Citation: 5A_474/2013 E. 6.2.3

6.2.3. Nach Art. 315 Abs. 1 ZPO hemmt die Berufung die Rechtskraft des angefochtenen Entscheids nur im Umfang der Anträge. Die zitierte Norm ist hier anwendbar, obwohl das erstinstanzliche Verfahren noch dem alten kantonalen Recht unterlag. Für Rechtsmittel gilt das Recht, das bei der Eröffnung des Entscheids in Kraft ist (Art. 405 Abs. 1 ZPO). Wie alle Prozesshandlungen sind Rechtsbegehren nach Treu und Glauben auszulegen, insbesondere im Lichte der dazu gegebenen Begründung. Das hat das Bundesgericht mit Blick auf das kantonale Zivilprozessrecht festgehalten (Urteil 4A_551/2008 vom 12. Mai 2009 E. 2.2 mit Hinweisen). Der Grundsatz gilt gleichermassen unter der Herrschaft der Schweizerischen Zivilprozessordnung, auch mit Bezug auf die Berufungsanträge im Sinne von Art. 315 Abs. 1 ZPO. Das Obergericht übersieht diese Regel, indem es sich lediglich mit Ziffer 9 des bezirksgerichtlichen Urteils befasst. Zwar hat die Beschwerdegegnerin in ihrem Berufungsbegehren nur die Änderung dieser Ziffer 9 beantragt (E. 6.2.1) und in der Begründung ihrer Berufung von 21. Januar 2013 argumentiert, das Bezirksgericht habe seinen Urteilsspruch im Rahmen der schriftlichen Begründung nicht berichtigen dürfen (Sachverhalt Bst. B.b). Allerdings hat sie auch geltend gemacht, das Bezirksgericht sei "offensichtlich von einem nicht genehmigungsfähigen Teilverzicht" ausgegangen, ansonst es mit Beweisanordnung vom 17. April 2012 keine aktuellen Belege über die Austrittsleistungen der Parteien eingefordert hätte. Dieses Vorbringen lässt sich nicht anders als dahin gehend verstehen, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Berufung auch die Genehmigung der Teilvereinbarung vom 18./23. Mai 2010 in Frage stellte. Aus dem Gesagten folgt, dass sie mit ihrer Berufung nicht nur die Rechtskraft von Ziffer 9, sondern auch diejenige von Ziffer 7 des erstinstanzlichen Entscheids zu hemmen vermochte.