Citation: I 68/02 18.08.2005 E. 4

4.1 Im Grundsatzentscheid BGE 96 V 32 erwog das Eidgenössische Versicherungsgericht, dass der Begriff "Weiterausbildung" gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG verschiedene Deutungen zulässt und der Wortlaut allein auch im Lichte der französischen und italienischen Fassung - "perfectionnement professionel" und "perfezionamento professionale" - nicht als derart klar, eindeutig und zu einem unzweifelhaft richtigen Ergebnis führend erscheint, dass sich ein Rekurs auf anderweitige Auslegungselemente erübrigt (vgl. Erw. 3.1 hievor). Das Gericht stützte sich daher zusätzlich auf die Gesetzesmaterialien, in denen es den Willen des Gesetzgebers erkannte, die Leistungspflicht der Invalidenversicherung nach Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG auf die Übernahme von Mehrkosten fortschreitender, ähnlich gearteter Ausbildungsetappen im Hinblick auf ein Ziel innerhalb des bereits erlernten Berufs zu beschränken (BGE 96 V 33 Erw. 2). Nebst dem grammatikalischen und entstehungsgeschichtlichen Auslegungselement veranlassten sodann gesetzessystematische Gesichtspunkte - namentlich die Abgrenzung zu der in Art. 17 IVG normierten Umschulung - das Gericht dazu, den Begriff "Weiterausbildung" eng auszulegen und ihn allein als fortschreitenden Ausbau/Vervollkommnung der bereits erworbenen Kenntnisse innerhalb des angestammten Berufes zu interpretieren (siehe BGE 96 V 32 f. Erw. 2). Bei diesem Auslegungskanon liess es das Gericht im Wesentlichen bewenden, als es im Jahre 1993 seine Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG bestätigte (AHI 1998 S. 118 Erw. 3b [= Urteil K. vom 18. Januar 1993 I 284/91]). 4.2 In objektiv-zeitgemässer Auslegung - wie sie nach Auffassung des Beschwerdeführers hier vorrangig Platz greifen muss - kann einer Gesetzesnorm rechtsprechungsgemäss ein Sinn gegeben werden, der für den historischen Gesetzgeber infolge eines Wandels der tatsächlichen Verhältnisse nicht voraussehbar war und in der bisherigen Anwendung auch nicht zum Ausdruck gekommen ist, wenn und soweit er noch mit dem Sinn des Gesetzes vereinbar ist (BGE 129 V 432 Erw. 4.6.2, 125 II 213 Erw. 4d/bb mit Hinweis, 103 Ia 403 Erw. 3b/aa). Im Rahmen einer solchen geltungszeitlichen Betrachtungsweise ist im vorliegenden Zusammenhang zu berücksichtigen, dass heute - anders als im Zeitpunkt des Erlasses der Norm - immer weniger Erwerbstätige während der ganzen Dauer ihres Erwerbslebens den gleichen, ursprünglich erlernten Beruf ausüben, mithin die Kontinuität der beruflichen Laufbahn allgemein abgenommen hat (siehe Susanne Leuzinger-Naef, Die Ausbildungsziele der beruflichen Eingliederungsmassnahmen im Lichte der neuen Bundesverfassung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Eingliederung Behinderter, St. Gallen 2000, S. 31 f., 42). Grund dieser Entwicklung mögen nebst sich wandelnden gesellschaftlichen Vorstellungen und Wertungen bezüglich Selbstdefinition, persönlicher Entwicklung und individueller Entfaltung namentlich die sich immer rascher vollziehenden Änderungen in den Produktions- und Arbeitsbedingungen sowie die mitunter tiefgreifenden strukturellen Umwälzungen im Wirtschaftsleben sein, welche nach erhöhter Flexibilität im Berufsleben rufen. Von diesen veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen und Arbeitsmarktbedingungen sind nicht behinderte Erwerbstätige und solche mit Behinderungen grundsätzlich gleichermassen betroffen. 4.3 Auf die zunehmende Tendenz, nach abgeschlossener Berufslehre eine zweite Ausbildung zu absolvieren, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht bereits im erwähnten Entscheid aus dem Jahre 1993 (AHI 1998 S. 114 ff.) hingewiesen. Es erblickte darin jedoch keinen hinreichend triftigen Grund für eine Änderung der bisherigen, von grammatikalischen, historischen und systematisch-teleologischen Erwägungen geleiteten Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG (vgl. a.a.O., S. 118 Erw. 3b in fine). Fraglich ist, ob veränderte tatsächliche oder rechtliche Umstände für den hier massgebenden Zeitraum (vgl. Erw. 1 hievor) eine abweichende Sichtweise nahe legen.