Citation: 2A.526/2005 17.02.2006 E. 3

3.1 Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafrichter verhängte Strafe (BGE 129 II 215 E. 3.1 S. 216). Der Beschwerdeführer wurde unter anderem wegen Gewaltdelikten mit einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und neun Monaten bestraft, womit der Ausweisungsgrund von Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG erfüllt ist. Nicht zu beanstanden ist, wenn die kantonalen Behörden mit Blick auf die begangenen Straftaten von einem schweren Verschulden ausgehen. Abgesehen von den zur Diskussion stehenden schwerwiegenden Straftatbeständen (Raubdelikte, versuchte Erpressung, Körperverletzung) fällt namentlich die in den Strafurteilen vorgenommene Würdigung des Verschuldens im Rahmen der Strafzumessung zu Ungunsten des Beschwerdeführers aus, wird ihm doch eine "erschreckende und erhebliche kriminelle Energie" bzw. eine "beinahe schon gewohnheitsmässige [...] Gewaltbereitschaft" attestiert und im Zusammenhang mit den von ihm notorisch begangenen Strassenverkehrsdelikten von Unbelehrbarkeit, Uneinsichtigkeit und einer äusserst rücksichtslosen Haltung gegenüber seinen Mitmenschen gesprochen. Unter diesen Umständen besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse an seiner Entfernung und Fernhaltung aus der Schweiz. 3.2 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Der Beschwerdeführer reiste 1989 im Alter von knapp 16 Jahren zwecks Familienzusammenführung zu seinen Eltern in die Schweiz ein, womit er nicht als Ausländer der "zweiten Generation" anzusehen ist. Er lebt seit über 15 Jahren in der Schweiz, wobei er die Zeit vom 10. Juni 2001 bis zum 12. April 2004 im Strafvollzug verbrachte, was die Dauer seines Aufenthalts relativiert. Von einer gelungenen Integration in der Schweiz kann beim Beschwerdeführer schon aufgrund seiner regelmässigen Verstösse gegen die Rechtsordnung nicht gesprochen werden. Auch die in der Beschwerdeschrift geltend gemachten Umstände bilden keine Indizien, welche auf eine besondere Verwurzelung in der Schweiz hindeuten würden. Die von ihm gepflegten sozialen Beziehungen beschränken sich, abgesehen von jenen zu seiner Familie (Eltern und Geschwister sowie weitere in der Schweiz lebende Angehörige; vormalige Ehefrau und gemeinsames Kind aus erster Ehe), in erster Linie auf die Kontakte im Rahmen seines Engagements als Mitglied einer anatolischen Musikgruppe; es fehlen Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer auch Bekanntschaften ausserhalb des Kulturkreises seines Heimatlands, namentlich zu Schweizern, pflegt. Der Einwand, dass dem Beschwerdeführer die Türkei, wo er seine gesamte Kindheit und Jugend bis zum 16. Altersjahr verbracht hat und mit deren Sprache er vertraut ist, ein fremdes Land geworden sei, dessen Gepflogenheiten er nicht mehr kenne, vermag insoweit nicht zu überzeugen. Nach den verbindlichen Feststellungen des Verwaltungsgerichts hat sich der Beschwerdeführer hierzulande auch nicht nachhaltig beruflich integriert; offenbar ist er denn auch weiterhin auf Arbeitslosenentschädigung angewiesen. Seit 1996 ist der Beschwerdeführer wiederholt und in immer kürzeren Abständen straffällig geworden, wobei es zu Schuldsprüchen wegen immer schwererer Delikte kam. Auffällig ist die Unempfindlichkeit des Beschwerdeführers gegenüber den tendenziell stetig erhöhten Strafen, welche im Rahmen der sieben Straferkenntnisse gegen ihn ausgefällt wurden und ihn nicht von der Begehung weiterer Straftaten haben abhalten können. Darin offenbart sich eine inakzeptable Gleichgültigkeit gegenüber der Rechtsordnung des Gaststaates. Mit Recht geht die Vorinstanz auch nach verbüsster Strafe von einer bestehenden Rückfallgefahr aus, welche angesichts der gravierenden Delikte und den auf dem Spiele stehenden Rechtsgütern nicht hinzunehmen ist. Wiewohl es für den Beschwerdeführer hart sein mag, nach Jahren wieder in sein Heimatland zurückkehren zu müssen, erscheint die Ausweisung angesichts seines strafrechtlichen Vorlebens nicht als unverhältnismässig; sie bildet namentlich nicht eine zu einschneidende Massnahme, welche der beantragten blossen Verwarnung hätte weichen müssen bzw. lediglich für die Dauer von zwei Jahren hätte angeordnet werden dürfen. Nach dem Gesagten überwiegt das sicherheitspolizeiliche Interesse an der Entfernung und Fernhaltung des Beschwerdeführers seine privaten Interessen an einem weiteren Verbleib in der Schweiz. 3.3 Wohl fallen die gegenläufigen Interessen seiner ebenfalls in der Schweiz niedergelassenen minderjährigen Tochter aus erster Ehe ins Gewicht, welche bei ihrer Mutter lebt und zu der der Beschwerdeführer eine gelebte Beziehung unterhält. Zunächst ist jedoch festzuhalten, dass die Tochter nicht unter der elterlichen Sorge des Beschwerdeführers, sondern unter jener seiner früheren Ehefrau steht; die vorliegend streitige fremdenpolizeiliche Entfernungsmassnahme betrifft demzufolge lediglich das von ihm wahrgenommene Besuchsrecht, welches sich bis zu einem gewissen Grad auch durch telefonische oder briefliche Kontakte bzw. allfällige Besuchsaufenthalte im Heimatland aufrechterhalten bzw. kompensieren lässt. Die Schwere der begangenen Delikte lässt eine besondere Rücksichtnahme nicht zu. Das Verschulden des Beschwerdeführers wiegt derart schwer, dass seine Ausweisung ungeachtet der Auswirkungen auf die Beziehung zur Tochter als verhältnismässig erscheint und vor Art. 8 EMRK standhält. Nichts anderes ergibt sich im Übrigen aus den mitangerufenen Bestimmungen des UNO-Pakts II (SR 0.103.2) bzw. der Kinderrechtekonvention (SR 0.107). 3.4 Nach dem Gesagten hat das Verwaltungsgericht die Zulässigkeit der verfügten Ausweisung zu Recht bejaht. Eine Verletzung von Bundesrecht liegt nicht vor. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist demzufolge als unbegründet abzuweisen.