Citation: 2A.601/2003 13.04.2004 E. 2.4

2.4.1 Die Überlegungen des Rekursgerichts beruhen auf vertretbaren und damit verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen (E. 1.3). Auch im angefochtenen Urteil wird mit Bezug auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung davon ausgegangen, die von der Beschwerdegegnerin vorgebrachten Gründe vermöchten das lange Zuwarten an sich nicht zu rechtfertigen, und folgerichtig erkannt, dass nicht die Beschwerdegegnerin, wiewohl sie Inhaberin des elterlichen Sorgerechts über ihre Tochter ist, sondern die Grosseltern die nächsten Bezugspersonen darstellen. Wenn das Rekursgericht im Ergebnis dennoch zu einer Bejahung des Anspruches auf nachträglichen Nachzug kommt, so deshalb, weil es die Aufrechterhaltung der bisherigen, an sich genügenden Betreuung der Tochter im Heimatland aufgrund eines sich rapide verschlechternden Gesundheitszustandes der Grossmutter als im Zeitpunkt der Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs nicht mehr gewährleistet erachtete. Zwar ist aktenkundig und wird von der Vorinstanz auch nicht übersehen, dass sich die Grossmutter bereits seit 1999 wegen ihrer Leukämieerkrankung in ärztlicher Behandlung befindet und ihre Krankheit demnach bereits zwei Jahre vor Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs diagnostiziert worden war. Es ist jedoch ebenso erstellt, dass die Grossmutter sich im Juli 2001 in Spitalpflege begeben und anschliessend einer ambulanten Chemotherapie unterziehen musste. Unter diesen Umständen ist es jedenfalls nicht offensichtlich unrichtig, wenn das Rekursgericht davon ausgeht, vor Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs (am 24. Juli 2001) habe sich der Gesundheitszustand der Mutter der Beschwerdegegnerin massiv verschlechtert. Aufgrund der zeitlichen Abläufe konnten die genannten Sachumstände ausserdem als zu diesem Zeitpunkt neu betrachtet werden. Die Feststellung im rekursgerichtlichen Urteil, wonach die Grossmutter unter den gegebenen Umständen nicht mehr in der Lage sei, ihre Enkelin weiter zu betreuen, ist damit nicht zu beanstanden, zumal auch ein spitalärztlicher Bericht zum Ergebnis kommt, sie könne aufgrund ihrer Therapien zeitweise nicht einmal für sich selber sorgen und eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes sei nicht zu erwarten. 2.4.2 Die Ausführungen im angefochtenen Urteil hinsichtlich der weiteren Familienangehörigen im Heimatland (Grossvater und Bruder) sind im Ergebnis zwar nicht unhaltbar, doch gilt es zu präzisieren, dass ältere Geschwister nicht allein aufgrund eines geringen Altersunterschieds als subsidiäre Betreuungspersonen ausser Betracht fallen. Zu würdigen sind vielmehr die konkreten Lebensumstände des für die Beistandsfunktion in Frage kommenden Geschwisterteils insgesamt (Alter, Selbständigkeit, berufliche Belastung, eigene familiäre Verpflichtungen, Wohnort und -situation, etc.). Zudem ist das durch die Bezugspersonen im Heimatland (noch) erbringbare Mass an Fürsorge und Beistand ins Verhältnis zu setzen zu den aktuellen Betreuungsbedürfnissen des Kindes, welche sich hinsichtlich Art und Intensität mit zunehmendem Alter und erhöhter Selbständigkeit verändern. So ist durchaus denkbar, dass sich ein Grosselternteil aufgrund altersbedingter Gebrechlichkeit und schwindenden Körperkräften zwar ausser Stande sieht, die Obhuts- und Erziehungsfunktionen für ein Kleinkind wahrzunehmen, jedoch einem Adoleszenten den benötigten Beistand nach wie vor zu vermitteln in der Lage ist. Die diesbezüglichen Ausführungen des Rekursgerichts, welches sich im Wesentlichen mit der Feststellung begnügt, mit rund 16 Jahren