Citation: I 613/02 10.03.2003 E. 2

2.1 Nach Lage der Akten steht fest, dass der Beschwerdegegner in seinem angestammten Beruf als Landschaftsgärtner aufgrund eines chronifizierten lumboradikulären Schmerz- und sensomotorischen Ausfallsyndroms L4 links bei Status nach Diskushernieoperation L4/L5 sowie belastungsabhängiger Rückenschmerzen, wenn überhaupt, zu maximal 50 % arbeitsfähig ist, sofern das Heben von Lasten über 15 kg vermieden wird. Die Frage der (Rest-) Arbeitsfähigkeit in einer anderweitigen, leidensangepassten Tätigkeit lässt sich nach Auffassung des kantonalen Gerichts aufgrund der als widersprüchlich beurteilten medizinischen Aktenlage nicht schlüssig beantworten und bedarf daher - ebenso wie Möglichkeit und voraussichtlicher Erfolg beruflicher Eingliederungsmassnahmen - zusätzlicher Abklärungen. Die Beschwer-deführerin bestreitet die unvollständige Sachverhaltsermittlung im We-sentlichen mit der Begründung, "Restunschärfen" in den verfügbaren ärztlichen Einschätzungen zur verbleibenden Arbeitsfähigkeit minder-ten, da sachimmanent, die Beweistauglichkeit der Arztberichte nicht; sie seien aller Voraussicht nach auch durch zusätzliche Beweisvorkehren nicht auszuräumen. 2.2 Der Beschwerdeführerin ist darin beizupflichten, dass den ärztlichen Stellungnahmen zur Arbeits(un)fähigkeit und den Darlegungen zu der einer versicherten Person aus medizinischer Sicht noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit naturgemäss Ermessenszüge eignen, wie das Eidgenössische Versicherungsgericht namentlich mit Blick auf die unter die Kategorie der psychischen Leiden fallenden (oft depressiv überlagerten) Schmerzverarbeitungsstörungen hervorgehoben hat (siehe etwa Urteile R. vom 2. Dezember 2002 [I 53/02] Erw. 2.2, Y. vom 5. Juni 2001 [I 266/00] Erw. 1c, S. vom 2. März 2001 [I 650/99] Erw. 2c, B. vom 8. Februar 2001 [I 529/00] Erw. 3c und A. vom 19. Oktober 2000 [I 410/00] Erw. 2b). Ein Arztbericht entbehrt mithin nicht von vornherein der Beweistauglichkeit, wenn der (immanente) Schätzungscharakter des ärztlich attestierten Arbeits(un)fähigkeitsgrades mit relativierenden Worten wie "ungefähr" oder "etwa" zum Ausdruck gebracht wird. Im Lichte des unter Erw. 1.2. hievor Gesagten darf darauf indes nur dann abgestellt werden, wenn - in Gesamtwürdigung der medizinischen Aktenlage - anzunehmen ist, dass die von medizinischer Seite als zumutbar erachtete (Rest-) Arbeitsfähigkeit nicht nur möglicherweise, sondern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht (vgl. BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen). Diese Schlussfolgerung lassen die verfügbaren Arztberichte im hier zu beurteilenden Fall nach den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz nicht zu. Wenn der Hausarzt Dr. med. H.________, im Bericht vom 8. Januar 2002 von einer Einsatzfähigkeit in wechselbelastenden, leichteren Tätigkeiten von "ca. 6 bis 7" Stunden täglich spricht (was bei einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahre 2002 von 41, 8 Stunden einem Arbeitsfähigkeitsgrad von rund 78 % entspricht) bzw. feststellte, selbst bei leichterer Arbeit wäre eine zeitliche Einschränkung "wahrscheinlich nötig", Dr. med. K.________, demgegenüber zu einem früheren Zeitpunkt ein Leistungsvermögen von "wahrscheinlich" neun Stunden pro Tag angenommen hat (Bericht vom 5. November 1999) und Dr. med. L.________, Oberarzt an der Neurochirurgischen Klinik des Spitals X.