Citation: 5A_373/2018 E. 3.2.6

3.2.6. "Völlig unverständlich" ist für den Beschwerdeführer, dass sich die Vorinstanz hinsichtlich des Besuchsrechts am Dienstag nicht auf den Bericht der E.________ GmbH vom 9. Juni 2017 abstütze. Die vorinstanzliche Erkenntnis, dass die Empfehlung der Fachstelle nicht begründet sei, tadelt er als "schlicht falsch". Die "Gutachterin" zeige klar auf, dass der Dienstags-Besuch für die Vater-Kind-Beziehung wichtig sei, weil C.________ von der vermehrten Betreuung durch den Vater im Alltag profitieren werde und allzu grosse Abstände zwischen den Treffen bei Kindern in C.________s Alter aufgrund des noch nicht ausgeprägten Zeitgefühls unbedingt zu verhindern seien. Der Beschwerdeführer argumentiert, dass das Obergericht angesichts des Untersuchungsgrundsatzes bei der E.________ GmbH hätte nachfragen oder die Situation selbst hätte analysieren müssen, wenn es die Empfehlung im Bericht als nicht hinreichend begründet erachtete. Die Vorinstanz verkenne, dass das Gutachten die gestellten Fragen klar beantworte und weder widersprüchliche Schlussfolgerungen noch sonstige offensichtliche Mängel aufweise. Entgegen der Rechtsprechung nenne sie keine guten Gründe, um die Abweichung von den Empfehlungen zu rechtfertigen. Der Beschwerdeführer rechnet dem Bundesgericht vor, dass der Abstand zwischen den vorinstanzlich festgesetzten Besuchszeiten im Vergleich zu den Empfehlungen der E.________ GmbH viermal länger sei und Vater und Sohn einander weniger als halb so oft sehen können, wie dies von der E.________ GmbH empfohlen wurde. Um über das Schicksal der Kinder zu entscheiden, kann das Gericht ein Gutachten einholen. Wie jedes Beweismittel unterliegen auch Gutachten der freien richterlichen Beweiswürdigung. Allerdings darf ein Gericht in Fachfragen nur aus triftigen Gründen von einem Gutachten abweichen. Es hat zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen (zum Ganzen BGE 138 III 193 E. 4.3.1 S. 198; 136 II 539 E. 3.2 S. 547 f.; 133 II 384 E. 4.2.3 S. 391). In familienrechtlichen Verfahren, in denen das Gericht den Sachverhalt hinsichtlich der Kinderbelange von Amtes wegen erforscht (Art. 296 Abs. 1 ZPO), gilt der Freibeweis (Art. 168 Abs. 2 ZPO; Urteil 5A_503/2017 vom 14. Mai 2018 E. 3.2). Das Gericht ist deshalb nicht verpflichtet, ein Gutachten einzuholen. Es kann seine Überzeugung auch aus anderen Beweismitteln gewinnen (Urteil 5A_794/2017 vom 7. Februar 2018 E. 4.1 mit Hinweis). So kann es sich an die Kindes- oder Jugendschutzbehörde wenden und von ihr einen Bericht über die familiäre Situation einholen, zumal Sozialabklärungen in konfliktgeladenen Situationen oder bei Zweifeln hinsichtlich der für die Kinder adäquaten Lösung durchaus nützlich sein können (Urteil 5A_512/2017 vom 22. Dezember 2017 E. 3.4.1 mit Hinweisen). Ebenso steht es im (pflichtgemässen) Ermessen des Gerichts, anstelle einer staatlichen Stelle ein spezialisiertes privates Unternehmen mit Erhebungen zu beauftragen. Von den Schlussfolgerungen solcher (behördlicher oder privater) Berichte darf das Gericht unter weniger strengen Voraussetzungen abweichen als denjenigen, die für eine Abweichung von einem gerichtlichen Gutachten gelten (Urteile 5A_794/2017 vom 7. Februar 2018 E. 4.1; 5A_512/2017 vom 22. Dezember 2017 E. 3.4.3). Ausserdem gilt wie für den Beizug von Sachverständigen auch für die Einholung derartiger Rapporte und Auskünfte, dass allein das Gericht darüber entscheidet, welche rechtlichen Schlüsse aus den Feststellungen und Erkenntnissen der konsultierten Stellen zu ziehen sind (vgl. zum Gutachten die Urteile 5A_439/2012 vom 13. September 2012 E. 4.1 und 5A_187/2014 vom 9. Mai 2014 E. 3.2). Die Gründe, weshalb ein Gericht vom Bericht einer Behörde, einem Sozialdienst oder einer privaten Fachstelle abweicht, beziehen sich daher naturgemäss auf die Feststellung des Sachverhalts und nicht auf rechtliche Einschätzungen, die allenfalls darin enthalten sind. Ob ein im Sinne von Art. 273 Abs. 1 ZGB angemessener persönlicher Verkehr zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Sohn unter den gegebenen Umständen (auch) ein wöchentliches Besuchsrecht unter der Woche erfordert, ist eine Rechtsfrage, die allein das Gericht beantwortet. Der Bericht der E.________ GmbH beschränkt sich denn auch auf eine blosse Empfehlung für die Besuchsrechtsregelung. Von daher ist es nicht zu beanstanden, wenn das Obergericht mit Bezug auf das Besuchsrecht am Dienstag nicht der Empfehlung des Berichts folgt. Eine andere Frage ist, ob sich die Vorinstanz bei der Würdigung des Berichts der E.________ GmbH bundesrechtswidrig über darin festgestellte Tatsachen hinwegsetzt, wenn sie zum Schluss kommt, dass die Empfehlung des Berichts "mit keiner Silbe begründet" sei. Der Beschwerdeführer bestreitet Letzteres insbesondere mit dem Hinweis auf den zweitletzten Abschnitt im Bericht. Dort sei davon die Rede, dass die empfohlene Regelung des persönlichen Verkehrs den Kindsvater nicht bloss am Freizeitprogramm, sondern mit dem Dienstagsbesuchsrecht auch am Alltag des Kindes teilhaben lasse und überdies sicherstelle, dass der Abstand zwischen den Besuchen nicht allzu gross sei, was dem Zeitgefühl des noch kleinen Kindes entgegenkomme. Diese Passage unterscheidet sich insofern vom übrigen Bericht, als sie nicht nur in abstrakter Weise Rechtsprechung und Lehrmeinungen wiedergibt, sondern einen unmittelbaren Bezug zu den betroffenen Personen herstellt. Die allgemein gehaltenen Ausführungen können jedoch nicht als Feststellungen eines Gutachtens im Sinne von Art. 183 ZPO gelten, von denen das Gericht nur aus triftigen Gründen abweichen darf. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Berichterstatterin der E.________ GmbH in der richterlichen Verfügung vom 25. April 2017 auf die Gutachterpflichten von Art. 184 und Art. 188 Abs. 2 ZPO hingewiesen wird. Warum das Obergericht aber an die (nur knappen und summarischen) Feststellungen im Bericht einer privaten Fachstelle gebunden sein soll, vermag der Beschwerdeführer nicht zu erklären. Allein der Vorwurf, dass das Obergericht einfach ein gerichtsübliches Besuchsrecht anordne, anstatt sich mit dem Kindeswohl auseinanderzusetzen, genügt nicht (vgl. E. 3.2.5).