Citation: 5A_318/2021 E. 3.3.2

3.3.2. Im Kern wendet sich der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Würdigung des Gutachtens vom 11. Oktober 2018 (vgl. E. 3.2.2). Er wirft dem Obergericht vor, den Inhalt der Expertise nur selektiv zur Kenntnis zu nehmen, wichtige Einschätzungen der Sachverständigen nicht wiederzugeben und ein stark verzerrtes Bild der Situation zu vermitteln. Der Beschwerdeführer listet die angeblich übergangenen Ausführungen im Gutachten auf, die er für die heutige Beurteilung als relevant erachtet. Sie betreffen zum einen die Beschwerdegegnerin 1 bzw. deren Defizite, Überforderung und Unvermögen und zum anderen seine eigene Person bzw. die bei ihm diagnostizierten Störungen, Auffälligkeiten und Probleme sowie die entsprechenden Folgerungen und Empfehlungen der Expertin. Überdies wirft er der Vorinstanz vor, sie setze die unsicher-ambivalente Bindung mit der bei ihm erkannten reaktiven Bindungsstörung gleich, die unter anderem als Folge schwerer elterlicher Vernachlässigung gelte. Unter dem Titel einer willkürlichen Beweiswürdigung und offensichtlich unrichtigen Sachverhaltsfeststellung beanstandet der Beschwerdeführer in der Folge, dass die Vorinstanz das Gutachten insgesamt als nicht mehr aktuell erachte, es vollständig ignoriere und die eigene Beurteilung trotz fehlenden Sachverstands an die Stelle der gutachterlichen Einschätzung setze. Welche Schlussfolgerungen nach wie vor aktuell und somit beachtlich sind, werde nicht diskutiert. Als zentralen Punkt hebt der Beschwerdeführer hervor, dass der angefochtene Entscheid sich nicht mit den Rückmeldungen der Fachpersonen zum Verlauf der Besuche bei der Mutter befasse, obwohl diese Äusserungen die gutachterliche Beurteilung der Erziehungsfähigkeit bestätigen würden. Er verweist auf den Kurzbericht der Beiständin vom 21. September 2020, dem zufolge sich die Beschwerdegegnerin 1 während der Besuche der Kinder mit anderen Leuten treffe und die Kinder Freundinnen anvertraue. Laut diesem Bericht hätten die Pflegefamilie und die Schule nach den Besuchen mehrfach sozialen Rückzug, aggressives Verhalten und Schlafschwierigkeiten festgestellt; die Pflegefamilie habe erklärt, dass er, der Beschwerdeführer, sich jeweils sehr freue, wieder zu Hause auf der G.________ zu sein. Ausführlich zitiert der Beschwerdeführer aus den Rückmeldungen von Frau N.________, E.________s Bezugsperson im L.________, deren Informationen über die Gestaltung der Besuchstage auch für ihn relevant seien. Ausserdem verweist er auf den Schlussbericht der Familienbegleitung, wonach die Beschwerdegegnerin 1 eigentlich keine Familienbegleitung wolle und keinen Veränderungsbedarf in ihrem Erziehungsverhalten sehe. Zusammengefasst würden diese Rückmeldungen zeigen, dass die Beschwerdegegnerin 1 während der Besuchszeiten für ihre Kinder oft nicht verfügbar ist und die Kinder Drittpersonen anvertraut oder sich selbst überlässt, dass es während der Besuchstage kaum Strukturen gibt und die Kinder ohne altersgerechte Begleitung sehr viel Zeit vor dem Fernseher oder mit dem Handy verbringen, dass ein Beziehungsaufbau zwischen Mutter und Kindern kaum stattfindet und die Beschwerdegegnerin 1 die Kinder sehr oft mit Erwachsenenthemen überfordert, und dass die Mutter weder bereit noch fähig ist, sich zu verändern und Hilfe anzunehmen. Für den Beschwerdeführer steht damit fest, dass die Einschätzungen und Empfehlungen der Gutachterin zur stark eingeschränkten Erziehungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin 1 durch die neueren Rückmeldungen der Fachstellen und -personen zu den Besuchstagen bestätigt werden, weiterhin aktuell sind und deshalb bei der Prüfung seiner Rückplatzierung berücksichtigt werden müssen. Vergleiche man die spezifischen Bedürfnisse, die er aufgrund seiner schwierigen Lebensgeschichte aufweise, mit den stark eingeschränkten erzieherischen Fähigkeiten seiner Mutter, so zeige sich, dass die Übertragung der Obhut an die Beschwerdegegnerin 1 seine weitere Entwicklung und sein Wohl massiv gefährden würde. Die anderslautenden