Citation: 6B_1153/2021 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz geht für die rechtswidrige Einreise von der konkret am schwerwiegendsten Tat aus. Hierzu hält sie fest, der Beschwerdeführer sei trotz des gegen ihn geltenden Einreiseverbots in die Schweiz eingereist. Sein Handeln sei nicht als besonders verwerflich zu beurteilen, zumal er als Grund für seine Einreise angegeben habe, in der Schweiz ein Asylgesuch einreichen zu wollen, da er im für in zuständigen Dublin-Mitgliedstaat Kroatien eine Verfolgung durch Schlepper befürchte. Dasselbe treffe auf seine Beweggründe zu, wobei nicht davon gesprochen werden könne, diese seien "absolut nachvollziehbar", bestünde doch auch die Möglichkeit, bereits an der Grenze ein Asylgesuch einzureichen. Seine Handlungsfreiheit, sich an das Einreiseverbot zu halten, sei damit nicht rechtserheblich eingeschränkt gewesen, weshalb diese Tatkomponente im Ergebnis als neutral zu werten sei. Insgesamt sei dennoch von einem eher leichten Verschulden auszugehen. Die Einsatzstrafe sei daher in Höhe von 40 Tagen Freiheitsstrafe festzulegen und anschliessend für den rechtswidrigen Aufenthalt angemessen zu erhöhen. Wenngleich der rechtswidrige Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz nur wenige Stunden gedauert habe, sei anzunehmen, dass sich der Beschuldigte länger in der Schweiz aufgehalten hätte, wenn er nicht bereits am 24. Mai 2020 angehalten worden wäre. Nachdem die Vorgehensweise und die Beweggründe identisch seien mit denjenigen der widerrechtlichen Einreise, sei für den rechtswidrigen Aufenthalt ebenfalls von einem leichten Verschulden auszugehen. Da die Delikte eng miteinander verknüpft gewesen seien, erscheine eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 10 Tage angezeigt. Weiter sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bereits drei Mal innert der letzten zwei Jahren wegen u.a. desselben Delikts verurteilt worden sei, was straferhöhend zu berücksichtigen sei. In Anbetracht seiner Lebensumstände sei von einer durchschnittlichen Strafempfindlichkeit auszugehen. Die Täterkomponenten würden sich insgesamt zu seinen Ungunsten auswirken, was im Ergebnis zu einer Strafe von 60 Tagen Freiheitsstrafe führe. Überdies geht die Vorinstanz von einer ungünstigen Prognose aus: Der Beschwerdeführer habe während der letzten zwei Jahren mehrfach einschlägig delinquiert, wobei die bisherigen Verurteilungen keine Warnungswirkung gezeigt hätten. Es sei von einer Gleichgültigkeit des Beschwerdeführers gegenüber den bisher ausgeprochenen Sanktionen auszugehen, weshalb nicht angenommen werden könne, dass er sich bei einem erneuten Strafaufschub bewähren könnte. Hinsichtlich der Legalprognose sei festzuhalten, dass sich diese auf den gesamten Rechtsbereich und folglich nicht nur auf Widerhandlungen gegen das AIG beziehe. Wer sich mehrfach und innert kurzer Zeit über die Rechtsordnung hinwegsetze, offenbare eine Gleichgültigkeit dieser gegenüber, die keine günstige Prognose erlaube. Im Übrigen würde weiterhin die Möglichkeit bestehen, dass der Beschwerdeführer nach einer Abweisung seines Asylantrags in sein Herkunftsland zurückgewiesen werden müsste, womit schliesslich auch eine Widerhandlung gegen das AIG wieder möglich wäre. In Gesamtwürdigung dieser Umstände sei die Freiheitsstrafe daher zu vollziehen (angefochtenes Urteil S. 16 ff.).