Citation: 7B_224/2023 E. B

Am 19. Dezember 2019 erhob die BA Anklage gegen die Beschuldigten wegen qualifizierter Geldwäscherei. In der Anklageschrift wurden beschlagnahmte Vermögenswerte der A.________ SA und der B.________ Ltd. aufgeführt. Die BA beantragte unter anderem die Ausgleichseinziehung (Art. 70 StGB) von gesperrten Vermögenswerten der A.________ SA und die Zusprechung einer staatlichen Ersatzforderung (Art. 71 StGB) zu Lasten von beschlagnahmtem Vermögen der B.________ Ltd. B.a. Am 2. Juni 2020 fand (in Anwesenheit eines Vertreters der BA und der Verteidiger der beiden Beschuldigten) die Hauptverhandlung statt. Das Strafurteil SK.2019.77 der Strafkammer des Bundesstrafgerichtes wurden den Parteien (Beschuldigte und BA) am 26. Juni 2020 mündlich eröffnet und begründet. Die Beschuldigten liessen je die Berufung anmelden. Den beiden Gesellschaften und ihrem Rechtsvertreter wurde das Urteilsdispositiv weder förmlich eröffnet noch zugestellt. B.b. In ihrem Urteilsdispositiv (Ziff. III) zog die Strafkammer folgende Vermögenswerte ein bzw. belegte sie mit einer staatlichen Ersatzforderung: Auf einem ersten gesperrten Konto der A.________ SA erfolgte die Ausgleichseinziehung eines Betrages in USD (in mehrfacher Millionenhöhe) (Ziff. 1); auf einem ersten Konto der B.________ Ltd. wurde ein Betrag (in USD) zur Deckung der Verfahrenskosten herangezogen, der Restbetrag als (Teil-) Haftungssubstrat für die dem Staat zugesprochene Ersatzforderung (Ziff. 2); auf einem zweiten Konto der B.________ Ltd. wurde ein Betrag als weiteres (Teil-) Haftungssubstrat für die Ersatzforderung herangezogen (Ziff. 3), und auf einem zweiten Konto der A.________ SA wurde ebenfalls ein Betrag als weiteres (Teil-) Haftungssubstrat für die Ersatzforderung herangezogen (Ziff. 4). Das schriftlich begründete Urteil der Strafkammer wurde am 28. September 2020 an die BA und die Verteidiger der beiden Beschuldigten versendet. B.c. Am 19. bzw. 20. Oktober 2020 reichten die Beschuldigten je ihre Berufungserklärungen gegen das Strafurteil vom 26. Juni 2020 der Strafkammer ein. Die BA erklärte am 25. November 2020 (teilweise) die Anschlussberufung. Auf telefonische Anfrage vom 25. Januar 2021 der Verfahrensleitung der Berufungskammer des Bundesstrafgerichtes hin teilte der Anwalt der beiden Gesellschaften der Berufungskammer mit, dass er seine Mandantschaft nach wie vor rechtlich vertrete. B.d. Am 3. Februar 2021 erliess die Vorsitzende der Berufungskammer folgende prozessleitende Verfügung: Sie liess die beiden Gesellschaften als "beschwerte Dritte" im Berufungsverfahren zu und stellte fest, dass ihnen "nach Art. 105 Abs. 2 StPO je die zur Wahrung ihrer Interessen erforderlichen Rechte einer Partei" zuständen, soweit sie durch das Strafurteil SK.2019.77 (Dispositivziffern III/1-4) beschwert seien. Ausserdem erhielten die Gesellschaften vollumfängliche Akteneinsicht. Innert einer Frist von 20 Tagen seit Erhalt des betreffenden Datenträgers stehe es ihnen (je im Rahmen ihrer Beschwer) namentlich frei, direkt Berufung gegen das Strafurteil zu erklären oder Beweisanträge zu stellen. B.e. Gegen die verfahrensleitende Verfügung vom 3. Februar 2021 der Vorsitzenden der Berufungskammer gelangten die Gesellschaften mit Beschwerde vom 8. März 2021 an das Bundesgericht. Sie beantragten die Aufhebung der Verfügung und die Anweisung an die Berufungskammer, das Urteil der Strafkammer vom 26. Juni 2020 (SK.2019.77) aufzuheben und die Strafsache an die Strafkammer zurückzuweisen zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung, wobei den Beschwerdeführerinnen eine Frist von mindestens 30 Tagen zur Einreichung von Beweisanträgen einzuräumen sei. Mit Urteil vom 12. August 2021 trat die I. öffentlich-rechtliche Abteilung des Bundesgerichtes auf die Beschwerde gegen die verfahrensleitende Verfügung vom 3. Februar 2021 nicht ein (Verfahren 1B_120/2021). B.f. Am 9. Oktober 2021 informierte der bisherige Rechtsvertreter der beiden Gesellschaften die Berufungskammer über die Niederlegung seines Vertretungsmandats. Mit E-Mail vom 14. Oktober 2021 präsentierte sich ein weiterer Anwalt als neuer Rechtsvertreter der A.________ SA. Im Zusammenhang mit der Suche nach einem Termin für die Berufungsverhandlung teilte der Rechtsvertreter der Berufungskammer in einer E- Mail vom 17. Dezember 2021 mit, dass er sich aufgrund der blockierten Guthaben der A.________ SA veranlasst sehe, um deren teilweise Freigabe zur Deckung seiner Interventionskosten zu ersuchen, eventualiter um die Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege. Dieses Gesuch wiederholte er mit E-Mail vom 17. Januar 2022. B.g. Mit Eingabe vom 4. März 2022 teilte der Rechtsvertreter der A.________ SA der Berufungskammer mit, dass es ihm aufgrund des im Februar 2022 in der Ukraine ausgebrochenen Krieges derzeit nicht möglich sei, mit dem wirtschaftlich Berechtigten seiner Mandantschaft in Kontakt zu treten. Gleichzeitig erinnerte er an sein hängiges Gesuch um teilweise Freigabe der beschlagnahmten Vermögenswerte zur Deckung seiner Interventionskosten, subsidiär um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege im Berufungsverfahren für die A.________ SA. B.h. Mit Verfügung vom 12. Januar 2023 wies die Vorsitzende der Berufungskammer das Gesuch der A.________ SA vom 17. Dezember 2021/4. März 2022 um teilweise Freigabe der beschlagnahmten Vermögenswerte zur Deckung der Interventionskosten ihrer Rechtsvertretung, subsidiär um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Berufungsverfahren, ab.