Citation: 2C_883/2020 E. 2.3

2.3. Wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde (Art. 50 Abs. 2 AuG). Zwar kann je nach Intensität bereits ein einziger Vorfall häusliche Gewalt begründen, insbesondere dann, wenn die betroffene Person Opfer eines Mordversuchs durch den Ehepartner geworden ist (Urteile 2C_460/2017 vom 23. März 2018 E. 3.2; 2C_590/2010 vom 29. November 2010 E. 2.5.2). Die im angefochtenen Urteil festgestellte, singuläre tätliche Auseinandersetzung vom 15. Juli 2013, bei welcher die Beschwerdeführerin aktiv mitbeteiligt war, erreicht aber - wie die Vorinstanz in bundesrechtskonformer Weise erkannt hat - nicht die Intensität, um massgebliche häusliche Gewalt physischer oder psychischer Natur anzunehmen. Keine Rolle spielt, ob die Beschwerdeführerin dabei geringfügige Verletzungen erlitten hat (vgl. Urteil 2C_922/2019 vom 26. Februar 2020 E. 3.1). Da sich der nacheheliche Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG auf die Ehe und den damit einhergehenden Aufenthalt beziehen muss (BGE 139 II 393 E. 6), hat für einen Aufenthaltsanspruch gemäss dieser Bestimmung sodann rechtsprechungsgemäss eine gewisse Kausalität zwischen der häuslichen Gewalt und dem Scheitern der ehelichen Gemeinschaft zu bestehen (BGE 137 II 345 E. 3.2.3; Urteil 2C_668/2019 vom 19. November 2019 E. 2.1). Die Vorinstanz hat kein Bundesrecht verletzt, indem sie mit Blick auf dieses Kausalitätserfordernis eine allfällige Misshandlung der Beschwerdeführerin durch ihren Ex-Ehemann in der Zeit vor Aufnahme der ehelichen Gemeinschaft in der Schweiz und in der Zeit nach der definitiven Trennung der Eheleute nicht als massgeblich für die Beurteilung des Vorliegens häuslicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG erachtete (E. 3.2 des angefochtenen Urteils).