Citation: 6B_217/2022 E. 2.6.3

2.6.3. Zur Frage der Vorhersehbarkeit der zum Erfolg führenden Geschehensabläufe erwägt die Vorinstanz im Einzelnen, der Beschwerdeführer habe nach der Adäquanztheorie damit rechnen müssen, dass sich der Beschwerdegegner 2 zur Vornahme von eigenen Demontagearbeiten oder zumindest im Rahmen der Hilfestellung im Zusammenhang mit den Arbeiten von C.________ auf das Dach begeben könnte. Selbst wenn der Beschwerdegegner 2 allenfalls eine Weisung dergestalt missachtet haben sollte, dass er nur Arbeiten am Boden hätte verrichten dürfen, was aber nicht zweifelsfrei erwiesen sei, sei in casu massgebend, dass der Beschwerdeführer die Gefahrenstelle nicht gesichert und nicht für entsprechende Massnahmen zum Schutz der Arbeiter gesorgt habe. Das Verhalten des Beschwerdeführers, nämlich die unterlassene Sicherung der Arbeitsfläche vor einem Durchbrechen durch das Glasdach während der Demontage des Gerüstes in einer Arbeitshöhe von rund viereinhalb Metern, sei nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Erfahrungen des Lebens geeignet gewesen, einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Damit sei die Adäquanz zweifellos zu bejahen. Der Einwand des Beschwerdeführers, den Beschwerdegegner 2 treffe ein Mitverschulden bzw. sogar das alleinige Verschulden, weil er sich ohne Grund auf das Dach begeben habe, vermöge ihn nicht zu entlasten. Das Strafrecht kenne keine Verschuldenskompensation. Das allfälllige Mitverschulden des Beschwerdegegners 2 bilde keinen ganz aussergewöhnlichen Umstand im Sinne der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs, mit dem schlechthin nicht habe gerechnet werden müssen und der derart schwer wiege, dass er alle anderen Ursachen, namentlich das Verhalten des Beschwerdeführers, in den Hintergrund dränge. Das Verhalten des Beschwerdegegners 2 liege jedenfalls nicht derart ausserhalb des normalen Geschehens und sei nicht derart unsinnig, dass damit nicht zu rechnen gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe es unterlassen, eine nach aller Erfahrung augenscheinlich gefährliche Situation entgegen eindeutigen gesetzlichen Vorschriften zu sichern. Mit einer blossen (und im Übrigen bestrittenen) Anweisung an den Beschwerdegegner 2, sich nicht auf das Dach zu begeben, habe er weder diesen Gefahrenherd mittels geeigneter Massnahmen entschärft noch habe er den allgemein einleuchtenden Vorschriften genügt. Anderweitige "unterbrechenskausal zu wertende" Umstände würden nicht vorgebracht und seien auch nicht ersichtlich.