Citation: 2C_688/2017 E. 3.4

3.4. Das Recht auf Familiennachzug nach Art. 3 Anhang I FZA bzw. Art. 42 Abs. 2 AuG gewährt den Familienangehörigen der Wanderarbeitnehmer kein originäres, sondern nur ein abgeleitetes Freizügigkeitsrecht; es dient dem Wanderarbeitnehmer, zu dessen Familie ein Drittstaatsangehöriger gehört (Urteil 2C_301/2016 vom 19. Juli 2017 E. 2.6; vgl. zu Art. 10 der Verordnung Nr. 1612/68 zit. Urteil EuGH Eind Rn. 23). Der abgeleitete Aufenthaltsanspruch nach Art. 3 Anhang I FZA besteht nur, sofern und solange der Drittstaatsangehörige die Eigenschaft als Familienangehöriger im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Anhang I FZA besitzt. Abgesehen vom hier nicht in Betracht fallenden Verbleiberecht gemäss Art. 4 Anhang I FZA (i.V.m. Art. 3 der VO 1251/70) kennt das FZA keine Rechtsansprüche von drittstaatsangehörigen Familienangehörigen, im Gastland zu verbleiben, wenn sie ihren Status als Familienangehörige verloren haben. Die abgeleitete Bewilligung des Drittstaatsangehörigen kann in diesem Fall mangels Fortdauerns der Bewilligungsvoraussetzungen gestützt auf Art. 23 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Mai 2002 über die Einführung des freien Personenverkehrs, VEP (SR 142.203) i.V.m. Art. 62 lit. d AuG (Nichteinhalten einer mit der Verfügung verbundenen Bedingung) widerrufen oder nicht (mehr) verlängert werden, da das Freizügigkeitsabkommen diesbezüglich keine eigenen abweichenden Bestimmungen enthält (BGE 141 II 1 E. 3.1 S. 4 f.; 139 II 393 E. 2.1 S. 395). Verliert z.B. der bisherige drittstaatsangehörige Ehegatte infolge von Scheidung seinen Status als Familienangehöriger, endet auch der abgeleitete Aufenthaltsanspruch nach Art. 3 Anhang I FZA (BGE 144 II 1 E. 3.1 S. 4 f.). Erst recht kann die Bewilligung verweigert werden, wenn zwar früher in einem anderen Land die Eigenschaft als Familienangehöriger bestanden hat, in der Schweiz hingegen nicht besteht. Dasselbe gilt für die Ansprüche nach Art. 42 Abs. 2 AuG.