Citation: 5A_1021/2021 E. 5.3.3

5.3.3. Ausserdem wirft die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht vor, die drohenden Risiken und Nebenwirkungen der angeordneten Massnahme ungenügend berücksichtigt zu haben. 5.3.3.1. Hinsichtlich dieser Thematik erwog das Kantonsgericht, die Einwendungen betreffend Nebenwirkungen seien von vornherein nicht stichhaltig. Der Sachverständige habe die Frage, wie die Nebenwirkungen in Anbetracht des Nutzens zu beurteilen sein, dahingehend beantwortet, dass mit der Überwachung die Nebenwirkungen vernachlässigbar seien. Sodann sei betreffend die Einwendungen zu den Nebenwirkungen bzw. den Komplikationen auch auf die Ausführungen des KSSG zu verweisen. Es werde betont, dass die Gefahr von Komplikationen angesichts der bestehenden Todesgefahr geringer zu bewerten seien. Diese Einschätzung erscheine ohne weiteres als nachvollziehbar. Auch in diesem Zusammenhang hält das Kantonsgericht der Beschwerdeführerin vor, mit ihrer Bezugnahme auf Fachpublikationen wiederhole sie nur ihren Standpunkt, ohne sich mit dem Gutachten und der darauf abgestützten Begründung auseinanderzusetzen. 5.3.3.2. Die Beschwerdeführerin wendet ein, bei einer Zwangsernährung bestehe ein erhöhtes Risiko von Infektion, Perforation und Sonden-Dislokation. Ausserdem bestünden psychologische Risiken; zwangsernährte Patientinnen hätten eine erhöhte Morbidität und dekompensierten die Folgen der Zwangsernährung häufiger durch erhöhtes Risikoverhalten. Schliesslich führe das bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte Ruminationssyndrom in Verbindung mit der vorliegend vorgesehenen Fixierung zu einer stark erhöhten Erstickungsgefahr und somit jeweils auch zu einem lebensgefährlichen Zustand. Für eine ausreichende Bewertung der Verhältnismässigkeit des Eingriffs sei es unerlässlich, die bestehenden Risiken und den voraussichtlichen Nutzen sorgfältig abzuwägen. Das Kantonsgericht habe diese Abwägung nicht vorgenommen. Namentlich sei eine medizinisch-ethische Auseinandersetzung allfälliger körperlicher, psychischer und seelischer Nebenwirkungen der Zwangsernährung unter Fixierung unterblieben. Daher sei die Sache eventualiter zur weiteren Begründung an das Kantonsgericht zurückzuweisen. 5.3.3.3. Der Vorwurf, das Kantonsgericht habe die bestehenden Risiken gegenüber dem voraussichtlichen Nutzen nicht abgewogen, trifft offensichtlich nicht zu. Die Vorinstanz ist auch nicht davon ausgegangen, dass die Behandlung keine Risiken enthalte oder keine Nebenwirkungen zeitigen könne. Das Kantonsgericht hat in seiner Verhältnismässigkeitsprüfung die Risiken und die Nebenwirkungen der angeordneten Massnahmen ins Verhältnis zum mutmasslichen Ergebnis gesetzt, mit welchem zu rechnen sei, wenn der BMI der Beschwerdeführerin nicht wieder auf über 13 kg/m2 angehoben werden könne, nämlich deren Tod. Im Licht dieser Prognose sind die Risiken und Nebenwirkungen, welche die Beschwerdeführerin beschreibt, in Kauf zu nehmen. Dies gilt im vorliegenden Fall umso mehr, als die Beschwerdeführerin offensichtlich nicht in der Lage ist, die Konsequenzen ihrer Verweigerungshaltung einzuschätzen.