Citation: 5A_993/2020 E. 3.1

3.1. Das Bezirksgericht hat festgestellt, dass der Beschwerdeführer die Erblasserin ab Mai 1997 - von Ferienvertretungen durch I.________ abgesehen - ausschliesslich betreute und pflegte und auf Wunsch der Erblasserin am 24. Dezember 2009 zu ihrem amtlichen Beistand ernannt wurde. Die Erblasserin erteilte ihm am 23. Oktober 2013 eine Generalvollmacht in allen administrativen und finanziellen Belangen und beauftragte ihn am 10. März 2014 mit ihrer Personen- und Vermögenssorge und Vertretung im Fall ihrer Urteilsunfähigkeit (E. 2.5.1 S. 30 ff.). Der Beschwerdeführer wusste, dass die Erblasserin ihn im Testament berücksichtigt und ihm das Haus vermacht hatte (E. 2.5.2 S. 33). Er wurde für seine Betreuungs- und Pflegeleistungen mit einem Stundenansatz von Fr. 50.-- entschädigt und bezog im Durchschnitt (Januar 2011 bis Februar 2015) Fr. 4'793.50 pro Monat (E. 2.5.4a S. 46 f.). Zur Beurteilung des Verhältnisses zwischen der Erblasserin und dem Beschwerdeführer hat das Bezirksgericht die Aussagen von Zeugen (Hausarzt, Psychiater und I.________) und Parteien sowie insbesondere mehrere schriftliche Zeugnisse der Erblasserin (Briefe an den Beschwerdeführer und an Drittpersonen) und den Entwurf einer Todesanzeige gewürdigt (E. 2.5.3a-c S. 34 ff.). Als Ergebnis hat das Bezirksgericht festgestellt, das Verhältnis der Erblasserin zu ihren Brüdern und deren Kindern sei schwierig und belastet gewesen. Lediglich mit ihrem Zwillingsbruder und dessen Kindern und auch mit einer Schwägerin habe ein einigermassen regelmässiger persönlicher oder zumindest telefonischer Kontakt bestanden. Bezugsperson sei neben dem Psychiater (bis 2005) und I.________ als Ferienvertretung allein der Beschwerdeführer gewesen. Mit Rücksicht auf die Aufgaben, die er für die Erblasserin als privater Betreuer und Pfleger, als amtlicher Beistand, als Generalbevollmächtigter und als Vorsorgebeauftragter wahrgenommen habe, und aufgrund der fehlenden sozialen und familiären Kontakte der Erblasserin habe zwischen ihr und dem Beschwerdeführer ein hohes Vertrauensverhältnis, zugleich aber eine grosse Abhängigkeit der Erblasserin gegenüber dem Beschwerdeführer bestanden. In ihren Briefen habe die Erblasserin denn auch immer wieder ihre enorme Dankbarkeit gegenüber dem Beschwerdeführer zum Ausdruck gebracht, weil sie dank ihm nicht in ein Pflegeheim habe eintreten müssen, sondern ihren Lebensabend in ihrem eigenen Haus habe verbringen dürfen und der Beschwerdeführer sie Tag und Nacht bzw. 24 Stunden am Tag betreut habe. Die Erblasserin spreche gar von Liebe, die sie vom Beschwerdeführer bekomme, und von Freundschaft, die zwischen ihnen bestehe. Der Beschwerdeführer habe sie von ihrem Leiden "erlöst". Aus den Worten gehe klar hervor, dass die Erblasserin vom Beschwerdeführer in existenzieller Weise abhängig gewesen sei und sich ein Leben ohne ihn nicht mehr habe vorstellen können. Die Wortwahl wie z.B. "Liebe" oder "Freundschaft" zeige aber auch, dass gewisse Grenzen, die zwischen einer Person und ihrem Pfleger oder Beistand zu erwarten wären, überschritten worden seien. Für die Erblasserin sei der Beschwerdeführer keineswegs nur ein Pfleger oder Beistand gewesen, sondern wesentlich mehr (E. 2.5.3d S. 45 f.). Das Bezirksgericht hat in rechtlicher Hinsicht geschlossen, der Beschwerdeführer wäre verpflichtet gewesen, die Erblasserin darüber aufzuklären, dass es sich bei seinen Leistungen lediglich um Gegenleistungen für die von ihm in Rechnung gestellten Pflegeleistungen gehandelt habe und nicht um Freundschaft oder Zuneigung (E. 2.5.6 S. 55 des bezirksgerichtlichen Entscheids).