Citation: 5A_571/2022 E. 2.1.2

2.1.2. Anlass zur Lückenfüllung (vgl. MEIER, a.a.O., N. 10 vor Art. 17-21) besteht ohnehin nicht, denn die Frage der Sistierung des Verfahrens vor dem Betreibungsamt wird vom SchKG beantwortet. Das Gesetz kennt eigene Bestimmungen, aufgrund welcher eine Betreibung auf richterliche Anordnung vorläufig oder bedingt einzustellen ist. Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme kann der Richter nach Eingang der negativen Feststellungsklage gemäss Art. 85a SchKG die Betreibung vorläufig einstellen, sofern ihm die Klage als sehr wahrscheinlich begründet erscheint (Art. 85a Abs. 2 SchKG; BANGERT, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, 3. Aufl. 2021, N. 19, 22 zu Art. 85a). Ferner kann der Richter bei einem nachträglichen Rechtsvorschlag infolge Gläubigerwechsel die vorläufige Einstellung der Betreibung verfügen (Art. 77 Abs. 3 SchKG). Abgesehen von diesen gesetzlich geregelten Fällen besteht keine Möglichkeit, das Betreibungsverfahren durch ein Betreibungsamt sistieren zu lassen. Dies muss selbst gelten, wenn nach Ansicht der Aufsichtsbehörde eine als ungewöhnlich erachtete Konstellation im Sinne eines Rechtsmissbrauchs vorliegt (Urteil 5A_471/2013 vom 17. März 2014 E. 3). Daran könnte auch eine entsprechende Vereinbarung der Beteiligten nichts ändern: Eine "Sistierung" der Betreibung durch (vereinbarten) Rückzug des Fortsetzungsbegehrens durch den Gläubiger ist nur möglich, solange die Pfändung nicht vollzogen wurde (SIEVI, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, 3. Aufl. 2021, N. 28 zu Art. 88).