Citation: 5A_28/2022 E. 4.4

4.4. Im konkreten Fall gelangt die Vorinstanz hinsichtlich der Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu zwei Beweisergebnissen. Erstens stellt sie - namentlich unter Berücksichtigung des Berichts von Dr. med. D.________ vom 19. Juli 2021 - fest, dass die Beschwerdeführerin in ihrem angestammten Beruf als Pflegeassistentin nur noch eingeschränkt erwerbsfähig ist. Dieses Beweisergebnis stellt die Beschwerdeführerin vor Bundesgericht nicht in Abrede. Insbesondere macht sie auch nicht geltend, dass sie nicht nur teilweise, sondern zu hundert Prozent erwerbsunfähig sei. Weshalb allein zur Feststellung ihrer Erwerbsfähigkeit im angestammten Beruf Dr. med. D.________ trotzdem als Zeuge hätte angehört werden müssen, ist der Beschwerde nicht zu entnehmen und auch nicht ersichtlich. In dieser Hinsicht ist dem Standpunkt der Beschwerdeführerin, dass das Obergericht die Erforderlichkeit dieser Zeugenanhörung bzw. die diesbezüglich erhobene Gehörsrüge keinesfalls hätte offenlassen dürfen, der Boden entzogen. Nichts einzuwenden hat die Beschwerdeführerin gegen die rechtliche Überlegung des Obergerichts, wonach mit Blick auf ihre Eigenversorgungskapazität nicht nur ihre Erwerbsfähigkeit im angestammten Berufsfeld, sondern auch eine andere berufliche Betätigung in Betracht zu ziehen ist. Diesbezüglich gelangt die Vorinstanz zur (weiteren) Tatsachenerkenntnis, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu hundert Prozent arbeitsfähig sei und aus Dr. med. D.________s Bericht vom 22. Juli 2019 nicht hervorgehe, in welchem Umfang die darin erwähnten neuen Diagnosen die Erwerbsfähigkeit vermindern. Dieser Beweiswürdigung vermag die Beschwerdeführerin nichts Substanzielles entgegen zu halten. Unbehelflich ist zunächst die pauschale Behauptung, die kantonalen Instanzen könnten den Arztbericht vom 22. Juli 2019 gar nicht verstehen. Weshalb das Obergericht zur Beurteilung ihrer Erwerbsfähigkeit mit ihren gesundheitlichen Problemen in medizinischer Hinsicht vertraut sein muss, mag die Beschwerdeführerin nicht erklären. Soweit sie unter dem Titel ihrer vor Bundesgericht erhobenen Gehörsrüge argumentiert, dass Dr. med. D.________ nicht nur im Zusammenhang mit ihrer Erwerbsfähigkeit im angestammten Beruf, sondern auch zur Beurteilung ihrer Möglichkeiten in anderen Berufsfeldern als Zeuge hätte einvernommen werden müssen, ist sie damit mangels materieller Ausschöpfung des Instanzenzuges (Art. 75 BGG; s. BGE 143 III 290 E. 1.1 mit Hinweisen) nicht zu hören. Aus dem angefochtenen Entscheid geht nicht hervor, dass sie solcherlei schon vor erster Instanz vergeblich gefordert und im Berufungsverfahren eine entsprechende Rüge erhoben hätte. Die Beschwerdeführerin macht auch nicht geltend, dass das Obergericht den Prozesssachverhalt (s. dazu BGE 140 III 16 E. 1.3.1) diesbezüglich unvollständig oder unrichtig wiedergebe. Zum Scheitern verurteilt ist sodann der Versuch der Beschwerdeführerin, der Vorinstanz Widersprüchlichkeiten nachzuweisen. Die Beschwerdeführerin übersieht, dass sich der angefochtene Entscheid mit zwei verschiedenen Tatfragen befasst: mit der Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin im angestammten Beruf und mit derjenigen in einer angepassten Tätigkeit. Vor diesem Hintergrund kann keine Rede davon sein, dass sich das Obergericht willkürlich in Widersprüche verstrickt, wenn es zur Beantwortung der einen Frage angesichts des Arztberichts vom 19. Juli 2021eine Zeugenbefragung des rapportierenden Mediziners als überflüssig erachtet und zur Beurteilung der anderen Frage den Bericht desselben Arztes vom 22. Juli 2019als ungeeignet qualifiziert. Nicht gefolgt werden kann schliesslich der Überlegung der Beschwerdeführerin, wonach eine Beweisabnahme nur dann entbehrlich sei, wenn das Gericht entweder den Ausführungen der jeweiligen Partei folge oder eine antizipierte Beweiswürdigung vornehme. Gegenstand des Beweises - und damit der (gegebenenfalls antizipierten) Beweiswürdigung - sind rechtserhebliche, streitige Tatsachen (Art. 150 Abs. 1 ZPO). Solange eine Tatsache nicht unbestritten ist, hat das Gericht darüber auch die diesbezüglich beantragten Beweise abzunehmen - es sei denn, es erachte das fragliche Sachvorbringen auch ohne den beantragten Beweis entweder als erstellt oder als widerlegt (vgl. E. 4.3 a.E.). Gerade Letzteres übersieht die Beschwerdeführerin, wenn sie den Verzicht auf eine Beweisabnahme mit der Verpflichtung des Gerichts verknüpft, der Tatsachendarstellung der "jeweiligen Partei" zu folgen. Das Gericht bildet sich seine Überzeugung nach freier Würdigung der Beweise (Art. 157 ZPO). Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 296 Abs. 1 ZPO), dem das kantonale Verfahren (unter anderem) hinsichtlich des Unterhaltsstreits unterstand, ändert daran nur insofern etwas, als das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen erforscht, hierzu also nicht auf die Beweisanträge der Parteien zu streitigen Tatsachen angewiesen ist.