Citation: 9C_723/2007 10.09.2008 E. 3.3

3.3.1 In der Gesamtbeurteilung der MEDAS wird die Restarbeitsfähigkeit in leidensangepassten "unter adäquater Therapie und in einem entsprechend angepassten Berufsumfeld" klar auf 60 % festgelegt (Gutachten, S. 11). Soweit die Vorinstanz gestützt darauf eine ab dem Gutachtenszeitpunkt bestehende 60%ige Leistungsfähigkeit in leidensnangepassten Tätigkeiten als erstellt erachtet hat, ist dies nicht offensichtlich unrichtig, geschweige denn willkürlich (Art. 9 BV). Die genannten Bedingungen, unter welchen die attestierte Arbeitsfähigkeit gemäss den MEDAS-Gutachtern realisiert werden kann, waren ab jenem Zeitpunkt grundsätzlich sofort erfüllbar und - betreffend Intensivierung der damals bereits laufenden psychotherapeutischen Behandlung - der Versicherten im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 113 V 22 E. 4a S. 28, E. 4b S. 32; ferner BGE 129 V 460 E. 4.2 S. 463, 123 V 230 E. 3c S. 233) auch zumutbar. Entgegen dem Standpunkt der Beschwerdeführerin wird die Verwertbarkeit einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in der MEDAS-Gesamtbeurteilung nicht ausdrücklich vom erfolgreichen Abschluss einer Psychotherapie in ungewisser Zukunft abhängig gemacht, sondern vielmehr "unter adäquater Therapie" (Hervorhebung nicht im Original) bejaht. Dies kann ohne Willkür dahingehend verstanden werden, dass der psychotherapeutisch stützende und im September 2005 grundsätzlich ab sofort intensivierbar gewesene Rahmen (gemäss gutachterlichen Empfehlungen Optimierung der Behandlungsmethoden und der Medikation bezüglich der im Vordergrund stehende Agoraphobie mit Panikstörung bei gleichzeitiger mittelgradiger depressiver Episode, insbesondere Ersatz der Benzodiazepin-Medikation durch entsprechende Antidepressiva, Ausschöpfung der therapeutischen Dosierung und Kombinationsmöglichkeiten, Kontrolle des Metabolismus des Pharmakonsums) lediglich eine notwendige begleitende Massnahme bei der Umsetzung des in einer leidensangepassten Tätigkeit realisierbaren Leistungsvermögens von 60 % darstellt. 3.3.2 Fraglich bleibt, ob die vorinstanzliche Tatsachenfeststellung (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 398) einer erwerblich verwertbaren Restarbeitsfähigkeit von 60 % auch bezogen auf den von der IV-Anmeldung im November 2002 bis anfangs September 2005 (MEDAS-Gutachten) erfassten Zeitraum vor Art. 105 Abs. 2 BGG standhält. 3.3.2.1 Das kantonale Gericht stellt in diesem Zusammenhang einzig fest, gemäss MEDAS-Gutachten bestehe das in der Gesamtbeurteilung umschriebene "Zumutbarkeitsprofil bzw. die attestierte Arbeitsunfähigkeit sicher ab dem Zeitpunkt der IV-Anmeldung (November 2002)". Diese Feststellung ist zwar insofern nicht offensichtlich unrichtig, als das MEDAS-Gutachten unter der Ziff. "6.1.3 Beginn der Arbeitsunfähigkeit" festhält, sicher ab dem Zeitpunkt der IV-Anmeldung sei für die bisherige Tätigkeit keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr vorhanden gewesen, und letztendlich gehe man davon aus, dass mindestens ab jenem Zeitpunkt auch für eine adaptierte Tätigkeit die unter 6.1.4 attestierte Arbeitsfähigkeit (= aus gesamtmedizinischer Sicht 60 % gemäss ärztlich umschriebenem Zumutbarkeitsprofil; vgl. E. 3.1 hievor) gegeben sei. Der vorinstanzlich allein aus dieser Gutachtenspassage gezogene Schluss auf eine seit mindestens November 2002 vorhanden gewesene 60%ige Restarbeitsfähigkeit beruht jedoch auf einer unvollständigen Feststellung der rechtserheblichen Tatsachen und blickt über in diesem Punkt gutachtensintern bestehende, offensichtliche Ungereimtheiten hinweg, womit er als rechtsfehlerhaft zu qualifizieren ist (Art. 9 BV; bezüglich der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung: statt vieler Urteile 9C_534/2007 vom 27. Mai 2008, E. 1 und 9C_419/2007 vom 11. März 2008, E. 1.2 [je mit weiteren Hinweisen]): So kontrastiert die oben zitierte Textstelle des Gutachtens augenscheinlich mit der Aussage in der Gesamtbeurteilung