Citation: 4P.75/2006 30.06.2006 E. 2

Nach den Feststellungen des Obergerichtes wurde der zwischen den Parteien abgeschlossene Immobilien-Leasingvertrag per 30. September 2003 beendet. Der Restverkaufswert wurde von den Parteien übereinstimmend auf Fr. 716'130.-- festgelegt. Am 20. Oktober 2003 veräusserte die Beschwerdegegnerin das Objekt rückwirkend per 1. Oktober 2003 zu einem Preis von Fr. 575'000.-- (abzüglich Grundbuchgebühren und Handänderungssteuern von Fr. 4'366.85). Der Differenzbetrag von insgesamt Fr. 145'496.85 zuzüglich Zins bildet Gegenstand der vom Obergericht zu beurteilenden Klage. 2.1 Umstritten ist einerseits die Frage, ob die vertragliche Grundlage, auf welche die Beschwerdegegnerin ihren Anspruch abstützt, formgültig ist; diese Frage ist im Berufungsverfahren zu beurteilen. Andrerseits ist umstritten, ob der Beschwerdegegnerin eine Verletzung der Treuepflichten vorzuwerfen ist, weil der Verkehrswert der in Frage stehenden Liegenschaft wesentlich höher als der von der Beschwerdegegnerin erzielte Verkaufserlös von Fr. 575'000.-- liege. Zur Begründung dieser Behauptung hat die Beschwerdeführerin auf zwei Gutachten verwiesen, welche den Verkehrswert der Liegenschaft auf Fr. 855'000.-- bzw. Fr. 1'177'000.-- bezifferten. Weiter hat die Beschwerdeführerin als Beweis für ihren Standpunkt das Einholen einer gerichtlichen Expertise zum Verkaufwert der Liegenschaft im massgeblichen Zeitpunkt im Jahr 2003 und das Einholen einer Amtsauskunft des Grundbuchamtes Frauenfeld über einen allfälligen Weiterverkauf der Liegenschaft durch den Käufer und den von ihm erzielten Kaufpreis beantragt. 2.2 Zu diesen Beweisanträgen hat das Obergericht ausgeführt, es gebe keinerlei Indizien für einen treuwidrigen Verkauf der Liegenschaft durch die Beschwerdegegnerin und die Beschwerdeführerin habe nicht rechtsgenüglich substantiiert, dass für das Leasingobjekt im fraglichen Zeitpunkt bei angemessenen Bemühungen ein höherer als der realisierte Preis hätte erzielt werden können. Entsprechend sei kein Beweisverfahren durchzuführen. Wenn es an der erforderlichen Substantiierung der Parteibehauptungen fehle, erübrige sich ein Beweisverfahren, weil dieses nicht dazu da sei, ungenügende Sachdarstellungen zu vervollständigen. 2.3 Die Beschwerdeführerin wirft dem Obergericht vor, in willkürlicher Weise die Durchführung eines Beweisverfahrens abgelehnt und dadurch gegen Art. 9 BV verstossen zu haben. Diesbezüglich scheint die Beschwerdeführerin zu übersehen, dass nur dann ein Beweisverfahren durchzuführen ist, wenn die betreffende Prozesspartei die Sachdarstellungen im kantonalen Verfahren substantiiert vorgebracht hat. Die im vorliegenden Fall effektiv umstrittene Frage, ob die Behauptungen der Beschwedeführerin den Anforderungen an die Substantiierung genügen, kann nicht im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde überprüft werden. Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob die geltend gemachten Tatsachen genügend substantiiert worden sind, damit sie unter die massgeblichen Bestimmungen des materiellen Rechts subsumiert werden können, nach Bundesrecht (BGE 127 III 365 E. 2b S. 368, 123 III 183 E. 3e S. 188, 108 II 337 E. 2 und 3). Gegenstand des Verfahrens ist somit nicht eine willkürliche - antizipierte - Beweiswürdigung, wie die Beschwerdeführerin mit staatsrechtlicher Beschwerde geltend macht, sondern die Frage, ob sie ihrer Substantiierungspflicht nachgekommen ist, damit überhaupt ein Beweisverfahren über die von ihr aufgestellten Behauptungen durchgeführt werden kann. Da diese Frage jedoch wie erwähnt nach Bundesrecht zu beurteilen ist, hätte sie im Berufungsverfahren geltend gemacht werden müssen (Art. 43 Abs. 1 OG). Die staatsrechtliche Beschwerde steht nicht zur Verfügung (Art. 84 Abs. 2 OG). Auf die staatsrechtliche Beschwerde ist daher nicht einzutreten. 2.4 Auch unter der Annahme, dass die Behauptungen der Beschwerdeführerin ausreichend substantiiert worden wären und somit die Durchführung eines Beweisverfahrens überhaupt erst möglich gewesen wäre, hätte das Obergericht ohne Willkür in antizipierter Beweiswürdigung auf das Erheben von Beweisen - insbesondere die Einholung eines Gutachtens zur Ermittlung des Verkehrswertes der fraglichen Liegenschaft - verzichten dürfen. Massgebend für die Berechnung eines allfälligen Ersatzanspruches der Beschwerdegegnerin ist nicht der "Verkehrswert", welchen die Beschwerdeführerin mittels gerichtlichem Gutachten ermittelt haben will, sondern der "Nettoerlös" im Sinn von Ziff. 12.3 des Immobilien-Leasingvertrages. In Bezug auf den hier einzig relevanten "Nettoerlös" hat das Obergericht unangefochten festgehalten, dass die Beschwerdegegnerin die Liegenschaft dem von der Beschwerdeführerin zugeführten Käufer veräussert habe. Die Beschwerdeführerin habe keinen Käufer beibringen können, der einen höheren Preis bezahlt hätte. Ferner habe die Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin auch in Bezug auf den ihr mitgeteilten Kaufpreis von Fr. 575'000.-- ausdrücklich "keinen Einspruch" erhoben. Wenn aber fest steht, dass die Beschwerdeführerin den Käufer selbst zugeführt und sich mit dem mitgeteilten "Erlös" ausdrücklich einverstanden erklärt hat, erübrigen sich gerichtliche Abklärungen zum Verkehrswert. Falls die Beschwerdeführerin ihrer Obliegenheit, ihren Standpunkt genügend zu substantiieren, überhaupt nachgekommen wäre, wäre der Verzicht auf Beweiserhebungen somit keineswegs unzulässig - und erst recht nicht willkürlich - gewesen.