Citation: 8C_452/2023 E. 3.4

3.4. Die Beschwerdeführerin scheint sich der Tragweite der Handgelenkspathologien, an welchen der Beschwerdegegner leidet, nicht ganz im Klaren zu sein. Der handchirurgische Sachverständige hielt fest, die geringe Restarbeitsfähigkeit von bestenfalls 15 % vermöge der Beschwerdegegner nur umzusetzen, weil er die Arbeiten in seiner Werkstatt gänzlich frei über den ganzen Tag verteilt verrichten könne. Weiter führte er aus, jede Tätigkeit sei mit Handbelastungen verbunden. So sei der Beschwerdegegner auch im Antiquitätenhandel - welchen er laut seinen Angaben gemäss Gesprächsprotokoll Intake vom 29. Juli 2019 ebenfalls betrieben hatte - eingeschränkt, da er mit Möbeln und Gegenständen hantieren müsse. Selbst eine rein intellektuelle Tätigkeit, die in der Regel das Arbeiten am PC erfordere, wäre nur limitiert ausübbar. Hält man sich diese hochgradigen Einschränkungen vor Augen, kann aus dem Umstand, dass dem Beschwerdegegner gemäss Gutachten der asim die Beschäftigung als Sakristan in einem Pensum von 20 % zumutbar ist, wenig zur Beantwortung der streitigen Frage gewonnen werden. Zudem ist anzunehmen, dass er viele Aufgaben der Kirchgemeinde in zeitlicher Hinsicht ungebunden ausführen kann. Diese Beschäftigung stellt mithin eher einen Nischenarbeitsplatz dar, jedenfalls ist sie bezogen auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht repräsentativ. Weiter sind zwar an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten nach ständiger Rechtsprechung keine übermässigen Anforderungen zu stellen (E. 2.4.1 hievor). Insoweit weist die Beschwerdeführerin zu Recht auf Überwachungs- und Kontrollfunktionen hin, die der Beschwerdegegner wohl uneingeschränkt auszuüben vermöchte. Indessen ist davon auszugehen, dass das Bedienen von Computern und automatisierten Maschinen sowie deren Überwachung und Kontrolle, wenn sie im Einsatz stehen, gewisse minimale Kenntnisse und Fähigkeiten verlangen (vgl. dazu Urteil 9C_304/2018 vom 5. November 2018 E. 5.2.3), über die der Beschwerdegegner, der seit seinem 26. Lebensjahr Möbelstücke restauriert, kaum verfügen dürfte. Mithin ist damit zu rechnen, dass ein potentieller Arbeitgeber den Beschwerdegegner vorerst diesbezüglich ausbilden müsste. Sodann ist zu bemerken, dass die Substanziierungspflicht der Verwaltung bei der Bezeichnung entsprechender Arbeitsgelegenheiten umso weiter geht, je enger umschrieben das Anforderungsprofil und damit der Kreis der geeigneten Verweistätigkeiten ist (Urteil 9C_734/2012 vom 12. Juni 2013 E. 4.1 mit Hinweis). Dies gilt umso mehr, je näher das Ende der Aktivitätsdauer liegt. Die Beschwerdeführerin umschreibt die leichten Hilfsarbeiten, deren Ausübung dem Beschwerdegegner uneingeschränkt möglich sein sollen, nicht. Schliesslich erscheint angesichts des Umstands, dass der Beschwerdegegner selbst beim Bedienen einer PC-Tastatur eingeschränkt ist, die Verwertbarkeit der ihm verbleibenden Arbeitsfähigkeit ohne ein unrealistisches Entgegenkommen eines potentiellen Arbeitgebers nicht wahrscheinlich (vgl. Urteil 9C_21/2022 vom 15. Juni 2022 E. 2.3.1 mit Hinweis). Insgesamt fehlt es an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, weshalb eine vollständige Erwerbsunfähigkeit im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG vorliegt. Das kantonale Gericht hat demnach zu Recht dem Beschwerdegegner eine ganze Invalidenrente zugesprochen und deren Beginn auf den 1. Juli 2020 (Ablauf der Wartefrist gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG) festgesetzt. Die Beschwerde ist insoweit abzuweisen.