Citation: 4A_660/2020 E. 3.2.2

3.2.2. Der Grundsatz der Vertragstreue ( pacta sunt servanda), dem von der Rechtsprechung zu Art. 190 Abs. 2 lit. e IPRG eine eingeschränkte Bedeutung beigemessen wird, ist nur verletzt, wenn sich das Schiedsgericht weigert, eine Vertragsklausel anzuwenden, obwohl es davon ausgeht, dass diese die Parteien bindet, oder umgekehrt aus einer Klausel eine Verpflichtung ableitet, obwohl es diese für unverbindlich hält. Das Schiedsgericht muss also eine Vertragsbestimmung angewendet bzw. deren Anwendung verweigert und sich damit in Widerspruch zum Ergebnis der eigenen Auslegung hinsichtlich der Existenz oder des Inhalts des strittigen Vertrags gesetzt haben. Demgegenüber werden der Vorgang der Auslegung und die rechtlichen Konsequenzen, die daraus gezogen werden, nicht vom Grundsatz der Vertragstreue erfasst, weshalb sich damit keine Rüge der Ordre public-Widrigkeit begründen lässt. Das Bundesgericht hat verschiedentlich betont, dass praktisch die Gesamtheit der sich aus der Vertragsverletzung ergebenden Rechtsstreitigkeit vom Schutzbereich des Grundsatzes pacta sunt servanda ausgeschlossen ist (Urteile 4A_346/2020 vom 6. Januar 2021 E. 6.2.1; 4A_70/2020 vom 18. Juni 2020 E. 7.3.1; 4A_532/2016 vom 30. Mai 2017 E. 3.2.2). Die Beschwerdeführerin verkennt mit ihren Ausführungen den engen Schutzbereich des Grundsatzes der Vertragstreue. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht hat der Einzelschiedsrichter Artikel 16 des Arbeitsvertrags vom 19. November 2015 als Ganzes angewendet, er hat dem ersten Teilsatz der Vertragsklausel jedoch eine andere Bedeutung beigemessen, als dies von der Beschwerdeführerin vertreten wird. Darin ist keine Verletzung des materiellen Ordre public zu erblicken. Vielmehr kritisiert die Beschwerdeführerin in unzulässiger Weise die schiedsgerichtliche Vertragsauslegung.