Citation: 5A_412/2015 E. 7.2

7.2. Aufgrund des von der Vorinstanz willkürfrei festgestellten Sachverhalts steht fest: Die Parteien stehen einander in einem langjährigen Scheidungsprozess gegenüber. Seit mehr als der Hälfte des Lebens von C.________ und D.________ streiten sie sich auch um die Kinder. Der Konflikt hat sich in den letzten Jahren akzentuiert und beschlägt namentlich die Ausübung des Besuchsrechts. Der Beschwerdeführer stellt die Erziehungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin in Frage. Er macht geltend, sie sei psychisch angeschlagen und stehe Sekten nahe. Überdies wirft er ihr vor, die Kinder zu instrumentalisieren bzw. gegen ihn aufzubringen. Die Beschwerdegegnerin läuft aufgrund ihrer Einstellung dem Beschwerdeführer gegenüber Gefahr, unbewusst auch bei den Kindern eine ablehnende Haltung zu provozieren. Das Gemeinwesen hat sich darum bemüht, die Eltern bei der Regelung und Durchführung der persönlichen Kontakte zwischen Vater und Kindern zu unterstützen. Diese Versuche sind gescheitert. Wegen der fehlenden Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft der Eltern wurde die Beistandschaft aufgehoben. Die Eltern vermögen die Kinder aus ihrem Konflikt kaum herauszuhalten. Die andauernden Spannungen wirken sich ungünstig auf das Wohl der Kinder aus. Dass C.________ und D.________ unter dem Dauerkonflikt der Eltern leiden, zeigt auch ihre Anhörung vom 17. September 2014 (s. Sachverhalt Bst. B.d). Den vorinstanzlichen Feststellungen zufolge wünschen sich die Kinder, "Ruhe vor dem Elternkonflikt" zu haben. Dass die Streitparteien in ihrem Scheidungsprozess bezüglich der elterlichen Sorge gegenteilige Rechtsbegehren stellen bzw. der Beschwerdeführer in erster Linie die alleinige elterliche Sorge für sich beantragt (s. Sachverhalt Bst. B.d ), kann in einem kontradiktorischen Gerichtsverfahren kaum überraschen und ist daher für sich allein genommen auch noch kein Grund, von einer Beibehaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge abzusehen. Ebenso wenig erscheint es als aussergewöhnlich, dass der gegenseitige Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr immer wieder zum Streit führt, wenn die Kinder - wie hier - mehrere Stunden entfernt vom nicht obhutsberechtigten Vater wohnen und sich dessen Berufstätigkeit nicht ohne Weiteres mit der Wochenplanung seiner schulpflichtigen Kinder verträgt. Auch wenn sich diese wiederkehrenden Auseinandersetzungen um die Ausübung des Besuchs- und Ferienrechts hier offensichtlich zu einem Dauerkonflikt verhärtet haben, hängen sie doch nur indirekt mit dem Sorgerechtsstreit zusammen. Es ist nämlich denkbar, dass die Eltern sich trotz eines anhaltenden Besuchsrechtskonflikts über die zu treffenden grundsätzlichen Belange des Kindes einig und insofern fähig sind, ein gemeinsames Sorgerecht zum Wohl des Kindes auszuüben. Vorliegend aber lässt sich diese andauernde Zwietracht über die Ausübung des Besuchsrechts, gegen die auch eine Beistandschaft nichts ausrichten konnte, als Symptom der tiefer wurzelnden Spannungen verstehen, welche die Eltern hinsichtlich der Frage der Erziehungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin dauerhaft entzweien. Wie die vorinstanzlichen Feststellungen und auch die Ausführungen in der Beschwerde an das Bundesgericht zeigen, stellt der Beschwerdeführer die Erziehungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin mit grosser Beharrlichkeit kategorisch in Abrede. Es ist aber nicht erkennbar, wie die Eltern im vorliegenden Fall, bei welchem in tatsächlicher Hinsicht ein chronischer, sich zunehmend verfestigender und die Kinder einbindender Konflikt erstellt und überdies mit Blick auf deren Erziehung kein minimaler Nenner zwischen den Eltern ersichtlich ist, ein gemeinsames Sorgerecht zum Wohl der Kinder ausüben könnten. Der Konflikt zwischen den Eltern ist längst nicht mehr punktueller Natur. Er hat sich zunehmend auch vom familienrechtlichen Verfahren gelöst. In der vorliegenden, als aussergewöhnlich zu bezeichnenden Situation kann nicht mit einem Abklingen des Konfliktes nach der Verfahrensbeendigung gerechnet werden; vielmehr ist zu erwarten, dass er sich bei einem gemeinsamen Sorgerecht fast zwangsläufig auf die Erziehungsfragen ausweiten und auch in diesem Bereich verfestigen würde. Aktenkundig ist zudem, dass sich der chronische Elternkonflikt unmittelbar negativ auf das Wohl der Kinder auswirkt. Der Beschwerdeführer bestreitet denn auch nicht, dass die Kinder unter dem gegenwärtigen Zustand leiden und die Zuteilung der elterlichen Sorge an einen Elternteil zur Entlastung der Konfliktsituation beitragen kann. Nach alledem hält es vor Bundesrecht stand, wenn die Vorinstanz mit Rücksicht auf das Kindeswohl eine Ausnahme vom Grundsatz der gemeinsamen elterlichen Sorge bejaht.