Citation: U 459/06 09.01.2007 E. 3

3.1 Bei der Kollision vom 13. Januar 2005 schlug die Beschwerdeführerin mit der rechten Seite des Kopfs an die A-Säule des Autos. Laut dem Bericht des Spitals X.________ über die kurz darauf durchgeführte ambulante Behandlung auf der Notfallstation fand sich eine ca. 3 cm grosse Beule im Bereich des Os parietale rechts; zudem fiel eine leichte Kraftminderung des rechten Armes auf. Unmittelbar nach dem Unfall waren Kopfschmerzen und Drehschwindel aufgetreten, wobei Letzterer bis zur Untersuchung wieder abklang. Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinsverlust hatten sich nicht ergeben. Das Röntgenbild zeigte keinen Hinweis auf eine frische ossäre Läsion und einen regelrechten Weichteilschatten. Laut dem Bericht des Spitals Y.________ vom 3. Februar 2005 (über eine Hospitalisation vom 27. Januar bis 1. Februar 2005) gab die Patientin Nackenschmerzen an, welche in den rechten Arm ausstrahlten. In der Folge klagte sie über massive Schmerzen am Kopf und am Nacken mit Ausstrahlung in den Rücken. Gemäss dem Zwischenbericht des Dr. med. G.________ vom 17. März 2005 wurden ausserdem Schwindel, eingeschränkte Beweglichkeit und Übelkeit angegeben. Der Arzt erklärte, es sei schwierig zu beurteilen, ob die Patientin Schmerzen habe oder nicht, und regte eine kreisärztliche Untersuchung an. Diese wurde am 15. April 2005 durch Dr. med. C.________ durchgeführt. Sie ergab "sehr günstige" Resultate, sofern es nicht zu einer Verarbeitungsstörung komme. Dr. med. B.________ gelangte auf Grund einer Untersuchung vom 27. April 2005 zum Ergebnis, von neurologischer Seite her bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 %. Weit stärker werde die Versicherte aber durch eine Psychopathologie mit ausgeprägter depressiver Symptomatik beeinträchtigt. Möglicherweise werde ein stationärer rehabilitativer Aufenthalt zu einer Verbesserung führen. Die Rehaklinik Z.________, in welcher sich die Beschwerdeführerin vom 8. bis 29. Juni 2005 aufgehalten hatte, hielt im Austrittsbericht vom 8. Juli 2005 fest, die Arbeitsfähigkeit sei aus psychischen Gründen (leichte bis mittelgradige depressive Episode) um etwa 30 % reduziert. Es werde - allerdings abhängig vom Verlauf der depressiven Episode - eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % nach etwa acht Wochen empfohlen. In neurologischer Hinsicht stellten die Ärzte eine nur mässig eingeschränkte Beweglichkeit der HWS fest. Sie erachteten die Ausübung einer leichteren, wechselbelastenden Tätigkeit "rein von Seiten der Nacken-/Schulterbeschwerden" als möglich. Die Kopfschmerzen ordneten sie, da diese auch unabhängig von den Nackenbeschwerden angegeben worden waren, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dem Unfallgeschehen zu. Im weiteren Verlauf liess die Beschwerdeführerin verschiedene Arztberichte auflegen. Dr. med. O.________ erklärte am 6. Juli 2005, aus seiner Sicht sei die Patientin krank; auf die Dauer befürchte er volle Invalidität. Zu den Ursachen äussert er sich jedoch nicht. In seiner Stellungnahme vom 16. September 2005 führt der Arzt aus, er sei froh, dass die Patientin zu 50 % arbeiten könne, und berichtet über ein "komplexes Schmerzsyndrom in schwieriger psychosozialer Umgebung, so wie wir praktizierenden Ärzte es leider zur Genüge kennen". Auch aus diesen Angaben, welche in der vorinstanzlich eingereichten Auskunft vom 17. Januar 2006 bestätigt werden, lässt sich nicht entnehmen, inwieweit die Schmerzen dem typischen Beschwerdebild nach der erlittenen HWS-Verletzung zuzuordnen sind. Der Psychiater Dr. med. S.________ diagnostiziert in seinem Bericht vom 21. Februar 2006 eine Anpassungsstörung nach einem Autounfall (ICD-10: F43.22), einen Zustand nach einer HWS-Distorsion beim Autounfall vom 13. Januar 2005 sowie eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F 32.11). Die Stellungnahme des Spitals X.