Citation: 8C_439/2010 13.12.2010 E. 3

3.1 Vorinstanz und Beschwerdegegnerin haben eine revisionsrechtlich massgebliche Veränderung des auf die versicherten Unfallereignisse zurückzuführenden Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers seit der erstmaligen Rentenzusprache auf 1. November 1998 zur Hauptsache gestützt auf die kreisärztlichen Auskünfte des Dr. med. E.________ vom 5. und 12. Juli sowie 12. August 2005 verneint. Da den übrigen medizinischen Akten wie dem Gutachten des Instituts D.________ vom 3. Juni 2002 und der Expertise des Zentrums F.________ vom 18. August 2008 ebenfalls keine Anhaltspunkte für eine wesentliche Verschlechterung der Unfallfolgen (und der damit einhergehenden Arbeitsunfähigkeit) zu entnehmen seien, könne jedenfalls bezogen auf die medizinischen Verhältnisse ein Revisionsgrund ausgeschlossen werden. Der Versicherte lässt dagegen im Wesentlichen vorbringen, die durch Dr. med. E.________ vorgenommene Untersuchung sei unvollständig erhoben worden und dieser daher gar nicht befähigt gewesen, die Unfallkausalität der noch vorhandenen Beschwerden abschliessend zu beurteilen. Bereits aus diesem Grunde hätten das kantonale Gericht und der Unfallversicherer nicht allein darauf abstellen dürfen. Zudem würden sich aus weiteren Gutachten und Beurteilungen gravierende Zusatzbefunde ergeben. Ein entscheidender Mangel der Stellungnahmen des Dr. med. E.________ sei im Weiteren darin zu sehen, dass er sich nicht bzw. nur ungenügend mit den im Gutachten des Zentrums F.________ vom 3. Juni 2002 enthaltenen Schlussfolgerungen auseinandergesetzt habe. 3.2 Der gesundheitliche Verlauf stellt sich im relevanten Vergleichszeitraum anhand der medizinischen Akten wie folgt dar: 3.2.1 Der auf 1. November 1998 erfolgten Rentenzusprechung auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 50 % lagen die Angaben des kreisärztlichen Abschlussuntersuchungsberichtes des Dr. med. B.________ vom 13. Oktober 1998, bestätigt durch dessen Bericht vom 23. Mai 2000, zugrunde. Danach bestanden als Unfallrestfolgen eine leichte konzentrische Bewegungseinschränkung des rechten Hüftgelenkes bei Zustand nach Beckenfraktur rechts mit Ausstrahlung in die rechte Hüftpfanne bei einem Betriebsunfall am 16. August 1996, eine verminderte Belastbarkeit des rechten Beines, besonders bei längerem Stehen und Gehen sowie bei Gehen auf unebenem Boden und beim Treppensteigen, eine geringe Quadriceps- und Unterschenkelatrophie rechts sowie eine geringe konzentrische Bewegungseinschränkung des rechten und linken Handgelenkes bei Zustand nach zweitgradig offener distaler intraartikulärer Radiustrümmerfraktur rechts und distaler intraartikulärer Radiusfraktur links. Vor diesem Hintergrund beurteilte der Arzt körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten wie die angestammte Arbeit als Sanitär-Installateur als grundsätzlich nicht mehr geeignet, wohingegen Beschäftigungen im administrativen, vorwiegend sitzend zu verrichtenden Bereich als dem Versicherten im Umfang von je drei Stunden morgens und nachmittags noch zumutbar beschrieben wurden. Mit in Rechtskraft erwachsenem Entscheid vom 4. Mai 2001 schützte das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden diese Einschätzung einschliesslich der Feststellung, dass keine unfallbedingten psychischen Gründe bestünden, welche die Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränkten. 3.2.2 Anlässlich der polydisziplinären Begutachtung im Institut D.