Citation: 4A_494/2023 E. 5.3.1

5.3.1. Der Grundsatz der Vertragstreue als Teilgehalt des materiellen Ordre public ist nach der Rechtsprechung nur dann verletzt, wenn sich das Schiedsgericht weigert, eine Vertragsklausel anzuwenden, obwohl es davon ausgeht, dass diese die Parteien bindet, oder umgekehrt aus einer Klausel eine Verpflichtung ableitet, obwohl es diese für unverbindlich hält. Das Schiedsgericht muss also eine Vertragsbestimmung angewendet beziehungsweise deren Anwendung verweigert und sich damit in Widerspruch zum Ergebnis der eigenen Auslegung hinsichtlich der Existenz oder des Inhalts des strittigen Vertrags gesetzt haben (Urteile 4A_242/2022 vom 8. September 2022 E. 5.2.1; 4A_632/2021 vom 28. April 2022 E. 5.1; 4A_380/2021 vom 22. März 2022 E. 5.1; 4A_660/2020 vom 15. Februar 2021 E. 3.2.2; 4A_453/2021 vom 2. Dezember 2021 E. 5.4.1; 4A_618/2020 vom 2. Juni 2021 E. 5.4.1; 4A_346/2020 vom 6. Januar 2021 E. 6.2.1).