Citation: 5A_457/2022 E. 3.2

3.2. Der Beschwerdeführer seinerseits rekapituliert ausführlich die Prozessgeschichte. Der Vorinstanz wirft er vor, in der Begründung ihres Kostenentscheids lediglich auf die Kinderbelange Bezug genommen zu haben, genauer auf die Festlegung des Wohnsitzes. Dies genüge nicht, um von Art. 106 ZPO abzuweichen. Vielmehr sei für die Anwendung von Art. 107 Abs. 1 Bst. c ZPO das Vorliegen besonderer Gründe notwendig sowie eine Auseinandersetzung damit, wieso die Anwendung des "Verursacherprinzips" nicht sachgerecht sein sollte. Darüber hinaus zeige sich, dass die korrekte Anwendung von Art. 107 Abs. 1 Bst. c ZPO zum selben Resultat führen würde wie Art. 106 ZPO. Folglich liege eine Verletzung von Art. 106 Abs. 1 und 2, Art. 107 Abs. 1 Bst. c ZPO und Art. 9 BV vor. Das erstinstanzliche Gericht habe die alternierende Obhut angeordnet und zudem den Wohnsitz der Tochter bei ihm, dem Beschwerdeführer, festgelegt. Über den Unterhalt sei damals noch nicht entschieden worden, die übrigen Anträge, insbesondere diejenigen der Kindsmutter seien abgewiesen worden. Somit sei offenkundig, dass der Beschwerdeführer im vorsorglichen Massnahmenverfahren vollständig obsiegt habe, wobei dies in Bezug auf gewisse Rechtsbegehren der Beschwerdegegnerin bereits zufolge Rückzugs der Fall gewesen sei. Die Vorinstanz habe trotz fehlender Gründe Art. 107 Abs. 1 Bst. c ZPO angewendet. Des Weiteren lasse die Vorinstanz im Rahmen ihres Ermessens das Verhalten der Beschwerdegegnerin während des ganzen Prozesses gänzlich unbeachtet. Durch das Verbringen der Tochter nach Deutschland und die vehemente Weigerung der Beschwerdegegnerin, die Betreuung durch den Kindsvater auch nur minimal auszudehnen, seien die langwierigen und kostspieligen Prozesse erst notwendig geworden. Hätte der Beschwerdeführer sich nicht für seine Tochter zur Wehr gesetzt, würde sie heute über 600 km entfernt in Deutschland wohnen. Auch habe die Vorinstanz nicht berücksichtigt, dass die Beschwerdegegnerin über eine deutlich höhere finanzielle Leistungsfähigkeit als der Beschwerdeführer verfüge. Ihr Lohn von Fr. 7'900.-- netto bei einem Pensum von 60 % übersteige sein Einkommen von Fr. 5'295.-- netto bei einem Pensum von 80 % um mehr als 30 %. Rechne man mit gleichen Pensen, wären das Einkommen der Kindsmutter gar 50 % höher. Ferner verfüge die Beschwerdegegnerin über substantielles Vermögen (Wertschriften und Barguthaben von Fr. 132'000.--), während er, abgesehen vom Miteigentumsanteil an der gemeinsamen Liegenschaft, über keinerlei Vermögen verfüge. Aus den gleichen Gründen sei ihm auch eine Parteientschädigung zuzusprechen. Zu berücksichtigen sei auch, dass die Beschwerdegegnerin das erstinstanzliche Verfahren mit weitschweifigen und nicht zielführenden Eingaben richtiggehend aufgeblasen und sie sich gegen sämtliche Vergleichsbemühungen gewehrt habe. Die Beschwerdegegnerin habe den Beschwerdeführer zermürben wollen. So habe sie auf seine zwölfseitige Klageschrift mit einer Klageantwort von 55 Seiten reagiert, was ihn, den Beschwerdeführer, wegen der Bestreitungs- und Substantiierungslast gezwungen habe, mit einer Replik von 49 Seiten zu antworten. Darauf sei eine Duplik der Kindsmutter mit weiteren 45 Seiten erfolgt. Dem unverständlichen und teilweise rechtsmissbräuchlichen Verhalten der Beschwerdegegnerin stehe sein Verhalten gegenüber. Seine Anträge seien angemessen gewesen und hätten vor allem im Kindesinteresse gelegen. Anzumerken sei ferner, dass er infolge seines Berufes als pädagogisch ausgebildete Fachperson durchaus im Hauptantrag die alleinige Obhut hätte verlangen können. Darauf habe er aber im Interesse der Tochter verzichtet, da er beide Elternteile in der Entwicklung eines Kindes für gleichermassen wichtig erachte.