Citation: 1B_241/2022 E. 5

Die Argumentation der Vorinstanz zur Frage der Subsidiarität der Sicherstellung und Entsiegelung der fraglichen Unterlagen (Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO) überzeugt nicht: Es besteht im derzeitigen Untersuchungsstadium keinerlei Gewähr, dass allfällige Aussagen von beteiligten Monteuren über ihren Ausbildungsstand - sofern die verantwortlichen Mitarbeitenden überhaupt eruiert werden können und dazu aussagen - zur Aufklärung beitragen bzw. der Wahrheit entsprechen. Die Staatsanwaltschaft hat jedenfalls ein berechtigtes Interesse daran, etwaige Aussagen von Beteiligten, insbesondere von potentiellen Mitbeschuldigten, über Beweisdokumente, darunter namentlich die Bewerbungsunterlagen der betreffenden Mitarbeiter, zu objektivieren. Daraus lassen sich auch Rückschlüsse auf die strafrechtliche Verantwortlichkeit der beschuldigten Beschwerdegegner ziehen, betreffend Auswahl, Instruktion und Überwachung der Mitarbeiter durch die Beschuldigten. Im angefochtenen Entscheid wird nicht nachvollziehbar dargetan, weshalb allfällige Aussagen von in Frage kommenden Beteiligten als mildere Untersuchungshandlungen zur Wahrheitsfindung in diesem schwerwiegenden Straffall mit mehreren Verletzten ausreichen würden. Nach der oben dargelegten Praxis des Bundesgerichtes sind die potenziell untersuchungsrelevanten Unterlagen zu erheben (vgl. BGE 142 IV 207 E. 7.1; 141 IV 77 E. 4.3, E. 5.6). Die Zwangsmassnahmen richten sich im Übrigen gegen zwei Beschuldigte, weshalb hier im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung von Bundesrechts wegen kein besonders hoher Massstab anzulegen ist (vgl. Art. 197 Abs. 2 StPO). Dass die Staatsanwaltschaft auch die Bewerbungsunterlagen entsiegeln und durchsuchen möchte, ist entgegen der Ansicht der Vorinstanz verhältnismässig. Ebenso wenig kann der Ansicht der Entsiegelungsrichterin gefolgt werden, weitere "Akten zu Lieferanten, Material und Werkvertrag" seien für die Wahrheitsfindung entbehrlich. Wie dem angefochtenen Entscheid zu entnehmen ist, hat die Staatsanwaltschaft schon im vorinstanzlichen Verfahren dargelegt, dass aus diesen Unterlagen sachdienliche Hinweise darüber zu erwarten sind, wer wann welche Leistungen und Produkte angeboten und geliefert hat und weshalb die Monteure offenbar einem Irrtum über die Art des gelieferten Befestigungsmoduls bzw. der dafür zu verwendenden Schrauben unterlagen. Dass die Vorinstanz die Entsiegelungsvoraussetzung von Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO verneint hat, hält vor dem Bundesrecht nicht stand.