Citation: 6B_806/2018 E. 1.3.5

1.3.5. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er am frühen Morgen des 9. April 2016 das ihm bis anhin unbekannte Opfer unterhalb der Wettsteinbrücke am Rheinufer antraf, dass er in der Folge das Opfer küsste und dass es zu weiteren sexuellen Handlungen kam. Umstritten ist jedoch, ob er diese sexuellen Handlungen an sich selbst (Masturbation) oder am Opfer (mehrfacher Versuch, mit dem Penis in die Scheide des Opfers einzudringen) vornahm und ob sich das Opfer freiwillig daran beteiligt hat. Die Vorinstanz geht angesichts der objektiven Beweismittel und der Würdigung der Aussagen des Opfers und des Beschwerdeführers zu Recht von unfreiwilligen Handlungen aus. Nach ihrer Auffassung entsprechen die Verletzungen des Opfers (multiple Schürfungen an Darmbeinstachel, Knie, Schultern, Bauch, Gesäss, Oberschenkel) dem von dem Opfer geschilderten Tathergang (angefochtenes Urteil S. 9). Die Vorinstanz würdigt die Angaben des Beschwerdeführers, es sei im Zuge eines angeblich vom Opfer vorgeschlagenen Tauschgeschäfts "passiver Oralverkehr gegen Joints" zu sexuellen Handlungen gekommen, in vertretbarer Weise als unglaubhaft. Einerseits konnte beim Opfer zur Tatzeit kein THC im Blut festgestellt werden. Damit ist nachgewiesen, dass das behauptete Tauschgeschäft nicht vollzogen wurde und das Opfer in der Tatnacht kein Marihuana konsumierte. Andererseits führte der Beschwerdeführer in Widerspruch zur Natur eines Tausches aus, er habe letztlich vor dem Opfer masturbiert, während dieses lediglich Jacke und Hose heruntergezogen und ihn dabei animiert habe. Damit fehlt es aber an der von ihm geltend gemachten Gegenleistung "Sex gegen Joints". Schliesslich erlitt das Opfer Schürfungen am ganzen Körper. Diese Verletzungen beidseits des Körpers lassen sich nicht in Einklang mit der Behauptung des Beschwerdeführers bringen, dass das Opfer unter der Brücke von selbst hingefallen sei. Die erheblichen Verletzungen sprechen ebenso wenig dafür, dass das Opfer den Beschwerdeführer in diesem Zustand noch zum Masturbieren anregte. Soweit der Beschwerdeführer Widersprüche in den Aussagen des Opfers zwischen den Angaben im Polizeirapport vom 9. April 2016 und in der späteren Befragung vom 11. April 2016 ortet, ist darauf hinzuweisen, dass der Polizeirapport lediglich eine zusammenfassende Schilderung der Ereignisse enthält, nicht aber ein wortgetreues Befragungsprotokoll. Die vermeintlichen Widersprüche, die der Beschwerdeführer aus dem Polizeirapport und der ersten wörtlich protokollierten Befragung des Opfers kreieren will, sind nicht geeignet, Willkür zu belegen. Das Opfer meldete sich am frühen Samstagmorgen um 6.32 Uhr, kurz nach dem Vorfall bei der Polizei (angefochtenes Urteil S. 6). Dass das Opfer in der Befragung vom Montag, 11. April 2016, dem auf den Vorfall folgenden Werktag, in der ersten wörtlich protokollierten Befragung detaillierte Angaben machte, welche nicht exakt der von ihm weder gegengelesenen noch unterzeichneten Zusammenfassung im Polizeirapport entsprechen, und dass die Vorinstanz auf diese wörtlichen Aussagen abstellt, macht die vorinstanzliche Beweiswürdigung im Ergebnis nicht unhaltbar. Das Opfer wurde erst in der Befragung vom 11. April 2016 nach Einzelheiten gefragt, während sich die Polizei beim ersten Kontakt mit dem Opfer am Tatmorgen einen Überblick zwecks weiterer Ermittlungen verschaffte. Dabei ist immerhin zu erwähnen, dass das Opfer anlässlich des ersten Kontaktes mit der Polizei durchaus in der Lage war, wahrheitsgemässe Aussagen zu machen und eine ihm auf einem Foto vorgezeigte Drittperson als Täter richtigerweise ausschloss, während der Beschwerdeführer erst im August 2016 aufgrund der DNA-Spur auf der Hose des Opfers als Täter identifiziert wurde. Haltbar ist auch die Feststellung der Vorinstanz, dass das Opfer stark alkoholisiert war, deshalb nach dem Weggang aus dem Restaurant einen Blackout erlitt und bis zur Begegnung mit dem Beschwerdeführer, als es unter der Wettsteinbrücke erwachte, keine weiteren Angaben machen kann. Darauf deuten nicht nur die rechtsmedizinischen Abklärungen, welche einen Alkoholisierungsgrad von bis zu 2.4 Promille ergaben, sowie das geringe Gewicht und die geringe Körpergrösse des Opfers in Verbindung mit den Angaben des Opfers zu seinem erheblichen Alkoholkonsum, sondern auch die Aussagen des Beschwerdeführers selbst. Dieser machte geltend, das Opfer habe nicht stehen können und sei hingefallen. Wenn das Opfer angab, es sei betrunken, aber nicht stark betrunken gewesen, so ist dies eine subjektive Wahrnehmung. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass das Opfer stets gleichbleibend geltend machte, es habe zeitweise einen "Blackout" gehabt, ist der Schluss auf eine starke Alkoholisierung nicht willkürlich. Irrelevant sind in diesem Zusammenhang weitere Abklärungen zum Aufenthalt des Opfers vor dem Vorfall, da der Beschwerdeführer das Zusammentreffen in der Tatnacht bei der Wettsteinbrücke nicht bestreitet. Zutreffend ist die Rüge des Beschwerdeführers, dass aus dem Bericht des Instituts für Rechtsmedizin nicht geschlossen werden kann, ob es sich bei der DNA-Spur an der Innenseite der Hose des Opfers um eine Spermaspur oder um eine andere Spur handelt. Das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin äussert sich hierzu nicht. Indessen ist diese Frage, um welche Spurenart es sich handelt, hinsichtlich des Geschehensablaufs nicht aussagekräftig. Sowohl nach der Darstellung des Beschwerdeführers als auch des Opfers war die Hose des Opfers im relevanten Moment (versuchte Vergewaltigung bzw. Masturbation mit Animation des Opfers) offen, weshalb sich darauf weder für die eine noch die andere Sachverhaltsvariante etwas ableiten lässt. Der Umstand, dass DNA des Beschwerdeführers an die Innenseite der Hose des Opfers gelangte, spricht immerhin dafür, dass sich der Beschwerdeführer und das Opfer körperlich sehr nahe kamen. Wenn die Vorinstanz das DNA-Testresultat in Verbindung mit den bereits gewürdigten Beweismitteln als weiteres Indiz dafür wertet, dass der Beschwerdeführer dem Opfer gegen dessen Willen zu nahe gekommen ist, ist dies im Ergebnis - wenn auch mit anderer Begründung - nicht zu beanstanden. Der Einwand des Beschwerdeführers, dass aus einem "Normalverhalten", wonach Personen, die sich nicht kennen, in der Öffentlichkeit üblicherweise nicht sexuell miteinander verkehren, nichts für den konkreten Fall abgeleitet werden kann, ist schliesslich ebenfalls zutreffend. Daraus, wie auch aus seinen weiteren Argumenten (z.B. die Anzahl der DNA-Spuren) lässt sich aber nicht ableiten, die vorinstanzliche Beweiswürdigung sei gesamthaft gesehen unhaltbar. Insgesamt kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführer tatsächlich Joints bei sich hatte und ob das Opfer zu einem früheren Zeitpunkt Marihuana konsumierte. Die Rügen erweisen sich als unbegründet, soweit darauf einzutreten ist.