Citation: 1A.235/2000 21.02.2001 E. 5

5.- a) Der Beschwerdeführer rügt eine rechtswidrige Festsetzung der Genugtuungssumme, indem die Vorinstanz eine Reihe von genugtuungsbegründenden oder genugtuungserhöhenden Elementen nicht oder ungenügend berücksichtigt habe. Er vergleicht die ihm zugesprochene Genugtuung mit verschiedenen anderen Fällen, in denen höhere oder bei weniger schlimmen Beeinträchtigungen gleich hohe Genugtuungen zugesprochen worden seien. Generell ist dazu zu bemerken, dass sich die Genugtuung nicht nach schematischen Bemessungsmassstäben richtet (Roland Brehm, Berner Kommentar zum OR, Bern 1998, N 62 zu Art. 47). Solche Vergleiche können daher für sich allein noch nicht die Rechtswidrigkeit der zugesprochenen Summe begründen (BGE 125 III 412 E. 2c/cc S. 421). b) Der Beschwerdeführer bringt vor, für sein Augenleiden allein wären Fr. 12'000.-- bis 15'000.-- angemessen. Zudem habe das Sozialversicherungsgericht die Schwere seiner Verletzungen, die langdauernde Operation, den zweiwöchigen Spitalaufenthalt und die neunmonatige Arbeitsunfähigkeit nicht gebührend berücksichtigt. Für die schweren Verletzungen allein wären rund Fr. 15'000.-- angemessen. aa) Eine Genugtuung setzt kumulativ eine schwere Betroffenheit und besondere Umstände voraus. Nicht jede physische oder psychische Verletzung oder Beeinträchtigung führt zu einer Genugtuung (BGE 125 III 70 E. 3c S. 77; 110 II 163 E. 2c S. 166; Brehm, a.a.O., N. 28 und 161 zu Art. 47). Verlangt wird eine gewisse Schwere der Beeinträchtigung, wie beispielsweise Invalidität bzw. dauernde Beeinträchtigung eines wichtigen Organs (BGE 121 II 369 E. 3c/bb S. 374; Brehm, a.a.O., N. 165 zu Art. 47). Ist die Schädigung nicht dauernd, wird ein Genugtuungsanspruch nur angenommen, wenn besondere Umstände vorliegen, wie etwa ein mehrmonatiger Spitalaufenthalt mit zahlreichen Operationen oder eine lange Leidenszeit und Arbeitsunfähigkeit (Brehm, a.a.O., N. 163, 166 f. zu Art. 47; Peter Gomm/Peter Stein/Dominik Zehntner, Kommentar zum Opferhilfegesetz, Bern 1995, N. 20 zu Art. 12). Kann eine Verletzung ohne grosse Komplikationen und ohne dauernde Beeinträchtigung geheilt werden, ist in der Regel keine Genugtuung geschuldet (Alfred Keller, Haftpflicht im Privatrecht, Band II, 2. A. Bern 1998, S. 132). Bei Arbeitsunfähigkeit von bloss einigen Wochen wird im Allgemeinen ein Genugtuungsanspruch verneint (Brehm, a.a.O., N. 29 zu Art. 47). Beträchtliche psychische Beeinträchtigungen müssen bei der Bemessung der Genugtuung berücksichtigt werden, so posttraumatische Stresszustände, die zu dauerhaften Veränderungen der Persönlichkeit führen (Brehm, a.a.O., N. 171 ff. zu Art. 47). Für Invaliditätsfälle infolge von Körperverletzungen kann für die Beurteilung des Invaliditätsgrades bzw. der Integritätseinbusse auf die Bemessung der Integritätsentschädigung gemäss Art. 24 f. des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG; SR 832. 20) bzw. Anhang 3 der Verordnung vom 20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung (UVV; SR 832. 202) abgestellt werden (Hütte, a.a.O., S. 276; Keller, a.a.O., S. 139 f.; Max Sidler, Die Genugtuung und ihre Bemessung, in: Peter Münch/Thomas Geiser (Hrsg.), Schaden - Haftung - Versicherung, Basel 1999, S. 445-489, Rz. 10.50 ff. S. 467 f.). Auch für die Höhe der Basisgenugtuung kann sinngemäss die Höhe der Integritätsentschädigung berücksichtigt werden (Hütte, a.a.O., S. 277). bb) Der einseitige Verlust der Sehkraft wird gemäss Anhang 3 UVV mit einer Integritätseinbusse von 30% gewichtet (ebenso ohne Vorliegen von Reduktionsgründen BGE 121 III 369 E. 6b S. 377). Damit ergäbe sich für den vollständigen Verlust eines Auges eine Basisgenugtuung in der Grössenordnung von etwa Fr. 30'000.--. Die hier vorliegende, leichte Sehbehinderung ist jedoch mit dem völligen Verlust der Sehkraft nicht vergleichbar. Deshalb sind auch die vom Beschwerdeführer zitierten Entscheide, in denen für den völligen oder fast völligen Verlust eines Auges Fr. 8-10'000.-- zugesprochen worden sind, vorliegend nicht massgebend. Sodann war der Spitalaufenthalt des Beschwerdeführers relativ kurz. Dass die Arbeitsunfähigkeit 9 Monate gedauert habe, ist nicht erstellt. Aufgrund der massgebenden Sachverhaltsdarstellung durch das Sozialversicherungsgericht ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seit Oktober 1997 wieder 100% arbeitsfähig war, so dass die Arbeitsunfähigkeit höchstens ca. sechs Monate dauerte. Aufgrund des Sachverhalts sind auch die übrigen geltend gemachten gesundheitlichen Auswirkungen (Einschränkung des Erinnerungsvermögens, Verlust des Geruchs- und Geschmacksempfindens, Orientierungsprobleme, verminderte Konzentrationsfähigkeit) nur von vorübergehender Dauer oder nicht derart schwer, dass sie die ausgesprochene Genugtuung als zu tief erscheinen lassen würden. c) Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, er habe beim Unfall während Minuten Todesangst ausgestanden und sich in akuter Lebensgefahr befunden. Das Erleiden von Todesangst wird in der schweizerischen Lehre und Praxis in extremen Fällen nebst anderen Faktoren als genugtuungserhöhend berücksichtigt, so wenn ein Opfer während mehrerer Stunden gefangen gehalten, misshandelt und mit dem Tod bedroht wird (BGE 125 IV 199 E. 6 S. 204 f.; vgl. auch Klaus Hütte/Petra Ducksch, Die Genugtuung,