Citation: C 341/01 08.04.2002 E. 3

3.- a) Dr. med. B.________ attestierte im Gutachten vom 29. Juli 1998 eine auffallende Persönlichkeit und stellte eine beachtliche Impulsivität fest, ohne dass jedoch von einer fehlenden sozialen Eignung gesprochen werden könne. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer mit 28 Jahren eine dreijährige Glaserlehre erfolgreich habe abschliessen können, zeige, dass er unter geeigneter Führung fähig sei, eine Anstellung einzuhalten. Sicher werde es schwierig sein, ihn vernünftig in den Arbeitsprozess zu integrieren, doch sollte dies mit Hilfe der begonnenen Therapie und einer geschickten Führung möglich sein. Er halte ihn daher als vermittlungsfähig. b) Aufgrund der ärztlichen Beurteilung ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht an einer geistigen Behinderung im Sinne von Art. 15 Abs. 2 AVIG leidet. Obwohl Dr. med. B.________ nur eine kurze Begründung gegeben hat, ergibt sich unter Mitberücksichtigung der gesamten Aktenlage für den zur Beurteilung anstehenden Zeitraum bis zum Verfügungserlass vom 14. Dezember 2000 (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) bezüglich der Vermittlungsfähigkeit ein hinreichend klares Bild. Wie die zahlreichen befriedigend verlaufenen Arbeitseinsätze und die positiven Rückmeldungen von Kunden bestätigen, ist an der grundsätzlichen körperlichen und geistigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht zu zweifeln. Der Versicherte hat denn auch immer wieder - teilweise auch selber - neue Stellen gefunden. Er hat zudem wiederholt erklärt und durch seine Arbeitseinsätze bewiesen, dass er gewillt ist zu arbeiten und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Hingegen hat seine immer wieder durchbrechende Unbeherrschtheit, wenn ihm etwas nicht zusagt, jeweils nach relativ kurzer Zeit zur Entlassung geführt. Anlässlich der Einvernahme im vorinstanzlichen Verfahren erklärt er dies damit, dass er eben nie gelernt habe, mit Konflikten umzugehen. Eine eigentliche Therapie, zu welcher er grundsätzlich bereit sei, habe bisher nicht stattgefunden; er habe lediglich bei der Freikirche Hilfe gesucht. Damit liegen Charaktermängel vor, welche unter dem Gesichtspunkt der sozialen Eignung im Rahmen der allgemeinen Vorschrift von Art. 15 Abs. 1 AVIG zu beurteilen sind (Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, N 35 zu Art. 15 AVIG). Mit Blick auf diese Bestimmung gilt es zu prüfen, ob ein Versicherter durch sein persönliches Verhalten in der Gesellschaft im Allgemeinen und im Arbeitsbereich im Besonderen seine Aussichten auf eine Anstellung derart gefährdet, dass dies einer Vermittlungsunfähigkeit gleichkommt. Mängel, welche die soziale Eignung berühren und die ansonsten vorhandene Arbeitsfähigkeit letztlich als nicht "brauchbar" erscheinen lassen, sind beispielsweise anzunehmen bei Personen, welche notorisch bekannt sind für ihre Masslosigkeit oder die sich jeglicher hierarchischen Unterordnung verweigern, bei unverbesserlichen Querulanten und Personen, welche ein unbeständiges oder unverträgliches Verhalten an den Tag legen (BGE 109 V 277 Erw. 2c; Gerhards, a.a.O., N 36 zu Art. 15 AVIG). Vermittlungsfähigkeit ist grundsätzlich nur dann gegeben, wenn das persönliche Verhalten des Versicherten der im Arbeitsleben herrschenden Auffassung entspricht und er nach dieser Auffassung für eine Beschäftigung überhaupt in Betracht kommt. Der Versicherte darf durch sein Verhalten weder seine eigenen Arbeitsbemühungen noch die Bemühungen der mit der Vermittlung befassten Stellen unterlaufen, hintertreiben oder sonst wie fahrlässig zunichte machen. Dies gilt besonders für jene Versicherten, die schon einmal oder wiederholt wegen ihres Verhaltens eine Stelle verloren haben (Gerhards, a.a.O., N 22 zu Art. 15 AVIG). c) Indem die Verwaltung mit Verfügung vom 6. August 1998 die Vermittlungsfähigkeit trotz der vorangegangenen Vorkommnisse bejahte, wollte sie dem Beschwerdeführer erklärtermassen eine Chance geben, sich in einer Unternehmung zu integrieren und dort während längerer Zeit zu arbeiten. Erneut erwies sich die soziale Eignung aufgrund des Verhaltens gegenüber Vorgesetzten und deren Kunden, Mitarbeitern und Bezugspersonen der Arbeitslosenversicherung in Form von Beschimpfungen, Drohungen, ausfälligem Benehmen und gar Tätlichkeiten, wenn dem Beschwerdeführer etwas nicht passte, als äusserst mangelhaft. Mit seinem im Widerspruch zu den im Arbeitsleben herrschenden Gepflogenheiten stehenden Auftreten war er auch ab Sommer 1998 selbst für einen entgegenkommenden Arbeitgeber über kurz oder lang nicht mehr tragbar. Aus den dargelegten Gründen hat die Verwaltung zu Recht ab 1. November 2000 die Vermittlungsfähigkeit verneint. Dem Beschwerdeführer steht es jedoch offen - beispielsweise mittels begleitender Therapie - sein Sozialverhalten zu verbessern und sich anschliessend erneut bei der Arbeitslosenversicherung zu melden.