Citation: 6B_139/2017 E. 2.1

2.1. Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Verfahrens seien erfüllt. Das Rechtsmissbrauchsverbot, das die Vorinstanz und die Staatsanwaltschaft "hier geltend machen und anmerken, dass dieses einer Wiederaufnahme entgegenstehe", werde von der herrschenden Meinung nicht derart vertreten. Differenziert vertrete die herrschende Meinung die Auffassung, wonach das Rechtsmissbrauchsverbot nur bei treuwidrigem Verhalten der Staatsanwaltschaft der Wiederaufnahme uneingeschränkt entgegenstehe, da der Staat, vertreten durch die Staatsanwaltschaft, in einem solchen Fall den Strafanspruch verwirkt habe. Hingegen sei die Privatklägerschaft nicht Organ der Strafrechtspflege, weshalb ihr Verhalten dem Staat nicht zugerechnet werden könne. Der staatliche Strafanspruch bleibe davon unberührt. Im vorliegenden Fall bestehe ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Strafverfolgung. Gewisse Verstösse gegen die Regeln der Gemeinschaft würden als derart schwerwiegend betrachtet, dass mit Sanktionen darauf geantwortet werden müsse. Zu den fundamentalen Prinzipien des Strafprozessrechts gehöre die Offizialmaxime, wonach der Staat das Recht und die Pflicht habe, den staatlichen Strafanspruch von Amtes wegen durchzusetzen. Dies bedeute, dass die staatlichen Strafverfolgungsorgane alle ihnen bekannt gewordenen Straftaten, und zwar unabhängig vom Willen der geschädigten Person in den dafür vorgesehenen strafprozessualen Formen ahnden müssten. Eine Einstellung des Strafverfahrens komme nach dem Grundsatz "in dubio pro duriore" deshalb nur bei klarer Straflosigkeit oder bei offensichtlich nicht erfüllten Prozessvoraussetzungen in Betracht. Die Verschlimmerung der Verletzungen, welche die Beschwerdeführerin in ihrem Gesuch um Wiederaufnahme geltend gemacht habe, könnte "unter Umständen eine Qualifikation des Tatbestands der Körperverletzung darstellen". Diesen Umstand unbegründet als rechtsmissbräuchlich zurückzuweisen, stelle eine klare Verletzung von Art. 323 StPO dar. Diese neu bekannt gewordenen Tatsachen oder Beweismittel müssten "durch das Beweisverfahren im Rahmen des wiederaufgenommenen Verfahrens verifiziert werden". Die Neuheit beziehe sich auf die Kenntnis der Staatsanwaltschaft, "die ihr erst mit dem Gesuch um Wiedererwägung der Beschwerdeführerin zugegangen" sei. Auch der Vorwurf der Beschwerdeführerin, X.________ habe sie genötigt, ihr Desinteresse zu erklären, weshalb sie sich in einem Willensmangel befunden habe, hätte im Rahmen einer strafprozessualen Untersuchung geprüft werden müssen und nicht als rechtsmissbräuchlich abgewiesen werden dürfen.