Citation: 1P.444/2004 14.09.2004 E. 3

3.1 Weiter rügt der Beschwerdeführer, die gesamte Dauer seiner Haft drohe die Strafe, zu der er verurteilt werden könnte, zu überschreiten. 3.2 Eine Überschreitung der zulässigen Haftdauer liegt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dann vor, wenn diese die mutmassliche Dauer der zu erwartenden Freiheitsstrafe übersteigt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Untersuchungshaft stets so lange dauern darf wie die zu erwartende Strafe. Der Haftrichter darf die Untersuchungshaft nur solange erstrecken, als ihre Dauer nicht in grosse Nähe der konkret zu erwartenden Strafe rückt. Dieser Grenze ist auch deshalb Bedeutung zu schenken, weil das erkennende Gericht dazu neigen könnte, die Dauer der erstandenen Haft bei der Strafzumessung mitzuberücksichtigen (BGE 124 I 208 E. 6 S. 215, mit Hinweisen). Die Frage, ob eine Haft als übermässig bezeichnet werden muss, ist aufgrund der konkreten Verhältnisse des einzelnen Falles zu beurteilen. Nach der Rechtsprechung wird die Möglichkeit der Ausfällung einer lediglich bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe grundsätzlich nicht berücksichtigt (BGE 124 I 208 E. 6 S. 215, mit Hinweisen, vgl. zur Berücksichtigung der Möglichkeit der bedingten Entlassung SZIER 2/1992 S. 489 f.). Ob eine im Ausland erlittene Untersuchungs- bzw. Auslieferungshaft auf die für das schweizerische Haftprüfungsverfahren massgebliche Haftdauer angerechnet werden muss, ist von der Rechtsprechung bisher grundsätzlich verneint worden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1P.534/2000 vom 22. September 2000, E. 3c und d). Die Frage braucht hier nicht abschliessend geklärt zu werden, da der vom Beschwerdeführer erduldete Freiheitsentzug selbst unter Anrechnung der Auslieferungshaft nicht als übermässig qualifiziert werden könnte. 3.3 Der Beschwerdeführer befand sich vom 7. August 2003 bis zum 19. Mai 2004 in Auslieferungshaft und seither in Untersuchungshaft. Gesamthaft beträgt die Haftdauer dreizehn Monate. Von den Straftatbeständen, die dem Beschwerdeführer zur Last gelegt werden, ist auf den Tatbestand des gewerbsmässigen Betrugs resp. des gewerbsmässigen Check- und Kreditkartenmissbrauchs die schwerste Freiheitsstrafe, nämlich Zuchthaus bis zu zehn Jahren, angedroht (vgl. Art. 146 Abs. 2 und Art. 148 Abs. 2 StGB). Gemäss der Deliktsliste vom 14. August 2001 beantragte der Beschwerdeführer 57 Kreditkarten auf betrügerische Art; der Gesamtdeliktsbetrag beläuft sich auf Fr. 291'804.--. Es wird vermutet, dass der Beschwerdeführer Urheber einer ganzen Betrugsserie war, in die weitere Personen verwickelt waren. Weiter wird dem Beschwerdeführer Urkundenfälschung (Art. 251 StGB) und Fälschung von Ausweisen (Art. 252 StGB) vorgeworfen. Für den Vorwurf der Veruntreuung (Art. 138 StGB) und für die SVG-Delikte könnte zur Verfolgung und Bestrafung des Beschwerdeführers bei den brasilianischen Behörden ein Nachtragsbegehren gestellt werden (vgl. Art. V Abs. 1 des Auslieferungsvertrages zwischen der Schweiz und Brasilien vom 23. Juli 1932; SR 0.353.919.8). Diese Delikte fallen im vorliegenden Haftprüfungsverfahren aber nicht ins Gewicht. In Anbetracht der Vielzahl der dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Delikte sowie dessen vermuteter Hauptrolle in einer ganzen Betrugsserie droht ihm eine nicht unerhebliche Freiheitsstrafe. Das Strafmass wird im Falle eines Schuldspruchs das kantonale Sachgericht festzulegen haben. Wie weit sich etwa sein kooperatives Verhalten während der Strafuntersuchung und die Tatsache, dass er abgesehen von SVG-Delikten nicht einschlägig verurteilt worden ist, strafmindernd auswirken wird, kann im Haftprüfungsverfahren offen bleiben. Jedenfalls sind noch keine Anhaltspunkte gegeben, welche für eine Gefahr der Überhaft sprechen.