Citation: 4A_707/2016 E. 4.1

4.1. Sie macht geltend, seit dem Leitentscheid des Bundesgerichts orientierten sich die Gutachten, die im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren eingeholt würden, an den Vorgaben von BGE 141 V 281 betreffend diagnostische Voraussetzungen beziehungsweise Beweisanforderungen an die medizinische Feststellung des Krankheitswertes bei psychosomatischen Leiden. Sozialversicherungsrechtliche Gutachten würden oft vor dem Zivilprozess eingeholt und dürften in letzterem beigezogen werden. Gutachten, die nicht gestützt auf die bundesgerichtlichen Beweisanforderungen erstellt würden, seien in qualitativer Hinsicht ungenügend. Die unterschiedliche Grundlage für die Begutachtung im Sozialversicherungsrecht führe dazu, dass die Qualität und Aussagekraft von Gutachten im Haftpflichtprozess davon abhänge, ob dem Prozess bereits ein sozialversicherungsrechtliches Verfahren mit Begutachtung vorangegangen sei. Wenn die Rechtsprechung aus dem Sozialversicherungsrecht (BGE 141 V 281) nicht grundsätzlich, sondern nur über das Fremdgutachten aus dem Sozialversicherungsverfahren ins Haftpflichtrecht übertragen werde, ergebe sich eine unzulässige unterschiedliche Behandlung von gleichgelagerten Sachverhalten im Sozialversicherungsrecht und im Haftpflichtrecht, was mit dem Grundsatz der Rechtsgleichheit nicht vereinbar wäre.