Citation: 4A_633/2020 E. 3.3.2

3.3.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe den Beschwerdegegner an einzelnen Vermittlungsprovisionen zunächst mit 40 % beteiligt, weil dieser es jeweils verlangt hatte und sie seinen Forderungen im Hinblick auf eine weitere engagierte und konstruktive Zusammenarbeit im gemeinsamen Treuhandunternehmen sowie aufgrund seiner entsprechenden Erwartungshaltung nachgegeben habe, um Konflikte und grössere Auseinandersetzungen mit ihm zu vermeiden. In der E-Mail vom 2. August 2016 ist keine Rede von einem Vorbehalt, wonach die getroffene Regelung bis Ende 2016 nur gelten sollte, falls eine Einigung für die Zukunft gefunden würde. Es wäre aber zu erwarten, dass die Beschwerdeführerin einen entsprechenden Vorbehalt angesprochen hätte, sollte ihr Rechtsanwalt doch über den Stand der Situation informiert werden. Die Vorinstanz verfiel nicht in Willkür, wenn sie mangels Hinweises auf einen Vorbehalt zur Überzeugung gelangte, es habe keiner bestanden. Dass sich die E-Mail der Beschwerdeführerin nicht an den Beschwerdegegner richtete, sondern an ihren Rechtsanwalt, ändert nichts am Wortlaut der Mitteilung. Es geht dabei nicht um eine Auslegung als Willenserklärung, sondern um die dem Rechtsanwalt übermittelte Information. Nach dem Wortlaut haben sich die Parteien, obwohl sie sich "immer noch in zähen Verhandlungen" befinden "geeinigt, die bisherigen Provisionen, d.h. bis und mit Ende 2016 im Verhältnis 60/40 aufzuteilen". Mit Blick auf die festgehaltene Einigung kann entgegen der Beschwerdeführerin nicht gesagt werden, der Wortlaut der E-Mail könne richtigerweise nur so verstanden werden, dass die Verhandlungen noch voll im Gang waren und auch ein Konsens noch nicht gefunden werden konnte. Lediglich bezüglich der weiteren Provisionen wurde nach dem Wortlaut noch nach einem Konsens gesucht und war die Beschwerdeführerin nicht bereit, den bisherigen Verteilschlüssel zu akzeptieren.