Citation: U 11/07 27.02.2008 E. 5

5.1 Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls gegeben sind, beurteilt sich objektiv und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc; erwähntes Urteil U 503/06, E. 7.1). Auch wenn dem Unfall vom 22. Mai 1997 auf Grund der Sturzhöhe eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden kann, liegen jedoch nicht Umstände vor, die zur Bejahung einer besonderen Dramatik oder besonderen Eindrücklichkeit der Begleitumstände führen könnten. 5.2 Ferner ist weder von schweren noch von im Hinblick auf die in Frage stehende Adäquanzbeurteilung besonders gearteten Verletzungen auszugehen. 5.3 Zu prüfen ist weiter das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. 5.3.1 Erforderlich ist eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4 mit Hinweisen; Urteil U 88/06 vom 18. Juli 2007, E. 7.2.3). Eine Behandlung, die lediglich noch der Erhaltung des bestehenden Gesundheitszustandes und nicht der Heilung dient, ist im Rahmen der Adäquanzprüfung grundsätzlich nicht relevant (in HAVE 2004 S. 119 zusammengefasstes Urteil U 246/03 vom 11. Februar 2004, E. 2.4 f.; Urteil U 37/06 vom 22. Februar 2007, E. 7.3). Abklärungsmassnahmen und blossen ärztlichen Kontrollen kommt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu. Weiter ist festzuhalten, dass in diversen Fällen, in denen alternativ- bzw. komplementärmedizinische Behandlungen durchgeführt wurden, das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht als erfüllt angesehen wurde (Urteil U 56/07 vom 25. Januar 2008, E. 6.3.1 mit Hinweisen). 5.3.2 Nach dem Unfall vom 22. Mai 1997 war der Versicherte bis 9. Juni 1997 im Spital M.________ und vom 24. September bis 26. November 1997 in der Rehaklinik X.________ hospitalisiert, wobei ihm als orthopädische Massnahme Künzli-Schuhe abgegeben wurden. Am 18. März 1998 gab der Versicherte der SUVA an, die Physiotherapie sei inzwischen abgeschlossen; er müsse regelmässig noch Medikamente einnehmen (Doxim 500, Magnesiocard) und benütze immer noch einen Gehstock. Gemäss Bericht des Hausarztes Dr. med. L.________, Innere Medizin, vom 17. April 1998 wurde der Versicherte mit Doxim 500 behandelt, wobei jeden Monat Beratungen stattfänden. Am 16. Juni 1998 legte der Versicherte gegenüber der SUVA dar, seit März 1998 benutze er die Gehstöcke nicht mehr. Zu Hause und für die Arbeit benutze er die Künzli-Schuhe. Am 30. September 1998 legte er dar, er verwende täglich eine Salbe sowie ein Naturprodukt für Fussbäder. Bei Bedarf nehme er Schmerztabletten. Die Medikamente Doxim und Magnesiocard nehme er derzeit nicht ein. Es fänden keine Therapiemassnahmen statt. Ab und zu fahre er mit dem Velo zum Arbeitsplatz. Gemäss den Berichten des Dr. med. U.________ vom 25. November 2000 sowie 15. Juni und 16. Dezember 2002 fanden medikamentöse Behandlung, alle zwei Wochen Physiotherapie und etwa alle sechs Wochen Beratungen statt. Am 23. Dezember 2002 gewährte die SUVA dem Versicherten Kostengutsprache für Spezialschuhe. Laut den Gutachten der Klinik S.________ vom 19. Dezember 2003 und der Uniklinik Y.________ vom 1. November 2004 wurde der Versicherte medikamentös behandelt. Ab 5. Februar 2002 war er zudem in psychiatrischer Behandlung, was indessen bei der Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen nicht zu berücksichtigen ist (vgl. E. 4.3 hievor; erwähntes Urteil U 88/06, E. 7.2.3). Gesamthaft betrachtet kann bei dieser Sachlage nicht von einer spezifischen, zielgerichteten ärztlichen Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer gesprochen werden. Jedenfalls ist dieses Kriterium nicht in ausgeprägter Weise gegeben. 5.4 Zu prüfen ist im Weiteren das Kriterium der körperlichen Dauerbeschwerden. Gemäss Bericht der Rehaklinik X.________ vom 9. Dezember 1997 bestanden bei Klinikeintritt belastungsabhängige Schmerzen in beiden Füssen sowie eine Bewegungseinschränkung im linken oberen Sprunggelenk (OSG) und in beiden unteren Sprunggelenken (USG). Bei Klinikaustritt wurden eine leichte Bewegungseinschränkung des rechten USG sowie belastungsabhängige Schmerzen in beiden Füssen, deutlich betont auf der rechten Seite, beschrieben. Am 22. April 1998 gab der Versicherte dem Kreisarzt an, eine gewisse Verbesserung habe sich eingestellt. Er habe noch Mühe, wenn er lange stehen müsse, wobei der linke Fuss etwas schmerzhafter sei; dort habe er über dem Rist manchmal ein Elektrisieren sowie eine Schwellung und Schmerzausstrahlung links bis in die Hüfte hinauf. Auch rechts habe er zeitweise Schmerzen, diese dann mehr vorne über dem Mittelfussköpfchen. Er habe Schwierigkeiten beim Abrollen, die Sprunggelenksgegend sei beidseits schmerzhaft. Auch beim Sitzen und nachts habe er Schmerzen. Die Universitätsklinik Y.________ führte im Gutachten vom 19. Mai 1999 (Untersuchung vom 22. Januar 1999) aus, der Versicherte beschreibe Dauerschmerzen im Bereich der Fusssohlen, Schmerzen vor allem über Lisfranc, medialem Fussrücken und auf der Länge des gesamten ersten Strahls links sowie weniger ausgeprägt sockenförmig ab Sprunggelenk links nach distal, rechts vermehrt lateral über dem USG, Lisfranc-Gelenk und MP-Gelenke I-V sowie über der Planta pedis. Radiologisch bestünden beginnende Arthrosen im Lisfranc-Gelenk rechts lateral und links medial, zusätzlich Veränderungen der Metatarsaleköpfchen II-V bei Status nach Fraktur. Die Beschwerden könnten teilweise auf die posttraumatischen Veränderungen im Bereich der Füsse zurückgeführt werden. Vermutet werde eine deutliche Schmerzverarbeitungsstörung, wobei auf die unspezifischen Schmerzen im Bereich der Füsse und unspezifische Rückenbeschwerden verwiesen werde. Dr. med. R.________, FMH für Physikal. Medizin und Rehabilitation spez. Rheumatologie, Abklärungs- und Ausbildungsstätte A.________, stellte im Bericht vom 28. April 2000 vor allem belastungs- und bewegungsabhängige Fussschmerzen sowie z.T. Kreuzschmerzen vor allem beim Sitzen fest. Nächtlich sei der Versicherte zudem gestört durch wiederholte Wadenkrämpfe, zum Teil lageabhängige Fussschmerzen und wiederholt ein unangenehmes Kältegefühl und verstärktes Schwitzen im Bereich der Füsse; deswegen leide er an Ein- und Durchschlafstörungen. Im Bericht vom 25. November 2000 führte Dr. med. U.________, Allgemeine Medizin FMH, aus, seit Juni 2000 sei der Versicherte in der IV-Umschulung. Durch neuartige Belastung der Füsse, teils andere Sitz- und Stehpositionen, seien die Fussschmerzen wieder akuter geworden, auch eine Strecksehnenverkürzung beider Halluces. In den Berichten vom 15. Juni und 16. Dezember 2002 legte Dr. med. U.________ im Wesentlichen dar, die Fussschmerzen hätten sich in Intensität und Häufigkeit nicht verändert; mit Physiotherapie seien sie aber erträglich und stabil. Die Klinik S.________ führte im Gutachten vom 19. Dezember 2003 aus, der Versicherte gebe Schmerzen in beiden Füssen an, links ausgeprägter, die ganztags und abends ausgeprägter vorhanden seien, am stärksten beim Stehen und Gehen, jedoch auch beim Sitzen (maximal noch 60 Min. möglich) sowie nachts. Er erwache regelmässig zwei- bis dreimal und könne deswegen schlecht einschlafen. Mit den orthopädischen Schuhen könne er besser gehen, barfussgang sei nur auf flachen Ebenen möglich. Beim Sitzen würden auch lumbale Schmerzen auftreten, gelegentlich bestehe auch ein Schmerz in der Herzregion. Seit Juli 2003 tauchten rezidivierend plötzlich Schmerzen im Bereich der Knie-, Hüft- und Ellbogengelenke sowie der Hände auf. Zudem erwähne der Versicherte ein verstärktes Schwitzen am ganzen Körper und psychische Probleme. Die Uniklinik Y.________ legte im Gutachten vom 1. November 2004 dar, es bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen der klinischen und radiologischen Untersuchung sowie der Schmerzangabe des Versicherten. Im Vergleich zur Begutachtung im Jahre 1999 sei es vor allem zur weiteren Zunahme der chronischen Schmerzproblematik mit vor allem zusätzlichen ausgeprägten depressiven Episoden gekommen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass weiterhin eine deutliche somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung vorliege. Klinisch und radiologisch liessen sich die Schmerzen nur teilweise durch die vorliegenden leichten posttraumatisch arthrotischen Veränderungen im Bereich der Lisfranc-Gelenke erklären. Bei den restlichen Beschwerden handle es sich um unspezifische Schmerzen im Bereich beider Füsse und der Wirbelsäule ohne organisches Korrelat. Letztlich kann offen bleiben, ob physische Dauerbeschwerden im Sinne von über den ganzen Zeitraum andauernden Beschwerden oder vor allem Bewegungs- und Belastungsschmerzen vorlagen. Selbst wenn das Kriterium als gegeben erachtet würde, wäre es jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise erfüllt, zumal schon im Januar 1999 (Gutachten der Uniklinik Y.________ vom 19. Mai 1999) bereits eine deutliche psychische Überlagerung der Beschwerden vermutet wurde (vgl. auch erwähntes Urteil U 88/06, E. 7.2.4). 