Citation: 2C_533/2021 E. 6.3.2

6.3.2. Zweitens hat das Bundesgericht im Urteil 2C_905/2017 vom 11. März 2019 eine Gesetzeslücke in Art. 35 DBG erkannt und für den Fall, dass das Kind in der betreffenden Steuerperiode volljährig wird, anstelle des Stichtagsprinzips eine Aufteilung des Kinderabzugs pro rata temporis befürwortet (vgl. Urteil 2C_905/2017 vom 11. März 2019 E. 2.9, in: StE 2019 B 27.7 Nr. 23, StR 74/2019 S. 379). Dadurch soll einerseits eine Privilegierung des Alimentenschuldners vermieden werden. Denn dieser käme nach dem Stichtagsprinzip in den Genuss des vollen Kinderabzugs, sobald seine Alimentenzahlungen nach der Volljährigkeit des Kindes Fr. 6'500.-- übersteigen, obschon er nach Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG daneben auch die bis zur Volljährigkeit geleisteten Unterhaltszahlungen abziehen kann. Mithin käme es also über das ganze Jahr betrachtet zu einer teilweisen Kumulation der beiden Abzüge. Andererseits verhindert eine Aufteilung pro rata temporis, dass der Kinderabzug entfällt, wenn die Unterhaltsbeiträge des Alimentenschuldners nach der Volljährigkeit weniger als Fr. 6'500.-- betragen. Dadurch wären nämlich Eltern von spät im Jahr geborenen Kindern im Vergleich mit Eltern von früh im Jahr geborenen Kindern ohne sachlichen Grund benachteiligt (vgl. Urteil 2C_905/2017 vom 11. März 2019 E. 2.8, in: StE 2019 B 27.7 Nr. 23, StR 74/2019 S. 379).