Citation: U 94/03 31.10.2003 E. 3.1

Was die vom BSV beantragte Änderung der Rechtsprechung zu den unfallähnlichen Körperschädigungen betrifft, wird auf die in Erw. 2.1 aufgeführten Urteile verwiesen, in welchen sich das Eidgenössische Versicherungsgericht eingehend mit den vom BSV vorgetragenen Argumenten auseinandersetzte und diese verwarf. 3.2 Die 156 cm grosse und ca. 75 kg schwere Versicherte musste nach den unbestrittenen Sachverhaltsabklärungen der SUVA am 22. Dezember 2000 rund zehn 14 kg schwere Bausätze 840/3 aus den Kartons nehmen und für die Verdrahtungsarbeiten bereitstellen. Beim letzten Karton hat sie die Verpackungseinlagen aus dem Karton genommen, den Bausatz in vornübergebeugter Stellung in beiden Händen gehalten und diesen geschüttelt, damit der Karton zu Boden falle. Dabei hat es in ihrem Rücken geknackt. Sie hat sofort einen Schmerz verspürt, aber dennoch bis zum Mittag weitergearbeitet. Danach ist sie nach Italien in die Ferien gefahren, wo sie mit Medikamenten und Spritzen ärztlich behandelt wurde. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie wieder. Ab dem 16. Januar 2001 setzte sie mit der Arbeit aus. Die am 22. Dezember 2000 vorgenommene Tätigkeit übte sie nach eigenen Angaben seit 10 Jahren aus und hat dabei nie Probleme gehabt. Im Spital X.________ hat man ihr mitgeteilt, dass der Lendenwirbelbruch wegen der Osteoporose erfolgt sei. Gemäss Beurteilung des Instituts für Nuklearmedizin, Spital Z.________ sind die erhobenen Befunde mit einer bandförmigen vermehrten Knochenaktivität und Hyperämie im Bereich der oberen Anteile des Lendenwirbelkörpers 2 gut vereinbar mit einem frischen, ca. 3 Wochen alten, Deckplatteneinbruch bei Differentialdiagnose Osteoporose und andere Knochenrarifizierung (Bericht vom 15. Januar 2001). Das Institut Y.________ hielt eine Osteoporose in der Wirbelsäule mit Normwerten im Femur fest (Bericht vom 26. Februar 2001). 3.3 Vorliegend handelt es sich um einen Grenzfall: Zwar könnte auf Grund der vornübergebeugten Stellung und dem im Vergleich zur Konstitution der Versicherten nicht unbeachtlichen Gewicht des Bausatzes von einer unfallähnlichen Körperschädigung ausgegangen werden. Doch hat das Eidgenössische Versicherungsgericht in seinem in der Amtlichen Sammlung noch nicht publizierten Urteil H. vom 20. August 2003, U 17/03, explizit festgehalten, dass Bewegungsabläufe im üblichen Rahmen der beruflichen Tätigkeit als alltägliche Verrichtungen nicht als unfallähnliche Ereignisse gelten, weil es ihnen an der gesteigerten Gefahrenlage mangelt. Zudem fehlt es infolge der repetitiven Vornahme auch am Erfordernis der Plötzlichkeit. Hinzu kommt, dass nach der medizinischen Aktenlage die krankhafte Schädigung des Rückens durch die Osteoporose klar ausgewiesen ist. Im Übrigen handelt es sich bei der Qualifizierung des Geschehens im Rahmen von Art. 9 Abs. 2 UVV zwar nicht um eine Ermessensfrage im juristischen Sinne; sie weist jedoch Ermessenszüge auf, da sie im Hinblick auf die erforderliche Konkretisierung einen gewissen Beurteilungsspielraum offen lässt, sodass sich unter analoger Berücksichtigung der Grundsätze zur Überprüfung der Angemessenheit (oben Erw. 2.4) eine Korrektur des vorinstanzlichen Entscheids umso weniger aufdrängt.