Citation: 8C_52/2008 05.09.2008 E. 4

4.1 Die erstbehandelnde Chirurgische Klinik, Spital Y.________, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 3. Mai 2005 eine Commotio cerebri, eine Thoraxkontusion rechts und eine Schürfwunde in der linken Gesichtshälfte. Eine Bewusstlosigkeit sei fraglich. Es habe keine antero- oder retrograde Amnesie, keine Übelkeit oder Erbrechen bestanden. Der stationäre Verlauf habe sich unauffällig gestaltet. 4.2 Dr. med. R.________, Facharzt für Allgemeine Medizin, hielt am 16. Juni 2005 fest, subjektiv klage der Versicherte über Schmerzen am Rippenbogen vorn, Schwäche und Schwindel. Es bestehe ein Zustand nach Rippenfraktur mit Dislokation, Übereinanderschieben der Frakturenden mit beginnender Kallusbildung und residuellem Schmerz am Rippenbogen. Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, vollzeitig bei reduzierter Leistung, ab 20. Juni 2005. Nachdem der Versicherte den Arbeitsversuch vom 20. Juni 2005 abgebrochen hatte, bescheinigte Dr. med. R.________ am 21. Juni 2005 volle Arbeitsunfähigkeit am 20./21. Juni 2005, danach eine solche von 50 %. Am 24. Juni 2005 teilte Dr. med. R.________ dem Kreisarzt mit, die Arbeitsaufnahme gestalte sich mühsam. Der Versicherte habe beide Arbeitsversuche abgebrochen, klage über grosse Schwäche, Müdigkeit sowie Schwindel und sei ängstlich und vorsichtig. Er habe dem Versicherten erklärt, dass er nicht krank sei, sondern wieder arbeiten könne. Eine erneute Arbeitsaufnahme sei auf den 27. Juni 2005 vorgesehen. 4.3 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 6. Juli 2005 klagte der Versicherte über Rückenschmerzen, welche im Stehen nach etwa einer Stunde auftreten würden. Zusätzlich habe er Kopfschmerzen und leide unter Drehschwindel, welcher bei raschen Bewegungen und Arbeiten am Boden auftrete. Der Kreisarzt hielt fest, eine klinische Untersuchung sei kooperationsbedingt nicht möglich. Der Versicherte zeige ein als psychogen imponierendes Zustandsbild, was einen organischen Kern nicht ausschliesse. Es sei eine multidisziplinäre Abklärung sowie eine Abklärung des Schwindels notwendig. 4.4 Das Neuroradiologische und Radiologische Institut, Klinik Z.________, hielt am 15. Juli 2005 intracerebral mehrere T2-hyperintense Foci in der weissen Substanz resp. subcortical frontal und parietal beidseits sowie keine sicheren posttraumatischen Läsionen intracerebral, speziell keine Hämosiderinablagerungen, fest. 4.5 Dr. med. M.________, Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie sowie Arbeitsmedizin, Abteilung Arbeitsmedizin, SUVA, kam am 20. Juli 2005 zum Schluss, die geklagten Schwindelbeschwerden hätten objektiviert und mittels des Manövers nach Semont erfolgreich behandelt werden können. Im Übrigen hätten sich keine Hinweise auf eine Störung im Gleichgewichtsfunktionssystem und ein normales Gehör ergeben. Die festgestellte und wahrscheinlich bereits behobene Canalolithiasis (Lagerungsschwindel) sei eine typische Folge nach Kopftrauma. 4.6 Die Klinik T.________, wo sich der Versicherte vom 13. Juli bis 24. August 2005 aufhielt, diagnostizierte in ihrem Austrittsbericht vom 29. August 2005 einen Unfall vom 23. April 2005 mit leichter traumatischer Hirnverletzung, sekundär leicht dislozierten Rippenserienfrakturen IV-IX rechts, Status nach Wirbelsäulenkontusion ohne strukturelle Verletzung, Schürfwunde in der linken Gesichtshälfte und im Verlauf Entwicklung einer Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: F 43.2). Im Rahmen dieses Aufenthalts wurde ein orthopädisches und ein psychosomatisches Konsilium eingeholt. Als Prozedere sah die Klinik T.________ eine Aktivierung mit einem Arbeitsversuch zu therapeutischen Zwecken ab 29. August 2005 halbtags mit einer Arbeitsfähigkeit von 50 % nach etwa drei Monaten vor. 4.7 Dr. med. J.________, Facharzt für Physikalische Medizin, diagnostizierte am 28. November 2005 chronische Schultermyotendinosen rechts, sekundär festgestellte Rippenserienfraktur IV-IX rechts, Status nach Wirbelsäulenkontusion ohne strukturelle Verletzungen, Entwicklung einer Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt, Status nach Lagerungsschwindel bei Canalolithiasis, remittiert durch wiederholte Lagerungsmanöver. Aktuell sei der Versicherte zu 50 % arbeitsunfähig geschrieben, bleibe aber regelmässig dem Arbeitsplatz fern. Es dürften erhebliche psychische Probleme vorliegen. Als Rheumatologe halte er den Versicherten für die bisher verrichtete leichte Arbeit zu 50 % arbeitsfähig. 4.8 Dr. med. D.