Citation: 1P.638/2006 08.03.2007 E. 4.2

4.2.1 Vorliegend hat das Verwaltungsgericht - nach einem Augenschein vor Ort - zunächst in Erwägung gezogen, materiell sei auf Art. 76 Abs. 2 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden vom 6. Dezember 2004 (KRG/GR; BR 801.100) abzustellen, wonach freistehende Mauern, hinterfüllte Mauern (Futtermauern), Böschungen und dergleichen an der Grenze errichtet werden dürfen, sofern sie nicht höher als 1 m sind. Überschreiten sie die Höhe von 1 m, haben sie einen Grenzabstand im Ausmass der Mehrhöhe, jedoch von maximal 2.5 m einzuhalten. Präzisierend werde in Art. 98 Abs. 1 des Gemeindebaugesetzes aus dem Jahr 2003 (BG) bestimmt, dass Einfriedungen und Stützmauern längs öffentlichem Eigentum und längs öffentlichen und privaten Verkehrsanlagen die Verkehrssicherheit sowie das Orts-, Strassen- und Landschaftsbild nicht beeinträchtigen und eine Höhe von 1.2 m nicht übersteigen dürfen. Bei Böschungen, Abgrabungen und Stützmauern gegenüber öffentlichem Eigentum ist ein Abstand von 0.5 m von der Grenze einzuhalten; die Neigung darf 1:1 nicht übersteigen. Im Zusammenhang mit diesen Bestimmungen hält das Verwaltungsgericht sinngemäss fest, die geplante Stützmauer werde ausschliesslich auf das Grundstück Nr. 24 des Beschwerdegegners zu stehen kommen. Die private Strassenparzelle Nr. 29 werde dadurch nicht berührt und namentlich nicht verschmälert oder verengt. Weiter habe der Augenschein bestätigt, dass die zu Schutzzwecken beabsichtigte, 33-35 cm breite und 0.6 m hohe Trockenmauer entlang der Grenze auf Parzelle Nr. 24 keineswegs als Gebäudebestandteil zum unmittelbar daran anschliessenden Holzhaus betrachtet werden könne, da das Mauerwerk weder funktional noch baustatisch irgendeine Bedeutung oder Verbindung zum Nebengebäude aufweise. Vielmehr solle jener Mauer eine verbesserte Schutz- und Abwehrfunktion im Vergleich zur bisherigen Betonmauer samt ca. 30 cm hoher Randsteine zukommen. Die letztgenannten Vorkehren hätten sich im Verlaufe der Jahrzehnte offensichtlich als zu wenig sicher und zweckmässig erwiesen, um das als erhaltenswert eingestufte Holzgebäude auf Parzelle Nr. 24 wirksam vor Sachbeschädigungen durch zu breite oder zu hohe Motorfahrzeuge auf der Strassenparzelle Nr. 29 zu schützen. Müsse die geplante Schutzmauer aber als Einfriedung respektive Stützmauer im Sinne von Art. 76 Abs. 2 KRG/GR und Art. 98 Abs. 1 BG qualifiziert werden, so sei ebenso klar, dass die sonst üblichen Grenz-, Gebäude- oder Strassenabstände von 2.5 m bzw. 5 m im konkreten Fall keine Anwendung fänden. Die diesbezüglichen Einwände wegen einer Abstandsverletzung nach Art. 75 Abs. 1 und 2 KRG/GR und Art. 36 Abs. 2 (recte Abs. 3) BG gingen deshalb von vornherein an der Sache vorbei. 4.2.2 Wie gesehen (E. 3.3 hiervor) setzt sich das Verwaltungsgericht auch mit den Ästhetikvorschriften auseinander, indem es diesbezüglich eine rechtswidrige Würdigung durch die Baubehörde verneint. Im Übrigen geht es davon aus, dass durch den Wegfall bzw. den Ersatz der auf der linken Seite vorhandenen Randsteine durch die neue Schutzmauer beim Ein- und Ausfahrtsbereich zu Parzelle Nr. 29 mit einer Verbesserung der bisherigen Zufahrtsverhältnisse gerechnet werden dürfe, da die solitären Randsteine wegen ihrer geringen Höhe von den Fahrzeuglenkern kaum erkennbar gewesen seien. Im Gegensatz dazu werde die neu durchgehende Schutzmauer mit doppelter Höhe ohne Zweifel gut sichtbar sein und die dort zirkulierenden Automobilisten auf Parzelle Nr. 29 nicht mehr zu allfälligen Fehleinschätzungen in Bezug auf die tatsächliche Fahrbahnbreite oder die vorhandene Manövrierfläche verleiten. Was den künftigen Gebrauch der Strassenparzelle Nr. 29 mit landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen und Geräten anbelange, so sei am Augenschein klar geworden, dass besonders die wegen des "Holzlaubengangs" (oberirdisches Verbindungsstück zwischen den Parzellen Nrn. 24 und 26) begrenzte Durchfahrtshöhe in der Vergangenheit zu Schwierigkeiten und Behinderungen geführt haben dürfte. Gerade jene Fahrbeschränkung werde durch den Mauernbau auf Parzelle Nr. 24 aber nicht berührt und erst recht nicht beseitigt. Bisher hätten sich die hinterliegenden Grundstückeigentümer und Stallbesitzer offenbar selbst damit beholfen, von Süden via Gemeindestrasse bzw. von unten her zu ihren nahe gelegenen Parzellen Nrn. 27, 28, 29, 30 und 31 zu gelangen. 4.3 Mit Blick auf die Akten und die darin enthaltenen Pläne sowie die dem Augenscheinprotokoll beiliegenden Fotografien ist diese Würdigung des Verwaltungsgerichts mitnichten als willkürlich zu bezeichnen. Im Gegenteil kann ihr vollumfänglich gefolgt werden (Art. 36a Abs. 3 OG). Die Beschwerdeführer legen denn auch nicht rechtsgenüglich dar, inwiefern die Feststellungen im angefochtenen Entscheid zur tatsächlichen Situation in krassem Widerspruch stehen sollen (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). Zwar ist den Beschwerdeführern zuzugestehen, dass die Parzelle Nr. 28 nicht von Süden her erschliessbar ist; im Ergebnis ist die Beurteilung des Verwaltungsgerichts jedoch schlüssig und nachvollziehbar. Nicht zu überzeugen vermögen die Beschwerdeführer, wenn sie behaupten, das Projekt des Beschwerdegegners führe zu einer Beschränkung des verfügbaren und befahrbaren Bodens: Die Mauer kommt vollständig auf die Parzelle Nr. 24 zu stehen, deren Eigentümer der Beschwerdegegner ist. Diese Parzelle steht den Strassenbenützern bereits heute nicht als Manövrierfläche zur Verfügung. Was die gestalterischen Belange angeht, hat das Verwaltungsgericht auf die am 6. Februar 2006 erteilte Baubewilligung verwiesen, in welcher gestützt auf Art. 32 und 67 BG verfügt wurde, die Schutzmauer sei gleich hoch auszuführen wie die Sockelmauer des bestehenden Gebäudes. Dem Verwaltungsgericht ist kein Vorwurf von Willkür zu machen, wenn es dieses Vorgehen der Baubehörde als genügend erachtet und deren weitem Ermessen in Bezug auf ästhetische Vorgaben Rechnung getragen hat. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführer nicht darlegen, inwiefern die geplante Mauer nicht ins Ortsbild passen soll. Sie beschränken sich auf appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid, welche im Rahmen der Willkürbeschwerde nicht zu hören ist.