Citation: U 64/07 23.01.2008 E. 5

5.1 Das kantonale Gericht hat weiter erwogen, sämtliche Ärzte hätten eine HWS-Distorsion diagnostiziert, und der Versicherte habe über die dafür typischen Beschwerden geklagt. Dr. med. S.________ habe die geschilderten Beschwerden und die erhobenen Befunde als in kausalem Zusammenhang mit den zwei erlittenen Unfällen stehend bezeichnet. Eine Dysfunktion der HWS, welche mittels bildgebendem Verfahren habe nachgewiesen werden können, sei mit grösster Wahrscheinlichkeit organischen Ursprungs. Ob diese durch den ersten oder durch den zweiten Unfall verursacht worden sei, bleibe dahingestellt. 5.2 Auf eine nähere Prüfung der natürlichen Kausalität kann nur dann mit der Begründung verzichtet werden, es fehle jedenfalls an einem adäquaten Kausalzusammenhang (zu diesem Vorgehen allgemein SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 3c S. 68, U 183/93), wenn die zur Diskussion stehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen organisch nicht (hinreichend) nachgewiesen werden können. Gehen dagegen die für den Anspruch auf Versicherungsleistungen relevanten Symptome auf Schädigungen zurück, welche sich mit bildgebenden Verfahren objektivieren lassen, kommt der adäquaten Kausalität praktisch keine zusätzliche Bedeutung zu (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). 5.3 Dr. med. S.________ fand gemäss Bericht vom 7. Juli 2004 bei der klinischen Untersuchung kein signifikantes Zervikalsyndrom. Lediglich die Reklination war eingeschränkt, während die Beweglichkeit der HWS in die übrigen Richtungen im Normbereich lag. Die bildgebende Funktionsdiagnostik weise auf einen eingeschränkten sagittalen Bewegungsumfang der HWS und damit auf eine Dysfunktion der HWS hin. Die geschilderten Beschwerden und erhobenen Befunde stünden in kausalem Zusammenhang mit den erlittenen Unfällen. Der Versicherte habe sich von den Folgen des ersten Unfalls noch nicht erholt gehabt, als sich die Frontalkollision ereignet habe. Die Dysfunktion der HWS, welche mittels bildgebendem Verfahren habe nachgewiesen werden können, sei mit grösster Wahrscheinlichkeit organischen Ursprungs. Ob diese durch den ersten oder den zweiten Unfall verursacht worden sei, bleibe dahingestellt. 5.4 Im Zeitpunkt der Untersuchung durch Kreisarzt-Stellvertreter Dr. med. M.________ vom 18. Oktober 2004 erklärte der Beschwerdegegner, die Beschwerden im Bereich des Nackens seien nicht konstant vorhanden und würden besonders bei der Reklination auftreten. Dr. med. M.________ hielt dazu fest, radiologisch sei kein wesentlicher posttraumatischer Befund erhoben worden. Die bildgebende Untersuchung vom Mai 2004 habe keinen Nachweis einer eindeutigen posttraumatischen discoligamentären Läsion, keine funktions-/stellungsabhängigen Discopathien, keine relevante ossäre oder discoligamentäre Einengung des Spinalkanals und der Neuroforamina ergeben. Aus klinisch-orthopädischer Sicht sei der Versicherte voll arbeitsfähig. Gemäss Bericht des Instituts für Radiologie am Paraplegikerzentrum Y.________ vom 29. Mai 2004 zeigte sich eine diskrete Osteochondrosis intervertebralis C4/C5 und C5/C6 mit diskreten Unkovertebralarthrosen. Es konnten keine das normale Altersmass übersteigenden degenerativen Veränderungen und keine erkennbaren ossären Läsionen festgestellt werden. Der Beschwerdegegner sagte Frau lic. phil. A.________, in Stresssituationen leide er immer noch verstärkt an Nackenschmerzen (Bericht vom 9. Mai 2005). 5.5 Bereits im Februar 2002 hatte der Beschwerdegegner einen Unfall erlitten, als er beim Snowboardfahren nach hinten stürzte und mit dem Hinterkopf gegen den Boden aufschlug. Für dieses Unfallereignis erbrachte die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft die gesetzlichen Leistungen. Gemäss Bericht des Dr. med. T.________ vom 30. Januar 2003 an die Mobiliar erlitt der Versicherte damals ein Distorsionstrauma der HWS. Bei der Konsultation vom 20. Dezember 2002 nannte der Versicherte eine Versteifung des Nackens, Schwindelgefühl, Gleichgewichtsstörungen und leichte Kopfschmerzen, mit Verstärkung der Beschwerden bei Bewegungen der HWS und bei Stresssituationen. Bei der Untersuchung war die HWS druckdolent und die Beweglichkeit eingeschränkt. Der Versicherte gab an, dass es beim Skifahren am 4. Dezember 2002 zu einer deutlichen Schmerzexazerbation und vermehrten Bewegungsschmerzen im Nackenbereich gekommen sei. Dr. med. S.________ sagte er, im Zeitpunkt des Verkehrsunfalls vom 29. März 2003 hätten die beim Snowboardunfall zugezogenen Beschwerden persistiert. Die Veränderungen der HWS wurden somit nicht erst zufolge des bei der SUVA versicherten Autounfalls vom 29. März 2003 schmerzhaft. 5.6 Hat ein Unfall zu einer namhaften Verschlechterung vorbestandener Beschwerden geführt, hat der Unfallversicherer nur so lange für die Folgen einzustehen, bis dieser nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der vorhandenen Beschwerden darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft zu wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines (krankhaften) Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist. Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein. 5.7 Mit Bezug auf den hier zur Diskussion stehenden Unfall vom 29. März 2003 ist aufgrund eines Vergleichs des gesundheitlichen Zustandes, wie er in den kurz zuvor ergangenen medizinischen Unterlagen beschrieben wurde (Bericht des Dr. med. T.________ vom 30. Januar 2003) und wie er sich nachher bis zum massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids vom 11. August 2005 zeigte, davon auszugehen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der Vorzustand wieder erreicht war.