Citation: 6P.58/2003 03.08.2004 E. 11

A.________ rügt die vorinstanzliche Schadensberechnung in einem weiteren Punkt. Nach seiner Auffassung hätte die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdegegners nicht vollständig verneint werden dürfen. Vielmehr sei der Betrag des Erwerbsausfalls um das von ihm bei der Z.________AG erzielte monatliche Einkommen von Fr. 700.-- zu reduzieren. 11.1 Nach der Rechtsprechung ist der Invaliditätsschaden im Blick auf die konkrete Situation zu berechnen. Ausgehend vom abstrakten Grad sind die Auswirkungen der Invalidität auf die Verminderung der Erwerbsfähigkeit oder die Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens zu bestimmen. Dabei hat bei Teilinvalidität eine bloss theoretisch verbleibende Erwerbsfähigkeit haftpflichtrechtlich unberücksichtigt zu bleiben. Eine aus medizinischer Sicht verbliebene Restarbeitsfähigkeit ist bei der Schadensberechnung nur in Betracht zu ziehen, wenn der Geschädigte tatsächlich die Möglichkeit hat, aus ihr ein Einkommen zu erzielen. Es müssen Aussichten auf eine relativ sichere Realisierung eines nicht unbedeutenden Erwerbs bestehen (BGE 117 II 609 E. 9 S. 624 f.; 113 II 345 E. 1a S. 347 f.). Eine theoretische Restarbeitsfähigkeit von 15-20 % lässt sich wirtschaftlich häufig nicht verwerten, weil keine Möglichkeit besteht, eine geeignete Arbeit mit einem so geringen Beschäftigungsgrad zu finden. Die Nutzbarkeit einer verbleibenden Arbeitsfähigkeit ist anhand der konkreten Gegebenheiten des jeweiligen Falls, insbesondere der bisherigen Berufstätigkeit des Geschädigten und den vorhandenen praktischen Einsatzmöglichkeiten zu beurteilen (vgl. BGE 117 II 609 E. 9 S. 625). 11.2 Die Vorinstanz beziffert die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdegegners gestützt auf die Unterlagen der SUVA auf 15 %. Sie stellt weiter fest, dass dieser seit dem 22. Juni 1998 wieder bei seiner früheren Arbeitgeberin für Reinigungs-, Aufräum- und kleinere Malerarbeiten im Magazin beschäftigt sei und pro Monat Fr. 700.-- verdiene. Der Hausarzt des Beschwerdegegners hält in seinem von der Vorinstanz zitierten Bericht vom 3. Februar 2003 fest, dass der Beschwerdegegner nach wie vor Kommunikations- und Gehprobleme habe und sich die beträchtlichen neuropsychologischen Defizite und zentralmotorischen Störungen seit der letzten Rehabilitation nicht verbessert hätten. Zwar sei sein Gesundheitszustand derzeit stabil, in Zukunft werde aber mit Komplikationen und mit einer im Vergleich zur normalen Alterung rascheren Verschlechterung des Zustands zu rechnen sein. Aufgrund dieser Diagnose müsse sein Einsatz bei seiner ehemaligen Arbeitgeberin weniger als Arbeit, sondern mehr als Beschäftigungstherapie bezeichnet werden. Wie aus dem von der Vorinstanz ebenfalls erwähnten Schreiben der Z.________AG vom 20. Dezember 2002 erhellt, hat diese den Beschwerdegegner deshalb wieder eingestellt, weil er zuvor als langjähriger Mitarbeiter für sie tätig war. Die Stelle ist dabei extra für ihn geschaffen worden, geht aus dem Brief doch hervor, dass die entsprechenden Aufgaben zuvor von einem anderen Angestellten nebenbei erledigt wurden. Die Z.________AG hält denn auch ausdrücklich fest, dass der Beschwerdegegner aufgrund seiner körperlichen Behinderung nicht sehr effizient sei. Aus den genannten Umständen schliesst die Vorinstanz zurecht, es sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner bei einem anderen Arbeitgeber eine Anstellung gefunden hätte. Es liegt vielmehr eine Liberalität vor, welche die Z.________AG nicht den Haftpflichtigen, sondern dem Beschwerdegegner erweisen will (vgl. Oftinger/Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, Bd. I, 1995, § 6 Rz. 153). Eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist damit zu verneinen, weshalb sich der Einwand, der Erwerbsausfall des Beschwerdegegners hätte um dessen Erwerbseinkommen reduziert werden müssen, als unbegründet erweist.