Citation: 6B_54/2008 09.05.2008 E. 4

4.1 Der Beschwerdeführer rügt vorab in prozessualer Hinsicht einen Verstoss gegen Art. 343 StGB, gegen das kantonale Prozessrecht (Art. 28 Abs. 2 StPO/SG) sowie gegen die Untersuchungs- und Offizialmaxime, da die Vorinstanz das Strafverfahren gegen den mitbeteiligten Geschäftsführer der Ab.________ AG G.________ vorläufig eingestellt habe. Strafbare Handlungen mehrerer Personen, welche als Mittäter, Anstifter oder Gehilfen gehandelt hätten, seien gemeinsam zu beurteilen, falls nicht ausnahmsweise eine Trennung zweckmässig sei. Vorliegend fehle es an einem sachlichen Grund für eine vorläufige Einstellung des Strafverfahrens gegen G.________. Des Weiteren stehe der angefochtene Entscheid auch in Widerspruch zur Aufhebung des Strafverfahrens gegen H.________ als ehemaligem Verwaltungsrat der Ab.________ AG, hätten diesen doch formell dieselben Pflichten getroffen wie ihn. Indem die Vorinstanz das Strafverfahren gegen ihn nicht ebenfalls aufgehoben habe, habe sie den Grundsatz der Rechtsgleichheit gemäss Art. 8 BV, das Willkürverbot nach Art. 9 BV und die Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV verletzt (Beschwerde S. 9-14). 4.2 Die Vorinstanz hat erwogen, es liege nicht am Sachgericht zu entscheiden, ob gegen mögliche Mittäter eine Strafuntersuchung zu führen oder Anklage zu erheben sei. Der Beschwerdeführer hätte vielmehr gegebenenfalls bei der Anklagekammer einen Antrag auf Eröffnung oder Weiterführung einer Strafuntersuchung stellen können. Eine Rückweisung der Strafsache an die Untersuchungsbehörde sei nicht angezeigt (angefochtenes Urteil S. 5/6). 4.3 Art. 343 Abs. 1 StGB hält fest, dass zur Verfolgung und Beurteilung der Anstifter und Gehilfen die Behörden zuständig sind, denen die Verfolgung und Beurteilung des Täters obliegt. Art. 28 Abs. 2 StPO/SG statuiert, dass strafbare Handlungen mehrerer Personen, die als Mittäter, Anstifter oder Gehilfen handelten, gemeinsam untersucht und beurteilt werden, wenn nicht ausnahmsweise eine Trennung zweckmässig erscheint. Art. 28 Abs. 2 StPO/SG räumt den Untersuchungsbehörden mithin einen Ermessensspielraum ein, indem es die Verfahrenstrennung aus Zweckmässigkeitsgründen ausdrücklich erlaubt. Diese Regelung steht in Einklang mit Art. 343 Abs. 1 StGB, lässt sich doch aus dieser Bestimmung entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kein unbedingter Anspruch auf Beurteilung im gleichen Verfahren ableiten. 4.4 Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers wurde das Strafverfahren gegen H.________ nicht aufgehoben, sondern gar keines eröffnet. Das Verfahren gegen G.________ wurde am 2. Dezember 2003 vorläufig eingestellt mit der Begründung, die Verfahren gegen den Beschwerdeführer und gegen Y.________ seien von präjudizieller Bedeutung (vgl. Art. 190 Abs. 1 lit. d StPO/SG). Gestützt auf Art. 230 Abs. 1 lit. l StPO/SG kann gegen Einstellungsverfügungen Beschwerde an die Anklagekammer erhoben werden, wobei sich die Legitimation nach der allgemeinen Bestimmung von Art. 222 StPO/SG richtet. Gemäss Art. 222 Abs. 1 lit. d StPO/SG ist jede am Verfahren beteiligte Person, die in ihren Rechten unmittelbar betroffen ist, zur Einlegung eines Rechtsmittels berechtigt. Vorliegend braucht nicht entschieden zu werden, ob der Beschwerdeführer zur Beschwerde gemäss Art. 230 Abs. 1 lit. l StPO/SG legitimiert gewesen wäre, um zu rügen, das Verfahren gegen G.________ sei unter Verstoss gegen Art. 28 Abs. 2 StPO respektive unter Verletzung der Untersuchungs- und Offizialmaxime vorläufig eingestellt worden. Jedenfalls stand ihm auf kantonaler Ebene kein anderes Rechtsmittel offen. Die vorläufige Einstellung des Strafverfahrens gegen G.________ wie auch die Nichteröffnung eines Strafverfahrens gegen H.________ bildeten nicht Gegenstand des erstinstanzlichen Prozesses, weshalb sich der Beschwerdeführer hiergegen auch nicht mit Berufung an die Vorinstanz zur Wehr setzen konnte. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers liegt im Übrigen kein Anwendungsfall von Art. 192 Abs. 2 StPO/SG vor, wonach bei nach der Anklageerhebung bekannt werdenden neuen strafbaren Handlungen, welche gestützt auf Art. 28 Abs. 2 StPO/SG gemeinsam mit bereits hängigen zu beurteilen sind, eine Ergänzung der Anklageschrift vorzunehmen ist. Vorliegend sind nach dem Zeitpunkt der Anklageerhebung vom 18. Juni 2004 keine neuen strafbaren Handlungen bekannt geworden.