Citation: 6B_57/2024 E. 4.3.2

4.3.2. Die Vorinstanz begründet das Fehlen eines schweren persönlichen Härtefalls nicht hinreichend. Soweit sie diesbezüglich auf eine nicht ausreichende soziale Integration des Beschwerdeführers verweist, ist dies nicht stichhaltig. Dieser hält dagegen, ihm könne nicht angelastet werden, wenn er die wenige Freizeit, die ihm neben dem Betrieb seines eigenen Restaurants verbleibe, am liebsten mit seinen Kindern und seiner Ehefrau verbringe (Beschwerde Ziff. III.D.2. Rz. 108 S. 21). Die Argumentation verfängt. Seine Berufsausübung als Wirt eines Restaurants impliziert eine Vielzahl von sozialen Interaktionen, die über den kurdischen-türkischen Familienverband hinaus reichen. Allein aus dem Umstand, dass der (Vollzeit) berufstätige Beschwerdeführer die freie Zeit mit seiner Ehefrau und seinen Kindern verbringt und namentlich keiner Vereinstätigkeit nachgeht, kann nicht auf eine fehlende soziale Integration geschlossen werden (vgl. hierzu Urteil 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 E. 3.5.4). Hinzu kommt, dass sich auch hinsichtlich des Kindeswohls bzw. der Kinderbelange weitere Abklärungen aufdrängen. Die Vorinstanz begnügt sich zum einen damit, die Darstellung des Beschwerdeführers, wonach seinen Kindern türkisch bzw. kurdische Sprachkenntnisse fehlten, als unwahrscheinlich zu bezeichnen. Zum andern gelangt sie zur Überzeugung, es sei in Anbetracht deren Alters zum Urteilszeitpunkt von siebeneinhalb bzw. fünf Jahren ohnehin nicht mit Anpassungsschwierigkeiten im Heimatland der Eltern zu rechnen. Sie lässt dabei jedoch unberücksichtigt, dass der Landesverweisung stets der Vollzug der Freiheitsstrafe voraus geht (vgl. Art. 66c Abs. 2 StGB). Der Beschwerdeführer sieht sich aufgrund seiner Verurteilung wegen versuchter Tötung mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe konfrontiert, deren konkrete Höhe noch zu bestimmen ist (vgl. E. 3.5). Entscheidend ist demzufolge, ob sich seine beiden Kinder in einem (noch) anpassungsfähigen Alter befinden, wenn die Landesverweisung vollzogen wird, d.h. sobald er bedingt oder endgültig aus dem Strafvollzug entlassen wird, und ob ihnen sowie der Kindsmutter und Ehefrau dannzumal ohne Weiteres zuzumuten ist, ihm in sein Heimatland zu folgen. Die Vorinstanz wird folglich im Rahmen der Neubeurteilung den schweren persönlichen Härtefall vertieft zu prüfen haben. Sofern sie einen solchen in Anbetracht des langjährigen legalen Aufenthalts sowie der erfolgreichen wirtschaftlichen und sprachlichen Integration des Beschwerdeführers bejahen sollte, hat sie die sich widerstreitenden privaten und öffentlichen Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen, was bislang unterblieb: Die (bloss eventualiter) vorgenommene Interessenabwägung im angefochtenen Entscheid fällt kursorisch aus (vgl. Urteil E. V. Ziff. 47.3 S. 94 f. sowie vorstehend E. 4.3.1) und lässt die erforderliche eingehende Würdigung sowie Gewichtung aller massgeblichen Faktoren nicht erkennen. Abschliessend gilt es darauf hinzuweisen, dass das SEM den Vollzug der Landesverweisung gemäss ihrem Bericht vom 10. Februar 2023 gegenwärtig als nicht zulässig bewertet, ohne einen solchen in absehbarer Zukunft kategorisch auszuschliessen (vgl. kantonale Akten, pagina 2479). Anders als die Vorinstanz (vgl. E. V. Ziff. 47.4 S. 95 sowie vorstehend E. 4.3.1) beruft sich das SEM als Fachbehörde mit Blick auf etwaige Vollzugshindernisse jedoch nicht auf volatile bzw. fehlende stabile Verhältnisse im Heimatland des Beschwerdeführers. Es weist vielmehr darauf hin, dass die ihr eingeräumte Frist zu kurz bemessen war, um die erforderlichen Abklärungen vorzunehmen und eine fundierte abschliessende Beurteilung darüber abzugeben, ob die Voraussetzungen, die im Jahr 2011 zur Anerkennung des Beschwerdeführers als Flüchtling führten, nach wie vor erfüllt sind bzw. ob vorliegend ein Grund für einen Asylwiderruf vorliegt (vgl. wiederum kantonale Akten, pagina 2479). Die Vorinstanz wird sich folglich auch mit dieser Frage im Rahmen der Neubeurteilung eingehender befassen müssen. Ihr obliegt der Nachweis, dass einer allfälligen Landesverweisung keine definitiven Vollzugshindernisse (insbesondere völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz) entgegenstehen.