Citation: 6B_1363/2019 E. 2.4.2

2.4.2. Konnte der Täter die Verminderung der Schuldfähigkeit vermeiden und dabei die in diesem Zustand begangene Tat voraussehen, so ist Art. 19 Abs. 2 StGB nicht anwendbar (Art. 19 Abs. 4 StGB; sog. "actio libera in causa"). Der Wortlaut von Art. 19 Abs. 4 StGB schliesst auch die fahrlässige "actio libera in causa" ein. Im Falle einer fahrlässigen "actio libera in causa" greift eine Fahrlässigkeitshaftung, soweit im Gesetz eine Fahrlässigkeitsstrafdrohung besteht. Die Verminderung der Schuldfähigkeit ist bei einer Vorsatztat im Fall einer fahrlässigen "actio libera in causa" zwar relevant, doch muss ihr nicht vollumfänglich strafmindernd Rechnung getragen werden, da immerhin eine fahrlässige "actio libera in causa" vorliegt (BGE 120 IV 169 E. 2a S. 171; 117 IV 292 E. 2b S. 295; Urteile 6B_58/2012 vom 10. September 2012 E. 5.3; 6B_401/2007 vom 8. November 2007 E. 7.2, nicht publ. in: BGE 134 IV 132; vgl. auch BOMMER, a.a.O., N. 107 ff. zu Art. 19 StGB). Ob eine "actio libera in causa" vorliegt, ist von Amtes wegen zu prüfen, wenn das Ausmass der Strafminderung infolge der Verminderung der Schuldfähigkeit streitig ist (Urteil 6B_401/2007 vom 8. November 2007 E. 7.1, nicht publ. in: BGE 134 IV 132). Die Rechtsprechung stellt an die Annahme einer fahrlässigen "actio libera in causa" hohe Anforderungen. Verlangt wird, dass der Täter im Zeitpunkt der vollen Schuldfähigkeit voraussehen konnte, er werde ein bestimmtes Delikt begehen. Der spätere Geschehensablauf muss für den Täter dabei mindestens in seinen wesentlichen Zügen voraussehbar sein (vgl. BGE 120 IV 169 E. 2c S. 171). Die Vorinstanz verneint daher zu Recht eine "actio libera in causa".