Citation: 6B_7/2023 E. 3.4.1

3.4.1. Im Einzelnen wendet der Beschwerdeführer ein, die vorinstanzliche Würdigung der Zeugenaussagen sei in massgebenden Punkten willkürlich und aktenwidrig. Bei den tatsächlichen Feststellungen zur Beinahekollision mit dem Fahrzeug von B.________ sowie zum ungenügenden Abstand zum Lastwagen stütze sich die Vorinstanz hauptsächlich auf die Angaben von B.________ und D.________ ab. Gerade dieser Teil der Beweiswürdigung sei jedoch besonders willkürlich (Beschwerde S. 8 Ziff. 14 f. und S. 10 ff. Ziff. 17 ff.). Diese Vorbringen sind unbegründet, soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann. Das Argument des Beschwerdeführers, wonach die Aussagen von B.________, namentlich seine Angaben zu den Distanzen, zu seinem Bremsverhalten und zum genauen Ort des Ausweichmanövers sowie zum Ort seines Stillstands, nicht nur durch massive Schwankungen, sondern durch eigentliche Falschaussagen gekennzeichnet seien, und Widersprüche zu den im Privatgutachten ermittelten Parametern bestünden (Beschwerde S. 10 ff. Ziff. 18 f.), geht fehl. Gleich verhält es sich, soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz ignoriere die Inkonsistenzen in den Angaben des Lastwagenfahrers zur eigenen Fahrgeschwindigkeit (Beschwerde S. 14 f. Ziff. 20). Mit der Vorinstanz ist in diesem Zusammenhang nämlich festzuhalten, dass es sehr anspruchsvoll ist, während des Autofahrens und bei Einbruch der Dämmerung in einem äusserst dynamischen Geschehen zuverlässige Aussagen zu den gefahrenen Geschwindigkeiten, den Distanzen sich bewegender Objekte und zum Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer zu machen. Nur weil die Beteiligten die Distanzen zueinander und die Geschwindigkeiten mehrheitlich unterschiedlich geschätzt haben, sind nicht alle ihre Aussagen als ungenau zu qualifizieren. Die ungleichen Angaben, ob der Lastwagenfahrer die Lichthupe betätigt hat, ob B.________ zuerst gebremst hat oder direkt in die Grasnarbe gefahren ist, führen nicht dazu, dass auf alle Aussagen nur zurückhaltend abgestellt werden kann. Entscheidend sind vor dem Hintergrund der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen groben Verkehrsregelverletzung beim Überholen nicht die von den Zeugen geschätzten Angaben in Meter oder die exakte Höhe des Überholmanövers, sondern deren Aussagen dazu, ob das fragliche Manöver gefahrenfrei hat durchgeführt werden können oder ob es beinahe zu einer Kollision gekommen ist (vgl. Urteil S. 14 f. E. 1.6.3). Im Lichte dieser schlüssigen Ausführungen der Vorinstanz ist es daher auch nicht zu beanstanden, dass diese den Antrag des Beschwerdeführers auf Protokollergänzung betreffend die Aussagen von B.________ zu seinem Bremsverhalten sowie zum Ort seines Stillstands mit der Begründung abweist (Beschwerde S. 12 Ziff. 18), die beantragten kleinen Änderungen würden nichts an der Sachverhaltsfeststellung oder am Beweisergebnis ändern (Urteil S. 19 E. 1.7.3). Nach überzeugender Würdigung der Aussagen von B.________ kommt die Vorinstanz sodann ohne Willkür zum Schluss, dieser habe die Ereignisse im Kern in allen Befragungen grundsätzlich gleich geschildert: Er und das überholende Fahrzeug des Beschwerdeführers hätten sich beide auf der Höhe des Lastwagens befunden und es habe keine Alternative zum Ausweichmanöver gegeben. Wäre er nicht ausgewichen, wäre es zu einem Frontalzusammenstoss zwischen ihm und dem Beschwerdeführer gekommen. Ob B.________ die Distanz zwischen seinem und dem entgegenkommenden Fahrzeug auf zwei, zweieinhalb, vier oder sieben Meter geschätzt habe oder ob er dies über dreieinhalb Jahre nach dem Vorfall nicht mehr genau wisse, könne ihm nicht vorgeworfen werden. B.