Citation: 5A_710/2022 E. 2.3.5

2.3.5. Voraussetzung der Vollstreckbarerklärung ist, dass die Entscheidung im Ursprungsstaat vollstreckbar ist (Art. 31 Abs. 1 LugÜ 1988 bzw. Art. 38 Abs. 1 LugÜ 2007). Insoweit kommt das Recht des Ursprungsstaates zur Anwendung (Urteile 5A_59/2015 vom 30. September 2015 E. 5.1; 5A_162/2012 vom 12. Juli 2012 E. 6.2.3). Das Bundesgericht legt die Voraussetzung der ursprungsstaatlichen Vollstreckbarkeit mit dem EuGH (Urteil des EuGH vom 29. April 1999 C-267/97 Coursier/Fortis, Slg. 1999 I-2543 Rn. 29; Urteil des EuGH vom 13. Oktober 2011 C-139/10 Prism Investments/J.A. Van der Meer, Slg. 2011 I-9511 Rn. 38) und der Literatur (STAEHELIN/BOPP, in: Lugano-Übereinkommen, Dasser/Oberhammer [Hrsg.], 3. Aufl. 2021, N. 31 zu Art. 38 LugÜ; SOGO, a.a.O., N. 38 zu Art. 38 LugÜ; BITTER, Vollstreckbarerklärung und Zwangsvollstreckung ausländischer Titel in der Europäischen Union, 2009, S. 28) im Sinne einer abstrakten bzw. formellen Vollstreckbarkeit der Entscheidung aus (BGE 148 III 420 E. 3.1.1; Urteile 5A_21/2021 vom 19. November 2021 E. 2.2.1; 5A_934/2016 vom 23. August 2017 E. 5.3; 5P.499/2002 vom 12. August 2003 E. 3.1). Die Auslegung der Vollstreckbarkeit im Sinne einer generellen - abstrakten - Eignung einer Entscheidung, die Grundlage für die zwangsweise Durchsetzung im Vollstreckungsverfahren zu bilden, dient der Titelfreizügigkeit, weil konkrete Vollstreckungshindernisse des Ursprungsstaats der Vollstreckung im Vollstreckungsstaat nicht entgegenstehen sollen (ULRICI, Vollstreckung nach der Brüssel Ia-VO bei Abhängigkeit von einer Sicherheitsleistung, RIW 2019 S. 414; KOLLER, in: Kommentar zur Zivilprozessordnung, Stein/Jonas [Hrsg.], Bd. 12, 23. Aufl. 2022, N. 15 zu Art. 39 EuGVVO). Von der Vollstreckbarkeit im Urteilsstaat ist somit zu unterscheiden, ob im Urteilsstaat die Exekution konkret zu bewilligen ist.