Citation: 6S.128/2004 15.06.2004 E. 3

Nach den Feststellungen der Vorinstanz hat sich die Beschwerde-führerin vor Einleitung des Überholmanövers wiederholt versichert, dass der notwendige Überholraum frei sei. Allerdings habe sie selber eingeräumt, dass sie den Motorradfahrer eigentlich hätte sehen müssen und dass sie ihre Aufmerksamkeit nicht nur dem Gegenverkehr, sondern auch dem zu überholenden Lernfahrer zugewandt habe, dessen Fahrweise sie als langsam und unsicher einstufte. Grundsätzlich sei nicht zu beanstanden, dass sie ihr Augenmerk auch auf den Lernfahrer gerichtet habe. Aber es gehöre zum autofahrerischen Allgemeingut, dass bei Überholmanövern auf kurvenreichen Überlandstrecken die weitaus grössere Gefahr vom Gegenverkehr drohe. Wer in einer solchen Situation die Aufmerksamkeit trotz der unterschiedlichen Gefahrenquellen eher einseitig auf die geringere Gefahrenquelle richte, handle tendenziell grob fahrlässig. Zum Unfallzeitpunkt habe eher reger Feierabend-verkehr geherrscht. Die Beschwerdeführerin kenne die Unfallstrecke, bei der es sich um eine recht kurvenreiche Strasse mit einer signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und nur wenigen grösseren Ausweichmöglichkeiten handle, recht gut. Sie habe denn auch ausgeführt, dass sie in den vier Jahren, in denen sie die Strecke als Arbeitsweg benutzte, nur zwei bis drei Mal überholt habe. Daraus könne geschlossen werden, dass sie sich wegen der konkreten Strassenführung der Gefahren bei Überholmanövern bewusst gewesen sei. Bei einer späteren Befahrung habe sie denn auch erkennen müssen, dass ein sich auf der Gegenfahrbahn befindliches Fahrzeug im Bereich der Unfallstelle aufgrund der Strassenführung kurzzeitig nur teilweise sichtbar ist (vgl. angefochtener Entscheid S. 7 - 9). Unter den gegebenen Umständen ist der angefochtene Entscheid bundesrechtlich nicht zu beanstanden. Zunächst ist es aufgrund der Feststellungen der Vorinstanz schon fraglich, ob an der kurvenreichen und nicht völlig übersichtlichen Unfallstelle, die aus der Gegenrichtung mit 80 km/h befahren werden durfte, bei regem Feierabendverkehr überhaupt gefahrlos überholt werden konnte. Dies war der Beschwerdeführerin nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz denn auch klar. Wenn sie sich bei dieser Sachlage wegen des zu überholenden und unsicher fahrenden Lernfahrers zudem auch noch nicht vollständig auf den Gegenverkehr konzentrieren konnte, hätte sie nicht überholen dürfen. Indem sie dies verkannte, handelte sie grob fahrlässig. Im Übrigen kann auf die zutreffenden rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. angefochtener Entscheid S. 9).