Citation: 4A_542/2023 E. 3.3.6

3.3.6. Mit ihren weiteren Ausführungen vermag die Beschwerdeführerin auch keine falsche Anwendung von Treu und Glauben darzutun. Solches ist nicht darin zu erblicken, dass die Vorinstanz von einem konkludenten Einbezug der Sonderkonditionen im Rahmen der normativen Vertragsauslegung ausging. Wie bereits ausgeführt, hat sie die Umstände, die zu dieser Annahme führten, dargestellt und überzeugend begründet. An deren Schlüssigkeit ändert nichts, dass auch die Vorinstanz darauf hinwies, der Beschwerdegegner hätte im eigenen Interesse und im Interesse der Klarheit einen expliziten Einbezug der Konditionen gemäss Schreiben vom 30. September 2003 anstreben sollen. Wie die Vorinstanz darlegte, durfte der Beschwerdegegner auch so von einem Einbezug der Sonderkonditionen in den Vertragskonsens ausgehen, zumal das Bestehen auf ein schriftliches Festhalten unter den gegebenen Umständen nicht zu erwarten gewesen sei. Der Bundesrechtskonformität der vorinstanzlichen Vertragsauslegung tut auch der wiederholte Hinweis der Beschwerdeführerin keinen Abbruch, wonach dem Schreiben vom 30. September 2003 keine Bindungswirkung zukam, was im Übrigen unbestritten ist. Im Rahmen der Vertragsauslegung nach Treu und Glauben sind die gesamten Umstände zu berücksichtigen (oben E. 3.1.2). Dies hat die Vorinstanz in überzeugender Weise getan. Es kann auch nicht gesagt werden, das Auslegungsergebnis der Vorinstanz berücksichtige die Interessenlage der Parteien zu einseitig. Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, dass die Verpflichtung des Beschwerdegegners zu Sonderkonditionen nur in dessen Interesse, nicht auch im Interesse der C.________ gewesen sein soll. Daran ändert nichts, dass die verhandelten Konditionen nicht üblich waren. Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdeführerin schliesslich, wenn sie geltend macht, die Vorinstanz habe den Einleitungssatz im Arbeitsvertrag "qui en reprend tous les termes et obligations" falsch interpretiert und sie hätte zum Schluss kommen müssen, dass der Beschwerdegegner auf einem Hinweis auf die Sonderkonditionen im Arbeitsvertrag hätte bestehen müssen, um deren Gültigkeit zu erreichen. Die Vorinstanz hat dem Einleitungssatz mit schlüssiger Begründung keine entscheidende, das bisherige Auslegungsergebnis fundamental ändernde Bedeutung beigemessen. Darauf lässt in der Tat bereits der Umstand schliessen, dass sich vor Erstinstanz keine Partei auf diesen Passus berufen hat. Zudem ist entscheidend, ob der Beschwerdegegner nach Treu und Glauben trotz des Einleitungssatzes annehmen durfte, die bereits getroffene Einigung über die Sonderkonditionen gemäss Schreiben vom 30. Oktober 2003 gelte nach wie vor. Dies hat die Vorinstanz überzeugend bejaht (oben E. 3.2.3). Es ist auch nicht erkennbar, dass die Vorinstanz den Einleitungssatz im Arbeitsvertrag oder den Wortlaut des Vertragsvorschlags offensichtlich unrichtig wiedergegeben hätte. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin liegt kein wesentlicher Unterschied darin, ob der Text korrekt übersetzt lautet, «der Arbeitsvertrag enthalte sämtliche Bedingungen und Verpflichtungen» oder er übernehme alle Bedingungen und Verpflichtungen des Vertragsvorschlages. Gleichwohl ist die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach es bei Unterzeichnung des Vertragsvorschlags noch dem normativen Willen der Parteien entsprach, dass die Sonderkonditionen gemäss Schreiben vom 30. September 2003 Vertragsbestandteil werden sollen, nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin nimmt im Wesentlichen eine eigene Auslegung der Vertragsdokumente vor, ohne aufzuzeigen, dass die Würdigung der Vorinstanz willkürlich oder ihre Vertragsauslegung bundesrechtswidrig wäre. Wie die Vorinstanz zu Recht annahm, ist aus dem Ablauf der Vertragsverhandlungen nicht erkennbar, dass die Parteien mit dem Abschluss des Arbeitsvertrages vom 19. April 2004 vom bisher erreichten Zwischenergebnis hätten abweichen wollen oder dass zu irgendeiner Zeit ein Bruch stattgefunden hätte. Der Arbeitsvertrag erscheint vielmehr als schlüssiges Ergebnis der Verhandlungen. Damit hat es sein Bewenden.