Citation: 4C.279/2000 11.01.2001 E. 3

3.- Zur Hauptsache macht die Beklagte mit der Berufung geltend, zum Zeitpunkt des Vertragsrücktritts des Klägers sei dessen Forderung noch nicht fällig gewesen, da sich die Parteien im Oktober 1998 auf Dezember 1998 als neuen Liefertermin geeinigt hätten. Die Vorinstanz habe denn auch zutreffend erkannt, dass der Kläger auf die aus dem ursprünglichen Verzug der Beklagten abgeleiteten Rechte verzichtet habe. Allerdings habe die Vorinstanz Art. 75 ff., 102, 107 und 108 OR verletzt, indem sie zum einen eine Leistungsverweigerung seitens der Beklagten angenommen hat und zum anderen missachtet hat, dass selbst bei einem antizipierten Vertragsbruch ein Rücktritt vom Vertrag ohne Ansetzen einer Nachfrist die Fälligkeit der Forderung voraussetze. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. In Fällen, in denen der Schuldner bereits vor Eintritt der Fälligkeit unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er den geschlossenen Vertrag nicht halten werde (antizipierter Vertragsbruch), ist ein Rücktritt vom Vertrag auch ohne Ansetzung einer Nachfrist möglich. Art. 107 - 109 OR gelangen diesfalls analog zur Anwendung (BGE 110 II 141 E. 1b; Rolf H. Weber, Berner Kommentar, N 148 ff. zu Art. 102 OR; Wiegand, Basler Kommentar, N 2 zu Art. 108 OR; Gauch/Schluep/Rey, Schweizerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, Band II, 7. Aufl. , N 2676). Das Obergericht qualifizierte das Schreiben der Beklagten vom 24. November 1998 als eine eindeutige Leistungsverweigerung. Inwiefern das Obergericht mit dieser Annahme Bundesrecht verletzt haben soll, legt die Beklagte nicht dar und ist auch nicht ersichtlich. Die Rüge ist demzufolge unbegründet.