Citation: 4A_267/2022 E. 4.2

4.2. In einem solchen Fall beurteilt sich nach dem Vertrauensprinzip, welchen Inhalt eine Willenserklärung hat. Die Erklärung ist danach so auszulegen, wie sie von der Adressatin nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen nach Treu und Glauben verstanden werden durfte und musste. Dies stellt eine Rechtsfrage dar, die das Bundesgericht frei überprüft, wobei es an die vorinstanzlichen Feststellungen zu den tatsächlichen Umständen des Vertragsschlusses gebunden ist (BGE 148 III 57 E. 2.2.1; 147 III 153 E. 5.1). Das Obergericht schloss in Anwendung dieser Grundsätze, die Parteien hätten im November und Dezember 2016 klarerweise einen auf fünf Jahre befristeten Mietvertrag geschlossen, im Sinne einer "Maximaldauer", und nicht - wie dies die Beschwerdeführerin behaupte - mit einer "Mindestdauer" von fünf Jahren. Entsprechend finde die im Schreiben vom 21. November 2016 offerierte und mit Antwortschreiben vom 20. Dezember 2016 akzeptierte "Kündigungsfrist von einem (1) Jahr" während der um maximal fünf Jahre verlängerten Mietdauer Anwendung und nicht erst nach Ablauf der angeblichen, indes in Wahrheit gar nicht bestehenden "Mindestdauer" per 30. Juni 2022. Dies habe die Beschwerdeführerin damals nach Treu und Glauben zweifellos auch so verstehen müssen.