Citation: 9C_680/2018 E. 6.2

6.2. Für die Folgezeit (E. 5.2) steht fest, dass im Alter von neun Jahren eine weitere Abklärung zu einem klaren Ausschluss eines Asperger-Syndroms führte (Bericht des Dr. med. H.________ und des lic. phil. I.________ vom 29. August/1. September 2011) und dass mit dreizehn Jahren zwar Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion festgestellt wurden, welche indessen von der Ausprägung und Intensität her nicht reichten für eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum (Bericht der Psychiatrischen Dienste L.________ vom 1. Juni 2015). Wenn Psychologe D.________ im Jahr 2016 - der Versicherte war inzwischen vierzehn Jahre alt - als Erster und abweichend von allen Fachleuten, die den Versicherten in der Vergangenheit beurteilt hatten, «deutliche Hinweise auf ein Asperger-Syndrom» feststellte (Bericht vom 28. Juli 2016), so verletzt die vorinstanzliche Erkenntnis, dass sich daraus keine Rückschlüsse auf das Vorliegen der entsprechenden Symptome im relevanten Zeitraum (d.h. vor dem 14. Mai 2007) ziehen liessen, kein Bundesrecht: Denn vorab war beim Versicherten noch vier bzw. acht Jahre nach Erreichen der massgebenden Altersgrenze - mithin bereits in einem beträchtlichen zeitlichen Abstand (vgl. E. 3.5) - ein Asperger-Syndrom explizit ausgeschlossen worden (Berichte des Dr. med. H.________ und des lic. phil. I.________ vom 29. August/1. September 2011 sowie der Psychiatrischen Dienste L.________ vom 1. Juni 2015). Sodann erwähnte Psychologe D.________ selber, er gebe «den aktuellen Stand» wieder, mithin den Zustand im Jahr 2016. Soweit er dennoch insoweit auf die ersten Lebensjahre Bezug nahm, als er eine «von klein auf deutlich reduzierte Fähigkeit, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen» (im Sinne einer für ein Asperger-Syndrom sprechende Störung der Beziehungsfähigkeit), feststellte, so ist darauf hinzuweisen, dass die Schwierigkeiten im sozialen Bereich damals (vgl. insbesondere Berichte des Spitals E.________ vom 15. Juli 2005 und 5. September 2006) nachvollziehbar auf die verzögerte Sprachentwicklung (mit Verdacht auf ADS) bzw. die damit einhergehenden Frustrationserlebnisse sowie Verhaltensauffälligkeiten im Sinne von Hyperaktivität, Distanzlosigkeit und Impulsivität zurückgeführt wurden, die sich ähnlich auswirken können (vgl. zur ADS-Problematik auch Urteile 8C_269/2010 vom 12. August 2010 E. 5.1.3 Abs. 1 in fine und I 302/05 vom 31. Oktober 2005 E. 2.2.1 in initio; vgl. auch STEINHAUSEN, a.a.O., S. 129 und 160). Unter diesen Umständen - insbesondere mit Blick auf die zahlreichen, fundierten Abklärungen - fehlt eine Grundlage für die vom Versicherten vertretene Auffassung, wonach viele Symptome bereits in den ersten fünf Lebensjahren aufgetreten, aber falsch gedeutet worden seien. Vielmehr zeigt die grosse zeitliche Distanz, mit welcher erstmals (deutliche) Hinweise auf ein (in der Vergangenheit ausdrücklich ausgeschlossenes) Asperger-Syndrom festgehalten wurden, dass es sich nicht um ein prä- oder perinatales Störungsbild, sondern um ein später erworbenes Leiden handelt.