Citation: 7B_269/2022 E. 8.4

8.4. Gemäss der vom Bundesgericht in deutschsprachigen Urteilen verwendeten Formel betreffen Aufwendungen im Sinne von Art. 433 Abs. 1 StPO "in erster Linie die Anwaltskosten, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfahren selbst verursacht wurden und für die Wahrung der Interessen der Privatklägerschaft notwendig waren" (BGE 139 IV 102 E. 4.1; Urteile 6B_498/2021 vom 30. Mai 2022 E. 4.1; 6B_1232/2021 vom 27. Januar 2022 E. 3.3.5; 6B_460/2020 vom 10. März 2021 E. 10.3.2). Die entsprechende französischsprachige Formulierung lautet: "Les démarches doivent apparaître nécessaires et adéquates pour la défense du point de vue de la partie plaignante" (Urteile 6B_1333/2022 vom 2. Oktober 2023 E. 4.1; 6B_1299/2022 vom 12. Juli 2023 E. 6.1; 6B_284/2022 vom 16. November 2022 E. 5.1; 6B_249/2021 vom 13. September 2021 E. 6.2; 6B_565/2019 vom 12. Juni 2019 E. 6.1; 6B_47/2017 vom 13. Dezember 2017 E. 1.1, nicht publ. in: BGE 143 IV 495; je mit Hinweisen). Darüber hinaus finden sich in der Rechtsprechung vereinzelt weitere Kriterien für die Beurteilung des Entschädigungsanspruchs. Demnach liegen notwendige Aufwendungen im Sinne von Art. 433 Abs. 1 StPO vor, wenn die Privatklägerschaft wesentlich zur Abklärung einer Strafsache und Verurteilung des Täters beigetragen hat; bei komplexen, nicht leicht überschaubaren Straffällen, an deren gründlichen Untersuchung und gerichtlichen Beurteilung die Privatklägerschaft ein erhebliches Interesse hatte; oder wenn der Beizug eines Anwalts im Hinblick auf die sich stellenden, nicht einfachen rechtlichen Fragen gerechtfertigt erschien (Urteile 6B_741/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 7.2.2; 6B_226/2017 vom 10. Juli 2017 E. 4.3.1; je mit Hinweisen). Allerdings erscheinen Einschränkungen dieser Art in anderen bundesgerichtlichen Urteilen nicht (mehr). Stattdessen wird ohne vertiefte Auseinandersetzung mit der Problematik davon ausgegangen, dass die beschuldigte Person im Falle eines Schuldspruchs der Privatklägerschaft die Anwaltskosten im Grundsatz zu ersetzen hat (vgl. Urteile 6B_239/2022 vom 22. März 2023 E. 8; 6B_483/2020 vom 13. Oktober 2020 E. 3.2; 6B_1050/2018 vom 8. März 2019 E. 4.4.1; 6B_1200/2017 vom 4. Juni 2018 E. 5.5; 6B_524/2017 vom 22. November 2017 E. 2.2; 6B_981/2017 vom 7. Februar 2018 E. 4.3.3; 6B_423/2016 vom 26. Januar 2017 E. 2.4; 6B_818/2014 vom 8. April 2015 E. 4.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 132). Entsprechend befasste sich die Rechtsprechung in der Vergangenheit weitestgehend mit der Höhe der Parteientschädigung und nicht mit der Frage, ob der obsiegenden Privatklägerschaft eine solche überhaupt zusteht.