Citation: 6B_763/2020 E. 3.5.3

3.5.3. Im Strafverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 Abs. 1 StPO). Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst die Pflicht der Behörde, alle erheblichen und rechtzeitigen Vorbringen der Parteien zu würdigen und die ihr angebotenen Beweise abzunehmen, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen (BGE 141 I 60 E. 3.3). Über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind, wird nicht Beweis geführt (Art. 139 Abs. 2 StPO). Das Gehörsrecht ist nicht verletzt, wenn die Strafbehörden in vorweggenommener (antizipierter) Beweiswürdigung annehmen können, ihre Überzeugung werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 144 II 427 E. 3.1.3; 141 I 60 E. 3.3). Die Rüge unzulässiger antizipierter Beweiswürdigung prüft das Bundesgericht als Tatfrage nur unter dem Aspekt der Willkür (Art. 97 Abs. 1 BGG; Urteil 6B_159/2021 vom 8. Dezember 2021 E. 2.3.3 mit Hinweisen). Diese Rüge bedarf der qualifizierten Begründung im Sinne von Art. 106 Abs. 2 BGG, andernfalls darauf nicht einzutreten ist (oben E. 1; BGE 146 IV 88 E. 1.3.1; Urteil 6B_1182/2020 vom 4. Januar 2022 E. 3.2). An dieser qualifizierten Begründung fehlt es, wenn der Beschwerdeführer einwendet (Beschwerde S. 10 ff.), die Verurteilung "unter anderem" aufgrund angeblicher Suchanfragen berücksichtige die Sprache in der Pornografie nicht (so bei den Suchanfragen wie "gay teens", "jungs am wichsen" usw., denn auch jung aussehende Personen zwischen 18 und 25 Jahren würden als "teen" bezeichnet); die Verurteilung beruhe auf Suchbegriffen, die nicht zweifelsfrei von ihm stammten und keine eindeutige Zuordnung zu explizit kinderpornografischem Inhalt erlaubten; es sei technisch nicht einmal erstellt, ob er - oder der Nutzer - die Bilder und Videodateien tatsächlich konsumiert bzw. angeschaut hätten und ob die Bilder in für Pornografie "nützlicher" Grösse dargestellt worden seien; es sei nicht abschliessend geklärt, ob die polizeiliche Auswertung nach den Regeln der Kunst erfolgt sei; der Amtsbericht sei nicht von unabhängiger Seite erfolgt; eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Privatgutachten, die durch einen fachlichen Laien nachvollzogen werden könne, sei durch die Vorinstanz nicht erfolgt; berechtigte Zweifel an der Sachdarstellung der Anklage würden übergangen usw. Er sei freizusprechen. Die Vorinstanz verkennt nicht, dass die Unterscheidung von illegaler Pornografie mit Darstellern unter 18 Jahren und legaler Pornografie mit volljährigen Darstellern schwierig sein kann (mit Hinweis auf ISENRING/KESSLER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 22 zu Art. 197 StGB). Eine genaue Auseinandersetzung mit jedem Bild erübrige sich, da der hart-pornografische Charakter der Bilder offensichtlich sei. Bei zwei Videodateien geht die Vorinstanz dagegen "in dubio pro reo" davon aus, dass es sich jeweils um einen volljährigen Mann handeln könnte (Urteil S. 19). Die Vorinstanz widerlegt ferner gestützt auf einschlägige bundesgerichtliche Urteile, dass Suchbegriffe wie "teens" oder "jungs am wichsen" nichts mit Kinderpornografie zu tun hätten (Urteile 6B_997/2018 vom 25. Februar 2019 E. 1.2.2; 6B_180/2015 vom 18. Februar 2016 E. 3.3.3; 6B_557/2015 vom 28. Januar 2016 E. 3). Der Begriff "Jungs" ziele nicht primär auf das Geschlecht, sondern auf das jugendliche Alter ab (Urteil S. 21). In der Gesamtwürdigung besteht für die Vorinstanz kein Zweifel, dass der Beschwerdeführer die bewusst gespeicherten Videodateien auch angesehen und konsumiert hat (Urteil S. 17). In der Folge weist sie den Beweisantrag des Beschwerdeführers auf Erstellung eines (technischen) Gutachtens in antizipierter Beweiswürdigung ab, da keine Unklarheiten mehr bestünden (Urteil S. 18). Die Einwände des Beschwerdeführers sind bloss appellatorischer Natur, mit der sich keine Willkür substanziieren lässt. Der blosse Widerspruch zu Erwägungen der Vorinstanz qualifiziert eine Entscheidung noch nicht als willkürlich (BGE 141 IV 369 E. 6.3). Rein theoretische Zweifel sind nicht relevant (oben E. 1). Es ist weder dargetan noch ersichtlich, dass der Verzicht auf eine technische Begutachtung willkürlich erfolgt wäre (Urteile 6B_159/2021 vom 8. Dezember 2021 E. 2.3.3; 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 1.2.2).