Citation: U 135/05 07.07.2005 E. 6

6.1 Bei festgestellter Abklärungsbedürftigkeit verletzt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung als solche weder den Untersuchungsgrundsatz noch das Gebot eines einfachen und raschen Verfahrens (Art. 108 Abs. 1 lit. a aUVG, in Kraft gewesen bis 31. Dezember 2002; Art. 61 lit. a ATSG, in Kraft seit 1. Januar 2003). Anders verhält es sich nur dann, wenn die Rückweisung an die Verwaltung einer Verweigerung des gerichtlichen Rechtsschutzes gleichkäme (beispielsweise dann, wenn aufgrund besonderer Gegebenheiten nur ein Gerichtsgutachten oder andere gerichtliche Beweismassnahmen geeignet wären, zur Abklärung des Sachverhaltes beizutragen) oder wenn die Rückweisung nach den Umständen als unverhältnismässig bezeichnet werden müsste (RKUV 1993 Nr. U 170 S. 136 Erw. 4a, 1989 Nr. K 809 S. 207 Erw. 4). Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat überdies entschieden, dass eine Rückweisung an die Verwaltung gerechtfertigt ist, wenn eine medizinische Expertise notwendig erscheint, weil der Grundsatz der Kostenlosigkeit des versicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens nicht dazu missbraucht werden darf, dass die Unfallversicherer sich von den oftmals beträchtlichen Kosten derartiger Gutachten zu Lasten der kantonalen Staatskasse befreien können (nicht veröffentlichte Urteile J. vom 24. Februar 1999, U 51/98, M. vom 27. Mai 1993, U 76/92 und J. vom 18. Dezember 1985, U 69/84). 6.2 Im vorliegenden Fall hat die SUVA ihre Leistungspflicht ab 21. Januar 2002 gestützt auf den Untersuchungsbericht ihres Kreisarztes vom 6. März 2002 verneint. Dr. med. B.________ hat in jenem Bericht auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die objektiven Befunde und die aktuelle Arbeitsunfähigkeit des Versicherten richtig "einzuordnen" und festgehalten, man könne davon ausgehen, dass der Vorzustand durch das Unfallereignis vom 27. August 2001 nicht richtungsweisend verschlimmert worden sei, sodass der Fall "1/2 bis 1 Jahr nach Unfallereignis" werde abgeschlossen werden können. Von einer ab 21. Januar 2002 dahingefallenen Unfallkausalität war in jenem Bericht nicht die Rede. Im Einspracheverfahren hat die SUVA dann die unfallmedizinische Stellungnahme des versicherungsinternen Orthopäden Dr. med. M.________ vom 13. Februar 2003 eingeholt, welcher im Wesentlichen zum Schluss kam, es sei eine Abheilung der Unfallfolgen (status quo ante) nach drei bis maximal sechs Monaten anzunehmen, wenn man davon ausgehe, dass der Versicherte beim Unfall vom 27. August 2001 eine Prellung des Beckens und der Lendenwirbelsäule (LWS) erlitten habe. Diese Aktenbegutachtung wurde einzig auf Grundlage der Unfallakten der SUVA erstattet. Weder die vollständigen Akten der Militärversicherung noch die von der Invalidenversicherung beschafften medizinischen Vorakten wurden beigezogen. Für die Beurteilung der ausschlaggebenden Kausalitätsfragen ist aber im vorliegenden Fall eine lückenlose medizinische Dokumentation unerlässlich, weil die kausale Bedeutung einer Krankengeschichte mit vier Vorunfällen und einem krankhaften Vorzustand zu beurteilen ist, der bereits während der Lehrzeit und der Rekrutenschule des Versicherten manifest geworden ist. Die SUVA hat daher die ihr durch den Untersuchungsgrundsatz (Art. 47 Abs. 1 UVG in der bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung; Art. 43 Abs. 1 ATSG, in Kraft seit 1. Januar 2003) auferlegte Pflicht zu richtiger und vollständiger Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes verletzt, indem sie den Einspracheentscheid vom 21. Februar 2003 allein gestützt auf die beiden erwähnten Stellungnahmen zweier versicherungsinterner Ärzte gefällt hat. Abgesehen davon hätte sie - wie erwähnt (vgl. Erw. 3.2 hievor) - die Beweislast für das streitige Dahinfallen der natürlichen Unfallkausalität zu tragen, falls die diesbezüglich massgebenden medizinischen Verhältnisse nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit geklärt werden könnten. Hiefür ist bei einem unabhängigen Spezialarzt ein neues Gutachten einzuholen, dessen Kosten von der beweisbelasteten und abklärungspflichtigen Partei zu tragen sind. Die Streitsache ist daher an die SUVA und nicht an die Vorinstanz zurückzuweisen.