Citation: 1C_489/2015 E. 4.1

4.1. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführerin bei der Erweiterung der Schreinerei die Notwendigkeit einer Baubewilligung bekannt gewesen wäre. Andererseits ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie zumindest entsprechende Zweifel hätte haben sollen und sich bei den Baubehörden hätte erkundigen müssen. In dieser Unterlassung ist eine, wenn unter den gegebenen Umständen auch nicht schwer wiegende Fahrlässigkeit zu erblicken, die den guten Glauben ausschliesst (BGE 132 II 21 E. 6.1 S. 35 f. und E. 8.1 S. 45). Es erscheint zudem nicht als erstellt, dass die Baubehörden, hätte sich die Beschwerdeführerin bei ihnen erkundigt, die Bewilligungsfreiheit bestätigt hätten. Zwar hielt die Bauabteilung in ihrem Schreiben vom 26. April 2010 an die Einsprecher fest, sie gehe klar davon aus, es handle sich nur um Unterhaltsarbeiten und bauliche Änderungen im Gebäudeinnern, die keine Baubewilligung benötigten. Dabei handelte es sich aber offensichtlich nur um eine vorläufige Einschätzung, die unter dem Vorbehalt einer gründlicheren Abklärung des Sachverhalts stand. Die Bauabteilung fügte denn auch sogleich hinzu, sie werde dennoch am 30. April 2010 eine Kontrolle vor Ort durchführen und die Angaben überprüfen. Es schloss mit folgenden Worten: "Aus den erwähnten Gründen und dem jetzigen Wissensstand erachten wir ein Baugesuchsverfahren als unnötig. Unsere Kontrolle vor Ort und die Überprüfung der beco werden aber für weitere Massnahmen entscheidend sein." Wie bereits die BVE in ihrem Entscheid darlegte, entschied die Gemeinde letztlich ohnehin nicht selbst über die Baubewilligungspflicht, sondern unterbreitete die Frage dem Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland. Unter diesen Voraussetzungen ist der Beschwerdeführerin nicht zu folgen, wenn sie vorbringt, eine Erkundigung bei den zuständigen Behörden hätte zu keinem anderen Ergebnis geführt.