Citation: 6P.44/2004 27.07.2004 E. 3

Der Beschwerdeführer rügt die Beweiswürdigung des Obergerichts als willkürlich. Nach Art. 9 BV hat jede Person Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Willkür behandelt zu werden. Auf dem Gebiet der Beweiswürdigung steht den kantonalen Instanzen ein weiter Ermessensspielraum zu. Willkür in der Beweiswürdigung liegt vor, wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen oder auf einem offenkundigen Fehler beruhen. Dabei genügt es nicht, wenn sich der angefochtene Entscheid lediglich in der Begründung als unhaltbar erweist; eine Aufhebung rechtfertigt sich erst, wenn er auch im Ergebnis verfassungswidrig ist (BGE 129 I 8 E. 2.1; 127 I 38 E. 2a; 124 IV 86 E. 2a, je mit Hinweisen). 3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Schuldspruch basiere einzig auf der fragwürdigen DNA-Untersuchung des IRM Bern. Dieser würde per se erhöhte Beweiskraft zugesprochen. Das Obergericht habe nicht berücksichtigt, dass die Ergebnisse der DNA-Analyse infolge (fast) vollständigen Verbrauchs des Spurenmaterials nicht überprüfbar seien. Im Weiteren sei die Ermittlung der Wahrscheinlichkeit von 99,997 % bei einer Likelihood-Ratio von einem Mindestwert von 44'658 nicht nachvollziehbar. Dieser Wahrscheinlichkeitswert ergebe sich aus keinem Gutachten. Das Obergericht gebe denn auch nicht an, auf welche Aktengrundlage es sich stütze. Seine Feststellung sei daher willkürlich und aktenwidrig. Das Obergericht hat sich detailliert mit der Identifizierung von Straftätern mittels DNA-Profilen im Allgemeinen auseinander gesetzt; auf diese Darlegungen kann verwiesen werden. Ebenso hat es sich - im Rahmen des konkreten Einzelfalles - mit dem Beweiswert der vorliegenden DNA-Analysen und deren biostatistischen Wahrscheinlichkeitsauswertung befasst. Gestützt auf den vom IRM Bern ermittelten Likelihood-Quotienten von Werten zwischen 44'658 und 3'409'260'552'925 hat es für den kleinsten Wert eine Wahrscheinlichkeit von 99,997 % kalkuliert. Diese Berechnung erweist sich als richtig (1 : 44'658 = 0,000022392; 1 - 0,000022392 = 0,9999772 oder 99,997 %). Das Obergericht hat daher ohne weiteres annehmen dürfen, dass - im Vergleich zu fremden Personen - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der Spurengeberschaft des Beschwerdeführers auszugehen sei. Die diesbezügliche Kritik am angefochtenen Entscheid geht an der Sache vorbei. Ebenso wenig vermag der Beschwerdeführer aus der Tatsache, dass das IRM Bern anlässlich der ersten DNA-Untersuchung fast das ganze Spurenmaterial verbraucht hat, etwas zu seinen Gunsten abzuleiten. Einzuräumen ist, dass die mangelnde oder bloss beschränkte Überprüfbarkeit von Beweisergebnissen, welche die einzige bzw. vorwiegende Grundlage eines Urteils bilden, problematisch sein kann. Diesem Umstand ist daher bei der Beweiswürdigung Rechnung zu tragen, indem ein DNA-Untersuchungsergebnis nur bei eindeutig erkennbaren Ausschlüssen bzw. Identifikationen als Beweismittel anerkannt werden sollte (vgl. dazu Heinz Hausheer, Die Genanalyse zu Identifizierungszwecken im Straf-, Zivil- und Verwaltungsrecht, in: ZSR 117/1998 S. 449 ff., 461). Dies trifft auf den vorliegenden Fall zu: Die Ergebnisse der DNA-Analysen, das heisst die biostatistische Zuordnung der Tatortspuren zur Person des Beschwerdeführers, sind selbst unter