Citation: 8C_184/2009 25.08.2009 E. 4.3

4.3.1 Im Verfahren vor Bundesgericht dürfen gemäss Art. 99 Abs. 1 BGG neue Tatsachen und Beweismittel nur soweit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt. Werden Tatsachen etwa erst durch den vorinstanzlichen Entscheid rechtswesentlich, so sind die im letztinstanzlichen Verfahren neu dazu eingereichten Belege als zulässige Noven im Sinne von Art. 99 Abs. 1 BGG zu qualifizieren (NICOLAS VON WERDT, in: Bundesgerichtsgesetz [BGG], 2007, N. 6 zu Art. 99 BGG). 4.3.2 Da nur das kantonale Gericht die fehlende schriftliche Abmachung zur vorzeitigen Beendigung des Praktikums bei der Organisation Q.________ im Zusammenhang mit der Verneinung der Vermittlungsfähigkeit - neben weiteren Kriterien - als massgeblich erachtete, hatte sich der Versicherte auch erst durch den vorinstanzlichen Entscheid veranlasst sehen müssen, sich um einen schriftlichen Nachweis der mündlichen Abrede bezüglich der Zulässigkeit des vorzeitigen Abbruchs des Referendariates zu bemühen. Das Schreiben der Organisation Q.________ vom 10. Februar 2009, in welchem bestätigt wird, dass der Versicherte frei gewesen wäre, sein Praktikum vorzeitig zu beenden, falls ihm eine Daueranstellung in einer anderen Organisation oder Firma angeboten worden wäre, ist daher im letztinstanzlichen Verfahren als neues Beweismittel zu berücksichtigen. Zwar besteht entgegen den Ausführungen in der Beschwerde kein Schriftlichkeitserfordernis, auf welches die Verwaltung hätte hinweisen müssen. Die nun vorliegende schriftliche Bestätigung der Abrede durch die Organisation Q.________ hat aber zweifellos ein grösseres Gewicht, als eine blosse entsprechende Behauptung in der Beschwerdeschrift. Die dem Bundesgericht ebenfalls eingereichten, inhaltlich übereinstimmenden neuen Bestätigungen für die anderen zwei Referendariate sind hingegen nicht relevant, weil sie zwei Zeiträume betreffen, welche nicht zur Beurteilung stehen. 4.3.3 Mit Blick darauf, dass erstmals das kantonale Gericht der fehlenden schriftlichen Abrede betreffend vorzeitigen Abbruchs des Referendariats in D.________, Frankreich, ein massgebliches Gewicht beigemessen hat, hätte es den Sachverhalt diesbezüglich ergänzen und namentlich dem Beschwerdeführer (beispielsweise im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels) vorgängig seines Entscheides das rechtliche Gehör - mit der Möglichkeit, weitere Unterlagen einzureichen - gewähren müssen (E. 4.1.1 hiervor). Dieses Versäumnis stellt eine Verletzung der vorinstanzlichen Pflicht zur Feststellung des Sachverhaltes von Amtes wegen nach dem Untersuchungsgrundsatz (Art. 61 lit. c ATSG) und damit einen Verstoss gegen eine wesentliche Verfahrensvorschrift im Sinne von Art. 105 Abs. 2 BGG dar. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung und die darauf beruhende Sachverhaltsfeststellung sind für das Bundesgericht nicht verbindlich (E. 1 und 4.1.2 hiervor). Im Verfahren vor Bundesgericht ergibt sich, dass sich die Argumentation des kantonalen Gerichts über die Gründe, welche zur fehlenden Vermittlungsfähigkeit führen sollen, angesichts der gesamten Umstände - eingeschlossen die nunmehr nachgewiesene Abrede der vorzeitigen Beendigungsmöglichkeit des zeitlich letzten Praktikums in D.________, Frankreich, - nicht halten lässt. Der Versicherte hat durch sein Verhalten gezeigt, dass er durchaus bereit gewesen wäre, das Referendariat in D.________, Frankreich, zugunsten einer Festanstellung in der Schweiz abzubrechen. Dafür sprechen unter anderem seine Arbeitsbemühungen, seine jederzeitige Erreichbarkeit für ALV-Behörden und potentielle Arbeitgeber, seine Anreisen in die Schweiz zu Beratungsgesprächen mit dem RAV-Personalberater und zu Vorstellungsgesprächen mit potentiellen Arbeitgebern in der massgebenden Zeit, wie auch der Umstand, dass sein Praktikum nicht entlöhnt war, und er zusätzlich für die Kosten des Auslandaufenthalts und der Reisen aufzukommen hatte. Die finanziellen Konsequenzen einer vorzeitigen Beendigung des Referendariats wären entgegen der impliziten Ansicht der Vorinstanz ausserordentlich günstig für den Versicherten ausgefallen. Bei einer vorgezogenen Festanstellung wären die erwähnten Zusatzkosten weggefallen und der Versicherte hätte über ein Erwerbseinkommen verfügt, womit die Immatrikulationsgebühr von Fr. 800.-, welche aufgrund seines Einsatzes in D.________, Frankreich, angefallen ist, längst aufgewogen worden wäre. Der Beschwerdeführer hat nicht nur in Worten, sondern auch durch sein Verhalten deutlich gemacht, dass für ihn - zumindest in der vorliegend relevanten Zeit ab 10. September 2007 - stets der Antritt einer Festanstellung und nicht die ordentliche Absolvierung des Praktikums in D.________, Frankreich, Priorität hatte. Für die gegenteilige Annahme des kantonalen Gerichts finden sich keine ins Gewicht fallenden Anhaltspunkte. Es ist nicht einzusehen, inwiefern der Abbruch des letzten Referendariats, welcher nicht mit einem Studienabbruch gleichgesetzt werden kann, zu einer Unvollständigkeit seiner praxisorientierten Erfahrungen geführt hätte. Dass seine Arbeitsbemühungen ab September 2007 mehrheitlich Stellen betrafen, welche auf anfangs 2008 neu zu besetzen waren, kann dem Versicherten nicht vorgeworfen werden. Dieser Vorlauf ergibt sich zwangsläufig aus dem Umstand, dass die ordentlichen Kündigungsfristen vielfach drei Monate oder mehr betragen. Den Arbeitsvertrag, welchen der Beschwerdeführer schliesslich nach Vorstellungsgesprächen im November 2007 mit der O.________ AG abschliessen konnte, sah dementsprechend einen Stellenantritt auf 1. Januar 2008 vor. Daneben hatte er sich aber auch auf (zumindest) eine Stelle gemeldet, welche bereits auf den 1. Dezember 2007 neu zu besetzen war (Bewerbung vom 3. September 2007 und Vorstellungsgespräch vom 15. Oktober 2007 bei der S.________ AG). Die übrigen Arbeitsbemühungen erwecken ebenfalls nicht den Eindruck von "pro-forma"-Bewerbungen. 4.4 Bei dieser Sachlage war der Beschwerdeführer auch ab 10. September, während seines Praktikums in D.________, Frankreich, vermittlungsfähig im Sinne von Art. 8 Abs. 1 lit. f in Verbindung mit Art. 15 AVIG. Wie bereits die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, ist Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG ebenfalls erfüllt. Das Vorliegen der übrigen Anspruchsvoraussetzungen stand nie in Frage, so dass die Verwaltung dem Versicherten Arbeitslosenentschädigung für die Zeit seines Praktikumsaufenthaltes in D.________, Frankreich, auszubezahlen hat.