Citation: 5A_427/2022 E. 4.5

4.5. Die Beschwerdeführerin beziehe sich weiter auf BGE 134 I 257. Der dortige Sachverhalt unterscheide sich allerdings in wesentlichen Punkten vom vorliegenden Fall. Anders als die Beschwerdegegnerin sei die Betroffene in BGE 134 I 257 selbst nie Korporationsgenossin gewesen und habe auch keine direkte Abstammung von einem Korporationsmitglied nachweisen können. Ihrer Aufnahme in die Genossame Lachen sei der Umstand entgegengestanden, dass ihre 1970 verstorbene Mutter das Genossenbürgerrecht mit der Heirat verloren und nie mehr wiedererlangt habe oder nach der zu ihren Lebzeiten geltenden Verfassung und Rechtsanschauung wieder hätte erlangen können. Anders bei der Beschwerdegegnerin, bei der nicht ihre Eltern des Genossenrechts verlustig gegangen seien, sondern sie selbst. Das Genossenrecht sei also nicht durch die Abfolge von Generationen verloren gegangen. Zudem habe sich die Rechtsanschauung zu Lebzeiten der Beschwerdegegnerin so geändert, dass ihr heute eine Wiederaufnahme in die Korporation für die Zukunft unter dem Aspekt der Rechtsgleichheit zu gewähren sei. Es gehe um die künftige Gleichbehandlung von direkten bzw. unmittelbaren Nachkommen untereinander. Letztlich sei vorliegend auch nicht die rückwirkende Anwendung des Abstammungsprinzips auf eine bereits verstorbene Person und deren rückwirkende Wiederaufnahme ins Genossenrecht Thema. Entsprechendes könnte von einer Korporation im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht verlangt werden, solange die Korporation selbst eine solche Rückwirkung in den Statuten nicht explizit vorsehe. Vorliegend gehe es um die Wiederaufnahme der Beschwerdegegnerin selbst zu Lebzeiten, in Umsetzung des neu in den Statuten verankerten Abstammungsprinzips.