Citation: 9C_585/2024 E. 3.2.3

3.2.3. Hinzu kommt Folgendes: Es trifft zwar zu, dass dem Kontrollbericht ("Protokoll" in der Fassung vom 16. Dezember 2015) entnommen werden kann, die Abklärungen hätten den Verdacht "erhärtet", dass es sich bei der Steuerpflichtigen um eine "Briefkastenfirma zum Zwecke der Steuerersparnis" handle (dortige S. 1). Entsprechend sei die Unternehmung in das Steuerregister des Kantons Zürich einzutragen und werde der Steuerkommissär um Erlass einer Feststellungsverfügung ersucht (dortige S. 2). Dabei bleibt aber völlig im Dunkeln, ob die Aussage lediglich vor dem Hintergrund der Kontrollperiode (Steuerperioden 2013 und 2014) getroffen wurde, zumal nicht etwa die Steuerpflichtige, sondern vielmehr die A.________ AG (die spätere Rechtsnachfolgerin) kontrolliert worden war. Die Wortwahl ("erhärteter Verdacht") ist, dies entgegen der Rechtsnachfolgerin, ohnehin mehrdeutigen Auslegungen zugänglich. Mehr oder weniger synonym wäre es, wenn die Rede davon gewesen wäre, dass der Verdacht "begründet" oder "genährt" worden sei. Selbst wenn auf die Fassung des Protokolls vom 16. Dezember 2015 abgestellt und damit nicht die Fassung vom 13. Januar 2020 zum Ausgangspunkt genommen würde, bliebe reichlich Interpretationsspielraum zurück. Zwingend ist die Auslegung, wie die Rechtsnachfolgerin sie mit Nachdruck verficht, jedenfalls nicht. Ob der "Verdacht" - bezüglich der hier einzig interessierenden Steuerperioden - überhaupt schon vor der Kontrolle im Raum gestanden und ob er sich nach der Kontrolle zur Gewissheit verdichtet habe, was entscheidend wäre, kann der kurzen Wendung jedenfalls nicht entnommen werden. "Verdacht" und "Wissen" sind nicht deckungsgleich. Ein blosser Anschein, ein Zweifel, ein Misstrauen hinsichtlich der (erfolgten oder ausgebliebenen) Steuererklärung stellt ein Durchgangsstadium in einem Erkenntnisverfahren dar, an dessen Ende das eigentliche "Wissen" liegt. Wenn die Rechtsnachfolgerin also dartut, die Jahresrechnungen der Steuerpflichtigen und die Schlussfolgerung, dass die Steuerpflichtige "seit dem Jahr 2008 eigentlich im Kanton Zürich steuerpflichtig war", seien bereits im Dezember 2015 aktenkundig gewesen (Sachverhalt Bst. C.b), ergibt sich solcherlei weder aus den vorinstanzlichen Feststellungen (Art. 105 Abs. 1 BGG) noch aus den Akten (Art. 105 Abs. 2 BGG). Der Revisor rät zwar dazu, die Steuerpflichtige in das Steuerregister des Kantons Zürich aufzunehmen, nicht aber, ohne klar zu machen, dass der Entscheid darüber einer anderen Person (Steuerkommissär) obliegt. Kaum etwas Zusätzliches ergibt sich aus dem E-Mail vom 17. Dezember 2015, 15:33 Uhr, das die damalige Steuerberaterin an ihre Mandantin - die Steuerpflichtige - gerichtet hatte. Im ersten Bulletpoint findet sich einzig der Hinweis, dass der "tatsächliche Sitz" (womit der Ort der tatsächlichen Verwaltung gemeint sein dürfte) "angezweifelt" werde. Auch wenn anzunehmen ist, dass die "Zweifel" vom Kanton Zürich geäussert worden sein dürften, fände es im Verfassungsrecht keine Grundlage, wenn allein daraus auf hinreichendes Wissen des Kantons Zürich geschlossen würde. Gegenteils soll es sich - will man der damaligen Steuerberaterin Glauben schenken - um "Zweifel" gehandelt haben. Auch der Einspracheentscheid des Steueramtes des Kantons Zürich vom 18. Juni 2021 enthält keinen abschliessenden Hinweis auf das angeblich bestehende "Wissen". Ohne nähere Erläuterung äussert das Steueramt sich hier dahingehend, dass der Revisor "im Dezember 2015" "seine Vermutungen" dem Steuerkommissär "unterbreitet" habe (dortige E. 3.6.2). Und wenn die Steuerpflichtige schliesslich versucht, den ab Mitte Januar 2016 geführten, kantonsinternen E-Mail-Verkehr für ihre Zwecke zu erschliessen und klärende Rückschlüsse daraus zu ziehen, lässt auch dies die vorinstanzlichen Feststellungen nicht als offensichtlich unrichtig erscheinen. Unstreitig erlangte der Kanton Zürich, was die interessierenden Steuerperioden 2009 und 2010 angeht, erst am 19. Januar 2016 nähere Kenntnis. Hierzu ist zu wiederholen, dass die Buchprüfung vom 15./16. Dezember 2015 nicht der Steuerpflichtigen, sondern deren Schwestergesellschaft (die heutige Rechtsnachfolgerin) gegolten hatte, wobei die Steuerperioden 2013 und 2014 kontrolliert wurden. Was erstens die Steuerpflichtige und zweitens die Steuerperioden 2008 bis 2010 angeht, empfing der Kanton Zürich die Abschlüsse unstreitig (erst) am 19. Januar 2016 (Sachverhalt Bst. B.b). Dies brachte den Stein erst richtig ins Rollen, indem nun der Auftrag an die Dienstabteilung Spezialdienste erging, ein Nachsteuer- und Steuerhinterziehungsverfahren zu eröffnen.