Citation: 1C_135/2020 E. 4.4

4.4. Die vom Kantonsgericht im angefochtenen Urteil vorgenommene Gesetzesauslegung ist nachvollziehbar. Die Verordnungsregelung weicht zwar vom reinen Wortlaut der Gesetzesbestimmung ab. Dieser stellt aber nicht in Rechnung, dass Geschosshöhen in den kommunalen Planungs- und Baubestimmungen sowie in konkreten Bauvorhaben unterschiedlich festgelegt werden können. Damit kann die gleiche Geschosszahl zu völlig unterschiedlichen Gebäudehöhen in der gleichen Gemeinde sowie in verschiedenen Gemeinden bzw. zu erheblichen Differenzen bei den Grenzabständen für an sich vergleichbare Bauvolumen führen. Mit der in der Verordnung getroffenen Regelung wird einem möglichen entsprechenden Missverhältnis dadurch entgegengewirkt, dass die Geschosshöhe definiert wird, und zwar grundsätzlich mit 4,5 m für das erste Geschoss und jeweils 3,5 m für alle nachfolgenden Geschosse. Die Geschosshöhe wird damit für die Berechnung des Grenzabstands abstrahiert und für den ganzen Kanton für alle vergleichbaren Bauprojekte vereinheitlicht. Das ist weder unsachlich noch unhaltbar, selbst wenn im Ergebnis wie im vorliegenden Fall die rechnerische Geschosshöhe, hier mit einem Wert von 2, von der tatsächlichen, hier 3, abweichen kann. Dass damit in unzulässiger Weise in die Autonomie der Gemeinden eingegriffen werde, macht die Beschwerdeführerin nicht ausreichend geltend. Die im Verordnungsrecht verfolgte Umsetzung des Gesetzes ist einer rein grammatikalischen Auslegung desselben zumindest gleichwertig, wenn nicht sogar vorzuziehen. Dass der Gesetzgeber eine solche Auslegung der einschlägigen Gesetzesnorm ausgeschlossen hätte, ist nicht ersichtlich. Dem Regierungsrat wird in § 90 Abs. 4 BPG im Gegenteil ausdrücklich die Kompetenz eingeräumt, die Einzelheiten über die Berechnung der Grenzabstände zu regeln. Im Ergebnis hat er mit der getroffenen Regelung seine Zuständigkeit als Verordnungsgeber gemäss § 74 Abs. 2 KV/BL nicht überschritten.