Citation: 6S.195/2005 26.08.2005 E. 4

Gemäss Art. 125 StGB wird auf Antrag mit Gefängnis oder mit Busse bestraft, wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt (Abs. 1). Ist die Schädigung schwer, so wird der Täter von Amtes wegen verfolgt (Abs. 2). Schwer im Sinne dieser Bestimmung ist die Körperverletzung, welche die Anforderungen von Art. 122 StGB erfüllt (BGE 93 IV 12). Der Begriff der schweren Körperverletzung stellt einen auslegungsbedürftigen unbestimmten Rechtsbegriff dar. Steht ein Grenzfall zur Diskussion, weicht das Bundesgericht insoweit nur mit einer gewissen Zurückhaltung von der Auffassung der Vorinstanz ab (BGE 129 IV 1 E. 3.2). Eine lebensgefährliche Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB darf nur angenommen werden, wenn die Verletzung zu einem Zustand geführt hat, in dem sich die Möglichkeit des Todes dermassen verdichtete, dass sie zur ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit wurde (BGE 109 IV 18 E. 2c S. 20). Wie in BGE 131 IV 1 E. 1.1 etwas abschwächend ausgeführt wurde, bedeutet dies aber nicht, dass die Lebensgefahr notwendigerweise eine zeitlich unmittelbare, akute sein muss. Massgebend ist vielmehr die erhebliche Wahrscheinlichkeit des tödlichen Verlaufs (mit Hinweis auf BGE 125 IV 242 E. 2b/dd; vgl. Günter Stratenwerth/Guido Jenny, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 6. Aufl., Bern 2003, § 3 N. 35). Nach dem ärztlichen Bericht der Spitalregion St. Gallen/Rorschach vom 5. Juli 2004, der als Grundlage für die Verfügungen sowohl der Staatsanwaltschaft wie auch der Vorinstanz diente, bestand vor der erfolgten ärztlichen Intervention keine unmittelbare Lebensgefahr. Es lag bei Eintreffen der Rettungsequipe auf dem Unfallplatz und auch später während der Betreuung auf der Notfallstation oder der chirurgischen Intensivstation nie eine Kreislaufinstabilität vor. Auch die Atmung war nie lebensgefährlich beeinträchtigt, trotz eines rechtsseitigen Pneumothorax (ND 12/5/7, S. 1). Allerdings schliesst der Bericht auch nicht aus, dass insbesondere der Blutverlust aus der Milz und die Leberverletzung im weiteren Verlauf ohne ärztliche Intervention zu einer unmittelbaren Lebensgefährdung geführt hätte, während dies von Seiten des Pneumothorax nicht exakt eruierbar sei (a.a.O., S. 2). Die Vorinstanz leitet aus diesem Bericht zu Recht ab, dass die Möglichkeit des Eintritts einer unmittelbaren Lebensgefahr - ohne ärztliche Behandlung - zwar sehr wahrscheinlich erschienen sei, dass aber die Möglichkeit des Todes gerade noch nicht dermassen verdichtet gewesen sei, dass sie zur ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit geworden wäre (BGE 109 IV 18 E. 2c; vgl. Jörg Rehberg/Niklaus Schmid/Andreas Donatsch, Strafrecht III, 8. Aufl., Zürich 2003, S. 56; Andreas Roth, Strafgestzbuch II, Basler Kommentar, Art. 122 N. 4). Damit hat die Vorinstanz entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht die ärztliche Behandlung in ihre Beurteilung miteinbezogen, was unzulässig wäre (BGE 109 IV 18 E. 2d). Sie hat vielmehr eine ernsthafte Lebensgefahr im Sinne der Rechtsprechung verneint. Wie die Vorinstanz festhält, liegt ein Grenzfall zur schweren Körperverletzung vor. Der Kassationshof weicht in solchen Fällen nach der erwähnten Rechtsprechung nur mit einer gewissen Zurückhaltung von der Auffassung der Vorinstanz ab. Für ein Abweichen besteht kein Anlass. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.