Citation: 8C_578/2009 01.02.2010 E. 5

5.1 Zunächst ist dazu festzuhalten, dass die zusammenfassenden Angaben des Dr. med. G.________ in hier relevanten Punkten nicht übereinstimmen mit denjenigen der behandelnden Ärzte. So geht aus dem Bericht des Dr. med. R.________, welchen der Versicherte am 1. Dezember 2000, somit am Tag nach dem Unfall, konsultiert hatte, ausdrücklich hervor, dass damals lediglich eine Druckdolenz an der Lendenwirbelsäule bestand, während Sensibilität und Kraft intakt waren. Erst am 4. Dezember 2000, als sich der Beschwerdeführer notfallmässig ins Spital X.________ begab, wurde eine Hypästhesie am Fuss und am lateralen Unterschenkel festgestellt. Dem Bericht der Frau Dr. med. E.________ vom 28. März 2001 lässt sich entnehmen, dass der Versicherte erstmals am 17. März 2000 in ihrer Gruppenpraxis wegen einer Lumbalgie behandelt worden war, dass er sich am 1. Dezember 2000 in ihrer Sprechstunde gemeldet habe und damals von ihrem Kollegen Dr. med. R.________ betreut worden sei und dass er sich seit dem 12. Dezember 2000 in ihrer Behandlung befinde. In ihrem Bericht vom 5. März 2001 hält sie ausdrücklich fest, dass sich erst Ende Dezember zunehmend neurologische Ausfälle gezeigt hätten, worauf eine Magnetresonanzuntersuchung veranlasst worden sei; diese fand am 5. Januar 2001 statt. Aus dem Operationsbericht vom 10. Januar 2001 über die durchgeführte mikrotechnische, bilaterale Fenestration L4/5 mit Diskektomie lässt sich nichts Genaueres schliessen. Frau Dr. med. L.________, Neurochirurgie FMH, führte die auch im Januar 2002 noch geklagten lumbalen Beschwerden auf die degenerativen Veränderungen im unteren LWS-Bereich zurück, wie sich ihrem gutachtlichen Bericht vom 4. Januar 2002 zuhanden der Invalidenversicherung entnehmen lässt. Damit steht fest, dass ein vertebrales oder radikuläres Syndrom nicht unverzüglich aufgetreten ist, was jedoch rechtsprechungsgemäss Voraussetzung wäre für die Annahme, dass die Diskushernien unfallbedingt sind. 5.2 Es wird weiter geltend gemacht, dass die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich eingetreten sei. Anlässlich einer Besprechung vom 14. März 2001 gab der Beschwerdeführer jedoch an, dass er nach dem Vorfall zum Mittagessen in ein Restaurant gegangen sei und anschliessend noch zwei weitere Kommissionen in Biel - wo sich auch der Unfall ereignet hat - und Neuenburg gemacht habe. Gemäss den weiteren Abklärungen des Unfallversicherers konnte der Beschwerdeführer noch arbeiten; der Vorgesetzte sprach sogar von mehreren Tagen, was indessen nicht anhand von Arbeitsrapporten verifiziert wurde. Den weiteren Zeugenbefragungen ist diesbezüglich nichts Zuverlässiges zu entnehmen. Der Beschwerdeführer räumt immerhin ein, dass er zwar keine Gewichte mehr habe heben können, jedoch noch beträchtliche Autostrecken zurückgelegt habe. 5.3 Das Unfallereignis selber wird erst vor- und letztinstanzlich recht dramatisch beschrieben. Der Versicherte habe vier Harrassen auf einem Sackkarren rückwärts auf einer Treppe heraufgezogen, welche gerade erneuert wurde, nur armiert und mit zwei Holzbrettern bedeckt gewesen sei. Als er fast oben angelangt sei, sei er ausgerutscht, habe mit Rücken und Kopf auf den Brettern aufgeschlagen und der Karren sei auf ihn gefallen. Mit dem Karren auf der Brust sei er die Bretter hinunter gerutscht. Dies widerspricht insofern den Akten, als in den anfänglichen Schilderungen nur von einem Sturz aufs Gesäss die Rede ist und in den ärztlichen Berichten auch keinerlei Verletzungen an der Brust erwähnt werden. Die Treppe wurde damals gemäss den Abklärungen des Unfallversicherers tatsächlich saniert, und wohl war darauf auch Baumaterial deponiert; indessen ist sie etwa 2m breit, sodass immer noch genügend Raum für den Harrassentransport bestand. 5.4 Damit sind die Voraussetzungen für die ausnahmsweise Annahme, dass die festgestellten Diskushernien durch das Unfallereignis vom 30. November 2000 verursacht worden seien, nicht erfüllt. 5.5 Ist die Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen (ASS 2006 2 S. 14, U 351/04 E. 3.4). Solange der Status quo sine vel ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer diesfalls gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil 8C_346/2008 vom 11. November 2008 E. 3.2.1). Nach derzeitigem medizinischen Wissensstand kann das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfällige richtunggebende Verschlimmerung röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben muss; eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten (Urteile U 60/02 vom 18. September 2002 E. 2.2 und 3.2 mit Hinweisen auch auf die medizinische Literatur, 8C_523/2009 vom 1. Oktober 2009 E. 2.2). Ein solcher Fall liegt hier vor, nachdem der Beschwerdeführer schon vor dem Unfall wegen einer Lumbalgie behandelt werden musste und die Diskushernien nach den rechtsprechungsgemäss zu prüfenden Kriterien nicht durch den Unfall verursacht wurden, sondern die Beschwerden gestützt auf das Gutachten der Frau Dr. med. L.________ auf degenerative Veränderungen zurückzuführen sind. Da den ärztlichen Berichten keine Hinweise auf eine richtunggebende Verschlimmerung zu entnehmen sind, ist es nicht zu beanstanden, dass die AXA ihre Taggeldleistungen per 31. Dezember 2002, somit mehr als zwei Jahre nach dem Unfall, eingestellt und den Anspruch auf eine Invalidenrente abgelehnt hat.