Citation: U 207/06 29.11.2006 E. 2.4

2.4.1 Im kreisärztlichen Untersuchungsbericht vom 19. November 2003 werden die Ursachen der Beschwerdesymptomatik eher im psycho-somatischen Bereich angesiedelt. Der Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 28. März 2004 sprach demgegenüber - allerdings ohne fachärztliche Abstützung - von einem psychisch unauffälligen Zustand. Gemäss Angaben des Dr. med. B.________ im Bericht vom 3. Mai 2004 wiederum bestand infolge Chronifizierung der Beschwerden eine "Schmerzkrankheit" und wurde "aus therapeutischer Sicht" ein Antidepressivum verordnet. Vor diesem Hintergrund sowie aufgrund der spärlichen körperlichen Befunde (kein nachweisbares [unfallkausales] organisches Korrelat; vorbestehend bloss leichte Skoliose) ist es möglich, jedoch wegen bisher fehlender Abklärung und Diagnosestellung durch einen Facharzt oder eine Fachärztin der Psychiatrie nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die thorako-lumbalen Leiden der Beschwerdeführerin psychisch bedingt sind (etwa durch ein den "somatoformen" Störungen zuzuordnendes Leiden). Für die Belange der Unfallversicherung kann indessen auf die Veranlassung einer spezialärztlichen Begutachtung verzichtet werden. Denn selbst wenn diese ein psychisches Leiden ausweisen sollte, welches zumindest teilweise in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 3. April 2003 steht, änderte dies nichts daran, dass es aus rechtlicher Sicht an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs fehlt. Letztere ist mit Blick darauf, dass bald nach dem Unfall überhaupt keine nach (hier: allenfalls) erlittener HWS-Distorsion typische Beschwerden mehr vorlagen, nicht gemäss der in BGE 117 V 366 f. Erw. 6a und 382 ff. Erw. 4 dargelegten Schleudertrauma-Praxis zu prüfen; mangels eines organischen Befundes ebenfalls keine Anwendung findet die allgemeine Adäquanzformel, wonach ein Ereignis bereits dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten hat, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen). Die adäquate Kausalität ist vielmehr unter dem Blickwinkel einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall gemäss BGE 115 V 133 ff. zu beurteilen (BGE 123 V 99 Erw. 2a; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [= Urteil W. vom 18. Juni 2002, U 164/01]). 2.4.2 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrkollisionen auf ein - wie dies hier zutrifft - haltendes Fahrzeug in der Regel in die Kategorie der mittelschweren Ereignisse im Grenzbereich zu den leichten Unfällen eingereiht (vgl. zur Kasuistik RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 f. Erw. 5.1.1 und 5.1.2 [U 380/04], 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2 [U 193/01], je mit Hinweisen). Im Rahmen der nach objektiven Gesichtspunkten (BGE 124 V 44 Erw. 5c/aa, 115 V 139 Erw. 6) und ohne Berücksichtigung der Persönlichkeitsstruktur des Versicherten (RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 ff.; Urteil P. vom 7. August 2003 [U 290/02] Erw. 4 mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung) vorzunehmenden Kategorisierung der Unfallschwere besteht kein Anlass für eine abweichende Zuordnung des Auffahrunfalles vom 3. April 2003 (vgl. etwa auch Urteil G. vom 16. Dezember 2005 [U 297/04] Erw. 4.3). Klar ausser Betracht fällt im Lichte der Kasuistik (RKUV 2005 Nr. U 548 S. 231 Erw. 3.2.2 [U 306/04], 1999 Nr. U 330 S. 122) eine Qualifizierung des Ereignisses als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Unfällen. Dem Unfall vom 3. April 2003 kann somit nur dann im Sinne adäquater Kausalität massgebende Bedeutung für die aktuelle Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zukommen, wenn ein einzelnes der praxisgemäss für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder aber diese in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (vgl. BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa; vgl. auch BGE 123 V 100 Erw. 2c). Dies trifft hier nicht zu. Zu verneinen sind zunächst besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls, ferner eine besondere Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Ebenfalls ausser Betracht fällt eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, noch ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen. Bei der hier erforderlichen Ausblendung der psychischen Faktoren (BGE 115 V 133 ff.; vgl. auch RKUV 1993 Nr. U 166 S. 94 Erw. 2c mit Hinweisen) kann auch nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung gesprochen werden; aus körperlicher Sicht ging der Hausarzt jedenfalls mit Bezug auf die HWS bereits am 30. Juni 2003 von einem Behandlungsabschluss in den nächsten vier Wochen aus; am 1. September 2003 stellte er auch bezogen auf die Rückenbefunde den Behandlungsabschluss in den nächsten vier bis sechs Wochen in Aussicht. Eine hinsichtlich Grad und Dauer erhebliche, physisch bedingte Arbeitsunfähigkeit muss ebenfalls verneint werden, nachdem die Versicherte bereits am 5. Mai 2003 wieder zu 100 % arbeitsfähig war und die erst wieder ab 1. Dezember 2003 attestierte Arbeitsunfähigkeit (von 50 %) durch kein objektivierbares, körperliches Substrat erklärt werden konnte. Als - nicht in besonders ausgeprägter Weise - erfüllt gelten kann einzig das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen. Dies allein reicht praxisgemäss nicht aus, um dem Unfall vom 3. April 2003 eine adäquanzrechtlich massgebende Bedeutung für die über den 31. Juli 2004 hinaus andauernden Beschwerden mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers zuzuerkennen. 2.5 Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die von der SUVA auf Ende Juli 2004 verfügte Leistungseinstellung mangels Unfallkausalität der fortbestehenden Rückenbeschwerden rechtens und der vorinstanzliche Entscheid somit zu bestätigen ist.