Citation: 5C.129/2001 06.09.2001 E. 3

3.- Zur Bestimmung des nachehelichen Unterhalts hat das Obergericht die für die Klägerin massgebliche Lebenshaltung festgelegt (E. 6b S. 24 f.), das zumutbare Erwerbseinkommen der Klägerin und den Ertrag aus deren Vermögen errechnet und die Differenz zwischen Lebenshaltung (rund Fr. 6'000.-- bis Fr. 6'300.--) und Eigenmitteln (Fr. 3'400.--) als monatlichen Unterhaltsbeitrag (Fr. 2'800.--) zuerkannt (E. 6c S. 25 ff.). Für die Zeit nach der Pensionierung des Beklagten hat das Obergericht - ausgehend vom Renteneinkommen des Beklagten und den Einkünften der Klägerin bei für beide Parteien ungefähr gleichem Grundbedarf - der Klägerin die Differenz zwischen der Gesamteinkommenshälfte (Fr. 5'150.--) und ihren Eigenmitteln (Fr. 3'400.--) als monatlichen Unterhaltsbeitrag (aufgerundet: Fr. 1'800.--) zuerkannt (E. 6d S. 28 ff.). Einen Unterhaltsbeitrag ab ihrem Eintritt in das AHV-Alter hat die Klägerin vor Obergericht nicht (mehr) beantragt (E. 6d [recte: e] S. 30). Mit ihrer Berufung ficht die Klägerin die obergerichtliche Annahme an, es sei ihr zumutbar nach der Scheidung ein monatliches Einkommen von Fr. 1'500.-- zu erzielen. Hätte das Obergericht sodann die zutreffende Berechnungsmethode gewählt, wären ihre Ansprüche vor wie nach der Pensionierung weitaus höher als jemals gefordert. Das obergerichtliche Urteil hält dieser Kritik stand: a) Gemäss Art. 125 Abs. 1 ZGB besteht Anspruch auf nachehelichen Unterhalt ("einen angemessenen Beitrag") nur, soweit einem Ehegatten nicht zuzumuten ist, für den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufzukommen, Abs. 2 zählt die für die Beantwortung dieser Frage insbesondere massgebenden Kriterien auf, die auch bei der Bemessung des Beitrags zu berücksichtigen sind ("ob ein Beitrag zu leisten sei und gegebenenfalls in welcher Höhe und wie lange"), und Abs. 3 nennt die Voraussetzungen, unter denen ein Beitrag "ausnahmsweise versagt oder gekürzt werden" kann. Das Bundesgericht hat sich zu den Grundsätzen des Unterhaltsrechts einlässlich geäussert; darauf kann hier verwiesen werden (BGE 127 III 136 Nr. 23). Die Parteien haben im Dezember 1967 geheiratet und sich nach rund fünfundzwanzig Ehejahren im September 1992 getrennt. Nach einer solchen Ehe von zweifellos langer Dauer (vgl. etwa Schwenzer, in: Praxiskommentar Scheidungsrecht, Basel 2000, N. 48 zu Art. 125 ZGB) besteht seitens der Unterhaltsberechtigten ein Anspruch auf Fortführung der während der Ehe gelebten Lebenshaltung bzw. bei ungenügender Leistungsfähigkeit auf gleichwertige Lebensführung wie der Unterhaltspflichtige (statt vieler: Schnyder, Die ZGB-Revision 1998/2000, Zürich 1999, S. 62/63). Das Obergericht ist unangefochten von der Lebenshaltung der Klägerin während der Trennungszeit - die hier offenkundig jener in der Ehe entsprochen hat (s. nächster Absatz) - ausgegangen und hat diese auf monatlich Fr. 6'000.-- beziffert (S. 25). Diese Lebenshaltungskosten vermag die Klägerin mit einem Erwerbseinkommen von Fr. 1'500.--, einem Vermögensertrag von Fr. 1'900.-- und dem zuerkannten Unterhaltsbeitrag von Fr. 2'800.-- mehr als zu decken (S. 28). Das Gesetz schreibt dem Gericht nicht vor, nach welcher Methode der Unterhaltsbeitrag zu berechnen ist (Sutter/ Freiburghaus, N. 118 zu Art. 125 ZGB). Bei ausgesprochen guten wirtschaftlichen Verhältnissen wird wegen der damit verbundenen Sparquote von der Existenzminimums- oder Grundbedarfsberechnung mit Überschussverteilung abgeraten und eine konkrete Berechnung befürwortet (Schnyder, a.a.O., S. 63; Schwenzer, N. 79 zu Art. 125 ZGB, je mit Nachweisen). Ein Blick auf den güterrechtlichen Vorschlag von über einer Million Franken (E. 4o und o [recte: p] S. 81 f. des bezirksgerichtlichen Urteils) verdeutlicht, dass die Parteien während der Ehe nicht nur gut gewirtschaftet haben, sondern auf Grund des Monatseinkommens des Beklagten von rund Fr. 14'000.-- (E. 2b/cc S. 20 ff. des bezirksgerichtlichen Urteils) gewisse Ersparnisse anhäufen konnten. Das Obergericht hat deshalb kein Bundesrecht verletzt, indem es bis zur Pensionierung des Beklagten (Ende 2005) den angemessenen Beitrag konkret berechnet hat und für die Zeit danach die Methode des familienrechtlichen Existenzminimums mit (hier: hälftiger) Überschussverteilung gewählt hat; das Einkommen wird sich ab jenem Zeitpunkt um die Hälfte reduziert haben und insoweit keine Sparquote mehr zulassen. b) Was die Klägerin gegen die obergerichtliche Beurteilung ihrer Eigenversorgungskapazität einwendet, vermag nicht durchzudringen: aa) Das Obergericht hat nicht übersehen, dass die Klägerin zwischen 