Citation: 2C_314/2018 E. 3.3

3.3. Zu berücksichtigen ist dabei zudem auch die spezifische Situation von Straftätern, die nicht zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe von über einem Jahr (vgl. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG; BGE 135 II 377 E. 4.2 S. 379 ff.) verurteilt wurden, sondern - wie hier - aufgrund einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung eine Massnahme für junge Erwachsene angetreten haben (Art. 61 StGB). Solche strafrechtliche Massnahmen stellen zwar auch einen Widerrufsgrund dar (vgl. die vorstehende E. 3.1), aber sie haben - abgesehen von der Maximaldauer von vier Jahren (Art. 61 Abs. 4 StGB) - keine feste Länge; die Entlassung aus dem Massnahmenvollzug erfolgt, wenn das Ziel der Massnahme erreicht ist oder nicht mehr erreicht werden kann. Das sonst ausschlaggebende Element der "Längerfristigkeit" der Strafe kommt damit nur begrenzt zum Tragen. In einer solchen Situation sind ein geringes strafrechtliches Verschulden und eine gute Legalprognose sowie eine positive Entwicklung im Massnahmenvollzug zusammen mit anderen Elementen (lange Aufenthaltsdauer, Delinquenz als junger Erwachsener usw.) im Rahmen der Interessenabwägung (Art. 96 Abs. 1 AuG und Art. 8 Ziff. 2 EMRK) zu berücksichtigen; eine allenfalls durch den Massnahmenvollzug erreichte positive Persönlichkeitsentwicklung ist auch im ausländerrechtlichen Verfahren relevant. Entsprechende Therapie- und Vollzugsberichte können nicht nur - wie die Vorinstanz angenommen hat - als Indizien für die Beurteilung der Rückfallgefahr dienen; ihnen kommt beim Massnahmenvollzug im Hinblick auf den Widerruf der Niederlassungsbewilligung eine eigenständige Rolle zu: Die Therapie- und Vollzugsberichte stammen von Spezialisten, die mit der betroffenen Person zusammengearbeitet haben oder mit ihr noch zusammenarbeiten; ihre Einschätzung ist beim Entscheid über den weiteren Verbleib in der Schweiz in die Gesamtbeurteilung miteinzubeziehen.