bedürfe die Tochter der Beschwerdegegnerin "als Teenager" weiterhin der Betreuung durch eine Bezugsperson, erscheinen insofern als Begründung nur knapp genügend, jedoch mit Blick auf die Umstände im Ergebnis nicht als geradezu unhaltbar. Im Übrigen ist zwar, wie das IMES zu Recht geltend macht, nur für die Beurteilung der Zulässigkeit der Beschwerde auf das Alter des Kindes im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustellen. Für die materielle Beurteilung darf dagegen mitberücksichtigt werden, welches Alter das nachzuziehende Kind im Zeitpunkt der Entscheidfällung inzwischen erreicht hat (BGE 124 II 361 E. 4b S. 370; Urteile 2A.469/2001 vom 6. März 2002, E. 3.4, sowie 2A.95/2001 vom 30. Mai 2001, E. 2b). Das Rekursgericht hätte den Nachzug aufgrund des inzwischen fortgeschrittenen Alters der Tochter (im Urteilszeitpunkt 18 ¾ Jahre) auch verweigern dürfen. Die Bewilligung des Familiennachzugs liegt aber - bei ansonsten gegebenen Voraussetzungen - noch innerhalb des der kantonalen Rechtsmittelinstanz in solchen Fällen zuzugestehenden Beurteilungsspielraumes. 2.4.3 Das angefochtene Urteil schweigt sich im Weiteren zur Frage der Integrationsschwierigkeiten aus, welche bei einem Nachzug von Kindern dieses Alters unweigerlich zu erwarten sind und welchen es - auch im Interesse des Kindes - Rechnung zu tragen gilt. Aus den Akten bzw. den Feststellungen im angefochtenen Entscheid geht diesbezüglich immerhin hervor, dass die nachzuziehende Tochter ihre Mutter in der Schweiz regelmässig und für längere Zeit (1992 für sechs Monate und danach alljährlich für zwei Monate) besuchte und ihr insofern die Verhältnisse hierzulande nicht völlig fremd sein dürften. Auch beherrscht sie zwar noch keine Landessprache, doch ist sie willens, deutsch zu lernen, und besitzt gute Englischkenntnisse, was ihr eine gewisse Hilfe sein wird, sich zu verständigen. Nach dem Gesagten liegen, was die Integration der Tochter der Beschwerdegegnerin in der Schweiz anbelangt, jedenfalls keine unüberwindbaren Hindernisse vor. 2.4.4 Schliesslich befasst sich das Rekursgericht auch nicht explizit mit der Frage, ob dem erst kurz vor Volljährigkeit eingereichten Nachzugsgesuch nicht möglicherweise primär wirtschaftliche Überlegungen zu Grunde liegen könnten. Entsprechende Anhaltspunkte, auf welche in der Beschwerde hingewiesen wird, ergeben sich ansatzweise aus den Akten, namentlich aus den Aussagen von Tochter und Mutter selber. In Würdigung der gesamten Umstände, insbesondere in Berücksichtigung der im Rahmen des Möglichen intensiv gepflegten familiären Beziehungen zwischen Mutter und Tochter (alljährliche mehrmonatige Besuchsaufenthalte seit über zehn Jahren, regelmässige telefonische Kontakte), erscheint der von der Beschwerdegegnerin geäusserte Wunsch nach Zusammenleben mit ihrer Tochter und damit Zusammenführung der Teilfamilie als echt. Die vom IMES angeführten Indizien lassen insofern keinen eindeutigen Schluss auf eine primär berufs- und ausbildungsbezogene Motivation in der Gesuchseinreichung zu. Entsprechend erscheint der angefochtene Entscheid auch in diesem Punkt jedenfalls im Ergebnis nicht als unhaltbar. 2.5 Nach dem Gesagten ist von einem Grenzfall auszugehen. Zwar entspräche der umsichtig redigierte Einspracheentscheid des Migrationsamtes vom 8. Juli 2003 ebenso gut oder sogar besser der bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Abgesehen von den aufgezeigten Mängeln in der Begründung erscheint das angefochtene Urteil des Rekursgerichts zwar als grosszügig, aber aufgrund der vom Gericht getroffenen, als verbindlich erkannten Sachverhaltsfeststellungen nicht bundesrechtswidrig.