Citation: 6B_1178/2021 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt gestützt auf den Kriminalrapport samt Fotoblatt und die vom Beschwerdegegner 2 eingereichte Videoaufzeichnungen des Unfalls, dass die Beschwerdeführerin - von der blauen Piste Nr. 69 herkommend - unterhalb des Arbeiterpavillons durchgefahren und den nicht präparierten Teil der Piste Nr. 69b gequert habe, um in der Folge, ohne anzuhalten, auf den präparierten Teil der Piste Nr. 69b "einzufahren", auf welchem sich auch der - von der Cross-Piste herkommende - Beschwerdegegner 2 befunden habe. Sie habe unbestrittenermassen beabsichtigt, die Piste zu wechseln (von der Nr. 69 auf die Nr. 69b). Bereits dieser Umstand habe besondere Vorsicht geboten. Aufgrund der bestehenden Verhältnisse habe aus der damaligen Perspektive der Beschwerdeführerin sodann nicht klar erkennbar gewesen sein können, ab wo sie sich regulär auf der Piste Nr. 69b befunden habe. Komme hinzu, dass die Beschwerdeführerin zwecks Pistenwechsels unmittelbar hinter dem Arbeiterpavillon durchgefahren sei, was ihre Sicht auf die Piste Nr. 69b insgesamt eingeschränkt habe. Alles in allem hätten die aus Sicht der Beschwerdeführerin unklaren Verhältnisse ihrerseits eine besondere Sorgfalt geboten. Bereits dadurch, dass sie, ohne ihre Geschwindigkeit zu reduzieren oder einen Zwischenhalt einzulegen, weitergefahren sei, könne ihr eine Verletzung von der FIS-Regel 1 angelastet werden, habe sie hierdurch doch zumindest abstrakt andere Skifahrer und Snowboarder gefährdet. Zudem lasse sich aufgrund des Videos feststellen, dass die Beschwerdeführerin das unpräparierte Teilstück diagonal gequert habe. Erst als sie die "Kante" zum präparierten Teilstück passiert habe, habe sie aus ihrer Sicht nach rechts abgedreht, eine relativ enge Rechtskurve vollzogen und sei hangaufwärts direkt auf den Beschwerdegegner 2 zugefahren. Dieser habe sich zu diesem Zeitpunkt oberhalb von ihr befunden und habe begonnen, eine Linkskurve (Fahrtrichtung) zu fahren, um (wohl) an der Beschwerdeführerin linksseitig vorbei zu fahren und auszuweichen. Dieses Abdrehen der Beschwerdeführerin bzw. das damit eingeleitete Hangaufwärtsfahren lasse - mit Blick auf die gegenüberliegende Pistenabzweigung - darauf schiessen, dass sie beabsichtigt habe, auf diese sich von der Piste Nr. 69b abzweigenden Piste zu gelangen. Damit habe als erstellt zu gelten, dass die Beschwerdeführerin die Piste Nr. 69b zu traversieren beabsichtigte. Dies sei als sogenannte atypische Pistenbenutzung zu betrachten, die wiederum besondere Vorsicht geboten habe. Hinzu komme, dass sich die Beschwerdeführerin zum Hangaufwärtsfahren entschieden habe, wodurch sie gemäss FIS-Regel 5 gegenüber dem hinter ihr fahrenden Beschwerdegegner 2 keinen Vorrang mehr genossen habe. Dass die Piste in diesem Bereich ein eher schwaches Gefälle aufweise, spiele entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keine Rolle. Hangaufwärts bedeute in diesem Zusammenhang entgegen der Falllinie bzw. entgegen dem allgemeinen Verkehrsstrom. Dem Video lasse sich zweifellos entnehmen, dass der Beschwerdegegner 2 die Piste Nr. 69b der Falllinie folgend befahren habe. Dieser habe sich ausschliesslich auf dem präparierten Teilstück der Piste Nr. 69b befunden, dessen Verlauf er gefolgt sei. Im Gegensatz zur Beschwerdeführerin habe er keinen Pistenwechsel vorgenommen. Unter Berücksichtigung dieser Gesamtumstände habe er darauf vertrauen dürfen, dass die auf dieses präparierte Pistenstück einfahrende bzw. die gesamte Piste linear traversierende Beschwerdeführerin ihm den Vortritt lasse. Letztlich entscheidend sei jedoch, dass der Beschwerdegegner 2 keinesfalls damit habe rechnen können, geschweige denn damit habe rechnen müssen, dass die Beschwerdeführerin, die eben noch geradeaus gefahren sei, ihre Richtung schlagartig um ca. 90 Grad ändern und ihm - in Verletzung des nun ihm zustehenden Vorranges - bergwärts entgegenfahren würde. Anzeichen für ein entsprechendes regelwidriges Verhalten der Beschwerdeführerin hätten keine bestanden. Durch das ab der "Kante" eingeleitete Hangaufwärtsfahren habe sie dem Beschwerdegegner 2 seine Reaktions- und Ausweichmöglichkeit derart stark verkürzt, dass ihm eine Verhinderung der Kollision nicht mehr möglich gewesen sei. Wäre die Beschwerdeführerin ihrem ursprünglich eingeschlagenen Weg gefolgt oder abwärtsgefahren, wären der Beschwerdegegner 2 und sie nicht zusammengeprallt (Beschluss S. 8 ff.). Die Vorinstanz führt weiter aus, das Vorbringen der Beschwerdeführerin, der Beschwerdegegner 2 habe die FIS-Regeln 1, 2, 3, 4 sowie 5 verletzt und könne sich folglich nicht auf den Vertrauensgrundsatz berufen, ziele ins Leere. Die Beschwerdeführerin versuche die mutmassliche Verletzung der erwähnten Regeln stets mit einem vom Beschwerdegegner 2 unterschrittenen Sicherheitsabstand zu ihr herzuleiten. Es treffe zwar zu, dass der hintere Fahrer dem vorderen Fahrer (grundsätzlich bei allen Fahrmanövern) genügend Raum (Sicherheitsabstand) für alle dessen Bewegungen lassen müsse, was auch unerwartete Manöver zufolge Fahrfehlern etc. beinhalte. Dieser Grundsatz erfahre aber eine Ausnahme, wenn der Vortrittsbelastete nicht damit zu rechnen brauche, dass ihm der zu überholende Skifahrer oder Snowboarder plötzlich hangaufwärts entgegenkomme. Diesfalls wäre viel eher die hangaufwärtsfahrende Beschwerdeführerin gehalten gewesen, um einen adäquaten Sicherheitsabstand bemüht zu sein. Deren Argumentation erweise sich auch als zirkelschlüssig, halte sie doch die Folge (Verringerung des Sicherheitsabstands) ihres eigenen regelwidrigen Verhaltens (Durchsetzung ihres nicht bestehenden Vortrittsrechts) dem Beschwerdegegner 2 vor, um ihm sodann den Anspruch auf den Vertrauensschutz (FIS-Regel 1) absprechen zu können. Das Verhalten des Beschwerdegegners 2 könne im Rahmen einer Würdigung aller Umstände eindeutig nicht als pflichtwidrig unvorsichtig qualifiziert werden. Die Staatsanwaltschaft habe folglich das Verfahren mangels Tatbestandsverwirklichung von Art. 125 Abs. 2 StGB zu Recht eingestellt (Beschluss S. 12).