Citation: 1P.550/2005 10.11.2005 E. A

Der Gerichtspräsident 1 des Gerichtskreises XI Interlaken-Oberhasli wandelte mit Verfügung vom 11. März 2005 die X.________ mit Urteil vom 18. Dezember 2003 wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung auferlegte Busse von 500 Franken in 16 Tage Haft um. Die Verfügung liess er X.________ polizeilich an die Adresse "Hotel Y.________" zustellen. Der Gemeindeverwalter von Z.________ sandte die Empfangsbestätigung mit folgender, auf der Rückseite angebrachter Notiz ans Gericht zurück: "Niemand erreichbar. In Briefkasten gelegt. 16.3.05 (Stempel und Unterschrift)". Im Begleitschreiben führt der Gemeindeverwalter aus, die Urkunde sei am 16. März 2005 verschlossen und adressiert in den Briefkasten des Hotels Y.________ gelegt worden. Mit Eingabe vom 31. März 2005 an den Gerichtspräsidenten 1 des Gerichtskreises XI Interlaken-Oberhasli erklärte X.________, sie appelliere gegen diese ungeheuerliche und willkürliche Verfügung, die sie am 21. März 2005 vor ihrer Wohnungstüre gefunden habe. Am 20. Juli 2005 trat die 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern auf die Appellation nicht ein. Sie befand, die angefochtene Verfügung sei X.________ am 16. März 2005 rechtsgültig zugestellt worden, weshalb die 10-tägige Appellationsfrist nicht gewahrt sei.