Citation: 6P.109/2004 22.12.2004 E. 5

5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Unfall hätte sich nicht ereignet, wenn der Beschwerdegegner nach dem kurzen Arbeitsunterbruch in der gleichen Richtung wie zu Beginn der Abbrucharbeiten weitergearbeitet hätte. Indem er nach der Wiederaufnahme der Tätigkeit die Arbeitsrichtung einseitig geändert habe, habe er ein erheblich höheres Gefahrenpotential geschaffen. Darin liege eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit. Der Beschwerdegegner hätte ihn (den Beschwerdeführer) im Mindesten ausdrücklich auf die Änderung der Arbeitsrichtung aufmerksam machen und sich vor dem Ausholen zu einem neuen Schlag mit dem Pickel vergewissern müssen, dass er einen genügenden Sicherheitsabstand einhielt. 5.2 Der Täter begeht ein Verbrechen oder Vergehen fahrlässig, wenn die Tat darauf zurückzuführen ist, dass er die Folgen seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 1 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB setzt somit die Verletzung einer Sorgfaltspflicht voraus. Sorgfaltswidrig handelt der Täter, wenn er zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 2 StGB; BGE 130 IV 7 E. 3.2; 127 IV 34 E. 2a je mit Hinweisen). Wo besondere Normen ein spezifisches Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Darüber hinaus kann der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden (BGE 127 IV 62 E. 2d S. 64 f.; 126 IV 13 7a/bb S. 16 f., 122 IV 145 E. 3b/aa S. 147 f., je mit Hinweisen). 5.3 Nach den verbindlichen Feststellungen der kantonalen Instanzen lässt sich der genaue Unfallhergang, namentlich die Frage, wie der eine Arbeiter in den Gefahrenbereich des anderen habe geraten können, nicht klären. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Beschwerdeführer unvermittelt in die Nähe des Beschwerdegegners begeben hat und gewissermassen in dessen Schlag mit dem Pickel hineingelaufen ist. Hätte ein solches unerwartetes Verhalten des Beschwerdeführers zum Unfall geführt, liesse sich dem Beschwerdegegner keine Sorgfaltspflichtverletzung vorwerfen. Denn Grundvoraussetzung für die Fahrlässigkeitshaftung bildet u.a. die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Diese ist zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie etwa das Mitverschulden eines Dritten als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden muss und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen (130 IV 7 E. 3.2, mit Hinweisen). Mangels eindeutig festgestelltem Sachverhalt fehlt es hier somit an einer genügenden Grundlage für die Annahme einer Sorgfaltspflichtverletzung. Das angefochtene Urteil verletzt daher kein Bundesrecht und die Beschwerde erweist sich als unbegründet.