Citation: I 412/05 28.09.2005 E. 2

2.1 Nach dem rheumatologischen Gutachten des Dr. W.________, Sarnen, vom 15. September 2003 leidet der Beschwerdeführer an therapierefraktären, chronischen Schulterschmerzen, nachdem er mehrfach gestürzt war und sich eine Verletzung der Supraspinatusssehne zugezogen hatte. Zudem liege ein chronisches unspezifisches zervikobrachiales Schmerzsyndrom vor sowie ein Verdacht auf eine Neuropathie im Bereich der Ellbogen. Weiter lasse sich ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom feststellen, schliesslich eine diskrete Arthrose beider Knie und rezidivierende Schmerzen der Fusssohlen. Der Sachverständige schloss - unter Berücksichtigung der früheren Untersuchungsbefunde und mit eingehender Begründung - auf eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent hinsichtlich einer leichten, möglichst wechselbelastenden Tätigkeit ohne Notwendigkeit einer häufig vorgeneigten oder abgedrehten Haltung oder von Verrichtungen an und über der Schulterhorizontalen. Der Rheumatologe ging davon aus, dass nicht alle Beschwerden auf objektivierbare Befunde zurückgeführt werden könnten. Es besteht denn auch ein psychisches Leiden, welches die organischen Beschwerden überlagert. Der Rheumatologe stellte wegen der bereits erfolgten Chronifizierung mit Hinweisen auf eine Schmerzfixation eine schlechte Prognose; mit Blick auf den bisher völlig therapierefraktären Therapieverlauf zweifle er an der Möglichkeit einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes durch körperzentrierte Behandlungen. Die ungünstige prognostische Einschätzung wird im Bericht des Psychiaters Dr. A.________, geteilt (Bericht vom 14. November 2003). Neben einer Schmerzverarbeitungsstörung habe der Fall auch eine depressive Dimension. "Nach dem Krankheitsverständnis eines Psychiaters" liege "damit eine 50%ige AUF vor und nach den Weisungen der IV-Versicherung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit". Eine berufliche Eingliederung sei wegen des Krankheitsverständnisses des Versicherten zwar schwer zu erreichen, aber aus psychiatrischer Sicht grundsätzlich zumutbar. Diese ärztliche Beurteilung weist insofern eine Begründungslücke auf, als - ganz ohne Ausführungen zu den zentralen Gesichtspunkten von Krankheitsbegriff und Zumutbarkeit (dazu nunmehr BGE 131 V 49, 130 V 352 und 396) - mit dem einfachen Hinweis auf die Verwaltungsweisungen eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit postuliert wird (vgl. auch die diesbezüglich kritische interne Stellungnahme des IV-Arztes vom 9. Dezember 2003). Im Weitern widerspricht die im Einspracheentscheid enthaltene generelle Aussage des Inhalts, eine somatoforme Schmerzstörung vermöge allein die Arbeitsfähigkeit nicht zu beeinflussen, der vorstehend zitierten Rechtsprechung und verkennt überdies die von Dr. A.________ festgehaltene "depressive Dimension" im Sinne einer Komorbidität zur somatoformen Schmerzstörung. Jedoch wird aus der Gesamtheit der psychiatrischen Einschätzungen hinreichend deutlich, dass die einschlägigen Diagnosen nicht zu einer zusätzlichen Arbeitsunfähigkeit führen. Aus dem Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. C.________, vom 7. Juli 2004 geht hervor, dass neben der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung in Gestalt einer Dysthymie ein der Depression ähnlicher Befund sowie eine Persönlichkeitsstörung mit histrionischen Zügen vorliegen. Die Wahl der Diagnose "Dysthymie" deutet darauf hin, dass die depressive Symptomatik im Sommer 2004 nicht so schwer war, dass sie zwangsläufig die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen musste. Weiter wird - im Anschluss an die Feststellung einer Persönlichkeitsstörung - nicht dargetan, inwiefern die Persönlichkeit seit der Zeit, als der Versicherte noch voll leistungsfähig war, erwerblich relevanten Veränderungen unterworfen gewesen sein könnte. Zudem wurde die depressive Störung - und damit wohl auch die damit zusammenhängende Fixierung auf die Schmerzsymptomatik - als noch besserungsfähig betrachtet. Schliesslich stellte Dr. C.________ seine Einschätzung, die Arbeitsfähigkeit betrage aus psychiatrischer Sicht aktuell 50 Prozent, unter den Vorbehalt einer "adäquaten Abklärung", gab ihr also keinen abschliessenden Charakter. 2.2 Selbst wenn der lite pendente eingereichte Bericht des Medizinischen Zentrums X.________ vom 6. Juni 2005 noch zu berücksichtigen wäre (vgl. aber BGE 127 V 353), gemäss welchem sich "eine psychometrisch bestätigte schwere Depression bei neuropsychologisch deutlichen Einschränkungen im Bereiche Langzeitgedächtnis" entwickelt habe und somit keine Arbeitsfähigkeit mehr vorliege, so liesse sich im Rahmen des vorliegenden Verfahrens daraus noch nichts zugunsten des Beschwerdeführers ableiten: Die nach Beendigung des Verwaltungsverfahrens eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes muss hier ausser Acht bleiben (Erw. 1.1 hievor). Die vorinstanzliche Beweiswürdigung, wonach über die somatisch begründete Beeinträchtigung hinaus keine klar definierbare psychogene Leistungseinschränkung vorliege, welche einem Gesundheitsschaden im Sinne der Gesetzgebung gleichkäme, erweist sich daher im Ergebnis als haltbar, soweit der Zeitraum bis zum Erlass des Einspracheentscheids betrachtet wird. Ergeben die medizinischen Akten insgesamt ein schlüssiges Bild der Sachlage hinsichtlich der Zeit bis zur Beendigung des Verwaltungsverfahrens, besteht für die beantragte polydisziplinäre Begutachtung insoweit kein Anlass.