Citation: 2A.406/2004 01.10.2004 E. 2

2.1 Zweck des Familiennachzuges ist es, das Leben in der Familiengemeinschaft zu ermöglichen. Der Gesetzeswortlaut (Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG) verdeutlicht, dass die rechtliche Absicherung des Zusammenlebens der Gesamtfamilie angestrebt wird: Verlangt ist ausdrücklich, dass die Kinder mit ihren Eltern (Plural) zusammen wohnen werden. Auch die innere Systematik von Art. 17 Abs. 2 ANAG geht vom Zusammenleben mit Mutter und Vater aus. Die Nachzugsregelung ist mithin auf Familien zugeschnitten, in denen die (leiblichen) Eltern einen gemeinsamen ehelichen Haushalt führen (BGE 129 II 11 E. 3.1.1 S. 14, mit Hinweis). 2.2 Hinsichtlich der Anerkennung eines Anspruches auf nachträglichen Familiennachzug im Lichte von Art. 17 ANAG unterscheidet die bundesgerichtliche Rechtsprechung daher zwischen zusammenlebenden Eltern und getrennt lebenden Eltern (BGE 126 II 329 ff.). Nach der Rechtsprechung ist der nachträgliche Familiennachzug durch Eltern, die sich beide in der Schweiz niedergelassen haben und einen gemeinsamen ehelichen Haushalt führen, möglich, ohne dass besondere stichhaltige Gründe die beabsichtigte Änderung der Betreuungsverhältnisses rechtfertigen müssen. Innerhalb der allgemeinen Schranken von Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG ist somit der Nachzug von gemeinsamen Kindern grundsätzlich jederzeit zulässig, vorbehalten bleibt einzig das Rechtsmissbrauchsverbot (BGE 126 II 329 E. 3b S. 332). Die Praxis ist hingegen aufgrund der unterschiedlichen familiären Situation wesentlich restriktiver, wenn der nachträgliche Familiennachzug von Kindern getrennter bzw. geschiedener Eltern in Frage steht: bei einem Kind getrennt lebender Eltern führt der Umzug in die Schweiz - namentlich dann, wenn das Kind im Ausland vom andern Elternteil selbst betreut worden ist - nicht ohne weiteres zu einer engeren Einbindung in die Familiengemeinschaft. Es wird lediglich die Obhut eines Elternteils durch jene des anderen ersetzt, ohne dass die Familie als Ganzes näher zusammengeführt würde. In solchen Fällen setzt der nachträgliche Nachzug eines Kindes daher voraus, dass eine vorrangige Bindung des Kindes zum in der Schweiz lebenden Elternteil nachgewiesen ist und besondere stichhaltige familiäre Gründe, zum Beispiel eine Änderung der Betreuungsmöglichkeiten, dieses Vorgehen rechtfertigen (BGE 129 II 11 E. 3.1.3. S. 15, mit Hinweis). Solche Gründe dürfen nicht leichthin bejaht werden. Es gelten hohe Beweisanforderungen (BGE 124 II 361 E. 4c S. 370/371); an den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeiten im Heimatland sind - zumal es aus integrationspolitischer Sicht nicht erwünscht ist, dass Jugendliche erst kurz vor Erreichen der Altersgrenze in die Schweiz geholt werden (Urteil 2A.34/2002 vom 22. Mai 2002 E. 3.4) - umso höhere Anforderungen zu stellen, je älter das Kind bzw. je grösser die ihm in der Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten sind (BGE 129 II 11 E. 3.3.2 S. 16). 2.3 Der Beschwerdeführer ist im Jahre 1985 ohne seine drei Kinder, welche damals zwei Jahre (A.________), ein Jahr (B.________) und fünf Monate (C.