Citation: 1B_412/2016 E. 2.5

2.5. Zwar hat die Strafverfolgungsbehörde bei ihrem Haftverlängerungsantrag (Art. 227 Abs. 1-2 StPO) auch allfällige neue und erhebliche Beweisergebnisse zu nennen, welche gegen die Annahme von Haftgründen sprechen könnten (Art. 6 Abs. 2 StPO; s.a. Art. 225 Abs. 4 StPO: "erhärten oder entkräften"). Artikel 31 Absatz 4 BV und Artikel 5 Ziffer 4 EMRK (i.V.m. Art. 225 und Art. 227 StPO) verlangen auch in diesem Sinne eine kontradiktorische Ausgestaltung des Haftprüfungsverfahrens (vgl. BGE 115 Ia 293 E. 5b S. 303; EGMR vom 30. März 1989 i.S. Lamy c. Belgien, Serie A, Bd. 151; Marc Forster, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 225 N. 4, Art. 224 N. 5 Fn. 38; Art. 227 N. 4 Fn. 23; Markus Hug/Alexandra Scheidegger, in: Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl., Zürich 2014, Art. 224 N. 10; Daniel Logos, in: Code de procédure pénale suisse, Commentaire Romand, Basel 2011, Art. 224 N. 14; Niklaus Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 3. Aufl., Bern 2012, Rz. 948; Niklaus Schmid, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl., Zürich 2013, Art. 224. N. 3). Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Bundesanwaltschaft im Verfahren der Verlängerung der Untersuchungshaft von Bundesrechts wegen bereits zwangsläufig alle vorläufigen Untersuchungsergebnisse (etwa sämtliche Aussagen von Mitbeschuldigten und Verdächtigen) dem Beschuldigten zur Einsicht vorlegen müsste (s. Art. 101 Abs. 1 und Art. 102 Abs. 1 StPO; vgl. Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 1085 ff., 1231; BGE 115 Ia 293 E. 5c S. 304; Forster, a.a.O., Art. 225 N. 4; Hug/Scheidegger, a.a.O., Art. 225 N. 6; Logos, a.a.O., Art. 225 N. 12; Oberholzer, a.a.O., Rz. 1049; Schmid, a.a.O., Art. 225 N. 7-8). In diesem Zusammenhang haben die verantwortlichen Strafbehörden allerdings darauf zu achten, dass keine einseitige Auswahl von Beweismitteln zu den Haftakten genommen wird, welche das vorläufige Beweisergebnis nicht objektiv wiederspiegeln, sondern Wesentliches unterschlagen würde. Es obliegt dabei primär den Haftprüfungsinstanzen (subsidiär aber auch dem anwaltlich vertretenen Beschuldigten), die Aktenvorlage kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls konkrete Anhaltspunkte für eine mutmasslich einseitige Beweismittelauswahl durch die Strafverfolgungsbehörde geltend zu machen. Nötigenfalls hat der Haftrichter die relevanten Akten zu ergänzen (vgl. Art. 227 Abs. 3 und Abs. 5 StPO; s.a. Art. 225 Abs. 2 und Abs. 4 StPO). Beweismittel, die förmlich zu den Haftakten gezogen werden bzw. auf die sich ein Haftprüfungsentscheid inhaltlich stützt, sind der beschuldigten Person im Übrigen vorzulegen (vgl. BGE 115 Ia 293 E. 5b S. 303; Urteil 1B_291/2013 vom 17. September 2013 E. 3.4-3.5; Botschaft StPO, a.a.O., S. 1231; Forster, a.a.O., Art. 225 N. 4; Hug/Scheidegger, a.a.O., Art. 225 N. 6; Oberholzer, a.a.O., Rz. 948).