Citation: 6B_180/2020 E. 2.2.2

2.2.2. Die Vorinstanz begründet den Freispruch der Beschuldigten einerseits damit, dass der Tatbestand gemäss Art. 179quater Abs. 1 StGB nicht erfüllt sei. Andererseits bejaht sie, gestützt auf den erstellten Sachverhalt, einen rechtfertigenden und entschuldbaren Notstand. Die Vorinstanz erwägt, zwar sei der Beschwerdeführer in der Wohnung der Beschuldigten ohne sein Wissen gefilmt worden. Allerdings sei die Bildaufnahme durch die Beschuldigte, und damit nicht durch einen aussenstehenden Dritten, erfolgt. Die Beschuldigte habe kein Hindernis überwinden müssen, um in den geschützten Bereich zu gelangen. Zudem habe sich der Beschwerdeführer mit ihrem Einverständnis in einem Bereich befunden, der zu ihrer eigenen Privatsphäre gehört habe. Die beiden Betroffenen hätten sich somit für eine gewisse Zeit dieselbe Privatsphäre geteilt. Aufgrund dessen sei Art. 179quater Abs. 1 StGB auf die von der Beschuldigten getätigte Bildaufnahme nicht anwendbar, da sie nicht durch einen Eingriff von aussen geschehen sei. Selbst wenn Art. 179quater Abs. 1 StGB anwendbar wäre, so liege eine Notstandssituation vor. Die Beschuldigte habe aufgrund der Vorgeschichte hinreichende Gründe zur Annahme gehabt, dass es anlässlich des in ihrer Wohnung ohne Wissen des Beschwerdeführers gefilmten Treffens vom 18. Juni 2014 zu Drohungen oder sexuellen Belästigungen resp. Nötigungen kommen könnte. Unbestrittenermassen hätten die Beschuldigte und der ihr vorgesetzte Beschwerdeführer eine Beziehung gehabt. Das Arbeitsverhältnis habe sich in der ersten Hälfte des Jahres 2014 verschlechtert, und der Beschwerdeführer habe ihr nahe gelegt, sich eine neue Stelle zu suchen. Die Beschuldigte habe glaubhaft ausgesagt, dass der Beschwerdeführer schon vor dem Treffen mehrmals Vorschläge in dem Sinne gemacht habe, dass sie im Austausch für sexuelle Gefälligkeiten ihre Arbeitsstelle behalten könne. Er habe bei der Arbeit und privat Druck auf sie ausgeübt, weil er unbedingt eine sexuelle Beziehung gewollt habe. Zudem habe er trotz ihrer Krankschreibung darauf beharrt, sie zu Hause zu treffen. Die Beschuldigte habe zwar nicht gewusst, was genau passieren werde, habe aber angesichts der Vorgeschichte verständlicherweise ein Beweismittel für allenfalls vorwerfbares Verhalten des Beschwerdeführers haben wollen. Wie sich im Gespräch gezeigt habe, sei ihr Misstrauen denn auch gerechtfertigt gewesen, so die Vorinstanz. Zudem habe der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben offenbar bereits geahnt, dass das Gespräch aufgezeichnet werden könnte, habe er doch die Beschuldigte zu Beginn des Treffens danach gefragt. Es sei sodann davon auszugehen, dass sie mangels anderer Beweise ihre rechtlichen Interessen in einem allfälligen Verfahren nicht wahrzunehmen vermocht hätte. Auch leuchte ein, weshalb die Beschuldigte die Aufnahme vorab der Personalabteilung gezeigt habe und nicht dem Beschwerdeführer. Sie habe zu Recht befürchtet, dass er einen Grund erfinden würde, um eine Kündigung zu veranlassen. Insofern sei es der Beschuldigten als einziger Ausweg erschienen, die Personalabteilung über die Situation zu informieren. Dies insbesondere mit Blick auf die Vorfälle und Forderungen der vorangegangenen Woche, die sie als Drohung und Belästigung empfunden habe und bezüglich derer ihr ohne Beweise kaum jemand geglaubt hätte. Zu erwähnen sei ferner, dass die Beschuldigte schon vor dem 10. Juni 2014 eine Spezialistin für Mobbing aufgesucht und deswegen unter psychischen Beschwerden gelitten habe. Die Beschuldigte habe sich daher in einer Notstandslage und unter enormem psychischem Druck seitens des Beschwerdeführers befunden. Folglich habe sie einzig zur Wahrung ihres Beweisinteresses resp. zum Schutz ihrer sexuellen Integrität gehandelt. Die Abwehrhandlung sei insofern geeignet gewesen, eine Verletzung ihrer Rechtssphäre abzuwenden. Sie habe zudem davon ausgehen können, dass dies ohne die Aufnahme nicht möglich gewesen wäre. Eine erpresserische Absicht sei hingegen nicht ersichtlich. Das Interesse der Beschuldigten namentlich der Schutz ihrer sexuellen Integrität überwiege dasjenige des Beschwerdeführers an der Wahrung seiner Privatsphäre. Ihr Handeln sei daher gerechtfertigt. Es sei überdies zu entschuldigen, da es ihr nicht zuzumuten gewesen sei, das gefährdete Gut preiszugeben. Auch insoweit sei das Handeln der Beschuldigten verhältnismässig, zumal ihr kein anderes Mittel zur Abwendung der Rechtsgutsverletzung zur Verfügung gestanden habe. Der erstinstanzliche Freispruch sei mithin rechtens.