Citation: 4A_544/2017 E. 5.2

5.2. Die Beschwerdeführerin erachtet ferner auch die vorinstanzliche Beweiswürdigung in Bezug auf die Schadenminderungsobliegenheit als willkürlich. Die Vorinstanz kam zum Schluss, die ablehnende Haltung des Beschwerdegegners sei gemäss dem behandelnden Psychiater krankheitstypisch und könne dem Beschwerdegegner daher nicht als Verletzung der Schadenminderungsobliegenheit vorgeworfen werden. Auch der Privatgutachter habe eine Intensivierung der therapeutischen Massnahmen als nicht notwendig erachtet und erwogen, eine stationäre Behandlung dürfte eher negative Folgen zeigen, da der Beschwerdegegner dann von seiner Familie getrennt wäre. Auch diese Feststellung der Vorinstanz beruht im Wesentlichen auf den Angaben des behandelnden Psychiaters. Dass die diesbezügliche Würdigung willkürlich ist, wurde bereits festgestellt, es kann auf diese Erwägungen verwiesen werden (E. 4.3). Ergänzt sei, dass der Hinweis der Vorinstanz auf die Ansicht des Privatgutachters ebenfalls nicht überzeugt, sondern unhaltbar ist. Hinsichtlich der Entwicklung während der relevanten Periode wird in diesem Gutachten eine Prognose gestellt; wesentlich ist jedoch die tatsächliche Entwicklung (so bereits zit. Urteil 4A_66/2017 E. 5.1). Welche Behandlungen während der relevanten Periode allenfalls geboten gewesen wären, hat der Privatgutachter nicht echtzeitig eingeschätzt. Da er für diese Zeit eine Genesung vorhersagte, erübrigten sich für ihn aber von vornherein Mutmassungen über künftig allenfalls angezeigte Behandlungen. Es ist widersprüchlich, die Tatsache, dass das Privatgutachten hinsichtlich der relevanten Periode einzig Prognosen aufstellte, bei der Arbeitsunfähigkeit zu berücksichtigen, bei der Schadenminderungsobliegenheit aber zu übergehen und stattdessen darauf abzustellen, welche Behandlungen der Gutachter im nicht relevanten Zeitpunkt der Gutachtenserstellung als angebracht erachtete. Kommt hinzu, dass die Vorinstanz davon ausging, die nach Erstellung dieses Gutachtens erfolgte Kündigung habe den Gesundheitszustand des Beschwerdegegners zusätzlich verschlechtert. Umso weniger verständlich ist, wenn sie sich bezüglich der womöglich angezeigten Behandlungen während der relevanten Periode gleichwohl auf die Angaben im Privatgutachten berief, zu dessen Entstehungszeitpunkt die Kündigung noch gar nicht erfolgt war und dementsprechend die dadurch verursachte Verschlechterung des Gesundheitszustands noch gar nicht eingetreten sein konnte. Die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz in Bezug auf die Schadenminderungsobliegenheit ist demnach ebenfalls willkürlich. Die Vorinstanz wird nicht umhin kommen, im Rahmen des von ihr einzuholenden gerichtlichen Gutachtens (siehe bereits E. 4.1.2) dem Gutachter auch Fragen zu diesem Themenkomplex zu unterbreiten.