Citation: 1P.228/2005 20.04.2005 E. 4

4.1 Weiter bestreitet der Beschwerdeführer das Vorliegen von Kollusionsgefahr. 4.2 Kollusion bedeutet, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst, oder dass er Spuren und Beweismittel beseitigt. Die Untersuchungshaft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass ein Angeschuldigter die Freiheit dazu missbraucht, die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts zu vereiteln oder zu gefährden. Dabei genügt nach der Rechtsprechung die theoretische Möglichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren könnte, nicht, um die Fortsetzung der Haft unter diesem Titel zu rechtfertigen. Vielmehr müssen konkrete Indizien für eine solche Gefahr sprechen (BGE 128 I 149 E. 2.1 S. 151; 123 I 31 E. 3c S. 35, je mit Hinweisen). 4.3 Gegen das Vorliegen von Kollusionsgefahr bringt der Beschwerdeführer vor, die Strafuntersuchung stehe unmittelbar vor dem Abschluss. Es sei daher nicht ersichtlich, inwiefern er die Sachverhaltsaufklärung noch ernsthaft gefährden könnte. Auch bestehe kein Risiko, dass die Geschädigte ihre Aussagen auf sein Drängen hin widerrufen könnte, da keine weiteren Einvernahmen vorgesehen seien und nach dem zürcherischen Strafprozessrecht bei Delikten wie dem vorliegenden das Hauptverfahren nicht vom Unmittelbarkeitsprinzip beherrscht sei. 4.4 Nach Auffassung der Haftrichterin hat der Beschwerdeführer ein erhebliches Interesse daran, dass die Geschädigte den Vorwurf der Vergewaltigung zurücknimmt. Angesichts der nicht altersentsprechenden Entwicklung der Geschädigten, ihrer Scham und der Mühe, welche es ihr bereite, über die fraglichen Vorfälle zu berichten, sei es für den Beschwerdeführer leicht, sie dazu zu bringen, ihre Aussagen zu widerrufen. Der spezielle Haftgrund der Kollusionsgefahr sei somit nach wie vor gegeben. 4.5 Ob Kollusionsgefahr vorliegend bejaht werden kann, erscheint fraglich. Gerade weil die Geschädigte während den Einvernahmen Mühe hatte, sich zu den Vorfällen zu äussern, dürfte es für den Beschwerdeführer schwer sein, sie nochmals zu einem Gespräch über die ihm zur Last gelegten Straftaten zu bewegen. Auch ist davon auszugehen, dass die Eltern die noch unmündige Geschädigte davon abhalten werden, sich mit dem Beschwerdeführer zu treffen und auf sein Drängen einzugehen. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer bis zur Verhaftung in einem Zimmer oberhalb des Restaurantbetriebs wohnte, dürfte keine Rolle spielen, da ihm die Arbeitsstelle gekündigt wurde und er wohl kaum mehr im genannten Zimmer wird wohnen können. Im Übrigen hat das erkennende Gericht nach dem zürcherischen Strafprozessrecht jederzeit die Möglichkeit, im Untersuchungsverfahren vernommene Zeugen nochmals zu befragen, wenn es am Wahrheitsgehalt ihrer (widerrufenen) Aussagen zweifelt (vgl. § 280 Abs. 1 und § 285 StPO/ZH; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1997, N. 197). Das erkennende Gericht könnte die Geschädigte somit im Hauptverfahren nochmals einvernehmen, wenn es den Eindruck gewinnen sollte, der Beschwerdeführer habe sie zwecks Rücknahme belastender Aussagen unter Druck gesetzt. Auch unter diesem Blickwinkel erscheint eine Kollusionsgefahr als wenig wahrscheinlich. Die Frage kann dem Ausgang des Verfahrens entsprechend aber offen bleiben.