Citation: 4A_196/2021 E. 4.2.5

4.2.5. Damit kommt der Frage, ob der Eintrag in der Krankengeschichte tatsächlich echtzeitlich erfolgt ist, wesentliche Bedeutung zu. Insoweit begnügt sich die Beschwerdeführerin aber weitestgehend damit, die Beweismittel in ihrem Sinne zu würdigen, ohne rechtsgenüglich aufzuzeigen, dass die abweichende Würdigung der Vorinstanz auf keinen Fall zutreffen kann. Zudem konzentriert sie sich im Wesentlichen auf die Beweiswürdigung der Erstinstanz, die nicht letztinstanzlich ist und damit kein taugliches Anfechtungsobjekt bildet. Nur soweit die Vorinstanz sich die erstinstanzliche Begründung zumindest implizit zu eigen gemacht hat und keine eigenen Überlegungen anstellt, wäre dies genügend. Inwieweit diese Voraussetzungen gegeben sind, kann letztlich aber offenbleiben, da auch in Bezug auf den erstinstanzlichen Entscheid Willkür nicht rechtsgenüglich aufgezeigt wird: 4.2.5.1. Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, die Beschwerdegegnerin habe unbestrittenermassen bereits das im Verfahren betreffend die Teilklage eingereichte Schwangerschaftskontrollblatt nachgebessert. Damit könne in keiner Weise ausgeschlossen werden, dass sie nicht auch die neu eingereichte Krankengeschichte verändert habe. Es ist indessen nicht offensichtlich unhaltbar, wenn die kantonalen Instanzen berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin im ersten Verfahren offengelegt hatte, dass die Abänderung nachträglich erfolgte, und somit beim Gericht gerade keinen falschen Eindruck erwecken wollte. 4.2.5.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei zumindest zweifelhaft ob der Text der neu eingereichten Krankengeschichte als einheitlicher Fliesstext erscheine. Der Text auf Seite 2 sei offensichtlich abgedeckt, aber eigenartigerweise seien die folgenden Linien trotz Abdeckung erhalten. Die Eintragungen auf Seite 3 beginne mit dem 17.8.06. Es sei kaum anzunehmen, dass die fehlenden 10 Tage den abgedeckten Raum auf Seite 2 dokumentiert hätten. Auffällig seien auch die verschiedenen Schrifttypen auf der Seite 3. Die Beklagte erkläre sie mit Eintragungen auch der damaligen MPA (Laborbefunde). Die Eintragungen durch verschiedene Personen würden damit nicht erklärt: Es gehe nicht nur um Laborbefunde einer MPA, wie der Text zeige. Aufschlussreich sei, dass die Beschwerdeführerin im ersten Parteivortrag ein graphologisches Gutachten (zum Schwangerschaftskontrollblatt) beantragt habe (die neu eingereichte Krankengeschichte sei damals nicht bekannt gewesen). Dieser Antrag habe Eingang in die Beweisverfügung gefunden. Nach dem Eingang der neuen Krankengeschichte habe die erste Instanz es nicht mehr für notwendig gehalten, diesem Antrag die nötige Folge zu geben. Diese Ausführungen sind nicht hinreichend nachvollziehbar, um eine rechtsgenügliche Willkürrüge darzustellen. Das Abdecken von Passagen könnte nur eine Rolle spielen, wenn dadurch der falsche Eindruck entstehen würde, die entscheidende Passage sei echtzeitlich verfasst worden. Es ist aber nicht ersichtlich, welchen Einfluss es diesbezüglich haben soll, ob die Einträge nur von einer oder von mehreren Personen vorgenommen wurden. Wollte man davon ausgehen, die neu eingereichte Krankengeschichte stelle ein Fälschung dar, wäre diese einfacher mit einer einheitlichen Handschrift zu bewerkstelligen. 