Citation: 7B_726/2023 E. 2.4.2

2.4.2. Dem ist vollumfänglich beizupflichten. Im aussagepsychologischen Gutachten der F.________ AG vom 18. Juli 2018 (Beschwerdebeilage 4) wurden Auffälligkeiten im Verhalten und in der Persönlichkeit sowie deren Auswirkungen auf die Aussagen der Beschwerdegegnerin thematisiert. Unter anderem wurden eine leichte Intelligenzminderung sowie Auffälligkeiten in der sexuellen Entwicklung festgestellt. Weiter wurde ausgeführt, die Beschwerdegegnerin habe bei der Beschreibung des Kerngeschehens deutlich Mühe mit der Benennung spezifischer Handlungen und deren Definition, wie etwa derjenigen einer Vergewaltigung. Auch seien gewisse Selbst- und Fremdtäuschungstendenzen in ihrem Verhalten zu erkennen, welche sie zur Erreichung von bestimmten Zwecken nutze. Es sei bereits vorgekommen, dass sie zu ihrem eigenen Vorteil oder um Aufmerksamkeit zu erlangen anderen etwas vorgespielt oder gelogen habe. Nichts desto trotz gingen die Gutachterinnen gestützt auf eine einlässliche Kompetenz-, Fehlerquellen- und Realkennzeichenanalyse davon aus, dass eine absichtliche Falschbeschuldigung wie auch auto- oder fremd-sug-gestive Prozesse ausgeschlossen werden könnten. Sie merkten insbe-sondere auch an, dass im konkreten Fall keine Tendenzen zu selbstdarstellerischen Verhaltensweisen bestünden und die Beschwerdegegnerin durch ihre Aussagen keine Aufmerksamkeit habe erlangen wollen. Wenn nun rund vier Jahre später eine forensische Psychiaterin die weitgehend gleichen Auffälligkeiten bemerkt, diesen zusätzlich aber noch den Rahmen einer Diagnose nach ICD-10 gibt (Intelligenzminderung mit deutlicher Verhaltensstörung), stellt dies keine Tatsache dar, die geeignet wäre, die tatsächlichen Grundlagen der Verurteilung des Beschwerdeführers zu erschüttern (vgl. BGE 137 IV 59 E. 5.1.2 mit Hinweisen). Dr. med. E.________ hält ausdrücklich fest, die von ihr festgestellten psychischen Auffälligkeiten seien bereits im aussagepsychologischen Gutachten festgestellt, jedoch nicht diagnostisch erfasst worden. So seien über die intellektuell-kognitiven Defizite hinaus damals schon eine emotionale Unreife, Defizite in der Verhaltensregulation sowie Fremd- und Selbsttäuschungstendenzen beschrieben worden. Den beiden Gutachten lag somit, wie die Vorinstanz richtig annimmt, ein im Wesentlichen gleiches Beschwerdebild zugrunde. Der darüber hinausgehende Befund einer Persönlichkeitsstörung ist als Wertung und nicht als Tatsache zu betrachten. Eine bloss andere Würdigung einer unveränderten Beweislage kann aber nach Rechtskraft des Urteils grundsätzlich nicht erneut thematisiert werden (HEER/COVACI, Basler Kommentar Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 51 zu Art. 410 StPO). Hinzu kommt, dass sich die Psychiaterin nicht mit den Auswirkungen des Störungsbildes der Beschwerdegegnerin auf deren belastenden Aussagen gegen den Beschwerdeführer befasst hat, das aussagepsychologische Gutachten dagegen schon. Auch aus diesem Grund in Kombination mit dem bisher Gesagten ist das forensisch-psychiatrischen Gutachten nicht geeignet, eine anderweitige, für den Beschwerdeführer günstigere Würdigung dieser Aussagen als hinreichend wahrscheinlich erscheinen zu lassen. Demnach stellen die Diagnosen der Psychiaterin insgesamt keine neuen Tatsachen oder Beweismittel im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO dar. Damit ist auch gesagt, dass die Vorinstanz das Revisionsgesuch ohne Beizug einer sachverständigen Person abweisen durfte, ohne dass sie damit Art. 182 bzw. Art. 412 Abs. 4 StPO verletzt hätte.