Citation: 8C_682/2022 E. 8.2

8.2. Dem psychiatrischen Sachverständigen waren die Vorakten bekannt. Zudem befragte er die Beschwerdeführerin zu ihrem Gesundheitszustand, aber auch zu ihrer Biografie und ihrer Familie. Die entsprechenden Informationen flossen durchaus in seine versicherungsmedizinische Beurteilung ein. Daraus geht insbesondere hervor, dass Dr. med. B.________ die deprivierenden Entwicklungsbedingungen im häuslichen Umfeld berücksichtigte. Trotzdem konnte er keine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Er begründete dies damit, dass er die dafür erforderlichen Diagnosekriterien nach ICD-10 nicht habe feststellen können. Gegen das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung spreche, dass die Beschwerdeführerin in mehrjährigen Anstellungsperioden immer wieder vollzeitlich berufstätig gewesen sei. Wie die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung zutreffend festhält, setzte sich Dr. med. B.________ unter dem Punkt "Konsistenz-, Plausibilitätsprüfung und Verlauf der Arbeitsunfähigkeit" eingehend mit der persönlichen Situation der Beschwerdeführerin seit ihrem Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik C.________ im Jahr 2014 auseinander. Soweit sie daher geltend macht, es sei im Hinblick auf ihre Kindheit und Jugend nicht nachvollziehbar, dass Dr. med. B.________ eine Persönlichkeitsstörung verneint habe, setzt sie lediglich ihre eigene laienhafte Schlussfolgerung an die Stelle der fachärztlichen Ausführungen. Dies vermag keine konkreten Anhaltspunkte gegen die Zuverlässigkeit der psychiatrischen Expertise zu begründen (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.3.4). Nichts anderes gilt für den Einwand, Dr. med. B.________ habe sich widersprochen, indem er einerseits auf die Überforderung aus psychosozialen Gründen und anderseits auf das hohe Funktionsniveau hingewiesen habe. Ein Widerspruch ist hier nicht zu erblicken.