Citation: 1A.104/2001 15.03.2002 E. 2

2. Das Kraftwerksunternehmen ist ohne Anspruch auf Entschädigungsleistungen verpflichtet, die zur ökologischen Aufwertung der aquatischen Lebensräume erforderlichen Staukotenabsenkungen und -anhebungen zu den festgelegten Zeiten vorzunehmen. 3.2 Die Rekurskommission hat in ihrem Entscheid festgehalten, dass die Stauhaltung generell und speziell auch beim Kraftwerk Eglisau negative Aus-wirkungen auf den Lebensraum von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten habe, dies vor allem als Folge des mangelnden Geschiebehaushalts. Es bestehe Einigkeit darüber, dass das Problem des Geschiebehaushaltes angegangen werden müsse. Unstreitig sei ferner, dass die Absenkung des Staupegels grundsätzlich ein taugliches Mittel zur Reaktivierung des Geschiebehaushalts sei: Die eingeholten Gutachten hätten ergeben, dass eine periodische Staupegelabsenkung um 4,2 - 4,5 m an durchschnittlich 9 Tagen pro Jahr nötig und ausreichend sei, damit das in Eglisau anfallende Geschiebe von Thur und Töss nach 15 Jahren praktisch vollumfänglich durch das Wehr transportiert werde. Die Rekurskommission ging allerdings davon aus, dass die Entscheidgrundlagen für die konkrete Anordnung einer Staupegelabsenkung heute noch fehlen und das Problem des mangelhaften Geschiebehaushalts nur koordiniert, unter Einbezug der gesamten Kraftwerkskette am Hochrhein, angegangen werden könne. Hierzu bedürfe es auch der internationalen Koordination. Bisher sei über die negativen Auswirkungen von Staupegelabsenkungen - sowohl bezogen auf das Kraftwerk Eglisau, als auch bezogen auf die übrigen Kraftwerke des Hoch- bzw. des Oberrheins - noch zu wenig bekannt. Das UVEK habe deshalb zu Recht mit seinem Entscheid nicht zugewartet, bis es selbst die konkrete Anordnung von Staupegelabsenkungen habe erlassen können, sondern habe die vom Gesetzgeber zugelassene Möglichkeit genutzt, diese Frage im Verfahren zweiter Stufe, d.h. im Baubewilligungsverfahren, zu prüfen. Die Beschwerdeführer vertreten die Auffassung, dass die noch erforderlichen Abklärungen im Konzessionsverfahren selbst durchgeführt werden könnten und müssten. Sie bestreiten auch, dass mit der Anordnung von Staupegelabsenkungen in Eglisau solange zugewartet werden müsse, bis die Behörden sämtliche Kraftwerke koordiniert hätten: Nach Auffassung der Experten werde es rund 15 Jahre dauern, bis das Geschiebe von Tuhr und Töss das Wehr Eglisau passiere. Die unterliegenden Kraftwerke würden somit vorderhand nicht mit dem Geschiebeproblem, sondern nur mit einer zusätzlichen Wassermenge konfrontiert, die jedoch nicht ins Gewicht falle, da Staupegelabsenkungen sowieso bei natürlichen Hochwasserereignissen durchgeführt werden müssten. Selbst wenn es im Kraftwerk Reckingen nicht möglich sein sollte, das nach Ablauf von 15 Jahren aus der Stauhaltung Eglisau anfallende Geschiebe weiterzuleiten, wäre es ohne weiteres möglich, bis zu diesem Zeitpunkt den Geschiebebetrieb in der Konzessionsstrecke der Beschwerdegegnerin zu reaktivieren und damit den Lebensraum Gewässersohle massgeblich aufzuwerten. 3.3 Gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 und lit. c BGF müssen die zur Erteilung der fischereirechtlichen Bewilligung zuständigen Behörden Massnahmen vorschreiben, die geeignet sind, günstige Lebensbedingungen für die Wassertiere zu schaffen, u.a. hinsichtlich der Beschaffenheit der Sohle und zur Ermöglichung der natürlichen Fortpflanzung. 3.3.1 Es ist unbestritten, dass die Stauhaltung am Hochrhein (insgesamt 11 Kraftwerke zwischen Bodensee und Basel) zu einer massiven Veränderung der Flusssohle geführt hat: In den Stauhaltungen wird die Fliessgeschwindigkeit reduziert mit der Folge, dass die Kiessohle durch grosse Sandablagerungen überdeckt wird; in den schneller fliessenden Abschnitten wird alles Feingeschiebe ausgeschwemmt, so dass sich die Flusssohle zunehmend aus einheitlichen grossen Steinen zusammensetzt. Dies führt zu einer Ausräumung, Vergröberung und Verdichtung (Kolmation) der Rheinsohle; Geschiebeumlagerungen, die Bildung und die Erosion von Kiesbänken und Inseln finden nicht mehr statt. Das Vorhandensein von lockerem Geschiebe ist jedoch eine zentrale Voraussetzung für einen intakten Lebensraum vieler im Rhein lebender Tier- und Pflanzenarten: Dazu gehören namentlich die kieslaichenden Fischarten, die als Laichplätze flach überströmte, gut mit Sauerstoff versorgte Kiesbänke benötigen. Im Lückensystem des Geschiebes siedeln auch Kleinlebewesen, die den Fischen als Nahrung dienen. Zudem bieten trockenfallende Kiesbänke und -inseln Lebensraum für bestimmte auentypische Tier- und Pflanzenarten (vgl. Schälchli & Abegg, Geschiebetransport Stauhaltung KW Eglisau, Hydrauliche und geschiebemechanische Machbarkeitsstudie betreffend den Geschiebetransport durch das Stauwehr Eglisau bei Hochwasserabfluss durch periodische Staupegelabsenkungen vom 16. Dezember 1997 [im Folgenden: Studie 1997], S. 1; Schälchli, Abegg & Hunzinger/Universität Karlsruhe, Institut für Wasserwirtschaft und Kulturtechnik, Geschiebehaushalt Hochrhein, Bericht vom 5. Juli 2000 [im Folgenden: Bericht 2000], S. 1 und 4 ff.). 3.3.2 Das Kraftwerk Eglisau ist für den Geschiebehaushalt als besonders ungünstig einzustufen: Der Aufstau dieses Kraftwerks verhindert den Weitertransport des Geschiebes aus der Thur, dem wichtigsten Geschiebezubringer des Hochrheins, und der Töss. Seit der Inbetriebnahme des Kraftwerks wird fast alles anfallende Geschiebe an den Mündungen gebaggert. Aus betrieblichen Gründen wird zudem auch das Geschiebe aus der Glatt, die etwa 200 m unterhalb des Kraftwerks in den Rhein mündet, teilweise entnommen (Bericht 2000 S. 17 und 31). Unterhalb der Kraftwerke Eglisau und Reckingen befindet sich bei Zurzach die längste noch erhaltene freie Fliessstrecke des Hochrheins. Der Expertenbericht kommt deshalb zum Ergebnis, dass Massnahmen im Bereich der Kraftwerke Eglisau und Reckingen den übergeordneten Geschiebehaushalt am nachhaltigsten beeinflussen würden, und zwar sowohl hinsichtlich der Grösse der Geschiebefracht als auch für die Länge der beeinflussbaren Strecke (Bericht 2000 S. 77). Insofern ist mit der Rekurskommission davon auszugehen, dass Massnahmen zur Verbesserung des Geschiebetransports in Eglisau angeordnet werden müssen, um die mit der Stauhaltung verbundenen Nachteile für die Flora und Fauna des Rheins zu vermindern. Dies entspricht auch Art. 3 Abs. 1 lit. c und d des (noch nicht in Kraft getretenen) Übereinkommens zum Schutz des Rheines, wonach die nachhaltige Entwicklung des Ökosystems Rhein anzustreben ist, insbesondere durch die Erhaltung, Verbesserung und Wiederherstellung der natürlichen Fliessgewässerfunktion, die Sicherung von Abflussverhältnissen, die dem natürlichen Geschiebebetrieb Rechnung tragen und die Wechselwirkungen zwischen Fluss, Grundwasser und Aue begünstigen; anzustreben ist ferner die Erhaltung, Verbesserung und Wiederherstellung möglichst natürlicher Lebensräume u.a. im Sohlenbereich (vgl. hierzu auch das auf der Rheinministerkonferenz vom 29. Januar 2001 in Strassburg verabschiedete Programm zur nachhaltigen Entwicklung des Rheins "Rhein 2020" S. 8 und den Arbeitsplan bis 2005 S. 13 [http://www.iksr.org]). 