Citation: 4A_297/2019 E. 6.3

6.3. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, bei der Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten durch einen Vermögensverwalter stelle die herrschende Lehre auf das hypothetische Alternativverhalten des Anlegers ab. Massgeblich seien die konkreten Umstände. Sofern diese darauf schliessen liessen, dass das hypothetische Alternativverhalten des Anlegers zu keinem Vertragsschluss geführt hätte, sei der Schaden nach Massgabe des negativen Interesses zu berechnen. So habe auch das Bundesgericht in BGE 124 III 155 ff., S. 166 zufolge pflichtwidriger Anlageberatung das negative Interesse zugesprochen, indem es davon ausgegangen sei, bei pflichtgemässer Beratung wäre es gar nicht zu einem Vertragsschluss gekommen. Auch sie, die Beschwerdeführerin, hätte den Kauf bei pflichtgemässer Aufklärung nie getätigt; sie hätte darauf verzichtet, ihr Kapital im Umfang von EUR 1 Mio. zu investieren und sich stattdessen auch im Zeitraum nach dem 2. Mai 2011 ihres unveränderten Bargeldbestandes erfreuen können. Der Erwerb der X.________-Fondsanteile sei unbestrittenermassen einziger Auslöser gewesen für die Geschäftsbeziehung zwischen den Parteien. Diese Auffassung hatte die Beschwerdeführerin bereits in der Replik (Rz. 83 i.v.m. Rz 34) vertreten, worauf sie in der Beschwerde hinweist. Im Übrigen, so die Beschwerdeführerin weiter, würde vorliegend das Erfüllungsinteresse im Ergebnis dem negativen Interesse entsprechen. Wenn die Beschwerdeführerin so zu stellen sei, wie wenn die Beschwerdegegnerin ihre Beratungspflicht korrekt erfüllt hätte, wäre der Kauf der Fondsanteile nämlich nicht zustande gekommen.