Citation: 6B_309/2016 E. 4.2

4.2. Der vorliegende Sachverhalt unterscheidet sich von jenem gemäss Urteil 4C.3/2001 vom 26. September 2001, auf welches die Beschwerdeführerin verweist. Dort wollte der Lenker eines Personenwagens nach links in eine vortrittsberechtigte Strasse einbiegen. Er hielt an der Wartelinie zunächst an. Von diesem Standort konnte er nicht erkennen, ob von links vortrittsberechtigte Fahrzeuge kamen, weil ein Gebäude die Sicht verunmöglichte und ein deshalb eingerichteter Sicherheitsspiegel seine Funktion wegen herabhängender Äste nicht erfüllen konnte. Er fuhr daher zunächst ohne Sicht behutsam - jedenfalls nicht schnell - maximal einen Meter in die Strasse hinein und hielt sofort an, als er von links ein Motorrad mit einer Geschwindigkeit von etwa 55 km/h herannahen sah. Als der Motorradfahrer sah, dass der Personenwagen sich auf seine Fahrbahn zubewegte, leitete er mit der Hinterradbremse 42.3 Meter vom Personenwagen entfernt eine Vollbremsung ein, liess später die Bremse kurz los, um dem Wagen nach links auszuweichen und trat dann erneut auf die Hinterradbremse. Dabei kam das Motorrad ins Schleudern, geriet auf die linke Fahrbahn, kollidierte dort mit dem Vorderpneu mit dem Randstein und stürzte zu Boden. Das Bundesgericht erwog in jenem Fall, da der vortrittsbelastete Personenwagen maximal einen Meter in die sechs Meter breite Strasse hineinragte, hätte der Motorradfahrer diesem ohne weiteres ausweichen können. Zudem hätte der Motorradfahrer bei zulässiger Geschwindigkeit und richtigem Bremsverhalten auch rechtzeitig anhalten können, weshalb der Personenwagenfahrer zu einem langsamen Vortasten berechtigt gewesen sei. Im vorliegenden Fall erwägt die Vorinstanz, die Beschwerdeführerin treffe ein Verschulden, da sie nicht ihre volle Aufmerksamkeit auf den vortrittsberechtigten Verkehr gerichtet und dadurch das Vortrittsrecht des Beschwerdegegners missachtet habe. Diesem sei hingegen kein Verschulden anzulasten, da er nicht mit übersetzter Geschwindigkeit fuhr und seine Reaktion auf die plötzlich eingetretene und von ihm als solche sofort erkannte Gefahr die Naheliegendste war.