Citation: 8C_41/2021 E. 5.2

5.2. Hiegegen wendet die Beschwerdeführerin ein, die Anwendung der Praxisänderung von BGE 145 V 215 begründe nicht automatisch einen Rechtsanspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bei Vorhandensein einer Suchtkrankheit. Die im sozialversicherungsrechtlichen Kontext geltende Schadenminderungspflicht gelange auch bei versicherten Personen zur Anwendung, die unter einem Abhängigkeitssyndrom litten. Auch von diesen könne die aktive Teilnahme an zumutbaren medizinischen Behandlungen verlangt werden (Art. 7 Abs. 2 lit. d IVG). Auch bei primären Abhängigkeitssyndromen bleibe nach BGE 145 V 215 eine sorgfältige Leistungsprüfung im Einzelfall nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 unerlässlich. Das tiefe Beweismass des blossen Glaubhaftmachens eines Neuanmeldungsgrundes lasse einen Eintretensentscheid nicht als derart unwahrscheinlich erscheinen, um in Anwendung der Ausnahmeregelung für das Eintreten auf ein Neuanmeldungsgesuch allein die Praxisänderung von BGE 145 V 215 genügen zu lassen. Im gleichen Sinne argumentiert das BSV. Aus der geänderten Praxis nach BGE 145 V 215 folge nicht per se ein Anspruch auf eine Invalidenrente. Eine Verletzung des Rechtsgleichheitsgebots liege bei versicherten Personen, deren Leistungsgesuch aufgrund einer primären Suchtkrankheit abgelehnt wurde, nicht vor. Auch bei Abhängigkeitssyndromen bestehe - wie bei den meisten Erkrankungen - kein direkter Zusammenhang zwischen Diagnose und Arbeitsunfähigkeit bzw. Invalidität. Mit der Neuanmeldung werde nicht direkt ein Rentenanspruch ausgelöst. Doch genüge für eine nicht schlechterdings unmöglich erscheinende Neubeurteilung bereits die Glaubhaftmachung einer Tatsachenänderung. Die Beschwerdeführerin habe auch mit Blick auf das Rechtsgleichheitsgebot die Praxisänderung von BGE 145 V 215 zu Recht nicht als Neuanmeldungsgrund anerkannt.