Citation: 8C_824/2023 E. 9.4

9.4. Nicht zu überzeugen vermag schliesslich auch die Auffassung des kantonalen Gerichts, es habe die Frage einer Leistungsverweigerung gestützt auf Art. 21 Abs. 1 ATSG noch nicht beantworten dürfen. Entgegen seiner offensichtlich unrichtigen Feststellung hat sich die IV-Stelle, wenn auch nicht in ihrer Verfügung vom 29. Juni 2018, so doch aber in ihrer vorinstanzlichen Beschwerdeantwort vom 31. März 2023 zu dieser Thematik geäussert und dargelegt, weshalb die Rentenleistungen gestützt auf Art. 21 Abs. 1 ATSG zu verweigern seien. Die Beschwerdegegnerin hätte sich dazu im Rahmen ihrer ausführlichen Replik vom 16. Mai 2023, zu welcher ihr das kantonale Gericht Gelegenheit gab, ohne Weiteres äussern und damit ihr rechtliches Gehör wahrnehmen können, was sie letztlich jedoch nicht tat. Vor diesem Hintergrund läuft das Vorgehen der Vorinstanz im Wesentlichen darauf hinaus, die IV-Stelle zu verpflichten, ihre bereits in der Beschwerdeantwort geäusserte Auffassung in Verfügungsform zu wiederholen. Inwiefern die direkte Beurteilung durch das kantonale Gericht vor diesem Hintergrund zu einer unzulässigen Verkürzung des Rechtsmittelweges zu Lasten der Beschwerdegegnerin geführt hätte, ist nicht ohne Weiteres ersichtlich. Mangels eines sachlichen Grundes für die Rückweisung hält diese somit trotz des grundsätzlich weiten Ermessensspielraums des kantonalen Gerichts in dieser Frage (vgl. BGE 131 V 407 E. 2.1.1) nicht vor Bundesrecht stand. Vielmehr hätte es seine volle Kognition sowohl in sachverhaltlicher als auch und rechtlicher Hinsicht (Art. 61 lit. c ATSG; vgl. Urteil 8C_111/2019 vom 14. Juni 2019 E. 5.1 mit Hinweis) ausschöpfen und eine Rentenverweigerung gestützt auf Art. 21 Abs. 1 ATSG prüfen müssen.