Citation: 5A_391/2020 E. 6.2

6.2. Die Beschwerdeführerin wendet ein, das Kantonsgericht habe gegen Art. 214 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB verstossen, da es den Zeitpunkt der Einräumung des Kaufrechts am 19. November 2012 für massgebend erklärt habe. Richtig sei aber, dass sich die Aktien bis zur Ausübung des Kaufrechts am 1. Januar 2017 noch im Eigentum des Ehemannes befunden hätten und damit noch nicht veräussert oder "zugewendet" worden seien. Die Rechtslage sei die gleiche wie bei einem Schenkungsversprechen, wo nicht das Versprechen, sondern der Vollzug massgebend sei. Würden wie hier Vermögenswerte der Errungenschaft zwischen Auflösung des Güterstands und der güterrechtlichen Auseinandersetzung veräussert, so sei regelmässig Art. 214 Abs. 2 ZGB analog anwendbar. Bewertungsstichtag sei damit der 1. Januar 2017. Das obligationenrechtliche Argument des Kantonsgerichts, wonach der Anstieg des Wertes der Kaufsache in der Zeitspanne zwischen Einräumung des Kaufrechts und dessen Ausübung ein Wertzuwachs beim Käufer sei, der nicht als Schenkung zu qualifizieren sei, spiele güterrechtlich keine Rolle. Im Gegenteil sei dieser Wertzuwachs, ob Schenkung oder nicht, und zwar bis zur Ausübung des Kaufrechts im Januar 2017 immer noch beim Ehemann entstanden. Das Kantonsgericht halte zudem auf S. 35 fest, dass, soweit ein Ehegatte nach Auflösung des Güterstandes Werte der Errungenschaft unentgeltlich Dritten zuwende, diese nach wie vor zur Errungenschaft gehörten. Das müsse besonders für den vorliegenden Fall gelten, wo die Aktien mit dem Vertragsschluss erst bedingt dem Käufer zugewendet worden seien, also nach wie vor beim Verkäufer geblieben seien und dieser, wie auf Grund der Entwicklung der Steuerwerte zu vermuten bzw. zu befürchten sei, den über dem Verkaufspreis liegenden Wertzuwachs einer korrekten güterrechtlichen Auseinandersetzung habe entziehen wollen.