Citation: 6B_1179/2021 E. 5.4

5.4. Die rechtliche Würdigung des Verhaltens des Beschwerdeführers als sexuelle Belästigung i.S.v. Art. 198 Abs. 2 StGB durch die Vorinstanz verletzt kein Bundesrecht. Beim Übertretungstatbeststand des Art. 198 Abs. 2 StGB reichen bereits weniger intensive Annäherungsversuche oder Zudringlichkeiten mit sexueller Bedeutung aus. Dabei kann die Intensität des sexuellen Bezugs nur gering sein. Es genügt, dass ein Durchschnittsbetrachter die Handlung mit Sexualität im weitesten Sinn in Verbindung bringt (BGE 137 IV 263 E. 3.1 S. 266; Urteil 6B_1048/2022 vom 10. November 2022 E. 1.4; je mit Hinweis; vgl. oben E. 4.2.3). Dies ist bei einem Kuss eines Mannes auf den Mund einer Frau zu bejahen (Urteil 6B_1048/2022 vom 10. November 2022 E. 1.4 mit Hinweisen). Für die Beurteilung des sexuellen Bezugs der fraglichen Handlungen war - entgegen der Beschwerde (S. 33 Rz. 181, S. 36 Rz. 204) - weder die Dauer der Umarmungs- und Kussversuche noch der Umstand entscheidend, ob der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt nackt war oder nicht. Nach der willkürfreien Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz (vgl. oben E. 4.2) küsste der Beschwerdeführer am Morgen während der Aufwachphase die Beschwerdegegnerin 2 auf den Mund, berührte sie an der Hüfte und versuchte mehrmals, sie zu umarmen und zu küssen. Dass diese Zuwendungen der Beschwerdegegnerin 2 unerwünscht waren, gab sie klar zu erkennen, indem sie ihn wegdrückte und ihm sagte, dass sie dies nicht wolle. Der Kuss des Beschwerdeführers auf den Mund der Beschwerdegegnerin 2, die Berührung an ihrer Hüfte und die mehrfachen Versuche, sie zu umarmen und zu küssen gegen ihren erkennbaren Willen stellen im vorliegenden Kontext eine aufgedrängte körperliche Zudringlichkeit dar. Diese Handlungen sind vom Standpunkt eines objektiven Betrachters als sexuell motivierte körperliche Kontaktnahme zu erkennen (vgl. Urteil 6B_1048/2022 vom 10. November 2022 E. 1.4). Dies gilt umso mehr, als zuvor in der fraglichen Nacht nach den willkürfreien Feststellungen der Vorinstanz zum von der Beschwerdegegnerin 2 nicht gewollten Geschlechtsverkehr mit dem Beschwerdeführer gekommen war (vgl. oben E. 2.4). Die Vorinstanz verletzt nicht Bundesrecht, wenn sie den objektiven Tatbestand von Art. 198 Abs. 2 StGB für erfüllt erachtet. Gleiches gilt für die Bejahung des subjektiven Tatbestandes. Für den Beschwerdeführer war aufgrund des Verhaltens der Beschwerdegegnerin 2 klar, dass diese von ihm weder geküsst noch berührt werden wollte. Indem er sich bewusst darüber hinweggesetzt hat, hat er wissentlich und willentlich, mithin direktvorsätzlich gehandelt. Er wurde folglich zu Recht der sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB schuldig gesprochen.