Citation: 5A_677/2021 E. 3.2

3.2. Der Beschwerdeführer wehrt sich gegen die vorinstanzliche Strenge und plädiert für eine Änderung der bestehenden Praxis zu Art. 33 Abs. 4 SchKG. Die Bestimmung sei im Einklang mit Art. 148 Abs. 1 ZPO auszulegen. Entsprechend sei die Fristwiederherstellung auch im Geltungsbereich von Art. 33 Abs. 4 SchKG nicht nur dann zu bewilligen, wenn den Gesuchsteller überhaupt kein Verschulden an der Säumnis treffe, sondern auch, wenn dieses Verschulden als leicht zu qualifizieren sei. Zur Begründung verweist der Beschwerdeführer auf die Zufälligkeiten bzw. Schwierigkeiten der Abgrenzung von Art. 33 Abs. 4 SchKG und Art. 148 Abs. 1 ZPO, den Grundsatz der Einheitlichkeit der Rechtsordnung sowie den dienenden Charakter des Verfahrensrechts. Auch eine im Lichte von Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 29a BV verfassungs- und völkerrechtskonforme Auslegung spricht aus Sicht des Beschwerdeführers für die von ihm vorgeschlagene neue Lesart von Art. 33 Abs. 4 SchKG. Das Recht auf Zugang zu einem Gericht dürfe nicht dadurch seines Wesensgehalts entleert werden, dass an gewisse Prozessvoraussetzungen, insbesondere an die Einhaltung von Fristen, überhöhte Anforderungen gestellt werden. Eine Auslegung von Art. 33 Abs. 4 SchKG, wonach die Wiederherstellung einer Frist im Falle jeglichen Verschulden ausgeschlossen sei, stelle eine übertrieben strenge Anforderung bzw. eine übermässige Einschränkung des Rechts auf Zugang zu einem Gericht dar. BGE 139 III 478 zeige, dass auch nach Ansicht des Bundesgerichts die Bestimmungen zur Wiederherstellung von Fristen nicht dergestalt ausgelegt werden dürfen, dass diese den definitiven Verlust einer Klage oder eines Angriffsmittels zur Folge hätten. Eventualiter macht der Beschwerdeführer geltend, dass auch nach bisheriger Rechtsprechung zu Art. 33 Abs. 4 SchKG die Frist wiederhergestellt werden müsse. Er beruft sich darauf, dass die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen beim fraglichen Standardeingriff bei lediglich zwei Prozent liege. Ihm angesichts einer derart unwahrscheinlichen Eventualität ein Verschulden vorzuwerfen, vertrage sich nicht mit dem Recht auf Zugang zu einem Gericht (Art. 29a BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK) und entleere Art. 33 Abs. 4 SchKG seines Wesensgehalts.