Citation: 8C_71/2022 E. 4.3

4.3. Den Vorbringen der Beschwerdeführerin ist ohne Weiteres beizupflichten. Es entspricht entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts keineswegs der Rechtsprechung, bei der Beurteilung der Expositionsdauer auch Zeiten zu berücksichtigen, während welchen die betroffene Person nicht obligatorisch unfallversichert gewesen war. Vielmehr hat das Bundesgericht im vorinstanzlich zitierten Urteil 8C_383/2019 vom 5. September 2019 E. 4.1.2 mit Hinweisen erneut klargestellt, dass bei Berufskrankheiten die Einwirkung des gefährlichen Stoffs oder die Verrichtung der krankmachenden Arbeit, kurzum die Exposition (Gefährdung), nicht weniger wichtig ist als der Ausbruch der Krankheit. Die Leistungspflicht hängt somit vom Umstand ab, ob die von der Krankheit betroffene Person während der vorwiegenden Exposition versichert gewesen war. Die Versicherungsdeckung wirkt somit bei der erkrankten Person über das Ende des Versichertseins hinaus, wenn die Krankheit erst später ausbricht, sie entfaltet insoweit eine Nach-, jedoch keine Vorwirkung. Die Argumentation des kantonalen Gerichts, es seien sämtliche, auch nicht versicherte Tätigkeiten zu berücksichtigen, liefe mithin darauf hinaus, dass der im Jahre 2010 in die Schweiz eingereiste Beschwerdegegner auch vor der Versicherungsdeckung Leistungen beanspruchen könnte. Solches geht aus der Rechtsprechung nicht hervor, auch nicht aus BGE 119 V 200. Die Beschwerde ist gutzuheissen.