Citation: 5A_361/2022 E. 3.3.3

3.3.3. Die Beschwerdeführerin rügt, der angefochtene Entscheid verstosse gegen Art. 211 ZGB und das Willkürverbot (Art. 9 BV), indem das Obergericht den Ertragswert ihres Einzelunternehmens mit 10 % bewertet habe. Die Prozentzahl sei willkürlich. Der Ertragswert müsse vielmehr unberücksichtigt bleiben bzw. mit Fr. 0.-- bewertet werden, da das Unternehmen ausschliesslich von ihrer Person als freiberuflich tätige Kieferorthopädin geprägt sei. Die Patienten würden wegen ihrer persönlichen Arbeit, ihrer Persönlichkeit und ihres Know-How zu ihr in die Praxis kommen. Allein ihre Person bestimme den Wert des Einzelunternehmens. Da eine kieferorthopädische Behandlung ungefähr zwei Jahre dauere, wäre eine Übergabe des Patientenstamms an einen Nachfolger nur eng befristet möglich. Dabei wäre das Berufsgeheimnis zu wahren. Zudem behandle sie nur Kinder und Jugendliche, weshalb die Eltern eine Einwilligung zur Behandlung durch einen Nachfolger abgeben müssten. In der Praxis sei der Patientenstamm beim Verkauf von Kieferorthopädiepraxen nicht zu berücksichtigen, da die bestehenden Patienten regelmässig zu Ende behandelt würden und der Nachfolger mit dem Aufbau eines eigenen Patientenstamms beginne. Als wertvermindernder Faktor sei zudem zu berücksichtigen, dass die Geschäftsräumlichkeiten gemietet seien.