Citation: 2C_732/2021 E. 4.1

4.1. Gemäss Art. 43 Abs. 1 AIG haben ausländische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung oder Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (lit. a), eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b), sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (lit. c), sie sich an der am Wohnort gesprochenen Sprache verständigen können (lit. d) und die nachziehende Person keine jährlichen Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz vom 6. Oktober 2006 über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) bezieht oder wegen des Familiennachzugs beziehen könnte (lit. e). Mit der in Art. 43 Abs. 1 lit. a AIG verankerten Voraussetzung des gemeinsamen Zusammenwohnens soll gewährleistet werden, dass eine tatsächlich gelebte eheliche Beziehung und ein entsprechender Ehewille bestehen. Wohnt der nachzuziehende Ehegatte im Ausland, so ist das Kriterium des Zusammenwohnens grundsätzlich auf die Zukunft ausgerichtet auszulegen, da in einer solchen Konstellation das Zusammenwohnen in der Schweiz (noch) nicht möglich ist (vgl. Botschaft vom 8. März 2002 zum Ausländergesetz, BBl 2002 3753 Ziff. 1.3.7.5; Marc Spescha, in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N. 4 zu Art. 42 AIG). Mit dem in Art. 43 Abs. 1 lit. c AIG festgelegten Kriterium der Abwesenheit von Sozialhilfeabhängigkeit soll ferner sichergestellt werden, dass die finanzielle Selbständigkeit der Familie gewährleistet ist und eine zusätzliche Belastung der öffentlichen Wohlfahrt verhindert wird. Blosse finanzielle Bedenken genügen nicht und ebensowenig kann diesbezüglich auf Hypothesen und pauschalierte Gründe abgestellt werden (vgl. Urteil 2C_574/2018 vom 15. September 2020 E. 4.1 mit Hinweisen). Für die Beurteilung der Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit ist von den bisherigen und aktuellen Verhältnissen auszugehen und die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. In die Beurteilung ist nicht nur das Einkommen der hier anwesenheitsberechtigten Familienangehörigen, sondern die finanziellen Möglichkeiten aller Familienmitglieder miteinzubeziehen (vgl. BGE 139 I 330 E. 4.1; 122 II 1 E. 3c; Urteile 2C_502/2020 vom 4. Februar 2021 E. 5.1; 2C_35/2019 vom 15. September 2020 E. 4.1). Das Einkommen der Angehörigen, die an die Lebenshaltungskosten der Familie beitragen sollen und können, ist daran zu messen, ob und in welchem Umfang sich dieses grundsätzlich als tatsächlich realisierbar erweist. In diesem Sinne müssen die Erwerbsmöglichkeiten und das damit verbundene Einkommen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf mehr als nur kurze Frist hin gesichert erscheinen (vgl. Urteil 2C_309/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 5.5 und E. 6.1).