Citation: H 20/00 21.12.2000 E. 4

4.- a) Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau deklarierten während längerer Zeit jeweils nur bescheidene Entgelte als Löhne und rechneten darauf Sozialversicherungsbeiträge ab. Daneben bezogen beide jedoch namhafte Summen, welche sie auf einem Kontokorrent-Konto als Privatbezüge bzw. als Schulden gegenüber der Firma verbuchten. Bei der Arbeitgeberkontrolle vom 10. Oktober 1997 wurden diese Privatbezüge nachträglich als massgebender Lohn erfasst, wodurch entsprechende Sozialversicherungsbeiträge zur Nachzahlung anfielen. b) Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts sind die Organe der AHV ebenso wenig wie die Steuerbehörden verpflichtet, die zivilrechtliche Form, in der ein Sachverhalt erscheint, unter allen Umständen als verbindlich anzusehen. Dies gilt namentlich dann, wenn eine Beitragsumgehung vorliegt. Eine solche ist in Analogie zu den in der steuerrechtlichen Praxis und Doktrin (BGE 113 V 92 Erw. 4b mit Hinweisen) entwickelten Kriterien anzunehmen, wenn-die von den Beteiligten gewählte Rechtsgestaltung als ungewöhnlich, sachwidrig oder absonderlich, jedenfalls den wirtschaftlichen Gegebenheiten völlig unangemessen erscheint,-anzunehmen ist, dass diese Wahl missbräuchlich und lediglich deshalb getroffen worden ist, um Beiträge einzusparen, welche bei sachgemässer Ordnung der Verhältnisse geschuldet wären,-und das gewählte Vorgehen tatsächlich zu einer erheblichen Beitragsersparnis führen würde, wenn es von den Organen der AHV hingenommen würde. Sind diese drei Voraussetzungen erfüllt, so ist zu entscheiden, wie wenn die Umgehungshandlung nicht stattgefunden hätte (BGE 113 V 92 Erw. 4b), und der Beitragspflicht ist die Ordnung zugrunde zu legen, die sachgemäss dem vom Beitragspflichtigen erstrebten wirtschaftlichen Zweck entsprochen hätte. c) Die Methode, sich das Geld der Firma statt als Lohn als Privatbezug auszahlen zu lassen und als Schuld gegenüber dem Betrieb zu verbuchen, diente, wie der Beschwerdeführer selber einräumt, dem Einsparen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Ein solches Vorgehen ist ungewöhnlich im Sinne der genannten Rechtsprechung. Die in Konkurs gefallene AG wäre verpflichtet gewesen, diese Bezüge von Anfang an als massgebenden Lohn zu behandeln. d) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Ausgleichskasse habe die Privatbezüge jahrelang unbeanstandet gelassen, weshalb sie einen Vertrauenstatbestand geschaffen habe. Dieser Einwand geht indessen schon deshalb fehl, weil aus der Buchhaltung der Firma nicht ersichtlich war, weshalb ein Guthaben gegenüber dem Beschwerdeführer bestand. Damit konnte kein Vertrauenstatbestand entstehen. e) Richtig ist hingegen der Einwand des Beschwerdeführers, es seien nicht nur die Bezüge, sondern auch die von ihm auf das umstrittene Konto überwiesenen Einlagen zu berücksichtigen, mit andern Worten nicht die Brutto-, sondern nur die Nettobezüge als Lohn zu erfassen. In der Tat ist nicht ersichtlich, aus welchem andern Grund denn zum Ausgleich zu hoher monatlicher Bruttobezüge er sonst Einlagen auf das entsprechende Konto hätte leisten sollen. Diese Einlagen können auch nicht als Rückzahlung von Darlehen betrachtet werden, da es sich bei den Bruttobezügen gerade nicht um Darlehen, sondern um Lohn gehandelt hat. f) Nach dem Gesagten wird die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie die Beiträge, welche für die Zeit der Zugehörigkeit der in Konkurs gefallenen Firma bei ihr geschuldet sind, im Sinn der Erwägungen neu berechne. In Bezug auf diese Beiträge ist der Schadenersatzanspruch ausgewiesen. Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, weshalb sich der Beschwerdeführer hier qualifiziert schuldhaft im Sinne von Art. 52 AHVG verhalten hat.