Citation: 8C_89/2024 E. 4.3

4.3. Nach den verbindlichen (vgl. E. 1 hiervor) Feststellungen der Vorinstanz stütze sich die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 19. November 2019 zur Beurteilung der Hilflosigkeit des Beschwerdeführers einzig auf die Angaben des behandelnden Kinderarztes und den Bericht des behandelnden Ophthalmologen vom 13. September 2019. Sie ging deshalb von einem Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades im Sonderfall aufgrund hochgradiger Sehschwäche aus. In der Anmeldung für Hilflosenentschädigung vom 1. März 2019 wurde jedoch eine Hilfsbedürftigkeit in vier alltäglichen Lebensbereichen geltend gemacht, was einem Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades entspräche. Zudem sei bereits im zuhanden des zuständigen schulpsychologischen Dienstes verfassten heilpädagogischen Fachbericht vom 7. Oktober 2015 unter Hinweis auf einen logopädischen Abklärungsbericht vom 8. Juli 2015 festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer in allen Bereichen der Selbstversorgung (Körperpflege, An- und Ausziehen, Nahrungsaufnahme) aufgrund der Sehbehinderung auf Hilfe angewiesen sei. Dieser Bericht sei den Eltern des Beschwerdeführers damals zugestellt worden. Die IV-Stelle habe davon erst im Juli 2021 Kenntnis erhalten. Es steht fest und ist unbestritten (vgl. E. 2.1 hiervor), dass die IV-Stelle gehalten gewesen wäre, eine Abklärung an Ort und Stelle durchzuführen. Stattdessen sprach sie dem Beschwerdeführer aufgrund der hochgradigen Sehschwäche lediglich eine Hilflosenentschädigung leichten Grades im Sonderfall zu. Wie das kantonale Gericht richtig erkannt hat, wäre es dem Beschwerdeführer unbenommen gewesen, gegen den damaligen Vorbescheid zu opponieren und eine Abklärung an Ort und Stelle zu verlangen und gegen die Verfügung vom 19. November 2019 Beschwerde zu erheben. Die prozessuale Revision dient nicht dazu, die nachträgliche Korrektur einer prozessualen Nachlässigkeit zu ermöglichen (vgl. Urteile 8C_188/2023 vom 31. Mai 2024 E. 3.3; 8C_198/2023 vom 16. Oktober 2023 E. 5.2.2; 8C_523/2012 vom 7. November 2012 E. 3.3.2; vgl. auch BGE 111 Ib 209 E. 1). Die Unmöglichkeit, Tatsachen und Beweismittel bereits im früheren Verfahren beizubringen, ist deshalb nur mit Zurückhaltung anzunehmen (Urteil 9C_830/2015 vom 6. April 2016 E. 5.3.3).