Citation: U 16/06 29.11.2006 E. 3

3.1 Die für die Adäquanzbeurteilung massgebliche Vorgehensweise hängt in der dargestellten Konstellation davon ab, ob die Elemente dieses Beschwerdebildes gegenüber einer psychischen Symptomatik ganz in den Hintergrund getreten sind und gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb). Diesbezüglich fällt ins Gewicht, dass in der ersten Zeit nach dem Unfall eine schnelle Besserung der Beschwerden eingetreten ist und die Versicherte ihre Arbeit auch bereits am 2. Juli 2001 wieder zu 50 % aufnehmen konnte. Eine eigentliche medizinische Behandlung fand nach der Schmerzmittelabgabe am Unfalltag nicht mehr statt. Indessen unterzog sich die Beschwerdeführerin einer Physiotherapie, schon bald aber nur noch Craniosakral- und Feldenkrais-Therapien. Die beiden Therapeutinnen berichteten anfänglich über gute Fortschritte. Die in der Folge eintretende Stagnation und Verschlechterung führten beide unabhängig voneinander auf eine belastende Situation am Arbeitsplatz zurück. Auch Hausarzt Dr. S.__________ berichtet am 19. Juni 2002 über eine zunehmend psychische Belastung. Im Austrittsbericht der Reha Y.__________ vom 6. August 2002 werden einerseits die belastende Situation am Arbeitsplatz - welche von der Beschwerdeführerin als Mobbing-Situation beschrieben wird, die schon vor dem Unfall bestanden hatte - und andererseits die Unlust der Patientin zu körperlichen Trainings genannt, welche zur Aufrechterhaltung der von ihr beschriebenen Symptome auf körperlicher, psychischer/neurovegetativer und kognitiver Ebene beitragen. Als Hauptproblem wird ein Erschöpfungszustand beschrieben, welcher sich in den vorangegangenen Monaten aufgebaut habe. Bereits auf Grund der beim Rehabilitationsaufenthalt gewonnenen Erkenntnisse steht fest, dass nicht mehr die physischen Beschwerden das Krankheitsbild bestimmten. Eine im November 2002 erfolgte psychiatrische Begutachtung durch Dr. H.________ zeigte, dass die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden auf ein chronisches Schmerzsyndrom - nicht im Vordergrund stehend -, auf eine neuropsychologische Funktionsstörung - welche laut Austrittsbericht der Reha-Klinik Y.__________ nur diskret sei und nicht auf einer organischen Schädigung beruhe - und auf eine Angststörung zurückzuführen seien. Die von diesem Arzt empfohlene Psychotherapie wurde abgelehnt. Schliesslich kamen die Gutachter der MEDAS am 27. Juni 2005 zusammenfassend zur Erkenntnis, dass es hinsichtlich der aktuellen Beschwerden und im Krankheitsverlauf zu einer somatoformen Symptomausweitung gekommen sei. Neben einer gewissen Dekonditionierung und muskuloskelettalen Dysbalance, sowie degenerativen ossären Veränderungen, wirke vor allem die psychiatrische Problematik unterstützend und "triggernd" auf das Beschwerdebild ein. Auch die festgestellten neurokognitiven Defizite würden sich am ehesten auf dem Boden der komplexen psychischen Situation erklären. 3.2 Bei dieser Aktenlage, die insgesamt auf eine schon kurz nach dem Unfall einsetzende dominierende psychische Komponente der Beschwerden hinweist, hat das kantonale Gericht zu Recht erkannt, die Adäquanz sei nach der mit BGE 115 V 133 ff. eingeleiteten Rechtsprechung zu beurteilen. Auffallend ist diesbezüglich auch, dass die eigentliche medizinische Behandlung der Beschwerden nur kurz dauerte und sich gemäss Aktenlage in der Abgabe von Schmerzmitteln erschöpfte. Auch das spricht dafür, dass die psychische Komponente der Unfallfolgen schon bald in den Vordergrund getreten war. 3.3 Der Unfall, bei welchem die Beschwerdeführerin beim Abbiegen mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 15 km/h seitlich-frontal mit einem entgegenkommenden Auto kollidierte, ist den mittelschweren im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen (vgl. zur Praxis in vergleichbaren Fällen statt vieler RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2 [= Urteil A. vom 24. Juni 2003, U 193/01]). Demnach müssen die von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien (vgl. BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb) in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein. Dies trifft, wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat, für keines der massgebenden Kriterien zu. Die Adäquanz wurde daher zu Recht verneint. Zum gleichen Resultat führte im Übrigen die Adäquanzbeurteilung nach der Rechtsprechung bezüglich Unfällen mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle (BGE 117 V 366 Erw. 6a). Dabei könnten einzig das Kriterium der langen Dauer der Arbeitsunfähigkeit, welche gemäss MEDAS-Gutachten seit dem Unfall 50 % beträgt, und eventuell dasjenige der Dauerbeschwerden bejaht werden. Alle anderen Kriterien sind auch unter Ausserachtlassen einer Differenzierung zwischen psychischen und organischen Beschwerden nicht erfüllt, da insbesondere die ärztliche Behandlung nur kurz dauerte und sich in der Abgabe von Schmerzmitteln erschöpfte. 3.4 Nach dem Gesagten hat die Winterthur mit dem vorinstanzlich bestätigten Einspracheentscheid vom 4. Februar 2005 ihre Leistungen mit Recht auf den 30. April 2003 eingestellt. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist deshalb abzuweisen.