Citation: I 290/06 22.01.2007 E. 4.2

4.2.1 Nach den zutreffenden Erwägungen des kantonalen Gerichts können Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c in fine). Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, so auch einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, setzt zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 398 ff. Erw. 5.3 und Erw. 6). Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 77). 4.2.2 Das Vorliegen einer psychischen Komorbidität - verstanden als selbstständiges, vom Schmerzsyndrom losgelöstes Leiden (BGE 130 V 358 Erw. 3.3.1) - ist zu verneinen. Die von Frau Dr. med. L.________ am 13. Dezember 2004 diagnostizierte leichte bis mittelschwere depressive Episode reicht dazu nicht aus. Die Psychiaterin selber führte im Bericht vom 13. Dezember 2004 aus, die Beschwerdeführerin habe das überraschende Verlassenwerden durch den Ehemann sowie immer noch laufende Gerichtsverhandlungen über Unterhaltszahlungen als sehr kränkend erlebt, was gleichzeitig eine Reaktivierung der Erkrankung bewirkt habe. Frau Dr. med. E.________ und Dr. med. F.________, Dept. für Innere Medizin, Medizinische Poliklinik des Universitätsspitals X.________, erwähnten in ihrem Bericht vom 18. März 2004 nebst der Scheidungsproblematik die lange und schwierige Migrationsgeschichte sowie den Verlust der Arbeitsstelle als Mitursachen der somatoformen Schmerzstörung. Auch bei Frau Dr. med. K.________ schliesslich beschrieb die Beschwerdeführerin eine starke psychische Belastung bei familiären Problemen (Bericht vom 6. Oktober 2004). In ihrer Stellungnahme vom 16. März 2006 ergänzte Frau Dr. med. L.________, dass es sich bei Depressionen um ein Krankheitsbild mit einer multifaktoriellen Genese handle, wobei unter anderem genetische, situative, lebensgeschichtliche Hintergründe sowie endogen biochemische Faktoren eine Rolle spielten. Bei der somatoformen Schmerzstörung - so die Psychiaterin - gehe man davon aus, dass auf dem Boden lebensgeschichtlicher Hintergründe im Rahmen einer psychischen Konfliktsituation die Problematik auf körperlicher Ebene ihren Ausdruck finde. Das vorliegende Beschwerdebild bestehe insofern nicht einzig aus Beeinträchtigungen von Belastungen im familiären und soziokulturellen Umfeld, sondern diese stellten einen Baustein eines Puzzles mit vielen Teilen dar. Rechtsprechungsgemäss muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung umso ausgeprägter sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitbestimmen (BGE 127 V 299 Erw. 5). Die umschriebene depressive Stimmungslage kann demzufolge mit dem kantonalen Gericht nicht mit einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer im Sinne der Rechtsprechung gleichgesetzt werden. Hinsichtlich der weiteren zu berücksichtigenden Faktoren wurden neben der somatoformen Schmerzstörung keine chronischen körperlichen Begleiterkrankungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert. Wie die Vorinstanz sodann zutreffend dargelegt hat, lässt sich aus der Aktenlage nicht auf einen schwerwiegenden sozialen Rückzug schliessen, hat doch die Beschwerdeführerin nach wie vor Kontakt zu ihrer Tochter und geht sie seit Februar 2005 teilzeitlich einer Erwerbstätigkeit als Kioskverkäuferin nach. Schliesslich kann auch nicht vom Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung gesprochen werden. Obschon die behandelnden Ärztinnen und Ärzte den Gesundheitszustand als besserungsfähig beurteilten und mehrheitlich eine stationäre Schmerztherapie auf der Abteilung für psychosomatische Medizin der Zürcher Höhenklinik Davos-Clavadel empfahlen, weigerte sich die Beschwerdeführerin nämlich gemäss eigenen Angaben aus persönlichen Gründen, sich einer solchen Therapie zu unterziehen. 4.2.3 Zusammenfassend ist bei dieser Sachlage mit der Vorinstanz die Notwendigkeit weiterer medizinischer Abklärungen zu verneinen und davon auszugehen, dass die psychischen Beinträchtigungen die Beschwerdeführerin nicht derart intensiv und konstant behinderten, dass die Aufnahme einer ganztägigen, leidensangepassten Tätigkeit aus rechtlicher Sicht als unzumutbar zu gelten hätte. Eine invalidisierende Wirkung der geltend gemachten Schmerzen ist demnach im massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids (BGE 130 V 446 Erw. 1.2 mit Hinweisen) zu verneinen (vgl. Meyer-Blaser, a.a.O., S. 90 ff.). Soweit mit der Stellungnahme der Psychiaterin Frau Dr. med. L.________ vom 16. März 2006 eine Verschlimmerung der psychischen Beschwerden geltend gemacht werden soll, ist die Beschwerdeführerin auf die Möglichkeit der Neuanmeldung bei der Invalidenversicherung hinzuweisen, wobei gemäss Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV eine für den Anspruch wesentliche Änderung des Invaliditätsgrades glaubhaft gemacht werden muss.