Citation: U 134/06 03.05.2007 E. 3.1

3.1.1 Der rheumatologische Konsiliarius (Bericht des Dr. med. W.________ vom 2. Juli 2003 an die MEDAS) stellte anlässlich der klinischen Untersuchung diffuse Berührungs- und Druckdolenzen des ganzen Schädels, der Nacken- und Halsregion, Schulterpartie sowie des linken Oberarmes und der Brust fest. Zu palpieren war ein leichter myofaszialer Reizzustand mit leichter muskulärer Verspannung der Nacken- und Schultermuskulatur beidseits eher rechtsbetont sowie eine leichte Bewegungseinschränkung der HWS ohne klinische Hinweise auf eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik oder Segmentinstabilität. Die Kraftverminderung beim Faustschluss links bei normaler muskulärer Trophik der intrinsischen Hand- wie auch Unterarmmuskulatur war medizinisch nicht erklärbar. Dem Rheumatologen fielen ein deutliches Schmerzverhalten sowie eine deutliche Überlagerungstendenz auf. Insgesamt war die Explorandin aus fachspezifischer Sicht austherapiert. Aufgrund der wenigen objektivierbaren Befunde waren weitere medizinische Behandlungen nicht notwendig. Es bestand eine vollständige Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf bei günstiger Prognose. Der Neuropsychologe stellte keine Funktionsausfälle mit Auswkirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Bericht des Dr. phil. G.________ vom 12. Juni 2003). Laut neurologischem Konsilium (Bericht des Dr. med. A.________ vom 10. Juni 2003) waren die Schwindel vegetativer Genese; Hinweise auf eine traumatische vestibuläre Läsion fanden sich nicht. Die in den linken Arm ausstrahlenden Schmerzen sowie Rückenbeschwerden waren erst mit einer gewissen Latenz, die Schmerzen in den Beinen mit einer grossen Latenz nach dem Unfall aufgetreten, weshalb ein Zusammenhang dieser Symptomatik mit dem Unfall nicht wahrscheinlich sei. Eine vom Paraplegikerzentrum Z.________ aufgrund einer radiologischen Untersuchung für möglich gehaltene ligamentäre Läsion im Bereich der HWS (vgl. Bericht der Rehaklinik X.________ vom 11. Juni 2002) schloss der Neurologe mangels Nachweises wesentlicher struktureller Veränderungen aus. Die Untersuchungsbefunde zeigten sich normal, namentlich lagen keine Hinweise auf eine zervikale oder medulläre Schädigung vor. Es ergaben sich auch keine Verdachtsmomente auf eine Armplexusschädigung oder eine periphere Nervenverletzung. Aus neurologischer Sicht begründeten einzig die anamnestisch erst seit dem Unfall vom 15. Juni 2001 feststellbaren Spannungskopfschmerzen eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 20 % bis 25 %. Der Psychiater stellte fest (Bericht des Dr. med. B.________ vom 12. Juni 2003), während des lange dauernden, von der Explorandin ohne irgendwelche Ermüdungserscheinungen durchgehaltenen Gesprächs hätten sich keine Anhaltspunkte für intellektuelle oder gar psychotische Störungen ergeben. Sie leide weder an einer depressiven Erkrankung, noch an einer posttraumatischen Belastungsstörung. In emotionaler Hinsicht gewann er den Eindruck leicht histrionisch geprägter Abgehobenheit, ein Zustand, der sich treffend mit dem Begriff "belle indifférence" umschreiben lasse. Die nach ICD-10 F43.23 zu diagnostizierende Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Stimmungs- und Sozialverhalten begründe eine Arbeitsunfähigkeit von 40 %. Es dürfe aktuell unter der Voraussetzung, dass die Versicherte die Psychotherapie weiterführe, mit einer namhaften Besserung der Gesundheitsschädigung gerechnet werden. 