Citation: 4A_160/2015 E. A

A.a. B.________ (Klägerin, Beschwerdegegnerin) litt seit Jahren an Rückenbeschwerden, deren Ursache in einem sog. Wirbelgleiten (Spondylolisthese) im Bereich des untersten Lendenwirbels (L5) und dem Kreuzbein (S1) lag: Der Wirbel L5 glitt über die Kante des Wirbels S1 nach vorn (Richtung Bauch). Ihre Spondylolisthese hatte die Klägerin zunächst in Istanbul konservativ behandeln lassen. In der Zeit zwischen 1996 und 2001 verschlechterte sich die Spondylolisthese von Meyerding Grad I-II auf Meyerding Grad II-III. Diese Grade bezeichnen die Schwere des Wirbelgleitens anhand des Versatzes der Wirbel zueinander. Bei Grad I erreicht der Versatz weniger als 25 % der Tiefe der Wirbelkörper, bei Grad IV übersteigt er 75 %. Bei einer schweren Spondylolisthese im Bereich L5/S1 verengen sich die Zwischenwirbellöcher, durch die die Spinalnerven austreten (die sog. Foramina), was zur Einklemmung der Nervenwurzel L5 führt. A.b. Nach Weihnachten 2003 wurde die Klägerin wegen starken Rückenschmerzen durch ihren Hausarzt in die Behandlung bei Dr. med. A.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie (Beklagter, Beschwerdeführer) überwiesen. Dieser veranlasste am 26. Dezember 2003 die Hospitalisation der Klägerin in der K.________klinik in U.________ über deren Notfallstation. Bei der Eintrittsuntersuchung in der Klinik hatte die Klägerin starke Schmerzen beim Gehen und Stehen. Beim Liegen traten hingegen keine Schmerzen auf. Die sogleich angefertigten MRI-Aufnahmen zeigten eine Spondylolisthese auf der Höhe L5/S1 mit Meyerding-Grad II bis schon fast Grad III. Die Klägerin wurde in der Folge einer intensiven intravenösen Schmerzbehandlung unterzogen. Sie wurde dabei von Dr. med. C.________ betreut. Es traten Nebenwirkungen auf (Übelkeit); die Klägerin war nicht mehr mobilisierbar und schrie zuweilen vor Schmerzen. Es traten zudem Sensibilitätsstörungen im Fuss auf, ein Zittern der Hände und ein Zucken im Bein. Am 30. Dezember 2003 wurde die Klägerin vom Beklagten, dem es gelungen war, ein Team zusammenzustellen, ab 14 Uhr operiert. Der Eingriff erfolgte ventral, also vom Bauch her. Die Bandscheibe zwischen L5 und S1 wurde durch B-Twin-Cages ersetzt; die Fehlstellung der Wirbelsäule auf Meyerding Grad I bis II korrigiert und mittels einer vertikal eingesetzten Spongiosaschraube fixiert. Dies führte zur Entlastung der eingeklemmten bzw. bedrängten Nervenwurzel. Die Klägerin wurde am 9. Januar 2004 aus der Klinik entlassen. Die Beschwerden hatten zuvor kontinuierlich und deutlich abgenommen; im Austrittsbericht wurde ein normales postoperatives Verhalten der Klägerin festgehalten. Bis zum 29. Januar 2004 besuchte die Klägerin eine Therapie in Schinznach Bad. Danach konnte sie wieder selbstständig gehen, wenn auch mit Schmerzen. A.c. Am 9. Februar 2004 fand die Nachkontrolle durch den Beklagten statt. Die dabei angefertigten Röntgenbilder zeigten, dass sich die Schraube verbogen hatte, weshalb eine zweite Operation zur Stabilisierung thematisiert und eine weitere Kontrolle vereinbart wurde. Wegen zunehmender Schmerzen meldete sich die Klägerin bereits am 20. Februar 2004 in der Notfallstation der K.________klinik in U.________. Dr. med. C.________ stellte eine Reizsymptomatik der Nervenwurzel L5 fest und verordnete eine starke Schmerzmedikamentation. A.d. Die Klägerin holte in der Folge diverse Zweitmeinungen ein und verzichtete auf eine weitere Behandlung durch den Beklagten. Der Fachorthopäde Dr. med. D.________ im Spital L.________ in V.________ untersuchte die Klägerin am 9. März 2004 und befand, aufgrund der sich zunehmend biegenden Schraube sollte unbedingt eine Zusatzstabilisierung der Wirbelsäule vom Rücken her erfolgen. Die Klägerin fasste zu diesem Arzt aber kein Vertrauen. Der Neurochirurg Dr. med. E.________ aus W.________ diagnostizierte am 12. März 2004 Schmerz- und Ausfallsyndrome im Zusammenhang mit der Nervenwurzel L5, eine Fussheberparese (Lähmungserscheinung) und eine Instabilität der Wirbelsegmente L5/S1. Wegen der verbogenen Schraube riet er zu einer Revisionsoperation, durchgeführt in einer Spezialklinik. Die von der Klägerin als Beraterin beigezogene Oberärztin am M.________spital in X.________ Dr. med. F.________ verwies die Klägerin an Dr. med. G.________ von der N.________klinik in Y.________, der am 30. März einen Schraubenbruch sowie wenigstens eine Fehlposition der Cages feststellte und zu einer operativen Revision riet, deren Termin er offenbar provisorisch auf den 29. April 2004 festsetzte. Die Klägerin konnte sich indessen nicht entschliessen, sich durch G.________ operieren zu lassen und konsultierte am 6. April 2004 noch Ärzte der O.________ Klinik in X.________. Dort wurde sie am 10. Mai 2004 von Dr. med. H.________ operiert. Vom Bauch her wurde die gebrochene Schraube und die Cages entfernt. Es wurde als Bandscheibenersatz zwischen den Wirbeln L5/S1 neu ein Harms-Cage eingesetzt und anschliessend vom Rücken her die Wirbelsäule mit einem vertikalen Zwischenstück, gehalten durch je eine Schraube in L5 und S1, fixiert. Diese Operation brachte der Klägerin gewisse Erleichterungen, hat sie aber nicht schmerzfrei gemacht. Die Klägerin war der Auffassung, die Nervenwurzeln seien über Monate gereizt worden, sodass sie nach wie vor Schmerzen verursachten, und verlangte daher vom Beklagten Schadenersatz und Genugtuung. Demgegenüber sah der Beklagte den Grund für allfällige verbleibende Beeinträchtigungen der Klägerin und die über Monate gereizten Nervenwurzeln in der Zeit, welche die Klägerin durch die diversen Zweitkonsilien habe verstreichen lassen.