Citation: I 769/04 27.04.2005 E. 2.2

2.2.1 Soweit die Versicherte unter Hinweis auf die fehlende Übereinstimmung zwischen dem rheumatologischen und dem psychiatrischen Gutachten deren Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen will, kann ihr nicht gefolgt, werden. Ärztliche Stellungnahmen zur Arbeits(un)fähigkeit tragen naturgemäss Ermessenszüge, weshalb schon aus diesem Grund jedenfalls geringgradig abweichende Einschätzungen die Glaubwürdigkeit der medizinischen Ausführungen für sich allein nicht zu erschüttern vermögen. Darüber hinaus handelt es sich bei der im psychiatrischen Gutachten vom 26. Juli 2002 vorgenommenen Schätzung der Arbeitsunfähigkeit nicht um eine ziffernmässig exakte, sondern um eine annäherungsweise ("rund 30 %") vorgenommene Beurteilung, wobei die Gutachter explizit darauf hinweisen, dass von einer konsequenten adäquaten Depressionsbehandlung eine weitere Verbesserung erwartet werden kann. Sodann trifft es auch nicht zu, dass Dr. med. B.________ die körperlichen Beeinträchtigungen zu wenig berücksichtigt hätte. Vielmehr führt der Gutachter im Einzelnen aus, ob und inwiefern sich die somatischen Befunde auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Seine Beurteilung ist nachvollziehbar und schlüssig begründet. Von seinen Ausführungen abzuweichen besteht umso weniger Anlass, als - wie bereits die IV-Stelle in ihrem Einspracheentscheid vom 10. Februar 2004 richtig erwog - eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funktionsstörungen und Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade nicht zulässig ist. Vielmehr überschneiden sich beim Zusammentreffen verschiedener Gesundheitsbeeinträchtigungen deren erwerblichen Auswirkungen in der Regel, weshalb der Grad der Arbeitsunfähigkeit diesfalls aufgrund einer sämtliche Behinderungen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen ist (SVR 2000 IV Nr. 1 S. 2 Erw. 2 i.f.; Urteil R. vom 11. November 2002, I 368/01, mit Hinweisen). Eine Addition der durch Dr. med. B.________ einerseits und der durch die Ärzte der Psychiatrischen Klinik V.________ anderseits attestierten Arbeitsunfähigkeiten ist vorliegend schon deshalb unzulässig, weil Dr. med. B.________ die Einschätzungen der Psychiater in seine Beurteilung einbezog. Die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit ist somit - worauf er selbst hinweist - nicht ausschliesslich somatisch bedingt, sondern berücksichtigt auch die psychischen Beeinträchtigungen. 2.2.2 Darüber hinaus darf - wie das kantonale Gericht zutreffend erwägt - bei der Würdigung der ärztlichen Berichte und Gutachten zum einen der Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden, dass Hausärzte mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunst ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc) und im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenkonflikt (Behandlung versus Begutachtung) - namentlich in umstrittenen Fällen regelmässig auch nicht unbesehen auf die Angaben behandelnder Spezialisten abgestellt werden kann (Urteil P. vom 5. April 2004, I 814/03). Wenn Vorinstanz und Verwaltung unter Berücksichtigung dieser Tatsachen den wohlbegründeten und nachvollziehbaren Einschätzungen (vgl. Erw. 2.2.1 hievor) der beiden fachärztlichen Gutachten Vorrang eingeräumt haben, ist dies nicht zu beanstanden. Schliesslich gilt es zu berücksichtigen, dass Dr. med. S.________ eine chronische depressive Entwicklung mit somatoformer Schmerzstörung in seine Beurteilung einbezog und auch die behandelnde Psychologin Frau M.________ von der Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) ausgeht. Letzte aber vermag in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken. Vielmehr kommt einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nur ausnahmsweise invalidisierender Charakter zu, wenn diese nach Einschätzung des Arztes eine derartige Schwere aufweist, dass der versicherten Person die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver Betrachtung - und unter Ausschluss von Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, die auf aggravatorisches Verhalten zurückzuführen sind - sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder dies für die Gesellschaft gar untragbar ist (BGE 130 V 354 Erw. 2.2.3 mit Hinweisen). Dies trifft insbesondere dann zu, wenn eine mitwirkende, psychisch ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer besteht oder aber andere qualifizierte, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Kriterien erfüllt werden (BGE, a.a.O.), was vorliegend nicht der Fall ist.