Citation: 1C_98/2022 E. 1.2.3

1.2.3. Um im Hinblick auf ein Bauvorhaben die Schutzwürdigkeit eines Gebäudes abklären zu lassen, hat die Grundeigentümerschaft im Kanton Zürich namentlich die Möglichkeit, losgelöst von einem konkreten Bauvorhaben ein sog. Provokationsbegehren nach § 213 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG/ZH; LS 700.1) zu stellen oder im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens einen projektbezogenen Schutzentscheid zu erwirken (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2023.00104 vom 21. September 2023 E. 3.2). Durch das Provokationsbegehren kann die Grundeigentümerschaft vom Gemeinwesen jederzeit einen Entscheid über die Schutzwürdigkeit ihres Grundstücks und über den Umfang allfälliger Schutzmassnahmen verlangen, wenn sie ein aktuelles Interesse glaubhaft macht (§ 213 Abs. 1 PBG/ZH). Ein Provokationsbegehren führt dabei zu einem eigenständigen, formellen Entscheid über die Schutzwürdigkeit einer (inventarisierten) Liegenschaft. Es verleiht der Grundeigentümerschaft einen Anspruch auf eine abschliessende Beantwortung der Frage einer Unterschutzstellung und verschafft dieser damit Rechts- und Planungssicherheit (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2019.00813 vom 14. Mai 2020 E. 3.3.2). Ein Provokationsbegehren kann auch unabhängig von einem Baubewilligungsverfahren erfolgen, soweit ein aktuelles Interesse glaubhaft gemacht werden kann (z.B. im Hinblick auf eine Erbteilung oder einen Verkauf; vgl. FRITZSCHE/BÖSCH/ WIPF/KUNZ, Zürcher Planungs- und Baurecht, Band 1, 6. Aufl. 2019, S. 303). In einem projektbezogenen Schutzentscheid werden in der Baubewilligung auch die Schutzanliegen abgehandelt (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2019.00813 vom 14. Mai 2020 E. 3.3.3). Beim projektbezogenen Schutzentscheid findet nach dem Verwaltungsgericht keine abstrakte, umfassende Abklärung der Schutzwürdigkeit statt, sondern eine auf die Auswirkungen des konkreten Bauprojekts auf die potenziell schutzwürdigen Bauteile beschränkte. Deshalb wird verlangt, dass vor wesentlichen Änderungen oder einem Abbruch einer inventarisierten Baute oder Anlage vorab ein förmlicher Schutzentscheid getroffen wird; in diesen Fällen bedarf es einer Inventareröffnung oder eines Provokationsbegehrens der Grundeigentümerschaft (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2019.00813 vom 14. Mai 2020 E. 3.5.1-3.5.3 mit Hinweis).