Citation: U 418/06 29.03.2007 E. 5.3

5.3.1 Seit dem Unfall leidet der Versicherte an Beschwerden im Hüft-/ Leistenbereich. Diese Beschwerden standen gleich nach dem Unfall im Vordergrund und bewirkten in einer ersten Zeit, dass der Versicherte nicht gehen konnte. In der Folge trat eine leichte Besserung ein. Nach wie vor stehen die Beschwerden in diesem Körperbereich unter den verschiedenen geklagten Beschwerden aber im Vordergrund. 5.3.2 Der Unfallversicherer verneinte im Einspracheentscheid vom 12. Januar 2005 im Wesentlichen gestützt auf das Gutachten G.________ und die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 30. Oktober 2000 und den über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus andauernden Beschwerden im Hüft-/Leistenbereich. Die Vorinstanz und auch der Versicherte bejahen demgegenüber diesen Kausalzusammenhang, wobei sie vor allem auch auf die Ausführungen im Gutachten E.________ verweisen. Beiden Auffassungen kann nicht gefolgt werden. Aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen lässt sich die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Beschwerden im Hüft-/Leistenbereich nämlich nicht abschliessend beurteilen. 5.3.3 Im Gutachten G.________ wird davon ausgegangen, dass in Bälde der status quo ante wieder erreicht sei. Für den Zeitpunkt der Begutachtung (Mai 2002) betrachtete der Experte den Kausalzusammenhang als wahrscheinlich. Bei der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (ELF) stellte Dr. med. B.________ im Mai 2003 weiterhin Beschwerden im Bereich der rechten Hüfte und Leiste fest - eine Feststellung, welche im Widerspruch zu der im Gutachten G.________ ausgedrückten Erwartung steht, dass die Beschwerden in diesem Körperbereich spätestens bis Ende August 2002 abgeheilt seien. Das Ausbleiben der erwarteten Genesung scheint dabei nicht auf fehlenden Willen des Versicherten zurückzuführen zu sein, wurde diesem doch im Zusammenhang mit der EFL zuverlässige Leistungsbereitschaft und gute Konsistenz bescheinigt. Auch der behandelnde Arzt Dr. med. I.________ hielt in seinem Bericht vom 26. November 2002 fest, der Versicherte habe sich bemüht, das vom Gutachter G.________ vorgeschlagene Kräftigungsprogramm auszuführen, er stosse aber permanent auf Grenzen durch Schmerzentwicklung und eine Besserung sei durch das Training nicht eingetreten. Angesichts dieser Umstände kann auf die Kausalitätsbeurteilung im Gutachten G.________ nicht abgestellt werden. 5.3.4 In der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) werden die Beschwerden des Versicherten im Hüft-/Leistenbereich als mögliche, nicht aber als wahrscheinliche Unfallfolge qualifiziert. Diese Beurteilung steht nicht nur im Widerspruch zur Beurteilung im Gutachten E.________ vom 16. März 2004 und auch zu derjenigen des Dr. med. U.________ im Schreiben vom 11. Juli 2005, welche beide die Unfallkausalität als wahrscheinlich erachten, sondern auch - zumindest in einem gewissen Masse - zum Gutachten G.________ vom 10. Juli 2002, werden doch dort die entsprechenden Beschwerden an sich ebenfalls als wahrscheinlich unfallkausal bezeichnet - zumindest für den Zeitpunkt der Beurteilung. Im Übrigen wird in der EFL nicht begründet, weshalb bei der festgestellten und objektivierten Beeinträchtigung seitens der rechten Leiste/Hüfte der Unfallkausalzusammenhang (nur) als möglich erachtet wird. Auch die EFL erweist sich somit nicht als genügende Grundlage zur Kausalitätsbeurteilung. 5.3.5 Umgekehrt geht es aber auch nicht an - wie dies die Vorinstanz getan hat - letztlich gestützt auf das vom Versicherten eingeholte Gutachten E.________ die Unfallkausalität der Beschwerden im Hüft-/ Leistenbereich einfach zu bejahen. Wie sich aus den vorstehenden Ausführungen ergibt, steht diese Einschätzung zumindest im Widerspruch zur EFL. Das Gutachten E.________ beruht zwar auf einer umfassenden Untersuchung und die umfangreichen klinischen Befunde werden ausführlich dargestellt. Die gestellte Diagnose leuchtet an sich ein und in der Beurteilung wird eine plausible Erklärung für die Entstehung der heute schmerzhaften Beschwerdebilder geliefert. Der Gutachter wählt aber sehr zurückhaltende Formulierungen, indem er von einer "möglichen" konstitutionell begründeten Bereitschaft spricht, mit chronischen Entzündungen der Bandstrukturen samt ihren Ansätzen zu reagieren. Er führt auch an, dass sich die schmerzhafte Problematik des bindegewebigen Apparates des Beckengürtels "wohl erst sekundär" entwickelt habe und im Übrigen subklinisch ebenfalls auf der linken Seite bestehe. In einem inhaltlichen und sprachlichen Gegensatz zu dieser vorsichtigen Formulierung wird dann am Ende des Gutachtens ohne weitere Begründung zusammenfassend festgestellt, an der natürlichen Kausalität der Befunde und der dazu passenden Beschwerden sei nicht zu zweifeln. Diese Schlussfolgerung erscheint nicht wirklich begründet und kann angesichts der dargestellten anderen Begutachtungen mit abweichenden Ergebnissen nicht ohne weiteres übernommen werden. Zusammengefasst erscheint das Gutachten E.________ zwar geeignet, die Schlussfolgerungen des Gutachtens G.________ und der EFL, welche die Unfallkausalität - zwar auf unterschiedliche Weise - im Ergebnis eher verneinen, in Frage zu stellen, ohne aber selber eine genügende Entscheidgrundlage zu bilden. In Übereinstimmung mit der Begründung des Eventualantrages des Beschwerde führenden Unfallversicherers ist somit festzustellen, dass für die Beantwortung der Frage nach der natürlichen Unfallkausalität der Hüft-/Leistenbeschwerden ergänzende Abklärungen erforderlich sind.