Citation: 6B_762/2023 E. 2.2.2

2.2.2. Die Vorinstanz erachtet sämtliche Anklagevorwürfe gestützt auf die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 als erstellt. Deren Erstaussagen seien durchwegs stimmig, detailliert und lebensnah und würden sich durch eine Fülle an Realkennzeichen sowie einem Mangel an Aggravationstendenzen auszeichnen. Die Beschwerdegegnerin 2 habe fast ausschliesslich in freier Erzählung berichtet und zunächst ausführlich die Entstehung der Beziehung, ihren Umzug in die Schweiz sowie das Zusammenleben mit dem Beschwerdeführer beschrieben. Erst im Verlauf der Einvernahme habe sie nahezu beiläufig angemerkt, dass der Beschwerdeführer sie am 22. Mai 2018 zum Schlucken seines Samenergusses gezwungen habe. Danach sei sie auf die Folgen des Vorfalls eingegangen. Darauf angesprochen habe sie von sich aus und ungefragt erklärt, dass der Geschlechtsverkehr bis dahin immer einvernehmlich gewesen sei, wie auch der darauffolgende. Ihre Schilderung des Vorfalls habe die Beschwerdegegnerin 2 mit Wahrnehmungen über Gerüche, ihre Gefühlslage sowie Interaktionen verknüpft. Auch ihre Aussagen zu den weiteren Vorwürfen seien schlüssig, lebensnah und mit Interaktionen verknüpft. Sie habe ebenfalls von sich aus klargestellt, dass der Geschlechtsverkehr am 17. Juni 2018 grundsätzlich einvernehmlich gewesen sei. Besonders realistisch erscheine das perspektivengetreue Beschreiben des Vorgangs anhand ihrer Wahrnehmungen; sie habe wegen der Dunkelheit nicht gesehen, was der Beschwerdeführer in den Händen gehalten habe, und aufgrund der Temperatur der eingeführten Aubergine realisiert, was passiert sei. Sie habe ihre Rolle im Geschehen nicht passiviert, sondern angegeben, dass sie den Beschwerdeführer angeschrien und gescholten habe. Eindrücklich seien ferner die zahlreichen Schilderungen zu ihrer Gefühlslage, was einen realen Erlebnishintergrund belege. Auch mit Bezug auf den Vorfall vom 5. Juli 2018 seien die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 glaubhaft. Sie habe nach den früheren Übergriffen grundsätzlich nicht mitmachen wollen und sei durch Androhungen unter Druck gesetzt worden. Den Geschlechtsverkehr habe sie aus Angst vor einem weiteren sexuellen Übergriff sowie aufgrund ihrer sozialen Abhängigkeit über sich ergehen lassen. Im Verlauf habe der Beschwerdeführer erneut eine Aubergine geholt und sie vaginal eingeführt. Da die Beschwerdegegnerin 2 gesehen habe, was er vorhatte, habe sie ihm verbal zu verstehen gegeben, dass sie dies nicht wolle, und sich mit den Händen gewehrt. Die Vorinstanz fährt fort, eine bewusste Falschaussage der Beschwerdegegnerin 2 könne ausgeschlossen werden. Die Vorwürfe seien spezifisch und originell. Es erscheine lebensfremd, dass sie erfunden und in Akte von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr eingebettet würden. Die Schilderung der Beschwerdegegnerin 2 beinhalte komplexe Orts- und Stellungswechsel, was das konstante Vortragen der Vorwürfe erschwere - und gegen eine Falschaussage spreche. Hätte sie den Beschwerdeführer wahrheitswidrig anschuldigen wollen, hätte sie mit grösster Wahrscheinlichkeit ein singuläres Erlebnis geschildert. Ferner wäre diesfalls zu erwarten, dass die Beschwerdegegnerin 2 direkt und zielgerichtet auf die Vorwürfe zu sprechen gekommen wäre. Jedoch habe sie sich nicht darauf fokussiert, sondern frei erzählt, was ihr widerfahren sei. Die Art der Vorwürfe und das Aussageverhalten stünden der Hypothese einer falschen Anschuldigung klar entgegen. Der Eindruck der Authentizität der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 habe sich anlässlich der