Citation: 1P.392/2000 06.07.2000 E. 3

3.- Der Beschwerdeführer anerkennt nur einen Teil der ihm vorgeworfenen Handlungen und hat gegen seine Verurteilung durch das Bezirksgericht Berufung erhoben. Er wendet sich angesichts seiner erstinstanzlichen Verurteilung jedoch nicht gegen die Annahme eines dringenden Tatverdachts. Er bestreitet hingegen das Vorliegen der Fluchtgefahr, auf die sich der angefochtene Entscheid abstützt. a) Nach der Rechtsprechung braucht es für die Annahme der Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich der Angeschuldigte, wenn er in Freiheit wäre, der Strafverfolgung und dem Vollzug der Strafe durch Flucht entziehen würde. Hierfür genügt die theoretische Möglichkeit einer Flucht nicht. Für die Beurteilung der Fluchtgefahr sind vielmehr die gesamten konkreten Umstände des Falles in Betracht zu ziehen. Der Charakter des Betroffenen, sein bisheriges Verhalten, sein Wohnsitz, sein Beruf, seine Vermögensverhältnisse, seine Familienbande und seine Beziehungen im Staat, in dem er der Strafverfolgung unterliegt, sind zu berücksichtigen (vgl. Urteil des EGMR i.S. Neumeister c. Österreich vom 27. Juni 1968, Serie A, Band 7, Ziff. 10). Dabei darf auch die Schwere der drohenden Strafe als ein Indiz für die Fluchtgefahr gewertet werden, aber sie alleine genügt nicht für deren Bejahung (vgl. BGE 125 I 60 E. 3a S. 62 mit Hinweisen). Die Tatsache, dass der Angeschuldigte Ausländer ist, genügt nicht als alleiniges zusätzliches Indiz; auch dann kann eine Gesamtwürdigung der Beziehungen zur Schweiz es erlauben, auf eine geringe Fluchtgefahr zu schliessen. Umgekehrt kann auch bei einem Schweizer Bürger auf Grund der übrigen genannten Indizien, insbesondere seiner Beziehungen zum Ausland, eine genügend erhebliche Fluchtgefahr angenommen werden. b) Der Beschwerdeführer ist Schweizer Bürger. Zwölf seiner angeblich 52 Geschwister leben in der Schweiz, und bei seiner Schwester könnte er in der Schweiz wohnen. Anderseits ist er auch Bürger der Dominikanischen Republik. Seine Mutter, seine übrigen Geschwister, seine fünf Kinder und deren Mütter einschliesslich seiner von ihm getrennt lebenden Schweizer Ehefrau leben dort. Im Verfahren führte er immer wieder aus, dass seine Mutter, seine Kinder und seine Frau dringlich auf ihn warten und seiner Unterstützung bedürften. Er möchte für sie sorgen und erreichen, dass seine Kinder zur Schule gehen und sich seiner nicht schämen müssen. Er spricht spanisch, ist des Deutschen hingegen offenbar nicht mächtig. So musste das ganze Verfahren mit Übersetzern durchgeführt werden. In der Dominikanischen Republik ist der Beschwerdeführer auch aufgewachsen. Er hat zwar in der Schweiz während sieben Jahren bei derselben Firma gearbeitet. Seit 1997 geht er jedoch keiner regelmässigen Arbeit in der Schweiz mehr nach, war hingegen bis zu seiner Verhaftung nach eigenen Angaben längere Zeiten in seinem anderen Heimatland. Er gibt auch an, in seiner anderen Heimat Kredite vergeben zu haben, die ihm zurückgezahlt würden, und am Gewinn der Firma eines Schwagers beteiligt zu sein. Auch wenn man die Möglichkeit einer bedingten Entlassung berücksichtigt, muss der Beschwerdeführer nach dem bezirksgerichtlichen Urteil mit einem Freiheitsentzug von mehr als acht weiteren Monaten rechnen. Damit spricht die drohende Strafe - obwohl deren Bedeutung als Motiv für eine Flucht mit andauernder Haft, die auf die Freiheitsstrafe angerechnet wird, abnimmt (vgl. Urteil des EGMR i.S. W. c. Schweiz vom 26. Januar 1993, Serie A, Band 254A, S. 33 mit Hinweisen) - weiterhin für die Gefahr einer Flucht. Den gleichen Schluss legen die familiären Bande, legale Verdienst- und Berufsmöglichkeiten, die eigenen Angaben des Angeschuldigten und sein Verhalten in den letzten Jahren nahe. Der Beschwerdeführer anerkennt selbst, dass ihm objektiv eine Flucht in die Dominikanische Republik ein Leichtes wäre. Somit verletzt es die persönliche Freiheit nicht, wenn im angefochtenen Entscheid eine Fluchtgefahr angenommen wird, die es rechtfertigt, den Beschwerdeführer in Sicherheitshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug zu belassen.