Citation: 6B_683/2022 E. 1.2.1

1.2.1. Die Vorinstanz verweist auf Art. 17 des bernischen Gesetzes vom 23. Januar 2018 über den Justizvollzug (Justizvollzugsgesetz, JVG; BSG 341.1). Demgemäss kann die Vollzugsbehörde den Vollzug einer Freiheitsstrafe oder einer strafrechtlichen Massnahme an Erwachsenen von Amtes wegen, auf Antrag der eingewiesenen Person oder der Vollzugseinrichtung aus wichtigen Gründen aufschieben oder unterbrechen (Abs. 1). Als wichtige Gründe gelten namentlich ausserordentliche persönliche, familiäre oder berufliche Verhältnisse und vollständige Hafterstehungsunfähigkeit (Abs. 2). Beim Entscheid sind die voraussichtliche Vollzugsdauer, die Entweichungs- und Wiederholungsgefahr sowie allfällige Beurteilungen von Sachverständigen zu berücksichtigen (Abs. 3). Zudem verweist die Vorinstanz auf die Richtlinie der Konkordatskonferenz des Strafvollzugskonkordats der Nordwest- und Innerschweizer Kantone betreffend die Hafterstehungsfähigkeit vom 25. November 2016 (SSED 17ter.0). Diese Richtlinie regelt den Fall, in dem die rechtskräftig verurteilte Person vor dem Antritt der Strafe gestützt auf ein ärztliches Zeugnis ein Gesuch um Verschiebung des Vollzugsantritts stellt. Gemäss Ziff. 3.2.1 beauftragt die zuständige Vollzugsbehörde in dieser Konstellation ihren Vertrauensarzt mit der medizinischen Begutachtung oder entscheidet aufgrund des eingereichten Zeugnisses. Nach Ziff. 3.3.1. Abs. 3 kann ein Vertrauensarzt mit den notwendigen medizinischen Abklärungen beauftragt werden, wenn ein ärztliches Zeugnis des behandelnden Arztes vorliegt. Die Vorinstanz leitet daraus ab, dass kein Anspruch auf eine gutachterliche Abklärung der Hafterstehungsfähigkeit besteht.