Citation: I 159/04 13.10.2004 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob die Aktenlage eine schlüssige Beurteilung des Anspruchs auf Zahnbehandlung erlaubt oder dazu weitere Abklärungen nötig sind. 2.1 Während Frau Dr. med. dent. P.________, Kieferorthopädie SSO, und Dr. med. A.________, Kinderkardiologie FMH, in den Berichten vom 31. Januar 2003 bzw. 3. Februar 2003 jeweils ohne nähere Begründung jeden Zusammenhang zwischen dem Herzfehler und dem Zahnleiden verneinen, kommt die Privatklinik X.________ in einem Gutachten vom 14. November 2003 zu differenzierteren Schlüssen. Demnach sei am ehesten davon auszugehen, dass es sich um einen genetisch assoziierten Zusammenhang zwischen den Krankheitssymptomen Herz, Wirbelsäule, Gesichtsschädel und somit um ein "Velocardiofaciales Syndrom" handle. Zahnstellungsanomalien und Wachstumsstörungen kämen in der Durchschnittsbevölkerung auch gehäuft vor; jedoch liege hier per definitionem ein Geburtsgebrechen vor, welches seine klinisch relevante Symptomatik am Gesichtsschädel erst im Laufe des Wachstums entwickle und somit fassbar sei. 2.2 Die Vorinstanz sah sich auf Grund dieser Angaben ausser Stande, schlüssig zu beurteilen, ob ein qualifizierter Zusammenhang zwischen dem Zahnleiden und dem Herzfehler bestehe, weshalb sie die Akten zu näheren Abklärungen an die IV-Stelle zurückwies. Das BSV hingegen verneint einen solchen Zusammenhang und hält die Einholung weiterer Akten für überflüssig. Das "Velocardiofaciale Syndrom" sei nicht in der Liste der anerkannten Geburtsgebrechen enthalten. Das kantonale Gericht habe wohl verkannt, dass sämtliche Leiden der Versicherten, also nicht nur die Kieferanomalie, sondern auch die Herz- und Gefässmissbildungen und die Wachstumsstörung, auf einen übergeordneten Gendefekt zurückzuführen seien. Ein Zusammenhang zwischen dem Zahnleiden und der Herzmissbildung bestehe somit höchstens indirekt auf dem Umweg über einen Gendefekt. Insofern bestehe kein Widerspruch zwischen dem Gutachten der Klinik X.________ und den Dres P.________ und A.________. Der Gendefekt als solcher sei in der GgV nicht enthalten, weshalb keine Leistungspflicht der Invalidenversicherung bestehe. 2.3 Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass aus den nicht näher begründeten Aussagen der Dres. P.________ und A.________ keine nachvollziehbaren Schlüsse zu gewinnen sind, weshalb der hier streitige Zusammenhang nicht gegeben sein soll. Die blosse Verneinung ohne nähere Begründung ist für den vorliegenden Fall nicht ausreichend, nachdem ein derartiger Zusammenhang gemäss Gutachten der Klinik X.________ durchaus denkbar ist. Indessen ist der Expertise nicht rechtsgenüglich klar zu entnehmen, ob die Zahnanomalie nach wissenschaftlicher Erkenntnis zum Symptomkreis des Herzfehlers gehört, in welchem Fall sie diesem zuzurechnen ist, oder ob sie in einem qualifizierten adäquaten Kausalzusammenhang zum Herzfehler steht. Dies trifft namentlich zu, wenn sie die Folge des Herzfehlers ist oder wenn dessen Behandlung keinen Sinn macht, falls nicht auch die Zahnanomalie behandelt wird. Damit ist der hier streitige und für die Leistungspflicht der Invalidenversicherung entscheidende Zusammenhang beim momentanen Stand der Akten in der Tat weder auszuschliessen noch zu bejahen. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz zu Recht nähere Abklärungen verlangt. Ob die vom BSV aufgestellte These, der notwendige Kausalzusammenhang zwischen den beiden Leiden werde durch einen nicht in der GgV enthaltenen, "übergeordneten" Gendefekt unterbrochen, juristisch haltbar ist, braucht im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht entschieden zu werden. Es steht nämlich noch nicht fest, ob sich diese These medizinisch überhaupt begründen lässt.