Citation: 1A.134/2002 17.07.2003 E. 6

6.1 Schliesslich lehnte es das Verwaltungsgericht ab, den Beschwerdeführern eine ordentliche Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 RPG zu erteilen. Weder technische noch betriebliche Gründe sprächen für den Standort des Hühnerhauses in der Landwirtschaftszone. Der zur Verfügung stehende Raum des Ökonomieteils des Hauptgebäudes sei zudem nicht voll ausgeschöpft. Der freie Raum liesse sich für die geplante Hühnerhaltung nutzen, ohne dass bauliche Veränderungen in den Aussenbereich vorzunehmen wären. Das geplante Vorhaben sei in der Bauzone zulässig. Die Standortgebundenheit sei nicht gegeben. 6.2 Die Beschwerdeführer rügen, das Verwaltungsgericht verkenne den Begriff der negativen Standortgebundenheit. Dies verstosse gegen materielles Bundesrecht und beinhalte unrichtige Erfahrungssätze. Das Verwaltungsgericht habe den Sachverhalt offensichtlich aktenwidrig festgestellt. Sie hätten ihre Liegenschaft in der Wohnzone in Gerlafingen gerade wegen der Lärm- und Geruchsimmissionen ihrer Tierzucht verlassen müssen. Für die Nachbarn sei die Zucht offensichtlich unzumutbar geworden. Das Verwaltungsgericht sei der Ansicht, sie könnten die Hühner problemlos im Hauptgebäude unterbringen. Die Erfahrung zeige aber, dass Hühnerhäuser wegen der damit verbundenen Immissionen ausserhalb der eigentlichen Wohngebäude errichtet würden. Das Hühnerhaus soll zudem am ehemaligen Standort wieder hergestellt werden. Ein Alternativstandort sei nie ernsthaft ausfindig gemacht oder belegt worden. Es sprächen auch keine überwiegenden öffentlichen Interessen gegen das Bauvorhaben. 6.3 Eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG kann nur erteilt werden, wenn der Zweck der Baute einen Standort ausserhalb der Bauzone erfordert (lit. a) und wenn dem Vorhaben keine überwiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen (lit. b). Eine Baute ist positiv standortgebunden, wenn sie aus technischen oder betrieblichen Gründen oder wegen der Bodenbeschaffenheit auf einen Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen ist. Negative Standortgebundenheit liegt vor, wenn sich die geplante Nutzung aus bestimmten Gründen nicht in einer Bauzone verwirklichen lässt (vgl. BGE 123 II 256 E. 5). Dabei beurteilen sich die Voraussetzungen nach objektiven Massstäben. Es kann weder auf die subjektiven Vorstellungen und Wünsche des Einzelnen noch auf die persönliche Zweckmässigkeit oder Bequemlichkeit ankommen. An die Erfordernisse der Standortgebundenheit sind strenge Anforderungen zu stellen, da sonst die vom Raumplanungsgesetz geforderte Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet in Frage gestellt würde (BGE 124 II 252 E. 4 mit Hinweis). 6.4 Die Beschwerdeführer behaupten zu Recht nicht, dass das umstrittene Gebäude positiv standortgebunden sei. Indessen sind sie der Ansicht, eine Wohn-, Industrie oder Gewerbezone sei als Standort nicht geeignet. Das Hühnerhaus sei daher negativ standortgebunden. Zu untersuchen ist damit, ob der Hühnerstall in einer Bauzone überhaupt sinnvoll betrieben werden könnte oder nicht. Für Tierheime ist die negative Standortgebundenheit in der Regel zu bejahen, soweit sie immissionsträchtig sind. Zur Beurteilung der Standortgebundenheit des Hühnerhauses sind jedoch nur die vom Stall ausgehenden Emissionen entscheidend, die übrigen Auswirkungen der Tierhaltung sind nicht zu berücksichtigen. Die Beschwerdeführer stützen ihre Argumentation hauptsächlich auf zwei Entscheide des Bundesgerichts ab. Im einen Entscheid ging es um eine Hundezucht mit 60 Tieren (Urteil 1A.185/1988 vom 16. Juni 1989, publ. in: ZBl 91/1990, S. 187). Im anderen Entscheid war ein Tierheim für je 30 Hunde und Katzen zu beurteilen (Urteil 1A.263/1992 vom 5. April 1994, publ. in: ZBl 96/1995, S. 166). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer sind die Anzahl der gehaltenen Tiere, deren Grösse und das Volumen der Gebäude in den beiden Entscheiden wesentlich umfangreicher als bei ihnen. Ihr Zuchtbestand beträgt lediglich 18 Geflügel und der Stall ist relativ klein. Von ihrem Hühnerhaus werden ausserdem kaum vergleichbare Emissionen ausgehen wie von einem eigentlichen Tierheim. Ihre Situation lässt sich eher mit einer nebenberuflich, eher hobbymässig betriebenen Pony- und Pferdezucht vergleichen (vgl. Urteil 1A.178/1992 vom 15. Oktober 1993, publ. in: ZBl 95/1994, S. 81). Das Bundesgericht erkannte damals, diese Zucht sei mit rund acht Tieren nicht negativ standortgebunden; es verweigerte dementsprechend den Wiederaufbau einer abgebrochenen Scheune ausserhalb der Bauzone. In einem weiteren vergleichbaren Fall entschied das Bundesgericht, eine als Nebenerwerb bzw. als Hobby betriebene Papageien-Zucht (maximal 120 Tiere) sei ausserhalb der Bauzone nicht negativ standortgebunden. Nach den zu erwartenden Emissionen, aber auch bezüglich Art und Gestaltung gehörten Gewerbebetriebe dieser Art grundsätzlich in eine Gewerbe- oder Industriezone (Urteil 1A.145/1988 vom 7. April 1989, E. 3b). Das Hühnerhaus entspricht letztlich auch nicht einem aktuellen und tatsächlichen Bedarf. Die Beschwerdeführer halten 18 Geflügel und beabsichtigen, später einmal 36 Hühner zu halten. Ob dies jedoch je der Fall sein wird, ist unsicher. Die entsprechenden Ausführungen des Verwaltungsgerichts sind jedenfalls unbestritten geblieben. Die mit der vorliegenden Hühnerhaltung verbundenen Lärm- und Geruchsemissionen stehen einem geeigneten Standort in der Bauzone nicht entgegen. Wie das Verwaltungsgericht ausgeführt hat, handelt es sich beim Hühnerstall um eine relativ kleine einfache Baute. Es ist davon auszugehen, dass diese entsprechend schallisoliert und belüftet werden kann. Dass die Nachbarn ein solches Haus in einer Wohnzone nicht tolerieren, ist denkbar; grundsätzlich unzulässig ist es jedoch nicht. Es ist ferner ohne weiteres möglich, das Vorhaben in einer weniger empfindlichen Bauzone zu realisieren. Die Beschwerdeführer haben denn auch nicht nachgewiesen, dass kein Land in einer Industrie- oder Gewerbezone erhältlich ist. Da sie die Futterbasis mehrheitlich zukaufen, sind sie ausserdem nicht unbedingt auf einen Standort in der Landwirtschaftszone mit entsprechendem Umschwung angewiesen. Das Verwaltungsgericht hat nach dem Gesagten richtigerweise erkannt, das Hühnerhaus sei nicht standortgebunden und demgemäss eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG verweigert.