Citation: I 604/05 24.04.2006 E. 2

Für die Beurteilung des Rentenanspruches zunächst entscheidend sind die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Diesbezüglich ergibt sich aufgrund der Aktenlage ein unklares Bild: 2.1 Die Hausärztin Dr. med. K.________, bei welcher der Beschwerdeführer seit 1992 in Behandlung steht, diagnostizierte im Bericht vom 14./16. Mai 2002 eine reaktive und endogene Depression seit der Adoleszenz sowie Angst- und Zwangsneurosen. Bezüglich Arbeitsfähigkeit führte sie aus, dass 1996 und 1998 mehrmonatige Phasen vollständiger Arbeitsunfähigkeit stattgefunden hätten. Ab 27. November 2000 habe sie den Patienten zu 50 %, ab 7. Dezember 2001 zu 70 % und ab 13. März 2002 zu 80 % arbeitsunfähig geschrieben. Diesbezüglich sei zu bemerken, dass für sie beim Versicherten bereits ab 27. November 2000 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, dass dieser jedoch den Wunsch hatte, nicht vollständig arbeitsunfähig geschrieben zu werden, damit er, wenn es ihm besser ginge, die Möglichkeit hätte, wieder Arbeiten anzunehmen. Eine berufliche Umstellung wäre in ihren Augen sehr problematisch, da ein mögliches Arbeitsumfeld kaum existiere. 2.2 Frau lic. phil. W.________, welche den Beschwerdeführer seit 1998 psychotherapeutisch betreut, stellte im Bericht vom 2. April 2003 ebenfalls die Diagnose reaktiver und endogener Depressionen, Angstneurosen sowie Panikzustände. In den letzten Jahren sei der Patient immer wieder längere Zeit arbeitsunfähig und meistens kaum belastbar gewesen. Es sei ihm keine Tätigkeit mehr zumutbar. Eine berufliche Umstellung sei nicht zu prüfen, da der Versicherte in einem gestalterischen Beruf selbstständig erwerbstätig sei, die Möglichkeit zu arbeiten kurzfristig sei und von seinem Zustand abhänge. 2.3 Im psychiatrischen Gutachten des Instituts X.________ vom 20. Oktober 2003 stellten die Psychologin lic. phil. B.________ und der leitende Arzt med. pract. E.________ die Diagnose einer Dekompensation bei vorbestehender kombinierter Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0). Diese sei nicht eindeutig einem bestimmten Typus zuzuordnen, weise jedoch ängstlich-vermeidende, narzisstische, zwanghafte sowie paranoide Züge auf. Obschon eine depressive Symptomatik vorliege, weise sie zur Zeit nicht die Ausprägung einer selbstständigen Erkrankung auf, wobei in der Vergangenheit möglicherweise eine solche vorgelegen habe. Bei der vorliegenden Symptomatik sei der Beschwerdeführer sicher nicht voll arbeitsfähig. Unter bestimmten Voraussetzungen (gute Strukturen bei einem angemessenen Handlungsspielraum, keine Selbstständigkeit) könne er sich jedoch auf die von ihm als unbelastet erlebten Bereiche konzentrieren und bezüglich Arbeitsdauer sowie Arbeitsleistung gute Resultate erbringen. Für die Zeitspanne ab 1998 nähmen sie eine 50%ige Arbeitsfähigkeit an. In der Stellungnahme vom 8. Dezember 2003 präzisierte med. pract. E.________, die dem Versicherten im Gutachten attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit beziehe sich auf eine seiner langjährigen Arbeit in der Druckerei vergleichbare Tätigkeit. In einer völlig selbstständigen Tätigkeit wäre der Versicherte überfordert, hingegen wäre eine Teilzeitstelle in einem Angestellten-Verhältnis möglich und zumutbar. Aufgrund der deutlich gestörten Persönlichkeit und der gegenwärtigen Symptomatik brauche der Beschwerdeführer zwar nicht einen geschützten Arbeitsplatz, jedoch ein geeignetes Arbeitsumfeld, damit er tatsächlich leistungsfähig sei. In der heutigen wirtschaftlichen Lage werde es sehr schwierig sein, eine entsprechende Stelle zu finden. 