Citation: 2C_108/2018 E. 5.3

5.3. Unter dem Aspekt des Familienlebens ist Art. 8 EMRK berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres möglich oder zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 144 II 1 E. 6.1 S. 12; 139 I 330 E. 2.1 S. 335 f.). Der sich hier aufhaltende Familienangehörige muss nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen (BGE 135 I 143 E. 1.3.1 S. 145 f.; 130 II 281 E. 3.1 S. 285 f.). Nach der Rechtsprechung bezieht sich der Schutz des Familienlebens gemäss Art. 8 Abs. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV in erster Linie auf die Kernfamilie (Ehegatten und minderjährige Kinder). Andere familiäre Beziehungen stehen nur in besonderen Fällen unter dem Schutz dieser Bestimmung (BGE 144 II 1 E. 6.1 S. 12 f.; Urteil 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.1; je mit Hinweisen). Hinsichtlich Beziehungen zwischen nahen Verwandten ausserhalb der Kernfamilie, namentlich solchen von erwachsenen Kindern zu ihren Eltern oder Geschwistern, setzt die Berufung auf Art. 8 Abs. 1 EMRK voraus, dass die ausländische Person sich in einem besonderen, über die normalen affektiven Bindungen hinausgehenden Abhängigkeitsverhältnis zum anwesenheitsberechtigten Elternteil (oder Geschwister) befindet (BGE 137 I 154 E. 3.4.2 S. 159; 129 II 11 E. 2 S. 14; Urteil 2C_636/2017 vom 6. Juli 2018 E. 3.2.2). Ein solches kann sich aus Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen bei körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten ergeben (vgl. Urteil 2C_1048/2017 vom 13. August 2018 E. 4.4.2 mit Hinweisen). Liegt kein derartiges Abhängigkeitsverhältnis vor, ist Art. 8 Abs. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV durch die Verweigerung einer Bewilligung von vornherein nicht betroffen (vgl. Urteile 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.2; 2C_5/2017 vom 23. Juni 2017 E. 2). Vorliegend ist kein derartiges Abhängigkeitsverhältnis ersichtlich. Allein der Umstand, dass der volljährige Beschwerdeführer mit seinen Eltern und Geschwistern zusammenwohnt (oder gewohnt hat) und ihn seine Schwester in einem bescheidenen Umfang finanziell unterstützt, vermag noch keine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung aufzuzeigen, die über eine normale affektive Bindung hinausgeht. Zudem geht aus dem angefochtenen Urteil hervor, dass die Wohnsituation mit seinen Eltern immer wieder zu Spannungen führte und der Beschwerdeführer mehrheitlich auf der Strasse lebe (vgl. E. 3.2 des angefochtenen Urteils). Auch dieser Umstand spricht gegen das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses zu seinen Eltern und Geschwistern. Nichts zu seinen Gunsten kann der Beschwerdeführer schliesslich aus der von ihm zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 135 I 153) und des EGMR (Urteile [des EGMR] Polidario gegen die Schweiz vom 30. Juli 2013 [33169/10] und Udeh gegen die Schweiz vom 16. April 2013 [12020/09]) ableiten (vgl. Ziff. 8 der Beschwerdeschrift) : Den drei Urteilen lagen Sachverhalte zugrunde, bei denen es um Beziehungen zwischen Eltern und minderjährigen Kindern ging. Insofern unterscheiden sich diese massgeblich vom vorliegend zu beurteilenden Fall. Folglich kann sich der Beschwerdeführer nicht auf den Schutz des Familienlebens im Sinne von Art. 8 Abs. 1 EMRK berufen.