Citation: U 213/00 28.08.2003 E. 3.3

3.3.1 Nach einer am 3. Mai 1996 durchgeführten Operation hielt die Orthopädische Poliklinik des Spitals S.________ in einem Bericht vom 18. Juni 1996 fest, bis zur nächsten klinischen Kontrolle in zwei Monaten sei der Patient noch zu 100 % arbeitsunfähig. Rund zwei Monate später, am 27. August 1996, wurde von der gleichen Stelle noch keine Arbeitsfähigkeit attestiert. In einem Bericht der Klinik und Poliklinik für Orthopädische Chirurgie des Spitals S.________, wo am 6. November 1996 erneut eine Operation stattgefunden hatte, vom 14. November 1996 wurde erwähnt, seit der letzten Nachkontrolle vom 27. August 1996 sei es zu keiner Besserung der Schmerzen gekommen. Allgemein ist diesem Bericht keine Verbesserung des Zustandes in der Zeit zwischen der im Sommer 1996 erfolgten, sich mangels gegenteiliger Angaben auf die angestammte Tätigkeit beziehenden Feststellung einer vollen Arbeitsunfähigkeit und der neuen Operation vom 6. November 1996 zu entnehmen. Demgegenüber attestierte der SUVA-Kreisarzt dem Versicherten am 18. Oktober 1996 eine volle Arbeitsfähigkeit als Staplerfahrer, welche der Beschwerdeführer bis zur zweiten Operation bzw. bis zum Erhalt der nicht mit mangelhafter Leistung begründeten, mit sofortiger Freistellung verbundenen Kündigung vom 29. Oktober 1996 denn auch umsetzte. Der Versicherte musste somit wissen, dass bei einem dem damaligen entsprechenden Gesundheitszustand trotz Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit bestand. Nach einer sich an die Operation von anfangs November 1996 anschliessenden 100 %igen Arbeitsunfähigkeit wurde diese von der Orthopädischen Poliklinik des Spitals S.________ in einem Bericht vom 27. Januar 1997 ab diesem Datum mit 50 % veranschlagt, wobei sie sich mangels gegenteiliger Angaben wiederum auf die angestammte Tätigkeit beziehen muss. Der Gesundheitszustand konnte ab diesem Zeitpunkt somit nicht schlechter sein als vor der Operation vom November 1996. Es ist daher davon auszugehen, dass die im Gutachten der Klinik und Poliklinik für Orthopädische Chirurgie des Spitals S.________ vom 28. August 1997 festgestellte volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit, bestätigt in der Stellungnahme des IV-Arztes Dr. med. B.________ vom 31. Dezember 1998, bei einer nur 50 %igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, bestätigt in hausärztlichen Berichten des Dr. med. C.________ vom 15. September 1997 und vom 16. Februar 1998, schon ab Ende Januar 1997 gegeben war, zumal im Gutachten eine seither eingetretene Schmerzzunahme rapportiert wird. Diese volle Arbeitsfähigkeit für eine geeignete Tätigkeit musste dem Beschwerdeführer in Anbetracht der vor der Operation vom November 1996 gegebenen Verhältnisse bewusst sein. Dabei ist das Vorhandensein angepasster Beschäftigungen auf dem Arbeitsmarkt ohne weiteres zu bejahen, weil die Einschränkung gemäss dem erwähnten Gutachten vom 28. August 1997 nur darin besteht, dass die Tätigkeit zum einen nicht mit dem Heben von Gegenständen - was im Abklärungsbericht der Eingliederungs- und Dauerwerkstätte Y.________ vom 28. Mai 1998 im Sinne des Tragens schwerer Lasten und vom IV-Arzt in der Stellungnahme vom 31. Dezember 1998 im Sinne von Lasten über 10 kg präzisiert wurde - sowie nicht mit Überkopfarbeiten verbunden und zum andern vorwiegend mit der dominanten rechten Hand durchführbar sein sollte. 3.3.2 Sodann verzögerte sich der Heilungsverlauf nach Ablauf der ersten zwölf Wochen nach der Operation von anfangs November 1996 erheblich, indem keine Besserung mehr stattfand, sondern im Gegenteil eher eine Verschlechterung. So führte der von der SUVA nach dieser Operation erstmals am 19. März 1997 angefragte Hausarzt am 26. März 1997 aus, bis jetzt sei keine Besserung zu verzeichnen und es werde wahrscheinlich zu einer Chronifizierung des Leidens kommen, und gemäss Gutachten der Klinik und Poliklinik für Orthopädische Chirurgie des Spitals S.________ vom 28. August 1997 war der postoperative Verlauf innerhalb der ersten zwölf Wochen komplikationslos, wohingegen bei den weiteren Kontrollen ein Rehabilitationsdefizit und zunehmende Schmerzen in der operierten Schulter auffielen. Dem bereits seit Herbst 1995 in seiner Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erheblich eingeschränkten Beschwerdeführer musste daher Ende Februar 1997 klar sein, dass diese Behinderung jedenfalls noch längere Zeit fortdauern würde. Dass er sich dessen tatsächlich bewusst war, zeigt die bald darauf - im April 1997 - erfolgte Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung. 3.3.3 Schliesslich kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis am 29. Oktober 1996 auf den 31. Dezember 1996. Dabei musste dem Versicherten, der mit sofortiger Wirkung freigestellt worden war, in Anbetracht des Schreibens der Arbeitgeberin vom 13. Dezember 1996 klar sein, dass er nicht mit deren Bereitschaft rechnen konnte, im Grundsatz auf die Kündigung zurückzukommen, sondern dass wahrscheinlich nur die Frist verlängert würde, was später mit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 30. Juni 1997 geschah. 3.3.4 Zusammenfassend lag Ende Februar 1997 folgende Situation vor: Erstens war der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit seit langem erheblich eingeschränkt, und ein Fortdauern dieser Behinderung für längere Zeit war für ihn absehbar; zweitens musste er um seine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit wissen; drittens stand die Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit einer doch recht speziellen, nicht so leicht wieder zu findenden Arbeit, von dem er bereits freigestellt war, bevor. Unter diesen Umständen konnte der Versicherte in diesem Zeitpunkt erkennen, dass von ihm zumutbarerweise verlangt werden durfte, die restliche Arbeitsfähigkeit in einem anderen Beruf zu verwerten, und war er, sofern ein Berufswechsel zu einer den Arbeitsunfähigkeitsgrad in der angestammten Tätigkeit unterschreitenden prozentualen Erwerbseinbusse führt, aufgrund der Schadenminderungspflicht gehalten, eine leidensangepasste Tätigkeit zu suchen. Den gegebenen Verhältnissen ist eine Anpassungsfrist von vier Monaten angemessen, welche nach dem Gesagten Ende Juni 1997 ablief. 3.3.5 Die Höhe der bei einem Berufswechsel resultierenden Erwerbseinbusse lässt sich aufgrund der vorhandenen Akten nicht bestimmen, weil diese widersprüchliche Angaben zum ohne Gesundheitsschaden erzielbaren Einkommen enthalten (vgl. Unfallmeldungen vom 11. Januar und vom 28. November 1996; IV-Anmeldung vom 23. April 1997; Schreiben des Anwalts des Versicherten vom 15. Oktober 1997; Bericht des IV-Berufsberaters vom 18. Februar 1998 [der darin zitierte Arbeitgeberfragebogen befindet sich nicht in den Akten]). Die Sache ist zur Vornahme der erforderlichen Abklärungen und zur Durchführung eines Einkommensvergleichs (Erw. 3.1 hievor) an die Verwaltung zurückzuweisen.