Citation: U 144/03 25.02.2005 E. 4

Fehlt es an einem klaren organischen Substrat, so beurteilt sich der adäquate Kausalzusammenhang mangels psychischer Problematik nach der zu Schleudertraumen ohne nachweisbar organische Befunde begründeten Rechtsprechung (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb, 119 V 335, 117 V 359). 4.1 Zunächst ist der Unfall ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf einer der Kategorien leichtes, mittleres oder schweres Ereignis zuzuordnen (BGE 117 V 366 Erw. 6a). Dabei spricht sich die Beschwerdeführerin gegen die Verwertung des vom Versicherer eingeholten unfallanalytischen Gutachtens aus. 4.1.1 Die technische und biomechanische Analyse des Unfalls kann, wie vom Eidgenössischen Versicherungsgericht bereits wiederholt festgehalten worden ist, nützliche Anhaltspunkte zur Schwere des Unfalls liefern (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359 Erw. 3.2 mit Hinweisen), welche sich stets auf der Grundlage der gesamten objektiv fassbaren Umstände bestimmt. Derartigen Berichten kommt unter den gleichen Voraussetzungen wie den Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu (statt vieler Urteil B. vom 22. Mai 2002, U 339/01, Erw. 4b/bb). 4.1.2 Es besteht kein Anlass, von dieser Rechtsprechung abzuweichen. Stichhaltige Gründe, die in concreto gegen die Berücksichtigung der korrigierten Unfallanalyse der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom 16. Mai 2002 sprechen, sind ebenso wenig ersichtlich. Insbesondere ist die zeitliche Distanz zwischen Unfall und Bericht ohne Bedeutung, standen doch den Experten für ihre Einschätzung ausreichende Grundlagen wie Aussagen der Versicherten, Photos der am Unfall beteiligten Fahrzeuge oder Abrechnungen der den Schaden behebenden Werkstätten zur Verfügung. 4.1.3 Die vom diplomierten Automobilingenieur HTL H.________ im Ergänzungsbericht vom 16. Mai 2002 geschätzte maximale kollisionsbedingte Geschwindigkeitsveränderung des Autos der Versicherten von 8,5 km/h ist genau so wie die Fahrzeugbeschädigung als eher gering einzustufen. Auf der anderen Seite traten innert weniger Stunden nach dem Unfallereignis Kopf- und Nackenschmerzen auf, weswegen die Versicherte noch gleichentags einen Arzt aufsuchte und in der Folge für elf Monate gänzlich und anschliessend für ein halbes Jahr zu 50 % arbeitsunfähig war. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann dergestalt nicht mehr von einem leichten Unfall gesprochen werden. Dies etwa im Unterschied zu jenen Fällen, in denen auf das Fahrzeug der versicherten Person nicht nur eine geringe kollisionsbedingte Geschwindigkeitsveränderung einwirkte (Delta-v unter 10 km/h), sondern auch die unmittelbaren Auswirkungen auf den Gesundheitszustand gering waren (vgl. hiezu etwa Urteile S. vom 29. Oktober 2002, U 22/01, Erw. 7.1, oder B. vom 7. August 2001, U 33/01, Erw. 3a und b; umgekehrt etwa Urteil M. vom 26. März 2003, U 125/01, Erw. 4.1; vgl. auch Urteil H. vom 30. Mai 2003, Erw. 3.1 f., U 353+354/02). 4.2 Es handelt sich um ein im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegendes mittelschweres Ereignis. Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs müssen die massgebenden unfallbezogenen Kriterien in auffallender oder gehäufter Weise gegeben sein, was von der Vorinstanz im Sinne einer Eventualbegründung verneint wird. 4.2.1 Richtigerweise behauptet die Versicherte keine besondere Art der erlittenen Verletzung. Im Anschluss an den Unfall sind weder die für das HWS-Schleudertrauma charakteristischen Beschwerden in gehäufter Form aufgetreten noch haben sie sich besonders schwerwiegend ausgewirkt (vgl. BGE 117 V 369 Erw. 7b; RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 Erw. 4.3, 1998 Nr. U 297 S. 245 Erw. 3c, 1995 Nr. U 221 S. 