Citation: U 66/01 14.08.2001 E. 2

2.- Bezüglich des Rentenanspruchs steht fest, dass das für die Invaliditätsbemessung nach Art. 18 Abs. 2 UVG massgebende hypothetische Einkommen ohne Invalidität (Valideneinkommen) auf Fr. 61'000.- festzusetzen ist. Streitig ist das Invalideneinkommen, d.h. das hypothetische Einkommen, welches der Beschwerdeführer trotz des Gesundheitsschadens und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage zu erzielen vermöchte. a) Während die SUVA das Invalideneinkommen aufgrund ihrer Arbeitsplatz-Dokumentation (DAP) mit Fr. 45'000.- bis Fr. 46'000.- ermittelt hat, ist die Vorinstanz unter Anwendung der Tabellenlöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 1998 zu einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von Fr. 53'776.- und unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 15 % zu einem Invalideneinkommen von Fr. 45'709.- gelangt. Der Beschwerdeführer macht geltend, bei der Festsetzung des Invalideneinkommens sei vom effektiv erzielten Verdienst auszugehen, weil er die Restarbeitsfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz voll ausnütze und ein Stellenwechsel nicht zumutbar sowie praktisch ausgeschlossen sei. Nach der Rechtsprechung kann das vom Versicherten nach Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen dem für die Invaliditätsbemessung massgebenden Invalideneinkommen gleichgestellt werden, wenn - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass er die ihm verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (BGE 126 V 76 Erw. 3b/aa mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall bestehen zwar stabile Arbeitsverhältnisse, indem der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Unfalls während 15 Jahren beim gleichen Arbeitgeber tätig gewesen ist und nach dem Unfall weiter beschäftigt wurde. Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass er die verbleibende Arbeitsfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz zumutbarerweise voll ausnützt. Wegen des Gesundheitsschadens vermag er nach ärztlicher Beurteilung schwerere Arbeiten, wie sie bei der Tätigkeit als Bauarbeiter anfallen, nicht oder nurmehr beschränkt auszuführen; insbesondere ist ihm das Heben, Stossen und Ziehen schwerer Lasten sowie das Arbeiten mit Vibrationsmaschinen nicht mehr möglich. Vom Arbeitgeber wird denn auch bestätigt, dass der Versicherte nicht voll einsetzbar ist und nach Möglichkeit mit leichteren Arbeiten beschäftigt werden muss. Er arbeitet weiterhin auf Baustellen; eine andere, bessere Einsatzmöglichkeit besteht nicht. Die Leistungsfähigkeit wird dabei auf knapp 50 % geschätzt. Anderseits vermöchte der Beschwerdeführer eine geeignete leichtere Tätigkeit vollzeitlich und ohne wesentliche Einschränkung in der Leistungsfähigkeit auszuüben. Allein unter Berücksichtigung des Gesundheitsschadens ist er am bisherigen Arbeitsplatz daher nicht optimal eingegliedert, worauf auch Dr. med. L.________, FMH Innere Medizin, spez. Rheumaerkrankungen, in einem Bericht an die kantonale IV-Stelle vom 29. Oktober 1999 hingewiesen hat. Im Bericht vom 18. Februar 2000 ist die Abteilung Berufliche Eingliederung der IV-Stelle allerdings zum Schluss gelangt, dass der Versicherte mit der ganztägigen Tätigkeit am bisherigen Arbeitsplatz zu einem Leistungslohn von 50 % bestmöglich eingegliedert sei. Eine Umschulung komme aufgrund des Alters nicht in Frage. Der Versicherte sei stets als Chauffeur/Bauarbeiter tätig gewesen und habe nie in geschlossenen Räumen (Industrie) gearbeitet. Die Einarbeitung in eine solche Tätigkeit wäre mit einem zu hohen Aufwand verbunden, weil er für die Erlernung jeder andern Arbeit verhältnismässig