Citation: I 449/05 14.12.2005 E. 3

3.1 Unter den Verfahrensbeteiligten umstritten ist vorab die Statusfrage. Während Vorinstanz und Verwaltung gestützt auf den Abklärungsbericht Haushalt vom 7. April 2004 davon ausgehen, die Beschwerdeführerin wäre ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 40 % erwerbstätig und zu 60 % für den Haushalt besorgt, macht die Versicherte geltend, diesfalls mindestens im Umfang von 80 % einer erwerblichen Beschäftigung nachzugehen. 3.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung führt, ergibt sich - auch nach In-Kraft-Treten des ATSG (vgl. Erw. 2 hievor in fine mit Hinweisen) - aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Diese Frage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass des Einspracheentscheides entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 Erw. 2c, 117 V 194 Erw. 3b, je mit Hinweisen; SVR 1996 IV Nr. 76 S. 222 Erw. 2c; in BGE 130 V 393 nicht publizierte Erwägung 4.1 des Urteils Z. vom 15. Juni 2004, I 634/03). 3.2.1 Aus den Akten ersichtlich und unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin 1953 an Poliomyelitis erkrankt war und 1991 Spätfolgen dieser Krankheit diagnostiziert wurden. Sie ist diplomierte Hauspflegerin und hat bis zur ersten Schwangerschaft 1988 im Rahmen einer Anstellung bei der Hauspflege der Gemeinde in Privathaushalten immer volle Arbeitspensen geleistet. Seit März 1988 ist die Versicherte als Mutter und Hausfrau tätig. Ihr Ehemann ist als selbstständiger Innendekorateur beruflich zu wenig ausgelastet. Nachdem die Familie bereits früher sporadisch und ergänzend zum Einkommen des Ehemannes der Beschwerdeführerin durch den Sozialdienst unterstützt worden war, ist dies seit Juni 2003 dauernd und vollständig der Fall. Die Versicherte hatte sich im April 2002 beim Zentrum X.________ für eine Stelle als Pflegehelferin mit einem Beschäftigungsgrad von 60-80 % beworben, musste diese Tätigkeit jedoch nach zwei Tagen Probezeit aufgeben, weil sie ihr zu streng war. Eine weitere Stelle in einem Privatpflegeheim mit einem Pensum von 40-60 % trat die Versicherte im Mai 2002 an, musste sie jedoch nach vier Tagen Probezeit erneut wegen Überbeanspruchung aufgeben. Anlässlich der Haushaltabklärung vom 6. April 2004, auf welche das kantonale Gericht und die IV-Stelle in der Folge zur Beurteilung der Statusfrage denn auch abstellten, gab die Beschwerdeführerin an, bei guter Gesundheit würde sie gerne zu 40 % arbeiten. Sie wies darauf hin, dass ihre Töchter inzwischen grösser und selbstständiger seien, ihr Mann in seiner Tätigkeit zu wenig ausgelastet sei und sie auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen seien. 3.2.2 Entgegen der vorinstanzlichen Betrachtungsweise kann mit Bezug auf die Statusfrage nicht ohne weiteres auf die anlässlich der Abklärung der Verhältnisse im Haushalt gemachten Angaben abgestellt werden. Obgleich derartige im Verlauf des Abklärungsverfahrens gemachte Aussagen praxisgemäss stärker zu gewichten sind als spätere anders lautende Erklärungen, welche von Überlegungen sozialversicherungsrechtlicher Natur beeinflusst sein können (AHI 2000 S. 197 Erw. 2d; Erw. 3 des in RKUV 2001 Nr. U 437 S. 342 ff. auszugsweise publizierten Urteils C. vom 18. Juli 2001, U 430/00; vgl. auch BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen), gilt es dennoch grundsätzlich zu beachten, dass der Bedeutungsgehalt der Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall innerhalb des ganzen IV-Rentengefüges für Laien nicht einfach zu erkennen ist. Dies muss umso mehr gelten für eine Person, welcher es - wie der Beschwerdeführerin - schwer fallen dürfte, sich ein Leben ohne schmerzhafte gesundheitliche Beeinträchtigung vorzustellen. Massgebend für die Frage, in welchem Ausmass sie als Gesunde erwerbstätig wäre, sind somit im vorliegenden Fall nicht vorab die gegenüber der Abklärungsperson Haushalt gemachten Aussagen, welche - mit Blick auf die persönliche Situation der Beschwerdegegnerin - unreflektierte Momentaufnahmen darstellen, sondern vielmehr die zuvor beschriebenen konkreten Lebensumstände während der letzten Jahre (vgl. zum Ganzen auch Urteil S. vom 7. Juni 2005, I 108/05, Erw. 3.2.2). Vor diesem Hintergrund sowie insbesondere der Tatsachen, dass einerseits die vierköpfige Familie vom Sozialdienst unterstützt wird und auf ein Zusatzeinkommen angewiesen ist und andrerseits der Ehemann der Versicherten mangels beruflicher Auslastung in der Lage wäre, Hausarbeiten und allfällige Betreuungsaufgaben zu übernehmen, kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführerin wäre ohne gesundheitliche Einschränkung lediglich zu 40 % erwerbstätig. In diesem Zusammenhang überhaupt nicht abgeklärt wurde denn auch, ob die Versicherte bereits bisher nicht ausschliesslich als Mutter und Hausfrau tätig war, sondern - wie sie in der Einsprache vom 9. Juni 2004 geltend machte - im Geschäft des Ehemannes mitgeholfen hatte, und bejahendenfalls in welchem Ausmass dies der Fall war. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie die Frage des Status der Versicherten näher abkläre und über den Rentenanspruch neu verfüge.