Citation: 9C_294/2020 E. 3.2

3.2. Das kantonale Gericht stellte fest, dass im Zeitpunkt der Rentenzusprache (15. Juni 2007) eine somatoforme Schmerzstörung im Vordergrund stand. Es verwies sodann auf die damals geltende Rechtsprechung, wonach bei Vorliegen dieser Diagnose nur in Ausnahmefällen die Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess anzunehmen gewesen sei (BGE 130 V 352; 131 V 49). Wenn die begutachtende Fachperson allein aufgrund dieser Diagnose eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert habe, habe die rechtsanwendende Behörde das Augenmerk auf die Frage richten müssen, ob die ärztlicherseits anerkannte (Teil-) Arbeitsunfähigkeit auch im Licht der für eine Unüberwindbarkeit der Schmerzsymptomatik massgebenden rechtlichen Kriterien standhalte (BGE 130 V 352 E. 2.2.5 S. 355 f.; Urteil 8C_33/2013 vom 13. Dezember 2013 E. 4.2.3, nicht publ. in: BGE 140 V 8, aber in: SVR 2014 IV Nr. 7 S. 27). Die dannzumal vorliegenden medizinischen Akten, namentlich das Gutachten der MEDAS Interlaken GmbH, vom 13. September 2006, hätten jedoch keine detaillierten Ausführungen zu den einzelnen Kriterien enthalten. Auch die IV-Stelle habe sich in der Verfügung vom 15. Juni 2007 nicht im Geringsten mit diesen Kriterien oder mit den eher gegen eine Unzumutbarkeit sprechenden Darlegungen im MEDAS-Gutachten auseinandergesetzt (z.B. Abklingen einer früher beschriebenen Depression und der Somatisierungsstörung, keine objektivierbaren körperlichen Funktionseinschränkungen oder Störungen der psychischen und kognitiven Funktionen und eine bedingt günstige Prognose bezüglich der Arbeitsfähigkeit). Die IV-Stelle habe es zudem unterlassen, entsprechende Rückfragen an den RAD oder die Gutachter zu stellen. Daher sei die Leistungszusprache in fehlerhafter Anwendung der damaligen massgeblichen Sach- und Rechtslage ergangen und als zweifellos unrichtig im Sinn von Art. 53 Abs. 2 ATSG zu qualifizieren). Anschliessend prüfte die Vorinstanz den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung vom 23. Mai 2019. Sie mass dem Gutachten der Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (ABI), vom 24. September 2018 Beweiskraft zu und schloss gestützt darauf auf eine 90%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten und einer angepassten Tätigkeit.