3.3.3 Der Expertenbericht vom 5. Juli 2000 (S. 82 ff.) prüft drei Varianten zur Verbesserung des Geschiebetransports im Bereich der Kraftwerke Eglisau und Reckingen (Abschnitt Kaiserstuhl): - Variante 1 sieht vor, dass das Geschiebe wie bisher an den Mündungen von Thur und Töss gebaggert und im Unterwasser des Kraftwerks Reckingen gesamthaft oder teilweise wieder in den Rhein zurückgegeben wird (bzw. das gebaggerte Geschiebe verkauft und mit dem Erlös Beschickungsmaterial aus einer Kiesgrube in der Nähe des Kraftwerks Reckingen gekauft wird); - bei Variante 2 wird das Geschiebe aus Thur und Töss nicht mehr gebaggert, sondern durch die Stauhaltungen der Kraftwerke Eglisau und Reckingen transportiert; hierzu müsste in Eglisau an durchschnittlich 9 Tagen im Jahr eine Stauabsenkung von 4,2 bis 4,5 m vorgenommen werden; im Kraftwerk Reckingen würde eine Absenkung von 1 bis 3 m ausreichen; - Variante 3 ist eine Kombination der Varianten 1 und 2, d.h. die Geschiebeablagerungen zwischen der Thurmündung und Rüdlingen werden in einer einmaligen und letzten Aktion gebaggert und im tieferen Stauraum verklappt; im Übrigen erfolgt der Geschiebetransport durch periodische Staupegelabsenkungen. 3.3.4 Die von den Beschwerdeführern bevorzugten Varianten 2 und 3 haben den Vorteil, dass sie einen vollständigen Transport des Geschiebes aus Thur und Töss bis in die freie Fliessstrecke bei Zurzach bewirken würden, ohne dass hierfür - wie bei Variante 1 - Baggerungen und eine Vielzahl von Lastwagenfahrten nötig wären. Allerdings bestehen, worauf die Beschwerdegegnerin und die beteiligten Behörden zu Recht hinweisen, noch viele offene Fragen hinsichtlich der Auswirkungen von periodischen Stauabsenkungen (vgl. hierzu Bericht 2000 S. 86 ff.; Studie 1997 S. 33 ff.). Zu nennen sind insbesondere: - die Gefahr von Uferabbrüchen: Während der temporären Stauabsenkungen entsteht ein Gefälle zwischen dem Grundwasser- und dem Rheinspiegel, was zu einer verstärkten Sickerströmung vom Grundwasserträger in Richtung Rhein führen kann. Unverbaute Böschungen können dadurch destabilisiert werden und abrutschen. Die durch die Stauzielabsenkung ausgelöste Erhöhung der Fliessgeschwindigkeit unterstützt diesen Prozess und kann unabhängig davon zu Ufererosionen führen. Rutschgefährdet ist insbesondere der linksufrige Hang aus Terrassenschotter vor der Brücke Eglisau, wo wenige Meter von der Hangkante zurückversetzt mehrere Mehrfamilienhäuser stehen (Bericht 2000 S. 87 f.). - der Hochwasserschutz: Bei Stauabsenkungen in Hochwasserperioden besteht die Gefahr, dass Hochwasserspitzen des Rheins verstärkt werden; zudem besteht die Gefahr von Sunk- und Schwallerscheinungen. - Auswirkungen auf das Grundwasser: Stauspiegelabsenkungen könnten zu periodischen Absenkungen des für die Trinkwassergewinnung bedeutsamen Rafzer Felds führen. Die Beschwerdeführer halten dies für unwahrscheinlich, weil sich die Staupegelabsenkung auf Nassperioden mit hohem Grundwasserspiegel beschränken würden und die Auswirkungen