Citation: 1P.467/2003 27.11.2003 E. 6.6

In Bezug auf die Vergewaltigung selber schätzt das Obergericht verschiedene Punkte im vom Beschwerdeführer geschilderten Handlungsablauf als unglaubwürdig ein. 6.6.1 So erscheint es dem Obergericht merkwürdig, dass der Beschwerdeführer mit seiner Frau nicht in die Wohnung ging, sondern vor der Tiefgarage gewendet hat und auf den Hasenberg gefahren ist, wenn beide Parteien einverständlich miteinander Geschlechtsverkehr haben wollten. Die Erklärung des Beschwerdeführers, bis die Kinder geschlafen hätten, wäre die Erregung und der gemeinsame Wunsch nach Geschlechtsverkehr abgeflaut, erachtet das Obergericht für nicht ganz plausibel. Derart rasch schwäche ein solch starkes Verlangen, wie es der Beschwerdeführer schildere, nicht ab. 6.6.2 Dass der Beschwerdeführer auf dem Parkplatz vom Führersitz über die Mittelkonsole stieg, wertet das Obergericht als mögliches Indiz dafür, dass kein Einverständnis vorhanden war und der Beschwerdeführer die Frau festhalten musste. 6.6.3 Für seltsam hält das Obergericht, dass der Beschwerdeführer, obwohl beide Parteien mit dem Geschlechtsverkehr einverstanden gewesen sein sollen, der Geschädigten die Unterhosen nicht auszog, sondern kurzerhand den Slip zur Seite schob, um einzudringen. Eine solche Praktik sei bei einverständlichem Geschlechtsverkehr jedenfalls nicht alltäglich. Entgegen der Auffassung des Bezirksgerichtes und der Staatsanwaltschaft sei dagegen das Nachhelfen mit der Hand bei der Einführung des Gliedes nicht als belastendes Indiz für eine Vergewaltigung zu sehen. 6.6.4 Nicht nachvollziehbar und völlig unglaubwürdig ist sodann für das Obergericht, dass die Geschädigte - die gemäss Aussagen des Beschwerdeführers stark erregt, im Genitalbereich sehr nass gewesen sein und Geschlechtsverkehr dringend gewollt haben soll - nach 30 bis 40 Sekunden plötzlich die Beendigung des Aktes gewünscht haben soll; dabei wolle der Beschwerdeführer diesem Wunsch sofort nachgekommen sein und sich ohne Samenerguss zurückgezogen haben. Aufhorchen lässt das Obergericht, dass der Beschwerdeführer am 14. Juli 2001 noch behauptet habe, keinen Samenerguss gehabt zu haben, und am 1. März 2002, als ihm eröffnet worden war, dass im Slip der Geschädigten sehr viele Spermien und Prostataflüssigkeit, die von ihm stammten, gefunden worden seien, keine Angaben mehr habe machen wollen. Vor der Vorinstanz habe er seine Ausführungen vom 14. Juli 2001 relativiert und gesagt, er könne weder bejahen noch verneinen, einen Samenerguss gehabt zu haben; dies sei für ihn nicht so wichtig und peinlich gewesen, weil es so schnell gegangen sei. Auf Frage seines Verteidigers habe er sodann bestätigt, er sei nicht richtig zum Orgasmus gekommen, aber möglicherweise habe er einen leichten Samenerguss gehabt. Anlässlich der Verhandlung vor Obergericht haber er ausgesagt, es sei sich nicht sicher gewesen, ob er einen Samenerguss gehabt habe. Er habe bei der Polizei nichts mehr gesagt, weil es ihm peinlich gewesen sei, dass es so schnell gegangen sei. Das Obergericht stellt auf die Aussagen der Geschädigten ab, wonach der Beschwerdeführer in ihrer Scheide zum Samenerguss gekommen sei. Die Angaben des Beschwerdeführers seien Schutzbehauptungen, um zu dokumentieren, dass er nach der entsprechenden Aufforderung