Citation: U 202/01 07.12.2001 E. 2

2.- a) Die Beschwerdeführerin beruft sich auf RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. Erw. 3b und ist der Ansicht, dass die SUVA - nachdem sie anfänglich ihre Leistungspflicht bejaht hatte - das Dahinfallen jeder Bedeutung von unfallbedingten Ursachen der geklagten Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beweisen müsse; dies sei ihr jedoch nicht gelungen. b) aa) Die SUVA erbrachte ihre Leistungen infolge des Sturzes vom 13. Juli 1998, der eine Steissbeinkontusion zur Folge hatte. Die Versicherte stützt ihren Leistungsanspruch aber auf Beschwerden, die aus einer Diskushernie abgeleitet werden. Diese wurde erstmals vom Institut für Röntgendiagnostik des Spitals Y.________ am 30. April 1999 anlässlich einer Computertomographie der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Sacrums nachgewiesen. Es stellt sich nun die Frage, ob die Diskushernie eine adäquat kausale Unfallfolge des Sturzes vom 13. Juli 1998 ist und die geklagten Beschwerden somit dem Unfall als mittelbare Folge zuzurechnen sind. Dabei ist in beweismässiger Hinsicht zu berücksichtigen, dass der Sozialversicherungsprozess zwar vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, jedoch im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten der Beschwerdeführerin ausfallen muss, da sie aus diesem Sachverhalt Rechte ableiten wollte (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 Erw. 1). bb) Es entspricht im Bereich des Unfallversicherungsrechts einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise und unter besonderen Voraussetzungen als eigentliche Ursache in Betracht fällt, was dann der Fall ist, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten (Urteil B. vom 7. Januar 2000, U 131/99; Urteil S. vom 5. Januar 2000, U 103/99). In vorliegender Sache kann beim Sturz auf das Steissbein infolge Abrutschens von der untersten Stufe einer Bockleiter nicht von einem Unfallereignis von besonderer Schwere ausgegangen werden. Die Symptome der Diskushernie sind nicht sofort aufgetreten, die Arbeitsunfähigkeit ergab sich aus der Steissbeinkontusion und dauerte bis am 21. August 1998; während und nach ihrer Ferien in C.________ war die Versicherte praktisch beschwerdefrei, ein Schmerzrezidiv erfolgte erst am 23. September 1998 anlässlich einer Drehbewegung beim Duschen. Überdies fällt auf, dass die Beschwerdeführerin schon im September 1996 wegen eines Misstrittes bzw. forcierter LWS-Flexion akute Kreuzschmerzen und Ausstrahlungen im linken Gesäss und im linken Oberschenkel hatte; seit dieser Zeit ist sie immer wieder in physiotherapeutischer Behandlung. Da bereits damals Schmerzen in einem ähnlichen Bereich wie heute beklagt wurden, ohne dass ein Unfallereignis vorlag, kann nicht von einem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Sturz auf das Sacrum und den durch die Diskushernie hervorgerufenen gesundheitlichen Beschwerden ausgegangen werden. Daran ändert auch die Auffassung des PD Dr. med. A.________ nichts, der einen Kausalzusammenhang zwischen dem seinerzeitigen Sturz im Duschraum und der Diskushernie annimmt, denn entgegen der Aussage in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde begründet der Privatgutachter seine Meinung nicht: im Bericht vom 13. Oktober 1999 fehlt eine Begründung vollständig, während im Bericht vom 10. April 2000 das Vorliegen einer Diskushernie bejaht und primär aus dem zeitlichen Zusammenhang mit dem Unfall vom 13. Juli 1998 auf einen Kausalzusammenhang geschlossen wird, ohne dass auf den Vorzustand der Beschwerdeführerin eingegangen wird, was auch für den Bericht vom 30. Mai 2001 gilt. Im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Versicherte diesen Arzt "für die weitere, fachärztliche Behandlung" aufgesucht hatte; damit hat PD Dr. med. A.________ als behandelnder Arzt für die Beschwerdeführerin eine einem Hausarzt zumindest gleichwertige Stellung erlangt; in diesem Rahmen ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen). Damit ist davon auszugehen, dass die behauptete Diskushernie in keinem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 13. Juli 1998 steht.