Citation: 6S.170/2000 19.06.2000 E. 3

3.- a) Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die Strafzumessung. Er macht geltend, die Vorinstanz habe bei der Strafzumessung wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen oder falsch gewichtet und damit das ihr zustehende richterliche Ermessen klar überschritten, indem sie in nicht nachvollziehbarer Weise das Strafmass gegenüber der vom erstinstanzlichen Polizeirichter ausgesprochenen Strafe um 100 % erhöht habe. Der Staatsanwalt habe vor erster Instanz ebenfalls eine Zusatzstrafe von 6 Monaten als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen angemessen erachtet und im Rahmen des von ihm (dem Beschwerdeführer) angestrebten Berufungsverfahrens keine Anschlussberufung erklärt. Im Einzelnen rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe das Verschulden zu Unrecht als schwer gewertet. Die Vorinstanz habe sich hiefür im Wesentlichen lediglich auf die Höhe des Deliktsbetrages gestützt, die jedoch lediglich ein Gesichtspunkt unter anderen sei. Dass er als berufsmässiger Vermögensverwalter gehandelt habe, könne ebenfalls nicht ausschlaggebend sein, zumal diesem Umstand bereits beim qualifizierten Tatbestand gemäss Art. 138 Ziff. 2 StGB Rechnung getragen werde. Entscheidend sei vielmehr, dass er keine besondere kriminelle Energie bewiesen habe. Die Tatsache, dass er das Darlehen der Geschädigten L.________ im Februar 1995 in vollem Umfang zurückerstattet und dass er der B.________ AG im Rahmen des im Jahre 1996 geschlossenen Vergleichs den erlittenen Schaden ersetzt habe, führe die Vorinstanz wohl an, berücksichtige sie aber nicht wirklich bei der Strafzumessung. In Anbetracht dieser Umstände könne sein Verschulden nicht als schwer bezeichnet werden. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, es sei aktenkundig, dass er selbst eigene, erhebliche Mittel in die M.________ SA investiert habe. Allein dieser Umstand zeige, dass er an eine gute Anlage geglaubt habe. Er habe somit P.________ kein anderes Risiko aufgebürdet, als er selbst getragen habe, was von der Vorinstanz ebenfalls nicht berücksichtigt worden sei. Der Beschwerdeführer beanstandet im Weiteren, dass die Vorinstanz zu seinen Lasten gewertet habe, dass er keinerlei Einsicht in das Unrecht seiner Handlungen gezeigt habe. Dabei verkenne sie, dass er mit guten Gründen einen Freispruch für sich beantragt habe. Es könne nicht angehen, dass die Vorinstanz in einem solchen Fall die Verteidigungsstrategie zusätzlich zu seinen Ungunsten werte. Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, die Vorinstanz habe die Höhe der Gesamtstrafe so angesetzt, dass sie sich nicht mit der Rechtsprechung zur Halbgefangenschaft habe auseinander setzen müssen. Bei der Verhängung von Strafen, die bezüglich Art und Ausmass für den Betroffenen besonders einschneidend wirkten, seien aber in jedem Fall erhöhte Anforderungen an die Begründung zu stellen. Diese Anforderungen erfüllten die Erwägungen im angefochtenen Urteil nicht. Die Vorinstanz führe zur Begründung für die Erhöhung der Strafe lediglich den Wegfall des Strafmilderungsgrundes von Art. 64 Abs. 5 StGB bezüglich des Urteils vom 6. November 1995 an, wobei sie gleichzeitig straferhöhend berücksichtige, dass er noch während eines laufenden Strafverfahrens weiter delinquiert habe. Schliesslich beanstandet der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe seine besondere Strafempfindlichkeit nicht berücksichtigt. Er habe für eine Familie zu sorgen, wobei sich zwei Kinder noch in der Ausbildung befänden. Zudem sei er als selbständiger Vermögensverwalter tätig. Müsste er die von der Vorinstanz verhängte Strafe im ordentlichen Vollzug verbüssen, sei er mit Sicherheit innert kürzester Zeit ruiniert. Er würde somit aus einem intakten sozialen Umfeld herausgerissen, was nicht zu rechtfertigen sei. b) Die kantonalen Instanzen gehen davon aus, dass der Beschwerdeführer mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug vom 6. November 1995 der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 2 StGB schuldig gesprochen und zu 18 Monaten Gefängnis, unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges mit einer Probezeit von zwei Jahren, verurteilt wurde. Der Beschwerdeführer habe die dem vorliegenden Verfahren zugrunde liegenden Straftaten in den Jahren 1990 bzw. 1994, mithin vor dem genannten Urteil begangen, so dass gemäss Art. 68 Ziff. 2 StGB eine Zusatzstrafe auszufällen sei. c/aa) Der erstinstanzliche Polizeirichter erwog bei der Strafzumessung, das Verschulden des Beschwerdeführers wiege objektiv schwer, habe dieser doch seine Vertrauensstellung als berufsmässiger Vermögensverwalter bedenkenlos ausgenützt und dabei einen massiven Schaden von Fr. 380'000.