Citation: 5C.251/2000 15.03.2001 E. 2

2.-a) Die Vorinstanz hat den massgebenden Art. 9.1 Abs. 2 AVB im Lichte von Art. 324a OR (Lohnfortzahlungspflicht) bzw. nach Massgabe des von ihr eruierten Zwecks dieser Bestimmung ausgelegt und erwogen, jene vertragliche Bestimmung beziehe sich nicht auf eine (unbestrittene) vorbestehende Arbeitsunfähigkeit ausserhalb des vereinbarten Arbeitspensums. Nun deutet der Wortlaut dieser vertraglichen Vereinbarung in keiner Weise auf diese Auslegung hin; vielmehr spricht er klar und deutlich für die Auslegung der Beklagten. Ob die vorinstanzliche Auslegung allenfalls in Betracht gezogen werden könnte, wenn der Grund für die vorbestehende teilweise Arbeitsunfähigkeit ein ganz anderer wäre als derjenige für die Arbeitsunfähigkeit, welche die zunächst verbliebene Arbeitsfähigkeit betrifft und vorliegend als leistungsauslösend geltend gemacht wird, kann offen bleiben; denn ein solcher Fall liegt hier nicht vor; dies ergibt sich aus den IV-Akten, worauf die Vorinstanz in E. 5a ihres Urteils und die Beklagte auf S. 10 ihrer Berufungsschrift verweisen (vgl. auch Berufungsantwort S. 9/10: "Erst durch das erneute Auftreten von Rückenbeschwerden wurde die Klägerin arbeitsunfähig. ..."); von einem solchen Fall geht denn auch die Vorinstanz nicht aus. Es erscheint jedenfalls als nachvollziehbar, dass ein privater Versicherer das - erhöhte - Risiko der Verschlimmerung einer vorbestehenden Krankheit oder Invalidität nicht tragen will. Hat er dies, wie vorliegend, in klarer und eindeutiger Weise im Vertrag zum Ausdruck gebracht, so ist auch kein Raum für die sog. Unklarheitsregel. Unter diesen Umständen verstösst die Auslegung der Vorinstanz gegen die massgebenden Auslegungsregeln. b) Ist der Anspruch der Klägerin auf Versicherungsleistungen zu verneinen, so ist auf die anderen infrage stehenden Gesichtspunkte (Aufnahme in die Versicherung an sich, Verhalten der Klägerin im Schadenfall, aussergerichtliche Verhandlungstaktik der Beklagten) nicht mehr einzugehen. Damit ist die Berufung gutzuheissen, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.