Citation: 2C_761/2022 E. A

Am 16. Februar 2017 richtete das Central Liaison Office for International Cooperation des Bundesministeriums für Finanzen (nachfolgend: ersuchende Behörde) der Republik Österreich gestützt auf Art. 26 des Abkommens vom 30. Januar 1974 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Österreich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen (DBA CH-AT; SR 0.672.916.31) ein Amtshilfeersuchen an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV). Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte die ersuchende Behörde mutmasslich in Österreich steuerpflichtige Personen, die anhand von Kundenstammnummern gemäss einer dem Ersuchen beigelegten Liste identifizierbar seien. Als Informationsinhaberin in der Schweiz wurde die S.________ AG (nachfolgend: Informationsinhaberin) genannt. Die Informationen würden für die Erhebung der Einkommenssteuer, der Kapitalertragssteuer und der Körperschaftssteuer für die Steuerjahre 2012 bis 2015 benötigt. A.a. Laut der ersuchenden Behörde basiert das Ersuchen auf einer Auflistung von Bankverbindungen mit Vermögensdaten, die anlässlich einer Hausdurchsuchung bei einer deutschen Niederlassung der Informationsinhaberin sichergestellt und den österreichischen Behörden von Deutschland gestützt auf die europäische Richtlinie 2011/2016/EU zur Verfügung gestellt worden sei. Die deutschen Behörden hätten dabei einer Weiterverwendung der betroffenen Informationen gegenüber der Schweiz zugestimmt. Aus der Auflistung gehe hervor, dass diese Bankverbindungen und Vermögensdaten Personen zuzuordnen seien, die einen steuerlichen Bezug zu Österreich hätten (Domizilcode). Die Auflistung enthalte das Vermögen im Jahr 2006 und 2008 sowie 8'312 eindeutig zuordenbare Kundennummern, jedoch keine Namen oder sonstigen Daten der betroffenen Personen. Damit sei eine weitere Ermittlungstätigkeit gegenüber den betroffenen Personen ohne Mithilfe der Schweiz nicht möglich. Ein Abgleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern habe zur Zuordnung von 349 Bankkonten und Aussonderung von 23 Bankkonten geführt. A.b. Mit Editionsverfügung vom 28. April 2017 forderte die ESTV die Informationsinhaberin auf, die ersuchten Informationen zu den aufgeführten Bankkonten einzureichen. Mit Schreiben vom 28. Juni 2017 präzisierte die ESTV die Editionsverfügung gegenüber der Informationsinhaberin dahingehend, dass vor dem Hintergrund des im Amtshilfeverfahren geltenden Subsidiaritätsprinzips diejenigen Bankkontonummern zu kennzeichnen seien, bei denen eine Meldung gegenüber Österreich bereits anderweitig erfolgt sei. Am 28. Juli 2017 gab die Informationsinhaberin die von ihr einverlangten Daten fristgerecht an die ESTV heraus. A.c. Nachdem A.________, die B.________, die D.________, die E.________, die F.________, die H.________, die I.________, die J.________, die K.________, die L.________, die N.________, die O.________ sowie die Q.________ am 23. Juni 2017 und 28. Juli 2017 ihre Verfahrensteilnahme erklärt hatten, gewährte die ESTV ihnen mit Schreiben vom 3. Oktober 2017 antragsgemäss die Akteneinsicht. A.d. Mit drei separaten Schreiben vom 16. März 2018 bezeichnete die ESTV gegenüber der ersuchenden Behörde jene Bankkonten, für die infolge bereits erfolgter Offenlegung respektive wegen einer bereits erhobenen Abgeltungssteuer keine Amtshilfe geleistet werden könne. In Erwartung eines Grundsatzurteils des Bundesgerichts bezüglich eines ähnlichen Amtshilfeersuchens der französischen Behörden, welches auf Daten derselben Quelle basierte, setzte die ESTV die Bearbeitung der auf dem Amtshilfeersuchen der ersuchenden Behörde vom 16. Februar 2017 basierenden Verfahren vorübergehend aus. A.e. Im Anschluss an das (teilweise) amtlich publizierte Bundesgerichtsurteil 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 (BGE 146 II 150) nahm die ESTV die Bearbeitung der vorübergehend ausgesetzten Verfahren wieder auf. Mit Schreiben vom 24. Januar 2020 bestätigte die ersuchende Behörde das Vorliegen des Globalverdachts der Steuerhinterziehung und wies auf die innerstaatliche Verjährungsfrist von zehn Jahren für die Abgabefestsetzung hin. Allerdings sei eine Verlängerung dieser Festsetzungsverjährung gewährleistet, wenn die Abgabefestsetzung von der Erledigung einer Beschwerde abhänge.