Citation: 5A_93/2022 E. 4.2

4.2. Wie die Vorinstanz richtig erkannt hat, hat die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK in einer Angelegenheit wie der vorliegenden grundsätzlich Anspruch auf eine (publikums-) öffentliche Verhandlung. Sodann hat die Beschwerdeführerin nicht (ausdrücklich oder stillschweigend) auf eine derartige Verhandlung verzichtet und kann die Öffentlichkeit im vorliegenden hoheitlich geprägten Kindesschutzverfahren nicht pauschal mit Hinweis auf den in der Konventionsbestimmung als Ausnahmetatbestand vorgesehenen "Schutz des Privatlebens" vom Verfahren ausgeschlossen werden. Ein (ausnahmsweiser) Ausschluss der Öffentlichkeit bedarf vielmehr spezieller Gründe (BGE 144 III 442 E. 2.2; Urteil 5A_723/2019 vom 4. Mai 2020 E. 3.2). Ein solcher Grund liegt etwa in der Beeinträchtigung der Gesundheit und Entwicklung des Kindes (BGE 142 I 188 E. 3.1.2). Ob ein Ausschlussgrund gegeben ist, beurteilt sich aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls. Bei der im Rahmen dieses Entscheids vorzunehmenden Gewichtung und Abwägung der massgebenden Umstände steht dem Sachgericht ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, in den das Bundesgericht nur mit Zurückhaltung eingreift (BGE 144 III 442 E. 2.6). Aus dem ebenfalls in Art. 6 Ziff. 1 EMRK enthaltenen Anspruch auf ein faires Verfahren, worunter der Anspruch auf rechtliches Gehör fällt, folgt ausserdem die Pflicht des Gerichts, die Partei persönlich und/oder mündlich anzuhören, wenn es unter den gegebenen Umständen entscheidend ist, dass es einen persönlichen Eindruck über die Partei gewinnen kann (BGE 142 I 188 E. 3.3 [einleitend]). Weil der Anspruch, persönlich angehört zu werden, nur unter bestimmten Bedingungen besteht, obliegt es der Partei, die sich darauf beruft, darzulegen, inwiefern diese Voraussetzungen gegeben sind (BGE 142 I 188 E. 3.3.1).