Citation: 6B_1019/2023 E. 2.2.1

2.2.1. Die EMRK hindert eine beschuldigte Person nicht daran, aus freien Stücken auf die Garantien eines fairen Verfahrens, insbesondere auf ihr Recht auf ein kontradiktorisches Verfahren ausdrücklich oder stillschweigend zu verzichten. Gemäss der Rechtsprechung des EGMR muss der Verzicht unzweideutig zum Ausdruck kommen und von einem Mindestmass an Garantien, die seiner Bedeutung gerecht werden, begleitet sein. Dies setzt voraus, dass die beschuldigte Person von der gegen sie erhobenen Anklage und vom Verhandlungstermin wusste und die Folgen eines Verzichts vorhersehen konnte. Dem Verzicht dürfen zudem keine wesentlichen Allgemeininteressen entgegenstehen (vgl. BGE 148 IV 362 E. 1.12 mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung des EGMR).