Citation: 1P.544/2003 12.11.2003 E. 6

Der Beschwerdeführer rügt weiter, das Kantonsgericht habe die Unschuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV; Art. 6 Ziff. 2 EMRK) verletzt, indem es das Ergebnis des aussagepsychologischen Gutachtens von Dr. D.________ falsch bewertet habe. Die Gutachterin habe zusammenfassend festgehalten, dass die Aussage der Klägerin aus aussagepsychologischer Sicht "sehr wahrscheinlich erlebnisbegründet" sei; in ihrer vorläufigen Beurteilung vom 29. August 2001 sei sie sogar noch zurückhaltender gewesen und habe gesagt, dass sich "überwiegend Hinweise auf den Erlebnisbezug" der Aussage der Klägerin ergeben hätten. Bei ihrer Befragung vor der Strafkammer habe sie eingeräumt, das ihr Befund ("sehr wahrscheinlich") nicht dem höchsten Grad an Wahrscheinlichkeit entspreche, zu dem sie im Rahmen ihrer Untersuchungen gelangen könne ("sehr hohe Wahrscheinlichkeit" oder "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit"), sondern "eine Stufe darunter" liege. Das Gericht habe das Gutachten selbst als "überzeugend" bezeichnet. Dann aber hätten vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschwerdeführers bestehen bleiben und eine Verurteilung unterbleiben müssen. 6.1 Das Kantonsgericht hat sich in seinem Entscheid mit diesem Einwand der Verteidigung auseinandergesetzt (S. 22 E. 4b des angefochtenen Urteils). Es hat ausgeführt, dass die Aussagepsychologie keine Wissenschaft sei, die Laborbefunde präsentieren könne; daher lasse sich auf diesem Gebiet naturgemäss nichts absolut ausschliessen, sondern es liessen sich immer nur Wahrscheinlichkeiten formulieren. Diese Grenzen müsse der Sachverständige akzeptieren. Anders verhalte es sich mit dem Richter: Dieser müsse nach Würdigung aller Umstände, Indizien und Beweismittel, wozu auch allfällige Gutachten gehörten, zur vollen Überzeugung der Schuld des Angeklagten kommen. Nach ausführlicher Würdigung der Aussagen der am Verfahren Beteiligten, des aussagepsychologischen Gutachtens sowie der gesamten Umstände kam das Gericht zum Ergebnis, dass keine vernünftigen Zweifel daran bestünden, dass sich der Angeklagte das, was ihm von den drei Klägerinnen vorgeworfen wurde, tatsächlich habe zuschulden kommen lassen (S. 43 E. 12 des angefochtenen Urteils). 6.2 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass das Kantonsgericht die Bedeutung der Unschuldsvermutung - sowohl in ihrer Ausprägung als Beweislastregel wie auch als Beweiswürdigungsregel (vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2c S. 37) - nicht verkannt hat. Es verurteilte den Beschwerdeführer, weil es von dessen Schuld überzeugt war. Dabei stützte es sich nicht nur auf das aussagepsychologische Gutachten, sondern unterzog die Aussagen von Y.________, A.________, B.________ und des Beschwerdeführers einer ausführlichen eigenen Würdigung. Es ist unter dem Blickwinkel der Unschuldsvermutung nicht zu beanstanden, wenn das Kantonsgericht nach einer Gesamtwürdigung aller Umstände zum Ergebnis gelangte, es bestünden keine vernünftigen Zweifel an der Schuld des Angeklagten, auch wenn die Gutachterin diesbezüglich eine vorsichtigere Formulierung verwendete.