Citation: 6B_1180/2015 E. 4.1

4.1. Der Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB (i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) verletzt kein Bundesrecht. Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in einem emotionalen Ausnahmezustand der am Boden liegenden Privatklägerin mehrere Fusstritte sowie und Kniestösse gegen den Kopf zugefügt hat, wobei die Fusstritte "mit einer gewissen Wucht" bzw. "mit einem nicht unerheblichen Kraftaufwand" erfolgt sind. Unbestritten ist ferner, dass der Beschwerdeführer kein schweres Schuhwerk trug und dass die vom Opfer erlittenen Körperverletzungen von "vergleichsweise geringer" Schwere waren (vgl. Beschwerde S. 11). Die Vorinstanz nimmt zutreffend an (angefochtenes Urteil S. 22, 28), dass es sich bei der Kopfregion um einen besonders sensiblen Bereich des menschlichen Körpers handelt und dass Kopfverletzungen, insbesondere Verletzungen der Hirnregion gravierende Folgen nach sich ziehen können. Dies stimmt überein mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts, das mehrfach festgehalten hat, es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in den Kopfbereich eines am Boden liegenden Opfers - selbst wenn dieses sich zusammenrollt und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht - zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können (Urteile 6B_208/2015 vom 24. August 2015 E. 12.4; 6B_181/2015 vom 23. Juni 2015 E. 2.3; vgl. auch die Urteile 6B_132/2015 vom 21. April 2015 E. 2.3.2; 6B_222/2014 vom 15. Juli 2014 E. 1.4; ferner 6B_901/2014 vom 27. Februar 2015 E. 2.7.3). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers setzt die bundesgerichtliche Rechtsprechung für die Erfüllung des Tatbestandes der versuchen schweren Körperverletzung nicht voraus, dass neben den eigentlichen Fusstritten oder Schlägen an den Kopf ein aggravierendes Moment, etwa eine besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die Traktierung mit weiteren Gegenständen oder die Einwirkung mehrerer Personen, hinzutreten muss (Beschwerde S. 12 f.). Es trifft lediglich zu, dass in den vom Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren zitierten Entscheiden derartige erschwerende Umstände tatsächlich vorgelegen haben (angefochtenes Urteil S. 22 mit Hinweis auf die Urteile 6B_954/2010 vom 10. März 2011; 6B_45/2013 vom 18.07.2013; 6B_222/2014 vom 15. Juli 2014). Die dem Bundesgericht zur Entscheidung unterbreiteten Fälle unterscheiden sich in Bezug auf den Sachverhalt indes zum Teil erheblich, wobei darauf hinzuweisen ist, dass in denjenigen Fällen, in denen erheblich aggravierende Umstände vorlagen, verschiedentlich auch Schuldsprüche wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung zu beurteilen waren. Für die rechtliche Würdigung ist auch ohne Bedeutung, dass die Privatklägerin im zu beurteilenden Fall keine schweren Verletzungen erlitt. Denn dem Beschwerdeführer wird nicht eine vollendete, sondern lediglich eine versuchte eventualvorsätzliche schwere Körperverletzung vorgeworfen. Es liegt in der Natur der versuchten Tatbegehung, dass der Erfolg nicht eintritt. Entscheidend ist demnach nicht, wie intensiv die Tritte tatsächlich waren, sondern was für Folgen der Beschwerdeführer aufgrund seiner Tritte für möglich gehalten und in Kauf genommen hat (vgl. Urteil 6B_1250/2013 vom 24. April 2015 E. 1.4.1, mit Hinweis). In diesem Kontext nimmt die Vorinstanz an, der Übergriff sei eine Art Kurzschlusshandlung gewesen, bei welcher der Beschwerdeführer komplett die Kontrolle verloren habe, so dass er die Intensität der Stösse unmöglich habe steuern können. Inwiefern dieser Schluss unhaltbar sein soll, ist nicht ersichtlich. Die Vorinstanz stützt sich in diesem Punkt allein auf die Schilderung des Beschwerdeführers selbst, der ausführte, er sei ausgerastet, habe die Kontrolle verloren, nur noch im Affekt gehandelt und wohl einfach seinen Verstand abgeschaltet; er habe nur noch gemerkt, dass sich die Person stark gewehrt habe, was seine Wut noch gesteigert habe (angefochtenes Urteil S. 17). Auch in seiner Beschwerde räumt der Beschwerdeführer ein, er habe sich beim Übergriff in einem emotionalen Ausnahmezustand befunden (Beschwerde S. 11). Bei dieser Sachlage ist die Annahme der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe die Intensität der Schläge nicht bewusst dosieren können, nicht willkürlich. Denn die Möglichkeit einer bewussten Kontrolle der Intensität der Tritte liegt beim Handeln in einer emotionalen Aufwallung offensichtlich nicht nahe. Im Übrigen ergibt sich aus dem Verhalten des Beschwerdeführers auch nichts, was die Annahme rechtfertigen würde, dass sich sein Vorsatz auf die Zufügung lediglich einfacher Verletzungen beschränkt bzw. dass er sich bewusst zurückgehalten und die Kraft seiner Schläge dosiert hat. Dem Beschwerdeführer musste sich bei seiner Vorgehensweise das Risiko einer schweren Körperverletzung als derart wahrscheinlich aufdrängen, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme einer schweren Körperverletzung gewertet werden kann, falls eine solche eingetreten wäre (vgl. 6B_132/2015 vom 21. April 2015 E. 2.3.2). Damit ist der Schluss der Vorinstanz nicht zu beanstanden, wonach der Beschwerdeführer, indem er mehrmals auf den Kopf der am Boden liegenden Privatklägerin eintrat und ihr hernach noch Kniestösse versetzte, gar nicht anders konnte, als den Deliktserfolg einer schweren Körperverletzung ernstlich in Rechnung zu stellen. Der Beschwerdeführer hat es letztlich Glück und Zufall überlassen, ob sich die Gefahr verwirklichen würde oder nicht (angefochtenes Urteil S. 24).