Citation: 5A_13/2024 E. 4.3.4

4.3.4. Die Beschwerdeführerinnen schildern, weshalb die Vorinstanz in Überschreitung ihres Interpretationsspielraums zu hohe Anforderungen an die Abänderung stelle und somit Bundesrecht verletze. Sie erläutern, weshalb der Beschwerdeführerin 2 nicht gedient und das Kindeswohl konkret und mit zunehmendem Alter immer stärker tangiert sei, wenn sie weiterhin von ihrer Mutter und ihrem Lebenszentrum in V.________ (SG) ferngehalten wird. Schon aus der "üblichen Lebenserfahrung" ergebe sich, dass sogar eine ernsthafte Gefährdung der Beschwerdeführerin 2 gegeben sei. Die Beschwerdeführerinnen betonen, dass ihrem Abänderungsbegehren entgegen dem angefochtenen Entscheid auch nicht die Gefahr von allzu häufigen Abänderungen entgegenstehe. Die Regelung der KESB stamme aus dem Jahr 2018 und sei seither gelebt worden; mittlerweile seien fünf Jahre verstrichen und die Beschwerdeführerin 2 zehn Jahre alt geworden. Es gehe um Anpassungen, die das Leben eines Kindes verlangen würde; seien Anpassungen einmal beantragt worden und würden die Gerichte für die Bearbeitung mehr als fünf Jahr benötigen, so könne nicht das Argument der "Änderungsanfälligkeit" bemüht werden, zumal das Wohlbefinden von Kindern je nach Familienkonstellation durchaus wiederkehrend in Frage gestellt sein könne. Die bisherige Kontaktregelung sei soweit tragbar gewesen, als die Beschwerdeführerin 2 noch klein war und sich ihre Wahrnehmung und ihre Bedürfnisse auf die Eltern beschränkte. Aus diesem Alter sei die Beschwerdeführerin 2 aber bereits bei Aufnahme des Verfahrens vor Kreisgericht heraus gewesen; mit inzwischen zehn Jahren sei sie es "definitiv". Mit Blick auf das vom Kantonsgericht erwähnte Kriterium der Dauerhaftigkeit insistieren die Beschwerdeführerinnen, dass die Beschwerdeführerin 2 ein Kind mit klaren Vorstellungen sei. Ihre Anliegen, die sie seit Jahren konstant und "absolut konsequent" zum Ausdruck bringe, seien dringend ernst zu nehmen; von einer kindlichen Laune könne nicht die Rede sein. Weiter argumentieren die Beschwerdeführerinnen, auch der ausgeprägte Elternkonflikt sei kein Grund, von der zu Art. 298d Abs. 2 ZGB bestehenden Praxis abzuweichen, wonach an die Anpassung von Kontaktregelungen aufgrund der laufenden Dynamik von heranwachsenden Kindern keine übermässigen Anforderungen gestellt werden. Die Voraussetzungen für eine Abänderung der Kontaktregelung (Art. 298d Abs. 2 ZGB) seien nicht gleich hoch wie diejenigen für eine Abänderung des Sorgerechts (Art. 298d Abs. 1 ZGB); dies ergebe sich daraus, dass das gemeinsame Sorgerecht "Gesetz" ist, die Kontaktregelungen jedoch nicht. Allein die "Abänderungsanfälligkeit", die eine grosszügige Handhabung bei der Abänderung mit sich bringe, berechtige das Gericht nicht, von der beschriebenen Unterscheidung abzusehen. Vehement wehren sich die Beschwerdeführerinnen gegen die vorinstanzliche Erwägung, wonach für die Beschwerdeführerin 2 nicht die Ausweitung der Betreuung an einzelnen Wochentagen oder Stunden, sondern die enge Bindung zu beiden Eltern und die Ruhe vor deren Konflikt im Vordergrund stehe. Der Vorinstanz werfen sie vor, einen gänzlich theoretischen Ansatz zu verfolgen und sich auf persönliche Ansichten zu stützen, ohne Abklärungen zum konkreten Fall vorzunehmen. Das Kantonsgericht irre sich, wenn es die gute Beziehung zu beiden Eltern als relevantes Kriterium für die Abänderung heranziehe; ebenso täusche es sich, wenn es das gute Verhältnis zu den Eltern als gesichert erachte, falls die bestehende Regelung bis zur Volljährigkeit weitergeführt wird. Entgegen dem angefochtenen Entscheid gehe es auch nicht um die Frage, ob eine Neuregelung der Betreuungsanteile eine Entspannung oder Verbesserung in der Kommunikation zwischen den Eltern bringe. Vielmehr gehe es um die Bedürfnisse der Beschwerdeführerin 2. Die Akten würden zu wenig darüber aussagen, wie es einem inzwischen zehnjährigen Kind geht, das in V.