Citation: I 948/05 26.10.2006 E. 4

Zu prüfen sind im Weiteren die erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens. 4.1 Bezüglich des Valideneinkommens beruft sich die Beschwerdeführerin darauf, es sei nicht der Lohn heranzuziehen, den sie zuletzt als Küchengehilfin im Restaurant Q.________ verdient hat, sondern zu berücksichtigen, dass der wirtschaftlich relevante Eintritt der Invalidität schon im Jahr 1995 eingetreten und daher das damals erzielte Einkommen aufzurechnen sei. Darauf ist indessen nicht abzustellen, kann doch, wie bereits ausgeführt (Erw. 3.3), der Nachweis, dass die Beschwerdeführerin ihr Pensum damals ausschliesslich aus gesundheitlichen Gründen reduziert hat, nicht erbracht werden. Auszugehen ist daher mit der Vorinstanz von einem Valideneinkommen von Fr. 35'360.-, welches im Übrigen nicht bestritten wird. 4.2 Was das Invalideneinkommen betrifft, hat das kantonale Gericht auf die vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Tabellenlöhne abgestellt, unter Annahme einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit. 4.2.1 Das kantonale Gericht stützte sich dabei auf den Bericht der Stiftung G.________ vom 7. Juni 2004. Demnach hatten die Praktika gezeigt, dass die Versicherte in einem ihr angepassten Rahmen in der Privatwirtschaft verwertbare Teilleistungen erbringen könne. Die Stiftung G.________ bot ihr in der Folge auch eine 40 %-Stelle an. Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird jedoch ein Bericht der Stiftung G.________ vom 6. Dezember 2005 eingereicht, aus welchem hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin die an sie gestellten Anforderungen nicht erfüllen kann. Im September 2004 sei die vorerst befristete - seit der IV-Abklärung im Frühling 2004 ausgeübte - in eine unbefristete Stelle umgewandelt worden. Im Verlauf ihrer Tätigkeit und der Integration in das soziale System in der Institution der Stiftung G.________ habe sich die Versicherte von einer Seite gezeigt, welche während der Abklärung nicht sichtbar und beobachtbar gewesen sei. Ihre Belastbarkeit und Sozialkompetenz präsentierten sich anders als in der Abklärung. Die Fachleute der Stiftung G.________ kamen nunmehr deshalb zu einer abweichenden Einschätzung. Die Versicherte sei gering belastbar und schnell reizüberflutet. Sie reagiere in diesen Momenten ungehalten, aufbrausend, unverblümt, verschliesse sich und lasse sich nicht mehr führen. Auch aufgrund ihres Umgangstons werde sie zur starken Belastung für die Arbeitsgruppe und das Führungspersonal. Die Fachleute gingen daher davon aus, dass die Beschwerdeführerin dem Leistungsdruck in der Privatwirtschaft nicht gewachsen sei. Zwar genüge sie den Anforderungen in Bezug auf Fachkompetenz, Arbeitsgüte und Arbeitsqualität. Aufgrund ihrer Reizverarbeitung, Belastbarkeit und Sozialkompetenz sei sie jedoch auf den geschützten Rahmen eines Arbeitsplatzes angewiesen. Gleiches berichtet auch die behandelnde Psychiaterin Frau Dr. med. R.________ in ihrem Bericht vom 13. Dezember 2005. Sie erachtet eine Arbeitstätigkeit ausserhalb des geschützten Rahmens für absolut unmöglich. Die Versicherte habe in einer Überforderungssituation Mühe, sich abzugrenzen, und reagiere mit verbalen Aggressionen und momentanen Arbeitsunterbrüchen, was eine deutliche Belastung für sie und die mit ihr zusammenarbeitenden Mitarbeiter darstelle. 4.2.2 Bei geistigen Gesundheitsschädigungen ist für die Annahme einer invalidisierenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausschlaggebend, ob die psychiatrischen Befunde nach Einschätzung des Arztes eine derartige Schwere aufweisen, dass der versicherten Person die Verwertung ihrer Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver Betrachtung sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder dies für die Gesellschaft gar untragbar ist (BGE 130 V 354). Im vorliegenden Fall diagnostizierte die Psychiaterin am 29. Oktober 2004 eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD 10 F33.1), sowie eine leichte Intelligenzminderung (ICD 10 F70.0). Schon damals führte sie aus, dass die Versicherte durch die depressive Symptomatik bei ihr unbekannten Tätigkeiten oder Stresssituationen sehr schnell in eine Überforderungssituation gerate, dabei schnell aggressiv reagiere und meistens nicht mehr in der Lage sei, bei ihrer Tätigkeit zu bleiben. Anlässlich einer neuropsychologischen Untersuchung im Rehazentrum Y.________, wo sich die Beschwerdeführerin nach ihrer Hirnhautentzündung aufhielt, hatten sich in fast allen Bereichen deutliche Defizite gezeigt, so in der selektiven und geteilten Aufmerksamkeit, dem visuellen und Textgedächtnis, wobei hier mehr Probleme beim Speichern als beim Abruf von Informationen bestanden, sowie beim Planen und Problemlösen. Die Psychologin hielt fest, dass sich ein Teil der Resultate sicherlich auf die depressive Symptomatik zurückführen liessen, diese allein jedoch den Schweregrad der Defizite nicht zu erklären vermöge (Bericht vom 28. Oktober 2003). 4.2.3 Unter diesen Umständen ist anzunehmen, dass die erste Einschätzung der Fachleute der Stiftung G.________ tatsächlich zu optimistisch ausfiel und sich die Beschwerdeführerin nur noch im geschützten Rahmen zu bewähren vermag. Damit kann beim Invalideneinkommen nicht auf die Tabellenlöhne abgestellt werden, sondern es ist der effektiv erzielte Lohn bei der Stiftung G.________ - wo die Versicherte mittlerweile eine Festanstellung erhalten hat - heranzuziehen (vgl. BGE 126 V 76 Erw. 3b/aa). Dieser belief sich gemäss den mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichten Lohnabrechnungen ab September 2004, dem Zeitpunkt der Festanstellung, bis zum August 2005 auf Fr. 6896.50. 4.3 Verglichen mit dem Valideneinkommen von Fr. 35'360.- resultiert ein Invaliditätsgrad von 80 % (vgl. zur Rundung des Invaliditätsgrades BGE 130 V 121). Damit hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.