Citation: I 353/02 08.08.2002 E. 3

3.1 Die Vorinstanz bejahte einen Anspruch auf Übernahme der Kosten für die Sprachheilbehandlung (für die Dauer eines Jahres) mit der Begründung, aufgrund der Angaben des Dr. med. R.________ bestehe ein stabiler oder zumindest relativ stabilisierter Zustand. Im Weitern seien auch die Voraussetzungen der Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des Eingliederungserfolges mit Bezug auf die anbegehrte Sprachheilbehandlung erfüllt, weil erwartet werden könne, dass die durch die Massnahme verbesserten Verständigungsfähigkeiten nach Abschluss des Unterrichts längere Zeit erhalten blieben. 3.2 Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden. Namentlich kann auf die Angabe des Dr. med. R.________, dass aus medizinischer Sicht der Zustand relativ stabil sei (Schreiben vom 6. April 2001), nicht abgestellt werden, weil er diese Aussage einzig mit dem - nicht entscheidenden - mehrjährigen Bestehen des Gesundheitsschadens begründete. Aus den Ausführungen des Dr. med. R.________ (Bericht vom 29. November 1999) ergibt sich hingegen, dass die anbegehrte Massnahme bezweckt, eine (weitere) Verschlechterung der Kommunikationsfähigkeiten zu verhindern, worauf die Versicherte in ihrer an die Vorinstanz gerichteten Beschwerde selber hinwies, als sie ausführte, dass die noch vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten ohne Weiterbildung verkümmern würden. Ist die Vorkehr somit kontinuierlich erforderlich, um den Zustand einigermassen im Gleichgewicht zu halten, kann nicht von einem stabilen oder relativ stabilisierten Gesundheitsschaden gesprochen werden, sondern geht es um eine stabilisierende Vorkehr, welche sich gegen labiles pathologisches Geschehen richtet (vgl. AHI 1999 S. 127 Erw. 2d). Als Massnahme, die der Behandlung des Leidens an sich zuzuzählen ist, hat die Invalidenversicherung die Sprachheilbehandlung deshalb nicht zu übernehmen, dies selbst dann nicht, wenn ein wesentlicher Eingliederungserfolg vorausgesehen werden kann, weil dieser, für sich allein betrachtet, im Rahmen des Art. 12 IVG kein taugliches Abgrenzungskriterium darstellt (BGE 120 V 279 Erw. 3a, AHI 1999 S. 127 Erw. 2b, je mit Hinweisen). Es verhält sich dabei nicht anders als im nicht veröffentlichten Urteil M. vom 19. April 1994, I 317/93, in welchem im Falle eines seit Geburt tauben Erwachsenen Logopädiestunden mit dem Ziel, Rückschritte in der Kommunikationsfähigkeit zu verhindern und entsprechende Lücken zu schliessen, als Behandlung des Leidens an sich qualifiziert wurden. Unter den gegebenen Umständen muss es auch vorliegend bei der Feststellung sein Bewenden haben, dass die anbegehrte, an sich zweckmässige und sinnvolle Sprachheilbehandlung nicht in den Bereich der Invalidenversicherung, sondern in jenen der Krankenversicherung gehört.