Citation: 6B_1273/2021 E. 3.4

3.4. Bei der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Vergewaltigung zulasten der Beschwerdegegnerin 2 handelt es sich um ein Vier-Augen-Delikt. Die Anschuldigungen der Beschwerdegegnerin 2 sind neben den Aussagen des Beschwerdeführers das wesentliche Beweismittel in Bezug auf diesen Tatvorwurf. Den sich widersprechenden Aussagen kommt hinsichtlich des Verfahrensausgangs damit entscheidende Bedeutung zu, weshalb die unmittelbare Wahrnehmung der aussagenden Person regelmässig als notwendig erscheint. Vorliegend durfte die Vorinstanz jedoch im Rahmen des ihr zustehenden Ermessens darauf verzichten, die Beschwerdegegnerin 2 erneut einzuvernehmen. Die Beschwerdegegnerin 2 wurde im Vorverfahren mehrfach zum fraglichen Vorwurf einvernommen. Während die polizeiliche Einvernahme der Beschwerdegegnerin 2 vom 26. November 2018 in Abwesenheit des Beschwerdeführers stattfand, nahm er an deren Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 20. Dezember 2018 teil. Beide Einvernahmen wurden audiovisuell aufgezeichnet. Entsprechend ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz ausführt, die beiden Einvernahmen der Beschwerdegegnerin 2 würden aufgrund der erfolgten Aufzeichnung einen unmittelbaren Eindruck ihres Aussageverhaltens vermitteln (angefochtenes Urteil S. 20). Die von der Beschwerdegegnerin 2 anlässlich der Einvernahmen gemachten Ausführungen weisen eine hinreichend hohe Aussagequalität auf, welche es der Vorinstanz erlaubt, die Schilderungen auf ihre Glaubhaftigkeit zu überprüfen. Nebst den sich widersprechenden Aussagen des Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin 2 liegen sodann mit den Aussagen der Zeuginnen C.________, D.________ und E.________ weitere Beweismittel vor. Zwar vermögen diese die gegen den Beschwerdeführer erhobenen Anschuldigungen nicht direkt zu belegen, sind aber dennoch geeignet, die Schilderungen der Beschwerdegegnerin 2 zu stützen; sie sprechen für den Wahrheitsgehalt ihrer Ausführungen. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz, soweit für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 deren nonverbales Verhalten hilfreich war, dieses aus den vorhandenen audiovisuellen Aufzeichnungen ersehen konnte. Zudem war mit F.________ eine diplomierte Psychologin FH im Übertragungsraum anwesend (vgl. angefochtenes Urteil S. 13), die ihre Beobachtungen je in einem schriftlichen Bericht festhielt (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 7/5 und 7/8) und deren Ausführungen helfen, das nonverbale Verhalten der Befragten einzuordnen. Der Beschwerdeführer zeigt denn auch nicht auf, weshalb die erneute Einvernahme der Beschwerdegegnerin 2 notwendig sei. Er beschränkt sich grösstenteils darauf, geltend zu machen, die persönliche Befragung der Beschwerdegegnerin 2 wäre angezeigt gewesen, weil ihre Aussagen widersprüchlich und unglaubhaft seien, ohne jedoch seine Behauptung näher zu begründen (Art. 42 Abs. 2 BGG). Soweit er alleine daraus, dass eine "Aussage gegen Aussage"-Konstellation vorliegt, ableitet, die belastenden Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 seien vor der Vorinstanz erneut zu erheben, so ist ihm nicht zu folgen. Insgesamt konnte sich die Vorinstanz ein hinreichendes Bild von der Glaubwürdigkeit bzw. Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 machen; die unmittelbare Kenntnis der Aussage durch das Gericht war vorliegend nicht zwingend erforderlich. Eine erneute Befragung war überdies umso weniger angebracht, als dies - wie die Vorinstanz zu Recht erwägt - im Widerspruch zu Art. 155 Abs. 1 StPO stehen würde.