Citation: 6B_405/2019 E. 1.2.1

1.2.1. Im Gutachten vom 29. Dezember 2017 erläutert Dr. med. C.________ die Hauptformen der Schizophrenie und deren Symptome. Gemäss dem Gutachter zeigt der Beschwerdeführer eindeutig inhaltliche Denkstörungen im Sinn eines Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahns, inadäquate fremdaggressive Affekte und eine verminderte soziale Leistungsfähigkeit, wobei der Beschwerdeführer das Vorhandensein von Wahrnehmungsstörungen, wie z.B. akustischen Halluzinationen, verneine. Damit erfülle der Beschwerdeführer eindeutig die diagnostischen Kriterien einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10: F.20.0) aus der Symptomgruppe 2 (Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, deutlich bezogen auf Körper- oder Gliederbewegungen oder bestimmte Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen, Wahnwahrnehmungen) und der Symptomgruppe 8 ("Negative Symptome" wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachte oder inadäquate Affekte, zumeist mit sozialem Rückzug und verminderter Leistungsfähigkeit). Hinzu komme schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden (ICD-10: F.12.1). Im Ergänzungsgutachten präsentiert der Gutachter zahlreiche anschauliche Beispiele für die fortdauernden Wahnvorstellungen des Beschwerdeführers (Ergänzungsgutachten S. 15 ff.). Differential-diagnostisch prüft der Gutachter eine wahnhafte Störung sowie eine substanzinduzierte psychotische Störung (Gutachten S. 55). Diese beiden Störungen schliesst er aus, weil die Wahninhalte im Laufe der Zeit gewechselt haben, bezogen auf das Internet bizarr wirken und der Beschwerdeführer während der Haft suchtmittelabstinent war, während die wahnhafte Symptomatik fortdauerte. Weiter führt der Gutachter aus, die von der psychiatrischen Klinik E.________ beim Beschwerdeführer zusätzlich zur Wahnsymptomatik festgestellten dissozialen/psychopathischen Persönlichkeitszüge seien mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Schizophrenie bedingt. Solche Züge würden oft nicht der Grundpersönlichkeit des Betroffenen entsprechen. Dies gelte auch für den Beschuldigten, bei dem sich in der Zeit vor der Erkrankung keine dissozialen oder psychopathischen Persönlichkeitszüge finden liessen (Gutachten S. 54 f.). Auf die von Dr. phil. D.________ zur Diskussion gestellten Differential-Diagnosen (Störung aus dem "Asperger-Spektrum", paranoide Schizophrenie nach ICD-10 F20.0, akute paranoide Reaktion ohne Schizophrenie nach ICD-10 F23.3 und psychotische Episode bei Asperger-Persönlichkeit nach ICD-10 F84.5) geht Dr. med. C.________ im Ergänzungsgutachten vom 26. November 2018 ein, soweit er diese nicht bereits im Gutachten selbst geprüft hat. Gemäss Dr. med. C.________ liegt beim Beschwerdeführer weder ein Asperger-Syndrom nach ICD-10: F. 84.5 noch eine Autismus-Spektrum-Störung gemäss DSM-5 vor. Beide Störungen würden im Kleinkindalter bzw. der Kindheit auftreten, eine "Neuentstehung" eines Asperger-Syndroms im Erwachsenenalter sei nicht möglich (Ergänzungsgutachten S. 8 ff.). Die Angaben der Mutter des Beschwerdeführers seien mit einer solchen Diagnose nicht vereinbar. Der Beschwerdeführer sei als Kind nicht verhaltensauffällig gewesen. Erst während der Berufslehre im letzten Lehrjahr hätten sich Veränderungen bemerkbar gemacht. Er weise einen typischen Leistungsknick nach Herausbildung der Symptome der schizophrenen Störung auf (Ergänzungsgutachten S. 10). Zudem habe der Beschwerdeführer Kampfsport ausgeübt und erfolgreich Fussball gespielt. Letzteres spreche für eher gut ausgeprägte motorische Fähigkeiten und für eine gute Integration in die Mannschaft, was bei einem Asperger-Syndrom nicht zu erwarten sei (Ergänzungsgutachten S. 12). Schizophrenien könnten sich auf dem Boden jeder Persönlichkeit entwickeln. Das Vorhandensein einer bestimmten Persönlichkeit stehe nicht in Widerspruch zur Herausbildung einer schizophrenen Störung. Auch wenn der Beschwerdeführer ein Asperger-Syndrom oder eine Autismus-Spektrum-Störung aufweisen würde, könnte theoretisch zusätzlich eine paranoide Schizophrenie vorliegen (Ergänzungsgutachten S. 18). Wenn eine psychotische Episode bei Asperger-Syndrom vorgelegen hätte - wie Dr. phil. D.________ vermute - würde diese inzwischen mehr als drei Monate andauern und müsste eine psychotische Störung vorliegen. Eine solche sei jedoch - wie im Gutachten ausgeführt - differentialdiagnostisch auszuschliessen (Ergänzungsgutachten S. 14). Hinsichtlich des Ausschlusses von wahnhaften Störungen verweist Dr. med. C.________ auf das Gutachten (Ergänzungsgutachten S. 14).