Citation: 5A_86/2021 E. 3.1.5

3.1.5. 3.1.5.1. Was allein die Globalübernahme der SIA-Norm 118 angeht, ist daran zu erinnern, dass derjenige, der einen Vertragstext mit einem ausdrücklichen Verweis auf allgemeine Geschäftsbedingungen unterschreibt, in gleicher Weise gebunden ist wie derjenige, der seine Unterschrift unter den Text der allgemeinen Bedingungen selbst setzt. Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin kommt es also gerade nicht darauf an, dass der Beschwerdegegner die fraglichen Bedingungen tatsächlich gelesen hat (s. BGE 109 II 452 E. 4; 108 II 416 E. 1b; Urteil 4C.427/2005 vom 4. Mai 2006 E. 2.1). Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, kann sich (ausserhalb des Streits um die Ungewöhnlichkeitsregel) aber die Frage stellen, ob eine einzelne vorformulierte Vertragsbestimmung - hier Art. 154 Abs. 3 der SIA-Norm 118 - der betreffenden Partei bekannt war bzw. bekannt sein musste. Diesbezüglich vermag die Beschwerdeführerin im hiesigen Verfahren freilich nichts auszurichten. Allein mit Mutmassungen darüber, dass die Bauleitung nach der Unterzeichnung der streitigen Schlussrechnungen womöglich entsprechende Urkunden anderer Unternehmer unterzeichnete, ist nichts gewonnen. Soweit die Beschwerdeführerin ohne weitere Erklärungen insistiert, dass der Beschwerdegegner die Vertretungsbefugnisse des Bauleiters beschränkt oder ihm die Vollmacht ganz entzogen habe, bleibt ungewiss, ob davon auch die hier fragliche, in Art. 154 Abs. 3 der SIA-Norm 118 kundgegebene Vollmacht erfasst ist. Ausserdem verstrickt sich die Beschwerdeführerin in Ungereimtheiten, wenn sie sich im Zusammenhang mit dem angeblichen Widerruf der Vollmacht zur verpflichtenden Anerkennung der Schlussrechnungen darauf beruft, dass der Beschwerdegegner aufgrund seines Schreibens an die Bauleitung vom 12. September 2013 schon drei Monate vor der Anerkennung der Schlussrechnungen von der Vertretungsbefugnis des Bauleiters gewusst habe, und zugleich erklärt, dass diese Anerkennung "im September 2013 erfolgt" sei. Auch damit vermag die Beschwerdeführerin eine willkürliche Sachverhaltsfeststellung nicht darzutun. Von vornherein nicht zu hören ist sie schliesslich mit dem Argument, die Bauleitung sei auch gestützt auf Art. 38 des Werkvertrags zur verbindlichen Anerkennung der Schlussrechnung befugt gewesen. Der angefochtene Entscheid äussert sich dazu nicht; dass sie dieses Argument schon im kantonalen Verfahren in den Prozess eingeführt hätte und damit nicht gehört worden wäre, macht die Beschwerdeführerin nicht geltend. Das Vorbringen muss vor Bundesgericht deshalb als neu gelten. Inwiefern erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG), tut die Beschwerdeführerin nicht dar (BGE 133 III 393 E. 3). 3.1.5.2. Bedenken erweckt hingegen die Art und Weise, wie die Vorinstanz die Bestreitungen der Beschwerdeführerin betreffend die subjektive Voraussetzung der Ungewöhnlichkeitsregel als nicht hinreichend substanziiert einstuft. Wohl handelt es sich bei der Voraussetzung, über keine Branchenkenntnisse zu verfügen, um ein (unbestimmtes) Negativum (vgl. dazu ALEXANDRA JUNGO, in: Zürcher Kommentar, 3. Aufl., 2018, N 305 zu Art. 8 ZGB und die dort erwähnten Beispiele), weshalb die Beschwerdeführerin die dazu vorgetragenen Behauptungen des Beschwerdegegners substanziiert zu bestreiten hatte (HANS PETER WALTER, in: Berner Kommentar, 2012, N 194 und 353 zu Art. 8 ZGB). Nach der Rechtsprechung sind Bestreitungen von Tatsachenbehauptungen so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, welche einzelnen Behauptungen einer Partei damit bestritten werden. Die Bestreitung muss ihrem Zweck entsprechend so konkret sein, dass der Prozessgegner weiss, welche einzelne Tatsachenbehauptung er beweisen muss. Pauschale Bestreitungen reichen nicht aus. Erforderlich ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und konkreten gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird (BGE 141 III 433 E. 2.6 mit Hinweisen; s. auch Urteil 5A_710/2009 vom 22. Februar 2010 E. 2.3.1, nicht publ. in: BGE 136 III 257). Aus alledem folgt nun aber nicht, dass die bestreitungsbelastete Beschwerdeführerin, die dem Beweis der fehlenden Erfahrung in Bausachen überdies erkennbar weniger nahe steht