Citation: 6B_305/2022 E. 5.2

5.2. Die Vorinstanz bejaht (knapp) das Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls, gewichtet aber die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung vorliegend höher als die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz (Urteil S. 32 ff. E. IV). Sie führt aus, der im Jahr 1988 in der Schweiz geborene Beschwerdeführer habe hier die Schule besucht und verfüge über eine Niederlassungsbewilligung C. Es liege offensichtlich eine lange Aufenthaltsdauer vor. Zur familiären Situation sei festzuhalten, dass die Eltern und die Grossmutter des Beschwerdeführers in Serbien leben würden. Sein Bruder und seine Schwester, die beiden Nichten und zwei Tanten samt deren Töchtern seien alle Schweizer Bürger und würden hier wohnen. Der allein lebende Beschwerdeführer sei ledig und kinderlos. Er habe indessen erklärt, dass er eine Freundin (bzw. mittlerweile Verlobte) habe, mit der er eine Familie gründen wolle. Die Vorinstanz gelangt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer mit den vorgenannten Personen keine besonders intensive Beziehung pflege oder diese nicht von ihm abhängig seien. Obwohl er somit zwar über familiäre Beziehungen in der Schweiz verfüge, habe er hier dennoch weder eine Kernfamilie, noch pflege er besonders enge familiäre Beziehungen im Sinne von Art. 13 BV und Art. 8 EMRK (Urteil S. 35 f. E. IV. 3.2.1 f.). Nach eingehender Darlegung und Würdigung des beruflichen Werdegangs des Beschwerdeführers stellt die Vorinstanz fest, er habe immer wieder längere Zeit nicht gearbeitet. Die Intervalle, in denen er gearbeitet habe, seien regelmässig massiv kürzer als jene, in denen er nicht gearbeitet habe. Ausserdem sei der Beschwerdeführer jeweils bloss in einem Teilzeitpensum bzw. auf Abruf tätig gewesen. Er habe nie längerfristig an einer Stelle gearbeitet. Insgesamt sei er somit keineswegs gut in den Schweizer Arbeitsmarkt integriert. Die Phasen ohne Arbeit, seien zu einem hohen Grad selbstverschuldet, zumal es keinen nachvollziehbaren Grund gäbe, weshalb der Beschwerdeführer nach dem Abbruch der Lehre keine andere Ausbildung in Angriff genommen habe. Gerade bei einem in der Schweiz aufgewachsenen Ausländer, wie dem Beschwerdeführer, der hier die Schule besucht, die Sprache erlernt und die Gelegenheit gehabt habe, am Ende der obligatorischen Schulzeit aus einer breiten Palette an Möglichkeiten zur Ausbildung zu wählen, erscheine das Fehlen einer vertieften Ausbildung mit Blick auf die berufliche Integration in einem ungünstigeren Licht als etwa bei einer Person, die ohne Sprachkenntnisse eingewandert sei. Zusammenfassend sei die berufliche Integration des Beschwerdeführers als klar unterdurchschnittlich zu bezeichnen. Angesichts seiner Vorgeschichte sei schliesslich nicht sicher, dass er nach Verbüssen der vorliegend auszufällenden, erheblichen Freiheitsstrafe, die aktuelle Stelle halten könne bzw. einen neuen Job finden werde (Urteil S. 36 ff. E. IV. 3.2.3). Auch in finanzieller Hinsicht sei der Beschwerdeführer nicht so erfolgreich integriert, da er mit Fr. 4'500.