Citation: 8C_48/2024 E. 5.4.2

5.4.2. Soweit der Beschwerdeführer sinngemäss einwendet, beim SMAB-Gutachten vom 14. Juni 2021 handle es um eine unnötige bzw. unzulässige Zweitmeinung "second opinion", ist dies zu prüfen (BGE 138 V 271 E. 1.1; Urteil 8C_167/2024 vom 15. April 2024 E. 4.3.1). 5.4.2.1. Es ist sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1; 140 V 193 E. 3.2). 5.4.2.2. Der psychiatrische MEDAS-Experte kam im Teilgutachten vom 14. Oktober 2020 zum Schluss, das aggravierende bis simulierende Verhalten des Beschwerdeführers erlaube keine plausible Herleitung seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit, was am 23. Oktober 2020 polydisziplinär bestätigt wurde. Der RAD-Psychiater gab in der Stellungnahme vom 26. November 2020 an, dem Gutachter sollte es unter Ausklammerung der nicht validen Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung möglich sein, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht zu beurteilen. In der Stellungnahme vom 28. Dezember 2020 erwiderte der psychiatrische MEDAS-Gutachter, ein Ausklammern der im neuropsychologischen MEDAS-Gutachten erhobenen Befunde zwecks Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers käme einer unrechtmässigen Manipulation/ Verfälschung des Gesamtgutachtens gleich. Der Psychiater und der Neuropsychologe des RAD hielten in der Stellungnahme vom 17. Februar 2021 fest, da die Arbeitsfähigkeit durch die MEDAS nicht abschliessend habe beurteilt werden können, sei eine psychiatrische Begutachtung mit nochmaliger neuropsychologischer Untersuchung in Auftrag zu geben. Aufgrund dieser diskrepanten Aktenlage durfte die IV-Stelle im Rahmen ihres Ermessensspielraums eine weitere Begutachtung anordnen (BGE 137 V 210 E. 3.3.1; 136 V 156 E. 3.3), weshalb das SMAB-Gutachten vom 14. Juni 2021 keine unzulässige "second opinion" darstellt (vgl. auch Urteile 8C_133/2021 vom 25. August 2021 E. 4.3.2 und 8C_236/2017 vom 24. Juli 2017 E. 8.2).