Schlussfolgerungen des Obergerichts übergehen nach der Auffassung des Beschwerdeführers die relevanten Aspekte; sie seien "schlicht unhaltbar". Der Beschwerdeführer begnügt sich über weite Strecken damit, dem angefochtenen Entscheid seine eigene Sicht der Dinge gegenüberzustellen. Das Obergericht ist sich der besonderen Bedürfnisse des Kindes sehr wohl bewusst. Es erinnert daran, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückplatzierung von seinen Eltern nicht nur Unterstützung, Zuspruch und Aufmerksamkeit, sondern auch emotionale Zuwendung brauche und die Beschwerdegegnerin 1 im Stande sein müsse, ihre Rolle als Mutter auch in schwierigen Situationen wahrzunehmen. Ebenso ist sich das Obergericht im Klaren darüber, dass die Beschwerdegegnerin 1 mit der Strukturierung des Alltags ihrer Kinder Mühe bekundet und die mit einer Rückplatzierung verbundenen Herausforderungen möglicherweise unterschätzt. Soweit der Beschwerdeführer im angefochtenen Entscheid eine Prüfung vermisst, ob die Beschwerdegegnerin 1 die erwähnten Anforderungen erfüllen könne, und sich über eine unzureichende Berücksichtigung der neueren Entwicklungen bzw. der in seinen Augen nach wie vor aktuellen gutachterlichen Beurteilung der Erziehungsfähigkeit seiner Mutter beklagt, übersieht er zum einen die vorinstanzliche Erkenntnis, wonach die behaupteten Defizite der Beschwerdegegnerin 1 angesichts seines Alters, seiner zunehmenden Selbständigkeit und seiner von der Schule vorgegebenen Tagesstruktur zu relativieren seien. Damit setzt sich der Beschwerdeführer nicht auseinander. Darüber hinaus widerspricht die Vorinstanz ausdrücklich der gutachterlichen Beurteilung, wonach die Beschwerdegegnerin 1 mit der Betreuung und Erziehung der Kinder überfordert sei. Zur Begründung führt sie aus, die mit den Kindern betrauten Fachpersonen hätten während des eineinhalbjährigen obergerichtlichen Prozesses keine konkreten Vorfälle aktenkundig gemacht, die als kindeswohlgefährdende Situationen für A.________ beschrieben werden könnten, und seit Beginn der offenen Kontaktregelung seien keine grösseren Probleme während der Aufenthalte der Kinder bei der Mutter gemeldet worden (s. E. 3.2.4). Auch damit mag sich der Beschwerdeführer nicht beschäftigen. Einfach die eigene Lesart der diversen Äusserungen der Fachpersonen zu präsentieren, genügt nicht, um vor Bundesgericht mit einer Sachverhaltsrüge durchzudringen (s. E. 2.2). Soweit sich der Beschwerdeführer darüber beklagt, dass die Vorinstanz die Diagnose einer Bindungsstörung mit einer unsicher-ambivalenten Bindung gleichsetze, tut er nicht dar, inwiefern die Behebung dieser angeblichen Unsorgfältigkeit für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG; s. E. 2.2). Schliesslich ist daran zu erinnern, dass die Vorinstanz der Beschwerdegegnerin 1 unter dem Blickwinkel der Erziehungsfähigkeit die Seriosität zugute hält, mit der sie sich um ihr Besuchsrecht und um die Beziehung mit ihrem Sohn bemühte (s. E. 3.2.4). Warum es nicht zulässig sein soll, gestützt auf diese Feststellungen über die gegenwärtige Situation eine Prognose darüber zu stellen, ob sich die Rückgabe des Kindes in die Obhut seiner Eltern aller Voraussicht nach mit dem Kindeswohl vertrage, ist der Beschwerde jedoch nicht zu entnehmen und auch nicht ersichtlich. Der Einwand des Beschwerdeführers, dass sich die (alltägliche) Ausübung der Obhut wesentlich von der zeitlich begrenzten Betreuung an Wochenenden und während der Ferien unterscheidet, trifft zwar zu, greift aber zu kurz: Es liegt in der Natur der Sache, dass niemand mit absoluter Sicherheit voraussagen kann, ob die Beschwerdegegnerin 1 über ihre bisherigen Anstrengungen zur Ausübung des Besuchsrechts hinaus zu leisten vermag, was auch das Obergericht für die Rückübertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts von ihr fordert. Allein diese Unwägbarkeit reicht jedoch nicht aus, um den Eltern - hier der Mutter - die Obhut über ihr Kind auf unbestimmte Zeit zu entziehen, dies im Widerspruch zur Situation, wie sie vom Gesetz als Normalfall vorgegeben ist.