Citation: 1C_370/2022 E. 2.2

2.2. Die Genehmigung eines Nutzungsplans hat nach Art. 26 Abs. 3 RPG konstitutive Bedeutung, weshalb die Anordnungen des Nutzungsplans erst angewendet werden dürfen, wenn der Genehmigungsbeschluss rechtskräftig geworden ist. Ohne die Genehmigung ist der letztinstanzliche kantonale Rechtsmittelentscheid kein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG, sondern ein Zwischenentscheid gemäss Art. 93 BGG. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden gegen Rechtsmittelentscheide über die Festsetzung von Nutzungsplänen grundsätzlich daher nur ein, wenn ein Genehmigungsentscheid im Sinne von Art. 26 Abs. 1 RPG vorliegt (BGE 135 II 22 E. 1.2; Urteile 1C_337/2017 vom 22. Oktober 2018 E. 1.2; 1C_468/2015 vom 15. Februar 2016 E. 2.1; 1C_257/2015 vom 10. November 2015 E. 1.1; 1C_71/2014 vom 19. Februar 2015 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). Eine Ausnahme davon wurde bei einem wegen Verletzung grundlegender Verfahrensrechte angefochtenen letztinstanzlichen kantonalen Nichteintretensentscheid angenommen, in welchem die Legitimation betroffener Grundeigentümer verneint worden war (vgl. BGE 135 II 22 E. 1.3; Urteil 1C_337/2017 vom 22. Oktober 2018 E. 1.3; je mit Verweis auf Urteil 1C_39/2008 vom 28. August 2008 E. 1.1). Eine Trennung von Rechtsmittel- und Genehmigungsverfahren ist zwar nicht bundesrechtswidrig. Die Koordinationsgrundsätze gemäss Art. 25a RPG erfordern jedoch eine Abstimmung des Rechtsmittelentscheids auf den Genehmigungsentscheid im Rahmen des kantonalen Rechtsmittelverfahrens. Genehmigung und Anfechtung haben unterschiedliche Funktionen: Die Genehmigung muss von Amtes wegen eingeholt werden. Sie ist eine gesamtheitliche Beurteilung der Planung auf ihre Übereinstimmung mit übergeordnetem Recht sowie mit der Richtplanung. Der Genehmigungsentscheid stellt jedoch nur eine vorläufige Kontrolle dar, an welche die Rechtsmittelbehörde nicht gebunden ist. Ein Anfechtungsverfahren findet hingegen nur statt, wenn jemand ein Rechtsmittel ergreift. Es ist häufig punktuell: Die Beschwerdeführenden können sich auf die Anfechtung bestimmter, für sie wesentliche Punkte beschränken. Der Verfahrensgegenstand im Rechtsmittelverfahren wird durch die Anträge der Beschwerdeführenden bestimmt und ist möglicherweise eingeschränkt. Der Rechtsmittelentscheid beschränkt sich dann ebenfalls auf die angefochtenen Punkte (BGE 135 II 22 E. 1.2.3 mit Hinweisen; Urteil 1C_71/2014 vom 19. Februar 2015 E. 2.2.1). Auf welche Weise die Koordination zwischen dem Genehmigungs- und dem Rechtsmittelentscheid hergestellt wird, bleibt grundsätzlich den Kantonen überlassen. Der Genehmigungsentscheid muss jedoch spätestens im Rahmen des Verfahrens vor der letzten kantonalen Rechtsmittelinstanz eingeholt und unter Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) in die Beurteilung mit einbezogen werden. Die gebotene Koordination kann nicht erst vor Bundesgericht erfolgen, da eine erstmalige materielle Koordination von Rechtsmittel- und Genehmigungsentscheid vor Bundesgericht nicht dem Sinn der Koordinationsgrundsätze entspricht (BGE 135 II 22 E. 1.2.4; Urteile 1C_257/2015 vom 10. November 2015 E. 1.1; 1C_71/2014 vom 19. Februar 2015 E. 2.2.1; je mit Hinweisen).