Citation: 8C_493/2021 E. 3.3.6

3.3.6. Schliesslich bringt die Beschwerdeführerin vor, die bisherige Praxis habe zur Folge, dass die Heilbehandlung von der Unfallversicherung frühzeitig abgebrochen werde. Damit würden die Kosten auf andere Sozialversicherungsträger und private Haftpflichtversicherungen übertragen. Das Argument, mittels der Adäquanzpraxis sei ein Korrekturinstrument geschaffen worden, könne deshalb nicht mehr gelten. Das Bundesgericht hat sich zu dieser Frage im bereits zitierten Urteil 8C_756/2021 vom 10. Februar 2022 E. 4.5 einlässlich geäussert. Es hat dazu Folgendes erwogen: Der Umstand, dass im Recht der sozialen Unfallversicherung der Adäquanz als Wertungselement im Hinblick auf eine versicherungsmässige vernünftige und gerechte Abgrenzung haftungsbegründender und -ausschliessender Unfälle andere Beurteilungskriterien und Massstäbe zu Grunde gelegt werden als beispielsweise im Haftpflichtrecht, ist sodann - gerade mit Blick auf die im Haftpflichtrecht bestehende Möglichkeit zu einem differenzierten Schadensausgleich (vgl Art. 43 f. OR) - sachlich begründet (vgl. BGE 123 V 98 E. 3d; Urteil 8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 6.2.1). Die besondere Adäquanzprüfung bei organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden nach Unfall ist im Weiteren deshalb gerechtfertigt, weil eine solche Gesundheitsschädigung rechtlich weniger leicht einem Unfallereignis zugeordnet werden kann als eine organisch objektiv ausgewiesene. Auch bei Verletzungen der HWS geht es, wie bei allen anderen Verletzungen, darum, im Einzelfall unter Wertung von Indizien, die für oder gegen die - rechtliche - Zuordnung bestimmter Funktionsausfälle zum Unfall sprechen, im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu einer versicherungsmässig vernünftigen und gerechten Abgrenzung haftungsbegründender und haftungsausschliessender Unfälle zu gelangen (BGE 122 V 415 E. 2c; Urteil 8C_756/2021 E. 4.5).