Citation: 7B_42/2022 E. 3.4.3

3.4.3. Aus diesen Ausführungen des Gutachters ergibt sich, dass bis zur Hospitalisation des Beschwerdeführers am 27. Februar 2018 weder eine sichere Diagnose eines epileptischen Anfalls gestellt werden konnte noch ein Hinweis auf eine Überdosierung von Clozapin bestand. Die von ihm beschriebenen körperlichen Signale (Zuckungen, Sturz, Zungenbiss) lassen sich zwar den Nebenwirkungen des Medikaments Clozapin zuordnen. Zudem hätte Anlass für frühere Abklärungen bestanden, dies gemäss dem im Bericht vom 12. Februar 2018 beschriebenen erhöhten Mass an körperlichen Signalen in den vergangenen zwei Monaten, d.h. ab dem 31. Dezember 2017, zumal erstmals im Dezember 2017 eine Symptomatik bekannt wurde, die den Verdacht auf ein drohendes Anfallereignis hätte begründen können (Gutachten S. 32). Diese Abklärungen wurden mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung, gestützt auf den Zungenbiss vom 9. Februar 2018, am 27. Februar 2018 eingeleitet. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer auf die Bewachungsstation BEWA des Inselspitals Bern eingewiesen wurde, auf welcher eine beschränkte Kapazität besteht. Angesichts des Umstandes, dass ein Krampfereignis auch bei früherer Durchführung von Abklärungen nicht mit Sicherheit hätte verhindert, sondern bloss deren Risiko hätte vermindert werden können, lässt sich den behandelnden Ärzten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein "Kunstfehler" vorwerfen (vgl. zur Risikoerhöhungstheorie Urteil 6B_1055/2020 vom 13. Juni 2022 E. 4.4.4.2 mit Hinweisen). Auch in der Weiterführung der Medikation mit Clozapin nach dem Krampfanfall im Inselspital Bern erkennt der Gutachter keinen Behandlungsfehler. Die Verfahrenseinstellung hält vor Bundesrecht stand.