Citation: 9C_205/2023 E. 1.1

1.1. Nach der Rechtsprechung bedeutet der Begriff der materiellen Rechtskraft (chose jugée), dass ein formell rechtskräftiges Urteil in jedem späteren Verfahren mit denselben Parteien verbindlich ist (BGE 145 III 143 E. 5.1; 142 III 210 E. 2 Ingress und 2.1; 140 III 278 E. 3.3; 139 III 126 E. 3.1). Die materielle Rechtskraft eines früheren Entscheids bedeutet grundsätzlich nur eine Bindung an das Dispositiv. Allerdings können zur Feststellung der Tragweite des Dispositivs weitere Umstände, namentlich die Begründung des Entscheids herangezogen werden (BGE 144 I 11 E. 4.2; 142 III 210 E. 2.2; 116 II 738 E. 2a; 115 II 187 E. 3b; 101 II 375 E. 1). Vorliegend war vor dem kantonalen Gericht der Erlass der Rückforderung im Zusammenhang mit dem vom 17. März bis zum 16. September 2020 bezogenen Corona-Erwerbsersatz strittig. In Dispositiv-Ziffer 1 hat das kantonale Gericht den diesbezüglichen Einspracheentscheid, welcher den guten Glauben für den gesamten Zeitraum verneint hatte, aufgehoben, den guten Glauben des Beschwerdeführers für den Zeitraum zwischen dem 17. März und dem 30. Juni 2020 bejaht und die Sache diesbezüglich zur Prüfung der weiteren Erlassvoraussetzung der grossen Härte und neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Hinsichtlich des ebenfalls strittigen Zeitraums vom 1. Juli bis 16. September 2020 ist dem Dispositiv des angefochtenen Entscheids dagegen nichts (Explizites) zu entnehmen. Aus den Erwägungen geht jedoch hervor, dass die Vorinstanz den guten Glauben des Beschwerdeführers für diesen Zeitraum verneint hat (vorinstanzliche Erwägung 2.4 S. 11 f.). Mit dem angefochtenen Entscheid fand somit nicht nur eine Rückweisung für den Zeitraum vom 17. März bis 30. Juni 2020 statt, sondern es wurde auch der Erlass der Rückforderung des zwischen Juli und dem 16. September 2020 bezogenen Corona-Erwerbsersatzes verneint, bildet der gute Glaube doch kumulativ zur grossen Härte die Voraussetzung für einen Erlass nach Art. 25 Abs. 1 ATSG. Auch dieser - aus der Begründung hervorgehende - Aspekt ist der materiellen Rechtskraft zugänglich, sofern diesbezüglich ein Teilentscheid vorliegen sollte (vgl. E. 1.2 hiernach).