________ habe keine Mehrbelastung vorgenommen und mehrmals erklärt, er habe nichts gegen den Beschwerdeführer. Für ihn sei die Sache eigentlich erledigt (Urteil S. 8 f. E. 1.6.2.1 und S. 15 E. 1.6.3). In Bezug auf die Aussagen von D.________ stellt die Vorinstanz ferner nachvollziehbar fest, diese beruhten auf eigene Beobachtungen und seien im Kern durchgehend konstant. Die Schilderungen des Lastwagenfahrers fielen insgesamt klar und differenziert aus. Er habe grundsätzlich immer gleich ausgesagt, er habe stark abbremsen müssen, als er den überholenden Beschwerdeführer und den Gegenverkehr wahrgenommen habe, beim Wiedereinscheren des Beschwerdeführers vor seinen Lastwagen habe es sich um Millimeterarbeit gehandelt, es sei extrem knapp gewesen und der Gegenverkehr sei zum Glück neben die Fahrbahn gefahren, da es ansonsten zu einem ganz schweren Unfall gekommen wäre. Die Vorinstanz führt weiter aus, es sei nicht ersichtlich, weshalb D.________ den Beschwerdeführer zu Unrecht beschuldigen sollte. Die Aussagen des Lastwagenfahrers wiesen verschiedene Realkennzeichen (Detailreichtum, Wiedergabe von Gedankengängen etc.) auf, die auf ein effektives Erleben schliessen lassen würden. Er habe die Vorkommnisse immer nachvollziehbar geschildert und sei bei seinen Erinnerungen geblieben (Urteil S. 15 f. E. 1.6.3). Was der Beschwerdeführer gegen diese Würdigung der Vorinstanz vorbringt (Beschwerde S. 14 ff. Ziff. 20 ff.), vermag keine Willkür zu begründen. Er beschränkt sich darauf, darzulegen, wie die Aussagen von D.________ seiner Auffassung nach richtigerweise zu würdigen gewesen wären. Solche Einwände setzen eine freie Prüfung in tatsächlicher Hinsicht voraus, die das Bundesgericht nicht vornimmt. Darauf ist nicht weiter einzugehen. Die vom Beschwerdeführer bei den Aussagen von E.________ (Lenker des Fahrzeugs unmittelbar hinter dem Personenwagen von B.________), F.________ (Lenker des dritten Fahrzeugs hinter dem Lastwagen) und G.________ (Lenker des Personenwagens direkt hinter dem Lastwagen) geltend gemachten Widersprüche, Unstimmigkeiten bzw. Übertreibungen vermögen die Glaubhaftigkeit der Aussagen dieser Personen zum angeklagten Überholmanöver des Beschwerdeführers nicht in Frage zu stellen (Beschwerde S. 17 ff. Ziff. 23 ff.). Die Vorinstanz nimmt erneut eine einlässliche sowie überzeugende Würdigung vor. Sie fasst zusammen, bei F.________, E.________ und G.________ sei ebenfalls kein Grund ersichtlich, weshalb sie den Beschwerdeführer zu Unrecht hätten belasten sollen. F.________ habe den Abschluss des Überholmanövers zwar nicht beobachten können, habe aber ausgesagt, es wäre auf der Höhe des Lastwagens zu einem Frontalzusammenstoss gekommen. Gemäss der Aussage von E.________ habe B.________ aufgrund des Überholmanövers eine Vollbremsung machen müssen und sei nach rechts ausgewichen, da es niemals nur aufgrund der Bremsung gereicht hätte, um eine Kollision mit dem überholenden Fahrzeug des Beschwerdeführers zu verhindern. Das überholende Fahrzeug sei dann unmittelbar vor dem Lastwagen wieder eingeschwenkt und weitergefahren, wobei Letzterer abgebremst habe. G.________ habe erklärt, er selber habe ziemlich stark bremsen müssen, als er bemerkt habe, dass er überholt werde, und für sich gedacht, dies werde nicht gut gehen (Urteil S. 16 E. 1.6.3). Entgegen der Rüge des Beschwerdeführers ist die vorinstanzliche Würdigung seiner Aussagen ebenfalls nicht zu beanstanden (Beschwerde S. 20 ff. Ziff. 26 ff.; Urteil S. 13 f. E. 1.6.2.6 und S. 16 f. E. 1.6.3).