Citation: 6B_966/2022 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erachtet nach Würdigung der Beweise zusammengefasst als erstellt, dass der Beschwerdeführer, der seit Oktober 2015 von der Beschwerdegegnerin 2 und deren Töchtern getrennt lebte, bereits vor dem 30. Juli 2016 gegenüber der Beschwerdegegnerin 2 mehrfach geäussert habe, er werde sie umbringen, er werde die Sache nicht halb machen, sondern zu Ende bringen, wenn er sie nicht haben könne, könne sie kein anderer haben, sei dies morgen oder in einer Woche. Er habe der Beschwerdegegnerin 2 auch damit gedroht, dass er ihr die Kehle durchschneiden werde. Am 30. Juli 2016 habe er sich gemeinsam mit seiner Tochter zu einer Steinsitzbank neben dem Domizil der Beschwerdegegnerin 2 begeben. In seiner Hosentasche habe er ein beidhändig aufklappbares Messer mitgeführt. Während er mit seiner Tochter auf der Steinsitzbank gesessen habe, sei zufälligerweise die Beschwerdegegnerin 2 mit dem Auto vorbei gefahren und habe - anstatt auf ihrem Parkplatz in der Nähe der Steinsitzbank - in der blauen Zone in der Nähe ihres Hauseingangs geparkt, da sie realisiert habe, dass der Beschwerdeführer mit seiner Tochter auf der Steinsitzbank gesessen habe. Der Beschwerdeführer sei aufgesprungen, als er die Beschwerdegegnerin 2 erblickt habe, und sei dieser zum Hauseingang nachgerannt. Seine Tochter sei auf der Steinsitzbank sitzen geblieben. Die Beschwerdegegnerin 2 habe die Einkaufstaschen zum Eingang ihres Domizils, eines Windfangs aus Glas, getragen und diese abgestellt, um die verschlossene Zugangstür zum Treppenhaus mit dem Schlüssel zu öffnen. Als sie den Beschwerdeführer hinter sich realisiert habe, und er sie an ihrem Arm gezogen habe, habe sie bestimmt gesagt, dass sie ihn nicht mehr sehen wolle, er weggehen solle, sie ihn hasse und sie die Polizei rufen werde. Daraufhin habe der Beschwerdeführer sie mit dem Messer, das er auf dem Weg zu ihr geöffnet gehabt habe, angegriffen und habe mindestens fünf Mal heftig und zielgerichtet auf sie eingestochen. Damit habe er bei ihr insgesamt acht Schnitt- resp. Stichverletzungen verursacht. Die Beschwerdegegnerin 2 habe sich noch zu schützen versucht, was ihr teilweise gelungen sei. Sie sei zu Boden gefallen und habe dem Beschwerdeführer einen Fusstritt versetzt. Aufgrund dessen sei er in seinem gleichbleibenden und wiederholenden Zustechen unterbrochen worden und habe von ihr abgelassen. Er habe den Tatort verlassen, sei zu seiner immer noch auf der Bank sitzenden Tochter gegangen und habe ihr gesagt, was sie tun solle. Er habe den Notruf gewählt und sich danach mit dem Tatmesser auf dem Polizeiposten gemeldet, wo er sich widerstandslos und in ruhigem Gemütszustand habe festnehmen lassen. In der Zwischenzeit sei es der in unmittelbarer Lebensgefahr schwebenden und auf dem Boden liegenden Beschwerdegegnerin 2, die um Hilfe gerufen habe, aufgrund ihrer blutverschmierten Finger nicht gelungen, selbst einen Notruf zu tätigen, weshalb sie die Wahlwiederholung gedrückt und ihre Freundin angerufen habe. Ausserdem habe sie die Klingel ihrer Wohnung gedrückt und ihrer Tochter über die Gegensprechanlage gesagt, dass etwas Schlimmes passiert sei, sie die Polizei und die Ambulanz rufen und nicht herunterkommen soll. Als Tatmotiv des Beschwerdeführers sei - so die Vorinstanz - eine Vielzahl an verschiedenen Ursachen wie Zurückweisung, Kränkung und die - mitunter auch kulturell bedingte - Demütigung aufgrund des vorgängigen Verlassenwerdens durch die ihm in vielerlei Hinsicht überlegene Beschwerdegegnerin 2 zu nennen. Der Beschwerdeführer habe während der eigentlichen Tatausführung in der Absicht gehandelt, die Beschwerdegegnerin 2 zu töten. Es sei ihm klar gewesen, dass seine überraschenden, heftigen und gezielten mindestens fünf Messerstiche bzw. acht tiefen Schnitt- resp. Stichverletzungen den Tod der Beschwerdegegnerin 2 ohne weiteres hätten herbeiführen können. Ohne