Citation: U 57/03 22.12.2003 E. 3.2

3.2.1 Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 119 V 338 Erw. 1 mit Hinweis). Dasselbe gilt bei Verletzungen im Bereich der HWS, die auf einem dem Schleudertrauma äquivalenten Verletzungsmechanismus (Kopfanprall mit Abknickung der HWS, Distorsionstrauma der HWS mit Kopfanprall) beruhen (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2), sowie bei Vorliegen eines Schädel-Hirntraumas, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 377 Erw. 3c; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3). 3.2.2 Massgebliche Grundlage für die Beurteilung der natürlichen Kausalität bilden auch bei Schleudermechanismen der HWS zuallererst die medizinischen Fakten wie die fachärztlichen Erhebungen über Anamnese, objektiven Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand usw. Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen müssen somit durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein (BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa). Ärztlichen Berichten, welche in der Frühphase nach dem Unfallereignis erstellt wurden, kommt eine besondere Bedeutung zu. Spätere, retrospektive Beschreibungen der Initialsymptome (Beschwerden die innerhalb von drei Tagen auftreten) können unzuverlässig sein (vgl. Bericht der Kommission "Whiplash-associated Discorder", Beschwerdebild nach kraniozervikalem Beschleunigungstrauma ["whiplash-associated discorder"], in: Schweizerische Ärztezeitung Bd. 81 [2000] S. 2218 ff.). 3.2.3 Unmittelbar nach dem Unfall sind keine Symptome, welche zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehören, geäussert worden. Der Einwand der Beschwerdeführerin, sie habe seit dem Unfall ständig an verschiedenen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel und Vergesslichkeit gelitten, findet weder in den medizinischen Akten der Frühphase, noch in den Aussagen der ehemaligen Vorgesetzten eine Stütze. Einzelne zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehörende Symptome werden im Bericht der neurologischen Klinik vom 4. Februar 1999 zwar genannt. Danach fand aber bis im April 2000 keine ärztliche Behandlung unfallbedingter Beschwerden mehr statt. Die Diagnose "Schleudertrauma" wird erstmals am 8. November 2000 von Dr. med. J.________ - mehr als zwei Jahre nach dem Unfallereignis und 21 Monate nach Abschluss der Behandlung Ende Januar 1999 - gestellt. Die beiden Berichte des Dr. med. D.________ und der Klinik F.________ basieren vorwiegend auf einer retrospektiven Beschreibung der Entwicklung der Beschwerden durch die Patientin selber, die Akten der ersten Behandlungsphase unmittelbar nach dem Unfall lagen ihnen - mit Ausnahme des Röntgendossiers - offensichtlich nicht vor. Hinsichtlich der Frage der Unfallkausalität kommt diesen Stellungnahmen daher kein Beweiswert zu (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a). Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht - gestützt auf die Beurteilung von Dr. med. B.________ und unter Hinweis auf die lange Latenzzeit - den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 1. September 1998 und den heute vorliegenden somatischen Beschwerden verneint. Nichts anderes kann aus dem Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 8. Juli 2002, U 139/00, abgeleitet werden, wonach Beschwerden, die zum typischen Bild gehören, dem Schleudertrauma auch zugeordnet werden können, wenn sie erst später aufgetreten sind. In diesem Urteil hat das Eidgenössische Versicherungsgericht in Erwägung 3 ausgeführt, dass selbst beim Vorliegen eines Schleudertraumas der HWS nicht alle Beschwerden, auch wenn sie zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehören, dem Schleudertrauma zuzuschreiben sind, ohne dass untersucht werden dürfte, ob die einzelnen Beschwerden wirklich Folge des Schleudertraumas seien. In dem in U 139/00 zu beurteilenden Fall war - im Unterschied zum vorliegenden - die Diagnose eines Schleudertraumas unbestritten. 3.3 Liegt somit kein hinreichend nachgewiesenes Schleudertrauma der HWS (oder eine äquivalente Verletzung) vor, welches als Ursache für die verschiedenen Beschwerden und die Arbeitsunfähigkeit in Frage kommt, ist der adäquate Kausalzusammenhang nach BGE 115 V 133 zu prüfen (Erw. 1.2 hievor). Wie das kantonale Gericht zutreffend ausgeführt hat, kann die Frage, ob es sich bei den psychischen Beschwerden um eine natürliche Folge des Unfalls handelt, gestützt auf die medizinischen Akten nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit beantwortet werden. Eine Rückweisung zu weiteren Abklärungen erübrigt sich aber, da es - wie die Vorinstanz richtig festgestellt hat - an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs fehlt. 3.3.1 Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Katalogisierung (BGE 115 V 138 Erw. 6) ist das Ereignis vom 1.September 1998 auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen den mittelschweren Unfällen zuzuordnen, wobei es nicht im Grenzbereich zu den schweren Unfällen liegt (vgl. zur diesbezüglichen Rechtsprechung die Übersicht in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff. Erw. 4b/bb). Das kantonale Gericht hat die umstrittene Frage, ob sich das Auto überschlagen hat oder lediglich geschleudert ist, offen gelassen und erwogen, es wäre auch bei Bejahen der Frage von einem Unfall des mittleren Bereiches ohne Bezug zu schweren Unfällen auszugehen. Laut den medizinischen Akten hat die Versicherte bereits unmittelbar nach dem Unfall sowie bei späteren Untersuchungen stets angegeben, das Auto habe sich (mehrmals) überschlagen. Demgegenüber ist im Polizeirapport, welcher ebenfalls Aussagen der Unfallbeteiligten enthält, lediglich vom Schleudern des Fahrzeuges die Rede. Der Einwand der Beschwerdeführerin, die sonst geltende Beweismaxime, wonach den sogenannten "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel mehr Gewicht beigemessen werde (BGE 121 V 47 Erw. 2a), sei von der Vorinstanz beziehungsweise der SUVA nicht beachtet worden, geht somit fehl, da der Unfallhergang zuerst der Polizei am Unfallort geschildert wurde. Gegenüber Dr. med. D.________ gab sie später laut dessen Bericht vom 12. Juni 2001 an, "das Auto habe sich dann überschlagen, wobei sie dafür keine Erinnerung mehr habe." Gemäss Erstbericht des Spitals war die Patientin nach dem Unfall "in psychischem Schock". Unter diesen Umständen erscheint zumindest fraglich, ob die Beschwerdeführerin den Unfallhergang sehr bewusst mitverfolgen und sich merken konnte. Deshalb ist auf den Polizeirapport abzustellen. Ein Überschlagen des Autos ist damit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. 3.3.2 Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs psychischer Unfallfolgen ist nach der Rechtsprechung nur zu bejahen, wenn eines der massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt wären (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, sind diese Voraussetzungen vorliegend nicht erfüllt. Der Unfall war weder besonders eindrücklich noch hat er sich unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet. Von einer schweren oder besondern Art der Verletzungen, die erfahrungsgemäss geeignet ist, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, kann nicht gesprochen werden. Es liegt auch keine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, oder ein schwieriger Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen vor. Nicht erfüllt sind sodann die Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sowie von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Was schliesslich das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen betrifft, kann dieses jedenfalls nicht als in besonders ausgeprägter Weise erfüllt gelten. Da somit weder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist, noch die massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind, kann der adäquate Kausalzusammenhang nicht bejaht werden. Das kantonale Gericht hat daher die Leistungspflicht der SUVA für die Zeit ab dem 2.Oktober 2000 zu Recht verneint.