Citation: 9C_71/2015 E. 7

Dr. med. C.________ hielt am 12. April 2007 fest, die geklagten Beschwerden unterschieden sich praktisch nicht von den am 26. Oktober 2005 festgehaltenen. Die Schmerzintensität habe ein wenig nachgelassen (nunmehr auf einer Skala von 0-10 eher bei 8 als bei 9-10). Ebenfalls leicht nachgelassen hätten die depressiven Symptome, sie erfüllten aber immer noch die Kriterien einer mittelgradigen Depression. Eine Steigerung der antidepressiven Medikamentation habe die Versicherte nicht vertragen. Sie komme aber regelmässig zu therapeutischen Gesprächen und nehme ihre Termine pünktlich und zuverlässig wahr. Sehr lobenswert sei, wie intensiv sie der Aufforderung nachkomme, sich regelmässig zu bewegen, indem sie dreimal wöchentlich ein 1 bis 1,5-stündiges Fitnessprogramm in einer physiotherapeutischen Praxis absolviere und täglich, meist mit ihrem jüngsten Sohn, Spaziergänge unternehme. Es könne von einem schwachen, aber doch merklichen Ansprechen auf die kombinierte Behandlung ausgegangen werden. Trotz zähem Verlauf sei eine weitere Steigerung im kommenden Jahr möglich, auch wenn fraglich sei, ob dies für ein Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit reiche. Hausarzt Dr. med. B.________ schrieb am 17. April 2007, im Grundzustand der "arg geplagten Patientin [sei] überhaupt keine Veränderung oder Verbesserung eingetreten". Der das psychiatrische Gutachten vom 27. September 2007 verfassende Dr. med. F.________ holte telefonische Auskünfte des Hausarztes Dr. med. B.________ sowie des behandelnden Psychiaters Dr. med. C.________ ein. Dr. med. B.________ gab am 24. September 2007 an, die Versicherte funktioniere "wahrscheinlich besser als sie angibt". Sie leide schon; eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit sei seiner Ansicht nach gerechtfertigt. Dr. med. C.________ teilte gleichentags insbesondere mit, die Versicherte sei kaum beeinflussbar und einer Psychotherapie nicht zugänglich. Sie gebe so viele Schmerzen und Beschwerden an, dass er die Diagnose einer Somatisierungsstörung favorisiere. Dr. med. F.________ kam zum Schluss, der Gesundheitszustand habe sich seit November 2004 wahrscheinlich nicht wesentlich verändert. Zumindest sage die Versicherte, dass es ihr eher immer noch schlechter gehe. Immerhin habe sie in der psychiatrischen Behandlung begonnen, innerfamiliäre Probleme anzusprechen. Er diagnostizierte namentlich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und eine Migräne-Erkrankung (wobei diese Beschwerdekomplexe sich vermischten und in den Umkreis der Fibromyalgie gehörten) sowie - wahrscheinlich begleitend im Rahmen der Schmerzstörung und der Stellenkündigung 2004 - eine depressive Verstimmung. Ob es sich um ein unabhängiges Krankheitsbild im Sinne einer depressiven Episode (ICD-10 F32) handle, sei schwierig zu beurteilen. Die von der Versicherten geschilderte praktisch völlige Arbeitsunfähigkeit lasse sich aus psychiatrischer Sicht "so nicht ganz nachvollziehen". Es lasse sich zumindest nicht ausschliessen, dass sich die Situation soweit verbessert habe, dass aus psychiatrischer Sicht eine Teilzeitarbeit wieder etwa zu 50 % zumutbar wäre. Der das orthopädische Gutachten vom 4. Juni 2008 verfassende Dr. med. G.________ diagnostizierte ein lumbospondylogenes und leichtes lumboradikuläres Schmerzsyndrom links (seit 1998), migräneartige Kopfschmerzen (seit 1975), einen Verdacht auf somatoformes Schmerzsyndrom (seit 2004) und eine Depression (seit 2004). Objektive orthopädisch/rheumatologische Befunde fänden sich wenige, aus dieser Sicht bestehe in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 bis 75 %. Im bisherigen, die Versicherte eindeutig überfordernden Reinigungsdienst sei die Arbeitsfähigkeit aus rein orthopädisch-rheumatologischen Gründen auf maximal 15 bis 20 % zu veranschlagen. Im Gutachten der medizinischen Gutachterstelle H.