Citation: 6B_49/2022 E. 3.4.2

3.4.2. Die Vorinstanz begründet Letzteren denn auch primär mit den Interessen der drei Söhne der Beschwerdegegnerin. Diese wurden am 3. Dezember 2004, 1. Januar 2007 und 19. Juli 2010 geboren. Im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils am 15. Juli 2021 waren sie demnach beinahe 12, 14 und 17 Jahre alt. Die Beschwerdegegnerin betreut ihre Söhne dabei alleine und es besteht nur sporadischer telefonischer Kontakt zu deren Vätern. Eine Landesverweisung der Beschwerdegegnerin würde damit faktisch die Ausreise ihrer minderjährigen Söhne nach sich ziehen (vgl. supra E. 3.2.5), dies umso mehr, als vorliegend nicht ersichtlich ist, wer deren Betreuung (zumindest diejenige der beiden jüngeren Kinder) andernfalls übernehmen könnte. Alle drei Kinder sind in der Schweiz zur Welt gekommen, aufgewachsen und besuchen hier die Schule. Selbst der jüngste (fast 12-jährige) Sohn ist schon seit vier Jahren eingeschult. Entgegen der vorinstanzlichen Einschätzung befindet sich keines der Kinder in einem anpassungsfähigen Alter im engeren Sinn (vgl. Urteile 6B_783/2021 vom 12. April 2023 E. 1.4.3; 2C_1053/2022 vom 9. März 2023 E. 3.5.3; 2C_538/2021 vom 24. Juni 2022 E. 3.4; 2C_709/2019 vom 17. Januar 2020 E. 6.2.2; je mit Hinweisen). Eine Rückkehr in das Heimatland der Beschwerdegegnerin wäre den Kindern aufgrund ihres Alters vorliegend nur zumutbar, wenn sie durch Sprachkenntnisse, gelegentliche Ferienaufenthalte und eine entsprechende Kulturvermittlung im familiären Rahmen mit den Verhältnissen im Heimatland vertraut wären (BGE 143 I 21 E. 5.4; Urteile 6B_783/2021 vom 12. April 2023 E. 1.4.3; 2C_834/2021 vom 24. Februar 2022 E. 5.2; 2C_709/2019 vom 17. Januar 2020 E. 6.2.2; je mit Hinweisen). Der Nachweis einer darüber hinausgehenden besonders starken sozio-kulturellen Verwurzelung in der Schweiz, wie ihn die Beschwerdeführerin fordert, wird hingegen nicht vorausgesetzt. Ebenfalls nicht von Belang ist das schulische Verhalten des mittleren Sohnes der Beschwerdegegnerin. Obige Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Zwar sprechen die Geschwister Spanisch, gemäss dem vorinstanzlichen Urteil hat aber keines von ihnen je in der Dominikanischen Republik gelebt. Die beiden älteren verfügen auch nicht über die dortige, sondern über die spanische Staatsbürgerschaft. Sodann ist weder dargetan noch ersichtlich, dass einzig durch die seit ihrem 10. Altersjahr und nunmehr seit 27 Jahren in der Schweiz lebende Beschwerdegegnerin eine Kulturvermittlung stattgefunden hätte (resp. stattfinden konnte). Dass die Söhne die Heimat ihrer Mutter womöglich im Rahmen von Ferienaufenthalten in den Jahren 2016 und 2017 besucht haben, begründet vor diesem Hintergrund und ohne weitere Angaben ebenfalls keinen näheren Bezug zur Dominikanischen Republik (vgl. Urteil 6B_783/2021 vom 12. April 2023 E. 1.4.3). Wenig überzeugend ist schliesslich das Argument, wonach die mit einer Landesverweisung verbundene Umstellung für den 14-jährigen Sohn der Beschwerdegegnerin nicht grösser wäre, als wenn diese die Schweiz freiwillig mit ihm verlassen würde. Der Umstand, dass der sorge- und obhutsberechtigten Beschwerdegegnerin theoretisch stets die Ausreise aus freien Stücken offenstünde, kann nicht zur pauschalen Relativierung der mit einer zwangsweisen Ausweisung verbundenen Härte herangezogen werden. Der diesbezügliche Verweis der Beschwerdeführerin auf das Urteil 6B_1033/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 6.3.1 [recte: E. 6.3.2] ist dabei insofern unbehelflich, als die betreffende Erwägung Ausführungen des dort angefochtenen Urteils zusammenfasst. Nach dem Gesagten fehlt es den minderjährigen, in der Schweiz geborenen und hier seit mehreren Jahren eingeschulten Kindern der Beschwerdegegnerin an einem hinreichenden Vertrautsein mit dem mütterlichen Heimatland, weshalb ihnen eine Ausreise zusammen mit der Beschwerdegegnerin grundsätzlich nicht zugemutet werden kann. Unbeachtlich ist dafür vorliegend, ob ihnen in der Dominikanischen Republik ähnliche schulische Unterstützungsmassnahmen wie in der Schweiz zur Verfügung stünden oder ob dort Medikamente gegen ADHS erhältlich wären. Es kann daher offen gelassen werden, ob die Vorinstanz ihren Entscheid in dieser Hinsicht hinreichend begründet hat.