Citation: 5A_361/2022 E. 2.2.2

2.2.2. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat das Obergericht, wie bereits zuvor das Kantonsgericht, nicht allein die Faustregel zur Bestimmung des Einkommens des Beschwerdegegners herangezogen. Es hat vielmehr vorab festgestellt, dass auf die deklarierten Gewinne der Einzelunternehmung des Beschwerdegegners für die Jahre 2016, 2017 und 2018 nicht abgestellt werden könne, da sie unglaubwürdig tief seien. Auch auf das vom Beschwerdegegner angegebene Einkommen von Fr. 3'000.-- pro Monat konnte das Obergericht nicht abstellen, da der Beschwerdegegner dazu widersprüchliche Angaben gemacht habe (vgl. zur Mitwirkungspflicht Art. 160 ZPO und zur Auskunftspflicht Art. 170 ZGB). Vor diesem Hintergrund konnte das tatsächliche Einkommen des Beschwerdegegners weder aufgrund der Jahresgewinne seines Einzelunternehmens noch aufgrund seiner eigenen Aussagen bestimmt werden. Das Obergericht musste sich auf andere Anhaltspunkte stützen. In diesem Sinn hat es erwogen, der Beschwerdegegner sei dennoch offensichtlich in der Lage gewesen, seinen Bedarf von Fr. 3'715.-- seit der Trennung zu decken, ohne dabei beträchtliche Schulden anzuhäufen. Das von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Einkommen von monatlich Fr. 8'000.-- sei aufgrund der Ausbildung des Beschwerdegegners, seiner bisherigen Erfahrung und seiner Sprachkenntnisse auch unter Berücksichtigung der besonderen Anstrengungspflicht nicht realistisch. Einen diesem Einkommen entsprechenden, tatsächlich durch den Beschwerdegegner gelebten Lebensstandard vermag die Beschwerdeführerin auch vor Bundesgericht nicht darzutun. Der Einwand, Mieter könnten auch unter ihren Verhältnissen leben, mag zutreffen. Dass dies beim Beschwerdegegner der Fall sein soll, ist indes ebensowenig dargetan.