Citation: 5P.9/2001 30.08.2001 E. 6

6.- Das Kantonsgericht hat darin, dass die Beschwerdegegnerin in zahlreichen Baubewilligungsverfahren für Bauten der Bergbahnen Crap Sogn Gion AG ihren Eigentumsanspruch nicht geltend gemacht hat, keinen Verstoss gegen Treu und Glauben erblickt und hat keine darüber hinaus gehenden tatsächlichen Feststellungen getroffen. a) Die Beschwerdeführerin vertritt im Ergebnis den Standpunkt, die Beschwerdegegnerin müsse sich das von ihrer Baubewilligungsbehörde geschaffene Vertrauen anrechnen lassen, sei diese doch davon ausgegangen, dass sie (die Beschwerdeführerin) Eigentümerin auch desjenigen Teils der Alp St. Martin sei, auf dem die bewilligten Personenbeförderungsanlagen stünden. Indem sie ausführt, dass seit 1966 zwischen ihr und den Bergbahnen Crap Sogn Gion AG zahlreiche Baurechtsverträge abgeschlossen worden seien und dass sie von der Baubewilligungsbehörde der Beschwerdegegnerin im Ergebnis als Eigentümerin des Baugrundes der bauberechtigten Bergbahnen Crap Sogn Gion AG behandelt worden sei, macht sie zwar sinngemäss geltend, die Beschwerdegegnerin sei beim Vertrauen, das ihre Baubehörde geschaffen haben zu behaften (zum aus der Verfassung fliessenden Anspruch auf Schutz des von den Behörden begründeten Vertrauens z. B. BGE 126 II 377 E. 3a S. 387; 125 I 209 E. 9c S. 219 f.; 122 II 113 E. 3b/cc S. 123). Indessen stellt sich hier nicht die Frage, ob die Baubewilligungsbehörde vom durch sie (angeblich) geweckten Vertrauen abgewichen ist, sondern darum, ob die Beschwerdegegnerin im Rahmen des vorliegenden Verfahrens gegenüber der Beschwerdeführerin treuwidrig oder rechtsmissbräuchlich von der Position abgerückt ist, welche die Baubehörde in den Bewilligungsverfahren angeblich eingenommen hatte. Dies erscheint als Frage der Anwendung von Art. 2 ZGB mit der Folge, dass die Rügen der Beschwerdeführerin im Berufungsurteil zu behandeln sind (dort E. 5b). b) Die Beschwerdeführerin macht aus dem gleichen Grund erfolglos geltend, das Kantonsgericht habe Spekulationen nachgegeben und sie damit praktisch gezwungen, in Umkehrung der Beweislastregel von Art. 8 ZGB nachzuweisen, dass die Baubewilligungsbehörde die Eigentumsfrage abgeklärt habe: Zum einen hätte diese Rüge mit Berufung vorgebracht werden müssen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 84 Abs. 2 OG). Zum anderen stellt das Kantonsgericht im Ergebnis fest, eine Vertrauensgrundlage, auf die sich die Beschwerdeführerin berufen könnte, stehe nicht fest; somit hat es die Beschwerdeführerin die Folgen der Beweislosigkeit tragen lassen (Art. 8 ZGB).