Citation: 2C_128/2018 E. 3.1

3.1. Bei Familienangehörigen von Ausländern beginnt die Fünfjahresfrist für die Geltendmachung des Anspruchs auf Familiennachzug (Art. 47 Abs. 1 AIG) mit der Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung oder der Entstehung des Familienverhältnisses (Art. 47 Abs. 3 lit. b AIG), frühestens jedoch mit Inkrafttreten des Ausländer- und Integrationsgesetzes (vgl. Art. 126 Abs. 3 AuG; Urteil 2C_160/2016 vom 15. November 2016 E. 2.1) am 1. Januar 2008 (AS 2007 5489). Die Familiennachzugsfristen von Art. 47 AIG knüpfen an die Ansprüche von Art. 42, 43, 44 und 45 AIG an; auf diese berufen können sich ausländische Ehegatten und Kinder von Personen, die das Schweizer Bürgerrecht besitzen oder hier niederlassungs- bzw. aufenthaltsberechtigt sind. Die Familiennachzugsansprüche setzen ein intaktes Familienleben voraus (BGE 136 II 113 E. 3.2). Auch für den Beginn des Fristenlaufs nach Art. 47 Abs. 1 AIG ist ein intaktes Familienleben damit begriffsnotwendig vorausgesetzt. Soweit eine Ehe nicht tatsächlich gelebt wird und nur aufenthaltsrechtliche Motive verfolgt (sog. Scheinehe bzw. Ausländerrechtsehe; vgl. BGE 127 II 49 E. 5a S. 57 mit Hinweisen; Urteil 2C_782/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.2.1), fehlt es jedoch an einem intakten Familienleben. In einem solchen Fall kann die Frist für die Geltendmachung des Familiennachzugs nach Art. 47 Abs. 3 lit. b AIG nicht zu laufen beginnen, selbst wenn - formal betrachtet - ein Eheverhältnis vorliegt. Es kann - und wird in der Regel - freilich rechtsmissbräuchlich sein, die Fristen von Art. 47 Abs. 1 AIG durch die Behauptung umgehen zu wollen, das Familienleben habe nicht im Zeitpunkt der Verheiratung, sondern erst später begonnen, und damit den Versuch zu unternehmen, den Beginn des Fristenlaufs (Art. 47 Abs. 3 AIG) hinauszuschieben.