Citation: 2C_561/2021 E. 3.6

3.6. Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss weiter geltend, dass ihre Erfahrungen aus der ersten Ehe ebenfalls für die Beurteilung des nachehelichen Härtefalls zu berücksichtigen seien. Sie habe aufgrund ihrer Erfahrungen aus erster Ehe bezüglich des Alkoholkonsums des Ehemanns eine reduzierte Toleranzspanne gehabt und folglich, um weder sich selbst noch ihren Sohn "jemals wieder einem psychisch und physisch toxischen Umfeld" auszusetzen, bereits nach kurzer Zeit "die Konsequenzen gezogen". Abgesehen davon, dass die kantonalen Behörden und Gerichte auch bei der seinerzeitigen Beurteilung eines möglichen nachehelichen Härtefalls nach der ersten Ehe der Beschwerdeführerin keine genügenden Anhaltspunkte dafür finden konnten, dass diese seitens ihres ersten Ehemanns Opfer ehelicher Gewalt in der von der Rechtsprechung verlangten Intensität geworden wäre, sind die Erfahrungen aus der ersten Ehe für die vorliegend einzig zu beurteilende Frage, ob aufgrund der Verhältnisse in der aktuellen Ehe auch nach Auflösung der Familiengemeinschaft ein Anwesenheitsrecht besteht, nicht zu berücksichtigen. Aus dem von der Beschwerdeführerin angeführten Urteil 2C_678/2011 vom 22. Februar 2012 E. 3.4 kann auch nichts anderes abgeleitet werden: Dort wurde ein nachehelicher Härtefall für eine Ausländerin bei Tod ihres schweizerischen Ehegatten nach kurzer Ehe bejaht, weil dieser bereits vor Eheschliessung eine lang andauernde (Fern-) beziehung mit ihr geführt hatte. Es handelte sich also zum einen nicht um einen Fall, in welchem sich die Ausländerin auf eheliche Gewalt berief, und zum anderen berücksichtigte das Bundesgericht zwar tatsächlich eine der Ehe vorangegangene Beziehung, jedoch mit derjenigen Person, die schliesslich auch geehelicht wurde und aufgrund deren Tod die Ausländerin in ihrer Beschwerde einen Härtefall geltend machte. Es ging mit anderen Worten nicht um die Beziehung mit einer dritten Person respektive einem vorherigen Ehegatten.