Citation: 1B_18/2022 E. 4.3

4.3. Das Bundesgericht bejahte die Fluchtgefahr im Urteil 1B_44/2021 vom 23. Februar 2021. Dabei stützte es sich im Wesentlichen auf folgende Gesichtspunkte: Dem Beschwerdeführer droht, wovon er selber ausgeht, eine langjährige Freiheitsstrafe. Dies stellt einen erheblichen Fluchtanreiz dar. Hinzu kommen die mit dem Strafverfahren verbundenen Kosten und hohen Zivilforderungen. Da er nicht nachvollziehbar darlegt, wie er diese begleichen könnte, besteht für ihn auch insoweit ein grosser Anreiz, sich seiner Verantwortung durch Flucht zu entziehen (E. 3.4). Der Beschwerdeführer ist schweizerisch-türkischer Doppelbürger. Seine Mutter lebt in der Türkei. Sein volljähriger Sohn und seine heute 16-jährige Tochter, sein Bruder sowie seine Ehefrau halten sich in der Schweiz auf. Die Ehefrau will sich allerdings von ihm scheiden lassen oder die Scheidung hat bereits im Ausland stattgefunden, wurde aber in der Schweiz nicht gemeldet. Der Beschwerdeführer geht jedenfalls selbst nicht vom Weiterbestand der Ehe aus. Hingegen steht er in einer neuen, wenn auch offenbar noch nicht gefestigten Beziehung zu einer anderen Frau, die er vermutlich von seiner Geschäftstätigkeit in Dubai kennt. In einem Brief vom Februar 2020 an diese Frau ("Geständnisbrief") stellt er nach Verbüssung der ihm drohenden Freiheitsstrafe eine gemeinsame Zukunft in Aussicht, auch wenn er zu erkennen gibt, dass die Beziehung durch die Strafverfolgung möglicherweise bedroht ist. Insgesamt pflegt der Beschwerdeführer somit zwar enge Kontakte zur Schweiz. Er hat aber ein neues Leben angedacht und könnte insbesondere in die Türkei ausreisen. Denkbar wäre überdies eine Ausreise nach Dubai. Dort weilt nicht nur die Adressatin des "Geständnisbriefs", sondern es gibt auch Indizien, wonach er vor Ort über Grundeigentum verfügt. Im Übrigen hat er nicht zuletzt aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit grosse Erfahrung im Reisen (E. 3.5). Angesichts der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Straftaten ist die Möglichkeit ernsthaft in Betracht zu ziehen, dass er im Ausland über finanzielle Ressourcen verfügt. Er hat Vermögenswerte seiner Klienten ins Ausland transferiert und es ist nicht auszuschliessen, dass verstecktes Vermögen vorhanden oder es ihm möglich ist, auf Aktiven zuzugreifen, die bei den Offshore-Gesellschaften angelegt sind, an denen er beteiligt ist. Einzelne Transaktionen sind möglicherweise nicht einmal schriftlich oder elektronisch belegt. Überdies gibt es Anhaltspunkte für Investitionen in bzw. Beteiligungen an Immobilien in London, Istanbul, Deutschland und Dubai. Angesichts dessen und mit Blick auf die einschlägigen Fachkenntnisse des Beschwerdeführers kann nicht ausgeschlossen werden, dass er sich finanziell abgesichert hat bzw. über Ressourcen im Ausland verfügt, auch wenn er behauptet, sein Vermögen für die Rückzahlung der Verluste aufgebraucht zu haben (E. 3.6). Der Beschwerdeführer ging vor seiner Verhaftung davon aus, es verbleibe ihm noch eine gewisse Zeit, bis die mutmasslichen Straftaten "innert sechs Monaten" bzw. "bis Juni" mit grosser Wahrscheinlichkeit herauskommen würden. Zudem führte er im erwähnten "Geständnisbrief" aus, mit dem Erlös des Verkaufs eines Hauses in der Türkei das Bekanntwerden der fragwürdigen Transaktionen aufschieben zu können. Zwar ging er dabei auch davon aus, allenfalls eine Freiheitsstrafe verbüssen zu müssen. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass er die strafrechtlichen Konsequenzen seines Verhaltens vollständig erfasst hätte. Überdies verblieb ihm die ausdrückliche Hoffnung, den Schaden noch verringern zu können und er ging jedenfalls davon aus, dass es noch einige Zeit dauern würde, bis seine Handlungen strafrechtliche Folgen zeitigen würden. Er konnte daher immer noch planen, sich dem Zugriff der Strafverfolgung später zu entziehen, zumal er damals nicht zu wissen vermochte, in welchem Umfang seine deliktischen Handlungen bekannt werden würden. Das Verhalten des Beschwerdeführers vor seiner Verhaftung widerlegt daher die Fluchtgefahr nicht (E. 3.7).