Citation: I 466/00 04.11.2002 E. 3

Zunächst ist zu prüfen, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin trotz ihres Gesundheitsschadens zumutbar sind. 3.1 Dr. med. I.________ diagnostizierte in seinem unter anderem auf eigenen Untersuchungen und Beobachtungen der Explorandin vom 10., 13. und 19. November 1997 beruhenden psychiatrischen Gutachten vom 5. März 1998 eine mittelgradige depressive Episode ohne psychotische Symptomatik als Folge einer Anpassungsstörung mit ängstlicher und depressiver Symptomatik seit Reorganisation am Arbeitsplatz auf dem Hintergrund einer erheblichen gemischten Psychopathologie mit persönlichkeitsgestörten und neurotischen Anteilen. Er stellte Einschränkungen für alle Stress-Aspekte, für die administrativen Aufgaben, für Tätigkeiten mit hoher eigener Entscheidungsanforderung und gleichzeitig für Tätigkeiten unter sehr direktiven Voraussetzungen (autoritärer Führungsstil) fest und erklärte, die Explorandin sei den Anforderungen der Gemeindepflege kaum gewachsen. Hingegen sei ihr eine 50%ige (im Sinne einer Reduktion der täglichen Arbeitszeit) Tätigkeit als Krankenschwester in einem kleineren, ruhigen Leichtpflegeheim ohne Nachtwachen bei guter, akzeptierender Stützung und etwas wohlwollender, nicht autoritärer Führung zumutbar. Aufgrund der doch erheblichen Störungen erscheine die Chance, dass die Versicherte in einer anderen Tätigkeit ein höheres Arbeitspensum schaffe, gering. Dieses eingehende Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, beruht diesbezüglich auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben, leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation ein und enthält begründete Schlussfolgerungen. Es kann ihm demnach volle Beweiskraft zuerkannt werden, wenn keine Indizien bestehen, die gegen seine Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 352 Erw. 3). 3.2 Die die Versicherte seit 1993 behandelnde Psychiaterin, Frau Dr. med. W.________, diagnostizierte in einem Bericht vom 17. April 1998 eine depressive Entwicklung bei beruflicher Belastung und neurotischer Persönlichkeitsstörung. Sie führte aus, der psychische Zustand von Frau S.________ habe sich seit der Klinikentlassung von 1993 vor allem in Bezug auf die neurotische Komponente wesentlich gebessert. Die Umorganisierung bzw. der zunehmende Druck und damit die Belastung am Arbeitsplatz begünstigten die depressive Entwicklung und verhinderten die Genesung. Mehrmalige Versuche der Wiederaufnahme der Arbeit nach der am 1. März 1997 erfolgten Krankschreibung hätten den Zustand eindeutig verschlimmert, sodass die Versicherte die Arbeit nicht wieder (voll) habe aufnehmen können. Die dem Beruf der Krankenschwester innewohnende hohe Verantwortung und die Zunahme des Leistungsdruckes im Gesundheitswesen würden es schwierig bis unmöglich machen, einen geeigneten Nischenplatz zu finden. Der Verantwortungs- und Leistungsdruck wirkten sich als Überforderung krank machend auf die Patientin aus. Der menschliche Kontakt und die Einfühlungsgabe seien Qualitäten der Versicherten. Bei angepasstem Arbeitstempo wäre sie ohne den hohen Verantwortungs- und Leistungsdruck zu einem vollen Arbeitspensum fähig. Körperlich bestehe ausser der raschen Ermüdbarkeit und Konzentrationsstörung keine Behinderung. Frau Dr. W.________ bemerkte überdies, ihres Erachtens wäre eine Umschulung zu einem weniger fordernden und belastenden Beruf für die Genesung und die Gesamtentwicklung der Patientin von Vorteil. In diesem Bericht der behandelnden Psychiaterin wird eine Teilarbeitsfähigkeit als Krankenschwester an einer andern als der bisherigen Stelle nicht schlechthin ausgeschlossen, sondern die Umschulung auf einen weniger fordernden und weniger belastenden Beruf lediglich als vorteilhaft bezeichnet. Es wird zum Ausdruck gebracht, dass das Problem im Verantwortungs- und Leistungsdruck besteht. Genau dem trägt indessen Dr. med. I.________ bei der Beschreibung der von ihm als zumutbar bezeichneten Tätigkeit Rechnung. Wenn Frau Dr. med. W.________, ohne eine auf das Leiden zugeschnittene Tätigkeit als Krankenschwester ausdrücklich auszuschliessen, schreibt, bei angepasstem Arbeitstempo wäre die Versicherte ohne den hohen Verantwortungs- und Leistungsdruck zu einem vollen Arbeitspensum fähig, so widerspricht dies der Einschätzung des Dr. med. I.________, die Beschwerdeführerin sei für eine Tätigkeit ohne Nachtwachen in einem kleineren, ruhigen Leichtpflegeheim bei guter, akzeptierender Stützung und etwas wohlwollender, nicht autoritärer Führung zu 50 % arbeitsfähig, nicht. 3.3 Am 7. Dezember 1998 berichtete Frau Dr. med. W.