Citation: 4A_299/2022 E. 3.2

3.2. Das Obergericht legte die Gerichtsstandsvereinbarung nach dem Vertrauensprinzip aus und gelangte zum Schluss, dass die Klausel im konkreten Fall die örtliche Zuständigkeit des Bezirksgerichts Zürich begründe. Die Vorinstanz argumentierte wie folgt: Die hier vereinbarte Gerichtsstandsklausel solle in erster Linie den Anwälten ermöglichen, die Honorarforderungen an ihrem Geschäftssitz einzuklagen, statt den Mandanten an dessen Wohnsitz belangen zu müssen. Ein Mandat könne nämlich ohne Weiteres auch umziehen. Umgekehrt sei unwahrscheinlich, dass eine Anwaltskanzlei in neue Räumlichkeiten ausserhalb des bislang zuständigen Gerichtsbezirks disloziere. Zu beachten sei in der vorliegenden Konstellation insbesondere, dass die Sitzverlegung des Anwaltsbüros erst nach Mandatsbeendigung erfolgt sei. Ein Mandant müsse nach Treu und Glauben nicht damit rechnen, dass eine als Kollektivgesellschaft konzipierte Anwaltskanzlei den Sitz wechsle, in einen anderen Gerichtsbezirk ziehe und dieser Umzug zuständigkeitsbestimmend sei für die Beurteilung einer Streitsache, die ihren Grund in einem vor der Sitzverlegung abgeschlossenen Mandat habe. Es bleibe folglich bei der Zuständigkeit der Stadtzürcher Gerichte; dem nach Mandatsabschluss vollzogenen Wechsel nach U.________ komme keine Bedeutung zu. Gleich verhalte es sich, wenn davon ausgegangen werde, dass es sich beim "Anwaltsbüro A.________ Rechtsanwälte" nicht um eine Kollektivgesellschaft handle, sondern der Beschwerdeführer als selbständig handelnde Einzelperson anwaltlich beauftragt worden sei. In diesem Fall sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Verlegung des Geschäftsorts nicht mehr als Rechtsanwalt zugelassen gewesen sei. Bei dieser Ausgangslage habe der Beschwerdegegner die Gerichtsstandsklausel bei Vertragsabschluss so verstehen dürfen und müssen, dass die Gerichte am letzten Geschäftssitz des als Anwalt selbständig erwerbstätigen Beschwerdeführers in Zürich zuständig seien.