Citation: I 810/02 11.07.2003 E. 7

7.1 In der Verfügung vom 18. September 2001 wird davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin in den Bereichen "Ankleiden", "Körperpflege" und "Verrichten der Notdurft" regelmässig auf Dritthilfe angewiesen ist, welche nicht altersgemäss sei. Zudem ist medizinisch-pflegerische Hilfe beim Katheterisieren nötig. Es bestehe daher ein Anspruch auf einen Pflegegeldbeitrag für eine Hilflosigkeit leichten Grades. In der Stellungnahme vom 23. November 2001 der Abklärungsperson zu den im Anhörungsverfahren vorgebrachten Argumenten wird nunmehr davon ausgegangen, dass im Bereich "Körperpflege" keine nicht altersgemässe Dritthilfe notwendig sei, indessen brauche die Beschwerdeführerin bei der Fortbewegung im Freien Hilfe, da sie nur kurze Strecken gehen könne. 7.2 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Behinderung beim Baden/Duschen auf Hilfe angewiesen ist. Die IV-Stelle geht davon aus, dass dies auch bei einem gesunden Kind ihres Alters der Fall wäre. Sie beruft sich dabei indirekt auf den Grundsatz, dass nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nichtbehinderten Minderjährigen gleichen Alters für die Bemessung der Hilflosigkeit berücksichtigt werden darf (Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH] Rz 8089). Entscheidend ist somit, wie es sich mit dem selbständigen Baden bzw. Duschen bei einem unbehinderten Kind verhält. Verwaltung und Vorinstanz ziehen zum Vergleich ein Kind im Alter von 5 ¼ Jahren heran. Dies entspricht dem Alter der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Abklärungsbesuches am 7. März 2001. Die streitige Verfügung ist indessen am 18. September 2001 erlassen worden und entfaltet ihre Wirkung per November 2001. Somit sind die Verhältnisse in jenem Zeitpunkt massgebend (vgl. sinngemäss BGE 128 V 174). Die Beschwerdeführerin wurde am 18. Dezember 2001 - somit nur eineinhalb Monate nach revisionsweiser Herabsetzung des Pflegebeitrages für die Hilflosigkeit mittelschweren Grades auf eine solche leichten Grades - sechs Jahre alt. Den Richtlinien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit für Pflegebeiträge an hilflose Minderjährige (Anhang III zur KSIH) lässt sich unter Ziffer 4 S. 151 entnehmen, dass sich ein Kind mit 6 Jahren bei der Körperpflege nicht mehr gerne helfen lasse, Kontrollen jedoch nötig und die Haarpflege noch nicht selbständig möglich sei. Das entspricht insofern der allgemeinen Lebenserfahrung, als Kinder in diesem Alter die Schule besuchen und sich dort nach dem Sportunterricht auch selbständig duschen. Damit steht fest, dass die Beschwerdeführerin bereits ab Dezember 2001 in vier alltäglichen Lebensbereichen - als nicht ihrem Alter entsprechend - auf Dritthilfe angewiesen zu gelten hat. Unbestritten ist, dass sie aufgrund ihrer spezifischen Behinderung beim Waschen des ganzen Körpers gestützt und gehalten werden muss, da sie das Gleichgewicht nicht selbständig halten kann. Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist für die revisionsweise Herabsetzung der Leistung vorausgesetzt, dass die Verminderung der Hilflosigkeit voraussichtlich längere Zeit dauert. Damit ist in Bezug auf die Herabsetzung des Pflegebeitrages per 31. Oktober 2001 kein Revisionsgrund gegeben (Art. 41 IVG i.V.m. Art. 86 IVV). Die Verfügung vom 18. September 2001 ist aufzuheben und der Beschwerdeführerin auch nach dem 1. November 2001 ein Pflegebeitrag aufgrund mittlerer Hilflosigkeit auszurichten.