Citation: 6B_714/2022 E. 1.4

1.4. Die Vorinstanz erwägt, dass der ausschliesslich über die kosovarische Staatsbürgerschaft verfügende Beschwerdeführer eine Straftat verübt habe, die nach Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB eine obligatorische Landesverweisung zur Folge habe. Einen schweren persönlichen Härtefall verneint sie aus folgenden Überlegungen: Es stehe fest, dass der Beschwerdeführer im Alter von 4 Jahren in die Schweiz gekommen sei und hier seit 25 Jahren lebe. Er habe damit die prägenden Kinder- und Jugendjahre in der Schweiz verbracht und könne sich insoweit auf den letzten Satz von Art. 66a Abs. 2 StGB berufen, wonach der besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen ist, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind. Die Eltern des Beschwerdeführers und seine beiden Schwestern lebten in der Schweiz und verfügten über die schweizerische Staatsangehörigkeit. Der Beschwerdeführer wohne zusammen mit seiner Ehefrau in Emmenbrücke, erwarte mit ihr ein Kind, das voraussichtlich Ende Juni 2022 geboren werde. Mangels anderweitiger Hinweise sei von einem intakten familiären Umfeld und damit von einem zukünftig gemeinsamen Sorge- und Obhutsrecht der Eltern auszugehen. Weiter habe der Beschwerdeführer seinen gesamten Freundeskreis in der Schweiz. Sein bester Freund E.________ sei Schweizer. Der Beschwerdeführer habe in der Schweiz die Primar- und Oberstufe besucht und hier auch seine Lehre zum Autolackierer absolviert. Seither sei er in der Schweiz berufstätig gewesen und verfüge heute über eine Festanstellung zu 100% bei der F.________ AG. Er spreche Schweizerdeutsch, sei im Betreibungsregister nicht verzeichnet und weise auch kein Steuerausstände aus. Weiter habe er sich bis zu den vorliegend beurteilten Straftaten an die Schweizer Rechtsordnung gehalten. Es sei daher von einer guten Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz auszugehen. Betreffend seine Wiedereingliederung im Heimatland führt die Vorinstanz aus, dass der Beschwerdeführer fliessend albanisch spreche und anzunehmen sei, dass er mit seiner Heimat und der dortigen Kultur vertraut ist, zumal sowohl seine als auch die Familie seiner Ehefrau aus dem Kosovo stammten und der Beschwerdeführer dort auch seine Ferien verbringe. Weiter sei es dem Beschwerdeführer möglich, den Beruf des Autolackierers auch im Kosovo auszuüben. Gesundheitliche Gründe, die einer Landesverweisung entgegenstünden, seien weder geltend gemacht worden noch ersichtlich. Aufgrund dessen und der dargelegten beruflichen Integrationschancen sowie der sozio-kulturellen Vertrautheit sei davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer ohne unzumutbare Probleme möglich sei, im Kosovo beruflich und gesellschaftlich Fuss zu fassen. Dasselbe gelte für seine Ehefrau. Diese sei ebenfalls kosovarische Staatsangehörige, sei im Kosovo aufgewachsen und habe dort bis zur Heirat mit dem Beschwerdeführer im Dezember 2017 und damit ca. 20 Jahre gelebt, was für ihre Familie weiterhin gelte. Es sei davon auszugehen, dass sie ihren bisherigen Bildungsweg im Kosovo absolviert habe, und sie über ein tragfähiges Beziehungsnetz und berufliche Zukunftsaussichten in ihrem Heimatland verfüge. Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau hätten sich in Kenntnis um das vorliegende Strafverfahren für ein gemeinsames Kind entschieden. Auch diesem sei es zumutbar, mit seinen Eltern in den Kosovo zu ziehen. Von einem Abbruch der Eltern-Kind-Beziehung sei nicht auszugehen, zumal eine Rückkehr in den Kosovo für beide Elternteile zumutbar sei. Der Beschwerdeführer habe sich zwar bis zu den vorinstanzlich zu beurteilenden Taten in strafrechtlicher Hinsicht nichts zu Schulden kommen lassen und auch anschliessend nicht mehr delinquiert. Allerdings handle es sich bei seinen Delikten um schwere Taten: Er habe die beiden Opfer aus nichtigem Anlass brutal in deren körperlichen Unversehrtheit angegriffen und sich massiv und unter Anwendung von Gewalt gegen seine Festnahme, seine Verbringung zunächst ins Polizeihauptgebäude und anschliessend in die Zelle gewehrt, wobei fünf Polizisten verletzt worden seien. Insgesamt habe der Beschwerdeführer eine enorme Aggressivität und eine massive Gewaltbereitschaft gezeigt. Angesichts der Schwere der beurteilten Taten müsse eine geringe Rückfallgefahr nicht in Kauf genommen werden. Die Landesverweisung sei bei gegebenen Voraussetzungen auch aufgrund eines einzigen Vorfalls anzuordnen. Zusammengefasst sei die Landesverweisung für den Beschwerdeführer zwar mit einer gewissen Härte verbunden, jedoch seien die hohen Anforderungen für die Annahme eines schweren persönlichen Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB nicht erfüllt. Angesichts dieses Ergebnisses verzichtet die Vorinstanz darauf, die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz gegen die öffentlichen Interessen an dessen Landesverweisung abzuwägen, und verweist den Beschwerdeführer des Landes.