Citation: 6P.131/2005 16.03.2006 E. 4

Die erwähnten Sorgfaltspflichtverletzungen stehen wohl teilweise in einem engen Bezug zueinander. Diese Tatsache ist der Vorinstanz jedoch nicht entgangen, wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt. Den Vorwurf, das HELLP-Syndrom nicht in die Differenzialdiagnose einbezogen zu haben, begründet die Vorinstanz damit, dass A.________ gegen Abend unter Oberbauchschmerzen und Übelkeit litt, den klinischen Leitsymptomen der genannten Krankheit. Sie verweist auf das Gutachten von Prof. Dr. D.________, wonach bei Oberbauchschmerzen ein HELLP-Syndrom so lange in die Diagnose einbezogen werden muss, als es nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Nach dem Gutachter war zwar die Diagnose einer stressbedingten Gastritis oder eines Ulcus auch vertretbar, doch hätte eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung, insbesondere ein HELLP-Syndrom, in die Differenzialdiagnose miteinbezogen werden müssen. Der Einwand des Beschwerdeführers, die Blutdruckwerte hätten in jenem Zeitpunkt noch nicht vorgelegen, geht offensichtlich fehl, da der festgestellte Diagnosefehler gar nicht daran anknüpft. Der Beschwerdeführer beruft sich gegenüber dem weiteren Vorwurf, er hätte auf dem Beizug und der Einsichtnahme in die Krankengeschichte bestehen müssen, um sich im Detail über die früheren Feststellungen informieren zu können, auf das Fehlverhalten der Assistenzärztinnen, die seine Anweisung zum Beizug der Krankengeschichte nicht befolgt hätten. Diese Argumentation ist befremdlich. Der Beschwerdeführer durfte ohne die erforderlichen Informationen, wozu der Beizug der Krankengeschichte gehört hätte, keine Diagnose stellen und hätte deshalb seine Anweisung zum Beibringen der Krankengeschichte durchsetzen müssen (vgl. BGE 130 IV 7 E. 4.3 S. 14 f.). Auch die beiden weiteren Sorgfaltspflichtverletzungen sind entgegen der Behauptung in der Beschwerde nicht die blosse Folge der bereits erwähnten Pflichtwidrigkeiten, sondern haben selbständigen Charakter. Es kann auf die überzeugenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden. Dasselbe gilt mit Bezug auf die Voraussehbarkeit und die Vermeidbarkeit des Todes von A.________. Der angefochtene Entscheid verletzt daher Art. 117 StGB nicht.