Citation: 4A_78/2020 E. 4.8.2

4.8.2. Ob ein Missverhältnis zwischen den Nachbesserungskosten und dem vereinbarten Werklohn in extremen Fällen berücksichtigt werden darf bzw. in solchen Fällen unabhängig vom Nutzen des Bestellers ein Nachbesserungsrecht entfällt, ist (weiter) umstritten. Von einem Teil der Lehre wird das bejaht: ZINDEL/SCHOTT, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht, Bd. I, 7. Aufl. 2019, N. 50 zu Art. 368 OR mit Hinweisen; FRANÇOIS CHAIX, in : Commentaire romand, Code des Obligations, Bd. I, 2. Aufl. 2012, N. 43 zu Art. 368 OR; TERCIER/BIERI/CARRON, Les contrats spéciaux, 5. Aufl. 2016, S. 535 Rz. 3882. Generell gegen eine Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Werklohn und Nachbesserungskosten sind: GAUCH, a.a.O., S. 788 f. Rz. 1752 f.; BRÄNDLI, a.a.O., S. 135 f. Rz. 422; ANNETTE LENZLINGER GADIENT, Mängel- und Sicherungsrechte des Bauherrn im Werkvertrag, 1994, S. 111 f.; ANTON EGLI, Die Haftung des Unternehmers für Mängel seines Werks, in: Das private Baurecht der Schweiz, LENDI/NEF/TRÜMPY [Hrsg.], 1994, S. 85 ff., 92. KOLLER schliesslich lehnt die Beschränkung auf das Kosten-/ Nutzenverhältnis ab und will vielmehr neben dem Verhältnis zwischen Nachbesserungskosten und Werkpreis auch andere Umstände mitberücksichtigen (vgl. dazu ALFRED KOLLER, Das Nachbesserungsrecht im Werkvertrag, 2. Aufl. 1995, S. 30 f.).