Citation: 6B_729/2019 E. 2.2.1

2.2.1. Die Vorinstanz hält hinsichtlich des auf Anweisung des Bundesgerichts eingeholten forensischen Gutachtens vom 29. November 2018 zusammenfassend folgendes fest: Objektive Zeichen einer konkreten Lebensgefahr (Stauungsblutungen im Gesichtsbereich) seien nicht dokumentiert. Folge man hingegen den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin, wonach es im Rahmen des Würgens zu Sehstörungen, Schwindel, Hörstörungen und einer fraglichen Bewusstlosigkeit gekommen sei, so lägen Symptome einer manifesten, sauerstoffmangelbedingten Hirnfunktionsstörung vor, die auf eine konkrete Lebensgefahr schliessen liessen. Als Ursache für den anzunehmenden Sauerstoffmangel seien drei Varianten denkbar, wovon aber zwei vernachlässigbar resp. bei einer zur Abwehr fähigen Person eher ungewöhnlich seien. Am ehesten müsse daher ein sog. "Carotis-Sinus-Reflex" diskutiert werden. Dieser könne durch mechanische Manipulation, z.B. Druck mit den Fingern aktiviert werden, wodurch über eine Rückkoppelung mit dem Kreislaufregulationszentrum im Hirnstamm reflektorisch die Herzfrequenz und der Blutdruck gesenkt würden. Neben einem starken Abfall des Blutdrucks sei es in Einzelfällen über diesen Mechanismus sogar möglich, einen reflektorischen Herzstillstand und damit einen Reflextod auszulösen. Ein plötzlicher Abfall von Herzfrequenz und Blutdruck führe zu einer reduzierten Pumpleistung des Herzens und so zu einer Minderdurchblutung der inneren Organe, u.a. des Gehirns. Ein "Carotis-Sinus-Reflex" durch einen Angriff gegen den Hals könne somit sauerstoffmangelbedingte Hirnfunktionsstörungen auslösen bzw. erklären. Ein Angreifer könne zudem weder die Ausprägung noch die Dauer des Reflexes willentlich steuern. Da dessen Effekte auch nach Beendigung des Druckes auf die Rezeptoren nachwirken könnten, wären die Auffälligkeiten bei der Beschwerdeführerin kurz nach dem eigentlichen Würgevorgang ebenfalls ohne Weiteres mit einen "Carotis-Sinus-Reflex" erklärbar - im Gegensatz zu einem Sauerstoffmangel infolge Gefässkompression, der nach Eröffnung der Gefässe und Wiedereintritt der Durchblutung keine weiteren Ausfallerscheinungen erwarten lasse. Dass bei der Eintrittsuntersuchung im Spital keine Ausfallerscheinungen mehr festgestellt werden konnten, stehe ebenfalls nicht in Widerspruch zu einem vorgängigen "Carotis-Sinus-Reflex". Die von der Beschwerdeführerin verspürte Atemnot dürfte aus rechtsmedizinischer Sicht am ehesten als angst-/schmerzbedingtes psychisches Erstickungsgefühl aufgrund der Halskompression, gegebenenfalls in Kombination mit dem tatsächlich erlittenen Sauerstoffmangel im Gehirn durch eine Minderdurchblutung, und nicht als Folge eines tatsächlichen Atemwegsverschlusses interpretiert werden. Ein Druck auf den Kehlkopf mit Quetschung und Reizung der dortigen Nervenstruktur könne allerdings trotzdem angenommen werden, wenn man die Aussagen der Beschwerdeführerin betreffend akuter Schmerzen beim Schlucken und Halsbeschwerden während einer Woche berücksichtige.