Citation: 4A_614/2020 E. 5.3.3

5.3.3. Mit diesen Einwänden bestreitet der Beschwerdegegner das Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers an der Klage auf Rechenschaftsablegung. Im ersten Fall, weil der Beschwerdeführer nicht alle für den Nachweis seiner Forderung notwendigen Unterlagen auf dem Weg der Stufenklage herausverlangt habe und im zweiten Fall, weil der Nachweis des Gewinnnanspruchs im Hauptprozess mangels substanziierter Behauptungen ohnehin nicht möglich sei. 5.3.3.1. Die Vorinstanz erwog unter Hinweis auf die Lehre (PASCAL LEUMANN LIEBSTER, Die Stufenklage im schweizerischen Zivilprozessrecht, 2005, S. 119 f.; YVES WALDMANN, Informationsbeschaffung durch Zivilprozess, 2009, S. 275), ein solches Rechtsschutzinteresse müsse sowohl aktuell als auch praktisch sein und liege bei einer Stufenklage vor, wenn die klagende Partei aus der materiellen Beurteilung ihres Rechenschafts- und Auskunftsanspruchs einen Nutzen ziehen könne. Dies sei dann der Fall, wenn gestützt auf einen selbständig einklagbaren Auskunftsanspruch die Durchsetzung des Hauptanspruchs vorbereitet werde. Die vom Beschwerdegegner zu erteilenden Auskünfte bzw. die von ihm zu edierenden Unterlagen seien nach Angaben des Beschwerdeführers erforderlich, um seine Forderung nach dem Ausscheiden beurteilen zu können. Damit sei "auf den ersten Blick nicht ausgeschlossen", dass die verlangten Informationen Aufschluss über die Höhe und den Gegenstand seines Gesamtanspruchs geben könnten. Das Rechtsschutzinteresse sei daher zu bejahen. Entgegen der Erstinstanz und dem Beschwerdegegner entfalle es nicht, weil der Beschwerdeführer bis zum 5. Januar 2016 Zugriff auf die Dropbox gehabt habe, in der die Parteien die Geschäftsunterlagen ablegten, denn die verlangten Auskünfte erstreckten sich unstreitig auf Vorgänge, welche sich nach dem 5. Januar 2016 abgespielt hätten. 5.3.3.2. Grundsätzlich ist die auskunftsberechtigte Partei nicht zum Nachweis eines schutzwürdigen Interesses an der Rechenschaftsablage verpflichtet. Diese findet ihre Grenzen lediglich im Grundsatz von Treu und Glauben. Eine Berufung auf die Rechenschaftspflicht verdient etwa dann keinen Rechtsschutz, wenn der Auftraggeber die erforderlichen Informationen bereits besitzt oder sich leicht aus eigenen Unterlagen informieren könnte, während der Beauftragte dazu grössere Umtriebe auf sich nehmen müsste (BGE 139 III 49 E. 4.5 S. 60). Dies gilt auch, wenn der materielle Informationsanspruch im Rahmen einer Stufenklage geltend gemacht wird (vgl. Urteile 4A_482/2020 vom 22. Februar 2021 Sachverhalt lit. B i.V.m. E. 4.1; 4A_353/2019 vom 25. März 2020 Sachverhalt lit. B i.V.m. E. 4). Diese einschränkenden Voraussetzungen sind hier nicht gegeben. Der Auskunftsberechtigte ist nicht verpflichtet, sämtliche ihm für den Nachweis seiner Forderung dienlichen Unterlagen mittels der Stufenklage herauszuverlangen. Er kann sein Informationsinteresse auch mit einem prozessualen Editionsantrag abdecken. Ob es dem Beschwerdeführer im anschliessenden Hauptprozess gelingen wird, seinen Gewinnanspruch nachzuweisen und er hierzu entgegen dem Beschwerdegegner die erforderlichen Behauptungen vorgebracht und Beweisanträge gestellt hat, wird dort zu klären sein. Die Beurteilung des Hauptanspruchs kann nicht vorweggenommen werden. Es müsste geradezu offensichtlich sein, dass dessen Durchsetzung zufolge entsprechender prozessualer Unterlassungen chancenlos wäre. Vorliegend fehlen indes derartige tatsächliche Feststellungen der Vorinstanz, damit das Bundesgericht die Chancenlosigkeit bejahen könnte. Der Beschwerdegegner brachte seine vorstehend aufgeführten Einwände erst vor Bundesgericht vor. Gemäss den Ausführungen der Vorinstanz bestritt er - wie bereits die Erstinstanz - das Rechtsschutzinteresse lediglich mit dem Hinweis auf den Zugang des Beschwerdeführers zur Dropbox. Bezeichnenderweise muss er sich vor Bundesgericht denn auch auf Ausführungen der Erstinstanz beziehen. Er behauptet auch nicht, dass er sich bereits im kantonalen Verfahren auf die nun vorgebrachten Argumente berufen hätte. Für das Bundesgericht ist der von der Vorinstanz festgestellte Prozesssachverhalt massgeblich (vgl. E. 1.2 hiervor). Zusammengefasst besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Rechenschaftsablegung gemäss des mit der Duplik/Widerklagereplik gestellten Rechtsbegehrens Ziff. 2. Der Beschwerdeführer führte darin im Einzelnen die Verträge an, auf welche sich sein Begehren bezieht. Dieses Begehren blieb in den kantonalen Verfahren unbeurteilt, weshalb die Vorinstanz zu prüfen haben wird, ob diese Verträge die sich an Lager befindlichen 93'210 kg Nüsse zum Gegenstand haben, für die allein ein Gewinnanteilsanspruch besteht. Die Sache ist daher gemäss dem Eventualbegehren des Hauptantrags des Beschwerdeführers an die Vorinstanz zurückzuweisen.