Citation: 8C_239/2007 07.08.2008 E. 6

6.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die Bewegung der Versicherten bei der Frontalkollision vom 10. Januar 2002 weder einem Schleudertrauma-Mechanismus, noch einem dem Schleudertrauma äquivalenten Mechanismus entsprach. Die Versicherte habe sich im Fahrzeug relativ nach Vorne bewegt, wobei ihr Kopf durch den ausgelösten Airbag aufgefangen wurde. Wie es sich damit verhält, kann indessen offenbleiben: Selbst dann, wenn man zu Gunsten der Versicherten davon ausgeht, sie habe ein Schleudertrauma erlitten und die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Ereignis und den über den 31. Oktober 2004 hinaus anhaltend geklagten gesundheitlichen Beschwerden nach der sog. Schleudertrauma-Praxis (vgl. E. 3.2 hievor) prüft, ist diese, wie nachfolgend gezeigt wird, zu verneinen. 6.2 Das kantonale Gericht hat die Sache an die Beschwerdeführerin zurückgewiesen, damit diese weitere Abklärungen zur Frage des Zeitpunktes des Abschlusses der unfallbedingten Heilbehandlung treffe. Gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG entsteht ein Rentenanspruch in der Unfallversicherung frühestens dann, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (vgl. auch BGE 134 V 109 E. 4 S. 113 ff.). Dabei kann allerdings dann nicht von einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandens gesprochen werden, wenn eine therapeutische Massnahme mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur die sich aus einem stationären Gesundheitszustand ergebenden Beschwerden für eine begrenzte Zeit zu lindern vermag (RKUV 2005 Nr. U 557 S. 388 [U 244/04]). Der behandelnde Arzt der Versicherten, Dr. med. H.________, ging bereits am 2. März 2004 davon aus, dass der Endzustand erreicht worden sei. Der SUVA-Kreisarzt Dr. med. I.________, empfahl am 7. Juni 2004 lediglich noch die Fortsetzung der Erhaltungstherapie. Gemäss dem Schreiben des Dr. med. K.________ vom 26. Mai 2004 hatte die weitere psychiatrische Behandlung vorab zum Ziel, dass die Versicherte lerne, mit der nicht vollen Leistungsfähigkeit und den zeitweiligen Schmerzen umzugehen. Somit ist davon auszugehen dass - prognostisch betrachtet - am 31. Oktober 2004 keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes im Sinne der Rechtsprechung mehr zu erwarten war. Daran ändert auch das später erstattete Gutachten des Instituts L.________ vom 17. Januar 2006 nichts, führten doch die Gutachter ausdrücklich aus, dass sie keine medizinischen Massnahmen angeben können, welche zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes führen würden. Die Gutachter empfahlen einzig die Fortführung der etablierten psychotherapeutischen Behandlung. Auf weitere diesbezügliche Abklärungen kann somit verzichtet werden. 6.3 Das kantonale Gericht hat erwogen, dass die Frontalkollision vom 10. Januar 2002 dem mittleren Bereich im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen sei. Massgebend für die Qualifikation sind einzig der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften, nicht jedoch Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, E. 5.3.1 [U 2/07]). Gemäss den Berechnungen des Prof. Dr. med. G.________ lag die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung des Fahrzeuges der Versicherten (delta-v) im Bereich von 20-30 km/h; der Experte gibt gleichzeitig zu bedenken, dass die Belastung des Körpers bei Frontalkollisionen deutlich geringer ist als bei Heckkollisionen. Weiter ist zu beachten, dass durch das Ereignis der Airbag ausgelöst wurde, so dass nur ein Teil der sich entwickelnden Kräfte auf den Körper der Versicherten einwirkte. Die vorinstanzliche Qualifikation ist somit nicht zu beanstanden (vgl. auch die Urteile U 185/94 vom 6. Januar 1995 E. 3a und U 33/03 vom 2. Dezember 2003, E 4.1). Zur Bejahung der Adäquanz eines allfälligen Kausalzusammenhanges wäre daher im vorliegenden Fall erforderlich, dass ein einzelnes unfallbezogenes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder dass die nach der Rechtsprechung massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären. 6.4 Hinsichtlich der einzelnen Adäquanzkriterien (vgl. erwähntes Urteil BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130 sowie E. 3.2 hievor) ist Folgendes festzuhalten: 6.4.1 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin hat sich der Unfall weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch ist er als besonders eindrücklich zu qualifizieren. Daran vermag die Tatsache, dass die Versicherte Monate nach dem Unfall noch in der Lage war, den Unfallhergang zu beschreiben, nichts zu ändern. Zudem genügt auch der Umstand, dass sie die Kollision kommen sah und nicht ausweichen konnte, nicht zur Annahme einer besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles (vgl. Urteil U 558/06 vom 21. Dezember 2007, E. 4.21). 6.4.2 Ebenfalls nicht erfüllt ist das Kriterium der Schwere und der besonderen Art der erlittenen Verletzungen: Nach dem Unfall war die Versicherte zunächst noch während zwei Monaten - mit Ausnahme des Arbeitsausfalls aufgrund eines unfallfremden Virusinfektes - voll arbeitsfähig. 6.4.3 Gemäss der Präzisierung des Kriterienkatalogs ist nicht mehr die lange Dauer der ärztlichen Behandlung massgebend, entscheidend ist nunmehr, ob eine fortgesetzte, spezifische, belastende ärztliche Behandlung stattgefunden hat. Eine solche ist vorliegend aus den Akten nicht ersichtlich; auch der Aufenthalt der Versicherten in der Klinik M.________ zwischen dem 13. November und dem 17. Dezember 2002 führte nicht zu einer besonderen Belastung, da bei der Therapie deutliche Erfolge erzielt werden konnten, welche umgehend zu einer Reduktion der Schmerzen und zu einer Besserung des affektiven Stimmungsbildes führten. 6.4.4 Das Kriterium der erheblichen Beschwerden war - zumindest im hier massgebenden Zeitpunkt (31. Oktober 2004) - noch erfüllt (vgl. den Bericht der kreisärztlichen Untersuchung des Dr. med. I.________ vom 7. Juni 2004). 6.4.5 Die Versicherte macht zu Recht nicht geltend, dass die Kriterien der ärztlichen Fehlbehandlung oder jenes des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen erfüllt wären. 6.4.6 In BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 hat das Bundesgericht präzisiert, dass das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit nur dann erfüllt sein kann, wenn von der versicherten Person ernsthafte Anstrengungen unternommen wurden, diese zu überwinden. Bei der Beschwerdegegnerin lag - mit Ausnahme der Zeit während und unmittelbar nach dem stationären Aufenthalt in der Klinik M.________ - nie eine volle Arbeitsunfähigkeit vor. Ob das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit vorliegend erfüllt ist, kann offenbleiben, da es jedenfalls nicht in einem Masse vorliegt, dass - auch unter Berücksichtigung des erfüllten Kriteriums der erheblichen Beschwerden (E. 6.3.4 hievor) - die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den über den 31. Oktober 2004 hinaus geklagten Beschwerden zu bejahen wäre. 6.5 Waren die über den 31. Oktober 2004 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden nicht mehr adäquat kausal durch das Unfallereignis verursacht, so war die Leistungseinstellung der SUVA auf dieses Datum hin rechtens. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben.