Citation: U 127/06 18.04.2007 E. 8

8.1 Schlafstörungen können nur im Sinne von Art. 8 ATSG invalidisierend sein, wenn sie auf ein fachärztlich schlüssig festgestelltes organisches oder psychisches Leiden zurückzuführen sind. Der Schlaf kann zwar analysiert und mit dem in der Bevölkerung Üblichen verglichen werden, indessen ist auch bei genauer Angabe der Schlafdauer oder der Bezifferung der sog. Schlafeffizienz über die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit noch nichts gesagt. Zunächst fehlt es an einer wissenschaftlich exakten Definition, wie viel Schlaf quantitativ notwendig ist. Die durchschnittliche Schlafzeit liegt in den Industrieländern bei etwa sieben Stunden, wobei Jugendliche oft dazu neigen, wenig zu schlafen und ältere Menschen häufig die Bettzeiten verlängern, indessen weniger Tiefschlaf aufweisen. Sodann wird erholsamer bzw. nicht erholsamer Schlaf durch das subjektive Empfinden des Einzelnen bestimmt und dieses wiederum beeinflusst massgeblich die Leistungsfähigkeit (vgl. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin [DGSM] zum Thema "Nicht erholsamer Schlaf", erstellt im August 2001; abrufbar unter www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/063-001.htm). Weiter sind Schlafstörungen in der Bevölkerung weit verbreitet. Epidemiologische Studien in Deutschland etwa haben gezeigt, dass 28,5 % der Befragten unter leicht bis schwer ausgeprägten Insomnien leiden (Weyerer/Dilling, Prevalence and treatment of insomnia in the community: Results from the upper bavarian field study, in: Sleep 14 [1991], S. 392-398) und bei zirka 25 % aller Westdeutschen zumindest zeitweilig Ein- bzw. Durchschlafstörungen auftreten (Simen/Hajak/Schlaf/Westenhöfer/Rodenbeck/Bandel/Pudel/Rüthe, Chronifizierung von Schlafbeschwerden, in: Der Nervenarzt 66 [1995], S. 686-695, insbesondere S. 687). Längst nicht alle Betroffenen sind indessen dadurch in ihrer Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit eingeschränkt. 8.2 Ob und allenfalls inwieweit eine Schlafstörung die Arbeitsfähigkeit einschränkt, ist nach einer objektivierten Betrachtungsweise zu prüfen (Meyer-Blaser, a.a.O., S. 43 f.). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist entscheidend, ob und allenfalls unter welchen Voraussetzungen und in welchem Umfang der betroffenen Person mit zumutbarer Willensanstrengung - nach möglicher Therapie und Aneignung geeigneter Schlafstrategien - trotz ihrer Schlafprobleme eine Arbeitstätigkeit zugemutet werden kann. Hierüber haben sich die mit der versicherten Person befassten Ärzte auszusprechen, indem sie im Einzelnen möglichst genau begründen, ob und inwiefern die Schlafstörungen eine Einschränkung der körperlichen oder geistigen Funktionen bewirken (Meyer-Blaser, a.a.O., S. 48). Eine solche Einschätzung ist aufgrund der vorliegenden Akten nicht möglich, da die Angaben zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten äusserst vage sind. Während die Ärzte der KSM ausgehend von einer "Schlafeffizienz" von 77 % eine "mittelgradige" Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Taxichauffeur angeben, erklärt Prof. Dr. med. K.________, im Quervergleich mit anderen Fällen wäre es positiv, wenn eine 50%ige Arbeitsfähigkeit verwirklicht werden könnte. Weder das Gutachten der KSM noch die Berichte des Prof. Dr. med. K.________ enthalten somit eine beweiskräftige Einschätzung der dem Beschwerdeführer noch zumutbaren Restarbeitsfähigkeit. Insbesondere sprechen sie sich nicht darüber aus, ob und in welchem Masse dem Beschwerdeführer noch zugemutet werden kann, bei Aufbietung allen guten Willens die ihm verbliebene Leistungsfähigkeit zu verwerten. Da es hierbei um rechtserhebliche Tatfragen geht, die nicht auf dem Wege der Beweiswürdigung überbrückt werden können, ist der Sachverhalt durch Einholung weiterer Stellungnahmen der KSM und des Prof. Dr. med. K.________, allenfalls auch durch eine berufliche Evaluation, ergänzend abzuklären. Sollten die zusätzlichen Abklärungen eine die Leistungsfähigkeit objektiv erheblich beeinträchtigende Schlafstörung ergeben, wäre auch der Frage nachzugehen, ob die Tätigkeit als Taxifahrer angesichts der hiefür erforderlichen besonders hohen Konzentrationsfähigkeit (Fahrtauglichkeit) geeignet ist oder ob die (Rest-) Arbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit (allenfalls welcher) besser verwertet werden könnte. Die Sache ist daher an den Unfallversicherer zurückzuweisen, damit er solche Abklärungen in die Wege leite und hernach über den Rentenanspruch neu entscheide.