Citation: I 499/02 17.06.2003 E. 7.2

7.2.1 Die Beschwerdeführerin betrieb ab August 1994 bis Ende Mai 1997 als Selbstständigerwerbende das Lebensmittelgeschäft C.________. In dieser Zeit war sie mit Ausnahme einer akuten Lumbalgie im März 1995 gesundheitlich nicht beeinträchtigt. Aus der Bestätigung der A.________ Treuhand AG vom 29. Juni 1999 geht denn auch hervor, dass sie das Geschäft mit grosser Fachkenntnis, Begeisterung und unter Aufopferung für die Wünsche der Kunden geführt habe; es sei ihr kein Aufwand zu viel gewesen. Die Versicherte macht nicht geltend, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung, bedingt beispielsweise durch die Konjunkturlage und -entwicklung und/oder die Konkurrenzsituation, der Betrieb hätte aufgegeben werden müssen. Die Bemessung des Valideneinkommens hat daher, unter Vorbehalt des in Erw. 7.2.3 Gesagten, nach Massgabe der im Geschäft tatsächlich erzielten Betriebsergebnisse zu erfolgen. Andernfalls wird der Grundsatz verletzt, dass das (hypothetische) Valideneinkommen im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG dem Erwerbseinkommen entsprechen muss, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre. 7.2.2 Bei den Akten liegt lediglich der Geschäftsabschluss der Versicherten für das Jahr 1994 und ihre Angabe in der Anmeldung zum Leistungsbezug vom 25. Mai 1998, sie habe als Selbstständigerwerbende monatlich ca. Fr. 2000.- verdient. Die Betriebsabschlüsse für die Jahre 1995 bis 1997 fehlen. Der bei den Akten befindliche IK-Auszug enthält für die Jahre 1995 bis 1997 keine Einkommensangaben. Verwaltung und Vorinstanz haben denn auch ohne jegliche Bezugnahme auf die Betriebsergebnisse der Versicherten auf ein Valideneinkommen von ca. Fr. 36'152.- abgestellt. Dies entspricht dem um 2 % erhöhten Valideneinkommen von Fr. 35'440.- laut Vorbescheid vom 9. März 2000. Letztgenannten Betrag ermittelte die IV-Stelle am 20. August 1998 aufgrund diverser statistischer bzw. üblicher Löhne im Kanton Glarus, allerdings noch unter dem Titel "Invalideneinkommen"; das Valideneinkommen wurde damals mit Fr. 32'500.- (Bäckereimitarbeiterin) beziffert. Abgesehen von diesen Unklarheiten bei der Bezifferung des Validenlohnes ist das Vorgehen von Verwaltung und Vorinstanz nach dem in Erw. 7.2.1 hievor Gesagten nicht angängig. Beizuziehen sind vielmehr neben dem Jahresabschluss 1994 auch diejenigen für die Jahre 1995 bis 1997. Gestützt auf diese Unterlagen ist das durchschnittliche Valideneinkommen der Versicherten für diesen Zeitraum zu ermitteln, wobei der Zinsertrag vom investierten Eigenkapital abzuziehen ist und die von der Versicherten in einem Geschäftsjahr effektiv bezahlten AHV/IV/EO-Beiträge zum Betriebsgewinn hinzuzuzählen sind. Zudem sind Rückstellungen für das Warenlager zum Betriebsgewinn hinzuzurechnen und die Auflösung des Warenlagers abzuziehen, um damit die invaliditätsfremden Faktoren auszuscheiden (SVR 1999 IV Nr. 24 S. 73 Erw. 4c). Das hypothetische Valideneinkommen ist sodann auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns im Jahre 2001 und des Verfügungserlasses (Erw. 2 hievor) der nominalen und realen Einkommensentwicklung anzupassen, wobei mangels spezifischer Tabellen für Selbstständigerwerbende der Reallohnindex für Arbeitnehmer des Bundesamtes für Statistik heranzuziehen ist (SVR 1999 IV Nr. 24 S. 73 Erw. 5; Urteil B. vom 9. Januar 2003 Erw. 3.2.1, I 281/01). 7.2.3 Sollte die Prüfung der Betriebsergebnisse ergeben, das die Beschwerdeführerin während des dreijährigen Bestehens ihres Geschäftes kein relevantes Einkommen erzielte, ist nicht anzunehmen, dass sie ihre Firma hätte weiterführen und daraus einen nennenswerten Gewinn erwirtschaften können. Diesfalls wird die IV-Stelle nicht auf die Geschäftsabschlüsse als Bemessungsgrundlage abzustellen haben, sondern darauf, was die Versicherte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Unselbstständigerwerbende getan hätte (Urteil S. vom 15. Juni 2000 Erw. 6c, I 352/99). Aufgrund ihrer vorletzten, vierjährigen Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Schalenproduktion bei einer Konditorei wäre aufgrund der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) der Durchschnittsverdienst für mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im privaten Sektor beschäftigte Frauen (Tabelle A1) heranzuziehen.