Citation: 4C.222/2004 14.09.2004 E. 5

Der Schaden aus eingeschränkter oder entfallener Arbeitsfähigkeit zur Führung des Haushalts wird nach der Rechtsprechung nicht bloss ersetzt, wenn konkret Kosten für Haushalthilfen erwachsen; zu ersetzen ist vielmehr der wirtschaftliche Wertverlust, der durch die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt entstanden ist, unabhängig davon, ob dieser Verlust zur Anstellung einer Ersatzkraft, zu vermehrtem Aufwand der Teilinvaliden, zu zusätzlicher Beanspruchung von Angehörigen oder zur Hinnahme von Qualitätsverlusten führt. Der Wertverlust bemisst sich nach dem Aufwand, den eine entgeltlich eingesetzte Ersatzkraft verursachen würde (BGE 127 III 403 E. 4b S. 405 f., mit Verweisen). Den für die Erledigung des Haushalts erforderlichen Aufwand kann das Sachgericht entweder ausschliesslich gestützt auf statistische Daten festlegen oder konkret ermitteln; stützt es sich auf statistische Daten, kann der Aufwand im Berufungsverfahren als Rechtsfrage überprüft werden, wobei sich das Bundesgericht eine gewisse Zurückhaltung auferlegt (BGE 129 III 135 E. 4.2.1 S. 152). 5.1 Die Beklagte vertritt die Ansicht, die Ermittlung des Aufwands aufgrund statistischer Erfahrungswerte widerspreche dem Prinzip der konkreten Schadensbemessung (vgl. BGE 129 III 135 E. 4.2.1 S. 153, mit Verweisen). Sie überschätzt damit die Möglichkeiten, die typischerweise der beweisbelasteten Geschädigten zur Verfügung stehen, um den von ihr ohne das schädigende Ereignis geleisteten Arbeitsaufwand im Haushalt nachzuweisen und übersieht, dass mit repräsentativen statistischen Werten gerade ausgeschlossen werden soll, dass auf blosse Behauptungen der Ansprecherin abgestellt werden muss. Nicht erkennbar ist sodann, inwiefern mit den von der Beklagten befürworteten Beweismassnahmen eines Augenscheins im Haushalt der Klägerin unter Beizug einer gerichtlich bestellten Haushaltgutachterin und eines hauswirtschaftlichen Gutachtens verlässlichere Feststellungen zum erforderlichen Aufwand im Haushalt der Klägerin hätten erhoben werden können; denn es ist nicht allein der aktuelle, sondern auch der künftige Aufwand festzustellen. Entgegen der Ansicht der Beklagten ist daran festzuhalten, dass die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) eine repräsentative Grundlage für die Ermittlung des Zeitaufwandes im Haushalt bildet (BGE 129 III 135 E. 4.2.2.1 S. 155 f.). 5.2 Das Obergericht hat im vorliegenden Fall auf die Berechnung des zeitlichen Aufwands durch das Kantonsgericht verwiesen. Dieses hatte die tabellarischen Mittelwerte beigezogen, die in einer Abhandlung auf der Grundlage der SAKE-Daten von 1997 nach Haushaltsgrösse und -zusammensetzung ermittelt worden waren (Pribnow/Widmer/Sousa-Poza/Geiser, Die Bestimmung des Haushaltsschadens auf der Basis der SAKE, HAVE 2002 S. 37). Die Autoren begründen im Einzelnen nachvollziehbar, wie sie auf der Basis der SAKE-Erhebungen zu den Haushaltsarbeiten (Pribnow/Widmer/Sousa-Poza/Geiser, a.a.O., S. 25) die Tabellen aufgrund der zentralen vier Parameter Haushaltsgrösse, Erwerbsstatus und Geschlecht sowie Alter allfälliger Kinder nach Mittelwerten errechnet haben (Pribnow/Widmer/Sousa-Poza/Geiser, a.a.O., S. 28 f.). Die kantonalen Gerichte haben kein Bundesrecht verletzt, indem sie für die Bemessung des erforderlichen Aufwands zur Führung des Haushalts der Klägerin auf diese Tabellen abgestellt haben.