Citation: 5F_20/2023 E. 2.1

2.1. Kernpunkt der vorliegenden Streitigkeit bildet die Frage, ob den Eltern die Leistung von Volljährigenunterhalt im Sinn von Art. 277 Abs. 2 ZGB zugemutet werden darf. Fest steht nämlich, dass die Gesuchsgegnerin im Jahr 2017 gegen ihren Vater Strafanzeige wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, sexueller Handlungen mit Kindern, sexueller Nötigung, Vergewaltigung und Inzest eingereicht hat. Im Laufe des Strafverfahrens wurde die Gesuchsgegnerin psychiatrisch begutachtet. Der Gutachter diagnostizierte eine massive Persönlichkeitsentwicklungsstörung und führte aus, es scheine sich eine sogenannte Paramnesie ("false memory syndrome") gebildet zu haben. Das Strafverfahren wurde am 14. August 2018 (rechtskräftig) eingestellt. Das Bundesgericht erwog schliesslich gestützt auf die vorinstanzlichen Feststellungen, dass die Gesuchsgegnerin an einer Paramnesie leidet, im Rahmen derer sich die fast unumstössliche Überzeugung gebildet hat, Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein, und sie im Rahmen dieses Syndroms nicht in der Lage ist, zwischen Erlebtem und nicht Erlebtem zu unterscheiden. Unter diesen Umständen könne es ihr nicht subjektiv zum Vorwurf gereichen, wenn sie ein Strafverfahren gegen ihren Vater veranlasst und die erhobenen Missbrauchsvorwürfe wiederholt auf andere Weise publik gemacht hat.