Citation: 5P.93/2004 26.04.2005 E. 5

5.1 Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, das Obergericht habe willkürlich den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem fraglichen Artikel und dem behaupteten Schaden angenommen. Für die Absage seitens der Howatec AG (bzw. des Zeugen Meier) seien andere Umstände natürlich ursächlich gewesen: die negative Wirtschaftslage, die Freundschaft des Beschwerdegegners zu Bruno Guerra, das Gerede der Leute und die Persönlichkeit des Beschwerdegegners. Dem Zeugen Hans Meier sei die Sache nach Aufkommen der Gerüchte zu riskant geworden. Auch ohne Veröffentlichung des fraglichen Zeitungsartikels hätte der Zeuge Meier die (ohnehin bedingte) Offerte widerrufen. Dem widerspricht der Beschwerdegegner. 5.2 Nach der Aufforderung des Bundesgerichts hat das Obergericht die Frage des Kausalzusammenhanges zwischen dem fraglichen Artikel und dem vom Beschwerdegegner behaupteten Schaden eingehend analysiert und einlässlich begründet. Nach Zusammenfassung der Offerte der Howatec AG vom 19. März 1992 und des Absageschreibens vom 17. August desselben Jahres sowie der Aussagen des Zeugen Hans Meier, des Hauptaktionärs der Howatec AG, erklärt das Obergericht, aus alledem werde ersichtlich, dass der BAR-Artikel vom 2. Juli 1992 wenn nicht allein, so doch zumindest auch ausschlaggebend für die Absage an den Beschwerdegegner gewesen sei. Laut dem Zeugen Meier sei über den Beschwerdegegner geschrieben und gesprochen worden; die Zeitungsleser liessen sich beeinflussen, gleichgültig, ob das Geschriebene richtig oder falsch sei; ohne die Medien wäre das Ganze sicher nicht so hochgespielt worden. Gestützt darauf hält das Obergericht dafür, es stehe ausser Zweifel, dass die Gerüchte erst durch die Kolportage über die Presse eine grössere Verbreitung über den engeren Lokalbereich hinaus erfahren hätten und dadurch für den Beschwerdegegner erst wirklich gefährlich und schädlich geworden seien. Die rezessive Wirtschaftslage habe für die Absage an den Beschwerdegegner nicht die Bedeutung gehabt, die ihr die erste Instanz beigemessen habe. Wie der Zeuge Meier nämlich zu Protokoll gegeben habe, hätten er und seine Firma bereits 1990 gemerkt, dass sie sich geschäftlich mehr anstrengen müssten. Wenn aber die Howatec AG im März 1992 eine Zusammenarbeit mit dem Beschwerdegegner ins Auge gefasst habe, könne die rezessive Wirtschaftslage für die Absage nicht entscheidend gewesen sein; die Firma habe nur einen ausscheidenden Partner ersetzen und keinen zusätzlichen anzustellen müssen; auch habe sich deren wirtschaftliche Lage zwischen März und August 1992 nicht merklich verändert; insbesondere hätte sie dem Beschwerdegegner nach wie vor das in Aussicht gestellte Jahressalär ausrichten können. Nicht ins Gewicht falle auch der Umstand, dass der Zeuge Meier für die Howatec AG nach dem Verzicht auf die Zusammenarbeit mit dem Beschwerdegegner schliesslich keinen anderen Partner gesucht habe: Dieser Entscheid könne zwar wirtschaftliche, aber ebenso gut auch persönliche Gründe gehabt haben. Ebenso wenig könne die Freundschaft zwischen dem Beschwerdegegner und Bruno Guerra eine entscheidende Rolle gespielt haben: Wie vor allem aus der administrativen Untersuchung ersichtlich geworden sei, habe diese Freundschaft bereits lange vor 1992 bestanden, und sei von den Beteiligten auch nie verheimlicht worden, weshalb angenommen werden müsse, dass diese Beziehung auch dem Zeugen Meier vor der Vereinbarung vom März 1992 bekannt gewesen sei. Dieser habe dem Beschwerdegegner demnach eine Geschäftspartnerschaft angeboten, obwohl er den Freund des Beschwerdegegners für einen Gauner gehalten und dem Beschwerdegegner immer wieder empfohlen habe, den Umgang mit Guerra zu meiden. Bezeichnenderweise werde darauf im Absageschreiben nicht Bezug genommen. Was schliesslich das Gerede der Leute anbelange, habe die erste Instanz zu Recht erwähnt, dass der Nachweis eines entscheidenden Einflusses der Presse auf die kursierenden Gerüchte nicht habe bewiesen werden können, und dass letztere wohl eher durch die Persönlichkeit des Beschwerdegegners bedingt gewesen seien. Laut dem Obergericht habe die Kenntnis über die erwähnten Geschichten den Zeugen Meier nicht davon abgehalten, im März 1992 dem Beschwerdegegner das fragliche Angebot zu unterbreiten; daraus müsse geschlossen werden, dass das Gerede der Leute für den Zeugen Meier mindestens bis zu jenem Zeitpunkt nicht so wichtig gewesen sei. Deshalb könne nicht mit der ersten Instanz gesagt werden, der BAR-Artikel vom 2. Juli 1992 sei für die Absage gar nicht ursächlich gewesen, weil die übrigen Umstände diesen an Bedeutung übertroffen hätten, beziehungsweise den ausschlaggebenden Charakter des Artikels zweifelhaft hätten erscheinen lassen. Im Gegenteil stelle der fragliche Artikel die Hauptursache dar, denn erst durch ihn seien die gegen den Beschwerdegegner erhobenen Anschuldigungen und Verdächtigungen über den engeren Bereich seiner Wohn- und der benachbarten Gemeinden hinaus in der wirtschaftlich bedeutsamen Grossregion Baden-Wettingen weiterverbreitet worden; damit sei der Beschwerdegegner als Geschäftsführer und Teilhaber der Howatec AG untragbar geworden. Der Zeitungsartikel sei im Ergebnis zumindest im Sinne einer Teilursache als kausal zu betrachten.