Citation: 2C_452/2015 E. 2.2.3

2.2.3. Aufgrund ausdrücklicher Anordnung in Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG hängt ein nachträglicher Familiennachzug davon ab, dass im konkreten Einzelfall "wichtige familiäre Gründe" geltend gemacht werden können (Satz 1). Der Familiennachzug gilt als nachträglich beantragt, falls die für den ordentlichen Familiennachzug massgebenden Fristen von Art. 47 Abs. 1 AuG bei Einreichung des Gesuchs bereits verstrichen sind. Die Bewilligung des Familiennachzugs nach Ablauf der Fristen trägt Ausnahmecharakter (Urteil 2C_914/2014 vom 18. Mai 2015 E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Bei den wichtigen familiären Gründen handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, dessen Inhalt durch Gesetzesauslegung zu ermitteln ist. Als klassischen Fall führen die Materialien Situationen an, bei welchen den Kindern die weiterhin notwendige Betreuung im Herkunftsland nicht mehr gewährleistet ist (beispielsweise aufgrund des Todes oder einer Krankheit der betreuenden Person; BGE 126 II 329). Massgebend ist das Kindesinteresse, wobei wirtschaftliche Gründe (d. h. die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz) nicht ausschlaggebend sein können (Botschaft AuG, a. a. O., 3794 Ziff. 2.6 zu Art. 46 E-AuG). Dem Verordnungsrecht (Art. 75 VZAE [SR 142.201]) zufolge, welches Art. 47 Abs. 4 AuG konkretisiert, haben die Eltern oder der Elternteil nachzuweisen, dass das "Kindswohl nur durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann" (Auszeichnung durch das Bundesgericht).