Citation: 8C_377/2023 E. 6.1

6.1. Die Vorinstanz erwog, die IV-Stelle habe weder in ihrem Vorbescheid vom 13. Februar 2020 noch in ihrer Verfügung vom 11. August 2020 die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente für den Zeitraum zwischen dem 1. August 2016 und dem 31. Januar 2018 begründet. Die Befristung sei mit dem Hinweis erfolgt, dass während der Durchführung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen grundsätzlich kein Rentenanspruch bestanden habe und nach deren Abschluss im April 2019 die Arbeitsfähigkeit für eine Tätigkeit im kaufmännischen Bereich auf dem freien Arbeitsmarkt 70 % erreicht habe. Die Rentenzusprechung scheine damit primär auf dem psychiatrischen Gutachten des Dr. med. B.________ vom 18. Oktober 2017 zu fussen. Dieses lege jedoch eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von "ca. 50 %" nahe für Tätigkeiten an einem Arbeitsplatz mit kleinem Team und klaren Strukturen, ohne Stress und mit wenig zwischenmenschlichen Kontakten. Der Gutachter sei davon ausgegangen, in einem solchermassen leidensangepassten Arbeitsumfeld seien der Beschwerdeführerin bereits damals sämtliche Tätigkeiten ihrer Erfahrung und Ausbildung entsprechend im Umfang von ca. vier bis sechs Stunden pro Tag zumutbar gewesen. Aufgrund seiner materiellen Ausführungen könne jedoch nicht nachvollzogen werden, weshalb ein geschützter Arbeitsplatz erforderlich gewesen sein sollte oder weshalb in diesem zeitlichen Rahmen nur eine reduzierte Leistung möglich gewesen wäre. Es sei anzunehmen, dass der Experte mit der juristischen Terminologie überfordert gewesen sei. Er habe denn auch in seinem Verlaufsgutachten vom 17. November 2022 die vom psychiatrischen Facharzt des RAD in seiner Stellungnahme vom 6. Februar 2020 festgehaltene Arbeitsfähigkeit von 50 % übernommen. Dr. med. B.________ habe weiter in seinem ersten Gutachten prognostiziert, die Beschwerdeführerin könne in der angestammten Tätigkeit im Verlauf wieder rentenausschliessend eingegliedert werden, wobei der Einstieg aufgrund der Distanzierung vom offenen Arbeitsmarkt seit Juni 2015 langsam und im geschützten Rahmen erfolgen sollte. Das kantonale Gericht hielt weiter fest, die initiale gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung von ca. 50 % stehe im Einklang mit der Einschätzung des damals behandelnden Psychiaters vom 7. März 2016, wonach eine Wiedereingliederung im ersten Arbeitsmarkt und in der angestammten kaufmännischen Tätigkeit im Umfang von vorerst 50 bis 60 % möglich sei. Auch der zuständige RAD-Arzt habe die Arbeitsunfähigkeit von initial 50 % für plausibel gehalten (Stellungnahme vom 6. Februar 2020). Die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit überzeuge auch angesichts des durch einen stationären Klinikaufenthalt ausgewiesenen Leidensdrucks, der damals bestehenden Substanzkonsumstörungen und der noch nicht hinreichend eingestellten psychiatrischen Medikation. Demnach sei ab August 2015 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen.