Citation: 8C_728/2010 28.01.2011 E. 2

2.1 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdegegner in den Lebensverrichtungen "Ankleiden, Auskleiden", "Verrichtung der Notdurft" und "Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme" auf die Hilfe Dritter angewiesen ist. Streitig und zu prüfen ist einzig, ob dies auch für den Lebensbereich "Essen" gilt. 2.2 Nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz vermag der Versicherte wegen der Kraftlosigkeit sowie der eingeschränkten Motorik der Hände feste Speisen wie Fleisch-, Brot- oder Pizzastücke ohne Dritthilfe nicht mundgerecht zu zerkleinern. Die Hilflosigkeit im Lebensbereich "Essen" sei daher zu bejahen. 2.3 Die IV-Stelle rügt die Sachverhaltsfeststellung des kantonalen Gerichts nicht, macht aber Einwände geltend, welche die Rechtsfrage betreffen, ob der Begriff der Hilflosigkeit richtig ausgelegt und angewendet worden ist (vgl. E. 1.3). Sie bringt vor, das kantonale Gericht habe zu Unrecht berücksichtigt, der Beschwerdegegner benötige beim Öffnen von Flaschen, Konserven etc. Hilfe. Sodann stünden Brot und Fleisch nicht täglich auf dem Speiseplan, zum anderen sei zur Vermeidung einer Hilflosigkeit zumutbar, solche Lebensmittel geschnitten einzukaufen oder auf leichter zerkleinerbare Esswaren auszuweichen. Was die Argumentation der Vorinstanz anbelange, der Beschwerdeführer sei als Student der X.________ darauf angewiesen, das Mittagessen in der dortigen Mensa einzunehmen, wo er den Menüplan nicht zu beeinflussen vermöge, sei einzuwenden, dass die genannte Institution über mehrere Verpflegungsbetriebe verfüge, die jede Woche ankündigten, welche Gerichte täglich angeboten würden. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht sei ihm daher zumutbar, jeweils vorgängig diejenigen Gerichte auszuwählen, die er ohne Dritthilfe mit Gabel und Messer einnehmen könne. Nicht zuletzt sei ihm zumutbar, am Vorabend etwas Geeignetes für den nächsten Tag einzukaufen und vorzubereiten, zumal er während der Woche in C.________ wohne. 2.4 Die IV-Stelle übersieht, dass nach der immer noch richtungweisenden Rechtsprechung von BGE 106 V 153 E. 2b S. 158 ein Versicherter nicht generell einer Lebensverrichtung fähig gelten darf, wenn er sie nur auf eine nicht übliche Art und Weise ausführen kann. In jenem Fall wurde schwere Hilflosigkeit angenommen ungeachtet der Tatsache, dass die Versicherte allein essen konnte, indem sie die Speisen mit den Fingern zum Mund führte. So ist auch hier zu entscheiden. Der Beschwerdeführer kann nicht mit dem Besteck harte Speisen zerkleinern und er müsste, könnte er keine Dritthilfe beanspruchen, diese zum Mund führen und ein Stück herausbeissen, was klar nicht den gesellschaftlichen Gepflogenheiten entspricht und daher unüblich im Sinne der Rechtsprechung ist. Daran ändert der Hinweis auf die Schadenminderungspflicht nichts. Das Bundesamt für Sozialversicherungen hält in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung in Ziffer 8018 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) fest, dass Hilflosigkeit vorliegt, wenn die versicherte Person ohne Hilfe Dritter keine normal zubereitete Nahrung zu sich nehmen kann. Dem Beschwerdeführer ist mithin entgegen der Auffassung der IV-Stelle nicht zuzumuten, ausschliesslich zerkleinerte Lebensmittel einzukaufen oder in der Mensa der X.________ nur Menüs auszuwählen, die er ohne Dritthilfe essen kann. Ob das Öffnen einer Getränkeflasche eine Teilfunktion der Lebensverrichtung "Essen" darstellt, kann offen bleiben. Praxisgemäss ist nicht verlangt, dass die versicherte Person bei allen Teilfunktionen einer Lebensverrichtung regelmässig in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist (BGE 107 V 136 E. 1d S. 141). Insgesamt hat die Vorinstanz die Hilfsbedürftigkeit im Lebensbereich "Essen" zu Recht bejaht. 2.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in vier alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, weshalb er praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3b S. 90) eine Entschädigung für mittelschwere Hilflosigkeit beanspruchen kann.