Citation: I 361/05 21.09.2006 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen und/oder allenfalls eine Rente hat. 2.1 Zur Beurteilung standen der Vorinstanz zahlreiche medizinische und berufliche Abklärungsergebnisse zur Verfügung. Der behandelnde Hausarzt Dr. med. L.________ hat in einem Bericht vom 14. Juli/ 5. August 1999 festgestellt, der Versicherte leide an einer chronischen Borreliose, weshalb er von 1992 bis 26. Mai 1999 arbeitsunfähig gewesen sei, jedoch einen besserungsfähigen Gesundheitszustand aufweise. Ab 3. April 2000 fand in der Stiftung O.________ eine berufliche Abklärung statt. Anschliessend veranlasste die IV-Stelle eine weitere berufliche Abklärung bei der Rehaklinik X.________, wobei im entsprechenden Austrittsbericht vom 28. Juni 2001 die Beschwerden sowohl aus neuropsychologischer als auch aus psychosomatischer Sicht besprochen wurden. In einem Gutachten der MEDAS vom 21. Juli 2003 wurde keine Diagnose mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit gestellt. Hingegen wurden an den vier Extremitäten sich bildende chronische handschuh-, resp. sockenförmige intermittierende Dysästhesien von unklarer Ätiologie, aber mit Krankheitswert sowie eine Polytoxikomanie attestiert. Dabei gingen die MEDAS-Ärzte in der angestammten Tätigkeit als Lagerist-Lehrling sowie auch in anderen, leichten bis mittelschweren Tätigkeiten von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus. Am 7. Januar 2004 bestätigte Dr. med. J.________, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, der Versicherte habe sich vom 16. August 2000 bis 27. Februar 2001 in seiner Behandlung befunden. Er leide an einer Mischung aus psychischen Problemen mit Spätfolgen einer Neuroborreliose. Am 28. Februar 2004 nahm der am MEDAS-Gutachten beteiligte Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. med. S.________ zu verschiedenen durch die IV-Stelle angeführten Fragen Stellung. Im Wesentlichen hielt er fest, zwar schliesse die Diagnose einer Borreliose eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) und ein chronic fatigue Syndrom weitgehend aus. Läge aber keine Borreliose vor, müssten diese beiden Differentialdiagnosen diskutiert werden. In einem ausführlichen Schreiben vom 15. März 2004 schätzte Dr. med. J.________ die Arbeitsfähigkeit des Patienten auf 30 % und diagnostizierte ein chronisches Schmerzsyndrom an Händen und Füssen, eine gestörte, stark verzögerte Wundheilung, eine Wasserunverträglichkeit und Augenreizungen mit Lichtempfindlichkeit als sehr wahrscheinlicher Äquivalent eines Defektzustandes nach Neuroborreliose (angesteckt 1992) sowie eine Persönlichkeitsstörung (Introversion mit depressiven Zügen) bei emotionaler und erzieherischer Verwahrlosung. In seinen Berichten vom 29. und 30. April 2004 diagnostizierte Dr. med. E.________, Spezialarzt FMH für Neurologie, eine chronische Schmerzkrankheit, allerdings ohne fassbare neurologische Ursache. Seiner Meinung nach handelt es sich um Beschwerden psychischen Ursprungs im Sinne eines psychogenen, chronischen Schmerzsyndroms. In Berichten vom 6. September und 13. Dezember 2004 äusserte sich schliesslich Dr. med. G.________, Facharzt für Innere Medizin an der Schmerzklinik Y._________. Er diagnostizierte den Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung und schloss eine Neuroborreliose eindeutig aus. Vielmehr handle es sich um eine möglicherweise durch Alkohol- und Cannabis-Abusus bedingte Polyneuropathie. Zusätzlich sei auf ein funktionelles Schmerzsyndrom hingewiesen worden. Während der Patient in somatischer Hinsicht wohl voll arbeitsfähig sei, betrage die Arbeitsfähigkeit aufgrund der psychiatrischen Diagnose 0 %. Gestützt auf die Ergebnisse der erwähnten medizinischen Untersuchungen befand das kantonale Gericht, auf die Berichte der Dres. med. E.________, J.________ und G.________ sowie auf den Bericht des Dr. med. L.