Citation: 4A_388/2021 E. 5.4.2

5.4.2. Wenn die Beschwerdeführerin erstmals vor Bundesgericht vorträgt, sie habe aus reiner existenzieller Not und Unwissen in den AVP eine volle Arbeits- und Vermittlungsfähigkeit angegeben (vgl. E. 5.2 hiervor a.E.), sind diese Vorbringen verspätet und haben unberücksichtigt zu bleiben, da nicht erst der Entscheid der Vorinstanz zu diesen Anlass gab (Art. 99 Abs. 1 BGG; vgl. E. 3.1 hiervor). Im Übrigen ist es nicht willkürlich, wenn die Vorinstanz der Selbstdeklaration der Beschwerdeführerin in den AVP eine derart hohe Beweiskraft beimass, dass sie in antizipierter Beweiswürdigung auf die Abnahme der von dieser offerierten Beweismittel verzichtete. Die Vorinstanz hatte keinen Anlass an den echtzeitlichen Angaben der Beschwerdeführerin zu zweifeln. Die Selbstdeklaration in den AVP wurde auch von der Einschätzung mehrerer medizinischer Fachpersonen gestützt: Einerseits gingen nämlich Dr. phil. G.________, Med. pract. H.________ und Dr. phil. klin. psych. I.________ vom MZL in ihrem Bericht vom 3. Juli 2018 davon aus, die Beschwerdeführerin sei voraussichtlich ab Oktober 2018 wieder vollumfänglich arbeitsfähig (vgl. vorinstanzliche E. 3.6). Andererseits erachtete Dr. med. J.________, Fachärztin für Neurologie, am 28. Mai 2018 überhaupt keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als gegeben. Sie empfahl lediglich "aus therapeutisch-rehabilitativen Gründen, zwecks Festigung des positiven Verlaufs", keine vollzeitliche Arbeitstätigkeit, sondern "eine weitere graduelle Leistungssteigerung, per sofort bis und mit Juni 2018 auf 50 % und sodann alle 2-4 Wochen um weitere 10-20 %" (vgl. vorinstanzliche E. 3.5). Vor diesem Hintergrund ist es nicht willkürlich, wenn die Vorinstanz die Atteste und Berichte von Dr. med. D.________ als beweisuntauglich einstufte. Angesichts dieser Würdigung der Atteste und Berichte von Dr. med. D.________, durfte die Vorinstanz ohne in Willkür zu verfallen, auch davon ausgehen, dass dessen Einvernahme als Zeugen ihre Überzeugung nicht zu beeinflussen vermöchte. Weiter ist ebenfalls die unterlassene Befragung der Beschwerdeführerin nicht zu beanstanden. Diese stellte in ihren Eingaben keine substanziierten Behauptungen zu den Umständen der AVP auf, weshalb ihre Befragung unterbleiben konnte. Auch die unterlassene Einvernahme der Eingliederungsberaterin und der Jobcoachin sowie der Verzicht, eine schriftliche Stellungnahme der IV-Stelle einzuholen, sind unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden. Selbst wenn sich diese Nicht-Fachpersonen im Sinne von Dr. med. D.________ äussern würden, wäre es nicht willkürlich, wenn die Vorinstanz trotzdem auf die Angaben in den AVP abstellt. Dasselbe gilt für das beantragte Gerichtsgutachten. Der Gutachter hätte nämlich lediglich aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen eine retrospektive Einschätzung abgeben können. Eine solche wäre - in Anbetracht des langen Zeitablaufs - von einer erheblichen Unschärfe geprägt, weshalb ihr Beweiswert im Vergleich zu den echtzeitlichen Angaben in den AVP deutlich geschmälert wäre. Sofern das (bloss wenige Zeilen lange) Protokoll der Besprechung mit Dr. E.________ vom 27. September 2018 und die Telefonnotiz über das Gespräch zwischen der Eingliederungsberaterin und der Beschwerdeführerin vom 1. November 2018 überhaupt beweistauglich sind, ist die Beweiskraft dieser Urkunden gering. Jedenfalls weisen sie das vorinstanzliche Beweisergebnis (zusammen mit den übrigen antizipiert gewürdigten Beweismitteln) nicht als willkürlich aus. Dem Gesagten zufolge war es nicht willkürlich, wenn die Vorinstanz zum Schluss gelangte, die Beschwerdeführerin habe den Beweis für die Behauptung, es habe ab Oktober 2018 noch eine zu Taggeldleistungen berechtigende Arbeitsunfähigkeit bestanden, nicht erbracht.