Citation: 7B_732/2023 E. 4.3

4.3. Der Beschwerdeführer war gemäss der Vorinstanz im Zeitpunkt des Berufungsverfahrens 56 Jahre alt und seit rund 23 Jahren, d.h. seit 1999 in der Schweiz wohnhaft. Er stamme aus Serbien, Presovo. Seine erste Ehe mit einer Schweizerin sei kinderlos geschieden worden. Er sei mit seiner ebenfalls aus Serbien stammenden Ehefrau seit dem Jahr 2011 verheiratet. Diese sei im Rahmen des Familiennachzugs im Jahr 2015 in die Schweiz gekommen und verfüge über kein selbstständiges Aufenthaltsrecht in der Schweiz. Die drei Kinder des Ehepaars (Jahrgänge 1993, 1996, 1999) seien in Serbien bei der Ehefrau bzw. nach deren Wegzug in die Schweiz bei Familienangehörigen (den Grosseltern, der Schwester und der Schwägerin des Beschwerdeführers) aufgewachsen. Alle Kinder seien volljährig, verheiratet und leben in Basel, Landquart und Deutschland, wo sie auch arbeiten. Die Eltern des Beschwerdeführers seien 1988 bzw. 2014 verstorben. Schwester und Bruder, zu welchen der Beschwerdeführer einen guten Kontakt pflege, lebten nach wie vor in Presovo, Serbien. Der Beschwerdeführer verfüge über die Niederlassungsbewilligung C. Die Vorinstanz würdigt zum Privatleben des Beschwerdeführers, dass dieser nebst der gelebten Beziehung zu seiner Ehefrau keine besonders intensiven familiären Bindungen in der Schweiz unterhalte, die einen Härtefall begründen könnten oder der Garantie von Art. 8 EMRK zuwiderlaufen würden. Namentlich seien seine Kinder erwachsen und selbständig. Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau würden ihre Ferien in Serbien verbringen und gemäss dem Beschwerdeführer selbst sei es seiner Frau in Serbien besser gegangen. Er habe diese auch nach Serbien geschickt, als das Vorverfahren gegen ihn lief, um sie von einer Dummheit bzw. einem Suizid abzuhalten. Daraus gehe hervor, dass die Ehefrau in Serbien grundsätzlich gut aufgehoben sei. Es sei den Ehegatten zuzumuten, ihr Familienleben in ihrer Heimat fortzuführen. Die Vorinstanz verneint eine gelungene soziale, sprachliche und wirtschaftliche Integration des Beschwerdeführers trotz langer Anwesenheitsdauer in der Schweiz. Sein gesellschaftliches Leben spiele sich primär mit Landsleuten ab. Er habe eine Schweizer Bekannte, die ihm bei administrativen Angelegenheiten helfe. Indessen könne aus einer alleinigen Beziehung zu einer Person nicht auf eine besonders intensive und über das Normale hinausgehende Integration geschlossen werden. Sodann spreche der Beschwerdeführer albanisch, serbokroatisch und verstehe mittlerweile Berndeutsch. Im Jahr 2018 habe er noch eine Übersetzung benötigt. Erst im Laufe des Verfahrens habe er seine Deutschkenntnisse verbessert, was von ihm bei einem Aufenthalt von 23 Jahren im Gaststaat erwartet werden dürfe. Schliesslich sei die wirtschaftliche Integration gescheitert. Er sei wiederholt als Gerüstbauer tätig gewesen, habe aber die Arbeit mehrfach verloren und sei vom RAV unterstützt worden. Auch im Verfahren vor erster Instanz sowie im Berufungsverfahren sei er arbeitslos und auf Arbeitssuche gewesen. Seine Arbeits- und Einkommenssituation sei im Laufe der Jahre stets unsicher gewesen. Er habe auch nicht über landesübliche Kanäle Arbeit gesucht, sondern bei Landsleuten um Arbeit nachgefragt. Er beziehe aktuell Sozialhilfe und sei mit Verlustscheinen von über Fr. 200'000.-- und laufenden Pfändungen von rund Fr. 125'000.-- hoch verschuldet. Weiter berücksichtigt die Vorinstanz den Gesundheitszustand der Ehefrau des Beschwerdeführers, welche nach einem Hirnschlag im Jahr 2014 wieder zwei Stunden pro Abend arbeitet und ihr Arbeitspensum steigern will. Ihre bestehenden Beschwerden (Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Vergesslichkeit und Depression) könnten auch im Ausland medikamentös behandelt werden, soweit dies überhaupt erforderlich sei. Es bestehe kein Anhaltspunkt, dass sie auf eine Betreuungsperson angewiesen sei. Mit einem Umzug in die Heimat drohe der Ehefrau keine akute Gefahr für ihre Gesundheit. Sodann geht die Vorinstanz davon aus, dass die Wiedereingliederung des Beschwerdeführers in Serbien nach seinem 23-jährigen Aufenthalt in der Schweiz zwar mir Schwierigkeiten verbunden, aber dennoch möglich sei. Er sei dort aufgewachsen, beherrsche die Landessprache, sei mit der Kultur vertraut und regelmässig nach Serbien gereist. Sodann verfüge er über berufliche Erfahrungen, die ihm in der Heimat helfen würden. Namentlich besitze er den Führerausweis für Camions mit Anhänger, was einer Anstellung als Chauffeur oder Staplerfahrer förderlich sei. Alle diese vorinstanzlichen Erwägungen kritisiert der Beschwerdeführer zu Recht nicht. Er wendet sich lediglich gegen die Würdigung seiner gesundheitlichen Situation und die Gewichtung der von ihm verübten Delikte. Soweit er dabei von einem vom angefochtenen Urteil abweichenden Sachverhalt ausgeht, ist seiner Beschwerde kein Erfolg beschieden (vgl. oben E. 3). Die Vorinstanz geht zutreffend davon aus, dass die beim Beschwerdeführer vorhandenen Krankheiten gängiger Natur sind und auch in Serbien behandelt werden können. Es ist nicht ersichtlich, dass dem Beschwerdeführer zufolge seiner peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, dem Restless-Legs-Syndrom oder Diabetes mellitus Typ 2 eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK drohen würde und sich alleine daraus ein Härtefall nach Art. 66a Abs. 2 StGB herleiten liesse. Vorliegend sind die erforderlichen Behandlungen erhältlich. Sodann besteht kein medizinischer Notfall und auch kein reales Risiko, dass der Beschwerdeführer durch die Rückweisung in seine Heimat einem sehr starkem Leiden oder dem Tod ausgesetzt wird. Der Umstand, dass das Sozial- und Versicherungswesen in Serbien nicht demjenigen der Schweiz entspricht, hat nicht die Unzumutbarkeit einer Landesverweisung zur Folge (BGE 139 ll 393). Die insgesamt vorgenommene vorinstanzliche Würdigung geht detailliert auf die massgebenden Punkte ein und beleuchtet diese sorgfältig. Dass die Vorinstanz gesamthaft gesehen einen Härtefall verneint, erweist sich als bundesrechtskonform.