Citation: U 307/98 17.02.2000 E. 3

3.- Ab 16. Mai 1995 bis Ende 1995 attestierte Dr. med. F.________ der Beschwerdeführerin eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit zufolge schwerer Erschöpfungsdepression (Bericht vom 15. November 1995). Dr. med. G.________, den die Beschwerdeführerin am Tag des Unfalls aufgesucht hatte, diagnostizierte eine Distorsion bzw. Kontusion der HWS sowie eine Kontusion des Ellenbogengelenks und ordnete die Ruhigstellung in einem Halskragen an. Schwindelgefühle, Benommenheit, Bewusstlosigkeit oder Erbrechen konnte er nicht feststellen (Bericht vom 10. Juli 1995). Der beigezogene Rheumatologe Dr. med. B.________ ging von einem persistierenden, eher progredienten posttraumatischen cervico-thorakospondylogenen Syndrom mit Kranialsyndrom beidseits bei Fehlform/Fehlhaltung segmental, bzw. regional im Bereich der HWS mit Gefügelockerung, segmentalen Funktionsstörungen im Bereich der HWS und der Kopfgelenke nach Autokollision aus. Wegen des schleppenden Verlaufs veranlasste er eine stationäre Abklärung und Behandlung an der Rheumaklinik des Spitals X.________. Dort wurden gemäss Bericht vom 30. November 1995 ein cervico-thorakospondylogenes Syndrom mit cervico-cephaler Komponente bei Status nach HWS-Distorsionstrauma und Kopf-Kontusion am 31. Mai 1995 sowie bei segmentaler Fehlform/Fehlhaltung festgestellt. Die seit 16. Mai 1995 bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit wurde per 15. April 1996 auf 50 % reduziert. Der Arbeitsversuch wurde indessen nach sechs Wochen wegen Schmerzen beendet. Der im Einverständnis der Beschwerdeführerin beigezogene Dr. med. W.________ diagnostizierte am 8. Juli 1996 einen Status nach möglichem HWS-Distorsionstrauma, ohne begleitendes Schädelhirntrauma, bei Status nach wahrscheinlich abgeheilten HWS-Distorsionsschmerzen und Schmerzen der oberen thorakalen Wirbelsäule/des Thorax (unbekannter Ätiologie). Seines Erachtens sind die von der Versicherten geschilderten Beschwerden nur möglicherweise auf den Unfall zurückzuführen, obschon er keine Krankheiten, Vorzustände oder früheren Unfälle sieht, die beim aktuellen Beschwerdebild eine Rolle spielen könnten. Von Seiten eines möglichen HWS-Distorsionstraumas besteht seiner Meinung nach keine oder nur eine partielle, leichte unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit. Ob eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer depressiven Verstimmung vorliege, die sekundär zu Verspannungen und Schmerzen im oberen thorakalen Bereich geführt hat, könne von seinem Fachgebiet aus nicht entschieden werden. Der vom Unfallversicherer zusätzlich beigezogene Chirurge Dr. med. E.________ schliesslich stellte ein chronisches cervico-thorakales Schmerzsyndrom bei leichter rechtskonvexer Torsionskoliose der BWS und leicht vermehrter, noch thorakaler Brustkyphose mit leichten degenerativen Veränderungen (Osteochondrose, Spondylose, Spondylarthrose), eine leichte Funktionseinschränkung der Reklination und Inklination der HWS bei Hypomobilität im Bereich der mittleren HWS sowie eine wahrscheinlich posttraumatische Unfallverarbeitungsstörung fest (Bericht vom 29. August 1996). Er deutet die vorliegenden Beschwerden als depressive Verstimmung. Seines Erachtens sind die von der Versicherten geäusserten Beschwerden und die objektiven Befunde nur zum kleinen Teil auf den Unfall zurückzuführen. Als Unfallfolge nimmt er eine gewisse Funktionseinschränkung und Hypomobilität im Bereich der mittleren HWS an. Wegen des Unfalls bestehe indessen kein Grund, dass die Patientin praktisch ein Jahr nach dem Unfall erneut 100 % arbeitsunfähig geworden sei. Spätestens Ende 1995 wäre der Status quo ante wieder erreicht gewesen, wenn eben nicht unfallfremde Faktoren eine wesentliche Rolle gespielt hätten. Dem von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren aufgelegten, von der Invalidenversicherung in Auftrag gegebenen Gutachten des Neurologen Dr. med. I.________ vom 4. September 1997 kann entnommen werden, dass ein Zustand nach Autounfall, in dessen Rahmen es zu einer HWS-Abknickverletzung, linksseitigem Kopfanprall, Ellenbogen- und Oberschenkelkontusion links gekommen ist, besteht. Ohne nachweisbare radiologische Veränderungen habe daraus ein Schmerzsyndrom resultiert. Im Gegensatz zu den erheblichen geklagten Beschwerden fänden sich nur geringe objektive somatische Korrelate. Diese bestünden in einer enormen Berührungsschmerzhaftigkeit im Bereich der oberen BWS und HWS sowie des Rippenthorax. Zusätzlich fänden sich Druckdolenzen im Bereich der Muskulatur, multitop lokalisiert, welche letztlich das doch recht typische Bild eines Fybromyalgie-Syndroms ergäben. Aus eng neurologischer Sicht bestehe keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit; diese resultiere vielmehr aus dem geklagten Schmerzsyndrom. Im in Ergänzung der Beweisführung nachgereichten Bericht des Dr. med. Z.________ vom 5. November 1997 schloss sich der Arzt der medizinischen Beurteilung des Dr. med. I.________ weitgehend an. Seiner Meinung nach leidet die Versicherte an einem Fybromyalgie-Syndrom bei Status nach Schleudertrauma. Die reaktive Depression, unter welcher die Patientin leide, erschwere die Behandlung erheblich und führe zu einer gesteigerten Schmerzempfindung.