Citation: U 108/03 10.05.2004 E. 5

5.1 Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 Erw. 3.2 mit Hinweis). Für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung mit Krankheitswert hat die Rechtsprechung diese allgemeine Adäquanzformel dahingehend konkretisiert, dass eine Kategorisierung der Unfälle vorzunehmen ist, wobei leichte, mittelschwere und schwere Unfälle unterschieden werden. Massgebend für die Einteilung eines konkreten Unfalls ist dabei nicht das subjektive Unfallerlebnis, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (BGE 115 V 139 Erw. 6). Liegt ein schwerer Unfall vor, ist die Adäquanz regelmässig zu bejahen (BGE 115 V 140 Erw. 6b). Bei einem leichten oder banalen Unfall ist sie ohne weitere Prüfung zu verneinen (BGE 115 V 139 Erw. 6a), sofern nicht besondere Umstände (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 244 Erw. 3b) gegeben sind. Handelt es sich um einen Unfall im mittleren Bereich, sind für die Adäquanzbeurteilung weitere unfallbezogene Kriterien in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen (BGE 115 V 140 Erw. 6c). Als solche sind insbesondere zu nennen (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa): Besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. 5.2 Die genauen Umstände des vom Beschwerdeführer am 14. Juli 1983 erlittenen Unfalls sind im Detail nicht bekannt. Auf Grund der feststehenden Tatsachen - Abkommen des Fahrzeugs von der Strasse, Überschlagen desselben - ist von einem Unfall im mittleren Bereich auszugehen. Für die Adäquanzbeurteilung sind deshalb die vorgenannten Kriterien einzubeziehen. Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles sind nicht ersichtlich. Die erlittenen Verletzungen (Leberriss und Milzruptur) sind zwar nicht als leicht zu qualifizieren, aber erfahrungsgemäss wenig geeignet, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Dagegen ist hinreichend erwiesen, dass der Beschwerdeführer als Folge einer anlässlich der Unfallbehandlung durchgeführten Bluttransfusion an einer chronischen Hepatitis C leidet; damit liegt eine ärztliche Fehlbehandlung vor, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte. Während die direkten Unfallfolgen schnell abheilten, sodass bereits zwei Monate nach dem Unfall weitgehende Beschwerdefreiheit und volle Arbeitsfähigkeit festgestellt werden konnte, machte die sich in der Folge entwickelnde Hepatitis C regelmässige ärztliche Kontrollen und in den Jahren 1997/98 sogar eine Interferonbehandlung notwendig. Dauerschmerzen traten nach dem Unfall nicht auf. Die vom Versicherten seit Beginn der Interferonbehandlung geklagten Beschwerden haben gemäss ärztlicher Beurteilung keine organische Ursache. Das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen ist daher als nicht erfüllt zu betrachten. Gleiches gilt bezüglich des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit: Der Beschwerdeführer war bereits zwei Monate nach dem Unfall wieder vollumfänglich arbeitsfähig. Die in der Folge im Zusammenhang mit der Hepatitis C und deren Behandlung bzw. Kontrolle aufgetretenen mehreren, relativ kurzfristigen Phasen von Arbeitsunfähigkeit sind nicht derart ausgeprägt, dass sie im Zusammenhang mit der Adäquanzbeurteilung ins Gewicht fallen würden (vgl. zu diesem Kriterium RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 f.). Als erfüllt zu betrachten sind somit höchstens zwei der vorgenannten Kriterien, nämlich dasjenige der ärztlichen Fehlbehandlung und teilweise dasjenige des schwierigen Heilungsverlaufs. Eine Gesamtwürdigung der verschiedenen Kriterien führt zum Ergebnis, dass dem Unfallereignis vom 14. Juli 1983 keine massgebende Bedeutung für die Entstehung der aktuellen, psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit zukommt. 5.3 Eigentlicher Auslöser des psychischen Gesundheitsschadens war allerdings nicht das Unfallereignis vom 14. Juli 1983, sondern die im Jahr 1998 durchgeführte Heilbehandlung mit Interferon (Roferon) und deren Folgen. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dieser Art von medizinischer Vorkehr einerseits und dem nunmehr vorliegenden psychischen Gesundheitsschaden andererseits ist nicht nach den von der Rechtsprechung mit Bezug auf psychogene Unfallfolgen entwickelten Kriterien (BGE 115 V 139 ff. Erw. 6), sondern auf Grund der allgemeinen Adäquanzformel (Erw. 5.1 hievor am Anfang) zu beurteilen (vgl. BGE 129 V 184 Erw. 4.2 mit Hinweisen). Die Adäquanz wäre somit zu bejahen, wenn die gewählte Behandlungsart nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet wäre, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 Erw. 3.2 mit Hinweis). Dafür, dass die Therapie mit Interferon generell geeignet wäre, einen psychischen Gesundheitsschaden in Form einer chronifizierten Anpassungsstörung zu bewirken, liegen jedoch keine Anhaltspunkte vor. Vielmehr muss gemäss den medizinischen Akten im Allgemeinen nicht mit dem Auftreten der vom Beschwerdeführer gezeigten Nebenwirkungen, deren Auswirkungen schliesslich die Anpassungsstörung hervorriefen, gerechnet werden. Auch wenn die Adäquanzprüfung also nicht nur mit Blick auf den Zusammenhang zwischen Unfallereignis und derzeitigem Gesundheitsschaden, sondern auch - nach der allgemeinen Adäquanzformel - zwischen Heilbehandlung und Gesundheitsschaden erfolgt, ist die Adäquanz zu verneinen. 5.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass ein rechtsgenüglicher Zusammenhang zwischen dem Unfall vom 14. Juli 1983 und/oder der deshalb notwendigen Heilbehandlung einerseits und dem aktuellen psychischen Leiden des Beschwerdeführers andererseits nicht erstellt ist.