Citation: 6B_70/2023 E. 5.3

5.3. Der Zeuge H.________ wurde im Untersuchungsverfahren wiederholt befragt, dies auch am 14. Mai 2019 an einem geheimen Ort unter Zuschaltung des Verteidigers des Beschwerdeführers (angefochtenes Urteil E. 3.1.2.11 S. 88 ff.). Eine ausführliche Zeugenbefragung von H.________ fand zudem im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht statt (angefochtenes Urteil E. 3.1.2.12 S. 91 ff.). Zwar kommt dem Zeugen H.________ vorliegend ohne Zweifel eine wichtige Rolle zu. Auch geht es um schwere Straftaten. Zu berücksichtigen ist indes auch, dass die den Schuldsprüchen zugrundeliegenden Aussagen des Zeugen konstant sind und teilweise durch weitere Beweise bestätigt werden, so insbesondere im Fall Wettingen (vgl. nachfolgend E. 6). Der Beschwerdeführer behauptet zudem nicht, der Gestik und Mimik des Zeugen komme im vorliegenden Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. Entscheidend ist jedoch, dass der Zeuge H.________ im erstinstanzlichen Verfahren gerichtlich befragt wurde, das Amtsgericht die Aussagen des Zeugen als glaubhaft bezeichnete und der Beschwerdeführer gestützt darauf bereits erstinstanzlich zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Damit lag kein Fall einer im Berufungsverfahren zwingend von Amtes wegen erneut durchzuführenden unmittelbaren Beweisabnahme vor. Die Rechtsprechung hat wiederholt betont, dass eine erneute unmittelbare gerichtliche Befragung durch das Berfungsgericht in den in Art. 343 Abs. 3 StPO erwähnten Fällen nicht zwingend ist, wenn der Belastungszeuge zuvor bereits durch das erstinstanzliche Gericht einvernommen wurde (vgl. oben E. 5.5.2). Daran ändert vorliegend nichts, dass das Amtsgericht im Fall Wettingen noch zu einem Freispruch gelangte. Dies sowie die Gründe für diesen Freispruch thematisiert der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde als Begründung für eine erneute Zeugeneinvernahme denn auch nicht. Dem erstinstanzlichen Urteil kann entnommen werden, dass das Amtsgericht die Aussagen des Zeugen H.________ auch im Fall Wettingen als "nachvollziehbar, stringent und konsistent" und "im Gegensatz zu denjenigen der Beschuldigten" als glaubhaft qualifizierte (erstinstanzliches Urteil S. 52 f.). Gestützt darauf gelangte es bezüglich des Mitbeschuldigten G.________ zu einem Schuldspruch. Den Beschwerdeführer sprach es im Fall Wettingen, soweit aus dem erstinstanzlichen Urteil ersichtlich, lediglich deshalb frei, weil es die den Beschwerdeführer belastenden Aussagen des Zeugen H.________ zur vorgängigen Auskundschaftung des Juweliergeschäfts und die diese bestätigenden Aussagen von L.________ (vgl. nachfolgend E. 6.4.2 f.) gänzlich unberücksichtigt liess und es die Aussagen des Zeugen H.________ in Bezug auf die Tatbeteiligung des Beschwerdeführers mangels weiterer Beweise daher als "nicht eindeutig" erachtete (vgl. erstinstanzliches Urteil S. 52 f.). Insgesamt lag es vorliegend im Ermessen der Vorinstanz, ob sie in Anwendung des Unmittelbarkeitsprinzips eine erneute Befragung des Zeugen H.________ an der zweitinstanzlichen Gerichtsverhandlung als angezeigt erachtete. Da der Beschwerdeführer selbst im Berufungsverfahren keinen formellen Antrag auf eine gerichtliche Zeugenbefragung stellte, kann er der Vorinstanz nicht zum Vorwurf machen, eine solche sei zu Unrecht unterblieben. Offensichtlich unbegründet ist die Kritik des Beschwerdeführers, dies komme der Durchführung eines schriftlichen Verfahrens gleich, da der Beschwerdeführer selbst an der mündlichen Berufungsverhandlung anwesend war und sich das Berufungsgericht von ihm daher ein persönliches Bild machen konnte. Eine Verletzung von Art. 343 Abs. 3 StPO liegt entgegen der Kritik des Beschwerdeführers nicht vor.