Citation: 6B_258/2018 E. 2.4

2.4. Die Vermutung der Vorinstanz, wonach es nach einer gewissen Zeit ohnehin zur schweren Verletzung des lediglich mit einem Messer bewaffneten C.D.________ durch einen Schusswaffeneinsatz der Sondereinheit gekommen wäre, überzeugt mangels konkreter Anhaltspunkte nicht. Die entsprechende Begründung steht vielmehr mit ihren weiteren Feststellungen im Widerspruch. So stellt sie im angefochtenen Urteil zuvor fest, es sei ohne Weiteres möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich gewesen, dass sich C.D.________ im Verlauf der Nacht oder des nächsten Tages beruhigt hätte. Dies gelte umso mehr, als er weder eine namhafte kriminelle noch psychiatrische Vorgeschichte gehabt habe. Ein vollständiger Abzug der Polizei sei zwar nicht vertretbar gewesen, aber eine Reduktion der für C.D.________ sichtbaren Polizeipräsenz hätte wahrscheinlich bereits zu seiner Beruhigung beigetragen (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.8.4.2.3 S. 28). Dem Beschwerdegegner seien andere Mittel zur Verfügung gestanden, um die Situation zu bereinigen. Insbesondere hätte er weitere Stunden oder zumindest den nächsten Tag abwarten können. Eine Beruhigung der Situation in dieser Zeit mit der Möglichkeit einer Festnahme ohne gewaltsamen Zugriff sei sehr gut möglich gewesen. Zusätzlich hätte ein Verhandler, welchen der Beschwerdegegner hätte aufbieten können und müssen, die Chancen, die Situation ohne Zugriff der Sondereinheit zu bereinigen, stark erhöht (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.9 S. 30). Mit anderen Worten bringt die Vorinstanz entgegen ihrer Schlussfolgerung fehlender Fahrlässigkeit zum Ausdruck, ein Zugriff der Sondereinheit und insbesondere eine allenfalls daraus resultierende schwere Körperverletzung zum Nachteil von C.D.________ sei durch blosses Abwarten oder Aufbieten eines Verhandlers mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit vermeidbar gewesen. Schon für die Annahme einer hypothetischen Notwendigkeit eines Zugriffs durch die Sondereinheit zu einem späteren Zeitpunkt fehlt es an Anhaltspunkten. Die Vorinstanz stellt überdies selber fest, die Anordnung des Zugriffs sei unverhältnismässig und nicht dazu geeignet gewesen, der bestehenden Eigengefährdung von C.D.________ sinnvoll zu begegnen (vgl. E. 1.2 hiervor). Eine Fremdgefährdung bestand nicht (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.8.1 S. 23). Inwiefern ein selbst während "sehr langer Zeit" andauernder psychischer Ausnahmezustand von C.D.________ - wofür gleicherweise keine Anhaltspunkte aus dem angefochtenen Urteil hervorgehen - etwas daran hätte ändern sollen, ist nicht ersichtlich. Nicht nachvollziehbar ist weiter, weshalb eine Stürmung der Wohnung mit Schusswaffeneinsatz mit schweren Verletzungsfolgen ab einem gewissen Zeitpunkt die einzige in Frage kommende Massnahme gewesen sein soll. Zu den Gründen, weshalb ein Verhandler als ein von der Vorinstanz genanntes milderes Mittel entgegen ihrer eigenen widersprüchlichen Erwägungen keine Entspannung der Situation hätte bewirken können, äussert sie sich nicht. Vielmehr erachtet sie die Bereinigung der Situation anhand dieser Möglichkeit als besonders erfolgversprechend (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.8.4.2.4 S. 29). Ebenso wenig überzeugend ist die von ihr getroffene Hypothese, C.D.________ hätte sich selber ernsthaft verletzen und aufgrund eines auch diesfalls notwendigen polizeilichen Einsatzes dieselben schweren Verletzungen erleiden können. Ein Schusswaffeneinsatz erscheint gerade in diesem Szenario als äusserst unwahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, dass der tatbestandliche Erfolg einer schweren Körperverletzung durch Schussabgabe bei sorgfaltsgemässem Verhalten des Beschwerdegegners zumindest mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit ausgeblieben wäre. Indem die Vorinstanz den Beschwerdegegner aufgrund angeblich fehlender Vermeidbarkeit dennoch vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung frei spricht, verletzt sie Bundesrecht.