Citation: 6B_690/2020 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz erwägt zur Beurteilung der objektiven Schwere zum Tatbestand des Mordes, die Beschwerdeführerin habe, nachdem sie das Mobiltelefon und das Tablet des Opfers ruhig weggelegt habe, mindestens 15 Mal mit einem Messer auf das sich stark wehrende Opfer eingestochen. Sie habe dieses völlig ahnungslos in dessen Schlafzimmer überrascht, also an einem Ort, der subjektiv in besonderem Mass mit dem Gefühl der Geborgenheit verbunden sei. Das Opfer habe ihr nicht den geringsten Anlass für den Angriff gegeben. Es sei im von der Beschwerdeführerin seit längerem geplanten Rachefeldzug gegen deren Schwiegervater schlicht Mittel zum Zweck gewesen. Die Beweggründe für die Tat seien folglich niedrigster Natur gewesen. Umstände, die die objektive Tatschwere irgendwie relativieren würden, seien nicht ersichtlich. Namentlich ändere die erst vor Ort erfolgte Planänderung nichts an der objektiven Schwere der Tat. Diese habe nichts Impulsives oder Überstürztes an sich. Sie sei vielmehr Ausdruck von Erbarmungslosigkeit und unfassbarer Geringschätzung des Lebens eines Jugendlichen. Objektiv sei von einem ausserordentlich schweren Verschulden auszugehen, das für das vollendete Delikt eine lebenslängliche Freiheitsstrafe rechtfertige (angefochtenes Urteil, E. IV. 3.1 S. 49 f.). Zur subjektiven Tatschwere sei laut Vorinstanz festzuhalten, die Beschwerdeführerin habe direktvorsätzlich gehandelt. Der direkte Vorsatz widerspiegle indessen die ausserordentliche objektive Tatschwere und habe insofern keine eigenständige Bedeutung. Vieles spreche sodann dafür, dass die Klagen der Beschwerdeführerin über eheliche und familiäre Feindseligkeiten ihr gegenüber im Vorfeld der Tat objektiv zu relativieren seien. An ihrem subjektiven Leiden bestünde jedoch kein Zweifel. Sie habe sich als Opfer fortdauernder Beeinträchtigung durch ihren Schwiegervater und ihren Ehemann gesehen. Neben der bei ihr diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode habe das aber keine eigenständige Bedeutung. Die Schuldfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer depressiven Störung gemäss überzeugender gutachterlicher Einschätzung sodann in maximal leichtem Grad vermindert. Diese zu ihren Gunsten anzunehmende leicht verminderte Schuldfähigkeit relativiere ihr subjektives Verschulden leicht. Das objektiv ausserordentlich schwere Verschulden reduziere sich deshalb auf ein sehr schweres Verschulden, das für das vollendete Delikt eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren rechtfertigen würde (angefochtenes Urteil, E. IV. 3.2 S. 50 f.). Diese hypothetisch schuldangemessene Strafe für das vollendete Delikt sei aufgrund des Umstands zu reduzieren, dass es bei einem Versuch geblieben sei. Die Beschwerdeführerin habe dem Opfer acht Stichverletzungen im Bereich des Brustkorbs und an den Armen, fünf Schnittverletzungen im Gesicht, am Brustkorb, am rechten Arm und an der linken Hand, zwei kombinierte Schnitt- und Stichverletzungen an der Schulter und am rechte Knie sowie eine Verletzung am rechten Nasenflügel zugefügt. Ferner habe das Opfer an der rechten dritten Rippe und am Brustbein Brüche erlitten. Mehrere Stichverletzungen seien unmittelbar über lebenswichtigen Strukturen wie Lunge, Herz, Halsgefäss links, Leber und der Halsschlagader gelegen. Tatsächlich verletzt worden sei die Lunge. Die Folge sei ein beidseitiger Lungenkollaps mit unmittelbarer Lebensgefahr gewesen. Die unmittelbare Lebensgefahr habe nur durch die notfallmässige Einlage von Drainageschläuchen in den Brustkorb abgewendet werden können. Die Beschwerdeführerin habe das schwer verletzte Opfer in der Wohnung zurückgelassen. Dieses selbst sei es gewesen, das sich aus der Wohnung in die Treppenanlage begeben habe und schliesslich zu Wohnungen gelangt sei, deren Bewohner glücklicherweise anwesend gewesen seien, sodass eine ärztliche Versorgung noch rechtzeitig habe erfolgen können. Dass das Opfer den Angriff der Beschwerdeführerin überlebt habe, sei folglich alleine dessen Willen, glücklichen Umständen und der ärztlichen Versorgung geschuldet. Es würden sodann mit grosser Sicherheit schwere kosmetische Schäden im Gesicht verbleiben, namentlich eine grosse linksseitige Narbe. Davon ausgehend sei eine Reduktion der hypothetischen Einsatzstrafe für das vollendete Delikt um zwei Jahre auf 18 Jahre Freiheitsstrafe angemessen (angefochtenes Urteil, E. IV. 3.3 S. 51 f.). Für die mehrfache falsche Anschuldigung zulasten des Schwiegervaters betreffend die Tat vom 5. November 2016 erachtet die Vorinstanz eine Erhöhung dieser hypothetischen Einsatzstrafe um jedenfalls 2 Jahre auf 20 Jahre Freiheitsstrafe als angezeigt. Das genaue Mass einer zusätzlichen Straferhöhung aufgrund einer falschen Anschuldigung zulasten des Ehemannes könne offen bleiben, da die zulässige Höchststrafe von 20 Jahren Freiheitsstrafe schon erreicht sei (angefochtenes Urteil, E. IV 4.1.3 S. 55). Für die weiteren Schuldsprüche des Diebstahls und des Hausfriedensbruchs sanktioniert die Vorinstanz die Beschwerdeführerin ferner mit einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 10.-- (angefochtenes Urteil, E. IV 7.1 S. 57 f.).