Citation: U 457/04 23.03.2005 E. 4

4.1 Dr. med. D.________ kommt in seinem einlässlichen Gutachten vom 19. Oktober 2002, welches sich auf die Vorakten, eigene anamnestische und fremdanamnestische Erhebungen und Untersuchungen einschliesslich einer umfassenden verhaltensneurologischen/neuropsychologischen Untersuchung, einer radiologischen Beurteilung der HWS sowie ein psychiatrisches Teilgutachten stützt, zum Schluss, dass insgesamt von einem anlässlich des Unfalles vom 10. November 1999 erlittenen Abknicktrauma der HWS auszugehen sei, welcher persistierende und rezidivierende cervicale, cervico-cephale und cervicobrachiale Beschwerden zur Folge gehabt habe. Wiederholte Befundbeschreibungen zeigten immer wieder ein ausgeprägtes Cervicalsyndrom mit schmerzhafter Funktionseinschränkung. Weder die verschiedenen durchgeführten Therapien noch die stationäre Behandlung hätten indessen die Beschwerden zu lindern vermocht. Vielmehr gebe die Versicherte weiterhin ausgeprägte Schmerzen an. Anlässlich der gutachterlichen Untersuchung habe ein mässiges Cervicalsyndrom mit leichter, schmerzhafter Funktionseinschränkung ohne neurologische Ausfälle festgestellt werden können. Die radiologischen Untersuchungen hätten ebenfalls eine Funktionseinschränkung ergeben, welche als schmerzbedingt zu beurteilen sei, ohne dass relevante degenerative Befunde zu verzeichnen wären. Nachdem die Versicherte gemäss ihren glaubhaften Angaben vor dem Unfall keine Probleme mit der HWS gehabt habe, seien die diesbezüglichen Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den fraglichen Unfall zurückzuführen. Bezüglich der geklagten kognitiven Störungen in Form von Gedächtniseinschränkungen, verminderter Konzentrationsfähigkeit, vermindertem Antrieb, reduzierter Emotionskontrolle und sprachlichen Störungen hält der Experte, in Übereinstimmung mit den Ärzten der Klinik Y.________ fest, die Wahrscheinlichkeit, dass diese auf eine zusätzliche leichte traumatische Hirnverletzung zurückzuführen wären, sei gering, da weder eine Bewusstlosigkeit noch mnestische Lücken anlässlich des Unfalles vorlägen. Aufgrund der Unfallanamnese, der glaubhaft persistierenden Schmerzen infolge der HWS-Verletzung und der von Dr. med. P.________ im psychiatrischen Teilgutachten erhobenen Befund einer histrionischen Persönlichkeit, einer Somatisierungsstörung im Sinne einer Konversionsstörung, einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatische Symptome sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung erscheine es als deutlich wahrscheinlicher, dass die nach wie vor feststellbaren neuropsychologischen Defizite in der Schmerzproblematik und den psychiatrischen Befunden begründet lägen. Es bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass die Versicherte bereits vor dem Unfall an kognitiven Einschränkungen gelitten habe. Zum medizinischen Vorzustand hält der Gutachter fest, bezüglich des cervicocephalen Symptomenkomplexes und der neuropsychologischen Funktionsstörungen bestünden keine relevanten fassbaren Vorzustände. Hingegen seien die hystrionische Persönlichkeit und deren Auswirkungen im posttraumatischen Verlauf als vorbestehend zu betrachten. Für den therapieresistenten Verlauf sei in wesentlichem Ausmass die vom Psychiater diagnostizierte Persönlichkeitsstruktur verantwortlich. Laut Dr. med. P.________ ist die von ihm aus psychischen Gründen attestierte volle Arbeitsunfähigkeit zur einen Hälfte der posttraumatischen Störung zuzuschreiben und zur anderen Hälfte der schon vor dem Unfall bestandenen histrionischen Persönlichkeit, die eine Depression sowie eine Somatisierungsstörung nach sich gezogen habe. 4.2 Aus dem Gutachten erhellt, dass nicht sämtliche festgestellten Erscheinungsformen zum typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der HWS (vgl. BGE 117 V 360 Erw. 4b) gehören. Damit stellt sich die Frage, ob die psychogene Ausweitung des Beschwerdebildes die übrigen Beschwerden ganz in den Hintergrund treten lässt mit der Folge, dass die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nach Massgabe von BGE 115 V 133 zu beurteilen wäre. Die Vorinstanz hat dies bejaht, während sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt stellt, eine psychische Problematik habe nicht im Vordergrund gestanden, weshalb für die Adäquanzbeurteilung die Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359 massgebend sei.