3.1.2 Gestützt auf diese Ergebnisse, die Akten sowie eigene klinische Untersuchungen kamen die MEDAS-Gutachter zum Schluss (Expertise vom 16. September 2003), unmittelbar nach dem Unfall seien vorerst Nackenschmerzen, drei Monate später ein Panvertebral- und Lumbovertebralsyndrom mit Schlafstörungen und vegetativen Symptomen im Vordergrund gestanden. Viele der geklagten Beschwerden seien im Rahmen der Anpassungsstörung zu erklären. Es bestehe aufgrund der psychiatrischen und neurologischen Befunde eine Arbeitsunfähigkeit von insgesamt 40 %. Hinsichtlich der empfohlenen psychiatrischen Weiterbehandlung gingen die MEDAS-Experten von einem vorerst stationären Verlauf aus. Vorausgesetzt, dass die Explorandin die ihr zumutbaren psychotherapeutischen Anstrengungen und beruflichen Eingliederungsmassnahmen unternehme, sei mit einer deutlichen Besserung der Gesundheitsschädigung zu rechnen. Auch eine Basisbehandlung der Spannungskopfschmerzen könne hilfreich sein. 3.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsunfähigkeit ohne weiteres auf das umfassende und in allen Teilen überzeugende Gutachten der MEDAS abgestellt werden. Die Ausführungen des Prof. Dr. med. N.________ im Bericht vom 10. Februar 2005 laufen insgesamt auf die bereits von den MEDAS-Gutachtern vermerkte Feststellung hinaus, dass die weichteilrheumatischen Beschwerden ubiquitären Charakters sind, was der Annahme einer eindeutig (BGE 118 V 286 E. 2 S. 290 f.) oder auch nur medizinisch plausibel begründeten (BGE 122 V 415) Unfallkausalität entgegensteht. Auch die Schlussfolgerungen des Neurologen Dr. med. C.________ gemäss Bericht vom 14. Mai 2004 überzeugen nicht vollumfänglich. Entgegen seinen Darlegungen sind die anlässlich der Exploration vom 23. Dezember 2003 erhobenen Befunde mit denjenigen am 12. Oktober 2001 festgestellten (vgl. Berichte dieses Arztes vom 14. und 7. Dezember 2001) nicht ohne weiteres vergleichbar. Laut den früheren Berichten lag eine in Zusammenhang mit Verdacht auf Läsion des rechtsseitigen Ligamentums stehende ausgeprägte Fehlhaltung im Sinne einer Kyphose C3/C6 sowie eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der HWS bei Inklination vor, wogegen zwei Jahre später lediglich noch von beeinträchtigter Re- und Inklination des Nackens sowie Druckdolenz des Schultergürtels und Nackens bei Palpation mit leicht erhöhtem Muskelhartspann, ohne nähere Bezeichnung der Ausprägung dieser Befunde, die Rede war. Unter diesen Umständen ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar, wenn Dr. med. C.________ anfänglich (Bericht vom 14. Dezember 2001) die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf für leichte körperliche Tätigkeiten auf 50 % bis 60 %, später (Bericht vom 14. Mai 2004) nur noch auf 40 % einschätzte. Es liegt die Annahme nahe, dass er die Arbeitsunfähigkeit vor allem gestützt auf die Beschwerdeschilderung der Patientin beurteilte. Davon ist auch bei der Würdigung des Berichts des behandelnden Psychotherapeuten E.________ (Bericht vom 22. November 2003) auszugehen. Er übernimmt zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit die Angaben der Beschwerdeführerin zum Leidensdruck explizit tel quel, ohne sich mit der vom psychiatrischen Konsiliarius der MEDAS dargelegten Problematik auseinanderzusetzen. Bei der von Dr. med. B.________ nach ICD-10 F43.23 diagnostizierten Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Stimmungs- und Sozialverhalten spielt die individuelle Prädisposition oder Vulnerabilität eine bedeutsame Rolle (vgl. Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2005, S. 171 f.). Laut Dr. med. B.________ ist die Beschwerdeführerin als Persönlichkeit zu bezeichnen, deren Leidensdruck trotz der intensiv geschilderten Beschwerden lediglich gering sein muss ("belle indifférence"), was dem vom rheumatologischen Experten Dr. med. W.________ anlässlich seiner Exploration gewonnenen Eindruck entspricht. Schliesslich ist festzuhalten, dass für die geltend gemachte erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit Begutachtung durch die MEDAS (Expertise vom 16. September 2003) bis zu dem für die gerichtliche Beurteilung des Sachverhalts massgeblichen Zeitpunkt bei Erlass des Einspracheentscheids vom 7. Juli 2004 (vgl. dazu BGE 121 V 362 E. 1b S. 366) keine Anhaltspunkte vorliegen. Weitere medizinische Abklärungen sind nicht notwendig, wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat.