Citation: 2C_34/2023 E. 6.3

6.3. Bundesrechtlich nicht zu beanstanden ist hingegen die vorinstanzliche Einschätzung, wonach das Verhalten der Beschwerdeführerin nicht tadellos gewesen ist (angefochtener Entscheid E. 7.4). Bis Oktober 2021 hat sie über Fr. 169'000.-- Sozialhilfeleistungen beansprucht. Sie ist keiner bezahlten Arbeit nachgegangen, obwohl ihr dies möglich gewesen wäre. Sie hat lediglich am Beschäftigungsprogramm der Sozialhilfe teilgenommen. Dies dürfte indes auch Voraussetzung für den Sozialhilfebezug gewesen sein, woraus die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten kann. Vielmehr war sie dort in einem 50-Prozent-Pensum beschäftigt, was belegt, dass sie mindestens in diesem Umfang einer bezahlten Erwerbstätigkeit hätte nachgehen können. Dass es ihr trotz ihrer behaupteten Sprachkenntnisse nicht möglich gewesen sein soll, eine bezahlte Stelle zu finden, obwohl sie sich mit aller Macht darum bemüht haben müsste, ist nicht belegt. Insbesondere standen der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit keine gesundheitlichen Gründe entgegen. Auch die Betreuung der Tochter machte die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht unzumutbar. Zivilrechtlich ist ein 50-Prozent-Pensum zumutbar, sobald das Kind die obligatorische Schule besucht, d.h. in den Kindergarten kommt (BGE 144 II 481 E. 4.7.6). Ausländerrechtlich ist der alleinerziehenden Mutter etwa nach dem 3. Altersjahr des Kindes eine Erwerbstätigkeit zumutbar (Urteil 2C_283/2021 vom 30. September 2021 E. 3.6.2). Vorliegend hätte der Vater die Kinderbetreuung in der Zeit, in der die Beschwerdeführerin einer Erwerbstätigkeit nachgeht, übernehmen können, wohnt er doch im selben Haus, ist pensioniert und hat eine enge Beziehung zur Tochter (vorstehend E. 6.2). Wenn die Beschwerdeführerin somit keine bezahlte Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, obwohl ihr dies möglich und zumutbar gewesen wäre, und sich stattdessen hat den Lebensunterhalt von der Allgemeinheit finanzieren lassen, kann sie sich nicht auf ein tadelloses Verhalten berufen. Ihre Einwände dagegen, dass sie es als Drittstaatsangehörige schwer habe, eine Arbeit zu finden, und infolge der Corona-Pandemie ein Einstellungsstopp geherrscht habe, verfangen nicht: Nicht nur hatte sie, wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausführt, noch bis im Oktober 2018 eine gültige Aufenthaltsbewilligung, sondern grassierte die Corona-Pandemie gerichtsnotorisch erst ab März 2020.