Citation: 1P.82/2003 30.05.2003 E. 6

6.1 Wie gesehen (E 3.1 hievor) stützt sich die Beweiswürdigung des Obergerichtes auf die Arztberichte, Zeugenaussagen, das erstinstanzliche Urteil sowie die Persönlichkeitsmerkmale der Beschwerdeführerin. Die Aussagen eines anlässlich der Appellationsverhandlung einvernommenen Zeugen erachtet das Obergericht überdies als glaubwürdig. Es ist jedoch entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin davon überzeugt, dass der Zeuge - der damalige Freund der Beschwerdeführerin, der am fraglichen Abend anwesend war und die Szene vom Haus aus beobachtet hatte - den Vorfall vom Balkon aus nicht oder jedenfalls nicht genau gesehen haben konnte. 6.2 Die Beschwerdeführerin hält dagegen, die Arztberichte aus dem Jahr 2001 könnten hinsichtlich der Vorgänge im Februar 1998 keinerlei Beweisqualität für sich beanspruchen, sondern seien im Zusammenhang mit der Anzeigeerstattung zu sehen. Überdies stösst sich die Beschwerdeführerin daran, dass es im Arztbericht vom 1. März 2002 zuhanden der Erstinstanz (Act. 329) heisst, der Beschwerdegegner sei von seiner "damaligen Freundin" mit einer Waffe bedroht worden. Zwar habe der Arzt im Nachhinein diese Aussage korrigiert und von der Freundin eines Freundes gesprochen, was jedoch auch nicht zutreffe. Zudem sei im Bericht des Arztes, welcher den Beschwerdegegner am 21. Februar 1998 untersucht habe, die Rede von einem Vorfall, der sich fünf Tage zuvor ereignet habe (Act. 325). Der zu beurteilende Zwischenfall indes habe sich nicht am 16. Februar, sondern in der Nacht vom 17. auf den 18. Februar 1998 zugetragen. Hinzu komme, dass der Arzt erwähnte, der Patient habe sich nicht über "seine Frau" geäussert. Sie sei nie die Frau des Beschwerdegegners gewesen. Die Beschwerdeführerin bemängelt weiter, dass das Obergericht der Frage nicht nachgegangen sei, warum erst drei Jahre nach dem inkriminierten Vorfall Anzeige erstattet worden sei. Sie rügt, dass den Aussagen des vor Obergericht angehörten Zeugen nicht geglaubt werde, wonach sie keine Waffe in der Hand gehalten habe. Der Geschehensablauf wie ihn der Beschwerdegegner schildere, sei unglaubwürdig. Dass der Beschwerdegegner trotz vorgehaltener Waffe "seelenruhig" in seine Tasche gegriffen, das Handy hervorgeholt und die Polizei angerufen haben soll, erscheint der Beschwerdeführerin völlig undenkbar. 6.3 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin erschöpfen sich weitgehend in appellatorischer Kritik. Die Beschwerdeführerin zieht aus den Umständen, auf die der angefochtene Entscheid abstellt, lediglich andere Schlussfolgerungen als das Obergericht. Damit ist aber nicht dargetan, dass die Beweiswürdigung des Obergerichtes willkürlich wäre. Die Beschwerdeführerin vermag insbesondere nicht aufzuzeigen, dass der Entscheid von Tatsachen ausginge, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch ständen. Es reicht nicht, dass die Beschwerdeführerin ihre eigene Sicht zum inkriminierten Vorfall und den vermeintlichen Beweggründen der Parteien dartut. Sie hat substantiiert zu belegen, inwiefern das Obergericht die Beweise falsch gewürdigt haben soll. Allgemeine Vorwürfe, ohne eingehende Begründung dafür, in welcher Hinsicht der Grundsatz "in dubio pro reo" als Beweiswürdigungsregel verletzt sein soll, genügen den gesetzlichen Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG nicht. 