Citation: 8C_481/2008 04.11.2008 E. 3

3.1 Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid unter Würdigung der medizinischen Aktenlage (namentlich des psychiatrischen Gutachtens des Dr. med. H.________ vom 5. Mai 2007) festgestellt, dass die an einer chronifizierten neurotisch-depressiven Entwicklung entsprechend einer Dysthymie (ICD-10: F34.1) leidende Beschwerdegegnerin in ihrer langjährigen angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin noch zu 40 % arbeitsfähig und im Rahmen des in diesem Umfang bestehenden Arbeitsverhältnisses beim BSV optimal eingegliedert ist. Aus der vorinstanzlich zugrunde gelegten Restarbeitsfähigkeit resultiert (unbestrittenermassen) eine Erwerbseinbusse, welche zu einer Invalidenrente berechtigt. Die im angefochtenen Entscheid getroffene Feststellung über die verbliebene funktionelle Leistungsfähigkeit beschlägt eine Frage tatsächlicher Natur und ist daher für das Bundesgericht grundsätzlich verbindlich (E. 1 hievor). Die Beschwerde führende IV-Stelle wendet dagegen unter Bezugnahme auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (SVR 2008 IV Nr. 8 S. 23, I 649/06) ein, dass das Beschwerdebild der Dysthymie nicht als krankheitswertig einzustufen sei. 3.2 Zu den geistigen Gesundheitsschäden, welche in gleicher Weise wie die körperlichen eine Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG zu bewirken vermögen, gehören neben den eigentlichen Geisteskrankheiten auch seelische Abwegigkeiten mit Krankheitswert. Nicht als Auswirkungen einer krankhaften seelischen Verfassung und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden vermöchte, wobei das Mass des Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt werden muss (BGE 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353 mit Hinweisen). 3.2.1 Nach der im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 enthaltenen Umschreibung ist Dysthymie eine chronische depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu erfüllen (Ziff. F34.1). Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat denn auch - in Nachachtung der beschriebenen Grundsätze - verschiedentlich angenommen, eine Dysthymie sei den jeweiligen Umständen nach nicht invalidisierend (Urteile I 938/05 vom 24. August 2006, E. 4.1 und E. 5, I 834/04 vom 19. April 2006, E. 4.1, I 488/04 vom 31. Januar 2006, E. 3.3). Diese Schlussfolgerung, die sich auf medizinische Empirie abstützt (vgl. die Hinweise in den zitierten Urteilen), ist freilich nicht absolut zu setzen; eine dysthyme Störung kann die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall erheblich beeinträchtigen, wenn sie zusammen mit anderen Befunden - wie etwa einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung - auftritt (Urteil I 653/04 vom 19. April 2006, E. 3). Findet sich im Psychostatus indes nur eine Dysthymie, so kann das wohl eine Einbusse an Leistungsfähigkeit mit sich bringen, kommt aber für sich allein nicht einem Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes gleich (SVR 2008 IV Nr. 8 S. 23, E. 3.3.1, I 649/06). 3.2.2 Gemäss den gutachtlichen Ausführungen des Dr. med. H.________ leidet die Beschwerdegegnerin an einer chronifizierten neurotisch-depressiven Entwicklung entsprechend der Dysthymia nach ICD-10 F34.1, wobei der derart klassifizierte Überforderungszustand auch als eigentliches "Burn-out" bezeichnet werden könne. Weitere gesundheitliche Störungen wurden weder in psychischer noch in körperlicher Hinsicht festgestellt. Nach dem Dargelegten, wonach eine psychische Störung, insbesondere wenn - wie vorliegend - einzig eine definitionsgemäss leichtgradige Beeinträchtigung diagnostiziert wird, nicht ohne weiteres eine (invalidisierende) Arbeitsunfähigkeit bewirkt, erscheint fraglich, ob die Einschätzung des Psychiaters betreffend der noch vorhandenen Restarbeitsfähigkeit mit dem für die Belange der Invalidenversicherung massgeblichen Beweisgegenstand übereinstimmt. Es stellt sich mithin die - frei zu prüfende (vgl. E. 1 hievor) - Rechtsfrage, ob der Psychiater bei seiner aus rein ärztlich-medizinischer Optik nicht zu beanstandenden und an sich uneingeschränkt beweistauglichen Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit den beschriebenen normativen Leitlinien hinreichend Rechnung getragen hat. Wurden der Beurteilung auch Elemente zugrunde gelegt, die nicht einem pathologischen Substrat im engeren, rechtserheblichen Sinne zuzuordnen sind, kann darauf nicht ohne weiteres abgestellt werden. Zu berücksichtigen gilt es hierbei namentlich, dass eine Verminderung des Leistungsvermögens, welche Folge psychosozialer Faktoren ist, sich allenfalls mittelbar invaliditätsbegründend auswirken kann, wenn und soweit sie zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, welche ihrerseits eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt, sofern sie einen verselbstständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a S. 299 f.; SVR 2008 IV Nr. 8 S. 23, E. 3.3.1 mit Hinweisen, I 649/06). Es ist deshalb angezeigt, bei den mit der Beschwerdegegnerin befassten Ärzten, insbesondere Dr. med. H.________, Rücksprache zu nehmen und sie ihre Angaben ergänzen zu lassen. Ziel wird es u.a. sein, herauszufinden, ob die Versicherte noch über die physisch-psychischen Ressourcen und Möglichkeiten verfügt, ein höheres als das ihr als zumutbar bescheinigte Arbeitspensum zu bewältigen. In diesem Sinne geht die Sache an die Beschwerde führende IV-Stelle zurück, damit sie die Akten im beschriebenen Sinne vervollständige und hernach über den Rentenanspruch der Beschwerdegegnerin neu verfüge. In Anbetracht dieses Ergebnisses bedarf es hinsichtlich der unter den Verfahrensbeteiligten mit Blick auf die anwendbare Invaliditätsbemessungsmethode (vgl. BGE 131 V 51) strittigen Frage, ob die Versicherte im Validitätsfall ihren 80 %igen Beschäftigungsgrad beibehalten hätte, um dadurch mehr Freizeit beispielsweise für die Ausübung zeitintensiver Hobbys zu gewinnen, oder der freie Tag für Betätigungen im Aufgabenbereich gemäss Art. 27 IVV (übliche Tätigkeit im Haushalt, Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische Beschäftigungen; Urteil I 609/05 vom 1. Februar 2006, E. 4.3.1 mit Hinweisen) genutzt worden wäre, im vorliegenden Verfahren keiner abschliessenden Beurteilung.