Citation: U 488/05 20.10.2006 E. 3

3.1 Die Vorinstanz hat offen gelassen, ob ein mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen oder ein leichter Unfall vorliegt mit der Begründung, dass auch bei leichten Unfällen ausnahmsweise eine Adäquanzprüfung zu erfolgen habe und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt seien. Die Beschwerdeführerin ist der Meinung, es liege ein leichter Unfall vor und es vermöge nicht zu überzeugen, wenn auch in solchen Fällen eine Adäquanzprüfung nach den hierfür massgebenden Kriterien erfolge. Soweit damit die bisherige Rechtsprechung (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243) in Frage gestellt wird, erübrigen sich nähere Ausführungen. Praxisgemäss werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 Erw. 5.1.2 mit Hinweisen [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]), wovon abzuweichen auch im vorliegenden Fall kein Anlass besteht. Nach den Aussagen der Beteiligten gegenüber der Polizei fuhr der Beschwerdegegner mit einer Geschwindigkeit von 30 - 40 km/h, als er wegen eines auf Rot schaltenden Lichtsignals bremsen musste. Als er das Fahrzeug angehalten hatte und wegen des leichten Gefälles auf der Fussbremse stand, kam es zum Aufprall des nachfolgenden Fahrzeuges, wodurch das eigene Fahrzeug um ein bis zwei Meter nach vorne geschoben wurde. Der Unfallverursacher gab zu Protokoll, mit einer Geschwindigkeit von 30 - 40 km/h in einem Abstand von etwa drei Metern vom Vorderwagen gefahren zu sein. Als dieser rund fünfzehn Meter vor der Ampel abgebremst habe, habe er sofort ebenfalls gebremst, sei auf der regennassen Fahrbahn aber gerutscht und beinahe ungebremst in den vor ihm stehenden Personenwagen geprallt. Brems- oder Blockierspuren liessen sich auf der regennassen Fahrbahn nicht feststellen. Die mitfahrende Ehefrau des Beschwerdegegners bestätigte jedoch, Bremsgeräusche gehört zu haben. Der Sachschaden am Fahrzeug des Beschwerdegegners (Mercedes Benz 280 S, Inverkehrsetzung 06.72) wird im Polizeirapport mit Fr. 160.- (Ersatz des Endstücks des Auspuffrohrs) und am anderen Fahrzeug (Skoda 105 S, Inverkehrsetzung 1991) mit ca. Fr. 2000.- (Frontschaden) angegeben. Gemäss dem vom Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers in Auftrag gegebenen unfallanalytischen Gutachten des Dipl. T.________ vom 23. April 1999 lag die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v) des gestossenen Personenwagens zwischen 3 und 6 km/h. Der vom Haftpflichtversicherer mit einer biomechanischen Beurteilung beauftragte Prof. Dr. med. W.________ geht im Bericht vom 20. Mai 1999 von einer Harmlosigkeitsgrenze im Regelfall von 10 - 15 km/h aus, weist auf Besonderheiten des konkreten Falls (Alter des Versicherten, Ausrüstung des Fahrzeuges mit Anhängerkupplung, fehlende Kopfstützen) hin und erachtet die Kausalität aus biomechanischer Sicht als nicht beurteilbar. Im kantonalen Verfahren hat der Beschwerdegegner ein bei Dr. L._______, Institut für Unfallrekonstruktionen, eingeholtes Gutachten vom 7. September 2004 eingereicht, worin ausgeführt wird, mangels einer Dokumentation der Fahrzeugschäden und der Reparaturkosten könnten lediglich grössenordnungsmässige Angaben gemacht werden, wobei eine Geschwindigkeitsänderung des vom Versicherten gesteuerten Personenwagens von 6,94 - 8,75 km/h angenommen wird. Unter Berücksichtigung einer wegen der Anhängerkupplung kürzeren Stossdauer schliesst Dr. L._______ auf eine knapp unter bis knapp über der Harmlosigkeitsgrenze liegende Einwirkung; zudem weist er darauf hin, dass sich das Fehlen von Kopfstützen zweifellos negativ auf die HWS-Verletzung ausgewirkt habe. Was schliesslich die erlittenen Verletzungen betrifft, ist auf Grund der Akten davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall über Schwindel und Kopfschmerzen geklagt hat, was zu einer ambulanten Spitaluntersuchung und einer Behandlung durch den Hausarzt Anlass gab, welcher allerdings erst am 28. Mai 1997 und damit rund vier Wochen nach dem Unfall erstmals aufgesucht wurde, was auf ein eher leichtes Beschwerdebild schliessen lässt. Auf Grund des Unfallhergangs, wie er sich aus den Akten ergibt, der vermutlichen Fahrzeugschäden und der erlittenen Verletzungen ist das Ereignis vom 30. April 1997 als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären (BGE 117 V 367 Erw. 6b).