Citation: 2C_327/2007 06.12.2007 E. 2

2.1 Die in der Rechtsprechung zu Art. 7 und 17 ANAG entwickelten Voraussetzungen für den nachträglichen Nachzug von Kindern sind unterschiedlich, je nachdem ob es sich um die Vereinigung mit den gemeinsamen Eltern oder aber mit einem getrennt lebenden Elternteil handelt. Im ersten Fall bedarf es, unter Vorbehalt des Rechtsmissbrauches, keiner besonderen Rechtfertigung dafür, dass das Nachzugsrecht erst nachträglich geltend gemacht wird; im zweiten Fall dagegen wird ein nachträglicher Familiennachzug nur bewilligt, wenn besondere familiäre Gründe bzw. eine Änderung der Betreuungssituation dies gebieten (BGE 130 I 1 E. 2.2 S. 4; 129 II 11 E. 3.1 S. 14 f.; 126 II 329 E. 2a und 3b S. 330/332). Diese Grundsätze müssen auch für die Ansprüche aus Art. 8 EMRK Geltung haben. Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV räumen grundsätzlich nicht jenem Elternteil ein Recht auf Nachzug ein, der freiwillig ins Ausland gezogen ist und ein weniger enges Verhältnis zum Kind hat als der Elternteil oder die Verwandten, die für dieses in der Heimat sorgen (BGE 125 II 633 E. 3a S. 640; 122 II 385 E. 4b S. 392). Der Nachzug des Kindes muss sich zu dessen Betreuung aus stichhaltigen Gründen als erforderlich erweisen (vgl. BGE 124 II 361 E. 3a S. 366); dies ist regelmässig nicht der Fall, wenn im Heimatland alternative Pflegemöglichkeiten bestehen, die dem Kindeswohl besser entsprechen, beispielsweise weil dadurch vermieden werden kann, dass das Kind aus seiner bisherigen Umgebung und dem ihm vertrauten Beziehungsnetz gerissen wird (BGE 133 II 6 E. 3.1.2 S. 11 f.; 125 II 585 E. 2c S. 588 mit Hinweisen). 2.2 Der Beschwerdeführer kann als getrennt lebender Elternteil den nachträglichen Nachzug seiner Kinder nur verlangen, wenn stichhaltige Gründe für deren Übersiedelung zum Vater in die Schweiz bestehen. Solche Gründe dürfen nicht leichthin bejaht werden. Es gelten hohe Beweisanforderungen (BGE 133 II 6 E. 3.3 S. 13; 129 II 11 E. 3.3.2 S. 16 mit Hinweisen). An den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland sind - zumal es aus integrationspolitischer Sicht nicht erwünscht ist, dass Jugendliche erst nach Abschluss der obligatorischen Schule und kurz vor Erreichung der Altersgrenze in die Schweiz geholt werden - umso höhere Anforderungen zu stellen, je älter das nachzuziehende Kind ist bzw. je grösser die ihm in der Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten sind (vgl. BGE 129 II 11 E. 3.3.2 S. 16 sowie BGE 133 II 6 E. 5.3 S. 19 f. unter Hinweis auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte i.S. Tuquabo-Tekle u. andere gegen die Niederlande [Nr. 60665/00 vom 1. Dezember 2005]). Für die Feststellung des Sachverhaltes gilt im Verwaltungsverfahren grundsätzlich die Untersuchungsmaxime, welche jedoch relativiert wird durch die Mitwirkungspflicht der Parteien. Diese kommt vorab bei solchen Tatsachen zum Tragen, welche eine Partei besser kennt als die Behörden und welche diese ohne Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben können. Im fremdenpolizeilichen Verfahren trifft dies insbesondere auf vom Ausländer angerufene Sachumstände in seiner Heimat zu (vgl. BGE 124 II 361 E. 2b S. 365 mit Hinweis). 2.3 Im angefochtenen Entscheid kam das Verwaltungsgericht zum Ergebnis, der Nachweis, dass die beiden Kinder zu ihrem in der Schweiz lebenden Vater eine intensivere Beziehung als zur Mutter und zum personellen Umfeld in der Heimat hätten, sei vom Beschwerdeführer nicht erbracht worden. Zwar werde behauptet, dass die Mutter wegen einer Erbkrankheit nicht mehr in der Lage sei, die Kinder zu betreuen, und sie diese im Übrigen verlassen habe. Abgesehen von einem - offensichtlich im Auftrag des Beschwerdeführers verfassten - "Sozialbericht" der UNO-Behörde im Kosovo (UNMIK) fehle aber jede Substantiierung dieser Behauptung. In diesem Bericht würden die Verhältnisse der Kinder im Rahmen eines Grosshaushaltes mit Grossvater, Onkeln und Tanten zwar als wirtschaftlich armselig beschrieben, nicht aber als unzumutbar. Im Übrigen fehle es darin an einer objektiven Abwägung der Alternativen für die Jugendlichen; auf die Schwierigkeiten der Integration in einem kulturell und sprachlich fremden Land in einem kritischen Alter werde nicht