Citation: 9C_217/2024 E. 4.2.1

4.2.1. Bei versicherten Personen, die nach Eintritt des Gesundheitsschadens weiterhin erwerblich tätig sind, kann unter Umständen der Invaliditätsgrad auf der Grundlage der tatsächlich erzielten Einkommen ermittelt werden (vgl. BGE 126 V 75 E. 3b/aa). Bei Selbstständigerwerbenden im Besonderen ist zu beachten, dass für das Betriebsergebnis häufig die Konjunkturlage, die Konkurrenzsituation, der kompensatorische Einsatz von Familienangehörigen, Unternehmensbeteiligten oder Angestellten von Bedeutung sind. Solche (invaliditätsfremde) Faktoren müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen oder zumindest deren Beitrag an das Ergebnis quantifiziert werden können, um verlässliche Aussagen zur der eigenen Leistungsfähigkeit vor und nach Eintritt des Gesundheitsschadens zuzuordnenden Einkommenserzielung zu erhalten (Urteile 9C_221/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.2.2, 9C_236/2009 vom 7. Oktober 2010 E. 3.3 mit Hinweisen, in: SVR 2010 IV Nr. 11 S. 35). Dabei ist zu beachten, dass die Geschäftsführung einer Firma, deren Träger eine AG oder eine GmbH ist, in der Regel als unselbstständige Erwerbstätigkeit einzustufen ist (u.a. Urteil 9C_361/2016 vom 22. August 2016 E. 5.2.1 mit Hinweisen). Verfügt eine versicherte Person im Rahmen einer derartigen Funktion indessen über einen massgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft (etwa auf Grund einer Einzelunterschriftberechtigung), ist es gerechtfertigt, die Invaliditätsbemessung analog den Selbstständigerwerbenden durchzuführen (beispielsweise durch die Berücksichtigung des Durchschnitts der Einkommen mehrerer Jahre oder durch die Vornahme eines erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs; vgl. Urteil 8C_898/2010 vom 13. April 2011 E. 5.1 und 5.3). Insbesondere gilt eine von einer AG angestellte versicherte Person als selbstständig, wenn sie als Alleinaktionärin einen wesentlichen Einfluss auf das Unternehmen ausübt (Urteil 8C_346/2012 vom 24. August 2012 E. 4.3; ferner Rz. 3318 f. des Kreisschreibens des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], in der seit 1. Juli 2022 gültigen Fassung).