Citation: 7B_610/2023 E. 3.2.3

3.2.3. In einem zweiten Schritt prüft die Vorinstanz, ob die Vollstreckung der bewilligten Entsiegelung zum aktuellen Zeitpunkt überhaupt noch möglich ist. Unter Bezugnahme auf die Ausführungen des Sachverständigen anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 1. November 2022 führt sie aus, es sei zu unterscheiden, ob ein Datenexport im Format "Nuix Subcase" oder in den Standardtools wie "Cellebrite, XRY oder Axiom" erfolge. Ein Export als "Nuix Subcase" könne gemäss dem Sachverständigen ohne weiteres Zutun und ohne Wiederholung einer Triage erfolgen und berge keine Gefahr, dass die bei der Triage ausgesonderten Daten versehentlich an die Beschwerdeführerin herausgegeben würden. Ein Export der Daten der Mobiltelefone könne allerdings nicht als "Nuix Subcase" erfolgen, da dieses Format in Bezug auf die Mobiltelefondaten für die Beschwerdeführerin nutzlos wäre. Hinsichtlich der Daten auf den entsiegelten Mobiltelefonen sei deshalb ein Export in einem "Standardtool" nötig. Dies bedinge gemäss dem Sachverständigen eine Wiederholung der anlässlich der Triageverhandlung durchgeführten Aussonderung der geheimnisgeschützten Dateien, damit der zur Durchsuchung freigegebene Datenumfang mit jenem übereinstimme, der die Grundlage des Entsiegelungsentscheids vom 20. April 2021 gebildet habe. Diese Notwendigkeit der nochmaligen Durchführung einer manuellen Triage in Bezug auf die beiden Mobiltelefone iPhone X (A012'845'828) und Google Pixel XL 2 mit SIM (A012'869'828), auf welchen im Rahmen des abgeschlossenen Entsiegelungsverfahrens geheimnisgeschützte Dateien vorgefunden worden seien, gehe über eine reine Vollzugshandlung hinaus, da dies eine erneute Triageverhandlung voraussetze. Konkret müssten die anlässlich der ursprünglichen Triageverhandlung mit einem "Tag" markierten Dateien im neu gewählten Datenaufbereitungstool markiert und vor der Herausgabe an die Beschwerdeführerin nochmals ausgesondert werden. Dieser Vorgang stellt gemäss der Vorinstanz keine blosse Vollstreckungshandlung dar, da die Nachbildung der Roh-Daten in einem anderen Tool, als dem bei der ursprünglichen Triageverhandlung verwendeten, die Gefahr berge, dass bei der Nachbildung des ursprünglichen Triageentscheids damals ausgesonderte Daten fälschlicherweise der Beschwerdeführerin herausgegeben würden. Insoweit erweise sich die Vollstreckung der rechtskräftigen Entsiegelungsverfügung vom 20. April 2021 daher als unmöglich und könne keine erneute Datenherausgabe erfolgen.