Citation: 9C_118/2020 E. 3.3.2

3.3.2. Vorliegend ist vorab zu wiederholen, dass die Vorinstanz nicht ermittelt hat, in welchem Stadium der Schwangerschaft sich die Ehefrau des Beschwerdeführers befand. Dies ist hier insbesondere deshalb relevant, weil gemäss den Ausführungen der Vorinstanz die Ausgleichskasse eine Zumutbarkeit der Arbeitsfähigkeit nur gerade für die vorliegend zur Diskussion stehende Zeit von 1. Februar bis und mit 30. April 2019 annahm, währenddem sie für die Zeit bis Ende Januar 2019 und ab Mai 2019 keine Aufrechnung eines Verzichteinkommens vornahm (vgl. Sachverhalt lit. A). Daraus ergibt sich, dass es vorliegend nicht nur darum geht zu beurteilen, inwieweit der Ehefrau des Beschwerdeführers eine Arbeitstätigkeit gesundheitlich zumutbar war und wie realistisch es war, dass sie in der dargelegten Konstellation eine Anstellung finden konnte. Vielmehr ist von ausschlaggebender Bedeutung, dass sie einerseits ein Kleinkind betreute und andererseits in Erwartung eines weiteren Kindes war. Diesem Umstand wurde im angefochtenen Entscheid nicht (hinreichend) Rechnung getragen. Nachdem die Ausgleichskasse - und mit ihr die Vorinstanz - selber davon ausging, bei der vorliegenden Konstellation sei der Ehefrau des Beschwerdeführers bis Ende Januar 2019 und ab Mai 2019 eine Erwerbstätigkeit nicht zumutbar gewesen, ist es mit dem Kindeswohl offensichtlich nicht vereinbar, für die kurze Zwischenphase von nur gerade drei Monaten von der Zumutbarkeit der Erwerbstätigkeit auszugehen. Von der Mutter eine solche Tätigkeit zu fordern, verstösst klarerweise gegen das dem Kindeswohl dienende Kontinuitätsprinzip, hätte dies doch zur Folge, dass innert kürzester Zeit zweimal die wesentlichen Bezugspersonen des Kleinkindes gewechselt hätten. Denn insbesondere unter Berücksichtigung der hier vorliegenden wirtschaftlichen Verhältnisse kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Fremdbetreuung des ersten Kindes angesichts der Betreuungsaufgaben für das zweite Kind und der damit zusammenhängenden fehlenden Erwerbstätigkeit unverändert fortgeführt worden wäre. Unter diesen Umständen wäre es sodann fraglich, ob (innert nützlicher Frist) überhaupt ein geeigneter Betreuungsplatz für das Kind hätte gefunden werden können. An dieser Einschätzung vermag insbesondere nichts zu ändern, dass gemäss Ziff. C.I.3 der per 1. Januar 2017 revidierten SKOS-Richtlinien eine Erwerbstätigkeit oder die Teilnahme an einer Integrationsmassnahme spätestens dann, wenn das Kind das erste Lebensjahr vollendet hat, erwartet wird. Massgeblich ist vorliegend nicht bloss das Alter des ersten Kindes, sondern der Umstand, dass sich die Betreuungssituation aufgrund der Geburt des zweiten Kindes innert weniger Monate mit grösster Wahrscheinlichkeit wiederum geändert hätte.