Citation: 6B_160/2022 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz hält zusammengefasst fest, die Piste Nr. xxx sei sowohl vor als auch nach dem Unfallort mit Pistenmarkierungsstangen eingegrenzt gewesen. Am Rand der präparierten Piste seien jeweils rot-orange Pfosten auszumachen, welche die seitliche Begrenzung der Piste markieren würden und je nach Umfang der orangen Einfärbung jeweils auf den rechten oder linken Pistenrand hinweisen würden. Der quer zur Skipiste Nr. xxx verlaufende Graben sei zum Unfallzeitpunkt mit drei gelb-schwarzen Markierungsstangen mit einem zehn Meter langen Wimpelseil gekennzeichnet gewesen, wobei die oberste Stange leicht zurückversetzt gewesen sei. Diese seien bereits bei örtlicher Annäherung an den Unfallort (aus einer gewissen Distanz) ersichtlich. Zum Unfallzeitpunkt sei der auf gewissen Fotoaufnahmen ersichtliche rote Markierungspfosten auf der Anhöhe vor dem Chalet X.________ noch nicht vorhanden gewesen. Gestützt auf die Fotodokumentation der Unfallstelle und die Zeugenaussagen sei erstellt, dass der Pistenverlauf und der Pistenrand erkennbar gewesen seien. Es sei denkbar und gar wahrscheinlich, dass nach dem Unfall zusätzliche Spuren durch den Rettungseinsatz bzw. allfällige Zuschauer und Dritte entstanden seien, wobei sich dies nicht abschliessend beurteilen lasse. In Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass nach dem Unfall zusätzliche Spuren durch weitere Schneesportler, Zuschauer, Gaffer und Rettungskräfte oder andere Personen entstanden seien und der auf der Fotodokumentation abgebildete Pistenrand nicht demjenigen zum Unfallzeitpunkt entspreche. Bei der Unfallstelle handle es sich zudem um eine übersichtliche Stelle, die einen relativ grossen Sichtwinkel umfasse. Selbst bei einer erhöhten Fahrgeschwindigkeit hätte der Pistenverlauf aufgrund der flachen Piste und des erhöhten Pistenrands, der in einer Linie mit den schwarz-gelben Markierungsstangen liege, erkannt werden können. Zudem stimme die Erkennbarkeit des Pistenverlaufs bzw. des Pistenrands mit den Aussagen der hinter der Verunfallten fahrenden I.________ überein, welche beobachtet habe, wie die Verunfallte kurz angebremst habe und in ein Nebenweglein gefahren sei. Es sei davon auszugehen, dass die Verunfallte bewusst kurz vor dem Chalet X.________ kurz angebremst habe, die präparierte Piste verlassen und neben dieser weiter gefahren sei. Mindestens "in dubio pro reo" sei davon auszugehen, dass der Pistenverlauf und der Pistenrand für die Verunfallte erkennbar gewesen seien. Auch wenn der Pistenrand erkennbar gewesen sei, so sei der kleine Hügel vor dem Chalet X.________ bereits vor dem Unfall von anderen Skifahrern zum Abschwingen von der Piste benutzt worden. Selbst wenn nicht erstellt sei, welche Spuren im Einzelnen vor oder nach dem Unfall entstanden seien, sei doch davon auszugehen, dass es entsprechende Spuren in den Randbereichen gebe, die vor den schwarz-gelben Markierungsstangen wieder zurück auf die Piste führten. Rechts von dieser Markierung habe es keine weiteren Spuren in Richtung Graben gehabt. Die Verunfallte sei bewusst auf dem Nebenweglein abseits der Piste gefahren. Fraglich sei, ob sie bewusst in Richtung des Grabens rechts von der Markierung bzw. der Piste weitergefahren sei oder ob sie die Kontrolle über ihre Skier verloren habe und deshalb nicht mehr rechtzeitig zurück auf die Piste habe einbiegen können. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes "in dubio pro reo" sei davon auszugehen, dass die Verunfallte (nach dem bewussten Verlassen der Skipiste) die Kontrolle über ihre Skier verloren habe und deshalb statt dem Nebenweglein entlang zurück auf die Piste rechts von den Markierungsstangen in den Graben gefahren sei. Schliesslich erwägt die Vorinstanz, an der unkontrollierten Fahrt der Verunfallten hätte auch eine zusätzliche Signalisation mit weiteren Stangen entlang des Grabens nichts ändern können, da die Verunfallte - selbst wenn sie vor der Gefahr gewarnt worden wäre - infolge des Kontrollverlustes nicht zurück auf die Piste hätte fahren können. Gleiches gelte unter Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" auch bezüglich des Markierungsseils, da solche nicht zum Auffangen oder Rückhalten der Skifahrer konstruiert seien, sondern auf eine Gefahr hinweisen würden. Während es denkbar sei, dass zusätzliche Markierungsstangen oder -seile entgegen ihrem Zweck die Verunfallte aufgefangen hätten, sei ebenso denkbar, dass diese am weiteren Verlauf nichts zu ändern vermocht hätten.