Citation: 1P.216/2006 03.07.2006 E. 6

Die Beschwerdeführer machen geltend, es sei willkürlich und verletze den Grundsatz "in dubio pro reo", ein gespraytes Zeichen ("Tag") oder ein Stilmerkmal ausschliesslich einem Beschuldigten zuzuordnen und damit eine Straftat nachzuweisen. 6.1 Das Obergericht hatte verschiedene Beweismittel zu würdigen: Ein Mitbeschuldigter belastete hinsichtlich der Sprayerei von Kerzers (D58) alle drei Beschwerdeführer. X.________ und Y.________ wurden am Morgen des 29. Juni 1995 am Bahnhof Burgdorf von Bahnangestellten erwischt, als sie die in der Nacht in Ramsei (D38) versprayten Wagen fotografierten. Polizisten beobachteten X.________ zweimal, als er zusammen mit einem weiteren, geständigen Mitbeschuldigten die Fassade einer Wasserpumpstation besprayte (diesbezüglich wurde das Verfahren wegen Verjährung eingestellt). Z.________ erkundigte sich, nachdem mehrere EBT-Züge versprayt worden waren, im EBT-Depot Oberburg danach, wie Graffitis von Zügen entfernt würden. Y.________ legte in der Untersuchungshaft am 29. September 1995 ein Geständnis ab, unter anderem auch bezüglich der verwendeten Tags, das sie erst vier Jahre später, am 2. November 1999, widerrief; gegen sie liegen belastende Aussagen ihres Hausgenossen von 1995 vor. Bei Hausdurchsuchungen wurden im Zimmer von X.________ Zeichnungen, Entwürfe, Spraydosen, Farbroller und Handschuhe sichergestellt; bei Z.________ wurde ein Videoband mit einer Aufzeichnung der Sprayerei von Kerzers, ein Eisenbahn-Vierkantschlüssel, ein Nachtsichtgerät, Zeichnungen und Spraydosen beschlagnahmt; bei Y.________ wurde ein Videoband mit Aufnahmen von Tags auf Zügen sowie ein Fotoapparat mit Bildern der Sprayerei von St. Maurice (D59) sichergestellt, den sie während der Hausdurchsuchung zum Fenster hinaus geworfen hatte. Als Indiz wertete das Obergericht zudem die Tatsache, dass die Beschwerdeführer mit den geschädigten Eisenbahngesellschaften einen aussergerichtlichen Vergleich über Zivilforderungen abgeschlossen haben. Dass jemand, der keinen Schaden verursacht habe, eine solche finanzielle Verpflichtung eingehe, sei kaum wahrscheinlich. 6.2 Daraus folgt zum einen, dass sich das Obergericht für die Zuordnung von Tags und Stilmerkmalen auf Zeichnungen der Beschwerdeführer, Videoaufnahmen und Zeugenaussagen abstützen konnte. Diese Beweise sind für solche Zuordnungen geeignet. Zum anderen beruht der Schuldspruch nicht allein auf Zuordnungen von Tags und Stilmerkmalen, sondern auf einer Würdigung weiterer erheblicher Beweise. Gestützt darauf durfte das Obergericht die dem Schuldspruch zugrunde liegenden Sachverhalte als erwiesen erachten. Dass das Gericht bei dieser objektiven Sachlage keine Zweifel hegte und den Grundsatz "in dubio pro reo" nicht anwandte, verletzt kein Verfassungsrecht.