Citation: 6B_523/2024 E. 1.8.3

1.8.3. Mit der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden, dass der Sachverständige B.________ in seinem Gutachten auch Berichte über frühere Haft- und Therapieverläufe kurz referiert, da dies seines Erachtens für die Beurteilung der Behandlungsfähigkeit sinnvoll erscheint (vgl. kantonale Akten, act. 64, Gutachten B.________, S. 31 ff.), und diese bei seiner Beurteilung berücksichtigt. Weshalb dieses Vorgehen nicht zulässig sein sollte, zeigt der Beschwerdeführer weder auf noch ist dies ersichtlich. Er legt insbesondere nicht dar, wie sich der Sachverständige zum bisherigen Vollzugs- und Therapieverlauf äussern soll, ohne dabei auf die entsprechenden Berichte abzustellen. Ferner setzt sich der Sachverständige im Rahmen der "postdeliktischen Persönlichkeitsentwicklung" mit dem bisherigen Therapieverlauf auseinander und führt aus, dass man in Berücksichtigung der paranoiden Wahrnehmungen und Einstellungen des Beschwerdeführers von einer offenen oder gar konfrontativeren Deliktbearbeitung abgesehen und versucht habe, zunächst eine tragfähige therapeutische Beziehung aufzubauen, was nicht dauerhaft möglich gewesen sei. Auch sei eine Verlegung zur Prüfung von medikamentösen Behandlungsoptionen nicht gelungen (kantonale Akten, act. 64, Gutachten B.________, S. 104). Seinen mündlichen Ausführungen anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung ist zu entnehmen, dass die bisherigen Therapien delikt- und störungsorientiert gewesen seien. Der Sachverständige ergänzt, er habe nicht den Eindruck, dass man nicht versucht hätte, ein Behandlungsbündnis mit dem Beschwerdeführer zu schaffen (kantonale Akten, act. 1 S. 53 f.). Soweit der Beschwerdeführer dem Sachverständigen vorwirft, er gehe auf die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung nicht weiter ein, trifft dies nicht zu. Im Rahmen seiner Ausführungen zu einem allfälligen erneuten Behandlungsversuch, dessen Behandlungsaussichten er als gering einschätzt, diskutiert der Sachverständige die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung, hält jedoch gleichzeitig fest, es erscheine unwahrscheinlich, dass sich der Beschwerdeführer darauf einlassen würde (kantonale Akten, act. 64, Gutachten B.________, S. 114 f.). Auch thematisiert er - entgegen der Einschätzung des Beschwerdeführers - die Möglichkeiten und Erfolgsaussichten einer erneuten therapeutischen Behandlung ausführlich. Ebenso geht der Sachverständige im Rahmen der Skizzierung eines allfälligen weiteren Behandlungsversuchs auf die Frage ein, ob eine auf die Anlassdelinquenz bezogene deliktsorientierte Therapie überhaupt noch Sinn mache (vgl. Beschwerde S. 17). Er führt aus, flexible, nicht-konfrontative Ansätze, u.a. mit kognitiv-verhaltenstherapeutischem Ansatz, erschienen am ehesten erfolgversprechend. Bei einem ausreichend positiven Verlauf mit Aufbau eines tragfähigen und einigermassen belastbaren Behandlungsbündnisses wäre die stationäre Massnahme fortzuführen bis zumindest ein ausreichendes Risiko-Bewusstsein und Risiko-Management mit dem Beschwerdeführer erarbeitet und schrittweise erprobt worden wäre. Es erscheine wenig aussichtsreich, auf eine intensive Deliktbearbeitung zu fokussieren. Allerdings sollte, neben der Persönlichkeitsproblematik und der wahnhaften Störung, die Sexualität und die sexuelle Devianz des Beschwerdeführers ein Schwerpunkt der Behandlung sein. Die Erfolgsaussichten eines solchen erneuten Behandlungsversuchs bezüglich einer relevanten Reduzierung des Risikos erneuter Sexual- und Gewaltdelikte seien als gering einzuschätzen (kantonale Akten, act. 64, Gutachten B.