Citation: 1C_89/2024 E. 3.4.2

3.4.2. Demnach bleibt zu prüfen, ob die Ausnahmebewilligung unter willkürlicher Anwendung von § 30 Abs. 6 lit. b PBG/LU i.V.m. Art. 25 Abs. 8 BZR/Luzern erteilt wurde. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin hat die Vorinstanz den zu beurteilenden Sachverhalt nicht abgeändert, sondern lediglich mit der Situation verglichen, wenn der gedeckte Velounterstand minimal vom restlichen Gebäude getrennt wäre. Dabei kam sie zum Schluss, dass diesfalls unter Berücksichtigung der (geprüften und als erfüllt erachteten) flächenmässigen Voraussetzungen eine Ausnahmebewilligung erteilt werden könne und es keinen sachlichen Grund gebe, die beiden Konstellationen gestützt auf das geltende Recht unterschiedlich zu beurteilen, zumal die räumliche Zusammenfassung des gedeckten Abstellplatzes mit dem Vordach als weniger raumordnungsrelevant zu qualifizieren sei als ein separat errichteter überdachter Unterstand, der in keiner Verbindung zur Hauptbaute stehe. Diesbezüglich kann der Vorinstanz nicht gefolgt werden. Art. 25 Abs. 8 lit. c BZR/Luzern hat die Überschreitung der Baulinien durch Kleinbauten zum Gegenstand, wobei im Sinne einer beispielhaften Aufzählung gedeckte Gartensitzplätze, Gartenhäuschen sowie gedeckte Velo- und Containerunterstände genannt sind. Inwiefern der vorliegend umstrittene Velounterstand eine Kleinbaute bildet, als solche bewilligungsfähig ist und vor den Baulinien erstellt werden darf, geht aus dem angefochtenen Urteil nicht hervor. Stattdessen hat die Vorinstanz mit Blick auf die genannte Vorschrift den Vergleich zu einer freistehenden Kleinbaute gezogen (wenn sich zwischen dem Vordach und der Überdachung des Velounterstands ein Unterbruch befände) und gestützt darauf die Erteilung einer Ausnahmebewilligung für die Überschreitung der Baulinien bestätigt. Die entsprechende a maiore ad minus Argumentation ist dabei an sich nicht zu beanstanden, sofern der Vergleich konsequent zu Ende gedacht wird, d.h. auch geprüft und bestätigt wird, dass insbesondere die für Kleinbauten gesetzlich vorgesehenen Dimensionen und Abstände eingehalten werden. Ob der Velounterstand als Kleinbaute überhaupt und falls ja an der vorgesehenen Stelle bewilligungsfähig ist, blieb jedoch letztlich offen und ist mit Blick auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin und die Baupläne zumindest zweifelhaft. Indem die Vorinstanz den Velounterstand nur mit Blick auf die Erteilung einer Ausnahmebewilligung für die Überschreitung der Baulinien als Kleinbaute betrachtet und die Erteilung der Ausnahmebewilligung gestützt auf die entsprechende Bestimmung bestätigt hat, die übrigen Voraussetzungen für die Bewilligungsfähigkeit einer Kleinbaute aber ausser Acht gelassen hat, verstiess sie gegen das Willkürverbot (Art. 9 BV). Die Vorinstanz wird die Erteilung einer Ausnahmebewilligung für die Überschreitung der Baulinien durch den Velounterstand daher neu zu prüfen haben.