2.4 Damit stehen dem Gutachten des Instituts X.________, auf welches Vorinstanz und Verwaltung abgestellt haben, verschiedene in gleicher Weise abweichende Meinungen der behandelnden Ärztin sowie der behandelnden Psychotherapeutin gegenüber, dies sowohl bezüglich der Diagnosestellung wie insbesondere bezüglich der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit. Die Ausführungen des kantonalen Gerichts, wonach übereinstimmende ärztliche Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit vorlägen, sich die beiden behandelnden Spezialistinnen nicht zur Nennung eines konkreten Arbeitsunfähigkeitsgrades hätten durchringen können und keine gegenüber dem Gutachten des Instituts X.________ klar widersprechende Angaben gemacht hätten, sind falsch. Wie Frau Dr. med. K.________ in ihrer Stellungnahme vom 24. August 2005 festhält, hat sie im Arztbericht vom 14./16. Mai 2002 unmissverständlich ausgeführt, für sie sei der Beschwerdeführer seit 27. November 2000 zu 100 % arbeitsunfähig. Präzisierend erwähnt sie, der Patient habe ab und zu luzide Phasen von vielleicht 2-3 Stunden wöchentlich zu Nacht schlafender Zeit, was keineswegs genüge, um irgendeine Arbeitsfähigkeit zu erreichen. Ihre Auffassung weiche damit - so die Ärztin - 100%ig von der im Gutachten des Instituts X.________ dargelegten Meinung, die sie in keinster Weise teile, ab. Ebenso äussert die behandelnde Psychotherapeutin im Schreiben vom 1. September 2005 ihr Befremden über die erwähnten vorinstanzlichen Ausführungen, halte sie den Beschwerdeführer doch seit sie ihn kenne für 100%ig arbeitsunfähig, was in ihrem Bericht vom 2. April 2003 mit der Aussage, es sei dem Patienten keine Tätigkeit mehr zumutbar, festgehalten worden war. Im besten Fall könne er - so die Psychotherapeutin - wenige Stunden wöchentlich arbeiten, dies jedoch nur unregelmässig. Diese Berichte der Frau Dr. med. K.________ und der Frau lic. phil. W.________ sind nicht derart mangelhaft oder widersprüchlich, dass unbesehen und ohne erhebliche Zweifel auf die Ergebnisse des Gutachtens des Instituts X.________ abgestellt werden könnte. Dabei fällt insbesondere auch ins Gewicht, dass dieses auf höchst problematische Weise zustande gekommen ist. Wohl mag das Gutachten vom 20. Oktober 2003 - wie die Vorinstanz ausführt - den inhaltlichen Anforderungen genügen, doch gab es anlässlich der Begutachtung - wie dem Entschuldigungsschreiben des med. pract. E.________ vom 18. Dezember 2003 zu entnehmen ist - massive Probleme zwischen der Expertin lic. phil. B.________ und dem Exploranden, da die Expertin zu harsch und zu wenig sensibel war. Selbst nach Ausführungen des leitenden Arztes des Instituts X.________ führte die Begutachtung zu einer erheblichen psychischen Beeinträchtigung des Beschwerdeführers, was med. pract. E.________ durch ein zweites Gespräch, welches er selber - jedoch in Anwesenheit von Frau lic. phil. B.________ - mit dem Versicherten führte, zu bereinigen versuchte. Aus der vorliegenden Aktenlage lässt sich somit kein nach überwiegender Wahrscheinlichkeit zutreffender Sachverhalt gewinnen. Die Sache ist daher zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens und anschliessender Neuverfügung über den Leistungsanspruch an die IV-Stelle zurückzuweisen.