Citation: U 317/99 15.10.2001 E. 3

3.- Während der Beschwerde führende Unfallversicherer den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen der Auffahrkollision vom 9. September 1995 und den noch vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Einspracheentscheid vom 9. Oktober 1997 verneint hat, ist das kantonale Gericht bezüglich des so genannt typischen Beschwerdebildes nach Schleudertraumata der Halswirbelsäule (Erw. 2b) zum Schluss gelangt, dass dieses natürlich kausal auf das in Betracht fallende Unfallereignis zurückzuführen sei. a) Abgesehen von den erst lange Zeit nach dem Unfall vom 9. September 1995 aufgetretenen Kniebeschwerden und den noch später geltend gemachten Bauchschmerzen lagen im Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheides vom 9. Oktober 1997 keine Anhaltspunkte für organische Schädigungen vor, welche die gesundheitlichen Probleme der Versicherten hätten erklären können. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der von der diagnostizierten Distorsion direkt betroffenen Halswirbelsäule; aber auch für zervikale Beschwerden liess sich kein organisches Substrat finden. Auf Grund der ärztlich erhobenen Befunde muss deshalb davon ausgegangen werden, dass sich die gesundheitliche Situation zumindest aus organischer Sicht wieder in einem Zustand präsentierte, wie ihn die Beschwerdegegnerin auch ohne Unfallereignis aufgewiesen hätte. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die umstrittene Leistungseinstellung demnach durchaus gerechtfertigt gewesen zu sein. b) Das kantonale Gericht hat sich denn auch darauf beschränkt, die Kausalitätsfrage hinsichtlich eines allfälligen typischen Beschwerdebildes ohne organisch nachweisbare Befunde, wie es nach Schleudertraumata der Halswirbelsäule oftmals beobachtet wird (Erw. 2b), zu prüfen. Nachdem die aufgetretene Symptomatik zumindest teilweise dem charakteristischen Erscheinungsbild der Folgen von Schleudertraumata und diesen in ihren Auswirkungen vergleichbaren Verletzungen entspricht, ist dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden. aa) Die Beschwerdegegnerin war am 9. September 1995 an einem eher harmlosen Auffahrunfall beteiligt, welcher vom äusseren Geschehensablauf her, aber auch auf Grund des äusserst minimen Sachschadens an den betroffenen Fahrzeugen, keineswegs gravierende gesundheitliche Folgen befürchten liess. Dass die demgegenüber aufgetretenen massiven Befindlichkeitsstörungen natürlich kausal auf dieses Unfallereignis zurückzuführen, ohne dieses mithin ausgeblieben wären, erscheint schon deshalb als kaum wahrscheinlich. bb) Wie bereits im Einspracheentscheid vom 9. Oktober 1997 einlässlich dargelegt worden ist, bieten aber auch - was entscheidend ist - die eingeholten ärztlichen Beurteilungen keine Grundlage für einen mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmenden natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Gesundheitsschäden und dem von der Beschwerdegegnerin dafür verantwortlich gemachten Unfallereignis. Sämtliche der an der umfassenden Exploration in der MEDAS im Herbst 1996 beteiligten Spezialisten konnten die für ihren Fachbereich jeweils erhobenen Befunde höchstens als mögliche, nicht aber als wahrscheinliche Unfallfolge bezeichnen. Dies gilt nicht nur für die primär auf somatische Leiden ausgerichteten medizinischen Disziplinen, sondern insbesondere auch für die psychiatrische Begutachtung durch Dr. med. R.________ vom 4. November 1996. Damit fehlt es aber an der von der Rechtsprechung für eine Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen Unfall und typischem Beschwerdebild nach Schleudertraumata geforderten eindeutigen ärztlichen Bestätigung (Erw. 2c). Auch unter diesem Aspekt lässt sich der leistungsverweigernde Einspracheentscheid vom 9. Oktober 1997 somit nicht beanstanden. Die vorinstanzliche Betrachtungsweise misst demgegenüber der angeblichen, jedoch kaum überprüfbaren Beschwerdefreiheit vor dem Unfallereignis vom 9. September 1995 zu viel Gewicht bei und schenkt insbesondere den vom Eidgenössischen Versicherungsgericht in BGE 119 V 340 ff. Erw. 2b aufgezeigten Beurteilungskriterien (Erw. 2c) kaum Beachtung. cc) Kann demnach nicht von einem natürlich kausal auf das Unfallereignis vom 9. September 1995 zurückzuführenden typischen Beschwerdebild nach Schleudertraumata ausgegangen werden, erübrigt sich diesbezüglich - wie schon im Einspracheentscheid vom 9. Oktober 1997 zutreffend festgehalten worden ist - eine Adäquanzprüfung zum Vornherein. c) Für die erstmals im Frühsommer 1996 geltend gemachten Schmerzen im linken Kniegelenk, welche selbstredend nicht zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertraumata zu zählen sind, scheint zwar eine organische Schädigung belegt zu sein. Eine mechanische Einwirkung auf das linke Knie anlässlich des Auffahrunfalles vom 9. September 1995 ist indessen nicht ausgewiesen, weshalb zumindest das Vorliegen einer direkten Unfallfolge zum Vornherein ausscheidet. Dr. med. W.________ sieht das erst Monate nach dem Unfallereignis in Erscheinung getretene Knieleiden denn auch bloss als Auswirkung der im Anschluss an die Auffahrkollision aufgetretenen Gangstörung, indem er in seinen Berichten vom 30. Juli und 11. September 1996 annimmt, diese erst habe wegen des zufolge einer Quadrizepsschwäche ständigen Einsackens im linken Kniegelenk zur Schmerzhaftigkeit der - nach einer 1982 vorgenommenen Knieoperation vorbestehenden - Femoropatellar-Arthrose geführt. Als unfallkausal liessen sich die Kniebeschwerden links demnach - wollte man der Erklärung des Dr. med. W.________ folgen - nur unter der Voraussetzung qualifizieren, dass die mit Gleichgewichtsproblemen verbundene Gangstörung, welche die Vorinstanz offenbar dem typischen Beschwerdebild nach Schleudertraumata zugeordnet hat, ihrerseits als natürlich kausale Folge der Auffahrkollision zu betrachten wäre. Dafür besteht indessen kein Anlass. d) Ebenso wenig liegen Hinweise auf eine anlässlich des Auffahrunfalles erlittene Unterleibsverletzung vor. Nicht ersichtlich ist deshalb, inwiefern die angegebenen Bauchschmerzen und die in diesem Zusammenhang ärztlich festgestellten Druckdolenzen auf den fraglichen Unfall zurückzuführen sein sollten.