Citation: I 397/06 06.02.2007 E. 4

4.1 Der behandelnde Psychiater, Dr. med. F.________ stellte in seinen Berichten vom 15. November 2003 und vom 31. Januar 2004 neben der Verdachtsdiagnose auf eine Schmerzausweitung respektive eine somatoforme Schmerzstörung diejenige einer mittleren depressiven Episode im Rahmen einer Anpassungsproblematik und attestierte auf Grund der mehrfachen psychischen Belastung mit Überforderung und konsekutiver Depression eine volle Arbeitsunfähigkeit. Die die Beschwerdeführerin im Auftrag der Pensionskasse begutachtende Dr. med. K.________ kam in der Expertise vom 22. Januar 2004 zur Erkenntnis, die Versicherte sei grundsätzlich gesund und belastbar. Wegen problematischen Lebensereignissen und anhaltender psychosozialer Belastung sei sie aus ihrem psychischen Gleichgewicht geraten, wobei der Treppensturz im Januar 2003 das Fass zum Überlaufen gebracht, die Explorandin chronische Schmerzen entwickelt habe und depressiv geworden sei. Sie stellte die Diagnosen einer Anpassungsstörung mir langdauernder depressiver Reaktion als Folge schwerwiegender psychosozialer Belastungen und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung des Rückens. Auch sie erachtete die Beschwerdeführerin - mindestens vorübergehend - als nicht arbeitsfähig. Auch die Gutachter der Psychiatrie Y.________ stellten schliesslich am 1. Juni 2004 die Diagnosen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung vom mittleren Schweregrad und - zusätzlich - einer Anpassungsstörung mit längerer depressiven Reaktion (ICD-10 F43.21). Die massive emotionale und psychosoziale Überbelastung hätte gemäss Gutachten über kurz oder lang bei wohl jedem Menschen zu einer Dekompensation geführt. Eine gesundheitliche Besserung sehen med. pract. O.________, leitender Arzt, und med. pract. L.________, Assistenzärztin, denn auch nicht in medizinischen Massnahmen, sondern in einer Verbesserung der psycho-sozialen Situation (Aufenthaltsbewilligung und gesicherte finanzielle Situation). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit wird im Gutachten dargelegt, dass die bis zum Unfall geleistete Doppelbelastung einer 100%igen Erwerbstätigkeit nebst alleinerziehender Kinderbetreuung und Haushaltstätigkeit nicht zumutbar sei. Als Alleinstehende wäre eine leichte körperliche Tätigkeit, mit der Möglichkeit Pausen einzulegen, während drei bis vier Stunden täglich möglich. Damit divergieren weder die gestellten Diagnosen, noch die daraus gezogenen Schlussfolgerungen der verschiedenen Ärzte wesentlich. Fraglich ist einzig, inwiefern die aus medizinischer Sicht offenbar ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit in rechtlicher Hinsicht eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung auslöst. 4.2 Wie wiederholt vermerkt wird, ist die Beschwerdeführerin grundsätzlich gesund und belastbar. Sowohl die Schmerzstörung als auch die Anpassungsstörung mit depressiven Episoden entstanden einzig wegen einer ausserordentlich schwierigen psychosozialen Belastung. Der Anpassungsstörung kommt somit keine eigene selbstständige Bedeutung im Sinne einer Komorbidität zu. Die Invalidenversicherung versichert zu Erwerbsunfähigkeit führende Gesundheitsschäden, worunter soziokulturelle Umstände nicht zu begreifen sind. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 299 Erw. 5a mit Hinweisen). 4.3 Neben den durch die psychosozialen Umstände und Überforderungen verursachten Beschwerden liegen keine weiteren Gesundheitsschäden vor. Bezeichnenderweise schlagen die Gutachter der Psychiatrie Y.________ unter dem Stichwort "ärztliche Behandlung" auch keine medizinischen oder therapeutischen Massnahmen, sondern die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung und die Sicherung der finanziellen Situation vor. Solches kann jedoch nicht von der Invalidenversicherung geleistet werden.