Citation: U 414/04 12.12.2005 E. 3

3.1 Laut Unfallmeldung vom 3. März 2000 ist der Beschwerdeführer am 15. Februar 2000 in den Ferien beim Skifahren auf die linke Schulter gestürzt. Anlässlich einer Besprechung mit einem Mitarbeiter des Unfallversicherers vom 15. August 2000 gab er ergänzend an, er sei früh am Morgen, als es noch dunkel gewesen sei, mit seinem Sohn, welcher sich in Zürich für eine Schnupperlehre habe vorstellen müssen, die Piste hinunter gefahren. Nach etwa drei Kurven habe er gestoppt. Da sich wohl die Skikante am Schluss noch im Eis eingehackt habe, sei er praktisch aus dem Stand auf die linke Körperseite gefallen. Er könne nicht sagen, ob er dabei den Kopf oder die linke Schulter angeschlagen habe; es bestehe diesbezüglich eine Erinnerungslücke. Das Ereignis könne als Bagatell-Sturz angesehen werden, da keine grosse Dynamik damit verbunden gewesen sei. Im Fragebogen bei HWS-Verletzungen berichtete Dr. med. D.________ am 5. April 2000 über Nacken- und Schulterschmerzen nach einem Sturz mit Kopfanprall (Abknickmechanismus). Anamnestisch erwähnte er anfängliche Schwindel, verneinte dagegen eine Bewusstlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen in der Zeit unmittelbar nach dem Unfall sowie bei der Erstkonsultation am 21. Februar 2000. Dr. med. Z.________, welcher ein zervikovertebrales bis zervikozephales posttraumatisches Syndrom nach Schulterkontusion und HWS-Distorsion diagnostizierte, gab an, der Versicherte sei am 15. Februar 2000 praktisch aus dem Stand auf die linke Schulter gestürzt. Frau Dr. med. M.________ hielt in Berichten vom 19. Juni und 8. September 2000 fest, der Versicherte sei beim Skifahren auf die linke Schulter und den Okziput links gefallen und leide seither an Schmerzen an der HWS, ausstrahlend in die linke Schulter und den linken Arm. In weitern Berichten dieser Ärztin vom 15. November 2000, 5. April 2001 und 2. August 2001 wird dagegen lediglich von einem Sturz auf die linke Schulter gesprochen. Gegenüber dem Gutachter der Klinik R.________ gab der Versicherte an, er habe sich beim Unfall wahrscheinlich überschlagen, da er nach dem Sturz nach oben geschaut habe. Er sei direkt auf die linke Schulter und "zum Teil" auf den Hinterkopf links gefallen. Er könne den Sturz nicht genau beschreiben, glaube aber nicht, bewusstlos gewesen zu sein; eine Amnesie habe nicht bestanden. Er sei sofort wieder aufgestanden und mit dem Sohn weiter gefahren. Selbst wenn es beim Unfall zu einem Kopfanprall gekommen ist, fehlen nach Meinung des Gutachters Hinweise auf eine Commotio oder Contusio cerebri, was damit begründet wird, dass der Unfall weder eine Bewusstlosigkeit noch eine Amnesie zur Folge hatte und kernspintomographisch keine traumatische Läsion nachgewiesen werden konnte. Dass der Beschwerdeführer, wie nachträglich geltend gemacht, unmittelbar nach dem Unfall unter Übelkeit und Brechreiz litt, wird von Dr. med. D.________ im Fragebogen bei HWS-Verletzungen aufgrund der damaligen Angaben des Versicherten ausdrücklich verneint. Nachdem die Diagnose einer Commotio oder Contusio cerebri von keinem der mit dem Fall befassten Ärzte auch nur in Betracht gezogen wird, besteht kein Anlass zur Vornahme ergänzender Abklärungen, einschliesslich des mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragten biomechanischen Gutachtens, von welchem unter den gegebenen Umständen ohnehin kaum wesentliche neue Erkenntnisse zum Unfallgeschehen zu erwarten wären. 3.2 Ausser an Nacken- und Schulterbeschwerden hat der Beschwerdeführer über Konzentrationsstörungen geklagt. Sie werden erstmals im Bericht von Frau Dr. med. M.________ vom 8. September 2000 erwähnt, worin ausgeführt wird, der Versicherte könne zufolge der Dauerschmerzen im Nacken und an der Schulter nur noch zu 20% als Informatiktechniker arbeiten. Nach zehn Minuten Arbeit am Computer verstärkten sich die Beschwerden und es träten Konzentrationsstörungen auf, sodass er die Arbeit unterbrechen müsse. Anlässlich der Begutachtung in der Klinik R.________ gab der Beschwerdeführer an, die Konzentrationsstörungen seien ihm zwei bis drei Wochen nach dem Unfall aufgefallen. Er sei vergesslich geworden und dadurch immer wieder in peinliche Situationen geraten, was der Hauptgrund dafür gewesen sei, dass es zu einer depressiven Entwicklung gekommen sei. Die von der Klinik vorgenommene neuropsychologische Untersuchung zeigte leichte Störungen im Bereich der Konzentrationsfähigkeit/Aufmerksamkeit im Sinne von Konzentrationsschwankungen und einer verlangsamten Verarbeitung insbesondere von komplexeren Informationen sowie Einschränkungen in der kognitiven Flexibilität und in der Planung/Strukturierung des Vorgehens bei schwierigeren Aufgaben. Die Befunde entsprachen einer leichten neuropsychologischen Funktionsstörung. Nach Meinung des Gutachters stehen die neuropsychologischen Beschwerden nur