Citation: I 379/04 29.04.2005 E. 4

4.1 Voraussetzung für den Anspruch auf eine Umschulung ist, wie in Erw. 2.1 dargelegt, zunächst die Erheblichkeit der Invalidität in Form einer bleibenden oder längere Zeit dauernden Erwerbseinbusse von etwa 20 %, nicht, wie dies die Vorinstanz festhält, eine mindestens 20%ige Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf. Zur Festlegung der massgebenden Erwerbseinbusse sind als Erstes der Grad der Arbeits(un)fähigkeit des Versicherten, anschliessend die Auswirkung der allfälligen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in erwerblicher Hinsicht zu prüfen. 4.2 Die Feststellungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 21. Mai 2003 und im Einspracheentscheid vom 10. Oktober 2003, wonach keine Arbeitsunfähigkeit vorliege bzw. attestiert werde, widerspricht der medizinischen Aktenlage. Die Vorinstanz geht auch vom Fehlen einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Zimmermann aus und begründet dies damit, dass die durch Dr. A.________ attestierte Arbeitsunfähigkeit als Zimmermann in Anbetracht der bisherigen ärztlichen Berichte nicht schlüssig und nicht nachvollziehbar sei. Dieser Auffassung kann so nicht beigepflichtet werden. Der behandelnde Chiropraktor Dr. A.________ äusserte sich nämlich als einziger zur Frage der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Zimmermann für den massgebenden Zeitpunkt. In seinem Bericht vom 21. August 2002 diagnostizierte er ein unfallbedingtes Distorsionstrauma der HWS, Status nach Schädel-Hirntrauma mit Contusio cerebri sowie posttraumatische labyrinthäre Funktionsstörung und Dysbalance. Gestützt darauf schloss er die Ausübung des Berufs als Zimmermann klar aus und hielt berufliche Massnahmen für dringend angezeigt. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit wäre dem Versicherten seiner Meinung nach ganztags zumutbar. Einschränkungen physischer Art in der Arbeitsbelastbarkeit ergäben sich insbesondere beim Heben und Tragen über Brusthöhe sowie von schweren Gegenständen bereits bis Lendenhöhe, bezüglich Haltung und Beweglichkeit beim Hantieren mit schweren Werkzeugen, bei Arbeiten über Kopfhöhe, bei Rotation, bei vorgeneigtem Sitzen und Stehen, beim Knien und Kniebeugen sowie bei längerem Stehen und schliesslich beim Besteigen von Leitern. Eingeschränkt seien insbesondere auch das Gleichgewicht und das Balancieren. Dass in den übrigen, im wesentlichen von der SUVA beigezogenen ärztlichen Berichten keine entsprechenden Aussagen zu finden sind, vermag die Beurteilung durch Dr. A.________ nicht von vornherein als nicht schlüssig und nicht nachvollziehbar erscheinen lassen, waren doch im Verfahren vor der SUVA nicht die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, sondern vielmehr die Diagnose, die Kausalität des Rückfalles und die Höhe der Integritätsentschädigung Gegenstand der Untersuchungen. So diagnostizierte die Klinik Z.________ am 21. Februar 1997 einen Verdacht auf vestibulären Schwindel bei Status nach schwerem Autounfall mit Commotio cerebri und Rissquetschwunde über der linken Augenbraue. In der kreisärztlichen Untersuchung vom 7. Juli 1998 wurden die Schwindelbeschwerden bestätigt. Dr. med. S.________ stellte als Spezialarzt für Neurologie in seinem Bericht vom 26. November 2001 die Diagnose einer posttraumatischen labyrinthären Funktionsstörung und Dysbalance. Als Spätfolge des Unfalles wurde schliesslich in der neurologischen Untersuchung vom 27. März 2002 eine noch nicht stabilisierte vestibuläre Funktionsstörung objektiviert, was als seltener ungünstiger Verlauf qualifiziert wurde. Wegen der damals diagnostizierten bleibenden Schädigung des Gleichgewichtsfunktionssystems sprach die SUVA dem Versicherten eine Integritätsentschädigung aufgrund einer Integritätseinbusse von 20 % zu. Aus den erwähnten Berichten ergibt sich das Vorliegen gesundheitlicher Beschwerden. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als Zimmermann ist die medizinische Aktenlage jedoch ungenügend. Einerseits kann nicht aus dem Umstand, dass sich die von der SUVA eingeholten Berichte nicht zur Arbeitsfähigkeit äussern, auf eine volle Arbeitsfähigkeit geschlossen werden, andrerseits vermag die Beurteilung durch den Chiropraktor Dr. A.________ nicht rechtsgenüglich eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen. Die IV-Stelle hätte vielmehr weitere Abklärungen zu dieser Frage vornehmen sollen, zumal sie in ihren Stellungnahmen vom 3. Januar und 10. März 2003 selber von einer Arbeitsunfähigkeit als Zimmermann ausging. Die Sache wird demzufolge an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit sie eine entsprechende medizinische und allenfalls erwerbliche Abklärung einhole und anschliessend über den Anspruch auf Umschulung neu befinde.