Citation: 2C_30/2023 E. 5.2

5.2. In Bezug auf den Schutz des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK ist festzuhalten, dass dann kein Eingriff in diese Garantie vorliegt, wenn dem in der Schweiz fest anwesenheitsberechtigten Familienmitglied ohne Weiteres bzw. ohne Schwierigkeiten zugemutet werden kann, die Schweiz zu verlassen, um das Familienleben mit den von der Fernhaltemassnahme betroffenen Personen im Ausland zu verwirklichen (BGE 144 II 1 E. 6.1; 140 I 145 E. 3.1). Kann dies von dem Familienmitglied, welches in der Schweiz bleiben kann, jedoch nicht ohne Weiteres erwartet werden, ist gemäss Art. 8 Ziff. 2 EMRK eine den gesamten Umständen Rechnung tragende Interessenabwägung vorzunehmen, welche das private Interesse am Verbleib in der Schweiz gegenüber dem öffentlichen Fernhalteinteresse abwägt (BGE 144 I 91 E. 4.2; 140 I 145 E. 3.1). Im Rahmen dieser Interessenabwägung ist auch dem Kindeswohl Rechnung zu tragen. Dieses ist bei allen Entscheiden vorrangig zu berücksichtigen (vgl. Art. 3 KRK; BGE 146 IV 267 E. 3.3.1) und in der Interessenabwägung ein wesentliches Element unter anderen. Ins Gewicht fällt dabei der besondere Schutz der Kindesinteressen, möglichst mit beiden Elternteilen gemeinsam aufwachsen zu können und nicht von ihnen getrennt zu werden (vgl. Art. 9 KRK; BGE 143 I 21 E. 5.5; 137 I 284 E. 2.3.1 und 2.3.2; 135 II 377 E. 4.3; Urteile 2C_738/2022 vom 6. Februar 2023 E. 4.3.2; 2C_325/2019 vom 3. Februar 2020 E. 3.3; Urteil EGMR B.F. gegen die Schweiz vom 4. Juli 2023 Nr. 13258/18, § 120). In diesem Sinne besteht die Vermutung, dass es bei einem Kind mit nur einem Elternteil im Interesse des Kindes liegt, mit diesem zusammen zu sein (Urteile 2C_855/2022 vom 7. Februar 2023 E. 6.4; 2C_909/2019 vom 7. April 2020 E. 4.4; 2C_176/2015 vom 27. August 2015 E. 3.2; 2C_247/2012 vom 2. August 2012 E. 3.3).