Citation: 1C_456/2022 E. 4.3

4.3. Die substanziiert geltend gemachte Rüge des offensichtlich unrichtigen bzw. unvollständigen Sachverhalts des Beschwerdeführers ist begründet. In der Tat ist es nicht nachvollziehbar bzw. willkürlich, dass der Sachverhalt des angefochtenen Entscheids lediglich die Lärmsanierungsverfügung des BJD vom 20. September 2022 und die dagegen durch den Beschwerdeführer erhobene Beschwerde umfasst, nicht jedoch die oben erwähnten, vom Beschwerdeführer angeführten Sachumstände. Indem die Vorinstanz das vor Erlass der Verfügung durchgeführte, mehrjährige Verfahren nicht thematisiert hat, das schlussendlich mit den beiden Lärmsanierungsverfügungen im Kanton Bern und im Kanton Solothurn abgeschlossen wurde, hat sie den Sachverhalt unvollständig festgestellt. Ein solches kantonsübergreifendes Verfahren ist nicht alltäglich und stellt gerade mit Bezug auf die Zustellung von Parteieingaben und behördlichen Schreiben besondere Anforderungen, weshalb es geboten erscheint, dessen Ausgestaltung und Eigenheiten im Sachverhalt festzuhalten. Es ist verkürzt, die Frage der Rechtzeitigkeit des Rechtsmittels, das der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz eingereicht hat, einzig aufgrund der Ereignisse ab dem 20. September 2021 zu beurteilen. Der Beschwerdeführer hat im Übrigen aufgezeigt, dass die aufgeführten Sachverhaltselemente für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein können. Zunächst kann entscheidrelevant sein, dass eine bernische und eine solothurnische Behörde das Lärmsanierungsverfahren gemeinsam eröffnet und geführt haben. Eine gemeinsame, kantonsübergreifende Verfahrensführung impliziert eine gewisse interne Aufgabenteilung, welche unter Umständen Auswirkungen auf die Rechte und Pflichten der am Verwaltungsverfahren beteiligten Personen im Umgang mit den Behörden haben kann. Diesbezüglich kann insbesondere die Frage entscheidrelevant sein, ob und inwiefern durch die koordinierten Publikationen in den amtlichen Anzeigern bzw. Amtsblättern ein berechtigtes Vertrauen dahingehend erweckt wurde, dass sämtliche Eingaben an eine der beiden Vollzugsbehörden gerichtet werden durften. Weiter kann entgegen den Ausführungen der Vorinstanz für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein, ob das BJD vom Vertretungsverhältnis gewusst hat oder davon wissen musste. Diesbezüglich ergibt sich bereits heute ohne Weiteres aus den Akten, dass zwei an den Beschwerdeführer gerichtete Verfügungen des bernischen AGR, welche dessen Vertretungsverhältnis in den Lärmsanierungsverfahren Niederönz (BE) und Aeschi (SO) bestätigen, dem solothurnischen BJD per E-Mail zugestellt worden sind. Um den Sachverhalt zu ergänzen, wird sich die Vorinstanz auf verschiedene Dokumente zu stützen haben, insbesondere die Eröffnungsverfügung der Lärmsanierungsverfahren, die Bekanntmachung in den amtlichen Anzeigern bzw. Amtsblättern wie auch die Schreiben vom 14. April 2021 und 17. Mai 2021 des AGR inkl. E-Mail-Verkehr zwischen den beiden Behörden. Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich - in prima vista überzeugender Weise - geltend, das BJD habe diese möglicherweise entscheidrelevanten Dokumente der Vorinstanz im Rahmen der Aktenüberweisung und in Verletzung ihrer Aktenführungspflicht gar nicht zugestellt. Diese Frage wird die Vorinstanz ebenfalls zu klären haben.