Citation: 6B_551/2021 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz stellt auf die von ihr als glaubhaft beurteilten Aussagen des Opfers ab, welches dreimal mittels Videoaufzeichnung befragt wurde. Sie erwägt, die Aussagen des Opfers zum Kerngeschehen seien konstant. Diesen zufolge habe sich der Vorfall im Wohnzimmer seiner Mutter ereignet. Während das Opfer und sein Vater (der Beschwerdeführer) auf dem Sofa gesessen seien, habe seine Mutter in der Küche gekocht. Der Beschwerdeführer habe das Opfer gefragt, ob es seinen Penis in den Mund nehmen wolle, was es verneint habe. Darauf habe der Beschwerdeführer den Kopf des Opfers zu seinem Penis gezogen, sein erigiertes Glied in dessen Mund eingeführt und ejakuliert. Das Opfer sei ins Badezimmer gegangen, habe den Mund ausgespült und anschliessend der Mutter vom Vorfall berichtet. Diese habe den Beschwerdeführer aus der Wohnung gewiesen und die Türe abgeschlossen. Das Opfer habe Hemmungen gehabt, über das Erlebte zu sprechen, sich dann aber doch einer Praktikantin des Kinderhauses, in dem es wohne, anvertraut. Gestützt darauf sei es zur Strafanzeige gekommen. Als Realkennzeichen wertet die Vorinstanz die Aussagen des Opfers, der Beschwerdeführer habe während der sexuellen Handlung in seinen Mund uriniert ("der hat doch Pipi gemacht"), die Substanz sei aus dem Penis gekommen, sei etwas gelb gewesen und das Opfer habe die Ursache hierfür nicht verstanden, zumal der Beschwerdeführer zuvor nicht habe pinkeln müssen. Die Vorinstanz geht davon aus, das Opfer habe Ejakulat mit Urin verwechselt und altersgemäss keinen Zusammenhang zur sexuellen Handlung hergestellt. Auch die vom Opfer geschilderte Reaktion der Mutter auf den Übergriff, wonach sie den Beschwerdeführer aufgefordert habe zu gehen, wertet die Vorinstanz als glaubhaft, weil das Opfer sich spontan verbessert habe ("lauter hat sie es gesagt"). Schliesslich sieht die Vorinstanz im Umstand, dass das Opfer einen roten Fleck auf der Backe des Beschwerdeführers beobachtet habe, ein Kennzeichen für die Glaubhaftigkeit der Opferaussagen, indem sie dieses Merkmal als äusseres Zeichen der sexuellen Erregung ("sex flush") wertet und mit den Tatumständen der einschlägigen Vorstrafe in Verbindung bringt, bei der dasselbe Phänomen beim Beschwerdeführer auftrat (Urteil S. 8). Weiter würdigt die Vorinstanz die Gestik und Mimik, mit welcher das Opfer seine Schilderungen begleitet, als kongruent. Sie geht davon aus, diese würden die Erfindungskompetenz eines knapp siebenjährigen Jungen übersteigen, der zwar wisse, was "klassischer" Geschlechtsverkehr sei, aber nie zuvor über Oralverkehr berichtet habe (Urteil S. 8). Generell wirken die Aussagen des Opfers gemäss Vorinstanz zu keinem Zeitpunkt zurechtgelegt, konstruiert oder einstudiert. Dieses hinterlasse in der Gesamtheit des körperlichen und sprachlichen Ausdrucks das Bild eines altersgemäss vernünftigen und verständigen Jungen, der gut zuhöre, sich in die erlebte Situation zurückversetze und differenziert antworte. Es sei in den Videos erkennbar, wie schwer sich das Opfer tue, an belastende und peinlich berührende Einzelheiten des angeklagten Vorfalls erinnert zu werden. Bei der Schilderung intimer Details senke es die Stimme und wende den Blick ab, und der Befragende müsse es mehrmals an den Handlungskern zurückführen (Urteil S. 6). Widersprüchliche Punkte in den Aussagen des Opfers wertet die Vorinstanz als Zeichen, dass sich dieses in der Schuld sehe und Mitverantwortung übernehmen wolle, dies etwa in Bezug auf die Stellung des Beschwerdeführers, der während der ganzen Handlung die Hände hinter dem Rücken gehabt haben soll, zu den wechselnden Aussagen betreffend die Abwehr durch das Opfer oder zur Frage, ob dieses die Augen geschlossen hatte. Die Aussagen zur Abwehr erklärt die Vorinstanz mit suggestiven Einflüssen (Urteil S. 8 f.). Nach den vorinstanzlichen Erwägungen kann eine Beeinflussung des Opfers durch die Mutter zur Falschaussage ausgeschlossen werden, zumal diese entsprechende Handlungen des Beschwerdeführers stets bestritten habe. Auch die Betreuerinnen im Kinderhaus hätten dem Opfer keinen sexuellen Missbrauch eingeredet. Zwar sei es der Mutter ab Juli 2018 nicht mehr gestattet gewesen, das Opfer zu Besuchen in das Wohnheim mitzunehmen, wo sie gelebt habe, dies angesichts des dortigen problematischen Umfeldes. Von sexuellem Missbrauch des Opfers im Wohnheim sei jedoch nie