Citation: 8C_600/2022 E. 5.3

5.3. Was schliesslich die vorinstanzliche Erhöhung des aus unfallkausalen psychischen und neuropsychologischen Beschwerden resultierenden Integritätsschadens anbelangt, rügt die Suva zu Recht, das kantonale Gericht habe den vor Inkrafttreten des UVG bestehenden Vorzustand nicht berücksichtigt. Für die Festsetzung des Integritätsschadens aus einem vor dem 1. Januar 1984 erfolgten Unfall ist entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht relevant, ob ein bestimmter Gesundheitsschaden bereits in der unter Geltung des KUVG zugesprochenen Rente berücksichtigt worden war oder nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung erst unter Geltung des UVG entstand bzw. ob ein vorbestehender Schaden nach diesem Zeitpunkt durch Rückfall oder Spätfolgen dauerhaft und erheblich zugenommen hat (vgl. E. 3.2 hiervor). Die Suva stellte diesbezüglich auf die kreisärztliche Beurteilung des Integritätsschadens vom 25. Februar 2021 ab, die auf den medizinischen Vorakten beruht, namentlich auf dem asim-Gutachten vom 29. Januar 2021 mitsamt dem neuropsychologischen (Teil-) Gutachten vom 27. Oktober 2020. In seiner Beurteilung schätzte Dr. med. D.________ den Integritätsschaden bei mittelschweren psychischen Unfallfolgen nach Suva-Tabelle 19 auf 50 % und zeigte auf, dass davon gemäss asim-Gutachten lediglich zwei Fünftel, mithin 20 %, unfallkausal seien, was grundsätzlich unbestritten ist. Die Suva ging im Weiteren gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung von einem Vorzustand entsprechend einem Integritätsschaden von 25 % aus, der ebenfalls zu zwei Fünftel unfallkausal wäre, und reduzierte die Integritätsentschädigung dementsprechend um 10 %. Soweit der Beschwerdegegner einwendet, die Folgen des anlässlich des Unfalls im Jahr 1980 erlittenen Schädelhirntraumas hätten über viele Jahre kompensiert werden können, weshalb kein Vorzustand vorgelegen habe, kann ihm nicht gefolgt werden. Dr. med. D.________ hatte nämlich gestützt auf das asim-Gutachten schlüssig aufgezeigt, dass die Symptomatik der Unfallfolgen unter starken Belastungen bereits im Anschluss an das Unfallereignis manifest geworden war und der Kern der erlittenen Schädigung im Sinne einer strukturell unfallbedingten kognitiven Beeinträchtigung über die Jahre letztendlich unverändert geblieben sei. Bei entsprechend erhöhter Vulnerabilität, den Folgen des permanenten kognitiven Mehraufwands zur Kompensation der Defizite und unter dem Druck der zusätzlichen Belastungen, so der Kreisarzt, sei es dann aber zu einer partiellen Dekompensation und Verschlechterung gekommen. Wenn die Suva bei dieser Ausgangslage von einem vorbestehenden Schaden ausging, der durch Rückfall oder Spätfolgen nach dem 1. Januar 1984 dauerhaft und erheblich zunahm, ist dies nicht zu beanstanden. Ein Anspruch auf Integritätsentschädigung bestand daher nach Gesagtem lediglich für die unter Geltung des UVG eingetretene Verschlimmerung entsprechend einem Integritätsschaden von 10 %.