Citation: 6B_120/2024 E. 2.1

2.1. Er wirft der Vorinstanz vor, lediglich aufgrund der von ihm abstrakt erkannten Möglichkeit, eine andere Person zu töten oder sie lebensgefährlich zu verletzen, auf seinen Tötungswillen geschlossen zu haben. Dabei übersehe sie, dass sowohl die eventualvorsätzlich als auch die bewusst fahrlässig handelnde Person um die Möglichkeit des Erfolgseintrittes bzw. das Risiko der Tatbestandsverwirklichung wisse. Bewusste Fahrlässigkeit und Eventualvorsatz würden sich lediglich in Bezug auf das Willensmoment unterscheiden. Daher dürfe nicht "ungesehen" vom Wissenselement auf das Willenselement der beschuldigten Person geschlossen werden. Neben dem Wissen um die Möglichkeit des Eintrittes des Taterfolges sei zwingend erforderlich, dass der Täter den als möglich erkannten Taterfolg auch in seinen Willen aufgenommen habe. Demnach sei Eventualvorsatz auch bei gefährlichen Handlungen nur mit Zurückhaltung anzunehmen. Ansonsten wäre eine fahrlässige Tötung nicht denkbar, da der Eintritt des Erfolges " (Tod) " stets ein vorsätzliches Handeln indizieren würde. Dies scheine die Vorinstanz anzunehmen und dabei zu verkennen, dass ein sicheres Wissen um die nahe Möglichkeit des Todes nicht identisch sei mit sicherem Wissen um den Eintritt des Erfolges. Stattdessen komme es entscheidend auf das Willensmoment und damit darauf an, ob die Todesfolge auch vom Willen des Täters getragen werde. In korrekter Anwendung dieser Grundsätze habe das Bundesgericht z.B. eine Verurteilung wegen Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB) in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung (Art. 117 StGB) als bundesrechtskonform erkannt. Als er, der Beschwerdeführer, losgefahren sei, sei der Fluchtweg aus seiner Sicht frei gewesen, weshalb in diesem Moment lediglich eine abstrakte Gefährdung vorgelegen sei. Als er sich auf dem Trottoir resp. dem Fahrradweg befunden habe, sei B.________ bereits auf der sich daneben befindenden Wiese gestanden. Sie habe sich demnach in Sicherheit befunden und hätte sich problemlos noch weiter entfernen können. C.________ sei noch gar nicht sichtbar gewesen. Damit habe auch in dieser Phase lediglich eine abstrakte Gefährdung bestanden. Eine Verletzung resp. Tötung von Menschen habe nicht so nahe gelegen, als dass sein Verhalten als Inkaufnahme dieser Folge gewertet werden könne.