Citation: 2P.3/2003 24.04.2003 E. 1

Die Beschwerdeführer sind mit staatsrechtlicher Beschwerde an das Bundesgericht gelangt. Es stellt sich vorab die Frage nach der Zulässigkeit dieses Rechtsmittels. 1.1 Bis anhin waren die Verhaltenspflichten der Rechtsanwälte und die Disziplinarsanktionen, welche für Verstösse gegen diese Pflichten verhängt werden können, ausschliesslich kantonalrechtlich geregelt. Als eidgenössisches Rechtsmittel war in diesem Bereich deshalb einzig die staatsrechtliche Beschwerde gegeben. Inzwischen ist am 1. Juni 2002 das Bundesgesetz vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61) in Kraft getreten, welches neben den Berufsregeln (Art. 12) insbesondere auch das Disziplinarrecht (Art. 17) abschliessend regelt (vgl. die Botschaft des Bundesrats vom 28. April 1999, in: BBl 1999 6054, 6060). Gegen letztinstanzliche kantonale Disziplinarentscheide steht nunmehr gestützt auf Art. 97 ff. OG in Verbindung mit Art. 5 VwVG die eidgenössische Verwaltungsgerichtsbeschwerde offen. Die Regelung des Verfahrens bleibt dabei Sache der Kantone (Art. 34 Abs. 1 BGFA), wobei aber nach Art. 98a OG als letzte kantonale Instanz eine richterliche Behörde entscheiden muss (vgl. BBl 1999 6058). 1.2 Der disziplinarrechtlich beurteilte Sachverhalt hat sich vorliegend vor Inkrafttreten des eidgenössischen Anwaltsgesetzes abgespielt; auch das Verfahren wurde vor diesem Zeitpunkt eröffnet. Der angefochtene Entscheid wurde indessen unter der Herrschaft des neuen Bundesgesetzes gefällt und die Anwaltskammer hat sich für die Beurteilung der Streitigkeit bereits auf dieses gestützt. Es könnte deshalb als Rechtsmittel auf Bundesebene bereits die Verwaltungsgerichtsbeschwerde in Frage kommen, wobei diesfalls aufgrund von Art. 98a OG als kantonale Vorinstanz ein Gericht amten müsste. Ob die Anwaltskammer ein solches darstellt, ist zumindest zweifelhaft (offen gelassen wurde die Frage unter dem Blickwinkel von Art. 6 EMRK in BGE 125 I 417 E. 2c S. 420; vgl. aber BGE 126 I 228 E. 2a S. 234 bezüglich der Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte im Kanton Zürich und BGE 123 I 87 E. 4 S. 91 ff. bezüglich der Notariatskommission Graubünden). Die Befolgung von Art. 98a OG wird gewährleistet, indem Art. 26a FG (eingefügt am 29. Juni 1999) in verschiedenen Fällen ausdrücklich die Beschwerde an das kantonale Verwaltungsgericht vorsieht und Art. 76 Abs. 2 des Berner Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG), welches gemäss Art. 28a FG auf das Verfahren vor der Anwaltskammer subsidiäre Anwendung findet, die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen an sich kantonal letztinstanzliche Entscheide eröffnet, soweit diese der eidgenössischen Verwaltungsgerichtsbeschwerde unterliegen. Aufgrund der folgenden Erwägungen kann offen bleiben, ob gegen letztinstanzliche kantonale Entscheide über die Sanktionierung von Disziplinarverstössen, die sich vor Inkrafttreten des neuen Bundesgesetzes ereignet haben, aber unter dessen Herrschaft zur Beurteilung gelangen, gleich wie für rein neurechtliche Fälle die Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu ergreifen ist; dasselbe gilt für die Frage, inwieweit dieses Rechtsmittel gegebenenfalls auch dem erfolglosen Anzeiger zur Verfügung stünde.