Citation: 2C_292/2022 E. 3.3.1

3.3.1. Die Vorinstanz führt aus, in tatsächlicher Hinsicht sei zu klären, ob die Beschwerdeführerin als homosexuelle Frau in ihrer Heimat vor Diskriminierungen und Übergriffen geschützt sei. Das Amt für Migration habe zur Beantwortung dieser Frage beim Staatssekretariat für Migration am 27. Mai 2020 einen Bericht eingeholt, in welchem dieses, unter anderem gestützt auf die bereits von der Beschwerdeführerin im Vorverfahren zitierten Berichte zum Schluss gelangt sei, dass die Beschwerdeführerin im Falle einer Rückkehr hinreichend vor Diskriminierung und Übergriffen geschützt sei (vgl. E. 2.2 des angefochtenen Urteils). Nach Auffassung der Vorinstanz bedarf es nicht zwingend weiterer konkreter Abklärungen vor Ort. Die vom Staatssekretariat für Migration herangezogenen Quellen, so die Vorinstanz, seien für die Beurteilung durchaus geeignet, zumal diese auch von LGBTI-Organisationen aus Bosnien und Herzegowina selber stammten und auf Berichten von queeren Personen aus dem Heimatland der Beschwerdeführerin beruhten. Seit dem Jahr 2011 bestehe im Übrigen ein sogenannter "Pink-Report", in welchem die Situation der Menschenrechte von LGBTI-Personen in Bosnien und Herzegowina im jeweiligen Jahr zusammengefasst werde. Die Berichte würden die Entwicklung in der Rechtsetzung wie auch in der Rechtsanwendung sowie die Erfahrungen von betroffenen Personen in der Gesellschaft aufgrund ihrer sexuellen Orientierung dokumentieren. Es zeige sich aufgrund der Berichte, dass sich die Situation für LGBTI-Personen in Bosnien und Herzegowina über die Jahre langsam, aber stetig verbessert habe. Zwischenzeitlich, so die Vorinstanz weiter, sei der "Pink-Report" zum Jahr 2021 veröffentlicht worden. Die Bewertung von Bosnien und Herzegowina durch die Vereinigung ILGA-Europe, einer Dachorganisation von über 600 LGBTI-Organisationen aus Europa und Asien, in deren "Rainbow-Index" habe sich von 31 % im Jahr 2018 auf 40 % im Jahr 2020 (und auch im Jahr 2021) verbessert. Damit rangiere Bosnien und Herzegowina in diesem Benchmark, der sich aus einer Bewertung verschiedener Kriterien zu den rechtlichen und politischen Möglichkeiten von LGBTI-Personen im jeweiligen Land zusammensetze, im vorderen Mittelfeld der europäischen Staaten. Das Land habe überdies die Schweiz überholt, die bei der Bewertung für das Jahr 2021 einen "Rainbow-Index" von 39 % erreicht habe (vgl. E. 2.4 des angefochtenen Urteils).