Citation: U 233/99 21.03.2000 E. 2

2.- a) Von keiner Seite in Frage gestellt wird, dass die somatischen Leiden des Beschwerdeführers - mit Ausnahme der vorbestehenden Chondromatose im linken Knie (vgl. insbesondere die Berichte des Dr. med. A.________, Rehabilitationsklinik X.________, vom 8. April 1993 und des Dr. med. S.________, Spezialarzt FMH für Chirurgie, SUVA Abteilung Unfallmedizin, vom 25. Oktober 1994) - wie auch das psychische Krankheitsbild in einem natürlich kausalen Zusammenhang zum Unfall vom 8. September 1992 stehen. Da praxisgemäss zur Bejahung der natürlichen Kausalität bereits eine Teilursächlichkeit des Unfalles genügt (BGE 121 V 329 Erw. 2a mit Hinweisen), ist dieser Betrachtungsweise zuzustimmen. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kritisiert wird indessen die Verneinung der Adäquanz hinsichtlich der psychischen Gesundheitsstörungen. b) Der Beschwerdeführer schlug anlässlich des Ereignisses vom 8. September 1992 seinen Kopf am Trittbrett eines heranrollenden Waggons an, wodurch er eine Rissquetschwunde erlitt und für einige Minuten das Bewusstsein verlor. In der Folge klagte der Versicherte erstmals am 12. Mai 1993 über Kopfschmerzen (Bericht des Kreisarztes Dr. med. C.________ vom 12. Mai 1993), am 7. und 13. Juli 1993 über Schwindelgefühle und Ohrengeräusche (Bericht des Dr. med. V.________, Neurologie, vom 28. Juli 1993) sowie am 5. Oktober 1993 über Lärmempfindlichkeit (Schreiben der Bahnhofinspektion R.________ vom 5. Oktober 1993). Konzentrationsstörungen erwähnte der Beschwerdeführer anfangs 1994 gegenüber den Dres. med. W.________ und F.________, Spital Y.________, Klinik für Orthopädische Chirurgie, (Bericht vom 6. Januar 1994) und eine Sehschwäche wurde anlässlich des Eintritts in die Rehabilitationsklinik X.________ am 23. Februar 1994 angegeben (Austrittsbericht der Dres. med. Z.________ und H.________ vom 13. April 1994). Angesichts des Unfall- sowie Beschwerdeverlaufs erscheint die Diagnose eines leichten Schädel-Hirntraumas, wie sie erstmals von Dr. med. S.________ in seinem Bericht vom 25. Oktober 1994 gestellt wurde, als glaubhaft. Auffällig ist indessen der Umstand, dass die zum typischen Beschwerdebild nach einer solchen Verletzung gehörenden Gesundheitsstörungen allesamt erst einige Zeit nach dem Unfallereignis aufgetreten sind. Auf die Äusserung des Beschwerdeführers gegenüber Dr. med. V.________ im Rahmen der Untersuchungen vom 7. und 13. Juli 1993, wonach er bereits seit dem Unfall unter Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Ohrengeräuschen, Lichtscheu und rascher Ermüdbarkeit leide, kann nicht abgestellt werden, da diese erst im Juli 1993 und mithin über zehn Monate nach dem Unfall erfolgte (Bericht des Dr. med. V.________ vom 28. Juli 1993). Ferner nahm Dr. med. B.________ gemäss seinen Angaben vom 20. Januar und 17. Mai 1993 bereits anfangs 1993 eine psychische Überlagerung der somatischen Leiden an, bevor die hievor aufgeführten Gesundheitsstörungen überhaupt erstmals vom Beschwerdeführer erwähnt worden waren. Zum gleichen Schluss gelangten die den Versicherten in der Folge behandelnden Ärzte, welche die geklagten körperlichen Beschwerden schon ab Mitte 1993 mit einer psychischen Fehlentwicklung in Zusammenhang brachten und übereinstimmend eine organische Ursache der genannten körperlichen Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verneinten (vgl. die Berichte des Dr. med. B.________ vom 28. Juni 1993, des Dr. med. V.________ vom 28. Juli 1993 und 22. April 1994, des Dr. med. I.________, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 27. September 1993 und der Dres. med. W.________ und K.________ vom 21. April 1994 sowie das Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle [MEDAS] Zentralschweiz vom 9. Juli 1996). Nach der klaren medizinischen Aktenlage kann mithin davon ausgegangen werden, dass zwar die zum typischen Beschwerdebild eines leichten Schädel-Hirntraumas gehörenden somatischen Beeinträchtigungen teilweise gegeben, diese indes nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit organischen Ursprungs sind und im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik ganz in den Hintergrund treten. c) Ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf sowie den erlittenen Verletzungen hat die Vorinstanz den Unfall vom 8. September 1992 im Rahmen der Einteilung, wie sie für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmen ist (vgl. BGE 117 V 366 Erw. 6a, 382 Erw. 4a, 115 V 138 Erw. 6), dem mittleren Bereich und innerhalb dieser Gruppe den mittelschweren bis schweren Unfällen zugeordnet. Dieses Vorgehen ist im Lichte der Rechtsprechung, wonach etwa der Fall eines Arbeiters, welcher von einem mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h vorbeifahrenden Lastwagen am Kopf getroffen und eine schwere Commotio cerebri erlitten hatte, als den Unfällen im schweren Bereich (nicht veröffentlichtes Urteil F. vom 17. Oktober 1989 U 53/86) und derjenige eines Zweiradfahrers, der von einem Personenwagen frontal erfasst, auf die Motorhaube gehoben und rund 22 m von der Kollisionsstelle weg auf das Trottoir geschleudert wurde, wobei er sich diverse schwere Verletzungen zuzog (nicht veröffentlichtes Urteil C. vom 23. Dezember 1991, U 90/90), als den schweren Fällen im mittleren Bereich zugehörig bezeichnet wurde, nicht zu beanstanden. d) Ob der adäquate Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich gemäss der in Erw. 1 hievor dargelegten Rechtsprechung mithin anhand der in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa aufgelisteten Kriterien. Wie im angefochtenen Entscheid mit Blick auf BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb zutreffend festgehalten wird, kann es in Fällen wie dem vorliegenden für die Bejahung der Adäquanz genügen, wenn ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder, sofern dies nicht zutrifft, mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden können. Besonders dramatische Begleitumstände des Unfalles liegen nicht vor. Obgleich auch ein nur kurzer Zeitraum des Gewahrwerdens der Bedrohung genügen kann, um von einer besonderen Eindrücklichkeit auszugehen, erweist sich das vorliegend zu beurteilende Unfallgeschehen bei objektiver Betrachtung nicht als derart gravierend, dass dieses Einzelkriterium rechtfertigte, die aufgetretene psychogene Fehlentwicklung als adäquat zu bezeichnen. Sodann handelt es sich bei der erlittenen Rissquetschwunde am Kopf mit Schädelprellung sowie dem Bruch des Beckenwirbels nicht um Verletzungen von besonderer Art oder Schwere. Was die Dauer der ärztlichen Behandlung anbelangt, war diese bis zum 8. April 1994 zumindest teilweise auf die Besserung der körperlichen Unfallfolgen gerichtet (vgl. den Austrittsbericht der Dres. med. Z.________ und H.________, Rehabilitationsklinik X.________, vom 13. April 1994), anschliessend indes nur noch durch die psychischen Leiden sowie unfallfremde somatische Störungen bedingt. Eine körperlich indizierte Behandlungsdauer von unter zwei Jahren kann angesichts der konkreten Umstände jedoch nicht als ungewöhnlich lang betrachtet werden. Auch Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit waren nicht von besonderem Ausmass, betonte der Hausarzt Dr. med. B.________ in seinem Bericht vom 20. Januar 1993 - mithin vier Monate nach dem Unfall - doch bereits die Angstgefühle des Beschwerdeführers sowie die darauf zurückzuführende, trotz des aus somatischer Sicht guten Heilungsverlaufs "grosse Mühe bei der Mobilisation". Über eine Arbeitsaufnahme in reduziertem Umfang wurde alsdann ab 13. April 1993 diskutiert (Bericht des Dr. med. A.________ vom 8. April 1993), wobei die SUVA die entsprechende Aufforderung - unter anderem nach gescheiterten Arbeitsversuchen - mehrmals zurücknahm. Aus allen ärztlichen Stellungnahmen geht ferner die psychische Überlagerung der Beschwerden hervor, welche bereits in einem frühen Zeitpunkt nach dem Unfall einsetzte (vgl. zum Ganzen BGE 123 V 141 Erw. 3d; RKUV 1998 Nr. U 307 S. 450 Erw. 3b). Des Weitern liegen hinsichtlich der somatischen Beschwerden keine Anzeichen für ärztliche Fehlbehandlungen mit einer Verschlimmerung der Unfallfolgen oder für einen schwierigen Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen vor. Mit der Vorinstanz kann lediglich das Kriterium der körperlich bedingten Dauerschmerzen - wenn auch nicht im geklagten Ausmass - bejaht werden. Demnach ist keines der von der Rechtsprechung für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges bei mittelschweren bis schweren Unfällen im mittleren Bereich geforderten Kriterien derart erfüllt, dass die Adäquanz des Unfalles hinsichtlich der psychischen Störungen bejaht werden könnte.