Citation: 2A.297/2006 14.08.2006 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer wurde in der Schweiz geboren. Er ist, selbst wenn er bis zu seiner definitiven Einreise im Jahre 1986 eine gewisse Zeit als Kleinkind in der Türkei verbracht hat, als "Ausländer der zweiten Generation" zu betrachten. Von der Möglichkeit der Ausweisung ist daher nur zurückhaltend Gebrauch zu machen (vgl. E. 2.2, am Ende). 3.2 Der Beschwerdeführer hat durch seine Straftaten und durch sein übriges Verhalten (Arbeitsscheu, Drogenkonsum, Bezug von Sozialhilfeleistungen, Verlustscheine usw.) die Ausweisungsgründe gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a und lit. b ANAG gesetzt. Von der Art der begangenen Delikte und vom Strafmass (9 Monate und 15 Monate Gefängnis) her wäre die Schwelle für die Ausweisung eines hier aufgewachsenen Ausländers an sich zwar nicht erreicht. Beim Beschwerdeführer handelt es sich aber um einen arbeitsscheuen Kleinkriminellen, der während langer Jahre (1994 bis 2003) unzählige Diebstähle und andere Delikte begangen hat, ohne sich durch Untersuchungshandlungen und Sanktionen der Strafbehörden bzw. durch fremdenpolizeiliche Verwarnungen beeindrucken zu lassen. Er hat dadurch, auch wenn die einzelnen Delikte nicht ausgesprochen schwer wiegen, die öffentliche Ordnung und Sicherheit insgesamt massiv beeinträchtigt. Aufgrund gewisser Vorfälle (tätliche Auseinandersetzung im Gefängnis, aggressives Verhalten und Drohungen gegenüber Polizei und Behörden) sowie der (im Strafurteil des Bezirksgerichts Kreuzlingen vom 10. Juli 2002 wiedergegebenen) Feststellungen eines psychiatrischen Gutachtens (vgl. vorne "C.") ist auch ein erhöhtes Risiko von Gewalttaten vorhanden. Es besteht damit ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers aus der Schweiz. 3.3 Gemäss den für das Bundesgericht nach Massgabe von Art. 105 Abs. 2 OG verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz ist der Beschwerdeführer, wiewohl hier aufgewachsen, weder beruflich noch sozial integriert. Das Verhältnis zu seiner hier anwesenden Familie ist getrübt. Er spricht türkisch und verkehrt offenbar vor allem mit Landsleuten (S. 9 des angefochtenen Entscheides). Die Ausreise in die Türkei wäre dem Beschwerdeführer, auch wenn er zu seinem Heimatland keine engere Bindung mehr hat und er sich dort möglicherweise auch auf kein verwandtschaftliches Beziehungsnetz stützen könnte, insoweit nicht unzumutbar. Es wäre für ihn mangels einer Berufsausbildung und aufgrund seiner psychischen Störung aber auch in der Türkei schwierig (oder noch schwieriger), durch eine Erwerbstätigkeit für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. 3.4 Für den weiteren Verbleib in der Schweiz spricht vor allem oder einzig der Umstand, dass der Beschwerdeführer in diesem Land aufgewachsen ist und eine Ausweisung daher nur aus entsprechend gewichtigen Gründen angeordnet werden darf (vgl. E. 2.2). Das vom Beschwerdeführer bisher an den Tag gelegte Verhalten ist nicht hinnehmbar und vermag die Sanktion der Ausweisung - selbst bei Berücksichtigung der festgestellten psychischen Störung - grundsätzlich zu rechtfertigen, zumal der Beschwerdeführer für seine Delikte strafrechtlich verantwortlich gemacht werden konnte. Zu seinen Gunsten lässt sich anführen, dass gegen ihn seit seiner bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug am 1. Oktober 2004 - von einer Busse wegen Marihuana-Konsums abgesehen - offenbar keine Strafsanktionen mehr ausgesprochen werden mussten. In der Beschwerdeschrift wird dies dahin interpretiert, dass der Beschwerdeführer aus dem Vollzug der zweiten (längeren) Strafe seine Lehren gezogen habe und die sich auf das seinerzeitige psychiatrische Gutachten stützende ungünstige Prognose heute nicht mehr aktuell sei. Das Urteil des Verwaltungsgerichts enthält hiezu - abgesehen vom Bericht einer Zahnärztin vom 3. März 2006 über das widerborstige Verhalten des Beschwerdeführers als Patient - keine Feststellungen, welche diese Einschätzung widerlegen würden. Der vom Kanton zusammen mit der Vernehmlassung eingereichte Polizeirapport, wonach der Beschwerdeführer weiterhin Umgang mit Drogen (Marihuana, Kokain) haben soll, darf als neues Beweismittel bzw. als nachträglich eingetretener Sachverhalt aus prozessualen Gründen für die Urteilsfällung nicht berücksichtigt werden (vgl. E. 1.2). Hingegen geht aus dem angefochtenen Entscheid hervor, dass der Beschwerdeführer eine Invalidenrente beantragt hat und ein entsprechendes Verfahren hängig ist. Nach Darstellung seines Vertreters soll dem Beschwerdeführer inzwischen, gestützt auf eine neue psychiatrische Begutachtung, eine IV-Rente zugesprochen worden sein. Das betreffende Gutachten liegt nicht bei den Akten. Es könnte für die für das künftige Verhalten des Beschwerdeführers zu stellende Prognose weitere Aufschlüsse liefern. 3.5 Aufgrund der dargestellten Umstände des vorliegenden Falles erscheint es gerechtfertigt, dass das Verwaltungsgericht unter Berücksichtigung des seit der Entlassung aus dem Strafvollzug zutage gelegten Verhaltens einerseits und der inzwischen offenbar ergangenen IV-Entscheidung und des ihr zugrunde liegenden neuen psychiatrischen Gutachtens über die Verhältnismässigkeit der verfügten Ausweisung neu befindet. Falls aufgrund dieser erweiterten Prüfung eine gewisse Aussicht bestehen sollte, dass der Beschwerdeführer sein bisheriges kriminelles Verhalten nicht (bzw. nicht in einem vergleichbaren Masse) fortsetzen wird, ist von einer Ausweisung abzusehen und ihm für den Fall, dass er wieder rückfällig wird, die Ausweisung (erneut) anzudrohen. Rechtfertigt auch die Berücksichtigung der aktuellen Situation keine bessere Prognose oder nimmt der Beschwerdeführer die ihm gegebenenfalls gebotene Chance nicht wahr, muss er die Sanktion der Ausweisung in die Türkei in Kauf nehmen.