Citation: I 312/02 05.12.2003 E. 4

Das kantonale Gericht stützte sich einerseits auf den Bericht des behandelnden Augenarztes Dr. med. C.________, vom 18. September 2000, wonach in therapeutischer Hinsicht als "einzige Möglichkeit" die "Katarakt-Operation beider Augen" in Frage komme, und andererseits auf die Angaben der Arbeitgeberin, welche ausführte, die Arbeitsleistung des A.________ habe "sich um etwa 1/3 reduziert, seitdem das Augenleiden bemerkt" worden sei. Weiter begründete das Gericht den angefochtenen Entscheid damit, gemäss Handelsregistereintrag ergebe sich aus dem Gesellschaftszweck der Arbeitgeberfirma, dass für den Versicherten "präzises mechanisches Arbeiten unabdingbar" sei. Unter Berücksichtigung der von der CSS in Auftrag gegebenen Erläuterungen des Dr. med. D.________, Chefarzt der Augenklinik am Spitals Z.________, vom 6. September 2001 schloss die Vorinstanz, A.________ sei zur Ausübung seiner Erwerbstätigkeit auf binokulares Sehen angewiesen. Dagegen wendet die IV-Stelle ein, gemäss Bericht des Dr. med. C.________ vom 2. Mai 2001 sei der Versicherte im Anschluss an die von der Invalidenversicherung übernommene Staroperation am rechten Auge und vor Durchführung desselben Eingriffs am linken Auge zwischen 13. Dezember 2000 und 11. März 2001 voll arbeitsfähig gewesen. Daraus sei ersichtlich, dass er trotz verbleibendem grauem Star auf dem linken Auge mit nur einem - nach der Entfernung des grauen Stars rechts - normalsichtigen Auge seine Erwerbstätigkeit ausüben könne. Zudem lasse der handelsregisterrechtlich verzeichnete Gesellschaftszweck der Arbeitgeberfirma keine Schlussfolgerungen auf die konkrete Berufsausübung eines bestimmten Arbeitnehmers in derselben Unternehmung zu. Durch Übernahme der Staroperation rechts habe die Invalidenversicherung den Erhalt der Erwerbsfähigkeit gewährleisten können. Zu prüfen ist demnach, ob gestützt auf die vorliegenden Akten die Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit des Versicherten beantwortet werden kann. 4.1 Das Eidgenössische Versicherungsgericht präzisierte seine Rechtsprechung zur Übernahme der Kataraktoperation am zweiten Auge (vgl. AHI 2000 S. 294) im Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02) dahingehend, dass die Staroperation am zweiten Auge (nach erfolgter Übernahme am ersten Auge) - bei Erfüllung der übrigen Voraussetzungen nach Art. 12 Abs. 1 IVG - nur dann als medizinische Eingliederungsmassnahme durch die Invalidenversicherung zu übernehmen ist, wenn aufgrund detaillierter Ermittlung der Tätigkeiten im Rahmen des ausgeübten Berufes für die visuell anspruchvollste dieser Tätigkeiten die Notwendigkeit des Binokularsehens aus augenärztlicher Sicht bejaht wird. In denjenigen Berufen, in welchen besondere medizinische Mindestanforderungen an die Sehfähigkeit ausdrücklich normiert sind, ist auf diese Visusgrenzwerte abzustellen, so dass sich in erwerblicher Hinsicht eine detaillierte Ermittlung der verschiedenen Tätigkeitsanteile erübrigt. 4.2 Den Akten ist nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen) zu entnehmen, welche konkreten Tätigkeiten A.________ im Rahmen seiner Berufsausübung zu verrichten hat. Es finden sich in den gesamten Akten keinerlei Angaben zu den einzelnen, von dem Mechaniker im Rahmen seiner Anstellung bei der Arbeitgeberin zu erfüllenden Aufgaben. Auch wenn der Versicherte gemäss Ausführungen der B.