Citation: 6B_478/2022 E. 6.4

6.4. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt ebenfalls als unbegründet, soweit auf sie eingetreten werden kann. Sofern sich die Beschwerdeführerin auf den beantragten Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen Widerhandlung gegen die COVID-19-Verordnung 2 stützt (Beschwerde S. 16), sind ihre Vorbringen gegenstandslos. Es bleibt beim vorinstanzlichen Schuldspruch. An der Sache vorbei geht auch ihr Einwand (Beschwerde S. 16 f.), gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts sei Art. 84 Abs. 1 des Polizeigesetzes vom 10. Februar 2019 (PolG/BE; BSG 551/.1) aufgehoben (BGE 147 I 103 E. 10.5), zumal darin ausdrücklich festgehalten wird, dass die Berner Kantonspolizei die Wegweisungs- oder Fernhaltungsmassnahmen gemäss Art. 83 Abs. 1 PolG/BE trotzdem noch unter der Strafdrohung von Art. 292 StGB anordnen könne, sofern sie dabei den Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachte (BGE 147 I 103 E. 10.5). Die Beschwerdeführerin moniert in diesem Zusammenhang keine Verletzung des Verhältnismässigkeitsgebots. Schliesslich erwägt die Vorinstanz zu Recht, dass sich die Frage einer Subsidiarität von Art. 292 StGB angesichts der unterschiedlichen Rechtsgüter nicht stellt, da der Ungehorsam jeweils gegen eine staatliche Autorität und die Widerhandlungen gegen das in der COVID-19 Verordnung 2 vorgesehene Ansammlungsverbot gegen die öffentliche Gesundheit gerichtet war (vgl. BGE 124 IV 64 E. 4b; 121 IV 29 E. 2b). Der Schuldspruch wegen mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen verletzt kein Bundesrecht.