Citation: 2C_62/2018 E. 5.5

5.5. Nach dem Gesagten handelte es sich bei den Kühen "B.________" und "C.________" um Verdachtsfälle für Paratuberkulose gemäss Art. 238 Abs. 2 TSV (positiver Laborbefund), die sich mangels klinischer Anzeichen oder Befunde nicht bestätigen liessen (vgl. Art. 238 Abs. 4 lit. b TSV). Gemäss Art. 238 Abs. 3 TSV waren infolge der Verdachtsfälle die Absonderung der Tiere und ihrer saugenden Jungtiere, die Erstellung einer Verbringungssperre und die Entsorgung der Milch anzuordnen. Da die beiden Tiere indes nicht als verseucht gelten, fallen sie nicht unter die infolge des Anfang Februar 2016 festgestellten ursprünglichen Seuchenfalls mit Verfügung vom 15. Februar 2016 angeordnete Tötung und Entsorgung gemäss Art. 238a Abs. 1 lit. a TSV (vgl. Dispositivziffer V der Verfügung des Veterinätamts vom 15. Februar 2016). Dasselbe gilt für die saugenden Jungtiere dieser Kühe. An dieser Stelle ist daran zu erinnern, dass für die Annahme eines Seuchenfalls zwei kumulative Voraussetzungen gelten: einerseits das Vorliegen von klinischen Anzeichen oder pathologisch-anatomischen Veränderungen und anderseits der Nachweis des Erregers (vgl. Art. 237 TSV). Fehlt es an einer dieser Voraussetzungen, handelt es sich lediglich um einen Verdachtsfall gemäss Art. 238 TSV. Bei einem solchen werden ebenfalls Massnahmen ergriffen, die jedoch weniger weit gehen als diejenigen gemäss Art. 238a Abs. 1 TSV. Der vorinstanzlichen Argumentation, dass sich die Ergreifung der strengeren - über die in Verdachtsfällen (Art. 238 TSV) vorgesehenen Massnahmen hinausgehenden - seuchenpolizeilichen Massnahmen gemäss Art. 238a Abs. 1 i.V.m. Art. 237 Abs. 1 TSV auch rechtfertige, wenn die Tiere (wie "B.________" und "C.________") noch nicht in die klinische Phase übergetreten seien, sondern bislang einzig subklinisch intermittierend Erreger ausschieden, kann nicht gefolgt werden. Insbesondere kann die Zielsetzung der Tierseuchenverordnung, die Prävalenz von Paratuberkulose auf einem gleichbleibend niedrigen Stand zu halten und den betroffenen Betrieben zu helfen, nicht dazu führen, dass die in der Verordnung aufgestellten Regeln nicht mehr zu beachten wären. Hingegen war die Anordnung von Massnahmen gemäss Art. 238a Abs. 1 TSV - insbesondere das Verhängen einer Sperre 1. Grades und die Anordnung der klinischen Untersuchung der Mutterkuhherde und der Ziegen des Betriebs des Beschwerdeführers - vorliegend gerechtfertigt, da Anfang Februar 2016 unbestrittenermassen ein Seuchenfall aufgetreten war und eine erkrankte Kuh (CH xxx) hatte euthanasiert werden müssen.