Citation: 2C_294/2023 E. 6.4

6.4. Ein Erlass ist in erster Linie nach seinem Wortlaut auszulegen (grammatikalisches Element). Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss das Gericht unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente nach der wahren Tragweite der Norm suchen. Dabei hat es insbesondere den Willen des Gesetzgebers zu berücksichtigen, wie er sich aus den Gesetzesmaterialien ergibt (historisches Element). Weitere Hinweise auf den wahren Sinn der Norm können sich aus ihrem Zusammenhang mit anderen Bestimmungen desselben oder eines anderen Erlasses ergeben (systematisches Element). Sodann ist nach dem mit der Norm verfolgten Zweck (teleologisches Element) zu fragen, namentlich dem damit geschützten Interesse (BGE 149 I 354 E. 3.2; 148 IV 398 E. 4.8). Dabei können sich Anhaltspunkte zu diesem Normzweck auch aus Wortlaut, Systematik oder Materialien ergeben (Kramer/Arnet, Juristische Methodenlehre, 7. Auflage 2024, S. 175 ff.; Ernst Höhn, Praktische Methodik der Gesetzesauslegung, 1993, S. 218). Das Bundesgericht befolgt bei der Auslegung von Rechtsnormen einen pragmatischen Methodenpluralismus und lehnt es ab, die einzelnen Auslegungselemente einer Prioritätsordnung zu unterstellen (BGE 149 I 354 E. 3.2 mit Hinweisen).