Citation: 1P.415/2001 20.08.2001 E. 2

2.- Die verfassungsmässigen Anforderungen an die Beweiswürdigung im Strafprozess ergeben sich aus der Unschuldsvermutung (in dubio pro reo), die in Art. 6 Ziff. 2 EMRK und in Art. 32 Abs. 1 BV gewährleistet ist. Nach dem Grundsatz in dubio pro reo ist bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist (BGE 120 Ia 31 E. 2b S. 35). Als Beweiswürdigungsregel besagt der Grundsatz, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Der Grundsatz ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Entscheidend ist, ob die Zweifel erheblich und nicht zu unterdrücken sind, das heisst, sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 86 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2c S. 37). Das Obergericht erachtet die Aussagen der Zeugin A.________ insbesondere wegen ihres hohen Detailgrads und ihrer Einheitlichkeit in der Darlegung vor den verschiedenen Instanzen als glaubwürdig. Die Zeugin habe präzis beschrieben, wie sie während des Verrichtens der Gartenarbeit aus höchstens drei Metern Entfernung den roten BMW habe herannahen sehen und hinter dem Lenkrad die Beschwerdeführerin erkannt habe. Als lebensnahes Detail hebt das Obergericht hervor, dass die Beschwerdeführerin nach Angaben der Zeugin nicht sogleich aus dem Wagen gestiegen, sondern auffallend lange darin sitzen geblieben sein soll, wohl um nicht erkannt zu werden. Demgegenüber hätten sich die Aussagen der Beschwerdeführerin als widersprüchlich erwiesen, insbesondere was die angebliche Lenkerin des Fahrzeugs betreffe: Vor der Polizei und vor Bezirksgericht habe sie noch ausgesagt, ihre Tochter C.________ habe den Wagen gelenkt; sie hätte sie an jenem Tag besucht. Nachdem sich ihre Tochter an den Besuch offenbar nicht mehr habe erinnern können, habe sie sich vor Obergericht auf B.________ als Lenkerin berufen und eine entsprechende Bestätigung beigebracht. Die Beschwerdeführerin hat zu diesem Argument nicht Stellung genommen. Entsprechend lässt ihr Einwand, B.________ habe den roten BMW gefahren, keine erheblichen Zweifel an ihrer Schuld aufkommen. Das Obergericht hat in haltbarer Weise den weiteren Umstand, dass B.________ nicht in der Umgebung Bremgarten, sondern in Affoltern am Albis wohnt, als gegen diese Sachverhaltsversion sprechend beurteilt. Ebenfalls vertretbar ist die Erwägung, dass in allfälligen Unstimmigkeiten zwischen den Nachbarn kein ausreichendes Motiv für eine falsche Anschuldigung oder ein falsches Zeugnis liege. Es kann vollumfänglich auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Art. 36a Abs. 3 OG). Als unbegründet erweist sich sodann der Vorwurf, B.________ hätte als Zeugin einvernommen werden müssen. Durfte das Obergericht im Rahmen einer antizipierten Beweiswürdigung davon ausgehen, bei der (undatierten) Erklärung handle es sich um eine Gefälligkeitsbestätigung, so ist es nur folgerichtig, wenn es den Antrag ablehnte, B.________ als Zeugin einzuvernehmen. Das aus den Art. 6 Ziff. 1 EMRK und 29 Abs. 2 BV fliessende Recht auf Abnahme von rechtzeitig und formgerecht angebotenen Beweisen gilt nur insoweit, als solche überhaupt geeignet sind, die umstrittene Tatsache zu belegen (BGE 124 I 241 E. 2 mit Hinweisen).