Citation: 4A_611/2018 E. 3.3.4

3.3.4. Massstab bei der Beurteilung, ob der Arbeitgeber seiner Schutzpflicht gegenüber dem Arbeitnehmer ausreichend nachgekommen ist, ist die Zumutbarkeit einer Massnahme gemessen am Gefährdungspotenzial (BGE 95 II 132 E. 1 S. 137 f.). Ist mit kleinem Aufwand die Sicherheit zu erhöhen, so muss der Arbeitgeber die Massnahme treffen (BGE 90 II 227 E. 2c S. 231 f.), bei unverhältnismässig hohen Kosten kann er darauf verzichten, wenn er dafür besonders gut qualifizierte Arbeitskräfte an diesem Platz einsetzt, genau instruiert, auf die Gefahr aufmerksam macht und die Einhaltung der Anweisungen kontrolliert. Dabei sind an den Arbeitgeber bezüglich Instruktion und Kontrolle des Arbeitnehmers weniger strenge Massstäbe anzulegen, wenn Letzterer im betreffenden Beruf voll ausgebildet und erfahren ist (vgl. BGE 95 II 132 E. 1 S. 137 f.; STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, a.a.O., N. 15 zu Art. 328 OR). Die Erstinstanz, deren Ausführungen sich die Vorinstanz zu eigen gemacht hat, erwog betreffend die Zeugenaussage von E.________, dem Sicherheitsingenieur des Stahlwerks im Unfallzeitpunkt, aus dessen Aussage könne abgeleitet werden, das Stahl auf Stahl klemme. Dies bedeute, eine Stahlkette, die um einen Stahlträger gewickelt werde, verklemme, sobald sie unter Zug/Spannung stehe. Unfallursache sei gewesen, dass das Schienenstück, als der Kranführer es habe anheben wollen, sich nicht bewegt habe, weil es verklemmt gewesen sei und sich dann ruckartig gelöst habe, unkontrolliert ausgeschwungen sei und den Beschwerdeführer am Kopf getroffen habe. Aus der Zeugenaussage ergibt sich die potenzielle Gefährlichkeit der Tätigkeit, denn das Schienenstück konnte beim Hochheben verklemmen. Mit dieser Gefährlichkeit musste die Beschwerdegegnerin grundsätzlich rechnen. Dies gilt selbst dann, wenn es vor dem Unfall nicht bereits zu ähnlichen, konkreten Gefahrensituationen wie beim Unfall gekommen ist. Die Gefahr kann nicht als unvorhersehbar qualifiziert werden.