Citation: 6P.55/2001 26.06.2001 E. 7

7.- Der Beschwerdeführer bringt schliesslich vor, die Vorinstanz habe seine Schadenersatzforderung zu Unrecht nur dem Grundsatze nach gutgeheissen und sie in Bezug auf die Höhe auf den Zivilweg verwiesen (Beschwerde, S. 7-11). a) Der Beschwerdeführer machte im kantonalen Verfahren mit Schreiben vom 3. Mai 1999 neben einer Genugtuung Fr. 3'000.-- Erwerbsausfall durch Arbeitsunfähigkeit während insgesamt 3 3/4 Tagen sowie Fr. 600.-- Erwerbsausfall infolge medizinischer Behandlung geltend. Für den Erwerbsausfall verwies er auf seine reduzierte Arbeitsfähigkeit in der Zeit vom 1.-9. Februar 1999. Auch machte er aufmerksam, dass er mit einem Pensum von 45 % als Gerichtssekretär und im restlichen Umfang als selbständiger Anwalt tätig sei, so dass sich der Verdienstausfall je hälftig auf beide Pensen verteile. Der Erwerbsausfall infolge Arbeitsunfähigkeit belaufe sich für seine Anwaltstätigkeit auf insgesamt 15 Stunden, für welche die "üblichen Fr. 200.--" einzusetzen seien. Für die Arztbesuche betrage der Zeitaufwand mindestens 3 Stunden, die ebenfalls mit einem Stundenansatz von Fr. 200.-- zu entschädigen seien. b) Grundsätzlich untersteht die Regelung des Strafverfahrens der kantonalen Verfahrenshoheit. Im OHG werden jedoch einzelne Mindestgarantien verankert. So kann sich das Opfer nach Art. 8 Abs. 1 OHG am Strafverfahren beteiligen. Es kann insbesondere seine Zivilansprüche geltend machen (lit. a). Damit wird das Recht des Opfers gewährleistet, Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche, die auf die Straftat zurückgehen, im Strafverfahren geltend zu machen. Das Opfer soll in einem einfachen und möglichst raschen Verfahren ohne grosses Kostenrisiko zu seinem Recht kommen und nicht neben dem oft belastenden Strafprozess noch in einem zweiten Prozess mit den Folgen der Straftat konfrontiert werden (BGE 123 IV 78 E. 2a). Art. 9 OHG bestimmt Folgendes: Solange der Täter nicht freigesprochen oder das Verfahren nicht eingestellt ist, entscheidet das Strafgericht auch über die Zivilansprüche des Opfers (Abs. 1). Das Gericht kann vorerst nur im Strafpunkt urteilen und die Zivilansprüche später behandeln (Abs. 2). Würde die vollständige Beurteilung der Zivilansprüche einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern, so kann das Strafgericht die Ansprüche nur dem Grundsatz nach entscheiden und das Opfer im Übrigen an das Zivilgericht verweisen. Ansprüche von geringer Höhe beurteilt es jedoch nach Möglichkeit vollständig (Abs. 3). Art. 9 OHG geht vom Grundsatz aus, dass das Strafgericht auch über die Zivilansprüche des Opfers entscheidet, solange der Täter nicht freigesprochen oder das Verfahren nicht eingestellt ist. Um eine ungebührliche Komplikation und Verzögerung des Verfahrens im Strafpunkt zu vermeiden, werden jedoch verschiedene Milderungen dieses Grundsatzes vorgesehen. Art. 9 Abs. 2 OHG gibt dem Gericht die Möglichkeit, über den Zivilpunkt erst nach dem Entscheid über den Strafpunkt in einem gesonderten Verfahrensschritt, jedoch noch im gleichen (Straf-)Verfahren zu entscheiden. Eine andere Einschränkung des in Art. 9 Abs. 1 OHG erwähnten Grundsatzes ergibt sich aus Art. 9 Abs. 3 OHG. In komplizierten Fällen muss es dem Strafgericht möglich sein, die Zivilklage dem Grundsatz nach gutzuheissen, d.h. ohne den Betrag der Forderung zu bestimmen, und das Opfer im Übrigen an das