Citation: I 239/04 05.11.2004 E. 5.1

5.1.1 Die Gutachter des EPD diagnostizierten eine affektive Störung, ohne sich festzulegen, ob diese in einer rezidivierenden depressiven Störung (gegenwärtig leichte Episode; ICD-10 F33.0) oder in einer leichten Dysthymia (ICD-10 F31.1) bestehe. Sie führten aus, unter einer Dysthymia sei eine über Jahre bestehende, dauerhaft vorhandene, geringradige depressive Verstimmung zu verstehen, welche niemals die diagnostischen Kriterien für eine depressive Episode im engeren Sinne erreiche. Die beim Versicherten bestehende Dysthymia nehme nur ein leichtes Ausmass an. Psychotherapeut H.________, der den Versicherten im Jahre 2000 betreute, erklärte am 18. März 2002, es seien zwar depressive Züge vorhanden, eine über die Suchterkrankung hinausgehende psychiatrische Störung könne er aber weder bestätigen noch ausschliessen, da der Beschwerdegegner die Behandlung nach vier Konsultationen wegen eines Drogenrückfalls abgebrochen habe. Am 17. Juni 2003 präzisierte Dr. med. V.________ vom EPD auf entsprechende Frage der Rechtsvertreterin des Versicherten, ob die Suchterkrankung auf eine vorbestehende psychische Krankheit (soziale Phobie und rezidivierende depressive Störung oder Dysthymia) zurückzuführen oder die Sucht einen erheblichen Gesundheitsschaden verursacht habe, lasse sich nicht schlüssig beantworten. 5.1.2 Wenn die affektive Störung als rezidivierende depressive Störung oder - alternativ - als leichte Dysthymia qualifiziert werden kann, lässt dies keinen anderen Schluss zu, als dass die depressive Störung (entsprechend der leichten Ausprägung der Dysthymia) nicht über eine geringradige depressive Verstimmung hinausgeht und jedenfalls nicht das Ausmass einer depressiven Episode im engeren Sinne erreicht. Diese Folgerung wird durch die Beobachtungen der Frau Dr. med. K.________ gestärkt, die am 7. März erklärte, sie habe keine schweren rezidivierenden Störungen beobachten können. Soweit Dr. med. V.________ einerseits von einer nur das Ausmass einer geringgradigen depressiven Stimmung erreichenden affektiven Störung ausgeht und anderseits ausführt, diese Störung trage zu einer Arbeitsfähigkeit von ungefähr 20 % bei, leuchten seine Einschätzungen nicht ein. Im Übrigen lässt seine Antwort offen, ob die depressive Störung für sich allein zu einer Arbeitsunfähigkeit führt oder ob sie zu einer solchen nur beiträgt. 5.2 Wie das BSV zu Recht vorbringt, bestehen sodann an der Diagnose einer sozialen Phobie und deren (teil-)invalidisierendem Charakter einige Zweifel, zumal die geltend gemachten Angstzustände nur zeitweilig auftreten. So gab Frau Dr. med. K.________ am 7. März 2003 an, bei der kontrollierten Heroinabgabe hätten Berührungsängste des Versicherten gänzlich gefehlt. Auch gegenüber Frau N.________ von der Beratungs- und Nachsorgestelle X.________ zeigte der Versicherte ein nahezu charismatisches Auftreten; er sei sehr kontaktfreudig und verbal gewandt gewesen, weshalb er auch sofort zur Nachbetreuung aufgenommen worden sei. Sie habe nie Anlass für den Verdacht auf eine soziale Phobie gehabt. Gegenüber den begutachtenden Ärzten des EPD gab der Versicherte an, vom 20. bis 22. Altersjahr eine zweijährige partnerschaftliche Beziehung und seither mehrere kurzzeitige Partnerschaften gehabt zu haben; auch treffe er sich am Wochenende sporadisch mit ungefähr drei Kollegen, welche früher ebenfalls unter Drogenproblemen gelitten hätten. Unter anderem helfe er bei Bedarf zeitweilig im Gastbetrieb seiner Eltern an der Bar aus oder tätige elektrische Installationen im elterlichen Betrieb. Dass der Versicherte "soziale Situationen vermeidet", was für eine soziale Phobie charakteristisch ist (vgl. Weltgesundheitsorganisation [WHO]/Dilling/Mombour/Schmidt (Hrsg.), Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 4. A. Bern etc. 2000, S. 158), kann somit nicht gesagt werden. An der Diagnose einer sozialen Phobie sind auch deshalb Zweifel angebracht, da diese auf der "Befragung nach Liebkowitz" basiert, bei welcher den subjektiven Angaben des Exploranden einiges Gewicht beigemessen wird (Schreiben Dr. med. V.________ vom 2. Juli 2004). Ein Abstellen auf die Selbsteinschätzung des Versicherten ist aber problematisch, weil es der Beschwerdeführer offenbar versteht, andere Personen zu seinen Gunsten zu manipulieren, um Vorteile zu erlangen (telefonische Auskunft von Frau N.________ vom 13. März 2002) und er nach Einschätzung des Hausarztes wenig Motivation für eine Arbeitstätigkeit zeigt.