Citation: 6B_1115/2021 E. 3.4

3.4. Die Tatbestände des Urkundenstrafrechts, wie die Unterdrückung einer Urkunde, bezwecken in erster Linie den Schutz der Allgemeinheit. Art. 254 StGB dient der Sicherung von Urkunden als Beweismittel zugunsten daran Berechtigter und schützt vor unbefugter Entziehung bzw. Beeinträchtigung der Beweisführungsmöglichkeit des Berechtigten mit dem spezifischen Beweiswert der Urkunde. Der Tatbestand dient dem Bestandesschutz von Urkunden. Neben der Allgemeinheit schützt er auch die Interessen des daran Berechtigten (zum Ganzen Urteil 6B_1228/2018 vom 4. März 2018 E. 1.2.1). Da Art. 254 StGB nicht in erster Linie Individualrechtsgüter schützt, sind die Beschwerdeführer nur dann Geschädigte i.S.v. Art. 115 Abs. 1 StPO, wenn die Beeinträchtigung ihrer Rechte unmittelbare Folge der tatbestandsmässigen Handlung der Beschwerdegegner war (vgl. E. 3.1 hiervor). Dies trifft nur dann zu, wenn die Beschwerdeführer den Prozess, in dem sie die fragliche Urkunde hätten einreichen wollen, zumindest mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aufgrund der angeblich unterdrückten Urkunde verloren hätten (vgl. zit. Urteil 6B_1228/2018 E. 1.2.1). Vorliegend verhielt es sich offenkundig nicht so. In E. 4.4 des von der Vorinstanz erwähnten Urteils 2C_561/2018 (vgl. E. 3.2 hiervor), hielt das Bundesgericht (sinngemäss) fest, dass das Verfahren selbst dann zu Ungunsten der Beschwerdeführer ausgegangen wäre, wenn die E-Mail als Beweismittel vorgelegen hätte. Folglich wurde die Beweisführungsmöglichkeit der Beschwerdeführer durch die angebliche Urkundenunterdrückung nicht beeinträchtigt, weshalb sie die Vorinstanz zu Recht nicht als Geschädigte Personen i.S.v. Art. 115 Abs. 1 StPO qualifizierte und ihnen die Beschwerdelegitimation absprach.