Citation: U 376/99 06.10.2000 E. 3

3.- a) Am 13. Juli 1996 erstellte Dr. med. X.________ ein psychiatrisches Gutachten zu Handen der Invalidenversicherung, in welchem dieser festhielt, es liege beim Beschwerdeführer eine posttraumatische Belastungsstörung vor, die ihre Ursache im erlittenen Unfall habe. Unter Einschluss der körperlichen Beeinträchtigungen gelangte der Gutachter zu einer Gesamtverminderung der Arbeitsfähigkeit von 55-60 %. Obwohl die SUVA im Einspracheentscheid vom 16. Januar 1998 den Standpunkt vertrat, ein allfälliger Rentenanspruch müsse auch unter Berücksichtigung der psychischen Probleme geprüft werden, wurde diese Frage in dem der angefochtenen Verfügung vorangegangenen Verfahren nicht abgeklärt. In einem Schreiben vom 20. März 1998 führte sie lediglich aus, der Versicherte beziehe bereits Rentenleistungen der Invalidenversicherung. In der Tat hatte er in seiner Einsprache gegen die Verfügung vom 16. April 1996 darauf hingewiesen, Mitte Januar 1996 sei bei der Invalidenversicherung die Anmeldung zum Rentenbezug erfolgt. Aus den mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichten Akten geht sodann hervor, dass dem Beschwerdeführer gemäss Verfügung der IV-Stelle Schaffhausen vom 15. Oktober 1996 eine halbe Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Februar 1995 ausgerichtet wird. b) Sowohl SUVA wie Vorinstanz unterliessen den Beizug der vollständigen IV-Akten. Im angefochtenen Entscheid führte das kantonale Gericht diesbezüglich lediglich aus, der Unfallversicherer habe zu Recht die Adäquanz der psychischen Leiden zum Unfallgeschehen verneint. Körperliche Dauerschmerzen lägen offenbar vor, doch seien im Rahmen der Adäquanzbeurteilung wohl nur Dauerschmerzen zu berücksichtigen, welche auf körperliche Unfallfolgen zurückzuführen sind, nicht aber solche, die andere Ursachen haben. Diese Adäquanzbeurteilung ist unvollständig, weil auf Grund des psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. X._______ nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden kann, die massgeblichen Kriterien der ungewöhlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung und/oder der körperlichen Dauerschmerzen wären nicht in der geforderten Weise erfüllt. Somit wurden nicht sämtliche tatsächlichen Elemente des vorliegenden Falles berücksichtigt, wie sie aus den IVAkten hervorgehen könnten. Deren Beizug erweist sich schon unter diesem Gesichtswinkel als unumgänglich. c) Aus der Verfügung der IV-Stelle Schaffhausen vom 15. Oktober 1996 geht sodann nicht hervor, ob, und allenfalls in welchem Ausmass sich der von ihr festgesetzte 55%-ige Invaliditätsgrad auch auf einem unfallfremden Gesundheitsschaden beruht. Immerhin ist aus dem Gutachten von Dr. med. X.________ ersichtlich, dass eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegt, welche ihre Ursache im fraglichen Arbeitsunfall hat. Der Gutachter führte sodann aus, vom psychischen Zustand her sei eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50 % erwiesen; berücksichtige man dabei auch die körperliche Behinderung, dürfte dieser Prozentsatz etwas höher ausfallen, aber nicht mehr als 55-60 % betragen. Auch mit Blick auf diese Umstände, in Berücksichtigung der Einheitlichkeit des Invaliditätsbegriffs (Erw. 2), hätte die SUVA auf den Beizug der IV-Akten nicht verzichten dürfen, sondern die Frage der unterschiedlichen Ermittlung des Invaliditätsgrades näher abklären müssen. Namentlich geht aus den Akten nicht hervor, inwiefern die 35%-ige Differenz des Invaliditätsgrades (IV/UV) einem zusätzlichen, nicht unfallkausalen Gesundheitsschaden zuzuschreiben wäre. Obwohl die SUVA in ihrem Entscheid vom 16. Januar 1998 befand, die Frage eines allfälligen Rentenanspruchs müsse neu geprüft werden, auch unter Berücksichtigung der psychischen Probleme, die sich aus dem bei Dr. med. X.________ eingeholten Gutachten ergaben, hat diese Prüfung nicht stattgefunden.