Citation: I 270/06 08.06.2007 E. 3

Vorinstanz und Verwaltung nahmen auf Grund der medizinischen Aktenlage an, die ärztlich diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung sei schon vor der Einreise in die Schweiz aufgetreten; da dieses die Arbeitsfähigkeit einzig beeinträchtigende psychische Leiden schon bestanden habe, als der Beschwerdeführer in die Schweiz einreiste, seien die versicherungsmässigen Voraussetzungen für eine Leistungsgewährung nicht erfüllt. Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, der invalidisierende psychische Gesundheitsschaden sei erst in Erscheinung getreten, als er schon einige Zeit in der Schweiz lebte. 3.1 Vorinstanz und Verwaltung gingen vom Bericht des Sozialpsychiatrischen Dienstes Y.________ vom 18. Januar 2002 aus, in welchem eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:F43.1) mit Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10:F45.4) diagnostiziert worden war. Wie Dr. med. G.________ vom Regionalen ärztlichen Dienst (RAD) am 14. November 2005 darlegte, treten die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung gemäss ICD-10:F43.1 Wochen bis Monate, ganz selten aber erst später als sechs Monate nach dem Trauma auf. Gestützt auf diese Ausführungen und auf Grund des Umstandes, dass als auslösendes traumatisierendes Ereignis praktisch nur ein in die Jahre 1990/1991 fallender mehrmonatiger Aufenthalt in einem serbischen Gefangenenlager in Betracht fiel, zog die Vorinstanz wie zuvor schon die Verwaltung den Schluss, dass das Auftreten der posttraumatischen Belastungsstörung - nachdem mit einer Latenzzeit von höchstens sechs Monaten zu rechnen ist - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch vor der Einreise in die Schweiz erfolgt sein muss und auch der Invaliditätseintritt auf einen Zeitpunkt fällt, in welchem sich der Beschwerdeführer noch gar nicht in der Schweiz befand. Dass sich die posttraumatische Belastungsstörung erst im Jahre 2001 manifestiert hätte, erachtete Dr. med. G.________ als nicht glaubhaft, weil dazu zuvor ein zweites traumatisierendes Ereignis erforderlich gewesen wäre. Ebenso verwarf er die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer trotz vorhandener posttraumatischer Belastungsstörung bis in die Jahre 2000/2001 arbeitsfähig gewesen sein könnte. Damit verblieb nach Ansicht von Vorinstanz und Verwaltung nur noch die Variante, dass das Leiden schon vor der Einreise in die Schweiz am 29. Oktober 1992 bestand. Unter der Voraussetzung, dass die Inhaftierung des Bescherdeführers bis spätestens Ende 1991 dauerte, könnte dieser Betrachtungsweise im Ergebnis insoweit beigepflichtet werden, als im Zeitpunkt des Invaliditätseintrittes - welchem während eines Jahres eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit vorauszugehen hat (Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG) - nicht während eines vollen Jahres Beiträge an die Eidgenössische Invalidenversicherung entrichtet wurden, womit die in Art. 36 Abs. 1 IVG genannte Anspruchsvoraussetzung nicht erfüllt ist. 3.2 Im vorliegenden Verfahren legt der Beschwerdeführer nun aber als neues Beweismittel ein Dokument des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) vom 19. April 2006 auf, aus welchem hervorgeht, dass er am 27. Mai 1992 inhaftiert, am 27. August sowie am 24. und 27. September 1992 in der Haft besucht und am 1. Oktober 1992 aus der Haft entlassen wurde. Damit trifft die den Beurteilungen durch Vorinstanz und Verwaltung zu Grunde liegende Annahme, wonach die Kriegsgefangenschaft in die Jahre 1990/1991 fiel, nicht zu. Da kein Anlass besteht, die Glaubwürdigkeit der Angaben des IKRK in Frage zu stellen, und sich auch gegen die relativ späte Beibringung der Bestätigung vom 19. April 2006 nichts einwenden lässt, präsentiert sich die für die Beurteilung des geltend gemachten Rentenanspruchs massgebende Ausgangslage wesentlich anders als noch in den vorinstanzlichen Verfahren. Ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer erst knapp einen Monat vor seiner Einreise in die Schweiz aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, der für die posttraumatische Belastungsstörung ursächliche Aufenthalt in einem Gefangenenlager mithin erheblich später als von Vorinstanz und Verwaltung angenommen ein Ende fand, verbleibt für die Möglichkeit, dass die psychische Reaktion auf die Inhaftierung noch vor der Einreise in die Schweiz zu Tage trat, kaum mehr Raum, müsste sie gegebenenfalls doch schon in der relativ kurzen Zeitspanne zwischen dem 1. und dem 29. Oktober 1992 aufgetreten sein. Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass der Eintritt der Invalidität nach Ablauf eines Jahres mit mindestens 40%iger Arbeitsunfähigkeit (E. 3.1 hievor) erst nach der Einreise in die Schweiz erfolgte. Entgegen der vorinstanzlichen Argumentation, kann demnach der geltend gemachte Rentenanspruch nicht ohne weiteres mangels Erfüllung der versicherungsmässigen Voraussetzungen im Zeitpunkt des Invaliditätseintrittes verneint werden. Dies räumt das kantonale Gericht in seiner Vernehmlassung vom 2. Mai 2006 denn auch selbst ein. Die Verwaltung, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird die formellen und gegebenenfalls auch die materiellen Voraussetzungen für einen Rentenanspruch genauer zu prüfen haben und darüber erneut verfügungsweise befinden.