Citation: I 555/05 03.11.2005 E. 3.1

3.1.1 Das kantonale Gericht bezifferte das Valideneinkommen auf Fr. 86'919.-. Dieser Betrag basiert auf einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit im Bereich "Unterrichtswesen" (als Musik- und Gesangslehrerin). Die Beschwerdeführerin lässt demgegenüber geltend machen, sie sei als bekannte Sängerin und Entertainerin vor einem Comeback gestanden, welches ihr die Erzielung weit höherer Einkünfte ermöglicht hätte. Als "Nischen-Star" im Bereich der Volksmusik bzw. des volkstümlichen Schlagers hätte sie einen Verdienst in der Grössenordnung von Fr. 196'000.- pro Jahr erzielen können. Zur Stützung dieser Darstellung wurden Schreiben der Firma G.________ AG, B.________, vom 16. November 2001, der Firma O.________ AG, I.________, vom 18. April 2003 und der Firma D.________, T.________, vom 28. August 2003 eingereicht. Die erstgenannte Bestätigung enthält die Aussage, es sei geplant gewesen, mit der Beschwerdeführerin eine Produktion durchzuführen, welche die Aufnahme einer CD (Nettoerlös für die Versicherte Fr. 15'000.- bis Fr. 20'000.-), zwölf Privat-Galas mit einer Minimalgage von Fr. 10'000.- pro Abend sowie eine siebentägige Kurz-Tournee in der Schweiz (Gage Fr. 8'000.- pro Auftritt) umfasst hätte. Aus ähnlichen Anlässen in Deutschland und Österreich wären noch höhere Einkünfte zu erwarten gewesen. Eine rechtsverbindliche Vereinbarung war allerdings nach Lage der Akten nicht abgeschlossen worden. Auf Nachfrage der IV-Stelle erklärte die Firma G.________ AG in einem Schreiben von Mai 2003, ein Comeback sei geplant gewesen, man habe sich aber erst in der Planungsphase befunden, sodass es nicht möglich sei, schriftliche Vereinbarungen vorzulegen. Es sei aber richtig, dass man mit der Beschwerdeführerin CD-Produktionen sowie Tourneen habe durchführen wollen. Bei der Firma O.________ AG sollen eine monatliche Vergütung von Fr. 5'000.- (exkl. Spesen) im Zusammenhang mit einer CD sowie ein Lizenzvertrag über Fr. 240'000.- zur Diskussion gestanden haben. Diese Beträge werden allerdings nur in einem von der Beschwerdeführerin verfassten Schreiben vom 9. April 2003 genannt. Seitens der Firma O.________ AG wurde auf Rückfrage der IV-Stelle eine Art Standardvertrag eingereicht, der aber abgesehen von verkaufsabhängigen Tantiemen keine konkreten Zahlen enthielt. Die zwei vorgesehenen Radioauftritte im Jahr 2003 hätten gemäss der diesbezüglichen Bestätigung vom 28. August 2003 je zwischen Fr. 1'500.- und Fr. 2'000.- eingebracht, wären aber vor allem mit Werbewirkung (Trailers, Presseberichte, Sendung) verbunden gewesen. 3.1.2 Bei der Würdigung dieser Unterlagen hat die Vorinstanz zu Recht berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin, welche als grössten Erfolg den vierten Rang in der schweizerischen Vorentscheidung und den 13. Rang in der Gesamtwertung des Grand Prix der Volksmusik verzeichnen konnte, seit Mitte der neunziger Jahre aus ihrer Tätigkeit als Künstlerin und Entertainerin kein nennenswertes Einkommen erzielte und ab Februar 1996 durch die öffentliche Sozialhilfe unterstützt werden musste. Kurz vor dem Unfall vom 14. Juli 2000 wurde offenbar die Möglichkeit eines Comebacks besprochen, und es bestanden auch entsprechende Kontakte. Verbindliche Zusagen lagen jedoch nicht vor. Insbesondere stellt das Schreiben der Firma G.________ AG vom 16. November 2001 entgegen der Darstellung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde keine Bestätigung über einen mündlich geschlossenen Vertrag oder Vorvertrag dar. Denn dieselbe Unternehmung erklärte im Mai 2003, man habe zwar eine CD-Produktion und Tourneen in Aussicht genommen, das Projekt sei aber erst in der Planungsphase gewesen. Auch die angegebenen Verdienstmöglichkeiten aus einer Vertragsbeziehung mit der Firma O.________ AG sind nicht hinreichend erstellt, während die Radioauftritte für sich allein genommen nur vergleichsweise bescheidene Einkünfte ergeben hätten. Unter diesen Umständen steht nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass es in der Folge tatsächlich zu einer Vereinbarung gekommen wäre, welche der Beschwerdeführerin ein höheres jährliches Einkommen gesichert hätte als die Arbeit als Musik- oder Gesangslehrerin, welche ihr auf Grund ihrer Kenntnisse, ihrer Erfahrung und ihres Bekanntheitsgrades ebenfalls zugänglich wäre. Das Valideneinkommen ist deshalb, der Vorinstanz folgend, mit Bezug auf eine Tätigkeit im Unterrichtswesen zu bestimmen. Ob der auf dieser Grundlage ermittelte Betrag von Fr. 86'919.-, welcher einer relativ hohen Qualifikation (Anforderungsniveau 1 und 2) entspricht, realistisch ist, kann, wie bereits das kantonale Gericht erkannt hat, offen bleiben, da sich eine allfällige Reduktion in proportional gleicher Weise auch beim Invalideneinkommen auswirken würde. 3.2 Mit der Behinderung wäre der Beschwerdeführerin dieselbe Tätigkeit als Musik- oder Gesangslehrerin jedenfalls zu 70 % zumutbar. Damit ergibt sich, wie die IV-Stelle in Verfügung und Einspracheentscheid festhielt, im Rahmen eines Prozentvergleichs (BGE 114 V 313 Erw. 3a mit Hinweisen) eine Erwerbsunfähigkeit von 30 %, welche keinen Rentenanspruch begründet. Ein zusätzlicher Prozentabzug (dazu BGE 126 V 79 f. Erw. 5b) rechtfertigt nicht; denn nach Lage der medizinischen Akten wird die gesundheitliche Einschränkung durch die Reduktion um 30 % mindestens ausreichend berücksichtigt, während invaliditätsfremde lohnmindernde Faktoren (vgl. BGE 126 V 79 f. Erw. 5b/aa) bei Validen- und Invalideneinkommen in Rechnung zu stellen wären. Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob die Vorinstanz für die Bemessung des Invaliditätsgrades richtigerweise von einer vollen Arbeitsfähigkeit als Musik- oder Gesangslehrerin (an Stelle einer solchen von 70 %) ausging.