Citation: I 721/03 02.08.2004 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob die Invalidenversicherung das erwähnte Therapiegerät zur individuellen Benützung zu Hause abzugeben hat. Dabei ist unbestritten, dass der Versicherte keinen auf Art. 21 IVG bzw. der entsprechenden Hilfsmittelliste abgestützten Anspruch auf das beantragte Gerät hat. Somit ist einzig der Frage nachzugehen, ob ein derartiger Anspruch im Rahmen von Art. 13 IVG besteht. 2.1 Nach ständiger Praxis (SVR 1996 IV Nr. 90 S. 269 Erw. 5; Urteil B. vom 26. Januar 2000, I 268/99) kann die Invalidenversicherung die Kosten für ein Behandlungsgerät übernehmen, wenn es einen notwendigen Bestandteil einer medizinischen Eingliederungsmassnahme nach Art. 12 oder 13 IVG bildet. Dafür ist entscheidend, ob es in engem, unmittelbaren Zusammenhang mit der von der Invalidenversicherung übernommenen medizinischen Vorkehr steht. 2.2 Der Versicherte leidet an den Geburtsgebrechen gemäss Ziff. 387 (angeborene Epilepsie), 390 (angeborene cerebrale Lähmungen) und 395 (leichte cerebrale Bewegungsstörungen) GgV-Anhang und erhielt deswegen mit Mitteilung der IV-Stelle vom 5. Januar 2001 unter anderem ärztlich verordnete Physiotherapie zugesprochen 2.3 Gemäss Bericht von Frau G.________, Physiotherapie und APM-Therapie, vom 21. Februar 2004 übt der Versicherte zu Hause täglich mit dem Giger-Gerät, was sein dynamisches Bewegen fördere. Die Arbeit am erwähnten Gerät sei eine notwendige Ergänzung zu den weiteren physiotherapeutischen Massnahmen, wie passive und stabilisierende Vorkehren für die Rumpf- und Beinmuskulatur und die Gelenksbeweglichkeit. In einem Bericht vom 1. Dezember 2002 hatte Frau G.________ ausgeführt, sie behandle den Versicherten seit Ende 2000 mit aktiven stabilisierenden und passiven Massnahmen. Er arbeite seit anfangs Juli 2002 täglich mit dem Giger-Gerät und habe seither grosse Fortschritte erzielt: Der Adduktorenspasmus habe sich deutlich vermindert, die Kraft in Rumpf und Beinen habe sich verbessert. Dies führe zu einem aufrechteren und sichereren Gang, wodurch sich auch das Sozialverhalten (Zutraulichkeit, Selbstständigkeit, Bewegungsfreude) verbessere. Das ergänzende Üben mit dem Giger-Gerät sei notwendig; das tägliche Üben zu Hause bringe bedeutend mehr Fortschritt als die dreimal wöchentlich stattfindende Physiotherapie. Das Gerät sei zweckmässig und einfach zu bedienen, weshalb eine dauernde Betreuung und Aufsicht durch einen Therapeuten während des Übens nicht nötig sei. Voraussichtlich werde der Versicherte das Gerät noch über Jahre hinaus benötigen. Gegenüber der Vorinstanz hat sich Frau G.________ im Bericht vom 7. Juni 2003 dahingehend geäussert, dass sie beim Versicherten grosse Fortschritte festgestellt habe. Durch die tägliche Therapie könne mit Sicherheit ein grösserer Fortschritt erzielt werden, da das Üben mit dem Gerät ein Wiedererlernen von verloren gegangenen Funktionen des Zentralnervensystems ermögliche. In einer weiteren, von der Vorinstanz eingeholten Auskunft gibt N.________, Physiotherapie, am 22. August 2003 an, die mit dem Giger-Gerät erzielten Fortschritte seien offensichtlich. Seit 24. Juni 2002 übe der Versicherte täglich. Die Giger MD-Therapie sei eine Lerntherapie und habe als solche zeitlich sehr intensiv zu erfolgen. Das ständige Durchtrainieren des ganzen Körpers rege den Stoffwechsel und die psychosoziale Entwicklung an. Der Schlafrhythmus werde harmonischer und die Wahrnehmung verstärkt. Fortschritte würden auch im Muskeltonus und in der Bewegungskoordination erzielt. Ferner könne eine Stellungskorrektur der Wirbelsäulenkontrakturen erwartet werden. Die Wirkungssteigerung mit Giger-Geräten beobachte er als erfahrener Physiotherapeut bei Dutzenden von Kindern. Die Koordinationsdynamik-Therapie beruhe auf 20-jähriger humanneurophysiologischer Forschungsarbeit (Messung von Regelmechanismen im zentralen Nervensystem des Menschen) und sei die einzige Methode der Wiederherstellung von Funktionen des Zentralnervensystems (ZNS), die auf neuro-elektrophysiologischen Messungen im ZNS des Menschen beruhe, also eine medizinische wissenschaftliche Grundlage habe. Das Giger MD-Gerät sei ein medizinisches Instrument zur Therapie des Nervensystems, mit dem durch eine funktionelle Reorganisation des verletzten oder pathologisch funktionierenden ZNS physiologische Funktionen wieder erlangt werden könnten. Etwa 80% der täglich notwendigen 15'000 integrativen koordinierten Bewegungen könnten auf dem Instrument ausgeführt werden. Bei schweren Verletzungen sei das Trainieren auf Giger MD Therapieinstrumenten die einzige Möglichkeit, das ZNS der Patienten integrativ zu fördern. 2.4 Die Begründung der IV-Stelle in der Verfügung vom 2. August 2002, eine Installation des umstrittenen Gerätes sei bloss in Institutionen sinnvoll, zu Hause hingegen keine einfache und zweckmässige Massnahme, lässt sich an Hand der Akten nicht halten, kann doch der Versicherte nach unbestritten gebliebenen Angaben ohne Aufsicht täglich üben. Sodann ist erstellt, dass der Versicherte ärztlich verordnete Physiotherapie benötigt. Bei dem Physiotherapeuten N.________ erhält er ebenfalls Behandlungen auf einem Giger-Gerät. Nach übereinstimmenden Aussagen von Frau G.________ und Herrn N.________ ist es dringend angezeigt, täglich auf dem Gerät zu üben. Insgesamt steht daher das häusliche Training in einem engen Zusammenhang mit einer von der Invalidenversicherung verordneten medizinischen Massnahme, nämlich der Physiotherapie, und erscheint als notwendiger Bestandteil derselben. Es lässt sich entgegen der Behauptung der IV-Stelle nicht sagen, die Übung zu Hause sei bloss sinnvoll. Vielmehr vermöchte die Physiotherapie, welche nur drei Mal in der Woche stattfindet und überdies nach nicht bestrittenen Angaben der Eltern des Versicherten deutlich mehr Kosten verursacht, ihr Ziel ohne das tägliche Üben zu Hause nicht oder jedenfalls nicht gleich wirksam und schnell zu erreichen.