Citation: 2P.113/2006 29.08.2006 E. 5

5.1 Der Beschwerdeführer 1 will unter Verwendung des Rechtsanwaltstitels seine Arbeitgeberin (die Beschwerdeführerin 2) und deren Tochtergesellschaften gegenüber Dritten vertreten und in Rechtsfragen beraten. Ein Eintrag ins Anwaltsregister fällt für ihn mangels institutioneller Unabhängigkeit (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. d BGFA; BGE 130 II 87 E. 4 ff. S. 93 ff.) ausser Betracht. Er ist aber der Auffassung, als Anwalt tätig zu sein, weshalb er gemäss § 16 AnwG/ZH ins Anwaltsverzeichnis eingetragen werden müsse. Er stützt seine Argumentation insbesondere auf den Wortlaut von § 10 AnwG/ZH; gemäss dieser Bestimmung übt den Anwaltsberuf aus, "wer über ein Anwaltspatent verfügt und Personen in Verfahren vor Gericht, anderen Behörden oder gegenüber Dritten vertritt oder in Rechtsfragen berät und dabei unter der Berufsbezeichnung [...] Rechtsanwalt oder einer gleichwertigen Bezeichnung auftritt". 5.2 Diesem Ansinnen des Beschwerdeführers 1 steht die Auffassung der kantonalen Behörden entgegen, gemäss welcher die - dem Beschwerdeführer 1 fehlende - institutionelle Unabhängigkeit auch für den Eintrag ins Anwaltsverzeichnis Voraussetzung bildet: Das Verwaltungsgericht führt hierzu aus, im Kanton Zürich seien weder die Kompetenzen der Aufsichtskommission noch der Geltungsbereich der Berufsregeln auf den Monopolbereich beschränkt, sondern erfassten auch die Rechtsanwälte, welche rein beratend tätig seien (vgl. oben E. 2.2). Es verweist alsdann auf die parlamentarischen Beratungen zum Zürcher Anwaltsgesetz und insbesondere auf die Diskussion darüber, ob Teilzeitangestellte, welche ausserhalb ihres Anstellungsverhältnisses freiberuflich als Rechtsanwälte (aber lediglich in der Rechtsberatung) tätig sind, dem Anwaltsgesetz zu unterstellen seien. Gemäss Verwaltungsgericht ergibt sich aus den im Kantonsrat abgegebenen Voten, dass der Gesetzgeber mit dem Verzeichnis nur unabhängige Rechtsanwälte habe erfassen wollen. Dies decke sich mit Sinn und Zweck des Anwaltsverzeichnisses, welches - wie das Anwaltsregister - auf den Schutz des Publikums ziele. Durch den Eintrag ins Verzeichnis werde sichergestellt, dass die Aufsichtskommission von der Rechtsanwaltstätigkeit des Betroffenen Kenntnis erlange und die Einhaltung der (sinngemäss) anwendbaren Berufsregeln überwachen könne. Ein solcher "Publikumsschutz" sei bei einem Unternehmensjuristen nicht erforderlich, zumal dieser seine Dienstleistungen nicht einem offenen Klientenkreis anbiete, sondern gegenüber seinem Arbeitgeber erbringe, zu welchem bereits wegen der Anstellung ein Treueverhältnis bestehe. Das Verwaltungsgericht hat deshalb mit der Aufsichtskommission erwogen, der Beschwerdeführer 1 sei nicht als Rechtsanwalt im Sinne des Zürcher Anwaltsgesetzes tätig, zumal er stets die Interessen seiner Arbeitgeberin zu wahren habe und in der Annahme oder Ablehnung von Aufträgen nicht frei sei. Schliesslich stellt das Verwaltungsgericht klar, dass nach zürcherischem Recht die Befugnis zur Verwendung des Anwaltstitels weder vom Eintrag ins Anwaltsregister noch von jenem ins Anwaltsverzeichnis abhängt.