Citation: 6B_1236/2018 E. 1.6.4

1.6.4. Die Vorinstanz unterstellt dem Beschwerdegegner keine Kenntnis des Betrugssystems, weil sie ihm ein nachvollziehbares Interesse konzediert, als Buchhaltungs- resp. Revisionsstelle "für seine Kunden eine buchhalterisch zumindest vertretbare Lösung anzubieten" resp. "einen Ausgleich zwischen dem Wunsch des Kunden zur Erledigung der administrativen Pflichten und dem Anspruch des Gesetzgebers nach einer ordnungsgemässen Dokumentation der Geschäftstätigkeit zu finden" (angefochtenes Urteil S. 35). Selbst wenn ihm angelastet werde, dem Kundeninteresse derart nachgegeben zu haben, dass die ordnungsgemässe Dokumentation der Geschäftstätigkeit nicht mehr gewährleistet gewesen sei, verletze dies zwar die Sorgfaltspflicht. Immerhin hätten die unrichtigen Angaben des Beschwerdegegners die C.________ gegen aussen als funktionierende Aktiengesellschaft dargestellt. Ohne das Wissen um die Verwendung für einen täuschenden Gebrauch, hier zur Irreführung der Anleger, Behörden etc. über den Bestand des betrügerischen Konstruktes, bestehe aber keine Täuschungsabsicht. Aus dem Wissen, dass die Jahresabschlüsse und Revisionsberichte bei Bedarf Behörden und Privaten vorgelegt würden, allein ergebe sich eine solche Absicht nicht. Der Vorwurf, den Interessen des Auftraggebers, hier der C.________, "derart nachgegeben zu haben, dass die ordnungsgemässe Dokumentation nicht mehr gewährleistet ist", betreffe (bloss) eine Sorgfaltspflichtverletzung. Für die Beschwerdeführerin beruht der vorinstanzliche Schluss, der Beschwerdegegner habe nicht gewusst, dass seine Buchhaltung resp. Revisionsberichte zu Täuschungszwecken (Irreführung der Anleger, Behörden usw.) gebraucht würden, auf einer offensichtlich falschen Feststellung des Sachverhalts. Sie wendet ein, dass Jahresrechnungen, die die tatsächliche finanzielle Situation der C.________ aufgezeigt hätten, bei der Selbstregulierungsorganisation "Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen" (SRO-VQF) und den Steuerbehörden Reaktionen hervorgerufen hätten. Die (infolge der ungenügenden Deckung der Kundenguthaben) spätestens seit Ende 2003 bestehende faktische Überschuldung hätte Sanktionen der Selbstregulierungsorganisation bewirkt. Nach Eintritt der Überschuldung sei A.________ als Revisor nach Art. 728c Abs. 1-3 OR bei Gesellschaftsorganen und Gericht anzeigepflichtig geworden. Mit dem entsprechenden Wissen sei auch eine (Eventual-) Absicht zur Täuschung im Sinn von Art. 251 Ziff. 1 StGB gegeben. Die Vorinstanz selbst habe eine Vielzahl angeklagter gravierender Fehlbuchungen bestätigt (vgl. angefochtenes Urteil, S. 23 f. E. 4b/bb). Damit die Annahme einer Eventualabsicht zur Täuschung und Vorteilsverschaffung in Betracht fällt, muss eine blosse (für den Tatbestand von Art. 251 StGB nicht ausreichende) Sorgfaltspflichtverletzung ausgeschlossen werden. Eine Schädigungs- oder Vorteilsverschaffungsabsicht setzt voraus, dass mit den von der Beschwerdeführerin aufgezeigten Aussenwirkungen ein bestimmtes Ziel verfolgt wird, d.h. hier, den Fortbestand eines unrechtmässigen Vorteils zu ermöglichen. Sofern die unrichtige Beurkundung rechtlich erheblicher Tatsachen den Umständen nach nicht mehr als Sorgfaltswidrigkeit im Rahmen eines (im Sinn der Vorinstanz) "kundenfreundlichen" Verständnisses der Funktion einer Buchführungs- oder Revisionsstelle gewertet werden kann, stellt sich die Frage, ob der Beschwerdegegner bewusst zum Funktionieren oder zur Aufrechterhaltung einer illegalen Aktivität beitragen wollte. Der tatsächliche Kenntnisstand des Beschwerdegegners kann dabei insoweit offenbleiben, wie es keine Rolle spielen kann, ob er allenfalls bewusst die Augen vor dem sich aufdrängenden Gesamtbild eines Betrugssystems verschlossen hat. Wer sich bewusst für Nichtwissen entscheidet, kann sich nicht darauf berufen, er habe die Erfolgsverwirklichung nicht für möglich gehalten (BGE 135 IV 12 E. 2.3.1 S. 17; Urteil 6B_910/2019 vom 15. Juni 2020 E. 2.2.4.4).