Citation: 9C_762/2013 E. 4.2

4.2. Die Vornahme einer Wiedererwägung liegt in der ausschliesslichen Kompetenz der Verwaltung. Allein die IV-Stelle hätte es in der Hand gehabt, ihre rentenzusprechende Verfügung vom 27. April 2007 in Wiederwägung zu ziehen, nachdem sie zur Auffassung gelangt war, beim Verfügungserlass sei die Rechtsprechung zu den unklaren Beschwerdebildern zu Unrecht nicht berücksichtigt worden. Diese Kompetenz konnte sie auch nicht durch einen entsprechenden Antrag im kantonalen Beschwerdeverfahren an die Vorinstanz abtreten. Zum einen räumt Art. 53 Abs. 3 ATSG dem Versicherungsträger explizit die Möglichkeit ein, auf eine erst im Rechtsmittelverfahren als mangelhaft erkannte Verfügung zurückzukommen (und es stehen der versicherten Person gegen eine neue Verfügung wiederum alle Rechtsbehelfe zur Verfügung). Davon abgesehen, dass das Gericht, welches in der Sache noch nichts erwogen hat, bereits begrifflich nicht "wieder"erwägen kann, wäre zum andern mit einer solchen Kompetenzdelegation eine unzulässige Vermischung der Aufgaben von Verwaltung und Gericht verbunden (BGE 125 V 368 E. 3b S. 370). Dass ein Gericht befugt ist, eine auf Art. 17 ATSG gestützte Revisionsverfügung mittels substituierter Begründung der Wiedererwägung zu bestätigen, wenn erst im kantonalen Beschwerdeverfahren die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung festgestellt wird, ändert daran nichts. Das Gericht kann auf diesem Weg lediglich im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen, nach Gewährung des rechtlichen Gehörs, eine im Ergebnis richtige, aber falsch begründete Verfügung aus anderen rechtlichen Überlegungen schützen (BGE a.a.O. E. 3b S. 370). Kommt die Verwaltung selbst - auch erst lite pendente (in BGE 129 V 73 nicht publ. E. 2.2 des Urteils B 26/01 vom 29. November 2002) - zum Schluss, die von ihr erlassene Verfügung sei offensichtlich unrichtig, bleibt der Entscheid über eine Wiedererwägung nach dem Gesagten allein in ihrer Kompetenz. Im Übrigen fiele eine Wiedererwägung ohnehin ausser Betracht, weil die Verfügung vom 27. April 2007 nicht als offensichtlich unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinn bezeichnet werden kann. Eine solche Unrichtigkeit setzt voraus, dass kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung besteht und nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denkbar wäre (in BGE 140 V 15 nicht publ. E. 4.1 des Urteils 9C_125/2013 vom 12. Februar 2014 mit Hinweisen). Zwar entsprach es bereits im Frühjahr 2007 der bundesgerichtlichen Praxis, die für somatoforme Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze auch auf eine Fibromyalgie analog anzuwenden (BGE 132 V 65 E. 4.2 S. 71). Die erneute Zusprechung einer halben Invalidenrente im April 2007 erscheint aber im damaligen Kontext gleichwohl nicht als geradezu zweifellos unrichtig im Sinn der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Die Verfügung vom 27. April 2007 basierte auf aktualisierten medizinischen Berichten. So attestierte Dr. med. B.________, Facharzt Gynäkologie und Geburtshilfe, Chefarzt am Spital C.________, in seinem Bericht vom 17. Januar 2007 eine Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit zwischen 50 und 70 %. Insbesondere kam der RAD nach einem Gespräch mit der Versicherten vom 6. März 2007 zum Schluss, funktionell sei der Zustand vor der Krebserkrankung erreicht; die subjektive Einschätzung und die Schmerzsituation beeinflussten die Zumutbarkeit nicht, weshalb die Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwer wechselbelastende Tätigkeiten auf das frühere Niveau (50 %) festzulegen sei. Auch wenn durchaus Vorbehalte am Vorgehen des RAD und der IV-Stelle angebracht werden können (und aus heutiger Sicht ein invalidisierender Gesundheitsschaden verneint würde), erscheint die - ermessensgeprägte - Anspruchsprüfung nicht geradewegs als zweifellos unrichtig. Die vorinstanzlich verneinte Rechtmässigkeit der Rentenaufhebung ist damit im Ergebnis nicht zu beanstanden und der Anspruch der Beschwerdegegnerin auf eine halbe Invalidenrente zu bestätigen.