Citation: 4A_268/2018 E. A

A. (Hintergrund) A.a. Die Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich ("alte Swissair") wurde in den Jahren 1996/97 in einen Konzern mit Holdingstruktur überführt. Als dessen herrschende Konzernobergesellschaft fungierte die SAirGroup AG ("SAirGroup"), zu der unter anderem die Subholding SAirLines AG und zu dieser wiederum die - neu gegründete - Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft ("Swissair") gehörte. Am 11. September 2001 kam es in den USA zu mehreren Terroranschlägen, die zu erheblichen Beeinträchtigungen des Flugverkehrs und der flugnahen Unternehmen führten. In der Zeit danach fanden bei der SAirGroup zahlreiche Konzernleitungs- und Verwaltungsratssitzungen statt; es wurden Gespräche mit den Grossbanken geführt und die Konzernleitung wandte sich an den Bundesrat. Mangels ausreichender Liquidität wurde der Flugverkehr der Swissair am 2. Oktober 2001 eingestellt ("Grounding"). Die SAirGroup reichte am 4. Oktober 2001 ein Gesuch um Nachlassstundung ein, das am Folgetag provisorisch bewilligt wurde (BGE 142 III 23 E. A). Der Swissair wurde der Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung am 22. Mai 2003 bestätigt. Seither befindet sie sich in Nachlassliquidation. A.b. (Parteien) Die Klägerin (Beschwerdeführerin) ist die Nachlassmasse der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft mit Sitz in Kloten. Sie macht im vorliegenden Verfahren Verantwortlichkeitsansprüche gegen vierzehn (ehemalige) Organe geltend. Diese hatten zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Funktionen in der SAirGroup, im Einzelnen wie folgt: A.________ (Beklagter 1, Beschwerdegegner 1) war nach der Einführung der Konzernstruktur Konzern-CEO der SAirGroup. Ferner war er ab der Gründung der Swissair am 22. Mai 1997 einziges Mitglied des Verwaltungsrates der Swissair. Ab 1. Juli 2000 war er auch CEO der Swissair. An der ausserordentlichen Sitzung des Verwaltungsrates der SAirGroup vom 20. Januar 2001 wurde er seiner Funktion als CEO der SAirGroup enthoben. Als Folge davon schied er mit gleichem Datum auch aus seinen Funktionen bei der Swissair (einziges Verwaltungsratsmitglied und zuletzt auch CEO) aus. B.________ (Beklagter 2, Beschwerdegegner 2) wurde am 27. April 2000 als Mitglied des Verwaltungsrates der SAirGroup gewählt. Am 15. März 2001 ernannte der Verwaltungsrat der SAirGroup den Beklagten 2 zum Präsidenten und Delegierten des Verwaltungsrates und zum Konzern-CEO der SAirGroup. Am 4. April 2001 wurde er von der Generalversammlung zum Verwaltungsratspräsidenten der SAirGroup gewählt. Ferner wurde er an der ausserordentlichen Generalversammlung der Swissair vom 26. April 2001 anstelle des Beklagten 1 als einziges Mitglied des Verwaltungsrates der Swissair gewählt. Der Beklagte 2 verblieb bis zum Zusammenbruch der SAirGroup im Oktober 2001 in dieser Funktion. C.________ (Beklagter 3, Beschwerdegegner 3) wurde am 27. April 2000 in den Verwaltungsrat der SAirGroup gewählt. Am 25. April 2001 schied er aus dem Verwaltungsrat der SAirGroup aus. D.________ (Beklagte 4, Beschwerdegegnerin 4) wurde am 27. Juni 2001 vom Verwaltungsrat der SAirGroup als Konzern-CFO der SAirGroup gewählt. Formell trat sie das Amt des Konzern-CFO am 1. Juli 2001 an. Allerdings war sie bereits ab dem 18. Juni 2001 als Konzern-CFO der SAirGroup tätig. Sie verblieb bis zum Zusammenbruch der SAirGroup im Oktober 2001 in dieser Funktion. E.________ (Beklagter 5, Beschwerdegegner 5) wurde am 25. April 1991 in den Verwaltungsrat der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft, gewählt. Ab 1992 war er deren Verwaltungsratspräsident. Am 27. April 2000 trat er als Verwaltungsratspräsident der SAirGroup zurück. F.