Citation: 4A_211/2023 E. 5.5

5.5. Was den Wortlaut betrifft, setzt eine Haftung des Beschwerdegegners nach Art. 12 Abs. 5 AKV voraus, dass die Käuferinnen als Aktionäre oder durch ihre Vertretung im Verwaltungsrat der Gesellschaft allfällige haftungsbegründende Tatsachen nicht gekannt haben. Von Tatsachen die sie hätten kennen müssen, ist nicht die Rede. Die kantonalen Instanzen leiten Letzteres zwar aus Art. 716a OR ab. Diese Bestimmung erwähnt der Vertrag aber nicht. Der Beschwerdegegner selbst ist der Auffassung, der Vorbehalt sollte dahingehend verstanden werden, dass sich die Käuferinnen zur Geltendmachung angeblicher Haftungsansprüche nachträglich nicht mehr auf Tatsachen berufen können, welche ihnen aufgrund ihrer spezifischen Einbindung in die Führung dieser Gesellschaften bekannt waren oder bekannt sein mussten. So haben die Parteien den Vorbehalt aber nicht formuliert, obwohl dies ein Leichtes gewesen wäre, etwa so: "Sämtliche Zusicherungen und Garantien stehen zudem unter dem Vorbehalt, dass die Käuferinnen als Aktionäre oder durch ihre Vertretung im Verwaltungsrat der Gesellschaft allfällige haftungsbegründende Tatsachen nicht gekannt haben oder hätten kennen müssen." Dazu hätte ein Hinweis auf Art. 716a OR erfolgen können. Die Parteien haben nichts dergleichen getan. Der Wortlaut spricht nicht von kennen müssen und damit nicht für das Auslegungsergebnis der kantonalen Instanzen.