Citation: 2C_1116/2018 E. 8.3

8.3. Fraglich ist hingegen insbesondere, ob die Unrichtigkeit der erwähnten Auskunft der KSTV/GL für die Beschwerdeführerinnen (bzw. ihre damaligen Rechtsvertreter) nicht ohne Weiteres erkennbar war. Zwar ergibt sich nicht direkt aus dem Gesetzestext, welche Ausscheidungsmethode anzuwenden ist, und besteht, wie gesehen, in der Lehre keine Einigkeit über die grundsätzlich im internationalen Verhältnis anzuwendende Methode (vgl. E. 7.3.2 hiervor; siehe auch Ur teil 2C_151/2017, 2C_152/2017, 2C_178/2017, 2C_179/2017 vom 16. Dezember 2019 E. 3.2, zur Publikation vorgesehen). Indessen ist bei einer objektivierten Betrachtung davon auszugehen, dass für die Beteiligten ohne Weiteres erkennbar war, dass der Besteuerung nach der gesetzlichen Konzeption grundsätzlich das Welteinkommen bzw. der weltweit erzielte Gewinn zugrunde zu legen ist. Dies ergibt sich schon daraus, dass im Gesetz von einer unbeschränkten Steuerpflicht die Rede ist (vgl. Art. 52 Abs. 1 DBG). Bei dieser Sachlage muss aber den Beschwerdeführerinnen bei Erhalt der fraglichen Schreiben der Steuerverwaltung bewusst gewesen sein, dass es sich bei der darin festgehaltenen Methode der Gewinnermittlung um eine blosse Hilfsmethode zur Ermittlung des nach dem Gesetz steuerbaren, sich (gegebenenfalls) aus inländischen und ausländischen Teilen (unter Ausschluss ausländischer Geschäftsbetriebs-, Betriebsstätten- und Grundstückgewinne) zusammensetzenden Gewinnes handelt. Auch musste ihnen damals klar sein, dass die Anwendung dieser Hilfsmethode von vornherein nur dann (allenfalls) in Einklang mit dem Gesetz stehen könnte, wenn sie im konkreten Fall - etwa deshalb, weil keine nennenswerte, von Geschäftsbetriebs-, Betriebsstätten- und Grundstückgewinnen losgelöste Auslandsgewinne auf dem Spiel stehen - zu einem steuerbaren Gewinn führt, welcher grosso modo dem steuerbaren Gewinn entspricht, welcher bei einer korrekten Ausscheidung ausgehend vom weltweit erzielten Gewinn resultieren würde. Mit Blick auf das Gesagte muss bei objektivierter Betrachtung davon ausgegangen werden, dass die Unrichtigkeit der mit den in Frage stehenden Schreiben der Steuerverwaltung gegebenen Auskunft ohne Weiteres erkennbar war, sofern den Beschwerdeführerinnen bekannt war, dass ihre Auslandsgewinne nicht praktisch ausnahmslos im Zusammenhang mit Geschäftsbetrieben, Betriebsstätten oder Grundstücken anfallen würden. Gegebenenfalls wäre nämlich für die Beschwerdeführerinnen schon zu Beginn der streitbetroffenen Steuerperioden offenkundig gewesen, dass mit einem Abstellen auf den "Inlandumsatz" unter Kostenaufschlag in Verstoss gegen das in Art. 52 Abs. 1 DBG verankerte Welteinkommensprinzip in der Schweiz steuerbare Auslandsgewinne, die nicht mit ausländischen Geschäftsbetrieben, Betriebsstätten oder Grundstücken verknüpft sind, dem schweizerischen Fiskus entzogen werden. Sollte bei der Abfassung der Schreiben vom 11. Dezember 2008 und 12. November 2010 hingegen davon ausgegangen worden sein, dass nur solche Auslandsgewinne im Ausland anfallen, die ohnehin (nur) im Ausland steuerbar sind, und es sich in der Folge de facto anders verhalten haben (indem Auslandsgewinne erzielt wurden, die von Geschäftsbetrieben, Betriebsstätten und Grundstücken im Ausland unabhängig sind), wäre die entsprechende behördliche Auskunft ebenfalls unverbindlich bzw. keine vorliegend relevante Vertrauensgrundlage. Denn gegebenenfalls wäre der diesen Schreiben zugrunde gelegte und der Steuerverwaltung im Vorfeld vorgelegte Sachverhalt in rechtswesentlichen Punkten nicht mit dem später tatsächlich verwirklichten Sachverhalt identisch, weshalb die Schreiben kein berechtigtes Ver trauen in eine bestimmte steuerrechtliche Behandlung des verwirklichten Sachverhalts hätten begründen können.