Citation: 2C_233/2021 E. 6.1.1

6.1.1. Der Grundsatz der Einheit der Rechtsordnung gebietet, sich widersprechende Entscheide im Rahmen des Möglichen zu vermeiden. Daraus abgeleitet wird beispielsweise, dass die Verwaltungsbehörde nicht ohne gewichtigen Grund von den Sachverhaltsfeststellungen oder den rechtlichen Würdigungen des Strafrichters abweichen soll (vgl. BGE 136 II 447 E. 3.1). Dem Grundsatz der Einheit der Rechtsordnung kommt namentlich im Schnittstellenbereich verschiedener Rechtsgebiete Bedeutung zu. Dort können sich fremdrechtliche Vorfragen stellen, welche nach einer einheitlichen, harmonisierenden Beantwortung rufen (BGE 143 II 8 E. 7.3). Nach der Rechtsprechung sind Gerichte und Behörden befugt, Vorfragen aus einem anderen Zuständigkeitsbereich zu beurteilen, solange die hierfür zuständigen Behörden und Gerichte im konkreten Fall noch keinen rechtskräftigen Entscheid gefällt haben (BGE 137 III 8 E. 3.3.1; 131 III 546 E. 2.3). Die Frage der Bindungswirkung von Entscheiden aus anderen Rechtsgebieten wird in der Rechtsprechung differenziert beurteilt. So wird teilweise die Bindung an einen rechtskräftigen Entscheid einer zuständigen Behörde grundsätzlich bejaht, soweit sich der jeweilige Entscheid nicht als nichtig erweist (vgl. den von der Vorinstanz zitierten BGE 108 II 456 E. 2; vgl. auch BGE 138 III 49 E. 4.4.3 betreffend die Bindung des Zivilrichters an Verfügungen von Verwaltungsbehörden). Zum Teil wird dieser Grundsatz auf Fälle eingeschränkt, in welchen der rechtskräftige Entscheid zwischen den gleichen Parteien erging (vgl. BGE 142 II 243 E. 2.3). Sodann gilt hinsichtlich der Bindungswirkung von Strafurteilen für Verwaltungsbehörden praxisgemäss, dass die Verwaltungsbehörde nicht ohne Not von den tatsächlichen Feststellungen der mit demselben Sachverhalt befassten Strafbehörde abweichen soll (vgl. BGE 139 II 95 E. 3.2; Urteile 2C_197/2021 vom 6. Mai 2021 E. 3.3.1; 2C_606/2020 vom 5. März 2021 E. 3.3.1). Mit Blick auf den Grundsatz der Einheit der Rechtsordnung und auf die Rechtssicherheit rechtfertigt es sich, von der grundsätzlichen Bindungswirkung eines rechtskräftigen Zivilurteils auszugehen, soweit die im aktuellen Verfahren betroffene Partei die Möglichkeit hatte, dieses anzufechten.