Citation: 1C_52/2022 E. 2.5

2.5. Das Verschulden ist, zusammen mit den weiteren Umständen des Einzelfalls, bei der Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzugs zu berücksichtigen. Der Beschwerdeführer ist insofern der Ansicht, es sei unverhältnismässig, ihm den Führerausweis für zwölf Monate zu entziehen, nur weil er einen Begleitbrief in der Euphorie nicht sorgfältig gelesen habe. Die Mindestentzugsdauer sei auch gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht ausnahmslos zwingend. Es lägen ganz besondere Umstände im Sinne dieser Rechtsprechung vor, die ein Unterschreiten der gesetzlichen Mindestentzugsdauer rechtfertigten. Diese lägen zum einen darin, dass er aufgrund der Rücksendung vom Ende des Fahrverbots habe ausgehen dürfen. Zum andern liege eine Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist vor, wenn ihm vier Jahre nach dem fahrlässigen Irrtum über die Fahrberechtigung der Ausweis entzogen werde. Hinzu komme, dass er neu als Nachtbetreuer in einem Wohnheim für Suchtkranke arbeite und im Notfall das Auto brauche, um jemanden ins Spital oder zu einem Arzt zu bringen. Abgesehen von dem hier nicht gegebenen Ausnahmefall gemäss Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG darf die Mindestentzugsdauer nicht unterschritten werden. Dies gilt auch bei lediglich leichter Fahrlässigkeit (Urteil 1C_102/2016 vom 20. Dezember 2016 E. 2.5). Das Kantonsgericht hat somit zu Recht erwogen, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Umstände nicht zu einer milderen Administrativmassnahme führen könnten, da es sich bei der Entzugsdauer von zwölf Monaten bereits um das gesetzliche Minimum handelt. Zwar hat das Bundesgericht in seiner nach Inkrafttreten des revidierten Administrativmassnahmenrechts am 1. Januar 2005 ergangenen Rechtsprechung offengelassen, ob bei einer schweren Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist, der nicht in anderer Weise Rechnung getragen werden kann, ausnahmsweise gänzlich auf eine Massnahme verzichtet werden könnte (BGE 135 II 334 E. 2.3 mit Hinweisen). Von einer derartigen schweren Verletzung kann jedoch hier keine Rede sein. Im Übrigen ist auch keine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist zu erkennen. Entgegen dem pauschalen Vorwurf des Beschwerdeführers ist insofern nicht einzig die Gesamtdauer des Verfahrens ausschlaggebend. Vielmehr ist insbesondere auch zu berücksichtigen, dass das Administrativverfahren auf sein Gesuch hin sistiert wurde, er gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Einsprache erhob und nach rechtskräftigem Abschluss des Strafverfahrens im wieder aufgenommenen Administrativverfahren sowohl beim Regierungsrat als auch beim Kantonsgericht Beschwerde erhob. Dass bei den einzelnen Verfahrensabschnitten unangemessene Verzögerungen entstanden wären, behauptet er nicht. Zudem durfte er ab der erwähnten Sistierung sein Fahrzeug bis zum Abschluss des Verfahrens weiterhin lenken, was ebenfalls zu berücksichtigen ist (vgl. zum Ganzen: Urteil 1C_190/2018 vom 21. August 2018 E. 5.1 mit Hinweis). Die Rüge ist somit unbegründet, soweit sie hinreichend substanziiert wurde (Art. 106 Abs. 2 BGG).