Citation: 6S.394/2001 27.02.2003 E. 3

Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe in Verletzung von Bundesrecht davon abgesehen, die ausgefällte Freiheitsstrafe zu Gunsten der angeordneten ambulanten Massnahme aufzuschieben. Die beim Verurteilten festgestellte Persönlichkeitsstörung sei unbestrittenermassen einer Behandlung zugänglich. Die Vorinstanz habe festgestellt, dass der bisherige Therapieverlauf "in letzter Zeit einigermassen zufriedenstellend gewesen" sei, "auch wenn es in der Anfangsphase der Behandlung noch zu einem Rückfall gekommen" sei. Der behandelnde Psychiater sei "prognostisch zuversichtlich gestimmt". Dieser und auch der gerichtliche Experte gingen übereinstimmend davon aus, dass die Behandlung "durch den Strafvollzug beeinträchtigt" werde. Zwar würde nach Auffassung des Gutachters der gleichzeitige Vollzug der Freiheitsstrafe eine erfolgreiche ambulante Therapie nicht verunmöglichen. Gemäss der Rechtsprechung schliesse dies den Strafaufschub jedoch nicht aus. Der Beschwerdeführer verfüge über einen Arbeitsplatz und eine Wohnung. Er befinde sich in Ausbildung zum Personalberater, sei verheiratet und habe ein schulpflichtiges Kind. Seine Ehefrau sei krank, und auch er habe psychische und gesundheitliche Beschwerden ("somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren Gastrointestinaltrakts"). Der angeordnete Strafvollzug erschwere die soziale Reintegration und mindere auch die Therapieaussichten. Das Ziel des Strafvollzuges sei jedoch die Resozialisierung. Da er "bereits eine längere Untersuchungshaft hinter sich" habe, sei "den generalpräventiven Anliegen bereits Rechnung getragen" worden. Gesamthaft betrachtet, würden daher die (für einen Strafaufschub sprechenden) spezialpräventiven Interessen überwiegen. Daran ändere auch die Ansicht des Gutachters nichts, wonach die Rückfallsgefahr sich "auch mit einer sehr langfristigen Behandlung nicht beseitigen, sondern lediglich vermindern" lasse. Die Vorinstanz vertrete "offensichtlich" die unzutreffende Meinung, ein Strafaufschub sei nur zulässig, wenn die Rückfallsgefahr hundertprozentig ausgeschlossen werden könne. Ausserdem habe sie "Bundesrecht verletzt, wenn sie feststelle, dass der Beschwerdeführer zwar therapierbar sei, hingegen geltend mache, es könne von der langfristigen Behandlung lediglich eine Verminderung der Rückfallsgefahr erwartet werden". Das gerichtliche Gutachten enthalte "nicht alle Antworten auf die zur Beurteilung eines Aufschubs massgebenden Fragen", weshalb es zu ergänzen sei. Zudem sei die Vorinstanz von den Schlussfolgerungen des Gutachters ohne gewichtige und haltbare Gründe abgewichen. Die Länge des drohenden Strafvollzuges erscheine für die Frage des Aufschubes nicht relevant. Im Übrigen widerspreche sich die Vorinstanz, wenn sie einerseits erwäge, der Beschwerdeführer müsse noch mit einigen Monaten Strafvollzug rechnen, und anderseits ausführe, vom Strafaufschub sei bei langen Freiheitsstrafen nur mit Zurückhaltung Gebrauch zu machen. Weitere entscheiderhebliche Gesichtspunkte habe die Vorinstanz ausser Acht gelassen oder falsch gewichtet.