Citation: U 216/01 15.10.2003 E. 4

Die Beschwerde führende National macht unter Hinweis auf Art. 28 Abs. 3 UVV geltend, die Leistungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin sei bereits vor dem Unfall auf Grund nicht (unfall)versicherter Gesundheitsschädigungen herabgesetzt gewesen. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades im Unfallversicherungsbereich sei deshalb - in Abweichung zur Invaliditätsbemessung für die Belange der Invalidenversicherung - der Lohn, den die Versicherte auf Grund der vorbestehenden verminderten Leistungsfähigkeit zu erzielen im Stande wäre, dem Einkommen gegenüberzustellen, das sie trotz der Unfallfolgen und der vorbestehenden Beeinträchtigung erzielen könnte. Diesem Einwand, welcher nach Auffassung der National einen triftigen Grund für die ausnahmsweise vorzunehmende Abweichung von der rechtskräftigen Invaliditätsbemessung der IV-Organe darstellt, kann nicht gefolgt werden. Mit Blick auf die hievor angeführten medizinischen Berichte ist - entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde - vorab eine andauernde Leistungsbeeinträchtigung zufolge der früher geklagten rechtsseitigen Knie- und Fussbeschwerden, der muskulären Verspannungen im Rücken, der durchgemachten (anamnestischen) Hepatitis sowie der Lymphdrüsenprobleme in den Händen zu verneinen. Was die mit dem Methadonprogramm angegangene Opiatabhängigkeit, die auch anderweitige Polytoxikomanie (Nikotin- und Alkoholabusus, THC-Konsum) sowie die damit im Zusammenhang stehende psychosoziale Problematik anbelangt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese das Leistungsvermögen in erwerblicher Hinsicht erheblich beeinträchtigen. So hatte der IV-Berufsberater in seinem Verlaufsprotokoll Ende Mai 1996 (d.h. unmittelbar vor dem Unfallereignis vom 22. Juni 1996) festgehalten, dass "auch jetzt in den fünf Monaten Arbeitstraining im geschützten Rahmen der Baugruppe keine arbeitsmarkttaugliche Grundarbeitsfähigkeit" habe erreicht werden können. Die IV-Stelle ging indessen offenkundig - in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung (BGE 99 V 28 Erw. 2; AHI 2002 S. 28, 2001 S. 228 ff. Erw. 2b und 4) - davon aus, dass die erwähnte Suchtmittelabhängigkeit an sich keine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu begründen vermag, weil - wie sich aus dem in vorstehender Erw. 3 zitierten Bericht der Klinik X.________ vom 15. Dezember 1997 ergibt - nicht erstellt ist, dass eine die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende und damit invalidenversicherungsrechtlich relevante geistige oder körperliche Gesundheitsstörung mit Krankheitswert zur Sucht geführt hat oder als deren Folge eingetreten ist. Was namentlich die psychosozialen Umstände anbelangt, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben, wo die begutachtenden Ärzte - wie hier - im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in ebendiesen psychosozialen (anderweitig auch oft soziokulturellen) Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen (BGE 127 V 299). Nach dem bisher Gesagten legte die IV-Stelle ihrer in Rechtskraft erwachsenen Invaliditätsbemessung ausschliesslich die auf die Schussverletzung zurückzuführende somatische Beeinträchtigung der funktionellen Leistungsfähigkeit, d.h. einzig Unfallfolgen zu Grunde. Angesichts des in der Invaliden- und in der obligatorischen Unfallversicherung grundsätzlich übereinstimmenden Invaliditätsbegriffs (BGE 126 V 291 Erw. 2a, 119 V 470 Erw. 2b, je mit Hinweisen) und der daraus abgeleiteten, unter Erw. 2 hievor dargelegten Bindungswirkung rechtskräftiger Invaliditätschätzungen anderer Versicherungsträger hat folglich die National den von der IV-Stelle ermittelten Invaliditätsgrad von 54 % zu übernehmen, es sei denn, der Invaliditätsbemessung der IV-Organe liege ein Rechtsfehler oder eine nicht vertretbare Ermessensausübung zu Grunde.