Citation: 1B_519/2022 E. 2.3

2.3. Zwar war der von der Vorinstanz eingesetze Ersatzoberrichter den anderen Mitgliedern des Spruchkörpers rechtlich gleichgestellt und somit bei der Ausübung seiner Richterfunktion im konkreten Verfahren formell nicht weisungsgebunden. Indessen ist unbestritten, dass der Ersatzoberrichter sich in seiner parallel ausgeübten (hauptamtlichen) Tätigkeit als Gerichtsschreiber dem am angefochtenen Beschluss beteiligten ordentlichen Oberrichter gegenüber in einem Subordinationsverhältnis befindet. Dieser Umstand schafft zumindest den Anschein einer informellen Hierarchie innerhalb des Spruchkörpers, die geeignet ist, die interne richterliche Unabhängigkeit der als Ersatzrichter eingesetzten Person zu beeinträchtigen (vgl. Urteil 1B_420/2022 vom 9. September 2022 E. 5.3.5, zur amtlichen Publikation vorgesehen). Daran ändert zunächst der Umstand nichts, dass der am angefochtenen Beschluss beteiligte ordentliche Oberrichter den Vorsitz der III. Strafkammer nur in Vertretung ausübte. Soweit die Vorinstanz sodann einwendet, der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts folgend wäre - aufgrund ihrer beratenden Stimme - bereits die Mitwirkung einer Gerichtsschreiberin bzw. eines Gerichtsschreibers (in ihrer hauptamtlichen Funktion) heikel, ändert dies ebenfalls nichts an der Problematik von deren Einsatz als Ersatzrichterinnen bzw. -richter am Obergericht. Den dortigen Gerichtsschreiberinnen und -schreibern obliegt die Urteilsredaktion sowie die Antragstellung (vgl. § 24 der kantonalen Verordnung über die Organisation des Obergerichts vom 3. November 2010 [LS 212.51]). In diesem Sinne sind sie zwar von Gesetzes wegen an der Entscheidfindung beteiligt, dies jedoch nur mit beratender Stimme und ohne Weisungsfreiheit im Verhältnis zu den Oberrichterinnen und Oberrichtern. Sie können von ihrer Beratungsfunktion mit Zurückhaltung Gebrauch machen oder gar ganz darauf verzichten, was bei Ausübung einer richterlichen Tätigkeit nicht möglich ist. Mit Blick auf die von den Gerichtsschreiberinnen und -schreibern üblicherweise ausgeübte Funktion erscheint das zwischen ihnen und den ordentlichen Mitgliedern des Obergerichts bestehende Subordinationsverhältnis somit deutlich weniger problematisch.