Citation: 7B_219/2024 E. 2.4.1

2.4.1. Sie bringt vor, durch die Taten des Beschuldigten und das Strafverfahren emotional stak belastet zu sein und sich seit Jahren in psychologischer Behandlung zu befinden. Sie leide an einer komplexen emotionalen Belastungsstörung, welche sich in massiv aufdrängenden Erinnerung an das Erlebte zeige. Jede Erinnerung an das Vorgefallene, das heisst auch jeder weitere Verfahrensschritt, stelle eine massive psychische Belastung dar. Nebst dem leide sie an chronischen physischen gesundheitlichen Einschränkungen. Aufgrund der dargestellten Beschwerden sei sie bis heute im Alltag stark eingeschränkt. Es liege eine besonders schwere Betroffenheit durch die Straftaten vor. Diese Darstellung wird durch die Feststellungen des erstinstanzlichen Gerichts (Beschwerdebeilage 5, S. 16 und 21) sowie durch den Kurzbericht der behandelnden Psychologin vom 15. Januar 2024 (Beschwerdebeilage 6) bestätigt. Dass die Beschwerdeführerin sich unter diesen Umständen nicht imstande fühlt, in einem Gerichtsverfahren dem anwaltlich vertretenen Beschuldigten gegenüberzutreten, scheint verständlich. Weiter ist auf die publizierte bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach ein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung bestehen kann, wenn die Geschädigte - wie die Beschwerdeführerin (E. 2.4.2 unten) - nur über geringe Kenntnisse der Verfahrenssprache verfügt und sich in einer schwierigen psychischen Situation befindet, was insbesondere bei schweren Beziehungsdelikten der Fall sein kann (BGE 123 I 145 E. 3b mit Hinweis). Der gesundheitliche und insbesondere der psychische Zustand der Beschwerdeführerin legt demnach eine anwaltliche Vertretung nahe, zumal es eine Sekundärviktimisierung im Strafverfahren möglichst zu verhindern gilt. Auch dass die Beschwerdeführerin für ihre Einvernahmen im Berufungsverfahren keine Vertretung braucht, trifft entgegen der Ansicht der Vorinstanz deshalb nicht zu. Die anwaltliche Vertretung kann laut Botschaft massgeblich dazu beitragen, dass ein Opfer trotz der psychischen Belastung einlässliche bzw. sachdienliche Aussagen zur Sache macht (BBl 2019 6735). Sie ist somit auch bei der Wahrheitsfindung ein nicht zu vernachlässigendes Element.