________ vom 27. April 2011 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben: Chronische Kopfschmerzen (Migräne mit möglicher Aura, Spannungstypkopfschmerzen, Verdacht auf Analgetika induzierte Kopfschmerzen) sowie eine leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei die Versicherte nur 70 % arbeitsfähig, wobei vor allem die neuropathologischen und weniger die psychopathologischen Befunde limitierend seien. In einer angepassten Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit schätzungsweise 80 %. Im Einzelnen hielt Dr. med. M.________ im Teilgutachten vom 30. März 2011 fest, anhand der Akten sei der Verlauf der Kopfschmerzsituation seit 2006 nicht beurteilbar. Die Versicherte berichte, in den letzten drei Jahren habe sich die Situation "doch wahrscheinlich bzgl. der Spannungstypkopfschmerzen akzentuiert". Seit der Behandlung im Zentrum N.________ (ab Juni 2008) sei die Situation als in etwa unverändert zu beurteilen. Dr. med. O.________, Facharzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen, führte im Teilgutachten vom 18. Januar 2011 aus, eine fassbare Progredienz der mässig ausgeprägten degenerativen Veränderungen im Lumbalabschnitt habe ausgeschlossen werden können. Auch sonst lägen klinisch keine gesicherten Befunde für ein fortschreitendes Wirbelsäulenleiden vor, weshalb er aus rheumatologischer Sicht eine weitere berufliche Dispensierung nicht rechtfertigen könne (sofern sich, wie bereits 1998 vorgeschlagen, eine Anpassung für Extremsituation realisieren lasse). Der Psychiater K.________ diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.0); die Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode seien nicht ausreichend oder genügend stark ausgeprägt. Der von Dr. med. F.________ dargelegte Psychostatus sei zu knapp gehalten, um einen Vergleich auf der Symptomebene ziehen zu können. Da Dr. med. F.________ bezogen auf 2007 nicht explizit einen Schweregrad festgelegt habe, könne nicht dargelegt werden, ob und allenfalls wie stark seit 2007 eine Veränderung eingetreten sei. In der bisherigen Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit 80 % (wobei ein beruflicher Wiedereinstieg mit einem solchen Pensum wegen der langen Arbeitsabstinenz unwahrscheinlich gelingen werde). Leichte Arbeiten ohne relevanten Aufmerksamkeitsanspruch seien theoretisch zu 100 % möglich. Auf entsprechende Nachfrage der IV-Stelle erklärte Dr. med. I.________ am 28. Juni 2011, ob sich der Gesundheitszustand verbessert habe, sei nicht leicht zu beantworten. Die von Dr. med. C.________ am 26. Oktober 2005 und 12. April 2007 gestellten Diagnosen könnten nicht (mehr) bestätigt werden. Es sei also wahrscheinlicher, dass es sich um eine Besserung des psychischen Leidens handle. Aus rheumatologisch/orthopädischer Sicht handle es sich eher um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts. Die neurologische Beurteilung durch das Zentrum N.________ vom 16. Oktober 2008 habe im Ausmass der dort attestierten Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollzogen werden können. Nicht leicht zu beantworten sei auch die Frage nach dem zeitlichen Verlauf. Sie (die Ärzte der medizinischen Gutachterstelle H.________) gingen davon aus, der Gesundheitszustand sei im Verfügungszeitpunkt vom 25. September 2008 in etwa der gleiche gewesen wie anlässlich ihrer Begutachtung. RAD-Ärztin P.________, Fachärztin für Innere Medizin FMH, teilte in ihrer Stellungnahme vom 7. Juli 2011 die Beurteilung des Dr. med. I.________ und hielt fest, "analog" Dr. med. I.________ sei zwar eine Besserung des psychischen Leidens eingetreten, jedoch sei der Gesundheitszustand gegenüber 2008 unverändert. Aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht handle es sich um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts.