Citation: 1P.104/2004 10.05.2004 E. 4

Der Beschwerdeführer beanstandet ferner als willkürliche Anwendung des kantonalen Verfahrensrechts, dass für die Würdigung der Aussagen des Beschwerdegegners anlässlich der Fotokonfrontationen kein Sachverständiger beigezogen worden ist. Er macht geltend, dass angesichts des fehlerhaften Vorgehens bei der Fotokonfrontation und der tatsachenwidrigen Aussagen des Beschwerdegegners, den Beschwerdeführer nicht zu kennen, nur ein Experte Klarheit verschaffen könne, was die Ursachen des Erkennens aufgrund der Fotovorlagen waren. Mit dem Kassationsgericht kann davon ausgegangen werden, dass frühere Begegnungen mit Personen, die sich unter den Abgebildeten befinden, Fotokonfrontationen naturgemäss zu beeinflussen vermögen; unter solchen Gegebenheiten kann die Gefahr nicht ausgeschlossen werden, dass der Zeuge ein im Unterbewusstsein vorhandenes Bild falsch einordnet. Diese Umstände schliessen indessen diese Art der Beweiserhebung nicht grundsätzlich aus. Vielmehr ist es Sache des Richters, dieser Problematik bei der frei vorzunehmenden Beweiswürdigung Rechnung zu tragen. Es kann daher nicht gesagt werden, dass generell beim möglichen Auftreten dieser Problematik ein Sachverständiger im Sinne von § 147 StPO beizuziehen wäre. Es ist vielmehr auf die konkreten Umstände des Einzelfalles abzustellen. Im vorliegenden Fall gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschwerdegegner anlässlich der ersten Fotokonfrontation aussagte, den Beschwerdeführer nicht zu kennen. In der Folge zeigte sich indessen, dass nicht auszuschliessen ist, dass sich der Beschwerdegegner und der Beschwerdeführer vom Musiklokal "F.________" her oberflächlich kennen, da ersterer dort als Koch gearbeitet und letzterer als Gast verkehrt habe. Dieses Aussageverhalten des Beschwerdegegners als Zeugen gilt es vom Sachrichter entsprechend zu würdigen. Doch erfordert die angebliche Widersprüchlichkeit des Aussageverhaltens des Beschwerdegegners für sich allein genommen noch nicht den Beizug eines Sachverständigen. Dies kann auch nicht aufgrund der konkreten Aussage des Zeugen angenommen werden. Dieser sagte vor der zweiten Fotokonfrontation auf die Frage, ob er beschreiben könne, inwiefern er die Person erkannt haben wolle, aus: "Das Bild dieser Person war bei mir im Unterbewusstsein nach wie vor noch gespeichert." Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lässt diese Aussage für sich genommen kaum Zweifel am Geisteszustand aufkommen, der im Rahmen von § 147 StPO zwingend durch einen Sachverständigen abzuklären wäre. Daran vermag auch die psychologisch anmutende Formulierung der Zeugenaussage, wonach das Bild des Beschwerdeführers nach wie vor im Unterbewusstsein gespeichert war, nichts zu ändern. Es kann den Behörden daher nicht vorgeworfen werden, durch das Nichtbeiziehen eines Sachverständigen § 147 StPO in willkürlicher Weise ausgelegt und angewendet zu haben.