Citation: 5A_155/2023 E. 5.2

5.2. Das Obergericht hat erwogen, dass sich der Beschwerdeführer mit der Frage der Lebensprägung nicht hinreichend auseinandersetze, wenn er es als "hanebüchen" bezeichne, "unter den gegebenen Umständen" von einer kulturellen Entwurzelung zu sprechen, ohne dass er irgendwelche näheren Ausführungen dazu mache. Somit sei die Frage der Lebensprägung nicht zu überprüfen. Weiter hat das Obergericht erwogen, die zeitliche Befristung sei erstinstanzlich damit begründet worden, dass die Ehe formell rund sechs Jahre und das massgebliche Zusammenleben lediglich rund drei Jahre gedauert habe. Damit und mit den weiteren Erwägungen, bis Mitte 2025 sollte die Ehefrau in der Lage sein, ihre ökonomische Situation zu verbessern, die aktuell wegen einer Kombination von physischen und psychischen Leiden sowie den "geringen sprachlichen Fähigkeiten" und einer fehlenden anerkannten Ausbildung ungünstig seien, setze sich der Beschwerdeführer nur insoweit auseinander, als er behaupte, die Beschwerdegegnerin gebe bloss vor, krank und arbeitsunfähig zu sein, und das Bezirksgericht sei ihren Angaben gefolgt, ohne diese zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund hat das Obergericht keinen Anlass gesehen, vom erstinstanzlichen Entscheid abzuweichen und von einer befristeten Unterhaltsfestsetzung abzusehen. Der Beschwerdeführer macht vor Bundesgericht einzig geltend, beweismässig sei nicht erstellt, ob überhaupt je eine kulturelle Entwurzelung stattgefunden habe; im Übrigen sei die Beschwerdegegnerin kerngesund in die Schweiz zugezogen. Abgesehen davon, dass der Beschwerdeführer erstinstanzlich eine kulturelle Entwurzelung noch anerkannt hatte (erstinstanzliches Urteil, E. 4.3 S. 8), stellt die nunmehr aufgestellte Behauptung keine hinreichende Auseinandersetzung mit den Erwägungen des angefochtenen obergerichtlichen Entscheides dar. Indes hält der Beschwerdeführer eingangs der Beschwerde sowie bei seinen Ausführungen zur Teilung des Vorsorgeguthabens fest, es habe sich um eine Kurzehe mit einer zu BGE 147 III 249 vergleichbaren Situation gehandelt und in diesem Entscheid sowie in BGE 147 III 308 sei die Rechtsprechung zur Lebensprägung aktualisiert worden. Damit bestreitet er - wenn auch an falscher Stelle - zumindest sinngemäss das Vorliegen einer Lebensprägung. In der Tat wurde der beim nachehelichen Unterhalt relevante Rechtsbegriff der Lebensprägung in den beiden vom Beschwerdeführer genannten Grundsatzentscheiden neu umschrieben, indem der Fokus nunmehr darauf liegt, dass ein Ehegatte seine ökonomische Selbständigkeit zugunsten der Haushaltsbesorgung und Kinderbetreuung aufgegeben hat und es ihm deshalb nach langjähriger Ehe nicht mehr möglich ist, an seiner früheren beruflichen Stellung anzuknüpfen, während der andere Ehegatte sich angesichts der ehelichen Aufgabenteilung auf sein berufliches Fortkommen konzentrieren konnte (BGE 147 III 308 E. 5.6). Entgegen dem, was der Beschwerdeführer unterstellt, haben jedoch weder das Bezirksgericht noch das Obergericht die neue bundesgerichtliche Rechtsprechung übersehen. Das Bezirksgericht hat im Zusammenhang mit der Frage der Lebensprägung BGE 147 III 249 und BGE 147 III 308 ausdrücklich erwähnt, dann aber eine Vielzahl unpublizierter Entscheide aus der früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zitiert, in welchen eine Lebensprägung zufolge Entwurzelung aus einem fremden Kulturkreis angenommen worden war, und befunden, es sei nicht ersichtlich, dass das Bundesgericht diese Rechtsprechungslinie mit den erwähnten publizierten Entscheiden hätte aufgeben wollen (erstinstanzliches Urteil, E. 4.2.2 S. 5). Auch das Obergericht hat BGE 147 III 308 erwähnt (allerdings in anderem Kontext, vgl. angefochtener Entscheid E. 6.3.2 S. 14). Spezifisch in Bezug auf die Frage der Lebensprägung hat es erwogen, der Beschwerdeführer setze sich mit den erstinstanzlichen Erwägungen berufungsweise nicht auseinander und deshalb sei die Bejahung der Lebensprägung durch die Erstinstanz nicht zu überprüfen (angefochtener Entscheid, E. 6.1 S. 11). Vor diesem Hintergrund müsste der Beschwerdeführer darlegen, inwiefern das Obergericht zu hohe Anforderungen an die Begründungspflicht gestellt bzw. er berufungsweise hinreichend ausgeführt hätte, dass die erstinstanzlichen Erwägungen falsch seien und im Sinn der modifizierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine Lebensprägung vorliege - indem er etwa vorgetragen hätte, Kern der neuen Definition der Lebensprägung sei, dass im Rahmen einer gemeinsamen Lebensplanung der eine Ehegatte langjährig Leistungen nicht finanzieller Natur zugunsten der Gemeinschaft erbracht und damit dem anderen Ehegatten unter eigenem Verzicht karrieremässig den Rücken freigehalten habe, wofür eine mit dem Zuzug in die Schweiz verbundene Entwurzelung aus einem fremden Kulturkreis für sich genommen nicht genügen könne - und das Obergericht sich deshalb mit der Frage hätte beschäftigen und die Lebensprägung verneinen müssen. Eine solche Darlegung lässt sich der Beschwerde nicht im Ansatz entnehmen. Vielmehr erfolgt das Vorbringen, angesichts der Kürze des Zusammenlebens könne nach der neuen Rechtsprechung keine Lebensprägung angenommen werden, erst im bundesgerichtlichen Verfahren. Damit fehlt es aber an der Ausschöpfung des Instanzenzuges: Es reicht nicht, den kantonalen Rechtsmittelzug nur formell zu durchlaufen; vielmehr sind alle Vorbringen, die dem Bundesgericht unterbreitet werden, soweit möglich schon im kantonalen Verfahren vorzubringen (BGE 143 III 290 E. 1.1). Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht aufzeigt, inwiefern das Obergericht gegen Recht verstossen haben soll, wenn es die Frage der Lebensprägung mangels hinreichender Berufungsvorbringen nicht überprüft hat, und es ist deshalb auch im bundesgerichtlichen Verfahren nicht auf die (von der Erstinstanz bejahte) Frage zurückzukommen. Als Folge ist den weiteren Erwägungen eine lebensprägende Ehe als gegeben zu unterstellen.