Citation: 8C_62/2024 E. 3.2.2

3.2.2. Die ABI-Gutachter stellten die folgenden (Haupt-) Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: einen Morbus Crohn (ICD-10: K50.9); eine enteropathische Spondylarthritis bei Morbus Crohn (ICD-10: M54/K50), ein chronisches myotendinotisch bedingtes, zervikal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10: M53.8), eine aktivierte Coxarthrose beidseits, links betont ([CD-10: M16), sowie eine Agoraphobie mit Panikattacken (ICD-10: F40.0). Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0), eine dysfunktionale Krankheitsverarbeitung bei Morbus Crohn (ICD-10: F54), eine Benzodiazepinabhängigkeit (ICD-10: F13.25), eine steroidinduzierte Osteopenie ([CD-10: M85), eine medial betonte geringe Gonarthrose beidseits (ICD-10: M17), eine rezidivierende Nephrolithiasis (ICD-10: N20.2), eine leichtgradige Niereninsuffizenz (ICD-10: N19), eine arterielle Hypertonie (ICD-10: 110.0), anamnestisch eine Dyslipidämie (ICD-10: 178.0) sowie eine Hyperurikämie (ICD-10: E79.0). In der interdisziplinären medizinischen Beurteilung hielten die Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer seit bald 30 Jahren an einem Morbus Crohn leide. Trotz regelmässiger Behandlung mit verschiedenen Medikamenten seien immer wieder Schübe aufgetreten. Es habe sich zudem eine Spondylarthritis entwickelt. Bei der gastroenterologischen Untersuchung sei eine immer noch vorhandene entzündliche Aktivität bestätigt worden. Einschränkungen bei der Arbeitsfähigkeit bestünden aufgrund der wiederholten Durchfälle und Toilettengänge. Auch bei der rheumatologischen Untersuchung sei eine entzündliche Aktivität in der Wirbelsäule und verschiedenen Gelenken festgestellt worden. Die Belastbarkeit des Bewegungsapparats sei dadurch erheblich vermindert. Die Arbeitsfähigkeit sei deutlich eingeschränkt. Bei der psychiatrischen Untersuchung sei eine Agoraphobie mit Panikattacken festgestellt worden. Dies vermindere die allgemeine Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers etwas. Eine rezidivierende depressive Störung sei gegenwärtig nur leicht ausgeprägt. Es habe auch eine dysfunktionale Krankheitsverarbeitung bei Morbus Crohn erhoben werden können. Der Beschwerdeführer fühle sich dadurch verstärkt arbeitsunfähig. Bei der urologischen und allgemeininternistischen Untersuchung sei ein kompensierter Gesundheitszustand festgestellt worden. Die Arbeitsfähigkeit sei durch die Diagnosen in diesen Fachgebieten nicht eingeschränkt. Des Weiteren äusserten sich die Gutachter dahingehend, dass sie bei ihren Untersuchungen gewisse Inkonsistenzen festgestellt hätten, indem die vom Beschwerdeführer angegebenen Einschränkungen nicht vollständig mit den objektiven medizinischen Befunden erklärt werden könnten. Es seien zum Beispiel bei keiner der Untersuchungen gehäufte Toilettengänge zu beobachten gewesen. Dasselbe gelte für die Angaben der Aktivitäten im Alltag. Diese stünden in Kontrast zu der vom Beschwerdeführer angegebenen vollständigen Arbeitsunfähigkeit. Die Gutachter formulierten das folgende Zumutbarkeitsprofil für angepasste Tätigkeiten: körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten, ohne repetitive Bewegungen und Zwangshaltungen; eine Toilette müsse regelmässig erreichbar sein; in einer solchen Tätigkeit sei der Beschwerdeführer - bezogen auf den freien Arbeitsmarkt und ein 100%-Pensum - zu 50 % arbeits- und leistungsfähig. Zum zeitlichen Verlauf der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit hielten die Experten fest, dass genaue Angaben zum Langzeitverlauf schwierig seien. Es seien immer wieder Phasen mit hoher oder weniger starker Aktivität des Morbus Crohn aufgetreten. Die festgestellte Arbeitsfähigkeit habe möglicherweise seit Oktober 2015 bestanden, könne wahrscheinlich mindestens seit Anfang 2018 angenommen und sicher ab dem Untersuchungszeitpunkt im November 2018 bestätigt werden.