Citation: 7B_155/2022 E. 2.3

2.3. Aus dem Verfahrensgang ergibt sich, dass mit der (ersten) Einstellungsverfügung wegen fahrlässiger Körperverletzung gleichzeitig ein Strafbefehl wegen einfacher Verkehrsregelverletzung ergangen ist. Diese Vorwürfe gehen auf denselben Verkehrsunfall vom 2. Mai 2018 zurück. Bei der ersten wie auch bei der zweiten Einstellungsverfügung vom 25. September 2020, die von der Vorinstanz am 15. November 2021 geschützt wurde, handelt es sich um explizite Teileinstellungsverfügungen. Das vorinstanzliche Argument der impliziten Teileinstellung mittels des Strafbefehls vom 26. August 2019 findet im kantonalen Verfahrensgang keine Stütze, wie der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht (Beschwerde S. 11 f.; vgl. angefochtener Beschluss S. 11), zumal gleichentags eine explizite Einstellungsverfügung ergangen ist, welche der Beschwerdeführer erfolgreich angefochten hat (vgl. oben Sachverhalt lit. B). Mit dieser Begründung lässt sich der vorinstanzliche Beschluss nicht halten. Dies gilt auch in Bezug auf die vorinstanzliche Argumentation hinsichtlich des Grundsatzes "ne bis in idem", welche sich auf eine seither überholte bundesgerichtliche Praxis stützt. Aus der neueren bundesgerichtlichen Praxis, welche auf die von der Vorinstanz zitierte veraltete Rechtsprechung Bezug nimmt (vgl. oben E. 2.2), ergibt sich, dass das verfahrensrechtliche Schicksal des Vorwurfs der einfachen Verkehrsregelverletzung und der fahrlässigen Körperverletzung voneinander unabhängig sind. Denn der Vorwurf der Körperverletzung enthält ein zusätzliches Sachverhaltselement, welches nicht Gegenstand des Verfahrens betreffend Verkehrsregelverletzung bildet. Dass sowohl mit dem Vorwurf der Verkehrsregelverletzung als auch mit demjenigen der Körperverletzung (auch) der Vorwurf der Sorgfaltspflichtverletzung verbunden sein mag, ist unerheblich. Die rechtskräftige Beurteilung hinsichtlich der Verkehrsregelverletzung steht einem Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung nicht entgegen. Die Vorinstanz verletzt Bundesrecht, wenn sie gestützt auf den Grundsatz "ne bis in idem" die staatsanwaltschaftliche Verfahrenseinstellung schützt. Der angefochtene Beschluss ist aufzuheben und die Sache an die Staatsanwaltschaft zur Weiterführung der Strafuntersuchung zurückzuweisen (Art. 107 Abs. 2 Satz 2 BGG).