Citation: I 712/05 12.06.2006 E. 3

3.1 Mit dem kantonalen Gericht und den Parteien ist auf die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss Medas-Gutachten vom 11. Dezember 2003 abzustellen. Die Bemessung des Invaliditätsgrades hat auf dieser Grundlage zu erfolgen. Entgegen der Darstellung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erachten die Experten der Medas die Tätigkeit als selbstständig erwerbende Geschenkartikelverkäuferin als Ganzes für ideal. Sie beschränken ihre Einschätzung nicht auf die - ruhige - Bürotätigkeit ohne Kundenkontakt. Da die Beschwerdeführerin alle dabei anfallenden Arbeiten erledigen kann und wegen ihrer generalisierten Angststörung mit Tendenz zur somatoformen Störung lediglich in Bezug auf die tägliche Arbeitszeit mit leicht verminderter Leistung eingeschränkt ist, ist gegen die auf einem Prozentvergleich beruhende Invaliditätsbemessung von Verwaltung und Vorinstanz nichts einzuwenden. Da, wie im Folgenden zu zeigen sein wird, auch bei einem Einsatz ausserhalb der eigenen Firma kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert, kann offen bleiben, ob die von psychiatrischer Seite gestellte Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (generalisierte Angststörung mit Tendenz zur somatoformen Störung) aus rechtlicher Sicht in Bezug auf die Zumutbarkeit überhaupt zu berücksichtigen ist (BGE 131 V 50 Erw. 1.2). 3.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird weiter ausgeführt, die aus ärztlicher Sicht attestierte Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsführerin einer Geschenkboutique könne auch aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen im Betrieb nicht realisiert werden. 3.2.1 Kann der nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung realisierte Verdienst nicht als Mass für das nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielbare Einkommen gelten, ist zu fragen, inwiefern der versicherten Person im Rahmen der Pflicht zur Selbsteingliederung (BGE 113 V 28 Erw. 4a) und im Lichte der Grundrechte (BGE 113 V 31 Erw. 4d) die Aufgabe der aktuellen und die Ausübung einer anderen erwerblichen Beschäftigung zuzumuten ist. Dabei sind die gesamten objektiven und subjektiven Umstände in Betracht zu ziehen, u.a. Alter, Ausbildung und berufliche Karriere, Stabilität und Qualität des Arbeitsverhältnisses unter dem Gesichtspunkt der Eingliederung im Betrieb, Aussichten im konkreten Beruf, ferner Art und Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung sowie die noch zu erwartende Arbeitsdauer (vgl. Art. 8 Abs. 1 letzter Satz IVG), unter Umständen auch die familiäre Situation (vgl. ZAK 1983 S. 256; Urteile S. vom 3. Januar 2005, I 708/03 Erw. 4.3, K. vom 17. August 2004. I 643/03 Erw. 3.2 und F. vom 12. September 2001, I 145/01, Erw. 2b je mit Hinweisen). 3.2.2 Zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides war die Beschwerdeführerin 29 Jahre alt. Angesichts der noch langen Aktivitätsdauer von 30 bis 40 Jahren ist es ihr grundsätzlich zumutbar, sich den gegebenen Verhältnissen anzupassen und von einer selbstständigen in eine unselbständige andere Tätigkeit zu wechseln. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick darauf, dass es möglich wäre, die bisher von der Beschwerdeführerin geleistete Arbeit durch Angestellte erledigen zu lassen und so die Firma im Hinblick auf eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erhalten. Entgegen der Verwaltungsgerichtsbeschwerde bietet der allgemeine Arbeitsmarkt auch Stellen, welche dem ärztlich beschriebenen Anforderungsprofil entsprechen. Dabei könnte die Beschwerdeführerin auf Grund statistischer Werte (Lohnstrukturerhebungen 2000 des Bundesamtes für Statistik; vgl. Erwägung 2) und unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 10% (BGE 126 V 75) mindestens Fr. 29'849.- verdienen (Tabelle TA1 Ziffer 52: monatlicher Durchschnittslohn für Frauen mit Berufs- und Fachkenntnissen [Anforderungsniveau 3] im Detailhandel Fr. 3734.- x 12 :40 x 41,7 = Fr. 46'712.- x 71% [vgl. Erwägung 2.1] x 0,9 = Fr. 29'849.-). Verglichen mit dem unbestrittenen Valideneinkommen gemäss Fragebogen Arbeitgeber vom 19. Dezember 2001 von Fr. 48'000.-, von welchem Wert auch für das Jahr 2000 auszugehen ist, da es auch in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ausdrücklich als richtig bestätigt wird und zudem auch ungefähr den statistischen Durchschnittswerten entspricht, ergibt das einen Invaliditätsgrad von 38%. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Verhältnisse von Validen- und Invalidenlohn bis zum Erlass des Einspracheentscheides am 1. Oktober 2004 unterschiedlich entwickelt hätten. Damit besteht auch kein Rentenanspruch, falls sich die zumutbare Tätigkeit in der eigenen Firma aus organisatorischen Gründen nicht verwirklichen liesse und keine Veranlassung, die Sache im Sinne des Eventualantrages zur Neuberechnung des Invaliditätsgrades an die IV-Stelle zurückzuweisen.