Citation: 5A_78/2007 24.08.2007 E. 6

Die Verletzung der Persönlichkeit ist nach dem in E. 4 Gesagten grundsätzlich widerrechtlich, falls nicht ausnahmsweise ein Rechtfertigungsgrund greift. Soweit sich die Beschwerdeführerinnen hierfür wiederum auf die in E. 5 verworfene Interpretation im obergerichtlichen Strafurteil berufen, sind sie von vornherein nicht zu hören. Unbehilflich sind sodann die allgemeinen Ausführungen zur Pressefreiheit, die als solche keinen absoluten Rechtfertigungsgrund darstellt (vgl. E. 4). Ebenso wenig hilft das Vorbringen, angesichts der grossen Verunsicherung und der erheblichen Intransparenz im Zusammenhang mit der damaligen Schlammschlacht um die Macht bei der Unaxis, über die im Vorfeld viel berichtet worden sei, habe ein grosses öffentliches Interesse am publizierten Artikel bestanden. Das unbestreitbare Interesse der Öffentlichkeit an der Berichterstattung über die Vorgänge und Hintergründe im damaligen Machtkampf um die Herrschaft über die Gesellschaft gestattet für sich genommen keine Persönlichkeitsverletzung in der erfolgten Art. Ohnehin berufen sich die Beschwerdeführerinnen auch in diesem Zusammenhang wiederum darauf, dass dem Beschwerdegegner lediglich Spekulation unterstellt worden sei, weshalb ihre diesbezüglichen Ausführungen ins Leere stossen. An der Sache vorbei gehen im Weiteren die Hinweise auf andere Presseäusserungen, wo der Beschwerdegegner u.a. als "Finanzakrobat", "umtriebiger Investor" mit dem Ruf eines "Schnäppchenjägers und Raiders", als "Finanzhai", etc. bezeichnet worden war. Solche Prädikate rücken ihn in die Nähe eines spekulativ handelnden Investors, der in erster Linie auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Die Aussage der inkriminierten Berichterstattung ist aber gerade nicht diese, sondern die Unterstellung eines unlauteren und heimlichen Abkassierens zu Lasten der anderen Aktionäre. Dahingehende Äusserungen wurden in der Presse - nach den verbindlichen (und von den Beschwerdeführerinnen auch nicht beanstandeten) obergerichtlichen Sachverhaltsfeststellungen - nirgends erhoben, weshalb im Verweis auf die Berichterstattung durch andere Medien von vornherein keine Rechtfertigung zu finden ist. Ebenso wenig schützt die Beschwerdeführerinnen der Hinweis auf die angebliche Meinung von "Analysten", lassen sich doch der Berichterstattung diesbezüglich weder persönliche noch sachliche Einzelheiten entnehmen. Ohnehin könnte sich ein Presseunternehmen selbst durch originalgetreue Wiedergabe der Behauptung eines (konkret genannten) Dritten nicht seiner eigenen Verantwortung entziehen (BGE 123 III 354 E. 2a S. 363; 126 III 305 E. 4b/bb S. 308). Weil die Beschwerdeführerinnen über ein für die Zukunft zu befürchtendes Verhalten des Beschwerdegegners spekuliert und somit keine Tatsachenbehauptung erhoben haben, ist schliesslich der Wahrheitsbeweis im eigentlichen Sinn naturgemäss ausgeschlossen. Immerhin könnte die geäusserte Befürchtung etwa dann zu rechtfertigen sein, wenn der Beschwerdegegner in der Vergangenheit nachweislich mehrere Male andere Gesellschaften zum Nachteil der Mitaktionäre ausgehöhlt hätte, dieses Vorgehen mithin planmässig angelegt und deshalb seine Fortsetzung in der Zukunft zu befürchten wäre; die Befürchtung hätte diesfalls bereits im Zeitpunkt ihrer Äusserung nahe gelegen (ex-ante-Betrachtung). Solches machen die Beschwerdeführerinnen aber nicht geltend. Im Sinn eines "Wahrheitsbeweises" zitieren sie vielmehr die rund ein Jahr später im Rahmen eines Interviews gemachte Aussage von Thomas Limberger, CEO der Unaxis: "Alle erwarteten, Kovats wolle nur die Unaxis-Kassen leer räumen". Abgesehen davon, dass die Beschwerdeführerinnen sinnentstellend das Zitat verkürzen, welches lautet: "Es gab ja tausend Spekulationen. Alle erwarteten, Kovats wolle nur die Unaxis-Kassen leer räumen. Doch nichts ist passiert", lässt sich bei Befürchtungen für die Zukunft von vornherein kein Wahrheitsbeweis im Rahmen einer ex-post-Betrachtung führen, weshalb auf die weiteren retrospektiven Ausführungen nicht einzugehen ist. Insgesamt ergibt sich, dass die Beschwerdeführerinnen keine Rechtfertigungsgründe für die persönlichkeitsverletzenden Äusserungen dartun und diese folglich widerrechtlich bleiben.