Citation: 6B_1391/2016 E. 4.3

4.3. Allerdings schliesst die Vorinstanz nicht aus, dass die verschlossene Postsendung, welche den Bankkontoauszug vom 6. Juli 2004 enthielt, vom Postangestellten fälschlicherweise in den Briefkasten der Beschwerdeführerin eingeworfen worden sein könnte (siehe angefochtener Entscheid S. 29). In diesem Fall könnte die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Öffnens der Postsendung möglicherweise irrtümlich angenommen haben, dass die in ihrem Briefkasten liegende Postsendung tatsächlich für sie bestimmt sei, sie also zum Öffnen berechtigt sei, so dass in Bezug auf die Tatbestandsvariante gemäss Art. 179 Abs. 1 StGB nach einem zutreffenden Einwand in der Beschwerde (S. 23 Rz. 39) der erforderliche Vorsatz nicht gegeben wäre. Diesfalls hätte die Beschwerdeführerin aber gleichwohl die Tatbestandsvariante gemäss Art. 179 Abs. 2 StGB erfüllt, wonach bestraft wird, wer Tatsachen, deren Kenntnis er durch Öffnen einer nicht für ihn bestimmten verschlossenen Schrift oder Sendung erlangt hat, verbreitet oder ausnützt. Die Tatbestandsvariante gemäss Art. 179 Abs. 2 StGB kann auch erfüllen, wer die Vortat im Sinne von Art. 179 Abs. 1 StGB nicht vorsätzlich beging, also die objektiv nicht für ihn bestimmte Schrift versehentlich öffnete (siehe VON INS/WYDER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N. 42 zu Art. 179 StGB). Ein Verhalten im Sinne von Art. 179 Abs. 2 StGB wird der Beschwerdeführerin in tatsächlicher Hinsicht ebenfalls zur Last gelegt, wird ihr doch vorgeworfen, sie habe im Rahmen des inkriminierten Erpressungsversuchs A.________ den Bankkontoauszug vorgezeigt.