Citation: 5A_626/2022 E. 3.1

3.1. Wird ein landwirtschaftliches Grundstück veräussert, so hat jeder Nachkomme des Veräusserers ein Vorkaufsrecht daran, wenn er Eigentümer eines landwirtschaftlichen Gewerbes ist oder wirtschaftlich über ein solches verfügt und das Grundstück im ortsüblichen Bewirtschaftungsbereich dieses Gewerbes liegt (Art. 42 Abs. 2 BGBB). Ob Letzteres zutrifft, ist vorliegend umstritten. Das BGBB präzisiert nicht, was unter dem ortsüblichen Bewirtschaftungsbereich zu verstehen und wie er zu bemessen ist. Es handelt sich um eine konkretisierungsbedürftige Generalklausel bzw. um einen unbestimmten Rechtsbegriff (Urteil 5A_107/2013 vom 7. Juni 2013 E. 4.1 mit Hinweis). Das Gesetz verwendet den Begriff des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereichs namentlich beim Anspruch auf Zuweisung eines landwirtschaftlichen Grundstücks im Rahmen einer Erbteilung (Art. 21 Abs. 1 BGBB), beim - hier fraglichen - Verwandtenvorkaufsrecht (Art. 42 Abs. 2 BGBB), beim Pächtervorkaufsrecht betreffend landwirtschaftliche Grundstücke (Art. 47 Abs. 2 BGBB) sowie beim "gewöhnlichen" Erwerb eines landwirtschaftlichen Grundstücks durch einen Gewerbeeigentümer (Art. 63 Abs. 1 Bst. d BGBB). Immer geht es dabei um eine Voraussetzung für die Zuweisung oder den Erwerb eines landwirtschaftlichen Grundstücks. Entsprechend ist der Begriff einheitlich anzuwenden (zit. Urteil 5A_107/2013 E. 4.2 mit Hinweis) und kann für die Konkretisierung des Begriffs auf die zu den angegebenen Bestimmungen ergangene Rechtsprechung und Lehre zurückgegriffen werden.