Citation: 6B_98/2024 E. 2.4.4

2.4.4. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer ebenso zu Recht bemängelt, dass die Vorinstanz von einem dynamischen Geschehensablauf ausgeht. Denn die Vorinstanz stellt einerseits fest, der Beschwerdeführer sei planmässig vorgegangen, habe den Einsatz gezielt gegen den Hals gerichtet, er und der Beschwerdegegner seien sich gegenüber gestanden und hätten sich nicht wesentlich bewegt, so dass der Stich in den Hals nicht anders als ein gewollter habe sein können, und die beiden Stiche seien in so kurzem Abstand erfolgt, dass sie wie in einem Zug und damit als eine einzelne Tat erschienen seien. Auch beim Stich gegen den Unterbauch sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer Ort und Art des Einstichs bewusst gewählt habe. Diese Ausführungen verwendet die Vorinstanz, um den Willen des Beschwerdeführers, das Messer gegen den Beschwerdegegner bewusst einzusetzen, zu erstellen. Andererseits spricht sie in ihrer rechtlichen Würdigung von einem nicht kontrollierbaren Risiko des Beschwerdeführers, da er überraschend auf den Beschwerdegegner eingestochen habe und er angesichts der Dynamik - der Beschwerdegegner habe versucht sich zu wehren - letztlich das Verletzungsrisiko nicht mehr habe kalkulieren können. Diese Ungereimtheiten in den vorinstanzlichen Erwägungen sind weder nachvollziehbar noch erklärbar und lassen nicht ohne Weiteres den Schluss auf einen dynamischen Geschehensablauf und die Anwendung der entsprechenden Rechtsprechung zu. Es scheint, als ob die Vorinstanz einerseits bei der Beurteilung der Frage, ob und wie der Beschwerdeführer das Messer bzw. die messerähnliche Tatwaffe einsetzen wollte, diejenigen Elemente beizieht, die für ein klares planmässiges und gezieltes Handeln sprechen, andererseits jedoch beim Sachverhalt, den sie der Beurteilung des Eventualvorsatzes zugrunde legt, von einem nicht kontrollierten Handeln des Beschwerdeführers und gestützt darauf von Eventualvorsatz ausgeht (vgl. dazu beispielsweise Urteil 6B_135/2020 vom 16. Juni 2020 E. 4.2).