Citation: 1P.302/2001 20.08.2001 E. 3

3.- Die Beschwerdeführerin macht sodann eine willkürliche Beweiswürdigung durch das Obergericht geltend und rügt in diesem Zusammenhang auch eine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo". a) Gemäss Art. 32 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK gilt jede angeschuldigte Person bis zur rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig. Die Maxime "in dubio pro reo" ist ein Aspekt der Unschuldsvermutung (BGE 120 Ia 31 E. 2b S. 35). aa) Als Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der Anklagebehörde ist, die Schuld des Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser seine Unschuld nachweisen muss. Die Maxime ist verletzt, wenn der Strafrichter einen Angeklagten (einzig) mit der Begründung verurteilt, er habe seine Unschuld nicht nachgewiesen. Solche Fälle, in denen der Richter seinen Schuldspruch ausdrücklich auf die Erwägung stützt, der Angeklagte habe seine Schuldlosigkeit nicht bewiesen, kommen in der Praxis nur selten vor. Der Satz "in dubio pro reo" ist aber auch dann verletzt, wenn sich aus der Begründung des Urteils ergibt, dass der Strafrichter von der falschen Meinung ausging, der Angeklagte habe seine Unschuld zu beweisen, und dass er ihn verurteilte, weil ihm dieser Beweis misslang (BGE 127 I 38 E. 2a S. 40; 120 Ia 31 E. 2c S. 37). bb) Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Maxime ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich aber um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 86 E. 2a S. 88; 120 Ia 31 E. 2c S. 37). Bei der Beurteilung von Fragen der Beweiswürdigung beschränkt sich das Bundesgericht auf eine Willkürprüfung (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41; 124 IV 86 E. 2a S. 88, je mit Hinweisen). Willkür liegt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts vor, wenn der angefochtene kantonale Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Eine materielle Rechtsverweigerung ist nicht schon dann gegeben, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erschiene, sondern nur dann, wenn das Ergebnis schlechterdings mit vernünftigen Gründen nicht zu vertreten ist (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41). b) Inwiefern die kantonalen Instanzen die Maxime "in dubio pro reo" als Beweislastregel verletzt haben sollten, ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht behauptet. c) Das Obergericht hat auf verschiedene Punkte hingewiesen, welche die Annahme begründen, dass die Beschwerdeführerin die ihr zur Last gelegten Delikte tatsächlich begangen hat: Ihre teilweise widersprüchlichen Aussagen vor Polizei und Amtsstatthalter, die Telefongespräche und persönlichen Kontakte mit weiteren Angeschuldigten sowie die eingestandene Kenntnis von deren kriminellen Aktivitäten, die Lagerung mehrerer Kilogramm Heroin an ihrer Wohnadresse und für den Drogenhandel verwendbarer Utensilien auf ihrem Kleiderschrank sowie das Ergebnis der abgenommenen Fingernagelproben. Wenn das Obergericht unter den gesamten Umständen vom schuldhaften Verhalten der Beschwerdeführerin überzeugt war, stellt dies keineswegs eine willkürliche Beweiswürdigung dar. d) aa) Die kantonalen Gerichte haben auf eine psychiatrische Begutachtung sowie eine Einvernahme der Beschwerdeführerin verzichtet und auch deren Antrag auf Befragung von Entlastungszeugen abgewiesen. Die Beschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang wiederum eine Verletzung ihrer Gehörsrechte geltend. Richtet sich indessen - wie vorliegend - eine staatsrechtliche Beschwerde gegen die antizipierte Würdigung einer vom Gericht verweigerten Beweismassnahme, so fällt die Rüge wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs praxisgemäss mit der Rüge der willkürlichen Beweiswürdigung zusammen (BGE 124 I 208 E. 4a S. 211; 122 II 464 E. 4a S. 469, mit Hinweis). bb) Sowohl das Bundesgericht als auch die Strassburger Organe lassen die antizipierte Beweiswürdigung zu. Nach der Rechtsprechung kann der Richter das Beweisverfahren schliessen, wenn gestellte Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind oder wenn er aufgrund bereits abgenommener Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass seine Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde. Es besteht somit kein vorbehaltloses Recht des Angeschuldigten, mit Beweisanträgen gehört zu werden (BGE 124 I 208 E. 4a S. 211, 274 E. 5b S. 284 f., je mit Hinweisen). cc) Im angefochtenen Entscheid (S. 9 f.) wird mit ausführlicher und willkürfreier Begründung dargelegt, weshalb die von der Beschwerdeführerin beantragten Beweismassnahmen keine relevanten Ergebnisse erwarten liessen. Insbesondere durfte das Obergericht ohne in Willkür zu verfallen davon ausgehen, dass weitere Einvernahmen von Zeugen oder der Beschwerdeführerin selber keine für die Urteilsfindung erheblichen Umstände zutage fördern würden. Verfassungsrechtlich ist auch nicht zu beanstanden, dass die kantonalen Gerichte kein psychiatrisches Gutachten über die Beschwerdeführerin in Auftrag gaben. Soweit diese auf Umstände hinweist, die im Sinn von Art. 13 StGB eine Begutachtung notwendig gemacht hätten, betrifft dies eine im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde nicht zu prüfende Rechtsanwendungsfrage. Entscheidend ist vorliegend allein, dass die Annahme der Gerichte, das von der Beschwerdeführerin beantragte Gutachten vermöge am Beweisergebnis nichts zu ändern, aufgrund der Akten vor Art. 9 BV stand hält. Die kantonalen Gerichte durften demnach in antizipierter Beweiswürdigung von der Erhebung der beantragten Beweismittel absehen.