Citation: I 198/01 18.06.2002 E. 4

4.- a) Aus dem Bericht des Dr. med. F.________ wie auch aus dem ZMB-Gutachten ergibt sich eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes gegenüber der Situation von 1996. Zu prüfen bleibt, ob dieser das erforderliche Ausmass im Sinne der Rechtsprechung aufweist. b) Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsunfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern dem Versicherten trotz seines Leidens die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit auf dem ihm nach seinen Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozialpraktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen). Art. 4 Abs. 1 IVG versichert zu Erwerbsunfähigkeit führende Gesundheitsschäden, worunter soziokulturelle Umstände nicht zu begreifen sind. Es braucht in jedem Fall zur Annahme einer Invalidität ein medizinisches Substrat, das (fach)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung mit Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender Gesundheitsschaden gegeben. Ist andererseits eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwartet werden kann zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 Erw. 5a mit Hinweisen). c) aa) Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kommt dem psychiatrischen Teilgutachten des Dr. med. A.________, Facharzt für Psychiatrie, innerhalb des ZMB-Gutachtens Beweiswert zu. Dessen Bericht ist ebenso ausführlich und schlüssig wie derjenige des Dr. med. F.________, zumal sich Dr. med. A.________ bezüglich der Anamnese und der Erhebung des somatischen Gesundheitszustandes auf die vorangegangenen Untersuchungen der übrigen Gutachter abstützen konnte. Seine Beurteilung steht in Einklang mit dem sich aus den übrigen Akten ergebenden Bild des Versicherten. Zwar ist es zutreffend, dass Dr. med. A.________ an der Schlussbesprechung nicht zugegen war; an seiner Stelle nahm jedoch Dr. med. B.________, Facharzt für Psychiatrie, teil, sodass die Schlussfolgerungen sehr wohl unter fachärztlicher psychiatrischer Beteiligung gezogen wurden. Auch ist festzuhalten, dass selbst der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. K.________, Facharzt für Allgemeine Medizin, in seinem Bericht vom 20. Januar 1999 keine weitergehenden psychischen Beeinträchtigungen als die im ZMB-Gutachten diagnostizierte Schmerzverarbeitungsstörung oder Anzeichen hiezu erwähnt. Der von Dr. med. D.________, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, in seinem Bericht vom 16. April 1999 erstmals geäusserte Verdacht einer Phobie wie auch die anschliessend begonnene psychiatrische Behandlung erfolgten erst, nachdem die IV-Stelle einen Rentenanspruch mit Verfügung vom 7. April 1999 erneut abgelehnt hatte. bb) Was den Bericht des Dr. med. F.________ vom 6. September 1999 betrifft, so geht aus ihm nicht schlüssig hervor, dass die erwähnten Phobien die Arbeitsfähigkeit des Versicherten derart schwer beeinträchtigen, dass ihm keine Arbeiten mehr zugemutet werden könnten und demnach von Erwerbsunfähigkeit ausgegangen werden müsste; immerhin hält auch Dr. med. F.________ den Beschwerdeführer grundsätzlich für eingliederungsfähig und erwähnt die Phobien nur als sekundäre Leiden. Die von ihm als ursächlich eingestufte somatoforme Schmerzstörung mit persistierendem Schmerzverarbeitungssyndrom und depressiver Entwicklung infolge der chronischen Schmerzen erfolgt zudem in Einklang mit der Diagnose des Dr. med. A.________. Im Vordergrund steht vielmehr die missliche soziale Lage, welcher auch Dr. med. F.________ eine zentrale Rolle einräumt. Im Übrigen erstattete Dr. med. F.________ seinen Bericht mehrere Monate nach dem massgeblichen Zeitpunkt, dem 7. April 1999 (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen). cc) Nach dem Gesagten ist es nicht zu beanstanden, dass sich Verwaltung und Vorinstanz für die Beurteilung des gesundheitlichen Zustands im massgeblichen Zeitpunkt auf das ZMB-Gutachten abgestützt haben.