________ AG vom 30. Oktober 2000 vor der ersten Staroperation infolge des Augenleidens angeblich nur noch eine um etwa einen Drittel reduzierte Arbeitsleistung erbringen konnte, wies die Arbeitgeberin für die ersten zehn Monate des Jahres 2000 keine krankheitsbedingten Absenzen (auch nicht mit bloss teilweiser Arbeitsunfähigkeit) aus und benannte keine bestimmten Tätigkeiten, welche er wegen dem grauen Star nicht mehr hätte ausüben können. Unbekannt blieben auch die Arbeitsbedingungen insbesondere in Bezug auf die Grösse der zu bearbeitenden Einzelteile. Unklar ist sodann, ob - und gegebenenfalls in welchem Ausmass - A.________ einzelne Aufgaben mit anderen Mitarbeitern abtauschen kann. Die Verwaltung, an welche die Sache vorweg zu diesem Zweck zurückzuweisen ist, wird deshalb in geeigneter Form - z.B. durch Einholung eines Pflichtenheftes und Befragung der Arbeitgeberin - das Tätigkeitsspektrum des Versicherten abklären. 4.3 Steht fest, welches die visuell anspruchvollste Tätigkeit des A.________ ist, hat die IV-Stelle gemäss Präzisierungen im Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02) einen fachärztlichen Bericht zur diesbezüglichen Notwendigkeit des Binokularsehens einzuholen, der nicht allein auf die subjektiven Angaben des Versicherten abstellt, sondern vielmehr für die streitigen Belange umfassend ist, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wird und der konkreten medizinischen Situation Rechnung trägt (vgl. dazu BGE 125 V 353 Erw. 3a). Soweit der einseitige Ausfall der Sehfähigkeit durch Angewöhnung an den Verlust des stereoskopischen Sehens zumutbarerweise kompensiert werden kann (vgl. z.B. die viermonatige Wartefrist nach dem Verlust eines Auges in der Führerausweis-Kategorie B gemäss Anhang 1 zur Verordnung vom 27. Oktober 1976 über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr [VZV; SR 741.51]), hat dies der Augenarzt im Einzelfall zu berücksichtigen und dazu Stellung zu nehmen. Zusätzlich wird er die Frage betreffend die Auswirkungen von störenden Blendeffekten beantworten müssen. Erfolgt die augenärztliche Beurteilung dieser Fragen - wie hier - erst nach bereits durchgeführter Operation, sind sie medizinisch prognostisch aufgrund der Verhältnisse vor der fraglichen Operation (AHI 2000 S. 299 Erw. 2b mit Hinweisen) zu beantworten, wobei es zur Aufgabe des Arztes oder der Ärztin gehört, dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person ohne die am 13. März 2001 durchgeführte Staroperation am linken Auge arbeitsunfähig geworden wäre (vgl. BGE 125 V 261 Erw. 4 mit Hinweisen). 4.4 Weder der Bericht des Dr. med. C.________ noch die allgemein gehaltenen Ausführungen des Dr. med. D.________ genügen den dargelegten praxisgemässen (Erw. 4.3 hievor) Anforderungen an die medizinische Beurteilung der Notwendigkeit des Binokularsehens. Beide Augenärzte unterliessen es, differenziert zu den erforderlichen Aspekten der Notwendigkeit des Binokularsehens (Erw. 4.3 hievor) Stellung zu nehmen. Insbesondere fehlt es an einer Beantwortung der Frage nach der Angewöhnung und Anpassung an den funktionellen Verlust eines Auges in Bezug auf die behauptete Beeinträchtigung des stereoskopischen Sehens und die angeblich daraus resultierende Erhöhung der Unfallgefahr. 4.5 Fehlt es an den erforderlichen Grundlagen zur Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit des Versicherten (vgl. Erw. 4.2 hievor), sind der angefochtene Entscheid und die Verwaltungsverfügung, soweit das linke Auge betreffend, aufzuheben. Die Sache ist an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese bei den ergänzenden Abklärungen nach den Erwägungen Ziffer 4.1 bis 4.3 vorgehen und anschliessend über das Leistungsgesuch betreffend die linksseitige Kataraktoperation vom 13. März 2001 neu verfügen wird.