Citation: 1A.186/1999 04.05.2000 E. 6

6.- Gegen die Wiederherstellungsverfügung beruft sich der Beschwerdeführer auf den Grundsatz von Treu und Glauben. Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, er habe sein Baugesuch mit der zweiten Bauvariante mit Querfirst nur eingereicht, um aufzuzeigen, dass diese zweite Variante aus baulichen Gründen und aus Platzgründen nicht in Frage kommen könne. Dies habe er gegenüber dem das Baugesuch entgegennehmenden Gemeindeschreiber klar und unmissverständlich ausgedrückt. Für ihn, den Beschwerdeführer, wie auch für die Baupolizeibehörde sei immer klar gewesen, dass nur ein Anbau mit Längsfirst in Frage komme. Zudem habe ihm der Gemeindeschreiber zirka 14 Tage vor der schriftlichen Eröffnung der Baubewilligung den Beschluss und Antrag der Gemeinde an das Amt für Gemeinden und Raumordnung mündlich mitgeteilt, wonach der Gemeinderat beiden Varianten zustimmen könne, und ausgeführt, dass es den "Herren in Bern" ohnehin egal sein könne, welche Variante gebaut werde. In der Folge habe er davon abgesehen, die schriftlich erteilte Baubewilligung näher zu prüfen, und darauf vertraut, dass er die Variante mit dem Längsfirst bauen könne. Hinzu komme, dass zwei Mitglieder der Baupolizeibehörde beim Aushub sowie bei den Maurerarbeiten für den Bau mitgearbeitet hätten und auch später häufig auf der Baustelle gewesen seien, weshalb diese schon früh davon Kenntnis gehabt hätten, dass ein Längsfirst erstellt werde. In den kleinräumigen Verhältnissen von Eriz wüssten die Behörden ohnehin genau, was jeder Einzelne baue. Durch die mündlichen Auskünfte und die Duldung der Bautätigkeit hätten die Behörden eine Vertrauensgrundlage geschaffen, auf die er sich habe verlassen dürfen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts verleiht der Grundsatz von Treu und Glauben dem Bürger einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der zuständigen Behörden (vgl. BGE 122 II 113 E. 3b/cc S. 123; 117 Ia 285 E. 2b mit Hinweis). Der Vertrauensschutz greift nicht, wenn der Bauherr die Widerrechtlichkeit seines Tuns bei pflichtgemässer Sorgfalt erkennen konnte und insofern nicht gutgläubig war. Das Verwaltungsgericht hat offensichtlich zu Recht entschieden, dass der Beschwerdeführer nicht als gutgläubig gelten könne, und in zutreffenden Erwägungen, auf die verwiesen werden kann, ausgeführt, dass es seine pflichtgemässe Sorgfalt verlangt hätte, die Baubewilligung zu lesen und sich über deren präzisen Inhalt ins Bild zu setzen. Dies umso mehr als die Gemeinde vorgängig bereits zwei Voranfragen des Beschwerdeführers negativ beantwortet hatte, von denen die eine inhaltlich genau dem realisierten Anbau entsprach, was vorliegend nicht bestritten wird. Der Beschwerdeführer hätte sich unter diesen Umständen von vornherein nicht auf - von der Gemeinde bestrittene - mündliche Auskünfte von Beamten der örtlichen Baubehörde verlassen dürfen. Es darf heute als allgemein bekannt betrachtet werden, dass verbindliche Baubewilligungen schriftlich erteilt werden (vgl. Christoph A. Bandli, Bauen ausserhalb der Bauzonen, Diss. Bern 1989, Rz. 264). Ebensowenig vermöchte es eine berechtigte Vertrauensposition des Beschwerdeführers zu begründen, wenn, wie von ihm behauptet, Mitglieder der Baupolizeibehörde als Angestellte der Baufirma bei der Errichtung der Baute mitgewirkt haben sollten und eine widerrechtliche Bautätigkeit hätten erkennen können, was die Gemeinde ebenfalls bestreitet. Der Beschwerdeführer macht nicht ernsthaft geltend und es liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass Mitglieder der Baubehörde bewusst erst nach Fertigstellung des Baus eingeschritten wären. Der Beschwerdeführer kann unter den gegebenen Umständen nichts daraus ableiten, wenn Behördenmitglieder, sollten sie am Bau wie behauptet mitgewirkt bzw. ihn besucht haben, nicht eingeschritten sind. Wie das Verwaltungsgericht zutreffend festgehalten hat, hätte der Beschwerdeführer die Widerrechtlichkeit seines Tuns und eine fehlerhafte Auffassung oder Versäumnisse von Mitgliedern der Baubehörde bei pflichtgemässer Sorgfalt ohne weiteres selber erkennen müssen.