Citation: 1C_204/2023 E. 3.6

3.6. Die Vorinstanz erwähnt die Gemeindeautonomie nicht und prüft die Auslegung von Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach offenbar frei. Die Gemeinde legt Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach dahingehend aus, dass "Vorbauten von weniger als einem Drittel der Fassadenlänge [...] dürfen den Grenz (- und den Strassen-) abstand um maximal 1.50 m unterschreiten" heissen soll "Vorbauten dürfen den Grenzabstand um maximal 1.50 m auf weniger als einem Drittel der Fassadenlänge unterschreiten". Die Grenzabstandsprivilegierung soll damit auf eine bestimmte Länge beschränkt sein, unabhängig davon, welche Länge die Vorbaute insgesamt hat. Diese Auslegung ist zwar dem Wortlaut nicht unmittelbar zu entnehmen, doch erscheint sie vom Wortlaut noch gedeckt. Aus einer teleologischen Perspektive ist sie jedoch überzeugend. So wendet das Bau- und Umweltdepartement vor Bundesgericht ein, für die Gewährleistung der Wohnhygiene könne nur ausschlaggebend sein, dass Vorbauten auf nicht mehr als einem Drittel der Fassadenlänge grenzabstandsprivilegiert sind. Ob neben dem grenzabstandsprivilegierten Teil jedoch noch ein den Grenzabstand einhaltender Teil einer Vorbaute bestehe, sei für die Gewährleistung der Wohnhygiene irrelevant, was sie mit konkreten Beispielen untermauert. Die Auslegung und Praxis der Gemeinde sei sinnvoll. Diese Einwände sind berechtigt. Jedenfalls ist nicht ersichtlich, dass das Verwaltungsgericht den in den Anwendungsbereich der Gemeindeautonomie fallenden Beurteilungsspielraum bei der Auslegung von Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach durch die Gemeinde respektiert hat. Vielmehr hat es sich unzulässigerweise über das von Art. 50 Abs. 1 BV geschützte Ermessen der Gemeinde hinweggesetzt.