Citation: 1P.840/2005 06.01.2006 E. 2.4

2.4.1 Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bestraft (Art. 190 Abs. 1 StGB). Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt, wird, auf Antrag, mit Gefängnis oder mit Busse bestraft (Art. 180 Abs. 1 StGB). Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden, wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft (Art. 181 StGB). 2.4.2 Die Staatsanwältin hat in ihrem Antrag auf Abweisung des Haftentlassungsgesuchs und Verlängerung der Untersuchungshaft vom 4. November 2005 dargelegt, die Aussagen der Geschädigten seien kohärent und standhaft. Auch die bis zu diesem Zeitpunkt einvernommenen Zeugen hätten die strafrechtlich relevanten Nötigungselemente allesamt aus ihrer Warte bestätigt. So habe eine Kollegin die unablässigen Telefonanrufe des Beschwerdeführers an die Geschädigte und seine Begehren, stets mit dabei zu sein, bejaht, genauso wie die für die Geschädigte daraus resultierende Belastungssituation. Der Beschwerdeführer habe auch ihr, der Zeugin, gedroht, ihren Ehemann über ihr gemeinsames aussereheliches Verhältnis zu informieren. Der Ehemann der Geschädigten habe deren Wesensveränderungen seit etwa Herbst 2002 geschildert und ihr Bruder habe darüber berichtet, dass ihn die Geschädigte darum ersucht habe, sich beim Angeschuldigten zu melden und ihn aufzufordern, sie in Ruhe zu lassen. Die Ex-Freundin des Beschwerdeführers habe die Darstellung der Geschädigten bestätigt, wonach sie (die Ex-Freundin) die Geschädigte angerufen habe und dieser gesagt habe, sie solle dem Beschwerdeführer ausrichten, sie in Ruhe zu lassen (act. 13/6 S. 4). 2.4.3 Die Haftrichterin folgt dieser Argumentation. Sie stellt zusätzlich auf die Mobiltelefonrechnung der Geschädigten ab, aus welcher hervorgeht, dass unzählige SMS und Anrufe von der Geschädigten an den Beschwerdeführer gingen. Dass dies auch umgekehrt der Fall sei, werde von einer Zeugin - einer früheren Freundin der Geschädigten - bestätigt. Ebenso bestätige die Zeugin, dass die ständigen Anrufe des Beschwerdeführers der Geschädigten manchmal lästig gewesen seien (act. 13/3 S. 6 f.) und dass der Beschwerdeführer gedroht habe, den Ehemann zu informieren (act. 13/3 S. 7 und 10). Besonderen Wert legt die Haftrichterin auf die Aussagen des Bruders der Geschädigten, welchen diese um Hilfe gebeten habe. Gemäss dessen Schilderungen hatte seine Schwester ihm erklärt, sie leide unter Telefonterror und Belästigungen durch den Beschwerdeführer (act. 13/5 S. 3). Weiter sagte er aus, er sei offenbar die erste und einzige Person gewesen, welche seine Schwester eingeweiht habe (act. 13/5 S. 3). Er habe den Beschwerdeführer angerufen und ihm gesagt, er solle mit den Telefonattacken aufhören, sonst werde er, der Bruder, die Polizei informieren (act. 13/5 S. 4). Der Beschwerdeführer habe überhaupt nicht reagiert (act. 13/5 S. 5). Diese Feststellungen sind mit Blick auf die Akten nicht zu beanstanden. 2.5 Die Haftrichterin schliesst aus diesen Umständen, der dringende Tatverdacht bezüglich Drohung und Nötigung sei nach wie vor gegeben; er habe sich sogar erhärtet. Sei aber davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Geschädigte mit seinem Verhalten massiv unter Druck gesetzt habe - insbesondere im Wissen darum, dass die Geschädigte ihren Ehemann nicht informiert hatte und dass im Kulturkreis der Geschädigten aussereheliche Beziehungen absolut nicht toleriert werden -, sei die Annahme, die Geschädigte habe sich aufgrund des psychischen Drucks gegen sexuelle Kontakte nicht wehren können, ohne weiteres zulässig. Auch diese Schlussfolgerung beinhaltet keine Verfassungswidrigkeit. Insbesondere ist der Haftrichterin darin zuzustimmen, dass im Haftprüfungsverfahren keine umfassende Beweiswürdigung vorgenommen werden muss, selbst wenn der Beschwerdeführer gewisse Unstimmigkeiten aufzeigt. Es ist nicht Sache des Haftrichters, bereits im jetzigen Zeitpunkt zu entscheiden, ob die dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Straftatbestände auch tatsächlich erfüllt sind. Voraussetzung für die Anordnung respektive Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft ist der dringende Tatverdacht, welcher vorliegend - im Lichte der bundesgerichtlichen Kognition (E. 2.2 und 2.3 hiervor) - zu bejahen ist. Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers hat die Haftrichterin zu Recht festgehalten, der Tatverdacht habe sich im Verlaufe der Untersuchungen erhärtet, wurden doch bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vier Zeugeneinvernahmen durchgeführt (act. 13/3-13/6) und die Mobilfunkverbindungen zwischen dem Beschwerdeführer und der Geschädigten erhoben. Zudem wurde die Geschädigte mehrfach einvernommen (act. 12/1-12/5).