Citation: U 400/06 31.05.2007 E. 5

5.1 Nach eingehender Würdigung der medizinischen Akten, namentlich der Berichte des Dr. med. G.________ vom 27. August 2002, 31. Juli 2003 und 20. Juli 2005, des PD Dr. med. H.________ vom 9. Januar 2003, des PD Dr. med. H.________ vom 29. Oktober 2004, des Prof. Dr. med. M.________ vom 8. März 2005 und des Dr. med. E.________ vom 23. Juni 2005, gelangte die Vorinstanz zum Ergebnis, dass nach Massgabe des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die Kausalität zwischen dem Verkehrsunfall vom 14. Dezember 1999 und dem aktuellen Beschwerdebild, insbesondere den Veränderungen im mittleren BWS-Bereich, - auch im Sinne einer allenfalls möglichen Teilursache - dahingefallen bzw. der Zustand eingetreten sei, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf des bestehenden Vorzustandes (degenerative Prozesse) zwischenzeitlich so oder so eingestellt hätte (status quo sine). Die Leistungseinstellung durch den Unfallversicherer sei folglich nicht zu beanstanden. 5.2 Dieser Auffassung ist, wie nachstehend aufzuzeigen ist, beizupflichten. 5.2.1 Im Bericht des Spitals R.________ vom 15. Dezember 1999 war eine ungewöhnliche fokale Skoliose der mittleren BWS unklarer Bedeutung vermerkt worden. Primär habe man den Eindruck einer congenitalen Pathologie mit einem zu breiten Wirbelkörper (WK) respektive einem zu hohen BWK 6. Eine ossäre Läsion im Rahmen einer Fraktion sei aber formell nicht ganz auszuschliessen. Dr. med. W.________ führte in seinem Bericht vom 9. März 2000 aus, auf Grund der Röntgenbilder könne eine Wirbelkörperkompressionsfraktur im Brustbereich des sechsten und siebten Wirbels mit leichter Keilwirbelbildung und Asymmetrie des sechsten Wirbels nicht mit Sicherheit verneint werden. Er empfahl, um die Verdachtsdiagnose einer Wirbelkörperfraktur zu verifizieren bzw. auszuschliessen, eine Magnetresonanztomographie (MRT) der BWS. Die am 13. April 2000 durchgeführte MRT ergab gemäss gleichentags erstelltem Bericht des Dr. med. K.________ eine hyperkyphosierte BWS mit spondylotischen Abstützungsreaktionen sowie multiplen Schmorl'schen Einbrüchen an den Grund- und Deckplatten. Differentialdiagnostisch wurde ein Morbus Scheuermann als möglich angesehen. Des Weitern zeige sich bei BWK 7 ein etwa 1,3 cm messender Herdbefund, der wahrscheinlich traumatisch, im Sinne einer Infraktion bedingt sei. Der Befund wurde als kontrollbedürftig eingestuft (vgl. auch Bericht des Dr. med. W.________ vom 3. August 2000). Nach Vornahme einer weiteren MRT der BWS am 20. Oktober 2000 hielt Dr. med. K.________ bei im Übrigen unveränderten Verhältnissen fest, dass bezüglich des etwa 1,3 cm messenden Herdbefundes im ventralen Abschnitt des BWK 7, der posttraumatischen Ursprungs sein könne oder eventuell einem atypischen Hämangiom entspreche, keine Veränderungen eingetreten seien (vgl. auch Berichte des Dr. med. W.________ vom 24. Oktober 2000 und des Dr. med. G.________ vom 31. Januar 2001). Nach einer am selben Tag durchgeführten kreisärztlichen Untersuchung führte Dr. med. G.________ am 27. August 2002 aus, dass er - wie auch Dr. med. W.________ - eine nochmalige MRI-Untersuchung der BWS für angezeigt erachte. Insbesondere sei durch den Radiologen, eventuell unter Beizug des PD Dr. med. H.________ der Wirbelsäulen-Chirurgie des Spitals Z.________, zu klären, ob der radiologische Befund an BWK 7 als unfallbedingte Infraktion, als Status nach Morbus Scheuermann oder als benigner Tumor im Sinne eines Hämangioms zu werten sei. Während Dr. med. K.________ seinen bisherigen Befund (vom 20. Oktober 2000) nach erneuter MRT am 20. September 2002 bestätigte, kam PD. Dr. med. H.________ mit Bericht vom 9. Januar 2003 aus orthopädischer Sicht zum Schluss, dass die vom Patienten beschriebene Kombination der Schmerzen im Bereich der cranialen BWS und der Schulter - auch durch das erlittene Trauma - nicht erklärbar sei. Im Rahmen seines Berichtes vom 31. Juli 2003 wiederholte Dr. med. G.