Citation: U 272/03 25.08.2004 E. 4.2

4.2.1 Gegenüber der SUVA gab der Versicherte am 20. Mai 1997 an, sein Fahrzeug sei während der Autofahrt von der Schweiz nach Bosnien auf einer vereisten Stelle ins Schleudern geraten, und gegen eine Böschung geprallt. Gemäss Schilderung des Versicherten vom 6. Juni 1997 (kreisärztlichen Untersuchung; Bericht vom 9. Juni 1997) drehte sich das Auto beim Schleuderunfall "über das Dach". Diese Darstellung deckt sich weitgehend mit den Aussagen des Versicherten vom 25. September 1997 und stimmt im Wesentlichen auch mit der am 2. Juli 1997 erstellten deutschen Fassung des Polizeirapports vom 17. April 1997 überein. Danach verlor der Beschwerdeführer infolge überhöhter Geschwindigkeit - gemäss Angaben des Versicherten vom 25. September 1997 rund 50 bis 60 km/h - auf vereister Strasse die Herrschaft über sein Fahrzeug, welches über die linke Fahrbahn in einen Abwasserkanal geschleudert wurde und sich dabei überschlug. Der Mitfahrer erlitt nach Angaben des Beschwerdeführers lediglich leichte Verletzungen (Polizeirapport vom 17. April 1997). 4.2.2 Soweit der Beschwerdeführer unter Hinweis auf ein mehrmaliges Überschlagen des Autos geltend macht, beim Ereignis vom 17. April 1997 handle es sich um einen schweren Unfall bzw. einen schwereren Unfall im mittleren Bereich, kann ihm - auch mit Blick auf die im Unfallzeitpunkt offenbar nicht sehr hohe Geschwindigkeit - nicht beigepflichtet werden. Von einem mehrmaligen Überschlagen des Fahrzeugs sprach der Versicherte erstmals am 22. Februar 1999 gegenüber Dr. med. F.________ (psychiatrisches Konsilium zuhanden der MEDAS vom 23. Februar 1999), mithin zwei Jahre nach dem Unfall. Diese Schilderung, welche in den früheren Unterlagen keine Stütze findet, ist daher als nachträgliche Dramatisierung des Unfallgeschehens zu werten. Ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf, wie er relativ kurze Zeit nach dem Unfall geschildert wurde, sowie im Lichte der Rechtsprechung (siehe nicht publizierte Erw. 3.3.2 des Urteils BGE 129 V 323 [U 161/01] mit zahlreichen Beispielen; vgl. etwa auch Urteil A. vom 13. August 2003 [U 46/03] Erw. 2.4) ist das Ereignis vom 17. April 1997 als mittelschwer - mithin weder im Grenzbereich zu den leichte(re)n noch zu den schwere(re)n Unfällen liegend - zu qualifizieren. Eine - im Sinne adäquater Kausalität - massgebende Bedeutung für die aktuelle Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit ist ihm mithin dann zuzusprechen, wenn mehrere der hierfür massgebenden Kriterien gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c erfüllt wären oder aber eines davon in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist. 4.3 Nach den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz hat sich der Unfall vom 17. April 1997 weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch ist er durch eine ausgeprägte Eindrücklichkeit gekennzeichnet. Von schweren oder besonders gearteten Verletzungen, welche geeignet sind, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen, kann mit Blick auf die zugezogenen Rippenfrakturen, diversen Kontusionen sowie die erlittene Kopfprellung nicht gesprochen werden. Sodann bestehen keine Anhaltspunkte für eine die Unfallfolgen verschlimmernde ärztliche Fehlbehandlung oder einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen, zumal die erlittenen Rippenfrakturen und Kontusionen ohne relevante Folgeschäden ausheilten (vgl. Erw. 3.1 hievor). Ebenfalls zu verneinen ist eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, nachdem der Beschwerdeführer das Spital im Heimatstaat nach mehreren Tagen - wenn auch auf eigenen Wunsch - verlassen konnte, der Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik lediglich der physikalisch und ergotherapeutisch betont schmerzorientierten Rehabilitation galt und im Austrittsbericht zwar eine hausärztliche und dermatologische Weiterbetreuung infolge allergischer Hautreaktionen als angezeigt erachtet, bezüglich Physiotherapie indes bereits eine Pause empfohlen wurde. Nach Lage der Akten beschränkte sich die ärztliche Behandlung der beim Unfall zugezogenen Körperverletzungen in der Folge auf die Verabreichung von Medikamenten. Auffallend ist im Übrigen, dass bereits in dem an die Rehabilitationsklinik Y.________ gerichteten Aufnahmegesuch der SUVA vom 13. Juni 1997 auf die "vorwiegend psychosoziale Problematik" hingewiesen wurde. Hinsichtlich Grad und Dauer der körperlich bedingten Arbeitsunfähigkeit ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall während rund fünfeinhalb Monaten vollständig arbeitsunfähig war, er gemäss ärztlicher Einschätzung ab Oktober 1997 für leichtere, wechselbelastende Tätigkeiten aus somatischer Sicht theoretisch zu 100 % und für schwerere Arbeiten zu 50 % einsatzfähig war (Austrittsbericht Rehabilitationsklinik Y.________ vom 1. September 1997) und Kreisarzt Dr. med. I.________ schliesslich am 12. November 1997 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (auch) als Kranführer attestierte (unter Vermeidung des Hebens/Tragens von Lasten über 25 kg). Das MEDAS-Gutachten vom 19. Mai 1999 verneinte zwar die Arbeitsfähigkeit als Kranführer, doch wurden als Grund hierfür die psychopathologischen Befunde angegeben (fehlende Geduld, Konzentrationsfähigkeit, Durchhaltevermögen und psychomotorische Geschicklichkeit; Konsilium des Dr. med. F.________ vom 23. Februar 1999); der Rheumatologe Dr. med. B.________ nämlich hatte den Beschwerdeführer im Konsilium zuhanden der MEDAS vom 23. Februar 1999 als 100 % arbeitsfähig für jede körperlich leichte bis mittelschwere Arbeit (bei Heben von Lasten bis 25 kg/5 kg oft/Stossen und Ziehen von Paletten mit Rolli bis 300 kg) eingeschätzt und die Arbeit als Kranführer sowie die früher ausgeübte Tätigkeit als [gelernter] Chauffeur dabei ausdrücklich miteingeschlossen. Was schliesslich die im MEDAS-Gutachten angenommene, reduzierte Arbeitsfähigkeit von 70 % für alle leichten bis mittelschweren, abwechslungsreichen Tätigkeiten betrifft, ist diese Einschränkung im Lichte der Konsilien der Dres. med. B.________ und F.________ sowie des Berichts des behandelnden Psychiaters Dr. med. U.________ vom 27. Oktober 2003 ebenfalls auf psychische Ursachen zurückzuführen. In Würdigung sämtlicher ärztlicher Stellungnahmen ist damit das Kriterium einer physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von kausalitätsrechtlich erheblichem Ausmass zu verneinen (vgl. auch RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff.). Schliesslich kann das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen zwar - mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführer noch anlässlich der MEDAS-Begutachtung im Jahre 1999 über linksseitige Rippenschmerzen (vor allem beim Heben von Lasten) klagte und die (somatisch nur anfänglich teilweise erklärbaren Kopfschmerzen (vgl. Erw. 3.3 hievor) nie gänzlich verklungen sind - als erfüllt betrachtet werden. Da diesbezüglich jedoch keine besondere Auffälligkeit oder Ausprägung vorliegt, verbietet es sich, allein gestützt darauf dem Unfall vom 17. April 1997 eine massgebende Bedeutung für die psychische Fehlentwicklung und die heutige Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zuzusprechen. Nach den zutreffenden Schlussfolgerungen der Vorinstanz scheidet eine Leistungspflicht der SUVA damit mangels eines (adäquaten) Kausalzusammenhangs aus.