Citation: 4A_141/2022 E. 5.3.2

5.3.2. Die Beschwerdeführerin stellt nicht in Abrede, dass die Gutachten beim vorliegenden Krankheitsbild sich massgeblich auf Angaben der verletzten Person stützen müssen. Sie weist darauf hin, ihre Angaben seien von den Gutachtern als "glaubhaft" eingeschätzt worden, woran die Gerichte gebunden seien. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass die Einschätzung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nur in medizinischer Hinsicht eine Fachfrage darstellt, an die das Gericht grundsätzlich gebunden ist. Unzulässig wäre es beispielsweise, wenn das Gericht ohne stichhaltige Gründe medizinische Ungereimtheiten in den Aussagen entdecken wollte, wenn die mit dem Gutachten betraute Fachperson keine derartigen Ungereimtheiten festgestellt hat. Geht es dagegen einfach um die Frage, ob die Angaben der Beschwerdeführerin zutreffen, und ist die Beantwortung dieser Frage ohne Fachwissen möglich, handelt es sich um schlichte Beobachtungen der Fachperson bei der Befragung und letztlich um Beweiswürdigung, bei welcher das Gericht nicht an die Auffassung des Gutachters gebunden ist. Wenn das Gericht feststellt, dass die Angaben der Beschwerdeführerin in einer Rechtsschrift keine Stütze in der Krankengeschichte finden und in den Zeugenaussagen der beteiligten Personen, kann es die Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin selbst beurteilen. Hegt das Gericht aufgrund der Würdigung dieser Beweismittel Zweifel an Aussagen, welche die Beschwerdeführerin gegenüber Gutachtern gemacht hat, und haben diese die Aussagen ihrem Gutachten als glaubhaft zugrundegelegt, dann können die Erkenntnisse des Gerichts geeignet sein, die Schlussfolgerungen des Gutachtens zu entwerten, da diese auf einer unzutreffenden Basis fussen.