________, Facharzt für Otorhinolaryngologie, diagnostizierte am 16. Dezember 2005 einen traumatisch induzierten Lagerungsschwindel links in Abheilung, somatoformen phobischen Schwankschwindel sowie eine leichtgradige beidseitige Perzeptionsschwerhörigkeit. Anamnestisch und bei der Untersuchung hätten sich psychische Veränderungen, eine Vermeidhaltung, Kontrollverlust, Angstreaktionen und Verlangsamung gezeigt. Dies entspreche einem somatoformen phobischen Schwankschwindel. Eine Arbeitsfähigkeit als Maschinenbediener sei nicht gegeben. Am 10. Januar 2006 hielt Dr. med. D.________ an seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit fest und bestätigte, dass die Gleichgewichtsorgane in Ordnung seien. 4.9 Dr. med. P.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, kam am 11. Februar 2006 zum Schluss, der Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F 32.11). Gegenwärtig sei er voll arbeitsunfähig. Sobald eine Tagesstrukturierung durch Teilnahme an der Tagesklinik gelungen sei, sei die Arbeitsfähigkeit neu zu beurteilen. 4.10 Der Kreisarzt fand am 20. März 2006 bei der klinischen Untersuchung im Wesentlichen eine druckempfindliche mittlere und untere HWS, eine vermehrt tonisierte paravertebrale Muskulatur auf Höhe der BWS und LWS sowie eine druckempfindliche Schultergürtelmuskulatur rechts, wobei kooperationsbedingt das Schultergelenk nicht habe beurteilt werden können. In der Folge veranlasste er weitere Abklärungen. 4.11 Das Röntgeninstitut L.________ hielt am 31. März 2006 mehrere, in Anbetracht des Alters des Versicherten nicht extrem fortgeschrittene degenerative Veränderungen der Wirbelsäule fest. Es gebe keine Hinweise auf posttraumatische Veränderungen, keine nachweisbare Zunahme der Degeneration seit dem 14. Juli 2005. Es bestehe kein Rotatorenriss, jedoch ein PHS calcarea und eine AC-Gelenksarthrose. 4.12 Aus der Stellungnahme des Dr. med. M.________ vom 21. April 2006 zum Bericht des Dr. med. D.________ ergibt sich, dass sie im Wesentlichen übereinstimmen, wonach der Lagerungsschwindel am Abnehmen und der Schwankschwindel phobisch bedingt sei. Bei der Arbeitsfähigkeit bestanden nach Dr. med. M.________ aus neurootologischer Sicht keine Einschränkungen, ausser für Tätigkeiten, bei welchen Schwindelbeschwerden zu Selbst- oder Fremdgefährdung führen könnten. 4.13 In seiner Ergänzung vom 28. April 2006 hielt der Kreisarzt als Folge des Schädelhirntraumas bei unauffälligem Neurostatus und fehlenden kernspintomographischen Hinweisen für eine traumatische Hirnschädigung einen Lagerungsschwindel infolge Canalolithiasis fest, welcher noch nicht völlig abgeklungen sei. Es stehe die phobische Komponente, also die psychogene Überlagerung, im Vordergrund. Die festgestellten Befunde an der Schulter seien unfallunabhängig. 4.14 Das Psychiatriezentrum A.________ diagnostizierte am 25. April 2006 eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F 32.1), eine Panikstörung (ICD-10: F 41.0) sowie den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Der Versicherte falle durch seine Zuverlässigkeit und sein Bemühen auf, Neues zu erlernen und aktiv teilzunehmen. Er sei bis auf weiteres nicht arbeitsfähig. Seine grosse Bereitschaft, sich auf die Behandlung einzulassen, lasse davon ausgehen, dass auf der psychiatrischen Ebene mit der Behandlung der traumatischen Verarbeitung des Geschehens eine Besserung der depressiven und Angstsymptomatik möglich sei. 4.15 Dr. med. H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, schloss am 18. September 2007 auf eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.22) nach Unfall vom 23 April 2005 sowie auf eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4). Infolge der Chronifizierung sei eine Arbeitsaufnahme unwahrscheinlich. Eine psychotherapeutische Behandlung sei im Hinblick auf die organisch fixierte Interpretation der Beschwerden und deren Dauer sowie der Persönlichkeitsstruktur aussichtslos. 4.16 Dr. med. D.________ hielt in seinem Schreiben vom 16. Januar 2008 fest, er habe den Versicherten zuletzt am 19. Juni 2007 gesehen und die letzte Arbeitsdiagnose habe auf massive Muskelverspannungen bei und mit Angstschwindel mit Aggravationsneigung gelautet. Die Kausalität durch den Unfall sei möglich; allerdings schienen auch unfallfremde Faktoren eine Rolle zu spielen. 4.17 Dr. med. B.________ diagnostizierte am 18. Januar 2008 chronische myofasciale Schmerzen in der rechten Schulterregion und Kettenmyotendinosen im linken Beckengürtel und zum linken Bein ziehend. Die Ursache des Leidens sei psychiatrisch zu beurteilen.