Citation: 1C_305/2018 E. 4.1

4.1. Nach herrschender Lehre wird der Eigentümer, Pächter oder Mieter eines Grundstücks nicht zum Inhaber von Abfällen, die ohne sein Zutun von Dritten ordnungswidrig abgelagert bzw. stehengelassen werden (BRUNNER/TSCHANNEN, Kommentar USG, 2. Aufl. [Stand Mai 2000], Vorbem. zu Art. 30-32e N. 50; TSCHANNEN, Kommentar USG, 2. Aufl. [Stand Mai 2000], N. 14 zu Art. 31b [Stand Mai 2000]; BRUNNER, Kommentar USG, 2. Aufl. 1998 [Stand März 2001], Art. 32 N. 11 f. und N. 25; JANSEN, in: Commentaire LPE, Bern 2010, Art. 32 USG N. 10; FLÜCKIGER, Commentaire LPE, Art. 7 Abs. 6 USG N. 25). Vielmehr bleibe der Dritte, der sich der Sache ordnungswidrig entledigt habe, Abfallinhaber. Diese Eingrenzung des Inhaberbegriffs wird aus Art. 31b Abs. 1 und Art. 32 Abs. 2 USG abgeleitet, wonach die Kantone für Abfälle entsorgungs- bzw. kostenpflichtig sind, deren Inhaber nicht ermittelt werden kann oder zahlungsunfähig ist. Diese Bestimmung hätte keinen Anwendungsbereich, wenn anstelle des Dritten auf den Grundeigentümer zugegriffen werden könnte, mit der Begründung, dieser sei - wenn auch ohne eigenes Zutun - Inhaber der Abfälle geworden (BRUNNER, a.a.O. N. 12 in fine, TSCHANNEN, a.a.O. N. 14 in fine). Es liege am Gemeinwesen, in solchen Fällen an Stelle des nicht mehr greifbaren Pflichtigen zu treten und den polizeiwidrigen Zustand auf eigene Kosten zu beheben. Wer dagegen einer (Zwischen) Lagerung von Abfällen i.S.v. Art. 7 Abs. 6 USG (z.B. Altpneus oder Klärschlamm) auf seinem Grundstück zugestimmt habe, könne als Inhaber belangt werden, wenn der Ablagerer selber seine finanziellen Pflichten nicht erfüllen könne (BRUNNER, a.a.O., N. 11 in fine und N. 26 in fine).