Citation: 5A_719/2022 E. 3.2

3.2. Der Kanton Thurgau hat mit dem Gesetz vom 7. Februar 1996 über Flur und Garten (FlGG; RB 913.1) vom Vorbehalt nach Art. 688 ZGB Gebrauch gemacht (vgl. zit. Urteil 1P.28/2002 E. 1). Gemäss § 5 Abs. 1 FlGG dürfen Bäume, Sträucher, Hecken, Lebhäge und ähnliche Pflanzungen sowie mehrjährige landwirtschaftliche Kulturen nie höher gehalten werden als das Doppelte ihres Grenzabstands. Beträgt der Grenzabstand mindestens 10 m, besteht keine Beschränkung in der Höhe (§ 5 Abs. 2). Bei Pflanzungen, die den Vorschriften des FlGG nicht entsprechen, kann der Eigentümer des betroffenen Nachbargrundstücks jederzeit die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verlangen (§ 8 Abs. 1 FlGG). Falls Abweichungen von Abstandsvorschriften vereinbart worden sind, kann lediglich die Herstellung des vereinbarungsgemässen Zustands verlangt werden (§ 9 Abs. 1 FlGG). Rechtsnachfolger sind nur an Vereinbarungen gebunden, die als Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen sind (§ 9 Abs. 2 FlGG). Anders als andere Kantone - wie z.B. die Kantone Aargau (zit. Urteil 5D_80/2015 E. 3.1) und Genf (BGE 122 I 81 E. 2 [heute Art. 132 Abs. 2 der Loi d'application du code civil suisse et d'autres lois fédérales en matière civile vom 11. Oktober 2012; LaCC, rsGE E 1 05]) - begrenzt der Kanton Thurgau die Geltendmachung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands in zeitlicher Hinsicht nicht. Das FlGG gilt auch für Pflanzungen, die bereits vor dem Zeitpunkt seines Inkrafttretens bestanden (zit. Urteil 1P.28/2002 E. 2.4 in fine).