Citation: 1B_470/2020 E. 3.2.3

3.2.3. Die Vorinstanz ist der Auffassung, es handle sich um eine informell getroffene Vereinbarung zwischen Obergerichtspräsidien verschiedener Kantone, die das kantonale Anwaltsgesetz mangels gesetzlicher Delegation und Genehmigung durch den Landrat nicht zu derogieren vermöge. Es gehe bei dieser Vereinbarung nicht um formelle Gesetzgebung, sondern um Harmonisierung der Rechtsanwendung extra legem; daran vermöge auch die Schriftlichkeit der Vereinbarung nichts zu ändern. Die Vereinbarung beruhe auf dem Gedanken, dass die Praktikantenbewilligungen der Kantone Luzern, Uri, Obwalden und Nidwalden grundsätzlich gleichwertig seien. Gemäss Kantonalem Anwaltsgesetz berechtige die Nidwaldner Praktikantenbewilligung zur Vertretung von Parteien sowohl vor den Gerichten als auch vor den Strafverfolgungsbehörden, was folglich auch für eine im Kanton Luzern, Uri oder Obwalden ausgestellte Praktikantenbewilligung gelte. Mithin habe die amtliche Verteidigung die Rechtspraktikantinnen im Rahmen ihres Ermessens einsetzen dürfen, ohne rechts- oder pflichtwidrig zu handeln.