Citation: U 120/04 12.07.2004 E. 4

In materieller Hinsicht streitig sind vor dem kantonalen Gericht Ansprüche des Beschwerdeführers auf Leistungen (Invalidenrente, Integritätsentschädigung) der SUVA. Zu prüfen ist dort, ob die geltend gemachten Ellbogen- und Schulterbeschwerden rechts auf den am 17. Oktober 1988 erlittenen Unfall zurückzuführen sind. 4.1 Die Vorinstanz erwog, nach den im Recht liegenden medizinischen Einschätzungen sei klar, dass die Beschwerden im rechten Ellbogen und im rechten Schulterbereich nicht kausal auf den Unfall vom 17. August 1988 zurückzuführen seien; die gegenteilige Auffassung des Hausarztes Dr. med. I.________, FMH für Innere Medizin, vermöge daran nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer lässt demgegenüber vorbringen, im angefochtenen Entscheid werde eine antizipierte Beweiswürdigung vorgenommen, indem trotz medizinischer Meinungsdifferenzen das beantragte neutrale polydisziplinäre Gutachten zum Vornherein als obsolet qualifiziert werde. Dies gehe umso weniger an, als die Berichte des Kantonsspitals Luzern, welche das kantonale Gericht als massgeblich erachte, veraltet seien und für den massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides keine Beurteilung zuliessen. 4.2 Aus den Akten ergibt sich, dass der Versicherte am 17. Oktober 1988 beim Obstpflücken von einem Baum gefallen war und sich dabei u.a. eine Navicularefraktur mit Lunatumluxation rechts zugezogen hatte. In der Folge wurden mehrere operative Eingriffe und diverse Therapien durchgeführt. Ob die ab etwa August 2000 aufgetretenen Schmerzen in Ellbogen und Schulter, die auch nach der im November 2001 durchgeführten Handgelenksversteifung (Panarthrodese) persistierten, unfallkausal sind, blieb unter den beteiligten Ärzten umstritten. Hausarzt Dr. med. I.________ ging stets von der Unfallkausalität dieser Beschwerden aus und führte diese auf Fehlhaltungen, verursacht durch die Schmerzen im rechten Handgelenk, zurück, da der Versicherte bei der Arbeit zur Schonung des Handgelenks vermehrt das Ellbogengelenk und die rechte Schulter eingesetzt habe, mit zum Teil unphysiologischen Haltungen. Demgegenüber vertraten die SUVA-Ärzte die Ansicht, Ellbogen und Schulter seien beim Unfall vom 17. Oktober 1988 unverletzt geblieben; Fehlhaltungen, welche eine Dysfunktion der rechten oberen Extremität erklären könnten, hätten nicht festgestellt werden können, weshalb es an einem natürlichen Kausalzusammenhang fehle. In der wegen diesen Meinungsdifferenzen von Dr. med. I.________ in Auftrag gegebenen Untersuchung im Spital Y.________ kam Dr. med. von W.________, leitender Arzt Handchirurgie, zum Schluss, es könne nicht abschliessend beurteilt, werden, ob die Schulter- und Ellbogenbeschwerden "knöchern" bedingt oder auf das diagnostizierte Carpaltunnelsyndrom (CTS) zurückzuführen seien. Anlässlich einer weiteren Untersuchung im Spital Y.________ bestätigte sich am 17. Mai 2001 die Diagnose eines beidseitigen leichten Carpaltunnelsyndroms. Denselben Befund erhob auch Dr. med. A.________, wobei er ausführte, das Carpaltunnelsyndrom sei links ausgeprägter als rechts (Bericht vom 29. Juli 2002). 4.3 Angesichts der uneinheitlichen medizinischen Aktenlage kann die vom Beschwerdeführer behauptete Unfallkausalität der Beschwerden in Ellbogen und Schulter nicht zum Vornherein als unwahrscheinlich bezeichnet werden. Auch wenn die umfassenden kreisärztlichen Untersuchungen und die Erfahrungstatsache, dass Hausärzte im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen), sowie der Umstand, dass das Carpaltunnelsyndrom beidseitig (links sogar ausgeprägter als rechts) aufgetreten ist, der Darstellung des Beschwerdeführers eher entgegen stehen, erlauben die komplexen medizinischen Fragen nicht, die Behauptung der Unfallkausalität ohne weiteres als haltlos und das daraus abgeleitete Begehren als aussichtslos zu qualifizieren. Dies gilt umso weniger, als ein Carpaltunnelsyndrom grundsätzlich auch traumatisch bedingt sein kann und etwa nach Handgelenksfrakturen auftritt (vgl. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie [BVO] zum Karpaltunnelsyndrom, letztmals überarbeitet am 1. April 2002 [abrufbar unter www.uni-duesseldorf.de]; Vischer, Schmerzen in der Hand, Documenta Geigy/Folia rheumatologica, Basel 1985, S. 12). Selbst wenn die Ellbogen- und Schulterbeschwerden allein auf das Carpaltunnelsyndrom zurückzuführen wären, ist somit ein Zusammenhang mit dem Unfall vom 17. Oktober 1988 nicht auszuschliessen. Wie es sich diesbezüglich verhält, wurde im bisherigen Verfahren nicht geklärt. Indem die Vorinstanz gleichwohl Aussichtslosigkeit der Beschwerde angenommen und die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung verneint hatte, verletzte sie Art. 61 lit. f ATSG und damit Bundesrecht. Die Sache geht daher an das kantonale Gericht zurück, damit es die übrigen Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung prüfe und hernach erneut entscheide.