Citation: I 473/06 10.09.2007 E. 8.1

8.1.1 Die Vorinstanz hat erwogen, auf Grund des Verwandschaftsverhältnisses sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihrer Schwester die wöchentlichen Aufwendungen für eine Mahlzeit sowie die unterstützenden Gespräche zu vergüten habe. Da sie diese Leistungen der Schwester nicht einzukaufen habe, sei auch nicht einsichtig, weshalb der Aufwand dafür an die Betreuungszeit angerechnet werden solle. Im Übrigen werde der Versicherten das selbstständige Wohnen bereits durch die Unterstützung von Frau R.________ und Frau I.________ ermöglicht. Vor diesem Hintergrund sei nicht ersichtlich und werde auch nicht vorgebracht, inwiefern die Versicherte zur Ermöglichung des selbstständigen Wohnens noch der Gespräche mit ihrer Schwester bedürfe. 8.1.2 Die Versicherte macht geltend, sie gehe durchschnittlich einmal pro Woche zur Familie ihrer Schwester, die im gleichen Quartier wohne. Entweder gehe sie zu einem Brunch und verbringe dort jeweils die Zeit von ca. 11.15 bis 13.30 Uhr, oder der Besuch erfolge abends von 18.00 bis durchschnittlich 21.00 Uhr. In dieser Zeit würden selbstverständlich auch normale verwandschaftliche Beziehungen gepflegt, unter anderem mit Nichte und Neffe. Da aber bei jedem Besuch auch konzentrierte Gespräche über anstehende Alltagsprobleme geführt würden und ein Mehraufwand im Zusammenhang mit der Mahlzeit entstehe, habe sie einen durchschnittlichen Anteil von ca. 1 Std. pro Besuch für lebenspraktische Begleitung geltend gemacht. Bezüglich der Mahlzeitzubereitung komme es regelmässig vor, dass sie nicht in der Lage sei, Lebensmittel einzukaufen, da sie im Laden stehe und sich nicht entscheiden könne, was sie einkaufen solle. Es gebe Wochen, in denen dies täglich vorkomme, in besseren Wochen mehrmals pro Woche. Der Grund dafür seien eine Angststörung und Verdauungsprobleme, die bei ihr Ekelgefühle beim Anblick von Lebensmitteln auslösten. In diesem Sinne diene der wöchentliche Besuch bei der Schwester der Sicherstellung zumindest einer richtigen Mahlzeit. Irrelevant sei, dass sie die Unterstützung ihrer Schwester nicht zu vergüten habe. Würden die von der Schwester und ihrem Schwager wöchentlich erbrachten Leistungen berücksichtigt, so werde zusammen mit den unstrittig anerkannten 83 Min. (vgl. E. 6.1 und 7 hievor) die Zeitgrenze von 2 Std. mehr als erreicht. 8.2 Gemäss dem Abklärungsbericht an Ort und Stelle vom 8. Februar 2005 tragen auch die Besuche bei der Schwester massgebend dazu bei, dass die Beschwerdeführerin ihren Alltag weitgehend selbstständig bewältigen kann (E. 6.1 hievor). Nicht gefolgt werden kann dem vorinstanzlichen Argument, die Leistungen der Schwester der Versicherten seien wegen Kostenlosigkeit nicht zu berücksichtigen. Denn nach Art. 42 Abs. 3 IVG ist die Beeinträchtigung der Gesundheit das Kriterium, nach dem sich bestimmt, ob Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung auf Grund lebenspraktischer Begleitung besteht. Rz. 8053 KSIH bezieht sich auf dieses Kriterium, indem darin definiert wird, welche zeitliche Intensität die Begleitung gesundheitsbedingt mindestens aufweisen muss. Hingegen macht das Gesetz den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung nicht davon abhängig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt (vgl. erwähntes Urteil I 735/05, E. 5.3.2). Eine Unterstützung bei der Ernährung ist im Rahmen der lebenspraktischen Begleitung grundsätzlich zu berücksichtigen (Rz. 8050 KSIH; Urteil des Bundesgerichts I 661/05 vom 23. Juli 2007, E. 7.5.2; vgl. auch Rz. 8050 KSIH). Es wird Aufgabe des Arztes sein, zur Frage Stellung zu nehmen, ob die Versicherte gesundheitsbedingt zusätzlich darauf angewiesen ist, die Familie ihrer Schwester über das für Verwandtenbesuche übliche Mass hinaus zu besuchen, um die dargelegten Probleme zu bewältigen (E. 10 hienach). Hernach wird die IV-Stelle über die Berücksichtigung dieser Besuche im Rahmen der lebenspraktischen Begleitung zu befinden haben (vgl. auch erwähntes Urteil I 661/05, E. 7.5.2).