Citation: I 821/05 27.04.2006 E. 2

Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad. Dabei geht aus sämtlichen medizinischen Unterlagen hervor, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Bauarbeiter nicht mehr zumutbar ist. Umstritten ist hingegen, ob und in welchem Ausmass dem Versicherten eine angepasste andere Arbeit noch möglich wäre. 2.1 Der Beschwerdeführer befand sich 31. März bis 15. April 2003 zu einer beruflichen Abklärung in der BEFAS des Spitals X.________. Gemäss dem Bericht des Spitals vom 5. Mai 2003 wurde die Abklärung vorzeitig abgebrochen, da keine weiteren Erkenntnisse mehr zu erwarten seien. Die Leistungsmessung in verschiedenen Arbeitsbereichen habe kein verwertbares Resultat ergeben. Trotz verschiedener Gespräche, in welchen der Versicherte auf die markanten Diskrepanzen zwischen der gezeigten Leistung und der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hingewiesen worden sei, habe er keine andere Arbeitshaltung eingenommen. In einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit bestehe ganztags eine volle Arbeitsfähigkeit. 2.2 Dr. med. I.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, führt im Gutachten vom 17. Januar 2004 aus, der Beschwerdeführer leide seit einem Jahr an einer reaktiv-depressiven Entwicklung. Aktuell habe er eine mittelgradige Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.10) mit mutmasslich deutlich gebessertem, aber psychogen weiter unterhaltenem Schmerzsyndrom und einer Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (F68.0). Es liege keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor, da ein somatisches Korrelat objektiviert sei. Aus psychischen Gründen werde die Schmerzproblematik jedoch überlagert und verlängert. Krankheitsrelevant sei momentan in erster Linie die mittelgradige Depression, welche die Produktivität maximal mittelgradig (Umständlichkeit, Langsamkeit) einschränke. Die depressive Problematik werde völlig insuffizient behandelt. Bei angepasster Behandlung dürfe eine namhafte Besserung erwartet werden. Komplexer verhalte es sich bei der psychogenen Veränderung einer einmal vorhandenen Schmerzproblematik. Hier bedürfe es wohl einer Psychotherapie in der Muttersprache durch einen nicht defätistisch eingestellten Therapeuten. Unbehandelt könne es zur fortschreitenden Beschwerden-Amplifikation, Chronifizierung und Vollinvalidisierung kommen. Zur Zeit sei der Versicherte in einer leichten, wechselbelastenden, angepassten Tätigkeit ganztags mit um 40 % reduzierter Produktivität einsetzbar. Mit optimierter Psychopharmakologie und -therapie sei diese verbesserungsfähig. 2.3 Später wurde der Beschwerdeführer an der Augenklinik und Augenpoliklinik am Spital Y.________ ophthalmologisch untersucht. Gemäss dem entsprechenden Bericht der Klinik vom 30. November 2004 besteht die Einschränkung der Sehfähigkeit seit der frühen Kindheit und hat sich seither nicht verändert. Der Beruf als Bauarbeiter sei nicht mehr zumutbar. Bezüglich der verbliebenen Funktionen und Belastbarkeiten lägen bereits detaillierte Angaben der BEFAS vor. An deren Einschätzung ergebe sich durch das ophthalmologische Gutachten keine Änderung. In einer der Sehbehinderung angepassten Tätigkeit sei von einer 100%igen Belastbarkeit auszugehen. Auf die Frage, welche Rehabilitationsmassnahmen möglich wären, antwortete das Spital Y.________, die im Bericht der BEFAS erwähnte verlangsamte Psychomotorik und Unsicherheit im handwerklichen Bereich sei zu einem erheblichen Teil auf die schlechte Sehschärfe zurückzuführen. Deshalb werde eine Re-Evaluation unter für Sehbehinderte gerechten Bedingungen empfohlen. 2.4 Sämtliche zitierten medizinischen Unterlagen gehen davon aus, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit mindestens noch eine Leistung von 60 % zu erbringen vermag. Im Weiteren bestehen hinsichtlich der im vorliegenden Fall besonders einschränkenden psychischen Problematik Verbesserungsmöglichkeiten. Demgegenüber verursacht die Sehbehinderung keine erheblichen zusätzlichen Einschränkungen, hat sich doch der ophthalmologische Zustand seit der frühen Kindheit nicht verändert und war der Versicherte bis 2002 in der Lage, auf dem Bau zu arbeiten. Was der Beschwerdeführer hiegegen vorbringt, vermag daran nichts zu ändern. Dass er Hilfsmittel von der Invalidenversicherung erhalten hat, ist für sich allein kein Beweis für eine niedrigere Arbeitsfähigkeit, zumal Hilfsmittel auch dazu dienen, diese zu erhalten oder zu erhöhen. Es gibt vollständig blinde Personen, die im Arbeitsmarkt integriert sind und Hilfsmittel erhalten. Da der Versicherte während vieler Jahre bei bis heute unverändert eingeschränktem Sehvermögen arbeiten konnte, ist seine gegenwärtig geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit nicht auf die Sehprobleme, sondern auf die psychischen Leiden zurückzuführen. Die Arbeitsversuche in der BEFAS wurden wegen diesen und nicht wegen des reduzierten Sehvermögens abgebrochen. Die seelischen Beschwerden verursachen aber nach übereinstimmenden Angaben der damit befassten Ärzte keine Einschränkung in einem einen höheren Invaliditätsgrad rechtfertigenden Ausmass. Deshalb besteht kein Anlass zu weiteren Untersuchungen.