Citation: 9C_57/2023 E. 5.4

5.4. Zu fragen ist jeweils, ob die Beeinträchtigungen in der gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit vollständig abgebildet werden und darüber hinaus keine erheblichen Auswirkungen auf den erzielbaren Lohn zu gewärtigen sind. Im Sinn der in E. 5.3 zitierten Rechtsprechung relevante Auswirkungen bestehen beim Beschwerdeführer gehäuft: Zu den Folgen der kardiologisch ausgewiesenen Herzerkrankung (rasche Ermüdbarkeit und Einschränkung der Konzentration) kommen u.a. folgende, sich teils gegenseitig verstärkende Einschränkungen: die neurologische Symptomatik der objektiv ausgewiesenen Mitochondriopathie (Störung der Energieversorgung von Zellen), darunter vor allem eine generalisierte und progrediente Fatigue (Erschöpfungssyndrom) sowie unter Belastung entstehende Muskelschmerzen (Myalgien); das chronische Lumbovertebralsyndrom; sowie eine rezidivierende depressive Störung mit Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit und psychomentale Belastbarkeit. Daraus ergeben sich Nachteile, die selbst im Rahmen eines gesundheitlich bedingt reduzierten Pensums zum Tragen kommen; zudem müssen das Arbeitsumfeld und die betrieblichen Abläufe etwa einem individuellen Pausenbedarf Rechnung tragen. Zu Recht macht der Beschwerdeführer geltend, dass eine Berücksichtigung all dieser Faktoren in Form einer Korrektur des Tabellenlohns keine doppelte (mithin ungerechtfertigte) Anrechnung im Sinn von BGE 148 V 174 E. 6.3 bedeuten würde. Eine Reduktion des zumutbaren Pensums (entsprechend der attestierten Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten) fängt die erwähnten Einschränkungen zweifellos nicht in ihrer Gesamtheit vollständig auf, so dass sich diese auch unter Berücksichtigung der quantitativen und qualitativen Vorgaben weiterhin nachteilig manifestieren. In arbeitsmarktlicher Hinsicht sind entsprechende Auswirkungen beim erzielbaren Lohn zu gewärtigen. Angesichts der erheblichen Art und Zahl der erwerbsrelevanten funktionalen Einschränkungen drängt sich im konkreten Fall eine 20-prozentige Herabsetzung des verwendeten LSE-Tabellenlohns auf, der, daran sei erinnert, hauptsächlich auf statistisch erhobenen Löhnen von gesunden Personen beruht (EGLI/FILIPPO/GÄCHTER/MEIER, Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, 2021, Rz. 704 ff., insbesondere 711 ff. und 717 ff., 779).