Citation: U 297/05 16.08.2006 E. 2.3

2.3.1 Gemäss Verordnung über die Sicherheitsdatenblätter für Gifte und umweltgefährliche Stoffe vom 9. November 1998 (SR 813.013.4, in Kraft gestanden bis 31. Juli 2005) haben die Hersteller gefährlicher Produkte den Verwendern Datenblätter zu den einzelnen Stoffen abzugeben. Sie enthalten unter anderem Angaben über die zulässigen maximalen Arbeitsplatz-Konzentrationen (MAK-Werte) und die erforderlichen Schutzmassnahmen. Für den Stoff Toluol beträgt der MAK-Kurzzeitwert 760 mg/m3 und der Langzeitwert 190 mg/m3 (Stand: Januar 2003). Als persönliche Schutzausrüstung werden lösemittelbeständige Handschuhe, eine dicht schliessende Schutzbrille sowie eine Arbeitsschutzkleidung genannt; als Atemschutz ist bei kurzzeitiger oder geringer Belastung ein Atemfiltergerät und bei intensiver bzw. längerer Exposition ein umluftunabhängiges Atemschutzgerät zu verwenden. 2.3.2 Die Messungen anlässlich der am 21. November 2002 durchgeführten Abklärung im Betrieb ergaben für die meisten Räume und Arbeitsplätze Werte unter 50 ppm; lediglich im Arbeitsraum neben der Fassreinigungsanlage wurde am Riffelblech (d.h. am Boden, unmittelbar über dem Tank mit dem Destillationssumpf) ein Wert von 100 - 160 ppm und in einem der Schächte im Bereich der Deckelfass-Reinigung ein solcher von 200 - 250 ppm gemessen. Laut Bericht des Dr. G.________ über die "Arbeitsplatzbeurteilung aus technischer Sicht" vom 14. Juli 2003 wurde das Messgerät (Photoionisationsdetektor, PID) mit Isobuten geeicht, weshalb die Ergebnisse unter Annahme einer ausschliesslichen Einwirkung von Toluol zu halbieren sind. Gemäss den erfolgten Messungen erreichte die Toluolkonzentration weder die für akute noch für chronische Vergiftungen geltenden Grenzwerte. Es fragt sich indessen, ob die Messwerte für die effektiven Expositionen als repräsentativ gelten können. Diesbezüglich ist festzustellen, dass die Messungen längere Zeit nach dem Austritt des Beschwerdeführers aus dem Betrieb und - auf Voranmeldung - offenbar in einem Zeitpunkt vorgenommen wurden, als die Reinigungsanlagen nicht im Vollbetrieb standen. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden zudem Einwendungen hinsichtlich der angenommenen Schadstoffexpositionen vorgebracht. Insbesondere wird geltend gemacht, entgegen den arbeitsmedizinischen Annahmen habe der Beschwerdeführer regelmässig halbe bis ganze Tage in Unterflurtankräumen oder der Anlagegrube zur Kettenreinigungsanlage gearbeitet; zudem habe er praktisch täglich Reinigungsarbeiten unter Verwendung von mit Toluol getränkten Putzlappen vorgenommen. Aus der vom Beschwerdeführer verfassten Übersicht über die mit Toluol durchgeführten Reinigungs- und Unterhaltsarbeiten geht indessen hervor, dass er nicht täglich mit diesem Stoff arbeitete und sich die Verwendung von Toluol oft auf die Verdünnung von Farben beschränkte. Dennoch verbleiben bezüglich Expositionsdauer und Konzentration der Toluol-Einwirkungen Ungewissheiten, welche auch durch weitere Abklärungen nicht zu beheben sind. Unklarheiten bestehen auch hinsichtlich der Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Nach den Angaben des Beschwerdeführers verwendete er bei den Unterhaltsarbeiten in den Tanks, welche mehrere Tage dauerten, anfänglich nur Staubmasken. Erst nach der Hospitalisation vom Juli 2001 trug er eine Schutzmaske mit Aktivkohlefilter, nicht aber ein umluftunabhängiges Atemschutzgerät, wie es bei intensivem oder längerem Kontakt mit Toluol (und gewissen anderen Lösungsmitteln) vorgeschrieben ist. In der Stellungnahme zur Einsprachebegründung vom 7. Juli 2004 führt Dr. G.________ aus, auch Atemfiltergeräte würden Schutz bieten, und bei den Arbeiten in den Tankräumen und Schächten hätte eine ausreichende Lüftung eingerichtet werden sollen, womit die Lösemittelkonzentration so weit reduziert worden wäre, dass das Tragen eines umgebungsunabhängigen Atemschutzgerätes nicht erforderlich gewesen wäre. Dass entsprechende Vorkehren getroffen wurden, ist indessen nicht erstellt. 2.3.3 Der Beschwerdeführer hat - mit krankheitsbedingten Unterbrüchen - zwar lediglich vom 12. März 2001 bis 25. März 2002 (letzter Arbeitstag) bei der Firma A.________ AG gearbeitet, doch ist aufgrund der arbeitstechnischen Abklärungsergebnisse nicht auszuschliessen, dass er beruflich bedingt erkrankt ist. So geht auch Dr. G.________ davon aus, dass die MAK-Werte für Toluol nicht immer eingehalten wurden (Bericht des Dr. G.________ vom 14. Juli 2003). Zudem ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer mehreren, zum Teil nicht näher bekannten gesundheitsschädigenden Stoffen ausgesetzt war, deren Kombination möglicherweise eine additive Wirkung hatte. Weil von weiteren Abklärungen hinsichtlich der Schadstoffexpositionen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten wären (vgl. auch Bericht des Dr. G.________ vom 14. Juli 2003), ist diesbezüglich von weiteren Beweisvorkehren abzusehen (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b) und aufgrund der vorhandenen Akten, insbesondere den ärztlichen Beurteilungen zu entscheiden, ob der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen den bestehenden Beschwerden und den Einwirkungen am Arbeitsplatz mit dem erforderlichen Beweisgrad gegeben ist.