Citation: 1B_257/2007 05.12.2007 E. 2.4

2.4.1 Der Staatsanwalt hat sowohl in seinen Verlängerungsanträgen als auch in seiner Vernehmlassung ans Bundesgericht sinngemäss dargetan, dass es für eine umfassende Abklärung der sehr schweren Tat, welche dem Beschwerdeführer zur Last gelegt wird, unabdingbar sei, dass alle massgeblichen (Zeugen-)Einvernahmen der zahlreichen Auskunftspersonen und der beiden Geschädigten absolut unbeeinflusst stattfinden könne. Der Haftrichter gibt dazu zu bedenken, gerade bei nicht vollumfänglich geständigen Tätern liege es auf der Hand, dass sie versuchten, die Tatmotivation und die subjektive Komponente der Tat zu beschönigen oder gar zu verharmlosen. In diesem Zusammenhang führt der Staatsanwalt aus, da der Beschwerdeführer lediglich in Bezug auf die eigentliche Schussabgabe geständig sei, sich hingegen im Zusammenhang mit dem subjektiven Tatbestand höchst indifferent äussere - einerseits behaupte er, gar nicht bewusst geschossen zu haben, andererseits mache er eine Notwehrsituation geltend - sei bei dieser Sachlage von einem Prozess vor dem Geschworenengericht auszugehen. Dabei seien die massgeblichen Zeugenaussagen erst direkt vor Gericht zu machen, weshalb die diesbezügliche Kollusionsgefahr bis zur Hauptverhandlung andauere. Das sei umso mehr der Fall, als es sich bei den noch in Frage kommenden Zeugen um Schützenkollegen des Beschwerdeführers handle, zu welchen dieser ein freundschaftliches Verhältnis pflege. Diese Beeinflussungsgefahr dauere bis zur Hauptverhandlung vor Geschworenengericht an und sei von einer allfälligen früheren zusätzlichen Zeugeneinvernahme im Rahmen der Untersuchung unabhängig. 2.4.2 Weiter nimmt der Staatsanwalt Bezug auf zwei Briefe, welche der Beschwerdeführer in der Haft an seine Ehefrau und das Opfer geschrieben hat (Briefe vom 15. und 17. Mai 2007). Der Haftrichter stellt jedoch - zu Recht - nicht auf diese Schreiben ab, da verschiedene Interpretationsmöglichkeiten beständen und die Darstellung des Beschwerdeführers dazu plausibel erscheine. 2.4.3 Der Staatsanwalt zieht ergänzend in Erwägung, es sei auch nicht entscheidend, ob Beeinflussungsversuche aussichtsreich seien, da eine Gefährdung der Wahrheitsfindung genüge. Dieses Stadium der Wahrheitsfindung dauere bis zum Geschworenenprozess an. Massgeblich erscheint dem Haftrichter, dass der in Frage stehende Tatvorwurf äusserst schwer wiegt und der Beschwerdeführer im Falle einer Verurteilung eine empfindliche Strafe zu gewärtigen hat. Die Konsequenzen für den Beschwerdeführer seien erheblich. 2.5 Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und lassen eine Aufrechterhaltung der Haft wegen Kollusionsgefahr gerade mit Blick auf die Schwere der Tat und die hohe Mindeststrafe, welche dem Beschwerdeführer im Fall einer Verurteilung wegen versuchter Tötung droht, als verfassungs- und konventionsrechtlich zulässig erscheinen. Wenn der Beschwerdeführer geltend macht, die befreundeten Auskunftspersonen oder Zeugen seien bei der Tat gar nicht anwesend gewesen, verkennt er, dass diese allenfalls zur subjektiven Tatkomponente, welche nach wie vor ungeklärt ist, Auskunft geben können. Gerade dem Angeschuldigten nahestehende Zeugen und Auskunftspersonen, welche den Beschwerdeführer besser kennen, können eventuell die Gründe, welche zur Tat geführt haben, erhellen. Für die Annahme von Kollusionsgefahr genügt es bereits, dass - wie hier - konkret befürchtet werden muss, der Beschwerdeführer werde in Freiheit auf Opfer und Zeugen einwirken, um den Ausgang des Verfahrens zu beeinflussen. Ob dieses Unterfangen mehr oder weniger aussichtsreich ist, ist nicht ausschlaggebend, da auch eine Gefährdung der Wahrheitsfindung genügt. Auch der Einwand, die massgeblichen Freunde des Beschwerdeführers seien bereits polizeilich angehört worden, ist unbehelflich. Die gerichtliche Vorladung der geschädigten Partei bzw. von Zeugen oder Auskunftspersonen, deren Abhörung das erkennende Gericht für angebracht erachtet, ist im zürcherischen Strafprozess ausdrücklich vorgesehen (vgl. §§ 171 Abs. 2 und 179 StPO/ZH). Falls zur Abklärung des Tatbestandes weitere Beweiserhebungen erforderlich erscheinen, können auch schon einvernommene Zeugen erneut abgehört werden (§ 183 Abs. 2 StPO/ZH). Geschädigte haben im Übrigen das Recht, zur Hauptverhandlung vorgeladen zu werden (§ 192 Abs. 4 StPO/ZH). 2.6 Bei Würdigung sämtlicher Umstände des vorliegenden Falles ist den kantonalen Behörden die Bejahung von Kollusionsgefahr nicht vorzuwerfen. Es ist dabei davon auszugehen, dass die kantonalen Behörden für den weiteren Verlauf des Verfahrens dem Beschleunigungsgebot die nötige Beachtung schenken werden. Da der Haftrichter die Frage, ob Fluchgefahr bestehe, offen gelassen hat, erübrigen sich weitere Erwägungen dazu. Immerhin ist in diesem Zusammenhang anzuführen, dass das Verhalten des Beschwerdeführers unmittelbar nach der Tat zeigt, dass sein erster Reflex die Flucht war. Will er heute den Eindruck vermitteln, er sei zum Tatort zurückgekehrt, um sich zu stellen, überzeugt dies nicht. Erst nachdem ihm die Polizei gefolgt war, liess er sich - wenn auch widerstandslos - festnehmen. Zu Recht nennt der Staatsanwalt auch die Suiziddrohung vom April 2002, welche - neben der zur Diskussion stehenden Tat - ebenfalls aufzeigt, dass der Beschwerdeführer in schwierigen Situationen zu extremen Reaktionen neigt. 2.7 Was die Anordnung von Ersatzmassnahmen anbelangt, ist dem Haftrichter darin zuzustimmen, dass keine mildere Massnahme ersichtlich ist, welche der Verdunkelungsgefahr hinreichend entgegenwirken könnte. Ein Kontaktverbot ist jedenfalls nicht tauglich, um der Kollusionsgefahr wirksam zu begegnen, zumal es vorliegend schwerlich durchsetzbar oder überprüfbar wäre, da die massgeblichen Personen alle aus dem engeren Bekanntenkreis des Beschwerdeführers stammen.