Citation: 6P.85/2005 01.10.2005 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt, das Kantonsgericht habe den Grundsatz "in dubio pro reo" in seiner Funktion als Beweiswürdigungsregel verletzt. Gemäss dem in Art. 32 Abs. 1 BV und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Grundsatz "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist. Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Inwiefern dieser Grundsatz verletzt ist, prüft das Bundesgericht unter dem Gesichtspunkt der Willkür, d.h. es greift nur ein, wenn der Sachrichter den Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche bzw. schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an dessen Schuld fortbestanden. Willkür in der Beweiswürdigung liegt vor, wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen, auf einem offenkundigen Fehler beruhen oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufen. Eine materielle Rechtsverweigerung ist nicht schon gegeben, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erschiene, sondern nur, wenn das Ergebnis schlechterdings mit vernünftigen Gründen nicht zu vertreten ist. Ebensowenig genügt es, wenn der angefochtene Entscheid sich nur in der Begründung als unhaltbar erweist; eine Aufhebung rechtfertigt sich erst, wenn er auch im Ergebnis verfassungswidrig ist (BGE 127 I 38 E. 2a; 123 I 1 E. 4a S. 5 je mit Hinweisen). 2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe keine detaillierte Kenntnis von den persönlichen und sozialen Verhältnissen des Opfers gehabt. In der Therapie sei keine Rede von diesen Verhältnissen gewesen und auch seine Mutter, die Kontakt zur Mutter des Opfers pflegte, habe ihm nichts von diesen schwierigsten Verhältnissen erzählt. Die gegenteilige Annahme des Kantonsgerichts sei willkürlich. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Verhandlung gab der Beschwerdeführer unter anderem zu Protokoll: "Ich und meine Mutter hatten (den) Verdacht, dass (die) Mutter (des Opfers) alkoholabhängig ist". "Sie (das Opfer) wollte nicht heim. Sie müsse zuhause alles machen und die Mutter liege nur zuhause herum". Den Eintrag in die Patientenkarte "Mangel an Liebe" machte der Beschwerdeführer, weil der Kinesiologie-Muskeltest am Mädchen auf die Frage, ob die Mutter sie liebe, negativ ausgefallen sei. Zudem gab er an Schranken zu, dass auch die Mutter des Opfers in ihn verliebt gewesen sei und der Muskeltest bei ihr ergeben habe: "Es war Wut da und (ich) habe erfahren, dass sie geschlagen wurde und Alkoholprobleme hat." Zudem gab er an: "Sie wollten gemeinsam kommen, (das) Geld reichte aber nicht." Nur schon gestützt auf diese Aussagen durfte das Kantonsgericht willkürfrei annehmen, der Beschwerdeführer habe die schwierigen persönlichen Verhältnisse des Opfers gekannt. Wenn es den ebenfalls geäusserten gegenteiligen Beteuerungen des Beschwerdeführers keinen Glauben schenkte, liegt darin keine Willkür. Im gleichen Zusammenhang rügt der Beschwerdeführer, das Wort "ausnützen" impliziere, dass ein Opfer dem Ansinnen des Täters ablehnend gegenüberstehe. Er habe aber keinen Widerstand überwinden müssen, weshalb die Feststellung des Kantonsgerichts unhaltbar sei, er habe die Drucksituation des Opfers ausgenützt. Ob das Kantonsgericht bei der Strafzumessung den Begriff "ausnützen" korrekt verwendet hat, ist eine Frage des Bundesrechts. Im Rahmen der subsidiären staatsrechtlichen Beschwerde ist darauf nicht einzutreten (Art. 84 Abs. 2 OG und Art. 269 Abs. 1 BStP). 2.2 Der Beschwerdeführer beanstandet die Feststellung des Kantonsgerichts als willkürlich, er sei nur beschränkt geständig gewesen. Die Schlussfolgerung des Kantonsgerichts, die Aussagen des Opfers seien glaubhaft, blieb unbestritten. Dieses hatte unter anderem erklärt, der Beschwerdeführer habe ihm in der 4. oder 5. Sitzung einen Zungenkuss gegeben - worauf sie kurz zurückgeschreckt sei -, bis Juni 2000 sei es zwischen ihnen 10 Mal zu sexuellen Handlungen gekommen, die Initiative dazu sei von beiden ausgegangen, es habe den Beschwerdeführer zweimal oral befriedigt und beim Anschauen der pornographischen Bilder habe er gesagt, er finde das geil und pervers und würde das am liebsten selber machen. Demgegenüber behauptete der Beschwerdeführer noch anlässlich der Verhandlung vor Kantonsgericht, das Opfer habe in der 5. oder 6. Sitzung einen Kuss von ihm gewollt, bis Juni 2000 sei es bloss 4 Mal zu sexuellen Handlungen gekommen, das Mädchen habe jeweils die Initiative zu den sexuellen Handlungen ergriffen, es habe ihn bloss einmal oral befriedigt und auf die Frage, warum er dem Mädchen pornographische Bilder gezeigt habe, antwortete er: "Sie wollte so Sachen machen und ich wollte nur wissen, woher sie das weiss". Damit leugnete der Beschwerdeführer den erwiesenen Sachverhalt in wesentlichen Punkten, weshalb das Kantonsgericht willkürfrei annehmen durfte, der Beschwerdeführer sei nur sehr beschränkt geständig. 2.3 Der Beschwerdeführer rügt die Würdigung des Kantonsgerichts als willkürlich, sein Verhalten nach der Tat spreche nicht zu seinen Gunsten. Ob das Verhalten nach der Tat zu Gunsten oder zu Ungunsten eines Angeklagten ausfällt, hängt von mehreren Elementen ab, die im Rahmen der Strafzumessung zu gewichten sind. Solche Fragen können lediglich mit Nichtigkeitsbeschwerde aufgeworfen werden. Dasselbe gilt, soweit der Beschwerdeführer das Element der mangelnden Einsicht und Reue als willkürlich rügt. 2.4 Folglich ist die staatsrechtliche Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.