Citation: I 647/04 14.10.2005 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer nach dem 1. Dezember 2002 weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat, wie er geltend macht, oder ob ihm lediglich eine halbe Invalidenrente zusteht, was dem Standpunkt der Vorinstanz entspricht. Unbestritten ist dabei, dass der Versicherte auf Grund seiner körperlichen Beeinträchtigung nicht mehr 100 % arbeitsfähig ist. Streitig ist hingegen die Höhe der verbliebenen Leistungsfähigkeit und dabei insbesondere die Frage, ob nebst den von der Vorinstanz anerkannten somatischen Leiden zusätzlich psychische Beschwerden bzw. chronische Schmerzen zu berücksichtigen sind. 2.1 Das kantonale Gericht ging im angefochtenen Entscheid gestützt auf den Abschlussbericht des SUVA-Kreisarztes vom 13. Februar 2002 und den Bericht der Abklärungs- und Ausbildungsstätte Y.________ vom 9. Januar 2003 von einer dem Beschwerdeführer zumutbaren medizinisch-theoretischen und praktisch erprobten Arbeitsfähigkeit im Umfange von 55 % in einer leidensangepassten Tätigkeit seit 1. Dezember 2002 (nach Beendigung des Abklärungsaufenthaltes) aus. Dabei stellte sie sich im Rahmen der Beweiswürdigung auf den Standpunkt, dass die mit der Beschwerdeschrift eingereichten zusätzlichen ärztlichen Unterlagen - das Schreiben des Prof. Dr. med. A.________ (vom 9. Februar 2004) sowie der Kurzbericht der Psychiaterin Dr. med. Z.________ (vom 9. Februar 2004) - erst nach dem Einspracheentscheid vom 12. Januar 2004 erstellt wurden und daher grundsätzlich nicht zu berücksichtigen sind. Dem kann jedoch nicht beigepflichtet werden. Zwar ist mit der Vorinstanz tatsächlich vom Gesundheitszustand auszugehen, wie er sich im bzw. bis zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides, der rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefungis bildet (BGE 129 V 169 Erw. 1 mit Hinweisen) darstellte. Indes kann daraus nicht der Schluss gezogen werden, dass alle medizinischen Berichte, die nachträglich verfasst wurden, nicht relevant sind. Vielmehr sind nachträgliche Berichte dann unerheblich, wenn sie keine Bedeutung für die Zeit vorher haben. Dies ist vorliegend jedoch nicht der Fall. Prof. Dr. med. A.________ spricht in seinem Schreiben vom 9. Februar 2004 von einem Zeitraum von sechs Jahren, in denen sich die chronischen Schmerzen im rechten Vorderarm und in der Hand entwickelt haben. Zudem stellte er eine Depression fest, welche er als Folge der chronischen Schmerzen beurteilte. Mit dem Beschwerdeführer ist davon auszugehen, dass eine Depression, die am 9. Februar 2004 beschrieben wurde, - falls tatsächlich vorhanden - bereits auch am 12. Januar 2004, dem Zeitpunkt des Einspracheentscheides, bestand. Dies gilt gleichermassen für die Beschwerden, welche im Bericht der Psychiaterin Dr. med. Z.________ vom 9. Februar 2004 festgehalten wurden. Sie stellte folgende Diagnosen: " - Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), (DSM-IV 309.81) - depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) - Schmerzsyndrom bei Status nach sechs chirurgischen Eingriffen - massive psychosoziale Überlastungssituation". Gestützt darauf beurteilte sie den Versicherten als zu 100 % arbeitsunfähig. Mit dem Beschwerdeführer ist davon auszugehen, dass diese beschriebenen psychischen Krankheiten nicht von einem Tag auf den andern entstanden sind, sondern eine Vorgeschichte haben. Bereits im Einspracheverfahren hatte er unter Beilage eines Untersuchungsberichts des Schmerzspezialisten Prof. Dr. med. A.________ (vom 6. Mai 2003), welcher eine Chronifizierung der Schmerzen feststellte, Dauerschmerzen geltend gemacht, auf psychische Beschwerden und chronische Schmerzen hingewiesen und ein Gutachten beantragt betreffend die psychische Komponente der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit sowie über die Auswirkungen des schwierigen Heilungsverlaufs und der Dauerschmerzen auf die Psyche. Der in diesem Bericht vorgeschlagene Therapieversuch wurde im Übrigen von der SUVA durch Gewährung einer Kostengutsprache unterstützt (Schreiben vom 13. Juni 2003). Ferner hatte der Versicherte in der Einsprache die Überweisung durch den behandelnden Arzt an die Psychiaterin Dr. med. Z.________ erwähnt. Schliesslich war bereits im Bericht der Rehaklinik X.________ vom 20. November 2001 von leichten myofazialer Schmerzausbreitung über die Extensorenmuskulatur des Unterarms bis Schultermuskulatur die Rede. 2.2 Bei dieser Ausgangslage geht es nicht an, wenn die Vorinstanz gestützt auf den Abschlussbericht der SUVA vom 13. Februar 2002 und den anschliessenden Bericht der Abklärungs- und Ausbildungsstätte Y.________ vom 9. Januar 2003, welche sich zur Schmerzproblematik nicht äussern, ohne ergänzende Abklärungen eine Restarbeitsfähigkeit von 55 % ab 1. Dezember 2003 annimmt. Weder Verwaltung noch Vorinstanz sind ihrer aus dem Untersuchungsgrundsatz fliessenden Verpflichtung zur umfassenden Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts gehörig nachgekommen (vgl. Erw. 1.3 hievor). Auf Grund der Parteivorbringen und der sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte bestand hinreichend Anlass zu zusätzlichen Untersuchungen hinsichtlich der geltend gemachten Schmerzproblematik und der psychischen Beschwerden. 2.3 Mithin steht fest, dass der medizinische Sachverhalt nicht genügend abgeklärt wurde. Die medizinische Aktenlage erlaubt keine schlüssige Beurteilung der gesundheitlich bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Hinsichtlich der geltend gemachten Schmerzproblematik und der psychischen Beschwerden ist mit dem Beschwerdeführer ein interdisziplinäres Gutachten einzuholen. Bei der Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit sind sämtliche relevanten somatischen und psychischen Beschwerden zu berücksichtigen. Erst auf Grund eines schlüssigen Gutachtens lässt sich alsdann zuverlässig beurteilen, ob allenfalls chronische Schmerzen bestehen, deren Überwindung wie geltend gemacht wird, nicht im Willensbereich des Beschwerdeführers liegen und ihn mithin dauernd an der Arbeitsleistung hindern. In diesem Zusammenhang bleibt darauf hinzuweisen, dass die Prüfung der invalidisierenden Wirkung von Schmerzstörungen eine gesamthafte Prüfung der Sachlage nach den in BGE 130 V 352 formulierten Kriterien voraussetzt (BGE 131 V 49 ff.) und dabei eine fachärztliche Stellungnahme zum psychischen Gesundheitszustand und zu dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotenzial eine unabdingbare Grundlage bildet (vgl. BGE 130 V 355 f. Erw. 2.2.5).