Citation: 4A_542/2023 E. 3.2.2

3.2.2. Die Vorinstanz erwog, ein übereinstimmender wirklicher Parteiwille könne nicht festgestellt werden. Die entsprechenden Behauptungen seien erst im Berufungsverfahren und daher verspätet aufgestellt worden. Es sei ein normativer Konsens zu prüfen. Gemäss dem Wortlaut des Schreibens vom 30. Oktober 2003 (Absatz 1) habe die C.________ dem Beschwerdegegner die besonderen Bedingungen gemäss Abs. 2-5 "bestätigt", die bei einer Anstellung in der Funktion als "Ingenieur commercial" bis spätestens am 18. Mai 2004 gelten würden. Mit dem sechsten Absatz des Schreibens sei der Beschwerdegegner aufgefordert worden, ein Exemplar unterzeichnet zu retournieren, worauf ihm die Beschwerdeführerin einen Vorschlag für einen Vertrag mitsamt den allgemeinen Bedingungen zukommen lassen werde. Bereits aus der letztgenannten Formulierung ergebe sich, dass sich die Parteien mit dem Schreiben noch nicht endgültig hätten binden wollen, hätten sie sich doch die Ausfertigung und Unterzeichnung einer Vertragsurkunde vorbehalten. Das Schreiben vom 30. Oktober 2003 sei als sog. Punktation zu qualifizieren, mit der sich die Parteien ohne Rechtsbindungswillen unverbindlich im Sinne eines vorläufigen Verhandlungszwischenergebnisses über gewisse Eckpunkte des Verhandlungsgegenstands geeinigt hätten. Mangels einer Bindungswirkung wäre der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach der auf ihrer Seite Unterzeichnete (Herr D.________) sie nicht wirksam habe binden können, nur dann relevant, wenn der Genannte intern nicht befugt gewesen wäre, mit dem Beschwerdegegner Vertragsverhandlungen zu führen und sich mit ihm vorbehaltlich des Abschlusses eines entsprechenden Arbeitsvertrages durch eine zeichnungsberechtigte Person über gewisse Eckpunkte zu verständigen. Solches habe die Beschwerdeführerin aber nicht behauptet. Im Übrigen wäre unter den gegebenen Umständen von einer internen Organvollmacht bzw. einer Duldungsvollmacht von Herrn D.________ auszugehen, worauf der gutgläubige Beschwerdegegner habe vertrauen dürfen. Ohne Belang sei auch, ob die Beschwerdeführerin vom Schreiben erst 2018 erfahren habe. Die Kenntnis von Herrn D.________ sei ihr als Rechtsnachfolgerin der C.________ zuzurechnen. Die Beschwerdeführerin habe sodann nicht substanziiert bestritten, dass nach der Einigung zwischen dem Beschwerdegegner und Herrn D.________ über die Sonderkonditionen gemäss dem Schreiben vom 30. Oktober 2003 keine weiteren Gespräche stattgefunden hätten. Es sei daher davon auszugehen, dass die C.________ dem Beschwerdegegner danach bloss noch die von ihr einseitig - ohne weitere Absprache - aufgesetzten Vertragsdokumente, einen Vertragsvorschlag und einen Arbeitsvertrag, habe zukommen lassen und dass der Beschwerdegegner diese Dokumente ohne Weiterungen unterzeichnet und retourniert habe. Er habe im Rahmen der Vertragsauslegung darauf vertrauen dürfen, dass die C.________ und die für sie in dieser Sache handelnden Personen, die Herren E.________ und F.________, die Existenz und den Inhalt des Schreibens vom 30. Oktober 2003 gekannt hätten. Dies sei im Übrigen erstellt, wiesen doch der Vertragsvorschlag vom 8. März 2004 und der signierte Arbeitsvertrag vom 19. April 2004 die im Schreiben vom 30. Oktober 2003 genannte Referenznummer auf. Die von der Beschwerdeführerin hierfür vorgebrachte Erklärung sei abwegig und ohnehin verspätet. Darüber hinaus werde im Vertragsvorschlag vom 8. März 2004 einleitend explizit auf die bisher geführten Gespräche verwiesen, womit nur diejenigen zwischen dem Beschwerdegegner und Herrn D.________ gemeint sein könnten. Der Verweis auf die Gespräche müsse sich daher auf die bereits vereinbarten Sonderkonditionen gemäss Schreiben vom 30. Oktober 2003 beziehen. Aufgrund von dessen Kenntnis seitens der Personen, welche für die C.________ den Vertragsvorschlag und den Arbeitsvertrag unterzeichnet hätten, sei irrelevant, dass Herr D.________ noch vor der Vertragsunterzeichnung aus der Gesellschaft ausgeschieden sei.