Citation: 2C_533/2021 E. 6.4.3

6.4.3. Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der getrennt besteuerten Eltern bei den Sozialabzügen des geltenden Rechts generell nicht optimal Rechnung getragen wird, wenn sich die relevanten Verhältnisse (u.a. Volljährigkeit oder Ausbildungsstatus des Kindes, Trennung oder Scheidung der Ehegatten) unterjährig ändern (vgl. CASANOVA, a.a.O., S. 211; vgl. auch DANIEL DE VRIES REILINGH, L'imposition de la famille: quelques réflexions concernant la déduction pour enfant et le barème parental, in: OREF [Hrsg.], Au carrefour des contributions, Mélanges Mollard, 2020, S. 561, der angesichts der Vielzahl der potenziell erfassten Konstellationen warnt, dass das Bundesgericht mit der Abkehr vom Stichtagsprinzip im Urteil 2C_905/2017 vom 11. März 2019 die Büchse der Pandora geöffnet habe). Dies ist jedoch die unvermeidliche Folge davon, dass Art. 35 Abs. 2 DBG alleine auf die Verhältnisse am Jahresende abstellt und die unterjährigen Entwicklungen unberücksichtigt lässt (vgl. CASANOVA, a.a.O., S. 211). Mit dem Entscheid für diese Schematisierung hat der Gesetzgeber gewisse Einbussen bei der Genauigkeit der Erfassung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in Kauf genommen. Die Nachteile für die betroffenen Steuerpflichtigen hieraus beschränken sich auf die Steuerperiode, in welcher der Systemwechsel eintritt (vgl. Urteil 2C_1145/2013 / 2C_1146/2013 vom 20. September 2014 E. 5.2.2, in: StE 2015 B 29.3 Nr. 49, StR 70/2015 S. 162). Es lässt sich deshalb in der Regel nicht sagen, dass eine bestimmte Gruppe von Steuerpflichtigen in genereller Weise wesentlich stärker belastet oder systematisch benachteiligt würde (vgl. zu diesem verfassungsrechtlichen Massstab BGE 141 II 338 E. 4.5; 128 I 240 E. 2.3; Urteil 2C_686/2018 vom 21. Januar 2019 E. 5.3). Jedenfalls für das Trennungsjahr stellen diese zeitlich begrenzen Nachteile kein Ergebnis dar, das der Gesetzgeber nicht gewollt haben kann. Es rechtfertigt sich hier folglich nicht, das Stichtagsprinzip - und damit den klaren Wortlaut von Art. 35 Abs. 2 DBG - zugunsten einer Aufteilung pro rata temporis zu durchbrechen.