Citation: I 128/04 12.08.2004 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob über den 31. Mai 2003 hinaus Anspruch auf ambulante Psychotherapie zu Lasten der Invalidenversicherung besteht. 2.1 Nach der Rechtsprechung können medizinische Vorkehren bei Jugendlichen schon dann überwiegend der beruflichen Eingliederung dienen und trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der Invalidenversicherung übernommen werden, wenn ohne diese Vorkehren eine Heilung mit Defekt oder ein sonstwie stabilisierter Zustand einträte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt würden (AHI 2003 S. 105 Erw. 2, 2000 S. 64 Erw. 1, je mit Hinweisen). In diesem Sinne werden die Kosten der psychiatrischen Behandlung Minderjähriger von der Invalidenversicherung getragen, wenn das psychische Leiden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden oder gar verunmöglichenden stabilen pathologischen Zustand führen würde. Umgekehrt kommen medizinische Massnahmen der Invalidenversicherung auch bei Minderjährigen nicht in Betracht, wenn sich solche Vorkehren gegen psychische Krankheiten richten, welche nach heutiger Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ohne kontinuierliche Behandlung nicht dauerhaft gebessert werden können. Dies trifft unter anderem auf Schizophrenien zu (AHI 2000 S. 64 Erw. 1). Es darf keine Therapie von unbeschränkter Dauer oder zumindest über eine längere Zeit hinweg in Frage stehen, bei der sich hinsichtlich des damit erreichbaren Erfolges keine zuverlässige Prognose stellen lässt (AHI 2003 S. 106 Erw. 4b; Urteil F. vom 14. Oktober 2003, I 298/03). 2.2 Frau Dr. med. M.________, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie FMH, stellte im Bericht vom 5. Juni 2000 bei der Versicherten soziale Kontaktstörungen, Angst vor Dunkelheit und Männern sowie zeitweise Essensverweigerung fest. Während der Psychotherapie sei eine Besserung eingetreten. Die Versicherte werde auf das kommende Schuljahr in eine Kleinklasse für normal intelligente Kinder umgeschult. Die Fortführung der Psychotherapie sei unbedingt notwendig, damit ihre Schulfähigkeit und die zukünftige Erwerbsfähigkeit sich stabilisiere. Gemäss Bericht der selben Ärztin vom 27. Juni 2001 ist die Versicherte in eine Kleinklasse D umgeschult worden. Dies habe zu vermehrten Depressionen und Essstörungen geführt, weshalb sie im Dezember 2000 für 14 Tage habe hospitalisiert werden müssen. Ihr seelischer Zustand befinde sich nach Verbesserung des Essverhaltens nun in einem labilen Gleichgewicht. Wegen des bevorstehenden Umzugs der Familie mit dem damit verbundenen Schulwechsel sei eine heftige depressive Verstimmung zu befürchten, weshalb die Psychotherapie während mindestens eines Jahres weitergeführt werden müsse. Im Bericht vom 4. Juni 2003 führt Frau Dr. med. M.________ aus, die Versicherte sei in dauernder Psychotherapie von einer Stunde pro Woche. Seit dem letzten Bericht vom 27. Juni 2001 habe sich die depressive Verstimmung deutlich gebessert, die Essensverweigerung habe aufgehört. Geblieben seien die starken Schulleistungsschwankungen. Das Sozialverhalten der Versicherten sei davon geprägt, dass sie von andern Kindern leicht beeinflussbar sei. So habe sie sich zu einem Ladendiebstahl überreden lassen. Sie habe Schwierigkeiten, die eigenen aggressiven Impulse zu kontrollieren. Da sie einen Mann als Lehrer habe, würden ihre Ängste in Bezug auf Männer und ihre Unberechenbarkeit wieder reaktiviert. Sie benötige weiterhin während mindestens eines Jahres intensive Psychotherapie. 2.3 Auf Grund dieser ärztlichen Angaben ist erstellt, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit Beginn der Psychotherapie am 10. Juni 1999 zwar mehrmals verbessert hat, indessen aber auch öfters Verschlechterungen eingetreten sind. Gemäss dem Bericht von Frau Dr. med. M.________ vom 4. Juni 2003 sind die Ängste vor Männern wieder aufgeflackert, was eine erneute Verschlechterung bedeutet. Die Psychotherapie dauert nunmehr von Juni 1999 bis zum Datum des Einspracheentscheides, welches die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 116 V 248 Erw. 1b), d.h. bis 8. Oktober 2003, also schon mehr als vier Jahre an und wird laut dem erwähnten Arztbericht mindestens bis Juni 2004 weitergeführt. Eine gesicherte Prognose ist den Akten sodann nicht zu entnehmen. Es liegt eine mindestens über längere Zeit andauernde Behandlung mit ungewisser Prognose vor. Für eine solche hat die Invalidenversicherung nicht mehr aufzukommen. In vergleichbaren Fällen hat das Eidgenössische Versicherungsgericht die Leistungspflicht der Invalidenversicherung ebenfalls verneint (Urteile K. vom 18. November 2003, I 334/03, S. vom 17. November 2003, I 416/03 [ambulante Psychotherapie seit Oktober 1997, verweigerte Verlängerung über Okto-ber 2001 hinaus], B. vom 27. Oktober 2003, I 484/02 [5 Jahre von Behandlungsbeginn bis zur ablehnenden Verfügung]).