Citation: 4A_9/2022 E. 3

Die Argumentation des Handelsgerichts geht fehl: Die Rechtshängigkeit hat die Wirkung, dass der Streitgegenstand zwischen den gleichen Parteien nicht anderweitig rechtshängig gemacht werden kann (Art. 59 Abs. 2 lit. d in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 lit. a ZPO). Im Verfahren vor dem Bezirksgericht Meilen sind C.________ und die Beschwerdegegnerin Partei, während sich im Prozess vor Handelsgericht die Beschwerdeführerin und die Beschwerdegegnerin streiten. Es stehen sich unterschiedliche Parteien gegenüber. Es besteht keine Rechtshängigkeitssperre. Wohl entspricht es der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass die Rechtskraft bei Abtretung eines bereits rechtskräftig beurteilten Anspruchs gegenüber der Zessionarin als Rechtsnachfolgerin wirkt. Dies gilt indes nicht, wenn die (behauptete) Forderung - wie hier - vor Rechtshängigkeit abgetreten wurde: Ein vom Zedenten nach der Abtretung eingeleitetes Verfahren berührt die prozessuale Stellung der Zessionarin nicht, und zwar selbst dann nicht, wenn der Zedent - materiellrechtlich zu Unrecht - die ganze Forderung, samt abgetretenem Teil, einklagen sollte (BGE 125 III 8 E. 3a/aa und 3a/cc; vgl. auch Urteil 4A_449/2020 vom 23. März 2021 E. 5.3.2, nicht publ. in: BGE 147 III 345). Bereits aus diesem Grund zielen die vorinstanzlichen Erwägungen ins Leere und erweist sich die Beschwerde als begründet. Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass durch die Abtretung bloss eines Teils einer noch nicht vor Gericht gebrachten Forderung (sog. "Partialzession") zwei Forderungen entstehen, die in gewissem Mass unabhängig voneinander sind: Sie können verschiedene Schicksale haben und selbständig eingeklagt werden (siehe Urteile 4A_59/2017 vom 28. Juni 2017 E. 3.5.1; 5A_527/2012 vom 21. Februar 2013 E. 2.3.1; 4A_125/2010 vom 12. August 2010 E. 2.2). Aus BGE 147 III 345 - von Vorinstanz und Parteien wiederholt zitiert - ergibt sich nichts anderes. Die Möglichkeit, dass das Bezirksgericht Meilen und das Handelsgericht des Kantons Zürich die jeweiligen Klagen je verschieden beurteilen, bedeutet keineswegs, dass "sich widersprechende Entscheide" drohen, sondern ist folgerichtige Konsequenz daraus, dass sich jeweils unterschiedliche Parteien gegenüberstehen, die Forderungen mit je eigenem Schicksal geltend machen. Alles andere käme einer nicht begründbaren Rechtsverweigerung zu Lasten der Zessionarin gleich, wie die Beschwerdeführerin zu Recht rügt (siehe auch BGE 125 III 8 E. 3a/cc).