Citation: I 708/01 11.04.2002 E. 3

3.- a) Die Gesuchstellerin erblickt eine revisionsbegründende neue Tatsache darin, dass im Gutachten des Dr. med. B.________ vom 17. August 2001 und im Untergutachten der Neuropsychologin P.________ vom 5. August 2001 die Diagnose einer leichten traumatischen Hirnverletzung gestellt wird. Im neuropsychologischen Bericht vom 5. August 2001 wird hiezu ausgeführt, die Untersuchungsbefunde zeigten Defizite im Bereich der Aufmerksamkeit, des Lernens und Behaltens sowie der exekutiven Funktionen. Als Nebenbefund finde sich eine Verlangsamung der Reaktionsgeschwindigkeit der rechten Extremität. Affektiv bestehe eine leichte bis mittelgradige depressive Störung. Die Befunde entsprächen insgesamt einer leichten neuropsychologischen Funktionsstörung. Umfang und Ausmass der Defizite gingen jedoch über die bei einer reinen Beschleunigungsverletzung der HWS beschriebenen Einbussen hinaus. Angesichts des von der Versicherten berichteten Kopfanpralls und des Testprofils sei daher bei Ausschluss anderer neurologischer Ursachen eine leichte traumatische Hirnverletzung als Folge des Unfalls vom 10. Oktober 1992 zu postulieren. Die Depression lasse sich als Reaktion auf die chronischen Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag verstehen. Aus rein neuropsychologischer Sicht sei die Arbeitsunfähigkeit in einem kaufmännischen Beruf für eine gut strukturierte Tätigkeit mit vielen Routinen auf etwa 20 % zu schätzen. Im Gutachten vom 17. August 2001 stellt Dr. med. B.________ die Diagnose "Zustand nach Verkehrsunfall am 10. Oktober 1992 mit HWS-Distorsion (Abknickverletzung) und Verdacht auf leichte traumatische Hirnverletzung, persistierend mit leichter neuropsychologischer Funktionsstörung und leicht bis mässiggradiger reaktiver depressiver Störung, residual mit rechtsbetontem Zervikalsyndrom mit Blockierung C5/C6, leichter Instabilität C3-C5, reaktiver Tendomyose und reaktivem neurogenem Schultergürtelsyndrom (Thoracic-outlet-Syndrom)". Die Versicherte habe sich beim Unfall vom 10. Oktober 1992 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht nur eine HWS-Distorsion im Sinne eines reinen Beschleunigungstraumas, sondern eine HWS-Distorsion im Sinne einer Abknickverletzung mit Kopfanprall sowie mit wahrscheinlicher zusätzlicher leichter traumatischer Hirnverletzung zugezogen. Zur Frage, weshalb die festgestellten neuropsychologischen Störungen bisher nicht eingehender abgeklärt und diagnostiziert wurden, führt der Gutachter aus, derartige Störungen würden in der Frühphase nach einem Unfall mit leichter Hirnverletzung oft nicht als solche erkannt, weshalb fehlende Hinweise in den frühen ärztlichen Berichten nicht ungewöhnlich seien. In den Gutachten von Prof. Dr. med. U.________ seien anamnestisch neuropsychologische Störungen erwähnt; jedoch seien diese nicht weiter abgeklärt und gewürdigt worden, weil dieser Beschwerdeanteil offensichtlich unterschätzt worden sei. Unter Berücksichtigung der neuropsychologisch bedingten Einschränkungen bestehe eine Arbeitsunfähigkeit im kaufmännischen Bereich von insgesamt 50 %. b) Dass die Gesuchstellerin an leichten Hirnfunktionsstörungen leidet, stellt keine neue Tatsache im Sinne von Art. 137 lit. b OG dar. Zwar hat die Versicherte im Anschluss an den Unfall nie über solche Störungen geklagt und noch anlässlich der gutachtlichen Untersuchung durch Prof. Dr. med. U.________ im Jahr 1995 angegeben, das Gedächtnis sei gut und sie leide an keinen Konzentrationsstörungen. Bei der gutachtlichen Untersuchung von 1997 beklagte sie sich jedoch über vermehrte Vergesslichkeit. Prof. Dr. med. U.________ fand keine Hinweise auf Denkstörungen und nahm daher auch keine weiteren Untersuchungen vor. Über erhebliche kognitive Einbussen, welche sie bei der Tätigkeit als Schauspielerin und Moderatorin beeinträchtigten, berichtete die Versicherte erstmals anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung im Juli 2001. Gegenüber dem Privatgutachter führte sie aus, sie sei nach wie vor vergesslich, habe Mühe mit dem Lernen und müsse alles aufschreiben. Daraus ist zu schliessen, dass es sich bei den geltend gemachten Hirnfunktionsstörungen um die gleichen Beschwerden handelt, welche - möglicherweise in geringerem Umfang - bereits früher bestanden haben. Hievon geht auch Dr. med. B.