Citation: 2C_868/2016 E. 6.5

6.5. Zu beurteilen bleibt, ob der ausländerrechtliche Wegweisungsentscheid gegen den Beschwerdeführer - unter Vorbehalt des auslieferungsrechtlichen Zustimmungserfordernisses - auf dem Gebiet sämtlicher Schengenstaaten zulässig ist. Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang geltend, dass mit dem Wegweisungsvollzug in den Kosovo unzulässigerweise in sein Privat- und Familienleben eingegriffen werde. Eine völkerrechtliche Pflicht, die eigenen Staatsbürger zurückzunehmen, besteht nur für den Heimatstaat, d.h. hier die Republik Kosovo (vgl. BGE 133 II 97 E. 4.2.2 S. 103 mit Hinweisen auf die einschlägige völkerrechtliche Doktrin; 130 II 56 E. 4.1.2 S. 60). Einen weiteren Anknüpfungspunkt für einen Aufenthalt in einem Drittstaat bilden für den Beschwerdeführer allenfalls die familiären Beziehungen, welche er in Frankreich unterhält. Er lebte dort bis zu seiner Auslieferung mit seiner französischen Gattin und den französischen Kindern zusammen; diese besuchen ihn heute, soweit dies möglich ist, im (vorzeitigen) Strafvollzug; es bestehen somit nach wie vor enge, gelebte Beziehungen im Rahmen der Kernfamilie, womit der Beschwerdeführer gegebenenfalls nach dem nationalen französischen Recht bzw. dem Recht auf Schutz des Familien- und Privatlebens gemäss Art. 8 EMRK über einen Bewilligungsanspruch in Frankreich verfügt. Zur Schweiz unterhält der Beschwerdeführer, abgesehen von seiner Straffälligkeit auf dem hiesigen Staatsgebiet, keinerlei Beziehungen; er hat hier nie über eine Bewilligung bzw. einen Anspruch auf eine solche verfügt, auch wenn sein Aufenthalt seit seiner Auslieferung als rechtmässig zu gelten hat. Mit Blick auf die künftige Entlassung aus dem Strafvollzug hin werden die kantonalen Behörden vor Erlass der Wegweisungsverfügung den Sachverhalt auch insofern zu ergänzen haben, als sie unter Mitwirkung des Beschwerdeführers abklären müssen, ob die französischen Behörden bereit sind, einen künftigen Aufenthalt bei seiner Familie zu regularisieren bzw. seinen "Permis de séjour temporaire vie privée et familiale" zu erneuern. Ist dies der Fall, kann die Wegweisung nach Frankreich statt in den Kosovo erfolgen, womit sich die Problematik einer Verletzung von Art. 3 EMRK bzw. Art. 25 Abs. 3 BV nicht mehr stellt. Den Entscheid, ob die Bewilligung zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung allenfalls zu verweigern sein wird (vgl. DALLOZ, Code de l'entrée et du séjour des étrangers et du droit d'asile, 2016, Art. L. 211-2 S. 104 ff. und 110 ff. u. S. 121 N. 89 ff. ["Visa de long séjour"], Art. L. 313-11 S. 232 ff. [Carte de séjour temporaire "vie privée et famille"] und Art. L. 314-10 S. 280 ff. [Carte de résident de plein droit]), haben die französischen Behörden zu treffen. Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers liegt keine Verletzung von Art. 8 EMRK durch die Schweiz vor, da er hier über keine familiären Anknüpfungspunkte verfügt und sein Aufenthalt unfreiwillig lediglich gestützt auf das Strafverfahren derzeit rechtens ist.