Citation: 6B_1231/2016 E. 5.1

5.1. Das Unrecht des Tatbestandes der ungetreuen Geschäftsbesorgung liegt in der Verletzung einer besonderen Treuepflicht. Dabei genügt nicht jede auf Wahrung fremder Vermögensinteressen gerichtete Pflicht. Erfasst werden nur Pflichten, die alle wesentlichen Merkmale einer Garantenpflicht aufweisen (GÜNTER STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Bes. Teil I, 7. Aufl., 2010, § 19 N 5). Der Gemeindepräsident oder Gemeindeammann ist einerseits gleichberechtigtes Mitglied der Gemeindeexekutive und als Ressortinhaber mit denselben Aufgaben betraut wie die übrigen Gemeinderatsmitglieder. Auf der anderen Seite obliegen ihm als Gemeindevorsteher eigenständige Leitungs- und Verwaltungsaufgaben. Er zeichnet sich gegenüber den übrigen Exekutivmitgliedern durch die Präsidialaufgaben aus, die sich auf Leitungsfunktionen bei der Willensbildung im Gemeinderat und in der Gemeindeversammlung erstrecken. Zu diesen Aufgaben gehören die verfahrensmässige Leitung der Gemeinderatssitzung und der Gemeindeversammlung sowie weitere Lenkungsobliegenheiten (ANDREAS BAUMANN, Aargauisches Gemeinderecht, 4. Aufl. 2017, S. 323 f.). Gemäss der Gemeindeordnung der Einwohnergemeinde U.________ vom 19. September 2005 (nachfolgend: Gemeindeordnung) vertreten der Gemeinderat und der Gemeindeammann die Gemeinde gegen aussen (§ 33 Abs. 2 Gemeindeordnung; vgl. auch § 36 Abs. 2 des Gesetzes über die Einwohnergemeinden des Kantons Aargau [Gemeindegesetz; SAR 171.100] vom 19. Dezember 1978). Der Gemeindeammann präsidiert den Gemeinderat und vollzieht dessen Beschlüsse. Er steht der gesamten Gemeindeverwaltung vor (§ 35 Abs. 1 Gemeindeordnung; vgl. auch § 45 Gemeindegesetz), wobei der Einwohnerrat die Oberaufsicht über die gesamte Gemeindeverwaltung ausübt (§ 31 Abs. 1 lit. a Gemeindeordnung).