Citation: I 386/03 22.12.2003 E. 3

Streitig ist der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung und in diesem Zusammenhang zunächst die Frage der anwendbaren Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrades. 3.1 Die Vorinstanz geht davon aus, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden im Zeitpunkt der Verfügung einer Erwerbstätigkeit von 21 Unterrichtsstunden pro Woche nachgehen würde und sich mit ihrem Ehemann die Hausarbeit teilte, wofür sie wöchentlich acht Stunden verwenden würde; die vorher vorgenommenen diversen Pensenreduktionen seien nicht invaliditätsbedingt gewesen. Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, sie habe ihr Pensum bereits 1991/92 aus gesundheitlichen Gründen reduzieren müssen, was durch Dr. med. U.________ bestätigt werde. 3.2 Wie der Anamnese des Gutachtens der Klinik X.________ vom 23. Januar 2001 entnommen werden kann, hat sich die Versicherte bereits nach einem Jahr in ihrem gelernten Beruf als Primarlehrerin erschöpft gefühlt und ihr Pensum um sieben Stunden reduziert; zwei Jahre später habe sie an einer anderen Schule mit einem reduzierten Pensum gearbeitet sowie Musik studiert und Gesangsstunden genommen. 1993/94 habe sie Urlaub genommen, um sich der Musik zu widmen und ab 1994 habe sie sich zusammen mit ihrem späteren Ehemann eine Stelle geteilt, wobei sie zusätzlich eine Ausbildung zur Blockflötenlehrerin absolviert und sechs Stunden Blockflöte unterrichtet habe. Entgegen der Auffassung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Versicherte ihr Pensum bereits 1991/92 aus gesundheitsbedingten Gründen verringert und nicht wieder erhöht hat: Zwar geht der Hausarzt Dr. med. U.________ sowohl im Bericht vom 21. April 2001 wie auch im letztinstanzlich eingereichten Bericht vom 15. Mai 2003 davon aus, dass er der Versicherten eine Reduktion des Pensums empfohlen habe, jedoch steht dies in Gegensatz zu seiner Äusserung im ersten Bericht zuhanden der IV-Stelle vom 23. Juni 1998, in welchem er angab, der Gesundheitsschaden bestehe seit April 1997. Dr. med. U.________ versucht diesen Widerspruch dahin zu erklären, dass sich sein erster Bericht vom 23. Juni 1998 nur auf die aktuelle Diagnose (Chronisches Müdigkeitssyndrom) bezogen habe, was jedoch nicht ausschliesse, dass schon früher bereits Probleme bestanden hätten. Diese Aussage ist schon deshalb nicht überzeugend, weil der Hausarzt in seinem ersten Bericht von Juni 1998 (wie auch im zweiten Bericht vom 26. März 1999) nicht nur das chronische Müdigkeitssyndrom diagnostiziert hatte, sondern auch eine depressive Entwicklung, d.h. genau den gleichen Gesundheitsschaden, der gemäss seinen Berichten von April 2001 und Mai 2003 bereits Anfangs der neunziger Jahre eine Reduktion des Pensums notwendig gemacht habe. Zudem hat der Arzt die unter der Anamnese im Formular der IV-Stelle erwähnte Frage nach früheren Krankheiten nicht beantwortet; hätte die Beschwerdeführerin ihr Pensum tatsächlich schon vor 1997 aus gesundheitlichen Gründen reduzieren müssen, hätte Dr. med. U.________ diese Gesundheitsschäden zweifellos bereits im ersten Bericht vom 23. Juni 1998 erwähnt. Damit ist davon auszugehen, dass es sich 1991/92 bloss um eine vorübergehende Symptomatik gehandelt hat; so hat die Beschwerdeführerin in der Anamnese gegenüber dem Spital Y.________ im August 1997 denn auch ausgeführt, sie habe "vor Jahren" eine vorübergehende Episode depressiver Verstimmung erlitten, die ohne medikamentöse Behandlung wieder abgeklungen sei. In der Anmeldung zum Rentenbezug hat die Versicherte überdies angegeben, seit April 1997 behindert zu sein, was sich mit ihren Angaben gegenüber der Klinik X.