Citation: 4P.56/2001 16.05.2001 E. 1

1.- Die staatsrechtliche Beschwerde ist gemäss Art. 86 Abs. 1 OG nur gegen letztinstanzliche kantonale Entscheide zulässig. Die Letztinstanzlichkeit des angefochtenen Entscheides könnte problemlos bejaht werden, wenn die Beschwerdeführerin innert Frist beim Arbeitsgericht eine begründete Urteilsausfertigung verlangt und erst danach gegen das begründete Urteil staatsrechtliche Beschwerde erhoben hätte. Denn gegen Entscheide des Arbeitsgerichts in Fällen mit einem Streitwert von weniger als Fr. 8'000.-- kann weder kantonale Berufung noch Nichtigkeitsklage erhoben werden (Art. 32c Abs. 1 des Arbeitsgesetzes des Kantons Wallis vom 16. November 1966 in Verbindung mit Art. 46 OG). Im vorliegenden Fall stellt sich dagegen die Frage, ob der Umstand, dass die Beschwerdeführerin eine begründete Urteilsausfertigung hätte verlangen können, dies aber nicht getan hat, die Letztinstanzlichkeit im Sinne von Art. 86 Abs. 1 OG ausschliesst. Das ist indessen zu verneinen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind zur Erschöpfung des kantonalen Instanzenzuges solche Rechtsmittel oder Rechtsbehelfe zu ergreifen, welche der Partei einen Anspruch auf einen Entscheid geben und die geeignet sind, den behaupteten rechtlichen Nachteil zu beheben (BGE 94 I 461 E. 2; Kälin, Das Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde, 2. Auflage, Bern 1994, S. 331 f.). Das Begehren, ein bereits gefälltes Urteil sei in begründeter Ausfertigung zuzusenden, erfüllt diese Voraussetzungen nicht und braucht deshalb unter dem Gesichtspunkt von Art. 86 Abs. 1 OG nicht gestellt zu werden. Eine Partei, welche ein bloss im Dispositiv vorliegendes Urteil mit staatsrechtlicher Beschwerde anficht, muss sich allerdings bewusst sein, dass damit unter Umständen mehrere Begründungsvarianten offen stehen. Das hat zur Folge, dass das Bundesgericht in solchen Fällen zwangsläufig auf die Prüfung beschränkt ist, ob der angefochtene Entscheid im Ergebnis verfassungswidrig ist. In seiner Vernehmlassung vertritt der Beschwerdegegner die Auffassung, dass die Beschwerde nicht möglich sei, weil sie sich gegen einen rechtskräftigen Entscheid richte. Die Rechtskraft des angefochtenen Entscheides steht der staatsrechtlichen Beschwerde jedoch nicht entgegen. Das staatsrechtliche Beschwerdeverfahren stellt nicht einfach die Weiterführung des kantonalen Verfahrens dar. Die staatsrechtliche Beschwerde ist vielmehr ein selbständiges, ausserordentliches Rechtsmittel, bei dem geprüft wird, ob ein kantonaler Entscheid, der an sich rechtskräftig und vollstreckbar ist, verfassungsmässige Rechte der beschwerdeführenden Partei verletzt (BGE 107 Ia 269 E. 1; BGE vom 13. April 1992 E. 1c, abgedruckt in Umweltrecht in der Praxis [URP] 1993, S. 207; Kälin, a.a.O., S. 8 f.). Die formelle Rechtskraft des angefochtenen Entscheides schliesst somit die Beschwerdeführung nicht aus.