Citation: 8C_689/2022 E. 4.2.2

4.2.2. Aus einer fehlenden Zeichnungsbefugnis lässt sich sodann nichts Zwingendes hinsichtlich Stellung und Einflussmöglichkeit in der Unternehmung ableiten, beschlagen die Prokura oder andere Handlungsvollmachten doch nur das Aussenverhältnis. Auch wenn damit in aller Regel vergleichbare Kompetenzen im Innenverhältnis einhergehen, kann gestützt allein hierauf, ohne Bezugnahme auf den gegebenen statutarischen oder vertraglichen Rahmen und die gelebten Verhältnisse, keine massgebliche Beeinflussung der Willensbildung des Betriebes verneint werden. In Anwendung eines materiellen Organbegriffs können daher wegen ihres massgeblichen Einflusses auf die Unternehmensentscheidungen auch solche Angestellte vom Leistungsanspruch ausgeschlossen werden, die formell nicht zeichnungsberechtigt und nicht im Handelsregister eingetragen sind. Gerade beim vorliegenden Kleinbetrieb mit wenig ausgeprägten Organisationsstrukturen kann aus dem Umstand, dass die arbeitsvertraglich vorgesehene Eintragung des Geschäftsführers mit Kollektivunterschrift zu zweien nie vorgenommen wurde, nicht ohne Einbezug der vertraglichen Aspekte und der tatsächlichen Gegebenheiten auf einen fehlenden massgeblichen Einfluss auf die Willensbildung der Unternehmung geschlossen werden (vgl. Urteil C 261/01 vom 17. Mai 2002 E. 4b; SVR 1997 ALV Nr. 101 S. 309, C 102/96 E. 5c).