Citation: 6P.78/2006 27.09.2006 E. 7

Ein Schuldspruch gemäss Art. 125 StGB setzt unter anderem voraus, dass der strafbare Erfolg durch die Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht worden ist. Das sorgfaltswidrige Verhalten kann auch in einem Unterlassen bestehen, wenn der Täter aufgrund einer Garantenstellung die Rechtspflicht hat, die gebotene Handlung vorzunehmen. Die Abgrenzung zwischen Begehen und Unterlassen ist nicht immer leicht vorzunehmen und richtet sich im Zweifel nach dem Subsidiaritätsprinzip. Danach ist immer zuerst zu prüfen, ob ein aktives Tun vorliegt, das tatbestandsmässig, rechtswidrig und schuldhaft ist (BGE 129 IV 119 E. 2.2; 121 IV 109 E. 3b S. 120; 120 IV 265 E. 2b S. 271; 115 IV 199 E. 2a S. 203). Dem Beschwerdeführer ist in Anwendung dieses Subsidiaritätsprinzips - entgegen der Auffassung der Vorinstanz - eine Handlung und nicht eine Unterlassung vorzuwerfen, denn das Vermieten und die Übergabe des Mietsaales stellt eine Tätigkeit dar. Im angefochtenen Urteil (S. 15) wird die Garantenstellung denn unter anderem auch damit begründet, dass der Beschwerdeführer den Saal nicht ohne jegliche Kontrolle hätte weitervermieten dürfen. Der Umstand, dass er die Holzpodeste vor der Übergabe der Mietsache nicht entfernte, lässt sein Verhalten nicht als Unterlassen erscheinen, nachdem gleichzeitig eine Handlung vorliegt, an die der strafrechtliche Vorwurf angeknüpft werden kann und muss. Ist nach dem Gesagten aber von einem Begehungsdelikt und nicht von einem unechten Unterlassungsdelikt auszugehen, kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführer eine Garantenstellung innehatte.