Citation: 6B_1074/2016 E. 2.3.2

2.3.2. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass sie nach Art. 350 Abs. 1 StPO frei ist, den im Strafbefehl geschilderten Sachverhalt entsprechend dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin in der Berufungserklärung auch unter dem Aspekt der versuchten Nötigung zu prüfen. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist nicht ersichtlich. Da der relevante Sachverhalt dem Beschwerdegegner aufgrund des Strafbefehls bekannt war, war der Vorwurf der Nötigung entgegen seiner Darstellung offensichtlich auch nicht neu. Die Vorinstanz verletzt auch kein Bundesrecht, wenn sie zum Schluss gelangt, die vom Beschwerdegegner den Kunden im Rahmen seiner Kontaktaufnahmen mit Nachdruck in Aussicht gestellten Nachteile, die Androhung rechtlicher Schritte, einer Betreibung bei Nichtbezahlung der bestrittenen Forderungen sowie die Drohung mit steigenden Kosten, seien ernstlich im Sinne von Art. 181 StGB. Derlei Androhungen sind nach einem objektiven Massstab geeignet, auch besonnene Personen gefügig zu machen und so ihre Freiheit der Willensbildung oder -betätigung zu beschränken (oben E. 2.1.2). Gleichfalls zutreffend ist die Feststellung, wonach die inkriminierten Handlungen widerrechtlich sind, weil sie, obwohl grundsätzlich legal, der Durchsetzung einer nicht bestehenden Forderung dienten. Nicht zu beanstanden ist schliesslich, dass die Vorinstanz bloss von versuchten Tathandlungen ausgeht, weil nicht feststellbar sei, ob und wie viele Kunden infolge der Androhung bezahlt hätten.