Citation: 6B_710/2009 01.12.2009 E. 2

Die Beschwerde richtet sich gegen die Abweisung von Beweisanträgen. Der Beschwerdeführer rügt zunächst die Verletzung von Art. 9 sowie Art. 29 Abs. 1 und 2 BV durch Verzicht auf Einvernahme weiterer Zeugen infolge antizipierter Beweiswürdigung. 2.1 Die Vorinstanz führt aus, die Einvernahme der zwei ehemaligen Mitbewohner des Beschwerdeführers im Durchgangszentrums Foral in Chur sei nicht entscheidungserheblich. Die vom Beschwerdeführer beantragte Frage, ob er gelegentlich am frühen Morgen vor den eigentlichen Öffnungszeiten im Postbüro vorgesprochen habe, sei nicht von Relevanz. Entscheidend sei, ob der Beschwerdeführer am 15. August 2006 im Postbüro gewesen sei. Die damalige Chefin im Büro - C.________ - habe dies als Zeugin nicht bestätigen können. Weiter sei praktisch auszuschliessen, dass sich die angerufenen Zeugen an die allfällige Anwesenheit des Beschwerdeführers am Morgen des 15. August 2006 erinnern könnten. Es handle sich um einen unspektakulären Sachverhalt. Schliesslich sei der Mitbeschuldigte A.________ vom Geschädigten kurz nach dem Vorfall telefonisch über die beabsichtigte Anzeige bei der Polizei informiert worden. Aufgrund dieser Vorwarnung wäre dem Beschwerdeführer eine Rückkehr nach Chur innerhalb von weniger als zwei Stunden möglich gewesen. Insgesamt wären die Zeugeneinvernahmen weder geeignet, eine deutliche Klärung des Sachverhalts herbeizuführen, noch am erstellten Beweisergebnis etwas zu ändern. Zum Antrag auf Einvernahme von A.________ hält die Vorinstanz fest, dieser habe die Tatvorwürfe stets bestritten, weshalb sein Standpunkt zur Sache bereits bekannt sei. Von einer Befragung in anderer prozessualen Stellung sei daher abzusehen (angefochtenes Urteil E. V 3 S. 30 ff.). 2.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die beantragten Einvernahmen seien tauglich zur Beweisführung. Würden seine ehemaligen Zimmerkollegen bestätigen, dass er gelegentlich gegen 07.30 Uhr im Postbüro vorgesprochen habe, käme seiner Aussage, wonach er dies am 15. August 2006 getan habe, erhöhte Beweiskraft zu. Er sei am nächsten Morgen in Anwesenheit seiner Zimmerkollegen verhaftet worden und nach ca. einer Woche Haft ins gleiche Zimmer zurückgekehrt. Ausgehend von diesem spektakulären Vorfall würden sich die Kollegen mutmasslich daran erinnern, ob er einen Tag vor der Verhaftung die frühen Morgenstunden mit ihnen verbracht habe. Zudem seien die Aussagen geeignet, das bisherige Beweisergebnis zu verändern. Die vorinstanzliche Beweisführung stütze sich einzig auf die Aussagen der Ehefrau des Geschädigten, welche ihn auch unwissentlich fälschlicherweise belastet haben könnte. Betreffend A.________ bringt der Beschwerdeführer vor, der Beweiswert einer Zeugenaussage könne nicht demjenigen einer Auskunftsperson oder eines Angeschuldigten gleichgesetzt werden. Zudem gehe es vorliegend um seine Tatbeteiligung, zu welcher A.________ gar nie befragt worden sei. Dessen Einvernahme sei zur Ermittlung des wirklichen Mittäters geeignet. 2.3 Der Anspruch auf Befragung von Zeugen ist Teil des rechtlichen Gehörs, welches seine Grundlage im Anspruch auf ein faires Verfahren nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 29 Abs. 1 und 2 BV findet (BGE 134 I 140 E. 5.2 S. 147). Das Recht auf die Ladung und Befragung von Entlastungszeugen ist relativer Natur. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist nicht verletzt, wenn der Richter nur jene Beweisbegehren berücksichtigt, die nach seiner Würdigung entscheiderheblich sind (BGE 129 I 151 E. 3.1 S. 154 mit Hinweis). Ein Verzicht auf die Abnahme von weiteren Beweisen ist zulässig, wenn sich das Gericht auf Grund der bereits erhobenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür (Art. 9 BV) in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass die abgelehnten Beweisanträge nichts an seiner Überzeugung zu ändern vermögen. Die Verfassungsgarantie steht einer antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen (BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148 mit Hinweisen). Eine qualifizierte Rügepflicht gilt hinsichtlich der Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht. Das Bundesgericht prüft eine solche Rüge nur insofern, als sie in der Beschwerde präzise vorgebracht und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG, BGE 133 Il 249 E. 1.4.2 S. 254). 2.4 Die Vorinstanz hält im Rahmen der Beweiswürdigung im Wesentlichen fest, der Geschädigte habe über die Täterschaft keine Angaben machen können. Dessen Ehefrau habe konstant ausgesagt, sie habe den Beschwerdeführer zusammen mit seinem Bruder zur Tatzeit an ihrem Haus vorbeirennen sehen. Die Zeugin habe beide gut gekannt und ihre Aussagen seien glaubhaft. Ein Irrtum oder eine Personenverwechslung seien auszuschliessen. Der Beschwerdeführer habe zum Ablauf des Abends vom 14. August 2006 sowie des Morgens vom 15. August 2006 nur relativ spärlich Auskunft gegeben. Seine Aussagen erschienen als wenig glaubhaft. Sein Alibi, am Tattag in Chur gewesen zu sein, finde keine Bestätigung. Insgesamt sei der Sachverhalt als erstellt zu betrachten (angefochtenes Urteil E. IV 3. S. 20 ff.). Die Vorinstanz hat gestützt auf ihre Feststellung, dass die Ehefrau des Geschädigten den Beschwerdeführer zur Tatzeit erkannt hat, auf eine gerichtliche Einvernahme der vom Beschwerdeführer genannten Personen verzichtet, weil sie ihre Überzeugung aufgrund bereits abgenommener Beweise gebildet hat. Was der Beschwerdeführer gegen diese vorweggenommene Beweiswürdigung vorbringt, ist nicht geeignet, die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten zu begründen. Er gibt mit seinen Ausführungen in weiten Teilen seine eigene Sicht der Dinge wieder bzw. legt dar, wie die vorhandenen Beweise seiner Auffassung nach richtigerweise zu würdigen gewesen wären. Aus dieser rein appellatorischen Kritik ergibt sich nicht, dass und inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt willkürlich im Sinne von Art. 9 BV festgestellt haben könnte. Soweit seine Rügen deshalb den Begründungsanforderungen nicht genügen, ist darauf nicht einzutreten (Art. 106 Abs. 2 BGG). Gestützt auf die bereits erhobenen Beweise konnte die Vorinstanz ohne Willkür annehmen, ihre Überzeugung werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert. Diese vorweggenommene Beweiswürdigung stellt keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör dar. Im Übrigen liegt auch keine Verletzung des Anspruchs auf faires Verfahren vor. Der Beschwerdeführer begründet die Verletzung mit dem vorinstanzlichen Vorwurf, er habe die beiden Zimmerkollegen zu spät als Entlastungszeugen genannt. Das Recht auf Befragung von Entlastungszeugen ist relativer Natur (s. E. 2.3 hiervor), welches rechtzeitig vorgebracht werden muss (BGE 131 I 476 E. 2.1 S. 477). Die Vorinstanz führt in diesem Sinn zutreffend aus, der Beschwerdeführer habe zunächst neben C.________ keine weiteren konkreten Personen genannt, die seine Anwesenheit im Asylheim hätten bestätigen können. In der zweiten Einvernahme habe er sich auf einen Zimmerkollegen berufen. Erst in seiner Eingabe vom 14. Januar 2007 habe er die Einvernahme der beiden Zimmerkollegen beantragt und deren Namen genannt. Schon allein aufgrund des Zeitablaufs sei anzunehmen, dass sich die angerufenen Zeugen nicht mehr an den frühen Morgen des 15. August 2006 zu erinnern vermöchten (angefochtenes Urteil E. V 3.2. S. 31 f.).