Citation: 6B_1208/2015 E. 3.1

3.1. Gemäss Art. 38 Abs. 1 StPO können die Staatsanwaltschaften untereinander einen andern als den in den Artikeln 31 - 37 vorgesehenen Gerichtsstand vereinbaren, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tätigkeit oder die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten es erfordern oder andere triftige Gründe vorliegen. Ein abweichender Gerichtsstand kann sich auch ohne Vereinbarung daraus ergeben, dass die Behörden eines Kantons ihre Zuständigkeit implizit anerkannt haben. Gründe der Verfahrensökonomie sprechen dafür, dass dieser Kanton zuständig bleibt. Die Strafbehörden des Kantons Basel-Stadt haben sich in der Zeit ab Eingang der Strafanzeige vom 3. April 2012 bis zum Erlass des Strafbefehls vom 23. Juli 2012 eingehend mit dem Fall befasst. Nach Erhebung der Einsprache gegen den Strafbefehl wurde das Einspracheverfahren mit Akteneingang am 1. August 2012 beim Strafgericht Basel-Stadt hängig. Den Parteien wurde Frist zur Einreichung von Beweisanträgen gesetzt. Am 17. Juli 2013 wurde der Termin der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht Basel-Stadt auf den 5. September 2013 angesetzt. Der Strafanzeige der Beschwerdeführerin vom 3. April 2012 an die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt (kant. Akten p. 34 ff.) war unter anderem als Beilage 4 ein Schreiben der Agricura vom 16. März 2012 an die Beschwerdeführerin betreffend Pflichtlagerkontrolle vom 16. März 2012 bei der B.________ AG beigelegt. Darin wird ausgeführt, anlässlich der heutigen Pflichtlagerkontrolle habe die Agricura in Bezug auf die Vertragsmenge bei der B.________ AG (Muttenz-Auhafen) ein Manko festgestellt, beziehungsweise es habe die vertragliche Menge von 19,5 Tonnen Rein-N (42 Tonnen Harnstoff 46 %) gänzlich gefehlt (kant. Akten, Separatbeilagen A/7). Bei Einsicht in dieses Aktenstück, auf welches die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft in ihrem den Gerichtsstand ablehnenden Schreiben vom 13. September 2013 (kant. Akten p. 243 f.) hinwies, hätte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt auf den Gedanken kommen müssen, dass die angeblich umetikettierte Ware möglicherweise nicht im Kanton Basel-Stadt, sondern im "Muttenz-Auhafen" und damit im Kanton Basel-Landschaft lagerte, und hätte sie weitere diesbezügliche Abklärungen treffen müssen. Dies unterblieb jedoch, was den Schluss nahelegt, die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt habe den Gerichtsstand implizit anerkannt. Hinzu kommt, dass das Verfahren im Kanton Basel-Stadt bis zur Ansetzung der erstinstanzlichen Hauptverhandlung und damit sehr weit fortgeschritten war, sodass eine Abtretung des Verfahrens an den Kanton Basel-Landschaft unter prozessökonomischen Gesichtspunkten wenig sinnvoll wäre, worauf die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft in ihrem den Gerichtsstand ablehnenden Schreiben vom 13. September 2013 an die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ebenfalls zurecht hinwies.