________ (Beklagter 6, Beschwerdegegner 6) war ab 1989 Mitglied des Verwaltungsrates der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft. Er blieb bis zum Zusammenbruch der SAirGroup im Oktober 2001 in dieser Funktion. G.________ (Beklagter 7, Beschwerdegegner 7) war ab 1978 Mitglied des Verwaltungsrates der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft. Am 25. April 2001 schied er aus dem Verwaltungsrat der SAirGroup aus. H.________ (Beklagter 8, Beschwerdegegner 8) war ab 1993 Mitglied des Verwaltungsrates der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft. Vom 15. April 1999 bis am 27. April 2000 war er Vizepräsident und vom 27. April 2000 bis am 15. März 2001 Präsident des Verwaltungsrates der SAirGroup. Sodann war er zwischen dem Ausscheiden des Beklagten 1 (20. Januar 2001) und der Ernennung des Beklagten 2 (15. März 2001) Interims-Konzern-CEO der SAirGroup. Am 15. März 2001 schied der Beklagte 8 aus seiner Funktion als Verwaltungsratspräsident der SAirGroup und Interims-Konzern-CEO der SAirGroup aus. I.________ (Beklagter 9, Beschwerdegegner 9) wurde im Jahr 1995 in den Verwaltungsrat der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft, gewählt. Er verblieb bis zum Zusammenbruch der SAirGroup im Oktober 2001 in dieser Funktion. J.________ (Beklagter 10, Beschwerdegegner 10) wurde am 11. Mai 1995 in den Verwaltungsrat der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft, gewählt. Am 4. Oktober 2001 trat der Beklagte 10 aus dem Verwaltungsrat der SAirGroup zurück. K.________ (Beklagter 11, Beschwerdegegner 11) wurde am 25. April 1980 in den Verwaltungsrat der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft, gewählt. Ab dem 19. Mai 1994 bis zu seinem Rücktritt am 25. April 2001 war er Vizepräsident des Verwaltungsrates der SAirGroup. Am 25. April 2001 schied er aus dem Verwaltungsrat der SAirGroup aus. L.________ (Beklagter 12, Beschwerdegegner 12) war ab dem 1. Januar 1996 Konzern-CFO der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft. Anlässlich der Sitzung des Verwaltungsrates der SAirGroup vom 23. Mai 2001 wurde er von der Funktion als Konzern-CFO entbunden und durch die Beklagte 4 ersetzt. Anschliessend wurde der Beklagte 12 noch bis am 16. August 2001 als Koordinator "Sonderprüfung SAirGroup" eingesetzt, bevor er von der SAirGroup auch von dieser Funktion freigestellt wurde und ausschied. M.________ (Beklagte 13, Beschwerdegegnerin 13) wurde am 28. April 1988 in den Verwaltungsrat der SAirGroup, vormals der S wissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft, gewählt. Am 25. April 2001 trat sie aus dem Verwaltungsrat der SAirGroup zurück. N.________ (Beklagter 14, Beschwerdegegner 14) wurde am 27. April 1988 in den Verwaltungsrat der SAirGroup, vormals der Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft, gewählt. Am 25. April 2001 trat er aus dem Verwaltungsrat der SAirGroup zurück. A.c. (Führungs- und Konzernstruktur) Bis zur Schaffung der SAirGroup verfügte die Swissair-Gruppe über eine Stammhausstruktur. Dabei führte die Swissair-Gruppe verschiedene Betriebe unter einem einheitlichen juristischen Dach. Per 1. März 1996 wurde in der damaligen Swissair-Gruppe in einem ersten Schritt eine neue Führungsstruktur mit den Bereichen "Airline", "Services", "Cargo/Logistics" und "Catering" geschaffen. In einem zweiten Schritt wurde eine Holding-Struktur eingeführt. Damit sollte die rechtliche Struktur an die per 1. März 1996 eingeführte Führungsstruktur angepasst werden. Als Dachholding wurde die SAirGroup AG geschaffen. Zu diesem Z weck wurde am 22. Mai 1997 die bisherige Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft