Citation: 2C_225/2007 03.12.2007 E. 3.2

3.2.1 Im Zeitpunkt des angefochtenen Urteils, auf den es vorliegend ankommt (vgl. E. 1.3), war die nachzugsberechtigte Ehefrau unbestrittenermassen fürsorgeabhängig und nicht in der Lage, ihren Lebensunterhalt (und den ihres Kindes) aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Sie bezog im Jahre 2004 ein IV-Taggeld, bevor sie - erfolglos (Nichteinhaltung eines Beratungstermins) - um Arbeitslosenentschädigung nachsuchte. Weder aus dem angefochtenen Urteil noch aus den Akten geht indessen ausreichend hervor, was es mit dieser Situation für eine Bewandtnis hatte und wieso die bisherigen Stellenbewerbungen der Ehefrau offenbar alle erfolglos geblieben waren. Diese Umstände besitzen bei der Beurteilung, ob der Familie konkret die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit droht, hohes Gewicht. 3.2.2 Entscheidend ist alsdann, ob der am 24. Mai 2005 geehelichte Landsmann, der im Jahre 2004 als Asylgesuchsteller in die Schweiz gekommen war und von dem das am 20. Februar 2006 geborene Kind stammt (vgl. vorne "A."), durch eigenen Erwerb für den Unterhalt der Familie aufkommen kann oder ob sich das Risiko der Belastung des Gemeinwesens durch Fürsorgeleistungen mit der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an diesen noch vergrössert. Zwar hat die Ehefrau als Niedergelassene grundsätzlich einen Anspruch auf Nachzug ihres Ehemannes, sofern kein Ausweisungsgrund vorliegt, der die Verweigerung des Nachzuges als verhältnismässig erscheinen lässt (vorne E. 2). Die jetzige Fürsorgeabhängigkeit darf durch den Nachzug des Ehemannes aber jedenfalls nicht verschärft werden. 3.2.3 B.________ hat keine Berufsausbildung und spricht nicht Deutsch. Es ist, wie das Verwaltungsgericht zutreffend angenommen hat, recht ungewiss, ob er in absehbarer Zeit eine Stelle findet, durch die er zum Lebensunterhalt der Familie massgeblich beitragen kann. Eine blosse Teilzeitstelle, wie sie ihm angeboten worden war (vgl. S. 9 des angefochtenen Entscheides), bildet keine ausreichende Grundlage. Andererseits erlauben die vorhandenen Akten noch nicht den Schluss, dass es ihm zum Vornherein am erforderlichen Arbeitswillen fehle. Die Aktennotiz, worauf das Verwaltungsgericht sich stützt (wonach der Ehemann eine ihm während des Asylverfahrens bewilligte Arbeitsstelle "nicht angetreten" habe), reicht als Beleg hiefür noch nicht aus; allerdings ist auch die gegenteilige Darstellung in der Beschwerdeschrift, wonach er die Stelle "verloren" habe, wenig aussagekräftig. Letztlich kann die Frage seines Arbeitswillens erst aufgrund seines tatsächlichen Verhaltens nach Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung beantwortet werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Ehemann, welcher offenbar in der Türkei als "Barmann" tätig gewesen war, als Gehilfe bzw. Angestellter eines Restaurationsbetriebes ein Einkommen erzielen könnte, durch welches die jetzige Fürsorgelast für das Gemeinwesen zumindest verringert wird. Bei einer Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung für den Ehemann würde sich an der Fürsorgeabhängigkeit von Mutter und Kind voraussichtlich wenig ändern; im anderen Falle dagegen besteht zumindest die Möglichkeit, dass der Ehemann zur Verringerung der Fürsorgeleistungen beitragen kann oder solche überhaupt wegfallen. Allerdings lässt sich auch das Risiko, dass das Ehepaar bei einem Verbleib des Ehemannes weitere Kinder zeugt, ohne selber für ein entsprechendes Einkommen zu sorgen - womit die Fürsorgelast noch vergrössert wird -, nicht von der Hand weisen. 3.3 Eine vorbehaltlose Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich nach dem heutigen Stand der Dinge im Lichte von Art. 8 EMRK aber als unverhältnismässig, zumal der Beschwerdeführerin, die bereits im Kindesalter in die Schweiz gekommen war und in den Flüchtlingsstatus ihrer Mutter einbezogen wurde, eine Führung des Ehelebens in der Türkei schwerlich zugemutet werden kann. Es erscheint vielmehr geboten, dass die zuständige Behörde die anbegehrte Aufenthaltsbewilligung - im Sinne einer Probezeit - für die Dauer eines Jahres erteilt, um dem Ehemann Gelegenheit zu geben, durch eigene Arbeit zum Unterhalt der Familie massgeblich beizutragen. Sollte ihm dies, sei es mangels Arbeitswillens oder mangels geeigneter Stellen, nicht gelingen, darf der Kanton nach Massgabe der damaligen Sach- und Rechtslage eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ablehnen und müssen die Betroffenen die damit verbundenen Konsequenzen in Kauf nehmen.