Citation: 8C_1022/2008 30.07.2009 E. 6

6.1 Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung bildet das (objektiv erfassbare) Unfallereignis. Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Anknüpfend an das Unfallereignis ist - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - zu unterscheiden zwischen banalen bzw. leichten Unfällen einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich. Während der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 mit Hinweisen). 6.2 Das Unfallereignis vom 3. Juli 2004 ist sicher nicht als schwer zu beurteilen. Wenn die Vorinstanz auf einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen schliesst, lässt sich dies im Lichte der Rechtsprechung zur Unfallschwere nicht beanstanden, jedoch als wohlwollend qualifizieren. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn die in E. 10.2 und 10.2.1-10.2.7 des Urteils BGE 134 V 109 (S. 127 ff.) überarbeiteten und nunmehr in ihrer Fassung gemäss E. 10.3 (S. 130) relevanten Kriterien gehäuft gegeben wären oder eines der Kriterien in besonders ausgeprägter Weise vorliegen würde (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f.). 6.2.1 Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls sind nicht auszumachen. Das Aufprallen eines Balles auf den Kopf an einem Strand, an welchem Fussball gespielt wurde, ist mit der Vorinstanz objektiv nicht als besonders dramatisch oder eindrücklich zu bewerten. Auch der Umstand, dass sich der Vorfall in den Ferien ereignete, ändert an dieser Beurteilung nichts. L.________, wo sich der Beschwerdeführer zur Zeit des Unfalls aufhielt, ist eine bekannte Destination auf der Insel Z.________, weshalb in der Ferienzeit Juli an diesem Ort mit einer belebten Stimmung gerechnet werden musste. 6.2.2 Was das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen anbelangt, hat das Bundesgericht in E. 10.2.2 (mit diversen Hinweisen) des Urteils BGE 134 V 109 (S. 127 f.) präzisiert, dass die Diagnose eines Schleudertraumas der HWS dieses für sich allein nicht zu begründen vermag. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Verletzungsbild typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können. Es kann sich dabei beispielsweise um eine beim Unfall eingenommene spezielle Körperhaltung und die dadurch bewirkten Komplikationen handeln (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 E. 5.3, U 339/06; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3 mit Hinweisen, U 380/04). Wenn eine Person jedoch auf einem Liegestuhl sitzend von einem Fussball am Kopf getroffen wird, wird dadurch nicht eine besondere Schwere der Verletzung bewirkt. Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127). Solche sind vorliegend jedoch ebenfalls nicht auszumachen. 6.2.3 Das Kriterium der fortgesetzten spezifischen und belastenden ärztlichen Behandlung kann mit der Vorinstanz nicht als erfüllt betrachtet werden. Der Beschwerdeführer befand sich lediglich ein einziges Mal vom 10. Januar bis 15. Februar 2005 in der Rehabilitationsklinik X.________ in stationärer Obhut. Die übrigen Behandlungen erfolgten stets ambulant und die Therapiemassnahmen beschränkten sich im Wesentlichen auf Physiotherapie und Schmerzmedikation. Wohl sind zahlreiche ärztliche Behandlungen ausgewiesen, diese waren aber zum Teil auch durch Arztwechsel bedingt. 6.2.4 Adäquanzrechtlich bedeutsam können im Weiteren nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch vorhandene erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach Massgabe der glaubhaften Schmerzen und der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128). Der Beschwerdeführer litt an praktisch permanent bestehenden Kopf- und Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den rechten Arm. Das Kriterium ist daher mit der Vorinstanz - wenn auch nicht besonders ausgeprägt - als gegeben zu betrachten. 6.2.5 Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlechtert hat, ist nicht auszumachen und wird auch nicht geltend gemacht. 6.2.6 Das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen kann mit der Vorinstanz unter Hinweis auf das Urteil U 444/05 vom 6. November 2006 E. 7.2 verneint werden. So hat der Beschwerdeführer ihm empfohlene ärztliche Behandlungen abgelehnt oder erst verzögert akzeptiert, wie beispielsweise die medikamentöse antidepressive Therapie. Auch wurden während des Aufenthaltes des Versicherten in der Rehabilitationsklinik X.________ unspezifische Auffälligkeiten der kognitiven Leistungsfähigkeit und des Verhaltens diagnostiziert, wobei diese Befunde einerseits mit der suboptimalen Leistungsbereitschaft und andererseits mit der regelmässigen Einnahme von Tramal und Alkohol in Zusammenhang gebracht wurden. Diese Faktoren haben allenfalls den Heilungsverlauf erschwert, sind jedoch auf eigenes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen, mit welchem er mitunter auch die ihm obliegende Schadenminderungspflicht nicht erfüllt hat. Das Kriterium "schwieriger Heilungsverlauf" kann damit nicht begründet werden. 6.2.7 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 f. mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, dass er gemäss Gutachten der Rahabilitationsklinik Y.________ vom 25. Januar 2007 nach dem Unfallereignis gar nie mehr arbeitsfähig gewesen sei und er daher keine Versuche habe unternehmen können, seine Arbeitsunfähigkeit durch entsprechende Anstrengungen zu reduzieren. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass der Versicherte auch dann entsprechende Anstrengungen hätte unternehmen und beispielsweise einen Arbeitsversuch über einen gewissen Zeitraum antreten können. Ein ärztliches Arbeitsunfähigkeitsattest entbindet einen Versicherten rechtsprechungsgemäss letztlich nicht von der Schadenminderungspflicht (vgl. SVR 2009 UV Nr. 13 S. 52, 8C_590/2007). Die Rehabilitationsklinik X.________ erwähnt sodann wahrscheinlich vorbestehende akzentuierte Persönlichkeitszüge mit Leistungsorientierung, Rigidität und Eigensinn, wobei auch ein langjähriger schädlicher Gebrauch von Alkohol und Nikotin zu verzeichnen sei. Offensichtlich haben diese Persönlichkeitszüge mitbewirkt, dass der Beschwerdeführer keine Versuche unternahm, seine Arbeitsunfähigkeit zu reduzieren. Schliesslich kann der Versicherte nicht geltend machen, dafür sei sein Alter von 57 Jahren im Zeitpunkt des Unfallereignisses massgebend. Dieses Alter verunmöglicht noch nicht a priori die Wiederintegration in den Arbeitsprozess wie bei einem kurz vor Erreichen des AHV-Alters stehenden Versicherten. Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesenen Anstrengungen ist daher mit der Vorinstanz zu verneinen. 6.2.8 Zusammenfassend ist höchstens das Kriterium der erheblichen Beschwerden - und dieses auch nicht ausgeprägt - als gegeben zu betrachten. Der adäquate Kausalzusammenhang der vom Beschwerdeführer über den 31. Juli 2006 hinaus geltend gemachten Beschwerden mit dem Unfallereignis ist somit nicht gegeben und die Beschwerde in diesem Hauptpunkt abzuweisen.