Citation: 1C_25/2019 E. 6.2

6.2. Nutzungspläne werden überprüft und nötigenfalls angepasst, wenn sich die Verhältnisse erheblich geändert haben (Art. 21 Abs. 2 RPG). Sie sind auf einen bestimmten Zeithorizont ausgerichtet (15 Jahre für Bauzonen gemäss Art. 15 Abs. 1 RPG) und nach Ablauf dieser Frist grundsätzlich einer Überprüfung zu unterziehen. Je näher eine Planungsrevision dieser Frist kommt, desto weniger gewichtig ist das Vertrauen auf die Beständigkeit des Plans (vgl. BGE 145 II 83 E. 5.4 S. 91 mit Hinweis). Der Zonenplan sowie die BZO der Gemeinde Aeugst am Albis wurden von der Gemeindeversammlung am 27. März 2014 festgesetzt und am 22. Oktober 2015 von der Baudirektion genehmigt. Der vorliegend umstrittene Baubewilligungsentscheid datiert vom 14. März 2017. Es handelt sich folglich um eine vergleichsweise junge Nutzungsplanung, was grundsätzlich dafür spricht, dass eine akzessorische Überprüfung im Baubewilligungsverfahren nicht zulässig war. Zwar trifft es zu, dass in Ziffer 2.2.2 des revidierten Richtplans des Kantons Zürich auf den entsprechenden Genehmigungsbeschluss des Bundesrats hin unter anderem neu festgehalten wird, es handle sich bei den Kernzonen im Zusammenhang mit Kleinsiedlungen (Weilern) im Sinne von Art. 33 RPV um Nichtbauzonen, in denen Neubauten nicht zulässig seien. Es erscheint denn auch nicht von vornherein ausgeschlossen, dass Nutzungspläne, welche diesen richtplanerischen Festlegungen widersprechen, unter gewissen Umständen ausnahmsweise vorfrageweise zu überprüfen sein werden. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Nutzungsplan bereits ein gewisses Alter aufweist und von den eingeräumten Baumöglichkeiten kein Gebrauch gemacht wurde oder wenn sich aus den neuen Festlegungen im Richtplan im konkreten Fall ein derart gewichtiges öffentliches Interesse an einer Überprüfung des Nutzungsplans ergibt, welches die entgegenstehenden Interessen der Rechtssicherheit und der Planbeständigkeit überwiegt (vgl. E. 6.1 hiervor). Vorliegend ist allerdings zu berücksichtigen, dass der kantonale Richtplan vom Bundesrat bereits am 29. April 2015 genehmigt bzw. mit der erwähnten Feststellung zu Kernzonen im Zusammenhang mit Kleinsiedlungen (Weilern) ergänzt wurde. Die Änderung des Richtplans bzw. die Genehmigung durch den Bundesrat erfolgte somit noch vor der Genehmigung des Zonenplans und der BZO der Gemeinde Aeugst am Albis durch die Baudirektion. Damit haben sich die rechtlichen Verhältnisse seit der Genehmigung der BZO nicht geändert und sind die Voraussetzungen für eine akzessorische Überprüfung der Nutzungsplanung im Baubewilligungsverfahren im Prinzip nicht erfüllt. Daran ändern auch die von den Beschwerdeführern angeführten Umstände nichts, dass gemäss § 87a PBG/ZH eine Bau- und Zonenordnung vor ihrer Festsetzung der Baudirektion zur Vorprüfung eingereicht werden kann, die Direktion bzw. das kantonale Amt für Raumentwicklung die Nutzungsplanung der Gemeinde Aeugst am Albis vor ihrer Festsetzung und Genehmigung einer solchen Vorprüfung unterzogen hat, die Zuweisung des Weilers Habersaat zur Kernzone K2A im Vorprüfungsbericht nicht bemängelt wurde und die Direktion gemäss § 89 Abs. 2 PBG/ZH bei der Genehmigung von Bau- und Zonenordnungen an den Vorprüfungsbericht (grundsätzlich) gebunden ist. § 89 Abs. 2 PBG/ZH ist bundesrechtskonform auszulegen und kann nicht zur Folge haben, dass die Baudirektion auf die im Vorprüfungsbericht vertretene Auffassung nicht zurückkommen kann, wenn in der Zwischenzeit der von Bundesrechts wegen behördenverbindliche (vgl. Art. 9 Abs. 1 RPG) und vom Bundesrat zu genehmigende (vgl. Art. 11 RPG) kantonale Richtplan in einem entscheidenden Punkt angepasst wurde. Inwiefern sich die tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse seit dem Erlass bzw. der Genehmigung der vergleichsweise jungen Nutzungsplanung sonst so erheblich geändert haben sollten, dass im vorliegenden Baubewilligungsverfahren ausnahmsweise eine akzessorische Überprüfung der BZO hätte vorgenommen werden müssen, wird von den Beschwerdeführern nicht dargetan und ist nicht ersichtlich. Namentlich ist auch die Teilrevision des RPG vom 15. Juni 2012, welche nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts für sich allein ohnehin nicht als erhebliche Veränderung der Verhältnisse im erwähnten Sinne einzustufen ist (vgl. BGE 144 II 41 E. 5.2 S. 45 f.), bereits am 1. Mai 2014 in Kraft getreten und damit ebenfalls noch vor der Genehmigung der BZO der Gemeinde Aeugst am Albis durch die Baudirektion. Gegen eine akzessorische Überprüfung der genehmigten Nutzungsplanung der Gemeinde Aeugst am Albis spricht auch, dass keine Anhaltspunkte bestehen, wonach die kantonalen Behörden nicht gewillt wären, im Rahmen der Prüfung und Genehmigung kommunaler Nutzungspläne künftig die Vorgaben von Ziff. 2.2.2 des revidierten Richtplans zu beachten und umzusetzen. Unter den gegebenen Umständen kam die Vorinstanz zu Recht zum Schluss, eine akzessorische Überprüfung der BZO der Gemeinde Aeugst am Albis sei im Baubewilligungsverfahren, welches Gegenstand des angefochtenen Urteils bildet, nicht zulässig.