Citation: 5A_853/2023 E. 4.3.2

4.3.2. Laut dem Beschwerdeführer soll die Argumentation des Appellationsgerichts, wonach der physische Kontakt und der Informationsfluss berücksichtigt werden dürften, sodann im Widerspruch zu seiner Erkenntis stehen, dass selbst regelmässige Kontakte und Besuche nicht den Schluss zulassen würden, der fragliche Elternteil könne das Sorgerecht ausüben. Sie vertrage sich auch nicht mit den Erwägungen, laut denen eine Inhaftierung nicht per se ein Grund für einen Sorgerechtsentzug sei und es auf den Einzelfall ankomme. Daraus folge, dass selbst ohne Kontaktabbruch und mit Zugang zu Informationen die elterliche Sorge aufgrund der Inhaftierung entzogen würde. In welchen Fällen eine Einzelfallprüfung überhaupt noch zu seinen Gunsten ausfallen könnte, lasse der angefochtene Entscheid nicht erkennen; vielmehr müsste die elterliche Sorge bei einer längeren Haftstrafe immer entzogen werden. Damit setze sich die Vorinstanz über den Grundsatz hinweg, dass ein Sorgerechtsentzug gestützt auf Art. 311 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB die absolute Ausnahme sein und nur als ultima ratio in Frage kommen soll. Indem das Appellationsgericht nicht darlege, inwieweit hier eine solche Ausnahme vorliege, verletze es die zitierte Norm sowie Art. 296 Abs. 2 und Art. 298 ZGB "respektive das Kindeswohl". Auch Art. 311 ZGB sei verletzt, denn falls eine Alleinzuteilung der elterlichen Sorge mit dem Vorliegen eines Entzugsgrunds nach Art. 311 ZGB begründet werde, müssten auch im Rahmen von Art. 298 Abs. 1 ZGB alle Voraussetzungen von Art. 311 ZGB erfüllt sein; entsprechend müsse feststehen, dass keine milderen Massnahmen mehr möglich sind bzw. solche von vornherein als aussichtslos gelten müssen. Die Vorinstanz spreche solch mildere Massnahmen im Sinne von Art. 311 ZGB aber mit keinem Wort an. Der Beschwerdeführer verweist auf die bereits bestehende Beistandschaft, mit der die gemeinsame elterliche Sorge erhalten werden könnte. Wenn das Appellationsgericht daran erinnere, dass er selbst von Differenzen ausgehe, die gegen eine gemeinsame elterliche Sorge sprechen, und auch im Kurzbericht des Beistands vom 24. Oktober 2022 davon die Rede sei, dass elterliche Entscheidungen aufgrund der fehlenden Kommunikation verschleppt würden, so verkenne es den Kontext dieser Aussagen. Er, der Beschwerdeführer, habe bereits in der Berufung moniert, dass die eigenmächtigen Entscheidungen der Beschwerdegegnerin und der von ihr provozierte Kontaktabbruch nicht entsprechend gewürdigt worden seien. Der Beschwerdeführer missversteht die gesetzliche Ordnung. Gewiss soll die elterliche Sorge nur in begrenzten Ausnahmefällen einem Elternteil allein zugeteilt werden. Zu diesen Ausnahmefällen zählen gerade diejenigen Situationen, in denen nach Massgabe von Art. 311 ZGB auch ein Sorgerechtsentzug begründet wäre. Der Ausnahmecharakter der Alleinsorge folgt in diesen Fällen mithin aus dem Entzugsgrund als solchem; im Zusammenhang mit der Inhaftierung setzt ein Sorgerechtsentzug überdies voraus, dass der Elternteil sein Sorgerecht nicht nur vorübergehend, sondern auf Dauer nicht ausüben kann (s. vorne E. 4.1). Inwiefern diese Voraussetzung hier nicht erfüllt sein soll, vermag der Beschwerdeführer nicht zu erklären. Zwar bringt er als Alternative zur Zuteilung der Alleinsorge an die Beschwerdegegnerin und als mögliche mildere Massnahme die bestehende Beistandschaft ins Spiel. Dass zwischen ihm und der Beschwerdegegnerin Differenzen in der Ausübung der elterlichen Sorge bestehen, die wiederholtes behördliches Einschreiten befürchten lassen, stellt er jedoch nicht in Abrede, noch hat er eine Erklärung parat, wie der Beistand, der laut dem (unangefochten gebliebenen) erstinstanzlichen Urteilsspruch lediglich den Informationsfluss zum Beschwerdeführer sicherzustellen hat, zum Erhalt einer gemeinsamen elterlichen Sorge beitragen könnte. Der Beschwerdeführer übersieht, dass die Beistandschaft nach Art. 308 ZGB als Massnahme des Kindesschutzes in erster Linie auf das Kind und seine Bedürfnisse fokussiert und nicht dazu da ist, eine gemeinsame elterliche Sorge möglich zu machen, die ohne fremde Unterstützung nicht in Frage käme. Was schliesslich die Ungereimtheiten angeht, die er in den theoretischen Erwägungen des Appellationsgerichts ausgemacht haben will, behauptet der Beschwerdeführer nicht, mit seinem Kind aktuell physisch oder fernmündlich in Kontakt zu stehen und regelmässig Zugang zu Informationen über es zu haben. Allein an der Klärung von Fragen ohne praktische Relevanz hat der Beschwerdeführer kein im Sinne von Art. 76 BGG schutzwürdiges Interesse. Mit hypothetischen Fragen befasst sich das Bundesgericht nicht. Insofern ist auf die Beschwerde nicht einzutreten (s. Urteil 5A_443/2021 vom 18. Januar 2022 E. 6.2).