Citation: 2C_432/2023 E. 3.1

3.1. Die Annahme, dass der Ehegattennachzug einer Frist unterstehe, widerspricht gemäss Ansicht der Beschwerdeführer dem gesetzgeberischen Willen. Würde eine solche Frist dennoch angenommen werden, entbehre diese einer hinreichenden gesetzlichen Grundlage, weil der Gesetzestext unklar sei und die Beschwerdeführer die Rechtsfolgen ihres Handelns daher nicht hätten vorhersehen können. Zudem stelle die Anwendung einer Nachzugsfrist eine konventionswidrige Inländerdiskriminierung dar. Insofern seien Art. 8 und 14 EMRK sowie Art. 4, 13 und 36 BV verletzt worden. Weil sie über die Frist sodann entgegen Art. 56 AIG und Art. 9 BV nicht informiert worden seien, könne sie ihnen zumindest nicht entgegengehalten werden. Aus diesen Gründen sei von einem fristgerechten Gesuch auszugehen. Dies müsse selbst bei Anwendung der fünfjährigen Frist der Fall sein, da sie erst im Jahr 2022 in der Schweiz geheiratet haben und folglich auf dieses Datum abzustellen sei.