Citation: 2C_271/2007 12.11.2007 E. 3

3.1 Die Ausweisung soll nach Art. 11 Abs. 3 ANAG nur verfügt werden, wenn sie nach den gesamten Umständen angemessen, d.h. verhältnismässig erscheint (vgl. BGE 125 II 521 E. 2a S. 523). Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung vom 1. März 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer, ANAV; SR 142.201; BGE 129 II 215 E. 3; 125 II 105 ff.). Ausgangspunkt für die Interessenabwägung gemäss Art. 11 Abs. 3 ANAG ist das Verschulden des Ausländers. Dieses findet vorab im vom Strafrichter verhängten Strafmass seinen Ausdruck. Dabei sind umso strengere Anforderungen an die Schwere des strafrechtlichen Verschuldens zu stellen, je länger ein Ausländer in der Schweiz gelebt hat. Zu berücksichtigen ist auch, in welchem Alter der Ausländer in die Schweiz eingereist ist. Selbst bei einem Ausländer, der bereits hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht hat ("Ausländer der zweiten Generation"), ist bei Gewalt-, Sexual- oder Betäubungsmitteldelikten bzw. wiederholter Straffälligkeit eine Ausweisung jedoch nicht ausgeschlossen (BGE 130 II 176 E. 4.4.2 S. 190 mit Hinweisen). Daneben hat auch die Beurteilung der Rückfallgefahr bei der ausländerrechtlichen Interessenabwägung ein gewisses Gewicht. Ausserhalb des Geltungsbereichs des Freizügigkeitsabkommens kommt diesem Aspekt jedoch nicht vorrangige Bedeutung zu und muss im Zusammenhang mit Gewaltdelikten selbst ein relativ geringes Restrisiko nicht hingenommen werden (zum Ganzen: BGE 130 II 176 E. 4.2 bis 4.4 S. 185 ff. mit Hinweisen). Ob die Ausweisung im Sinne von Art. 11 Abs. 3 ANAG verhältnismässig ist, stellt eine vom Bundesgericht von Amtes wegen zu prüfende Rechtsfrage dar; es überprüft die ausländerrechtliche Interessenabwägung frei (Art. 106 Abs. 1 BGG; vgl. BGE 125 II 105 E. 2a S. 107, 521 E. 2a S. 523 mit Hinweisen). Dem Bundesgericht ist es jedoch verwehrt, sein eigenes Ermessen - im Sinne einer Überprüfung der Zweckmässigkeit (Opportunität; BGE 116 Ib 353 E. 2b S. 356 f.) der Ausweisung - an die Stelle desjenigen der zuständigen kantonalen Behörde zu setzen (BGE 114 Ib 1 E. 1b S. 2; 125 II 521 E. 2a S. 523). 3.2 Der Beschwerdeführer ist von 1994 bis 2005 wiederholt straffällig geworden. Der Beschwerdeführer mag zwar bis zur obergerichtlichen Verurteilung im Jahre 2005 keine schweren Delikte begangen haben. Ins Gewicht fällt hier aber, dass er schon früher durch Tätlichkeiten und Drohungen aufgefallen ist, indem er unter anderem gegenüber seiner damaligen Ehefrau mit einem Messer in gefährlicher Weise gegenübergetreten ist (Urteil des Obergerichtes des Kantons Luzern vom 31. Mai 2005 S. 10 mit Hinweis auf den Polizeirapport der Kantonspolizei Luzern vom 16. Juni 1995). Auch besteht kein Anlass, seine zahlreichen Strassenverkehrsdelikte und übrigen Übertretungen als "Alltagsdelikte" zu verharmlosen; vielmehr scheint es dem Beschwerdeführer auch heute noch an einer Einsicht in das Unrecht seiner Straftaten zu fehlen. Aufgrund der zahlreichen Verurteilungen ergibt sich eine klare Tendenz zu immer schwerwiegenderen Verfehlungen bis hin zur Verurteilung des Beschwerdeführers wegen mehrfachen vollendeten Versuchs der vorsätzlichen Tötung. