Citation: 1P.304/2006 24.08.2006 E. 4

4.1 Die kantonalen Instanzen stellten übereinstimmend auf die früheren Aussagen von Y.________ ab und betrachteten den später erfolgten Widerruf derselben als unbeachtlich. Sie nahmen dabei sehr eingehende Würdigungen des Aussageverhaltens von Y.________ vor. Das Bezirksgericht legte in seinem Urteil vom 13. April 2005 dar, dass Y.________ den Beschwerdeführer anfänglich detailliert und in Übereinstimmung mit den sich aus den Telefongesprächen ergebenden Erkenntnissen belastet habe. Aufgrund befürchteter Repressionen sei er im Verlaufe des Verfahrens unter Druck geraten, sei nervös geworden und habe erklärt, er würde sich am liebsten umbringen, er habe Angst, da er schliesslich wieder einmal aus dem Gefängnis komme. Das Obergericht liess im angefochtenen Urteil offen, aus welchen Gründen Y.________ seine früheren Aussagen geändert hatte. Es erachtete aber als möglich, dass Y.________ nach seiner Haftentlassung von Dritter Seite unter Druck geraten war. Auch wies das Obergericht darauf hin, dass das Bezirksgericht in dem gegen Y.________ geführten Verfahren in seinem Urteil vom 7. Dezember 2005, das allerdings noch nicht rechtskräftig ist, auf die früheren Aussagen von Y.________ abgestellt hatte. 4.2 Um seine Kritik an der Glaubwürdigkeit von Y.________ zu untermauern, weist der Beschwerdeführer auf einen Deal der Bezirksanwältin mit jenem hin. Die Bezirksanwältin habe Y.________ angeboten, ihn gegen detaillierte Aussagen zu den einzelnen Drogenfahrten von und nach Holland unter Nennung der Mittäter vorzeitig aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Das Obergericht führte im angefochtenen Urteil aus, der Umstand lasse aufhorchen, dass die Bezirksanwältin Y.________ aus der Untersuchungshaft entliess, obwohl seine Untersuchung noch keineswegs abgeschlossen war und obwohl sie mit ihrem Strafantrag von zehn Jahren letztlich habe durchblicken lassen, dass die Fortdauer der Haft auch unter dem Aspekt der Fluchtgefahr und der Verhältnismässigkeit angemessen gewesen wäre. Gemäss Protokoll der Einvernahme vom 2. Dezember 2003 erklärte die Bezirksanwältin Y.________ das Folgende: "Wir hatten die Abmachung, dass Sie die Transporte alle mit dem Sachbearbeiter im Einzelnen durchgehen würden und Sie gaben an, ein Geständnis ablegen zu wollen, daher habe ich Ihnen auch die Beendigung der Untersuchungshaft dafür angeboten, das war unser Deal". 4.3 Dass das Obergericht in dieser Abmachung keinen Grund sah, um nicht auf die früheren Aussagen von Y.________ abzustellen, ist jedenfalls nicht willkürlich. Zu welchem Zeitpunkt die Bezirksanwältin diesen Deal mit Y.________ machte, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Auch der Beschwerdeführer behauptet nicht, dieser Deal sei gemacht worden, bevor Y.________ ihn belastete. Selbst wenn dies so gewesen wäre und sich Y.________ mit seinen Aussagen eine Entlassung aus der Untersuchungshaft erhoffte, ist nicht ersichtlich, warum er damit den Beschwerdeführer, der zugegebenermassen ein Freund von ihm war, hätte belasten müssen. Gleich wie er später erklärte, einem Unbekannten mit Brille aus Zürich Drogen abgegeben zu haben, hätte er diese Version schon zu Beginn vortragen können. Dass sich Y.________ möglicherweise bewusst wurde, dass er infolge seiner Aussagen in Gefahr geraten könnte, zeigte sich insbesondere nach seiner am 11. Dezember 2002 erfolgten Haftentlassung. Ab der Einvernahme vom 8. April 2003 nahm er seine früheren Aussagen gegen den Beschwerdeführer sukzessive zurück, bis er schliesslich alle seine früheren Aussagen als gelogen bezeichnete und erklärte, niemals Drogen gebracht und niemandem solche übergeben zu haben. Unglaubhaft ist insbesondere die nachträgliche Erklärung von Y.________, weshalb er den Beschwerdeführer - angeblich - zu Unrecht belastet habe. Anlässlich seiner Einvernahme vom 27. November 2003 erklärte Y.________ auf die Frage, warum der Beschwerdeführer nun nicht mehr "Grosskopf" sein solle, er habe den Beschwerdeführer am Anfang ein bisschen zu viel belastet. Der Beschwerdeführer sei sein langjähriger Freund. Er sei der Meinung gewesen, dass dieser ihm dies nicht übel nehmen würde. Über den Beschwerdeführer dürfe er aus bestimmten Gründen nicht viel sagen. Entgegen dieser Erklärung musste Y.________ sehr wohl bewusst sein, dass Belastungen, wie er sie gegen den Beschwerdeführer vorgebracht hatte, sehr schwerwiegend waren und dass dieser ihm diese Aussagen sehr wohl übel nehmen würde, zumal wenn diese nicht der Wahrheit entsprochen hätten. In Würdigung der gesamten Umstände ist es somit verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, dass das Obergericht auf die früheren Aussagen von Y.________ abstellte.