Citation: 1C_586/2022 E. 4.1.2

4.1.2. Die Anforderungen an den Nachweis der Opfereigenschaft sind je nach dem Zeitpunkt sowie nach Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unterschiedlich hoch. Ein Anspruch auf Entschädigung und Genugtuung nach Art. 2 lit. d und e sowie Art. 19 ff. OHG besteht nur, wenn eine Straftat feststeht. Wurde kein Strafverfahren eröffnet, gilt für den Nachweis der Opfereigenschaft bei der Beurteilung einer Entschädigung bzw. Genugtuung das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 II 406 E. 3.1 mit Hinweisen). Damit Beratung und Soforthilfe sowie längerfristige Hilfe (vgl. Art. 2 lit. a bis c sowie Art. 13 ff. OHG) ihren Zweck erfüllen können, müssen sie rasch gewährt werden, bevor endgültig feststeht, ob ein tatbestandsmässiges und rechtswidriges Verhalten vorliegt (vgl. BGE 125 II 265 E. 2c/aa mit Hinweisen; ferner BGE 143 IV 154 E. 2.3.3). Bei der Gewährung der Soforthilfe genügt es deshalb, wenn eine die Opferstellung begründende Straftat in Betracht fällt. Der zu erfüllende Beweisgrad ist somit jener des Glaubhaftmachens. Glaubhaft gemacht ist eine Straftat dann, wenn für ihr Vorhandensein aufgrund objektiver Anhaltspunkte eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (Urteile 1C_254/2023 vom 14. Dezember 2023 E. 3.3; 1C_521/2020 vom 4. Oktober 2021 E. 4.2; je mit Hinweis). Welches Beweismass für den Nachweis der Opfereigenschaft im Zusammenhang mit der Gewährung längerfristiger (juristischer) Hilfe gilt, hat das Bundesgericht in seiner bisherigen Rechtsprechung jeweils offengelassen (vgl. Urteile 1C_521/2020 vom 4. Oktober 2021 E. 4.2; 1C_493/2020 vom 23. November 2021 E. 3.3; je mit Hinweisen). In einem kürzlich ergangenen Entscheid hat es jedoch nicht beanstandet, dass die Vorinstanz das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit angewendet hat (Urteil 1C_254/2023 vom 14. Dezember 2023 E. 5.3).