Citation: U 33/03 02.12.2003 E. 4.2

4.2.1 Obgleich der Kollision vom 10. Februar 1993, bei welcher der vom Beschwerdeführer gelenkte Personenwagen durch ein nicht vortrittsberechtigtes, abrupt von links in die Fahrbahn einbiegendes Auto frontal gerammt wurde, eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden kann (vgl. dazu auch SVR 1999 UV Nr. 10 S. 33 Erw. 4), hat sie sich jedoch nicht unter besonders dramatischen Begleiterscheinungen ereignet. Vielmehr handelte es sich um einen im Stadtverkehr nicht ungewöhnlichen Unfall, dem - bestätigt durch den Polizeirapport vom 10. Februar 1993 - nichts Aussergewöhnliches anhaftete und der damit die rechtsprechungsgemäss erforderliche besondere Eindrücklichkeit des Vorfalles nicht erfüllt. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde begründet der Versicherte das Kriterium der Eindrücklichkeit des Unfalls zudem mit seinem nachträglichen randalierenden Verhalten auf der Polizeistelle. Er übersieht dabei indessen, dass - wie zuvor dargelegt - nicht auf das subjektive Unfallerlebnis und dessen Verarbeitung, sondern lediglich auf das objektivierte Unfallereignis als solches abzustellen ist (BGE 117 V 366 Erw. 6a; Urteil M. vom 10. Februar 2000, U 237/99, Erw. 3a). 4.2.2 Was das Kriterium der besonderen Art der zugezogenen Verletzungen anbelangt, ist dieses, da keine Häufung verschiedener, für ein HWS-Schleudertrauma charakteristischer Beschwerden mit schweren Auswirkungen gegeben ist, als nicht erfüllt zu betrachten. Die Diagnose eines Schleudertraumas vermag für sich allein keine besondere Art der Verletzungen zu begründen (vgl. Urteil D. vom 16. August 2001, U 21/01, Erw. 3d mit Hinweisen). 4.2.3 Das Kriterium der ungewöhnlich lange andauernden ärztlichen Behandlung ist demgegenüber - entgegen der Betrachtungsweise der Beschwerdegegnerin - mit der Vorinstanz zu bejahen, befand sich der Beschwerdeführer zwar nicht ständig, aber immer wieder in ärztlicher Behandlung. Nachdem der Versicherte am Tag des Unfalles das Spital Y.________ aufgesucht hatte, hielt er sich vom 12. bis 19. Februar 1993 in der Klinik X.________ auf, wobei ihm PD Dr. med. A._________ bei der Entlassung eine aufbauende physikalische Therapie verordnete (Arztzeugnis UVG vom 22. Februar 1993). Dr. med. B.________, Spezialarzt FMH für Neurologie, Spital F.________, schlug in seinem Bericht vom 7. April 1993 eine medikamentöse Migränebehandlung vor, während Dr. med. S.________, welcher den Versicherten Ende Oktober 1994 erstmals untersuchte, eine Intensivierung der physikalischen Therapie sowie eine stationäre Rehabilitationskur mit intensiver Physiotherapie für notwendig erachtete (Bericht vom 26. Oktober 1994; Arztzeugnis UVG vom 1. November 1994). Vom 9. bis 28. Januar 1995 hielt der Beschwerdeführer sich daraufhin im Medizinischen Zentrum D.________ auf (Bericht vom 31.Januar 1995). Im Juni 1995 fand eine neuroangiologischkonsiliarische Untersuchung durch Dr. med. E.________, Spezialarzt FMH für Neurologie, Konsiliarius für Neuroangiologie, Ärztehaus F.________, statt, welcher als weiterführende Massnahmen morgendliche Wechselduschen und Bürstenmassagen, Gymnastik, genügende Flüssigkeitszufuhr etc. empfahl (Bericht vom 8. Juni 1995). Am 2. und 17. Oktober 1995 wurde der Versicherte sodann neuropsychologisch durch lic. phil. G.________ beurteilt, der eine fortführende neuropsychologische Therapie für indiziert erachtete (Berichte vom 13. November und 21. Dezember 1995). Vom 22. Januar bis 4. März 1996 absolvierte der Beschwerdeführer ca. sechs Ergotherapiesitzungen (Bericht des Zentrums U.________ vom 18. September 1996) und unterzog sich in der Folge einer MRI-Untersuchung des Schädels (Bericht des Dr. med. L.________, Spezialarzt FMH für Röntgendiagnostik, speziell Neuroradiologie, Klinik P.________, vom 24. Oktober 1996). Seit dem 4. April 1998 stand der Versicherte in Behandlung bei Dr. med. E.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, welcher mit Bericht vom 28. Juli 1998 um Kostengutsprache für eine weitergehende Pharmakotherapie mit Antidepressivum ersuchte. Am 15. Oktober 1998 fanden alsdann neurologische und neuropsychologische Untersuchungen in der Klinik N.________ statt (Gutachten der Dres. med. C.________ und W.________ vom 19. März 1999 samt Ergänzungsbericht vom 27. Mai 1999). Wie dem ambulanten neuropsychologischen Teilbegutachtungsbericht des Dr. med. C.________ und der Frau O.________, Psychologin FSP/Neuropsychologin, vom 27. Oktober 1999 zu entnehmen ist, wurde zu einer Psychotherapie kognitivbehavioraler Ausrichtung geraten. Am 18. August 1999 führte Dr. med. H.