Citation: 9C_455/2024 E. 4.2

4.2. Aufgrund des Grundsatzes der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 127 Abs. 2 BV) hat das Bundesgericht allerdings Konstellationen vorbehalten, in denen die steuerpflichtige Person über einen gewissen Spielraum in der Bewertung von Verlustrisiken verfügt, namentlich bei Forderungen, die uneinbringlich geworden sind (vgl. BGE 137 II 353 E. 6.4.5; vgl. auch Urteil 2C_536/2020 vom 27. November 2020 E. 3.3). Ausser in Fällen, in denen ein bestimmtes Ereignis die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners bewirkt, ist es nämlich regelmässig schwierig, den Zeitpunkt zu bestimmen, ab dem die Erfüllung der Forderung nicht mehr bloss zweifelhaft erscheint, sondern die Forderung dauerhaft uneinbringlich geworden ist. In solchen Situationen muss der von der steuerpflichtigen Person gewählte Zeitpunkt für die Abschreibung der Forderung vertretbar sein und darf er nicht auf ein rein steuerliches Ziel hindeuten. Die Abschreibung wird steuerlich nicht berücksichtigt, wenn kein ausreichender Zusammenhang mehr mit dem Wertverlust besteht, der ihr zugrunde liegt (BGE 137 II 353 E. 6.4.5). Im konkret beurteilten Fall liess das Bundesgericht Abschreibungen auf zwei Forderungen zum Abzug zu. Obschon bereits fünf Jahre zuvor erste Anzeichen der Zahlungsunfähigkeit der Schuldner aufgetreten waren, durfte die Gläubigerin noch in guten Treuen hoffen, fristgerecht befriedigt zu werden. Zudem bestanden keine Anzeichen dafür, dass der Zeitpunkt der Abschreibung aus steuerlichen Gründen gewählt worden war (vgl. BGE 137 II 353 E. 6.4.6).