Citation: I 948/06 08.02.2007 E. 3.4

3.4.1 Der Einwand, dem Gutachten von Dr. med. L.________ sei nicht volle Beweiskraft beizumessen, da es ungenügend begründet sei, vermag nicht zu überzeugen: Einer Expertise, welche den von der Rechtsprechung entwickelten inhaltlichen Anforderungen (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis) gerecht wird, ist volle Beweiskraft zuzuerkennen, sofern nicht konkrete Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb). Das kantonale Gericht hat diese Anforderungen mit Recht als erfüllt angesehen. Auf die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen wird verwiesen. Auch der Umstand, dass sich der Gutachter nicht mit absoluter Sicherheit auf ein Prozent genau festlegen mochte, spricht nicht gegen die Aussagekraft seiner Äusserung. 3.4.2 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse hätte das Explorationsgespräch zwingend mit einem Dolmetscher durchgeführt werden müssen. Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in einem früheren Entscheid (AHI 2004 S. 147 oben E. 4.2.1 [= Urteil I. vom 30. Dezember 2003, I 245/00]) festgehalten hat, ist es grundsätzlich Aufgabe des Gutachters, im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung über die Notwendigkeit des Beizugs einer Übersetzungshilfe zu entscheiden. Im angefochtenen Entscheid hat die Vorinstanz überzeugend dargelegt, dass der Einwand ungenügender Sprachkenntnisse in den Akten keine hinreichende Stütze findet, zumal diese ziemlich differenzierte Schilderungen einzelner Symptome enthalten. 3.4.3 Die abweichenden Einschätzungen der psychisch begründeten Arbeitsunfähigkeit lassen sich nicht durch den zwischen den beiden ärztlichen Stellungnahmen liegenden Zeitraum erklären. Dr. med. R.________ gelangte in seinem zweiten Bericht vom 6. Juni 2005 zum selben Ergebnis wie am 17. Dezember 2003, indem er eine leichte Tätigkeit während bis zu drei Stunden pro Tag als der Beschwerdeführerin zumutbar erachtete. Gemäss den Ausführungen in der Einsprache gegen die Verfügung vom 15. Dezember 2004 waren aber sowohl Dr. med. R.________ als auch der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. S.________, der Ansicht, eine körperlich leichte Tätigkeit zu 50 % sei angemessen. In Anbetracht dieser Änderungen der Aussagen innerhalb von 18 Monaten muss die Aussagekraft der Berichte des Dr. med. R.________ in Frage gestellt werden. Nach anerkannter Rechtsprechung ist zudem zu beachten, dass Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind. Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie den behandelnden Spezialarzt und erst recht für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz zunächst bedingungslos zu akzeptieren (Urteil S. vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4 mit Hinweisen). Die Divergenz zwischen den beiden Berichten bezüglich der Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit ist daher im Sinne der Aussagen des Dr. med. L.________ aufzulösen. 3.4.4 Das Gutachten von Dr. med. L.________ vom 14. Juli 2005 wurde unter Einbezug der Vorakten erstellt. Der Experte fasst zunächst alle Arztberichte zusammen und verweist auf deren somatische Diagnosen. Der Vorwurf, der Bericht des Zentrums Z.________ vom 18. März 2005 sei nicht berücksichtigt worden, trifft daher nicht zu. Des Weiteren wird dem kantonalen Gericht vorgehalten, es messe dem Bericht der Rehaklinik Y.________ vom 30. Juni 2003 keine Bedeutung zu bzw. interpretiere diesen in unzulässiger Weise. Das Verwaltungsgericht argumentierte in seinem Entscheid, die Aussage der RehaClinic, die depressive Entwicklung stehe im Vordergrund und daher müsse die Arbeitsfähigkeit auch von psychiatrischer Seite abgeklärt werden, lasse darauf schliessen, dass kein somatischer Krankheitsbefund mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Diese Überlegung lässt sich mit Blick auf den gesamten Inhalt des Berichts nicht beanstanden. Die Tatsache, dass nach der Behandlung in der RehaClinic keine Physiotherapie angeordnet, sondern um eine psychiatrische ambulante Beurteilung und Therapie gebeten wurde, zeugt von der Überzeugung der Ärzte, die Ursachen der Schmerzsymptomatik lägen in der psychischen Verfassung der Beschwerdeführerin, und nur durch deren Verbesserung sei auch ein Abklingen der somatischen Beschwerden zu erreichen. Ihre Stellungnahme (50 % Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht) wurde demnach unter Einbezug psychischer Komponenten gestellt. Das kantonale Gericht führt in seinem Entscheid aus, anhand der dargestellten medizinischen Akten sei von einem generalisierten Schmerzsyndrom auszugehen, wobei sich aufgrund der rheumatologischen, neurologischen und endokrinologischen Untersuchung kein adäquates organisches Korrelat habe finden lassen. Aus diesem Grund könne aus somatischer Sicht nicht von einem schweren, objektivierbaren Krankheitsbild ausgegangen werden, welches - für sich betrachtet - die Annahme einer Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit rechtfertigen würde. Gegen eine solche Annahme spreche auch der Umstand, dass das Schmerzsyndrom bereits seit 1999 bestehe. Dennoch sei es der Beschwerdeführerin bis Juni 2002 möglich und zumutbar gewesen, vollzeitlich erwerbstätig zu sein. Diese Erwägungen lassen sich mit Blick auf die Kognition des Bundesgerichts (E. 1.2 hiervor) weder als rechtsfehlerhaft - im Sinne eines Verstosses gegen die Pflicht zu umfassender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 400 E. 4.1) - noch als in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (E. 3.3 hiervor) offensichtlich unrichtig bezeichnen. Damit besteht keine Grundlage für ein Abweichen von der vorinstanzlichen Feststellung, die Beschwerdeführerin sei in einer geeigneten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig.