Citation: 1C_623/2022 E. 5.4

5.4. Die Beschwerdeführenden stellen - wie auch das ARE und das BAFU - die Standortgebundenheit des Bauvorhabens hingegen in Abrede. Vereinshäuser wie solche des SAC seien lediglich dann standortgebunden, wenn sie die Gründe für einen Standort ausserhalb der Bauzone, die für eine klassische SAC-Hütte angeführt würden, erfüllten. Namentlich müssten sie als Notunterkünfte oder als Ausgangspunkte für Touren dienen, welche ohne die Unterkunft gar nicht unternommen werden könnten. Seien diese Voraussetzungen nicht erfüllt, dann seien solche Unterkünfte wie "gewöhnliche" Hotels an einem Standort innerhalb der Bauzonen zu errichten. Vorab könnten laut Beschwerdeführenden und ARE vom Val Mora aus keine bergsteigerisch bedeutenden Berge bestiegen bzw. erklettert werden. Die Gipfel von Piz Dora, Piz Daint und Piz Turettas seien vom Haupttal aus in einer Tagestour gut zu bewältigen. Wie das ARE ergänzt, gelte dies auch für den Piz Umbrail, den Lai da Rims und den Piz Praveder, die vom Umbrailpass erreicht werden könnten. Die Beschwerdeführenden und das ARE führen detailliert aus, wie das Val Mora für Wanderungen erreichbar sei. Die Alp Sprella liege am rund 22 km langen Wanderweg, der Buffalora bzw. den Ofenpass über das Val Mora und das Val Vau mit Santa Maria im Val Müstair verbinde (nachfolgend: Via Val Mora). Je nach Wanderführer und je nachdem, in welche Richtung die Via Val Mora begangen werde, variiere die angegebene Wanderzeit zwischen 5 h 30 min und 7 h 15 min. Für das Mountainbike werde eine Fahrzeit von rund 3 h angegeben. Die Ausgangs- bzw. Endpunkte der Via Val Mora seien verkehrsmässig und auch sonst bestens erschlossen. Rund zwei Drittel der Via Val Mora seien als Fahrweg ausgestattet und vom Val Vau aus bestehe während der Sommermonate eine Busverbindung nach Santa Maria. Die Beschwerdeführenden gelangen zum Schluss, dass unter diesen Umständen die Gründe für eine "klassische" SAC-Hütte nicht erfüllt seien. Das Bauprojekt auf der Alp Sprella sei für die Ausübung des Bergsports, d.h. um Routen überhaupt oder sicher begehen zu können, nicht notwendig. Diese Einschätzung teilt auch das ARE; im Vergleich zu den soeben dargelegten Alternativen könnten für eine Unterkunft auf der Alp Sprella keine gewichtigen Gründe namhaft gemacht werden, die diesen Standort als erheblich vorteilhafter erscheinen liessen, zumal es weder auf die subjektiven Vorstellungen und Wünsche noch auf die persönliche Zweckmässigkeit oder Bequemlichkeit ankommen könne. Mit Blick auf den strengen Massstab, der an die Standortgebundenheit anzulegen sei, entspreche eine SAC-Hütte auf der Alp Sprella in dieser Hinsicht keinem objektiven Bedarf. Das BAFU geht mit dem ARE einig, dass keine gewichtigen Gründe geltend gemacht werden könnten, die den gewählten Standort als erheblich vorteilhaft erscheinen liessen. Aus alpinistischer Sicht gebe es zudem keine Notwendigkeit für die Hütte. Sämtliche Touren könnten das ganze Jahr problemlos vom Haupttal aus geführt werden. Das BAFU ergänzt, beim Bauvorhaben handle es sich nicht um eine Hochgebirgsunterkunft, aus welcher sich eine Standortgebundenheit ableiten lasse. Es reiche nicht aus, wenn das Tal, in welchem die Hütte stehe, von Hochgebirge umgeben sei. Die Hütte selber müsse im Hochgebirge liegen, andernfalls würden sämtliche im Talboden gelegenen Touristenunterkünfte als Hochgebirgsunterkünfte gelten. Die Hütte liege unterhalb der Waldgrenze (vorliegend ca. 2'300 m.ü.M.) und somit sicherlich nicht im Hochgebirge. Die Beschwerdeführenden machen noch geltend, dass die geplante Unterkunft mangels Notwendigkeit für die Ausübung des Bergsports/Alpinismus somit bloss als Hotel diene. Die Erstellung eines solchen in einem Hochtal ausserhalb der Bauzone sei mit Art. 24 lit. a RPG wenn nicht gar grundsätzlich, so doch im vorliegenden Fall nicht vereinbar. Besucher des Val Mora könnten angesichts der bestehenden Erreichbarkeit ohne Weiteres im Val Müstair übernachten.