Citation: 2C_155/2014 E. 3.2

3.2. Am 7. März 2011 leitete das Amt für Migration und Integration das Widerrufsverfahren ein, indem es dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör gewährte. Mit der Eröffnung des Verwaltungsverfahrens trat die Litispendenz ein (vgl. BGE 140 II 298 E. 5.4 S. 302). Das Widerrufsverfahren war somit bereits hängig, als A.________ Ende April oder Anfang Mai 2011 bei der Genfer Migrationsbehörde um Bewilligung des Kantonswechsels nachsuchte. Gemäss Art. 37 Abs. 3 AuG (SR 142.20) haben Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf den Kantonswechsel, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 63 AuG vorliegen. Nachdem im Wohnsitzkanton des Beschwerdeführers ein Verfahren hängig war, welches den Widerruf der Bewilligung gestützt auf Art. 63 AuG zum Gegenstand hatte, ist nicht nachvollziehbar, warum das Amt für Migration und Integration das Verfahren sistiert hat. Vielmehr hätte die Genfer Migrationsbehörde ihr Verfahren sistieren können, bis über den Widerruf der Niederlassungsbewilligung rechtskräftig entschieden ist. Die Cour de justice des Kantons Genf hat schliesslich das Beschwerdeverfahren am 22. Mai 2014 sistiert, um das Urteil des Bundesgerichts abzuwarten. Die Zuständigkeit der Aargauer Behörden zur Einleitung des Widerrufsverfahrens ergibt sich daraus, dass die Bewilligung (erst) erlischt, wenn in einem anderen Kanton eine Bewilligung erteilt wird (Art. 61 Abs. 1 lit. b BGG). Ist die örtliche Zuständigkeit einmal begründet, kann sie im Lauf des Instanzenzugs nicht mehr geändert werden. Mit Blick darauf kann der Vorinstanz keine Verletzung der verfassungsrechtlichen Begründungspflicht vorgeworfen werden. Der Grundsatz "ne bis idem" besagt, dass niemand wegen einer strafbaren Handlung, wegen der er bereits nach dem Gesetz und dem Strafverfahrensrecht des jeweiligen Landes rechtskräftig verurteilt oder freigesprochen worden ist, erneut verfolgt oder bestraft werden darf (Art. 14 Abs. 7 UNO-Pakt II [SR 0.103.2]). Das Verbot der doppelten Strafverfolgung ist im verwaltungsrechtlichen Kontext nicht einschlägig. Hier steht das Institut der abgeurteilten Sache (res iudicata) der erneuten (gerichtlichen) Beurteilung desselben Rechtsverhältnisses entgegen. Im vorliegenden Fall waren die Verfahrensgegenstände (Bewilligung des Kantonswechsels bzw. Widerruf der Niederlassungsbewilligung) ohnehin nicht identisch, so dass sich die Frage nicht stellt. Das zeitlich später angehobene Verfahren musste indessen sistiert werden, um zu verhindern, dass zwei einander widersprechende Urteile ergehen. Inwiefern die Vorinstanz den Grundsatz der Prozessökonomie verletzt haben soll, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht dargetan. Es ist darauf nicht näher einzugehen.