Citation: U 370/00 29.05.2002 E. 2

2.- a) Eine organische Schädigung, welche die Befindlichkeitsstörungen des Beschwerdeführers zu erklären vermöchte, ist - entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde - in den umfangreichen medizinischen Akten nicht auszumachen. Insbesondere lässt sich für die angegebenen zervikalen Beschwerden kein organisches Substrat finden. Bei dem im Rahmen der Erstuntersuchung erstellten CT der HWS konnte eine Fraktur ausgeschlossen werden (Bericht des Spitals B.________ vom 4. Dezember 1995). Bildgebend und neurologisch fehlten Anhaltspunkte für eine strukturelle Läsion im Bereich der HWS (Berichte des Spitals B.________ vom 6. Februar 1996, des Kreisarztes Dr. med. W.________ vom 12. Juni 1996, der Neurologischen und der Neurochirurgischen Klinik des Spitals Y.________ vom 21. März und 23. Juni 1997). Eine CT-Untersuchung vom 16. Februar 1996 am Röntgeninstitut in H.________ zeigte regelrechte zerebrale Strukturen ohne Hinweise für einen raumfordernden Prozess oder eine Gefässpathologie. Bei der Untersuchung in der Klinik X.________ konnte eine traumatische Schädigung neuraler Strukturen ausgeschlossen werden (Bericht vom 6. Mai 1996). Beim zweiten Klinikaufenthalt wurden allerdings mögliche neuropsychologische Funktionsstörungen unklaren Ausmasses diagnostiziert. Wegen der im Vordergrund stehenden schmerzbedingten Leistungseinschränkungen konnten diese indessen nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden (Bericht vom 28. August 1996). Hinzu kommt, dass gemäss psychosomatischem Konsilium vom 15. August 1996 eine depressive Episode mit somatischen Symptomen ausgewiesen wurde, welche an sich geeignet ist, solche Testergebnisse mitzubeeinflussen. b) Wohl wurden anlässlich einer weiteren CT-Untersuchung der HWS am Spital B.________ eine Osteochondrose von C5/C6 mit einer posterolateralen kleinen Protrusion links und einem den linken Recessus lateralis auf Höhe von C5/C6 leicht einengenden Spondylophyten sowie ein linksseitiger dorsaler Osteophyt auf Höhe C6/C7 gefunden (Bericht vom 12. November 1996). Dr. med. C.________, welcher sich in einer Expertise vom 23. Juni 1997 eingehend mit der Unfallkausalität dieser Befunde auseinandergesetzt hat, kam indessen zum Schluss, dass zwischen dem diskopatisch protrudierenden Befund C5/6 links und dem Unfallereignis vom 4. Dezember 1995 kein Kausalzusammenhang bestehe. Dieser entspreche einer Hinterrandspondylose C5/C6 oder einer sogenannten harten Diskushernie mit unwesentlicher weicher Komponente, welcher bereits am 4. Dezember 1995 sichtbar gewesen sei und seither nicht zugenommen habe. Die fehlende Zunahme der degenerativen Veränderungen im Laufe der ersten dreizehn posttraumatischen Monate spreche gegen eine wesentliche Traumatisierung der präexistierenden degenerativen Veränderungen. Die vom Versicherten angegebenen rechtsseitigen Schulterausstrahlungen stünden mit den linksseitigen Diskusprotrusionen in keinem ursächlichen Zusammenhang. Nachdem Dr. med. C.________ eine skelettäre, arterielle oder neuronale Ursache der Beschwerden glaubhaft und nachvollziehbar ausgeschlossen hatte, nahm Dr. med. D.________ vom SUVA-Ärzteteam Unfallmedizin am 23. April 1998 zur Frage Stellung, ob allenfalls muskuläre und/oder capsuloligamtäre Ursachen die chronischen Beschwerden erklären könnten, was jedoch ebenfalls zu verneinen war. Weshalb auf diese Beurteilung nicht abgestellt werden sollte, ist nicht ersichtlich. Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 354 Erw. 3b/ee). Diese Voraussetzungen können als erfüllt betrachtet werden. c) Auch klinisch-neurologisch konnten keine objektiverbaren Defizite gefunden werden (Berichte des Spitals Y.________ vom 17. Juli und 11. September 1998). Während die Miktion beim Untersuch in der Neurologischen Klinik des Spitals Y.________ vom 24. Februar 1997 als normal bezeichnet wurde (Bericht vom 21. März 1997), vermerkte der Hausarzt in seiner Krankengeschichte am 23. August 1999 Miktionsstörungen unklarer Ursache. Dr. med. I.________ vom Urologisch-Nephrologischen Zentrum der Klinik im E.________ diagnostizierte eine neurogene Blasenstörung (Bericht vom 30. März 2000). Die Tatsache, dass diese Beschwerden erst nach einer über dreijährigen Latenzzeit zum Unfallereignis erstmals auftraten, lässt einen natürlichen Kausalzusammenhang als sehr unwahrscheinlich erscheinen. Anhaltspunkte, dass es sich dabei um einen Rückfall oder Spätfolgen handeln würde, liegen nicht vor. Dasselbe gilt bezüglich der im Frühjahr 2000 behandelten Nervenwurzelirritation bei Discusprolaps L5/S1. Was den im Schreiben des Hausarztes vom 12. September 2000 erwähnten Treppensturz vom 31. März 2000 betrifft, welcher durch einen auf das Unfallereignis vom 4. Dezember 1995 zurückzuführenden Schwindel verursacht worden sein soll, ist darauf hinzuweisen, dass der Versicherte wegen Schwindel an der Neurologischen Klinik des Spitals Y.________ abgeklärt wurde. Dabei fanden die Ärzte keine Hinweise auf eine periphere vestibuläre oder zentralnervöse organische Ursache der geschilderten Beschwerden (Berichte vom 17. Juli 1998 und 11. September 1998 sowie ärztliche Beurteilung des Dr. med. D.________ vom 26. Mai 1999). Soweit Dr. med. S.________ am 12. September 2000 auf eine Verschlimmerung der Beschwerden hinwies, gilt es festzuhalten, dass Gegenstand des vorliegenden Verfahrens die Folgen des Unfalles vom 4. Dezember 1995 und nicht Ursache und Folgen des Treppensturzes vom 31. März 2000 oder später neu hinzugetretene, mit einem Schleudertrauma nicht vereinbare, gesundheitliche Probleme sind. Denn nach ständiger Rechtsprechung beurteilt der Sozialversicherungsrichter die Gesetzmässigkeit in der Regel nach dem Sachverhalt, wie er sich im Zeitpunkt des Einspracheentscheids (10. August 1999) präsentierte (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen).