Citation: 5A_435/2021 E. 2.3

2.3. Die Beschwerdeführerin wirft den kantonalen Instanzen zunächst vor, nicht in Erwägung gezogen zu haben, dass der Erblasser sein Testament vom 25. Juli 2016 hätte widerrufen können, wenn er dies gewollt hätte. Die Frage sei wesentlich, denn die mit der Errichtung des Testaments begründete Erbunwürdigkeit greife nicht, wenn Arglist, Zwang oder Drohung nicht bis zum Tod vorhanden gewesen seien. Aus den Akten ergebe sich, dass der Erblasser vom 31. Januar 2017 bis zum Ende seines Lebens am 17. März 2017 alle Voraussetzungen erfüllt habe, um das Testament zu widerrufen. Davon, dass er ihrem Ehemann hörig gewesen sei, könne keine Rede sein. Es hätte genügt, dass der Erblasser eigenhändig den Satz niedergeschrieben hätte: "Hiermit widerrufe ich (Name) alle bisherigen letztwilligen Verfügungen. (Unterschrift mit Vor- und Nachname, Ort und Datum) ". Die vorinstanzliche Würdigung der Eingaben und Dokumente, wonach der Erblasser das Testament möglicherweise habe widerrufen wollen, tadelt die Beschwerdeführerin als "krass willkürlich", nachdem feststehe, dass D.________, die ihren Bruder bei der Regelung des mütterlichen Nachlasses von Fr. 1 Mio. mit einem Anteil von Fr. 9'000.-- abfertigen wollte, im Falle eines Widerrufs Alleinerbin geworden wäre, was die Vorinstanzen in keiner Weise bedacht hätten. Ebenso blende das Kantonsgericht aus, dass der Widerruf trotz Hinterlegung des Testaments immer möglich gewesen sei, von einer arglistigen Hinderung aber nur dann gesprochen werden könne, wenn dem Erblasser vermittelt worden wäre, dass ein Widerruf nur durch Vernichtung des bestehenden Testaments möglich ist. Weiter wehrt sich die Beschwerdeführerin gegen die vorinstanzlichen Erwägungen zum Verhalten ihres Ehemannes. Die Vorinstanz übersehe, dass durch den Erbvertrag gar kein Druck habe ausgeübt werden können, weil die Entschädigung erfolgsabhängig gewesen sei. Was den Zeugen F.________ angeht, lasse es unerwähnt, dass dieser den Erblasser im Zusammenhang mit der Kündigung seines Bootsplatzes finanziell unter Druck gesetzt habe. "Krass falsch" sei auch der aus dem E-Mail-Verkehr zwischen ihrem Ehemann und dem Zeugen F.________ vom 4./5. März 2017 gezogene Schluss, dass diese Korrespondenz beim Erblasser hätte Druck ausüben sollen. Soweit das Kantonsgericht einen rechtsgenüglichen Beweis dafür vermisse, dass zwischen dem Erblasser und ihrem Ehemann ein freundschaftliches Verhältnis bestand, verkenne es, dass nicht sie, die Beschwerdeführerin, sondern D.________ die Erbunwürdigkeit beweisen müsse. Was den Willen des Erblassers angeht, besteht die Beschwerdeführerin darauf, dass der Erblasser seiner Schwester nichts aus seinem Nachlass zukommen lassen wollte. Die vom Kantonsgericht zitierten Präjudizien will sie nicht gelten lassen. Die Vorinstanz lasse ausser Acht, dass die gesetzliche Erbfolge zu einer Lösung führe, die der Erblasser gerade nicht gewollt habe. Der Erblasser würde nach dem Tod doppeltes Unrecht erleiden und "post morten vollständig enterbt". Schliesslich ist die Beschwerdeführerin nicht damit einverstanden, dass die allfällige Erbunwürdigkeit ihres Ehemanns auf sie als Ersatzerbin übertragen werde. Der angefochtene Entscheid fusse auf waghalsigen Schlüssen zu den angeblichen Motiven von ihr und ihrem Ehemann. Es sei nicht zwingend, dass der Zweck der Ausschlagung gewesen sei, die Erbschaft nicht zu verlieren, falls ihr Ehemann als erbunwürdig befunden werde. Mit der Behauptung, die Erbschaftsausschlagung habe ausschliesslich der Umgehung von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB gedient, wähle die Vorinstanz diejenige von mehreren möglichen und wahrscheinlichen Hypothesen, "die ohne gültiges Schliessen zur einzigen möglichen Wahrheit erhoben wurde". Art. 487 ZGB zähle die Gründe auf, bei deren Vorliegen eine Ersatzverfügung eingreife. Dass die Vorinstanz diese verwerfe und stattdessen ohne Beweis rechtswidriges Verhalten annehme, sei nicht einmal eine unhaltbare Schlussfolgerung, sondern überhaupt keine bzw. eine freie Erfindung.