Citation: 5A_698/2008 24.04.2009 E. 2

2.1 Im Erbvertrag vom 11. Juli 1975 hatten der Erblasser und seine Ehefrau klar vereinbart, dass beim Tod eines der Ehegatten das Gesamtgut an den anderen Ehegatten gehen und nach dessen Hinschied der Nachlass je zur Hälfte den gesetzlichen Erben jedes Ehegatten zufallen solle. Aufgrund dieser Regelung wäre die Beschwerdeführerin neben allfälligen weiteren Verwandten des Erblassers und solchen der vorverstorbenen Ehefrau erbberechtigt. Indessen war im genannten Erbvertrag ausdrücklich eine allfällige abweichende testamentarische Verfügung des Ehegatten, der als zweiter sterben würde, vorbehalten worden. Strittig ist der Inhalt der in diesem Sinne von Y.________ am 20. Dezember 1989 errichteten letztwilligen Verfügung. Während das Obergericht dafür hält, der darin angeordnete Ausschluss der gesetzlichen Erben von der Erbfolge gelte ohne Einschränkung, hatte die Beschwerdeführerin schon im kantonalen Verfahren geltend gemacht, der erwähnte Ausschluss wäre nur dann zum Tragen gekommen, wenn der Erblasser vor seiner Ehefrau gestorben wäre. 2.2 Bei der Auslegung eines Testaments, das eine einseitige, nicht empfangsbedürftige Willenserklärung darstellt, ist der wirkliche Wille des Erblassers zu ermitteln. Auszugehen ist vom Wortlaut. Ergibt dieser für sich selbst betrachtet eine klare Aussage, entfallen weitere Abklärungen. Indessen kann die vom Erblasser verwendete Bezeichnung oder Ausdrucksweise sich als missverständlich oder unrichtig erweisen, sei es wegen eines blossen Verschriebs, sei es deshalb, weil Ausdrücke in einer von der Verkehrs- oder Rechtssprache abweichenden Bedeutung verwendet wurden. Nach der aufgrund von Art. 7 ZGB auch hier sinngemäss geltenden ausdrücklichen Bestimmung von Art. 18 Abs. 1 OR ist der wirkliche Wille massgebend, nicht die unrichtige Bezeichnung oder Ausdrucksweise. Wer sich auf einen vom objektiv verstandenen Sinn und Wortlaut abweichenden Willen des Erblassers beruft, ist beweispflichtig und hat entsprechende Anhaltspunkte konkret nachzuweisen. Sind die testamentarischen Anordnungen so formuliert, dass sie ebenso gut im einen wie im anderen Sinn verstanden werden können, oder lassen sich mit guten Gründen mehrere Auslegungen vertreten, dürfen ausserhalb der Testamentsurkunde liegende Beweismittel zur Auslegung herangezogen werden. Stets hat es jedoch bei der willensorientierten Auslegung zu bleiben; eine Auslegung nach dem am Erklärungsempfänger orientierten Vertrauensprinzip fällt ausser Betracht. Die Erben oder andere Bedachte haben keinen Anspruch auf Schutz ihres Verständnisses der letztwilligen Verfügung; es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, wie sie die Erklärung des Erblassers verstehen durften und mussten, sondern einzig darauf, was der Erblasser mit seiner Äusserung sagen wollte (BGE 131 III 106 E. 1.1 und 1.2 S. 108 f. mit Hinweisen).