Citation: I 325/02 30.01.2004 E. 2

Nicht angefochten ist der vorinstanzliche Entscheid, soweit das kantonale Gericht bezüglich des Anspruchs auf berufliche Eingliederungsmassnahmen auf die Beschwerde nicht eingetreten ist. Streitgegenstand bildet allein der Rentenanspruch. Dabei ist zunächst zu prüfen, wie es sich hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und deren Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verhält. 2.1 Laut dem von der Verwaltung eingeholten gutachtlichen Bericht des Dr. med. L.________ vom 10. Januar 2001 leidet der Beschwerdeführer an einem chronischen lumbo-vertebralen und spondylogenen Schmerzsyndrom nach Diskushernienoperation L3/4 am 13. September 1999 und einer partiell verminderten Belastbarkeit und Belastungsschmerzen im linken OSG; ferner bestehen gelegentliche zervikale Schmerzen bei Geradhaltung der Halswirbelsäule und zervikaler Spondylarthrose sowie eine radiologisch festgestellte, klinisch zurzeit aber nicht relevante Hüftgelenksdysplasie beidseits mässigen Grades. Im Vordergrund steht die lumbale Rückenproblematik, welche eine schwer rückenbelastende Tätigkeit, wie diejenige als Landwirt oder Waldarbeiter, ausschliesst. Dagegen wäre dem Versicherten eine weniger rückenbelastende Tätigkeit vollumfänglich zumutbar. Mit dem Gutachtensauftrag hat die IV-Stelle Dr. med. L.________ Fragen zur Zumutbarkeit von drei konkreten Arbeitsplätzen unterbreitet, welche der Arzt dahingehend beantwortet hat, dass dem Versicherten eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter im Labor der A.________ AG in B.________ mindestens zu 75 % zumutbar wäre und er auch als Hilfsarbeiter/Halbfabrikationsmitarbeiter der C.________ AG in D._________, oder als Hilfsarbeiter/Buchbindereimitarbeiter bei der E._________ AG in F._________ zu 75 % arbeitsfähig wäre. 2.2 Mit der Vorinstanz ist auf die gutachtliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. L.________ abzustellen. Sie erfüllt die für den Beweiswert medizinischer Gutachten und Berichte massgebenden Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c) und vermag in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. Sie steht zudem im Einklang mit den übrigen Arztberichten, insbesondere mit denjenigen des behandelnden Arztes Dr. med. U.________, welcher die Frage nach der Arbeitsfähigkeit am 28. Dezember 1999 dahingehend beantwortet hatte, dass der Versicherte als Waldarbeiter vollständig arbeitsunfähig sei, ihm jedoch alle Tätigkeiten mit geringer Beanspruchung des Bewegungsapparates im Sinne von längerer Ausdauertätigkeit und von stärkeren Belastungen vor allem der Wirbelsäule und des linken Beines, wie beispielsweise Bürotätigkeiten, zumutbar seien, wobei eine Arbeitsfähigkeit bis 100 % theoretisch möglich sei. Zwar hat das Spital X.________ (Dr. med. I.________) in einem Bericht an die IV-Stelle vom 18. Mai 2000 die Arbeitsfähigkeit in einer geeigneten wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangshaltungen und das Heben schwerer Lasten mit voraussichtlich 50 % angegeben. Der Gesundheitszustand des Versicherten wurde jedoch als besserungsfähig bezeichnet und eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit als möglich erachtet. Es besteht daher auch aufgrund dieses Berichtes kein Anlass, von der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. L.________ abzugehen. Weiterer Abklärungen bedarf es nicht, woran auch der Umstand nichts ändert, dass Dr. med. L.________ im Gutachten vom 10. Januar 2001 zunächst festgestellt hatte, die von der IV-Stelle genannten Arbeitsplätze seien dem Versicherten zu mindestens 50 % zumutbar. Die Feststellung erfolgte unter dem ausdrücklichen Vorbehalt der nachfolgenden Ausführungen, welche dahin lauten, dass die Arbeitsfähigkeit des Versicherten im Rahmen dieser Tätigkeiten 75 % bzw. mindestens 75 % beträgt. Nicht gefolgt werden kann dem Beschwerdeführer auch, soweit er geltend macht, bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit seien der lange Arbeitsweg und die damit verbundene Beeinträchtigung in der Leistungsfähigkeit zusätzlich zu berücksichtigen, weshalb von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 50 % auszugehen sei. Aus den medizinischen Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Versicherte bei der Zurücklegung des Arbeitsweges in einer Weise behindert ist, dass dadurch seine Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz zusätzlich beeinträchtigt wird. Etwas anderes ergibt sich auch aus der Feststellung des Dr. med. L.________ nicht, wonach es sich bei der Arbeitsfähigkeit von 75 % um eine medizinisch-theoretische Schätzung handle, welche unberücksichtigt lasse, dass die Arbeitsplätze weit weg vom Wohnort lägen und daher eine erhebliche Mobilität des Versicherten voraussetzten und für die Familie eine Belastung darstellten. Im Rahmen der ihm obliegenden Schadenminderungspflicht (BGE 123 V 233 Erw. 3c, 117 V 278 Erw. 2b, 400, je mit Hinweisen) hat der Versicherte alles ihm Zumutbare zur Verbesserung der Erwerbsfähigkeit beizutragen, wozu auch die Zurücklegung eines längeren Arbeitsweges gehören kann (vgl. BGE 113 V 28 Erw. 4a mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vom Wohnort geeignete Arbeitsplätze in Reichenau, Bonaduz, Rhäzüns, Domat/Ems oder Chur mit dem eigenen Personenwagen oder den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Bahn) in ein bis zwei Stunden erreichen könnte, womit sich ein täglicher Arbeitsweg von insgesamt höchstens vier Stunden ergibt. Ein solcher Arbeitsweg ist nach den persönlichen Verhältnissen und unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Beschwerdeführer in einem Bergtal mit geringem Arbeitsplatzangebot wohnt, noch als zumutbar zu erachten (vgl. Hardy Landolt, Das Zumutbarkeitsprinzip im schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Diss. Zürich 1995, S. 133 ff. mit Hinweisen auf die Rechtsprechung; ferner Art. 16 Abs. 2 lit. f AVIG). Dass ihm die Zurücklegung des Arbeitsweges aus medizinischen Gründen nicht zumutbar wäre, ist aufgrund der Akten nicht anzunehmen. Es kann daher offen bleiben, ob dem Beschwerdeführer im Lichte der ihm obliegenden Schadenminderungspflicht allenfalls auch ein Wohnsitzwechsel zumutbar wäre (vgl. hiezu BGE 113 V 33 Erw. 4d).