Citation: 8C_302/2024 E. 9.2

9.2. Die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit obliegt in der Hauptsache dem Arzt oder der Ärztin, nicht den Fachleuten der Berufsberatung/beruflichen Eingliederung. Mit Blick auf die praxisgemäss enge, sich gegenseitig ergänzende Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung ist jedoch einer konkret leistungsorientierten beruflichen Abklärung nicht jede Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen. Steht eine medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung, die während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen und ist das Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar (SVR 2023 UV Nr. 26 S. 85, 8C_427/2022 E. 3.3). Den ABI-Gutachtern war im Rahmen der Expertise vom 17. Oktober 2022 das Ergebnis des Schlussberichts über die berufliche Abklärung, Eingliederungsberatung der Institution E.________ vom 22. September 2020 bekannt, wonach die Beschwerdeführerin maximal zu 50 % arbeitsfähig sei. Die ABI-Gutachter stellten eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit fest. Von einer offensichtlichen und erheblichen Diskrepanz der Beurteilungen kann mithin nicht gesprochen werden, weshalb der Berufsabklärungsbericht das ABI-Gutachten nicht ernsthaft in Zweifel zu ziehen vermag.