Citation: U 216/03 20.09.2004 E. 5

Nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen ist allenfalls der Einwand, einzelne Leiden hätten medizinisch doch objektiviert werden können. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden diesbezüglich die Probleme mit dem linken Auge (vgl. nachstehende Erw. 5.1), die Hemisymptomatik links (nachstehende Erw. 5.2) und schliesslich der beidseitige Tinnitus (nachstehende Erw. 5.3) angeführt. Grundsätzlich ist in diesem Zusammenhang allerdings festzuhalten, dass allein die Bestätigung des Vorhandenseins dieser Beeinträchtigungen oder gar ihrer Organizität seitens einzelner Ärzte noch nichts über eine allfällige Ursächlichkeit des versicherten Unfallereignisses aussagt. 5.1 Die augenärztlich untersuchten Probleme müssen gemäss Aussage des Ophthalmologen Dr. med. H.________ vom Ärzteteam Unfallmedizin der SUVA vom 15. Dezember 1998 insgesamt als nicht unfallbedingt betrachtet werden. Dies ist dem Beschwerdeführer schon mit Schreiben vom 18. Dezember 1998 eröffnet worden. Auch Kreisarzt Dr. med. W.________ erklärte am 16. April 1999, die von Dr. med. S.________ aufgelisteten multiplen okulären und neuralen Probleme und Beschwerden seien allesamt nicht auf das Trauma zurückzuführen. Lediglich die Augenklinik des Spitals N.________ hielt in ihrem Bericht vom 22. Dezember 1999 fest, es sei möglich, dass es sich um eine Traumafolge vom 30. März 1998 handelt; ausdrücklich bestätigen konnte sie dies indessen nicht. Dr. med. G.________ vom ZMB verneinte eine direkte Schädigung durch den Unfall im Augenbereich und konnte mit Ausnahme einer intraokulären Drucksteigerung auch keine objektiven Befunde für die angegebenen Beschwerden erkennen. Einzig für Dr. med. S.________ bestehen offenbar keine Zweifel daran, dass die Probleme mit dem linken Auge vom Unfall vom 30. März 1998 herrühren; die dazu im Schreiben vom 17. September 2003 gegebene Begründung lässt indessen nur auf eine allenfalls denkbare Möglichkeit schliessen. Ein überwiegend wahrscheinlicher natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden im Bereich des linken Auges - soweit diese denn überhaupt objektivierbar sind - und einem versicherten Unfallereignis kann daraus nicht abgeleitet werden. Fragen könnte sich einzig noch, ob die Problematik allenfalls im Zusammenhang mit der linksseitigen Hemisymptomatik zu sehen ist (vgl. nachstehende Erw. 5.2). 5.2 Die Klinik in C.________ diagnostizierte im Austrittsbericht vom 3. August 1999 ein aetiologisch nicht ganz geklärtes, chronisches Weichteil-Schmerzsyndrom im Sinne einer Hemisymptomatik links; es seien Anzeichen vorhanden, die an eine somatoforme Störung denken lassen und auch an eine Anpassungsstörung erinnern. Schon Dr. med. F.________ vom Spital D.________ hatte in seinem Bericht vom 8. März 1999 einen kausalen Zusammenhang zwischen den radiologischen Veränderungen links parietal/subcortical mit dem Unfallereignis als äusserst fraglich bezeichnet. Dr. med. P.________ konnte anlässlich seiner orthopädischen Untersuchung im Rahmen der Begutachtung im ZMB linksseitig kaum nennenswerte Kraft- und Sensibilitätsunterschiede gegenüber rechts feststellen. Auch im Bericht des Dr. med. I.________ über die neurologische Untersuchung im ZMB ist lediglich von einer Halbseitensymptomatik ohne klinisch-neurologisches Korrelat die Rede, während die rheumatologische Abklärung im ZMB durch Dr. med. Q.________ hinsichtlich der Hemisymptomatik ebenfalls keine Hinweise auf eine konkret fassbare organisch begründete Ursache ergab. Insgesamt kann damit aber auch hinsichtlich allenfalls objektivierbarer Befunde im Zusammenhang mit der linksseitigen Hemisymptomatik die natürliche Unfallkausalität nicht als gegeben erachtet werden. Der These, wonach eine Hirnschädigung für die angegebenen Schwierigkeiten verantwortlich sei, könnte schon deshalb nicht gefolgt werden, weil eine solche - allein durch einzelne Ergebnisse neuropsychologischer Tests und mittels bildgebender Untersuchungsmethoden festgestellte Auffälligkeiten - nicht hinreichend nachgewiesen wäre. Abgesehen davon liesse sich weder ein Unfall als überwiegend wahrscheinliche Ursache der Schädigung noch diese als überwiegend wahrscheinlicher Auslöser der linksseitigen Hemisymptomatik bezeichnen. 5.3 Der beidseitige Tinnitus schliesslich wurde von Kreisarzt Dr. med. W.________ bereits am 2. Dezember 1998 als unfallkausal qualifiziert. Die SUVA hat dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 18. Dezember 1998 denn auch ihre Leistungsbereitschaft für den Tinnitus und dessen Folgen zugesichert. In der Folge hat sie für eine im Sinne einer parametrischen Therapie durchgeführte Akupunktur Kostengutsprache erteilt und ist schliesslich für die von Dr. med. T.________ empfohlene Retrainingtherapie mit speziellen Hörgeräten (Noisern) aufgekommen. Soweit ersichtlich, ist der Tinnitus indessen unbeeinflussbar geblieben und dürfte daher weiterhin bestehen. Da auch nicht geltend gemacht werden kann, es sei ein Zustand erreicht worden, wie er sich ohne Unfall präsentieren würde, kann sich die SUVA ihrer Leistungspflicht insoweit nicht mit dem Hinweis auf fehlende Unfallkausalität entziehen. Im Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids vom 23. September 2002 bestand aber hinsichtlich des Tinnitus offenbar keine Behandlungsbedürftigkeit mehr und auch eine allein vom Tinnitus herrührende relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit fehlte, sodass die Leistungsverweigerung der SUVA im Ergebnis letztlich doch korrekt war. In der Verfügung vom 12. Dezember 2001 war denn auch noch von fehlenden behandlungsbedürftigen Unfallfolgen die Rede, während sich die SUVA im Einspracheentscheid vom 23. September 2002 über ihre Haftung für den Tinnitus ausschwieg. Sollten in diesem Zusammenhang in einem späteren Zeitpunkt wieder Leistungen aktuell werden, hätte die SUVA grundsätzlich dafür aufzukommen, wovon an dieser Stelle Vormerk genommen wird. Insoweit bleiben dem Beschwerdeführer alle Rechte gewahrt.