Citation: 6P.78/2005 16.11.2005 E. 3.5

3.5.1 Die Anklageschrift nennt auch in diesem Anklagepunkt die Gesetzesbestimmung, unter welcher die kantonalen Gerichte den Sachverhalt gewürdigt haben, nicht (vgl. § 144 Ziff. 3 StPO/AG). Der Beschwerdeführer beanstandet dies hier aber zu Recht nicht. Er macht auch nicht geltend, er sei nicht auf die von der Anklageschrift abweichende rechtliche Beurteilung aufmerksam gemacht worden. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör wäre auch in diesem Punkt als geheilt zu betrachten. 3.5.2 Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung des Anklagegrundsatzes rügt, dringt er mit seiner Beschwerde nicht durch. Gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB macht sich des räuberischen Diebstahls schuldig, wer bei einem Diebstahl auf frischer Tat ertappt, Nötigungshandlungen nach Abs. 1 derselben Bestimmung begeht, um die gestohlene Sache zu behalten. Nach dem Wortlaut des Gesetzes und der Rechtsprechung zur früheren Fassung der Strafbestimmung (Art. 139 Ziff. 1 aStGB) fällt unter den Tatbestand nur die Anwendung der Nötigungsmittel zur Sicherung der Beute bzw. zur Erhaltung des Gewahrsams am Diebesgut. Der Einsatz von Nötigungsmitteln, der unter Zurücklassung der Beute allein die Flucht ermöglichen soll, erfüllt mangels Verknüpfung der qualifizierten Nötigung mit der Eigentumsverletzung den Tatbestand nicht (BGE 83 IV 66; 92 IV 62 E. 1; Günter Stratenwerth/Guido Jenny, Schweizerisches Strafrecht, Bes. Teil I, 6. Aufl. 2003, § 13 N 125; Martin Schubarth, Kommentar zum schweizerischen Strafgesetzbuch, 2. Bd. Art. 139 N 61). Indes erfordert der Tatbestand nicht, dass die Sicherung der Beute einziges Handlungsziel ist. Will der Täter durch seine Nötigungshandlungen sowohl die Beute als auch seine Flucht sichern, so ist Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB erfüllt (Marcel Alexander Niggli/Christof Riedo, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch II, Art. 140 N 46 mit Hinweis). Wohl trifft im zu beurteilenden Fall zu, dass die Anklageschrift sich nicht darüber auslässt, ob der Beschwerdeführer bei der Bedrohung der Ladendetektive mit dem Messer zum Zwecke der Sicherung der Beute gehandelt hat. Doch ergibt sich aus dem geschilderten Sachverhalt in der Anklageschrift, insbesondere aus dem Umstand, dass er unmittelbar zuvor die Waren im Laden gestohlen hatte und beim Verlassen des Geschäfts von den Detektiven darauf angesprochen worden war, ohne weiteres, dass das Ziehen des Messers zumindest auch dem Zweck diente, den Gewahrsam am Diebesgut zu erhalten. Dass die Bedrohung mit dem Messer nicht ausschliesslich der Ermöglichung der Flucht diente, ergibt sich auch daraus, dass der Beschwerdeführer die gestohlenen Waren nicht zurückliess, sondern auf sich behielt. Dies geht mit hinreichender Deutlichkeit aus der Anklageschrift hervor. Dasselbe gilt auch hinsichtlich des subjektiven Tatbestandes. Die Auffassung des Obergerichts, wonach die wesentlichen Elemente in der Anklageschrift hinreichend umschrieben sind, ist somit nicht zu beanstanden. Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet.