Citation: 2A.200/2001 18.06.2002 E. 4

Es ist im Lichte der dargelegten Grundsätze zu prüfen, ob der Lohn der Beschwerdegegnerin diskriminierend ist. 4.1 Die vom Beschwerdeführer vorgenommene Lohneinstufung beruht auf einer vereinfachten Funktionsanalyse, bei welcher die für die Beurteilung einer Funktion massgebenden Anforderungen in sechs unterschiedlich gewichteten Kriterien zusammengefasst wurden. Anhand dieser Kriterien werden die verschiedenen Funktionen auf einer Skala von 0,5 bis 5,0 bewertet (s. Darstellung des Systems in BGE 125 II 385 E. 4a/b S. 388). Die Einstufung der Physiotherapeutinnen erfolgte ursprünglich auf Basis der Funktion der Ergotherapeutin, welche wie folgt bewertet wurde: K1: Ausbildung und Erfahrung 2,0 K2: Geistige Anforderungen 2,5 K3: Verantwortung 2,0 K4: Psychische Belastung 3,0 K5: Physische Belastung 3,0 K6: Beanspruchung der Sinnesorgane/Arbeitsbedingungen 2,0 Insgesamt ergaben sich daraus 311 Arbeitswertpunkte, was zu einer Einreihung in die Lohnklasse (LK) 14 führte. Nachträglich erfolgte noch eine Rückstufung in die Lohnklasse 13. Das Verwaltungsgericht prüfte die Einreihung der Physiotherapeutinnen in seinem ersten Urteil aufgrund derjenigen der männlichen Vergleichsfunktionen Korporal Kantonspolizei (LK 14), Wachtmeister Kantonspolizei (LK 15), Zivilschutzinstruktor (LK 17), Sachverständiger Motorfahrzeugkontrolle (LK 17) und Techniker Tiefbauamt (LK 18). Es bewertete die Funktion der Physiotherapeutin bei den Kriterien K1-K3 und K5 um je 0,5 Punkte höher als der Kanton, was 399,5 Arbeitswertpunkte ergab und einer Einreihung in der Lohnklasse 18 entsprach (vgl. BGE 125 II 385 E. 4e S. 389). Dabei stützte es sich weitgehend auf ein von ihm eingeholtes arbeitswissenschaftliches Gutachten vom Oktober 1997. Im anschliessenden ersten Verfahren vor Bundesgericht anerkannte der Beschwerdeführer, dass die Lohnklasse 13 für Physiotherapeutinnen zu tief sei, und gestand eine Einstufung in die Klasse 15 zu. Beim Kriterium "Ausbildung und Erfahrung" (K1) betrachtete er eine Bewertung von 2,25 (statt 2,0) als gerechtfertigt. Das Bundesgericht beurteilte dies als nicht diskriminierend (BGE 125 II 385 E. 6d S. 393 f.). Hinsichtlich der restlichen Kriterien erwog es, das Verwaltungsgericht habe nicht dargelegt, dass und inwiefern die vom Kanton vorgenommene Einstufung geschlechtsdiskriminierend sei; zudem werfe die Vergleichsbasis Fragen auf, weil die Funktion der Physiotherapeutin nur mit höher bewerteten männlichen Funktionen, nicht aber mit tiefer eingestuften verglichen worden sei. Gesamthaft könne nicht beurteilt werden, ob die Einreihung in der Lohnklasse 15 bzw. tiefer als Lohnklasse 18 diskriminierend sei (a.a.O., E. 6e-g S. 394 f.). Das Bundesgericht wies das Verwaltungsgericht an, abzuklären, ob die Gesichtspunkte und Quervergleiche, mit welchen der Beschwerdeführer seine Einstufungen bei den Kriterien K2, K3 und K4 begründe, in diskriminierender Weise zum Nachteil der Beschwerdegegnerin gehandhabt worden oder ob sie nicht in ähnlicher Weise auch bei gleich eingestuften männlichen Funktionen angewendet worden seien (a.a.O., E. 7 S. 395). 4.2 Das Verwaltungsgericht stellte in der Folge den Gutachtern die Zusatzfrage, ob die vom Kanton vorgenommene Einstufung der Physiotherapeuten bei den Kriterien K2, K3 und K4 im Vergleich zur Einstufung der männlich dominierten bisherigen Vergleichsfunktionen auf einer geschlechtsdiskriminierenden Bewertungsmethode beruhe oder ob die Methode geschlechtsdiskriminierend angewendet worden sei. Dabei wurde auch die Funktion Polizist (LK 12) einbezogen. Das Zusatzgutachten vom September 2000 kam zum Ergebnis, es lägen aus arbeitswissenschaftlicher Sicht erhebliche Indizien für eine Geschlechtsdiskriminierung bei der Bewertung der Funktion Physiotherapeutin in den Kriterien K2, K3 und K4 vor. Gestützt darauf ging das Verwaltungsgericht in seinem zweiten, jetzt angefochtenen Urteil davon aus, bei der Handhabung des Kriteriums K2 (geistige Anforderungen) sei eine geschlechtsbedingte Diskriminierung glaubhaft gemacht. Es sei von einem diskriminierungsfreien Wert von 3,0 (statt 2,5) auszugehen. Hingegen sei die vom Kanton vorgenommene Einstufung bei den Kriterien K3 und K4 nicht diskriminierend. Insgesamt ergaben sich 357 Arbeitswertpunkte, was der Lohnklasse 16 entspricht.