-- verschuldet sei (Urteil S. 39 E. IV. E. 3.2.4). In Bezug auf die Möglichkeit einer Integration im Herkunftsland erwägt die Vorinstanz, da sich der Beschwerdeführer auf Serbisch "ziemlich schlecht" verständigen könne, wäre es für ihn zwar nicht einfach, aber trotzdem nicht unmöglich, sich in Serbien - wohin er gemäss eigener Aussage früher immer wieder in die Ferien, zuletzt vor etwa fünf Jahren, gefahren sei - zu integrieren. Seine Eltern und seine Grossmutter lebten dort, womit der Beschwerdeführer über nahe Verwandte vor Ort verfüge, die ihn auch bei der sozialen Integration unterstützen könnten. Auch in beruflicher Hinsicht sei eine Integration möglich. Einerseits lägen seine beruflichen Fähigkeiten nicht in einem Bereich, bei dem erhöhte Sprachkenntnisse erforderlich seien. Andererseits könne der Beschwerdeführer seinem derzeitigen Beruf als Bauspengler ohne Weiteres auch in Serbien nachgehen. Zu berücksichtigen sei ferner, dass er - insbesondere aufgrund der verschiedenen bisherigen Jobs - in der Lage sei, in seinem Heimatland in diversen Funktionen zu arbeiten. Nach dem Gesagten sei es dem Beschwerdeführer möglich, sich in seinem Heimatland beruflich und gesellschaftlich zu integrieren (Urteil S. 39 f. E. IV. 3.2.5). Was schliesslich die soziale Integration in der Schweiz anbelange, so sei nicht erkennbar, dass er hierzulande besonders verwurzelt sei (Urteil S. 40 E. IV. 3.2.6). Die Vorinstanz nimmt im Anschluss eine Interessenabwägung vor. In Bezug auf das öffentliche Interesse an der Landeverweisung sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zweimal eine Katalogtat begangen habe, wobei der Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung den Schutz des wichtigsten Rechtsguts Leib und Leben bezwecke. Zu beachten sei, dass der Beschwerdeführer rücksichtslos und in einer auf Gewalteskalation angelegten Einstellung die körperliche Integrität seiner ihm zuvor nicht bekannten Opfer und durch den Raufhandel von unbeteiligten Dritten gefährdet habe. Dies habe er aus nichtigem Anlass zwecks Befriedigung seines egoistischen Machtstrebens getan. Trotz der Einmaligkeit des Vorfalls und obschon seine Vorstrafe nur einen Hausfriedensbruch betreffe, müsse von einem erheblichen Rückfallrisiko ausgegangen werden. Im Übrigen gäbe es keine Anhaltspunkte, die auf ein zumindest teilweise vorhandenes öffentliches Interesse am Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz hindeuten würden. Vielmehr bestehe ein sehr hohes öffentliches Interesse an seiner Fernhaltung zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Was die privaten Interessen des Beschwerdeführers betreffe, werde wegen der hier verbrachten Kindheit bzw. Adoleszenz und der damit per se vorhandenen Verwurzelung von einem (knappen) schweren persönlichen Härtefall ausgegangen. Sein privates Interesse am Verbleib in der Schweiz bestehe insoweit, als er hier geboren und aufgewachsen sei, er die hiesige Sprache spreche und hier seine Freundin, Verwandte sowie Freunde leben würden. Die privaten Interessen des Beschwerdeführers seien jedoch nicht allzu hoch, da er hierzulande kein im Sinne der BV oder der EMRK geschütztes Familienleben pflege. Im Übrigen sei es für ihn ohne Weiteres möglich und zumutbar, von Serbien aus den Kontakt mit den in der Schweiz lebenden Verwandten und Freunden zu pflegen. Der Beschwerdeführer sei hierzulande beruflich klar unterdurchschnittlich integriert. Es sei für ihn möglich, sich in Serbien sowohl gesellschaftlich als auch beruflich zu integrieren. Zudem würden auch seine Eltern dort leben, was die Integration in Serbien begünstige und die dortigen Verhältnisse seien ihm nicht völlig unbekannt. Vor diesem Hintergrund überwiege das öffentliche Interesse an der Landesverweisung das private Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz erheblich. Demnach sei eine Landesverweisung anzuordnen (Urteil S. 40 f. E. IV. 3.3).