Citation: 9C_573/2023 E. 5.1

5.1. Die Vorinstanz hatte ergänzende Abklärungen für angezeigt erachtet wegen Unklarheiten beim psychischen Gesundheitszustand, in welchem Bereich, anders als betreffend das Rückenleiden, eine revisionsrelevante Verschlechterung nicht ohne weiteres habe ausgeschlossen werden können. So habe ein Vergleich des Berichtes der Psychiatrischen Dienste vom 2. Juni 2021 mit dem ZMB-Gutachten vom 16. April 2015 eine veränderte Befundlage ergeben und auch der Suizidversuch vom 16. März 2019 mit nachfolgender stationärer psychiatrischer Hospitalisierung habe auf eine Verschlechterung hingedeutet. Eine abschliessende Beurteilung sei indessen auch gestützt auf die Stellungnahme der RAD-Ärztin vom 7. September 2021 nicht möglich gewesen, denn eine Begründung für die darin postulierte Weitergeltung der im ZMB-Gutachten attestierten Arbeitsfähigkeit und eine Auseinandersetzung mit den seither ergangenen divergierenden Berichten habe gefehlt. Das aus diesen Gründen eingeholte Gerichtsgutachten vom 24. März 2023 sei voll beweiskräftig und gebe Aufschluss über die massgeblichen Indikatoren, so dass die gutachterlich festgestellten funktionellen Auswirkungen der psychischen Beeinträchtigungen hinreichend ausgewiesen seien. Die Begründung der Diagnosestellung (kombinierte Persönlichkeitsstörung [ICD-10: F61] mit emotional instabilen und abhängigen, ängstlich-vermeidenden Anteilen, rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert [ICD-10: F33.4], anamnestisch mittelgradig bis schwere depressive Episoden, psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Abhängigkeitssyndrom [ICD-10 F12.2] und psychotische Störung [ICD-10: F12.5] sowie anhaltende Schmerzstörung [ICD-10: F45.0]) leuchte ein und gestützt auf die Indikatorenprüfung überzeuge auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung (Restarbeitsfähigkeit von 37.5 %). Zum Verlauf habe der Gutachter ausgeführt, der Versicherte habe sich zum Zeitpunkt der ZMB-Begutachtung vom 16. April 2015 offenbar in einem relativ stabilen Zustand befunden und wenig psychopathologische Defizite gezeigt; im Vergleich zur damaligen "Momentaufnahme" sei es im Durchschnitt über die letzten Jahre, insbesondere bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 3. November 2021, zu einer Zustandsverschlechterung gekommen. Gestützt darauf sowie auf die Vorakten sei davon auszugehen, dass die vom Gerichtsgutachter attestierte Arbeitsfähigkeit von 37.5 % mindestens seit der Trittico-Intoxikation in suizidaler Absicht vom 16. März 2019 bestanden habe (vgl. Bericht der Psychiatrischen Dienste, Klinik C.________ [nachfolgend: Psychiatrische Dienste], vom 2. Juni 2021). Im Jahr 2019 habe der Beschwerdegegner von fraglichen akustischen Halluzinationen in Form von Tiergeräuschen berichtet, weswegen eine Neuroleptika-Medikation begonnen worden sei, worunter sich die Häufigkeit der psychotischen Episoden reduziert habe. Bei jeder Zuspitzung der depressiven Symptomatik werde der Beschwerdegegner vermehrt durch paranoid gefärbte Ängste überwältigt. Seit Dezember 2020 hätten sich Symptome wie Schlafstörungen, Niedergestimmtheit, Reizbarkeit, Antriebsverlust, Verfolgungsideen und akustische Halluzinationen verstärkt. Auch im Bericht der Psychiatrischen Dienste vom 1. April 2022 werde explizit eine Verschlechterung des Zustandes trotz intensivierter pharmakotherapeutischer Behandlung erwähnt. Bei dieser Sachlage sei von einer revisionsrelevanten Verschlechterung seit der letzten Rentenbeurteilung vom 9. August 2017 auszugehen.