Citation: 6B_637/2023 E. 1.2.4

1.2.4. Die Vorinstanz geht von einer uneingeschränkten Schuldfähigkeit aus. Sie stützt sich auf ein forensisches Gutachten von Dr. med. D.________ vom 27. Juni 2018. Dieser habe überzeugend einen schädlichen Gebrauch von Alkohol, eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und akzentuierte narzisstische und emotional instabile Persönlichkeitszüge im Sinne überdauernder Charaktereigenschaften (als Normvariante) diagnostiziert. Letztere würden unter dem Einfluss enthemmender psychotroper Substanzen wie Alkohol verstärkt hervortreten. Die auffälligen Persönlichkeitsanteile seien mit verminderter Frustrationstoleranz bzw. Neigung zu impulsivem Handeln verbunden. Die Alkoholisierung des Beschwerdeführers habe keine Auswirkungen auf seine Schuldfähigkeit, so die Vorinstanz. Die gemessene Blutalkoholkonzentration zur Tatzeit von mindestens 1,43 bis höchstens 2,73 Promillen sei im Lichte einer erheblichen Alkoholgewöhnung zu sehen. Wie im Gutachten zutreffend ausgeführt werde, spreche zudem das ganze Verhalten des Beschwerdeführers vor, während und nach der Tat für eine voll erhaltene Einsichts- und Steuerungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer habe kurz vor der Tat gelesen, das Einsetzen des Magazins, Laden der Waffe und Zielen erfordere erhebliche kognitive und koordinative Fähigkeiten. Vor allem auch das rationale Nachtatverhalten falle hier ins Gewicht. Der Beschwerdeführer habe unmittelbar nach der Tat das Gewehr weggeräumt, ein fehlerfreies und inhaltlich zutreffendes SMS an seine Freundin geschrieben und sich dann mit dem nötigen Verbandsmaterial zum Tatort begeben. Dort habe er den Anwesenden sinnvolle Anweisungen erteilen und dem Opfer Kompressen anlegen können und dabei einen ruhigen und "normalen", nicht betrunkenen Eindruck gemacht. Indes sei der Umstand, dass die Tat durch eine Stresssituation und den vorgängigen Alkoholkonsum begünstigt worden sei, strafmindernd zu berücksichtigen. Den Antrag des Beschwerdeführers auf Befragung des gerichtlichen Gutachters, namentlich zur Schuldfähigkeit, lehnt die Vorinstanz ab. Er habe im Vorverfahren Gelegenheit gehabt, sich zur Wahl des Gutachters und zu dessen Ergebnis zu äussern, worauf er implizit verzichtet habe. Im Berufungsverfahren bestehe kein Anlass zu weiteren Abklärungen oder Beweisvorkehren.