Citation: 1P.611/2000 28.11.2000 E. 3

3.- Nach § 127 StPO kann die Untersuchungsbehörde ein Gutachten verbessern lassen oder ein weiteres Gutachten einholen, wenn ein Gutachten unvollständig, ungenau oder undeutlich ist oder verschiedene Gutachter unterschiedliche Ansichten vertreten. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist es keineswegs willkürlich, diese Bestimmung nur auf amtliche, nicht aber auf Parteigutachten anzuwenden. Bei letzteren handelt es sich um von der Partei selber eingeholte sogenannte Privatgutachten, denen rechtlich nur die Tragweite von Parteibehauptungen zukommen kann. Dass sich Dr. Sandfuchs teilweise auf ein von ihm früher zuhanden der Truppenärzte verfasstes und in dem Sinne amtliches Gutachten stützt, ändert nichts daran, dass er den Beschwerdeführer in der Folge in dessen Auftrag behandelt und dem Gericht unverlangt ein privates Gutachten eingereicht hat. Seine Rechtsstellung in diesem Verfahren ist daher nicht vergleichbar mit den unter Hinweis auf Art. 307 StGB in die Pflicht genommenen Gerichtsgutachtern, weshalb das Kassationsgericht nicht in Willkür verfallen ist, indem es bei der Anwendung von § 127 StPO zwischen Partei- und amtlichen Gutachten unterschied und es ablehnte, ein weiteres Gutachten einzuholen. Die Rüge ist unbegründet. Dies ändert nichts daran, dass amtliche und private Gutachten grundsätzlich in gleicher Weise der freien Beweiswürdigung unterliegen (§ 284 StPO, Art. 249 BStP). Es ist daher im Folgenden zu prüfen, ob die Würdigung der Gutachten Kiesewetter und Sandfuchs durch das Kassations- und das Obergericht vor der Verfassung standhält.