1967 und 1989 ausschliesslich den Haushalt geführt, die Kinder betreut und nie auf dem von ihr erlernten Beruf einer Verkäuferin gearbeitet hat (E. 6c S. 25). Erst 1989 - das jüngere der beiden Kinder erreichte das sechzehnte Altersjahr - hat sie sich in der Reisebranche weitergebildet und ist ab 1990 einer Erwerbstätigkeit ausser Haus nachgegangen. In jenem Zeitpunkt hat die Klägerin im vierzigsten Altersjahr gestanden. Sie kann sich deshalb schon altersmässig nicht auf die bereits unter dem bisherigen Recht entwickelte Tatsachenvermutung stützen, dass einem Ehegatten die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit nach dem fünfundvierzigsten Altersjahr in der Regel nicht mehr zumutbar ist, wenn er während einer langen Ehedauer auf eine Erwerbstätigkeit verzichtet hat. Vom Alter her gesehen ist der Klägerin die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben zumutbar (statt vieler: Hausheer, Der Scheidungsunterhalt und die Familienwohnung, in: Vom alten zum neuen Scheidungsrecht, Bern 1999, S. 119 ff., S. 144 f. N. 3.40/. 41 und N. 3.45). bb) Was das Obergericht aus den ärztlichen Attesten abgeleitet hat, ist entgegen der Annahme der Klägerin eine für das Bundesgericht verbindliche Tatsachenfeststellung, die die Klägerin mit keiner der ausnahmsweise zulässigen Sachverhaltsrügen anficht (Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG; BGE 127 III 248 E. 2c S. 252). Danach wird sich ihr Gesundheitszustand nach der Scheidung zumindest soweit verbessern, dass eine Teilzeitarbeit möglich ist. Das Obergericht hat weiter festgehalten, dass auch die zusätzlich eingereichten Arztzeugnisse nicht von einer Arbeitsunfähigkeit ausgingen und dass die Klägerin wegen ihres Gesundheitszustandes bisher auch keinen Antrag auf Zusprechung einer Rente der Invalidenversicherung gestellt habe. Insgesamt ist das Obergericht davon ausgegangen, dass mit Abschluss des Scheidungsverfahrens der ärztlich diagnostizierte psychische Leidensdruck wieder abnehme (E. 6c S. 25/26). Auf Grund dieser Tatsachenfeststellungen durfte angenommen werden, dass gesundheitliche Gründe der Wiederaufnahme einer vorerst teilzeitlichen Erwerbstätigkeit nicht entgegenstehen (zu diesem Kriterium: Hausheer, a.a.O., S. 145 N. 3.42). cc) Schliesslich hat das Obergericht der Arbeitsmarktlage und den Berufskenntnissen der Klägerin Rechnung getragen. Es hat dafürgehalten, die beruflichen Stationen der Klägerin zwischen 1990 bis 1996 (für Einzelheiten: E. 2b/bb S. 17 f. des bezirksgerichtlichen Urteils) hätten gezeigt, dass es der Klägerin wiederholt gelungen sei, eine Anstellung zu finden. Richtig sei, dass eine Tätigkeit als Ergotherapeutin realistischerweise nicht mehr in Frage komme; möglich sei jedoch eine Tätigkeit im Gesundheitsbereich oder im kaufmännischen Bereich bzw. in der Reisebranche, wo die Klägerin bereits gearbeitet habe (E. 6c S. 26/27). Die Beurteilung der tatsächlichen Möglichkeit, ein Erwerbseinkommen im - hier betragsmässig unangefochtenen - Umfang von Fr. 1'500.-- zu erzielen, beruht nicht auf allgemeiner Lebenserfahrung, sondern auf konkreten Anhaltspunkten (z.B. bisherige Berufstätigkeit, Ausbildung, Gesundheit usw.) und ist für das Bundesgericht als Ergebnis der Beweiswürdigung verbindlich (BGE 126 III 10 E. 2b S. 12; 127 III 136 E. 2c S. 140/141). Entgegen der Darstellung der Klägerin hält auch vor Bundesrecht stand, dass das Obergericht ihr die sofortige Aufnahme einer Teilzeitstelle von fünfzig Prozent ohne Übergangsfrist zugemutet und ihren Einwand fehlender beruflicher Kenntnisse verworfen hat. Nachdem beide Parteien seit 1993/94 die Scheidung wollten und die Klägerin bereits seit 1996 wusste, dass sie ihren Beruf als Ergotherapeutin nicht mehr würde ausüben können, hätte von ihr, wie das Obergericht zutreffend erwogen hat, erwartet werden können, dass sie sich um eine berufliche Neuausrichtigung kümmert und allfällige fehlende Qualifikationen (z.B. Computerkenntnisse) nachholt (BGE 127 III 136 E. 2c S. 140, Abs. 2 und 3). Auch die Branche, in der die Klägerin tätig werden soll, ist ihr zumutbar, nachdem sie während der Ehe an vergleichbaren Stellen gearbeitet hat. c) Aus den dargelegten Gründen hat das Obergericht den angemessenen Beitrag, den der Beklagte an die Klägerin zu leisten hat, weder nach einer ungebräuchlichen Methode bestimmt, noch hat es dabei die Eigenversorgungskapazität der Klägerin unrichtig beurteilt. Die Ausübung des ihm in der Festlegung des Unterhaltsbeitrags zustehenden Ermessens kann auf Grund der Vorbringen der Klägerin in keiner Weise beanstandet werden (vgl. BGE 127 III 136 E. 3a S. 141).