Citation: 1C_266/2022 E. 4.5

4.5. Der Einwand der Beschwerdeführerin, sie hätte sich gegen den Strafbefehl nicht wehren können, weil dieser ihr nur einmal in den Schulferien zugestellt und nach einer Woche von der Post retourniert worden sei, ist unbegründet. Gemäss Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO gilt eine eingeschriebene Postsendung, die nicht abgeholt worden ist, am siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsversuch als zugestellt, sofern die Person mit einer Zustellung rechnen musste (sog. Zustellfiktion). Die Begründung eines Verfahrensverhältnisses verpflichtet die Parteien, sich nach Treu und Glauben zu verhalten und unter anderem dafür zu sorgen, dass ihnen Entscheide zugestellt werden, die das Verfahren betreffen (vgl. hierzu: BGE 141 II 429 E. 3.1 S. 431 f.; Urteil 6B_704/2015 vom 16. Februar 2016 E. 2.3). Vorliegend wusste die Beschwerdeführerin spätestens seit dem Schreiben der Motorfahrzeugkontrolle des Kantons Solothurn vom 17. Mai 2021, dass ein Strafverfahren hängig war (vgl. E. 4.4 hiervor). Sie war daher verpflichtet, nach Treu und Glauben dafür zu sorgen, dass ihr der Strafbefehl zugestellt werden kann, beispielsweise durch Mitteilung an die Behörde oder Ernennung eines Stellvertreters bei längeren Ortsabwesenheiten (vgl. BGE 139 IV 228 E. 1.1 S. 230; 119 V 89 E. 4b/aa S. 94; Urteil 6B_704/2015 vom 16. Februar 2016 E. 2.3; je mit Hinweisen).