Citation: 7B_984/2023 E. 2.7.5

2.7.5. Die Vorinstanz erachtet die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB durch das Sachgericht immer noch als hinreichend wahrscheinlich. Sie begründet dies nachvollziehbar unter Beizug des Ergänzungsgutachtens vom 14. Juni 2023, gemäss welchem aus psychiatrischer Sicht eine solche Behandlung als angezeigt erachtet wird. Es trifft zu, dass eine stationäre Behandlung vom Betroffenen ein Mindestmass an Kooperationsbereitschaft verlangt (Urteile 6B_387/2023 vom 21. Juni 2023 E. 4.3.1; 6B_766/2022 vom 17. Mai 2023, zur Publikation vorgesehen, E. 5.3.4). Jedoch dürfen an die Therapiewilligkeit im Zeitpunkt des richterlichen Entscheids keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass es durchaus aufgrund der psychischen Erkrankung des Betroffenen an der Fähigkeit fehlen kann, die Notwendigkeit und das Wesen einer Behandlung abzuschätzen (zum Ganzen Urteil 6B_1225/2021 vom 7. Januar 2022 E. 3.6.1). Mangelnde Einsicht gehört bei schweren, langandauernden Störungen häufig zum typischen Krankheitsbild. Ein erstes Therapieziel besteht daher oft darin, Einsicht und Therapiewilligkeit zu schaffen, was gerade im Rahmen stationärer Behandlungen auch Aussichten auf Erfolg hat (zum Ganzen Urteile 6B_387/2023 vom 21. Juni 2023 E. 4.3.1; 6B_766/2022 vom 17. Mai 2023, zur Publikation vorgesehen, E. 5.3.4; je mit Hinweisen). Gemäss dem Ergänzungsgutachten vom 14. Juni 2023 besteht eine geringfügige Verbesserung der Behandlungsmotivation des Beschwerdeführers, so dass abweichend vom bisherigen Gutachten vom 29. September 2022 der erneute Versuch einer Behandlung im Sinne einer Massnahme nach Art. 59 StGB unternommen werden sollte. Die Vorinstanz legt nachvollziehbar dar, dass der Beschwerdeführer zwar im Rahmen seiner Schlusseinvernahme vom 16. August 2023 seine Bereitschaft, eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB zu absolvieren negiere, es jedoch nicht gänzlich an dessen Therapiebereitschaft fehle. Es ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz aus den Angaben des Beschwerdeführers schliesst, dass der Beschwerdeführer nicht die Behandlung selbst ablehne, sondern sich vor der ungewissen Dauer und einer allfälligen Verlängerung einer stationären Behandlung im Sinne von Art. 59 StGB zu fürchten scheine. Dass die Motivation für eine stationäre therapeutische Massnahme beim Beschwerdeführer nicht von Anfang an klar vorhanden ist, spricht nicht gegen ihre Anordnung. Es genügt, wenn jener wenigstens motivierbar ist (Urteile 6B_387/2023 vom 21. Juni 2023 E. 4.4.2; 6B_766/2022 vom 17. Mai 2023, zur Publikation vorgesehen, E. 5.3.4). Die Vorinstanz erachtet diese Voraussetzung zu Recht als erfüllt. Gemäss den Feststellungen der Vorinstanz erklärte sich der Beschwerdeführer mit einem ein- oder zweijährigen Aufenthalt in einer geschlossenen Einrichtung einverstanden. Damit liess er eine gewisse Bereitschaft zu einer stationären Behandlung erkennen. Ein erstes Therapieziel wird darin bestehen, beim Beschwerdeführer Einsicht in die Notwendigkeit der stationären therapeutischen Massnahme zu schaffen und seine Motivation zu dieser Therapie zu wecken. Da beim Beschwerdeführer somit eine minimale Motivierbarkeit erkennbar ist, kann mit der Anordnung einer freiheitsentziehenden Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB ernsthaft gerechnet werden.