Citation: U 380/06 03.09.2007 E. 4.2

4.2.1 Der am 7. März 1997 konsultierte Dr. med. Z.________ stellte druckdolente Dornfortsätze und einen paravertebralen Hartspann mit Ausstrahlung bis in die Schultern, ohne knöcherne Läsion, fest und diagnostzierte eine whiplash-injury (Peitschenhiebsyndrom; Bericht vom 10. April 1997). Anlässlich einer kreisärztlichen Untersuchung vom 20. Mai 1997 fand Dr. med. F.________ Zeichen eines cervicovertebralen Syndromes ohne nennenswerte Funktionseinschränkungen. Im Bereich des rechten Schultergelenks war der funktionelle Befund einwandfrei. Radikuläre Ausfälle fehlten vollständig. Der Verlauf war möglicherweise etwas protrahiert wegen der radiologisch dokumentierten Osteochondrose C5/6 und auch wegen der Verunsicherung der Patientin, die als Ursache der Kopfschmerzen einen Hirntumor nicht ausschloss. Ein in der Klinik Y.________ am 30. Mai 1997 durchgeführtes MRI (magnetic resonance imaging) ergab keine pathologischen Befunde. Ab 16. Juni 1997 war die Versicherte wieder hälftig und ab 1. September 1997 vollständig arbeitsfähig (vgl. Verfügung der Arbeitslosenkasse vom 31. Oktober 1997). 4.2.2 Am 2. März 2001 berichtete Dr. med. Z.________, die Versicherte leide nach Belastung (vgl. auch Bericht dieses Arztes vom 25. Mai 2001) immer wieder an Beschwerden bei traumatisch "eher geschwächter" Halswirbelsäule und ersuchte um Kostengutsprache für einen Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik T.________, welcher vom 13. Mai bis 3. Juni 2001 stattfand (vgl. Rechnung vom 3. Juni 2001). Danach kam es zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden - auch im lumbalen Bereich - mit vollständiger Arbeitsfähigkeit (Berichte des Dr. med. Z.________ vom 23. August und 6. Dezember 2001). Am 27. Februar 2002 schloss Dr. med. Z.________ die Behandlung ab. 4.2.3 Am 3. Oktober 2003 meldete Dr. med. Z.________, es seien erneut cervicale und lumbale Verspannungen, vor allem muskulärer Genese, aufgetreten. Gemäss Angaben der Versicherten war die erneute Schmerzverstärkung ausgelöst worden, als sie einen Koffer trug (vgl. Rapport der Kundenbetreuerin der SUVA vom 27. November 2003). Anlässlich einer kreisärztlichen Untersuchung vom 2. Februar 2004 stellte Dr. med. E.________ fest, es beständen im Bereich der HWS unterschiedliche Druckdolenzen an den Dornfortsätzen ohne lokale Zuordnung; die aktive HWS-Funktion sei nicht eingeschränkt; die aktuellen Röntgenbilder vom 20. Januar 2004 zeigten keine Hinweise für eine posttraumatische Läsion; auch die Schulterbeweglichkeit sei funktionell nicht eingeschränkt. In einem Nachtrag dazu vom 22. März 2004 ergänzte Dr. med. E.________, die aktuellen Bilder des thorakolumbalen Überganges dokumentierten degenerative Veränderungen mit Spondylophytenbildung; eine posttraumatische Läsion sei nicht feststellbar. 4.2.4 Anlässlich einer weiteren kreisärztlichen Untersuchung vom 21. Juli 2004 bemerkte Dr. med. E.________, die Versicherte klage wie üblich über Schmerzen im Nackenbereich. Nach wie vor bestehe eine diffuse Druckdolenz über sämtlichen Dornfortsätzen, wobei auch heute die HWS-Beweglichkeit aktiv nicht eingeschränkt sei. In Präzisierung des Berichts vom 2. Februar 2004 sei festzuhalten, dass die noch vorhandenen Beschwerden auf die degenerativen Veränderungen zurückzuführen seien. In einem Nachtrag vom 15. September 2004 gab Dr. med. E.________ an, die am 10. August 2004 angefertigte Beckenübersicht zeige keine Hinweise für eine ossäre Verletzung. Sowohl klinisch wie radiologisch beständen keine Unfallfolgen mehr. 4.2.5 Im letztinstanzlich eingereichten Bericht der Frau Dr. med. W.