Citation: 8C_719/2022 E. 6.2

6.2. Zu erinnern ist zunächst daran, dass bei Minderjährigen gemäss Art. 37 Abs. 4 IVV für alle Hilflosigkeitsgrade nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen ist. Im Übrigen bezieht sich die hier zu beurteilende Frage der ständigen und besonders aufwändigen Pflege im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV (bis 31. Dezember 2003: Art. 36 Abs. 3 lit. c IVV; AS 1976 2650 ff, 2656; 2003 3859 ff., 3866 f.) praxisgemäss begrifflich nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen (Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung; Kontaktaufnahme, vgl. BGE 133 V 450 E. 7.2). Vielmehr wird sie - gleich wie das in anderem Zusammenhang verwendete Erfordernis der dauernden persönlichen Überwachung (Art. 37 Abs. 2 lit. b und Abs. 3 lit. b IVV) - als eine Art medizinische oder pflegerische Hilfeleistung verstanden, die infolge des physischen oder psychischen Zustandes der versicherten Person notwendig ist (SVR 2017 IV Nr. 43 S. 128, 8C_663/2016 E. 2.2 mit Hinweisen). Das Eidgenössische Versicherungsgericht, später I. und II. sozialrechtliche Abteilung, heute III. und IV. öffentlich-rechtliche Abteilung des Bundesgerichts, erachtete die von Gesetzes wegen verlangten Voraussetzungen jedenfalls bei einem Pflegeaufwand von täglich zwei bis zweieinhalb Stunden als gegeben, zumal die Therapie in jenem Fall teilweise auch nachts erfolgen musste (nicht veröffentlichtes Urteil G. vom 25. Mai 1987 E. 4d, I 142/86, auszugsweise wiedergegeben in Urteil I 565/04 vom 31. Mai 2005 E. 4.2.1). In der Folge verneinte das Bundesgericht einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung, wenn entweder der entsprechende zeitliche Aufwand oder dann ein hinzutretendes erschwerendes qualitatives Merkmal nicht gegeben waren (nicht veröffentlichtes Urteil S. vom 28. Januar 1993, I 314/92; Urteile I 633/00 vom 7. November 2001; 9C_384/2013 vom 10. Oktober 2013; SVR 2017 IV Nr. 43 S. 128, 8C_663/2016; vgl. auch Urteil 8C_920/2013 vom 17. Juli 2014 E. 2 mit Hinweisen).