Citation: U 52/03 03.09.2003 E. 3

3.1 In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass der Beschwerdegegner beim Unfall vom 1. September 1999 wiederholt mit dem Kopf gegen den Hals des Pferdes geschlagen ist und sich dabei am Gesicht verletzt hat; zudem kam es zu Schlägen im Gesäss- und Hüftbereich, welche indessen zu keinen bleibenden Beeinträchtigungen geführt haben. Widersprüchlich sind die Angaben zu den weiteren Unfallfolgen: Bei der Untersuchung durch Prof. Dr. med. M.________ vom 25. Januar 2000 gab der Beschwerdegegner an, im Anschluss an den Unfall seien leichte Kopfschmerzen, jedoch keine Nackenschmerzen und auch keine Konzentrations- oder Denkstörungen aufgetreten. Er habe weiter voll gearbeitet. Erst nach der Operation vom 10. November 1999 sei es zu erheblichen Konzentrationsproblemen, massiven Schlafstörungen sowie täglichen Kopfschmerzen gekommen. In ähnlichem Sinn äusserte er sich gegenüber den behandelnden Ärzten Dr. med. C.________ und Dr. med. E.________. Bei der gutachterlichen Untersuchung durch Prof. Dr. med. W.________ gab er an, unmittelbar nach dem Unfall sei es zu Atemschwierigkeiten und vermehrter Müdigkeit gekommen, alle (andern) Symptome seien postoperativ aufgetreten. Die ihn begleitende Lebenspartnerin berichtete von einer starken Veränderung mit Gedächtnisstörungen seit der Operation. Anlässlich der Untersuchung im Institut N.________ vom 13. und 27. März 2001 gab der Beschwerdegegner erstmals an, beim Unfall sei es zu Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen und Gleichgewichtsstörungen gekommen. Er habe sich anderntags in der Klinik A.________ behandeln lassen, weil er einerseits Schmerzen im Becken und der Hüfte und anderseits starke Kopfschmerzen gehabt habe. Die Arbeit habe er wieder aufgenommen. Es sei aber zu grossen Schwierigkeiten gekommen. Er habe Mühe gehabt, in Gesprächen dem Inhalt zu folgen. Bei Zahlen seien Verwechslungen vorgekommen und allgemein sei die Leistungsfähigkeit drastisch gesunken. Eine zweite Leistungsminderung sei im Anschluss an die Nasenoperation im November 1999 eingetreten. Nach der Narkose sei er verwirrt gewesen und es seien in den folgenden Tagen Sprachstörungen aufgetreten. Etwa zwei Wochen nach der Operation hätten sich verstärkte Schulter- und Nackenbeschwerden gezeigt. Ähnliche Schmerzen hätten sich in der Folge an anderen Körperteilen manifestiert. Im Bericht des Dr. med. R.________ vom 20. August 2001 wird zur Anamnese ausgeführt, unmittelbar nach dem Unfallereignis sei der Versicherte benommen gewesen, er habe erbrechen müssen und aus der Nase geblutet, es seien Schwindel sowie intensive Kopfschmerzen aufgetreten. Bei Wiederaufnahme der Arbeit hätten sich erhebliche Konzentrations- und Gedächtnisprobleme gezeigt. Einzig die Kopfschmerzen hätten sich in den folgenden Wochen allmählich zurückgebildet. Zu dem im Gutachten von Prof. Dr. med. W.________ dargestellten Sachverhalt führt Dr. med. R.________ aus, die Feststellung, dass die heute bestehenden Beschwerden erst nach der Nasenoperation vom 10. November 1999 begonnen hätten, sei unglaubwürdig und widerspreche den Aussagen des Versicherten. Den Ausführungen von Dr. med. R.________ ist entgegenzuhalten, dass der Beschwerdegegner gegenüber den behandelnden und untersuchenden Ärzten zunächst selber wiederholt festgestellt hat, dass die kognitiven Störungen erst nach der Operation vom 10. November 1999 aufgetreten seien. Es besteht daher kein Anlass, die anamnestischen Angaben von Prof. Dr. med. W.