Citation: 6B_1019/2023 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer sei seit dem 9. Februar 2023 auf der Flucht und habe seither nicht aufgefunden werden können. Sie habe bis zur Berufungsverhandlung über keine aktuelle Adresse verfügt, an welche eine Vorladung rechtsgültig hätte zugestellt werden können. Der Kostennote des Verteidigers lasse sich zwar entnehmen, dass er nach einer längeren kontaktlosen Phase am 22. Mai 2023 telefonischen Kontakt mit dem Beschwerdeführer gehabt habe. Dem Gericht seien aber keine Angaben zu dessen aktuellen Aufenthaltsort oder Erreichbarkeit gemacht worden. Eine schriftliche Durchführung des Verfahrens sei vorliegend ausgeschlossen, weshalb der Beschwerdeführer persönlich zur Berufungsverhandlung zu erscheinen gehabt hätte. Art. 87 Abs. 4 StPO sehe vor, dass ihm diesfalls die Vorladung direkt zugestellt werde, während sein Rechtsbeistand eine Kopie erhalte. Eine Zustellung nur an die Adresse der amtlichen Verteidigung sei nicht rechtsgültig. Eine Vorladung des nach wie vor flüchtigen Beschwerdeführers sei nicht möglich gewesen. Dessen Aufenthaltsort sei unbekannt und habe trotz zumutbarer Nachforschungen nicht ermittelt werden können. Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO gehe den allgemeinen Bestimmungen vor, sodass im Berufungsverfahren eine Vorladung durch Publikation im Amtsblatt gemäss Art. 88 Abs. 1 StPO nicht erforderlich sei. Eine trotzdem vorgenommene Publikation ändere nichts an der Anwendbarkeit von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO. Vielmehr zeige die öffentliche Bekanntmachung, dass seitens des Obergerichts alles unternommen worden sei, um den Beschwerdeführer ausfindig zu machen und ihn rechtsgültig vorladen zu können. Unerheblich sei, ob er sich anlässlich der Berufungsverhandlung habe vertreten lassen. Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO komme denklogisch erst ins Spiel, wenn die Partei gültig habe vorgeladen werden können, was vorliegend nicht der Fall sei und folglich die Rückzugsfiktion eintrete.