Citation: 2C_791/2022 E. 7.3

7.3. Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, die Schadensschätzung gebe den Höchstbetrag der Entschädigung vor und die Bauabrechnungen könnten die Vergütung nur nach unten beeinflussen. Die Schadensschätzung ermittle nicht den tatsächlich erlittenen, sondern nur den versicherungsrelevanten Schaden. Da die Entschädigung grundsätzlich auf den Versicherungswert beschränkt sei, müsse bei Teilschäden die Schadensschätzung im Verhältnis zum Versicherungswert (Proportionalregel) und nicht eine freie Schätzung nach den Wiederherstellungskosten erfolgen. Aus Art. 32 Abs. 1 AV/AR könne nichts anderes abgeleitet werden. Diese Bestimmung beziehe sich nach Wortlaut und systematischer Stellung nicht auf die Schadensschätzung im Schadenermittlungsverfahren, sondern auf die Auszahlung der Entschädigung für die Behebung von Teilschäden, wobei nach ausdrücklicher Vorschrift eine Bauabrechnung vorliegen müsse, soweit nicht Pauschalvergütungen vereinbart würden. Insofern seien Art. 32 Abs. 1 AV/AR und Ziff. 7.2.5 der Wegleitung aufgrund der bestehenden Gesetzesregelung durch die zuständigen Rechtsanwendungsbehörden einschränkend auszulegen und es müsse jedenfalls bei grösseren Teilschäden, wie dies vorliegend angesichts eines unbestrittenen Beschädigungsgrads von über 50 % gegeben sei, vor der Auszahlung der Entschädigung ebenfalls eine Schadensschätzung vorgenommen werden. Die entsprechende Schadensschätzung sei in einer rechtsmittelfähigen Verfügung zu eröffnen, wobei es sich um einen Feststellungsentscheid handle (vgl. angefochtenes Urteil E. 4.1 und E. 4.4 mit Verweis auf den die Beschwerdeführerin betreffenden Rückweisungsentscheid des Obergerichts des Kantons Appenzell Ausserrhoden vom 25. Februar 2021 [vgl. Sachverhaltsabschnitt A.d hiervor]).