Citation: 4A_260/2014 E. 7.2

7.2. Mit dieser Rechtsprechung nimmt das Bundesgericht, um Prozessverschleppung zu vermeiden, und mit Rücksicht auf die Vorhersehbarkeit und die Rechtssicherheit bewusst in Kauf, dass der Geschädigte bisweilen nicht in der Lage ist, die vorausgesetzte Rendite zu erwirtschaften. Dies ist die Konsequenz, wenn den individuellen Verhältnissen der einzelnen Geschädigten keine Bedeutung zugemessen wird. Dafür hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung bezüglich der Zusprechung von Renten überprüft und erkannt, wenn eine geschädigte Person eine indexierte Rente beanspruche, sei ihr diese Form des Schadenersatzes zumindest im Regelfall nicht zu verweigern (BGE 125 III 312 E. 6c S. 320 f. mit Hinweisen). Die indexierte Rente erlaubt es dem Geschädigten, periodischen Ersatz seines realen Einkommensausfalls zu erhalten und damit seinen Lebensunterhalt langfristig sicherzustellen (BGE 125 III 312 E. 6c S. 321). So kann er sich der Gefahr des Zerfalls seiner Existenzgrundlage infolge des Anlagerisikos entziehen. Wollte der Geschädigte die Kapitalabfindung lediglich sicher anlegen und den Erwerbsausfall aus dem Kapital samt dem erzielten Ertrag kompensieren, ist nicht ersichtlich, weshalb er die Kapitalabfindung wählen sollte, wenn er keinen den Kapitalisierungszinsfuss überschreitenden Ertrag erwartet und keine Befürchtungen betreffend die Solvenz des Schuldners hegen muss. Daher genügt es nicht aufzuzeigen, dass mit einer konservativen Anlagestrategie zur Zeit allenfalls nicht eine dem Kapitalisierungszinssatz entsprechende Rendite erreicht werden kann. Entscheidend ist vielmehr, ob dies auch langfristig nicht möglich ist. Wäre tatsächlich die Kapitalabfindung aufgrund des geltenden Kapitalisierungszinssatzes für den Schädiger vorteilhaft, wäre an sich zu erwarten, dass von den Geschädigten vermehrt die Zusprechung einer Rente verlangt wird. Die Beschwerdeführerin zeigt nicht hinreichend auf, woraus sich ergeben sollte, dass die Anpassungen, auf die sie sich schon vor der Vorinstanz berufen hat, nicht blosse Abbilder oder Folgen der aktuellen Wirtschaftslage sind, sondern eine langfristige dauernde Veränderung indizieren. Damit gelingt es ihr nicht aufzuzeigen, dass die Vorinstanz den Kapitalisierungszinssatz hätte anpassen müssen.