Citation: U 341/02 01.09.2003 E. 3

Streitig ist der Anspruch auf Heilbehandlung und Taggelder sowie eventualiter auf Invalidenrente und Integritätsentschädigung; in dieser Hinsicht ist vor allem die Frage der adäquaten Kausalität zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfall von Juli 2000 umstritten. 3.1 Das kantonale Gericht hat auf den Bericht der Klinik Y.________ vom 9. März 2001 sowie denjenigen des SUVA-Arztes Dr. med. L.________ vom 15. August 2001 abgestellt und das Vorliegen somatischer Restbeschwerden verneint, während es die psychische Problematik nicht als adäquat kausale Unfallfolge betrachtete. Der Beschwerdeführer geht demgegenüber davon aus, er sei aus physischen und psychischen Gründen vollständig arbeitsunfähig und die Adäquanz der psychischen Beschwerden zum Unfall von Juli 2000 sei zu bejahen. 3.2 Die Klinik Y.________ hält im Austrittsbericht vom 9. März 2001 fest, dass während der ganzen Hospitalisation die psychische Problematik im Vordergrund gestanden habe und vor allem aus diesem Grund die Arbeitsfähigkeit auf 0% geschätzt werden müsse, während der SUVA-Arzt Dr. med. L.________ in seinem Bericht vom 15. August 2001 davon ausgeht, dass der funktionelle Ausfall des linken Armes aufgrund der Unfallfolgen nicht erklärt werden könne. Diese beiden Berichte sind für die streitigen Belange umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden und sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden; zudem sind die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhalten begründete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Sie stimmen im Übrigen mit dem Bericht des Neurologen Dr. med. R.________ vom 4. September 2000 überein, wonach die Bewegungseinschränkung des linken Armes nur durch eine Schmerzhemmung erklärbar sei. Damit ist davon auszugehen, dass keine somatischen Unfallrestfolgen mehr vorliegen. Weitere Abklärungen sind nicht nötig. 3.3 Es steht fest und ist unbestritten, dass der Versicherte an einem psychischen Gesundheitsschaden leidet, welchen die Klinik Y.________ im Bericht vom 9. März 2001 als angstbesetztes, schwer agitiertes Zustandsbild nach potentiell gefährlichem Unfallereignis mit Kettensäge im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) diagnostiziert hat. Die SUVA hat dafür nur Leistungen zu erbringen, wenn ein adäquater Kausalzusammenhang zum Unfall von Juli 2000 besteht. Der Versicherte hat sich durch eine Kettensäge eine zehn bis zwölf Zentimeter lange, in der Folge unter Lokalanästhesie ambulant behandelte Weichteilschnittverletzung an der linken Schulter zugefügt; in Anbetracht dieser Umstände ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie den Unfall den mittelschweren Ereignissen zuordnet. Da sich bei Unfällen im mittleren Bereich die adäquate Kausalität nicht allein aufgrund des Unfalles schlüssig beurteilen lässt, sind gemäss Rechtsprechung weitere objektiv erfassbare Kriterien heranzuziehen (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa): Da die Verletzung durch eine potentiell gefährliche Kettensäge verursacht worden ist, wies der Unfall vom 25. Juli 2000 zwar eine gewisse Eindrücklichkeit auf, jedoch kann nicht davon gesprochen werden, dass die Eindrücklichkeit objektiv besonders ausgeprägt ist (vgl. BGE 115 V 141 oben), auch wenn dies der Beschwerdeführer subjektiv anders empfunden haben mag; insbesondere ist zu berücksichtigen, dass nur (aber immerhin) eine Weichteilverletzung vorliegt, und damit die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beschriebenen Knochenstücke in der Wunde nicht sichtbar gewesen sein konnten. Der Versicherte wurde denn auch nicht besonders schwer oder gar lebensgefährlich verletzt und die erlittene Fräsenverletzung an der linken Schulter ist erfahrungsgemäss nicht geeignet, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Die Dauer der ärztlichen Behandlung, die geklagten Dauerschmerzen sowie der schwierige Heilungsverlauf basieren nicht auf einem somatischen Substrat (vgl. Erw. 3.2 hievor), sondern auf der relativ schnell stattgefundenen psychischen Überlagerung, die vom SUVA-Arzt Dr. med. L.________ schon im Oktober 2000 vermutet und vom Hausarzt Dr. med. S.________ zur gleichen Zeit als "mit Sicherheit" vorliegend erachtet wurde; damit fallen auch Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit kaum ins Gewicht. Im Übrigen ist eine ärztliche Fehlbehandlung, die die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, vorliegend nicht ersichtlich. Somit liegen die gemäss Rechtsprechung bei einem mittleren Unfall notwendigen objektiven Kriterien weder gehäuft vor, noch ist eines davon besonders ausgeprägt (BGE 115 V 140 Erw. 6c), weshalb der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall von Juli 2000 und den geklagten psychischen Beschwerden zu verneinen ist. Dies hat zur Folge, dass der Unfall zwar unter Umständen eine natürlich kausale Teilursache der psychischen Beschwerden darstellt, ihm aber rechtlich nicht zugerechnet werden kann, weshalb sich auch die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragten weiteren Abklärungen erübrigen. Mangels adäquatem Kausalzusammenhang hat der Beschwerdeführer daher keinen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung; es kann auch nicht auf den Entscheid der Invalidenversicherung, die dem Versicherten gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100% seit Juli 2001 eine ganze Rente ausrichtet, abgestellt werden, da diese - wegen ihrer Ausgestaltung als finale Versicherung (vgl. BGE 124 V 178 Erw. 3b mit Hinweisen) - nicht zwischen physischen und psychischen Komponenten unterscheidet.