Citation: 2C_663/2019 E. 1.5.3

1.5.3. Das Novenverbot und die Bindung an den vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt herrschen an sich auch im bundesgerichtlichen Verfahren der interkantonalen Doppelbesteuerung. In bestimmten Fällen hat das Bundesgericht den Sachverhalt aber frei zu prüfen. Insoweit ist auch das Novenverbot zu relativieren. Die erste derartige Konstellation besteht darin, dass der Kanton, in welchem der rechtskräftige Entscheid ergangen ist, die tatsächlichen Feststellungen des anderen Kantons bestreitet und eigene Beweismittel vorlegt, zu denen die steuerpflichtige Person sich bis dahin noch nicht äussern konnte (siehe zum Ganzen BGE 139 II 373 E. 1.7 S. 378; 133 I 300 E. 2.3 S. 306). Eine zweite Konstellation ist gegeben, wenn der hinzugekommene Kanton den Sachverhalt um Themenbereiche ergänzt, die die steuerpflichtige Person entweder nicht vorgebracht hat oder hierzu gar nicht berechtigt war. Zu denken ist hierbei an die Verwirkung des Beschwerderechts der steuerpflichtigen Person und/oder des Besteuerungsrechts eines anderen Kantons. Diesfalls hat das Bundesgericht den Sachverhalt frei zu prüfen, und zwar unter Berücksichtigung der vom hinzugetretenen Kanton in seiner Vernehmlassung vorgelegten Noven, es sei denn, die Tatsachen und Beweismittel seien bereits aktenkundig. Im Übrigen bleibt es bei der Bindung an die vorinstanzlichen Feststellungen (Urteile 2C_592/2018 vom 1. Oktober 2019 E. 2.2; 2C_593/2017 vom 7. Februar 2019 E. 1.4 mit Hinweisen).