Citation: 1B_612/2021 E. 3.3.2

3.3.2. Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Vorinstanz begründe ihre Auffassung, wonach die Tat (noch) nicht den Abschluss des Beziehungsdramas darstelle, zu Unrecht mit dem angeblich von ihm verwendeten Konjunktiv einer verdolmetschten Aussage. Die vorinstanzlichen Ausführungen muten tatsächlich formalistisch an, insbesondere vor dem Hintergrund der Übersetzung der Einvernahme und allfälliger sprachlicher Ungenauigkeiten. Entsprechend fehlt es der diesbezüglichen Erwägung der Vorinstanz an Überzeugungskraft. Indes kann der diesen Ausführungen zugrunde liegende Gedanke, wonach der Beschwerdeführer sein Vorhaben, namentlich die Tötung seiner Ex-Partnerin, nach Haftentlassung allenfalls noch "abschliessen" wolle, nicht als völlig haltlos bezeichnet werden. Die Behauptung des Beschwerdeführers, die Situation habe sich durch die bisher erstandene Haft beruhigt bzw. es sei zu einer Distanzierung zum Delikt gekommen, kann zumindest auch unter Berücksichtigung seiner fehlenden Reue und Einsicht bezweifelt werden. Dies gilt auch für sein Vorbringen, eine gleiche oder ähnliche Situation wie damals, welche wieder zu einem möglichen Gewaltausbruch führen würde, könne gar nicht mehr entstehen, da die Ausgangslage eine andere sei. Inwiefern sich die Ausgangslage zu seinen Gunsten verändert haben soll, ist nicht ersichtlich. Selbst wenn sich der Beschwerdeführer zum Tatzeitpunkt in einer Ausnahmesituation bzw. einer "Abwärtsspirale" befunden haben soll, die mit dem Vorfall "zum Stoppen gekommen sei", ist fraglich, ob er sich bei einer Entlassung aus der Haft nicht wieder in einer solchen Abwärtsspirale bzw. in einem schlechten psychischen Zustand befände. Namentlich gilt es zu berücksichtigen, dass er nunmehr nach der erfolgten erstinstanzlichen Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren mit grosser Wahrscheinlichkeit damit rechnen muss, eine langjährige Haftstrafe zu verbüssen. Weiter droht ihm eine mehrjährige Landesverweisung; ferner steht es sehr schlecht um seine berufliche wie auch seine gesundheitliche Situation (vgl. zu Letzterer: Urteil 1B_476/2021 vom 23. September 2021 E. 4.4). Die Vorinstanz schloss daraus, der Beschwerdeführer habe nicht mehr viel zu verlieren. Es sei von einer ernsthaften Gefahr auszugehen, weil er erneut versuchen könnte, das Opfer umzubringen, um "abzuschliessen". Dies kann jedenfalls nicht als rein hypothetische Möglichkeit bezeichnet werden. Unbehelflich ist in diesem Zusammenhang der Einwand des Beschwerdeführers, eine Wiederholung der Tat sei auch aus praktischen Gründen quasi ausgeschlossen, da er nicht mehr mobil und auf die Unterstützung einer Hilfsperson angewiesen wäre. Dass er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands keine Waffe mehr bedienen und kein Taxi benützen könnte, macht er indes zu Recht nicht geltend. Damit steht einer erneuten Begehung der Tat, wie er sie am 25. Januar 2020 zu Lasten seiner Ex-Partnerin verübt hat, grundsätzlich nichts im Wege. Daran ändert auch nichts, dass dem Beschwerdeführer der aktuelle Aufenthaltsort des Opfers zurzeit offenbar (noch) nicht bekannt ist. Dieser Umstand vermag keine Gewähr dafür zu bieten, dass er den Ort nicht doch ausfindig machen und sein Vorhaben beenden könnte.