mit zunehmendem Sickerweg abnehmen; der Kanton Schaffhausen weist jedoch darauf hin, dass Grundwasservorkommen wie jenes im Rafzer Feld z.T. um Monate verzögert reagieren und deshalb die Gleichzeitigkeit von Nassperioden, Hochwasser und hohem Grundwasserspiegel nicht gegeben sei. - Verminderung der Stromproduktion: Nach Angaben der NOK hätten Staupegelabsenkungen beim Kraftwerk Eglisau einen nahezu 100%igen Ausfall zur Folge. Dies könne auch durch den Umbau nicht verhindert werden, da an den baulichen Gegebenheiten nichts geändert werde. Hinzu kommt die Gefahr von Schäden an Wehr und Turbinen infolge des Geschiebetransports (Bericht 2000 S. 86). - Auen und Flachwasserzonen: Staukotenabsenkung von über 4 m hätten zur Folge, dass die ökologisch wertvollen Flachwasserzonen ab Tössegg bei Hochwasser trocken fallen. Der Kanton Zürich befürchtet zudem negative Folgen für die Thurauen und den alten Rhein, die seltener oder gar nicht mehr überflutet würden; zudem würden Staupegelabsenkungen zu einer Eintiefung der Rheinsohle im Mündungsbereich der Thur führen, die mit der im Thurauen-Revitalilierungsprojekt beabsichtigten Anhebung der Thur-Flusssohle in Konflikt geraten könnte. Hingegen könnte sich die Einstellung der Baggerungen an der Thur positiv auf das Thurauen-Projekt auswirken (vgl. Bericht 2000 S. 92). - Schiffs- und Bootsplätze würden während der Staupegelabsenkung trocken fallen. 3.3.5 Diese Abklärungen reichen z.T. weit über die unmittelbar vom Kraftwerk Eglisau beeinflussten Gewässer- und Uferbereiche hinaus und setzen eine Koordination mit anderen Vorhaben voraus: Dies gilt zum einen rheinaufwärts für das Thurauen-Revitalisierungsprojekt des Kantons Zürich; zum anderen erscheint eine Koordination mit den rheinabwärts gelegenen Kraftwerken, namentlich dem Kraftwerk Reckingen, unabdingbar: Zwar ist den Beschwerdeführern zuzustimmen, dass nicht unbedingt alle elf am Hochrhein bestehenden Kraftwerke koordiniert werden müssen: Der von Eglisau rheinaufwärts gelegene Abschnitt (Stein am Rhein bis Kraftwerk Rheinau) spielt für den Geschiebetransport eine vernachlässigbare Rolle (Bericht 2000 S. 76); weiter rheinabwärts gelegene Strecken könnten auch in einer späteren Etappe in Angriff genommen werden. Dagegen erscheint ein Geschiebetransport durch die Staustufe Eglisau, unter Inkaufnahme der damit verbundenen Produktionsausfälle, nur sinnvoll und verhältnismässig, wenn der Weitertransport des Geschiebes durch die unten liegende Stauhaltung des Kraftwerkes Reckingen bis zur freien Fliessstrecke des Rheins bei Zurzach sichergestellt ist. Die NOK weisen zu Recht darauf hin, dass der Stauraum vor dem Kraftwerk Reckingen mit und ohne Geschiebebetrieb als Laichplätze für Fische weitgehend ungeeignet ist. Die Verbesserung des Geschiebehaushalts allein in diesem Abschnitt würde damit keine wesentliche Verbesserung der Lebens- und Fortpflanzungsmöglichkeiten der Fische bedeuten. Hinzu kommt, dass die rheinabwärts gelegenen Kraftwerke (bei Variante 2) frühestens nach 15 Jahren mit dem durch die Stauhaltung Eglisau transportierten Geschiebe konfrontiert werden; dagegen sind sie von Anfang an durch die Entleerungs- und Aufstauvorgänge betroffen, die mit einer vorübergehenden Staupegelabsenkung in Eglisau verbunden sind: Im Zeitpunkt der Entleerung sind zusätzliche Wassermassen zu bewältigen, die anschliessend, beim Wiederaufstau, fehlen. Sunk- und Schwallwellen