Citation: U 244/05 25.01.2006 E. 3.2

3.2.1 Dr. med. M.________ (neurologisches Konsilium vom 28. Februar 2002) hat in Kenntnis der umfangreichen medizinischen Unterlagen und gestützt auf eine eigene klinische Untersuchung keine Hinweise auf eine somatisch-neurologische Schädigung als Folge des Schädelhirntraumas feststellen können. Ursache des geltend gemachten Schwindels seien differentialdiagnostisch am ehesten kreislaufregulatorische Synkopen oder allenfalls psychovegetative Störungen. Die Beeinträchtigung durch die Kopfschmerzen seien eher gering, so dass eine bleibende messbare Arbeitsunfähigkeit nicht bestehe. Ob die Schwindelsymptomatik möglicherweise in Zusammenhang mit der Felsenbeinlängsfraktur stehen könnte, sei Gegenstand einer neurootologischen Untersuchung und Beurteilung. Laut Konsilium des Dr. med. S.________, Klinik für Hals-, Nasen-, Ohren- und Gesichtschriurgie, vom 22. März 2002 persistiert als Folge des Unfalles eine Schallleitungsschwerhörigkeit links, welche durch eine Ossiculaplastik bei guten Erfolgsaussichten deutlich gebessert werden könne. Daneben bestehe ein unsystematischer Schwindel, welcher eher an ein synkopenähnliches Ereignis erinnere. Hinweise für eine peripher-vestibuläre Funktionsstörung lägen keine vor. Es könne weder eine unfallbedingte bleibende Schädigung des Vestibularisorganes beidseits noch im Bereiche der Othorhinolaryngologie eine Unfallfolge gefunden werden, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken würde. 3.2.2 Auf Grund dieser Aussagen ist das Bestehen unfallkausaler gesundheitlicher Beschwerden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht klar verneint worden. Zum Integritätsschaden waren demnach mangels unfallbedingter neurologischer Schädigungen keine Erörterungen notwendig. Hinsichtlich der Schwerhörigkeit lag gemäss Dr. med. S.________ keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vor; der diesbezügliche Integritätsschaden betrug gestützt auf die SUVA-Tabellen 15 % (Zusatzbericht dieses Arztes vom 16. Mai 2002). Damit haben der neurologische und der HNO-Spezialist die gestellten Fragen beantwortet, was die Vorinstanz übersehen hat. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern von weiteren Abklärungen neue Erkenntnisse zu erwarten sind. Die der MEDAS-Begutachtung vorangegangenen und später erfolgten neurologischen und neurootologischen Untersuchungen führten weitgehend zu denselben Befunden und Ergebnissen (vgl. insbesondere Berichte des Dr. med. T.________ Neurologie FMH, vom 6. und 17. März 1998, 6. Juli 1998, 11. September 1999 und 21. Januar 2000 sowie des Prof. Dr. med. K.________, Spezialarzt FMH für HNO, vom 10. März 2003). Der Umstand, dass Dr. med. M.________ in Bezug auf einen Teilaspekt auf das noch nicht erfolgte Konsilium des HNO-Spezialisten verweist, stellt kein Indiz dar, das gegen seine ärztliche Beurteilung spricht. Die Frage, ob die Felsenbeinlängsfraktur, welche zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führte, auch eine Schädigung des Vestibularisorganes und damit möglicherweise die geltend gemachte Schwindelsymptomatik zur Folge hatte, gehört ohnehin eher in den Fachbereich des Neurootologen. 3.3 Was die vorinstanzlichen Vorbehalte gegenüber dem psychiatrischen Konsilium des Dr. med. B.________ anbelangt, ist zwar einzuräumen, dass der Bericht vom 8. April 2002 nicht sehr umfangreich ausgefallen ist. Indessen leuchtet die Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen sind begründet. Wie die Allianz in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde richtig ausführt, lassen die subjektiven Angaben der Explorandin sowie die ärztlich erhobenen Befunde bei der Stellungnahme zur Arbeitsunfähigkeit und Einschätzung der Integritätseinbusse häufig einen nicht unerheblichen Ermessensspielraum offen, ein Umstand, der besonders im Fachbereich der Psychiatrie zutrifft. Anhaltspunkte dafür, dass Dr. med. B.________ die Arbeitsunfähigkeit mit 50 % anhand unzuverlässig erhobener Befunde und Untersuchungen eingeschätzt hätte, liegen keine vor. Hinsichtlich der weiteren Feststellung, dass die Arbeitsunfähigkeit zu 20 % rein unfallbedingt und die restlichen 30 % als krankhafte Entwicklung zu betrachten seien, handelt es sich entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht um eine widersprüchliche Beurteilung, sondern um eine, im Übrigen mit Blick auf den Fragenkatalog der Auftraggeber verlangte Quantifizierung der Wahrscheinlichkeit, mit welcher die psychiatrisch diagnostizierte Anpassungs- und Merkfähigkeitsstörung natürlich kausale Folge des Unfalles sind. 3.4 Schliesslich ist der Kritik des kantonalen Gerichts an der Festsetzung des Integritätsschadens im MEDAS-Gutachten zu entgegnen, dass die Ärzte zum Schweregrad einer Beeinträchtigung der psychischen Integrität nur Schätzungen abgeben können. Zum anderen ergibt sich aus den Konsilien des Psychiaters und des Neuropsychologen (Bericht des Dr. phil. G.________ vom 25. Februar 2002), dass die Befunde, die als Grundlage der Einschätzung des Integritätsschadens dienen, teilweise übereinstimmen, so namentlich bezüglich der verminderten Gedächtnisleistungen. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Gutachter eine Gesamtbeurteilung der neuropsychologisch und psychiatrisch festgestellten Integritätsschäden vorgenommen haben. 3.5 Nach dem Gesagten sind die vorinstanzlichen Vorbehalte gegenüber dem MEDAS-Gutachten nicht stichhaltig, und es kann auf dieses abgestellt werden. Der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt ist damit umfassend abgeklärt, weshalb von Weiterungen abzusehen ist.