Citation: 1A.228/2004 03.08.2005 E. 9

9.1 Das Verwaltungsgericht ist der Auffassung, dass dem Beschwerdeführer kein Erwerbsschaden entstand. Der Beschwerdeführer hält dagegen an seiner Entschädigungsforderung fest. 9.2 Wie in E. 6.5 gesagt, ist der Begriff des Schadens im Opferhilferecht der gleiche wie im Privatrecht. Schaden im Sinn von Art. 41 OR ist die Differenz zwischen dem gegenwärtigen, nach dem schädigenden Ereignis festgestellten Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte, bzw. die Differenz zwischen den Einkünften, die nach dem schädigenden Ereignis tatsächlich erzielt worden sind und denjenigen, die ohne dieses Ereignis zugeflossen wären (BGE 129 II 49 E. 4.3.2 S. 53 f.; 127 III 403 E. 4a S. 405, je mit Hinweisen). Um die finanziellen Folgen der Arbeitsunfähigkeit zu bestimmen, muss der Verdienst berechnet werden, den der Geschädigte aus seiner beruflichen Tätigkeit erzielt hätte, wenn er nicht Opfer einer Straftat geworden wäre. Die Berechnung des Erwerbsausfalls erfolgt auf der Grundlage des Nettolohns (Bundesgerichtsurteil 4C.194/2002 vom 19. Dezember 2002, in: Pra 91/2002 Nr. 69 S. 341 ff., E. 2.2), wobei künftig wahrscheinlichen Lohnerhöhungen oder -reduktionen des Geschädigten Rechnung zu tragen ist. Ein Resterwerbseinkommen, das der Geschädigte mit der ihm verbleibenden Arbeitsfähigkeit tatsächlich erzielen könnte, ist ebenfalls zu berücksichtigen (BGE 117 II 609 E. 9 S. 624; 113 II 345 E. 1a S. 348). Die Bestimmung des Schadens ist - unter Vorbehalt von Art. 105 Abs. 2 OG - eine vom kantonalen Gericht abschliessend zu beurteilende Tatfrage. Als Rechtsfrage ist vom Bundesgericht zu prüfen, ob das kantonale Gericht den Rechtsbegriff des Schadens verkannt oder Rechtsgrundsätze der Schadensberechnung verletzt hat (BGE 127 III 73 E. 3c S. 75, 403 E. 1a S. 405, je mit Hinweisen). 9.3 Nach den Erwägungen im angefochtenen Entscheid ist dem Beschwerdeführer in der Zeitspanne zwischen der Straftat im Jahr 1994 und der Beendigung der Erwerbstätigkeit im Jahr 1999 kein Erwerbsschaden entstanden. Auszugehen sei vom Jahreseinkommen, das der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Straftat im Jahr 1994 verdiente. Dieses habe Fr. 42'840.-- brutto (13 x Fr. 3'000.-- plus Kinderzulagen) / Fr. 37'615.10 netto (vor Abzug der Quellensteuern) betragen. Einnahmen aus Trinkgeldern, wie sie der Beschwerdeführer geltend mache, seien nicht ermittelbar, zumal diese Einnahmen steuerlich nicht deklariert worden seien. Zumindest bis zum Ende der Erwerbstätigkeit im Jahr 1999 könnten Trinkgelder jedenfalls nicht als Erwerbsausfall berücksichtigt werden. Der Beschwerdeführer habe nach der Straftat bei seinem bisherigen Arbeitgeber weiterhin arbeiten können und ab dem 1. Januar 1997 eine Erhöhung des Jahreseinkommens auf Fr. 48'100.-- brutto erhalten. Der Lohnausfall, der durch die Teilzeitanstellung seit der Straftat bedingt war, habe die Unfallversicherung gedeckt. Aus den Akten ergebe sich, dass Kinderzulagen für mehr als ein Kind ausbezahlt worden seien. Ab dem 1. März 1999 habe der Beschwerdeführer Rentenleistungen von monatlich mindestens Fr. 3'830.-- bezogen, welche nicht sozialabgabepflichtig seien. Verglichen mit dem im Jahr 1994 erzielten Monatseinkommen von Fr. 3'134.60 netto sei kein Erwerbsschaden auszumachen. Selbst unter Berücksichtigung einer mutmasslichen, insbesondere teuerungsbedingten Lohnerhöhung, zusätzlichen Kinderzulagen und Trinkgeldern sei ein Schaden nicht ausgewiesen, zumal der Beschwerdeführer mit seiner verbleibenden Arbeitsfähigkeit ein Resterwerbseinkommen von jährlich rund Fr. 12'000.-- netto verdienen könnte. Auch für die Zukunft rechtfertige sich keine andere Beurteilung der Einkommenssituation. Im Jahr 2003 habe der Beschwerdeführer ein Renteneinkommen von Fr. 3'896.-- x 12 = Fr. 46'752.-- (vor Abzug der Quellensteuer) bezogen. Unter Berücksichtigung des erzielbaren Resterwerbseinkommens von Fr. 12'000.-- ergebe sich ein Jahreseinkommen von rund Fr. 60'000.-- netto. Verglichen mit dem im Jahr 1994 erzielten Jahreseinkommen von Fr. 37'615.10 sei auch unter Berücksichtigung entgangener Trinkgelder, fehlender resp. reduzierter Kinderzulagen und möglicher, vor allem teuerungsbedingter Lohnerhöhungen ein Erwerbsschaden nicht ersichtlich. Das Verwaltungsgericht geht davon aus, dass der Beschwerdeführer auch nach der Straftat weiterhin im Gastgewerbe tätig gewesen wäre. Er habe bei seinem Arbeitgeber rund 10 Prozent mehr verdient, als es branchenüblich sei. Deshalb nimmt das Verwaltungsgericht an, dass im Zeitraum von 1999 bis 2003 resp. zukünftig (unter der Annahme einer Anstellung bei einem neuen Arbeitgeber) nicht mit erheblichen, nicht teuerungsbedingten Lohnerhöhungen gerechnet werden müsste.