Citation: 6S.252/2006 17.08.2006 E. 3

Der Beschwerdeführer fuhr rückwärts auf eine Hauptstrasse hinaus. Die Sichtverhältnisse waren für ihn stark eingeschränkt. Er war gegenüber den auf der Hauptstrasse in beide Richtungen fahrenden Fahrzeugen vortrittsbelastet. Mit seinem Fahrmanöver schuf er eine an und für sich gefährliche Verkehrssituation und war deshalb verpflichtet, die nach den Umständen und den beschränkten Sichtverhältnissen gebotenen Massnahmen zu treffen, um eine Beeinträchtigung oder Gefährdung herannahender Vortrittsberechtigter zu verhindern. Bevor der Beschwerdeführer auf die Hauptstrasse hinausfuhr, erblickte er auf der Gegenfahrspur in rund 10 m Distanz einen langsam herannahenden Traktor. Die Fahrstrecke hinter dem Traktor konnte er nicht überblicken. Da die Sicherheitslinie talauswärts her betrachtet kurz vor seiner Ausfahrt endete, war objektiv damit zu rechnen, dass ein Fahrzeug beim Ende der Sicherheitslinie unmittelbar zum Überholen des Traktors ansetzen könnte. Der Beschwerdeführer konnte bei dieser Situation sein Fahrmanöver nicht ausführen, ohne die Verkehrsteilnehmer, die möglicherweise verkehrsregelgemäss den Traktor an der erwähnten Stelle überholen wollten, in ihrer Fahrt zu behindern oder gar zu gefährden. Er hätte aufgrund der unklaren Verkehrslage daher warten müssen, bis der Traktor an ihm vorbeigefahren war, bevor er sich rückwärts in die Hauptstrasse einfügte. Indem er gleichwohl losfuhr, hat er die ihm obliegende Sorgfaltspflicht verletzt, und er kann sich daher nicht auf den Vertrauensgrundsatz berufen. Damit ist unerheblich, ob und in welchem Ausmass sich die Unfallbeteiligte einer Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht hat. Die vom Beschwerdeführer vorgenommenen Berechnungen (vgl. Beschwerde, S. 4 f.) sind unbehelflich. Der Schuldspruch wegen Missachtung des Vortritts mit Unfallfolge verletzt kein Bundesrecht.