Citation: 5A_36/2009 06.03.2009 E. 3

3.1 Gemäss § 130 Abs. 1 EG ZGB/BL dürfen Grünhecken gegen den Willen der nachbarlichen Grundeigentümerschaft nicht näher als 60 cm von der Grenze und nicht höher als ihre dreifache Distanz von derselben gehalten werden. Das Kantonsgericht hat dabei - zusammengefasst - erwogen, eine Hecke müsse keine bestimmte Mindestlänge aufweisen und auch nicht notwendigerweise an der gesamten Grenze entlangstehen, und sie könne aus verschiedenen Arten von Pflanzen bestehen. Diese müssten aber überwiegend gleichartig wachsen, da die Pflanzen in ihrer Gesamtheit ein kompaktes Erscheinungsbild bieten müssten. Ein Dichtschluss werde nur dann gebildet, wenn die Pflanzen so dicht beieinander stünden, dass sie den Eindruck einer, wenn auch nicht unbedingt lückenlosen, Wand vermittelten. Zusätzlich zum Dichtschluss müsse die Ansammlung von Pflanzen auf einem verhältnismässig schmalen Streifen angepflanzt sein und eine einigermassen regelmässige Form aufweisen. Hecken dienten schliesslich der räumlichen, allenfalls auch der optischen Abgrenzung des Grundstücks und nicht einfach der Bepflanzung der Grundstücksfläche (LUKAS ROOS, Pflanzen im Nachbarrecht, Diss. Zürich 2002, S. 176 ff.). In tatsächlicher Hinsicht hat die Vorinstanz aufgrund des Augenscheins festgestellt, dass es sich bei den fraglichen Pflanzen entlang der Grenze um zahlreiche Hainbuchen - im unteren Bereich des Grundstücks - und Buchspflanzen - im oberen Teil des Grundstücks - handle. Diese beiden Pflanzenarten gehörten zu den beliebtesten Heckenpflanzen (LUKAS ROOS, a.a.O., S. 177). Sie stünden in einer Linie entlang der Parzellengrenze der beiden nachbarlichen Grundstücke. Auch wenn nicht alle einzelnen Stämme - wie sich bei der Vermessung der Distanz einzelner Pflanzen zur Grenze ergeben habe - den exakt gleichen Abstand zur Nachbarsgrenze hätten, so bildeten die Pflanzen optisch dennoch eine Reihe. Das Kantonsgericht sei daher zweifelsfrei der Ansicht, dass die fraglichen Pflanzen auf der Parzelle der Beschwerdeführerin entlang der Grenze als Hecke zu qualifizieren seien. Aus diesem Grund komme § 130 Abs. 1 EG ZGB/BL zur Anwendung. Eine Berufung auf § 133 Abs. 2 EG ZGB/BL sei diesfalls ausgeschlossen, und es sei also irrelevant, wie alt die Pflanzen seien, resp. wann sie gesetzt worden seien. 3.2 Gemäss Art. 688 ZGB sind die Kantone befugt, für Anpflanzungen je nach der Art des Grundstückes und der Pflanzen bestimmte Abstände vom nachbarlichen Grundstück vorzuschreiben. Nach Rechtsprechung und Lehre stellt Art. 688 ZGB einen echten zuteilenden Vorbehalt zu Gunsten der Kantone auf. Gestützt darauf sind diese ermächtigt, die Abstände festzulegen, welche die Eigentümer für Anpflanzungen einhalten müssen, und Sanktionen für die Verletzung entsprechender Bestimmungen vorzusehen (BGE 126 III 452 E. 3a S. 457 mit Hinweisen). Von diesem Vorbehalt hat der Kanton Basel-Landschaft in den §§ 130 EG ZGB/BL Gebrauch gemacht. 3.3 In diesem Zusammenhang bringt die Beschwerdeführerin vor, die Regelung des Kantons Basel-Landschaft schütze die Privatsphäre nicht, namentlich, wenn wie vorliegend eine Hanglage gegeben sei. Da sich das Haus der Beschwerdegegner in einer erhöhten Lage gegenüber der Parzellengrenze befinde, könne von der Wegnahme von Licht und Aussicht nicht gesprochen werden. Dieser Hinweis auf die topographischen Verhältnisse findet im angefochtenen Urteil keine Stütze. Auch Lichtentzug und Schattenwurf waren nicht Thema im kantonalen Verfahren. Da das Bundesgericht von den tatsächlichen Gegebenheiten auszugehen hat, wie sie die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 97 Abs. 1 BGG), und auch nicht gerügt wird, diese seien willkürlich festgestellt worden (E. 1.2 hiervor), kann das Argument nicht entgegengenommen werden. Ganz abgesehen davon kann die Einhaltung bzw. Wiederherstellung kantonalrechtlicher Abstände vorbehaltlos und ohne Nachweis übermässiger Einwirkungen verlangt werden (BGE 126 III 452 E. 3c/bb S. 460). 3.4 Des Weiteren trägt die Beschwerdeführerin vor, indem das Zurückschneiden auf Geheiss des Nachbarn durchzuführen sei, widerspreche § 130 Abs. 1 EG ZGB/BL dem Recht auf persönliche Freiheit gemäss Art. 10 Abs. 2 BV und der Eigentumsgarantie nach Art. 26 BV. Wäge man die Interessen des Pflanzeneigentümers und seines Nachbarn ab, so stelle § 130 Abs. 1 EG ZGB/BL einen unverhältnismässigen Eingriff in die Eigentumsgarantie gemäss Art. 26 BV dar. Die Vorbringen gehen fehl. Es gehört zur traditionellen Aufgabe des Privatrechts, die Interessensphären zwischen Privaten abzugrenzen und damit unvermeidlich der Freiheit des einen Schranken zu setzen, um die Freiheit des andern zu schützen. In dieser unausweichlichen Abgrenzung der Interessensphären kann für sich allein noch keine Grundrechtsverletzung liegen. Die Verfassung ist erst verletzt, wenn die Schrankenziehung in einer nicht mehr vertretbaren Weise erfolgt, indem sie dem einen ein Verhalten verbietet oder vorschreibt, ohne dass dies mit dem Schutz berechtigter Interessen anderer gerechtfertigt werden kann (Urteil [des Bundesgerichts] 1P.28/2002 vom 9. April 2002 E. 2.2 mit Bezug auf das Flurgesetz des Kantons Thurgau). Hecken an der Grenze zwischen zwei Grundstücken führen zwangsläufig und gerichtsnotorisch zu Interessenkonflikten. Jede gesetzliche Regelung muss die eine oder die andere Seite mehr oder weniger stark benachteiligen. Dass die Beschwerdeführerin sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlt, weil das Gesetz ihr keine so hohe Hecke erlaubt, die sie vor den Blicken der Nachbarn völlig bewahrt, ist einerseits begreiflich. Andererseits können Einfriedungen die Aussicht beeinträchtigen, Schatten verursachen, Laub und kleine Äste abwerfen. Davon betroffen sind die Beschwerdegegner. Die basel-landschaftliche Regelung trägt den divergierenden Interessen unter Nachbarn in angemessener Weise Rechnung. Sie gründet auf dem für Nachbarn geltenden Gebot "schonender Rechtsausübung" (vgl. dazu TUOR UND ANDERE, Das schweizerische Zivilgesetzbuch, 12. Aufl. 2002, S. 60) und dient dem Rechtsfrieden.