Citation: 5C.70/2004 13.05.2004 E. 2.2

2.2.1 Zu den beruflichen Aussichten hält das Kantonsgericht fest, die Beklagte sei bis zu ihrem 37. Altersjahr in Japan erwerbstätig gewesen. Seit der Heirat und dem Umzug in die Schweiz sei sie neben ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter nur sehr sporadisch einer Arbeit nachgegangen; sie habe sich hin und wieder als Reisebegleiterin und als Wanderführerin betätigt oder auf dem Bahnhof A.________ Gruppen beim Umsteigen betreut, wobei diese Tätigkeiten nicht ihrer vorehelichen beruflichen Arbeit entsprochen hätten und sie damit nur bescheidene Einkünfte erzielt habe. Die Beklagte stamme aus einem ganz anderen Kulturkreis. Sie verfüge über keine besondere Ausbildung, habe sich aber gute Englischkenntnisse angeeignet und könne sich auch gut auf Deutsch verständigen. Für eine nicht ausgebildete knapp über 50-jährige Frau müsse der Arbeitsmarkt als sehr ausgetrocknet angesehen werden. Die Vorinstanz hält es für möglich, dass die Beklagte kleinere Übersetzungsdienste übernähme oder im Service oder Verkauf als Aushilfe tätig wäre; auch könnte sie im Reinigungsdienst oder in einer Fabrik als Hilfskraft arbeiten. Angesichts der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage werde sie jedoch auch in diesen Bereichen keine Vollbeschäftigung finden. 2.2.2 Was der Kläger vorbringt, vermag den angefochtenen Entscheid auch in diesem Punkt nicht als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen: Das Kantonsgericht hat wohl festgehalten, die Beklagte leide an einer Überfunktion der Schilddrüse, doch hat es gleichzeitig darauf hingewiesen, dass diese Störung medikamentös behandelt werde und auf eine allfällige Erwerbstätigkeit anscheinend keine Auswirkungen habe. Die Bemerkung, der Arbeitsmarkt sei für die Beklagte als "nicht ausgebildete" Frau wenig ergiebig, muss im Zusammenhang mit den Ausführungen zur beruflichen Situation gesehen werden. Dort wird gesagt, die Beklagte verfüge nicht über eine besondere Ausbildung. Mit dem verkürzten Ausdruck "nicht ausgebildet" wollte die Vorinstanz offensichtlich einzig zum Ausdruck bringen, dass der Beklagten mit Blick auf den Arbeitsmarkt in der Schweiz eine spezifische Ausbildung fehle. Diese Auffassung ist nicht zu beanstanden. Das Gleiche gilt für die Feststellungen zu den Tätigkeiten, die für die Beklagte in Betracht fielen, ist doch zu bedenken, dass in qualifizierten Berufen hohe Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung und an das Leistungsvermögen gestellt werden, denen mit zunehmendem Alter immer weniger genügt werden kann (dazu Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, N 34 zu Art. 125 ZGB). Eine Verletzung von Bundesrecht ist der Vorinstanz schliesslich auch insofern nicht vorzuwerfen, als sie dafür gehalten hat, dass für eine Frau im Alter der Beklagten, die sich wieder ins Erwerbsleben einzugliedern sucht, die Situation auf dem Arbeitsmarkt als sehr schwierig anzusehen sei (dazu Ingeborg Schwenzer, Praxiskommentar zum Scheidungsrecht, N 64 zu Art. 125 ZGB). 2.3 Der Auffassung des Klägers, die Beklagte hätte gleich nach der Trennung beginnen sollen, Massnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung zu treffen, ist nicht beizupflichten: Zwar konnte die Beklagte von jenem Zeitpunkt an nicht mehr davon ausgehen, der Kläger sei auch für die Zukunft mit der während des Zusammenlebens praktizierten Rollenverteilung einverstanden, zumal er in seiner Stellungnahme vom 26. Juni 2000 zum Eheschutzbegehren der Beklagten vorgebracht hatte, diese sei auf Grund ihrer beruflichen Qualifikation ohne weiteres in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Indessen ist zu beachten, dass nach der bundesgerichtlichen Praxis dem die Kinder betreuenden Ehegatten die Aufnahme einer Teilzeitarbeit erst von dem Zeitpunkt an zugemutet werden kann, wo das jüngste mit zehn Jahren dem Kleinkindalter entwachsen ist, und einer vollen Erwerbstätigkeit grundsätzlich erst dann nichts mehr entgegensteht, wenn das jüngste Kind das 16. Altersjahr zurückgelegt hat (BGE 115 II 6 E. 3c S. 10). Im Zeitpunkt der Auflösung des gemeinsamen Haushaltes der Parteien war Z.________ noch nicht einmal fünf Jahre alt, so dass die Beklagte nach dem Gesagten nicht gehalten war, sich schon damals um ihre künftige berufliche Wiedereingliederung zu kümmern. 2.4 Das Kantonsgericht hat erklärt, der Beklagten könne bis zum vollendeten 12. Altersjahr von Z.________, d.h. bis zu dessen Wechsel von der Primar- in die Sekundar- oder Realschule, höchstens zugemutet werden, zu 20 % einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, später dann zu 40 %. Auf Grund der oben erwähnten Rechtsprechung ist diese Feststellung aus der Sicht des Klägers insofern nicht zu beanstanden, als von der Beklagten erwartet wird, eine beschränkte Erwerbstätigkeit aufzunehmen, bevor der Sohn (im August 2005) das 10. Altersjahr vollendet haben wird. Hinsichtlich der Festlegung des Ausmasses der der Beklagten zugemuteten Erwerbstätigkeit kann von einem gesetzwidrigen Ermessensgebrauch nicht die Rede sein, ist doch neben dem Alter der Beklagten zu berücksichtigen, dass Z.________ nach den Feststellungen der Vorinstanz in einer psychomotorischen Therapie steht und deshalb wohl besonderer Betreuung bedarf. 2.5 In Anbetracht der oben dargelegten Rechtsprechung ist die Berufung auch insofern unbegründet, als der Kläger beanstandet, dass er verpflichtet wurde, der Beklagten Unterhaltsbeiträge bis zu ihrem Eintritt ins AHV-Alter zu zahlen: Im Zeitpunkt, da Z.________ das 16. Altersjahr vollendet haben wird, d.h. im Jahre 2011, wird die Beklagte selbst 58 Jahre alt sein. Entgegen den Vorbringen des Klägers hat das Kantonsgericht nicht verkannt, dass sie dannzumal nicht neu ins Erwerbsleben einzutreten haben wird, sondern, dass es um den Ausbau der ihr für die vorangehenden Jahre zuzumutenden Teilzeitbeschäftigung ginge. Die Vorinstanz hat jedoch dafür gehalten, dass die Beklagte, vor allem in einer Vollbeschäftigung, für einen Arbeitgeber nicht mehr interessant sein werde. In Anbetracht der von ihr zur Ausbildung und zu den beruflichen Fähigkeiten verbindlich festgestellten tatsächlichen Gegebenheiten ist die Annahme, der Beklagten werde es mit 58 Jahren nicht möglich sein, eine teilzeitliche Erwerbstätigkeit auf eine Vollbeschäftigung auszudehnen, nicht zu beanstanden. Nicht zuletzt ist zu bedenken, dass die Beklagte aus einem ganz anderen Kulturkreis stammt.