Citation: 4A_614/2014 E. 9.2

9.2. Der Hinweis auf die Ausführungen der Beschwerdegegnerin im Verfahren 4A_264/2013 ist unbehelflich, zumal die Beschwerdegegnerin dort kein Zugeständnis gemacht hat, wie es die Beschwerdeführerin nun behauptet. Es wäre auch ökonomisch nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin treuwidrig, d.h. vorsätzlich, das Aussortieren hätte unterlassen sollen, wenn sie damit den Vertrag korrekt hätte erfüllen können. Der Vorwurf eines unredlichen Verhaltens steht auch im Widerspruch zum eigenen Vorbringen der Beschwerdeführerin unter dem Titel "Eine Prüfung und Aussortierung war für die Beschwerdeführerin unzumutbar", wo sie ausführte, die Beschwerdegegnerin habe versucht, den Draht auszusortieren, es sei ihr aber nicht gelungen. Vor allem aber übergeht die Beschwerdeführerin, dass sich die Wesentlichkeit gemäss Art. 25 CISG nach dem Erfolg bzw. den Folgen der Vertragsverletzung für die Käuferin bestimmt und nicht danach, ob das Tun oder Unterlassen der vertragsbrüchigen Partei als besonders schwerwiegend anzusehen ist. Es geht nicht um den Handlungs-, sondern um den Erfolgsunwert der Pflichtverletzung (Gruber, a.a.O., N. 13 zu Art. 25 CISG; vgl. auch Leisinger, a.a.O., N. 5 zu Art. 25 CISG bei Fn. 786). Massgeblich ist deshalb, ob die Beschwerdeführerin nicht jene Ware erhält, auf die sie gemäss Vertrag Anspruch hat, und nicht weshalb dies nicht der Fall ist. Davon geht die Beschwerdeführerin selber aus, wenn sie ausführt, die Rüge der fehlenden Mindestzugfähigkeit umfasse notwendigerweise die Rüge der Nicht-Sortierung. Die Vorinstanz hat daher kein Bundesrecht verletzt, wenn sie die fehlende Aussortierung nicht noch explizit als selbstständige Vertragsverletzung abgehandelt hat.