Citation: 1C_119/2023 E. 4.3

4.3. Vor Bundesgericht ist einzig die Verhältnismässigkeit der Wiederherstellungsmassnahme umstritten. Die Vorinstanz äussert sich nicht dazu, ob und inwieweit sie das Ermessen, das der Gemeinde in diesem Bereich zukommt, bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Wiederherstellungsverfügung berücksichtigt hat. Die vorinstanzlichen Erwägungen legen jedoch nahe, dass die Vorinstanz das Ermessen der Gemeinde durch ihr eigenes ersetzt hat. Im Gegensatz zur Gemeinde geht die Vorinstanz davon aus, dass die Eigentümerin nicht bösgläubig sei. Ihre diesbezüglichen Begründungen vermögen diesen Schluss nicht zu stützen. Die streitbetroffene Liegenschaft liegt im Ortsbildschutzgebiet und ist Teil des Ortsbildes, dem gemäss Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) nationale Bedeutung mit dem Erhaltungsziel A (Substanzerhalt) zukommt. Art. 17 Abs. 4 des Baureglements der Stadt Rorschach vom 20. April 2000 (BauR) sieht vor, dass Farbgebungen und Fassadenrenovationen in den Ortsbildschutzgebieten bewilligungspflichtig sind. Es liegt auf der Hand, dass der Ersatz der Fenster ganzer Stockwerke angesichts des hohen Ortsbildschutzes bewilligungspflichtig ist. Auch die Vorinstanz räumt ein, dass sich die Eigentümerin vor diesem Hintergrund hätte veranlasst sehen müssen, sich bei der Baubewilligungsbehörde nach der Baubewilligungspflicht ihres Vorhabens zu erkundigen. Dies hat sie jedoch unterlassen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz hat die Eigentümerin bei dieser Ausgangslage als bösgläubig zu gelten, als sie die Fenster im zweiten Obergeschoss ihres zeittypischen spätklassizistischen Wohnhauses ohne Baubewilligung ersetzt hat. Die Vorinstanz hat zwar festgehalten, dass die wirtschaftlichen Interessen der Eigentümerin beim Bauen ohne Baubewilligung in den Hintergrund zu treten hätten, kommt aber dennoch zum Schluss, dass die von der Gemeinde geforderte Wiederherstellungsmassnahme für die Eigentümerin unverhältnismässig sei. Die heterogene Matierialisierung der Fenster an den spätklassizistischen, das Ortsbild prägenden Bauten im fraglichen Gebiet relativiere das Gewicht des Interesses an der Durchsetzung der äusseren Erscheinungsform. Diese vorinstanzliche Einordnung steht im Gegensatz dazu, dass es der Gemeinde gerade darum geht, die bestehende Heterogenität nach ihren Aussagen seit 2014 und jedenfalls in Zukunft nicht (mehr) zu tolerieren. Ohnehin besteht ein generelles öffentliches Interesse an der Durchsetzung des materiellen Baurechts und der konsequenten Verhinderung von Bauten, die den materiellen Bauvorschriften widersprechen (Urteil 1C_365/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 7.4.1 mit Hinweisen). Dass die Eigentümerin vor diesem Hintergrund nichts aus dem Grundsatz der Gleichbehandlung im Unrecht zu ihren Gunsten ableiten kann, hat bereits die Vorinstanz festgehalten. Zu Recht, da nur dann, wenn eine Behörde nicht gewillt wäre, eine rechtswidrige Praxis aufzugeben, das Interesse an der Gleichbehandlung der Betroffenen gegenüber demjenigen an der Gesetzmässigkeit überwiegen würde (Urteil 1C_231/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 3.2). Die Vorinstanz verweist weiter darauf, dass gemäss Denkmalpflege die unterschiedlichen Eckverbindungen und Profilierungen von Kunststoff- und Holzfenstern kaum wahrnehmbar seien und für den Erhalt des äusseren Erscheinungsbilds auch deshalb viel weniger ins Gewicht fielen, weil sie im zweiten Obergeschoss lägen. Damit gewichtet sie die bereits der Gemeinde bekannten Sachverhalte unterschiedlich, ohne dass sie einen Hinweis darauf gibt, weshalb sie von der Einschätzung der Gemeinde abweicht. Gleiches gilt für die vorinstanzlichen Ausführungen, wonach für das Gewicht des öffentlichen Interesses an der Materialauthentizität bei den Fenstern und die Beurteilung der Verhältnismässigkeit insbesondere bedeutsam sei, dass die kantonale Denkmalpflege der Kontinuität der Materialisierung der Gebäudefassaden bei den Rollläden offenbar weniger Gewicht einräume. Angesichts der grossen Flächen sei die abweichende Materialisierung bei den Rollläden deutlich besser erkennbar als bei den Fensterrahmen. Die Rollläden würden auch der Beschattung dienen, so dass sie insbesondere im Sommer tagsüber ganz oder teilweise geschlossen sein könnten. Auch diesbezüglich setzt sich die Vorinstanz ohne auch nur Bezug darauf zu nehmen über das Ermessen der Gemeinde hinweg. Weiter bringt die Vorinstanz vor, dass mit der Entfernung der noch neuwertigen Kunststofffenster deren Entsorgung wahrscheinlich wäre, was auch aus ökologischen Gründen nicht sinnvoll erscheine. Wie die Beschwerdeführerin und das Bau- und Umweltdepartement zu Recht einwenden, liegt es in der Natur der Sache, dass im Rahmen der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands in der Regel Wert vernichtet wird. Der Aspekt der Wertvernichtung ist für gewöhnlich klarerweise dem öffentlichen Interesse an der Durchsetzung des materiellen Baurechts untergeordnet und es ist nicht ersichtlich, weshalb dies vorliegend anders sein sollte.