Citation: 5A_705/2022 E. 4.2

4.2. Was sodann das verlangte Obergutachten anbelangt, werden zwar Verfassungsrügen erhoben (Verletzung von Art. 9 und Art. 29 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Abs. 1 EMRK), insbesondere diejenige einer willkürlichen antizipierten Beweiswürdigung. Sie scheitern aber weitestgehend bereits daran, dass in Bezug auf das erstellte Gutachten keine tauglichen Rügen erhoben worden sind (dazu E. 3.1) und dieses damit nicht in Zweifel gezogen ist. Ferner ergibt sich eine willkürliche antizipierte Beweiswürdigung auch nicht aus der Behauptung der Beschwerdeführerin, ihre Hausärztin und ihr Naturarzt würden sie viel länger und näher kennen und könnten ihren Gesundheitszustand besser einschätzen als ein Gutachter. Im Rahmen der freien Beweiswürdigung gemäss Art. 157 ZPO konnte und durfte das Kantonsgericht deren Berichte mitberücksichtigen. Indes ist die Nähe zur Beschwerdeführerin offenkundig. Sodann ist an der kantonsgerichtlichen Erwägung, im Unterschied zum Gutachter würden weder die Hausärztin noch der Naturarzt über eine Spezialisierung im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie verfügen, nichts Willkürliches zu erkennen. Vor diesem Hintergrund sowie angesichts des in jeder Hinsicht nachvollziehbar begründeten Gutachtens und angesichts der weiteren Erwägung, die Schreiben der Hausärztin und des Naturarztes würden grösstenteils nur aus wenigen Zeilen bestehen und im Vergleich zum Gutachten ungenügend erscheinen, hatte das Kantonsgericht keinen Anlass, ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben, sondern es durfte willkürfrei zum Schluss kommen, dass ein solches am bisherigen Beweisergebnis einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit nichts ändern würde (zur antizipierten Beweiswürdigung vgl. BGE 140 I 285 E. 6.3.1; 144 II 427 E. 4.1.3; 147 IV 534 E. 2.5.1).