Citation: 9C_261/2023 E. 5.2

5.2. Nach dem Imparitätsprinzip, das aus dem Vorsichtsprinzip folgt, müssen Verluste bereits bei der Feststellung bilanzmässig berücksichtigt werden, während Erträge nach dem Realisationsprinzip erst bei der Realisierung zu verbuchen sind (BGE 116 II 533 E. 2a/dd; Urteile 2C_1019/2020 vom 29. Dezember 2022 E. 3.3 [mit Hinweisen auf die Literatur]; 4A_277/2010 vom 2. September 2010 E. 2.2). Eine Pflicht zur umgehenden Anpassung des Buchwerts eines Aktivums besteht handelsrechtlich dementsprechend nicht nur, wenn sein Wert im Verlaufe der Zeit unter die Anschaffungskosten fällt, sondern auch dann, wenn der Wert von Beginn weg dauernd unter den Anschaffungskosten liegt (sog. "Non-Valeur"). Wenn die Differenz zwischen den Anschaffungskosten und dem Wert nicht geschäftsmässig begründet ist, weil sie ohne entsprechende Gegenleistung einem Beteiligten oder einer diesem nahestehenden Person zugeflossen ist, darf die erforderliche Korrektur nicht der Erfolgsrechnung belastet, sondern muss sie erfolgsneutral zulasten der Reserven verbucht werden (Urteile 2C_1019/2020 vom 29. Dezember 2022 E. 3.3; 2C_116/2021 vom 8. Juli 2021 E. 7.1). Abschreibungen oder Wertberichtigungen auf solchen Non-Valeurs zulasten der Erfolgsrechnung sind zu korrigieren, sei es, weil ihnen die geschäftsmässige Begründetheit fehlt (Art. 58 Abs. 1 lit. b zweites Lemma DBG; so OESTERHELT/MÜHLEMANN/BERTSCHINGER, in: Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 4. Aufl. 2022, N. 119 zu Art. 58 DBG; wohl auch ROBERT DANON, in: Commentaire Romand, LIFD, 2. Aufl. 2017, N. 233 zu Art. 58 DBG) oder weil der Buchung eine verdeckte Gewinnausschüttung zugrunde liegt (Art. 58 Abs. 1 lit. b fünftes Lemma DBG; so wohl LOCHER/PEDROLI/GIGER, Kommentar DBG, Teil II, 2. Aufl. 2022, N. 127 zu Art. 58 DBG; vgl. auch Urteile 2C_385/2017 vom 7. September 2017 E. 5.2, in: StE 2017 B 72.14 Nr. 49; 2C_939/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.2.3). Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn die leistende Kapitalgesellschaft für ihre Leistung keine oder keine gleichwertige Gegenleistung erhält, der Beteiligungsinhaber direkt oder indirekt (z.B. über eine ihm nahestehende Person) einen Vorteil erlangt, die Kapitalgesellschaft diesen Vorteil einer fernstehenden Person unter gleichen Bedingungen nicht zugestanden hätte, weshalb die Leistung insofern ungewöhnlich ist (Kriterium des Drittvergleichs), und der Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane erkennbar war (BGE 144 II 427 E. 6.1; 140 II 88 E. 4.1; 138 II 57 E. 2.2; Urteil 9C_697/2022 vom 9. Juni 2023 E. 3.6.1).