Citation: U 46/02 15.09.2003 E. 5.1

5.1.1 Der Versicherte wurde vom 29. September bis 10. November 1999 stationär in der Rehabilitationsklinik Z.________ neurologisch, neuropsychologisch sowie psychosomatisch abgeklärt. Die behandelnden Fachärzte stellten u.a. die Diagnosen eines depressiven Syndroms, wahrscheinlich vom Schweregrad einer Major-Depression mit Somatisierungstendenz sowie eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung bei Status nach milder traumatischer Hirnverletzung am 22. Januar 1999 und depressivem Syndrom. Im Bericht vom 22. November 1999 hielten sie u.a. fest, wegen der depressiven Verstimmung des Patienten habe während der Hospitalisation kein therapeutischer Zugang gefunden werden können. Im Rahmen der Depression bestehe eine erhöhte psychophysische Ermüdbarkeit mit tiefer Belastungstoleranz. Die neuropsychologische Funktionsstörung mit Verlangsamung und erhöhter Ermüdbarkeit sei multikausal bedingt im Rahmen der chronischen Schmerzproblematik einerseits und der psychischen Befindlichkeit anderseits. Zur Zeit bestehe bereits auf Grund der psychiatrischen Diagnose keine verwertbare Arbeitsfähigkeit. Die begonnene psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei ambulant weiterzuführen. Die Fachleute der Psychiatrischen Dienste Y.________, welche den Beschwerdeführer ab 18. November 1999 psychotherapeutisch behandelten, diagnostizierten im Bericht vom 10. Januar 2000 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine mittelgradige depressive Episode. Die gleiche Diagnose stellten sie in den Berichten vom 11. August und 23. Oktober 2000. 5.1.2 Die medizinischen Unterlagen dokumentieren eine Entwicklung, in welcher die zunächst im Vordergrund stehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen (buntes Beschwerdebild; vgl. Erw. 4.1) mit der Zeit gegenüber der psychischen Problematik ganz in den Hintergrund traten und lediglich noch eine ganz untergeordnete Rolle spielten. Daran ändern die Aussagen des Neurologen Dr. med. A.________ nichts. Danach können zwar persistierende, biologisch/organisch bedingte Endfunktionsstörungen zu einem gewissen Teil bestehen. Dass sie wahrscheinlich oder sogar überwiegend wahrscheinlich unfallbedingt sind, sagt Dr. med. A.________ nicht. Anderseits scheinen (auch) für ihn mit grosser Wahrscheinlichkeit die sicher erhebliche depressive Komponente und ihre Auswirkungen auf die vorliegenden neuropsychologischen Funktionsstörungen im Vordergrund zu stehen (Stellungnahme vom 10. Mai 2000). Dass die rein psychiatrische Diagnose des depressiven Syndroms ganz im Vordergrund steht, wird durch Dr. med. M.________ bestätigt. Danach besteht ein «eindrückliches depressives Zustandsbild», eine mindestens mittelgradige depressive Episode, die in ihrer Intensität weit über eine mit dem Unfall vom 22. Januar 1999 im Zusammenhang stehende Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion hinausgeht (Gutachten vom 3. November 2000). 5.1.3 Waren somit die - teilweise zum typischen Beschwerdebild eines Schädel-Hirntraumas gehörenden - gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik bis spätestens Ende Dezember 2000 ganz in den Hintergrund getreten, hat die Adäquanzprüfung praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall (BGE 115 V 133) zu erfolgen (BGE 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen und RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437; vgl. auch BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb).