Citation: 6B_968/2021 E. 2.6

2.6. Zutreffend ist, dass aufgrund des Alters des Beschwerdegegners 2 im Tatzeitraum vorderhand einzig die Ausfällung eines Strafbefehls (und keine Überweisung an das Jugendgericht) in Frage kommt (vgl. Art. 13 ff. JStG und Art. 21 ff. JStG i.V.m. Art. 34 JStPO Abs. 1 lit. a bis c JStPO). Nach sorgfältiger Klärung, ob ein Einstellungsgrund vorliegt, wird die Vorinstanz indes zu berücksichtigen haben, dass sich der Grundsatz "in dubio pro reo" nur auf die beweismässige Würdigung des Sachverhalts, nicht auf dessen rechtliche Subsumtion bezieht. Ist mithin der Ablauf des tatsächlichen Geschehens zweifelhaft, muss die urteilende Behörde ihrem Urteil diejenige Variante zugrunde legen, die für die beschuldigte Person vorteilhafter ist. Bestehen hingegen Zweifel, wie die Tat rechtlich zu beurteilen ist (i.c. ob die tatsächlichen Verhältnisse ausreichen, um in rechtlicher Hinsicht eine "tatsituative Zwangssituation" i.S.v. Art. 189 Abs. 1 StGB zu bejahen), ist gestützt auf das materielle Strafrecht zu entscheiden und nicht die für die angeklagte Person günstigere Lösung zu wählen (SCHMID, a.a.O., N. 241; ESTHER TOPHINKE, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 76 zu Art. 10 StPO m.w.H.; WOHLERS, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, a.a.O., N. 15 zu Art. 10 StPO; OBERHOLZER, a.a.O., N 1091, mit Hinweis auf BGE 120 Ia 31 E. 2b). Mithin gelangt diesfalls allein der Grundsatz in "dubio pro duriore" zur Anwendung und ist in Konstellationen, in denen nicht offensichtlich ist, dass kein Tatbestand erfüllt ist (Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO), ein Strafbefehl zu erlassen, welcher alsdann (auf Einsprache hin) einer gerichtlichen Überprüfung zugänglich ist.