Citation: 1C_135/2020 E. 4.3

4.3. Für die Auffassung der Beschwerdeführerin spricht die grammatikalische Auslegung von § 90 Abs. 2 BPG. Sie vertritt denn auch den Standpunkt, der Wortlaut sei derart klar, dass davon nicht abgewichen werden dürfe. Das Kantonsgericht stellt dieser Auffassung den Methodenpluralismus bei der Gesetzesinterpretation gegenüber. Es beurteilt die Verordnungsregelung von § 52 Abs. 2 BPV insbesondere aus historischer Sicht als Fortführung einer früheren Praxis sowie vom Gesetzeszweck her gerechtfertigt und spricht dem Regierungsrat als Verordnungsgeber einen entsprechenden Gestaltungsspielraum bei der Umsetzung des Gesetzes zu. Das Kantonsgericht vermag sich dabei auf eine langjährige Praxis der Baubewilligungsbehörden und auf ein einschlägiges eigenes Urteil von 2014 zu stützen. Es begründet seine Rechtsprechung im Wesentlichen damit, die Grösse und Höhe eines Baukörpers seien für die Bestimmung des Grenzabstandes mit Blick auf dessen baupolizeiliche, gestalterische, ästhetische, siedlungsstrukturierende und soziale Funktionen wichtiger als die reine Geschosszahl. Das Kantonsgericht führt als zusätzliches Argument an, der Standpunkt der Beschwerdeführerin laufe auf eine Praxisänderung hinaus, für welche die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass es sich um eine Praxisänderung handle.