Citation: 8C_177/2022 E. 8.2

8.2. Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, der langjährig als selbstständiger Rechtsanwalt tätig gewesene Beschwerdeführer sei vom Obergericht des Kantons Bern am 14. April 2015 wegen qualifizierter Veruntreuung zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt worden, was das Bundesgericht mit Urteil 6B_629/2015 vom 7. Januar 2016 bestätigt habe. Der Strafvollzugsantritt sei im März 2018 noch offen gewesen. Hinzu gekommen sei ein vierjähriges Berufsverbot als Fürsprecher bzw. Rechtsanwalt, das per Januar 2016 rechtskräftig geworden sei. Der Beschwerdeführer habe die selbstständige Erwerbstätigkeit gemäss eigenen Angaben Ende 2015 bzw. Anfang 2016 aufgegeben. Somit wäre er im Juli 2017 auch ohne Gesundheitsschaden nicht mehr als selbstständiger Rechtsanwalt tätig gewesen. Deshalb könnten zur Invaliditätsbemessung nicht die Jahresrechnungen der Jahre 2010 bis 2014 aus der Selbstständigkeit herangezogen werden. Diese Zahlen liessen sich ohnehin nicht mit den Abrechnungen bei der Ausgleichskasse des Kantons Bern in Einklang bringen. Die statistischen Einkommen aus einer hypothetischen Anstellung als Jurist gemäss der LSE könnten - entgegen der IV-Stelle - ebenfalls nicht berücksichtigt werden. Denn ausgehend von der LSE 2016 habe der entsprechende, auf das Jahr 2017 aufgerechnete Lohn Fr. 110'186.40 betragen. Ein solches Einkommen sei mit Blick auf den IK-Auszug des Beschwerdeführers kaum je ausgewiesen. Einzig in den Jahren 1994 bis 1998, 2007, 2016 und 2017 habe er Beträge von mehr als Fr. 100'000.- abgerechnet. In den übrigen Jahren seien die Einkommen deutlich tiefer und stark schwankend von Fr. 0.- (2000 bis 2004, 2010, 2011, 2013) über weniger als Fr. 10'000.- (1980 bis 1992) bis Fr. 71'529.- (2008) gewesen. Praxisgemäss sei zu ermitteln, was der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall tatsächlich verdienen würde und nicht, was er bestenfalls verdienen könnte. Bei diesen Gegebenheiten sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass er im Gesundheitsfall ab Juli 2017 ein Einkommen von Fr. 110'186.40 erzielt hätte, womit die statistischen Werte nicht herangezogen werden könnten. Somit sei das Valideneinkommen gestützt auf den Durchschnittswert der in den letzten zehn Jahren vor Rentenbeginn - mithin von 2008 bis 2017 - im IK-Auszug verbuchten Einträge zu bestimmen, wobei zu Gunsten des Beschwerdeführers das im Jahr 2017 (hoch) abgerechnete Einkommen von Fr. 131'879.- mitzuberücksichtigen sei. Da die IK-Einträge in den Jahren 2008, 2012 sowie 2014 bis 2017 auch von der MV erbrachte Taggeldleistungen enthielten, an deren Stelle der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall den vollen Lohn bezogen hätte (und nicht lediglich 80 % des versicherten Verdienstes), seien die Taggeldleistungen zunächst auszuscheiden und in einem nächsten Schritt unter Aufrechnung auf 100 % wiederum hinzuzufügen. Folglich resultiere von 2008 bis 2017 ein massgebender Durchschnittswert von Fr. 47'055.40. Dieser sei aufgrund der seit 2008 im Umfang von 10 % vorbestehenden bzw. von der MV ermittelten Invalidität um diesen Anteil zu erhöhen, woraus ein hypothetisches Valideneinkommen von Fr. 52'283.75 folge. Da hier intertemporalrechtlich die bis 31. Dezember 2021 gültigen Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen massgebend seien, sei Art. 26 Abs. 2 IVV (in der revidierten Fassung) nicht anwendbar, und es sei anzunehmen, der Beschwerdeführer hätte sich dauernd mit einer bescheidenen Erwerbstätigkeit begnügt (BGE 135 V 58 E. 3.4.6).