Citation: 7B_633/2023 E. 2.3.2

2.3.2. Eine Ungültigkeit und Unverwertbarkeit der zwischen dem 9. April und dem 8. Mai 2023 erhobenen Beweise käme im vorliegenden Fall nur in Frage, falls für die Staatsanwaltschaft schon am 9. April 2023 erkennbar gewesen wäre, dass der Beschwerdeführer damals noch nicht ausreichend (notwendig) verteidigt war (aArt. 131 Abs. 3 StPO). Wie sich aus den Akten ergibt, hat der Beschwerdeführer anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 9. April 2023 (13.45 Uhr) geäussert, er wolle durch "Herrn B.________" von der "Kanzlei C.________ in U.________" verteidigt werden. Die ausdrücklichen Hinweise und Fragen des einvernehmenden Polizeibeamten, "Sie haben das Recht, Aussagen und Mitwirkung zu verweigern; Ihre Aussagen können als Beweismittel gegen Sie verwendet werden; haben Sie das verstanden?"; "Sie sind berechtigt, eine Verteidigung zu bestellen oder gegebenenfalls eine amtliche Verteidigung zu beantragen; nehmen Sie dies zur Kenntnis?", beantwortete der Beschwerdeführer jeweils mit "Ja". Auf den nochmaligen Hinweis, "Sie sind nicht zu Aussagen verpflichtet", und die Frage hin, "sind Sie trotzdem bereit, heute auch ohne Anwalt Aussagen zu machen?", gab der Beschwerdeführer zu Protokoll: "Ja, aber man soll den Herrn B.________ anrufen vorher. Wenn er dabei sein kann, dann warte ich. Und wenn nicht, dann machen wir es ohne Anwalt". Weiter ergibt sich aus den Akten, dass die Einvernahme um 13.56 Uhr unterbrochen wurde und der befragende Polizeibeamte einen seiner Kollegen damit beauftragte, das vom Beschwerdeführer gewünschte Telefonat mit der Anwaltskanzlei C.________ in U.________ zu führen. Um 14.11 Uhr habe der telefonierende Beamte gemeldet, dass eine Rückmeldung von Rechtsanwalt B.________ noch "ausstehend" gewesen sei. Auch der zuständige Staatsanwalt habe versucht, den Kontakt herzustellen. Der Beschwerdeführer gab dazu Folgendes zu Protokoll: "Schreiben Sie auf, dass ich keinen anderen Anwalt möchte. Wenn der Staatsanwalt jemand anderen als Rechtsanwalt B.________ schicken will, dann soll er niemanden schicken". Um 14.32 Uhr erfolgte die telefonische Rückmeldung durch Rechtsanwalt B.________. Dieser habe den Beschwerdeführer grüssen lassen und ihn vorläufig angewiesen, "die Sache so gut wie möglich selber zu erledigen". Er, der Anwalt, könne "heute nicht anwesend" sein und sei "anschliessend für zwei Wochen ferienabwesend". Die Einvernahme des Beschwerdeführers wurde laut Protokoll um 16.45 Uhr beendet.