Citation: 1B_191/2021 E. 3.2

3.2. Das Bundesgericht hat sich im hängigen Strafverfahren mit der vom Beschwerdeführer ausgehenden Kollusionsgefahr bereits im Urteil 1B_411/2020 vom 27. August 2020 ausführlich auseinandergesetzt (a.a.O., E. 3.5). Im Folgenden sind die betreffenden Erwägungen in Erinnerung zu rufen und ist zu prüfen, ob sie vor dem Hintergrund der seitherigen Entwicklungen noch zutreffen oder nicht. Da sich die Strafuntersuchung gegen den Beschwerdeführer bereits damals in einem fortgeschrittenen Stadium befand, nahm das Bundesgericht in seinem Urteil vom 27. August 2020 eine zurückhaltende Beurteilung der Kollusionsgefahr vor. Es erwog, dass das Kerngeschehen, das heisst die Auseinandersetzung von der Ankunft bis zur Abfahrt des Beschwerdeführers, auf einer Videoaufnahme festgehalten sei. Sämtliche Aussagen, die diesen Zeitabschnitt betreffen, würden sich auf ihre Übereinstimmung mit der Aufnahme prüfen lassen. Allerdings sei auch der Kontext zu berücksichtigen. Diesbezüglich sei zwar zutreffend, dass der Beschwerdeführer bei der vorangehenden Streitigkeit im Clubinnern nicht anwesend gewesen sei. Bedeutsam sei dieser Zeitabschnitt jedoch insofern, als umstritten sei, was der Beschwerdeführer und sein Bruder am Telefon zueinander sagten. Gemäss der Darstellung des Beschwerdeführers solle er aufgrund des Hilferufs seines Bruders Anlass gehabt haben, um dessen Leben zu fürchten, während der Zeuge D.________ die Sache in deutlich weniger dramatischen Worten geschildert und insbesondere ausgesagt habe, B.A.________ habe den Beschwerdeführer gebeten zu kommen, er wolle sich nicht wegen dessen Geldes bzw. Problemen schlagen. Für die Beurteilung einer (rechtfertigenden oder entschuldbaren) Notwehr (Art. 15 f. StGB) und für die Strafzumessung (Art. 47 f. StGB) könne es eine entscheidende Bedeutung haben, welcher Aussage das Gericht mehr Glauben schenke. Es handle sich in dieser Hinsicht um eine "Aussage gegen Aussage"-Situation, die eine erneute Befragung durch das Sachgericht als wahrscheinlich erscheinen lasse (vgl. Art. 343 Abs. 3 StPO und BGE 140 IV 196 E. 4.4.2 f. S. 199 f. mit Hinweisen). Daran ändere nichts, dass auch die Videoaufnahme Rückschlüsse darauf erlauben dürfte, wie der Beschwerdeführer die Situation im Moment seines Eintreffens einschätzte. Hinzu komme, dass die beiden Männer, mit denen der Beschwerdeführer zum Tatort gefahren sei, bisher nicht hätten ermittelt werden können und ihre Aussage zur Beurteilung des gegenüber dem Beschwerdeführer erhobenen Tatvorwurfs möglicherweise bedeutsam sei. Sie könnten Auskunft darüber geben, weshalb sie mit dem Beschwerdeführer, der sie gemäss seinen eigenen Angaben nicht einmal näher kannte, mitfuhren und ob sie von ihm irgendwelche Anweisungen erhielten. Insgesamt reiche somit entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers das Vorliegen einer Videoaufnahme nicht aus, um Kollusionsgefahr zu verneinen, vielmehr bestünden mehrere Gründe, diese zu bejahen. Hinzu komme, so das Bundesgericht weiter, dass der Vorwurf schwer wiege, was objektiv gesehen einen erheblichen Anreiz schaffe, auf das Beweisergebnis Einfluss zu nehmen. Zudem offenbare das dem Beschwerdeführer vorgeworfene Vorgehen eine erhebliche Gewaltbereitschaft, was bei der Frage, ob er im Fall einer Freilassung versucht sein könnte, Zeugen und Auskunftspersonen einzuschüchtern oder auf andere Weise zu einem ihm günstigen Aussageverhalten zu bewegen, ebenfalls eine Rolle spiele. Der Umstand, dass die involvierten Personen, soweit sie bekannt seien, zum gleichen Kollegenkreis gehörten, würde eine solche Manipulation jedenfalls erleichtern. Einen klaren Hinweis darauf gebe die Desinteresse-Erklärung der Geschädigten. Dem Obergericht sei in dieser Hinsicht darin zuzustimmen, dass nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Geschädigten, die gemäss dem medizinischen Gutachter bei der Auseinandersetzung leicht hätten sterben können, nicht nur ihr Desinteresse an der Strafverfolgung erklärten, sondern darüber hinaus verharmlosend von "Tätlichkeiten" sprachen, die eine verständliche Reaktion der "Herren A.________" darstellten, da diese gereizt worden seien. Auffällig sei weiter die Schilderung des Geschehens durch den Zeugen E.________, die das Verhalten des Beschwerdeführers in ein überaus günstiges Licht stelle, aber mit der Videoaufnahme nicht vereinbar sei. Insgesamt überwogen aus diesen Gründen im Zeitpunkt der letzten bundesgerichtlichen Beurteilung der Inhaftierung des Beschwerdeführers die Aspekte, die für die Annahme von Kollusionsgefahr sprachen.