________ deckt, wonach sie bis April 1997 "gesund und leistungsfähig" gewesen sei. Auch aus dem im Vorbescheidverfahren eingereichten Bericht des Dr. med. F._________, Spezialarzt für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, vom 11. April 2001 kann nichts anderes abgeleitet werden: Aus der Angabe des Arztes, er habe am 1. Juli 1991 ein Zeugnis ausgestellt, wonach die Versicherte wegen physischer und psychischer Überlastung ihr Pensum um etwa sieben Lektionen reduzieren müsse, kann nicht einfach geschlossen werden, dass es sich um eine dauerhafte und nicht bloss eine vorübergehende Symptomatik gehandelt hat. Die nach 1991/92 erfolgten Pensenreduktionen sind klarerweise auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen, da sich die Beschwerdeführerin in dieser Zeit weiterbildete; es ist in dieser Hinsicht zudem fraglich, ob diese Weiterbildungen nebst der Erwerbsarbeit und den Tätigkeiten im Aufgabenbereich bei den behauptungsweise bereits damals bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen überhaupt hätten durchgeführt werden können. Entgegen der Auffassung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nahmen die damals erfolgte Ausbildung zur Blockflötenlehrerin sowie die Gesangsstunden nicht nur wenig Zeit in Anspruch, sondern je mindestens einen halben Tag pro Woche, insbesondere wenn man - betreffend Gesangsstunden - die Hin- und Rückreise vom Wohnort der Versicherten an die Musikakademie berücksichtigt (und ohne die notwendigen Übungs- sowie Vorbereitungs- und Nachbereitungszeiten einzubeziehen). Vom ab 1994 durchgeführten Jobsharing hat schliesslich nicht nur der spätere Ehemann profitiert, sondern auch die Beschwerdeführerin selber, verfügte sie doch über mehr Freizeit, um ihren Hobbies nachzugehen oder sich fortzubilden. Schliesslich ist zu beachten, dass die Versicherte im Juni 2000 gegenüber der Verwaltung angegeben hat, im Gesundheitsfall einem mindestens zwanzigstündigen Arbeitspensum nachzugehen; d.h. sie selber ist ebenfalls nicht von einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit ausgegangen. Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Versicherte auch ohne Gesundheitsschaden nicht voll erwerbstätig wäre, weshalb die gemischte Bemessungsmethode zur Bemessung des Invaliditätsgrades anzuwenden ist. 3.3 Die Verwaltung ist davon ausgegangen, dass die Versicherte im Gesundheitsfall wöchentlich insgesamt 21 Stunden unterrichten würde, was den Angaben im Bericht über die Abklärung an Ort und Stelle vom 15. Januar 1999 und dem bisherigen Tätigkeitsumfang entspricht. Bei einem wöchentlichen Pensum für eine Lehrerin von 29 Stunden beträgt der Anteil Erwerbstätigkeit somit 72%, während auf den Aufgabenbereich 28% entfallen. Anders präsentiert sich jedoch die Lage seit der Geburt des Kindes im Jahr 2002. Die Versicherte hat im Juni 2000 gegenüber der Verwaltung angegeben, sie würde halbtags arbeiten, wenn sie ein Kind hätte (sie ging dabei davon aus, wegen ihres Gesundheitsschadens keine Kinder bekommen zu können). Heute macht die Beschwerdeführerin jedoch geltend, sie wäre auch mit Kind vollständig erwerbstätig, da ihr Ehemann neben seiner Lehrertätigkeit eine fünfjährige Ausbildung begonnen habe, welche das Familienbudget stark belaste; die Betreuung des Kindes wäre dank der grossen zeitlichen Flexibilität des Lehrerberufes und der Mithilfe der Grosseltern sowie der Gotte des Kindes sichergestellt. Da die Versicherte bereits ohne Kind und ohne Gesundheitsschaden nicht überwiegend wahrscheinlich vollständig erwerbstätig wäre (Erw. 3.2 hievor), ist nicht anzunehmen, sie würde nach der Geburt ihres Sohnes eine vollzeitige Arbeit aufnehmen. Daran ändert nichts, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin eine Weiterausbildung begonnen hat, denn bereits das Jobsharing Mitte der Neunzigerjahre hat diesem berufliche Perspektiven eröffnet, wie er gegenüber der Klinik X.________ angegeben hat. Aus dem Verhalten der Beschwerdeführerin und ihres (damals zukünftigen) Ehemannes ergibt sich das Bild eines Paares, das sich Erwerbs- und Haushaltarbeit jeweils geteilt hat, woran auch die diversen Weiterbildungen der Versicherten nichts änderten; dass dies im Gesundheitsfall nach der Geburt des Kindes anders sein sollte, ist - auch im Hinblick auf die Weiterbildung des Ehemannes - nicht überwiegend wahrscheinlich. Damit ist auf die Aussage der Versicherten gegenüber der IV-Stelle im Jahr 2000 abzustellen und seit der Geburt des Kindes von einer Erwerbs- und Haushalttätigkeit von je 50% auszugehen. Heutige Aussagen der Beschwerdeführerin über den Umfang der Erwerbstätigkeit treten demgegenüber in den Hintergrund; dies schon deshalb, weil sie - bewusst oder unbewusst - durch das vorliegende Verfahren beeinflusst sind.