Citation: U 73/00 21.02.2001 E. 3

3.- a) Der Unfall vom 5. Mai 1992 kam dadurch zustande, dass ein Personenwagen, dessen Fahrer ein Rotlicht missachtete, mit dem vom Versicherten gelenkten Taxi kollidierte, wodurch gemäss Polizeirapport die hintere linke Seite (Wagentür) des Taxis eingedrückt, das hintere linke Rad beschädigt und eventuell die Hinterachse gebrochen wurde. Dabei zog sich der Versicherte Schürfwunden an Kinn und Knie und ein erhebliches Schleudertrauma der HWS bzw. eine erhebliche Distorsion der HWS durch einen Abknickmechanismus zu, worauf er unter starken Kopfschmerzen und Nackenbeschwerden litt. Dieser Unfall wurde von Verwaltung und Vorinstanz aufgrund des Geschehensablaufs und der zugezogenen Verletzungen zu Recht als Unfall im mittleren Bereich qualifiziert (welcher Qualifikation sich der Beschwerdeführer anschliesst), wobei er nicht den schwereren Unfällen im mittleren Bereich zugerechnet werden kann. b) Das typische Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS besteht in einer Häufung von Beschwerden wie diffusen Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. (BGE 117 V 360 Erw. 4b). Solche Beschwerden sind vorliegend zwar teilweise gegeben (vgl. insbesondere Gutachten des Dr. med. A.________ vom 4. August 1998). Indessen leidet der Versicherte an einer ausgeprägten Depression, die zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit führt (Bericht des Dr. med. C.________, FMH für Innere Medizin, vom 23. Dezember 1994; Gutachten des Prof. Dr. med. D.________, Psychiatrische Universitätspoliklinik des Kantonsspitals Y.________, vom 10. Januar 1995; Gutachten des Dr. med. A.________ vom 4. August 1998), wobei er bereits 1992 mit Antidepressiva behandelt wurde (Bericht der Frau Dr. med. S.________ vom 24. März 1997; vgl. auch Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik E.________ vom 27. Oktober 1992) und die neuropsychologischen Ausfälle insbesondere als Folge der Depression gewertet werden (neuropsychologisches Gutachten des lic. phil. H.________ vom 25. April 1998). Die die Nacken- und Kopfschmerzen überlagernde psychische Problematik steht demnach derart im Vordergrund (vgl. Gutachten des Dr. med. A.________ vom 4. August 1998), dass die Adäquanzbeurteilung unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall gemäss BGE 115 V 138 Erw. 6 zu erfolgen hat. c) Da es sich um einen Unfall im mittleren Bereich handelt, der jedoch nicht den schwereren Unfällen in diesem Bereich zuzurechnen ist, ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und allfälligen psychogenen Unfallfolgen nur dann zu bejahen, wenn eines der massgebenden unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb; SVR 2000 UV Nr. 17 S. 58 Erw. 4b, 1999 UV Nr. 10 S. 32 Erw. 2). Bei der Prüfung der massgebenden Kriterien sind sowohl die LWS-Beschwerden, die in keinem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall stehen, als auch - infolge Anwendbarkeit der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen - die psychischen Komponenten ausser Acht zu lassen. d) aa) Die in organisch erklärbarer Weise von der HWS ausgehenden Beschwerden machen nur einen relativ geringen Teil des gesamten Beschwerdebildes aus. Zum einen stehen die nicht zu berücksichtigenden lumbalen Beschwerden mit einem Anteil von 70 % im Vergleich zu den von der HWS ausgehenden Beschwerden (Schätzung gemäss Gutachten des Dr. med. A.________ vom 4. August 1998) klar im Vordergrund. Dabei ist zu beachten, dass die LWS-Problematik die HWSProblematik früher ausser in den ersten Wochen nach dem Unfall vom 5. Mai 1992 in noch stärkerem Ausmass überwog, was nicht nur daraus folgt, dass die Rückenschmerzen insgesamt gesehen in den fünf der Untersuchung durch Dr. med. A.________ vom 20. November 1997 vorangegangenen Jahren gemäss dessen Gutachten um etwa 30 % besser geworden sind, sondern auch durch die übrigen medizinischen Akten und die Aussagen des Versicherten bestätigt wird, die bald mehrheitlich die ganze oder teilweise Arbeitsunfähigkeit überwiegend, vor allem oder ausschliesslich mit den lumbalen Beschwerden begründen. Zum andern besteht eine bei der Adäquanzbeurteilung auszuscheidende ausgeprägte psychische Überlagerung, liessen sich doch in der von Dr. med. A.________ vorgenommenen klinischen und radiologischen Untersuchung nur wenig organische Veränderungen finden, welche die starken Nackenschmerzen des Versicherten erklären könnten. Dabei ist zu beachten, dass Dr. med. A.________, als er die unfallbedingte "Minderung der Erwerbsfähigkeit" auf 50 % schätzte, auch die vorliegend nicht zu berücksichtigende Depression, die er zur Hälfte den von der HWS ausgehenden Schmerzen zuschrieb, in Anschlag brachte. Unter diesen Umständen kann in Bezug auf die im vorliegenden Zusammenhang allein massgebenden organisch von der HWS ausgehenden Beschwerden weder von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung noch von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen noch von einer hinsichtlich Grad und Dauer ausgeprägten physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit gesprochen werden. Es ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer ohne die unfallfremden LWS-Beschwerden und die hier ebenfalls nicht zu berücksichtigende depressive Entwicklung längere Zeit in beträchtlichem Ausmass arbeitsunfähig und in ärztlicher Behandlung gewesen wäre. Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls liegen unbestrittenermassen ebenso wenig vor wie eine ärztliche Fehlbehandlung. Schliesslich sind die vom Beschwerdeführer erlittenen Verletzungen nicht im Sinne der Rechtsprechung schwer oder besonders geartet, indem sie erfahrungsgemäss geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen auszulösen (vgl. BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Aufgrund der allein ausschlaggebenden HWS-Problematik ist schliesslich das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen in Anbetracht des relativ geringen Anteils der HWS-Symptomatik am gesamten Beschwerdebild nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Nachdem keine anderen mit dem Unfall zusammenhängenden Gegebenheiten, die bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs eine Rolle spielen könnten, ersichtlich sind, kein Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist und die zu berücksichtigenden Kriterien auch nicht in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind, ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem psychischen Leiden des Beschwerdeführers unter Einschluss der mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf dieses zurückzuführenden neuropsychologischen Ausfälle in Übereinstimmung mit Verwaltung und Vorinstanz zu verneinen. bb) Die Berufung des Beschwerdeführers auf BGE 117 V 368 Erw. 7b, wo das Eidgenössische Versicherungsgericht eine dauernde Arbeitsunfähigkeit von 30 % als Indiz für die Bejahung der Adäquanz wertete, ist unbehelflich. Im Gegensatz zum vorliegenden Rechtsstreit waren im vom Versicherten angerufenen Präjudiz die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter Weise gegeben, indem die Kriterien des Ausmasses und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit, des schwierigen Heilungsverlaufs, der Dauerbeschwerden sowie der besonderen Art der Verletzung bejaht wurden, wobei nicht die Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen, sondern die Schleudertrauma-Rechtsprechung (vgl. BGE 117 V 367) anwendbar war. Es fehlt demnach an der Vergleichbarkeit der beiden Fälle.