Citation: 5A_838/2019 E. 4.1.3

4.1.3. In der einschlägigen Literatur, so das Bezirksgericht weiter, werde darauf hingewiesen, dass der Baurechtszins wirtschaftlich gesehen für den Grundeigentümer eine Verzinsung des im Grundstück investierten und gebundenen Kapitals sei, welches der Grundeigentümer wegen der Belastung des Grundstücks mit dem Baurecht nicht auf andere Weise realisieren könne. Bei der Auslegung der Vertragsbestimmungen über den Baurechtszins sei deshalb die Funktion des Baurechtszinses als Grundrente im Hinblick auf die dem Bauberechtigten zugestandenen Nutzungsmöglichkeiten zu beachten. Namhafte Autoren gäben ferner zu bedenken, dass, wenn der Baurechtszins dem geänderten Verkehrswert des baurechtsbelasteten Grundstücks angepasst werden solle, nicht allein auf den absoluten Landwert, d.h. den bei einer Veräusserung eines unüberbauten Grundstücks erzielbaren Preis pro m2, abgestellt werden dürfe, denn der Bauberechtigte müsse den Baurechtszins aus dem Ertrag der zu Vertragsbeginn erstellten Baute erwirtschaften. Auch bei gut erhaltenen Bauten werde im Lauf der Zeit der Ertrag im Verhältnis zu Neubauten an gleicher Lage kleiner. Deshalb müsse bei einer Anpassung des Baurechtszinses an den geänderten Wert des baurechtsbelasteten Grundstücks der relative Landwert berücksichtigt werden. Demnach erscheine es sachgerecht, dass sich die Anpassung des Baurechtszinses an der tatsächlich erzielbaren Rendite des Baurechtsnehmers orientiere. Es sei nicht einsehbar, weshalb die Parteien als verständige und loyale Vertragspartner davon hätten abweichen wollen.