Citation: U 276/04 13.06.2005 E. 2.2

2.2.1 Das Vorliegen eines Schädel-Hirntraumas, worunter sämtliche Hirnfunktionsstörungen mit oder ohne morphologisch fassbare Schädigung des Gehirns und seiner Hüllen, einschliesslich Gehirnschädel und Kopfschwarte subsumiert werden (Trentz/Bühren, Checkliste Traumatologie, Stuttgart/New York 2001, S. 122 ff.), rechtfertigt nach den zutreffenden Ausführungen der SUVA die analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis nur, wenn die erlittene Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen Commotio und Contusio cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen hingegen reichen hiefür nicht aus (Urteil K. vom 6. Mai 2003, U 6/03). 2.2.2 Die Schwere eines Schädel-Hirntraumas wird üblicherweise nach dem Punktwert in der Glasgow-Coma-Skala (GCS) eingeteilt. In dieser Skala erhält der Patient für bestimmte Reaktionen (wie Augenöffnen, Reaktion auf Schmerzreize und sprachliche Äusserungen) eine Anzahl von Punkten, welche zum Schluss addiert werden. Der schlechteste Wert beträgt 3, der beste 15. Von einem leichten Schädel-Hirntrauma spricht man bei einem GCS-Wert von 13 bis 15 (mittelschwer: 9 bis 13, schwer: 3 bis 8; vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 260. Aufl., Berlin/New York 2004, zu "Bewusstseinsstörung"; Trentz/Bühren, a.a.O., S. 123). 2.2.3 Aus den Akten ergibt sich, dass der Versicherte einen GCS-Wert von 15 aufwies. Das erlittene Trauma ist damit als leicht anzusehen, wobei entgegen den Einwendungen des Beschwerdegegners kein Anlass besteht, an der diesbezüglichen Untersuchung der Ärzte am Spital X.________ zu zweifeln. Nach dem Gesagten rechtfertigt sich damit die Anwendung der so genannten Schleudertraumapraxis nicht, weshalb die Adäquanz nach den in BGE 115 V 133 entwickelten Kriterien zu beurteilen ist. 2.3 Unter den Parteien ist zu Recht nicht mehr umstritten, dass der Unfall vom 16. Mai 2000 ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf dem mittleren Bereich zugehört. Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht im denselben Unfall betreffenden Urteil R. vom 12. Oktober 2004, U 201/04, in Übereinstimmung mit dem kantonalen Gericht festgehalten hat, ist das Kriterium der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles, wenn auch nicht in besonderer Weise, erfüllt. Hingegen waren die erlittenen Verletzungen ([leichte] Hirnerschütterung, Rissquetschwunde volar am Daumenballen [Thenar], beidseitige präpatelläre Schürfwunden) entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen im Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen (beispielsweise Urteile R. vom 15. März 2005, U 214/04, und K. vom 28. Februar 2005, U 151/04) nicht besonders schwer, umso weniger, als eine Commotio cerebri für sich allein zur Bejahung dieses Kriteriums nicht genügt (Urteil R.vom 15. März 2005, U 214/04 mit Hinweis) und die Verletzungen an Hand und Knien folgenlos abheilten. Von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung kann bezüglich der somatischen Verletzungen nicht gesprochen werden. Der Versicherte wurde nach einer problemlosen Commotio-Überwachung am 18. Mai 2000 aus dem Spital entlassen. Für die in der Folge geklagten Beschwerden konnte kein organisches Substrat gefunden werden und die ärztlichen Bemühungen konzentrierten sich - wenngleich verschiedentlich (erfolglose) Therapien zur Linderung der unvermindert geklagten Schmerzen durchgeführt wurden - weitgehend auf die psychischen Beeinträchtigungen. Darüber hinaus haben gemäss den übereinstimmenden und überzeugenden Beurteilungen der Frau Dr. med. O.________ (Bericht vom 24. Januar 2003) und der Frau Dr. med. H.________ (Berichte vom 21. und 25. Mai 2001) unfallfremde Faktoren (insbesondere psycho-soziale Belastungen [Alleinsein, angespannte finanzielle Situation] und Zukunftsängste) einen grossen Einfluss auf die gesundheitliche Situation. Von diesen Einschätzungen abzugehen besteht entgegen den Vorbringen des Versicherten keine Veranlassung. Anzeichen für eine die Unfallfolgen erheblich verschlechternde ärztliche Behandlung sind ebenso wenig vorhanden wie für einen bezüglich der organischen Verletzungen schwierigen Heilungsverlauf oder diesbezügliche erhebliche Komplikationen. Nachdem Kreisarzt Dr. med. B.________ am 18. Juli 2000 auf eine rasche Rehabilitation in Y.________ drängte, damit anschliessend der (stufenweise) berufliche Wiedereinstieg durchgeführt werden könne und die nachfolgenden medizinischen Untersuchungen - wie erwähnt - keine somatischen Befunde objektivieren konnten, ist auch das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zu verneinen. Soweit aus den ärztlichen Berichten eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit hervorgeht, ergingen diese Einschätzungen unter Berücksichtigung der psychischen Beschwerden, die nach dem Gesagten (Erw. 2.2.3 hievor) ausser Acht bleiben müssen. Selbst wenn körperliche Dauerschmerzen aufgrund des anhaltenden Leidensbildes vorhanden wären, ist der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen. Im Übrigen lässt allein die Tatsache, dass befragte Ärzte in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger stehen, nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/ee mit Hinweis). Die Einschätzungen des Kreisarztes Dr. med. B.________ wie auch jene der Frau Dr. med. O.________ sind schlüssig, nachvollziehbar begründet und in sich widerspruchsfrei. Es bestehen keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit, weshalb darauf entgegen den Vorbringen des Beschwerdegegners ohne weiteres abgestellt werden kann. Sodann hat die Vorinstanz den Einwand mangelnder Sprachkompetenz des Versicherten bereits mit einlässlicher Begründung, der das Eidgenössische Versicherungsgericht nichts mehr beizufügen hat, widerlegt. Auf die vom Beschwerdegegner eventualiter beantragte neurologischen und psychiatrischen Zusatzuntersuchungen kann verzichtet werden, da davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d, je mit Hinweis). Schliesslich stimmt zwar der für den Rentenanspruch massgebende Invaliditätsbegriff in der obligatorischen Unfallversicherung grundsätzlich mit demjenigen in der Invalidenversicherung überein (BGE 126 V 291 Erw. 2a mit Hinweisen). Dies gilt jedoch nicht für den Rentenbeginn, worauf der Beschwerdegegner im Übrigen selbst zu Recht hinweist. Aus dem Umstand, dass ab 21. Mai 2001 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung bestand, kann daher hinsichtlich der Leistungspflicht der SUVA nichts abgeleitet werden (Urteil L. vom 21. Dezember 2003, U 105/03).