Citation: 4A_258/2020 E. 3.2.4

3.2.4. Da die Beschwerdegegnerin eine Vertragsverletzung durch Unterlassen begangen habe, stelle sich die Frage, ob ein hypothetischer Kausalzusammenhang zwischen dieser und dem Schaden bestehe. Die Beweislast für den Kausalzusammenhang liege beim Geschädigten, weshalb es grundsätzlich seine Aufgabe sei, den hypothetischen Kausalzusammenhang zu behaupten und im Sinne einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Umgekehrt stehe dem potenziell Haftpflichtigen der Einwand offen, dass der Schaden auch eingetreten wäre, wenn er sich vertragsgemäss verhalten hätte (sog. Einwand des rechtmässigen Alternativverhaltens). Da es sowohl aus Sicht des Geschädigten als auch des potenziell Haftpflichtigen um den vom Geschädigten zu erbringenden Nachweis eines hypothetischen Kausalverlaufs gehe, komme es letztlich darauf an, welchen Kausalverlauf das Gericht für überwiegend wahrscheinlich halte. Wenn der Schädiger einwende, dass der Schaden auch bei rechtmässigem Verhalten eingetreten wäre, müsse dies mindestens überwiegend wahrscheinlich sein. Die Beschwerdegegnerin habe den hypothetischen Kausalzusammenhang bestritten. Sie habe eingewendet, die Mauern seien nicht mehr tragfähig gewesen; die Beschwerdeführer hätten dies (konkludent) anerkannt. Daraus folge im Sinne einer tatsächlichen Vermutung, dass die Mauern nicht mehr entsprechend ihrer ursprünglichen Bestimmung hätten verwendet werden können und hätten abgebrochen werden müssen. Folglich wäre es den Beschwerdeführern oblegen, in substanziierter Weise darzutun, dass und wie die Mauern bei vertragsgemässem Handeln dennoch hätten erhalten werden können. Mit ihrem pauschalen Vorbringen, dies wäre mit baulichen Massnahmen ohne Weiteres möglich gewesen, seien sie indes ihrer Behauptungs-, jedenfalls aber ihrer Substanziierungslast nicht nachgekommen. Vor diesem Hintergrund seien die der Beschwerdegegnerin vorgeworfenen Unterlassungen nicht überwiegend wahrscheinlich für den durch den Baustopp sowie die Projektänderung resultierenden Schaden, weshalb es an der hypothetischen Kausalität mangle. Im Ergebnis hielt die Vorinstanz den von den Beschwerdeführern geltend gemachten Schadenersatzanspruch mangels Kausalitätsnachweises für nicht erstellt, weshalb sie deren Widerklage ab- und die Klage der Beschwerdegegnerin auf Zahlung des Architektenhonorars guthiess.