Citation: 6S.427/2005 06.04.2006 E. 1

Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass er sich im Zeitpunkt der Einreichung der Nichtigkeitsbeschwerde am 9. November 2005 seit knapp 17 Monaten in Untersuchungs- und Sicherheitshaft befunden habe. Infolge Anrechnung dieser Haft habe er die ausgefällte Strafe schon mehr als verbüsst. Daher seien die Anordnung beziehungsweise der Vollzug einer stationären Massnahme nicht mehr zulässig (Beschwerde S. 5). Die Rüge ist unbegründet. Eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kann auch angeordnet werden, wenn es keine Zuchthaus- oder Gefängnisstrafe zu vollziehen gibt, sei es, weil der Täter zufolge Unzurechnungsfähigkeit (Art. 10 StGB) nicht zu einer Strafe verurteilt wurde, sei es, weil die ausgefällte Freiheitsstrafe durch Anrechnung der Untersuchungshaft etc. erstanden ist. Allerdings ist beim Entscheid über die Anordnung einer stationären Massnahme in Abwägung aller relevanter Kriterien nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit auch der Umstand zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer die ausgefällte Gefängnisstrafe von 15 Monaten - und übrigens auch die vollziehbar erklärte Strafe von 30 Tagen - durch die angerechnete Untersuchungs- und Sicherheitshaft bereits verbüsst hat und ihm somit durch die Anordnung einer stationären Massnahme die Freiheit über die schuldangemessene Strafe hinaus zusätzlich entzogen wird.