Citation: U 288/05 14.12.2005 E. 3.3

3.3.1 Da die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision nicht gegeben sind, kann die Rückforderungsverfügung nur geschützt werden, wenn diejenigen einer Wiedererwägung vorliegen. Damit muss die urspüngliche Anerkennung der Leistungspflicht zweifellos unrichtig gewesen sein. Das kantonale Gericht schliesst insbesondere angesichts verschiedener Arztzeugnisse, welche bestätigen, dass sich die geklagten Beschwerden objektivieren lassen und als Folge des Unfalls anzusehen seien, eine zweifellose Unrichtigkeit und damit eine Wiedererwägung aus. 3.3.2 Vorab ist festzuhalten, dass das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit - als Schranke für ein wiedererwägungsweises Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Leistungszusprechung - rechtsprechungsgemäss so zu handhaben ist, dass die Wiedererwägung nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung von Dauerleistungen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung entspricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglicher besserer Einsicht der Durchführungsorgane jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können. Mag eine gesetzeswidrige Leistungszusprechung dann, wenn sie auf Grund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden, in der Regel als zweifellos unrichtig gelten (BGE 103 V 128 Erw. a; ARV 1996/97 Nr 28 S. 158 Erw. 3c), so kann das Gleiche nicht gesagt werden, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen (beispielsweise der Invalidität nach Art. 28 IVG) liegt, deren Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Schätzungen, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung solcher Anspruchsvoraussetzungen vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot (BGE 125 V 389 f. Erw. 3 mit Hinweisen), als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteil L. vom 28. Juli 2005, I 276/04, Erw. 5.1 mit Hinweisen). 3.3.3 Die von der Firma S.________ AG protokollierten Zeugenaussagen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass keiner der Befragten genaue Auskunft über das Geschehen machen kann. Damit erscheint es unmöglich, die Sachverhaltsdarstellung des Versicherten als zweifellos unrichtig zu qualifizieren. Ob man den Schilderungen des Beschwerdegegners glauben schenken will oder ob man es mit der Beschwerdeführerin als nicht überwiegend wahrscheinlich erachtet, dass sich am 27. August 2002 ein Unfallereignis im Rechtssinne ereignet hat, unterliegt einem erheblichen Ermessensspielraum. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird dargetan, die verschiedenen Arztberichte, welche von durch den Unfall verursachten, zu objektivierenden Beschwerden ausgehen, würden das Ereignis selbst nicht beweisen. Damit verkennt die Beschwerdeführerin den Umstand, dass bei der vorliegenden Sachlage und Rollenverteilung kein Unfall bewiesen werden muss. Vielmehr hat sie selbst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit - also zweifellos - nachzuweisen, dass kein Unfall geschehen ist. Das gelingt ihr nach der Aktenlage nicht, weshalb die Rückforderung der bereits ausbezahlten Taggelder scheitert.