Citation: 6B_759/2021 E. 4.3.3

4.3.3. Der Beschwerdeführer wurde am xx.xx.1994 in der Schweiz geboren und wuchs hier mit einer jüngeren Schwester bei den Eltern auf. Wenn es finanziell möglich war, verbrachte er die Ferien mit seiner Familie in Portugal. Er besuchte in U.________ die Primar- und Sekundarschule. Wegen "Konflikten" musste er die Schule wechseln und absolvierte den Oberstufenabschluss an einer katholischen Privatschule. Nach dem Abschluss einer Lehre als Automobilfachmann arbeitete er bei unterschiedlichen Arbeitgebern, bevor er arbeitslos wurde. Sein Vater hat acht Geschwister, die in Portugal und Frankreich leben. Seine Mutter hat in Portugal fünf Geschwister. Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Diesem Umstand trägt die Vorinstanz Rechnung. Ebenso berücksichtigt sie, dass die Eltern und die Schwester des Beschwerdeführers in der Schweiz leben. Der Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens gilt nicht absolut (vgl. Urteile 6B_348/2020 vom 14. August 2020 E. 1.3.1; 6B_742/2019 vom 23. Juni 2020 E. 1.2.2) und steht einer Landesverweisung selbst bei Ausländern der zweiten Generation nicht entgegen. Zu Recht verwirft die Vorinstanz die Behauptung des Beschwerdeführers, wonach er einwandfrei integriert sei. Der Beschwerdeführer ist vorbestraft und beging während laufender Probezeit ein Gewaltdelikt, ausserdem war er längere Zeit arbeitslos und es erfolgten mehrere Stellenwechsel. Der Beschwerdeführer unterhält eigenen Angaben zufolge seit Anfang Jahr eine Beziehung zu einer alleinerziehenden Frau. Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass es sich hierbei nicht um eine langjährige und gefestigte Partnerschaft handelt. Die Mehrheit der Verwandten des Beschwerdeführers lebt in Portugal, was ihm die Wiedereingliederung in Portugal erlaubt. Er ist Pate des Kindes seines in Portugal wohnhaften Onkels, was auf mehr als nur lose Kontakte schliessen lässt. Überdies begab er sich regelmässig und teilweise für längere Zeit nach Portugal. Zuletzt hielt er sich im Dezember 2020 in Portugal bei seiner Tante auf. Erst kürzlich weilte der Beschwerdeführer mit seinen Eltern in Portugal. Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, dass er den Kontakt zu ihnen nicht auch aus Portugal aufrechterhalten könnte, zumal ihm zusätzlich moderne Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen. Schliesslich weist die Vorinstanz darauf hin, dass der Beschwerdeführer nicht aus einer langjährigen und gefestigten Arbeitsstelle gerissen wird. Dass die Wirtschaftslage in Portugal allenfalls schwieriger sein könnte als in der Schweiz, vermag die Landesverweisung nicht zu hindern (Urteil 6B_1299/2019 vom 28. Januar 2020 E. 3.4.2; vgl. auch Urteile 2C_702/2019 vom 19. Dezember 2019 E. 3.5.3 und 2C_253/2015 vom 9. September 2015 E. 3.3.3 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer spricht Deutsch und Portugiesisch. Diese Sprachkenntnisse, seine Ausbildung als Automobilfachmann und Servicemonteur, sein Alter und seine Gesundheit erlauben es ihm, sich in Portugal zu integrieren. Aufgrund des familiären Umfelds und der gesammelten Berufserfahrung ist ihm ein beruflicher Neustart in Portugal zumutbar. Die Vorinstanz erwägt überzeugend, dass ein grosses öffentliches Interesse an der Landesverweisung besteht. Der Beschwerdeführer wird wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt. Er legte eine beachtliche kriminelle Energie und ein erhebliches Verschulden an den Tag. Entgegen den anderslautenden Ausführungen des Beschwerdeführers stuft die Vorinstanz sein Tatverschulden nicht zu hoch ein. Das Verhalten des Beschwerdeführers tangiert in hohem Masse das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung. Was die Legalprognose anbelangt, wertet die Vorinstanz zum Nachteil des Beschwerdeführers, dass er während laufender Probezeit aggravierend delinquierte und dass er weder Reue noch Einsicht zeigte. Die Vorinstanz verweist darauf, dass auch das angeblich stabile Umfeld den Beschwerdeführer nicht davon abhalten konnte, mehrfach straffällig zu werden. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, die Bewährungsaussichten seien "massiv besser". Zudem behauptet er ohne weitere Begründung, es sei nicht dem Zufall oder dem Druck des laufenden Verfahrens zuzuschreiben, dass er sich seit seiner Gewalttat wohlverhalten habe. Den Bericht des Therapeuten übergeht die Vorinstanz nicht. Sie nimmt dessen Einschätzung, wonach das Rückfallrisiko gering sei, allerdings nicht für bare Münze. Die Vorinstanz legt überzeugend dar, dass der Therapeut kein sachverständiger Gutachter ist. Entgegen den anderslautenden Behauptungen des Beschwerdeführers trifft es nicht zu, dass die Vorinstanz die Beurteilung des Therapeuten nur mit der "lapidaren Begründung" verwirft, er sei kein sachverständiger Gutachter. Die Vorinstanz legt nämlich dar, dass der Therapeut bei seiner Einschätzung zu Unrecht davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer Einsicht und Reue zeigt. Zudem anerkennt der Beschwerdeführer selbst, dass in Beurteilungen von behandelnden Therapeuten "ein gewisser Goodwill" mitschwingen kann. Der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer einer psychiatrischen Therapie unterzieht, spricht nicht gegen eine Landesverweisung. Die Vorinstanz verweist darauf, dass der Beschwerdeführer erst lange nach der Tat, aber just einen Monat nach dem erstinstanzlichen Urteil mit der Therapie begann. Zudem kann eine solche Therapie auch anderswo fortgeführt werden. Mit Blick auf die restriktiv anzuwendende Härtefallklausel gewichtet die Vorinstanz das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung zu Recht höher als das private Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz.