Citation: 1B_290/2015 E. 2.2

2.2. Der Beschwerdeführer ist bulgarisch-serbischer Doppelbürger und lebt nach eigenen Angaben seit 11 Jahren in der Schweiz. Er verfügt über die Niederlassungsbewilligung C. Er hat mit seiner aus Serbien stammenden (ehemaligen) Lebensgefährtin zwei Kinder. Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Geschädigte sprechen nur gebrochen deutsch; für ihre Einvernahmen müssen Übersetzer beigezogen werden. In der Schweiz hat der Beschwerdeführer offenbar nur zu seinem ebenfalls hier lebenden Bruder, bei dem er nach einer Haftentlassung allenfalls wohnen könnte, eine nähere Beziehung. Private Kontakte zu Schweizern hat er dagegen kaum. Nach seinen eigenen Angaben reist er oft nach Serbien, wo er über ein gutes Beziehungsnetz verfügt und wo auch seine Eltern leben. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Beschwerdeführer zwar seinen Lebensmittelpunkt in den letzten Jahren in der Schweiz hatte, indem er hier lebte und arbeitete. Ansonsten aber ist er kaum integriert. Eine Fortsetzung der Lebensgemeinschaft mit der Geschädigten fällt nach den Vorwürfen, die sie gegen ihn erhebt, wohl ausser Betracht, und die Beziehung zu seinen beiden Kindern scheint ebenfalls stark belastet, ist er doch auch wegen Tätlichkeiten und sexuellen Handlungen zu deren Nachteil angeklagt. Abgesehen von den für ihn hierzulande offenbar relativ günstigen Verdienstmöglichkeiten ist somit kein Grund ersichtlich, der ihn von einer Flucht nach Serbien abhalten könnte, wo er wohl ohne grössere Schwierigkeiten untertauchen könnte. Für den Fall einer Verurteilung droht ihm nicht nur eine massive Freiheitsstrafe - die Anklage fordert 5 Jahre -, sondern er müsste auch damit rechnen, die Aufenthaltsberechtigung in der Schweiz zu verlieren. Kann er aber ohnehin nicht davon ausgehen, nach der allfälligen Strafverbüssung sein Leben in der Schweiz fortsetzen zu können, so liegt es für ihn jedenfalls nahe, sich der weiteren Strafverfolgung und insbesondere der drohenden, mehrjährigen Freiheitsstrafe durch Flucht zu entziehen. Der dem Urteil 1B_150/2015 vom 12. Mai 2015, auf das sich der Beschwerdeführer beruft, zugrunde liegende Sachverhalt weicht vom vorliegenden in wesentlichen Punkten ab. Dabei ging es um den Fall eines marokkanischen Asylbewerbers, der unter keinen Umständen in sein Heimatland, welches für ihn realistischerweise als einziges mögliches Fluchtziel in Frage kam, zurückkehren wollte, und dem eine deutlich geringere Strafe drohte als dem Beschwerdeführer. Aus diesem Urteil kann er daher nichts zu seinen Gunsten ableiten. Eine Flucht des Beschwerdeführers erscheint wahrscheinlich, das Obergericht hat kein Bundesrecht verletzt, indem es von Fluchtgefahr ausging. Ist somit der dringende Tatverdacht erstellt und Fluchtgefahr gegeben, kann offen bleiben, ob auch Kollusionsgefahr besteht.