Citation: 6B_1273/2021 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt, die im Zeitpunkt der beiden umstrittenen Einvernahmen gut 18-jährige Beschwerdegegnerin 2 leide unbestritten an einer Entwicklungsstörung und sei teilweise auf dem Entwicklungsstand einer 9-Jährigen. Sie sei zweimal durch die Abteilung Kindesschutz der Stadtpolizei Zürich als Auskunftsperson befragt worden. Es würden Abschriften der aufgezeichneten Einvernahmen sowie Berichte über die Videobefragung vorliegen (angefochtenes Urteil S. 13 ff.). Weiter führt die Vorinstanz aus, zwar fehle in Art. 155 StPO eine Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO entsprechende Regelung zur Aufzeichnung von Einvernahmen, jedoch bestehe eine sachliche Nähe zu Art. 154 StPO. Vergleichbar dazu statuiere Art. 155 StPO, Einvernahmen seien auf das Notwendige zu beschränken, mehrfache Befragungen zu vermeiden und die Verfahrensleitung könne spezialisierte Straf- oder Sozialbehörden mit der Einvernahme beauftragen oder zur Einvernahme Familienangehörige, andere Vertrauenspersonen oder Sachverständige beiziehen. Im Zweifelsfall sei bei Einvernahmen nach Art. 155 Abs. 1 StPO ein analoges Verfahren wie nach Art. 154 StPO zu wählen (angefochtenes Urteil S. 17). Nicht zu beanstanden sei das Vorgehen der Staatsanwaltschaft, die Beschwerdegegnerin 2 aufgrund ihres Entwicklungsstandes durch eine spezialisierte Polizistin der Abteilung Kindesschutz der Stadtpolizei Zürich befragen zu lassen, dies gestützt auf die von Art. 155 Abs. 2 StPO eingeräumte Möglichkeit, spezialisierte Ermittlungsbeamte beiziehen zu können. Zudem habe sich bereits anlässlich der Anzeigeerstattung der Beschwerdegegnerin 2 gezeigt, dass diese aufgrund ihrer Einschränkungen nicht in der Lage gewesen wäre, einer protokollarischen Befragung gemäss Art. 78 StPO zu folgen. Der Sinngehalt von Art. 155 StPO sei eindeutig und solle ermöglichen, dass auch erwachsene Personen mit psychischen bzw. kognitiven Einschränkungen als Auskunftsperson einvernommen werden könnten. Nachdem sich die Beschwerdegegnerin 2 in ihrer Entwicklung teilweise auf dem Stand eines 9-jährigen Mädchens befunden habe und Art. 155 Abs. 1 StPO vorsehe, die Befragungen seien auf das Notwendige zu beschränken, habe sich eine Einvernahme nach den Regeln von Art. 154 StPO aufgedrängt. Eine solche Einvernahme mit Bild und Ton sei dabei vom Erkenntniswert höherwertig und ermögliche es dem Gericht, einen persönlichen Eindruck von der Beschwerdegegnerin 2 zu erhalten. Zudem seien von beiden Videobefragungen nachträglich Abschriften erstellt worden. Eine Einschränkung der Verteidigungsrechte des Beschwerdeführers sei durch dieses Vorgehen nicht ersichtlich (angefochtenes Urteil S. 17 f.).