Citation: 4A_290/2018 E. 2.4.1

2.4.1. Die Beschwerdeführerin bringt vor, es sei gemäss Urteil 4A_262/2016 vom 10. Oktober 2016 E. 4.4.2.2 typisch, dass der Lenker bei einer Geschwindigkeit, die den Verhältnissen offensichtlich nicht angepasst ist, die Kontrolle verliere. Bestünden keine Hinweise auf andere Ursachen, sei der Anscheinsbeweis erbracht, dass der Verlust der Kontrolle einzig auf ein Fehlverhalten des Verunfallten zurückzuführen sei. Die Argumentation der Beschwerdeführerin greift zu kurz, da der Sachverhalt des erwähnten Urteils nicht mit dem vorliegenden vergleichbar ist. Die Beschwerdeführerin stützt sich zur Begründung ihres Einwands denn auch teilweise auf Tatsachenbehauptungen, die in den Feststellungen des angefochtenen Entscheids keine Stütze finden. Wenn sie vorbringt, es bestünden keine Hinweise auf andere Ursachen, da die vom Gutachter genannten typischen Unfallursachen ausschliesslich im Herrschaftsbereich des Verstorbenen liegen würden, verlässt sie den vorinstanzlichen Sachverhalt, ohne Willkür geltend zu machen, geschweige denn zu begründen, weshalb sie mit diesen Vorbringen nicht gehört werden kann. Nach den dem Urteil des Bundesgerichts zugrunde zu legenden Feststellungen im angefochtenen Urteil (Art. 105 Abs. 1 BGG) führt der Sachverständige zwar unter den möglichen Unfallursachen verschiedenste Fahrfehler einschliesslich einer zu schnellen Geschwindigkeit auf. Indessen nennt er auch andere typische Unfallursachen, die gänzlich oder zumindest teilweise ausserhalb des Herrschaftsbereichs des Verunglückten liegen, wie die Fahrdynamik des Motorrads, allfällige Bodenunebenheiten vor- oder im Kurvenbereich oder eine Korrektur der geplanten Fahrlinie durch ein unerwartetes Ereignis und schliesst, die konkrete Unfallursache könne nicht angegeben werden. In dem von der Beschwerdeführerin zitierten Urteil 4A_262/2016 vom 10. Oktober 2016, in welchem ein Unfall in der Nacht und bei nasser Fahrbahn zu beurteilen war (E. A), kamen neben einer stark übersetzten Geschwindigkeit keine weiteren möglichen Unfallursachen in Frage, welche nicht ebenfalls als grobfahrlässiges Verhalten des Verunfallten zu werten gewesen wären (E. 4.4.2.2 in fine). In vorliegendem Fall ist gemäss den willkürfreien Feststellungen im angefochtenen Urteil hingegen nicht auszuschliessen, dass zur leicht übersetzten Geschwindigkeit des Motorradfahrers ausserhalb seines Herrschaftsbereichs liegende Elemente hinzukamen, welche den Unfall in mehr oder weniger massgeblicher Weise mitverursachten. Bei diesen weiteren Sachverhaltsvarianten, so erwog die Vorinstanz weiter, wäre das Selbstverschulden jeweils sehr unterschiedlich zu gewichten. Da der Anscheinsbeweis erst erbracht ist, wenn dem Verunglückten bei jedem alternativen Geschehensablauf ein grobes kausalitätsunterbrechendes Verschulden im Sinne von Art. 59 Abs. 1 SVG zukommen würde, erachtete die Vorinstanz diesen als gescheitert. Dieser Schluss ist nicht zu beanstanden; zumal die Kognition des Bundesgerichts betreffend das vorinstanzliche Ergebnis der Beweiswürdigung als Feststellung des Sachverhalts auf Willkür beschränkt ist (BGE 140 III 264 E. 2.3 S. 266 mit Hinweisen). Denn der Anscheinsbeweis führt nicht zur Reduktion des vorliegend geltenden ordentlichen Beweismasses und ist deshalb erst erbracht, wenn die Typizität des rechtserheblichen Geschehens nach allgemeiner Lebenserfahrung eine behauptete Tatsache als wahr erscheinen lässt, weil Abweichendes ausserhalb jeder vernünftigen Betrachtungsweise liegt (so bereits in dem von der Beschwerdeführerin zitierten Urteil 4A_262/2016 vom 10. Oktober 2016 in E. 4.4.2.1 festgehalten; vgl. ferner Urteil 4A_546/2017 vom 26. Juni 2018 E. 3.3 mit Hinweisen). Wenn die Vorinstanz angesichts (teilweise) ausser dem Herrschaftsbereich des Verunglückten liegenden möglichen Unfallursachen begründete Zweifel daran hatte, dass der Unfall einzig durch ein ihm anzulastendes grobes Fehlverhalten verursacht worden war, kann ihr jedenfalls keine Willkür vorgeworfen werden. Vor dem Hintergrund der Beweislosigkeit bezüglich eines Fehlverhaltens, das über die als leicht übersetzt zu bewertende Geschwindigkeit hinausgehen würde, ist auch die Rüge unbegründet, die Vorinstanz habe Art. 31 Abs. 1 SVG betreffend das Beherrschen des Fahrzeugs verkannt.