Citation: 9C_234/2023 E. 3.3.5

3.3.5. Die Rüge, der psychiatrische Teilgutachter setze sich nicht mit den Befunden der behandelnden Fachärzte auseinander, hat des Weiteren verschiedene spezifische Diagnosen im Blick. Der Beschwerdeführer macht geltend, in den Akten liegende ärztliche Berichte wiesen bereits infolge von Depression und Schmerzstörung eine weitgehende Arbeitsunfähigkeit aus. Zu der vom behandelnden Psychiater Dr. B.________ zusätzlich diagnostizierten Verschlechterung des Gesundheitszustands in Form einer Verbitterungsstörung (als sonstige Reaktion auf schwere Belastung [ICD-10 F43.8]; oben E. 2.2.3) äussere sich der psychiatrische Sachverständige mit keinem Wort, ebensowenig zum myofaszialen und zum lumbospondylogenen Schmerzsyndrom. Dies widerspreche einer leitliniengetreuen Begutachtung. Die genannten Leiden rheumatologischer Natur werden im einschlägigen Teilgutachten abgehandelt. Nach der interdisziplinären Gesamtbeurteilung wirken sich das myofasziale und das lumbospondylogene Schmerzsyndrom auf die Arbeitsfähigkeit aus. Der Beschwerdeführer moniert, der psychiatrische Gutachter diskutiere das Schmerzsyndrom seinerseits unter den Titeln einer Somatisierungsstörung oder Fibromyalgie, ohne aber zu sagen, weshalb die hiefür einschlägigen Klassifikationskriterien nicht erfüllt sein sollten. Die betreffenden Diagnosen werden traditionell bei den psychosomatischen Krankheitsbildern eingeordnet (vgl. BGE 132 V 65 E. 4; Urteil 9C_701/2020 vom 6. September 2021 E. 4.1). Da im vorliegenden Fall nach - beweiskräftiger - gutachterlicher Erkenntnis kein originär psychiatrisches Leiden gegeben ist, erscheint es nachvollziehbar, dass das Schmerzsyndrom hier als (rein) somatische Grösse behandelt wird. Aus dem gleichen Grund stellt sich die Frage nach Wechselwirkungen zwischen psychischen und somatischen Beschwerden nicht. Zum Umstand, dass der Gutachter die vom behandelnden Psychiater gestellte Diagnose einer Verbitterungsstörung nicht aufgegriffen hat, bleibt zu bemerken, dass darin keine Verletzung des gutachterlichen Ermessens in der Beurteilung medizinischer Tatsachen zu erkennen ist, die beweisrechtlich zu berücksichtigen wäre. Die Definition des als (posttraumatische) Verbitterungsstörung bezeichneten Krankheitsbildes (vgl. z.B. <https://psychosomatik.charite.de/forschung/forschungsgruppe_psychosomatische_rehabilitation_fpr/verbitterung_und_posttraumatische_verbitterungsstoerung_pted/>) macht deutlich, dass sich die damit verbundenen Einschränkungen (dysphorisch-depressiv geprägte emotionale Grundstimmung, reduzierter Antrieb) weitgehend mit der Symptomatik einer Depression decken. Damit wiederum hat sich der Gutachter rechtsgenüglich auseinandergesetzt, wie das kantonale Gericht zutreffend festgestellt hat.