Citation: 9C_553/2022 E. 4.1

4.1. Das kantonale Gericht bejahte einen Revisionsgrund, da gestützt auf das Gutachten der estimed AG vom 26. September 2020 von einer bewusstseinsnahen Aggravation der Versicherten auszugehen sei. Vor dieser Begutachtung bestanden gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz keine Hinweise auf ein solches Verhalten. Durch die im Rahmen der estimed-Begutachtung neu gezeigten Aggravation habe ein Verhalten vorgelegen, dass sie im Zeitpunkt der letzten massgeblichen psychiatrischen Begutachtung durch Dr. med. B.________ noch nicht gezeigt habe. Dieser Experte habe zwar ein auffälliges Verhalten sowie mangelnde Kooperation der Versicherten beschrieben, jedoch ohne eine Aggravation festzustellen. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend geltend macht, beruht die vorinstanzliche Feststellung, es hätten vor der Begutachtung durch die Experten der estimed AG im Jahre 2020 keine Hinweise auf aggravatorisches Verhalten der Versicherten vorgelegen, auf einer offensichtlich unvollständigen Würdigung der medizinischen Akten. Vor der letzten gerichtlichen Bestätigung des Rentenanspruchs beschrieben sowohl der Gerichtsgutachter Dr. med. B.________ als auch der psychiatrische Experte des ABI ein deutlich histrionisches Verhalten. Während Dr. med. B.________ dieses als Teil der psychiatrischen Erkrankung interpretiere, sprachen die Experten des ABI in ihrer Stellungnahme vom 7. April 2014 davon, dass die Versicherte massiv aggraviere. Daraus erschliesst sich, dass die Frage der Aggravation bereits bei der letzten Rentenbestätigung Gegenstand einer kontroversen Diskussion unter den beteiligten psychiatrischen Experten war. Damit kann nicht willkürfrei gesagt werden, das von den Experten der estimed AG wiederum als aggravatorisch interpretierte Verhalten der Versicherten sei neu gewesen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es sich bei dem Schluss des Experten der estimed AG auf eine Aggravation um eine vom Gerichtsgutachter abweichende (aber die Experten des ABI bestätigende) Würdigung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Verhaltens bzw. Sachverhaltes handelt.