________) alt waren, in die Schweiz übergesiedelt, wo er eine Schweizer Bürgerin heiratete. Seit seinem Wegzug hat der Beschwerdeführer die Betreuung der drei Kinder der Grossmutter väterlicherseits überlassen. Die leibliche Mutter hat die Kinder kurz nach der Geburt des jüngsten Sohnes verlassen. Der Beschwerdeführer verfügte von 1985 bis 1995 über eine Jahresaufenthaltsbewilligung und von 1995 bis zu seiner Einbürgerung am 18. Dezember 2001 über die Niederlassungsbewilligung. Nach Angaben des Beschwerdeführers sei nach seiner (ersten) Heirat ein Nachzug seiner ausserehelichen Kinder ausgeschlossen gewesen, da die schweizerische Ehefrau selber drei minderjährige Kinder mit in die Ehe gebracht habe. Nach seiner Scheidung im Jahre 1992 und seiner erneuten Heirat mit einer Landsmännin habe er versucht, mehrmals ein Familiennachzugsgesuch für seine Kinder einzureichen. Aufgrund fehlender Dokumente sei ihm dies jedoch nicht gelungen. Der Tod seiner zweiten Ehefrau im Jahre 1999 habe ihm schwer zu schaffen gemacht. Er habe damals seine ausserehelichen Kinder nicht in die Schweiz holen können, da er aufgrund seiner ganztägigen Erwerbstätigkeit nicht in der Lage gewesen sei, neben den drei aus der zweiten Ehe hervorgegangenen Kindern noch für seine weiteren Kinder zu sorgen. Erst nach der Heirat mit seiner heutigen Ehefrau im Frühjahr 2002 sei es möglich geworden, seine Kinder in die Schweiz nachzuziehen und die dazu notwendigen Dokumente zu beschaffen. 2.4 Besondere stichhaltige Gründe, welche den nachträglichen Familiennachzug rechtfertigen würden, liegen, wie das Rekursgericht zulässigerweise annehmen durfte, nicht vor. Dass die kantonalen Behörden die Argumentation des Beschwerdeführers, wonach seine früheren Bemühungen, seine Kinder in die Schweiz zu ziehen, immer wieder auf Grund der fehlenden Dokumente gescheitert seien, als nicht überzeugend und in sich widersprüchlich betrachteten, ist insofern vertretbar, als sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer zunächst als Grund für den späten Nachzug angab, dass er für seinen Sohn keinen Wechsel der Umgebung während dessen Grundschulausbildung, das heisst einen Übertritt in eine andere Schule, gewollt habe. Auch die Mutter des Beschwerdeführers und Grossmutter C.________s begründet in ihrer Erklärung vom 23. Juli 2002 die beabsichtigte Übersiedlung ihres Enkels damit, dass er nach Abschluss der Grundschule seine Ausbildung in der Schweiz fortsetzen möchte. Erst im Einspracheverfahren vor dem Migrationsamt des Kantons Aargau brachte der Beschwerdeführer vor, dass er mangels amtlicher Dokumente kein Familiennachzugsgesuch habe stellen können, ohne dies indessen zu belegen. Wenn die kantonalen Behörden die in der Einsprache erfolgte Begründung als nachgeschoben qualifizierten, erscheint dies als vertretbar, zumal nicht ersichtlich ist, weshalb der Beschwerdeführer die objektiven, ausserhalb seiner Person liegenden Gründe des späten Familiennachzuges nicht von Anfang an vorgebracht hat. Dabei durften die kantonalen Behörden berücksichtigen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, darzulegen, dass er seit seiner Einreise in die Schweiz alles Zumutbare unternommen hat, um den Nachzug seines Sohnes zu erlangen beziehungsweise die angeblich fehlenden Dokumente für ein Familiennachzugsgesuch zu besorgen. Die geschilderten Umstände sprechen in der Tat vielmehr dafür, dass der Beschwerdeführer - wie er ursprünglich erklärt hatte - den Sohn erst nachziehen wollte, nachdem er seine Schulausbildung in der Heimat beendet hatte. Damit durften die kantonalen Behörden zulässigerweise davon ausgehen, dass dem Familiennachzugsgesuch nicht familiäre sondern wirtschaftliche Motive zu Grunde