________ aus, wenn er feststellt, die neuropsychologischen Störungen seien bereits im Gutachten von Prof. Dr. med. U.________ erwähnt, jedoch nicht näher abgeklärt worden, weil deren Bedeutung offensichtlich unterschätzt worden sei. Eine allfällige unzutreffende Würdigung des an sich schon damals bekannt gewesenen Sachverhalts vermag aber nicht zu einer Revision des Urteils vom 5. September 2000 zu führen. Neu ist die Diagnose einer leichten traumatischen Hirnverletzung, woraus sich indessen keine revisionsbegründende neue Tatsache im Sinne von Art. 137 lit. b OG ableiten lässt. Zum einen ging auch Prof. Dr. med. U.________ davon aus, dass die Versicherte beim Unfall vom 10. Oktober 1992 einen Kopfanprall erlitten hatte. Zum andern ist die Diagnose einer leichten traumatischen Hirnverletzung nicht gesichert. Nach Auffassung der Neuropsychologin sprechen die festgestellten Einbussen im Bereich der Aufmerksamkeit und der exekutiven Funktionen zusammen mit der erhöhten Perseverationsneigung bei der verbalen und nonverbalen Ideenproduktion für eine frontale Hirnfunktionsstörung. Teils könnten die Befunde Ausdruck einer diskreten Hemisymptomatik sein, was neurologisch abzuklären sei. Angesichts des von der Versicherten berichteten Kopfanpralls und des Testprofils sei bei Ausschluss anderer neurologischer Ursachen eine leichte traumatische Hirnverletzung als Folge des Unfalls vom 10. Oktober 1992 zu postulieren. Die von Dr. med. B.________ vorgenommene neurologische Untersuchung (ohne Visusprüfung) ergab bezüglich der Hirnnerven keine "grobe Pathologie". Die MRI-Untersuchung des Schädels durch Dr. med. H.________ vom 7. Juni 2001 zeigte weitgehend normale Befunde. Die Frontobasalregion war unauffällig, es fanden sich insbesondere keine Hinweise auf Kontusionen. Festgestellt wurden kleine Hyperintensitäten, bei welchen es sich nach Auffassung des untersuchenden Arztes am ehesten um Zufallsbefunde von chronischen Mikroinfarkten handelt, denen klinisch wahrscheinlich keine Bedeutung zukommt. Dr. med. B.________ schliesst sich zwar der Auffassung der Neuropsychologin grundsätzlich an und bezeichnet eine traumatische Hirnverletzung als wahrscheinlich, spricht jedoch ausdrücklich von einer Verdachtsdiagnose und erachtet eine weitere Verlaufskontrolle als erforderlich. Im Hinblick darauf, dass die Versicherte beim Unfall keine Kopfverletzungen erlitten hat, nach den Akten erst rund fünf Jahre nach dem Unfall über Hirnfunktionsstörungen klagte und der neurologische Befund weitgehend unauffällig ist, genügt die auf Grund neuropsychologischer Untersuchungen gestellte Verdachtsdiagnose einer leichten traumatischen Hirnverletzung nicht, um die Entscheidungsgrundlagen des Hauptverfahrens objektiv als mangelhaft erscheinen zu lassen. Die eingereichten Gutachten stellen auch kein Beweismittel für eine im früheren Verfahren unbewiesen gebliebene Tatsache dar. c) Selbst wenn der in den eingereichten Gutachten erhobene Befund als neue Tatsache im Sinne von Art. 137 lit. b OG gewertet würde, wären die Revisionsvoraussetzungen nicht gegeben, weil nicht angenommen werden kann, dass der Beweis der behaupteten leichten traumatischen Hirnverletzung trotz hinreichender Sorgfalt nicht bereits im früheren Verfahren hätte erbracht werden können. Die (von einem Rechtsanwalt vertretene) Versicherte hat weder im erst- noch im letztinstanzlichen Verfahren je eine neuropsychologische Untersuchung oder auch nur eine weitere Abklärung der geltend gemachten Gedächtnisstörungen beantragt. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den vorinstanzlichen Entscheid vom 31. Januar 2000 hat sie eventualiter zwar die Einholung eines Obergutachtens zur Arbeitsfähigkeit beantragt, was vom Eidgenössischen Versicherungsgericht mit dem Urteil vom 5. September 2000 abgelehnt wurde. Sie hat sich dabei jedoch in keiner Weise auf die nunmehr geltend gemachten Hirnfunktionsstörungen und deren Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit berufen. Es ist aber nicht zulässig, Abklärungsmassnahmen, auf welche im früheren Verfahren verzichtet wurde und welche bei Beachtung der erforderlichen Sorgfalt damals hätten beantragt werden müssen, im Revisionsverfahren nachzuholen (nicht veröffentlichte Urteile W. vom 6. Mai 1994, U 109/93, und J. vom 31. Januar 1990, U 20/89).