Citation: I 53/01 24.12.2002 E. 3

3.1 Zur Begründung ihrer abweichenden Auffassung, wonach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon seit Jahren eine Arbeitsunfähigkeit im Ausmass von mindestens 60 bis 70 % bestehe, stützt sich die Versicherte auf den im letztinstanzlichen Verfahren zu den Akten gegebenen Bericht der Frau Dr. med. S.________ vom 17. Januar 2001, bei welcher sie seit 1. Juli 1999 in Behandlung steht. Aus dem Umstand, dass Frau Dr. med. S.________ eine langgezogene, schwere depressive Entwicklung (larvierte Depression; ICD-10 F32.8) und eine mittelgradige somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) diagnostiziert, während Dr. med. O.________ am 23. Januar 1997 eine länger anhaltende depressive Episode mit somatischen Symptomen, etwa mittleren Ausprägungsgrades (ICD-10 F33.11), verzahnt mit einem chronischen Schmerzsyndrom (ICD-10 F54), festgestellt sowie den Verdacht auf Panikattacken (ICD-10 F41.0) und Tranquilizermissbrauch bzw. -abhängigkeit (ICD-10 F13.24) geäussert hat, kann die Beschwerdeführerin allerdings nichts zu ihren Gunsten ableiten. Eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit muss in jedem Einzelfall unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozialpraktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen). Dazu liefert das MEDAS-Gutachten (samt psychiatrischem Konsilium), welches im Rahmen der medizinischen Abklärungen der Invalidenversicherung erstellt worden und für die streitigen Belange umfassend ist, auf sorgfältigen eigenen Untersuchungen beruht und die medizinischen Vorakten wie auch die von der Beschwerdeführerin geklagten Gesundheitseinschränkungen berücksichtigt, alle notwendigen Angaben. Es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die darin gezogenen Schlussfolgerungen sind begründet, weshalb es alle rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen erfüllt (zur Beweiswürdigung ärztlicher Berichte und Gutachten: BGE 125 V 352 Erw. 3a und b). Die darin angegebene Restarbeitsfähigkeit von 50 % ist nachvollziehbar erklärt. Darum haben Verwaltung und Vorinstanz zu Recht darauf abgestellt. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird aus der Stellungnahme der Frau Dr. med. S.________ abgeleitet, auf Grund der in der zweiten Hälfte des Jahres 1999 von der Versicherten aufgegebenen Fassade habe das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit, welches zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses und auch längere Zeit vorher schon höher als 40 bis 50 % gewesen sei, erst festgestellt werden können. Dr. med. O.________, Frau Dr. med. R.________ und die Fachleute im BTA hätten das ganze Ausmass des psychischen Leidens nicht erfasst und seien deshalb zum irrigen Schluss einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit gelangt. Dieser Ansicht kann nicht beigepflichtet werden. Frau Dr. med. S.________, welche die Behandlung am 1. Juli 1999 aufgenommen hat, gibt in ihrem Bericht an, die "Unterlagen des IV-Gerichtes" seien ihr nicht bekannt. Ihre Anamnese basiert dementsprechend ausschliesslich auf den Angaben der Versicherten. Schon mit Blick auf diesen Umstand wären Aussagen der Fachärztin zur gesundheitlichen Entwicklung vor Behandlungsbeginn problematisch. Allerdings bezieht sie sich bei ihrer Einschätzung ausdrücklich auf Herbst und Winter 1999/2000, und somit nicht auf den Zeitraum bis zum Erlass der Verfügungen vom 27. April 1999, welcher rechtsprechungsgemäss die Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen). Auch die von ihr festgestellte Verschlechterung des psychopathologischen Zustandsbildes, welche nach den Angaben der Psychiaterin auf den im April 1999 noch längst nicht offensichtlich gewesenen Kontaktabbruch zum zweiten Sohn zurückzuführen ist, betrifft die - vorliegend nicht relevante - Zeit nach Erlass der Verwaltungsakte vom 27. April 1999. Wie ihrem Bericht vom 17. Januar 2001 weiter zu entnehmen ist, hat sie bei Behandlungsbeginn den Eindruck gehabt, es stehe ein begehrensneurotisches Zustandsbild im Vordergrund und sie vermute, dass sich auch "das beurteilende Gremium" von der "Fassade" der Versicherten hätte irreleiten lassen. Allerdings ergeben sich auch auf Grund ihrer "präziseren psychopathologischen Einschätzung" keine Hinweise darauf, dass die Aussagen der MEDAS-Fachärzte, der Frau Dr. med. R.________ und des BTA zur Arbeitsfähigkeit, auf welche sich Verwaltung und Vorinstanz massgeblich abgestützt haben, auf falschen Grundlagen beruhen würden. Zudem lässt Frau Dr. med. S.________ bei ihrer Diagnose unbeachtet, in welchem Umfang die zweifellos vorhandene, von der psychischen Störung abzugrenzende, soziokulturelle Belastungssituation für den Antriebsmangel verantwortlich ist (vgl. BGE 127 V 299 Erw. 5a). Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung zur Beschwerdeführerin nicht der gleiche Beweiswert zuerkannt werden kann wie demjenigen der zur neutralen Expertise durch die Verwaltung beauftragten Ärzte (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc). 3.2 Der Vollständigkeit halber ist beizufügen, dass nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (BGE 128 V 174; Urteil S. vom 9. August 2002, I 26/02, Erw. 3.1) für die Vornahme des Einkommensvergleichs grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des Rentenbeginns abzustellen ist. Vorliegend fällt der Rentenbeginn in den Monat September 1996 (Verfügungen vom 27. April 1999). Da keine Anhaltspunkte für eine allenfalls mitzuberücksichtigende berufliche Weiterentwicklung vorliegen (BGE 96 V 30; AHI 1998 S. 171 Erw. 5a; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 Erw. 3b), sind die in diesem Zeitpunkt bestehenden Einkommensverhältnisse zu berücksichtigen. Die Verwaltung hat zur Berechnung des Validenlohnes auf den zuletzt 1993 erzielten, auf ein Jahr aufgerechneten Lohn von Fr. 45'656.- abgestellt, was zu Recht nicht beanstandet wird. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Nominallohnentwicklung im Jahr 1994 von 1,5 % und in den Jahren 1995 und 1996 von je 1,3 % (Die Volkswirtschaft 1999, Heft 12, Anhang S. 28, Tabelle B10.2) resultiert für das Vergleichsjahr 1996 ein Valideneinkommen von Fr. 47'554.-. Ausgehend vom standardisierten monatlichen Bruttolohn für die im privaten Sektor mit einfachen und repetitiven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Frauen gemäss Tabelle A1 der LSE 1996 von Fr. 3'455.-, umgerechnet auf eine Wochenarbeitszeit von 41,9 Stunden und unter Berücksichtigung des zusätzlichen Abzuges von 15 % ergibt sich für das Jahr 1996 ein Invalideneinkommen von Fr. 18'457.-. Der auf der Basis des Jahres 1996 vorgenommene Einkommensvergleich führt ebenfalls zu einem Invaliditätsgrad von 61 %. Demzufolge besteht, wie kantonales Gericht und Verwaltung richtig festgestellt haben, lediglich Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung.