Citation: 1C_205/2019 E. 2.1

2.1. Es ist unbestritten, dass der Vater und Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin die Kellerräumlichkeiten des in der Wohnzone W4 gelegenen streitbetroffenen Mehrfamilienhauses ohne Baubewilligung in drei Zimmer mit je einem separaten Bad sowie einer gemeinsamen Küche umbauen liess und diese Räume seit 1992 als Erotiksalon vermietet werden. Im gleichen Jahr erhielt die Einwohnergemeinde Kenntnis vom Umbau und von der sexgewerblichen Nutzung. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid ausgeführt, in der Wohnzone W4 seien lediglich stille und nicht störende Gewerbe zugelassen (Art. 90 Abs. 1 der Bauverordnung des Kantons Bern vom 6. März 1985 [BauV/BE; BSG 721.1]). Es sei davon auszugehen, dass diese Regelung bereits im Jahr 1992 unter dem damals noch geltenden Baureglement der Gemeinde Steffisburg vom 4. Dezember 1977 massgebend gewesen sei. Nach dem heute geltenden Baureglement vom 26. November 1995 dürften gewerbliche Nutzungen in der Zone höchstens 20 % der Bruttogeschossfläche beanspruchen (Art. 46 Abs. 2 des Reglements); der Mindestwohnanteil betrage mithin 80 %. Im betreffenden Gebiet gelte ferner aufgrund der Lärmvorbelastung die Empfindlichkeitsstufe III nach Art. 43 Abs. 1 der Lärmschutz-Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41), nicht die Stufe II wie in der Zone allgemein (vgl. Art. 41 Abs. 2 und Art. 60 des heute geltenden Baureglements). Bei derart intensiver Wohnnutzung seien sexgewerbliche Betriebe in jedem Fall geeignet, bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der umliegenden Liegenschaften unangenehme Eindrücke zu erwecken und das angenehme Wohnen sowie den Ruf der entsprechenden Quartiere zu beeinträchtigen. Ob das Sexgewerbe diskret geführt werde und es bereits Beanstandungen gegeben habe, spiele aufgrund der abstrakten Geltung der Nutzungsvorschriften keine Rolle. So habe es das Bundesgericht als vertretbar erachtet, in einer Zone mit einem Wohnanteil vom 60 % auf ein dicht überbautes Gebiet mit einer intensiven Wohnnutzung zu schliessen und sexgewerbliche Betriebe aufgrund ihrer ideellen Immissionen als stark störend einzustufen (Urteil 1P.771/2001 vom 5. Mai 2003 E. 9.2). In einem weiteren Entscheid habe es festgehalten, dies müsse bei einem Wohnanteil von 65 % erst recht gelten (Urteil 1P.160/2004 vom 27. Januar 2005 E. 4.2). Die strittige sexgewerbliche Nutzung sei demnach nicht zonenkonform und damit sowohl formell als auch materiell baurechtswidrig. Es sei geboten und unter den gegebenen Umständen auch zulässig, sie zu verbieten.