Citation: U 281/99 13.06.2000 E. 3

3.- Sollte sich auf Grund der vorzunehmenden Abklärungen herausstellen, dass der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen ist, wird des Weiteren zu prüfen sein, inwieweit die Versicherte wegen des Gesundheitsschadens in der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit eingeschränkt ist. Nachdem die Vorinstanz die Sache diesbezüglich an den Unfallversicherer zurückgewiesen hat, wogegen beide Parteien Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben haben, ist auch auf diesen Punkt näher einzugehen. a) Im Gutachten der Klinik Z.________ (PD Dr. med. K.________) vom 8. Mai 1995 wird die Frage, ob als Folge des Unfalls voraussichtlich eine bleibende Arbeitsunfähigkeit der Versicherten als Bezirksanwältin resultiere, verneint mit der Feststellung, eine Arbeitsfähigkeit zu 50 % sei möglich und "eine Steigerung wegen der anderen Engagements (alleinerziehende Mutter, Hobbies) ohnehin nicht zu erwarten". Zur Frage nach der unfallbedingten Einschränkung in der Tätigkeit als Hausfrau wird ausgeführt, die Haushaltarbeit in einem 11-Zimmer-Haus mit Garten und als alleinerziehende Mutter einer achtjährigen Tochter wäre an sich schon ein "100 % Job". Die Einschränkung in diesem Bereich richte sich im Wesentlichen nach den Anforderungen im Hauptberuf als Bezirksanwältin. Insgesamt erscheine die "Integrität" um 10 bis 20 % eingeschränkt, was sich sowohl auf die Tätigkeit als Hausfrau als auch auf diejenige als Bezirksanwältin beziehe. Im vertrauensärztlichen Gutachten zuhanden der Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich vom 23. Juni 1995 gelangte Dr. med. T.________, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, zum Schluss, nachdem Ende Mai 1995 ein Versuch mit einer Steigerung des Arbeitspensums von 40 auf 50 % gescheitert sei, bestehe ein Invaliditätsgrad von 10 % auf unbestimmte Zeit; eine Nachuntersuchung sei in zwei Jahren vorgesehen. In dem von Dr. med. M.________ erstatteten neurologisch-neuropsychologischen Privatgutachten vom 11. November 1996 wird die Frage "Wie hoch ist die Arbeitsunfähigkeit [als Bezirksanwältin] bezüglich einer Leistungsfähigkeit von 100 % zu bewerten?" dahin beantwortet, dass die Arbeitsfähigkeit auf höchstens 40 % zu schätzen sei. Um die Arbeitsfähigkeit von 40 % im Beruf erhalten zu können, bedürfe die Versicherte einer Entlastung im Haushalt. Der Zustand sei vier Jahre nach dem Unfallereignis als bleibend zu erachten. Der Integritätsschaden sei unter Berücksichtigung des Vorzustandes mit insgesamt 20 % zu bemessen. b) Nach Auffassung der Vorinstanz erfüllt keine der genannten medizinischen Beurteilungen die von der Rechtsprechung an ärztliche Gutachten gestellten Anforderungen. Das Gutachten von PD Dr. med. K.________ sei in sich widersprüchlich, indem der Arzt zum einen eine Arbeitsfähigkeit von 50 % als Bezirksanwältin als gegeben erachte, wobei anzunehmen sei, dass er sich dabei auf das von der Versicherten ursprünglich absolvierte Arbeitspensum von 50 % beziehe und somit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Bezirksanwältin verneine, zum andern aber gestützt auf eine sich sowohl auf die Tätigkeit als Hausfrau als auch als Bezirksanwältin beziehende Einschränkung der Integrität von 10 bis 20 % von einer generellen 10 bis 20 %igen Beeinträchtigung ausgehe. Auch das eher knapp gehaltene Gutachten von Dr. med. T.________ vermöge nicht vollumfänglich zu genügen. Wie Dr. med. T.________ auf den von ihm errechneten Invaliditätsgrad von 10 % komme, sei abgesehen davon, dass er als begutachtender Arzt lediglich zum Umfang der Arbeitsunfähigkeit Stellung zu nehmen habe, während der Invaliditätsgrad erst anhand des konkreten Einkommensvergleichs zu ermitteln sei, nicht nachvollziehbar. Soweit damit der Grad der Arbeitsunfähigkeit gemeint sei, müsse nach dem Wortlaut des Gutachtens angenommen werden, dass sich Dr. med. T.________ bei seiner Beurteilung mehr von der faktischen Reduktion des Arbeitspensums von 50 auf 40 % sowie von den subjektiven Angaben der Versicherten und weniger von eigenen Untersuchungen und Beobachtungen habe leiten lassen. Wenn schliesslich Dr. med. M.________ bezogen auf eine Leistungsfähigkeit von 100 % von einer 60 %igen Arbeitsunfähigkeit ausgehe, einschränkend jedoch ausführe, die Versicherte sei höchstens im Umfang von 40 % arbeitsfähig, wobei dafür eine Entlastung im Haushalt erforderlich sei, so sei diese Aussage zu unbestimmt und nur sehr bedingt verwertbar. Insbesondere bleibe damit unklar, ob bei einer weitergehenden Entlastung eine höhere Arbeitsfähigkeit, beispielsweise in dem vor dem Unfall ausgeübten Beschäftigungsgrad von 50 % möglich wäre. Im Übrigen sei davon auszugehen, dass auch Dr. med. M.