Citation: 8C_194/2024 E. 4.1

4.1. Die Vorinstanz stellte in diesem Zusammenhang fest, die Beschwerdeführerin habe im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit vom 15. Juli 2016 erklärt, sie wäre aus persönlichen und finanziellen Gründen im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig. Die Betreuung ihres damals einjährigen Sohnes hätte sie extern organisiert. Dem Abklärungsbericht Haushalt vom 3. August 2016 sei weiter zu entnehmen, dass die Versicherte als gesunde Person ihre Lehre als Pflegeassistentin beendet und anschliessend in diesem Beruf vollzeitlich gearbeitet hätte. Daran hätte ihre Mutterschaft nichts geändert. Die Beschwerdeführerin habe auch im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit vom 4. Mai 2022 daran festgehalten, dass sie im Gesundheitsfall eine Vollzeitarbeit ausüben und die Betreuung ihres Sohnes extern organisieren würde. Diesen Aussagen der Beschwerdeführerin (der ersten Stunde) mass das Kantonsgericht mit Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. Urteil 8C_247/2021 vom 21. Dezember 2021 E. 5.3 mit Hinweisen) keine entscheidende Bedeutung zu, da die Versicherte ihre Berufsausbildung abgebrochen habe und in der Folge praktisch keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Mithin liege keine Erwerbsbiografie vor, die Rückschlüsse auf die hypothetische erwerbliche Betätigung im Gesundheitsfall zuliessen. Die Vorinstanz hielt weiter fest, die Versicherte verfüge nach Aktenlage seit Jahren über kein Vermögen und erziele auch kein Einkommen, weshalb sie von der Sozialhilfe finanziell unterstützt werde. Zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses im April 2023 sei sie alleinerziehende Mutter eines 8-jährigen Sohnes gewesen. Inwiefern der Kindsvater seiner finanziellen Unterhaltspflicht seit der Trennung im Dezember 2022 nachkomme, sei unklar. Es stehe jedoch fest, dass die bei der ersten Trennung vom Vater ihres Sohnes geleisteten Alimente für den Lebensunterhalt nicht ausgereicht hätten. Die Versicherte hätte deshalb als gesunde Person unbestrittenermassen aus finanziellen Gründen eine Erwerbstätigkeit ausüben müssen. Die Vorinstanz liess sich im Rahmen ihrer Beweiswürdigung sodann von statistischen Überlegungen leiten. Demnach würden alleinstehende Mütter eines minderjährigen Kindes zu 86,2 % einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen (Bundesamt für Statistik: Erwerbsquote nach Geschlecht und Familiensituation 2022, Personen im Alter von 25-54 Jahren, alleinstehende Mütter, jüngstes Kind unter 25 Jahren). Die Vorinstanz erachtete es bei dieser Sachlage als schwer vorstellbar, dass die Versicherte als gesunde Person voll erwerbstätig gewesen wäre. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin gegenüber der Gerichtsgutachterin geäussert habe, sie würde am liebsten nur von der Sozialhilfe leben. Daraus sei zu schliessen, dass sie auch im Gesundheitsfall nicht unbedingt bestrebt gewesen wäre, unabhängig von der Sozialhilfe zu leben. Auch das Verhalten während des Anstellungsverhältnisses bei der E.________ GmbH von Mai 2012 bis Februar 2013 lasse folgern, dass die Beschwerdeführerin als gesunde Person nicht genügend motiviert wäre, ein 100 %-Arbeitspensum auszuüben. Zwar sei anzunehmen, dass sie damals bereits in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sei. Die Einschränkung sei aber nicht derart gewesen, dass sie gar keine Arbeiten hätte ausführen können, ansonsten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden wäre. Weiter sei zu berücksichtigen, dass die Versicherte gemäss der Gerichtsgutachterin das vorhandene Potenzial nicht ausschöpfe. Sie weise - so Dr. med. D.________ - kindlich-unreife Züge auf, die nicht Ausdruck einer strukturellen Unreife und somit nicht krankheitsbedingt seien, sondern aus einer Überbehütung durch das soziale Umfeld resultierten. In der Gesamtschau dieser Umstände kam das Kantonsgericht zum Schluss, es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachginge. Vielmehr sei anzunehmen, dass sie als Gesunde eine Teilzeitarbeit ausüben würde, weshalb die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung zur Anwendung komme.