Citation: 2C_389/2022 E. 6.3

6.3. Im vorliegenden Fall sind die Migrationsbehörden am 27. Oktober 2017 auf den anhaltenden Sozialhilfebezug hingewiesen worden. In der Folge haben sie sich am 8. November 2017 schriftlich an den Beschwerdeführer gewandt. Nach längerer Korrespondenz reichte der Beschwerdeführer letztmals am 27. Juni 2019 verschiedene Beilagen ein. Danach gewährte ihm das Migrationsamt am 6. August 2019 das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Bewilligungswiderruf (vgl. E. 3.2.4 des angefochtenen Urteils). Im Lichte der vorher dargelegten Rechtsprechung haben die Migrationsbehörden erst mit der Gewährung des rechtlichen Gehörs vom 6. August 2019 zum Ausdruck gebracht, dass sie die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers zu widerrufen beabsichtigen, und damit das entsprechende Verfahren eingeleitet. Dass es bereits zuvor zu Abklärungen gekommen ist, ändert nichts daran. Im Übrigen geht der Beschwerdeführer zu Unrecht davon aus, bei einer Verfahrenseinleitung per Ende 2017 könne seine Niederlassungsbewilligung nicht mehr widerrufen werden. Beim Sozialhilfebezug des Beschwerdeführers handelt es sich um einen Dauersachverhalt. Selbst wenn die Behörden ein Widerrufsverfahren einleiten und keinen Widerruf verfügen - etwa aus Gründen der Verhältnismässigkeit -, ist es ihnen unbenommen, den Widerruf bei anhaltendem Sozialhilfebezug zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu prüfen. Insoweit hätte das Migrationsamt, selbst wenn von einer Verfahrenseinleitung per Ende 2017 auszugehen wäre, dieses Verfahren ohne Weiteres formlos einstellen und später ein neues Verfahren einleiten können. Damit findet auf das vorliegende Verfahren das neue Recht Anwendung.