Citation: 4A_167/2023 E. 3.2.3

3.2.3. Zum selben Schluss - dass in der Auseinandersetzung der Parteien die genannte Zahl eine Pauschale bedeutet und nicht nur einen Einheitspreis - führe eine Konsultation der auch im vorliegenden Verhältnis anwendbaren Ausschreibungsunterlagen. Demgemäss hätten die Offerenten für die ausgeschriebenen Leistungen einen "nachstehenden Gesamtbetrag" zu offerieren. Dies habe bei den einzureichenden Offerten nach Treu und Glauben einen klaren und unmissverständlichen Vorbehalt verlangt, wenn eine Offerentin - im Unterakkordantverhältnis die Beschwerdeführerin - die dort genannte Zahl nicht als verbindlich betrachten wolle, weil bei einer oder mehreren Positionen der angegebene Franken-Betrag erst noch mit der Menge multipliziert werden müsse. Auch eine Plausibilitätsprüfung lasse auf einen Pauschalpreis schliessen. Die von der Beschwerdeführerin unter diesem Titel auszuführenden "Neben- und Zusatzarbeiten" beinhalteten nur das "Reinigen von Abwasseranlagen vor Fernsehaufnahmen". Diese Arbeiten bildeten nicht Kern der von der Beschwerdegegnerin für den Kanton auszuführenden Arbeiten, namentlich keine eigentlichen Baumeister- und Belagsarbeiten. Zudem hätten alle Offerenten, einschliesslich der Beschwerdeführerin selbst, dem Kanton für das gesamte Projekt "Y.________brücke" Preise von Fr. 1.5 Mio. bis Fr. 1.6 Mio. offeriert. Davon wären gemäss ihrer Offerte nach dem Verständnis der Beschwerdeführerin seitens der Beschwerdegegnerin allein Fr. 261'000.-- auf das Reinigen der Abwasseranlagen entfallen. Von der (nicht erfolgreichen) Offerte der Beschwerdeführerin an den Kanton über insgesamt Fr. 1.56 Mio. wären allein auf die streitigen Zusatzarbeiten Fr. 1,46 Mio. entfallen. Ein solches Vertragsverständnis habe nach Treu und Glauben unter vernünftigen Vertragspartnern nicht gemeint sein können. Dies zeige sich schliesslich daran, dass das Unternehmen, welches die strittigen Arbeiten ausgeführt habe, der Beschwerdeführerin in anderm Zusammenhang einen Einheitspreis von Fr. 1.45 pro Laufmeter und insgesamt rund Fr. 1'000.-- offeriert habe. Das Verständnis der Beschwerdeführerin, wonach die Beschwerdegegnerin einen Einheitspreis multipliziert mit Laufmeter akzeptiert habe, sei demnach ausgeschlossen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin spreche nicht gegen einen Pauschalpreis, dass die offerierte von der tatsächlich zu bearbeitenden Strecke abgewichen sei. Die Beschwerdeführerin habe nicht geltend gemacht, die Fr. 580.-- seien deshalb als Preis für einen Meter zu tief. Zudem hätten die Parteien die Strecke übereinstimmend als "circa-Mass" verstanden. Die Vereinbarung eines Pauschalpreises habe für die Beschwerdeführerin nicht nur das Risiko eines Mehraufwands, sondern auch die Chance eines Minderaufwands beinhaltet. Der von der Beschwerdeführerin ins Recht gelegte Bericht einer "profacto.ch", der ebenfalls von einem offerierten Einheitspreis ausgehe, widerlege die vorstehend wiedergegebene Auffassung nicht, so die Vorinstanz. Auf ein gerichtliches Gutachten zum Beweis der Angemessenheit eines Einheitspreises von Fr. 580.-- pro Laufmeter sei mit der Erstinstanz zu verzichten. Mit deren Begründung habe sich die Beschwerdeführerin nicht hinreichend auseinandergesetzt. Ohnehin sei nicht massgebend, welcher Preis nach Auffassung der Beschwerdeführerin "angemessen" wäre. Einen "gerechten" Preis für die fragliche Leistung gebe es nicht. Dass der geforderte Werklohn (Fr. 261'000.--) exorbitant hoch wäre und daher nach Treu und Glauben nicht habe gemeint sein können, sei schon gesagt. Dies werde nicht zuletzt dadurch verdeutlicht, dass die Unter-Unterakkordantin, die die Arbeiten für die Beschwerdeführerin letztlich ausgeführt habe, dieser für vergleichbare Arbeiten einen Preis von Fr. 1.45 pro Laufmeter verrechnet habe.