Citation: I 202/00 05.09.2001 E. 2

2.- Während die IV-Stelle die ursprünglich beantragte Umschulung zum Sozialpädagogen mangels Zweckmässigkeit abgelehnt hat, lässt das kantonale Gericht einen Anspruch auf Umschulung in erster Linie an der fehlenden invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse scheitern. Wie es sich mit der Frage der Zweckmässigkeit verhält, kann im vorliegenden Verfahren offen bleiben, nachdem der Beschwerdeführer nicht mehr auf einer Umschulung zum Sozialpädagogen besteht. Zu prüfen ist daher, ob die invaliditätsbedingte Voraussetzung für eine Umschulung gegeben ist. Dabei ist gestützt auf die beiden Berichte des Dr. med. G.________, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, vom 23. Juli 1997 und 9. August 1999 davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im ursprünglich in der Türkei erlernten Beruf als Schlosser 100 % arbeitsunfähig und als Kellner 50 % arbeitsunfähig ist. Hingegen besteht in einer Tätigkeit mit viel Abwechslung und ohne Heben von Lasten über 5 kg eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Im massgebenden Zeitpunkt des Erlasses der Verwaltungsverfügung (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) im Jahre 1999 hätte der Beschwerdeführer als Kellner einen Lohn von Fr. 51'208.- (zuletzt bezogener Lohn 1997: Fr. 3900.- x 13 = Fr. 50'700.- sowie 0,7 % und 0,3 % Lohnentwicklung) erzielen können. Mangels Ausübung einer Erwerbstätigkeit durch den Beschwerdeführer hat das kantonale Gericht das zumutbarerweise erzielbare Einkommen zu Recht auf Grund der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) ermittelt. Gemäss der LSE 1998 belief sich der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) für die mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten (TA1, Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer im privaten Sektor bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden im Jahre 1998 auf Fr. 4268.-, was bei Annahme einer durchschnittlichen betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,9 Stunden für den für eine geeignete Tätigkeit voll arbeitsfähigen Beschwerdeführer ein Gehalt von monatlich Fr. 4471.- [Fr. 4268.- : 40 x 41,9] und für 1999 jährlich Fr. 53'810.- [Fr. 4268.- : 40 x 41,9 x 12 x 0,3 % Lohnentwicklung] ergibt. Vergleicht man die beiden Einkommen, so würde der Beschwerdeführer mit einer zumutbaren Beschäftigung praktisch gleich viel verdienen wie in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kellner (vgl. auch ZAK 1992 S. 92 Erw. 4a). Da er 1981 durch einen Unfall den Zeige- sowie Mittelfinger der linken Hand verloren hat und seit 1993 an rezidivierenden Lumbovertebralsyndromen bei eingeschränkter Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule leidet und damit gerade in den für Hilfsarbeiter offen stehenden Tätigkeiten durch das Hand- und Rückenleiden erheblich eingeschränkt ist, rechtfertigt sich ein Abzug vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75) in der Grössenordnung von 15-20 %. Des Weitern ist in Betracht zu ziehen, dass bei der Beurteilung, ob die für den Umschulungsanspruch rechtsprechungsgemäss geforderte Erheblichkeitsschwelle (Erwerbseinbusse von ca. 20 %) erreicht ist, neben den aktuellen Verdienstmöglichkeiten im Rahmen einer Prognose weitere Faktoren wie Lohnentwicklung und Aktivitätsdauer mitzuberücksichtigen sind (BGE 124 V 108). Dabei ist zu berücksichtigen, dass es Personen ohne Berufsausbildung oder die im erlernten Beruf nicht mehr arbeiten können, bei schwieriger Arbeitsmarktlage schwer haben, überhaupt eine Stelle zu finden. Zudem sind Hilfsarbeiterstellen den periodisch wiederkehrenden konjunkturellen oder strukturellen betrieblichen Anpassungen anerkanntermassen in viel ausgeprägterem Masse ausgesetzt als qualifizierte Mitarbeiter (BGE 124 V 112 Erw. 3b). Unter diesen Umständen ist die für den Umschulungsanspruch geforderte erhebliche Erwerbseinbusse entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts zu bejahen. Die Sache geht daher an die IV-Stelle zurück, damit diese die notwendigen Abklärungen - auch zur inzwischen beantragten Umschulung zum Netzwerk-Spezialisten - vornehme und anschliessend über den Umschulungsanspruch neu verfüge.