Citation: 8C_247/2024 E. 4.1

4.1. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, ist mit der Revision Weiterentwicklung der IV (WEIV, 2022) den RAD mit Art. 54a IVG zwar eine eigene Gesetzesbestimmung gewidmet worden, um ihrer Bedeutung gerecht zu werden; damit sind jedoch keine materiellen Änderungen verbunden, weshalb die bisherige Rechtsprechung weiterhin Gültigkeit hat. Die Beschwerdegegnerin war daher nicht ohne Weiteres verpflichtet, die medizinischen Berichte und Gutachten dem RAD vorzulegen. Anders als im von der Beschwerdeführerin zitierten Urteil SVR 2023 IV Nr. 49 S. 166, 9C_389/2022 vom 3. Mai 2023, verneinte hier die IV-Stelle einen Rentenanspruch nicht mangels Gesundheitsschadens mit invalidisierender Wirkung im Rechtssinne, obwohl zuvor sämtliche beteiligten medizinischen und anderweitig beigezogenen Fachstellen, insbesondere auch die von der IV-Stelle beauftragten Gutachter, zur gleichen Einschätzung einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit gelangten. Vielmehr folgte die IV-Stelle dem als beweiskräftig eingestuften bidisziplinären Gutachten vom 7. Dezember 2022. Insofern liegt kein zu vergleichender Sachverhalt vor. Aus dem dort gezogenen Schluss, es bedürfe im Zweifelsfall vor der Beurteilung durch den Rechtsanwender einer sorgfältigen Sichtung und versicherungsmedizinischen Würdigung der vorhandenen Akten durch den RAD, lässt sich daher nichts zugunsten der Beschwerdeführerin gewinnen. Im von der Vorinstanz erwähnten Urteil 9C_858/2014 vom 3. September 2015 (E. 3.3.3) betonte das Bundesgericht sodann, dass dem RAD unstrittig grosse Bedeutung zukomme für die Beurteilung der Anspruchsvoraussetzungen aus medizinischer Sicht. Der abschliessende Entscheid darüber liege indessen bei der IV-Stelle - möge es zwar wünschenswert erscheinen, dass fachärztliche Berichte, deren Relevanz nicht von vornherein verneint werden könne, was vorliegend auf das beigebrachte versicherungspsychiatrische Parteigutachten zutreffe, dem RAD zur Stellungnahme vorgelegt würden; ein unbedingter gesetzlicher Anspruch darauf bestehe indessen nicht. Daran ändert vorliegend der Umstand nichts, dass hier die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachters stark von derjenigen der behandelnden Psychiaterin abweicht, wie sich aus den folgenden Erwägungen (E. 4.2 f.) ergibt. Nachdem hier kein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten vorliegt, ergibt sich eine zwingende Vorlage an den RAD durch die Beschwerdegegnerin ebenso wenig gestützt auf Ziff. 3134 ff. des Kreisschreibens des BSV über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI, Stand 1. Februar 2023, gültig ab 1. Januar 2022).