Citation: 1P.457/2001 22.01.2002 E. 4

4.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass sie zwar aufgrund Intelligenz, Ausbildung und Lebenserfahrung im Normalfall durchaus ihr tägliches Leben und das ihrer Kinder zu bewältigen vermöge, zufolge des durch den Bericht Steinbach vom 20. März 2001 belegten psychischen Abhängigkeitsverhältnisses zu Y.________ diesem gegenüber aber zu adäquater Interessenwahrung, zu Gegenwehr und Abgrenzung nicht hinreichend fähig sei. Das Obergericht werde diesem Abhängigkeitsverhältnis nicht gerecht, wenn es davon ausgehe, dass die Beschwerdeführerin jenen sexuellen Kontakt, dessen Vorgeschichte und Umstände zur Strafanzeige Anlass gegeben hatten, letztlich freiwillig gesucht habe. Der Hergang zeige gerade die Willenlosigkeit der Beschwerdeführerin im Verhältnis zu Y.________. Allein aus dieser Situation lasse sich auch der Rückzug des Strafantrages vor Weihnachten 2000 erklären. Die Annahme, dass jemand in einem aus einer solchen Situation hervorgegangenen Verfahren nicht eines rechtlichen Beistandes bedürfe, um seine rechtlichen Interessen gegenüber dem Schädiger zu wahren, sei nicht nachvollziehbar und verletze Art. 29 Abs. 3 BV. 4.2 Die Akten legen den Schluss nahe, dass die Beschwerdeführerin unter einem gewissen Druck von Y.________ und in psychischer Abhängigkeit zu ihm steht. Dies hält der Bericht Steinbach, auf den auch das Obergericht Bezug nimmt, in nachvollziehbarer Weise fest. Dennoch war die Beschwerdeführerin in der Lage, eine Strafanzeige einzureichen und sogar den ihr abgenötigten Rückzug zu widerrufen. Ihre Angaben in den Einvernahmen sind zudem klar und differenziert. Unter diesen Umständen genügt die - an sich glaubhafte - psychische Situation der Beschwerdeführerin für sich allein nicht, um einen Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand zu begründen. Die Erwägung des Obergerichts, dass zur Überwindung der psychischen Abhängigkeitssituation vorab psychologische Beratung und Wegleitung erforderlich erscheine, ist nicht zu beanstanden.