Citation: 9C_546/2017 E. 4.2.1

4.2.1. Im vorinstanzlichen Entscheid wurde erwogen, der Beschwerdegegner sei anfänglich in die Schweiz eingereist, um seine Tochter und deren Familie während dreier Monate zu besuchen, eine Zweitmeinung bezüglich seines Gesundheitszustands einzuholen und, worauf die Umstände hindeuteten (vgl. E. 3.2.1.2 hiervor), sich hier gegebenenfalls einer medizinischen Behandlung zu unterziehen. Für Letzteres spreche im Übrigen auch die Tatsache, dass der Beschwerdegegner schon seit Längerem um seine Krankheit gewusst habe und deshalb angenommen werden dürfe, dass ihm allfällige Behandlungsmethoden bereits vor der Einreise in die Schweiz bekannt gewesen seien. Höchstwahrscheinlich sei ihm auch schon in einem früheren Zeitpunkt bewusst gewesen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung bei einer chronisch myelomonozytären Leukämie stark verkürzt sei. Aus den Akten gehe zudem nicht hervor, dass er sich bereits in China habe behandeln lassen und er dort einer Krankenversicherung angeschlossen und gut versichert gewesen wäre. Falls der Beschwerdegegner mit der adäquaten Behandlung seit der Diagnosestellung tatsächlich mehr als ein Jahr zugewartet habe, um sich in der Schweiz erstmalig behandeln zu lassen, spräche dies ebenfalls dafür, dass die Einreise im Juli 2016 auch medizinisch begründet gewesen sei. Vor dem Hintergrund, dass in der Folge die Diagnose einer chronisch myelomonozytären Leukämie bestätigt und dem Beschwerdegegner keine allzu lange Lebensdauer mehr prognostiziert worden sei, erscheine es jedoch nachvollziehbar, wenn er sich, wie von ihm angeführt, spätestens in diesem Zeitpunkt dazu entschieden habe, die ihm verbleibende Lebenszeit bei seiner Tochter zu verbringen und hier samt seiner Ehefrau Wohnsitz zu begründen. Seine Aussage, für ihn sei zumindest ab September 2016 die nur noch sehr begrenzte Lebenserwartung und der damit zusammenhängende Wunsch, die restliche Zeitspanne noch mit seinen in der Schweiz wohnhaften Familienangehörigen zu verleben, ausschlaggebend für die Begründung des Wohnsitzes in der Schweiz und die Beantragung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs gewesen, müsse deshalb als glaubhaft eingestuft werden. Ferner spreche auch der Umstand, dass der Schwiegersohn die bisher angefallenen, nicht unerheblichen Behandlungskosten übernommen habe im Wissen, diese selbst bei rückwirkender Aufnahme des Schwiegervaters in die OKP per 1. September 2016 nicht bzw. nur teilweise zurückerstattet zu erhalten, für eine Wohnsitznahme, die nicht ausschliesslich zum Zwecke der ärztlichen Behandlung zu Lasten der OKP, sondern auch aus Gründen familiärer Unterstützung stattgefunden habe. In Abwägung der beiden Sachverhaltsdarstellungen habe - so das kantonale Gericht abschliessend - die medizinische Behandlung somit zwar durchaus eine entscheidwesentliche Ursache für die Begründung des Wohnsitzes in der Schweiz dargestellt. Als ebenso massgebend für diesen Entscheid sei indessen die Tatsache zu werten, dass der Beschwerdegegner schwer erkrankt sei, er gemäss ärztlicher Prognose nur noch über eine beschränkte Lebenszeit verfüge und diese möglichst intensiv im Kreis seiner in der Schweiz wohnenden Tochter und deren Familie verbringen wolle, zu der er bereits früher stets eine enge Beziehung gepflegt habe und die ihn u.a. auch finanziell unterstütze. Es bestünden folglich genügend Anknüpfungspunkte zur Schweiz, die eine Wohnsitzbegründung zu rechtfertigen vermöchten. Es sei daher davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner sich nicht ausschliesslich zu Behandlungszwecken hier aufhalte, weshalb die Ausschlussklausel von Art. 2 Abs. 1 lit. b KVV nicht zur Anwendung gelange und er rückwirkend per 1. September 2016 in die OKP aufzunehmen sei.