Citation: 6P.9/2006 05.07.2006 E. 7

7.1 Der Beschwerdeführer hatte im Untersuchungsverfahren ausgesagt, dass der Ordner ohne sein Wissen und ohne seine Anweisung von einer Angestellten, vermutlich von der damaligen temporären Aushilfe Frau J.________, kopiert worden sei (act. ND 1.5.2 S. 2). Dazu hielt die erste Instanz fest, nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge kopiere eine temporäre Aushilfsangestellte Inhalte eines Ordners nicht selbständig, sondern nur auf Geheiss eines Vorgesetzten. Die erste Instanz ging daher in ihrer Hauptbegründung in tatsächlicher Hinsicht davon aus, dass der Beschwerdeführer die Anweisung zum Kopieren des Schulungsordners gegeben hatte (erstinstanzliches Urteil S. 13 E. 3.3.1). Die Vorinstanz verweist zustimmend auf diese Feststellung (siehe angefochtenes Urteil S. 25 E. 4.2.1.1). 7.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass das Bundesgericht im Verfahren der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde an tatsächliche Feststellungen nicht gebunden ist, die ausschliesslich auf allgemeiner Lebenserfahrung beruhen und daher nicht Gegenstand der Beweisführung sind. Er legt indessen nicht dar, dass und inwiefern die Feststellung der kantonalen Instanzen, die temporäre Aushilfsangestellte habe den Schulungsordner nicht ohne Anweisung kopiert, der allgemeinen Lebenserfahrung widerspricht, und dies ist auch nicht ersichtlich (siehe auch E. 1.4 hievor) 7.3 Der Beschwerdeführer meint, das ihm angelastete Kopierenlassen sei keine relevante Tathandlung im Sinne von Art. 67 Abs. 1 lit. e URG. Nach dieser Bestimmung werde bestraft, wer vorsätzlich und unrechtmässig auf irgendeine Weise Werkexemplare "herstellt". Das "Herstellenlassen" sei kein "Herstellen", sondern nach den auch bei Urheberrechtsverletzungen anwendbaren allgemeinen strafrechtlichen Regeln allenfalls als Anstiftung im Sinne von Art. 24 StGB zum Herstellen strafbar. Eine diesbezügliche Verurteilung falle aber unter anderem deshalb ausser Betracht, weil die Anklageschrift keinen entsprechenden Vorwurf enthalte. Der Einwand ist unbegründet. Anstiftung zu vorsätzlicher und unrechtmässiger Herstellung eines Werkexemplars ist vorliegend schon deshalb nicht gegeben, weil offenkundig davon auszugehen ist, dass die Angestellte, welche den fraglichen Schulungsordner auf Anweisung des Beschwerdeführers kopierte, nicht mit dem erforderlichen (Eventual-)Vorsatz der Urheberrechtsverletzung gehandelt und damit keine Straftat begangen hat. Der Beschwerdeführer ist somit nicht Anstifter, sondern mittelbarer Täter, der die Angestellte als nicht vorsätzlich handelndes Werkzeug benützte, und er ist als solcher wie der Täter strafbar.