Citation: 5A_975/2022 E. 2.5

2.5. Nichts anderes ergibt sich, wenn die aufgeworfene Frage unter dem Gesichtspunkt der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes geprüft wird. Dieser Grundsatz gilt unabhängig von der Art des Verfahrens in allen Kinderbelangen (Art. 296 Abs. 1 ZPO bzw. Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 446 Abs. 1 ZGB). Er schreibt dem Gericht vor, den Sachverhalt von Amtes wegen zu erforschen. Die Untersuchungspflicht des Gerichts reicht so weit und dauert so lange, bis das Gericht die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen nach Massgabe des erforderlichen Beweismasses als bewiesen oder widerlegt betrachtet, mithin ein positives Beweisergebnis vorliegt. Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, d.h. bleibt das Beweisergebnis offen, hat das Gericht weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind. Auch die Untersuchungsmaxime schliesst eine vorweggenommene Beweiswürdigung nicht aus. Verfügt das Gericht über genügende Grundlagen für eine sachgerechte Entscheidung, kann es auf weitere Beweiserhebungen verzichten (BGE 130 III 734 E. 2.2.3). Dies gilt namentlich für Beweismassnahmen, die von vornherein keinen Erkenntniswert haben bzw. für den Ausgang des Verfahrens nicht entscheidend sind. Wie soeben dargetan wurde (E. 2.4), hätte die erneute Anhörung der Tochter bzw. das vom Beschwerdeführer gewünschte Ergebnis derselben keinen Einfuss auf den Ausgang des Verfahrens gehabt, sodass die Rüge unbegründet ist. Schliesslich ist der Beschwerdeführer der Auffassung, eine (echte) alternierende Obhut dürfe nicht ohne neues Gutachten abgewiesen werden, das sich darüber ausspreche, inwiefern der Konflikt zwischen den Eltern eine Gefährdung für das Kind darstelle. Der Beschwerdeführer rügt in diesem Zusammenhang eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und verweist dabei auf das Urteil 5A_312/2019 vom 17. Oktober 2019. Im besagten Urteil erwog das Bundesgericht jedoch bloss - aber immerhin -, dass (unter anderem) der Wunsch des Kindes zu beachten sei. Dabei müsse sich das Gericht im konkreten Fall entscheiden, ob und gegebenenfalls in welcher Hinsicht Hilfe von Sachverständigen erforderlich sei, um die Aussagen des Kindes zu interpretieren, insbesondere um erkennen zu können, ob diese seinem wirklichen Wunsch entsprechen (zit. Urteil 5A_312/2019 E. 2.1.2). Aus dieser Erwägungung, auf die sich der Beschwerdeführer bezieht, kann nicht abgeleitet werden, beim Verzicht auf eine alternierende Obhut im Sinn gleicher Betreuungsanteile sei stets ein Gutachten einzuholen.