Citation: 2C_361/2024 E. 1.3.3

1.3.3. Gemäss der mit BGE 144 I 266 begründeten Praxis kann nach einer rechtmässigen Aufenthaltsdauer von rund zehn Jahren regelmässig davon ausgegangen werden, dass die sozialen Beziehungen in diesem Land so eng geworden sind, dass es für eine Aufenthaltsbeendigung besonderer Gründe bedarf; im Einzelfall kann es sich freilich anders verhalten und die Integration zu wünschen übrig lassen (BGE 149 I 207 E. 5.3.2; 149 I 72 E. 2.1.2; 149 I 66 E. 4.3; 146 I 185 E. 5.2; 144 I 266 E. 3.9; Urteile 2C_459/2023 vom 5. Juni 2024 E. 1.2; 2C_159/2023 vom 6. Februar 2024 E. 6.2; 2C_1002/2022 vom 16. August 2023 E. 1.3). Der Zeit, in der die ausländische Person aufgrund laufender Verfahren lediglich geduldet ist, namentlich durch die gewährte aufschiebende Wirkung ihrer Beschwerde, kommt praxisgemäss nicht der gleiche Stellenwert zu wie dem bewilligten Aufenthalt und zählt nicht als rechtmässiger Aufenthalt im Sinne der vorgenannten Rechtsprechung (BGE 149 I 207 E. 5.3.3; 149 I 66 E. 4.4; 137 II 1 E. 4.3; Urteile 2C_330/2023 vom 2. April 2024 E. 1.2.1; 2C_145/2024 vom 14. März 2024 E. 3.4; 2C_436/2018 vom 8. November 2018 E.2.3; je mit Hinweisen). Wie bereits im Urteil vom 19. Oktober 2023 festgehalten, endete der im Jahr 2011 ersuchte rechtmässige Aufenthalt der Beschwerdeführerin 1 2018, als das Migrationsamt ihr die Aufenthaltsbewilligung nicht verlängerte. Seither ist sie hier infolge gewährter aufschiebender Wirkung ihrer Beschwerden und laufender Ausreisefrist lediglich prozedural geduldet (vgl. Urteil 2C_769/2022 vom 19. Oktober 2023 E. 6.5). Ihr prozeduraler Aufenthalt während der letzten sechseinhalb Jahre zählt entgegen ihrer Auffassung somit nicht als rechtmässiger Aufenthalt im Sinne der Rechtsprechung. Sie hält sich damit nicht seit etwa 10 Jahren rechtmässig im Land auf, was ihr vermutungsweise den Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK eröffnen würde. Dass die Beschwerdeführerin 1 mit dieser Rechtsprechung nicht einverstanden ist, vermag daran nichts zu ändern, dass sie sich diese trotzdem entgegenhalten lassen muss. Es besteht kein Anlass, diese Praxis zu ändern (vgl. zu den Voraussetzungen BGE 149 II 354 E. 2.3; 149 II 381 E. 7.3.1). Nachdem die Beschwerdeführerin 1 - abgesehen von der langjährigen Sozialhilfeabhängigkeit - auch sozial nicht besonders gut integriert ist (vgl. Urteil 2C_769/2022 vom 19. Oktober 2023 E. 6.5), kann sie sich auch nicht auf eine besonders gelungene Integration stützen (vgl. BGE 147 I 207 E. 5.3; 144 I 266 E. 4.7). Ein potenzieller Anspruch aus dem Recht auf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK ist damit nicht ersichtlich.