Citation: 1A.183/2001 18.09.2002 E. 9

Die Beschwerdeführer rügen sodann eine Verletzung der Bestimmungen über den Waldabstand. Dabei weisen sie darauf hin, die Vorinstanz habe zu Recht erkannt (S. 43 f. des angefochtenen Urteils), Scheibenstand, Kugelfang sowie die Masten der Kabelanlage könnten den gesetzlich geforderten Waldabstand von 15 m ab Stockgrenze nicht einhalten. Hingegen habe die Vorinstanz in diesem Zusammenhang zu Unrecht die Voraussetzungen für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art. 77 Abs. 1 lit. b und c BauG als erfüllt erachtet, da weder ein öffentliches Interesse gegeben sei noch eine ortsplanerisch bessere Gestaltung erzielt werden könne. Unter den gegebenen Umständen verletze die Nichteinhaltung des Waldabstandes Art. 17 Abs. 1 und 2 WaG. Abs. 1 sei verletzt, da die Erhaltung, die Pflege und die Nutzung des Waldes beeinträchtigt würden; und die kantonalen Ausnahmeregelungen nach Abs. 2 der genannten Bestimmung seien nicht anwendbar, da - wie ausgeführt - Art. 77 BauG verletzt werde. Die Annahme eines Ausnahmetatbestandes sei daher als willkürlich zu erachten. Ob diese nur ganz allgemein gehaltene, kaum sachbezogen formulierte Rüge (Beschwerde S. 20 unten) den gesetzlichen Begründungserfordernissen zu genügen vermag, scheint fraglich (s. vorne E. 1.3). Die Frage kann indes im Hinblick auf die nachfolgenden Ausführungen offen bleiben. 9.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 WaG sind Bauten und Anlagen in Waldesnähe nur zulässig, wenn sie die Erhaltung, Pflege und Nutzung des Waldes nicht beeinträchtigen. Die Kantone schreiben gemäss Art. 17 Abs. 2 WaG einen angemessenen Waldabstand vor. Der Kanton St. Gallen hat diesen Abstand in Art. 58 Abs. 1 lit. b BauG auf 15 Meter festgelegt. Nach Art. 77 Abs. 1 BauG können aber Ausnahmebewilligungen von den Vorschriften dieses Gesetzes erteilt werden u.a. für Bauten und Anlagen, deren Zweckbestimmung ohne Ausnahmebewilligung nicht erfüllt werden könnte (lit. b) oder wenn eine den öffentlichen Interessen, namentlich (unter anderem) der architektonischen und ortsplanerischen Gestaltung besser entsprechende Überbauung erzielt werden kann (lit. c). Die Ausnahmen vom Waldabstand sind namentlich im Lichte der von Art. 17 WaG geschützten Waldfunktionen zu beurteilen. Unzulässig sind Bauten, welche durch eine zu enge Nachbarschaft zum Wald die Qualität des Waldrandes beeinträchtigen und dadurch eine oder mehrere der gesetzlichen Waldfunktionen ernsthaft gefährden (Urteil 1A.293/2000 vom 10. April 2001, E. 2c). Je eher von den geplanten Anlagen eine Beeinträchtigung dieser Funktionen zu erwarten ist, umso zurückhaltender sind Ausnahmen zu bewilligen. Hingegen dienen die Bestimmungen über den Waldabstand nicht landschaftsschützerischen Zwecken (Urteil 1A.65/1998 vom 16. Oktober 1998, E. 5d/bb). 9.2 Nach den Feststellungen des Verwaltungsgerichts beträgt der minimale Waldabstand von Scheibenstand und Kugelfang 2,2 m; der Kabelmast auf der Südseite der Sitter steht unmittelbar an der Stockgrenze, derjenige auf der Nordseite rund 6 bis 7 Meter vom Wald entfernt. Unbestritten bedarf die Anlage einer Ausnahmebewilligung vom Waldabstand. Die kantonalen Behörden haben eine solche erteilt. Das Verwaltungsgericht hat diese Ausnahmebewilligung geschützt mit der Begründung, der Bau der 300-m-Anlage liege im öffentlichen Interesse; eine Einhaltung des Waldabstandes durch Verkürzung der Schiessdistanz sei aus schiesstechnischen Gründen nicht möglich, und eine Abdrehung der Schiessrichtung wäre aus sicherheitstechnischen Gründen nur möglich, wenn Seiten- und Hochblenden erstellt würden, was wiederum landschaftlich nicht zu befriedigen vermöchte. Die Beschwerdeführer bringen dagegen - wie erwähnt - nur ganz pauschal vor, die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung seien nicht gegeben, da ein öffentliches Interesse an der Anlage fehle und eine ortsplanerisch bessere Gestaltung nicht erreicht werde. 9.3 Nach dem Gesagten besteht an der Realisierung der Anlage entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer ein öffentliches Interesse (vorne E. 6.7.4). Eine ortsplanerisch bessere Gestaltung kann darin erblickt werden, dass dank der gewählten Schussrichtung auf ästhetisch unbefriedigende Schutzblenden verzichtet werden kann. Es ist nicht rechtswidrig, diesen Aspekt höher zu gewichten als die Unterschreitung des Waldabstandes auf einer kurzen Strecke. 9.4 Inwieweit die beiden Kabelmasten die Erhaltung, Pflege oder Nutzung des Waldes beeinträchtigen sollten, ist nicht ersichtlich. Der Scheibenstand und der Kugelfang beeinträchtigen die Nutzung insofern, als während des Schiessens der Aufenthalt im benachbarten Bereich nicht möglich ist und gelegentliche Fehlschüsse in die Bäume gelangen können. Beides würde aber auch gelten, wenn der Waldabstand eingehalten wäre. Die Unterschreitung des Abstandes ist dafür nicht massgeblich. Eine Beeinträchtigung des Waldes ist am ehesten während der Bauarbeiten denkbar. Das Kantonsforstamt hat jedoch den im Rahmen des Rekursverfahrens korrigierten Plänen unter der Voraussetzung zugestimmt, dass die Bauarbeiten mit grösster Sorgfalt auszuführen sind, um Schäden an den Randbäumen zu minimieren. Art. 17 WaG ist unter diesen Umständen nicht als verletzt zu erachten.