Citation: 5A_1/2010 26.01.2010 E. 3

3.1 Unter Hinweis auf das Urteil des erstinstanzlichen Richters sowie auf die von diesem angerufenen Diagnosen der Klinik A.________ und des Gutachters Dr. med. Z.________ hält das Obergericht fest, beim Beschwerdeführer zeige sich ein psychotisches Zustandsbild bei Verdacht auf Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis. Der Beschwerdeführer leide an einer organischen Persönlichkeitsstörung, sei bei ihm eine Politoxikomanie bekannt und bestehe der Verdacht auf Erwachsenen-ADHS. Zur Zeit sei der Beschwerdeführer nicht zurechnungsfähig und sein Handeln aufgrund eines diffusen paranoiden Wahnsystems nicht voraussehbar. Sein Zustand äussere sich in formalen Denkstörungen sowie in einem auffälligen und deutlich wahnhaften Verhalten. Der Beschwerdeführer decke beispielsweise den in der Klinik zur Verfügung stehenden Computer mit Alufolie ab und vermute, das Mineralwasser auf der Station enthalte einen Stoff, der ihn impotent mache; er fühle sich verfolgt und bedroht und habe deshalb zu seiner Verteidigung seiner Ex-Freundin anlässlich ihres Besuchs ein Sackmesser, das an ihrem Schlüsselbund gehangen habe, entwendet; er habe es dem Personal nur unter grossem Druck ausgehändigt. Die grosse Anspannung des Beschwerdeführers habe sich im Verlauf des Klinikaufenthalts vermehrt in deutlich ausgeprägter Aggressivität geäussert; wegen verbaler Drohungen sowohl gegen eine Mitpatientin als auch gegen das Personal habe er zeitweise isoliert werden müssen. Trotz des massiven Krankheitsbildes liege derzeit weder eine akute Fremd- noch eine Selbstgefährdung im engeren Sinne vor, doch sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer auch ausserhalb der Klinik wiederholt ein aggressives Verhalten an den Tag gelegt habe, was unter anderem zu den beiden letzten Hospitalisierungen geführt habe. So sei der Klinikeinweisung vom 22. Oktober 2009 ein - von ihm allerdings bestrittener - Angriff mit einem Messer auf Polizeibeamte vorangegangen und zum jüngsten Klinikaufenthalt sei es wegen einer verbalen und leichten körperlichen Auseinandersetzung mit seinem Vater gekommen, nachdem der Beschwerdeführer vom Beifahrersitz aus die Handbremse des fahrenden Autos angezogen habe. In der Verhandlung auf diesen Vorfall angesprochen habe er erklärt, sie seien mit einer Geschwindigkeit von nur vier bis fünf Stundenkilometern gefahren. Diese Bagatellisierung des Beschwerdeführers zeige seine mitunter realitätsfremde Wahrnehmung. Selbst ohne Vorliegen der Polizeirapporte über den Vorfall mit dem Messer und entgegen seiner Selbsteinschätzung sei von einem nicht zu unterschätzenden Aggressionspotential des Beschwerdeführers auszugehen. Angesichts seines bedrohlichen Verhaltens sowohl dem Pflegepersonal als auch anderen Drittpersonen gegenüber könne eine Fremdgefährdung nicht ausgeschlossen werden. Es sei zu befürchten, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Entlassung gegenüber seinem Vater und anderen Personen erneut unkontrolliert oder gar gewalttätig reagiere und sich so in eine ernsthafte, eine Eigengefährdung darstellende Konfliktsituation begebe. Gegenwärtig weniger akut scheine die Politoxikomanie zu sein; ausser dem gelegentlichen Cannabiskonsum lasse sich den Akten hierzu nichts entnehmen; immerhin nehme der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben kleine Dosen Methadon, die er brauche. Das Obergericht hält dafür, der Einzelrichter habe angesichts der festgehaltenen Gegebenheiten zu Recht das Vorliegen einer nach dem Gesetz die Zwangseinweisung bzw. Zurückbehaltung rechtfertigenden Geistesstörung bejaht. Sodann erklärt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer sei in seinem aktuellen Zustand kaum in der Lage, adäquat für sich selbst zu sorgen. Wie sowohl der Gutachter als auch die Klinik bestätigten, könne ihm die erforderliche ärztliche und soziale Hilfe derzeit nur im Rahmen einer stationären Behandlung in der Klinik erwiesen werden, zumal es ihm trotz einer leichten Verbesserung seines Befindens gänzlich