Citation: 2C_1007/2022 E. 6.4

6.4. Fraglich erscheint indes, ob - wie die Vorinstanz annimmt - gestützt auf diesen allfälligen Mehraufwand bereits ein potentieller Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit der Beschwerdegegnerin angenommen werden kann. Die beschriebenen Vorteile beziehen sich nämlich auf die Stellung der kontrollierten Anbieterinnen. Der geltend gemachte Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit der Beschwerdegegnerin dagegen ergäbe sich potentiell erst dann, wenn der mögliche Mehraufwand auch dazu führen könnte, dass sich Anbieterinnen deshalb gegen die Vornahme der Lohngleichheitsanalyse mittels eines privaten Analyse-Tools entscheiden und die Beschwerdegegnerin benachteiligt wird. Auch dies müsste die Beschwerdegegnerin zumindest glaubhaft machen, um die Eintretensvoraussetzungen von Art. 25a VwVG zu erfüllen. Gelingen tut ihr das nicht, wie nachfolgend auszuführen ist: Erstens verweist das beschwerdeführende Departement zu Recht darauf, dass bereits die Wahrscheinlichkeit, dass Kundinnen und Kunden der Beschwerdegegnerin überhaupt vom EBG im Rahmen eines Beschaffungsverfahrens des Bundes kontrolliert werden, sehr gering erscheint. Der Kontrollauftrag des EBG beschränkt sich auf Stichprobenkontrollen (vorstehende E. 3.3). Diese Stichproben-Kontrollen konzentrieren sich gemäss Angaben des EBG auf Anbieterinnen mit weniger als 100 Arbeitnehmenden, was die Beschwerdegegnerin nicht bestreitet. Mit dieser Praxis sollen namentlich Doppelspurigkeiten zur Lohngleichheitsanalyse nach dem Gleichstellungsgesetz vermieden werden (vgl. Schreiben der WEKO vom 22. Februar 2022, RPW 2022/4, S. 893). Mit anderen Worten ist die Kontrollpraxis des EBG gerade nicht auf Unternehmen ausgerichtet, die gemäss Gleichstellungsgesetz einer Pflicht zur Durchführung einer Lohngleichheitsanalyse unterliegen und in diesem Zusammenhang die Dienste der Beschwerdegegnerin in Anspruch nehmen. Insofern ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die Richtlinie EBG negativ auf die Nachfrage nach den von der Beschwerdegegnerin angebotenen Analyse-Tools auswirken könnte. Dass die Praxis des EBG (Beschränkung der Kontrollen auf Anbieterinnen mit weniger als 100 Arbeitnehmenden) lediglich auf einer Selbstbeschränkung basiere und künftig geändert werden könne, vermag daran - jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt - nichts zu ändern. Zweitens hielt die Vorinstanz unter Hinweis auf die Ausführungen der WEKO fest, dass ein allfälliger Mehraufwand der Anbieterinnen, die ein privates Analyse-Tool verwenden, höchstens gering ausfallen würde. Die Beschwerdegegnerin vermag nicht darzutun, dass Anbieterinnen sich nur deswegen gegen die Vornahme der Lohngleichheitsanalyse mittels eines privaten Analyse-Tools entscheiden könnten. Mit Blick auf den (wenn überhaupt) geringen Mehraufwand genügt allein der Hinweis auf den Umstand, dass die Anbieterinnen eine optimale Ressourcenallokation anstreben, nicht. Auch aus dem Verweis der Beschwerdegegnerin auf den Kanton Basel-Stadt, wo sie einen Wettbewerbsnachteil erfahren habe, kann sie nichts zu ihren Gunsten ableiten. Denn die vorgebrachte kantonale Praxis betrifft die hier nicht infrage stehende Selbstdeklaration betreffend Einhaltung der Lohngleichheit, welche dort - anders als auf Bundesebene - nur durch Verwendung des Logib-Analyse-Tools erbracht werden könne (vgl. Schreiben der WEKO vom 22. Februar 2022, RPW 2022/4, S. 894).