Citation: 1C_194/2022 E. 5.4.1

5.4.1. In einem kürzlich ergangenen Urteil erachtete es ein Überholmanöver auf der Autobahn mit Unfallfolge wegen der Nichtanpassung der Geschwindigkeit an die Wetterverhältnisse (starker Regen mit Aquaplaning) als schwere Widerhandlung. Ausschlaggebend war, dass sich die Fahrzeugführerin des Aquaplanings bewusst war und das Überholmanöver dennoch mit einer Geschwindigkeit von 90-100km/h vollzog. Das Bundesgericht erwog, durch die Nichtanpassung der Geschwindigkeit an das Aquaplaning habe sie ein klares Risiko verkannt bzw. falsch eingeschätzt und habe sie dadurch zumindest grobfahrlässig die Sicherheit anderer ernsthaft gefährdet (Urteil 1C_135/2022 vom 24. August 2022 E. 2.4). Als weitere schwere Widerhandlung qualifizierte das Bundesgericht den Fall eines Lenkers, der sein Fahrzeug auf einer nassen Autobahneinfahrt aus der Kurve hinaus übertrieben stark beschleunigte, so dass das Fahrzeug ins Schleudern geriet und sich überschlug (Urteil 1C_302/2011 vom 4. November 2011 E. 3.4). Fährt ein Fahrzeugführer auf einer schneebedeckten Autobahn mit ca. 100 km/h und gerät er dabei mit Unfallfolge unkontrolliert ins Schleudern, stellt dies nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ebenfalls eine schwere Widerhandlung dar, da die erhöhte Rutschgefahr bei Schneeglätte allgemein bekannt ist. Der Lenker agierte damit zumindest grobfahrlässig, als er seine Geschwindigkeit trotz erkennbarem Risiko nicht anpasste (Urteil 1C_38/2011 vom 5. Mai 2011 E. 5.4).