Citation: 5A_758/2020 E. 2.3.2

2.3.2. Wie die Beschwerdeführer einräumen, anerkennt die Lehre den Persönlichkeitsschutz praktisch einhellig auch juristischen Personen des öffentlichen Rechts zu (TERCIER, Le nouveau droit de la personnalité, 1984, Rz. 307 S. 46 und Rz. 528 S. 76 mit zutreffendem Hinweis auf die Botschaft über die Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Persönlichkeitsschutz: Art. 28 ZGB und 49 OR], BBl 1982 II 636 Ziff. 222.1 S. 656; JEANDIN, Commentaire romand, 2010, N. 20 zu Art. 28 ZGB; BARRELET/WERLY, Droit de la communication, 2. Aufl. 2011, Rz. 1611 S. 488; STEINAUER/FOUNTOULAKIS, Droit des personnes physiques et de la protection de l'adulte, 2014, Rz. 549b S. 201; HAUSHEER/AEBI-MÜLLER, Das Personenrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 5. Aufl. 2020, Rz. 552 S. 173; NOBEL/WEBER, Medienrecht, 4. Aufl. 2021, Rz. 191 S. 340). Die Rechtsprechung, auch wenn sie sich dazu selten äussern musste, vertritt denselben Standpunkt (z.B. für den vorsorglichen Persönlichkeitsschutz: Urteil 5A_641/2011 vom 23. Februar 2012 E. 7, in: sic! 2012 S. 444, im Spitalwesen tätige öffentlich-rechtliche Anstalt; z.B. für das Gegendarstellungsrecht allgemein: BGE 112 Ia 398 E. 4b; z.B. im Namensschutz: BGE 128 III 401 E. 5, Stadt Luzern; BGE 112 II 369 E. 5, Kanton Appenzell I.Rh.; BGE 72 II 145 E. 1, Gemeinde Surava). Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführer geht es nicht um den Schutz des Staates gegen Kritik durch Medien schlechthin. Die Beschwerdegegnerin ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft auf der kommunalen Ebene, die mit weiteren Gemeinden eine Verwaltungsvereinbarung über eine gemeinsame KESB geschlossen und die Verantwortung für die Organisation der KESB übernommen hatte. Einzig in diesem Sachzusammenhang ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführer durch Medienberichte die Persönlichkeit der Beschwerdegegnerin verletzt haben, namentlich deren Anspruch darauf, in der Öffentlichkeit als verantwortungsbewusstes und fähiges Gemeinwesen wahrgenommen zu werden, das in der Lage ist, eine vom Vertrauen der Bevölkerung getragene und fachlich einwandfrei funktionierende KESB zu organisieren. Den Schutz ihrer Ehre, der sozialen Geltung und ihrer Individualität und des Bildes, mit dem sie an die Öffentlichkeit tritt, kann die Beschwerdegegnerin als öffentlich-rechtliche Körperschaft gleicherweise beanspruchen wie eine juristische Person des Privatrechts. Selbst kritische Stimmen gegenüber Ansprüchen des Staates auf Persönlichkeitsschutz verneinen die Berechtigung als solche nicht, warnen aber vor den Konflikten, die ein unbesehener Schutz des Staates unter dem Blickwinkel der Meinungsäusserungs- und Medienfreiheit hervorrufen könnte (URS SAXER, Zum Reputationsschutz des Staates und seiner Funktionsträger gegenüber den Medien, in: FS Riklin, 2007, S. 667 ff.).