Citation: U 453/06 14.08.2007 E. 3

Unbestrittenermassen sind die Einschränkungen in der Beweglichkeit der linken Hand und der rechten Schulter unfallbedingt. Zu beurteilen ist jedoch, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführer trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen noch auszuüben imstande ist. Während Vorinstanz und Beschwerdegegnerin im Wesentlichen gestützt auf die - durch den RAD-Bericht vom 23. Mai 2005 bestätigte - kreisärztliche Beurteilung des Dr. med. B.________ vom 7. und 8. Juli 2004 davon ausgehen, dass die bisherige Beschäftigung als Sägereimitarbeiter zwar nicht mehr möglich ist, dem Versicherten aber leidensangepasste Fabrikarbeiten wie beispielsweise in der leichten industriellen Produktion ohne Verrichtungen über der Horizontalen und ohne Krafteinsatz der linken Hand ganztags bei vollem Rendement noch zugemutet werden können, verneint der Beschwerdeführer unter Berufung auf die Angaben der Dres. med. J.________ und R.________ sowie der BASTIV (vom 15. Mai 2006) jegliche Restarbeitsfähigkeit. 3.1 Die beteiligten Ärzte stimmen darin überein, dass insbesondere hinsichtlich der rechten Schulter eine erhebliche Funktionseinbusse besteht. Was deren Umfang anbelangt, hatte Prof. Dr. med. J.________ am 5. Mai 2004 (es handelte sich um die wortwörtliche Wiedergabe eines Berichtes vom 19. Juni 2002) gegenüber der Beschwerdegegnerin für den aktuellen Zeitpunkt - vorbehältlich des Untersuchungstages (vom 10. Juni 2002) - eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bescheinigt, wobei diese je nach gesundheitlicher Entwicklung allenfalls zu reevaluieren sei. Mit Bericht vom 27. Juli 2004 führte derselbe Arzt zuhanden der IV-Stelle aus, dass der Versicherte keine schweren Lasten mehr heben und tragen könne, theoretisch eine Tätigkeit "avec des charges diminuées" aber noch zumutbar sei. Die Chance einer erfolgreichen beruflichen Reintegration schätzte er auf Grund des Alters des Beschwerdeführers sowie dessen erwerbliche Fähigkeiten, welche sich in einer beinahe 40-jährigen Erfahrung als Mitarbeiter einer Sägerei erschöpften, indessen als gering ein. Der Kreisarzt Dr. med. B.________ untersuchte den Versicherten am 7. Juli 2004 und hielt in seinem abschliessenden Bericht vom 7. Juli 2004 (samt Stellungnahme vom 8. Juli 2004) fest, dass der Beschwerdeführer als Folge seiner linken Hand- und rechten Schulterbeschwerden nurmehr, wenn auch vollzeitlich und mit uneingeschränktem Rendement, eine leidensangepasste berufliche Beschäftigung ausüben könne, "de type industriel, sans port de charges lourdes et avec un plan de travail situé entre la ceinture et les épaules". Der RAD bestätigte diese Leistungsbeurteilung am 23. Mai 2005, indem er die als Sägereimitarbeiter attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit als mit den klinischen und radiologischen Befunden ausgewiesen erachtete. Die Behinderung durch Schmerzen und Einschränkung der Beweglichkeit lasse aber - so der RAD-Arzt im Weiteren - angepasste Tätigkeiten ohne erhebliche Leistungsverminderung zu, sodass die Einschätzung des SUVA Kreisarztes übernommen werden könne. Demgegenüber bescheinigte der Hausarzt Dr. med. R.________ dem Beschwerdeführer zufolge der gravierenden Unfallfolgen eine seit 1. August 2004 bestehende vollständige Unfähigkeit für jegliche erwerbliche Tätigkeit (Bericht vom 1. September 2004). 3.2 Nach der medizinischen Aktenlage lässt sich die vorinstanzliche Betrachtungsweise nicht beanstanden. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers ist im Rahmen der vorzunehmenden Gesamtwürdigung nicht die kreisärztliche Beurteilung als isoliert dastehend einzustufen, sondern vielmehr die Einschätzung des Dr. med. R.________, wonach der Versicherte über keinerlei erwerbliches Leistungsvermögen mehr verfüge. Soweit Prof. Dr. med. J.________ von einer rein theoretischen 100 %igen Arbeitsfähigkeit spricht, die sich im realen Erwerbsleben auf Grund der Faktoren Alter, bisherige Berufspraxis etc. jedoch kaum werde umsetzen lassen, ist darauf hinzuweisen, dass der im vorliegenden Zusammenhang massgebliche "ausgeglichene Arbeitsmarkt" ein abstrakter Begriff ist (vgl. E. 2.2.2 hievor), dessen konkrete Ausgestaltung im Einzelfall eben gerade nicht entscheidwesentlich ist. Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf zwar nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden; insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsgelegenheit in diesem Sinne gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherhein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des EVG U 156/04 vom 17. März 2005, E. 8.3 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend bestehen indessen, wie Dr. med. B.________ mit seinem noch möglichen Funktionsbeschrieb einlässlich dargelegt hat, durchaus Arbeitsstellen, die der Hand- und Schulterproblematik des Versicherten Rechnung tragen. Zu denken ist etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Bedienung und Überwachung von (halb-)automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur soweit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades gewährleistet ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (Urteile des EVG U 156/04 vom 17. März 2005, E. 8.3 und U 66/02 vom 2. November 2004, E. 3.2, publ. in: RKUV 2005 Nr. U 538 S. 112; AHI 1998 S. 290 f. E. 3b). Dies trifft hier zu. Was schliesslich die Aussagen im Kurzbericht der BASTIV vom 15. Mai 2006 anbelangt, wonach die Arbeitsfähigkeit höchstens 50 % betrage, wobei das Leistungsvermögen angesichts der konkret erbrachten Arbeitsleistung auf lediglich ca. 25 bis 30 % einzuschätzen sei, handelt es sich dabei um das Ergebnis von in der Zeit vom 20. März bis 19. Juni 2006 durchgeführten beruflichen Abklärungen und damit um Erhebungen, die über ein Jahr nach dem die Grenze des Beurteilungszeitraums bildenden Einspracheentscheid (vom 25. Februar 2005; vgl. E. 2.1 hievor) datieren. Sie bilden möglicherweise, worauf bereits das kantonale Gericht hingewiesen hat, Anhaltspunkte für eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes (mit Beeinflussung der beruflichen Leistungsfähigkeit) des Beschwerdeführers, welchen aber im Rahmen eines (materiellen) Rentenrevisionsverfahrens gemäss Art. 17 ATSG Rechnung zu tragen wäre. Da der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt als hinreichend erstellt anzusehen ist und von weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind, erübrigt sich die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eventualiter beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung des Sachverhalts (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 130 II 425 E. 2.1 S. 428, 124 V 90 E. 4b S. 94).