Citation: 8C_707/2019 E. 6.4

6.4. Diese Voraussetzungen waren hier mit der Vorinstanz offensichtlich nicht gegeben. Unbestrittenermassen bestand keine freie Sicht mehr für ein gefahrloses Überholmanöver, da die Strasse kurz vor der Kollisionsstelle eine leichte Rechtskurve vollzog. Wäre die Sicht des verunfallten Versicherten aufgrund der leichten Rechtskurve und des vor ihm fahrenden LKWs nicht (zumindest teilweise) verdeckt gewesen, hätte er den entgegenkommenden Subaru bemerkt oder bemerken müssen, zumal die Fahrerin des Subaru nach ihrem eigenen Überholmanöver bereits wieder mehrere Sekunden auf der rechten Fahrspur war, bis sie das erste Motorrad kreuzte. Da der Versicherte keine freie Sicht hatte, hätte ihm die allgemeine Gefährlichkeit seines Verhaltens, wie im vorinstanzlichen Entscheid ausgeführt wurde, bewusst sein müssen. Im Zeitpunkt des Beginns des Überholmanövers fehlte die Gewissheit, dieses gefahrlos abschliessen zu können. Dennoch setzte er zum Überholen an, anstatt zunächst mit dem Motorrad nur auszuscheren, um zu prüfen, ob sicher überholt werden konnte. Hierin liegt die grobe Sorgfaltspflichtverletzung mit offenkundig fatalem Ausgang für den Versicherten selbst und eingetretener grosser Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Wie schwer die Unfallbeteiligten verletzt wurden, ist diesbezüglich nicht relevant. Die Vorinstanz bejahte somit zu Recht die Verwirklichung des Art. 90 Abs. 2 SVG infolge grobfahrlässigen Handelns auch in subjektiver Hinsicht.