Citation: 5A_993/2020 E. 4.4.2

4.4.2. Es ist anerkannt, dass der Beschwerdeführer seine Pflege- und Betreuungsdienstleistungen zur Zufriedenheit der Erblasserin erbracht und allein dafür gesorgt hat, dass die Erblasserin ihrem Wunsch entsprechend daheim bleiben konnte und nicht in ein Alters- und Pflegeheim oder in eine psychogeriatrische Institution eintreten musste. Umgekehrt steht aber auch fest, dass der Beschwerdeführer dafür von der Erblasserin mit rund Fr. 4'800.-- monatlich bei einem Arbeitspensum von 50 % gut entlöhnt wurde. Zutreffend sind die kantonalen Gerichte davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer geschwiegen hat, wo er hätte reden müssen. Er selber war sich dessen auch bewusst. Auf Befragen des Gerichtsvorsitzenden, ob er sich gefreut hätte, als er vom Vermächtnis erfahren habe, antwortete der Beschwerdeführer, nein, er habe gewusst, dass es keine gute Idee gewesen sei, und er habe sich gut vorstellen können, dass das nachher Probleme gebe (E. 6c S. 18 des angefochtenen Entscheids mit Hinweis auf Protokoll S. 44 f., act. 61). Der Beschwerdeführer ist gleichwohl untätig geblieben. Mit seiner Unterlassung jeglicher Aufklärung hat er die falsche Vorstellung, die die Erblasserin über ihre Beziehung zu ihm hatte und die ihm bekannt war, ausgenutzt und folglich arglistig gehandelt. Für die Beurteilung der Frage, ob sich der Beschwerdeführer dadurch schwer gegen die Erblasserin verfehlt hat, ist entscheidend, dass gemäss obergerichtlichen Feststellungen der Beschwerdeführer seiner Aufklärungspflicht auch dann nicht nachkam, als die Erblasserin ihm sagte, er werde in ihrem Testament berücksichtigt werden und die Wohnliegenschaft als Vermächtnis erhalten, und als die Erblasserin ihm Fr. 200'000.-- schenkte und er die Schenkung annahm. Aufgrund des über siebzehn Jahre dauernden Betreuungs- und Pflegeverhältnisses, das von Vertrauen, aber auch von Abhängigkeit der Erblasserin gegenüber dem Beschwerdeführer geprägt war, und in Anbetracht der zusätzlichen Funktionen, die der Beschwerdeführer als Generalbevollmächtigter, amtlicher Beistand und Vorsorgebeauftragter der Erblasserin wahrnahm, durften die kantonalen Gerichte die unterlassene Aufklärung als schwere Verfehlung des Beschwerdeführers gegenüber der Erblasserin werten.