Citation: 2C_1000/2020 E. 4.3.5

4.3.5. Angesichts des erwähnten historischen Auslegungselements und des Zwecks von Art. 12 lit. i 2. Teilsatz BGFA ist diese Vorschrift richtigerweise so zu verstehen, dass Anwälte ihre Klienten unabhängig von Auskunftsbegehren unaufgefordert periodisch über die Höhe des geschuldeten Honorars zu unterrichten haben. Dies gilt jedenfalls, wenn der Anwalt und der Klient zu Beginn des Mandats keine Vereinbarungen darüber getroffen haben, wie die Information über die Höhe des geschuldeten Honorars während der laufenden Mandatsführung erfolgen soll (im Ergebnis ebenso Entscheid der Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte des Kantons Zug vom 5. Juni 2018 E. 4.1, in: GVP 2018, S. 197 ff.; ALEXANDER BRUNNER et al., Anwaltsrecht, 2015, S. 175; FELLMANN, Anwaltsrecht, N. 504 mit Hinweisen; ders., in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], a.a.O., N. 171 zu Art. 12 BGFA; vorliegend nicht einzugehen ist auf die Frage, ob und ggf. inwieweit ein vorgängiger und bedingungsloser Verzicht auf jegliche Information betreffend Kosten während eines langen Zeitraums zu behandeln ist). Dieser Schluss rechtfertigt sich umso mehr, als Rechtsverfahren - wie der Beschwerdeführer zutreffend selbst festhält - notorischerweise häufig lange dauern und deshalb das Interesse am Schutz des Klienten durch periodische (unaufgeforderte) Information über die Höhe des Honorars umso gewichtiger ist. Nur mit einer solchen Information hat der Klient nämlich die Möglichkeit, von seinem grundsätzlichen Recht Gebrauch zu machen, das Mandatsverhältnis aufgrund der Honorarentwicklung zu beenden oder anzupassen. Ins Gewicht fällt in diesem Kontext auch, dass die unaufgeforderte periodische Information über die Höhe des Honorars - wie erwähnt - auch im öffentlichen Interesse an der Wahrung des Ansehens der Anwaltschaft liegt. Mit Blick auf diese Interessen erscheint es als verhältnismässig (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV), den Anwälten die Pflicht zur unaufgeforderten periodischen Information aufzuerlegen, selbst wenn dies für die Anwälte mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Zum hiervor gezogenen Schluss ins Bild passt nicht zuletzt, dass die Rechtsanwälte gemäss Art. 21 der Standesregeln des Schweizerischen Anwaltsverbandes (abrufbar unter https://www.sav-fsa.ch/de/ anwaltsrecht/berufsregeln-national.html [zuletzt eingesehen am 2. Juni 2021]) periodisch über die Höhe des Honorars und der Auslagen zu informieren haben (Abs. 1) und sie auf Verlangen des Mandanten die Rechnung detaillieren müssen (Abs. 2). Auch gemäss diesen Standesregeln hat die periodische Information über die Honorarhöhe unaufgefordert zu erfolgen. Insoweit widerspiegeln sie eine national verbreitete Auffassung (vgl. hiervor E. 4.3.5 Abs. 1), so dass sie (entsprechend der Rechtsprechung [vgl. BGE 144 II 473 E. 4.4]) zur Bestimmung der Tragweite der im BGFA abschliessend festgelegten Berufsregeln für Anwälte herangezogen werden können (vgl. [in Bezug auf die anwaltliche Pflicht zur Erstellung detaillierter Rechnungen] auch Urteil 2A.18/2004 vom 13. August 2004 E. 7.2.3).