Citation: U 271/99 11.04.2000 E. 3

3.- Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer an leistungsbegründenden psychischen Unfallfolgen leidet. a) Bereits am 10. Oktober 1995 vertraten die Ärzte des Kantonsspitals, wo der Versicherte zur stationären physiotherapeutischen Behandlung der Fussbeschwerden hospitalisiert war, die Auffassung, dass an den bestehenden Beschwerden eine psychische Komponente wesentlich beteiligt sei. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchungen wurde wiederholt eine Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und den subjektiven Beschwerden festgestellt (Berichte des Dr. med. C.________ vom 5. Januar und 10. Mai 1996). Dr. med. M.________ diagnostizierte eine offensichtliche Schmerzfehlverarbeitung mit sekundärem Fibromyalgie-Syndrom, wobei die Schmerzfehlverarbeitung am ehesten als Folge einer wahrscheinlich chronifizierten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu betrachten sei. Der Versicherte sei beim Unfall einem Trauma ausgesetzt gewesen, bei dem er eine akute und potenzielle Todesbedrohung in Kombination mit intensiver Angst und Hilflosigkeit erlebt habe. Auch werde das traumatische Erlebnis zwar nicht oft, aber doch immer wieder in Form von Angstträumen und "flash-backs" neu erlebt. Ferner fänden sich Symptome eines erhöhten Erregungs-Niveaus (Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Hypervigilanz, übersteigerte Schreckreaktion). Schliesslich sei es zwischenzeitlich zu einer deutlichen Beeinträchtigung des sozialen und beruflichen Umfelds gekommen. Nachdem die Beschwerden bereits seit mehr als zwei Jahren andauerten, sei eine chronifizierte Störung anzunehmen (Bericht vom 2. Oktober 1996). In dem von der Invalidenversicherung eingeholten Bericht der Psychiatrischen Dienste des Kantons Solothurn (vom 13. Januar 1998) wird die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1) bestätigt und aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit angegeben; es sei anzunehmen, dass bereits vor dem Unfall eine psychische Vulnerabilität mit Tendenz zu Somatisierungsstörungen bestanden habe. Auf Grund dieser übereinstimmenden ärztlichen Angaben ist als erstellt zu betrachten, dass der Versicherte an psychischen Störungen leidet, die zumindest teilweise auf das Unfallereignis vom 15. August 1994 zurückzuführen sind, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs praxisgemäss (Erw. 1 hievor) genügt. Fraglich ist, ob auch die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers weiter vorausgesetzte Adäquanz des Kausalzusammenhangs gegeben ist. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 15. August 1994 ein Schleudertrauma der HWS erlitten hat, beurteilt sich diese Frage im vorliegenden Fall nach den für psychische Unfallfolgen geltenden Regeln, weil die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule gehörenden Beeinträchtigungen im Vergleich zur vorliegenden ausgeprägten psychischen Problematik ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 98 ff. und 115 V 133 ff.). b) Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zu dem für die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten adäquaten Kausalzusammenhang zwischen einem Unfall und der in der Folge einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit (BGE 115 V 133), insbesondere auch die bei Unfällen aus dem mittleren Bereich anwendbaren Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c), in Erw. 3b des angefochtenen Entscheides richtig wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden. c) Mit SUVA und Vorinstanz ist der Unfall vom 15. August 1994 dem mittleren Bereich zuzuordnen, wobei es sich um ein Ereignis handelt, welches zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen ist. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher praxisgemäss zu bejahen, wenn eines der von der Rechtsprechung für die Adäquanzbeurteilung als massgebend bezeichneten unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mehrere der genannten Kriterien gegeben wären (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Nach den zwar unbewiesen gebliebenen, aber glaubhaften Angaben des Beschwerdeführers gegenüber der SUVA ereignete sich der Unfall, weil er wegen eines unerlaubterweise durch eine Lücke in der Autobahnabschrankung aus der Gegenfahrbahn einbiegenden Fahrzeuges brüsk bremsen und ausweichen musste, dabei ins Schleudern geriet und zunächst in die rechte und dann in die linke Leitplanke stiess. Dabei wurde sein jüngerer Sohn aus dem Auto geschleudert. Die verletzte Ehefrau und die beiden Kinder wurden mit der Ambulanz ins Spital verbracht, während der Versicherte auf dem Unfallplatz verblieb und auf die avisierte Polizei wartete. Das Fahrzeug erlitt einen Totalschaden, wie die mit der Einsprache an die Anstalt eingereichten Fotografien zeigen. Dem Unfallgeschehen ist eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen; doch kann nicht gesagt werden, dass das Kriterium der dramatischen Begleitumstände oder der Eindrücklichkeit des Unfalls in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist. Auch hat der Beschwerdeführer beim Unfall keine schweren Verletzungen und insbesondere nicht solche Verletzungen erlitten, die erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Die Verletzungen waren insgesamt leichter Natur. Sie haben zu keiner lang dauernden ärztlichen Behandlung Anlass gegeben und auch keine länger dauernde erhebliche Arbeitsunfähigkeit bewirkt, konnte der Versicherte die Erwerbstätigkeit doch rund sieben Wochen nach dem Unfall wieder annähernd voll aufnehmen. Soweit er in der Folge erneut arbeitsunfähig wurde, stand dies in Zusammenhang mit der zunehmenden psychischen Fehlentwicklung und dem zweiten Unfall vom 10. Mai 1995, welcher jedoch zu keinen bleibenden Beeinträchtigungen geführt hat und für die psychische Fehlentwicklung nicht adäquat kausal war. Nicht erfüllt ist damit auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen. Ebensowenig kann von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen oder von einer ärztlichen Fehlbehandlung die Rede sein. Die für die Adäquanz der psychischen Störungen massgebenden Voraussetzungen sind somit nicht erfüllt, woran entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers auch der Umstand nichts ändert, dass nach ärztlicher Auffassung eine posttraumatische Belastungsstörung besteht, geht es doch gerade darum, die Adäquanz dieses Leidens zu beurteilen. Dabei ist davon auszugehen, dass ein Unfall der vorliegenden Art, welcher von keinen auffälligen Begleitumständen und besondern Folgen gekennzeichnet ist, auch von Versicherten mit einfacher Persönlichkeitsstruktur verkraftet werden kann. Löst der Unfall im konkreten Fall dennoch eine psychisch bedingte Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit aus, so muss dies unter den gegebenen Umständen auf unfallfremde Faktoren zurückgeführt werden (BGE 115 V 146).