Citation: I 605/03 05.12.2003 E. 5.3

5.3.1 Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen sich Arbeitsfähigkeit im Umfang von mindestens 50 % vor einer an sich notwendigen Umschulung und Eingliederungsunfähigkeit nicht zwingend aus. Ziel einer solchen beruflichen Massnahme ist, dass dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Das bedeutet indessen nicht, dass im Hinblick auf die Invaliditätsbemessung ohne weiteres auf die Abklärung der gesundheitlich bedingt noch in Betracht fallenden Erwerbstätigkeiten verzichtet werden kann. Das gilt im Besonderen, wenn das gleiche psychische Leiden die Arbeitsfähigkeit einschränkt resp. in bedeutendem Umfang eben nicht einschränkt und gleichzeitig eine an sich notwendige berufliche Eingliederung überhaupt nicht zulässt. Dass die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens zwar erwerbstätig sein kann, für eine berufliche Massnahme hingegen die zumutbare Willensanstrengung nicht ausreicht, wirft die Frage nach der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem in Betracht fallenden Arbeitsmarktsegment auf. Abklärungen in dieser Hinsicht drängen sich umso mehr auf, wenn das angestammte Berufsfeld eng ist und die Art der gesundheitlichen Beeinträchtigung weitere Restriktionen in dem auch ohne Eingliederungsmassnahmen zumutbaren erwerblichen Bereich erwarten lässt. Unter diesen Umständen geht es nicht an, alle einfachen und repetitiven Tätigkeiten mit dem tiefsten Anforderungsniveau 4 gemäss den Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik grundsätzlich als in Betracht fallende Beschäftigungen zu erachten und das Invalideneinkommen auf der Grundlage der entsprechenden Durchschnittslöhne zu berechnen. Wird aus medizinisch-theoretischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in bedeutendem Umfang bejaht, gleichzeitig die Eingliederungsfähigkeit aber verneint, ist mithin genau abzuklären, welche konkreten Tätigkeiten effektiv noch zumutbar sind sowohl für die versicherte Person als auch aus Sicht des Arbeitsmarktes (AHI 2001 S. 228 Erw. 2b; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c in fine). 5.3.2 Die Beschwerdeführerin leidet an einer generalisierten Angststörung mit sekundärer depressiver Erkrankung, Rückzugsverhalten und Vermeidungstendenz. Sie ist vermindert belastbar, verfügt über wenig Durchhaltevermögen und sie ist wenig stressbelastungsfähig (ZMB-Gutachten vom 13. Juli 2001). Gemäss Dr. med. L.________ besteht auch eine Agoraphobie mit Panikstörung seit Mai 2000 (Bericht vom 4. Februar 2002). Dieses Beschwerdebild sowie das als eng zu bezeichnende angestammte Berufsfeld (Bijouterieverkauf und Tierpflege) erfordern im Lichte des Vorstehenden genaueren Aufschluss darüber, welche konkreten Tätigkeiten effektiv in Betracht fallen. Insofern ist der rechtserhebliche Sachverhalt ungenügend abgeklärt und die Sache nicht spruchreif. 5.3.3 Die Akten sind daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie die notwendigen Erhebungen vornehme und danach über den Rentenanspruch neu verfüge. Je nachdem wird die Verwaltung das Valideneinkommen neu festzusetzen haben. Für die Ermittlung dieser Einkommensgrösse kann in der Regel nicht ohne weiteres auf den im letzten Jahr vor Aufgabe der Erwerbstätigkeit erzielten Verdienst abgestellt werden. Dies gilt namentlich bei Selbstständigerwerbenden und bei schwankenden Einkommen. Im Übrigen ist auf Grund der Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin aus persönlichen und finanziellen Gründen die zuletzt ausgeübte Tätigkeit früher oder später zu Gunsten einer anderen Beschäftigung aufgegeben hätte.