Citation: 9C_41/2024 E. 3.3.3

3.3.3. Es fragt sich, ob die ESTV damit den materiellen Anfechtungsgegenstand überschritt. Zwar kann nur das Dispositiv eines Entscheids Bindungswirkung entfalten und angefochten werden (vgl. BGE 150 II 409 E. 2.2.2; 140 I 114 E. 2.4.2), sodass das Dispositiv auch für die Bestimmung des materiellen Anfechtungsgegenstands massgebend ist. Die Erwägungen sind aber zur Auslegung heranzuziehen, ergibt sich die Tragweite eines Entscheids doch oft erst aus seiner Begründung (vgl. BGE 131 II 13 E. 2.3; vgl. zum Zivilrecht auch BGE 148 III 1 E. 2.4.3; 147 III 345 E. 6.4.1; 121 III 474 E. 4a), gerade wenn das Dispositiv wie hier lediglich auf Abweisung des Rechtsmittels lautet. Es spricht nichts dagegen, auch Eventualbegründungen in diesem Sinne zu berücksichtigen (vgl. zum prozessualen Stellenwert von Alternativ- und Eventualbegründungen BGE 143 IV 40 E. 3.4; 142 III 364 E. 2.4; 138 I 97 E. 4.1.4; 133 IV 119 E. 6.3). Aus der Eventualbegründung ergibt sich hier, dass die ESTV zwar an der Feststellung des Vermittlerstatus ab dem 1. Januar 2011 festhielt. Sie trennte nun aber die Festsetzung der Umsatzabgaben für den Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis zum 31. Dezember 2016 von der Feststellung des Vermittlerstatus. Damit wurde der Festsetzung der Umsatzabgaben verfahrensrechtlich eine eigene Tragweite verliehen, die sie in den angefochtenen Verfügungen noch nicht hatte (vgl. zur Frage der Zulässigkeit dieser Ausweitung des Streitgegenstands unten E. 4.1).