als der behauptungsbelastete Beschwerdegegner (vgl. C. JÜRGEN BRÖNNIMANN, Die Behauptungs- und Substanzierungslast im schweizerischen Zivilprozess, 1989, S. 180), konkrete positive Tatsachen zu einschlägigen Erfahrungen des Beschwerdegegners darzutun hat, die dessen Behauptung, vor dem Abschluss der streitgegenständlichen Werkverträge über keinerlei Erfahrung in Bausachen verfügt und zum ersten Mal gebaut zu haben (Randziffer 209 der Klageantwort vom 23. Mai 2014; s. den diesbezüglichen Verweis in Randziffer 32 der Beschwerde), geradezu widerlegen. Derartige Anforderungen an die Substanziierung der Bestreitung würden die vom materiellen Recht vorgegebene Verteilung der Beweislast auf unzulässige Weise umkehren (vgl. WALTER, a.a.O., N 342 zu Art. 8 ZGB). Mit seinem entsprechenden Vorhalt an die Adresse der Beschwerdeführerin bevorteilt das Obergericht bundesrechtswidrig den Beschwerdegegner, der sich auf seine fehlende Bauerfahrung beruft, um nach Massgabe der Ungewöhnlichkeitsregel das Zustandekommen einer Vereinbarung von Art. 154 Abs. 3 der SIA-Norm 118 in Abrede zu stellen. Zu Recht besteht die Beschwerdeführerin darauf, dass ihre Ausführungen hinreichend konkret gewesen seien, um die gegnerischen Behauptungen zu bestreiten. Das Obergericht übersieht Passagen im erstinstanzlichen Schriftenwechsel, auf die es hier ankommt. In Randziffer 242 ihrer Replik vom 14. Oktober 2015, in der sie sich zu Randziffer 209 der Klageantwort äussert und ausdrücklich dagegen wehrt, dass der Beschwerdegegner ein nur einmaliger Bauherr ist, beschränkt sich die Beschwerdeführerin nicht auf die von der Vorinstanz erwähnte Erklärung, dass es angesichts seiner Ausbildung und beruflichen Position gar nicht darauf ankomme, ob der Beschwerdegegner einmaliger Bauherr ist. Sie macht auch geltend, zwischen dem Beschwerdegegner und dem Bauleiter sei klar vereinbart worden, "dass der Bauleiter für ihn auch die Abrechnungen tätigen und Zahlungen anweisen würde", und dass diese Funktion dem Beschwerdegegner "deshalb bestens bekannt" gewesen sei. In Randziffer 241 der Replik, wo sie zu den gegnerischen Ausführungen betreffend die Voraussetzungen der Ungewöhnlichkeitsregel Stellung nimmt, betonte die Beschwerdeführerin, dass einer der Hauptaspekte im Zusammenhang mit der Bauleitung die finanzielle Abwicklung gegenüber den Handwerkern gewesen sei, da für die ursprünglichen Pläne ja bekanntermassen ein anderer Architekt zuständig gewesen sei. Auch wenn sich die Beschwerdeführerin nicht konkret dazu äussert, "wann und wo denn" der Beschwerdegegner schon einmal Erfahrungen in Bausachen gemacht hat, und für ihre Gegenbehauptungen keine Beweise offeriert, bringt sie jedenfalls im hier fraglichen Behauptungs- bzw. Bestreitungsstadium doch hinreichend klar zum Ausdruck, welche konkrete gegnerische Tatsachenbehauptung sie in Frage stellt und dass sie dem Beschwerdegegner im Sinne der erwähnten Rechtsprechung unter Vertrauensgesichtspunkten das Recht abspricht, sich auf die Ungewöhnlichkeit von Art. 154 Abs. 3 der SIA-Norm 118 zu berufen. Entgegen der vorinstanzlichen Beurteilung kann die Behauptung des Beschwerdegegners, vor dem Abschluss der Werkverträge mit der Beschwerdeführerin über keinerlei Erfahrung mit Bausachen verfügt zu haben, somit nicht als unbestritten gelten. Was es damit auf sich hat, wird im Rahmen eines Beweisverfahrens festgestellt werden müssen. Nach dem Gesagten ist wiederum offen, ob der Beschwerdegegner die Genehmigung der beiden Schlussrechnungen durch seinen Bauleiter im Gesamtbetrag Fr. 80'560.50 (s. Sachverhalt Bst. A.a) gegen sich gelten lassen muss oder ob er sich auf die Ungewöhnlichkeit von Art. 154 Abs. 3 der SIA-Norm 118 berufen kann bzw. - falls Letzteres zu verneinen ist - welche Bewandtnis es mit seinen weiteren Einwendungen hat, insbesondere mit dem geltend gemachten ausdrücklichen Widerruf der Vollmacht der Bauleitung. Angesichts dieser Ungewissheit braucht sich das Bundesgericht nicht schon heute mit den noch offenen Werkvertragsforderungen zu befassen, die sich laut Vorinstanz auf insgesamt Fr. 28'090.96 inkl. Mehrwertsteuer belaufen (Fr. 15'297.34 aus dem Werkvertrag über verputzte Aussenwärmedämmung + Fr. 12'793.62 aus dem Werkvertrag über innere Gipsarbeiten).