Citation: I 614/00 30.03.2001 E. 4

4.- a) Bei der Ermittlung des Erwerbseinkommens, welches die versicherte Person ohne Behinderung erzielen könnte (Valideneinkommen), ist von derjenigen Entwicklung auszugehen, welche sie auf Grund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände zu erwarten gehabt hätte. Entscheidend ist, was sie auf dieser Grundlage im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit tatsächlich verdienen würde (vgl. RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 Erw. 3b mit Hinweisen). b) Der Beschwerdeführer leitete vom 1. Mai 1980 bis 30. April 1986 das Wohnheim D.________ für geistig behinderte Erwachsene. Direkt anschliessend war er bei der Stiftung Behindertenbetriebe im Kanton H.________ angestellt, wo er bis 31. August 1991 als Leiter des Wohnheims I.________ und vom 1. September 1991 bis 31. Oktober 1993 als Leiter des Wohnheims M.________ fungierte. Es folgte die vom 1. Januar 1994 bis 30. Juni 1995 dauernde Anstellung als Heimleiter beim Verein N.________ für Behinderte. Das jährliche Erwerbseinkommen stieg von Fr. 59'500.- im Jahr 1987 über Fr. 72'700.- im Jahr 1990, Fr. 83'490.- im Jahr 1991 und Fr. 85'040.- im Jahr 1992 bis auf Fr. 82'993.- in zehn Monaten des Jahres 1993, was hochgerechnet auf ein Jahr Fr. 99'592.- ergibt. Im Jahr 1994 belief sich der Verdienst des Beschwerdeführers auf Fr. 90'350.-, während des ersten Halbjahres 1995 auf Fr. 45'500.- oder, auf ein Jahr hochgerechnet, Fr. 91'000.-. Der Lohn während der späteren Anstellung als Gruppenleiter bei der Stiftung X.________ vom 1. Juni 1997 bis 30. April 1998 betrug Fr. 6048.- pro Monat oder Fr. 78'624.- pro Jahr. c) Das Arbeitszeugnis für die Jahre 1980 bis 1986 enthält eine positive Beurteilung. Auch die Stiftung Behindertenbetriebe im Kanton H.________ attestiert dem Beschwerdeführer im Arbeitszeugnis vom 31. Oktober 1993 gute Leistungen. Aus dem Umstand, dass er 1991 nach rund 5-jähriger Tätigkeit vom grösseren Heim I.________ in das kleinere Heim M.________ wechselte, was laut Arbeitszeugnis gesundheitliche Gründe hatte, kann entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht geschlossen werden, er sei in der zuvor ausgeübten Tätigkeit überfordert gewesen. Neben der positiven Beurteilung im Arbeitszeugnis spricht insbesondere die während des Jahres 1991 erfolgte beachtliche Lohnerhöhung gegen diese Interpretation. Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer der damaligen Arbeitgeberin offenbar erklärte, er werde in ein Kleinwohnheim wechseln, lässt nicht ohne weiteres den Schluss auf eine vorangegangene Überforderung zu. Demgegenüber geht aus dem Arbeitszeugnis und dem Arbeitgeberbericht des Vereins N.________ für Behinderte hervor, dass der Beschwerdeführer seine Aufgaben im administrativen Bereich nicht erfüllt habe und insoweit überfordert gewesen sei. Aus ärztlicher Sicht bezeichnet es Dr. med. R.________ in seinem Gutachten vom 19. März 1999 allerdings als sehr fraglich, ob von einer Überforderung gesprochen werden könne. Er legt ausserdem dar, möglicherweise habe die gesundheitliche Beeinträchtigung (Depression) bereits zu diesem Zeitpunkt eine Rolle gespielt. Daher sowie angesichts der durch Arbeitszeugnisse dokumentierten erfolgreichen Tätigkeit als Heimleiter von 1980 bis 1993 vermag die negative Beurteilung der Leistungen des Beschwerdeführers während des vergleichsweise kurzen Zeitraums vom 1. Januar 1994 bis 30. Juni 1995 die Annahme, er sei aus invaliditätsfremden Gründen, insbesondere wegen intellektueller Überforderung, nicht in der Lage gewesen, ein Heim zu leiten, nicht hinreichend zu stützen. Auch der im Bericht des Berufsberaters der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 23. November 1998 erwähnte, offenbar ungünstig ausgefallene IQ-Test stellt keine zuverlässige Beurteilungsgrundlage dar, zumal das psychische Beschwerdebild laut den ärztlichen Aussagen das Ergebnis beeinflusst haben dürfte. Unter den gegebenen Umständen ist mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer ohne Behinderung im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses (BGE 121 V 366 Erw. 1b) als Heimleiter tätig gewesen wäre. Das Valideneinkommen entspricht somit demjenigen Verdienst, welchen er als Heimleiter (und nicht als Gruppenleiter) hätte erzielen können. d) Angesichts der Einkommensverhältnisse der Jahre 1991 bis 1995 ist nicht zu bezweifeln, dass eine Tätigkeit als Heimleiter dem Beschwerdeführer im Jahr 1999 die Erzielung eines Verdienstes von Fr. 90'000.- ermöglicht hätte. Selbst unter der Annahme, dass er wegen der negativen Beurteilung durch den Verein N.________ für Behinderte eine leichte Lohnreduktion hätte hinnehmen müssen, ist auf Grund der zwischen 1994 und 1999 eingetretenen durchschnittlichen allgemeinen Lohnerhöhung im Bereich "Unterrichtswesen; Gesundheits- und Sozialwesen; sonstige öffentliche Dienstleistungen; persönliche Dienstleistungen" (1995: 1,7 %; 1996: 0,8 %; 1997: 0,6 %; 1998: 0,4 %; 1999: 0,2 %; vgl. Die Volkswirtschaft 2/2001 S. 81 Tabelle B10. 2) von einem Valideneinkommen von Fr. 90'000.- auszugehen.