Citation: U 210/05 23.03.2006 E. 6

Dem kantonalen Gericht ist darin beizupflichten, dass die nach der Rechtsprechung für die Adäquanz psychischer Unfallfolgen massgebenden Kriterien nicht erfüllt sind. 6.1 Tritt im Anschluss an zwei oder mehrere Unfälle eine psychische Fehlentwicklung ein, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs grundsätzlich für jeden Unfall gesondert gemäss der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen zu beurteilen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Unfälle verschiedene Körperteile betreffen und zu unterschiedlichen Verletzungen führen (RKUV 1996 Nr. U 248 S. 177 Erw. 4b). Hier kann davon abgesehen werden, da sich die beiden in Ablauf und Folgen kaum unterscheidenden Unfälle in kurzer Abfolge ereigneten. 6.2 Für die Qualifikation eines Unfalles als schwer, mittelschwer oder leicht ist vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen (BGE 117 V 366 Erw. 6a). Auffahrkollisionen auf ein (haltendes) Fahrzeug werden dabei regelmässig in die Kategorie der mittelschweren Ereignisse im Grenzbereich zu den leichten Unfällen eingereiht (vgl. die in SZS 2001 S. 432 ff. erwähnten Urteile A. vom 29. Dezember 1998, U 100/97, und V. vom 30. Juni 1997, U 231/96; ferner Urteile M. vom 12. Juli 2002, U 34/02, Erw. 4a sowie T. vom 6. Februar 2002, U 61/00, Erw. 3a, je mit diversen Hinweisen). Bei den Auffahrunfällen vom 26. Februar und 4. April 2001 handelt es sich um Ereignisse im mittleren Bereich, die jedoch im Grenzbereich zu den leichten Unfällen einzuordnen sind. Die Adäquanz ist nur zu bejahen, wenn eines der massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind (BGE 115 V 140 Erw. 6 c/bb). In diesem Zusammenhang gilt es festzuhalten, dass unfallanalytische Erkenntnisse und biomechanische Überlegungen allenfalls gewichtige Anhaltspunkte zur mit Blick auf die Adäquanzprüfung relevante Schwere des Unfallereignisses zu liefern vermögen; sie bilden jedoch für sich allein keine hinreichende Grundlage für die Kausalitätsbeurteilung (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359 mit Hinweisen). 6.3 Die beiden Unfälle ereigneten sich bei objektiver Betrachtung weder unter besonders dramatischen Begleitumständen, noch waren sie durch eine besondere Eindrücklichkeit gekennzeichnet. Dies gilt auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Versicherte innert kurzer Frist zweimal verunfallte, wobei der zweite Unfall vom 3. April 2001 überdies als leichteres Ereignis einzuordnen ist. Ferner vermag die Diagnose eines Schleudertraumas bzw. einer HWS-Distorsion das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen (vgl. Urteile M. vom 7. August 2003 [U 346/02] Erw. 5.2 und B. vom 22. Mai 2002 [U 339/01] Erw. 4c, je mit Hinweis). Von einer schweren oder besonderen Art der Verletzung, die erfahrungsgemäss geeignet ist, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, kann nicht gesprochen werden, auch wenn das beim ersten Unfall erlittene Schleudertrauma als Vorschädigung zu berücksichtigen ist (Urteil H. vom 28. Mai 2003 [U 12/03] Erw. 4.2.2 mit Hinweis). Objektivierbare traumatische Läsionen konnten keine gefunden werden; zudem haben die Unfälle lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des Vorzustandes geführt (vgl. hievor Erw. 3.2.4 i.f.), wobei das bestehende Beschwerdebild nach Auffassung des Gutachters zu 60 % auf den Vorzustand zurückzuführen ist. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann keine Rede sein. Des Weitern kann insofern nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung gesprochen werden, als diese in immer stärkerem Masse durch die psychogene Fehlverarbeitung bedingt war und sich immer weniger gegen die primären Unfallfolgen richtete. Dasselbe gilt im Hinblick auf Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Nach dem Unfall vom 26. Februar 2001 war die Versicherte lediglich während einer Woche ganz bzw. teilweise arbeitsunfähig und nach dem Unfall vom 3. April 2001 war sie bis zum 18. April 2001 zu 50 % und bis Anfang Juni 2001 zu 25 % arbeitsunfähig. Die ab 5. Juni 2001 attestierte Arbeitsunfähigkeit ist durch die psychische Fehlentwicklung überlagert, welche in die Adäquanzbeurteilung nicht einzubeziehen ist (RKUV 1999 Nr. U 341 S. 409 Erw. 3b). Was schliesslich das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen betrifft, kann dieses jedenfalls nicht als in besonders ausgeprägter Weise erfüllt gelten, zumal die - zumindest teilweise vorbestandenen - Beschwerden psychisch überlagert sind. Da somit weder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist, noch die massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind, ist die Adäquanz der psychischen Beeinträchtigung zu verneinen.