Citation: 1B_395/2015 E. 3.3

3.3. Der Beschwerdeführer wurde erstinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von 4 ½ Jahren verurteilt, was einen starken Fluchtanreiz darstellt. Das Obergericht hat dazu zu Recht erwogen, dass sich der Umstand, dass er sich vor der Hauptverhandlung in Freiheit befand und nicht flüchtete, nicht entscheidend zu seinen Gunsten auswirkt, da er auf Freispruch plädierte und dementsprechend auf einen für ihn günstigeren Ausgang des bezirksgerichtlichen Verfahrens hoffen konnte. Der im Kosovo aufgewachsene Beschwerdeführer ist in der Schweiz offensichtlich schlecht integriert: obwohl er seit rund 10 Jahren hier lebt, spricht er kaum deutsch, verkehrt praktisch nur mit Landsleuten und ist auch mit einer Kosovarin verheiratet. Er bezieht zwar eine Rente von der Suva; diese würde ihn angesichts der drohenden mehrjährigen Freiheitsstrafe indessen kaum von einer Flucht abhalten. Die von seiner Ehefrau betriebene Bar rentiert nicht; sie könnte sie daher ohne wesentliche finanzielle Einbussen aufgeben und gegebenenfalls mit den Kindern ihrem Mann folgen. Insgesamt sind keine Bindungen an die Schweiz ersichtlich, die den Beschwerdeführer davon abhalten könnten, sich einer langen Freiheitsstrafe durch Flucht zu entziehen. Anderseits verfügt der Beschwerdeführer über ein intaktes familiäres Beziehungsnetz im Kosovo, wo er nach eigenen Angaben Wohneigentum besitzt. Er wendet zwar ein, er werde in Kosovo wegen versuchten Mordes gesucht. Das hat ihn allerdings nicht davon abgehalten, dort regelmässig die Ferien zu verbringen, sodass davon auszugehen ist, dass er die kosovarischen Strafverfolgungsbehörden nicht ernsthaft fürchtet. Zudem betreibt sein Vater in Finnland mehrere Restaurants; auch dort könnte er daher möglicherweise untertauchen, selbst wenn er das Land nicht gut kennt. Im Vordergrund steht aber die Möglichkeit einer Flucht in den Kosovo, wo sich der Beschwerdeführer (ebenso wie seine Ehefrau) auskennt und wo er sich gute Chancen ausrechnen kann, sich den Schweizer Strafverfolgungsbehörden auf Dauer zu entziehen. Damit ist Fluchtgefahr klar gegeben, die entsprechende Einschätzung der Vorinstanz trifft zu.