Citation: 5C.108/2006 21.08.2006 E. 4

Die ihm auferlegte Unterhaltspflicht ficht der Beklagte sodann auch mit der Begründung an, das Kantonsgericht habe die nach Art. 125 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB massgebende Dauer der Ehe nicht richtig bestimmt. 4.1 Das Kantonsgericht bemerkt, es sei unklar, wie die Ehedauer zu berechnen sei. Für das Ende der Ehe stelle das Bundesgericht auf den Zeitpunkt der Trennung und damit auf die faktischen Verhältnisse ab, doch habe es bisher offen gelassen, ob auch ein voreheliches Zusammenleben zur Dauer der Ehe zu rechnen sei. Konsequenterweise gehe das eine mit dem anderen einher: Entweder sei in beiden Fällen auf die faktische Situation abzustellen oder aber in beiden Fällen auf die rein rechtliche Lage. So besehen erscheine es sachgerecht, das voreheliche Zusammenleben immer dann in die Beurteilung mit einzubeziehen, wenn damit die eheliche Arbeitsteilung und Lebenshaltung vorweggenommen worden sei. Dass in der parlamentarischen Beratung abgelehnt worden sei, ein voreheliches Zusammenleben generell zur Dauer der Ehe hinzuzurechnen, lasse eine differenzierte Betrachtungsweise, die sich an den Besonderheiten des Einzelfalles orientiere, nicht als ausgeschlossen erscheinen. Für den zu beurteilenden Fall wirft die Vorinstanz die Frage auf, wie weit sich durch die erste Scheidung der Parteien im Juli 1992 und ihre Wiederverheiratung im November 1993 unterhaltsrechtlich eine Zäsur ergeben habe, die es rechtfertigen würde, nur auf die zweite Ehe abzustellen und diese als nicht lebensprägend einzustufen. Sie gelangt zum Schluss, dass sich durch die erste Scheidung unterhaltsrechtlich faktisch keine grundlegenden Veränderungen ergeben hätten, zumal die in der seinerzeitigen Scheidungskonvention vom Mai 1992 getroffene Regelung wegen der Wiederverheiratung nie zum Tragen gekommen sei. Das Kantonsgericht ist der Ansicht, dass ausschlaggebend für die Wiederverheiratung neben den Kindern finanzielle Gründe gewesen sein dürften: Die Klägerin habe die wirtschaftliche Selbständigkeit vermeiden wollen, die sie innert weniger Jahre zu erreichen gehabt hätte, und der Beklagte habe zumindest in der Übergangszeit wohl Unterhalt sparen können. Sodann sei anzunehmen, dass auch in der zweiten Ehe eine über die finanziellen Verpflichtungen hinausgehende Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Lebensplan bestanden habe, hätten doch die Parteien sonst wohl kaum noch 1998 mit Mitteln der Klägerin eine Eigentumswohnung im Miteigentum gekauft. In Würdigung der von ihr festgestellten Gegebenheiten hält es die Vorinstanz für stossend, formell einzig auf die Dauer der zweiten Ehe abzustellen, da andernfalls allein die Klägerin die Folgen der ehelichen Arbeitsteilung zu tragen hätte, die insgesamt achtzehn Jahre gedauert habe und deren Auswirkungen nicht ohne weiteres rückgängig zu machen seien. Das Gesagte bedeute, dass die Klägerin als Folge des langen familiär begründeten Ausstiegs aus dem Berufsleben nun ohne BVG-Invalidenrente auskommen müsse, was als ehebedingter Nachteil auszugleichen sei, dass aber auch aus der Sicht der nachehelichen Solidarität wegen der langen Ehedauer ein Unterhalt über mehrere Jahre und in erhöhtem Umfang gerechtfertigt sei. 4.2 Der Beklagte vermag nichts vorzubringen, was die Auffassung des Kantonsgerichts als bundesrechtswidrig erscheinen liesse. Dass das Zusammenleben der Parteien spätestens 1998 geendet habe, findet in den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz keine Stütze. Sodann legt der Beklagte nicht dar, inwiefern der angefochtene Entscheid im Widerspruch zur Lehre stehen soll. Sein Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist unbehelflich, war es doch in dem von ihm angerufenen BGE 130 III 537 (E. 3.3 S. 543) nicht darum gegangen, ob der Dauer eines vorehelichen Zusammenlebens Rechnung zu tragen sei, sondern darum, wann das eheliche Zusammenleben aufgehört habe. Zu bemerken ist im Übrigen, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung einem der Ehe vorangegangenen Konkubinat bei der Bestimmung der Dauer der Ehe im Sinne von Art. 125 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB unter gewissen Umständen Rechnung zu tragen ist. Einschlägige besondere Umstände hat das Bundesgericht beispielsweise darin erblickt, dass die Ehefrau schon während des rund siebenjährigen vorehelichen Konkubinats die Kinder des späteren Ehemannes betreute und zumindest anfänglich auch darum bemüht war, diesem ein reges, die Entwicklung seiner Geschäfte förderndes gesellschaftliches Leben zu ermöglichen, was zu einer Einschränkung ihrer eigenen Tätigkeiten als Schauspielerin und Sängerin führte (BGE 132 III 598 E. 9.2 S. 601). Im Lichte jenes Entscheids ist es nicht zu beanstanden, wenn das Kantonsgericht angesichts der hier gegebenen Umstände die Dauer der ersten Ehe der Parteien zur Dauer der zweiten hinzugerechnet hat.