Citation: I 162/06 21.03.2007 E. 2.5

2.5.1 Sowohl Dr. med. G.________ (Berichte vom 31. Mai 2004, 20. März und vom 30. August 2005) als auch med. pract. K.________ (Bericht vom 10. Oktober 2005) gehen - wie die Berichte von pädagogischer/sozialtherapeutischer Seite und der Betrieb B.________, Produktion und Dienstleistung (Schnupperzeit als Koch) - davon aus, dass der Beschwerdegegner für eine gelingende berufliche Erstausbildung unbedingt eines klaren, fordernden und stützenden Rahmens bedarf und den Anforderungen an eine Arbeit bzw. eine seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung in der freien Wirtschaft derzeit nicht gewachsen wäre. Ohne besonders strukturierte und betreute Ausbildung bestehe ein hohes Risiko, dass der Versicherte später kein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermöge, mithin die erfolgreiche berufliche Eingliederung misslinge. 2.5.2 In Würdigung der gesamten Aktenlage besteht kein Anlass, die Richtigkeit der ärztlichen Einschätzung in Zweifel zu ziehen. Aufgrund der verfügbaren Berichte ist namentlich - was hier ausschlaggebend ist (Erw. 2.4 hievor) - unwahrscheinlich, dass dem Versicherten bei gesundheitlich wie altersentsprechend zumutbarer Ausschöpfung seiner psychischen Ressourcen die erfolgreiche Absolvierung der von ihm primär anvisierten, seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Kochlehre bzw. Lehre als Restaurationsangestellter gelingen wird. Zwar hat der Versicherte, der bei Intelligenztests durchschnittlich abschnitt (mit grossen Schwankungen in den Untertests), in jüngerer Zeit wiederholt die Fähigkeit und Bereitschaft zu Kooperation gezeigt und punktuell auch Fortschritte bezüglich Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, Sozialkompetenz sowie Konzentrationsfähigkeit und Arbeitsmotivation erzielt. Diese positive Entwicklung einer gewissen psychischen Stabilisierung und vermehrten Eigeninitiative ist jedoch nach medizinischer und sozialtherapeutischer Einschätzung untrennbar mit einem besonders kontrollierenden, fordernden und qualifiziert betreuenden Umfeld verknüpft, und ihr psychisches Fundament bleibt nach Lage der Akten selbst innerhalb eines geschützten Rahmens sehr labil. Der Beschwerdegegner weist in seinem Sozial- und Arbeitsverhalten offenbar eine sehr stark schwankende Emotionalität mit unterschiedlichsten, bisweilen gegensätzlichen Seiten auf, die er als Folge seiner krankheitswertigen psychischen Leiden und damit verbundenen Ich-Schwächen aus eigener Kraft - ohne gleichzeitig stützend-betreuende Strukturen und besondere Aufsicht/Kontrolle - nur sehr beschränkt zu erkennen, bewusst zu beeinflussen oder gar gezielt zu steuern vermag. Gemäss Verlaufsbericht der Stiftung T.________ vom 17. Mai 2005 müssen insbesondere aggressive Durchbrüche meist durch eine Drittperson gestoppt werden, da er "diese Dynamik nicht selbstständig durchbrechen kann". Für das nicht therapeutisch ausgebildete Personal der Stiftung erfolgten die aggressiven Durchbrüche (etwa nach scheinbar bagatellhaften Anforderungen, Ausübung von Kritik oder Gewahrwerden einer allfälligen persönlichen Niederlage) in den meisten Fällen nach einem nicht nachvollziehbaren Muster, und auch der Versicherte selbst habe seinem Verhalten gegenüber auch in rückblickenden Versuchen einer Verarbeitung oft nur ratlos gegenüber gestanden (Angaben gegenüber der IV vom 29. August 2005). Bei dieser Sachlage ist nicht nur die grundsätzliche Geeignetheit und Zweckmässigkeit, sondern mit der Vorinstanz auch die invaliditätsbedingte Notwendigkeit einer erstmaligen beruflichen Ausbildung in geschütztem Rahmen mit entsprechenden Mehrkosten zu bejahen. 2.6 Nach Lage der Akten hätte der Beschwerdegegner vom 1. August 2005 bis zum 31. Juli 2007 eine Anlehre als Koch in geschütztem Umfeld bei weiterhin betreutem Wohnen absolvieren können. Das kantonale Gericht hat die konkrete Geeignetheit der fraglichen Attest-Lehre (mit der Möglichkeit des anschliessenden Übertritts in eine normale Kochlehre) und den Anspruch auf Übernahme der damit zusammenhängenden Mehrkosten mit Entscheid vom 23. Dezember 2005 bejaht. Nach Verweigerung der Kostengutsprache durch die IV-Stelle wurde der Lehrvertrag indessen - wie für diesen Fall angekündigt - im November 2005 aufgelöst, was schliesslich auch den weiteren Verbleib in der Stiftung T.________ verunmöglichte. Der Versicherte, der seit 6. März 2006 bei seinen Grosseltern wohnt, ist aber offenbar nach wie vor gewillt, eine Lehre als Küchenangesteller/Koch zu absolvieren, welches konkrete Berufsziel in der Tat den aktenmässig dokumentierten Fähigkeiten und Neigungen entspricht. Die Invalidenversicherung wird für die Mehrkosten einer entsprechenden Erstausbildung in geschütztem Rahmen jedoch nur und erst dann aufzukommen haben, wenn ein im Hinblick auf das Eingliederungsziel geeigneter Ausbildungsplatz - sei es zwecks direkter Erlernung des gewählten Berufs, sei es zwecks notwendiger, spezifischer Vorbereitung auf die eigentliche Berufsausbildung (vgl. ZAK 1988 S. 177 E. 2, I 552/86; AHI 1997 S. 80 E. 1b, I 139/94; Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 836/05 vom 1. März 2006, E. 2.1 mit Hinweis; I 509/01 vom 21. August 2003, E. 3.3.1; I 359/00 vom 3. April 2003, E. 2) - und die Erheblichkeit der damit verbundenen Mehrkosten (Art. 5 Abs. 2 IVV) feststehen.