Citation: 9C_553/2020 E. 3

Das kantonale Gericht stellte in einlässlicher Würdigung der medizinischen Aktenlage fest, die Versicherte leide an einem proximalen Femurdefekt (Klassifikation Aitken C / Paley IIIB, d.h. schwerste Fehlbildung i.S. einer starken Verkürzung des Oberschenkelknochens). Für die Behandlung dieser extrem seltenen Fehlbildung gebe es dem Gerichtsgutachter zufolge drei relativ gleichwertige therapeutische Möglichkeiten: Fusion des Femurs mit dem Becken mittels Umdrehplastik; Fusion des Femurs mit dem Becken mittels Kings-Procedure; Superhip Procedure. Das übergeordnete Ziel, dem Kind eine altersentsprechende Mobilität zu ermöglichen, werde höchstwahrscheinlich mit sämtlichen Verfahren erreicht. Sämtliche der genannten Behandlungsoptionen seien zweckmässig, sie stabilisierten die Hüfte und würden eine prothetische Versorgung ermöglichen. Eine (spätere) Knochenverlängerung sei nur nach einem Superhip 2 Procedure möglich, indes hätten solche Verlängerungsoperationen experimentellen Charakter. Realistisch seien dem Gerichtsgutachter zufolge Verlängerungen des Femurs bis 20 cm, hingegen sei eine Verlängerung um die hier angestrebten 30-35 cm höchstwahrscheinlich nicht erreichbar. Die hüftstabilisierende und prothetische Versorgung hätte auch in einem medizinischen Zentrum in Europa durchgeführt werden können. Das Sozialversicherungsgericht erwog, entscheidend sei das Vorliegen dreier relativ gleichwertiger therapeutischer Optionen, wovon die gewählte Superhip 2 Methode den experimentellsten Charakter aufweise. Die beiden anderen Verfahren mit hüftstabilisierender und prothetischer Versorgung hätten auch in Europa durchgeführt werden können. Die Frage, ob die Operation mangels inländischer Fachkompetenz nur in den USA habe durchgeführt werden können, sei zu verneinen. Soweit die Operation nicht in der Schweiz, sondern im (nahen) Ausland erfolgt wäre, seien die Kosten einer einfachen und zweckmässigen Versorgung zu übernehmen. Soweit die Operation aus anderen beachtlichen Gründen im Ausland erfolgt wäre, seien die Kosten in dem Umfang zu übernehmen, in dem sie auch in der Schweiz angefallen wären. Für die beiden am 21. Oktober 2015 durchgeführten Operationsschritte (Hüftrekonstruktion mit Korrektur der Aussenrotation sowie Eingriff am Knie, um das Knie funktional für die Hüftbewegung zu nutzen) wären Kosten von Fr. 44'688.- angefallen (gemäss Diagnosis Related Groups [DRG], zu Deutsch diagnosebezogener Fallgruppen, 108B und 128B, vgl. Angaben der DRG-Prüfstelle vom 3. August 2015). Damit sei der Rahmen abgesteckt, innerhalb dessen die Invalidenversicherung gesetzlich zur Kostenübernahme berechtigt und verpflichtet gewesen sei.