Citation: 4A_153/2008 14.10.2008 E. 4

Schliesslich wendet sich der Beschwerdeführer gegen das Nichteintreten der Vorinstanz auf seine eventuelle Anschlussberufung betreffend den Genugtuungszins. 4.1 Die Vorinstanz stützte sich auf den Wortlaut von Art. 220 der Zivilprozessordnung des Kantons Graubünden vom 1. Dezember 1985 (ZPO/GR; Bündner Rechtsbuch 320.000), wonach der Berufungsbeklagte, wenn er nicht selbst auch Berufung eingelegt hat (Hervorhebung im angefochtenen Urteil), innert der peremptorischen Frist von 10 Tagen seit Mitteilung der Berufungserklärung ebenfalls beim Präsidenten der ersten Instanz Anschlussberufung mit formulierten Anträgen einreichen kann. Sie erwog, die bündnerische Zivilprozessordnung gewähre den Parteien die Wahl zwischen einer selbständigen Berufung und einer blossen Anschlussberufung. Die Parteien hätten sich zu entscheiden, ob sie Berufung erheben oder es darauf ankommen lassen wollen, dass die Gegenpartei das erstinstanzliche Urteil anficht, in welchem Falle ihnen die Anschlussberufung offen stehe. Mit der Einlegung der Berufung entscheide sich die betreffende Partei für eine der beiden Alternativen und könne nicht mehr auf das andere Rechtsmittel greifen. Nach der kantonalen Rechtsprechung (PKG 1995 Nr. 16, mit Hinweisen) stehe das Recht zur Anschlussberufung nur derjenigen Partei zu, die bereit gewesen sei, sich mit dem erstinstanzlichen Urteil abzufinden. Nachdem der Beschwerdeführer Berufung erklärt habe, bleibe ihm demnach die Möglichkeit der Anschlussberufung verschlossen. Eine Umdeutung in einen weiteren Punkt der Berufung komme nicht in Frage, da der Beschwerdeführer anwaltlich vertreten sei, die Anschlussberufung ausdrücklich als solche bezeichnet und zudem nur unter einer Bedingung erhoben habe, was unzulässig sei. 4.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe nach Erhalt des erstinstanzlichen Urteils am 8. März 2007 beim Bezirksgericht um Berichtigung gemäss Art. 240 Abs. 3 ZPO/GR ersucht. Im Hinblick darauf habe er keinen Anlass gehabt, mit seiner eigenen Berufung vom 12. März 2007 auch die offensichtlich falsche Genugtuungszinsberechnung anzufechten. Die eventuelle Anschlussberufung sei für den Fall erfolgt, dass die Beschwerdegegnerin das Urteil auch im Genugtuungspunkt anfechten und damit der Berichtigungskompetenz des Bezirksgerichts entziehen sollte. Er habe "den prozessökonomisch einfacheren Weg" der Berichtigung gewählt und sich mit der Eventualberufung abgesichert. Indem das Kantonsgericht weder das in seine Kompetenz übergegangene Berichtigungsbegehren behandelt habe noch auf die Anschlussberufung eingetreten sei, habe es seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Es argumentiere mit dem Begriff der "Anschlussberufung" zu formalistisch, handle es sich doch rechtlich nicht um eine solche, sondern um eine bedingte Berufung. Es sei offensichtlich, dass der Beschwerdeführer das Urteil hinsichtlich der Berechnung des Genugtuungszinses habe korrigieren lassen wollen, unabhängig davon, ob die Beschwerdegegnerin Berufung führen werde oder nicht. Da die Bündnerische Zivilprozessordnung nicht regle, ob die Zuständigkeit für ein Berichtigungsgesuch im Falle der Berufung durch die Gegenpartei auf die Berufungsinstanz übergehe oder dahinfalle, habe sich der Beschwerdeführer mit der bedingten Berufung absichern müssen. Ausnahmsweise sei daher eine bedingte Anfechtung als zulässig zu erachten. 4.3 Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a BGG). Soweit sich der angefochtene Entscheid auf Quellen des kantonalen Rechts stützt, welche nicht in Art. 95 lit. c-e BGG genannt werden, beschränkt sich die Überprüfung durch das Bundesgericht auf die Frage, ob die Anwendung des kantonalen Rechts zu einer Bundesrechtswidrigkeit führt. Im Vordergrund steht dabei eine Verletzung verfassungsmässiger Rechte, insbesondere des Gehörsanspruchs (Art. 29 Abs. 2 BV) oder des Willkürverbots nach Art. 9 BV (BGE 133 I 201 E. 1 S. 203 mit Hinweisen). Diesbezüglich gilt die qualifizierte Rügepflicht (Art. 106 Abs. 2 BGG), wonach das Bundesgericht nur Rügen prüft, die in der Beschwerde präzise vorgebracht und begründet worden sind (133 II 249 E. 1.4.2 S. 254 mit Hinweisen). 4.4 Ob die Beschwerde, die sich bezüglich der Zulässigkeit der Anschlussberufung kaum mit der Argumentation der Vorinstanz auseinandersetzt, den dargelegten Begründungsanforderungen genügt, erscheint fraglich, braucht aber nicht entschieden zu werden. Nach BGE 101 Ib 216 E. 2, auf welchen sich der Beschwerdeführer beruft, ist die bedingte Anfechtung eines Entscheides nach dem Grundsatz, dass Prozesshandlungen im allgemeinen bedingungsfeindlich sind, nur in Ausnahmefällen zulässig, beispielsweise wenn die Beschwerde bloss "vorsorglich" für den Fall eingereicht wird, dass eine zusätzlich angerufene Instanz auf ein weiteres Rechtsmittel oder einen Rechtsbehelf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer selbst hatte indessen den zu korrigierenden Entscheid mit dem vollständigen Rechtsmittel der Berufung angefochten. Was ihn daran hinderte, in diesem Rahmen ebenfalls um die bereits vom Bezirksgericht verlangte Berichtigung der Verzinsung der Genugtuung nachzusuchen, legt er nicht dar und ist nicht ersichtlich. Wenn die Vorinstanz bei dieser Sachlage die als solche deklarierte bedingte Anschlussberufung in Anwendung des kantonalen Prozessrechts als unzulässig erachtete, kann von einer Verweigerung des rechtlichen Gehörs keine Rede sein. In diesem Punkte ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.