Citation: 5A_308/2008 19.05.2008 E. 1

Eine mündige oder entmündigte Person darf wegen Geisteskrankheit, Geistesschwäche, Trunksucht, anderen Suchterkrankungen oder schwerer Verwahrlosung in einer geeigneten Anstalt untergebracht oder zurückbehalten werden, wenn ihr die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden kann (Art. 397a Abs. 1 ZGB). Die Zurückbehaltung in einer Anstalt kann nur unter den in Art. 397a Abs. 1 ZGB aufgeführten Voraussetzungen erfolgen (vgl. Botschaft, BBl. 1977 III S. 27). Wie bei der Einweisung in eine Anstalt (vgl. Schnyder, Die fürsorgerische Freiheitsentziehung, in Zeitschrift für öffentliche Fürsorge, 1979, S. 119) ist somit auch bei der Zurückbehaltung des oder der Betroffenen als der anderen Form des Freiheitsentzuges (Botschaft, Bbl. 1977 III S. 27) das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen; vorausgesetzt ist mit anderen Worten, dass der oder die Betroffene infolge der im Gesetz umschriebenen Schwächezustände persönlicher Fürsorge bedarf, die ihm bzw. ihr nur in einer Anstalt gewährt werden kann (BGE 114 II 213 E. 5). Zu berücksichtigen ist ferner die Belastung, welche die Person für ihre Umgebung bedeutet (Art. 397a Abs. 2 ZGB). Nach der ausdrücklichen Vorschrift des Art. 397a Abs. 3 ZGB muss denn auch die von der fürsorgerischen Freiheitsentziehung betroffene Person entlassen werden, sobald ihr Zustand es erlaubt. 1.1 Die Beschwerdeführerin erachtet sinngemäss die Voraussetzungen für eine fürsorgerische Freiheitsentziehung als nicht erfüllt. 1.2 Nach den Feststellungen des angefochtenen Urteils besteht laut dem einweisenden Arzt bei der Beschwerdeführerin seit dem 15. April 2008 ein psychotisches Zustandsbild. Sie sei - so der Arzt in seinem Einweisungsbericht - verwirrt, kümmere sich nicht um ihr Geschäft, habe vergessen, den Hund zu füttern und in einem Restaurant randaliert. Am Tag vor der Einweisung habe eine notfallmässige Konsultation im Spital stattgefunden. Die Rekurskommission stützt ihre Ausführungen ebenso auf den Bericht des behandelnden Arztes vom 24. April 2008; danach habe die Beschwerdeführerin ein psychotisches Zustandsbild gezeigt, welches sich fremdanamnestisch über längere Zeit angebahnt habe. Das soziale Umfeld sei überfordert; die Beschwerdeführerin habe nicht mehr Zeit für sich zu sorgen. Als ihr der Entscheid, sie nicht aus der Klinik zu entlassen, eröffnet worden sei, habe sich die Situation zugespitzt und die Beschwerdeführerin deshalb einer Zwangsmedikation unterzogen werden müssen; in der aktuellen Situation sei die Beschwerdeführerin nicht imstande, sich auf ein ambulantes Setting einzulassen und in ihrem psychotischen Zustand könne eine Selbst- und Fremdgefährdung nicht ausgeschlossen werden. Die Beschwerdeführerin sei nach wie vor isoliert, sei sehr dünnhäutig und müsse reizabgeschirmt werden, da sie "rasch agitiert werde". Als Behandlungskonzept wird die Weiterführung der begonnenen neuroleptischen Medikation und Reizabschirmung vorgeschlagen und nach Verminderung der psychotischen Symptomatik eine schrittweise Erhöhung der Belastung durch Öffnen des Rahmens, Beizug des klinikinternen Sozialarbeiters bezüglich der zahlreichen offenen Fragen und der Aufbau eines ambulanten Settings unter Einbezug des sozialen Umfeldes der Beschwerdeführerin ins Auge gefasst. Die Rekurskommission kam nach Anhörung der Beschwerdeführerin und aufgrund der zitierten ärztlichen Berichte zum Schluss, die Einweisung der Beschwerdeführerin vom 20. April 2008 sei zu Recht erfolgt. Sie könne in Übereinstimmung mit den behandelnden Ärzten nicht sofort entlassen werden, da ihr Gesundheitszustand nicht stabil genug sei und anderseits davon ausgegangen werden müsse, sie werde die Medikation bei fehlender Krankheitseinsicht nach dem Austritt aus der Klinik sofort wieder absetzen, was innert kürzester Zeit zu einer erneuten Dekompensation und Hospitalisation führen werde. Vor einer allfälligen Entlassung müsse zudem die soziale Situation der Beschwerdeführerin überprüft und allenfalls neu geordnet werden. Die Beschwerdeführerin sei aktuell noch nicht in der Lage, auf die Anforderungen des Alltags adäquat zu reagieren. Ein Klinikaustritt müsse sorgfältig geplant werden, wozu die fürsorgerische Freiheitsentziehung den notwendigen Rahmen und Schutz biete. Das von der Klinik vorgeschlagene Konzept in der Stellungnahme vom 24. April 2008 erscheine absolut sinnvoll und den Bedürfnissen der Beschwerdeführerin angepasst.