Citation: 6P.120/2004 23.03.2005 E. 7

An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 12. Juni 2002 wurde der Experte, der das Glaubwürdigkeitsgutachten betreffend die Ge-schädigte erstellt hatte, als Zeuge befragt (kant. Akten p. 220 ff.). 7.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass eine "formelle Ermahnung und Belehrung als Gutachter i.S. von Art. 307 StGB" unterblieben sei (staatsrechtliche Beschwerde S. 11 Ziff. 29). Welche Schlüsse daraus zu ziehen seien, wird in der Beschwerde nicht dargelegt. Es kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Urteil (S. 21) verwiesen werden. 7.2 In der staatsrechtlichen Beschwerde wird beanstandet, dass der Experte nur zu seiner eigenen Befragung vorgeladen wurde und daher bei der Einvernahme der übrigen Zeugen nicht anwesend war und dass er auch nicht über den Inhalt von deren Aussagen informiert wurde. Damit sei es dem Gutachter verunmöglicht worden, allfällige Korrekturen an seiner Einschätzung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Geschädigten vorzunehmen, wodurch die Verteidigungsrechte des Beschwerdeführers verletzt worden seien. In diesem Zusammenhang wird insbesondere auf die Aussagen des Zeugen Z.________ betreffend dessen sexuelle Kontakte mit der Geschädigten verwiesen (staatsrechtliche Beschwerde S. 11 f.). 7.2.1 Z.________ (geboren 1980), der Adoptivsohn des Beschwerde-führers und somit quasi "Stiefbruder" der Geschädigten, hatte in seiner untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 23. März 1998 von Dok-torspielen mit der (gleichaltrigen) Geschädigten in der Kindheit berichtet (Akten des Bezirksgerichts, Doss. 1, p.128). In der erst-instanzlichen Hauptverhandlung sagte der Zeuge Z.________ aus, anlässlich eines Aufenthalts der Familie in Österreich ca. 1993/1994 sei zwischen ihm und der Geschädigten mehr gewesen, mal oral und einmal eingedrungen (kant. Akten p.134 f.). Auf die Frage der Verteidigung, ob diese Ereignisse sein Gutachten beeinflussen würden, antwortete der Experte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, dass der sexuelle Kontakt mit dem Stiefbruder die Glaubhaftigkeit dieser Vorfälle nicht beeinflusse (angefochtenes Urteil S. 21/22, 23; kant. Akten p.228). 7.2.2 Was in der staatsrechtlichen Beschwerde (S. 12) dagegen vorgetragen wird, ist unbegründet. Es ist unerheblich, dass der Gutachter nicht vom Vorsitzenden des Bezirksgerichts, sondern durch Zusatzfrage der Verteidigung auf diese neuen Informationen hingewiesen und dass das Protokoll der Zeugenaussage von Z.________ dem Gutachter nicht vorgelesen wurde. Im Übrigen hatte die Verteidigung dies selber nicht beantragt und in diesem Punkt auch keine weiteren Zusatzfragen gestellt, was ohne weiteres möglich gewesen wäre. Zudem war dem Experten ohnehin bekannt, dass laut Aussagen der Geschädigten zwischen dieser und dem "Stiefbruder" gewisse sexuelle Kontakte stattgefunden hatten. Anlässlich der Videobefragung vom 7. Dezember 2000 hatte die Geschädigte erklärt, mit 11 oder 12 Jahren hätten sie und der Adoptivsohn des Beschwerdeführers ein paarmal versucht, miteinander zu schlafen, doch habe es nicht funktioniert, weshalb man es dann gelassen habe (angefochtenes Urteil S. 21). Der Experte hat gemäss seinen Aus-sagen diese Frage nicht weiter verfolgt, da sie nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen sei, und im Übrigen darauf hingewiesen, dass sexuelle Beziehungen unter Stiefgeschwistern häufiger vorkämen als unter leiblichen Geschwistern (siehe kant. Akten p. 226).