Citation: 5A_86/2021 E. 3.2.1

3.2.1. Dem angefochtenen Entscheid zufolge machte der Beschwerdegegner vor erster Instanz geltend, die Gipserarbeiten der Beschwerdeführerin seien mangelhaft ausgeführt worden. Es habe flächendeckend an der vereinbarten und geschuldeten Qualität "Q4" des Weissputzes gefehlt, weshalb er zur Ersatzvornahme habe schreiten müssen, wobei immer noch ein Minderwert bestehe. Die Kosten der Ersatzvornahme, den verbleibenden Minderwert sowie die Mangelfolgeschäden (Kosten für Gutachten/Experten, vorprozessuale Anwaltskosten) habe der Beschwerdegegner auf Fr. 59'305.80 beziffert und verrechnungsweise gegen die noch offene Werklohnforderung der Beschwerdeführerin geltend gemacht. Das Bezirksgericht habe die Berechtigung zur Ersatzvornahme primär gestützt auf die gutachterlichen Feststellungen in der Höhe von Fr. 38'276.98 bejaht; weil dieser Betrag die klägerische Werklohnforderung überstieg, habe es die weiteren Verrechnungsforderungen aus Minderung und Mangelfolgeschäden nicht geprüft. Das Obergericht äussert sich zunächst zum Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach eine Abnahme ihrer Gipsarbeiten stattgefunden habe und wenn schon nur unwesentliche Mängel vorgelegen hätten. Es erinnert daran, dass die mangelnde Qualität des Weissputzes laut Bezirksgericht zwar ein ästhetischer Mangel sei, der Beschwerdegegner jedoch bewusst die höchste Qualitätsstufe ("Q4") bestellt habe, weshalb die Wesentlichkeit des ästhetischen Mangels zu bejahen sei. Die erstinstanzliche Erwägung, wonach die Abnahme aufgrund dieser Mangelhaftigkeit des Werks gemäss Art. 161 Abs. 1 der SIA-Norm 118 automatisch zurückgestellt worden sei, sei nicht zu beanstanden und von der Beschwerdeführerin zu Recht auch nicht als unzutreffend gerügt worden. Das Obergericht widerspricht auch dem Einwand der Beschwerdeführerin, das gerichtliche Gutachten sei mangelhaft und zum Beweis untauglich. Dass der Gutachter in der mündlichen Verhandlung die Qualität der Arbeiten als knapp genügend bezeichnet habe, treffe nicht zu. Vielmehr habe er bestätigt, dass die Weissputzqualität der Beschwerdeführerin nicht oder nur teilweise einem Weissputz der Qualität "Q4" entspreche. Entgegen der Beschwerdeführerin habe sich der Gutachter seine Meinung auch nicht einfach aufgrund der vorbestehenden Parteigutachten des Beschwerdegegners gebildet, sondern nebst dem Augenschein die Akten der Vorgutachter beigezogen und dies offengelegt. Nicht gelten lässt die Vorinstanz das Vorbringen, wonach allein daraus, dass die nach der Ersatzvornahme noch verbliebenen Flächen den vereinbarten Standard nicht erreicht hätten, nicht auf die Mangelhaftigkeit der bereits überarbeiteten Flächen geschlossen werden könne. Diese Logik entferne sich zu weit von der allgemeinen Lebenserfahrung, als dass ihr noch ein Rest von Überzeugungskraft innewohnen könnte. In der Folge verwirft die Vorinstanz die These, wonach der Beweis, welche Mängel bestanden hätten, als gescheitert gelten müsse, weil das Gutachten über die angeblichen Mängel nicht substanziiert Auskunft gebe und damit als Beweismittel untauglich sei. Die Bezeichnung der geltend gemachten Mängel habe in den prozesskonform aufgestellten Parteibehauptungen über die (vor der Ersatzvornahme erfolgte) Mängelrüge des Bestellers zu erfolgen; das Gutachten diene dem Beweis der Parteibehauptungen, soweit diese prozesskonform bestritten und damit beweisbedürftig wurden. Soweit die Beschwerdeführerin argumentiere, es sei zu Unrecht nicht darüber Beweis abgenommen worden, ob eine genügend substanziierte Mängelrüge erfolgte, mache sie in der Berufung nicht geltend, diesen Einwand schon vor dem Bezirksgericht vorgebracht zu haben. Zuletzt äussert sich die Vorinstanz zum Argument, wonach das Bezirksgericht das Selbstverschulden des Beschwerdegegners infolge Planänderungen (nachträglicher Lichtinstallationen) willkürlich vollkommen ignoriert habe. Sie stellt klar, dass die Frage des Selbstverschuldens im erstinstanzlichen Entscheid nicht übersehen worden sei. Laut Bezirksgericht habe der Gutachter festgehalten, dass die Vorgehensweise der Beschwerdeführerin überhaupt nicht geeignet gewesen sei, den Qualitätsstandard "Q4" zu erzielen. Mit dieser Begründung habe das Bezirksgericht die Frage eines allfälligen Selbstverschuldens offengelassen. Die Beschwerdeführerin fechte diese erstinstanzliche Tatsachenfeststellung nicht an und äussere sich auch nicht zur daraus gezogenen rechtlichen Schlussfolgerung, weshalb sich weitere Erörterungen dazu erübrigen würden.