Citation: 2P.140/2002 18.10.2002 E. B

Gegen diesen Entscheid liess A.X.________ durch seinen Vater am 9. April 2002 Beschwerde bei der Erziehungskommission des Kantons Graubünden erheben und beantragte, der angefochtene Prüfungsentscheid sei aufzuheben und es sei anzuordnen, dass A.X.________ in die Gymnasialabteilung einer Bündner Mittelschule aufgenommen werden könne, eventuell sei die Angelegenheit zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung wurde unter anderem ausgeführt, die Prüfung wäre erfolgreich abgelegt worden, wenn im Aufsatz eine Note 2.25 statt 2.07 erzielt worden wäre. A.X.________ leide an zwei Geburtsgebrechen, nämlich an einem Herzfehler (biskopide Aortenklappe) und an einer cerebralen Bewegungsstörung. Abgesehen davon, dass der Herzfehler zu einer schnelleren Ermüdbarkeit und entsprechenden Beeinträchtigung der Konzentration führe, seien auch heute noch für psychomotorische Störungen typische Merkmale vorhanden, so insbesondere ein eckiger, steifer und langsamer Bewegungsablauf und eine entsprechende Sprechweise. Beim Schreiben sei ein Defizit vorhanden, was sich insbesondere in Stresssituationen in einer eckigen Schreibweise und unübersichtlichen und unsauberen Darstellung äussere. Nachdem jedoch insbesondere beim Aufsatz die Darstellung ebenfalls beurteilt werde und ein Prüfungserfolg bei 1 1/2 Zusatzpunkten vorliegen würde, seien diese Gegebenheiten prüfungsrelevant. Aufgrund der psychomotorischen Störungen bei A.X.________ werde zu Unrecht Ungleiches gleich behandelt. Hinsichtlich der Deutsch-Prüfung Teil II (Textverständnis und Grammatik) hätten insgesamt 4 Punkte mehr erteilt werden müssen. Sodann beantragte A.X.________ unter anderem die Edition der Korrekturhinweise und Bewertungstabellen, eine medizinische Begutachtung sowie die Beurteilung sämtlicher Notengebungen im Bereich des Aufsatzes durch einen anerkannten und aussenstehenden Deutsch-Experten unter Berücksichtigung der Anforderungen an den Aufsatz, der Korrekturhinweise und Bewertungstabellen sowie der Behinderungen von A.X.________. Am 12. April 2002 reichte der Leiter der Steuerungsgruppe Aufnahmeprüfungen seine Stellungnahme ein unter Beilage der Prüfungsunterlagen, des Prüfungsplanes, der genauen Ergebnisse von A.X.________, der Korrekturhinweise und des Punktrasters "Deutsch Aufsatz" sowie der Notenskalen. Die Korrekturhinweise für den Teil II der Deutschprüfung wurden hingegen nicht ediert. Der Leiter der Steuerungsgruppe wies darauf hin, dass der Aufsatz von A.X.________ von zwei Lehrpersonen korrigiert und beurteilt worden sei. Im Zusammenhang mit der vorliegenden Beschwerde sei der Aufsatz zusätzlich von Prof. C.________, Deutschlehrer an der Bündner Kantonsschule, erneut korrigiert und mit der Note 1.95 (ohne Berücksichtigung des Punkteabzuges für die Darstellung) resp. 1.83 bewertet worden. In der Folge liess die Erziehungskommission den Aufsatz durch eine neutrale Deutschlehrkraft begutachten. Der beigezogene Experte, Dr. D.________, Professor an der Kantonsschule Hottingen, Zürich, erteilte nach eingehender Untersuchung des in Maschinenschrift vorgelegten Aufsatzes die Gesamtpunktzahl 16 von 48 möglichen Punkten, was einer Note 2.19 entspricht. Am 8. Mai 2002 wies die Erziehungskommission des Kantons Graubünden die Beschwerde ab. Sie erwog im Wesentlichen, dass aufgrund der identischen Gesamtbewertung durch drei Lehrpersonen kein Anlass bestehe, an der Richtigkeit der Notengebung im Aufsatz in irgendeiner Weise zu zweifeln. Die Korrektur und die Notengebung im Teil I der Deutschprüfung sei verantwortungsbewusst und im Rahmen des zulässigen Ermessensspielraums erfolgt. Ebenso sei die Note im zweiten Teil der Deutschprüfung rechtmässig festgesetzt worden. Der Grundsatz der Chancengleichheit der Prüfungskandidaten und -kandidatinnen verbiete es, eine allfällige Prüfungsunfähigkeit zu berücksichtigen, nachdem sich A.X.________ in Kenntnis seines Zustandes dem Risiko des Misserfolges bewusst ausgesetzt habe, ansonsten er sich eine weitere - anderen Kandidatinnen und Kandidaten nicht gegebene - Prüfungschance verschaffen könne. Hinzu komme, dass ein Zusammenhang zwischen der geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigung und einem dadurch bedingten Defizit in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit nicht erstellt sei. Selbst wenn dies der Fall wäre, liesse es sich aus rechtlichen und sachlichen Gründen kaum rechtfertigen, Prüfungskandidaten und -kandidatinnen, welche zwar erwiesenermassen gesundheitlich behindert seien, jedoch die für die Aufnahme in die Bündner Mittelschule gestellten Anforderungen nicht zu erfüllen vermögen, dennoch den gymnasialen Zugang zu ermöglichen.