Citation: U 377/01 07.11.2002 E. 2.2

2.2.1 Medizinische Privatgutachten stellen gleich wie vom Unfallversicherer bei verwaltungsunabhängigen Ärzten eingeholte Administrativgutachten Beweismittel dar, welche die Feststellung und Klärung rechtserheblicher, medizinischer Sachverhalte und Zusammenhänge bezwecken. Verfahrensrechtlich besteht allerdings ein wesentlicher Unterschied insofern, als der Unfallversicherer bei der Einholung eines Administrativgutachtens die Mitwirkungs- und Parteirechte des Versicherten gemäss Art. 57 ff. BZP i.V.m. Art. 19 VwVG sinngemäss zu beachten hat (BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb mit Hinweis), währenddem dies umgekehrt für den Versicherten bei Einholung eines Privatgutachtens nicht gilt. Es kann daher keine Rede davon sein, dass durch Einholung eines Privatgutachtens die aus dem Untersuchungsgrundsatz fliessende Pflicht des Unfallversicherers zur richtigen und vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 47 UVG i.V.m. Art. 54 ff. UVV) verletzt werde. Im Gegenteil, Privatgutachten sind geeignet, zur Sachverhaltsabklärung Wesentliches beizutragen, indem sie je nach Kompetenz des Gutachters und Qualität seiner Ausführungen und Untersuchungen die Auffassungen und Schlussfolgerungen eines förmlich bestellten Gerichts- oder Administrativgutachters zu erschüttern vermögen (AHI 2001 S. 115 Erw. 3c). Der Umstand allein, dass ein medizinisches Gutachten vom Versicherten selbst eingeholt und in das Verfahren eingebracht worden ist, rechtfertigt daher weder dessen Beweistauglichkeit noch dessen Beweiswert grundsätzlich in Frage zu stellen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/dd mit Hinweis). 2.2.2 Soweit die SUVA eine Gehörsverletzung geltend macht, weil das Privatgutachten Dr. B.________ erst im vorinstanzlichen und nicht bereits im Administrativverfahren verurkundet worden ist, kann ihr ebenfalls nicht beigepflichtet werden. Denn die SUVA hatte sowohl im Rahmen der vorinstanzlichen Vernehmlassung als auch in ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde Gelegenheit, Einreden gegen die Beweiskraft des Privatgutachtens zu erheben. Ihr Anspruch auf rechtliches Gehör ist damit bezüglich dieses nicht von ihr selbst eingeholten Beweismittels gewahrt worden.