Citation: 5A_346/2024 E. 3.3.3

3.3.3. Damit hat die KESB den Anforderungen des Gehörsanspruchs nicht nachgelebt: Weder wurde dem Beschwerdeführer das Kurzgutachten vor dem Entscheid vom 4. April 2024 vollständig ausgehändigt noch hat er hinreichend Zeit für die Vorbereitung einer fundierten Stellungnahme erhalten. Wie der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht, bleibt hierbei ohne Bedeutung, dass sein Rechtsvertreter auf die Teilnahme an der Verhandlung verzichtet hat. Anders als das Obergericht anzunehmen scheint, liegt hierin insbesondere kein Verzicht auf die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessenden Rechte, zumal der Beschwerdeführer selbst an der Verhandlung teilnahm (vgl. BGE 118 Ia 17 E. 1d). Ohnehin darf ein solcher Verzicht nicht leichthin angenommen werden, sondern muss er unzweideutig feststehen (BGE 137 IV 33 E. 9.2). Auch im Umstand, dass der Beschwerdeführer nicht auf einer Vorlegung des Gutachtens bestand, sondern sich an der Verhandlung vom 2. April 2024 zu diesem äusserte, liegt kein solcher Verzicht (vgl. BGE 101 Ia 309 E. 2b). Vom Beschwerdeführer konnte an der Verhandlung, an der er von seinem Vertreter nicht begleitet wurde, in der gegebenen Situation (Prüfung einer fürsorgerischen Unterbringung) kein anderes Verhalten erwartet werden. Es erwächst ihm daher auch mit Blick darauf, dass Verfahrensparteien sich nach Treu und Glauben zu verhalten haben (Art. 5 Abs. 3 BV; BGE 143 V 66 E. 4.3), kein Vorwurf. Nicht zu überzeugen vermag der Hinweis der Vorinstanz auf die Besonderheiten des Beschwerdeverfahrens bei fürsorgerischer Unterbringung (Art. 450e ZGB), da nicht die Wahrung des Gehörsanspruchs während eines solchen Beschwerdeverfahrens zu beurteilen ist (vgl. vorne Bst. A.b; zum Anwendungsbereich von Art. 450e ZGB vgl. GEISER, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 7. Aufl. 2022, N. 6 zu Art. 450e ZGB). Soweit die Behörden aber auf eine gewisse zeitliche Dringlichkeit verweisen, ist mit dem Beschwerdeführer festzuhalten, dass es sich nicht zu seinem Nachteil auswirken darf, falls für die periodische Überprüfung der Unterbringung ein allzu knapper Zeithorizont eingeplant wurde (vgl. BGE 133 II 81 E. 5.3; 130 II 351 E. 3.3.2 [beide betreffend die Bankenkommission]).