Citation: 6B_1453/2022 E. 1.4.3

1.4.3. Mit der Vorinstanz ist hinsichtlich der öffentlichen Interessen zunächst festzustellen, dass der Beschwerdegegner innert eines relativ kurzen Deliktszeitraums von zweieinhalb Monaten insgesamt 14'089 Zigarettenstangen im Wert von knapp Fr. 1.2 Mio. zum Nachteil seiner (ehemaligen) Arbeitgeberin entwendete, wobei er direktvorsätzlich und nicht aus einer eigentlichen finanziellen Notlage heraus handelte, unter welchen Umständen sein Verschulden als erheblich zu werten ist (vgl. Urteil S. 22). In diesem Zusammenhang berücksichtigt die Vorinstanz zu Recht und ausreichend zu Lasten des Beschwerdegegners, dass ihn die bereits im Februar 2020 bestehenden stabilen familiären Beziehungen nicht vom Delinquieren abzuhalten vermochten (vgl. Urteil S. 23). Leicht zu Gunsten des Beschwerdegegners ist zu gewichten, dass er sich ab der dritten Einvernahme geständig zeigte und sich seit der Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug am 28. Oktober 2021 wohl verhielt. Die Legalprognose des Beschwerdegegners wird jedoch durch seine zahlreichen Vorstrafen erheblich belastet. Dabei weist die Beschwerdeführerin zutreffend darauf hin, dass der Beschwerdegegner während knapp der Hälfte seiner 14-jährigen Anwesenheit in der Schweiz (von 2014 bis 2020) wiederholt delinquierte und weitere eineinhalb Jahre in Haft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug verbrachte, was auch die Vorinstanz berücksichtigt. So gelangt die Vorinstanz übereinstimmend mit der Beschwerdeführerin denn auch zu Recht zum Schluss, dass die wiederholte Delinquenz des Beschwerdegegners auf eine erhebliche Unbelehrbarkeit, Renitenz und Gleichgültigkeit schliessen lasse (Urteil S. 23; Beschwerde S. 6). Ebenso zutreffend führt die Vorinstanz aus, es sei davon auszugehen, dass der erstmalige Strafvollzug deutlichen Eindruck auf den Beschwerdegegner gemacht und einen gewissen Lerneffekt herbeigeführt habe, auf welches Argument die Beschwerdeführerin nicht eingeht (vgl. Urteil S. 23 und 25; Beschwerde S. 6). In gleichem Zusammenhang weist die Vorinstanz ergänzend darauf hin, das vorliegende Strafverfahren werde dem Beschwerdegegner vor Augen geführt haben, dass ihm als Ausländer im Falle einer Verurteilung wegen einer Katalogtat eine mehrjährige Landesverweisung drohe. Diese Einschätzung, wonach der ausgestandene Freiheitsentzug und die drohende Landesverweisung einen abschreckenden Einfluss auf den Beschwerdegegner gehabt haben dürften, ist nicht zu beanstanden. Damit braucht auf die Kritik der Beschwerdeführerin, wonach die Vorinstanz den Sachverhalt betreffend die Frage, was der Beschwerdegegner zum Tatzeitpunkt über die Landesverweisung gewusst habe, unvollständig abgeklärt habe, nicht näher eingegangen zu werden, zumal fraglich erscheint, ob diesbezüglich die qualifizierten Begründungsanforderungen erfüllt sind, da sich die Beschwerdeführerin nicht mit den Ausführungen der Vorinstanz, die sich auf die Aussagen des Beschwerdegegners stützen, auseinandersetzt (vgl. Urteil S. 23 f.; Beschwerde S. 6 f.). Mit der Vorinstanz ist hinsichtlich der Legalprognose sodann zu berücksichtigen, dass sich beim Beschwerdegegner bzw. in dessen Leben eine positive Entwicklung abzeichnet. Diesbezüglich mag es zwar mit der Beschwerdeführerin zutreffen, dass sich die Lebensverhältnisse des Beschwerdegegners zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils nicht wesentlich anders darstellten als zum Tatzeitpunkt (Beschwerde S. 5). Nichtsdestotrotz berücksichtigt die Vorinstanz bei der Interessenabwägung zu Recht, dass sich die Lebenssituation des Beschwerdegegners nach seiner Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug insofern positiv veränderte, als er erfolgreich eine Ausbildung zum Filialleiter abschloss und es ihm trotz seiner (selbstverschuldeten) geringen Chancen auf eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt gelang, in der Gastonomiebranche eine Festanstellung zu einem Vollzeitpensum zu finden. Dabei übersieht die Vorinstanz jedoch nicht, dass es sich bei letzterem um eine "Notlösung" im Hinblick auf die Berufungsverhandlung gehandelt haben dürfte (vgl. Urteil S. 24). Ebenso wenig blendet die Vorinstanz aus, dass der Abschluss des Arbeitsvertrags, die Einigung mit der Privatklägerin über die Abzahlung des anerkannten Schadenersatzes und die Überweisung der ersten Rate nur zwei Wochen vor der Berufungsverhandlung und wohl im Hinblick auf die drohende Landesverweisung erfolgten. Sie hält zutreffend fest, dass dieser Umstand Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Bemühungen des Beschwerdegegners aufkommen lasse, und bewertet die Bewährungsaussichten unter anderem gestützt darauf als zweifelhaft (vgl. Urteil S. 24; Beschwerde S. 5). Schliesslich ist betreffend die Legalprognose festzuhalten, dass sich der Beschwerdegegner seit seiner Entlassung aus dem Strafvollzug zwar wohl verhalten hat, die Bewährungszeit allerdings zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils erst zehn Monate betrug, was keine besondere Leistung darstellt. Angesichts des erheblichen Verschuldens, der zahlreichen Vorstrafen des Beschwerdegegners und der noch bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich der Bewährungsaussichten ist mit der Vorinstanz von erheblichen öffentlichen Interessen an der Anordnung der Landesverweisung auszugehen. Diesen stehen jedoch ebenso erhebliche private Interessen des Beschwerdegegners gegenüber.