4.2.5.3. Sodann bleibt unklar, welchen Sinn ein graphologisches Gutachten zum Schwangerschaftskontrollblatt hätte haben können, nachdem unstreitig war, dass daran eine nachträgliche Abänderung vorgenommen wurde, und sich das Gericht im Wesentlichen auf die neu eingereichte Krankengeschichte stützte. Dass die Beschwerdeführerin auch diesbezüglich ein Gutachten beantragt hätte, zeigt sie nicht rechtsgenüglich auf. Dies wäre aber zulässig gewesen, da dieser Beweisantrag erst durch die Eingabe der Beschwerdegegnerin veranlasst worden wäre. Nach den Feststellungen der Vorinstanz ging die Beschwerdeführerin auf die neu eingereichte Krankengeschichte in ihrer Reaktion inhaltlich aber nicht ein. 4.2.5.4. Die Beschwerdeführerin sieht in der neu eingereichten Krankengeschichte einen Widerspruch: Wenn die Beschwerdeführerin die zweite Schwangerschaft unbedingt gewollt hätte, auch bei CF, dann wäre der andere Partner, der im gleichen Zug erwähnt werde, bedeutungslos. Auf jeden Fall, solange nicht eine zusätzliche Begründung geliefert werde (z.B. der Partner lehne eine Abklärung oder eine Abtreibung ab). Wenn hingegen der Partner als Grund zur Annahme diene, es liege dieses Mal keine CF vor, dann mache der Vermerk, die Patientin wolle die zweite Schwangerschaft auch bei CF, keinen Sinn. Auch dieser Schluss der Beschwerdeführerin ist nicht zwingend. Es ist sehr wohl denkbar, dass eine Person bei einer geringen Wahrscheinlichkeit auf eine Abklärung verzichtet und das Kind in diesem Sinne auf jeden Fall will, auch wenn dies in der Hoffnung geschieht, das (geringe) Risiko werde sich nicht realisieren. 4.2.5.5. Die Beschwerdeführerin moniert, das erstinstanzliche Gericht könne keine Erklärung dafür abgeben, weshalb sie im ersten, dem Ereignis näher liegenden Verfahren, glaubwürdig gewesen sei, und weshalb sie 11 Jahre später, allenfalls bei zeitlich bedingten Unschärfen, unglaubwürdig sein sollte. Sie verkennt, dass sich ihre Version und diejenige der Beschwerdegegnerin gegenseitig ausschliessen, so dass bereits der Glaubwürdigkeitsgewinn auf der einen Seite einen Glaubwürdigkeitsverlust auf der anderen nahelegen kann. Im ersten Prozess war unbestritten, dass das einzige Dokument, das vordergründig für die Version der Beschwerdegegnerin zu sprechen schien, von dieser selbst nachträglich abgeändert worden war. Nach den Feststellungen der Vorinstanz zitierte die Beschwerdegegnerin offenbar aus einem weiteren Dokument. Dieses gelangte jedoch nicht in die Akten, was gegen die Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin sprach. Nun wurde eine Krankengeschichte eingereicht, die nach Auffassung der Vorinstanz echtzeitlich erstellt worden war. 4.2.5.6. Wenn die Beschwerdeführerin aus der Tatsache, dass im Erstverfahren (behauptetermassen trotz entsprechender Aufforderung) keine Krankengeschichte eingereicht wurde, ableitet, diese habe damals eben (noch) gar nicht in der nun eingereichten Form existiert, dann hat diese Überlegung zwar einiges für sich. Mit Blick auf das von der Beschwerdegegnerin zu ihrem eigenen Nachteil an den Tag gelegte, unsorgfältige Prozessverhalten (wiederholt fehlende Klageantwort), und die zum eigenen Nachteil erfolgte Zugabe, dass die Abänderung am Kontrollblatt nachträglich erfolgte, ist es aber nicht offensichtlich unhaltbar, wenn die Vorinstanz der Behauptung, der Eintrag sei echtzeitlich erfolgt, Glauben schenkte.