Citation: U 43/04 09.08.2004 E. 5

5.1 Gegen die Berücksichtigung eines trotz Unfallrestfolgen zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens (von Fr. 37'624.-) wendet die Beschwerdeführerin zunächst ein, mit Blick auf ihre Behinderungen spiele die gesetzliche Fiktion vom ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr. Nach einem in Rechtskraft erwachsenen Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Basel-Landschaft vom 13. November 1996 in Sachen Versicherte gegen die IV-Stelle Basel-Landschaft stehe fest, dass der Einsatz der Versicherten in einem Büro illusionär bleibe und nicht als Teilgrundlage für die Invaliditätsbemessung herangezogen werden könne. Wahrscheinlich kämen viele Fertigungs-, Verpackungs- und Sortierarbeiten sowie einfache Montagearbeiten nicht in Frage, da im Pflichtenheft dieser Tätigkeiten oftmals auch notwendige Verrichtungen enthalten seien, welche nicht mehr mit den unfallbedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin vereinbar seien. Zudem müssten "beispielsweise bei der Vor- und Nachbereitung von Sortier-, Verpackungs- oder Montagevorgängen wohl regelmässig schwere Lasten angehoben werden". 5.1.1 Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um einen theoretischen und abstrakten Begriff. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot an und der Nachfrage nach Stellen; andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her sowohl bezüglich der beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten (BGE 110 V 276 Erw. 4b; ZAK 1991 S. 321 Erw. 3b). Bei der Bestimmung des trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einkommens darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von Art. 18 Abs. 2 Satz 2 UVG kann nicht gesprochen werden, wenn das Finden einer entsprechenden Stelle von vornherein als ausgeschlossen erscheint, weil die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre (vgl. ZAK 1991 S. 320 Erw. 3b, 1989 S. 321 Erw. 4a). 5.1.2 Soweit sich die Beschwerdeführerin auf den genannten Entscheid der Vorinstanz vom 13. November 1996 beruft, vermag sie daraus für das vorliegende Verfahren nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Eine einfache Bürotätigkeit (wie z.B. Telefonistin in einem Call-Center) wäre für sie entgegen dem kantonalen Gericht schon deshalb nicht "illusionär", weil sie gemäss ZMB-Gutachten in der Türkei bereits während vier Jahren Büroarbeiten verrichtet hatte und zumindest ihre mündlichen Deutschkenntnisse nach einer zehnjährigen Erwerbstätigkeit in Deutschland und einer mehr als zwanzigjährigen Lebensdauer in deutschsprachigen Wohngebieten eine problemlose Kommunikation mit ihr ermöglichten (ZMB-Gutachten S. 17). Die aus dem kantonalen Entscheid vom 13. November 1996 (S. 19) weiter zitierte Passage, wonach Fertigungs-, Verpackungs- und Sortierarbeiten sowie einfache Montagearbeiten "im Pflichtenheft [...] oftmals auch notwendige Verrichtungen" wie zum Beispiel regelmässiges Anheben schwerer Lasten enthielten, stellt eine Behauptung der Vorinstanz dar, welche im Widerspruch zu der dort genannten Rechtsprechung ZAK 1991 S. 321 Erw. 3b steht. Dem zuletzt genannten Entscheid ist vielmehr zu entnehmen, dass physische Kraft verlangende Arbeiten wegen ständig zunehmendem Einsatz von Maschinen immer seltener würden, während - ohne Kraftaufwand zu versehende - Überwachungsfunktionen auch im Dienstleistungssektor wachsende Bedeutung zukomme. Unzutreffend ist auch der Einwand der Versicherten, ihr fehle Berufserfahrung für feinmotorische leichte Hilfstätigkeiten. Dem ZMB-Gutachten ist vielmehr zu entnehmen, dass sie unter anderem während einem Jahr bei der Firma Z.________ als Näherin gearbeitet hatte. Der für die Beschwerdeführerin in Betracht fallende ausgeglichene Arbeitsmarkt bietet demnach sehr wohl Tätigkeiten an, welche der ärztlicherseits attestierten Arbeitsfähigkeit (Erw. 3.1 hievor) entsprechen (z.B. Bedienen und Überwachen von Maschinen, angepasste Sortier-, Kontroll- oder leichte Montagearbeiten auf Tischhöhe sowie einfache Bürotätigkeiten etc.). Nach dem Gesagten ist der Einwand der fehlenden Verwertbarkeit der festgestellten Restarbeitsfähigkeit unbegründet, da die der Beschwerdeführerin zumutbaren Tätigkeiten einerseits Gegenstand von Angebot und Nachfrage auf dem ihr offen stehenden, ausgeglichenen Arbeitsmarkt sind (vgl. BGE 110 V 276 Erw. 4b; ZAK 1991 S. 320 Erw. 3b) und die Versicherte anderseits in deren Ausübung nicht derart eingeschränkt ist, dass der allgemeine Arbeitsmarkt die entsprechenden Stellen praktisch nicht kennt oder eine Beschäftigung nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines Arbeitgebers möglich wäre (Urteil Z. vom 14. April 2000, U 241/99). 5.2 Weiter wendet die Beschwerdeführerin gegen die Anerkennung eines Invaliditätseinkommens ein, in ihrem Alter finde sie auf dem modernen Arbeitsmarkt keine Stelle mehr. Im Zeitpunkt der Entstehung des Rentenanspruchs (1. März 1999) war sie 49 Jahre alt. Soweit sie geltend macht, zufolge ihres Alters sei ihr wirtschaftliches Fortkommen als Behinderte auf dem Arbeitsmarkt erschwert, hat die Vorinstanz diese Tatsache durch Vornahme eines gesamthaften Abzuges von 15 % von dem zu Grunde gelegten Tabellenlohn gemäss LSE (Erw. 4.2 hievor) bereits angemessen berücksichtigt. Sodann argumentiert die Versicherte, infolge des Strukturwandels seien nicht mehr genügend Arbeitsplätze für leichte Hilfstätigkeiten von behinderten Personen vorhanden, weshalb der gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne herangezogene durchschnittliche Monatslohn von Fr. 3505.- nicht repräsentativ sei. Dem kann nicht beigepflichtet werden. Zum einen handelt es sich bei diesem der Tabelle TA1 der LSE 1998 entnommenen Durchschnittsverdienst um einen Zentralwert, wobei für die Hälfte der Arbeitnehmerinnen der standardisierte Lohn über und für die andere Hälfte unter dem ausgewiesenen Median liegt (LSE 1998 S. 25). Zum andern bleibt der Versicherten unter Berücksichtigung der unfallbedingten Einschränkungen immer noch ein relativ weiter Fächer an zumutbaren Ersatztätigkeiten auf dem ihr offen stehenden, ausgeglichenen Arbeitsmarkt zur Auswahl (Erw. 5.1.2 hievor), weshalb nicht behauptet werden kann, der Arbeitsmarkt kenne praktisch keine entsprechenden Stellen mehr.