Citation: 1P.27/2005 27.04.2005 E. 2

Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, das Obergericht habe die Aussage der Zeugin Z.C.________ übersehen, wonach sie die Privatklägerin, ihre Cousine, nur deshalb sofort bei sich aufgenommen habe, weil diese behauptet habe, vergewaltigt worden zu sein (Akten des Obergerichts, amtl. Bel. 21.2. Dep. 44). Die Privatklägerin, die nicht mehr im Restaurant "S.________" arbeiten, sondern sofort zu ihrer Cousine nach Basel ziehen wollte, habe deshalb sehr wohl ein Motiv gehabt, den Beschwerdeführer zu Unrecht einer Vergewaltigung zu bezichtigen. Die gegenteilige Annahme des Obergerichts sei willkürlich; gleichzeitig stelle die Nichtberücksichtigung der zitierten Zeugenaussage eine Rechtsverweigerung dar und verletze Art. 29 Abs. 1 und 2 BV. 2.1 Bei ihrer Befragung vom 23. August 2004 wurde Z.C.________ folgende Frage gestellt: "Der Angeschuldigte hat im Verfahren behauptet, die Vergewaltigung sei vom Ehepaar C.________ inszeniert worden, damit A.________ zu Ihnen habe ziehen können. Was sagen Sie dazu?" Die Antwort der Zeugin wurde wie folgt protokolliert: "Wenn gewollt hätte, dass sie zu mir kommt, hätte ich ihr schon vorher gesagt, sie könne zu mir kommen. Ich sagte aber, mein Bruder sei in dieser Zeit bei mir. Ich habe sie nur aus dem Grund geholt, weil sie mir mitteilte, sie sei vergewaltigt worden. Ich kann mir besseres vorstellen, als bei der Polizei und vor dem Untersuchungsrichter stundenlang einvernommen zu werden. Ich kann keine Logik erkennen. Wenn ich will, dass Sie zu mir zieht, dann hole ich sie einfach ab und gehe nicht noch mit ihr ins Frauenspital". 2.2 Das Obergericht vertritt in seiner Vernehmlassung die Auffassung, der erste Satz der unvollständig protokollierten Aussage könne im Kontext der gestellten Frage vernünftigerweise nur so verstanden werden: "Wenn [sie (A.________)] gewollt hätte, das sie zu mir kommt, hätte ich ihr schon vorher gesagt, sie könne zu mir kommen. (...)." Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers rügt diese Ergänzung als tatsachenwidrig und weist darauf hin, dass die Staatsanwältin, die zusammen mit ihm der Einvernahme beigewohnt habe, das Zitat in der Beschwerdeschrift nicht bestritten habe. Der vom Obergericht ergänzte Satz ergebe auch im Zusammenhang mit der nachfolgenden Aussage der Zeugin, die vollständig protokolliert worden sei, keinen Sinn. Darin habe die Zeugin klar gesagt, dass sie ihre Cousine nur deshalb aufgenommen habe, weil diese behauptet habe, vergewaltigt worden zu sein. 2.3 Dem Beschwerdeführer ist einzuräumen, dass es näher liegt, den unvollständig protokollierten Satz der Zeugin Z.C.________ mit "ich" anstatt mit "sie" zu vervollständigen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Beweiswürdigung des Obergerichts im Ergebnis willkürlich ist. Die oben zitierte Aussage der Zeugin Z.C.________ muss im Kontext der ihr gestellten Frage und der damaligen Hypothese des Verteidigers gewürdigt werden, wonach das Ehepaar C.________ die angebliche Vergewaltigung der Privatklägerin aus eigennützigen Gründen inszeniert habe, damit diese unverzüglich zu ihnen ziehen und für sie arbeiten könne (vgl. dazu angefochtenes Urteil, S. 12 f.). Gegen diesen Vorwurf wehrte sich die Zeugin mit dem Hinweis, sie habe die Privatklägerin nur geholt, weil diese ihr mitgeteilt hatte, sie sei vergewaltigt worden. Eine andere Frage ist, ob Z.C.________ ihre Cousine auf deren Bitte auch ohne eine angebliche Vergewaltigung aufgenommen hätte. Dafür spricht die Aussage der Zeugin, wonach sie ihrem Mann und ihrem Bruder, als diese die Privatklägerin am 9. Juli 2001 im Restaurant "S.________" besuchten, gesagt habe, sie sollten A.________ gleich mitnehmen, wenn diese sich dort nicht wohl fühle (Einvernahme vom 23. August 2004, Bel. 21.2, Dep. 428). Daraus durfte das Obergericht ohne Willkür schliessen, dass die Privatklägerin keine Vergewaltigung erfinden musste, um sofort zu ihrer Cousine ziehen zu können. Nach dem Gesagten liegt auch keine Rechtsverweigerung oder Verletzung des rechtlichen Gehörs vor: Das Obergericht hat die Aussage der Zeugin nicht übersehen, sondern diese lediglich anders gewürdigt als der Beschwerdeführer.