mit unverändertem Aktionariat zur SAirGroup umfirmiert. Unterhalb der Holding wurden entsprechend der Führungsstruktur vier Konzernbereiche beziehungsweise Subholdings mit den rechtlich verselbständigten Gesellschaften "SAirLines AG", "SAirServices AG", "SAirLogistics AG" und "SAirRelations AG" gebildet. Zum Konzernbereich beziehungsweise zur Subholding "SAirLines AG" gehörte das Fluggeschäft. Das gesamte Fluggeschäft wurde in zwei Konzerngesellschaften beziehungsweise Units aufgeteilt. Die Flugzeugflotte (Eigentum an Flugzeugen und Triebwerken, Leasingverträge etc.) wurde in die Flightlease AG eingebracht; die Flightlease AG war inskünftig für den Flottenbetrieb verantwortlich. Das restliche Fluggeschäft (Flugpersonal, Start- und Landerechte, Konzessionsrechte, Flugbetriebs-Dienste, für den Flugbetrieb erforderliches Inventar) wurde in die neu gegründete und am 23. Mai 1997 im Handelsregister eingetragene Swissair eingebracht; diese war inskünftig für den Flugbetrieb verantwortlich. Nach der Umstrukturierung war die Dachholding SAirGroup somit in vier Konzernbereiche beziehungsweise Subholdings - darunter die Subholding SAirLines AG - aufgeteilt. Zur Subholding SAirLines AG gehörte unter anderem die Konzerngesellschaft beziehungsweise Unit Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft (verantwortlich für den Flugbetrieb). Die Aktien der Unit Flightlease AG (verantwortlich für den Flottenbetrieb) wurden direkt von der Dachholding SAirGroup gehalten. Die im vorliegenden Verfahren in erster Linie interessierende Swissair war somit innerhalb des Konzerns eine "Enkelgesellschaft" der SAirGroup. A.d. (Konzernfinanzierung) In den Jahren 1998/1999 wurde in der SAirGroup eine zentrale Konzernfinanzierung mit einheitlicher finanzieller Leitung eingeführt. 1998 wurden im "Financial Manual" die wichtigsten finanziellen Prinzipien in der SAirGroup skizziert. In Ziff. 8.4.1 und Ziff. 8.4.2 wurde die Einführung eines Cash Pools durch das Corporate Treasury vorgesehen, um die konzernweite Liquidität sicherzustellen. Am 16. Dezember 1999 genehmigte der Verwaltungsrat der SAirGroup die "Finanziellen Richtlinien der SAirGroup". Unter dem Titel "Finanzielle Führung" wurde festgehalten, dass eine hohe Gewinnabführung von den Tochtergesellschaften an die Dachholding vorgesehen sei, dass der Konzern-Cashflow der Holding zugerechnet und durch die Konzernleitung bewirtschaftet werde und dass die grundsätzliche Bilanzverantwortung für alle Gesellschaften bei der Konzernleitung liege. Wesentliche Instrumente der zentralen Konzernfinanzierung waren ein konzernweiter Cash Pool und Festgeldanlagen der Konzerngesellschaften bei der SAirGroup. Im Fall der Swissair war zudem ein Gründungsdarlehen zu berücksichtigen, welches die Swissair der SAirGroup gewährte. Ab dem zweiten Halbjahr 1999 betrieb die SAirGroup ein sogenanntes Zero Balancing Cash Pooling (" Cash Pool"). Als Poolleaderin setzte die SAirGroup die von ihr eigens zu diesem Zweck in den Niederlanden gegründete SAirGroup Finance (NL) B.V. ein ("Finance BV"). Die Poolleaderin Finance BV unterhielt bei der Poolbank X.________ AG auf ihren eigenen Namen Kontokorrent-Konti als sogenannten Master Account. Die Konzern gesellschaften (darunter die Swissair) führten bei der X.