Citation: 2C_868/2016 E. 5.2.6

5.2.6. Mit dem Beschwerdeführer ist davon auszugehen, dass unter diesen Umständen wegen der möglichen engen Verflechtung zwischen der mit Blutrache drohenden Familie, welche die durch die Mediatoren vorgeschlagene Aussöhnung ("Besa") ausdrücklich abgelehnt hat, und gewissen staatlichen Strukturen der Sachverhalt von der Vorinstanz umfassender und sorgfältiger hätte abgeklärt werden müssen, um eine konkrete Gefahr einer Verletzung von Art. 3 EMRK bzw. Art. 25 Abs. 3 BV ausschliessen zu können. Der blosse Hinweis auf die allgemeine Praxis des Bundesverwaltungsgerichts bezüglich einer allfälligen Verletzung Art. 3 EMRK durch eine behauptete Blutrache (D-4995/2016 vom 24. August 2016 E. 8.3; E-1427/2015 vom 26. Juli 2016 E., 7.5.3; E-1829 vom 8. April 2015 E. 5.4 E-6802/2014 vom 5. Dezember 2014 E. 7.3 und E. 9.2.4) genügte hierzu nicht. Die kantonalen Instanzen wären gehalten gewesen, auf die einzelnen Vorbringen des Beschwerdeführers einzugehen und darzulegen, weshalb trotzdem angenommen werden darf, dass ihm bei einer Rückkehr in den Kosovo keinerlei ernsthaften Nachteile drohen. Im Hinblick auf die konkreten und detailliert erhobenen Darlegungen des Beschwerdeführers zu seiner spezifischen Situation waren vor der Wegweisung bzw. deren Vollzug zusätzliche Abklärungen geboten; die Beurteilung des Verwaltungsgerichts in einem einzigen Satz, dass insbesondere "nicht dargetan und belegt" sei, "dass die Opferfamilie einen derart grossen Einfluss auf die Behörden ausüben könnte, dass deren Unabhängigkeit in Zweifel stünde", genügte als Begründung hierfür nicht. Die kantonalen Instanzen hätten über die diesbezüglich fachlich qualifizierteren Bundesbehörden die Zulässigkeit der Wegweisung bzw. deren Vollzug im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes sorgfältiger und detaillierter begründet erstellen müssen (bspw. Amtsbericht des Staatssekretariats für Migration, Abklärungen über die schweizerische Botschaft in Pristina [so geschehen im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-427/2015 vom 26. Juli 2016 E. 7.5.3], Beizug eines Vertrauensanwalts im Heimatstaat, Einholung diplomatischer Zusicherungen mit Überwachungsmöglichkeiten durch die schweizerischen Behörden [vgl. hierzu GRABENWARTER/PABEL, a.a.O., § 20 N. 79 S. 215.]).