Citation: U 122/03 18.05.2005 E. 4

Zu prüfen bleibt die Adäquanz des Kausalzusammenhangs. Diese ist entgegen der Vorinstanz nicht anhand der für psychische Unfallfolgen geltenden, sondern nach Massgabe der für Schleudertraumen der HWS entwickelten Kriterien gemäss BGE 117 V 366 ff. Erw. 6 zu beurteilen. Denn es kann nicht im Sinne von BGE 123 V 98 gesagt werden, dass die psychische Fehlentwicklung schon nach kurzer Zeit klar im Vordergrund stand und die übrigen Symptome in den Hintergrund drängte. Aus den medizinischen Akten geht zwar hervor, dass bereits am 21. November 1996, vier Monate nach dem Unfall, eine reaktive Depression diagnostiziert wurde und laut Dr. F.________ am 10. Dezember 1996 eine depressive Verstimmung im Vordergrund stand, aber die für ein HWS-Trauma typischen Symptome (vgl. dazu BGE 117 V 360 Erw. 4b) waren nach wie vor und dauernd vorhanden. 4.1 Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle und anhaltenden Beschwerden mit Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit andern Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - eine Einteilung in leichte, mittlere und schwere Unfälle vorzunehmen ist. Während bei leichten Unfällen die Adäquanz in der Regel ohne weiteres verneint wird, bei schweren hingegen in der Regel zu bejahen ist, lässt sich bei Unfällen aus dem mittleren Bereich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind im Zusammenhang mit dem Schleudertrauma der HWS zu nennen: - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - Dauerbeschwerden; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; - Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Im Gegensatz zu den bei psychischen Fehlentwicklungen relevanten Kriterien gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c aa wird für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS und in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, weil es hier nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden. Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht wird. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach anderen Ursachen zu forschen, welche möglicherweise die nach einem Schleudertrauma der HWS aufgetretenen Beschwerden mitbegünstigt haben könnten (BGE 117 V 367 f. Erw. 6). 4.2 Aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen ist der Unfall, bei welchem der Beschwerdeführer das Unfall verursachende Fahrzeug im Rückspiegel herannahen sah und demnach auf die Kollision, die nicht allzu heftig ausfiel, gefasst war, zu den leichteren Unfällen im mittleren Bereich zu zählen. Damit die Adäquanz bejaht werden könnte, müsste eines der unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt oder die massgebenden Kriterien müssten in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein. Dies trifft hier zu: Zwar ereignete sich der Unfall weder unter dramatischen Begleitumständen noch kann er als besonders eindrücklich bezeichnet werden. Hingegen sind eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung sowie Dauerbeschwerden ausgewiesen und der Heilungsverlauf ist als schwierig zu betrachten. Ganz erheblich ins Gewicht fallen aber Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Ab 7. August 1996 war der Beschwerdeführer laut ärztlicher Bescheinigung in wechselndem Ausmass (25 bis 50 %) durchgehend in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, wobei ab 1. August 1998 dauernd nur noch eine hälftige Arbeitsfähigkeit attestiert wurde. Aufgrund einer Gesamtwürdigung kommt dem Unfall vom 17. Juli 1996 eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der anhaltenden Beschwerden und der damit verbundenen teilweisen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu, weshalb die Adäquanz des Kausalzusammenhangs entgegen der Auffassung der Vorinstanz zu bejahen ist. Der Beschwerdeführer hat daher gegenüber der Visana über den 31. Januar 2001 hinaus Anspruch auf die gesetzlichen Leistungen.