Citation: 6B_468/2024 E. 8.1

8.1. Eine vorsätzliche Tötung ist als Mord zu qualifizieren, wenn der Täter besonders skrupellos handelt, namentlich wenn sein Beweggrund, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung besonders verwerflich sind (Art. 112 StGB). Mord zeichnet sich nach der Rechtsprechung durch eine aussergewöhnlich krasse Missachtung fremden Lebens bei der Durchsetzung eigener Absichten aus. Für die Qualifikation verweist das Gesetz in nicht abschliessender Aufzählung auf äussere (Ausführung) und innere Merkmale (Beweggrund, Zweck). Diese Merkmale müssen nicht erfüllt sein, um Mord anzunehmen. Sie sollen vermeiden helfen, dass allein auf die Generalklausel abgestellt werden muss. Die für eine Mordqualifikation konstitutiven Elemente sind jene der Tat selber, während Vorleben und Verhalten nach der Tat nur heranzuziehen sind, soweit sie tatbezogen sind und ein Bild der Täterpersönlichkeit ergeben. Entscheidend ist eine Gesamtwürdigung der äusseren und inneren Umstände der Tat. Eine besondere Skrupellosigkeit kann beispielsweise entfallen, wenn das Tatmotiv einfühlbar und nicht krass egoistisch war, so namentlich wenn die Tat durch eine schwere Konfliktsituation ausgelöst wurde. Für Mord typische Fälle sind die Tötung eines Menschen zum Zwecke des Raubes, Tötungen aus religiösem oder politischem Fanatismus oder aus Geringschätzung (BGE 127 IV 10E. 1a mit zahlreichen Hinweisen). Ebenso die Tötung aus nichtigem Anlass (Urteil 6B_246/2014 vom 29. April 2014 E. 2.3). Ein besonders verwerflicher Beweggrund kann auch in der Elimination eines vom Täter als lästig empfundenen Menschen liegen (beispielsweise des Ehemannes, der einer anderweitiger Heirat seiner Frau im Wege steht, vgl. BGE 77 IV 64). Weiter unter besonders verwerfliche Beweggründe zu subsumieren ist die Tötung aus Rache (BGE 141 IV 65 f.) oder blankem Egoismus, der bspw. im Falle der Tötung der Tochter sowie eines Dritten zur Bestrafung der Ehegattin zu bejahen ist (BGE 106 IV 342), bei einem Täter, der nicht hinnehmen will, dass seine Ex-Freundin sich einem anderen Mann zugewandt hatte, und vom Gedanken getragen war, wenn sie schon nicht ihm gehören wolle, solle sie auch keinem anderen gehören (Urteil 6S.106/2006 vom 16. Oktober 2006 E. 1) oder im Falle von überbordender Eifersucht und Machtkontrolle über ein nach Vorstellungen des Täters unziemliches Verhalten der Ehefrau (Urteil 6B_1067/2020 vom 5. Mai 2021 E. 2.1). Als Indizien für skrupelloses Verhalten gelten Kaltblütigkeit, Gefühlskälte sowie schamlose Ausnützung des Vertrauens des Opfers (BGE 101 IV 283, 106 IV 348).