Citation: 6B_512/2020 E. 2.3

2.3. Der Beschwerdeführer rügt zusammengefasst, die Beurteilung des gesamten Handlungsablaufs durch die Vorinstanz falle zu wenig differenziert aus. Er habe stets kohärent geltend gemacht, den Beschwerdegegner, der ihn stark umklammert habe, durch eine heftige "Befreiungsbewegung" verletzt zu haben. Dabei habe er dessen Gesicht und Brille gestreift. Die Verletzung sei durch das Abstreifen der Brille entstanden. In der Folge habe sich der Beschwerdegegner kurzzeitig abgewandt, weshalb er (der Beschwerdeführer) einen unmittelbar bevorstehenden Angriff erwartet habe. Er sei dem Beschwerdegegner mit zwei Schlägen zuvorgekommen, um sich vor dem körperlich überlegenen Gegner zu schützen. Die Vorinstanz differenziere nicht zwischen den beiden Sachverhaltsteilen "Befreiungsbewegung" und "Verteidigungsschläge" und würdige sie als eine Tateinheit. Die nach dem Befreiungsschlag ausgeführten Schläge hätten nicht die Verletzungen bewirkt. Gegenteiliges sei weder untersucht noch bewiesen worden. Da er mit der "Befreiungsbewegung" primär und ausschliesslich das Ziel verfolgt habe, sich aus der Umklammerung zu lösen, habe er nicht mit Verletzungsvorsatz gehandelt. Er habe nie gesagt, dass er den Beschwerdegegner wissentlich und willentlich habe verletzen wollen oder dies in Kauf genommen habe. Eventualiter seien die nach dem Befreiungsschlag ausgeführten Schläge in Notwehr und deshalb rechtmässig erfolgt. Zumindest sei er überzeugt gewesen, dass der Beschwerdegegner ihn nun angreifen wolle, weshalb Putativnotwehr zu bejahen sei. E igentlicher Angelpunkt der Verteidigung ist mithin die mehrfach wiederholte Darstellung, dass der Beschwerdeführer sich in einem ersten Moment mit einer "Befreiungsbewegung" aus der heftigen Umklammerung löste und dadurch dem Beschwerdegegner ungewollt die fraglichen Verletzungen zufügte. Was der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Beweiswürdigung im Einzelnen eingehend geltend macht, vermag weder Willkür bei der Sachverhaltsfeststellung noch eine Verletzung der Unschuldsvermutung zu begründen. Er hält etwa fest, er habe stets bestritten, den Beschwerdegegner vorsätzlich verletzt zu haben. Vielmehr habe er immer wieder und mehrheitlich ohne Widersprüche zu Protokoll gegeben, die fragliche Verletzung durch eine "Befreiungsbewegung" zugefügt zu haben. Er habe stets die "beiden Handlungsmomente" betont. Dieser schlüssigen Sachverhaltsvariante schenke die Vorinstanz keinen Glauben. Treffe die Vorinstanz diese Unterscheidung nicht, sei dies willkürlich. Der Sachverhalt sei illiquide. Die Vorinstanz blende die Widersprüche in den Aussagen des Beschwerdegegners aus. Dieser habe zudem vor der Einvernahme Zeit zur Reflektion gehabt. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass seine Wahrnehmung der Wahrheit näher komme als die Darstellung des Beschwerdegegners. Dessen Rolle als ursprünglichen Angreifer ignoriere die Vorinstanz wiederholt. Mit diesen Ausführungen beschränkt sich der Beschwerdeführer darauf, zum vorinstanzlichen Beweisergebnis wie in einem appellatorischen Verfahren frei zu plädieren. Er legt dar, wie seiner Auffassung nach seine Aussagen und jene des Beschwerdegegners richtigerweise zu würdigen gewesen wären. Solche allgemein gehaltenen Einwände sind ungenügend und erschöpfen sich in einer unzulässigen appellatorischen Kritik am angefochtenen Entscheid. Sie setzen eine freie Prüfung in tatsächlicher Hinsicht voraus, welche das Bundesgericht nicht vornimmt. Die Vorinstanz setzt sich im Detail mit dem Aussageverhalten des Beschwerdeführers zu Art und Intensität der Umklammerung, zur behaupteten eigenen Verletzung (Einblutung der Bindehaut durch den Druck der Umklammerung) sowie zur Art der vorgebrachten "Befreiungsbewegung" mit der halb offenen Hand und der Anzahl Schläge auseinander. Die entsprechenden Aussagen würdigt sie als nicht glaubhaft. Bringt der Beschwerdeführer etwa vor, es fehle eine Auseinandersetzung mit dem Verletzungsbild, ist dies unzutreffend (Entscheid S. 16). Ebenso wenig verkennt die Vorinstanz, dass beide Kontrahenten ein gegenseitiges Festhalten schilderten. Ihre Beweiswürdigung kann nicht als unhaltbar bezeichnet werden. Hält der Beschwerdeführer fest, das Beweisergebnis lasse auch die von ihm geschilderte Sachverhaltsvariante zu, dringt seine Argumentation nicht durch. Selbst wenn dies zuträfe, führte dies nicht zu einer Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids. Willkür liegt nach ständiger Rechtsprechung nur vor, wenn die vorinstanzliche Beweiswürdigung schlechterdings unhaltbar ist (BGE 145 IV 154 E. 1.1 S. 155 f. mit Hinweisen). Dass eine andere Lösung ebenfalls als vertretbar oder gar zutreffender erscheint, genügt nicht (BGE 144 I 113 E. 7.1 S. 124 mit Hinweis).