Citation: 6B_321/2021 E. 3.4.3

3.4.3. Nur unerheblich ins Gewicht fällt, dass das Verschulden des Beschwerdeführers für die Anlasstaten relativ gering und die gegen ihn ausgesprochene Strafe entsprechend tief ausfällt. Im Sinne der angeführten Rechtsprechung kann ein geringes Verschulden bei der Anlasstat grundsätzlich bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit der stationären Massnahme berücksichtigt werden (siehe E. 3.3.2 in fine oben). Vorliegend geht die tiefe Strafe auf die vom amtlichen Gutachter festgestellte krankheitsbedingte Schuldunfähigkeit für die Nötigungshandlungen zum Nachteil der Privatklägerin 1 bzw. die verminderte Schuldfähigkeit für die fahrlässige Körperverletzung, die einfache Körperverletzung und die mehrfachen Tätlichkeiten zum Nachteil von B.A.________ (Privatklägerin 2) zurück. Liegt der Grund für das geringe Verschulden bzw. die tiefe Strafe für die Anlasstat in einer psychischen Störung begründet, die im Rahmen einer Massnahme i.S.v. Art. 56 ff. StGB therapiert werden soll, kann dies nicht dazu führen, dass von der Anordnung einer stationären Massnahme abgesehen wird. Denn dies unterliefe den Willen des Gesetzgebers, der die Anordnung einer stationären Massnahme auch bei Schuldunfähigkeit oder verminderter Schuldfähigkeit vorgesehen hat (vgl. Art. 19 Abs. 3 i.V.m. Art. 59 StGB; in diesem Sinn auch HEER/HABERMEYER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N. 45 zu Art. 49 StGB in fine).