Citation: I 119/02 25.03.2003 E. 3

3.1 Nach der Rechtsprechung wahrt die versicherte Person mit der Anmeldung alle nach den Umständen vernünftigerweise in Betracht fallenden Leistungsansprüche. Die Abklärungspflicht der IV-Stelle erstreckt sich auf die nach dem Sachverhalt und der Aktenlage im Bereich des Möglichen liegenden Leistungen. Insoweit trifft sie auch eine Beschlusses- bzw. Verfügungspflicht (BGE 111 V 264 Erw. 3b; AHI 1997 S. 190 Erw. 2a). Der Anfechtungsgegenstand des Rechtsmittelverfahrens umfasst zunächst diejenigen Rechtsverhältnisse, über welche die Verwaltung in der Verfügung tatsächlich eine Anordnung getroffen hat. Zum beschwerdeweise anfechtbaren Verfügungsgegenstand gehören aber - in zweiter Linie - auch jene Rechtsverhältnisse, hinsichtlich deren es die Verwaltung zu Unrecht unterlassen hat, verfügungsweise zu befinden. Dies ergibt sich aus dem Untersuchungsgrundsatz und dem Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen, welche für das gesamte Administrativverfahren der Invalidenversicherung massgeblich sind (BGE 116 V 26 Erw. 3c mit Hinweis). 3.2 In der Verfügung vom 16. Januar 2001 wird ausgeführt, die IV-Stelle habe auf Grund des Gesuchs der Versicherten den Anspruch auf berufliche Massnahmen geprüft. Gemäss den Abklärungsergebnissen der beiden Schnupperlehren im A.________ von Oktober 1999 und November 2000 werde die Versicherte in der ihr zur Verfügung stehenden Ausbildungszeit voraussichtlich keine wirtschaftlich ausreichend verwertbare Arbeitsleistung erreichen können. Damit seien die Voraussetzungen für eine erstmalige berufliche Ausbildung nicht erfüllt. In einem vorangegangenen Brief vom 10. Januar 2001 hatte die IV-Stelle - als Antwort auf ein Schreiben der Eltern der Versicherten vom 3. Januar 2001, in welchem ein Platz in der Werkgruppe in H.________ beantragt worden war - erklärt, sie könne dem Anliegen der Versicherten nicht entsprechen, biete jedoch bei einer eventuellen Platzierung nach der Sonderschulzeit in einer anderen Institution im Rahmen des Möglichen ihre Dienste an. In den nächsten Tagen werde der definitive Entscheid betreffend eine erstmalige berufliche Ausbildung im B.________ erlassen (die Stiftung B.________ ist die Betreiberin des A.________). Aus dem Text der Verfügung in Verbindung mit dem wenige Tage zuvor verfassten Schreiben wird deutlich, dass die Verwaltung mit der angefochtenen Verfügung einzig über eine erstmalige berufliche Ausbildung im A.________ entschieden hatte. 3.3 Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass der Hinweis im Schlussbericht des A.________ vom 12. Dezember 2000, wonach ein Arbeitsangebot im Beschäftigungsbereich eher den Fähigkeiten der Versicherten entspreche, genügenden Anlass bot, einen Anspruch auf berufliche Massnahmen gemäss Art. 16 IVG im Beschäftigungsbereich eines anderen Betriebs zu prüfen (entgegen den Ausführungen des BSV in seiner Vernehmlassung beziehen sich die Erwägungen des kantonalen Gerichts nicht auf den Beschäftigungsbereich des A.________). Die IV-Stelle war deshalb gehalten, die für die Beurteilung eines diesbezüglichen Anspruchs erforderlichen (zur Zulässigkeit einer antizipierten Beweiswürdigung BGE 124 V 94 Erw. 4b; SVR 2003 IV Nr. 1 S. 1 Erw. 2 mit Hinweisen) Abklärungen zu treffen und nach deren Abschluss in Verfügungsform zu entscheiden. Ebenso war auf Grund des Schreibens der Eltern der Versicherten vom 3. Januar 2001 über den darin gestellten Antrag zu befinden, woran der Umstand nichts ändert, dass sich die IV-Stelle dazu bereits im Schreiben vom 10. Januar 2001 geäussert hatte. Das kantonale Gericht hat daher die Sache zu Recht an die IV-Stelle zurückgewiesen und die Beschwerde insoweit gutgeheissen. Dagegen bestand kein Anlass, die Verfügung vom 16. Januar 2001, mit welcher zu Recht ein Anspruch auf erstmalige berufliche Ausbildung in der Montageabteilung des A.________ verneint worden war, aufzuheben. Das Dispositiv des vorinstanzlichen Entscheids ist diesbezüglich zu präzisieren.