Citation: 6S.623/2000 29.03.2001 E. A

A.- Im Jahre 1991 zogen S.________ und ihre Lebenspartnerin I.________ zu V.X.________ und W.X.________, den Eltern von S.________, und bezogen in deren Haus in Niederried bei Interlaken eine separate Wohnung. I.________ erledigte von Anbeginn für V.X.________ Garten- und Haushaltsarbeiten. Von Januar bis Mai 1999 pflegte sie zudem W.X.________, der am 6. Januar 1999 einen Schlaganfall erlitten hatte. In dieser Zeit übernachtete I.________ in der Wohnung der Ehegatten X.________. V.X.________ schilderte ihr Verhältnis zu I.________ später wie folgt: "Frau I.________ lebte bei mir wie eine Tochter". Mit Verfügung vom 20. Mai 1999 wurde W.X.________ von der Invalidenversicherung eine Hilflosenentschädigung in der Höhe von Fr. 17'552.-- zugesprochen und vermutlich bereits am Tage vorher, jedenfalls aber einen Monat später, ausbezahlt. Im Auftrag von V.X.________ bewahrte S.________ das Geld in einer Kassette in ihrer Wohnung auf. W.X.________ befand sich im Mai und Juni 1999 in Spitalpflege. Er war bei Bewusstsein und konnte reden. Nach einem Gespräch mit der behandelnden Ärztin am 21. Juni 1999 stand für I.________ fest, dass W.X.________ nicht mehr vom Spital nach Hause zurückkehren würde. Deshalb entschloss sie sich auszuziehen. Am Morgen des 22. Juni 1999 behändigte sie aus der Geldkassette Bargeld und verliess definitiv das Haus in Niederried. I.________ will Fr. 6'900.-- als Entgelt für geleistete Arbeit an sich genommen haben. Am 22. Juni 1999 erstatteten V.X.________ und S.________ Strafanzeige gegen I.________ wegen Diebstahls von Bargeld in der Höhe von Fr. 17'200.--. Am gleichen Tag stellte V.X.________ formell Strafantrag gegen I.________. W.X.________ verstarb am 1. September 1999 im Spital, ohne zuvor selber Strafantrag gegen I.________ gestellt zu haben. Nach seinem Tode erneuerte V.X.________ nicht ihren Strafantrag als Angehörige (Art. 28 Abs. 4 StGB).