Citation: 6B_665/2016 E. 1.3.2

1.3.2. Das Argument des Beschwerdeführers, wonach die Sorgfaltspflicht gegenseitig sei und die erste Instanz diese Pflicht verletzt habe, indem sie über die Nichtzustellung informiert gewesen sei und nichts unternommen habe, um ihm das Urteilsdispositiv (nochmals) zuzustellen, geht fehl: Die Zustellfiktion setzt voraus, dass die betreffende Person - wie vorliegend - mit der Zustellung rechnen muss. Der Beschwerdeführer hatte am erstinstanzlichen Verfahren als beschuldigte Partei teilgenommen. Da er der Verhandlung nicht bis zur Urteilsverkündung beigewohnt hatte, war vereinbart worden, dass ihm das Urteil zugestellt werden würde (Beschluss, E. 1 S. 2). Der Beschwerdeführer stellt denn auch nicht in Abrede, dass er mit der Zustellung des Urteilsdispositivs hatte rechnen müssen. Da er Kenntnis davon hatte, dass es ihm schriftlich zugestellt werden würde, war ihm auch zuzumuten, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um die Postsendung entgegen zu nehmen. Eine Pflicht des Gerichts, das Urteilsdispositiv nochmals zuzustellen, besteht in dieser Konstellation nicht. Im Weiteren beschränkt sich der Beschwerdeführer darauf festzuhalten, dass die Abholungseinladung allenfalls zwischen Werbeprospekten oder in eine Gratiszeitung gerutscht sei. Es könne ihm nicht zugemutet werden, in jeder Werbesendung nach einer kleinen Abholungseinladung zu suchen. Das könne auch vom sorgfältigsten Bürger nicht verlangt werden. Ferner bringt er vor, die Abholungseinladung sei möglicherweise nicht in seinem Briefkasten gelandet. Das sei wenig wahrscheinlich, könne aber auch nicht ausgeschlossen werden. Nach konstanter Rechtsprechung reicht jedoch die immer bestehende Möglichkeit von Fehlern bei der Poststelle nicht, um die Vermutung der korrekt erfolgten Zustellung zu widerlegen. Vielmehr müssen konkrete Anzeichen für einen Fehler vorhanden sein. Mit seinen Ausführungen vermag der Beschwerdeführer den Nachweis der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von Fehlern bei der Zustellung nicht zu erbringen. Namentlich legt er damit nicht dar, inwiefern die Beweiswürdigung der Vorinstanz willkürlich sein soll (vgl. BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen; zum Begriff der Willkür BGE 140 III 16 E. 2.1 mit Hinweisen). Die Vorinstanz verletzt kein Bundesrecht, indem sie die Zustellfiktion von Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO zur Anwendung bringt.