Citation: 4C.366/2000 19.06.2001 E. 9

9. Aufl. , Zürich 2000, § 66 N. 33; Dubach, a.a.O., S. 156). Die Erhöhung der Liquidität war somit im zu beurteilenden Fall nur zulässig, wenn sie für die Fortsetzung der Geschäftstätigkeit notwendig war und zudem nach dem gewöhnlichen Geschäftsgang mit Gewinnen gerechnet werden durfte oder wenn durch flankierende Massnahmen derartige Gewinnaussichten geschaffen wurden. Andernfalls liefe sie darauf hinaus, gutes Geld schlechtem nachzuwerfen (Böckli, a.a.O., Rz. 1686). Anders ist zu urteilen, wenn der Verwaltungsrat Massnahmen zur Verringerung der Überschuldung beziehungsweise zur Erhöhung des Haftungssubstrates ergriffen hat. Diesfalls muss die Gesellschaft nicht unmittelbar nach dem Sanierungsprozess Gewinne abwerfen (Koeferli, a.a.O., S. 164). Wird dagegen lediglich die Liquidität durch Kreditaufnahme erhöht, müssen diese Mittel gewinnbringend verwendet werden. Andernfalls zehren die Verluste die neugewonnene Liquidität auf, während sich das Ausmass der Überschuldung erhöht und auch mittelfristig keine Aussicht auf Sanierung besteht (vgl. Dubach, a.a.O., S. 156; Senn, a.a.O., S. 77 und 86). b) Feststellungen zu den Gewinnaussichten hat das Obergericht nicht getroffen. Dem Entscheid ist auch nicht zu entnehmen, ob nötigenfalls neben den Massnahmen zur Liquiditätsverbesserung solche zur Gewinnsteigerung oder der Verringerung der Überschuldung ergriffen wurden. Es lässt sich daher nicht abschätzen, ob die Sanierungsversuche des Verwaltungsrates die Forderungen der Gläubiger zusätzlich gefährdeten und ob den Beklagten eine Pflichtverletzung vorgeworfen werden kann. aa) Entgegen der Ansicht des Obergerichts ist eine Gefährdung der Forderung der Klägerin nicht schon deshalb ausgeschlossen, weil die Banken die Sanierungsbemühungen trugen. Mit dem offenbar vereinbarten Kredit wurde lediglich Liquidität geschaffen und dadurch die Fortführung des Unternehmens ermöglicht. Ob damit aber eine Gefährdung der Forderungen der Gläubiger einhergeht, beurteilt sich wie dargelegt nach den Gewinn- oder Verlustaussichten bei Fortführung der Geschäftstätigkeit. Zu prüfen ist, ob das Risiko, das mit dem Versuch einer Sanierung naturgemäss verbunden ist, durch den ökonomischen Wert der Chance einer erfolgreichen Sanierung aufgewogen wird (Dubach, a.a.O., S. 157). Zudem ist zu beachten, dass die Klägerin mit dem mittelbaren Schaden nicht ihre eigene Forderung, sondern die Ansprüche der Gesamtheit der Gläubiger gelten macht (BGE 122 III 166 E. 3a S. 168 f.). Daher darf sich die Prüfung der Gefährdung nicht auf die Forderung der Klägerin beschränken. bb) Zu den Pflichten des Verwaltungsrates der Gesellschaft in der Krise gehört es, sich über das Ausmass einer allfälligen Überschuldung Klarheit zu verschaffen (Senn, a.a.O., S. 61 f. mit Hinweisen). In Bezug auf ein allfälliges pflichtwidriges Verhalten ist von Bedeutung, wann die Überschuldung eingetreten ist sowie deren Ausmass. Dabei kann die Bewertung des Warenlagers eine Rolle spielen. Werden zu geringe Abschreibungen vorgenommen und die gelagerten Waren daher zu hoch bewertet, wie die Klägerin behauptet, kann dies eine Überschuldung verdecken oder zu gering erscheinen lassen. Vom realen Wert der Waren hängen unter Umständen auch die Erfolgsaussichten der geplanten Sanierungsmassnahmen ab. Indem das Obergericht die diesbezüglich gestellten Beweisanträge ablehnte, hat es den Anspruch der Klägerin auf Beweisführung verletzt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sind die betreffenden Ausführungen der Klägerin hinreichend substanziiert. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die Klägerin detaillierte Angaben zur Zusammensetzung des Warenlagers hätte machen sollen, waren es doch die Beklagten, welche über diese Informationen verfügten und durch substanziiertes Bestreiten die Klägerin dazu hätten bringen können, im Einzelnen darzulegen, welche Posten des Warenlagers überbewertet waren (vgl. zur Publikation bestimmtes Urteil vom 30. Mai 2001 i.S. M. E. 2b mit Hinweisen). Ohne substanziierte Bestreitung war sie dazu nicht verpflichtet. Bundesrechtlich nicht zu beanstanden ist hingegen, dass das Obergericht dem Antrag auf Beizug der EDV-Anlage der konkursiten Gesellschaft und der von der BSG Unternehmungsberatungs AG erstellten Analysen nicht gefolgt ist sowie auf die Edition sämtlicher Unterlagen des ehemaligen Finanz + EDV Chefs und dessen Einvernahme als Zeugen verzichtet hat. Die Klägerin legt nicht dar, welchen Behauptungen die angerufenen Beweismittel im Einzelnen zuzuordnen sind und inwiefern sie dafür Beweis zu erbringen vermöchten. Allein die Behauptung, die beantragten Beweise böten Aufschluss über die finanziellen Verhältnisse der Aktiengesellschaft, reicht dazu nicht aus.