Citation: U 510/06 19.09.2007 E. 3

Zunächst stellt sich die Frage, ob und gegebenenfalls inwieweit die angegebenen Beschwerden auf das Unfallereignis vom 3. Mai 1993 zurückzuführen sind. Als Grundvoraussetzung für jegliche Leistungspflicht der Unfallversicherung muss der natürliche und adäquate Kausalzusammenhang zwischen Gesundheitsschädigung und versichertem Unfallereignis erstellt sein. 3.1 Die einmal anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers entfällt erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der vorhandenen Beschwerden darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines (krankhaften) Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein, wobei sich eine allfällige Beweislosigkeit zum Nachteil des Unfallversicherers auswirkt, welcher mit der Einstellung seiner Versicherungsleistungen aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweis). 3.2 Gemäss ZMB-Gutachten vom 12. November 2002 leidet der Beschwerdeführer an positions- und belastungsabhängigen Schmerzen im Nackenbereich mit Ausstrahlungen in die linke Schulter und bei Anstrengungen sowie brüsken Bewegungen auch gegen den Hinterkopf bis in den Scheitel links. Diese hat die Winterthur als natürlich kausale Unfallfolge anerkannt. Zwar finden sich bei klinisch deutlich eingeschränkter Beweglichkeit radiologisch erhebliche degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule mit Osteochondrosen sämtlicher Segmente, Spondylosen und Spondylarthrosen sowie massiven ventralen Osteophytenbildungen an allen Wirbelkörpern. Dieser Befund könnte die angegebene Schmerzsymptomatik nach Ansicht der Gutachter des ZMB auch alleine erklären. Aus dem Umstand, dass nach dem Unfall vom 3. Mai 1993 Hämatome und Schürfwunden am Hals beschrieben wurden, wird im Gutachten des ZMB aber gefolgert, dass eine Verletzung im Nackenbereich anzunehmen und davon auszugehen sei, dass durch den Unfall vorbestehende Veränderungen erstmals manifest und schmerzhaft geworden sind; damit bestehe überwiegend wahrscheinlich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Ereignis und dem heutigen Beschwerdebild. Da nicht gesagt werden kann, ob die degenerativen Veränderungen ohne das Unfallereignis ebenfalls zu den heutigen Beschwerden geführt hätten, nahm die Vorinstanz mit den Ärzten des ZMB eine dauerhafte Verschlimmerung eines Vorzustandes an. Diese Betrachtungsweise ist nicht zu beanstanden. Der Unfall vom 3. Mai 1993 ist zumindest als Teilursache des somatischen Beschwerdebildes zu sehen und vermag als solche grundsätzlich auch eine Leistungspflicht des Unfallversicherers zu begründen. 3.3 Aktenkundig sind des Weitern Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Vergesslichkeit, Angstzustände, Nervosität, Ohrensausen und verschwommenes Sehen; auch ist von hypochondrischen und phobischen Zügen die Rede. Zumindest teilweise mag damit zwar ein "buntes Beschwerdebild" vorliegen, wie es nach Schleudertraumata der Halswirbelsäule oder diesem äquivalenten Verletzungen und auch nach Schädelhirntraumata oftmals beobachtet wird. Dennoch kann der natürliche Kausalzusammenhang zwischen diesen Erscheinungen und dem Unfallereignis vom 3. Mai 1993 nicht als erwiesen gelten. Entgegen der Darstellung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde trifft es denn auch nicht zu, dass die Vorinstanz die natürliche Kausalität des Unfalles für die kognitiven Störungen bejaht hätte. Vielmehr hat sie im angefochtenen Entscheid ausdrücklich festgehalten, gestützt auf das Gutachten des ZMB sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 3. Mai 1993 kein schweres Schädelhirntrauma erlitten hat und dass deshalb die von den Gutachtern festgestellte Wesenveränderung mit Affektlabilität, Konfabulationen und kognitiven Einschränkungen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf diesen Unfall zurückzuführen ist; für die 100 %ige Arbeitsunfähigkeit, die dem Beschwerdeführer auf Grund seiner kognitiven Beeinträchtigungen bescheinigt wird, habe demnach nicht die Unfallversicherung einzustehen. Die psychiatrische Exploration im ZMB hat eine organische Persönlichkeitsstörung mit anhaltender kognitiver Beeinträchtigung ergeben. Ein schweres Schädelhirntrauma, wodurch die kognititven und organisch psychischen Störungen erklärt werden könnten, schliesst der Psychiater des ZMB aus; die hirnorganische Störung sei nur möglicherweise auf den Unfall vom 3. Mai 1993 zurückzuführen; für die Anerkennung der geltend gemachten Störungen als Unfallfolge müsste hingegen ein ganz erhebliches Schädelhirntrauma vorgelegen haben, was beim Unfall vom 3. Mai 1993 nicht der Fall gewesen sei; es habe allenfalls eine leichte commotio cerebri bestanden, bei welcher - ebenso wie bei einer Distorsionsverletzung der Halswirbelsäule - derartige Störungen neun Jahre nach dem Unfall nicht erwartet werden können. Auf Grund dieser Beurteilung können die kognitiven Einschränkungen des Beschwerdeführers mit den damit verbundenen persönlichen Auffälligkeiten mit teils auch psychischen Komponenten nicht auf das Unfallereignis vom 3. Mai 1993 zurückgeführt werden. Kommt hinzu, dass - worauf Dr. med. H.________, beratender Arzt der Winterthur, bereits in einem Bericht vom 2. Juni 1999 mit Recht hingewiesen hat - neuropsychologische Störungen erst mit einer Latenz von rund drei Jahren nach dem Unfall aufgetreten sind, was ebenfalls gegen eine Unfallkausalität spricht. In Kenntnis der Expertise des ZMB hält denn auch Dr. med. C.________, beratender Psychiater der Winterthur, in einer Stellungnahme vom 3. Dezember 2003 dafür, eine unfallkausale Verursachung des psychoorganischen Beschwerdebildes sei allerhöchstens möglich, aber äusserst unwahrscheinlich. 3.4 Mangels hinreichend ausgewiesener natürlicher Kausalität haben folgerichtig weder die Winterthur noch das kantonale Gericht eine Adäquanzprüfung vorgenommen. Die daraufhin ausgerichteten Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gehen von vornherein fehl.