Citation: 6B_953/2013 E. 1.5

1.5. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, eine lebensgefährliche Verletzung dürfe nicht angenommen werden, wenn rechtzeitig wirksame medizinische Massnahmen ergriffen werden können, geht an der Sache vorbei. Das Bundesgericht entschied bereits vor 30 Jahren, dass diese Auffassung die vom Täter geschaffene unmittelbare Lebensgefahr und die von ihm unabhängige, oft von Zufälligkeiten beeinflusste Möglichkeit sofortiger ärztlicher Behandlung in unzulässiger Weise miteinander vermengt. Wohl kann eine drohende und ernsthafte Lebensgefahr unter Umständen durch einen sofortigen medizinischen Eingriff herabgesetzt oder aufgehoben werden. Das schafft aber die Tatsache nicht aus der Welt, dass der Täter zuerst eine ernsthafte Lebensgefahr geschaffen hat. Nach der Rechtsprechung genügt es, dass der Geschädigte durch die ihm zugefügte Schädigung der Lebensgefahr ausgesetzt war; wie lange dieser Zustand dauerte, ist unerheblich. Unerheblich ist auch, ob die Lebensgefahr rasch behoben werden konnte oder nicht. Die gleiche Verletzung kann nicht das eine Mal eine schwere und das andere Mal eine leichte sein, je nachdem ob sie in der Nähe eines Spitals, wo in der Regel rasche Hilfe zur Stelle ist, oder in einer abgelegenen Gegend erfolgt, ob die zufälligen Witterungseinflüsse zur Unfallzeit einen raschen Helikoptereinsatz oder die Strassenverhältnisse einen schnellen Transport zum Spital ermöglichen oder nicht (BGE 109 IV 18 E. 2d mit Hinweis auf BGE 91 IV 194 E. 2). Dies hat auch heute noch Gültigkeit. Daran ändert nichts, dass das Bundesgericht seine Rechtsprechung hinsichtlich der Qualifikation der Übertragung der HIV-Infektion als lebensgefährliche Verletzung vor Kurzem änderte (BGE 139 IV 214). Es begründete seinen Entscheid damit, dass sich angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr sagen lasse, dass der Zustand der Infiziertheit mit dem HI-Virus schon als solcher generell lebensgefährlich im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB ist. Unter der Voraussetzung der medizinischen Behandlung fehle es an der erheblichen Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Verlaufs und folglich an der Lebensgefahr der HIV-Infektion (E. 3.4.2). Die Vorinstanz führt zu Recht aus, dass sich dieser Sachverhalt vom vorliegend zu beurteilenden unterscheidet. Bei HIV-Infektionen wird es regelmässig nicht von Zufälligkeiten abhängen, ob sie rechtzeitig behandelt werden können. Ferner führt die HIV-Infektion unbehandelt erst nach relativ langer Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Ausbruch der Immunschwäche AIDS und anschliessend mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tod (BGE 139 IV 214 E. 3.4.1 S. 216). Die Therapie mittels Einführen einer Thorax-Drainage ist zwar in der Regel geeignet, die Lebensgefahr bei Vorliegen eines Hämatopneumothoraxes abzuwenden. Dass diese Massnahme ergriffen werden kann, hängt jedoch von vom Täter unbeeinflussbaren Zufälligkeiten ab. Vorliegend war es Zufall, dass sich Passanten um den Beschwerdegegner kümmerten, nachdem der Beschwerdeführer und sein Kollege von ihm abgelassen hatten sowie geflüchtet waren (Urteil S. 28). Zudem hätte ohne das sofortige ärztliche Eingreifen eine unmittelbare akute Todesgefahr bestanden (Bericht Kantonsspital A.________ vom 23. Mai 2013, vorinstanzliche Akten). Die zu den HIV-Infektionen entwickelte Rechtsprechung ist nicht auf den vorliegenden Fall anwendbar. Der Schuldspruch ist bundesrechtskonform.