Citation: I 258/03 17.05.2004 E. 5

5.1 Die Vorinstanz hat die Verfügung der IV-Stelle mit der Begründung aufgehoben, die aktuelle Bemessungsmethode gemäss Tarifvertrag könne nicht zur Anwendung kommen, da sie der Besonderheit des Falles nicht annähernd Rechnung trage. Diese Besonderheit verlange, dass die Versorgungsbedürftigkeit ausschliesslich nach Massgabe der beruflichen Kommunikationsanforderungen gewichtet werde. Die Abklärung der leistungsspezifischen Invalidität hätte sich auf die konkrete Situation des Versicherten als Fremdsprachenlehrer auf der Sekundarstufe konzentrieren müssen. Da dies nicht geschehen sei, erwiesen sich die bisher getätigten Sachverhaltsabklärungen als ungenügend. Dr. med. T.________ habe sich zwar zu den Einschränkungen zum Kriterium "berufliche Kommunikationsanforderungen" geäussert, seine Einschätzungen aber nicht belegt. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, ob er insbesondere über die spezifischen Nachteile der konkreten Schwerhörigkeit während des klassenweisen Fremdsprachenunterrichts informiert gewesen sei. Die Angaben des Versicherten zur notwendigen Qualität der Hörgeräteversorgung hingegen bildeten keine ausreichende Grundlage zur Ermittlung der leistungsspezifischen Invalidität. Da es kaum eine Möglichkeit gebe, die konkrete Arbeitsumgebung des Versicherten in den Praxisräumen des Ohrenarztes oder in den Geschäftsräumen des Hörgeräteakustikers zu simulieren, werde möglicherweise eine Abklärung an Ort und Stelle erfolgen müssen, wobei es allenfalls sinnvoll wäre, das entsprechende Expertenwissen der SUVA beizuziehen. 5.2 Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden. 5.2.1 Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht im zitierten Urteil L., I 281/02, erwogen hat (vgl. Erw. 4 hievor), bleibt zwar die gerichtliche Prüfung, ob die tarifarisch vergüteten Höchstpreise dem invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnis im konkreten Einzelfall Rechnung tragen, stets vorbehalten. Allerdings rechtfertigt sich das Abgehen von der Indikationsstufeneinteilung mit der Begründung, die tarifarische Hörgeräteversorgung decke das konkrete Eingliederungsbedürfnis der versicherten Person nicht, nur in Ausnahmefällen. Das Indikationenmodell, auf welchem der Tarifvertrag beruht, stellt eine überzeugende Konkretisierung der normativen Leistungsvoraussetzungen dar, unter anderem mit Blick auf die Einfachheit und Zweckmässigkeit der Hörgeräteversorgung. Das System der Punktevergabe ist so abgestimmt und darauf ausgelegt, dass es im überwiegenden Regelfall eine hinreichende Hörgeräteversorgung gewährleistet, aber auch das Verhältnismässigkeitsprinzip in dem Sinne berücksichtigt, dass eine geringe Hörschädigung keinen Anspruch auf ein Gerät einer hohen Indikationsstufe begründet. Das bedeutet, dass nicht jedes individuelle Eingliederungsbedürfnis eine vom Tarifvertrag abweichende Versorgung rechtfertigt. Vielmehr ist ein ausnahmsweises Abgehen vom Tarifvertrag Fällen vorbehalten, in denen sich die Hörstörung als besonders schwerwiegend oder die Hörsituation als sehr komplex darstellt; denn die Ausnahmemöglichkeit dient nur dazu; schwerwiegende und ausserordentliche Hörstörungen aufzufangen, die vom Indikationenmodell auf Grund ihrer Besonderheiten nicht erfasst werden. Davon kann mit Blick auf das ebenfalls ins Indikationenmodell eingeflossene Verhältnismässigkeitsprinzip umso weniger ausgegangen werden, je geringer die audiologisch fassbare Hörstörung ist. 5.2.2 