Citation: 6P.157/2003 27.02.2004 E. 2.4

2.4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, es falle auf, dass das Obergericht auch insoweit, als polizeilich einvernommene Auskunftspersonen später als Zeugen prozessrechtskonform nochmals vor Gericht befragt worden seien, gleichwohl auf die prozessrechtswidrigen polizeilichen Aussagen abgestellt habe, soweit diese ihn im Unterschied zu den Aussagen vor Gericht belasteten. Dies sei willkürlich und verstosse gegen die Grundsätze des rechtlichen Gehörs und "in dubio pro reo" (staatsrechtliche Beschwerde S. 25). Der Beschwerdeführer begründet diese Rüge unter Hinweis auf die Aussagen des Zeugen I.________ (Beschwerde S. 25 f.) und des Mitangeklagten E.________ (Beschwerde S. 26 ff.). 2.4.2 Dem Verteidiger des Beschwerdeführers wurde in Missachtung von § 130 Abs. 2 StPO/AG nicht die Gelegenheit gegeben, an den polizeilichen Einvernahmen von I.________ und E.________ als Auskunftspersonen teilzunehmen. Der Anwalt hatte aber die Gelegenheit, im erstinstanzlichen Verfahren dem Zeugen I.________ und dem Mitangeklagten E.________ Fragen zu stellen. Damit sind entgegen der Meinung des Beschwerdeführers nicht nur die Aussagen von I.________ und E.________ an der erstinstanzlichen Verhandlung, sondern auch deren Aussagen in den polizeilichen Einvernahmen verwertbar. Die Verletzung von § 130 Abs. 2 StPO/AG hat nach den willkürfreien Ausführungen im angefochtenen Entscheid (S. 25) nicht die "Nichtigkeit" der Einvernahme zur Folge. Ein durch Missachtung von § 130 Abs. 2 StPO/AG verursachter Verfahrensmangel kann durch eine erneute Einvernahme unter Beachtung des Teilnahmerechts des Beschuldigten behoben werden. Wenn dies geschieht, sind beide Aussagen verwertbar. Auf welche Aussage im Falle von Widersprüchen abzustellen ist, ist eine Frage der Beweiswürdigung. Aus Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 3 EMRK ergibt sich nur, dass dem Angeschuldigten wenigstens ein Mal Gelegenheit zu angemessener und ausreichender Befragung von Belastungszeugen zu geben ist. Weder aus diesen Bestimmungen noch aus Art. 9 BV (Schutz vor Willkür) folgt, dass Aussagen in Einvernahmen, die unter Verletzung von kantonalen Vorschriften betreffend das Teilnahmerecht des Angeschuldigten durchgeführt wurden, nicht in die Beweiswürdigung mit einbezogen werden dürfen. 2.4.3 Was der Beschwerdeführer gegen die Würdigung der Aussagen von I.________ (Beschwerde S. 26) und von E.________ (Beschwerde S. 26-30) vorbringt, ist appellatorische Kritik, die zur Begründung der Willkürrüge nicht genügt. Die Würdigung der Aussagen von E.________ (angefochtenes Urteil S. 56-60) und von I.________ (angefochtenes Urteil S. 67-69) ist vertretbar.