Citation: 6B_359/2021 E. 1.4

1.4. Die Vorinstanz verletzt kein Bundesrecht, wenn sie annimmt, auch die erste Einvernahme des Beschwerdeführers sei verwertbar. Diese Befragung erfolgte am 25. August 2018 um 13.14 Uhr und somit nur wenige Stunden nach dem inkriminierten Vorfall (Protokoll der delegierten Einvernahme beschuldigte Person vom 25. August 2018, kantonale Akten act. 0241). In dieser delegierten, in Anwesenheit der Pflichtverteidigerin durchgeführten Einvernahme wurde der Beschwerdeführer durch die Polizei gleich zu Beginn darüber informiert, dass er als beschuldigte Person einvernommen werde und dass gegen ihn ein Strafverfahren wegen einfacher sowie versuchter schwerer Körperverletzung eingeleitet worden sei. Er wurde weiter darauf hingewiesen, dass der Verdacht bestehe, dass er am 25. August 2018, um ca. 04.45 Uhr, an der V.________-strasse in W.________ einer Person eine Glasflasche auf den Kopf geschlagen habe. Ferner wurde er über seine Rechte belehrt (kantonale Akten act. 0242 Zeile 14 ff.). Dieser Tatvorhalt entsprach dem damaligen Verfahrensstand und genügt den inhaltlichen Anforderungen nach Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO. Angesichts dieser Hinweise konnte der Beschwerdeführer den gegen ihn gerichteten Vorwurf genügend klar erfassen und sich entsprechend verteidigen. Selbst wenn es rückblickend vielleicht wünschenswert gewesen wäre, dass zu Beginn der ersten Einvernahme auch das zuvor in der Jackentasche des Beschwerdeführers gefundene Messer bereits erwähnt worden wäre, ist es dennoch nicht zu beanstanden, dass ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgehalten wurde, er habe versucht, seinen Kontrahenten zu töten. Einerseits muss in diesem sehr frühen Verfahrensstadium die Verdachts- und Beweislage nicht in allen Details bekannt gegeben werden. Andererseits muss alleine aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdeführer ein (geöffnetes) Messer mit sich führte, nicht darauf geschlossen werden, dass er es auch einsetzen bzw. dass er seinen Kontrahenten damit nicht "nur" verletzen, sondern töten wollte. Somit stand aufgrund des aufgefundenen Messers zu Beginn der ersten Einvernahme des Beschwerdeführers noch keine konkrete Tathandlung fest, die ihm (zusätzlich) hätte vorgehalten werden müssen. Insofern bestand der Tatverdacht auf eine versuchte vorsätzliche Tötung entgegen der Meinung des Beschwerdeführers nicht bereits vor seiner ersten Einvernahme (Beschwerde S. 6). Dem Einwand des Beschwerdeführers, es müsse als erstellt gelten, dass der befragende Polizeibeamte schon vor der Einvernahme Kenntnis über seine in der Notaufnahme gegenüber den Beamten geäusserten Worte "I want/wanted to kill him" gehabt habe, kann nicht gefolgt werden. Konkrete Anhaltspunkte für eine solche Annahme liegen nicht vor. Die delegierte Einvernahme des Beschwerdeführers vom 25. August 2018 erfolgte durch C.________, StatPol Bümpliz; D.________, StatPol Bümpliz, führte das Protokoll (Protokoll, kantonale Akten act. 0241). Gemäss dem von E.________, RegFdg Sitte/Jugenddienst, verfassten Anzeigerapport vom 28. August 2018 wurde er vom piketthabenden Fahnder, F.________, am 25. August 2018 um 06.45 Uhr darüber informiert, dass anlässlich einer Auseinandersetzung in der Nähe von U.________, drei Personen verletzt worden seien, die in das Spital H.________ hätten geführt werden müssen. F.________ habe weiter angegeben, sie hätten bereits die piketthabende Staatsanwältin, G.________, über das Vorgefallene informiert. Diese habe die Abnahme von Blut und Urin bei allen Beteiligten verfügt (Anzeigerapport, kantonale Akten act. 0130 f.). Der Abspracherapport von E.________ mit allen Beteiligten der Patrouille fand am 25. August 2018 um 08.10 Uhr statt. Dabei wird weder ein beim Beschwerdeführer gefundenes Messer noch seine Äusserung in der Notaufnahme erwähnt (Anzeigerapport, kantonale Akten act. 0131 f.). E.