Citation: 6P.82/2000 22.01.2001 E. 1

1.- a) Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Insbesondere sei das Willkürverbot gemäss Art. 4 aBV durch willkürliche Anwendung kantonaler Verfahrensbestimmungen (Art. 98 Abs. 2 lit. b, Art. 144 Abs. 2 i.V.m. Art. 125 Abs. 4 und Art. 146 Abs. 1 des Gesetzes über die Strafrechtspflege des Kantons Graubünden vom 8. Juni 1958 [StPO/GR; Bündner Rechtsbuch 350. 000]) verletzt worden wie auch sein Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 4 aBV) sowie Art. 6 Ziff. 3 lit. a und b EMRK (Beschwerdeschrift S. 10 - 23). Die Staatsanwaltschaft Graubünden habe den Beschwerdeführer in der Anklageschrift unter Ziff. 1 der mehrfachen ungetreuen Geschäftsführung, des mehrfachen leichtsinnigen Konkurses und der mehrfachen Unterlassung der Buchführung angeklagt (kantonale Akten, act. 1.29 S. 3 Ziff. 1). Die anschliessende Schilderung des Sachverhalts (S. 3 - 8 Ziff. 1.1 und 1.2) lasse jedoch in keiner Weise erkennen, welches Tatverhalten des Beschwerdeführers den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsführung bzw. des leichtsinnigen Konkurses erfüllen solle. Den Beweis für die gerügte willkürliche Rechtsanwendung erbringe das Kantonsgericht gleich selbst: Anklagebehörde und Kreisgericht Ilanz hätten den Beschwerdeführer ausschliesslich wegen Nichtbenachrichtigung des Richters trotz Überschuldung der Hotel AG wegen ungetreuer Geschäftsführung verurteilt. Das Kantonsgericht hingegen qualifiziere nicht dieses Täterverhalten, sondern die Sachverhalte "Sea Gypsy" und "Leasing von drei Fahrzeugen der Marke Jaguar" als ungetreue Geschäftsführung. Es könne und dürfe nicht Sache der Verteidigung sein, darüber zu mutmassen, welcher Sachverhalt möglicherweise welche der eingeklagten Strafbestimmungen erfüllt haben könnte. Die entsprechende Substanziierung habe die Anklagebehörde, gestützt auf den unmissverständlichen Wortlaut von Art. 98 Abs. 2 lit. b StPO/GR, selbst vorzunehmen. Die gleiche Verpflichtung ergebe sich auch aus Art. 6 Ziff. 3 lit. a EMRK (Beschwerdeschrift S. 14 f. lit. bb). Ebenfalls als Verletzung des Anklagegrundsatzes macht der Beschwerdeführer geltend, in Ziff. 4 der Anklageschrift (act. 1.29 S. 10 f.) - wo es um einen erneuten Leasingvertrag über einen VW Golf ging, der bei Vertragsabschluss bereits nicht mehr im Besitz der Hotel AG war - werde ihm ungetreue Geschäftsführung und Urkundenfälschung vorgeworfen. Die erste Instanz habe ihn gemäss Anklageschrift schuldig gesprochen. Das Kantonsgericht habe ihn jedoch, ohne ihn während des Verfahrens für seine allfällige Verteidigung darauf hinzuweisen, aufgrund des gleichen Sachverhalts auch wegen leichtsinnigen Konkurses verurteilt. Dadurch habe das Kantonsgericht in willkürlicher Anwendung von Art. 98 Abs. 2 lit. b StPO/GR den Anklagegrundsatz verletzt (Beschwerdeschrift S. 15 f. lit. cc). b) Zur Rüge der Verletzung des Anklagegrundsatzes durch die Abfassung der Anklageschrift führt das Kantonsgericht aus, der fragliche Verfahrensgrundsatz solle gewährleisten, dass der Richter, der Angeklagte und der Verteidiger aus der Anklageschrift erkennen könne, aufgrund welchen Sachverhalts die in der Anklageschrift einleitend erwähnten Straftatbestände eingeklagt würden. Es müssten mit anderen Worten in der Anklageschrift die Tatbestandselemente als Lebensvorgänge erkennbar umschrieben werden. Diesen Anforderungen genüge die Ziff. 1 der Anklageschrift, auch wenn sie verschiedene Straftatbestände zusammenfasse. Es könne der Umschreibung des Sachverhalts ohne weiteres entnommen werden, welches die Stellung des Beschwerdeführers in der Hotel AG gewesen sei, dass diese Firma Konkurs gemacht habe und dass der Beschwerdeführer verschiedene Geschäfte getätigt habe, durch welche nach Auffassung der Staatsanwaltschaft der Gesellschaft Schaden zugefügt und deren Konkurs (mit)verursacht worden sei. Schliesslich führe die Anklageschrift auch aus, aufgrund welcher Fakten der Tatbestand der Unterlassung der Buchführung als erfüllt betrachtet werde. Es möge zutreffen, dass es etwas übersichtlicher gewesen wäre, wenn jedem Straftatbestand der entsprechende Sachverhalt zugeordnet worden wäre, doch lasse sich auch bei der gegebenen Gliederung ohne weiteres feststellen, durch welche Handlungen und Unterlassungen die Staatsanwaltschaft die am Anfang des Kapitels aufgeführten Straftatbestände als erfüllt betrachte. Damit sei dem Anklageprinzip Genüge getan (angefochtener Entscheid S. 16 f. Ziff. II/1).