Citation: 2C_624/2020 E. 1.3

1.3. Im Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK ist das Alter des Kindes im Zeitpunkt des Bundesgerichtsentscheids entscheidend (BGE 145 I 227 E. 6.7 S. 238). Die Beschwerdeführerin 2 war im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung noch minderjährig, hat aber während des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens das 18. Altersjahr erreicht. Um eine Nachzugsberechtigung der nunmehr volljährigen Tochter gestützt auf Art. 8 EMRK bejahen zu können, muss ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Tochter und ihrem Vater bestehen (BGE 129 II 11 E. 2 S. 14; 120 Ib 257 E. 1d S. 260 ff.; 115 Ib 1 E. 2 S. 4 ff.), welches über die normalen affektiven Beziehungen hinausgeht (BGE 137 I 154 E. 3.4.2). Ein solches Abhängigkeitsverhältnis machen die Beschwerdeführenden vorliegend nicht geltend. Art. 8 EMRK vermittelt folglich in Bezug auf die Beschwerdeführerin 2 grundsätzlich keinen Anspruch auf Bewilligung des Familiennachzugs. Da die Beschwerdeführenden eine lange Verfahrensdauer geltend machen, könnte man sich fragen, ob von diesem Grundsatz eine Ausnahme zu machen ist. Das Bundesgericht hat diese Frage bis anhin offen gelassen (vgl. BGE 145 I 227 E. 6.8 S. 238; 2C_943/2018 vom 22. Januar 2020 E. 1.2.2; 2C_214/2010 vom 5. Juli 2010 E. 1.3). Auch vorliegend bedarf sie keiner Beantwortung. Denn aufgrund der nachfolgenden Erwägungen wäre die Beschwerde nämlich selbst dann abzuweisen, wenn davon auszugehen wäre, dass Art. 8 EMRK in Bezug auf die Beschwerdeführerin 2 angewendet werden könnte.