Citation: 1A.257/2006 02.07.2007 E. 4

Die BA macht in ihrer Beschwerde geltend, sie habe anlässlich der Sitzung vom 14. Dezember 2005 mit Vertretern des BJ nicht die Auffassung geteilt, dass vor Einreichung eines Strafübernahmebegehrens an Italien durch das BJ ein italienisches Auslieferungsersuchen eingetroffen sein müsste. Art. 88 lit. b IRSG verlange weder, dass sich die Beschuldigten in Italien befinden, noch, dass ein italienisches Auslieferungsersuchen vorliegen müsste. Im Lichte von Art. 32 IRSG habe das BJ auch ohne ein solches Ersuchen zu prüfen, ob die Beschuldigten ausgeliefert werden könnten bzw. ob Gründe vorliegen, die gegen eine Auslieferung sprechen. Im hier zu beurteilenden Fall impliziere ein Weiterleiten des Strafübernahmebegehrens auch die künftige Auslieferung der Beschuldigten. Das habe zur Folge, dass den betroffenen Personen vorgängig - analog wie bei einem ordentlichen Auslieferungsverfahren - die Möglichkeit eines Rechtsmittels eingeräumt werden müsse. Selbst wenn ein italienisches Auslieferungsersuchen vorauszusetzen wäre, könne ein solches nicht vor dem Stellen eines Strafübernahmebegehrens erfolgen. Die in der Schweiz untersuchten Taten würden auch in Italien verfolgt. Was die Frage der besseren Resozialisierung (im Sinne von Art. 88 lit. b IRSG) betrifft, treffe es zwar zu, dass einer der Beschuldigten mit seiner Familie schon viele Jahre in der Schweiz lebt. Er pflege aber nach wie vor gute Kontakte nach Italien, wo zwei seiner Brüder wohnhaft seien. Ein anderer Beschuldigter, dessen Wurzeln und verwandtschaftlichen Beziehungen in Italien lägen, befinde sich erst seit 1999 in der Schweiz. Der dritte Beschuldigte halte sich ohne legale Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz auf. Aus diesen Gründen verletze der angefochtene Entscheid Art. 88 IRSG.