Citation: 8C_75/2014 E. 6.1

6.1. Die Sozialhilfebehörden sind nach den SKOS-Richtlinien grundsätzlich verpflichtet, die Kosten nötiger Zahnbehandlungen zu übernehmen, soweit kein Versicherungsschutz existiert (vgl. Abschnitt B.4.1 f. der SKOS-Richtlinien; Hänzi, a.a.O., S. 183 oben). Die Behandlung muss notwendig sowie einfach, wirtschaftlich, zweck- und verhältnismässig sein. Dabei ist zwischen Notfällen und anderen, nicht akuten Behandlungen (Sanierungen) zu unterscheiden (Abschnitt H.2 der SKOS-Richtlinien). Eine einfache und zweckmässige Sanierung besteht nach dieser Begriffsbestimmung in der Entfernung nicht erhaltenswürdiger Zähne und Wurzelreste, in der Erhaltung strategisch wichtiger Zähne, im Legen von Füllungen und in der zur Erhaltung der längerfristigen Kaufähigkeit nötigen Lückenversorgung mit teilprothetischen Methoden. Die Übernahme der Kosten von nicht notfallmässigen kieferorthopädischen Behandlungen von Kindern und Jugendlichen ist in den SKOS-Richtlinien unbestrittenermassen nicht näher geregelt. Gemäss den für die Beschwerdegegnerin im Bereich der Sozialhilfe geltenden Unterstützungsrichtlinien (abrufbar unter http://www.bern.ch/stadtverwaltung/bss/sozialamt/sozialdienst/leistungen/unterstuetzung) sind kieferorthopädische Behandlungen bedürftiger Kindergarten- und Schulkinder mit Wohnsitz in der Einwohnergemeinde Bern während der obligatorischen Schulzeit vom Sozialdienst zu übernehmen, sofern die Kriterien nach der Schwerebewertungsliste gemäss Ziff. 4 des Anhangs zur Verordnung der Stadt Bern vom 18. September 2002 über den Schulzahnmedizinischen Dienst (Schulzahnmedizinverordnung, SZMDV; SSSB 430.51) erfüllt sind (Ziff. 6.1 der Unterstützungsrichtlinien). Laut Ziff. 3 Abs. 1 lit. a des Anhangs haben Kinder und Jugendliche Anspruch auf Kostenbeiträge zur Behandlung eines Gebisses, bei welchem u.a. eine schwerwiegende, die Gesundheit beeinträchtigende Anomalie im Sinne der Schwerebewertungsliste (Ziff. 4) besteht. Der Anhang normiert im Anwendungsbereich der SZMDV die Modalitäten der Behandlungskostenbeiträge an Kinder von Eltern "in schwierigen finanziellen Verhältnissen" (vgl. Art. 15 Abs. 1 SZMDV). Für Kinder "bedürftiger" Eltern richtet sich die Kostengutsprache an Zahnbehandlungskosten demgegenüber nach den Richtlinien der Sozialhilfe durch die Sozialdienste der Stadt Bern (Art. 15 Abs. 2 SZMDV). Indem die Beschwerdegegnerin in ihren Unterstützungsrichtlinien auf die Schwerebewertungsliste im Anhang zur SZMDV verweist, orientiert sich ihre Praxis an der Regelung, die im Rahmen der Schulzahnpflege für die Beteiligung der Gemeinde an Behandlungskosten bei (nicht bedürftigen) Kindern in schwierigen finanziellen Verhältnissen gilt. Sie stellt insofern "bedürftige" Kinder sozialhilferechtlich Kindern in "schwierigen finanziellen Verhältnissen" gleich.