Citation: 8C_467/2008 04.11.2008 E. 6

6.1 Der Unfall vom 30. Januar 2003 spielte sich wie folgt ab: Die Beschwerdeführerin befand sich als Lenkerin eines korrekt geführten Personenwagens abends auf einer vereisten Strasse, als sie von einem entgegenkommenden Fahrzeug, welches ins Schleudern geraten und zuerst mit dem sich vor der Versicherten befindenden Fahrzeug kollidiert war, frontal erfasst wurde. Beide Autos erlitten Totalschaden (vgl. u.a. Biomechanische Kurzbeurteilung [Triage] der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom 10. Juli 2003). Kantonales Gericht und Beschwerdegegnerin haben den Vorfall innerhalb der Kategorisierung, wie sie gemäss BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f. und 117 V 359 E. 6a S. 366 vorzunehmen ist, ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf (zur diesbezüglichen Relevanz bei der Prüfung der Unfallschwere: BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126; Urteile [des Bundesgerichts] U 2/07 vom 19. November 2007 E. 5.3.1, in: SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, und U 503/05 vom 17. August 2006 E. 2.2, 3.1 und 3.2, in: SZS 2008 S. 183), insbesondere in Berücksichtigung des Unfallhergangs und der Fahrzeugschäden, zu Recht als mittelschweres Ereignis im mittleren Bereich qualifiziert. Es handelt sich namentlich, wie die diesbezüglich relevante Rechtsprechung verdeutlicht (vgl. u.a. Urteile [des Bundesgerichts] 8C_821/2007 vom 28. Juli 2008 E. 5.1 und U 587/06 vom 8. Februar 2008 E. 3.3, 3.3.1 und 3.3.2, je mit Hinweisen), nicht um einen mittelschweren Vorfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen. 6.2 Damit die Adäquanz bejaht werden könnte, müssten somit entweder mehrere der massgeblichen Kriterien erfüllt sein oder hätte eines davon in besonders ausgeprägter Weise vorzuliegen (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f. mit Hinweisen). 6.2.1 Dem Verkehrsunfall vom 30. Januar 2003 kann eine gewisse Eindrücklichkeit (Frontalkollision, Dunkelheit, schneebedeckte bzw. vereiste Fahrbahn) zwar nicht abgesprochen werden. Doch hat er sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war er - objektiv betrachtet (Urteil [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 287/97 vom 20. November 1998 E. 3b/cc, in: RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207; vgl. auch Urteil [des Bundesgerichts] U 587/06 vom 8. Februar 2008 E. 3.3.2 mit Hinweisen) - von besonderer Eindrücklichkeit. Dass es sich bei der betreffenden Überlandstrasse um eine bekannte Raser- und Todesstrecke handelt, wie von der Beschwerdeführerin angeführt, ändert daran nichts. Das diesbezügliche Kriterium (BGE 134 V 109 E. 10.2.1 S. 127) ist daher zu verneinen. 6.2.2 Was das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen anbelangt, hat das Bundesgericht in E. 10.2.2 (mit diversen Hinweisen) des Urteils BGE 134 V 109 (S. 127 f.) präzisiert, dass die Diagnose eines Schleudertraumas der HWS dieses für sich allein nicht zu begründen vermag. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Verletzungsbild typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können. Es kann sich dabei beispielsweise um eine beim Unfall eingenommene spezielle Körperhaltung und die dadurch bewirkten Komplikationen handeln (Urteil [des Bundesgerichts] U 339/06 vom 6. März 2007 E. 5.3, in: SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86; Urteil [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 380/04 vom 15. März 2005 E. 5.2.3 mit Hinweisen; in: RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236). Derartige Umstände sind hier nicht auszumachen (vgl. auch Formular "Erhebungsblatt für die Abklärung von HWS-Fällen" vom 7. April 2003), zumal auch keine erheblichen Verletzungen, welche sich die Versicherte neben der HWS-Distorsion zugezogen hat, erkennbar sind. Der von der Beschwerdeführerin erwähnte Bluterguss im Gurtenbereich stellt keine solche dar. 6.2.3 Hinsichtlich des Kriteriums der fortgesetzten spezifischen und belastenden ärztlichen Behandlung (BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128) zeigen die medizinischen Unterlagen auf, dass die Beschwerdeführerin zunächst in regelmässiger hausärztlicher Kontrolle stand, begleitet von physiotherapeutischen Massnahmen, welche im Herbst 2003 von einer Feldenkraisbehandlung abgelöst wurden. Der knapp drei Monate nach dem Unfall am 24. April 2003 erstmalig durchgeführten Untersuchung durch den Kreisarzt folgten weitere Konsultationen (am 22. Januar, 27. Mai und 5. November 2004 sowie 5. April 2005). Nachdem die spezialärztlichen Abklärungen und Verlaufskontrollen in rheumatologischer (Berichte des Dr. med. I.________ vom 13. Mai, 22. August, 3. September und 21. Oktober 2003), psychotherapeutischer (Berichte der Frau Dr. med. S.________ vom 18. September und 19. November 2003 sowie - letztmals - 14. Mai 2004) und neurologischer Hinsicht (Berichte des Dr. med. O.________ vom 24. Mai 2005) abgeschlossen waren, standen, nebst sporadischen Beratungen durch die Hausärztin (vgl. Bericht der Frau Dr. med. T.