Citation: 1B_90/2021 E. 2.3

2.3. Das Obergericht erwägt zum Haftgrund der Kollusionsgefahr im Wesentlichen Folgendes: Im vorliegenden Fall seien sogenannte "Vier-Augen-Delikte" zu untersuchen. Da der Beschuldigte nicht geständig sei und bisher die Aussage zur Sache verweigert habe, komme den Beweisaussagen des (mutmasslich) Geschädigten "absolut entscheidende Bedeutung zu". Die Tatvorwürfe seien sodann von "sehr erheblicher Schwere", weshalb ein grosses öffentliches Interesse an der kollusionsfreien Abklärung bestehe. Zwar sei der Geschädigte bereits mehrfach und detailliert einvernommen und sei die staatsanwaltliche Befragung auf Video aufgezeichnet worden. Es bestünden jedoch keine Anhaltspunkte, dass das Sachgericht eine weitere Befragung des Geschädigten als überflüssig beurteilen könnte; im Gegenteil sei mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass das Sachgericht anlässlich der Hauptverhandlung einen persönlichen Eindruck von der Person des Geschädigten werde gewinnen wollen. Die Strafuntersuchung sei auch noch nicht abgeschlossen. Der Beschuldigte habe in Aussicht gestellt, dass er sich noch zur Sache äussern werde. Im Hinblick auf mögliche abweichende Aussagen sei mit weiteren Befragungen des Geschädigten durchaus zu rechnen. Eine Beeinflussung des Geschädigten im jetzigen Verfahrensstadium würde daher die Wahrheitsfindung erheblich erschweren. Es kämen hier noch weitere Kollusionsindizien hinzu. Nach den Aussagen des Geschädigten habe ihn der Beschuldigte "immer wieder" darauf hingewiesen, dass es sich bei den inkriminierten Vorfällen "um eine Vater-Sohn-Sache" gehandelt habe, von welcher er, der Geschädigte, "niemandem erzählen dürfe, insbesondere nicht der Mutter". Ein oder zwei Monate nach Beginn seiner psychotherapeutischen Behandlung habe der Geschädigte den Beschuldigten aufgefordert, eine weitere an den Vorfällen mutmasslich beteiligte Person selber anzuzeigen und der Mutter des Geschädigten von den Geschehnissen zu erzählen. Der Beschuldigte habe gegenüber dem Geschädigten - laut dessen Aussagen - zugegeben, dass "es falsch gewesen" sei; er, der Beschuldigte, habe jedoch angeblich "nur Gutes" für seinen Stiefsohn gewollt. Mit seinen Ausführungen habe er den Geschädigten "fast zum Weinen gebracht", worauf dieser den Beschuldigten "sogar umarmt" und gedacht habe, er werde es mit ihm wohl wieder "hinbiegen" können. Nach Ansicht der Vorinstanz offenbare dies "einen erheblichen Gewissenskonflikt des Geschädigten gegenüber dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den fraglichen Vorwürfen bzw. dessen angeblich gut gemeinten Absichten", was darauf schliessen lasse, dass der Geschädigte "durchaus empfänglich" sei für entsprechende Beeinflussungen. Dieser habe sein Verhältnis zum Stiefvater denn auch als ambivalent beschrieben: Auf der einen Seite "hasse" er ihn "für die Dinge, die er ihm angetan" habe; anderseits habe er auch eine "grosse Bewunderung" ausgedrückt, für alles, was der Beschuldigte "schon erreicht" habe, sowie eine "Dankbarkeit" dafür, dass dieser ihn "in die Schweiz habe kommen" lassen. Gegenüber der Schwester des Geschädigten habe der Beschuldigte die Vorwürfe bzw. die vom Geschädigten in Aussicht gestellte Strafanzeige als "nur so ein Gerede" und "nicht wirklich ernst gemeint" bezeichnet. Es sei für ihn "ein Leichtes, den Aufenthaltsort des Geschädigten über dessen Mutter oder Geschwister ausfindig zu machen oder ihn telefonisch, per E-Mail oder über andere elektronische Kommunikationswege zu kontaktieren". Aus diesen Gründen bestehe derzeit eine ausgeprägte Gefahr der Beeinflussung des Geschädigten durch den Beschuldigten.