Citation: 2A.653/2005 09.03.2006 E. 4.1

4.1.1 Der Bericht erfolgte ohne den durch einen Aktualitätsbezug geprägten Zeitdruck im Rahmen eines Konsumentenmagazins mit hoher Einschaltquote, wobei vom Durchschnittspublikum hinsichtlich der MBA-Ausbildungsgänge und der entsprechenden Titel kein spezifisches Vorwissen vorausgesetzt werden konnte; es galten deshalb erhöhte Sorgfaltspflichten, zumal die im Beitrag erhobenen Vorwürfe für die betroffene Schule mit einem erheblichen materiellen und immateriellen Schadensrisiko verbunden waren (vgl. das Urteil 2A.41/2005 vom 22. August 2005 ["Kunstfehler"], E. 3.1 mit Hinweisen). Entgegen den Einwendungen der Beschwerdeführerin behandelte der umstrittene Beitrag für den unbefangenen Zuschauer, auf dessen Wahrnehmung abzustellen ist, nicht lediglich bestimmte äussere Aspekte der angeblich "besonders aggressiven" Werbemethoden der GSBA, sondern berührte unmittelbar Inhalt und Qualität von deren Ausbildungsangebot: Der "Kassensturz" stellte ausdrücklich die Frage, ob die Schule tatsächlich das viele Geld wert sei, das sie verlange, was naturgemäss nicht losgelöst von der Qualität der Gegenleistung beurteilt werden konnte. Aus der Visionierung des Rohmaterials ergibt sich zudem, dass die Passagen des Interviews mit dem Rektor der GSBA, welche die Werbemethoden betrafen, im Filmbericht nicht verarbeitet wurden. Schliesslich zitierte der "Kassensturz" die "Zürich"-Versicherung, wonach sie "den Wert des Diploms der GSBA im Vergleich zu anderen Schulen eher zurückhaltend" beurteile, was wiederum belegt, dass der "Wert" der Ausbildung bzw. das Ansehen der Schule als solches zur Diskussion standen. Soweit die SRG einwendet, es sei ihr nur um den Ruf der GSBA gegangen, den sie in der Wirtschaft geniesse, verkennt sie, dass dieser seinerseits massgebend von der Qualität der Ausbildung und deren Anerkennung abhängt und hiervon nicht getrennt werden kann; die entsprechende Absicht wurde aus dem Beitrag für den Zuschauer im Übrigen nicht ersichtlich. 4.1.2 Unmittelbar an die Frage nach dem Wert der Schule anschliessend ("Ist die Schule das viele Geld wert ?") und praktisch in deren Beantwortung liess der "Kassensturz" die als "Top-Kaderfrau" vorgestellte Z.________, ehemaliges Mitglied der Sulzer-Geschäftsleitung und heutiger Coach von Führungskräften, erklären, sie wisse, dass (die) "Leute, die dort waren, dies nicht im Lebenslauf vermerken, auch nicht davon sprechen und nicht offen legen, dass sie an dieser Schule waren"; auf Nachfrage des Journalisten nach dem Grund hierfür präzisierte sie, "weil sie nicht stolz sind darauf, um es mal gelinde auszudrücken". Diese Einleitung zum die GSBA betreffenden Teil des Beitrags bildete eine vernichtende Kritik für diese, weshalb es die journalistische Fairness - wie die UBI zu Recht festgestellt hat - geboten hätte, ihr Gelegenheit zu geben, hierzu in geeigneter Form Stellung zu nehmen. Zwar handelte es sich dabei um eine subjektive Einschätzung der befragten Person und ruft eine solche nicht notwendigerweise immer nach einem Gegenstandpunkt; dies gilt aber nur, soweit anderweitig genügend sicher gestellt ist, dass sich der Zuschauer ein eigenes sachgerechtes Bild machen kann, was hier aufgrund der weiteren Mängel des Beitrags nicht der Fall war. Meinungsäusserungen Dritter, die auf erkennbar falschen oder unbewiesenen Sachverhaltsfeststellungen beruhen, sind klarzustellen und zu korrigieren. Bei schweren, die wirtschaftliche Existenz und den beruflichen Ruf zerstörenden Vorwürfen - wie sie hier erhoben wurden - genügt regelmässig nicht, dass lediglich erkennbar gemacht wird, dass es sich bei der entsprechenden Behauptung um die Auffassung eines Dritten handelt (vgl. Urteil 2A.41/2005 vom 22. August 2005 ["Kunstfehler"], E. 3.3.2; BGE 119 Ib 166 E. 3a u. 3b S. 170 f.; 116 Ib 37 E. 6 S. 46). 4.1.3 Die SRG kritisiert zu Unrecht, die Vorinstanz verhalte sich widersprüchlich, wenn sie einerseits erkläre, der genaue Wortlaut der Aussage von Frau Z.________ und deren Status als "Top-Kaderfrau" sei programmrechtlich nicht entscheidend, ihrer Erklärung aber dennoch wesentliche Bedeutung beimesse: Nachdem Z.________ als "Top-Kaderfrau" bzw. Coach von Führungskräften und damit praktisch als Expertin vorgestellt worden war, zumindest aber vom Publikum als solche wahrgenommen wurde, kam ihrer Erklärung für die Meinungsbildung grundlegende Bedeutung zu; dies losgelöst davon, ob sie tatsächlich als Expertin gelten konnte bzw. sie "von den Leuten", die an der GSBA waren, sprach oder (allgemeiner) "von Leuten", die dort gewesen seien. Allein hierauf bezog sich die umstrittene Nuancierung im angefochtenen Entscheid.