eingegangen. Die Empfehlung, die Kinder zum Vater nachziehen zu lassen, gründe einzig auf den Empfehlungen des Beschwerdeführers als Auftraggeber. Im Zeitpunkt der Einreichung des Nachzugsgesuches sei die Beziehung der Kinder zur Mutter als gut bezeichnet worden. Von einer Vernachlässigung der Kinder sei damals noch keine Rede gewesen. Vielmehr sei die Notwendigkeit einer Unterbringung beim Vater damit begründet worden, dass die Mutter ohne Erwerbseinkommen sei und sich ein finanzieller Engpass anbahne; dieses Problem hätte aber mit einer höheren finanziellen Unterstützung durch den Beschwerdeführer gelöst werden können. Erst nach Abweisung des Gesuchs sei die nicht näher umschriebene Krankheit der Mutter ins Spiel gebracht worden. Allein darauf, dass die Mutter vor Gericht das Einverständnis zur Übertragung des Sorgerechts an den Beschwerdeführer erklärt habe, könne nicht abgestellt werden, da nicht feststehe, ob die Kindesinteressen objektiv geprüft worden seien. Die Einschätzung des Regierungsrates, wonach besondere Umstände, welche die Änderung der Betreuungsverhältnisse notwendig machten, nicht ersichtlich seien, erweise sich als rechtmässig. 2.4 Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind die tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Urteil massgeblich, welche durch die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht schlüssig widerlegt werden. Es geht entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht um die Anerkennung von Entscheidungen ausländischer Behörden, sondern allein um die aus diesen Entscheiden für die Sachverhaltsermittlung zu ziehenden Schlüsse. Insofern ist nicht zu beanstanden, wenn das Verwaltungsgericht die Übertragung des Sorgerechts angesichts der im betreffenden Gerichtsentscheid enthaltenen Begründung, welche zwar von den Interessen der Kinder spricht, jedoch klarerweise wirtschaftliche und finanzielle Aspekte der Betreuungssitaution in den Vordergrund stellt, für sich allein nicht als stichhaltigen Grund für die Erforderlichkeit des Nachzugs der Kinder zu deren Vater in die Schweiz werten will. Entsprechendes gilt für die Würdigung der Berichte der UN-Verwaltung über die Wohnsituation der im Kosovo lebenden Familienmitglieder. Die Annahme der Vorinstanz, eine Änderung der Betreuungssituation, welche die Übersiedlung der beiden Kinder in die Schweiz zwingend gebieten würde, sei nicht hinreichend belegt, lässt sich nicht beanstanden, zumal für die behauptete Krankheit der Mutter bzw. die daraus resultierende Unfähigkeit der weiteren Betreuung der Kinder keine aussagekräftigen Beweismittel vorliegen. Wenn der Beschwerdeführer die Mutter der beiden nachzuziehenden Kinder nicht dazu bringen kann, bei den für die Bewilligung des (mutmasslich auch in ihrem Interesse gelegenen) Familiennachzuges erforderlichen Beweisvorkehren mitzuwirken, muss er in Kauf nehmen, dass aufgrund der jetzigen Beweislage entschieden wird. Danach mag die Mutter zwar in wirtschaftlicher Hinsicht nicht in der Lage sein, alleine für die beiden Kinder aufzukommen, einem Umstand, welchem gegebenenfalls durch die Erhöhung der Unterhaltsbeiträge des Beschwerdeführers Rechnung getragen werden könnte. Es ist jedoch nicht erstellt, dass für die beiden 16 und 18 Jahre alten Kinder - nötigenfalls im Verbund mit der in der Heimat lebenden übrigen Verwandtschaft - eine altersadäquate Betreuung nicht mehr sichergestellt wäre. Dies muss umso mehr gelten, als ein Nachzug in diesem Alter die Kinder mit massiven Integrationsproblemen konfrontieren würde, welche durch den Umstand, dass sie bereits einmal in der Schweiz gelebt haben, nur unwesentlich vermindert würden. Es bedarf sodann auch keiner weiteren Begründung, dass die schweizerischen Behörden keinen Augenschein im Heimatland der Kinder vorzunehmen haben, sondern sich auf die vorhandenen einschlägigen Belege in den Akten stützen dürfen. Von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs, einer willkürlichen oder akten- und tatsachenwidrigen Beweiswürdigung kann keine Rede sein. Das Verwaltungsgericht hat schliesslich auch die Unterschiede des vorliegenden Falles zu den besonders gelagerten Verhältnissen im Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Sachen Tuquabo-Tekle zutreffend dargestellt.