Citation: 6B_1062/2021 E. 4.2.3

4.2.3. Ebenfalls einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit sie sich gegen die Festhaltung während der Nacht richtet. Die Beschwerdeführerin wirft der Polizei in diesem Zusammenhang vor, sie länger als notwendig einbehalten zu haben. Die Beschwerdeführerin wurde am 30. Mai 2020 um 14.25 Uhr vorläufig festgenommen. Ihre Freilassung erfolgte am Folgetag um 10.50 Uhr, nachdem sie zur Sache einvernommen worden war. Mit Blick auf die im Verhältnis zu den der Beschwerdeführerin vorgeworfenen Straftaten (vgl. Sachverhalt lit. A.a) relativ langen Festhaltedauer von über 20 Stunden, die nahe an die Grenze der nach Art. 219 Abs. 4 StPO maximal zulässigen Dauer liegt, ihr höheres Alter (damals 65 Jahre) und dem Zweck der Festhaltung (Befragung), dem auch durch spätere Vorladung - und damit ohne Einbehaltung während der Nacht - hätte Genüge getan werden können, erreicht auch die Festhaltung während der Nacht bzw. die damit einhergehenden Folgen für die Beschwerdeführerin das von Art. 3 EMRK geforderte Mindestmass an Schwere.