________ als unglaubwürdig und im Widerspruch zu den Angaben des Beschwerdegegners stehend zu qualifizieren. Vielmehr ist festzustellen, dass die Angaben des Versicherten widersprüchlich waren, indem er - offenbar im Hinblick darauf, einen Kausalzusammenhang mit dem Eingriff vom 10. November 1999 nahe zu legen - zunächst selber behauptete, die kognitiven Störungen seien erst nach diesem Zeitpunkt aufgetreten, um sich in der Folge auf den Standpunkt zu stellen, die Beeinträchtigungen seien teilweise bereits unmittelbar nach dem Unfall aufgetreten und bei der Operation lediglich verstärkt worden. Welche Sachverhaltsdarstellung zutreffend ist, lässt sich auf Grund der medizinischen Akten nicht zweifelsfrei feststellen. Weil von weiteren Abklärungen aber keine entscheidwesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten sind, ist praxisgemäss vom Grundsatz auszugehen, wonach in der Regel den "Aussagen der ersten Stunde" in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass gerade die ursprünglichen Aussagen von derartigen Überlegungen bestimmt waren, weshalb die Anwendung dieses Grundsatzes hier als problematisch erscheint. 3.2 Die Vorinstanz geht in beweismässiger Hinsicht davon aus, die kognitiven Störungen seien erst nach der Operation vom 10. November 1999 aufgetreten; indessen lägen Umstände vor, welche ein früheres Auftreten von Konzentrationsstörungen als möglich erscheinen liessen. Der Versicherte habe zwar bis März 2001 wiederholt erklärt, die Konzentrations- und Wortfindungsstörungen seien erst nach der Operation aufgetreten, weshalb die Annahme nahe liege, dass zuvor keine relevanten Beschwerden bestanden hätten. Die Lebensgefährtin habe sich gegenüber Prof. Dr. med. W.________ aber dahin geäussert, der Versicherte sei "dauernd am Klagen gewesen". Zwar habe sie auch gesagt, der Versicherte sei seit der Operation völlig verändert. Die Angabe einer späteren Wesensveränderung schliesse jedoch frühere Klagen etwa über Konzentrationsstörungen nicht aus. Anlässlich der neurologischen Untersuchung im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS habe die Lebenspartnerin erklärt, dass sowohl kognitive Defizite als auch die Wesensveränderung sehr früh bzw. sofort nach dem Unfall zu beobachten gewesen seien. Überdies habe sie viele weitere Einzelheiten korrigiert, die der Versicherte ihrer Ansicht nach unkorrekt dargestellt habe. Im Weitern habe auch Prof. Dr. med. M.________ in seinem Bericht vom 26. Januar 2000 bemerkt, dass den Angaben des Versicherten mit Zurückhaltung zu begegnen sei. Schliesslich erscheine die Schilderung des Versicherten, man habe sich zunächst auf die Hüftbeschwerden konzentriert und bezüglich der unmittelbar nach dem Unfall aufgetretenen Konzentrationsstörungen geglaubt, diese würden spontan verschwinden, als glaubwürdig. Wenn auch die Angaben des Versicherten gegenüber Dr. med. R.________ und dem Institut N.________, wonach die kognitiven Defizite sogleich nach dem Unfall aufgetreten und auch nach der Operation unverändert angedauert hätten, angesichts der früheren Ausführungen unglaubwürdig erschienen, sei auf Grund der erwähnten Umstände nicht auszuschliessen, dass jedenfalls Konzentrationsstörungen bereits früher aufgetreten seien. Da sie somit auch bereits vor der Operation bestanden haben könnten, erscheine ein Zusammenhang dieser Beschwerden mit dem Unfall als schlüssig. Die Beschwerdeführerin hält dem grundsätzlich zu Recht entgegen, dass die blosse Möglichkeit eines Kausalzusammenhangs eines bestimmten Sachverhalts in beweismässiger Hinsicht nicht genügt. Die vorinstanzliche Annahme, wonach jedenfalls Konzentrationsstörungen bereits vor der Operation vom 10. November 1999 aufgetreten seien, findet in den Akten jedoch insofern eine Stütze, als der behandelnde Zahnarzt der Beschwerdeführerin am 15. März 2000 vorschlug, das wegen des Unfalls allenfalls erforderliche Zahnimplantat zu einem späteren Zeitpunkt einzusetzen, weil der Versicherte seit dem Unfall noch etwas verwirrt sei und Konzentrationsstörungen habe, weshalb ein sofortiger Eingriff wahrscheinlich ungünstig sei. Danach hat der Beschwerdegegner bereits vor Erlass der ablehnenden Verfügung vom 12. Oktober 2000 über Konzentrationsstörungen seit dem Unfall geklagt. Auch anlässlich der Untersuchungen in der Klinik Y.________ im Dezember 2000 gaben er und seine Lebensgefährtin übereinstimmend an, im Anschluss an den Unfall seien Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen aufgetreten. Somit liegen konkrete Hinweise vor, dass die Störungen zumindest teilweise bereits vor der Operation und damit unmittelbar nach dem Unfall bestanden haben.