Citation: 2C_109/2022 E. 1.2.3

1.2.3. Als Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung ist nach Ansicht der ESTV vorliegend zu beurteilen, ob ein vor dem ersuchten Zeitraum von der Informationsinhaberin hinterlegter Domizilcode einen genügenden Anknüpfungspunkt zum ersuchenden Staat begründe und inwiefern dieser im Rahmen der internationalen Amtshilfe in Steuersachen überprüft und durch den Nachweis eines anderweitigen Domizils im ersuchten Zeitraum widerlegt werden könne. Die ESTV leitet die grundsätzliche Bedeutung der Rechtsfrage zunächst aus dem Umstand ab, dass die ersuchenden Behörden bei nicht namentlichen Listen- und Gruppenersuchen als Anknüpfungspunkt für eine potenzielle Steuerpflicht in ihrem Hoheitsgebiet oftmals - wie vorliegend - auf den von der Informationsinhaberin hinterlegten Domizilcode verweisen würden. Nach Auffassung der ESTV gelte nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung alsdann, dass der steuerrechtliche Wohnsitz im internationalen Kontext nicht im Rahmen des Amtshilfeverfahrens überprüft werde. Obwohl die Vorinstanz in der vorliegenden Angelegenheit den Domizilcode zum Zeitpunkt der Entstehung der massgebenden Listen nicht infrage stelle, lasse sie den Nachweis des Beschwerdegegners gelten, wonach dieser im ersuchten Zeitraum ein anderes Domizil gehabt habe und damit in einem Drittland ansässig gewesen sei. Das vorinstanzliche Vorgehen widerspreche der bundesgerichtlichen Rechtsprechung.