Citation: 5A_350/2023 E. 4.3

4.3. Angesichts dieser Vorgaben erweckt der angefochtene Entscheid in der Tat Bedenken. Entgegen dem, was das Obergericht unterstellt, folgt aus Art. 51 Abs. 1 ZPO nicht, dass die Beschwerdeführerin, nachdem sie am 29. Dezember 2022 ein Ausstandsgesuch gestellt hatte, auf jede weitere Amtshandlung von Bezirksrichterin C.________ mit einem neuen Antrag um Aufhebung und Wiederholung reagieren musste, um sich im Falle eines Weiterzugs die Beschwerdelegitimation zu sichern. Nicht nur muss ein entsprechendes Begehren betreffend künftige Amtshandlungen nach dem Gesagten als im Ausstandsbegehren mitenthalten gelten (s. oben E. 4.2.3 i.f.). Zusätzlich verlangte die Beschwerdeführerin im konkreten Fall explizit, der abgelehnten Richterin weitere Amtshandlungen vorsorglich zu verbieten (s. Sachverhalt Bst. B.a). Auch wenn dieses Massnahmebegehren unbehandelt blieb, stand damit sowohl für die Gerichtsleitung des Bezirksgerichts als auch für das Obergericht fest, dass die Beschwerdeführerin weitere, nach Einreichung des Gesuchs erfolgende Amtshandlungen der als befangen abgelehnten Bezirksrichterin C.________ nicht akzeptieren wollte. Soweit das Obergericht meint, die Beschwerdeführerin hätte mit Blick auf ihr Beschwerderecht jedenfalls in ihrer kantonalen Beschwerde die Aufhebung und Wiederholung der seit dem 29. Dezember 2022 ergangenen Prozesshandlungen verlangen müssen, verkennt es ein Doppeltes: Zunächst ging es vor Obergericht nicht um Prozesshandlungen im laufenden Verfahren vor der betreffenden, sondern um solche im Verfahren vor der unteren Instanz, womit die Spezialbestimmung von Art. 51 Abs. 1 ZPO nicht anwendbar war. Vor allem aber konnte die Beschwerdeführerin vor Obergericht auch nicht erstmals die Annulierung zwischenzeitlich erfolgter Prozesshandlungen beantragen, da neue Begehren in diesem Verfahren gesetzlich ausgeschlossen sind (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Die Beschwerdeführerin wehrt sich somit zu Recht dagegen, dass sie die Aufhebung und Wiederholung der seit ihrem Ausstandsgesuch ergangenen Prozesshandlungen der abgelehnten Richterin hätte beantragen müssen. Indem ihr das Obergericht ein schutzwürdiges Interesse an der Beurteilung dieser Beschwerde unter Hinweis auf Art. 51 Abs. 1 ZPO abspricht und in der Folge nicht auf das Rechtsmittel eintritt, handhabt es diese Norm bundesrechtswidrig. Der Vorwurf der formellen Rechtsverweigerung ist begründet. Der angefochtene Nichteintretensentscheid befremdet unter dem Blickwinkel von Treu und Glauben umso mehr, als die Beschwerdeführerin mit ihrem Massnahmebegehren in aller Deutlichkeit ihre Forderung zum Ausdruck brachte, keine weiteren Prozesshandlungen der abgelehnten Richterin zuzulassen. An alledem ändert nichts, dass dieses Massnahmebegehren (und nur dieses) letztlich schon gegenstandslos geworden war, als die Gerichtsleitung des Bezirksgerichts am 3. März 2023 über das Ausstandsgesuch entschied, zumal die abgelehnte Bezirksrichterin das Scheidungsurteil bereits am 27. Januar 2023 gefällt hatte.