Citation: 6P.51/2006 03.11.2006 E. 4

Die zuletzt genannte Beweiswürdigung im Revisionsentscheid rügt der Beschwerdeführer aus verschiedenen Gründen als verfassungswidrig. Zunächst macht der Beschwerdeführer geltend, die Feststellung, das Ergänzungsgutachten bestätige das Erstgutachten, sei willkürlich. Er übersieht, dass der Revisionsentscheid gar keine solche Feststellung trifft. Die Revisionsinstanz erklärt lediglich, das Ergänzungsgutachten bestätige im Ergebnis das Motiv, das nach dem Strafurteil Anlass für die Weisung des Beschwerdeführers bildete, Vanadium beim Schmelzen wegzulassen, nämlich die Erleichterung und Beschleunigung des Produktionsprozesses. Der Revisionsinstanz entgeht jedoch nicht, dass sich die Beigabe von Vanadium nach dem Ergänzungsgutachten neutral oder eher günstig auswirkt auf die Warmrissempfindlichkeit und nur die Anfälligkeit für Spannungsrisse erhöht. Ebenso wenig verkennt sie, dass das Ergänzungsgutachten den Spannungsrissen nur eine untergeordnete Bedeutung zumisst. Die Revisionsinstanz gelangt aber zum Schluss, dass den neuen gutachterlichen Äusserungen im Rahmen der Beweiswürdigung des Obergerichts nur ein marginales Gewicht zukommt. Sie verweist darauf, dass im Betrieb der Beschwerdegegnerin nach verschiedenen Zeugenaussagen tatsächlich Probleme mit Spannungsrissen aufgetreten sind und dass auch nach dem Ergänzungsgutachten der Aufwand bei vanadiumhaltigen Stahlgussstücken bei den Fertigungsgängen nach dem Schmelzen grösser sei. Insbesondere habe das Weglassen des Vanadiums die Arbeit im Bereich der Qualitätssicherung erleichtert. Angesichts dieser für den Betrieb der Beschwerdegegnerin erhärteten Umstände vermag das Ergänzungsgutachten nach Ansicht der Revisionsinstanz an der Beweiswürdigung im Strafurteil im Ergebnis nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer setzt sich mit dieser Argumentation nicht näher auseinander. Er betont vielmehr immer wieder, dass die Verwendung von Vanadium die Warmrissempfindlichkeit verkleinere und dass dies im Strafurteil vom 24. März 2005 übersehen worden sei. Es trifft wohl zu, dass sich das Obergericht der unterschiedlichen Auswirkung des Vanadiums auf die Warmrissempfindlichkeit einerseits und auf die Spannungsrissempfindlichkeit anderseits nicht bewusst war. Der Revisionsentscheid legt indessen dar, warum dieser Umstand bei der Beweiswürdigung zu keinem anderen Ergebnis führt. Der Beschwerdeführer tut nicht dar, inwiefern diese neue Argumentation willkürlich sein könnte. Er beschränkt seine Kritik ganz auf die im Ergänzungsgutachten erwähnten metallurgischen Zusammenhänge und geht auf die Tragweite der übrigen Beweismittel, welche die Revisionsinstanz mitberücksichtigte, nicht ein. Der Vorwurf der Willkür ist daher unbegründet, soweit auf die Beschwerde in diesem Punkt überhaupt einzutreten ist. Das Gleiche gilt für die behauptete Verletzung der Unschuldsvermutung und des Fairnessprinzips, zumal nicht ersichtlich ist, dass die Revisionsinstanz dem Beschwerdeführer in unzulässiger Weise die Beweislast für seine Unschuld auferlegt hätte. Die weitere Rüge, Dr. ing. G.________ hätte im Revisionsverfahren mündlich befragt werden müssen, entbehrt ebenfalls der Grundlage. Der Beschwerdeführer legt selber dar, dass eine solche Befragung nur stattfinden muss, soweit Unklarheiten vorliegen. Die Revisionsinstanz hielt die schriftlichen Äusserungen im Ergänzungsgutachten nicht für erklärungsbedürftig und stellte bei der Beweiswürdigung auf sie ab. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers hat sie auch die Aussage, wonach das Problem von Spannungsrissen nur eine untergeordnete Rolle spiele, nicht übergangen. Sie hielt sie jedoch mit Blick auf das Motiv des Beschwerdeführers, Vanadium wegzulassen, nicht für ausschlaggebend, weil die unter technischen Gesichtspunkten zwar unproblematische Behebbarkeit solcher Spannungsrisse eben doch betrieblich unerwünschten Mehraufwand verursacht. Die Revisionsinstanz hält am Schluss ihrer Erwägungen fest, dem Beschwerdeführer sei die unterschiedliche Wirkung von Vanadium auf die Warm- und Spannungsrissempfindlichkeit selber nicht bewusst gewesen, und sie habe deshalb auf seine Motive im Tatzeitpunkt keinen Einfluss haben können. Diese Feststellung erscheint mit Blick auf die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Einwände - insbesondere seine Eingabe vom 31. August 2002 (Band IV, 1218) - fragwürdig. Ob sie geradezu als willkürlich zu qualifizieren ist, kann offen bleiben. Denn diesem Umstand kommt nach Auffassung der Revisionsinstanz keine entscheiderhebliche Bedeutung zu. Er wird lediglich am Schluss als zusätzliches - aber nicht unbedingt erforderliches - Begründungselement angefügt. Die staatsrechtliche Beschwerde gegen den Revisionsentscheid erweist sich somit in allen Punkten als unbegründet, soweit darauf einzutreten ist.