Citation: 7B_13/2021 E. 3.4.2

3.4.2. Die Notwehrhandlung in der im Zeitpunkt der Schussabgabe einzig objektiv bestehenden Notwehrlage - der Angriff auf das Hausrecht des Beschwerdeführers - ist unverhältnismässig. Mit der Schussabgabe in Richtung der Geflüchteten hat der Beschwerdeführer gleich mehrere Personen an Leib und Leben und damit hochwertige Rechtsgüter in schwerer Weise gefährdet. Gegenüber diesen ist das Hausrecht des Beschwerdeführers untergeordnet. Der Schuss mit Hasenschrotpatronen mit einem Durchmesser von 3.5 mm pro Schrot in Richtung der eingedrungenen Personen steht in einem krassen Missverhältnis zu deren damit beabsichtigten Vertreibung vom Bauernhof. Angesichts der verbindlich festgestellten Tatumstände - die Eindringlinge waren vor ihm geflüchtet und befanden sich beim einige Meter entfernten Hoflader, wo sie Deckung suchten - hätte der Beschwerdeführer zunächst mit der Waffe im Anschlag zuwarten und bei einem sich anbahnenden erneuten Angriff mit einer verhältnismässigen Notwehrhandlung (Warnschuss, Schuss auf die Gliedmassen etc.; siehe die Hinweise in E. 3.3.3 oben) reagieren können, anstatt unvermittelt aus relativ kurzer Distanz unkontrolliert auf die Personen zu schiessen. Dass die Schussabgabe ohne vorgängigen Warnruf oder Warnschuss erfolgte, tritt erschwerend hinzu. In der vorliegend massgeblichen Notwehrlage durch Hausfriedensbruch durfte der Beschwerdeführer keinen unkontrollierten Schuss in Richtung der Personen abgeben. Dies hat der Beschwerdeführer im Übrigen selbst eingesehen und eingestanden, die Schussabgabe hätte vermieden werden können (angefochtenes Urteil E. 17.3).