Citation: 5P.162/2000 20.07.2000 E. 4

4.- Das Kantonsgericht hat drei Kategorien von Ursachen für die Zerrüttung der Ehe ausgemacht: Kommunikationsschwierigkeiten und fehlende gemeinsame Interessen der Parteien, die zunächst rein freundschaftliche, sich später aber intensivierende Drittbeziehung der Beschwerdegegnerin sowie Alkoholmissbrauch und seine Ehefrau herabwürdigendes Verhalten des Beschwerdeführers. Die Erfassung seiner Fehlleistungen als Zerrüttungsursachen bezeichnet der Beschwerdeführer als willkürlich und bemängelt an der Ursachenermittlung, dass seine positiven Seiten vollends ausser Betracht geblieben seien. a) Im Berufungsverfahren - ausnahmsweise statthafte Sachverhaltsrügen vorbehalten (Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG) - sind für das Bundesgericht verbindlich die Tatsachen, die von der kantonalen Letztinstanz zum Nachweis der Zerrüttung und ihres Grades angeführt werden, gleichwie Feststellungen über die ursächliche Wirkung jener Tatsachen auf die Zerrüttung, Kausalität, auch auf dem Gebiet der innern, psychischen Vorgänge (BGE 92 II 137 E. 2 S. 140); zur nicht überprüfbaren Tatfrage gehört damit auch die Würdigung, dass die Zerrüttung zur Hauptsache auf die Verhaltensweise der einen Partei zurückzuführen ist und daneben der Ehewidrigkeit der andern Partei nur in geringem Masse kausale Bedeutung zukommt (BGE 71 II 49 E. 1 S. 51; zuletzt: BGE 117 II 13 E. 3 S. 14/15). Mit staatsrechtlicher Beschwerde kann gerügt werden, die betreffenden Tatsachenfeststellungen und die zugrunde liegende Beweiswürdigung seien willkürlich. In letzterem Bereich steht dem Sachrichter ein weiter Spielraum des Ermessens zu (BGE 83 I 7 S. 9; 120 Ia 31 E. 4b S. 40 mit Hinweisen). Wie der Beschwerdeführer richtig hervorhebt, kann eine Beweiswürdigung immerhin dann als willkürlich erscheinen, wenn der Sachrichter einseitig einzelne Beweise berücksichtigt und andere, aus denen sich Gegenteiliges ergeben könnte, ausser Acht lässt (BGE 100 Ia 119 S. 127; 118 Ia 28 E. 1b S. 30; zur Willkür in der Beweiswürdigung zuletzt: Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 1999, E. 3b, in: Praxis 88/1999 Nr. 163 S. 857 f.). Dabei hat der Beschwerdeführer auf die angefochtene Beweiswürdigung einzugehen und genügt den formellen Anforderungen nicht, wenn er sich auf die Darstellung beschränkt, dass seine eigenen Schlüsse aus dem Beweisverfahren nicht mit den vom Sachrichter gezogenen übereinstimmen (BGE 116 Ia 85 E. 2b S. 88); das wäre - wie die Beschwerdegegnerin einleitend mit Recht betont - eigene Bewertung des Beweisergebnisses und damit appellatorische Kritik, auf die nicht eingetreten werden könnte (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; BGE 107 Ia 186 Nr. 37; vgl. BGE 125 I 492 E. 1b S. 495; 121 I 225 E. 4c S. 230; 118 Ia 20 E. 5c S. 27 mit Hinweis). b) Das Kantonsgericht hat sich mit den gegenseitigen Vorwürfen der Parteien auseinandergesetzt, mit ihrer Behauptung einerseits, die Ehe sei bereits vor Aufnahme ihrer Drittbeziehung zerrüttet gewesen, weil der Beschwerdeführer an Ehe und Familie wenig Interesse gezeigt und durch sein zum Teil entwürdigendes Verhalten ihr gegenüber und durch seinen übermässigen