________, die IV-Anmeldung (Klärung der Situation) und die im März 1998 aufgenommene stundenweise Arbeit im Büro (Struktur) hätten eine gewisse Entlastung gebracht. Die depressiven Symptome hätten sich leicht verbessert, doch sei der psychische Zustand der Patientin weiterhin eher instabil. Die Versicherte sei den Anforderungen des Berufs der Krankenschwester nicht gewachsen und ständig überfordert. Eine Teilzeitbeschäftigung im Pflegeberuf sei momentan wegen des psychischen Zustands nicht denkbar und würde auch nach einer Besserung weitere Dekompensationen nach sich ziehen. Eine Wiederaufnahme der Pflegetätigkeit würde dem Gesundungsprozess sogar entgegenwirken. Eine relativ anspruchslose Arbeit in wohlwollender, unterstützender Atmosphäre sei zur Zeit zu maximal 50 % zumutbar. In dieser ärztlichen Stellungnahme wird im Vergleich zu jener vom 17. April 1998 einerseits eine leichte Verbesserung der depressiven Symptome festgestellt, andererseits jedoch die Arbeitsfähigkeit tiefer veranschlagt, indem nicht mehr von einer vollschichtigen Leistungsfähigkeit bei angepasstem Arbeitstempo ohne Verantwortungs- und Leistungsdruck, sondern von einer maximal 50%igen Zumutbarkeit einer relativ anspruchslosen Arbeit in wohlwollender, unterstützender Atmosphäre die Rede ist. Insofern erscheint der Bericht vom 7. Dezember 1998 nicht als hinreichend schlüssig, sodass er die Arbeitsunfähigkeitsschätzung des Dr. med. I.________ nicht zu erschüttern vermag (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a). Hingegen steht gestützt auf diesen Bericht fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zwischen April und Dezember 1998 nicht verschlimmert hat. 3.4 Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes für die Zeit danach wird im Bericht der gleichen Psychiaterin vom 15. Juni 1999 nicht ausdrücklich erwähnt. Auf eine solche lässt sich nicht aus der Bemerkung schliessen, dass die Versicherte auch bei ihrem stundenweisen Einsatz als Bürohilfe gesundheitlich eingeschränkt gewesen sei; denn es war schon in der ärztlichen Stellungnahme vom 7. Dezember 1998 erwähnt worden, dass die Patientin auch bei dieser Arbeit über zeitweise rasche Ermüdbarkeit und Rückenschmerzen bei monotoner Arbeit sowie über ein schlechtes Arbeitsklima klage, wobei in beiden Berichten eine wöchentliche Arbeitszeit von 4 bis 6 Stunden angegeben wird. Für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes spricht auch nicht der im Bericht vom 15. Juni 1999 festgehaltene Umstand, dass die Patientin in einer Anfang Juni 1999, mithin 2 Wochen vor Erstattung des Berichtes, im geschützten Rahmen aufgenommenen Beschäftigung im Garten der Stiftung X.________ im Umfang von 3 Stunden pro Tag am Limit ihrer Kräfte sei, ist doch die Aufnahme einer neuen Arbeit und eines höheren Arbeitspensums gewöhnungsbedürftig. Demnach fehlt es an einer plausiblen Begründung für die in der Stellungnahme vom 15. Juni 1999, wonach es der Patientin zur Zeit krankheitsbedingt unmöglich ist, zu 50 % einer einfachen Beschäftigung nachzugehen, im Vergleich zu jener vom 7. Dezember 1998, in welcher noch von einer maximal 50%igen Zumutbarkeit einer relativ anspruchslosen Arbeit in wohlwollender, unterstützender Atmosphäre gesprochen wurde, tiefer veranschlagte Arbeitsfähigkeit. Im Übrigen lässt sich daraus, dass Frau Dr. med. W.________ im Bericht vom 15. Juni 1999 rapportierte, die Versicherte leiste einen Einsatz in geschütztem Rahmen, ohne eine ausdrückliche dahin gehende Aussage nicht folgern, diese Ärztin vertrete die Auffassung, es sei einzig eine Beschäftigung in geschütztem Rahmen möglich. Aufgrund des Fehlens einer hinreichenden Begründung für die tiefere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf der einen (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a) und in Anbetracht der Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc; Urteil G. vom 6. Mai 2002, I 531/01, Erw. 2b/cc), auf der andern Seite ist auch im Bericht vom 15. Juni 1999 kein Indiz zu sehen, welches gegen die Zuverlässigkeit der Expertise des Dr. med. I.________ sprechen würde. 3.5 Unbehelflich ist schliesslich auch der Einwand der Beschwerdeführerin, anlässlich einer Berufs- bzw. Laufbahnberatung sei ebenfalls festgehalten worden, dass eine Tätigkeit im Pflegebereich ausser Betracht falle (Bericht Berufsberatung Y.________ vom 11. März 1999). Die Beantwortung der Frage, bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist, ist Aufgabe des Arztes oder der Ärztin (AHI 2002 S. 70 mit Hinweisen). 3.6 Mangels einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes und infolge des Fehlens von Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit des den Anforderungen an eine ärztliche Expertise genügenden (Erw. 3.1 hievor) Gutachtens des Dr. med. I.________ vom 5. März 1998 sprechen, ist für den ganzen zu beurteilenden Zeitraum bis zum Erlass der streitigen Verwaltungsverfügung (9. November 1999; BGE 121 V 366 Erw. 1b) auf diese ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abzustellen. Verwaltung und Vorinstanz sind demnach zu Recht von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit im Pflegebereich ausgegangen.