Citation: 1P.614/1999 26.06.2000 E. 3.-

Die Beschwerdeführer bestreiten sodann die Recht- mässigkeit der im Lommisried ausgeschiedenen Naturschutz- zone, so weit sie ihre Parzellen Nrn. 1286 und 1290 be- trifft. Sie machen geltend, die Schutzwürdigkeit des Ge- bietes sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Das Ver- waltungsgericht habe sich zu Unrecht auf den kantonalen Richtplan sowie seine eigene Wahrnehmung gestützt. Auch seien die privaten Interessen zu wenig gewürdigt und eine Prüfung der Verhältnismässigkeit unterlassen worden. a) Das Bundesgericht überprüft Sachverhaltsfest- stellungen und die Beweiswürdigung durch die letzte kanto- nale Instanz im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde auf Willkür hin (BGE 119 Ia 362 E. 3a S. 366 mit Hinweisen). Die Vermutung, dass es sich beim Lommiserriet um ein Gebiet handeln könnte, dem besonderer Schutz gebührt, ergibt sich zunächst aufgrund der Bezeichnung als Ried. Das Verwaltungs- gericht hat sich an Ort und Stelle begeben und befunden, die Schutzwürdigkeit sei offensichtlich und abgesehen von den Beschwerdeführern allseits anerkannt. Tatsächlich sind die Parzellen der Beschwerdeführer beidseits von Grundstücken umgeben, die ebenfalls der Naturschutzzone zugeteilt wurden. Es wird nichts vorgebracht, was diese Feststellung als ge- radezu willkürlich erscheinen liesse. Es sprechen vielmehr verschiedene Argumente für die Richtigkeit dieser Annahme: Im kantonalen Richtplan ist das Lommiserriet in der Liste der Naturschutzgebiete als Festsetzung aufgeführt. Dies ist für die Behörden verbindlich (Art. 9 Abs. 1 RPG), d.h. die Gemeinde war verpflichtet, im Rahmen der Ortspla- nung die Festsetzung zu berücksichtigen, wonach das Lommi- serriet einer Naturschutzzone zuzuweisen ist. Wie sich aus dem Landschaftsschutzplan der Gesamt- melioration Lommis - Bettwiesen vom September 1984 ergibt, wurde das Lommiserriet als zusammenhängende Riedfläche aus- geschieden. Die Legende lautet "Ried, Landschaftsschutz- zonen". Dem Massnahmenkatalog ist zu entnehmen, dass der grössere Teil des Lommiserriets der Naturschutzzone zuge- wiesen werde. Diesen klaren Kundgebungen entsprechend wurde der Landpreis tief bewertet. Die Beschwerdeführer haben sich trotz - oder vielleicht gerade wegen - dieser Ausgangslage, die ihnen bekannt sein musste, gerade um die Parzellen im Ried bemüht. Schliesslich ergeben sich auch aus dem von den Be- schwerdeführern in Auftrag gegebenen Privatgutachten keine Zweifel an der Schutzwürdigkeit des Lommiserriets. Darin wird vielmehr die Bedeutung der Riedfläche für den "Chraie- hof" betont, einer Kombination aus Wohn- und Werkstätte für Behinderte sowie Landwirtschaftsbetrieb. Über die Schutzwür- digkeit des Rieds spricht sich der Bericht nur insofern aus, als mit der Zuweisung der Parzellen der Beschwerdeführer zur Landschaftsschutzzone und einer Fortführung der bisherigen Bewirtschaftung (als wenig intensive Wiese gemäss Ökobei- tragsverordnung) für das Gebiet sehr viel gewonnen wäre. Implizit wird die Schutzwürdigkeit des Gebiets damit eben- falls anerkannt. b) Ist an der Schutzwürdigkeit des Lommiserriets nicht zu zweifeln, ist damit gestützt auf die bereits er- wähnten Rechtsgrundlagen gleichzeitig gezeigt, dass ein erhebliches öffentliches Interesse an entsprechenden Schutz- massnahmen besteht. Dass die Zuteilung zur Naturschutzzone ein strengeres Nutzungsregime mit sich bringt, ist von den Beschwerdeführern hinzunehmen, da der Schutzzweck sich an- ders nicht umsetzen liesse. Im Übrigen haben die Beschwerde- führer die Riedfläche bereits bisher bloss extensiv bewirt- schaftet. Allfällige zusätzliche Einschränkungen in der zu- lässigen Bewirtschaftung treffen die Beschwerdeführer des- halb nicht unverhältnismässig, zumal sie sich - wie erwähnt - im Wissen um die Schutzabsichten ausdrücklich um diese Parzellen beworben haben. Auch eine gegenüber den bisherigen Möglichkeiten noch extensivere Bewirtschaftung der Fläche bietet Beschäftigungsmöglichkeiten für Behinderte, und eine allenfalls erforderliche teilweise Umstrukturierung des Be- triebs, weil möglicherweise die Eigenproduktion an Futter- mitteln sowie die Fläche zur Ausbringung von Dünger abnimmt, lässt die Massnahme ebenfalls nicht als unverhältnismässig erscheinen.