Citation: U 485/00 26.02.2003 E. 3

3.1 Unter dem Valideneinkommen ist der Verdienst zu verstehen, welchen die versicherte Person als Gesunde tatsächlich erzielen würde (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 97, ZAK 1992 S. 92 Erw. 4a, 1961 S. 367; vgl. auch BGE 125 V 157 Erw. 5c/bb). Massgebend ist, was sie aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände zu erwarten (gehabt) hätte. Die berufliche Weiterentwicklung ist zu berücksichtigen, wenn und soweit hiefür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen (Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums etc.; BGE 96 V 29, ZAK 1985 S. 635 Erw. 3a sowie RKUV a.a.O. S. 100 f. Erw. 3b). Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV a.a.O. S. 101 Erw. 3b am Ende; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 Erw. 3c). 3.2 Im Lichte dieser Grundsätze stellt die mehr- oder langjährige Tätigkeit beim gleichen Arbeitgeber ein gewichtiges Indiz dar, dass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung weiterhin am selben Ort und in der selben Funktion tätig wäre. Der Umstand allein, dass sie früher während Jahren eine andere, besser entlöhnte Tätigkeit ausgeübt hatte, kann nicht zur gegenteiligen Annahme führen. Daraus kann allenfalls auf die Möglichkeit eines früheren oder späteren Stellenwechsels zurück in den angestammten Bereich geschlossen werden. Das genügt indessen nicht. Vielmehr müssen weitere Umstände dazukommen, welche die Ausübung der schlechter bezahlten Arbeit in dem Sinne als von absehbarer Dauer erscheinen lassen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die versicherte Person bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wieder in den angestammten Bereich mit besseren Verdienstmöglichkeiten hinüber gewechselt hätte (vgl. RKUV 1993 Nr. U 168 S. 102 Erw. 4b). Dabei ist unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit zu berücksichtigen, dass von den Versicherten nicht verlangt werden kann, nach Antritt einer neuen Stelle sofort und in der Folge ständig eine von der Ausbildung und der bisherigen beruflichen Tätigkeit her in Betracht fallende besser bezahlte Arbeit zu suchen. Anderseits ist eine angespannte Arbeitsmarktlage im angestammten Bereich für sich allein genommen nicht ausreichend. Namentlich wenn die schlechter bezahlte Tätigkeit bereits seit mehreren Jahren ausgeübt wurde, ist der Nachweis erforderlich, dass während dieser Zeit tatsächlich wieder in die ursprüngliche Branche zurück gewechselt werden wollte. Fehlen jegliche Anhaltspunkte für solche Bemühungen, ist anzunehmen, dass sich die versicherte Person auch ohne gesundheitliche Beeinträchtigung voraussichtlich weiterhin mit einer schlechter entlöhnten Erwerbstätigkeit begnügte. Im vorliegenden Fall stand der Beschwerdeführer unbestrittenermassen in seiner sechsten Saison als Landarbeiter. Es fehlen Hinweise in den Akten, dass er in der Zeit von 1989 bis 1994 ernstlich versucht hätte, in der angestammten Baubranche eine Stelle zu finden. Dies wird denn auch nicht geltend gemacht, ebenso wenig, dass der fremdenpolizeiliche Status als Saisonnier solche Bemühungen übermässig erschwerte oder sogar verunmöglichte. Es besteht daher kein Anlass, beim Valideneinkommen nicht auf den zuletzt als Landarbeiter erzielten, der Nominallohnentwicklung angepassten Verdienst abzustellen. 3.3 Im Weitern gilt für die Invaliditätsbemessung zwar allgemein der Grundsatz, dass beim Einkommensvergleich nach Art. 18 Abs. 2 UVG invaliditätsfremde Gesichtspunkte (Ausbildung, Sprache, Herkunft, familiäres Umfeld etc.) überhaupt nicht oder dann bei beiden Vergleichsgrössen gleichmässig zu berücksichtigen sind (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 104 Erw. 5b, ZAK 1989 S. 458 oben, AHI 1999 S. 240 unten sowie Urteil S. vom 29. August 2002 [I 97/00] Erw. 1.4 mit Hinweisen). Diese Regel bedeutet konkret, dass ein verglichen mit den branchenüblichen Löhnen tiefer, als Valideneinkommen angenommener tatsächlicher Verdienst vor Eintritt der Invalidität unter Umständen eine entsprechende Reduktion des Invalideneinkommens rechtfertigt (vgl. die erwähnten Präjudizien). Ein solcher Tatbestand ist vorliegend indessen entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht gegeben. Der als Landarbeiter zuletzt bezogene Lohn liegt im Normbereich gemäss den Richtlinien des Luzerner Bauernverbandes und kann daher nicht als branchenunüblich tief bezeichnet werden. Dass in der Landwirtschaft im Vergleich zum gesamten privaten Sektor im Durchschnitt sehr tiefe Löhne bezahlt werden, stellt nicht einen untrennbar mit der Person des Versicherten verbundenen invaliditätsfremden Faktor dar. Für volkswirtschaftliche strukturell bedingte Lohnunterschiede auf dem Arbeitsmarkt hat die Invalidenversicherung jedoch nicht aufzukommen. 3.4 Nach dem Gesagten kann offen bleiben, inwiefern beim Invalideneinkommen ein (leidensbedingter) Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt ist. Selbst eine maximal zulässige Reduktion von 25 % ergäbe ein Invalideneinkommen, welches höher ist als das Valideneinkommen. Somit besteht keine Invalidität im Rechtssinne, was den Anspruch auf eine Rente ausschliesst.