Citation: 5A_412/2015 E. 4

Mit Blick auf die Frage, ob die gemeinsame elterliche Sorge der Parteien aufzuheben und einem Elternteil zuzuteilen sei, stellt die Vorinstanz fest, in den letzten eineinhalb Jahren bzw. seit dem Entscheid vom 23. September 2013 (s. Sachverhalt Bst. B.b ) habe sich der Kontakt zwischen dem in Zürich lebenden Beschwerdeführer und seinen Kindern verschlechtert. Seit dem Jahre 2014 hätten nur noch selten Besuche am Wohnort der Kinder stattgefunden; diese Besuche seien von kurzer Dauer gewesen. Das Obergericht hält diese Entwicklung für schwer erklärbar. Der Beschwerdeführer habe im ersten Berufungsverfahren nicht vorgebracht, dass die Beschwerdegegnerin die Beziehung der Kinder zu ihm seit der Trennung nicht respektiert bzw. sich in einer Weise verhalten hätte, die der Aufrechterhaltung dieser Beziehung abträglich gewesen sei. Heute werfe er ihr vor, die Kinder zu instrumentalisieren und zu manipulieren; diese würden unter der egoistischen Abschirmungshaltung der Beschwerdegegnerin leiden. Die Beschwerdegegnerin wiederum beteuere, sich in einer schwierigen Situation zu befinden und alle Anfragen des Beschwerdeführers höflich und vernünftig zu beantworten. Sie halte die Kinder stets an, ihren Vater zu sehen. Sie könne die Kinder aber nicht gegen deren Willen zwingen, Zeit mit dem Beschwerdeführer zu verbringen. Dem angefochtenen Entscheid zufolge war die damals knapp 35-jährige Beschwerdegegnerin nach der Trennung im Februar 2009 mit den ein- bzw. dreijährigen Kindern in ihre Heimat ins Wallis zurückgekehrt. Das dortige Umfeld sei der inzwischen zehn Jahre alten C.________ und dem 7-jährigen D.________ vertraut geworden. Die Kinder seien erfolgreiche Schüler, gut integriert und gäben zumindest schulisch zu keinen Sorgen Anlass. Der Beschwerdeführer sei mit dem französischsprachigen Teil der Schweiz vertraut, da seine Schwester in Genf wohne. Als Berufsmusiker könne er seine frei verfügbare Zeit flexibel einteilen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse seien geordnet. Mit Blick auf das Verhältnis zwischen den Eltern hält das Obergericht fest, die seit der Trennung bestehenden grossen Spannungen zwischen den Eltern, die sich in den vergangenen sechs Jahren vor diversen Gerichten gegenüber gestanden seien, hätten nicht beigelegt werden können. Die Schuldfrage zu entscheiden sei müssig. Mit seiner immer wieder neu vorgebrachten Darstellung, die Beschwerdegegnerin sei psychisch nicht gesund bzw. bewege sich im Dunstkreis von Sekten, drehe der Beschwerdeführer an der "Eskalationsschraube". Einer Entspannung der Situation abträglich sei auch, wenn der Beschwerdeführer seinen Antrag auf Zuteilung des alleinigen Sorgerechts mit Ausführungen seiner neuen Ehefrau untermauern wolle, die zu den Kindern gar nicht in enger Beziehung stehe, oder wenn er die Kinder im November 2014 in der Schule mit einem Besuch überrascht habe. Dieser unangekündigte Besuch habe sogar ein Nachspiel mit der Schulleitung gehabt. Was den persönlichen Verkehr zwischen Vater und Kindern angeht, fällt dem Obergericht auf, dass deren ablehnende Haltung, die seit Ende 2013 wiederholt (beim Gericht, beim Beistand und bei der Psychologin) zum Ausdruck komme, mit dem Ergebnis der Abklärungen aus dem Jahre 2010 kontrastiere. Die damaligen Abklärungen hätten ergeben, dass die Kinder den Kontakt mit dem Vater wollten. Dass die mittlerweile eingetretene Ablehnung tatsächlich dem inneren Willen der Kinder entspricht, bezweifelt das Obergericht angesichts der Heftigkeit, mit der sie ihren Willen äussern würden. Es schliesst nicht aus, dass die Kinder unter dem unmittelbaren Einfluss der Beschwerdegegnerin stünden und ihren Wunsch aus Solidarität und Loyalität der Mutter gegenüber entwickelt hätten. Die Eltern würden mittlerweile nur noch auf sehr kurz angebundene Art mittels elektronischer Nachrichten miteinander kommunizieren, vornehmlich ohne Anrede und Grussformel. Selbst ein Treffen der Kinder mit dem Vater am Tag der gerichtlichen Anhörung vo m 17. September 2014 (Sachverhalt Bst. B.d) sei mit einem Hin und Her der Eltern verbunden gewesen. Im Weiteren verweist das Obergericht auf ein Schreiben des Beistandes vom 20. Februar 2014, wonach sich die grossen Spannungen zwischen den Eltern auf die Kinder niederschlagen, die Einstellung der Eltern sich direkt auf das Wohl der Kinder auswirkt und die Eltern kaum in der Lage sind, ihre Kinder aus dem Konflikt herauszuhalten. Laut Entscheid vom 28. Mai 2014 betreffend die Aufhebung der Beistandschaft (Sachverhalt Bst. B.c) habe der Beistand ausgeführt, dass sich die Situation seit vier Jahren nicht verbessert und die Kindesschutzbehörde alles versucht hat und auch die Eltern eine neue Mediation nicht für sinnvoll erachten. Bei dieser Sachlage - schwerer und anhaltender Elternkonflikt, insbesondere fehlende Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft trotz bestehender Beistandschaft, mit nachteiligen Auswirkungen auf die noch kleinen Kinder (Loyalitätskonflikt) - sei die Basis für eine gemeinsame elterliche Sorge auch nach Massgabe der neuen Sorgerechtsbestimmungen nicht (mehr) gegeben. Schliesslich weist die Vorinstanz darauf hin, dass sich die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge nur rechtfertige, wenn damit der Elternkonflikt zumindest gemildert werden könne. Im vorliegenden Fall sei davon auszugehen, dass mit einer Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge die Zahl der Streitpunkte in den Kinderbelangen abnehmen, jedenfalls aber nicht noch zunehmen werde. Eine klare Zuweisung von Entscheidkompetenzen an eine der Parteien könne entlastend wirken. Die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge erscheine somit angemessen und verhältnismässig, auch wenn nicht sicher vorausgesagt werden könne, ob diese Massnahme tatsächlich zu einer Entspannung des Elternkonflikts führe. Diese Unsicherheit liege in der Natur der Sache und sei im Interesse der Kinder hinzunehmen.