Citation: 6B_1087/2020 E. 5.3.2

5.3.2. Die Vorinstanz verneinte das Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB. Zur Begründung erwog sie, es könne nicht von einer hiesigen Verwurzelung des Beschwerdeführers ausgegangen werden. Dieser sei trotz seines langen Aufenthalts in der Schweiz weiterhin auf einen Dolmetscher angewiesen und seine Brüder schienen die einzigen Bezugspersonen zu sein, die hier in der Schweiz regelmässig Kontakt zu ihm pflegten. Dies möge zwar teilweise auf seine Krankheit zurückzuführen sein, zeige jedoch, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz wenig integriert sei. Eine Wiedereingliederung in Montenegro - so die Vorinstanz weiter - dürfte zwar mit einigen Anstrengungen verbunden sein, zumal der Beschwerdeführer dort über kein Beziehungsnetz verfüge, und zweifellos wäre auch ein Einstieg in das Wirtschafts- und Berufsleben in Montenegro mit Hindernissen verbunden. Gemäss dem Führungsbericht der Strafanstalt I.________ vom 11. Mai 2020 sei der Beschwerdeführer längere Zeit aufgrund körperlicher Beschwerden 50% arbeitsunfähig gewesen; zur Zeit könne er aber wieder Vollzeit arbeiten. Er stelle Geflechte für Stühle her und obwohl er nur einhändig flechte, scheine dies seine Arbeitsqualität nicht einzuschränken. Da damit zu rechnen sei, dass er auch hier nach der Entlassung aus dem Gefängnis nicht ohne Weiteres sofort eine bezahlte Stelle finden werde, könne "auch in beruflicher Hinsicht nicht von einer schlechteren Ausgangslage als in der Schweiz ausgegangen werden". Zumindest verfüge der Beschwerdeführer über die sprachlichen Fertigkeiten, sich um wirtschaftliche Hilfe zu kümmern, und könne dabei sicherlich auch auf die Unterstützung durch seine Geschwister zählen, die regelmässig Kontakt zu ihm pflegten. Diese würden ihm auch bei der Suche einer geeigneten Wohnmöglichkeit in Montenegro behilflich sein können, da sie die dort gesprochene Sprache beherrschten. Hinsichtlich der familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers erwog die Vorinstanz, die vier Kinder seien alle Bürger von U.________ und in der Schweiz integriert. An der Hauptverhandlung habe der Beschwerdeführer angegeben, seit eineinhalb Jahren keinen Kontakt mehr zu den Kindern gehabt zu haben. In der Berufungsverhandlung habe er dazu ausgeführt, dass es mittlerweile zu brieflichen Kontakten gekommen sei. Anzeichen dafür, dass in Frage käme, ein familiäres Zusammenleben wiederaufzunehmen, bestehen gemäss der Vorinstanz derzeit keine. Brieflichen und telefonischen Kontakt könne der Beschwerdeführer mit den Kindern auf jeden Fall auch von seinem Heimatland aus pflegen. Die Kontaktpflege und auch eine Unterstützung in der Organisation des Alltages und der Unterbringung durch die Geschwister aus dem (zum Teil nahe gelegenen) Ausland erschienen jedenfalls realistisch und zumutbar. Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers betrifft, führte die Vorinstanz aus, der Umstand, dass die Schweiz über ein sehr gut funktionierendes Gesundheitssystem verfüge, biete in der Regel keinen Grund dafür, dass kranke Straftäter wie der Beschwerdeführer generell nicht ausgeschafft würden. Eine Landesverweisung sei für einen Betroffenen immer mit Nachteilen verbunden, namentlich dem Verlust seines Zugangs zum schweizerischen Gesundheitssystem. Weiter stellte die Vorinstanz unter Berücksichtigung der Befragung des Beschwerdeführers anlässlich der Berufungsverhandlung einerseits und der eingereichten und beigezogenen medizinischen Unterlagen andererseits fest, zur Zeit zeige sich der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers bei regelmässiger Medikamenteneinnahme als stabil. In den weiteren Kontrollen bis zur Entlassung aus dem Strafvollzug in den Kliniken für Neurologie und Neurochirurgie könne der Verlauf weiter beobachtet werden. Der Beschwerdeführer habe in dieser Zeit auch die Möglichkeit, mit den Spezialisten des Universitätsspitals Zürich nochmals die von diesen empfohlene Umstellung der Medikation zu prüfen. Weiter befand die Vorinstanz zusammengefasst, die medizinische Versorgung in Montenegro sei offensichtlich nicht auf dem gleich hohen Niveau wie diejenige in der Schweiz. Es könne aber nicht davon ausgegangen werden, die medizinische Versorgung wäre derart unterentwickelt, dass eine angemessene Behandlung des Beschwerdeführers und die Fortführung der Einnahme der anfallspräventiven Medikamente nicht gewährleistet wären. Die verbleibende Zeit bis zur Entlassung aus dem Strafvollzug könne vom Beschwerdeführer genutzt werden, um mit Hilfe seiner Geschwister oder des Sozialdienstes im Strafvollzug und in Absprache mit den Kliniken für Neurologie und Neurochirurgie des Universitätsspitals Zürich die weiteren medizinischen Betreuungsmöglichkeiten in Montenegro abzuklären und zu organisieren. Schliesslich berücksichtigte die Vorinstanz zu Lasten des Beschwerdeführers, dass dieser ganz massiv gegen das hiesige Gesetz verstossen und aus nichtigem Anlass einen Menschen getötet habe.