Citation: 2C_121/2023 E. 7.1

7.1. Mit Bezug auf die Festlegung der Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung eines Kombilagers auf 20% macht die Beschwerdeführerin geltend, die VK STENFO und damit auch die Vorinstanz, die deren Entscheid geschützt habe, hätten insoweit in verschiedener Hinsicht nicht nur die Vorschriften der SEFV verletzt, sondern ihr Entscheid sei darüber hinaus willkürlich. So habe das EP 16 vom Dezember 2016 die Variante der Errichtung eines Kombilagers entgegen der Darstellung der Vorinstanz nicht etwa nur am Rande, sondern als gleichwertiges Szenario behandelt. Ausserdem habe die Vorinstanz die Stellungnahme des ENSI zur KS 16 vom Juli 2017, in welcher dieses ausdrücklich festgehalten habe, dass sich aus sicherheitstechnischer Sicht keine Präferenz für die Realisierung der Einzellager bzw. eines Kombilagers abzeichne, ebenso unberücksichtigt gelassen wie die Stellungnahme des ENSI zum EP 16 vom 24. April 2018, worin dieses ausgeführt habe, dass keine sicherheitstechnischen Vorbehalte gegen den Bau eines Kombilagers bestünden. Auch der jüngste Arbeitsbericht der Nagra vom September 2020 (NAB 19-15), der dem Vergleich eines Kombilagers mit zwei Einzellagern gewidmet sei, gelange zum Schluss, dass, falls der sicherheitstechnische Vergleich zu keiner Differenzierung führe, es gemäss ENSI den Entsorgungspflichtigen überlassen bleibe, bei ihrer Abwägung und gesamtheitlichen Betrachtung weitere Aspekte beizuziehen; die im Arbeitsbericht dargelegten Aspekte sprächen im Fall von keiner sicherheitstechnischen Differenzierung eindeutig für die Realisierung eines Kombilagers. Diesen Arbeitsbericht habe die Vorinstanz sogar zu Unrecht als unbeachtlich angesehen und als Beweismittel gar nicht zugelassen. Im Rahmen der Einschätzung der Wahrscheinlichkeit für die Realisierung eines Kombilagers wäre überdies die reale politische Lage zu berücksichtigen gewesen. Bereits beim Erlass der Verfügung der VK STENFO vom 10. März 2021 sei nicht nur die Vorgabe des Fonds vom 25. November 2014 für die KS 16, die noch von zwei Einzellagern ausgegangen sei, überholt gewesen. Vielmehr habe sich schon damals mit aller Deutlichkeit abgezeichnet, was heute aufgrund des Standortentscheids der Nagra vom 12. September 2022 zugunsten eines Kombilagers am Standort Nördlich Lägern feststehe, dass nämlich die Nagra und damit der Bund und die Kraftwerksbetreiber den Bau der beiden Tiefenlager HAA und SMA am gleichen Standort beantragen würden. All dies habe die Vorinstanz in ihrem Entscheid einfach ausgeblendet und mit keinem Wort erwähnt. Die Fonds hätten sich bei ihrem Entscheid vielmehr ausschliesslich und höchst einseitig auf den Bericht des Bundesrats zum EP 16 und auf die selbstverständliche Feststellung abgestützt, wonach in Bezug auf ein Kombilager noch zusätzliche Abklärungen notwendig seien. Entgegen der Vorinstanz und der VK STENFO sei davon auszugehen, dass die Variante Kombilager mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (annähernd 100%) realisiert werde, so dass diese Variante zwingend mit mindestens 70% berücksichtigt hätte werden müssen. Indem die VK STENFO in ihrem von der Vorinstanz insoweit geschützten Entscheid all die erwähnten Dokumente und Einschätzungen ausgeblendet, einseitig auf den Bericht des Bundesrats zur EP 16 abgestellt und eine Wahrscheinlichkeit von bloss 20% für die Realisierung eines Kombilagers zugrunde gelegt habe, habe sie nicht nur Art. 4 Abs. 2 und 2bis SEFV verletzt, sondern entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht nur den Sachverhalt willkürlich festgestellt, sonden auch den Rahmen des ihr zustehenden Ermessens klar überschritten und sei auch insoweit in Willkür verfallen (Beschwerdeschrift S. 80 - 93 Rz 191 - 221).