Citation: 2C_1009/2022 E. 3.4

3.4. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, bei der Einholung des Rechtsgutachtens handle es sich nicht bloss um einen "einfachen Verfahrensfehler", der keine Ausstandspflicht des Beschwerdegegners begründe. Der Beschwerdegegner habe sich einen gesamten Fall von privater Seite "vorlösen" lassen wollen. Dies gehe zum einen daraus hervor, dass der Gutachtensauftrag gleich elf Fragen umfasst habe, die sich grösstenteils spezifisch auf den vorliegenden Fall bezogen hätten, und zum anderen aus dem Kostendach von Fr. 25'000.--, das völlig unverhältnismässig sei, sowie aus den zeitlichen Abläufen. Es sei der Eindruck entstanden, dass der Beschwerdegegner sich nicht in der Lage gesehen habe, den Fall rechtlich eigenständig zu lösen, und dass die Beschwerdeführerin vorbringen könne, was sie wolle, ohne dass dies irgendetwas am durch das Rechtsgutachten vorgeprägten Ergebnis der Angelegenheit ändern könnte. Deutlich verstärkt werde dieser Eindruck durch die Aussage des Beschwerdegegners, dass das Gutachten ihm zur Legitimierung des aufsichtsrechtlichen Vorgehens dienen werde. Damit habe der Beschwerdegegner erkennen lassen, dass die Frage, ob überhaupt aufsichtsrechtlich einzuschreiten sei, im Zeitpunkt der Ausformulierung des Gutachtensauftrags bereits vorentschieden gewesen sei. Da der Beschwerdegegner das Gutachten bereits zu Kenntnis genommen habe, würde es willentlich oder unwillentlich die Rechtsfindung und den anstehenden aufsichtsrechtlichen Entscheid beeinflussen. Dass es zu den Kernaufgaben einer Behörde gehöre, mit unverwertbaren Aktenstücken umzugehen, ändere daran nichts, denn im vorliegenden Fall habe die instruierende Behörde selbst durch klar prozesswidriges Vorgehen die Unverwertbarkeit eines Aktenstücks verursacht. Das Vorgehen des Beschwerdegegners beruhe auf einem völlig verfehlten Rollenverständnis und sei Ausdruck einer Tendenz zur "Privatisierung" der Rechtsanwendung in hoheitlichen Verfahren, die durch Überforderung mit komplexer Materie oder durch Zeit- und Spargründe bedingt sein könne. Insgesamt liege der objektiv begründete Anschein vor, dass die Mitglieder des Beschwerdegegners und die Ratsschreiberin sich vom eingeholten Rechtsgutachten nicht würden lösen können und damit voreingenommen seien.