Citation: 6B_401/2007 08.11.2007 E. 7

7.1 Die Verminderung der Schuldfähigkeit ist allerdings unbeachtlich beziehungsweise bei der Strafzumessung nur in einem eingeschränkten Ausmass zu berücksichtigen, wenn eine "actio libera in causa" vorliegt (siehe bereits BGE 118 IV 1 E. 2). Zwar beruft sich die Beschwerdeführerin 1 nicht auf eine solche, doch ist die Frage als Rechtsfrage von Amtes wegen zu prüfen, nachdem das Ausmass der Strafminderung infolge der Verminderung der Schuldfähigkeit streitig ist. 7.2 Gemäss Art. 12 aStGB sind Art. 10 und Art. 11 aStGB nicht anwendbar, wenn die schwere Störung oder die Beeinträchtigung des Bewusstseins vom Täter selbst in der Absicht herbeigeführt wurde, in diesem Zustand die strafbare Handlung zu verüben. Nach der Rechtsprechung zu Art. 12 aStGB kann auch die darin nicht ausdrücklich geregelte fahrlässige "actio libera in causa" Einfluss auf die Relevanz der Schuldunfähigkeit beziehungsweise der verminderten Schuldfähigkeit haben (siehe im Einzelnen BGE 117 IV 292 E. 2; 120 IV 169 E. 2a). Die Verminderung der Schuldfähigkeit ist bei einer Vorsatztat im Fall einer fahrlässigen "actio libera in causa" zwar relevant, doch muss ihr nicht vollumfänglich strafmindernd Rechnung getragen werden, da immerhin eine fahrlässige "actio libera in causa" vorliegt (BGE 117 IV 292 E. 2b; zustimmend Felix Bommer, Basler Kommentar, StGB I, 2. Aufl. 2007, Art. 19 StGB N 108). 7.3 Der Beschwerdeführer 2 befand sich unabhängig von der Tatsituation bereits aufgrund seiner andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung in einem Zustand, in welchem gemäss dem psychiatrischen Gutachten sowohl seine Einsichtsfähigkeit als auch seine Steuerungsfähigkeit in mittlerem Grade herabgesetzt waren. Dem Beschwerdeführer 2 könnte somit höchstens vorgeworfen werden, dass er sich aus diesem Zustand schuldhaft in einen Zustand der Verminderung der Steuerungsfähigkeit in hohem Grade manövriert habe, indem er den Fluglotsen - ohne unterschwellige, latente Tötungsbereitschaft - mit dem unrealistischen Anliegen beziehungsweise Ansinnen aufsuchte, dass dieser sich entschuldige. Eine fahrlässige "actio libera in causa" könnte nur allenfalls angenommen werden, wenn zudem der Beschwerdeführer 2 bei pflichtgemässer Vorsicht hätte erkennen können, dass er im Zustand der schwer verminderten Steuerungsfähigkeit die vorsätzliche Tötung verüben würde. Dies ist indessen in Anbetracht der andauernden Persönlichkeitsänderung des Beschwerdeführers 2 und der daraus resultierenden Konsequenzen zweifelhaft. Zudem ist die Tat letztlich dadurch ausgelöst worden, dass die Fotos, welche die verstorbenen Angehörigen des Beschwerdeführers 2 in den offenen Särgen zeigten, zu Boden fielen. Diesen besonderen Geschehensablauf konnte der Beschwerdeführer 2 auch bei pflichtgemässer Vorsicht nicht voraussehen. 7.4 Selbst wenn man im vorliegenden Fall eine fahrlässige "actio libera in causa" zu einer Vorsatztat in verminderter Schuldfähigkeit annehmen wollte, könnte diese in Anbetracht der vorstehend genannten Umstände, die höchstens eine leichte Fahrlässigkeit zu begründen vermöchten, bei der Strafzumessung nur geringfügig zu Ungunsten des Beschwerdeführers 2 ins Gewicht fallen und hätte dies aus nachfolgenden Gründen im Ergebnis keinen Einfluss auf das Strafmass. Die Vorinstanz hat nämlich bei der Bemessung der Einsatzstrafe auf 18 Jahre straferhöhend berücksichtigt, dass objektiv gesehen auch der Anlass der Tat als nichtig bezeichnet werden müsse. Der Beschwerdeführer 2 habe gewisse - unter Berücksichtigung der äusseren Umstände absolut realitätsfremde - Erwartungen gehabt, wie sich der Fluglotse an jenem Abend ihm gegenüber hätte verhalten sollen. Als der Fluglotse sich nicht entschuldigt, sondern den Beschwerdeführer 2 abgewiesen habe, wobei in diesem Zusammenhang das Couvert zu Boden gefallen sei, welches - was der Fluglotse allerdings nicht habe wissen können - die Fotos der verstorbenen Angehörigen enthalten habe, habe der Beschwerdeführer 2 das Messer hervorgeholt und den Fluglotsen brutal niedergemetzelt. Mit diesen Ausführungen hat die Vorinstanz verschiedene Umstände bereits straferhöhend berücksichtigt, aus welchen sich allenfalls auf eine fahrlässige "actio libera in causa" schliessen liesse.