Citation: 4C.175/2001 03.04.2002 E. 5

5.- Die Beklagte wendet sich schliesslich gegen die Auffassung der Vorinstanz, dass die Klägerin mit der Zustellung des Zahlungsbefehls vom 13. Mai 1998 die vorzeitige Kündigung der Darlehensverträge erklärt habe. a) Bei der Erklärung, einen Vertrag wegen eines wichtigen Grundes vorzeitig zu kündigen, handelt es sich um die Ausübung eines Gestaltungsrechts durch empfangsbedürftige Willenserklärung (Gauch/Schluep/Schmid, Schweiz. Obligationenrecht, Allg. Teil, Bd. I, 7. Aufl. , Rz. 194). Die Erklärung ist grundsätzlich an keine Form gebunden und inhaltlich ausreichend, wenn daraus für den Empfänger erkennbar hervorgeht, dass der Erklärende den Vertrag vorzeitig beenden will. Falls wie im vorliegenden Fall keine gegenteilige gesetzliche Regelung gilt, brauchen die wichtigen Gründe nicht genannt zu werden. Mit dem Zahlungsbefehl vom 13. Mai 1998 ist die Beklagte von der Klägerin aufgefordert worden, den Betrag von Fr. 625'000.-- nebst 5 % Zins seit 1. August 1995 zu zahlen. Als Grund der Forderung wurden die sieben zwischen 1994 und 1996 gewährten Darlehen genannt mit der Bemerkung: "vorzeitige Rückforderung gestützt auf Art. 23 ff., Art. 28 und Art. 29 OR". Das reicht als Kündigungserklärung aus. Die Klägerin hat damit der Beklagten für diese erkennbar zu verstehen gegeben, dass sie die Darlehensverträge vorzeitig beenden wolle. Aus dem Hinweis auf die Gesetzartikel über die Vertragsanfechtung wegen Willensmängeln vermag die Beklagte nichts für ihren Standpunkt herzuleiten. Gibt eine Vertragspartei eine solche Anfechtungserklärung ab, kann daraus geschlossen werden, dass sie das Vertragsverhältnis als - vorzeitig - beendet betrachtet. Das stimmt aber im Ergebnis mit der Kündigungserklärung aus wichtigem Grunde überein. b) Beide kantonalen Gerichte sind zum Ergebnis gelangt, die sieben Darlehensverträge hätten unter Einhaltung der sechswöchigen Kündigungfrist von Art. 318 OR auf den 25. Juni 1998 aufgelöst werden können. Zur Frage der Anwendbarkeit von Art. 318 OR äussert sich die Beklagte in der Berufungsschrift mit keinem Wort, weshalb insoweit eine Überprüfung des angefochtenen Urteils entfällt (BGE 116 II 745 E. 3 mit Hinweisen).