Citation: 1P.732/2000 15.02.2001 E. 2

2.- a) Die Beschwerdeführer erachten die Ermittlung des zukünftigen Baulandbedarfs im Sinne von Art. 15 lit. b RPG als willkürlich. Sie beanstanden zwar nicht, dass die kantonalen Instanzen bei der Bedarfsberechnung die Trendmethode angewendet haben, bringen jedoch vor, dabei seien erhebliche Fehler gemacht worden. Bei einer korrekten Anwendung der Trendmethode ergäbe sich, dass die Baulandreserven der Gemeinde Röschenz für die nächsten 15 Jahre nicht ausreichten und somit die Einzonung der Parzelle Nr. 745 nicht gegen Bundesrecht verstosse. b) Das Bundesgericht erachtet die so genannte Trendmethode im Allgemeinen als zur Bestimmung des Baulandbedarfs geeignet. Danach wird der Baulandverbrauch der letzten 10 bis 15 Jahre mit den vorhandenen Baulandreserven verglichen und angenommen, die Entwicklung verlaufe in den nächsten 15 Jahren ähnlich; dabei werden zusätzliche, besonders entwicklungshemmende oder -fördernde Faktoren mitberücksichtigt. Im einzelnen Fall ist es jedoch nicht ausgeschlossen, aufgrund der konkreten Verhältnisse davon abzuweichen (vgl. BGE 116 Ia 339 E. 3b/aa S. 341). c) Der Regierungsrat ging in seinem Nichtgenehmigungsentscheid davon aus, dass die Gemeinde Röschenz eine Wohnbaureserve von 15,6 ha (Stand 1995) besitze. Den künftigen Baulandverbrauch für die nächsten 15 Jahre bis zum Ablauf des Planungshorizontes im Jahre 2013 schätzte er auf 10 bis 12 ha. Daraus ermittelte er einen Wohnbauzonenüberhang von ca. 3,6 ha. Der Regierungsrat ging bei seiner Berechnung von einer Zunahme der Bevölkerung von 26 Einwohnern pro Jahr, von 2,5 Einwohnern pro Wohneinheit und von einem Flächenverbrauch von 650 m2 pro Wohneinheit aus. Das Verwaltungsgericht schützte die regierungsrätliche Prognose. Die Beschwerdeführer bemängeln an dieser Berechnung, dass der Regierungsrat seinem Entscheid vom Mai 1999 nicht die aktuellen Verhältnisse, sondern jene des Jahres 1995 zugrunde gelegt habe. Der Trend des Bevölkerungswachstums sei einzig aufgrund der Bevölkerungsdaten bis 1995 berechnet und das mit dem Kantonswechsel am 1. Januar 1994 einsetzende erhebliche Bevölkerungswachstum sei nicht berücksichtigt worden. Die in 15 Jahren zu erwartende Einwohnerzahl von Röschenz und der damit zusammenhängende Baulandbedarf seien dadurch erheblich zu tief geschätzt worden. Der Regierungsrat habe zudem bei seinen Berechnungen den Baulandverbrauch der Jahre 1995 bis 1999 nicht miteinbezogen. Von den Baulandreserven des Jahres 1995 seien im Zeitpunkt des regierungsrätlichen Entscheides bereits fast ein Drittel verbraucht worden. d) Gemäss der Vernehmlassung der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft vom 11. Dezember 2000 bildeten Basis der Berechnungen der Gemeinde tatsächlich die Verhältnisse bis 1995. Die Gemeinde Röschenz hatte 1995 mit den Arbeiten an der Ortsplanungsrevision begonnen. Auch wenn sich der Regierungsrat hinsichtlich der vorhandenen Baulandreserven und der Bevölkerungsentwicklung als Ausgangspunkt an den Verhältnissen von 1995 orientierte, berücksichtigte er bei seinem Entscheid die spezielle Situation des Laufentals, d.h. die gesteigerte Attraktivität nach dem Kantonswechsel und dem Bau des "Grellingertunnels". Er hatte die Prognose des künftigen Bevölkerungswachstums regional abgestützt indem er die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung des Bezirks Laufental als Vergleichsgrösse miteinbezog. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung lässt zu, dass für die Ermittlung des Baulandbedarfs massgebend auf eine regionale Betrachtung abgestellt wird (BGE 118 Ia 151 E. 4d S. 158). Der Regierungsrat berücksichtigte ausserdem die verstärkte Bautätigkeit in Röschenz im Vergleich zum übrigen Laufental. Dass den Verhältnissen seit 1995 genügend Rechnung getragen wurde, kommt namentlich darin zum Ausdruck, dass der Regierungsrat den Flächenbedarf pro Wohneinheit bei 650 m2 ansetzte, obwohl dieser in Röschenz zwischen 1991 und 1995 durchschnittlich nur 520 m2 betrug und der Laufentaler Durchschnitt gar nur bei 408 m2 pro Wohneinheit lag. Der Vorwurf der Beschwerdeführer, der Regierungsrat habe die veränderte Situation seit dem Kantonswechsel gar nicht wirklich berücksichtigt, sondern sei auch bei den Prognosen für das gesamte Laufental von veralteten, auf 1995 basierenden Zahlen ausgegangen, ist nicht gerechtfertigt. Der Regierungsrat berücksichtigte die Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Laufental zwischen 1980 und 1998 (vgl. Vernehmlassung an das Verwaltungsgericht, S. 6). Auch das Verwaltungsgericht setzte sich mit den Verhältnissen seit 1995, insbesondere mit der Bautätigkeit und der Bevölkerungsentwicklung in Röschenz auseinander. Die Feststellung des Verwaltungsgerichts, dass die Bautätigkeit nach den beiden Boomjahren 1994 und 1995 wieder abgenommen habe, ist nicht aus der Luft gegriffen, wie die vom Verwaltungsgericht genannten Zahlen belegen. Den Beschwerdeführern ist insofern zuzustimmen, dass in Röschenz in den letzten Jahren nach wie vor eine rege Bautätigkeit zu verzeichnen ist. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll sich die Bauzone zwar nach der privaten Bauentwicklung richten; diese ist mit Rücksicht auf den Gesamtzusammenhang jedoch auch zu begrenzen. Eine private Nachfrage allein rechtfertigt noch keine Bauzonenerweiterung (vgl. BGE 116 Ia 339 E. 3b/aa S. 341). Das Verwaltungsgericht weist auch zu Recht darauf hin, dass die Bevölkerungsentwicklung in Röschenz seit 1995 nicht linear verläuft. Nachdem gemäss der Statistik im Jahre 1995 die Bevölkerung in Röschenz um 75 Personen gewachsen war, nahm sie 1996 bloss noch um 14 Personen zu. Es ist nicht zu beanstanden, dass die kantonalen Instanzen bei der Prognose der Bevölkerungsentwicklung Vorsicht walten liessen und auf eine längerfristige und regional abgestützte Entwicklung abstellten. Bei der Annahme der Beschwerdeführer, die Bevölkerung werde in den nächsten Jahren um 32 oder sogar um erheblich mehr als 32 Personen pro Jahr wachsen, handelt es sich eher um Maximalwerte. Es ist nicht willkürlich und liegt auch im öffentlichen Interesse der Verhinderung überdimensionierter Bauzonen, auf Durchschnitts- und regional abgestützte Werte und nicht auf Maximalwerte abzustellen. Zudem ist der geschätzte Flächenverbrauch von 650 m2 pro Wohneinheit sehr grosszügig bemessen und enthält eine beachtliche Reserve. Vergleicht man die 1995 bestehende Baulandreserve von 15,6 ha mit dem mutmasslichen Baulandverbrauch zwischen 1995 bis 2013 von 12,84 ha (26 Einwohner pro Jahr, 2,5 Personen pro Wohneinheit, 650 m2 pro Wohneinheit, auf 19 Jahre berechnet) so ergibt sich, dass die ausgeschiedene Bauzone ausreichend ist und zusätzliche Einzonungen nicht nötig sind und sogar gesetzeswidrig wären. Selbst bei der Annahme, dass die Bevölkerung um 29 Personen pro Jahr wüchse, was dem unteren Wert des regierungsrätlichen Scenarios "sehr starkes Wachstum" entsprechen würde, wäre die Baulandreserve ausreichend (mutmasslicher Baulandverbrauch: 14,3 ha). Die Beschwerdeführer bringen zudem vor, dass zur Zeit des regierungsrätlichen Entscheides