Citation: 8C_398/2023 E. 5.2.1

5.2.1. Der Beschwerdeführer erachtet das Gutachten der GA eins GmbH vom 12. Oktober 2020 ebenfalls als beweiskräftig. Er weist aber darauf hin, dass darin fälschlicherweise die Dolmetschertätigkeit als angestammt qualifiziert werde, obwohl er diese nur im Umfang von 20 % ausgeübt habe. Deshalb habe er gegen die "Umsetzung auf den Einkommensvergleich" erhebliche Einwände. Als angestammt sei die Arbeit als Detailhandelsfachmann im Vollerwerb zu werten. Die IV-Stelle habe aber nicht weiter geprüft, ob die Tätigkeit im Detailhandel dem gutachterlich beschriebenen Zumutbarkeitsprofil entspreche. Indem die Vorinstanz ebenfalls keine weiteren Abklärungen dazu vorgenommen habe, habe sie Art. 61 lit. c und d ATSG, Art. 9 und 29 BV sowie Art. 6 Abs. 1 EMRK verletzt. Zu berücksichtigen sei, dass (gemäss Expertise) Zwangshaltungen und andauernd mittelschwere Arbeiten nicht mehr zumutbar seien, was jedoch genau der Einzelhandelstätigkeit entspreche. Es müssten "tagelang" Waren in Kisten in Empfang genommen und diese von den Paletten zum Einräumen in die Regale umgeladen werden. Immer wieder seien zudem schwere Arbeiten vorzunehmen, so zum Beispiel das Bereitstellen von Pflanzenerde (in Säcken) bis zu 35 Liter. Im Gutachten wird aus polydisziplinärer Sicht zusammenfassend angegeben, der Beschwerdeführer sei in einer körperlich leichten bis selten mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig. Dazu gehört nach den Angaben der Experten neben der Tätigkeit als Dolmetscher ausdrücklich auch diejenige im Verkauf. Lediglich körperlich schwere und andauernd mittelschwere Tätigkeiten und solche mit Zwangshaltungen der Wirbelsäule sind gemäss Gutachten nicht mehr zumutbar. Aufgrund dieser Schlussfolgerungen scheint also die angestammte Tätigkeit als Detailhandelsfachmann weiterhin vollumfänglich zumutbar zu sein. Die IV-Stelle und mit ihr auch das kantonale Gericht haben aber bei der Bemessung des Invalideneinkommens anhand der LSE 2014 und aufgerechnet auf das Jahr 2015 nicht wie beim Valideneinkommen auf den Wirtschaftszweig Detailhandel und dort auf Kompetenzniveau 3 (komplexe praktische Tätigkeiten, die ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen), Männer, sondern sehr wohlwollend, zugunsten des Beschwerdeführers auf das Total, Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art), Männer, abgestellt. Ob dies richtig ist, kann dahingestellt bleiben, da eine reformatio in peius im bundesgerichtlichen Verfahren nicht in Frage kommt (vgl. Art. 107 Abs. 1 BGG). Im hier berücksichtigten Kompetenzniveau 1, Total, findet sich für Männer jedenfalls eine Vielzahl von körperlich leichten bis mittelschweren Hilfsarbeiten, womit die Einwände des Beschwerdeführers bezüglich seiner Einschränkungen im Verkauf allesamt ins Leere zielen. Gleich verhält es sich mit der Rüge hinsichtlich des von Verwaltung und Vorinstanz bei der Ermittlung des Valideneinkommens zu 20 % berücksichtigten Verdienstes als Dolmetscher. Denn auch wenn das Valideneinkommen einzig aufgrund des hypothetischen Einkommens als Detailhandelsfachmann in einem Vollzeitpensum ermittelt würde, hätte dies keinen Leistungsanspruch zur Folge. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 76'743.- (Detailhandel, Kompetenzniveau 3, Männer) und einem Invalideneinkommen von Fr. 59'970.- (Total, Kompetenzniveau 1, Männer, 10%iger Leidensabzug) für das Jahr 2015 würde sich lediglich ein leicht höherer Invaliditätsgrad von 22 % ergeben.