Citation: 6B_1315/2017 E. A

Die Jugendanwaltschaft erliess gegen X.________ (Jg. 2000) seit dem Jahr 2011 zahlreiche Strafbefehle, die jeweils auf Diebstahl, Tätlichkeiten, Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch, Raub, Fälschung von Ausweisen, strafbare Vorbereitungshandlungen zu Raub sowie Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz zurückgingen. Die Jugendanwaltschaft verfügte im Rahmen dieser Strafbefehle verschiedene Massnahmen, die von persönlicher Betreuung und ambulanter Behandlung (teils mit Electronic Monitoring [EM]), über geschlossene Unterbringungen bis hin zu jugendstrafprozessualer Untersuchungshaft sowie Freiheitsentzug (geschlossen und in Halbgefangenschaft) reichten. Dr. med. A.________ stellte in einem forensisch-psychiatrisches Gutachten vom 16. April 2015 fest, X.________ entwickle sich eindeutig in Richtung einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und narzisstischen Anteilen, wobei er für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung noch zu jung sei. Er diagnostizierte eine Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen und oppositionellem aufsässigem Verhalten (ICD-10: F91.3, ICD-10: F91.2). X.________ erfülle zudem klar die Kriterien der "Psychopathy" der Psychopathy-Checkliste Youth Version (PCL-YV), was prognostisch sehr ungünstig sei und mit einer polytropen Kriminalität einhergehe. Die therapeutischen Möglichkeiten seien begrenzt. Es sei enorm wichtig, dass ihm bewusst sei, dass bei neuerlichen Gesetzesverstössen die geschlossene Unterbringung drohe. Bei dieser Ausgangslage sei der Schutz der Gesellschaft höher zu gewichten als Therapie und Ausbildung, deren Erfolg ohnehin sehr fraglich sei. Die Jugendanwaltschaft bestrafte ihn am 7. Februar 2017 mit 3 Monaten Freiheitsentzug, wovon 24 Tage zu vollziehen waren. Er befand sich vom 2. bis 17. März 2017 in Halbgefangenschaft im Sicherheitszimmer eines Jugendheims, wobei er gleichzeitig eine Lehre weiterführte. Wegen zahlreicher Verstösse gegen das Vollzugsregime wurde er vom 17. bis 26. März 2017 in die Jugendabteilung eines Gefängnisses versetzt, im Anschluss an den Vollzug vorsorglich untergebracht und in der Folge unter Auflagen mit EM ins Elternhaus entlassen. Er hielt sich nicht an die vereinbarten Rahmenbedingungen und wurde per 30. Mai 2017 aus der vorsorglichen Unterbringung entlassen. Das EM wurde entfernt, und er nahm seine Tagesstruktur im Rahmen der Schutzmassnahmen der persönlichen Betreuung und der ambulanten Behandlung wieder auf. Er besuchte weiterhin die Lehre und wurde sozialpädagogisch und schulisch begleitet (Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 25. August 2017).