Citation: I 76/01 11.06.2001 E. 2

2.- a) Unbestritten ist, dass im vorliegenden Fall der Invaliditätsgrad nach den Regeln der gemischten Methode zu ermitteln ist und dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden zu 62 % einer Erwerbstätigkeit nachginge und zu 38 % im Haushalt beschäftigt wäre. Nicht streitig ist im Weiteren die von der Vorinstanz vorgenommene Berechnung des von der Beschwerdeführerin ohne Invalidität erzielbaren Einkommens (Valideneinkommen) im Betrag von Fr. 34'473. 45. b) Differenzen bestehen indessen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit und damit der Feststellung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch erzielbaren Einkommens (Invalideneinkommen) sowie der Einsatzfähigkeit im Haushalt. Während die Vorinstanz im erwerblichen Bereich von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in leichten körperlichen Tätigkeiten ausgeht, macht die Beschwerdeführerin geltend, sie sei höchstens zu 50 % für leichte Tätigkeiten arbeitsfähig. aa) Verwaltung und Vorinstanz stellten auf den Bericht der Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation des Spitals Y.________ vom 15. Juli 1998 ab, in welchem folgende Diagnose gestellt wurde: chronisches lumbovertebrales Syndrom bei Osteochondrose L5/S1, kleiner medialer Diskushernie L5/S1, kleiner rechtslateraler Diskushernie L5/S1 ohne Nervenwurzelkompression sowie Status nach lumboradikulärem Syndrom L5. Der Bericht enthält indessen unklare bzw. widersprüchliche Angaben zur Arbeitsfähigkeit. Denn zum einen wird unter Ziff. 1.1 (Arbeitsfähigkeit der Versicherten als Erwerbstätige und Hausfrau bis heute und auf längere Sicht?) ausgeführt, dass für eine leichte bis mittelschwere körperliche Arbeit mit möglichst häufigen Stellungswechseln eine 75%ige Arbeitsfähigkeit gegeben scheine. Unter Ziff. 2d (In welchem Rahmen wäre der Versicherten die vorgeschlagene Tätigkeit - allenfalls nach entsprechender Umschulung - zumutbar?) wird demgegenüber für obige Arbeiten ab sofort eine 50-75%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Auf die Frage nach der Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf oder Tätigkeitsbereich wird dargelegt, es seien keine sicheren Angaben möglich (Beruf: Reinigungsangestellte) und es sei eine ergänzende medizinische Abklärung der Arbeitsunfähigkeit angezeigt (Ziff. 1.5 des Berichts). Weiter wird in Ziff. 4.2 des Berichts - wie auch in der Zusammenfassung der Krankengeschichte vom 15. Juni 1998 - ausgeführt, seit der letzten Hospitalisation von Juli 1997 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit; aktuell bestünden vor allem vermehrte lumbale Schmerzen sowie eine Schmerzausstrahlung nach gluteal rechts und eine intermittierende Ausstrahlung in das rechte Bein lateral bis zum Unterschenkel. bb) Zudem weicht der Bericht des Spitals Y.________ vom 15. Juli 1998 wesentlich vom gleichentags verfassten Bericht des Hausarztes Dr. med. M.________ ab, der folgende Diagnose stellte: chronisches lumbovertebrales Syndrom bei schwerer Osteochondrose L5/S1, Status nach Wurzelirritation rechts, Rhizarthrose links, Hypertonie und Adipositas. Die Beschwerdeführerin sei knapp in der Lage, leichte Haushaltsarbeiten durchzuführen; als Spetterin sei sie voraussichtlich auf Dauer voll arbeitsunfähig. Zwar ist bei der Würdigung von Arztberichten unter Umständen ein Augenmerk darauf zu richten, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen). Trotzdem ist nicht ausser Acht zu lassen, dass gerade bei einer längerdauernden Behandlung, wie sie vorliegend offenbar durchgeführt wurde, die Berichte des Hausarztes für eine umfassende Beurteilung nicht ohne Bedeutung sind. Die IV-Stelle hätte deshalb diesen Bericht dem Spital Y.________ vorlegen müssen. Im Weiteren lag dem Spital Y.________ der Bericht des PD Dr. med. S.________ vom 2. Juli 1997 nicht vor, der eine schwere Osteochondrose/Spondylarthrose L5/S1 sowie einen Zustand nach Wurzelirritation L5 rechts bei foraminaler Pathologie L5/S1 rechts diagnostizierte. Unbehelflich ist das Argument der Vorinstanz, dieser Bericht sei irrelevant, weil PD Dr. med. S.________ sich nicht zur Arbeitsfähigkeit geäussert habe. Denn auch ohne Stellungnahme zu dieser Frage trägt der Bericht zur Klärung der massgebenden medizinischen Gesamtsituation bei. cc) Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass Dr. med. M.________ am 4. August 1999 ausführte, im Oktober 1998 sei bei der Beschwerdeführerin zusätzlich eine beginnende Gonarthrose links (Knorpelabnützung des linken Kniegelenks) bei neu auftretenden Knieschmerzen links festgestellt worden, und sie sei für schwere bis mittelschwere körperliche Arbeiten (Spetterin) zu 100 % arbeitsunfähig. Nach dieser Darstellung handelt sich um ein Leiden, das bereits bei Verfügungserlass vorlag, weshalb es in die Beurteilung einzubeziehen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen). Unbeachtlich ist das Argument der Vorinstanz, eine allfällige weitergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch dieses neue Leiden habe im Zeitpunkt des Verfügungserlasses noch nicht während dreier Monate bestanden, weshalb in Anwendung von Art. 88a IVV dadurch noch kein Rentenanspruch habe begründet werden können. Denn zum einen waren seit Oktober 1998 bis zum Verfügungserlass vom 27. Januar 1999 drei Monate vergangen. Zum anderen geht es um die Frage, ob überhaupt ein Rentenanspruch besteht und nicht darum, ob eine erstmals zugesprochene Rente herabzusetzen oder zu befristen ist, weshalb Art. 88a IVV nicht zum Tragen kommt (vgl. Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 263 f.). Vielmehr ist zu prüfen, ob Rücken- und Knieleiden zusammen den erstmaligen Anspruch auf eine Invalidenrente begründen. c) In Anbetracht dieser Unklarheiten und Widersprüche ist eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und somit des Invaliditätsgrades nicht möglich. Eine neue Gesamtbeurteilung der medizinischen Situation unter Einbezug aller relevanten medizinischen Unterlagen erweist sich deshalb als unumgänglich. Notwendig ist eine differenzierte Stellungnahme zum Umfang der Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf und in den in Betracht fallenden Erwerbstätigkeiten.