Citation: U 51/05 21.04.2006 E. 4

Da nicht mit hinreichender Sicherheit gesagt werden kann, dass die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufgewiesen hat oder im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind, hat die Adäquanzprüfung nicht nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.), sondern nach den für Schleudertraumen und schleudertraumaähnliche Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen (BGE 123 V 99 Erw. 2a; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [Urteil W. vom 18. Juni 2002, U 164/01]). 4.1 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 Erw. 5.1.2 mit Hinweisen [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]). Im vorliegenden Fall bestehen insofern besondere Umstände, als sich der Unfall auf der Autobahn bei verhältnismässig hoher Geschwindigkeit (etwa 100 km/h) ereignet hat. Die Beschwerdeführerin war jedoch nicht Opfer eines Auffahrunfalls, sondern ist mit dem eigenen Fahrzeug auf den Vorderwagen aufgefahren (weshalb im Gutachten des Dr. med. W.________ von einer Frontalkollision gesprochen wird). Der Unfall traf sie daher nicht völlig unvorbereitet, auch wenn sie vorübergehend unaufmerksam war. Zudem wirkten sich die kollisionsbedingten Kräfte nicht in gleicher Weise auf den Körper aus wie bei einem eigentlichen Schleudertrauma der HWS, wo der Kopf zunächst nach hinten flektiert wird (vgl. Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden in der schweizerischen obligatorischen Unfallversicherung, Bern 1990, S. 53). Im Übrigen steht fest, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall keinen Kopfanprall erlitten hat. Auch hatte der Unfall keine sichtbaren Verletzungen noch eine Bewusstlosigkeit oder Amnesie zur Folge. An dem von der Beschwerdeführerin gelenkten Personenwagen entstand versicherungstechnisch ein Totalschaden. Es handelte sich allerdings um ein älteres Occasionsfahrzeug, welches die Beschwerdeführerin zwei Monate vor dem Unfall zu einem Preis von Fr. 5000.- angeschafft hatte. Am andern beteiligten Fahrzeug (Pontiac Grand Prix) beliefen sich die Reparaturkosten auf rund Fr. 6400.-. Aufgrund des Unfallhergangs, der entstandenen Fahrzeugschäden und der erlittenen Verletzungen ist der Unfall mit der Vorinstanz als mittelschwer zu qualifizieren. Um einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen oder gar einen schweren Unfall handelt es sich nicht (vgl. die in SZS 45/2001 S. 431 ff. erwähnte Rechtsprechung, ferner auch RKUV 2005 Nr. U 548 S. 231 [Urteil K. vom 28. Februar 2005, U 306/04] u. 1999 Nr. U 330 S. 122). Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (BGE 117 V 367 f. Erw. 6b). 4.2 Der Unfall vom 5. Mai 1997 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 [Urteil S. vom 31. Mai 2000, U 248/98]) - von besonderer Eindrücklichkeit. Er hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteile C. vom 28. April 2005, U 386/04, D. vom 4. September 2003, U 371/02, T. vom 6. Februar 2002, U 61/00, und D. vom 16. August 2001, U 21/01). Beides trifft hier nicht zu. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Die primäre Unfallbehandlung mit Halskragen, Analgetika und Physiotherapie konnte bereits im September 1997 abgeschlossen werden. In der Folge wurden zwar erneut kurz- oder längerfristig physiotherapeutische Massnahmen durchgeführt, vorübergehend auch Akupunktur sowie Massnahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Zudem erfolgten vom 22. April - 21. Mai 1998 und 2. - 30. Mai 2002 stationäre Abklärungen und Behandlungen. Insgesamt handelte es sich aber nicht um eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer (Urteile N. vom 14. März 2005, U 82/04, P. vom 24. September 2003, U 361/02, und S. vom 8. April 2002, U 357/01). Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden, wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Ob das vom Spital A.________ angeordnete mehrwöchige Tragen eines weichen Halskragens - wie die Vorinstanz annimmt - nach heutiger medizinischer Auffassung als kontraindiziert zu betrachten ist, kann dahingestellt bleiben, weil jedenfalls nichts dafür spricht, dass die Unfallfolgen dadurch erheblich verschlimmert wurden. Es sind auch keine besondern, mit dem Unfall in Zusammenhang stehende Gründe gegeben, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteile S. vom 10. Februar 2006, U 79/05, F. vom 10. September 2003, U 343/02, und B. vom 7. August 2002, U 313/01). Zu den wiederholten Rückfällen haben in erster Linie psychosoziale Gründe sowie eine berufliche Überlastung geführt. Zum Kriterium von Dauer und Schwere der Arbeitsunfähigkeit ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin bereits am 25. August 1997 wieder voll arbeitsfähig war. Nach dem am 3. März 1998 gemeldeten Rückfall und der stationären Behandlung in der Klinik X.________ bestand ab 29. Juli 1998 volle Arbeitsfähigkeit. Nach erneuter Arbeitsunfähigkeit vom 13. - 24. Januar 1999 und hälftiger Arbeitsunfähigkeit ab 25. Januar 1999 war die Versicherte ab 22. Februar 1999 wieder voll arbeitsfähig. Zu vorübergehenden Teilarbeitsfähigkeiten kam es in Zusammenhang mit den Rückfallmeldungen vom 6. März 2001 und 8. April 2002. Zudem hielt sich die Beschwerdeführerin vom 2. - 30. Mai 2002 in der Rheuma- und Rehabilitationsklinik U.________ auf und konnte während dieser Zeit keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Für die Folgezeit bestand nach den ärztlichen Gutachten weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht eine weitere Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Abgesehen davon, dass die Rückfälle zumindest teilweise in Zusammenhang mit unfallfremden beruflichen Faktoren standen, erfüllen die begrenzten Perioden teilweiser und voller Arbeitsunfähigkeit das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit nicht (vgl. RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff. [Urteil L. vom 30. August 2001, U 56/00]). Das Gleiche gilt hinsichtlich des Kriteriums der Dauerbeschwerden. Zum einen bestanden wiederholt längere Perioden praktischer Beschwerdefreiheit. Zum andern waren die Beschwerden zumindest teilweise abhängig von einer übermässigen Arbeitsbelastung. Jedenfalls ist das Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden zu verneinen. Der Einspracheentscheid vom 5. März 2004, mit welchem die SUVA die Leistungen auf den 28. Februar 2003 eingestellt hat, besteht folglich zu Recht.