Citation: 9C_154/2023 E. 3.5.2

3.5.2. Im Anschluss an Art. 32 MWSTG 2009 bestimmt sodann Art. 72 Abs. 2 MWSTV 2009: "Der Vorsteuerabzug kann auf in Gebrauch genommenen Gegenständen und Dienstleistungen korrigiert werden, die im Zeitpunkt des Eintritts der Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs noch vorhanden sind und einen Zeitwert haben. Bei Dienstleistungen in den Bereichen Beratung, Buchführung, Personalbeschaffung, Management und Werbung wird vermutet, dass sie bereits im Zeitpunkt ihres Bezugs verbraucht und nicht mehr vorhanden sind." Der Wortlaut dieser Verordnungsbestimmung ist klar und unmissverständlich; er erfordert keine weitere Auslegung (BGE 149 III 242 E. 5.1; 149 IV 9 E. 6.3.2.1; 149 V 129 E. 4.1). Dass Art. 72 Abs. 2 Satz 2 MWSTV 2009 durch Art. 32 Abs. 2 MWSTG 2009 nicht gedeckt sei, weil eine hinreichende Delegationsnorm fehle, bringt die Steuerpflichtige mit Recht nicht vor (dazu Art. 32 Abs. 2 Satz 4 und Art. 107 Abs. 3 MWSTG 2009). Sie argumentiert dahingehend, dass die Frage, ob eine Dienstleistung (bereits) im Zeitpunkt ihres Bezugs als "verbraucht und nicht mehr vorhanden" zu gelten habe, richtigerweise im Lichte des Buchführungsrechts zu beantworten sei. Konkret müsse darauf abgestellt werden, ob die Dienstleistung aktivierbar sei. Dies sei hier der Fall: Der eigentliche immaterielle Wert sei erst im Mai 2019, mit der Veräusserung der Anteile, entstanden. Hinzu komme, dass es zwingend zur Aktivierung hätte kommen müssen, wenn "für die infrage stehenden Dienstleistungen schon im Vorjahr Teilrechnungen gestellt worden wären". Diese rein hypothetische Argumentation ist nicht zu hören; das Bundesgericht hat zwar alle Anträge zu behandeln, nicht aber allen Rügen nachzugehen (BGE 149 V 156 E. 6.1; 148 III 30 E. 3.1; 146 II 335 E. 5.1). Wie es sich im Fall von Teilrechnungen verhalten hätte, ist hier von keiner Bedeutung.