Citation: 1C_628/2022 E. 3.4.2

3.4.2. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass analytische Messwerte bei Haaranalysen mit einer gewissen Messunsicherheit behaftet sind. Die Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) geht dabei sowohl für die Bestimmung von Alkohol (EtG-Wert) als auch für die Bestimmung von Drogen und Medikamenten von einer Messunsicherheit von +/- 30% aus (Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin SGSM, Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von Ethylglucuronid [EtG] in Haarproben, Version 2017 [nachfolgend: SGSM, EtG], Ziff. 5.3.3; Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin SGSM, Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von Drogen und Medikamenten in Haarproben, Version 2017, Ziff. 5.4). Zudem handelt es sich bei Ethylglucuronid (EtG) und Cocaethylen um zwei unterschiedliche Stoffwechselprodukte. Während EtG ein nicht oxidatives Stoffwechselprodukt (Phase-II-Metabolit) des Trinkalkohols (Ethanol) ist und als direkter Marker für einen Alkoholkonsum gilt (vgl. SGSM, EtG, Ziff. 3.1), handelt es sich bei Cocaethylen, auch Ethyl-Cocain genannt, um ein anderes Stoffwechselprodukt, das aus Kokain bei gleichzeitigem Konsum von Trinkalkohol gebildet wird (vgl. MARKUS BAUMGARTNER, Nachweis des Konsums von psychotropen Substanzen und Alkohol mittels Haaranalyse, Therapeutische Umschau 2011, S. 271). Inwieweit die beiden Werte daher überhaupt korrelieren und ein Widerspruch vorliegen soll, wenn in den untersuchten Haaren kein Ethylglucuronid, jedoch Cocaethylen nachgewiesen werden konnte, zeigt der Beschwerdeführer nicht näher auf. Es ist insbesondere nicht nachvollziehbar, wie der Beschwerdeführer ohne weitere Anhaltspunkte aus diesem Umstand ableitet, die Haarprobe für den Kokainnachweis könne nicht von ihm stammen. Es ist jedenfalls unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Glaubwürdigkeit des Gutachtens hinsichtlich des für den Führerausweisentzug massgebenden Kokainkonsums aufgrund der getesteten Werte für Ethylglucuronid und Cocaethylen des Beschwerdeführers nicht grundsätzlich in Frage stellte.