Citation: U 445/00 03.09.2001 E. 2

2.- Streitig und zu prüfen ist, ob die von der SUVA verfügte Leistungseinstellung ab 31. Juli 1994 zu Recht erfolgte, was voraussetzt, dass ein natürlicher und/oder adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 1. November 1991 und den von der Versicherten geklagten Beschwerden zu verneinen ist. a) Die Vorinstanz hat gestützt auf das Gerichtsgutachten des Prof. K.________ vom 1. September 1997 geschlossen, dass keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wegen einer unfallbedingten organischen Substanzschädigung mehr vorliege und die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit mangels eines nach Massgabe der in BGE 115 V 140 entwickelten Kriterien zu beurteilenden adäquaten Kausalzusammenhangs nicht zulasten der SUVA gehe. b) Der Gutachter Prof. Dr. K.________ führt in seinem Gutachten vom 1. September 1997 aus, dass sich weder somatische Befunde im cervico-cephalen Bereich erheben lassen, noch im neurologischen Status ein pathologischer Befund vorliegt. Bei der neuropsychologischen Untersuchung wurden leichte Abweichungen von der Norm festgestellt, die jedoch nur möglicherweise mit dem Unfallereignis in Zusammenhang stünden. Ebenso wenig bestätigte Prof. Dr. K.________ das Vorliegen einer hirnorganischen Substanzschädigung. Das in Absprache mit dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erstellte Gutachten des Prof. Dr. med. K.________ vom 1. September 1997 sowie sein ergänzender Bericht vom 13. Oktober 1997, sind - entgegen der Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde - zur Beantwortung der Frage nach dem Vorliegen somatischer Befunde beweistauglich. Das kantonale Gericht hat sich mit der Kritik, welche letztinstanzlich wortwörtlich wiederholt wird, auseinandergesetzt und in einlässlicher Begründung dargelegt, warum sie darauf abstellte. Es durfte sich daher in nicht zu beanstandender Beweiswürdigung auf dieses Gutachten stützen, welches zudem mit den weiteren medizinischen Akten in Einklang steht (Berichte der Dres. X.________ vom 31. März 1994, und M.________, Spezialarzt für Neurologie vom 6. Oktober 1992 und 1. November 1993 sowie T.________ vom 5. März 1992). Von weiteren Beweisabnahmen, insbesondere von einem Obergutachten sind daher keine zu einem anderen Ergebnis führenden neuen Erkenntnisse zu erwarten, sodass der diesbezügliche beschwerdeführerische Antrag abzuweisen ist (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis). c) Gemäss medizinischer Aktenlage beruht die bestehende Arbeitsunfähigkeit auf einer anhaltenden posttraumatischen Anpassungsstörung (Gutachten des Dr. Z.________, Psychiatrische Klinik am Spital vom 5. Oktober 1993) und einer vorhandenen Depression (Berichte der Dres. E.________ vom 23. Mai 1993 und M.________ vom 1. November 1993). aa) Ob es sich beim psychischen Gesundheitsschaden um eine natürliche Folge des Unfallereignisses vom 1. November 1991 handelt, liess das kantonale Gericht offen, da es nach dessen Darlegungen, auf welche verwiesen wird, an der Äquivalenz des Kausalzusammenhangs fehlt. Insbesondere hat es zutreffend erkannt, dass die Beurteilung nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen abzuhandeln ist (BGE 115 V 133) und nicht anhand der Kriterien, wie sie für Schleudertraumen der HWS oder äquivalenten Verletzungsmechanismen (indirekte HWS-Verletzung durch Kopfanprall) entwickelt wurden (BGE 117 V 360 Erw. 4b), da die lediglich beschränkt aufgetretenen zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen im Vergleich zur psychischen Problematik ganz in den Hintergrund getreten sind. Initial bestanden Nacken- und Kopfschmerzen (Bericht des Dr. E.________ vom 29. Dezember 1991, SUVA-Bericht vom 21. Januar 1992), die spinalen und ossären Strukturen, sowie die Weichteile waren ohne Befund und ohne posttraumatische Residuen (MRI-Untersuchung am Röntgeninstitut vom 23. Januar 1992). Im Juli 1992 weist Dr. med. T.________ erstmals auf ein depressives Zustandsbild hin (Bericht vom 13. Juli 1992), welches in der Folge die körperlichen Restbeschwerden überlagerte und dominierte, was sich aus der Diagnose der somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung und posttraumatischen Anpassungsstörung bzw. Depression ergibt (Berichte der Dres. T.________ vom 13. Juli 1992 und 2. Juni 1993, Z.________ vom 5. Oktober 1993, X.________, Spezialarzt für Chirurgie, Abteilung Unfallmedizin der SUVA vom 31. März 1994). bb) Dies führt zur Frage, ob ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen der sich 1991 ereigneten seitlichfrontalen Kollision, bei welcher es sich aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen höchstens um einen mittelschweren, im Grenzbereich zu den leichten liegenden Unfall handelt (vgl. RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 bezüglich der schwereren Fälle im mittleren Bereich), und der psychischen Störung gegeben ist. Zur Bejahung der adäquaten Kausalität müsste rechtsprechungsgemäss ein einzelnes der massgebenden unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt oder diese Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb). Die Kollision war weder besonders eindrücklich, noch ereignete sie sich unter besonders dramatischen Begleitumständen, selbst wenn erheblicher Sachschaden entstand (Polizeirapport vom 9. November 1991). Die Versicherte war weder bewusstlos noch erlebte sie das Ereignis als traumatisch. Soweit eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung und eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit zu bejahen sind, sind sie auf psychische Gründe zurückzuführen, welche in diesem Zusammenhang ausser Acht zu lassen sind (vgl. BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Die physisch bedingte Arbeitsunfähigkeit dauerte rund sieben Monate, wobei die Arbeit ab 4. Februar 1992 wieder zu 50 % aufgenommen wurde (mit erneutem Unterbruch ab 15. März 1992) und ab 2. Juli 1992 eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit im Umfang von 100 % bestand. Eine langdauernde physische Arbeitsunfähigkeit ist demnach zu verneinen. Des Weiteren fällt eine ärztliche Fehlbehandlung ausser Betracht. Ebenso wenig liegt bezüglich der somatischen Unfallfolgen ein schwieriger Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen vor. Die Verletzungen sind auch nicht als besonders schwer zu bezeichnen, da die Versicherte lediglich einen Schanzkragen anlässlich der Erstversorgung am Unfalltag im Spital (ohne stationären Aufenthalt) erhielt, mit anschliessend hausärztlich verordneter physikalischer Therapie (SUVA-Bericht vom 21. Januar 1992). Der Beschwerdeführerin ist aber insofern zuzustimmen, als HWS-Schleudertraumen und äquivalente Verletzungsmechanismen erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, sodass das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung gegeben ist. Ob körperliche Dauerbeschwerden ausgewiesen sind, oder ob das therapieresistente Schmerzsyndrom Ausdruck der depressiven Symptomatik ist, kann dahingestellt bleiben.