Citation: U 539/06 20.11.2007 E. 4

4.1 Wie das kantonale Gericht in einlässlicher und überzeugender Würdigung der Aktenlage aufgezeigt hat, lagen im Zeitpunkt der Leistungseinstellung Ende April 2005 noch erhebliche, die Arbeitsfähigkeit einschränkende Gesundheitsbeeinträchtigungen vor. So hatten die Dres. med. I.________ und G.________, Rehazentrum X.________, im Bericht vom 27. August 2004 ein chronisches Cervicalsyndrom mit rezidivierenden Kopfschmerzen bei Status nach Motorradunfall am 6. Oktober 2002 und eine Periarthropathia humeroscapularis links bei Status nach operativer Versorgung einer traumatischen SLAP-Läsion mit Fixation des apikalen Limbus glenoidalis im Dezember 2002 nach Motorradunfall im Oktober 2002 sowie bei Status nach Impingement-Dekompression mit Defilée-Erweiterung und Acromionaufrichteosteotomie am 21. Oktober 2003, AC-Gelenksresektion und Bursektomie diagnostiziert. Dr. med. T.________ hielt am 9. September 2004 fest, die Versicherte klage über erhebliche HWS-Probleme, Spannungsschmerzhaftigkeit und Kopfschmerzen, wobei gleichzeitig Schmerzverarbeitungsprobleme und psychische Verarbeitungsprobleme vorhanden seien. Während Frau Dr. med. N.________ im Bericht vom 30. Dezember 2004 Nackenschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Orientierungsstörungen und Ängste erwähnte, hielt Prof. Dr. med. E.________ am 12. Januar 2005 fest, es handle sich um ein aetiologisch komplexeres chronifiziertes Schmerzsyndrom. Der Psychiater Dr. med. L.________ ging in seinem Bericht vom 3. Mai 2005 davon aus, am ehesten liege eine Anpassungsstörung im Sinne einer reaktiven Störung auf die Unfallfolgen vor. Der Chiropraktor Dr. K.________ qualifizierte die Beschwerden sodann als bereits chronifizierte Folgen des Unfalls und Dr. med. A.________ hielt am 23. März 2005 fest, die ganze Situation sei erheblich durch eine HWS-Problematik erschwert, welche zunehmend in den Vordergrund getreten sei. Dr. med. P.________ schliesslich diagnostizierte am 16. September 2005 einen Status nach Schulterverletzung links 2002 mit mehreren nachfolgenden Operationen und persistierenden Schmerzen, eine Cervicobrachialgie, wahrscheinlich infolge der Fehl- und Schonhaltung der Schulter mit chronischer Cephalea sowie eine posttraumatische Belastungsstörung mit Depression und somatoformer Schmerzverarbeitungsstörung. Das Fortbestehen von Beschwerden geht im Übrigen auch aus den von der Versicherten neu aufgelegten Berichten hervor, wobei diesbezüglich festzuhalten ist, dass sich die verschiedenen Berichte grösstenteils auf den Zeitraum nach Erlass des Einspracheentscheids beziehen und ihnen für den relevanten Zeitraum vorher nichts massgeblich Neues entnommen werden kann. 4.2 Mit der Vorinstanz ist in Anbetracht dieser Aktenlage davon auszugehen, dass im Zeitpunkt der Leistungseinstellung noch erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigungen vorlagen und dass nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, jede kausale Bedeutung von unfallbedingten Ursachen sei dahingefallen. Auf die entsprechenden Erwägungen kann verwiesen werden. Beizupflichten ist dem kantonalen Gericht auch in der Feststellung, dass sich anhand der vorliegenden medizinischen Berichte die Fragen des Vorhandenseins bzw. des Ausmasses organischer Unfallfolgen nicht abschliessend beurteilen lässt. Die Rückweisung zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens zur Klärung dieser Frage ist daher nicht zu beanstanden. 