Citation: 5A_555/2023 E. 2

Das Obergericht hat sich in seinem über 80-seitigen Entscheid - im Unterschied zum Bezirksgericht - eingehend mit allen Facetten auseinandergesetzt, bei welchem Elternteil C.________ unter der Hypothese des mütterlichen Wegzuges nach Playa del Carmen in seinem besten Interesse leben sollte. Es ist davon ausgegangen, dass beide Parteien eine Hauptbezugsperson für C.________ sind. Nach dem Zuzug in die Schweiz habe die Mutter tendenziell mehr gearbeitet (und auch mehr verdient) als der Vater, jedoch für ihre Arbeitszeiten jeweils eine (weitgehend von ihren aus Mexiko angereisten Familienmitgliedern wahrgenommene) Fremdbetreuung organisiert; der Vater sei eher wenig in die Betreuung involviert gewesen. Für die Zeit nach der Trennung ist das Obergericht von einer gelebten alternierenden Obhut ausgegangen. Sodann hat es grundsätzlich beiden Elternteilen umfassend die Erziehungsfähigkeit attestiert. Zum familiären hat das Obergericht festgehalten, dass die Mutter in Playa del Carmen ein breites Beziehungsnetz habe; sie könne auf die Unterstützung durch Familienmitglieder und Bekannte zählen, die aufgrund der Betreuungsaufenthalte in der Schweiz dem Kind auch bereits bekannt seien. Dem Vater stehe dagegen in der Schweiz kein unterstützendes Netz zur Seite; zum Vater (Grossvater des Kindes) bestehe kein Kontakt und die Mutter (Grossmutter des Kindes) sei seit Corona nicht mehr vorbeigekommen, was der Beschwerdeführer damit erklärt habe, dass sie Angst vor einer Ansteckung habe, weil ihr Freund ein Loch in der Lunge aufweise. Zu berücksichtigen sei auch, dass C.________ seine Halbschwester D.________ nach deren Rückkehr nach Mexiko im September 2021 schmerzlich vermisst habe; ab August 2022 sei sie zwar mit Zustimmung ihres Vaters wieder in der Schweiz gewesen, wolle aber in Mexiko leben. Es wäre im Interesse von C.________, wenn er gemeinsam mit seiner Halbschwester aufwachsen könnte, auch wenn dies kein Hauptkriterium für die Zuteilung sei. Zur wirtschaftlichen Situation hat das Obergericht erwogen, dass die Mutter in der Schweiz sofort Arbeitsstellen gefunden habe und sie nach ihren Aussagen in Mexiko eine gut bezahlte Stelle bei einem Call-Center antreten könnte; sie habe mit der in Baltimore domizilierten Firma "I.________" einen Vorvertrag geschlossen und könnte als online-Assistentin von Playa del Carmen aus arbeiten. Es würde ihr eine Nanny zur Seite stehen und sie wolle in einer "gated community" wohnen, wie dies die Familie schon vor dem Wegzug in die Schweiz getan habe. Demgegenüber habe der Vater Schulden von mehr als einer halben Million Franken, sei betrieben und gepfändet worden, zur Zeit arbeitslos und werde von der Sozialhilfe unterstützt. Er plane offenbar nicht, sich eine neue Stelle zu suchen, weshalb seine Hinweise auf den hohen Lebensstandard in der Schweiz an der Sache vorbeigingen. Zwar könnte er C.________ selbst betreuen, aber dieser sei schon früh zu grossen Teilen fremdbetreut worden und es seien keine spezifischen Bedürfnisse nach Eigenbetreuung ausgewiesen. Zum sozialen Umfeld sowie den schulischen und gesundheitlichen Bedürfnissen hat das Obergericht in Erwägung gezogen, dass C.________ nunmehr in der Schweiz verwurzelt sei, aber mit Blick auf sein noch junges Alter davon ausgegangen werden könne, dass er sich in Playa del Carmen rasch einleben würde. Die Mutter spreche mit ihm seit jeher spanisch und er gehe in der Schweiz in eine Kindergartenklasse für fremdsprachige Kinder. Er leide an einer Sprachentwicklungsstörung und besuche in der Schweiz die Logopädie. Die Mutter habe in Playa del Carmen mit der Sonderpädagogin J.________ einen Vorvertrag abgeschlossen. Die Halbschwester D.________ besuche in Playa del Carmen die angesehene Privatschule "K.________" und die Mutter habe für C.________ in dieser Schule einen Vorvertrag abgeschlossen; die dortige Beschulung erfolge in Spanisch und Englisch. Schliesslich hat das Obergericht zum Vorbringen des Vaters, C.________ wolle in der Schweiz bleiben, festgehalten, dass er fünf Jahre alt und damit zu jung für eine Anhörung sei, zumal nicht davon ausgegangen werden könne, dass er die Tragweite eines Wegzuges nach Mexiko oder eines Verbleibs in der Schweiz abschätzen könne. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung hat das Obergericht befunden, die Einsatzbereitschaft, das familiäre Umfeld und die wirtschaftliche Situation sprächen für einen Wegzug von C.________ mit seiner Mutter, während die Sicherheit, die Stabilität der Verhältnisse und das soziale Umfeld eher für einen Verbleib in der Schweiz sprächen, indes von geringerer Relevanz seien. Die bisherige und die zukünftige Betreuungssituation, die Erziehungsfähigkeit der Parteien, die gesundheitlichen Bedürfnisse, die Beschulung, das Alter und die Wünsche von C.________ seien neutral zu gewichten. Mit Blick auf dessen Alter seien die personengebundenen Kriterien (Einsatzbereitschaft eines Elternteils und familiäres Umfeld) stärker als die übrigen Kriterien zu gewichten. Insgesamt würden die Gründe überwiegen, die Obhut über C.________ der Mutter zuzuweisen und ihr zu bewilligen, den Aufenthaltsort des Kindes nach Playa del Carmen zu verlegen.