Citation: 8C_84/2022 E. 6.1

6.1. Im ABI-Gutachten vom 26. Oktober 2020 wurde festgehalten, der Bericht des RAD vom 29. Januar 2018 vermerke, bei der Beschwerdeführerin seien sowohl die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung als auch diejenigen einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung nicht erfüllt. Dies sei richtig. Es sei in diesem Bericht jedoch nicht das Störungsbild einer komplexen PTBS diskutiert worden. In diesem Rahmen sei nochmals zu erwähnen, dass diese Diagnose noch nicht im aktuellen ICD-10 gelistet und daher häufig unter dem in ICD-10 enthaltenen Störungsbild einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung benannt werde. Dies treffe jedoch kriteriengeleitet nicht zu. Auch im Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. E.________ vom 28. August 2017 sei die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung gestellt und unter dem Störungsbild einer komplexem PTBS subsumiert worden, wobei jedoch diese beiden Störungsbilder unterschiedliche Krankheitsbilder seien. Die im letztgenannten Arztbericht diagnostizierte rezidivierende depressive Störung sei im Rahmen der komplexen PTBS und nicht als ein eigenständiges Krankheitsbild zu sehen. Im Austrittsbericht der Integrierten Psychiatrie G.________, Klinik H.________, vom 23. März 2017 sei diagnostisch von einer rezidivierenden depressiven Störung und einer somatoformen autonomen Funktionsstörung ausgegangen worden. Es erschliesse sich nicht, weshalb bei der bekannten Vorgeschichte der Beschwerdeführerin im Rahmen des stationären Aufenthalts nicht die Diagnose eines Störungsbildes aus dem Formenkreis der Traumfolgestörungen diskutiert worden sei.