Citation: U 392/04 15.06.2005 E. 6

6.1 Der Beschwerdeführer war - entgegen dem angefochtenen Entscheid - tatsächlich bereits seit 1989 in der Küche der Arbeitgeberin berufstätig gewesen, als er am 1. Juli 1990 notfallmässig wegen zunehmender Dispnoe zu einer vorübergehenden stationären Behandlung ins Spital Y._______ eintreten musste. Anlässlich eines Spazierganges am Vorabend des 1. Juli 1990 waren atemunabhängige Hals- und Thorax-Schmerzen sowie unproduktiver Husten aufgetreten. Es wurde ein erstmalig aufgetretenes Asthma bronchiale diagnostiziert, ohne dass vorgängig Allergien bekannt gewesen waren. Wegen einem bronchialen Infekt mit Asthma-Anfall am 16. September 1990 folgte eine weitere Hospitalisation bis zum 22. September 1990. Damals wurden auch Anzeichen einer chronischen Sinusitis festgestellt. Prof. Dr. med. P.________ hielt in seinem Bericht vom 18. Februar 2003 fest, der Beschwerdeführer entwickle, obwohl er seine Arbeit sehr gerne ausübe, zunehmend eine Berufsallergie, welche eine Berufsausübung mehr und mehr verunmögliche. Eine zweijährige spezifische Immuntherapie müsse abgebrochen werden, weil sie erfolglos geblieben sei. Seit etwa vier Monaten leide der Versicherte eher unter einer Zunahme der Beschwerden. Während früher die gesundheitlichen Beeinträchtigungen nur beim eigenhändigen Sellerie- und Karottenrüsten aufgetreten seien, leide er jetzt schon an denselben Syptomen, wenn ein anderer Küchenmitarbeiter in etwa drei Meter Entfernung von ihm selber dieselben Gemüse rüste. Diese Gemüse führten auch zu einer Verengung der Atemwege und geringer Konjunktivitis bei Kartoffel- und Spargelexposition. Bei starken Reaktionen tagsüber leide er auch spät nachts noch unter Asthmaattacken. Die Abklärungen hätten gezeigt, dass eine starke Hauttestreaktivität gegen Sellerie und Karotte bestehe und die Werte der IgE (Immunglobuline der Klasse E) gegen die wichtigsten Allergene (Karotte und Sellerie) massiv erhöht seien. 6.2 Zu Recht anerkannte die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid, dass es sich bei der Gemüseallergie auf Karotten, Sellerie, Spargel und Tomate - auch nach Einschätzung des Dr. med. B.________ gemäss Bericht vom 7. April 2003 - um eine Kreuzreaktion bei Birkenpollenallergie handelt und Köche stärker als die allgemeine Bevölkerung unter einer Gemüseallergie leiden, weil sie diesen Lebensmitteln vermehrt ausgesetzt sind (vorinstanzliche Beschwerdeantwort vom 25. Juni 2004, S. 2 f.). Der Hotela kann jedoch nicht gefolgt werden, soweit sie sinngemäss die allergischen Beschwerden des Versicherten mit einer bronchialen Hyperreagibilität bei saisonaler allergischer Rhinitis während der Pollensaison vergleicht. Am 18. Februar 2003 berichtete Prof. Dr. med. P.________ mit Blick auf die nicht pollenbelastete Winterzeit, dass es "seit circa vier Monaten" zu einer Zunahme der Beschwerden gekommen sei. Derselbe Facharzt führte am 8. März 2004 aus, der Beschwerdeführer könne sehr wohl die Nahrungsmittel meiden, die er nicht vertrage, doch sei es ihm als Koch nicht möglich, diesen aerogenen Substanzen bei der Arbeit aus dem Weg zu gehen. Die bei ihm im Laufe der Zeit eingetretene Erweiterung des Spektrums spreche dafür, dass die inhalative Exposition auch zu einer breiteren Sensibilisierung und Allergie geführt habe. Es sei höchst ungewöhnlich, dass Patienten mit einer Pollenallergie plötzlich eine Rhinitis und Konjunktivitis auf Karotte, Spargel, Sellerie und Tomate entwickeln würden. Obwohl auch Prof. Dr. med. P.________ selbst eine sensibilisierende Rolle der Immuntherapie nicht ganz ausschliessen konnte (Bericht vom 18. Februar 2003, S. 2), wurde die massgebende, aus medizinischer Sicht im Einzelfall zu beantwortende Frage bisher weder gestellt noch beantwortet. Denn auch bei einer gegebenenfalls vorbestehenden und berufsfremden Birkenpollenallergie sowie einer atopischen Disposition des Versicherten bleibt zu prüfen, ob die Verschlimmerung (vgl. BGE 117 V 354; Erw. 3 hievor) der gesundheitlichen Beeinträchtigungen - nämlich das Auftreten der Kreuzreaktivität auf die genannten Gemüsesorten verbunden mit der Rhinokonjunktivitis allergica und/oder einer eventuellen Verstärkung des Asthma bronchiale - im Laufe seiner Berufsjahre seit 1989 ausschliesslich oder stark überwiegend (mit einem Kausalanteil von mindestens 75 %) durch die Tätigkeit als Koch verursacht wurde. So wenig sich gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen) bejahen lässt, dass die Rhinokonjunktivitis allergica und/ oder das Asthma bronchiale bzw. dessen Verschlimmerung mit einem Kausalanteil von 75 % auf die langjährige Berufstätigkeit des Versicherten als Koch zurückzuführen sind, so wenig lassen die einschlägigen Unterlagen den gegenteiligen Schluss zu. Insbesondere fehlt es - abgesehen von der kaum lesbaren handschriftlichen Kurzantwort des beratenden Arztes der Hotela vom 4. September 2003 - an einer medizinisch nachvollziehbar begründeten ärztlichen Stellungnahme, welche den qualifizierten Kausalzusammenhang zwischen Berufstätigkeit und entstandenem Gesundheitsschaden im konkreten Einzelfall verneinen würde. Sodann ist entgegen dem kantonalen Gericht der hier zu beurteilende Fall nicht mit dem RKUV 1987 Nr. U 28 S. 399 Erw. 2 zu Grunde liegenden Sachverhalt zu vergleichen. Während es hier um eine während jahrelanger beruflicher Exposition entwickelte Sensibilisierung und Verschlimmerung des - anfänglich (1990) möglicherweise nicht berufsbedingten - Gesundheitsschadens (Asthma bronchiale im Zusammenhang mit einer Birkenpollenallergie) geht, standen in RKUV 1987 Nr. U 28 S. 399 Erw. 2 plötzlich eintretende Rückenbeschwerden nach einem Verhebetrauma zur Debatte, wobei der Saisonier seine versicherte Tätigkeit als Bauhandlanger im Zeitpunkt des Eintritts des Gesundheitsschadens erst in der zweiten Saison ausgeübt hatte. Schliesslich sind die von der Beschwerdegegnerin angeführten Hinweise auf epidemiologische Erkenntnisse für den vorliegenden Fall nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Auch wenn 80 % der Asthmatiker unter allergischer Rhinokonjunktivitis leiden, besagt dieser Zusammenhang nichts über die Intensität in zeitlicher Hinsicht (ob es sich bei der allergischen Rhinokonjunktivitis nur um ein vorübergehendes saisonales Auftreten handelt) und insbesondere nichts über die ursächlichen Allergene. Denn die von der Hotela angeführte Studie enthält keine Aussage darüber, ob 80 % der Asthmatiker infolge einer spezifischen Gemüseallergie unter (berufsbedingt) ganzjähriger allergischer Rhinokonjunktivitis leiden.