Citation: 5A_739/2014 E. 4.4.2

4.4.2. Die Beschwerdeführerin bezeichnet es als stossend, den Nichteigentümerehegatten bloss auf die Vergleichsrechnung nach Art. 212 Abs. 2 ZGB zu verweisen und vor dem Entscheid nicht einmal zu prüfen, in welchem Ausmass der Ertragswert nach Art. 213 ZGB zu erhöhen wäre und welche Auswirkungen dies auf die güterrechtliche Auseinandersetzung hätte. Ob die über Art. 212 Abs. 2 ZGB erfolgte indirekte Erhöhung ausreichend sei, beurteile sich ausschliesslich nach den Kriterien von Art. 213 ZGB. Die Angemessenheit sei nicht gewissermassen schon zu vermuten, wenn der Nichteigentümerehegatte dem Eigentümerehegatten güterrechtlich weniger oder nichts mehr schuldet, sondern es sei zusätzlich zu prüfen, ob sich aufgrund des konkreten Sachverhaltes eine Gegenforderung des Nichteigentümerehegatten ergebe. Auszugehen sei dabei von den gesamten Umständen des Einzelfalles. So seien insbesondere die Vermögensverhältnisse des Eigentümerehegatten, die getätigten Investitionen und der absehbare Bedarf sowie die wirtschaftliche Lage des anderen Ehegatten massgebend. Von zentraler Bedeutung seien dabei die aus Errungenschaftsmitteln getätigten Investitionen, die sich im Ertragswert wegen der speziellen Bewertungsgrundsätze nicht oder nur teilweise niederschlagen würden. Art. 212 Abs. 1 ZGB habe Ausnahmecharakter. Ein Abweichen vom allgemeinen Grundsatz der hälftigen Teilung des Vorschlags sei nur dann angebracht, wenn der Fortbestand des Landwirtschaftsbetriebes tatsächlich in höchstem Masse gefährdet wäre. Ansonsten seien über Art. 213 ZGB Gegenausnahmen zur Einsetzung des landwirtschaftlichen Gewerbes zum Ertragswert grosszügig zuzulassen, um eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung zwischen bäuerlichen und anderen (insbesondere auch anderen selbständig erwerbstätigen) Ehepaaren auszuschliessen. Vorliegend sei gemäss Urteil der Vorinstanz belegt, dass aus Errungenschaftsmitteln Fr. 423'368.-- und aus solchen der jeweiligen Eigengüter insgesamt Fr. 53'000.-- in den Landwirtschaftsbetrieb des Beschwerdegegners investiert worden sind. Insgesamt sei während der Dauer des Güterstandes somit ein Betrag von Fr. 476'368.-- in den Landwirtschaftsbetrieb investiert worden. Der Beschwerdegegner hält die resümierten Berechnungen der Beschwerdeführerin für nicht nachvollziehbar, weshalb darauf nicht einzutreten sei.