Citation: 1C_161/2021 E. 3.1

3.1. Das Bundesverwaltungsgericht führt in seinem Urteil aus, eine aussereheliche sexuelle Beziehung sei trotz der gewandelten Moralvorstellungen als Indiz für den fehlenden Willen zu einer stabilen ehelichen Gemeinschaft anzusehen; sexuelle Untreue sei typischer für nicht intakte Ehen als für intakte. Vorliegend könne zwar nicht nachgewiesen werden, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung eine ernsthafte, lang dauernde Parallelbeziehung oder Brauchtumsehe geführt habe, doch spreche der Umstand, wonach er während der Ehe zwei aussereheliche Kinder (Zwillinge) gezeugt habe, die sieben Jahre jüngere Kindsmutter inzwischen geheiratet und mit ihr zwei weitere Kinder gezeugt habe, nicht für eine bloss einmalige oder kurzfristige, vorübergehende Untreue. Da der Beschwerdeführer laut eigenen Angaben jedoch erst nach der erleichterten Einbürgerung von der Geburt der Zwillinge erfahren haben wolle, könne nicht der Schluss gezogen werden, er erfülle schon allein deswegen den Nichtigkeitsgrund des Erschleichens im Sinne von Art. 36 BüG. Weitere Indizien würden jedoch darauf hinweisen, dass die Zerrüttung der Ehe bereits vor Abgabe der Erklärung zur ehelichen Gemeinschaft bzw. der erleichterten Einbürgerung eingesetzt haben müsse. Der Beschwerdeführer habe im Jahr 2004 eine 17 Jahre ältere Schweizerin geheiratet, nachdem er in den Jahren 2000 und 2002 erfolglos um Asyl ersuchte habe. Im Jahr 2008 sei es zur ausserehelichen Zeugung bzw. Geburt der Zwillinge gekommen. Am 22. September 2010, kurz nach Erfüllung des gesetzlichen Mindestaufenthaltes in der Schweiz, habe er ein Gesuch um erleichterte Einbürgerung gestellt. Nach gemeinsamer Erklärung der Eheleute zum Zustand der Ehe am 26. Februar 2012 sei am 12. März 2012 die erleichterte Einbürgerung erfolgt. Rund sieben Monate nach deren Rechtskraft, am 30. November 2012, sei das gemeinsame Scheidungsbegehren eingereicht worden, das am 1. Februar 2013 zur Scheidung geführt habe. Die Ehe des Beschwerdeführers sei somit bereits weniger als elf Monate nach der erleichterten Einbürgerung aufgelöst worden. Am 7. Dezember 2013 sei das dritte Kind mit der Mutter der Zwillinge geboren. Am 9. April 2018 habe er die Mutter seiner Kinder geheiratet. Schliesslich sei am 7. Juni 2018 das vierte gemeinsame Kind in Nigeria zur Welt gekommen. Die Chronologie der Ereignisse, namentlich die kurze Zeitspanne zwischen der gemeinsamen Erklärung zum Zustand der ehelichen Gemeinschaft und der erleichterten Einbürgerung einerseits und der Scheidung knapp elf Monate später andererseits, begründe nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohne Weiteres die natürliche Vermutung, dass die Ehe zum Zeitpunkt der gemeinsamen Erklärung bzw. der erleichterten Einbürgerung in Wahrheit nicht intakt gewesen sei und die Einbürgerungsbehörde über diesen Umstand aktiv oder passiv getäuscht worden sei. Das Scheitern einer intakten und auf die Zukunft ausgerichteten Ehe stelle nämlich einen Prozess dar, der regelmässig längere Zeit in Anspruch nehme.