Citation: 8C_548/2020 E. 4.3

4.3. Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung lagen neben den ersten Berichten des Spitals D.________ inklusive Röntgenbericht und Dokumentationsbogen für die Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma vom September 2017, Verlaufsberichte des Dr. med. E.________, Facharzt für Allgemeinmedizin und innere Medizin, FMH, vom 19. Dezember 2017 und vom 19. Januar 2018 sowie ein Bericht des Dr. med. F.________, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 22. Januar 2018 vor. Letzterer hielt ausdrücklich fest, ein Behandlungsabschluss sei noch nicht absehbar. Keiner der genannten Berichte spricht sich darüber aus, ob von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des unfallbedingt beeinträchtigten Gesundheitszustandes erwartet werden konnte, ob die Beschwerdeführerin nur noch an psychischen Beeinträchtigungen litt oder ob noch körperliche Beschwerden oder solche, die dem typischen Beschwerdebild nach einer HWS-Distorsion entsprechen, vorlagen. Entgegen den Ausführungen im angefochtenen Entscheid erlaubten die vorhandenen medizinischen Akten keinen Entscheid über einen möglichen Fallabschluss. Die Vorinstanz kann sich denn auch nicht auf eine entsprechende (fach-) ärztliche Beurteilung stützen. Eine solche wäre aber rechtsprechungsgemäss (BGE 134 V 109 E. 9.3 S. 124) notwendig gewesen. Das gilt umso mehr, als es sich um eine massive Auffahrkollision mit einer Geschwindigkeitsdifferenz von 120 bis 125 km/h gehandelt hatte. Zu beachten gilt dabei auch, dass die Beschwerdeführerin eine belastende medizinische Vorgeschichte hat. Anzuführen ist insbesondere eine angeborene Blockwirbelbildung C3/4 und C4/5, eine Schädelkontusion im Jahre 1997 mit nachfolgendem chronischen Schwindel, welche zu einer bis ins Jahr 2003 befristeten Invalidenrente geführt hatte sowie eine am 28. Oktober 2010 erlittene HWS-Distorsion. Angesichts dieser Anamnese wäre es umso wichtiger gewesen, den medizinischen Sachverhalt durch mit diesen Verletzungen besonders vertraute Spezialärzte spezifisch abklären zu lassen (BGE 134 V 109 E. 9.5). Ein entsprechendes polydisziplinäres Gutachten wird auch aufzuzeigen haben, zu welchem Zeitpunkt von einer weiteren ärztlichen Behandlung keine Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war oder ist. Erst wenn dieser feststeht, kann allenfalls die Adäquanzprüfung vorgenommen werden.