Citation: U 392/05 16.12.2005 E. 2

Es steht fest und ist unbestritten, dass die organisch nachweisbaren Beschwerden mit den zugesprochenen Leistungen (Rente, Integritätsentschädigung) zutreffend berücksichtigt worden sind. Ebenso besteht Einigkeit unter den Parteien, dass die psychischen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem erlittenen Unfall stehen. Demgegenüber ist streitig und zu prüfen, ob diesbezüglich auch die Adäquanz des Kausalzusammenhanges gegeben ist. 2.1 Unabhängig von der Frage, ob der Beschwerdeführer aus 5,4 m Höhe, wovon die Vorinstanz und die SUVA gestützt auf die polizeilichen Erhebungen ausgehen, oder aus 8 m Höhe, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend macht wird, zu Boden gestürzt ist, rechtfertigt es sich, das Ereignis vom 19. April 2002 (mit Vorinstanz und SUVA) als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Fällen zu qualifizieren (vgl. die Übersicht in RKUV 2005 Nr. U 555 S. 324 Erw. 3.4.1; zur Einteilung von Stürzen aus einer gewissen Höhe im Besonderen: RKUV 1998 Nr. U 307 S. 448). Zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges reicht es daher aus, wenn ein einziges unfallbezogenes Kriterium (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) erfüllt ist, namentlich wenn es in besonders ausgeprägter Weise vorliegt (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb; vgl. auch BGE 123 V 100 Erw. 2c). Dabei sind bei der Prüfung der einzelnen Kriterien nur die organisch bedingten Beschwerden zu berücksichtigen, während die psychisch begründeten Anteile, deren (hinreichender) Zusammenhang mit dem Unfall den Gegenstand der Prüfung bildet, ausgeklammert bleiben. 2.2 Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles liegen - entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung - nach der Platz greifenden objektiven Betrachtungsweise (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc) nicht vor. Denn beim letztlich einigermassen glimpflich abgelaufenen Sturz fällt die Absturzhöhe, selbst wenn von 8 m auszugehen wäre, nicht derart ins Gewicht, dass allein aus diesem Grunde von einer ausserordentlichen Dramatik oder Eindrücklichkeit des Unfallgeschehens gesprochen werden müsste. Ausschlaggebend für die Bejahung dieses Adäquanzkriteriums im nicht veröffentlichten Urteil A. vom 10. Mai 1995, U 231/94, war denn auch weniger die Absturzhöhe von 8 m, als vielmehr die Tatsache, dass der Versicherte in einen Kaminschacht gestürzt war (vgl. auch Urteil P. vom 27. Januar 2000, U 308/98, in welchem ein Sturz aus einer Höhe von 4-5 m, bei welchem der Versicherte von einem Eimer mit Farbe übergossen wurde und sich u.a. Verätzungen beider Augen zuzog, nicht als besonders dramatisch oder eindrücklich qualifiziert wurde). Dass der Sturz wohl gravierendere Folgen gehabt hätte, wenn der Beschwerdeführer auf die sich in unmittelbarer Nähe befindenden, aus dem Boden ragenden Armierungseisen gefallen wäre, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht wird, vermag - als blosse Hypothese - zu keiner anderen Beurteilung zu führen. Nicht gegeben sind auch die übrigen Adäquanzkriterien. Die vom Versicherten erlittenen Verletzungen (superiore Berstungsfraktur BWK12 ohne neurologische Ausfälle; kleine Schürfwunde am Kopf) sind weder besonders schwer noch erfahrungsgemäss geeignet, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, liegen keine vor und werden auch nicht geltend gemacht. Ebenso wenig liegt hinsichtlich der somatischen Beschwerden ein schwieriger Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen vor, verlief doch der Heilungsverlauf in somatischer Hinsicht problemlos, wie auch der Beschwerdeführer anerkennt, und liessen sich die geltend gemachten Beschwerden bereits im Juni 2002 somatisch nicht mehr erklären (Bericht des Dr. med. H.________, Spital X.________, vom 27. Juni 2002). Soweit alsdann eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung sowie Dauerbeschwerden angenommen werden müssten, wären sie auf psychische Gründe zurückzuführen, welche in diesem Zusammenhang ausser Acht zu bleiben haben (Erw. 2.1). Ebenso verhält es sich betreffend Grad und Dauer der - physisch bedingten - Arbeitsunfähigkeit, liegt doch der Grund für die Tatsache, dass der Beschwerdeführer seit dem Unfall keiner Arbeit mehr nachgegangen ist, in der psychischen Beschwerdesymptomatik. Da somit keines der massgebenden Kriterien erfüllt ist, hat die Vorinstanz die Adäquanz des Kausalzusammenhanges und damit eine Leistungspflicht der SUVA für die geltend gemachten psychischen Beeinträchtigungen zu Recht verneint.