Citation: U 459/00 18.02.2002 E. 3

3.- Aktenmässig erstellt und unbestritten sind das Vorliegen des typischen Beschwerdebildes nach einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung (BGE 117 V 360 Erw. 4b) und deren natürlicher Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 5. Mai 1995. Die darüber hinaus vom Beschwerdeführer geltend gemachte traumatische Hirnschädigung erachten Vorinstanz und Verwaltung als nicht ausgewiesen, wie sie auch die erstmals am 2. Februar 1995 vom radiologischen Institut des Spitals Z.________ diagnostizierte Diskushernie C5/6 nicht mit einem der beiden Unfallereignisse in Verbindung bringen. Der Versicherte begründet seine Auffassung in erster Linie mit dem von ihm letztinstanzlich beigebrachten Gutachten von Dr. D.________ vom 27. Oktober 2000. a) Was die behauptete Hirnschädigung anbelangt, so hat die SUVA in zutreffender Auseinandersetzung mit den Vorbringen des Versicherten in der Stellungnahme vom 18. Dezember 2000 dargelegt, dass die Schlussfolgerungen des Dr. D.________, wonach der Beschwerdeführer beim Unfall vom 29. Juni 1994 eine leichte traumatische Hirnverletzung erlitten habe, nicht überzeugen. Dr. D.________ begründet seine Einschätzung allein mit den Angaben des Beschwerdeführers zum Geschehensablauf sowie dem Befinden nach dem Unfall. Danach soll die Bewusstseinslage des Versicherten nach dem Unfall eingeschränkt gewesen sein; sodann hätten Bewegungs-, Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen wie auch Verwirrung und Vergesslichkeit das Verhalten des Beschwerdeführers ausgezeichnet. Diese Aussagen stehen indessen mit den Feststellungen des ihn im Anschluss an den Unfall notfallmässig behandelnden Spitals X.________ im Widerspruch. Danach konnte der Versicherte detaillierte Aussagen über den Unfallmechanismus machen. Auch lagen weder Bewusstlosigkeit noch Nausea vor. Ferner wurde der Explorand als allseits orientiert beschrieben und der neurologische Befund für unauffällig erklärt, was das Spital X.________ in der Stellungnahme vom 8. Januar 2001 nunmehr dazu bewog, eine unfallkausale Hirnerschütterung ausdrücklich auszuschliessen. Schliesslich ist auch für den zweiten Unfall vom 5. Mai 1995 keine traumatische Hirnverletzung ausgewiesen, bezeichnet dies doch selbst Dr. D.________ als blosse Möglichkeit, was zur Kausalitätsbegründung nicht genügt. b) Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann ein Bandscheibenvorfall betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderere Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber (weitgehend) verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (statt vieler: Urteil A. vom 20. September 2001, U 379/00, Erw. 6a; vgl. auch Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 54 ff., insbesondere S. 56; Baur/Nigst, Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 162 ff.; Mollowitz, Der Unfallmann, 11. Aufl. Berlin 1993, S. 164 ff.). Anhaltspunkte, dass der Unfall vom 29. Juni 1994 die Diskushernie C5/6 verursacht haben könnte, finden sich keine. Ob der Unfall dagegen als auslösender Faktor des Bandscheibenvorfalls anzusehen ist, wovon zunächst Dr. C.________ von der Klinik Y.________ (Berichte vom 14. März und 26. April 1995) ausgegangen ist und dessen Einschätzung von Dr. D.________ im Gutachten vom 27. Oktober 2000 übernommen wird, ist letztlich nicht entscheidend, da die aktuellen Beschwerden wie auch die klinischen Befunde mit diesem Bandscheibenvorfall nicht (mehr) korrelieren, worauf Dr. B.________ bereits im neurologischen Gutachten vom 28. August 1997 hingewiesen hat. Die Diskushernie C5/6 kann somit entgegen der Auffassung des Dr. D.________ auch nicht als ursächlich für die aktuellen (zervikalen) Schmerzen bezeichnet werden. c) Demnach liegen weder in Bezug auf den ersten noch auf den zweiten Unfall organische Restbeschwerden vor. Ebenso wenig sind ereignisbedingte Funktionsausfälle ausgewiesen. Ferner waren die im Anschluss an den Unfall vom 29. Juni 1994 aufgetretenen Nacken- und Kopfschmerzen, wie auch Konzentrationsstörungen mit rascher Ermüdbarkeit bereits im Abklingen begriffen, als der Auffahrunfall vom 5. Mai 1995 eine richtunggebende Verschlimmerung bewirkte (Berichte der Klinik Y.________ vom 26. April und 10. Mai 1995). Ohne dieses zweite Ereignis hätte der Versicherte nach Einschätzung des SUVA-Kreisarztes Dr. S.________ vom 9. August 1995 im Verlauf des Monats Mai 1995 die Arbeit wieder zu 100 % aufnehmen können. An anderer Stelle bezeichnet Dr. S.________ die Folgen des zweiten Unfalles als "ganz im Vordergrund" stehend (Bericht vom 28. Mai 1996), womit der Arbeitsunfall vom 29. Juni 1994 für die Zeit nach dem 5. Mai 1995 nur noch kurzzeitig als mitursächlich betrachtet werden kann (vgl. auch das Gutachten von Dr. D.________ vom 27. Oktober 2000, wonach der Unfall vom 29. Juni 1994 für die festgestellten Beschwerden "keine Rolle mehr spielt"). Dagegen stehen die von Dr. B.________ im Bericht vom 28. August 1997 als zervikozephales Syndrom umschriebenen Nacken- und Kopfschmerzen, vereinzelt auftretenden Schwindelzustände sowie Konzentrations- und Gedächtnisdefizite unbestrittenermassen in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 5. Mai 1995.