Citation: 1P.657/2006 12.04.2007 E. 6

Aus den Erwägungen des Obergerichts geht hervor, dass es Strangulationen generell als potentiell lebensgefährliche Handlungen einschätzt: Strangulationshandlungen am Hals bzw. deren Folgen zeichneten sich regelmässig dadurch aus, dass trotz äusserlich wenig eindrucksvoller Befunde am Hals dennoch schwerste Folgen wie der Tod feststellbar seien und andererseits Opfer mit eindrücklichen äusseren Befunden solche Handlungen ohne Folgen überlebt hätten (E. 4.2 S. 17 des angefochtenen Entscheids). Das Obergericht hielt fest, dass nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft und Erfahrung ein Wissen um den genauen Pathomechanismus des letalen Geschehens fehle; es stehe einzig fest, dass neben dem Aspekt des strangulationsbedingten Sauerstoffmangels auch die Gefährdungsmöglichkeit auf der Ebene der Nerven zu beachten sei, weshalb dieses spezifische Tatvorgehen ab einer gewissen Intensität immer mit einer unmittelbaren Lebensgefahr für das Opfer verbunden sei (E. 3.1 S. 10 mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall sei von einer kräftigen Würgehandlung auszugehen. Der Angriff des Angeklagten gegen den Hals des Opfers sei geeignet gewesen, einen reflektorischen Herzstillstand über eine Reizung des Halsnervengeflechts herbeizuführen, auch wenn dieser Erfolg von Dr. D.________ als selten bezeichnet werde. Zudem hätte das Funktionieren des Nervensystems des Opfers stark beeinträchtigt werden können. Das Obergericht ging deshalb von einer effektiven Lebensgefährdung des Opfers aus (E. 4.2. S. 17/18). 6.1 Der Beschwerdeführer macht dagegen im Wesentlichen geltend, eine lebensgefährliche Situation hätte nur entstehen können, wenn tatsächlich Druck auf nervöse Strukturen am Hals ausgeübt worden sei; dies sei jedoch vorliegend nicht geschehen. Nur bei einem solchen Druck aber könne es - in sehr seltenen Fällen - zu einem Herzstillstand kommen. Fest steht im vorliegenden Fall nur, dass der bei der Strangulation ausgeübte Druck weder zu einer Beeinträchtigung der Nervenfunktionen noch zu einem reflektorischen Herzstillstand geführt hat. Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer keinen Druck auf Nerven des Opfers ausgeübt hat. Im Übrigen kommt es darauf, nach der oben dargelegten Konzeption des Obergerichts, auch nicht an: Dieses stellte vielmehr darauf ab, dass bei Strangulationen einer gewissen Intensität stets die Gefahr der Beeinträchtigung von Nervenfunktionen bestehe, ohne dass dies vom Täter im Moment des Würgens beeinflusst werden könnte, weshalb es vom Zufall abhänge, ob ein tödlicher Erfolg eintritt oder nicht. Diese Annahme kann sich auf das Gutachten des Sachverständigen Dr. D.________ stützen und wird auch vom Beschwerdeführer nicht substantiiert bestritten. 6.2 Der Beschwerdeführer hält die Annahme einer unmittelbaren Lebensgefahr auch deshalb für willkürlich, weil der reflektorische Herzstillstand über eine Reizung des Halsnervengeflechts sehr selten vorkomme, und es deshalb unhaltbar sei, die Verwirklichung dieser Gefahr als wahrscheinlich zu bezeichnen. Dies ist jedoch nicht eine Frage der Sachverhaltsfeststellung sondern der rechtlichen Würdigung: Das Obergericht ging davon aus, dass der Herzstillstand als Folge einer Strangulation selten sei (E. 4.2 S. 17), und legte somit denselben Sachverhalt zugrunde, von dem auch der Beschwerdeführer ausgeht. Ob die Gefahr eines reflektorischen Herzstillstands rechtlich als unmittelbare Lebensgefahr i.S.v. Art. 129 StGB qualifiziert werden kann, obwohl dieser Erfolg selten eintritt, ist eine Frage der Auslegung des gesetzlichen Tatbestands, die nicht Gegenstand der vorliegenden Beschwerde ist (vgl. oben E. 1 a.E.). 6.3 Der Beschwerdeführer beruft sich schliesslich auf das Gutachten von Dr. F.________, der eine Lebensgefahr aufgrund der kurzen Dauer der Strangulation ausgeschlossen hatte. Diese Aussage durfte das Obergericht jedoch ohne Willkür als zu undifferenziert betrachten, da sie sich offensichtlich nur auf den strangulationsbedingten Sauerstoffmangel bezog und andere Gefahren, insbesondere auf der Ebene der Nerven, nicht berücksichtigte. 6.4 Nach dem Gesagten kann die Beweiswürdigung und die Sachverhaltsfeststellung des Obergerichts nicht als willkürlich betrachtet werden. Auch eine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" ist nicht ersichtlich.