________ wurden aus rheumatologischer Sicht am 3. Juni 2002 die folgenden Diagnosen gestellt: Verdacht auf anhaltendes sensibles radikuläres Ausfallsyndrom L5/S1 rechts (ICD-10: M51.1) bei radiomorphologischem MRI der LWS vom 28. August 2000 ohne Nervenwurzelkompression und leichter Atrophie der proximalen Unterschenkelmuskulatur rechts, Verdacht auf anhaltendes sensibles cervico-radikuläres Ausfallsyndrom C8 beidseits, rechts mehr als links (ICD-10: M50.1) bei im MRI bestätigter foraminalen Einengung C5/6 links, C6/7 rechts sowie C7/Th1 rechts paramedian (MRI der Halswirbelsäule [HWS] und der oberen Brustwirbelsäule [BWS] vom 25. Juni 2001), chronisches lumbogluteales Schmerzsyndrom rechtsbetont bei Status nach Polytrauma nach Sturz am 16. August 1996 mit vorderer und hinterer Beckenringfraktur rechts mit Einstrahlung ins Acetabulum, distaler intraartikulärer Radiustrümmerfraktur rechts sowie zweitgradig offener radio-ulnarer und ulno-carpaler Dislokation und distaler intraartikulärer Radius-fraktur links sowie chronische Cephalea bei Status nach Explosionstrauma am 28. November 1991 mit chronischem Tinnitus und intermittierenden Halbseitenparästhesien im Gesicht rechts unklarer Ätiologie. Auf Grund dieser Befunde wurde eine Arbeitsfähigkeit für körperlich schwer bis mittelschwer belastende berufliche Tätigkeiten ausgeschlossen; im Rahmen einer leichten, wechselbelastenden Betätigung mit der Möglichkeit des Positionswechsels (unter Vermeidung der Einhaltung einer fixierten Körperposition über längere Zeit sowie von Heben und Tragen von Lasten, repetitiven Bewegungsmustern, Gehstrecken, namentlich Treppensteigen, und längeren Autofahrten) bescheinigten die begutachtenden Ärzte ein Leistungsvermögen von maximal 50 %. Aus psychiatrischer Sicht wurde eine weitergehende Beeinträchtigung der beruflichen Einsatzfähigkeit verneint. Insgesamt - so die gutachtlichen Schlussfolgerungen - hätten sich insbesondere die neurologischen Befunde an den unteren Extremitäten im Vergleich zur Vorabklärung im August 2000 verschlechtert. 3.2.3 Die behandelnde Ärztin Frau Dr. med. G.________, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, diagnostizierte mit Bericht vom 11. August 2003 ein chronisches Schmerzsyndrom bei Status nach Polytrauma 1996 (Becken- und Rippenfraktur rechts mit Acetabulum-Affektion, intraartikuläre Radiustrümmerfraktur rechts sowie komplizierte Radiusfraktur links) und akustischem Trauma 1992 (recte: 1991) sowie bei chronischem Panvertebralsyndrom (chronisches zervikozephales Syndrom mit degenerativen Veränderungen der HWS und Einengung der Foramina C5/6 links und C6/7 rechts, posttraumatische deutliche degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule [LWS]). 3.2.4 Der kreisärztlich beigezogene Dr. med. E.________ führte in seiner Stellungnahme vom 5. Juli 2005 aus, dass die skelettären Verletzungsbefunde konsolidiert seien und ein weitgehend stabiler Weichteilmantel bestehe. Es liessen sich die bekannten Restfolgen im erwähnten Verletzungsbereich des Bewegungsapparates, des Beckenringes und der Handgelenke ausmachen, mit jeweils recht gutem Beweglichkeitsumfang. Übereinstimmend mit den eingangs erwähnten fachärztlich abgestützten Befunderhebungen (durch Dr. med. B.________ vom 13. Oktober 1998 und 23. Mai 2000) sowie den gutachtlichen Feststellungen (des Instituts D.