Citation: 8C_475/2022 E. 4.4.2

4.4.2. Richtig ist zwar, dass der blosse Umstand, dass eine Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit von einem behandelnden Arzt stammt, nicht dazu führen darf, dass sie im Voraus als unbeachtlich eingestuft wird. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ignorierte die Vorinstanz aber weder die vier erfolgten Operationen am Bewegungsapparat noch die Berichte der behandelnden Psychiaterin Dr. med. D.________ und der anderen behandelnden Ärzte, wie diejenigen des Dr. med. E.________, Facharzt für Anästhesiologie, oder der Orthopädie F.________ AG. Die Vorinstanz ermittelte den rechtserheblichen medizinischen Sachverhalt willkürfrei und durfte beiden ZMB-Gutachten vollen Beweiswert zuerkennen. Was die anderlautende Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Ärzte anbelangt, insbesondere jene der Psychiaterin, befasste sich bereits das ZMB-Gutachten vom 14. März 2016 mit der Einschätzung von Dr. med. D.________. Die Gutachter hielten fest, die Psychiaterin gebe an, dass sich der Zustand in den letzten Jahren stetig verschlechtert habe. Sie wiesen aber gleichzeitig auf das sehr widersprüchliche Bild hin, welches die psychiatrische Untersuchung ergeben habe, und konnten die diagnostische Einordnung des Gesundheitsschadens von Dr. med. D.________ nicht teilen. Im ZMB-Gutachten vom 10. Februar 2020 fanden sich aus psychiatrischer Sicht rein klinisch nur wenige Einschränkungen. Es wurde hinsichtlich des gesundheitlichen Verlaufs ebenfalls auf die von Dr. med. D.________ festgestellten Diagnosen und Einschränkungen eingegangen und diese in Bezug auf das Vorgutachten als weitgehend identisch bezeichnet. Es ist zu betonen, dass ein Administrativgutachten nicht stets dann schon in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen ist, wenn behandelnde Ärzte zu einem anderen Ergebnis gelangen; vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil sie wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. SVR 2017 IV Nr. 49 S. 148, 9C_338/2016 E. 5.5; Urteil 8C_145/2022 vom 5. August 2022 E. 5.5). Inwiefern solche Aspekte aus den medizinischen Akten hervorgehen sollen, ist weder ersichtlich noch in der Beschwerde stichhaltig dargetan. Die abweichende Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit, namentlich durch Dr. med. D.________ und Dr. med. E.________, die von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit seit dem Jahr 2007 bzw. 2008 ausgehen, vermögen jedenfalls keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Verlaufsgutachtens zu begründen. Die von der Beschwerdeführerin letztinstanzlich eingereichten Berichte von Dr. med. D.________ vom 28. Juli 2022 und Dr. med. E.________ vom 25. Juli 2022 sind nach dem angefochtenen Entscheid entstanden und bleiben daher als unzulässige echte Noven (Art. 99 Abs. 1 BGG) für das Bundesgericht unbeachtlich (BGE 143 V 19 E. 1.2).