Citation: 1P.667/2005 15.02.2006 E. 4

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Rekurskammer habe ihre Aussagen willkürlich gewürdigt. 4.1 Anlässlich der Einvernahme vom 6. August 2002 (mit Übersetzer) sagte die Beschwerdeführerin aus, sie habe in Thailand erfahren, dass die Beschwerdegegnerin für ihr Restaurant Arbeiterinnen suche. Sie und zwei weitere Frauen seien am 8. Februar 2001 in die Schweiz geflogen. Die Beschwerdegegnerin habe sie am Flughafen Basel abgeholt und die Flugkosten übernommen. Sie hätten ihr ihre Pässe abgeben müssen und eine Wohnung an der B.________strasse bezogen. Nachdem die Beschwerdegegnerin sie bereits einmal zur Verabreichung einer Massage für Fr. 200.-- vermittelt habe, bei dem die Beschwerdeführerin den Geschlechtsverkehr abgelehnt habe, habe die Beschwerdegegnerin ein Zusammentreffen mit C.________, wohnhaft an der B.________strasse, organisiert. Ihn habe die Beschwerdeführerin während eines Zeitraums von drei Monaten schätzungsweise insgesamt sechsmal manuell oder oral befriedigt. C.________ sei jeweils während ihrer Arbeitszeit im Restaurant erschienen. Die Beschwerdeführerin sagte weiter aus, sie habe nicht mit C.________ mitgehen wollen, aber die Beschwerdegegnerin habe ihr gesagt, dass sie doch schnell gehen solle. C.________ habe ihr jeweils Fr. 100.-- oder 200.-- gegeben, die sie dann der Beschwerdegegnerin "zurück geben" musste. Auf die Frage, ob sie zu den sexuellen Handlungen genötigt oder gezwungen worden sei, antwortete die Beschwerdeführerin: "Ich kann das ganz schwer definieren. Ich habe einfach kein Geld und schulde Frau Y.________ so viel Geld. Ich musste ja einfach irgendwann Geld haben, um das zurück bezahlen zu können. Frau Y.________ hat mir einfach gesagt, dass ich ihr das Geld schulden würde, und dass ich das doch machen solle, weil es Geld geben würde. Sie hat mich aber dazu nicht gezwungen" (Einvernahmeprotokoll S. 8). 4.2 Die Rekurskammer gibt im angefochtenen Entscheid (S. 6) diese Aussage wie folgt wieder: Die Beschwerdeführerin habe in die sexuellen Handlungen mit C.________ "vor allem eingewilligt, um Geld zu verdienen. Gezwungen worden dazu sei sie nicht" (Ziff. 1). Die Beschwerdeführerin habe "den Sachverhalt, wonach ihr gegenüber Zwang ausgeübt worden sei, nicht bestätigt" (Ziff. 2). 4.3 Diese Darstellung trifft nicht zu. Wohl sagte die Beschwerdeführerin, sie sei nicht gezwungen worden. Gleichzeitig sagte sie aber, sie könne das ganz schwer definieren. Und etwas früher: "C.________ kam jeweils ins Restaurant. Frau Y.________ kam dann mich jeweils holen und sagte, dass ich zu C.________ nach Hause gehen solle. Ich wollte dies aber nicht, und fragte Frau Y.________, ob das sein müsse. Sie sagte dann zu mir, dass ich doch schnell gehen solle, diese zehn oder zwanzig Minuten seien ja nicht schlimm, es gehe ja um Geld" (Einvernahmeprotokoll Seite 7). Bei unbefangener Betrachtung ist daraus zu folgern, dass die Beschwerdeführerin mehrdeutige, ja widersprüchliche Aussagen macht: "ich wollte dies nicht" (S. 7) gegenüber "sie hat mich nicht dazu gezwungen" (S. 8). Dass ihre Antworten nicht eindeutig sind, belegt auch die Aussage, sie könne ganz schwer definieren, ob sie zu den sexuellen Handlungen genötigt oder gezwungen worden sei (S. 8). Im angefochtenen Entscheid wurden mehrdeutige Aussagen so dargestellt, als wären sie eindeutig, statt darauf hinzuweisen, dass sie nicht kohärent sind. Es ist nicht Sache des Bundesgerichts, eine eigene Würdigung der Aussagen eines mutmasslichen Sexualopfers vorzunehmen. Es genügt festzustellen, dass die Wiedergabe der Beschwerdeführerin im angefochtenen Entscheid mit der tatsächlichen Situation gemäss Einvernahmeprotokoll nicht übereinstimmt. Ob dieser Fehler derart schwer ist, dass ein "klarer" Widerspruch im Sinne der Rechtsprechung zum Willkürverbot (E. 2.1) vorliegt, kann offen bleiben, da die Beschwerde so oder anders gutzuheissen ist.