Citation: 7B_267/2022 E. 3.6.1

3.6.1. Dem vorinstanzlichen Standpunkt, wonach die Anklage als Ganzes zu lesen ist, kann entgegen der beschwerdeführerischen Auffassung gefolgt werden (so ausdrücklich Urteil 7B_277/2022 vom 11. Dezember 2023 E. 2.3.1). So betrachtet ergibt sich aus der vorliegend streitigen Anklageschrift bzw. deren von der Vorinstanz im Zusammenhang mit der sexuellen Nötigung besonders erwähnten Randziffern 10, 12-13, 21-23 und 29 zweifelsfrei, dass den Beschuldigten der Aufbau von massivem und letztlich tatbestandsmässigem Druck auf die Privatklägerin vorgeworfen wird. In Rz. 10 der Anklage wird festgehalten, dass die Beschwerdeführerin von der Privatklägerin verlangt habe, sich nackt hinzustellen, sich vorzustellen und zu sagen, dass sie "Schwänze möge und gerne gefickt werde", was letztere befolgt habe. Auch die darauffolgenden Handlungen - Anfassen der eigenen Brüste, Vulva und Vagina, Selbstbefriedigung mit einem Dildo, Nachspielen eines pornographischen Films und Ablecken des Dildos, auf den Mayonnaise gestrichen worden war - geschahen gemäss Rz. 10, 12 und 13 der Anklage auf Aufforderung von einer der vier Beschuldigten. Dazwischen war es laut Rz. 13 der Anklage die Beschwerdeführerin, welche der Privatklägerin den Dildo mehrere Male in den Anus einführte, wobei diese Schmerzen gehabt und erklärt habe, zu allem bereit zu sein, wenn sie nur die anale Penetration vermeiden könne. Weiter wird in Rz. 21 der Anklage das mittäterschaftliche Zusammenwirken umschrieben und Rz. 22 beschreibt schliesslich die angewandten Nötigungsmittel: Die Privatklägerin sei einer Überzahl an Beschuldigten gegenübergestanden, welche ihr auch ihr Mobiltelefon weggenommen hätten. Sie sei von deren gezeigten körperlichen und psychischen Aggressionen stark eingeschüchtert gewesen. Sie habe sich vor den Beschuldigten und davor gefürchtet, dass sie ihr weitere, noch gesteigerte Gewalt zufügen und sie noch länger in ihrer Gewalt behalten würden. Auch habe sie um den Verlust ihres Ansehens gefürchtet, sollten die Beschuldigten die von ihr erstellten Aufnahmen veröffentlichen (siehe dazu E. 4 unten). Dies sei ihr ja auch wiederholt in Aussicht gestellt worden. Die Privatklägerin habe den Beschuldigten alles zugetraut und Todesangst gehabt. Sie habe keinen Ausweg aus der Gefangenschaft und der Gewalt gesehen, sodass sie sich dem Willen der Beschuldigten unterworfen habe, deren Anweisungen gefolgt sei und ihre Handlungen erduldet habe. Sie habe gehofft, wenn sie die Forderungen erfülle, könne sie noch Schlimmeres verhindern. In Kombination zeigen diese Ausführungen in der Anklageschrift eindeutig, inwiefern den Beschuldigten das Schaffen einer ausweglosen Situation, in der die Privatklägerin über keine Selbstschutzmassnahmen mehr verfügte, zur Last gelegt wird. Mit der Umschreibung der Mittäterschaft wird auch klar, dass die Tatbeiträge der einzelnen Personen grundsätzlich den jeweils anderen zugeschrieben werden sollen, wobei der Beschwerdeführerin eine besonders aktive Rolle angelastet wird. Die Beschuldigten wussten denn auch, was ihnen vorgeworfen wird, räumten doch zumindest die Beschuldigten E.________ und C.________ ein, die Privatklägerin habe nicht freiwillig mitgemacht. Die gegenteilige Argumentation der Beschwerdeführerin mutet mit der Vorinstanz zynisch an. Dass ihrer Behauptung, sie habe sich "gegen die völlig unbestimmten und lediglich generell erhobenen Vorwürfe" nicht zur Wehr setzen können, nicht gefolgt werden kann, zeigt sich im Übrigen an ihren diversen, im angefochtenen Urteil wiedergegebenen konkret bestreitenden Aussagen. Die Anklageschrift erfüllt die Vorgaben von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO.