Citation: U 407/06 03.09.2007 E. 3.1

3.1.1 Die Rehaklinik Y.________ diagnostizierte im Bericht vom 9. April 2002 eine Kniedistorsion rechts, eine Läsion des medialen und lateralen Meniskus, eine traumatisierte Gonarthrose medial rechts (Unfall vom 31. Mai 2000) sowie eine Fusskontusion rechts (Unfall vom 1. Juni 2001). Der Versicherte sei noch in der medizinischen Phase. Die bisherige Tätigkeit als Chauffeur könne ihm auch bei gutem Verlauf nicht mehr zugemutet werden. Nach abgeschlossener Behandlung bestehe bei ihm folgende Zumutbarkeit: wechselbelastende vorwiegend sitzende Tätigkeit ganztags ohne Zwangshaltung des rechten Knies, ohne Arbeit auf einem Baugerüst oder einer Leiter, ohne repetitives Treppensteigen, ohne Arbeit auf unebenem Gelände. Deshalb würden sie nach abgeschlossener chirurgischer Behandlung eine kreisärztliche Fallabschluss-Untersuchung vorschlagen und eine berufliche Eingliederung durch die Invalidenversicherung empfehlen. Die Beurteilung der weiteren Arbeitsfähigkeit solle durch den Operateur (Dr. med. P.________) bzw. durch den Kreisarzt erfolgen. 3.1.2 Am 4. Juni 2002 wurde der Versicherte von Dr. med. P.________, Chefarzt Chirurgie, Spital X.________ zum dritten Mal am rechten Knie operiert (Arthroskopie, Shaving, Metallentfernung). Diagnostiziert wurden ein Status nach valgisierender Osteotomie rechts sowie rezidivierende Gelenksergüsse. 3.1.3 Der Kreisarzt Dr. med. B.________, FMH Chirurgie, legte im Bericht vom 17. Juni 2003 dar, nicht mehr zumutbar seien dem Versicherten Tätigkeiten mit Schlägen und Vibrationen auf das rechte Knie. Das Tragen von Lasten sei auf maximal 20 kg reduziert. Tätigkeiten mit häufigem Begehen von Leitern und Treppen sowie unebenem Gelände seien nicht mehr zumutbar. Tätigkeiten in der Hocke oder in kniender Position seien höchstens ausnahmsweise und nur sehr kurz zumutbar. Günstig seien Wechselbelastungen. Andere Einschränkungen, insbesondere zeitlicher Art, bestünden nicht. Therapeutisch seien eine Gewichtsreduktion und das weitere Auftrainieren der Muskulatur sinnvoll. Für andere Massnahmen wie eine Prothese sei der Versicherte noch zu jung. Die lokalen Massnahmen wie Physiotherapie hätten momentan keinen Effekt, so dass sie sistiert werden sollten. Später seien sie punktuell wieder einzusetzen. Der Integritätsschaden hinsichtlich des rechten Knies werde auf 5 % geschätzt. 3.1.4 Die Universitätsklinik für Orthopädische Chirurgie, Spital Z.________, diagnostizierte im Bericht vom 31. Oktober 2003 eine Gonarthrose rechtsseitig und ein lokales Lumbalsyndrom. Beim Versicherten bestehe eine langjährige Schmerzsymptomatik am rechten Knie. Er leide immer noch an rezidivierenden Ergüssen und lokalen Schmerzen in diesem Bereich. Seit einem halben Jahr sei es bei ihm zu einem lokalen Lumbalsyndrom im mittleren und unteren Lumbalbereich gekommen. Die Symptomatik sei fluktuierend. 3.1.5 Der Knieoperateur Dr. med. P.________ legte im Bericht vom 10. September 2003 dar, im rechten Knie bestehe immer noch ein massiver therapieresistenter Reizzustand, der ab und zu zur Entlastung punktiert werden müsse. Im Bericht vom 21. November 2003 führte Dr. med. P.