________ (SG) lebt und zur Schule geht, an den Wochenenden jedoch selten Gelegenheit hat, mit der Mutter entspannte Zeit zu verbringen, altersgerechten Aktivitäten wie einem Mannschaftssport mit Wettkämpfen nachzugehen, sich mit Gleichaltrigen zu treffen oder an örtlichen Anlässen teilzunehmen. Mit dem Fokus auf die gute Bindung zu beiden Eltern werde der Beschwerdeführerin 2 kein eigenständiges Leben zugestanden. Warum diese keine gute Bindung zum Vater haben kann, wenn sie vierzehntäglich zu ihm geht, werde von der Vorinstanz nicht dargetan. Mit ihren weitschweifigen Erörterungen halten die Beschwerdeführerinnen an ihrer schon vor der Vorinstanz vorgetragenen Argumentation fest, wonach der Altersfortschritt der Beschwerdeführerin 2 bzw. die damit einhergehenden üblichen Veränderungen ihrer Bedürfnisse, namentlich ihre zunehmende ausserfamiliäre Sozialisierung und ihre wachsenden schulischen Verpflichtungen, als Grund für die Abänderung der Wochenendbetreuung zu beachten seien. Damit verbindet sich die Unterstellung, dass das Kantonsgericht für die Beurteilung, ob "inzwischen" eine wesentliche Änderung der Verhältnisse im Sinne von Art. 298d Abs. 1 ZGB vorliegt, spätestens auf den Zeitpunkt seines eigenen Berufungsentscheides hätte abstellen müssen. Bei all dem begnügen sich die Beschwerdeführerinnen damit, dem angefochtenen Entscheid ihre eigene Sicht der Sach- und Rechtslage gegenüberzustellen. Mit ihrem Einwand, dass eine gute Beziehung zu beiden Eltern auch mit einer vierzehntäglichen Wochenendbetreuung beim Vater möglich sei, ignorieren sie, dass im Abänderungsprozess ausschliesslich zu prüfen ist, ob es sich angesichts veränderter Umstände unter dem Blickwinkel des Kindeswohls aufdrängt, auf die geltende Regelung zurückzukommen. Unzutreffend ist auch die Behauptung der Beschwerdeführerinnen, dass der faktische Ausschluss der Beschwerdeführerin 2 vom gesellschaftlichen Leben in V.________ (SG) durch die Vorinstanz "nicht behandelt" werde. Die Vorinstanz äussert sich zu diesen Befürchtungen; sie hält den Beschwerdeführerinnen entgegen, dass die negativen Mutmassungen über künftige Entwicklungen zu Unrecht die Beziehungen der Beschwerdeführerin 2 am Wohnort des Vaters ausser Acht lassen; Gleiches gelte für das Vorbringen, dass der Beschwerdeführerin 2 mit der geltenden Regelung "so viele Möglichkeiten" genommen würden, "ihr eigenes Leben aufzubauen". Damit mögen sich die Beschwerdeführerinnen ebenso wenig auseinandersetzen wie mit der vorinstanzlichen Erkenntnis, wonach angesichts der kurzen Zeitspanne zwischen dem Eintritt der Rechtskraft des Entscheids der KESB und dem neuen Vermittlungsbegehren (vgl. Sachverhalt Bst. A.b und B.a) unwahrscheinlich erscheine, dass neue Tatsachen entstanden sind, die eine Anpassung an veränderte Verhältnisse rechtfertigen und nicht bloss auf eine Korrektur des Entscheids der KESB abzielen. Dass gerade Letzteres für sie im Vordergrund steht, belegen die Beschwerdeführerinnen gleich selbst, wenn sie beteuern, dass ein schnelles Handeln angesichts der voraussichtlich langen Verfahrensdauer unumgänglich gewesen sei, um das Anliegen der Beschwerdeführerin 2, mehr Zeit mit der Mutter und in V.________ (SG) verbringen zu dürfen, "behördlich bearbeiten zu lassen". Auch mit ihren weiteren Beanstandungen vermögen die Beschwerdeführerinnen nichts auszurichten. Namentlich trifft es nicht zu, dass die Vorinstanz die Äusserungen der Beschwerdeführerin 2 als "kindliche Laune" abtut. Die fraglichen Passagen im angefochtenen Entscheid entstammen den allgemeinen (theoretischen) Erwägungen, in denen das Kantonsgericht die Voraussetzungen des Art. 298d ZGB erörtert. Entgegen dem, was die Beschwerdeführerinnen glauben machen wollen, kann auch nicht von einer "Praxis" gesprochen werden, wonach an die Anpassung von Kontaktregelungen keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind. Die Beschwerdeführerinnen nehmen damit Bezug auf eine im angefochtenen Entscheid zitierte Lehrmeinung, wonach an die Wesentlichkeit der Veränderung der Verhältnisse im Streit um die Obhut weniger strenge Anforderungen zu stellen sind als bei einem Wechsel der elterlichen Sorge, da die Besuchskontakte und Betreuungsanteile einer grösseren Dynamik unterliegen als die elterliche Sorge (BÜCHLER/CLAUSEN, in: FamKomm Scheidung, 4. Aufl., 2022, Bd. I, N 17 zu Art. 134 mit Art. 315a/b ZGB). Die oben resümierten Beanstandungen lassen den Bezug zum konkreten Fall vermissen, denn die Beschwerdeführerinnen zeigen nicht auf, inwiefern sich die Vorinstanz in der Ausübung ihres Ermessens vertut, wenn sie unter Hinweis auf den ausgeprägten Elternkonflikt nur mit Zurückhaltung auf die Betreuungsregelung zurückkommen will. Nichts gewonnen ist schliesslich mit den in der Beschwerde verbreitet enthaltenen theoretischen Überlegungen zur Frage, wie mit der "Integration der Kinder in gerichtlichen Verfahren umzugehen ist".