Citation: 2D_22/2021 E. 3.1

3.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihr bei einer Rückkehr in die Türkei aufgrund der Drohungen der Familien und insbesondere des Schwiegervaters als geschiedene Frau und Alevitin eine unmenschliche, erniedrigende und lebensgefährliche Behandlung drohe (Ehrenmord). Sie sei bereits von ihrem früheren Ehegatten innerhalb der Ehe unmenschlich und erniedrigend behandelt und in ihrer körperlichen sowie psychischen Integrität verletzt worden. Es liege insofern eine neue tatsächliche Situation vor, als die Türkei aus der Istanbul-Konvention vom 11. Mai 2001 austreten werde (Übereinkommen des Europarats vom 11. Mai 2011 zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt [SR 0.311.35]), was "einen Rückschritt in der Bekämpfung von gegen Frauen gerichteten Gewalttaten" darstelle. Die Menschenrechtslage habe sich seit dem gescheiterten Militärputsch vom 15./16. Juni 2016 weiter verschlechtert. Das angefochtene Urteil stehe im klaren Widerspruch zur tatsächlichen Situation der alevitischen Minderheit in der Türkei; es verkenne die persönliche und konkrete Drohung durch ihren ehemaligen Schwiegervater, die kulturelle Akzeptanz und die "steigende Ausführungen von Ehrenmorden" in der Türkei sowie die Diskriminierung und brutale Gewalt, der geschiedene Frauen sich in der Türkei "gemäss humanitären Organisationen und der Lebenserfahrung" ausgesetzt sähen. Die Vorinstanz verletze mit ihrem Entscheid das Übereinkommen vom 18. Dezember 1979 zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW [SR 0.108]).