Citation: U 471/05 15.03.2006 E. 4

4.1 Im ophthalmologischen Gutachten vom 4. Dezember 2003 werden im Wesentlichen folgende unfallversicherungsrechtlich relevante Diagnosen genannt: Funktionelle Einäugigkeit rechts bei Status nach doppelter Bulbusperforation durch Metallfremdkörper im September 1997, sekundärer Strabismus divergens des rechten Auges mit leichten Doppelbildern, Presbyopie (Alterssichtigkeit). In der Beurteilung führt der Experte aus, der Verlust des räumlichen Sehens (Stereopsis) stelle die Hauptbehinderung bei einer funktionellen Einäugigkeit dar. Diese Fähigkeit werde zur Beurteilung der Tiefenverhältnisse bis etwa zu einer Distanz von fünf Metern gebraucht. Je nach Tätigkeit spiele das räumliche Sehen eine mehr oder weniger bedeutsame Rolle. Sehr wichtig sei die Stereopsis unter anderem bei Montagearbeiten oder zum genauen Abmessen. Leute ohne die Fähigkeit räumlichen Sehens brauchten für die meisten Tätigkeiten mehr Zeit, da sie dabei vermehrte Kontrollen durchführen müssten. Es sei nachvollziehbar und entspreche steter Beobachtung, dass bei nur einem funktionellen Auge wegen dieser erhöhten Aufmerksamkeit eine schnellere allgemeine Ermüdung auftrete. Im presbyopen Alter sei diese Ermüdbarkeit noch ausgeprägter. Beim Exploranden komme dazu, dass am rechten Auge nicht eine vollständige Erblindung bestehe. Es verbleibe das periphere Gesichtsfeld. Wegen der schlechten zentralen Sehschärfe habe sich indessen ein sekundärer Strabismus divergens von ca. 15o entwickelt. Das rechte nun schielende Auge könne nicht vollständig «ausgeblendet» werden, so dass in gewissen Situationen ein unscharfes Doppelbild entstehe. Unter Berücksichtigung, dass die Funktionseinbusse im Presbyopie-Alter eingetreten sei und ein sekundärer Strabismus vorliege, bestehe für Tätigkeiten, die eine geringere Stereopsis benötigten, eine um rund 25 % reduzierte Leistung. Feinere handwerkliche Arbeiten und Montagearbeiten erforderten in der Regel ein besseres räumliches Sehen. Solche Beschäftigungen hätten sich in der Eingliederungsstätte Valens als nicht sinnvoll erwiesen. Ebenso seien Arbeiten am Bildschirm sowie Tätigkeiten in der Nacht ungeeignet. Wenig Ansprüche an die Stereopsis stellten allgemeine Hilfsarbeiten z.B. in der Gärtnerei und in der Landwirtschaft. Dabei beständen auch hier direkt auf Grund der Sehbehinderung Einschränkungen wie bei Arbeiten mit ungeschützten rotierenden Geräten (Kettensäge) oder solchen, die ein präzises Einpassen erforderten.