Citation: 5A_106/2019 E. 5.5

5.5. Im Lichte der geschilderten Vorgaben erweckt der angefochtene Entscheid in der Tat Bedenken. Dass der Beschwerdeführer die erstinstanzlichen Erwägungen zum elterlichen Konflikt nicht in Frage stellte, sich gegen eine Zuteilung der Alleinsorge an die Beschwerdegegnerin wehrte und in seinen Berufungsanträgen die Alleinsorge für sich verlangte, entband das Obergericht nicht von der Pflicht, von Amtes wegen zu prüfen, ob die gemeinsame elterliche Sorge auch nach der Scheidung der Parteien als gesetzlich vorgesehene Lösung für den Regelfall beizubehalten ist. Der Offizialgrundsatz (Art. 296 Abs. 3 ZPO) gilt auch im Berufungsverfahren (BGE 137 III 617 E. 4.5.2 S. 620 mit Hinweisen). Nachdem die Parteien die elterliche Sorge bis anhin immer gemeinsam ausübten und das gemeinsame Sorgerecht von Gesetzes wegen gilt, durfte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer nicht vorhalten, keinen förmlichen Antrag auf Beibehaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge gestellt zu haben. Soweit das Obergericht schon wegen des prozessualen Verhaltens des Beschwerdeführers nur noch darüber befinden will, ob die Alleinsorge der Mutter oder dem Vater zuzuweisen ist, erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtsfehlerhaft. Anstatt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge entsprechend den Vorgaben der Rechtsprechung gegeben sind, gibt sich das Obergericht mit den erstinstanzlichen Erkenntnissen zufrieden, wonach die Parteien dauerhaft zerstritten sind und nicht mehr miteinander kommunizieren können. Weder im Urteil des Ober- noch in demjenigen des Bezirksgerichts finden sich jedoch irgendwelche Feststellungen, die den Schluss zuliessen, dass sich der Elternkonflikt und die Kommunikationsunfähigkeit der Eltern in der Vergangenheit negativ auf C.________s Wohl ausgewirkt hätten oder diesen Effekt in der Zukunft haben könnten. Daran ändert auch die geographische Distanz zwischen den Eltern nichts, welche die Situation laut Bezirksgericht "zusätzlich erschwert". Ebenso wenig ist dem angefochtenen Entscheid zu entnehmen, dass von einer alleinigen elterlichen Sorge - wem auch immer diese zuzuweisen wäre - eine Verbesserung der Situation zu erwarten wäre. Allein die Prognose, dass sich die Eltern angesichts ihrer "verfahrenen Beziehung" über die wesentlichen Fragen der Erziehung voraussichtlich nicht werden einigen können, genügt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gerade nicht, um vom gesetzlichen Regelfall der gemeinsamen Ausübung des Sorgerechts abzuweichen. Die Art und Weise, wie die Vorinstanz dem Beschwerdeführer die elterliche Sorge entzieht, verletzt das Bundesrecht. Entgegen dem, was die kantonalen Instanzen anzunehmen scheinen, lautet die Frage in einem Streit wie dem vorliegenden nicht, ob die gemeinsame elterliche Sorge dem Kindeswohl entspricht. Wie Art. 298 Abs. 1 ZGB ausdrücklich vorgibt, ist vielmehr zu prüfen, ob es zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist, einem Elternteil die alleinige elterliche Sorge zu übertragen. Mit dieser Frage wird sich das Obergericht in einem neuen Entscheid befassen müssen. Zwar zeichnet der angefochtene Entscheid ein durchwegs positives Bild von C.________s gegenwärtiger Situation und von ihrem Befinden; die Vorinstanz kommt zum Schluss, dass eine "aktuelle Gefährdung des Wohls von C.________ nicht erkennbar sei". Die fraglichen Erwägungen beziehen sich indessen auf C.________s gegenwärtige Familien- und Betreuungssituation und beantworten die vom Obergericht aufgeworfene Frage, ob sich das Kind bei der Mutter oder beim Vater am besten entfalten kann. Sie können die von der Rechtsprechung geforderte tatsachenbasierte Sachverhaltsprognose, ob das gemeinsame Sorgerecht eine erhebliche Beeinträchtigung des Kindeswohls befürchten lässt, nicht ersetzen. Dasselbe gilt für den (sinngemässen) Schluss des Obergerichts, dass nur eine Alleinzuteilung der elterlichen Sorge die Kontinuität der Verhältnisse gewährleisten kann, wie sie für die Fortentwicklung wesentlich sei. Mit dieser Überlegung (und auch mit seinen diesbezüglichen theoretischen Erörterungen) bringt das Obergericht auf unzulässige Weise Kriterien ins Spiel, die nicht die Regelung des elterlichen Sorgerechts, sondern die Regelung der elterlichen Betreuungsanteile bzw. der elterlichen Obhut betreffen. Auch in dieser Hinsicht vermag der angefochtene Entscheid nicht zu überzeugen.