Citation: 4A_455/2021 E. 4.3.1

4.3.1. Sie erwog, die Beschwerdeführerin habe der Beschwerdegegnerin die Schlussabrechnung vom 26. April 2016 per Post zugestellt. Daher sei zu vermuten, dass die Schlussabrechnung der Beschwerdegegnerin am 27. April 2016 zugegangen sei. Somit sei die Frist für die Prüfung der Schlussabrechnung unter Berücksichtigung von Art. 77 Abs. 1 Ziff. 3 OR am 27. Mai 2016 abgelaufen, nämlich einen Monat später gemäss Art. 154 Abs. 2 Satz 1 SIA-Norm 118. Die Beschwerdeführerin behaupte nicht, dass sie der Beschwerdegegnerin zur Prüfung der Schlussabrechnung eine Nachfrist gemäss Art. 155 Abs. 2 SIA-Norm 118 angesetzt habe. Die Ansetzung einer Nachfrist erweise sich jedoch in analoger Anwendung von Art. 108 Ziff. 1 OR als entbehrlich, wenn aus dem Verhalten des Schuldners hervorgehe, dass sie sich als unnütz erweisen würde. Die Beschwerdegegnerin habe mit Schreiben vom 18. Januar 2016 auf die nachträgliche Leistung im Sinne von Art. 107 Abs. 2 OR verzichtet. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin in diesem Schreiben und ihr weiteres Verhalten würden belegen, dass sie bereits damals nicht bereit gewesen sei, der Beschwerdeführerin eine weitere Vergütung zu bezahlen. Die Beschwerdegegnerin habe denn auch keine Zahlung mehr an die Beschwerdeführerin geleistet. Eine Nachfrist hätte sich deshalb als nutzlos erwiesen. Deshalb sei die Forderung mit Ablauf der Prüfungsfrist am 27. Mai 2016 fällig geworden. Die daran anschliessende Zahlungsfrist von 90 Tagen gemäss Art. 7.1.5 des Werkvertrags sei unter Berücksichtigung von Art. 77 Abs. 1 Ziff. 1 OR am 25. August 2016 abgelaufen.