Citation: 1P.37/2005 07.04.2005 E. 4

Liegt somit eine Änderung der Verhältnisse vor, ist weiter zu prüfen, ob diese gewichtig genug ist, um eine Anpassung des Zonenplans knapp 11 Jahre nach dessen Erlass zu rechtfertigen. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, welchen Zielen die Planänderung dient und wie einschneidend sich die beabsichtigte Änderung auswirkt. 4.1 Der Planungsgrundsatz von Art. 3 Abs. 3 RPG verlangt, dass Siedlungen nach den Bedürfnissen der Bevölkerung zu gestalten und in ihrer Ausdehnung zu begrenzen sind. Gemäss lit. b dieser Bestimmung sollen Wohngebiete vor schädlichen und lästigen Einwirkungen wie Luftverschmutzung, Lärm und Erschütterungen möglichst verschont werden. Ob die Beschwerdeführerinnen das Mehrfamilienhaus, für dessen Erstellung sie am 18. April 1995 die Baubewilligung erhalten hatten, wegen der Lärmsituation an der Romanshornerstrasse nicht realisieren konnten, wie das Verwaltungsgericht im angefochtenen Entscheid vermutet hat und von den Beschwerdeführerinnen bestritten wird, kann offen bleiben. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerinnen beim Tiefbauamt des Kantons Thurgau um einen Kostenbeitrag für Schallschutzfenster an ihrem an der Romanshornerstrasse 123 auf Parzelle Nr. 762 bereits bestehenden Wohnhaus nachsuchten und gemäss den Schreiben des Tiefbauamtes vom 20. Oktober und 13. Dezember 2000 einen solchen Kostenbeitrag in Höhe von Fr. 16'000.-- auch erhalten haben. Hauptverkehrsstrassen wie die Romanshornerstrasse erweisen sich schon aufgrund des Planungsgrundsatzes von Art. 3 Abs. 3 lit. b RPG im Hinblick auf die durch den Verkehr erzeugte Lärmbelastung als für Wohnbauten ungeeignet. Es lässt sich daher mit sachlichen Überlegungen rechtfertigen, an solchen verkehrsmässig stark belasteten Strassen reine Gewerbezonen ohne Wohnnutzung zu bilden. 4.2 Nachdem sich die politische Gemeinde Egnach aus den in ihrem Planungsbericht vom 3. Dezember 2001 dargelegten Gründen veranlasst sah, ihre Ortsplanung zu überarbeiten, war die Beschränkung der Wohnzonen auf nicht entlang der Hauptverkehrsstrassen gelegene Gebiete ein Vorgehen, um die Ortsplanung mit den Planungsgrundsätzen von Art. 3 Abs. 3 RPG in Einklang zu bringen. Als Planungsbehörde durfte die Gemeinde dieses Anliegen als gewichtig einstufen. Nachdem seit der Ortsplanung von 1994 rund zwei Drittel des ordentlichen Planungshorizonts von 15 Jahren verstrichen waren, durfte sie dem Interesse an einer Realisierung dieses Anliegens den Vorrang einräumen gegenüber dem Interesse an der Beibehaltung der bestehenden Ortsplanung, zumal es vorliegend nicht um eine Auszonung oder um eine wesentliche Reduktion der zulässigen Ausnutzung ging, sondern bloss um eine Umzonung von einer Wohn- und Gewerbezone in eine Gewerbezone. Diese Interessenabwägung ist auch unter Berücksichtigung der seit Ende 2001 bestehenden Planungszone verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. 4.3 Nach dem Gesagten erweist sich die Anwendung von Art. 21 Abs. 2 RPG durch das Verwaltungsgericht als nicht verfassungswidrig.