Citation: 1C_475/2017 E. 5.3

5.3. Das BAFU führt in seiner Vernehmlassung aus, dass der Schutz vor Lichtimmissionen nicht speziell geregelt sei, weshalb er durch die rechtsanwendenden Behörden einzelfallweise, gestützt unmittelbar auf die Art. 11-14 sowie 16-18 USG, sichergestellt werden müsse. Dabei könnten folgende ausländische und privatrechtliche Normen zur Beurteilung von übermässigen Lichteinwirkungen auf den Menschen berücksichtigt werden: - Richtlinie 150 der Commission International de l'Eclairage CIE 150-2003 "Guide on the Limitation of the Effects of Obtrusive Light from Outdoor Lighting Installations" (Leitfaden zur Begrenzung der Störlichtwirkungen von Aussenbeleuchtungsanlagen); - Von CIE 150-2003 abgeleitet seien die Schweizer Normen SN EN 12193:2008 "Sportstättenbeleuchtung" und SN EN 12464-2:2014 "Beleuchtung von Arbeitsstätten - Teil 2: Arbeitsplätze im Freien"; - Deutsche Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI), "Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen", Stand 08.10.2012, Anh. 2 Stand 03.11.2015, mit z.T. von der CIE abweichendem Beurteilungsansatz; - Österreichische ÖNORM O 1052:2012 "Lichtimmissionen - Messung und Beurteilung", welche die Ansätze von CIE und LAI zum Teil kombiniere. Zu den belästigenden oder störenden Einwirkungen künstlichen Lichts auf den Menschen gehörten neben der Wohnraumaufhellung auch die belästigende Blendung. Von einer solchen spreche man, wenn sich Menschen in der Nacht durch helle Lichtquellen in einer ansonsten eher dunklen Umgebung gestört oder belästigt fühlten. Auch wenn die Sehfunktion nicht beeinträchtigt werde, könne es als störend empfunden werden, dass eine helle Lichtquelle den Blick auf sich zieht, ohne aber wesentliche Informationen zu liefern. Eine andere Hypothese gehe davon aus, dass die Muskulatur, welche die Pupille bei Dunkelheit öffne, in Konflikt gerate mit der Muskulatur, welche die Pupille bei Helligkeit schliessen wolle. Die Störwirkung hänge ab von der Leuchtdichte der Lichtquelle (cd/m2), der Fläche der Lichtquelle, ausgedrückt als Raumwinkel, unter dem diese vom Betroffenen aus gesehen werde, und von der Umgebungshelligkeit bzw. Umgebungsleuchtdichte. Vorliegend sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer eine direkte Sichtverbindung zum Bauprojekt habe: Von seiner etwa 20 m höher gelegenen Liegenschaft schaue er in einem Winkel von rund 6° praktisch frontal auf die ca. 300 m entfernte Südseite des HNZ hinab, die nur im unteren Bereich durch bestehende Gebäude teilweise verdeckt sein werde. Dabei könnten insbesondere die hell erleuchteten Fensterflächen als störend empfunden werden. Das BAFU stellt auf den höheren der beiden von der Lichtplan GmbH neu berechneten Werte für die mittlere Leuchtdichte der Fenster der Südfassade von 72.4 cd/m2 ab. Gemäss Plan vom 25. Juli 2016 zum Gutachten der Lichtplan GmbH vom 16. September 2016 betrage der Anteil der Fenster an der Fassade (EG, 1. und 2. OG, ohne UG) 284.4 m2, d.h. 30 % der Gesamtfläche (und nicht 24.6 %, wie vom Verwaltungsgericht angenommen). Die Lichtplan GmbH habe das fragliche Gebiet in seinem Gutachten vom 12. August 2015 der Zone E2 gemäss EN 12464-2:2014 zugeordnet (Bereich mit geringer Gebietshelligkeit, wie z.B. Industriegebiete oder Wohngebiete in ländlicher Umgebung); dies erscheine sachgerecht, da der Korridor zwischen dem Beschwerdeführer und dem Neubau weitgehend unüberbaut sei. Die Einschätzung der Vorinstanz, wonach es sich um einen erheblich mit Lichtemissionen vorbelasteten Bereich (E3) handle, sei nicht nachvollziehbar: Der Grossraum Konstanz/Kreuzlingen liege in einem rechten Winkel zur Sichtverbindung des Beschwerdeführers zum Neubau und helle diese daher nicht merklich auf; das deutsche Gegenufer des Bodensees sei mehr als 6 km entfernt und vorwiegend ländlich. Seien auch derart weit entfernte Lichter sichtbar, so handle es sich grundsätzlich um eine Gegend mit geringer Gebietshelligkeit. Erleuchtete Fenster seien bezüglich ihrer Aussenwirkung am ehesten mit Leuchtreklame vergleichbar, für welche die Norm ÖNORM O 1052:2012 einen Höchstwert von 100 cd/m2 in der Umgebungszone E2 aufstelle. Dieser werde vom Projekt zu mehr als 70 % ausgeschöpft. Die grosse Fläche (rund 250 m2) verstärke noch die Störwirkung auf die Umwelt im Vergleich zu üblichen Leuchtreklamen. Hinzu komme, dass sich die erleuchteten Spitalfenster aller Voraussicht nach auch von ihrer Farbtemperatur her von den bereits vorhandenen Lichtern abheben dürften, ähnlich wie die weiss erscheinenden Fenster des bestehenden Kantonsspitals Münsterlingen, die sich auf den Fotos 1 und 5 deutlich von den eher orange-gelblichen Lichtern der Strassenbeleuchtung abhöben. Es könne zurzeit auch nicht davon ausgegangen werden, dass nach aussen leuchtende Fensterflächen durch den üblichen Gebrauch von Jalousien systematisch vermieden werden könnten, enthalte doch die Baubewilligung keine entsprechende Verpflichtung.