Citation: U 379/00 20.09.2001 E. 5

5.- a) In der Unfallmeldung vom 3. Juni 1996 wurde das Unfallereignis vom 4. Mai 1996 wie folgt umrissen: «In Türkante gerannt und Kopf angeschlagen». Das Arztzeugnis von Dr. C.________ vom 26. Juni 1996 enthielt in Ziff. 2 als Angabe der Patientin: «Pt. ist zu Hause in zurückschnellende Türe hineingerannt und hat sich dabei den Kopf und Nacken eingestaucht». Dr. M.________ wies in seiner Mitteilung vom 19. Dezember 1996 auf «ein etwas unklares Unfallereignis» hin. Angeblich sei die Patientin «in einen Türrahmen gerannt». Anstelle der Versicherten, die am 30. Juli 1996 vom Versicherer nach dem genauen Unfallhergang befragt wurde, meldete sich deren Ehemann telefonisch beim Versicherer und erklärte laut Aktennotiz vom 6. August 1996: «Türe halb offen. In normalem Schritttempo in die Türe gelaufen». Letztere Aussage wurde im Verlaufe des Verfahrens nie bestritten und ist daher bei der Würdigung des Unfallherganges zu berücksichtigen. b) Im Gebiet der Deutschen Schweiz bestehen beim Gebrauch der Schriftsprache gewisse sprachliche Schwierigkeiten, wenn es darum geht, den Vorgang des Gehens und des Laufens auszudrücken. Es wird oft der Ausdruck des Laufens verwendet (z.B. wir sind in der Stadt umhergelaufen), wo jener des Gehens oder des Spazierens oder Ähnliches zutreffender wäre. Der Ausdruck Rennen wird hingegen allgemein klar von Gehen oder Laufen unterschieden. Wenn daher in den angeführten Aktenstücken davon die Rede ist, die Patientin oder Versicherte sei in eine Türe oder Türkante oder in den Türrahmen gerannt, so liegt dieser Ausdrucksweise eine Übertreibung zugrunde. Vielmehr ist, wie der Ehegatte der Beschwerdeführerin telefonisch erklärte, davon auszugehen, dass diese, in normalem Schritttempo gehend, den Kopf an einer Türe, an einer Türkante oder am Türrahmen angeschlagen hat. c) Ob die Beschwerdeführerin sich dabei einen blutenden Riss quer über die Nase zugezogenen hat, wie sie in ihrem Schreiben vom 9. Januar 1997 an den Versicherer erstmals ausführte, obgleich der zuerst konsultierte Arzt Dr. C.________ weder in seinem Zeugnis vom 26. Juni 1996 noch in seiner Antwort auf die Frage des Versicherers nach Befunden, die auf das Unfallereignis zurückzuführen seien, eine solche äusserlich wahrnehmbare Verletzung erwähnte, kann dahingestellt bleiben. Sicher ist davon auszugehen, dass das Unfallereignis als leicht einzustufen ist. Dr. W.________ vom Spital X.________ spricht im Bericht vom 31. März 1998 von einem «leichten» Trauma und Dr. V.________ in der Stellungnahme vom 27. März 1996 gar von einem «banalen» Ereignis. Die Kräfte, die - im Schritttempo gehend - beim Anschlagen des Kopfes an einer Türe, deren Kante oder deren Rahmen, auf die Halswirbelsäule einwirken konnten, waren entsprechend gering. Sollte es zu dem von der Beschwerdeführerin behaupteten Riss quer über die Nase gekommen sein, so hielt jedenfalls das Nasenbein dem Aufprall stand, wie dem MRI vom 15. Mai 1996 zu entnehmen ist. d) Der erstbehandelnde Arzt Dr. C.________ diagnostizierte ein HWS-Stauchungstrauma. Was er darunter versteht, erklärt er weder vom Begriff noch vom Unfallereignis her. Wie die Halswirbelsäule von jemandem, der, aufrecht schreitend, den Kopf mit der Nase voran an einem Gegenstand anschlägt, gestaucht werden soll, worunter wohl am ehesten ein Komprimieren oder Zusammendrücken zu verstehen ist, ist schwer vorstellbar. Bezeichnend ist denn auch, dass Dr. W.________ eine solche oder ähnliche Diagnose bezüglich des Unfalles vom 4. Mai 1996 in seinen umfangreichen Bericht vom 31. März 1998 nicht aufnimmt. Unter Diagnose vermerkt er lediglich: «St. n. Kopfanprall 04.05.1996». Die anamnestische Erwähnung eines «HWS-Schleudertraumas mit Kopfanprall Sommer 97» bezieht sich nicht auf den Unfall vom 4. Mai 1996, sondern den ihm von der Beschwerdeführerin geschilderten Unfall, den sie 1997 in den USA als Beifahrerin erlitten haben soll, der aber nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist. Da auch im Übrigen keiner der die Versicherte untersuchenden Ärzte im Zusammenhang mit dem Unfall vom 4. Mai 1996 die Diagnose eines Schleudertraumas der HWS, einer äquivalenten Verletzung oder eines Schädel-Hirntraumas stellt (- was mit dem dargelegten Unfallhergang ohnehin kaum zu vereinbaren wäre -), ist das Vorliegen einer derartigen Verletzung nicht rechtsgenüglich erstellt. Weitere medizinische Abklärungen, wie von der Beschwerdeführerin beantragt, vermögen an diesem Ergebnis nichts zu ändern, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis; SVR 2001 IV Nr. 10 Erw. 4b S. 28).