Citation: 8C_552/2019 E. 4

Unter Einbezug des Ursachenberichts der Kantonspolizei Thurgau vom 12. Mai 2015, des Berichts des Aussendienstes der Suva vom 23. Juni 2015, des Gutachtens des Technischen Inspektorats des Schweizerischen Gasfaches (TISG) vom 4. Mai 2016 und dessen Ergänzung vom 18. Juni 2016, des Berichts der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Spital C.________, vom 24. Juni 2015, des Berichts des Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Suva, vom 30. August 2016 und dessen ergänzender Stellungnahme vom 5. Dezember 2016 sowie des Berichts des Dr. med. E.________, Vertrauensarzt der ÖKK, vom 5. Oktober 2016 kam die Vorinstanz zum Schluss, es sei unbestritten, dass beim Versicherten im Zeitpunkt des Ereignisses vom 2. März 2015 keine schwere psychische Störung vorgelegen habe. Mit der fehlenden schweren psychischen Störung liessen sich aber suizidale Absichten des Versicherten nicht ausschliessen. Soweit das Spital C.________ und die Klinik F.________ nicht von einem Suizidversuch ausgingen, könne offen bleiben, ob diese um die genauen Umstände der Explosion gewusst hätten. Angesichts der kriselnden Ehe, der Schwierigkeiten mit dem pubertierenden Sohn, dem nicht näher beschriebenen (von der Arbeitgeberin aber dokumentierten) Unfall im Jahr 2014 sowie dem schlechten Zustand seiner Zähne hätten durchaus belastende Probleme bestanden. Es erscheine nicht nachvollziehbar, dass sich die Ehefrau und der Sohn wegen der schweren Verletzungen vom Versicherten distanziert hätten. Dies sowie der Umstand, dass die Ehefrau eine höhere Summe vom Bankkonto des Versicherten abgehoben habe, deuteten vielmehr auf tiefergehende familiäre Probleme hin. Auch wenn die einzelnen Problemkreise für sich allein nicht unbedingt Anlass bieten würden, der Situation durch Suizid ein Ende zu setzen, könnten sie doch insgesamt und unter Berücksichtigung der vom Versicherten angegebenen Midlife crisis zu einer Belastungssituation geführt haben, in der ein geringfügiger Vorfall zu einer Kurzschlussreaktion führe. Dem stehe nicht entgegen, dass der Versicherte unter keiner schweren psychischen Störung gelitten habe, komme doch ein Suizid aus Sicht des Umfelds nicht selten völlig unerwartet und unerklärlich. Auffallend sei, dass sich der Versicherte gerade an den offenen Benzinkanister und das Verschütten des Benzins nicht zu erinnern vermöge, obwohl er angebe, sich an das bis zur Verpuffung Stattgefundene erinnern zu können. Damit lasse sich aus den psychiatrischen Beurteilungen nichts Relevantes gewinnen. Massgebend für die Beurteilung sei vielmehr das vom Versicherten an den Tag gelegte Verhalten und die im Bericht der Kantonspolizei festgehaltenen Umstände. Aus objektiver Sicht lägen danach gewichtige Indizien dafür vor, dass ein Brand gelegt werden sollte. Die vom Versicherten getroffenen Vorkehrungen würden weit über das hinausgehen, was für ein Verbrennen von persönlichen Gegenständen und Dokumenten nötig gewesen wäre. Durch seine widersprüchlichen Beschreibungen zur Ursache der Verpuffung, von denen keine den Vorgang schlüssig zu erklären vermöge, habe der Versicherte die für einen beabsichtigten Suizid sprechenden Umstände nicht zu entkräften vermocht. Abgesehen davon, dass nach Ablauf des Winters keine Notwendigkeit für den Einbau einer Zusatzheizung bestanden habe, hätten die Ermittler auch keine entsprechenden Utensilien dafür vorgefunden. Zur Darstellung, der Versicherte habe Gasgeruch festgestellt und eine lecke Stelle schliessen wollen, sei festzustellen, dass die Ermittler bei intakten, noch Stunden nach dem Vorfall unter Druck gestandenen Gasleitungen und weiterhin funktionierender Gasheizung keinen Gasgeruch hätten wahrnehmen können. Es könne offen bleiben, ob die gemachten Aussagen im Spital verwertbar seien. Der Versicherte streite zwar ab, in suizidaler Absicht gehandelt zu haben, doch vermöge er keine glaubhaften Angaben dazu machen, wie es zur Verpuffung gekommen sei und weshalb benzingetränkte Gegenstände auf dem Tisch gefunden worden seien. Insbesondere aufgrund des nach dem Vorfall angetroffenen Schadensbildes, aber auch unter Berücksichtigung der für eine Anpassungsstörung sprechenden Hinweise, bestünden nach dem Gesagten derart überzeugende Hinweise auf einen Selbsttötungsversuch, dass die Vermutung des Selbsterhaltungstriebs als widerlegt gelten müsse. Bezüglich der Frage, ob der Versicherte anlässlich des Vorfalls gänzlich unfähig gewesen sei, vernunftgemäss zu handeln, stellte die Vorinstanz auf die Beurteilung des Dr. med. D.________ ab, wonach der Versicherte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unmittelbar vor dem Ereignis unter keinen Störungen des Bewusstseins, der Orientierung und des Realitätsbezugs gelitten habe. Unter der Annahme, der Vorfall vom 2. März 2015 sei nicht auf suizidale Absichten zurückzuführen, habe für die ÖKK keine Veranlassung bestanden, sich zur Urteilsfähigkeit zu äussern. Allerdings vertrete sie die Auffassung, der Versicherte habe nicht unter einer psychischen Störung gelitten. Zudem habe die Blutprobe keinen Alkoholwert ergeben, so dass keine Hinweise dafür bestünden, der Versicherte sei gänzlich unfähig gewesen, vernunftgemäss zu handeln. Nach dem Gesagten habe die Unfreiwilligkeitsvermutung als widerlegt zu gelten. Da auch die Tatbestandsvarianten von Art. 48 UVV, bei welchen selbst die schuldhafte Herbeiführung des Unfalles keinen Untergang des Leistungsanspruchs zur Folge habe, nicht erfüllt seien, sei der Entscheid der Suva rechtmässig.