Citation: I 507/06 25.08.2006 E. 2

2.1 Im Verfahren I 237/05 war zu prüfen, ob mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisbar ist, dass die Drogensucht des Beschwerdeführers eine Krankheit bewirkt hat, in deren Folge ein geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder dass sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt. Das Eidgenössische Versicherungsgericht stellte im Urteil vom 4. Juli 2005 zur Beurteilung dieser Frage massgeblich auf den Bericht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie vom 27. Januar 2004 ab, wo der Versicherte vom 29. August 2003 bis 7. Januar 2004 stationär behandelt wurde. Die Aerzte dieser Klinik diagnostizierten einen "Status nach sonstigen psychischen und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Paranoide Wahnvorstellungen (ICD-10: F12.8) und schädlichen Gebrauch von Cannabinoiden (ICD-10: F12.1)". Sie hielten fest, dass die psychische Symptomatik während der abstinenten Phasen deutlich regredient war, welche Beobachtung auch Dr. med. R.________, Arzt für Allgemeine Medizin FMH (Bericht vom 26. Juli 2004), machte. 2.2 Der Gesuchsteller bringt vor, trotz seit Oktober 2004 eingehaltener Drogenabstinenz habe sich der psychische Gesundheitszustand nachhaltig verschlechtert. Es seien psychiatrische ambulante (im Zeitraum März bis Mitte Juni 2006) und stationäre Interventionen (vom 11. April bis 16. Mai 2006 sowie ab 19. Mai 2006) notwendig geworden. Im ersten Verfahren sei der Beweis, dass er an einer psychischen Erkrankung leide, nicht gelungen, weil sich damals die Folgen des Cannabiskonsums und der psychischen Symptomatik überlagerten. Inzwischen sei aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisbar, dass ein unabhängig vom Suchtverhalten bestehender psychiatrischer Gesundheitsschaden vorliege. 2.3 Aufgrund der Tatsachen- und Beweislage, wie sie sich im Hauptverfahren präsentierte, stand fest, dass die Unmöglichkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen oder eine Ausbildung zu absolvieren, allein auf dem Drogenkonsum basierte, welchen der Beschwerdeführer bei Aufbietung allen guten Willens hätte vermeiden können (Urteil vom 4. Juli 2005). Dies bestreitet der Gesuchsteller nicht explizit. Er räumt vielmehr ein, dass sich der Gesundheitszustand nach eingehaltener Abstinenz allmählich besserte und im Juli 2005 die Medikation vollständig abgesetzt werden konnte. Laut Bericht des Dr. med. B.________ vom 26. Mai 2006 traten danach vermehrt depressive Symptome auf, weswegen ambulante und stationäre Massnahmen erforderlich wurden. Wegen der als mittelschwer bis schwer zu bezeichnenden Depression sei der Patient seit Anfang Januar 2006 vollständig arbeitsunfähig. 2.4 Bei den vorgebrachten Umständen handelt es sich offensichtlich um nach dem Einspracheentscheid vom 22. September 2004 - welcher praxisgemäss die Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 121 V 366 Erw. 1b) - verwirklichte Tatsachen. Sie sind daher nicht neu im Sinne von Art. 137 lit. b OG, wonach vorausgesetzt ist, dass die neu entdeckte Tatsache zur Zeit der Erstbeurteilung der Sache bereits bestanden haben muss (vgl. Erw. 1). Die allenfalls eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes wäre durch eine Neuanmeldung bei der Invalidenversicherung geltend zu machen. Sie kann im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden.