Citation: U 316/99 05.11.2001 E. 3

3.- Zunächst ist zu prüfen, in welchem Umfang die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. a) Der Beschwerdeführer klagt seit der Operation vom 8. Juli 1994 über anhaltende Schmerzen in der linken Schulter (Berichte des Dr. med. B.________ vom 2. November 1994, des Dr. med. K.________ vom 5. Dezember 1994 und vom 6. Februar 1995, des Kreisarztes Dr. med. S.________ vom 2. März und vom 28. Juni 1995, des Dr. med. W.________ vom 7. Juni 1995). Erstmals im April 1995 erhob Dr. med. K.________ weitere Schmerzen aufgrund alter Verletzungen, namentlich im Knie, ohne Angabe der betroffenen Seite (Bericht vom 6. April 1995). Später berichteten Dr. med. E.________ über diffuse Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule, die sowohl in den rechten als auch in den linken Arm ausstrahlen (Bericht vom 21. September 1995), und Kreisarzt Dr. med. S.________ über Schmerzen im rechten Knie und im rechten Ellbogen, über Erbrechen, Schlafstörungen und Zahnschmerzen (Abschlussbericht vom 13. November 1995). Die Schmerzen am rechten Ellbogen und am rechten Knie werden vom Beschwerdeführer auf den Unfall vom 18. Februar 1980 zurückgeführt. Damals wurde indessen mit inzwischen rechtskräftiger Verfügung vom 3. November 1982 entschieden, die Beschwerden an Ellbogen und Knie rechts seien nicht auf den fraglichen Unfall zurückzuführen. Ein Zurückkommen auf diese Beurteilung würde ein Wiedererwägungsgesuch oder eine Rückfallmeldung voraussetzen, welche vorliegend nicht gegeben sind. Darüber hinaus ist unbestritten, dass die Beschwerden jedenfalls nicht mit dem hier zur Beurteilung vorliegenden Unfall vom 7. Juli 1994 in Zusammenhang stehen. Auch der von Dr. med. E.________ erhobene Verdacht einer Rotatorenmanschettenruptur konnte als Unfallfolge ausgeschlossen werden (Gutachten des Dr. med. D.________ vom 31. März 2000). Damit bleiben als unfallbedingte und vorliegend für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit massgebliche körperliche Einschränkungen einzig die schmerzhaften Bewegungseinschränkungen an der linken Schulter (Bericht des Dr. med. K.________ vom 17. Mai 1996). Davon geht im Übrigen auch der Beschwerdeführer selbst aus, wie dem Fragenkatalog zu entnehmen ist, den er dem von ihm beigezogenen Gutachter, Dr. med. D.________, vorgelegt hat. Für diese Beschwerden lag als objektivierbares Substrat eine zunächst verzögerte Callusbildung sowie eine Lockerung des Nagels vor (Berichte des Dr. med. A.________ vom 28. Juni 1995 und des Kreisarztes Dr. med. S.________ vom 28. Juni 1995 sowie Gutachten des Dr. med. D.________ vom 31. März 2000). Im Zeitpunkt der Bemessung der Erwerbsunfähigkeit war aber die Fraktur in guter Stellung knöchern konsolidiert (Berichte des Dr. med. W.________ vom 7. Juni 1995 und des Dr. med. E.________ vom 21. September 1995). Dr. med. D.________ fand für die angegebenen Schulterbeschwerden überhaupt kein radiologisches Korrelat auf Frakturhöhe und schloss auch eine Rotatorenmanschettenruptur aus, während er die leichte mögliche Tendinopathie der Supraspinatussehne als praktisch altersentsprechend qualifizierte. Gestützt auf seine Untersuchungen hielt dieser Arzt die Beschwerden für schwierig glaubhaft und für noch schwieriger objektivierbar und nahm an, der Beschwerdeführer könne seine linke Schulter unbeobachtet fast normal gebrauchen. b) Über die verbleibende Arbeitsfähigkeit liegen unterschiedliche ärztliche Angaben vor: Nach Ansicht des Dr. med. B.________ ist der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig und wird es auch in Zukunft bleiben (Bericht vom 11. September 1995). Diese Beurteilung ist nicht weiter begründet und steht in Diskrepanz zu den objektiv erhobenen Befunden (siehe oben Erw. 3a), weshalb darauf nicht abzustellen ist. Dr. med. W.