Citation: 6B_1427/2020 E. 6.6

6.6. Die Vorinstanz schliesst, ungeachtet der Tatsache, dass der Zweitgutachter die kombinierte Persönlichkeitsstörung zum heutigen Zeitpunkt im Grenzbereich der klinischen Relevanz verorte, sei auch gestützt auf seine Depositionen eine langandauernde und erhebliche psychische Störung im rechtlich relevanten Sinne nach Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB, beinhaltend zudem die Konnexität zur Anlasstat, zu bejahen. In der Gesamtbeurteilung folgt die Vorinstanz der erstinstanzlichen Beurteilung (Beschluss S. 52 f.). Die Vorinstanz weist die Auffassung des Beschwerdeführers zurück, dass nur dem Zweitgutachten zu folgen sei. Auch das Erstgutachten sei mindestens gleichermassen formal korrekt und inhaltlich differenziert, schlüssig, plausibel, nachvollziehbar und widerspruchsfrei erstellt worden. Das werde vom Zweitgutachter bestätigt. Sie nimmt an, liessen sich Widersprüche nicht befriedigend lösen, sei nach pflichtgemässem Ermessen (vgl. oben E. 5.2, 6.1-6.3) zu entscheiden, welche Erkenntnisse mehr überzeugen und somit massgebend seien (Beschluss S. 58). Beide Gutachter hätten in etwa die gleichen schlechten statistischen Werte ermittelt, welche grundsätzlich ein hohes Risiko für weitere schwere Gewaltstraftaten implizierten. Logisch überzeugend schliesse die Erstgutachterin daraus auf ein unvermindert sehr hohes Risiko für gewalttätiges Verhalten. Der Beschwerdeführer sei nach dem ersten Tötungsversuch 1997 einschlägig rückfällig geworden und habe seit der Anlasstat 2002 keine nennenswerten therapeutischen Fortschritte gemacht, er habe sich einer weiteren Therapie und staatlicher Kontrolle verweigert und habe sich unmittelbar nach seiner bedingten Entlassung im Dezember 2016 wieder im kriminellen Milieu aufgehalten sowie Alkohol und psychotrope Substanzen konsumiert, gleichermassen wie schon in den Jahren vor 1997 und 2002 (Beschluss S. 59 f.). Demgegenüber erachte der Zweitgutachter das Szenario 2 mit einer nicht hohen Gewaltbereitschaft als die wahrscheinlichste Variante, womit er im Ergebnis ein leicht positiveres Fazit ziehe. Als nicht unbesehen stringent erscheine, dass der Zweitgutachter sich verstärkt auf persönliche Angaben des Beschwerdeführers abgestützt habe, wonach dieser nach seiner Einlassung durchaus Bereitschaft zeigte, auf Gewalt zu verzichten, bzw. über ein Problembewusstsein hinsichtlich von Gewaltdelikten verfüge. Es werde nicht schlüssig dargelegt, wie aus den sehr schlechten statistischen Werten eine nicht mehr ganz so schlechte individuelle Prognose resultieren solle. Abgesehen davon habe der Zweitgutachter nicht verkannt, dass entweder bei einer sozialen Desintegration (Szenario 3a) oder einer stabilen Integration in ein gewaltbereites kriminelles Milieu (Szenario 3b) ein hohes Risiko für schwere Gewaltdelikte bestehe; diese Schwelle halte er aber für nicht erreicht, wenn auch die Entwicklung nach der bedingten Entlassung Grund zur Sorge gebe (soweit der Beschwerdeführer seine guten Beziehungen zu seiner früheren und zu seiner derzeitigen Lebenspartnerin und zu seinem Sohn behauptet, ist auf die S. 47, 50 und die abschliessende Beurteilung S. 64 des Beschlusses zu verweisen). Abrückend vom Zweitgutachten geht die Vorinstanz in Übereinstimmung mit der Erstinstanz davon aus, dass der Beschwerdeführer sich bereits wieder in grossen Schritten auf diese beiden Szenarien 3a und 3b zubewege bzw. dies im April 2017 vor seiner Anhaltung wieder erreicht habe. Es stehe zweifelsfrei fest, dass am 5. April 2017 bei seiner versuchten Anhaltung in seiner Wohnung Waffen und Munition sowie Kokain sichergestellt wurden und dass er bei seiner Festnahme in der Stadt Basel 49,4 g Kokain bei sich getragen hatte. Zudem habe eine Mobiltelefonauswertung Fotos von ihm und zwei wegen Betäubungsmitteldelikten registrierten Personen bei einem Rockertreffen ergeben. Diese Tatsachen könnten schlechterdings nicht anders gewertet werden, als dass er sich nicht einmal vier Monate nach seiner bedingten Entlassung wieder fest in das kriminelle Milieu integriert habe. Dabei handle es sich entgegen dem Beschwerdeführer keineswegs um blosse Verstösse gegen Bewährungsauflagen; genauso wenig könne sein Aufenthalt auf Sardinien als kriminoprotektives Projekt angesehen werden, sondern vielmehr als Flucht eines verurteilten Straftäters vor den Behörden. Hierin liege die eigentliche Schwäche des Zweitgutachtens (Beschluss S. 61 und 62 mit ausführlicher Darlegung der Beweislage). Die Vorinstanz geht abschliessend von einem klarerweise Erreichen oder zumindest einer weitreichenden Annäherung an die skizzierten Szenarien 3a und 3b aus. Es seien keine prognostisch entlastenden Faktoren von Relevanz vorgebracht worden oder ersichtlich. Damit müsse auch nach den Erkenntnissen des Zweitgutachters eine hohe Rückfallgefahr für schwere Gewaltstraftaten als evident erachtet werden (Beschluss S. 64 f.).