Citation: 2C_423/2020 E. 2.3.4

2.3.4. Gestützt auf das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität V.________ vom... und der Sistierungsverfügung betreffend häusliche Gewalt vom 4. Januar 2019 ist davon auszugehen, dass der Ehemann die Beschwerdeführerin mehrfach mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen, gewürgt, zu Boden geschubst und mit einem Messer bedroht hat. Auch wenn es sich dabei nicht um einen Mordversuch handelte, ist der Vorfall als schwerwiegende Aggression zu bewerten, selbst wenn keine schwere Körperverletzung daraus resultierte und das Verfahren schliesslich mit Zustimmung der Beschwerdeführerin am 5. August 2019 eingestellt worden ist. Im Vergleich zu den angeführten Beispielen in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lagen nicht bloss harmlose Handgreiflichkeiten mit anschliessender Versöhnung oder verbale Aggressionen vor. Hinzu kommt, dass das Zwangsmassnahmengericht erwogen hat, es sei damit zu rechnen, dass es bei der Aufhebung der Schutzmassnahmen zu weiteren Übergriffen kommen werde und mit Urteil vom 22. Juni 2018 die zuvor verhängten Schutzmassnahmen verlängerte. Es liegt auf der Hand, dass es unter diesen Umständen der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar war, einzig aus bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrechtzuerhalten. Es kann von ihr vernünftigerweise nicht erwartet werden, sich der konkreten Gefahr künftiger Körperverletzungen auszusetzen, bis die notwendige Intensität oder Konstanz der ehelichen Gewalt erreicht ist.