Citation: I 276/04 28.07.2005 E. 5.3

5.3.1 Die IV-Stelle hat der wiedererwägungsweisen Aufhebung der Rentenverfügungen keinen erneuten Einkommensvergleich aufgrund der damaligen Verhältnisse zu Grunde gelegt. Sie begnügt sich in Verfügung und Einspracheentscheid mit einem solchen für die Gegenwart. Auch das kantonale Gericht stellt lediglich fest, da die durchschnittlichen Löhne für leichte Hilfsarbeiten im Jahre 1989 kaum vom Valideneinkommen des Beschwerdeführer abgewichen seien, habe sein Invaliditätsgrad offensichtlich weit unter der Grenze von 40% gelegen. 5.3.2 Grundlage der ursprünglichen Rentenverfügung vom 7. Juni 1990 war ein Präsidialbeschluss der IV-Stelle vom 1. Februar 1990, worin festgestellt worden war, der Betroffene würde als Gesunder Fr. 31'000.- im Jahr verdienen; es sei ihm zumutbar, noch ein Einkommen von Fr. 15'500.- zu erzielen. Aus den Akten lässt sich nicht entnehmen, auf welche Grundlagen und Überlegungen sich die verfügende Behörde dabei stützte. Aus dem Bericht der Regionalstelle für berufliche Eingliederung Behinderter vom 4. Dezember 1989 ist zu schliessen, dass die Berufsberater den Versicherten in der freien Wirtschaft für nicht vermittelbar hielten. Damit kann heute nicht entschieden werden, ob die IV-Stelle im Jahre 1990 tatsächlich von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit als Bauarbeiter ausgegangen war, wie in der Wiedererwägungsverfügung vom 28. Februar 2003 dargelegt wird. 5.3.3 Verwaltung und Vorinstanz stützen ihre - wiedererwägungsweise - Neubeurteilung des Invaliditätsgrades im Jahre 1989 auf das Gutachten des Zentrums X.________ vom 15. September 1989. Dieses ist - was den somatischen Gesundheitszustand betrifft - denn auch tatsächlich überzeugend (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a). Demnach war der Beschwerdeführer als Hilfsarbeiter auf dem Bau nur noch sehr beschränkt einsetzbar - geschätzt wurde eine mögliche Leistung von 50% während einer Ganztagestätigkeit -, hingegen bestände keine Einschränkung bei einer körperlich leichten, wechselbelastenden Arbeit. Zweifel erwecken hingegen die Ausführungen im Gutachten, welche sich mit der Psyche des Probanden befassen. Die Ausführungen unter dem Titel "psychiatrischer Status" sind rudimentär. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass unter dem Stichwort "Befund" angegeben wird: "Die Verständigung auf Deutsch ist nur bezüglich elementarer Dinge möglich und deshalb wenig ergiebig". Darauf folgt gleich die Diagnose: "Bei den geringen objektiven Befunden muss per exclusionem die bei primitiven Persönlichkeiten, die ihren Lebensunterhalt mit der groben Kraft verdienen, so häufige abnorme seelische Verarbeitung eines Eingriffs an ihrem Achsenskelett angenommen werden". Diese Formulierung wird denn unter anderem auch als Hauptdiagnose mit Krankheitswert und Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit angeführt. Dies allerdings ohne die Konsequenzen auf die Arbeitsfähigkeit tatsächlich aufzuzeigen. Vielmehr wird diesbezüglich allein aufgrund der somatischen Befunde Stellung genommen. 5.4 Damit steht fest, dass das besagte Gutachten und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen für die Bemessung des Invaliditätsgrades - so unrichtig diese in rechtlicher Hinsicht tatsächlich durchgeführt wurde - nicht dafür herangezogen werden können, die Verfügung vom 7. Juni 1990 als zweifellos unrichtig erscheinen zu lassen. Es ist auch nicht möglich, durch weitere tatsächliche Abklärungen - immerhin fünfzehn Jahre nach Rentenbeginn - zweifelsfrei festzustellen, inwiefern sich der damalige psychische Zustand auf die Leistungsfähigkeit ausgewirkt hatte. Eine aktuelle andere Zumutbarkeitsbeurteilung einer verfügenden Behörde kann eine frühere in der Regel nicht als zweifellos falsch erscheinen lassen. Schliesslich bleibt daran zu erinnern, dass die IV-Stelle anlässlich ihrer Revisionsverfügung vom 11. Oktober 2002 nicht nur die medizinischen Verhältnisse grundlegend neu abgeklärt, sondern auch einen neuen Einkommensvergleich aufgrund der aktuellen Erkenntnisse durchgeführt und - unter Berücksichtigung der "schwierigen Verhältnisse mit den maximal möglichen Abzügen beim Invalideneinkommen" - erneut auf einen Invaliditätsgrad von 50% geschlossen hat. Somit mag das damalige Vorgehen der Verwaltung zwar Fragen aufwerfen, ohne dass aber der besagte Verwaltungsakt deswegen als zweifellos unrichtig qualifiziert und mit dieser Begründung wiedererwägungsweise aufgehoben werden kann.