Citation: 6B_430/2012 E. 3.4.2

3.4.2. Allerdings kann der Zeitablauf ein Strafmilderungsgrund sein. Gemäss Art. 48 lit. e StGB mildert das Gericht die Strafe, wenn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Ob diese Bestimmung auf die Einziehung respektive die staatliche Ersatzforderung analog anzuwenden ist, wenn und soweit diese strafähnlichen Charakter haben, kann hier dahingestellt bleiben. Vorliegend geht es um ungetreue Geschäftsbesorgung zum Nachteil einer privatrechtlichen juristischen Person und damit um ein Delikt gegen das Vermögen eines Einzelnen. Jedenfalls bei einer derartigen Straftat haben die Einziehung respektive die staatliche Ersatzforderung Ähnlichkeiten mit der zivilrechtlichen Schadenersatzpflicht, was sich auch aus Art. 70 Abs. 1 StGB ergibt, wonach eine Einziehung von Vermögenswerten nur anzuordnen ist, sofern diese nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes ausgehändigt werden. Für den Schadenersatz aus unerlaubter Handlung respektive ungerechtfertigter Bereicherung sieht das Obligationenrecht (Art. 41 ff., 62 ff. OR) indessen die Möglichkeit einer Reduktion zufolge Zeitablaufs nicht vor. Da die staatliche Ersatzforderung im vorliegenden Fall keinen strafähnlichen Charakter hat, kommt eine Reduktion in analoger Anwendung von Art. 48 lit. e StGB nicht in Betracht.