Citation: U 466/04 16.02.2006 E. 3

3.1 Sind die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS oder einer ähnlichen Verletzungen gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben, weist indessen die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz auf, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs der Beschwerden nach den für psychische Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Regeln (BGE 115 V 133) zu beurteilen (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Erfolgt die Adäquanzprüfung in einem späteren Zeitpunkt, ist zu fragen, ob im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [U 164/01]). 3.2 Vorliegend wurde bereits im Ärztlichen Zwischenbericht der Neurologisch-Neurochirurgischen Poliklinik des Spitals X.________ vom 25. Juni 1999 eine depressive Entwicklung erwähnt. Im Bericht vom 31. August 1999 wurde die Verdachtsdiagnose einer reaktiven depressiven Entwicklung gestellt. Kreisarzt Dr. med. I.________ hielt in seinem Bericht vom 3. November 1999 fest, die geklagten Beschwerden seien mit den klinischen Befunden nicht mehr ganz erklärbar. Es liege sicher eine funktionelle Überlagerung vor. Im Bericht vom 26. April 2000 über das im Rahmen des stationären Aufenthalts in der Klinik E.________ durchgeführte psychosomatische Konsilium wurde bei Neigung zur Symptomausweitung eine psychische Störung am ehesten im Sinne einer Anpassungsstörung nach ICD-10 F43.25 diagnostiziert. Anderseits liessen sich die geklagten Beschwerden trotz eingehender fachärztlicher Untersuchungen höchstens zu einem kleinen Teil objektivieren und es bestand von Anfang an eine Diskrepanz zwischen den angegebenen multiplen Beschwerden und den geringen objektiven Befunden. Im Gutachten des ZMB vom 21. November 2002 schliesslich wurde die Frage, ob die Gesundheitsstörungen im Zusammenhang mit dem typischen Beschwerdebild nach HWS-Distorsionstrauma gegenüber allfällig vorhandenen ausgeprägten psychischen Beschwerden ganz in den Hintergrund getreten seien, bejaht. In der ergänzenden Stellungnahme vom 20. Mai 2003 hielten die Experten fest, dass es sich bei den vom Versicherten geklagten Beschwerden von Anfang an um eine überwiegend wahrscheinlich im Vordergrund stehende psychosomatische Entwicklung gehandelt habe. Aufgrund dieser medizinischen Akten ist der SUVA darin beizupflichten, dass die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben, im Verlaufe der gesamten Entwicklung vom Unfall bis zum Zeitpunkt der Begutachtung durch das ZMB im August 2002 im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund getreten waren. An dieser Beurteilung ändert nichts, dass die psychosomatische Entwicklung als solche erst längere Zeit nach dem Unfall festgestellt wurde und zunächst eine Behandlung somatischer Unfallfolgen erfolgt war. Mit der Feststellung, dass die depressive Entwicklung als Teil des für das Schleudertrauma typischen Beschwerdebildes zu gelten habe und nach dem Unfall die Behandlung der persistierenden Kopf- und Nackenschmerzen, des Schwindels und des Tinnitus im Vordergrund gestanden habe, lässt das kantonale Gericht unbeachtet, dass auch diese Beschwerden Symptome der psychosomatischen Entwicklung waren. Dies erscheint umso naheliegender, als gemäss Austrittsbericht der Klinik E.________ vom 26. Juni 2000 beim Beschwerdegegner bereits 1996 eine somatoforme Schmerzstörung aufgetreten war. Die Adäquanzbeurteilung hat somit nach den bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Regeln zu erfolgen (BGE 115 V 133).