Citation: 2C_533/2021 E. 10.1

10.1. Das Bundesgericht hat in einigen Urteilen erwogen, dass das Recht auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK Personen nicht nur vor staatlichen Eingriffen schützt, welche die Trennung der Familie bezwecken oder zur Folge haben, sondern auch vor dem staatlichen Zwang, zusammenleben zu müssen (vgl. BGE 139 I 257 E. 5.2.1; 139 I 155 E. 4.1; 137 V 334 E. 6.1.1 mit Hinweis auf PASCAL MAHON, in: Petit commentaire de la Constitution fédérale de la Confédération suisse du 18 avril 1999, 2003, N. 5 und 7 f. zu Art. 13 BV). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat derweil festgehalten, dass die Staaten unter gewissen Umständen verpflichtet sind, Mittel vorzusehen, um Ehegatten von der Verpflichtung des Zusammenlebens zu entbinden (Urteil des EGMR Johnston und andere gegen Irland vom 18. Dezember 1986, Serie A Bd. 112 § 57). Hingegen ergibt sich nach der Rechtsprechung des EGMR aus Art. 8 EMRK kein Recht auf Scheidung (Urteile des EGMR Babiarz gegen Polen vom 10. Januar 2017 § 49 mit Hinweisen; F. gegen Schweiz vom 18. Dezember 1987, Serie A Bd. 128 § 38; Johnston und andere gegen Irland, § 57).