Citation: 4A_78/2020 E. 4.8.3

4.8.3. Der werkvertragliche Nachbesserungsanspruch ist ein "modifizierter Erfüllungsanspruch" (vgl. Urteil 4A_306/2018 vom 29. Januar 2019 E. 3.3). Es wird im Grunde nichts anderes als die vertraglich versprochene Leistung verlangt (BÜHLER, a.a.O., N. 137 zu Art. 368 OR). Da der Ausschluss des Nachbesserungsanspruchs bei übermässigen Kosten als Anwendungsfall der Untunlichkeit einer Realerfüllung den Unternehmer vor nach Treu und Glauben unzumutbaren Forderungen schützen soll, genügt es für den Wegfall des Nachbesserungsrechts, dass der Nutzen des Bestellers die mit der Nachbesserung verbundenen Kosten vernünftigerweise nicht mehr zu rechtfertigen vermag (BGE 111 II 173 E. 5 S. 174). Referenzpunkt für das Übermass der Kosten ist somit das Interesse des Bestellers an der Nachbesserung (vgl. hiervor E. 4.7; BRÄNDLI, a.a.O., S. 135; GAUCH, a.a.O., S. 789 Rz. 1754). Vor diesem Hintergrund geht es - wie die Beschwerdeführer zu Recht geltend machen - nicht an, einen Nachbesserungsanspruch allein gestützt auf das Verhältnis zwischen den Nachbesserungskosten und dem Werklohn entfallen zu lassen, ohne dass der Nutzen des Bestellers an der Nachbesserung überhaupt in die Beurteilung miteinbezogen wird. Es trifft zwar zu, dass einem Unternehmer, der ein Werk für Fr. 10'000.-- erstellt, unter Umständen nicht die gleichen Nachbesserungsarbeiten zumutbar sein können, wie wenn er ein Werk für Fr. 500'000.-- erstellt hätte. Bei höherem Werklohn lassen sich auch bestimmte Nachbesserungsarbeiten eher noch rechtfertigen (vgl. dazu ALFRED KOLLER, Ausschluss der Nachbesserung im Falle "übermässiger Kosten", BR 1986 S. 10 ff., 11). Dabei ist aber der Nutzen des Bestellers an der Nachbesserung zwingend zu berücksichtigen. So führt GAUCH zu Recht aus, es mache für die Beantwortung der Frage, ob die Nachbesserung "übermässige Kosten" verursache, keinen Unterschied, ob von einem Unternehmer, der gesundheitsgefährdende Farbe verwendet und deshalb mangelhaft geleistet habe, die Gesamtrenovation eines Hauses (Fr. 500'000.--) oder nur ein Teil der Renovationsarbeiten (Fr. 10'000.--) ausgeführt worden sei (GAUCH, a.a.O., S. 788 Rz. 1753). KOLLER führt aus, der Nutzen, den die Nachbesserung dem Besteller verschaffe, stehe im Vordergrund, sei dieser Nutzen beträchtlich, so werde man kaum je von übermässigen Kosten sprechen können (KOLLER, a.a.O., S. 30). Das Verhältnis zwischen Werklohn und Nachbesserungskosten kann aber immerhin ein Indiz für übermässige Kosten sei. Auch GAUCH führt aus, es treffe zu, dass in extremen Fällen - in denen die Nachbesserungskosten den Werklohn um ein Vielfaches übersteigen würden - die Nachbesserungskosten häufig in einem Missverhältnis zum Nutzen des Bestellers stünden und deshalb übermässig seien, was aber nicht bedeute, dass in extremen Fällen ohne Weiteres und unbekümmert um den Nutzen des Bestellers von übermässigen Nachbesserungskosten ausgegangen werden könne (GAUCH, a.a.O., S. 789 Rz. 1753). Die Vorinstanz hätte somit - wie die Beschwerdeführer zu Recht geltend machen - den Nutzen der Beschwerdeführer an der Nachbesserung in ihre Beurteilung miteinbeziehen müssen, was die Erstinstanz, deren Begründungen sich die Vorinstanz zu eigen gemacht hat, auch in den Eventualbegründungen (vgl. hiervor E. 4.4.3 und 4.4.4) nicht getan hat.