Citation: 6B_1453/2022 E. 1.4.4

1.4.4. Gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen befindet sich der Lebensmittelpunkt des Beschwerdegegners seit seiner Ankunft im Jahr 2008 in der Schweiz. Hier lebt er mit seiner zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils schwangeren Frau und der gemeinsamen Tochter, die beide die schweizerische Staatsbügerschaft besitzen, zusammen und pflegt intensiven Kontakt zu seinen Eltern, den beiden Brüdern sowie seinem Freundes- bzw. Kollegenkreis in der Schweiz. Mit der Vorinstanz sind die persönlichen Beziehungen, welche den Beschwerdegegner mit der Schweiz verbinden, stark zu gewichten. Der Umstand, dass das zweite Kind erst nach dem erstinstanzlichen Urteil und damit im Wissen um die drohende Landesverweisung gezeugt wurde, führt entgegen der Beschwerdeführerin zu keiner von der vorinstanzlichen Würdigung abweichenden Bewertung der familiären Beziehungen des Beschwerdegegners (Beschwerde S. 4). Auch übersieht weder die Vorinstanz noch das Bundesgericht, dass der Beschwerdegegner nur wenige Monate nach seiner Heirat und der Geburt der gemeinsamen Tochter delinquierte und anschliessend 18 Monaten von ihnen getrennt war. Jedoch scheint seine Ehefrau während der langen Trennungszeit weiterhin zum Beschwerdegegner gehalten zu haben, hat ihm geschrieben und ihn über die Entwicklung der Tochter auf dem Laufenden gehalten sowie ihn regelmässig besucht. Mit der Vorinstanz spricht dies für die Tragfähigkeit der familiären Beziehung und der Verbundenheit des Beschwerdegegners mit seiner Ehefrau und der gemeinsamen Tochter (vgl. Urteil S. 20). Gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen ist der Beschwerdegegner seit seiner Entlassung aus dem Freiheitsentzug stark in die Betreuung der Tochter eingebunden und kümmert sich insbesondere jeden zweiten Samstag alleine um diese, wenn seine Ehefrau Wochenenddienst leisten muss (vgl. Urteil S. 20). Hingegen scheint der Beschwerdegegner gemäss der vorinstanzlichen Einschätzung kein besonderes Bedürfnis oder Interesse daran gehabt zu haben, sich in der Schweiz ein soziales Umfeld ausserhalb der sri-lankischen Diasporagemeinschaft aufzubauen. Die Wiedereingliederung und Resozialisierung des Beschwerdegegners in seinem Heimatland dürfte mangels enger sozialer Beziehungen unbestrittenermassen schwierig werden. Gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen tauscht sich der Beschwerdegegner mit seinen Verwandten in Sri Lanka bloss sporadisch via Skype aus und hat seit seiner Ankunft in der Schweiz keinen persönlichen Kontakt mehr zu diesen gehabt. Er ist aufgrund seines Wegzugs im Alter von 14 Jahren nur noch bedingt mit den dortigen Lebens- und Arbeitsverhältnissen vertraut. Er hat angegeben, seit dem Jahr 2008 nie wieder für einen Kurzaufenthalt oder längere Ferien in Sri Lanka gewesen zu sein, womit seine Kenntnisse bzw. Erinnerungen an seine Heimat inzwischen nicht mehr den aktuellen Verhältnissen entsprechen dürften. Die Vorinstanz gelangt zutreffend zu der Erkenntnis, dass sich der Beschwerdegegner in seinem Heimatland eine gänzlich neue wirtschaftliche Existenz aufbauen müsste, was jedoch in Anbetracht seiner intakten Sprachkenntnisse und seines noch jungen Alters nicht von vornherein ausgeschlossen ist. Mit der Vorinstanz lassen die zu erwartenden Schwierigkeiten des Beschwerdegegners bei der sozialen und beruflichen Integration im Heimatland die Anordnung einer Landesverweisung nicht unverhältnismässig erscheinen (vgl. Urteil S. 26). Auch erachtet die Vorinstanz eine Rückkehr des Beschwerdegegners in die Nordprovinz von Sri Lanka zutreffend als zumutbar (vgl. Urteil S. 28 f.). Ferner ist zu berücksichtigen, dass die Landesverweisung des Beschwerdegegners nicht im Interesse des Wohls seiner Kinder wäre. Gestützt auf die vorinstanzlichen Feststellungen ist von intakten familiären Verhältnissen mit gemeinsamem Sorge- sowie Obhutsrecht des Beschwerdegegners und seiner Ehefrau auszugehen. Die Vorinstanz führt aus, dass der Ehefrau, der Tochter und des zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils noch ungeborenen Kindes eine Übersiedlung nach Sri Lanka nicht zumutbar sei (Urteil S. 21 f.), was die Beschwerdeführerin nicht bestreitet. Damit würde die Anordnung der Landesverweisung unweigerlich zum Abbruch der eng gelebten Beziehung der Tochter zum Beschwerdegegner führen und mit seinem zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils noch ungeborenen Kind könnte der Beschwerdegegner aus der Ferne gar nicht erst eine tragfähige Beziehung aufbauen. Damit spricht auch das gewichtige Interesse des Kindeswohls vorliegend gegen die Anordnung der Landesverweisung.