Citation: 6B_1462/2021 E. 1.3.2

1.3.2. Die Vorinstanz stellt als Berufungsgericht demgegenüber lediglich fest, in tatsächlicher Hinsicht sei erstellt und unbestritten, dass der Beschwerdeführer am 21. März 2018 um ca. 19:55 Uhr mit seinem Personenwagen auf der Bernstrasse in Rothrist gefahren sei. Nachdem er den Kreisel bei der Verzweigung Neue Industriestrasse und Oberwilerweg erreicht und passiert gehabt habe, habe er sein Fahrzeug "mit ca. 80 bis 90 km/h" beschleunigt und drei Personen- und einen an vorderster Stelle fahrenden Lastwagen mit Anhänger (Gesamtlänge des Anhängerzugs: 18,75 Meter) überholt, wobei er sein Überholmanöver erst in der folgenden Rechtskurve beendet gehabt hatte. Umstritten sei, wie gross beim Abschluss des Überholmanövers einerseits der Abstand zum entgegenkommenden Fahrzeug und andererseits zum überholten Lastwagen gewesen sei. In der Folge gelangt die Vorinstanz - abweichend von der ersten Instanz - zum Schluss, der Lenker des entgegenkommenden Fahrzeugs, B.________, sei aufgrund des Fahrverhaltens des Beschwerdeführers in seiner Fahrt behindert worden. Unerheblich sei, ob er aufgrund des Überholmanövers des Beschwerdeführers zuerst gebremst habe oder direkt ausgewichen sei, denn dies ändere nichts daran, dass der Beschwerdeführer die 2-Sekunden-Regel und somit den sicheren Abstand zum Gegenverkehr klar nicht eingehalten habe. Dadurch, dass der Beschwerdeführer sich vor dem Überholen mehrerer Fahrzeuge in einer langgezogenen Rechtskurve nicht pflichtgemäss vergewissert habe, dass die gesamte für den Überholvorgang notwendige Strecke frei sei und er den Gegenverkehr nicht behindere oder gefährde, habe er Art. 34 Abs. 3 und Art. 35 Abs. 2 SVG verletzt. Sodann habe er ebenso Art. 35 Abs. 3 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 3 SVG (Rücksichtnahme auf den Überholten) verletzt, da auch der Abstand zwischen ihm und dem überholten Lastwagen beim Wiedereinbiegen auf die rechte Spur klar ungenügend gewesen sei. Keine Rolle spiele im Anwendungsbereich von Art. 90 Abs. 2 SVG, ob es sich um eine vergleichsweise übersichtliche oder unübersichtliche Streckenführung gehandelt habe, ändere dies doch nichts daran, dass sich der Beschwerdeführer nicht darüber vergewissert habe, das Überholmanöver sicher und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu können. Dabei habe er aufgrund der Streckenführung zumindest damit rechnen müssen, dass bis zum Abschluss des Überholvorgangs unter anderem eines Lastwagens mit Anhänger ein entgegenkommendes Fahrzeug aus der Biegung heraus auftauchen könnte, wie das denn auch geschehen sei. Bei objektiver Betrachtung entspreche der zu beurteilende Sachverhalt mit massiver Unterschreitung des Sicherheitsabstands beim Überholen sowohl gegenüber dem Gegenverkehr als auch dem überholten Lastwagen einem objektiv schweren Verstoss gegen eine Verkehrsregel, wobei aufgrund des Verschlechterungsverbots offenbleiben könne, ob nicht gar eine qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG vorgelegen habe. Durch sein Verhalten habe der Beschwerdeführer sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 i.V.m. Art. 34 Abs. 3 SVG und Art. 35 Abs. 2 SVG erfüllt.