Citation: 4D_56/2015 E. 4.1

4.1. Die Vorinstanz liess offen, ob D.________ anlässlich eines (inhaltlich umstrittenen) Telefongesprächs vom 24. September 2011 mit einem Mindestpreis von Fr. 750'000.-- einverstanden gewesen sei. Denn mit der E-Mail vom 8. Januar 2012 habe sie gegenüber C.________ jedenfalls insoweit, als das Ehepaar E.________ betroffen gewesen sei, einen Mindestpreis von Fr. 750'000.-- kommuniziert ("absolut unterste Verhandlungsbasis"). D.________ habe diese Erklärung auch mit Bindungswirkung für ihre Tochter abgegeben. Die Vorinstanz stützte sich dabei auf den Brief vom 24. September 2010, mit dem die Beschwerdeführerin den Vertrag vorsorglich gekündigt hatte mit dem Hinweis, "Wir möchten gerne einige Punkte des Vertrages neu definieren [...]" und zugleich C.________ bat, "mit meiner Mutter, Frau D.________, Kontakt aufzunehmen, um mit ihr die weiteren Einzelheiten zu besprechen". C.________ habe das in guten Treuen so verstehen dürfen, dass die Mutter ermächtigt sei, die konkret anstehenden Vertragsänderungen nicht nur zu verhandeln, sondern auch verbindlich zu vereinbaren, zumal die Beschwerdeführerin zum massgebenden Zeitpunkt landesabwesend gewesen sei und sich offenbar nicht in der Lage gesehen habe, sich persönlich um die gewünschte Vertragsverlängerung und -änderung zu kümmern. Hinzu komme, dass sie den Brief in Wir-Form ("Wir möchten gerne [...] und kündigen deshalb [...]") geschrieben habe, was - auch in Verbindung mit dem nahen Verwandtschaftsverhältnis - geeignet gewesen sei, den Eindruck zu erwecken, sie und ihre Mutter seien im Hinblick auf den Verkauf ein Team. Es könne auch entgegen dem Einzelrichter des Kreisgerichts nicht davon ausgegangen werden, C.________ selber habe den Brief anders verstanden, weil er die Beschwerdeführerin in seinem nachfolgenden Schreiben vom 20. Oktober 2010 gebeten habe, dieses "zum Zeichen Ihres Einverständnisses" unterzeichnet zurückzusenden. Gleichzeitig habe C.________ in diesem Brief nämlich auch ausgeführt, er "bestätige" die mit D.________ besprochenen Vertragsanpassungen, was - nachdem die objektiven Umstände für eine Bevollmächtigung von D.________ sprächen - den Schluss nahelege, dass die gewünschte Rücksendung eines gegengezeichneten Briefdoppels weniger dem Vertragsschluss als vielmehr der Absicherung (Beweissicherung) dienen sollte. Für die blosse Absicherung habe keine Eile bestanden und die Beschwerdeführerin habe ihm das Briefdoppel denn auch erst am 15. November 2010, also rund zwei Wochen nach dem Termin, auf den hin sie den Vertrag vorsorglich gekündigt hatte, übermittelt. C.________ habe somit den Brief der Beschwerdeführerin vom 24. September 2010 in guten Treuen dahin verstehen dürfen und ihn auch tatsächlich dahin verstanden, D.________ sei zum Abschluss der damals konkret anstehenden Vertragsanpassungen bevollmächtigt gewesen. Die Vorinstanz prüfte weiter, ob C.________ nicht nur hinsichtlich der nach dem Brief vom 24. September 2010 anstehenden Vertragsanpassungen, sondern auch hinsichtlich des mit dem Ehepaar E.________ zu vereinbarenden Preises von Fr. 750'000.-- eine Vollmachtstellung von D.________ annehmen durfte und tatsächlich angenommen hat. Sie bejahte dies. Zufolge Landesabwesenheit der Beschwerdeführerin habe sich der Kontakt zwischen ihr und C.________ in der Folge, d.h. zwischen dem 24. September 2010 und dem 8. Januar 2012, weitestgehend über D.________ abgewickelt. Mit letzterer habe ein reger E-Mail-Verkehr und auch ein persönliches Treffen stattgefunden. Auch nicht alle von D.________ mitgeteilten Vertragsänderungen seien von der Beschwerdeführerin gegengezeichnet worden, beispielsweise nicht der am 11. April 2011 mitgeteilte neue Mindestpreis von Fr. 790'000.--. Das Auftreten von D.________ sei immer energisch und bestimmt gewesen und keinesfalls das, was man von einer blossen Botin erwarten würde. Schliesslich falle auf, dass D.________ in zahlreichen Schreiben immer in der Wir-Form geschrieben habe. Aufgrund der Zeugenaussage von D.________ und der allgemeinen Lebenserfahrung ging die Vorinstanz sodann davon aus, die Beschwerdeführerin habe um das Auftreten ihrer Mutter gegenüber C.________ gewusst - wenn auch allenfalls nicht in jedem Detail. Es könne daher offen bleiben, ob sie ihre Mutter explizit oder konkludent bevollmächtigt habe. Denn jedenfalls sei eine Duldungs- oder Anscheinsvollmacht vorgelegen, indem die Beschwerdeführerin im Wissen über das Auftreten ihrer Mutter als Vertreterin nicht eingeschritten sei, zumindest aber bei pflichtgemässer Sorgfalt deren Auftreten als ihre Vertreterin hätte erkennen und verhindern können/müssen.