Citation: 1P.695/1999 28.02.2000 E. 2

2.- a) Aus den Untersuchungsakten geht hervor, dass L.S.________ der Kantonspolizei Luzern am 31. März 1997 mitteilte, ihre Tochter E.________ wolle gegen deren Vater Aussagen machen, wonach dieser sie sexuell missbraucht habe. Anlässlich der gleichentags durchgeführten Befragung gab E.________ zu Protokoll, sie habe sich zur Anzeige entschlossen, weil es am Abend zuvor bei ihr zu Hause zu einem grossen Streit gekommen sei. Ihr Vater habe unter dem Vorwand, sie würde immer lügen und er wolle sie dabei ertappen, in ihrem Zimmer eine Überwachungskamera installiert. Die sexuellen Belästigungen hätten begonnen, als sie etwa zwölf Jahre alt gewesen sei. Ihr Vater habe sie jeweils ein- bis zweimal pro Woche an ihrem Geschlechtsteil betastet, teilweise über, teilweise unter den Kleidern. Dies sei zur Tageszeit in ihrem Zimmer oder im Wohnzimmer geschehen, währenddem die Mutter gearbeitet habe. Vor ca. einem Jahr habe ihr Vater sie erstmals vergewaltigt. Seither habe er mit ihr insgesamt rund dreissigmal den Geschlechtsverkehr vollzogen. Ein paar wenige Male habe er ihr eine Ohrfeige gegeben, als sie sich zur Wehr gesetzt habe. Sie habe ihrem Vater immer wieder gesagt, dass sie an Sex mit ihm nicht interessiert sei. Irgendwie habe sie sich ihm einfach ausgeliefert gefühlt und nicht gewusst, wie sie sich verhalten solle. Auf die Frage, wie es nun weiter gehe, antwortete E.________, sie wolle ihren Vater nie mehr sehen. Er habe ihr zuviel angetan. Sie hoffe, dass sie die Kraft habe, bei ihren Aussagen zu bleiben und darauf zu beharren. b) Anlässlich seiner Befragung vom 2. April 1997 gab der Beschwerdeführer zu, mit seiner Tochter Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Auf die Frage, was E.________ dabei empfunden habe, erklärte er, ein paarmal habe sie erwähnt, dass es ihr gefallen habe, andere Male habe sie es nicht gewollt. Letzteres habe sie zum Ausdruck gebracht, indem sie geweint und sich mit den Händen gewehrt habe, wobei sie ihm einmal fast einen Finger gebrochen hätte. Auch habe sie ihn gebissen und am ganzen Körper geklemmt. Bei der Fortsetzung der Einvernahme am 3. April 1997 beantwortete der Beschwerdeführer die Frage, ob er beim Geschlechtsverkehr Gewalt angewendet habe, mit der Erklärung, dieses Wort sei hier nicht treffend. Auf Vorhalt hin, dass seine Tochter ausgesagt habe, sie habe sich durch Beissen, Kneifen und Wegstossen gewehrt, führte der Beschwerdeführer aus, es sei richtig, dass sich E.________ im von ihr beschriebenen Sinn gegen sein Vorgehen gewehrt habe. Sie sei aber zu schwach dazu gewesen, so dass er immer die Oberhand behalten habe. Manchmal habe E.________ im Nachhinein gesagt, dass es ihr gefallen habe. Auch auf Grund ihres Mitmachens sei er davon ausgegangen, dass es ihr gefallen haben dürfte. c) Mit Begleitschreiben vom 25. Juni 1997 reichte der Verteidiger des Beschwerdeführers eine Kopie eines vom 9. Juni 1997 datierten handschriftlichen Schreibens von E.________ ein, in welchem diese erklärte, sie habe vieles gesagt, das gar nicht richtig sei. Eigentlich habe ihr Vater sie gar nicht gezwungen. Sie habe dies nur gesagt, um ihm weh zu tun, da sie ihm habe heimzahlen wollen, dass er immer so streng mit ihr gewesen sei und ihr viel verboten habe. Sie hoffe sehr, dass ihr Vater ihr nicht mehr böse sei, weil sie das alles erzählt habe. Ihr grösster Wunsch wäre, dass sie bald wieder eine richtige Familie seien. E.________ wurde alsdann auf das Amtsstatthalteramt Hochdorf vorgeladen, um als Zeugin einvernommen zu werden. Zur vorgesehenen Befragung vom 23. Juli 1997 brachte sie ein von ihr selbst verfasstes handgeschriebenes Schreiben mit, in welchem sie erklärte, sie bedaure es, bei ihrer Aussage nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Sie habe zwei bis drei Monate vor Erreichen ihres 17. Lebensjahrs mit ihrem Vater den ersten Geschlechtsverkehr gehabt. Weil sie dies schön gefunden habe, habe sie nichts dagegen gehabt, dass sie öfter miteinander schliefen. Sie habe sich auch in ihrer Arbeitspause zwischen 12 und 16 Uhr öfters mit einem Slip und T-Shirt bekleidet ins Wohnzimmer gesetzt und gehofft, dass ihr Vater zu ihr komme, "um es zu machen". Sie habe ihren Vater zwischendurch auch gebissen und gekratzt, aber nicht, um ihm weh zu tun, sondern nur aus Erregung. Denn es habe ihr immer gefallen und ihr Vater habe manchmal vermuten müssen, dass sie den Beischlaf wünschte. Sie habe es ihm auch gezeigt und sich gedacht, sie könne etwas lernen, denn sie habe ihren Vater sehr lieb. Dass sie bei der Aussage nicht die Wahrheit erzählt habe, bedaure sie sehr. Bei der Polizei habe sie die Gelegenheit wahrgenommen und viel gelogen. Erst im Nachhinein sei ihr bewusst geworden, was sie angerichtet habe. Sie hoffe sehr, dass ihr Vater ihr nicht böse sei. d) Anlässlich der Einvernahme auf dem Amtsstatthalteramt Hochdorf vom 23. Juli 1997 war E.________, nachdem ihr die Zeugenbelehrung erläutert und sie auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht aufmerksam gemacht worden war, nicht bereit, als Zeugin auszusagen. Eine weitere Befragung hat in der Folge nicht stattgefunden. e) An der Verhandlung vor dem Kriminalgericht erklärte der Beschwerdeführer, es treffe zu, dass er seine Tochter schwer sexuell missbraucht habe, seitdem sie zwölf oder dreizehn Jahre altgewesensei. Er bleibe bei den Angaben, die er zuletzt beim Amtsstatthalteramt gemacht habe und habe hierzu keine Ergänzungen anzubringen.