Citation: 1C_147/2021 E. 6.4.1

6.4.1. Ob eine getroffene Massnahme für die Betroffenen in Anbetracht der Schwere der Grundrechtseinschränkung zumutbar ist, ergibt sich aus einer Abwägung der involvierten Interessen. Nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip können nicht beliebig strenge Massnahmen getroffen werden, um jegliche Krankheitsübertragung zu verhindern. Die angeordneten Massnahmen müssen in einem angemessenen Verhältnis zu den Risiken stehen, die mit diesen Massnahmen vermieden werden. Es ist somit bei der Verhinderung von Gesundheitsschädigungen nach dem akzeptablen Risiko zu fragen. Zu berücksichtigen ist, dass bei neu auftretenden Infektionskrankheiten typischerweise eine hohe Unsicherheit über Ursachen, Folgen und geeignete Bekämpfungsmassnahmen besteht. Die zu treffenden Massnahmen müssen aufgrund des jeweils aktuellen, in der Regel unvollständigen Kenntnisstandes getroffen werden. Es ist nicht in erster Linie Sache der Gerichte, sondern des Verordnungsgebers oder der zuständigen Fachbehörden, das akzeptable Risiko festzulegen. Den fachlich zuständigen und politisch verantwortlichen Behörden muss insoweit ein relativ bedeutender Beurteilungsspielraum zugestanden werden (ausführlich zum Ganzen: BGE 147 I 450 E. 3.2.3 ff.; Urteil 2C_308/2021 vom 3. September 2021 E. 6.6, zur Publikation vorgesehen; je mit Hinweisen).