Citation: 1C_482/2015 E. 3.3

3.3. Im vorliegenden Fall gelangt nicht die Regel von Art. 22 Abs. 3 SVG zur Anwendung, wonach im Zweifelsfall die Behörde zuständig ist, die das Verfahren eingeleitet hat, da es sich beim Beschwerdeführer nicht um einen Fahrzeugführer ohne Wohnsitz in der Schweiz handelt. Massgeblich ist vielmehr die Rechtsprechung zu Art. 22 Abs. 1 SVG bei einem Wohnsitzwechsel des Fahrzeugführers während des Verfahrens. Wie der Beschwerdeführer geltend macht, haben die Administrativbehörden nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Regelfall den Abschluss des Strafverfahrens abzuwarten (BGE 119 Ib 158 E. 2c/bb S. 161 f.) und sind grundsätzlich, wenn auch nicht zwingend immer, an die Tatsachenfeststellungen aus dem Strafverfahren gebunden (BGE 121 II 214). Das ändert aber nichts an der örtlichen Zuständigkeit für das Verwaltungsverfahren. Würde der Auffassung des Beschwerdeführers gefolgt, könnte sich die Zuständigkeit im Verlauf des Verwaltungsverfahrens ändern, im Extremfall, namentlich bei wiederholtem Wechsel des Wohnsitzes, sogar mehrmals. Nach jeder Verlegung des Wohnsitzes könnte sich mit jeder zusätzlichen Beweiserhebung eine neue Situation und eine andere Zuständigkeit ergeben. Es ist offensichtlich, dass das nicht effizient ist, denn jedes Mal müsste das Verfahren wieder neu aufgegleist und durchgeführt werden. Die Fixierung der Zuständigkeit verfolgt denn auch vorrangig drei Ziele: Erstens soll ein unnötiger Zusatzaufwand durch die Wiederholung von bereits an einem anderen Ort vorgenommenen Verfahrensschritten vermieden werden. Zweitens geht es darum, den Einfluss des Fahrzeugführers auf die Bestimmung der Zuständigkeit zu beschränken; diese soll sich durch objektive Kriterien ergeben und nicht subjektiv beeinflusst bzw. ausgewählt werden können. Und drittens soll eine einzige Behörde das Verfahren von dessen Anfang an bis zum Ende leiten und entsprechend den Gesamtüberblick wahren und die Verantwortung für das ganze Verfahren tragen. Insofern spielt genauso wenig wie im Strafverfahren eine Rolle, ob bei längerer Verfahrensdauer im Entscheidzeitpunkt noch ein geografischer oder persönlicher Bezug zur entscheidenden Administrativbehörde besteht oder nicht.