Citation: 1C.2/1999 01.10.2002 E. 3.2.4

3.2.4. Die bloss abstrakte Möglichkeit, dass der Beschuldigte die Sachabklärung beeinflussen könnte, genügt jedoch für sich allein nicht (BGE 123 I 31 E. 3c S. 35 mit Hinweis; Entscheid 1P.617/2001 vom 15. Oktober 2001 E. 3a; PETER ALBRECHT, Die Kollusionsgefahr als Haftgrund unter besonderer Berücksichtigung von § 69 lit. b der revidierten baselstädtischen Strafprozessordnung, BJM 1999 Nr. 1, S. 1 ff., insbes. S. 8 ff.). In diesem Zusammenhang sind die Bestreitungen des Klägers bis zu einem gewissen Grad verständlich. Immerhin kann dem Beklagten beigepflichtet werden, dass die gemachten Vorwürfe schwerwiegender Natur waren, zumal sie einen Treuhänder trafen, und dass der Kläger um seine berufliche Existenz und sein Ansehen als Treuhänder bangen musste, nachdem er als Beschuldigter in den Strafprozess einbezogen worden war. Die daraus gezogene Schlussfolgerung, der Kläger hätte geneigt sein können, sich insbesondere mit Z.________ und der Sekretärin von Y.________, T.________, abzusprechen - die ebenfalls erstmals als Beschuldigte vernommen werden sollten - beruhte auf einer vertretbaren Einschätzung der damaligen Sachlage. Als konkretes Indiz für das Vorliegen von Kollusionsgefahr durfte auch die Tatsache berücksichtigt werden, dass Z.________ vor seiner Einvernahme mit dem Kläger sprechen wollte und versuchte, telefonisch zu diesem Kontakt aufzunehmen. Auch wenn die Initiative von Z.________ ausging, kann darin doch ein Hinweis auf dessen Beeinflussungsfähigkeit und -willigkeit gesehen werden, die der Kläger, wäre er auf freiem Fuss gewesen, hätte ausnützen können (a.A. ALBRECHT, a.a.O., S. 9, wonach nur Umstände auf Seiten des Beschuldigten berücksichtigt werden dürfen). Aus der Rückschau betrachtet, nachdem das Ergebnis der Befragungen vorliegt, sind freilich praktisch keine Punkte ersichtlich, wo der Kläger die Sachabklärung gegenüber dem Stand vom Mai/August 1997 effektiv hätte beeinflussen können. Dies ist jedoch nicht ausschlaggebend, weil - wie der Beklagte zutreffend bemerkt - die Kollusionsgefahr aus der Perspektive zur Zeit der Haftanordnung einzuschätzen war. Über das Ergebnis geplanter Sachverhaltsabklärungen kann nur eine Prognose getroffen werden; es liegt in der Natur der Sache, dass sich diese nachträglich als unzutreffend erweisen kann.