an Krankheitseinsicht fehle und er - abgesehen vom erwähnten Methadon und dem Ritalin wegen seines ADHS - die Einnahme von Medikamenten verweigere. Auch wenn der Beschwerdeführer im Falle einer Entlassung in seine Einzimmerwohnung zurückkehren könnte, sei zu bedenken, dass er sich in einer schwierigen sozialen Situation befinde, lebe er doch seit über fünf Jahren von Sozialhilfe; sein Standpunkt, er könne mit der Unterstützung seiner Bezugspersonen für sich sorgen, sei gegenwärtig wenig realistisch, zumal er selbst angebe, sein Beziehungsnetz sei zerstört. Das Verhältnis zur Familie erscheine als ambivalent: Einerseits bringe der Beschwerdeführer vor, sie liege ihm am Herzen, andererseits erkläre er jedoch, er fühle sich insbesondere von seinem Vater in seinem Fortkommen behindert, bevormundet und missbraucht. In einem E-Mail an den Beschwerdeführer wie auch vor der Verhandlung habe der Vater erklärt, sie, die Eltern, wollten ihm helfen, da er es alleine nicht schaffe, doch seien sie gesundheitlich angeschlagen und könnten sie nicht mehr. Diese Erklärungen zeigten deutlich, dass der Beschwerdeführer von Seiten der Eltern nur beschränkt Hilfeleistung erwarten könne und seine Nachbetreuung alles andere als sichergestellt sei. Im Falle einer Entlassung dürfte er mithin auf sich selbst gestellt sein, was einer weiteren Stabilisierung seines Zustandes abträglich wäre. Auch der Gutachter rechne mit einer Überforderung des Beschwerdeführers bei der Bewältigung seiner Tagesgeschäfte. Der Beschwerdeführer scheine sich durchaus bewusst zu sein, dass er der Unterstützung bedürfe. So ziehe er anstelle einer Rückkehr in seine Wohnung das Kriseninterventionszentrum in Betracht, wo er etwas betreut würde. Die Aussichten, dass es bald wieder zu einer Hospitalisierung komme, erachtet die Vorinstanz angesichts der gegebenen Umstände als gross. Immerhin sei es nur gerade eine Woche, nachdem der Beschwerdeführer - offenbar gegen ärztliche Empfehlung - zum letzten Mal aus der Klinik ausgetreten sei, zu der hier in Frage stehenden Einweisung gekommen. Während des aktuellen Aufenthalts sei der Beschwerdeführer zweimal entwichen und habe jeweils durch die Polizei zurückgeführt werden müssen. Zusammenfassend hält das Obergericht unter Hinweis auf seine Feststellungen dafür, die Voraussetzungen der fürsorgerischen Freiheitsentziehung seien beim Beschwerdeführer nach wie vor gegeben. Ausserdem sei die Klinik A.________ auch nach Ansicht des Gutachters geeignet, ihm die notwendige medizinische und soziale Hilfe zu geben. 3.2 In ihrer Vernehmlassung vom 5. Januar 2010 weist die Klinik ausdrücklich darauf hin, dass der Beschwerdeführer an einer paranoiden Schizophrenie leide. Er sei aufgrund dieser Krankheit der festen Überzeugung, dass ihn seine Familie mit religiösen Führern aus den USA bedrohe; er glaube, dass der 3. Weltkrieg bevorstehe, nehme Bombenexplosionen wahr und glaube Opfer einer Vergewaltigung zu werden, was bei ihm grosse existentielle Ängste auslöse, die ihrerseits zu nicht oder wenig nachvollziehbaren Handlungen führten. An Schizophrenie erkrankte Menschen fühlten sich auch ausserhalb der Klinik von allen möglichen Mitmenschen bedroht, was zu inadäquaten Notwehrreaktionen und damit zu einer Gefahr für Dritte führen könne. Der Beschwerdeführer habe sich aufgrund seiner ausgeprägten krankheitsbedingten Angst sodann wiederholt selbst gefährdet. So sei er nach der Verhandlung beim erstinstanzlichen Richter aus der Klinik entwichen, indem er über ein Dach geklettert sei, und habe sich dabei unnötig gefährdet. Dass die krankheitsbedingten Ängste den Beschwerdeführer davon abhielten, sich selbst um seine eigene Gesundheit zu kümmern, habe sich auch in einer Entweichung aus dem Kantonsspital geäussert, wohin er zur Abklärung von ernsthaften körperlichen Symptomen verbracht worden sei. Wegen der beim Beschwerdeführer fehlenden Krankheitseinsicht würde sich dieser der Behandlung, die erfahrungsgemäss eine Verbesserung der Symptome bringen könnte, in einem ambulanten Setting nicht unterziehen.