Citation: 5A_531/2023 E. 7

Nach dem in E. 3 Gesagten, gibt das widerrechtliche Verbringen des Kindes keinen Anlass zu weiteren Ausführungen. Indes steht sinngemäss der Ausschlussgrund von Art. 13 Abs. 1 lit. b HKÜ im Raum. Danach kann von der Rückführung eines Kindes abgesehen werden, wenn die Rückgabe mit der schwerwiegenden Gefahr eines körperlichen oder seelischen Schadens für das Kind verbunden ist oder das Kind auf andere Weise in eine unzumutbare Lage bringt. Nach allgemeiner Rechtsprechung ist der Begriff der schwerwiegenden Gefahr restriktiv auszulegen; sie ist beispielsweise gegeben bei einer Rückführung in ein Kriegs- oder Seuchengebiet oder wenn zu befürchten ist, dass das Kind nach der Rückgabe misshandelt oder missbraucht wird, ohne dass die Behörden rechtzeitig einschreiten würden (vgl. insb. Urteil 5A_229/2015 vom 30. April 2015 E. 6.1 m.w.H. auf die in- und ausländische Rechtsprechung). Hingegen sind im Rückführungsverfahren keine materiell-rechtlichen Fragen zu entscheiden, wie sie für die Zuteilung des Sorgerechts massgebend sind, namentlich bei welchem Elternteil oder in welchem Land das Kind besser aufgehoben oder welcher Elternteil zur Erziehung und Betreuung des Kindes besser geeignet wäre (BGE 131 III 334 E. 5.3; 133 III 146 E. 2.4); der Entscheid darüber ist nach dem Haager System dem Sachrichter des Herkunftsstaates vorbehalten (vgl. Art. 16 und 19 HKÜ), in welchem diesbezüglich denn auch ein Verfahren hängig ist. Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer in Bezug auf die kantonale Sachverhaltsfeststellung keine Willkür- oder andere Verfassungsrügen erhoben. Die Behauptung, wonach dem Kind unmittelbare Gefahren an Leib und Leben drohen könnten, hat das Obergericht als nicht glaubwürdig erachtet. Ergänzend zu den obergerichtlichen Ausführungen kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer selbst mit dem Kind im Gebiet, in welchem es sich nach der Rückführung wieder befinden wird, gelebt hat, ohne dass er sich im Zusammenhang mit dem behaupteten Drogenmilieu je an Behörden gewandt hätte. Gleiches gilt in Bezug auf den Gesundheitszustand des Kindes; abgesehen davon, dass ein Teil der Vorhalte ohnehin noch die Zeit des Zusammenlebens betrifft, hatte der Beschwerdeführer das Kind auch nach der Trennung an den Wochenenden in Obhut, ohne dass er sich je an Behörden gewandt und ein bedenkliches Verhalten der Mutter geltend gemacht hätte. Die Lebensumstände in U.________ hat die Mutter, was ebenfalls ergänzend festgehalten werden kann, bei der obergerichtlichen Anhörung dahingehend geschildert, dass sie mit C.________ und ihren weiteren elf- und fünfzehnjährigen Kindern in einem Haus lebe, dass ihre beiden Schwestern in separaten Häusern an der gleichen Strasse wohnen würden sowie dass sie in erster Linie von zuhause aus arbeite und bei ihrer weiteren Tätigkeit in einem Geschäft namens F.________ das Kind von ihrer Mutter (Grossmutter von C.________) betreut werde. Eigentliche Rechtsrügen im Zusammenhang mit Art. 13 Abs. 1 lit. b HKÜ erhebt der Beschwerdeführer nicht und ausgehend von der Sachverhaltsbasis des angefochtenen Entscheides, wonach keine Gefahren für das Kind glaubhaft gemacht wurden, ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die Voraussetzungen von Art. 13 Abs. 1 lit. b HKÜ gegeben sein könnten. Insbesondere vermöchten auch Überlegungen zu den späteren beruflichen Perspektiven sowie der religiösen Erziehung des Kindes - womit der (offenbar sehr religiöse) Vater bei der obergerichtlichen Anhörung das Verbringen in die Schweiz ebenfalls begründet hatte - typischerweise keinen Auschlussgrund zu begründen, denn es ginge hier um Faktoren, die bei der Zuteilung eines Kindes materiell eine Rolle spielen können, aber nicht um schwerwiegende Gefahren im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. b HKÜ. Damit bleibt es beim Grundsatz von Art. 12 Abs. 1 HKÜ, wonach das Kind in den Herkunftsstaat zurückzuführen ist. Das im Zeitpunkt des Verbringens rund eineinhalb Jahre alte Kind lebte im Herkunftsstaat nach der elterlichen Trennung überwiegend bei der Mutter, wurde aus dem betreffenden Betreuungsverhältnis widerrechtlich in die Schweiz entführt und wird nach der Rückführung wieder im angestammten mütterlichen Haushalt leben. Es kann somit der Status quo ante wiederhergestellt weden, welcher ein Kernelement des Haager Rückführungsübereinkommens ist (vgl. Art. 1 lit. a HKÜ; sodann insb. Urteil 5A_913/2010 vom 4. Februar 2011 E. 5.2 m.w.H.).