Citation: 4A_324/2014 E. 6.2.3

6.2.3. Die Anwendung des Prinzips ne bis in idem setzt unter anderem voraus, dass dem Gericht im ersten Verfahren die Möglichkeit zugestanden haben muss, den Sachverhalt unter allen tatbestandsmässigen Punkten zu würdigen (BGE 135 IV 6 E. 3.3; 119 Ib 311 E. 3c mit Hinweisen). Inwiefern dies zutreffen soll, nachdem es im ersten Verfahren des türkischen Fussballverbands doch lediglich um eine Administrativmassnahme ging, um die Integrität des konkreten Wettkampfs in einem vorläufigen Verfahren zeitgerecht zu schützen, und nicht um ein umfassendes Disziplinarverfahren zur abschliessenden Beurteilung der vorgeworfenen Verfehlungen, leuchtet nicht ein. Wie das Bundesgericht in einem Entscheid im Bereich der Sportschiedsgerichtsbarkeit festgehalten hat, setzt die Anwendung des Doppelbestrafungsverbots unter anderem eine Identität der geschützten Rechtsgüter voraus; zudem wies es darauf hin, dass dieses Verbot nicht ausschliesst, dass dasselbe Verhalten neben strafrechtlichen auch zivilrechtliche, verwaltungsrechtliche oder disziplinarische Folgen nach sich zieht (Urteil 4A_386/2010 vom 3. Januar 2010 E. 9.3.2). Auf den Umstand, dass mit den unterschiedlichen Verfahren nach Artikel 2.05 und 2.06 UCLR auch je verschiedene Zwecke verfolgt und insoweit verschiedene Rechtsgüter geschützt werden, geht der Beschwerdeführer allerdings nicht ein. Er begnügt sich vielmehr mit dem Hinweis darauf, dass das Schiedsgericht bei beiden Verfahren von Sanktionen ("sanctions") spricht, womit er nicht aufzeigt, dass es sich bei dem nach Artikel 2.05 verfügten einjährigen Ausschluss um einen Entscheid handelt, der denselben Gegenstand wie die nachfolgend gestützt auf Artikel 2.06 ausgesprochene Disziplinarmassnahme aufweist. Angesichts des geschilderten zweistufigen Verfahrens mit je unterschiedlichem Regelungszweck ist auch nicht erkennbar, inwiefern dem türkischen Verband TFF im ersten Verfahren bereits die Möglichkeit zugestanden hätte, den Sachverhalt abschliessend unter allen tatbestandsmässigen Punkten zu würdigen. Dem TAS ist keine Verletzung des Grundsatzes ne bis in idem vorzuwerfen. Die Rüge der Verletzung des Ordre public stösst somit ins Leere.