Citation: 6B_436/2010 06.12.2010 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, das Bundesgericht habe in seiner Rechtsprechung zur Schändung deutlich gemacht, dass es für die Beurteilung der Widerstandsunfähigkeit in Fällen der vorliegenden Art "massgeblich ist, in welcher Lage auf dem Massagetisch sich das Opfer befunden hat" (mit Verweisung auf Urteil 6B_453/2007 vom 19. Februar 2008 E. 3.4.3). In verschiedenen Urteilen habe es deshalb entschieden, dass bei einer Frau in Rückenlage bei uneingeschränktem Blickfeld auf die Handlungen des Täters keine Schändung vorliegen könne (Urteile 6B_453/2007 E. 3.4.3 und 6B_206/2009 vom 21. Juli 2009). Es habe nur bei Bauchlage und eingeschränktem Gesichtsfeld auf Schändung erkannt und ausschliesslich in jenen Fällen Schändung angenommen, in denen das Opfer den Täter nicht gesehen hat, so dass es vom Übergriff derart überrascht werden konnte, dass eine totale Widerstandsunfähigkeit anzunehmen war. Es habe dies bejaht bei Kopftieflage der Patientin beim Gynäkologen (BGE 103 IV 165), wenn die Patientin nackt und in Bauchlage auf dem Massagetisch lag (BGE 133 IV 49; Urteil 6B_527/2008 vom 2. Dezember 2008) sowie ohne Kopftieflage, wenn die Patientin keinen Einblick in die Handlungen des Arztes hatte (Urteil 6S.448/2004 vom 3. Oktober 2005), jedoch verneint, wenn die Patientin nackt auf dem Rücken lag (Urteile 6B_453/2007 und 6B_206/2009). Etwas aus dem Rahmen falle das Urteil 6B_527/2008, wo aber Schändung durch einen Heilpraktiker an einer Patientin in Rückenlage wegen eines Vertrauensverhältnisses angenommen worden sei. Die Vorinstanz habe die wesentlichen Merkmale, nämlich das Tragen von Unterhosen und die Rückenlage nicht berücksichtigt und damit Bundesrecht verletzt (Beschwerde S. 18 f.). B.________ sei während der ganzen Behandlung in Rückenlage auf dem Massagetisch gelegen und habe deshalb ein uneingeschränktes Blickfeld auf seine Handlungen gehabt. Deshalb müsse der Tatbestand der Schändung entfallen (Beschwerde S. 33). Hinsichtlich A.________ sei die Anklageschrift mangelhaft, weil sich ihr nicht entnehmen lasse, in welcher Lage sie auf dem Massagetisch gelegen habe, so dass sich die vorgeworfenen "sexuellen Handlungen nicht der körperlichen Lage zuordnen" liessen. Es sei unklar, ob sie sich in Bauch- oder in Rückenlage befunden habe, als er sie an ihrer Scheide berührt haben solle. Sollte sich aber die Anklageschrift als genügend erweisen, so entfalle der Schändungsvorwurf für alle in Rückenlage am 6. und 10. Juli 2006 begangenen Handlungen. Auch bei den sexuellen Handlungen in Bauchlage vom 6. Juli 2006 scheide Schändung aus, weil A.________ die Handlungen als medizinisch indiziert betrachtet habe, was nicht ausreiche, um Widerstandsunfähigkeit zu begründen. Soweit er sie in Rückenlage über und neben dem Schambereich massiert habe, sei er freizusprechen, weil die Vorinstanz diese Handlungen als medizinische indiziert angesehen habe (Beschwerde S. 33). 