Citation: 9C_39/2024 E. 3.1

3.1. Die Vorinstanz hat insbesondere festgestellt, die Beschwerdegegnerin sei nicht Mitglied des SBV und habe sich dem GAV FAR auch nicht freiwillig angeschlossen. Sie habe im Jahr 2017 resp. 2020 88 % resp. 80 % des Umsatzes im Bereich "Kompaktfassaden/verputzte Fassaden" erwirtschaftet, und die Angestellten hätten durchschnittlich 86,2 % resp. 90 % ihrer Arbeitsleistungen in diesem Bereich erbracht. Somit gebe der Bereich "Kompaktfassaden/verputzte Fassaden" dem Betrieb der Beschwerdegegnerin das Gepräge. Weiter hat das kantonale Gericht erwogen, die Beschwerdegegnerin werde (im Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2020) vom zeitlichen, räumlichen und betrieblichen Geltungsbereich gemäss AVE GAV FAR erfasst. Für die in den persönlichen Geltungsbereich fallenden (d.h. nicht in der Geschäftsführung oder Administration tätigen) Mitarbeitenden hat es somit die umstrittene Beitragspflicht gemäss GAV FAR im Grundsatz bejaht. Weiter hat das Gericht erkannt, dass die Beschwerdegegnerin - ab dem 1. Januar 2017 - auch vom zeitlichen, räumlichen und betrieblichen Geltungsbereich gemäss AVE GAV VRM Maler - Gipser erfasst werde und der entsprechende persönliche Geltungsbereich mit jenem gemäss AVE GAV FAR übereinstimme. Damit bestehe ab dem 1. Januar 2017 Konkurrenz zwischen zwei (als Branchenverträge zu qualifizierenden) Gesamtarbeitsverträgen. Sodann hat das Berufsvorsorgegericht ausgeführt, den beiden Allgemeinverbindlicherklärungen lasse sich keine vertragliche Kollisionsregel resp. Subsidiaritätsbestimmung entnehmen. Der AVE GAV VRM Maler - Gipser habe als lex specialis Vorrang vor dem AVE GAV FAR. Die zwischen den beteiligten Sozialpartnern erzielte Abgrenzungsvereinbarung ändere daran nichts. Die jeweiligen GAV seien mit deren Allgemeinverbindlicherklärung der Deutungshoheit der Parteien entzogen und der ordentlichen Gesetzesauslegung sowie der Rechtsprechung zum Vorgehen bei Konkurrenz zweier Gesamtarbeitsverträge unterworfen worden. Zudem seien die Vorgaben der Abgrenzungsvereinbarung nicht sachgerecht: Insbesondere könne für die Beitragspflicht nicht von Bedeutung sein, dass ein Betrieb in der Vergangenheit Beiträge an die Stiftung FAR entrichtet habe. Die gegenteilige Regelung in Ziff. 3 Abgrenzungsvereinbarung habe die abstruse Konsequenz, dass die Beschwerdegegnerin ihre Unternehmung "schliessen", eine neue Unternehmung gründen und mit der gleichen Belegschaft weiterarbeiten könnte, um sich so ihrer Beitragspflicht gegenüber der Stiftung FAR zu entledigen. Auch hinsichtlich der Rechtssicherheit und Erkennbarkeit der Pflichten sei es angezeigt, sämtliche Maler- und Gipserbetriebe unabhängig von ihrer konkreten Tätigkeit dem GAV VRM Maler - Gipser (resp. dessen allgemeinverbindlich erklärten Teilen) zu unterstellen. Folglich hat die Vorinstanz den Anspruch der Stiftung FAR auf Vorsorgebeiträge (samt Zins) gegenüber der Beschwerdegegnerin für die Zeit bis Ende 2016 bejaht und ab dem 1. Januar 2017 (Inkrafttreten des AVE GAV VRM Maler - Gipser) verneint.