Citation: 7B_726/2023 E. 2.3.1

2.3.1. Mit der Nachricht der Beschwerdegegnerin an D.________ vom 9. Februar 2019 beruft sich der Beschwerdeführer zwar auf ein Beweismittel, das zum Zeitpunkt des Urteils S 2020 6 bereits bestand, dem Sachgericht aber nicht bekannt war. Von allfälliger Relevanz für eine mögliche Revision seiner Verurteilung wurde diese Nachricht aber erst, als sie im Verfahren gegen D.________ als entlastendes Beweismittel Verwendung fand und schliesslich zur Verfahrenseinstellung beitrug. Wie von der Vorinstanz festgehalten, erfolgte diese Einstellung nach dem Urteilsspruch gegen den Beschwerdeführer. Die Einstellung kann deshalb klarerweise keine Revision nach Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO begründen. Ob die Nachricht an D.________ überhaupt als revisionsrechtlich neues Beweismittel angesehen werden kann, ist vor diesem Hintergrund fraglich. Der Vorinstanz ist jedenfalls zuzustimmen, wenn sie ausführt, der Umstand, dass eine Belastungszeugin im späteren Verlauf des Lebens allenfalls nicht die Wahrheit sage, lasse nicht automatisch retrospektiv revisionsfähige neue Beweismittel betreffend deren Glaubwürdigkeit entstehen. Eine Glaubwürdigkeitsprüfung könne nur vergangenheitsbezogen vorgenommen werden und per se nie umfassend sein. Könnten spätere Aussagen zu einem anderen Streitgegenstand als revisionsfähige Beweismittel herbeigezogen werden, würde dies zu einer uferlosen Auslegung führen, welche mit dem restriktiven Charakter von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO nicht vereinbar wäre. Der revisionsrechtliche Schutz eines rechtskräftig verurteilten Beschuldigten gegen unwahre Zeugenaussagen habe primär im engen Anwendungsbereich von Art. 410 Abs. 1 lit. c StPO, das heisst über die Glaubhaftmachung einer strafbaren Handlung wie beispielsweise einer falschen Anschuldigung, zu erfolgen. Damit verneint die Vorinstanz grundsätzlich mit nachvollziehbarer Begründung das Vorliegen eines revisionsrechtlich neuen Beweismittels bzw. einer solchen Tatsache. Davon abgesehen fehlt es der umstrittenen Chat-Nachricht an D.________ an der nötigen Erheblichkeit. Für das Erheben von Tatvorwürfen, welche sich in der Folge nicht in einer für eine Anklageerhebung genügenden Weise bestätigen, kann es mannigfaltige Gründe geben. Die möglichen späteren Falschaussagen der Beschwerdegegnerin, die zudem einen anderen Sachverhalt und einen anderen Beschuldigten betreffen, führen somit nicht dazu, dass ein Freispruch des Beschwerdeführers oder ein für ihn sonstwie milderes Urteil "sicher, höchstwahrscheinlich oder jedenfalls wahrscheinlich" wäre, wie es die Rechtsprechung verlangt (vgl. BGE 120 IV 246 E. 2b; Urteil 6B_593/2023 vom 26. Februar 2024 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). Anders zu urteilen wäre, wenn die Beschwerdegegnerin eingestanden hätte, den Beschwerdeführer zu Unrecht belastet zu haben (vgl. Urteil 6B_509/2022 vom 5. Oktober 2022 E. 2.4). Dies ist jedoch unstreitig nicht der Fall.