________, schliesslich am 26. Oktober 1999 den Beschwerdegegner in leidensadaptierter Tätigkeit "unter Umständen bis 100 %" arbeitsfähig einstufte (und später - ohne Hinweis auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit Verfügungserlass - eine verbleibende "Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 %" attestierte), so handelt es sich hierbei nicht mehr um "Restunschärfen", wie die Beschwerdeführerin behauptet. Vielmehr überwiegt in den erwähnten Stellungnahmen der spekulative Charakter in einem Masse, dass sich die Annahme einer 100 %-igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit bei gesamthafter Betrachtung nicht mehr unter Hinweis auf den Ermessensanteil einer jeden ärztlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit rechtfertigen lässt. Vor diesem Hintergrund hat die Vorinstanz zu Recht zusätzliche Beweisvorkehren als angezeigt erachtet. An diesem Ergebnis vermögen die Vorbringen in der Verwaltungsge-richtsbeschwerde nichts zu ändern. Nicht stichhaltig ist insbesondere das Argument der Beschwerdeführerin, die mit der Annahme eines 100 %igen Leistungsvermögens in leidensangepasster Tätigkeit verbleibenden Unstimmigkeiten liessen sich bei der Invaliditätsbemessung durch Gewährung eines sog. leidensbedingten Abzugs vom trotz Gesundheitsschadens zumutbarerweise erzielbaren Einkommen (Invali-deneinkommen) in der maximal zulässigen Höhe von 25 % (BGE 126 V 78 ff. Erw. 5; AHI 2002, S, 67 ff. Erw. 4 mit Hinweisen) hinreichend kompensieren. Die Funktion des leidensbedingten Abzugs liegt in ers-ter Linie darin, im Rahmen des Einkommensvergleichs (Erw. 1.1 hie-vor) statistische Verzerrungen zu beheben, die sich im Einzelfall zufol-ge Abstellens auf tabellarische, individuell-lohnrelevante Faktoren ausklammernde Durchschnittslöhne ergeben können. Die Möglichkeit eines entsprechenden Abzugs entlastet hingegen die IV-Stelle nicht davon, den Grad der Arbeitsfähigkeit als einem selbstständigen und entscheidenden Element des rechtserheblichen Sachverhalts zuver-lässig und schlüssig abzuklären. 2.3 Der vorinstanzliche Rückweisungsentscheid hält auch insoweit stand, als er die Verwaltung zu näheren Sachverhaltsabklärungen be-züglich des - dem Rentenanspruch grundsätzlich vorangehenden ("Eingliederung vor Rente"; BGE 126 V 241, 121 V 190, 116 V 92) - Anspruchs auf berufliche Eingliederungsmassnahmen anhält. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, der Versicherte sei nicht einglie-derungswillig und es mangle ihm im Übrigen an den nötigen persönlichen Voraussetzungen für eine Umschulung, ist aufgrund der Akten-lage nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Namentlich geben die ver-fügbaren Unterlagen nicht hinreichend Aufschluss darüber, aus welchen Gründen die (einzige) von der IV-Stelle veranlasste ambulante berufliche Abklärung nach kurzer Zeit eingestellt wurde, liegen doch hierzu widersprüchliche Aussagen vor. Nachdem unbestritten ist, dass die für einen Umschulungsanspruch praxisgemäss erforderliche Erheblichkeitsschwelle (Erwerbseinbusse von mindestens 20 %; BGE 124 V 110 Erw. 2b mit Hinweisen) im Falle des Beschwerdegegners jedenfalls erreicht ist und er vor Eintritt der Invalidität als selbstständigerwerbender Landschaftsgärtner durchaus in der Lage war, ein ökonomisch relevantes, bisweilen sogar beachtliches Einkommen zu erzielen (vgl. BGE 118 V 14 Erw. 1c/cc; AHI 2000 S. 191 Erw. 2b/aa), drängt sich mit Blick auf allfällige berufliche Massnahmen eine zu-sätzliche Abklärung auf.