Citation: I 509/01 21.08.2003 E. 3.1

3.1.1 Nach der Rechtsprechung müssen sämtliche Formen erstmaliger beruflicher Ausbildung den Charakter einer gezielten und planmässigen Förderung in beruflicher Hinsicht aufweisen, mit andern Worten, auf den Erwerb und die Vermittlung spezifisch beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten gerichtet sein. Vorbereitende Massnahmen sind nur dann der erstmaligen beruflichen Ausbildung gleichzustellen, wenn sie nach getroffener Berufswahl zur Vorbereitung auf die eigentliche Berufsausbildung notwendig werden (ZAK 1988 S. 177 Erw. 2 mit Hinweisen). 3.1.2 Gemäss Bericht des Berufsberaters der IV-Stelle vom 7. März 2000 sowie der "X.________" vom 26. Februar 2000 ist der weitere Aufenthalt des Versicherten in der "X.________" nach Abbruch der Lehre anfangs 2000 als Arbeitstraining und zur Stabilisierung seiner Persönlichkeit geplant. Diese Beschäftigung mit dem Charakter einer Sozialrehabilitation stellt damit keine berufliche Ausbildung und auch keine notwendige vorbereitende Massnahme im Sinne von Art. 16 Abs. 1 IVG dar. 3.2 Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdegegner gestützt auf Art. 15 IVG anspruchsberechtigt ist. 3.2.1 Nach dieser Bestimmung haben Versicherte, die infolge der Invalidität in der Berufswahl oder in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit behindert sind, Anspruch auf Berufsberatung. Diese soll die versicherte Person zu jener (beruflichen) Tätigkeit führen, in der sie die ihrer Neigung und Begabung gemässe Verwirklichung findet. Es kommen verschiedene Massnahmen wie Berufswahlgespräche, Durchführung von Neigungs- und Begabungstests usw. in Frage. Die Berufsberatung kann mit einem praktischen Arbeitsversuch gekoppelt oder in einer Eingliederungs- oder Ausbildungsstätte durchgeführt werden. Eine Einweisung in eine solche Stätte hat unter genauer Umschreibung des Abklärungsauftrags und Festlegung der Maximaldauer zu erfolgen, wobei die zum Voraus bewilligte Dauer der stationären Abklärung in der Regel drei Monate nicht überschreiten soll (ZAK 1988 S. 179 Erw. 4a mit Hinweisen). Im Sinne einer ausserordentlichen Massnahme kann diese auch länger dauern (unveröffentlichtes Urteil A. vom 13. Juli 1990, I 492/88). Die Invalidenversicherung hat etwa die Kosten eines Aufenthalts zu übernehmen, wenn dieser zum Zweck des Arbeitstrainings und der Lehrvorbereitung erfolgt, oder wenn bei Entlassung die Verwirklichung der erstmaligen beruflichen Ausbildung gefährdet ist; allerdings muss (auch bei Anordnung des Aufenthalts im Rahmen einer Strafe oder Massnahme gemäss StGB) dieser wegen des Gesundheitsschadens und dessen Auswirkungen auf die Ausbildungsfähigkeit notwendig sein (Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 114 mit Hinweisen). 3.2.2 Gemäss Einschätzung des Berufsberaters der IV-Stelle war es aus behinderungsbedingten Gründen notwendig, dem Versicherten trotz Lehrabbruch anfangs 2000 die Beschäftigung in der "X.________" als Tagesstruktur zu erhalten, damit er die für die Inangriffnahme der Schreinerlehre erforderliche Stabilität gewinnen könne (Bericht vom 7. März 2000). Aus dem Bericht des Leiters der "X.________" vom 26. Februar 2000 ergibt sich, dass zu diesem Zeitpunkt denn auch Fortschritte ersichtlich waren. Sowohl der Leiter der "X.________" als auch die behandelnde Psychiaterin und der Beistand sowie der Versicherte selbst waren nach wie vor vom Ziel des Schreinerberufs überzeugt und zuversichtlich, dank dieses Arbeitstrainings die für die erfolgreiche Absolvierung der Lehre notwendige psychische Stabilität des Beschwerdegegners zu erreichen. Das kantonale Gericht hat somit im Grundsatz zu Recht im Sinne einer ausserordentlichen Massnahme die Leistungspflicht der Invalidenversicherung für den gesundheitlich bedingten Aufenthalt in der "X.________" für die Zeit vom 18. September 1999 bis 31. Juli 2000 gestützt auf Art. 15 IVG bejaht. 3.2.3 Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Gefährdung der erstmaligen beruflichen Ausbildung nicht auch anders begegnet werden könnte. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass sich der Versicherte auf Anweisung der Jugendanwaltschaft im Sinne einer jugendstrafrechtlichen Massnahme in der "X.________" aufhielt. Nach der Rechtsprechung besteht zwar kein Vorrang jugendstrafrechtlicher Massnahmen gegenüber solchen der Invalidenversicherung (BGE 114 V 31 Erw. 2b). Umgekehrt gibt es aber auch keine Priorität von Massnahmen der Invalidenversicherung gegenüber solchen der Jugendstrafrechtspflege. Soweit (stationäre) Massnahmen gemäss Art. 15 IVG nur ausnahmsweise, nämlich zur Sicherung der erstmaligen beruflichen Ausbildung im Sinne einer Überbrückung angezeigt sind, die Gefährdung aber durch bereits verfügte Massnahmen der Jugendstrafrechtspflege abgewendet werden kann, rechtfertigt sich die Anordnung solcher Massnahmen zu Lasten der Invalidenversicherung nicht. Die Sache ist somit an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie abkläre, ob auf Grund der Anordnung der Jugendanwaltschaft Y.________ die Kosten des Aufenthalts in der "X.________" vom 18. September 1999 bis 31. Juli 2000 nicht bereits gedeckt sind. 3.2.4 Dasselbe gilt für die Zeit vom 30. August bis 17. September 1999, während welcher abgeklärt wurde, ob der Versicherte für den Beruf des Schreiners geeignet ist. Auch diese Leistung hat die Vorinstanz im Grundsatz zu Recht als Berufsberatung im Sinne von Art. 15 IVG bejaht; doch ist hier ebenfalls abzuklären, ob dieser Aufenthalt in der "X.________" nicht bereits durch die Kostengutsprache der Jugendanwaltschaft erfasst ist.