Citation: 8C_699/2019 E. 4.2

4.2. Das kantonale Gericht kam nach einlässlicher Würdigung der Akten zum Schluss, die Versicherte hätte im Gesundheitsfall ab Mai 2016 eine Vollzeiterwerbstätigkeit ausgeübt resp. eine Vollzeitstelle gesucht. Es mass den direkten Auskünften der Versicherten höheres Gewicht bei als den in den IV-Berichten indirekt wiedergegebenen Aussagen der Versicherten. So habe diese im Fragebogen der IV-Stelle am 21. Dezember 2016 und in ihrer E-Mail vom 27. Juli 2017 eindeutig angegeben, dass sie im fiktiven Gesundheitsfall seit der Trennung von ihrem Ehemann im Mai 2016 in Vollzeit arbeiten würde. Folglich könne die Beschwerdegegnerin nicht auf der Darstellung im Protokoll der Eingliederungsverantwortlichen vom 3. November 2016 als Aussage der ersten Stunde behaftet werden, zumal die Eingliederungsverantwortliche - wie im Übrigen auch die Haushaltsabklärungsperson - die Aussagen der Beschwerdegegnerin mit ihren eigenen Wertungen vermischt habe. Den indirekt wiedergegebenen Aussagen der Beschwerdegegnerin im Haushaltsabklärungsbericht vom 30. November 2017 könne denn auch nicht entnommen werden, dass die Versicherte im Gesundheitsfall in einem Pensum von 50 % arbeiten würde. Insgesamt bestünden erhebliche Zweifel daran, dass die Versicherte anlässlich der Abklärungen der IV-Stelle tatsächlich angegeben haben soll, im fiktiven Gesundheitsfall in einem 50 %-Pensum tätig zu sein. Aufgrund der fehlenden wortgetreuen Protokollierung der Fragen und Antworten in Kombination mit der Vermischung mit eigenen Wertungen seien das Protokoll der Haushaltsabklärung und dasjenige der Eingliederungsverantwortlichen nicht geeignet, um aus ihnen auf das hypothetische Erwerbspensum der Beschwerdegegnerin im fiktiven Gesundheitsfall schliessen zu können. Hinzu komme, dass die Eingliederungsverantwortliche die Versicherte anlässlich des Assessmentgesprächs vom 2. November 2016 als verunsichert und psychisch instabil beschrieben habe, sodass die Beschwerdegegnerin kaum auf allfälligen Angaben in diesem Gespräch behaftet werden könne. Demgegenüber habe die Versicherte die Annahme einer hypothetischen Vollzeiterwerbstätigkeit nachvollziehbar und glaubhaft begründet, indem sie angegeben habe, dass sie aufgrund der Trennung von ihrem Ehemann realisiert habe, wieder 100 % arbeiten zu müssen, zumal die Unterhaltszahlungen ungewiss seien und sie gemerkt habe, dass die Höhe der bisherigen Unterhaltszahlungen auf ihren Gesundheitszustand zurückzuführen sei. Die Vorinstanz hielt in diesem Zusammenhang weiter fest, aus den aktuell getätigten Unterhaltszahlungen des Ehemannes könne entgegen der IV-Stelle nicht geschlossen werden, dass die Beschwerdegegnerin im Gesundheitsfall gleich hohe Zahlungen erhalten hätte, sodass es für sie deswegen nicht notwendig gewesen wäre, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Unter Berücksichtigung der Aussagen der Beschwerdegegnerin und ihrer Lebenssituation mit einem laufenden Scheidungsverfahren sei es viel wahrscheinlicher, dass die Versicherte im Gesundheitsfall spätestens im Zeitpunkt der Trennung zum einen den Wunsch, zum anderen die Notwendigkeit verspürt hätte, selber eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Folglich sei der Invaliditätsgrad anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln.