Citation: 2C_423/2020 E. 4.4

4.4. Insgesamt besteht aufgrund der bisherigen Sozialhilfebezüge zwar grundsätzlich ein gewichtiges öffentliches Interesse an einer aufenthaltsbeendenden Massnahme, welches jedoch durch das untergeordnete Verschulden der Beschwerdeführerin an der Sozialhilfeabhängigkeit relativiert wird. Diesem steht ein erhebliches persönliches Interesse der Beschwerdeführerin am Verbleib in der Schweiz gegenüber, das durch die Interessen ihres Sohnes zusätzlich verstärkt wird und vorwiegend überwiegt. Der Beschwerdeführerin ist unter diesen Umständen zumindest die Möglichkeit zu geben, ihre Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 50 Abs. 2 AIG auszuüben, andernfalls würde der Schutz vor ehelicher Gewalt für Personen in prekären finanziellen Verhältnissen unterlaufen. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich folglich als unverhältnismässig. Stattdessen rechtfertigt sich, die Beschwerdeführerin als mildere Massnahme gemäss Art. 96 Abs. 2 AIG zu verwarnen. Sie ist mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass die vorliegende Beurteilung der Verhältnismässigkeit keine Wirkung für eine künftige Überprüfung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zeitigt. Sollte der Beschwerdeführerin die berufliche und wirtschaftliche Integration weiterhin nicht gelingen, ist mit zunehmendem Alter des Sohnes und dem damit verbundenen abnehmenden Interesse am Verbleib seiner Mutter in der Schweiz künftig Rechnung zu tragen, weshalb es nicht ausgeschlossen ist, dass die Verhältnismässigkeitsprüfung bei weiterhin fortdauernder Sozialhilfeabhängigkeit in Zukunft anders ausfallen kann (vgl. Urteile 2C_122/2020 vom 7. Juli 2020 E. 3.7; 2C_709/2019 vom 17. Januar 2020 E. 7).