Citation: 1P.510/2000 27.06.2001 E. A

A.- Willi Wottreng ist Historiker und Publizist. In den letzten Jahren hat er wissenschaftlich recherchierte historisch-literarische Werke geschrieben. Nunmehr beabsichtigt er, in dieser Art ein Werk über Martin Schippert zu verfassen. Martin Schippert, genannt "Tino", soll der charismatische Gründer und Chef der Rockergruppe "Hell's Angels Switzerland" gewesen sein, welche in der 68-er Bewegung vor allem in Zürich in Erscheinung getreten ist und weitherum bekannt geworden ist. Martin Schippert sowie den Mitgliedern seiner Gruppe wurden damals auch Straftaten vorgeworfen; "Tino" selber wurde mehrmals von zürcherischen Gerichten wegen unterschiedlicher Delikte verurteilt. Er verstarb im Jahre 1981 in Bolivien. Im Hinblick auf die Publikation über "Tino" als Person der Zeitgeschichte ersuchte Willi Wottreng den Präsidenten des Obergerichts des Kantons Zürich um Einsicht in entsprechende Strafakten. Der Obergerichtspräsident beantwortete das Ersuchen am 16. Juni 2000 unter Hinweis auf die Sperrfrist und Gründe des Amtsgeheimnisses und des Datenschutzes abschlägig. Auch ein Wiedererwägungsgesuch von Willi Wottreng blieb erfolglos. Der Präsident des Obergerichts führte am 23. Juni 2000 aus, die ersuchte Einsicht in die Akten sei nach dem kantonalen Archivgesetz bzw. nach der Archivverordnung ausgeschlossen, weil einerseits die Sperrfrist noch nicht abgelaufen sei und Gründe für eine vorzeitige Einsicht nicht vorlägen. Die für Gerichtsakten zur Anwendung kommenden Ausführungsvorschriften des Obergerichts in Verbindung mit der Verordnung über die Akteneinsicht erlaubten die Einsicht ebenfalls nicht, da hierfür ein öffentliches Interesse allein nicht ausreiche und im Falle von wissenschaftlichen Arbeiten die Anonymität der Betroffenen gewahrt werden müsse, was den Absichten von Willi Wottreng entgegenliefe. Gegen diesen Entscheid des Obergerichtspräsidenten erhob Willi Wottreng ohne Erfolg Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich. Dieses verneinte seine Zuständigkeit für ein Geschäft der Justizverwaltung wie dem vorliegenden und trat auf die Beschwerde am 15. September 2000 nicht ein. Erfolglos blieb auch die Beschwerde an das Gesamt-Obergericht des Kantons Zürich. In seinem Beschluss vom 27. September 2000 bejahte dieses grundsätzlich die Möglichkeit einer Aufsichtsbeschwerde an das Obergericht als Gesamtbehörde, trat darauf indessen wegen Ablaufs der Frist und mangels Fristwiederherstellungsgründen nicht ein.