Citation: 9C_450/2007 31.08.2007 E. 3

Streitig und aufgrund der Beschwerde zu prüfen ist der Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behandlung eines angeborenen POS und dabei insbesondere, ob eine auditiv-perzeptive Teilleistungsstörung besteht. Diese Frage beschlägt - zumindest soweit auf Beweiswürdigung beruhend - Tatsächliches, so dass deren vorinstanzliche Beantwortung das Bundesgericht grundsätzlich bindet (E. 1). 3.1 Gemäss Bericht des Kinder- und Jugendarztes Dr. med. R.________ vom 4. Januar 2006 besteht bei der Versicherten ein infantiles psychoorganisches Syndrom. Dabei stellte er namentlich eine Störung des Erfassens ("auditive Wahrnehmungsstörung") fest und verwies auf die Ergebnisse des Mottier-Tests. Des Weiteren sei aufgrund eines verminderten Kurzzeitgedächtnisses auch die Merkfähigkeit herabgesetzt. Dem widerspricht der Pädiater Dr. med. L.________ des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der IV-Stellen Bern, Freiburg und Solothurn mit Bericht vom 8. August 2006 insofern, als er zwar ebenfalls eine Einschränkung exekutiver Funktionen (des Arbeitsgedächtnisses) diagnostizierte, eine auditiv- perzeptive Teilleistungsstörung im Sinne einer Differenzierungsstörung dagegen verneinte. Denn im Rahmen des Mottier-Tests ergebe sich, dass die Reproduktion der Silben (Phoneme) beeinträchtigt sei, was alleine aber noch nicht eine auditive Differenzierungsstörung im Sinne einer perzeptiven Teilleistungsstörung belege. Dementsprechend kritisiert er, Dr. med. R.________ halte Merkfähigkeit und Differenzierungsfähigkeit nicht auseinander. 3.2 Unter Zugrundelegung der Ausführungen des Dr. med. L.________ verneinte die Vorinstanz mit nachvollziehbarer Begründung und unter pflichtgemässer Würdigung der gesamten Aktenlage eine Störung der Perzeptionsfähigkeit der Versicherten, sodass es an dieser - kumulativ erforderlichen - Voraussetzung mangelt und folglich kein Anspruch im Sinne der Ziff. 404 GgV Anhang besteht. Die Rügen der Beschwerdeführerin vermögen daran nichts zu ändern, zumal die Schlussfolgerungen des kantonalen Gerichts jedenfalls nicht offensichtlich unrichtig sind und der Einwand, es bestünden hinsichtlich des vorinstanzlichen Entscheids "erhebliche Zweifel und Vorbehalte", unbehelflich ist. Der angebliche Widerspruch im Bericht des Dr. med. L.________ besteht in Wirklichkeit nicht, denn der Bericht unterscheidet klar zwischen im Einsekundentakt vorgelesenen Silbenketten und zusammenhängend vorgelesenen (sinnlosen) mehrsilbigen Worten. Ferner verfängt etwa auch das Argument nicht, die Untersuchung beim RAD habe lediglich 30 Minuten gedauert, weshalb auf dessen Bericht nicht abzustellen sei. Dabei verkennt die Beschwerdeführerin, dass es für den Aussagegehalt eines Arztberichts nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommen kann. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Meyer-Blaser, Rechtliche Vorgaben an die medizinische Begutachtung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 23 f.). Dies hat die Vorinstanz in Bezug auf den Bericht des Dr. med. L.________ bejaht, was nicht zu beanstanden ist. Damit erübrigen sich auch die beantragten Weiterungen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162).