Citation: I 752/05 27.06.2006 E. 4

4.1 Streitig ist demnach, ob Verwaltung und Vorinstanz zu Recht auf eine Befristung der ab 1. Oktober 2003 zugesprochenen Invalidenrente erkannt haben. In die Beurteilung, ob eine die Befristung rechtfertigende rentenrevisionsrechtlich relevante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist, gilt es aber auch den nicht streitigen Rentenbezugszeitraum (hier vom 1. Oktober 2003 bis 31. Mai 2004) einzubeziehen (BGE 125 V 413; vgl. auch Erw. 1 hievor). Die Zusprechung dieser Rente erfolgte in der Annahme, der Beschwerdeführer sei ab 21. Oktober 2002 aufgrund des Rückenleidens im bisherigen Beruf voll arbeitsunfähig. 4.2 Hiebei gilt es zunächst zu beachten, dass eine Rentenzusprechung nicht alleine gestützt auf eine Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf zu erfolgen hat. Massgebend ist vielmehr die gesundheitsbedingte Einschränkung der Erwerbsfähigkeit in zumutbaren Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG). Es sind mithin auch zumutbare Verweisungstätigkeiten zu berücksichtigen. Selbst wenn hier aber davon ausgegangen würde, dass die gesundheitliche Unzumutbarkeit der bisherigen, körperlich leichten Bürotätigkeit gegen die Ausübung auch jeder anderen Arbeit spricht, könnte die Rentenzusprechung nicht ohne weiteres bestätigt werden. Denn die dieser zugrunde liegende Annahme einer vollen Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf ist aufgrund der medizinischen Akten diskutabel. 4.3 Verwaltung und Vorinstanz stützten sich hiebei zunächst auf den Bericht, welchen Prof. Dr. med. M.________ (zusammen mit Frau Dr. med. D.________) am 8. August 2003 gegenüber der Bernischen Pensionskasse als deren Vertrauensarzt abgegeben hat. Darin wird gestützt auf die Diagnose eines lumboradikulären Syndroms und die Annahme einer deswegen seit 21. Oktober 2002 gegebenen vollen Arbeitsunfähigkeit empfohlen, den Versicherten vorzeitig pensionieren zu lassen. Prof. Dr. M.________ seinerseits nahm Bezug auf die an ihn gerichtete Stellungnahme vom Juni 2003 der Frau Dr. med. F.________, Personalärztin des Spitals X.________, welche am 24. November 2003 auch der IV-Stelle Bericht erstattet hat. Diese Arztberichte genügen indessen für die Belange der Invalidenversicherung nicht, um eine rentenberechtigende Gesundheitsschädigung darzutun. Die Aussagen der Personalärztin beruhen offensichtlich in wesentlicher Weise auf der Darstellung des Versicherten und nicht auf objektivierten Feststellungen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Dies ergibt sich namentlich auch aus dem Wortlaut im Bericht der Frau Dr. med. F.________ vom 19. Juni 2003, wonach die am 8. Januar 2003 durchgeführte Operation subjektiv nur wenig Besserung gebracht habe und sich der Beschwerdeführer immer noch im Gehen gestört fühle, durch die Schmerzen im Schlaf gestört werde und ein Bücken unmöglich sei. Eine nachvollziehbar begründete medizinische Diagnose, welche die geklagte persistierende Symptomatik und eine deswegen bestehende volle Arbeitsunfähigkeit überzeugend zu begründen vermöchte, ergibt sich auch aus dem IV-Arztbericht der Personalärztin vom 24. November 2003 nicht. Gleiches gilt für den Bericht des Prof. Dr. med. M.________ (mit Frau Dr. med. D.________) vom 8. August 2003. Darin wird auf die Aussagen der Frau Dr. med. F.________ vom 19. Juni 2003 hingewiesen und ein erheblicher Leidensdruck bestätigt. Zugleich wird aber angeführt, es habe nach dem Eingriff vom 8. Januar 2003 mittels MR-Untersuchung bildgebend kein - die geklagten Beschwerden erklärender - neuer Befund objektiviert werden können. Zur Arbeitsfähigkeit wurde - wie schon durch Frau Dr. med. F.________ - namentlich gestützt auf die Angaben des Versicherten Stellung genommen mit der Aussage, dieser fühle sich aufgrund der Beschwerden nicht in der Lage, die Arbeit wieder aufzunehmen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass Prof. Dr. med. M.________ und Frau Dr. med. D.________ in der Abteilung Angiologie des Spitals X.________ tätig sind. Dies spricht gegen eine besondere fachärztliche Vertrautheit mit der hier zur Diskussion stehenden Rückenproblematik. 4.4 Genügenden Aufschluss vermitteln auch die weiteren medizinischen Akten nicht: 4.4.1 Frau med. prakt. G.________, Fachärztin Allgemeinmedizin, welche den Versicherten seit September 2003 als Hausärztin betreut, bestätigt im Bericht an die IV-Stelle vom 14. Januar 2004 sogar ausdrücklich eine zumindest teilweise Arbeitsfähigkeit im Umfang von zwei bis drei Stunden täglich bei wegen eingeschränkter Beweglichkeit verminderter Leistung. Dies steht in klarem und durch die weiteren medizinischen Akten nicht erklärbarem Widerspruch zu den vorstehenden ärztlichen Aussagen, wonach keinerlei Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei. 4.4.2 Es liegt sodann die Expertise des Dr. med. R.