Citation: 7B_7/2023 E. 2.1

2.1. Die Vorinstanz geht zunächst der Frage nach, ob dem Beschwerdegegner 2 als Polier eine Garantenstellung zukommt, ohne diese aber eindeutig zu beantworten. Sie führt weiter aus, soweit eine Garantenstellung zu bejahen sei, habe der Beschwerdegegner 2 aufgrund seiner leitenden Stellung auf jeden Fall, wenn er direkt Weisungen an seine Mitarbeiter erteile, alles Zumutbare zu tun, damit es zu keiner Beeinträchtigung von Leib und Leben komme. Laut Staatsanwaltschaft sei aber selbst bei Bejahung einer Sorgfaltspflichtverletzung des Beschwerdegegners 2 der Kausalzusammenhang zum Unfall aufgrund des Eigenverschuldens des Beschwerdeführers als unterbrochen zu betrachten. In der Tat sei auf Seiten des Beschwerdegegners 2 kein Fehlverhalten ersichtlich, das in adäquat kausaler Weise zum Unfall des Beschwerdeführers beigetragen habe. So habe ein Polier seine Mitarbeiter zwar hinreichend zu instruieren, doch sei er nach der Rechtsprechung nicht gehalten, erfahrene Mitarbeiter permanent zu überwachen. Nach Verordnungsrecht müsse ein Arbeitnehmer sodann die allgemein anerkannten Sicherheitsregeln berücksichtigen, und zwar von sich aus und nicht erst auf Weisung seines Arbeitgebers. Von Bedeutung sei hier, dass dem Beschwerdeführer gemäss eigenen gegenüber der Polizei getätigten Angaben bekannt gewesen sei, dass jeder selbst für das Tragen der "Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz" ("PSAgA") auf der Baustelle verantwortlich sei. Des Weiteren würden die Angestellten der C.________ AG jedes Jahr im Rahmen eines Kurses in Bezug auf Arbeiten in der Höhe geschult; die letzte solche Schulung habe am 4. Mai 2021 stattgefunden und der Beschwerdeführer habe daran teilgenommen. Davon abgesehen seien auf der fraglichen Baustelle auch Sicherheitsmerkblätter aufgehängt worden. Ohnehin handle es sich beim im Unfallzeitpunkt 55-jährigen Beschwerdeführer um einen erfahrenen Bauarbeiter. Er arbeite seit bald drei Jahren bei der C.________ AG und sei davor in vielen Ländern auf Baustellen tätig gewesen. Der Beschwerdeführer müsse daher - unter gleichzeitiger Verneinung einer Verletzung der Instruktions- und Überwachungspflicht seitens des Beschwerdegegners 2 - für den von ihm erlittenen Unfall alleine verantwortlich gemacht werden. Indem er ohne Anlegen der PSAgA auf die Deckenschalungen gestiegen sei, habe er gegen elementare Sicherheitsbestimmungen verstossen. Zu Unrecht berufe er sich darauf, dass eine solche Sicherung an der Absturzstelle gar nicht möglich gewesen sei. Die Untersuchung habe gezeigt, dass er bei den vorderen Armierungseisen ein Höhensicherungsgerät hätte anbringen können bzw. müssen.