Citation: U 360/02 09.10.2003 E. 4

Zu prüfen bleibt, ob die ab Dezember 2000 erneut aufgetretenen Rückenbeschwerden des Versicherten in einem Kausalzusammenhang mit dem versicherten Ereignis vom 7. Januar 1997 stehen und insofern ein die Leistungspflicht der SUVA begründender Rückfall vorliegt. 4.1 Aufgrund der Aktenlage - insbesondere der Berichte des Dr. med. N.________, Spezialarzt für Radiologie und Nuklearmedizin FMH, vom 5. Februar 1997 und des Neurologen Dr. med. X.________ vom 12. März 1997 - steht fest, dass beim Beschwerdeführer bereits im Februar/März 1997 deutliche degenerative Veränderungen in den unteren drei Segmenten der LWS, namentlich Diskushernien in den Bereichen L3/4, L4/5 und L5/S1 vorlagen; bekannt ist ferner, dass eine Diskushernie L4/5 bereits vor 16 Jahren aufgetreten war und zu einer akuten Lumboischialgie mit nachfolgend einmonatiger Hospitalisation geführt hatte, der Beschwerdeführer anschliessend aber bis zum Unfall im Januar 1997 nur noch gelegentlich an Rückenbeschwerden litt. Als sicher gelten kann zudem, dass es beim Unfall vom 7. Januar 1997 zu einer Kompression der rechten Wurzel S1 im Recessus lateralis kam. 4.2 Im Bereich des Unfallversicherungsrechts entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten (zur Berücksichtigung medizinischer Erfahrungssätze vgl. BGE 126 V 189 Erw. 4c; Urteil H. vom 18. September 2002 [U 60/02] Erw. 2.2). Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (zum Ganzen RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 Erw. 2a mit Hinweisen; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 3a; SZIER 2001 346 [U 4/00]; Urteile K. vom 21. Februar 2003 [U 306/02] Erw. 5.2, R. vom 29. Januar 2003 [U 230/02] Erw. 3.2, S. vom 29. Oktober 2002 [U 22/01] Erw. 5.1, B. vom 29. August 2002 [U 112/02] Erw. 3.3.1, V. vom 24. Juni 2002 [U 109/01] Erw. 6b und G. vom 23. April 2002 [U 176/01] Erw. 3c). Mit Bezug auf Rückfälle oder Spätfolgen kann der Unfallversicherer nicht auf der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhanges beim Grundfall und bei früheren Rückfällen behaftet werden, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf - bei Verschlimmerung oder Manifestation eines krankhaften Vorzustandes durch einen Unfall mit Erreichen des Status quo ante oder Status quo sine (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 Erw. 4b, je mit Hinweisen; Urteil. H. vom 18. September 2002 [U 60/02] Erw. 2.2) - wegfallen können. Es obliegt vielmehr dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge postulierten Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist (vgl. BGE 121 V 47 Erw. 2a und 208 Erw. 6b, je mit Hinweisen), entsteht eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 Erw. 1c am Ende; Urteil L. vom 2. September 2003 [U 77/03] Erw. 2.3). 4.3 Im Lichte der unter Erw. 4.2 dargelegten Grundsätze sowie in Würdigung der medizinischen Akten, namentlich der abschliessenden Beurteilung des SUVA-Kreisarztes Dr. med. W.________ vom 28. September 2001, ist dem kantonalen Gericht darin beizupflichten, dass die knapp vier Jahre nach dem verhältnismässig leichten Vorfall vom 7. Januar 2000 wieder verstärkt auftretenden Rückenbeschwerden bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen in den besagten Zwischenwirbelbereichen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallkausal sind. Bezüglich der ursprünglich als teilunfallkausal anerkannten Diskushernie L 5/S1 ergibt sich weder aus den medizinischen Unterlagen noch den Vorbringen des Beschwerdeführers eine Verschlimmerung des Gesundheitszustands seit dem operativen Eingriff am 17. Juni 1997, respektive dem in der