Citation: 4A_187/2021 E. B

B.a. Gestützt auf die Klagebewilligung des Vermittleramtes Mittleres Rheintal vom 21. Januar 2014 erhob der Kläger am 16. April 2014 beim Kreisgericht Rheintal unbezifferte Forderungsklage gegen den Beklagten mit dem Antrag, diesen kostenfällig zu verpflichten, ihm einen nach durchgeführtem Beweisverfahren zu beziffernden Betrag, mindestens aber Fr. 500'000.-- nebst 5 % Zins seit 1. Oktober 2010 sowie Schadenersatz nach richterlichem Ermessen zu bezahlen. Anlässlich seines Schlussvortrags bezifferte der Kläger den geforderten Betrag auf Fr. 474'963.-- zuzüglich Zins auf diversen Beträgen und ab verschiedenen Daten. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, dem Beklagten beziehungsweise dessen früherer Angestellten D.________ sei eine unsorgfältige Mandatsführung in der Angelegenheit gegen die C.________ S.A.R.L. vorzuwerfen. Der Beklagte beziehungsweise seine Angestellte habe insbesondere pflichtwidrig die rechtzeitige Bezifferung und Substanziierung des Schadens versäumt und ihn, den Kläger, fehlerhaft beraten. Aufgrund dieser Verfehlungen sei die Klage gegen die C.________ S.A.R.L. abgewiesen worden. Daraus sei ihm ein Schaden entstanden. Mit Entscheid vom 30. Oktober 2018 schrieb das Kreisgericht die Klage im Betrag von Fr. 25'037.-- (Fr. 500'000.-- abzüglich der schlussendlich begehrten Fr. 474'963.--) ab, verpflichtete den Beklagten zur Zahlung von Fr. 392'714.10 nebst 5 % Zins seit verschiedenen Daten und wies die Klage im Übrigen ab. Die Kosten des Verfahrens auferlegte es den Parteien je hälftig und sprach keine Parteientschädigungen. Es erwog, Rechtsanwältin D.________ habe mehrere Sorgfaltspflichtverletzungen begangen. So habe sie unter anderem den Schaden zu spät substanziiert und den Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Für diese Pflichtverletzungen habe der Beklagte nach Art. 101 OR einzustehen. Hätte Rechtsanwältin D.________ sorgfältig gehandelt, wäre dem Kläger im Prozess gegen die C.________ S.A.R.L. mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Schadenersatz zugesprochen worden: Gestützt auf Art. 74 des Übereinkommens vom 11. April 1980 der Vereinten Nationen über Verträge über den internationalen Warenkauf (SR 0.221.211.1; in Kraft getreten für die Schweiz am 1. März 1991; nachfolgend: CISG) hätte er von der C.________ S.A.R.L. Schadenersatz erhalten für die Beschaffung der Occasion-Erntemaschine "X.________", die er als (temporären) Ersatz für die nicht gelieferte Maschine habe erwerben müssen, um seine Ernte einzubringen (Fr. 45'728.60), sowie für die Instandsetzung, die Inbetriebnahme und die Reparatur dieser Ersatzmaschine (Fr. 57'044.10). Von den vorgenannten Beträgen wären gemäss der Erstinstanz Fr. 8'792.40 abzuziehen gewesen, da die hypothetischen Kosten für die Ernte 2011 bei Nutzung der bei der C.________ S.A.R.L. bestellten Maschine und nicht der Occasion-Erntemaschine um diesen Betrag höher ausgefallen wären. Überdies wäre dem Kläger die Differenz zwischen dem Kaufpreis der nicht gelieferten und jenem der als Deckungskauf später angeschafften Maschine "Y.________" von Fr. 257'189.90 als Schadenersatz zugesprochen worden. Als Anspruchsgrundlage für diesen dritten Schadenposten wären sowohl Art. 74 als auch Art. 75 CISG alternativ zur Verfügung gestanden. Die Voraussetzungen beider Normen seien erfüllt. Betreffend Art. 75 CISG erwog die Erstinstanz, der Kauf der Maschine "Y.________" sei, obwohl im Preis deutlich höher als die bestellte Maschine, auf dem damaligen Markt die günstigste Alternative gewesen. Es habe sich um eine hinsichtlich Art, Qualität und Preis angemessene Ersatzbeschaffung gehandelt. Auch sei der Deckungskauf rechtzeitig vorgenommen worden. Zwar habe der Kläger erst nach dem Deckungskauf (16. Mai 2012) die Aufhebung des Vertrags mit der C.________ S.A.R.L. erklärt (frühestens am 4./5. Juni 2012; Sachverhalt lit. A.c), doch schade ihm dies nach herrschender Auffassung nicht, da er erst aufgrund der Ausführungen der C.________ S.A.R.L. in den Rechtsschriften vom 7. Oktober 2011 und 2. März 2012 endgültig damit habe rechnen müssen, dass diese die Maschine nicht liefern werde. Würde man mit der Minderheit der Lehre davon ausgehen, dass Art. 75 CISG bei einem vorzeitigen Deckungsgeschäft nicht anwendbar wäre, würde sich - so die Erstinstanz - im Ergebnis nichts ändern, da der Kläger diesfalls die Mehrkosten für die Ersatzbeschaffung gestützt auf Art. 74 CISG hätte geltend machen können. Schliesslich wäre der Kläger, so die Erstinstanz, im Prozess gegen die C.________ S.A.R.L. nicht vollumfänglich unterlegen, sondern bloss zu 56 %. Somit hätte er bei sorgfältiger Prozessführung durch Rechtsanwältin D.________ Fr. 41'543.90 weniger bezahlen müssen. Dies stelle ebenfalls einen vom Beklagten zu ersetzenden Schaden dar. B.b. Gegen diesen Entscheid erhob der Beklagte am 15. Januar 2019 Berufung beim Kantonsgericht St. Gallen und beantragte, das Urteil des Kreisgerichts aufzuheben und die Klage kostenfällig abzuweisen, eventualiter die Sache zur Neubeurteilung an das Kreisgericht zurückzuweisen. Mit Entscheid vom 17. Februar 2021 wies das Kantonsgericht die Berufung ab, auferlegte dem Beklagten die Gerichtskosten von Fr. 18'000.-- und verpflichtete ihn zur Bezahlung einer Parteientschädigung von Fr. 9'220.--.