Citation: U 347/05 02.12.2005 E. 4

Die Akten enthalten zahlreiche Hinweise auf eine psychische Fehlentwicklung, welche durch den Unfall vom 29. August 2003 zumindest verstärkt wurde, sodass der natürliche Kausalzusammenhang als gegeben anzusehen ist. Diesbezüglich ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs umstritten. 4.1 Wenige Stunden nach dem Unfall diagnostizierten die Ärzte des Kantonsspitals Schaffhausen eine HWS-Distorsion. Weiter hielten sie fest, es bestehe eine "Klopfdolenz occipital Schädel und HWS paravertebral beidseits diffus". Kopf- und HWS-Bewegungen seien in allen Ebenen endphasisch schmerzhaft eingeschränkt. Die Hirnnerven seien allesamt intakt, die Reflexe an oberer und unterer Extremität allseits seitengleich auslösbar, und es bestünden keine sensomotorischen Defizite der oberen und unteren Extremität. Dr. med. W.________ weist bereits in seinem Bericht vom 9. September 2003 auf ein psychisch moduliertes Schmerz- und Krankheitsempfinden hin, welches ein achtsames Rehabilitationssetting verlange. Im weiteren Verlauf wird jeweils auf sehr starke Schmerzen sowie unspezifischen Schwindel hingewiesen. Der Neurologe Dr. med. A.________ gelangte in seinem Bericht vom 16. Januar 2004 zum Ergebnis, der Patient zeige noch die Symptomatik eines zervikozephalen Syndroms mit lokalen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Verspannungen. Es fehlten jedoch eigentlich harte neurologische Ausfälle. Die Bewegungseinschränkung der HWS und Antireflexionsfixierung überschreite eigentlich das Mass eines milden Schleudertraumas deutlich. Zudem bestehe eine massive Gang- und Standstörung mit funktionellem Charakter ohne anatomisches Korrelat. Es sei von einer funktionellen Ausweitung oder einer somatoformen Störung auszugehen. Das im Rahmen des Aufenthalts in der Klinik Z.________ durchgeführte psychosomatische Konsilium führte zum Ergebnis, die funktionelle Ausgestaltung der Gang- und Standstörung sei am ehesten als Konversionsstörung zu klassifizieren, wobei auch eine bewusstseinsnahe Komponente im Rahmen einer offensichtlich vorhandenen Symptomausweitung mit Verdeutlichungstendenz nicht auszuschliessen sei. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass das typische Beschwerdebild einer spezifischen HWS-Verletzung zwar teilweise gegeben war, jedoch schon früh gegenüber einer ausgeprägten psychischen Symptomatik in den Hintergrund trat. Das kantonale Gericht hat demnach die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den fortbestehenden Beschwerden zu Recht nach der in BGE 115 V 133 begründeten Praxis beurteilt. 4.2 Über den Hergang des Unfalls vom 29. August 2003 ist dem Polizeirapport vom 6. September 2003 zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer mit seinem Personenwagen im stockenden Kolonnenverkehr auf der Autobahn A1 auf der linken von drei Spuren mit einer Geschwindigkeit von rund 40-50 km/h unterwegs war. Als er abbremsen musste, weil die Kolonne langsamer wurde, fuhr ihm das nachfolgende Auto ins Heck. Laut der biomechanischen Kurzbeurteilung vom 23. Februar 2004 dürfte die durch die Kollision bedingte Geschwindigkeitsänderung (zu deren Relevanz RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359 Erw. 3.2) unterhalb oder knapp innerhalb eines Bereiches von 10-15 km/h gelegen haben. Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Einteilung (BGE 115 V 139 Erw. 6) ist unter diesen Umständen von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten auszugehen (vgl. RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2 mit Hinweisen). Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre demzufolge nur dann zu bejahen, wenn die massgebenden Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind (vgl. BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb). Dies ist mit dem kantonalen Gericht zu verneinen. Im Rahmen der auf die somatischen Anteile beschränkten Betrachtung kann allenfalls das Kriterium der Dauerschmerzen als erfüllt gelten, ohne aber eine Intensität zu erreichen, welche für sich allein die Adäquanz zu begründen vermöchte, während die übrigen Merkmale nicht gegeben sind. An der fehlenden Adäquanz (als Rechtsfrage) vermöchte auch eine allfällige im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn relevante Schmerzstörung nichts zu ändern, weshalb der Antrag auf neurologische Begutachtung unbegründet ist.