Citation: 5A_78/2007 24.08.2007 E. 5

Die im letzten Satz der beanstandeten Textpassage geäusserte Befürchtung knüpft an die vorangehende Aussage, der Beschwerdegegner habe für seine Investition "viel zu viel" bezahlt. Wie das Obergericht zu Recht ausgeführt hat, geht aber aus der Berichterstattung nicht hervor, zu welchem Preis er seine Aktien erworben hat. Ohnehin wäre dies auch nicht entscheidend für die im Anschluss geäusserte Befürchtung, sind doch Aktienkurse naturgemäss Schwankungen unterworfen und hat gerade derjenige der Unaxis nach den verbindlichen obergerichtlichen Feststellungen in relativ kurzer Zeit erhebliche Wertunterschiede verzeichnet; dabei haben die Aktien in den vorangegangenen Jahren deutlich höher wie auch tiefer als der in der Berichterstattung genannte Kurs notiert. Letztlich dreht sich der vorliegende Rechtsstreit denn auch allein um die im letzten Satz geäusserte Befürchtung, "dass Kovats die Kriegskasse an den Aktionären vorbei in sein eigenes Portemonnaie schmuggeln will", und nicht um den Anlass für diese Befürchtung. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen, musste der Durchschnittsleser des (Wirtschaftsteils des) Tagesanzeigers diese Aussage dahingehend verstehen, dass sich der Beschwerdegegner aus den freien Gesellschaftsmitteln unter Schädigung der Mitaktionäre heimlich bereichern wolle. Unbestritten ist zwischen den Parteien, dass unter der "Kriegskasse" die freien Mittel der Gesellschaft in der damaligen Grössenordnung von rund Fr. 500 Mio. zu verstehen sind. Auch der Durchschnittsleser wird von keiner anderen Annahme ausgehen, ist doch "Kriegskasse" ein gebräuchlicher Ausdruck für Mittel, welche jederzeit frei verfügbar sind und für sofortige Aktionen wie beispielsweise zur Übernahme einer anderen Gesellschaft verwendet werden können. Uneinig sind sich die Parteien hingegen über die zentrale Wendung "an den Aktionären vorbei ... ins eigene Portemonnaie". Mit der Kernerwägung des Obergerichts, beim Durchschnittsleser erwecke dies den Eindruck, die anderen Aktionäre würden durch die persönliche Bereicherung des Beschwerdegegners geprellt, setzen sich die Beschwerdeführerinnen nicht im Ansatz auseinander. Vielmehr begnügen sie sich mit einem Verweis auf das obergerichtliche Strafurteil, wo die betreffende Aussage dahingehend interpretiert wurde, dass dem Beschwerdegegner einfach spekulative Absichten unterstellt worden seien. Diese Interpretation ist indes abwegig: Zum einen hat spekulatives Handeln eines Aktionärs keinen Einfluss auf die Gesellschaftsmittel; zum anderen können die Mitaktionäre durch Börsenspekulation von vornherein nicht geschädigt werden, im Gegenteil: gerade bei Kurstreiberei profitieren sie ihrerseits vom steigenden Aktienkurs. Es ist nicht zu sehen und wird von den Beschwerdeführerinnen auch nicht dargetan, inwiefern der Beschwerdegegner durch spekulatives Verhalten Mittel der Gesellschaft in die eigene Tasche transferieren und dabei die Mitaktionäre prellen könnte. Eine Schädigung der anderen Aktionäre könnte eintreten, wenn der Gesellschaft Substanz entzogen würde, vorliegend indem ihre freien Mittel "ins Portemonnaie" des Beschwerdegegners abgeführt würden, ohne dass die Gesellschaft einen Gegenwert erhielte. Hätten die Beschwerdeführerinnen dem Beschwerdegegner tatsächlich nichts anderes als nur spekulatives Verhalten unterstellen wollen, so hätten sie eben - wie dies die übrigen Medien denn auch getan haben - solche und nicht entscheidend anderslautende Ausführungen machen sollen. Sie müssen sich ihre eigene Wortwahl entgegenhalten lassen und können insbesondere nicht vorschieben, als Tageszeitung eine verständliche Umgangssprache pflegen zu müssen. Gerade wer sicherstellen will, dass seine Äusserung richtig verstanden wird, ist gehalten, sich einer klaren und nicht einer verschlüsselten Sprache zu bedienen. Die Beschwerdeführerinnen hätten ihre angebliche Botschaft denn auch problemlos in "verständlicher Umgangssprache" zum Ausdruck bringen können. So wie die fragliche Textpassage jedoch lautet, kann der Durchschnittsleser - selbst im Lichte der vorangegangenen eigenen und fremden Berichterstattung über den Machtkampf um die Unaxis - unmöglich von sich aus auf die Idee kommen, in Wahrheit spreche der publizierte Artikel nicht von Entzug der Gesellschaftsmittel und Schädigung der Mitaktionäre durch persönliche Bereicherung, sondern lediglich von Börsenspekulation. Für die Beurteilung der Persönlichkeitsverletzung ist schliesslich das Wort "schmuggeln" relevant. Wie das Obergericht zutreffend ausgeführt hat - und wozu sich die Beschwerdeführerinnen in ihrer Eingabe ans Bundesgericht gar nicht mehr im Einzelnen äussern -, legt dieses im vorliegenden Kontext nahe, dass die persönliche Bereicherung zum Nachteil der Mitaktionäre auf unlauteren Machenschaften beruhe und heimlich, ohne das Wissen der anderen Aktionäre vonstatten gehen soll. Ist aber die fragliche Textpassage in ihrer Gesamtheit als Befürchtung zu lesen, dass sich der Beschwerdegegner zum Nachteil der anderen Aktionäre heimlich und in unlauterer oder jedenfalls anrüchiger Weise an den freien Gesellschaftsmitteln bereichere, so zielt dies direkt auf dessen berufliches und gesellschaftliches Ansehen und verletzt somit seine Persönlichkeit.