Berücksichtigung der im Rahmen der Verwandteneinrede ermittelten Wahrscheinlichkeitswerte derart eindeutig, dass sich das Obergericht darauf ohne weiteres hat stützen dürfen. Der Beschwerdeführer verkennt, dass die im Gutachten des IRM Bern vom 12. Dezember 2003 ermittelte Mindestwahrscheinlichkeit von 96,337 % sich lediglich auf seine Spurengeberschaft im Verhältnis zu andern Verwandten bezieht, dies aber nichts daran ändert, dass er mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 99,997 % als Spurenleger in allen untersuchten Fälle anzusehen ist. Seine Rügen erweisen sich mithin als unbegründet. 3.2 Der Beschwerdeführer stellt sich ausserdem auf den Standpunkt, dass sämtliche Aussagen von Zeugen und Auskunftspersonen gegen seine Tatbeteiligung am Raubüberfall sprechen würden. Die Täter seien übereinstimmend als gross und schlank beschrieben worden; er sei jedoch von kleiner Statur. Ebenso entlaste ihn, dass die beiden aufgefundenen Arbeitskombis Kleidergrösse 54 aufwiesen, er aber lediglich Grösse 46 bis 48 trage. Schliesslich belegten der offizielle Passstempel der mazedonischen Behörden sowie die Bestätigung des Reisebüros, dass er sich am 25. November 2000, das heisst im Zeitpunkt des Raubüberfalls, in Mazedonien aufgehalten habe. Diese für ihn insgesamt positive Beweislage müsse auch Auswirkungen auf die andern ihm vorgeworfenen Delikte haben. Es sei willkürlich, wenn sich das Obergericht über diese für ihn günstigen Umstände hinwegsetze und ihn einzig gestützt auf die fragwürdigen Ergebnisse der DNA-Analyse verurteile. Im Rahmen seiner Beweiswürdigung hat das Obergericht erwogen, dass sich in allen Fällen, in welchen DNA-Tatortspuren sichergestellt worden seien, eine Übereinstimmung mit dem Profil des Beschwerdeführers ergeben habe. Diese Häufigkeit könne nicht auf Zufall beruhen. Der Umstand, dass die Täter des Raubüberfalles als über 180 cm gross beschrieben worden seien, vermöge den Beschwerdeführer nicht zu entlasten, handle es sich dabei doch um blosse Schätzungen. Hinzu komme, dass einer der beiden Täter eine Waffe in die Luft gehalten habe. Dies möge zu einer in der Angst verzerrten Wahrnehmung der Zeugen geführt haben. Ebenso wenig könne - unter Verweis auf den Polizeirapport vom 4. Januar 2001 - ausgeschlossen werden, dass mehr als zwei Täter am Werk gewesen seien. Aus diesem Grund vermöchten auch die aufgefundenen Overalls der Kleidergrösse 54 den Beschwerdeführer nicht zu entlasten. Schliesslich könne er auch aus der beigebrachten Passurkunde, welche seine Landesabwesenheit im Zeitpunkt des Raubüberfalles beweisen solle, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn es erscheine unglaubwürdig, dass sich der Beschwerdeführer erst jetzt und nicht spätestens nach Anklageerhebung an diesen ihn entlastenden Umstand erinnert haben solle. Das Obergericht hat nebst den Ergebnissen der DNA-Analyse auch die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Gesichtspunkte geprüft. Inwieweit diese Beurteilung willkürlich sein sollte, zeigt der Beschwerdeführer nicht auf. In Bezug auf die Überlegung des Obergerichts, es sei womöglich von einer Tätermehrheit auszugehen, bleibt zu erwähnen, dass auch der Polizeirapport vom 12. Oktober 2001 diese Annahme - zumindest indirekt - zu stützen vermag. Die Rügen des Beschwerdeführers erweisen sich insgesamt als unbegründet.