Citation: 5A.1/2001 19.04.2001 E. 3

3.- Die Beschwerdeführer kritisieren, dass der Appellationshof wie schon die anderen kantonalen Vorinstanzen ihnen die Vorgehensweise bei der Aufnahme von R.E.________ vorhalten würden. Es dränge sich der Verdacht auf, dass mit der Bewilligungsverweigerung ihr eigenmächtig erscheinendes Verhalten sanktioniert werden solle. Es sei auch krass aktenwidrig, ihnen zu unterstellen, sie hätten erkennen sollen, bei der Aufnahme des ersten Pflegekindes S.E.________ nicht das korrekte Verfahren eingehalten zu haben. Der Vorwurf der Beschwerdeführer, sie mit der Bewilligungsverweigerung gewissermassen bestraft zu haben, läuft darauf hinaus, die Vorinstanzen hätten das an sich begründete Gesuch aus sachfremden Motiven abgewiesen. a) Kinder können zur Adoption oder aus anderen Gründen in Pflege genommen werden. Die Aufnahme eines ausländischen Kindes hat eine zivilrechtliche und eine ausländerrechtliche Seite; sie bedarf dementsprechend einer vormundschaftlichen (Art. 316 Abs. 1 ZGB und Art. 4 ff. Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern vom 19. Oktober 1977 [SR 211. 222.338, nachfolgend: PAVO]) sowie einer ausländerrechtlichen Bewilligung (Art. 35 Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer vom 6. Oktober 1986 [BVO, SR 823. 21] in Verbindung mit Art. 8b PAVO). Beide Bewilligungen müssen vor der Aufnahme des Kindes eingeholt werden (Art. 8 Abs. 1 und Art. 8b PAVO). b) Als R.E.________ am 29. März 1998 in die Schweiz einreiste, lagen die erforderlichen Bewilligungen noch nicht vor; das entsprechende Gesuch wurde erst am 19. August 1998 gestellt. Die Einreise von R.E.________ erfolgte denn auch nicht zur Aufnahme im Hinblick auf eine spätere Adoption; vielmehr war dem Knaben lediglich eine zeitlich begrenzte Kurzaufenthalterbewilligung zu Besuchszwecken erteilt worden. Es trifft zu, dass die Beschwerdeführer für das am 2. Februar 1996 in die Schweiz eingereiste Mädchen S.E.________ ebenfalls nachträglich, nämlich am 4. Juni 1996, das Gesuch um Aufnahme als Pflegekind zur späteren Adoption gestellt hatten. Den betreffenden Akten ist nicht zu entnehmen, dass den Beschwerdeführern damals die Unkorrektheit ihres Vorgehens bedeutet worden wäre; die Bewilligung war ihnen am 11. Juli 1996 vorbehaltlos erteilt worden. Es ist zwar in erster Linie Sache der Gesuchsteller, sich über die Modalitäten des Verfahrens im Einzelnen zu erkundigen. Freilich ist nicht auszuschliessen, dass sie sich bestärkt gefühlt hatten, korrekt vorzugehen, nachdem ihr Vorgehen beim ersten Gesuch nicht beanstandet worden war. Es fällt allerdings auf, dass der Aufenthaltszweck in der Aufenthaltsbewilligung für S.E.________ nicht wie bei R.E.________ mit dem Besuch der Beschwerdeführer, sondern mit "Pflegekind" umschrieben worden war. c) Wie die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern in ihrem Entscheid vom 22. September 2000 ausdrücklich erwähnte, wurden in Anbetracht der besonderen Umstände und abweichend vom üblichen Verfahren trotz Anwesenheit des Knaben die für das Bewilligungsverfahren notwendigen Abklärungen durchgeführt. Wenn auch alle Vorinstanzen den Umstand anführen, dass das Vorgehen der Beschwerdeführer nicht verordnungskonform war, so begründen sie die Gesuchsabweisung nicht damit, sondern mit dem Fehlen der für die Erteilung der Aufnahmebewilligung erforderlichen materiellen Voraussetzungen, aber auch mit dem Fehlen der Erklärung der Behörden des Herkunftsstaates (E. 4). Die sinngemäss erhobene Rüge, die Bewilligung sei aus sachfremden Motiven verweigert worden, ist deshalb unbegründet.