Citation: 4A_403/2022 E. 6.4

6.4. Die handelsgerichtliche Auslegung nach dem Vertrauensprinzip ist nicht zu beanstanden. Die Erwägungen der Vorinstanz überzeugen. Die dagegen erhobene Kritik der Beschwerdeführerin dringt nicht durch: Dies gilt zunächst, soweit sie dem Handelsgericht pauschal entgegenhält, dessen "falsche Auslegung" sei "konstruiert" und "stift[e] mehr Verwirrung, als eine vertretbare Würdigung zu präsentieren". In der Sache beharrt die Beschwerdeführerin darauf, dass einzig eine "Akontozahlung" von Fr. 100'000.-- ohne eine darüber hinausgehende Schadloshaltung vereinbart worden sei. Sie meint, der Vertragswortlaut sei insofern "klar" und bei einem "klaren Vertragswortlaut" erübrige sich eine Auslegung nach dem Vertrauensprinzip. Dies ist schon im Grundsatz nicht zutreffend (vgl. Urteil 4A_503/2020 vom 19. Januar 2021 E. 5.2 mit Hinweisen). Abgesehen davon ist nicht einzusehen, inwiefern der Vertragswortlaut "klar" zugunsten der von ihr vorgeschlagenen Auslegungsvariante sprechen sollte (einzig Sofortzahlung von Fr. 100'000.--), wird im Vertragstext doch ausdrücklich auf die "Endforderung" von Fr. 204'723.20 Bezug genommen, für welche die Beschwerdeführerin einstehen soll, sofern die D.________ GmbH ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen kann. Diese Formulierung ist entgegen der Beschwerdeführerin nicht "kryptisch", sondern stützt das vorinstanzliche Auslegungsergebnis. Im Übrigen - und auch insofern geht die Kritik der Beschwerdeführerin fehl - ist es zutreffend, wenn das Handelsgericht auf den vom Erklärenden verfolgten Regelungszweck abgestellt hat, wie ihn der Erklärungsempfänger in guten Treuen verstehen durfte und musste (BGE 140 III 391 E. 2.3). Ebenso ist dem Handelsgericht beizupflichten, wenn es das Verhalten der Parteien vor Vertragsabschluss und die Vertragsverhandlungen in seine Überlegungen miteinbezieht (BGE 144 III 43 E. 3.3). Zu Recht schliesst es etwa aus der schriftlichen vorvertraglichen Äusserung, die Beschwerdeführerin solle "bis vollständige kosten Deckung aus diesem Vertrag" haften, dass eine volle Schadloshaltung bezweckt war. Soweit die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit den für die Vertragsauslegung bedeutsamen Begleitumständen eine "gründlicher[e] Auseinandersetzung mit den Fakten" fordert, übergeht sie, dass sie damit das vorinstanzlich festgestellte Tatsachenfundament angreift, ohne aber Willkür zu rügen. Ihre diesbezüglichen Vorbringen sind unbehelflich (Erwägung 2.2 f.).