Citation: 1C_22/2023 E. 3.6.1

3.6.1. Die Vorinstanz hält im angefochtenen Urteil zwar fest, aufgrund des kantonalen Richtplans sei von einer Zuordnung des betreffenden Grundstücks zum Siedlungsgebiet auszugehen. Woraus sich dies aus dem kantonalen Richtplan konkret ergeben soll, führt die Vorinstanz jedoch nicht weiter aus. Soweit sie dabei auf die zum Richtplan gehörende Karte (vgl. Art. 6 Abs. 1 RPV [SR 700.1]) abstellt, ist nicht ersichtlich, dass die betreffende Parzelle zum Baugebiet zu zählen wäre. Dies gilt sowohl für die im Zeitpunkt der Baueingabe genehmigte Richtplankarte als auch für die seither erfolgten Änderungen (vgl. Übersicht zu den verschiedenen Richtplanänderungen mit Karte und Text: < https://raumentwicklung.tg.ch/themen/kantonaler-richtplan.html/4211 > [besucht am 20. Juni 2024]). Auf den jeweiligen Richtplankarten ist im Bereich des streitgegenständlichen Grundstücks lediglich die Bahnlinie erkennbar, welche mit einem violetten Strich dargestellt, das nördlich gelegene Siedlungsgebiet vom sich südlich befindlichen Landwirtschaftsgebiet trennt. Es ist auch nicht das Ziel des Richtplans, die zulässige Nutzung des Bodens für jede Parzelle zu ordnen; diese Aufgabe kommt den Nutzungsplänen (Art. 14 ff. RPG) zu. Die Richtpläne der Kantone (Art. 6 ff. RPG) zeigen dagegen lediglich in den Grundzügen auf, wie sich ihr Gebiet räumlich entwickeln soll (vgl. Urteil 1C_139/2017 vom 6. Februar 2018 E. 4.2; zum Ganzen: BGE 140 II 262 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Von vornherein nicht abgestellt werden kann auf die vom Departement für Bau und Umwelt herangezogene kantonale Richtplankarte, welche im kantonalen Geoportal ThurGIS in einem nicht öffentlich zugänglichen Massstab dargestellt werde. Die nebst dem Text zum Richtplan gehörende Karte wird in der Regel im Massstab 1:50'000 dargestellt (vgl. Art. 6 Abs. 1 und 2 RPV). So wurden auch für den Kanton Thurgau die Richtpläne mit ihren Karten jeweils im Massstab 1:50'000 genehmigt (siehe wiederum die jeweiligen Genehmigungsberichte und publizierten Karten unter < https://raumentwicklung.tg.ch/themen/kantonaler-richtplan.html/4211 > [besucht am 20. Juni 2024]). Insofern ist auch nur die Richtplankarte im genehmigten Massstab verbindlich (vgl. Art. 11 Abs. 2 RPG). Weiter bringt das Departement für Bau und Umwelt vor, das im kantonalen Richtplan festgelegte Siedlungsgebiet umfasse ausdrücklich sämtliche Bauzonen inklusive der Verkehrsflächen (vgl. Kantonaler Richtplan, Kapitel 1.1 [Siedlungsgebiet], S. 1; Erläuterungen zum Planungsgrundsatz 1.1 A, < https://raumentwicklung.tg.ch/themen/kantonaler-richtplan.html/4211 > [besucht am 20. Juni 2024]). Hiermit sind lediglich die Verkehrsflächen angesprochen, welche klarerweise innerhalb der Bauzone liegen. Dies ist für die streitgegenständliche Parzelle, die sich am Siedlungsrand befindet, gerade umstritten (siehe dazu nachfolgend E. 3.6.2). Folglich ist auch dieser Hinweis im Richtplantext kein taugliches Indiz für die Zuordnung dieser Parzelle zum Baugebiet. Angesichts dessen kann auch aus dem Hinweis, dass fehlerhafte Zuweisungen von Verkehrsflächen zur Bauzone im kantonalen Richtplan korrigiert worden seien und das Grundstück Nr. 2677 davon nicht betroffen gewesen sei, nichts abgeleitet werden.