Citation: I 613/03 11.11.2004 E. 3

3. Streitig und zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer ab 1. August 1999 eine ganze Invalidenrente zusteht. Diese Frage beurteilt sich rechtsprechungsgemäss nach dem Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der streitigen Rentenverfügung vom 18. Juli 2002 entwickelt hat (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen). 3.1 Der Versicherte hat im hier relevanten Zeitraum weder eine Betriebsbuchhaltung geführt, noch je eine Steuererklärung eingereicht. Schon aus diesem Grunde ist eine zuverlässige Ermittlung oder Schätzung der beiden Vergleichseinkommen nicht möglich. Der Invaliditätsgrad ist daher nach dem dargelegten ausserordentlichen Bemessungsverfahren des erwerblich gewichteten Betätigungsvergleiches (BGE 128 V 30 f. Erw. 1 mit Hinweisen) zu bestimmen. Soweit das kantonale Gericht ein solches Vorgehen für einen "Einmann-Landwirtschaftsbetrieb" nicht für erforderlich hält und von vornherein annimmt, dass "eine Reduktion der Arbeitsleistung des Beschwerdeführers einen annähernd linearen Einkommensrückgang zur Folge hat", kann ihm nicht beigepflichtetet werden. Ob tatsächlich "keine der einzelnen Tätigkeiten auf dem Landwirtschaftsbetrieb des Beschwerdeführers (...) deutlich mehr Einkommen pro Arbeitsstunde generiert(e) als die andern" (S. 11 des angefochtenen Entscheids), ergibt sich einzig anhand eines wirtschaftlich gewichteten Betätigungsvergleichs und kann selbstverständlich nicht unter Verzicht auf einen solchen einfach unterstellt werden. Der vorinstanzliche direkte Schluss von der ärztlich bescheinigten 50 %igen Arbeitsunfähigkeit als Landwirt auf einen (nur) "leicht" darüber liegenden Invaliditätsgrad widerspricht sodann dem gesetzlichen Grundsatz, wonach die Invalidität bei Erwerbstätigen nach Massgabe der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse zu bestimmen ist (Art. 28 Abs. 2 IVG; BGE 110 V 275, Erw. 4a, 105 V 207 f. Erw. 2; vgl. auch Erw. 2.3 hievor in fine). 3.2 Die IV-Stelle, an welche die Streitsache zur Invaliditätsbemessung nach der ausserordentlichen Methode zurückzuweisen ist, wird zunächst einen Betätigungsvergleich anzustellen haben. Dieser hat den im landwirtschaftlichen Tätigkeitsbereich des Beschwerdeführers anfallenden Aufgaben und Arbeiten, deren jeweiligem Anteil an der Gesamttätigkeit sowie der Leistungsbeeinträchtigung in den einzelnen Teilbereichen Rechnung zu tragen. Dabei geht es um die Gegenüberstellung der funktionellen Leistungsfähigkeit des Versicherten mit und ohne Gesundheitsschaden (Knieleiden und psychische Beschwerden) ab 1. August 1999. In diesem Zusammenhang wird die Verwaltung zu beachten haben, dass der Beschwerdeführer (vom 1. Mai 1996) bis zum 30. April 2001 einem veterinäramtlichen Tierhalteverbot für Rindvieh unterstand und aus diesem Grunde vorübergehend einer Betriebszweiggemeinschaft beigetreten war, in welche er sein Milchkontingent, 8 ha Weideland und 20 Stallplätze zur Nutzung einbrachte. Daher wird die IV-Stelle zum einen der Frage nachzugehen haben, ob für den Zeitraum ab Wegfall des Tierhalte verbots ein neuer Betätigungsvergleich anzustellen ist, weil der Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigung eine andere Betriebsstruktur gewählt hätte. Zum andern darf die Verwaltung hinsichtlich der Betriebszweiggemeinschaft nicht aus den Augen verlieren, dass es einzig um die vom Beschwerdeführer selber durch seine eigene Leistungsfähigkeit zumutbarerweise realisierbare Einkommensschöpfung geht (vgl. RKUV 1996 Nr. U 237 S. 37 Erw. 3d; ZAK 1972 S. 238 Erw. 2a und S. 300 Erw. 1a, je mit Hinweisen). Obwohl die IV-Stelle den von ihr anerkannten Invaliditätsgrad von 50 % nicht anhand des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens ermittelte, nahm sie im Rahmen einer am 11. Juli 2000 durchgeführten Abklärung u.a. einen Betätigungsvergleich vor. Dieser kann indessen (selbst für die Dauer der Betriebszweiggemeinschaft) nicht herangezogen werden. Denn erstens ist unklar, ob darin dem damals geltenden Tierhalteverbot für Rindvieh tatsächlich Rechnung getragen wurde. Und zweitens konnte sich die Abklärungsperson seinerzeit hinsichtlich der vom Versicherten in den einzelnen Teilbereichen geltend gemachten Beeinträchtigungen noch nicht an gesicherten ärztlichen Feststellungen über die leidensbedingte Einschränkung der körperlichen und insbesondere der geistigen Funktionen orientieren. Vielmehr wurde die bereits erwähnte MEDAS-Begutachtung erst Ende Juni 2001, mithin rund ein Jahr später durchgeführt, nachdem die Abklärungsperson selber erstmals den Verdacht auf ein zusätzliches psychisches Leiden geäussert und eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung empfohlen hatte (vgl. in diesem Zusammenhang AHI 2004 S. 137). 3.3 Die leidensbedingten Einschränkungen in den einzelnen Teilbereichen sind sodann im Hinblick auf ihre erwerblichen Auswirkungen gesondert zu gewichten. Dabei ist der Wert der Betätigungen in den verschiedenen Teilbereichen im Verhältnis zueinander festzustellen und mit der Einschränkung im jeweiligen Tätigkeitsbereich in Beziehung zu setzen. Für die Bemessung des wirtschaftlichen Werts einer Tätigkeit liegt es nahe, von den diesbezüglichen, möglichst einzelfallbezogenen Ansätzen auszugehen, welche etwa bei den branchenspezifischen Berufsverbänden erfragt werden können. Die konkrete erwerbliche Gewichtung erfolgt nach der in BGE 128 V 33 Erw. 4c dargelegten Formel, wobei im vorliegenden Fall wohl mehr als nur zwei Teilbereiche zu berücksichtigen sein werden. Dies ist nur schon mit Blick auf die zumindest noch vor Eintritt des invalidisierenden Unfallereignisses durchgeführten Nebentätigkeiten anzunehmen (Transport und Handel von Heu, Stroh und Maiswürfeln; Arbeiten für den Reitstall A.________). Was das von der Vorinstanz angeführte, im Sozialversicherungsrecht allgemein geltende Schadenminderungsprinzip, die Pflicht zur Selbsteingliederung (vgl. Erw. 2.4 hievor am Anfang), anbelangt, wird die IV-Stelle auch die Frage zu beantworten haben, ob der Beschwerdeführer allenfalls betriebliche Umstrukturierungen und Anpassungen vorzunehmen hat, um so eine bessere Verwertung der ihm verbliebenen Restarbeitsfähigkeit zu erreichen.