Citation: I 314/06 09.11.2006 E. 3

Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Versicherten auf medizinische Massnahmen zur Behandlung eines frühkindlichen Autismus. Nach Ziff. 401 GgV Anhang sind solche Vorkehren von der Invalidenversicherung zu übernehmen, wenn das Leiden bis zum vollendeten 5. Lebensjahr, vorliegend somit bis zum 3. August 2000, erkennbar wird. Somit ist zu prüfen, ob bis zu diesem Zeitpunkt hinreichend bestimmte Anhaltspunkte für eine autistische Störung vorlagen, so dass davon ausgegangen werden kann, diese sei bereits als solche erkennbar gewesen (Urteil W. vom 31. Oktober 2005, I 302/05, Erw. 2 Ingress). 3.1 Erstmals ersuchte Dr. med. B.________, Facharzt FMH für Kinder und Jugendliche, mit Schreiben vom 6. Oktober 2004 um Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens nach Ziff. 401 GgV Anhang. In diesem Zeitpunkt war der Versicherte bereits mehr als 9 Jahre alt. Der Arzt begründete sein Ersuchen damit, dass in den ersten Lebensjahren der schwere geistige Entwicklungsrückstand und die spastische beinbetonte Cerebralparese im Vordergrund gestanden hätten. Indessen träten nun je länger desto mehr die Symptome eines frühkindlichen Autismus in Erscheinung. Diese hätten im Lauf der letzten Jahre deutlich zugenommen und rechtfertigten eine Berücksichtigung unter Ziff. 401 GgV Anhang. 3.2 Im Bericht vom 31. August 1999 hatte Dr. med. S.________, Kinderarzt FMH, geschrieben, dass der Versicherte in letzter Zeit zusätzlich eine starke Unruhe aufweise, "z.T. sogar autistische Züge". Abklärungen liefen "auch in Richtung GgV-Nr. 401." Im Bericht über die neuropädiatrische Kontrolle bei Status nach Frühgeburt und zweimaligem Fieberkrampf vom 20. September 1999 spricht das Schweizer Kinderspital X.________ von einem ausgesprochen unruhigen Knaben mit autistischen Zügen und einem ausgeprägten psychomotorischen Entwicklungsrückstand. Ein frühkindlicher Autismus wird unter den Diagnosen nicht erwähnt. Im Bericht über die Untersuchung vom 4. August 2000 findet sich lediglich ein Hinweis auf "autistische Züge". 3.3 Die Diagnosestellung bei autistischen Störungen ist wegen der zahlreichen differenzialdiagnostischen Möglichkeiten allgemein schwierig (erwähntes Urteil W. mit Hinweis). Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass der Versicherte an mehreren Geburtsgebrechen leidet und in seinen ersten Lebensjahren primär wegen diesen behandelt worden ist. Die Symptome und Auswirkungen dieser Leiden haben sich teilweise mit denjenigen des Autismus überlappt. So führt die Sonderschule für Kinder mit Wahrnehmungsstörungen der Stadt St. Gallen im Bericht vom 17. Mai 2006 denn auch aus, dass mehrere autistische Symptome wie die mangelnde Sprachentwicklung lange Zeit seiner hochgradigen Schwerhörigkeit zugeschrieben worden seien. Bis zum vollendeten 5. Altersjahr liegen in den echtzeitlichen Akten keine Diagnosen eines frühkindlichen Autismus vor. Der Autismus scheint daher in der damaligen Zeit nicht in einer Weise aufgefallen zu sein, dass die behandelnden Ärzte die Diagnose eines Geburtsgebrechens nach Ziff. 401 GgV Anhang gestellt hätten. Die von der Vorinstanz erwähnten, bereits vor dem 5. Geburtstag aufgetretenen Symptome konnten damals nicht eindeutig dem erwähnten Geburtsgebrechen zugewiesen werden. Es ist lediglich von autistischen Zügen die Rede. Dies stellt keine rechtsgenügliche Diagnose eines frühkindlichen Autismus dar. Daher muss davon ausgegangen werden, dass bis zum kritischen Zeitpunkt des 5. Geburtstages keine eindeutige Symptomatik dieses Gebrechens vorgelegen hat (vgl. auch erwähntes Urteil W.). Erst vier Jahre später stellte Dr. med. B.________ eine eindeutige Diagnose. Das Geburtsgebrechen ist somit nicht rechtzeitig in rechtsgenüglicher Art und Weise festgestellt worden. Daher hat die Invalidenversicherung für dessen Behandlung keine Leistungen zu erbringen.