Citation: I 71/06 19.01.2007 E. 5.2

5.2.1 In Bezug auf das trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbarerweise noch erzielbare Einkommen (Invalideneinkommen) macht der Beschwerdeführer zunächst in grundsätzlicher Hinsicht geltend, eine Restarbeitsfähigkeit, wie die von den MEDAS-Gutachtern beschriebene, sei wirtschaftlich nicht oder allenfalls an einem beschützten Arbeitsplatz verwertbar. Bei der Invaliditätsbemessung dürfe nicht von realitätsfremden und nicht realisierbaren Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Letzteres sei hier der Fall. Eine zumutbare Tätigkeit sei nur in so eingeschränkter Form möglich, dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer solchen Stelle deshalb von vornherein als ausgeschlossen erscheine. Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. Zu betonen ist zunächst, dass für die Invaliditätsbemessung nicht der aktuelle, sondern der ausgeglichene Arbeitsmarkt massgebend ist (Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2002 in Kraft gestandenen Fassung; Art. 7 ATSG). Bei der Beurteilung der Aussichten einer versicherten Person, im Arbeitsmarkt effektiv vermittelt zu werden, sind somit nicht die dort herrschenden konkreten Verhältnisse massgebend. Vielmehr wird - abstrahierend - unterstellt, hinsichtlich der in Frage kommenden Stellen bestehe ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Es kommt also darauf an, ob die versicherte Person die ihr verbliebene Arbeitskraft wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (Urteil R. vom 16. Januar 2006, I 180/05, Erw. 5.1; vgl. auch AHI 1998 S. 291, je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer kann zwar gemäss MEDAS-Gutachten vom 11. September 2003 Tätigkeiten, welche körperlich schwer sind, auf Leitern und Gerüsten erfolgen, unter Zeitdruck verrichtet werden müssen oder den Gebrauch beider Arme voraussetzen, nicht mehr ausüben. Das heisst aber nicht, dass die Experten nurmehr Arbeiten in einem geschützten Rahmen für zumutbar erachten, zumal der Beschwerdeführer Rechtshänder ist und die Behinderung den linken Arm betrifft. Auch der Ausschluss von Arbeiten unter Zeitdruck, wie Akkordtätigkeiten, kann nicht so verstanden werden, dass kein Einsatz im normalen Arbeitsprozess mit üblichen, nicht überdurchschnittlichen oder direkt lohnwirksamen Erledigungserwartungen mehr möglich wäre. Auch im Abklärungsbericht der BEFAS vom 21. März 2002 wird eine Tätigkeit im normalen Arbeitsmarkt nicht ausgeschlossen. Vielmehr wird der Beschwerdeführer als hälftig arbeitsfähig erachtet und eine berufliche Wiedereingliederung in diesem Umfang einzig aufgrund seiner, namentlich mit dem soziokulturellen Hintergrund zu begründenden, ablehnenden Haltung in Frage gestellt. Stellen, die der tatsächlichen Behinderung gerecht werden, sind bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage nicht nur theoretischer Natur, weshalb die Tatsache allein, dass der Versicherte auf ein soziales Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers angewiesen ist, nicht zur Verneinung des Vorhandenseins entsprechender Arbeitsgelegenheiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt führt (vgl. Urteil R. vom 16. Januar 2006, I 180/05, Erw. 5.2 mit Hinweis). 5.2.2 Der Beschwerdeführer hat seit Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung im Januar 1999 keine Erwerbstätigkeit mehr aufgenommen. Zur Bestimmung des Invalideneinkommens sind daher praxisgemäss und unbestrittenermassen Tabellenlöhne heranzuziehen, wie sie in der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) enthalten sind (BGE 126 V 76 f. Erw. 3b/bb). Das kantonale Gericht hat dabei den monatlichen Bruttolohn (Zentralwert bei einer standardisierten Arbeitszeit von 40 Wochenstunden) der mit einfachen und repetitiven Arbeiten (Anforderungsniveau 4) im gesamten privaten Sektor beschäftigten Männer im Jahr 2000 von Fr. 4437.- (LSE 2000 S. 31 Tabelle TA1) auf die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41,8 Stunden (Die Volkswirtschaft, Heft 12/2006, S. 82 Tabelle B9.2) umgerechnet. Dies ergibt aufs Jahr (x 12) Fr. 55'632.- und bei der ärztlich bescheinigten Restarbeitsfähigkeit von 50 % ein Einkommen von Fr. 27'820.-. Der von der Vorinstanz ermittelte Betrag liegt aufgrund bereits hier vorgenommener Rundungen geringfügig tiefer. Von diesem Einkommen hat das kantonale Gericht einen leidensbedingten Abzug von 20 % vorgenommen. Die Gegenüberstellung des resultierenden Invalideneinkommens von Fr. 22'256.- mit dem Valideneinkommen von Fr. 46'178.- führt (gerundet) zu einem Invaliditätsgrad von 52 %. Das Vorgehen der Vorinstanz entspricht in allen Teilen Gesetz und Praxis (BGE 126 V 76 f. Erw. 3b/bb, 80 Erw. 5b/bb und cc; zur Rundung des rechnerisch exakt ermittelten Invaliditätsgrades: BGE 130 V 121). Was hiegegen vorgetragen wird, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise. Dass der Versicherte aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung nurmehr - niedriger entlöhnte - Dienstleistungen ausüben kann, trifft nicht zu. Das kantonale Gericht hat daher zu Recht auf die Tabellenlöhne des gesamten privaten Sektors abgestellt (vgl. auch Urteil S. vom 12. Oktober 2006, U 75/03, Erw. 7.3 mit Hinweisen). Sodann besteht im Rahmen der Ermessensprüfung (Art. 132 lit. a OG; BGE 126 V 81 Erw. 6, 123 V 152 Erw. 2 mit Hinweisen) kein Anlass, den leidensbedingten Abzug von 20 % zu beanstanden. Namentlich ist nicht ersichtlich, inwiefern der Umstand, dass die Tumorerkrankung wieder aufleben könnte, einen höheren Abzug zu begründen vermöchte. Auch trifft nicht zu, dass eine beständige Verwaltungs- oder Gerichtspraxis dahingehend bestünde, dass bei funktionellen Einhändern oder Behinderung an einem Arm jeweils der maximale Abzug zugestanden wird. Im Übrigen würde auch ein leidensbedingter Abzug der unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale maximal zulässigen Höhe von 25 % (BGE 126 V 80 Erw. 5b/cc) nicht zu einem den Anspruch auf eine mehr als hälftige Rente begründenden Invaliditätsgrad führen. Hieran vermögen sämtliche weiteren Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts zu ändern.