Citation: 9C_220/2024 E. 4.2.2

4.2.2. Aus der Unschuldsvermutung und dem darin enthaltenen Grundsatz "in dubio pro reo" ergibt sich im Sinne einer Beweiswürdigungsregel, dass den Steuerstrafen keine Sachverhaltselemente zugrunde gelegt werden dürfen, über deren Verwirklichung bei objektiver Würdigung der gesamten Beweislage Zweifel bestehen oder die nur als wahrscheinlich gelten. Der Grundsatz ist verletzt, wenn das Gericht an der Schuld hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, da solche immer möglich sind und eine absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann (vgl. BGE 127 I 38 E. 2a S. 41; Urteil 2C_298/2020 vom 9. Oktober 2020 E. 3.2.2 m.H.; 6B_345/2019 vom 18. April 2019 E. 1.1; 6B_804/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.2.1; 2C_722/2012 vom 27. Mai 2013 E. 5.2.1). Folglich muss im Steuerstrafverfahren die Schuld der angeklagten Person mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststehen (vgl. Urteile 2C_1157/2016 / 1158/2016 vom 2. November 2017 E. 4.2.2; 2C_16/2015 vom 6. August 2015 E. 2.5.3; vgl. auch BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.3; Urteil 6B_804/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.2.1); Beschränkungen hinsichtlich der zu verwendenden Beweismittel, insbesondere ein Verbot des strafprozessual zulässigen Indizienbeweises, lassen sich hingegen aus dem Grundsatz in dubio pro reo nicht ableiten (vgl. Urteile 2C_1157/2016 / 1158/2016 vom 2. November 2017 E. 4.2.2; 2C_16/2015 vom 6. August 2016 E. 2.6.4 m.H.). Ob der Grundsatz "in dubio pro reo" als Beweiswürdigungsregel verletzt ist, prüft das Bundesgericht nicht frei, sondern nur unter dem Gesichtspunkt der Willkür (vgl. anstelle vieler BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.3 i.f.; 127 I 38 E. 2a; 124 IV 86 E. 2a; Urteil 2C_298/2020 vom 9. Oktober 2020 E. 3.2.2 m.w.H.).