________ vom 9. Juni 2006 nennt ebenfalls ausschliesslich psychiatrische Diagnosen (posttraumatisches Belastungssyndrom mit/bei chronischem panvertebralem Schmerzsyndrom und Status nach HWS-Distorsionstrauma [Verkehrsunfall Januar 2005] sowie depressive Verstimmung). Im letztinstanzlich aufgelegten vorläufigen Austrittsbericht der Klinik D.________ vom 21. September 2006 wird der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht von 100 % attestiert. Als Diagnosen nennt die Abteilungsärztin Dr. med. F.________ insbesondere den dringenden Verdacht auf eine Somatisierungsstörung mit Depression und multiplen psychosozialen Belastungssituationen, ein chronisches zervikozephales Syndrom bei Fehlhaltung, - statik und muskulärer Haltungsinsuffizienz, mehrsegmentaler Funktionsstörung der mittleren und unteren HWS sowie Status nach zervikozephalem Beschleunigungstrauma nach Autounfall im Januar 2005. 3.2 Aus den erwähnten medizinischen Stellungnahmen lässt sich ableiten, dass die Beschwerdeführerin am 13. Januar 2005 eine Distorsion der HWS erlitten haben dürfte. In der Folge traten einzelne Elemente des "typischen" Beschwerdebildes (BGE 119 V 338 oben Erw. 1) auf. Dr. med. B.________ gelangte jedoch rund dreieinhalb Monate nach dem Unfall zum Ergebnis, aus neurologischer Sicht lasse sich nur eine Arbeitsfähigkeit von 20 % begründen, während der Gesundheitszustand der Versicherten in wesentlich stärkerem Ausmass durch eine Psychopathologie mit ausgeprägter depressiver Symptomatik beeinträchtigt werde. In den später verfassten Arztberichten werden ausschliesslich oder hauptsächlich psychiatrische Diagnosen gestellt, dies verbunden mit dem Hinweis auf eine ausgeprägte psychosoziale Belastungssituation. Unter diesen Umständen kann mit der Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass die zum typischen Beschwerdebild gehörenden physischen Anteile relativ bald nach dem Unfall an Bedeutung verloren, während die fortbestehenden Beeinträchtigungen schon frühzeitig zunehmend und in der Folge ausschliesslich die Folge einer psychischen Fehlentwicklung sowie psychosozialer Belastungsfaktoren darstellten. Dementsprechend ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs mit dem Unfallereignis vom 13. Januar 2005 praxisgemäss (Erw. 1.2 hiervor) nach Massgabe der mit BGE 115 V 133 begründeten Rechtsprechung zu den psychogenen Unfallfolgen (und nicht nach derjenigen zu den Folgen eines Schleudertraumas der HWS oder einer gleichgestellten Verletzung) zu beurteilen. 3.3 Über den Ablauf des Vorfalls vom 13. Januar 2005 ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin als Beifahrerin im von ihrem Ehemann gelenkten Personenwagen ausserorts mit einer angegebenen Geschwindigkeit von rund 70 km/h in einem Industriegebiet unterwegs war, als ein nicht vortrittsberechtigtes Fahrzeug von rechts aus einem Parkplatz herausfuhr. Die rechte vordere Ecke des Wagens der Versicherten kollidierte mit der Front des anderen Autos. Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Kategorisierung (BGE 115 V 139 Erw. 6) ist dieses Ereignis den mittelschweren Unfällen zuzuordnen. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist demzufolge nur dann zu bejahen, wenn die massgebenden Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind (vgl. BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb). Dies trifft, wie das kantonale Gericht mit zutreffender Begründung erkannt hat, nicht zu. Auf die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz kann vollumfänglich verwiesen werden. 3.4 Weil die fraglichen Beschwerden in keinem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis stehen, können nähere Abklärungen zur natürlichen Kausalität unterbleiben (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 68 Erw. 3c). Die Reduktion der Taggelder auf 30 % ab 4. Juli 2005 und die Einstellung der Leistungen mit dem 7. August 2005 lässt sich nicht beanstanden.