Citation: 1C_371/2019 E. 4.5

4.5. Nach dem Gesagten gelangte die Vorinstanz hinsichtlich des gestalterisch-ästhetischen Werts der zwei kolchischen Ahornbäume zu der vom Gemeinderat, vom Baurekursgericht und von der Gutachterin abweichenden Auffassung, dass den Bäumen auch in dieser Hinsicht keine Schutzwürdigkeit zukomme. Ihre diesbezüglichen Feststellungen stützt sie (fast) ausschliesslich auf die anlässlich ihres Augenscheins gemachten Fotos (vgl. oben E. 4.3). Eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen des Gemeinderats, des Baurekursgerichts oder der Gutachterin ist dem Urteil nicht zu entnehmen. Insbesondere fehlt eine Begründung für das Abweichen vom Gutachten, welches dem gemeinderätlichen Beschluss zu Grunde lag - obwohl das Gericht in Fachfragen nur aus triftigen Gründen von einer Expertise abweichen darf (BGE 136 II 539 E. 3.2 S. 547 f. mit Hinweisen). Die Vorinstanz hat somit, ausgehend von ihren am Augenschein gewonnenen Eindrücken, eine eigene, von den vorangegangenen Beurteilungen losgelöste Würdigung des gestalterisch-ästhetischen Werts der beiden kolchischen Ahornbäume vorgenommen. Gerade bei der Beurteilung der örtlichen Verhältnisse steht den lokalen Behörden jedoch ein Spielraum zu, bei deren Überprüfung Zurückhaltung geboten ist (vgl. oben E. 3.4). Inwiefern die Gemeinde ihren Beurteilungs- und Ermessensspielraum überschritten haben soll, sich namentlich von unsachlichen, dem Zweck der Regelung fremden Erwägungen habe leiten lassen, übergeordnetes Recht verletzt habe oder grundlos von Grundsätzen abgewichen sei, die Rechtsprechung und Lehre zur Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe entwickelt haben (vgl. BGE 145 I 52 E. 3.6 S. 57 ff.; Urteil 1C_64/2019 vom 11. November 2019 E. 3.5; je mit Hinweisen), geht aus dem angefochtenen Urteil nicht hervor. Zwar hält die Vorinstanz abschliessend fest, der Gemeinderat und das Baurekursgericht seien bei der Beurteilung der gestalterisch-ästhetischen Wirkung der beiden kolchischen Ahornbäume nicht von den Massstäben ausgegangen, die bei der Unterschutzstellung von Bäumen im Interesse des Quartier- und Strassenbilds anzuwenden seien. In seiner Vernehmlassung an das Baurekursgericht hat der Gemeinderat jedoch festgehalten, dass auch ein einzelner Baum im Interesse des Ortsbilds schutzwürdig sein könne, wenn er aufgrund seines Standorts und seiner Erscheinung in markanter Weise einen dominierenden, aussergewöhnlichen Akzent setze und damit das Quartier- und Strassenbild wesentlich mitpräge. Damit ist der Gemeinderat von derselben Definition für einen im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. f PBG/ZH wertvollen Baum ausgegangen, wie die Vorinstanz (vgl. oben E. 4.3). Sodann erwog das Baurekursgericht in seinem Entscheid, dass bei der Unterschutzstellung von Bäumen und Baumgruppen strenge Massstäbe anzulegen seien, zumal der Gesetzgeber es abgelehnt habe, eine Bestimmung aufzunehmen, wonach Bäume und Baumgruppen in dicht besiedelten Gebieten generell besonderen Schutz genössen und ging im Weiteren von derselben Umschreibung eines wertvollen Baums aus, wie der Gemeinderat und das Verwaltungsgericht. Inwiefern der Gemeinderat oder das Baurekursgericht von falschen Massstäben ausgegangen sein sollen, ist vor diesem Hintergrund nicht ersichtlich und wird im angefochtenen Urteil auch nicht ausgeführt. Schliesslich erwägt die Vorinstanz, das Einverständnis der betroffenen Grundeigentümer mit der Unterschutzstellung sei für die Beurteilung der Schutzwürdigkeit eines Baums kein sachliches Kriterium. Indem der Gemeinderat massgeblich darauf abgestellt habe, habe er das ihm zustehende Ermessen unterschritten. Jedoch geht weder aus dem Beschluss des Gemeinderats noch aus dessen Vernehmlassung an das Baurekursgericht hervor, dass dieser dem Einverständnis der Beschwerdeführer im Rahmen der Beurteilung der Schutzwürdigkeit massgebliches Gewicht beigemessen hätte. Hingegen ist das Einverständnis der betroffenen Grundeigentümer bzw. sind deren private Interessen - ebenso wie raumplanungsrechtliche Interessen - bei der Prüfung, ob Schutzmassnahmen angeordnet werden sollen, durchaus relevant (vgl. unten E. 5). Wie vor allem der erwähnten Vernehmlassung des Gemeinderats zu entnehmen ist, hat dieser das Einverständnis der Beschwerdeführer in ebendiesem Zusammenhang gewürdigt. Sodann wäre - entgegen der Auffassung der Beschwerdegegner - die behauptete Vorgehensweise der Gemeinde, die Abklärung der Schutzwürdigkeit lediglich aufgrund eines Provokationsbegehrens vorzunehmen, keine vorliegend relevante Ermessensunterschreitung; betrifft diese Vorgehensweise doch lediglich die Bestimmung der Bäume, deren Schutzwürdigkeit abgeklärt werden soll, nicht aber die Abklärung selber. Insgesamt ist somit nicht ersichtlich, inwiefern die Gemeinde bei der Abklärung der Schutzwürdigkeit der beiden kolchischen Ahornbäume auf dem beschwerdeführerischen Grundstück ihren Beurteilungs- und Ermessensspielraum überschritten haben soll. Vielmehr hat die Vorinstanz ihre eigene Würdigung an die Stelle derjenigen der kommunalen Behörden gesetzt und die Schutzwürdigkeit der beiden Bäume verneint, womit sie ihre Kognition überschritten hat. Sie hat mithin unzulässigerweise in den Beurteilungs- und Ermessensspielraum der Gemeinde eingegriffen und deren Autonomie verletzt. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als begründet; die Schutzwürdigkeit der zwei kolchischen Ahornbäume auf dem Grundstück der Beschwerdeführer ist mit Blick auf die vertretbare Würdigung der massgebenden Umstände durch die Gemeinde somit zu bejahen. Im Folgenden ist von einem öffentlichen Interesse am Erhalt der beiden kolchischen Ahornbäume auszugehen.