Citation: 1C_520/2022 E. 5.4

5.4. Weiter erweisen sich auch die Einwände der Beschwerdeführerin in Bezug auf die öffentlichen Interessen an der Geheimhaltung als unbegründet. Es trifft zwar zu, dass das Vorverfahren vom Untersuchungsgeheimnis geprägt ist (vgl. Art. 69 Abs. 3 lit. a StPO), welches im Grundsatz über den rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens hinaus gilt. Das Untersuchungsgeheimnis bezweckt einerseits die gezielte und reibungslose Durchführung von Strafverfahren und dient andererseits dem Schutz der vom Strafverfahren unmittelbar betroffenen Personen (BGE 147 I 463 E. 6.6). Es ist nicht offensichtlich verfehlt, wenn die Vorinstanz im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, das staatliche Geheimhaltungsinteresse werde vorliegend insoweit etwas entschärft, als sich das Untersuchungsamt zu Beginn des Verfahrens noch nicht gegen das Einsichtsgesuch gestellt habe. Das Untersuchungsamt bestätigt dies im bundesgerichtlichen Verfahren mit seiner Eingabe vom 6. Oktober 2022 nochmals. Mit der Abweisung des Akteneinsichtsgesuchs sei seiner Ansicht nach lediglich der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 147 I 463) gefolgt worden, es sperre sich jedoch nicht grundsätzlich gegen die Aktenherausgabe. Aus diesem Grund kann angenommen werden, dass keine Angaben über verfolgte Ermittlungstaktiken und Untersuchungsstrategien oder sonstige Angaben veröffentlicht würden, die das gute Funktionieren der Strafjustiz beeinträchtigen könnten (vgl. BGE 147 I 463 E. 6.6). Es liegen vorliegend ausserdem keine Hinweise vor, welche das reibungslose Funktionieren der Strafjustiz darüber hinaus in Frage stellen und damit im zu beurteilenden Fall für eine erhöhte Gewichtung des allgemeinen staatlichen Geheimhaltungsinteresse sprechen würden. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz vorliegend das öffentliche Informationsinteresse der Beschwerdegegnerin höher gewichtet hat als das staatliche Geheimhaltungsinteresse.