Citation: 6B_1124/2021 E. 3.2.2

3.2.2. Die Vorinstanz handelt die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib im Rahmen ihrer Interessenabwägung nur knapp ab. Sie setzt sich jedoch unter dem Titel der Härtefallprüfung damit auseinander (siehe oben). Sie erwägt zusätzlich, der Beschwerdeführer habe in Italien zwar kein nahes Umfeld, indessen bestünden dort sehr realistische berufliche und gesellschaftliche Eingliederungschancen. Dass ihm seine Lebenspartnerin nicht folgen werde, könne und dürfe nicht zu einer Aufweichung der restriktiven Härtefallpraxis führen. Das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung wiege vorliegend deutlich höher als dasjenige des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz. Der Vorinstanz ist im Ergebnis zuzustimmen. Dem Beschwerdeführer ist als in der Schweiz geborenem und aufgewachsenem Ausländer grundsätzlich ein bedeutendes Interesse an einem Verbleib zuzugestehen. Über seine blosse lange Aufenthaltsdauer hinaus sind jedoch weder in beruflicher noch in sozialer Hinsicht überwiegende private Interessen auszumachen. Er war in der Schweiz zwar stets arbeitstätig, konnte sich jedoch keine stabile wirtschaftliche Situation erarbeiten, die er im Falle einer Landesverweisung verlöre. Daraus lässt sich kein gewichtiges Interesse an einem Absehen von der Landesverweisung ableiten. Der Beschwerdeführer spricht zudem Italienisch (wenn auch weniger gut als Deutsch). Wenn er seine Italienischkenntnisse in der Beschwerde nunmehr neu als schlecht beschreibt, so weicht er vom vorinstanzlich verbindlich festgestellten Sachverhalt hab, ohne Willkür darzutun. Darauf ist nicht einzutreten. Nicht ersichtlich ist, inwiefern ihm die kulturelle Prägung in der Schweiz eine Integration im unmittelbaren Nachbarland Italien regelrecht verunmöglichen sollte. Dass ihm die Arbeitssuche schwerer als in der Schweiz fallen würde, mag zutreffen. Aufgrund seiner Ausbildung und mehrjährigen Arbeitserfahrung als Fahrzeugwart resp. Automechaniker erscheint die Chance auf eine berufliche Eingliederung in Italien dennoch intakt. Entgegen seinen Ausführungen verfügt der Beschwerdeführer in seinem Heimatland zudem über ein Umfeld (namentlich seinen Onkel und Taufpaten, mit dem er in regelmässigem telefonischen Kontakt steht, sowie eine Tante), das ihn bei einer anfänglichen Eingewöhnung unterstützen könnte. Abgesehen von gelegentlichen Unternehmungen mit Kollegen resp. den Hunden seiner Freundin macht er sodann nichts geltend, das auf eine besondere gesellschaftliche Verwurzelung in der Schweiz hindeuten würde. Gerade angesichts der geografischen Nähe wäre ihm zudem die Pflege der (kinderlosen) Beziehung mit seiner Freundin sowie jene zu seinen Eltern und dem Bruder (sei es durch Besuche oder anderweitige Kontakte) weiterhin möglich und zumutbar. Dass dem Beschwerdeführer und seiner Freundin die Bestreitung des Lebensunterhalts gemeinsam leichter fallen dürfte, liegt auf der Hand, begründet jedoch wie bereits ausgeführt weder eine wirtschaftliche Abhängigkeit noch einen hinreichenden Grund für das Absehen von der Landesverweisung. Nach deren Ablauf wäre es dem Beschwerdeführer schliesslich unbenommen, in die Schweiz einzureisen. Aufgrund der Schwere der begangenen Straftat sowie seiner langjährigen Kriminalität überwiegen vorliegend die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung die sich weitestgehend aus seinem langen Aufenthalt ergebenden privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz. Die Landesverweisung erweist sich als verhältnismässig und eine Verletzung von Bundes- oder Verfassungsrecht liegt nicht vor.