Citation: U 475/05 05.07.2006 E. 3

3.1 Das kantonale Gericht hat schlüssig darlegt, warum die bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen allenfalls traumatisch ausgelöste Diskushernie der Beschwerdeführerin nicht auf einen Unfall im Rechtssinn zurückgeführt werden kann. Wenn der Golfschläger in den Boden geschlagen wird, ist ein Fortwirken der Verzögerungskräfte über Schläger, Arm- und Schultergelenke in den Körper der den Schlag führenden Person, sodass diese unter heftigster Verdrehung der Wirbelsäule und des Kopfes aus dem Stand ausgehebelt wird und zu Boden stürzt, physikalisch offenkundig nicht möglich. Der Vorinstanz ist darum darin zu folgen, dass sich die ursprüngliche Schilderung der Beschwerdeführerin in der Unfallmeldung vom 4. November 2002, wonach sie sich beim Abschlag "einen Nerv im Rückenbereich eingeklemmt" habe, weit besser in den Geschehensablauf eines missglückten vollen Golfschwungs einfügt, als der am 29. Januar 2003 beschriebene Hergang. 3.2 Solche Fehlschläge bzw. die dabei wirkenden Kräfte können eine chronische Entzündung ("Golf-Ellbogen" oder "Golf-Arm") verursachen, sie können auch zum Einreissen von Bändern und Sehnen des Ellbogens oder sogar zum Bruch des Handwurzelknochens führen (Lauterburg, Verletzungen an Hand und Handgelenk im Golfsport, in: Drive, das Magazin zum Golfsport, Dezember 2002, S. 52 f.; nebst weiteren Artikeln des Autors zu golfspezifischen Verletzungen abrufbar unter www.golfdoc.ch). Nach dem eben genannten Autor sind im Golfsport Verletzungen gar nicht so selten. Golfverletzungen entstehen meistens ohne Fremdeinwirkung durch unphysiologische Belastungen während des Golfschwunges. Besonders gefährdet ist der Rücken, vor allem im Lendenwirbelsäulenbereich, wo rund 50 % aller Golfverletzungen zu verzeichnen sind. Hier erzeugt der Spieler während des Schwungs die enorm hohen Belastungen, indem sich der Körper in der Ausholbewegung wie eine Spiralfeder aufdreht, beim Durchschwung in die entgegengesetzte Richtung federt, um sich im Ausschwung erneut stark zu verdrehen; dies führt neben den hohen Rotationskräften im Lendenwirbelsäulenbereich auch zu seitlichen Biege- und Scherkräften. Die Wirbelsäule lässt sich aber nur im unteren Brustwirbelsäulenbereich relativ gut verdrehen. Die Lendenwirbelsäule, welche sich für Beugung und Streckung besser eignet, ist deshalb äusserst anfällig für die enormen Rotationsbelastungen während des Golfschwunges (Derselbe, Der Golfschwung als Ursache für Verletzungen, a.a.O, Januar 2002, S. 54). 3.3 Der Vorinstanz ist darum darin zu folgen, dass die Beschwerdeführerin unter dem Eindruck eines plötzlich einschiessenden Schmerzes im Rückenbereich den Ansprechschwung abrupt abbrechen musste, dabei möglicherweise in den Boden schlug, alsdann körperlich zusammensackte und auf die linke Thoraxseite stürzte, wie sie aus den ursprünglichen Schilderungen durch die Versicherte und den behandelnden Arzt Dr. med. S.________ geschlossen hat. Geht man von dem eben beschriebenen Ablauf aus, ergibt sich, dass das plötzliche Schmerzgeschehen in der Phase des Ausholens und des Durchschwungs nicht auf einen Unfall zurückzuführen ist, weil eine schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den Körper der Beschwerdeführerin während des Ansprechens des Balles nicht erkennbar ist, selbst wenn angenommen wird, sie habe den Schwung letztlich in den Boden geführt. Ein solcher Fehlschlag ist im Golfsport etwas Normales und widerfährt insbesondere weniger geübten Spielern häufig. Eine unfallversicherungsrechtlich relevante Programmwidrigkeit kann im Bodenkontakt des Schlägers nicht erblickt werden (vgl. dazu oben Erw. 1.2). 3.4 Hingegen ist - auch hier der Vorinstanz folgend - der Sturz nach dem Einschlag in den Boden als Unfall im Rechtssinn zu betrachten. Die Kontusionierung der linken Thoraxhälfte, wie sie Dr. med. S.________ im Arztzeugnis UVG vom 9. Dezember 2002 beschrieben hat, fällt daher in den Haftungsbereich der Beschwerdegegnerin. Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung am 1. März 2003 waren diese Unfallfolgen jedoch abgeheilt und beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht mehr.