Citation: 8C_468/2020 E. 4.3

4.3. Der Beschwerdeführer anerkennt, dass seitens des Stellenvermittlungsbüros kein konkretes Stellenangebot vorlag. Er wirft der Vorinstanz jedoch vor, Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG falsch ausgelegt und damit Bundesrecht verletzt zu haben. Denn nach der Rechtsprechung sei die Bestimmung als Auffangtatbestand konzipiert und erfasse grundsätzlich jedes Verhalten, mit dem eine versicherte Person in Kauf nehme, dass die Stelle anderweitig besetzt werde. Dies solle nicht nur im Hinblick auf die Ablehnung eines konkret in Aussicht stehenden Stellenangebots oder Arbeitsvertrags gelten, sondern auch im Kontakt mit einem Temporärbüro oder Stellenvermittler, insbesondere in Branchen, in denen - oftmals saisonal bedingt - eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften bestehe. Denn hinter jeder Kontaktaufnahme durch einen Stellenvermittler stehe immer und nur das Ziel des Abschlusses eines Arbeitsvertrags, weshalb eine vergleichbare Situation wie bei laufenden Vertragsverhandlungen oder einem Vorstellungsgespräch mit einem Arbeitgeber vorliege. Trete eine versicherte Person bereits anlässlich der ersten Kontakte des potenziellen Stellenanbieters ungebührlich auf oder drücke sie explizit oder implizit die Ablehnung der Stellenvermittlung aus, vereitle sie die weitere Berücksichtigung für allenfalls mehrere künftige Arbeitsgelegenheiten. Durch sein fragwürdiges Verhalten habe der Beschwerdegegner das Zustandekommen eines Arbeitsvertrags massiv erschwert und zumindest den Gefährdungstatbestand erfüllt.