Citation: U 39/06 03.11.2006 E. 5

5.1 Praxisgemäss werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 Erw. 5.1.2 mit Hinweisen [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]). Davon ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz auch im vorliegenden Fall auszugehen. Nach dem von den Beteiligten ausgefüllten Unfall-Protokoll und der Schadensanzeige beim Haftpflichtversicherer hatte der Beschwerdegegner mit seinem Personenwagen (Seat Marbella) bei der Einmündung T.________ auf die Autobahn A2 in Z.________ abgebremst, worauf das nachfolgende Fahrzeug (Chrysler Voyager) in das Heck seines Wagens stiess. Dabei wurden die hintere Stossstange und das Kofferraumschloss beschädigt; zudem wurde der Fahrersitz aus der Halterung gerissen. Am anderen Fahrzeug entstand kein Schaden. In der vom Haftpflichtversicherer in Auftrag gegebenen Fahrzeugexpertise wurden die Reparaturkosten mit Fr. 1'233.- beziffert. Einschliesslich der Mietkosten für einen Ersatzwagen und weiterer Leistungen belief sich die Garagenrechnung auf Fr. 1'933.80. In der ebenfalls vom Haftpflichtversicherer veranlassten biomechanischen Kurzbeurteilung vom 3. Mai 2002 gelangten Prof. Dr. med. F.________/Dr. sc. techn. J.________ zum Schluss, dass sich die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v) des vom Beschwerdegegner gesteuerten Personenwagens innerhalb der für den Normalfall geltenden Harmlosigkeitsgrenze von 10-15 km/h hielt. Beim Unfall hat der Beschwerdegegner keine äusseren Verletzungen erlitten. Zudem kann die erlittene HWS-Distorsion nicht als schwer qualifiziert werden. Auf Grund des Unfallhergangs, wie er sich aus den Akten ergibt, der Fahrzeugschäden und der erlittenen Verletzungen ist das Ereignis vom 21. Februar 2001 als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 5.2 Der Unfall vom 21. Februar 2001 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc [Urteil K. vom 20. November 1998, U 287/97]; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 [Urteil S. vom 31. Mai 2000, U 248/98]) - von besonderer Eindrücklichkeit. Er hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung und insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 Erw. 5.2.3. [erwähntes Urteil C.]). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 Erw. 4.3 mit Hinweisen [Urteil A. vom 24. Juni 2003, U 193/01]). Solche Umstände sind hier nicht ausgewiesen. Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden vor. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Nachdem schon vor dem Unfall physiotherapeutische und chiropraktische Massnahmen u.a an der HWS durchgeführt worden waren, folgten nach dem Unfall weitere ambulante physiotherapeutische und chiropraktische Behandlungen, ergänzt durch elektrotherapeutische und mobilisierende Massnahmen an der HWS und BWS sowie eine medizinische Trainingstherapie. Vom 19. Juni bis 24. Juli 2002 fand in der Rehaklinik A.________ eine stationäre Abklärung und Behandlung statt nach deren Abschluss eine Fortsetzung der Physiotherapie als nicht erforderlich bezeichnet wurde. Auch wenn in der Folge weiterhin ein- bis zweimal wöchentlich Physiotherapie durchgeführt wurde, liegt keine ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer vor. Eine Behandlungsbedürftigkeit von zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS ist im Allgemeinen noch als im üblichen Rahmen liegend zu betrachten (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 239 Erw. 5.2.4 mit Hinweisen [erwähntes Urteil C.]). Die Fortsetzung der Physiotherapie erfolgte zudem offenbar im Sinne einer Erhaltungstherapie (Bericht des SUVA-Kreisarztes Dr. med. P.________ vom 30. Juni 2003), so dass insgesamt nicht von einer kontinuierlichen, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichteten ärztlichen Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer gesprochen werden kann (vgl. RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 Erw. 5.2.4 mit Hinweisen). Im Übrigen stand ab März 2002 die psychotherapeutische Behandlung im Vordergrund, welche bei der Adäquanzbeurteilung unberücksichtigt zu bleiben hat. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden, wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteile S. vom 10.2.06, U 79/05, F. vom 25.10.02, U 343/02, und B. vom 7.8.02, U 313/01). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Vielmehr war es die psychische Symptomatik, welche zu einem protrahierten Heilungsverlauf geführt hat. Zum Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist festzustellen, dass der Beschwerdegegner nach dem Unfall zunächst voll arbeitsunfähig war. Nach dem Aufenthalt in der Rehaklinik A.________ wurde er ab 29. Juli 2002 für eine geeignete leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit ohne repetitive Überkopfarbeiten als ganztags arbeitsfähig erklärt. Der behandelnde Arzt Dr. med. I.________ bescheinigte für die Folgezeit zwar weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit. Aus den Akten ergibt sich jedoch, dass die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit überwiegend psychisch bedingt war. Im psychiatrischen Gutachten vom 3. Mai 2005 bestätigte Dr. med. W.________ eine psychisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von mindestens 60 %, wobei er den Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf Februar 2001 festsetzte. Dr. med. N.________ hatte im Bericht vom 27. März 2003 sogar auf eine psychisch bedingte volle Arbeitsunfähigkeit seit März 2000 geschlossen, welcher Einschätzung sich Frau Dr. med. K.________ in der psychiatrischen Beurteilung der SUVA vom 4. Februar 2004 anschloss. Demgegenüber wurde von Dr. med. H.________ aus neurologischer Sicht - unter der Voraussetzung einer vorgängigen Verbesserung der körperlichen Fitness - eine volle Arbeitsfähigkeit bei nur geringfügigen Anpassungen selbst in der Tätigkeit als Kellner angenommen. Auf Grund dieser ärztlichen Angaben, von welchen abzugehen kein Anlass besteht, kann das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht als erfüllt gelten (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff. [Urteil L. vom 30. August 2001, U 56/00]). Aus den gleichen Gründen dürfte auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen nicht erfüllt sein. Jedenfalls ist es nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Da somit weder ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen, was zur Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde führt.