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers bleibt regelmässig kein Raum, im ausländerrechtlichen Verfahren die Beurteilung des Strafrichters in Bezug auf das Verschulden zu relativieren (Urteile 2A.16/2007 vom 10. Mai 2007 E. 3.1.1; 2A. 373/2006 vom 15. September 2006 E. 3.1; 2A.503/2004 vom 24. September 2004 E. 4.1). Das Verwaltungsgericht hat in seinem Urteil bezüglich Verschulden auf die Einschätzung des Kriminalgerichtes und Obergerichtes des Kantons Luzern abgestellt und ist von einem schweren Verschulden ausgegangen. Aus dem Umstand, dass er lediglich zu einer Strafe von 3½ Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, kann der Beschwerdeführer nicht ableiten, ihm sei kein schweres Verschulden vorzuwerfen, zumal das Obergericht zum Schluss kam, die vom Kriminalgericht festgesetzte Strafe liege an der unteren Grenze einer schuldangemessenen Strafe. Wenn das Verwaltungsgericht aufgrund des gewalttätigen Vorgehens des Beschwerdeführers und seines Verhaltens nach der Tat (der Angeklagte hat sich nach der fraglichen Auseinandersetzung nicht um seine Opfer gekümmert, die beide in Lebensgefahr schwebten) sowie mit Blick auf seine seit 1994 regelmässige Delinquenz das Verschulden des Beschwerdeführers entsprechend schwer gewichtete, ist dies nicht zu beanstanden. 3.3 Soweit der Beschwerdeführer sein korrektes Verhalten im Strafvollzug und den Umstand, dass seine letzte Verfehlung bereits über zwei Jahre zurückliegt, hervorhebt, ist ihm entgegenzuhalten, dass dem Wohlverhalten in Unfreiheit praxisgemäss bloss untergeordnete Bedeutung zukommt (BGE 114 Ib 1 E. 3b S. 5). Die Tatsache, dass ein Ausländer im Strafvollzug zu keinen Klagen Anlass gegeben hat, genügt für sich alleine nicht, um eine Rückfallgefahr auszuschliessen (Urteil 2A.688/2005 vom 4. April 2006 E. 3.1.3). Angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer sich seit September 2005 im Strafvollzug befindet, kommt seinem straffreien Verhalten seit Juli 2004 keine erhebliche Bedeutung zu. Eine andere Wertung würde bedeuten, dass eine Ausweisung um so weniger in Frage käme, je höher das Strafmass ausfällt (Urteil 2A.531/2001 vom 10. April 2002, E. 3.1.3). Wie das Verwaltungsgericht zu Recht erwog, spricht aus fremdenpolizeilicher Sicht auch seine Gewaltbereitschaft, die nicht nur im versuchten Tötungsdelikt, sondern auch in früheren deliktischen Handlungen zum Ausdruck kam, deutlich für eine Ausweisung. Der Angriff auf zwei Opfer, wovon eines an der Auseinandersetzung unbeteiligt war, das mehrfache lebensbedrohliche Zustechen mit einem gefährlichen Messer, das Verhalten des Beschwerdeführers nach der Tat, seine fehlende Reue sowie seine vom Obergericht festgestellte Neigung, Konflikte mit Gewalt lösen zu wollen, lassen das künftige Wohlverhalten des Beschwerdeführers als fraglich erscheinen. Soweit es hier aufgrund der Schwere des versuchten Tötungsdeliktes und des damit verbundenen Verschuldens (BGE 122 II 433 E. 2c S. 436) überhaupt noch auf eine Rückfallgefahr ankommt, kann angesichts der schwerwiegenden Folgen der Straftat selbst ein geringes Risiko nicht hingenommen werden. 3.4 An der Entfernung und Fernhaltung des Beschwerdeführers besteht somit ein grosses sicherheitspolizeiliches Interesse, das nur durch entsprechend gewichtige private Interessen aufgewogen werden könnte.