Citation: 4A_72/2021 E. 6.4.1

6.4.1. Die Vorinstanz erwog, im Rahmen einer primären Risikobegrenzung vereinbarten die Vertragsparteien zunächst, was überhaupt versichert werde. Hierzu würden aus dem allgemeinen Gesamthaftpflichtrisiko des Versicherungsnehmers diejenigen Haftpflichtgefahren herausgelöst, die unter Versicherungsschutz gestellt werden sollen (Risikobeschrieb). Weiter würden im Rahmen einer sekundären Risikobegrenzung regelmässig auch Ausschlussklauseln in den Vertrag aufgenommen. Risikobegrenzungen könnten somit einerseits mittels positiver Umschreibungen des Deckungsumfangs, die nicht nur den Umfang des Versicherungsschutzes, sondern gleichzeitig auch dessen Beschränkung regelten (primäre Risikobegrenzung), und andererseits mittels eigentlicher Ausschlussklauseln (sekundäre Risikobegrenzung) bewirkt werden. Der Unterschied zwischen den beiden Arten der Risikobegrenzung liege in der Beweislastverteilung (mit Verweis auf STEPHAN FUHRER, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag [VVG], 2001, N. 12 zu Art. 33 VVG). Bei der primären Risikobegrenzung habe der Versicherungsnehmer zu beweisen, das der eingetretene Schaden in den Versicherungsschutzbereich falle. Misslinge dieser Beweis, liege schon gar kein Versicherungsfall vor. Im Rahmen der sekundären Risikobegrenzung würden bestimmte Fälle, die an sich vom Deckungsumfang der Versicherung grundsätzlich erfasst seien, mittels Ausschlussklauseln vom Versicherungsschutz ausgenommen. Die Beweislast hinsichtlich des Vorliegens einer Ausschlussklausel liege beim Versicherer. Die Beschwerdeführerin verkenne, dass mit der Umschreibung des Versicherungsfalls - im Haftpflichtrecht geradezu regelmässig - eine Beschränkung einhergehe, ohne dass diese bereits der sekundären Risikobegrenzung zuzuordnen sei. Dass der Versicherungsfall eingetreten sei, habe die Beschwerdeführerin zu beweisen. Sie habe folglich entsprechend der "Insuring Clause" nachzuweisen, dass die von ihr im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit gegenüber Dritten erbrachten "Finanz-, Geschäfts-, Management und Berufsdienstleistungen" im Bereich des "Private Equity Investment Management" zu den gegen sie erhobenen Forderungen aus zivilrechtlicher Haftung (bzw. zum daraus entstandenen Verlust) geführt hätten. Insbesondere habe sie auch die Kausalität zwischen den erbrachten Dienstleistungen und den erhobenen Forderungen aus zivilrechtlicher Haftung nachzuweisen.