Citation: 2A.715/2005 13.02.2006 E. 2.6

2.6.1 Wohl war ein erstes, im Jahre 1998 gestelltes Nachzugsgesuch für die Ehefrau, die Tochter und die beiden weiteren (heute volljährigen) Söhne (geb. 1981 und 1982) abgelehnt worden. Damals konnte sich der Beschwerdeführer mangels (eigener) Niederlassungsbewilligung aber nicht auf Art. 17 Abs. 2 ANAG berufen. Die kantonalen Behörden lehnten den insoweit in ihrem Ermessen stehenden Nachzug (vgl. Art. 4 ANAG) wegen ungenügendem Einkommen des Beschwerdeführers ab; er hätte die Familie in der Schweiz nicht ohne Inanspruchnahme der öffentlichen Fürsorge ernähren können. Ausserdem wurde in Bezug auf den ältesten Sohn, der bei Gesuchseinreichung 17 Jahre und 7 Monate alt war, angenommen, er solle zwecks Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz und damit unter missbräuchlicher Berufung auf die Familienzusammenführung nachgezogen werden. Diesen Entscheid bestätigte das kantonale Justiz- und Polizeidepartement am 13. März 2000 auf Einsprache hin, welche der Beschwerdeführer über einen Rechtsberater eingelegt hatte. Der Beschwerdeführer gelangte hiergegen nicht mehr ans Verwaltungsgericht. 2.6.2 Als der Beschwerdeführer am 26. März 2004 das vorliegend zu beurteilende Nachzugsgesuch stellte, hielt ihm das Ausländeramt des Kantons St. Gallen vor, er hätte nach Volljährigkeit des jüngeren Sohnes im August 2000 die Möglichkeit gehabt, ein Familiennachzugsgesuch für die Ehefrau und die Tochter einzureichen; wahrscheinlich hätte er mit einer Familie von nunmehr drei Personen über genügend finanzielle Mittel für den Familiennachzug verfügt. Das gelte umso mehr nach Erteilung der Niederlassungsbewilligung im Mai 2002, nach welcher sicherlich mit einem positiven Entscheid zu rechnen gewesen wäre. Nach Beruhigung der politischen Lage in seiner Heimat habe er aber offensichtlich kein Interesse mehr an einem möglichst raschen Nachzug gehabt. Das Zuwarten bis kurz vor Volljährigkeit der Tochter sei als klarer Rechtsmissbrauch zu werten. Der Beschwerdeführer habe es dreieinhalb Jahre lang versäumt, ein Nachzugsgesuch zu stellen. Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, sich zu diesen Vorhaltungen zu äussern. Mit Schreiben seines damaligen Anwaltes vom 8. Juli 2004 ging er hierauf jedoch nicht ein, sondern begnügte sich zu erklären, er verfüge heute über genügend finanzielle Mittel, um Unterhalt von Frau und Tochter zu bestreiten, und habe "genug vom Alleinsein". Hierauf erliess das Ausländeramt die Verfügung vom 14. September 2004, mit welcher der Nachzug der Tochter unter Berufung auf die genannten Vorhaltungen abgelehnt wurde. Dagegen legte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 27. September 2004 beim kantonalen Justiz- und Polizeidepartement Einsprache ein. Darin führte er aus, dass es keineswegs rechtsmissbräuchlich sei, dass seine Tochter die Schulen im Kosovo absolviert habe. Ausserdem soll den Kindern auch die Gelegenheit gegeben werden, an den in der Schweiz "gebotenen Lebens- und Erwerbsmöglichkeiten teilzuhaben". Hierauf bemerkte das Department in seinem Einspracheentscheid vom 22. Juli 2005 (dortige E. 2b und c), dass der Beschwerdeführer keine sachlichen und glaubwürdigen Gründe anführen könne, weshalb er das Gesuch für die Tochter nicht früher gestellt habe. Der erwähnte Schulbesuch im Kosovo unterstreiche nur, dass der Beschwerdeführer ein gemeinsames Familienleben sowie eine Integration des Kindes in der Schweiz gar nicht als wünschenswert erachte. Die wahren Motive für das Gesuch habe der Beschwerdeführer im Hinweis auf die in der Schweiz für die Kinder bestehenden Lebens- und Erwerbsmöglichkeiten zum Ausdruck gebracht. Die hierauf gerichtete Anrufung von Art. 17 ANAG sei aber rechtsmissbräuchlich. 2.6.3 In seiner anschliessenden Beschwerdebegründung an das Verwaltungsgericht machte der Beschwerdeführer (bzw. sein damaliger Vertreter) erstmals geltend, er habe seit dem Erhalt der Niederlassungsbewilligung im Mai 2002 zwei Jahre verstreichen lassen, bevor er das (neue) Nachzugsgesuch stellte, "weil er keine Wohnung fand". Im Übrigen begnügte er sich hauptsächlich mit allgemeinen Ausführungen zur Problematik der Integration ausländischer Personen in der Schweiz und zum Anspruch auf Familienleben. Wie die Vorinstanz zutreffend bemerkt hat, setzte sich der Beschwerdeführer mit der Begründung des angefochtenen Einspracheentscheids nur am Rande auseinander. Das Verwaltungsgericht hat daher auf die Erwägungen des Departements verwiesen. Ausserdem hat es festgehalten, dass der Beschwerdeführer keine Angaben oder Beweismittel über irgendwelche Bemühungen für eine Wohnungssuche in der Zeit nach Erteilung der Niederlassungsbewilligung beigebracht habe. Plausible Gründe für das Zuwarten bis kurze Zeit vor der Volljährigkeit der Tochter seien damit nicht ersichtlich. 2.6.4 In seiner Eingabe ans Bundesgericht macht der Beschwerdeführer nun (ebenfalls) erstmals (zusätzlich) geltend, er habe auf die Familie im Kosovo Rücksicht nehmen müssen. Bis zu seiner Auswanderung nach England vor zwei Jahren habe noch der im August 1982 geborene Sohn im Haushalt gelebt. Ausserdem habe die Ehefrau des Beschwerdeführers für ihren Schwiegervater gesorgt, da die Schwiegermutter seit einigen Jahren verstorben sei. Für diesen habe im Hinblick auf die vorgesehene Übersiedlung von Frau und Tochter eine neue Lösung gefunden werden müssen. Heute seien der Bruder des Beschwerdeführers und dessen Frau bereit, den Vater zu sich zu nehmen, was unmittelbar nach Erteilung der Niederlassungsbewilligung noch nicht möglich gewesen sei.