________ auf eigenen Namen je drei Kontokorrent-Konti in USD, Euro und CHF. Diese Kontokorrent-Konti wurden täglich auf Saldo Null gestellt, wobei ein positiver Saldo dem Master Account der Finance BV gutgeschrieben beziehungsweise ein negativer Saldo dem Master Account belastet wurde. Dieser Vorgang wird als "Sweep" bezeichnet. Durch diesen Geldtransfer entstanden zwischen der Poolleaderin (Finance BV) und den Teilnehmergesellschaften (z.B. Swissair) konzerninterne Forderungen. Ein positiver Saldo auf den Kontokorrent-Konten der Teilnehmergesellschaften erzeugte eine Forderung, ein negativer Saldo auf den Kontokorrent-Konten eine Schuld der Teilnehmergesellschaften pro Konto gegenüber der Poolleaderin Finance BV. a) Die Swissair war im Rahmen des konzernweiten Cash Pools - mit kurzen Ausnahmen - praktisch andauernd Nettogläubigerin der Finance BV und verfügte bis zuletzt über namhafte Guthaben bei der Finance BV. Beim Zusammenbruch der SAirGroup kam die Swissair mit ihrer Cash-Pool-Forderung gegenüber der Finance BV zu Verlust. Im vorliegenden Verfahren macht die Klägerin von den Beklagten 1-14 gestützt auf Art. 754 OR Ersatz des Schadens geltend, den sie durch den Ausfall ihrer Cash-Pool-Forderungen gegenüber der Finance BV erlitten habe. Dabei klagt die Klägerin das Cash-Pool-Guthaben der Swissair gegenüber der Finance BV abzüglich der seit dem Zusammenbruch der Finance BV geleisteten Abschlagszahlungen ein. Im Hauptbegehren macht die Klägerin ihre Forderungen in den ursprünglichen Cash-Pool-Konto-Währungen CHF, USD und EUR geltend. Im Eventualbegehren macht sie ihre Forderung umgerechnet in Schweizer Franken geltend, und zwar in der Höhe von Fr. 178'511'561.13; im Subeventualbegehren macht sie die Forderung umgerechnet in Euro geltend. b) Abgesehen von der Teilnahme am Cash Pool gewährte die Swissair der SAirGroup mit ihrer überschüssigen Liquidität seit ihrer Gründung im Mai 1997 bis zum Zusammenbruch der SAirGroup im Oktober 2001 laufend Festgeld-Darlehen. Im Rahmen dieser Festgeldanlagen "parkierte" die Swissair für eine feste Zeitdauer nicht betriebsnotwendige Mittel bei der SAirGroup. Die Festgeldanlagen der Swissair bei der SAirGroup in der Zeit zwischen dem 23. Mai 1997 und 5. Oktober 2001 können der von der Klägerin eingereichten Urkunde 2/176 entnommen werden. Im vorliegenden Verfahren macht die Klägerin gegenüber den Beklagten 2, 4, 6, 9 und 10 gestützt auf Art. 754 OR Ersatz des Schadens geltend, den sie durch den Ausfall mehrerer Festgeld-Darlehen erlitten habe, welche die Swissair der SAirGroup im September 2001 gewährt hatte. Im Hauptbegehren sind die Forderungen in den ursprünglichen Währungen der Festgeld-Darlehen eingeklagt. Im Eventualbegehren macht die Klägerin eine Forderung umgerechnet in Schweizer Franken geltend, und zwar in der Höhe von Fr. 103'757'796.40. c) Wie erwähnt wurde bei der Grü ndung der SAirGroup das Fluggeschäft in zwei Konzerngesellschaften aufgeteilt. Die Flightlease AG war für den Flottenbetrieb verantwortlich, und die Swissair war für den eigentlichen Flugbetrieb zuständig. Bei der Aufteilung der Betriebsaktiven und -passiven des bisherigen Fluggeschäfts auf den Flottenbetrieb (Flightlease AG) und den Flugbetrieb (Swissair) entstanden beim "Flottenbetrieb" ein Aktivenüberhang und beim "Flugbetrieb" ein Passivenüberhang. Zum Ausgleich des Passivenüberhangs bei der Swissair anerkannte die SAirGroup eine Darlehensschuld in der Höhe von Fr. 1'219'772'867.-- gegenüber der Swissair. Dieses Gründungsdarlehen setzt sich aus einer ersten Tranche von Fr. 1'156'931'550.-- und einer zweiten Tranche von Fr. 62'841'317.-- zusammen. Per 31. Dezember 1997 wurde das Gründungsdarlehen der Swissair an die SAirGroup mit Fr. 1'219'773'000.-- bilanziert. In der Folge reduzierte sich die Darlehenssumme. Per 31. Dezember 1998 und in den folgenden Jahren wurde das Gründungsdarlehen in den Bilanzen der Swissair mit Fr. 1'050'522'000.-- aufgeführt. Im vorliegenden Verfahren werden im Zusammenhang mit diesem Gründungsdarlehen keine Ansprüche gegen die Organe der Swissair geltend gemacht.