Citation: 6B_84/2023 E. 1.2.3

1.2.3. Auch wenn Anstrengungen zu rechtskonformem Verhalten anzuerkennen seien, sei die Beschwerdeführerin in Anbetracht der von ihr in der polizeilichen Einvernahme vom 28. Juni 2022 eingestandenen Tathandlungen des unrechtmässigen Bezugs von Leistungen einer Sozialversicherung bereits zum dritten Mal wegen der Katalogtat des Art. 148a StGB mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Diese neuerlichen Tathandlungen (von denen die erste Instanz keine Kenntnis gehabt habe) seien trotz einschlägiger Vorstrafe (Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 23. September 2019) sowie innert Probezeit der Vorstrafe und während des vorliegenden Strafverfahrens erfolgt. Dieses Verhalten sei offensichtlich Ausdruck ihrer Mühe, sich an Regeln bzw. die Schweizerische Rechtsordnung zu halten. Hinsichtlich der erstinstanzlich festgestellten fehlenden Verbindungen zum Kosovo sei gemäss der Vorinstanz Skepsis angebracht. Die Beschwerdeführerin habe in der Berufungsverhandlung ausgeführt, ihre Grossmutter und ihr Onkel wohnten im Kosovo und dass ihre Familie regelmässig in den Kosovo reise. Ihre Geschwister seien mit kosovarischen Männern verheiratet und reisten jeweils mit ihnen in den Kosovo. Es sei aber durchaus richtig, dass sich die Beschwerdeführerin im Kosovo wohl nur mit erheblichen Schwierigkeiten reintegrieren könnte. Indes seien keine gesundheitlichen Einschränkungen ersichtlich, die sich auf ihre Erwerbsfähigkeit auswirken würden. Aufgrund ihrer Arbeitserfahrung sei davon auszugehen, dass es ihr möglich und zumutbar sei, im Kosovo eine vergleichbare Arbeit im Detailhandel zu finden, zumal sie auch die Landessprache beherrsche. Die Beschwerdeführerin habe zwar geltend gemacht, sie sei nach der Scheidung von ihrem Ex-Mann von dessen Familie im Kosovo bedroht worden und auch wenn dies durchaus vorstellbar sei, so habe sie keine konkrete, aktuelle und nachvollziehbare Bedrohungssituation geschildert. Angesichts des Umstands, dass ihr Ex-Mann wieder verheiratet sei, erscheine eine Bedrohung denn auch nicht plausibel. Der elfjährige Sohn der Beschwerdeführerin lebe beim Vater, sodass er die Schweiz nicht verlassen müsste. Der Vater nehme die Hauptbetreuung wahr. Allerdings würden regelmässige Kontakte zwischen Mutter und Kind erheblich erschwert, wobei dies auch noch zusätzlich durch das zerrüttete Verhältnis der Beschwerdeführerin zu ihrem Ex-Mann der Fall sei. Der Beschwerdeführerin zufolge fänden auch heute schon keine regelmässigen Kontakte zwischen ihr und ihrem Sohn statt. Bei einer Landesverweisung könnte sie den Kontakt zu diesem immerhin per Video- und Audiotelefonie und mit Besuchen während der Schulferien im Kosovo pflegen. Die Beschwerdeführerin habe trotz entsprechender Fragen durch die Vorinstanz nicht geltend gemacht, dass es ihrem aktuellen Partner unmöglich oder unzumutbar wäre, ihr in den Kosovo zu folgen. Sie habe vielmehr ausgeführt, sie hätten diese Frage miteinander besprochen, womit diese Möglichkeit offenbar ernsthaft in Betracht gezogen worden sei.