Citation: I 56/02 30.12.2002 E. 5

5.1 Obwohl die Verwaltung bereits aus medizinischen Gründen eine neue Invaliditätsbemessung vorzunehmen haben wird, rechtfertigt es sich in Anbetracht der Einwände in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch zum von Vorinstanz und Verwaltung vorgenommenen Einkommensvergleich Stellung zu nehmen. In diesem Zusammenhang gilt es vorerst festzuhalten, dass für die Vornahme des Einkommensvergleichs grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns abzustellen ist. Bevor die Verwaltung über einen Leistungsanspruch befindet, muss sie indessen prüfen, ob in der dem Rentenbeginn folgenden Zeit eine erhebliche Veränderung der hypothetischen Bezugsgrössen eingetreten ist. Gegebenenfalls hat sie vor ihrem Entscheid einen weiteren Einkommensvergleich durchzuführen (BGE 128 V 174; Urteil L. vom 18. Oktober 2002, I 761/01). Aufgrund der Anmeldung zum Leistungsbezug vom Juli 1996 und der gesetzlichen Vorgabe, wonach die Nachzahlung höchstens für die zwölf der Anmeldung vorangegangenen Monate möglich ist (vgl. Art. 48 Abs. 2 IVG), fällt der allfällige Rentenbeginn ins Jahr 1995. Diesem Umstand haben Verwaltung und Vorinstanz mit der auf den Verfügungszeitpunkt vorgenommenen Bemessung nicht Rechnung getragen, weshalb sich bereits aus diesem Grund eine Neubeurteilung aufdrängt. 5.2 Unter dem Valideneinkommen ist jenes Einkommen zu verstehen, welches die versicherte Person als Gesunde tatsächlich erzielen würde (ZAK 1992 S. 92 Erw. 4a, 1961 S. 367). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Massgebend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung, soweit hiefür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen (Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums etc.), zu erwarten gehabt hätte (BGE 96 V 29; ZAK 1985 S. 635 Erw. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. Erw. 3b; vgl. auch EVGE 1968 S. 93 Erw. 2a). Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 Erw. 3b am Ende; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 Erw. 3c). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierte Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte abzustellen (vgl. AHI 1999 S. 240 Erw. 3b). Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zurückgegriffen werden (Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 205 f.; Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1995 S. 180). Die IV−Stelle hat das Valideneinkommen gestützt auf die Lohnstrukturerhebungen (LSE) des Bundesamtes für Statistik Sektor 3 der Qualifikationsstufe 3 für Frauen im Dienstleistungssektor festgesetzt, während die Vorinstanz - wegen der festgestellten Lohnunterschiede bei den verschiedenen innegehabten Stellen - vom Durchschnitt der in den Jahren 1987 bis 1994 gemäss Eintrag im Individuellen Konto erzielten Einkünfte ausgegangen ist (wobei sie diese auf 9 anstatt auf 8 Jahre umgerechnet hat). Die Beschwerdeführerin ist dagegen der Auffassung, es sei auf das von ihr zuletzt beim Arbeitsamt als Beraterin und Vermittlerin erzielte Erwerbseinkommen abzustellen. Der Versicherten ist vorerst darin beizupflichten, dass nicht von kurzfristig stark schwankenden Einkommensverhältnissen auszugehen ist, welche es rechtfertigen würden, auf den Durchschnittsverdienst mehrerer Jahre zurückzugreifen (vgl. ZAK 1985 S. 464 erhebliche Einkommensschwankungen eines Selbstständigerwerbenden betreffend und AHI 1999 S. 237, welchem ebenfalls ein anderer Sachverhalt zugrunde lag). Wie der berufliche Werdegang zeigt, war die Beschwerdeführerin nach der von 1981 bis 1983 absolvierten Bürolehre bei der Einwohnerkontrolle bis 1989 beim Steueramt tätig, bevor sie in die Privatwirtschaft wechselte, wo sie bis zum Antritt der Stelle beim Arbeitsamt im Januar 1993 für verschiedene Arbeitgeber tätig war und zwischendurch auch Zeiten von Arbeitslosigkeit und Zwischenverdienst verbuchen musste. Dabei zeigt die Lohnentwicklung - abgesehen von vorübergehenden Rückschlägen - über die Jahre betrachtet eine insgesamt kontinuierlich steigende Kurve an. Hinzu kommt, dass offenbar im Jahre 1991 nicht das gesamte erzielte Einkommen im Individuellen Konto zur Eintragung gekommen ist. Aufgrund der Ausbildung und der anschliessenden mehrjährigen Tätigkeit in der Verwaltung ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre Stelle beim Arbeitsamt behalten hätte, wenn ihr dies vom gesundheitlichen Standpunkt aus möglich gewesen wäre. Wie dem Arbeitszeugnis vom 30. Juni 1997 zu entnehmen ist, brachte sie für diese Tätigkeit von Anfang an gute Voraussetzungen mit, und es wurde ihr auch eine insgesamt gute Qualifikation attestiert. Allein die Tatsache, dass die Verwaltung die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Ausbildung und Berufserfahrung zum im Fragebogen für den Arbeitgeber vom 25. September 1996 angegebenen Lohn angestellt hat, zeigt, wieviel die Versicherte als Gesunde hätte verdienen können. Dass es sich dabei um einen einmaligen Spitzenlohn (vgl. ZAK 1980 S. 593) gehandelt hätte, lässt sich angesichts der beruflichen Qualifikationen und mit Blick auf die Löhne der öffentlichen Verwaltung gemäss LSE nicht annehmen. 5.3 Da mit der Tätigkeit als selbstständigerwerbende Naturheilpraktikerin die zumutbare Arbeitsfähigkeit nicht ausgeschöpft werde, stellte die Vorinstanz bezüglich des Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne gemäss LSE für Frauen im Bereich kaufmännisch-administrative Tätigkeiten im Anforderungsniveau 3 ab. Nebst dem Umstand, dass die Abweichung gegenüber der Verwaltung nicht begründet und der Grundsatz des zeitlichen Parallelismus zwischen Validen- und Invalideneinkommen (vgl. dazu oben Erwägung 5.1) nicht gewahrt worden sei, bezeichnet die Beschwerdeführerin die Zumutbarkeit der Aufnahme einer Tätigkeit im kaufmännisch-administrativen Bereich aus medizinischen und erwerblichen Überlegungen als fragwürdig. Welche Tätigkeiten der Versicherten noch zumutbar sind, wird die von der Verwaltung noch zu veranlassende medizinische Gesamtbeurteilung zeigen, welche sich dazu zu äussern haben wird. Massgebend für die Invaliditätsbemessung im erwerblichen Bereich ist der gesamte für die Beschwerdeführerin in Betracht kommende ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 28 Abs. 2 IVG; vgl. BGE 121 V 274 Erw. 6b/cc, 116 V 249 Erw. 1b, 109 V 29; AHI 1998 S. 291). Was sodann die Rüge betrifft, wegen der kognitiven Einschränkungen sei nicht vom Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt), sondern vom Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) gemäss LSE auszugehen, kann diese Frage ebenfalls erst gestützt auf das Ergebnis der medizinischen Beurteilung abschliessend beantwortet werden. Dasselbe gilt mit Bezug auf den geltend gemachten Abzug vom Tabellenlohn (BGE 126 V 75). Die Ärzte werden insbesondere anzugeben haben, ob lediglich noch eine Teilzeitbeschäftigung in Frage kommt oder ob sich die reduzierte Leistung auf ein volles Pensum bezieht.