Citation: 5A_400/2023 E. 3.1

3.1. Das Obergericht konstatiert, dass die Beschwerdeführerin ein Besuchsrecht mit Übernachtungen nicht prinzipell ablehnt, die Ausdehnung der Kontakte auf Übernachtungen aber gegenwärtig als verfrüht erachtet. Weiter erinnert es daran, dass D.B.________ unterdessen im Primarschulalter sei. Ein Besuchsrecht mit Übernachtungen sei in diesem Alter üblich und entspreche den allgemeinen Empfehlungen, sofern im konkreten Einzelfall keine Gründe dagegen sprechen. Solche Gründe würden von der Mutter nicht vorgebracht und seien auch nicht ersichtlich. Dass D.B.________s Kontakt zum Vater vorübergehend unterbrochen war und zeitweise nur begleitet stattfand, sei die Folge des von der Beschwerdeführerin erhobenen Vorwurfs sexueller Übergriffe gewesen; dieser Vorwurf habe sich als unbegründet erwiesen und könne eine Einschränkung des Kontaktrechts daher nicht begründen. Auch das erstinstanzlich eingeholte psychologische Gutachten enthalte bezüglich der Erziehungsfähigkeit des Beschwerdegegners keine Hinweise, die eine dauerhafte Einschränkung des Kontakts durch den Verzicht auf Übernachtungen rechtfertigen würden. Vor diesem Hintergrund bestehe kein Anlass für eine erneute Expertise oder andere Abklärungen, noch habe das Bezirksgericht mit dem Verzicht auf ein neues Gutachten den Untersuchungsgrundsatz oder das Recht der Beschwerdeführerin auf Beweis verletzt. In der Folge stellt die Vorinstanz klar, dass die Entscheidung über den künftigen Ausbau des Kontakts zwischen Vater und Tochter auf einer Prognose beruhe. Aufgrund der damit einhergehenden Unsicherheiten lasse sich die Notwendigkeit einer späteren Korrektur nicht ausschliessen, und zwar unabhängig davon, ob die Erweiterung des persönlichen Verkehrs heute angeordnet wird oder nicht. Mit Blick auf das Kindeswohl sei ausschlaggebend, wie wahrscheinlich eine Änderung oder Ergänzung in Zukunft nötig wird, welche Partei dafür die Initiative ergreifen muss und inwiefern die heute getroffene Regelung die zukünftige Entwicklung beeinflusst. Eine Abänderung sei wahrscheinlicher, wenn ein Ausbau der Kontakte unterbleibt, als wenn eine solche Regelung gestützt auf Annahmen über die künftige Entwicklung getroffen wird. Sodann müsste im Fall eines Verzichts auf eine Regelung der Beschwerdegegner eine Ergänzung verlangen und würde bis zu einem entsprechenden Entscheid - womöglich über eine längere Zeit - noch die bisherige Regelung gelten, während sich im umgekehrten Fall die Beschwerdeführerin um den Aufschub der Kontakterweiterung zu bemühen hätte, mit vorsorglichen Massnahmen aber einen raschen Stopp des Kontaktausbaus erwirken könnte. Von daher sei die Anordnung des Kontaktausbaus mit Blick auf das Kindeswohl unbedenklich und könne der Beschwerdeführerin ohne Weiteres die Rolle der Abänderungsklägerin zugeschoben werden. Schliesslich weist das Obergericht für den Fall des Unterbleibens einer Regelung auf die Gefahr hin, dass alle Beteiligten auf äussere Veränderungen warten und nichts geschieht, wohingegen die Anordnung einer künftigen Kontakterweiterung sowohl den Parteien als auch den involvierten Fachleuten dieses Ziel vor Augen führe. Die Vorinstanz erinnert in diesem Kontext daran, dass die Kontakte zwischen Vater und Tochter nach einem monatelangen Unterbruch erst unter dem Druck eines Vollstreckunsgverfahrens wieder zustande gekommen seien und sich im Hinblick auf die Vorbereitung von Übernachtungen nichts mehr getan habe, nachdem der geplante Ausbau durch vorsorgliche Massnahmen im Berufungsverfahren aufgehoben wurde. Diese Erfahrungen sprächen dagegen, den zukünftigen Ausbau der Kontakte der Eigeninitiative der Parteien zu überlassen. Die Forderung der Beschwerdeführerin, den Entscheid über den Zeitpunkt der Kontakterweiterung an eine Fachperson zu delegieren, verwirft die Vorinstanz. Sie pflichtet der erstinstanzlichen Beurteilung bei, dass eine solche Delegation die Gefahr einer Instrumentalisierung und Beeinflussung durch die Eltern berge. Als Nächstes erläutert sie, weshalb der Zeitplan des Bezirksgerichts zu ehrgeizig und mit Rücksicht auf die Bedenken der Beschwerdeführerin und der Kindesvertreterin eine Übergangsfrist anzusetzen sei, um die bisher unterbliebenen Vorbereitungen nachzuholen. Dabei falle ins Gewicht, dass D.B.________ im Rahmen der vorsorglichen Regelung wenn auch ohne Übernachtungen, so doch wiederkehrend Kontakt zum Beschwerdegegner gehabt habe und inzwischen zwei Jahre älter sei. Dies begünstige den Ausbau der Kontakte grundsätzlich, auch wenn aufgrund der Berichte der Kindesvertreterin und des Familienbegleiters über Symbiose und Parentifizierung mit Bezug auf den Ablösungsprozess von der Mutter nicht von einem altersentsprechenden Entwicklungsstand ausgegangen werden könne. Auf die Einschätzung von Dr. med. E.________, der diese Umstände als D.B.________s Therapeut bestens kenne und für die Übernachtungen eine Vorbereitungszeit von bis zu einem halben Jahr als angemessen erachte, sei abzustellen. Gestützt auf diese Überlegungen erklärt die Vorinstanz, dass nach den Sommerferien im August 2023 mit Übernachtungen am Mittwoch zu beginnen sei und nach den Herbstferien im November 2023 auch am Wochenende Übernachtungen stattzufinden hätten, wobei für die einzelnen Ausbauschritte kein fixer Zeitpunkt, sondern ein Zeitfenster vorzusehen sei (vgl. Sachverhalt Bst. B.f). Auf eine Ferienregelung verzichtet das Obergericht "für den Moment", da diese sowohl im Grundsatz als auch hinsichtlich des Umfangs umstritten sei und Übernachtungen beim Vater voraussetze. Dasselbe gelte für die vom Beschwerdegegner geforderte Ausdehnung der Wochenendbesuche auf Freitagabend.