Citation: 8C_203/2018 E. 10.1

10.1. Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, es liege auf der Hand, dass die unbehandelte Hüftsubluxation die Eingliederung der Beschwerdeführerin ins Erwerbsleben erheblich erschweren würde. Folglich wirke sich die Hüftabduktionsorthese eingliederungsfördernd aus, weshalb die Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 12 IVG erfüllt seien. Zwar gehörten offenbar leichte bis mittelschwere geistige Behinderungen zu typischen Syndromen eines WBS. Daraus könne aber nicht abgeleitet werden, dass zum Vornherein damit zu rechnen wäre, die Versicherte werde nie einen ökonomisch relevanten Mehrwert erzielen bzw. nie erwerbstätig sein können. Die Akten enthielten jedenfalls keinen Anhaltspunkt für eine solche Prognose. Diese Beweislosigkeit müsste nach Art 8 ZGB zur Verweigerung der Massnahmen nach Art. 12 IVG führen. Damit würde eine erhebliche Erschwerung einer möglichen späteren Eingliederung in Kauf genommen. Die Versicherte könnte dann nämlich erst kurz vor Ende der schulischen Ausbildung medizinische Massnahmen beanspruchen und müsste alles wettmachen, was in den Jahren zuvor versäumt worden sei. Dies wäre absurd und liefe offenkundig dem Sinn und Zweck des Art. 12 IVG zuwider. Da Eingliederungsmassnahmen im Vergleich zu Renten in aller Regel kostengünstiger seien, sei die Verweigerung einer Eingliederungsmassnahme, die das Risiko einer späteren Rentenleistung erhöhe, unverhältnismässig. Wenn also nicht mit einer höheren Plausibilität feststehe, dass die versicherte Person später selbst im besten Fall und trotz maximaler Unterstützung durch die Invalidenversicherung nie ein ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen werde erzielen können, müsse nach Sinn und Zweck des Art. 12 IVG ein Anspruch auf eine medizinische Eingliederungsmassnahme bejaht werden, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt seien.