Citation: I 882/05 30.01.2006 E. 2

2.1 Die interdisziplinär angelegte Expertise des ärztlichen Begutachtungsinstituts X.________ vom 19. August 2005 enthält die Schlussfolgerung, körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten seien medizinisch-theoretisch ganztägig ohne Einschränkung zumutbar (Ziff. 6.2). Die Gutachter führen aus, es sei schwierig, den Beginn der Arbeitsunfähigkeit rückwirkend festzulegen. Da es kaum möglich sei, dass die aktuell feststellbaren degenerativen Veränderungen zu einem früheren Zeitpunkt in einem stärkeren Ausmass vorhanden gewesen sind, vermöge man nicht nachzuvollziehen, inwiefern die Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in den vergangenen Jahren überhaupt eingeschränkt gewesen sein sollte (Ziff. 6.3). 2.2 In diesem Verfahren interessiert allein die Frage, ob sich aufgrund des aktuellen Gutachtens neue Elemente tatsächlicher Natur ergeben, welche die Entscheidungsgrundlagen hinsichtlich der gesundheitlichen Verhältnisse der Versicherten bis März 2002 (Abschluss des Verwaltungsverfahrens, dessen Ergebnis im Urteil vom 30. Juli 2004 letztinstanzlich zu beurteilen war; vgl. BGE 121 V 366 Erw. 1b) als objektiv mangelhaft erscheinen lassen. Diesbezüglich ist die Expertise - gemessen an den nach ständiger Rechtsprechung (BGE 125 V 352 Erw. 3a) geltenden Anforderungen - nicht beweiswertig: Eine Auseinandersetzung mit den medizinischen Akten, welche Verwaltung, kantonales Gericht und Eidgenössisches Versicherungsgericht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent annehmen liessen, fehlt. Dies erstaunt insofern nicht, als die Gutachter einleitend deutlich machen, die medizinischen Unterlagen bis zum Jahr 2002 hätten ihnen "leider" nicht zur Verfügung gestanden; "Angaben" würden "dem Urteil des Sozialversicherungsgerichts bis zu jenem Entscheid entnommen" (Ziff. 1.1). Bei dieser mangelhaften anamnestischen Basis ist dem orthopädischen Teilgutachter ohne weiteres zuzustimmen, dass es "kaum möglich" ist, "bei nahezu vollständig fehlenden Unterlagen nachträglich eine korrekte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in den vergangenen Jahren festzulegen"; nicht gefolgt werden kann ihm freilich in der Schlussfolgerung, dass "aufgrund der anamnestischen Schilderung der Explorandin, wonach ihre Rücken- und Knieschmerzen seit vielen Jahren unverändert sind, (...) postuliert werden" könne, "dass aus orthopädischer Sicht kaum je eine wesentlich höhere Arbeitsunfähigkeit bestanden haben dürfte, als sie heute festgestellt werden kann" (Ziff. 4.1.7). Spezifische Überlegungen hinsichtlich der Auswirkungen des auch im Gutachten diagnostizierten chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndroms und der beidseitigen chronischen femoropatellären Knieschmerzen fehlen. 2.3 Das Vorbringen der Gesuchstellerin, der Versicherten sei "noch nie eine medizinische Arbeitsunfähigkeit im praktischen Leben attestiert" worden, ist aktenwidrig. Der Rheumatologe Dr. R.________ stellte gestützt auf die damaligen Diagnosen (chronische Kniebeschwerden beidseits bei Status nach arthoskopischer Teilmeniskektomie beidseits; Status nach tiefer Beinvenenthrombose rechts; Status nach Sudeck rechts; Status nach OSG-Bandplastik am rechten oberen Sprunggelenk; chronisches lumbospondylogenes Syndrom) fest, seit August 2000 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent in einer leichten Tätigkeit; daran werde sich mittelfristig nichts ändern (Bericht vom 15. Dezember 2000). Auch im IV-Abklärungsbericht vor Ort vom 16. Mai 2001 werden Einschränkungen beschrieben. 2.4 Insgesamt ist festzuhalten, dass das mit dem Revisionsgesuch eingereichte Gutachten nicht geeignet ist, die dem Urteil I 595/03 vom 30. Juli 2004 zugrunde liegenden tatbeständlichen Annahmen zu widerlegen. Die Sachverständigen liefern keine nachvollziehbare Begründung für ihre Schlussfolgerung, der von ihnen im Sommer 2005 erhobene gesundheitliche Status gelte auch retrospektiv über Jahre zurück. So ist nicht einzusehen, weshalb etwa die mit einer Diskusprotrusion und -hernie verbundenen lumbalen Rückenbeschwerden sowie die Folgen diverser aktenkundiger Unfälle in der Vergangenheit nicht zu einer grösseren Beeinträchtigung geführt haben sollten als die aktuellen Befunde. Nicht entschieden werden muss die Frage, ob die gutachtlichen Feststellungen Grundlage für eine Revision der Leistung im Sinne der Art. 87 ff. IVV zu bilden vermögen.