Citation: 6B_63/2020 E. 3.4.2

3.4.2. Was sodann die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Einwände zur hypothetischen Kausalität betrifft, erschöpfen sich seine Rügen weitgehend in einer appellatorischen Kritik am angefochtenen Entscheid. Der Beschwerdeführer beschränkt sich darauf, die Ausführungen der Vorinstanz als willkürlich zu bezeichnen und dem Bundesgericht seine eigene Sicht der Dinge zu präsentieren. Damit lässt sich jedoch noch keine Willkür begründen. Die in Würdigung der Gutachten und der Ausführungen des Sachverständigen G.________ getroffene vorinstanzliche Annahme, wonach eine am 18. August 2010 um ca. 17.30 Uhr durchgeführte Laboruntersuchung den entzündlichen Vorgang angezeigt hätte, erscheint durchaus vertretbar. Das Gleiche gilt für ihre Erwägung, dass eine Notoperation um ca. 18.00 Uhr oder zumindest gegen 19.00 Uhr möglich gewesen wäre. Der Beschwerdeführer bringt nichts vor, was die Annahme der Vorinstanz als schlechterdings unhaltbar erscheinen liesse. Die Frage, ob eine Notoperation um ca. 18.00 Uhr im Bereich des zeitlich Realisierbaren gelegen hätte, war sowohl vor dem erstinstanzlichen wie auch vor dem vorinstanzlichen Gericht Thema. Der Beschwerdeführer konnte sich dazu äussern und hätte - soweit er dies als notwendig befand - im Berufungsverfahren Beweisanträge zur Klärung dieser Frage stellen können. Dass er dies gemacht hätte, behauptet er nicht und kann auch dem angefochtenen Entscheid nicht entnommen werden, weshalb eine fehlende Beweiserhebung vor Bundesgericht mangels Ausschöpfung des kantonalen Instanzenzugs nicht gerügt werden kann (Art. 80 Abs. 1 BGG). In den Gutachten vom 11. Februar 2011 und vom 26. Februar 2013 wird bei einem Operationsbeginn um 18.00 Uhr des 18. August 2010 vorsichtig geschätzt von einer Überlebenswahrscheinlichkeit von 80% (unter Berücksichtigung von 10% Spitalletalität bei einer Operation wegen rechtzeitig diagnostizierter Darmnahtinsuffizienz) und bei einem Operationsbeginn um 24.00 Uhr von einer Überlebenswahrscheinlichkeit von 50% ausgegangen (kant. Akten pag. 177 und 288). Der Beschwerdeführer stellt diese Einschätzung, auf welche die Vorinstanz abstellt, nicht in Frage. Er macht aber geltend, dass bei einer Überlebenswahrscheinlichkeit von 80% der für die objektive Zurechnung des Erfolgs (Todeseintritts) erforderliche Grad an Wahrscheinlichkeit noch nicht erreicht sei. Seinen Ausführungen kann nicht gefolgt werden. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt es, wenn das pflichtwidrige Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (vgl. E. 3.3.3 und 3.3.4 hiervor). Diese Voraussetzung ist bei einer vorsichtig geschätzten Überlebenswahrscheinlichkeit von 80% bei einem Operationsbeginn um 18.00 Uhr erfüllt. Die Vorinstanz durfte selbst dann von einer hohen Überlebenswahrscheinlichkeit ausgehen, wenn D.E.________ sel. erst gegen 19.00 Uhr anstatt um 18.00 Uhr operiert worden wäre. Der vom Beschwerdeführer angeführte Verweis auf das Zivilrecht vermag daran nichts zu ändern, zumal der numerische Schwellenwert für eine an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit gemäss zivilrechtlicher Lehre zwar bei mindestens 90%, jene der hohen (überwiegenden) Wahrscheinlichkeit indes "bloss" bei mindestens 75% liegt (vgl. LARDELLI/VETTER, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch, 6. Aufl. 2018, N. 17 f. zu Art. 8 ZGB; HANS PETER WALTER, in: Berner Kommentar, Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, 2012, N. 136 und 138 zu Art. 8 ZGB; ALFRED BÜHLER, Beweismass und Beweiswürdigung bei Gerichtsgutachten - unter Berücksichtigung der jüngsten Lehre und Rechtsprechung, Jusletter 21. Juni 2010, Rz 5 ff.).