Citation: 4A_511/2023 E. 3.2.3

3.2.3. Nicht überzeugend sei sodann das Argument der Beschwerdeführerin, wonach das Material der Gewindebolzen anhand eines Musters bestimmt worden sei. Aus einem von der Beschwerdegegnerin an die Beschwerdeführerin gesandten E-Mail vom 2. April 2022 gehe hervor, welchem Zweck das Muster bzw. insbesondere die auf dem Blech angebrachten Schweissbolzen gedient hätten, nämlich dem Ausprobieren des Gegenstücks. Zudem habe sich die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Mängelrüge selbst auf den Standpunkt gestellt, der Unterschied zwischen rostendem und nicht rostendem Material sei nicht augenscheinlich und nicht erkennbar. Ein Muster wäre in dieser Hinsicht daher sinnlos gewesen. Schliesslich habe die von der Beschwerdeführerin veranlasste Prüfung gezeigt, dass die verwendeten Gewindebolzen auf dem Musterblech unterschiedliche Materialisierungen aufgewiesen hätten. Das tatsächlich zu verwendende Material hätte somit nach Vorliegen des Musters nach wie vor definiert werden müssen. Ferner sei nicht schlüssig, dass die Beschwerdeführerin eine angeblich so zentrale Eigenschaft der Gewindebolzen (rostfreies Material) lediglich einmal - anlässlich einer Besprechung vom 11. Februar 2022 - verlangt und solches weder vor- noch nachher je schriftlich erwähnt bzw. bestellt habe. Die pauschale Behauptung, die Parteien hätten bereits vor dem erwähnten Treffen "vereinbart", dass die Gewindebolzen zwingend aus rostfreiem Material bestehen müssten, sei unbelegt und daher unbeachtlich. Die Beschwerdeführerin habe nicht dargetan, wo, von wem und in welcher Form dies vereinbart worden wäre. Hinzu komme, dass die Kupferbeschichtung der verwendeten Gewindebolzen einen gewissen Korrosionsschutz biete, sofern er porendicht sei. Die Beschwerdeführerin lege nicht dar, wie genau die Voraussetzung der "Rostfreiheit" der Bolzen vereinbart worden sei. Sie habe gar ausgeführt, es sei der Beschwerdegegnerin überlassen gewesen, ob die Bolzen verkupfert würden. Da die Verkupferung eines schon an sich rostfreien Stahls wirtschaftlich sinnlos wäre, habe die Beschwerdeführerin gar mit verkupferten Bolzen aus nicht rostfreiem Material rechnen müssen. Dies wäre seitens der Beschwerdegegnerin vertraglich zulässig gewesen, zumal diese gewusst habe, dass die Fassadenplatten samt Bolzen anschliessend von der C.________ AG einen zusätzlichen Korrosionsschutz erhalten würden. Hinsichtlich der Behauptung der Beschwerdeführerin, das Werk der Beschwerdegegnerin sei nicht zum Gebrauch tauglich, hielt die Vorinstanz fest, es sei unbestritten, dass die Fassadenplatten an sich nicht korrosionsbeständig seien und dass sie aus diesem Grund samt den streitgegenständlichen Gewindebolzen an die C.________ AG zu liefern waren. Erst durch deren Behandlung sollte der Korrosionsschutz gewährleistet werden. Die Korrosionsbeständigkeit des Rohprodukts der Beschwerdegegnerin sei daher nicht vorausgesetzt gewesen, was die Beschwerdeführerin nicht bestritten habe. Ansonsten wäre die Behandlung durch die C.________ AG nicht erforderlich gewesen. Folglich sei das von der Beschwerdegegnerin gelieferte Rohprodukt für den vereinbarten Gebrauch tauglich gewesen. Zu ergänzen sei, dass die Oberflächenbeschichtung der Gewindebolzen im Rahmen der Weiterverarbeitung stark reduziert oder abgetragen werde, sodass nur noch ein geringer Korrosionsschutz der Bolzen bestanden habe. Da unbestritten nicht die Beschwerdegegnerin die Bolzen weiterverarbeitet habe, wäre sie für einen dadurch resultierenden Mangel nicht verantwortlich.