Citation: 6P.115/2005 24.01.2006 E. 2

In der Nichtigkeitsbeschwerde bestreitet die Beschwerdeführerin, dass das Schreiben vom 10. Februar 2003 als schwere Drohung im Sinne von Art. 180 aStGB qualifiziert werden könne. In der Begründung weist sie auf "die Parallelen" im Falle ihres Gatten und jenem des Tötungsdelikts hin. In beiden Fällen sei ein über Fünfzigjähriger mit denkbar schlechten Aussichten auf eine neue Anstellung entlassen worden. Sie habe in jenem Schreiben nur darauf hinweisen wollen, endlich damit aufzuhören, so mit Angestellten umzugehen. Sie habe nur eine Warnung vor einer möglichen Entwicklung ausgesprochen, die im Falle ihres Mandanten effektiv eingetreten sei. Dass keine Drohung vorliege, ergebe sich auch daraus, dass der Fall, in dem ein Bürger "zum Mörder" werde, als Alternative zum Krankheitsfall erwähnt werde. Sie habe lediglich auf zwei mögliche Verhaltensmuster unter grossen Belastungen hingewiesen und damit kein Übel angedroht, dessen Verwirklichung von ihr abhänge. Sie habe an das Gewissen der Adressaten appelliert (Beschwerde S. 8 f.). Die Vorinstanz stellt fest, dass das Schreiben vom 10. Februar 2003 vor dem Hintergrund der Ankündigung rechtlicher Schritte im Falle "weiterer Aktivitäten dieser Art" gegen die Beschwerdeführerin zu sehen ist. Diese habe darin zu verstehen gegeben, dass die Situation bei einer allfälligen Ergreifung rechtlicher Schritte im erwähnten Sinne eskalieren könnte. Sie habe damit ein Übel angedroht, dessen Verwirklichung von ihr selber abhing (angefochtenes Urteil S. 9). Entgegen der Argumentation in der Beschwerde kann daher nicht mehr lediglich von einer Warnung vor einer möglichen Entwicklung ausgegangen werden. Eine Warnung ist grundsätzlich nur bei einem Hinweis auf Gefahren anzunehmen, die unabhängig vom Willen des Warnenden eintreten (vgl. BGE 106 IV 125 E. 2a; Günter Stratenwerth/Guido Jenny, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 6. Auflage, Bern 2003, S. 112; Vera Delnon/Bernhard Rüdy, Strafgesetzbuch II, Basler Kommentar II, Art. 180 N. 14). Dabei steht in tatsächlicher Hinsicht weiter fest, dass die Adressaten das Schreiben sehr ernst nahmen und eine Verwirklichung befürchteten, d.h. dass sie tatsächlich in Angst bzw. Schrecken versetzt wurden (angefochtenes Urteil S. 10). Die Ankündigung, dass die Situation im Sinne eines Tötungsdelikts eskalieren könnte, ist zudem das Inaussichtstellen eines schweren Nachteils. Schliesslich ergibt sich aus der Eindringlichkeit des Schreibens und dem ausdrücklichen Hinweis auf "gewisse Parallelen" in jenem damals aktuellen Tötungsdelikt, dass es auch als ernst gemeint erscheinen sollte. Hingegen kommt es nicht darauf an, ob die Ankündigung wirklich wahrgemacht werden soll (vgl. BGE 122 IV 322 E. 1a). Die Vorinstanz verletzt kein Bundesrecht, wenn sie den Tatbestand der (mehrfachen) Drohung bejaht. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist abzuweisen.