bereits 4,3 ha, d.h. fast ein Drittel der Wohnbaureserve von 15,6 ha aus dem Jahre 1995 bereits verbraucht worden sei. Er stützt sich dabei auf die in der Vernehmlassung des Regierungsrates an das Verwaltungsgericht gemachte Feststellung, dass zwischen 1995 und 1998 66 Wohneinheiten erstellt worden seien. Aus den Akten lässt sich nicht entnehmen, wie gross der durchschnittliche Flächenverbrauch pro Wohneinheit in dieser Zeit war. Die Beschwerdeführer legen ihrer Rechnung einen geschätzten Maximalwert von 650 m2 pro Wohneinheit zu Grunde, was angesichts des durchschnittlichen Flächenverbrauchs pro Wohneinheit von 520 m2 in den Jahren 1991-1995 als hoch erscheint. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Baulandreserve zur Zeit des regierungsrätlichen Entscheides nur noch 11,3 ha betragen hätte, wäre diese bis zum Planungshorizont im Jahre 2013 ausreichend. Der voraussichtliche Baulandbedarf betrüge 10,1 ha (26 Einwohner pro Jahr, 2,5 Personen pro Wohneinheit, 650 m2 pro Wohneinheit, auf 15 Jahre gerechnet). Die Beschwerdeführer rügen schliesslich, dem Regierungsrat sei ein offensichtlicher Rechnungsfehler unterlaufen, welcher vom Verwaltungsgericht übernommen worden sei. Der Regierungsrat beziffere den voraussichtlichen Wohnungsneubau von 1995 bis 2015 korrekt mit 291 Wohneinheiten (bei einem Zuwachs von 32 Einwohnern = 12,8 Wohneinheiten pro Jahr, mit Berücksichtigung der 1995-1999 effektiv gebauten Liegenschaften). Bei der Rückrechnung der Anzahl der Wohneinheiten auf den Planungshorizont von 2013 habe der Regierungsrat statt die voraussichtlichen Wohneinheiten für 2 Jahre jene für 5 Jahre abgezogen und sei so auf 227, statt 265 Wohneinheiten für die Periode von 1995 bis 2013 gekommen. Werde mit 265 Wohneinheiten gerechnet, ergebe sich für die Jahre 1995 bis 2013 ein Flächenbedarf von 17,2 ha und somit ein Bedarfsüberhang von 1,6 ha. Es trifft zu, dass der Berechnung des Regierungsrates tatsächlich ein Rechnungsfehler zugrunde liegt. Zu beachten ist jedoch, dass sich die Beschwerdeführer wiederum auf - wenn auch vom Regierungsrat selber genannte - Maximalwerte stützten (32 Einwohner pro Jahr und 650 m2 pro Wohneinheit). Der Regierungsrat ging nur unter der Annahme, dass die Bevölkerung in Röschenz im Verhältnis zur Bezirksbevölkerung sehr stark wachsen würde von einer Bevölkerungszunahme von 29 bis 32 Einwohnern pro Jahr aus. Realistischer ist es, von einem Bevölkerungswachstum von 26 Einwohnern pro Jahr auszugehen. Daraus ergibt sich, dass die Feststellung der kantonalen Instanzen, die Baulandreserve von 15,6 ha (Stand 1995) reiche bis zum Ablauf des Planungshorizontes im Jahre 2013 aus, nicht offensichtlich unhaltbar ist. Prognosen erlauben von Natur aus keine sicheren und mathematisch genauen Aussagen über zukünftige Ereignisse. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ein Entscheid nicht schon dann willkürlich, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder sogar vorzuziehen wäre, sondern erst dann, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt sodann nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 125 II 129 E. 5b S. 134; 124 I 247 E. 5 S. 250; 123 I 1 E. 4a S. 5, mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall erweist sich die Ermittlung des Baulandbedarfs durch die kantonalen Behörden nicht als willkürlich. Sollten sich die Verhältnisse in Röschenz und in der Region Laufental in den nächsten Jahren erheblich verändern, sieht Art. 21 Abs. 2 RPG die Möglichkeit vor, den Nutzungsplan zu überprüfen und nötigenfalls anzupassen.