sowie Hochwasserspitzen müssen vermieden werden. Die Behauptung der Beschwerdeführer, Stauspiegelabsenkungen müssten bei natürlichen Hochwasserereignissen ohnehin durchgeführt werden, trifft in dieser Allgemeinheit nicht zu: Vielmehr müssen die Kraftwerke ihren Stau grundsätzlich auch bei Hochwasser halten. Nach dem Gesagten setzt die Wiederherstellung des Geschiebebetriebs durch die Stauhaltung Eglisau mittels periodischer Staupegelabsenkungen (Varianten 2 und 3) noch umfangreiche Abklärungen voraus und muss sowohl mit dem Thurauen-Revitalisierungsprojekt als auch mit dem Betrieb der rheinabwärts gelegenen Kraftwerke, namentlich des Kraftwerks Reckingen koordiniert werden. Dagegen liesse sich die von den Experten vorgeschlagene Variante 1 mit relativ bescheidenen Abklärungen und geringem Koordinierungsaufwand realisieren. 3.3.6 In der Regel darf die fischereirechtliche Bewilligung - und damit auch die Konzession - erst erteilt werden, wenn die Schutzmassnahmen gemäss Art. 9 Abs. 1 BGF genügend konkretisiert worden sind (vgl. Urteil 1A.331/2000 vom 29. Oktober 2001, E. 3d). Dies ergibt sich zum einen aus Art. 9 Abs. 3 BGF, wonach Massnahmen nach Abs. 1 bereits bei der Projektierung der technischen Eingriffe vorgesehen werden müssen. Damit soll eine enge Zusammenarbeit zwischen den mit der Projektierung beauftragten Stellen und den zuständigen Fischereibehörden zu einem möglichst frühen Zeitpunkt gewährleistet und verhindert werden, dass die zum Schutze der Wassertiere erforderlichen Massnahmen erst nach Bewilligungserteilung angeordnet werden, wenn bereits Sachzwänge geschaffen worden sind (vgl. BGE 107 Ib 151 E. 3b S. 152 f. zum damals geltenden Art. 25 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1973 über die Fischerei). Grundsätzlich ist auch die Gesamtinteressenabwägung nach Art. 9 Abs. 2 BGF erst möglich, wenn feststeht, ob Interessen der Fischerei schwerwiegend beeinträchtigt werden und wenn ja, in welcher Weise und in welchem Ausmass (Urteil 1A.331/2000 vom 29. Oktober 2001, E. 4a). Dies aber hängt davon ab, inwieweit sich Massnahmen nach Abs. 1 zum Schutze der Wassertiere finden lassen. Art. 9 BGF würde somit an sich verlangen, dass die wesentlichen Massnahmen zur Schaffung günstiger Lebensverhältnisse für die Wassertiere bereits mit der fischereirechtlichen Bewilligung verbindlich angeordnet und lediglich Details den nachfolgenden Verfahren vorbehalten werden. Im vorliegenden Fall ist allerdings gesetzlich ein zweistufiges Verfahren mit zweistufiger Umweltverträglichkeitsprüfung vorgesehen. Auch bei dieser Verfahrensgestaltung muss jedoch schon auf erster Stufe über die wesentlichen, für die Beurteilung der Umweltverträglichkeit des Vorhabens entscheidenden Fragen entschieden werden (vgl. oben, E. 2.1). Zwar erfolgt die definitive Projektierung der technischen Eingriffe erst auf der Stufe Baubewilligung; da die fischereirechtliche Bewilligung jedoch schon auf der ersten Verfahrensstufe (Konzessionsentscheid) erteilt wird, dürfen für die fischereirechtliche Beurteilung wesentliche Fragen nicht dem Baubewilligungsverfahren vorbehalten werden, sondern müssen, zumindest in den Grundzügen, bereits auf erster Stufe entschieden werden. 