Citation: 2C_598/2023 E. 5.4

5.4. Die gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin begründen einen gewissen Pflegebedarf. Dieser beschränkt sich auf alltägliche Verrichtungen und die Ernährung. Mit der Vorinstanz ist der Pflegebedarf als alters- oder krankheitsbedingt einzustufen. Die erforderliche Pflege konnte die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit trotz des Ukraine-Kriegs in Russland beanspruchen; die Vorteile, die sich aus einer innerfamiliären Betreuung für die Selbständigkeit der Beschwerdeführerin ergeben könnten, berechtigen nach der Rechtsprechung für sich alleine nicht zu einem Familiennachzug (Urteil 2C_779/2021 vom 9. Mai 2022 E. 6.3). Zudem erreichen die gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin nicht eine Intensität, die zu einem Abhängigkeitsverhältnis führt (vgl. dazu die Urteile 2C_682/2022 vom 29. März 2023 E. 4.3.3; 2C_1011/2022 vom 14. Februar 2023 E. 4.3; 2C_642/2021 vom 3. September 2021 E. 3.2). Soweit sich die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang auf das Urteil 2C_978/2021 vom 11. August 2022 beruft, übersieht sie, dass das Bundesgericht in diesem Entscheid seine bisherige Rechtsprechung (dazu E. 5.1 f. hiervor) bestätigte und lediglich für den konkreten Einzelfall (so ausdrücklich E. 5.1 des genannten Urteils) zum Ergebnis gelangte, ein Abhängigkeitsverhältnis sei zu bejahen. In jenem Fall hatte die Beschwerdeführerin ihr linkes Auge verloren und einen "Augeninfarkt" auf dem rechten Auge erlitten. Zudem war sie - bei schlechtem Allgemeinzustand - am Herz erkrankt (Urteil 2C_978/2021 vom 11. August 2022 Sachverhalt A.b). Die Familiensituation in der Schweiz war auf die Pflege des Schwiegersohnes ausgerichtet, der an einer beinbetonten Tetraparese litt (Urteil 2C_978/2021 vom 11. August 2022 E. 4.3.2). Vorliegend präsentieren sich sowohl die Gesundheitssituation der Beschwerdeführerin als auch die Lebenssituation der Schweizer Familie anders. Die Beschwerdeführerin ist grundsätzlich in der Lage, ihren Lebensalltag - trotz Pflegebedürftigkeit - zu bestreiten. Von einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis könnte erst dann die Rede sein, wenn spezifische Betreuungsbedürfnisse ausgewiesen wären, wie sie sich z.B. aus der Kombination von mehreren stark einschränkenden Beeinträchtigungen ergeben (vgl. Urteil 2C_779/2021 vom 9. Mai 2022 E. 6.5 [Kombination von Paraplegie und Depression]). Derartige Betreuungsbedürfnisse vermag die Beschwerdeführerin nicht auszuweisen.