Citation: 6B_968/2021 E. 3.1

3.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung ihres Anspruches auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV), von Art. 6 Abs. 1 StPO und von Art. 318 Abs. 2 StPO. Sie habe bereits im Vorverfahren auf den Tatbestand der Schändung hingewiesen und die Erstellung eines medizinisch-psychiatrischen Gutachtens zur Frage ihrer Urteils- und/oder Widerstandsunfähigkeit beantragt. Die Jugendanwaltschaft habe den Beweisantrag abgelehnt und sich nicht mit dem Tatbestand auseinandergesetzt. Die Vorinstanz folge der Argumentation der Jugendanwaltschaft und gehe fälschlicherweise davon aus, die Geschwister seien aufgrund ihres Alters und einer gutachterlich festgestellten Entwicklungsverzögerung des Beschwerdegegners 2 im Tatzeitpunkt vergleichbar entwickelt gewesen. Es bedürfe immer einer konkreten Abklärung "[durch den Richter]", ob das Opfer in Bezug auf die sexuellen Handlungen seelisch in der Lage gewesen sei, sich gegen diese zu wehren, und ob es darüber habe entscheiden können, die sexuellen Kontakte zu wollen oder nicht. Die Annahme eines vergleichbaren Entwicklungsstandes sei spekulativ. Die Vorinstanz nehme eine unzulässige antizipierende Beweiswürdigung vor, wenn sie die Erstellung eines Gutachtens deswegen ablehne bzw. als obsolet erachte, weil beim Beschwerdegegner 2 wegen des angeblich vergleichbaren Entwicklungsstandes ebenfalls von Urteilsunfähigkeit und damit einhergehend von einer vollumfänglichen Schuldunfähigkeit ausgegangen werden müsste.