Citation: 5A_994/2014 E. 4.3

4.3. Die Auffassung des Obergerichts trifft zu. Der Gesetzeswortlaut könnte zwar nahelegen, dass die Erben zur Auskunft nur über ihr eigenes Verhältnis zum Erblasser verpflichtet sind, nicht aber über Vorgänge, die Dritte betreffen (so noch ESCHER/ESCHER, Zürcher Kommentar, 1960, N. 9 zu Art. 607 und N. 2 zu Art. 610 ZGB). Die Auskunftspflicht der Erben ist indessen Ausfluss des Grundsatzes von Treu und Glauben. Die Erben haben sich deshalb auch über erbrechtlich relevante Vermögensverschiebungen zwischen dem Erblasser und einem Dritten zu informieren, soweit sie davon Kenntnis haben (PIOTET, Erbrecht, SPR IV/2, Basel 1981, S. 850; WOLF/EGGEL, Berner Kommentar, 2014, N. 24, und SCHAUFELBERGER/KELLER LÜSCHER, Basler Kommentar, 2015, N. 18, je zu Art. 610 ZGB; SCHRÖDER, a.a.O., S. 58; ADRIANO OSWALD, Die Auskunftspflicht im Erbgang, 1976, S. 16).