Citation: 5C.148/1999 08.03.2000 E. 2

2.- Das Obergericht hat in Rücksicht auf die seines Erachtens gründliche Befragung der Parteien durch das Bezirksgericht auf eine weitere Einvernahme verzichtet, die Ehe als inhaltslos geworden bezeichnet und die Parteien infolgedessen gestützt auf aArt. 142 Abs. 1 ZGB geschieden. Dagegen wendet der Beklagte Verschiedenes ein und macht eine Verletzung von aArt. 158 Ziff. 1 und 4 ZGB sowie Art. 8 ZGB geltend. a) Der Beklagte macht wohl im Sinne einer Versehensrüge nach Art. 55 Abs. 1 lit. d OG geltend, vor erster Instanz seien die Parteien nur zu ihren finanziellen Verhältnissen befragt worden. Auch vor zweiter Instanz seien keine Fragen zum Scheidungspunkt selber und zu den persönlichen Verhältnissen der Parteien gestellt worden. Unabhängig davon, ob der Beklagte mit dem Hinweis auf die S. 23 ff. des erstinstanzlichen Einvernahmeprotokolles die formellen Voraussetzungen für eine Versehensrüge, bzw. für eine Rückweisung erfüllt (dazu BGE 122 III 61 E. 2b und 119 II 353 E. 5c/aa S. 357 unten je mit Hinweisen), ist auf die Berufung in diesem Punkt nicht einzutreten. Denn das Obergericht hat die entsprechende Rüge des Beklagten unter Hinweis auf die S. 9 ff., 19 ff. und 25 des erwähnten Protokolls, wo der Standpunkt des Beklagten zur ehelichen Situation ausführlich wiedergegeben ist, als aktenwidrig verworfen (E. 1 S. 4 f.). Zu dieser Stelle der Urteilsbegründung verliert der Beklagte kein Wort, weshalb auf die Berufung mangels Begründung ohnehin nicht eingetreten werden kann (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 116 II 745 E. 3 S. 749). Aus den gleichen Gründen vermag der Beklagte gegen das obergerichtliche Urteil auch mit der Behauptung nicht aufzukommen, die Klägerin sei zu den ehelichen Spannungen und zu sexuellen Kontakten der Parteien, die bis zum Frühling vor der Scheidung angedauert hätten, nicht befragt worden. Das Obergericht hat dafür auch auf die einschlägigen Aussagen des Rechtsvertreters der Klägerin abgestellt, die jener in deren Anwesenheit während der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gemacht hatte (E. 3 S.8 unten). Auch zu dieser Erwägung des angefochtenen Urteils nimmt der Beklagte nicht Stellung. b) Ins Leere stösst weiter der Vorwurf des Beklagten, sein Anspruch auf Beweisführung gemäss Art. 8 ZGB sei verletzt. Ist nach dem Dargelegten erstellt, dass der Beklagte zur ehelichen Situation befragt worden ist, hat das Obergericht die im Protokoll enthaltenen Aussagen beweismässig gewürdigt, daraus Schlüsse gezogen und weitere Beweise nicht mehr abgenommen. Das verletzt Art. 8 ZGB offensichtlich nicht (BGE 115 II 440 E. 6b S. 450, zuletzt BGE 122 III 219 E. 3c). c) Ferner rügt der Beklagte, nach aArt. 158 Ziff. 1 und 4 ZGB müsse der Richter alle von ihm angebotenen Beweise abnehmen. Das Obergericht habe in freier Beweiswürdigung den Akten nicht entnehmen können, dass die Ehe tatsächlich zerrüttet ist; diese Überzeugung habe es auf Grund der Beweislage nicht gewinnen können. Soweit der Beklagte der Meinung ist, auch das Obergericht habe die Parteien befragen müssen, verkennt er, dass diese sich aus Bundesprivatrecht ergebende Pflicht hier insoweit nicht verletzt worden ist, als die Parteien von der ersten Instanz zum Scheidungspunkt befragt worden sind. Ob darauf im zweitinstanzlichen Verfahren verzichtet werden darf (Spühler/Frei-Maurer, Berner Kommentar, N 121 f. zu Art. 158 ZGB; allgemein Hegnauer/Breitschmid, Grundriss des Eherechts, 3. Aufl. 1993, Rz 12.29 S. 114), ob es wünschenswert ist, dass die Parteien auch vom oberen kantonalen Gericht persönlich befragt werden, oder ob dies sogar geboten ist (Lüchin-ger/Geiser, Basler Kommentar, ZGB Bd. I, N 7 zu Art. 158 ZGB; Hinderling/Steck, Das schweizerische Ehescheidungsrecht, 4. Aufl. 1995, S. 511 bei Fn 27a), kann hier offen bleiben. Denn der Beklagte begründet mit keinem Wort, weshalb Bundesrecht eine persönliche Befragung zum Scheidungspunkt durch zwei kantonale Instanzen verlangt und weshalb eine solche zwingend auch durch das Obergericht durchzuführen ist. Er legt auch nicht dar, ob und wie sich eine zweite Einvernahme auf das Beweisergebnis auswirken könnte (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG).