Citation: 1C_19/2022 E. 2.3

2.3. Nach Art. 30 Abs. 1 BV hat jede Person Anspruch auf ein durch Gesetz geschaffenes, zuständiges, unabhängiges und unparteiisches Gericht. Ausnahmegerichte sind ausdrücklich untersagt. Die Regelung will verhindern, dass Gerichte eigens für die Beurteilung einer Angelegenheit gebildet werden. Die Rechtsprechung soll auch nicht durch eine gezielte Auswahl der Richterinnen und Richter im Einzelfall beeinflusst werden können. Jede Besetzung, die sich nicht mit sachlichen Gründen rechtfertigen lässt, verletzt die Garantie des verfassungsmässigen Gerichts (BGE 137 I 340 E. 2.2.1 S. 342). Wird die Zusammensetzung des Spruchkörpers im Verlauf des Verfahrens geändert, müssen dafür hinreichende sachliche Gründe bestehen. Solche sind gegeben, wenn dem Wechsel der Zusammensetzung des Spruchkörpers vernünftige, einer sach- und zeitgerechten Fallerledigung dienende Überlegungen zugrunde liegen. Dies kann zutreffen, wenn ein Mitglied des Gerichts ersetzt wird, weil es aus Altersgründen ausscheidet oder wegen länger dauernder Krankheit oder Mutterschaftsurlaub das Amt nicht ausüben kann. Auch kürzere krankheitsbedingte Abwesenheiten können jedenfalls bei dringlichen Verfahren für den Wechsel der Zusammensetzung eines Gerichts sachliche Gründe darstellen, die sich durch das verfassungsmässige Beschleunigungsgebot rechtfertigen lassen (Urteile 1B_311/2016 vom 10. Oktober 2016 E. 2.2; 1B_79/2017 vom 21. September 2017 E. 4.2; je mit Hinweisen).