-- und Fr. 200'000.-- verursacht. Zu seinen Gunsten sei immerhin zu werten, dass diese Beträge grösstenteils in die M.________ SA und nicht in seine eigene Tasche geflossen seien. Ausserdem habe er mit der B.________ AG über die Wiedergutmachung des Schadens einen Vergleich erzielen können und L.________ den erlittenen Schaden ersetzt. Strafschärfend falle demgegenüber die Deliktskonkurrenz ins Gewicht. Ferner wirke sich straferhöhend aus, dass der Beschwerdeführer uneinsichtig sei. Strafmilderungsgründe seien nicht ersichtlich. Strafmindernd sei indessen zu würdigen, dass der Beschwerdeführer nicht vorbestraft sei und in geordneten Verhältnissen lebe. In Würdigung sämtlicher Strafzumessungsgründe, insbesondere des Umstands, wonach bei der Ausfällung von Zusatzstrafen die Grenze von 6 Monaten für die Halbgefangenschaft zu berücksichtigen sei, sei eine Gesamtstrafe von 24 Monaten bzw. eine Zusatzstrafe von 6 Monaten angemessen. Diese Strafe bewege sich am absolut untersten Rand einer noch vertretbaren Sanktion und werde einzig deshalb gewährt, weil dem Beschwerdeführer die Vollzugsmöglichkeit der Halbgefangenschaft nicht zum vornherein genommen werden solle. bb) Die Vorinstanz nimmt bei der Strafzumessung an, das Verschulden des Beschwerdeführers "wiege erheblich". Er habe als berufsmässiger Vermögensverwalter das ihm von der B.________ AG und von L.________ entgegengebrachte Vertrauen schamlos zu seinem eigenen Profit ausgenützt. Der Deliktsbetrag belaufe sich auf Fr. 580'000.--. Wohl sei zu seinen Gunsten zu berücksichtigen, dass er der Geschädigten L.________ im Februar 1995 Fr. 225'000.-- zurückbezahlt und im Jahre 1996 mit der B.________ AG einen Vergleich geschlossen und dieser einen Betrag von Fr. 30'000.-- ersetzt habe. Indes wirke sich demgegenüber belastend aus, dass der Beschwerdeführer erneut keinerlei Einsicht in das Unrecht seiner Handlungen gezeigt habe. Strafschärfend falle ferner die Deliktskonkurrenz gemäss Art. 68 Ziff. 1 StGB ins Gewicht. Straferhöhend falle sodann ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer noch während dem laufenden ersten Strafverfahren weiterdelinquiert habe. In Würdigung dieser Umstände, insbesondere der zusätzlichen strafbaren Handlungen während des hängigen Verfahrens, der weitergehenden Deliktskonkurrenz, des gesamten Deliktsbetrages von insgesamt rund Fr. 800'000.-- sowie des Wegfalls des Strafmilderungsgrundes von Art. 64 Abs. 5 StGB, erweise sich eine Gesamtstrafe von 32 Monaten Gefängnis bzw. eine Zusatzstrafe von 14 Monaten Gefängnis als angemessen. Der Strafmilderungsgrund von Art. 64 Abs. 5 StGB sei nicht anwendbar, da der Beschwerdeführer sich während der seit der Veruntreuung verstrichenen Zeit nicht wohl verhalten habe. Indes sei strafmindernd zu berücksichtigen, dass seit den Straftaten nunmehr mehrere Jahre vergangen seien. Dies führe zu einer Reduktion der Freiheitsstrafe um zwei Monate auf eine Gesamtstrafe von 30 Monaten bzw. auf eine Zusatzstrafe von 12 Monaten Gefängnis. Weitere Strafmilderungs- oder Strafminderungsgründe seien nicht ersichtlich. Zwar lebe der Beschwerdeführer in geordneten persönlichen Verhältnissen und sei die Gefahr, dass er durch den Strafvollzug aus seiner positiven Entwicklung herausgerissen werde, nicht zu verkennen. Doch sei angesichts der Schwere seines Verschuldens eine Gesamtfreiheitsstrafe von 30 Monaten, mithin eine erheblich über 18 Monaten liegende Freiheitsstrafe auszusprechen. Ebenfalls bestehe kein Grund für eine Strafminderung im Hinblick auf die Ermöglichung der Halbgefangenschaft für die Zusatzstrafe, liege diese doch weit über 6 Monaten.