Citation: U 25/04 29.09.2004 E. 4

4.1 Die Klinik Chirurgie, Spital Y.________, in welcher die Versicherte von 26. Oktober bis 2. November 2001 hospitalisiert war, diagnostizierte eine Commotio cerebri sowie eine Kontusion C3 und hielt am 7. November 2001 fest, dass sich die Patientin an den Unfall nicht mehr erinnern könne; sie sei nach dem Unfall weder bewusstlos gewesen, noch habe sie erbrochen oder Übelkeit verspürt. Die Computertomographie der Halswirbelsäule sowie des Schädels vom 26. Oktober 2001 fiel altersentsprechend und ohne Hinweise auf Frakturen aus. Da die Versicherte psychisch auffällig im Sinne von Distanziertheit und Verlangsamung erschien, sei am 1. November 2001 ein MRI der Halswirbelsäule und des Schädels durchgeführt worden, das jedoch keine Pathologien gezeigt habe. Am 2. November 2001 sei die Patientin mit klinisch deutlich regredienter Schmerzsymptomatik nach Hause entlassen worden. Frau Dr. med. M.________, Fachärztin für Allgemeine Medizin, ersuchte die SUVA am 9. November 2001 um eine kreisärztliche Untersuchung. Trotz der nicht schwerwiegenden Verletzung sei mit ausserordentlichen Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung zu rechnen, auch weil die Arbeitgeberin Kurzarbeit eingeführt habe. Dem Kreisarzt, Dr. med. W.________, gegenüber klagte die Versicherte am 13. November 2001 über Schmerzen im Kopf und Hals, welche auch bei Ruhe bestünden und sich bei Bewegung intensivieren würden; sie höre ein Geräusch im ganzen Kopf. Der Kreisarzt schloss bei der auf ihn apathisch wirkenden Versicherten ossäre oder intercraniale Läsionen aus. Bezüglich Sensibilität und Motorik konnte er keine neurologischen Ausfälle feststellen. Er empfahl einen stationären Rehabilitationsaufenthalt. Die Klinik V.________, wo die Versicherte von 11. Dezember 2001 bis 5. Januar 2002 weilte, hielt im Austrittsbericht vom 22. Januar 2002 ein zervikozephales Schmerzsyndrom nach Unfall am 26. Oktober 2001 mit Status nach Commotio cerebri, anamnestischer Kontusion C3 sowie einer Schmerzverarbeitungsstörung fest. Die Versicherte habe am 26. Oktober 2001 ein leichtes Schädelhirntrauma und eine Kontusion des Halswirbelkörpers 3 erlitten. Bei ihrer Aufnahme in die Klinik habe sie verlangsamt und etwas apathisch gewirkt. Im Vordergrund seien starke Schmerzen in Kopf und Hals gestanden. Die Teilnahme am multimodalen Therapieprogramm habe sich als sehr schwierig gestaltet. Die Versicherte habe alle Übungen abgebrochen und sei während der übrigen Zeit praktisch nur im Bett gelegen. Auch verschiedene medizinische Therapieversuche hätten nichts an der Situation geändert. Mehrmals habe es den Anschein gemacht, dass die Schmerzen in bestimmten Situationen weniger einschränkend gewesen seien. Es werde eine rasche Wiedereingliederung empfohlen bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ab 7. Januar 2002, welche ab 25. Januar 2002 gesteigert werden könne. Am 7. Januar 2002 ersuchte Frau Dr. med. M.________ erneut um eine kreisärztliche Untersuchung der Beschwerdeführerin, nachdem diese sich nach einer Arbeitsaufnahme von lediglich einer halben Stunde in der Praxis gemeldet und angegeben habe, sie könne wegen den vorhandenen Beschwerden nicht arbeiten. Im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung vom 16. Januar 2002 gab die Versicherte gegenüber Dr. med. F.________ an, die Kopfschmerzen würden kommen und gehen; es gebe keine bestimmten Situationen, die einen Schmerzschub auslösen würden. Dazu kämen Schwindelgefühle im Sinne eines Drehschwindels begleitet von Schwarzwerden vor den Augen. Das Geräusch im Kopf höre sie ständig und in beiden Ohren. Einzig die Nackenschmerzen seien etwas besser geworden, bestünden aber nach wie vor und ohne Unterbrechungen wie beim Kopfschmerz. Der Kreisarzt hielt in seinem Bericht vom 18. Januar 2002 fest, eine korrekte klinische Untersuchung der Halswirbelsäule sei kooperationsbedingt nicht möglich gewesen. Das ganze Beschwerdebild imponiere prima vista als nicht organisch verursacht. Obwohl die Untersuchung für den Kreisarzt keine neuen diagnostischen Gesichtspunkte ergeben hatte, ordnete er vollständigkeitshalber ein Verlaufs-MRI sowie eine neurootologische Untersuchung an. Das Schädel-MRI im Röntgeninstitut N.________ ergab normale Befunde (Bericht vom 6. März 2002). Am 18. April 2002 führte Dr. med. A.________, Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, für Hals- und Gesichtschirurgie sowie für Arbeitsmedizin, eine neurootologische Untersuchung durch. Er hielt in seinem Bericht vom 19. April 2002 einen tiefdepressiven, fast stuporösen Zustand sowie eine extrem schlechte Kooperation fest und kam zum Schluss, trotz der eher mangelhaften Resultate könne eine recht zuverlässige Aussage in dem Sinne gemacht werden, als dass keine Hinweise auf eine wesentliche Störung des Gleichgewichtsfunktionssystems erhoben werden konnten. Anlässlich der erneuten kreisärztlichen Untersuchung durch Dr. med. F.