Citation: 4A_453/2008 22.12.2008 E. A

Zur Beurteilung stehen haftpflichtrechtliche Ansprüche aus einem Zusammenstoss am 21. März 1997 zwischen dem von H.________ gelenkten Personenwagen und einem Personenzug der damaligen Vereinigten-Huttwil-Bahnen (VHB) auf dem Bahnübergang J.________-Weg in Hasle bei Burgdorf. Die Lenkerin des Personenwagens kam bei diesem Unfall ums Leben. Als Kläger treten ihr Ehemann B.________ (Beschwerdegegner 1), die Kinder C.________ (Beschwerdegegner 2), D.________ (Beschwerdegegnerin 3), E.________ (Beschwerdegegnerin 4) und F.________ (Beschwerdegegner 5) sowie die Mutter der Verstorbenen, G.________ (Beschwerdegegnerin 6), auf. Rechtsnachfolgerin der VHB und der Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT), auf deren Bahntrassee sich der Unfall ereignete, war zunächst die Regionalverkehr Mittelland AG (RM). Im Jahr 2006 wurde die Regionalverkehr Mittelland AG mit der BLS Lötschbergbahn AG zur BLS AG (Beschwerdeführerin) fusioniert. Die Vorinstanz bzw. die erste Instanz, auf deren Ausführungen die Vorinstanz verweist, schildert den Sachverhalt wie folgt: Allgemeines und Topographie der Unfallstelle Der Unfall ereignete sich auf dem Bahntrassee der ehemaligen Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT). Die Strecke verläuft an der Unfallstelle von Südwesten nach Nordosten. Sie ist einspurig ausgebaut. Mangels gegenteiliger Angaben ist davon auszugehen, dass sie sich zum Unfallzeitpunkt in gutem Zustand befand. Zum Unfallzeitpunkt lag der Niveaubahnübergang J.________-Weg, auf welchem sich der zu beurteilende Unfall ereignete, bei Streckenkilometer 4.255. Der J.________-Weg verläuft in Anfahrtsrichtung von H.________ zunächst fast parallel zur Bahnlinie am Waldrand, bevor er - nach der damaligen Streckenführung - in einer Rechtskurve auf den Bahnübergang zuführte und diesen schliesslich von Osten kreuzte. In der Rechtskurve unmittelbar vor dem Bahntrassee überquerte der Weg auf einer Brücke den parallel zu den Geleisen fliessenden Biglebach. Kurz nach der Querung der Geleise mündete der J.________-Weg in die Hauptstrasse (Thunstrasse), die von Bigenthal nach Schafhausen führt. Der Bahnübergang ist zwischenzeitlich um etwa zwölf Meter gegen Südwesten verlegt worden. Zudem quert das Strässchen die Bahnlinie inzwischen beinahe rechtwinklig, während es zuvor in einem flacheren Winkel auf diese zuführte. Der J.________-Weg war zum Unfallzeitpunkt eine ungeteerte Natur- und Privatstrasse. Inzwischen ist die Strasse geteert worden. Der J.________-Weg dient der Hoferschliessung, zumindest desjenigen der Beifahrerin S.________, dem Zugang zum östlich der Bahnlinie gelegenen Wald und als Güter- und Erholungsweg. Der Bahnübergang J.________-Weg war zum Unfallzeitpunkt unbewacht, aber direkt vor dem Übergang mit einem einfachen Andreaskreuz (Signal 3.22) signalisiert. Vor der Brücke in etwa 12 Meter Distanz vom näheren Geleisestrang befand sich ein Signal 1.16 (Bahnübergang ohne Schranken). Die Strecke wurde damals werktags insgesamt 56 Mal befahren, je 28 Mal in beide Richtungen. In Spitzenzeiten befuhren damals vier Züge pro Stunde die Strecke, in Randzeiten nur deren zwei. Am J.________-Weg fanden zu jener Zeit östlich der Brücke über den Biglebach Terrainarbeiten statt. Die Baustelle diente dazu, den Fahrweg mit einem festen Belag zu versehen und eine Beschrankung des Bahnübergangs einzurichten bzw. der Verlegung des Übergangs. Der Abschnitt westlich der Brücke und der Bahnübergang selber waren von den Bauarbeiten nicht betroffen. Links vom J.________-Weg in der Kurve vor der Brücke stand ein Bagger. Rechts vom Weg befand sich ein Baumaterialdepot. Zum Unfallzeitpunkt waren die Arbeiten eingestellt und der J.________-Weg hindernisfrei befahrbar. Der nächste Bahnübergang (Gomerkinden) liegt bei Streckenkilometer 4.344, also 89 Meter südwestlich des Übergangs J.________-Weg. Dort kreuzt die erwähnte Thunstrasse die Bahnlinie. Der Bahnübergang Gomerkinden ist mit Schranken und einer Lichtsignalanlage ausgerüstet. Die Wechselblinklichter an der Hauptstrasse können grundsätzlich vom J.________-Weg aus eingesehen werden. Unfallgeschehen Am Abend des 21. März 1997 verkehrte der dreiteilige Personenpendelzug 4575, Bauart BDe 4/4 II, der damaligen Vereinigten Huttwil-Bahnen von Thun nach Burgdorf. Nach einem Halt im Bahnhof Bigenthal setzte der Lokomotivführer W.________ die Fahrt Richtung Schafhausen mit ein bis zwei Minuten Verspätung fort. Gleichzeitig fuhr H.________ in einem Subaru Legacy 1.8 4WD auf dem J.________-Weg in Richtung Thunstrasse. S.________ sass auf dem Beifahrersitz. H.________ hatte S.________ in ihrem Wohnhaus, welches über den J.________-Weg erreichbar ist, abgeholt. Zusammen wollten sie zur Probe des Gesangsvereins fahren. Um 19.35 Uhr kam es auf dem Bahnübergang J.________-Weg zur Kollision zwischen dem aus Südwesten heranfahrenden Personenzug (links aus der Perspektive von H.________) und dem von Osten kommenden Personenwagen (rechts aus der Perspektive von W.________). Zum Unfallzeitpunkt war es bereits dunkel, die Strasse war trocken, Niederschläge gab es keine. An der Unfallstelle gab es keine künstliche Beleuchtung. H.________ näherte sich den Geleisen mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 20 km/h. H.________ befand sich in einem Gespräch mit S.________, als sie auf den Bahnübergang zufuhr. Kurz vor dem Bahnübergang stellte S.________ fest, dass links auf der Hauptstrasse beim bewachten Bahnübergang Gomerkinden die Ampel auf rot geschaltet war. Als sie sich auf dem Bahnübergang befanden, sah S.________ die beiden weissen Lichter des Zuges und warnte - allerdings zu spät - die Fahrerin. Der Personenzug seinerseits war mit 85 bis 90 km/h unterwegs. In unmittelbarer Nähe des Bahnübergangs Gomerkinden nahm W.________ den rechts am Wald entlang fahrenden Personenwagen erstmals wahr. Ob er das Auto kurz vor oder nach dem Übergang erstmals wahrgenommen hat, geht aus den Aussagen nicht ganz klar hervor: Während W.________ gegenüber der Polizei am 21. März 1997 davon sprach, das Auto nach Passieren des Überganges gesehen zu haben, sagte er gegenüber seiner Arbeitgeberin am 24. März 1997 aus, das Auto gesehen zu haben, als er sich ungefähr auf der Höhe des Hauses rechts der Bahnstrecke kurz vor dem Bahnübergang Gomerkinden befand. In der zweiten Befragung gab W.________ auch zu Protokoll, dass er das Auto etwa auf eine Distanz von 150 Metern erblickt habe. Dies deckt sich mit der Wahrnehmung, dass er das Auto schon vor dem Bahnübergang gesehen hat, liegt doch das besagte Haus rechts der Bahnlinie bei Streckenkilometer 4.410, also 155 Meter vor dem Übergang J.________-Weg. Er schätzte die Geschwindigkeit des Automobils auf ca. 18 km/h. Er habe sofort mit der Bremsung begonnen. Als er feststellte, dass das Auto nicht verlangsamte, habe er eine Vollbremsung eingeleitet. Nach eigener Aussage gab er zudem zu diesem Zeitpunkt ein Warnsignal bzw. Achtungspfiffe ab. Gemäss Auswertung der Geschwindigkeitsmesser betrug die Geschwindigkeit des Zuges vor der Bremsung ungefähr 85 km/h. Der Bremsweg liegt damit ohne Reaktionszeit bei etwa 240 Metern. W.________ führte des Weiteren aus, die Bremsprobe sei am Zug in Thun ordnungsgemäss durchgeführt worden und die Stirnbeleuchtung sei dreimal in Weiss eingeschaltet gewesen. Der Schienenzustand sei trocken gewesen und die Sichtverhältnisse trotz der nächtlichen Verhältnisse gut. Beim Zusammenstoss wurde das Auto von H.________ auf der linken Seite von der Front des Zuges erfasst, als es mit dem vorderen Teil den Bahnübergang schon verlassen hatte. Es wurde daraufhin über den Bahnübergang geschoben und nach links auf eine Wiese geschleudert. H.________ wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und verstarb auf der Unfallstelle. Als Todesursache wurde ein schwerstes Schädel-Hirn-Trauma festgestellt. S.________ trug hingegen nur mittelschwere Verletzungen davon. Der Personenwagen von H.________ erlitt einen Totalschaden. Mit Beschluss vom 14./15. April 1997 verzichteten das Untersuchungsrichteramt II Emmental-Oberaargau und die Staatsanwaltschaft II auf die Eröffnung einer Strafverfolgung. Der Untersuchungsrichter ordnete die Unfallverursachung allein der verstorbenen H.________ zu.