Citation: U 64/01 31.05.2002 E. 2

2.- Die SUVA sprach dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 4. November 1997, bestätigt mit Einspracheentscheid vom 15. Juni 1998, ausdrücklich und unter Bezugnahme auf Art. 23 UVG eine Abfindung zu, wobei sie im Einspracheentscheid ausführlich darlegte, dass und weshalb die Voraussetzungen für die Gewährung dieser Leistung erfüllt seien. Nachdem der Versicherte beschwerdeweise beantragt hatte, es sei ihm anstelle der Abfindung bis zum Ende des Rehabilitationsprogramms, eventuell bis auf weiteres, eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 100 % zuzusprechen, brachte die SUVA in der Vernehmlassung vor, es handle sich nicht um eine klassische Abfindung im Sinne von Art. 23 UVG, sondern um eine bis zum 31. Oktober 2000 terminierte Rente, welche in Form einer Kapitalabfindung ausgerichtet werde. Die Vorinstanz nahm diese Ausführungen zum Anlass, die SUVA bei der Zusage einer befristeten Rente zu behaften und die Beschwerde in diesem Punkt als gegenstandslos am Protokoll abzuschreiben. Dieses Vorgehen ist schon deshalb nicht zulässig, weil eine Invalidenrente gemäss Art. 35 UVG nur nach ihrem Barwert ausgekauft werden kann, wenn der Monatsbetrag geringer ist als die Hälfte des Höchstbetrages des versicherten Tagesverdienstes, was hier offenkundig nicht zutrifft. Die nachträgliche juristische Konstruktion der SUVA, welche vom kantonalen Gericht übernommen wurde, ist schon aus diesem materiellen Grund unzulässig. Im Weiteren gilt es zu beachten, dass Anfechtungs- und Streitgegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens die Festsetzung einer Abfindung gemäss Einspracheentscheid der SUVA vom 15. Juni 1998 bildete. Das Institut der Abfindung (vgl. Erwägung 1 hievor) unterscheidet sich wesentlich von einer terminierten Rente, die vor allem bei Unfallfolgen erbracht wird, bei welchen mit einer Angewöhnung und Anpassung gerechnet werden kann, namentlich bei Fingerverstümmelungen geringerem Ausmasses (vgl. BGE 106 548; unveröffentlichte Urteile P. vom 4. Februar 1992, U 74/91 und P. vom 5. Januar 1989, U 46/88), wobei im Zeitpunkt des Wirksamwerdens der prognostisch verfügten Abstufung oder Aufhebung die Richtigkeit der Prognose überprüft werden kann, sei es durch die Einleitung eines Revisionsverfahrens von Amtes wegen oder durch Einreichung eines Revisionsgesuches durch den Versicherten; damit bleiben diesem sämtliche Rechte gewahrt (RKUV 1993 Nr. U 173 S. 145 mit Hinweisen). Demgegenüber stellt der Umstand, dass die Abfindung das gesetzliche Ziel nicht erreicht, keinen Revisionsgrund dar. Der Unfallversicherer hat nicht für Ereignisse einzustehen, welche nach der Zusprechung der Abfindung die Prognose rückblickend als falsch erscheinen lasse (RKUV 1995 Nr. U 210 S. 35). Zwar wäre aus formellrechtlicher Sicht eine Ausdehnung des kantonalen Beschwerdeverfahrens auf die ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes liegende Frage der Festsetzung einer befristeten Rente unter den nach der Rechtsprechung erforderlichen Voraussetzungen (vgl. BGE 122 536 Erw. 2a mit Hinweisen) zufolge des engen Sachzusammenhangs zwischen Invalidenrente und Abfindung grundsätzlich möglich gewesen; abgesehen davon, dass einem solchen Vorgehen im vorliegenden Fall Art. 35 UVG entgegensteht, war es jedenfalls nicht angängig, den Anfechtungs- und Streitgegenstand Abfindung unbeurteilt zu lassen und stattdessen substitutionsweise die befristete Rente zum Anfechtungsobjekt zu erklären, obwohl hierüber keine Verfügung vorlag.