der MEDAS, wonach die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit im Untersuchungs-/Gutachtenszeitpunkt "etwa 50 %" (psychiatrisches Fachgutachten vom 13. Juni 2006: "derzeit 50 %") beträgt, die bisherige psychotherapeutische Behandlung noch "nicht vollständig ausgebaut" ist und von einer 60%igen Restarbeitsfähigkeit nur wegen des "unter adäquater Therapie" realisierbaren Verbesserungspotentials ausgegangen wird. 3.3.2.2 Vor diesem Hintergrund ist die in den Ziff. 6.1.3 in Verbindung mit Ziff. 6.1.4 des Gutachtens rückwirkend ab der IV-Anmeldung attestierte 60%igen Restarbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar und schlüssig; dies gilt umso mehr, als die Gutachter vorgängig selbst auf die bezüglich Beginn und Verlauf der Arbeitsunfähigkeit ungesicherte Aktenlage hingewiesen haben und ihre - wörtlich - "letztendlich" getroffene zeitliche Annahme sichtlich von Unsicherheit zeugt und den spekulativen Charakter ihrer retrospektiven Einschätzung unterstreicht. Indem die Vorinstanz gleichwohl einzig darauf abgestellt hat, hat sie die Grundsätze über den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten (vgl. E. 2 hievor) missachtet, was eine Rechtsverletzung darstellt (vgl. Urteil I 853/0 3. Oktober 2007, E. 4.1 am Anfang). 3.3.2.3 Nebst der Ausblendung gutachtensinterner Widersprüche hat es die Vorinstanz zudem unterlassen, den bereits auf den Zeitpunkt der IV-Anmeldung festgesetzten Beginn der 60%igen Restarbeitsfähigkeit auch im Lichte der übrigen Akten - insbesondere des Berichts des seit September 2001 behandelnden Psychiaters Dr. med. C.________ vom 24. August 2003 - auf seine Schlüssigkeit hin zu überprüfen, sodass insoweit keine für das Bundesgericht verbindliche Sachverhaltsfeststellung vorliegt (Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG). Letztinstanzlich ist dazu Folgendes festzuhalten: Während es dem erwähnten Bericht des Dr. med. C.________ aus dem Jahre 2003 bezüglich der damals vorhandenen und prospektiv zu erwartenden Arbeitsfähigkeit - gemäss einwandfreier Würdigung der Vorinstanz, worauf verwiesen wird - an Aussagekraft fehlt, ist seinen Aussagen zum bis dato eingetretenen Krankheitsverlauf und zur bisherigen Entwicklung der Arbeitsfähigkeit durchaus Beweiswert beizumessen. Danach hatte zumindest, in Anbetracht der Behandlungsaufnahme am 15. September 2001 psychiatrischerseits verifizierbar, schon seit längerem eine Arbeitsunfähigkeit (auch in leidensangepassten Tätigkeiten) bestanden, über mehrere Monate hinweg eine solche von 100 %; aufgrund der wiederkehrenden schweren Angstattacken, des sozialen Rückzugs und der phasenweise erheblichen Schwierigkeiten bei sozialen und häuslichen Aktivitäten habe die Versicherte vorübergehend gar der individuellen psychiatrischen Privatpflege bedurft. Im Behandlungsverlauf sei subjektiv wie objektiv eine schrittweise Remission eingetreten, sodass aktuell (2003) "keine vollständige Arbeitsunfähigkeit" mehr vorliege; deren konkretes Ausmass sei Gegenstand einer interdisziplinären Begutachtung. In der entsprechenden MEDAS-Abklärung ergab das psychiatrische Fachgutachten vom 13. Juni 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von "derzeit 50 %" (s. oben), dies obwohl sich die Versicherte aufgrund ihrer ausgeprägten Ängstlichkeit, Erwartungsangst und ihres sozialen Meidungsverhaltens bis anhin rund ein- bis zweimal pro Monat einer psychotherapeutischer Behandlung und einer regelmässigen antidepressiven Medikation unterzogen hatte. Bei dieser Sachlage und mit Blick auf das im MEDAS-Gutachten Gesagte ist überwiegend wahrscheinlich, dass die Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten früher bei 0 % gelegen hatte und ab der IV-Anmeldung im November 2002 bis zum Zeitpunkt der MEDAS-Beurteilung (September 2005) 50 % gemäss psychiatrischem MEDAS-Fachgutachten vom 13. Juni 2005 betrug. Etwas Abweichendes ist aufgrund der verfügbaren Akten weder hinreichend bewiesen noch mittels zusätzlichen Abklärungen beweisbar.