Citation: 6B_743/2019 E. 1.3.2

1.3.2. Das erstinstanzliche Urteil erging am 17. August 2017. Mit Berufungsbegründung vom 13. Februar 2018 beantragte die Staatsanwaltschaft, den Beschwerdeführer für 10 Jahre des Landes zu verweisen. Der Beschwerdeführer beantragte mit Berufungsantwort vom 15. März 2018, die Berufung abzuweisen, das erstinstanzliche Urteil zu bestätigen und ihm die amtliche Verteidigung zu gewähren (Urteil S. 2). Der Beschwerdeführer erwähnte in seiner Berufungsantwort vom 15. März 2018 weder den behaupteten Zuzug in die Schweiz am 5. März 2018 noch die weiteren Umstände (oben E. 1.1). Die von ihm der Beschwerde in Kopie beigelegte Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA datiert vom 5. März 2018 und ist gültig bis zum 20. März 2023. Er teilte der Vorinstanz diesen nach dem erstinstanzlichen Urteil und vor der Einreichung der Berufungsantwort angeblich erfolgten Zuzug in die Schweiz nicht mit und erklärte sich in der Folge sogar mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstanden, in welchem "ausschliesslich" Rechtsfragen zu entscheiden sind (Art. 406 Abs. 1 lit. a StPO). Angesichts des Ausnahmecharakters des schriftlichen Berufungsverfahrens ist das Berufungsgericht zwar verpflichtet, im Einzelfall zu prüfen, ob die Voraussetzungen zur Durchführung des schriftlichen Verfahrens gegeben sind (Urteil 6B_606/2018 vom 12. Juli 2019 E. 3.5.3). In casu ordnete die Vorinstanz das schriftliche Verfahren indes nicht gestützt auf Art. 406 Abs. 2 StPO an, und der Beschwerdeführer bringt weder vor, dass die Vorinstanz zur Befragung des Beschwerdeführers veranlasst gewesen wäre noch legt er dar, warum er der Vorinstanz die vor Bundesgericht vorgebrachten unechten Noven nicht vorgetragen hatte. Der Grundsatz von Treu und Glauben, aus welchem sich das Verbot widersprüchlichen Verhaltens ergibt, verbietet es, bekannte rechtserhebliche Einwände der Vorinstanz vorzuenthalten und diese erst nach einem ungünstigen Entscheid im anschliessenden Rechtsmittelverfahren zu erheben (BGE 143 IV 397 E. 3.4.2 S. 406), sie also vor Bundesgericht erstmals geltend zu machen (vgl. Urteile 6B_205/2018 vom 5. März 2019 E. 1, 6B_1168/2017 vom 10. September 2018 E. 1, 6B_228/2018 vom 22. August 2018 E. 1.3), und zwar umso mehr, als der durch einen Strafverteidiger vor der Erst- und der Vorinstanz verbeiständete Beschwerdeführer mit der Zustimmung zum schriftlichen Berufungsverfahren auf die Geltendmachung neuer Tatsachen bzw. auf ein Beweisverfahren gerade ausdrücklich gültig verzichtet hatte.