Citation: U 129/98 18.05.2000 E. 5

5.- a) Der Beschwerdeführer kann gemäss der Beurteilung im Gutachten der MEDAS die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als angelernter Maurer aus somatischen Gründen nicht mehr, eine angepasste Tätigkeit jedoch zu 80 % ausüben. Daraus ergibt sich indessen entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht eine Erwerbsunfähigkeit von 20 %. Denn die Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit und damit des Invaliditätsgrades erfolgt vielmehr durch den Vergleich des Einkommens, das der Versicherte erzielen würde, wenn der Gesundheitsschaden nicht eingetreten wäre, mit jenem, das er als Invalider erzielen könnte. Gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG hat die SUVA für die Erwerbsunfähigkeit jedoch nur dann aufzukommen, wenn deren Ursache unfallbedingt ist. b) Im parallelen Verfahren I 298/98, in welchem der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung zu prüfen war, stellte das Eidgenössische Versicherungsgericht mit Urteil vom heutigen Tag fest, dass der Beschwerdeführer zufolge seines Gesundheitsschadens eine Erwerbseinbusse von 42 % erleidet, und zwar mit folgender Begründung: aa) An seiner bisherigen Arbeitsstelle könnte der Beschwerdeführer im Jahre 1997 jährlich Fr. 55 600.- verdienen. bb) Für die Bemessung des trotz Gesundheitsschadens noch realisierbaren Einkommens, insbesondere wenn der Versicherte nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihm an sich noch zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, können Tabellenlöhne beigezogen werden. Dazu ist seit 1994 von den Tabellenlöhnen auszugehen, die in der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ausgewiesen sind. Bei deren Anwendung ist zu beachten, dass die erfassten Löhne auf einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden beruhen, Teilzeitbeschäftigte in der Regel überproportional weniger verdienen als Vollzeitangestellte (BGE 124 V 323 Erw. 3b/aa) und gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind. Es ist anhand der gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu prüfen, ob und in welchem Ausmass das hypothetische Einkommen als Invalider zusätzlich reduziert werden muss (AHI 1998 S. 177 Erw. 3a). cc) Laut Tabelle TA 1 der LSE 1996 (S. 17) belief sich der Zentralwert für die mit einfachen und repetitiven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer im privaten Sektor auf Fr. 4294.-, was auf der Basis einer betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,9 Stunden (vgl. LSE 1994 S. 42) und unter Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung von 0,5 % von 1996 auf 1997 (Die Volkswirtschaft, 1999 Heft 2, Anhang S. 28, Tabelle B 10.2) im Jahre 1997 ein Gehalt von monatlich Fr. 4509.- (einschliesslich 13. Monatslohn [LSE 1994 S. 43]) und Fr. 54 108.- jährlich ergibt. Unter Berücksichtigung aller Umstände (reduzierter Beschäftigungsgrad, verminderte Einsetzbarkeit) erscheint ein Abzug vom Tabellenlohn von 25 % als angemessen. Auf der Grundlage einer aus medizinischer Sicht auf 80 % verminderten Arbeitsfähigkeit ergibt sich ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 32 465.- (Fr. 54 108.- abzüglich 25 % = Fr. 40 581.-, davon 80 %). Der Vergleich mit dem Valideneinkommen von Fr. 55 600.- führt somit zu einem Invaliditätsgrad von rund 42 %. c) Diese Einschränkung der Erwerbsfähigkeit ist einerseits durch die hier zu beurteilenden Unfälle in den Jahren 1985 und 1993 sowie den Unfall im Jahre 1995 verursacht und andererseits krankheitsbedingt. Die Folgen der beiden ersten Unfälle betreffen die gleichen Körperteile wie die andern Ursachen. Es ist deshalb zu prüfen, ob die UVG-Rente gestützt auf Art. 36 Abs. 2 UVG gekürzt werden kann. aa) Unbestritten ist, dass beim Beschwerdeführer vor dem Unfall im Jahre 1985 keine Gesundheitsschädigung bestanden hatte, die seine Erwerbsfähigkeit eingeschränkt hätte. Gestützt auf die Ergebnisse einer von Dr. med. G.________, Spezialarzt für Innere Medizin speziell Rheumaerkrankungen, durchgeführten eingehenden Untersuchung (Bericht vom 31. März 1994), ging Dr. med. B.________, Kreisarzt der SUVA, nach einer kreisärztlichen Untersuchung vom 3. Mai 1994 davon aus, dass die Lumboischialgie linksseitig nicht mehr in einem kausalen Zusammenhang weder mit dem Unfall von 1985 noch mit demjenigen von 1993 stehe. Diese degenerativen Veränderungen haben sich nach 1985 kontinuierlich entwickelt und heute eine derartige Schwere erreicht, dass sie nach den Feststellungen der MEDAS-Ärzte die Hauptursache für die verminderte Arbeits- und Erwerbsfähigkeit darstellen, weshalb eine Leistungsreduktion gerechtfertigt ist. Im weitern ist zu berücksichtigen, dass der Unfall im Jahre 1995 im Vergleich zu den vorangegangen und hier einzig zu berücksichtigen Unfällen ungleich gravierender war, weshalb sich auch von daher eine weitere Kürzung aufdrängt (RKUV 1988 Nr. U 47 S. 229 Erw. 6b). bb) Im Hinblick darauf, dass das MEDAS-Gutachten die Unfälle der Jahre 1985 und 1993 zu 12 % ursächlich am medizinischen Gesamtbild beurteilt, erscheint eine Kürzung um rund 85 % als angemessen (Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 2. Aufl. S. 158). Eine Kürzung um 100 % ist demgegenüber nicht angemessen, da kein Status quo sine vorliegt. Damit hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente von 6 % (entsprechend 15 % von 42 %; BGE 122 V 335). Der Rentenbeginn ist auf 1. Oktober 1994 festzusetzen, nachdem der Hausarzt des Beschwerdeführers im Bericht vom 4. Februar 1995 angab, aufgrund des Beschwerdebildes seien Massnahmen zur Verbesserung kaum erfolgreich, und die Beschwerdegegnerin ab 1. Oktober 1994 keine Heilungskosten mehr übernahm (Art. 19 Abs. 1 UVG).