Citation: U 365/05 11.07.2007 E. 5

5.1 Die Vorinstanz hat den Unfall vom 23. Mai 2000 im Bereich der mittleren Unfälle an der Grenze zu den leichten eingeordnet. Der Versicherte sieht den Unfall mindestens im Grenzbereich zu den schweren Fällen und macht geltend, der Unfall sei ein Ereignis von besonderer Dramatik. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Umstand, der im Rahmen der Einteilung des Unfalls in leichte, mittlere und schwere Fälle zu berücksichtigen wäre, sondern um eines der massgebenden Kriterien. Unter Berücksichtigung des augenfälligen Geschehensablaufs (Unfall auf der Autobahn, Geschwindigkeit des auffahrenden Autos von ca. 45 km/h, Totalschaden) ist höchstens von einem Unfall im eigentlichen mittleren Bereich auszugehen. Daran ändert nichts, dass es sich um eine Doppelkollision gehandelt hat (vgl. RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.1 [Urteil U 380/04 vom 15. März 2005] sowie insbesondere Urteil U 330/03 vom 19. Mai 2004 E. 2.3). Auch dass sich der Unfall im Tunnel ereignet hat, vermag zu keiner anderen Einschätzung zu führen. Denn der hier zu beurteilende Fall ist nicht den schweren Fällen im mittleren Bereich zuzurechnen, da es sich vom Geschehensablauf her um einen, wenn auch mit Doppelkollision, so doch gewöhnlichen Auffahrunfall handelt und sich die beteiligten Personen nur leichte Verletzungen zuzogen (vgl. Polizeiprotokoll vom 28. Mai 2000; vgl. auch RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 sowie Urteil U 334/03 vom 15. November 2004, E. 3.1 mit Hinweisen). Somit ist der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen, wenn eines der Kriterien in besonders ausgeprägter Weise oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind. 5.2 Der Unfall vom 23. Mai 2000 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc; vgl. auch Urteil U 265/05 vom 21. Juni 2006, E. 3.2.1) - von besonderer Eindrücklichkeit. Er hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf dazu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3 [Urteil U 380/04 vom 15. März 2005]). Diese können etwa in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357 E. 4.3 mit Hinweisen [Urteil U 193/01 vom 24. Juni 2003]), in einer fehlenden Kopfstütze oder in einer vorhandenen Fahrzeugkupplung bestehen (vgl. Urteil U 488/05 vom 20. Oktober 2006, E. 3.2.2). Auf den Unfall vom 23. Mai 2000 trifft keine dieser Besonderheiten zu, sodass das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der Verletzung zu verneinen ist. Daran ändern auch die persistierenden Beschwerden und Auswirkungen auf den Alltag nichts, da diese bei anderen Kriterien (Dauerbeschwerden, Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit) zu berücksichtigen sind (vgl. Urteil U 488/05 vom 20. Oktober 2006, E. 3.2.2). Entgegen der Vorinstanz ist auch eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung zu verneinen. Dieses Kriterium ist nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen. Von Bedeutung sind vielmehr auch Art und Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustandes resp. der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist. Es muss, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer vorliegen. Bei einem Schleudertrauma der HWS gilt eine zwei bis dreijährige Behandlung als noch im üblichen Rahmen liegend. Manualtherapeutische Massnahmen zur Erhaltung des Zustandes, ärztliche Verlaufskontrollen sowie eine medikamentöse Schmerzbekämpfung allein genügen diesen Anforderungen nicht (vgl. zum Ganzen etwa RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4 [Urteil U 380/04 vom 15. März 2005] sowie Urteile U 167/06 vom 31. Januar 2007, E. 5.2, U 488/05 vom 20. Oktober 2006, E. 3.2.3, oder U 265/05 vom 21. Juni 2006, E. 3.2.2). Angesichts des Umstandes, dass der Versicherte erst zwei Wochen nach dem Unfall erstmals einen Arzt aufsuchte und in der Folge zwar verschiedene fachärztliche Abklärungen sowie insbesondere physiotherapeutische und medikamentöse Behandlungen stattfanden, kann in den ersten rund zwei Jahren nicht von einer ärztlichen Behandlung im Sinne der dargelegten Rechtsprechung gesprochen werden. Zudem gab es immer wieder Behandlungsunterbrüche. Auch unter Berücksichtigung der durch die zunehmenden psychischen und funktionellen Beschwerden notwendig gewordenen und weiterhin angebrachten Behandlungen ist gesamthaft gesehen keine planmässige ärztliche Behandlung von übermässig langer Dauer ausgewiesen. Hingegen hat die Vorinstanz das Kriterium der Dauerbeschwerden zu Recht bejaht. Es ist jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Mit der Vorinstanz ist auch eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, zu verneinen, da sich dafür in den Akten keine Anhaltspunkte ergeben. Daran ändern auch die Einwände des Versicherten nichts. Insbesondere kann nicht gesagt werden, die Schweizerische Mobiliar habe die notwendigen fachärztlichen Abklärungen und die gebotenen Therapien verzögert; denn der Versicherte hat ihr den Unfall erst ein Jahr nach dem Ereignis gemeldet (vgl. Bagatellunfallmeldung vom 18. Juli 2001 sowie Schreiben des Rechtsvertreters vom 3. Mai 2001). Das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen kann nicht allein schon wegen der Dauer der ärztlichen Behandlung und der andauernden Beschwerden bejaht werden, da diese selbst spezifische Kriterien darstellen. Auch eine Schmerzchronifizierung oder eine psychische Überlagerung reichen dazu nicht aus, weil sie zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehören (vgl. Urteil U 265/05 vom 21. Juni 2006, E. 3.2.1). Nach dem Gesagten sind ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen zu verneinen. Was schliesslich Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit betrifft, war der Versicherte nach dem Unfall bis zu seiner Entlassung per Ende März 2001 in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt bzw. wies keine ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit aus. Für die Zeit von April bis Ende November 2002 hatte Dr. phil. S.________ mehrfach festgehalten, dass der Versicherte nach eigenen Angaben bei voller Arbeitsfähigkeit auf Stellensuche sei. Der Versicherte bezog denn auch Arbeitslosenentschädigung bei voller Vermittlungsfähigkeit. Die MEDAS hält es demgegenüber für wahrscheinlich, dass er seit dem Unfall in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Dem kann nicht gefolgt werden, da dies durch keine damalige ärztliche Einschätzung bestätigt wird. Am 9. Dezember 2002 nahm der Versicherte eine neue Arbeitstätigkeit zu einem halben Pensum auf. Sein Hausarzt, Dr. med. Z.________, bei welchem er seit Anfang 2002 in Behandlung ist, bestätigte eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit 9. Dezember 2002. Die MEDAS attestierte eine Arbeitsfähigkeit von 50 % ab 23. Oktober 2003. Gesamthaft gesehen ist somit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit 9. Dezember 2002 bis zur Leistungseinstellung (31. Dezember 2003) ausgewiesen. Das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist somit nicht erfüllt (vgl. etwa RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.5 [Urteil U 380/04 vom 15. März 2005]). 5.3 Keines der massgebenden Kriterien ist in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Auch treten die Kriterien nicht in gehäufter oder besonders auffälliger Weise auf. Die Vorinstanz hat demnach die Leistungseinstellung der Schweizerischen Mobiliar zu Recht bestätigt.