Citation: 1C_147/2013 E. 3.2

3.2. Alle Instanzen gingen davon aus, dass zwar die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung nach Art. 82 KRG nicht erfüllt seien, wohl aber eine Unterschreitung der Baulinie nach Art. 57 KRG zulässig sei. Diese Bestimmung befindet sich im Abschnitt D "Bau- und Niveaulinie" und lautet: Art. 57 KRG Ausnahmen, Verfahren: 1 Die für die Bewilligung zuständige Behörde kann ausser bei Gewässer- und Waldabstandslinien Ausnahmen von den Vorschriften über Bau- und Niveaulinien gewähren, wenn keine überwiegenden Interessen entgegenstehen und die Grundeigentümerin oder der Grundeigentümer sich in einem Revers verpflichten, auf Verlangen der zuständigen Behörde den gesetzlichen Zustand herzustellen. 2 Werden Bau- und Niveaulinien als Bestandteil von Plänen der Grundord-nung oder von Quartierplänen festgelegt, gelten die Verfahrensvorschriften für die betreffenden Pläne. Für eigenständige Bau- und Niveaulinienpläne richtet sich das Verfahren sinngemäss nach den Vorschriften über das Quartierplanverfahren. Abs. 1 gestattet ausdrücklich die Gewährung von Ausnahmen von Baulinien. Es ist naheliegend und keineswegs willkürlich, dass sich dies auch auf Baulinien bezieht, die in Quartierplänen festgelegt wurden. Eine Ausnahme setzt begriffsgemäss voraus, dass die Baulinie noch besteht, also nicht (im formellen Verfahren der Quartierplanrevision) aufgehoben oder geändert wurde. Zwar mag es widersprüchlich erscheinen, eine Ausnahme von einer Baulinie kurz nach deren Verbindlicherklärung zu gestatten. Immerhin aber musste der Beschwerdegegner das ausdrückliche Einverständnis der direkt betroffenen Nachbarn einholen und einen Beseitigungsrevers unterschreiben. Unter diesen Umständen kommt die Ausnahme keiner Änderung oder Aufhebung der Baulinie gleich, weshalb auch der Grundsatz der Planbeständigkeit (Art. 21 RPG) nicht verletzt ist.