Citation: U 261/06 16.05.2007 E. 6

6.1 Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, sämtliche in der Folge des Unfalles - und über den 31. Januar 2003 hinaus - subjektiv geklagten Befindlichkeitsstörungen stünden in einem anspruchsbegründenden Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 15. August 1998 und führten dazu, dass er unfallbedingt "in keinem Bereich mehr arbeiten" könne. 6.2 Demgegenüber stellte das kantonale Gericht auf das umfassende polydisziplinäre Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle vom 26. August 2003 (nachfolgend: MEDAS-Gutachten) ab, wonach die unfallbedingten Beschwerden ein Jahr nach dem Ereignis abgeklungen und der status quo ante wieder erreicht waren (ZMB-Gutachten S. 32). Der Unfall hat somit nur eine vorübergehende Verschlimmerung der erheblichen vorbestehenden Wirbelsäulenerkrankung zur Folge gehabt. Die radiologischen Abklärungen liessen nicht auf eine Fraktur von Brustwirbelkörpern, sondern eher auf eine heftige Prellung/Stauchung der Wirbelsäule schliessen. Diese Auffassung stützt sich auf die Angaben des Neurochirurgen Dr. med. V.________ und des Orthopäden Dr. med. S.________ (beide am Spital Y.________), welche den Versicherten am 3. Dezember 1998 bzw. am 22. Juni 1999 spezialärztlich untersucht, dabei eine Operationsindikation ausgeschlossen und auf die deutlichen degenerativen Veränderungen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule hingewiesen haben. Weiter ist dem MEDAS-Gutachten zu entnehmen, dass die schwere thorakale Kyphoskoliose und die zahlreichen weiteren degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule ebenso wie der Diabetes mellitus, das Übergewicht, die rechtsseitige Gehörsstörung, die Bauchbeschwerden und die schwere Parodontose krankhafter Genese sind. Auch die in psychiatrischer Hinsicht einzig festgestellte leichte Anpassungsstörung mit Beteiligung affektiver Qualitäten sei, soweit sie überhaupt Krankheitswert erreiche, nicht behandlungsbedürftig und führe auch nicht zu Arbeitsunfähigkeit. Gemäss ZMB-Gutachten steht fest, dass die über den 31. Januar 2003 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 15. August 1998 stehen. Dieses Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden; zudem ist es in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und enthält begründete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Somit kommt dieser Expertise grundsätzlich volle Beweiskraft zu. 6.3 Der Beschwerdeführer beruft sich in erster Linie auf die Einschätzungen des Dr. med. G.________, Facharzt FMH für Innere Medizin, welcher der Überzeugung ist, dass sämtliche von ihm beschriebenen "Krankheitsfaktoren durch den Unfall richtunggebend verschlimmert" worden sein müssten, sofern es zutreffe, dass der Versicherte vor dem Unfall beschwerdefrei gewesen sei (Bericht vom 30. März 2004). Demgegenüber ist nicht jede nach einem Unfall aufgetretene gesundheitliche Störung - nach der Formel "post hoc, ergo propter hoc" - zwangsläufig auch als unfallbedingt zu qualifizieren (vgl. BGE 119 V 335 E. 2b/bb i.f. S. 341 f.). Entgegen der Einschätzung des den Beschwerdeführer erst seit Juni 2001 behandelnden Dr. med. G.________ hat der Kieferchirurg Dr. med. et Dr. med. dent. C.________ den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und einer Kieferschädigung gemäss Bericht vom 12. April 2002 angesichts der initial nach dem Ereignis vom 15. August 1998 vollkommen fehlenden Anzeichen für eine derartige Verletzung mit Blick auf die detaillierten Untersuchungsergebnisse des Dr. med. M.________, vom 10. Dezember 2001 ausdrücklich verneint. Der Gastroenterologe Dr. med. O.________, welcher den Versicherten von November 2000 bis März 2001 wegen einer chronischen Refluxoesophagitis und Bauchschmerzen behandelte, führte in seinem Bericht vom 18. Oktober 2002 aus, die nach Angaben des Beschwerdeführers "seit vielen Jahren bestehenden, medianen Oberbauchschmerzen, gelegentlich mit Blähungen unter Zunahme des Oberbauches verbunden, welche seit dem Unfallereignis täglich und fast andauernd" aufgetreten seien, hätten sich durch seine Behandlung mit Blick auf das Magenleiden nicht positiv beeinflussen lassen. Er gehe von einer erheblichen funktionellen Überlagerung bei Verdacht auf eine Begehrungsneurose aus. Zudem halte er an seinem bereits am 19. Februar 2001 angeregten Vorschlag einer polydisziplinären MEDAS-Begutachtung fest. Die krankhaften Vorzustände eines Magengeschwürs und einer erosiven Gastro-Duodenopathie hätten durch den Unfall höchstens vorübergehend verschlimmert werden können, wofür er allerdings keine entsprechenden Anhaltspunkte habe finden können. Soweit Dr. med. G.________ entgegen dieser spezialärztlichen Beurteilungen und entgegen dem MEDAS-Gutachten, welches sich ausführlich und umfassend auch mit den abweichenden medizinischen Einschätzungen auseinander gesetzt hat, an seiner eigenen Auffassung festhält, ist dem Grundsatz Rechnung zu tragen, wonach Berichte der behandelnden Ärzte auf Grund deren auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353), was nicht nur mit Blick auf den allgemein praktizierenden Hausarzt und den behandelnden Spezialarzt zutrifft, sondern erst recht für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt gilt, welcher angesichts des besonderen Vertrauensverhältnisses zunächst den geklagten Schmerz bedingungslos zu akzeptieren hat (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 655/05 vom 20. März 2006, E. 5.4 mit Hinweisen). 6.4 Nach dem Gesagten steht fest, dass der Unfall vom 15. August 1998 nebst den folgenlos abgeheilten Frakturen und der Kniekontusion rechts nur eine vorübergehende Verschlimmerung der zahlreichen krankhaften Vorzustände im Bereich der Wirbelsäule verursacht hat und (spätestens) nach dem Terminierungszeitpunkt keine objektivierbare Beschwerden mehr vorhanden waren, welche in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall standen, und auch keine psychogene Gesundheitsstörung festgestellt werden konnte, welche behandlungsbedürftig war oder die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit eingeschränkt hätte. Die vorinstanzlich bestätigte Einstellung sämtlicher Versicherungsleistungen zum 31. Januar 2003 gemäss strittiger Verfügung vom 18. November 2003 ist somit nicht zu beanstanden.