Citation: U 91/03 19.11.2003 E. 2

Streitig ist, ob die SUVA die Versicherungsleistungen zu Recht auf Ende Oktober 2000 eingestellt hat. 2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe sich beim Unfall vom 17. Oktober 1997 ein mildes Schädel-Hirntrauma zugezogen. Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass aufgrund der Wiederaufnahme der Arbeit ca. zehn Minuten nach dem Unfall und der relativ geringen objektiven Befunde anlässlich der Erstbehandlung durch Dr. med. B.________ am 20. Oktober 1997 (HWS-Distorsion mit allseits leicht eingeschränkter HWS-Beweglichkeit, Schädelprellung mit abheilenden Exkoriationen an rechter Stirne und linker Augenbraue, Kopfschmerzen, Kontusion des rechten Ellbogens, Druckempfindlichkeit der oberen Brustwirbelsäule und des rechten Ellbogens) nicht von einem schweren Unfall die Rede sein kann. Dies wird bekräftigt durch das Röntgenbild vom 20. Oktober 1997 und das MRI vom 10. Dezember 1997, die lediglich degenerative Veränderungen der HWS mit Streckhaltung bzw. zusätzlich eine Muskelschwellung im Bereich des Musculus splenius capitis rechts und Musculus trapezius rechts ohne abgrenzbare Hämatome sowie eine leichte Kyphosierung im Segment C3/C4 ergaben. Das MRI des Schädels vom 13. Januar 1998 zeigte einen unauffälligen Befund ohne Nachweis eines Hämatoms oder einer sonstigen Pathologie. Weder in den Berichten der behandelnden Ärztin Frau Dr. med. W.________ vom 20. Dezember 1997 sowie 17. und 31. Januar 1998 noch im Rahmen der otoneurologischen Abklärung bei Dr. med. H.________ (Berichte vom 29. Januar und 8. Juli 1998) noch im Bericht des Kreisarzt-Stellvertreters Dr. med. Z.________, FMH für Chirurgie, vom 21. Juli 1998 wurde auf die Möglichkeit einer traumatischen Hirnverletzung hingewiesen. Wenn erstmals in den neuropsychologischen Berichten der Frau Prof. Dr. med. J.________, Oberärztin Neurorehabilitation, Klinik X.________, vom 11. September und 14. Dezember 1998 die Vermutung für eine milde traumatische Hirnverletzung geäussert wurde, kann darauf unter den gegebenen Umständen nicht abgestellt werden. Dies beruhte insbesondere auf einer falschen Anamnese, nämlich der Annahme einer Bewusstlosigkeit bzw. Amnesie des Versicherten von zehn bis fünfzehn Minuten. Denn sowohl der erstbehandelnde Dr. med. B.________ als auch die beim Unfall anwesenden Polier und L.________, Geschäftsführer der Arbeitgeberin, verneinten eine Bewusstlosigkeit. Die beiden Letzteren gaben im Bericht vom 2. März 1998 an, der Versicherte sei sicher nicht bewusstlos, sondern einen Moment geschockt und etwas bleich gewesen. Er habe sich ca. zehn Minuten im Büro ausgeruht, danach gesagt, dass es ihm gut ginge, und hernach den ganzen Tag uneingeschränkt gearbeitet. Selbst wenn aber ein mildes Schädel-Hirntrauma stattgefunden hätte, könnte der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten, da, wie aus den nachfolgenden Erwägungen hervorgeht, die psychische Problematik eindeutig im Vordergrund steht. In diesem Zusammenhang ist denn auch darauf hinzuweisen, dass Frau Prof. Dr. med. J.________ am 11. September 1998 ebenfalls auf die im Vordergrund stehende psychoreaktive Problematik hinwies und ausführte, diese bilde wahrscheinlich den Hauptgrund für die Schwierigkeiten des Versicherten. 2.2 Bereits im Bericht vom 17. Januar 1998 führte Frau Dr. med. W.________ aus, angesichts der Tatsache, dass das MRI des Schädels normal sei, müsse man annehmen, dass es sich bei den beschriebenen Beschwerden (Gehstörungen, Fastsynkopen, Augendruck mit Augentränen, zunehmendes Kopfweh) um eine vegetative Symptomatik mit allfälliger psychischer Überlagerung handle. Gemäss Bericht des Dr. med. Z.________ vom 21. Juli 1998 lag eine schwerste, psychisch massiv überlagerte Chronifizierung der initialen Nackensymptomatik vor. Im psychosomatischen Konsilium der Klinik X.________ vom 28. August 1998 wurde eine depressive Episode (ICD-10 F32.11) mit schlechter Prognose festgestellt. Der Psychiater Dr. med. V.________, bei dem der Versicherte seit 13. April 1999 in Behandlung war, diagnostizierte am 26. Oktober 1999 eine reaktive Depression bei erheblicher sozialer Problematik (ICD-10 F31.2), eine Somatisierungsstörung/somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.0/F45.4) und eine Neurasthenie (ICD-10 F48.0). Das Spital Y.________ stellte schliesslich im psychiatrischen Gutachten vom 19. Juli 2001 die Diagnose eines mittelgradigen bis schweren depressiven Zustandes (ICD-10 F32.2) bei einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), denen ein erheblicher Krankheitswert zukomme. Nach dem Unfall vom 17. Oktober 1997 mit HWS-Distorsionstrauma hätten somatische Befunde vorgelegen, welche die anfänglichen Beschwerden hinreichend erklärt hätten. Danach hätten sich die Beschwerden (in erster Linie Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen, Schwindel, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen) trotz Physiotherapie und Hospitalisation chronifiziert und teilweise verschlechtert. Weiter habe sich ein depressives Zustandsbild entwickelt, welches das heutige Leiden dominiere und sich mit den somatischen Symptomen zum Teil überlagere und vermische. Diese depressive Entwicklung sei eine Fehlanpassung an die erlittenen Verletzungen. Hieraus ergibt sich, dass die physischen Beschwerden, die nicht auf eine somatisch nachweisbare Ursache zurückgeführt werden können, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik bis zum Beurteilungszeitpunkt ganz in den Hintergrund getreten sind, weshalb die Adäquanzbeurteilung gemäss der für psychische Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Rechtsprechung (BGE 115 V 133 ff.) zu erfolgen hat.