Berufungsverhandlung verstärkt und decke sich mit den Feststellungen gemäss einem Bericht während ihres Aufenthalts im Frauenhaus. Die dort vermerkten starken körperlichen Reaktionen wie Schwitzen und Zittern beim Besprechen der Vorwürfe beruhten auf den Beobachtungen der Verfasserin. Nicht zuletzt angesichts der in der Berufungsverhandlung konstatierten limitierten Ausdrucksfähigkeit der Beschwerdegegnerin 2 erscheine es ausgeschlossen, dass sie die intellektuellen Fähigkeiten für eine ausgeklügelte Falschaussage der vorliegenden Qualität hätte. Im Übrigen habe sich die Beschwerdegegnerin 2 mehrfach positiv über den Beschwerdeführer geäussert. Ein nachvollziehbares Motiv für eine Falschbelastung sei nicht ersichtlich. Namentlich der vom Beschwerdeführer angeführte Beweggrund, Tamilinnen würden häufig solche Vorwürfe erfinden, um aus dem gemeinsamen Haushalt ausziehen zu können, verfange nicht, zumal die Beschwerdegegnerin 2 zum Zeitpunkt der Erstaussagen seit Monaten nicht mehr mit dem Beschwerdeführer zusammengewohnt habe. Auch die Behauptung, sie wolle durch die Vorwürfe ihre Aufenthaltsberechtigung in der Schweiz sichern, überzeuge nicht. Die Beschwerdegegnerin 2 habe sich bei der Polizei gemeldet, bevor sie davon Kenntnis erlangt habe, dass ihre Aufenthaltsberechtigung fraglich sei. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass sie den ausländerrechtlichen Ausnahmetatbestand gemäss Art. 50 Abs. 2 AIG bei Auflösung der Familiengemeinschaft gekannt habe. Ebenso sei ein Zusammenhang zwischen den erhobenen Vorwürfen und allfälliger Rechtsberatung im Frauenhaus zu verneinen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers vermöchten die späteren Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 die Glaubhaftigkeit ihrer Erstaussagen nicht in Zweifel zu ziehen. Zwar habe sie im Verlauf der zweiten polizeilichen Befragung kaum noch Angaben in freier Erzählung gemacht. Indes habe sie zu Beginn der Befragung angemerkt, dass sie möglicherweise die Daten der Vorfälle durcheinander gebracht habe. Auch zu den Vorwürfen habe sie erklärt, sie sei etwas verwirrt und könne nicht mehr angeben, ob sich ein bestimmter Vorfall im Wohn- oder im Schlafzimmer ereignet habe. Es sei augenscheinlich, dass ihre Angaben an der Zweitbefragung aufgrund der langen Befragungsdauer sowie des zwischenzeitlichen Zeitablaufs von geringerer Qualität seien als die Erstaussagen. Dasselbe gelte für die staatsanwaltschaftliche Einvernahme eineinhalb Jahre nach dem letzten Vorfall, zumal sich die Beschwerdegegnerin 2 zu jenem Zeitpunkt in keiner guten psychischen Verfassung befunden habe. Dennoch habe sie die Vorfälle konstant, gleichbleibend, mit denselben Details und ohne wesentliche Widersprüche geschildert. Auch bezüglich der Vorwürfe des Einführens verschiedener Gemüsesorten seien keine wesentlichen Widersprüche festzustellen. Es spreche nicht gegen einen realen Erlebnishintergrund, dass sich die Beschwerdegegnerin 2 nicht daran erinnert habe, bei welchem Vorfall welche Gemüsesorten in welcher Reihenfolge ihr eingeführt worden seien. Aus ihrer Perspektive dürfte lediglich wesentlich gewesen sein, dass es nicht immer dieselbe Art von Gemüse, sondern eben Gemüse und nicht wie erwartet der Penis ihres Ehemanns war. Hierzu habe sie konstante Angaben gemacht, soweit sie dazu eingehend befragt worden sei. Sie habe bestätigt, dass es zwei weitere ähnlich oder gleichgelagerte Fälle gegeben habe. Es könne ihr nicht angelastet werden, dass sie nach fortgeschrittener Befragungsdauer auf die eher geschlossene Fragestellung nicht noch einmal beide Abläufe in freier Erzählung geschildert habe.