Citation: U 410/06 07.12.2007 E. 5

Erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen, ist zu prüfen, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass die Versicherte infolge ihrer unfallbedingten Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit eine Erwerbseinbusse hinzunehmen hat. 5.1 Zur Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (RKUV 1993 Nr. U 168 100 E. 3b S. 100 [U 110/92]). Die Beschwerdegegnerin besitzt keinen Berufslehreabschluss; nach einer Anlehre als Verkäuferin arbeitete sie als Sekretärin und Allrounderin. Zum Zeitpunkt des Unfalles war sie zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Inhaberin ihrer Arbeitgeberin, der D.________ AG. Die Ehe wurde noch vor dem Datum des Rentenbeginns, mithin noch vor dem 1. September 2003, geschieden. Bei dieser Ausgangslage erscheint es nicht ohne weiteres selbstverständlich, dass die Versicherte ohne den Unfall tatsächlich nach dem 1. September 2003 noch das von der Versicherung zugestandene Valideneinkommen von Fr. 81'042.- hätte erzielen können; diese Annahme erscheint somit als grosszügig. 5.2 Die Versicherte übte zum Zeitpunkt des Rentenbeginns ein Teilpensum als Schwimmlehrerin aus. Da jedoch nicht anzunehmen ist, dass sie damit ihre verbleibende Arbeitsfähigkeit voll ausschöpfte, ist zur Bemessung des Invalideneinkommens von den Tabellenlöhnen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2002 auszugehen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475). Gemäss Rechtsprechung sind dabei stets die gesamtschweizerischen Zahlen zu benutzen (SVR 2007 UV Nr. 17, S. 56 E. 8 S. 58 f. [U 75/03]). Die Versicherte verfügt nicht über eine abgeschlossene Berufslehre; da sie zudem nicht in ihre angestammte Tätigkeit als Sekretärin zurückkehren kann, wird sie ihre Berufserfahrung nur teilweise auf dem Arbeitsmarkt verwerten können. Daher ist entgegen der von der Zürich im Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2005 vertretenen Auffassung das Invalideneinkommen ausgehend von einer einfachen und repetitiven Tätigkeit zu bestimmen. Das Durchschnittseinkommen für Frauen im dementsprechenden Anforderungsniveau 4 von Fr. 3'820.- (LSE 2002, Tabelle TA 1, Zeile "Total") ist auf ein Jahr hoch- und auf eine betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft 11/2007, S. 98, Tabelle B 9.2) umzurechnen; das sich daraus ergebende Einkommen ist sodann an die bis zum Jahr 2003 eingetretenen Nominallohnentwicklung der Frauenlöhne anzupassen (Lohn 2002 x (2334 : 2296); Die Volkswirtschaft 11/2007, S. 99, Tabelle B 10.3). Aufgrund ihrer Einschränkungen am linken Arm ist der Versicherten ein leidensbedingter Abzug zuzugestehen. Die Beschwerdeführerin hat diesen Abzug im Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2005 auf 10% festgelegt; es ist kein Grund ersichtlich, diesbezüglich in das Ermessen (BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399) der Versicherung einzugreifen (BGE 114 V 315 E. 5a S. 316). Das Invalideneinkommen beträgt somit Fr. 43'721.20 (Fr. 3'820.- x 12 x (41.7 : 40) x (2334 : 2296) x 90%). 5.3 Aus dem Vergleich des Validen- mit dem Invalideneinkommen ergibt sich eine behinderungsbedingte Einbusse von Fr. 37'320,80; dies entspricht einem Invaliditätsgrad von 46%. Der Invaliditätsgrad liegt damit um 1% höher als die von der Beschwerdeführerin in ihrer Verfügung vom 1. Dezember 2003 (bestätigt durch Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2005) ermittelte Erwerbseinbusse. Gemäss dem anwendbaren Prozessrecht (vgl. E. 1 hievor) könnte das Bundesgericht über die Begehren der Parteien zu deren Gunsten oder Ungunsten hinausgehen (Art. 132 lit. c OG). Bei der Reformatio in peius handelt es sich indessen um eine Möglichkeit, von der rechtsprechungsgemäss mit Zurückhaltung Gebrach zu machen ist (BGE 119 V 241 E. 5 S. 249 SVR 2006 IV Nr. 11, E. 2.5 [I 791/03]). Vorliegend rechtfertigt sich ein solches Eingreifen zu Ungunsten der Beschwerdeführerin aufgrund der gesamten Umstände, insbesondere mit Blick auf das grosszügig bemessene Valideneinkommen, nicht.