Citation: 7B_9/2021 E. 2.3.2

2.3.2. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl ist nach der gegen den Strafbefehl vom 13. Februar 2019 gerichteten Einsprache und den in der Folge zusätzlich abgenommenen Beweisen zum Schluss gelangt, dass der vom angefochtenen Strafbefehl erfasste Sachverhalt ("gestohlener Rucksack") rechtlich anders zu qualifizieren sei. Am 31. Mai 2019 verfasste sie daher eine hinsichtlich Straftatbestand (Hehlerei statt Diebstahl) und Strafmass (Freiheitsstrafe von sechs statt vier Monaten) abweichende Anklageschrift. Damit hat sie nicht am ursprünglichen Strafbefehl festgehalten. Dieser gilt nach dem klaren Wortlaut von Art. 356 Abs. 1 StPO denn auch nur dann als Anklageschrift, wenn die Staatsanwaltschaft ihn mit den Akten unverzüglich dem erstinstanzlichen Gericht zur Durchführung des Hauptverfahrens überweist. Auch wenn das Verfahren nach Einsprache nicht dazu dient, allenfalls formungültige Strafbefehle nachzubessern, ist es der Staatsanwaltschaft entgegen der Betrachtungsweise des Beschwerdeführers rechtlich nicht verwehrt, einen (allenfalls "ungültigen", vgl. Art. 356 Abs. 2 und 5 StPO) Strafbefehl durch eine den gesetzlichen Anforderungen genügende Anklageschrift zu ersetzen. Der gegenüber dem Strafbefehl höhere Strafantrag ist rechtskonform. Es ist nicht erkennbar, worin die in der Beschwerde monierte Verletzung von Art. 3 Abs. 2 lit. a (Grundsatz von Treu und Glauben), b (Verbot des Rechtsmissbrauchs) und c StPO (Gebot, alle Verfahrensbeteiligten gleich und gerecht zu behandeln und ihnen rechtliches Gehör zu gewähren) respektive von Art. 352 (Voraussetzungen des Strafbefehlsverfahrens) und Art. 355 StPO (Verfahren bei Einsprache) bestehen sollte.