114). Ebenso wenig liegt eine Fehlbehandlung vor. 4.2.2 Ebenfalls einig sind sich Parteien und Vorinstanz, dass das Kriterium des Grads und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit erfüllt ist. Besonders ins Gewicht fällt hierbei die durch den Unfall unmittelbar indizierte vollständige Arbeitsunfähigkeit über elf Monate, wie auch die daran anschliessende Leistungsreduktion von 50 % während weiterer sechs Monate. Auf der anderen Seite waren im Verlauf der Umschulung zur Kindergärtnerin von August 1994 bis Juli 1997 (zumindest für die Umschulung) keine Leistungseinbussen festzustellen, ehe solche kurze Zeit nach Arbeitsaufnahme wieder auftraten und sich letztlich auf 50 % einpendelten. Letzteres spricht dagegen, dieses Kriterium mit der Beschwerdeführerin als in besonders ausgeprägter Weise erfüllt zu bezeichnen. 4.2.3 Die Versicherte macht weiter die besondere Eindrücklichkeit des Unfalles geltend. Es handelt sich indessen um einen klassischen Auffahrunfall ohne aussergewöhnliche Umstände, wie bereits die Vorinstanz erwogen hat. Dass dieser in einem Tunnel der Autobahn geschehen ist, ist unter den gegebenen Verhältnissen nicht entscheidend. 4.2.4 Ebenso wenig ist der Beschwerdeführerin zu folgen, soweit sie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen ausgeht. Dr. D.________ bezeichnete im Bericht vom 5. August 1993 die noch anstehende (physiotherapeutische) Behandlung als technisch anspruchsvoll und wahrscheinlich recht zeitaufwendig. Der therapeutisch nicht einfache Zugriff auf die von ihm zur Behandlung angeratenen Triggerpunkte konnte indessen durch eine von ihm empfohlene Fachkraft vorgenommen werden und das Beschwerdebild stabilisierte sich in der Folge schon bald. Spätestens ab September 1994 begnügte sich die Versicherte alsdann, den Hausarzt und teilweise auch die Gesundheitspraxis K.________ in unregelmässigen, teils mehrere Monate betragenden Abständen aufzusuchen, wobei einige dieser Konsultationen mit einer 1995 erlittenen, von der Versicherten gegenüber Dr. D.________ später (am 11. November 1997) als unbedeutend bezeichneten, im Übrigen nicht näher dokumentierten anderen Auffahrkollision in Zusammenhang stehen dürften. Erst mit der durch die Aufnahme der neu erlernten Tätigkeit als Kindergärtnerin erfolgten Exazerbation der Beschwerden musste das Behandlungsintervall vorübergehend verkürzt werden. Warum die Versicherte die Konsultationen zwischen Juni 1994 bis April 1996 der Beschwerdegegnerin nie in Rechnung gestellt hat, ist in diesem Zusammenhang unwesentlich, genau so wie die Dauer der Heilbehandlung. Letzteres ist unter dem Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandung zu berücksichtigen (Urteil B. vom 7. August 2002, U313/01, Erw. 2.3). Zusammengefasst beschränkte sich die Behandlung schon bald einmal im Wesentlichen auf Physiotherapien, ohne dass erhebliche Komplikationen aufgetreten wären, die den Heilungsverlauf massgeblich beeinträchtigt hätten. 4.2.5 Streitig ist sodann, ob die ärztliche Behandlungsdauer als ungewöhnlich lange zu bezeichnen ist. Dabei sind sich die Parteien insbesondere uneinig, wie der Zeitraum zwischen September 1994 und September 1997 zu werten ist, in welchem die Versicherte einige Arztkonsultationen und Besuche der Gesundheitspraxis K.________, später der Physiotherapeutin V.________ ausweist. Davor, das heisst während knapp 1 ½ Jahren, wurden die Beschwerden unstreitig zielgerichtet und in regelmässigen Abständen behandelt. Gegen eine zielgerichtete Behandlung der Unfallbeschwerden in dieser Zeit spricht zunächst der Umstand der fehlenden Abrechnung der Konsultationen zwischen Juni 1994 und April 1996 mit dem Unfallversicherer durch den Arzt. Gesagtes gilt auch für die von der Gesundheitspraxis K.