Citation: U 503/06 07.11.2007 E. 2.2

2.2.1 Zu ergänzen ist, dass die zum HWS-Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung betreffend Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs sinngemäss anzuwenden ist, wenn sich die Folgen eines Schädelhirntraumas mit jenen eines HWS-Schleudertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 369 E. 4b S. 382). Die Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 369 kommt indessen nicht bereits zur Anwendung, wenn eine Verletzung diagnostiziert ist, die als Commotio cerebri bzw. auch als (leichtes) Schädelhirntrauma bezeichnet wird. Massgebend ist vielmehr, ob das in BGE 117 V 369 E. 4b S. 382 beschriebene bunte Beschwerdebild als natürlich-kausale Folge eines erlittenen Schädelhirntraumas vorliegt (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 370/05 vom 1. Mai 2006, E. 3.2 mit Hinweis). Gleiches gilt im Rahmen der Diagnose eines HWS-Schleudertraumas bzw. einer diesem äquivalenten Verletzung (BGE 117 V 359 E. 4b S. 360; zur Bedeutung der Latenzzeit von höchstens 72 Stunden für das Auftreten der Beschwerden vgl. SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75 E. 5, U 215/05, RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29, Urteil des Bundesgerichts U 88/06 vom 18. Juli 2007, E. 4.1). 2.2.2 Die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 ff. kommt dann zur Anwendung, wenn bei der versicherten Person schon vor dem Unfall psychische Beschwerden vorlagen, die durch diesen verstärkt wurden (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 327, U 273/99). Gleiches gilt, wenn die im Anschluss an den Unfall auftretenden psychischen Störungen nicht zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Traumas gehören. Erforderlichenfalls ist vorgängig der Adäquanzbeurteilung zu prüfen, ob es sich bei den im Anschluss an den Unfall geklagten psychischen Beeinträchtigungen um blosse Symptome des erlittenen Traumas oder aber um eine selbstständige (sekundäre) Gesundheitsschädigung handelt, wobei für die Abgrenzung insbesondere Art und Pathogenese der Störung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren oder der Zeitablauf von Bedeutung sind (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79, U 96/00). Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437, U 164/01, schliesslich dargelegt hat, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nur dann im Sinne von BGE 123 V 98 E. 2a S. 99 unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung zu beurteilen, wenn die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufwies. Wird die Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 98 E. 2a S. 99 in einem späteren Zeitpunkt angewendet, ist zu prüfen, ob im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Nur wenn dies zutrifft, ist die Adäquanz nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) zu beurteilen (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 328/06 vom 25. Juli 2007, E. 2.2).