Citation: 9C_550/2016 E. 4.5

4.5. Aus dem Hinweis der Beschwerdeführerin, der Versicherte nehme keine medikamentöse Therapie wahr, kann sie unter den hier gegebenen speziellen Umständen nichts Entscheidendes zu ihren Gunsten ableiten. Laut psychiatrischem Teilgutachten könnte eine antidepressive Medikation eventuell mit einem trizyklischen Antidepressivum eingeleitet werden. Dies bräuchte sehr viel Motivationsarbeit, da der Beschwerdegegner bereits zweimal Antidepressiva nicht vertragen habe und diesen daher sehr kritisch gegenüber stehe. Eine Leistungsverweigerung oder -kürzung mit der Begründung, die versicherte Person nehme keine medikamentöse Therapie wahr, setzt voraus, dass die IV-Stelle nach Art. 21 Abs. 4 ATSG vorgeht. Da die Verwaltung kein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt hat, kann dem Beschwerdegegner die Leistung nicht mit der Begründung, er nehme keine medikamentöse Therapie wahr, verweigert werden (vgl. Urteil 9C_391/2016 vom 4. November 2016 E. 3).