Citation: 6B_1427/2020 E. 6.3

6.3. Die Vorinstanz stellt fest, es sei unzweifelhaft und von den Parteien unbestritten, dass das Kriterium der Anlasstat im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB erfüllt sei (Beschluss S. 38 f. mit Hinweis auf die beiden Strafurteile aus den Jahren 1998 und 2005, oben Sachverhalt A.a und A.b). Wie sie annimmt, hat die Prüfung einer psychischen Störung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB Priorität (HEER/HABERMEYER, a.a.O., N. 45 zu Art. 64 StGB). Die Vorinstanz stützt ihre Beurteilung gemäss Art. 56 Abs. 3 StGB auf das Erstgutachten vom 22. Dezember 2017 von Dr. med. C.________ und auf das Zweitgutachten vom 17. April 2019 von Prof. Dr. med. D.________ (mit Ergänzungsgutachten vom 12. Mai 2020 und Ausführungen an der Hauptverhandlung). Zwei weitere Gutachten (darunter jenes vom 7. Juli 2017, oben Sachverhalt A.d) berücksichtigt die Vorinstanz nicht (Beschluss S. 39 ff.; zur rechtlichen Relevanz forensisch-psychiatrischer Gutachten Urteil 6B_1067/2020 vom 5. Mai 2021 E. 1.2 mit Hinweisen). Alle amtlich eingeholten Gutachten haben im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) den gleichen Rang (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 952, S. 395 f.; TOPHINKE, a.a.O., N. 56 zu Art. 10 StPO), wenn auch oft in der Praxis dem Zweitgutachten eine grössere Bedeutung zugemessen wird; das Gericht hat nicht (schlicht) dem für den Betroffenen günstigeren zu folgen, sondern dem sachlich überzeugenderen Gutachten (HEER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 17 zu Art. 189 StPO). Überzeugungskraft entfalten die Beweismittel einzig im Umfang ihrer inneren Autorität (TOPHINKE, a.a.O.).