Citation: 4C.141/2001 24.08.2001 E. 1

1.-a) Nach Art. 58 SVG haftet der Motorfahrzeughalter grundsätzlich für den durch den Betrieb des Motorfahrzeuges entstandenen Schaden. Der Halter kann sich indessen von der Haftung unter anderem befreien, wenn er nachweist, dass der Unfall durch grobes Drittverschulden entstanden ist und ihn selbst kein Verschulden trifft (Art. 59 Abs. 1 SVG). Zwischen den Parteien ist streitig, ob in Bezug auf den Lenker des Personenwagens diese Voraussetzungen erfüllt sind. b) Das Obergericht erkannte, der Traktorfahrer habe grobfahrlässig gehandelt. Indes sei auch der Lenker des Personenwagens solidarisch für den entstandenen Schaden haftbar, da er den nur etwa mit 20 km/h fahrenden Traktor mit 95 km/h überholt habe. Ein Wagenlenker, der mit der daraus resultierenden Differenz von 75 km/h auf einer Strasse, die durch landwirtschaftliches Gebiet führt und diverse Abzweigung auf angrenzende Felder aufweist, ein landwirtschaftliches Fahrzeug überhole, bei dem erkennbar die Sichtverhältnisse eingeschränkt seien, verstosse gegen seine Pflicht zur Rücksichtnahme beim Überholen von Fahrzeugen. Diese Pflicht umfasse auch die Vermeidung einer zu grossen Geschwindigkeitsdifferenz. Während der Überholende bei einem mit annähernd gleicher Geschwindigkeit fahrenden Wagen nicht mit Richtungsänderungen zu rechnen brauche, sei diese Möglichkeit bei einem sehr langsam fahrenden landwirtschaftlichen Fahrzeug sehr hoch. Daher hätte der Wagenlenker seine Geschwindigkeit so reduzieren müssen, dass er beim Überholen auf eine Richtungsänderung des Traktorfahrers hätte reagieren können. Da der Wagenlenker mehrere Verkehrsregeln verletzt habe, könne er sich nicht auf den in Art. 26 Abs. 1 SVG verankerten Vertrauensgrundsatz berufen. c) Den Einwand der Beklagten, es wäre auch zum Unfall gekommen, wenn der Fahrzeuglenker sich an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit gehalten hätte, erklärte das Kantonsgericht für unbeachtlich, da die Geschwindigkeitsdifferenz zum überholten Fahrzeug auch unter dieser Voraussetzung noch zu hoch gewesen wäre. Überdies stellte das Kantonsgericht fest, dass der Unfall auch bei der erlaubten Höchstgeschwindigkeit für die Radfahrer aller Wahrscheinlichkeit nach tödlich verlaufen wäre. d) Die Beklagte bestreitet, dass ein allfälliges Fehlverhalten des Fahrzeuglenkers Ursache des Unfalles war. Der Entscheid des Kantonsgerichts verletze den Vertrauensgrundsatz. Zudem bestehe in Bezug auf einen der Klägerin allenfalls zustehenden Regressanspruch gegenüber dem Traktor- und dem Wagenlenker keine Solidarhaftung. Die Haftung der Beklagten sei diesbezüglich von vornherein auf die Haftungsquote des Wagenlenkers beschränkt.