Citation: 5A_228/2016 E. 4.2.1

4.2.1. Hierbei ist vorab auf die allgemeine Situation des Beschwerdeführers und auf die sich allenfalls daraus ergebende Selbstgefährdung einzugehen. 4.2.1.1. Die Vorinstanz erwägt hierzu, dass der Beschwerdeführer seit seiner Verhaftung am xx.xx.xxxx als damals 17-Jähriger in geschlossenen Einrichtungen lebt. Sein Tagesablauf sei seit bald sechs Jahren hoch strukturiert und reguliert. Zudem hätten im Massnahmezentrum W.________ die Vollzugslockerungen, welche üblicherweise auf das Ende des Jugendstrafvollzugs hin eingeleitet würden, aufgrund des Widerstands bestimmter Behörden nicht durchgeführt werden können und müssten nun unausweichlich nachgeholt werden. Der Beschwerdeführer habe bis anhin keine Gelegenheit gehabt, sich an ein Erwachsenenleben in Freiheit mit allen damit einhergehenden Herausforderungen zu gewöhnen. Gewisse Dinge habe er verlernt, andere habe er sich nicht aneignen können, weil er damit im Anstaltsleben nicht konfrontiert worden sei. Auf dem Weg in die Freiheit brauche er nach übereinstimmender Einschätzung aller involvierten Fachpersonen aufgrund seines Krankheitsbildes professionelle Begleitung, mit welcher sein Beistand, auf sich alleine gestellt, und erst recht seine Eltern, ohne jegliche fremde Unterstützung, überfordert wären. Nur mit einer professionellen Begleitung könne sichergestellt werden, dass die Etablierung in der Gesellschaft und die Integration ins Berufsleben gelinge. Der Beschwerdeführer wolle und müsse insbesondere eine Lehrstelle finden, was voraussetze, dass er den richtigen und adäquaten Umgang mit Menschen ausserhalb des stationären Rahmens und engsten Familienkreises lerne. Daran habe sich seit der vom Verwaltungsgericht am 7. August 2015 durchgeführten Verhandlung nichts geändert. Die Entwicklung des Beschwerdeführers habe seither stagniert, da es bisher nicht gelungen sei, ihn zu der notwendigen Behandlung seiner Persönlichkeitsstörung zu motivieren. Die Gutachter würden in ihren Massnahmeempfehlungen dazu raten, dem Beschwerdeführer schrittweise Öffnungen der Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung unter Aufsicht zu gewähren, damit er die anstehenden nächsten Entwicklungsaufgaben im Sinn einer realen Alltagsbewältigung erproben und umsetzen könne. Alle involvierten Fachpersonen seien sich einig, dass der Beschwerdeführer einer intensiven, langfristigen Psychotherapie bedürfe, um seine Defizite überwinden bzw. mit diesen Defiziten umgehen zu können. Gerade in der Phase, in welcher das Setting der fürsorgerischen Unterbringung schrittweise geöffnet werde, sei der Beschwerdeführer auf psychologische Behandlung dringend angewiesen. Seine Entwicklung hin zu einer Persönlichkeit, die ihm die angestrebte Normalität ermögliche, sei noch längst nicht abgeschlossen. Unabhängig von der Einschätzung der Rückfallgefahr diene somit die Behandlung des Beschwerdeführers zunächst einmal seinem eigenen wohlverstandenen Interesse an seiner Resozialisierung. Es müsse ihm insbesondere mit Blick auf sein noch jugendliches Lebensalter die Chance eingeräumt werden, die noch ausstehenden Entwicklungsschritte zu vollziehen und seine sozialen Fertigkeiten zu entwickeln. 4.2.1.2. Der Beschwerdeführer bemerkt hinsichtlich seiner Resozialisierung, dass die Situation nicht erst seit dem 7. August 2015 stagniert habe. Die Situation habe bereits vorher aufgrund des unerklärlichen Widerstands der Jugendanwaltschaft gegen die vom Massnahmezentrum W.________ vorgesehenen Lockerungen im Hinblick auf die anstehende Beendigung der jugendstrafrechtlichen Unterbringung im Herbst 2014 stagniert. Das unverständliche und ungerechtfertigte Verhalten der involvierten Behörden dürfe ihm, dem Beschwerdeführer, nicht zum Nachteil gereichen. Dazu würden auch die Umstände gehören, welche dazu geführt hätten, dass Dr. C.________ ihre Arbeit aufgrund der Beschwerde der Jugendanwaltschaft bzw. des DVI nicht mehr habe fortsetzen können. Zudem gäbe es keine ernsthaften bzw. ausreichenden Bemühungen, ihn zur Behandlung seiner Persönlichkeitsstörung zu motivieren. Solche Versuche seien den Akten nicht zu entnehmen und würden von der Vorinstanz auch nicht konkret benannt. Korrekt sei einzig, dass er sich bis dato konstant geweigert habe, mit der ihm von der Psychiatrische Dienste X.