Citation: 5A_414/2024 E. 2.5

2.5. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin hat sie die relative einjährige Verwirkungsfrist eindeutig nicht gewahrt, wobei in diesem Zusammenhang offenbleiben kann, wann die Beschwerdeführerin sichere Kenntnis der Nichtvaterschaft des Beschwerdegegners 1 erhalten hat. Die relative einjährige Verwirkungsfrist wird - wie erwähnt (vorne E. 2.2) - dadurch ausgelöst, dass die anfechtende Person von der Anerkennung und von der Tatsache Kenntnis erhielt, dass der Anerkennende nicht der Vater ist oder dass ein Dritter der Mutter um die Zeit der Empfängnis beigewohnt hat (Art. 260c Abs. 1 ZGB). Mit Bezug auf die beiden letztgenannten (alternativen) Voraussetzungen für den Beginn des Fristenlaufes sind die Bestimmungen von Art. 256c Abs. 1 ZGB und Art. 260c Abs. 1 ZGB nach den gleichen Kriterien auszulegen (Urteil 5A_619/2014 vom 5. Januar 2015 E. 4.1, in: FamPra.ch 2015 S. 470; GAY, a.a.O., Rz. 421 f.). Blosse Zweifel reichen nicht aus, um die Frist in Gang zu setzen. Es muss sichere Kenntnis darüber vorliegen, dass der Erklärende nicht der biologische Vater ist oder dass ein anderer Mann im Zeitpunkt der Empfängnis intime Beziehungen zur Mutter unterhielt (GAY, a.a.O., Rz. 422; GUILLOD, a.a.O., N. 3 zu Art. 260c ZGB). Vorliegend durfte die Vorinstanz willkürfrei davon ausgehen, dass der Beschwerdeführerin stets bekannt war, dass sie im empfängnisrelevanten Zeitraum (auch) mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt hat. In ihrer beim Bezirksgericht Luzern eingereichten Klage vom 21. Dezember 2020 hat die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen ein genaues Datum genannt, an welchem es zum ungeschützten Geschlechtsverkehr mit E.________ gekommen sei und sogar geltend gemacht, E.________ sei der einzige gewesen, der ihr im Zeugungszeitpunkt beigewohnt habe. Inwiefern für die Würdigung ihrer damaligen Äusserungen entscheidend sein soll, dass die erste Klage nicht inhaltlich behandelt wurde, ist nicht ersichtlich. Das Bundesgericht hat daher seinem Urteil die naheliegende und keinesfalls willkürliche Feststellung der Vorinstanz zugrunde zu legen, wonach sich die Beschwerdeführerin von Anfang an darüber im Klaren war, dass der Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann (E.________) in den empfängnisrelevanten Zeitraum fiel. Damit aber ist in rechtlicher Hinsicht zwingend der Schluss zu ziehen, dass für die Beschwerdeführerin die relative Frist gemäss Art. 260c Abs. 1 ZGB bereits mit der Kenntnis der Anerkennung zu laufen begonnen hat. Denn die Frist hätte entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin selbst dann bereits zu diesem Zeitpunkt zu laufen begonnen, wenn sie damals noch nicht gewusst haben sollte, ob eine Vaterschaft des Beschwerdegegners 1 ausgeschlossen ist. Unerheblich ist somit namentlich, ob der Beschwerdegegner 1 der Beschwerdeführerin in der Empfängniszeit ebenfalls beigewohnt hat oder nicht (Urteil 5A_240/2011 vom 6. Juli 2011 E. 5.4, in: FamPra.ch 2011 S. 1002; BGE 119 II 110 E. 3; GAY, a.a.O., Rz. 267).