lagen. Der Schluss des Rekursgerichtes, es sei keine Änderung der Betreuungsverhältnisse dargetan, welche den nachträglichen Nachzug des Sohnes rechtfertige, lässt sich weder sachverhaltsmässig noch in Bezug auf die rechtliche Würdigung beanstanden. Der Beschwerdeführer bringt zwar vor, die Grossmutter sei nicht mehr in der Lage, den Erziehungspflichten nachzukommen. Er hat indessen nicht dargetan und es finden sich auch in den Akten keine Anhaltspunkte, dass trotz gewisser dokumentierter gesundheitlicher Probleme (Herzbeschwerden und Kriegstraumata) der Grossmutter deren Gesundheit derart beeinträchtigt wäre, dass eine altersgerechte Betreuung C.________s nicht mehr gewährleistet werden könnte, sofern eine solche für den heute 19 ½ Jahre alten Sohn des Beschwerdeführers überhaupt noch erforderlich ist. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers bilden die im Alter von C.________ anstehenden schwierigen Entscheidungen hinsichtlich der weiteren persönlichen, schulischen und beruflichen Entwicklung keinen zwingenden Grund für eine Änderung der Betreuungsverhältnisse, zumal ihn seine nach wie vor in der Heimat lebenden älteren Geschwister und seine Grossmutter dabei unterstützen können und auch der Beschwerdeführer von der Schweiz aus seinen notwendigen Beitrag dazu leisten kann (vgl. BGE 124 II 361 E. 4b S. 370). Neu wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht, die Grossmutter lebe heute im Altersheim. Abgesehen davon, dass es sich dabei um ein grundsätzlich unzulässiges tatsächliches Novum handelt (Art. 105 Abs. 2 OG; vgl. BGE 125 II 217 E. 3a S. 221), belegt der Beschwerdeführer diese neue Behauptung nicht. Zudem ist der Sohn C.________ inzwischen volljährig geworden. Selbst der allenfalls kürzlich stattgefundene Umzug der Grossmutter ins Altersheim hätte somit nicht zur Folge, dass nunmehr eine Übersiedlung des Sohnes in die Schweiz notwenig würde. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass altersbedingte Hemmnisse für den Verbleib bei den Grosseltern in manchen Fällen tatsächlich bestehen mögen. Es handelt sich dabei um Schwierigkeiten, die der emigrierte Elternteil, der sein Kind - trotz voraussehbaren zeitlichen Schranken einer solchen Lösung - der Obhut der Grosseltern überlässt, letztlich von Anfang an in Kauf genommen hat (Urteil 2A.187/2002 vom 6. August 2002 E. 2.3). Vorliegend sind keine zwingenden Gründe ersichtlich, den Sohn des Beschwerdeführers aus seinem Heimatland, wo er seine gesamte Kindheit verbracht hat und sein soziales Netz hat, nachzuziehen und die bestehenden vorrangigen Beziehungen zur Grossmutter und zu seinen Geschwistern zu beeinträchtigen. Dass der Beschwerdeführer formell das Sorgerecht über den Sohn erhalten hat, kann entgegen seiner Auffassung nicht entscheidend sein, nachdem er die tatsächliche Betreuung bis heute nicht selber wahrgenommen hat. Ebenso wenig vermag der Umstand, dass sich C.________ bereits heute in der Heimat mittels Deutschkursen um eine Integration bemüht und die gesamte Familie gewillt ist, ihm einen guten Einstieg in ein neues Leben in der Schweiz zu bieten, die für den Familiennachzug zu erfüllenden Voraussetzungen weder zu begründen noch zu beeinflussen und lässt insbesondere den angefochtenen Entscheid nicht als unverhältnismässig erscheinen. 2.5 Zusammenfassend haben die kantonalen Behörden mit der Ablehnung des Gesuchs um Nachzug des Sohnes C.________ kein Bundesrecht verletzt.