Citation: 2A.165/2003 29.07.2003 E. 3

3.1 Wie erwähnt, kann das Bundesgericht die Angemessenheit des Entscheids nicht überprüfen (vgl. oben E. 1.3). Sind die Voraussetzungen für einen Familiennachzug zudem nicht erfüllt, so kann die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung auch dann nicht beim Bundesgericht durchgesetzt werden, wenn sich der Betroffene aktiv um seine Integration im Inland bemüht hat. Denn ausserhalb des Familiennachzugs ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht mangels Anspruchs im Sinne von Art. 100 Abs. 1 lit. b OG ausgeschlossen (siehe oben E. 1.1 und 1.2). 3.2 Die Erwägungen des Verwaltungsgerichts zum Anspruch auf Familiennachzug erweisen sich als im Wesentlichen zutreffend. Auf diese kann daher verwiesen werden (insbes. auf E. 3 des angefochtenen Urteils). Was der Beschwerdeführer im Übrigen geltend macht, vermag den angefochtenen Entscheid nicht als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen: 3.2.1 Die Gründe für eine unterschiedliche Behandlung von zusammen lebenden Eltern zum einen und getrennt lebenden Eltern zum anderen hat das Bundesgericht wiederholt dargelegt (vgl. BGE 126 II 329 E. 2/3 S. 330 ff.; 125 II 585 E. 2 S. 586 ff.). Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG will vornehmlich das Zusammenleben der Gesamtfamilie schützen. Ebenso ist dem Schutz des Familienlebens im Sinne von Art. 8 EMRK mehr Beachtung zu schenken, wenn sich beide Elternteile zusammen in der Schweiz aufhalten. Sinn der Art. 17 Abs. 2 ANAG und Art. 8 EMRK ist zudem nicht die blosse Verschaffung einer Aufenthaltsbewilligung (vgl. BGE 126 II 329 E. 3b S. 333) oder einer Arbeits- bzw. Ausbildungsstelle für die Kinder in der Schweiz. Der Beschwerdeführer, für welchen derzeit ein Einbürgerungsgesuch läuft, kann sich gegenüber dem Bundesgericht auch nicht unter dem Gesichtspunkt der Rechtsgleichheit (Art. 8 BV) auf das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, FZA; SR 0142.112.681) und die darin vorgesehenen grosszügigeren Nachzugsregelungen (vgl. Art. 3 Anhang I FZA) berufen. Das Bundesgericht hat bereits dargelegt, dass es beim Nachzug von Angehörigen Schweizer Bürger trotz etwaiger Benachteiligung gegenüber Staatsangehörigen der EG-Staaten gemäss Art. 191 BV an die bestehenden ausländerrechtlichen Vorschriften ausserhalb des Freizügigkeitsabkommens gebunden bleibt; damit haben die bisherigen Regeln weiterhin Bestand für den Familiennachzug von Personen, die vom Anwendungsbereich des Freizügigkeitsabkommens ausgenommen sind (vgl. BGE 129 II 249 E. 2-5 S. 252 ff.). Insoweit kann nichts anderes gelten für den Familiennachzug durch Ausländer, die nicht Angehörige von EG-Staaten sind. Eine Gleichstellung solcher Ausländer mit denjenigen aus EG-Staaten haben im Übrigen gerade auch das Parlament und der Bundesrat bisher ausdrücklich abgelehnt (vgl. BGE 129 II 249 E. 5.5 S. 265; Motion Hubmann und bundesrätliche Stellungnahme in AB 2002 Beilagen N 337 f. sowie AB 2002 N 384). 3.2.2 Zwar hat sich der Beschwerdeführer bereits 1998 um die Übertragung des Sorgerechts bemüht und dieses auch kurz nach dem Einreichen des Nachzugsgesuchs erhalten; das stellt mit Blick auf den geplanten Familiennachzug grundsätzlich einen sinnvollen Schritt dar (vgl. BGE 129 II 249 E. 2.1 S. 252 f.; 124 II 361 E. 3a S. 366). Dies kann die Schweizer Behörden aber nicht bereits dazu verpflichten, den Nachzug ohne Weiteres zu gewähren. Es bleibt weiterhin dabei, dass das Kind die vorrangige familiäre Beziehung zum in der Schweiz wohnenden Elternteil unterhalten und sich der Nachzug als zu dessen Pflege notwendig erweisen muss. Insoweit mag der Beschwerdeführer seit der Einreise seines Sohnes die Beziehung zu ihm intensiviert haben und diese Beziehung für den Sohn gar vorrangig geworden sein. Der gegenwärtige, eigenmächtig unter Missachtung der Pflicht zur Ausreise nach Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes von drei Monaten herbeigeführte Zustand ist indessen unbeachtlich; wegen des beabsichtigten längeren Aufenthaltes hätte vor der Einreise ein entsprechendes Visum eingeholt werden müssen (vgl. Art. 1 und 2 des