Citation: 4A_2/2020 E. 3.3.4

3.3.4. Die Beschwerdeführer weisen in ihrer Beschwerde selber auf die in E. 3.3.3 hiervor dargelegten Grundsätze hin. Sie machen aber mit Verweis auf BGE 87 II 364 geltend, im vorliegenden Fall bestehe die Besonderheit, dass der mutmassliche Ausgang des sozialversicherungsrechtlichen Verfahrens ausschliesslich von der Beantwortung der Rechtsfrage abhänge, ob die Vorsorgeeinrichtung bei der vorgenommenen Barauszahlung eine Sorgfaltspflichtverletzung zu vertreten habe bzw. sich exkulpieren könne. Bei dieser Konstellation sei es verfehlt, wenn das Bundesgericht die Annahmen der Vorinstanz über den mutmasslichen Prozessausgang einzig auf Willkür überprüfen könne, nachdem die Vorinstanz bei ihrer Prognose über den Prozessausgang eine Rechtsfrage beantwortet habe und keinerlei Beweiswürdigung habe vornehmen müssen, da die der Rechtsfrage zugrunde zu legenden konkreten Umstände festgestanden hätten. In BGE 87 II 364 hielt das Bundesgericht im Zusammenhang mit einer versäumten Vaterschaftsklage fest, es könne im Schadenersatzprozess die Auffassung des als letzte (oder einzige) kantonale Instanz urteilenden Gerichts über die vermutlichen Aussichten des nicht durchgeführten Erstprozesses jedenfalls insoweit überprüfen, als sie sich auf Erwägungen über vom Bundesrecht beherrschte Fragen stütze. Zugleich führte es aber auch aus, ob der Überprüfung auch die vorinstanzlichen Vermutungen darüber unterlägen, welche Tatsachen im Erstprozess festgestellt worden wären, brauche nicht grundsätzlich abgeklärt zu werden. Solche Vermutungen dürften nämlich (wenn überhaupt) nur mit Zurückhaltung überprüft werden, da sie naturgemäss weitgehend durch die der Vorinstanz zustehende Würdigung der im Schadenersatzprozess erhobenen Beweise präjudiziert seien (BGE 87 II 364 E. 2 S. 373 f.). Im Urteil 4C.213/1990 vom 21. Mai 1991 erwog das Bundesgericht, hänge die Frage des hypothetischen Kausalzusammenhangs von der Beurteilung der Erfolgsaussichten eines Prozesses ab, so überprüfe es den angefochtenen Entscheid auch insoweit, als er auf einer bundesrechtlichen Subsumtion eines Sachverhalts beruhe. Allerdings auferlege es sich dabei die bei jeder Überprüfung von Hypothesen gebotene Zurückhaltung. Auch soweit es den Entscheid des kantonalen Sachrichters überprüfe, greife es deshalb nur ein, wenn dessen Schlüsse in Würdigung der massgebenden Umstände nicht mehr als vertretbar erscheinen würden (zit. Urteil 4C.213/1990 E. 3b). Im Urteil 4C.256/2006 vom 12. Oktober 2006 wurde sodann offengelassen, inwieweit die umstrittene vorinstanzliche Feststellung, wonach die Kläger mit einer Minderungsklage voll durchgedrungen wären, im bundesgerichtlichen Verfahren überprüft werden könne (zit. Urteil 4C.256/2006 E. 5.3). Wie die Beschwerdeführer zu Recht ausführen, hängen die Prozessaussichten eines sozialversicherungsrechtlichen Verfahrens gegen die Vorsorgeeinrichtung vorliegend von der Beantwortung der Frage ab, ob diese bei der vorgenommenen Barauszahlung eine Sorgfaltspflichtverletzung zu vertreten hat (vgl. BGE 130 V 103 E. 3.3 S. 109 f.). Diese Rechtsfrage ist - wie die Beschwerdeführer selber ausführen - aufgrund einer Würdigung der konkreten Umstände des Einzelfalls zu beurteilen (BGE 130 V 103 E. 3.3. S. 110; vgl. im Einzelnen hiernach E. 3.4.3). Mutmassungen darüber, welche Tatsachen in einem Prozess gegen die Vorsorgeeinrichtung festgestellt worden wären, musste die Vorinstanz zwar hier nicht anstellen, da die Umstände der Barauszahlung aufgrund der strafrechtlichen Ermittlungen feststanden und von der Vorinstanz in E. 25 und 29 festgehalten wurden. Die Beurteilung des mutmasslichen Ausgangs des (nicht durchgeführten) Erstprozesses durch die Vorinstanz bleibt aber dessen ungeachtet eine Hypothese: Die Vorinstanz hatte abzuschätzen, wie die Umstände des Einzelfalls durch das zuständige Erstgericht beurteilt worden wären. Bei der Überprüfung dieser Hypothese legt sich das Bundesgericht - im Einklang mit der oben dargelegten Rechtsprechung - eine gewisse Zurückhaltung auf.