Citation: 1C_68/2022 E. 3.3

3.3. Die amtlich publizierten Baubegehren betreffend das ursprüngliche Baugesuch und die 1. Planänderung waren der Beschwerdeführerin bekannt, weshalb eine Profilierung ihr gegenüber insoweit keine Informations-, sondern nur eine Visualisierungsfunktion zukommen konnte. Diese Funktion wurde nachträglich damit erfüllt, dass die optische Wirkung der Spa-Terrasse und der sie umgebenden Mauern mit deren Errichtung im April 2018 für die Beschwerdeführerin erkennbar wurden. Aus den Akten geht hervor, dass diese sich mit E-Mail vom 10. April 2018 beim Beschwerdegegner über diese Mauern beschwerte und ihn zur Überprüfung der Baute mit den bewilligten Plänen aufforderte. Diese Mail leitete die Nachbarin am 11. April 2018 als Anzeige an das Bauinspektorat der EG Saanen weiter, das daraufhin eine Kontrolle durch einen Geometer veranlasste. Insoweit kann der vorinstanzliche festgestellte Sachverhalt ergänzt werden (Art. 105 Abs. 2 BGG). Demnach wurde am 10. bzw. 11. April 2018 die Visualisierungsfunktion einer möglicherweise zu Unrecht unterlassenen Profilierung aufgrund der damals für die Beschwerdeführerin erkennbaren Ausmasse der Spa-Terrasse bzw. der sie umgebenden Mauern nachträglich erfüllt, auch wenn diese zum Teil von den bewilligten Plänen abwichen. Die Beschwerdeführerin wäre daher spätestens ab diesem Zeitpunkt gehalten gewesen, unverzüglich Einsicht in die bewilligten Baupläne zu verlangen, um sich darüber im Hinblick auf eine eventuelle nachträgliche Erhebung von Einwänden bzw. Rechtsmitteln zu informieren. Dies unterliess die Beschwerdeführerin jedoch, weil sie ein entsprechendes Einsichts- bzw. Zustellungsgesuch erst am 11. Juli 2018, d.h. etwa drei Monate später stellte. Unter diesen Umständen verletzte die Vorinstanz keine bundesrechtlichen Rechtsgrundsätze bezüglich der Rechtswirkungen von möglichen Profilierungsmängeln, wenn sie davon ausging, die Beschwerdeführerin habe die in der Einsprache vom 8. August 2018 gegen die 2. Projektänderung erhobene Rüge der fehlenden Profilierung und Bewilligungsfähigkeit der bereits bewilligten Spa-Terrasse verspätet erhoben. Daraus folgt, dass die Vorinstanz entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin weder deren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzte noch eine Rechtsverweigerung beging, wenn sie die rechtsgenügliche Profilierung der Spa-Terrasse nicht prüfte. Die Vorinstanz brauchte daher nicht abzuklären, ob die Mauern der Spa-Terrasse entgegen den mit der 1. Projektänderung bewilligten Bauplänen das gewachsene Terrain um 1,2 m überstiegen. Sie traf diesbezüglich keine tatsächlichen Feststellungen, weshalb die von der Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang erhobene Rüge der willkürlichen Sachverhaltsfeststellung gegenstandslos ist.