Citation: 6B_1093/2021 E. 4.5.4

4.5.4. Schliesslich muss der Therapieform einer antihormonalen Behandlung nicht deswegen die deliktspräventive Eignung abgesprochen werden, weil der Sachverständige Dr. med. B.________ diese "als Hypothese" formuliert hat, mithin die wissenschaftliche Evidenz für diese Behandlung eher schwach ist. Dies bedeutet gemäss dessen mündlichen Erläuterungen einzig, dass die gefundenen Ergebnisse nicht in qualitativ guten Studien überprüft worden und damit (noch) nicht sehr belastbar sind. Es handelt sich mithin um eine hypothetische Meinung, die auch klinisch weitergetragen und beobachtet wird (Gutachten S. 106; Protokoll. S. 30 f.). Entscheidend ist indes, dass unter Berücksichtigung sämtlicher Ungewissheiten und Bedenken "eine Zusammenschau [ergibt, dass] unter dem Einsatz einer antihormonalen Behandlung die Massnahmefähigkeit [des Beschwerdegegners] möglicherweise als gegeben zu bezeichnen" ist und im Falle einer Etablierung einer solchen Behandlung längerfristig eine Chance zur Reduktion des Ausgangsrisikos besteht (Gutachten S. 103 und 106). Anhand dieser Prognosen der antihormonalen Behandlung die Geeignetheit abzusprechen und stattdessen die Verwahrung anzuordnen, bedeutete, nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben (vgl. HEER/HABERMAYER, in: Basler Kommentar StGB, Art. 1-136 StGB, 4. Aufl. 2019, N. 96 zu Art. 64 StGB).