Citation: U 298/01 24.06.2003 E. 3

3.1 Beim Unfall vom 1. September 1993 wurde die Beschwerdegegnerin, die sich mit dem Fahrrad auf dem Arbeitsweg befand, von einem Personenwagen angefahren, kam zu Fall und zog sich nebst einer Radiusfraktur sowie einer Knie- und Stirnkontusion namentlich ein Distorsionstrauma der HWS zu. Die äusserlichen Verletzungen wurden ambulant im Spital B.________ behandelt. Auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs und der Verletzungen, welche sich die Beschwerdegegnerin zugezogen hat, ist der Unfall im Rahmen der Einteilung, wie sie für die Belange der Adäquanzbeurteilung praxisgemäss vorzunehmen ist (BGE 117 V 366 Erw. 6a), dem mittleren Bereich zuzuordnen. Angesichts der wenig gravierenden Verletzungen und der Tatsache, dass die Unfallfolgen keine stationäre Behandlung erforderlich machten, ist das Ereignis zu den leichteren Unfällen im mittleren Bereich zu zählen. Damit die Adäquanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden könnte, müsste eines der bei Unfällen im mittleren Bereich heranzuziehenden unfallbezogenen Kriterien gemäss BGE 117 V 366 f. Erw. 6a in besonders ausgeprägter Weise erfüllt, oder die Kriterien müssten in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 117 V 367 Erw. 6b). 3.2 Dies trifft hier nicht zu. Nicht zu verkennen ist wohl, dass die ärztliche Behandlung lange andauerte. Immerhin waren die Therapien auch immer wieder erfolgreich. Erfüllt ist auch das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit (vgl. die Zusammenstellung in RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544), allerdings ebenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise. Nach anfänglich voller Arbeitsunfähigkeit folgte ab Ende Februar 1994 eine längere Periode uneingeschränkter Leistungsfähigkeit (bis Anfang Mai 1995). Anschliessend wurde der Beschwerdegegnerin hälftige Arbeitsunfähigkeit (bis Juni 1995) und hernach eine solche von 10 % (bis Juni 1996) bescheinigt. Seit 1. Juli 1996 beträgt die Arbeitsunfähigkeit durchgehend 30 %. Die übrigen unfallbezogenen Kriterien sind allesamt nicht gegeben. Es kann weder von einer besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls noch einem schwierigen Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen oder von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, die Rede sein. Ebenfalls nicht erfüllt ist das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung. Das Distorsionstrauma der HWS, das die Beschwerdegegnerin erlitten hat, unterscheidet sich nicht von analogen Verletzungen, wie sie im Strassenverkehr bei Auffahrkollisionen täglich auftreten. In seinen Auswirkungen auf die Persönlichkeit, den Alltag und die berufliche Tätigkeit der Versicherten war das Trauma nicht dermassen gravierend, dass eine besondere Art der Verletzung bejaht werden müsste. Schliesslich leidet die Beschwerdegegnerin wiederkehrend an Beschwerden. Diese sind jedoch nicht ausgeprägt, und die Versicherte kann sich mit Hilfe verschiedener therapeutischer Techniken Entlastung verschaffen, weshalb auch das Kriterium der Dauerbeschwerden nicht erfüllt ist. Auf Grund dieser Gesamtwürdigung kommt dem Unfall vom 1. September 1993 keine massgebende Bedeutung für die über den 1. Juli 1998 hinaus anhaltenden Beschwerden und die damit verbundene Einschränkung in der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu. Die National hat ihre Leistungspflicht ab diesem Zeitpunkt somit im Ergebnis zu Recht verneint.