Citation: U 228/02 12.03.2004 E. 4

Streitig sind des Weiteren die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdegegners und die Verwertbarkeit der verbleibenden Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. 4.1 Fest steht, dass der Beschwerdegegner die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter nicht mehr auszuüben vermag. Unterschiedliche Auffassungen bestehen hinsichtlich der Zumutbarkeit einer den Behinderungen angepassten körperlich leichteren Tätigkeit. Bei der Abschlussuntersuchung vom 29. April 1999 gelangte Kreisarzt Dr. med. S.________ zum Schluss, dem Versicherten seien Arbeiten auf unebenem Boden sowie auf Leitern und Gerüsten nicht mehr zumutbar; auch sei er wegen der Kniearthrose in der Geh- und Stehfähigkeit beeinträchtigt. Optimal wäre eine wechselbelastende Tätigkeit, die sowohl Stehen und Gehen als auch Sitzen beinhalte. Das Heben und Tragen von Lasten sei nur kurzfristig möglich und auf 10 kg limitiert. In einer Stellungnahme vom 21. März 2000 bestätigte der Kreisarzt diese Beurteilung mit der Feststellung, unter den genannten Einschränkungen wäre dem Versicherten die Ausübung einer wechselbelastenden Tätigkeit ganztags möglich und zumutbar. Im Gutachten der Frau Dr. med. H.________ vom 23. Januar 2000 wird zur Arbeitsfähigkeit ausgeführt, die Pangonarthrose mit eingeschränkter Beweglichkeit des linken Knies erlaube keinen Einsatz auf unebenem Gelände und auf Leitern oder Gerüsten und schliesse Gewichtsbelastungen aus. Zufolge der Nacken- und Kreuzbeschwerden seien eine gebeugte Arbeitshaltung und Gewichtsbelastungen kontraindiziert. Die Probleme im OSG rechts limitierten den Einsatz auf unebenem Gelände und auf Leitern. Der Befund am Handgelenk links schränke Handreichungen und Tragleistungen ein, die ausschliesslich links oder beidhändig ausgeführt werden müssten. Ferner wird darauf hingewiesen, dass der Versicherte die Möglichkeit des Einlegens von Kurzpausen, des repetitiven Körperstellungswechsels nach Bedarf und des Wechsels zwischen Stehen, Gehen und Sitzen nach jeweils 10 bis 15 Minuten haben sollte. Nach Meinung der Gutachterin würde in einer allen Beeinträchtigungen angepassten Tätigkeit, nach erfolgter Rehabilitation, theoretisch eine Arbeitsfähigkeit von 30 % bestehen. Eine entsprechende Tätigkeit dürfte aber schwierig bis unmöglich zu finden sein, zumal die Arbeitsfähigkeit unter 50 % liege und die mangelnden Deutschkenntnisse und der Analphabetismus des Versicherten eine Umschulung praktisch wohl verunmöglichten, weshalb insgesamt eine Arbeitsfähigkeit von 0 % resultieren dürfte. 4.2 Die Vorinstanz hat erwogen, die massive Differenz in den ärztlichen Schätzungen der Arbeitsfähigkeit lasse sich teilweise darauf zurückführen, dass im Gutachten der Frau Dr. med. H.________ auch Beeinträchtigungen berücksichtigt würden, welche nicht unfallkausal seien. Damit allein lasse sich die abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die SUVA-Ärzte indessen nicht begründen. Angesichts der aus dem Knieleiden resultierenden Einschränkungen überzeuge die von Dr. med. S.________ angenommene volle Arbeitsfähigkeit in einer geeigneten leichteren Tätigkeit kaum. Durch die Notwendigkeit von Kurzpausen und dem in kurzen Intervallen erforderlichen Wechsel der Arbeitsposition (Stehen/Gehen/Sitzen) erleide der Versicherte eine erhebliche Leistungseinbusse. Dr. med. K.________, welcher die Knieoperation vom 11. November 1998 durchgeführt habe, gehe im Arztbericht vom 5. Mai 1999 von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer leichten Tätigkeit aus. Er weise darauf hin, dass die starken Schmerzen durch die Operation nicht hätten behoben werden können und der Versicherte in der Beweglichkeit erheblich eingeschränkt sei, was mit den Feststellungen der Gutachterin übereinstimme. Die Ausführungen des Dr. med. K.