Citation: 4A_106/2020 E. 2.3.1

2.3.1. In der Lehre wird zu den Folgen der Säumnis zum Teil zwar ausgeführt, Tatsachenbehauptungen bzw. Einreden gälten als nicht vorgebracht bzw. als nicht bestritten (FREI, a.a.O., N. 7 zu Art. 147 ZPO; MERZ, a.a.O., N. 16 zu Art. 147 ZPO). Den gesetzlichen Bestimmungen lässt sich indessen nicht entnehmen, dass der Säumnis an und für sich eine Anerkennungswirkung zukommt, wird doch mangels besonderer Bestimmungen einfach das Verfahren ohne die versäumte Handlung weitergeführt. Allein aus der Säumnis (Art. 147 ZPO) lässt sich mithin keine Anerkennung konstruieren (vgl. SAMUEL MARBACHER, Schweizerische Zivilprozessordnung, Baker & McKenzie [Hrsg.], 2010, N. 7 zu Art. 147 ZPO). Eine Anerkennung kann sich aber daraus ergeben, dass es infolge der Säumnis an einer rechtsgenüglichen Bestreitung fehlt und das Verfahren ohne die Bestreitung fortgesetzt wird. Das anerkennt wohl auch der Beschwerdeführer selbst, wenn er in der Beschwerdereplik ausführt, nicht das Versäumen der Replikfrist, sondern die damit einhergehende fehlende Bestreitung der in der Klageantwort vorgebrachten neuen Behauptungen führten zu deren Anerkennung. Er übersieht allerdings, dass selbst im ordentlichen Verfahren für die Frage, ob es an einer rechtsgenüglichen Bestreitung fehlt, nicht allein auf die (zufolge der Säumnis unterbliebene) Replik abzustellen wäre.