Citation: I 858/05 06.04.2006 E. 3

3.1 Die IV-Stelle hat hinsichtlich der dem Beschwerdeführer noch zumutbaren Restarbeitsfähigkeit auf das Gutachten der MEDAS vom 16. August 2001 abgestellt. Danach ist er in einer körperlich leichten Tätigkeit ohne Zwangshaltung, ohne häufiges Bücken und langdauernde repetitive Tätigkeiten und ohne Heben und Tragen von Gewichten über fünf Kilogramm zu 70 % arbeitsfähig. 3.2 Der Beschwerdeführer erhebt verschiedene Einwände gegen die Beweiskraft dieser Einschätzung seiner Restarbeitsfähigkeit. 3.2.1 Er ist namentlich der Auffassung, die Beurteilung des verbliebenen Leistungsvermögens durch die Ärzte der MEDAS stehe entsprechend den Ausführungen des rheumatologischen Teilgutachters unter dem Vorbehalt, dass eine organisch-neurologische Läsion als Ursache der diffusen Schmerzsymptomatik und Sensibilitätsstörung ausgeschlossen werden könne. Der neurologische Teilgutachter der MEDAS hat zu dieser Problematik eingehend Stellung genommen und festgehalten, es müsse von einem rechtsbetonten sensiblen Parasyndrom mit dissoziierter Sensibilitätsstörung ausgegangen werden, dem ein organisches Korrelat (Hämatomyelie und Spinalkanaleinengung) zugrunde liege. Möglicherweise im Rahmen einer depressiven Störung oder einer Verarbeitungsstörung sei es zu einer Symptomausweitung mit Störung der Berührungswahrnehmung in der gesamten rechten Körperhälfte (mit Ausnahme des Gesichts) gekommen. Differentialdiagnostisch müsse eine posttraumatische Syringomyelie noch ausgeschlossen werden. Aus diesen Ausführungen geht klar hervor, dass es bei der vorgeschlagenen ergänzenden medizinischen Abklärung lediglich um die Ätiologie der neurologischen Diagnose, hingegen weder um das Vorliegen der entsprechenden Gesundheitsstörung an sich noch um deren funktionelle Bedeutung für das zurechenbare Leistungsvermögen ging. Dementsprechend wurden sowohl das Vorliegen einer Symptomausweitung bei Verarbeitungsstörung als auch eine posttraumatische Syringomyelie als Differentialdiagnosen in die neurologische Hauptdiagnose eines rechtsbetonten sensiblen Parasyndroms mit dissoziierter Sensibilitätsstörung aufgenommen. Die gutachterliche Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wurde nicht als vom medizinischen Ausschluss einer dieser beiden Differentialdiagnosen abhängig erklärt. 3.2.2 Der Beschwerdeführer verweist sodann auf den Bericht des Neurologen Dr. R.________ vom 15. Juli 2004, der ein ausgeprägtes Karpaltunnelsyndrom rechts diagnostizierte. Der Neurologe der MEDAS konnte demgegenüber anlässlich der Untersuchung vom 13. Juni 2001 weder anamnestische noch klinische Hinweise für ein Karpaltunnelsyndrom finden und stellte die Verdachtsdiagnose einer auf den Gebrauch eines Gehstockes zurückzuführenden leichten Nervus-ulnaris-Neuropathie rechts ohne relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die SUVA leistete Kostengutsprache für die operative Behandlung des von Dr. R.________ diagnostizierten Karpaltunnelsyndroms. Der Beschwerdeführer lehnte eine entsprechende Operation indes ab, weil er mit diesem Gesundheitsschaden leben könne. Ein Karpaltunnelsyndrom kann erfahrungsgemäss mit guter Prognose chirurgisch dekomprimiert werden und der entsprechende Eingriff ist, weil er keine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellt, auch zumutbar. Demgemäss verletzt der Beschwerdeführer mit der Ablehnung der diesbezüglichen medizinischen Behandlungsmöglichkeit seine Pflicht zur Selbsteingliederung (Art. 21 Abs. 4 ATSG; BGE 127 V 297 Erw. 4b/cc). Es ist ihm daher verwehrt, sich auf eine seit dem Gutachten der MEDAS als Folge des Karpaltunnelsyndroms rechts eingetretene Verschlechterung seiner Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu berufen. 3.2.3 Der Neurologe der MEDAS hat ferner die Verdachtsdiagnose einer Schallleitungsschwerhörigkeit rechts gestellt, diesbezüglich aber festgehalten, die (einseitige) Hörverminderung sei im Alltag gut kompensiert und für die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht relevant. Der Beschwerdeführer rügt, diese "weitere Beeinträchtigung seiner Lebensqualität" sei im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS unbeachtet geblieben, obwohl sie sich negativ auf seinen psychischen Zustand auswirke und seine sozialen Probleme vergrössere. Indessen ist nicht nachvollziehbar, weshalb eine kompensierte (einseitige) Beeinträchtigung des Hörvermögens ohne relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen psychischen Gesundheitsschaden zur Folge haben und die Verwertung der vorhandenen körperlichen Restarbeitsfähigkeit sozialpraktisch unzumutbar machen könnte. 3.2.4 Dem Bericht des Hausarztes Dr. M.________ vom 24. April 2003, wonach sich der körperliche Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit August 1998 nicht verbessert habe, kann schon deshalb keine Beweisbedeutung beigemessen werden, weil die vergleichende Fragestellung, ob seit der Verfügung vom 19. August 1998 eine gesundheitliche Besserung eingetreten sei, nicht entscheidwesentlich ist (Erw. 2.4 hievor). 3.2.5 Der Beschwerdeführer verweist schliesslich auf den Bericht der psychiatrischen Spezialärztin Dr. E.________ vom 10. April 2003, bei der er ab September 2002 in psychotherapeutischer Behandlung stand. Sie führte aus, der Beschwerdeführer leide "in letzter Zeit" an einer mittelschweren depressiven Störung mit gedrückter Stimmung, Freudlosigkeit, fremd- und selbstgefährlichen Impulsen, sozialem Rückzug, Schlaf-, Arbeits- und Konzentrationsstörungen, Essstörung mit Gewichtszunahme und körperlichen Schmerzen. Er sei zur Zeit nicht arbeitsfähig. Auch dieser fachärztliche Bericht ist nicht geeignet, die Beweiskraft der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Gutachten der MEDAS vom 16. August 2001 in Frage zu stellen. Die Annahme eines invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens setzt voraus, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen besteht, welche von belastenden psychosozialen oder soziokulturellen Faktoren herrühren, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde umfasst, so zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren Leidenszustand. Ist eine psychische Störung mit Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des psychischen Leidens willensmässig erwartet werden kann, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 127 V 299 Erw. 5a). Der Bericht der Frau Dr. E.________ enthält keine Angaben, wonach eine verselbständigte psychische Erkrankung vorliege. Ebenso wenig bietet er etwa Grundlage zur Annahme, die depressive Störung sei therapieresistent und chronifiziert. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer könne nicht mehr den Willen aufbringen, seine körperliche Restarbeitsfähigkeit zu verwerten. 3.3 Zusammenfassend haben somit Vorinstanz und IV-Stelle der Invaliditätsbemessung zu Recht die im Gutachten der MEDAS vom 16. August 2001 festgehaltene Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zugrunde gelegt.