Citation: 5A_801/2022 E. 5.5.1

5.5.1. Wo das Gesetz - wie bei Art. 125 Abs. 1 ZGB auch hinsichtlich der Dauer der nachehelichen Unterhaltspflicht - das Gericht auf sein Ermessen verweist, hat es seine Entscheidung nach Recht und Billigkeit zu treffen (Art. 4 ZGB). "Ermessen" bedeutet aber nicht entscheiden nach Belieben (Urteil 5A_615/2009 vom 20. Januar 2010 E. 2.2). Es obliegt dem Gericht, sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen und eine den besonderen Verhältnissen angepasste Lösung zu finden (BGE 132 III 97 E. 1 mit Hinweis). Das Gericht hat eine Abwägung der auf dem Spiel stehenden Interessen vorzunehmen (BGE 126 III 305 E. 4a mit Hinweisen) und sich am Ziel bzw. Zweck der infrage stehenden Gesetzesbestimmung zu orientieren (vgl. Urteil 4A_307/2019 vom 28. Februar 2020 E. 9: "[Le juge doit] tenir compte du but").