Citation: 5A_960/2023 E. 2.2

2.2. Der Beschwerdeführer bringt vor, aus den Akten ergebe sich hinlänglich, dass die Parteien hinsichtlich der Obhut bzw. der Anordnung der alternierenden Obhut sowie weiterer Punkte gegenteilige Standpunkte einnähmen. Die Tochter befinde sich in einem Loyalitätskonflikt, wie er typischer nicht sein könnte. Es stehe unwiderlegbar fest, dass eine unmissverständliche Willenserklärung der Tochter zur Frage der Obhut nicht vorliege. Nicht die Tochter, sondern die Beschwerdegegnerin selbst habe dem Gerichtspräsidium mitgeteilt, die Tochter wolle nicht zur Anhörung erscheinen. Auch die Telefonate vom 6., 7. und 8. Februar 2023 seien nicht zwischen dem Gerichtspräsidium und der Tochter, sondern zwischen dem Gerichtspräsidium und den Parteien geführt worden. Hätte sich die Tochter tatsächlich selbst entschieden, eine Anhörung abzulehnen, so hätte es auf der Hand gelegen, dass sie persönlich dem Gerichtspräsidium Bescheid gegeben hätte. Ein Kind in ihrem Alter sei zweifellos in der Lage, die Frage nach der Bereitschaft zur Teilnahme an einer Anhörung zu beantworten und den Brief zurückzuschicken. Die ohne mündliche oder schriftliche Äusserung der Tochter getroffene Annahme der Vorinstanz, diese habe ihre Weigerung erklärt, an einer Anhörung teilzunehmen, erweise sich als völlig unhaltbar. Wenn Erklärungen von Eltern als Beweis für angebliche Aussagen von Kindern gewertet werden könnten, liefe dies dem Recht der Kinder auf Anhörung diametral zuwider. Die Vorinstanz sei sich offenbar bewusst, dass es falsch und nicht vertretbar sei, von einer Weigerung der Tochter auszugehen, an einer Kinderanhörung teilzunehmen. So führe sie aus, dass die Weigerung "ihrem tatsächlichen Willen" zu entsprechen scheine, da von einem "beharrlichen Widerstand" der Tochter auszugehen sei. Indem die Vorinstanz hier sogar von einem beharrlichen Widerstand ausgehe, urteile sie erst recht willkürlich. Wenn nicht einmal eine einzige mündliche oder schriftliche Willenserklärung gegeben sei, könne erst recht nicht von einem beharrlichen Widerstand gesprochen werden. Die Vorinstanz führe aus, dass die mittlerweile fast 14-jährige Tochter "ihren Willen gegen die Anordnung einer alternierenden Obhut klar zum Ausdruck" bringe, indem sie ihre Freizeit hauptsächlich bei ihrer Mutter verbringe und dort auch ganz überwiegend übernachte. Mit dieser Begründung könne die Vorinstanz ihre eigene Feststellung, wonach es an einem ausdrücklich geäusserten Wunsch der Tochter fehle, nicht ersetzen. Die hoch strittige Situation und der Loyalitätskonflikt, in dem sich die Tochter befinde, würden ausser Acht gelassen. Die Tochter habe gar nicht zum Vater gehen dürfen und den mütterlichen Weisungen Folge leisten müssen. Das sogar im Berufungsverfahren festgestellte Fehlen einer klaren Willensäusserung könne nicht durch Mutmassungen ersetzt werden. Solche Erwägungen würden letztlich zu einer eigentlichen Aushöhlung des Rechts von Kindern auf Anhörung führen. Sodann könnten Eltern den angeblichen Willen der Kinder steuern: Die Kinder würden unter Druck gesetzt und Kontakte zum andern Elternteil unterbunden in der Erwartung, damit den Willen des Kindes zu beweisen, ohne dass sich das Kind in irgendeiner Weise unbefangen äussern könne bzw. müsse.