Citation: U 265/00 18.07.2002 E. 5

5.- Zu prüfen bleibt, ob hinsichtlich der Kopf- und Nackenschmerzen, in Bezug auf welche der natürliche Kausalzusammenhang zwar anzunehmen, jedoch nicht hinreichend organisch nachweisbar ist, sowie der ebenfalls auf den Unfall zurückzuführenden minimalen Hirnfunktionsstörung (mit Sensibilitätsstörung und Halbseitensymptomatik als Folgen) auch die adäquate Kausalität gegeben ist. a) Das Beschwerdebild des Versicherten weist auch eine psychische Komponente auf. Während des vom 24. Januar 1996 bis zum 17. April 1996 dauernden Aufenthaltes in der Rehabilitationsklinik Q.________ wurde eine medikamentöse antidepressive Behandlung eingeleitet (Austrittsbericht vom 19. April 1996). Dr. med. G.________ schrieb, wieweit Kopfschmerzen und Schwindel irgendwie psychisch fixiert seien, könne nicht klar ausgemacht werden. Dr. med. O.________ führte im neurologischen Gutachten vom 18. November 1996 aus, der Versicherte biete psychopathologisch erstaunlich wenig Besonderheiten. Dr. med. M.________ rapportierte am 4. März 1997 eine deutlich depressive Grundstimmung. Dr. med. K.________ stellte ein subdepressives Zustandsbild fest, ohne jedoch eine Depression zu diagnostizieren (psychosomatisches Konsilium vom 18. September 1997), und bemerkte, die psychische Reaktion des Exploranden entspreche etwa dem, was normalpsychologisch zu erwarten sei. Unter diesen Umständen und in Anbetracht der Tatsache, dass Depressionen gerade zum typischen Beschwerdebild eines Schädel-Hirntraumas gehören, kann vorliegend nicht gesagt werden, die zum typischen Beschwerdebild eines SchädelHirntraumas gehörenden Beeinträchtigungen träten im Vergleich zu einer ausgeprägten psychischen Problematik ganz in den Hintergrund. Demnach hat die Adäquanzbeurteilung entgegen der Auffassung von Verwaltung und Vorinstanz nicht nach den in BGE 115 V 138 Erw. 6 für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätzen, sondern nach den in BGE 117 V 382 Erw. 4b für Schädel-Hirntraumen festgelegten Kriterien zu erfolgen (BGE 123 V 99 Erw. 2a; Urteil W. vom 18. Juni 2002, U 164/01, Erw. 3a und b). b) Aufgrund des Geschehensablaufs und der zugezogenen Verletzungen (vgl. BGE 117 V 383 f., 115 V 139; SVR 2001 UV Nr. 8 S. 33 Erw. 6, UV Nr. 22 S. 82 Erw. 6) ist der Unfall vom 29. September 1995 als mittelschweres Ereignis zu qualifizieren und dabei eher den schwereren Unfällen im mittleren Bereich zuzurechnen. c) Bei mittelschweren Unfällen sind für die Beantwortung der Frage der adäquaten Kausalität objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind bei Vorliegen eines Schädel-Hirntraumas zu nennen: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit (BGE 117 V 383 Erw. 4b). Je nach den konkreten Umständen kann für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schwereren Unfall zu qualifizieren ist. Andererseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht wird. Diese Würdigung des Unfalls zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs (BGE 117 V 384 Erw. 4c). d) Der Versicherte leidet seit dem Unfall glaubhafterweise an einen beträchtlichen Leidensdruck bewirkenden Kopfschmerzen. In Anbetracht des Schweregrades des Unfalles genügt die Erfüllung dieses Kriteriums erheblicher Dauerbeschwerden für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs, ohne dass das Vorliegen weiterer Kriterien geprüft werden müsste. Dass die dauernden Kopfschmerzen mit der Zeit - möglicherweise - teilweise psychisch unterlegt sind, kann dem Versicherten nicht entgegengehalten werden. Wenn nämlich bei der Prüfung der unfallbezogenen Kriterien im Rahmen der Adäquanzbeurteilung schon bei Schädel-Hirntraumen ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle auf eine Unterscheidung von physischen und psychischen Gesichtspunkten verzichtet wird (BGE 117 V 367; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317), so muss dies um so mehr dort seine Richtigkeit haben, wo ein Versicherter, wie hier der Fall, eine organisch fassbare Schädel-Hirnverletzung mit bleibenden Folgen erlitten hat. Der Unfall vom 29. September 1995 ist somit für die im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs auf den Unfall zurückzuführenden Beschwerden, insbesondere für die streitigen Kopf- und Nackenschmerzen, adäquat kausal. Demzufolge hat die SUVA auch für diese aufzukommen, soweit sie einer (noch eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes versprechenden; vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG) Behandlung bedürfen, einen Integritätsschaden darstellen und/oder die Arbeitsfähigkeit erheblich limitieren sollten. Die SUVA hat abzuklären, ob dies zutrifft, und über die in Frage kommenden Leistungsansprüche zu befinden.