Citation: 8C_396/2022 E. 5.2.2

5.2.2. Mit ihren materiellen Vorbringen dringt die IV-Stelle hingegen durch: 5.2.2.1. Bei der Schlussfolgerung, der Beschwerdegegner hätte die selbstständige Erwerbstätigkeit auch als Gesunder aufgegeben, stützte sich die Vorinstanz auf die von ihm erzielten Einkünfte, wobei sie insbesondere dem Einkommenseinbruch im Jahr 2015 entscheidende Bedeutung beimass. Ihrer Betrachtungsweise kann jedoch nicht gefolgt werden. Wie die IV-Stelle zutreffend einwendet, sind Einkommensschwankungen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit inhärent. Konkrete Anhaltspunkte, welche für die Annahme der Vorinstanz sprächen, die Einkommenssituation des Beschwerdegegners hätte sich in den Jahren nach 2015 wohl nicht wieder erholt, werden im angefochtenen Urteil denn auch nicht aufgezeigt, womit es sich insoweit um eine blosse Spekulation handelt. Hinsichtlich des 2015 erlittenen Einkommenseinbruchs und der bescheidenen Natur der zuvor erzielten Einkünfte lässt die Vorinstanz sodann ausser Acht, dass der Beschwerdegegner seine Tätigkeit ungeachtet dessen während immerhin mehr als fünf Jahren ausübte und letztlich erst per September 2017, d.h. ein Jahr nach Eintritt der gesundheitlich bedingten Arbeitsunfähigkeit, aufgab. Bei dieser Ausgangslage kommt einem bescheidenen Einkommen für sich alleine keine derartige Bedeutung zu, um bei der Ermittlung des Valideneinkommens von der Regel abzuweichen und ausnahmsweise auf statistische Werte zurückzugreifen (vgl. zum Ganzen E. 3.2.1 hiervor). 5.2.2.2. Relevante Indizien, welche dafür sprächen, dass der Beschwerdegegner sich mit dem bescheidenen Einkommen nicht begnügt, sondern eine besser entlöhnte Arbeit gesucht hätte, werden von der Vorinstanz nicht genannt. Vielmehr beliess sie es diesbezüglich bei der blossen Mutmassung, es sei "denkbar, dass er infolge des Aufwärtstrends ab dem Jahr 2012 auf eine deutliche Verbesserung des Einkommens gehofft habe". Soweit sie vor diesem Hintergrund gleichwohl darauf schloss, der Beschwerdegegner hätte die selbstständige Erwerbstätigkeit auch als Gesunder aufgegeben, ist dies offensichtlich unhaltbar (vgl. E. 1.2 hiervor). 5.2.2.3. Auf eine Rückweisung der Sache an das kantonale Gericht zur weiteren Abklärung der hypothetischen Tätigkeit des Beschwerdegegners (vgl. Art. 107 Abs. 2 BGG) kann verzichtet werden, lässt sich der Sachverhalt anhand der Verfahrensakten doch ohne Weiteres ergänzen (Art. 105 Abs. 2 BGG). Gemäss dem Abklärungsbericht vom 21. November 2017 begründete der Beschwerdegegner die Aufgabe des Geschäfts per September 2017 gegenüber der IV-Stelle mit der gesundheitlichen Situation. Gleiches lässt sich dem Bericht des Spitals D.________ vom 1. März 2018, dem Bericht der Psychotherapeutin lic. phil. E.________ vom 8. Mai 2018, dem Gutachten des Dr. med. F.________, Facharzt für Neurologie, vom 19. Oktober 2018 wie auch dem Gutachten des Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Januar 2019 entnehmen. Indizien, welche für die Annahme der Vorinstanz sprächen, sind demgegenüber keine ersichtlich. Entgegen deren Auffassung legte die IV-Stelle den Valideneinkommen demnach zu Recht die Einkünfte aus selbstständiger Erwerbstätigkeit zu Grunde.