Citation: 4A_189/2018 E. 4.2.2

4.2.2. Im Übrigen trifft zwar zu, dass die bundesgerichtliche Rechtsprechung seit jeher für bestimmte Sonderfälle Ausnahmen vom Grundsatz der sachenrechtlichen Anknüpfung des Eigentümerbegriffs im Sinne von Art. 58 OR anerkannt hat. Die noch in BGE 91 II 281 vertretene Begründung, für die Bestimmung des haftenden Werkeigentümers sei nicht bloss auf die Begriffe des Sachenrechts abzustellen, sondern auf den Zweck, dem die Werkanlage als Ganzes zu dienen habe, wurde indessen in BGE 106 II 201 (E. 2b) relativiert und auf den Sondertatbestand der Haftung des Gemeinwesens für öffentliche Strassen und Wege eingegrenzt. In BGE 121 III 448 (E. 2/3) bestätigte das Bundesgericht seine Praxis insoweit, als es das Gemeinwesen aufgrund seiner - ganz oder teilweise - im öffentlichen Recht begründeten Sachherrschaft unter dem Gesichtspunkt von Art. 58 OR einem privatrechtlichen Werkeigentümer gleichstellte. Die Beschwerdeführerin tut nicht dar, inwiefern im vorliegenden Fall, in welchem die öffentliche Hand unbeteiligt ist, sich eine Abweichung der sachenrechtlichen Anküpfung des Eigentümerbegriffs aufdrängen würde. Eine Ausdehnung der subjektiven Haftbarkeit, welche angesichts des klaren Gesetzeswortlauts und mit Rücksicht auf die Rechtssicherheit nur mit Zurückhaltung angenommen werden sollte (BGE 121 III 448 E. 2d), erscheint vorliegend auch nicht gerechtfertigt. Insofern die Beschwerdeführerin schliesslich auf nicht ausdrückliche Weise einen Haftungsausschluss aufgrund einer grösseren Anzahl in ihrer Verantwortung liegender Werke sowie einer bestimmten Zeitspanne seit deren Übergabe ( nota bene ohne Übertragung des Eigentums) geltend macht, entbehren ihre Vorbringen einer rechtlichen Grundlage. Die Beschwerdeführerin blieb Eigentümerin und damit Haftungssubjekt, selbst wenn das Baugerüst seit über fünf Monaten in der tatsächlichen Verfügungsgewalt des Bauherrn bzw. der Bauleitung war und sie Eigentümerin von über 52 derartiger Baugerüste auf einer Grossbaustelle ist. Die Vorinstanz ging zu Recht davon aus, es bestehe kein Anlass, die Beschwerdegegnerin von der Haftung nach Art. 58 OR auszunehmen.