Citation: 2C_1007/2022 E. 6.1

6.1. Die Vorinstanz bejaht diese Frage gestützt auf das Schreiben des Sekretariats der WEKO vom 22. Februar 2022 betreffend die Ablehnung eines Gesuchs um Abgabe einer Empfehlung im Sinne von Art. 45 Abs. 2 des Kartellgesetzes (KG; SR 251) (s. vorstehende lit. B; publiziert in: RPW 2022/4, S. 890 ff.). Danach hätten diejenigen Anbieterinnen, die ihre Kontrollen gemäss Gleichstellungsgesetz bereits mit dem Standard-Analyse-Tool des Bundes (Logib) durchgeführt haben, möglicherweise einen - wenn auch tendenziell eher geringen - Vorteil. Dieser Vorteil liege darin, dass diese Anbieterinnen bereits mit dem Tool Logib gearbeitet hätten, die Prozesse kennen würden und die zu erhebenden Daten möglicherweise bereits entsprechend erhoben und zusammengetragen hätten. Gemäss Vorinstanz könnte somit denjenigen Anbieterinnen, die (wie die Kunden und Kundinnen der Beschwerdegegnerin) ein privates Analyse-Tool verwenden, im Vergleich ein Mehraufwand in der Erhebung und Bereitstellung der erforderlichen Daten entstehen. Inwiefern dieser Mehraufwand von Unternehmen bei beschaffungsrechtlichen Kontrollen dazu führe, dass sich Anbieterinnen nur deswegen gegen die Vornahme der Lohngleichheitsanalyse mittels eines privaten Analyse-Tools (wie es von der Beschwerdegegnerin angeboten wird) entscheiden, brauche indessen nicht vertieft zu werden. Das sei gemäss Vorinstanz eine Frage der materiellen Beurteilung. Die Beschwerdegegnerin lege jedenfalls glaubhaft dar, dass die Richtlinie EBG und die Verwendung der Lohngleichheitsanalyse Logib bei beschaffungsrechtlichen Kontrollen in ihre geschützten Rechte der Wirtschaftsfreiheit eingreifen könnte, sofern ihre Kunden diesen Mehraufwand nicht in Kauf nehmen würden (angefochtenes Urteil E. 4.3.3).