Citation: 5A_960/2023 E. 2.1

2.1. Die Vorinstanz hielt fest, die Tochter sei vom Gerichtspräsidium mit Brief vom 6. Dezember 2022 zur Kindesanhörung am 12. Dezember 2022 vorgeladen worden. Mit Anruf vom 12. Dezember 2022 habe die Beschwerdegegnerin dem Gericht mitgeteilt, dass sich die Tochter weigere, zur Kindesanhörung zu erscheinen. Mit Brief vom 6. Januar 2023 habe das Gericht die Vertreterin der Beschwerdegegnerin ersucht, bei ihrer Klientin darauf hinzuwirken, dass die Anhörung der Tochter am neuen Termin stattfinden könne. Mit Brief vom 16. Januar 2023 sei die Tochter zur Kindesanhörung am 8. Februar 2023 vorgeladen worden. Am 6., 7. und 8. Februar 2023 hätten zahlreiche Telefongespräche zwischen den Parteien und der Vorinstanz im Zusammenhang mit der Kindesanhörung vom 8. Februar 2023 stattgefunden. Mit Anruf vom 8. Februar 2023 habe die Beschwerdegegnerin dem Gerichtspräsidium mitgeteilt, dass die Tochter nicht zur Anhörung erscheinen werde. Mit Brief vom 24. März 2023 habe das Gerichtspräsidium den Parteien mitgeteilt, dass die Urteilsfällung ohne Kinderanhörung ergehe. Die Vorinstanz erwog, die Weigerung der Tochter, an einer gerichtlichen Kinderanhörung teilzunehmen, sei zu respektieren, da ihr beharrlicher Widerstand ihrem tatsächlichen Willen zu entsprechen scheine und die Anhörung ein Recht und keine Pflicht des Kindes sei. Betreffend die Ausgestaltung der Obhut habe die Tochter dem Gericht gegenüber somit zwar auf das ausdrückliche Äussern eines Wunsches verzichtet. Indessen deute der Umstand, dass die mittlerweile fast 14-jährige Tochter seit nunmehr über einem Jahr bei ihrer Mutter wohnhaft sei und sich mit Übernachtungen bei ihrem Vater weiterhin schwertue, unübersehbar darauf hin, dass sie an ihren derzeitigen Wohnverhältnissen bzw. am Verbleib bei ihrer Mutter nichts ändern möchte. Anderweitige Bedürfnisse hätte die Tochter ansonsten durch das Schaffen von Fakten respektive dadurch umgesetzt, dass sie effektiv mehr Zeit bei ihrem Vater verbringt. Indem sie ihre Freizeit unstrittig hauptsächlich bei ihrer Mutter verbringe und dort auch ganz überwiegend übernachte, bringe sie klar zum Ausdruck, keine alternierende Obhut zu wollen. So ergebe sich auch aus dem von der Beschwerdegegnerin eingereichten WhatsApp-Protokoll, dass sich die Tochter mit Übernachtungen beim Beschwerdeführer und insbesondere mit autoritativen Anordnungen hinsichtlich der Ausgestaltung ihrer Freizeit - egal ob diese vom Beschwerdeführer oder von der Beschwerdegegnerin stammten - weiterhin sehr schwer tue und einem Kind im Teenageralter entsprechend über einen eigenen starken Willen verfüge. Sodann führte die Vorinstanz aus, dass sich die Parteien einig seien und sich aus den Akten auch ohne Weiteres ergebe, dass sich der derzeitige Konflikt zwischen den Kindseltern sehr belastend auf die Tochter auswirke. Es sei nicht ersichtlich, dass sich an dieser Situation nach einer autoritativen Anordnung der alternierenden Obhut etwas ändern würde. Im Gegenteil sei davon auszugehen, dass sich der elterliche Konflikt bei der Anordnung der alternierenden Obhut vor dem Hintergrund des von der Tochter (zumindest konkludent) klar vorgebrachten Wunsches nach dem Verbleib bei ihrer Mutter nur noch weiter verschärfen würde und die Tochter zunehmend in einen Loyalitätskonflikt geriete. Eine alternierende Obhut scheine deshalb unter Würdigung aller Umstände, insbesondere der Stabilität und Kontinuität der Betreuungssituation, nicht im besten Interesse der Tochter zu sein.