Citation: I 620/03 21.01.2004 E. 2

Streitig und zu prüfen ist in einem ersten Schritt, ob die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre. Während das kantonale Gericht und die IV-Stelle dies - insbesondere gestützt auf die Angaben der Versicherten gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 24. Juni 2002 (samt ergänzender Stellungnahme des Abklärungsdienstes vom 6. September 2002) - verneinen, macht die Beschwerdeführerin geltend, bei voller Gesundheit zu 100 % einer erwerblichen Beschäftigung nachzugehen. 2.1 Die aus der Türkei stammende, über keine Berufsausbildung verfügende Beschwerdeführerin lebt seit 1986 mit ihrem Ehemann und ihren fünf Kindern in der Schweiz, wo sie - laut IK-Auszug - bis Ende 1992 keine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat. Während des Jahres 1993 arbeitete sie als Küchenhilfe bei der Firma C.________ SA und bezog in der Folge von Januar bis August 1994 Arbeitslosenentschädigung. Von August bis Dezember 1996 - für das Jahr 1995 liegen wiederum keine Einträge vor - unterstützte sie ihren Ehemann bei der Führung eines Imbissstandes in I.________. Im Zeitraum April 1997 bis März 1999 erhielt sie unter Annahme von Vermittlungsfähigkeit für ein Vollpensum erneut Arbeitslosentaggelder. 2.2 Vor diesem familiären und beruflichen Hintergrund erhellt, dass die Beschwerdeführerin bis 1992 - vermutungsweise auf Grund des Alters ihrer Kinder - nicht gearbeitet hat. Anschliessend nahm sie indessen eine Tätigkeit als Küchenhilfe auf, half ihrem Ehemann während fünf Monaten im Kanton Z.________ einen Imbissstand zu betreiben, wobei die Kinder in dieser Zeit allein in A.________ blieben, und bezog insgesamt über einen Zeitraum von rund 2 ½ Jahren hinweg Arbeitslosenentschädigung. Entgegen der Auffassung von Vorinstanz und Verwaltung lassen diese objektiven Faktoren Rückschlüsse auf eine im Gesundheitsfall ausgeübte Erwerbstätigkeit zu. Namentlich belegen sie den Willen der Versicherten, nachdem auch ihr jüngstes, 1983 geborenes Kind der intensivsten Betreuungsphase entwachsen war, einer regelmässigen erwerblichen Beschäftigung nachzugehen, was im Lichte der finanziellen Verhältnisse der Familie - der Ehemann bezieht eine halbe Invalidenrente, Ergänzungsleistungen sowie Arbeitslosentaggelder - nachvollziehbar erscheint. Darauf hinzuweisen bleibt im Übrigen, dass, sofern jemand Arbeitslosenentschädigung beanspruchen will, u.a. Arbeitsbemühungen nachzuweisen sind; bemüht eine versicherte Person sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit, wird sie in der Anspruchsberechtigung eingestellt (vgl. Art. 17 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG). Daraus ist zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin während ihrer kontrollierten Arbeitslosigkeit doch zumindest gewisse Anstrengungen unternommen haben muss, eine Arbeit im Umfang der von ihr angegebenen Vollzeitbeschäftigung zu finden. 2.3 Demgegenüber ist dem Abklärungsbericht Haushalt vom 24. Juni 2002 unter Ziff. 2.5 auf die Frage, ob aktuell ohne Behinderung einer Erwerbstätigkeit nachgegangen würde, Folgendes zu entnehmen: "Obwohl die Versicherte so lange es ihr möglich war, Stempelgelder bei einer Vermittelbarkeit von 100 % bezogen hat, wäre sie mit übergrosser Wahrscheinlichkeit bei guter Gesundheit zum heutigen Zeitpunkt zu 100 % Hausfrau. Als Ernährer gelte der Ehemann. Er ist zu 50 % IV-Rentner, für die restlichen 50 % beziehe er Arbeitslosengelder. Die Versicherte habe keinerlei Arbeitsversuche gemacht seit 1993. Einzige Ausnahme: 1996 habe sie ihren Mann beim Führen eines Imbissstandes unterstützt. Der Sohn der Versicherten gibt an, wahrscheinlich hätte sie eine Putzarbeit finden können. Er wisse nichts über entsprechende Bemühungen. Seine Mutter habe nicht gearbeitet. Sie sei Hausfrau. Finanzielle Gründe für eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit werden weder von der Versicherten noch von ihrem Ehemann geltend gemacht. Der Ehemann sei 50 % IV-Rentner und beziehe Ergänzungsleistungen und ALV-Gelder". Die Glaubwürdigkeit dieser Aussagen, mit welchen das kantonale Gericht und die IV-Stelle ihren Standpunkt denn auch zur Hauptsache begründeten, wurde vom IV-Abklärungsdienst mit zusätzlich eingeholter Stellungnahme vom 6. September 2002 bestätigt. 