Citation: 1B_618/2019 E. 2.6

2.6. Im vorliegenden Fall geht die Untersuchungsbehörde (beim jetzigen Ermittlungsstand) davon aus, dass ein im Tatzeitpunkt ca. 14½-jähriges Kind Opfer von strafbaren sexuellen Handlungen (Art. 187 StGB) wurde. Dabei handelt es sich um ein mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedrohtes Verbrechen (vgl. Art. 187 Ziff. 1 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StGB). Wäre die untersuchte Straftat etwa ein halbes Jahr früher verübt worden, läge die schweizerische Strafrechtshoheit ohne Weiteres vor (Art. 5 Abs. 1 lit. b StGB). Hinzu kommt aber, dass eine Auslandtat grundsätzlich auch bei sexueller Ausnützung von Minderjährigen durch Erziehungs - oder Betreuungspersonen verfolgbar ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 lit. a bis StGB). Die kantonalen Strafbehörden legen dar, dass es sich bei der Beschuldigten um die aktuelle Lebenspartnerin (bzw. Freundin) des Vaters des Kindes gehandelt habe. Die Beschuldigte habe im Tatzeitpunkt mit dem Vater und dessen Kind gemeinsame Familienferien verbracht. Der Beschwerdeführerin wird erschwerend vorgeworfen, sie habe als Mitverantwortliche für die Betreuung des 14-jährigen Mädchens das betreffende Vertrauensverhältnis sexuell ausgebeutet. Zwar erfasst die Strafnorm von Art. 188 StGB - aufgrund des schon durch Art. 187 StGB (ohne qualifiziertes "Ausnützungserfordernis") gewährleisteten Schutzes von Kindern unter 16 Jahren - die Ausnützung von "minderjährigen Personen von mehr als 16 Jahren". Nach dem Sinn und Zweck der hier auszulegenden kollisionsrechtlichen Bestimmung von Art. 5 Abs. 1 lit. a bis StGB wäre jedoch schlechterdings nicht einzusehen, weshalb die sexuelle Ausnützung durch Betreuungs- und Erziehungspersonen ausschliesslich bei minderjährigen Opfern über 16 Jahren als Auslandtat verfolgt werden dürfte, nicht aber bei erst 14-jährigen ausgenützten Opfern.