Citation: 5A_682/2022 E. 3.2.3

3.2.3. Privatgutachten stellen nach der Rechtsprechung blosse Parteibehauptungen dar (BGE 141 III 433 E. 2.6 mit Hinweisen). Sie können aber geeignet sein, Zweifel an der Schlüssigkeit eines Gerichtsgutachtens oder die Notwendigkeit eines (zusätzlichen) Gutachtens zu begründen. Ergibt sich aus einem Privatgutachten, dass entscheidrelevante Aspekte im amtlich bestellten Gutachten nicht rechtsgenügend geprüft sind oder dass erhebliche Zweifel an der Schlussfolgerung dieses Gutachtens bestehen, müssen diese abgeklärt bzw. ausgeräumt werden. Sie sind aber mit Zurückhaltung zu würdigen, da Privatgutachten in der Regel nur eingereicht werden, wenn sie für den Auftraggeber günstig lauten. Dies gilt auch, wenn das Privatgutachten durch eine erfahrene und etablierte Fachperson erstellt wird, die auch als Gerichtsgutachter beigezogen wird. Der Privatgutachter ist nicht unabhängig und unparteiisch wie der amtliche Sachverständige. Er steht vielmehr in einem Auftragsverhältnis zu der ihn beauftragenden privaten Partei (zum Ganzen: BGE 141 IV 305 E. 6.6.1 und 369 E. 6.2).