möglicherweise in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 15. Februar 2000. Sie sind zum Teil auf das bestehende leichtgradige depressive Syndrom, zum Teil auf die Schmerzen und zum Teil auf eine fehlende kognitive Kondition (bei einem bisher anamnestisch äusserst aktiven und leistungsorientierten Software-Fachmann) zurückzuführen, wobei die fehlende kognitive Kondition nicht oder nur möglicherweise in Zusammenhang mit dem Unfall stehe. Mit der Vorinstanz besteht kein Anlass, von dieser Beurteilung abzugehen, woran auch die Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts zu ändern vermögen. Nach dem Gesagten lassen sich die neuropsychologischen Defizite nicht mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf eine traumatische Hirnschädigung zurückführen. Ob und gegebenenfalls inwieweit sie Folge der depressiven Entwicklung waren, kann offen bleiben, weil auch die depressive Entwicklung nicht als unfallkausal zu gelten hat, wie sich aus dem Folgenden ergibt. Aus den Akten geht im Übrigen hervor, dass sich die neuropsychologischen Beschwerden gebessert haben und die Konzentrationsstörungen anfangs 2002 verschwunden waren. 3.3 Im Bericht vom 8. September 2000 gab Frau Dr. med. M.________ erstmals an, der Versicherte beklage sich auch über psychische Beeinträchtigungen als Folge der ständigen Beschwerden. Im Bericht der Klinik U.________ vom 11. Oktober 2000 wurde im Rahmen eines psychiatrischen Konsiliums der Verdacht auf eine dysfunktionale Schmerzstörung geäussert, ohne dass eine psychiatrische Diagnose im engeren Sinn erhoben wurde. Der Psychiater Dr. med. K.________ diagnostizierte eine suizidale Verstimmung bei reaktiver Depression und Status nach Skiunfall mit chronischem Schmerzsyndrom und erwähnte als unfallfremde Faktoren eine belastete Vergangenheit sowie eine Selbstwertproblematik (Bericht vom 29. Januar 2001). Im November 2000 war es zu einer Exazerbation der depressiven Symptomatik mit akuter Suizidalität gekommen, was zu einer stationären Behandlung im Spital A.________ und der Klinik S.________ für Psychosomatik, Anlass gab. Im Austrittsbericht dieser Klinik vom 5. März 2001 wurde eine schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) bei zervikospondylogenem Syndrom (infolge Skiunfall 02/2000) und psychosozialer Belastungssituation diagnostiziert. Wegen erneuter akuter Suizidalität hielt sich der Beschwerdeführer vom 15. bis 21. März 2001 in der Psychiatrischen Klinik K.________ auf, wo die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1), von Problemen in Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Z63.0) und von Problemen in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56) erhoben wurden. Im Austrittsbericht vom 21. März 2001 wurde ausgeführt, beim Versicherten bestehe seit etwa einem Jahr eine depressive Episode, welche sich nach stationärer Behandlung weitgehend zurückgebildet habe und nun nach Verlust des Arbeitsplatzes exazerbiert sei. Hintergrund bildeten anhaltende chronische Schmerzen und die dadurch verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie Spannungen innerhalb der Familie. Im Gutachten der Klinik R.________ vom 30. Juli 2001 wird ausgeführt, der Versicherte leide noch immer an einer allmählich regredienten Depression, die mit einer gewissen zeitlichen Latenz nach dem Unfall aufgetreten sei. Es bestünden keine Hinweise für eine vorbestehende psychische Problematik, hingegen erschwere die stark leistungsorientierte Persönlichkeit des Versicherten die Verarbeitung der Unfallfolgen. Zur Unfallkausalität der psychischen Beeinträchtigung wird festgestellt, die depressive Episode stehe nur möglicherweise in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 15. Februar 2000. Gegen einen Zusammenhang spreche insbesondere der Umstand, dass das depressive Syndrom erst Ende 2000, d.h. sieben bis acht Monate nach dem Unfall in Erscheinung getreten sei. Der Beschwerdeführer erachtet diese Argumentation nicht als schlüssig und macht geltend, beim Versuch, die Arbeit nach dem Unfall wieder aufzunehmen, habe er die bestehenden kognitiven Defizite mehr und mehr erkannt, zunehmend mit Schmerzen und Lärmempfindlichkeit zu kämpfen gehabt, was in der Familie zu unerträglichen Situationen und in Verbindung mit der Problematik am Arbeitsplatz zu einer Depression geführt habe. Diese Einwendungen erscheinen nicht als unbegründet. Auch wenn erhebliche unfallfremde Faktoren vorhanden sind, lassen die medizinischen Akten darauf schliessen, dass ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen der depressiven Entwicklung mit dem Unfall vom 15. Februar 2000 zumindest im Sinne einer Teilkausalität gegeben ist. Wie es sich diesbezüglich verhält, kann indessen dahingestellt bleiben, weil jedenfalls die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen ist, wie sich aus dem Folgenden ergibt.