Citation: 1B_2/2022 E. 4.3

4.3. Die Befangenheit einer staatsanwaltlichen Untersuchungsleiterin oder eines Untersuchungsleiters im Sinne von Art. 56 lit. f StPO ist nach der Praxis des Bundesgerichts nicht leichthin anzunehmen. Zu bejahen ist sie, wenn nach objektiver Betrachtung besonders krasse oder ungewöhnlich häufige Fehlleistungen der Untersuchungsleitung vorliegen, welche bei gesamthafter Würdigung eine schwere Verletzung der Amtspflichten darstellen und sich einseitig zulasten einer der Prozessparteien auswirken (BGE 143 IV 69 E. 3.2; 141 IV 178 E. 3.2.3; 138 IV 142 E. 2.3). Diesbezüglich sind primär die gegen die zu beanstandenden Verfahrenshandlungen zur Verfügung stehenden Rechtsmittel auszuschöpfen (vgl. BGE 143 IV 69 E. 3.2; Urteil 1B_266/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 3.2). Auch voreilige präjudizielle Äusserungen der Untersuchungsleitung können in begründeten Einzelfällen geeignet sein, objektive Zweifel an ihrer Unparteilichkeit zu begründen. Dies kann zum Beispiel zutreffen, wenn die Untersuchungsleitung nicht gewillt erscheint, ihren unzulässigen, vom zuständigen Gericht gerügten Standpunkt zu ändern (vgl. BGE 138 IV 142 E. 2.4). Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin stellt der Umstand, dass der Beschwerdegegner sie dazu aufforderte, ihre Strafanzeige vom 31. Juli 2021 näher zu substanziieren, keine Schikane dar, die eine Ausstandspflicht zu begründen vermöchte. Die Vorinstanz wies insoweit zu Recht darauf hin, dass es für die Ausrichtung einer Strafuntersuchung erforderlich ist, den zur Anzeige gebrachten Sachverhalt genügend klar zu umschreiben. In der Substanziierungsaufforderung ist somit kein krasser Verfahrensfehler im Sinne von Art. 56 lit. f StPO, geschweige denn ein schikanöses Verhalten des Beschwerdegegners zu sehen. Keinen Ausstandsgrund zu setzen vermag sodann die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin den Beschwerdegegner in der Zwischenzeit wegen Urkundenfälschung angezeigt zu haben scheint oder dies zumindest zu tun gedenkt. Die Einreichung einer Strafanzeige begründet für sich allein praxisgemäss keinen Anschein der Befangenheit. Andernfalls könnte eine Verfahrenspartei missliebige Mitglieder einer Strafbehörde allein durch Einreichen einer Strafanzeige aus dem Verfahren hinausdrängen (vgl. BGE 134 I 20 E. 4.3.2; Urteil 1B_335/2021 vom 15. September 2021 E. 3.4).