Citation: I 435/04 16.12.2004 E. 4

4.1 Die Versicherte wendet gegen die ZMB-Expertise vom 3. April 2003 ein, die Gutachter hätten sich für die Untersuchung nicht die notwendige Zeit genommen, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne. Sie beruft sich auf den Bericht der Frau Dr. med. B.________, Oberärztin, und des Dr. med. O.________, Assistenzarzt, Spital X._______ vom 22. November 2002, wo sie gründlich abgeklärt worden sei. 4.2 Im Bericht vom 22. November 2002 wurden eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Beziehungsabbrüche, abrupte Stimmungsschwankungen, fremdanamnestisch Kaufsucht) und eine chronische Schmerzkrankheit (Panalgie, pain-prone Anamnese, psychophysiologische Beschwerden [gastrale Hyperazidität, Nervosität, Schwitzen usw.]) diagnostiziert. Aufgrund der psychischen Erkrankung sei die Versicherte zur Zeit zu 100 % arbeitsunfähig. Hiezu ist festzuhalten, dass aus dem Bericht nicht hervorgeht, welche Vorakten Frau Dr. med. B.________ und Dr. med. O.________ zur Verfügung standen. Der Bericht enthält auch keine unter Berücksichtigung der Vorakten verfasste Anamnese. Demgegenüber wurde die Versicherte im Rahmen der ZMB-Begutachtung vom 3. April 2003 allgemein- und internmedizinisch, orthopädisch und psychiatrisch untersucht. Im psychiatrischen Teilgutachten wurde zum Bericht der Frau Dr. med. B.________ und des Dr. med. O.________ vom 22. November 2002 einlässlich Stellung genommen. Diesbezüglich wurde ausgeführt, eine emotionale instabile Persönlichkeitsstörung bestehe nicht. Wohl weise die Versicherte narzisstische Charakterzüge auf, sei massiv enttäuscht und innerlich frustriert. Sie habe jedoch gleichzeitig gut gelernt, mit den erlebten Schwierigkeiten umzugehen, sich abzugrenzen und sich sthenisch durchzusetzen. Sie weise heute recht gefestigte Charakterzüge auf. Eine Persönlichkeitsstörung bestehe nicht, weil für eine solche gefordert würde, dass die abnormen Charaktereinstellungen schon in der Jugendzeit zurückgingen, was nicht der Fall sei. Vielmehr bestehe eine bereits während der Ehe aufgetretene deutliche Somatisierungsneigung, die bereits während der Geburt des ersten Kindes mit Schmerzen im Bereich der Halswirbel-, Brustwirbel- und Lendenwirbelsäule sowie in der Schulter begonnen habe. Die Schmerzen hätten sich deutlich ausgeweitet und in diverse Körperkompartimente verteilt. Die Versicherte weise heute eine Generalisierungs- und Ausweitungstendenz der Schmerzen auf und eine Fixierung, mit den Schmerzen nicht mehr arbeiten zu können. Weiter könnten die im Bericht vom 22. November 2002 angeführten Unterdiagnosen der Beziehungsabbrüche, der abrupten Stimmungsschwankungen und der Kaufsucht gegenwärtig nicht bestätigt werden. Denn nach der Ehescheidung habe die Versicherte in einer einzigen stabilen Beziehung gelebt; sie habe lediglich die Ehebeziehung abgebrochen. Die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung könne nicht aufrecht erhalten werden. Zwar könne dem Bericht vom 22. November 2002 insofern zugestimmt werden, als Gefühle wie Wut, Angst und Aggression nicht als solche wahrgenommen, sondern in körperlichen Symptomen ausgedrückt würden; die Versicherte werde von ihren Schmerzen geplagt, leide unter chronischer Verspannung, was wiederum zu Schmerzen führe. Entgegen diesem Bericht könne jedoch nicht von 100%iger Arbeitsunfähigkeit gesprochen werden. Wohl bestünden chronische Schmerzen und eine gewisse Verhaltensauffälligkeit mit narzisstischer Abwehr auf der Beziehungsebene. Dies erkläre allerdings überhaupt nicht, weshalb der Versicherten nicht mehr Anstrengungen zumutbar wären, sich beruflich zu rehabilitieren. Sie sei seit Jahren fürsorgeabhängig und habe gelernt, mit ihren Schmerzen, die sozial akzeptiert seien, einen sekundären Krankheitsgewinn zu erzielen. In ihrem Erleben sei es selbstverständlich, dass sie eine Invalidenrente zugute habe. Dies könne überhaupt nicht nachvollzogen werden, da ihre psychische Spannkraft, ihr kognitives Funktionieren, ihre Planungsfähigkeit, ihr Antriebsverhalten und ihr Durchhaltevermögen kaum in einem Ausmass eingeschränkt seien, das eine wesentliche Arbeitsunfähigkeit begründen würde. Das sthenische Durchsetzungsvermögen und die psychische Spannkraft der Versicherten seien völlig ausreichend, um ihr eine berufliche Rehabilitation zuzumuten. 4.3 Die ZMB-Expertise vom 3. April 2003 ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden; zudem sind die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhalten begründete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb darauf nicht abgestellt werden sollte. An diesem Ergebnis vermögen weder der Bericht des Inselspitals Bern vom 22. November 2002 noch die mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde neu aufgelegten Arztberichte etwas zu ändern. Gestützt auf das ZMB-Gutachten hat die Versicherte, von ihrer psychischen Verfassung her besehen, objektiv an sich die Möglichkeit, trotz ihrer subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen. Es kann von ihr willensmässig erwartet werden, im umschriebenen Ausmass einem Erwerb nachzugehen (vgl. Erw. 2.2.1 und 2.2.2 hievor). Sie kann mithin ganztags jede leichte bis mittelschwere Arbeit ohne höhere Sozialkompetenz und Teamarbeit ausüben. Die erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes haben sich demnach seit der Ablehnungsverfügung vom 3. September 1996 nicht erheblich verändert (Erw. 3.1 hievor), weshalb kein Rentenanspruch besteht. Weitere Abklärungen in medizinischer Hinsicht erübrigen sich, da hievon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b; RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50 Erw. 3.4).