Citation: 1P.631/2000 23.11.2000 E. 4

4.- a) Die Beschwerdeführerin behauptet weiter, das Obergericht habe von ihr beantragte Entlastungszeugen nicht befragt. Ein Anspruch, die Ladung von Entlastungszeugen zu bewirken, ist in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK vorgesehen. Aus dem in Art. 29 Abs. 2 BV verankerten Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich, dass Parteien mit rechtzeitig und formgültig angebotenen Beweisanträgen gehört werden müssen, soweit diese erhebliche Tatsachen betreffen und nicht offensichtlich beweisuntauglich sind (BGE 124 I 241 E. 2 S. 242; 106 Ia 161 E. 2b S. 162, je mit Hinweisen). Das Beweisverfahren kann jedoch abgeschlossen werden, wenn die entscheidende Behörde auf Grund bereits abgenommener Beweise ihre Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass ihre Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGE 124 I 208 E. 4a S. 211). In diesem Fall besteht nach der Praxis des Bundesgerichtes, welche mit derjenigen der Strassburger Rechtsprechungsorgane zu Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK übereinstimmt, kein Anspruch der Angeklagten auf Befragung von Entlastungszeugen (vgl. BGE 124 I 274 E. 5b S. 285; 115 Ia 97 E. 5b S. 101; 112 Ia 198 E. 2b S. 202). b) Die Beschwerdeführerin wirft ihrem amtlichen Verteidiger vor, eine Ladung der von ihr gewünschten Zeugen nicht beantragt zu haben. Auch deswegen ist es fraglich, ob ihr Antrag vom 9. November 1999 auf Bewilligung eines Wechsels ihres Verteidigers und ihre Reaktion vom 12. Januar 2000 auf die Verweigerung eines solchen Wechsels als formgültige Anträge angesehen werden können, weitere Zeugen zu befragen. Jedenfalls durfte das Obergericht die Befragung weiterer Zeugen in antizipierter Beweiswürdigung ablehnen. Die Beschwerdeführerin erwähnt in den genannten Eingaben M.________, N.________ und O.________. Diese haben auch schriftlich bestätigt, dass es im Juni 1999, also zwei Jahre nach den strittigen Ereignissen, wegen der Tagesvorhänge nicht möglich gewesen sei, vom Balkon in die frühere Wohnung der Beschwerdeführerin hineinzuschauen. Dies würde zwar bestimmten Angaben von Frau Y.________ und Z.________ widersprechen. Die Zeugen hätten jedoch nicht bestätigen können, dass gerade am 2. Juli 1997 die Vorhänge zugezogen waren. Die Beschwerdeführerin hat auch mehrfach den Polizeibeamten P.________ erwähnt, der bestätigen könne, dass sich kein Stuhl in ihrer Wohnung befunden habe. Eine solche Aussage des Polizeibeamten hätte zwar beiläufigen Angaben der Zeuginnen Y.________ und Z.________ widersprochen, nicht jedoch den Vorwurf entkräftet, die Beschwerdeführerin habe A.________ drei Stunden festgehalten, zumal dieser immer aussagte, er sei am Boden gesessen. Angesichts der übrigen gegen einen freiwilligen Aufenthalt A.________ bei der Beschwerdeführerin sprechenden Indizien (vgl. hinten E. 5b/aa), hätte selbst eine wahrheitswidrige Erwähnung von Stühlen durch die Zeuginnen deren übrige, tatbestandsrelevanten Aussagen nicht als unglaubwürdig erscheinen lassen. Somit hätte das Obergericht die Befragung der von der Beschwerdeführerin erwähnten Zeugen ohne Willkür in antizipierter Beweiswürdigung ablehnen können, wenn die Beweisanträge überhaupt formgültig gestellt wurden.