Citation: 6B_1006/2017 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt, die Kernaussage des Gutachtens sei, dass aufgrund der aussageanalytischen Beurteilung nicht über jeden Zweifel erhaben bestätigt werden könne, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin der Realität entsprechen würden. Gemäss Gutachter sei gesamthaft gesehen und in Anbetracht aller Elemente aber die Wahrscheinlichkeit, dass die gemachten Aussagen erlebnisbasiert seien und dass sie nicht durch Suggestionseffekte entstanden oder erlogen seien, deutlich grösser als die gegenteiligen Hypothesen. Das Gutachten sei in Auftrag gegeben worden, um die Widersprüche in den Aussagen der Beschwerdeführerin zu plausibilisieren. Es liefere jedoch keine überzeugende Erklärung. Es bestünden zudem triftige Gründe, weshalb vom Gutachten abzuweichen sei (Urteil S. 19 f. E. 6.10 f.). Nachdem die Vorinstanz ihre Gründe erörtert, weshalb ihres Erachtens vom Gutachten abzuweichen ist (Urteil S. 20-28 E. 6.12-6.21), kommt sie zum Schluss, blende man die vorerwähnten aussagepsychologischen Grenzüberschreitungen und die methodischen Schwächen aus, lasse sich das Gutachten - auf seine rein aussagepsychologische Tragweite reduziert - dahingehend interpretieren, dass das vorliegende Aussagematerial keine taugliche Grundlage für eine Falsifikation der Falschbezichtigungshypothese bilde. Eine nähere Prüfung allfälliger Suggestionshypothesen könne vor diesem Hintergrund unterbleiben. Demnach sei die Nullhypothese insgesamt als nicht falsifiziert zu betrachten, so dass die Aussageanalyse einen Erlebnisbezug nicht indiziere. Demzufolge würden hier triftige Gründe vorliegen, die dem Gericht gestatten würden, im Rahmen der vorstehenden Differenzierungen vom Gutachten abzuweichen. Es bleibe im Folgenden zu prüfen, ob sich der Anklagesachverhalt gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin erstellen lasse. Auf eine Ergänzung des Gutachtens bzw. auf ein Obergutachten könne unter diesen Umständen verzichtet werden, zumal die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen der gutachterlichen Exploration, wie erwähnt, kaum tatspezifische Aussagen gemacht habe (Urteil S. 28 f. E. 6.22).