Citation: I 458/02 31.10.2002 E. 2

Streitig ist zunächst die Zumutbarkeit weiterer Arbeitsleistungen. Während Verwaltung und Vorinstanz davon ausgehen, dass die Beschwerdeführerin in einer geeigneten leichteren Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig ist, wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht, es bestehe keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr. 2.1 Die Beschwerdeführerin wurde während des Aufenthaltes in der MEDAS vom 14. - 16. Februar 2000 einer eingehenden polydisziplinären Untersuchung unterzogen, welche zu den Hauptdiagnosen (mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (kombiniert mit mittelschwer agitiert-ängstlicher Depression mit somatischen Depressions- und Angstsymptomen bei einer einfach strukturierten, zu histrionischem Verhalten neigenden Persönlichkeit), eines diffusen chronischen Schmerzsyndroms mit multiplen vegetativen Begleitbeschwerden, sowie eines Status nach mehrfachen Rupturen des ulnaren Seitenbandes am rechten Daumen mit operativer Stabilisierung 1990 und Arthrodese des Daumengrundgelenkes rechts 4/91 führte. Als Nebendiagnosen (ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) wurden eine leichte Fehlstellung nach Radiusfraktur links 9/97 sowie eine Adipositas erhoben. Nicht ausdrücklich erwähnt wird der Status nach Fussgelenksdistorsion im Oktober 1993. Diesbezüglich hatte Dr. med. T.________, jedoch bereits am 22. Mai 1995 festgestellt, dass in einer angepassten leichteren Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit besteht. Auch hat die Beschwerdeführerin anlässlich der gutachterlichen Untersuchung vom Februar 2000 keine diesbezüglichen Beschwerden angegeben. Zur Arbeitsfähigkeit wird im MEDAS-Gutachten ausgeführt, diese werde primär durch ein ausgedehntes chronisches Schmerzsyndrom beeinträchtigt, wobei eine enge Verflechtung von somatisch nur teilweise objektivierbaren funktionellen Beschwerden und erheblichen psychischen Faktoren vorliege. Bei gesamthafter Beurteilung sei die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf als Spetterin auf 50 % ab April 1994 und auf 70 % ab Juni 1995 zu schätzen. Für eine angepasste körperlich leichte Tätigkeit sei eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % ab April 1994 und von 50 % ab Juni 1995 anzunehmen. In der Zeit vom 1. - 31. Mai 1997 (Fadengranulom nach Appendektomie in der Jugend) und vom 19. September - 31. Dezember 1997 (Radiusfraktur) habe eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die Beschwerdeführerin bringt vor, auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die MEDAS-Gutachter könne nicht abgestellt werden, weil die bestehenden Schwindelbeschwerden unberücksichtigt geblieben seien. Sie beruft sich dabei auf einen im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Bericht des Dr. med. M.________, Spezialarzt FMH für Otorhinolaryngologie sowie Hals- und Gesichtschirurgie, vom 12. Januar 2001, worin die Diagnose einer zentral-vestibulären Funktionsstörung mit visuo-oculomotorischer Funktionsstörung sowie einer postural-phobischen Schwindelsymptomatik gestellt und die Auffas-sung vertreten wird, dass sich diese auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten als Spetterin erheblich auswirke und zusammen mit der Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus psychiatrischer Sicht zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit führe. Hiezu ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bereits anlässlich der MEDAS-Begutachtung über Schwindelbeschwerden geklagt hat, wie in der Anamnese ausdrücklich festgehalten wird. Diese haben zwar zu keinen spezifischen Unter-suchungen Anlass gegeben. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolgte jedoch unter Berücksichtigung der multiplen vegetativen und psychischen Begleit- symptome, wozu auch die Schwindelsymptomatik gerechnet werden kann. Aus dem Bericht des Dr. med. M.________ vom 12. Januar 2001 geht zudem hervor, dass zwar bereits im April 2000 ein Schwindelanfall zu einem Sturz mit Rippenfraktur links geführt hat, die bestehende unsystematische Schwindel-symptomatik jedoch "eher jüngeren Datums" ist "mit deutlicher Tendenz zur Verstärkung der Beschwerden in der letzten Zeit". Daraus ist mit der Vorinstanz zu schliessen, dass die Schwindelbeschwerden jedenfalls in der Zeit ab 1. April 1998 und bis zu dem für die richterliche Beurteilung des Sachverhalts massge-benen Zeitpunkt des Verfügungserlasses (BGE 121 V 366 Erw. 1b) ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit waren. Es besteht daher kein Anlass, das MEDAS-Gutachten in diesem Punkt als unvollständig zu erachten und die Sache zu ergänzender Abklärung und Neubeurteilung an die Verwaltung zurückzuweisen. Dagegen wird die IV-Stelle näher zu prüfen haben, ob in der Zeit nach Erlass der streitigen Verfügung vom 15. September 2000 eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des Sachverhalts eingetreten ist. 2.2 Laut Gutachten der MEDAS ist der Beschwerdeführerin sowohl aus somatischer als auch aus psychischer Sicht eine angepasste leichtere Tätigkeit zu 50 % zumutbar. Aus den ärztlichen Angaben ist zu schliessen, dass sie in somatischer Hinsicht grundsätzlich jede leichtere Arbeit zu verrichten vermag, welche keine besondern Anforderungen an die Funktionstüchtigkeit der rechten Hand stellt, in welchem Sinn sich bereits Dr. med. T.________ im Gutachten zuhanden des Unfallversicherers vom 22. Mai 1995 ausgesprochen hatte. In Betracht fallen etwa Kontroll- und Überwachungstätigkeiten in Industrie und Gewerbe, einfache Maschinenbedienungsfunktionen sowie leichte Hilfsarbeiten, wie Montage-, Sortierungs- und Verpackungstätigkeiten, in Produktions- und Dienstleistungsbetrieben. Entsprechende Arbeitsmöglichkeiten hat die Verwaltung mit den von der Berufsberatung der IV-Stelle aufgelegten DAP-Arbeitsplatzprofilen nachgewiesen, auch wenn einzelne der angegebenen Verweisungstätigkeiten nicht zumutbar sein dürften, weil sie besondere Anforderungen an die Feinmotorik der Hände stellen. Auch unter Berücksichtigung der psychischen Beinträchtigung vermag die Beschwerdeführerin eine geeignete leichtere Tätigkeit zu 50 % auszuüben, zu welchem Schluss nicht nur Dr. med. Z.________ im psychiatrischen Konsilium der MEDAS vom 23. Februar 2000, sondern auch der Psychiater Dr. med. E.________ und der Psychotherapeut H.________ im Gutachten vom 21. Dezember 1997 gelangt sind. Es geht daraus hervor, dass die Beschwerdeführerin über eine normale Intelligenz sowie ziemlich gute Deutschkenntnisse verfügt und eine Erwerbstätigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht nur möglich, sondern auch erwünscht ist, um einer weiteren Chronifizierung der somatoformen Schmerzstörung vorzubeugen. Demzufolge besteht kein Anlass, von der vorinstanzlichen Feststellung abzugehen, wonach der Beschwerdeführerin die Verwertung der restlichen Arbeitsfähigkeit von 50 % auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt möglich und zumutbar wäre. Zu einem andern Schluss vermag auch der Bericht des Dr. med. M.________ vom 12. Januar 2001 nicht zu führen, zumal sich dieser Arzt ausschliesslich zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im bisherigen Beruf als Spetterin äussert und sich die Beurteilung auf den Sachverhalt bezieht, wie er nach Erlass der angefochtenen Verfügung bestanden hat.