Citation: U 247/00 28.10.2002 E. 2

Was zunächst die zumutbare Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids (vgl. BGE 122 V 421 Erw. 4a) anbelangt, ist unbestritten, dass der Versicherte wegen seiner Beschwerden und Funktionsstörungen im linken Handgelenk sowie in Daumen und Zeigefinger in einem manuell belastenden Beruf nicht mehr einsatzfähig ist. 2.1 Die SUVA und die Vorinstanz haben in sorgfältiger Würdigung der medizinischen Unterlagen festgestellt, dass der Beschwerdeführer hingegen in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ganztägig arbeitsfähig ist. Sie stützen sich dabei vor allem auf das umfassende und schlüssige handchirurgische Gutachten des Prof. Dr. med. A.________ vom 16. Juni 1999. Der Experte hat einlässlich dargelegt, dass bei Tragen der Handgelenksstabilisierungsschiene die Bewegungsfunktionen des Daumens und der Langfinger weitgehend uneingeschränkt möglich sind und eine recht gute Kraftentfaltung von mindestens ca. 20 kg Faustschlusskraft erwartet werden kann. Diese Restfunktionen müssten seiner Ansicht nach genügen, um die Hand für alle Verrichtungen des täglichen Lebens uneingeschränkt und für leichtere berufliche Tätigkeiten teilweise einsetzen zu können. Für den Versicherten seien verschiedene Berufe denkbar, so etwa Magaziner von Kleinteilen, Campingwart, Securitaswächter, Kioskverkäufer, überwachender Vorarbeiter auf Baustellen, Kundenberater der Automobilbranche usw. 2.2 Der Beschwerdeführer widerspricht der Möglichkeit einer vollzeitigen Tätigkeit nicht, kritisiert jedoch unter Hinweis auf die berufliche Abklärung der Invalidenversicherung die ihm attestierte Leistungsfähigkeit. Er macht geltend, auch im Bericht des WWB vom 18. Dezember 1998 werde von der grundsätzlichen Zumutbarkeit einer vollschichtigen Tätigkeit ausgegangen. Die Verweisungstätigkeiten entsprächen in etwa den von Prof. Dr. med. A.________ oder andern Ärzten genannten Arbeiten. Aufgrund der konkreten beruflichen Abklärung habe aber gesehen werden müssen, dass die Leistungsfähigkeit und das Arbeitstempo massiv reduziert seien, hätten doch die Experten der BEFAS festgestellt, dass er maximal eine Leistung von 40 % erbringen und ein Einkommen von Fr. 1200.- bis 1400.- pro Monat erzielen könne. 2.3 Bezüglich der Einwendungen des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass zunächst die noch zumutbare Arbeitsfähigkeit als medizinisch-theoretische Grösse und erst nachher die erwerblichen Auswirkungen einer allfälligen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festzulegen sind. Soweit mit der Berufung auf den Bericht des WWB vom 18. Dezember 1998 geltend gemacht werden sollte, der Beschwerdeführer sei nicht 100 % arbeitsfähig, dies obschon die Zumutbarkeit einer vollschichtigen Tätigkeit nicht bestritten wurde, ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass eine allfällige Diskrepanz einer psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung zuzuschreiben wäre. So finden sich im Gutachten des Prof. Dr. med. A.________ vom 16. Juni 1999 Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers auch durch eine psychische Komponente beeinträchtigt sein könnte, da sich die subjektiv geklagten nicht mit den objektiven Befunden erklären liessen. Der Experte hielt fest, die erheblichen globalen Funktionsstörungen der linken Hand seien zu einem grossen Teil in der psychischen Überlagerung begründet. Die subjektiven Beschwerden und die erlebten Funktionsstörungen seien um ein Vielfaches gravierender, als man dies bei einem analogen Fall mit "normaler" Verarbeitung der Unfallfolgen erwarten würde. Dementsprechend wurde bei der Diagnosestellung ein chronisches, weitgehend diffuses, höchstwahrscheinlich psychisch überlagertes posttraumatisches/postoperatives Schmerzsyndrom im Bereich des linken Handgelenkes sowie eine auffällige, zur Dramatisierung neigende Persönlichkeitsstruktur erwähnt. Auf die Frage der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch psychische Beschwerden braucht indessen - wie die Vorinstanz ausführlich und überzeugend dargelegt hat - nicht weiter eingegangen zu werden, da die Unfallversicherung mangels adäquatem Kausalzusammenhang dafür ohnehin nicht leistungspflichtig wäre. Das kantonale Gericht zeigt auf, dass die Unfallereignisse im mittelschweren Bereich einzuordnen sind, die von der Rechtsprechung für