Citation: 1P.667/2005 15.02.2006 E. 3

Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Willkürverbots (Art. 9 BV), indem die Staatsanwaltschaft wichtige Zeugen nicht einvernommen habe. 3.1 Gemäss Art. 9 BV hat jede Person Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Willkür behandelt zu werden. Nach der Praxis des Bundesgerichts liegt Willkür in der Rechtsanwendung vor, wenn der angefochtene kantonale Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Das Bundesgericht hebt einen Entscheid jedoch nur auf, wenn nicht bloss die Begründung, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist; dass eine andere Lösung ebenfalls als vertretbar oder gar zutreffender erscheint, genügt nicht (BGE 131 I 467 E. 3.1 S. 473 f. mit Hinweisen). Nach § 22 Abs. 1 StPO/BS haben die Strafbehörden zur Feststellung der materiellen Wahrheit die Beweisaufnahme von Amtes wegen auf alle Tatsachen und Beweismittel auszudehnen, welche zur Beurteilung der Tat und des Täters von Bedeutung sein können. Sie haben den entlastenden und belastenden Umständen mit gleicher Sorgfalt nachzugehen. 3.2 Die Beschwerdeführerin rügt, dass ein gewisser C.________ nicht einvernommen wurde. Die Beschwerdegegnerin habe sie veranlasst, mit C.________ während rund drei Monaten insgesamt ca. sechsmal orale bzw. manuelle sexuelle Handlungen vorzunehmen. Aus dem angefochtenen Entscheid geht nicht hervor, wieso die Staatsanwaltschaft auf die Befragung von C.________ verzichtet hat. Die Rekurskammer führt lediglich aus, die Beschwerdegegnerin sei nicht zu diesen Belastungen befragt worden (angefochtener Entscheid S. 6 Ziff. 2). 3.3 C.________ hat nach der Darstellung der Beschwerdeführerin sexuelle Handlungen beansprucht. Er weist daher eine (mutmassliche) unmittelbare Tatnähe auf und kann über erhebliche Tatsachen aussagen. Unter diesen Umständen gebietet die Pflicht zur Wahrheitsfindung eine Einvernahme. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb auf die Einvernahme von C.________ hätte verzichtet werden können. Überdies handelt die Staatsanwaltschaft widersprüchlich, wenn sie einerseits auf die Erhebung von Beweisen verzichtet, andererseits das Verfahren mangels Beweisen einstellt. Es liegt eine offensichtliche Verletzung der Ermittlungspflicht vor. Unter diesen Umständen ist die Bestätigung der Verfahrenseinstellung im angefochtenen Entscheid offensichtlich unhaltbar und verletzt damit das Willkürverbot. Die Beschwerde ist in diesem Punkt begründet. 3.4 Die Beschwerdeführerin bringt vor, es sei willkürlich, dass die Staatsanwaltschaft verschiedene weitere Personen nicht einvernommen hat. Sie verweist auf die Akten des parallel geführten sogenannten KIGA-Verfahrens. Nach dem Gesagten ist es Sache der kantonalen Behörde, diese Akten beizuziehen und die Erheblichkeit des Beweisantrages zu prüfen (E. 2).