Citation: 7B_539/2023 E. 3.4

3.4. Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, die Vorinstanz hätte ihm gestützt auf Art. 385 Abs. 2 StPO eine Frist zur Nachbesserung seiner Berufungsanträge ansetzen müssen. Art. 385 Abs. 2 StPO konkretisiert das Verbot des überspitzten Formalismus für das Rechtsmittelverfahren (Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1309 Ziff. 2.9.1). Von fachkundigen Personen, wie etwa Rechtsanwälten, kann erwartet werden, dass sie Rechtsmittel formgerecht einreichen; ihnen gegenüber kommt eine Nachfristansetzung in der Regel nur bei Versehen oder unverschuldetem Hindernis in Frage (Urteile 6B_1273/2019 vom 11. März 2020 E. 2.4.4; 6B_552/2018 vom 27. Dezember 2018 E. 1.5; JÜRG BÄHLER, in: Basler Kommentar, a.a.O., N. 7 zu Art. 385 StPO mit Verweis auf BGE 134 V 162 E. 4.1 und E. 5.1). Gemäss der vorinstanzlichen Erwägung 4 entschuldigt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers das Fehlen der reformatorischen Anträge nicht als Versehen. Für ein solches oder ein unverschuldetes Hindernis bestehen mithin keine Anhaltspunkte. Art. 385 Abs. 2 StPO erlaubt es alsdann nicht die spezifischen Anforderungen von Art. 399 Abs. 3 StPO zu umgehen und die Tragweite von Art. 89 Abs. 1 StPO zu unterlaufen, wonach gesetzliche Fristen, zu denen die Rechtsmittelfristen gehören, nicht erstreckt werden können (vgl. Urteile 6B_867/2020 vom 8. November 2021 E. 3.4.2; 6B_120/2016 vom 20. Juni 2016 E. 3.1; je mit Hinweisen). Fehlen die reformatorischen Anträge in der Eingabe der fachkundigen Person gänzlich, kann damit nicht über den Umweg von Art. 385 Abs. 2 StPO eine Verlängerung der 20-tägigen Antragsfrist nach Art. 399 Abs. 3 StPO erwirkt werden.