Citation: BGE 150 V 410 E. 10.3

Als weiteres, gewichtiges Auslegungselement lässt sich die anzustrebende Einheit der Rechtsordnung anführen (vgl. E. 9.5.3.6.2 oben), die hier umso mehr ins Gewicht fällt, als die Anwendung einer harmonisierenden Bundesrechtsnorm (Art. 16 ATSG) beschlagen ist und es um Auswirkungen im engen (sozialversicherungsrechtlichen) Sachzusammenhang geht. Denn gerade weil der Gesetzgeber die Delegation zum Erlass gesetzesvertretenden Verordnungsrechts auf Stufe Spezialgesetz platzierte, dies im Bereich der Invaliditätsbemessung, die zweigübergreifend nach einheitlichen Regeln zu geschehen hat (vgl. Art. 16 ATSG, worauf just Art. 28a Abs. 1 [Satz 1]IVG verweist), werden dem Verordnungsgeber Leitplanken gesetzt. So bleibt es ihm versagt, in einer Weise zu legiferieren, die im Vergleich zur bisherigen Ordnung und erst recht zu den übrigen (nicht in die Revision einbezogenen) Zweigen weitreichende, in der Sache nicht zu rechtfertigende Unterschiede aufweist. In der Lesart von Art. 26bis Abs. 3 IVV wie sie von der Aufsichtsbehörde vertreten wird, nämlich im Sinne einer abschliessenden Ordnung, was den eigentlichen Abzug vom Tabellenlohn anbelangt (Rz. 3414 KSIR), wäre die Invalidität im Bereich der (ebenfalls auf stufenlose Berentung ausgerichteten) Unfallversicherung und Militärversicherung nicht mehr identisch zu bemessen. Denn dass hier auf dem Weg der Rechtsprechung praeter legem ("am Gesetz vorbei") gleichsam im Nachvollzug durch analoge Anwendung von Art. 26bis Abs. 3 IVV Abhilfe zu schaffen wäre, ist schwer vorstellbar. Ein solches Nebeneinander von verschiedenen Korrekturmethoden führte je nach Zweig in einer nicht zu unterschätzenden Zahl von Fällen zu abweichenden Ergebnissen, ohne dass dafür ein sachlicher Grund erkennbar wäre.