Citation: 5A_361/2022 E. 3.5.3

3.5.3. Soweit die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 277 Abs. 2 ZPO sowie Art. 29 Abs. 2 BV geltend macht, die erste Instanz habe die notwendigen Urkunden im Zusammenhang mit der behaupteten Kontokorrentschuld bei der F.________ GmbH einfordern müssen, erfüllt sie zum einen die im Kontext von Sachverhaltsrügen geltende strenge Rügepflicht nicht und übersieht zum anderen, dass Art. 277 Abs. 2 ZPO weder der Korrektur unterlassener Beweisführung noch anderer prozessualer Fehler einer Partei dient (SPYCHER, in: Berner Kommentar, 2012, N. 15 zu Art. 277 ZPO). Die Beschwerdeführerin hat unbestrittenermassen bereits vor erster Instanz die Kontokorrentschuld als Passivposten bei der Bewertung der F.________ GmbH unsubstanziiert behauptet. Der Beschwerdegegner durfte somit unsubstanziiert bestreiten. Dies hat er getan, indem er ausgeführt hat "Ein Kredit an die GmbH wird nicht anerkannt". Der Beschwerdegegner ist damit ohne weiteres seiner Bestreitungslast nachgekommen. Diesfalls (im Bestreitungsfall) hätte die Beschwerdeführerin die Kontokorrentschuld beweisen müssen (Art. 55 Abs. 1 ZPO), und zwar im Verfahren vor erster Instanz. Dies hat sie nicht getan und ist somit ihrer Beweisführungslast nicht nachgekommen. Es hat folglich beim Grundsatz zu bleiben, wonach das Gericht seiner Entscheidung eine bestritten gebliebene, einfach behauptete Tatsache nicht zugrunde legen darf (Urtei l 4A_299/2015 vom 2. Februar 2016 E. 2.3, nicht publ. in: BGE 142 III 84; MARKUS/DROESE, Zivilprozessrecht, 2018, S. 181, Rz. 8). Inwiefern es der Beschwerdeführerin gemäss Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO trotz zumutbarer Sorgfalt nicht möglich war, das Kontoblatt KK vor erster Instanz einzureichen, führt sie weder vor Obergericht noch vor Bundesgericht aus. Insofern hat das Obergericht das Kontoblatt KK zu Recht nicht berücksichtigt. Der Beschwerde ist in dieser Hinsicht kein Erfolg beschieden.