Citation: 1C_740/2013 E. 7.4

7.4. Aus E. 3.4 des angefochtenen Urteils geht hervor, dass die Vorinstanz davon ausging, der Bauherr habe als Architekt wissen müssen, dass auch gesetzeskonforme Abweichungen von den bewilligten Plänen nicht ohne Rücksprache mit der Baubehörde hätten vorgenommen werden dürfen. Dies ergibt sich auch aus der Baubewilligung vom 14. April 2008, in der ausgeführt wurde, dass Abweichungen von den eingereichten Planunterlagen genehmigungspflichtig sind.Demnach musste der Bauherr die Bewilligungsbedürftigkeit von Planabweichungen kennen. Allein daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, er habe die Unzulässigkeit der erstellten Lukarnen gekannt oder kennen müssen, zumal er ihre anfänglichen Abweichungen von den bewilligten Plänen nachträglich beheben liess. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass die Baukommission bei der Erteilung der Baubewilligung am 14. April 2008 die Lukarnen deshalb als mit dem in § 64 Abs. 1 KBV vorgesehenen Verbot von Dachaufbauten über dem ersten Dachgeschoss vereinbar erachtete, weil sie davon ausging, der Dachraum könne als offen (bzw. eingeschossig) gelten, da er durch den an zwei Seiten offenen Geschossboden nicht unterteilt werde. Entsprechend führte die Baukommission in ihrer Verfügung vom 8. Juni 2009 zum Rückbau des erweiterten Galeriegeschosses aus, sie habe der Dachraumvergrösserung unter der Voraussetzung zugestimmt, dass der gesamte Dachaufbau als hoher eingeschossiger Dachraum mit zwischen den Giebelfassaden eingespanntem Galeriegeschoss ausgebildet sei; die hohen Dachlukarnen dürften nicht durch Geschossdecken unterteilt sein, sondern müssten den gesamten Dachraum belichten. Von einer solchen Belichtung des gesamten Dachraums bzw. von einem eingeschossigen Raum kann wohl kaum mehr gesprochen werden, wenn gemäss dem tatsächlich ausgeführten Geschossboden und dem Vorschlag im Wiedererwägungsgesuch vom 3. Juli 2009 auf den Durchbruch im Westbereich des fraglichen Bodens mit einer Breite von ca. 1,60 m verzichtet und im Bereich beider Lukarnen nur ein relativ kleiner Durchblick belassen bzw. geschaffen werden soll. Der Bauherr musste daher spätestens im Zeitpunkt, als er in seinem Wiedererwägungsgesuch eine entsprechende Ausgestaltung des "Galeriegeschosses" beantragte, erkennen, dass damit die von der Baukommission angenommene Grundlage für die Beachtung des in § 64 Abs. 1 KBV vorgesehenen Verbots von Dachaufbauten über dem ersten Dachgeschoss kaum mehr gegeben war, zumal er als diplomierter Architekt im Bauwesen über Sachkunde verfügt und er damals anwaltlich vertreten war (vgl. Urteil 1C_23/2014 vom 24. März 2015 E. 7.2). Demnach hat der Bauherr seine Vertrauensposition geschwächt, indem er am "Galeriegeschoss" in Abweichung von den bewilligten Plänen wesentliche Änderungen vornehmen liess, die für ihn erkennbar die Rechtmässigkeit der bewilligten Lukarnen in Frage stellten und er daher insoweit erhebliche Zweifel haben musste. Dennoch kann nicht von der Bösgläubigkeit des Bauherrn ausgegangen werden, da er sich in seinem Wiedererwägungsgesuch ausdrücklich auf den Standpunkt stellte, der "Galeriegeschosscharakter" werde (weiterhin) beibehalten und die Baukommission die vorgeschlagene Ausführung des "Galeriegeschosses" am 6. Juli 2009 - wenn auch nur mit knapper Mehrheit - genehmigte. Aus dem angefochtenen Urteil ergibt sich nicht, dass der Bauherr die Baukommission dabei bezüglich der (weiteren) Zulässigkeit der Lukarnen absichtlich in die Irre führte.