Citation: H 93/99 14.03.2000 E. 2

2.- a) Erlässt eine Ausgleichskasse auf dem Gebiet der paritätischen Beiträge eine Verfügung, stellt sie eine Bei- tragsschuld sowohl des Arbeitgebers als auch des Arbeitneh- mers fest (Art. 4 und 5 sowie Art. 12 und 13 AHVG). Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in gleicher Weise betrof- fen, weshalb die Verfügung im Hinblick auf die Wahrung des rechtlichen Gehörs grundsätzlich beiden zu eröffnen ist. Ausnahmen von diesem Grundsatz hat das Eidgenössische Ver- sicherungsgericht dort zugelassen, wo der Ausgleichskasse aus praktischen Gründen die Zustellung von Verfügungen an die Arbeitnehmer nicht zugemutet werden kann. Dies trifft beispielsweise zu, wenn es sich um eine grosse Zahl von An- gestellten handelt, sich deren Wohnsitz im Ausland befindet oder wenn es nur um geringfügige Beiträge geht (BGE 113 V 3 Erw. 2 mit Hinweisen). Diese Grundsätze gelten nicht nur, wenn Beitragsstatut oder Natur einzelner Zahlungen streitig sind, sondern auch bei nachträglichen Lohnerfassungen, wenn umstritten ist, ob bestimmte Vergütungen zum massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG gehören (BGE 113 V 4 Erw. 3a). Ist eine Beitragsverfügung nur dem Arbeitgeber eröff- net worden und hat dieser Beschwerde erhoben, muss der erstinstanzliche Richter - ausser in den genannten Ausnah- mefällen - entweder den Arbeitnehmer beiladen oder die Sa- che an die Verwaltung zurückweisen, damit diese durch Zu- stellung der Beitragsverfügung an den oder die betroffenen Arbeitnehmer deren Verfahrensrechte wahrt (BGE 113 V 5 Erw. 4a). b) Wie sich aus den Akten ergibt, wurde die angefoch- tene Nachzahlungsverfügung formell lediglich der Beschwer- deführerin als Arbeitgeberfirma zugestellt, obwohl die Vor- aussetzungen für ein Absehen von der Eröffnung an die Ar- beitnehmer nicht erfüllt waren. Da indessen die beiden da- von betroffenen Verwaltungsratsmitglieder, L.________ und A.________, auf Grund ihrer Stellung in der Firma von der Nachzahlungsverfügung Kenntnis erlangen mussten und offen- bar auch erlangt haben, was sich schon daraus ergibt, dass sie die an die Vorinstanz gerichtete Beschwerdeschrift un- terzeichneten, sind ihre Verfahrensrechte gewahrt. Auf ihre Beiladung als Mitinteressierte kann auch im letztin- stanzlichen Verfahren, in welchem sie ebenso die Beschwer- deschrift zeichneten, verzichtet werden.