Citation: 4P.169/2000 14.11.2000 E. 4

4.- a) Die Kündigung ist eine empfangsbedürftige Willenserklärung (Staehelin, Zürcher Kommentar N. 11 zu Art. 335 OR). Streitig ist, wann diese der Beschwerdeführerin zugegangen ist. Nach Ansicht des Kantonsgerichts ist für eingeschriebene Briefe der Zeitpunkt ausschlaggebend, von dem an die Sendung gemäss der Abholungseinladung auf der Post für den Empfänger bereit liegt, sofern von diesem erwartet werden kann, dass er sie umgehend abholt (Empfangstheorie). Diese Auffassung entspricht grundsätzlich der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 107 II 189 E. 2 S. 192 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 118 II 42 E. 3 S. 44; Guhl/Koller, Das Schweizerische Obligationenrecht, 9. Auflage, Zürich 2000, § 13 Rz 44 S. 116) und wird von der Lehre geteilt, wenngleich auch abweichende Meinungen bestehen und das Bundesgericht Ausnahmen von dieser Regel anerkennt, wo der Empfang der Erklärung eine Frist auslöst (BGE 107 II 189; Guhl/Koller, a.a.O.; Staehelin, a.a.O., N. 13 mit Hinweisen). Wenn das Kantonsgericht die Empfangstheorie vertritt, kann daher von Willkür keine Rede sein. Damit ist nicht darauf abzustellen, wann die Beschwerdeführerin die Kündigung tatsächlich zur Kenntnis nahm, da sie das Risiko des verspäteten Abholens trägt (Staehelin, a.a.O.). b) Darf der Versender nicht damit rechnen, die Empfängerin werde die Sendung abholen, greift die Zustellungsfiktion nicht. Dies ist der Fall, wenn der Arbeitgeber weiss, dass die Arbeitnehmerin in den Ferien ist, oder bei arbeitstätigen Personen, die eine Abholungseinladung in der Regel erst nach Feierabend zur Kenntnis nehmen; für Letztere verschiebt sich der Zeitpunkt des Zugangs auf den darauffolgenden Tag (Staehelin, a.a.O., N. 14; Kramer, Berner Kommentar, N. 88 zu Art. 1 OR). Das Kantonsgericht begründet indes einlässlich, warum dies auf die Beschwerdeführerin gerade nicht zutrifft. Sie war zu 100% krank geschrieben. Wenngleich ihre Krankheit sie nach ihren eigenen Angaben nicht daran hinderte, das Haus zu verlassen und der Arbeitgeber dies gewusst haben sollte, musste er daraus nicht auch schliessen, sie würde den ganzen Tag auswärts verbringen. Eine Diskriminierung kranker Personen liegt entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht vor, sind doch werktätige Personen in der Regel verpflichtet, sich an den Arbeitsplatz und damit ausser Haus zu begeben, während eine derartige Pflicht im Krankheitsfalle nicht besteht. Die getroffene Unterscheidung beruht somit auf objektiven Unterschieden, ist sachlich vertretbar und daher nicht willkürlich. c) Schliesslich legt die Beschwerdeführerin nicht dar, dass sie durch objektive Umstände gezwungen war, den ganzen Tag ausser Haus zu verbringen und es ihr deshalb unmöglich war, die Sendung abzuholen. Es lag in ihrem Belieben, wann sie nach Hause zurückkehren, die Abholungseinladung zur Kenntnis nehmen und die Sendung abholen würde. Damit konnte das Kantonsgericht die Kündigung ohne Willkür als dem Machtbereich der Beschwerdeführerin zugegangen betrachten. d) Was Art. 8 ZGB anbelangt, verkennt die Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin nur die Voraussetzungen für die Annahme rechtzeitiger Zustellung beweisen muss. Es reicht somit aus, dass die Post die Abholungseinladung in einem Zeitpunkt hinterlegte, von dem die Beschwerdegegnerin annehmen durfte, er erlaube es der Beschwerdeführerin noch an demselben Tag, von der Einladung Kenntnis zu nehmen und die Sendung auf der Post abzuholen. Dass die Beschwerdeführerin von der Abholungseinladung tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt Kenntnis erhalten hat, ist gemäss der vom Kantonsgericht ohne Willkür vertretenen Zugangstheorie grundsätzlich ihrer Risikosphäre zuzurechnen und kann der Beschwerdegegnerin nicht entgegengehalten werden.