Citation: 2C_20/2015 E. 4.7

4.7. Diese Würdigung ist jedenfalls in dieser absoluten Form nicht haltbar: Der Umstand, dass die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat, belegt zwar nicht, dass die Vorwürfe tatsächlich zutreffen, zeigt aber immerhin, dass aus Sicht der Staatsanwaltschaft ein erhärteter Tatverdacht vorliegt (Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO). Zudem können Drohungen durchaus eine im Lichte von Art. 50 Abs. 2 AuG relevante psychische Oppression darstellen, wenn sie systematisch sowie dauernd erfolgen und dadurch die psychische Integrität des Opfers bei einer Aufrechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft schwer beeinträchtigt würde (BGE 138 II 229 E. 3.2.2 S. 234). Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb eine allfällige Verurteilung des Ehemannes nicht geeignet sein könnte, eine solche Oppression zu belegen. Die Beschwerdeführerin legt vor Bundesgericht die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 9. Juli 2014 vor. Diese hätte an sich zwar bereits vor der Vorinstanz eingereicht werden können, kann aber als zulässiges Novum entgegengenommen werden, da die Beschwerdeführerin davon ausgehen durfte, dass die Vorinstanz - welcher bekannt war, dass ein Strafverfahren hängig war - diese von Amtes wegen berücksichtigen würde. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass die Staatsanwältin den Ehemann u.a. anklagt, er habe "beinahe täglich" gedroht, dass er die Beschwerdeführerin sowie ihren Sohn umbringe und mit dem Messer verletze; er habe von März 2012 bis Mai 2013 mindestens alle drei bis vier Wochen die Beschwerdeführerin mit den Füssen gegen den Beinbereich getreten, während sie infolge von Ohnmachtsanfällen am Boden lag. Angesichts einer solchen Anklage lässt sich nicht von vornherein verneinen, dass das Verhalten des Ehemannes häusliche Gewalt darstellen könnte. Zutreffend ist zwar, dass die Beschwerdeführerin erst im zeitlichen Zusammenhang mit dem Scheitern der Ehe die Strafanzeige erstattet hat. Das allein schliesst aber nicht aus, dass die allfällige eheliche Gewalt kausal sein könnte für das Scheitern der Ehe; Art. 50 Abs. 2 AuG ist gerade auf Situationen zugeschnitten, in denen Ehegatten im Zwiespalt sind, entweder eine unzumutbare Ehe weiterhin zu ertragen oder durch strafrechtliches Vorgehen gegen den Ehepartner die Ehe und auch das Aufenthaltsrecht aufs Spiel zu setzen. Die Vorinstanz hätte auf diese gegenüber dem Rekursentscheid z.T. neuen Fakten und Vorbringen eingehen müssen (vorne E. 4.3). Zutreffend ist schliesslich die Rüge, dass die Vorinstanz mit keinem Wort ihre Auffassung begründet, die Beschwerdeführerin habe bereits vor ihrer Ehe an psychischen Problemen gelitten. Es kann somit nicht ausgeschlossen werden, dass die psychischen Probleme - die als solche vom Verwaltungsgericht nicht in Frage gestellt werden - einen Zusammenhang mit der in der Schweiz erlebten Ehe haben.