Citation: I 324/03 02.09.2003 E. 2

Der Beschwerdeführer macht geltend, der Gesundheitszustand sei ungenügend abgeklärt und der Grad der Arbeitsunfähigkeit mit 20 % zu tief festgesetzt worden. Der MEDAS-Bericht vom 14. März 2000 sei in verschiedenen Punkten fehlerhaft oder nicht schlüssig. 2.1 Als Beispiel für Fehlerhaftigkeit wird erwähnt, dass die MEDAS-Gutachter die Arbeitsunfähigkeit für die frühere Tätigkeit als Zuschneider von Zargenprofilen lediglich auf 30 % geschätzt hätten, obwohl es sich dabei um eine körperliche Schwerarbeit handelte. Dass die Gutachter die zuletzt ausgeübte Tätigkeit (ohne Augenschein) als "körperlich teilweise mittelschwer" einschätzten, setzt indes den Beweiswert des Gutachtens nicht herab, denn von Relevanz ist lediglich, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich teilweise mittelschwere Arbeiten auf 30 % geschätzt wurde. 2.2 Der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erwähnte Verschrieb bei der Angabe der Griffkraft beider Hände ("Griffkraft rechts 5, rechts 8 [Rechtshänder]") beweist ebenso keine erhebliche Fehlerhaftigkeit bei der Erstellung des Berichtes. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer gar nicht aufgezeigt, inwiefern diesem Versehen bei der Beurteilung eines allfälligen Rentenanspruchs überhaupt Tragweite zukommen könnte oder allenfalls sogar der Beweiswert des Gutachtens betroffen wäre. 2.3 Auch die Rüge, das psychiatrische Konsilium habe im Rahmen der MEDAS-Begutachtung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen um 20 % ergeben, weshalb die MEDAS bei der gesamthaften Schätzung der Arbeitsfähigkeit auf ebenfalls 20 % einfach über die somatischen Beschwerden hinweg gegangen sei, dringt nicht durch. 2.3.1 Im Gutachten wurde klar ausgeführt, dass beim Beschwerdeführer eigentliche invalidenversicherungsrechtlich relevante psychiatrische Befunde in den Hintergrund treten, weil keine schwerwiegenden psychischen Erkrankungen (im Sinne einer Psychose aus dem Schizophrenieformenkreis, im Sinne einer endogenen Depression, eines hirnorganischen Leidens oder einer Suchtkrankheit) festgestellt werden konnten und auch differentialdiagnostisch die Symptome für eine rezidivierende depressive Störung mit somatischem Syndrom oder eine somatoforme Störung zu wenig ausgeprägt seien. 2.3.2 Die Gutachter stellten fest, dass das psychische Wohlbefinden und damit indirekt die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers durch in erster Linie soziale Faktoren beeinflusst würden (Emigrationsproblematik, wirtschaftliche Situation, mangelhafte Ausbildung, wenig Unterstützung durch Familie und Freunde). Wenn sie darum in Anbetracht des soweit ersichtlich ausschliesslich durch psychosoziale und soziokulturellen Umstände beeinträchtigten psychischen Zustandes des Beschwerdeführers ihn "unter Beachtung aller Aspekte" in leichten bis mittelschwer wechselbelastenden Tätigkeiten auf insgesamt 20 % eingeschränkt arbeitsfähig beurteilten, so gingen sie entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers nicht "einfach über die somatischen Beschwerden hinweg", sondern sie haben im Sinne von BGE 127 V 299 Erw. 5 beachtet, dass Art. 4 Abs. 1 IVG zu Erwerbsunfähigkeit führende Gesundheitsschäden versichert, und soziokulturelle Umstände darunter nicht zu begreifen sind. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein, was vorliegend ganz offensichtlich nicht der Fall ist. Das klinische Beschwerdebild darf nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen, sondern hat davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen. Es muss zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder ein damit vergleichbarer psychischer Leidenszustand vorliegen. Wo die Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (vgl. AHI 2000 S. 153 Erw. 3).