Citation: 1P.490/2000 16.11.2000 E. 1

1.- a) Angefochten ist ein kantonal letztinstanzlicher Endentscheid des Obergerichts des Kantons Luzern; hiergegen steht grundsätzlich die staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung verfassungsmässiger Rechte offen (Art. 84 Abs. 1 lit. a und Art. 86 Abs. 1 OG). Im vorliegenden Fall rügt die Beschwerdeführerin einzig die Verletzung der Garantie des verfassungsmässigen Richters; diese Rüge kann mit keinem anderen Rechtsmittel vor Bundesgericht geltend gemacht werden (vgl. Art. 43 Abs. 1 Satz 2 OG). Die Beschwerdeführerin ist als Partei des kantonalen Verfahrens legitimiert, die unrichtige Besetzung des Gerichts zu rügen (Art. 88 OG). Da darüber kein selbständig eröffneter Vor- oder Zwischenentscheid ergangen ist, findet Art. 87 Abs. 1 OG (i.d.F. vom 8. Oktober 1999) keine Anwendung. Fraglich ist jedoch, ob die Rüge nicht zu spät vorgebracht und deshalb verwirkt ist. b) Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung müssen Einwände gegen die Besetzung des Gerichts so früh wie möglich erhoben werden. Es widerspricht dem Grundsatz von Treu und Glauben, Einwände dieser Art erst im Rechtsmittelverfahren oder gar erstmals vor Bundesgericht geltend zu machen, wenn der Mangel schon im erstinstanzlichen Verfahren hätte festgestellt und behoben werden können. Wer in Kenntnis eines solchen Mangels weiter prozessiert, verwirkt den Anspruch auf spätere Anrufung der verletzten Verfassungsbestimmung (BGE 120 Ia 19 E. 2c/aa S. 24; 119 Ia 221 E. 5a S. 228 f.; 118 Ia 282 E. 3a S. 284; 117 Ia 322 E. 1c S. 323; 116 Ia 387 E. 1 S. 389 und 485 E. 2c S. 487). aa) Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführerin die Aktennotiz des Gerichtsschreibers mit Verfügung vom 2. März 1998 zur Kenntnis zugestellt. Sie reagierte darauf nicht: Weder rügte sie die (telefonische) Befragung des Experten durch den Gerichtsschreiber, noch beantragte sie eine erneute schriftliche oder mündliche Befragung des Experten durch das Gericht. Dies wäre jedoch ohne Weiteres möglich gewesen: Zwar wurde den Parteien in der Verfügung vom 2. März 1998 nicht ausdrücklich Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt; eine unaufgeforderte Stellungnahme zu der - für die Parteien neuen - Aktennotiz wäre aber zulässig gewesen, wie das Obergericht in seinem Entscheid (S. 8 Mitte, betreffend Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs) dargelegt hat. Dann aber wären erst Recht formelle Einwände möglich gewesen, die nach der oben zitierten Rechtsprechung unverzüglich geltend gemacht werden müssen. Statt dessen wartete die Beschwerdeführerin über ein Jahr lang ab, bis der - für sie ungünstige - Entscheid des Amtsgerichts ergangen war. Im Appellationsverfahren rügte sie zwar die telefonische Befragung des Experten (als verpönte Zeugenbescheinigung, als Verletzung des rechtlichen Gehörs und des Öffentlichkeitsprinzips sowie als bedenklich hinsichtlich der Wahrheitspflicht des Experten); dagegen machte sie auch in diesem Verfahren nicht geltend, die Mitwirkung des Gerichtsschreibers sei unzulässig gewesen. Diese Rüge erhob sie erstmals im bundesgerichtlichen Verfahren, nachdem das Obergericht das Vorgehen des Amtsgerichts im Übrigen für prozess- und verfassungsrechtsmässig erklärt hatte. c) Unter diesen Umständen hat die Beschwerdeführerin die Rüge der Verletzung von Art. 30 Abs. 1 BV (bzw. Art. 58 Abs. 1 aBV) und Art. 6 Ziff. 1 EMRK offensichtlich verwirkt. Es kann daher offen bleiben, ob und inwiefern die Mitwirkung eines Gerichtsschreibers bei der ergänzenden Befragung eines Experten die Garantie des verfassungsmässigen Richters verletzen kann.