Citation: 2A.480/2001 29.07.2002 E. 6

6.1 Die Vorinstanzen stützen ihre Vorgehensweise auf Ziffer 2 des Kreisschreibens der Eidgenössischen Steuerverwaltung vom 1. Juni 1960, wonach die objektmässige Ausscheidungsmethode dann zulässig ist, wenn keine zuverlässigen Angaben über das Ergebnis des Gesamtunternehmens zu erhalten gewesen sind (dazu Ernst Känzig, Die direkte Bundessteuer, 2. Aufl., Basel 1992, Art. 52 N. 7). Die Beschwerdeführerin wendet sich nicht grundsätzlich gegen die genannten Voraussetzungen und bestreitet die Rechtmässigkeit des erwähnten Kreisschreibens als solches - zu Recht - nicht. Sie bringt dagegen vor, das Ergebnis des Gesamtunternehmens sei einwandfrei zu ermitteln gewesen und habe den Steuerbehörden auch vorgelegen. Deshalb sei es ohne weiteres möglich gewesen, eine quotenmässige Ausscheidung vorzunehmen. Nur weil es aufgrund der unterschiedlichen Rechnungslegungsvorschriften - die Muttergesellschaft der Beschwerdeführerin, die C.________, unterliege als börsenkotierte Unternehmung den Vorschriften der Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) - dem Steueramt Schwierigkeiten bereitet habe, die Feststellung der Gesamtfaktoren zu ermitteln, sei eine Abweichung von der quotenmässigen zur objektmässigen Steuerausscheidung nicht gerechtfertigt. Dies gelte umso mehr, als die US-GAAP weitestgehend mit den Rechnungslegungsvorschriften des OR identisch seien. 6.2 Ein Unternehmen muss dem Betriebsstättestaat alle Unterlagen zur Verfügung stellen, die notwendig sind, um den steuerlich massgebenden Gesamtgewinn nach den Regeln des nationalen Rechts zu ermitteln (Widmer/Kronauer, a.a.O., S. 261). Dabei bildet nach dem Grundsatz der Massgeblichkeit der Handelsbilanz die kaufmännische Bilanz und Erfolgsrechnung Ausgangspunkt und Grundlage der steuerrechtlichen Gewinnermittlung. Massgebend sind die nach den zwingenden Vorschriften des Handelsrechts ordnungsmässig geführten Bücher (Francis Cagianut/Ernst Höhn, Unternehmungssteuerrecht, 3. Aufl., Bern/Wien/Stuttgart 1993, S. 152 ff., 169; Rolf Benz, Handelsrechtliche und steuerrechtliche Grundsätze ordnungsgemässer Bilanzierung, Zürich 2000, S.194 ff.; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2A.157/2001 vom 11. März 2002, E. 2b mit Hinweisen). In diesem Licht ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanzen trotz zahlreicher eingereichter Unterlagen zum Schluss gekommen sind, der geltend gemachte Gesamtverlust der Beschwerdeführerin sei nicht hinreichend nachgewiesen, und dabei insbesondere für wichtig erachtet haben, dass für deren Jahresrechnung nicht einmal ein Revisionsstellenbericht vorhanden sei. Das Bestehen eines solchen Berichts wird von der Beschwerdeführerin denn auch gar nicht behauptet; sie bringt lediglich vor, nach amerikanischem Recht sei nicht erforderlich, dass für jede einzelne Gesellschaft ein Revisionsstellenbericht vorliege; es genüge eine vom Konzernprüfer revidierte konsolidierte Jahresrechnung des Gesamtkonzerns; bei der Beschwerdeführerin handle es sich in diesem Sinn nur um einen Teil des "Konsolidierungskreises". Insoweit sind denn aber auch die Rechnungslegungsvorschriften der US-GAAP entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht mit denjenigen des OR vergleichbar. Dieses verlangt nämlich angesichts des Fehlens eines eigentlichen Konzernrechts konsequenterweise für jede einzelne Aktiengesellschaft einen entsprechenden Revisionsstellenbericht (Art. 728 ff. OR). Aus dem eingereichten testierten und nach Angaben der Beschwerdeführerin US-GAAP konformen Geschäftsbericht mit Jahresrechnung der Konzernmutter, der C.________, kann die Beschwerdeführerin deshalb nichts zu ihren Gunsten ableiten. Infolgedessen ist entgegen ihren Aussagen nicht von selbst erstellt, dass "die vorgelegte Gesamtbuchhaltung [der Beschwerde- führerin] den schweizerischen Rechnungslegungsvorschriften entspricht". Unter diesen Umständen durfte die Vorinstanz im Rahmen einer antizipierten Beweiswürdigung ohne Verletzung der Untersuchungspflicht und damit ohne Verletzung des rechtlichen Gehörs auch darauf verzichten, die von den Revisoren des kantonalen Steueramts geprüfte und von der Beschwerdeführerin im kantonalen Beschwerdeverfahren noch einmal angebotene Buchhaltung einzuverlangen. Aus dem nämlichen Grund schliesslich kann auch das Bundesgericht von der Einsicht in die in der vorliegenden Beschwerde noch einmal angebotene Buchhaltung absehen. An dieser Einschätzung ändern auch die mit der Replik vom 13. Dezember 2000 in Kopie der Vorinstanz eingereichten - zum Teil mit von Hand geschriebenen Zahlen versehenen - Unterlagen nichts. 6.3 Die Beschwerdeführerin bringt schliesslich vor, sie habe sämtliche ihr zur Verfügung stehenden Unterlagen beigebracht, sodass eine weitergehende Beweispflicht als überspitzter Formalismus zu würdigen sei. Sinngemäss wird damit auch vor Bundesgericht geltend gemacht, die Beweisauflage des kantonalen Steueramts sei unverhältnismässig und unzumutbar. Eingestandenermassen hat die Beschwerdeführerin nicht sämtliche der einverlangten Unterlagen eingereicht. Die Vorinstanz hat dargelegt, weshalb die Beweisauflage des kantonalen Steueramts weder unverhältnismässig noch unzumutbar gewesen sei. Mit diesen Ausführungen setzt sich die Beschwerdeführerin nicht weiter auseinander; sie macht lediglich geltend, es sei überspitzt formalistisch, wenn wegen nicht eingereichter Unterlagen der Gesamtverlust nicht anerkannt werde. Dass mit diesem Vorbringen über die behauptete Unverhältnismässigkeit der Auflage nichts ausgesagt wird, braucht nicht weiter erörtert zu werden. Die Beweisauflagen des kantonalen Steueramts erweisen sich jedenfalls als verhältnismässig (zur Verhältnismässigkeit von Beweisauflagen vgl. Ernst Känzig/Urs Behnisch, Die direkte Bundessteuer, 2. Aufl., Basel 1992, Art. 89 N. 2; Martin Zweifel, in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, Basel/Genf/München 2000, Art. 126 N. 4 ff.). 6.4 Der Umstand, dass der in Frage stehende Verlustüberschuss bei der in Rechtskraft erwachsenen Einschätzung 1993/94 stillschweigend berücksichtigt worden ist, ist mit Blick auf die vorliegend allein umstrittene Veranlagung 1991/92 nicht entscheidwesentlich, zumal die Beschwerdeführerin insoweit auch nicht benachteiligt worden ist. Im Übrigen kann aus der Berücksichtigung des Verlusts bei der nachfolgenden Veranlagung jedenfalls nicht abgeleitet werden, die Massnahmen des kantonalen Steueramts zur Ermittlung der Gesamtergebnisse für die streitbetroffene Steuerperiode 1991/92 seien unverhältnismässig gewesen.