3.3.7 Im vorliegenden Fall hätte ein solches Vorgehen jedoch zur Folge, dass sich die Behörden entweder für die leichter realisierbare, aber ökologisch u.U. weniger vorteilhafte 1. Variante entscheiden müssten, oder aber die Konzessionserteilung möglicherweise um Jahre hinausgezögert würde, um die Realisierbarkeit der Varianten 2 und 3 abzuklären. Eine solche Verfahrensverzögerung wäre in Kauf zu nehmen, wenn es sich um eine Erstkonzessionierung, d.h. um einen schwerwiegenden Eingriff in ein noch weitgehend intaktes Fischgewässer handeln würde. Im vorliegenden Fall liegen die Verhältnisse jedoch anders: Die Stauhaltung des Rheins bei Eglisau besteht bereits seit 1920. Obwohl die Konzession 1997 ausgelaufen ist, wird der Weiterbetrieb des Kraftwerks auf der Grundlage der bisherigen Konzession bis zum Inkrafttreten der neuen Konzession geduldet. Schon heute steht fest, dass eine neue Konzession erteilt werden wird; streitig sind nur deren Modalitäten. Unter diesen Umständen macht es keinen Sinn, die Erteilung der neuen Konzesssion bis zum Vorliegen sämtlicher notwendiger Abklärungen über die Vor- und Nachteile periodischer Staupegelabsenkungen hinauszuzögern: Dies hätte Nachteile für die Energiegewinnung (keine Erhöhung der Kraftwerkskapazität) und für Natur und Umwelt zur Folge (spätere Realisierung der in der neuen Konzession vorgesehenen Schutz-, Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen), ohne den Geschiebehaushalt des Rheins zu verbessern. Angesichts der besonderen Umstände des Einzelfalls und der gesetzlich vorgegebenen Zweistufigkeit des Verfahrens erweist sich das Vorgehen der Behörden jedenfalls dann als mit Art. 9 BGF vereinbar, wenn sichergestellt ist, dass Massnahmen zur Verbesserung des Geschiebebetriebs innert nützlicher Frist angeordnet werden und derartige Massnahmen durch die bereits erteilte Konzession nicht verunmöglicht oder erschwert werden. Dies ist im Folgenden zu prüfen. 3.4 Art. 10 Abs. 4 der Konzession behält den Behörden vor, für die Handhabung der Wehrverschlüsse, gegebenenfalls auch zur Ermöglichung eines Geschiebenachschubs, nach Anhörung des Kraftwerkunternehmens eine Weisung zu erlassen. Die Behörden müssen dabei die öffentlichen Interessen und die Interessen des Kraftwerkunternehmens berücksichtigen; unverhältnismässige Produktionsausfälle sind entschädigungspflichtig. Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, der Passus über die Entschädigungspflicht sei zu streichen. Dieser Vorbehalt gebe den NOK die Möglichkeit, die mit Staupegelabsenkungen verbundenen Produktionsausfälle als unverhältnismässig zu qualifizieren und mit Hilfe von Rechtsmittelverfahren die Umsetzung der angeordneten Massnahmen um weitere Jahre hinauszuzögern. Wie die Rekurskommission zu Recht festgehalten hat, bewirkt der Vorbehalt in Art. 10 Abs. 4 der Konzession, dass keine wohlerworbenen Rechte der Konzessionärin entstehen, die periodischen Staupegelabsenkungen entgegenstehen würden. Sie hat weiter festgehalten, dass Pegelabsenkungen an maximal 9 Tagen im Jahr zu erwarten seien; dies entspreche - auch bei einem vollständigen Produktionsausfall während der Staupegelabsenkung - einem Ausfall von 2,5 % im Jahr. Diese Produktionseinbusse sei von den NOK zur Wiederherstellung des Geschiebebetriebs hinzunehmen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass allfällig anzuordnende Massnahmen den in der Konzession vorgesehenen Entschädigungsfall gar nicht auslösen werden. Diesen Ausführungen ist zuzustimmen: Massnahmen gemäss Art. 9 Abs. 1 BGF sind Voraussetzung für die Erteilung der fischereirechtlichen