Citation: 4P.212/1999 25.07.2000 E. A

A.- a) Die Staatsgrenze zwischen den Niederlanden und Deutschland ist im Einmündungsgebiet der Ems strittig. Des- halb schlossen die beiden Staaten am 8. April 1960 den Ems- Dollart-Vertrag sowie am 14. Mai 1962 das Ems-Dollart-Zu- satzabkommen. In dessen Artikeln 4 und 5 vereinbarten sie namentlich, dass beide Vertragsstaaten Konzessionen zum Auf- suchen und Fördern von Bodenschätzen in dem auf einer dem Zusatzabkommen beigefügten Karte bezeichneten strittigen Be- reich (im Folgenden "Gemeinschaftsgebiet") erteilen dürfen. Im Untergrund des erwähnten Grenzgebietes befinden sich Erdgasvorkommen. Das Erdgasfeld "Groningen" liegt zum grössten Teil unter dem niederländischen Festland, erstreckt sich aber auch auf das Gemeinschaftsgebiet und auf den als "Groothusen" bezeichneten deutschen Teil der Emsmündung. Die Nederlandse Aardolie Maatschappij BV (im Folgenden Beschwer- deführerin, NAM) ist aufgrund ihrer von den Niederlanden er- teilten Konzession zur Förderung von Bodenschätzen im nie- derländischen Gebiet "Groningen" sowie im angrenzenden Ge- meinschaftsgebiet berechtigt; ebenfalls in diesem Gemein- schaftsgebiet sowie im deutschen Grenzgebiet "Groothusen" ist aufgrund ihrer von Deutschland erteilten Konzession die BEB Erdgas und Erdöl GmbH (im Folgenden Beschwerdegegnerin, Brigitta) zur Förderung von Bodenschätzen befugt. b) Am 27. Januar 1966 schlossen NAM und Brigitta einen Vertrag über die Zusammenarbeit im Gemeinschaftsgebiet (Agreement on co-operation in prospecting for and producing petroleum and natural gas in the Ems estuary). Nach Art. 4a dieses Vertrags steht NAM und Brigitta je der gleiche Anteil an dem Erdöl und Erdgas zu, das gemäss den Berechnungen in Art. 2 und 3 des Vertrages vor Beginn jeglicher Förderung im Gemeinschaftsgebiet vorhanden war, sowie der gleiche Anteil der davon förderbaren Menge. Überdies beinhaltet die Verein- barung in Art. 23 eine Schiedsklausel, wonach die Parteien sämtliche Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Vertrag von einem oder mehreren nach der Vergleichs- und Schiedsordnung der Internationalen Handelskammer (International Chamber of Commerce, ICC) eingesetzten Schiedsrichter letztinstanzlich in Zürich entscheiden lassen. c) Da sich die Bodenschätze zur Hauptsache in dem zum grössten Teil unter niederländischem Staatsgebiet lie- genden Erdgasfeld "Groningen" befinden, schlossen NAM und Brigitta am 10. Oktober 1966 eine Vereinbarung über die Be- triebsführung (Operating Agreement). Darin verpflichtete sich NAM, für Brigitta aus ihren auf dem Festland der nie- derländischen Provinz "Groningen" gelegenen Anlagen dieje- nigen Gas- und Kondensatmengen zu fördern und in natura zu liefern, die Brigitta aus dem Gemeinschaftsgebiet und aus dem deutschen Konzessionsgebiet "Groothusen" zustehen. Diese Betriebsführungsvereinbarung wurde durch zwei Zusatzverein- barungen (Amendments) vom 7. September/22. Oktober 1976 und 20./27. Dezember 1984 ergänzt, in denen die jährlichen Ab- nahmemengen für Brigitta auf der Grundlage der im entspre- chenden Zeitpunkt jeweils geschätzten Erdgasvorräte festge- legt wurden. Beide Ergänzungen enthielten detaillierte Be- stimmungen für den Fall, dass die Brigitta zustehende Gas- menge geringer sein sollte als die Gesamtmenge des tatsäch- lich an Brigitta gelieferten Gases. d) In Art. 2 des Zusammenarbeitsvertrages vom 27. Januar 1966 bestimmten die Parteien, auf welcher Grund- lage die Erdgasvorräte und die förderbaren Mengen berechnet werden sollten, wobei sie für das Rechenverfahren und die Ergebnisse auf einen Anhang verwiesen. Nach Art. 3 des Zu- sammenarbeitsvertrages sollte jedes Jahr in gemeinsamen Be- ratungen erneut bestimmt werden, ob und gegebenenfalls wel- che Berichtigungen in der Berechnung vorzunehmen seien. Nach der ersten, im Anhang II des Vertrages niedergelegten Be- rechnung wurde im Jahre 1966 der Gasanteil von Brigitta auf 59,5 x 109 m3 bei 00 Celsius geschätzt. Diese Menge wurde berichtigt und zwar im Jahre 1974 auf 53,7 x 109 m3, im Jahre 1978 auf 54,65x 109 m3, im Jahre 1981 auf 64x 109 m3. Diese Schätzungen erwiesen sich schliesslich als zu hoch. Am 2. Mai 1991 unterzeichneten NAM und Brigitta die endgültige Neuberechnung von Brigittas Gasanteil, welcher auf 39,5 x 109 m3 festgelegt wurde. Diese Brigitta zustehen- de Menge war bereits bis November 1980 gefördert worden; als die Erdgasförderung zu Gunsten von Brigitta im Mai 1989 ein- gestellt wurde, hatte Brigitta mehr als 20 x 109 m3 (genau 20'003'705'615 m3) zu viel Erdgas bezogen. In der Folge konnten sich die Parteien nicht über die Abgeltung für diese Zuviellieferung einigen.