Citation: 6B_1019/2023 E. 2.1.5

2.1.5. Insoweit der Beschwerdeführer geltend macht, sich auf die Richtigkeit der Angaben im Amtsblatt verlassen zu dürfen und sich damit auf den Vertrauensschutz beruft, gilt Folgendes: Die öffentliche Bekanntmachung stellt ein Zustellungssurrogat in Fällen der Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der ordentlichen Zustellung dar. Die rechtmässige öffentliche Bekanntmachung schafft die Fiktion der Zustellung, das heisst die unwiderlegbare Vermutung, dass der Inhalt der Mitteilung dem Adressaten zur Kenntnis gelangt ist (SARARAD ARQUINT, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 1 und 8 zu Art. 88 StPO; BGE 148 IV 362 E. 1.2; Urteil 6B_931/2018 vom 9. April 2019 E. 1.3; vgl. auch Urteil 5A_515/2022 vom 10. Januar 2023 E. 3 zu Art. 66 Abs. 4 SchKG). Indes vermag vorliegend auch der Vertrauensschutz diese Wirkung nicht zu schaffen (vgl. oben E. 2.1.2). Wie dargelegt verdrängt Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO als Spezialbestimmung Art. 88 Abs. 1 StPO. Damit ist ausgeschlossen, dass im Anwendungsbereich von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO die Zustellfiktion greift. Analog zur Rechtsprechung, gemäss welcher der Vertrauensschutz kein vom Gesetzgeber nicht vorgesehenes und damit im konkreten Fall nicht gegebenes Rechtsmittel zu schaffen vermag (vgl. BGE 135 III 470 E. 1.2 S. 473; Urteil 6B_162/2019 vom 15. Mai 2019 E. 1.3.1; vgl. auch KATHRIN AMSTUTZ/PETER ARNOLD, in: Basler Kommentar Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, N. 11 zu Art. 49 BGG), vermag auch die amtliche Publikation einer Vorladung nicht die Wirkung der Zustellungsfiktion zu entfalten, wenn die öffentliche Bekanntmachung im konkreten Fall gesetzlich nicht vorgesehen ist. Damit hat der Beschwerdeführer auch keinen Nachteil erlitten, wenn die Vorinstanz das Verfahren (im Ergebnis zu Recht) gestützt auf Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO abschreibt.