________ hielt Tätigkeiten mit dem linken Arm bis Schulterhöhe für zumutbar, sofern diese nicht chronisch repetitive Bewegungen sowie das Heben von mehr als 10 kg Gewicht erfordern. Bezüglich des rechten Arms verneinte er jegliche Einschränkung (Bericht vom 7. Juni 1995). Der Kreisarzt schätzte die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab dem 9. Oktober 1995 auf 50 % (Bericht vom 6. Oktober 1995). Darauf kommt es bei der Invaliditätsbemessung indessen nicht an. Vielmehr ist die Arbeitsunfähigkeit mit Bezug auf jene behinderungsangepassten Tätigkeiten auf dem gesamten Arbeitsmarkt zu ermitteln, auf welche der Versicherte nach einer gewissen Anpassungszeit zumutbarerweise auszuweichen hat (BGE 115 V 133 f. Erw. 2). In seinem Abschlussbericht betonte der Kreisarzt, der Beschwerdeführer sei nicht voll arbeitsunfähig. Vielmehr seien Reinigungsarbeiten (nicht an Fassaden oder auf Gerüsten) ganztägig zumutbar, sofern keine Arbeiten über Schulterhöhe und kein repetitives Heben von Gegenständen vom Boden bis Schulterhöhe erforderlich seien (Bericht vom 13. November 1995). Auf Anfrage des Beschwerdeführers hin beurteilte Dr. med. K.________ die Leistungsfähigkeit bei einem ganztägigen Einsatz auf 50 %. In Frage kamen seines Erachtens einzig Überwachungsarbeiten, bei denen der linke Arm bloss als Hilfsarm eingesetzt werden muss. Problematisch sei allerdings, dass Schmerzen auch im rechten Arm, im Rücken sowie in den Knien angegeben würden. Ferner mache der Beschwerdeführer einen erheblich depressiven Eindruck. Die Angabe der Arbeitsfähigkeit bloss mit Bezug auf die unfallbedingte schmerzhafte Einschränkung des linken Schultergelenks beurteilte er als sehr schwierig und enthielt sich einer konkreten Aussage (Bericht vom 17. Mai 1996). Zuhanden der Invalidenversicherung bestätigte er diese Beurteilung und schätzte ferner die Invalidität auf mindestens 50 % (Bericht vom 16. Mai 1996). Abgesehen davon, dass die Beurteilung der Invalidität nicht in den Zuständigkeitsbereich der Ärzte und Ärztinnen gehört (BGE 114 V 314 Erw. 3c), kann auf die Angaben des Dr. med. K.________ auch deswegen nicht abgestellt werden, weil dieser von den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und nicht von den von ihm selbst erhobenen objektiven Befunden auszugehen schien, die Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung sämtlicher (auch der nicht unfallbedingten) Beschwerden beurteilte und sich nicht über die rein unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit äussern konnte (Berichte vom 16. und 17. Mai 1996). Dr. med. D.________ beurteilte die Arbeitsfähigkeit als Baureiniger einmal als nicht mehr voll gegeben und einmal auf 0 %. Für eine leichte Tätigkeit, bei welcher der linke Arm nur wenig eingesetzt werden muss, schätzte er die Arbeitsfähigkeit auf 50 %. Diese Angaben divergieren mit seiner eigenen Annahme, dass der Beschwerdeführer seine linke Schulter unbeobachtet fast normal gebrauchen kann, wobei zwar initial der radiologische Frakturverlauf eine verzögerte ossäre Heilung zeigte, jedoch bereits im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. med. E.________ im September 1995 (Bericht vom 21. September 1995) keine radiologischen Ausfälle mehr erkennbar waren und eine Rotatorenmanschettenruptur auszuschliessen ist. Damit ist nicht ersichtlich, auf welche objektiven Ausfälle der Begutachter die von ihm angegebene zeitliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zurückführen will. Soweit er unmittelbar nach der Feststellung, dass der Beschwerdeführer seine linke Schulter wohl fast normal gebrauchen kann, darauf hinwies, dieser mache einen bedauernswerten Eindruck, begreife die ganze Situation intellektuell nicht und reagiere mit den Schmerzen in der ihm einzig möglichen Art auf das Vorgefallene, erweckt er den Eindruck, dass auch gewisse subjektive Faktoren in die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit Eingang gefunden haben. Andererseits hielt Dr. med. D.________ klar fest, der Unfall stelle eine Teilursache der bereits vom SUVA-Kreisarzt festgestellten Bewegungseinschränkung der linken Schulter dar. Mit dieser Feststellung steht auch die Angabe über die funktionale Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Einklang, wonach nur mehr Tätigkeiten in Frage kommen, bei denen der linke Arm nur "wenig" eingesetzt werden muss. Da mithin der Beschwerdeführer nach einhelligen ärztlichen Feststellungen die linke Schulter besser bewegen kann als er dies bei den Untersuchungen zuliess, ist mit den Dres. S.________ und W.________ davon auszugehen, der Beschwerdeführer könne ganztags leichte Tätigkeiten ausüben, bei denen der linke Arm nicht über die Schulterhöhe eingesetzt werden muss und die keine repetitiven Bewegungen und kein Heben von Lasten über 10 kg erfordern (Bericht des Dr. med. W.________ vom 7. Juni 1995 sowie Abschlussbericht des Kreisarztes Dr. med. S.________ vom 13. November 1995).