Citation: 8C_175/2007 06.10.2008 E. 3

3.1 Es ist erstellt und unbestritten, dass das im März 2001 aufgetretene Ekzem auf den während der Arbeit in der Versuchsanlage der Firma X.________ AG erfolgten Kontakt mit der Substanz Metaxylendiamin oder Metaxylylendiamin (MXDA) zurückzuführen ist, welche unter den Listenstoff Alkylamine fällt. Damit lag eine Berufskrankheit vor, welche die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründete. Nach der Versetzung in die Firma Y.________ AG, wo der Beschwerdeführer von 1. Oktober 2001 bis 30. September 2002 tätig war, berichteten die Ärzte zunächst über einen günstigen Ekzemverlauf. Im Sommer 2002 traten jedoch erneut Ekzemveränderungen auf. Dr. med. R.________ hielt in einer Notiz an die SUVA vom 19. November 2002 fest, rückblickend betrachtet habe die interne Versetzung keine Abheilung gebracht. Dr. med. F.________ attestierte dem Versicherten im Unfallschein ab 11. Dezember 2002 wieder volle Arbeitsfähigkeit und bestätigte dies in einem Bericht vom 10. Januar 2003. Er fügte bei, die Ekzemreaktion bestehe weiterhin, obwohl der Patient mit dem Allergen MXDA nicht mehr in Kontakt sei. Am 6. Juni 2003 erklärte der Arzt, er habe den Patienten wegen des generalisierten Exanthems und des starken Ekzems im Bereich der Hände ab 25. April 2003 wieder zu 100 % arbeitsunfähig schreiben müssen. In der Folge persistierten entsprechende Beschwerden. 3.2 Zur Frage nach dem Zusammenhang zwischen der anerkannten Berufskrankheit, welche durch den Kontakt mit dem Listenstoff Alkylamine (in Form von Metaxylendiamin) hervorgerufen wurde, und dem aktuellen Leidensbild wurden verschiedene Abklärungen durchgeführt. 3.2.1 Am 3. Juli 2003 erteilte die SUVA dem Spital A.________, Dermatologische Klinik, den Auftrag zur Erstellung eines Gutachtens. Der Klinik wurden verschiedene Fragen unterbreitet. Insbesondere sollte sie sich zur Diagnose und zur wahrscheinlichen Ursache der aktuellen Hautveränderungen äussern. Überdies wurde sie gebeten, die Frage zu beantworten, ob noch Folgen der früher als Berufskrankheit anerkannten Kontaktdermatitis vorliegen würden. Das Gutachten der Klinik datiert vom 30. Juli 2003. Die Experten führen aus, es bestehe eine berufsrelevante Typ IV-Sensibilisierung auf Metaxylendiamin. Die Ekzeme seien anfänglich arbeitsabhängig gewesen und hätten zu einem späteren Zeitpunkt einen eigengesetzlichen Verlauf (ohne Besserung an den Wochenenden und in den Ferien) gezeigt. Die erniedrigte UVA-/UVB-Schwelle erkläre die akute Exazerbation unter Lichttherapie bei Dr. med. F.________. Die negativen Photopatch-Testungen und ausgedehnte Epikutantestungen mit Eigenproben hätten eine photoallergische und eine berufsfremde Komponente der Ekzeme weitgehend ausschliessen können. Der Patient leide an einem generalisierten Ekzem mit eigengesetzlichem Verlauf bei berufsrelevanter Sensibilisierung gegen Metaxylendiamin, verminderter Alkaliresistenz und erniedrigter UVA-/UVB-Schwelle. Nach Ausschluss anderer Ursachen liege ein eigengesetzlicher Verlauf bei beruflich bedingten generalisierten Ekzemen vor. Nach Abheilung der Hautveränderungen sei unter Beachtung der Nichteignungsverfügung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit anzustreben. 3.2.2 Vom 23. August bis 2. September 2004 war der Versicherte erneut im Spital A.________, Dermatologische Klinik, hospitalisiert. In ihrem Bericht vom 14. September 2004 diagnostizieren die behandelnden Ärzte u.a. ein Ekzem an Händen, Unterarmen und Unterschenkeln mit eigengesetzlichem Verlauf bei berufsrelevanter Sensibilisierung gegen Metaxylendiamin Juli 2003, verminderter Alkaliresistenz Juli 2003 sowie verminderter UVA- und UVB-Lichtschwelle Juli 2003. Überdies wird eine Urtikaria factitia erwähnt. Der Patient sei mit lokalen Steroiden und desinfizierenden Bädern behandelt worden. Da bei Eintritt ein Ekzem auch kubital bestanden habe und im Verlauf ein weisser Dermographismus nach