Citation: 6B_1376/2022 E. 1.4

1.4. Inwiefern die vorinstanzliche Argumentation, dass der Vollzug der nun unbedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe eine genügende Warnwirkung erzeuge, um den Beschwerdegegner von weiterer Delinquenz abzuhalten, "schlichtweg nicht haltbar" sein soll, vermag die Beschwerdeführerin nicht aufzuzeigen. Sie bringt vor, der Beschwerdegegner habe sich bereits durch das erste Strafverfahren, in dem er 67 Tage in Untersuchungshaft verbracht habe, zu einer Freiheitsstrafe von 17 Monaten verurteilt worden sei und nur knapp der Anordnung einer Landesverweisung entgangen sei, nicht beeindrucken lassen. Dabei übersieht sie jedoch, dass dem Beschwerdegegner für die ausgesprochene Freiheitsstrafe der bedingte Vollzug gewährt wurde, was einen weniger abschreckenden Einfluss auf ihn gehabt haben dürfte, als der nun anstehende Vollzug der angeordneten (unbedingten) Freiheitsstrafe haben wird. Gleiches gilt hinsichtlich der damals (und heute) drohenden Landesverweisung. Die Vorinstanz handelt im Rahmen ihres Ermessens, indem sie implizit davon ausgeht, der anstehende Freiheitsentzug werde einen abschreckenderen bzw. nachhaltigeren Eindruck auf den Beschwerdegegner haben als die bedingte Vorstrafe und die drohende Landesverweisung, zumal der Beschwerdegegner nun auch eine Familie habe, für die er verantwortlich sei. Ferner berücksichtigt die Vorinstanz zu Recht, dass auch die Verlängerung der Probezeit den Beschwerdegegner von weiteren Delikten abhalten dürfte, da ihm ansonsten ein weiterer empfindlicher Freiheitsentzug drohe. Auch mit den von ihr dargelegten Zweifeln an einer nachhaltigen Stabilisierung der Lebensumstände des Beschwerdegegners vermag die Beschwerdeführerin nicht aufzuzeigen, dass die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen in nicht vertretbarer Weise ausübt, indem sie nach einer Gesamtwürdigung eine Schlechtprognose sinngemäss verneint und auf den Widerruf der mit Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 26. April 2018 bedingt ausgefällten Freiheitsstrafe verzichtet.