Citation: 4A_527/2014 E. 3.2.3

3.2.3. Da sich die Parteien bereits bei Abschluss des Arbeitsvertrags, im Dezember 2009, als die bonusrelevanten Geschäftszahlen bei der C.________ AG noch nicht bekannt waren, auf eine Kompensationszahlung von Fr. 200'000.-- geeinigt hatten und vor Ausrichtung dieses Betrages im Februar 2010 keine weiteren Anfragen an den Beschwerdegegner oder anderweitige Abklärungen erfolgten, konnte eine Täuschung über allfällige Beteiligungs- bzw. Bonusansprüche gegenüber der C.________ AG nicht kausal für den Vertragsschluss bzw. die Vereinbarung einer Kompensationszahlung von Fr. 200'000.-- sein. Weitere Beweisabnahmen zu den von der Beschwerdeführerin behaupteten Täuschungshandlungen - soweit überhaupt rechtzeitig angeboten - konnten deshalb unterbleiben. Es ist der Beschwerdeführerin insoweit beizupflichten, dass es in der Tat fraglich erscheint, ob das Obergericht mit seiner Argumentation, die Parteien hätten im April 2010 einen aussergerichtlichen Vergleich über die Höhe der Kompensationszahlung abgeschlossen, welcher mangels rechtsgenüglicher Anfechtung durch die Beschwerdeführerin Bestand habe, den Sachverhalt willkürlich würdigt und daraus die falschen rechtlichen Schlüsse zieht. Selbst wenn allerdings davon ausgegangen wird, dass im April 2010 lediglich eine nachträgliche Präzisierung des Arbeitsvertrags ohne novatorische Wirkung erfolgt ist, vermag dies nichts am jedenfalls fehlenden Täuschungserfolg zu ändern. Mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin zitierte Mail des Arbeitnehmers vom 20. März 2010 an E.________, in welcher er angab, er könne "100% honest" sagen, dass er sehr überrascht gewesen wäre, wenn die C.________ AG ihm nicht einen Bonus von Fr. 300'000.-- bis Fr. 400'000.-- gegeben hätte, lässt sich zwar eine Täuschungsabsicht in Bezug auf die ab Ende Februar 2010 diskutierte Anpassung der Kompensationszahlung nicht ganz ausschliessen, aber allein damit auch nicht beweisen. Ein Täuschungserfolg ist jedenfalls im Zusammenhang mit der definitiven Festsetzung der Kompensationszahlung auf Fr. 270'000.-- brutto nicht eingetreten, denn für die Arbeitgeberin war ganz offensichtlich nicht die Höhe der behaupteten oder realen Bonusansprüche des Beschwerdegegners gegenüber der C.________ AG (bei einem hypothetischen Verbleib bei dieser Arbeitgeberin) ausschlaggebend für die Präzisierung im April 2010, sondern die Zufriedenheit ihres damaligen Arbeitnehmers, den sie so kurz nach Arbeitsantritt nicht schon wieder verlieren wollte. Auf die Höhe der ursprünglich im Dezember 2009 vereinbarten Geldsumme kam die Beschwerdeführerin schliesslich nicht zurück, sie nahm lediglich zugunsten ihres Arbeitnehmers - und in Absprache mit ihm - an, es handle sich dabei um den Nettobetrag. Die Kausalität allenfalls täuschender Handlungen des Beschwerdegegners ist deshalb auch in Bezug auf die effektive Erhöhung der Kompensationszahlung auf Fr. 270'000.-- brutto im April 2010 mit entsprechender Nachzahlung im Mai 2010 zu verneinen.