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und deren effektiven Ausnutzung im konkreten Fall generell mehr Gewicht beizumessen. Unter den verschiedenen involvierten Sozialversicherern besteht also keine Prioritätenordnung. Dennoch ist danach zu trachten, unterschiedliche Invaliditätsannahmen verschiedener mit demselben Fall befasster Versicherer zu vermeiden. Die Einheitlichkeit des Invaliditätsbegriffes entbindet die verschiedenen Sozialversicherungsträger zwar nicht davon, die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbstständig durchzuführen. Keinesfalls dürfen sie sich ohne weitere eigene Prüfung mit der blossen Übernahme des von einem andern Versicherer festgelegten Invaliditätsgrades begnügen. Eine derart weit gehende Bindungswirkung wäre nicht zu rechtfertigen. Es geht indessen auch nicht an, dass die Invalidität in den einzelnen Sozialversicherungszweigen völlig unabhängig von allenfalls schon getroffenen Entscheiden anderer Versicherer festgelegt wird. Zumindest rechtskräftig abgeschlossene Invaliditätsschätzungen dürfen nicht einfach unbeachtet bleiben. Vielmehr müssen sie als Indiz für eine zuverlässige Beurteilung gewertet und als solches in den Entscheidungsprozess erst später verfügender Versicherungsträger miteinbezogen werden (BGE 126 V 294 Erw. 2d). 3.2 Nach der Rechtsprechung kann eine abweichende Festlegung der Invalidität in solchen Fällen nur noch ganz ausnahmsweise in Frage kommen, wobei gegebenenfalls an deren Begründung strenge Anforderungen zu stellen sind. Nicht zulässig ist es, einen vertretbaren Ermessensentscheid des zuerst verfügenden Versicherers ohne Vorliegen triftiger Argumente durch einen andern - unter Umständen ebenfalls vertretbar erscheinenden - Ermessensentscheid zu ersetzen (BGE 126 V 294 Erw. 2d; BGE 119 V 471 Erw. 2b mit Hinweisen). Nicht als massgeblich zu betrachten ist die Invaliditätsschätzung des einen Sozialversicherungsträgers etwa dann, wenn ihr ein Rechtsfehler oder eine nicht vertretbare Ermessensausübung zu Grunde liegt. Ohne Auswirkungen hat der von einem Unfallversicherer angenommene Invaliditätsgrad auch zu bleiben, wenn dieser bloss auf einem Vergleich beruht (BGE 112 V 175 f. Erw. 2a). Anlass für ein Abweichen von einer bereits rechtskräftigen Invaliditätsschätzung eines andern Versicherers könnten im Weitern äusserst knappe und ungenaue Abklärungen sowie kaum überzeugende oder nicht sachgerechte Schlussfolgerungen bieten (BGE 126 V 294 Erw. 2d in fine). 3.3 Im Lichte der wiedergegebenen Rechtsprechung steht fest, dass die Beschwerdegegnerin die Invaliditätsschätzung des Unfallversicherers grundsätzlich, das heisst vorbehältlich der in Erw. 3.2 dargelegten Ausnahmegründe, zu übernehmen hat. Bei dieser Rechtslage durfte die Vorinstanz nicht den Standpunkt einnehmen, es sei von ihr nicht zu prüfen, ob sich die IV-Stelle über die vorbestehende rechtskräftige Verfügung des Unfallversicherers hinwegsetzen dürfe oder ob sie dessen Invaliditätsschätzung zu übernehmen habe; diese Frage werde das kantonale Gericht bei entsprechender Anfechtung erst beschäftigen, wenn die Invalidenversicherung auf Grund der vollständigen entscheidnotwendigen Akten dereinst zum Schluss komme, der Erwerbsunfähigkeitsgrad sei abweichend von jenem der Invalidenversicherung festzusetzen. Die vorinstanzliche Betrachtungsweise verkennt den Zusammenhang zwischen der - prioritär zu beurteilenden - Verbindlichkeitswirkung und der sekundären, nur subsidiär zu klärenden Frage einer (weiteren) Abklärungsbedürftigkeit, in deren Rahmen erst, wie dargetan, eine allfällige Widersetzlichkeit des Versicherten auf ihre Folgen hin zu prüfen wäre. Das kantonale Gericht hätte also das Beharren der Verwaltung auf weiteren medizinischen Abklärungen nur schützen dürfen, nachdem sie in einem ersten Schritt zum Schluss gelangt wäre, die Invaliditätsschätzung des andern Versicherers erweise sich unter diesen einschlägigen Gesichtspunkten als unhaltbar. 3.4 Bei richtiger Umschreibung des Prozessthemas lautet die im kantonalen und letztinstanzlichen Beschwerdeverfahren zu beantwortende Frage somit einzig, ob die am 13. Februar 2001 verfügte Ablehnung des Anspruches auf eine Invalidenrente nach Art. 28 IVG vor dem Hintergrund standhält, dass der Unfallversicherer den Invaliditätsgrad im Rahmen von Art. 18 UVG verfügungsweise rechtskräftig festgelegt hat.