Citation: 6P.11/2001 18.09.2001 E. 3

3.- a) aa) Im ersten kantonalen Verfahren hielten mehrere tatsächliche Feststellungen des Obergerichtes einer Willkürprüfung nicht Stand. Das Obergericht musste sich daher mit der Beweislage nochmals befassen. Das betraf vor allem die Lichtverhältnisse am Tatort, die genaue Position der an der Schlägerei beteiligten Männer sowie der Zeuginnen (Urteil Bundesgericht, E. 2 und 3), die Widersprüche in den Aussagen der Hauptzeugin F.________ (Urteil Bundesgericht, E. 4) sowie die Aussagen und die mögliche Täterschaft der beiden Belastungszeugen B.________ und C.________ (Urteil Bundesgericht, E. 5). Das Obergericht hat sich mit diesen Punkten zwar auseinandergesetzt, doch beruht sein Entscheid auf einer gegenüber dem ersten Verfahren identischen Aktenlage. Weitergehende Abklärungen wurden nicht getroffen. bb) Gemäss Art. 9 BV hat jede Person Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Willkür behandelt zu werden. Willkürlich ist ein Entscheid nicht schon deshalb, weil eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 125 I 166 E. 2a; 123 I 1 E. 4a, je mit Hinweisen). b) Das Obergericht stellt gestützt auf die Aussagen von Zeugen und Auskunftspersonen fest, die Rauferei habe sich unmittelbar im Eingangsbereich der Diskothek abgespielt. Ausgehend von der Fotodokumentation des kriminaltechnischen Dienstes und unter Berufung auf "Notorietät" kommt es zum Schluss, im Eingangsbereich der Diskothek hätten verhältnismässig gute Lichtverhältnisse geherrscht. Jedenfalls hätten die Sichtverhältnisse der Zeugin ermöglicht, Personen, Kleiderfarben, Waffen und Blut zu erkennen (angefochtenes Urteil, S. 6-15). Das Obergericht hat insbesondere keine Tatrekonstruktion vorgenommen und es unterlassen, sich persönlich ein Bild über den Verlauf der mit einer Körperverletzung ausgegangenen Rauferei zu machen. Damit hat das Obergericht aus den nachfolgenden Gründen Art. 9 BV verletzt, wie der Beschwerdeführer zutreffend rügt. c) Das Obergericht stellt unter Hinweis auf zwei bei den Akten liegenden Fotos vom Aussenbereich der Diskothek lediglich fest, dass sich die Tat "unmittelbar vor der Eingangstür zum Dancing Babilonia" abgespielt habe (angefochtenes Urteil, S. 10). Genauere Angaben zum Ort der Handlung fehlen jedoch. Laut den bei den Akten liegenden Fotos vom Tatort fand die Polizei das Opfer mehrere Meter vom Eingang des Babilonia entfernt auf einem Parkplatz am Boden liegend vor. Den Fotos lässt sich die genaue Distanz zur Eingangstüre jedoch nicht entnehmen. Laut dem Polizeibericht zum Vorfall fand die Polizei den Verletzten "auf dem Parkfeld, etwas unterhalb des Haupteinganges" des Babilonia (kt. act. 5 S. 19). Insofern ist die Feststellung im angefochtenen Urteil zumindest ungenau. Unter diesen Umständen lässt sich die von der Zeugin F.________ am 21. August 1997 gemachte Aussage, wonach sie ungefähr zehn Meter vom Ort des Ereignisses entfernt gestanden sei, nicht einfach mit der durch Zeitablauf verfälschten Erinnerung bzw. mit der angeblichen Angst vor einer (den Beschwerdeführer belastenden) Aussage abtun (angefochtenes Urteil, S. 13 f.). Für Letzteres liegen keine ernsthaften Anhaltspunkte vor, zumal F.________ die den Beschwerdeführer belastende Aussage nicht grundsätzlich zurücknahm. Ihre Distanzangaben hätten das Obergericht auch aus den folgenden Gründen zu einer vertieften Abklärung anhalten müssen: Die Zeugin soll mit ihrer Schwester "unmittelbar vor der Eingangstüre" der Diskothek gestanden haben (angefochtenes Urteil, S. 10). Abgesehen davon, dass G.________ weniger bestimmt aussagte, sie seien "beim Ausgang der Diskothek" gestanden (angefochtenes Urteil, S. 10), ist ihr genauer Standort (links oder rechts vom Eingang, auf dem Treppenabsatz oder auf der Strasse?) unbekannt. Zudem gingen die beiden Streitenden nach den Aussagen von F.________ "vor das Auto", aus dem das Opfer ausgestiegen war, bevor die Schlägerei anfing (angefochtenes Urteil, S. 12). Ob sie sich von den Zeuginnen entfernten und deren Sicht durch das stehende Fahrzeug oder andere Zuschauer (angefochtenes Urteil, S. 12) behindert wurde, hat das Obergericht nicht geprüft, obschon G.________ aussagte, sie und ihre Schwester hätten sich vom Geschehen abgewendet, als der Streit anfing (kt. act. 8 S. 3 f.). Eine genaue Tatrekonstruktion einschliesslich der Standorte der beteiligten Personen und der Distanzen zwischen ihnen ist nicht zuletzt auch zur Ermittlung der Licht- bzw. Sichtverhältnisse von Bedeutung. Das Obergericht beruft sich bei seiner Feststellung, wonach es im Bereich der Eingangstüre zum Dancing Babilonia auch bei Nacht "relativ hell" sei, sodass "man" Personen "bestens" habe erkennen können, "auch ein Messer in der Hand einer Person" (angefochtenes Urteil, S. 11, 14 f.), auf "Notorietät". Offenkundige oder notorische Tatsachen sind solche, welche so bekannt sind, dass kein vernünftiger Grund besteht, ihre Existenz in Zweifel zu ziehen (Hauser/Schweri, a.a.O., § 59 N 21 ff.). Im hier zu beurteilenden Fall bestehen jedoch allein schon auf Grund der Aussagen von Zeugen derart erhebliche Zweifel an der Qualität der Lichtverhältnisse zur Tatzeit, dass diese nicht als allgemeinkundige Tatsache, über die kein Beweis zu führen gewesen wäre (vgl. Hauser/Schweri, a.a.O., ebd.), gelten können. Der Zeuge H.________ spricht von "sehr schlechten" bzw. "schlechten" Lichtverhältnissen (act. 5 S. 10, act. 7 S. 2). Auch G.________ betonte nach dem Vorfall die herrschende Dunkelheit, um ihre Schwierigkeiten bei der Beschreibung der Tatbeteiligten zu erklären (kt. act. 8 S. 2 f.). Diese weitgehend übereinstimmenden Aussagen begründeten für das Obergericht die Pflicht, die konkreten Lichtverhältnisse in der Tatnacht, die damaligen klimatischen Verhältnisse, den Schattenwurf von rund 15 Personen usw. auf justizmässige Weise abzuklären und in das Verfahren einzuführen.