Citation: 1C_231/2020 E. 2.8

2.8. Zu prüfen bleibt dessen Verhältnismässigkeit. Die Beschwerdeführerin bestreitet insofern die Geeignetheit sowie die Erforderlichkeit des Zwangs zum Anbringen funktionsfähiger Fensterläden. So gebe es vor Ort ein heterogenes Bild mit verschiedentlich vorhandenen Lamellenstoren, sei nicht ersichtlich, inwiefern die geplante Realisierung das Ortsbild stören sollte und sei mit der strittigen Auflage eine erhebliche Wertverringerung der geplanten Häuser verbunden. Auch das Verwaltungsgericht ging gestützt auf den durchgeführten Augenschein bei den Fensterläden von einer bisher nicht ganz einheitlichen Praxis und von einem nicht völlig homogenen Ortsbild aus; es stellte jedoch fest, dass die klar überwiegende Zahl der die Parzellen der Beschwerdeführerin umgebenden Bauten die hier verlangten Eigenschaften aufweisen. Es beurteilte die bestehenden Ausnahmen als mutmassliche Ausreisser oder Versehen und anerkannte das Bestreben der Gemeinde, nunmehr eine klare Praxis zu verfolgen. In einem von der Beschwerdeführerin angerufenen Vergleichsfall hatte die Gemeinde sogar erfolglos versucht, die Realisierung von Rollläden mit Attrappenfensterläden nachträglich zu unterbinden. Weiter erachtete das Verwaltungsgericht einen Wertverlust durch die verfügte Auflage als unwahrscheinlich, wogegen die Beschwerdeführerin keine überzeugenden Argumente, geschweige denn Belege vorzubringen vermag. Überdies spart sie sich Kosten bei den elektrischen Installationen, wie die Gemeinde zu Recht vorbringt. Von diesen für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen des Verwaltungsgerichts (vgl. vorne E. 1.4 und 2.2) ist daher in der Folge auszugehen. Zwar stellt sich die Frage, in welchem Umfang die Verwendung von Lamellenstoren in Verbindung mit Zierfensterläden unter Vorgabe der Farbgebung das Ortsbild zu stören vermag. Subjektiv mögen insoweit unterschiedliche Auffassungen gelten. Dabei handelt es sich aber gerade um die Beurteilung der örtlichen Verhältnisse, für die den lokalen Behörden ein Spielraum zusteht und bei deren Überprüfung Zurückhaltung geboten ist. Davon ist zu Recht auch das Verwaltungsgericht ausgegangen. Immerhin hat das Bundesgericht in einem früheren Urteil entschieden, dass die Stadt Chur ihren Ermessensspielraum überschritt, als sie an einem neuzeitlichen Gebäude in der Altstadt den Ersatz der Holzfensterläden durch Aluminiumläden aus ästhetischen Gründen nicht bewilligte, obwohl Aluminiumläden dem Sinn und Zweck der anwendbaren Ästhetikregelung ebenfalls entsprachen, weshalb sich die Verpflichtung zur Anbringung von Holzläden als unverhältnismässiger Eingriff in die Eigentumsgarantie erwies (Urteil 1C_578/2016 vom 28. Juni 2017 E. 4.6 und 4.7, in: ZBl 2018 S. 209 ff.). Damals hatte allerdings im Unterschied zum vorliegenden Fall bereits das kantonale Verwaltungsgericht eine Ermessensüberschreitung erkannt und das Bundesgericht folgte dieser Beurteilung und verwarf den Einwand der betroffenen Gemeinde, ihre Autonomie sei verletzt. Insbesondere bildete jedoch der Gesichtspunkt des verwendeten Materials den entscheidenden Faktor. Rein vom Bild und ohnehin von der Funktion her ergibt sich nur ein geringer Unterschied, ob ein Fensterladen aus Holz oder Aluminium besteht. Es verhält sich offensichtlich anders, wenn ein Rollladen angebracht wird und sich die Zierfensterläden gar nicht schliessen lassen, wodurch sich eine andere Aussenansicht eines Gebäudes und Funktion der Läden ergibt, was Sinn und Zweck der Regelung im Baureglement gerade nicht entspricht. Infolgedessen erweist sich die ausgesprochene Auflage nicht als unverhältnismässig.