Bewilligung sowie der Konzession und lösen keine Entschädigungspflicht aus. Produktionseinbussen in der Grössenordnung von 2,5 % jährlich zur Wiederherstellung des für die ökologische Aufwertung des Rheins unentbehrlichen Geschiebebetriebs erscheinen auch verhältnismässig, zumal die neue Konzession insgesamt eine Erhöhung der Energieerzeugung um rund 22 % erlaubt. Allerdings ist zu bedenken, dass Art. 10 Abs. 4 der Konzession nicht nur Staupegelabsenkungen zur Verbesserung des Geschiebehaushalts betrifft, sondern alle Weisungen der Behörden zur Handhabung der Wehrverschlüsse. Es kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden, dass eine derartige Weisung, die ohne Zusammenhang mit dem Geschiebetransport erteilt wird, zu entschädigungspflichtigen Produktionsausfällen führt. Insofern ist die Bestimmung in der Konzession zu belassen. Aufgrund der eindeutigen Erwägungen sowohl im Entscheid der Rekurskommission als auch im vorliegenden Urteil sind jedenfalls keine Entschädigungsforderungen der NOK im Zusammenhang mit Staupegelabsenkungen zur Verbesserung des Geschiebebetriebs zu befürchten. Es wird Aufgabe des UVEK sein, auch die deutschen Behörden auf die aus schweizerischer Sicht eingeschränkte Bedeutung der Entschädigungsklausel aufmerksam zu machen, um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen. 3.5 Zum anderen ist sicherzustellen, dass die erforderlichen Abklärungen tatsächlich durchgeführt und Anordnungen zur Gewährleistung des Geschiebebetriebs getroffen werden. Wie bereits die Rekurskommission ausgeführt hat, darf der verbindliche Entscheid über Staupegelabsenkungen auf die zweite Verfahrensstufe, d.h. auf das Baubewilligungsverfahren verschoben worden; ein weiteres Hinausschieben dieses Grundsatzentscheids wäre dagegen unzulässig. In der Baubewilligung müssen daher der Variantenentscheid (Variante 1 oder 2/3) getroffen und die zur Verbesserung des Geschiebetransports erforderlichen Massnahmen angeordnet werden. Bis dahin müssen die für den Variantenentscheid erforderlichen Abklärungen somit abgeschlossen sein. Da den Beschwerdeführern auch im Verfahren 2. Stufe Parteistellung zukommt und sie die Baubewilligung anfechten können (vgl. Art. 55 USG), ist eine Kontrolle durch die Naturschutz- und Fischereiverbände gewährleistet. Zudem kann im Baubewilligungsverfahren die notwendige Koordination mit den deutschen Behörden im Sinne der Übereinkunft vom 10. Mai 1879 vorgenommen werden. Art. 8 Abs. 2 der Konzession verpflichtet das Kraftwerksunternehmen, das Baugesuch innert vier Jahren nach Inkraftsetzung der Konzession einzureichen und den Ausbau des Kraftwerks innert zehn Jahren seit Inkraftsetzung der Konzession auszuführen; diese Fristen können verlängert werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, der vom Kraftwerkunternehmen nicht zu vertreten ist. Sollten die nötigen Abklärungen somit nicht innerhalb der vorgesehenen Fristen abgeschlossen werden können, wäre eine Fristverlängerung möglich. Andererseits haben die NOK kein Interesse an einer unnötigen Verzögerung der Untersuchungen, da sie die mit der Neukonzessionierung verbundene Produktionssteigerung erst nach Vorliegen einer rechtskräftigen Baubewilligung ausschöpfen können. 3.6 Nach dem Gesagten waren das UVEK und die Rekurskommission nicht verpflichtet, bereits in der Konzession verbindliche Massnahmen zur Gewährleistung des Geschiebetransports anzuordnen.