Citation: 4A_335/2024 E. 3.2.2

3.2.2. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin eine Verrechnungsforderung nicht bewiesen habe, wobei sie deren Beweisofferten ablehnte und die Ablehnung durch die Erstinstanz schützte. Sie erwog, z u den strittigen Behauptungen der Beschwerdeführerin betreffend die angebliche mündliche Vereinbarung "Mitte September" sei bereits deshalb kein Beweis zu führen, weil die Beschwerdeführerin diese Behauptung - soweit sie überhaupt schlüssig sei - nicht substanziiert habe. Aufgrund der Bestreitung durch die Beschwerdegegnerin hätte sie zumindest präzisieren müssen, wann genau das fragliche Telefonat stattgefunden und welchen Preis die Parteien insbesondere für die Masken des Typs "GM-03" vereinbart haben sollen. Die Beschwerdeführerin habe lediglich behauptet, sie habe die Beschwerdegegnerin "zu einem unbekannten Zeitpunkt" angerufen und ihr die "GM-03"-Masken zu einem Stückpreis von Fr. 0.38 angepriesen. Zudem habe sie der Beschwerdegegnerin diese Masken zum oben genannten Preis in Rechnung gestellt. Damit habe die Beschwerdeführerin selbst nicht behauptet, dass die Beschwerdegegnerin dem von ihr zu unbestimmter Zeit unterbreiteten Angebot überhaupt zugestimmt habe und dass damit eine Vereinbarung zustande gekommen sein soll. Angesichts der plausiblen - und unbestritten gebliebenen - Einwände der Beschwerdegegnerin, wonach kein Grund für ein Gegengeschäft bestanden habe, hätte die Beschwerdeführerin nachvollziehbar darlegen müssen, weshalb die Beschwerdegegnerin auf das angeblich vorgeschlagene Gegengeschäft hätte eingehen sollen. Auch in Bezug auf die Behauptungen der Beschwerdeführerin zur mündlichen Vereinbarung vom 15. Juni 2021 sei auf eine Parteibefragung zu verzichten. Es sei unbestritten und erstellt, dass die Beschwerdegegnerin ein allfälliges Gegengeschäft an den Nachweis der Lieferantin einer Mindesthaltbarkeit der Masken von sieben Jahren bis spätestens Mitte August 2021 sowie die Lieferung spätestens per Mitte September 2021 geknüpft habe. Die Beschwerdeführerin habe weder behauptet noch belegt, dass dieser Nachweis vorliegen würde. Sie habe zudem eingeräumt, dass der Liefertermin per Mitte September 2021 nicht eingehalten worden sei. Hingegen habe die Beschwerdeführerin nicht erläutert, weshalb das angeblich mündlich abgeschlossene Geschäft trotzdem zustande gekommen sein soll. Hinzu komme, dass die Beschwerdegegnerin in einem E-Mail vom 4. Juli 2021 bezüglich einer allfälligen "Spezialvereinbarung" nicht nur eine andere Anzahl Masken, sondern auch einen anderen Stückpreis als von der Beschwerdeführerin behauptet erwähnt habe. Die Beschwerdegegnerin habe im E-Mail festgehalten, dass sie (nur) 896'000 Masken zum Stückpreis von Fr. 0.28 übernehmen würde, falls die erwähnten Voraussetzungen erfüllt würden. Es sei unbestritten, dass die Beschwerdeführerin genannte E-Mail erhalten und ihr nicht widersprochen habe, was darauf hindeute, dass die von der Beschwerdegegnerin erwähnten Konditionen der tatsächlichen Vereinbarung entsprochen hätten. Andernfalls wäre eine Reaktion und Richtigstellung durch die Beschwerdeführerin zu erwarten gewesen. Diese habe, abgesehen von den beantragten Parteibefragungen, keinen Beweis offeriert, der für ihre Sachdarstellung sprechen würde. Namentlich fänden sich keine Urkunden, worin ein Gegengeschäft mit den von der Beschwerdeführerin behaupteten Konditionen erwähnt werde. Gemäss der unangefochtenen Sachverhaltsfeststellung der Erstinstanz habe die Beschwerdegegnerin jedes Telefonat und jedes persönliche Treffen im Anschluss an die mündlichen Verhandlungen schriftlich in einer Liefervereinbarung, einer Auftragsbestätigung oder zumindest einer E-Mail zusammengefasst und diese an die Beschwerdeführerin geschickt. Es wäre deshalb auch zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin die behauptete Vereinbarung dokumentieren könnte, wenn sie tatsächlich getroffen worden wäre. Selbst wenn also die von der Beschwerdeführerin zur Befragung offerierten Personen ihre Behauptungen bestätigen würden, vermöchte dies die gegenläufigen Indizien, insbesondere die unwidersprochene E-Mail vom 4. Juli 2021, nicht aufzuwiegen. In einer Parteibefragung könnten auch keine neuen Erklärungen dazu gewonnen werden, weshalb die E-Mail unbeantwortet geblieben sei. Die Parteibefragung vermöchte ebenso nichts an der erstellten Tatsache zu ändern, dass die von der Beschwerdegegnerin für ein allfälliges Gegengeschäft aufgestellten Voraussetzungen - der Nachweis der siebenjährigen Haltbarkeit der Masken bis Mitte August 2021 und die Lieferung bis Mitte September 2021 - nicht erfüllt worden sei und auch aus diesem Grund kein solches Gegengeschäft zustande gekommen sein könne. Die offerierte Parteibefragung sei deshalb nicht geeignet, das Zustandekommen eines mündlichen Vertrags über den Verkauf von 1 Mio. Masken des Typs "GM-02" zum Stückpreis von Fr. 0.35 zu beweisen. Folglich habe auf eine Parteibefragung zu den strittigen Behauptungen der Beschwerdeführerin verzichtet werden dürfen.