Citation: 6B_49/2022 E. 3.3.3

3.3.3. Von entscheidender Bedeutung seien die Beziehungen zu ihren zwei mit ihr zusammenlebenden Söhnen sowie dem von ihr derzeit nur am Wochenende betreuten Sohn. Diese seien alle noch minderjährig. Die älteren beiden verfügten über die spanische und der jüngste Sohn über die dominikanische Staatsbürgerschaft. Alle drei Kinder seien in der Schweiz geboren und hier aufgewachsen. Sie stünden unter der alleinigen elterlichen Sorge der Beschwerdegegnerin und bildeten mit ihr zusammen eine Kernfamilie, auch wenn sich der jüngste Sohn unter der Woche in einer Sonderschule aufhalte. Gemäss dem Bericht des Beistands sei die Beziehung der alleinerziehenden Beschwerdegegnerin zu ihren Kindern eng. Namentlich die beiden jüngeren Söhne fühlten sich sehr mit ihr verbunden und seien auf die Nähe zur Beschwerdegegnerin angewiesen. Eine Trennung der Beschwerdegegnerin von ihren drei Kindern im Alter zwischen 10 und 16.5 Jahren käme einem Verstoss gegen Art. 8 Ziff. 1 EMRK gleich. Die erste Instanz habe festgehalten, alle drei Kinder sprächen die spanische Sprache und die beiden jüngeren Söhne könnten sich auch in einem spanisch sprechenden Land integrieren, wohingegen es dem ältesten Sohn freistehe, in der Schweiz eine Lehre zu beginnen. Die Ausreise der Beschwerdegegnerin mit ihren zwei jüngeren Kindern würde jedoch dazu führen, dass der älteste Sohn, der erst Ende 2022 volljährig werde, in der Schweiz zurückgelassen werden müsste, was undenkbar sei. Dies würde die Familie auseinanderreissen und dieser wäre trotz Minderjährigkeit auf sich alleine gestellt. Eine Übertragung der Obhut auf den Vater, zu dem nur ein sporadischer Kontakt bestehe, stehe nicht zur Diskussion. Ausserdem wäre die Landesverweisung mit einer besonderen Härte für die zwei jüngeren Kinder der Beschwerdegegnerin verbunden. Eine alternative Möglichkeit, damit die beiden in der Schweiz bleiben könnten, sei nicht ersichtlich. Sie seien in der Schweiz geboren, hätten hier bisher die Schulen besucht und verfügten in ihrem Alter bereits über eine starke soziale und kulturelle Verwurzelung in der Schweiz. Zur Dominikanischen Republik hätten sie keinen erkennbaren Bezug, eine Integration in diesem für sie fremden Land wäre für sie mit grossen Schwierigkeiten verbunden und wohl im Endeffekt unzumutbar. Entgegen der ersten Instanz sprächen auch die Ferienaufenthalte der Beschwerdegegnerin in ihrem Herkunftsland in den Jahren 2016 und 2017 wie auch ein mehrmonatiger Aufenthalt nicht gegen einen Härtefall. Es sei nicht anzunehmen, dass sich dadurch die Reintegrationsmöglichkeit der Beschwerdegegnerin und ihrer Kinder relevant verbessern würde. In der Schweiz wohnten sie in einer kinderfreundlichen Umgebung und erhielten die für sie notwendige schulische und medizinische Unterstützung, was im Heimatland der Beschwerdegegnerin wohl kaum der Fall wäre (insbesondere sei dort keine spezifische Unterstützung in einer Sonderschule zu erwarten). Auch der von der ersten Instanz erwähnte lose Kontakt der älteren Söhne zu ihrem in der Schweiz lebenden Vater spreche nicht gegen, aber auch nicht massgeblich für einen Härtefall. Eine Landesverweisung wäre für sie und damit auch für die Beschwerdegegnerin mit einer grossen Härte verbunden.