Abkommens vom 13. Mai 1997 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Republik Kroatien über die gegenseitige Aufhebung der Visumpflicht; SR 0.142.112.911). Die Änderung der Betreuungsverhältnisse kann nicht durch Sachumstände belegt werden, welche Folge einer vorweggenommenen Verlagerung des Lebensmittelpunktes des Kindes zum in der Schweiz weilenden Elternteil darstellen. Die Erforderlichkeit des Nachzugs hat sich vielmehr im Ungenügen der bisherigen Betreuungssituation im Herkunftsland zu offenbaren. Ansonsten könnten die Behörden vor vollendete Tatsachen gestellt werden und wäre der sich rechtskonform verhaltende Ausländer benachteiligt (vgl. BGE 129 II 249 E. 2.3 S. 255). Somit kann sich der Beschwerdeführer - entgegen seiner Ansicht - gerade nicht darauf berufen, die Beziehungsintensität zu seinem Sohn habe sich während dessen Aufenthaltes in der Schweiz von den Grosseltern mütterlicherseits auf ihn verlagert. Unter anderem mit Blick darauf ist auch die Annahme des Verwaltungsgerichts nicht zu beanstanden, das Kind habe vor seiner Ausreise aus der Heimat die vorrangige Beziehung zu den Grosseltern gehabt und das Sorgerecht sei nicht auf Grund einer Verlagerung der Beziehungsintensität übertragen worden. An vorstehenden Ausführungen ändert nichts, dass die Behörden den Aufenthalt des Kindes während des Verfahrens geduldet bzw. einstweilen von Zwangsmassnahmen abgesehen haben. Den Behörden ist keine unangemessene Verzögerung bei ihren Entscheiden vorzuwerfen; der erste ablehnende Entscheid vom 20. November 2001 mit Hinweis auf die Ausreiseverpflichtung erging bereits rund drei Monate nach Antragstellung, wobei der Beschwerdeführer das Urteil, mit dem ihm das Sorgerecht übertragen worden war, sogar erst im Oktober 2001 nachgereicht hatte. Die Beziehungen, die der Beschwerdeführer zu seinem Sohn vor dessen Einreise in die Schweiz unterhalten hat, wird er ausserdem weiterhin pflegen können. 3.2.3 Sodann befindet sich der Sohn, der im Herbst dieses Jahres nach Schweizer Recht volljährig wird, in einem Alter, in dem er nicht mehr der gleichen aufwendigen Pflege wie ein Kleinkind bedarf (vgl. zur Berücksichtigung des Alters des Kindes im Zeitpunkt des Entscheids des Verwaltungsgerichts BGE 124 II 361 E. 4b S. 370). Die heute rund 64-jährigen Grosseltern (im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung 62-jährig), vor allem die Grossmutter, können sich durchaus noch in altersgerechter Art und Weise um ihn kümmern; immerhin bestanden ihre Gebrechen nicht erst seit kurzem, sondern bereits als das Kind von ihnen anfänglich betreut wurde. Ein anderer Schluss drängt sich auch nicht nach den Ausführungen des Beschwerdeführers auf, die sich vor allem auf angebliche Schwierigkeiten wegen des seitherigen Aufenthaltes des Sohnes in der Schweiz beziehen. Im Übrigen sieht der Beschwerdeführer seine Lebensgefährtin als für die Betreuung geeignet an, obwohl sie eine ganze Invalidenrente bezieht. 3.2.4 Einer persönlichen Befragung des Kindes im Verfahren um den Familiennachzug bedurfte es nicht. Zwar ist Art. 12 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (UNO-Kinderrechtekonvention; SR 0.107) unmittelbar anwendbar. Demnach hat ein Kind das Recht, in allen ihn berührenden Angelegenheiten angehört zu werden. Dem wurde vorliegend dadurch genügt, dass sich der Sohn zweimal schriftlich gegenüber den Vorinstanzen geäussert hat und dort unter anderem seinen Wunsch kundtun konnte, bei seinem Vater in der Schweiz zu leben. Insoweit kann zudem davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer vertrete den Standpunkt seines Sohnes (vgl. BGE 124 II 361 E. 3c S. 368). Besondere Umstände, die trotzdem eine persönliche Befragung erfordert hätten, sind nicht ersichtlich und auch nicht geltend gemacht worden. 3.2.5 Aus Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV lassen sich vorliegend keine weiter gehenden Ansprüche ableiten (vgl. BGE 129 II 249 E. 2.4 S. 256; 125 II 585 E. 2e S. 591, 633 E. 3a S. 640). Die Vorinstanz hat durch die Verweigerung der anbegehrten Bewilligung zum Nachzug des Kindes somit weder Bundesrecht noch Art. 8 EMRK verletzt.