________ vom 16. August 2004), diverse, wenn auch mit zeitlichen Unterbrüchen behaftete physikalische Therapieverfahren im Vordergrund (April bis September 2005: Aquafit; Februar/März 2006: Mio-Reflex-Therapie; März bis Mai 2006: Funktionaloptometrisches Visualtraining; seit Oktober 2006: Osteopathie). Daraus erhellt, dass sich die in einer ersten Phase doch relativ intensive ärztliche und therapeutische Betreuung ab ca. Mai 2004 in erheblichem Masse verringerte und im Wesentlichen noch in gelegentlichen haus- und kreisärztlichen Kontrollen, mehr oder weniger regelmässig absolvierten Therapien sowie - primär Abklärungs- und nicht Behandlungszwecken dienenden und damit im vorliegenden Kontext nicht massgeblichen (vgl. Urteil [des Bundesgerichts] 8C_500/2007 vom 16. Mai 2008 E. 5.4) - spezialärztlichen Untersuchungen bestand. Ob vor diesem Hintergrund von einer fortgesetzt spezifischen ärztlichen Behandlung im hier zu prüfenden Sinne gesprochen werden kann, braucht nicht abschliessend beurteilt zu werden, ist doch jedenfalls eine allein dadurch bewirkte Zusatzbelastung zu verneinen (vgl. auch Urteil [des Bundesgerichts] 8C_500/2007 vom 16. Mai 2008 E. 5.4 mit Hinweis; Urteil [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 380/04 vom 15. März 2005 E. 5.2.4, in: RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236). 6.2.4 Adäquanzrechtlich bedeutsam können im Weiteren nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch vorhandene erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach Massgabe der glaubhaften Schmerzen und der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128). Dem kreisärztlichen Abschlussbericht des Dr. med. L.________ vom 6. April 2005 kann entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin weiterhin an - jedoch keine Medikamenteneinnahme erfordernden - Nacken- und (Spannungs-)Kopfschmerzen leidet, welche sich u.a. beim Heben und Tragen von Gewichten, etwa des Kleinkindes, sowie bei anstrengenderen Haushaltstätigkeiten bemerkbar machen. Eine ganztägige, körperlich nur leicht belastende Erwerbsarbeit wurde aus gesundheitlicher Sicht indessen als grundsätzlich ohne weiteres zumutbar eingestuft (vgl. auch Stellungnahme des Dr. med. O.________ vom 24. Mai 2005) und sportliche Aktivitäten, vorbehältlich des Joggens, wurden sogar ausdrücklich empfohlen. Diese Umstände belegen, zumal keine soziale Rückzugstendenz der in intakten familiären Verhältnissen lebenden Versicherten, die am 17. Januar 2005 und 27. Juni 2007 Mutter geworden und stets einer erwerblichen (Teilzeit-)Beschäftigung nachgegangen ist, besteht, dass das Kriterium der erheblichen Beschwerden, wenn überhaupt, nicht in besonders ausgeprägter Form vorliegt. 6.2.5 Zu verneinen ist mit Vorinstanz und Unfallversicherer sodann klarerweise die Existenz einer ärztlichen Fehlbehandlung (BGE 134 V 109 E. 10.2.5 S. 129). Der von der Beschwerdeführerin erwähnte Hinweis des Dr. med. I.________ in dessen Bericht zuhanden der IV-Stelle des Kantons Solothurn vom 26. April 2004, wonach er "mit der Behandlung in den letzten zwölf Monaten nicht einverstanden" sei, lässt noch nicht auf eine Fehlbehandlung im vorliegend massgeblichen Sinne schliessen. 6.2.6 Bezüglich des weiteren Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen gilt es zu beachten, dass die beiden Teilaspekte nicht kumulativ erfüllt sein müssen (BGE 117 V 359 E. 7b S. 369). Aus der ärztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien zu berücksichtigen sind (vgl. E. 6.2.3 und 6.2.4 hievor) - darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien etwa genügen ebenso wenig zur Bejahung dieses Kriteriums wie der Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (Urteil [des Bundesgerichts] 8C_623/2007 vom 22. August 2008 E. 8.6 mit Hinweisen). Im Vergleich mit anderen Fällen von HWS-Distorsionstraumen und äquivalenten Verletzungen sind vorliegend keine Anhaltspunkte für bis zum Fallabschluss eingetretene erhebliche Komplikationen ersichtlich; auch kann nicht von einem schwierigen Heilungsverlauf gesprochen werden. 6.2.7 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 f. mit Hinweisen). Der Beschwerdeführerin ist in diesem Zusammenhang zuzugestehen, dass sie trotz Dreifachbelastung (gesundheitliche Einschränkungen, Aufgaben im Haushalt und als Mutter, Erwerbstätigkeit) stets Anstrengungen unternommen hat, sich wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren bzw. darin zu verbleiben. Da ihr spätestens ab Ende Mai 2004 aus gesundheitlicher Sicht eine leidensadaptierte berufliche Beschäftigung im Umfang von 50 % als - mit steigender Tendenz - wieder zumutbar bescheinigt wurde (vgl. Berichte des Dr. med. L.________ vom 27. Mai und 5. November 2004 sowie 6. April 2005 und des Dr. med. O.________ vom 24. Mai 2005), kann im Ausmass der entsprechenden erwerblichen Verwertung auf Grund der ihr obliegenden Schadenminderungspflicht indes nicht eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit angenommen werden. Selbst wenn das Kriterium mit der Vorinstanz dennoch zu bejahen wäre, läge es somit jedenfalls nicht in speziell ausgeprägter Form vor. 6.3 Insgesamt sind somit maximal zwei der sieben Kriterien erfüllt, wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Weise. Dies reicht zur Adäquanzbejahung praxisgemäss nicht aus (E. 6.2 hievor; Urteil [des Bundesgerichts] 8C_89/2008 vom 3. Oktober 2008 E. 9 mit Hinweis), weshalb es beim vorinstanzlichen Entscheid sein Bewenden hat.