Citation: 8C_556/2021 E. 5.1

5.1. Entgegen der IV-Stelle vertrat die Vorinstanz jedoch den Standpunkt, die Rechtsprechungsänderung nach BGE 145 V 215 bilde gemäss der kantonalen Praxis einen Neuanmeldungsgrund unter dem Aspekt einer Veränderung der Rechtslage. Im Gegensatz zu den Praxisänderungen nach BGE 141 V 281 sowie BGE 143 V 409 und 418, welche in erster Linie eine neue Definition des Beweisverfahrens zum Gegenstand gehabt hätten, habe das Bundesgericht in Bezug auf diagnostizierte Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzstörungen mit BGE 145 V 215 "eine vollständige Kehrtwende" vollzogen. Es würde zu einer nicht hinnehmbaren Diskriminierung führen, wenn den betroffenen Personen, deren Leistungsgesuche unter der früheren Praxis abgelehnt worden seien, jetzt und für alle Zukunft die Möglichkeit verwehrt bliebe, ihren Anspruch unter der neuen Rechtsprechung überprüfen zu lassen.