________ am 24. Mai 2002 stellte dieser fest, dass wiederum die psychische Verfassung mit eindrucksmässig erheblicher depressiver Verstimmung ganz im Vordergrund stehe. Ein organischer Kern der Beschwerden habe nicht festgestellt werden können und die Patientin sei allen auf das Somatische ausgerichteten Therapieversuchen nicht zugänglich gewesen. Er empfahl eine psychiatrische Abklärung und Behandlung. Damit nichts verpasst werde, sei eine neurologische Untersuchung zu veranlassen, um einen organischen Kern der Beschwerden ausschliessen zu können. Dr. med. T.________, Facharzt für Neurologie und Neuroangiologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 5. Juli 2002 einen Status nach Commotio cerebri mit Halswirbelsäulenkontusion (Höhe C3), ein apathisch-katatones Zustandsbild sowie eine Schwangerschaft im 4. Monat. Gemäss den Angaben des Ehemannes freue sich die Versicherte nicht über die erneute Schwangerschaft, für einen Abbruch sei es jetzt aber zu spät. Klinisch fand Dr. med. T.________ ausser einer allseits leicht schmerzhaft eingeschränkten Beweglichkeit der Halswirbelsäule normale Befunde. Nach seiner Ansicht belaste die Schwangerschaft die Versicherte psychisch zusätzlich und er stimmte in seiner Beurteilung mit dem Kreisarzt überein, wonach ein schweres psychisches Problem mit Schmerzverarbeitungsstörung vorliege. Abschliessend empfahl Dr. med. T.________ eine psychiatrische Behandlung im Sozialpsychiatrischen Dienst. In der Aktennotiz vom 2. September 2002 lehnte Dr. med. F.________ eine weitere kreisärztliche Untersuchung ab, da auf Grund der medizinischen Abklärungen eine organische Ursache der Leiden unwahrscheinlich sei; die Frage, ob allenfalls für die psychischen Beschwerden ein adäquater Kausalzusammenhang und damit die weitere Leistungspflicht der SUVA gegeben sei, sei eine rechtliche und nicht eine medizinische Frage, weshalb er sich dazu nicht äussern könne. In seinem Bericht vom 16. Oktober 2002 diagnostizierte Dr. med. E.________, Chefarzt Sozialpsychiatrischer Dienst B.________, ein stuporöses Zustandsbild im Rahmen einer depressiven Reaktion; dieses Zustandsbild sei differentialdiagnostisch organisch bedingt. Im Vordergrund stünden typische nach einem Hirntrauma geäusserte Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel und Asthenie sowie das stuporöse Zustandsbild. Er zweifle daran, dass die Beschwerden nicht adäquat kausal zum Unfallereignis sein sollen; denn die depressive Verstimmung sei nicht derart auffällig, als dass sie die stuporöse Symptomatik erklären könne, und die Symptomatik sei seit dem Unfall in unverändertem Ausmass vorhanden. Dies spreche für die Möglichkeit einer organischen, am ehesten wohl frontotemporalen Mitverursachung oder sogar Dominanz. Eine neuropsychologische Abklärung sowie ein EEG könnten Klarheit bringen. Am 19. November 2002 führte die Neurologische Klinik und Poliklinik des Spitals X.________ ein EEG durch, welches normale Befunde ohne Anhaltspunkte für neurologische Defizite ergab, und diagnostizierte bei der apathisch wirkenden, neuropsychologisch soweit beurteilbar unauffälligen Patientin ein chronisches cervicocephales Schmerzsyndrom mit starker depressiver Reaktion (Bericht vom 22. November 2002). Frau lic. phil. G.________, Fachpsychologin für Psychotherapie und Neuropsychologin, führte mit der Versicherten eine neuropsychologische Abklärung durch. Die Absolvierung der Tests sei schwierig und zeitintensiv gewesen. Das deutlich unterdurchschnittliche Leistungsprofil könne nicht dem prämorbiden Zustand entsprechen, da die Patientin eine gute Schülerin und als Erwachsene voll arbeitsfähig gewesen sei. Möglich seien Hirnfunktionsstörungen im Bereich der visuell-räumlichen Wahrnehmung; auch scheine die Raumorientierung gestört. Diese organisch feststellbaren Befunde seien zum Teil psychisch überlagert (Bericht vom 21. März 2003). 4.2 Wie die oben erwähnten Berichte zeigen, hat die SUVA den medizinischen Sachverhalt umfassend abklären lassen. So wurden sämtliche geklagten Leiden fachärztlich untersucht, doch es fanden sich weder in bildgebender noch anderer Hinsicht Anhaltspunkte, die die geklagten somatischen Beschwerden objektiviert hätten. Auch die mangelnde Kooperation der Versicherten sowie ihr psychisch auffälliges Verhalten sind fast ausnahmslos in allen Berichten so oder anders umschrieben. Das kantonale Gericht hat somit zu Recht keine weiteren medizinischen Abklärungen angeordnet.