Citation: 5A_56/2024 E. 5.1

5.1. Das Obergericht pflichtet dem Bezirksgericht darin bei, dass hier zu prüfen war, ob die Leserschaft die im Bericht geschilderten Missstände bei der Beschwerdeführerin als wahre und feststehende Tatsachen oder als unbewiesene Vermutungen auffassen musste. Es zitiert die erstinstanzlichen Erwägungen, in denen das Bezirksgericht erklärt, weshalb die Beschwerdegegner die Missstände nicht als wahre Tatsachen dargestellt hätten und für die Durchschnittsleserschaft sogleich klar gewesen sei, dass es sich um Vorwürfe von Mitarbeiterinnen der Beschwerdeführerin und nicht um harte Fakten handelte. Dem erstinstanzlichen Entscheid zufolge hätten die Beschwerdegegner die für die Berichterstattung bei Verdacht und Vermutungen verlangten Kriterien eingehalten und habe der Wahrheitsbeweis nicht erbracht werden müssen. Zur Berufung hält das Obergericht fest, dass sich die Beschwerdeführerin mit diesen Argumenten der ersten Instanz nicht näher befasse. Ihre Vorbringen würden rechtliche Überlegungen beinhalten oder sich darin erschöpfen, die im erstinstanzlichen Verfahren vorgetragene konträre Meinung zu wiederholen. Insbesondere lege die Beschwerdeführerin nicht dar, weshalb die Leserschaft die von den Mitarbeiterinnen geschilderten Missstände trotz der vom Bezirksgericht dargestellten Punkte als unwiderlegbare Tatsachen hätte auffassen sollen. Anschliessend erläutert das Obergericht, weshalb die Argumentation und Schlussfolgerung der Vorinstanz einleuchten. Der Bericht thematisiere zuerst die personelle Unterbesetzung der Krippenaufsicht und leite danach zu den Aussagen der Mitarbeiterinnen über personelle Missstände bei den Kitas der Beschwerdeführerin über. Vor den Zitaten werde offengelegt, dass sich die Informationen auf Gespräche mit sieben ehemaligen und derzeitigen Angestellten sowie zwei externen Expertinnen stützen und die Mitarbeiterinnen E-Mails, Chatverläufe und Gesprächsprotokolle mitgebracht hätten. Im Anschluss daran sei sogleich zu lesen, dass mit den vorgelegten Dokumenten die harten Vorwürfe nicht schriftlich belegt würden und in einigen Punkten der Recherche Aussage gegen Aussage stehe. Dadurch werde der Leserschaft noch vor den berichteten Missständen klar vor Augen geführt, dass die nachfolgenden Vorwürfe der Mitarbeiterinnen nicht als erwiesen betrachtet werden können. Nach den in indirekter Rede wiedergegebenen Vorwürfen der Mitarbeiterinnen folge nochmals der Hinweis, dass sich die Aussagen nicht überprüfen liessen und in keinen Protokollen schriftlich festgehalten seien. Die Beschwerdegegner seien offensichtlich bemüht gewesen, im Bericht dem Vorwurf vorzubeugen, dass unbewiesene Tatsachen als wahr verbreitet würden. Dass laut dem Artikel gewisse Punkte der Recherche bestritten seien und nicht - wie von der Beschwerdeführerin favorisiert - alle Punkte dementiert würden, tue dem Gesamteindruck, wonach die dargestellten Vorwürfe insgesamt bestritten und unbewiesen seien, ebenso wenig Abbruch wie die Tatsache, dass der häufige Personalwechsel mit Angaben des Vereins I.________ plausibilisiert werden sollte. Letzte Zweifel an der Unbewiesenheit der Vorwürfe würden schliesslich durch die Klarstellung von J.