Citation: 1A.177/2001 20.11.2001 E. 4

4.- a) Von den Behörden des ersuchenden Staates kann nicht verlangt werden, dass sie den Sachverhalt, der Gegenstand des hängigen Strafverfahrens bildet, lückenlos und völlig widerspruchsfrei darstellen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck des Rechtshilfeverfahrens unvereinbar, ersucht doch ein Staat einen andern gerade deswegen um Unterstützung, damit er die bisher im Dunkeln gebliebenen Punkte klären kann. Es reicht daher unter dem Gesichtspunkt des hier massgebenden Art. 12 Ziff. 2 lit. b EAUe aus, wenn die Angaben im Rechtshilfeersuchen sowie in dessen allfälligen Ergänzungen und Beilagen den schweizerischen Behörden ermöglichen zu prüfen, ob ausreichende Anhaltspunkte für eine auslieferungsfähige Straftat vorliegen, ob Verweigerungsgründe gegeben sind bzw. in welchem Umfang dem Begehren allenfalls entsprochen werden muss. Es kann auch nicht verlangt werden, dass die ersuchende Behörde die Tatvorwürfe bereits abschliessend mit Beweisen belegt. Die ersuchte Behörde hat weder Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vorzunehmen, sondern ist vielmehr an die Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet wird (vgl. BGE 125 II 250 E. 5b S. 257; 122 II 134 E. 7b S. 137, 367 E. 2c S. 371, 422 E. 3c S. 431; 120 Ib 251 E. 5c S. 255; 118 Ib 111 E. 5b S. 121 f.; 117 Ib 64 E. 5c S. 88, je mit Hinweisen). b) Der Beschwerdeführer bestreitet die Sachdarstellung des Auslieferungsbegehrens. Insbesondere macht er geltend, das Ersuchen stütze sich auf eine unzutreffende bzw. unzulässige Beweiswürdigung. Es lägen keine Beweise vor, namentlich keine Urkunden, welche die gegen ihn erhobenen Vorwürfe belegen würden. In beweisrechtlicher Hinsicht habe die ersuchende Behörde von ihm Aufschluss darüber verlangt, inwieweit "das Geld tatsächlich in Projekte investiert werden sollte". Dies sei unzulässig, da es vielmehr Sache der Untersuchungsbehörden sei, ihm eine strafbare Handlung nachzuweisen. c) Soweit der Beschwerdeführer nicht darlegt, inwiefern die Sachverhaltsdarstellung des Ersuchens offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche enthält, welche den dargelegten Tatverdacht sofort entkräften, sind seine Vorbringen unbehelflich. Der Rechtshilferichter hat grundsätzlich keine Beweiswürdigung vorzunehmen und auch keine selbstständigen Beweisvorkehren zu treffen. Dies ist - im Falle einer Anklageerhebung - vielmehr Aufgabe des erkennenden Strafrichters. Die Behörden des ersuchten Staates sind an die Sachdarstellung im Auslieferungsbegehren gebunden, soweit diese nicht offensichtlich fehlerhaft erscheint. Weder das EAUe noch das IRSG verlangen als Auslieferungsvoraussetzung, dass der ersuchende Staat bereits im Rechtshilfeverfahren die Beweise für eine allfällige strafbare Handlung vorlegt. Ebenso wenig ist ein Auslieferungshindernis in den Darlegungen der ersuchende Behörde erkennbar, wonach ungeklärt sei, wohin die anvertrauten Anlagegelder geflossen seien, und der Beschwerdeführer darüber keine Rechenschaft abgelegt habe. d) Die Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei nicht aus Grossbritannien geflüchtet, er habe den Anleger M.________ erst Anfang 1997 kennen gelernt, von einer Investorengruppe bzw. einem Anlegerkonsortium sei ihm nichts bekannt gewesen, bei K.________ habe es sich nicht um einen Gesellschafter bzw. Geschäftspartner gehandelt, und er habe keine Kenntnis von den im Ersuchen dargelegten Vorgängen gehabt, lässt dieses nicht als offensichtlich unrichtig oder lückenhaft erscheinen. Analoges gilt für die übrigen Bestreitungen und Behauptungen des Beschwerdeführers. Aufgrund der Sachverhaltsdarstellung der ersuchenden Behörde (vgl. E. 2) liegen ausreichend konkrete Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten vor, welches nach schweizerischem Strafrecht unter den Tatbestand des Betruges (Art. 146 StGB) oder allenfalls der Veruntreuung (Art. 138 StGB) fallen könnte. Soweit sich die Vorwürfe der ersuchenden Behörde als zutreffend erweisen sollten, wäre insbesondere das Tatbestandsmerkmal der Arglist (in Form der sogenannten "manoeuvres frauduleuses") gegeben (vgl. BGE 122 II 422 E. 3a S. 426 - 429; 122 IV 197 E. 3d S. 205). Damit sind auch die Auslieferungsvoraussetzungen von Art. 2 Ziff. 1 EAUe erfüllt (vgl. E. 3c und E. 2h). Daran vermag auch der Einwand nichts zu ändern, dass die schweizerische Gesetzgebung (im Gegensatz zur britischen) den Tatbestand der "Verschwörung zum Betrug" nicht kenne (vgl. BGE 117 Ib 337 E. 4a S. 342). e) Aus der Kritik des Beschwerdeführers am Haftbefehl der britischen Behörden vom 7. Juni 2001 werden keine Auslieferungshindernisse erkennbar. Es kann diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden, mit denen sich die Beschwerde nicht auseinander setzt. Analoges gilt für die vom Beschwerdeführer verlangten besonderen Bedingungen und Auflagen für eine Auslieferung.