Citation: 9C_611/2016 E. 4.3.3

4.3.3. In der polydisziplinären Expertise der medexperts ag vom 13. Januar 2016, welche der Verwaltung beim Erlass der Verfügung vom 15. März 2016 vorlag, stellte der psychiatrische Gutachter folgende Befunde fest: Das formale Denken sei zum Teil umständlich, eingeengt auf depressive Inhalte bzw. Schicksalsschläge, die Explorandin lasse sich von ihren Gedankenkreisen ablenken, sie wirke innerlich abgelenkt, es mangle sowohl an Konzentrationsvermögen als auch an Aufmerksamkeit. Die Stimmung sei gedrückt, die Modulationsfähigkeit sei dementsprechend herabgesetzt. Sie sei weinerlich, seufze des Öfteren, wirke insgesamt wenig belastbar. Psychomotorisch sei sie etwas eingeengt, immer wieder auftretende Selbstmordgedanken würden spontan aufgegeben. Stellung nehmend zu früheren diagnostischen Einschätzungen führte der Gutachter aus, der Psychiater Dr. med. G.________, Psychiatriezentrum H.________, habe im Bericht vom 15. Mai 2000, wonach die Beschwerdeführerin u.a. als zwanghaft perfektionistisch bei sehr kontrollierter und beherrschter Persönlichkeitsstruktur, als übermässig loyal mit geradezu aufopfernd-dienender Haltung, selbstdestruktiv und Gefühle verdrängend beschrieben wurde, ohne es zu benennen eine bereits bestehende Persönlichkeitsstörung beschrieben. Ferner sei der psychiatrische Gutachter Dr. med. F.________, ZMB, Basel, im Gutachten vom 23. September 2003 und noch deutlicher in der Stellungnahme vom 24. Februar 2004 von einer neurotisch-narzisstischen Persönlichkeitsstörung ausgegangen. Nach diesen ausführlichen und nachvollziehbaren Begründungen durch die Dres. med. G.________ und F.________ wirke es aus fachärztlicher Sicht befremdend, dass im Gutachten des Dr. med. C.________ vom 28. November 2013 kein nennenswerter psychopathologischer Befund habe festgestellt werden können. Diese Beurteilung sei oberflächlich und vom somatischen Befund ausgehend. Einleuchtend sei hingegen die zusammenfassende Beurteilung der Dr. med. D.________ in ihren Berichten vom 4. April 2014, auch wenn sie den Zusammenhang zwischen den Defiziten und der ab 2000 gutachtlich festgehaltenen Persönlichkeitsstörung vermeide. Aus psychiatrischer Sicht stehe die ängstlich-vermeidende, passiv-dependente Persönlichkeitsstörung im Vordergrund. Die rezidivierenden depressiven Episoden seien im Zusammenhang mit dem Überforderungsgefühl bei der zugrunde liegenden Persönlichkeitsstörung zu sehen. Die Abweichung sei im späten Kindesalter entstanden, habe sich im Verlauf verfestigt und sich im Erwachsenenalter deutlich manifestiert. Retrospektiv seien die Angaben der Beschwerdeführerin in sich konsistent und führten klinisch-psychiatrisch zur Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstörung. Zu den Persönlichkeitsmerkmalen sei bereits im Jahre 2000 gutachtlich Stellung genommen worden. Weitere Beurteilungen, die nur die somatischen Beschwerden berücksichtigten, seien allzu einseitig bzw. erfassten die Person der Versicherten als Ganzes nicht. Seit spätestens Mai 2014 sei die Beschwerdeführerin in jeglicher Tätigkeit 100 % arbeitsunfähig. Wie der Verlauf gezeigt habe, habe sich der psychopathologische Zustand verschlechtert. Die zugrunde liegenden Symptome der kombinierten Persönlichkeitsstörung hätten sich deutlich manifestiert und seien massgebend für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit.