Citation: U 426/04 30.03.2005 E. 6

6.1 Nach der Rechtsprechung ist für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Gesundheitsschaden und Unfallereignis nicht entscheidend, ob die im Anschluss an ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS auftretenden Beschwerden medizinisch eher als organischer oder als psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa). Die Unterscheidung ist jedoch insoweit von Belang, als die Adäquanzbeurteilung nicht nach den für Schleudertraumen und äquivalente Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen hat, wenn die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb, RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437, je mit Hinweisen). Die für Schleudertraumen und äquivalente Verletzungen massgebenden Kriterien sind zudem nur anwendbar, wenn die im Anschluss an den Unfall auftretenden psychischen Störungen zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Traumas gehören, nicht aber, wenn es sich um eine selbstständige Gesundheitsschädigung handelt. Erforderlichenfalls ist daher vorgängig der Adäquanzbeurteilung zu prüfen, ob es sich bei den im Anschluss an den Unfall geklagten psychischen Beeinträchtigungen um blosse Symptome des erlittenen Traumas oder aber um eine selbstständige (sekundäre) Gesundheitsschädigung handelt, wobei für die Abgrenzung insbesondere Art und Pathogenese der Störung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren und der Zeitablauf von Bedeutung sind (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79 f.; Urteil B. vom 7. August 2002 Erw. 2.2, U 313/01). 6.2 Nach dem Gutachten der Psychiatrischen Dienste Y.________ vom 12. Juli 2002 bestand beim Versicherten schon vor den Unfällen vom 9. Dezember 1997 und 29. November 1999 eine psychische Störung (gemischte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, narzisstischen und schizoiden Anteilen auf dem Boden einer depressiven Persönlichkeitsstörung mit Beginn ca. 1993; ICD-10: F61.0). Zudem wurde eine seit diesen Unfällen initiierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert (ICD-10: F45.4; Erw. 3.1.4 hievor). Letztgenannte Störung kann zwar im Anschluss an Schleudertraumen und schleudertraumaähnliche Verletzungen der HWS auftreten, gehört jedoch nicht zum typischen Beschwerdebild dieser Verletzungen, weil sie - anders als depressive Verstimmungen - nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen, insbesondere in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen, auftritt (Urteil B. vom 7. August 2002 Erw. 2.2, U 313/01; Dilling/Mombour/Schmidt, Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F), 4. Aufl., Bern 2000, S. 191). Letztgenannten Problemen kommt auf Grund der MEDAS-Expertise vom 23. Oktober 2000 ebenfalls eine wesentliche Bedeutung zu. Denn darin wurde festgehalten, das somatisch initiierte Schmerzsyndrom (u.a. nach HWS-Distorsion 12/97 und 11/99) habe sich unter dem Einfluss psychosozialer Faktoren chronifiziert. Weiter wurden Angst und Depression in schwerer psychosozialer Belastungssituation diagnostiziert (Erw. 3.1.2 hievor). Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb auf diese Expertisen nicht abgestellt werden sollte. Demnach waren die nach den Unfällen vom 9. Dezember 1997 bzw. 29. November 1999 bestehenden psychischen Beeinträchtigungen nicht blosse Symptome der erlittenen Traumata, sondern es handelte sich um selbstständige (sekundäre) Gesundheitsschädigungen, die jedenfalls gegenüber der HWS-Problematik ganz im Vordergrund standen. Unter diesen Umständen hat die Adäquanzbeurteilung nicht nach den für HWS-Schleudertraumen und äquivalente Verletzungen (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Kriterien zu erfolgen. Hieran ändert nichts, dass im Bericht der Klinik B.________ vom 12. August 1998 noch keine psychische Problematik festgestellt wurde. Denn hier wurde der Versicherte psychiatrisch nicht abgeklärt.