2.3.1 Obgleich derartige im Verlauf des Ablärungsverfahrens gemachte Angaben praxisgemäss stärker zu gewichten sind als spätere, anders lautende Erklärungen, welche von Überlegungen sozialversicherungsrechtlicher Natur beeinflusst sein können (AHI 2000 S. 197 Erw. 2d; Erw. 3 des in RKUV 2001 Nr. U 437 S. 342 ff. auszugsweise publizierten Urteils C. vom 18. Juli 2001, U 430/00; Urteil Z. vom 2. September 2003, I 77/03, Erw. 3.2.3; vgl. auch BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen), kann darauf vorliegend nicht ohne weiteres abgestellt werden. Neben dem hievor aufgezeigten beruflichen Werdegang der Beschwerdeführerin seit dem Jahre 1993 sprechen auch andere Indizien gegen eine unbesehene Übernahme der Darstellung. Zum einen opponierte die Versicherte den im Abklärungsbericht diesbezüglich enthaltenen Äusserungen umgehend, d.h. bereits in ihrer "Einsprache" vom 29. August 2002 gegen den Vorbescheid der IV-Stelle vom 26. Juni 2002, woran sie in der Folge sowohl in ihrer kantonalen Beschwerde- und Replikschrift wie auch in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde festhielt. Zum anderen kann den Akten entnommen werden, dass sich die Versicherte - wenn überhaupt - nur sehr rudimentär auf deutsch verständigen kann (vgl. u.a. die "Zusammenfassung der Krankengeschichte" des Spitals X.________, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation, vom 14. Oktober 1998), sodass bei den meisten medizinischen Untersuchungen ihr Ehemann oder ihr Sohn als Übersetzer zugegen waren (siehe die Berichte des Spitals X.________, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation, vom 14. September 2000, 14. Mai und 13. August 2001 sowie 22. Januar 2002 und des PD Dr. med. S.________ vom 25. Juli 2001). Anlässlich der Haushaltsabklärung fungierte denn auch der Ehegatte als Dolmetscher. Da die IV-Abklärungsperson es indes für notwendig erachtete, das bereits mit den Eheleuten Besprochene nochmals kurz mit dem gegen Ende der Erhebung vor Ort eintreffenden Sohn B.________, geboren 1981, zu erörtern, "um sicher zu stellen, dass die Angaben auf beiden Seiten richtig verstanden wurden", schien sie sich - trotz Präsenz des Ehemannes - einer gewissen Verständigungsproblematik mit den Eheleuten bewusst zu sein. Dieser Umstand spricht für die von der Beschwerdeführerin auch bezüglich ihres Ehegatten - vor allem mit Blick auf komplexere Vorgänge - geltend gemachten "mangelnden Deutschkenntnisse". Die Bemerkung des Sohnes, er wisse nichts über "Bemühungen" der Mutter, eine "Putzarbeit" zu finden, ist sodann ebenfalls nicht stichhaltig. Er war im fraglichen Zeitraum von 1993 bis 1999 erst zwölf- bis achtzehnjährig und daher zufolge seiner Inanspruchnahme durch Schule und Ausbildung kaum in der Lage und geeignet, ergiebig über die Arbeitsbestrebungen seiner Mutter, welche in der Zeit aber über mehrere Jahre Arbeitslosenentschädigung bezog und daher bereits deshalb entsprechende Bemühungen nachweisen musste, Auskunft zu geben. Da er zudem erst gegen Ende der Abklärung eintraf und damit den Ablauf des Gesprächs nicht im Detail mitverfolgen konnte, liegt die Vermutung nahe, dass er den Sinn der Frage im gesamten Kontext nicht bis in die letzte Konsequenz zu deuten vermochte, zumal ihm die Vorstellung seiner - seit Jahren kränkelnden - Mutter als Vollerwerbstätigen schwer gefallen sein muss. Angesichts des Bedeutungsgehaltes der Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall, welcher für Laien innerhalb des ganzen IV-Rentengefüges ohnehin - auch ohne sprachliche Übermittlungsschwierigkeiten - nicht einfach zu erkennen sein dürfte, kann vorliegend nicht an dem hievor dargelegten Beweisgrundsatz der "Aussage der ersten Stunde" - und damit an den im Abklärungsbericht wiedergegebenen Äusserungen - festgehalten werden. 2.3.2 Da im Lichte der vorhandenen Akten somit nicht abschliessend beantwortet werden kann, ob die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, ist die Sache an die IVStelle zurückzuweisen, damit diese nochmals eine diesbezügliche Befragung durch ihren Abklärungsdienst - unter Beizug eines Übersetzers - vornehmen lasse. Wäre hernach immer noch überwiegend wahrscheinlich von einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung im Haushalt auszugehen, würden im Weiteren auch die letztinstanzlich erhobenen Einwände gegen die in den einzelnen Haushaltsverrichtungen seitens der Verwaltung angenommenen gesundheitsbedingten Einschränkungen zu prüfen und diesen gegebenenfalls Rechnung zu tragen sein. Letzteres erwiese sich in erster Linie im Hinblick darauf als erforderlich, dass die ebenfalls noch ergänzend in die Wege zu leitende medizinische Begutachtung (vgl. Erw. 3.2 hiernach) - vor allem bezüglich des psychischen Beschwerdebildes - weitere erhebliche Behinderungen im Haushalt zu belegen vermöchte.