Alkoholkonsum wesentlich zur Zerrüttung der Ehe beigetragen habe, und mit seiner Behauptung andererseits, die Drittbeziehung der Beschwerdegegnerin habe die Ehe zerstört (E. 2a S. 8 des angefochtenen Urteils). aa) Den Schluss des Bezirksgerichts, das Scheitern der Ehe sei hauptsächlich auf die ehewidrige Fremdbeziehung der Beschwerdegegnerin zurückzuführen, hat das Kantonsgericht nicht geteilt. Es ist aber ebenso - und damit entgegen der Darstellung der Beschwerdegegnerin - davon ausgegangen, deren Drittbeziehung sei für die Zerrüttung ursächlich gewesen, wenn auch nicht allein und ausschliesslich. Aus den Zeugenaussagen gehe hervor, "dass die eheliche Beziehung seit einigen Jahren vor dem Auszug der Berufungsklägerin (heute: Beschwerdegegnerin) getrübt war, wobei von beiden Ehegatten ehezerrüttende Faktoren gesetzt worden sind" (E. 2c S. 13 und die Zusammenfassung auf S. 15 des angefochtenen Urteils). Der Beschwerdeführer verweist auf diese Feststellungen über den zeitlichen Ablauf mit gutem Grund: Die Ehe der Parteien ist nicht schon vor Intensivierung der Drittbeziehung durch die Beschwerdegegnerin (1996), sondern erst vor deren Auszug (1998) aus der ehelichen Wohnung zerrüttet gewesen. bb) Das Kantonsgericht hat seine Feststellungen auf Aussagen von Zeuginnen gestützt, die im Hotelbetrieb der Ehegatten gearbeitet oder als Gast logiert hatten. Die im Hotel von April 1990 bis Herbst 1992 beschäftigte U.________ verneinte einen übermässigen Alkoholkonsum des Beschwerdeführers und bejahte Auseinandersetzungen unter den Parteien nur in Stresssituationen. W.________, Barmaid ab Anfang Wintersaison 1995/96 bis März 1998, bestätigte Beschimpfungen der Beschwerdegegnerin durch den Beschwerdeführer vom Hörensagen und in einem Fall ("Arbeitspläne") aus eigener Wahrnehmung sowie selbst gehörte abfällige Äusserungen des Beschwerdeführers über seine Ehefrau in der Wintersaison 1997/98; nach Angaben dieser Zeugin war der Beschwerdeführer in jener Zeit - im Gegensatz zum Beginn ihrer Tätigkeit ("selten") - oft, mindestens einmal wöchentlich, derart betrunken, dass er das Restaurant nur mehr schwankend verlassen konnte (E. 2bS. 9 f. und E. 2c S. 13 des angefochtenen Urteils). Die kantonsgerichtlichen Feststellungen, dass und ab welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführer dem Alkohol masslos zugesprochen und über seine Ehefrau vor Dritten abfällig geredet hat, lassen sich auf das Ergebnis der Einvernahme dieser beiden Zeuginnen stützen und sind daher nicht willkürlich. Ob den Aussagen der Hotelgäste und Freundinnen der Beschwerdegegnerin X.________ und Y.________ sowie derjenigen ihrer Schwester Z.________, die alle dieselben Vorhaltungen machen, bedeutendes Gewicht zukommt, wird insoweit unter Willkürgesichtspunkten belanglos; desgleichen kann offen bleiben, ob die Aussagen als differenziert und damit glaubhaft gewertet werden dürfen, wenn diese Zeuginnen die Fragen mehrheitlich bloss bejaht bzw. verneint haben und in ihren Aussagen keinerlei Detaillierung, Individualität und Verflechtung feststellbar sein soll (weiterführend: Zweidler, Die Würdigung von Aussagen, ZBJV 132/1996 S. 105 ff., S. 119 ff. Ziffern 3.3.4 und 3.4). cc) Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass seine abfälligen Äusserungen und sein Alkoholkonsum zeitlich in etwa mit dem - für ihn erkennbaren - Beginn der Drittbeziehung der Beschwerdegegnerin (1996) zusammenfallen. Eindeutig belegen dies die Aussagen U.