Citation: I 642/02 12.11.2003 E. 4

4.1 Laut den Ausführungen von Prof. Dr. med. M.________ vom 24. März 2000 kann beim Vorliegen eines Wachstumshormonrezeptordefekts keine Therapieform angeboten werden, während bei einer qualitativen Wachstumshormonfunktionsstörung eine Wachstumshormontherapie versucht werden kann. Auch Prof. Dr. med. Z.________ spricht sich im Gutachten vom 10. Juni 2001 für eine versuchsweise, jedoch zeitlich limitierte Verabreichung eines Wachstumshormons aus. Das BSV hält dagegen, dass die Wachstumshormonbehandlung - ausser bei Vorliegen eines, hier allerdings nicht zur Diskussion stehenden, quantitativen Wachstumshormonmangels - sich derzeit noch im Experimentierstadium befinde und wissenschaftlich nicht erhärtet sei. Insbesondere fehlten wissenschaftlich gesicherte Studien, welche belegen würden, dass die Therapie die Endgrösse tatsächlich entscheidend beeinflusse. Es sei denn auch kein Zufall, dass die Spezialitätenliste der Krankenversicherung die Indikation für Wachstumshormone auf ganz bestimmte Erkrankungen beschränke, wozu der Wachstumshormonrezeptordefekt jedoch nicht gehöre. 4.2 Da bei der Versicherten die Art der vorliegenden Störung nicht sicher festgestellt werden konnte, ist auch unklar, ob die vorgeschlagene Therapie überhaupt Wirkung zeigen wird. Während im Falle einer angeborenen Veränderung des Rezeptors für das Wachstumshormon derzeit laut den ärztlichen Aussagen (vgl. Bericht des Prof. Dr. med. M.________ vom 24. März 2000) überhaupt keine Therapiemöglichkeit besteht, mangelt es mit Bezug auf einen qualitativen Defekt der Wachstumshormonsynthese an Erfahrungswerten über den Nutzen einer Wachstumshormontherapie. Erst der Verlauf der Behandlung würde ergeben, ob damit das Wachstum beeinflusst werden kann. Der Erfolg einer Massnahme in einem konkreten Fall oder in einer beschränkten Zahl von Fällen genügt indessen nicht, um ihr einen wissenschaftlich anerkannten Charakter zu verleihen. Da nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft derzeit keine verlässlichen Erfahrungsdaten zur prognostischen Beurteilung der Wirksamkeit der Methode mit Bezug auf die bei der Versicherten erhobenen Befunde vorliegen, kann nicht gesagt werden, bei der zur Diskussion stehenden Wachstumshormontherapie handle es sich um eine nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigte Massnahme, welche von der Invalidenversicherung zu übernehmen wäre.