Citation: 8C_510/2007 03.10.2008 E. 7.4

7.4.1 Mit Bezug auf die Überprüfungsbefugnis des Bundesgerichtes ist festzuhalten, dass die Frage, welche Anforderungen an die Sorgfaltspflicht des Arztes zu stellen sind, Rechtsfrage ist. Das gilt selbst dann, wenn bei Prüfung dieser Frage, wie bei der Arzthaftpflicht, die Regeln eines bestimmten Berufes mitzuberücksichtigen sind und der Richter eines Sachverständigen bedarf, um sich über die Voraussetzungen der Haftung die notwendigen Aufschlüsse zu verschaffen. Auch in diesem Fall ist es nicht Sache des Experten, Rechtsfragen abschliessend zu beantworten (BGE 113 II 429 E. 3a S. 431 f., 108 II 422 E. 2b S. 425 f. mit weiteren Hinweisen). 7.4.2 Der äussere Ablauf der Geschehnisse und das konkrete Verhalten des verantwortlichen Arztes ist demgegenüber Tatfrage und gehört zum Beweisthema des Geschädigten, welcher auch die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat (BGE 120 Ib 411 E. 4a in fine S. 414, 115 Ib 175 E. 2b S. 181 mit weiteren Hinweisen; Walter, Tat- und Rechtsfragen, in: Fellmann/Weber [Hrsg.], Der Haftpflichtprozess Tücken der gerichtlichen Schadenerledigung, Zürich 2006, S. 18; Hausheer, a.a.O., § 15 Rz. 15.80). Das Bundesgericht hat ferner entschieden, dass der Arzt, soweit die Möglichkeit von negativen Auswirkungen einer ärztlichen Behandlung erkennbar ist, alle Vorkehren treffen muss, um deren Eintritt zu verhindern. Deren Eintritt begründet dann eine tatsächliche Vermutung, dass nicht alle Vorkehren getroffen worden sind und somit eine objektive Sorgfaltspflichtverletzung vorliegt. Diese Vermutung dient der Beweiserleichterung, hat aber keine Umkehr der Beweislast zur Folge (BGE 120 II 248 E. 2c S. 250). 7.4.3 Rechtsfrage ist schliesslich, ob und in welchem Umfang den Arzt eine Garantenpflicht trifft, wenn die Rechtswidrigkeit einer Unterlassung im Streit liegt (Walter, a.a.O., S. 18).