Citation: 6B_971/2018 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt zusammengefasst, der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt (vgl. vorstehend A) könne als vollumfänglich erstellt gelten und werde auch von der Beschwerdeführerin in objektiver Hinsicht nicht in Zweifel gezogen. Todesursache sei gemäss Gutachten des IRM "Verbluten in Folge schussbedingter Organverletzungen". Da der 1., 2. und 4. Schuss das Opfer im Oberkörper trafen und lebenswichtige Organe verletzten, der kausale Anteil der einzelnen Verletzungen jedoch nicht qualifiziert werden könne, sei in rechtlicher Hinsicht von kumulativer Kausalität dieser drei Schüsse als Todesursache auszugehen. Aufgrund der festgestellten Schusskanäle und der Tatrekonstruktion durch das Gutachten des forensischen Instituts könne entgegen der Einlassung der Beschwerdeführerin ausgeschlossen werden, dass der Verstorbene sich schnell auf sie zu bewegt habe oder gar auf sie losgestürmt sei. Mangels rechtsgenügender Gegenbeweise sei zu ihren Gunsten jedoch davon auszugehen, dass der Verstorbene versucht habe, sie zu packen und somit ein tätlicher Angriff vorgelegen habe. Die Beschwerdeführerin habe die Notwehrlage weder absichtlich provoziert noch sonstwie durch ein sozialethisch vorwerfbares Verhalten mitverschuldet, weshalb ihr Notwehrrecht unter diesem Aspekt nicht eingeschränkt gewesen sei. Allerdings habe sie erheblich dazu beigetragen, dass es überhaupt zur Situation mit tödlichem Ausgang gekommen sei, indem sie in Erwartung eines möglichen Angriffs die geladene Pistole in die Wohnung des Verstorbenen mitgenommen habe, woraus nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine besondere Verantwortung für den Schusswaffengebrauch zur Verteidigung erwachse. Unter diesen Umständen gereichten ihr sowohl die Anzahl der Schüsse als auch der Umstand, dass drei Schüsse auf den Oberkörper und somit gegen lebenswichtige Organe erfolgten, zum Verschulden. Der im Umgang mit Waffen geübten Beschwerdeführerin wäre eine qualitativ geringere und somit noch verhältnismässige Gegenwehr, d.h. zum Beispiel durch früheres Ziehen der Waffe, einen Warnschuss oder einen Schuss in das Bein, möglich gewesen. Im Lichte des vorerwähnten kausalen Verschuldens der Beschwerdeführerin und unter Berücksichtigung der Erwägungen des Bundesgerichts im Rückweisungsurteil habe sie sich in Bezug auf alle Schüsse (verstanden als natürliche Handlungseinheit) der vollendeten vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB in Überschreitung der Notwehr im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Es liege ein intensiver Notwehrexzess bezüglich aller Schüsse vor und kumulativ ein extensiver Notwehrexzess bezüglich der Schüsse 3-5, wobei diese aufgrund des engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhangs einem intensiven Notwehrexzess gleichkämen und folglich auch unter Art. 16 Abs. 1 StGB fielen. Dem dritten Schuss liege zudem eine Putativnotwehr zugrunde.