Citation: 1C_30/2024 E. 6.1

6.1. Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, nach Art. 41 Abs 1 aBüG könne die erleichterte Einbürgerung nichtig erklärt werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Das SEM sei somit selbst dann nicht verpflichtet, die erleichterte Einbürgerung für nichtig zu erklären, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen gegeben seien. Vielmehr habe es in Ausübung des pflichtgemässen Ermessens über die Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung zu entscheiden. Dabei sei u.a. von Bedeutung, ob ein klassischer, typischer Missbrauchsfall vorliege oder nicht. Dies sei hier nicht der Fall. Mit der Frage des pflichtgemässen Ermessens beim Entscheid über die Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung habe sich die Vorinstanz nicht auseinandergesetzt. Die Vorinstanzen hätten das täuschende Verhalten einzig daraus abgeleitet, die Beschwerdeführerin habe die Schwangerschaft und Geburt verheimlicht. Angesichts dessen, dass ihr Ehemann damit ausdrücklich einverstanden gewesen sei und darin keinen Grund für Zweifel an der Stabilität der ehelichen Gemeinschaft gesehen habe, könne nicht von einem zielgerichteten und täuschenden Verhalten ausgegangen werden. Mit dem angefochtenen Urteil habe sie das ihr zustehende Ermessen nicht pflichtgemäss ausgeübt, sondern unterschritten.