Citation: 4C.366/2000 19.06.2001 E. 6

6.- a) Indem das Obergericht die Zulässigkeit der Sanierung bejaht hat, ohne deren Erfolgsaussichten zu prüfen, hat es den Begriff der Sanierung im Sinne von Art. 725a OR beziehungsweise der Gefährdung der Forderungen der Gläubiger im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verkannt, denn Wahrscheinlichkeit und Höhe des zu erwartenden Gewinnes bestimmen darüber, ob eine Benachrichtigung des Richters gemäss Art. 725 OR geboten war. Ohne diese wesentlichen Sachverhaltselemente lässt sich nicht beurteilen, ob die Sanierung zulässig war. Die Berufung erweist sich daher als teilweise begründet. Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts und zu neuer Entscheidung an das Obergericht zurückzuweisen (Art. 64 OR). Es wird sich namentlich über die Gewinnträchtigkeit der festgestellten Bemühungen um Erhöhung der Liquidität auszusprechen haben. b) Erweist sich einer der geltend gemachten Schadenersatzansprüche als begründet, wird das Obergericht zu entscheiden haben, gegenüber welchen Beklagten er besteht. Diese Frage ist für den mittelbaren und den unmittelbaren Schaden allenfalls unterschiedlich zu beantworten. aa) In Bezug auf den unmittelbaren Schaden wird abzuklären sein, wer von den Beklagten für die behaupteten Fehlinformationen verantwortlich ist. Der Schaden besteht wie dargelegt in der Differenz der Vermögensstände mit und ohne die behaupteten falschen Auskünfte. Da die Klägerin ihren eigenen Schaden geltend macht, sind allfällige Vorteile, die ihr durch die Weiterführung der Geschäftstätigkeit erwuchsen, zu berücksichtigen, ebenso ein Selbstverschulden. bb) In Bezug auf den indirekten Schaden fällt in Betracht, dass die Pflicht zur Benachrichtigung des Richters grundsätzlich allein dem Verwaltungsrat obliegt, der diese Aufgabe nicht delegieren kann (Forstmoser/Meier-Hayoz/Nobel, a.a.O., § 50 Rz. 209). Selbst faktische Organe können daher nicht für eine verspätete Benachrichtigung des Richters zur Rechenschaft gezogen werden, es sei denn, sie hätten den Verwaltungsrat von der Benachrichtigung abgehalten oder ihn über das Bestehen der Überschuldung zu informieren unterlassen (unveröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts vom 2. November 1998 i.S. B. E. 4c und d). Die Verantwortlichkeit der Revisionsstelle in Bezug auf die Benachrichtigung des Richters beurteilt sich nach Massgabe von Art. 729b Abs. 2 OR. Bei der Berechnung des indirekten Schadens ist der tatsächlich erzielte mit dem hypothetischen Liquidationserlös bei rechtzeitiger Konkurseröffnung zu vergleichen. Dieser kann je nachdem kleiner sein als das Bilanzvermögen im Zeitpunkt, in dem der Richter hätte benachrichtigt werden sollen. Da die Klägerin mit dem mittelbaren nicht ihren persönlichen Schaden, sondern jenen der Gläubigergesamtheit geltend macht, sind ihr eventuelle aus der Fortführung der Geschäftstätigkeit erwachsene Vorteile nicht anzurechnen und gegen ihre Person bestehende Einreden ausgeschlossen (BGE 117 II 432 E. 1b/gg S. 440). c) Die Berufung erweist sich zwar als teilweise begründet. Ob die Klägerin mit ihrer Forderung durchdringt, ist aber noch offen. Dies rechtfertigt, die Gerichtskosten zu halbieren und die Parteikosten wettzuschlagen.