4.3 Wenn die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf eine von ihr eingeholte biomechanische Beurteilung geltend macht, mit der darin erfolgten Verneinung eines Schleudertraumas sei das entscheidende Kriterium für die Rückweisung zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens dahingefallen, verkennt sie deren Bedeutung. Nach der Rechtsprechung vermag nämlich eine unfalltechnische oder biomechanische Analyse Anhaltspunkte zur mit Blick auf die Adäquanzprüfung relevanten Schwere des Unfallereignisses, jedoch für sich allein keine hinreichende Grundlage für die Beurteilung der natürlichen Kausalität zu liefern. Solche Berichte sind im Gesamtzusammenhang mit allen andern massgebenden Aspekten zu würdigen (Urteil U 238/05 vom 31. Mai 2006, E. 3.3). Der Beschwerdeführerin ist insoweit zuzustimmen, dass in Anbetracht der gesamten Aktenlage nicht davon ausgegangen werden kann, die Versicherte habe beim Ereignis vom 6. Oktober 2002 ein Schleudertrauma der HWS oder eine äquivalente Verletzung erlitten. Dies geht einerseits aus der schlüssigen biomechanischen Beurteilung vom 7. November 2006 hervor, andrerseits aber auch aus den vorliegenden medizinischen Berichten. Nach Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft treten nämlich entsprechende Beschwerden und Befunde erfahrungsgemäss innerhalb einer kurzen Zeitspanne nach dem Unfall auf. Nach der Rechtsprechung müssen daher die Beschwerden in der Halsregion und an der Halswirbelsäule innert maximal 72 Stunden seit dem Versicherungsereignis auftreten, damit der natürliche Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und einem HWS-Schleudertrauma bejaht werden kann (SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75, U 215/05). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Wie die Vorinstanz festgestellt hat, diagnostizierte der erstbehandelnde Arzt Dr. med. W.________, der die Versicherte vier Tage nach dem Unfall behandelte, eine Distorsion der linken Schulter und stellte persistierende Schmerzen in der linken Schulter sowie Kopfschmerzen fest. Die nachfolgenden Berichte beziehen sich nur auf die Schulterproblematik. Von einer HWS-Problematik wurde erst im Zusammenhang mit der Behandlung durch den Chiropraktor Dr. K.________ im Juni 2003 gesprochen und Dr. med. T.________ erwähnte im Bericht vom 5. September 2003 erstmals, es sei unklar, ob die Versicherte beim Töffunfall eine Halswirbelsäulenverletzung mitgemacht habe. Ist das Vorliegen eines Schleudertraumas der HWS oder einer äquivalenten Verletzung als Unfallfolge zu verneinen, muss für die Frage der Kausalität zwischen Unfallereignis und noch vorhandenen Beschwerden zwischen körperlichen und psychischen Beschwerden differenziert werden. Während sich bei organisch nachweisbaren Gesundheitsstörungen die adäquate Kausalität weitgehend mit der natürlichen deckt und praktisch keine selbstständige Bedeutung hat (BGE 118 V 286 E. 3a S. 291; Urteil U 393/06 vom 24. September 2007 E. 2), ist die Adäquanzbeurteilung psychischer Beschwerden nach den Kriterien für Unfälle mit psychischen Folgeschäden (BGE 115 V 133) vorzunehmen. Mit der Beschwerdeführerin ist das Ereignis vom 6. Oktober 2002, bei welchem die Versicherte mit dem Motorrad auf einem Ölfleck ausgerutscht war ohne zu stürzen, der Kategorie der leichten Unfälle zuzuordnen, was zur Folge hat, dass die Adäquanz der psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen vorliegend ohne weiteres verneint werden kann. Eine Leistungspflicht der Unfallversicherung über Ende April 2005 hinaus kann somit lediglich noch in organischen Unfallfolgen begründet sein, deren Vorhandensein und Ausmass anhand der Aktenlage - wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat - nicht zuverlässig beurteilt werden kann und im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung abzuklären ist.