Citation: 2C_878/2018 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz hat ausgeführt, bis auf die Feststellung der Hämatome beruhe der Bericht der E.________ AG vom 6. März 2017 einzig auf Aussagen der Beschwerdeführerin und enthalte keine konkreten Ausführungen zu der behaupteten, in der Schweiz erlebten ehelichen Gewalt. Auch gehe aus dem Bericht nicht hervor, woher die Hämatome stammten. Die undatierte Stellungnahme des Hauses F.________ enthalte bis auf den Vorfall vom 8. Dezember 2016 keine konkreten Ausführungen bezüglich häuslicher Gewalt und beruhe ebenfalls ausschliesslich auf Schilderungen der Beschwerdeführerin. Auch der Bericht des Zentrums G.________ vom 25. April 2017, welcher die Merkmale einer schweren, depressiven Episode als erfüllt erachte, enthalte keine konkreten Ausführungen bezüglich ehelicher Gewalt. Dem Schreiben von Dr. H.________ vom 29. Mai 2017 (Zentrum I.________) sei zu entnehmen, dass am 26. Mai 2017 eine psychiatrische Erstuntersuchung stattgefunden habe. Der behandelnde Arzt sehe zwar einen direkten Zusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin und den erlebten Ereignissen sowie der jetzigen sozialen Situation, konkrete Ausführungen zu diesen Ereignissen enthalte der Bericht jedoch nicht. Laut Kurzbericht der Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) vom 14. Juni 2017 sei die Beschwerdeführerin bereits in der Türkei, als sie bei den Schwiegereltern wohnte, von der Schwiegermutter isoliert und kontrolliert worden. Weiter sei gemäss diesem Bericht ihr Ehemann in der Schweiz strikte dagegen gewesen, dass sie Deutsch lerne und in irgendeiner Weise gewisse Selbständigkeit erlangen könne. Es sei keine schwere Körperverletzung begangen worden, die Gewalt sei eher diffus und schwer beweisbar gewesen. Einmal sei sie von ihrem Ehemann gewürgt und mehrmals aus der Wohnung geschmissen worden. Am 8. Dezember 2016 sei sie nach einem heftigen Streit vom Ehemann gewaltsam vor die Tür gestellt worden. Auch dieser Bericht (der FIZ) beruht gemäss Vorinstanz einzig auf Schilderungen der Beschwerdeführerin, wobei ihre Tante (D.________) jeweils übersetzt habe. Von einem Würgevorfall sei erstmals in diesem Bericht die Rede. Ausserdem habe die Beschwerdeführerin kurze Zeit nach ihrer Einreise vom 31. August bis 11. November 2016 einen Deutsch-Semi-Intensiv-Kurs besucht, weshalb die behauptete Isolation durch den Ehemann als fraglich erscheine. Dem Arztbericht der Klinik J.________ vom 30. Mai 2017 ist gemäss Vorinstanz zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin unter anderem berichtet habe, sie leide unter starken Ängsten und sei emotional niedergestimmt. Laut Bericht habe die zunehmende Überforderung in der Ehe vor allem durch das Gefühl, durch ihren Ehemann und die Familie kontrolliert zu werden, den psychischen Stress vermutlich ausgelöst und sich wahrscheinlich am 8. Dezember 2016 kulminiert. Es bestehe ein direkter Zusammenhang zwischen der angegebenen häuslichen Gewalt und dem psychischen Zustand der Beschwerdeführerin, wobei eventuell auch andere Risikofaktoren zur Dekompensation beigetragen haben könnten. Auch dieser Bericht beruht gemäss Vorinstanz einzig auf Schilderungen der Beschwerdeführerin und enthält ebenfalls keine konkreten Ausführungen zur angeblich erlebten ehelichen Gewalt. Auch der Bericht des Zentrums G.________ vom 20. Mai 2017 bejahe einen direkten Zusammenhang zwischen der von der Beschwerdeführerin geschilderten häuslichen Gewalt und ihrer psychischen Verfassung. Allerdings schliesse der Bericht nicht aus, dass auch andere Faktoren wie die Erlebnisse während der ersten Ehe und unsichere Zukunftsperspektiven ausschlaggebend sein könnten. Auch dieser Bericht beruhe einzig auf Schilderungen der Beschwerdeführerin und enthalte keine konkreten Ausführungen zur angeblichen häuslichen Gewalt. Laut dem Schreiben der Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie vom 9. Mai 2018 seien die aktuellen Beschwerden wie Angstzustände und Stimmungsschwankungen durch die häusliche Gewalt der jetzigen Ehe verursacht worden, wobei die aktuelle Ungewissheit betreffend Zukunft für die Beschwerdeführerin unerträglich sei. Gemäss Vorinstanz steht eher der Umgang mit der unsicheren Zukunftsperspektive im Fokus dieses Berichts. Ausserdem sei auffällig, dass der behandelnde Arzt (recte: Psychologe) auf einmal eine solche Stellungnahme abgebe, nachdem die Beschwerdeführerin bereits seit Dezember 2017 bei ihm in Behandlung sei. Insgesamt geht die Vorinstanz davon aus, dass die Beschwerdeführerin psychische Probleme hat und auf eine entsprechende Behandlung angewiesen ist. Die ins Recht gelegten Berichte zeigten jedoch nicht schlüssig und unter Nennung konkreter Gründe auf, inwiefern diese Probleme ausschliesslich oder vor allem auf die behauptete eheliche Gewalt während der Ehe in der Schweiz zurückzuführen seien. Die Beschwerdeführerin habe während ihrer ersten Ehe (in der Türkei) offenbar Gewalt erfahren, weshalb es auch zur Scheidung gekommen sei, und diese Erlebnisse könnten durchaus kausal für ihre psychische Problematik sein. Auch die drohende Rückkehr in ihre Heimat könne zu letzterer beigetragen haben. Es sei auffällig, dass sich die Beschwerdeführerin vom Februar bis Juni 2017 und dann erst wieder im Dezember 2017 in ärztliche Behandlung begeben habe. Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin im Zeitraum von fünf Monaten vier verschiedene ärztliche Zentren aufgesucht habe. Die Beschwerdeführerin vermöge nicht hinreichend substanziiert darzulegen, dass C.________ psychische Gewalt in systematischer Form ausgeübt habe. Grundsätzlich erscheine es zwar glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin am 8. Dezember 2016 eheliche Gewalt erlitten habe. Dieser singuläre Vorfall reiche bezüglich Intensität allerdings nicht, um eheliche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG zu bejahen.