Citation: 1P.644/2001 07.12.2001 E. 3

Die Beschwerdeführerin leitet die Befangenheit von Untersuchungsrichter P.________ aus einer Gesamtwürdigung folgender Umstände ab: - Bei der Einvernahme des Ehepaares E.________ habe die Verteidigung nicht teilnehmen können; zudem habe Untersuchungsrichter P.________ sich durch die Frage "Welche Rolle spielte Frau H.________ Ihrer Meinung nach im ganzen Betrugsfall" voreilig auf eine Wertung der der Beschwerdeführerin vorgeworfenen Handlungen gegenüber Prozessbeteiligten festgelegt; - Im Rechtshilfegesuch vom 5. Februar 2001 an das Fürstentum Liechtenstein habe Untersuchungsrichter P.________ der Beschwerdeführerin vorgeworfen, sie habe geschädigte Anleger und Vermittler möglicherweise genötigt, wenn nicht sogar erpresst, weitere Gelder für die Bewältigung des Prozesses zur Verfügung zu stellen. Denselben Vorwurf habe bereits Untersuchungsrichter B.________ in der Beschwerdeantwort vom 25. August 2000 ohne ausreichende Anhaltspunkte erhoben. Die Wiederholung des Vorwurfs wiege umso schwerer, als es im Rechtshilfeersuchen um den Verbleib der Zahlungen von L.________ und von Versicherungsgesellschaften ging; die Frage der Prozessfinanzierung sei durch die Beschwerdeführerin somit irrelevant gewesen; - Untersuchungsrichter P.________ habe zusammen mit Untersuchungsrichter B.________ Ermittlungen in Deutschland initiiert, die in mehrfacher Hinsicht rechtswidrig gewesen seien (Verstoss gegen Art. 82 ff. und Art. 44 des St. Galler Strafprozessgesetzes; Umgehung des Rechtshilfeweges; Verletzung des Amtsgeheimnisses); - In der Einvernahme vom 4. Mai 2001 habe Untersuchungsrichter P.________ das Schweige- und das Verbeiständungsrecht der Beschwerdeführerin in unzulässiger Weise angegriffen, indem er ihr - trotz ihres Entschlusses, die Aussage zu verweigern - eine Vielzahl vorbereiteter Fragen gestellt und sie anschliessend aufgefordert habe, sich bei ihm zu einem Gespräch unter vier Augen einzufinden, da er gewiss sei, dass sie aussagen wolle; - Schliesslich habe sich Untersuchungsrichter P.________ geweigert, dem Verteidiger Einblick in den Fragenkatalog des Rechtshilfegesuchs vom 13.Dezember 2000 zu gewähren, in dem die Befragung zahlreicher Zeugen in Deutschland beantragt worden sei. Der Verteidigung sei es deshalb verunmöglicht worden, schriftliche Ergänzungsfragen zu stellen.