Citation: 6P.163/2004 03.05.2005 E. 2

Der Beschwerdeführer bringt vor, das Kantonsgericht habe den Grundsatz "in dubio pro reo" verletzt, und es liege Willkür in der Be-weiswürdigung vor. 2.1 Gemäss der in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK ver-ankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist. Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Straf-richter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 127 I 38 E. 2a). Inwiefern dieser Grundsatz verletzt ist, prüft das Bundesgericht unter dem Gesichts-punkt der Willkür, das heisst, es greift nur ein, wenn der Sachrichter den Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche bzw. schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an dessen Schuld fortbestehen (BGE 127 I 38 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2). Willkür in der Beweiswürdigung liegt vor, wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen, auf einem offenkundigen Fehler beruhen oder in stossender Weise dem Gerech-tigkeitsgedanken zuwiderlaufen (BGE 127 I 38 E. 2a, mit Hinweisen). 2.2 Der Beschwerdeführer rügt, es treffe - entgegen den Ausführungen des Kantonsgerichts - nicht zu, dass er und seine Kollegen Absperrungen passieren mussten, um zum Ausgangspunkt für die Variantenabfahrt zu gelangen. Zudem dürfte beim Aufstieg nicht einmal eine Warntafel gestanden haben. Angesichts der Tatsache, dass am besagten Tag die Lawinengefahr aufgrund der Warnhinweise an den Stationen offenkundig war, vermöchte der angeführte Umstand nichts Wesentliches am Beweisergebnis zu ändern. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Gleich verhält es sich, wenn der Beschwerdeführer geltend macht, das Kantonsgericht habe den Aufstieg zum Mittelgrat und die gewählte Abfahrt zu Unrecht als extrem bzw. hochalpin qualifiziert. Es ist unbestritten, dass es sich bei den Verhältnissen am besagten Tag um einen lawinengefährdeten Hang gehandelt hat. 2.3 Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, das Kantonsgericht habe seine Aussage willkürlich gewertet, wonach er beim Ausführen eines Schwunges ein dumpfes Geräusch vernommen habe. Bei einem derartigen Geräusch handle es sich um die akustische Begleiter-scheinung eines Initialbruches, weswegen es mit Sicherheit auch von den anderen Mitgliedern der Gruppe gehört worden sei. Das Kantonsgericht führte lediglich aus, dass den Angaben des Beschwerdeführers zufolge nach dem beschriebenen Geräusch plötzlich der ganze Hang in Bewegung geraten sei. Gemäss den Zeugenaussagen von G.________ und H.________ habe sich der ganze Hang in dem Augenblick gelöst, als der Beschwerdeführer durch das Couloir gefahren und oberhalb eines markanten Felsens nach rechts abgeschwungen sei. Das Kantonsgericht zog somit entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers aus der genannten Aussage alleine keine Schlüsse zu seinen Lasten, weswegen die Beschwerde in diesem Punkt fehl geht. 2.4 Ferner vertritt der Beschwerdeführer die Auffassung, das Urteil liefe in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwider. Sämtliche Personen, welche von der Lawine erfasst worden seien, hätten sich einem bedeutend erhöhten Risiko ausgesetzt, weil sie sich bei erheblicher Lawinengefahr abseits der gesicherten Pisten im Tief-schnee aufgehalten hätten. Es sei nicht auszuschliessen, dass seine beiden Kollegen die Schneedecke entscheidend geschwächt haben könnten. Es ist zwar einzuräumen, dass die beiden getöteten Kollegen dasselbe Risiko eingegangen sind wie der Beschwerdeführer. Dieser Umstand lässt es indessen nicht als willkürlich erscheinen, dass die überlebende Person unter den gegebenen Voraussetzungen zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen wird. Das Vorliegen einer - den Tatbestand ausschliessenden - sog. eigenverantwortlichen Selbstgefährdung stellt im Übrigen eine Frage des Bundesrechts dar und wurde vom Be-schwerdeführer im Rahmen der Nichtigkeitsbeschwerde zu Recht nicht geltend gemacht. Eine solche würde nämlich voraussetzen, dass die Getöteten bis zum tödlichen Ereignis Herrschaft über den Geschehensablauf gehabt hätten (vgl. BGE 125 IV 189 E. 3a; Christian Schwarzenegger, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch II, N. 4 zu Art. 117 StGB), was hier nicht der Fall war. Abgesehen davon wurde vorliegend auch ein Skifahrer getötet, der sich in weniger exponiertes Gelände begeben hatte. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.