Citation: 1C_174/2021 E. 2.6

2.6. Die Gutachterin führt in der ergänzenden verkehrsmedizinischen Stellungnahme vom 11. November 2020 aus, dass die Gutachter, wie im ergänzenden Gutachten vom 18. Juni 2018 erwähnt, bereits im Rahmen der Erstbegutachtung nicht nur aus den Angaben des Beschwerdeführers im Interview und aus dem Ergebnis der Haaranalyse auf das Alkoholabbauprodukt Ethylglucuronid (EtG), sondern insbesondere auch aus seinem Mitwirkungs- und Antwortverhalten Schlüsse bezüglich der Verkehrsrelevanz seines Alkoholkonsums und seiner Trennfähigkeit gezogen hätten. Sämtliche Schlüsse seien in die verkehrsmedizinische Beurteilung eingeflossen und letztlich auch die Grundlage für die Ablehnung der Fahreignung und für die Empfehlungen zu den Wiederzulassungsvoraussetzungen gewesen. Negativ ins Gewicht gefallen sei, dass der Beschwerdeführer nicht einlässlich geantwortet habe. Dies habe aus Sicht der Gutachter im Lichte der übrigen Erkenntnisse dafür gesprochen, dass er sich mit den "ausgeschwiegenen" Themen noch nicht ausreichend auseinandergesetzt habe und damit letztlich dafür, dass sein Problembewusstsein hinsichtlich seines Alkoholkonsums und auch der damit verbundenen Gefahren im Strassenverkehr noch mangelhaft entwickelt sei, was prognostisch als ungünstig zu bewerten sei. Letztlich habe aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers bei der Begutachtung damit auch nicht festgestellt werden können, dass er ausreichende Strategien zur Vermeidung von Trunkenheitsfahrten entwickelt habe und insofern keine Trennfähigkeitsproblematik anzunehmen sei. Bei zwei Fragen des Fragebogens "AUDIT" habe der Beschwerdeführer keine Antwort gegeben. Hieraus hätten die Gutachter geschlossen, dass es beim Alkoholkonsum durchaus zu Kontrollverlusten (hinsichtlich der Konsummenge und der Konsumzeiten) komme und damit die Verhaltenssteuerung des Beschwerdeführers zumindest vermindert sei. Gutachterlich könne aus dem Auslassen der Beantwortung unter Einbezug der übrigen Erkenntnisse des konkreten Falls der Schluss gezogen werden, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Alkoholkonsumverhaltens mit Kontrollverlusten und der damit einhergehenden beeinträchtigten Steuerungsfähigkeit ein individuell erhöhtes Risiko aufweise, in alkoholisiertem Zustand am motorisierten Strassenverkehr teilzunehmen. Aus gutachterlicher Sicht könne basierend auf der hohen EtG-Konzentration und der daraus ableitbaren Alkoholgewöhnung angenommen werden, dass es beim Beschwerdeführer zu einer Toleranzentwicklung gegenüber Alkohol gekommen sei. Die zur Vermeidung von Trunkenheitsfahrten angegebene Strategie des Beschwerdeführers (ich trinke nicht, wenn ich fahre) setze eine bewusste Steuerung des Verhaltens voraus. Generell müsse bei Personen, die einen missbräuchlichen/süchtigen Alkoholkonsum betrieben, diese Strategie aus verkehrsmedizinischer Sicht als nicht tragfähig bezeichnet werden. Wenn dann, wie im Falle des Beschwerdeführers, die fehlende Verhaltenssteuerung bei der Begutachtung auch noch evident werde, sei diese Strategie gänzlich ungeeignet. Dies sei, wie bereits erwähnt, prognostisch ungünstig und lasse im konkreten Fall eine Verkehrsrelevanz des Alkoholmissbrauchs ableiten und die Trennfähigkeit verneinen. Unter Einbezug aller Anknüpfungspunkte sei für die Gutachter ein missbräuchlicher verkehrsrelevanter Alkoholkonsum hinreichend belegt. Auch wenn eine Alkoholabhängigkeit nach ICD 10 nicht bewiesen sei, sei eine Trunksucht, wie sie im Verkehrsrecht definiert werde, verkehrsmedizinisch zu attestieren.