Citation: 4C.292/2002 20.11.2003 E. 4

4.1 Die Vorinstanz hat den Anspruch der Klägerin auch im Lichte der culpa in contrahendo und der absichtlichen Täuschung (Art. 28 OR) verneint. Sie erwog unter Hinweis auf BGE 92 II 328 und 102 II 81 bzw. 116 II 431, die vorvertragliche Aufklärungspflicht beschlage keine Umstände, welche die Gegenseite selber zu kennen gehalten sei, und eine absichtliche Täuschung liege nur vor, sofern der Täuschende um die Unrichtigkeit des fraglichen Sachverhalts gewusst habe. Dass die Beklagte bereits bei den Vertragsverhandlungen um die Unrichtigkeit des Leistungsverzeichnisses gewusst haben soll, habe die Klägerin jedoch nicht hinreichend klar dargelegt, sondern lediglich eine dahingehende Vermutung geäussert. Erst recht fehlten Anhaltspunkte in den Rechtsschriften der Klägerin, die eine absichtliche Falschangabe der Beklagten nahe legen würden. 4.2 Die Klägerin beanstandet wiederum als Verstoss gegen Art. 8 ZGB, dass die Vorinstanz die formgültig offerierten Zeugen nicht befragt habe. Hätte sich dabei herausgestellt, dass die ursprüngliche Berechnung sich auf ein Bauprojekt bezogen habe, das zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses bereits wesentlich verändert gewesen sei, hätte die Beklagte die Klägerin über den Arbeitsumfang getäuscht, da sie gleichzeitig die Herausgabe der Pläne verweigert und die Richtigkeit des Leistungsverzeichnisses zugesichert habe. Diese Ausführungen genügen den Begründungsanforderungen gemäss Art. 55 Abs. 1 lit. c OG offensichtlich nicht, zeigt die Klägerin doch auch nicht ansatzweise auf, aus welchen im kantonalen Verfahren prozesskonform erhobenen Behauptungen sich die Kenntnis der Beklagten bezüglich der Unrichtigkeit des Leistungsverzeichnisses ergeben hätte. Vielmehr scheint die Klägerin ungeachtet der kantonalen Prozessregeln davon auszugehen, sie könne konkrete Sachbehauptungen im dafür vorgesehenen Verfahrensstadium durch den Hinweis auf ein mögliches Beweisergebnis ersetzen. Ihre Rüge beschlägt damit nicht die Beweis-, sondern die von der Verhandlungsmaxime und damit vom kantonalen Recht beherrschte Behauptungslast (BGE 108 II 337 E. 2d S. 340; Schmid, Basler Kommentar, N 31 und 33 zu Art. 8 ZGB; Vogel/Spühler, Grundriss des Zivilprozessrechts, 7. Auflage, 10. Kapitel, Rz. 56; E. 2.3 hiervor). Damit ist die Klägerin nicht zu hören (E. 1 hiervor).