Citation: 9C_380/2022 E. 4.4.5

4.4.5. Die Vorinstanzen haben das Invalideneinkommen anhand eines Lohns festgesetzt, den die Beschwerdeführerin (nur) bis Ende 2019 im Beruf einer Bildungsverantwortlichen tatsächlich erzielt hat (Gutachten S. 7). Zum Zeitpunkt der strittigen Verfügung übt sie eine Tätigkeit als Spitex-Mitarbeiterin aus, bei der sie nach Feststellung der Vorinstanz ihre Restarbeitsfähigkeit nicht bestmöglich verwertet. Die frühere Arbeit steht stellvertretend für die Gesamtheit der dem Leiden angepassten Tätigkeiten im ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Der dabei erzielte Lohn ist daher eine geeignete Grundlage für das Validen- und das Invalideneinkommen, zumal es das Ziel sein muss, die Vergleichseinkommen möglichst genau zu ermitteln (BGE 148 V 174 E. 9.2). Mit Blick auf das konkret bemessene Invalideneinkommen liegt es zwar nahe, dass gewisse Faktoren, die im Zusammenhang mit Tabellenlöhnen statistischer Natur eine Kürzung rechtfertigen können (vgl. oben E. 4.4.1), hier irrelevant sind. Die gesundheitlichen Einschränkungen können sich aber durchaus auch dann nachteilig auswirken, wenn das nach Eintritt der Invalidität anrechenbare Einkommen anhand des früher als Gesunder ausgeübten Berufs festgesetzt wird. Solange es nicht effektiv erzielt wird, bleibt das konkret bemessene Invalideneinkommen hypothetischer Natur: Es berücksichtigt keine Erschwernisse, die (erst) bei der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit ins Gewicht fallen können. Damit weicht der Korrekturbedarf nicht grundsätzlich von Fällen ab, in denen das Invalideneinkommen auf einem statistischen Tabellenlohn beruht, der von Löhnen gesunder Personen geprägt ist (dazu EGLI/FILIPPO/GÄCHTER/MEIER, Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, 2021, Rz. 704 ff., insbesondere 711 ff. und 717 ff., 779). Zu bedenken ist, dass es auch in der vorliegenden Konstellation - die angestammte ist zugleich optimal behinderungsangepasste Tätigkeit - möglich gewesen wäre, anstelle des früheren konkreten Lohns eine LSE-Tabellenposition heranzuziehen, die dem damaligen Tätigkeitsfeld entspricht (vgl. erwähntes Urteil 9C_734/2016 E. 4.4.2 a.E.).