Citation: 2P.286/2006 27.02.2007 E. 2

2.1 Die Stadt Chur rügt eine Verletzung ihrer Autonomie (Art. 50 Abs. 1 BV). Diese erblickt sie darin, dass sie vom Verwaltungsgericht angewiesen wird, die von ihr festgesetzte Bewilligungsgebühr herabzusetzen. Es ist daher zunächst zu prüfen, ob der Stadt Chur bei der Erhebung von Baubewilligungsgebühren überhaupt Autonomie zukommt. 2.2 Eine Gemeinde ist in einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt. Der geschützte Autonomiebereich kann sich auf die Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener kommunaler Vorschriften beziehen oder einen entsprechenden Spielraum bei der Anwendung des kantonalen oder eidgenössischen Rechts betreffen (BGE 129 I 290 E. 2.1). 2.3 Art. 65 der Verfassung des Kantons Graubünden vom 18. Mai 2003 (KV/GR; in Kraft getreten am 1. Januar 2004) gewährleistet die Autonomie der Gemeinden; ihr Umfang wird durch das kantonale Recht bestimmt (Abs. 1). Die Gemeinden sind insbesondere befugt, ihre Organisation zu bestimmen, ihre Behörden und Verwaltung einzusetzen sowie ihre finanziellen Angelegenheiten selbständig zu ordnen (Abs. 2). Gemäss Art. 39 Abs. 1 des Gemeindegesetzes des Kantons Graubünden vom 28. April 1974 (Gemeindegesetz; GG/GR) deckt die Gemeinde ihren Finanzbedarf insbesondere aus Steuern, Vermögenserträgen sowie Beiträgen und Gebühren. Besondere Leistungen sind soweit möglich und zumutbar verursachergerecht durch Kausalabgaben zu finanzieren (Abs. 2). 2.4 Die Beschwerdeführerin beruft sich in diesem Zusammenhang zudem auf Art. 107 Abs. 2 Ziff. 6 in Verbindung mit Art. 96 Abs. 1-3 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden vom 6. Dezember 2004 (Raumplanungsgesetz; KRG/GR). Da dieses Gesetz erst am 1. November 2005 in Kraft getreten ist und keine ausdrückliche Rückwirkung für die in Frage stehenden Bestimmungen vorsieht, ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass es für die hier streitige, am 12. September 2005 erlassene Gebührenverfügung ohne Bedeutung ist. 2.5 Das anwendbare kantonale Recht (E. 2.3) enthält keine konkreten Vorgaben für die Bemessung und Erhebung von Baubewilligungsgebühren, womit den Gemeinden in diesem Bereich eine erhebliche Entscheidungsfreiheit verbleibt. Sie sind nicht nur autonom beim Erlass der kommunalen Gebührenordnung, sondern sie geniessen den Schutz ihrer Autonomie auch bei der Anwendung dieser Vorschriften. 2.6 Die Stadt Chur kann sich deshalb mit der Beschwerde wegen Verletzung ihrer Autonomie dagegen zur Wehr setzen, dass eine kantonale Behörde in einem Rechtsmittelverfahren ihre Prüfungsbefugnis überschreitet oder die den betreffenden Sachbereich ordnenden kommunalen, kantonalen oder bundesrechtlichen Vorschriften falsch anwendet. Sie kann ebenfalls geltend machen, die kantonalen Behörden hätten die Tragweite eines Grundrechts verkannt und dieses zu Unrecht als verletzt betrachtet. Soweit es um die Handhabung von eidgenössischem oder kantonalem Verfassungsrecht geht, prüft das Bundesgericht das Vorgehen der kantonalen Behörden mit freier Kognition, sonst nur auf Willkür hin (BGE 129 I 410 E. 2.3 S. 414, mit Hinweisen). 2.7 Unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin für das in Frage stehende Bauvorhaben grundsätzlich eine Bewilligungsgebühr zu entrichten hat; streitig ist allein deren Bemessung.