Citation: 6B_502/2016 E. 2.2

2.2. Das Bundesgericht anerkannte, dass im dichten Stadtverkehr und beim Anfahren nach Lichtsignalen nicht strikte auf die "Zwei-Sekunden"- oder "halber Tacho"-Regel abgestellt werden könne, da der Verkehr ansonsten zum Erliegen käme. Aufgrund der reduzierten Geschwindigkeit und der erforderlichen ständigen Bremsbereitschaft rechtfertigten sich deshalb im dichten Stadtverkehr geringere Abstände. Das Bundesgericht hielt aber explizit fest, dass auch innerorts ein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden müsse, so dass das Fahrzeug bei überraschendem Bremsen des Vordermanns rechtzeitig zum Stillstand gebracht werden könne. Art. 12 Abs. 1 VRV behalte insofern uneingeschränkt Gültigkeit. Im dichten Stadtverkehr und beim Anfahren nach Lichtsignalen müsse der Abstand zwischen Personenwagen in der Regel mindestens der gefahrenen Strecke während der Bremsreaktionszeit, d.h. der Zeit der Wahrnehmung der Gefahr bzw. der aufleuchtenden Bremslichter des voranfahrenden Fahrzeugs bis zur Betätigung und zum Ansprechen des Bremspedals, entsprechen, um das Fahrzeug auf der gleichen Strecke wie der voranfahrende Fahrzeuglenker abbremsen und anhalten zu können. Diese Bremsreaktionszeit betrage eine Sekunde. Der verkürzte Abstand setze ein bestmögliches Reaktionsvermögen und ein im Vergleich zum vorausfahrenden Personenwagen mindestens identisches Bremsvermögen des eigenen Fahrzeugs voraus und müsse auf jeden Fall durch eine erhöhte Bremsbereitschaft kompensiert werden. Soweit es die Verkehrsverhältnisse zuliessen, müssten indes auch im Stadtverkehr grössere Abstände verlangt werden, da sich das Eingehen eines erhöhten Risikos durch nahes Auffahren von vornherein nicht rechtfertige, wo dies nicht verkehrsbedingt sei (Urteil 6B_1030/2011 vom 22. März E. 3.3.3).