Citation: 1B_486/2018 E. 4.3

4.3. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe in diesem Zusammenhang ein Hafthindernis (wegen krasser Verletzung des Spezialitätsgrundsatzes oder anderer Bestimmungen des Auslieferungsrechts, vgl. BGE 133 I 234) zu Unrecht verneint, verfängt nicht. Ein Hafthindernis besteht umso weniger, als die Anlasstaten des hängigen Nachverfahrens eine versuchte Tötung und eine versuchte schwere Körperverletzung sind und der Beschwerdeführer einräumt, dass das italienische Justizministerium die Auslieferung wegen solchen Straftaten ("tentato omicidio e lesioni personali gravi") unter entsprechendem Spezialitätsvorbehalt (Art. 14 EAUe, SR 0.353.1) bewilligt hat. Auch der Einwand, die italienischen Behörden hätten nicht erkannt, dass die Auslieferung zur Durchführung eines vollzugsrechtlichen (Nach-) Verfahrens erfolgte, schlägt nicht durch. Der Beschwerdeführer weist selber darauf hin, dass die Auslieferung zum "Zwecke eines Strafverfahrens resp. des Vollzuges einer bereits gerichtlich festgestellten freiheitsentziehenden Sanktion" erfolgte bzw. gestützt auf die rechtskräftige Verurteilung vom 2. März 2005 ("alla pena di otto anni di reclusione"). Er bestreitet auch den Hinweis der Vorinstanz nicht, dass im (auf italienisch übersetzten) Haftbefehl des Strafgerichtes vom 26. Februar 2018, der dem Auslieferungsersuchen zugrunde lag, explizit dargelegt wurde, dass die Anwesenheit des Beschwerdeführers im Verfahren vor dem Strafgericht betreffend Anordnung der Verwahrung (eventualiter einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB oder einer ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB) und zum allfälligen Vollzug einer freiheitsentziehenden Massnahme verlangt werde. Die These, der Vollzug einer freiheitsentziehenden Massnahme bzw. ein massnahmenrechtliches gerichtliches Nachverfahren könne "keine Strafsache gemäss Rechtshilferecht" darstellen, findet in den anwendbaren auslieferungsrechtlichen Rechtsquellen keine Stütze: Italien und die Schweiz haben sich gegenseitig verpflichtet, einander Personen auszuliefern, die wegen einer strafbaren Handlung verfolgt oder zur Vollstreckung einer Strafe oder einer "sichernden Massnahme" ("mesure de sûreté") gesucht werden (Art. 1 EAUe). Der Begriff der sichernden Massnahme umfasst alle die Freiheit beschränkenden Massnahmen, die durch ein Strafgericht neben oder an Stelle einer Strafe angeordnet worden sind (Art. 25 EAUe). Das Vorbringen, das italienische Recht kenne (angeblich) kein vollzugsrechtliches Nachverfahren im Sinne von Art. 363-365 StPO, betrifft Fragen des inländischen Strafprozessrechts des ersuchten Staates. Selbst wenn diese Behauptung zuträfe, ergäbe sich daraus -entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers - kein Auslieferungshindernis unter dem Gesichtspunkt der (materiellrechtlichen) beidseitigen Strafbarkeit (Art. 2 Ziff. 1 EAUe) : Tötungsversuch und versuchte schwere Körperverletzung sind auch in Italien strafbar und mit einer Freiheitsstrafe oder die Freiheit beschränkenden sichernden Massnahme im Höchstmass von mindestens einem Jahr bedroht. Der internationalstrafrechtliche Grundsatz der beidseitigen Strafbarkeit verlangt weder identische Strafnormen oder Sanktionsdrohungen, noch identische strafprozessuale Regeln im ersuchten und ersuchenden Staat (BGE 132 II 81 E. 2.1 S. 84; 129 II 462 E. 4.6 S. 466 mit Hinweisen). Ein Hafthindernis wegen illegaler Auslieferung ist nicht dargetan.