Citation: 8C_30/2018 E. 5.2.4

5.2.4. Was den weiteren Verlauf der Arbeitsunfähigkeit ab August 2015 anbetrifft, präsentiert sich die Lage anders. 5.2.4.1. Das Sozialversicherungsgericht stellt praxisgemäss bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 8. Februar 2017) eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1 S. 220 mit Hinweis). 5.2.4.2. Die Vorinstanz stützte sich auch hinsichtlich des weiteren Verlaufs auf die Oberexpertise und stellte mit Wirkung ab August 2015 in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit (Innendienst oder verwandte Verweistätigkeit ohne Patientenkontakt) eine Arbeitsfähigkeit von 50 % fest. Sie berücksichtigte die basierend auf dieser ausgewiesenen Verbesserung der Leistungsfähigkeit beruhende Anspruchsänderung in Anwendung von Art. 88a Abs. 1 IVV mit Wirkung ab November 2015. Deshalb sprach sie der Versicherten eine abgestufte Rente (ganze Rente ab 1. Mai 2015 und eine unbefristete Dreiviertelsrende ab 1. November 2015) zu. Da von der Beschwerdeführerin auch diesbezüglich gegen die Bemessung des Invaliditätsgrades - basierend auf der ab August 2015 auf 50 % verbesserten Leistungsfähigkeit - keine rechtserheblichen Einwände erhoben wurden, steht zumindest fest, dass ab August 2015 vom Eintritt einer anspruchsrelevanten Änderung des Invaliditätsgrades auszugehen ist. 5.2.4.3. Dr. med. C.________ gelangte anlässlich der Exploration gemäss Oberexpertise vom 10. August 2015 zum Schluss, dass die 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer Tätigkeit als Rettungssanitäterin im Innendienst bzw. in einer rein administrativen Tätigkeit ohne Patientenkontakt "innert längstens zweier Monate" auf 100 % gesteigert werden könne. Bei konsequenter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung - insbesondere einer traumaspezifischen Intervention - sei die Prognose für eine Remission der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung relativ gut. Auch der RAD-Arzt med. pract. F.________ vertrat - trotz abweichender Diagnosestellung - die im Wesentlichen gleiche Auffassung, dass die Versicherte in einer angepassten Tätigkeit im Innendienst ohne hohen eigenen Verantwortungsgrad für lebenswichtige Entscheidungen und ohne erheblichen Termindruck ihre Arbeitsfähigkeit von 50 % (im August 2015) innert weniger Monate auf 100 % steigern könne. 5.2.4.4. Ob die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage mit Blick auf den Zeitraum ab August 2015 anhand der Standardindikatoren schlüssig und wiederspruchsfrei nachgewiesen sind (vgl. BGE 141 V 281 E. 6 i.f. S. 308), lässt sich basierend auf dem angefochtenen Entscheid bei gegebener Aktenlage nicht zuverlässig beantworten. Zwar bejahte das kantonale Gericht - entgegen der aus ärztlicher Sicht übereinstimmend als günstig prognostizierten therapeutischen Erfolgsaussichten (E. 5.2.4.3) - eine seither unvermindert fortbestehende Einschränkung des funktionellen Leistungsvermögens in jeder angepassten Tätigkeit um 50 %. Doch fehlen im Wesentlichen objektivierbare echtzeitliche Feststellungen zu den massgebenden Indikatoren (insbesondere Behandlungserfolg oder -resistenz, Komplex der Persönlichkeit und sozialer Kontext, gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen, Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen) im zeitlichen Verlauf zwischen August 2015 und Februar 2017. Im Rahmen der diesbezüglich nachzuholenden Indikatorenprüfung mit gegebenenfalls ergänzenden medizinischen Abklärungen wird die Vorinstanz hernach zu den funktionellen Auswirkungen des Leidens unter Berücksichtigung der grundsätzlich übereinstimmenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen des Oberexperten und des RAD-Arztes in Bezug auf den Zeitraum zwischen August 2015 und dem Verfügungserlass (E. 5.2.4.1) neu Stellung zu nehmen haben. Offenbar wechselte die Versicherte ab Januar 2016 ihre psychiatrische/psychotherapeutische Behandlungsperson, weil sie sich vom bisherigen Psychiater nicht mehr verstanden fühlte. Gegenüber einer Mitarbeiterin der IV-Stelle begründete die Beschwerdegegnerin den Therapeutenwechsel jedoch abweichend. Nach "einem Zusammenbruch im September 2015" gehe sie nicht aus dem Haus, weshalb sie den langen Weg zum bisherigen Therapeuten nicht mehr habe bewältigen können. Die neu behandelnde Psychiaterin med. pract. G.________, attestierte sodann ab Behandlungsbeginn wiederum eine volle Arbeitsunfähigkeit hinsichtlich jeglicher Verweisungstätigkeiten sowie auch in Bezug auf eine Umschulung. Gleichzeitig wies med. pract. G.________ jedoch darauf hin, dass die Versicherte im Mai 2016 eine neue Ausbildung in rhythmischer Massage begonnen habe. Ob im Rahmen einer adäquaten Behandlung angesichts der massgebenden Ressourcen im Zeitraum von August 2015 bis Februar 2017 eine (weitere) Verbesserung des funktionellen Leistungsvermögens anhand der praxisgemäss ausschlaggebenden Indikatoren tatsächlich schlüssig und widerspruchsfrei auszuschliessen war, wird die Vorinstanz - nach gegebenenfalls ergänzenden medizinischen Abklärungen - neu zu prüfen und hienach über die Beschwerde neu zu befinden haben.