Citation: 7B_173/2023 E. 2.5.2

2.5.2. Die Verteidigung des Beschwerdeführers machte und macht geltend, dass unklar sei, wie die Bundesanwaltschaft auf die inkriminierte Zahlung (von einem Bankkonto der FIFA auf ein auf den Beschwerdeführer lautendes Konto bei der Z.________ Bank AG) vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen aufmerksam geworden sei. Hierzu hielt die Strafkammer des Bundesstrafgerichts in ihrem Urteil SK.2021.48 vom 8. Juli 2022 im Einzelnen Folgendes fest: Die Chronologie der Verfahrenshandlungen zeige, dass die vorliegend relevante Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen spätestens am 9. September 2015 in den Fokus der Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gerückt sei, als diese spezifisch hierzu Bankunterlagen von der Z.________ Bank AG verlangt habe. Aus der Chronologie lasse sich indes nicht eindeutig ableiten, zu welchem genauen Zeitpunkt und aufgrund welcher Ursache die Bundesanwaltschaft konkret von der inkriminierten Zahlung erfahren habe. Namentlich bleibe unklar, ob die Transaktion bereits am Tag der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 aufgrund eines Hinweises von A.A.________ (damaliger Finanzdirektor der FIFA) - wie dies der ehemalige Verfahrensleiter K.________ in seiner Zeugeneinvernahme vor der Strafkammer behauptet habe, von A.A.________ indes bestritten werde - oder aufgrund eines Hinweises anlässlich des von den Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht protokollierten Treffens vom 8. Juli 2015 - wie dies die Verteidigung des Beschwerdeführers für am wahrscheinlichsten halte - oder schliesslich ganz allgemein aufgrund der im Zeitraum vom 27. Mai bis 9. September 2015 erfolgten Ermittlungstätigkeit der Bundesanwaltschaft bekannt geworden sei. "Ohne die Szenarien eines allfälligen Hinweisgebers eindeutig ausschliessen zu können oder wollen", sei jedoch festzuhalten, dass die Chronologie eher dafür spreche, dass die Bundesanwaltschaft ohne entsprechenden Hinweis auf die inkriminierte Zahlung aufmerksam worden sei. Hätte nämlich A.A.________ am 27. Mai 2015 oder eine andere Person anlässlich des nicht protokollierten Treffens vom 8. Juli 2015 auf die Zahlung aufmerksam gemacht, wäre zu erwarten gewesen, dass die Bundesanwaltschaft bei der Z.________ Bank AG bereits mit ihrer ersten Verfügung vom 23. Juli 2015 - und nicht erst mit ihrer Verfügung vom 9. September 2015 - spezifische Auskünfte und Detailbelege zur inkriminierten Zahlung verlangt hätte. Im Ergebnis könne diese Frage aber ohnehin offengelassen werden. Für die Strafkammer bestehe nämlich im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufs eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass die Bundesanwaltschaft - unabhängig von einem allfälligen, aufgrund mangelnder Protokollierung allenfalls nicht verwertbaren Hinweis - aufgrund der am 27. Mai 2015 sichergestellten, nicht versiegelten und demnach verwertbaren Unterlagen, auf die inkriminierte Zahlung gestossen wäre. Es möge zwar - wie die Verteidigung des Beschwerdeführers im Grundsatz zu Recht vorbringe - zutreffen, dass diese FIFA-internen Unterlagen die damalige Verdachtslage nicht unmittelbar hätten erhärten können, da allfällige Korruptionszahlungen zur Beeinflussung der Vergabe der FIFA-WM 2018 und 2022 nicht von der FIFA, sondern vielmehr von den Länderteams, welche sich um die Austragung der FIFA-WM 2018 und 2022 beworben hatten, erfolgt wären. Für die Strafkammer liege es dennoch nahe, dass die Bundesanwaltschaft primär diese Unterlagen habe sichten wollen bzw. im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufs gesichtet hätte, da sie diese einerseits in ihrer Verfügung vom 26. Mai 2015 ausdrücklich verlangt gehabt habe und andererseits in solchen Unterlagen insbesondere Bankdaten der Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees zu erwarten gewesen seien, welche für die weiteren Ermittlungen in einem Strafverfahren dieser Art unerlässlich seien. Unter Berücksichtigung, dass die inkriminierte Zahlung sich ohne Weiteres aus den vier sichergestellten Dokumenten betreffend den Beschwerdeführer ergebe und die Zahlung bereits aufgrund der Höhe des ausbezahlten Betrages sowie der zeitlich lang zurückliegenden Dauer der erbrachten und damit vergüteten Dienstleistungen des Beschwerdeführers auffalle, bestehe eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Bundesanwaltschaft bereits bei Sichtung dieser Unterlagen auf die inkriminierte Zahlung aufmerksam geworden sei bzw. wäre. Aber selbst wenn die Bundesanwaltschaft die inkriminierte Zahlung zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkt hätte, sei sehr wahrscheinlich, dass die Bundesanwaltschaft - erneut unabhängig von einem allfälligen, aufgrund mangelnder Protokollierung allenfalls nicht verwertbaren Hinweis - aufgrund der im Factsheet des Beschwerdeführers vermerkten Bankdaten bei der Z.________ Bank AG - wie in einem Verfahren der vorliegenden Art üblich - entsprechende Bankunterlagen allgemeiner Natur betreffend die Bankkonten des Beschwerdeführers ediert hätte. Spätestens bei der Sichtung der ihr übermittelten Bankunterlagen, namentlich der internen Notiz vom 23. März 2011, wäre sie auf die inkriminierte Zahlung aufmerksam geworden, hätte anschliessend die in der Verfügung an die Z.________ Bank AG vom 9. September 2015 beschriebenen Unterlagen zur Identifizierung der inkriminierten Zahlung verlangt und dadurch schliesslich die beiden internen Notizen erhalten. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die von der Z.________ Bank AG mittels Verfügungen vom 23. Juli 2015 und 9. September 2015 edierten Unterlagen, namentlich die zur Verdachtsbegründung verwendeten internen Notizen vom 21. und 23. März 2011, im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufes mit einer grossen Wahrscheinlichkeit auch ohne einen allfälligen Hinweisgeber erlangt worden wären, diese demnach nicht von der Fernwirkung eines allfälligen Beweisverwertungsverbots erfasst seien und folglich zur Verdachtsbegründung gegen Joseph S. Blatter hätten verwertet werden können. Aus diesem Grund könne ausdrücklich offengelassen werden, ob es einen Hinweisgeber - sei dies A.A.________ anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 oder eine andere Person anlässlich des von den Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht protokollierten Treffens vom 8. Juli 2015 - gegeben habe und ob die fehlende Protokollierung eines solchen Hinweises im konkreten Fall überhaupt zu einer Verwertungsproblematik geführt hätte (zum Ganzen: Urteil Strafkammer S. 25 f.).