Citation: U 70/02 30.12.2002 E. 4

Dem kantonalen Gericht ist beizupflichten, dass die Auffahrkollision auf Grund des Geschehensablaufs, insbesondere der doch erheblichen Geschwindigkeit, mit welcher das nachfolgende Fahrzeug auf den stillstehenden Personenwagen, in welchem die Beschwerdegegnerin mitfuhr, aufprallte, als mittelschwerer Unfall zu qualifizieren ist. Damit die Adäquanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden könnte, müsste somit eines der unfallbezogenen Kriterien gemäss BGE 117 V 366 f. in besonders ausgeprägter Weise erfüllt oder es müssten mehrere Kriterien gegeben sein. Dies trifft hier nicht zu: 4.1 Wie die Allianz richtig festhält, kann von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht gesprochen werden. Nach der initialen Behandlung der Unfallfolgen benötigte die Versicherte lediglich Physiotherapie in grösseren Abständen. Ab dem 17. Januar 1994 wurde sie sodann von Dr. H.________ untersucht und behandelt, der ihr eine Therapie zur Kräftigung der Nacken- und Schultermuskulatur und wiederum Physiotherapie verschrieb (Bericht vom 28. März 1994). Zusätzliche ärztliche Behandlungen wurden nicht vorgenommen. Am 30. Oktober 1995 berichtete Dr. H.________ sodann, dass während 8 bis 12 Wochen eine Hyderginkur durchgeführt und die aufbauende Kräftigungsgymnastik der Achsenmuskulatur vor allem im Bereich der HWS fortgesetzt werde. Diese Behandlungen überschreiten das nach einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS übliche Mass nicht. Dass die Beschwerdegegnerin ab April 1996 psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nahm, ist nicht ausschlaggebend, da jedenfalls in den ersten vier Jahren nach der Auffahrkollision unfallbedingt keine nennenswerte ärztliche Behandlung und Betreuung der Versicherten erforderlich war. 4.2 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist des Weiteren auch das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit (vgl. dazu die Übersicht in RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff.) nicht erfüllt. Bereits 3 ½ Monate nach dem Unfall konnte die Versicherte ihre Erwerbstätigkeit wieder vollumfänglich aufnehmen, in der Folge eine Zusatzausbildung absolvieren und bis Ende Oktober 1995 ein Arbeitspensum von 100 % bewältigen. Die nach diesem Zeitpunkt bescheinigte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um zunächst 10 % und ab 1. Mai 1996 um 20 % ist für die Adäquanzbeurteilung schon deshalb nicht entscheidend, weil sie erst über drei Jahre nach dem versicherten Unfall eingetreten ist. Von Belang sind indessen praxisgemäss Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit im Anschluss an das Unfallereignis, was darin zum Ausdruck kommt, dass nur unfallbezogene Kriterien (BGE 117 V 368 oben) in Betracht zu ziehen sind. Mit anderen Worten muss es sich um objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen (BGE 117 V 366 f. Erw. 6a), handeln. Die geringgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im vorliegenden Fall steht indessen, wenn überhaupt, bloss in einem mittelbaren Zusammenhang mit der Auffahrkollision. 4.3 Die weiteren Kriterien - mit Ausnahme der Dauerbeschwerden - sind offensichtlich nicht gegeben, weshalb offen bleiben kann, ob das erwähnte Kriterium erfüllt ist. Denn die Beschwerden der Versicherten erreichen jedenfalls keine derartige Intensität, dass das Kriterium der Dauerbeschwerden als in besonders ausgeprägter Form erfüllt zu betrachten wäre. 4.4 Auf Grund einer Gesamtwürdigung kommt dem Unfall vom 29. Juni 1992 keine massgebende Bedeutung für die über den 30. November 1995 hinaus anhaltenden Beschwerden mit geringfügiger Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu, weshalb die Adäquanz des Kausalzusammenhangs entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts zu verneinen ist. Aus diesem Grund entfällt auch der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung.