Citation: 1C_341/2022 E. 2.1

2.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung darf eine materiell unrichtige Verfügung nach Ablauf der Rechtsmittelfrist grundsätzlich nicht widerrufen werden, wenn das Interesse am Vertrauensschutz gegenüber dem Interesse an der richtigen Anwendung des objektiven Rechts überwiegt. Dies trifft in der Regel zu, wenn durch die Verfügung ein subjektives Recht begründet worden oder die Verfügung in einem Verfahren ergangen ist, in dem die sich gegenüberstehenden Interessen allseitig zu prüfen und gegeneinander abzuwägen waren, oder wenn eine Privatperson von einer ihr durch die Verfügung eingeräumten Befugnis bereits Gebrauch gemacht hat (BGE 137 I 69 E. 2.3; 143 II 1 E. 5.1; je mit Hinweisen). Vor Ablauf der Rechtsmittelfrist ist der Widerruf einer Verfügung jedoch nicht denselben (strengen) Voraussetzungen unterworfen, da das Gebot der Rechtssicherheit und der Vertrauensgrundsatz bis zum Eintritt der formellen Rechtskraft der Verfügung nicht die gleiche Bedeutung haben wie nach diesem Zeitpunkt. Solange die Rechtsmittelfrist nicht abgelaufen ist, darf daher die Behörde in der Regel auf eine Verfügung zurückkommen, ohne dass besondere Voraussetzungen erfüllt sein müssen (BGE 121 II 273 E. 1a/aa mit Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt auch für Steuerveranlagungen (BGE 121 II 273 E. 1a/bb).