Citation: 5D_112/2015 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz hält dafür, dass die Wiedererwägung der ZPO fremd sei. Da prozessleitende Verfügungen aber nicht in materielle Rechtskraft erwachsen würden, seien sie im Allgemeinen abänderbar und somit auch der Wiedererwägung zugänglich. Die Wiedererwägung sei aber nicht beliebig zulässig. Sie dürfe namentlich nicht dazu dienen, rechtskräftige Entscheide immer wieder infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen. Die Behörde dürfe den Parteien auch nicht auf diesem Weg dazu verhelfen, eine verpasste Rechtsmittelfrist wiederherzustellen. Auch bei verweigernden Verfügungen sei eine Wiedererwägung unzulässig, wenn der Behörde kurze Zeit nach dem abweisenden Entscheid erneut ein identisches Gesuch unterbreitet werde. Ein Anspruch auf Wiedererwägung bestehe nur, wenn sich die Verhältnisse seit dem ersten Entscheid erheblich geändert hätten oder wenn die Beschwerdeführerin Tatsachen und Beweismittel anführe, die ihr im früheren Verfahren nicht bekannt gewesen seien, oder wenn es ihr rechtlich oder tatsächlich nicht möglich oder zumutbar gewesen sei, diese im früheren Verfahren vorzubringen. Die Beschwerdeführerin habe mit Eingabe vom 31. Juli 2014 ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt, welches das Bezirksgericht mit Verfügung vom 15. September 2014 abgewiesen habe. Die Beschwerdeführerin habe diese Verfügung nicht angefochten, aber bereits am 9. Dezember 2014 ein neues Gesuch gestellt. Sie habe in diesem zweiten Gesuch weder eine wesentliche Änderung der Verhältnisse geltend gemacht noch Tatsachen und Beweismittel vorgetragen, die sie nicht schon in ihrem früheren Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege hätte vorbringen können. Das im Wiedererwägungsgesuch vom 9. Dezember 2014 geltend gemachte Darlehen, welches die Beschwerdeführerin im August 2004 von ihrem Vater für den Kauf einer Liegenschaft in Marokko aufgenommen habe, sei ihr vor über zehn Jahren gewährt worden und daher nicht neu. Die von einem erfahrenen und mit der Gerichtspraxis im Kanton Aargau vertrauten Rechtsanwalt vertretene Beschwerdeführerin hätte daher allen Anlass gehabt, dieses Darlehen bereits im Gesuch vom 31. Juli 2014 geltend zu machen und zu belegen. Wie das Bezirksgericht ferner zutreffend erwogen habe, sei die mit Eingabe vom 19. Januar 2015 neu geltend gemachte grundbuchliche Belastung des in Marokko gelegenen Grundstücks zugunsten ihres Vaters erst am 24. Dezember 2014 und somit nach Einreichung des Gesuchs vom 9. Dezember 2014 erfolgt. Damit sei diese Tatsache unbeachtlich, weil es bei der Prüfung der Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege auf die Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung ankomme. Abgesehen davon sei das Vorgehen der Beschwerdeführerin rechtsmissbräuchlich. Gestützt auf das Gesagte kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass das Bezirksgericht das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 9. Dezember 2014 durch Nichteintreten hätte erledigen müssen. Die angefochtene Verfügung sei daher von Amtes wegen aufzuheben und auf das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung vom 9. Dezember 2014 nicht einzutreten. Damit erübrige es sich zu entscheiden, ob die Gründe der Vorinstanz für die Abweisung des Gesuchs zutreffend seien.