Citation: 4A_115/2014 E. 8.3

8.3. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, es sei erstellt, dass der Anteil des Vorzustandes an der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdegegners ganz erheblich sei, weshalb eine bloss 20-prozentige Reduktion unter dem Titel der konstitutionellen Prädisposition nicht nachvollziehbar sei. Sie zeigt dabei allerdings nicht in rechtsgenüglicher Weise auf, inwiefern die Vorinstanz ihr Ermessen bei der Berücksichtigung von Reduktionsgründen qualifiziert unrichtig angewendet haben soll. Zunächst ist es unbehelflich, wenn sie darauf hinweist, dass der Gutachter Dr. Horlacher dem Unfall am Zustand des Klägers bloss eine Teilkausalität von 30 % zugerechnet habe. Dies ist der Vorinstanz nicht entgangen. Sie wies indessen zutreffend darauf hin, dass das ärztlich geschätzte Gewicht des Unfalls als Teilursache nicht direkt für die Reduktion nach Art. 44 OR relevant sein könne. Die Vorinstanz berücksichtigte sodann als besonderen Umstand u.a. das Auseinanderbrechen der Familie und Scheitern der Ehe des Beschwerdegegners, relativierte diesen aber zutreffend damit, dass dies auf die durch den Unfall selbst ausgelöste Dynamik zurückzuführen sei, verneinte mithin, dass es aus diesem Grund besonders unbillig wäre, die Beschwerdeführerin mit dem Ersatz des gesamten Schadens zu belasten. Die Vorinstanz erachtete es insbesondere deshalb als gerechtfertigt, überhaupt eine Reduktion vorzunehmen, weil das Ausmass der Betroffenheit des Beschwerdegegners, insbesondere durch die strafrechtlichen Konsequenzen, in keinem "direkten Verhältnis" mehr zum schädigenden Ereignis stünden, was sie auf die Persönlichkeitsanlagen des Beschwerdegegners zurückführte. Die Beschwerdeführerin scheint der Vorinstanz in diesem Zusammenhang vorzuwerfen, dass sie nicht berücksichtigt habe, welchen Einfluss die Schuldgefühle des Beschwerdegegners aufgrund eines im Jahre 1988 erfolgten und von ihm durch mangelnde Aufsicht zu verantwortenden Unfalls seines damals 4½-jährigen Sohnes mit der Folge einer bleibenden Hirnschädigung auf die erhöhte Vulnerabilität des Beschwerdegegners gehabt hätten. Es trifft zu, dass die Vorinstanz diesen Gesichtspunkt im Rahmen ihrer Erwägungen zur Frage der Reduktion des Schadenersatzes nicht speziell erwähnte, obwohl sie im Entscheid vom 21. Juni 2006 einen entscheidenden Einfluss dieses Umstands auf die Vulnerabilität des Beschwerdegegners gegenüber den in Folge des Unfalls erhobenen strafrechtlichen Schuldvorwürfen bejahte. Die Umstände sprächen dafür, eine sich besonders ungünstig auswirkende Vorbelastung des Beschwerdegegners anzunehmen, die zu einer Reduktion des Schadenersatzes Anlass geben kann (vgl. Urteil 4C.416/1999 vom 22. Februar 2000 E. 2c/aa, Pra 2000 S. 920). Insoweit erscheint die Erwägung der Vorinstanz, die Persönlichkeitsanlagen des Beschwerdegegners hätten nicht in schwerwiegendem Masse zum Eintritt und zur Verschlimmerung der Unfallfolgen beigetragen, fraglich. Trotzdem erscheint ihre Ermessensausübung im Ergebnis nicht als unhaltbar, da auf der anderen Seite zu berücksichtigen ist, dass die weiteren, zur konstitutionellen Prädisposition des Beschwerdegegners hinzutretenden Umstände, die zu einer Verschlimmerung des Schadens beigetragen haben, ihrerseits auf die durch den Unfall ausgelöste Dynamik zurückzuführen und daher zu relativieren sind. Vor allem aber fällt ins Gewicht, dass den Beschwerdegegner am Unfall überhaupt kein Verschulden traf, während der Motorradfahrer das alleinige und grobe Verschulden am - als schwer einzustufenden - Unfall trägt. Dies lässt es als vertretbar erscheinen, dass die Vorinstanz eine Reduktion um lediglich 20 % als korrekt erachtete. Die Beschwerdeführerin zeigt jedenfalls nicht rechtsgenüglich auf, dass hierin eine unhaltbare Ausübung des der Vorinstanz zustehenden Ermessens läge.