Citation: 1P.213/2003 07.07.2003 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, Art. 220 StP sehe die Möglichkeit eines Widerrufs innert vierzehn Tagen vor. Wenn innert vierzehn Tagen die Möglichkeit bestehe, eine an den Schranken abgegebene Erklärung zu widerrufen, spreche nichts dagegen, eine später abgegebene Erklärung ebenfalls innert dieser Frist zu widerrufen. Nach Art. 220 Abs. 1 Satz 2 StP kann der Begründungsverzicht, der im Rahmen der Gerichtsverhandlung erfolgt ist, innert vierzehn Tagen widerrufen werden. Sinn dieser Bestimmung ist der Übereilungsschutz. Dem Angeschuldigten, der noch ganz unter dem Eindruck der Gerichtsverhandlung steht und vielleicht vorschnell, sozusagen "in der Hitze des Gefechts", auf eine Begründung verzichtet, soll sich nochmals in Ruhe überlegen können, ob er wirklich am Verzicht festhalten will. Dazu wird ihm eine Frist von vierzehn Tagen gewährt. Die Botschaft zum revidierten Strafprozessgesetz lässt keine Zweifel offen: Danach solle neu der Begründungsverzicht aufgrund der praktischen Erfahrungen auch an der Gerichtsverhandlung zugelassen werden. Um die Gefahr einer Überrumpelung des Angeschuldigten auszuschliessen, werde ein Widerrufsrecht eingeführt (Amtsblatt des Kantons St. Gallen, Nr. 32a/1998, S. 1495, act. 7). Wird der Verzicht nicht unmittelbar vor den Schranken erklärt, hat der Betroffene vierzehn Tage Zeit, nachträglich auf die Begründung zu verzichten. Der Beschwerdeführer hat seinen Verzicht nicht vor Gericht abgegeben, sondern innert der vierzehn Tage seit Eröffnung des Rechtsspruches. Innerhalb dieser vierzehn Tage ist aber kein Widerrufsrecht vorgesehen. Das Kantonsgericht hält denn auch fest, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Verzichtserklärung zufolge fehlenden Verständnisses der Bedeutung und Tragweite derselben abgegeben worden sei; dagegen spreche insbesondere, dass die Erklärung vom Verteidiger eingereicht worden sei. Aus dem Umstand, dass der Widerruf der Verzichtserklärung vom 8. April 2002 unter Berücksichtigung der Gerichtsferien noch vor Ablauf der vierzehntägigen Frist zur Erklärung des Begründungsverzichts erfolgt sei, könne der Angeklagte nichts zu seinen Gunsten ableiten. Ein vor Ablauf der vierzehntägigen Frist gemäss Art. 220 Abs. 1 StP erklärter Begründungsverzicht sei grundsätzlich unwiderruflich. Diese Rechtsauffassung ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.