Citation: U 254/06 06.03.2007 E. 6

6.1 Zunächst gilt hinsichtlich des Zeitpunktes der Adäquanzprüfung, dass sich bei Schleudertraumen oder schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS und Schädel-Hirntraumen die dafür massgebenden Kriterien grundsätzlich nach Abschluss des normalen, unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses beurteilen lassen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 158/05 vom 8. August 2005, E. 3.1 mit Hinweisen), was solange nicht möglich ist, wie von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch immer eine Besserung erwartet werden kann (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 11/06 vom 12. Oktober 2006, E. 4.1 mit Hinweis). 6.2 Dieser Zeitpunkt war (spätestens) im Februar 1998 - dreieinhalb Jahre nach der Auffahrkollision vom 1. September 1994 - erreicht. Gut einen Monat nach dem Unfall bestand die Behandlung gemäss Bericht des Dr. med. O.________ vom 11. Oktober 1994 bei langsamer Regredienz der Beschwerden und Wiederaufnahme der Arbeit zu 50 % ab 3. Oktober 1994 nur noch in Physiotherapie und gelegentlichen Arztkonsultationen alle sieben bis zehn Tage. Im November 1994 kamen noch chiropraktorische Massnahmen dazu (Bericht des Dr. med. O.________ vom 14. November 1994). Dr. med. R._______, welcher die Versicherte am 23. November 1994 erstmals rheumatologisch behandelte, empfahl therapeutisch einzig vermehrte körperliche Betätigung (Spazieren, Velofahren, Home-Trainer) sowie Haltungs- und Kräftigungsgymnastik. Vorübergehend erhöhte er dennoch die Arbeitsunfähigkeit für drei bis vier Wochen auf 100 % (Bericht vom 24. November 1994). Übereinstimmend mit dem behandelnden Rheumatologen verneinte Dr. med. I.________ gemäss Bericht vom 2. Dezember 1994 die Notwendigkeit einer neuropsychologischen Abklärung. Hinsichtlich der weiterhin indizierten Physiotherapie riet er zu aktiven Massnahmen wie Haltungs- und Lockerungsgymnastik. Auch der Neurologe befürwortete eine sukzessive Wiederaufnahme der angestammten Arbeitstätigkeit ab Mitte Januar 1995, mithin viereinhalb Monate nach dem Unfall. Bei anhaltender Physiotherapie und einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ab 23. Januar 1995 fanden noch alle zwei Wochen Arztkonsultationen statt (Bericht des Dr. med. O.________ vom 10. Februar 1995). Bereits am 2. August 1995 - elf Monate nach dem Unfall - berichtete Dr. med. R.________, die letzte Kontrolle bei ihm habe am 12. Juli 1995 stattgefunden. Bei Belastung klage die Beschwerdegegnerin noch über vermehrte cervicale Schmerzen. Objektiv sei die HWS jedoch frei beweglich und es bestünden praktisch keine Druckdolenzen mehr. Vorläufig sei die Physiotherapie beendet. Mit einer vollen Arbeitsfähigkeit sei medizinisch-theoretisch ab 1. August 1995 zu rechnen. Vorgesehen sei noch eine Kontrolle bei ihm ein Jahr nach Unfall. Ab 1. September 1995 war die Versicherte wieder voll arbeitsfähig. Obwohl sie am 18. Dezember 1995 nochmals ein Beschwerde-Rezidiv mit voller Arbeitsunfähigkeit ab 11. Dezember 1995 anmeldete, war die entsprechende Behandlung bereits Ende Januar 1996 wieder abgeschlossen. Soweit im Sommer 1997 noch die subjektiv geklagten Sensibilitätsstörungen durch den Neurologen Dr. med. I.________ eingehend abgeklärt wurden, fand dieser keine behandlungsbedürftigen objektivierbaren Gesundheitsschäden mehr, welche in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Unfall vom 1. September 1994 standen. 6.3 Mit Blick auf die erzielten Heilbehandlungsergebnisse stellte die Allianz bei gegebener Aktenlage zu Recht darauf ab, dass von einer Fortsetzung der Behandlung ab 2. Februar 1998 prognostisch keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG) mehr zu erwarten war, zumal allein die Hoffnung auf eine positive Beeinflussung der Beschwerden hiefür nicht genügt (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 11/06 vom 12. Oktober 2006, E. 4.3 mit Hinweis). Nach dem als leicht zu qualifizierenden HWS-Distorsionstrauma vom 1. September 1994 (vgl. E. 7.1 nachstehend) spricht das anfangs Februar 1998 gezeigte Resultat angesichts der zwischenzeitlich durchgeführten Behandlungen gegen weiter erzielbare Fortschritte. Bei den Beschwerden der hier vorliegenden Art ist nach unfallmedizinischer Erfahrung nicht anzunehmen, dass sich hieran durch weitere Therapien noch etwas ändern würde (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 11/06 vom 12. Oktober 2006, E. 4.3 mit Hinweis). War demnach von einer Fortsetzung der Heilbehandlung ab 2. Februar 1998 keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten, erfolgte die von der Allianz vorgenommene Adäquanzprüfung unter den gegebenen Umständen im richtigen Zeitpunkt.