Citation: 5A_980/2018 E. 4.2

4.2. Nach Dafürhalten des Kantonsgerichts ist die streitbetroffene Abfindung unbesehen darum als offensichtlich unangemessen zu qualifizieren, ob sie im Zusammenhang mit dem nachehelichen Unterhalt oder dem Güterrecht steht. Für nachehelichen Unterhalt wäre ohne Vereinbarung kein Platz: Die Ehe sei äusserst kurz und kinderlos und damit nicht lebensprägend gewesen. Die Beschwerdeführerin sei vor der Heirat berufstätig gewesen, habe aber auch während der Ehe über ein Einkommen verfügt. Beide Ehegatten hätten nach der Heirat ihre berufliche Laufbahn unverändert fortgesetzt, womit auf keiner Seite ein ehebedingter Nachteil vorliege. Der achtzigjährige Beschwerdegegner sei jedoch nicht mehr berufstätig gewesen. Ausserdem habe dieser der Beschwerdeführerin während der Ehe Fr. 1,4 Mio. zukommen lassen, was zur Stärkung ihrer Einkommenssituation geführt habe. Sodann sei eine eheliche Gemeinschaft nur sehr beschränkt gelebt worden und hätten die Ehegatten nicht dauerhaft einen gemeinsamen Haushalt geführt. Auch im Zusammenhang mit dem Güterrecht sei die sehr kurze effektive Dauer der ehelichen Gemeinschaft massgebend. Sodann sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdegegner bei Eheschluss 70 Jahre alt und nur noch zu rund 40 % arbeitstätig gewesen sei. Das baldige Ende des Einkommenserwerbs habe sich abgezeichnet. Auch unter dem Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung wäre für die Ehefrau daher keine nennenswerte Beteiligung angefallen. Dies ergebe sich auch daraus, dass sich das Gesamtvermögen des Beschwerdegegners während der Ehedauer von ca. Fr. 4,5 Mio. auf Fr. 3,8 Mio. verringert habe. Die Bildung eines zu teilenden Vorschlages sei damit praktisch ausgeschlossen. Der Beschwerdeführerin hätte daher ohne Vereinbarung weder ein Unterhaltsbeitrag noch ein Betrag aus Güterrecht zugestanden bzw. wäre Letzterer nicht annähernd im Bereich der vereinbarten Abfindung anzusiedeln. Damit liege ein krasses Missverhältnis zwischen der vorehelich vereinbarten Abfindung und den ohne Ehevertrag zu erwartenden Ansprüchen vor. Es seien auch keine Gründe ersichtlich, welche die vereinbarte Zahlung aus Fairnessüberlegungen trotzdem als gerechtfertigt erscheinen liessen.