Citation: 6B_523/2024 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz gibt zunächst den bisherigen Vollzugsverlauf des Beschwerdeführers und die massgebenden Einschätzungen in Berichten sowie Stellungnahmen zusammengefasst wieder (Beschluss S. 14 ff., 22 ff.). Weiter äussert sie sich zu den verschiedenen psychiatrischen Gutachten (Gutachten von Dr. med. C.________ vom 17. Juni 2010 [nachfolgend: Gutachten C.________], Gutachten vom 5. April 2018 und Ergänzungsgutachten vom 31. Dezember 2020 von Dr. med. D.________ [nachfolgend: Gutachten bzw. Ergänzungsgutachten D.________] und Gutachten B.________), die betreffend den Beschwerdeführer erstellt wurden, und hält deren Einschätzungen zusammenfassend fest (Beschluss S. 24 ff.). In der Folge prüft sie, ob die Voraussetzungen für eine (nachträgliche) Anordnung der Verwahrung gegeben seien: Sie legt dar, dass die Anlasstat, mehrmaliger Oralverkehr des Beschwerdeführers mit einem 15-jährigen Jugendlichen, das hinsichtlich ihrer Schwere und Intensität erforderliche Mindestmass im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB erreicht. Hinsichtlich der schweren psychischen Störung stellt die Vorinstanz gestützt auf die zahlreichen und in den wesentlichen Punkten identischen gutachterlichen Einschätzungen fest, dass beim Beschwerdeführer zweifelsfrei verschiedene psychische Erkrankungen vorlägen, die durch das ICD-10 erfasst würden und als psychische Störungen im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB zu qualifizieren seien. Angesichts des mehrfach zweifelsfrei gutachterlich festgestellten Zusammenhangs zwischen den psychischen Störungen des Beschwerdeführers und den von ihm verübten Sexualdelikten sei davon auszugehen, dass sein psychosoziales Funktionsniveau in Bezug auf seine sexuelle Delinquenz stark eingeschränkt sei. Die starke Konnexität zwischen den psychischen Störungen und den Anlasstaten erscheine derart ausgeprägt, dass sie die Anlasstaten gleichsam als Symptom der beim Beschwerdeführer vorliegenden psychischen Störungen und diese klar als vorherrschende Ursache der Delinquenz des Beschwerdeführers erscheinen lasse. Somit sei festzuhalten, dass beim Beschwerdeführer eine psychische Störung bzw. mehrere psychische Störungen von erheblicher Schwere bestünden, mit welchen die Anlasstaten in einem ausgeprägten Zusammenhang stünden. Betreffend Rückfallgefahr hält die Vorinstanz zusammenfassend fest, alle drei Gutachter attestierten dem Beschwerdeführer anhand der einschlägigen Prognoseinstrumente und unter Berücksichtigung zahlreicher weiterer Faktoren ein hohes bzw. zuletzt überdurchschnittliches Rückfallrisiko für erneute Sexualdelikte an Kindern. Dieses Ergebnis decke sich mit den Einschätzungen zum Rückfallrisiko in den Behandlungsberichten, Stellungnahmen und Risikoabklärungen von Fachpersonen. Angesichts dieser zahlreichen Einschätzungen sei beim Beschwerdeführer mittel- bis langfristig von einem überdurchschnittlich hohen Risiko für die Begehung erneuter Sexualstraftaten an Kindern auszugehen. Zuletzt sei das Rückfallrisiko aufgrund der Einordnung des Beschwerdeführers durch den Sachverständigen B.________ in die zweithöchste Risikokategorie als überdurchschnittlich hoch eingestuft worden. Relevante Veränderungen bzw. Senkungen des Rückfallrisikos seien angesichts dieser Einschätzung nicht zu erwarten. In den letzten Jahren sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die Legalprognose betreffend das Anlassdelikt sowie der übrigen Delinquenz massgeblich zu beeinflussen. Folglich liege die für eine Verwahrung vorausgesetzte hohe Rückfallwahrscheinlichkeit beim Beschwerdeführer vor. Die Vorinstanz prüft in der Folge die Frage der (Un-) Therapierbarkeit des Beschwerdeführers und setzt sich dabei erneut ausführlich mit dessen Kritik an den verschiedenen Gutachten auseinander. Sie gelangt zum Schluss, die Akten, insbesondere die Gutachten, die Berichte und Stellungnahmen, wiesen darauf hin, dass sämtliche Therapiebemühungen gescheitert seien und eine erneute stationäre Massnahme als aussichtslos erscheine. Damit sei vorliegend unter Berücksichtigung der deutlichen gutachterlichen Einschätzungen und der vorangegangenen langjährigen Therapiebemühungen insgesamt von einer ausgewiesenen langfristigen Untherapierbarkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung hält die Vorinstanz zusammengefasst fest, die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme als milderes Mittel sei ausgeschlossen. Der Eingriff in die Freiheitsrechte des Beschwerdeführers wiege angesichts der ausgesprochenen Strafe und seines bisherigen Straf- und Massnahmenvollzugs schwer. Obwohl innerhalb des Spektrums möglicher sexueller Handlungen mit Kindern noch deutlich schwerere Verfehlungen denkbar seien, ändere dies nichts daran, dass die Anlasstaten schwer wögen. Beim Beschwerdeführer bestehe ein hohes bzw. gar ein überdurchschnittliches Rückfallrisiko für erneute Straftaten in der Art der abgeurteilten, mithin drohten erneute Hands-On-Sexualdelikte gegenüber Kindern als besonders wehr- und schutzlose Personen. Diese drohenden Delikte seien als besonders schwer einzustufen und geeignet, das hochwertige Rechtsgut der ungestörten sexuellen Entwicklung von Kindern schwer zu beeinträchtigen, was es zu verhindern gelte. Damit überwiege das Anliegen der Öffentlichkeit am Schutz des hochwertigen Rechtsguts der ungestörten (sexuellen) Entwicklung von Kindern das entgegenstehende Freiheitsinteresse des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz gelangt zum Schluss, dass die Voraussetzungen für die Anordnung der Verwahrung gestützt auf Art. 62c Abs. 4 i. V. m. Art. 64 Abs. 1 StGB gegeben sind (Beschluss S. 31 ff.).