________ im Wesentlichen auf die von der Versicherten selber vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgestellt habe. Es stelle sich zudem die Frage, inwieweit er als Neurologe in der Lage gewesen sei, eine umfassende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorzunehmen. Die Versicherte hält dem entgegen, es sei eine Frage der juristischen Interpretation, wie die ärztlichen Angaben zur Arbeitsunfähigkeit auszulegen seien. Die Feststellung im Gutachten von PD Dr. med. K.________ sei dahin zu verstehen, dass die Versicherte als Bezirksanwältin nur zu 50 % arbeitsfähig sei. Wenn dieser Arzt unter Berücksichtigung der Haushalttätigkeit eine Beeinträchtigung von 10 bis 20 % angebe, so bedeute dies richtigerweise eine Arbeitsunfähigkeit von 55 bis 60 %. Die von Dr. med. T.________ bestätigte invaliditätsbedingte Einschränkung des Arbeitspensums von 50 auf 40 % entspreche einer Arbeitsunfähigkeit von 60 %. Dr. med. M.________ spreche ebenfalls von einer Arbeitsunfähigkeit von 60 %. Zum gleichen Schluss sei der behandelnde Arzt Dr. med. F.________ in einem Bericht an die IV-Stelle vom 17. Januar 1997 gelangt. Nach den übereinstimmenden Arztberichten sei daher eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % anzunehmen. c) Auf Grund der Akten ist davon auszugehen, dass die Versicherte vor dem Unfall lediglich zu 50 % als Bezirksanwältin tätig war und auch ohne den Unfall weiterhin lediglich in diesem Umfang tätig gewesen wäre. Daneben ist sie als Hausfrau und alleinerziehende Mutter tätig und geht Freizeitbeschäftigungen nach. Nach UVG versichert ist sie nur im Rahmen der Berufstätigkeit als Bezirksanwältin. Bei der Festsetzung des Invaliditätsgrades ist daher einzig die Beeinträchtigung in dieser Tätigkeit, nicht dagegen diejenige in den übrigen Tätigkeiten, insbesondere im Haushalt zu berücksichtigen (Art. 28 Abs. 2 Satz 2 UVV). Die Invaliditätsbemessung hat jedoch unabhängig davon zu erfolgen, ob die Versicherte die Erwerbstätigkeit vollzeitlich oder lediglich teilzeitlich ausübt (BGE 119 V 481 Erw. 2b; Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1995, S. 178 f.). Was die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Bezirksanwältin betrifft, stimmen die in den Akten enthaltenen medizinischen Angaben nicht überein. Während Dr. med. T.________ und Dr. med. M.________ eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 40 % annehmen, gelangt PD Dr. med. K.________ zum Schluss, dass die Versicherte in der Lage sei, zu 50 % zu arbeiten. Soweit dieser Arzt eine Beeinträchtigung von 10 bis 20 % angibt, bezieht sich diese einerseits auf den Integritätsschaden und anderseits auf die Beeinträchtigung im Haushalt, was indessen unberücksichtigt zu bleiben hat. Dr. med. T.________ und Dr. med. M.________ gehen zwar davon aus, dass die Versicherte als Bezirksanwältin lediglich noch zu 40 % arbeitsfähig ist. Die Beurteilung von Dr. med. T.________ beruht aber nicht auf einer eigenen Abklärung der Arbeitsfähigkeit, sondern erfolgte, nachdem die Versicherte Ende Mai 1995 nach einer Steigerung des Arbeitspensums von 40 auf 50 % über zunehmende Beschwerden klagte. Dr. med. M.________ macht zwar nähere Angaben zu den bestehenden Beeinträchtigungen, setzt sich jedoch in keiner Weise mit der anderslautenden Beurteilung durch PD Dr. med. K.________ auseinander. Der Vorinstanz ist unter diesen Umständen darin beizupflichten, dass die vorhandenen medizinischen Akten keine zuverlässige Beurteilung der im Zeitpunkt des Einspracheentscheids vorhanden gewesenen Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit erlauben. Dies umso weniger als die Versicherte anfangs 1996, und damit in der Zeit, als der streitige Einspracheentscheid erging, bei den Bezirksrichterwahlen kandidiert und sich dabei auch um das Vollamt eines Gerichtspräsidenten beworben hatte. Es erscheint daher durchaus als möglich, dass sie die Tätigkeit als Bezirksanwältin auch in einem weitergehenden, allenfalls sogar vollzeitlichen Umfang auszuüben vermöchte. Wie es sich damit verhält, lässt sich auf Grund der Akten nicht zuverlässig beurteilen. Je nach dem Ergebnis der Abklärungen zur Unfallkausalität bedarf es daher auch zusätzlicher Erhebungen zur Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit, wie die Vorinstanz zu Recht erkannt hat.