Citation: U 304/05 23.06.2006 E. 3

3.1 Das kantonale Gericht gelangte unter Bezugnahme auf das Gutachten der Klinik C.________ vom 31. Juli 2003 und die Stellungnahme des Dr. med. S.________ vom 26. November 2003 zum Ergebnis, es sei mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 324 f. Erw. 3.2 und 3.3) ausgewiesen, dass im Zeitpunkt der Leistungseinstellung am 31. Januar 2004 keine somatisch (hinreichend) nachweisbare Gesundheitsschädigung mehr bestanden habe. Im Gutachten der Klinik C.________ wird dazu ausgeführt, der auslösende Faktor für die jetzigen Beschwerden sei organischer Natur gewesen (Algodystrophiereaktion, lagerungsbedingtes leichtes Sulcus nervus ulnaris-Syndrom). In der Folge sei es zu einer reaktiven konversions-neurotischen Störung und einem reaktiven dysphorischen depressiven Zustandsbild gekommen. Im Begutachtungszeitpunkt hätten sich die organischen Substrate nicht mehr objektivieren lassen; sie seien jedoch während des Krankheitsverlaufs objektiviert worden. Diese dargestellte Entwicklung, insbesondere der Verlauf einer Symptomatik, die im Rahmen eines Morbus Sudeck bzw. eines dystrophen Zustands interpretiert wurde, lässt sich mit dem Inhalt der früheren Berichte, insbesondere derjenigen des Kantonsspitals X.________ vom 28. März, 17. April und 19. Mai 2000, der Rehaklinik Y.________ vom 21. Juni 2000 und des Dr. med. K.________, vereinbaren. Der vorinstanzlichen Schlussfolgerung ist mit Blick auf die Aktenlage beizupflichten. Insbesondere ist auch bezüglich der Beschwerden im Bereich der rechten Schulter hinreichend erstellt, dass im Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine objektivierbaren organischen Substrate mehr gegeben waren. 3.2 Gestützt auf das Gutachten der Klinik C.________ vom 31. Juli 2003 - unter Einschluss des Teilgutachtens des Prof. Dr. med. R.________, Leitender Arzt des Schmerzzentrums der Klinik, vom 27. Juni 2003 - und die übrigen medizinischen Akten ist andererseits davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch über den 31. Januar 2004 hinaus an organisch nicht hinreichend nachweisbaren Symptomen litt, welche im Sinne der natürlichen Kausalität auf den Unfall vom 29. Februar 2000 zurückzuführen sind. Bei der Beurteilung der Adäquanz derartiger Beschwerdebilder ist nach der Rechtsprechung zunächst zu prüfen, ob die versicherte Person ein Schleudertrauma der HWS oder eine gleichgestellte Verletzung erlitten hat, welche das nach derartigen Vorgängen nicht selten beobachtete und deshalb von der Rechtsprechung als typisch bezeichnete Beschwerdebild (dazu: BGE 119 V 338 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b) hervorrief (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb). Trifft dies zu und ist die verbliebene Gesundheitsstörung ausserdem der HWS-Verletzung zuzurechnen (zum Fehlen dieser Voraussetzung RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79 ff. Erw. 2b [Urteil B. vom 12. Oktober 2000, U 96/00]; Urteil P. vom 30. September 2005, U 277/04, Erw. 4.2), richtet sich die Adäquanzbeurteilung nach der mit BGE 117 V 359 und 369 begründeten Praxis. Andernfalls ist die mit BGE 115 V 133 eingeleitete Rechtsprechung massgebend (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb). 3.3 Der am Unfalltag aufgesuchte Dr. med. G.________ hielt fest, der Versicherte sei auf einer nassen Treppe ausgeglitten und mehrere Treppenstufen hinunter auf den linken Oberarm, die linke Schulter und die linke Thoraxwand gestürzt, wobei er sich Kontusionen an diesen Körperteilen zugezogen habe und an entsprechenden Symptomen leide. Dem Bericht der chirurgischen Klinik des Kantonsspitals X.