3.2 Die Vorinstanz stimmt der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu, dass ein Opfer in Bauchlage "einen sexuellen Übergriff nicht sehen kann". Sollte aber nach dieser Rechtsprechung auch davon auszugehen sein, "dass eine Person, die auf dem Rücken liegt, grundsätzlich keine eingeschränkte Sicht hat und daher einen sexuellen Übergriff sehen kann", könnte sie sich dieser Auffassung in dieser absoluten Form nicht anschliessen. Dass eine "flach" auf dem Massagetisch liegende Person grundsätzlich keinen Einblick in ihren Genitalbereich habe, sei gerichtsnotorisch. Diese Person könne einen sexuellen Übergriff nicht sehen, sondern nur fühlen. Unter diesen Umständen könne das Opfer den Übergriff erst feststellen, wenn er bereits begonnen habe, weshalb eine Widerstandsunfähigkeit im Sinne von Art. 191 StGB gegeben sei. Es komme also ganz zentral auf die Lage von Kopf und Oberkörper an (angefochtenes Urteil S. 28). Die Vorinstanz stellt fest, B.________ sei ausgestreckt auf dem Massagetisch gewesen. Sie habe nicht gesehen, sondern lediglich gespürt, wo seine Hände und seine Finger sie berührt hätten. Handlungen nahe dem Schambein seien medizinisch indiziert gewesen. Die Berührungen der Scheide seien aber überraschend gewesen. Damit habe sie nicht rechnen müssen (angefochtenes Urteil S. 28 - 34). Weiter sei klar, in welcher Lage sich A.________ jeweils befunden habe, nämlich wann in Bauch- und wann in Rückenlage. In Bauchlage habe sie keinen Blick auf die Hand auf der Innenseite ihres Beines gehabt, und bei flacher (oder höchstens leicht angehobener) Rückenlage habe sie nicht sehen können, was der Beschwerdeführer konkret gemacht habe. Schändungen, die in Bauch- oder Rückenlage vollendet seien, würden weder iterativ noch sukzessiv begangen, weshalb keine Handlungseinheit anzunehmen sei (Urteil 6B_206/2009 E. 3.4.2). Weil sie die Handlungen beim Übergriff am 6. Juli 2006 nicht gesehen und Vertrauen in den Mannschaftsphysiotherapeuten gehabt habe, sei die Berührung der Scheide überraschend erfolgt. Hingegen stelle sich die Frage, ob sie beim gravierendsten Übergriff am 10. Juli 2006 noch habe überrascht werden können. Das Bundesgericht sei aber im Urteil 6S.448/2004 ohne weiteres davon ausgegangen, dass ein Frauenarzt an zwei kurz aufeinander folgenden Tagen gegenüber derselben Frau jeweils eine Schändung begehen könne. Hier sei die Situation vergleichbar. Am 6. Juli 2006 sei A.________ noch unsicher gewesen, ob die Berührungen zur Behandlung gehört hätten. Auch sei die Behandlung nahe am Schambereich bei einer Lymphdrainage noch medizinisch indiziert gewesen. Der erste Übergriff am 10. Juli 2006 (Massage der Klitoris) sei überraschend erfolgt. Als sie sich anschliessend auf den Bauch gedreht habe, habe er ihren Oberschenkel wie am 6. Juli 2006 massiert und sei dann mit der Fingerspitze in ihre Scheide eingedrungen. Dieser zweite Übergriff sei nicht mehr dermassen überraschend erfolgt, dass sie sich nicht rechtzeitig hätte zur Wehr setzen können, weshalb bezüglich dieses zweiten Vorfalls der Tatbestand der Schändung (entgegen der Erstinstanz) nicht erfüllt sei (angefochtenes Urteil S. 34 - 41). Bezüglich dieses zweiten Vorfalls sei sexuelle Belästigung anzunehmen (angefochtenes Urteil S. 41 ff.). 3.3 Zusammengefasst findet die Vorinstanz den Beschwerdeführer hinsichtlich des sexuellen Übergriffs auf B.________ "einer Schändung" schuldig (natürliche Handlungseinheit; vgl. BGE 133 IV 256 E. 4.5.3; 133 IV 83 E. 2.4.5). Den Übergriff am 6. Juli 2006 und den ersten Übergriff vom 10. Juli 2006 gegenüber A.________ qualifiziert sie ebenfalls jeweils als Schändung, den zweiten Übergriff vom 10. Juli 2006 hingegen als sexuelle Belästigung (angefochtenes Urteil S. 44).