Citation: I 552/05 23.12.2005 E. 2

2.1 Einig sind sich die Parteien, dass der Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf den 28. Dezember 1998 fällt, als der Beschwerdeführer einen Herzinfarkt erlitt. Danach hat er seine Arbeit nicht wieder aufgenommen. Die Arbeitsfähigkeit in der ursprünglichen Tätigkeit als Hilfsarbeiter bei einer Bauunternehmung wird von den meisten den Versicherten in der Folge behandelnden oder untersuchenden Ärzten als nicht mehr gegeben erachtet. Diese Einschätzung wird auch von den Spezialisten der MEDAS geteilt. Damit wurde der Rentenbeginn in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG zu Recht auf Dezember 1999 festgesetzt. 2.2 In somatischer Hinsicht schätzen die Fachärzte der MEDAS den Beschwerdeführer gemäss Gutachten vom 18. Juni 2001 als zu 80 % arbeitsfähig, soweit es sich um eine leichte wechselbelastende Tätigkeit handelt, die nicht in gehäuft vorgeneigter oder abgedrehter Haltung ausgeübt werden muss. Für den Zeitpunkt des Rentenbeginns liegen Arztberichte des Dr. med. B.________, Kardiologie FMH, vom 12. November 1999 und des Dr. med. D.________, Physikalische Medizin FMH, spez. Rheumaerkrankungen, vom 4. Januar 2000 und 2. September 1999 vor. Beide attestieren für körperlich leichte oder sitzende Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. 2.3 Die Einschränkung in der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers liegt primär im psychischen Bereich. Davon geht auch der rechtskräftig gewordene Rückweisungsentscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 27. Februar 2003 aus. In seinem Gutachten vom 7. Oktober 2003, welches den rechtssprechungsgemässen Kriterien eines beweiskräftigen Gutachtens entspricht (BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb), und darüber hinaus auch vom Beschwerdeführer nicht in Zweifel gezogen wird, stellt Dr. med. I.________ die Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung mit stark hypochondrischen Zügen auf der Grundlage einer einfachen Persönlichkeitsstruktur mit asozialen und depressiven Zügen (Dysthymie). Er erachtet aus psychiatrischer Sicht "bei einigermassen gutem Willen und entsprechender Motivation" ein 50 %-Pensum mit je hälftig verkürzter Arbeitszeit und verminderter Leistung als zumutbar und terminiert den Beginn dieser Einschränkung auf März 1999. Da sich seither keine wesentlichen Veränderungen ergeben haben, gelten diese Sachverhaltsfeststellungen auch für den Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns im Dezember 1999. 2.3.1 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c in fine). Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, so auch einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, setzt zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 398 ff. Erw. 5.3 und Erw. 6). Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 49 Erw. 1.2 mit Hinweisen). 2.3.2 Beim Beschwerdeführer liegen psychische Komorbiditäten in Form von hypochondrischen Zügen auf der Grundlage einer einfachen Persönlichkeitsstruktur und vor allem einer Dysthymie vor. Psychiatrische Therapien zeigten keinen Erfolg und die somatoforme Schmerzstörung hatte sich im Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr. med. I.________ schon lange chronifiziert. Andererseits muss beim Beschwerdeführer von einem sekundären Krankheitsgewinn ausgegangen werden, welcher indessen nicht ganz im Vordergrund steht und es vertretbar erscheinen lässt, die psychische Gesundheitsstörung als - teilweise - invalidisierend zu betrachten.