Citation: 4A_172/2022 E. 3.3.2

3.3.2. Die Vorinstanz stützt ihre Feststellung zunächst auf die Partei- bzw. Zeugenaussagen des Beschwerdegegners, der Treuhänderin und der Arbeitgeberin. Diese hätten an der Hauptverhandlung vom 23. Februar 2022 übereinstimmend bestätigt, dass das Arbeitsverhältnis über den 14. Dezember 2019 hinaus fortgesetzt worden sei. Die Kritik der Beschwerdeführerin an dieser Schlussfolgerung ist durchwegs berechtigt: Zunächst fällt auf, dass die Vorinstanz die angeblich übereinstimmenden Aussagen für eine Weiterführung des Arbeitsverhältnisses nicht konkret betrachtet, sondern ohne nähere Ausführungen bloss auf das Protokoll, S. 3, 8, 10 und 13 verweist. Nimmt man sich die Mühe, die dort protokollierten Aussagen anzuschauen, muss mit der Beschwerdeführerin daraus gerade gegenteilig geschlossen werden, dass diese Aussagen den behaupteten Bestand des Arbeitsverhältnisses am 13. Januar 2020 nicht belegen, sondern vielmehr erhebliche Zweifel daran wecken. Der Zeuge D.________ (Inhaber/Geschäftsführer der C.________ Sàrl) erklärte zunächst, dass der Beschwerdegegner nach dem 14. Dezember 2019 weiter gearbeitet habe, weil er ihn noch kurze Zeit gebraucht habe ("J'avais encore besoin de lui un peu de temps et on a continué"). Ab dem 20. Dezember 2019 werde aber die Firma grundsätzlich für ungefähr zwei Wochen für Ferien geschlossen. Er könne sich nicht mehr erinnern, ob der Beschwerdegegner nach den Winterferien wieder gearbeitet habe. Der Zeuge führte weiter aus, er habe dem Beschwerdegegner einen unbefristeten Vertrag angeboten, weil er viel Arbeit gehabt habe. Auf die Frage, durch wen der Beschwerdegegner durch seinen Ausfall ersetzt worden sei, konnte sich der Zeuge D.________ nicht mehr erinnern. Auch im Weiteren konnte er sich grösstenteils nicht mehr erinnern und beantwortete die konkrete Frage, ob der Beschwerdegegner vom 7. Januar bis 15. Januar 2020 auf der Baustelle in Murten gearbeitet habe (wie vom Beschwerdegegner behauptet), dahingehend, er sei sich diesbezüglich nicht sicher. Er könne nur bestätigen, dass der Beschwerdegegner im Dezember 2019 auf einer Baustelle in W.________ gearbeitet habe. Somit kann aus den Aussagen des Arbeitgebers höchstens abgeleitet werden, dass der Beschwerdegegner nach dem 14. Dezember 2019 für kurze Zeit ("un peu de temps") weiter gearbeitet hat, aber nicht länger als bis 20. Dezember 2019, weil gemäss Herrn D.________ die Firma ab dann grundsätzlich für rund zwei Wochen geschlossen sei. Die Vorinstanz würdigte auch in keiner Weise die Diskrepanz zwischen den Angaben des Arbeitgebers, dass die Firma ab 20. Dezember 2019 ferienhalber geschlossen gewesen sei, und der Aussage des Beschwerdegegners, er habe bis 24. Dezember 2019 gearbeitet. Widersprüche öffnen sich auch zu den Aussagen der Treuhänderin, die sagte, Herr D.________ und der Beschwerdegegner hätten sich mündlich darauf geeinigt, dass der Beschwerdegegner unbefristet beschäftigt bleibe. Nach den eigenen Aussagen von Herrn D.________ konnte er den Beschwerdegegner aber nur für kurze Zeit weiter brauchen. Von "übereinstimmenden" Aussagen kann jedenfalls nicht gesprochen werden. Auch die Aussagen der Treuhänderin belegen die Feststellung der Vorinstanz nicht; sie vermögen jedenfalls die erheblichen Zweifel nicht auszuräumen. Vielmehr bekräftigen sie bei objektiver Betrachtung die Version der Beschwerdeführerin, wonach der Beschwerdegegner erst nachträglich ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu konstruieren versuchte und dazu u.a. einen nachträglich erstellten unbefristeten Arbeitsvertrag zu den Akten reichte, nachdem die Versicherung bestritten hatte, dass der Beschwerdegegner im Zeitpunkt des Eintritts des versicherten Ereignisses (ab 13. Januar 2020) beim Arbeitgeber als Arbeitnehmer angestellt und so im Rahmen der kollektiven Krankentaggeldversicherung versichert gewesen sei. Die Treuhänderin bestätigte, dass sie einen bis 14. Dezember 2019 befristeten Arbeitsvertrag gemacht habe. Hierauf gab sie zwar an, dieser Vertrag sei dann weiter geführt worden. Herr D.________ und der Beschwerdegegner hätten sich mündlich geeinigt, dass Letzterer auf unbefristete Zeit beschäftigt bleibe. Zu einer angeblich unbefristeten Weiterbeschäftigung stehen aber die Aussagen von Herrn D.________ im Kontrast, der angab, den Beschwerdegegner nur noch für kurze Zeit gebraucht zu haben, und ebenso ihre eigenen weiteren Aussagen, dass die Lohnzahlungen für die zweite Hälfte Dezember 2019 und Januar/Februar 2020 erst im September 2020 erfolgt seien, wobei sie diese Verspätung nicht zu erklären vermochte. Auch gab sie ohne Erläuterung an, dass ausser diesen Gutschriften keine weiteren Lohnnachzahlungen erfolgt waren. Sodann konnte sie nicht plausibel erklären, weshalb der AHV-Ausgleichskasse nur zwei Monatslöhne gemeldet worden waren. Bereits dies müsste aufhorchen lassen und spricht für die Version der Beschwerdeführerin und gegen die Behauptung des Beschwerdegegners. Dies gilt umso mehr, wenn weiter in Betracht gezogen wird, dass die Treuhänderin bestätigte, dass der im Recht liegende schriftliche unbefristete Arbeitsvertrag auf Wunsch des Beschwerdegegners bzw. dessen Tochter erstellt wurde. Wann das war, konnte sie nicht mehr angeben, aber jedenfalls sei es auf Initiative der Arbeitnehmerseite hin erfolgt. Auch das nachträgliche Erstellen eines unbefristeten schriftlichen Arbeitsvertrags auf Wunsch des Arbeitnehmers indiziert, dass dies als Reaktion auf die Bestreitung der Versicherung erfolgte, und vermag gerade keine glaubhafte Grundlage für ein effektiv bestehendes unbefristetes Arbeitsverhältnis abzugeben. Bei näherer Betrachtung der von der Vorinstanz angeführten Partei- und Zeugenaussagen bleibt unerfindlich, wie sie zum Schluss gelangen konnte, diese bestätigten übereinstimmend, dass das Arbeitsverhältnis über den 14. Dezember 2019 hinaus fortgeführt worden sei. Die Vorinstanz stellt damit in willkürlicher Weise auf die angeführten Aussagen ab. Diese vermögen den Beweis für die klägerische Behauptung, bei Eintritt des Versicherungsfalles sei er beim Arbeitgeber angestellt gewesen, nicht zu stützen.