Citation: 6S.125/2007 19.06.2007 E. 2

Die Vorinstanz stellt unter Verweisung auf das erstinstanzliche Urteil folgenden, für den Kassationshof verbindlichen Sachverhalt fest (Art. 277bis Abs. 1 BStP): Der ortskundige Beschwerdeführer beabsichtigte am Samstag, den 8. Oktober 2003, einem schönen, trockenen Herbsttag, um ca. 15.30 Uhr, mit seinem Personenwagen Mitsubishi Pajero, einem 4x4 Geländewagen, in Twann bei der Einmündung Wingreis, zwischen Tüscherz-Alfermée und Twann in die Hauptstrasse A5 nach links in Richtung Biel einzubiegen. Nachdem der Beschwerdeführer die Haltelinie überfahren hatte, kam es zu einer heftigen Kollision zwischen seinem Wagen und dem vom verstorbenen Unfallopfer gesteuerten VW Golf, der von Biel in Richtung Twann - Neuenburg unterwegs war. Der VW Golf prallte dabei praktisch frontal in die linke Fahrzeugseite des vom Beschwerdeführer gelenkten Wagens. Der nicht angegurtete Lenker des VW Golf erlag noch auf der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Die beiden weiteren, ebenfalls nicht angegurteten Insassen des VW Golf sowie der Beschwerdeführer und seine Ehefrau als Beifahrerin wurden bei der Kollision schwer verletzt (angefochtenes Urteil S. 6 f.). Nach dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern vom 6. Januar 2004 stand der 19-jährige Lenker des VW Golf bei seiner Fahrt unter dem massiven kombinierten Einfluss von Cannabis und Ecstasy und war aus forensisch-toxikologischer Sicht nicht fahrfähig (Untersuchungsakten act. 38 ff.). Nach dem verkehrstechnischen Gutachten vom 1. März 2004 soll sich der Drogenkonsum indes nicht auf den Unfallhergang ausgewirkt haben, da die Kollisionsanalyse keinen Reaktionsverzug ergab (Untersuchungsakten act. 97, 105). Ausserdem fuhr der jugendliche Lenker, nachdem er an dieser Stelle verkehrsregelwidrig ein anderes Fahrzeug, einen Honda Civic, überholt hatte, mit weit übersetzter Geschwindigkeit auf die Unfallstelle zu. Die Vorinstanz geht gestützt auf das verkehrstechnische Gutachten von einer Geschwindigkeit des VW Golf vor Beginn des Bremsmanövers im Bereich von mindestens 111 km/h bis maximal 125 km/h bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h aus. Schliesslich befand sich der VW Golf gemäss Bericht der Kantonspolizei in einem nicht vorschriftsgemäss ausgerüsteten Zustand und wies namentlich Mängel an der Bremsanlage auf, welche zu einer verminderten Bremsleistung führten (angefochtenes Urteil S. 6 f.). Im Einzelnen nimmt die Vorinstanz an, der Beschwerdeführer habe, bevor er in die vortrittsberechtigte A5 eingefahren sei, gewartet und den Blick zuerst nach links und anschliessend nach rechts gerichtet und sei danach - ohne noch einmal nach links zu blicken - losgefahren, um in einem zweistufigen Manöver zuerst in die Mitte der Fahrbahn zu fahren und hernach nach links in die Hauptstrasse einzubiegen. Vor der Entschlussfassung zur Wegfahrt habe er den vom VW Golf überholten Honda Civic herannahen gesehen. Dieser befand sich im Entschlusszeitpunkt des Beschwerdeführers zwischen 157 und 151,7 Meter vor der Kollisionsstelle, mithin in einem genügend grossen Abstand, um die Strecke von der Wartelinie bis in die Mitte der Strasse von 10,6 Meter gefahrenlos zurückzulegen. Der VW Golf sei im Zeitpunkt der Entschlussfassung zur Wegfahrt 135,1 Meter und im Moment der Wegfahrt selbst 86,9 Meter vom Ort des Zusammenstosses entfernt gewesen. Die Dauer von der eingegrenzten Entschlussfassung des Beschwerdeführers zum Anfahren bis zur Kollision habe zwischen 4 und 4,5 Sekunden gedauert. Nach den Feststellungen der Vorinstanz in Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten beginnt in einer Distanz von 157 Metern vor der Einfahrt Wingreis die Markierung einer Sicherheitslinie mit den links und rechts am Strassenrand aufgestellten Überholverbotszeichen. Diese Sicherheitslinie geht 100 Meter vor der Kollisionsstelle in eine schraffierte Sperrfläche und 60 Meter vor der Unfallstelle in eine die Fahrbahnen trennende begrünte und leicht erhöhte Verkehrsinsel über. Die Sicht nach links betrug am Unfalltag 250 Meter. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist in jenem Bereich auf 80 km/h begrenzt. Zugunsten des Beschwerdeführer nimmt die Vorinstanz an, der VW Golf habe eine Geschwindigkeit von 125 km/h gefahren (angefochtenes Urteil S. 20 f., 26 ff.; vgl. auch erstinstanzliches Urteil S. 36 ff. [Untersuchungsakten act. 440 ff.]; Beschwerde S. 3 ff.).