Citation: 4A_478/2023 E. 3.2.4

3.2.4. Ebenfalls als Eventualbegründung prüfte die Vorinstanz den Nachweis eines kausalen Schadens aus entgangener Leistung der Helvetia gemäss standardisiertem Vergleichsangebot, vorausgesetzt, die Beschwerdeführerin hätte aufgrund der Beratung durch die Beschwerdegegnerin eine Zusatzversicherung bei der Helvetia abgeschlossen. Es sei unbestritten, dass das Vergleichsangebot der Helvetia auf freiwilliger Basis erfolgt sei und dass auch bei Abschluss einer Zusatzversicherung keine Versicherungsdeckung bestanden hätte. Vor diesem Hintergrund hätte die Beschwerdeführerin unbesehen des Abschlusses einer Zusatzversicherung bei der Helvetia dieser gegenüber keinen klagbaren Anspruch gehabt. Eine allfällige Informationspflichtverletzung hätte sich daher nicht auf den Schaden in Form einer entgangenen Versicherungsleistung ausgewirkt. Sie wäre mithin zwar für den Entscheid der Beschwerdeführerin betreffend Abschluss einer Zusatzversicherung kausal gewesen, nicht aber für den Erhalt oder Nichterhalt der Leistung der Helvetia (haftungsausfüllende Kausalität). Folglich könne die Informationspflichtverletzung auch nicht hypothetisch kausal für den Nichterhalt der freiwilligen Leistung sein. Mit einer solchen sei nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge nicht zu rechnen. Es sei daher nicht überwiegend wahrscheinlich, dass aus einer Informationspflichtverletzung eine freiwillige Leistung einer Versicherung resultiere. Daran ändere der Einwand der Beschwerdeführerin nichts, wonach die Helvetia allen Betrieben mit Zusatzversicherung eine solche Leistung erbracht habe. Die behauptete Informationspflichtverletzung sei objektiv und retrospektiv nicht geeignet, den Verlust einer freiwilligen Versicherungsleistung zu bewirken. Schliesslich stelle die entgangene freiwillige Leistung eines Dritten keinen Schaden im Rechtssinne dar. Der Verlust einer Chance auf eine freiwillige Leistung sei nach der Rechtsprechung nicht ersatzfähig. Die Chance habe daher keinen vermögensrechtlichen Charakter, da sie provisorischer, dynamischer, entwicklungsfähiger Natur sei, während der Schadensbegriff im Sinne der Differenztheorie auf dem Vergleich zweier statischer Vermögenszustände beruhe (BGE 133 III 462 E. 4.3.3). Auch die Möglichkeit des Gerichts, den Schaden gemäss Art. 42 Abs. 2 OR nach Ermessen festzusetzen, verlange, dass der Schaden praktisch sicher sei, was bei einer entgangenen Chance nicht der Fall sei. Im Übrigen hätte die Beschwerdeführerin den geltend gemachten Schaden behaupten, substanziieren und belegen müssen. Vorab hätte sie darlegen müssen, dass ihr die Helvetia eine Entschädigung in der behaupteten Höhe angeboten und sie diese angenommen hätte. Hierfür fehle es aber an substanziierten Behauptungen der Beschwerdeführerin. Sie habe lediglich pauschal angeführt, dass sie ein Vergleichsangebot angenommen hätte. Dies hätte sie aber infolge Bestreitung der Beschwerdegegnerin untermauern müssen. Es reiche nicht vorzubringen, dass 95 % der betroffenen Unternehmen das Angebot der Versicherung angenommen hätten. Die fehlenden Behauptungen vermöge weder eine Befragung der Parteien noch von Zeugen zu ersetzen. Abgesehen davon habe die Beschwerdeführerin die einzelnen Beweismittel nicht rechtsgenügend mit den entsprechenden Tatsachenbehauptungen verknüpft. Selbst wenn von genügender Substanziierung auszugehen wäre, müsste daher eine Beweisabnahme unterbleiben. Der Vollständigkeit halber sei anzumerken, dass die beantragten Beweise zum Nachweis, dass die Beschwerdeführerin ein hypothetisches Vergleichsangebot der Helvetia angenommen hätte, ungeeignet wären. Offenbleiben könne hingegen, ob die Helvetia bei Abschluss einer Zusatzversicherung ein Angebot gemacht hätte.