________ vom 3. Juni 2002) sei im aktuellen Zeitpunkt keine erhebliche, strukturell fassbare und somatisch-organisch zuordbare Progredienz der bekannten zugezogenen Verletzungsbefunde erstellt. Als für den Beschwerdeführer gesundheitlich einschränkend erweise sich die multiple und nicht ausschliesslich unfallkausale Schmerzsymptomatik, wobei auf die krankhaften degenerativen Befunde im Bereich der LWS und der HWS sowie die chronischen Kopfschmerzen zu nennen seien. Ungünstig wirkten sich zusätzlich die teils unkontrollierbare Medikamenteneinnahme und der Alkoholkonsum aus. Klinisch fass- und somato-organisch einstufbar hätte sich im Vergleich mit den zu Rentenbeginn vorhandenen Untersuchungsbefunden keine wesentliche Verschlimmerung ergeben. Für die Beschwerdelokalisation im Bereich des Beckenrings, des rechten Beines bzw. Hüftgelenkes sowie der Handgelenke bestehe auch bei teilweise atypischer Schmerzcharakteristik ein organisch posttraumatischer Kern, sodass diese Beschwerden weitgehend als unfallkausal einzustufen seien. Auf Grund ausschliesslich unfallkausaler Befunde sei aus versicherungsmedizinischer Sicht zusammenfassend keine Veränderung der Zumutbarkeitsbeurteilung auszumachen. Der gesamthaft zweifellos reduzierte Gesundheitszustand des Patienten werde auch von nicht unfallkausalen medizinischen Befunden mitbestimmt. Am 12. Juli 2005 gab Dr. med. E.________ an, dass er in seiner vorangehenden Berichterstattung auf Erläuterungen zu weiteren Befunden und Diagnosestellungen nicht unfallkausaler Erkrankungen als Facharzt für orthopädische Chirurgie verzichtet habe und dies den behandelnden Ärzten überlasse. Die Ergebnisse einer anfangs August 2005 durchgeführten Röntgenkontrolle (Becken, Hüfte, Handgelenke) änderten nichts an seiner Beurteilung (Stellungnahme vom 12. August 2005). 3.2.5 Im Rahmen der auf das Rückweisungsurteil des Bundesgerichts I 115/06 vom 15. Juni 2007 hin durch die Invalidenversicherung veranlassten Begutachtung durch das Zentrum F.________ kamen die Experten am 18. August 2008 zusammenfassend zum Schluss, dass seit den beiden Unfallereignissen in den 90er Jahren erhebliche gesundheitliche Probleme bestünden. Einerseits sei von einem chronischen Panvertebralsyndrom auszugehen mit begünstigenden Faktoren der degenerativen Veränderungen zervikal mit Einengung der Neuroforamina C5/6 links und C6/7 rechts und der vorliegenden Haltungsinsuffizienz. Weiter ergebe sich bei vorhandener Osteoporose mit dokumentierter Th12-Fraktur eine Belastungsreduktion. Derzeit fänden sich keinerlei Hinweise für eine zervikoradikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik. Die angegebenen Hyposensibilitäten ulnarseits beidseits seien, wie bereits vom Handchirurgen Dr. med. H.________ im August 2004 festgestellt, auf eine Irritation des Sulcus ulnaris zurückzuführen. Die Hyposensibilität am lateralen Unterschenkel rechts mit Einbezug der Zehen sowie zeitweiser Kraftverminderung könne eventuell im Rahmen eines intermittierenden sensiblen radikulären Reizsyndroms L5 rechts gesehen werden. Interessanter-weise sei nun bei möglicher, seit sechs Jahren existierender Symptomatik (vgl. Gutachten des Instituts D.________ vom 3. Juni 2002) keine relevante Muskelatrophie aufgetreten und finde sich inspektorisch eine seitengleiche Fussbeschwielung. Hinweise für eine relevante Kraftminderung oder Zeichen einer eindeutigen radikulären Reizsymptomatik (Lasègue) liessen sich aktuell nicht erheben, sodass der betreffende Befund weder therapeutische noch arbeitsrelevante Konsequenzen zeitige. Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht könne derzeit keine effektive, einen erheblichen Störungscharakter mit Krankheitswert erreichende Symptomatologie bestätigt werden. Gestützt auf diese Befunderhebung erachteten die Gutachter die angestammte handwerkliche Tätigkeit als nicht mehr zumutbar. Eine leichte, vorwiegend sitzende Arbeit mit der Möglichkeit, kurzzeitig aufzustehen und herumzugehen, vermöge der Versicherte nach Einschätzung des rheumatologischen Fachspezialisten aber noch halbtags auszuüben. Psychisch bedingt lägen momentan keine die Arbeitsfähigkeit zusätzlich vermindernde Gesundheitsstörungen vor.