Citation: U 276/99 17.04.2000 E. 4

4.- a) Nach den Angaben des behandelnden Arztes Dr. C.________ leidet die Beschwerdegegnerin in somatischer Hinsicht an einem posttraumatischen Zervikobrachialsyndrom bei Kantenabbruch des inferioren Gelenkfortsatzes C5 rechts medial mit Einengung des Neuroforamens und mittelgrosser Diskushernie links medio-lateral mit Einengung des Spinalkanals; zudem bestehen unklare thorakale Schmerzen und Hypästhesien (Berichte vom 3. Mai, 23. Juli und 15. Oktober 1993). Der von der Beschwerdeführerin mit einer gutachtlichen Untersuchung beauftragte Dr. B.________ diagnostizierte am 20. Januar 1994 eine Periarthropathia humeroscapularis rechts sowie ein zervikothorakales tendoperiostisches Schmerzsyndrom, wobei die HWS- und Schulterbeschwerden nach Auffassung des Gutachters als unfallkausal zu betrachten sind, wogegen eine Unfallkausalität der Lumbalbeschwerden als bloss möglich erscheint. Die von der Invalidenversicherung mit einer Begutachtung beauftragte Klinik X.________ erhob am 25. November 1994 neben den Diagnosen eines chronischen Zervikalsyndroms und einer chronischen Periarthropathia humeroscapularis diejenige eines chronischen Panvertebralsyndroms bei gering- bis mittelgradiger linkskonvexer Torsionsskoliose der Lendenwirbelsäule mit langbogiger rechtskonvexer thorakaler Gegenkrümmung. Zur gleichen Diagnose gelangte die Rehabilitationsklinik, welche zusätzlich eine Dekonditionierung und Fibromyalgie-ähnliche Schmerzausbreitung feststellte. Auf Grund der ärztlichen Angaben ist davon auszugehen, dass das Zervikalsyndrom und die Periarthropathia humeroscapularis eine natürliche und adäquat kausale Unfallfolge darstellen. Die Beschwerdeführerin ist für die daraus resultierende Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit leistungspflichtig, was unbestritten ist. b) Dr. C.________ stellte bei der Versicherten erstmals am 15. März 1993, somit bereits rund ein halbes Jahr nach dem Unfall, eine reaktive depressive Verstimmung fest. In Berichten vom 15. Oktober 1993 und 30. Mai 1994 wies der behandelnde Arzt auf eine Zunahme der depressiven Entwicklung hin und führte in einem Bericht an die Rehabilitationsklinik vom 18. April 1995 aus, die depressive Komponente sei in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund gerückt. Nachdem auch die Klinik Y.________ die Versicherte am 26. Januar 1994 als sehr depressiv wirkend beschrieben hatte, führte die klinisch-psychologische Untersuchung durch Dr. T.________ zur Diagnose einer depressiven Entwicklung mit ausgeprägter Somatisierung und Symptomausweitung (Bericht vom 29. September 1995), was von der Klinik (Dr. med. L.________) am 13. Januar 1997 dahin präzisiert wurde, dass es sich bei der bestehenden Störung um eine unfallfremde psychosomatische Fehlverarbeitung der Unfallfolgen handle. Der von der Beschwerdeführerin mit einer psychiatrischen Beurteilung beauftragte Dr. O.________ gelangte zum Schluss, es liege eine posttraumatische reaktive Depression mit Konversionssymptomen vor (Berichte vom 2. März und 30. August 1996). Die vorhandenen medizinischen Berichte sprechen sich zum natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der psychischen Fehlentwicklung nicht näher aus. Während die Rehabilitationsklinik einen Zusammenhang zu verneinen scheint, sprechen die übrigen Arztberichte eher dafür, dass der Unfall zumindest eine wesentliche Teilursache der bestehenden psychischen Störungen bildet, was für die Annahme eines natürlichen Kausalzusammenhangs genügt. Zu weiteren Abklärungen besteht indessen kein Anlass, weil jedenfalls die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen ist, wie im vorinstanzlichen Entscheid zu Recht festgestellt wird und woran die Vorbringen der Beschwerdegegnerin nichts zu ändern vermögen. Unbestritten ist der am 12. September 1992 erlittene Unfall als mittelschwer einzustufen, was für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs erforderlich macht, dass ein einzelnes unfallbezogenes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die nach der Rechtsprechung massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c). Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder der besondern Eindrücklichkeit des Unfalls kann nicht als erfüllt betrachtet werden. Auch wenn die beim Unfall erlittenen Verletzungen nicht als geringfügig bezeichnet werden können, lässt sich nicht sagen, dass die Versicherte Verletzungen erlitten hat, die wegen ihrer Schwere oder besondern Art erfahrungsgemäss geeignet waren, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. Die Versicherte konnte denn auch bereits am 25. September 1992 nach Hause entlassen werden. Von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung kann ebenfalls nicht gesprochen werden. Nachdem konservative Massnahmen zu keiner Besserung des Zustandes mehr geführt haben, wurde seitens der Klinik Y.________ am 9. Juli 1993 die Frage nach einem operativen Eingriff (Spondylodese C5-7) aufgeworfen, was die Versicherte jedoch ablehnte (Bericht Dr. C.________ vom 27. Juli 1993). Dr. B.________ stellte am 20. Januar 1994 fest, dass von einer weiteren Behandlung kaum mehr eine Verbesserung des Zustandes zu erwarten sei und der Zustand mit ambulanter Physiotherapie (zweimal jährlich zwölf Sitzungen) oder durch adäquate Selbstmassnahmen stationär gehalten werden könne. In der Folge beschränkte sich die Behandlung auf gelegentliche Physiotherapie; ab Frühjahr 1995 stand auch in therapeutischer Hinsicht die psychische Störung im Vordergrund. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig die Rede sein, wie von einem schwierigen Heilungsverlauf oder erheblichen Komplikationen. Im Hinblick darauf, dass die somatischen Befunde nicht schwerwiegend sind, die psychische Fehlentwicklung schon verhältnismässig kurze Zeit nach dem Unfall einsetzte und spätestens im Frühjahr 1995 eindeutig im Vordergrund stand, können schliesslich auch die besondern Anforderungen an die körperlichen Dauerschmerzen sowie an Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht als erfüllt gelten. Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass die Versicherte an körperlichen Dauerschmerzen leidet, ist dieses Kriterium jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Mangels eines adäquaten Kausalzusammenhangs hat die Beschwerdeführerin für die psychische Fehlentwicklung im Anschluss an den Unfall vom 12. September 1992 somit keine Leistungen zu erbringen.