Citation: 4C.327/2004 22.12.2004 E. 4

Weiter wird in der Berufung geltend gemacht, das Kantonsgericht habe Art. 8 ZGB verletzt, indem es die Ersatzpflicht der Beklagten bejaht habe, ohne hiefür einen Kausalitätsbeweis zu verlangen. Zudem sei in bundesrechtswidriger Weise die adäquate Kausalität bejaht worden. 4.1 Soweit die Beklagte eine Verletzung von Art. 8 ZGB beanstandet, erweist sich die Berufung als unbegründet. Dem angefochtenen Urteil kann entnommen werden, dass das Kantonsgericht bei der Beurteilung der Kausalität im Wesentlichen auf das Gutachten von Dr. F.________ abgestellt hat. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Vorinstanz ohne Kausalitätsbeweis entschieden und damit Art. 8 ZGB verletzt habe. Soweit mit der Berufung beanstandet wird, das Kantonsgericht habe - im Unterschied zum Bezirksgericht - die Kausalität gestützt auf das Gutachten von Dr. F.________ zu Unrecht bejaht, wendet sich die Beklagte gegen die Beweiswürdigung, die im Berufungsverfahren nicht überprüft werden kann (BGE 130 III 591 E. 5.4 S. 601 f. m.w.H.). Insofern ist auf die Berufung nicht einzutreten. 4.2 Weiter beanstandet die Beklagte, das Kantonsgericht habe die adäquate Kausalität in bundesrechtswidriger Weise bejaht, weil bei einer Heckkollision eines mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h fahrenden Autos mit einem stehenden Fahrzeug nicht von einem Unfallereignis gesprochen werden könne, welches die hier zu beurteilende Gesundheitsstörung nach mehr als drei Jahren adäquat kausal verursacht habe. Soweit die Beklagte mit diesem Einwand die Geringfügigkeit des Unfallereignisses anspricht und damit einen adäquaten Kausalzusammenhang von vornherein ausschliessen will, ist ihr entgegenzuhalten, dass die Adäquanz nach der Rechtsprechung im Haftpflichtrecht - im Unterschied zur Sozialversicherung (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366) - nicht nach der Schwere des Unfallereignisses zu beurteilen ist (BGE 123 III 110 E. 3a S. 113). Weiter kritisiert die Beklagte, dass die Adäquanz ohne zeitliche Beschränkung bejaht worden sei, obwohl der Gutachter Dr. F.________ festgestellt habe, dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht sei und die fachärztliche Beurteilung daher als vorläufige bezeichnet werden müsse. Dazu ist zu bemerken, dass die Beklagte selbst den adäquaten Kausalzusammenhang für den Zeitraum vom Unfallereignis vom 19. Juni 1996 bis zum 30. September 1999 - und damit über den Zeitpunkt der Begutachtung von Dr. F.________ vom 29. Mai 1998 - für gegeben hält. Streitig ist die Adäquanz also nur noch mit Bezug auf den Zeitraum vom 30. September 1999 bis zum 31. Januar 2000. Die Vorinstanz hat die Frage zwar nicht explizit behandelt, ist aber sinngemäss insoweit von einer Dauerschädigung ausgegangen, als sie aufgrund von Art und Intensität der unfallbedingten Gesundheitsstörung, die nach fast zwei Jahren gutachterlich festgestellt wurde, deren Andauern auch noch während des streitigen Zeitraumes angenommen hat. Es ist daher unter dem Gesichtspunkt des adäquaten Kausalzusammenhangs nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz die Haftung der Beklagten für die gesamte Zeit bis am 31. Januar 2000 bejaht hat.