Citation: 6B_643/2018 E. 1.3

1.3. Der Sachverständige nimmt in seinem psychiatrischen Gutachten vom 21. Februar 2017 und seinen mündlichen Ausführungen anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung vom 23. März 2018 insgesamt eingehend Stellung zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, zu dessen Massnahmebedürftigkeit, zur Behandlungsindikation, zum bisherigen Therapieverlauf sowie zur Legalprognose respektive Rückfallgefahr. Er diagnostiziert eine dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.2) mit narzisstischen Persönlichkeitszügen, die sich im Konfliktfall akzentuieren können. Ausserdem bestehe eine unterdurchschnittliche Intelligenzausstattung (Gutachten S. 87, 100). Gemäss Expertise sei das Risiko für weitere Sexualdelikte niedrig. Gewaltdelikte seien mit höherer Wahrscheinlichkeit zu erwarten, wobei es insbesondere um bedrohliche und verbal aggressive Auffälligkeiten gehen werde. Des Weiteren seien im Konfliktfall aus der Situation heraus entstehende und der Durchsetzung der eigenen Position dienende punktuelle Gewalthandlungen zu erwarten. Schwerwiegende Aggressionsdelikte, insbesondere Tötungshandlungen seien weniger wahrscheinlich. Das Risiko von Raub- und Diebstahlsdelikten sei gesamthaft geringer als dasjenige von Aggressionshandlungen, jedoch höher als das von Sexualdelikten (Gutachten S. 98, 102). Aus psychiatrischer Sicht gebe es unter geschlossenen Bedingungen keine weiteren potentiell wirksamen therapeutischen Interventionen zur Verbesserung der Legalprognose. Auch könne kein geeignetes stationäres Behandlungssetting skizziert werden, zumal der Beschwerdeführer eine solche Behandlung kategorisch ablehne. Die Behandelbarkeit des Beschwerdeführers sei eingeschränkt, was insbesondere die Auseinandersetzung mit eigenen problematischen Verhaltensstrategien und seine Fähigkeit zur Selbstkritik betreffe. Jedoch bestehe die Motivation zur Fortführung der Einzelgespräche und bei einer Versetzung in den offenen Vollzug beziehungsweise bei Lockerungen dürfte eine Kooperation erreichbar sein. Eine Fortführung der Massnahme mache nur Sinn, wenn Lockerungsschritte angegangen würden und die Behandlung somit zur Vorbereitung und Ausgestaltung eines tragfähigen sozialen Empfangsraums diene. Wolle man die Reintegration des Beschwerdeführers anstreben, gehe es nicht um ein therapeutisches Setting, sondern um die Einleitung von Vollzugslockerungen und deren sorgfältige therapeutische Begleitung im Sinne einer Monitorisierung und Förderung von konstruktiven Konfliktlösungsstrategien. Dies könne in einer halboffenen Vollzugseinrichtung geleistet werden. In diesem Fall wäre es sinnvoll, die Massnahme für zwei bis drei Jahre zu verlängern, um an der Belastbarkeit des Beschwerdeführers in einem offeneren Setting zu arbeiten und im Zusammenspiel mit der Partnerin ein tragfähiges soziales Umfeld zu konstellieren (Gutachten S. 98 ff., 102 ff.). Anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung führte der Sachverständige aus, seines Erachtens seien die Vorbereitung des sozialen Empfangsraums und die Erprobung therapeutischer Schritte unter zunehmend alltagsnäheren Bedingungen Bestandteile der Therapie. Wenn die sozialen Rahmenbedingungen stabiler gemacht werden könnten, die Belastbarkeit und die Konfliktfähigkeit des Beschwerdeführers ausgebaut würden, habe dies Auswirkungen auf die Legalprognose (Einvernahmeprotokoll des Sachverständigen S. 3 f.).