die Rede gewesen (bloss von Schimpfen und Auskitzeln) und die Betreuerinnen hätten nichts von der einschlägigen Vorstrafe des Beschwerdeführers gewusst. Das Opfer habe kein Motiv für eine falsche Belastung des Beschwerdeführers. Dessen spärliche Präsenz und Zuwendung seien keine Gründe für das damals noch nicht einmal siebenjährige Opfer, eine derart schambehaftete Geschichte zu erfinden und diese während dreier anstrengender Befragungen aufrecht zu erhalten. Das Opfer belaste den Beschwerdeführer nicht unnötig. Es hätte ganz andere oder schlimmere Vorwürfe äussern können, wenn es dies gewollt hätte. Immerhin habe die Mutter bei einem anderen Anlass überlegt, die Polizei beizuziehen, weil der Vater "blöd tat" und dann darauf verzichtet. Das Opfer habe dies gewusst und auch den Umstand gekannt, dass sich Mutter und Vater nicht an Besuchsauflagen hielten. Mit seinen Anschuldigungen gegenüber dem Beschwerdeführer habe das Opfer seinen eigenen Interessen zuwidergehandelt, indem es habe offenbaren müssen, dass seine Mutter, zu der es eine gute Beziehung pflege, gegen die Besuchsauflagen verstossen und den Beschwerdeführer mit in ihre Wohnung genommen habe, während das Opfer präsent gewesen sei. Den Aussagen des Opfers sei zu entnehmen, dass es seine Mutter habe schützen wollen, indem es ausgesagt habe, diese habe nichts gemacht. Die Aussagen der Praktikantin, welche zur Anzeige des Vorfalls geführt haben, wertet die Vorinstanz ebenfalls als glaubhaft. Sie gebe das Erzählte schlüssig wieder, bette dieses in einen räumlich-zeitlichen Kontext ein, schildere Details, beschreibe das Verhalten des Opfers während der Erzählung (Wechsel der Stimmung von fröhlich zu ernst, anschliessend sei das Opfer "in sich hineingegangen", als es geäussert habe, es werde ihm sowieso niemand glauben, auch die Mutter und die Betreuerinnen des Kinderhauses nicht), sie verzichte auf Dramatisierungen, überlege sich, wie sich das Opfer gefühlt haben könnte und beschreibe ihre eigenen innerpsychologischen Vorgänge (Urteil S. 14). Es sei davon auszugehen, dass die Praktikantin die Schilderungen des Opfers korrekt wiedergebe. Hingegen wertet die Vorinstanz die Aussagen der Mutter des Kindes als unglaubhaft. Diese sei auf den Schutz des Beschwerdeführers bedacht gewesen (Urteil S. 18). In Bezug auf eine frühere Vorstrafe des Beschwerdeführers wegen sexueller Handlungen mit Kindern, die sie vorher nicht kannte, habe sie zum Gegenangriff auf die dortigen Opfer ausgeholt und diesen die Schuld zugeschoben. Darüber hinaus habe sie versucht, den Beschwerdeführer bei seiner Befragung telefonisch zu erreichen. Schliesslich verstricke sie sich in zentralen Punkten in Widersprüche und suche für alles eine Erklärung, auch für nicht angeklagte Punkte, wie die von der Praktikantin geschilderte Rahmengeschichte des Geschehens (wonach das Opfer seine Eltern beim gemeinsamen Sex überrascht und sich die Sache mit dem Oralverkehr mit dem Beschwerdeführer zugetragen habe) oder für die Frage, ob es in ihrer Wohnung beim Vorfall einen funktionierenden Fernseher hatte. Diese Aussagen wiesen Widersprüche auf und seien nicht glaubhaft. Die Vorinstanz hält auch die Aussagen des Beschwerdeführers für unglaubhaft. Dies aufgrund der offenkundigen Widersprüche zum generellen Ablauf beider Treffen (z.B. wie man sich getroffen habe, wer das Opfer abgeholt habe, ob man zur M utter des Opfers gegangen oder bloss mit dem Auto herumgefahren sei, ob man anlässlich des zweiten Treffens an ein Fest gegangen oder ebenfalls umher gefahren bzw. ob er nach dem Essen nach Hause gegangen sei, wer gekocht und wann man gegessen habe), zur Frage, ob er vom Verbot wusste, seinen Sohn nicht bei dessen Mutter zu Hause besuchen zu dürfen, zu den Angaben betreffend den Fernseher sowie zur Frage, ob das Opfer vor dem Vorfall während drei Wochen bei seiner Mutter gewesen sei. Weiter habe der Beschwerdeführer sein Aussageverhalten hinsichtlich seiner sexuellen Präferenzen je nach Verfahren angepasst und bestreite die aktenkundige einschlägige Vorstrafe. Unwahr sei schliesslich, dass er mit der Mutter des Opfers nicht über den Vorfall gesprochen habe, da er Gegenteiliges eingestanden habe. Die einschlägige Vorstrafe sei insoweit relevant, als diese Tat grosse Parallelen zum vorliegenden Verfahren aufweise und pädosexuelle Delikte persönlichkeitsadäquat seien. Insgesamt stellt die Vorinstanz auf die Aussagen des Opfers ab.