Citation: 1B_324/2009 03.12.2009 E. 4.2

4.2.1 Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst, oder dass er Spuren und Beweismittel beseitigt. Die strafprozessuale Haft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Angeschuldigte die Freiheit dazu missbraucht, die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts zu vereiteln oder zu gefährden. Die theoretische Möglichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren könnte, genügt indessen nicht, um die Fortsetzung der Haft unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Indizien für die Annahme von Kollusionsgefahr sprechen (BGE 132 I 21 E. 3.2 S. 23; 128 I 149 E. 2.1 S. 151; je mit Hinweisen). Konkrete Anhaltspunkte für Kollusion können sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts namentlich ergeben aus dem bisherigen Verhalten des Angeschuldigten im Strafprozess (Aussageverhalten, Kooperationsbereitschaft, Neigung zu Kollusion usw.), aus seinen persönlichen Merkmalen (Leumund, allfällige Vorstrafen usw.), aus seiner Stellung und seinen Tatbeiträgen im Rahmen des untersuchten Sachverhalts sowie aus den persönlichen Beziehungen zwischen ihm und den ihn belastenden Personen (Art der beruflichen, freundschaftlichen, familiären oder sozialen Kontakte). Bei der Frage, ob im konkreten Fall eine massgebliche Beeinträchtigung des Strafverfahrens wegen Kollusionsgefahr droht, ist auch der Art und Bedeutung der von Beeinflussung bedrohten Aussagen bzw. Beweismittel, der Schwere der untersuchten Straftaten sowie dem Stand des Verfahrens Rechnung zu tragen. Je weiter das Strafverfahren vorangeschritten ist und je präziser der Sachverhalt bereits abgeklärt werden konnte, desto höhere Anforderungen sind grundsätzlich an den Nachweis von Kollusionsgefahr zu stellen (BGE 132 I 21 E. 3.2.1 und 3.2.2 S. 23 f.; Urteil 1P.90/2005 vom 23. Februar 2005 E. 3.3, in: Pra 2006 Nr. 1 S. 1; je mit Hinweisen). 4.2.2 Die Staatsanwaltschaft wies in ihrer Vernehmlassung im bundesgerichtlichen Verfahren darauf hin, dass derzeit die Einvernahme von zwei der Geschädigten in die Wege geleitet werde. Auch wenn der Beschwerdeführer selber kein Malayalam spricht, so ist zu befürchten, dass er die Freiheit dazu missbrauchen würde, auf diese und andere Geschädigte Einfluss zu nehmen. Es handelt es sich um Kinder, die vermutlich keinen gefestigten familiären Hintergrund aufweisen. Nach den Angaben der Heimleiterin haben E.________ und F.________ das Kinderheim mittlerweile verlassen. B.________s Eltern seien Alkoholiker. Er selber sei seit den Vorfällen noch anhänglicher geworden und erscheine ihr traumatisiert. Die ins Deutsche übersetzten Aussagen der drei Kinder und der Heimleiterin zeichnen vom Beschwerdeführer das Bild einer Person, die vor der Anwendung psychischen und physischen Zwangs nicht zurückschreckt. Angesichts moderner Kommunikationsmittel und dem Umstand, dass der Beschwerdeführer Indien gut kennt, besteht deshalb die Gefahr, dass dieser - eventuell in Verbindung mit Drittpersonen - versuchen könnte, auf mögliche Zeugen und Auskunftspersonen einzuwirken. Eine mildere Massnahme wie ein Kontaktverbot oder eine Schriftensperre erscheint unter den gegenwärtigen Umständen nicht geeignet, dieser Kollusionsgefahr wirksam zu begegnen.