Citation: 5A_1035/2020 E. 3.3.7

3.3.7. Gemäss Art. 277 ZGB dauert die Unterhaltspflicht der Eltern bis zur Volljährigkeit des Kindes (Abs. 1). Hat es dann noch keine angemessene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann. Nach Art. 276a ZGB geht die Unterhaltspflicht gegenüber dem minderjährigen Kind den anderen familienrechtlichen Unterhaltspflichten vor (Abs. 1). In begründeten Fällen kann das Gericht von dieser Regel absehen, insbesondere um eine Benachteiligung des unterhaltsberechtigten volljährigen Kindes zu vermeiden (Abs. 2). Eine derartige Ausnahme kann angezeigt sein, wenn das achtzehnjährige Kind noch das Gymnasium besucht und damit finanziell von seinen Eltern abhängig ist. Anders sieht die Situation indessen grundsätzlich beim studierenden Kind aus, da dieses während seiner Ausbildung einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen oder ein Stipendium beantragen kann (BGE 146 III 169 E. 4.2.2.2; Botschaft vom 29. November 2013 zu einer Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Kindesunterhalt], BBl 2014 574 Ziff. 2.1.2). Der Vorrang des Minderjährigenunterhalts vor dem Volljährigenunterhalt - und damit verbunden die Frage nach einer Ausnahme hiervon - reicht allerdings nur so weit, als es um die Deckung der familienrechtlichen Existenzminima der gegenüber dem volljährigen Kind bevorzugten Familienmitglieder geht. Sind diese gedeckt, ist aus den verbleibenden Mitteln der Volljährigenunterhalt zu bestreiten. Eine Überschussverteilung kommt erst infrage, wenn die Verpflichtung zur Leistung von Volljährigenunterhalt erfüllt ist (BGE 147 III 265 E. 7.3; zum Verhältnis zwischen Volljährigen- und Ehegatten- bzw. nachehelichem Unterhalt vgl. BGE 146 III 169 E. 4.2).