Citation: U 178/02 07.02.2003 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob es sich beim Ereignis in der Nacht vom Freitag dem 13. auf Samstag den 14. August 1999 um einen Unfall im Sinne von Art. 9 UVV gehandelt hat. 2.1 Das kantonale Gericht legt unter Hinweis auf den angefochtenen Einspracheentscheid dar, dass der Konsum von illegalen Drogen vorliegend keinen ungewöhnlichen Faktor darstellt, weil der Beschwerdeführer unbestrittenermassen ein regelmässiger Drogenkonsument war und entsprechende Substanzen daher in seinem Lebensbereich wenn nicht alltäglich, dann doch üblich waren. Das gilt offenbar auch für den Verbrauch von mehreren Wirkstoffen gleichzeitig. Sein Hausarzt, Dr. med. B.________, Facharzt FMH für Innere Medizin, schreibt in seiner Auskunft vom 12. Oktober 2000 von einer langjährigen Polytoxikomanie (Heroin, Kokain, Benzodiazepin, Cannabis). Vorliegend kann also nur dann von einem ungewöhnlichen Faktor und damit von einem Unfallgeschehen ausgegangen werden, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der Beschwerdeführer nicht wusste, was die angebrochene Cola-Flasche im Kühlschrank enthielt, es auch nach dem ersten Schluck nicht wissen musste und dass er das Getränk nicht zu sich genommen hätte, wenn er gewusst hätte, dass es Methadon enthielt. 2.2 Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass die Frage, ob ein Irrtum vorgelegen hat oder nicht, primär ein innerer Vorgang ist, welcher sich heute einer Überprüfung naturgemäss entzieht. Dies zum einen, weil nunmehr jede Aussage des Beschwerdeführers bewusst oder unbewusst vom Wissen um die versicherungsrechtlichen Konsequenzen einer Aussage beeinflusst wird. Zum anderen hat er selbst - angesichts der Intoxikation, welche noch nach Tagen in seinem Blut nachgewiesen worden ist - glaubwürdig dargetan, dass er sich an kaum mehr etwas erinnern kann, was an diesem Abend bzw. während der Nacht geschehen war (vgl. auch Erwägung 3.2 hiernach). 2.3 Objektiv steht fest, dass der Beschwerdeführer neben dem vorliegend zur Diskussion stehenden Methadon auch Kokain, Heroin und Cannabis konsumiert hat. Nach eigenen Angaben hatte er während eines Italien-Aufenthaltes, welcher bis am Freitag, dem 13. August 1999 gedauert hatte, lediglich Cannabis geraucht. Die weiteren Drogen muss er demnach im Verlaufe des Abends zu sich genommen haben, bevor er die Methadon-Cola aus dem Kühlschrank seiner Mutter trank. Weiter ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er aus dem Vorrat seiner Mutter zwei Rohypnol-Tabletten eingenommen hatte, wurde bei ihm bei Spitaleinlieferung doch auch eine Intoxikation mit Benzodiazepinen (zu denen das unter dem Markennamen Rohypnol verkaufte Hypnotikum gehört; vgl. Arzneimittel-Kompendium der Schweiz 1997, S. 1930 f.) festgestellt. Rohypnol, welches Medikament auch als Schlafinduktor für die Anästhesiologie verwendet wird (vgl. Arzneimittel-Kompendium a.a.O.), hat insbesondere in Zusammenwirken mit anderen Drogen oder Alkohol eine gefährlich verstärkte Wirkung. Es wird auch davor gewarnt, dass eine Überdosierung von Rohypnol zu Schläfrigkeit, Benommenheit, Koma, Dämpfung der Atmung und der Reflexaktivität führen kann. Ob es neben dem Konsum von Heroin, Kokain, Cannabis und zwei Rohypnol-Tabletten - wobei auch der Beschwerdeführer nicht behauptet, dass er all diese Stoffe versehentlich zu sich genommen hat - überhaupt noch Methadon brauchte, um als Teilursache für den schädigenden komatösen Zustand zu gelten, kann aber offen bleiben, nachdem - wie zu zeigen sein wird - nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass das Methadon unbeabsichtigt eingenommen worden ist.