Citation: 6B_311/2019 E. 1.2

1.2. Zu den Aussagen von A.________ erwägt die Vorinstanz, dass deren Kernaussagen, wonach die Übergriffe grösstenteils drei- bis viermal pro Woche jeweils während dem Gutenachtritual geschehen seien und der Beschwerdegegner sie jeweils an den Brüsten und zwischen den Beinen streichelte oder massierte und ihr Küsschen in den Nacken, auf die Ohren und im Brustbereich gab, konstant geblieben seien. Auch habe A.________ durchgehend erklärt, dass die Berührungen des Beschwerdegegners grösstenteils sanft gewesen sein; Schmerzen habe er ihr nie verursacht. Er sei weder in sie eingedrungen noch habe er sie je auf den Mund geküsst. In Bezug auf diese Vorfälle, welche sich im Rahmen des Gutenachtrituals abgespielt haben sollen, seien die Aussagen von A.________ grösstenteils identisch und würden lebensnah wirken. Allerdings sei auch zu bedenken, dass gerade mit einer massvollen erweiterten Schilderung von alltäglichen Familienritualen Realität und Fiktion besonders einfach und auf den ersten Blick überzeugend mit sexuellen Grenzüberschreitungen verbunden werden könnten. In den Aussagen von A.________ gebe es denn auch verschiedene Widersprüche, die namentlich im Licht dieser Problematik zu besonderer Vorsicht mahnen würden. So habe A.________ gegenüber der Polizei erklärt, der Beschwerdegegner habe sie im ganzen Intimbereich und auch an der Klitoris massiert. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe sie hingegen erklärt, der Beschwerdegegner habe sie zwar zwischen den Beinen, aber nie im Intimbereich angefasst. Die Frage, ob er sie an der Vagina berührt habe, habe sie ausdrücklich verneint. Auf den Widerspruch angesprochen, habe sie erklärt, dass dies auch einmal vorgekommen sei, jedoch nach ihrer Einschätzung eher unabsichtlich. Einen weiteren Widerspruch erblickt die Vorinstanz darin, dass A.________ anfänglich erklärt habe, bei den Übergriffen den harten Penis des Beschwerdegegners gespürt zu haben. Bei der späteren Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft habe sie diese Ereignisse nicht geschildert bzw. die dahingehenden Fragen, ob sie den Penis gespürt habe, verneint. Auf die Diskrepanz angesprochen habe sie erklärt, es könne vielleicht sein, dass sie es einmal gespürt habe, aber heute sei ihr das nicht mehr so gross in Erinnerung geblieben. Ferner habe A.________ auf die Frage der Polizei, ob der Beschwerdegegner ihr gegenüber Gewalt angewendet habe, geantwortet, dass dies einmal der Fall gewesen sei. Er habe sie an den Haaren gerissen und an den Ohren gezogen, weil sie sich gewehrt habe. Er habe sie an den Haaren gepackt und daran gezogen. Sie habe zu ihm gesagt, er solle aufhören, und das habe er dann auch gemacht. Bei der Staatsanwaltschaft habe A.________ dies dann explizit verneint und ihre ersten Aussagen auf den Widerspruch angesprochen dahingehend relativiert, dass es nicht ein richtiges Ziehen, ein festes, gewesen sei, und das mit dem Ohr sei gewesen, als er sie am Nacken und den Ohren geküsst habe, da habe er dann auch gezogen. Dazu komme, dass A.________ in einem Fall auf Nachfrage eine Verbindung zu einem Alltagsritual herstelle, die so nicht überzeuge. So habe sie gegenüber der Polizei angegeben, die Übergriffe hätten jeweils in ihrem Zimmer stattgefunden; einmal sei es auch im Elternzimmer passiert. Die Übergriffe, die im Elternzimmer stattgefunden haben sollen, habe A.________ zeitlich am Mittag eingeordnet. In der staatsanwaltlichen Einvernahme habe sie von "am Nachmittag vielleicht" gesprochen. Auf die Frage, weshalb sie sich in das Zimmer des Beschwerdegegners begeben habe, habe sie jedoch zu Protokoll gegeben, sie hätten am Morgen immer so Spiele gemacht. Die Vorinstanz folgert daraus, dass A.________ den Beschwerdegegner konstant belastete und dabei auch gewisse Einzelheiten sowie Gedanken und Gefühle geschildert habe, die ihrer Darstellung Lebensnähe geben würden. Allerdings weise ihre Darstellung der sexuellen Übergriffe auch Widersprüche auf, die auf eine Dramatisierungstendenz hindeuten würden. Dies sei vorliegend besonders problematisch, weil die zur Diskussion stehenden sexuellen Übergriffe aus alltäglichen Familienritualen entstanden sein sollen und sich in diesem Bereich Realität und Fiktion relativ einfach zu einer vordergründig glaubhaften Darstellung verbinden liessen. Im Ergebnis hält die Vorinstanz fest, dass der Beschwerdegegner die Anklagevorwürfe konstant von sich gewiesen und das Gutenachtritual nachvollziehbar und im Wesentlichen im Einklang mit den übrigen Familienmitgliedern geschildert habe. Der Beschwerdegegner habe selber erklärt, dass er mit A.________ einen zärtlichen Vater-Tochter-Kontakt gepflegt habe. Ein sichergestelltes Video, welches die nackte A.________ in der Badewanne zeige, indiziere, dass er womöglich ein sexuelles Interesse an ihr hegte oder widerlege zumindest seine Angabe, dass er immer die nötige Distanz zu ihr gewahrt habe. Weder diese Aufnahme noch weitere Vorgänge im Bad seien aber Gegenstand der Anklage. Von der Videoaufnahme könne auch nicht ohne Weiteres darauf geschlossen werden, dass auch andere Grenzüberschreitungen sexueller Natur stattfanden. A.________ sei zwar während des gesamten Verfahrens bei ihren Belastungen geblieben, und ihre Darstellung könne auch nicht einfach als lebensfremd bewertet werden. Ihre Schilderung weise jedoch Widersprüche auf, welche - obwohl sie nur einzelne Elemente betreffen - auf eine Dramatisierungstendenz hindeuten würden, die zur Frage führe, ob nicht auch andere Teile der Schilderung nur teilweise realitätsbasiert seien. Realität und Fiktion könnten unter den konkreten Umständen relativ einfach zu einer glaubhaft wirkenden Schilderung sexueller Übergriffe verbunden werden. Eine zuverlässige Aussage darüber, welche Teile der Erklärungen von A.________ realitätsbasiert seien und welche allenfalls nicht, lasse sich unter diesen Umständen nicht machen. Die Widersprüche in den Aussagen von A.________ würden vor diesem Hintergrund so bedeutende Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Belastung begründen, dass der Beschwerdegegner in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo freizusprechen sei.