Citation: 5P.9/2001 30.08.2001 E. 2

2.- Im Rahmen des grundsätzlich zuerst zu behandelnden Beschwerdeverfahrens (Art. 57 Abs. 5 OG) ist zunächst zu prüfen, ob die erhobenen Rügen kantonales Recht oder Bundesrecht beschlagen (BGE 120 Ia 377 E. 1b). Auf die staatsrechtliche Beschwerde kann nur eingetreten werden, soweit die verfassungswidrige Anwendung von kantonalem Recht geltend gemacht wird (Art. 84 OG i.V.m. Art. 43 OG). a) Die Anwendung von Bundesrecht betrifft die Frage, ob das am 15. Mai 1528 verurkundete Geschäft geeignet ist, die Vermutung von Art. 664 Abs. 2 ZGB umzustossen, nach der an kulturunfähigem Land kein Privateigentum besteht. Dass solches begründet werden kann, setzt voraus, dass das kantonale Recht den rechtsgeschäftlichen Erwerb von kulturunfähigem Land zu Privateigentum ermöglichte (Art. 17 Abs. 1 SchlTZGB; vgl. BGE 123 III 454 E. 3b; 113 II 236 E. 4 f.; 109 II 76 E. 3 S. 79; 97 II 25 E. 2b). Ob ein umstrittenes Gebiet unter die in Art. 664 Abs. 2 ZGB aufgeführten Sachen zu subsumieren ist, bestimmt ebenfalls Bundesrecht (BGE 89 II 287 E. 6 S. 300 ff.). Diese Punkte werden im vorliegenden Fall nicht in Frage gestellt. Von der Möglichkeit, dass kulturunfähiges Land im Kanton Graubünden in Privateigentum stehen kann, darf ausgegangen werden, weil Art. 118 EGzZGB/GB insoweit bloss auf Art. 664 ZGB verweist und das vor dem Zivilgesetzbuch geltende kantonale Recht den rechtsgeschäftlichen Erwerb von kulturunfähigem Land nicht ausschloss (§ 225 des bündnerischen Zivilgesetzbuches von 1862). b) Im Hinblick auf die Beurteilung, ob der Nachweis gemäss Art. 664 Abs. 2 ZGB erbracht ist, stellt sich jedoch die Frage, welches Gebiet die Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin mit Urkunde vom 15. Mai 1528 erworben hat bzw. wie weit in den Norden die der Beschwerdeführerin gehörende Alp St. Martin reicht. In diesem Zusammenhang ist zu klären, nach welchem Recht die Urkunde auszulegen (lit. aa hiernach) und inwiefern dabei nach Sachverhalts- und Rechtsfragen zu unterscheiden ist (lit. bb hiernach). aa) Fehlen im schweizerischen Privatrecht Übergangsbestimmungen, sind die intertemporalrechtlichen Grundsätze von Art. 1 ff. SchlTZGB anzuwenden (BGE 96 II 4 E. 5 S. 11 mit Hinw.). Diese Bestimmungen müssen auf dem Gebiet des schweizerischen Obligationenrechts umso mehr gelten (BGE 121 III 210 E. 2b und c S. 212), weil dieses formell den 5. Teil des schweizerischen Zivilgesetzbuches darstellt. Art. 1 SchlTZGB stellt den Grundsatz auf, dass neues Recht nicht rückwirkend angewendet werden darf (BGE 126 III 431 E. 2a S. 434; 124 III 266 E. 4e S. 271; 495 E. 1 S. 496 f.). Daher kann das zu Beginn der Neuzeit geschlossene und vollzogene Geschäft vom 15. Mai 1528 nicht nach bundesrechtlichen Regeln ausgelegt werden (vgl. Meier-Hayoz, Berner Kommentar, N 139 f. zu Art. 664 ZGB). Beim damals geltenden Recht handelt es sich auch nicht um kantonales Recht im heute verstandenen Sinn, weil das Privatrecht entsprechend dem Zeitgeist des