Citation: 6B_400/2018 E. 2.4

2.4. Anlässlich des tierärztlichen Besuchs vom 8. April 2016 wurden die Vitalparameter (darunter fallen generell etwa Puls, Atmung, Temperatur) der trächtigen, festliegenden Kuh untersucht. Nach den Ursachen für das Festliegen wurde nicht geforscht und eine Behandlung fand mangels Diagnose nicht statt (zu den Möglichkeiten einer Diagnose vgl. etwa die im Prozess eingereichten Abhandlungen von KATHARINA TRAULSEN, Die Kuh liegt fest - was tun?, in: Milchpraxis, 1/2012; JUTTA BERGER, Frisch gekalbt und kalt erwischt, in: Toro 10/2012, swissgenetics). Die tierärztliche Kontrolle vom 8. April 2016 respektive allfällige Unterlassungen sind dem Beschwerdeführer nach den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen nicht zuzurechnen, weshalb nicht näher darauf einzugehen ist. Nachdem der Beschwerdeführer das Tier am 8. April 2016 auf Vorschlag des Tierarztes zur weiteren Beobachtung auf die Weide transportiert hatte, lag es dort während zehn Tagen bis zum 18. April 2016. Dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer für eine erste Phase einen umsichtigen Umgang zubilligt, is t aufgrund der von ihm getroffenen Vorkehrungen nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer legte die Kuh unter einen Baum, deckte sie zu, versorgte sie mit Futter und Wasser und schaute mehrmals täglich nach ihr. Zwar müssen kranke oder verletzte Tiere unverzüglich ihrem Zustand entsprechend untergebracht, gepflegt und behandelt oder getötet werden (Art. 5 Abs. 2 TSchV). Dem Beschwerdeführer ist aber insoweit keine Verfehlung vorzuwerfen. Er hielt sich an die Empfehlung des Tierarztes und hoffte auf einen positiven Heilungsverlauf. Diese Hoffnungen waren nach den vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen berechtigt, nachdem die Kuh frass, trank, am 9. April 2016 kurz aufzustehen in der Lage war, sich selbständig drehen konnte und durch das Liegen keine zusätzlichen Probleme entstanden (Entscheid S. 20 f.). Als Pflichtverletzung beurteilt die Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer nach fünf bis sechs Tagen (vgl. Entscheid S. 20 f.) keine tiermedizinischen Massnahmen in Auftrag gab. Damit verletzt sie kein Bundesrecht. Der Zustand der Kuh war unverändert. Die Ursachen für ihr Festliegen waren nach wie vor unbekannt. Der letzte (spontane) tierärztliche Besuch vom 9. April 2016 lag mehrere Tage zurück. Rücksprachen mit dem Arzt erfolgten nicht. Unbekannt war, ob das trächtige Tier unter einer Krankheit (z.B. Stoffwechselstörung) oder Verletzung (z.B. Knochenbruch, Muskelriss etc.) litt. Eine Behandlung erfolgte nicht. Nach den vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen hat die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Heilung stets abgenommen und nach fünf oder sechs Tagen war eine Heilung vernünftigerweise nicht mehr zu erwarten (Entscheid S. 20 f. unter Hinweis auf TRAULSEN, a.a.O.; BERGER, a.a.O.). Was der Beschwerdeführer dazu vorbringt, zeigt keine Verletzung von Bundesrecht auf. Seine Ausführungen zur Abhandlung von TRAULSEN überzeugen nicht. Deren Empfehlung betreffend Knochenbrüche bei erwachsenen Kühen tangiert offensichtlich nicht ihre Prognosestellung bei Kühen, die aus anderen Gründen mehr als vier bis fünf Tage permanent festliegen. Vertretbar ist auch, wenn die Vorinstanz auf die gleichlautenden Einschätzungen von BERGER abstellt, die Kühe nach dem Kalbern thematisiert und verschiedene Ursachen für das Festliegen aufzeigt. Die Vorinstanz hält fest, dass die dem Tier zugemutete Belastung ab 14. April 2016 nicht mehr durch den verfolgten Zweck einer Heilung und einer Rettung des Kalbs gerechtfertigt war (Entscheid S. 20). Auf ihre sorgfältigen Überlegungen kann verwiesen werden. Indem das kranke und/oder verletzte Tier auch nach mehreren Tagen keine Behandlung erfuhr, wurden seine Leiden nicht vermieden. Diese brauchen wie ausgeführt nicht besonders stark zu sein. Im Sinne des Tierschutzrechts gelten als Leiden alle Beeinträchtigungen des Wohlergehens, die nicht bereits unter die Begriffe des Schmerzes oder der Angst fallen und über ein schlichtes Unbehagen oder eine Augenblicksempfindung hinausgehen (BOLLIGER/RICHNER/RÜTTIMANN, a.a.O., S. 74). Durch das blosse Zuwarten vernachlässigte der Beschwerdeführer das betroffene Tier. Da überwiegende Interessen nicht (mehr) gegeben waren (vgl. Art. 3 lit. a TSchG), wurde durch die Belastung die Würde des Tieres missachtet.