Citation: 9C_990/2012 E. 5.2.3

5.2.3. Aus der Darlegung des Befundes und dessen Beurteilung im psychiatrischen Teilgutachten der ärztlichen Abklärungsstelle X.________ vom 30. November 2006 geht hervor, dass die depressive Symptomatik in einem engen Zusammenhang mit der Schmerzproblematik steht. Dies spricht gegen das Vorliegen einer eigenständigen psychischen Komorbidität. Die Frage kann hier jedoch offen bleiben, da es aufgrund der Feststellungen im psychiatrischen Teilgutachten an der notwendigen Schwere, Intensität und Ausprägung der diagnostizierten depressiven Störung ( BGE 130 V 352 E. 2.2.3 S. 354) fehlt. Die IV-Stelle bringt richtig vor, dass keine hinreichend ausgeprägte Psychopathologie vorliegt, spricht doch das Fehlen einer antidepressiven Medikation gegen eine intensive Depression (Urteil 9C_936/2011 vom 21. März 2012 E. 4.2.1). Leichte bis mittelschwere psychische Störungen depressiver Natur sind im Prinzip therapeutisch angehbar (Urteil 9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 E. 4.2.2.1 mit Hinweisen). Der Versicherte hat sich laut den Angaben im Gutachten der ärztlichen Abklärungsstelle X.________ lediglich während rund dreier Monate in psychiatrischer Therapie befunden. Von einer konsequent durchgeführten psychotherapeutischen Behandlung kann daher keine Rede sein, weshalb die therapeutischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft sind. Die vorliegenden Depressionen sowie die Lust- und Freudlosigkeit, verbunden mit pessimistischen Gedanken, sind gemäss den Feststellungen des Dr. med. S.________ im psychiatrischen Teilgutachten vorwiegend von Problemen finanzieller Natur, Arbeitslosigkeit und familiären Belastungssituationen (Krankheit der Ehefrau) mitbestimmt und aufrechterhalten. Dabei handelt es sich um ausgeprägte psychosoziale Faktoren, die nach BGE 127 V 294 E. 4 S. 299 nicht im Rahmen von Art. 4 Abs. 1 IVG als zu Erwerbsunfähigkeit führende Gesundheitsbeeinträchtigungen versichert sind. Wird das Beschwerdebild, wie hier, augenfällig durch solche psychosoziale Umstände bestimmt und unterhalten, kann nicht von einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden gesprochen werden. Da auch die übrigen rechtsprechungsgemäss massgeblichen Kriterien (E. 4 hievor) weder gehäuft noch ausgeprägt erfüllt sind, ist entsprechend den Vorbringen der Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Erwerbstätigkeit auch mit Rücksicht auf den psychischen Gesundheitszustand von voller Arbeitsfähigkeit auszugehen.