Citation: 2C_403/2018 E. 5.3

5.3. Die Vorhaltungen der Beschwerdeführer verfangen nicht. Der Widerruf der Bewilligung wegen Scheinehe bzw. Verschweigens einer Parallelbeziehung erfüllt regelmässig die Voraussetzung der Verhältnismässigkeit; anders verhält es sich bloss, wenn besondere Umstände geltend gemacht werden können (Urteil 2C_706/2015 vom 24. Mai 2016 E. 5 Ingress). Solche besonderen Umstände sind vorliegend aber auch im Lichte vergleichbarer Fälle (vgl. beispielsweise Urteil 2C_483/2017 vom 6. Februar 2018) nicht gegeben. Dass der Beschwerdeführer 1 sich wirtschaftlich integriert hat, erhält zu seinen Gunsten nur geringes Gewicht (vgl. auch Urteil 2C_483/ 2017 vom 6. Februar 2018 E. 5.2). Die Beschwerdeführer 1 und 2 bestreiten nicht, dass sie mit den Verhältnissen in Serbien kulturell wie sprachlich nach wie vor vertraut sind. Spezifische Gründe, die einer Rückkehr entgegenstehen würden, sind nicht dargetan. In Bezug auf die Beschwerdeführer 3 und 4 ist zu bemerken, dass Minderjährige grundsätzlich den Inhabern der elterlichen Sorge oder Obhut zu folgen haben; das ausländische unmündige Kind teilt schon aus familienrechtlichen Gründen (vgl. Art. 301 Abs. 3 und Art. 301a ZGB) grundsätzlich das ausländerrechtliche Schicksal des sorgeberechtigten Elternteils und hat gegebenenfalls mit diesem das Land zu verlassen, wenn der Elternteil keine Bewilligung (mehr) hat (BGE 139 II 393 E. 4.2.3 S. 400). Auch wenn im Übrigen zutreffen mag, dass die Beschwerdeführer 3 und 4 einen prägenden Teil ihres Lebens in der Schweiz verbracht haben, sind auch sie - wie ihre Eltern - mit der serbischen Sprache vertraut und kennen ihr Heimatland nicht nur aus den Jahren vor ihrer Einreise in die Schweiz, sondern auch von verschiedenen Heimatbesuchen. Im Übrigen trifft zwar zu, dass die Vorinstanzen ausgesprochen viel Zeit in Anspruch genommen haben, um das Familiennachzugsgesuch der Beschwerdeführer 2, 3 und 4 zu prüfen, und die Beschwerdeführer 2, 3 und 4 während dieser Zeit entgegen Art. 17 Abs. 1 AIG nie darauf hingewiesen wurden, sie hätten den Entscheid im Ausland abzuwarten. Die durch die lange Verfahrensdauer und den geduldeten prozeduralen Aufenthalt überhaupt erst ermöglichte Integration in die hiesigen Verhältnisse ist daher zugunsten der Beschwerdeführer angemessen zu berücksichtigen. Bei der Gewichtung des Aufenthalts ist allerdings auch in Betracht zu ziehen, dass Aufenthalten, bei denen die ausländische Person lediglich geduldet wird, nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein geringerer Stellenwert beigemessen wird als einer bewilligten Anwesenheit (vgl. BGE 137 II 10 E. 4.3; Urteil 2C_625/2017 vom 13. Dezember 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführer 2, 3 und 4 angesichts des laufenden Widerrufsverfahrens gegen den Beschwerdeführer 1 jederzeit damit rechnen mussten, das Land wieder verlassen zu müssen. Auch der EGMR hat im Rahmen der Interessenabwägung bei Eingriffen in das Recht auf Familienleben (Art. 8 EMRK) wiederholt hervorgehoben, dass der Zeitpunkt der Aufnahme des Familienlebens von Bedeutung ist. Wenn das Familienleben - wie hier - zu einem Zeitpunkt (wieder-) aufgenommen worden ist, in welchem der Aufenthaltsstatus einer der beteiligten Personen prekär war, ist eine Verletzung von Art. 8 EMRK durch eine ausländerrechtliche Wegweisungsmassnahme nur in Ausnahmefällen anzunehmen (vgl. Urteil des EGMR [Grosse Kammer] vom 3. Oktober 2014, Jeunesse gegen Niederlande, Nr. 12738/10, §§ 108 ff., mit zahlreichen weiteren Hinweisen; für einen Schweizer Fall vgl. Entscheidung des EGMR vom 27. Oktober 2016, Jihana Ali und andere gegen Schweiz, Nr. 30474/14, § 44). Dieses Argument muss vorliegend umso mehr Gewicht erhalten, als mit dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers 1 keine Trennung der Familie verbunden ist. Der gut sechsjährige Aufenthalt der Beschwerdeführer 2, 3 und 4 in der Schweiz vermag vor diesem Hintergrund nichts daran zu ändern, dass die öffentlichen Fernhalteinteressen überwiegen. In Anbetracht aller Umstände hat die Vorinstanz kein Bundesrecht verletzt, indem sie das öffentliche Interesse an der Entfernung des Beschwerdeführers 1 höher gewichtete als das private Interesse der Beschwerdeführer an einem Verbleib in der Schweiz. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung erweist sich als verhältnismässig.