________ vom 14. Juli/5. August 1999 könne nicht abgestellt werden. Zur Begründung wird hauptsächlich argumentiert, die darin enthaltenen Meinungen seien nicht vor dem gesamten medizinischen Hintergrund abgegeben worden; insbesondere fehle eine Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen des MEDAS-Gutachtens. Stattdessen sei auf das Gutachten der Abklärungsstelle (vom 21. Juli 2003) abzustellen, wonach weder von einem relevanten physischen noch einem psychischen Gesundheitsschaden auszugehen sei. Der Beschwerdeführer könne nach den Schlussfolgerungen der MEDAS-Ärzte grundsätzlich eine leichte bis mittelschwere, insbesondere die Tätigkeit als Lagerist-Lehrling, uneingeschränkt ganztags ausüben. Als mögliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei eine weitergehende, gute hausärztliche Betreuung unter stetem Hinweis auf die Sistierung der Polytoxikomanie sowie eine enge Begleitung des beruflichen Wiedereinstiegs empfohlen, wobei der Versicherte bei der Suche nach einer geeigneten Stelle mit einem Lehrmeister zu unterstützen sei. 2.2 Der Beschwerdeführer beanstandet diese Beurteilung, indem er geltend macht, die Lehre als Lagerist habe er nach drei Monaten gesundheitsbedingt abbrechen müssen. Im Jahr 2000 sei er aus medizinischen Gründen dienstuntauglich erklärt worden. Seither sei er keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen und der behandelnde Hausarzt Dr. med. L.________ weise eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit von 1992 bis 26. Mai 1999 aus. Berufliche Abklärungsmassnahmen seien aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig abgebrochen oder mit der Empfehlung abgeschlossen worden, der Versicherte sei beim Suchen einer Arbeitsmöglichkeit zu unterstützen, wobei aber keine weiteren beruflichen Massnahmen durchgeführt worden seien. Entgegen der MEDAS-Schlussfolgerungen betrage seine Arbeitsfähigkeit nach spezialärztlicher Beurteilung lediglich 30 % oder aus psychischen Gründen 0 %. In einer im März 2005 erfolgten psychiatrischen Begutachtung sei eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden und aus dem entsprechenden Bericht gehe hervor, dass der Beschwerdeführer den Anforderungen eines nicht geschützten Arbeitsplatzes nicht gewachsen wäre. Unter diesen Umständen erachtet der Beschwerdeführer das MEDAS-Gutachten, worauf sich die Vorinstanz abgestützt hat, als unvollständig und nicht nachvollziehbar. So verwerfe der begutachtende MEDAS-Psychiater Dr. med. S.________ die mögliche Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung mit der Begründung, dass die gleichzeitige Diagnose einer Borreliose diese Erkrankung ausschliesse. Die medizinischen Abklärungen der MEDAS hätten jedoch ergeben, dass der Beschwerdeführer gerade nicht an einer Borreliose leide. Ferner gehe aus dem psychiatrischen Kurzgutachten der MEDAS einerseits hervor, es liege keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor, andererseits aber auch, dass eine qualifizierte, psychotherapeutische Begleitung des Versicherten etwas zur Verbesserung seiner Arbeitsfähigkeit beitragen würde. Schliesslich bestünden Widersprüche zwischen den Aussagen der Dres. med. S.________ und J.________ bezüglich der diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung. Das MEDAS-Gutachten weise formelle Mängel auf, weil der Zusatzbericht des Dr. med. S.________ erst ein Jahr nach der Begutachtung eingegangen sei. Weiter wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gerügt, das kantonale Gericht habe den Grundsatz des rechtlichen Gehörs insofern verletzt, als es ohne substanzielle Begründung davon abgesehen habe, zahlreiche in den Akten liegende psychiatrische Abklärungsergebnisse zu berücksichtigen und zu beurteilen. Insbesondere habe es über die Frage nicht befunden, ob der Beschwerdeführer an einer somatoformen Schmerzstörung, an einer Neuroborreliose oder vielmehr an einer möglicherweise durch Alkohol- und Cannabis-Abusus bedingten Polyneuropathie leide. Ohne jegliche Diagnosestellung und ohne eine Gesundheitsschädigung mit Krankheitswert in Betracht zu ziehen, sei die Vorinstanz lediglich davon ausgegangen, dass eine qualifizierte, psychotherapeutische Begleitung des Versicherten etwas zur Verbesserung seiner Arbeitsfähigkeit beitragen würde.