5.5 Der Versicherte macht geltend, der Kreisarzt habe die Wiederaufnahme und Ausweitung seiner beruflichen Tätigkeit entgegen dem Gutachten der Rehaklinik X.________ und den Stellungnahmen weiterer Ärzte (über-)forciert. Dies könne als Fehlbehandlung aufgefasst werden, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert habe. Er verweist auf folgende Akten: Das Spital M.________ habe im Bericht vom 3. Dezember 1998 dargelegt, hinsichtlich der Füsse handle es sich um bilaterale aktive Knochenprozesse. Im Bericht vom 4. Dezember 1998 habe es ausgeführt, bei den Fussbeschwerden rechts könnte es sich um eine chronische Überlastung handeln. Der Hausarzt Dr. med. L.________ habe in einem Telefonat an den Kreisarzt vom 7. Dezember 1998 ausgeführt, offenbar habe im Spital M.________ eine Seitenverwechslung stattgefunden; seines Erachtens könnte es sich um Marschfrakturen bei relativ spärlichem Kalkgehalt handeln. Entgegen der Auffassung des Versicherten kann aus diesen Unterlagen und den übrigen Akten nicht auf eine eigentliche Fehlbehandlung geschlossen werden, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte. 5.6 Das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen muss nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V 359 E. 7b S. 369). Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden) zu berücksichtigen sind - darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (erwähntes Urteil U 503/06, E. 7.6). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums (erwähntes Urteil U 56/07, E. 6.6 mit Hinweis). Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine vollständige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (erwähntes Urteil U 503/06, E. 7.6). 5.7 Das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit bezieht sich nicht allein auf das Leistungsvermögen im angestammten Beruf (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544, U 56/00; erwähntes Urteil U 503/06, E. 7.7 mit Hinweis). Nach dem Unfall vom 22. Mai 1997 war der Versicherte zunächst vollständig arbeitsunfähig. Ab 12. Februar 1998 nahm er die Arbeit bei der Firma F.________ AG halbtags wieder auf, wobei er für leichtere Arbeiten eingesetzt wurde. Gemäss Gutachten der Uniklinik Y.________ vom 19. Mai 1999 war der Versicherte als Lagerist mit kurzen Gehstrecken, regelmässiger Möglichkeit zum Sitzen zu 50 % (halbtags) arbeitsfähig. Für sitzende Tätigkeiten bestand keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Gemäss dem Bericht des Dr. med. R.________, Abklärungs- und Ausbildungsstätte A.________, vom 28. April 2000 war bei überwiegend sitzend zu verrichtenden, körperlich leicht belastenden Tätigkeiten mit Möglichkeit zu gelegentlichen Entlastungspausen ein zeitlich uneingeschränkter Arbeitseinsatz möglich. Bei den zum Teil neuen und ungewohnten Tätigkeiten war das Arbeitstempo generell etwas verlangsamt, so dass durchschnittliche Arbeitsleistungen von 60 - 70 % einer Normalleistung erzielt wurden. Bei der gezeigten zeitlich uneingeschränkten Präsenz im Bürobereich sollte auch eine entsprechende Ausbildung ganztägig durchgeführt werden. Vom 25. September 2000 bis 31. August 2002 absolvierte der Versicherte eine von der IV-Stelle finanzierte Umschulung zum Technischen Zeichner (BBT-Anlehre). Aufgrund der Gutachten der Klinik S.________ vom 19. Dezember 2003 und der Uniklinik Y.________ vom 1. November 2004 ist davon auszugehen, dass der Versicherte aus rein somatischer Sicht in leidensangepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig war (vgl. E. 7 hienach). Die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit ist nicht zu berücksichtigen (E. 4.3 hievor). Unter diesen Umständen und mit Blick auf die Rechtsprechung (vgl. insbesondere RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544) ist das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit vorliegend nicht in auffallender Weise gegeben. 5.8 Nach dem Gesagten sind von den sieben Adäquanzkriterien höchstens drei erfüllt, wobei kein Kriterium in besonders ausgeprägter Weise vorliegt (E. 5.3 f und 5.7 hievor). Damit sind die für die Adäquanzprüfung massgebenden Kriterien nicht in gehäufter und auffallender Weise gegeben (vgl. auch erwähntes Urteil U 503/06, E. 7.8). Demnach haben SUVA und Vorinstanz den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 22. Mai 1997 sowie den psychischen Beschwerden des Versicherten und damit einen entsprechenden Leistungsanspruch (Rente und Integritätsentschädigung) zu Recht verneint. Sämtliche Einwendungen in der Beschwerde vermögen hieran nichts zu ändern.