Citation: 8C_380/2021 E. 5.4

5.4. Es stehen sich somit auf der einen Seite eine kurze Aktenbeurteilung eines Kreisarztes und auf der anderen Seite eine gestützt auf eine eigene Untersuchung ergangene fachärztliche RAD-Beurteilung (vgl. Art. 49 Abs. 2 IVV) sowie ein Bericht eines behandelnden Facharztes gegenüber, wobei die Diskrepanz die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit beschlägt. Wenn das kantonale Gericht bei dieser medizinischen Aktenlage geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der kreisärztlichen Aktenbeurteilung ausschloss, kann ihm nicht gefolgt werden. Der Bericht des Dr. med. C.________ erging zwar in Kenntnis der medizinischen Vorakten, und der Kreisarzt stellte teilweise auf das vom RAD-Arzt erstellte Zumutbarkeitsprofil ab. Zudem ist unbestritten, dass auch eine reine Aktenbeurteilung grundsätzlich beweiskräftig sein kann. Vorliegend fällt aber ins Gewicht, dass Dr. med. C.________ mit keinem Wort begründete, weshalb er - entgegen der Einschätzung des RAD-Arztes - von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leidensangepassten Tätigkeit ausging. Dazu wäre er aufgrund der deutlichen Diskrepanz in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gehalten gewesen, wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt. Immerhin lag der Einschätzung des Dr. med. D.________ - im Gegensatz zu derjenigen des Kreisarztes - eine eingehende eigene Untersuchung des Beschwerdeführers zu Grunde, sodass er sich von den schmerzbedingten Einschränkungen (ausgeprägter Bewegungs- und Ruheschmerz) persönlich ein Bild machen konnte. Auch Dr. med. E.________ ging von einer Arbeitsunfähigkeit von immerhin 40 % selbst in einer schulterschonenden Tätigkeit aus, wobei aus seinem Bericht hervorgeht, dass er dabei auch der Schmerzproblematik und den Kribbelparästhesien in den Fingern der rechten Hand Rechnung trug. Indem die Vorinstanz auch nur geringe Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung verneinte, setzte sie bundesrechtswidrig zu hohe Anforderungen an die Erfüllung dieses Kriteriums (des geringen Zweifels). Daran ändert der Umstand nichts, dass auch die Stellungnahme des RAD-Arztes nicht restlos zu überzeugen vermag. So sprach dieser von einer sicher nicht wesentlich eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit, soweit ausschliesslich die Schulterproblematik berücksichtigt werde. Dennoch attestierte er dem Beschwerdeführer unter alleiniger Berücksichtigung der Schulterproblematik lediglich eine (mindestens) 60 %ige Arbeitsfähigkeit. Aufgrund dieser Formulierung wäre zwar in der Tat auch eine höhergradige Arbeitsfähigkeit denkbar. Gleichzeitig ist aber davon auszugehen, dass der RAD-Arzt eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für schulterschonende Tätigkeiten entsprechend formuliert hätte, wenn er diesen Standpunkt vertreten hätte.