Citation: 9C_142/2024 E. 1.3.3

1.3.3. Die Frage nach dem hinreichenden schutzwürdigen Interesse tatsächlicher oder rechtlicher, aktueller und praktischer Natur weist auch eine spezifisch abgaberechtliche Dimension auf. 1.3.3.1. Von einem schutzwürdigen Interesse an der Aufhebung oder Änderung einer Veranlagungsverfügung ist grundsätzlich auszugehen, wenn hinsichtlich der streitbetroffenen Steuerperiode um tiefere Steuerfaktoren bzw. insgesamt um eine niedrigere Steuerbelastung nachgesucht wird (Urteile 2C_233/2017 vom 13. April 2018 E. 2.2, 2C_253/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 3.2). Dabei kann es sich unter Umständen auch erst um eine künftige Steuerperiode handeln. Denkbar ist ferner, dass das Rechtsmittel zwar ohne abgaberechtliche Wirkung bleibt, es aber insofern bedeutsam ist, als andere Rechtsgebiete auf die abgaberechtliche Beurteilung abstellen; dies kann ein hinreichendes schutzwürdiges Interesse begründen (vgl. zum Ganzen, insbesondere zur Zurückhaltung der Annahme eines schutzwürdigen Interesses im zuletzt genannten Fall Urteil 9C_416/2023 vom 16. Mai 2024 E. 2.3.1 m.w.H., zur Publikation vorgesehen). 1.3.3.2. Während das Rechtsschutzinteresse bei so genannten Nullveranlagungen in aller Regel fehlt (vgl. Urteil 9C_416/2023 vom 16. Mai 2024 E. 2.3.2 m.w.H., zur Publikation vorgesehen), ist es ausnahmsweise selbst bei beantragter Höherveranlagung zu bejahen, nämlich dann, wenn dadurch in einer Folgeperiode niedrigere Steuern anfallen oder beispielsweise ein ansonsten drohendes Nachsteuer- oder Steuerhinterziehungsverfahren abgewendet werden kann (Urteile 9C_416/2023 vom 16. Mai 2024 E. 2.3.2 m.w.H., zur Publikation vorgesehen; 9C_446/2023 vom 26. Juli 2023 E. 2.2.2; 9C_611/2022 vom 14. März 2023 E. 2.3.2.3 mit Hinweisen, in: StE 2023 B 92.7 Nr. 13; 2C_1000/2021 vom 29. Dezember 2022 E. 2.2; 2C_392/2020 vom 1. Juli 2020 E. 2.4.3). Die Beschwerdeführer haben im kantonalen Verfahren verfochten, der Miteigentumsanteil des Beschwerdeführers an der Liegenschaft D.________ sei im Zuge der Liquidation des Einzelunternehmens im Jahr 2020 zum von der kantonalen Steuerverwaltung ermittelten Verkehrswert von Fr. 572'750.- vom Geschäftsvermögen ins Privatvermögen überführt worden und dementsprechend sei im Rahmen der Besteuerung des Gewinns aus der Liquidation des Einzelunternehmens (nur) die Differenz zwischen dem Verkehrswert und dem Buchwert einkommenssteuerlich zu erfassen. Der beim Verkauf des Miteigentumsanteils im Jahr 2021 erzielte Gewinn unterliege nicht (mehr) der direkten Bundessteuer, sondern allein der Grundstückgewinnsteuer. Dagegen hat die Vorinstanz den Miteigentumsanteil weiterhin als Teil des Geschäftsvermögens des Beschwerdeführers betrachtet. Konsequenz daraus ist, dass in der Steuerperiode 2020 mit Bezug auf den Miteigentumsanteil kein steuerbarer Liquidationsgewinn aus der Überführung von Geschäfts- und Privatvermögen anfällt, hingegen nach dem Verkauf der Liegenschaft 2021 sowohl bei der direkten Bundessteuer als auch bei den kantonalen Steuern einkommenssteuerlich ein Liquidationsgewinn zu erfassen wäre. Damit liegt hier zunächst jedenfalls mit Bezug auf die direkte Bundessteuer eine von der Rechtsprechung anerkannte Ausnahmesituation vor, indem nämlich die von den Beschwerdeführern verlangte höhere Veranlagung bedeuten würde, dass zwar 2020 ein Liquidationsgewinn zu besteuern wäre; in der folgenden Steuerperiode 2021 wäre dagegen im Zusammenhang mit dem Verkauf der Liegenschaft der daraus resultierende - infolge des den Überführungswert erheblich übersteigenden anteiligen Verkaufspreises höhere - Gewinn nicht mit der direkten Bundessteuer zu erfassen. Über die Steuerperioden 2020 und 2021 zusammen betrachtet führt somit die von den Beschwerdeführern vertretene Qualifikation des Miteigentumsanteils als Privatvermögen infolge Überführung im Jahr 2020 zu einer niedrigeren Steuerlast, so dass das rechtlich geschützte Interesse an der beantragten Höherveranlagung zu bejahen ist. Ebenso darf auch für die kantonalen Steuern davon ausgegangen werden, dass der Verkauf der Liegenschaft 2021 infolge des Besitzesdauerabzugs bei der Grundstückgewinnsteuer im Ergebnis eine niedrigere Steuerlast auslösen würde, als wenn der Gewinn aus dem Verkauf - gemäss der Qualifikation des Miteigentumsanteils durch die Vorinstanz als Geschäftsvermögen - mit der kantonalen Einkommenssteuer zu erfassen wäre (vgl. Urteil 2C_392/2020 vom 1. Juli 2020 E. 2.4.1). Auch mit Bezug auf die kantonalen Steuern ist daher das Vorliegen einer Ausnahmesituation zu bejahen, in der trotz eines Antrags auf Höherveranlagung ein schutzwürdiges Interesse an der Beurteilung der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten besteht.