Citation: 9C_8/2008 24.07.2008 E. 5

Zu beantworten bleibt die Frage des Anspruchsbeginns. 5.1 Gemäss der Vorinstanz begann das Wartejahr nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG im Zeitpunkt der MEDAS-Begutachtung im Mai 2005 zu laufen. Sie begründet es damit, der Beschwerdeführer sei damals im rheumatologischen Bereich 60 % arbeitsunfähig [korrekt: arbeitsfähig] gewesen. Was den Beginn einer medizinisch bedingten Arbeitsunfähigkeit betreffe, vermöge die Einschätzung der Gutachter nicht zu überzeugen, wonach ab zirka Frühling 2002 von einer Arbeitsfähigkeit [korrekt: 50- bis 60-prozentigen Arbeitsfähigkeit] in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen sei: Der Beginn der erwähnten Arbeitsfähigkeit sei nur durch spekulative Annahmen und Überlegungen festgelegt worden, was dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit keinesfalls zu genügen vermöge. Die Beweislosigkeit hinsichtlich des Beginns der Arbeitsunfähigkeit wirke sich zu Lasten des Beschwerdeführers aus. 5.2 Dazu ist zunächst anzumerken, dass der in diesem Zusammenhang gemachte vorinstanzliche Verweis auf das letztinstanzliche Urteil I 242/04 vom 28. Juli 2005 nicht schlüssig ist, da dieses einen Sachverhalt betraf, bei dem es um die Schwierigkeiten der rückwirkenden Festsetzung der Arbeitsunfähigkeit über eine Zeitdauer von sechs Jahren ging, in welcher der Versicherte weder bei Ärzten eines psychiatrischen Dienstes noch bei einem Facharzt in psychiatrischer Behandlung stand. Hier ist dies nicht der Fall: Wie im MEDAS-Gutachten (Ziff. 6.1.3 S. 23 f.) dargelegt, liegen Berichte der Klinik Y.________ vom 25. Juli 2000 und des Rheumatologen Dr. med. M.________ vom 7. Dezember 2001 bei den Akten, in denen aus fachspezifischer Sicht zunächst von einer 100-prozentigen Arbeitsfähigkeit in einer leichten leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen wird, was auch aus gesamtmedizinischer Sicht der Fall war, ging doch ebenfalls der Psychiater Dr. med. L.________ im Bericht vom 5. März 2001 davon aus. Im weiteren Verlauf diagnostizierte der Dr. med. L.________ nachfolgende Psychiater Dr. med. S.________ aber in Berichten vom 22. März 2002 und 20. Dezember 2002 eine Depression und Schmerzverarbeitungsstörung und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Die MEDAS-Ärzte kamen gestützt auf diesen Ablauf zum Schluss, der Beginn der mindestens 50-prozentigen Arbeitsfähigkeit in einer leichten (respektive 60-prozentigen Arbeitsfähigkeit in einer sehr leichten) Tätigkeit sei auf das Frühjahr 2002 festzusetzen, und sie dauere bis zum Gutachtenszeitpunkt an. Wenn sie präzisierten, die Festlegung des Datums Frühling 2002 sei zwar arbiträr, die vorliegenden Berichte könnten aber nicht ohne weiteres ignoriert werden, auch wenn sie in gewissen Punkten nicht stringent nachvollziehbar seien, ist daraus nicht abzuleiten, dass es sich bis zum Zeitpunkt der Begutachtung als unmöglich erwiesen habe, auf dem Wege der Beweiserhebung einen zumindest überwiegend wahrscheinlichen Sachverhalt zu ermitteln. Zwar ist der vorinstanzliche Vorwurf nicht aus der Luft gegriffen, der Beschwerdeführer sei seiner Mitwirkungspflicht nicht immer optimal nachgekommen; aber dies rechtfertigt nicht den Schluss, er habe konsequenterweise die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Zunächst ist hier zu berücksichtigen, dass die Vorinstanz den im ersten Verfahren vom Beschwerdeführer gestellten Eventualantrag nach einer umfassenden interdisziplinären Begutachtung abgelehnt hat. Zudem wandte sich der Beschwerdeführer bereits kurz nach dem vorinstanzlichen Rücküberweisungsbeschluss vom 10. Juni 2003 am 16. September 2003 schriftlich an die IV-Stelle und ersuchte unter Hinweis auf seine schwierige finanzielle und aufenthaltsrechtliche Situation darum, die Begutachtung so rasch als möglich in Auftrag zu geben. Aus dem Gutachten geht gerade auch in Anbetracht der nach der ICD-Klassifikation gestellten Diagnosen ("schwergradige depressive Episode mit psychotischen Symptomen, Panikstörung, chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, chronisches zervikovertebragenes Schmerzsyndrom, beginnende Coxarthrosen beidseits Schmerzen") hervor, dass die Arbeitsfähigkeit im Moment der Untersuchung bereits seit längerer Zeit in anspruchserheblichem Ausmass eingeschränkt war, was die Experten auch ausdrücklich bestätigt haben. Wenn die Vorinstanz das Wartejahr erst ab dem Zeitpunkt der Begutachtung laufen lassen will, setzt sie sich in einen unüberbrückbaren Widerspruch zu der von sämtlichen (behandelnden und begutachtenden) Ärzten rapportierten medizinischen Sachlage. Ihre Sachverhaltswürdigung ist in diesem Punkt offensichtlich unrichtig und bindet das Bundesgericht deshalb nicht. Der Einschätzung der MEDAS-Experten folgend ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass das Wartejahr bereits ab dem im Gutachten genannten Zeitpunkt "Frühjahr 2002" zu laufen begann und der Rentenanspruch somit ein Jahr später am 1. März 2003 entstand.