Kratzen an den Unterschenkeln aufgefallen sei, habe differenzialdiagnostisch auch an ein atopisches Ekzem gedacht werden müssen. Aus diesem Grund sei eine Pricktestung durchgeführt worden, welche negativ ausgefallen sei. Eine Epikutantestung mit Eigenproben sei ebenfalls ohne pathologische Befunde durchgeführt worden. Um bei Unterschenkelekzem ein chronisches Stauungsekzem bei venöser Insuffizienz auszuschliessen, seien die Venen untersucht worden, wobei sich mittels Doppler und Duplex ein suffizientes oberflächliches Venensystem habe nachweisen lassen. Die Urtikaria factitia müsse als mögliche Aggravationsursache bei chronischem Kratzen ins Auge gefasst werden und könne somit zu einer Verschlechterung des Hautzustandes bzw. zu einer Verzögerung der Heilung führen. 3.2.3 Dr. med. F.________ hält in einem Schreiben vom 13. September 2005 fest, der Versicherte habe während seiner Arbeit in der Firma X.________ AG eine Sensibilisierung gegen Metaxylendiamin entwickelt. Das jetzige Ekzem sei durch ihn, Dr. med. F.________, als eigengesetzlicher Verlauf interpretiert worden. Seit 2002 arbeite der Patient nicht mehr, die Intensität des Ekzems nehme aber weiter zu. Zusätzlich habe der Patient eine zunehmende Lichtsensibilisierung entwickelt, die während der Hospitalisation auch dokumentiert worden sei. Diese habe auch auf die Augen übergegriffen, so dass der Patient immer eine Sonnenbrille tragen müsse. Es bestehe auch eine verstärkte Schmerzhaftigkeit der Haut bei Berührung. 3.2.4 Vom 29. September bis 4. Oktober 2005 hielt sich der Versicherte stationär im Spital H.________, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, auf. Er verliess die Klinik vorzeitig. Der Grund lag gemäss seinen Angaben darin, dass eine Assistenzärztin, welche nicht Augenärztin ist, seine Augen medikamentös behandeln wollte. Im Gutachten vom 18. Oktober 2005 wird ausgeführt, unabhängig von der Vorgeschichte handle es sich bei den aktuell bestehenden generalisierten Hautveränderungen mit Armbeugen-betonten, teils lichenifizierten Ekzemen, begleitet von einer Konjunktivitis mit ausgeprägter Photophobie, um ein atopisches Ekzem. Der Patient erfülle zahlreiche Kriterien nach Hanifin und Rajka. Untermauert werde die Diagnose eines atopischen Ekzems durch das erhöhte Total-IgE (1032 kU/l) sowie durch den erhöhten Phadiatop-Wert (0.36 kU/l). Die geplanten Prick-Testungen hätten aufgrund des vorzeitigen Spitalaustrittes nicht durchgeführt werden können. Auch der Verlauf mit Fortbestehen der Hautproblematik trotz Arbeitskarenz/ohne offensichtliche Allergenexposition spreche dafür, dass die ekzematösen Veränderungen nicht von der zuvor durchgeführten Arbeitstätigkeit abhängig seien. Eine nachträgliche Streuung des Kontaktekzems sei nach Auffassung der begutachtenden Ärztinnen ausgeschlossen. Die Wiederholung/Ergänzung der Epikutantestung habe aufgrund des vorzeitigen Austritts nicht durchgeführt werden können. Auch die histologische Aufarbeitung von zwei entnommenen Hautproben (Schulter rechts, Unterschenkel links) unterstütze die Diagnose eines Ekzems. 3.2.5 Dr. med. G.________ führt in seiner Stellungnahme vom 3. April 2006 aus, aufgrund der klinischen Untersuchung könne die Hauterkrankung zweifelsfrei einem chronischen Ekzem zugeordnet werden. Die alleinige klinische Untersuchung lasse keine Rückschlüsse auf die Ursache des Ekzems zu. Beim Patienten sei während der Arbeit ein gemäss Unterlagen initial arbeitsabhängiges Ekzem aufgetreten. Es sei eine Typ-IV-Sensibilisierung auf eine Arbeitssubstanz (Metaxylendiamin) nachgewiesen worden und der Patient leide seither an einem chronischen Ekzem. Vor dem 2001 einsetzenden aktuellen Leiden fänden sich keine Hinweise auf frühere Hautleiden oder generell auf eine atopische Diathese. Auch die Familienanamnese sei diesbezüglich bland. Erlanger Score (5) und Pricktestung, durchgeführt in der Klinik A.________, stützten die Diagnose einer atopischen Dermatitis nicht. Der in der Klinik C.