Citation: U 351/05 21.03.2006 E. 3

3.1 Für die geklagten Beschwerden, welche mit den nachgewiesenermassen unfallbedingten organischen Gesundheitsschädigungen nicht erklärt werden können, ist nach Auffassung von Unfallversicherer und Vorinstanz die nach dem Unfall aufgetretene psychische Problematik verantwortlich. Dass diese eine natürliche Folge des Unfalles darstellt, ist nicht umstritten. Der Unfallversicherer verneint aber den adäquaten Kausalzusammenhang und wird darin vom kantonalen Gericht bestätigt. Demgegenüber erachtet der Versicherte die Adäquanz als gegeben. 3.2 Die Meinungen der Verfahrensbeteiligten gehen schon in der Beantwortung der Frage auseinander, wie die Adäquanzbeurteilung vorzunehmen ist. Während die SUVA die Rechtsprechung bei psychischen Unfallfolgen angewendet hat, erachtet der Beschwerdeführer die Praxis zu Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen der HWS sowie Schädel-Hirntraumen für massgebend. Diese Unterscheidung ist insofern relevant, als nach der so genannten Schleudertraumapraxis, anders als im Falle einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall, bei der Prüfung der unfallbezogenen Kriterien auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird, weil es hier nicht entscheidend ist, ob Beschwerden eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 367 Erw. 6a und 382 f. Erw. 4b). Das kantonale Gericht hat die Adäquanz mit der Begründung, die physischen Beschwerden seien schon sehr bald nach dem Unfall vom 9. Februar 2001 durch die psychische Problematik dominiert worden, wie der Unfallversicherer nach BGE 115 V 133 geprüft. 3.3 Nach der von der Vorinstanz angewendeten Rechtsprechung ist auch bei Schleudertraumen der HWS und äquivalenten Unfallmechanismen sowie Schädel-Hirntraumen die Adäquanz dann nach den für psychische Unfallfolgen geltenden Grundsätzen zu prüfen, wenn die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufweist (BGE 123 V 99 Erw. 2a) oder wenn im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 439 Erw. 3b [Urteil W. vom 18. Juni 2002, U 164/01]). Ein solcher Sachverhalt liegt hier vor: Bereits drei Monate nach dem Unfall vom 9. Februar 2001 konstatiert Dr. med. M.________, Neurologie FMH, bei einer ambulanten Untersuchung vom 10. April 2001 eine schwere depressive Überlagerung. Eine depressive Entwicklung erwähnt auch der Hausarzt am 19. April 2001. Im Bericht der Klinik X.________ vom 12. Juli 2001 wird erstmals eine im Verlauf zunehmend in den Vordergrund getretene Anpassungsstörung mit gemischter ängstlich-depressiver Reaktion (ICD-10: F43.22) diagnostiziert. Im Resümee der Frau Dr. med. N.________, Oberärztin beim Psychiatrischen Dienst Y.________, vom 18. April 2002 wird von einer mittelgradigen depressiven Episode gesprochen. Wiederum auf eine ängstlich-depressiv geprägte Anpassungsstörung wird im Gutachten des Institutes A.________ vom 6. Januar 2003 und in der Expertise des Dr. med. S.________, Spezialarzt Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. März 2004 geschlossen. In Anbetracht dieses Verlaufes ist mit der Vorinstanz von einer sehr früh dominierenden psychischen Problematik auszugehen, weshalb die Adäquanz nach der Praxis bei psychischen Unfallfolgen zu prüfen ist. 3.4 Bei dieser Ausgangslage muss nicht abschliessend geprüft werden, ob der Versicherte überhaupt eines der Verletzungsmuster erlitten hat, welche der so genannten Schleudertraumapraxis zugrunde liegen. Dies liesse sich durchaus in Frage stellen: Zwar fand anerkanntermassen ein Abknickmechanismus der HWS statt. Gemäss den Akten klagte der Versicherte aber zunächst nur über Kopf- und Nackenschmerzen sowie Schwindel, was sich dann auch objektivieren liess. Erst nach und nach und teilweise nur mit retrospektiver Beschreibung wurden weitere zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen der HWS sowie Schädel-Hirntraumen gehörende Beeinträchtigungen angegeben, wobei von ärztlicher Seite verschiedentlich auch Anhaltspunkte für aggravierendes und appellatives Verhalten erwähnt werden. Offen bleiben kann ebenfalls, ob die aufgetretene psychische Problematik als Symptom der Distorsionsverletzung oder aber, was ebenfalls die Anwendung der Grundsätze bei psychischen Fehlentwicklungen zur Folge hätte, als selbstständige sekundäre Gesundheitsschädigung zu beurteilen ist (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79 ff. Erw. 2 [Urteil B. vom 12. Oktober 2000, U 96/00]; Urteil P. vom 30. September 2005, U 277/04). 3.5 Für die zu prüfende Frage der Adäquanz kann aus der Äusserung im Bericht des Dr. med. I.________ vom 29. April 2002, wonach in Bezug auf die psychische Störung die medizinische natürliche Kausalität zu bejahen sei, entgegen der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts hergeleitet werden. Ob der adäquate Kausalzusammenhang vorliegt, ist als Rechtsfrage (BGE 123 V 105 Erw. 3f in fine, 117 V 382 Erw. 4a mit Hinweis) ohnehin nicht von medizinischen Fachpersonen, sondern von den rechtsanwendenden Instanzen zu beurteilen (Urteil N. vom 13. Oktober 2005, U 107/05, Erw. 2.4). Hiefür ist an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis anzuknüpfen (BGE 115 V 139 Erw. 6 Ingress). Das Ereignis vom 9. Februar 2001 ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufes und der erlittenen Verletzungen höchstens als mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich einzustufen. Von den weiteren, objektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umständen, welche als massgebende Kriterien in die Gesamtwürdigung einzubeziehen sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa), müssten demnach für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Dies ist, wie Unfallversicherer und Vorinstanz zutreffend erkannt haben, nicht der Fall. Bejahen liessen sich allenfalls, wenn auch mit Vorbehalten, die Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, der körperlichen Dauerschmerzen sowie des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Dies genügt aber nicht, zumal keiner dieser Faktoren in besonders ausgeprägter Weise vorliegt. Die weiteren in Frage kommenden Adäquanzkriterien sind nicht erfüllt. Entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zumindest sinngemäss vertretenen Auffassung sind keine Verletzungen eingetreten, welche aufgrund ihrer Schwere oder besonderen Art geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, und es liegen auch keine besonders dramatischen Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles vor. Dem Unfallgeschehen kann zwar eine bestimmte Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden. Diese war aber objektiv nicht besonders ausgeprägt, und es lagen auch keine besonderen Begleitumstände vor. Die Vorinstanz hat eine Leistungspflicht des Unfallversicherers für die organisch nicht erklärbaren Beschwerden somit zu Recht mangels eines adäquaten Kausalzusammenhangs zum Unfall vom 9. Februar 2001 verneint.