Citation: 5A_248/2023 E. 4.1

4.1. Die Vorinstanz verweist auf Art. 298b Abs. 3 und Art. 298d Abs. 3 ZGB sowie auf BGE 145 III 436. Demnach sei die Kindesschutzbehörde zur Beurteilung von Sorgerechtsstreitigkeiten zwischen nicht miteinander verheirateten Eltern sachlich zuständig, soweit die entsprechenden Fragen nicht bereits vor Gericht streitig sind, und müsse ihre Entscheidkompetenz bezüglich der Kinderbelange an das Gericht abgeben, sobald dieses mit der Urteilsfrage befasst ist. In der Folge prüft die Vorinstanz, ob diese Kompetenzattraktion bereits mit der Einreichung eines Schlichtungsgesuchs eintritt. Sie erörtert den diesbezüglichen Meinungsstand im Schrifttum, zitiert aus der Rechtsprechung des Obergerichts des Kantons Bern und betont, dass mit dem Zivilgericht im Falle einer Kompetenzattraktion eine Behörde zuständig werde, die im Unterschied zur Kindesschutzbehörde zum Entscheid über alle Kinderbelange unter Einschluss des Unterhalts kompetent ist. Dies treffe auf die Schlichtungsbehörde nicht zu, sei diese doch grundsätzlich überhaupt nicht zum Entscheid über Kinderbelange zuständig. Sei die Kindesschutzbehörde mit der Regelung von Kinderbelangen befasst, so könne sie auch um Schlichtung bezüglich eines Unterhaltsanspruchs ersucht werden. Komme diesbezüglich keine Einigung zustande, könne die gesuchstellende Partei ohne Anrufung der Schlichtungsstelle das Gericht anrufen, das im Unterschied zur Schlichtungsstelle auch die übrigen Kinderbelange regeln könne. Wollte man demgegenüber die Kompetenzattraktion bereits mit der Rechtshängigkeit einer Unterhaltsklage bei der Schlichtungsstelle annehmen, so würden der bisher zuständigen Kindesschutzbehörde Regelungskompetenzen weggenommen, die der neu zuständigen Schlichtungsbehörde gar nicht zukommen. Entsprechend würde diesfalls das Ziel des Gesetzgebers, mit der Kompetenzattraktion gemäss Art. 298b Abs. 3 und Art. 298d Abs. 3 ZGB gespaltene und von Doppelspurigkeiten geprägte Zuständigkeiten zur Regelung der Kinderbelange zu vermeiden, gerade nicht erreicht. Vielmehr würde das Verfahren aufgrund der fehlenden Regelungskompetenz der neu angerufenen Behörde blockiert. Daraus schliesst das Appellationsgericht, dass die Regelungskompetenz der Kindesschutzbehörde gestützt auf die zitierten Normen nicht wegfällt, wenn während eines laufenden Regelungsverfahrens bezüglich der Kinderbelange die Schlichtungsbehörde mit einem Unterhaltsbegehren angerufen wird. Die Kompetenzattraktion trete erst mit der Anrufung des Gerichts ein. In der Folge erläutert die Vorinstanz, weshalb im konkreten Fall auch der Grundsatz von Treu und Glauben gemäss Art. 5 BV und Art. 52 ZPO zum selben Ergebnis führe. Sie konstatiert, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Anhörung im Verfahren vor der Kindesschutzbehörde darauf verzichtete, ein Gesuch um Vermittlung bezüglich der von ihr beabsichtigten Neuregelung des Unterhalts zu stellen, obwohl die Kindesschutzbehörde dazu zuständig wäre. Weiter erinnert sie daran, dass die Beschwerdeführerin mit dem Beschwerdegegner im November 2021 vor der Kindesschutzbehörde einen Unterhaltsvertrag abgeschlossen und die Unterhaltspflicht danach nicht mehr thematisiert habe, auch nicht in ihrer Anhörung vom 13. September 2022 (s. Sachverhalt Bst. B.a). Von ihrem Schlichtungsgesuch vom 18. Oktober 2022, in welchem sie erstmals auf den behördlich genehmigten Unterhaltsvertrag zurückgekommen sei, habe sie der Kindesschutzbehörde keine Mitteilung gemacht, noch habe sie im Schlichtungsgesuch auf das damals hängige Verfahren vor der Kindesschutzbehörde hingewiesen. Schliesslich sei sie auch eine Erklärung schuldig geblieben, weshalb sie ihr Unterhaltsbegehren nicht schon vor der Kindesschutzbehörde eingebracht oder dazu noch keinen Anlass gehabt habe. Für das Appellationsgericht steht damit fest, dass die Beschwerdeführerin selbst minimale Anstrengungen zur Abstimmung der Verfahren unterliess. Ihr Vorgehen sei schikanös, ziele offensichtlich auf die Verzögerung der Regelung der Kinderbelange und könne als Verstoss gegen Treu und Glauben im Verfahren daher keinen Rechtsschutz finden. Vor diesem Hintergrund lässt das Appellationsgericht offen, ob die Schlichtungsbehörde überhaupt angerufen werden muss, wenn im gerichtlichen Verfahren eine Regelung der vor der Kindesschutzbehörde bereits hängigen und entscheidreifen Kinderbelange in Ergänzung zu dem dort nicht anhängig gemachten Kinderunterhalt getroffen werden soll, oder ob trotz fehlender Streitgegenständlichkeit des Unterhalts im kindesschutzbehördlichen Verfahren auf das Schlichtungsverfahren verzichtet werden kann. Im Ergebnis sei die KESB im Zeitpunkt ihres Entscheids zur getroffenen Regelung kompetent gewesen und bei der Schlichtungsbehörde des Zivilgerichts keine Kompetenzattraktion eingetreten.