Citation: 2C_559/2024 E. 1.3

1.3. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ergibt die Auslegung von Art. 26 Abs. 3 lit. c DBA CH-IN, dass die Verweigerung der Leistung von Amtshilfe bei ernsthaft drohenden Verletzungen elementarer Gehalte von Menschenrechten oder grundlegender rechtsstaatlicher Garantien möglich ist (vgl. Urteil 2C_750/2020 vom 25. März 2021 E. 6.8; vgl. auch BGE 149 II 302 E. 6.6). In diesem Zusammenhang kann das strafrechtliche Rückwirkungsverbot gemäss Art. 7 Ziff. 1 EMRK als Teil des nationalen und europäischen Ordre public der Leistung von Amtshilfe entgegenstehen, wenn die Amtshilfe (auch) zugunsten eines Verfahrens mit angedrohter strafrechtlicher Sanktion erfolgt (vgl. Urteil 2C_750/2020 vom 25. März 2021 E. 7.2 f. und E. 9.3). Für den Nachweis des Verstosses gegen Art. 7 Ziff. 1 EMRK hat die von der Amtshilfe betroffene Person Anhaltspunkte darzutun, mit denen sich mit genügender Wahrscheinlichkeit aufzeigen lässt ("démontrer de manière suffisante"), dass ihr im Falle der Leistung von Amtshilfe eine Strafe, die in den Anwendungsbereich von Art. 7 Ziff. 1 EMRK in Verbindung mit Art. 6 Ziff. 1 EMRK fällt, gestützt auf rückwirkend anwendbare materielle Strafrechtsnormen droht (vgl. Urteile 2C_89/2023 vom 16. Februar 2023 E. 4.3; 2C_750/2020 vom 25. März 2021 E. 7.1 und E. 9.3.1 ff.).