Citation: U 243/98 12.04.2001 E. 7

7.- a) Bis zum Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung des Dr. W.________ vom 17. Juli 1995 hatte die Versicherte stets über Nackenbeschwerden sowie Parästhesien an beiden Armen sowie Fusssohlen geklagt. Weitere für ein Schleudertrauma der HWS typische Symptome wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderungen usw. (BGE 117 V 360 Erw. 4b) lagen dagegen zumindest nicht in einem in masslicher Hinsicht bedeutsamen Umfang vor. Wenn die Versicherte erstmals gegenüber dem am 13. Dezember 1995 eine neuropsychologische Untersuchung durchführenden Spital X.________ etwas anders behauptet, erscheint dies wenig glaubwürdig, widrigenfalls sich in den zahlreichen Akten, welche aus der Zeit vor der Bescheinigung voller Arbeitsfähigkeit durch Dr. W.________ per 24. Juli 1995 stammen, entsprechende Hinweise finden müssten. Anlässlich der angesprochenen Exploration stellte Dr. W.________ nicht nur fest, dass die Versicherte nicht mehr über Nackenschmerzen, sondern nur noch über Beschwerden im Bereich des cervico-thoracalen Übergangs sowie Sensibilitätsstörungen an beiden Händen und Füssen klage. Darüber hinaus erachtete er die Behandlung als abgeschlossen und bezeichnete die Versicherte ab 24. Juli 1995 neu als voll arbeitsfähig. Zuvor war der Versicherten als Coiffeuse eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, und eine solche als Putzfrau von 0 % attestiert worden. Da sich die Einschätzung des Dr. W.________ mit jener des damaligen Hausarztes Dr. P.________ deckt und später auch noch vom von der Beschwerdeführerin mit der Bitte um Weiterbehandlung des HWS-Traumas aufgesuchten Dr. E.________ am 27. September 1995 bestätigt worden ist, erweisen sich die dagegen vorgebrachten Einwendungen als unbehelflich. Ein offener Widerspruch zu der rund einen Monat früher, am 22. Juni 1995, abgegebenen Stellungnahme des Dr. M.________ zur Restarbeitsfähigkeit besteht nicht, zumal sich dieser massgebend vom subjektiven Beschwerdebild leiten liess und eine zwischenzeitig erfolgte Besserung des Gesundheitszustands anzunehmen ist. Es lässt sich demnach in Übereinstimmung mit der Vorinstanz nicht beanstanden, wenn die SUVA im Anschluss an die kreisärztliche Untersuchung vom 17. Juli 1995 ihre Leistungen (bis auf weiteres) einstellte. b) Nun klagte die Beschwerdeführerin anlässlich der am 20. November 1995 durchgeführten ambulanten Untersuchung durch Dr. G.________ vom Spital X.________ nicht nur über Rückenbeschwerden, die der Arzt zur Hauptsache im lumbalen Bereich ortet, sondern auch über Vergesslichkeit und Gefühlsarmut in der dominanten rechten Hand. Bei der neuropsychologischen Untersuchung durch lic. phil. O.________, Spital X.________, am 13. Dezember 1995 (Bericht vom 2. Februar 1996, von welchem die SUVA erst im 2. Schriftenwechsel anfangs 1998 Kenntnis erhalten hatte) gibt die Versicherte weiter an, neben nicht näher definierten Schmerzen an Gefühlsstörungen in beiden Händen, durch die Schmerzen bedingte Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, gestiegener Aggressivität, reduzierter Belastbarkeit sowie herabgesetzter Aufmerksamkeit zu leiden. Dies sind teilweise Beschwerden, wie sie häufig nach einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung auftreten können (vgl. BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa). Ob sie vorliegend tatsächlich mit dem am 24. Januar 1995 erlittenen Schleudertrauma der HWS im natürlichen Kausalzusammenhang stehen und wie weit sie sich gegebenenfalls auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten ausgewirkt haben und eine medizinische Behandlung erforderten, lässt sich anhand der vorhanden Akten nicht abschliessend beantworten. Die in Unkenntnis der gesamten SUVA-Akten und daher ohne umfassende Kenntnisse der Vorakten abgegebenen, zudem die lumbalen Beschwerden fälschlicherweise dem Unfall zurechnenden Berichte des Spitals X.________ sind hiefür keine geeignete Grundlage (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a). Ebenso wenig lässt die, teilweise an gleichen Mängeln leidende, zudem etwa ein Jahr nach dem massgebenden Zeitpunkt des Einsprache-Entscheides vom 5. Mai 1997 (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) erstellte Expertise (vom 4. Mai 1998) der Klinik Y.________ eine abschliessende Beurteilung zu. Was die Diagnosen der Neuropsychologen des Spitals X.________ und der Klinik Y.________ anbelangt, ist zudem zu beachten, dass die Neuropsychologie nach derzeitigem Wissensstand nicht in der Lage ist, selbstständig eine abschliessende Beurteilung der Genese festgestellter Störungen vorzunehmen (BGE 119 V 341 Erw. 2b/bb). Umgekehrt schliesst aber allein die Latenzzeit von rund elf Monaten, mit welcher neben den Parästhesien sowie den eventuell wieder verstärkt aufgetretenen Nackenschmerzen weitere für ein Schleudertrauma der HWS typische Beschwerdesymptome aufgetreten sind, die Annahme eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen diesen und dem Unfall nicht von vornherein aus (vgl. BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa und RKUV 1995 Nr. U 221 S. 112). Ebenso wenig kann die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang nicht weiter abgeklärt werden mit der Begründung, es fehle auf alle Fälle an der darüber hinaus erforderlichen Adäquanz zwischen Unfall und dem für ein Schleudertrauma der HWS typischen Beschwerdebild. Denn dass die möglichen Folgen des als mittelschwer einzustufenden Unfalls schon relativ rasch von einer ausgeprägten psychischen Störung im Sinne von BGE 123 V 99 überdeckt worden sind, wovon die Vorinstanz auszugehen scheint, kann anhand der Akten nicht gesagt werden. Es wird daher an der SUVA liegen, an welche die Angelegenheit zurückzuweisen ist, entsprechende Abklärungen vorzunehmen. Je nachdem, welches Ergebnis diese zeitigen, wird sie über den 24. Juli 1995 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen haben.