Citation: 1B_358/2010 18.11.2010 E. 6

Im vorliegenden Fall ist das Untersuchungsverfahren weit fortgeschritten; die Einvernahmen der Zeugen und des Geschädigten durch die Staatsanwaltschaft sind grundsätzlich abgeschlossen. Zwar ist es möglich und sogar wahrscheinlich, dass der Geschädigte und die Zeugen vor Gericht erneut einvernommen werden (vgl. Art. 343 der ab 1. Januar 2011 geltenden Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007). Dies allein genügt jedoch nicht zur Begründung von Kollusionsgefahr. Vielmehr bedarf es nach dem oben (E. 3) Gesagten konkreter Hinweise dafür, dass der Angeschuldigte bei einer Haftentlassung auf Zeugen Einfluss nehmen werde, um sie zu einem Widerruf oder zur Abschwächung ihrer belastenden Aussagen zu veranlassen (vgl. z.B. BGE 132 I 21 E. 3.4 und 3.5 S. 25 ff.: Ausübung von massivem Druck auf verschiedene Geschädigte und deren Angehörige; Urteil 1P.788/2000 vom 11. Januar 2001 E. 2d: Ausübung von emotionalem und finanziellem Druck auf die Ex-Ehefrau; Urteil 1P.612/2004 vom 11. November 2004 E. 3.4: besonderes Aggressionspotential des Angeschuldigten; Urteil 1P.548/1997 vom 27. Oktober 1997 E. 2d: geringes Alter des Opfers, das im selben Haus wohnte wie der Angeschuldigte und dessen Angehörigen). Es gibt keine Hinweise auf Versuche des Beschwerdeführers, Kontakt zum Geschädigten oder zu Zeugen aufzunehmen und diese zu beeinflussen. Es liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Geschädigte vom Beschwerdeführer leicht beeinflusst werden könnte, selbst wenn beide sich schon vor der Tat gekannt haben sollten. Insgesamt erscheint daher die Gefahr einer Beeinflussung des Geschädigten oder von Zeugen vor ihrer allfälligen richterlichen Einvernahme in der Hauptverhandlung nicht genügend konkret, um die Haft weiter aufrechtzuerhalten.