Citation: 6B_221/2009 02.09.2009 E. A

Die Gommerkraftwerke AG (GKW) betreibt auf dem Gebiet der Gemeinde Fieschertal im Kanton Wallis die Wasserkraftanlage GKW III. Dabei wird kurz unterhalb des Fieschergletschers das Wasser in der Fassung "Titer" gefasst. Dieser sind ein Entsander- und ein Entkieserbecken vorgelagert. Das Schmelzwasser des Gletschers fliesst über einen Rechen, wo es von grösseren Eisschollen und Steinen befreit wird, zunächst in das Entkieserbecken, wo Geschiebe und Kies abgelagert werden, und danach in das Entsanderbecken, wo der Sand abgelagert wird. Aufgrund dieser abgelagerten Materialien werden Spülungen der beiden Becken nötig, die automatisch oder manuell ausgelöst werden können. Bei den automatischen und manuellen Spülungen gelangen rasch grosse Wassermassen in das recht breite, mit grossen Steinen übersäte Bachbett des Wysswasserbaches, wodurch dieser in kürzester Zeit zu einem reissenden Fluss wird. Am 31. Juli 2003, um ca. 12.30 Uhr, fuhr der niederländische Staatsangehörige A.A.________ mit seiner Ehefrau A.B.________ und seinen beiden Kindern aus erster Ehe, A.C.________ (geboren 1990) und A.D.________ (geboren 1993) mit seinem Personenwagen von Ernen/VS, wo die vier Personen in den Ferien weilten, ins Fieschertal. Er parkierte sein Fahrzeug mit niederländischen Kontrollschildern bei der Talstation der Betriebsseilbahn, die zur Wasserfassung "Titer" des Wasserkraftwerks GKW III der Gommerkraftwerke AG führt. Die vier Personen spazierten auf einem schmalen asphaltierten Strässchen taleinwärts. Nach einer Wegstrecke von rund 300 Metern verliessen sie das Strässchen, um zum Bachbett des Wysswassers zu gelangen. Sie benützten hiefür einen ursprünglich zur Kiesgewinnung angelegten, heute nicht mehr genutzten, mit Pflanzen überwachsenen Weg, an dessen Ende sie sich durch das dichte Ufergestrüpp zwängten, um das Bachbett zu erreichen. Als sie um ca. 13.30 Uhr am Bachbett ankamen, war der Wasserstand des Wysswassers sehr niedrig. Am gleichen Tag, um ca. 13.15 Uhr, fuhren die beiden Angestellten der Gommerkraftwerke AG, Y.________ und Z.________, mit der von X.________ von der Talstation aus gesteuerten Betriebsseilbahn zur Wasserfassung "Titer", um eine manuelle Spülung vorzunehmen. Manuelle Spülungen wurden grundsätzlich einmal wöchentlich, in der Regel freitags, vor 08.00 Uhr, durchgeführt. Weil der 1. August 2003 auf einen Freitag fiel, wurde die manuelle Spülung auf den 31. Juli 2003 vorverschoben. Da aber am 31. Juli 2003 vor 08.00 Uhr eine manuelle Spülung nicht möglich war, weil, wie sich herausstellte, nicht genügend Wasser vorhanden war, setzte X.________ die manuelle Spülung auf ca. 13.30 Uhr an. Während der siebenminütigen Fahrt beobachteten Y.________ und Z.________ von der Seilbahn aus, soweit möglich, das Gelände. Sie konnten dabei keine Personen sehen, die sich am oder im Bachbett aufhielten. Nachdem Y.________ und Z.________ die Bergstation erreicht hatten, marschierten sie zur Fassung "Titer", wofür sie rund sieben Minuten benötigten. Bei der Fassung angelangt, leiteten sie die manuelle Spülung ein, indem sie zunächst den Schieber des Entkiesers und anschliessend denjenigen des Entsanders öffneten. Dadurch wurden während rund sechs Minuten circa 30 m³ Wasser/sec. freigesetzt, welches in das Bachbett des Wysswassers gelangte. Die Wassermassen erreichten - gemäss der am 12. August 2003 duchgeführten Rekonstruktion des Unfallgeschehens vor Ort - rund 19 ½ Minuten später die Stelle, an welcher sich die Familie A.________ aufhielt, und das Wasser stieg an dieser Stelle um rund einen Meter an. A.A.________, der bis zur Taille im Wasser stand, konnte sich ans Ufer in Sicherheit bringen. Die beiden Kinder und ihre Stiefmutter wurden von den Wassermassen mitgerissen. Das Mädchen wurde nach rund 60 Metern an einen Steinblock geschwemmt, auf den es sich retten konnte. Es erlitt einige Prellungen. Der Knabe und seine Stiefmutter konnten beim Wehr der Fassung der Rhonewerke in Fiesch nur noch tot geborgen werden. Entlang dem asphaltierten Strässchen, welches die Familie A.________ benützte, sind mehrere Tafeln aufgestellt, die davor warnen, dass der Aufenthalt im Flussbett gefährlich ist, weil der Betrieb der Wasserkraftanlage, auch bei schönem Wetter, das Wasser jederzeit und plötzlich anschwellen lassen kann.