Folge unbestritten eingetretenen Status quo sine vel ante im Februar 1998 (Wiedererlangen der vollen Arbeitsunfähigkeit), welcher zum Dahinfallen der natürlichen Kausalität geführt hatte (vgl. Erw. 4.2 hievor). Mangels einer ausgewiesenen, revisionsrechtlich erheblichen Veränderung (vgl. BGE 127 V 457 Erw. 4b mit Hinweis) fällt mit Bezug auf diesen Gesundheitsschaden ein Rückfall oder eine Spätfolge somit ausser Betracht. Mit Blick auf die am 23. Mai 2001 operativ behandelten (2 Fenestrationen L2/3 und L3/4 rechts mit mikrochirurgischer Diskektomie), damals grossen bzw. mittelgrossen Diskushernien L2/L3 und L3/L4 zog Dr. med. W.________ im Bericht vom 28. September 2001 den Schluss, dass die beim Unfall vom 7. Januar 1997 nicht symptomatisch gewesenen und damals wahrscheinlich nicht zusätzlich traumatisierten Schäden in keinem wahrscheinlichen Zusammenhang zu der teilweise unfallbedingten Diskushernie L5/S1 stünden. Die weitere Diskushernienpathologie in den proximaleren Segmenten sei Ausdruck eines unfallunabhängigen Leidens, was erfahrungsgemäss bei einem mehretagigen Diskushernienleiden typisch sei. Auf die beweiskräftige - zumal unter Berücksichtigung der Anamnese und in Kenntnis der Vorakten verfasste, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtende und hinsichtlich der Schlussfolgerungen überzeugend begründete (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c) - Beurteilung des Dr. med. W.________ ist abzustellen. Der Umstand, dass der SUVA-Arzt einen Kausalzusammenhang nicht ausschliesst, sondern ihn lediglich als "nicht wahrscheinlich" erachtet, steht dem nicht entgegen, verlangt doch die Beurteilung der natürlichen Kausalität - vom rechtlichen Standpunkt aus betrachtet - gerade keinen strikten Beweis im medizinisch-wissenschaftlichen Sinn (BGE 117 V 379 Erw. 3e; vgl. Erw. 2.2 in fine und 4.2 hievor). Der Bericht des Dr. med. D.________, leitender Werkarzt des regionalen Zentrums für Arbeitsmedizin, K.________, vom 25. Januar 2002 vermag die Einschätzungen des Dr. med. W.________ nicht in Frage stellen. Denn der Werkarzt erwähnt einen Kausalzusammenhang zwischen den im Dezember 2000 verstärkt aufgetretenen Rückenbeschwerden und dem Unfall vom 7. Januar 1997 nur am Rande, wobei er sich einzig auf die subjektiven Angaben des Versicherten stützt; an einer medizinischen Beurteilung der möglichen Unfallfolgen dagegen fehlt es gänzlich. Soweit Dr. med. D.________ - ebenfalls ohne nähere medizinische Begründung - "sekundäre unfallbedingte Beschwerden" bejaht, bezieht sich diese Aussage unmissverständlich auf das Ereignis vom 8. September 2000, welches den Unfallbegriff im Rechtssinne nicht erfüllt (Erw. 3.4 hievor); Dr. med. D.________ stellt ausdrücklich fest, die nach dem neuerlichen Auftreten der Rückenbeschwerden erfolgte Rückfallmeldung vom 20. Juli 2001 habe "fälschlicherweise" auf den Unfall vom 7. Januar 1997 (statt auf das Ereignis vom 8. September 2000) Bezug genommen. Der Bericht des Dr. W.________ berücksichtigt schliesslich, was unbestritten ist, sämtliche medizinischen Akten seit 1981, namentlich auch die ein leichtes Verhebetrauma von 1981 sowie ein Ausrutschtrauma von 1983 betreffenden ärztlichen Stellungnahmen. Nachdem ein Zusammenhang der erneut aufgetretenen Rückenbeschwerden mit dem Ereignis von 1983 aufgrund der medizinischen Unterlagen nicht gegeben ist und vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht wird, erübrigen sich Aktenergänzungen, da von weiteren medizinischen Abklärungen mit Bezug auf die Kausalitätsfrage keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind, welche den Ausgang des Prozesses zu beeinflussen vermöchten.