Citation: U 205/02 18.03.2003 E. 3

3.1 Bei der Beurteilung der Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den bestehenden Gesundheitsstörungen bzw. einer allfälligen anspruchserheblichen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit (vgl. Meyer-Blaser, Kausalitätsfragen aus dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts, in: SZS 38/1994 S. 107) ist praxisgemäss an das Unfallereignis anzuknüpfen. Bei leichten Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Folgen in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, entsprechende Gesundheitsschäden zu bewirken. Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht auf Grund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, sind in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen: - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - Dauerbeschwerden; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; - Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann (BGE 117 V 366 ff. Erw. 6a/b). 3.2 Im vorliegenden Fall ist auf Grund des polizeilichen Verkehrsunfallberichts vom 5. März 1995, der festgestellten Schäden an den Fahrzeugen und der Angaben der Beteiligten zum Unfallhergang von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen auszugehen. Demgemäss müssten ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise oder die geltenden Kriterien in gehäufter und auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden könnte. So verhält es sich jedoch nicht. Der Unfall vom 16. Februar 1995 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. Auch hat die Beschwerdeführerin keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art erlitten. Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, liegt nicht vor. Ebenso wenig kann von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen gesprochen werden. In den Arztberichten ist zwar von einem verzögerten Heilungsverlauf die Rede; dies jedoch nicht im Zusammenhang mit gesundheitlichen Komplikationen, sondern mindestens teilweise wegen der belastenden schulischen Situation (bevorstehende Abschlussprüfung). Die Ereignisse vom 15. Juli und 21. Dezember 1995, welche nicht näher dokumentiert sind, haben nach ärztlicher Auffassung lediglich zu einer vorübergehenden Verstärkung der Symptomatik geführt. Wie die Rehaklinik im Bericht vom 23. Mai 1996 festgestellt hat, kann die Behandlung nicht als ungewöhnlich lang bezeichnet werden. Sie erschöpfte sich im Wesentlichen in einer Physiotherapie und wurde wiederholt durch behandlungsfreie Intervalle unterbrochen. Bereits am 29. September 1995 hatte Dr. med. P.________ die Behandlung abgeschlossen mit der Feststellung, dass eine Therapiepause bis anfangs Dezember 1995 vereinbart worden sei. Nach dem Unfallereignis vom 21. Dezember 1995 kam es zur Wiederaufnahme der Therapie und zu einem ersten Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Rehaklinik Y.________ in der Zeit vom 19. Februar bis 29. März 1996 mit stationärer und anschliessender ambulanter Physiotherapie. Nach den Angaben der Beschwerdeführerin wurden in der Folge keine besonderen Therapien mehr durchgeführt (Bericht der Rehaklinik Y.________ vom 10. Februar 1997). Vom 2. Oktober bis 6. November 1996 hielt sich die Beschwerdeführerin zu einer Abklärung der Belastbarkeit und der beruflichen Perspektiven erneut in der Rehaklinik auf; hier wurde neben Physiotherapie eine intensive stationäre Rehabilitation durchgeführt, womit der Gesundheitszustand stabilisiert werden konnte. Im Anschluss an den Klinikaufenthalt erfolgten eine ambulante Physiotherapie, Ergotherapie und eine psychologische Betreuung. Gemäss Austrittsbericht vom 10. Februar 1997 stand einer Wiederaufnahme der Ausbildung zur Physiotherapeutin aus medizinischer Sicht nichts mehr entgegen. Im Hinblick darauf, dass die Beschwerdeführerin wegen des zweijährigen Unterbruchs in der Ausbildung mit einem sofortigen vollen Einstieg überfordert gewesen wäre, wurde vorgängig ein sechsmonatiges Arbeitstraining in der Rehaklinik Y.________ durchgeführt, wofür die Invalidenversicherung Kostengutsprache leistete. Laut Abschlussbericht der Rehaklinik vom 23. September 1997 bestanden nur noch geringe Einschränkungen und konnte die Beschwerdeführerin die Arbeitsleistung kontinuierlich von zunächst 50 % auf 100 % bei voller Präsenzzeit steigern. Damit entfällt auch das Adäquanzkriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Selbst wenn auf Grund der nach Erlass des Einspracheentscheids vom 26. April 2000 ergangenen Verfügung der Invalidenversicherung vom 28. September 2000 davon ausgegangen wird, dass die Beschwerdeführerin in der am 7. August 2000 aufgenommenen Tätigkeit als Physiotherapeutin zu 50 % eingeschränkt ist, kann das Adäquanzkriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit jedenfalls nicht als in besonders ausgeprägter Weise erfüllt gelten. Das Gleiche gilt für das Kriterium der Dauerbeschwerden. Aus den medizinischen Akten ist zu schliessen, dass die geklagten Schmerzen belastungsabhängig auftreten. Sie haben die Beschwerdeführerin denn auch nicht daran gehindert, zumindest eine Teilzeitarbeit als Physiotherapeutin aufzunehmen. Selbst wenn die Beschwerdeführerin an Dauerschmerzen leiden sollte, ist das Kriterium jedenfalls nicht im dafür notwendigen Ausmass erfüllt. Da somit weder eines der Beurteilungskriterien in besonders ausgeprägter Form gegeben ist noch die massgebenden Beurteilungskriterien in gehäufter und auffallender Weise erfüllt sind, muss die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden verneint werden. Der Einspracheentscheid vom 26. April 2000 und der angefochtene vorinstanzliche Entscheid bestehen im Ergebnis somit zu Recht.