Citation: 5A_765/2022 E. 5.2

5.2. Was den Gesamtzusammenhang der Klausel angeht, so ist festzuhalten, dass der Erbvertrag in Ziff. 3 zunächst die gemeinsamen Kinder aufzählt, diese (sowie deren Nachkommen) dann in Ziff. 4a zugunsten des überlebenden Ehegatten auf den Pflichtteil setzt und dem überlebenden Ehegatten sodann in Ziff. 4b nebst seinem Pflichtteil "erbrechtlich die gesamte verfügbare Quote" zugewiesen wird. Liest man die strittige Klausel in diesem Gesamtkontext, deutet dies auf ein Verständnis, wonach der überlebende Ehegatte diejenige verfügbare Quote erhält, die sich aus der Pflichtteilssetzung der namentlich genannten, gemeinsamen Kinder ergibt. Dass mit dieser Formulierung auch der Pflichtteil von namentlich nicht genannten Pflichtteilserben respektiert werden sollte, ist dagegen eher nicht anzunehmen. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang insbesondere die Feststellung der Vorinstanz, es sei offen, ob der Notar von der Existenz der Beschwerdeführerin gewusst habe oder nicht, und es stelle sich die Frage, weshalb der Erbvertrag die ehelichen Nachkommen, nicht aber die Beschwerdeführerin erwähne, wenn sämtliche Nachkommen des Erblassers gleichbehandelt werden, also den Pflichtteil erhalten sollten. Mit diesen treffenden vorinstanzlichen Erwägungen setzt sich die Beschwerdeführerin nicht auseinander. Hinzuzufügen ist ihnen ausserdem, dass die Erbvertragsparteien unstrittig um die Existenz der Beschwerdeführerin wussten. Dennoch fand sie im Erbvertrag keine Erwähnung.