viel Zeit benötigen würde. Des Weitern sei zu berücksichtigen, dass er bereits 59 Jahre alt sei und nach dem Pensionskassenreglement der Arbeitgeberin mit vollendetem 62. Altersjahr pensioniert werde. Ferner wird darauf hingewiesen, dass in verschiedenen Bereichen (beispielsweise bei Bewachungs- und Überwachungstätigkeiten) die Altersgrenze für eine Anstellung bei 58 Jahren liegt und Stellensuchende im Alter und mit den Kenntnissen des Beschwerdeführers erfahrungsgemäss keine Stelle mehr finden. Die Feststellungen der IV-Stelle lassen einen Verzicht auf berufliche Eingliederungsmassnahmen zwar als verständlich erscheinen. Sie genügen jedoch nicht, um eine bessere Selbsteingliederung des Beschwerdeführers als unmöglich oder unzumutbar zu erachten. Abgesehen davon, dass ihm auch eine Tätigkeit in geschlossenen Räumen (beispielsweise Montage- oder Kontrollarbeiten in der Industrie) möglich und zumutbar wäre, stehen ihm zahlreiche Tätigkeiten offen, die teilweise oder ganz im Freien zu verrichten sind. Aus den Angaben des Arbeitgebers und der IV-Stelle geht hervor, dass er auch als Chauffeur von Transportfahrzeugen und Lenker kleinerer Baumaschinen tätig sein könnte, wofür er die Voraussetzungen erfüllt und keiner Anlehre bedürfte. Dass er zufolge seines fortgeschrittenen Alters realistischerweise keine Chancen für das Finden einer andern Stelle haben soll, vermag nicht zu überzeugen. Zum einen fehlen jegliche Anhaltspunkte dafür, dass sich das Alter zusätzlich auf seine Leistungsfähigkeit auswirkt; zum andern ist er im Rahmen einer geeigneten leichteren Tätigkeit voll arbeitsfähig und steht ihm ein verhältnismässig weiter Tätigkeitsbereich offen. Auch wenn die Vermittelbarkeit altersbedingt erschwert sein dürfte, kann nicht gesagt werden, auf dem in Betracht fallenden ausgeglichenen allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe für den Beschwerdeführer praktisch keine Beschäftigungsmöglichkeit. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass er die verbleibende Arbeits- und Erwerbsfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz zumutbarerweise voll ausnützt. b) Für den Fall, dass bei der Invaliditätsbemessung nicht vom effektiv erzielten Invalideneinkommen auszugehen ist, macht der Beschwerdeführer vorab geltend, entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei Art. 28 Abs. 4 UVV nicht anwendbar. Dieser Auffassung ist im Lichte der Rechtsprechung beizupflichten. Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht festgestellt hat, liegt das "vorgerückte Alter" im Sinne dieser Bestimmung im Bereich von rund 60 Jahren, wobei der Zeitpunkt des Rentenbeginns massgebend ist (BGE 122 V 419 Erw. 1b mit Hinweisen). Zudem ist die Anwendung von Art. 28 Abs. 4 UVV auch bei Versicherten im vorgerückten Alter erst dann zu erwägen und durch entsprechende Abklärungen zu ergründen, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der physiologischen Altersgebrechlichkeit verglichen mit den anderen invalidisierenden Ursachen eine wesentliche Bedeutung zukommt. Im vorliegenden Fall sind diese Voraussetzungen nicht gegeben. Im Zeitpunkt des Rentenbeginns (1. Januar 2000) war der Beschwerdeführer noch nicht 59 Jahre alt; insbesondere aber fehlen Anhaltspunkte dafür, dass an der bestehenden Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit eine physiologische Altersgebrechlichkeit in wesentlichem Umfang mitbeteiligt ist. Es besteht daher kein Grund, der Invaliditätsbemessung gemäss Art. 28 Abs. 4 UVV die Erwerbseinkommen zugrunde zu legen, die ein Versicherter im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung zu erzielen vermöchte. Dies führt indessen zu keinem andern Ergebnis, wie sich aus dem Folgenden ergibt. c) Die Vorinstanz ist bei der Festsetzung des Invalideneinkommens vom monatlichen Bruttolohn (Zentralwert) männlicher Arbeitnehmer im privaten Sektor, die einfache und repetitive Arbeiten verrichten (Anforderungsniveau 4), von Fr. 4268.