Citation: 2C_709/2021 E. 4.3

4.3. Die Ausführungen des Beschwerdeführers vermögen die vorinstanzliche Würdigung nicht umzustossen. Ob das Migrationsamt die Verfügung vom 15. September 2020 fristauslösend an B.________ zustellen konnte, hängt davon ab, ob es davon ausgehen durfte, der Beschwerdeführer habe B.________ bevollmächtigt. Die Vollmacht ist (wie der Auftrag) nicht formgebunden und kann auch mündlich, stillschweigend oder konkludent erteilt werden (vgl. Urteil 5A_578/2019 vom 13. November 2019 E. 4.2.2.3). Vom Vorliegen einer Vollmacht ist namentlich auszugehen, wenn eine Person es zulässt, dass eine andere sich wie ein Vertreter benimmt (vgl. Urteil 2C_188/2010 vom 24. Januar 2011 E. 6.3, m.w.H.). Ein solcher Fall liegt hier vor: Nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz erfolgten die Eingaben des Beschwerdeführers an das Migrationsamt über Jahre hinweg über B.________. Dies gilt auch für Fälle, in denen das Migrationsamt den Beschwerdeführer zuvor direkt zur Einreichung von Unterlagen bzw. zur Stellungnahme aufgefordert hatte. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, muss daraus geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer die Schreiben des Migrationsamts jeweils an B.________ weiterleitete und ihr überdies die zur Beantwortung der Schreiben erforderlichen persönlichen Dokumente zur Verfügung stellte. Überdies hatte der Beschwerdeführer B.________ zu einem früheren Zeitpunkt auch schriftlich "generell" bevollmächtigt; in der Folge hat er gegenüber dem Migrationsamt niemals zu erkennen gegeben, dass diese Vollmacht erloschen sei. Vielmehr liess er B.________ in der vorliegenden Angelegenheit auch noch unmittelbar vor Erlass der Verfügung vom 15. September 2020 für sich handeln. Entsprechend durfte das Migrationsamt zum Zeitpunkt des Versands der Verfügung vom 15. September 2020 davon ausgehen, dass B.________ vertretungsberechtigt sei. Soweit der Beschwerdeführer anderes behauptet, setzt er sich in Widerspruch zu seinem eigenen Verhalten; inwiefern er sich unter diesen Umständen auf den Vertrauensschutz (Art. 5 Abs. 3, Art. 9 BV) berufen könnte, ist nicht ersichtlich.