Citation: 9C_555/2021 E. 4.2

4.2. Auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten ist rechtsprechungsgemäss abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4). Dies gilt entgegen den Ausführungen des Versicherten unabhängig von der Anzahl der von den jeweiligen Experten für die Invalidenversicherung erstellten Gutachten (vgl. Urteil 8C_760/2019 vom 25. Februar 2020 E. 3.3). Entgegen seinen Ausführungen können den vom Beschwerdeführer angerufenen Berichten, insbesondere auch der Stellungnahme der Dr. med. C.________, psychiatrische Oberärztin am Spital D.________, vom 27. Juli 2021, keine solchen Indizien entnommen werden. Der psychiatrische Teilgutachter des ABI verneinte diese Diagnose unter anderem auch mit der nachvollziehbaren Argumentation, dass eine entsprechende Traumatisierung des Beschwerdeführers zu Beginn der 1990er Jahren als unwahrscheinlich erscheine, konnte der Versicherte doch nach seiner Flucht in die Schweiz im Jahre 1993 hier bis zum Jahre 2018 ohne grössere Schwierigkeiten arbeiten und eine Familie gründen, wobei er eine sehr gute Beziehung zu seinen Kindern pflege. In der Stellungnahme der Dr. med. C.________ findet sich demgegenüber keine Auseinandersetzung mit der langen Latenzzeit zwischen den Kriegserlebnissen und der geltend gemachten psychiatrischen Arbeitsunfähigkeit (vgl. zur Bedeutung einer langen Latenzzeit bei geltend gemachter PTBS auch das Urteil 9C_228/2013 vom 26. Juni 2013 E. 4.1.4). Vor diesem Hintergrund kann offenbleiben, ob die vom Versicherten gegenüber jener Ärztin geschilderten Kriegserlebnisse als "Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde", wie es gemäss ICD-10 für die Diagnose eines PTBS gefordert wird (vgl. erwähntes Urteil 9C_228/2013 E. 4.1.2), qualifiziert werden können. So oder anders hat die Vorinstanz kein Bundesrecht verletzt, als es zur Feststellung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers auf das psychiatrische Teilgutachten des ABI abstellte und damit das Vorliegen einer die Erwerbsfähigkeit beeinflussenden PTBS verneinte.