Citation: 6S.667/2001 10.09.2003 E. 2

Im Strafpunkt geht es um den Teilfreispruch der Vorinstanz betreffend sexuelle Nötigung zum Nachteil der Beschwerdeführerin 2. 2.1 Die Vorinstanz führt dazu aus, wenn immer sich der Beschwerdegegner der Beschwerdeführerin 2 in deren Zimmer genähert habe, habe sich diese schlafend gestellt. Objektiv habe sie sich auf Grund der psychischen Drucksituation nicht gewehrt. Subjektiv habe der Beschwerdegegner nicht davon ausgehen können und müssen, dass er gegenüber der schlafenden Tochter Nötigungsmittel einsetzen müsse. 2.2 Als Verletzung eidgenössischen Rechtes rügt die Beschwerdeführerin 2, dass die Vorinstanz die Nötigung verneint hat. Die inkriminierten Delikte seien im Gesamtzusammenhang zu sehen: Ihre Widerstandsfähigkeit habe der Beschwerdegegner im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung durch psychischen und physischen Druck und Gewalt längst gebrochen. Die Nötigungsmittel seien nicht für jede einzelne Tathandlung zu untersuchen, sondern vielmehr im gesamten Familiensetting zu betrachten. Gemäss BGE 124 IV 154 könne ein Kind ohne eigentliche Gewaltanwendung auf Grund physischer Dominanz, kognitiver Unterlegenheit sowie emotionaler und sozialer Abhängigkeit unter psychischen Druck gesetzt werden, namentlich bei Missbrauch durch Autoritätsträger des gleichen Haushaltes. In einer solchen Situation erscheine bereits die gegenüber einem Kind übermächtige Körperlichkeit eines Erwachsenen - die alleinige physische Dominanz - geeignet, Elemente physischer Aggressionen zu manifestieren und das Gewaltkriterium zu erfüllen. Der Beschwerdegegner habe mit seiner deliktischen Tätigkeit begonnen, als die Beschwerdeführerin 2 ca. 8 Jahre alt gewesen sei. Seine Tathandlungen seien mit zunehmendem Alter der Beschwerdeführerin 2 immer massiver geworden. Die Ausweglosigkeit habe schon Jahre vor den in Frage stehenden Tathandlungen bestanden und das Nachgeben des Kindes habe seither angedauert, so dass der Beschwerdegegner keine konkreten Nötigungsmittel mehr habe einsetzen müssen, da die Hilflosigkeit seines Kindes seit langem gegeben gewesen sei (Beschwerdeschrift S. 12 und 13). 2.3 Der Freispruch des Beschwerdegegners vom Vorwurf der sexuellen Nötigung im Anklagepunkt Ziff. 3 zweiter Absatz verstösst nicht gegen Bundesrecht. Offen bleiben kann, inwieweit im Zusammenhang mit einem "gesamten Familiensetting" ein Nötigungsmittel vorliegen soll. Entscheidend ist jedenfalls, dass gemäss tatsächlicher Feststellung der Vorinstanz der Beschwerdegegner subjektiv nicht hat davon ausgehen können und müssen, er müsse gegenüber der schlafenden Tochter Nötigungsmittel einsetzen. Damit fehlt es am Vorsatz bezüglich dieses Tatbestandsmerkmals. Der Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 StGB ist demnach in subjektiver Hinsicht nicht erfüllt. Genugtuung für die Beschwerdeführerin 2 (Beschwerdeschrift S. 6 - 10).