Citation: 5A_641/2023 E. 3.2

3.2. Die Beschwerdeführerin reichte ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege bereits am 25. Mai 2020 ein. Nachdem darüber bis zum 29. Juni 2022 noch nicht entschieden wurde, reichte sie neue Unterlagen zu den eingetretenen finanziellen Veränderungen ein. Die Vorinstanz erwog, zur Beurteilung der Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege sei zwar grundsätzlich auf den Zeitpunkt des Gesuchs abzustellen. Unter Berücksichtigung, dass zwischen Gesuchseinreichung und dem erstinstanzlichen Entscheid über die unentgeltliche Rechtspflege aber über zwei Jahre lägen, seien die mit Eingabe vom 29. Juni 2022 geltend gemachten Änderungen in den Vermögens- und Einkommensverhältnissen zu berücksichtigen. Zur Berechnung, ob die Beschwerdeführerin mit ihrem Überschuss die Prozesskosten innert zweier Jahre bezahlen könnte, stellte die Vorinstanz auf den im Beurteilungszeitraum (Juni 2020 bis Mai 2022) von der Beschwerdeführerin erwirtschafteten Überschuss in der Höhe von Fr. 14'349.75 ab, dem sie die mutmasslichen Prozesskosten von Fr. 15'000.-- gegenüberstellte. Diese Vorgehensweise ist nicht über alle Zweifel erhaben, wird von der Beschwerdeführerin jedoch ausdrücklich akzeptiert, weswegen sich Ausführungen hierzu erübrigen. Nicht einverstanden ist sie jedoch mit der Höhe der von der Vorinstanz im Bedarf eingerechneten Steuern (dazu E. 5) und der Nichtberücksichtigung von Prozesskosten aus anderen Verfahren (dazu E. 6). Zunächst ist jedoch die Rüge der Beschwerdeführerin zu prüfen, die Vorinstanz habe Art. 29 Abs. 1 bis 3 BV verletzt (dazu E. 4).