Citation: 6B_1275/2020 E. 1.1.1

1.1.1. Primär bringt die Beschwerdeführerin vor, die vollständige Verunmöglichung des Zusammenlebens als Familie stelle eine Aushölung des Rechts im Sinne von Art. 8 EMRK dar. Der Kerngehalt ("the very essence of the right") dürfe nicht beeinträchtigt werden. Sie beruft sich auf das Urteil des EGMR F gegen Schweiz vom 18. Dezember 1987, Verfahren 11329/85, § 32. Gegenstand des Urteils bildete das Recht auf Eheschliessung und sachverhaltlich die Anordnung einer dreijährigen Wartefrist für eine Wiederverheiratung; der EGMR erkannte Art. 12 EMRK als verletzt. Die Beschwerdeführerin beruft sich zudem auf das Urteil des EGMR Christine Goodwin gegen Vereinigtes Königreich vom 11. Juli 2002, Verfahren 28957/95, § 99, wo der EGMR § 32 des Urteils F zitierte und auf eine Verletzung von Art. 12 EMRK erkannte. In ihrer Sache sei die "very essence" von Art. 8 EMRK betroffen. Die Landesverweisung verunmögliche für sieben Jahre ihr Zusammenleben mit ihrer dreijährigen Tochter. Dies sei bedingt durch die temporäre Unterbringung ihrer Tochter bei einer Pflegefamilie durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Sie habe sich durch therapeutische Unterstützung im Griff, eine gute Mutter zu sein. Eine Aufhebung der Unterbringung unmittelbar mit dem Vollzug der Landesverweisung sei ausgeschlossen. Die KESB könnte nicht dafür sorgen, dass der langsame Wiederannäherungsprozess über die Distanz Schweiz-Eritrea bei einer Landesverweisung fortgesetzt werden könne. Damit unterscheide sich ihre Sache erheblich von den üblichen Sachverhalten. Es sei für sie nicht einmal hypothetisch möglich, das Familienleben "an einem andern Ort" im Ausland fortzusetzen. Die Vorinstanz trage diesen Gegebenheiten nicht Rechnung. Ihre privaten Interessen würden deutlich überwiegen.