Citation: 6B_889/2024 E. 1.2.2

1.2.2. Zur Möglichkeit einer Wiedereingliederung in Kenia erwägt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe die ersten 30 Lebensjahre dort verbracht und unter anderem in der Hotelbranche gearbeitet. Von seinen älteren Geschwistern lebe mindestens sein Bruder noch in Kenia, er selbst sei 2019 zuletzt dort gewesen. Der Beschwerdeführer werde sich in Kenia zurechtfinden. Seine dortigen beruflichen Aussichten seien jedenfalls nicht schlechter als in der Schweiz. Es stehe fest, dass der Beschwerdeführer an diversen Krankheiten leide, namentlich an Diabetes mellitus, einer HIV-Erkrankung im Stadium 2A, zentraler Osteoporose, chronischer Niereninsuffizienz, chronischer Hepatopathie, leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe, offenbar begleitet von Depressionen. Zudem habe er chronische Schmerzen, weshalb er auf Fentanyl-Pflaster angewiesen sei. Darüber hinaus verliere er auf dem sehenden Auge zunehmend an Sehkraft. Indes ergebe sich aus der medizinischen Einzelfallabklärung des Beschwerdeführers durch das Staatssekretariat für Migration SEM vom 23. Juli 2024, dass die Gesundheitsversorgung in Kenia grundsätzlich gewährleistet sei. So könne die HIV-Infektion in Nairobi durch Spezialisten überwacht und behandelt werden. Sämtliche benötigten Medikamente seien in Kenia verfügbar. Dabei spiele keine Rolle, ob einzelne Behandlungsmöglichkeiten oder Medikamente im ländlichen Raum nicht oder nur sehr schwer erhältlich seien. Dem Beschwerdeführer wäre es im Fall des Vollzugs einer Wegweisung zumutbar, aufgrund seiner Erkrankungen in den urbanen Raum (Nairobi) zu ziehen. Die Landesverweisung führe zwar in gesundheitlicher Hinsicht zu einer gewissen Härte, jedoch bleibe die lebensnotwendige Grundversorgung - allenfalls auf einem tieferen, aber nicht lebensgefährdenden Niveau - sichergestellt. Die Voraussetzungen für einen Härtefall seien nicht erfüllt. Überdies könne sich die Situation im Vollzugszeitpunkt anders darstellen. Eine mögliche Entlassung komme erst in zweieinhalb Jahren in Frage. Die zuständige Vollzugsbehörde habe zum gegebenen Zeitpunkt neben der tatsächlichen Vollstreckbarkeit auch die aktuelle Durchführbarkeit der Landesverweisung zu prüfen. Würde eine relevante Änderung der Verhältnisse im Heimatland Kenia oder bezüglich der gesundheitlichen Situation eintreten, so stünde es dem Beschwerdeführer frei, in jenem Zeitpunkt einen Aufschub des Vollzuges zu begehren. Dabei hätte er ernsthafte Anhaltspunkte für einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK vorzubringen. Blosse Behauptungen genügten nicht. Der Anordnung einer Landesverweisung steht nichts entgegen.