Citation: I 50/00 18.04.2000 E. 2

2.- Zu prüfen ist hingegen, ob das Baby-Funkgerät, welches die in seiner Umgebung (z.B. im Kinderzimmer) an- fallenden Geräusche aufnimmt und auf den Lautsprecher des andernorts postierten Empfängers übermittelt, dem versi- cherten Mädchen als Behandlungsgerät im Rahmen der nach Art. 13 IVG zugesprochenen medizinischen Massnahmen zu- steht. a) Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) be- stimmt, dass für die Abgabe von Behandlungsgeräten, die einen notwendigen Bestandteil einer medizinischen Einglie- derungsmassnahme im Sinne der Art. 12 und 13 IVG bilden und die nicht in der im Anhang enthaltenen Liste aufgeführt sind, die Art. 3-9 (über Abgabeform, Anspruch auf Kosten- vergütung etc.) sinngemäss gelten. Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts bildet ein Gegen- stand dann einen notwendigen Bestandteil einer medizini- schen Eingliederungsmassnahme, wenn er in engem, unmittel- baren Zusammenhang mit der von der Invalidenversicherung übernommenen medizinischen Vorkehr steht. Nicht erforder- lich ist dagegen, dass der Einsatz des Behandlungsgerätes selber therapeutische Wirkung entfaltet. Es reicht aus, wenn mit dem Gerät der therapeutische Zweck der medizini- schen Eingliederungsmassnahme gezielt unterstützt wird (SVR 1996 IV Nr. 90 S. 271 Erw. 5, Nr. 91 S. 274 Erw. 3 mit Hin- weisen). b) Nach den Stellungnahmen des behandelnden Kinderarz- tes Dr. C.________ vom 19. September 1997 und 25. Oktober 1998, sowie des Spitals D.________ vom 15. Februar 2000 ist das versicherte Mädchen wegen jederzeit möglicher Grand Mal-Anfälle dauernd überwachungsbedürftig und kann nur bei eingeschaltetem Baby-Funkgerät im Bett allein gelassen werden. Weder die Dauer noch die Intensität eines Anfalls oder die diesbezüglichen Komplikationen (Erbrechen und Aspiration, respiratorische Insuffizienz) seien voraus- sehbar. Während ein einzelner Anfall für sich allein nicht zu wesentlichen Folgeschäden führe, könne ein erneut auf- tretender Status epilepticus eine weitere Schädigung des Zentralnervensystems bewirken. Eine Anfallsdauer von mehr als 30 Minuten könne zudem lebensbedrohlich sein. Gemäss den sowohl vor- wie auch letztinstanzlich von keiner Seite in Zweifel gezogenen Angaben der Eltern der Beschwerdegeg- nerin können sie "inzwischen jeden Atemzug ihres Kindes in- terpretieren" und sind so bei eingeschaltetem Baby-Funk in der Lage, die "mit Beginn eines Anfalls und während der ganzen Dauer desselben" auftretenden Veränderungen der At- mung oder Atemfrequenz auch dann zu erkennen, wenn sie sich nicht im selben Raum aufhalten. Auf diese Weise könnten sie "im Notfall (wenn ein Anfall in einen Status epilepticus übergeht) die ausgefallenen Körper- und Sinnesfunktionen möglichst rasch wieder funktionsfähig machen, indem wir den Anfall mittels Medikamenten unterbrechen". Unter diesen Umständen ist das Baby-Funkgerät insofern als notwendiger Bestandteil der von der Invalidenversiche- rung übernommenen Epilepsiebehandlung zu betrachten, als die darin eingeschlossene Verabreichung von Medikamenten zur Unterbrechung eines Anfalls bei drohendem Status epi- lepticus durch den Einsatz des Überwachungsgerätes stets gewährleistet bleibt. Der die zugesprochene medizinische Eingliederungsmassnahme somit gezielt unterstützende Baby- Funk stellt überdies - namentlich im Vergleich mit den weit aufwändigeren anderweitigen Überwachungsgeräten - einen einfachen und zweckmässiges Behelf dar, weshalb er vom kan- tonalen Gericht zu Recht als Behandlungsgerät im Sinne von Art. 13 IVG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 2 HVI zugespro- chen worden ist. c) Entgegen der Auffassung des Beschwerde führenden BSV vermag der Umstand, dass sich immer mehr Eltern - "un- abhängig davon, ob ihr Kind behindert ist oder nicht" - eines Baby-Funks bedienen, an der hievor dargelegten Be- trachtungsweise nichts zu ändern. Unbehelflich ist auch der Hinweis des Bundesamtes auf die von der Invalidenversiche- rung gestützt auf Art. 20 IVG ausgerichteten Pflegebeiträge wegen Hilflosigkeit des versicherten Mädchens. Wohl wird damit praxisgemäss in gewissem Umfange auch die Versorgung mit Behelfen abgegolten, welche von der Versicherung nicht unter dem Titel Hilfsmittel abgegeben werden können (ZAK 1983 S. 450 Erw. 3). Entscheidend ist indessen, dass die Beschwerdegegnerin neben dem Anspruch auf Pflegebeiträge auch einen solchen auf medizinische Eingliederungsmassnah- men zur Behandlung ihres Geburtsgebrechens hat und die Ver- wendung des fraglichen Baby-Funkgerätes diesbezüglich - wie aufgezeigt - in engem unmittelbaren Zusammenhang steht (SVR 1996 IV Nr. 91 S. 275).