Citation: 4A_471/2020 E. 5.2

5.2. Wie bereits vor Vorinstanz, wiederholt der Beschwerdeführer lediglich seine Behauptung, die bis April 2015 (Auflösung der Kollektivgesellschaft) gehandhabte Regelung einer 50:50-Aufteilung von Gewinn und Verlust habe auch im Zeitraum von über zwei Jahren zwischen 2015 und 2017 weiter gegolten, da der Beschwerdegegner dieser nicht widersprochen und sie dadurch (konkludent) gebilligt habe. Demzufolge habe der Beschwerdegegner in diesem Zeitraum auch nicht den analog den Vorjahren getätigten Barentnahmen und Überweisungen widersprochen, obwohl er als Kontoinhaber ständig Einsicht in das Bankkonto gehabt habe. Er habe das Konto der Kollektivgesellschaft vielmehr noch bis Mai 2017 aufrechterhalten. Wäre er mit den Bezügen nicht einverstanden gewesen, hätte er es unverzüglich sperren lassen können. Mit dieser Argumentation verkennt der Beschwerdeführer, dass die Zulässigkeit von Kontobelastungen als solche nicht umstritten war. Die Vorinstanz stellte nämlich unter Hinweis auf die Erstinstanz ausdrücklich fest, es habe eine konkludente Einigung bestanden, welche den Beschwerdeführer gestützt auf Auftragsrecht grundsätzlich zu privaten Bezügen berechtigte. Damit ist aber noch nicht nachgewiesen, dass der Beschwerdegegner die gesamten Bezüge konkludent als Honoraranspruch (und Auslagenanspruch) anerkannt hätte. Der Beschwerdeführer beruft sich auf die Steuererklärung 2016 des Beschwerdegegners, welche er gestützt auf Art. 99 Abs. 1 BGG im Beschwerdeverfahren einreiche und die der Beschwerdegegner im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im erstinstanzlichen Verfahren eingebracht habe. In dieser sei die vom Beschwerdegegner erstmals in der Klage geltend gemachte Forderung von Fr. 93'576.95 nicht enthalten. Damit habe der Beschwerdegegner implizit bestätigt, dass die frühere Praxis einer 50:50-Aufteilung von Gewinn und Verlust und der Zulässigkeit der analog den Vorjahren getätigten Barentnahmen und Überweisungen weiterhin gelten sollte. Dass erst der Entscheid der Vorinstanz Anlass geboten hätte, dieses Dokument nachträglich einzureichen, legt der Beschwerdeführer nicht dar und ist auch nicht ersichtlich. Die Voraussetzungen von Art. 99 Abs. 1 BGG sind damit nicht gegeben. An anderer Stelle begründet der Beschwerdeführer denn auch selbst die Berücksichtigung dieses Dokuments nicht mit Art. 99 Abs. 1 BGG, sondern führt aus, die Steuererklärung sei der Vorinstanz zur Würdigung vorgelegen "nicht nur für das Gesuch betreffend die unentgeltliche Rechtspflege, sondern auch materiell-rechtlich im Zusammenhang mit der Beurteilung des Bestands der vom Beschwerdegegner behaupteten Verrechnungsforderung". Damit möchte der Beschwerdeführer offenbar geltend machen, die Vorinstanz hätte - ohne dass dieses Aktenstück mit entsprechenden Behauptungen zum Sachverhalt in den Zivilprozess eingeführt worden wäre - dieses von sich aus aus dem Verfahren betreffend unentgeltliche Rechtspflege beiziehen müssen. Diese Auffassung findet indes keine Stütze im Prozessrecht. Im Übrigen kann aus der Nichterwähnung einer Forderung in einer Steuerklärung nicht ohne Weiteres abgeleitet werden, der Steuerpflichtige bestätige damit, es bestehe keine entsprechende Forderung. Nicht weiter einzugehen ist auch auf den Einwand des Beschwerdeführers, sein hälftiger Gewinnanspruch für den Zeitraum von März 2015 bis Mai 2017 würde sich auf Fr. 97'005.40 belaufen und damit die Bezüge in Höhe von Fr. 93'576.95 übersteigen. Denn auch hierfür beruft er sich auf die Steuererklärung des Beschwerdegegners von 2016 und setzt voraus, dass eine konkludente Einigung einer hälftigen Gewinnverteilung nachgewiesen ist.