Citation: 8C_799/2010 25.01.2011 E. 6

Es bleibt zu prüfen, ob die ursprüngliche Rentenverfügung vom 4. März 1996 - wie von der Beschwerdeführerin mit Einspracheentscheid vom 18. Mai 2009 dargelegt und letztinstanzlich geltend gemacht - auf einer damals zweifellos unrichtigen Feststellung des Valideneinkommens beruht. 6.1 Der Revisionsordnung nach Art. 17 ATSG geht der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hatte, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 2 ATSG und Art. 1 Abs. 1 IVG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf Art. 17 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser substituierten Begründung - nach vorgängiger Gehörsgewährung - schützen (BGE 125 V 368 E. 2 S. 369; Urteile 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.2 und 8C_224/2009 vom 27. Juli 2009 E. 3.2 mit Hinweis). Eine voraussetzungslose Neubeurteilung der invaliditätsmässigen Voraussetzungen genügt nach ständiger Rechtsprechung nicht für eine wiedererwägungsweise Herabsetzung der Invalidenrente. Die Aufhebung der Rente mit der substituierten Begründung der Wiedererwägung kann nur bei Unvertretbarkeit der ursprünglichen Rentenzusprechung erfolgen (Urteile 8C_329/2010 vom 6. August 2010 E. 4.1 und 9C_845/2009 vom 10. Februar 2010 E. 3.2 mit Hinweisen). 6.2 Die Versicherte hat in ihrem Heimatland Österreich 1978 erfolgreich eine dreijährige Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau abgeschlossen, bevor sie in der Schweiz zunächst im Saisonnier-Status als Verkaufsangestellte und später im Service erwerbstätig war. Laut eigenen Angaben war sie stets auf der Suche nach einer Anstellung im Bürobereich. Das erst seit knapp einem Jahr bestehende Arbeitsverhältnis als Serviertochter im Landgasthof A.________ war per 31. Juli 1985 in gegenseitigem Einvernehmen gekündigt, als die Beschwerdegegnerin am 27. Juli 1985 verunfallte. Danach leitete die Invalidenversicherung 1987 bei anhaltender Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eine kaufmännische Umschulung ein, welche die Versicherte jedoch nach ungefähr einem Jahr infolge vermehrter Kopfschmerzen 1989 abbrach (vgl. polydisziplinäres Gutachten der medizinischen Abklärungsstelle [nachfolgend: MEDAS-Gutachten] vom 11. September 1992). Seither wiederholt ausgeübte buchhalterische Tätigkeiten verlor sie offenbar jeweils nach ein paar Monaten wieder infolge rezidivierender Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und zu hoher Anforderungen (MEDAS-Gutachten S. 25). Laut MEDAS-Gutachten blieb die Beschwerdegegnerin hinsichtlich einer leidensangepassten Tätigkeit dauerhaft zu 25 % arbeitsunfähig. Die Akten lassen zudem darauf schliessen, dass die Versicherte die trotz Unfallrestfolgen seit 15. Mai 1991 verrichtete Beschäftigung als kaufmännische Mitarbeiterin der Firma G.________ AG bereits wieder verloren und in dem - für einen Einkommensvergleich gegebenenfalls massgebenden (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224) - Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (1. März 1996) keine ihr an sich zumutbare Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt hatte. 6.3 Soweit ersichtlich hat die Allianz bei der ursprünglichen Zusprache der Invalidenrente gemäss Verfügung vom 4. März 1996 überhaupt keinen Einkommensvergleich durchgeführt. Statt dessen hat sie - unter den damals gegebenen Umständen nach dem Gesagten zutreffend - basierend auf den aktenkundigen Zumutbarkeitsbeurteilungen den Invaliditätsgrad nach dem Prozentvergleich (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 97, U 110/92 E. 2b) auf 20 % festgesetzt, zumal auch in einer leidensangepassten Bürotätigkeit von einer unfallbedingten dauerhaften Arbeitsunfähigkeit von 20 % auszugehen war. Dieses von der Beschwerdeführerin bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades anlässlich der ursprünglichen Rentenzusprache aus zureichenden Gründen gewählte Vorgehen ist mit Blick auf die einschlägige Rechtsprechung (BGE 114 V 310 E. 3a S. 312 f.) nicht zu beanstanden. Jedenfalls erweist sich hier - entgegen der von der Allianz vertretenen Auffassung - weder die angewandte Methode der Invaliditätsgradbemessung noch der ermittelte Invaliditätsgrad von 20 % als unvertretbar (vgl. E. 6.1 i.f.). 6.4 Dass die ursprüngliche Rentenzuprache auf der Grundlage eines ungenügend abgeklärten Sachverhalts verfügt worden und deshalb als zweifellos unrichtig zu qualifizieren wäre, ist nicht ersichtlich. Aus einer bei der ursprünglichen Rentenzusprache 1996 - allenfalls zu Unrecht - unterlassenen neurologisch-neuropsychologischen Testung vermag die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.