Citation: 7B_704/2023 E. 2.3.1

2.3.1. Die Vorbringen des Beschwerdeführers gegen die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung erweisen sich weitestgehend als appellatorisch. Die Vorinstanz teilt gestützt auf die Videoaufnahmen an der Tankstelle sowie eine detaillierte Analyse des Handlungsablaufes bzw. der einzelnen Gesten des Beschwerdeführers die erstinstanzliche Auffassung, wonach der Beschwerdeführer das Klappmesser, mit welchem er auf den Privatkläger eingestochen hat, bereits beim Verlassen des Fahrzeugs auf der Beifahrerseite behändigt hat. Sie erwägt, der Beschwerdeführer sei zwischen Minute 1.14 bis 2.12 des Videos 1 gut zu erkennen. Bei Minute 1:56-2.02 des Videos halte er einen Gegenstand in seiner linken Hand vor seinem Gesicht, der nur als Messer und nicht wie er geltend mache als Portemonnaie interpretiert werden könne. Er habe das Messer, mit welchem er auf den Privatkläger eingestochen hat, ab Minute 1:56 bis Minute 2:10 in seiner linken und ab dann bis zur zwei Sekunden später beginnenden Auseinandersetzung in der rechten Hand gehalten. Anschliessend habe er mit der rechten Hand auf den Privatkläger eingestochen. Gestützt auf die Videoaufnahmen könne ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer das Messer erst zu einem Zeitpunkt hervorgeholt habe, als er den Privatkläger ausserhalb des Tankstellenshops erkannt habe und auf diesen zugegangen sei. Dabei konnte sich die Vorinstanz auf die Fotodokumentationen des Forensischen Instituts Zürich stützten, welche unter anderem weitere Standbilder besserer Qualität aus den Videosequenzen der Überwachungsaufnahmen enthielten. Was der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Sachverhaltsanalyse vorbringt, ist eine eigene, alternative Interpretation der Videoaufnahmen. Damit vermag er keine Willkür zu begründen. Vielmehr analysiert die Vorinstanz die Videoaufnahmen und die davon vorhandenen Standbilder besserer Qualität und würdigt sie im Lichte des gesamten Sachverhaltsablaufs (Streitigkeit im Strassenverkehr, der Beschwerdeführer folgte darauf dem Privatkläger, wartete auf diesen vor dem Tankstellenshop, um ihn physisch zu attackieren, ging auf ihn zu, wechselte kurz einige Worte mit ihm, um zu prüfen, ob es der "Richtige" bzw. ob er der Besitzer des dort abgestellten Motorrades sei, griff ihn am Kragen, holte mit der rechten Hand aus, in der er das Messer führte, und stach ohne Zögern und ohne das Gespräch zu suchen auf ihn ein). Sie hält mit überzeugender Begründung fest, die Behauptungen des Beschwerdeführers, er habe beim Verlassen des Fahrzeugs ein Portemonnaie behändigt, seien nicht überzeugend, wobei der Beschwerdeführer zunächst noch behauptet hatte, es handle sich bei der Stichwaffe um einen Malerspachtel. Den Gegenstand in der Hand des Beschwerdeführers durfte die Vorinstanz willkürfrei als Messer interpretieren. Dass auf den Videos nicht stets beide Hände des Beschwerdeführers bzw. das Messer darin sichtbar sind, ändert an der vertretbaren vorinstanzlichen Würdigung nichts. Ebenso wenig beanstanden lässt sich unter Willkürgesichtspunkten die vorinstanzliche Feststellung, der Beschwerdeführer habe mit grosser Wucht auf den Privatkläger eingestochen. Die Vorinstanz stützt sich hierbei nebst den Videoaufnahmen auf das Gutachten des IRM und den Umstand, dass der Privatkläger eine Motorradlederjacke und einen Nierengurt trug, die der Beschwerdeführer mit dem Messer durchtrennte und dass der Stichkanal ca. 6 cm bei einer Messerlänge von ca. 8 cm mass. Der Beschwerdeführer holte gemäss den Überwachungsvideos zum Stich aus und stiess dem Privatkläger somit das Messer in nahezu voller Länge in den Leib, obwohl dieser robuste Kleidung trug. Daher war es nicht erforderlich, dass die Vorinstanz die Widerstandskraft der Kleidung des Privatklägers ermitteln lässt. Abgesehen davon behauptet der Beschwerdeführer nicht, einen solchen Antrag vor Vorinstanz gestellt zu haben und rügt auch nicht eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör. Das (dynamische) Tatgeschehen im Zeitpunkt des Messerstichs stellt der Beschwerdeführer in rein appellatorischer Weise in Frage, zumal nach den vorinstanzlichen Feststellungen der Beschwerdeführer und der Privatkläger aufeinander zugegangen sind, der Beschwerdeführer den Privatkläger mit einer Hand am Kragen gepackt und gleichzeitig mit der anderen Hand zugestochen hat. Wie er bei einem solchen Tatgeschehen genau hat kontrollieren wollen, wie er zusticht und wo er den Privatkläger trifft, ist nicht ersichtlich. Dies gilt umso mehr, als die Auseinandersetzung mit dem einen Stich nicht zu Ende war und der Beschwerdeführer das dynamische Geschehen für den folgenden Teil nicht in Frage stellt, hierbei jedoch weitere versuchte Messerstiche bestreitet (vgl. nachfolgend E. 2.3.2).