________, S. 114 f.). Schliesslich geht die Kritik des Beschwerdeführers, die Vorinstanz habe den Sachverständigen missverstanden, indem sie davon ausgehe, das Good-Lives-Modell sei nicht etabliert, an der Sache vorbei. Die Vorinstanz bringt lediglich zum Ausdruck, dass es sich beim Good-Lives-Modell nicht um ein etabliertes Therapieprogramm handelt, sondern um einen neuen, eher unspezifischen Ansatz als Teil einer Behandlung von Straftätern (Beschluss S. 59 f.), was ohne Weiteres den mündlichen Ausführungen des Sachverständigen anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung entspricht (kantonale Akten, act. 1 S. 55 f.). Der Sachverständige hat sowohl das RNR-Prinzip als auch das Good-Lives-Modell ausführlich mündlich erläutert und festgehalten, dass es sich dabei nicht um eigene Therapieprogramme, sondern um Grundprinzipien von effektiver forensischer Therapie (RNR-Prinzip) bzw. einen neueren Ansatz als Teil einer Behandlung von Straftätern (Good-Lives-Modell) handle, die in Behandlungsprogrammen bereits berücksichtigt würden (kantonale Akten, act. 1 S. 53 ff.). Daraus ergibt sich, dass der Sachverständige auch in Kenntnis und Berücksichtigung der verschiedenen möglichen Therapieprogramme, Prinzipien und Modelle zur Einschätzung gelangt, die Erfolgsaussichten eines erneuten Behandlungsversuchs seien gering. Diese Beurteilung begründet er entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers hinreichend. Auch beantwortet er die ihm unterbreiteten Fragen ausreichend. Schliesslich ergibt sich aus dem Vorstehenden, dass die Behauptung des Beschwerdeführers, die Vorinstanz stütze ihren Entscheid letztlich auf Therapieberichte anstatt auf gutachterliche Feststellungen eines unabhängigen externen psychiatrischen Sachverständigen, nicht zutrifft. Insgesamt setzt sich der Sachverständige hinreichend mit der bisher angewandten Therapiemethode bzw. dem Therapieverlauf und der Möglichkeit, der Art sowie den Erfolgsaussichten einer weiteren therapeutischen Behandlung auseinander. Der Sachverständige stellt die Entwicklung des Beschwerdeführers dar und bewertet diese (kantonale Akten, act. 64, Gutachten B.________, S. 103 ff.). Er stellt und diskutiert die Frage, welche Veränderung der psychische Zustand des Beschwerdeführers im Vergleich zum Zeitpunkt der Anlassdelikte erfahren hat (kantonale Akten, act. 64, Gutachten B.________, S. 95 ff.). Er beschreibt die Art der bisherigen Behandlung und deren Effekte sowie äussert sich zu Therapiefortschritten bzw. zu Misserfolgen (kantonale Akten, act. 64, Gutachten B.________, S. 103 ff., 119 f.). Gestützt darauf gelangt er zum Schluss, dass der Beschwerdeführer weder eine ausreichende sowie tragfähige Behandlungsmotivation und Behandlungsfähigkeit aufweise noch diese entwickeln könne, weshalb unwahrscheinlich sei, dass ein erneuter Behandlungsversuch gelänge. Nichtsdestotrotz skizziert der Sachverständige einen möglichen Behandlungsversuch für den Fall, dass das Gericht einen solchen als nicht gänzlich aussichtslos ansähe (kantonale Akten, act. 64, Gutachten B.________, S. 113 ff., 122 f.). Damit beantwortet der Sachverständige die gemäss Ansicht des Beschwerdeführers relevanten Fragen, wobei er die Akten wie auch seine eigenen aktuellen Erkenntnisse berücksichtigt (vgl. Beschwerde S. 12).