________ vom 28. März 2000 ist zu entnehmen, dass die am 10. März 2000 begonnene Hospitalisation wegen zunehmender Schmerzen "bei Schulterbewegung als auch in Ruhe mit Ausstrahlung in Hals und Arm" notwendig wurde. Der Bericht weist zudem auf eine HWS-Distorsion hin. Es fehlen aber jegliche Anhaltspunkte dafür, dass in zeitlicher Nähe zum Unfallereignis das typische Beschwerdebild oder einzelne Elemente desselben in hinreichender Ausprägung aufgetreten wären. Unter diesen Umständen scheidet, wie die Vorinstanz mit Recht festhält, eine Anwendung der mit BGE 117 V 359 und 369 begründeten Praxis zur Beurteilung der Adäquanz des Kausalzusammenhangs aus. Die Adäquanzprüfung ist stattdessen anhand der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) vorzunehmen. 3.4 Das Ereignis vom 29. Februar 2000 ist im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Einteilung (BGE 115 V 139 Erw. 6) dem mittelschweren Bereich zuzuordnen. Die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretene Auffassung, es handle sich um einen schweren Unfall, kann mit Blick auf die der Rechtsprechung zu Grunde liegenden Massstäbe (vgl. RKUV 1995 Nr. U 215 S. 91 Erw. 3b; Urteil S. vom 12. August 2005, U 191/04, Erw. 5.1, mit Hinweisen) klarerweise nicht geteilt werden. Die Adäquanzbeurteilung hängt demzufolge davon ab, in welchem Ausmass die relevanten Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) erfüllt sind. Das kantonale Gericht hat diesbezüglich mit Recht festgehalten, der Unfall habe sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch sei er besonders eindrücklich gewesen, und die erlittenen Verletzungen seien auf Grund ihrer Art und Schwere nicht in spezieller Weise geeignet, eine psychische Fehlentwicklung hervorzurufen. Was die übrigen Kriterien anbelangt, kann mit der Vorinstanz das Vorliegen eines schwierigen Heilungsverlaufs in Form erheblicher Komplikationen bejaht werden. Denn die Entwicklung einer Algodystrophie (Morbus Sudeck, CRPS I) der linken Hand (gemäss Berichten der Medizinischen Klinik des Kantonsspitals X.________ vom 17. April und 19. Mai 2000) oder jedenfalls eines dystrophen Zustandes (laut Austrittsbericht der Rehaklinik Y.________ vom 21. Juni 2000) respektive dystrophieähnlicher Zustände (rückblickende Aussage im Bericht des Kreisarztes Dr. med. B.________ vom 9. März 2001) liegt deutlich ausserhalb des normalen Heilungsverlaufs nach den initialen Verletzungen. Von einer besonders ausgeprägten Erfüllung des Kriteriums kann allerdings nicht gesprochen werden. Bei der Beurteilung der übrigen relevanten Merkmale ist zu berücksichtigen, dass bereits im Austrittsbericht der Rehaklinik Y.________, wo sich der Beschwerdeführer vom 27. April bis 7. Juni 2000 aufgehalten hatte, erklärt wird, die diagnostische Einschätzung sei auf Grund der diffusen Befunde, der erschwerten Untersuchbarkeit wegen Schmerzen sowie der psychosomatischen Problematik erschwert gewesen, und letztere habe sich als deutliches Rehabilitationshindernis erwiesen. Dr. med. K.________ wies in der Folge darauf hin, dass der Schlüssel wohl in der Lebensgeschichte des Patienten und seiner psychosozialen Situation liege (Zwischenbericht vom 16. September 2000). Auch die weiteren medizinischen Akten stützen die Einschätzung, die objektivierbaren somatischen Anteile seien bereits einige Monate nach dem Unfall gegenüber den psychischen und psychosozialen Komponenten zunehmend und mit der Zeit vollständig in den Hintergrund getreten. Unter diesen Umständen sind die Merkmale der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, der körperlichen Dauerschmerzen sowie der nach Grad und Dauer erheblichen physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt, da für ihre Beurteilung die psychisch bedingten Anteile ausgeklammert werden müssen. Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, liegt ebenfalls nicht vor. Das kantonale Gericht hat daher die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 29. Februar 2000 und den über den 31. Januar 2004 hinaus anhaltenden, organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden mit Recht verneint.