Citation: 8C_548/2023 E. 6.1

6.1. In rechtlicher Hinsicht ist nach Gesagtem mangels Erinnerung der Beschwerdegegnerin an das Geschehene davon auszugehen, dass diese die begangene Schändung wegen ihres Zustands nicht unmittelbar, das heisst mit eigenen Sinnen, wahrgenommen hatte. Sie realisierte den Vorfall erst, als sie Stunden danach beim Duschen Rückstände eines Kondoms in ihrer Vagina bemerkt hatte und ihr - gemäss eigenen Angaben - dann der Verdacht kam, es sei zu Geschlechtsverkehr gekommen. Dass die Beschwerdegegnerin dadurch einen psychischen Schock erlitt, ist durchaus nachvollziehbar und verständlich. Allein die Vorstellung, was geschehen sein könnte, vermag indessen die für ein als Unfall zu qualifizierendes Schreckereignis notwendige Voraussetzung der unmittelbaren Gegenwart im Sinne der bewussten Wahrnehmung eines gewaltsamen Vorfalls nicht zu erfüllen. Daran hält das Bundesgericht aber, wie in Erwägung 3.3 hiervor aufgezeigt, in ständiger Rechtsprechung fest. Dies erfolgte kürzlich gar mit dem Hinweis, dass ein Verzicht auf das Erfordernis des gewaltsamen, in unmittelbarer Gegenwart der versicherten Person sich abspielenden Vorfalls zu einer unzulässigen Ausweitung des Unfallbegriffs führen würde, indem jede plötzliche ungewöhnliche seelische Einwirkung genügen würde (SVR 2020 UV Nr. 21 S. 83, 8C_600/2019 E. 3.2 mit Hinweis auf RKUV 2000 Nr. U 365 S. 89, U 24/98 E. 2b i.f.). Die Beschwerdegegnerin legt denn auch nicht dar und es ist nicht ohne Weiteres ersichtlich, weshalb die ständige Rechtsprechung zu ändern wäre.