Citation: 6B_18/2024 E. 3.3

3.3. Der Beschwerdeführer ist in Deutschland wohnhaft, wohin ihm das Kantonsgericht die Vorladungen für die Hauptverhandlung vom 20. April und 12. Juni 2023 zustellte. Mit der ersten Vorladung wurde er verpflichtet, persönlich an der Hauptverhandlung teilzunehmen, unter Androhung, die Einsprache gelte ansonsten als zurückgezogen, was nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei einer betroffenen Person mit Wohnsitz im Ausland unzulässig ist (vgl. statt vieler Urteil 6B_1456/2021 vom 7. November 2022 E. 2.2.3, das ebenfalls eine in Deutschland lebende beschuldigte Person betrifft). Dies kann auch damit nicht umgangen werden, dass im Rahmen einer zweiten Vorladung zwar auf ein persönliches Erscheinen verzichtet, der Beschwerdeführer aber - notabene gleichfalls unter Hinweis, dass die Einsprache bei Säumnis als zurückgezogen gelte - verpflichtet wird, sich an der Hauptverhandlung in der Schweiz anwaltlich vertreten lassen zu müssen. Auch bei dieser Variante wird ihm die Verfahrenserledigung und damit ein unzulässiger Nachteil bei nicht Folgegebung angedroht. Die Bedingungen für die Rückzugsfiktion gemäss Art. 356 Abs. 4 StPO sind folglich auch insofern bei einem im Ausland wohnhaften Beschuldigten nicht erfüllt, weshalb sie nicht zur Anwendung gelangt. Die Vorinstanz hat mithin zu Unrecht entschieden, das Kantonsgericht habe das Verfahren als erledigt abschreiben dürfen, weil der Beschwerdeführer der Verhandlung fernblieb und sich auch nicht anwaltlich vertreten liess.