Citation: I 406/04 02.02.2005 E. 2

Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin, die nach Beurteilung der Sachverständigen der Begutachtungsstelle X.________ an einer Persönlichkeitsstörung (emotionale Instabilität vom Borderlinetypus; ICD-10: F60.31) sowie an einem weichteilrheumatischen Schmerzsyndrom der rechten Körperhälfte "mit Betonung paracervical rechts, rechter Schultergürtel und rechter Arm" leidet. Mit Bezug auf körperlich belastende Arbeiten sei sie - wegen den Veränderungen des Bewegungsapparats - vollständig und hinsichtlich einer leichteren Tätigkeit, so als Verkäuferin, aufgrund des psychiatrischen Befundes zu 50 % arbeitsunfähig. Dem Gutachten ist nach den in ständiger Rechtsprechung angewandten Kriterien voller Beweiswert zuzuerkennen (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a). Grundsätzlich kann diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen des kantonalen Gerichts verwiesen werden. Auf die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geübte Kritik ist im Folgenden einzugehen, soweit entscheidwesentliche Punkte betroffen sind, die nicht bereits im vorinstanzlichen Entscheid abschliessend behandelt worden sind. 2.1 Die Versicherte moniert zunächst, der Stellenwert der rheumatologischen Erkrankung sei bei der Bemessung der Gesamtarbeitsfähigkeit vernachlässigt worden. Wie erwähnt sind die Gutachter der Begutachtungsstelle X.________ zur Auffassung gelangt, mit Bezug auf dem körperlichen Leiden angepasste Tätigkeiten ergebe sich nur aus psychiatrischer Warte eine massgebende Einschränkung (von 50 %). Der Umstand, dass andere ärztliche Stellungnahmen eine somatisch begründete Beeinträchtigung postulieren, bedeutet nicht ohne weiteres, dass diese Berichte dem Gutachten widersprechen. Entweder gehen die betreffenden Mediziner von einer körperlich belastenden und somit unbestrittenermassen nicht zumutbaren Tätigkeit aus - wie der Neurologe Dr. G.________, der von einem von der früheren schweren Tätigkeit herrührenden Überlastungssyndrom spricht (Bericht vom 23. Januar 1998) - oder aber sie behandeln Befunde mit organischen und psychogenen Anteilen als Einheit. So gibt die Rheumatologin Dr. W.________ an, bei fortdauernder Therapieresistenz sei differentialdiagnostisch an ein psychosomatisch überlagertes Schmerzsyndrom bzw. an eine pathologische Schmerzverarbeitung zu denken (Berichte vom 12. Dezember 1997 und 15. Juni 1998); auch im rheumatologischen Konsilium zum Gutachten der Begutachtungsstelle X.________ ist die Rede von einer psychischen Problematik. Solche Feststellungen bedeuten nicht von vornherein, dass der jeweilige Mediziner somatischer Fachrichtung seine fachliche Kompetenz überschritten hätte und der Beweiswert des fraglichen Dokuments deswegen a priori vermindert wäre. Da rheumatologische Schmerzzustände oftmals kaum von symptomgleichen psychosomatischen Beschwerdebildern abzugrenzen sind, kommt dem Rheumatologen auch in Bezug auf Letztere durchaus eine beschränkte Beurteilungskompetenz zu (Urteil G. vom 28. Dezember 2004, I 704/03, Erw. 4.1.1). Die zitierten Ärzte haben die Grenzen ihrer Beurteilungszuständigkeit mithin nicht überschritten. Soweit schliesslich im Bericht der Schmerzklinik S.________ vom 6. Dezember 1999 von einer deutlich tieferen Arbeitsfähigkeit im Rahmen von zwei bis drei Stunden täglich ausgegangen wird, so handelt es sich dabei um eine auf Angaben der Versicherten selber beruhende Momentaufnahme; es wird daselbst aus objektivierter Sicht eine Steigerung des Arbeitspensums auf 50 % ausdrücklich für zumutbar gehalten. 2.2 Das kantonale Gericht hat anhand der Akten bereits hinreichend dargelegt, dass die - im medizinischen Dossier verschiedentlich erwogene, im Gutachten der Begutachtungsstelle X.________ jedoch fehlende - Diagnose des Fibromyalgiesyndroms - verstanden als rheumatologische Erkrankung (sogenanntes primäres Fibromyalgiesyndrom; vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage, Berlin 2002, S. 521) - vorliegend nicht erstellt ist. In seiner sekundären Form, das heisst als (psychogenes) Schmerzsyndrom, geht dieser Befund derweil in der Diagnose des weichteilrheumatischen Schmerzsyndroms auf, welches, wiewohl formal der Rheumatologie zuzuordnen, nach gutachtlicher Beurteilung tatsächlich einen überwiegend psychogenen Hintergrund hat (vgl. dazu auch Klaus Foerster, Begutachtung bei sozial- und versicherungsmedizinischen Fragen, in: Venzlaff/Foerster, Psychiatrische Begutachtung, 4. Auflage 2004, S. 651 f.) und in der Schätzung der Arbeitsunfähigkeit enthalten ist. Eine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit ist aus der diskutierten Fibromyalgie somit nicht ableitbar. Gleiches gilt hinsichtlich einer allfälligen somatoformen Schmerzstörung. 2.3 Im Weitern macht die Versicherte geltend, die der Bemessung der Arbeitsfähigkeit zugrunde gelegte Tätigkeit der (Bijouterie-)Verkäuferin sei mit gewissen psychiatrischen Schlussfolgerungen der Expertise - so hinsichtlich des Grades sozialer Anpassungsfähigkeit - nicht vereinbar. Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass dieselben Gutachter, die auch einen persönlichen Eindruck von der Beschwerdeführerin gewonnen haben, ihr diese Arbeit durchaus zutrauen. Letztlich kann die Frage offen bleiben, da die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht nur für den genannten Tätigkeitsbereich, sondern genauso hinsichtlich jedes andern leidensangepassten Berufs gültig ist. In diesem Zusammenhang bleibt darauf hinzuweisen, dass die - wohl auf eine Umschulung bezogene - gutachtliche Feststellung, berufliche Massnahmen seien nicht indiziert (vgl. aber auch die anderslautenden Stellungnahmen der Frau Dr. W.________ vom 3. November 1998 und der Neurologin Dr. L.________, Schmerzklinik S.________, vom 1. Dezember 1999), den allfälligen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Eingliederungsvorkehren (zum Beispiel Arbeitsvermittlung [Art. 18 IVG; vgl. BGE 116 V 81 Erw. 6a; AHI 2000 S. 70 Erw. 1a]) gerade mit Blick auf ihr jugendliches Alter selbstverständlich nicht zu beeinträchtigen vermag. 2.4 Schliesslich wirft die Beschwerdeführerin die Frage des sogenannten leidensbedingten Abzugs auf. Mit diesem Instrument werden praxisgemäss auch weitere lohndämpfende persönliche und berufliche Umstände des konkreten Einzelfalls berücksichtigt (BGE 126 V 75). Vorliegend besteht indes kein Grund zur Annahme, dass die Beschwerdeführerin, über die zur Abwendung einer psychischen Überbeanspruchung notwendige Reduktion des Pensums auf 50 % hinaus, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt lohnmässige Nachteile hinzunehmen hat. Die vorinstanzliche Invaliditätsbemessung erweist sich demnach auch insofern als rechtmässig.