Citation: 6B_1388/2022 E. 3

Rechtsanwalt Fringeli wendet sich gegen die Nichteintretensfolge vorsorglich mit zwei Argumenten: Zum einen ergebe sich der Anspruch auf notwendige und damit zwingende Verteidigung vor Bundesgericht direkt aus Art. 6 Ziff. 1 und 3 EMRK sowie aus Art. 29 Abs. 3, Art. 31 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV. Zum anderen ergebe sich eine privatrechtliche Anscheins- oder Duldungsvollmacht nach Art. 33 Abs. 3 OR aus dem Umstand, dass sein Mandant auf der Flucht sei. Damit gebe dieser zu erkennen, dass er mit dem Strafurteil vom 9. Februar 2022 nicht einverstanden und nicht bereit sei, dieses zu akzeptieren. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe in seinem Urteil Dvorski gegen Kroatien, Nr. 25703/11 vom 20. Oktober 2015 die Möglichkeit einer mündlichen Vollmacht vorgesehen. Eine Vollmacht müsse demnach auch nach dem BGG nicht schriftlich erteilt werden.