Citation: 1P.350/2000 18.07.2000 E. 5

5.- Der Beschwerdeführer gibt die ihm vorgeworfenen Sachverhalte zu und führt nicht aus, dass es rechtliche Schwierigkeiten bei deren Qualifikation gebe. Er macht jedoch geltend, er werde ohne Rechtsvertreter niemals in der Lage sein, die für die Anordnung einer Massnahme nach Art. 44 StGB wesentlichen Argumente vorzubringen und das Gericht von seiner Massnahmewilligkeit und -fähigkeit zu überzeugen. Das Obergericht führt aus, die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Taten stünden offensichtlich nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Drogensucht. Tatsächlich scheint er die ihm vorgeworfenen Delikte mit Ausnahme des Fahrens in angetrunkenem Zustand nicht unter Einfluss von Alkohol oder Drogen begangen zu haben, sondern nachdem er von seiner Freundin verlassen worden war. Die Konnexität zwischen Sucht und Tat kann jedoch in sehr verschiedener Weise bestehen. Nach der Lehre ist sie auch gegeben, wenn Mittel zum Erwerb der Suchtmittel beschafft werden oder wenn der Angeschuldigte sich seinen Lebensunterhalt durch Delikte bestreitet, nachdem er durch seine Sucht bedürftig geworden ist (vgl. Günther Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, 1989, S. 422; Hans Schultz, Einführung in den allgemeinen Teil des Strafrechts, 2. Band, 4. Auflage, 1982, S. 167). Höchstrichterliche Praxis zur Frage, wann eine Konnexität gegeben ist, fehlt soweit ersichtlich. Somit kann auch angesichts der Ausführungen im angefochtenen Entscheid nicht von vornherein angenommen werden, diese Frage bereite im vorliegenden Fall keine rechtlichen Schwierigkeiten. Dazu kommt, dass die Frage, ob der Strafvollzug bei einem Drogen- und Alkoholabhängigen zu Gunsten einer Massnahme aufzuschieben ist, detailliert unter Berücksichtigung aller Umstände geprüft werden muss (vgl. BGE 115 IV 90 E. 3c S. 92 f.). Die Verteidigung wird die Ergebnisse von Gutachten und Berichten im Lichte der vom Obergericht im angefochtenen Entscheid vorgebrachten Zweifel vor Gericht würdigen müssen. Dies ist einem Laien, insbesondere aber dem drogenabhängigen Betroffenen, nicht ohne Weiteres möglich. Im Weiteren ist Rechtskunde nötig, um angesichts der Alternative zwischen ambulanten und freiheitsentziehenden Massnahmen sowie des Verhältnisses zwischen einer Freiheitsstrafe und einer anzuordnenden Massnahme die Interessen des Beschwerdeführers zu vertreten. Das Obergericht führt aus, der Beschwerdeführer sei heute auf dem gleichen Stand wie zu Beginn seiner zahlreichen Therapien im Jahre 1992. Gemäss Austrittsdiagnose der kantonalen psychiatrischen Klinik Rheinau leidet der Beschwerdeführer an Polytoxikomanie und an einer depressiven Episode. Es ist ihm nur dank der Beratung und Lohnverwaltung der Fürsorgebehörden möglich, jeden Monat die Pfändungsquote seines Einkommens einzuhalten. All dies erlaubt zusätzliche Zweifel daran, ob der Beschwerdeführer auf sich allein gestellt den Schwierigkeiten des gegen ihn laufenden Strafverfahrens gewachsen sein könnte. Schliesslich ist dieses Strafverfahren für den Beschwerdeführer von beträchtlicher Bedeutung, wird doch eine erhebliche unbedingte Freiheitsstrafe gegen ihn beantragt, die vom Obergericht als bessere Lösung angesehen wird. Falls eine solche Strafe verhängt wird, dürfte er seine Arbeitsstelle nicht behalten und seine Schulden nicht weiterhin abzahlen können. In Würdigung all dieser Umstände muss angesichts der Persönlichkeit des Beschwerdeführers, seiner Drogenabhängigkeit und der von ihm beantragten Massnahme von besonderen Schwierigkeiten ausgegangen werden, die eine Offizialverteidigung angesichts einer beantragten unbedingten Freiheitsstrafe notwendig erscheinen lassen. Das angefochtene Urteil verletzt somit Art. 29 Abs. 3 BV, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben ist.