________, dem Leiter des Rechtsvorgängers der Beschwerdeführerin (vgl. Sachverhalt Bst. C.b), ausgeräumt. Unter dem optisch hervorgehobenen Titel xxx1 dementiere dieser die Vorwürfe, stelle die personelle Situation aus seiner Sicht dar und weise darauf hin, dass die zahlreichen Abgänge von Mitarbeiterinnen in den letzten zwei Jahren aufgrund mangelnder Leistung und der betriebsfremden Einstellung erfolgt seien. Damit signalisiere die Beschwerdeführerin der Leserschaft nicht nur, dass ihr eine hohe Arbeitsmoral und -qualität wichtige Anliegen sind, sondern lasse auch durchblicken, dass die Informantinnen den Ansprüchen nicht genügten und das Verhältnis zu ihnen getrübt ist. Weshalb die Beschwerdeführerin annehme, dass die durchschnittliche Leserschaft die Vorwürfe unter diesen Umständen für feststehende Fakten halte und ihr Dementi die Wirkung verfehle, vermöge nicht einzuleuchten. Durch die ausgewogene Darstellung der gegensätzlichen Meinungen erfülle der Artikel die Kriterien der zulässigen Berichterstattung über einen blossen Verdacht. Weiter stellt das Obergericht klar, dass von einem Pressemedium nicht zu verlangen ist, die Verdachtsgründe als wahr zu beweisen, ansonst über einen Verdacht nur berichtet werden dürfte, wenn er in einem späteren Gerichtsverfahren bewiesen werden kann. Dies vertrüge sich nicht mit dem allgemeinen öffentlichen Informationsbedürfnis und der Meinungsäusserungsfreiheit. Folglich könne dem Bezirksgericht auch nicht vorgeworfen werden, kein Beweisverfahren über die Richtigkeit der in den Rechtsbegehren enthaltenen Passagen durchgeführt zu haben. Auf die entsprechenden Einwände der Beschwerdeführerin, namentlich zur unzulässigen antizipierten Beweiswürdigung, geht die Vorinstanz deshalb nicht weiter ein. An der Sache vorbei gehe auch die Rüge, dass das Bezirksgericht die zu beweisenden Passagen zu Unrecht weder als Tatsachenbehauptungen noch als gemischte Werturteile, sondern mangels eines Beweisverfahrens als reine Werturteile qualifiziert habe. Ebenso wenig habe die Beschwerdeführerin substanziiert behauptet, dass die Beschwerdegegner die ihnen berichteten und mit Belegen plausibilisierten Informationen im Artikel falsch wiedergegeben und damit insgesamt einen falschen Eindruck von ihr vermittelt hätten. Insbesondere habe die Beschwerdeführerin auch nicht aufgezeigt, dass sie vor erster Instanz substanziierte Behauptungen aufgestellt hätte, wonach sich die Mitarbeiterinnen konkret anders bzw. in einem positiveren Sinn über sie geäussert hätten. Daher habe im erstinstanzlichen Verfahren keine Veranlassung bestanden, über die Frage, ob sich die Mitarbeiterinnen wirklich im Sinne der Berichterstattung geäussert haben, Beweis zu führen. Nicht gelten lässt das Obergericht schliesslich den Vorwurf, dass sich das Bezirksgericht unvollständig und selektiv zur Durchschnittsleserschaft geäussert habe. Der angefochtene Entscheid gibt die erstinstanzlichen Erwägungen wieder, laut denen sich die F.________ als klassische Tagespresse an ein breit gestreutes und interessiertes, tendenziell gebildetes und sprachlich versiertes Publikum richte, für das aufgrund der Einleitung vorab klar sei, dass es um von jetzigen und ehemaligen Mitarbeiterinnen der Kita-Kette vorgetragene Vorwürfe gehe. Für die Vorinstanz steht damit fest, dass das Bezirksgericht die Sichtweise der Durchschnittsleserschaft beurteilte und im Rahmen der Würdigung berücksichtigte. Was daran im Einzelnen falsch sein und zu einem anderen Ergebnis führen soll, begründe die Beschwerdeführerin nicht einleuchtend und sei auch nicht ersichtlich. Der Bericht sei verständlich formuliert, in überschaubare Abschnitte gegliedert und inhaltlich nachvollziehbar strukturiert. Weshalb die Durchschnittsleserschaft der F.________ die genannten Kriterien einer zulässigen Berichterstattung über einen blossen Verdacht übersehen und den Artikel als Tatsachenbericht auffassen soll, sei nicht erkennbar.