- ausgegangen (LSE 1998 S. 25 TA1), und hat diesen auf einer standardisierten Arbeitszeit von 4 1/3 Wochen à 40 Stunden beruhenden Lohn auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 42 Stunden im Jahre 1998 umgerechnet, was ein Jahreseinkommen von Fr. 53'776.- ergab. Zu berücksichtigen ist indessen zum einen, dass sich das im Einspracheentscheid auf Fr. 61'005.- festgelegte Valideneinkommen auf das Jahr 1999 bezieht, weshalb auch das Invalideneinkommen für dieses Jahr ermittelt werden muss. Zum anderen ist für die Umrechnung der Arbeitszeit praxisgemäss nicht die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit massgebend, sondern die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit (vgl. BGE 126 V 77 Erw. 3b/bb, 124 V 323 Erw. 3b/bb), welche 1999 41,8 Stunden betrug (Statistisches Jahrbuch 2001, S. 192, T3.2.3.5). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung, welche 1999 0,3 % betragen hat (Die Volkswirtschaft 2001, Heft 6, S. 89, Tabelle B10.2), ergibt sich damit ein Jahreseinkommen von Fr. 53'681.-. Nach der Rechtsprechung ist beim Einkommensvergleich unter Verwendung statistischer Tabellenlöhne zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen (BGE 124 V 323 Erw. 3b/bb; AHI 1999 S. 180 f. Erw. 3b, je mit Hinweisen). Sodann ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (AHI 2000 S. 81 Erw. 2b; vgl. auch BGE 124 V 323 Erw. 3b/aa). Im Urteil A. vom 9. Mai 2000, I 482/99, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht die bisherige Praxis dahingehend präzisiert, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängig ist. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 126 V 78 Erw. 5b/aacc). Wenn die Vorinstanz den Abzug im Lichte dieser Rechtsprechung auf 15 % festgesetzt hat, so lässt sich dies nicht beanstanden. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sind die Voraussetzungen für die Vornahme eines maximalen Abzuges von 25 % nicht gegeben. Zu berücksichtigen ist, dass dem Beschwerdeführer zahlreiche Tätigkeiten offen stehen, bei welchen sich die leidensbedingte Einschränkung nur in geringem Masse oder gar nicht auswirkt. Zudem entfällt die Berücksichtigung eines unterdurchschnittlichen Lohnes wegen Teilzeitbeschäftigung. Ein höherer Abzug lässt sich entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch damit nicht begründen, dass der Beschwerdeführer als Valider einen unter dem Tabellenlohn liegenden Verdienst bezogen hat. Eine entsprechende Lohndifferenz ergäbe sich nur, wenn mit dem Beschwerdeführer vom Tabellenlohn 1998 für das Baugewerbe bei Tätigkeiten im Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) ausgegangen würde. Hiezu besteht indessen kein Anlass, war er doch stets als ungelernter Bauarbeiter/Hilfsarbeiter und damit im Anforderungsniveau 4 tätig gewesen. Er hat denn auch ein Einkommen erzielt, welches in etwa dem für Beschäftigte im Baugewerbe mit dem Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) geltenden Tabellenlohn entsprach. Es muss daher bei der Feststellung bleiben, dass der Abzug vom Tabellenlohn von 15 % zu Recht besteht, was zu einem Invalideneinkommen von Fr. 45'629.- und im Vergleich zum Valideneinkommen von Fr. 61'000.- zu einem Invaliditätsgrad von 25,2 % führt. Ohne dass es weiterer Abklärungen bedürfte, ist die von der SUVA zugesprochene Rente von 25 % im Ergebnis somit zu bestätigen.