Citation: 1C_179/2021 E. 4.3

4.3. Diese Argumentation bzw. Auslegung der Gemeinde ist grundsätzlich nachvollziehbar. Es leuchtet jedenfalls nicht ein, weshalb ein ebenfalls der Fassade vorgelagerter gestaffelter Bau anders als ein Balkon behandelt werden soll, mithin von einer Privilegierung hinsichtlich des Grenzabstands profitieren können sollte. Daran ändert nichts, dass ein Balkon nach der Auffassung der Vorinstanz nicht massgebend sein könne, da er der Fassade vorgelagert und nicht Bestandteil derselben sei. Grenzabstände erfüllen, neben einer nachbarschützenden sowie gestalterischen, ästhetischen, siedlungsstrukturierenden und sozialen Funktion, primär feuer- und ordnungspolizeiliche sowie wohnhygienische Aufgaben. Wie von der Gemeinde und der Beschwerdeführerin vorgebracht, ist daher nur schwer verständlich, weshalb eine Konstruktion mit massiven, fassadenähnlichen Bauteilen als in der Höhe gestaffelter Baukörper zu betrachten wäre, bei welcher die Höhe jeder Einheit gemäss § 60 Abs. 5 PBG/SZ gesondert gemessen würde, während ein Balkon mit einer filigranen Abstützung den vollen Grenzabstand einhalten muss, da dort die Fassadenhöhe des gesamten (Haupt-) Gebäudes entscheidend sein soll. Diese Interpretation des einschlägigen Baurechts zu den Grenzabständen durch die Vorinstanz erscheint sinnwidrig. Dies gilt umso mehr, als die betreffende Gemeinde über eine langjährige, konstante Praxis verfügt, wonach sie den Grenzabstand bei Balkonen in Analogie zu § 60 Abs. 5 PBG/SZ berechnet. Unter diesen Umständen ist es vorliegend nicht nachvollziehbar, weshalb ein Balkon, der im Gegensatz zu einer Anbaute viel weniger in Erscheinung tritt, einen grösseren Grenzabstand aufweisen soll als eine gestaffelte Baute mit einem grösseren Störpotenzial. Eine Privilegierung von gestaffelten Bauten gegenüber Balkonen erscheint hier nicht gerechtfertigt. Indem die Vorinstanz erwog, die geplante Balkonerweiterung könne nicht analog einer in der Höhe gestaffelten Baute betrachtet werden, weshalb die von der Vorderkante der Balkonkonstruktion zurückversetzte Fassade für die Bemessung des Grenzabstands der Balkonerweiterung massgebend sei, hat sie das massgebliche Recht willkürlich ausgelegt bzw. angewendet (vgl. allg. zum Willkürbegriff: BGE 143 I 321 E. 6.1; 142 V 513 E. 4.2). Ihre Auslegung betreffend die Messmethode des baurechtlichen Mindestabstands ist angesichts der vorliegenden konstanten und langjährigen Praxis der betroffenen Gemeinde und der sachlich nicht nachvollziehbaren Unterscheidung zwischen Balkonen und gestaffelten Bauten offensichtlich stossend und damit willkürlich.