Citation: 7B_238/2025 E. 3.1

3.1. Gemäss Art. 231 Abs. 2 lit. b StPO kann die Staatsanwaltschaft, wenn die inhaftierte beschuldigte Person freigesprochen wird und das erstinstanzliche Gericht deren Freilassung verfügt, beim erstinstanzlichen Gericht zu Handen der Verfahrensleitung des Berufungsgerichts die Fortsetzung der Sicherheitshaft beantragen, wenn die ernsthafte und unmittelbare Gefahr besteht, dass sie durch Verbrechen oder schwere Vergehen die Sicherheit anderer unmittelbar erheblich gefährdet. In diesem Fall bleibt die betreffende Person bis zum Entscheid der Verfahrensleitung des Berufungsgerichts in Haft. Diese entscheidet über den Antrag der Staatsanwaltschaft innert 5 Tagen seit Antragstellung. Das Bundesgericht erwog in seiner Rechtsprechung, auch wenn der Gesetzgeber nur den offensichtlichen Fall des Freispruchs vorgesehen habe, finde Art. 231 Abs. 2 StPO ebenfalls in den anderen Fällen Anwendung, in denen den Anträgen der Staatsanwaltschaft nicht oder nicht vollständig stattgegeben werde und die beschuldigte Person freigelassen werde. Das Schweigen des Gesetzes sei auf eine Unachtsamkeit des Gesetzgebers zurückzuführen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt die Regelung mithin sowohl bei einem Freispruch als auch bei einem Schuldspruch und zielt auf eine wirksame Wahrnehmung des Beschwerderechts der Staatsanwaltschaft ab; sie ermöglicht der Staatsanwaltschaft, die Freilassung einer beschuldigten Person im Hinblick auf die Einleitung eines Berufungsverfahrens einstweilen zu verhindern (BGE 139 IV 314 E. 2.2.2; Urteile 1B_600/2011 vom 7. November 2011 E. 2.1, 1B_525/2011 vom 13. Oktober 2011 E. 2.2).