Citation: 1P.136/2000 28.04.2000 E. 2

2.- a) Die Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes ist im angefochtenen Entscheid auf die Beschwerde nicht eingetreten, weil sie von einer juristischen Person eingereicht worden war und nach ihrer Auffassung nur natürliche Personen mit der Parteivertretung vor Gericht beauftragt werden dürfen. Die Beschwerdeführerin hält das für willkürlich. b) Im Sozialversicherungsprozess ergibt sich aus dem Verbot des überspitzten Formalismus, dass einer Partei, deren Rechtsmittel nicht von einem Rechtsanwalt eingereicht wurde, wie dies das kantonale Prozessrecht verlangt, eine kurze Nachfrist zur Verbesserung des Mangels eingeräumt werden muss (BGE 99 V 120 E. 3c). Auch für andere Verfahrensarten besteht nach der Rechtsprechung unter Umständen eine derartige Verpflichtung, namentlich etwa dann, wenn das kantonale Recht den Kreis der zur Parteivertretung be- fugten Personen nicht eindeutig umschreibt oder die Vorinstanzen den Vertreter stillschweigend als vertretungsbefugt anerkannt haben (BGE 125 I 166 E. 3d). c) Vorliegend ergibt sich aus Art. 102 Abs. 2 StPO, dass die Vertretung von Parteien vor Gericht im bündnerischen Strafverfahren nicht den Rechtsanwälten vorbehalten ist, sondern an keine besonderen fachlichen Qualifikationen gebunden ist. Voraussetzung ist nur, dass der Vertreter handlungsfähig ist, in bürgerlichen Rechten und Ehren steht und über einen guten Leumund verfügt. Aus diesen Voraussetzungen leitet das Kantonsgericht ab, dass die Vertretungsbefugnis auf natürliche Personen beschränkt ist. Diese Auslegung ist nachvollziehbar, aber keineswegs die Einzige, kann die Bestimmung doch auch ohne Weiteres so verstanden werden, dass auch eine juristische Person mit einer Parteivertretung vor Gericht beauftragt werden kann, sofern die für sie handelnde Person die Voraussetzungen von Art. 102 Abs. 2 StPO erfüllt. Der Ausschluss von juristischen Personen von der Parteivertretung ist damit keineswegs klar und eindeutig, weshalb die Beschwerdekammer nach dem unter b) Gesagten überspitzt formalistisch handelte, indem sie auf die von W. Kunz für die "W. Kunz, Inkassobüro Zürich GmbH" unterzeichnete Beschwerde nicht eintrat, ohne der Beschwerdeführerin zuvor eine kurze Nachfrist anzusetzen, um den Mangel zu beheben. Dies hätte entweder durch die Nachreichung einer von der Beschwerdeführerin oder von W. Kunz persön- lich unterzeichneten Beschwerde geschehen können, wobei Letzterer allenfalls den Nachweis zu erbringen hätte, dass er die persönlichen Voraussetzungen von Art. 102 Abs. 2 Satz 2 StPO erfüllt. Gerade weil das Gesetz auch Laien zur Parteivertretung zulässt, dürfen die Eintretensvoraussetzungen konsequenterweise nicht mit übermässiger Strenge gehandhabt werden, zumal das Verfahren durch die Ansetzung einer kurzen Nachfrist nur unwesentlich verzögert und das öffentliche Interesse an einer beförderlichen Verfahrensführung dementsprechend kaum beeinträchtigt wird. Die Rüge ist begründet.