Citation: 1B_450/2022 E. 5.4

5.4. Auch betreffend den Einsatz von zwei Anwaltspraktikanten und zwei Anwaltspraktikantinnen (nachfolgend: Praktikanten) ist kein schwerer Verfahrensfehler der amtlichen Verteidigerin dargetan. Wie das Bundesgericht bereits in seinem konnexen Urteil 1B_470/2020 vom 22. Dezember 2020 (E. 3.1-3.2) erwog, sind zur forensischen Berufsausübung zugelassene Praktikanten grundsätzlich befugt, unter Anleitung und enger Beaufsichtigung des mandatierten Anwaltes bzw. der Anwältin als Substituten der Offizialverteidigung tätig zu sein. Ergänzend weist die Vorinstanz insbesondere auf Folgendes hin: Der Beschwerdeführer habe vorgebracht, die damalige Offizialverteidigerin habe sich an 19 Einvernahmen durch insgesamt vier verschiedene Rechtspraktikanten vertreten lassen; er habe sich daher ungenügend verteidigt gefühlt. Die Praktikanten seien seiner Ansicht nach unerfahren und "massiv unterqualifiziert" gewesen, was sich darin manifestiert habe, dass sie an 11 von 19 Einvernahmen "keine bzw. kaum Ergänzungsfragen" gestellt hätten. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht substanziiert, dass die fraglichen vier Praktikant (inn) en sowohl über eine abgeschlossene juristische Universitätsausbildung (MLaw) als auch über eine forensische Praktikantenbewilligung verfügten. Wie das Obergericht unter Hinweis auf die Akten feststellt, haben zwei der Praktikantinnen, die der Beschwerdeführer als unerfahren bezeichnet, vor dem Antritt ihres Anwaltspraktikums auch noch mehrmonatige Gerichtspraktika bzw. (in einem Fall) ein zusätzliches Praktikum bei der Staatsanwaltschaft Luzern absolviert. Alle vier Praktikant (inn) en wurden nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz durch die verfahrensleitende Nidwaldner Staatsanwaltschaft in den betroffenen Strafuntersuchungen zugelassen. Der Ansicht des Beschwerdeführers, alle Praktikanten seien in ihrer Funktion als juristische Mitarbeiter und Substituten der amtlichen Verteidigerin "massiv unterqualifiziert bzw. schlicht unqualifiziert" gewesen, ist nicht zu folgen. Er stellt auch nicht in Abrede, dass die Offizialverteidigung, welche sich auf mehr als ein dutzend konnexe Strafuntersuchungen mit über hundert Einvernahmen erstreckte, ausserordentlich aufwändig war, was den gezielten Rückgriff auf geeignetes juristisches Personal für einzelne Verfahrenshandlungen nahe legte. Er räumt im Gegenteil ein, es habe sich um 14 Verfahren gehandelt, mit "sehr umfangreichen, separat geführten aber inhaltlich verwobenen Akten und komplexen rechtlichen Fragestellungen". Dass die amtliche Verteidigerin ihr Mandat nicht in eigener Verantwortung koordiniert und ihre Praktikanten nicht fachlich angeleitet und beaufsichtigt hätte, ist weder ausreichend dargetan noch aus den Akten ersichtlich. Der Vorinstanz ist auch darin zuzustimmen, dass der blosse teilweise Verzicht auf Ergänzungsfragen (bzw. auf eine grössere Zahl von Ergänzungsfragen) noch kein prozessuales Versäumnis, geschweige denn eine Pflichtwidrigkeit der Praktikanten zu begründen vermöchte. Schliesslich räumt der Beschwerdeführer ausdrücklich ein, dass die Offizialverteidigerin spätestens "ab dem 25. November 2019" keine Praktikant (inn) en mehr an Einvernahmen delegierte, sondern ihn ab diesem Zeitpunkt stets persönlich vertrat. Er legt allerdings nicht nachvollziehbar dar, inwiefern er ab dem 14. April 2020 dennoch nicht wirksam verteidigt worden sein sollte, weshalb seiner Ansicht nach eine Rückwirkung der neuen Offizialverteidigung geboten wäre. Willkürliche Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz sind in diesem Zusammenhang nicht dargetan (vgl. Art. 97 Abs. 1 i.V.m. Art. 105 Abs. 1 BGG). Für weitere vom Beschwerdeführer nicht ausreichend substanziierte Vorwürfe angeblich schwerer Pflichtverletzungen der amtlichen Verteidigerin kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden.