Citation: 1P.697/2003 05.12.2003 E. 5

Im vorliegenden Fall ergeben sich aus den Akten ausreichend konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen von Fluchtgefahr. Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, er habe am 22. November 2002, im Verlaufe einer zunächst verbalen und anschliessend tätlichen Auseinandersetzung in einer Bar in Bassersdorf, seinen Kontrahenten mit zwei Messerstichen in den Oberkörper erheblich verletzt. Gemäss Bericht des behandelnden Arztes am Spital Bülach sei das Opfer "brutal mit dem Messer attackiert" worden. Es habe einen Stich im Bereich des linken Brust-/Achselhöhlenbereiches (mit einem ca. 2 cm langen Stichkanal) erlitten sowie eine weitere ca. 8-9 cm lange Schnitt-/Stichverletzung am Oberbauch mit Eröffnung der Pleurahöhle. Dieser zweite Stich habe die Brustkorbmuskulatur durchdrungen sowie eine Rippe mit dem darunter liegenden Brustfell. Der Beschwerdeführer hat in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 16. Juni 2003 zugegeben, das Opfer mit dem Messer verletzt zu haben. Beim ersten Mal sei sein Kontrahent "in das Messer gelaufen", beim zweiten Mal habe der Beschwerdeführer eine "schneidende Diagonalbewegung gemacht". Zwar hat der Beschwerdeführer vor dem Untersuchungsrichter geltend gemacht, in "Notwehr" gehandelt zu haben. Die Frage, ob allenfalls ein Strafmilderungs- oder gar ein Rechtfertigungsgrund vorliegt, ist jedoch (im Falle einer Anklageerhebung) vom erkennenden Strafrichter zu prüfen. Beim gegenwärtigen Stand der Untersuchung muss der Beschwerdeführer mit einer Verurteilung zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe rechnen, welche einen gewissen Fluchtanreiz darstellen könnte. Die Umstände, dass der Beschwerdeführer bereits vor seiner Verhaftung am 11. Mai 2003 "untergetaucht" war und dass er (nach eigenen Angaben) arbeitslos sei bzw. nur gelegentlich arbeite, stellen weitere Anhaltspunkte dafür dar, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Haftentlassung geneigt sein könnte, sich der weiteren Strafverfolgung durch Flucht zu entziehen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers durfte der kantonale Haftrichter auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer bereits vor seiner polizeilichen Anhaltung am 11. Mai 2003 in der Schweiz "untergetaucht" war und zur Verhaftung ausgeschrieben werden musste, als Fluchtindiz werten. Die in der Schweiz lebenden Personen unterstehen den hier gültigen gesetzlichen Vorschriften. Auch von Fahrenden jenischer Kulturzugehörigkeit darf und muss erwartet werden, dass sie sich - insbesondere wenn sie in ein polizeiliches Ermittlungsverfahren oder in ein Gerichtsverfahren involviert sind - vor Antritt einer saisonalen Reisetätigkeit bei den Behörden abmelden und eine Kontaktadresse (oder wenigstens eine Telefonnummer) angeben, über die sie in dringenden Fällen erreichbar sind. Es muss möglich sein, ihnen behördliche Korrespondenz (namentlich polizeiliche oder gerichtliche Vorladungen und andere amtliche Dokumente) fristgerecht zuzustellen. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, weshalb ein solches Vorgehen mit der traditionellen Lebensweise der Jenischen schlechterdings nicht zu vereinbaren wäre. Wie sich aus den Akten ergibt, hat sich der Beschwerdeführer im Winter 2002/2003, nach dem inkriminierten Vorfall vom 22. November 2002, nicht bei den Behörden abgemeldet. Am 21. Januar 2003 erliess die BAK V einen Vorführungsbefehl gegen den Beschwerdeführer als Angeschuldigten. Bis zu seiner Verhaftung am 11. Mai 2003 war dieser jedoch nicht an seiner angegebenen Wohnadresse in Kloten aufzufinden, weshalb er gesucht und am 9. April 2003 zur Verhaftung ausgeschrieben werden musste. Dies stellt ein weiteres Indiz dafür dar, dass er im Falle einer Haftentlassung geneigt sein könnte, sich dem Strafverfahren bzw. der drohenden empfindlichen Strafe durch Flucht zu entziehen. Im vorliegenden Fall ist auch nicht erkennbar, dass durch weniger einschneidende prozessuale Ersatzmassnahmen (wie Pass- oder Schriftensperre oder behördliche Meldepflicht) der Gefahr eines erneuten "Untertauchens" in der Schweiz ausreichend begegnet werden könnte.