Citation: 4A_462/2024 E. 4.2.3

4.2.3. Die Vorinstanz erwog, es stehe fest, dass für die Mini-Futures ISIN CH0501202847 und ISIN CH0501203092 je ein Absicherungsgeschäft bestanden habe. Hinsichtlich des ersten der beiden Mini-Future hätten sich D.________ und C.________ bereits am 28. Februar 2020 (per E-Mail und Telefon) darüber unterhalten, was bei Erreichen der Stop-Loss-Schwelle geschehen soll. C.________ habe bestätigt, dass "das Re-Entry" beim Stop-Loss "platziert" werden soll. Auch in ihrem SMS-Austausch vom 5. März 2020 hätten D.________ und C.________ kurz vor Erreichen der Stop-Loss-Schwelle von einem "Re-Entry" gesprochen. Bereits bei der Vereinbarung der Produktparameter am 28. Februar 2020 habe D.________ allerdings beschrieben, was er unter einem solchen "Re-Entry" tatsächlich verstehe, nämlich: "No matter how high it goes, we try to keep it." Dies habe C.________ bestätigt und spreche für die Vereinbarung eines Roll-Over. Es wäre denn auch nicht einzusehen, weshalb die beiden in diesem Zeitpunkt einen "Re-Entry" gemeint haben sollten, zumal die Auflösung und der umgehende Wiederaufbau der Position unnötige zusätzliche Kosten verursacht hätte. C.________ habe somit am 5. März 2020 bestätigt, dass die Absicherungspositionen der Mini-Futures für einen neuen Mini-Future ("Re-Booking") bestehen bleiben sollten. Die Beschwerdegegnerin habe die Absicherungspositionen nach Erreichen der Stop-Loss-Schwelle denn auch nicht liquidiert. Im Austausch mit D.________ vom 6. März 2020 habe C.________ daran festgehalten, dass die Positionen nicht aufgelöst werden sollten. D.________ habe sodann per E-Mail indikative Berechnungen für zwei neue, auf den bestehenden Absicherungsgeschäften gründende Mini-Futures an C.________ übermittelt, welche aber aufgrund starker Kursbewegungen des Basiswerts obsolet geworden seien. In der Folge hätten D.________ und C.________ telefonisch das weitere Vorgehen diskutiert. Es bestehe kein Zweifel daran, dass D.________ es C.________ überlassen habe, über das weitere Schicksal der Absicherungspositionen zu entscheiden und dass C.________ die Absicherungspositionen nicht habe schliessen wollen. Hinweise dafür, dass die Beschwerdegegnerin das Kursrisiko tragen würde, obwohl sie die Positionen auf Instruktion von C.________ für einen Roll-Over offen gehalten habe, liessen sich der Konversation zwischen C.________ und D.________ nicht entnehmen. Dies ergebe sich auch nicht aus der Äusserung eines Händlers der Beschwerdegegnerin am Abend des 6. März 2020, wonach er die Absicherungsposition schliessen werde, falls die Schwelle von USD 212.-- überschritten werde. Der Händler habe sich anscheinend im selben Gespräch bei C.________ erkundigt, weshalb er (C.________) die Position halten wolle. Gleiches gelte für die Äusserung von D.________ am 28. Februar 2020, wonach die offene Position langsam "intern ein Issue" werde. Die Beschwerdegegnerin habe für alle Positionen ein Risikomanagement vorsehen müssen. Insgesamt sei erstellt, dass C.________ und D.________ übereingekommen seien, die Absicherungspositionen auf Risiko der Beschwerdeführerin für einen neuen Mini-Future offenzuhalten. Was die Verpflichtungsbefugnis von C.________ für die Beschwerdeführerin betrifft, verwies die Vorinstanz auf ihre früheren Ausführungen. Es sei davon auszugehen, dass C.________ intern zum Abschluss der streitgegenständlichen Geschäfte befugt gewesen sei, zumindest aber habe die Beschwerdeführerin bei der Beschwerdegegnerin ein berechtigtes Vertrauen auf eine Vertretungsmacht begründet. Dies gelte auch für Geschäfte, bei denen das Verlustrisiko, wie vorliegend, zumindest theoretisch unbegrenzt sei. Aus den Akten ergebe sich nichts anders. Im Übrigen habe die Beschwerdegegnerin keine Beratungspflicht getroffen. Sie habe daher bis zur expliziten Bestreitung durch die Vorgesetzten von C.________ am 9. März 2020 auf die - mehrmals wiederholte - Instruktion von C.________ vertrauen dürfen, wonach die Absicherungspositionen auf Risiko der Beschwerdeführerin nicht zu schliessen seien. Da diese die Beschwerdegegnerin in dieser Situation vereinbarungsgemäss für Verluste schadlos zu halten habe, habe die Beschwerdegegnerin Anspruch auf Ersatz der aufgrund dieser Instruktion erlittenen Vermögenseinbusse.