Citation: I 49/01 03.05.2001 E. 3

3.- a) Vorinstanz und Verwaltung gehen bei einer dem Rückenleiden angepassten Tätigkeit als Hilfskraft auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt von einem Invaliditätsgrad von 28 % aus. Sie stützen sich bei der Ablehnung des Anspruchs zur Hauptsache auf das durch die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft in Auftrag gegebene Gutachten des ZMB vom 10. Dezember 1998 und die vom 7. Juni bis 2. Juli 1999 durchgeführten beruflichen Abklärungen im Werkstätten- und Wohnzentrum Basel (BEFAS; Bericht vom 21. Oktober 1999), gemäss welchen der Versicherte in Übereinstimmung mit dem Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS, vom 21. April 1994) aus somatischer Sicht zwar vollzeitig arbeiten, jedoch nur noch leichtere Tätigkeiten ohne Heben und Tragen schwerer Gewichte mit wechselnder Belastung ausüben kann. Die bisherige Tätigkeit auf dem Bau wird als nicht mehr zumutbar erachtet. Dies bei einem diagnostizierten chronischen Lumbovertebralsyndrom mit beidseitigen Beinschmerzen und abnormem Krankheitsverhalten mit Verdacht auf eine mediane Rezidivhernie L5/S1 bei Status nach Diskushernienoperation L5/S1 links am 4. November 1992. Was den psychischen Gesundheitszustand betrifft, stützen sich Vorinstanz und Verwaltung massgeblich auf die Stellungnahme des Facharztes Dr. W.________ (im Gutachten des ZMB vom 10. Dezember 1998), wonach keine eigentliche psychiatrische Erkrankung mit Hinweisen auf eine depressive Entwicklung vorliege und sein Verhalten auf die psychosoziale Belastungssituation zurückzuführen sei. Der Beschwerdeführer rügt eine einseitige gerichtliche Würdigung der Berichte und Gutachten. Er verweist dazu auf ein mit dem ZMB-Gutachten, welches er als oberflächlich betrachtet, hinsichtlich der Schätzung der Arbeitsfähigkeit nicht übereinstimmendes Attest des Dr. N.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Februar 2000. Dieser weise entgegen Dr. W.________ auf eine depressive Entwicklung hin. Der Aussage des Dr. N.________ sei zudem mehr Gewicht zu verleihen, da der Versicherte seit April 1999 in dessen Behandlung stehe und dieser Arzt somit zuverlässigere Diagnosen stellen könne. Aufgrund der widersprüchlichen Aussagen der beiden Psychiater sei eine weitere Expertise einzuholen, welche zu den geklagten psychischen Beschwerden wie auch zur generellen Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen habe. b) Dies führt zur Frage, ob gestützt auf die medizinischen Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung der streitigen Ansprüche möglich ist. Die Gutachter haben dabei zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen, und diese Ausführungen bilden eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen (vgl. BGE 105 V 158 Erw. 1 in fine). Letztlich obliegt es jedoch der rechtsanwendenden Behörde - der Verwaltung oder im Streitfall dem Gericht - zu beurteilen, ob Invalidität im Rechtssinne (Art. 4 Abs. 1 IVG), bejahendenfalls solche rentenbegründender Art (Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 28 f. IVG) eingetreten ist. Zu diesem Zweck sind die Gutachten im Lichte des objektivierten Zumutbarkeitsbegriffes gemäss ständiger Rechtsprechung zu Art. 4 Abs. 1 IVG (BGE 102 V 165 ff.) frei zu würdigen. Die Vorinstanz hat in einlässlicher Würdigung der medizinischen Akten dargetan, weshalb kein Anlass besteht, von der Expertise des ZMB vom 10. Dezember 1998, welche auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist und in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet, abzuweichen. Aus psychiatrischer Sicht des Dr. W.________ ergab sich weder ein psychisches noch psychosomatisches Beschwerdebild erheblichen Ausmasses. Das letztinstanzlich eingereichte Zeugnis des Dr. N.________ ist dagegen weniger differenziert und leitet aus der angenommenen depressiven Entwicklung eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit ab, ohne diese näher zu begründen oder schlüssig darzulegen. Die Hausärzte des Versicherten, Frau Dr. S.________ und Dr. M.________ weisen zwar ebenfalls auf eine psychische Überlagerung des somatoformen Schmerzsyndroms hin, erachten dies jedoch übereinstimmend als Ausfluss der massiven sozialen Probleme und allgemeinen Hilflosigkeit des Beschwerdeführers (Berichte vom 2. Juli 1998 und 26. September 1994), wobei die Hausärztin nochmals um eine interdisziplinäre Begutachtung bat, welche daraufhin im ZMB erfolgte. Die depressive Entwicklung konnte aus fachärztlicher Sicht des Dr. W.________ nicht bestätigt werden. Die Einwände des Beschwerdeführers gegen das Gutachten des ZMB, namentlich den darin enthaltenen Bericht des Psychiaters Dr. W.________, vermögen dessen Schlussfolgerungen nicht zu erschüttern. Wenn der Versicherte bemängelt, ein einziges Gespräch reiche nicht aus für eine fachgerechte psychiatrische Begutachtung, ist ihm entgegenzuhalten, dass die Anforderungen, die an eine medizinische Begutachtung zu stellen sind, mit den Expertisen der MEDAS und des ZMB - bei einer zweimaligen, mehrtägigen polydisziplinären Abklärung - erfüllt sind. Die Schlussfolgerungen des ZMB sind einleuchtend und nachvollziehbar. Unter diesen Umständen hat das kantonale Gericht zu Recht auf die Einholung eines weiteren psychiatrischen Gutachtens verzichtet, da von einer zusätzlichen fachärztlichen Stellungnahme keine zu einem abweichenden Ergebnis führenden Erkenntnisse zu erwarten gewesen wären, sodass auch letztinstanzlich davon abgesehen werden kann (BGE 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweisen). Zusammenfassend ergibt sich, dass ein rentenbegründender Invaliditätsgrad psychischen Ursprungs nicht hinreichend belegt ist. Es kommt entscheidend darauf an, ob der Versicherte von seiner psychischen Verfassung (und nicht von seinem soziokulturellen Kontext) her besehen, an sich die Möglichkeit hat, trotz seiner subjektiv erlebten Schmerzen eine Arbeit zu verrichten. Dies ist vorliegend aufgrund des Gutachtens des Dr. W.________ und in Würdigung der übrigen Arztberichte zu bejahen. Somit ist dem Beschwerdeführer sowohl aus physischer wie aus psychischer Sicht zumutbar, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einer ganztägigen, körperlich leichten und rückenangepassten Arbeit nachzugehen.