Citation: 2C_214/2023 E. 9.3.5

9.3.5. Die von der Beschwerdeführerin als mildere Massnahmen vorgebrachten Alternativen waren zum damaligen Zeitpunkt nicht geeignet, den Zweck, Ansteckungen zu vermeiden, zu erreichen: Sowohl bei der medizinischen Überwachung gemäss Art. 34 EpG als auch beim Homeschooling ist der Kontakt mit anderen Personen unumgänglich. Das Gesundheitssystem war bereits belastet; mehrmalige Kontrollen vor Ort von einer ansteckungsverdächtigen Person, die keine Symptome zeigt, wäre dem Zweck, Kontakte zu verringern, und der dringenden Empfehlung, zu Hause zu bleiben, massiv zuwidergelaufen und hätte überdies das Gesundheitssystem weiter belastet. Genau das galt es aber zu vermeiden. Beim Homeschooling allein wären nicht nur die Eltern dem Risiko einer Infizierung ausgesetzt gewesen, die sie dann wiederum unter ihren Kontakten verbreiten konnten, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen der Beschwerdeführerin und deren Kontaktpersonen, die die Beschwerdeführerin in ihrer Freizeit getroffen hätte. Daran hätte auch die Auflage an die Beschwerdeführerin, ausserhalb des Hauses eine Maske zu tragen, nichts geändert, da es eine entsprechende Verpflichtung für andere Personen - ausserhalb von öffentlichen Räumen und dem öffentlichen Verkehr - nicht gab, sodass das Risiko, die ansteckungsverdächtige Beschwerdeführerin würde in ihrer Freizeit weitere Personen anstecken, zu gross war. Überdies bestand keine Möglichkeit der Kontaktnachverfolgung zu der Beschwerdeführerin unbekannten Dritten, zu denen sie zufällig Kontakt gehabt haben könnte. Das Kontaktverbot von Personen über 60 Jahren und ein Mindestabstand zu Personen, die nicht im selben Haushalt leben, ist ebenfalls nicht wirksam: Zum einen kann beides nicht kontrolliert werden, zum anderen geht es darum, niemanden anzustecken und nicht nur besonders gefährdete oder alte Personen. Bei einer rasanten Ausbreitung des Virus, wie es in der Zeit der Fall war, ist das Risiko, dass besonders vulnerable Personen nicht direkt von der ansteckungsverdächtigen Person infiziert werden, sondern von einer ihrer Kontaktpersonen, bevor diese selbst infiziert ist oder als ansteckungsverdächtig gilt, hoch (vgl. BGE 149 I 191 E. 7.6; 148 I 89 E. 7.3; Urteil 2C_852/2022 vom 2. Mai 2023 E. 7.5.3). Daher galt es, alle Kontakte von ansteckungsverdächtigen Personen zu unterbinden. Zum repetitiven Testen sei in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festgehalten, dass, wenn es eine derartige Infrastruktur zu diesem Zeitpunkt nicht gab, sie auch keine geeignete Alternative ist (vgl. angefochtener Entscheid E. 4.4.2). Dass schliesslich Kinder weniger gefährdet seien und das Gesundheitssystem nicht belasteten, wie die Beschwerdeführerin vorbringt, war zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt (vgl. vorstehend E. 7.4, E. 9.1, E. 9.3.4). Ferner spielt dies angesichts des öffentlichen Interesses, alle Menschen vor der Infektion und der damit möglicherweise verbundenen Hospitalisation und Todesgefahr zu schützen, und dem Umstand, dass Kinder Kontaktpersonen haben, keine Rolle (vgl. BGE 148 I 89 E. 6.5; vorstehend E. 8.2).