Citation: 4C.402/2006 27.02.2007 E. 4

4.1 Ein Ereignis gilt als adäquate Ursache eines Erfolgs, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs also durch das Ereignis als allgemein begünstigt erscheint. Rechtspolitischer Zweck der Adäquanz bildet die Begrenzung der Haftung; es soll aufgrund sämtlicher Umstände im Einzelfall (Art. 4 ZGB) entschieden werden, ob eine Schädigung billigerweise noch dem Haftpflichtigen zugerechnet werden darf (BGE 123 III 110 E. 3a, mit Hinweisen). Dabei genügt haftpflichtrechtlich, dass der Schädiger eine Schadensursache gesetzt hat, ohne die es nicht zum Schaden gekommen wäre, während Mitursachen wie etwa die konstitutionelle Prädisposition der geschädigten Person den adäquaten Kausalzusammenhang in der Regel weder zu unterbrechen noch auszuschliessen vermögen (BGE 123 III 110 E. 3c S. 114 f.; 113 II 86 E. 1b S. 89 f.). Anders als im Sozialversicherungsrecht (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366) ist die Adäquanz haftpflichtrechtlich nicht nach der Schwere des Unfallereignisses zu beurteilen (BGE 123 III 110 E. 3 S. 111 und E. 3c in fine; Roland Schaer, Modernes Versicherungsrecht, Bern 2007, S. 628). 4.2 Die Vorinstanz hat Letzteres zutreffend berücksichtigt und erwogen, der adäquate Kausalzusammenhang könne demnach nicht damit verneint werden, dass ein Mensch erfahrungsgemäss in der Lage sei, einen derart harmlosen Unfall psychisch zu verkraften, und dass singuläre psychische Labilität zum spezifischen Lebensrisiko des Verunfallten gezählt werden sollte, das er in einer solchen Bagatellsituation selbst zu tragen habe. Der vorliegende Bagatellunfall erscheine vielmehr als geeignet, psychische Probleme auszulösen, nachdem bei der Klägerin eine hohe Leistungsbereitschaft vorhanden, ihre Leistungsfähigkeit aber aufgrund der initial vorhandenen Schmerzsymptome herabgesetzt gewesen sei. Die nachher eingetretene komplexe Entwicklung, wobei es aus psychiatrischer Sicht zu einer komplexen Anpassungsstörung gekommen sei, habe den Unfall als Auslöser, weshalb dieser als wesentliche Ursache anzusehen und der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen sei. 4.3 Die Beklagte wirft der Vorinstanz vor, wesentliche Tatsachen bzw. ärztliche Feststellungen ausser Acht gelassen und infolgedessen die Adäquanz zu Unrecht bejaht zu haben. Was sie konkret vorbringt, vermag indes keine bundesrechtswidrige Annahme der Adäquanz aufzuzeigen. Dass die Gutachten aus den Jahren 1995 und 1997 bezüglich der Heftigkeit des Unfallereignisses auf falschen Angaben der Klägerin beruhen sollen, erscheint von vornherein nicht ausschlaggebend, nachdem - wie die Beklagte selber ausführt - das verkehrstechnische Gutachten vom 30. November 2000 die richtigen Fakten aufzeigt und dieses den MEDAS-Gutachtern bekannt war. Ohnehin ist die Beurteilung der Adäquanz nach rechtlichen Gesichtspunkten vorzunehmen und nicht wie die natürliche Kausalität in Würdigung der ärztlichen Befunde. Die Beklagte vermag daher keine andere Beurteilung der Adäquanz nahezulegen, indem sie sich mit den ärztlichen Berichten auseinandersetzt und der Vorinstanz vorwirft, gewisse darin enthaltene Aspekte nicht oder nicht wie die Beklagte dies möchte berücksichtigt und daher verkannt zu haben, dass der Unfall als Ursache der heutigen Beschwerden überhaupt auszuschliessen sei oder doch höchst zweifelhaft erscheine. Damit übt sie in Wahrheit blosse Kritik an der Beweiswürdigung, aufgrund der die Vorinstanz den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den Beschwerden bejahte. Dies ist im Berufungsverfahren nicht zulässig (BGE 127 III 73 E. 6a S. 81; 126 III 10 E. 2b S. 12 f.; 119 II 84 E. 3). Im Bereich der Beweiswürdigung angesiedelt und daher im vorliegenden Verfahren unzulässig sind auch die Rügen der Beklagten, die Klägerin sei hinsichtlich gewisser Tatsachen ihren Beweispflichten nicht nachgekommen. Die Beklagte beruft sich auf ein Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juli 2006 (4C.50/2006; teilweise zusammengefasst in HAVE 4/2006 S. 362). Danach kann auch haftpflichtrechtlich bei Berücksichtigung aller Umstände der adäquate Kausalzusammenhang für psychische Beschwerden fehlen, wenn erst Jahre nach dem Unfall eine medizinisch ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit einsetzt und wenn die psychischen Probleme auch durch die langanhaltende Arbeitslosigkeit seit dem Unfall verursacht sein könnten (E. 4). Dieses Urteil muss vorliegend zu keiner anderen Beurteilung führen. Wohl sind mehrere unfallfremde Faktoren, die im Laufe der Zeit zunehmend an Bedeutung gewannen, mitursächlich für die psychische Störung der Klägerin. Sie lassen aber den Unfall nicht derart in den Hintergrund treten, dass er nicht mehr in einem adäquaten Kausalzusammenhang stehen würde. Die Vorinstanz hat diesbezüglich zutreffend ausgeführt, dass Mitursachen die Adäquanz kaum je auszuschliessen vermögen, wenn der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem schädigenden Ereignis und dem Schaden wie hier festgestellt ist (vgl. Urteil 4C.79/2001 vom 21. Juni 2001 E. 3c). 4.4 Die Vorinstanz hat demnach den adäquaten Kausalzusammenhang bundesrechtskonform bejaht. Die Anschlussberufung ist abzuweisen.