Citation: 6S.550/2000 27.09.2000 E. A

A.- Der hochgebirgsunerfahrene dreiundzwanzigjährige amerikanische Staatsangehörige W.H. buchte am 13. August 1997 anlässlich seines Ferienaufenthalts in Zermatt in Begleitung seiner Mutter im dortigen Bergführerbüro eine Kollektivtour für den folgenden Tag auf das Breithorn (4164 m.ü.M.). Im Pauschalpreis von Fr. 162.-- inbegriffen waren die Entschädigung für den Bergführer sowie das Bahnbillett Zermatt - Klein Matterhorn retour. Gleichentags mietete er für diese Tour Bergschuhe und Steigeisen. Er fand sich am Morgen des 14. August 1997, um 7.50 Uhr, am vereinbarten Sammelort vor der Talstation der Luftseilbahn ein und meldete sich beim für die Organisation der Tour zuständigen Koordinator (und Skilehrer) B. zur Zuteilung an einen Bergführer. Der Koordinator wirkte als Verbindungsmann des Bergführerbüros zwischen Bergführer und Gästen, die beim Bergführerbüro eine Tour gebucht haben. Sieben weitere Teilnehmer dieser Tour fanden sich zur gleichen Zeit bei der Talstation ein. Der Koordinator teilte diese acht Personen in zwei Vierergruppen auf und wies jede Gruppe einem Bergführer zu. Er teilte dem Bergführer (und Skilehrer) A. die Vierergruppe mit W.H. , einem japanischen und zwei deutschen Teilnehmern zu. Der japanische Teilnehmer hatte sich indessen von der Gruppe entfernt; der Koordinator entdeckte ihn, als er bei der Talstation an seinem Rucksack hantierte, und geleitete ihn zurück zum Bergführer. Hier wurde nun festgestellt, dass inzwischen einer der beiden deutschen Teilnehmer den Sammelort verlassen hatte und der anderen Vierergruppe gefolgt war. Der Koordinator stellte ausserdem fest, dass W.H. kein Billett für die Fahrt Zermatt - Klein Matterhorn retour auf sich trug, weshalb er beschloss, für diesen noch das Billett zu lösen. Zuvor wies er den Bergführer an, mit den restlichen zwei Teilnehmern bereits loszuziehen, damit er den vorausgegangenen deutschen Teilnehmer nicht verliere. Der Bergführer stieg zur Gondelbahn hoch. Der Koordinator löste für W.H. das Billett und erklärte ihm, er solle der Gruppe folgen; er gab ihm keine weiteren Anweisungen. W.H. begab sich zu den Gondeln, traf jedoch nicht mit der Gruppe zusammen. Der Bergführer holte den vorausgegangenen deutschen Teilnehmer bei der ersten Zwischenstation (Furi) ein, fuhr dann mit diesem und den beiden anderen Teilnehmern seiner Gruppe auf das Klein Matterhorn und bestieg mit ihnen das Breithorn, ohne sich um W.H. zu kümmern oder bei den Zwischenstationen oder auf der Bergstation auf ihn zu warten. Er war um die Mittagszeit mit seiner Dreiergruppe zurück bei der Bergstation und begab sich anschliessend nach Hause zum Mittagessen. Gegen 16.30 Uhr ging er beim Bergführerbüro vorbei und teilte dem Koordinator mit, dass er den Amerikaner nicht mehr gesehen habe und dieser nicht mit ihm das Breithorn bestiegen habe. Zuvor hatten sich bereits dessen Eltern nach dem Verbleib ihres Sohnes erkundigt. W.H. , der der Gruppe hatte folgen sollen, diese jedoch nicht angetroffen hatte, begab sich allein auf den Weg. Sicher ist, dass er am späten Vormittag die abgesperrten Skipisten auf der Höhe der Skilifte Plateau-Rosa verliess und sich auf den Oberen Theodulgletscher, zwischen Plateau-Rosa und Trafostation unterhalb des Klein Matterhorns, begab. Vorerst marschierte er in Richtung Trafostation und anschliessend von dort in Richtung Trockener Steg. Dabei muss eine Schneebrücke nachgegeben haben. Er stürzte rund 25 Meter tief in eine Gletscherspalte. Die um 18.50 Uhr eingeleitete Suchaktion blieb erfolglos. Erst am folgenden Morgen konnte die Einsturzstelle gesichtet werden. W.H. konnte nur noch tot geborgen werden. Nach dem rechtsmedizinischen Gutachten der Universität Bern handelte es sich um einen Unfall und war der Tod infolge Unterkühlung eingetreten.