________ vom 26. April 2004 vor. Sie äussert sich nicht zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit vor der am 17. Februar 2004 vorgenommenen gutachterlichen Untersuchung und bietet insofern keine Erkenntnisse für den Rentenanspruch bis dahin. Entgegen der Auffassung von Vorinstanz und Verwaltung bietet die Expertise aber auch keine genügende Grundlage, um einen Rentenanspruch ab dem 17. Februar 2004 resp. ab Ablauf der dreimonatigen Wartefrist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ausschliessen zu können. Zwar lassen sich mit dem kantonalen Gericht und entgegen dem letztinstanzlich erneuerten Vorbringen des Versicherten keine Anzeichen für eine Befangenheit des Experten erkennen. Dass Dr. med. R.________ allenfalls öfters Abklärungsaufträge der IV-Stelle Bern erhalten hat, genügt hiefür ebenso wenig wie der Umstand, dass das Gutachten vom 26. April 2004 inhaltlich eine Rentenberechtigung des Versicherten nicht stützt. Anzeichen für eine Voreingenommenheit des Gutachters gegenüber dem Beschwerdeführer liegen auch in anderer Hinsicht nicht vor und können namentlich im Wortlaut der Expertise vom 26. April 2004 oder dem aktenkundigen Ablauf der Begutachtung nicht gesehen werden. Zu beachten ist aber zunächst, dass sich Dr. med. R.________ bei seiner Berichterstattung namentlich auf die klinische Untersuchung vom 17. Februar 2004 und die im Gutachten vom 26. April 2004 wiedergegebenen Aussagen des Versicherten stützte, wonach am PC und beim Lesen keine Beschwerden aufträten. Eine Auseinandersetzung mit den vorangegangenen, teils auf bildgebenden Untersuchungen beruhenden Arztberichten, in welchen eine Arbeitsunfähigkeit bestätigt worden war, findet sich in der Expertise indessen nicht. Der Gutachter verfügte auch noch nicht über das Ergebnis der MR-Untersuchung vom 28. September 2004, welches die Vorinstanz zum Anlass genommen hat, eine mögliche gesundheitliche Verschlechterung ab September 2004 weiter abklären zu lassen. Dass Dr. med. R.________ als Facharzt für Neurochirurgie naturgemäss nicht zu allen medizinischen Bereichen zuverlässig Stellung nehmen kann, ist ebenfalls zu berücksichtigen. Insofern bietet die Expertise vom 26. April 2004 keine umfassende somatisch-medizinische Beurteilungsgrundlage. Dies ist hier auch deshalb von besonderen Interesse, weil Dr. med. R.________ - nebst einem "leisen Verdacht", dass der Versicherte aus der Krankheit einen Profit ziehe und einem Verdacht auf eine Aggravationstendenz - Gesichtspunkte erwähnt, welche auf die Möglichkeit eines gegebenenfalls invalidisierenden psychischen Leidens hindeuten. Ein solches stellt der Gutachter anderseits gleich wieder in Abrede, indem er, ohne aber über die entsprechende psychiatrisch-fachärztliche Qualifikation zu verfügen, nebst einer somatischen und einer geistigen auch eine psychische Beeinträchtigung ausdrücklich verneint. Ob tatsächlich eine rentenrelevante psychische Erkrankung besteht, lässt sich aufgrund der vorhandenen Akten zuverlässig nicht bejahen. Ausschliessen lässt sich dies aber ebenfalls nicht, zumal Frau Dr. med. F.________ im Bericht vom 24. November 2003 ihrerseits von einer fehlenden psychischen Belastbarkeit spricht, ohne allerdings eine entsprechende Diagnose zu stellen. Es ist aber unter diesen Umständen angezeigt, den medizinischen Sachverhalt auch diesbezüglich zu ergänzen. 4.5 Zusammenfassend bieten die vorhandenen medizinischen Akten keine zuverlässige Grundlage, um über den Anspruch auf eine Invalidenrente - initial und hinsichtlich einer allfälligen Rentenabstufung oder -befristung - befinden zu können. Dies führt zur Aufhebung des Einspracheentscheides vom 22. Dezember 2004 und des kantonalen Gerichtsentscheides. Die Verwaltung wird in Bezug auf den Rentenanspruch ergänzende Abklärungen zum medizinischen Sachverhalt sowie nötigenfalls zu den erwerblichen Auswirkungen einer zuverlässig festgestellten, die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinträchtigenden Gesundheitsschädigung zu treffen haben. Gestützt auf die Ergebnisse ist über die Rentenberechtigung und, falls eine solche bejaht wird, je nach den Verhältnissen über eine Abstufung oder Befristung neu zu verfügen. Für die ergänzenden medizinischen Abklärungen ist nicht Dr. med. R.________ beizuziehen. Dies nicht, weil Zweifel an der Unvoreingenommenheit oder der (neurochirurgischen) Fachkompetenz des Experten bestünden, sondern weil sich unter den gegebenen Umständen, in welchen die Abklärungen auf allfällige somatische und psychische Erkrankungen zu richten sind, eine auf polydisziplinäre, Gewähr auch für einen fachübergreifenden Diskurs unter den einzelnen Experten bietende Begutachtungsstelle empfiehlt.