Citation: 2C_143/2022 E. 4.9

4.9. Die vorinstanzliche Würdigung ist schliesslich auch im Lichte einer konventions- und verfassungskonformen Auslegung von Art. 47 Abs. 4 AIG nicht zu beanstanden. Durch das jahrelange Getrenntleben haben die Beschwerdeführer ihr beschränktes Interesse an einem ortsgebundenen (gemeinsamen) Familienleben zum Ausdruck gebracht. Dass die Beschwerdeführer zugunsten ihrer Tochter getrennt gelebt haben, ändert nichts daran, dass die Tochter nicht während der gesamten Nachzugsfrist einer massgebenden Betreuung durch die Beschwerdeführerin bedurfte bzw. dass Alternativen zur persönlichen Betreuung durch die Beschwerdeführerin bestanden. Mangels objektiver, nachvollziehbarer Gründe, die etwas anderes nahelegen würden, überwiegt daher das der ratio legis von Art. 47 Abs. 4 AIG zugrunde liegende legitime Interesse an der Einwanderungssteuerung (vgl. vorne E. 4.4; vgl. auch Urteil 2C_692/2021 vom 23. Mai 2022 E. 5.3). Am Fehlen objektiver, nachvollziehbarer Gründe, die eine andere Lösung nahe legen würden, vermag auch das Vorbringen, die Beschwerdeführerin könne bereits einfache Konversationen auf Deutsch führen und die Gepflogenheiten und die Kultur in der Schweiz seien ihr gut bekannt, nichts zu ändern. Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV wird auch nicht dadurch verletzt, dass der Beschwerdeführer allenfalls aufgrund zunehmender Pflegebedürftigkeit seiner fast 90-jährigen Mutter weniger wird ins Ausland reisen können. Der Beschwerdeführerin ist es auch in Zukunft nicht verwehrt, ihren Ehemann in der Schweiz zu besuchen, weshalb eine Pflege der Beziehung auch weiterhin möglich bleibt, gleichsam wie seit ihrer Eheschliessung und ihrer Begegnung im Jahre 2004. Inwiefern der Entscheid unter den gegebenen Umständen das Familienleben auch der Mutter des Beschwerdeführers tangieren soll, legen die Beschwerdeführer nicht rechtsgenüglich dar. Der Schluss der Vorinstanz, wonach keine wichtigen familiären Gründe gemäss Art. 47 Abs. 4 AIG für den verspäteten Nachzug der Beschwerdeführerin vorliegen, verletzt somit weder Art. 8 EMRK noch Art. 13 BV.