Citation: 2C_430/2023 E. 5.3.5

5.3.5. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin Sozialhilfe in einem Umfang bezogen, der rechtsprechungsgemäss in quantitativer Hinsicht den Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG erfüllt (vgl. Urteile 2C_235/2023 vom 27. September 2023 Bst. A und E. 5.1.2; 2C_836/2022 vom 22. März 2023 E. 3.3). Entscheidend ist, welche Prognose der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Gefahr künftiger Sozialhilfeabhängigkeit zu stellen ist (vgl. E. 5.3.3 oben). Die Beschwerdeführerin konnte sich erst kurz vor dem angefochtenen Urteil von der Sozialhilfe lösen. Die Frage ist, wie nachhaltig und stabil diese Loslösung erscheint. Die Beschwerdeführerin nahm ab 2006 an Beschäftigungs- und Integrationsprogrammen teil und war auch wiederholt erwerbstätig, verlor die entsprechenden Stellen aber wieder nach relativ kurzer Zeit (vgl. Bst. A.e oben). Dies war, wie auch die Vorinstanz festgestellt hat, auf die Alkoholsucht der Beschwerdeführerin zurückzuführen (vgl. E. 3.3 oben). Diese wurde bis Januar 2020 überwunden (vgl. Bst. A.b oben). Seit September 2020 bzw. März 2021 ist die Beschwerdeführerin nun aber bei D.________ und der Einwohnergemeinde U.________ je teilzeitmässig erwerbstätig, wobei sie ihren Beschäftigungsgrad kontinuierlich ausbauen konnte und die Arbeitsverhältnisse stabil sind (vgl. Bst. A.e oben). Kausal für diese positive Entwicklung ist offenkundig nicht das ausländerrechtliche Verfahren, sondern die Überwindung der Alkoholsucht. Im Gegensatz zu den typischen Fällen, in denen eine Erwerbstätigkeit nach jahrelangem Sozialhilfebezug schliesslich nur wegen des ausländerrechtlichen Verfahrens aufgenommen wird, hat die Beschwerdeführerin nicht während langer Zeit keinerlei Anstrengungen unternommen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern wiederholt versucht, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen, nur wegen der Alkoholsucht relativ lange mit bescheidenem Erfolg. Seit September 2020 liegt nun aber eine Änderung der Situation in Richtung einer stabilen Erwerbstätigkeit vor. Ob bezüglich der Einkommenshöhe monatlich ein äusserst geringes Manko von Fr. 17.-- oder ein Überschuss von Fr. 120.-- vorliegt (vgl. E. 3.1 oben), ist nicht wesentlich. Entscheidend ist die Prognose für die zukünftige, finanzielle Entwicklung. Selbst wenn ein entsprechendes Manko von Fr. 17.-- vorliegen würde, könnte dieses ohnehin mit ein oder zwei Stunden zusätzlicher Arbeit bei D.________ problemlos ausgeglichen werden, nachdem die Beschwerdeführerin dort auch über ihr zugesichertes Pensum hinaus tätig sein kann (vgl. Bst. A.e und E. 5.3.3 oben). Im Weiteren wurde festgestellt, dass sich die Beschwerdeführerin aktiv bemüht, ihre Stellenpensen weiter zu erhöhen. Dass sie über gute Deutschkenntnisse verfügt, ist unbestritten (vgl. jeweils E. 2.4 angefochtenes Urteil). Entgegen der Vorinstanz ist bei einer Gesamtbetrachtung der bisherigen und aktuellen Situation nicht entscheidend, dass die Zeitperiode seit März 2023 bzw. seit Abmeldung von der Sozialhilfe kurz bemessen ist. Abzustellen ist auf die Entwicklung seit dem Jahr 2020. Diese zeigt ausnahmslos in eine positive Richtung. Ein Rückfall in die Sozialhilfe würde jedenfalls dem Verlauf der letzten Jahre klar widersprechen. Aufgrund sämtlicher Umstände des vorliegenden, speziell gelagerten Einzelfalles, ist deshalb entgegen der Vorinstanz bezüglich der Gefahr einer künftigen Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdeführerin eine positive Prognose zu stellen. Aufgrund der genannten Umstände ist vorliegend damit zu rechnen, dass die Beschwerdeführerin zukünftig in der Lage sein wird, für ihren Lebensunterhalt ohne Sozialhilfebezug zu sorgen. Sollte sich zukünftig erweisen, dass die Beschwerdeführerin trotz positiver Prognose nicht in der Lage ist, für ihren Lebensunterhalt aufzukommen und wiederum von Sozialhilfe abhängig wird, können die zuständigen Migrationsbehörden die Beschwerdeführerin erneut verwarnen und wenn nötig die Aufenthaltsbewilligung widerrufen.