Citation: H 37/00 21.11.2000 E. 4

4.- Zu prüfen ist weiter, in welchem Zeitpunkt die Beschwerdeführenden aus dem Verwaltungsrat ausschieden, trifft sie doch nach ständiger Rechtsprechung (BGE 112 V 4 Erw. 3c und 5 Erw. 3d; vgl. auch AHI 1994 S. 36 Erw. 6b) keine Haftung für jene entgangenen Beiträge, die erst nach dem effektiven Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat fällig (Art. 34 Abs. 4 in Verbindung mit Abs. 1-3 AHVV) geworden sind. In diesem Kontext sind von Bedeutung: - Ein handschriftliches Schreiben des D.________ vom 30. Oktober 1992 an P.________ in dessen Eigenschaft als Verwaltungsratsdelegierter der N.________, D.________ Arbeitgeberfirma. - Zwei getrennte, aber in Inhalt und Darstellung weitgehend gleich lautende, vermutlich gegenseitig abgesprochene Rücktrittsschreiben von T.________ und D.________, datiert vom 11. Januar 1993, gerichtet an den Verwaltungsrat der M.________ AG. a) Die Ausgleichskasse ist in ihrer Klage gegen D.________ davon ausgegangen, dass P.________ zwar in der Tat Verwaltungsratsdelegierter der N.________ gewesen sei. Indessen sei das Aktienkapital der M.________ AG, einer hundertprozentigen Tochter der E.________, in hundert Inhaberaktien eingeteilt gewesen, weshalb die N.________ für die Tochterfirma der E.________ "anonym" gewesen sei. P.________ habe daher nicht der richtige Adressat einer Demissionserklärung sein können, da er in keiner Rechtsbeziehung zur M.________ AG stand, die ihm die Position verliehen habe, Empfänger einer Rücktrittserklärung des Verwaltungsratspräsidenten zu sein. Der Rücktritt D.________ habe nur an die Mitverwaltungsrätin T.________ oder, nach deren Ausscheiden, an die Generalversammlung der M.________ AG gerichtet werden können. Dies sei aber nicht geschehen, weshalb dem Schreiben des D.________ vom 30. Oktober 1992 nicht die Qualität einer Demissionserklärung zukomme, seine Organschaft folglich über dieses Datum hinaus Bestand habe. In der Tat hat D.________ am 30. Oktober 1992 P.________ geschrieben: "Pour la bonne forme, je précise que je suis de facto dans l'obligation de démissionner des Conseils d'administration de GRH, de L.________, de M.________ et de C.________. ". Im Hinblick darauf, dass, wie oben dargelegt (Erw. 3b aa), ganz erhebliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass P.________ im Konzern massgebliche Entscheidungsbefugnisse hatte und damit als faktisches Organ der M.________ AG in Betracht fällt, könnte durchaus erwogen werden, diese Rücktrittserklärung als gültiges Demissionsschreiben zu qualifizieren. Denn wenn die faktische Organqualität die Verantwortlichkeit des Art. 52 AHVG nach sich zieht, ist nicht einzusehen, warum der in den Kreis der haftpflichtigen Organe eingetretene faktische Verwaltungsrat nicht als Adressat von Demissionserklärungen seiner formellen Mitverwaltungsräte betrachtet werden könnte. Indessen kann diese Frage offen bleiben. Denn das kantonale Gericht weist zutreffend darauf hin, dass D.________ unmittelbar im Anschluss an das Schreiben vom 30. November 1992 wieder als Verwaltungsrat aktiv geworden ist, hat er doch schon am 2. November 1992 in Anwesenheit von T.________ (Protokollführerin) eine Verwaltungsratssitzung der M.________ AG (betreffend u.a. deren Sitzverlegung) präsidiert. Dem kantonalen Gericht ist daher insofern beizupflichten, als das Schreiben vom 30. Oktober 1992 an P.________ wegen fortgesetzter Tätigkeit als Verwaltungsrat seine formelle Organeigenschaft nicht beendete. Daran ändert nichts, dass im erwähnten Protokoll D.________ Rücktritt festgehalten wurde. b) Es fragt sich weiter, ob und welche rechtlichen Wirkungen die oben erwähnten Rücktrittsschreiben von T.________ und D.________ vom 11. Januar 1993 zeitigen. Diesbezüglich hat die Vorinstanz die von Thomet am 11. Januar 1993 mit sofortiger Wirkung ausgesprochene Demissionserklärung akzeptiert und - gestützt darauf - zu Lasten des D.________ gefolgert, er habe zwar auch am 11. Januar 1993 seinen Rücktritt erklärt, dies jedoch erst mit Wirkung auf den 31. Januar 1993, auf ein Datum somit, in dem er - da T.________ schon am 11. Januar 1993 rechtsgültig ausgeschieden sei - als einziger Verwaltungsrat verblieben sei. Damit habe er die Rücktrittserklärung vom 11. Januar 1993 "gleichsam an sich selber gerichtet", mit der Folge, "dass auch auf den 31. Januar 1993 kein gültiger Rücktritt erfolgte". Erst mit dem an den nachmaligen Verwaltungsrat S.________ gerichteten Schreiben vom 29. April 1993 sei er definitiv aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden. Das Schreiben des D.________ vom 11. Januar 1993 lautet: "Mon contrat de travail avec N.________ SA prend fin le 31 janvier 1993. Formellement, je suis tenu de vous présenter ma démission en tant qu'administrateur de M.________ AG, ce que je fais aux termes de la présente. Vous voudrez bien communiquer ma démission au Registre du Commerce du canton de Zurich pour radiation au plus court terme. ". In Anbetracht dieses Wortlautes kann die Auffassung der Vorinstanz, die Eigenschaft als Verwaltungsrat sei von D.________ an die Beendigung seines Arbeitsvertrages geknüpft worden, nicht bestätigt werden. Die Eigenschaften des Arbeitnehmers (in der zur Firmengruppe gehörenden N.________) und des Verwaltungsrates (in der M.________ AG) sind auch in diesem Zusammenhang rechtlich auseinander zu halten. D.________ wollte offensichtlich so rasch als möglich aus dem Verwaltungsrat ausscheiden, und es liegt keine Willenserklärung seinerseits vor, der zu entnehmen wäre, dass er bis zur Beendigung seines Arbeitsvertrages habe Verwaltungsrat bleiben wollen. Somit ist von zwei am 11. Januar 1993 abgegebenen Rücktrittserklärungen auszugehen, abgegeben in einem Zeitpunkt, da der Verwaltungsrat der M.________ AG noch aus zwei Verwaltungsratsmitgliedern bestand. Nicht nur T.________ wie die Vorinstanz meint, sondern auch D.________ haftet somit nicht für jene ausgefallenen Beiträge, welche nach dem 11. Januar 1993 fällig geworden sind.