Citation: U 462/00 18.12.2001 E. 2

2.- Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob die geklagten Beschwerden - wie von Vorinstanz und Beschwerdegegnerin vertreten - in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 19. November 1984 stehen. a) Frau Dr. med. C.________ gab in ihrem psychiatrischen Gutachten vom 15. Mai 1995 an, die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit emotionaler und somatoformer Symptomatik nach Schleudertrauma der HWS (ICD-10: F 43.2), auf Grund welcher seit 4. Juni (recte wohl: August) 1991 eine um 50 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Dr. med. W.________ führte in seinem Gutachten vom 30. Juni 1998 aus, es liege eine schwere chronifizierte Anpassungsstörung mit somatischen Symptomen, depressiven Elementen und schon in der Kindheit offensichtlichen neurotischen Verarbeitungsmechanismen vor. Auch die beratenden Ärzte der Beschwerdeführerin bejahten die Existenz eines psychischen Beschwerdebildes, welches der Psychiater Dr. med. E.________ in seiner Stellungnahme vom 15. September 1998 als weitgehend persönlichkeitsbedingte psychogene Störung qualifizierte, und das Dr. med. F.________ mit Bericht vom 28. Juli 1999, worin von klaren psychischen Veränderungen die Rede ist, als somatoforme Schmerzstörung bezeichnete. b) Im Lichte dieser medizinischen Aktenlage ist mit dem kantonalen Gericht davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin an psychischen, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Störungen leidet. In einlässlicher Würdigung auch der übrigen im Administrativ- und Einspracheverfahren eingeholten oder beigezogenen, im angefochtenen Entscheid detailliert wiedergegebenen ärztlichen Unterlagen, namentlich des Berichtes des Dr. med. S.________ vom 18. August 1986, des Gutachtens desselben Arztes vom 8. September 1993, des ärztlichen Zeugnisses des Dr. med. T.________ vom 24. August 1992 sowie des Gutachtens des Prof. Dr. med. X.________ vom 2. Februar 1998, hat die Vorinstanz ferner ausführlich und schlüssig dargelegt, dass die seit 1991 im Vordergrund stehenden psychischen Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Sinne einer Spätfolge auf den Unfall vom 19. November 1984 zurückzuführen sind, zumal es rechtsprechungsgemäss genügt, wenn das Unfallereignis eine Teilursache für die gesundheitlichen Beeinträchtigungen darstellt (BGE 121 V 329 Erw. 2a). c) Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, vermag zu keinem anderen Ergebnis zu führen. aa) Soweit sie geltend macht, die Unfallkausalität der psychischen Beschwerden sei zu verneinen, da diese erst mehr als sechs Jahre nach dem Unfall erstmals aufgetreten seien, ist ihr entgegenzuhalten, dass allein auf Grund der geringen Anzahl von ärztlichen Angaben im besagten Zeitraum nicht auf das gänzliche Fehlen einer psychischen Störung geschlossen werden darf. Den Aussagen der Frau Dr. med. C.________ (im Gutachten vom 15. Mai 1995) wie auch des Dr. med. W.________ (im Gutachten vom 30. Juni 1998) zufolge bestehen Anhaltspunkte im Verhalten der Versicherten, die auf eine nachträglich zu bejahende Behandlungsbedürftigkeit und damit auf Brückensymptome schliessen lassen. Der seitens der Beschwerdeführerin vorgebrachte Einwand der langen Latenzzeit ist somit nicht stichhaltig. Es bleibt im Übrigen darauf hinzuweisen, dass - entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde - auch die Dauerhaftigkeit einer unfallbedingten psychischen Schädigung rechtsprechungsgemäss unter bestimmten Voraussetzungen gegeben sein kann (BGE 124 V 39 ff. Erw. 5, 210 ff. Erw. 4, worin das Eidgenössische Versicherungsgericht sich insbesondere auch mit der von Prof. Dr. med. Kind vertretenen Auffassung auseinandergesetzt hat). bb) Was ferner das von der Beschwerdeführerin beanstandete neurologische Gutachten des Dr. med. S.________ vom 8. September 1993 anbelangt, ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass es den für den Beweiswert ärztlicher Dokumente rechtsprechungsgemäss entscheidenden Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweisen) vollumfänglich genügt. Insbesondere überzeugen die einlässlich begründeten Schlussfolgerungen des Neurologen auch hinsichtlich der - gerade in Kenntnis des eigenen Berichtes vom 18. August 1986 und des darin (noch) verneinten Vorliegens posttraumatischer Störungen nunmehr bejahten - Unfallkausalität der Beschwerden. cc) Dem Einwand in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, Prof. Dr. med. X.________ habe in seinem Gutachten vom 2. Februar 1998 ausgeführt, die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit von 50 % lasse sich unfallbedingt nicht rechtfertigen, ist sodann entgegenzuhalten, dass es sich dabei um eine lediglich die neurologischen Aspekte der gesundheitlichen Störungen berücksichtigende Beurteilung handelt und der Experte im Hinblick auf den psychischen Gesundheitszustand ausdrücklich die Einholung eines psychiatrischen Obergutachtens rät. Des Weitern gab Prof. Dr. med. X.________ auf die Frage nach dem Kausalzusammenhang ebenfalls an, die geäusserten Beschwerden seien wahrscheinlich auf den Unfall vom 19. November 1984 zurückzuführen, was - wie bereits dargelegt (Erw. 2b in fine hievor) - im Sinne der erforderlichen Teilursächlichkeit der Schädigung auch im Zusammenspiel mit den im Gutachten erwähnten unfallfremden Faktoren genügt. Auch aus den Stellungnahmen der beiden beratenden Ärzte vermag die Beschwerdeführerin nichts zu Gunsten ihres Standpunktes abzuleiten. Während die Feststellung des Dr. med. F.________ im Bericht vom 28. Juli 1999, die psychischen Veränderungen seien als nicht unfallkausale somatoforme Schmerzstörung zu qualifizieren, im Wesentlichen mit dem - durch das in Erw. 2c/aa hievor Gesagte widerlegten - Argument des mehrjährigen beschwerdefreien Zeitintervalls sowie der erst im Jahre 1991 "plötzlich" eingetretenen Arbeitsunfähigkeit begründet wird, beruft sich der Psychiater Dr. med. E.________ in seiner Beurteilung vom 15. September 1998 hinsichtlich der mangelnden Unfallkausalität in erster Linie auf die Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdegegnerin, ohne die Versicherte indes selber untersucht zu haben oder substanziierte Gründe für seine Aussage vorzubringen. In Bezug auf die Frage des natürlichen Kausalzusammenhanges ebenfalls nicht aussagekräftig sind ferner die gutachtlichen Ausführungen des Dr. med. W.________ vom 30. Juni 1998, wobei für die wesentlichen Kritikpunkte vollumfänglich auf die ausführlichen und zutreffenden Darlegungen im angefochtenen Entscheid verwiesen wird, denen das Eidgenössische Versicherungsgericht nichts beizufügen hat. d) Ob die Beschwerdegegnerin anlässlich des Unfallereignisses vom 19. November 1984 ein eigentliches Schleudertrauma der HWS erlitten hat, wie seitens der Dres. med. T.________ (Arztzeugnisse und Berichte vom 25. Oktober, 29. November 1991 und 24. August 1992), S.________ (Gutachten vom 8. September 1993), C.________ (Gutachten vom 15. Mai 1995) und X.________ (Gutachten vom 2. Februar 1998) erwähnt wird, braucht - wie die nachstehenden Erwägungen zeigen - nicht abschliessend beurteilt zu werden.