Citation: 9C_145/2024 E. 4.1

4.1. Die Vorinstanz erwog, ein Geschäftsführer hafte ab seinem Amtsantritt nicht nur für die gehörige Sorgfalt mit Blick auf die Begleichung der laufend fällig werdenden, sondern auch für die bereits fällig gewordenen Beiträge. Die Haftung entfalle lediglich bei einem vorbestehenden Schaden, welcher nicht bereits zu bejahen sei, wenn beim Amtsantritt offene, fällige Beitragsforderungen beständen, sondern erst, wenn die Gesellschaft schon vor Eintritt des neuen Mitgliedes zahlungsunfähig sei. Da aber eine Zahlungsunfähigkeit der B.________ GmbH beim Amtsantritt des Beschwerdeführers weder dargetan noch ersichtlich sei, müsse vom Regelfall ausgegangen werden, wonach der Schaden erst mit der Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven entstanden sei. Was die Höhe des von der Ausgleichskasse geltend gemachten Schadens anbelange, habe der Beschwerdeführer nicht im Ansatz Anhaltspunkte dafür vorgetragen, dass die zugrunde gelegten Lohnsummen unrichtig wären. Für die im Jahr 2018 ausgerichteten Löhne habe sich die Kasse auf die Lohndeklaration vom 19. März 2019 mit einer detaillierten Aufstellung sämtlicher Arbeitnehmenden inkl. Versichertennummern, Beschäftigungszeitraum sowie massgebendem Lohn abgestützt, für das Jahr 2019 (mangels Erhältlichkeit anderer Dokumente) auf eine Prognose der Arbeitgeberin zur voraussichtlichen Lohnsumme in derselben Erklärung. Dass die Lohnbescheinigung möglicherweise nicht vom Beschwerdeführer, sondern von einer Hilfsperson unterzeichnet worden sei, lege weder eine Urkundenfälschung nahe (es lasse sich nicht entziffern, dass die betreffende Person als "A.________" unterschrieben hätte) noch stehe es einem Abstellen der Ausgleichskasse auf das entsprechende Dokument entgegen, zumal hier das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Anwendung finde. Dies gelte umso mehr, als der Beschwerdeführer behaupte, keinen Einblick in den Geschäftsgang der Gesellschaft gehabt zu haben. Seiner Argumentation betreffend den Nachweis der Beitragsforderung könne nicht gefolgt werden, denn sie liefe darauf hinaus, die Pflichtvergessenheit und (wohl bewusst) intransparente Organisation der B.________ GmbH und ihrer Organe dadurch zu honorieren, dass die Gesellschaft jeglicher Beitragspflicht entgehen könnte. Der Beschwerdeführer, der sich als Marionette seines Geschäftspartners C.________ (vormaliger Geschäftsführer) darstelle, habe keinerlei Anstalten gemacht, seiner Aufsichtspflicht als Geschäftsführer nachzukommen und für die Leistung der geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge zu sorgen, und damit grobfahrlässig und schuldhaft gehandelt. Er vermöge sich auch nicht durch die Behauptung von Urkundenfälschungen seitens C.________ zu exkulpieren. Es erstaune nicht, dass der Beschwerdeführer keine Strafanzeige erstattet habe, sei doch viel naheliegender, dass Hilfspersonen die entsprechende Lohnbescheinigung ausgefüllt und unterzeichnet hätten, wobei nicht ersichtlich sei, inwiefern dies den Tatbestand der Urkundenfälschung erfüllen sollte. Der Beschwerdeführer habe sich in eklatanter Verletzung seiner Pflichten als Geschäftsführer nie um die Meldung der beitragspflichtigen Löhne gekümmert; die Aufgabe sei offenbar ohne sein Zutun und Wissen durch einen unbekannten Dritten erledigt worden. Das schuldhafte Versäumnis des Beschwerdeführers sei ohne Weiteres auch adäquat kausal für den der Ausgleichskasse entstandenen Schaden, weil es dazu geführt habe, dass die zugrunde liegenden Beitragsforderungen vor dem Konkurs der Gesellschaft nicht beglichen worden seien.