Citation: 4A_496/2019 E. 2.3

2.3. Mit den aArt. 166 ff. IPRG hat der Gesetzgeber kein System geschaffen, das alle Aspekte internationaler Konkurse umfassend regelt (vgl. ANDREA BRACONI, in: Commentaire romand, Loi sur le droit international privé [LDIP], 2011, N. 3 Einführung [introduction] zu den Art. 166 - 175 IPRG mit Hinweisen). Gewisse Auswirkungen ausländischer Konkurse, die nicht den Einbezug in der Schweiz gelegener Vermögenswerte in das ausländische Konkursverfahren betreffen, wie etwa der Verlust der Handlungsfähigkeit des Schuldners, können vielmehr berücksichtigt werden, unabhängig davon, ob in der Schweiz um Anerkennung des Konkurses nachgesucht wird. Das 11. Kapitel des IPRG regelt in funktionaler Betrachtung rechtshilfeweise den Einbezug in der Schweiz gelegener Vermögenswerte in eine ausländische Zwangsverwertung und stellt dem ausländischen Insolvenzverwalter dafür als einzige Möglichkeit den Weg der Durchführung eines Hilfskonkurses durch die zuständigen schweizerischen Behörden zur Verfügung. Lediglich in diesem Rahmen kann dem ausländischen Insolvenzverwalter unter Umständen (über eine Abtretung nach Art. 260 SchKG, wenn im Hilfskonkurs keine anderen Gläubiger vorhanden sind [BGE 137 III 374 E. 3 S. 376 ff.], oder nach Art. 171 IPRG im Rahmen von Art. 285 ff. SchKG, wenn das schweizerische Konkursamt und die kollozierten Gläubiger auf eine Geltendmachung verzichtet haben [vgl. BGE 135 III 40 E.2.5.1 S. 44; 139 III 236 E. 4.2 S. 238 f. mit Hinweisen]), die Möglichkeit eröffnet werden, selbst Prozesse über in der Schweiz gelegene Vermögenswerte zu führen. Ziel der aArt. 166 ff. IPRG ist es, für das in der Schweiz befindliche Vermögen eines Gemeinschuldners eine dem schweizerischen Recht angemessene Verteilung zu ermöglichen (BGE 139 III 236 E. 4.5 S. 242). Soweit es nicht um Vermögenswerte in der Schweiz geht, fehlt es an einem Objekt für den Hilfskonkurs (vgl. Art. 170 IPRG) und kann aus den aArt. 166 ff. IPRG direkt nichts abgeleitet werden.