________ vom 1. Juni 2006, von welchem die Vorinstanz keine Kenntnis hatte, wird unter dem Titel "Synopsis" als Hauptdiagnose ein "Generalisiertes Schmerzsyndrom" angegeben, welches "sich nicht mehr allein auf das Unfallereignis 03/1997 zurückführen" lasse. Auf die aktuell angegebenen multiplen Beschwerden dürften zusätzlich die neuroradiologisch beschriebenen degenerativen Wirbelsäulenveränderungen und auch eine Anpassungsstörung bei erheblichen psychosozialen Belastungsfaktoren Einfluss nehmen. Klinisch-neurologisch liessen sich diffuse, nicht dermatombezogene Kribbelparästhesien im Bereich des gesamten linken Armes nachweisen. Der sonstige Neurostatus ergebe jedoch keine fokal-neurologischen Ausfälle und damit auch keinen Anhalt für eine Läsion des peripheren oder zentralen Nervensystems, so dass die beschriebene Symptomatik am ehesten myofaszial zu beurteilen sei. Die angegebenen kognitiven Einschränkungen liessen sich hinreichend durch Schmerzinterferenzen und psychoreaktive Faktoren erklären. Hinsichtlich der jeweils mit Manipulationen an der HWS assoziierten Schwindelbeschwerden und Sehstörungen ergebe die neuroangiologische Untersuchung unauffällige Befunde. 4.3 Aufgrund dieser Unterlagen lässt sich die vorinstanzliche Schlussfolgerung, es fehle an einem somatisch feststellbaren Korrelat für die geklagten Beschwerden, nicht beanstanden. Wie das kantonale Gericht zudem richtig erwog, ist das für die Annahme eines HWS-Schleudertraumas erforderliche typische Beschwerdebild nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Die Ärzte konnten im Bereich der HWS lediglich diffuse Druckdolenzen ohne Einschränkung der aktiven Beweglichkeit feststellen. Es handelt sich mithin um Befunde, die aufgrund ihrer Geringfügigkeit wie auch aufgrund der Tatsache, dass solche Beschwerden auch ohne Distorsion der HWS häufig anzutreffen sind, für sich allein noch nicht die Diagnose eines Schleudertraumas rechtfertigen. Es bestanden denn auch auf Höhe der Halswirbel C5/6 degenerative Veränderungen. Zudem litt die Beschwerdeführerin schon vor dem Unfall vom 4. März 1997 an einem Cervicalsyndrom (vgl. Verordnung zur Physiotherapie des Dr. med. Z.________ vom 14. Juli 1995) und an einer PHS (Periathropathia humeroscapularis [schmerzhafte Bewegungseinschränkung am Schultergelenk; vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, Berlin/New York 2002, S. 1275]; vgl. Bericht des Dr. med. Z.________ vom 14. September 1995). Kopfschmerzen wurden erstmals im Bericht des Dr. med. F.________ vom 20. Mai 1997, Schlafstörungen und Drehschwindel erstmals im Gerichtsgutachten der Psychiatrie X.________ vom 20. März 2006 erwähnt. Auch die depressive Symptomatik trat offenbar mit grosser Latenz auf, fand doch erst ab 19. Oktober 2004 eine psychiatrische Behandlung statt (vgl. Bericht der Frau Dr. med. V.________ vom 17. Mai 2005). Ausserdem ist eher zweifelhaft, ob überhaupt jemals eine Depression vorlag. Es wurde keine medikamentöse Behandlung mittels Antidepressiva durchgeführt (vgl. Auskünfte der Frau Dr. med. V.________, wiedergegeben im Gerichtsgutachten der Psychiatrie X.________ vom 20. März 2006) und der vorinstanzliche Gerichtsgutachter konnte keine Befunde erheben, welche eine Depression oder eine vergleichbare Symptomatik bestätigten. Vielmehr diagnostizierte er eine schwerwiegende, nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung nach ICD-10: F60.9, welche sich vor allem in einer eindrücklichen Störung der Kommunikationsfähigkeit und des Gesprächsverhaltens äusserte. Ein solches Krankheitsbild gehört nicht zum typischen Beschwerdebild nach einer HWS-Distorsion, worauf auch der Gerichtsgutachter hinwies. Schliesslich ist festzuhalten, dass hinsichtlich des fehlenden Nachweises des für ein Schleudertrauma typischen Beschwerdebildes von den beantragten zusätzlichen neurologischen Untersuchungen keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. Frau Dr. med. W.________ empfiehlt im Bericht vom 1. Juni 2006 allein im Hinblick auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, nicht aber zum neurologischen Gesundheitszustand und auch nicht zur Frage der Unfallkausalität eine polydisziplinäre medizinische Abklärung. Für die Beurteilung der Adäquanz des Kausalzusammenhangs der gemäss Gerichtsgutachten der Psychiatrie X.________ vom 20. März 2006 vollständig invalidisierenden Persönlichkeitsstörung mit dem Unfall vom 4. März 1997 und dessen gesundheitlichen Folgen ist daher mit der Vorinstanz nach den Kriterien gemäss BGE 115 V 133 vorzugehen.