Citation: 1P.195/2002 02.09.2002 E. 3

Der Beschwerdeführer rügt sodann eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Vor den kantonalen Behörden habe er "die Einvernahme des Herrn Dr. E.________ in seiner Anwesenheit" verlangt, nachdem er "nie die Möglichkeit" gehabt habe, "dem Herrn Dr. E.________ Zusatzfragen zu stellen". Ebenso sei "die Konfrontation mit F.________ dringend notwendig", welche er schon "vor der Hauptverhandlung" beantragt habe. 3.1 Zunächst ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer ein Anspruch zusteht, den Belastungszeugen Dr. E.________ ergänzend zu befragen. Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK sieht das Recht des Angeschuldigten vor, Fragen an die Belastungszeugen zu stellen oder stellen zu lassen. Es kann im vorliegenden Fall offen bleiben, ob der Beschwerdeführer die Rüge der Verletzung dieses grundrechtlichen Anspruches ausreichend substantiiert hat (vgl. Art. 90 Abs. 1 lit. b OG), da die Rüge sich ohnehin als unzulässig erweist. 3.1.1 Nach ständiger Praxis des Bundesgerichtes setzt die Geltendmachung prozessualer Verfahrensrechte im Strafprozess grundsätzlich voraus, dass der Angeschuldigte bzw. sein Verteidiger entsprechende Verfahrensanträge frist- und formgerecht stellen. Zum einen verlangt Art. 86 Abs. 1 OG als Zulässigkeitsvoraussetzung der staatsrechtlichen Beschwerde, dass die erhobenen Rügen den kantonalen Instanzenzug durchlaufen haben. Zum anderen widerspricht es dem Grundsatz von Treu und Glauben, wenn ein Prozessbeteiligter zumutbare Beweisanträge im kantonalen Verfahren nicht rechtzeitig stellt und erst nachträglich, im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren, eine Verletzung von Parteirechten beanstandet. Dies gilt namentlich für Verfahrensanträge auf Konfrontation mit belastenden Gewährspersonen (BGE 125 I 127 E. 6c/bb S. 134; 120 Ia 48 E. 2e/bb S. 55; 118 Ia 462 E. 2b/bb S. 466 f., E. 5b S. 470 f., je mit Hinweisen). 3.1.2 Wie sich aus den Akten ergibt, hat der Beschwerdeführer an gewissen Zeugeneinvernahmen persönlich teilgenommen. Dabei nahm er teilweise auch die Gelegenheit wahr, Ergänzungsfragen zu stellen. Bei anderen Befragungen verzichtete er ausdrücklich oder konkludent auf seine persönliche Anwesenheit bzw. diejenige seines Verteidigers. Der Beschwerdeführer belegt nicht, dass er im kantonalen Verfahren frist- und formgerecht beantragt habe, dem Belastungszeugen Dr. E.________ Ergänzungsfragen zu stellen. Entsprechendes geht auch aus den vorliegenden Akten nicht hervor. Im Urteil des Kantonsgerichtes wird festgestellt, die Verteidigung habe die erneute Einvernahme der Zeugen G.________, H.________ und B.________ verlangt. Ausserdem sei "I.________ als neuer Zeuge zur Person F.________" benannt worden. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe im Untersuchungsverfahren "an der Zeugenaussage Dr. E.________ nicht teilnehmen" müssen, was sich "im Urteil zu seinem Nachteil" ausgewirkt habe. Wenn der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer (angesichts der fakultativen Natur der Teilnahme an Zeugenbefragungen) darauf verzichtet hat, an der Befragung von Dr. E.________ teilzunehmen und Ergänzungsfragen (bzw. im Strafuntersuchungs- und im Hauptverfahren vor Kantonsgericht frist- und formgerecht einen entsprechenden Beweisantrag) zu stellen, dann kann er für dieses Versäumnis nicht nachträglich die kantonalen Behörden verantwortlich machen. Soweit keine entsprechenden Beweisanträge gestellt wurden, erweist sich die Beschwerde mangels Erschöpfung des kantonalen Instanzenzuges als unzulässig (Art. 86 Abs. 1 OG). Es kann offen bleiben, ob die Rüge der Verletzung von Art. 32 Abs. 2 BV in diesem Punkt überhaupt ausreichend substantiiert erschiene (vgl. Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). 3.2 Der Beschwerdeführer beanstandet schliesslich, er habe schon anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht beantragt, F.________ sei ergänzend zu befragen. Die Abweisung des Beweisantrages verstosse gegen das rechtliche Gehör. Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführer vor Kantonsgericht rechtzeitig den Antrag auf zusätzliche Befragung des Zeugen F.________ gestellt hat. Die erhobene Rüge erwiese sich jedenfalls als unbegründet. 3.2.1 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichtes zum Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) hat der Betroffene das Recht, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden, und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 126 I 7 E. 2b S. 10 f., 97 E. 2 S. 102 f.; 118 Ia 17 E. 1c S. 19, je mit Hinweisen). Nach ständiger Praxis kann jedoch das Beweisverfahren geschlossen werden, wenn die gestellten Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, oder wenn der Richter, ohne dabei geradezu in Willkür zu verfallen, annehmen darf, die verlangten zusätzlichen Beweisvorkehren würden am relevanten Beweisergebnis voraussichtlich nichts mehr ändern. Diese so genannte "antizipierte" oder "vorweggenommene" Beweiswürdigung ist namentlich bei Anträgen auf Befragung von Entlastungszeugen zulässig (BGE 125 I 127 E. 6c/cc S. 135; 124 I 208 E. 4a S. 211; 121 I 306 E. 1b S. 308 f.; 119 Ib 492 E. 5b/bb S. 505 f., je mit Hinweisen). 3.2.2 Der Beschwerdeführer verlangt die zusätzliche Befragung des Zeugen F.________ im Sinne eines Entlastungsbeweises. Diesbezüglich wäre (wie erwähnt) eine antizipierte Beweiswürdigung zulässig. Der Beschwerdeführer macht geltend, "die Konfrontation mit F.________" solle "die Tatsache ersichtlich werden lassen, dass F.________ einen derartigen Druck auf den Beschwerdeführer ausübte, dass diesem beinahe nichts mehr anderes übrig blieb, als zu jenen Mitteln zu greifen, die ihm eben zur Verfügung standen". Es kann offen bleiben, ob die vom Beschwerdeführer aufgeworfene Frage von ausschlaggebender Bedeutung erscheint oder die Auffassung vertretbar wäre, entsprechende Aussagen würden am bereits erhobenen belastenden Beweisergebnis voraussichtlich nichts Entscheidendes mehr ändern. Im angefochtenen Entscheid wird erwogen, dass die kantonalen Instanzen bei inhaltlichen Widersprüchen zwischen den Aussagen des Beschwerdeführers und denjenigen des Zeugen F.________ ausdrücklich auf die Version des Beschwerdeführers abgestellt hätten. Den Aussagen des Zeugen F.________ komme insofern "keine für den Beschwerdeführer nachteilige Bedeutung zu" (angefochtener Entscheid, S. 16 E.2). Soweit der Beschwerdeführer darüber hinaus einen neuen Beweisantrag auf zusätzliche Befragung des Zeugen F.________ stellt und begründet, stellen seine Vorbringen unzulässige Noven dar (vgl. Art. 86 Abs. 1 OG).