seiner Frau den Akt auch tatsächlich beendet habe. 6.6.5 Nicht berücksichtigt hat das Obergericht den Einwand des Beschwerdeführers, wonach die Fenster des Wagens offen gestanden hätten und eine vermeintliche Vergewaltigung durch Passanten in dem Naherholungsgebiet gehört worden wäre. 6.6.6 Anders als der Beschwerdeführer geht das Obergericht nicht davon aus, die Geschädigte habe sich die vom Hausarzt und vom Gynäkologen am 8. und 9. Juli 2001 festgestellten Verletzungen selber beigebracht. Es sei zwar möglich, dass solche Verletzungen auch bei normalem Geschlechtsverkehr entständen, indessen sei es doch sehr unwahrscheinlich, dies vor allem, wenn der Beschwerdeführer, wie er geltend mache, nur 30 bis 40 Sekunden in den "sehr nassen Genitalbereich" eingedrungen sei. Die ärztlichen Feststellungen seien ein wichtiges Indiz für die Wahrheit des von der Geschädigten geschilderten Geschehens. 6.6.7 Die Zweifel, welche das Obergericht angesichts der Schilderungen des Beschwerdeführers hat, sind nachvollziehbar. So ist etwa die Würdigung des Umstandes, dass der Beschwerdeführer über die Mittelkonsole hinüber gestiegen ist, nicht unhaltbar, wie es der Beschwerdeführer rügt. Der Beschwerdeführer gesteht selber zu, es sei nicht alltäglich, dass bei einverständlichem Geschlechtsverkehr der Slip nicht ausgezogen werde - umso weniger ist die Schlussfolgerung des Obergerichtes als abwegig oder gar willkürlich zu bezeichnen. Insbesondere hinsichtlich des Samenergusses ist aufgrund der widersprüchlichen Ausführungen des Beschwerdeführers eine willkürliche Beweiswürdigung zu verneinen. Der Beschwerdeführer anerkennt denn auch selber sein unglückliches Aussageverhalten. Der Schluss, den das Obergericht aus diesem Benehmen zieht, ist naheliegend, nämlich, dass der Beschwerdeführer glaubhaft machen will, er habe den Bitten der Geschädigten sofort nachgegeben. Es bestanden keine Anhaltspunkte für das Obergericht, davon auszugehen, die Geschädigte habe sich die sowohl vom Haus- als auch vom Frauenarzt festgestellten Verletzungen selber beigebracht. In umfassender Würdigung zieht es die Möglichkeit solcher Verletzungen beim einverständlichen Geschlechtsverkehr in Betracht. Unter Berücksichtigung der angeblich kurzen Dauer des Aktes verwirft es diese Variante sodann willkürfrei. Zu Recht durfte es auch die ärztlichen Feststellungen als wichtiges Indiz werten, zumal die Arztberichte insbesondere bezüglich des psychischen Zustandes der Geschädigten weitgehend übereinstimmen (angefochtenes Urteil S. 21). Macht der Beschwerdeführer anderes geltend, verkennt er, dass der Hausarzt die Patientin am 8. Juli 2001 nur äusserlich untersucht hatte, wohingegen der Frauenarzt tags darauf eine gynäkologische und damit spezifischere Untersuchung vornahm. Geht das Obergericht davon aus, die Situation habe sich nicht so präsentiert, wie der Beschwerdeführer sie darstellt, ist ihm daraus kein Vorwurf der Willkür zu machen. Auch wenn es den Einwand des Beschwerdeführers hinsichtlich der angeblich offenen Wagenfenster nicht berücksichtigt hat, ist das Ergebnis seiner Beweiswürdigung nicht unhaltbar. "Höchst unwahrscheinlich", wie der Beschwerdeführer geltend macht, wäre die Vergewaltigung in Anbetracht der übrigen Umstände wegen angeblich offener Fensterscheiben nicht gewesen.