Citation: 2C_769/2022 E. 6.4

6.4. Gestützt darauf hat die Vorinstanz geschlossen, dass die Beschwerdeführerin wohl Betreuungsleistungen erbringe und zwischen ihr und dem Enkelsohn auch eine nahe, emotionale Beziehung bestehe. Allerdings sei die eigentliche Hauptbezugs- und wichtigste Betreuungsperson die Mutter von C.________. Die Betreuungsleistung der Beschwerdeführerin sei daher nicht unabdingbar, weshalb sie nicht im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu begründen vermöge und deshalb nicht in den Schutzbereich von Art. 8 Abs. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV falle. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen an der vorinstanzlichen Einschätzung nichts zu ändern. Zwar mag es zutreffen, dass sie nach über zehnjähriger Dauer der fast täglichen Beziehungspflege emotional von grosser Bedeutung für den Enkel und damit eine wichtige Bezugsperson ist. Die derzeitige, in erster Linie emotionale Betreuung ist sicher wichtig und entlastet die Mutter, d.h. die Tochter der Beschwerdeführerin. Allerdings ist es auch diese, die dessen Betreuung zur Hauptsache übernimmt und dessen Hauptbezugsperson ist. Weitere Unterstützung erfährt C.________ zudem durch seine Tante, die Schwester seiner Mutter, die für diese Tätigkeit entlohnt wird. Die Beschwerdeführerin ist daher weder die einzige Person im (familiären) Umkreis von C.________, die ihm Betreuungs- und Pflegeleistungen zukommen lässt, noch die einzige Person, die ihm in emotionaler Hinsicht eine Stütze ist (anders Urteil 2C_779/2021 vom 9. Mai 2022 E. 6.3). Dazu kommt, dass sie nicht nur nicht die einzige Unterstützungsperson ist, sondern auch im Vergleich zu den anderen einen untergeordneten Beitrag leistet. Dies anerkennt sie letztlich selbst, wenn sie einräumt, sowohl zeitlich als auch physisch nur noch reduziert verfügbar zu sein. Die Präsenz und Unterstützung der Beschwerdeführerin ist damit zwar wichtig, insbesondere auf emotionaler Ebene, aber nicht unabdingbar im Sinne der Rechtsprechung für die Pflege und Betreuung ihres Enkelsohnes. Folglich fehlt es an einer Voraussetzung, die für die Bejahung des besonderen Abhängigkeitsverhältnisses im Sinne der Rechtsprechung zwingend erforderlich ist. Mangels besonderen Abhängigkeitsverhältnisses ist der Schutzbereich des Rechts auf Familienleben gemäss Art. 8 Abs. 1 EMRK nicht betroffen. Auch kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten aus dem - nicht näher begründeten - Einwand ableiten, wonach ihr die erstmalige Erteilung der Aufenthaltsbewilligung primär gestützt auf das aussergewöhnliche Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihr, ihrer Tochter und ihrem Enkel erteilt worden sein soll. Massgebend sind jeweils die aktuellen Verhältnisse im Zeitpunkt des streitgegenständlichen Bewilligungsgesuchs bzw. des vorinstanzlichen Urteils. Sie kann sich somit nicht auf ein allfälliges zu schützendes Vertrauen oder Treu und Glauben (Art. 9 BV) aus früheren Bewilligungsgesuchen stützen. Die vorinstanzliche Schlussfolgerung ist somit konventions- und bundesrechtlich nicht zu beanstanden.