Citation: I 86/03 21.04.2004 E. 2

2.1 Im Gutachten der MEDAS vom 20. August 2001 werden die Diagnosen (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) eines Panvertebralsyndroms mit/bei spondylogener akzentuierter Symptomatik im Lumbal- und Zervikozephalbereich, muskulärer Dysbalance bei Dekonditionierung und medianer Diskushernie L3/L4 ohne Neurokompression sowie einer Symptomausweitung bei Schmerzverarbeitungsstörung gestellt. Weitere Befunde, u.a. eine beginnende Anpassungsstörung und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, werden als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit dargestellt. Diese Beurteilung steht im Wesentlichen im Einklang mit den Befunden und Feststellungen des Spitals Y.________ (Berichte vom 4. Mai und 2. Juli 1999). Die von Dr. K.________ im Arztbericht vom 28. Juni 2000 als Hauptdiagnose diagnostizierte generalisierte Fibromyalgie schlossen die Gutachter ausdrücklich aus. Unter allen an den Ablärungen beteiligten Medizinern ist unbestritten, dass psychische Komponenten eine erhebliche Rolle spielen. Das Spital Y.________ äusserte in seinem Bericht vom 2. Juli 1999 den Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung, Dr. K.________ den dringenden Verdacht auf psychische Alteration. Im Gutachten werden diese Verdachtsdiagnosen bestätigt und die Diagnosen einerseits einer Symptomausweitung bei Schmerzverarbeitungsstörung (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) und andererseits einer beginnenden Anpassungsstörung und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (mit objektiv relativ geringen Beschwerden und ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) gestellt. 2.2 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit gehen die MEDAS-Gutachter davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine rückenschonende, wenig belastende Tätigkeit mit Heben von Gewichten bis zu 15 kg im Umfang von 70 % zumutbar ist, wobei länger dauerndes Sitzen oder Stehen sowie stereotype Bewegungen oder Zwangspositionen vermieden werden sollten. Die Ärzte des Spitals Y.________ (Bericht vom 4. Mai 1999) erachteten den Beschwerdeführer aufgrund der organischen Befunde im Umfang von 50 % als arbeitsfähig, hielten aber gleichzeitig fest, dass dieser zur Arbeit motiviert werden sollte. Dr. K.________ erachtet den Beschwerdeführer aus rein rheumatologischer Sicht zu mindestens 50 % arbeitsfähig, unter Berücksichtigung des Gesamtzustandes indessen als vollständig arbeitsunfähig. Die Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit durch die Gutachter weichen von denjenigen des behandelnden Arztes ab. Die Mediziner sind zwar übereinstimmend der Ansicht, dass die organischen Befunde nicht die primären Ursachen dafür sind, dass der Beschwerdeführer keine Arbeit mehr aufgenommen hat. Dafür machen sie vielmehr die Schmerzproblematik verantwortlich. Die unterschiedliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit lässt sich somit damit erklären, dass die MEDAS-Gutachter einerseits eine generalisierte Fibromyalgie ausdrücklich ausschlossen und andererseits die psychische Komponente, welche zwar vorhanden ist, jedoch ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleibt, in die Bewertung miteinbezogen haben. Nach dem psychiatrischen Untergutachten der MEDAS geht das Unvermögen des Beschwerdeführers, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, überwiegend auf psychosoziale Umstände zurück. Gemäss der Rechtsprechung (BGE 127 V 299 Erw. 5a) bilden soziokulturelle Umstände keinen im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG versicherten Gesundheitsschaden. Es braucht viel mehr in jedem Fall zur Annahme einer Invalidität ein medizinisches Substrat, das (fach)ärztlicherseits schlüssig festgestellt ist und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Die Frage nach dem Vorliegen einer psychischen Störung wurde im Gutachten genügend geprüft und auch die zentrale Frage beantwortet, ob der Beschwerdeführer über psychische Ressourcen verfügt, die es ihm erlauben, mit seinen Schmerzen umzugehen. Ein Widerspruch der Fachärzte liegt auch nicht darin, dass diese von einer grösseren Tragfähigkeit ausgehen als der Beschwerdeführer. Entscheidend ist, was medizinisch (hier rheumatologisch, psychiatrisch) möglich und zumutbar ist, und nicht, was der Versicherte subjektiv als zumutbar betrachtet. Da das Gutachten widerspruchsfrei und schlüssig ist, kann darauf abgestellt werden. Weder die Frage der somatisch begründeten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit noch die psychischen Aspekte bedürfen einer erneuten fachärztlichen Abklärung.