Citation: I 610/99 19.07.2001 E. 4

4.- a) Da sich der Invaliditätsgrad somit auf insgesamt 50 % (46 % und 4 %) beläuft, steht der Beschwerdeführerin ein Anspruch auf eine halbe Rente zu. Streitig und zu prüfen ist, in welchem Zeitpunkt der Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG entstanden ist. b) Der Rentenanspruch nach Art. 28 IVG entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG frühestens mit dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte während eines Jahres ohne Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen ist. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der Grad der Arbeitsunfähigkeit anfänglich war, sofern er nur die Erheblichkeitsschwelle von jedenfalls 20 % erreicht (AHI 1998 S. 124 Erw. 3c). Die Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG ist nicht mit Erwerbsunfähigkeit gleichzusetzen. Während sich die Arbeitsunfähigkeit auf den bisherigen Beruf bezieht, ist bei der Erwerbsunfähigkeit auf den gesamten in Betracht fallenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen (BGE 121 V 274 Erw. 6b/cc). Eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % während eines Jahres vermag demzufolge noch keinen Rentenanspruch zu begründen, sondern nur, wenn sich daran eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40 % anschliesst. Die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres und die nach Ablauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigkeit müssen nämlich kumulativ und in der für die einzelnen Rentenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (BGE 121 V 274 Erw. 6b/cc). c) Die Beschwerdeführerin ging ihrer zuletzt ausgeübten Teilzeitbeschäftigung als Reinigungsmitarbeiterin bei der Firma Y.________ aus gesundheitlichen Gründen ab 30. Oktober 1994 nicht mehr nach. Gemäss Arztzeugnis des Dr. med. E.________ vom 13. Januar 1997 bestand seit 31. Oktober 1994 bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Auch die Ärzte der Klinik Z.________ attestierten der Beschwerdeführerin vom 30. Oktober 1994 bis 5. Dezember 1995 und vom 19. Dezember 1995 bis 30. Juni 1996 eine 100%ige sowie vom 6. bis 18. Dezember 1995 und ab 1. Juli 1996 bis auf weiteres eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Reinigungstätigkeit (Arztzeugnisse und Berichte vom 15. Dezember 1994, 9. März, 20. April, 7. und 22. Juni 1995, 24. Januar, 17. April und 24. Mai 1996). Ab 1. Juli 1996 wurde die Leistungsfähigkeit im Bereich einer leichten, sitzenden Beschäftigung mit der Möglichkeit der Wechselbelastung auf 100 % sowie im Haushaltsbereich auf 70 % geschätzt (Bericht der Klinik Z.________ vom 24. Mai 1996). Am 1. Juli 1997 beurteilte Dr. med. E.________ die bisherige Tätigkeit im Reinigungsdienst sowie körperlich belastende Arbeiten im Haushalt für nicht mehr zumutbar. Gemäss Aktennotiz der IV-Ärztin Frau Dr. med. B.________ vom 25. August 1997 äusserte sich Dr. med. E.________ telefonisch dahingehend, er habe sich insofern geirrt, als die Versicherte lediglich im Bereich Reinigungstätigkeiten vollständig arbeitsunfähig sei, während eine leidensangepasste Beschäftigung von insgesamt vier Stunden am Tag ausgeführt werden könne. Diese Aussage bestätigte er im Arztbericht vom 28. August 1997 und ergänzte, dass nur kurzdauerndes Gehen und kein Treppensteigen zumutbar sei. d) Auf Grund der medizinischen Aktenlage ist ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin ab 30. Oktober 1994 bis 5. Dezember 1995 zu 100 %, vom 6. bis 18. Dezember 1995 zu 50 %, vom 19. Dezember 1995 bis 30. Juni 1996 zu 100 %, ab 1. Juli 1996 zu 50 % sowie ab 1. Juli 1997 wiederum zu 100 % arbeitsunfähig war. Da die einjährige Wartezeit gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG somit jedenfalls ab Ende Oktober 1994 als eröffnet zu gelten hat, konnte ein Rentenanspruch - unter der Voraussetzung einer nach Ablauf der Wartezeit bestehenden Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40 % - frühestens am 30. Oktober 1995 entstehen und eine Rente ab 1. Oktober 1995 (Art. 29 Abs. 2 IVG) ausgerichtet werden. Einig sind sich Vorinstanz und Beschwerdeführerin darüber, dass mit der abschliessenden Beurteilung durch Dr. med. E.________ (vom 1. Juli, 25. und 28. August 1997) vom Vorliegen eines Invaliditätsgrades in rentenbegründendem Ausmass - gemäss Erw. 4a hievor im Umfang von 50 % - auszugehen ist, wobei der Rentenanspruch - wie die Beschwerdeführerin zu Recht ausführt - bereits ab 1. Juli und nicht erst ab 1. August 1997 besteht, da es sich bei den Aussagen des Dr. med. E.________ vom August lediglich um Präzisierungen seines Berichts vom 1. Juli 1997 handelte. Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren geltend, da sie von Ende Oktober 1994 bis Ende Juni 1996 seitens der Ärzte der Klinik Z.________ mit Ausnahme der Zeit vom 6. bis 18. Dezember 1995 als zu 100 % leistungsunfähig beurteilt und ihr eine vollständige Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer Verweisungstätigkeit erst ab 1. Juli 1996 attestiert worden sei, stehe ihr nach Abschluss der einjährigen Wartezeit ab 1. Oktober 1995 eine ganze Invalidenrente zu. Den vorhandenen medizinischen Angaben ist im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in den Bereichen angestammte Tätigkeit, leidensangepasste Beschäftigung sowie Haushaltsführung erst ab 1. Juli 1996 (Bericht der Klinik Z.________ vom 24. Mai 1996) sowie wiederum ab 1. Juli 1997 (Berichte des Dr. med. E.________ vom 1. Juli, 25. und 28. August 1997) eine differenzierte Einschätzung zu entnehmen. Die Aussage in der ärztlichen Stellungnahme vom 24. Mai 1996, eine der Behinderung angepasste Tätigkeit sei - im Ausmass von 100 % - frühestens ab 1. Juli 1996 zumutbar, lässt nicht ohne weiteres den Umkehrschluss zu, dass die Beschwerdeführerin während des gesamten Zeitraums von Oktober 1995 bis Ende Juni 1996 auch im Rahmen einer ihren Leiden zuträglichen Beschäftigung vollumfänglich arbeitsunfähig war. Zudem ist unklar, ob, und wenn ja, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin durch ihre gesundheitlichen Probleme in dieser Zeit an der Verrichtung von Haushaltstätigkeiten behindert wurde. Da ohne diese Angaben die Frage nach dem Vorliegen einer rentenbegründenden Invalidität im Zeitpunkt des Ablaufs der einjährigen Wartezeit nicht abschliessend beurteilt werden kann, ist die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie weitere Abklärungen treffe. Gestützt hierauf hat sie über einen Rentenanspruch frühestens ab 1. Oktober 1995 neu zu verfügen.