Citation: 6B_43/2024 E. 2.1

2.1. Die Beschwerdeführerin wendet sich gegen die Nichtanordnung der Landesverweisung und den Verzicht auf deren Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS). Dabei geht sie mit der Vorinstanz von einem schweren persönlichen Härtefall aus. Sie rügt indessen die zugunsten des privaten Interesses des Beschwerdegegners am Verbleib in der Schweiz ausgefallene Interessenabwägung als bundesrechtswidrig (Verletzung von Art. 66a StGB). Zufolge der Regelung gemäss Art. 66a Abs. 2 Satz 2 StGB, wonach der besonderen Situation von in der Schweiz geborenen und aufgewachsenen Ausländern Rechnung zu tragen sei, sei für den Beschwerdegegner grundsätzlich von einem bedeutenden privaten Interesse am Verbleib in der Schweiz auszugehen. Dieses bedeutende Interesse bestehe aber nicht, wenn beim Ausländer aufgrund seiner schlechten Integration ein Privatleben im Sinne von Art. 13 Abs. 1 BV und Art. 8 Ziff. 1 EMRK nicht annehmbar sei. Unter dem Titel Achtung des Privatlebens im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 EMRK genüge dabei selbst die lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integration nicht; erforderlich seien besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur. Es sei nicht schematisch ab einer gewissen Aufenthaltsdauer eine Verwurzelung in der Schweiz anzunehmen. Zwar sei vorliegend mit der Vorinstanz von sehr engen Beziehungen des Beschwerdegegners zur Schweiz auszugehen. Eine gelungene wirtschaftliche und berufliche Integration sei indes weiterhin nicht gewährleistet. Eine Wiedereingliederung in den legalen Arbeitsmarkt sei dem Beschwerdegegner in den 22 Monaten seit dem erstinstanzlichen Urteil trotz der drohenden Landesverweisung nicht gelungen. Daran vermöge weder die von Februar bis Sommer 2023 ausgeübte Schwarzarbeit noch der mit dem Unternehmen seines Vaters per 1. Oktober 2023 abgeschlossene Arbeitsvertrag etwas zu ändern. Der Beschwerdegegner sei bereits von November 2020 bis Sommer 2021 bei seinem Vater angestellt gewesen. Das Arbeitsverhältnis sei nicht fortgesetzt worden, weil sich auch der Vater "zu streng" gezeigt habe. An der Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit der Bemühungen des Beschwerdegegners um wirtschaftliche und berufliche Integration bestünden grosse Zweifel. Über eine normale Integration hinausgehende, besonders intensive Beziehungen des Beschwerdegegners zur Schweiz seien nicht ersichtlich. Bezüglich einer Reintegration in seinem Heimatland sei zu berücksichtigen, dass er Albanisch spreche, regelmässig seine Ferien im Kosovo verbringe, im Dorf Z.________ auch ein paar Leute kenne und sein Vater dort ein Haus besitze. Es seien keine erheblichen Gründe auszumachen, welche seiner Integration im Kosovo entgegen stehen würden. Den Interessen des Beschwerdegegners am Verleib in der Schweiz stünden erhebliche öffentliche Interessen an einer Landesverweisung gegenüber, dies nicht zuletzt in Anbetracht der "Zweijahresregel", sei der Beschwerdegegner doch zu einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten verurteilt worden. Er habe mittels eines brachialen Gewaltaktes die Gefahr einer gravierenden Beeinträchtigung der körperlichen Integrität seines Opfers geschaffen. Sein Verschulden und die Prognose würden auch dadurch belastet, dass er diese Tat während der Probezeit der lediglich wenige Monate zuvor verwirkten jugendstrafrechtlichen Verurteilung vom 24. Februar 2020 begangen habe. Dies lasse auf eine anhaltende Gleichgültigkeit gegenüber der hiesigen Rechtsordnung schliessen und begründe erhebliche Zweifel am künftigen Wohlverhalten. Ein notorischer Hang zur Straffälligkeit sei vor diesem Hintergrund nicht erforderlich. Auch unter Berücksichtigung, dass der Beschwerdegegner seine Delinquenz als junger Erwachsener in einem durch Alkoholkonsum getrübten Gemütszustand verübt habe, sei sein Verschulden immer noch keineswegs als leicht einzustufen. Er habe ausserdem im Zeitraum von August bis Dezember 2020 mehrfach gezeigt, dass er wenig Hemmungen habe, Gewalt anzuwenden und zwar vor allem Personen gegenüber, die in ihren Reaktionsmöglichkeiten eingeschränkt seien. Er habe mehrmals in aller Öffentlichkeit eine erhebliche Gewaltbereitschaft entfaltet, von der zufällige Opfer aus nichtigen Anlässen betroffen gewesen seien und damit wiederholt eine bedeutende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit dargestellt. Bei dieser Sachlage überwiege das öffentliche Interesse an der Landesverweisung das private Interesse des Beschwerdegegners am Verbleib in der Schweiz.