Citation: 1A.299/2000 30.05.2001 E. 3

3.- a) Gestützt auf Art. 47 OR verpflichtete das Geschworenengericht des Kantons Zürich im Urteil vom 7. Februar 1997 den Täter, der Ehefrau des Getöteten Fr. 50'000.-- und den drei minderjährigen Kindern je Fr. 30'000.-- Genugtuung zu zahlen. Zu klären ist zuerst, welche Bedeutung diesem rechtskräftigen Urteil für die Bemessung der vom Staat geschuldeten Genugtuung gemäss Art. 12 Abs. 2 OHG zukommt. b) Liegt ein Urteil eines Zivil- oder Strafgerichts über einen Genugtuungsanspruch gemäss Art. 47 OR vor, in welchem dem Opfer nach umfassenden Sachverhaltsfeststellungen, Beweiswürdigungen und rechtlichen Erwägungen eine Genugtuung in bestimmter Höhe zugesprochen worden ist, sollten die Opferhilfeinstanzen nicht ohne sachliche Gründe von diesem Urteil abweichen. Eine Abweichung rechtfertigt sich, wenn die Opferhilfebehörden aufgrund eigener Beweiserhebungen Tatsachen feststellen, die dem Zivil- oder Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, ferner wenn neue Tatsachen vorliegen, deren Würdigung zu einem abweichenden Entscheid führt, weiter wenn die Beweiswürdigung des Zivil- oder Strafrichters feststehenden Tatsachen klar widerspricht oder wenn dieser bei der Anwendung des geltenden Rechts auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt hat. In reinen Rechtsfragen sind die Opferhilfeinstanzen nicht an die Beurteilung durch den Zivil- oder Strafrichter gebunden. Die zivilrechtlichen Genugtuungsleistungen unterscheiden sich von den opferhilferechtlichen sowohl bezüglich des Schuldners als auch hinsichtlich der Rechtsnatur der Ansprüche. Dies kann zu Unterschieden bei den Anspruchs- und Bemessungskriterien führen. Allerdings erachtet es das Bundesgericht als sinnvoll, wenn sich die Bemessung der Genugtuung nach dem Opferhilfegesetz nicht zu weit von den zivilrechtlichen Grundsätzen entfernt (BGE 124 II 8 E. 3d S. 13 ff.). c) Bei der umstrittenen Bemessung der Genugtuung nach Art. 12 Abs. 2 OHG handelt es sich um eine Rechtsfrage. Die kantonalen Opferhilfebehörden waren daher nicht an die vom Geschworenengericht des Kantons Zürich festgelegten Genugtuungssummen gebunden. Wie in E. 2b dargelegt, dürfen tiefere Lebenshaltungskosten am ausländischen Wohnsitz eines Anspruchsberechtigten bei der Bemessung der Genugtuung ausnahmsweise berücksichtigt werden. Das Strafgericht hatte die Lebenshaltungskosten am Wohnsitz der Beschwerdeführerinnen nicht näher abgeklärt und diese bei der Bemessung der zivilrechtlichen Genugtuung auch nicht beachtet (vgl. Urteil des Geschworenengerichts vom 7. Februar 1997, S. 101, 106 ff.). Die Opferhilfebehörden hatten folglich einen sachlichen Grund, gestützt auf eigene Sachverhaltsfeststellungen eine Neubeurteilung der Höhe der Genugtuung vorzunehmen. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Reduktion der Genugtuungssummen wegen tieferer Lebenshaltungskosten am ausländischen Wohnsitz der Anspruchsberechtigten vorliegen (E. 4) und ob sich das Ausmass der Kürzung sachlich rechtfertigen lässt (E. 5).