Citation: 6B_19/2024 E. 2.2.1

2.2.1. Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, ein mangelhaftes Stahlumreifungsband, das die runden Stahlrohlinge auf der Palette zusammengehalten habe und beim Unfall gerissen sei, könne als Unfallursache nicht willkürfrei ausgeschlossen werden. Die gegenteilige Annahme der Vorinstanz finde keine Stütze in dem von der Staatsanwaltschaft eingeholten Gutachten und sei unhaltbar, denn dieser fehle die fachliche Expertise, um den komplexen physikalischen Unfallhergang selbst zu beurteilen. Ebenso verfalle sie in Willkür, wenn sie davon ausgehe, das zweite Stahlumreifungsband habe keine Bruchstelle aufgewiesen. Fakt sei, dass die Polizei am Unfallort neben den Bruchstücken einer beschädigten Europalette zwei gerissene Stahlumreifungsbänder sichergestellt habe (Beschwerde Ziff. 2.2 S. 4-7). Vorab ist klarzustellen, dass die Vorinstanz eine vorbestehende Schwachstelle an einem der beiden Stahlumreifungsbänder - entgegen den Behauptungen des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde Ziff. 2.2 Rz. 11 und Rz. 13 S. 4) - nicht als erwiesen erachtet. Dementsprechend ist im angefochtenen Entscheid auch nur von einer "möglicherweise " vorhandenen Schwachstelle an einem der beiden Stahlumreifungsbänder die Rede (Urteil E. 2.7.1 S. 34), was sich mit den Ausführungen von dipl. phys. C.________ des Kompetenzzentrums Forensik der Kantonspolizei St. Gallen (nachfolgend: Gutachter) im Gutachten vom 18. November 2021 (act. 3; nachfolgend: Gutachten) deckt (vgl. Antwort auf Frage 4 S. 5) : Es lasse sich gestützt auf die Unterlagen nicht verlässlich beurteilen, ob die Nennbelastung des Stahlbandes überschritten worden oder ob das Stahlband an der Bruchstelle bereits geschwächt gewesen sei. Weshalb hinsichtlich dieser Frage weitere Abklärungen unterblieben, erklärt die Vorinstanz folgendermassen: Gemäss Gutachten müssten die Verletzungen des Beschwerdegegners durch einen von der Seite herkommenden und beschleunigten Gegenstand entstanden sein. Dabei sei eine vertikale und horizontale Kraftentwicklung ursächlich gewesen, die sich nur auf den Gabelstapler zurückführen lasse. Die Kräfte des Staplers würden gemäss Gutachten mit langsamen Geschwindigkeiten ausgeübt. Ein Gegenstand könne dennoch eine gefährlich grosse Geschwindigkeit erhalten, wenn die langsam wirkende Kraft auf einen als Hebel wirkenden Gegenstand treffe, was bei einer fixierten Zurrgurte und einem Anheben der Palette der Fall sei. Der rechte Rand der Palette habe einen Bogen beschritten, während der linke Rand durch die Zurrgurte blockiert gewesen sei, sodass es zu einer vertikalen und horizontalen Beschleunigung gekommen sei. Die obere Palette habe sich horizontal um 180 Grad (nach links) gedreht und sei auf dem daneben stehenden Paletten-Rahmen zu liegen gekommen. Diese Krafteinwirkung erkläre auch den Bruch der (unteren) Palette und die Risse des Stahlumreifungsbandes (Urteil E. 2.5.1 S. 31 f., E. 2.7.2 S. 35 mit Verweis auf act. 3 S. 2 f. und S. 5, vgl. auch Abbildung 2 auf S. 4). Im Weiteren führt die Vorinstanz aus, dass weder der Beschwerdeführer noch der Beschwerdegegner ein Verrücken der Ladung vor dem Anheben der Palette geschildert hätten, was ein Reissen des Bandes davor als unwahrscheinlich erscheinen lasse. Zudem seien die Rohlinge durch ein zweites Stahlumreifungsband gesichert gewesen, das keine Bruchstelle aufgewiesen habe. Sie taxiert das Szenario, wonach ein beim Anheben reissendes Stahlband genügend Kraft freisetze, damit auch das andere Band reisse, die untere Palette mit den Rohlingen zerberste, sich die obere Palette aufstelle sowie um 180 Grad drehe und hierauf ein Gegenstand horizontal in Richtung des Kopfs des Beschwerdegegners beschleunigt werde, als "nicht vorstellbar". Namentlich die Drehung der oberen Palette, die einer massiven horizontalen Kraftentwicklung bedurft habe, sei allein mit einem Riss des Stahlumreifungsbandes nicht erklärbar. Wie dem Gutachten entnommen werden könne, müsse die nötige Kraft durch eine Hebelwirkung entstanden sein. Die möglicherweise vorhandene Schwachstelle an einem der beiden Stahlumreifungsbänder könne damit nicht (Haupt-) Ursache für den Unfall gewesen sein. Es könne damit offenbleiben, ob die Nennbelastung des Stahlumreifungsbandes durch die Bruchstelle überhaupt herabgesetzt gewesen sei (Urteil E. 2.7.1 S. 34). Diese Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind kohärent und überzeugend. Sie fussen allesamt auf den von ihr zutreffend wiedergegebenen gutachterlichen Erkenntnissen. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers beantwortet die Vorinstanz nicht selbst Sachfragen, die gemäss Art. 182 StPO der sachverständigen Person vorbehalten sind, sondern sie zieht aus den ihr vorgelegten gutachterlichen Erörterungen die zutreffenden Schlüsse. Der Vorwurf des Beschwerdeführers, die Vorinstanz sei willkürlich von einem Stahlumreifungsband ohne Bruchstelle ausgegangen, ist bei näherer Betrachtung ebenfalls nicht stichhaltig. Er scheint zu übersehen, dass diese die beiden Begriffe Riss- und Bruchstelle im angefochtenen Entscheid nicht deckungsgleich verwendet, sondern Letzteren enger fasst. Während unbestrittenermassen beide Stahlumreifungsbänder am Unfalltag gerissen sind, wies gemäss der polizeilichen Fotodokumentation ausschliesslich das hintere Band eine mutmassliche Knick- oder Auflagestelle auf (vgl. kantonale Akten, S 1 22), welche die Vorinstanz als sog. Bruchstelle bezeichnet. Wenn sie daraus folgert, mindestens eines der beiden Metallumrandungsbänder sei erst beim Unfall gerissen (Urteil E. 2.7.3 S. 37), ist dies unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden. Ebenso wenig gereicht ihr zum Vorwurf, wenn sie offen lässt, ob eine vorbestehende Schwachstelle an (bloss) einem der beiden Stahlbänder tatsächlich existierte. Sie geht, wie dargelegt, auf der Grundlage des vollständigen und plausiblen Gutachtens nachvollziehbar davon aus, dass eine solche ohnehin keine bzw. keine relevante Ursache für den Unfall gesetzt hätte.