________ bezögen sich speziell auf die Kniepathologie und die damit verbundenen Folgen für die Arbeitsfähigkeit. Sie seien nachvollziehbar und überzeugend. Die Annahme einer Arbeitsfähigkeit von 50 % sei den Umständen angemessen, weshalb darauf abzustellen sei. 4.3 Die vorinstanzliche Beurteilung lässt unberücksichtigt, dass es sich bei dem der Invalidenversicherung erstatteten Bericht des Dr. med. K.________ vom 5. Mai 1999 um eine provisorische Beurteilung handelt, wird doch eine Besserung noch als möglich bezeichnet und besteht nach ärztlicher Auffassung im Rahmen einer leichten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von sicher 50 %, womit eine höhere Arbeitsfähigkeit nicht ausgeschlossen wird. Der Bericht bildet daher keine hinreichende Grundlage für eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, weshalb nicht entscheidend darauf abgestellt werden kann. Gleiches gilt für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im von der Invalidenversicherung eingeholten Gutachten, welches nicht in allen Teilen zu überzeugen vermag. So wurde einerseits von weiteren Untersuchungen bezüglich der OSG- und Handgelenksbeschwerden mit der Begründung abgesehen, dass sich daraus keine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit ergebe, anderseits werden daraus doch weitere Einschränkungen bei der Zumutbarkeit von Verweisungstätigkeiten abgeleitet und in die Beurteilung einbezogen. Sodann fehlt eine Auseinandersetzung mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die SUVA-Ärzte und die Rentenverfügung vom 20. Juli 1999, mit welcher dem Beschwerdegegner eine Rente aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit von 25 % zugesprochen wurde. Schliesslich fällt auf, dass auch der Bericht vom 5. Mai 1999 des am gleichen Institut (Orthopädie am X.________) tätigen Dr. med. K.________ unerwähnt bleibt. Das Gutachten erfüllt damit nicht alle für den Beweiswert medizinischer Gutachten und Berichte massgebenden Anforderungen (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a und b, 122 V 160 Erw. 1c). Angesichts der weit auseinander gehenden und nicht zu vereinbarenden Schätzungen der Arbeitsfähigkeit bedarf es ergänzender Abklärungen. Die SUVA, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird durch eine ergänzende Stellungnahme der Orthopädie am X.________ (Dr. med. K.________/Dr. med. H.________) und nötigenfalls durch die Einholung eines neuen Gutachtens näher abzuklären haben, wie es sich hinsichtlich der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdegegners und deren Verwertbarkeit auf dem allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt verhält. Dabei werden die Ergebnisse der noch vorzunehmenden Abklärungen hinsichtlich der Unfallkausalität der OSG- und der Handgelenksbeschwerden zu berücksichtigen sein. Ferner wird zu beachten sein, dass Dr. med. K.________ die Einsetzung einer Knieprothese empfohlen hat, wovon eine wesentliche Besserung der Symptome zu erwarten wäre. Im Gutachten der Frau Dr. med. H.________ wird diesbezüglich ausgeführt, eine Knie-Totalprothese dürfte zu einer deutlichen Besserung der Schmerzen, eventuell sogar zu einer Schmerzfreiheit führen. Je länger mit dem Eingriff zugewartet werde, desto grösser sei das Risiko, dass die Beweglichkeit weiter eingeschränkt werde. Unter dem Gesichtswinkel der Schadenminderungspflicht (BGE 123 V 233 Erw. 3c, 117 V 278 Erw. 2b, je mit Hinweisen) wird daher zu prüfen sein, ob sich der Versicherte zumutbarerweise nicht einem solchen Eingriff zu unterziehen hat, von welchem nicht nur eine Besserung der Kniebeschwerden und damit der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist, sondern welcher aus medizinischer Sicht auch indiziert ist, um eine drohende Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu verhindern (vgl. RKUV 1995 Nr. U 213 S. 68 f.).