Citation: 4C.92/2007 31.07.2007 E. A

A.a A.________ ist seit 1981 als Dachdecker und Spengler in der X.________ AG (Beklagte) in B.________ angestellt. Am 28. Juni 2004 ersuchte ihn C.________ aus D.________, das Dach des neu erstellten Anbaus seines Viehstalles mit Dachpappe zu belegen. Beim alten Viehstall handelte es sich um ein gemauertes Gebäude, das mit einer Betondecke versehen war. Auf der Betonplatte befand sich der aus Holz bestehende Heustall; in diesem waren eine grosse Menge Heu und Stroh sowie verschiedene landwirtschaftliche Geräte gelagert. Als die Arbeiten am Neubau ausgeführt werden sollten, befand sich der Inhaber der Beklagten, E.________, in Spanien in den Ferien, so dass A.________ den Auftrag selbst entgegennahm und die Ausführung der Arbeiten für den folgenden Tag versprach. Er nahm am Dienstagmorgen, 29. Juni 2004, einen Augenschein vor und fuhr gegen 14 Uhr mit dem seit Mai 2004 bei der Beklagten arbeitenden Kollegen F.________ nach D.________, um die Arbeiten auszuführen. Es herrschte schönes Wetter mit zeitweise starkem Nordwind. A.________ beauftragte seinen Mitarbeiter, auf dem Dach der Holzkonstruktion die Dachpappe zu verlegen, während er selbst das in der Werkstatt vorbereitete Kehlblech unten am Dach montierte. F.________ legte auf dem Dach sieben Bahnen Dachpappe von 1 m Breite aus, wobei sich die einzelnen Streifen um 10 cm überlappten. Dort, wo das Dach des neuen Anbaus gegen die Wand des bestehenden Stalles stiess, zog F.________ die Dachpappe etwa 15 cm gegen die Stallwand hoch. An dieser Stelle waren die an der Wand befindlichen Deckbretter in gleicher Höhe abgeschnitten worden, wodurch ein etwa 2 cm breiter Spalt zwischen den einzelnen Brettern sichtbar wurde, durch den man in den alten Stall sehen konnte. Durch das Hochziehen der Dachpappe wurde dieser Spalt abgedeckt. Nachdem A.________ das Kehlblech fertig montiert und F.________ die Dachpappe verlegt hatte, begannen die beiden mit dem Verschweissen der Dachpappe. Vor Inangriffnahme dieser Arbeiten hatte F.________ einen Wasserschlauch aus dem Stall geholt und diesen am Fusse der an den Neubau angelehnten, etwa 2.5 m langen Leiter bereitgestellt. Zum Verschweissen der Dachpappe erhitzte A.________ die Dachpappe mit einem Gasbrenner und F.________ drückte das geschweisste Material mit einem Holz hinunter. In der gut zwei Stunden nach Durchführung dieser Arbeiten erfolgten Befragung durch die Kantonspolizei sagte A.________ aus, er habe die Dachpappe jeweils nicht bis zum Ende der jeweiligen Bahnen an der alten Stallwand, sondern nur bis etwa 10 cm vor dieser Wand geschweisst. Anlässlich der Einvernahme durch den Untersuchungsrichter vom 4. Januar 2005 machte er geltend, die Dachpappe nur bis zu einer Entfernung zur Stallwand von etwa 10-30 cm geschweisst zu haben; näher zur Wand hätten sie die Nähte mit heissem Bitumen zugedrückt. Als sie die dritte Bahn beinahe fertig geschweisst hatten, bemerkte F.________ durch die angrenzende Stallwand ein Glimmen, und innerhalb von Sekunden waren bereits Flammen sichtbar. Auf Zurufe seines Hilfsarbeiters hin stellte A.________ den Gasbrenner sofort ab, holte den am Fusse der Leiter liegenden Schlauch und versuchte, das Feuer durch Bespritzen einzudämmen. Dies erwies sich allerdings als aussichtsloses Unterfangen, so dass sofort die Feuerwehr alarmiert werden musste. Dieser gelang es unter Einsatz von etwa sechzig Feuerwehrleuten, ein Übergreifen der Flammen auf die in der Nähe stehenden Wohnhäuser zu verhindern. Das im Stall untergebrachte Vieh konnte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Hingegen brannten der Viehstall und der Heustall vollständig nieder, wobei ein Sachschaden von über Fr. 820'000.-- entstand. A.b Die Staatsanwaltschaft Graubünden eröffnete im Zusammenhang mit dem Brandfall vom 29. Juni 2004 eine Strafuntersuchung gegen A.________ wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst, stellte diese aber am 22. Februar 2005 wieder ein. Der Untersuchungsrichter hielt in der Einstellungsverfügung fest, die Strafuntersuchung habe ergeben, dass A.________ einen Wasserschlauch am Fusse der Leiter bereitgestellt habe. Dass sich dieser Schlauch nicht im direkten Zugriffsbereich auf dem Dach befunden habe, sei ohne praktische Auswirkungen geblieben, da der Brand hinter der Holzverkleidung des alten Stalles ausgebrochen sei und folglich mit Wasser vom Arbeitsplatz aus nicht hätte gelöscht werden können. Der Angeschuldigte habe die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und sei sich bewusst gewesen, dass es sich bei Schweissarbeiten um die riskantesten Tätigkeiten beim Dachdecken handle. Da F.________ die Dachpappe an der Stallwand um 15 cm nach oben gezogen habe, seien die 2 cm breiten Spalten nicht mehr sichtbar gewesen, als die Dachpappe verschweisst worden sei. A.________ habe zudem den Gasbrenner nur bis zu einer Entfernung von 10-30 cm zur Stallwand verwendet und den restlichen Teil mit heissem Bitumen verklebt. Die Möglichkeit, dass beim Verschweissen der Nähte Funken in den alten Stall hätten geraten und das dort befindliche Heu oder Stroh anzünden können, sei daher verschwindend klein gewesen. Es sei daher für A.________ nicht ohne Weiteres voraussehbar gewesen, dass es durch seine Arbeit zu einem Brand kommen könnte. Fehle es aber an der Voraussehbarkeit, liege keine Fahrlässigkeit vor, weshalb das Strafverfahren unter Übernahme der Kosten auf die Staatskasse einzustellen sei. Die Einstellungsverfügung blieb unangefochten. A.c Die Gebäudeversicherung des Kantons Graubünden (Klägerin) zahlte dem geschädigten Eigentümer für den Viehstall Fr. 409'080.05 und für den Heustall Fr. 316'150.-- aus. Sie stellte sich auf den Standpunkt, das Feuer sei durch unsorgfältige Arbeitsweise beim Verlegen der Dachpappe auf dem neuen Stallanbau ausgebrochen und machte daher gegen die Beklagte als Arbeitgeberin von A.________ und F.________ eine Regressforderung geltend, die sie auf Fr. 300'000.-- bezifferte. Die Beklagte bzw. an ihrer Stelle die G.________ Versicherungs-Gesellschaft als deren Betriebshaftpflichtversicherung lehnte den Regressanspruch ab.