rechtzeitige medizinische und chirurgische Intervention wäre sie gestorben (Urteil S. 38 f.). In rechtlicher Hinsicht erwägt die Vorinstanz, der Beweggrund des Beschwerdeführers zur Tat (Tatmotiv) sei nichtig gewesen und rechtfertige nicht im Ansatz einen Angriff auf Leib und Leben der Beschwerdegegnerin 2. Er habe sich nicht damit abfinden wollen und können, dass sie ihr eigenes Leben habe führen wollen und er darin keinen Platz mehr gehabt habe. Aufgrund seines kulturellen Hintergrundes habe er sich offensichtlich berechtigt gefühlt, die Beschwerdegegnerin 2 nach seinen Vorstellungen zu sanktionieren. Er habe am Tattag das Messer, wie er es schon früher angedroht gehabt habe, gegen die Beschwerdegegnerin 2 einsetzen wollen, um sie zu töten, nicht etwa, um ihr lediglich damit Angst zu machen. Er habe das Überraschungsmoment klar zu seinen Gunsten ausgenutzt. Die Beschwerdegegnerin 2 habe sich vor einer verschlossenen Tür befunden, gefangen in einem Hauseingang, hinter ihr der Beschwerdeführer mit dem Messer. Wegen des Grössenunterschieds zwischen ihnen und der besonders ausweglosen Situation, in die der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 im Windfang versetzt habe, sei heimtückisches Verhalten zu bejahen. Weiter erweise sich insbesondere die Art der Tatausführung als besonders verwerflich. Der Beschwerdeführer habe die Beschwerdegegnerin 2 mit einem sehr spitzen Messer mit einer "Clip-point-Klinge" der Länge von immerhin 9.8 cm brutal niedergestochen. Sein Vernichtungswille manifestiere sich in der ganzen Tatausführung (Anzahl und Wucht der Messerstiche), in Richtung linke Körperhälfte der Beschwerdegegnerin 2. Erst aufgrund eines Tritts habe der Beschwerdeführer sein Vorhaben aufgegeben. Mit insgesamt sieben [recte: acht], teils tiefen Stich- und Schnittwunden habe er der Beschwerdegegnerin 2 erhebliche Qualen zugefügt. Die Tatausführung grenze beinahe an ein Niedermetzeln, habe der Beschwerdeführer doch primär in Richtung der linken Körperhälfte (Herz) gestochen. Diese Vorgehensweise zeuge von einer besonderen Hartnäckigkeit und Grausamkeit sowie von einer Geringschätzung des menschlichen Lebens. Weiter habe er ein berechnendes, gefühlskaltes Verhalten gezeigt. Während der Tat habe er seine Tochter in unmittelbarer Nähe des Hauseingangs sitzen gelassen. Nach der Tat habe er sich ruhig verhalten und habe gegenüber seiner blutüberströmt am Boden liegenden Ex-Freundin keinerlei Emotionen gezeigt. Er habe keine erste Hilfe geleistet, sondern habe sich zuerst um seine Tochter gekümmert, anschliessend den Notruf gewählt und sich schliesslich der Polizei gestellt. Er habe seiner Tochter, die ihm offenbar nicht angemerkt habe, was passiert sei, klare Instruktionen gegeben, was sie zu tun habe. Während des Notrufs sei er geistig präsent gewesen und habe sogar die Adressangaben korrigiert. Sein mehrmaliges Vorbringen, wonach er den Notruf gewählt und damit der Beschwerdegegnerin 2 geholfen habe, belege letztlich, dass sein gefühlskaltes Nachtatverhalten prozesstaktisch motiviert gewesen sei. Das Nachtatverhalten könne somit nicht entlastend berücksichtigt werden. In einer Gesamtwürdigung aller äusseren und inneren Umstände komme sie, so die Vorinstanz, zum Schluss, dass der Beschwerdeführer skrupellos und egoistisch in einer für Mord typischen Weise gehandelt habe. Ferner habe er die Tat mit Wissen und Willen begangen. Sein Vorsatz habe sich auch auf die objektive Seite der die besondere Skrupellosigkeit seines Vorgehens begründenden Gegebenheiten bezogen. Es sei ihm bewusst gewesen, dass seine Beweggründe eine Tötung keinesfalls rechtfertigten und auch die Art der Tatausführung besonders verwerflich sei. Der Tod der Beschwerdegegnerin 2, herbeigeführt durch ein besonders skrupelloses Vorgehen, habe nach der Vorstellung des Beschwerdeführers das eigentliche Handlungsziel gebildet. Mithin habe er mit direktem Vorsatz gehandelt (Urteil S. 45 ff.).