Citation: 5C.262/2001 17.01.2002 E. 3

3.- Nach Art. 139 Abs. 2 ZGB darf das Gericht Tatsachen, die zur Begründung der Klage auf Scheidung dienen, nur dann als erwiesen annehmen, wenn es sich von deren Vorhandensein überzeugt hat. Eine Verletzung dieser Vorschrift erblickt der Beklagte darin, dass das Kantonsgericht für die Feststellung der gesundheitlichen Störungen, deren Ursachen und Wirkungen einzig auf die erhobenen Aussagen abgestellt und hierüber kein - von der beweisbelasteten Klägerin allerdings auch nicht beantragtes - Gutachten eines neutralen Sachverständigen eingeholt habe. Der Einwand ist unbegründet. Für scheidungsbegründende Tatsachen gilt die Untersuchungsmaxime in dem Sinn, dass das Gericht bei Scheidungsverfahren nach Art. 114 und Art. 115 ZGB vom Vorhandensein dieser Tatsachen überzeugt sein muss (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 139/140 Ziffer 234. 6). Die Untersuchungsmaxime nach Art. 139 Abs. 2 ZGB ist von ihrem Zweckgedanken her - wie bis anhin (aArt. 158 Ziffer 1 ZGB) - beschränkt und verpflichtet das Gericht lediglich, die materielle Richtigkeit der behaupteten Tatsachen anhand der geltend gemachten Beweismittel zu prüfen, hingegen nicht über den Sachvortrag und die Beweisanträge der Parteien hinaus Prozessstoff zu sammeln (zur herrschenden Lehre: Hohl, a.a.O., N. 853 S. 164; Sutter-Somm, Neuerungen im Scheidungsverfahren, in: Vom alten zum neuen Scheidungsrecht, Bern 1999, S. 217 ff., S. 225 f. N. 5.16; Lüchinger/Geiser, Basler Kommentar, 1996, N. 5 zu aArt. 158 ZGB, je mit Nachweisen).