Citation: 9C_668/2015 E. 4.3

4.3. Der Ausnahmetatbestand, wonach die IV-Stelle die Notwendigkeit (vorgängiger) befähigender beruflicher Massnahmen trotz medizinisch wiedergewonnener Arbeitsfähigkeit abzuklären hat, ist nach der Rechtsprechung grundsätzlich auf Sachverhalte zu beschränken, in denen die revisions- oder wiedererwägungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (vgl. statt vieler Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 E. 3.3). Die Frage, ob die erwerbliche Verwertbarkeit eines gutachterlich (wieder) ausgewiesenen Zugewinns an funktionellem Leistungsvermögen im Einzelfall von der Durchführung von Eingliederungsvorkehren abhängt, stellt sich im Wesentlich in zwei Konstellationen (vgl. dazu Urteil 9C_163/2009 vom 10. September 2010 E. 4.2.1 und 4.2.2) : Entweder kann die Eingliederungsmassnahme bereits aus medizinischer Sicht conditio sine qua non für eine Umsetzung des funktionellen Leistungsvermögens sein. In diesem Fall darf ein auf der medizinisch/theoretischen Arbeitsfähigkeit beruhendes Invalideneinkommen (noch) nicht angerechnet werden, wenn das grundsätzlich attestierte Leistungsvermögen in der ärztlichen Beurteilung unter den ausdrücklichen Vorbehalt der Durchführung befähigender Massnahmen gestellt wird (Urteil 9C_141/2009 vom 5. Oktober 2009 E. 2.3). Andererseits kann die Eingliederungsmassnahme auch aus beruflich-erwerblicher Sicht conditio sine qua non für die arbeitsmarktliche Verwertung eines (wiedergewonnenen) funktionellen Leistungsvermögens bilden (Urteil 9C_768/2009 vom 10. September 2010 E. 4.1).