Citation: 1A.114/2006 07.03.2007 E. 4

4.1 Sodann bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe zusammen mit ihrem Ehemann im Dezember 2003 mit der Opferhilfe-Behörde Aargau/Solothurn Kontakt aufgenommen und dabei ihre opferrechtlichen Ansprüche mündlich angemeldet. Das OHG setze nicht voraus, dass opferrechtliche Ansprüche schriftlich anzumelden wären. Die kantonalen Opferhilfe-Behörden hätten nie bestritten, dass die Beschwerdeführerin die Ansprüche im Dezember 2003 angemeldet habe. Wenn das Verwaltungsgericht den Standpunkt vertrete, die Ansprüche der Beschwerdeführerin seien nicht angemeldet worden, hätte es gemäss der Untersuchungsmaxime diesbezügliche Abklärungen treffen müssen. 4.2 Der Grundsatz der Untersuchungsmaxime besagt, dass die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen feststellt (Art. 16 Abs. 2 OHG). Der Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, sondern findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Opfers (BGE 126 II 97 E. 2e S. 102, mit Hinweisen). Daraus folgt, dass die Beschwerdeinstanz nicht prüfen muss, ob sich die angefochtene Verfügung unter schlechthin allen in Frage kommenden Aspekten als korrekt erweist, sondern zusätzliche Abklärungen nur vornehmen und von den Verfahrensbeteiligten nicht aufgeworfene Rechtsfragen nur prüfen muss, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 123 III 328 E. 3 S. 329; 110 V 48 E. 4a S. 53). 4.3 Gemäss einem bei den Akten liegenden Schreiben des Kantonalen Sozialdienstes vom 2. November 2005 teilte diesem die Opferhilfe-Stelle Aargau/Solothurn in einem Schreiben vom 24. Oktober 2005 mit, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann die Opferhilfe-Stelle Aargau/Solothurn erstmals im Dezember 2003 kontaktiert hätten. Des Weitern vermerkte der Kantonale Sozialdienst, dass in dieser Angelegenheit keine Unterlagen verzeichnet seien. Im gegen die Verfügung des Kantonalen Sozialdienstes eingeleiteten Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht berief sich die Beschwerdeführerin nicht darauf, ihre Ansprüche bereits im Dezember 2003 gestellt zu haben, obwohl sich der Kantonale Sozialdienst mit der Frage der Verwirkung der opferrechtlichen Ansprüche befasste (vgl. Sachverhalt A. hiervor). Das Verwaltungsgericht hatte daher keinen Anlass, von sich aus weitere Sachverhaltsabklärungen zur behaupteten Anmeldung der OHG-Ansprüche im Dezember 2003 durchzuführen, zumal sich den Akten keine weiteren Hinweise auf eine Kontaktnahme im Dezember 2003 entnehmen lassen und die Opferhilfe-Stelle Aargau/Solothurn im erwähnten Schreiben vom 24. Oktober 2005 die Auffassung vertrat, die Verwirkungsfrist sei im Dezember 2003 bereits abgelaufen gewesen. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 16 Abs. 2 OHG) liegt somit nicht vor. Das Bundesgericht ist dementsprechend an die Feststellung des Verwaltungsgerichts, dass die Beschwerdeführerin die opferrechtlichen Ansprüche erst am 25. Oktober 2005 angemeldet habe, gebunden (Art. 105 Abs. 2 OG).