Citation: I 799/05 10.05.2006 E. 5

5.1 Die Ablehnungsverfügung vom 19. November 2002 beruhte auf der Feststellung, dass die geltend gemachten Nasen- und Atembeschwerden sowie funktionellen Magen-/Darmprobleme laut ärztlichen Auskünften keine Arbeitsunfähigkeit begründeten. Gemäss vorinstanzlich aufgelegten Unterlagen liegt neben den erwähnten aktenkundigen Beschwerden neu ein ausgeprägtes myofasciales Cervicalsyndrom mit Nacken-, Kopf- und Schulterbeschwerden vor, welches auf ein bei einem Auffahrunfall vom 22. Juli 2003 erlittenes Schleudertrauma der HWS zurückzuführen sei (Bericht des Dr. med. B.________ vom 15. Juni 2005). Im erwähnten Arztbericht wird darauf hingewiesen, dass an der gesamten Symptomatik der Psychostatus nicht unerheblich beteiligt ist. Dr. med. W.________ bestätigt eine seit 17. Dezember 2002 bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit (Ärztliche Zeugnisse vom 1. und 15. April 2005). Die Versicherungsgesellschaft Y.________ erbringt seit 17. Dezember 2002 Krankentaggeldleistungen. Aus diesen Unterlagen schloss die Vorinstanz, dass eine für den Anspruch auf Rente erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit 19. November 2002 (ablehnende Renteverfügung) glaubhaft gemacht sei. 5.2 Die IV-Stelle macht im Einzelnen geltend, Dr. med. B.________ behandle den Beschwerdegegner erst seit 4. Mai 2005. Von einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS sei vorgängig nie die Rede gewesen. Es beständen diesbezüglich auch keine Unterlagen. Die Arbeitsunfähigkeitszeugnisse des Dr. med. W.________ enthielten weder eine Diagnose noch eine Begründung, weshalb sie keinen Hinweis auf eine Gesundheitsverschlechterung enthielten. Die offenbar gestützt darauf erbrachten Taggeldversicherungsleistungen der Versicherungsgesellschaft Y.________ bildeten daher kein Indiz dafür, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdegegners seit Erlass der Verfügung vom 19. November 2002 erheblich verändert habe. 5.3 Gemäss Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 4 IVV ist im Neuanmeldegesuch nur glaubhaft zu machen ist, dass sich der Grad der Invalidität seit der vorangegangenen rechtskräftigen Rentenverweigerung in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Unter Glaubhaftmachen ist nicht ein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 121 V 47 Erw. 2a, 208 Erw. 6b) zu verstehen, was die IV-Stelle übersieht. Die Beweisanforderungen sind vielmehr herabgesetzt (Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 272), indem nicht im Sinne eines "vollen Beweises" (ZAK 1971 S. 525 Erw. 2) die Überzeugung der Verwaltung begründet zu werden braucht, dass seit der letzten, rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist. Vielmehr genügt es, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung würde sich die behauptete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Es ist zwar einzuräumen, dass laut Berichten der Dres. med. H.________ (vom 9. April 2003) und G.________ (vom 12. Februar 2004) aus ORL-ärztlicher Sicht im wesentlichen dasselbe Beschwerdebild vorliegt, welches schon bei Erlass der Ablehnungsverfügung vom 17. November 2002 bestanden hat. Indessen nehmen die genannten Ärzte zur Arbeitsunfähigkeit nicht Stellung. Es liegen einzig die Ärztlichen Zeugnisse des Dr. med. W.________ vor, worin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab 17. Dezember 2002 bestätigt wird. Unter diesen Umständen ist nicht auszuschliessen, dass sich die Beschwerden verstärkten und die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten. Sodann ist auf Grund der eingereichten Unterlagen entgegen der Auffassung der IV-Stelle davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner einen Unfall erlitten hat, wobei nicht klar ist, wann sich dieser zugetragen hat. Dr. med. G.________ weist darauf hin, dass der Versicherte der SUVA "via Unfallmeldung UVG von der Firma O.________ AG" gemeldet wurde. Mit der medizinischen Beurteilung des Dr. med. B.________ (Bericht vom 15. Juni 2005), wonach das als ausgeprägt bezeichnete Cervicalsyndrom seit dem Unfall vom 22. Juni 2003 bestehe, liegt ein deutlicher Hinweis vor, dass der Beschwerdegegner durch die Symptomatik seit längerer Zeit, jedenfalls schon vor Erlass des Einspracheentscheids vom 11. Juli 2005, in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Auch wenn Dr. med. B.________ den Beschwerdegegner erst seit 4. Mai 2005 betreut hat, so ist seine Schlussfolgerung jedenfalls nicht als rein spekulativ zu bezeichnen. Nicht ersichtlich ist, inwiefern wegen des Umstands, dass das Cervicalsyndrom behandelbar ist, die diesbezüglichen gesundheitlichen Beschwerden nicht glaubhaft gemacht sind. 5.4 Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie auf das Neuanmeldegesuch vom 9. März 2004 materiell eintrete.