Citation: 2C_1019/2017 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe zu Unrecht den Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung als verhältnismässig beurteilt. Er habe die Vergewaltigung und die sexuelle Nötigung, für welche er rechtskräftig verurteilt worden ist, als junger Erwachsener und zu einem Zeitpunkt begangen, in welchem ihm ein männliches Vorbild und eine gewisse Autorität in der Familie gefehlt habe. Der Umstand, dass er, bei einem Strafrahmen von bis zu 15 Jahren, nur zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden sei, belege, dass das Gericht insbesondere auch das junge Alter berücksichtigt habe und offensichtlich nicht von einer Rückfallgefahr ausgegangen werde. Seit der Begehung des Sexualdelikts sei er persönlich gereift, habe nie mehr ein Delikt gegen Leib und Leben und seit zwei Jahren überhaupt kein Delikt mehr begangen, weshalb die Vorinstanz, die ihn als unbelehrbaren und uneinsichtigen Kriminellen abstemple, der Angelegenheit nicht gerecht werde, und zu Unrecht ein öffentliches Interesse an seiner Ausreise bejahe. Was die (überwiegenden) privaten Interessen des Beschwerdeführers betreffe, habe die Vorinstanz diesen nur ungenügend Rechnung getragen und diese teilweise auch falsch gewürdigt. Er sei im Alter von vier Jahren in die Schweiz eingereist und habe seine ersten paar Lebensjahre in Mazedonien kaum noch in Erinnerung, weswegen er überhaupt nicht mit der dortigen Kultur vertraut sei. Er spreche zwar albanisch, doch seine schriftlichen Kenntnisse der Sprache seien begrenzt. Auch die Grosseltern, welche er in der Vergangenheit ferienhalber immer mal wieder besucht hatte, seien inzwischen verstorben, weshalb er in Mazedonien über kein Beziehungsnetz mehr verfüge und dort vollkommen auf sich alleine gestellt wäre. Sein gesamtes persönliches Umfeld, insbesondere seine Ehefrau, die im Zeitpunkt der Verlobung von seiner strafrechtlichen Verurteilung für das begangene Sexualdelikt nichts wusste, seine Mutter, seine Schwester und seine Tochter, für welche er finanziell aufkomme und die im Falle eines Auseinanderreissens der Familie alleine mit der Mutter aufwachsen müsse, würden sich in der Schweiz befinden. Insgesamt sei ihm eine Rückkehr nach Mazedonien nicht zumutbar. Eine Interessenabwägung ergebe, dass zwar ein gewisses öffentliches Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers bestehe, dieses jedoch aufgrund seiner positiven Entwicklung und der sehr geringen Rückfallgefahr zu relativieren sei, weshalb das durch die Wegweisung drohende Auseinanderreissen der Familie, das getrennt zu führende Eheleben und das alleinige Aufwachsen der Tochter bei der Mutter dieses zu überwiegen vermöge. Die Unverhältnismässigkeit der Wegweisung werde auch anhand der Reneja-Praxis, dem Urteil 2C_74/2017 und dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) Emre gegen Schweiz deutlich, wonach bei einer Verurteilung zu 18.5 Monaten Freiheitsstrafe und fehlender Bindung zum Heimatstaat keine aufenthaltsbeendende Massnahme auszusprechen sei. Verhältnismässig sei es jedoch, den Beschwerdeführer für das begangene Sexualdelikt ausländerrechtlich zu verwarnen.