Citation: 1P.807/2000 29.05.2001 E. 4

4.- Ferner rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung des in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK garantierten Anspruchs auf Achtung der Privatsphäre. Soweit sie sich in diesem Zusammenhang auch über einen Verstoss gegen die Menschenwürde beklagt, kommt dieser Rüge neben der Berufung auf die Art. 13 BV und 8 EMRK keine selbständige Bedeutung zu. a) Gemäss Art. 13 Abs. 1 BV und Art. 8 Ziff. 1 EMRK hat jede Person Anspruch auf Achtung ihres Privatlebens. Einschränkungen des durch Art. 13 Abs. 1 BV gewährleisteten Grundrechts müssen auf einer gesetzlichen Grundlage beruhen, im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sein und den Kerngehalt der Verfassungsgarantie wahren (Art. 36 BV). Auch nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in die Privatsphäre nur zulässig, soweit er gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft u.a. im Hinblick auf das öffentliche Interesse notwendig ist. b) In der staatsrechtlichen Beschwerde wird vorgebracht, die Beschwerdeführerin habe mit der Einreichung einer Strafanzeige ein höchstpersönliches Recht ausgeübt. Wenn dem Obergericht gefolgt würde, so hätte die Abklärung der Frage der Bedürftigkeit zur Folge, dass die Eltern "zwangsläufig über die Existenz einer Strafanzeige und somit auch über die Opferqualität ihrer mündigen Tochter informiert würden", was deren Intimsphäre verletze. Die Beschwerdeführerin wurde durch die von den kantonalen Instanzen verlangten Angaben über die finanziellen Verhältnisse ihrer Eltern dazu verhalten, diese darüber zu informieren, dass sie gegen ihren ehemaligen Freund Strafantrag wegen Körperverletzung und sexueller Belästigung gestellt habe und als Geschädigte im betreffenden Strafverfahren einen Rechtsbeistand benötige. Mit dieser Pflicht zur Information der Eltern über einen persönlichen Lebenssachverhalt wurde in die Privatsphäre der Beschwerdeführerin eingegriffen. Wie erwähnt, ist ein solcher Eingriff nur statthaft, wenn er gesetzlich vorgesehen ist. Diese Voraussetzung war hier erfüllt. Die von der Beschwerdeführerin verlangten Angaben waren nach der gesetzlichen Ordnung (§ 10 Abs. 5 StPO/ZH), wonach sie über ihre finanziellen Verhältnisse und allenfalls über jene ihrer Eltern Angaben machen musste, im Hinblick auf das von ihr gestellte Gesuch um Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin erforderlich. Auch die weiteren Voraussetzungen für die Einschränkung der Privatsphäre waren im vorliegenden Fall gegeben. Der umstrittene Eingriff diente der Abklärung der Frage, ob bei der Beschwerdeführerin die Voraussetzungen für die Gewährung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes erfüllt seien oder nicht. Es liegt im öffentlichen Interesse, dass nicht jemandem, der vermögend ist oder dessen unterhaltspflichtige Eltern sich in guten finanziellen Verhältnissen befinden, auf Kosten des Staates ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beigeordnet wird. Der Eingriff in die Privatsphäre der Beschwerdeführerin war zudem verhältnismässig und wahrte den Kerngehalt der Verfassungsgarantie. Es mag Fälle geben, wo die Information der Eltern über einen Prozess, in welchem das mündige Kind einen unentgeltlichen Rechtsbeistand verlangt, einen unzumutbaren Eingriff in die Privatsphäre des Kindes bedeuten kann. Im vorliegenden Fall traf dies nicht zu. Der Entscheid des Obergerichts verletzte somit Art. 13 BV und Art. 8 EMRK nicht.