Citation: I 793/05 08.11.2006 E. 4

4.1 Nach der Rechtsprechung wird die Verfahrensgarantie von Art. 30 Abs. 1 BV (Art. 58 Abs. 1 aBV) und Art. 6 Ziff. 1 EMRK sinngemäss auch auf das Erfordernis der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit von Sachverständigen angewendet (BGE 126 III 253 Erw. 3c, 125 II 544 Erw. 4a, 120 V 364 Erw. 3a). Daraus ergibt sich ein Anspruch auf Unparteilichkeit, Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit gerichtlicher Experten. Ein Gutachter gilt als befangen, wenn Umstände vorliegen, welche geeignet sind, Misstrauen in seine Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung eines Experten nicht nachgewiesen zu werden, dass dieser tatsächlich voreingenommen ist. Es genügt, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung und Gewichtung solcher Umstände kann indessen nicht auf das subjektive Empfinden des Exploranden abgestellt werden. Das Misstrauen in den Experten muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen (BGE 120 V 365 Erw. 3a, 115 V 263 Erw. 5a mit Hinweisen; RKUV 1999 Nr. U 332 S. 193 Erw. 2a/bb; vgl. auch BGE 131 I 25 Erw. 1.1, 128 V 84 Erw. 2a, je mit Hinweisen). 4.2 Wie das kantonale Gericht zutreffend erwogen hat, lässt die Tatsache, dass ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wiederholt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird, rechtsprechungsgemäss nicht auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (RKUV 1999 Nr. U 332 S. 193 Erw. 2a/bb). Es verhält sich ähnlich wie in Bezug auf die medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS). Wenn selbst aus dem Umstand, dass ein Arzt oder eine Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, nicht auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit zu schliessen ist, kann dieser Vorwurf um so weniger gegenüber von freiberuflichen Experten erhoben werden, welche einzig zufolge ihrer Gutachtertätigkeit in Kontakt mit der IV-Stelle stehen. Entscheidend ist, dass fachlich-inhaltlich eine Weisungsunabhängigkeit der begutachtenden Ärzte besteht (BGE 123 V 175; SVR 2001 IV Nr. 14 S. 44 Erw. 3). Auch die Information der beiden zur Diskussion stehenden Ärzte über die Korrespondenz mit der IV-Stelle steht der Annahme eines fairen Abklärungsverfahrens nicht im Wege. Die Gutachter haben vielmehr ein Recht zu wissen, ob und gegebenenfalls aus welchem Grund ihre Unparteilichkeit in Frage gestellt wurde. Was sodann die behauptete Androhung negativer Folgen in Bezug auf die Invalidenrente durch die Praxishilfe des Dr. med. L.________ nach dem Nichterscheinen des Versicherten zum provisorisch vereinbarten Termin vom 18. November 2004 und ihre wiederholten Versuche, ihn in der Folge telefonisch zu erreichen betrifft, lässt sich daraus kein objektiv begründetes Misstrauen in die Unparteilichkeit einer medizinischen Beurteilung durch Dr. med. L.________ erblicken. Ebenso wenig lässt sich ein solches dem Schreiben des Arztes an die IV-Stelle vom 2. März 2005 entnehmen. Darin bestreitet dieser zudem, dass seitens seiner Praxis im Hinblick auf eine neue Terminvereinbarung Druck auf den Versicherten ausgeübt worden wäre oder ihm sogar negative Folgen angedroht worden wären. Völlig ins Leere stösst sodann der Einwand, Dr. med. L.________ habe dem Rechtsvertreter des Versicherten vorgeschlagen, ihn zum ärztlichen Untersuch zuzulassen, obwohl im Beisein einer Drittperson kein objektives Gutachten erstellt werden könne. 4.3 Zusammenfassend liegen somit keine Gründe vor, die auf mangelnde Objektivität und auf Voreingenommenheit der beiden Ärzte schliessen lassen, was bereits im Vornherein Zweifel am Beweiswert ihrer Gutachten rechtfertigen könnte. Diese werden vielmehr im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu prüfen und bei der Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs zu berücksichtigen sein. 4.4 Die Verletzung der Auskunfts- und Mitwirkungspflicht ist nur relevant, wenn sie in unentschuldbarer Weise erfolgt (Art. 43 Abs. 3 Satz 1 ATSG). Dies trifft nicht zu, wenn sich die versicherte Person aus psychogenen Gründen, die Krankheitswert haben, weigert, zu einer angeordneten Massnahme Hand zu bieten (EVGE 1962 S. 45 Erw. 2; Urteil W. vom 1. September 2006, I 371/05). Dass eine Begutachtung durch Dr. med. L.________ aus psychischen Gründen nicht zumutbar wäre, wird weder vom Versicherten geltend gemacht noch ergibt sich solches aufgrund der Akten. Der Antrag des Beschwerdeführers auf Rückweisung der Sache zur Bestimmung von neuen Experten durch das kantonale Gericht ist daher abzuweisen. 4.5 Was schliesslich den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorwurf der Rechtsverzögerung betrifft, weist die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung darauf hin, dass dieser Gegenstand eines anderen hängigen Beschwerdeverfahrens bilde, weshalb vorliegend nicht weiter darauf einzugehen ist. Allein die Tatsache, dass die Verwaltung ein zusätzliches Gutachten einholt, womit die versicherte Person nicht einverstanden ist, vermag keine Rechtsverzögerung zu begründen. Vielmehr entscheidet der Versicherungsträger im Rahmen der ihm obliegenden Leitung des Verfahrens zur Sachverhaltsabklärung, wie der Beweis zu führen ist.