________ aus, die Rückenbeschwerden bestünden unabhängig von den Kniebeschwerden rechts. Die Hüftbeschwerden könnten als kausal betrachtet werden infolge Fehlbelastung, vor allem wenn es sich um Weichteile respektive Bursitis trochanterica handle. Eine ganztägige Tätigkeit in der Industrie sei infolge der Restbeschwerden im Knie nicht möglich, auch sitzend nicht, da rezidivierende Gelenksergüsse in gebeugtem Kniegelenk Spannungsschmerz erzeugten. Eine sitzende/gehende Tätigkeit sei höchstens zu 50 % möglich, was in der Gonarthrose und in den rezidivierenden Gelenkergüssen rechts sowie im Fortschreiten der Gonarthrose begründet sei. 3.1.6 Im Aktenbericht vom 22. Dezember 2003 gab der Kreisarzt Dr. med. B.________ unter Bezugnahme auf seinen Bericht vom 17. Juni 2003 an, ein ganztägiger Einsatz sei bei diesem Gonarthrose-Knie unter Einhaltung der gemachten Gewichtslimiten usw. einhaltbar. Vorbestehend sei eine Arthrose, was bei der Beurteilung des Integritätsschadens zu berücksichtigen sei. Die LWS-Problematik sei unfallunabhängig. Die Gonarthrose könne selbstverständlich immer wieder aktiv werden und Beschwerden mit wechselndem Verlauf machen, was typisch sei. 3.2 Die Vorinstanz hat im Wesentlichen erwogen, in medizinischer Hinsicht könne auf die Berichte der Rehaklinik Y.________ vom 9. April 2002 und des Kreisarztes Dr. med. B.________ vom 17. Juni 2003 abgestellt werden. Dieser Auffassung kann aus folgenden Gründen nicht beigepflichtet werden. Die Rehaklinik Y.________ hat sich im Bericht vom 9. April 2002 zur Arbeitsfähigkeit nicht definitiv geäussert, sondern den Gesundheitszustand nach Behandlungsabschluss vorbehalten. Abweichend von der Einschätzung des Kreisarztes Dr. med. B.________ vom 17. Juni 2003, der von ganztägiger Einsatzfähigkeit des Versicherten in leidensangepasster Arbeit ausging, stellte der Operateur Dr. med. P.________ am 21. November 2003 eine höchstens 50%ige Arbeitsfähigkeit in sitzender/gehender Tätigkeit fest. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz bezieht sich diese Einschätzung des Dr. med. P.________ allein auf die Kniebeschwerden rechts und nicht auch auf die Hüft- und Rückenbeschwerden. Es liegen keine konkreten Indizien vor, die auf mangelnde Objektivität des Dr. med. P.________ schliessen liessen. Somit kann der Auffassung des Dr. med. B.________ kein höherer Beweiswert zugemessen werden (vgl. auch Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 347/03 vom 9. August 2004, E. 2.2). Abgesehen von diesen hinsichtlich der Arbeits(un)fähigkeit widersprüchlichen Einschätzungen ist zu beachten, dass der Bericht des Dr. med. P.________ vom 21. November 2003 rund 15 ½ Monate vor dem massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides (3. März 2005; BGE 129 V 167 E. 1 S. 169 mit Hinweisen) erstellt wurde. Die Berichte des Dr. med. B.________ vom 17. Juni 2003 und der Rehaklinik Y.________ vom 9. April 2002 - auf welche die Vorinstanz abgestellt hat - liegen noch weiter zurück. Damit bilden die medizinischen Unterlagen auch in zeitlicher Hinsicht keine rechtsgenügliche Entscheidgrundlage. Der Beurteilung des Dr. med. B.________ vom 22. Dezember 2003 kann nicht gefolgt werden, da er in diesem Rahmen lediglich auf seinen Bericht vom 17. Juni 2003 verwiesen und den Versicherten nicht nochmals untersucht hat; die Beweisanforderungen an einen Aktenbericht sind unter den gegebenen Umständen nicht erfüllt (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 300/05 vom 7. November 2005, E. 4.2 mit Hinweis). In Anbetracht dieser Aktenlage ist eine abschliessende und rechtskonforme Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit und des Integritätsschadens nicht möglich. Notwendig ist eine sämtliche Aspekte des Falles umfassende medizinische Begutachtung.