Citation: I 806/02 11.08.2003 E. 3

3.1 Übt ein Versicherter während der Eingliederung eine Erwerbstätigkeit aus, so wird das Taggeld einschliesslich Eingliederungszuschlag gekürzt, soweit es zusammen mit dem aus dieser Tätigkeit erzielten Einkommen das gemäss den Absätzen 1 und 2 massgebende Erwerbseinkommen übersteigt (Art. 21 Abs. 3 Satz 1 IVV). Diese Regeln finden auf die Bemessung des Wartetaggeldes sinngemäss Anwendung (BGE 117 V 279 Erw. 3a; SVR 2001 IV Nr. 28 Erw. 2b). 3.2 Nach Rz 5042 (bis 31. Dezember 2000: Rz 2027) der bundesamtlichen Wegleitung über die Berechnung und Auszahlung der Taggelder sowie ihre beitragsrechtliche Erfassung (WTG) ist für die Kürzung des Taggeldes eines Versicherten, der die vom Arzt für die Zeit der Eingliederung als zumutbar erklärte Teilerwerbstätigkeit nicht ausübt, der Lohn massgebend, den er erzielen könnte. Diese Verwaltungspraxis hat das Eidgenössische Versicherungsgericht im Urteil G. vom 14. April 2000 (SVR 2001 IV Nr. 28) für zulässig erklärt. Denn es ergibt sich aus dem Rechtsgleichheitsgebot, dass nicht nur der tatsächlich erzielte, sondern auch der aus invaliditätsfremden Gründen nicht erwirtschaftete mögliche Verdienst für die Kürzung heranzuziehen ist. Es wäre mit Art. 8 Abs. 1 BV schlechterdings nicht vereinbar, den teilweise arbeitsunfähigen Versicherten, der in Erfüllung der generell in der Sozialversicherung geltenden Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 117 V 278 Erw. 2b, 400, je mit Hinweisen) während der Umschulung oder Wartezeit eine Erwerbstätigkeit ausübt, schlechter zu stellen, als den im gleichen Ausmass Arbeitsunfähigen, der im selben Zeitraum keiner ihm an sich zumutbaren Arbeit nachgeht (SVR 2001 IV Nr. 28 Erw. 2b). 3.3 Im vorliegenden Fall ist die Sachlage insofern eine besondere, als der Versicherte - anders als in dem vom Eidgenössischen Versicherungsgericht am 14. April 2000 beurteilten Fall - während der im Streite liegenden Taggeldbezugsperiode eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat und es einzig darum geht, ob er damit die aus ärztlicher Sicht bestehende (Rest-)Arbeitsfähigkeit im vollen zumutbaren Umfang wirtschaftlich verwertete. Für die Frage der Kürzung des Taggeldes kann indessen kein Zweifel daran bestehen, dass sich der Versicherte, der seine verbliebene funktionelle Leistungsfähigkeit nur teilweise erwerblich nutzt, die damit hingenommene invaliditätsfremde Verdiensteinbusse ebenso anrechnen lassen muss wie der Versicherte, der überhaupt keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, obwohl ihm eine solche gesundheitlich zumutbar wäre. Dabei bestimmt sich die Anrechenbarkeit eines hypothetischen anstelle des tatsächlich erzielten Einkommens unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit auch danach, ob die konkreten Gegebenheiten dem Versicherten überhaupt den lohnwirksamen Ausbau der bereits ausgeübten Berufstätigkeit gestatten. Ist dies nicht möglich aus gesundheitlichen Gründen oder weil beispielsweise in einem bestehenden Anstellungsverhältnis der Arbeitgeber hiezu nicht Hand bieten will oder kann, gilt es zu prüfen, ob vom Versicherten erwartet werden darf, dass er die derzeitige Erwerbstätigkeit zu Gunsten einer anderen aufgibt, welche die wirtschaftliche Umsetzung der medizinischen Restarbeitsfähigkeit uneingeschränkt gewährleistet.