Citation: 9C_339/2021 E. 4.5.4

4.5.4. 4.5.4.1. Zu prüfen ist ein leidensbedingter Abzug, dessen "überragende Bedeutung als Korrekturinstrument bei der Festsetzung eines möglichst konkreten Invalideneinkommens" das Bundesgericht in BGE 148 V 174 E. 9.2.2 und 9.2.3 betonte. 4.5.4.2. Ärztlicherseits wurdenerhöhte Anforderungen an die Stresstoleranz und die emotionale Belastbarkeit ausgeschlossen. Diesen qualitativen Anforderungen an eine angepasste Tätigkeit wird Rechnung getragen, indem für das Invalideneinkommen der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 2 herangezogen wird (vgl. vorangehende E. 4.3.3). Dieser ist rund 21 % niedriger als der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 3, der nicht (mehr) zumutbare komplexe praktische Tätigkeiten mit entsprechend hohen Belastungen erfasst. Weshalb darüber hinaus für die behauptete "eingeschränkte" emotionale Belastbarkeit ein Abzug vom Tabellenlohn angezeigt sein soll, wird nicht substanziiert dargelegt. Solches ergibt sich insbesondere nicht aus der vom Beschwerdeführer angerufenen Rechtsprechung (Urteile 8C_557/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 3.5; 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E. 3.4), zumal in concreto Zeit- und Leistungsdruck nicht per se unzumutbar sind. 4.5.4.3. Die Rechtsprechung trägt mit dem Kriterium "Dienstjahre" dem Umstand Rechnung, dass die Lohnhöhe oft von der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängt, womit eine versicherte Person, die gesundheitlich bedingt in einem Betrieb neu anfangen muss, insofern kaum einen allgemeinen Durchschnittslohn erhalten wird. Jedoch ist in dieser Hinsicht zu berücksichtigen, dass sich das Anfangseinkommen im Rahmen einer neuen Arbeitsstelle in der Regel nicht isoliert nach der Anzahl Dienstjahre, sondern u.a. auch aufgrund der mitgebrachten Berufs- bzw. Branchenerfahrungen bestimmt. Die Bedeutung der Dienstjahre nimmt im privaten Sektor ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist. Im Rahmen des niedrigsten Kompetenzniveaus kommt der langen Betriebszugehörigkeit praxisgemäss keine relevante Bedeutung zu (BGE 126 V 75 E. 5a/cc mit Hinweis auf AHI 1999 S. 177, I 593/98 E. 3b; Urteile 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E. 4.2.3.3; 9C_874/2014 vom 2. September 2015 E. 3.3.2; 9C_386/2012 vom 18. September 2012 E. 5.2). Ein wegen fehlender Dienstjahre bzw. fehlender Berufserfahrung unter dem Medianwert liegendes Bruttoeinkommen ist indessen nicht ohne Weiteres bei der Höhe des Abzuges vom Tabellenlohn zu berücksichtigen. Vielmehr ist in solchen Konstellationen auch der verbleibenden Erwerbsdauer bis zum Erreichen des AHV-Rentenalters Rechnung zu tragen: Ist diese nur noch relativ kurz, so dass im verbleibenden Erwerbshorizont der Medianwert kaum noch erreicht bzw. überschritten und insgesamt nur ein (deutlich) unterdurchschnittlicher Lohn erzielt werden kann, ist dieser Gesichtspunkt bei der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn zu gewichten (Urteil 9C_874/2014 vom 2. September 2015 E. 3.3.2 mit Hinweis auf Urteil U 191/99 vom 24. Januar 2001 E. 5b/cc). Hier verfügt der Beschwerdeführer nicht nur über eine (wenn auch länger zurückliegende) tertiäre Ausbildung, sondern auch über eine lange Berufserfahrung (vgl. vorangehende E. 4.3.3). Im massgebenden Zeitpunkt des Einkommensvergleichs verblieb ihm eine Erwerbsdauer von rund 13 Jahren. Zwar verdienen Männer in den ersten vier Dienstjahren unterdurchschnittlich, während bereits ab fünf Dienstjahren ein überdurchschnittlicher Bruttolohn erzielt werden kann (vgl. Urteil 9C_874/2014 vom 2. September 2015 E. 3.3.2 für das Jahr 2010; vgl. auch die vom BfS eingeholte Spezialauswertung LSE 2016 und 2018, Monatlicher Bruttolohn nach Dienstjahren und Geschlecht, privater Sektor). Weshalb bei diesen Gegebenheiten mit Blick auf Tätigkeiten im Kompetenzniveau 2 über eine längere Zeitspanne resp. über die verbleibende Erwerbsdauer gerechnet von einem unterdurchschnittlichen Lohn ausgegangen werden müsste, wird nicht dargelegt und erschliesst sich auch nicht. Folglich ist kein Abzug wegen fehlender Dienstjahre bzw. fehlender Berufserfahrung angezeigt. 4.5.4.4. Das Bundesgericht gewährte unter dem Titel Absenz vom Arbeitsmarkt nur selten einen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. die Hinweise in Rz. 563 ff. des Rechtsgutachtens). In concreto steht fest, dass der Versicherte bis zum letzten effektiven Arbeitstag am 31. August 2015 als Sportlehrer an zwei Berufsschulen stets erwerbstätig war; die Arbeitsverhältnisse wurden erst auf Januar 2018 aufgelöst. Die - lediglich faktische - arbeitsmarktliche Desintegration dauerte bis zum hier entscheidenden Zeitpunkt des Rentenbeginns (1. September 2016) ein Jahr. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, inwieweit sich seine Ausführungen betreffend Lohnminderung bei Personen, die drei oder mehr Jahre nicht arbeitstätig waren, auf diese Situation übertragen lassen. Aus der Medienmitteilung des BfS vom 18. November 2019 zur Situation der ausgesteuerten Personen 2014-2018 (abrufbar unter: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/aktuell/medienmitteilungen.gnpdetail.2019-0483.html) ergibt sich zwar, dass der Medianlohn für Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe resp. für Bürokräfte und kaufmännische Angestellte nach einer Aussteuerung im Vergleich zu allen Arbeitnehmenden (in den entsprechenden Berufen) um rund 17,5 resp. 12,9 % niedriger ausfällt (a.a.O., S. 6). Soweit dieser Effekt auch hier zum Tragen kommt, scheint er bereits durch die Wahl des niedrigeren Kompetenzniveaus 2 erfasst zu sein. Jedenfalls leuchtet nicht ein, und der Beschwerdeführer führt auch nicht aus, weshalb bei den konkreten Gegebenheiten die arbeitsmarktliche "Desintegration" im Vergleich zum berücksichtigten Tabellenlohn zu einer zusätzlichen Lohneinbusse führen sollte. 4.5.4.5. Dass aus einem anderen Grund ein leidensbedingter Abzug angebracht sein soll, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht.