Citation: 2C_743/2019 E. 6.2.2

6.2.2. Das Darlehen, das dem vorliegend bezahlten Marchzins zugrunde liegt, weist allerdings insoweit eine Ähnlichkeit mit Obligationen mit überwiegender Einmalverzinsung auf, als bei diesem Darlehen aufgrund der vereinbarten Endfälligkeit der Umfang des latenten Zinsertrages im Vergleich zum Marchzins zwischen zwei Zinsfälligkeitsterminen eines periodisch zu verzinsenden Darlehens (ohne endfällige Zinsen) wesentlich gewichtiger ist. Dies spricht im Rahmen einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise dafür, den streitbetroffenen Marchzins als steuerbaren Vermögensertrag zu qualifizieren und keine Steuerfreiheit unter Berufung auf rein erhebungstechnische Gründe bzw. Praktikabilitätsgründe anzunehmen. Die Vorinstanz hat denn auch zur Begründung der Steuerbarkeit des vom Beschwerdeführer eingenommenen Marchzinses zutreffend vorgebracht, es bestehe vorliegend insoweit kein relevanter Unterschied zu börsengängigen Obligationen, als beim in Frage stehenden Darlehensverhältnis im Gegensatz zu Darlehensverhältnissen mit periodisch steuerbaren Zinsleistungen erst bei Veräusserung oder Rückzahlung ein gewichtiger Zinsertrag realisiert werde. Es ist davon auszugehen, dass sich der Gesetzgeber zwar gegen eine Steuerbarkeit von Marchzinsen bei Obligationen ohne überwiegende Einmalverzinsung entschieden hat (vgl. dazu E. 5 hiervor). Aus dem Umstand, dass der Gesetzgeber in Art. 20 Abs. 1 (lit. b) DBG nur Gewinne im Zusammenhang mit der Veräusserung von Obligationen mit überwiegender Einmalverzinsung, nicht aber Gewinne aus der Veräusserung von Guthaben bzw. einfachen Darlehensforderungen als steuerbaren Ertrag aus beweglichem Vermögen bezeichnet hat (vgl. Art. 20 Abs. 1 lit. a DBG, wo nur von der Steuerbarkeit von Zinsen aus Guthaben die Rede ist), ist aber nicht zu schliessen, dass auch in Bezug auf die Frage der Steuerbarkeit von Marchzinsen im Zusammenhang mit einfachen Darlehensforderungen ein qualifiziertes Schweigen vorliegt. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass aufgrund der Geltung des objektiven Herkunftsprinzips für den Spezialtatbestand von Art. 20 Abs. 1 lit. b DBG Entsprechendes auch in einer - wie vorliegend - mit diesem Spezialtatbestand vergleichbaren Konstellation gilt. Da sich die Steuerfreiheit des Marchzinses angesichts des Umstandes, dass die steuergesetzliche Vermögensertragsklausel eine Norm mit wirtschaftlichen Anknüpfungspunkten bildet, einzig mit erhebungstechnischen Gesichtspunkten bzw. Praktikabilitätsaspekten rechtfertigen lässt (vgl. E. 5) und diese Steuerfreiheit vom Gesetzgeber deshalb im Zuge der Ausbreitung von überwiegend einmalverzinslichen Papieren auf periodisch verzinsliche Guthaben beschränkt wurde (vgl. dazu REICH/WEIDMANN, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl. 2017, N. 15 zu Art. 20 DBG), ist auch vorliegend keine Steuerfreiheit anzunehmen. Nach dem Gesagten ist auslegungsweise davon auszugehen, dass das objektive Herkunftsprinzip nicht nur im besonders geregelten Bereich der Obligationen mit überwiegender Einmalverinsung (Art. 20 Abs. 1 lit. b DBG), sondern auch für den Marchzins bei der Veräusserung einer Darlehenschuld eines einfachen Darlehensschuldverhältnisses mit Einmalverzinsung gilt. Der streitbetroffene Marchzins ist somit, wie die Vorinstanz in bundesrechtskonformer Weise erkannt hat, steuerbar.