Citation: 4A_412/2019 E. 7.4.2

7.4.2. Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass sich den Rechtsschriften der Beschwerdeführerin weder eine ausführliche Erklärung der Kausalität für die zwischen den geltend gemachten Mängeln und den angeblich aufgetretenen Feuchtigkeitsschäden aus naturwissenschaftlicher Sicht noch eine klare Zuordnung der verschiedenen Schadensposten zu den einzelnen Mängeln entnehmen lässt. Entgegen ihrer Ansicht konnte dies jedoch realistischerweise nicht von dieser verlangt werden. 7.4.2.1. Zwar ist vom Kläger zu verlangen, dass er dem Gericht sämtliche Tatsachen unterbreitet, die Tatbestandsmerkmale bilden (s. oben, E. 4.1). Die Vorinstanz verkennt jedoch, dass der Kläger in einem Bauprozess nicht notwendigerweise über das erforderliche Fachwissen verfügt, um die Auswirkungen der einzelnen Mängel auf die Baute in technischer Hinsicht zu eruieren. Das Beweisverfahren dient zwar nicht dazu, fehlende Behauptungen zu ersetzen oder zu ergänzen, sondern setzt solche vielmehr voraus. Jedoch kann vom Kläger vernünftigerweise nicht verlangt werden, dass er vor der Durchführung eines Beweisverfahrens die entscheidrelevanten technischen Aspekte bis ins letzte Detail darlegt, würde dies doch die gerichtliche Durchsetzung der Ansprüche faktisch verunmöglichen. Zwar steht es dem Kläger frei, noch vor der Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens ein Privatgutachten einholen, was bei komplexen Baustreitigkeiten auch den Regelfall darstellen dürfte. Erstens ist dies jedoch nach der Konzeption der ZPO nicht zwingend. Zweitens tat die Beschwerdeführerin gerade das, holte sie doch zwei Privatgutachten ein, um ihre Behauptungen zu substanziieren. Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, gelten meist als besonders substanziiert (vgl. zum Privatgutachten BGE 141 III 433 E. 2.5-2.6 sowie oben E. 4.2.2.1). Dass einer der beiden beauftragten Privatgutachter zwar die Kausalität bejaht hat, ohne jedoch genauere Ausführungen zu diesem Punkt zu machen, kann nicht zur Abweisung der Klage führen. Der Umstand, dass der Experte den von der Beschwerdeführerin behaupteten Kausalzusammenhang bejahte, muss vielmehr als Behauptung genügen, auch wenn dieser die technischen Modalitäten des Kausalzusammenhangs nicht detailliert darlegte. Indem die Beschwerdeführerin mit Hinweis auf zwei Privatgutachten und unter Angabe von verschiedenen Beweisofferten ausführte, dass verschiedene Bauelemente, welche dem Schutz vor Feuchtigkeit dienen, entgegen den Regeln der Baukunde nicht vorhanden oder mangelhaft seien, was Feuchtigkeitsschäden verursacht habe, kam sie ihrer Behauptungs- und Substanziierungslast hinsichtlich der Voraussetzung des Kausalzusammenhanges nach. Teilweise scheint die Vorinstanz eine (materielle) Beurteilung der Voraussetzung des Kausalzusammenhangs vorzunehmen, obwohl sie die Beschwerdeführerin mit Hinweis auf die Substanziierungsanforderungen gar nicht zum Beweis zulässt. Ob von der Beschwerdeführerin zu verantwortende mechanische Beschädigungen vorliegen bzw. ob die Erstellung des Filialbodens im Rüttelverfahren dazu führen könne, dass Restfeuchtigkeit über die Wände entweiche, muss geprüft werden. Wie diese Prüfung ohne die Abnahme von Beweisen erfolgen konnte, ist wiederum nicht ersichtlich. 7.4.2.2. Auch an die Haftungsvoraussetzung des Schadens stellte die Vorinstanz überhöhte Substanziierungsanforderungen. Entgegen der Einschätzung der Vorinstanz wurde in der Klage dargelegt, welche Kosten für welche Arbeiten angefallen sind. Die darüber hinausgehende Anforderung der Vorinstanz, die verschiedenen Schadenposten sollten zu den einzelnen Mängeln zugeordnet werden, erweist sich als nicht praktikabel. Erleiden Bauten Feuchtigkeitsschäden, muss der Bauherr zu deren Behebung - sofern keine Nachbesserung erfolgt - Sanierungsarbeiten von Unternehmern bzw. Handwerkern durchführen lassen. Die von diesen eingeholten Offerten bzw. erstellten Rechnungen erfassen regelmässig die (wesentlichen) erforderlichen Arbeitsschritte. Eine Aufteilung der Kosten auf die einzelnen "Mängel" im juristischen Sinne ist hingegen praxisfremd. Angaben über den Anteil der angeblichen Mängel - etwa der fehlenden Sockelabddichtung oder der unzureichenden Putze - an den Sanierungskosten enthalten die Offerten bzw. Rechnungen nicht. Wie die Beschwerdeführerin hätte vorgehen sollen, um den vorinstanzlichen Substanziierungsanforderungen zu genügen, ergibt sich aus dem angefochtenen Entscheid nicht und ist auch nicht ersichtlich. Nicht selten ist ein Schaden auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Die mit dem multikausalen Verlauf des Schadensfalles verbundenen technischen und praktischen Schwierigkeiten bei der Zuordnung der Kosten zu den einzelnen Mängeln sollen nicht dazu führen, dass die Durchsetzung eines materiellen Anspruches mit Hinweis auf die Substanziierungsanforderungen faktisch verunmöglicht wird. Kommt das Gericht zum Schluss, dass nur einzelne der gerügten Mängel bestehen, hat es grundsätzlich nach seinem Ermessen gestützt auf die abgenommenen Beweise den Anteil der bejahten Mängel am geltend gemachten gesamten Schaden festzusetzen. Vom Kläger zu verlangen, dass er sich mit sämtlichen entsprechenden hypothetischen Konstellationen in Antizipation der gerichtlichen Beurteilung auseinandersetzt, ist nicht zumutbar. Falls vorliegend die genaue Zuordnung zu den einzelnen Mängeln überhaupt möglich war, wäre die Beschwerdeführerin im Übrigen erst nach der Durchführung eines Beweisverfahrens dazu in der Lage gewesen. Das setzt aber voraus, dass sie zum Beweis zugelassen wird. Durch die Abnahme der beantragten Beweismittel, etwa die Anordnung einer Expertise, hätten die technischen Hintergründe der durch die dargelegten Mängel und deren Auswirkungen auf die Filialen sowohl naturwissenschaftlich als auch kostenmässig abgeklärt werden können. Ob die Offerten bzw. Rechnungen der Unternehmer sachfremde Kosten enthalten, hätte dabei insbesondere auch geklärt werden können. Das Gesagte gilt auch für die Gutachterkosten [ang. Enscheid, S. 125]. Hinsichtlich der vorprozessualen Anwaltskosten erwog hingegen die Vorinstanz, diese seien auch deshalb nicht zu ersetzen, weil die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren nicht ausgeführt habe, inwiefern die fraglichen Kosten nicht der Vorbereitung des vorliegenden Prozesses gedient haben sollen. Diese (selbstständige) Begründung wird von der Beschwerdeführerin nicht angefochten, weshalb das angefochtene Urteil in diesem Punkt nicht zu beanstanden ist.