________ orientierte die Staatsanwältin am gleichen Tag, um 08.35 Uhr, über die neusten Erkenntnisse. Gemäss Anzeigerapport eröffnete diese ein Verfahren wegen einfacher Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, eventuell versuchter schwerer Körperverletzung (Anzeigerapport, kantonale Akten act. 0132). Dass der Beschwerdeführer in seiner Jackentasche ein geöffnetes Klappmesser mitgeführt habe, mit dem er seinen Kontrahenten habe "fertig machen" wollen bzw. er ihn damit habe töten wollen, lässt sich dem Anzeigerapport erstmals auf der dritten Seite bei der Zusammenfassung der fraglichen Einvernahme des Beschwerdeführers vom 25. August 2018 entnehmen (Anzeigerapport, kantonale Akten act. 0132). F.________, StatPol Waisenhaus, führte am Ende seines Wahrnehmungsberichts vom 28. August 2018 aus, nach dem Verbringen der in der Schlägerei involvierten Personen in den Notfall des Spitals H.________, seien er sowie andere Polizisten mit der Bewachung des Beschwerdeführers beschäftigt gewesen. I.________ habe an diesem im Vorraum des Notfalls eine Effektenkontrolle vorgenommen. Hierbei sei in der rechten Jackentasche ein aufgeklapptes, mit einer langen Klinge eingerastetes Armeemesser zum Vorschein gekommen. Er habe den Beschwerdeführer gefragt, was er damit vorhabe bzw. vorgehabt habe. Dieser habe dann gesagt: "I wanted to kill him". Er habe damit zweifelsfrei den anderen in der Auseinandersetzung involvierten Mann gemeint. Das Beschriebene entspreche dem vom Beschwerdeführer benutzten Wortlaut und sei von I.________, J.________, K.________ und zwei weiteren Kollegen des Sipos und ihm zweifelsfrei gehört worden (Berichtsrapport, kantonale Akten act. 0138). Nach dem Wahrnehmungsbericht von I.________, StatPol Zollikofen, vom 30. August 2018 war dieser anlässlich seiner Patrouillentätigkeit zum Zeitpunkt des Vorfalls vor Ort. Er habe im Spital H.________ die Effekten des Beschwerdeführers begutachtet. In dessen Jackentasche habe er ein aufgeklapptes Messer gefunden. Dem Beschwerdeführer sei das Messer gezeigt worden. Dieser sei gefragt worden, was er damit habe machen wollen. Sofort habe der Beschwerdeführer gemeint "I want to kill him". Schliesslich hielt I.________ in seinem Wahrnehmungsbericht fest, weitere Angaben könne er nicht machen, da er anschliessend von diesem Fall abgezogen worden sei (Berichtsrapport, kantonale Akten act. 0139). Angesichts dieser Ausführungen, insbesondere des chronologischen Ablaufs, bestehen keine konkreten Hinweise für die Mutmassung des Beschwerdeführers, dass C.________, der Polizeibeamte, der ihn am 25. August 2018 einvernommen hat, vor dieser Befragung Kenntnis über die im Spital H.________ gegenüber den Beamten geäusserten Worte "I want/wanted to kill him" gehabt hat. Der Vorwurf, es seien bewusst konkrete Umstände vor der Einvernahme bzw. gegenüber der Verteidigung zurückgehalten worden, erweist sich somit als unbegründet. Der bereits anlässlich der fraglichen Einvernahme anwaltlich vertretene Beschwerdeführer gab auf Vorhalt des aufgefundenen Messers von sich aus im Wesentlichen an, er habe dieses Messer auf sich getragen und er habe damit seinen Kontrahenten töten wollen (Protokoll der delegierten Einvernahme beschuldigte Person vom 25. August 2018, kantonale Akten act. 0245 f. Zeilen 196 ff.). Bis zum Unterbruch der fraglichen Einvernahme zwecks Untersuchung durch den Kriminaltechnischen Dienst KTD und das Institut für Rechtsmedizin IRM erhob die an dieser Befragung anwesende Verteidigerin des Beschwerdeführers weder Einwände noch stellte sie Anschlussfragen (a.a.O., kantonale Akten act. 0241-0246). Im Lichte der gesamten Umstände kann den Strafverfolgungsbehörden vorliegend nicht vorgeworfen werden, sie hätten den Tatvorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung bereits zu Beginn der ersten Einvernahme des Beschwerdeführers gekannt und diesen gezielt verheimlicht. Es kann nicht die Rede davon sein, dass das "Geständnis" des Beschwerdeführers auf unzulässige Weise erwirkt worden sei. Die Frage der Verwertbarkeit von Folgebeweisen stellt sich daher nicht, weshalb die diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers unbehelflich sind (Beschwerde S. 9 oben).