Citation: 5A_373/2020 E. 3

Das Obergericht ging von den Feststellungen im angefochtenen Entscheid bzw. den dortigen Aussagen der Beschwerdeführerin aus, wonach sie sich keine Zukunft in der Schweiz vorstellen könne und für den Fall, dass die Wegzugsbewilligung für die beiden gemeinsamen Kinder verweigert würde, mit dem jüngsten Halbgeschwister nach Indien ziehen würde, was im Berufungsverfahren von keiner Seite bestritten werde. Sie habe von diesem Plan nur momentan Abstand genommen, weil zur Zeit Reisen nach Indien unmöglich seien und ihr dortiges Jobangebot aufgrund der ausbleibenden Touristen unsicher sei, weshalb sie vorübergehend in der Schweiz bleiben müsse. Das Bezirksgericht ging weiter davon aus, dass die Erziehungssituation bei beiden Elternteilen ähnlich aussehen würde (private Schule der Kinder in Indien während der Arbeitszeit der Mutter und Schulweg durch einen Transport; Rudolf-Steiner-Schule in der Schweiz während der Arbeitszeit des Vaters und Mithilfe der Grossmutter bei der Betreuung) und auch je für die Kinder als verträglich anzusehen wäre, jedoch die Uneinigkeit der Eltern eine geordnete Beschulung bislang verhindert habe und insofern eine Gefährdung vorliege. Seit der Rückkehr der Mutter aus Indien im November 2019 seien die Kinder nicht mehr zur Schule gegangen, sondern die Mutter habe Home-Schooling praktiziert. Beide kantonalen Instanzen gingen davon aus, dass die Mutter und der Vater gleichermassen uneingeschränkt erziehungsfähig seien, gut für die Kinder sorgen würden und diese auch zu beiden Teilen eine vertrauensvolle Beziehung hätten und sich gerne im jeweiligen Haushalt aufhalten würden. Soweit die Parteien jeweils getrennt gelebt hätten, sei die Mutter die Hauptbetreuungsperson gewesen, wobei der Vater sich ebenfalls substanziell um diese gekümmert habe. Ausgehend von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 315 Abs. 5 ZPO seien die Kinder während des Rechtsmittelverfahrens in der Regel bei der Hauptbetreuungsperson zu belassen. Vorliegend sei jedoch die Wohn- und Schulsituation beim Vater besser (der Untermietvertrag der Mutter laufe Ende Mai 2020 aus, während der Mietvertrag der väterlichen Wohnung bis Februar 2021 verlängert worden sei, wobei die Wohnung genügend Platz für die Kinder biete und diese nunmehr ab dem 18. Mai 2020 an der Schule in U.________ in der Oberstufe eingeteilt worden seien). Nach den zutreffenden Erwägungen des Bezirksgerichts entspreche es dem Wohl der Kinder am ehesten, wenn sie für die Dauer des Scheidungsverfahrens unter die Obhut des Vaters gestellt würden, denn so könne schnellstmöglich eine Integration auch in den Schulbetrieb stattfinden, was bislang nicht der Fall gewesen sei. Diese Überlegungen gälten auch für die Frage der aufschiebenden Wirkung im Rechtsmittelverfahren. Sollte das Obergericht im Berufungsentscheid wider Erwarten zu einem anderen Ergebnis kommen, wäre im Zusammenhang mit dem erneuten Wechsel keine Kindeswohlgefährdung ersichtlich, zumal die Kinder bereits mehrfach Orts- und Schulwechsel erlebt und sie gemäss ihren Aussagen bei der erstinstanzlichen Anhörung nach der ersten Scheidung abwechslungsweise bei beiden Eltern gelebt hätten und auch mit beiden Teilen gleichermassen sprechen könnten, wenn sie traurig seien, je nachdem, wo bzw. bei wem sie gerade seien.