Citation: 5A_972/2020 E. 7.2.6

7.2.6. 7.2.6.1. Der Erneuerungsfonds ist ein durch einmalige oder periodische Beiträge der Stockwerkeigentümer geäufnetes zweckgebundenes Sondervermögen, welches die Ausführung künftiger Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten erleichtern soll. Er ist Bestandteil des Verwaltungsvermögens der Stockwerkeigentümergemeinschaft als Verwaltungsgemeinschaft, welche von Gesetzes wegen zivilrechtlich dahingehend verselbständigt ist, dass ihr insofern die Handlungsfähigkeit sowie im Verfahren die Partei- und Prozessfähigkeit zukommt, als sie im Zusammenhang mit der Verwaltungstätigkeit in eigenem Namen klagen und beklagt werden kann (vgl. Art. 712l Abs. 1 und 2 ZGB; BGE 145 III 121 E. 4.3.3 mit Hinweisen). Der geäufnete Erneuerungsfonds erhöht den Gesamtwert des Stockwerkeigentums und somit auch den Wert der einzelnen Stockwerkeinheiten. Er kann indes nicht vom Stockwerkanteil getrennt werden. Der Verkauf eines Anteils führt daher dazu, dass der neue Eigentümer automatisch in den Genuss der von seinem Vorgänger geäufneten Beiträge kommt; ein Anteil am Erneuerungsfonds kann nicht separat veräussert werden (zum Ganzen: WERMELINGER, Das Stockwerkeigentum, a.a.O., N. 116 ff. zu Art. 712l ZGB). 7.2.6.2. Im Gegensatz zur Frage, ob die Balkone saniert werden sollen, sind die Eigentümer der Bastelzimmer wie auch jene der unterirdischen Einstellhalle vom Bezug eines Teilbetrages von Fr. 120'000.-- aus dem Erneuerungsfonds unmittelbar betroffen. Indes geht es nicht um ihre Eigentumsrechte als solche, sondern um vermögensrechtliche Aspekte der Stockwerkeigentümergemeinschaft. Zwar ist der Beschluss über die Verwendung von Mitteln aus dem Erneuerungsfonds formell fehlerhaft zustande gekommen. Hingegen sollen die dem Erneuerungsfonds entnommenen Mittel die willkürfrei als notwendig bezeichneten Sanierungskosten decken (E. 6 oben). Damit sind weder die Grundstrukturen der Stockwerkeigentümergesellschaft, noch zwingende Schutzrechte der Stockwerkeigentümer betroffen. Auch diesbezüglich kann nicht auf Nichtigkeit des Beschlusses erkannt werden.