Citation: 1C_328/2024 E. 5.4

5.4. Beim Verfahren vor der Vorinstanz handelte es sich um ein verwaltungsgerichtliches Klageverfahren. Dieses ist Teil der ursprünglichen Rechtspflege und gehört mangels eines vorbestehenden anfechtbaren Hoheitsaktes nicht zu den Rechtsmittelverfahren; das Recht muss von Anfang an vor Gericht gesucht werden (HÄUSLER/FERRARI-VISCA, Das verwaltungsrechtliche Klageverfahren, in: Jusletter 11. November 2019, S. 2; vgl. auch KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffentliches Verfahrensrecht, 3. Aufl. 2021, N. 1180). Dass im Beschwerdeverfahren die Behörde das Anfechtungsobjekt setzt und der Betroffene (innert Frist) reagieren muss, im Klageverfahren aber der Kläger die Initiative ergreift und versucht, ein Urteil in seinem Sinn durchzusetzen, macht aus den beiden Verfahren noch keine Gegensätze. Die Unterschiede zwischen Klage- und Beschwerdeverfahren hängen letztlich von den zugrunde liegenden verfahrensrechtlichen Bestimmungen ab (MICHAEL MERKER, Die verwaltungsrechtliche Klage, in: Brennpunkte im Verwaltungsprozess, 2013, S. 100). Während einige Kantone sinngemäss die Zivilprozessordnung als massgebendes Verfahrensrecht bestimmen, verweisen andere Kantone sinngemäss auf die Bestimmungen zur Verwaltungsrechtspflege. Es findet sich teilweise auch die Lösung, dass die Vorschriften des Verwaltungsrechtspflegegesetzes für anwendbar erklärt werden, ergänzt mit einem subsidiären Verweis auf die Zivilprozessordnung (MERKER, a.a.O., S. 101). Im Kanton Luzern gelten für das verwaltungsgerichtliche Klageverfahren grundsätzlich die gleichen Verfahrens- und Beweisgrundsätze wie im Beschwerdeverfahren (§ 172 i.V.m. §§ 134-137, 139 und 141 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 3. Juli 1972 [VRG; SRL Nr. 40]). Nach dem Kantonsgericht würden sich aus der besonderen prozessualen Ausgangslage indes gewisse Abweichungen ergeben. Dies gelte zunächst für die Mitwirkungspflicht, die im Klageverfahren ausgeprägter sei als im Beschwerdeverfahren, wo in der Regel eine begründete Verfügung angefochten werde und der Sachverhalt damit wenigstens in groben Zügen offen liege. Im Klageverfahren sei das Gericht auf die Darlegungen der Parteien in den Rechtsschriften angewiesen. Folglich seien an die Mitwirkung der Parteien höhere Anforderungen zu stellen, während die gerichtliche Untersuchungspflicht gemildert werde. Andererseits würdige das Kantonsgericht die Anträge der Parteien in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht frei, es dürfe aber weder zugunsten noch zuungunsten über die zur Sache gestellten Anträge der Parteien hinausgehen (§ 171 VRG).