Citation: 2P.312/2001 12.03.2002 E. 2

2.1 Gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK hat jede Person insbesondere ein Recht darauf, dass Streitigkeiten zivilrechtlicher und strafrechtlicher Natur von einem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht beurteilt werden. Der Beschwerdeführer macht geltend, diese Garantie werde durch den angefochtenen Entscheid verletzt, handle es sich doch bei der Verwaltungskommission der Gerichte des Kantons Glarus nicht um ein eigentliches Gericht, sondern um eine blosse Verwaltungsbehörde. 2.2 Das Bundesgericht hat bisher offen gelassen, ob die beschwerdebeklagte Verwaltungskommission eine Gerichtsbehörde im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist (vgl. Urteil 2P.231/1997 vom 19. Mai 1998, in: ZBl 100/1999 S. 76). Wie es sich damit verhält, kann auch hier offen bleiben, fallen doch Disziplinarbussen grundsätzlich nicht in den Geltungsbereich der fraglichen Konventionsbestimmung (BGE 126 I 228 E. 2a/aa S. 230; vgl. Mark Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, Zürich 1993, S. 234). So betrifft auch die vorliegende Streitigkeit weder "zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen" noch "strafrechtliche Anklagen" im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK. 2.2.1 Disziplinarstreitigkeiten, die zur Einstellung oder zum Entzug einer Berufsausübungsbewilligung führen, gelten zwar als zivilrechtlich, nicht aber die blosse Ausfällung einer Busse wegen Verletzung von Berufspflichten, weil dadurch das Recht des Betroffenen, seinen Beruf auszuüben, nicht eingeschränkt wird. Art. 6 Ziff. 1 EMRK findet insofern auf entsprechende Verfahren keine Anwendung (BGE 125 I 417 E. 2b S. 420; vgl. Ruth Herzog, Art. 6 EMRK und kantonale Verwaltungsrechtspflege, Diss. Bern 1995, S. 202). 2.2.2 Die Disziplinaraufsicht über die Anwälte hat nicht pönalen, sondern administrativen Charakter; sie dient nicht dazu, begangenes Unrecht zu vergelten, sondern soll das rechtsuchende Publikum schützen und die anwaltliche Standeswürde wahren (Felix Wolffers, Der Rechtsanwalt in der Schweiz, Zürich 1986, S. 173 ff., Martin Sterchi, Kommentar zum bernischen Fürsprechergesetz, Bern 1992, S. 93). Demzufolge erscheint die dem Beschwerdeführer auferlegte Busse von 1'000 Franken weder nach der schweizerischen Rechtsordnung noch nach der Natur der zugrunde liegenden Verfehlung bzw. der Art und Schwere der Sanktion als strafrechtlicher Natur (vgl. BGE 125 I 417 E. 2a S. 419, mit Hinweisen). Damit ist unerheblich, dass der Sanktionsrahmen von Art. 70 Abs. 1 lit. b GOG Bussen in einer Höhe von bis zu 10'000 Franken vorsieht.