Zivilgericht zu verweisen. Das Strafgericht kann sich so gegebenenfalls lange und schwierige Untersuchungen über Fragen ersparen, die keinen Einfluss auf den Entscheid im Strafpunkt haben (z.B. die genaue Berechnung einer Invalidenrente; eingehend zum Ganzen BGE 123 IV 78 E. 2a und b m.N.; vgl. auch BGE 122 IV 37 E. 2c). c) Die Vorinstanz hat sich eingehend mit den Zivilforderungen des Beschwerdeführers auseinander gesetzt und überzeugend begründet, weshalb ihre Bemessung mit einem unverhältnismässig hohen Aufwand verbunden wäre (angefochtenes Urteil, S. 14 ff.). Ein Entscheid über die Höhe der Zivilforderungen wäre der Vorinstanz selbst dann noch nicht möglich gewesen, wenn sie die letzten Steuerausweise des Beschwerdeführers und - sofern vorhanden - seine Buchhaltung beigezogen hätte, war doch der Bestand der Forderungen gänzlich in Frage gestellt. So hätte die Vorinstanz insbesondere näher abklären müssen, ob und inwieweit der Beschwerdeführer durch die ihm von der Winterthur-Versicherungen unter dem Titel "Ersatzwagen + Umtriebsentschädigung (Arbeitsausfall) pauschal" (kt. act. I 2) überwiesenen Fr. 3'000.-- auch für die hier geltend gemachten Erwerbsausfälle entschädigt wurde. Falls dies zu verneinen wäre, bliebe im Hinblick auf die Verhinderung einer doppelten Entschädigung abzuklären, ob gewisse Umtriebe im Zusammenhang mit der Beschaffung eines Ersatzfahrzeuges in der Zeit erfolgten, während welcher der Beschwerdeführer infolge mangelnder Konzentrationsfähigkeit nicht arbeitsfähig war. Ferner könnten die Arztbesuche des Beschwerdeführers während seiner Arbeitszeit als Unselbständigerwerbender oder zu Randzeiten stattgefunden haben, womit ein Erwerbsausfall von vornherein nicht gegeben wäre. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, müssten diese und weitere Beweisfragen genauer untersucht werden; dieser Aufwand stünde jedoch in keinem Verhältnis zum relativ einfachen Strafverfahren. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, ist unbehelflich. Er übergeht den Umstand, dass er es im kantonalen Verfahren - trotz genereller Einladung dazu (kt. act. 20) - unterlassen hat, ihm zugängliche Beweismittel wie Steuererklärungen oder Buchhaltung (vgl. angefochtenes Urteil, S. 16) ins Recht zu legen oder auch nur schon dem Gericht anzubieten (vgl. kt. act. 21 und Berufungsschrift vom 12. Juni 2000). Insoweit hätte es der Beschwerdeführer, selbst Jurist und darüber hinaus als Gerichtssekretär am Bezirksgericht Arbon tätig, in der Hand gehabt, die Belege einzureichen, aus denen seine durchschnittlichen Einkünfte aus seiner selbständigen Tätigkeit als Anwalt und folglich sein möglicher Verdienstausfall hätten abgeleitet werden können. Damit und angesichts der genannten weiteren offenen Beweisfragen unterscheidet sich der hier zu beurteilende Fall grundlegend von demjenigen in BGE 123 IV 78, weshalb der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Auf Grund der fehlenden Mitwirkung des Beschwerdeführers im Beweisverfahren sind an die Voraussetzungen für die Verweisung des Opfers an das Zivilgericht zur Bestimmung des Betrages der Forderungen keine allzu hohen Anforderungen zu stellen. Der von der Vorinstanz gewählte Weg gemäss Art. 9 Abs. 3 OHG verletzt kein Bundesrecht. Für die weiteren Einzelheiten kann auf die bundesrechtlich nicht zu beanstandenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 36a Abs. 3 OG).