Citation: 8C_318/2024 E. 4.1.2

4.1.2. Dem ist entgegenzuhalten, dass dem Experten der ABI, Dr. med. C.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die Krankengeschichte bekannt war. So erwähnte er im Abschnitt Anamnese die vom Beschwerdeführer angesprochene mehrmonatige Hospitalisation. Er hielt weiter fest, beim Beschwerdeführer habe sich Mitte 2001 eine depressive Symptomatik entwickelt, welche sich erheblich verstärkt habe, als Ende 2002 das Asylgesuch abgelehnt worden sei. Bis zum Asylverfahren sei der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben immer kerngesund gewesen. Dass Dr. med. C.________ damit das Ende 2002 abgeschlossene Asylverfahren meinte, liegt auf der Hand. Insoweit ist von einem Verschrieb auszugehen, soweit er an anderer Stelle vom Beginn des Asylverfahrens im Jahr 2008 berichtete. Betreffend Einholung einer Fremdanamnese ist darauf hinzuweisen, dass die Notwendigkeit einer solchen in erster Linie eine Frage innerhalb des medizinischen Kompetenzbereichs ist, wobei die ärztlichen Experten diesbezüglich über einen grossen Spielraum verfügen (SVR 2023 IV Nr. 17 S. 57, 8C_150/2022 E. 11.2.1; vgl. Urteil 8C_156/2023 vom 26. Januar 2024 E. 4.3.1). Vorliegend standen dem Gutachter ab 2003 zahlreiche Arztberichte zur Verfügung. Unter diesen Umständen ist es im Rahmen einer gerichtlichen Überprüfung nicht zu beanstanden, dass er keine fremdanamnestischen Auskünfte einholte (vgl. Urteil 8C_73/2023 vom 28. Juni 2023 E. 10.2.1 mit Hinweis). Wie die Vorinstanz ferner richtig erkannte, legte der psychiatrische Gutachter nachvollziehbar dar, weshalb er die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht bestätigen konnte. So hätten sich in der Kindheit und Jugend keine dysfunktionalen Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster gezeigt. Dies entspricht den Angaben des Beschwerdeführers. Dr. med. C.________ kam zum Schluss, dass die Eingangskriterien einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt seien. Auch Dr. med. D.________, die den Beschwerdeführer seit vielen Jahren behandelt, hielt im Übrigen fest, differenzierte Hinweise zur psychiatrischen Anamnese vor der Einreise in die Schweiz oder zu psychodynamischen Faktoren in der Persönlichkeitsentwicklung fehlten bis heute völlig (vgl. Stellungnahme vom 24. Juni 2023), was dem Beschwerdeführer nun zum Nachteil gereiche. Anders als der Gutachter ging sie aber davon aus, es gehöre zur Persönlichkeitsstörung des Beschwerdeführers, dass er seine Vorgeschichte in China bis zur Flucht in die Schweiz 1998 stets nur knapp wiedergegeben und jegliche Angaben zu seiner psychischen Entwicklung verschwiegen habe.