Citation: 5A_1021/2021 E. 5.3.2

5.3.2. Die Beschwerdeführerin erachtet eine medizinische Zwangsmassnahme von vornherein nur dann als zulässig, wenn eine unmittelbare und akute Lebensgefahr drohe. Es sei unbestritten, dass ein BMI von unter 13 kg/m2 einen potentiell lebensgefährlichen Zustand darstelle. Die Beschwerdeführerin befinde sich indes seit Juni 2020 in diesem potentiell lebensgefährlichen Zustand. Eine darüber hinaus gehende unmittelbare und akute Lebensgefahr, die auch eine Notbehandlung nach Art. 435 ZGB rechtfertigen würde, sei nicht erstellt. Unter der vom Kantonsgericht beschriebenen Lebensgefahr sei folglich eine potentielle und nicht ein akute Lebensgefahr zu verstehen. Es sei daher bestritten, dass eine Zwangsernährung bereits auf der Grundlage von Art. 434 ZGB und nicht nur auf der Grundlage von Art. 435 ZGB angeordnet werden könne. Nach Art. 434 Abs. 1 ZGB kann der Chefarzt oder die Chefärztin für eine Person, die bezüglich ihrer Behandlungsbedürftigkeit urteilsunfähig ist, im Rahmen eines Behandlungsplans medizinische Massnahmen anordnen, wenn der betroffenen Person ohne Behandlung ein ernsthafter gesundheitlicher Schaden droht und keine angemessene Massnahme zur Verfügung steht, die weniger einschneidend ist. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Bedingung (drohende und akute Lebensgefahr) findet keine Grundlage im Gesetz. Darauf ist indes im Rahmen der Prüfung der Verhältnismässigkeit im engeren Sinn zurückzukommen (E. 5.6 unten).