6.4 Indessen zeichnet die Argumentation der kantonalen Instanzen ein in sich schlüssiges Bild des Vorfalls. Das Obergericht verweist denn auch ausdrücklich auf den erstinstanzlichen Entscheid. Die Gerichtspräsidentin hat ihr Urteil gestützt auf die Aussagen der direkt beim Vorfall Anwesenden und weiterer Zeugen, auf die Arztberichte sowie auf das Verhalten der Beteiligten während des Prozesses gefällt. Weshalb die Anzeige so spät erfolgte, wurde im erstinstanzlichen Urteil dargelegt. Das Obergericht durfte sich auf diese Beweiserhebung stützen, zumal die Beschwerdeführerin in dieser Hinsicht keine weitergehenden Beweisanträge gestellt hatte. Auch die übrigen Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen den Eindruck, den die kantonalen Instanzen aus den Arzt- und Zeugenberichten gewinnen mussten, nicht zu erschüttern. Das Obergericht durfte daraus schliessen, dass sich der Beschwerdegegner ein erstes Mal unmittelbar nach dem Vorfall in medizinische Behandlung begeben hat, weil er ob des Zwischenfalls sehr erregt gewesen war. Der Irrtum um einen Tag im Arztbericht ändert daran nichts. In der Folge hat der Beschwerdegegner zwar erst 2001 wieder einen Arzt aufgesucht, nachdem er die Anzeige erstattet hatte. Auch dieser Arzt attestiert dem Beschwerdegegner u.a. eine Angstsymptomatik, die auf einen Vorfall vor drei Jahren zurückzuführen sei, als der Patient von der Freundin eines Freundes mit einer Waffe bedroht worden sei. Dass die beiden Ärzte die recht komplizierten Beziehungsverhältnisse nicht erkannt haben, ändert nichts an der Beweisqualität der Berichte. Überdies wurde der Beschwerdegegner wegen seiner Angst vor Waffen, die auf den Vorfall im Jahr 1998 zurückgeführt wurde, vom Militärarzt für schiessuntauglich erklärt. Die Schilderungen des am fraglichen Abend versteckt anwesenden Ex-Freunds der Beschwerdeführerin, der damals zusammen mit dem Beschwerdegegner seine Möbel hatte holen wollen, decken sich weitgehend mit der Darstellung des Beschwerdegegners. Bekannten hatte der Beschwerdegegner bei seiner Heimkehr in der Nacht vom 18. Februar 1998 sichtlich mitgenommen vom Vorfall erzählt. Aufgrund der Einschätzung der erstinstanzlichen Gerichtspräsidentin und des eigenen Eindrucks, den sich das Obergericht von der Beschwerdeführerin machen konnte, kommt es implizit zum Schluss, dass ein Verhalten, wie es der Beschwerdeführerin vorgeworfen wird, ihrer Persönlichkeit nicht fremd scheint und ihr deshalb, zumal sie im Besitz zweier Faustfeuerwaffen war, durchaus zuzutrauen wäre. Das Obergericht durfte sich infolgedessen der Argumentation der ersten Instanz anschliessen, ohne dabei in Willkür zu verfallen. Die Aussage des Zeugen, der im Rahmen der Appellationsverhandlung einvernommen worden war, prüfte das Obergericht eingehend und kam willkürfrei zum Schluss, dass dieser die Szene vom Balkon aus nicht genau beobachten konnte. Weshalb diese Beweiswürdigung unhaltbar sein sollte, vermag die Beschwerdeführerin nicht darzutun. 6.5 Bei objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses und in Hinblick auf den grossen Ermessensspielraum des Obergerichtes, drängen sich - auch im Lichte der Vorbringen der Beschwerdeführerin - keine offensichtlich erheblichen und schlechterdings nicht zu unterdrückenden Zweifel an der Beweiswürdigung des Obergerichtes auf. Die Schlussfolgerungen der kantonalen Instanzen sind durchaus nachvollziehbar und verstossen nicht gegen das Willkürverbot.