Citation: 4A_474/2022 E. 4.2

4.2. Sodann prüfte die Vorinstanz, ob der Beschwerdeführer den behaupteten Erwerbsausfall hinlänglich bewiesen hat. Sie zitierte eingangs Ziff. 6.1 AVB, wonach als Grundlage für die Bemessung der Taggelder der letzte vor Beginn des Versicherungsfalls bezogene Lohn berücksichtigt wird und bei unregelmässigem Einkommen der Durchschnitt seit Anstellungsbeginn, höchstens jedoch der Durchschnitt der letzten 12 Monate. Weiter erwähnte die Vorinstanz Ziff. 6.3 AVB, wonach eine Schadenversicherung vorliegt, wenn in der Police keine Summenversicherung vereinbart ist. Bei einer Schadenversicherung habe die versicherte Person den Erwerbsausfall nachzuweisen (vgl. auch Ziff. 13.2 AVB). Der Leistungsanspruch bestehe nur im Rahmen des nachgewiesenen Erwerbsausfalls (vgl. auch Ziff. 3.7 AVB). Schliesslich berücksichtigte die Vorinstanz, dass der Versicherung Einsicht in die Geschäftsbücher und die entsprechenden Belege zu gewähren ist, wenn für die Abklärung des Anspruchs die Prüfung des Geschäftsgangs notwendig ist (Ziff. 13.3 AVB). Die Vorinstanz würdigte den Jahresabschluss der C.________ GmbH, den Lohnausweis 2019 und diverse Belege für Lohnbezüge. Gemäss Lohnausweis 2019 habe der Bruttolohn des Beschwerdeführers Fr. 45'996.-- betragen. Im Konto Lohnaufwand seien zehn Bezüge aufgelistet, wofür Belege vorhanden seien. In der Erfolgsrechnung sei ein Lohnaufwand von Fr. 42'554.-- verzeichnet. Die Differenz zwischen dem Bruttolohn und dem Lohnaufwand von Fr. 3'442.-- erscheine auf dem Lohnausweis 2019 unter der Ziffer "AHV/IV/EO/ALV/NBUV". Die Vorinstanz betonte, dass weder ein Arbeitsvertrag noch eine Lohnvereinbarung bei den Akten sei. Der Beschwerdeführer habe sich keinen regelmässigen Lohn überwiesen. Die auf dem Konto Lohnaufwand verbuchten zehn Bezüge variierten von Fr. 242.50 bis Fr. 10'000.-- und seien unregelmässig erfolgt. Ein arbeitsvertraglicher Lohnanspruch habe offenbar nicht bestanden. Das vom Beschwerdeführer behauptete Einkommen möge zwar buchhalterisch ausgewiesen sein, erscheine bei einer Gesamtbetrachtung aber nicht plausibel. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern die zehn Bezüge arbeitsrechtlichen Lohn darstellen sollten. Nur ein Beleg enthalte einen Hinweis auf eine Lohnzahlung, indem unter Details der Vermerk "Lohn C.________" stehe. Der Vorinstanz fiel auf, dass drei der zehn behaupteten Lohnbezüge im Dezember 2019 verbucht wurden, also kurz vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 9. Januar 2020. Zwei Belege beträfen Aufwand im Zusammenhang mit einem Auto. Die ursprüngliche Angabe des Beschwerdeführers vom 25. Februar 2020, wonach er für das Jahr 2019 noch keinen Lohn erhalten habe, sei kein Missverständnis, sondern nachvollziehbar. Zwar seien die erwähnten Bezüge im Verlauf des Jahres 2019 getätigt worden; allerdings seien sie erst als Lohnaufwand qualifiziert worden, als der Buchhalter am 27. Juni 2020 den Jahresabschluss 2019 fertiggestellt habe. Unverständlich fand die Vorinstanz, weshalb der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin nicht bereits am 25. Februar 2020 den Lohnausweis 2019, die Lohnabrechnungen und die Belege vorlegen konnte. Der Beschwerdeführer ist alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der C.________ GmbH. Aus diesem Grund unterzog die Vorinstanz deren Geschäftsgang einer näheren Prüfung. Sie stellte fest, dass der Betriebsertrag im Geschäftsjahr 2018 Fr. 37'293.07 betrug, dies bei einem Personalaufwand von Fr. 29'070.-- und einem Verlust von Fr. 4'743.41. Im Geschäftsjahr 2019 zeige die Erfolgsrechnung einen Betriebsertrag von Fr. 61'432.17, einen Personalaufwand von Fr. 42'554.-- und einen Gewinn von Fr. 4'111.89. Daraus berechnete die Vorinstanz, dass der Lohnaufwand 2018 bei 77 % des Betriebsertrags lag und 2019 bei 69 % des Betriebsertrags. Die Lohnreduktion trotz Umsatzsteigerung im Jahr 2019 erklärte die Vorinstanz damit, dass der Beschwerdeführer nach dem Verlust im Jahr 2018 sein Augenmerk auf eine gesunde Finanzlage und eine Weiterführung des Unternehmens gerichtet habe. Die Vorinstanz stellte weiter fest, in der Krankmeldung vom 7. Februar 2020 habe der Beschwerdeführer einen vertraglichen Grundlohn von Fr. 80'000.-- erwähnt. Auch auf dem Formular zur Lohnsummendeklaration habe er am 12. März 2020 der Beschwerdegegnerin für das Jahr 2019 eine provisorische Lohnsumme von Fr. 80'000.-- angegeben, obwohl der am selben Tag von der C.________ GmbH erstellte Lohnausweis 2019 einen bedeutend geringeren Lohn ausgewiesen habe, nämlich Fr. 45'996.-- brutto oder Fr. 42'554.-- netto. Die Vorinstanz merkte zusätzlich an, dass das Arbeitsverhältnis gemäss Krankmeldung seit dem 1. Januar 2003 bestehen soll, obwohl die C.________ GmbH erst am 12. Februar 2009 in das Handelsregister eingetragen worden sei. Der Beschwerdeführer stützte sich für den Nachweis des Erwerbsausfalls auf die Nachtragsrechnung der Ausgleichskasse vom 25. März 2000 und auf die Eintragungen im individuellen Konto. Die Vorinstanz erwog, dass es sich dabei um blosse Indizien handle, nicht aber um Beweise für tatsächliche Lohnbezüge. Im Gegenteil würden die Dokumente in Kombination mit anderen Belegen erhebliche Zweifel hervorrufen. Damit könne der Beschwerdeführer "nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit" einen Erwerbsausfall von Fr. 45'996.-- nachweisen.