Angesichts der erzielten Messwerte und der sich daraus ergebenden Punktzahl von 2 von maximal 50 Punkten bei den audiologischen Kriterien kann beim Versicherten nicht von einer schweren Hörstörung ausgegangen werden. Vielmehr zeigen die Ergebnisse der Hörtests für diese erstmalige Versorgung eine vergleichsweise geringe Hörstörung (Hörverluste in Dezibel rechts/links gemäss Reintonaudiogramm bei 500 Hz 30/20, bei 1000 Hz 30/25, bei 2000 Hz 25/35, bei 4000 Hz 45/40, bei 8000 Hz 70/60). Die behinderungsbedingten Erschwernisse wurden durch die Verwaltung angemessen berücksichtigt, auch unter Berücksichtigung der beruflichen Stellung des Versicherten (insgesamt 31 Punkte): Die audiologischen Kriterien angesichts der erzielten Messwerte nur mit 2 von maximal 50 Punkten zu quantifizieren, lässt sich nicht beanstanden, ebenso beim sozial-emotionalen Bereich, wo immerhin knapp die Hälfte (12) der maximal 25 Punkte als Einschränkung anerkannt wurde. Ebenso wenig bestehen entgegen der Auffassung der Vorinstanz Anhaltspunkte dafür, dass Dr. med. T.________ bei den beruflichen Kommunikationsanforderungen mit 17 von 25 möglichen Punkten die hohen beruflichen Anforderungen nicht angemessen berücksichtigt hätte. Daran ändert nichts, dass das Indikationenmodell anscheinend bei Hochtonverlusten der vorliegenden Art ("Fehlhörigkeit") nicht voll zu befriedigen vermag, wie dies der Leiter der Ombudsstelle für Menschen mit Hörproblemen, Q.________, im Bericht vom 17. Juni 2003 geltend macht. Die Nichtberücksichtigung eines Hörverlustes im Hochtonbereich wirkt sich nur dann erheblich auf die Beurteilung aus, wenn im Hochtonbereich (oder im Grenzbereich dazu) beträchtliche Hörverluste vorliegen. Beim Versicherten konnte jedoch gemäss Berechnungstabelle nur der Hörverlust im Bereich von 8000 Hz von 70/60 dB nicht berücksichtigt werden; der Verlust von 45/40 dB bei 4000 Hz, einem geringen bis mittleren Hörverlust, floss demgegenüber in die Ermittlung ein und führte zu den 2 Punkten unter den audiologischen Kriterien. Dabei ist ebenfalls von Bedeutung, dass aus Sprachaudiogramm und Diskriminationstest, welche für die hier ins Feld geführte Sprachverständlichkeit wesentlich sind, keine zusätzlichen Punkte resultierten. Die Schwerhörigkeit des Beschwerdegegners ist damit nicht derart ausgeprägt, dass sich ihretwegen ein spezielles gesteigertes Versorgungsbedürfnis IV-rechtlich rechtfertigen liesse. Dies zeigt sich auch daran, dass sich selbst bei Anrechnung zusätzlicher Punkte für den nicht berücksichtigten Hörverlust bei 8000 Hz keine Punktzahl von insgesamt 50 oder mehr Punkten ergäbe, wären dazu doch noch weitere 19 Punkte unter den audiologischen Kriterien erforderlich, die im Falle des Versicherten nicht erfüllt sind. Seine vergleichsweise geringe Hörstörung stellt auch mit Blick auf die berufliche Situation als Sekundarlehrer mit Schwerpunkt Fremdsprachen kein gesteigertes invaliditätsbedingtes Eingliederungsbedürfnis dar, das ein Abgehen von der tarifvertraglichen Ordnung zu begründen vermöchte und rechtfertigt insbesondere die Versorgung mit einem der teuersten zurzeit auf dem Markt befindlichen Hörgeräte, wie es das Modell Widex Senso Diva darstellt und welches für eine schwerwiegende Hörbehinderung konzipiert ist, wegen des Ausschlusses des Bestmöglichen vom IV-rechtlichen Leistungsanspruch (BGE 124 V 110 Erw. 2a) nicht. Unter diesen Umständen besteht entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts auch kein weiterer Abklärungsbedarf.