Citation: C 366/00 28.08.2001 E. 5

5.- a) Art. 103 AVIG enthält keine Bestimmungen zur Fristwiederherstellung; diese entspricht jedoch einem allgemein gültigen Grundsatz des Bundesrechts (Art. 35 OG, Art. 24 VwVG), wonach bei unverschuldeter Versäumnis und entsprechendem Gesuch innert der gesetzlich vorgesehenen Frist eine verpasste gesetzliche oder behördlich angeordnete Frist wiederhergestellt werden kann, welcher im kantonalen Beschwerdeverfahren analog anwendbar ist (ARV 1991 Nr. 17 S. 122; BGE 108 V 109). Es bleibt dem kantonalen Gesetzgeber jedoch unbenommen, eine Regelung zu treffen, die über die bundesrechtlichen Vorschriften hinausgeht und die Fristwiederherstellung in einem weitergehenden Masse zulässt (vgl. Art. 103 Abs. 6 AVIG). Der Kanton Aargau kennt insofern eine grosszügigere Regelung der Fristwiederherstellung, als nicht verlangt wird, dass die versäumte Handlung ebenfalls innert der zehntägigen Frist für die Wiederherstellung nachzuholen ist (§ 30 der Verordnung über die Rechtspflege in Sozialversicherungssachen vom 22. Dezember 1964 [VRS; SAR 271. 131] in Verbindung mit § 98 der Zivilprozessordnung vom 18. Dezember 1984 [ZPO; SAR 221. 100]; vgl. auch Eichenberger, Zivilrechtspflege des Kantons Aargau, Aarau/Frankfurt a.M. 1987, N 6 zu § 98). b) Die Beschwerdeführerin hat die Verfügung, mit welcher sie zur Verbesserung ihrer Beschwerde aufgefordert wurde, infolge ihres stationären Aufenthalts in der Psychiatrischen Klinik X.________ nicht entgegennehmen können. Dementsprechend hatte sie keine Kenntnis der laufenden Frist, welche denn auch ungenutzt verstrich. Es liegt demnach eine nicht verschuldete Versäumnis vor, und der Wiederherstellungsgrund ist gegeben. Nachdem das kantonale Recht eine grosszügigere Regelung vorsieht als das Bundesrecht, kann offen bleiben, ob die Versicherte gleichzeitig mit der Geltendmachung des Wiederherstellungsgrundes auch die versäumte Handlung nachgeholt hat (Erw. 5a). Die Sache ist demnach an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie der Beschwerdeführerin erneut eine Frist zur Verbesserung der Beschwerde ansetze. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht in einem analogen Fall entschieden hat, dass es gemäss aargauischem Recht an einer gesetzlichen Grundlage fehlt, infolge ungebührlicher Äusserungen auf eine Beschwerde nicht einzutreten (RKUV 2001 Nr. U 416 S. 94). c) Die Versicherte beantragt zudem die Aufhebung der vom kantonalen Gericht verfügten Ordnungsbusse. Die Vorinstanz stützt die Ausfällung der Busse auf § 30 VRS in Verbindung mit § 73 ZPO, gemäss welchen der Richter eine Person, die im schriftlichen oder mündlichen Geschäftsverkehr durch ungebührliche Äusserungen diesen, die Gegenpartei oder andere am Verfahren Beteiligte verletzt, mit einem Verweis oder einer Ordnungsbusse bis Fr. 500.- bestrafen kann. Es ist unbestritten, dass die Beschwerde der Versicherten an die Vorinstanz ungebührliche Äusserungen enthält. Auch besteht eine hinreichende gesetzliche Grundlage für das Aussprechen der gefällten Busse. Ob angesichts des Umstandes, dass die Versicherte am 9. Juni 2000 bei Verfassen der Beschwerdeschrift bereits nervlich angeschlagen war und sich vom 19. Juni bis 11. August 2000 in der Psychiatrischen Klinik X.________ stationär behandeln lassen musste, die Vorinstanz es allenfalls bei einem Verweis hätte belassen oder ganz von einer Bestrafung Abstand nehmen können, ist vorliegend nicht zu prüfen. Denn mit der Ordnungsbusse von Fr. 100.- liegt auf jeden Fall weder eine Ermessensüberschreitung noch ein Missbrauch des Ermessensspielraums vor. Die Vorinstanz hat demnach kein Bundesrecht verletzt (Art. 104 lit. a OG), als sie die entsprechende Busse verfügte.