Citation: 8C_933/2009 28.04.2010 E. 4

4.1 Die ärztlichen Unterlagen zeigen auf, dass im Anschluss an das Unfallereignis vom 2. August 2005 und das dabei erlittene HWS-Distorsionstrauma eine erhebliche psychische Fehlentwicklung ihren Anfang nahm; anzumerken ist dazu, dass eine durch psychosoziale Belastungsfaktoren verursachte psychische Problematik schon früher bestanden und zu einem Rehabilitationsaufenthalt geführt hatte (Bericht der Klinik Y.________ vom 26. März 1999). Bereits im Bericht derselben Klinik vom 14. Oktober 2005, in der sich die Beschwerdeführerin vom 29. September bis zum 26. Oktober 2005 stationär zur Rehabilitation aufgehalten hatte, werden psychische Defizite erwähnt und eine posttraumatische Belastungsstörung (PTB) diagnostiziert. Vom 16. November 2005 bis zum 5. Januar 2006 war die Versicherte ambulant im Psychiatrischen Zentrum H.________ behandelt worden, wobei die Ärzte neben der vorgenannten PTB eine rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig bis schwer ohne psychotische Symptome, diagnostiziert und eine antidepressive medikamentöse Behandlung eingeleitet hatten (Bericht vom 2. Februar 2006). Zur Therapierung der psychischen Erkrankung begab sich die Beschwerdeführerin in der Folge vom 6. Januar bis zum 31. März 2006 in die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in D.________. Im Austrittsbericht vom 27. April 2006 wird festgehalten, dass sich im Behandlungsverlauf "das Bild einer schweren rezidivierenden Depression, ausgelöst durch einen Autounfall mit Schleudertrauma, wobei traumatische Belastungen schon in der Kindheit mit grosser Wahrscheinlichkeit vorhanden waren", bestätigt habe. Der Bericht des Psychiatrischen Zentrums H.________ vom 18. Mai 2006 vermerkte, die Versicherte habe im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung ein eigenständiges Krankheitsbild mit den Symptomen einer depressiven Störung entwickelt. Frau Dr. med. E.________, Fachärztin FMH für Neurologie, konnte am 2. Mai 2006 bei der depressiv und stark verunsichert wirkenden Versicherten mit Ausnahme eines muskulären Hartspanns cervical und im Schultergürtelbereich keine objektivierbaren pathologischen Befunde feststellen. Auf Grund der Ergebnisse einer am 5. September 2006 durchgeführten Untersuchung verneinte der Kreisarzt Dr. med. T.________ wahrscheinliche strukturelle Unfallfolgen (Bericht vom 11. September 2006). Anlässlich der gleichentags durch Dr. med. S.________ vorgenommenen psychiatrischen Abklärungen wurden Hinweise auf eine vorbestehende psychische Störung gefunden, gleichzeitig aber die (teil)kausale Bedeutung des Unfalles vom 2. August 2005 an der damals bestehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit bejaht (Bericht vom 28. Oktober 2006). Vom 19. Februar bis zum 27. Juli 2007 befand sich die Beschwerdeführerin im Rahmen beruflicher Förderungsmassnahmen in Form eines Aufbautrainings erneut in der Klinik Y.________. Bei guter Motivation war die allgemeine Verfassung und die Lernfähigkeit grossen Schwankungen unterlegen, wofür einerseits Schmerzen und anderseits familiäre und soziale Belastungen als verantwortlich bezeichnet wurden (Schlussbericht der Klinik Y.________ vom 16. August 2007). Im Kurzbericht vom 28. Dezember 2007 bezüglich des beim Zentrum I.________ in der Zeit vom 13. August bis zum 13. November 2007 absolvierten Arbeitstrainings wurde das Fazit gezogen, die psychosozialen Probleme hätten derart im Vordergrund gestanden, dass ein zielführendes Arbeitstraining kaum habe stattfinden können. Anlässlich einer (zweiten) psychiatrischen Untersuchung bei Dr. med. S.________, welche am 22. Januar 2008 erfolgte, wurde an der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht mehr festgehalten, hingegen eine Agoraphobie mit Panikstörung diagnostiziert und das Profil einer selbstunsicheren Persönlichkeit ohne Vorliegen einer eigentlichen Persönlichkeitsstörung gezeichnet; der Unfall wurde weiterhin als die aktuelle gesundheitliche Problematik unterhaltende, "überwiegend wahrscheinliche und kleine Teilursache" gesehen (Bericht vom 11. März 2008). 4.2 Aus der dargestellten medizinischen Aktenlage erhellt, dass die psychische Problematik schon wenige Monate nach dem Unfall vom 2. August 2005 bis zum massgebenden Zeitpunkt des Fallabschlusses auf Ende Juni 2008 bzw. des Erlasses des Einspracheentscheids (18. September 2008; BGE 129 V 167 E. 1 S. 169) in einer zwar unterschiedlichen aber doch wesentlichen Ausprägung vorhanden war und zeitweilig auch eine antidepressive medikamentöse Behandlung erforderlich machte. Die - als allfällige Folgen einer Schleudertrauma-Verletzung zu wertenden - funktionellen Beeinträchtigungen (Nacken- und Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten etc.) gerieten dadurch in den Hintergrund bzw. wurden insofern in eine sekundäre Rolle gedrängt, als ihr Erscheinungsbild vor allem auch vom jeweiligen psychischen Stimmungsbild und von den psychosozialen Belastungsfaktoren abhängig war. Unter diesen Gegebenheiten kann in Übereinstimmung mit dem kantonalen Gericht nicht davon ausgegangen werden, dass die psychischen Befunde lediglich Teil des (grundsätzlich gleichwertigen) Gemenges physischer und psychischer Symptome bilden, wie es die auf ein Schleudertrauma der HWS oder schleudertraumaähnliche Unfallmechanismen zurückzuführenden Verletzungsbilder kennzeichnet (BGE 134 V 109 E. 9 S. 121). Vielmehr liegt ein eigenständiges psychisches Geschehen vor, das die übrigen Gesundheitsstörungen im gesamten Verlauf dominierte. Die Beschwerdeführerin war auf Grund ihrer psychischen Veranlagung und der Belastungen in ihrem sozialem Umfeld trotz ernsthafter Bemühungen nicht in der Lage, den Unfall vom 2. August 2005 in adäquater Weise zu verarbeiten, wodurch es zu einer erheblichen psychischen Fehlentwicklung kam. Hierfür kann indessen nicht der Umstand verantwortlich gemacht werden, dass sich die Versicherte beim besagten Vorfall eine HWS-Distorsionsverletzung zugezogen hat. Unter diesen Umständen ist die - in casu erforderliche (vgl. E. 2 hievor) - Adäquanzprüfung nicht nach den Kriterien gemäss BGE 134 V 109, sondern nach der Praxis zu den psychischen Unfallfolgen, mithin unter Ausschluss psychischer Aspekte, vorzunehmen (Urteile 8C_957/2008 vom 1. Mai 2009 E. 4.2 mit Hinweis und [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 277/04 vom 30. September 2005 E. 4.2.2 in fine, in: SVR 2007 UV Nr. 8 S. 27).