Citation: 4A_2/2020 E. 3.2.6

3.2.6. Falls es die Klientin abgelehnt hätte, den sozialversicherungsrechtlichen Prozess zu führen, - wovon auszugehen sei - hätte der Beschwerdegegner sie über die verbleibende Möglichkeit aufgeklärt, im Scheidungsverfahreneine angemessene Entschädigung nach Art. 124 Abs. 1 aZGB zu verlangen. Allerdings hätte er sie mit Blick auf den damaligen Wissensstand über die geringen Erfolgsaussichten informieren müssen. Der vorzeitige Bezug des Vorsorgeguthabens habe im Zeitpunkt der Scheidung bereits rund 8.5 Jahre zurückgelegen und in der Zwischenzeit sei es beim Ehemann zu Verlustscheinen gekommen. Aufgrund der vorgelegten, teilweise aktuellen Verlustscheine wäre der Beschwerdegegner zum Schluss gekommen, der Ehemann habe das erschlichene Vorsorgeguthaben verprasst und sei mittlerweile mittellos. Da die Höhe der angemessenen Entschädigung nach Art. 124 Abs. 1 aZGB in Abhängigkeit der (bekannten) wirtschaftlichen Verhältnisse des Ehemannes zum Zeitpunkt des Scheidungsverfahrens festgesetzt worden wäre, hätte ein Anspruch auf angemessene Entschädigung kaum mit Erfolg geltend gemacht werden können. Es sei davon auszugehen, dass sich die Klientin auch diesbezüglich mangels guter Prozesschancen nicht für ein strittiges Scheidungsverfahren entschieden hätte. Selbst wenn davon ausgegangen würde, die Klientin hätte sich in Abkehr von ihrem explizit geäusserten Wunsch nach einem schnellen Scheidungsverfahren für den streitigen Weg entschieden, hätte jedenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Scheidungsurteil resultiert, welches der Klientin einen Betrag von Fr. 238'163.-- zugesprochen hätte.