Citation: 4A_55/2022 E. 6.2

6.2. Für die Erfassung eines allfälligen kartellrechtlichen Marktmissbrauchs ist vorerst eine Marktabgrenzung vorzunehmen. Die Vorinstanz ging von folgenden relevanten Märkten aus: (1) dem Markt für die Herstellung und den Verkauf von Prestigeuhren (Primärmarkt); (2) dem Markt für die Dienstleistungen der Reparatur und Wartung (Sekundär- bzw. Anschlussmarkt) und (3) dem Markt für Ersatzteile (Sekundär- bzw. Anschlussmarkt). Damit folgte sie der Abgrenzung des EuG im Urteil CEAHR/Kommission (Rz 13 ff.). Vorliegend - so die Vorinstanz weiter - stellten der Primärmarkt und die verbundenen Anschlussmärkte getrennte Märkte dar. Sodann sei im Anschlussmarkt für Reparatur- und Wartungsdienstleistungen von einer begrenzten Substituierbarkeit auszugehen, da die Reparatur und der Unterhalt von Prestigeuhren oftmals markenspezifische Ersatzteile und Reparaturausrüstung sowie markenspezifisches technisches Wissen benötige. Es sei daher von mehreren getrennten Märkten für Reparatur- und Wartungsdienstleistungen auszugehen, die grundsätzlich auf eine Uhrenmarke beschränkt seien. Auch im Anschlussmarkt für Ersatzteile sei von getrennten, auf bestimmte Uhrenmarken beschränkten Märkten auszugehen, welche geographisch zumindest den EWR erfassen würden. Schliesslich sei auch ein Markt für die Lieferung von Ersatzteilen abzugrenzen, der wiederum markenspezifisch und geographisch auf den EWR beschränkt sei. Auf jedem dieser markenspezifischen Ersatzteilmärkten seien die Beschwerdegegnerinnen bis zum 31. Dezember 2015 im Wettbewerb mit den Grosshändlern gestanden. Ab dem 1. Januar 2016 sei von einer marktbeherrschenden Stellung der Beschwerdegegnerinnen auf jedem dieser markenspezifischen Uhrenersatzteilmärkten auszugehen, da die Grosshandelsstufe unbestrittenermassen nicht mehr bestehe und die Beschwerdegegnerinnen somit als Monopolistinnen die einzigen Herstellerinnen und Lieferantinnen von Uhrenersatzteilen ihrer Marken seien. Die Beschwerdegegnerinnen bestreiten, dass eine markenspezifische Marktabgrenzung korrekt ist. Dies könne jedoch offenbleiben, da sie - selbst wenn von dieser Marktabgrenzung ausgegangen werde - nicht gegen Art. 102 AEUV (bzw. das englische Kartellrecht) verstossen hätten. Da die Parteien die von der Vorinstanz vorgenommene Marktabgrenzung nicht hinreichend rügen (vgl. E. 4.2 hiervor), hat das Bundesgericht von dieser auszugehen.