Citation: 6S.10/2005 23.02.2005 E. 2

Mit dem Strafantrag bringt derjenige, der ihn stellt, zum Ausdruck, dass für einen bestimmten Sachverhalt eine Strafverfolgung stattfinden solle. Der Verletzte kann den Antrag inhaltlich einschränken, ihn also nur auf bestimmte Handlungen beziehen und andere davon ausnehmen (BGE 115 IV 1 E. 2a S. 3; 85 IV 73 E. 2 S. 75). Aus dieser Konzeption des Strafantrags folgt, dass die Strafverfolgung immer nur für bereits begangene Delikte verlangt werden kann (vgl. Christof Riedo, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Art. 28 N. 70). Die Rechtsprechung nimmt einzig bei Dauerdelikten an, dass sich ein vor Beendigung der Tat gestellter Strafantrag auch auf das nachträglich noch weiter andauernde tatbestandsmässige Verhalten beziehe (BGE 128 IV 81 E. 2a S. 83). Nach den vorinstanzlichen Feststellungen stellte der Beschwerdeführer am 2. Juli 2004 den umstrittenen Strafantrag. Er verlangte darin ausschliesslich die Strafverfolgung wegen einer vom Beschwerdegegner im E-Mail vom 8. Juni 2004 erfolgten Äusserung. Das spätere Treffen zwischen den Parteien vom 30. Juni 2004 erwähnte er zwar, machte es aber nicht zum Gegenstand des Strafantrags. Er hat damit, was nach der oben erwähnten Rechtsprechung zulässig ist, den Strafantrag auf die Äusserung vom 8. Juni 2004 beschränkt. Seine in der Beschwerde vertretene Auffassung, der Antrag müsse auch auf Äusserungen des Beschwerdegegners erstreckt werden, die am 30. Juni 2004 erfolgten, erweist sich demnach als verfehlt. Erst recht ist es nicht möglich, den Strafantrag vom 2. Juli 2004 auf die weiteren nachträglichen Äusserungen des Beschwerdegegners vom 7. und 24. September 2004 zu erstrecken, da die fraglichen Ehrverletzungstatbestände keine Dauerdelikte darstellen. Ob ein Strafantrag auch in Fällen, in denen mehrere Handlungen eine Tateinheit bilden, analog zum Dauerdelikt nachträgliche Sachverhalte miteinschliessen kann, braucht hier nicht beurteilt zu werden. Die fraglichen Äusserungen, die bei unterschiedlichen Anlässen in einem grösseren Zeitraum erfolgten, bilden weder nach der früheren (BGE 119 IV 199 E. 2 S. 201) noch nach der vor kurzem begründeten neuen Praxis (zur Veröffentlichung bestimmtes Urteil 6S.163/2004 vom 10. November 2004, E. 2.4) eine Einheit.