________ seinen Wunsch nach einer zusätzlichen MRI-Untersuchung der BWS und einer Vorstellung in der Wirbelsäulen-Sprechstunde bei PD Dr. med. H.________ zur Frage der Ursächlichkeit des Beschwerdebildes. Am 18. September 2003 erhob das Institut für Medizinische Radiologie des Spitals I.________ als Befund einen durchgemachten Morbus Scheuermann mit Hyperkyphosierung der BWS und erhebliche spondylotische Veränderungen. Dr. med. O.________ der Poliklinik für Wirbelsäulenchirurgie des Spitals Z.________ gelangte mit Bericht vom 10. Oktober 2003 zunächst zum Ergebnis, dass die segmentale Kyphosierung im cranialen BWS-Bereich die vorhandenen Symptome nicht zu erklären vermöchte. Am 14. Juli 2004 präzisierte er seine Ausführungen dahingehend, dass die festgestellten Veränderungen die Kriterien eines Morbus Scheuermann nicht erfüllten, wobei namentlich Hinweise auf Reaktivität fehlten. Inwieweit die dokumentierten Veränderungen Unfallfolgen oder degenerative Prozesse darstellten, sei aus seiner Sicht nicht konklusiv beurteilbar (vgl. auch Bericht des Dr. med. G.________ vom 24. August 2004). PD Dr. med. H.________ kam seinerseits aus wirbelsäulenchirurgischer Optik mit Bericht vom 29. Oktober 2004 zum Schluss, dass ausgewiesenermassen Veränderungen in den BWK 6 und 7 bestünden, welche aber sicher nicht auf ein Trauma zurückzuführen, d.h. nicht traumaassoziiert seien. Die Morphologie mit der festgestellten Endplattenunregelmässigkeit entspreche eher einer wachstumsbedingten, im weitesten Sinne "Scheuermann'schen" Veränderung. Prof. Dr. med. M.________ schloss eine neurologische Ursache des Beschwerdebildes gemäss Bericht vom 8. März 2005 aus, während Dr. med. E.________, nach Durchführung einer Thorax-Durchleuchtung mit Anfertigung einer Zielaufnahme der BWS, das Vorliegen eines Hämangioms auf Grund der Signaländerungen für extrem unwahrscheinlich beurteilte. Ein Status nach abgelaufener Knochenkontusion sei nicht mit letzter Sicherheit auszuschliessen (Bericht vom 23. Juni 2005). 5.2.2 Aus der dargelegten Aktenlage erhellt, dass sich der zunächst geäusserte Verdacht auf eine Wirbelkörperkompressionsfraktur im Brustbereich des sechsten und siebten Wirbels durch die anschliessenden Untersuchungen nicht erhärten liess. In der Folge stand die Frage im Mittelpunkt, ob der radiologische Befund an BWK 7 als unfallbedingte Infraktion, als Status nach Morbus Scheuermann oder als benigner Tumor im Sinne eines Hämangioms zu werten sei. Während das Vorliegen eines Hämangioms insbesondere durch Dr. med. E.________ praktisch ausgeschlossen wurde, liegen hinsichtlich des Bestehens eines "Scheuermann'schen" Beschwerdebildes unterschiedliche Auffassungen vor. Die Mitarbeiter des Instituts für Medizinische Radiologie des Spitalzentrums bejahten einen entsprechenden Befund und auch PD Dr. med. H.________ ordnete die Beschwerden im BWS-Bereich einer wachstumsbedingten Veränderung zu, welche im weitesten Sinne durch Symptome der "Scheuermann'schen" Krankheit gekennzeichnet sei. Dr. med. O.________ verneinte demgegenüber das Vorhandensein diesbezüglicher Kriterien. Was den unfallkausalen Charakter der Gesundheitsschädigung (im Sinne einer Infraktion) anbelangt, hielten die Dres. med. K.________, O.________ und E.________ einen solchen - neben anderen Erklärungsmodellen - für möglich bzw. schlossen ihn nicht völlig aus, wohingegen er aus orthopädischer (PD Dr. med. H.________) sowie neurologisch-neurochirurgischer Sicht (Prof. Dr. med. M.________) nicht als wahrscheinlich erwähnt wurde. Diese Aktenlage wie auch der Umstand, dass PD Dr. med. H.________ ein traumatisch bedingtes Beschwerdebild im BWS-Bereich aus wirbelsäulenchirurgischer Warte ausdrücklich negierte, lässt als überwiegend wahrscheinlich erscheinen, dass die festgestellten Veränderungen im oberen/mittleren BWS-Bereich entweder zu keinem Zeitpunkt unfallbedingt waren oder aber ihre kausale Bedeutung mittlerweile verloren haben, also dahingefallen sind und nunmehr der Zustand eingetreten ist, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf des bestehenden Vorzustandes zwischenzeitlich so oder so eingestellt hätte (status quo sine). Letztere Betrachtungsweise stünde denn auch im Einklang mit dem medizinischen Erfahrungssatz, gemäss welchem bei Unfällen ohne morphologische Schädigung der Wirbelsäule ein degenerativer Vorzustand durch den Unfall zwar erstmals manifest werden kann, die Chronifizierung der Beschwerden aber zunehmend auf andere, unfallfremde Faktoren zurückzuführen ist (Urteil des EVG U 496/05 vom 7. Dezember 2006, E. 3.2 in fine mit weiteren Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur). Dass die Ursache der - nach dem Gesagten als unfallfremd einzustufenden - BWS-Beschwerden diagnostisch nicht ohne weiteres erbracht werden kann, ändert an diesem Ergebnis ebenso wenig etwas (vgl. Urteil des EVG U 372/04 vom 4. Mai 2005, E. 2.2) wie der Einwand des Beschwerdeführers, er habe vor dem Unfall vom 14. Dezember 1999 nie (vgl. die Ausführungen des Dr. med. W.________ in dessen Berichten vom 23. Juni 2005 und 3. Februar 2006) bzw. nur einmal - nach einem Unfallereignis vom 8. November 1995 - an Beschwerden im Bereich der BWS gelitten (Verwaltungsgerichtsbeschwerde, S. 5 unten), sodass als hauptsächlicher Auslöser der gesundheitlichen Probleme einzig der Verkehrsunfall gelten könne, ohne welchen es nicht zu einer Veränderung, wenn auch möglicherweise degenerativer Art, gekommen wäre. Dabei wird verkannt, worauf bereits das kantonale Gericht hingewiesen hat, dass nicht jede nach einem Unfall aufgetretene gesundheitliche Störung - nach der Formel "post hoc, ergo propter hoc" - zwangsläufig auch als unfallbedingt zu qualifizieren ist (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 f.). Für die von Dr. med. W.________ mit Bericht vom 3. Februar 2006 vertretene Annahme, die Traumatisierung anlässlich des Unfallereignisses vom 14. Dezember 1999 habe zu einer richtungsgebenden Verschlechterung von vorbestehenden Veränderungen und damit zu seither persistierenden chronisch belastungsabhängigen Schmerzen im BWS-Bereich geführt, sind sodann im Lichte der übrigen ärztlichen Akten keine Anhaltspunkte ersichtlich, zumal (auch) der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc [mit Hinweisen] S. 353), wobei dieser Vorbehalt ebenfalls für einen Patienten über einen längeren Zeitraum regelmässig behandelnde Spezialärzte zu gelten hat (Urteil des EVG I 655/05 vom 20. März 2006, E. 5.4 mit Hinweisen). Der an gleicher Stelle angeführte Hinweis, wonach es nicht mit Sicherheit auszuschliessen sei, dass durch die moderate bis ausgeprägte Distorsion mit allfälliger Rotationskomponente Mikrofrakturierungen im Bereich der Boden- und Deckplatten bei vorgeschädigter WS (kongenital und/oder durch Morbus Scheuermann) aufgetreten seien, erscheint des Weitern zwar als mögliche, nicht aber als mit dem im vorliegenden Zusammenhang erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellte Sachverhaltsvariante. Ebenfalls nicht ersichtlich sind schliesslich entscheidwesentliche Zusammenhänge der zu prüfenden Beschwerden mit den vom Beschwerdeführer am 10. Dezember 1990 und 8. November 1995 erlittenen, bei der SUVA versicherten Unfällen. Da der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt nach dem Gesagten als hinreichend erstellt anzusehen ist und von weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind, kann auf Beweisergänzungen, insbesondere in Form der vom Beschwerdeführer beantragten Einholung eines polydisziplinären - namentlich rheumatologische und wirbelsäulenorthopädische Untersuchungen beinhaltenden - Gutachtens, verzichtet werden (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 130 II 425 E. 2.1 S. 428, 124 V 90 E. 4b S. 94).