Citation: 5A_527/2015 E. 2

Für die Vorgeschichte kann auf die umfangreiche Darstellung im angefochtenen Entscheid verwiesen werden. Das am 12. März 2015 erstattete Gutachten des KJPD W.________ bestätigte den von den Kindern seit längerem und konstant geäusserten Wunsch, bei der Mutter zu leben. Die Interaktionsbeobachtung mit dem Vater sei auffällig gewesen; es habe keine Interaktion im Wartezimmer stattgefunden und während der eigentlichen Beobachtung seien die Söhne distanziert gegenüber dem Vater gewesen und dieser habe wenig auf sie eingehen können. Die Interaktion mit der Mutter und deren Ehemann sei lebendiger gewesen; die Kinder hätten lockerer und gelöster gewirkt, was auch bei den Hausbesuchen der Fall gewesen sei. Das Gutachten hielt sodann fest, dass die Kinder zu beiden Elternteilen eine tragfähige Beziehung hätten. Sie seien gegenüber dem Vater loyal, aber die Beziehung sei eher distanziert; es gebe wenig emotionalen Bezug. Die Mutter könne die Kinder gut versorgen, sich ihnen emotional gut zuwenden, sie sei einfühlsam und empathisch; sie sei derzeit auch gut im Vermitteln von Werten und Regeln, die Suchtproblematik sei kein relevantes Problem mehr. Die Mutter sei in der Lage, die Kinder angemessen zu fördern; beim Vater liege zwar keine bedenkliche Vernachlässigung bezüglich Pflege und Versorgung vor, aber die Mutter sei besser geeignet. Das Kantonsgericht ging davon aus, dass grundsätzlich beide Eltern erziehungsfähig seien, sich für die Kinder engagierten und sie liebten. Die Stärken der Mutter lägen bei ihrer fürsorglichen Art und Empathie, während der Vater besondere Stärken im Bereich schulischer Förderung und intellektueller Bildung aufweise. Seit Juli 2014 gelte der Grundsatz der gemeinsamen elterlichen Sorge und die Elternteile seien nicht völlig ausserstande, zumindest gewisse Absprachen zu treffen; eine Alleinzuteilung der Sorge sei deshalb nicht am Platz. Bei der persönlichen Betreuung der Kinder sei wichtig, dass weiterhin mit beiden Eltern viel Kontakt bestehe, was sich auch die Kinder wünschten. Im Zusammenhang mit dem Kriterium der Beziehungskontinuität gelte es zu bedenken, dass sich die Mutter seit der Geburt der Kinder über einen Zeitraum von rund zehn Jahren hinweg in klassischer Rollenteilung um diese gekümmert habe. Seit zwei Jahren wohnten diese zwar beim Vater, aber eine tiefe innere Verbundenheit zu diesem sei nicht entstanden. Eine eindeutige Antwort ergebe sich aus dem Kriterium der Kontinuität nicht. Was dasjenige der persönlichen Betreuung anbelange, sei die Mutter besser verfügbar als der Vater, welcher voll arbeite. Die Betreuungsqualität der Mutter werde durchwegs als positiv beschrieben, während der Vater eher wenig Ideen im Umgang mit den Kindern habe und bisweilen auch unerwartet abwesend sei. Insgesamt seien aber grundsätzlich beide Elternteile zu persönlicher Betreuung fähig. In Bezug auf die Bindungstoleranz ergebe sich, dass die Mutter den Vater als Person zwar durchaus kritisiere, dessen wichtige Rolle im Leben der Kinder aber anerkenne und ihn auch weiterhin im Leben der Kinder haben möchte. Umgekehrt habe auch der Vater den Kontakt zur Mutter stets gefördert, aber seine Wertschätzung gegenüber der Mutter, welche er in jeder Hinsicht herabsetze, sei fraglich und es sei ihm kaum möglich, zwischen der Paar- und der Elternebene zu unterscheiden. Die Bindungstoleranz bei ihm sei derzeit fraglich, hingegen bei der Mutter zweifelsohne erfüllt. Was schliesslich den Willen der Kinder anbelange, so seien sie in einem Alter, wo dieser mitberücksichtigt werden könne. Der Wunsch beider Kinder, bei der Mutter zu leben, sei klar, nachvollziehbar, seit Jahren konstant und wiederholt mitgeteilt (Kreisgericht, Kindesvertreterin, Beiständin, Gutachten). Der Wunsch sei aufgrund der fürsorglichen und herzlichen Begegnung mit der Mutter, mit welcher sich die Kinder enger verbunden fühlen würden, auch nachvollziehbar. Es sei wenig verständlich, dass der Vater den Wunsch seiner Kinder nicht akzeptieren könne; sein Verhalten scheine geradezu als Ausdruck seiner mehrfach beschriebenen Unfähigkeit, Gefühle und Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und adäquat darauf zu reagieren. Entgegen der Behauptung des Vaters gebe es auch keine Hinweise auf eine Beeinflussung des Willens; im Gegenteil, die Kinder würden sich sehr loyal zu ihm verhalten und wollten ihn nicht verletzen. Ausgehend von diesen Überlegungen kam das Kantonsgericht zum Schluss, dass die Kinder bei der Mutter besser aufgehoben seien. Das vom Vater beantragte Wechselmodell lehnte es ab mit der Begründung, die Eltern würden nicht am selben Ort wohnen und ihr Einvernehmen sei getrübt, so dass dieses Modell nicht im Kindeswohl sein könne. Auch die Gutachter würden dieses nicht empfehlen, weil die Kinder ein besonderes Bedürfnis nach Ruhe und Stabilität hätten.