Citation: 4A_115/2014 E. 6.3

6.3. Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang geltend macht, die Vorinstanz habe verkannt, dass die Bejahung der Adäquanz vorliegend nicht allein deswegen erfolgen könne, weil die Unfallerfahrung des Beschwerdegegners durchaus eindrücklich gewesen sein möge, übergeht sie, dass die Vorinstanz die gesamten Umstände gewürdigt hat. Fehl geht die Beschwerdeführerin auch, soweit sie rügt, die Vorinstanz lasse bei der Bejahung eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und der Führung eines Strafverfahrens gegen den Beschwerdegegner jede Wertung bei der Beantwortung der Frage der Adäquanz vermissen und setze im Widerspruch zum haftungsbegrenzenden Zweck des Adäquanzerfordernisses kurzerhand den natürlichen mit dem adäquaten Kausalzusammenhang gleich. Die Vorinstanz führte nicht bloss aus, ohne den Unfall wäre es nicht zu dem Strafverfahren gekommen (natürliche Kausalität), sondern erwog überdies, beim vorliegenden Unfall, bei dem ein Lenker eines Lieferwagens mit einem vortrittsberechtigten Motorradfahrer kollidiere und dieser den Tod finde, sei die Führung eines Strafverfahrens eine zwingende Folge, da bei dieser Situation ein strafrechtlich relevantes Verhalten des Autofahrers nicht von vornherein verneint werden könne. Damit bejahte sie, dass der nach späterer Erkenntnis vom Motorradfahrer allein verursachte Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, zu einem Strafverfahren gegen den Beschwerdegegner zu führen, und stellte durchaus eine Adäquanzbeurteilung an, die über die Feststellung eines natürlichen Kausalzusammenhangs hinausgeht (vgl. dazu BGE 123 III 110 E. 3a S. 112). Weiter hält die Beschwerdeführerin mit Bezug auf das Strafverfahren dafür, die Sozialversicherungspraxis stelle neben den sieben von ihr entwickelten spezifischen Kriterien zur Prüfung der Adäquanz von Unfällen immer wieder darauf ab, was sich der Sozialversicherer als nicht direkter Schadensverursacher nicht zurechnen lassen müsse, weil dies vom Schutzzweck des Sozialversicherungsrechts nicht erfasst sei. Diese Argumentation sei für eine Zurechnungsentscheidung in jedem Rechtsgebiet zu berücksichtigen. Das EVG habe im Urteil vom 18. Februar 1997 zum vorliegenden Sachverhalt eine Haftung des UVG-Versicherers wegen fehlender Adäquanz verneint. Die Rüge geht fehl. Die Zivilgerichte sind an sozialversicherungsrechtliche Urteile nicht gebunden und die Praxis hat in beiden Rechtsgebieten eine unterschiedliche Beurteilung der Adäquanz entwickelt (BGE 123 III 110 E. 3). Der vorliegende Fall gibt keinen Anlass, diese Praxis zu überdenken. Die Beschwerdeführerin vermag damit nicht aufzuzeigen, weshalb der angefochtene Entscheid unter Berücksichtigung der unterschiedlichen rechtspolitischen Zielsetzung der beiden Rechtsgebiete des Haftpflicht- und des Sozialversicherungsrechts fehlerhaft sein soll.