________ eine psychiatrische Exploration durch und hielt in seinem Gutachten vom 13. September 1999 fest, therapeutische Massnahmen seien zur Zeit keine angezeigt, wobei allenfalls, sofern der Patient selber die Motivation aufbringe, eine psychotherapeutische Behandlung ratsam sei. Aus diesen medizinischen Unterlagen erhellt, dass der Beschwerdeführer sich nach seinem Unfall über Jahre ärztlichen Untersuchungen und Therapien unterzogen hat. Diese dienten nicht nur, wie von der "Zürich" vernehmlassungsweise vorgebracht, der Abklärung von "befürchteten organischen Störungen", sondern wiesen eindeutig auch - namentlich mit Blick auf die von verschiedenen Seiten empfohlene Psychotherapie - eigentlichen Behandlungscharakter auf. Da einige der angefangenen Therapien auf Grund der ablehnenden Haltung des Beschwerdeführers abgebrochen werden mussten (Ergotherapie usw.) - und somit nicht lange andauerten - und andere Untersuchungen in erster Linie zur Klärung versicherungsrechtlicher Leistungsansprüche vorgenommen wurden, liegt dieses Kriterium indessen nicht in besonders ausgeprägter Form vor. 4.2.4 Nach der zuvor geschilderten Aktenlage, wonach die vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen persistierten, kann das Kriterium der Dauerbeschwerden ebenfalls bejaht werden. Im Einspracheentscheid (vom 23. Juli 2001) war dieses denn auch noch seitens der "Zürich" als erfüllt betrachtet worden. 4.2.5 Des Weiteren liegt unbestrittenermassen keine ärztliche Fehlbehandlung vor, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat. 4.2.6 Anhaltspunkte für einen schwierigen, mit erheblichen Komplikationen verbundenen Heilungsverlauf bestehen sodann nicht. Wenn auch die neuropsychologischen (Konzentrations- und Gedächtnisdefizite) und vegetativen Beschwerden (Schlafstörungen) - im Gegensatz zu den lumbovertebralen Beeinträchtigungen - noch im Gutachten der Dres. med. C.________ und W.________ vom 19. März 1999 als anhaltend beschrieben werden und Dr. med. H.________ in seiner Expertise vom 13. September 1999 von - nicht ausgeheilten - rezidivierenden depressiven Episoden spricht, kann daraus allein nicht auf erhebliche Komplikationen im Genesungsprozess geschlossen werden. Insbesondere war der Beschwerdeführer auch nach dem Unfall in der Lage, über Jahre seine berufliche Tätigkeit weiterhin in einem Vollpensum auszuüben (vgl. Erw. 4.2.7 hiernach). Dies wäre jedoch bei Vorliegen erheblicher gesundheitlicher Komplikationen, selbst unter Aufbietung grosser Willensanstrengung, kaum möglich gewesen. 4.2.7 Auf Grund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer rund zwei Wochen nach dem Unfall schon wieder zu 100 % arbeitsfähig war und die Ärzte ihm lediglich eine Leistungseinbusse von 20 % bescheinig-ten, ist des Weitern auch das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit als nicht gegeben zu erachteten. Die Annahme einer um 20 % reduzierten Arbeitsfähigkeit, welche sowohl durch die Dres. med. C.________ und W.________ als auch durch Dr. med. H.________ bescheinigt wurde, erscheint unter Berücksichtigung der medizinischen Abklärungen als glaubwürdig. Sogar wenn den Angaben des Beschwerdeführers - welche überdies nicht angezweifelt werden - gefolgt werden kann, wonach das Erreichen einer 100%igen Leistungsfähigkeit für ihn mit ausserordentlichen Anstrengungen verbunden gewesen sei und er bei der Firma R.________ AG über einen geschützten Arbeitsplatz verfügt habe, reicht dies, vor allem in Anbetracht der geringen Dauer der vollständigen Arbeitsunfähigkeit, zur Bejahung dieses Kriteriums nicht aus (vgl. zur bisherigen Rechtsprechung auch Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgericht zum Sozialversicherungsgericht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 67 oben). 4.3 Da somit lediglich zwei der Kriterien erfüllt sind, welchen im Rahmen einer Gesamtwürdigung des Unfalles zudem nicht ausschlaggebendes Gewicht beizumessen ist, kommt dem Unfallereignis vom 10. Februar 1993 keine massgebliche Bedeutung für die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und die damit zusammenhängende Arbeitsunfähigkeit im Sinne der adäquaten Kausalität zu. Auf ergänzende Beweisvorkehren, namentlich den beantragten Beizug weiterer IV-Akten, kann somit verzichtet werden, lassen sich hievon doch keine zusätzlichen Aufschlüsse erwarten (antizipierte Beweiswürdigung; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b mit Hinweisen auf BGE 124 V 94 Erw. 4b und 122 V 162 Erw. 1d). Damit erweist sich der vorinstanzliche Entscheid als rechtens.