Citation: 9C_647/2022 E. 6.1

6.1. Nach Art. 5 Abs. 1 DBA CH-CN bedeutet der Ausdruck "Betriebsstätte" eine feste Geschäftseinrichtung, durch die die Tätigkeit eines Unternehmens ganz oder teilweise ausgeübt wird. Aus dieser Formulierung, die dem OECD-Musterabkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen (OECD-MA) entlehnt ist, wird gemeinhin geschlossen, dass das Unternehmen tatsächliche Verfügungsmacht über die feste Geschäftseinrichtung haben müsse (vgl. Kommentar der OECD zum OECD-MA, N. 10 zu Art. 5 OECD-MA [i.d.F. vom 21. November 2017] bzw. N. 4 zu Art. 5 OECD-MA [i.d.F. vom 11. April 1977]; BÉNARD/BERDOZ/BOURTOURAULT, in: Danon und andere [Hrsg.], Modèle de Convention fiscale OCDE concernant le revenu et la fortune, Commentaire, 2014, N. 31 ff. zu Art. 5 OECD-MA; GÖRL/GRADL, in: Vogel/Lehner [Hrsg.], Doppelbesteuerungsabkommen, Kommentar, 7. Aufl. 2021, N. 19 zu Art. 5 OECD-MA; SCHREIBER/HONOLD/JAUN, in: Internationales Steuerrecht, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 2015, N. 7 zu Art. 5 OECD-MA; VOGELSANG, a.a.O., S. 112 ff. m.w.H.; kritisch zur Voraussetzung der tatsächlichen Verfügungsmacht jedoch WASSERMEYER/KAESER, in: Wassermeyer, Doppelbesteuerung, Mai 2017 [EL 137], N. 42 f. zu Art. 5 OECD-MA). Nach Auffassung der OECD spielt es keine Rolle, ob das Unternehmen zur Benutzung der festen Geschäftseinrichtung auch formell berechtigt ist (Kommentar der OECD zum OECD-MA, N. 11 f. zu Art. 5 OECD-MA [i.d.F. vom 21. November 2017] bzw. N. 4.1 f. zu Art. 5 OECD-MA [i.d.F. vom 28. Januar 2003]; vgl. auch die Hinweise auf abweichende Meinungen in der Literatur bei VOGELSANG, a.a.O., S. 110 ff.).