Citation: K 8/00 24.01.2001 E. 3

3.- a) Der Beschwerdeführer leidet unbestrittenermassen - auch nach dem 1. November 1998 - an einem psychischen Gesundheitsschaden mit Krankheitswert im Sinne von Art. 2 Abs. 1 KVG (vgl. RKUV 1995 Nr. K 969 S. 169 f. Erw. 2b). Seinem Begehren um Übernahme von zwei einstündigen Therapiesitzungen pro Woche durch die Concordia über den 1. November 1998 hinaus kann indessen nur entsprochen werden, wenn eine "begründete Ausnahme" nach Art. 3 Abs. 1 KLV vorliegt. Der Beschwerdeführer hält diese Voraussetzung für erfüllt, während die Concordia den - durch die Vorinstanz bestätigten - gegenteiligen Standpunkt vertritt. b) Rechtsprechungsgemäss kann eine "begründete Ausnahme" im Sinne von Art. 3 Abs. 1 KLV nicht nur vorliegen, wenn ein schweres Krankheitsbild diagnostiziert ist, sondern auch in anderen Fällen, in welchen besondere Umstände gemäss überzeugend begründeter ärztlicher Bescheinigung eine den Rahmen von Art. 3 Abs. 1 KLV sprengende Behandlung erforderlich machen (BGE 125 447 Erw. 4b; SVR 2000 KV Nr. 29 S. 93 Erw. 2b). c) Das kantonale Gericht hat das Vorliegen einer Ausnahmesituation verneint unter Hinweis auf die in den Berichten von H.________ und der delegierenden Ärztin, Frau Dr. med. W.________, vom 18. Mai 1995, 18. November 1996, 29. Januar 1998 und 1. Februar 1999 sowie des Dr. med. I.________ vom 28. Juli 1999 enthaltenen Angaben. Gemäss Bericht vom 18. Mai 1995 leidet der Beschwerdeführer an einer schweren depressiven Episode bei narzisstischer Persönlichkeitsstörung, wobei das Therapieziel mit "soziale Reintegration" und "Symptomfreiheit" umschrieben wird. Über ein Jahr später führte der behandelnde Therapeut aus, der Zustand des Beschwerdeführers habe sich gebessert, sei aber immer noch sehr schwankend. Angestrebt wurden nun Arbeitsfähigkeit sowie Stützung und Stärkung der Persönlichkeit (Bericht vom 18. November 1996). Am 29. Januar 1998 gab H.________ an, es herrsche nunmehr nebst einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung das Krankheitsbild einer rezidivierenden depressiven Störung vor, und er hielt zusammenfassend fest, der "Patient macht eine sehr gute Therapie, arbeitet aktiv und engagiert mit, will «unbedingt gesund» werden, und es besteht eine sehr gute und reelle Chance, dass er wieder voll arbeitsfähig wird, wenn die Therapie in einer seriösen, d.h. der schweren Problematik angemessenen, Frequenz weitergeführt werden kann". Dem Bericht vom 1. Februar 1999 zu Folge machte der Beschwerdeführer im Jahr 1998 grosse Fortschritte, "so dass die berechtigte Hoffnung besteht, dass er es in ein, zwei Jahren geschafft hat". Die Weiterführung der zwei wöchentlichen Behandlungsstunden wurde mit dem Argument begründet, diese Frequenz sei notwendig, um dem Beschwerdeführer Halt, Orientierung, Mut, Kraft und Glauben zu geben. Dr. med. I.________ diagnostizierte in seinem Bericht vom 28. Juli 1999 eine schwere neurotische Entwicklungsstörung im Sinne eines narzisstischen Mankos bei einer gleichzeitig rigiden, zwanghaften und masochistischen Überichstruktur, wobei weder eine "depressive Entwicklung noch eine endogene Depression im engeren Sinne" vorliege. Der Patient befinde sich - so der Arzt im Folgenden - in einer labilisierten Übergangs- und Fortschrittsphase, die eine Weiterführung der Therapie mit zwei Wochenstunden - zumindest für ein Jahr - vertretbar, ja sogar empfehlenswert erscheinen lasse. Angesichts dieser Stellungnahmen ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass dem psychischen Leiden des Beschwerdeführers eine tendenzielle Chronifizierung nicht abzusprechen ist, welche sich namentlich in der langen Behandlungsdauer sowie im - verglichen mit den formulierten Therapiezielen - eher bescheidenen therapeutischen Erfolg manifestiert. Da durch die Psychotherapie indes auch gewisse, im Falle eines Behandlungsabbruches gefährdete Fortschritte erzielt werden konnten, ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer über den 1. November 1998 hinaus therapeutischen Beistands bedarf. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb der von der Concordia bewilligte Behandlungsrhythmus (eine Sitzung pro Woche) den medizinischen Erfordernissen nicht gerecht werden sollte. Während H.________ und Frau Dr. med. W.________ die Weiterführung der zweimaligen wöchentlichen Sitzungen im Januar 1998 als für zur Zeit nötig erachteten, um den Heilungsprozess in Gang zu halten, und durch die vorgesehene Reduktion eine Gefährdung des Heilungserfolges, eine Zerstörung des bisherigen Therapieresultates sowie eine Chronifizierung der Krankheit befürchteten, begründeten sie die intensive Behandlungsfrequenz im Februar 1999 lediglich noch mit dem Argument, dadurch würden dem Beschwerdeführer Halt, Orientierung, Mut, Kraft und Glauben vermittelt. Da vorliegend die Zusprechung von Leistungen für die Zeit ab November 1998 zur Frage steht, kommt in erster Linie der letztgenannten Aussage Relevanz zu. Diese betont jedoch primär die stützende und begleitende Funktion der Therapie, welche indes weder auf das Vorliegen eines schweren Krankheitsbildes noch besonderer - eine den Rahmen von Art. 3 Abs. 1 KLV sprengende Behandlung erforderlich machende - Umstände im Sinne der Rechtsprechung schliessen lässt. Ebenso wenig kann in Bezug auf die Aussage des Dr. med. I.________ von einer begründeten medizinischen Ausnahmesituation gesprochen werden, hält dieser die Weiterführung der Behandlung im bisherigen Umfang doch lediglich für "vertretbar" und "empfehlenswert". Von einer eigentlichen Notwendigkeit kann anhand seines Berichtes jedenfalls nicht die Rede sein. Da die Unabdingbarkeit von zwei einstündigen Behandlungssitzungen pro Woche demnach auf Grund der medizinischen Gegebenheiten ab 1. November 1998 nicht ausgewiesen ist, bleibt es bei der vorinstanzlich bestätigten Pflicht der Concordia, die Kosten einer wöchentlichen Therapiestunde zu übernehmen.