________ durchgeführte Phadiatrop, der die Diagnose einer atopischen Dermatitis stützen solle, sei absolut grenzwertig ausgefallen (in der Klinik A.________ negativ). Die erhöhten IgE-Werte seien nicht beweisend für die Diagnose einer atopischen Dermatitis. Die abschliessende Beurteilung der Klinik C.________, wonach dem chronischen Ekzem ein endogenes Ekzem (atopische Dermatitis oder Neurodermitis) zugrunde liege, lasse Fragen offen, insbesondere auch im Hinblick auf die divergente Beurteilung durch die Klinik A.________ in den Vorjahren. Ob eine vorbestehende atopische Erkrankung vorliege, ob eine Atopie durch eine berufsbedingte Dermatose getriggert worden sei und jetzt einen eigengesetzlichen Verlauf zeige oder ob eine Berufsdermatose mit eigengesetzlichem Verlauf vorliege, könne nach seiner, Dr. med. G.________, Einschätzung zur Zeit nicht abschliessend beurteilt werden. Vielleicht werde der weitere Verlauf der Hauterkrankung Aufschluss geben. 3.2.6 Laut der ärztlichen Beurteilung durch Dr. med. R.________ vom 6. November 2006 war die Diagnose einer eigengesetzlichen Kontaktdermatitis, welche die Dermatologische Klinik A.________ im Jahr 2003 in den Vordergrund stellte, in Berücksichtigung der damaligen Befunde nachvollziehbar. Bei dieser Diagnose handle es sich in der Regel um eine Ausschlussdiagnose, die sich weder auf eindeutige klinische Befunde noch auf Laborbefunde abstützen lasse. Die grundlegenden Pathomechanismen seien weitgehend unbekannt, und entsprechend sei auch die Fachliteratur spärlich. Im vorliegenden Fall sei diese Diagnose rückblickend als vorläufige Arbeitshypothese zu betrachten. Die Möglichkeit des Vorliegens einer atopischen Dermatitis als Differenzialdiagnose sei nicht oder zu wenig in Betracht gezogen worden. Bei der zweiten Hospitalisation seien explizit sehr typische Merkmale eines atopischen Ekzems (Beugenekzeme, Kratzspuren mit weissem Demographismus) beschrieben worden; ferner habe sich wiederum ein erhöhter IgE-Wert gefunden. Dennoch sei ohne Differenzialdiagnose an der bisherigen Diagnose eines eigengesetzlichen Kontaktekzems festgehalten worden. Auch sei die Ursache der klinisch bedeutsamen Lichtempfindlichkeit vorerst unerklärt geblieben. Die Arbeitshypothese des eigengesetzlichen Kontaktekzems sei bei der späteren Untersuchung in der Berner Universitätsklinik in voller Kenntnis der früheren Befunde gänzlich fallen gelassen worden, weil damals eine klassische atopische Dermatitis im Schub vorgelegen habe. Bei dieser Krankheit handle es sich um eine so genannte endogen verursachte Hautproblematik. Die Diagnose sei durch zahlreiche Atopie-Kriterien nach Hanifin und Rajka gestützt. Zudem werde sie durch das Vorliegen hoch signifikanter Laborbefunde bestätigt, die bei früheren Untersuchungen nie in gleicher Weise ausgeprägt gewesen seien. Der gegenüber früher gar fünfmal höhere IgE-Wert sei ein schwergewichtiger Hinweis auf die atopische Veranlagung. Bei einem IgG-Wert von über Tausend kU/l könne zusammen mit dem typischen Hautbefund, einem chronischen Ekzemverlauf und einer Eosinophilie schwerlich am Vorliegen eines atopischen Ekzems gezweifelt werden. Der IgG-Wert und die Eosinophilie hingen mit dem Krankheitsverlauf zusammen und seien vor allem im Schub ausgeprägt. Ein atopisches Ekzem könne in einem nicht unbedeutenden Anteil im Erwachsenenalter, ohne Vorbefunde und anamnestische Hinweise, plötzlich ausbrechen und einen schubförmigen oder chronisch persistierenden Verlauf nehmen. Die Diagnose des atopischen Ekzems vermöge zudem die Lichtempfindlichkeit der Haut und der Augen zu integrieren. Die Lichtempfindlichkeit der Augen und die Konjunktivitis seien auch Bestandteil des Atopie-Scores nach Diepgen. Beides sei für das eigengesetzliche Kontaktekzem atypisch. Dasselbe gelte für die 15 Monate, welche zwischen der Aufgabe der Tätigkeit in der Versuchsanlage und dem Auftreten grossflächiger Ekzeme lägen.