Citation: 9C_300/2022 E. 4.3

4.3. Das kantonale Gericht verneinte sodann einen den Anspruch gegen die Invalidenversicherung ausschliessenden Dauercharakter der Behandlung. Ein solcher ist rechtsprechungsgemäss nicht bereits dann zu bejahen, wenn eine Therapie längere Zeit dauert, sondern erst, wenn diese voraussichtlich zeitlich unbegrenzt erforderlich sein wird (vgl. E. 3.2 hievor). Im Zeitpunkt der leistungsablehnenden Verfügung waren zwei Jahre seit Beginn der Therapie vergangen; in dieser Zeit konnten namhafte Fortschritte erzielt werden. Kurz nach Erlass der Verfügung konnte der Versicherte den Unterricht in seiner Schule wieder besuchen und aus der Tagesklinik austreten. Auch wenn ein Ende der Therapie noch nicht festlegbar war, verstösst es entgegen den Vorbringen der beschwerdeführenden IV-Stelle nicht gegen Bundesrecht, wenn die Vorinstanz nicht von einer zeitlich unbegrenzten Behandlungsbedürftigkeit ausgegangen ist. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der Versicherte allenfalls auch in Zukunft auf ungünstige Lebenssituationen erneut mit Zwangsgedanken reagieren könnte; selbst wenn er in einer solchen Phase erneut behandlungsbedürftig würde, wäre damit noch nicht eine ständige Behandlungsbedürftigkeit erstellt.