________ am 13. Juni 2003 bestätigten 13 Besuche zwischen 3. März 1995 und 12. Juni 1996, wobei hier gänzlich unklar ist, was, wann und wie (Alternativmedizin?) behandelt worden ist. Mit Schreiben vom 3. September 1994 teilte Dr. O.________ der Beschwerdegegnerin zudem mit, die ärztlichen therapeutischen Massnahmen seien vorderhand abgeschlossen; es seien lediglich noch ein bis zwei Nachkontrollen vorgesehen. Ferner wurde der Hausarzt ab 16. April 1996 bis 5. September 1997 von der Versicherten während rund 16 Monaten kein einziges Mal mehr aufgesucht. In diese Zeit fällt auch der letztmalige Besuch der Gesundheitspraxis vom 12. Juni 1996. Gemäss der ebenfalls letztinstanzlich ins Recht gelegten Bestätigung der Physiotherapeutin V.________ vom 13. Juni 2003 war die Beschwerdeführerin alsdann erst ab dem 16. Januar 1997 wieder in regelmässiger physiotherapeutischer Behandlung, wobei diese allerdings (zunächst) ohne entsprechende Zuweisung durch Dr. O.________ aufgenommen worden sein muss, wurde Dr. O.________ doch erst wieder am 5. September 1997 konsultiert. Auch Dr. D.________ führt rückblickend in seiner Stellungnahme vom 14. November 1997 aus, die physiotherapeutischen (und bis September 1994 abgeschlossenen) Behandlungen seien sehr suffizient gewesen und hätten zu einer weitgehenden Beschwerdefreiheit geführt, obwohl damals nicht alle Triggerpunkte hätten behandelt werden können; erst die fordernde Arbeit als Kindergärterin hätte einen Teil der zwischenzeitig in die Latenz versunkenen Pathologie wieder ausgelöst. Mit anderen Worten schob die in idealer Weise den Beschwerden entsprechende Schulung zur Kindergärtnerin die zielgerichtete Weiterbehandlung der Beschwerden zunächst auf, ehe die erstmalige Aufnahme des neu erlernten Berufs per 1. August 1997 die Schmerzen erneut verstärkte und zu einer intensivierten Behandlung und Abklärungen führte. Der Umstand, dass sowohl Dr. O.________, die Physiotherapeutin V.________ wie auch Frau K.________ die von ihnen bestätigten Konsultationen im fraglichen Zeitraum ausdrücklich mit dem Unfallereignis vom 31. März 1993 in Verbindung bringen und diese nicht in einem festen Rhythmus erfolgt sind, lässt daher trotz ausgebliebener Kostenabrechnung mit der Beschwerdegegnerin auf medizinische Massnahmen unterschiedlicher Intensität zur Erhaltung des Gesundheitszustandes und damit zur Schmerzunterdrückung schliessen. Dennoch bleibt mit der Vorinstanz ein behandlungsfreies Intervall von rund eineinhalb Jahren bestehen. In Anbetracht dieser Periode mit im Wesentlichen uneingeschränkter Leistungsfähigkeit als Kindergarten-Seminaristin kann der Dauer der ärztlichen oder paramedizinischen Behandlung ungeachtet des Verlaufs seit September 1997 gesamthaft gesehen nur eine geringe Adäquanz-Relevanz zugesprochen werden. Das Kriterium der ungewöhnlich langen ärztlichen Behandlung ist dergestalt nur knapp und jedenfalls nicht in ausgeprägter Weise erfüllt. 4.2.6 Mit Vorinstanz und Parteien ist sodann von Dauerbeschwerden auszugehen. Die Versicherte leidet seit dem Unfall an Kopf- und Nackenschmerzen, wenngleich unterschiedlicher Intensität. So erlaubten diese es ihr etwa, den Lehrabschluss erfolgreich zu bestreiten und die Umschulung zur Kindergärtnerin zu absolvieren. 4.2.7 Zusammengefasst sind drei der sieben möglichen Kriterien gegeben. Keines ist in besonders ausgeprägter Weise ausgewiesen, eines gar nur knapp erfüllt, so dass sie angesichts der Qualifikation des Unfalls als leicht im mittleren Bereich in ihrer Gesamtheit nicht ausreichen, um die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu begründen. Das kantonale Gericht hat deshalb die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Folgen des Verkehrsunfalls vom 31. März 1993 hinsichtlich des Zeitraums nach September 1997 zu Recht verneint.