Citation: 6B_657/2022 E. 1.3.1

1.3.1. Strafbefehle im Sinne von Art. 352 ff. StPO sind gemäss Art. 353 Abs. 3 StPO schriftlich zu eröffnen. Die Zustellung erfolgt durch eingeschriebene Postsendung oder auf andere Weise gegen Empfangsbestätigung, insbesondere durch die Polizei (Art. 85 Abs. 2 StPO). Die beschuldigte Person kann gegen einen Strafbefehl innert 10 Tagen bei der Staatsanwaltschaft schriftlich Einsprache erheben (Art. 354 Abs. 1 lit. a StPO). Ohne gültige Einsprache wird der Strafbefehl zum rechtskräftigen Urteil (Art. 354 Abs. 3 StPO). Beim Strafbefehl handelt es sich um einen Vorschlag zur aussergerichtlichen Erledigung der Strafsache. Die Einsprache gegen den Strafbefehl ist kein Rechtsmittel (im Sinne von Art. 379 ff. StPO), sondern ein Rechtsbehelf, der das gerichtliche Verfahren auslöst, in dem über die Berechtigung der im Strafbefehl enthaltenen Deliktsvorwürfe entschieden wird (BGE 149 IV 50 E. 1.2; 147 IV 518 E. 3.1; 142 IV 11 E. 1.2.2; 140 IV 82 E. 2.6). Die Einsprache ermöglicht es der beschuldigten Person, ihren in Art. 29a und 32 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten Anspruch auf Beurteilung durch ein Gericht geltend zu machen (vgl. BGE 147 IV 518 E. 3.1).