Citation: 7B_1022/2024 E. 5.5.2

5.5.2. Die Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK fällt zugunsten des mittlerweile 24-jährigen Beschwerdeführers (Jahrgang 1990) aus. Er ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Er hat sein ganzes Leben im Gastland verbracht und ist auch hier erkrankt. Mit dem Vollzug der Landesverweisung würde er aus dem bisherigen Umfeld herausgerissen. Dass sich dies voraussichtlich in einem gewissen Mass destabilisierend auf seine gesundheitliche und persönliche Situation auswirken könnte, anerkennt selbst die Vorinstanz. Auch wenn nach ihren Feststellungen ein Zugang zur medizinischen Versorgung in der Türkei für die beim Beschwerdeführer diagnostizierte psychische Erkrankung vorhanden sein mag, ersetzt dies die persönliche Betreuung und den Beistand der in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Mutter nicht. Der sofortige Vollzug der Landesverweisung erweist sich gesamthaft betrachtet als unverhältnismässig. Er ist aufzuschieben, solange die psychische Krankheit des Beschwerdeführers nur dank der umfassenden Fürsorge seiner Mutter in einem ambulanten Setting behandelt werden kann. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass die Landesverweisung zu einem späteren Zeitpunkt (namentlich unter Berücksichtigung der Behandlungsfortschritte, der abgelaufenen Zeit und ganz allgemein der Verhältnismässigkeit) nicht vollzogen werden könnte. Die Beschwerde ist entsprechend gutzuheissen.