Citation: I 28/05 16.02.2006 E. 3

3.1 Die Vorinstanz hat erwogen, es fehlten medizinische Unterlagen aus der Zeit ab 1982, welche Rückschlüsse auf das Vorliegen einer für die Entstehung des Rentenanspruchs massgeblichen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zuliessen. Die Beschwerdeführerin bringt erneut vor, sie habe die Erwerbstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen reduziert und schliesslich aufgegeben. Dr. med. P.________, der sie psychiatrisch betreut habe, bestätige, dass sie praktisch vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. 3.1.1 Dr. med. P.________ hat die Beschwerdeführerin vom 9. November 1990 bis 3. April 1992 und vom 22. Dezember 1998 bis 18. Juni 1999 psychiatrisch behandelt (letztinstanzlich aufgelegter Bericht vom 10. Januar 2005). Er legt dar, dass er sich gut an die Patientin und die Therapie zu erinnern vermöge, weshalb es ihm möglich sei, sich zu einer damals bestandenen Arbeitsunfähigkeit zu äussern. Zumindest während der Behandlungsphasen hätten psychische Einschränkungen vorgelegen, die die Arbeitsfähigkeit im Umfang von 70 % bis 100 % beeinträchtigten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätten sich diese auch schon Jahre vor Beginn wie nach Abschluss der Therapien, welche nicht infolge Ausheilung der psychischen Störungen, sondern wegen "therapeutischer Ermüdungserscheinungen" der Patientin beendet worden seien, im erwähnten Ausmass ausgewirkt. 3.1.2 Die Behandlungen bei Dr. med. P.________ erfolgten im Wesentlichen wegen derselben psychiatrischen Befunde, die laut MBS-Gutachten seit Januar 2002 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit begründen (Angst, Panikattacken, depressive Episoden, defizitäre Persönlichkeitsentwicklung). Der psychiatrische Konsiliarius des MBS hielt fest, die Explorandin lebe und leide im Rahmen einer defizitären Entwicklung, welche von Vernachlässigung und Misshandlung wie auch unterlassener geistiger Förderung gekennzeichnet sei. Diese Umstände wirkten sich auch aktuell noch aus, indem neben sprachlichen Blockierungen oder Beschränkungen auch die mangelhafte Affekt- und Impulskontrolle auffalle. Die depressiven Krisen seien begleitet von Ausbrüchen mit autoagressiven und parasuizidalen Handlungen, Selbstverletzungen und Suizidimpulsen, wobei keine konkrete oder bewusste Anlässe für ihre Verzweiflungszustände erkennbar seien. Diese seit jungen Jahren rezidivierend vorkommenden Leidenszustände beeinträchtigten zusammen mit den eingeschränkten kognitiven und mnestischen Funktionen die Arbeitsfähigkeit beträchtlich. Im Weiteren sei davon auszugehen, dass die Explorandin ohne ihren Ehemann kein selbstständiges Leben führen könne und dauernder Hilfe psychiatrischer Spezialisten bedürfe. 3.1.3 Gemäss Bericht des rheumatologischen MBS-Konsiliarius beklagt die Versicherte Knieschmerzen beidseits, die vor allem bei Belastung akzentuiert aufträten. Das Begehen von Treppen und die Einnahme von Positionen in kniender Haltung sei ihr nahezu unmöglich. Diese Beschwerden seien seit der Kindheit dokumentiert, besserten zwischenzeitlich nach einer Rezentrierungsoperation beidseits im Alter von dreizehn und vierzehn Jahren und seien seit 1980 wieder deutlich verstärkt vorhanden. Seit diesem Zeitpunkt beklage sich die Explorandin auch über zunehmende belastungsabhängige Kreuzschmerzen. Die Untersuchung habe ergeben, dass die von der kooperativen Versicherten geschilderten Beschwerden prinzipiell glaubhaft und konkordant zu den klinischen Befunden und den Röntgenbildern seien. 3.1.4 Dr. med. S.________, Spezialist Innere Medizin/Rheumaerkrankungen FMH, berichtete, dass er die Beschwerdeführerin seit 1990 wegen femoro-patellärer, medial betonter Gonarthrose bei frontaler und axialer Instabilität, Status nach Patellaluxationen und operativer Stabilisierung beidseits behandle. Sie sei vom 11. bis 20. Oktober 1990 und vom 26. November bis 8. Dezember 1991 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Zusammenfassend dürfte die Arbeitsunfähigkeit für leichte körperliche Arbeiten auf 50 % bis 60 % eingeschätzt werden (rheumatologischer Befund, intellektuelle Einschränkung, zeitweise Depression; Berichte vom 27. Mai 2002 und 19. März 2003). 3.2 Auf Grund der dargelegten medizinischen Unterlagen und der kohärenten Angaben der Beschwerdeführerin steht fest, dass jedenfalls ab 11. Oktober 1990 eine Arbeitsunfähigkeit ohne wesentlichen Unterbruch von mindestens 40 % bestand, weshalb ab diesem Zeitpunkt die Wartezeit gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG (zweite Variante der Entstehung des Rentenanspruchs in der bis 31. Dezember 2002 geltenden Fassung) eröffnet war. Die Schlussfolgerung im MBS-Gutachten, wonach sich der Gesundheitszustand laut Angaben des Ehemannes in den vorangegangenen zwei Jahren deutlich verschlechtert habe, steht diesem Ergebnis nicht entgegen, nachdem die Experten davon ausgegangen sind, die psychiatrischen und rheumatologischen Befunde hätten schon im Jahre 1989 die Arbeitsfähigkeit in relevantem Ausmass beeinträchtigt. Für den Zeitraum von 1982 bis Oktober 1990 ist allerdings mit der Vorinstanz festzustellen, dass eine objektive Überprüfung der geltend gemachten gesundheitlichen Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit mangels aussagekräftiger, echtzeitlicher ärztlicher Stellungnahmen (vgl. dazu SVR 2005 BVG Nr. 5 S. 17 Erw. 5.2 [in BGE 130 V 501 nicht publiziert]) nicht möglich ist. Unterlagen, welche die kohärenten (subjektiven) Angaben der Beschwerdeführerin bestätigten, wie Auskünfte von Arbeitgebern, welche eine Leistungseinbusse bemerkten und damit allenfalls zur Anerkennung einer relevanten, nach Jahren rückwirkend festzulegenden medizinisch-theoretischen Arbeitsunfähigkeit beitragen könnten (vgl. SZS 2003 S. 434), liegen nicht vor und werden auch nicht geltend gemacht. Es ist daher nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V Erw. 5b, 125 V Erw. 2, je mit Hinweisen) nachzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bereits seit 1982 während 360 Tagen mindestens zur Hälfte beziehungsweise ab 1. Januar 1988 während eines Jahres mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen war. Wie die Vorinstanz insoweit zutreffend erwogen hat, fällt die Beurteilung daher zu Ungunsten der Beschwerdeführerin aus, die aus dem unbewiesen bleibenden Sachverhalt Rechte ableiten will (vgl. BGE 117 V 264 Erw. 3b mit Hinweisen).