Citation: I 97/99 30.03.2001 E. 3

3.- a) Streitig ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine kaufmännische Ausbildung hat. Dabei ging das kantonale Gericht davon aus, dass der Beschwerdeführer, der u.a. an Adipositas permagna und einer hypertensiven Herzkrankheit leidet sowie einen Status nach Kontaktallergie bei der Arbeit als Bäcker/Konditor aufweist (Bericht des Dr. med. S.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 3. Dezember 1995), im Zeitraum von Herbst 1993 bis zumindest Ende Februar 1997 eine invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse von etwa 20 % oder mehr aufgewiesen und somit grundsätzlich AnspruchaufUmschulunghat. Verwaltung und Vorinstanz lehnten die beantragte Umschulungsmassnahme indessen mangels Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeiten zwischen Befrager- und kaufmännischer Tätigkeit ab. Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, für die Beurteilung der Gleichwertigkeit habe als massgebende Erwerbstätigkeit sein angestammter Beruf als Bäcker/Konditor zu gelten und nicht seine Teilzeitbeschäftigung als Telefoninterviewer bei der Y.________ AG, da er seinen erlernten Beruf als Bäcker/Konditor aus gesundheitlichen Gründen Ende 1989 habe aufgeben müssen. b) Zu prüfen ist zunächst, ob der Beschwerdeführer seinen erlernten Beruf als Bäcker/Konditor gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben kann. Hiezu nahm Dr. med. H.________ im Bericht vom 10. Dezember 1998 auf Anfrage des kantonalen Gerichts dahingehend Stellung, dass er den Versicherten zwar am 2. Mai 1988 das letzte Mal gesehen habe, sodass seine Angaben nicht objektivierbar seien. Er denke jedoch, dass bei einer solchen Adipositas permagna und Gefährdung einer erneuten Gewichtszunahme der Beruf als Konditor sich auf den Gesundheitszustand des Versicherten sehr negativ auswirken würde. Somit könne er auf Grund seiner zehnjährigen ärztlichen Betreuung des Versicherten und dessen enormen Problematik mit der Fettsucht rückblickend festhalten, dass der Entschluss des Versicherten, seinen Beruf als Konditor aufzugeben, aus medizinischer Sicht berechtigt und absolut notwendig war. Nach Auffassung des Dr. med. S.________ (Arztzeugnis vom 16. Januar 1998) kann eine weitere Arbeit im angestammten Beruf als Bäcker/ Konditor wegen Rückfalls in die alte Krankheit sowie Mehlstauballergie bei ebenfalls bekannter Prädisposition überhaupt nicht empfohlen werden. Bereits im Bericht vom 26. Juli 1996 hielt Dr. med. S.________ fest, dass der Versicherte, den er seit Herbst 1993 betreue, an einem massiven Übergewicht (über 220 kg) litt, welches zu einer kardiopulmonalen Dekompensation führte, worauf unzählige Hospitalisationen, einerseits wegen dem Übergewicht, anderseits wegen dem Gallenblasenleiden und dem Herzen, folgten. Aus ärztlicher, psychologischer Sicht (Allergien, erneute Adipositas) sei eine Umschulung indiziert. Aus diesen übereinstimmenden ärztlichen Stellungnahmen ist entgegen der Auffassung von IV-Stelle und kantonalem Gericht zu schliessen, dass der Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit als Bäcker/Konditor gesundheitsbedingt (Fettsuchtproblematik, Mehlstauballergie) nicht mehr ausüben kann. Auch wenn sich der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Aufgabe der Stelle bei der Bäckerei X.________ Ende Oktober 1989 nicht in ärztlicher Behandlung befand und sich dem Arbeitgeberbericht keine Anhaltspunkte für eine gesundheitsbedingte Aufgabe der Stelle entnehmen lassen, muss auf Grund der erwähnten Berichte der beiden Ärzte, die den Beschwerdeführer über längere Zeitspannen betreut haben, und des durch die Akten belegten massiven Übergewichts (zeitweise mehr als 220 kg) davon ausgegangen werden, dass bereits zu diesem Zeitpunkt die Ausübung des erlernten Berufs medizinisch nicht mehr indiziert war oder eine Invalidität zumindest in absehbarer Zeit drohte. Auch für den Zeitpunkt der Verwaltungsverfügung vom 16. Dezember 1997 ist eine Rückkehr in den erlernten Beruf aus medizinischen Gründen zu verneinen. c) Gestützt auf die Arztzeugnisse des Dr. med. S.________ ist mit dem kantonalen Gericht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer in der Tätigkeit als Telefonbefrager bei der Y.________ AG nicht in zureichender und zumutbarer Weise eingegliedert war. Davon abgesehen müsste diese Tätigkeit mangels beruflichem Abschluss auf längere Sicht nicht als gleichwertig betrachtet werden, weil damit das berufliche Fortkommen und damit die Erwerbsaussichten mittel- bis längerfristig nicht im gleichem Masse gewährleistet sind wie im angestammten Beruf (BGE 124 V 111 f. Erw. 3). Es ist daher auch unerheblich, dass der Beschwerdeführer nach der massiven Reduktion seines Übergewichts die Stelle als Telefonbefrager aufgegeben und eine Tätigkeit als Butler angenommen hat. Schliesslich legt das kantonale Gericht für die Beurteilung der Gleichwertigkeit und die Ermittlung der invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse zu vergleichenden Berufe zu grossen Wert auf die Freiwilligkeit der Aufgabe des erlernten Berufes, da damit nicht zuletzt die flexiblen Arbeitnehmenden bestraft würden, die in eine ausserberufliche Tätigkeit wechseln und geraume Zeit später invalid werden. Angesichts der noch verbleibenden langen Aktivitätsdauer (Art. 8 Abs. 1 Satz 2 IVG) ist die vom Beschwerdeführer angestrebte kaufmännische Ausbildung auch als angemessen zu betrachten.