________ vorgesetzten Therapeutin, Frau H._______ (Psychologin), zu sprechen, wobei diese den Auftrag gehabt habe, eine deliktorientierte Therapie durchzuführen und nicht eine Therapie der Persönlichkeitsstörung. Gleiches gelte für den Chefarzt, dessen Aktivität sich darauf beschränkt habe, Visitentermine anzubieten, die der Patient aber nicht wahrnehmen müsse. Dies habe mit der notwendigen psychiatrischen Intervention und Einflussnahme bzw. "Motivation" nichts zu tun. Es sei nämlich gerade Aufgabe und Pflicht des Therapeuten, in einem längerdauernden Prozess ein Vertrauens- und damit auch ein tragfähiges Therapieverhältnis zum Patienten aufzubauen, in deren Folge die Frage der Teilnahme gar nicht mehr gestellt werden müsse. Tatsächlich sei seine Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit alles andere als optimal verlaufen. Nichtsdestotrotz seien sich Dr. O.________ und Dr. C.________ während ihrer Befragung anlässlich der Verhandlung vor Familiengericht vom 27. Mai 2015 einig gewesen, dass er seine Entwicklungsrückstände im Laufe des Massnahmevollzugs stark habe kompensieren können und gestärkt im sozialen Umgang sei. Diese Fortschritte würden ausreichen, den Alltagsstress zu bewältigen. Bereits im September 2014 hätten daher erste Vollzugslockerungen stattfinden können bzw. müssen. In diesem Zusammenhang sei ebenfalls von Bedeutung, dass er auch im Massnahmevollzug bzw. in Untersuchungs- und Sicherheitshaft immer wieder Stresssituationen ausgesetzt gewesen sei. Sein Verhalten bzw. seine Reaktion darauf sei immer tadellos und der Situation angepasst gewesen. Zudem habe er bereits konkrete Vorstellungen, wie er sein Leben in Freiheit gestalten wolle. Das Wichtigste sei, dass er baldmöglichst seine Ausbildung beende, eine eigene Wohnung beziehe und auf eigenen Füssen stehe. Mithin sei er dem Leben ausserhalb eines geschlossenen Settings durchaus gewachsen und eine fürsorgerische Unterbringung daher nicht notwendig. Auch die Vorinstanz hätte von Beginn des Verfahrens an Zweifel an der Notwendigkeit eines Freiheitsentzuges gehabt und dazu im Urteil vom 7. August 2015 explizit das Folgende festgehalten: "eine fürsorgerische Unterbringung ohne schrittweise Erhöhung der Ausgangsstufen wäre demgegenüber eine unverhältnismässige Massnahme, die nicht nur über das Ziel hinausschiessen würde, sondern die Zielerreichung sogar vereiteln könnte". 4.2.1.3. Soweit sich der Beschwerdeführer auf Aussagen von Dr. O.________ und Dr. C.________ zu seinen Gunsten beruft, ist dies insofern zu relativieren, als beide Fachpersonen schon längere Zeit nicht mehr mit dem Beschwerdeführer im Kontakt waren und entsprechend keine aktuelle Einschätzung abgeben können. Der Beschwerdeführer wird, wieder in Freiheit, auf beträchtliche Unterstützung angewiesen sein. Diese ist teilweise in Form der bereits verfügten und unangefochten gebliebenen Verbeiständung organisiert. Darüber hinaus wären offenbar die Eltern bereit, ihren Sohn bei sich aufzunehmen. Eine schwere Verwahrlosung, die Anlass für eine fürsorgerische Unterbringung sein kann (Art. 426 Abs. 1 ZGB), droht dem Beschwerdeführer damit nicht unmittelbar. Nichtsdestotrotz erachten die Gutachter diese Unterstützung im Augenblick als nicht ausreichend und stellen sich deshalb hinter eine fürsorgerische Unterbringung. Sie weisen dabei darauf hin, dass der Beschwerdeführer bisher noch nicht ausreichend auf ein Leben in Freiheit vorbereitet worden ist. Infolge emotionaler Überladung wären plötzliche und gewalttätige Reaktionen zu erwarten. Beistand und Eltern wären bei einer sofortigen Entlassung mit der Betreuung des Beschwerdeführers überfordert. Die Behandlung der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung rechtfertigt für sich allein keine fürsorgerische Unterbringung. Der Beschwerdeführer weist richtig darauf hin, dass Personen mit einer kombinierten Persönlichkeitsstörung wie der seinen nicht allgemein stationär behandelt werden müssen. Allerdings hat der Beschwerdeführer eine Person umgebracht, womit sich bei ihm eine Gefährlichkeit manifestiert hat, welche den üblichen Rahmen einer Persönlichkeitsstörung bei weitem sprengt (zur Gefährlichkeit siehe sogleich). Insofern kann er nicht verlangen, wie jeder andere behandelt zu werden. Auch die fehlende Resozialisierung des Beschwerdeführers ist im Sinne einer Gesamtbetrachtung zu berücksichtigen.