Citation: 5C.236/2006 30.11.2006 E. 2

Der Anspruch auf nachehelichen Unterhalt gemäss Art. 125 Abs. 1 ZGB ist davon abhängig, dass einem Ehegatten nicht zuzumuten ist, für den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufzukommen. Ob und in welchem Ausmass eine eigene Erwerbstätigkeit zumutbar und möglich ist, beurteilt sich nach den in Art. 125 Abs. 2 Ziff. 1-8 ZGB nicht abschliessend aufgezählten Kriterien, die auch beim Entscheid zu berücksichtigen sind, ob ein Beitrag zu leisten sei und gegebenenfalls in welcher Höhe und wie lange (BGE 127 III 136 E. 2a S. 138 f.; 130 III 537 E. 3.4 S. 543). Auch wenn das Gesetz das nicht eigens erwähnt, ist selbstverständlich unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit auch zu prüfen, ob eine Eigenversorgung für den betreffenden Ehegatten überhaupt möglich ist (vgl. etwa Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, 1999, N. 19 zu Art. 125 ZGB). Vorliegend stellt sich insbesondere die Frage, ob die Klägerin in der Lage ist, ihre Eigenversorgung bis zum Erreichen des AHV-Alters selber sicher zu stellen und, ob ihr dies aufgrund der bisher gelebten Ehe auch zumutbar ist. Dass eigene Erwerbstätigkeit für einen Ehegatten tatsächlich möglich ist, bedeutet nicht zwingend, dass sie von ihm auch verlangt werden darf.