Citation: 6B_1234/2023 E. 3.8.4

3.8.4. Der Beschwerdeführer macht geltend, die drohende Landesverweisung habe bei ihm ein Umdenken bewirkt. Er offenbare seit dem 1. Oktober 2021 (Entlassung aus der zweitägigen Untersuchungshaft) eine in jeder Hinsicht positive Lebensführung, verfüge über einen Lehrabschluss sowie eine Festanstellung und sei schuldenfrei. Aus dem (bereits bei der Vorinstanz eingereichten) Zwischenzeugnis der Arbeitgeberin vom 12. September 2023 und dem Bericht des Bildungszentrums B.________ vom 11. September 2023 gehe hervor, dass er auf sehr gutem Weg sei, seine ergänzende Ausbildung zum Automobil-Mechatroniker EFZ abzuschliessen. Es sei ein unhaltbarer Widerspruch, wenn die Vorinstanz trotz günstiger Legalprognose festhalte, er hinterlasse beim Themenbereich "Ordnung und Sicherheit" weiterhin ein negatives Bild. Eine reale Rückfallgefahr bestehe nicht mehr. Diese Argumentation verfängt aus folgenden Gründen nicht: Die Vorinstanz spricht dem Beschwerdeführer seine schulischen und beruflichen Erfolge keineswegs ab (vgl. Urteil S. 9 E. II.3.3.1), sondern billigt ihm insbesondere deswegen einen schweren persönlichen Härtefall zu (Urteil S. 11 E. II.3.5). Sie gelangt allerdings zutreffend zum Schluss, dass seine anstandslose bzw. gute berufliche Integration stark mit der fehlenden Beachtung von Sicherheit und Ordnung in seiner Freizeit kontrastiere (Urteil S. 10 E. II.3.3.3 und S. 16 E. II.4.6.2). Sie zeigt auf der Grundlage der gutachterlichen Ausführungen überzeugend auf, dass die legalprognostischen Risikofaktoren in der Persönlichkeit bzw. den charakterlichen Defiziten zu verorten sind und sich diese bei der Katalogtat erneut offenbaren (Urteil S. 10 E. II.3.3.3 und S. 16 E. II.4.6.3; kantonale Akten, Vorakten Staatsanwaltschaft D 10/4 S. 48 und S. 53). Vor diesem Hintergrund verneint sie zu Recht einen Bruch mit der deliktischen Vergangenheit bzw. das Konzept der biografischen Kehrtwende. Die deutlich erkennbare Stabilität, welche den bisherigen schulischen und beruflichen Werdegang des Beschwerdeführers kennzeichnen, vermochten mit anderen Worten keine ausreichende stützende und deliktpräventive Wirkung zu entfalten. Ein Reifeprozess bzw. eine charakterliche (Weiter-) Entwicklung ist bei ihm nicht auszumachen, vielmehr gibt seine im Alter von 18 Jahren ausgeübte Freizeittätigkeit als Kokaindealer Anlass zur Befürchtung, dass sich die in seiner Persönlichkeit begründeten Risikofaktoren zwischenzeitlich verfestigt haben. Weder die im Alter von annähernd 16 Jahren erstandene eingriffsintensive 32-tägige Untersuchungshaft noch der drohende Vollzug der Reststrafe (58 Tage Freiheitsentzug) konnten den Beschwerdeführer von der erneuten und zugleich schweren Delinquenz abhalten. Noch während laufender Probezeit und kurz nach Aufhebung der ambulanten Behandlung nach Art. 14 JStG (Entlassungsdatum: 30. Juni 2021; vgl. den von der Vorinstanz eingeholten Strafregisterauszug) beging der Beschwerdeführer die qualifizierte BetmG-Widerhandlung. Angesichts dieses ausgeprägten Bewährungsversagens kann entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers nicht von einer günstigen Legalprognose gesprochen werden. Wie die Vorinstanz zutreffend erwägt (Urteil S. 11 E. II.3.3.5), vermag daran auch der von der ersten Instanz gewährte Strafaufschub nichts zu ändern. Aufgrund der unterschiedlichen Zielsetzungen von Straf- und Ausländerrecht ergibt sich im ausländerrechtlichen Bereich ein strengerer Beurteilungsmassstab (vgl. BGE 140 I 145 E. 4.3; Urteile 6B_1454/2021 vom 26. Mai 2023; 6B_748/2021 vom 8. September 2021 E. 1.3.2, je mit Hinweisen). Der Aufschub des Strafvollzugs nach Art. 42 StGB setzt nicht eine günstige, sondern nur das Fehlen einer ungünstigen Prognose voraus (vgl. BGE 134 IV 1 E. 4.2.2; Urteile 6B_748/2021 vom 8. September 2021 E. 1.3.2; 6B_166/2021 vom 8. September 2021 E. 3.4.3; je mit Hinweisen). Demgegenüber kann ausländerrechtlich gerade bei schweren Straftaten, wozu das vom Beschwerdeführer begangene Verbrechen gegen das BetmG zu zählen ist, bereits ein geringes Rückfallrisiko für eine Landesverweisung genügen. Im Weiteren ist das vom Beschwerdeführer seit anfangs Oktober 2021 gezeigte Wohlverhalten aufgrund des drohenden Strafvollzugs und der drohenden Landesverweisung ohnehin zu relativieren (vgl. Urteile 6B_518/2023 vom 6. März 2024 E. 5.4.2; 6B_47/2022 vom 5. Juni 2023 E. 2.4.2; 6B_1412/2021 vom 9. Februar 2023 E. 2.5.3; je mit Hinweis).