Citation: 9C_443/2023 E. 3.1

3.1. Die Vorinstanz würdigt neben dem Gerichtsgutachten der Psychiatrischen Dienste E.________ vom 17. Dezember 2021 u.a. das Administrativgutachten der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) B.________ vom 11. Dezember 2018 und die Stellungnahmen von Dr. C.________ und Prof. D.________ vom 3. Juni 2019 sowie des RAD vom 10. Dezember 2019 (dazu im Einzelnen E. 3 des angefochtenen Urteils). Sie stellt auf die Schlussfolgerungen der gerichtlich beigezogenen Sachverständigen ab. Diese diagnostizierten als für die Arbeitsfähigkeit relevant: eine rezidivierende (gegenwärtig leichtgradige) depressive Störung mit/bei ausgeprägter Tag-/Nachtumkehr bei fehlender Tagesstruktur und eine Agoraphobie vor allem in Bezug auf die Wegefähigkeit (Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel). Hingegen wirkten sich u.a. ein schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden, eine (teilremittierte) Spielsucht, eine Persönlichkeitsakzentuierung mit histrionischen und narzisstischen wie auch leicht dissozialen sowie selbstunsicheren Zügen und ein grenzwertiges ADHS im Kindesalter nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. Aktuell bestehe eine leicht- bis mittelgradige unbehandelte depressive Episode (Gerichtsgutachten S. 33). Die Sachverständigen erläuterten in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 2. Dezember 2022 die Diagnosestellung dahin, aufgrund des ausgeprägten subjektiven Leidensdrucks sei (abweichend von der Angabe im Diagnosenkatalog) von einer leicht- bis tendenziell mittelgradigen Depression auszugehen, auch um dem Versicherten die Option einer erneuten suffizienten antidepressiven Behandlung offenzuhalten. Das kantonale Gericht entnimmt dem Gerichtsgutachten resp. der ergänzenden Stellungnahme, die depressive Störung bedürfe einer konsequenten integrierten psychiatrischen Behandlung; das Setting sei zu optimieren und die Medikamenten-Compliance sicherzustellen. Die zunächst 50-prozentige Tätigkeit (vier bis fünf Stunden täglich in der zweiten Tageshälfte) solle erst über drei bis vier Monate hinweg im geschützten Rahmen resp. an einem adaptierten Arbeitsplatz stabilisiert werden. Innerhalb von vier bis sechs Monaten sei sodann eine sukzessive Steigerung des Pensums auf bis zu achteinhalb Stunden pro Arbeitstag vorstellbar. Bei ausreichender medikamentöser Behandlung der Depression sowie anhaltender THC-Abstinenz und kontrollierter Spielsucht sei zu erwarten, dass sich die allgemeine Belastbarkeit und das Funktionsniveau einschliesslich der Konzentration verbesserten und der Beschwerdeführer wieder an sein intellektuelles Leistungsvermögen herankommen werde. Im Fall von Konzentrationsstörungen und rascher Ermüdbarkeit könnten allenfalls zu Beginn einfache, geistig wenig anstrengende repetitive Tätigkeiten sinnvoll sein. Die Vorinstanz schliesst, das Gerichtsgutachten mitsamt ergänzenden Stellungnahmen erfülle die Anforderungen und sei beweiskräftig. Es werde schlüssig dargelegt, weshalb die Diagnose eines ADHS nicht bestätigt werden könne. Die gerichtlich bestellten Sachverständigen stimmten indessen mit der behandelnden Ärztin überein, dass der Beschwerdegegner zum Zeitpunkt der Begutachtung in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Dem Gerichtsgutachten folgend sei davon auszugehen, dass er grundsätzlich in der Lage sei, eine Tätigkeit im Umfang von (80 bis) 100 Prozent auszuüben. Dies setze jedoch eine Besserung des Gesundheitszustands voraus; bei adäquater Therapie - und einer Abstinenz von Cannabinoiden - könne dies innert vier bis sechs Monaten erreicht werden. Für den Beurteilungszeitraum ab August 2017 bis zum Abschluss der erforderlichen Vorkehren sei von einer 50-prozentigen Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt auszugehen.