________ (1990-1992) und W.________ (1995/96-1998), aber auch die Aussagen der anderen drei Zeuginnen, die der Beschwerdegegnerin nahestehen und an ihrer Befragung 1999 Vorwürfe für die letzten drei bis vier Jahre bestätigen konnten (E. 2c S. 14/15 des angefochtenen Urteils). Eine eigentliche Wechselwirkung, so dass das Verhalten der Beschwerdegegnerin als Hauptursache der Zerrüttung zu werten wäre, während das Verhalten des Beschwerdeführers in den Hintergrund träte, hat das Kantonsgericht indes nicht festgestellt. Über diese Behauptung eines bloss reaktiven Verhaltens hinaus legt der Beschwerdeführer auch nicht dar, inwiefern dem Beweisverfahren entnommen werden könnte, dass seine Herabwürdigungen einen Bezug zur Hinwendung seiner Ehefrau zu einem Dritten gehabt hätten oder dass er etwa in alkoholisiertem Zustand darob in ein sog. "heulendes oder trunkenes Elend" geraten wäre. Die Verhaltensweisen beider Ehegatten stehen deshalb als Zerrüttungsursachen je für sich nebeneinander; ihr Gewicht und die jeweilige Verantwortlichkeit der Ehegatten für die Zerrüttung sind Teil der Bundesrechtsanwendung (Art. 84 Abs. 2 OG; z.B. BGE 88 II 241 S. 245 f.). Dass herabsetzende Behandlung des andern Ehegatten und Trunksucht als Ursachen für eine Ehezerrüttung in Betracht fallen können, bedarf keiner näheren Erörterung (vgl. nur Bühler/ Spühler, Berner Kommentar, N. 63 f. und N. 109 zu aArt. 142 ZGB). Der Einwand des Beschwerdeführers betrifft nicht die (natürliche) Kausalität, sondern die Frage, ob das ihm angelastete Fehlverhalten überhaupt zur unheilbaren Zerrüttung der Ehe führen, mithin für sich allein die Unzumutbarkeit der Fortsetzung der Ehe bewirken könne; das aber ist wiederum Rechtsfrage (Art. 84 Abs. 2 OG; BGE 92 II 137 E. 2 S. 140 mit Hinweisen). c) Eine einseitige Beweiswürdigung erblickt der Beschwerdeführer darin, dass nicht alle relevanten Sachverhaltselemente einbezogen worden seien, wiewohl die Verschuldensbeurteilung eine Gesamtwürdigung erheische. Dass er ein treuer, finanziell grosszügiger, genügsamer usw. Ehegatte, Vater, Berufsmann usw. gewesen sei, habe das Kantonsgericht übergangen. Die Verschuldensanalyse ist Rechtsfrage, und zwar hinsichtlich des Klagerechts (aArt. 142 Abs. 2 ZGB: BGE 92 II 137 E. 2 S. 140) wie auch des Unterhaltsanspruchs (aArt. 151 Abs. 1 ZGB: BGE 108 II 364 E. 2b S. 367; aArt. 152 ZGB: BGE 117 II 13 E. 3 S. 15). Das materielle Recht aber bestimmt, was rechtserheblich - hier in die Verschuldensanalyse einzubeziehen - ist; hat der Sachrichter entscheidwesentliche Sachvorbringen der Parteien zu Unrecht für unerheblich gehalten, ist der Sachverhalt nach Massgabe von Art. 64 OG zu ergänzen (BGE 123 III 35 E. 2b S. 40 mit Hinweis). Die Rüge des Beschwerdeführers ist unzulässig (Art. 84 Abs. 2 OG). Dasselbe gilt für die Ausführungen der Beschwerdegegnerin, dass sie eine fürsorgliche, treubesorgte usw. Ehefrau, Mutter und Mitarbeiterin im Hotelbetrieb usw. gewesen sei.