Citation: I 647/05 16.08.2006 E. 3.3

3.3.1 Zweifel am Beweiswert der Einschätzungen der Frau Dr. med. G.________ lassen auch ihre verschiedenen Hinweise auf Verständigungsschwierigkeiten aufkommen. So gab sie im erwähnten Erstbericht unter anderem an, die Versuche der direkten Kommunikation seien gescheitert, weil der Versicherte, auch wenn er zum Teil etwas Deutsch spreche, seine Tochter - die als Dolmetscherin fungierte - alles habe übersetzen lassen; Flash-Backs hätten auf Grund der Verständigungsprobleme nicht klar eruiert werden können. Sie führte nicht nur aus, da der Versicherte kaum Deutsch spreche und aus Rücksicht auf die minderjährige Tochter nicht alle Fragen vollumfänglich hätten geklärt werden können, sei die Diagnose und die Beurteilung dementsprechend zu werten. Sie brachte auch einen Vorbehalt in dem Sinne an, dass die Diagnose bei einem serbokroatisch sprechenden Psychiater oder mit Hilfe eines Dolmetschers bestätigt werden müsste. Im Schlussbericht erwähnte die Ärztin, die therapeutischen Interventionen seien während der gesamten Therapie durch die sehr eingeschränkte verbale Kommunikation beeinträchtigt gewesen. Eine spezifische Bearbeitung der Traumata sei nicht möglich gewesen. Auffassungs- und Konzentrationsstörungen liessen sich auf Grund der eingeschränkten Deutschkenntnisse schlecht beurteilen. 3.3.2 Nach der Rechtsprechung ist für den Beweiswert eines Arztberichtes entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer-den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat in dem Sinne einen Anspruch auf Durchführung medizinischer Abklärungsmassnahmen in der Muttersprache des Exploranden oder der Explorandin im Verfahren der Invalidenversicherung bejaht, als es Sache der versicherten Person ist, rechtzeitig einen entsprechenden Antrag bei der Verwaltung oder allenfalls beim Richter zu stellen (nicht veröffentlichte Urteile Y. vom 23. November 1999, I 541/99, S. vom 8. März 1999, I 222/98, und K. vom 5. Dezember 1994, I 66/94). Ob eine medizinische Abklärung in der Muttersprache des Exploranden oder der Explorandin oder unter Beizug eines Übersetzers im Einzelfall geboten ist, hat jedoch grundsätzlich der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung zu entscheiden. Besonderes Gewicht kommt der bestmöglichen Verständigung zwischen Gutachter und versicherter Person im Rahmen von psychiatrischen Abklärungen zu. Dort setzt eine gute Exploration auf beiden Seiten vertiefte Sprachkenntnisse voraus. Ist der Gutachter der Sprache des Exploranden nicht mächtig, erscheint es medizinisch und sachlich geboten, dass er eine Übersetzungshilfe beizieht (Urteil L. vom 25. Juli 2003, I 642/01, Erw. 3.1). Entscheidend dafür, wie der sprachlichen Verständigung Rechnung getragen werden muss, ist die Bedeutung der Abklärung als Entscheidungsgrundlage für die in Frage stehende Leistung (vgl. AHI 2004 S. 143 [Urteil I. vom 30. Dezember 2003, I 245/00], Urteil D. vom 19. Januar 2006, I 538/05). 3.3.3 Soweit das kantonale Gericht davon ausgeht, es bestehe kein Grund, daran zu zweifeln, dass Dr. med. G.________, wenn sie der Frage betreffend Auffassungs- und Konzentrationsstörungen - die sich ihrer Auffassung nach infolge der Sprachkenntnisse des Versicherten schlecht beurteilen liessen - für die Einschätzung der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit eine bedeutende Rolle beigemessen hätte, auch eine diesbezügliche Klärung angestrebt oder ihren Bericht vom 3. Februar 2003 mit einem Vorbehalt in Diagnosestellung und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit verbunden hätte, kann ihm nicht gefolgt werden. Es ist nicht einzusehen, weshalb Dr. med. G.________ die Verständigungsschwierigkeiten mehrmals erwähnte, jedoch während der rund eineinhalb Jahre dauernden Therapie nichts dagegen unternahm. Es leuchtet gerade nicht ein, dass sie zwar feststellte, die therapeutischen Interventionen seien während der gesamten Therapie durch die sehr eingeschränkte verbale Kommunikation beeinträchtigt und eine spezifische Bearbeitung der Traumata nicht möglich gewesen, dann aber erst bei der 14. Konsultation eine Dolmetscherin beizog, "um klarer über die therapeutischen Ziele zu kommunizieren". Damit lässt sich der Anschein, es sei beim Beizug der Dolmetscherin anlässlich der letzten Sitzung mehr um eine nachträgliche Rechtfertigung des Vorgehens der Ärztin als um eine vollständige Sachverhaltsabklärung oder den therapeutischen Nutzen für den Versicherten gegangen, nicht von der Hand weisen. 3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beurteilungen, insbesondere der Schlussbericht der Frau Dr. med. G.________ vom 3. Februar 2003, keine genügende Grundlage für eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Leistungsanspruchs bilden (vgl. BGE 122 V 160 Erw. 1c). Der Sachverhalt bedarf daher zusätzlicher Abklärungen, wobei die Sache ohne Prüfung der weiteren Rügen an die IV-Stelle zurückzuweisen ist, damit sie unter Wahrung der Parteirechte ein neues, rechtmässig durchgeführtes psychiatrisches Gutachten einhole. Soweit damit die Diagnose der somatoformen Schmerzstörung bestätigt werden sollte, wird sich dieses Gutachten auch zur Frage zu äussern haben, inwieweit der Versicherte über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt, um den mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbaren Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess zu schaffen.