Citation: 5A_248/2023 E. 4.3.3

4.3.3. Sowohl im angefochtenen Entscheid als auch in der Beschwerde kommt ein Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern zur Sprache. Die Schlichtungsbehörde Emmental-Oberaargau trat auf das Gesuch des Vaters gegen seine beiden Kinder insofern nicht ein, als es neben der Abänderung der vereinbarten Unterhaltsleistungen auch die Regelung des persönlichen Verkehrs betraf. Das Obergericht des Kantons Bern erklärt, dass die Schlichtungsbehörde gemäss Art. 198 Bst. b bis ZPO e contrario nicht nur im Unterhaltsstreit, sondern auch für die Schlichtung der weiteren Kinderbelange sachlich zuständig sei, wenn - wie in diesem Fall aus dem Kanton Bern - kein Verfahren vor der Kindesschutzbehörde stattfindet (Urteil des Obergerichts des Kantons Bern ZK 18 503 vom 7. Januar 2019 E. 6.2, in: CAN 2019, Nr. 33 S. 88). Weiter erwähnt der kantonale Entscheid, dass die Kompetenzattraktion gemäss Art. 298b Abs. 3 und Art. 298d Abs. 3 ZGB bereits im Moment der Begründung der Rechtshängigkeit und damit gemäss Art. 62 Abs. 1 ZPO bei Anrufung der Schlichtungsbehörde gelten müsse. In diesem Zusammenhang ist davon die Rede, dass die Schlichtungsbehörde "funktional betrachtet" ein Gericht und das Durchlaufen des Schlichtungsverfahrens die obligatorische Vorstufe zum gerichtlichen Verfahren sei. Dies gelte insoweit, als in die sachliche Schlichtungszuständigkeit fallen müsse, was bei Scheitern des Einigungsversuchs und Ausstellen der Klagebewilligung anschliessend in die sachliche Gerichtszuständigkeit falle. Damit einher gehe auch die Kompetenz der Schlichtungsbehörde, nebst Vergleichen über den Unterhalt des Kindes die annexweise verglichenen Kinderbelange gerichtlich zu genehmigen (zit. Urteil des Obergerichts des Kantons Bern E. 6.3, in: CAN 2019, Nr. 33 S. 88 f.; bestätigt im Urteil des Obergerichts des Kantons Bern KES 20 852 vom 17. Dezember 2020 E. 2.2). Mit Blick auf die hier streitige Frage, ob die Kindesschutzbehörde noch sachlich zuständig war, als sie am 20. Oktober 2022 ihren Entscheid fällte, kann aus dem bernischen Entscheid entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin nichts Konkretes abgeleitet werden. Denn in welchem Zeitpunkt die Zuständigkeit von der Kindesschutzbehörde an das Gericht übergeht, war dort nicht zu beurteilen - vor der Kindesschutzbehörde war ja gar kein Verfahren hängig.