Citation: 5A_444/2023 E. 2.5.1

2.5.1. Gemäss Art. 153 Abs. 2 lit. b SchKG ist unter anderem dem Ehegatten des Schuldners ein Zahlungsbefehl zuzustellen, falls das verpfändete Grundstück als Familienwohnung (Art. 169 ZGB) dient. Dies ist auch der Fall, sofern sich erst im Laufe der Verwertung ergibt, dass das Grundstück eine Familienwohnung darstellt. Damit wird dem Ehegatten ermöglicht, Rechtsvorschlag zu erheben (Art. 88 Abs. 1 VZG). Die Zustellung des Zahlungsbefehls ist nachzuholen, sofern sich im Laufe des Verwertungsverfahrens ergibt, dass es sich beim verpfändeten Grundstück um eine Familienwohnung handelt. Diesfalls ist mit der Verwertung zuzuwarten, bis der Zahlungsbefehl rechtskräftig wird und die sechsmonatige Frist seit der Zustellung abgelaufen ist (Art. 100 Abs. 1 VZG). Diesen Anforderungen liegt der gesetzgeberische Wille zugrunde, die Familienwohnung durch das Zustimmungserfordernis des Ehegatten zur Auflösung des Mietvertrages, zur Veräusserung oder zur dinglichen Belastung - insbesondere in schwierigen Zeiten - vor der einseitigen Entscheidung des anderen zu schützen. Die Regelung von Art. 169 ZGB stellt zwingendes Recht dar und bewirkt die Nichtigkeit des konkreten Rechtsgeschäfts (BGE 142 III 720 E. 4.2.2), und der Vollzug der Verwertung eines verpfändeten Grundstückes ohne Zahlungsbefehl an den Ehegatten ist nichtig (Urteil 5A_825/2020 vom 25. März 2021 E. 5.2.2), unter Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs (Urteil 5A_825/2020 vom 25. März 2021 E. 5.3).