Citation: I 292/05 19.10.2005 E. 5

Sowohl Vorinstanz als auch Verwaltung stützen ihre Argumentation massgeblich auf das polydisziplinäre Gutachten des ABI ab. Näher zu prüfen ist demnach, wie die gutachterliche Schlussaussage des ABI vom 2. September 2002, es bestünde in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von mindestens 70 %, zu werten ist. Zu beachten ist dabei, dass der Entscheid, ob überhaupt und allenfalls in welchem Umfang der zulässigerweise herangezogene Tabellenlohn auf dem Weg zum Invalidenverdienst herabzusetzen ist, nicht schematisch, sondern unter Berücksichtigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu entscheiden ist (BGE 126 V 79 Erw. 3b/aa). 5.1 Das Gutachten wurde durch Dr. med. F.________, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie FMH, Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie den Internisten Dr. med. L.________ gemeinsam erstellt. Dabei wurde der Explorand neben der keine Auffälligkeiten zu Tage bringenden internistischen Untersuchung durch den Letztgenannten rheumatologisch durch Dr. med. F.________ und psychiatrisch durch Dr. G.________ begutachtet. Die beiden Fachärzte gaben zunächst getrennte Stellungnahmen ab, ehe eine multidisziplinäre Konsensbesprechung zur oben erwähnten Gesamtbeurteilung führte. 5.1.1 Fachärztlich umschrieb der Rheumatologe die leidensadaptierte Tätigkeit näher mit körperlich leichter, kein repetitives Bücken oder Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten über 3-5 kg erheischende Arbeit ohne wiederholte Überkopfarbeiten. Die Auswirkungen des Schmerzsyndroms auf die Arbeitsfähigkeit in einer derartigen Tätigkeit schätzte er alsdann unter Verweis auf die nur bedingt klinisch und bildgebend erklärbare Schmerzsymptomatik gesamthaft ein. Dabei legte er die verbliebene Leistungsfähigkeit nicht ohne Restzweifel auf 70 % der Norm fest, was insbesondere im Hinweis auf den arbiträren Charakter der Einschätzung und auf die in der Vergangenheit liegenden diskrepanten Beurteilungen anderer Ärzte zum Ausdruck kam. 5.1.2 Der Psychiater Dr. med. G.________ fand seinerseits lediglich eine leichtgradige depressive Störung. Bei der von ihm zusätzlich erwähnten somatoformen Schmerzstörung ist sodann zu beachten, dass diese als solche keine Invalidität zu begründen vermag. Rechtsprechungsgemäss besteht die Vermutung, die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen seien mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar (näheres dazu: BGE 131 V 50 Erw. 1.2 mit Hinweisen). Hinreichende Anhaltspunkte, die für Gegenteiliges im konkreten Fall sprechen, finden sich im Gutachten keine. Trotzdem schloss Dr. med. G.________ auf eine psychisch bedingte Leistungseinbusse von insgesamt 20 % in einer dem körperlichen Leiden angepassten sowie der angestammten Tätigkeit. Mit anderen Worten: Er schätzte das Ausmass der klinisch nicht klar erfassbaren Leistungsreduktion des Schmerzsyndroms auf 20 % der Norm ein und damit etwas zurückhaltender als Dr. med. F.________, welcher von 30 % ausging. Gemeinsam ist beiden Einschätzungen der Versuch, die gleiche Grundproblematik - wenn auch von unterschiedlicher Fachrichtung her - zu erfassen, worauf in der gemeinsamen Schlussbeurteilung ausdrücklich hingewiesen wird. Dass der Konsensualeinschätzung schliesslich eine Restarbeitsfähigkeit von "mindestens 70 %" zu Grunde gelegt wurde, ist demnach als die Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu werten. 5.2 Diese Einschätzung ist des Weiteren in einen Gesamtkontext zu den anderen in den Akten befindlichen ärztlichen Aussagen zu stellen, zumal sich der Gesundheitszustand als seit geraumer Zeit stabil präsentierte. 5.2.1 Dr. med. W.________, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, schätzte die Leistungsfähigkeit des Versicherten am 30. April 1999 bei bereits zu diesem Zeitpunkt bestehender Schmerzsymptomatik mit 80 % der Norm identisch ein wie später der Psychiater des ABI. Die psychiatrische Klinik des Spitals X.________ setzte umgekehrt am 10. Mai 2000 die Arbeitsunfähigkeit auf 25 % der Norm fest und lag damit noch unter der Konsensualschätzung des ABI. 5.2.2 In den Akten findet sich auch eine weitere Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit aus rein rheumatologischer Sicht durch Ärzte des Spitals Y.________. Am 22. März 1999 verneinten sie eine solche für leichte bis mittelschwere Arbeiten gänzlich, wobei sich ihnen aus rein somatischer Sicht im Wesentlichen das gleiche Bild präsentierte wie dem Rheumatologen des ABI im Jahr 2002. 5.3 All dies legt es nahe, die Konsensualschätzung des ABI mit der Verwaltung als eher wohlwollend zu bezeichnen. Ausgehend von einer Restarbeitsfähigkeit von 70 % rechtfertigt sich daher kein zusätzlicher Abzug wegen der im Vergleich zu Gesunden eingeschränkten Einsetzbarkeit in leichten Tätigkeiten. Vielmehr ist dies mit der Verwaltung als bereits in der, eher grosszügigen Konsensualschätzung des ABI enthaltend zu betrachten. Auch ist der von der Vorinstanz vorgenommene Teilzeiterabzug ebenso wenig zwingend, da es dem Beschwerdegegner zumindest bei der Annahme einer verbliebenen Arbeitsfähigkeit von 70 % aus medizinischer Sicht keineswegs versagt ist, auch eine Stelle vollzeitig bei um 30 % reduzierter Leistungsfähigkeit anzutreten.