Citation: 1B_667/2020 E. 3.9

3.9. Zur vom Beschwerdeführer im Eventualstandpunkt beantragten Haftentlassung gegen Ersatzmassnahmen erwägt das Obergericht Folgendes: Eine ambulante ärztliche Behandlung als Ersatzmassnahme setze, um "auch nur ansatzweise erfolgsversprechend" zu sein, "ein Mindestmass an Einsicht" des Beschuldigten voraus, "dass sein Betäubungsmittelkonsum problematisch ist". Sein bisheriges Verhalten und seine in den Akten befindlichen Aussagen liessen jedoch nicht auf eine solche Einsicht schliessen. Bezeichnenderweise habe er eine ärztliche Behandlung in seinem Eventualantrag (Haftentlassung gegen Ersatzmassnahmen) nicht ausdrücklich erwähnt und nur auf die Möglichkeit eines Kontakt- und Rayonverbotes hingewiesen. Immerhin habe er noch vortragen lassen, er sei "im Zusammenhang mit möglichen medizinischen Massnahmen freiwillig bereit, die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten". Den Eindruck eines ernsthaften, verbindlichen Bekenntnisses, sich auf eine Therapie einzulassen, vermöge er damit beim Obergericht nicht zu erwecken. Dass der Beschwerdeführer sich nach einer Haftentlassung aus eigenem Antrieb in eine Therapie begeben würde, erscheine derzeit "ausgesprochen unwahrscheinlich". Aber selbst wenn eine entsprechende Auflage als Ersatzmassnahme verfügt würde, wäre seine aktive therapeutische Mitwirkung nach Ansicht des Obergerichtes essentiell. Ob und unter welchen Umständen die erforderliche "Behandlungscompliance" gegeben sein könnte, müsse noch näher abgeklärt werden, ebenso wie die Frage, ob eine blosse Suchtmittelbehandlung alleine genüge, um dem Risiko erneuter Straftaten zu begegnen. Zwar scheine die Suchtproblematik eine zentrale kriminogene Rolle zu spielen. Es stehe aber "keineswegs fest, dass dies der einzig relevante Faktor" wäre. Aufgrund des aktuellen Kenntnisstandes biete eine ambulante ärztliche (Sucht-) Behandlung noch keine hinreichende Gewähr dafür, dass das Risiko weiterer Verbrechen und schwerer Vergehen ausreichend gesenkt werden könnte (angefochtener Entscheid, E. II/4, S. 24 f.). Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, er habe sich "bereits freiwillig" seiner Suchtproblematik angenommen, und zwar "mit Hilfe der im Gefängnis vorhandenen Ärzte". Daher gehe es nicht an, dass ihm die Vorinstanz "einen Strick" daraus drehe, dass er "die medizinischen Massnahmen nicht explizit beantragt" habe. Er sei bereit, sich auch nach einer Haftentlassung einer (ambulanten) Suchttherapie zu unterziehen; in Frage komme zudem ein Kontakt- und Rayonverbot. Die Einschätzungen des Obergerichtes und der Staatsanwaltschaft, wonach blosse Ersatzmassnahmen für Haft im gegenwärtigen Verfahrensstadium und beim jetzigen medizinischen Kenntnisstand noch nicht ausreichen, um der dargelegten erheblichen Wiederholungsgefahr für Verbrechen und schwere Vergehen wirksam zu begegnen, hält vor dem Bundesrecht stand. Der Beschwerdeführer legt nicht nachvollziehbar dar, wie mit einem Kontakt- und Rayonverbot sachgerecht verhindert werden könnte, dass er erneut gegen diverse Personen, insbesondere zufällig angetroffene, gewalttätig wird. Er scheint ausserdem die Schwere und den Charakter seiner kriminogenen Erkrankung zu unterschätzen, wenn er davon ausgeht, diese könne derzeit bereits durch eine ambulante ärztliche Suchtbehandlung ausreichend therapiert werden. Mit den differenzierten und überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz setzt er sich nicht nachvollziehbar auseinander.