Citation: I 690/01 10.12.2002 E. 6

Im Bereich Haushalt liess die IV-Stelle die gesundheitliche Beeinträchtigung der Beschwerdegegnerin durch ihren Abklärungsdienst vor Ort überprüfen (Bericht vom 25. Januar 2000) und erhob gestützt auf die in den einzelnen Aufgaben-bereichen ermittelten Einschränkungen einen Invaliditätsgrad von 42,8 %. In Nachachtung der im kantonalen Verfahren vorgebrachten Einwände der Be-schwerdegegnerin erhöhte die Vorinstanz den mit 5 % gewichteten Teilbereich "Haushaltsführung" von 0 auf 60 % und den mit 10 % gewichteten Teilbereich "Einkauf und weitere Besorgungen" von 30 auf 50 %, während eine Erhöhung der ebenfalls umstrittenen und mit 20 % gewichteten Position "Betreuung von Kindern und anderen Familienangehörigen" bei 30 % belassen wurde. Dies er-gab für den Bereich Haushalt einen erhöhten Invaliditätsgrad von 47,8 %. Die von der Invalidenversicherung nach den Verwaltungsweisungen des Bundesamtes für Sozialversicherung (Wegleitung des BSV über die Invalidität und Hilflosigkeit [WIH], gültig ab 1. Januar 1990, bzw. das ab 1. Januar 2001 gültige Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit [KSIH]) eingeholten Abklärungsberichte im Haushalt stellen eine geeignete und im Regelfall genügende Grundlage für die Invaliditätsbemessung im Haushalt dar (AHI 1997 S. 291 Erw. 4a; ZAK 1986 S. 235 Erw. 2d). Nach der Rechtsprechung bedarf es des Beizugs eines Arztes, der sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, nur in Ausnahmefällen, insbesondere bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (AHI 2001 S. 161 Erw. 3c). Im Rahmen der Begründungspflicht der Abklärungsberichte ist zu berücksichtigen, dass die jeweilige prozentuale Einschränkung im Aufgabenbereich von niemandem anhand von Zahlen und Fakten bis ins kleinste Detail begründet werden kann; es bleibt hier Raum für das Ermessen der fachlich kompetenten Abklärungsperson, die dem Gericht ihr Spezialwissen sowie ihre Kenntnis der Örtlichkeiten zur Verfügung zu stellen hat. Der Richter greift nur dann in den Ermessensspielraum ein, wenn klare Fehleinschätzungen vorliegen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten) bestehen (Urteil S. vom 5. April 2002, I 566/01). Im vorliegenden Fall erscheint der Abklärungsbericht insgesamt mangelhaft und widersprüchlich. Die Gewichtung der einzelnen Tätigkeitsbereiche erfolgte nicht nach Massgabe der Verwaltungsweisungen Rz 2111 WIH bzw. Rz 3095 KSIH. Danach ist der Bereich "Wohnungspflege" im Regelfall im Minimum mit 5 % und im Maximum mit 20 % zu gewichten. Die Festlegung eines Minimums/Maximums dient einer gesamtschweizerisch rechtsgleichen Behandlung, der Spielraum einer realitätsgerechten Beurteilung im Einzelfall. Eine andere Gewichtung darf nur bei ganz erheblichen Abweichungen vom Schema vorgenommen werden (ZAK 1986 S. 232, Urteil B. vom 11. März 1985). Hier wurde der Bereich "Wohnungspflege" ohne nähere Begründung mit 42 % gewichtet, was auf Grund der Haushaltsgrösse (2 Erwachsene, 2 Kinder) und der Wohnverhältnisse (5-Zimmerwohnung mit üblichem Komfort) nicht nachvollziehbar ist; auf eine solche massive Abweichung von der Aufgabenverteilung im Regelfall darf ohne Begründung nicht abgestellt werden. Widersprüchlich ist der Abklärungsbericht weiter im Teilbereich "Verschiedenes", der ohne Begründung unverständlicherweise mit 0 % gewichtet wird, obwohl dort Tätigkeiten aufgeführt werden, die teils noch möglich (Pflanzenpflege), teils nicht mehr möglich (Nähen) sind. Eine völlige Nichtberücksichtigung dieses Bereichs ist deshalb unzulässig. Nicht nachvollziehbar und damit ungenügend begründet erscheint schliesslich die geringe Gewichtung des Teilbereichs "Ernährung" mit 13 % (im Regelfall zwischen 10 und 50 % gewichtet) in einem Haushalt mit vier Personen, in dem täglich drei Mahlzeiten zu Hause eingenommen werden (Mutter und Töchter drei Mahlzeiten, Vater zwei Mahlzeiten). Unter diesen Umständen kann auf den Abklärungsbericht vom 25. Januar 2000 nicht abgestellt werden. Es erscheint gerechtfertigt, die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, um die Abklärungen an Ort und Stelle insgesamt zu wiederholen. Da die Anteile der verschiedenen Aufgabenbereiche überprüft und neu festgelegt werden müssen, kann auch nicht ohne weiteres auf die im Abklärungsbericht erhobenen Einschränkungen in den einzelnen Tätigkeitsgebieten abgestellt werden; vielmehr sind auch diese Einschränkungen in den neu gewichteten Aufgabenbereichen zu überprüfen und neu festzulegen. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht (BGE 113 V 28 Erw. 4a) wird dabei zu berücksichtigen sein, dass die Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit durch geeignete organisatorische Massnahmen und die zumutbare Mithilfe der Familienangehörigen (zu 70 % erwerbstätiger Ehemann, ältere Tochter) möglichst zu mildern sind, wobei die Mithilfe der Familienangehörigen weiter geht als die ohne Gesundheitsschaden üblicherweise zu erwartende Unterstützung (Meyer-Blaser, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: Murer/Stauffer [Hrsg.], Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Zürich 1997, S. 222 f. mit Hinweisen).