Citation: 6B_647/2023 E. 2.4.2

2.4.2. Dr. med. G.________ verfasste das Gutachten vom 9. Juli 2021 sowie eine ergänzende Stellungnahme dazu am 19. Oktober 2021. Zur Erstellung des Gutachtens explorierte Dr. med. G.________ den Beschwerdeführer zweimal, am 7. Mai 2019 während 80 Minuten und am 26. Juni 2021 während 95 Minuten. Gemäss Urteil 6P.40/2001 vom 14. September 2001 kann ei ne sorgfältige Beurteilung kaum im Rahmen einer ein- oder zweistündigen Untersuchung eines zuvor unbekannten Menschen gelingen. Auch werden die meisten Untersuchten sich nach einer so kurzen Exploration weder verstanden fühlen noch den Sachverständigen zubilligen, Aussagen über ihr zukünftiges Verhalten machen zu können. Der notwendige zeitliche Aufwand wird von verschiedenen Faktoren bestimmt: Komplexität der Fragestellung, Anzahl der zur Beurteilung anstehenden und gesondert zu besprechenden Delikte, Gesprächsverhalten usw. Im Allgemeinen werde mit einem zeitlichen Aufwand von etwa vier bis acht Stunden, in Einzelfällen auch länger, zu rech nen sein. Es empfehle sich, diese Zeit auf wenigstens zwei Besuchstermine zu verteilen. (Urteil, a.a.O., E. 4d/dd mit Hinweisen). Nach URWYLER/ENDRASS/HACHTEL/GRAF dürfe die Gesamtdauer der Exploration im Regelfall nicht weniger als zwei Stunden und nicht mehr als zehn Stunden dauern (Urwyler/Endrass/Hachtel/Graf, Handbuch Strafrecht, Psychiatrie, Psychologie, 2022, N. 784). Die Exploration im vorliegenden Fall von insgesamt 175 Minuten erweist sich gestützt auf die Rechtsprechung sowie ältere Literatur als knapp bzw. im unteren Bereich der jüngeren Empfehlung. Nachdem dem Gutachter Dr. med. G.________ jedoch sämtliche Informationen zur Verfügung gestanden hatten und sich die der Beurteilung zugrunde liegenden Umstände als nicht sehr komplex erweisen, ist die Explorationsdauer als gerade noch genügend zu bezeichnen. Auf das Gutachten vom 9. Juli 2021 ist abzustellen.