Citation: 8C_512/2023 E. 6.2

6.2. Nachdem der Beschwerdegegner zahlreiche Einwände gegen das orthopädische Gutachten der PD Dr. med. B.________ erhoben hatte, holte die Suva-MV eine ergänzende Stellungnahme der Expertin ein. Darin bestätigte diese am 8. Juni 2022, dass zur vorbestehenden schweren Knieverletzung links durch den Unfall im Militärdienst eine mediale Meniskusläsion und eine kleine osteochondrale Läsion am medialen Femurkondylus hinzugekommen seien. Diese Zusatzläsionen würden medizinisch theoretisch entweder keiner Operation bedürfen oder könnten mit einer Arthroskopie saniert werden, wodurch die Behandlung erwartungsgemäss innert einiger Monate abgeschlossen gewesen wäre. Langfristig bestehe ein theoretisches Risiko einer etwas beschleunigten Degeneration des medialen Kompartiments aufgrund der Meniskusteilresektion und der kleinen osteochondralen Läsion, welches jedoch bei erhaltener Bandstabilität (also erhaltenem VKB) gering wäre. Erst die Kombination mit der vorbestehenden VKB-Läsion sei das Problem. Die Gutachterin ging davon aus, dass die im Militärdienst eingetretene Verschlimmerung nach den Eingriffen vom 16. November 2007 und 29. Januar 2009 beendet gewesen und der Status quo sine Mitte April 2009 eingetreten sei. Der behandelnde Orthopäde habe den Beschwerdegegner ab 14. April 2009 voll arbeitsfähig geschrieben und dieser habe seine Erwerbstätigkeit wieder aufgenommen. Im Bericht des behandelnden Arztes vom 17. Dezember 2010 sei eine vollständige Beschwerdefreiheit dokumentiert. Weiter führte PD Dr. med. B.________ aus, die als Rückfälle geltend gemachten Folgeunfälle und die sekundäre Gonarthrose seien aus gutachterlicher Sicht in Anbetracht der Gesamtschadenslage bei erheblichem Vorzustand schwierig abzugrenzen und zu beurteilen. Hauptursache der posttraumatischen Arthrose sei die vordienstliche VKB-Ruptur. Diese führe zu Schäden in mehreren Kompartimenten des Kniegelenks und zu einer persistierenden Instabilität des defizienten VKB, welches in der Folge zu pathologischen Scherkräften und damit schleichender und vorzeitiger Degeneration des Gelenks führe. Damit habe per se ein hohes Risiko einer posttraumatischen Arthroseentwicklung (als Schäden an Knorpel, Knochen und Menisken des Kniegelenks) und von erneuten Distorsionen bestanden. Es sei medizinisch sehr schwierig, den genauen prozentualen Anteil der Folgen der morphologisch dargestellten und adäquat therapierten militärischen Zusatzschäden unter Subtraktion der vorbestehenden VKB-Läsion und der nachfolgenden weiteren Verletzungen, insbesondere der Korbhenkelläsion des medialen Meniskus 2010, zu benennen. Die Gutachterin ging davon aus, dass eine minimale Teilkausalität der dienstzeitlichen Verschlimmerung für die nachdienstlich eingetretenen und heute noch bestehenden Schäden am linken Knie bejaht werden könne. Diese sei jedoch so gering, dass eine prozentuale Bezifferung schwierig sei. Die "militärbedingte" osteochondrale Läsion habe das Potenzial zu einer Verschlechterung (Degeneration des medialen Kompartiments). Sie sei jedoch klein und auch die zugrundeliegende VKB-Läsion führe über die Zeit zu Knorpelschäden. Aus gutachterlicher Sicht erscheine unter Abwägung aller Faktoren ein Kausalitätsanteil von 10 % vertretbar.