Citation: 5A_518/2022 E. 3.1

3.1. Nach allgemeiner Rechtsprechung ist der Begriff der schwerwiegenden Gefahr restriktiv auszulegen; sie ist beispielsweise gegeben bei einer Rückführung in ein Kriegs- oder Seuchengebiet oder wenn zu befürchten ist, dass das Kind nach der Rückgabe misshandelt oder missbraucht wird, ohne dass die Behörden rechtzeitig einschreiten würden (vgl. insb. Urteile 5A_229/2015 vom 30. April 2015 E. 6.1; 5A_293/2016 vom 8. August 2016 E. 5.3, je m.w.H.; letztmals Urteile 5A_437/2021 vom 8. September 2021 E. 4; 5A_952/2021 vom 6. Januar 2022 E. 4.1). Keine schwerwiegende Gefahr begründen nach konstanter Rechtsprechung hingegen anfängliche Sprach- und Reintegrationsschwierigkeiten, wie sie sich bei Kindern ab einem gewissen Alter mehr oder weniger zwangsläufig ergeben (BGE 130 III 530 E. 3; letztmals Urteil 5A_952/2021 vom 6. Januar 2022 E. 4.1). Nach konstanter Rechtsprechung bildet auch die drohende Trennung zwischen dem hauptbetreuenden Elternteil und einem Kind für sich genommen keine schwerwiegende Gefahr im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. b HKÜ (BGE 130 III 530 E. 3; letztmals Urteile 5A_990/2019 vom 21. Januar 2020 E. 5.1.2; 5A_548/2020 vom 5. August 2020 E. 5.2.1.2; 5A_643/2020 vom 11. September 2020 E. 5.1.2.2), soweit es nicht um Säuglinge oder allenfalls um Kleinkinder geht (Urteile 5A_764/2009 vom 11. Januar 2010 E. 4.1; 5A_105/2009 vom 16. April 2009 E. 3.4; 5A_913/2010 vom 4. Februar 2011 E. 5.1; 5A_840/2011 vom 13. Januar 2012 E. 3.1; 5A_799/2013 vom 2. Dezember 2013 E. 5.6; 5A_936/2016 vom 30. Januar 2017 E. 6.3.1). Eine schwerwiegende Gefahr wurde allerdings für ein knapp fünfjähriges Kind in einem Fall bejaht, in welchem die hauptbetreuende Mutter im Herkunftsstaat mit einer zehnjährigen Einreisesperre belegt war und physische Gewalt im dortigen väterlichen Haushalt drohte; das Bundesgericht hat dabei erwogen, dem Übereinkommen liege unausgesprochen der Gedanke zugrunde, dass jedenfalls im Rahmen regelmässiger Besuche weiterhin eine tragfähige Beziehung zu beiden Elternteilen bestehen könne (Urteil 5A_437/2021 vom 8. September 2021 E. 4). Abschliessend ist zu bemerken, dass es im Rückführungsverfahren nicht um materiell-rechtliche Fragen geht, wie sie für die Zuteilung des Sorgerechts massgebend sind, namentlich bei welchem Elternteil oder in welchem Land ein Kind besser aufgehoben oder welcher Elternteil zur Erziehung und Betreuung der Kinder besser geeignet wäre (BGE 131 III 334 E. 5.3; 133 III 146 E. 2.4; letztmals Urteil 5A_952/2021 vom 6. Januar 2022 E. 4.1); der Entscheid darüber ist nach dem System der Haager Übereinkommen dem sachzuständigen Gericht des Herkunftsstaates vorbehalten (vgl. Art. 16 und 19 HKÜ; sodann Art. 7 Abs. 1 HKsÜ).