Citation: H 23/02 13.09.2004 E. 4

Streitig ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Hörgeräteversorgung hat. Während die Vorinstanz die ablehnende Verfügung der IV-Stelle gestützt auf die Expertise 1 des Dr. med. R.________ vom 30. April 2001 mit der Begründung bestätigte, bei einer festgestellten Taubheit, also einem vollständigen Verlust des Gehörs, könne durch ein Hilfsmittel keine Hörfähigkeit mehr erreicht werden, bestritt der Versicherte, vollständig taub zu sein. Er machte geltend, die beidseitige Hörgeräteversorgung sei nicht bloss vom subjektiven Eindruck her, sondern auch aus Sicht seiner Gesprächspartner objektiv eine wesentliche Verbesserung der Hörfähigkeit, was sich auch aus dem Audiogramm des Hörmittellieferanten ergebe. Schliesslich kritisierte er die Angaben des Dr. med. R.________ in der Expertise und verlangt eine Abklärung durch einen neutralen Ohrenarzt, bleibe doch unerklärlich, warum das Audiogramm des Hörmittellieferanten eine messbare Verbesserung der Hörfähigkeit ergeben habe. 4.1 Wie sich aus Art. 8 Abs. 1 IVG ergibt, muss durch die Hilfsmittelabgabe das gesetzliche Eingliederungsziel prognostisch (BGE 110 V 102) überhaupt erreicht werden können; dieses wird bei der Hörgeräteversorgung in Ziff. 5.57 HVI-Anhang umschrieben als namhafte Verbesserung des Hörvermögens und wesentlich bessere Verständigung mit der Umwelt. Ebenso setzt der Anspruch auf eine bestimmte Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung voraus, dass sie sich zur Erreichung des von ihr bezweckten Eingliederungszieles eignet: nicht nur objektiv mit Bezug auf die Massnahme, sondern auch subjektiv mit Bezug auf die Person des Versicherten (ZAK 1991 S. 179 Erw. 3 mit Hinweisen, vgl. auch AHI 1997 S. 172 Erw. 3a; Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 56). Denn eingliederungswirksam kann eine Massnahme nur sein, wenn der Ansprecher selber wenigstens teilweise eingliederungsfähig ist (Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Diss. Bern 1985, S. 85). 4.2 Die IV-Stelle hat zur Ablehnung des Leistungsbegehrens auf den Bericht des Dr. med. R.________ vom 30. April 2001 abgestellt. Dieser führt aus, es liege eine bekannte beidseits "höchstgradige Innenohrschwerhörigkeit mit Hörgeräteversorgung seit Jahrzehnten" vor. Dem Versicherten sei ein Hörgerät letztmals 1996 auf dem linken Ohr im Sinne einer Wiederversorgung angepasst worden. Bereits damals habe sich die Hörschwelle beidseits an der Grenze der Fühlwerte bewegt. Nun verstehe der Patient auch mit Hörgeräten kaum mehr etwas, sodass sich die Frage der Wiederversorgung stelle. Die Reintonaudiometrie und vor allem die Sprachaudiometrie ergebe leider, dass der Versicherte zwischenzeitlich beidseits "vollständig ertaubt" sei. Die gemessenen Werte dürften reine Fühlwerte sein. Auch Zahlen würden bei der höchsten einstellbaren Lautstärke nicht verstanden. Mithin sei eine weitere Hörgeräteversorgung sinnlos. In seiner Stellungnahme vom 26. Juni 2001 präzisierte er, seine Diagnose einer seit der letzten Hörgeräteversorgung 1996 leider beidseits eingetretenen Ertaubung gründe darauf, dass im Reintonaudiogramm beidseits nur noch "Hörschwellenwerte" ermittelt werden könnten, welche bereits massiv im Fühlwertbereich lägen und dass im Sprachaudiogramm mit Zahlen auch bei der höchsten geprüften Lautstärke von 115 dB links und rechts 0 % Verständlichkeit resultiert habe. Die Diagnose der Taubheit beidseits sei deshalb gesichert. Gemäss Erfahrung gewisser Audiologen könnten taktile Empfindungen, hervorgerufen durch Schalldruckwellen des Hörgeräts, bei einzelnen tauben Patienten, namentlich Mehrfach-Behinderten, positiv empfunden werden und einen gewissen Gewinn an Lebensqualität bringen. Ein Verstehen der Sprache (und erst recht eine wesentliche Verbesserung des Sprachverständnisses) könne indes bei dem tauben Versicherten logischerweise nicht erreicht werden. 4.3 Aus der nach den gesetzeskonformen Weisungen eingeholten ersten audiologischen Expertise wie auch aus der präzisierenden Stellungnahme geht schlüssig hervor, dass beim Versicherten keine objektiv messbare Hörfähigkeit mehr bestand. Damit ergibt sich, dass die Versorgung mit Hörgeräten nicht geeignet war, zur Erreichung des gesetzlichen Eingliederungszieles, also der namhaften Verbesserung des Hörvermögens und wesentlich besseren Verständigung mit der Umwelt, etwas beizutragen, war doch gerade eine akustische Verständigung auf Grund der zweifelsfrei diagnostizierten Taubheit beidseits gar nicht mehr möglich. Was der Versicherte dagegen vorbringt, vermag zu keiner anderen Beurteilung zu führen. Insbesondere ist seine Kritik an Dr. med. R.________ nicht stichhaltig, ist doch die vom audiologischen Spezialisten als zusätzliches Erschwernis im Alltag angegebene verminderte Beweglichkeit des steifen Fingers in keiner Weise als Grund gegen die beantragte Hilfsmittelversorgung bezeichnet worden. Auch der Hinweis auf das Schreiben des Hörmittellieferanten vom 13. Juni 2001 dringt nicht durch, weil damit kein objektiv messbares Resthörvermögen bestätigt, sondern nur gesagt wird, "vom subjektiven Eindruck her" könne die binaurale Versorgung als echte Verbesserung verstanden werden, was auch die Meinung der Familienangehörigen sei. Damit wird die Expertise 1 des Dr. med. R.________, die auf eingehenden Untersuchungen basiert, nicht entkräftet.