Citation: 6B_844/2023 E. 1.4.1

1.4.1. Hinsichtlich der umstrittenen Frage der Tatmacht führt die Vorinstanz teilweise mit Hinweis auf die erstinstanzliche Urteilsbegründung aus, der Beschwerdeführer habe bestätigt, dass er seit seiner Versetzung in den ordentlichen Strafvollzug regelmässigen telefonischen Kontakt zu seinen Familienangehörigen in Nigeria pflege und in der Justizvollzugsanstalt mehrmals Besuch von nigerianischen Botschaftsvertretern erhalten habe. Zudem sei es auch vorgekommen, dass er im Verlauf des früheren Strafverfahrens seinen hiesigen Verteidiger damit beauftragt habe, Anwälte in Nigeria einzuschalten, damit diese über die Eigenheiten des nigerianischen Rechts Auskunft geben können. Die Vorinstanz erwägt, es sei nicht ersichtlich, weshalb es dem Beschwerdeführer nicht möglich sein soll, aus dem Gefängnis heraus in eigener Person - sei es auf telefonischem oder auf schriftlichem Weg - oder über von ihm mandatierte und instruierte Rechtsvertreter konkrete Bemühungen im Hinblick auf die Rückführung der Kinder in die Schweiz vorzunehmen. Folglich ergebe sich, dass es für den Beschwerdeführer auch während des laufenden Strafvollzugs eine Vielzahl an Möglichkeiten gegeben hätte, aktiv zu werden, um die Rückkehr seiner Söhne zur Kindsmutter in die Wege zu leiten. Jedoch habe sich der Beschwerdeführer darauf kapriziert, einfach weiterhin untätig zu bleiben und beharrlich zu schweigen. Durch dieses vollkommen passive Verhalten habe er selber bereits im Ansatz jeglichen Versuch unterbunden, mittels eigener Handlungen daran mitzuwirken, dass die Kinder zu ihrer Mutter zurückgebracht werden können. Es komme hinzu, dass der Beschwerdeführer auch im Rahmen des jetzigen Strafverfahrens erneut habe vorbringen lassen, er sei nach nigerianischer Rechtsauffassung das unangefochtene Familienoberhaupt, dem hinsichtlich der in seinem "Eigentum" stehenden Ehefrau und Kinder sämtliche Weisungsbefugnisse zukämen und das das alleinige Recht habe, über die Belange der Kinder und namentlich auch über deren Aufenthaltsort zu bestimmen. Gerade angesichts dieser umfassenden Entscheidungskompetenz, die sich der Beschwerdeführer selber zumesse, wäre deshalb durchaus zu erwarten, dass eine Willenserklärung von ihm, dass er sich eine Rückkehr seiner Söhne in die Schweiz wünsche, auch in Nigeria nicht unbeachtet bleiben könnte. Zudem handle es sich bei der Behauptung, dass es zur Klärung der Situation zwingend der persönlichen Vorsprache des Beschwerdeführers vor Ort bedürfe, um den Rat der Stammesgemeinschaft an seinem Heimatort und das zuständige Gericht in Nigeria zu überzeugen, dass eine Kindsrückführung seinem tatsächlichen und unbeeinflussten Willen entspreche, nicht nur um eine reine Mutmassung der Verteidigung, für die keinerlei objektive Anhaltspunkte bestünden. Vielmehr sei die angebliche Notwendigkeit einer Anwesenheit des Beschwerdeführers in Nigeria auch durch nichts belegt, was dieser sich allerdings selber zuzuschreiben habe, nachdem er gar nie einen ernsthaften Versuch unternommen habe, von der Schweiz aus eine Verlautbarung abzugeben, mit der er seine Einwilligung zur Rückführung der Kinder zu ihrer Mutter unmissverständlich kundtue, und entsprechend auch nie eine Reaktion irgendwelcher Art auf ein solches Anliegen erhalten habe. Unter diesen Umständen sei davon auszugehen, dass die vom Beschwerdeführer aufgestellte Behauptung mangels Anzeichen für deren Richtigkeit unglaubhaft sei, was mit den Grundsätzen der freien Beweiswürdigung ohne Weiteres vereinbar sei. Daraus ergebe sich, dass auch unter Berücksichtigung des laufenden Strafvollzugs die faktische Möglichkeit des Beschwerdeführers, die Rückführung der Kinder in die Schweiz zu veranlassen, nach wie vor andauere (Urteil S. 14 ff. mit Hinweis auf das erstinstanzliche Urteil S. 11 f.).