Citation: I 110/05 07.07.2005 E. 3

3.1 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 erg. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c in fine). Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, so auch einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, setzt zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 398 ff. Erw. 5.3 und Erw. 6). Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 49 Erw. 1.2 mit Hinweisen). 3.2 Beim Beschwerdeführer liegt eine psychische Komorbidität, in Form einer rezidivierenden depressiven Störung bei einer mittelgradigen Episode vor. Die bisherige Behandlung konnte das Krankheitsbild nicht günstig beeinflussen. Im Gutachten von Dr. med. H.________ wird von einem sozialen Rückzug berichtet. Auch Dr. med. S._______ erwähnt ein entsprechenes Verhalten. Andererseits wird ebenfalls beschrieben, dass die geschilderten Beschwerden übertrieben wirken (Dr. S.________) und Anteile einer Rentenneurose nebst einer Aggravation der Beschwerden festzustellen seien (Dr. H.________). Zusammenfassend erscheint es vertretbar, die somatoforme Schmerzstörung als invalidisierend zu betrachten. 3.3 Da die Einschränkung einzig psychisch bedingt ist, kann der Beschwerdeführer die attestierte Arbeitsfähigkeit in jeder körperlich zumutbaren, d.h. insbesondere einer einfachen leichten Tätigkeit verwerten. Weil überdies psychosoziale Komponenten aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ausser Betracht zu fallen haben (vgl. BGE 127 V 294), kommen auch Stellen ausserhalb einer geschützten Werkstätte in Frage. Dr. med. S.________ unterscheidet in ihrer Begründung, inwiefern sich die gesundheitlichen Störungen bei der bisherigen Tätigkeit auswirken, nicht zwischen medizinischen und invaliditätsfremden Faktoren, und lässt die Frage, warum keine andern Tätigkeiten mehr zumutbar seien, unbeantwortet.