Citation: 4C.54/2004 01.06.2004 E. 2.4

2.4.1 Nach der Rechtsprechung trifft die für die Sicherheit eines Schneesportgebiets Verantwortlichen eine unterschiedliche Verkehrssicherungspflicht für Piste und Pistenrand einerseits sowie für Pistennebenflächen anderseits. Im Bereich von Piste und Pistenrand haben die Verantwortlichen durch geeignete Sicherungs- bzw. Warnmassnahmen dafür zu sorgen, dass Pistenbenützern aus Gefahren kein Schaden erwächst. So sind natürliche oder künstliche Hindernisse im Pisten- und Pistenrandbereich im Rahmen des Zumutbaren zu beseitigen oder zumindest zu kennzeichnen und allenfalls zu polstern (vgl. BGE 121 III 358 E. 4a S. 361; SKUS-Richtlinien, Ziff. 17; SVS-Richtlinien, Ziff. 55). Für Nebenflächen besteht eine Sicherungspflicht insoweit, als Skifahrer und Snowboarder vor darauf befindlichen besonderen oder aussergewöhnlichen Gefahren durch eine unmissverständliche Signalisation zu schützen sind, die sicherstellt, dass sie wissen, wo die offiziellen Pisten verlaufen (BGE 122 IV 193 E. 2a S. 194; 117 IV 415 E. 5a S. 416; 115 IV 189 E. 3c S. 193). 2.4.2 Pisten sind die dem Publikum zur Verfügung gestellten Schneesportabfahrten, welche markiert, vor alpinen Gefahren gesichert, nach Schwierigkeitsgrad eingestuft, hergerichtet, unterhalten und kontrolliert werden (SKUS-Richtlinien, Ziff. 4 f.; SVS-Richtlinien, Ziff. 5). Der von der Pistensicherungspflicht erfasste Bereich erstreckt sich auf den unmittelbaren Grenzbereich der Piste, wobei ein Randstreifen von zwei Metern Breite gemeint ist (SVS-Richtlinien, Ziff. 18) und auf den seitlich ausgefahrenen, um die Fahrspuren erweiterten Pistenrandbereich, sofern die Verantwortlichen den Pistenrand nicht mit Markierungen gekennzeichnet haben (SVS-Richtlinien, Ziff. 17; vgl. ferner BGE 130 III 193 E. 2.4.1 und 2.4.2 S. 197 ff.). Von den Pisten werden die so genannten Abfahrtsrouten, welche lediglich markiert und vor alpinen Gefahren gesichert, nicht aber hergerichtet werden, unterschieden (SKUS-Richtlinien, Ziff. 4f.; SVS-Richtlinien, Ziff. 6). Zu den Schneesportabfahrten zählen ferner die als Skiwege ausgestalteten Teile von Pisten und Abfahrtsrouten. Skiwege können Pisten und Abfahrtsrouten untereinander verbinden. Sie erhalten die gleiche Ausgestaltung wie die Pisten oder Abfahrtsrouten, zu denen sie gehören oder die sie verbinden (SKUS-Richtlinien, Ziff. 4 f.; SVS-Richtlinien, Ziff. 7). Der Begriff der "wilden" Pisten (Varianten, "freeride areas") dagegen erfasst die im freien Gelände von Skifahrern und Snowboardern durch häufiges Befahren geschaffenen Abfahrten (vgl. zum Begriff Hans-Kaspar Stiffler, Schweizerisches Schneesportrecht, 3. Aufl., Bern 2002, N 315 f.). Wilde Pisten werden vom Verkehrssicherungspflichtigen weder markiert, hergerichtet, kontrolliert noch vor alpinen Gefahren gesichert (SKUS-Richtlinien, Ziff. 6; SVS-Richtlinien, Ziff. 9). Wer eine nicht gekennzeichnete Abfahrt befährt, tut dies in aller Regel in eigener Verantwortung und auf eigenes Risiko. Gemäss der in BGE 115 IV 189 E. 3c präzisierten Rechtsprechung zu den Pistennebenflächen muss im Bereich von abzweigenden wilden Abfahrten lediglich mit einer ausdrücklichen Warntafel oder einer Wimpelschnur das Ausscheren in eine nicht gesicherte Strecke mit besonders grossen oder atypischen Gefahren verhindert werden (zu weitgehend insofern der im angefochtenen Urteil zitierte BGE 109 IV 99). Pistenbenützer sollen nicht irrtümlich Routen für die Talabfahrt wählen, auf denen sie sich vor Gefahren sicher wähnen (E. 2.4.1. hiervor). Entgegen der Auffassung der Klägerin tragen die Bergbahnunternehmen indessen nicht die Pflicht, eine wilde Piste in eine offizielle, gesicherte Piste umzuwandeln und ins Pistensystem aufzunehmen (BGE 115 IV 189 E. 3c S. 193; Willy Padrutt, Grenzen der Sicherungspflicht für Skipisten, in: ZStR 103/1986, S. 408).