Citation: 6B_551/2021 E. 2.3.4

2.3.4. Schliesslich beanstandet der Beschwerdeführer hinsichtlich der Aussagen des Opfers zu Unrecht die Abweisung des Antrags auf ein Glaubhaftigkeitsgutachten. Art. 182 StPO bestimmt, dass die Staatsanwaltschaft und die Gerichte eine oder mehrere sachverständige Personen beiziehen, wenn sie nicht über die besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die zur Feststellung oder Beurteilung eines Sachverhalts erforderlich sind. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist primär Aufgabe des Gerichts. Eine aussagepsychologische Begutachtung drängt sich nur unter besonderen Umständen auf. Dies ist etwa der Fall, wenn bruchstückhafte oder schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkindes zu beurteilen sind, bei ernsthaften Anzeichen geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit des Zeugen beeinträchtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Zeuge unter dem Einfluss von Drittpersonen steht (BGE 129 IV 179 E. 2.4; 128 I 81 E. 2; Urteil 6B_892/2020 vom 16. Februar 2021 E. 3.2.1). Dem Gericht steht bei der Beantwortung der Frage, ob aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalles der Beizug eines Sachverständigen notwendig ist, ein Ermessensspielraum zu (Urteile 6B_892/2020 vom 16. Februar 2021 E. 3.2.1; 6B_44/2020 vom 16. September 2020 E. 4.7; 6B_1071/2019 vom 5. November 2020 E. 1.2.2). Die Vorinstanz geht zu Recht davon aus, dass keine Umstände vorliegen, die eine Begutachtung rechtfertigen. Das zum Befragungszeitpunkt fast siebenjährige Opfer hat dreimal einlässlich ausgesagt. Es bestehen keine Anzeichen für eine sprachliche oder kognitive Entwicklungsstörung oder für eine Beeinträchtigung in der Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Wiedergabefähigkeit des Opfers. Vielmehr handelt es sich beim Opfer nach den für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen (Art. 105 Abs. 1 BGG) um einen altersgemäss vernünftigen und verständigen Jungen, der gut zuhöre, sich gedanklich konkret in die Situation zurückversetze und differenziert antworte (Urteil S. 6). Seine Angaben seien flüssig und nachvollziehbar, auch in Bezug auf das Kerngeschehen (Urteil S. 29). Gestützt auf diesen Sachverhalt sind die Aussagen des Opfers einer gerichtlichen Interpretation zugänglich, ohne hierüber ein Gutachten zu erstellen. Die Abweisung des Beweisantrages verletzt kein Bundesrecht.