Citation: 2C_742/2021 E. 4.1

4.1. Auf der Basis der verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz (vgl. oben E. 3) ist vorab festzuhalten, dass sich die Verwaltungsgesellschaft in einem Interessekonflikt befand, als sie den Beschwerdeführer namens der Stockwerkeigentümergemeinschaft instruierte: Einerseits hatte sie aufgrund ihrer Funktion die Interessen der Stockwerkeigentümer zu wahren (vgl. RENÉ BÖSCH, in: Basler Kommentar, ZGB II, 6. Aufl. 2019, N. 14 zu Art. 712q ZGB; MEIER-HAYOZ/REY, in: Berner Kommentar, Das Stockwerkeigentum, 1988, N. 37 zu Art. 712q ZGB; AMÉDÉO WERMELINGER, in: Zürcher Kommentar, Das Stockwerkeigentum, 2. Aufl. 2019, N. 138; vgl. auch MIHAELA AMOOS PIGUET, in: Commentaire Romand, Code civil II, 2016, N. 7 zu Art. 712q ZGB). Andererseits musste die Verwaltungsgesellschaft aufgrund des Schreibens der Stockwerkeigentümer vom 26. April 2018 befürchten, von den Stockwerkeigentümern selbst in Anspruch genommen zu werden, falls sich herausstellen sollte, dass die Hangsicherung zwar mangelhaft gewesen war, Ansprüche gegen die Werkunternehmerin jedoch infolge des Verhaltens der Verwaltungsgesellschaft untergegangen waren. Die Verwaltungsgesellschaft hatte deshalb ein Interesse daran, dass der Beschwerdeführer den Stockwerkeigentümern entweder von der Rechtsverfolgung gänzlich abraten würde, weil kein Mangel vorhanden sei, oder zur Verfolgung der Werkunternehmerin raten würde, weil die Mängelrüge der Verwaltungsgesellschaft rechtzeitig erfolgt sei und die Gewährleistungsansprüche nicht verjährt seien. Aufgrund dieses Interessenkonflikts bestand die Gefahr, dass die Verwaltungsgesellschaft den Beschwerdeführer nicht im besten Interesse der Stockwerkeigentümer, sondern in einer Art und Weise instruieren würde, welche ihre eigene Verantwortlichkeit gegenüber den Stockwerkeigentümern minimierte.