Citation: 1C_401/2020 E. 6.3

6.3. Die Beschwerdegegnerin bestreitet, dass die Bestände der Leuctra schmidi im Lötschental mit denjenigen im Berner Oberland vernetzt seien; dafür sei die Entfernung zu gross und die dazwischenliegenden Pässe zu hoch. Überdies macht sie geltend, dass aufgrund der örtlichen Verhältnisse am Färdabach keine erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensgemeinschaft zu erwarten seien. Sie reicht hierfür Zusatzberichte der Pronat und der Geoplan AG ein. Aufgrund des hohen Gefälles des Färdabachs führe die Wasserentnahme nicht zu einer Verringerung der Fliessgeschwindigkeit. Auch die Dynamik des Bachs bleibe grösstenteils erhalten: Fassung und Ausbauwassermenge seien zu klein, um die Schneeschmelze, den Sommerabfluss und die regelmässig wegen Gewitter und Starkniederschlägen auftretenden Hochwasser aufzunehmen. Es seien auch nur äusserst geringe Veränderungen der Wassertemperatur zu erwarten: Die Restwasserstrecke sei sehr steil (ca. 20 %), so dass das Wasser rasch abfliesse; sie verlaufe durch einen schluchtartigen Abschnitt und sei daher stark abgeschattet. Schmelzwasser aus dem Ferden- und Oberferdengletscher sowie aus Altschneefeldern minimiere zudem die jahreszeitliche Wassertemperatur. Gleiches gelte für die Kolmations- und Geschiebehaushaltsproblematik: Das Tirolerwehr sorge dafür, dass das Geschiebe bei normalem Abfluss durchtransportiert werde, wobei das Feinmaterial im Entsander aufgefangen werde. Bei Hochwasserereignissen könne das Geschiebe durch das Wasserfassungsbauwerk durchtransportiert werden. Eine Kolmation der Bachsohle sei daher nicht zu erwarten. Vor diesem Hintergrund dürfe davon ausgegangen werden, dass der Lebensraum für die Leuctra schmidi erhalten bleibe. Im Winter und Frühling liege die Abflussmenge unter der Nutzschwelle, weshalb nicht turbiniert werden könne, d.h. die Problematik des Zufrierens in der Restwasserstrecke werde gegenüber dem natürlichen Zustand nicht verstärkt.