die Bejahung der Adäquanz entwickelten Kriterien jedoch nicht erfüllt sind. Dieser Begründung kann entgegen der Einwendungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vollumfänglich beigepflichtet werden. Weder kann das Unfallereignis vom 18. Januar 1989 als besonders schwer qualifiziert werden noch zeichnete sich einer der beiden Unfälle durch besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit aus. Vielmehr waren die erlittenen Verletzungen - wie die SUVA in ihrer Vernehmlassung ausführt - weder von der Schwere noch von der besonderen Eigenart her erfahrungsgemäss geeignet, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. Auch kann nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung gesprochen werden, ist doch nach Lage der Akten erstellt, dass die linke Hand des Versicherten im Krankheitsverlauf wiederholt zusätzlichen Ereignissen ausgesetzt war, welche wiederum neue Beschwerden und Arbeitsunfähigkeiten hervorriefen. Dass dabei die psychischen Beschwerden und die dramatisierende Persönlichkeit des Beschwerdeführers sowohl den Krankheitsverlauf als auch die Beschwerdeklagen mitbeeinflussten und die Ärzte zu zusätzlichen Abklärungen bewegten, geht aus den Akten klar hervor. Der SUVA ist schliesslich darin beizupflichten, dass auch nicht von einer ärztlichen Fehlbehandlung gesprochen werden kann, räumt doch Prof. Dr. med. A.________ in seiner Expertise ein, dass die handchirurgischen Eingriffe dem Beschwerdeführer Schmerzlinderung verschafften, sodass ihre Indikation nachträglich zwar diskutiert, jedoch nicht grundwegs als falsch beurteilt werden kann. Nicht weiter hilft dem Beschwerdeführer schliesslich das im vorliegenden Verfahren neu aufgelegte Gutachten der Frau Dr. med H.________, Klinik Z.________ des Aargauischen Heilstättevereins, vom 22. März 2001, worin dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der somatischen und psychischen Beschwerden lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit für eine stundenweise leichte Tätigkeit im Umfang von 30 % attestiert wird. Vielmehr zeigt gerade dieses Gutachten die Bedeutung der psychischen Beschwerden auf, die wohl von der Invalidenversicherung, nicht jedoch - wie vorstehend ausgeführt mangels Adäquanz - von der Unfallversicherung, zu berücksichtigen sind. Die Ärztin diagnostiziert unter anderem eine Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, emotional instabilen und passiv-aggressiven Anteilen und führt aus, dass der Versicherte - retrospektiv gesehen - mit der gefährlichen Arbeit eines Fassaden- und Stahlbauers und der intensiven sportlichen Tätigkeit sowie mit den damit verbundenen Grössenideen seine Persönlichkeit stabilisierte. Die gefährliche Arbeit habe ihm einen "Kick" gegeben und ihn sehr befriedigt. Durch den Unfall und dessen Folgen sei es zu einer Dekompensation der Persönlichkeitsstruktur gekommen mit einer funktionellen Überlagerung der Schmerzen und Funktionsstörung der dominanten linken Hand. Bezüglich zumutbaren Tätigkeiten verweist die Ärztin auf die von Prof. Dr. med. A.________ in seinem Gutachten erwähnten Berufe, fügt jedoch an, dass der Versicherte auf Grund der psychischen Behinderung mit geringem Durchhaltevermögen und passiv-aggressivem Verhalten, verbunden mit der Einschränkung der dominanten linken Hand, an einem üblichen Arbeitsplatz nur stundenweise und nicht in einem regulären Pensum eingesetzt werden kann. Wie die SUVA in ihrer Duplik darlegt, geht gerade aus der psychosomatischen Expertise vom 22. März 2001 deutlich hervor, dass der Beschwerdeführer unter Abstraktion seiner psychischen/psychosomatischen Beschwerden durchaus in der Lage wäre, die von Prof. Dr. med. A.________ umschriebene zumutbare Arbeitsfähigkeit nutzbringend einzusetzen. 2.4 In Würdigung der gesamten Umstände ist demzufolge mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht auf Grund der somatischen Unfallfolgen eine ganztägige Arbeit zumutbar ist, wobei seine linke Hand nur noch für leichtere berufliche Tätigkeiten teilweise einsetzbar ist. Nicht zumutbar sind repetitive Beanspruchungen und Belastungen von über 20 kg Faustschlusskraft. Die Tätigkeiten sollten vorwiegend einhändig auszuüben sein, wobei jedoch die linke Hand für leichtere Verrichtungen wie Greif-, Halte- und Manipulationsfunktionen im unteren Drittel des normalen Belastungsgrades einsetzbar ist.