Citation: 6B_652/2022 E. 2.5.1

2.5.1. Der Beschwerdeführer argumentiert, dass er nicht an der Hauptverhandlung habe teilnehmen können, weil er an Leukämie leide, nur noch über ein sehr eingeschränktes Abwehrsystem verfüge, auf Infektionen anfällig sei und diese für ihn eine akute Lebensgefahr bedeuten könnten. Seine Krebserkrankung habe sich in der Folge verschlimmert, weshalb er am 13. Januar 2022 ein weiteres Verschiebungsgesuch habe stellen müssen. Diesem habe er ein Zeugnis seines Hausarztes vom Vortag beigelegt. Darin habe sein Hausarzt festgehalten, seine absolute Isolation bis zur Besserung der Immunlage sei erforderlich. Sein Hausarzt bescheinige ferner, dass seine Teilnahme an der Hauptverhandlung mangels Bildung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 lebensgefährdend und daher unverantwortlich sei. Die Frage einer lebensgefährlichen Exposition im Falle seiner Teilnahme an der Hauptverhandlung erfordere medizinisches Fachwissen. Indem die Vorinstanz seine Beschwerde gegen die Annahme der Rückzugsfiktion gemäss Art. 356 Abs. 4 StPO abweise, obwohl die erste Instanz seine Verhandlungsfähigkeit nicht von einem Amtsarzt habe prüfen lassen und nicht auf sein ärztliches Attest eingegangen sei, verletze sie Bundes- und Verfassungsrecht. In diesem Zusammenhang verkennt der Beschwerdeführer, dass ein ärztliches Attest gerade dazu dient, ein Gericht in die Lage zu versetzen, medizinische Sachverhalte zu erfassen, zumal er sich nicht dazu äussert, inwiefern das von seinem Hausarzt kurz vor der Hauptverhandlung verfasste und von ihm vorgelegte Attest nicht richterlich hätte gewürdigt werden können und deshalb für die Einordnung der hausärztlichen Angaben zu seinem Gesundheitszustand zusätzlich der Beizug eines amtlichen Experten erforderlich gewesen wäre. Der Einwand des Beschwerdeführers erweist sich daher als nicht stichhaltig.