Citation: 4A_87/2018 E. 4.4

4.4. Wie ausgeführt hat sich der Gutachter deutlich gegen die Annahme der Fortführungsfähigkeit des Garagenbetriebes in der bisherigen Form ausgesprochen. Zu diesem Schluss gelangte er primär aufgrund von weitgehend objektiven und messbaren Faktoren, nämlich den - bereinigten - Geschäftszahlen der Jahre 2009 - 2013. Diese zeigten, in den Worten des Gutachters, folgendes Bild des Betriebes (Hervorhebung hinzugefügt) : "Unter Berücksichtigung dieser sachlichen Bereinigungen resultieren für alle Vergleichsjahre negative Cashflows und negative Betriebs- und Jahresergebnisse". Der Gutachter zeigte auf, dass die unbereinigten Erfolgsrechnungen der letzten Jahre vor der Transaktion nur deshalb zum Teil positive Jahresergebnisse aufwiesen, weil sie nicht lege artiserstellt wurden. Insbesondere wurde der Unternehmerlohn nicht berücksichtigt. Die diesbezüglichen Ausführungen des Gutachters wurden von der Vorinstanz teilweise ausgeblendet. Dass der Gutachter aus der andauernden Verlustsituation unter Berücksichtigung der Branchenentwicklungen und des Marktumfeldes ableitet, die Fortführungsfähigkeit des Betriebes sei - zumindest in der bisherigen Form - nicht gegeben, ist sehr wohl nachvollziehbar. Gegen diese auf eindeutige Zahlen beruhende Annahme bringt die Vorinstanz vor, für die Beurteilung der Fortführungsfähigkeit müssten die Absichten der Beschwerdeführerin als Käuferin beachtet werden. Dieser Einwand überzeugt nicht. Die Absichten der Beschwerdeführerin, die einen Grundlagenirrtum geltend macht, hängen (auch) von der finanziellen Situation des Betriebes ab, die es gerade mittels des Gutachtens zu beurteilen gilt. Wie die Verlustsituation behoben werden könnte, legt die Vorinstanz nicht dar; sie begnügt sich damit, auf die geplante "Kündigung verschiedener Mitarbeiter " hinzuweisen. Der Vorinstanz ist zwar darin beizupflichten, dass ein Zusammenschluss mit einem anderen Betrieb gemäss dem Gutachten eine Lösung zur Vermeidung der Liquidation der Garage darstellen könnte. Jedoch war ein solcher Zusammenschluss gerade nicht angestrebt, war doch - nach der verbindlichen Feststellung der Vorinstanz - der Plan der Beschwerdeführerin, eine existierende Garage zu erwerben und zu betreiben. Auch der vorinstanzliche Hinweis, die Garage werde heute noch betrieben, ist unbeachtlich. Abgesehen davon, dass dem angefochtenen Entscheid keine Angaben zu den Umständen dieser Weiterführung zu entnehmen sind, kann die Frage, ob ein Betrieb Ende 2012 im betriebswirtschaftlichen Sinne fortführungsfähig war, nicht anhand dessen beurteilt werden, dass er Anfang 2018 noch existiert. Damit, dass der Betrieb damals seit Jahren defizitär war, setzt sich die Vorinstanz nicht ansatzweise auseinander. Auch für die Festlegung einer Bandbreite von 20% bis 50% für den vom Nettosubstanzwert vorzunehmenden Abzug enthält der vorinstanzliche Entscheid keine überzeugende Begründung. Die Vorinstanz beschränkte sich darauf, den 50%-igen Abzug des Gutachters zu kritisieren, ohne jedoch Anhaltspunkte für ihre eigene Schätzung anzugeben. Zur Kritik des gutachterlichen Abzuges wiederholte sie ihre unbegründete Aussage, beim Betrieb handle es sich nicht um ein zu liquidierendes Unternehmen, sondern um eine funktionierende Garage. Weiter sei nach Auffassung der Vorinstanz bei der Ermittlung der Höhe des vorzunehmenden Abzuges der Goodwill zu berücksichtigen. Dabei verschweigt sie jedoch, dass dies vom Gutachter ausdrücklich ausgeschlossen wurde (" Obwohl die Unternehmung bestimmt eine grosse Stammkundschaft verzeichnet, kann betriebswirtschaftlich nicht von einem Unternehmens-Goodwill gesprochen werden, da sich dieser in den Ergebnissen widerspiegeln müsste, die nachweislich ungenügend waren"). Ebenfalls unbegründet ist die vorinstanzliche Aussage, der Abzug erscheine als zu hoch, weil der Gutachter die Kosten für die Reorganisation der Garage bei der Ermittlung des Nettosubstanzwertes bereits berücksichtigte. Dass der Gutachter eine Rückstellung von Fr. 20'000.-- in Zusammenhang mit den Kosten der Überführung des Betriebes auf die neuen Eigentümer bildete, sagt noch nichts über die betriebswirtschaftlich gerechtfertigte Höhe des Abzuges aus. Im Ergebnis sprach die Vorinstanz von einem funktionierenden Unternehmen, obwohl das Gutachten die Liquidation zum damaligen Zeitpunkt als kaum vermeidbar einschätzte. Weiter korrigierte sie die gutachterliche Schätzung des Fortführungswertes ohne überzeugende Begründung in erheblicher Weise. In diesen wesentlichen Punkten hat das Gericht Sinn und Tragweite des Gutachtens offensichtlich verkannt und für den Wert des Betriebes eine Bandbreite ermittelt, die erheblich von der Bewertung des Gutachters abweicht (vgl. E. 4.3 hiervor). Die vorinstanzliche Würdigung des Gutachtens, das sie erst auf Aufforderung des Bundesgerichts einholte, ist somit willkürlich (BGE 140 III 264 E. 2.3 S. 266; 137 III 226 E. 4.2 S. 234; 136 III 552 E. 4.2). Bemerkenswert ist insbesondere der Umstand, dass die willkürliche Korrektur der gutachterlichen Schätzung dazu führt, dass der Höchstwert der vorinstanzlichen Bandbreite (Fr. 104'992.80) knapp über dem vom Berater der Beschwerdeführerin ermittelten Mindestwert (Fr. 103'794.--) liegt. Sofern die Vorinstanz daraus ableitet, dies schliesse einen Irrtum aus, kann ihr nicht gefolgt werden, kann doch ihre willkürliche Beweiswürdigung nicht Grundlage für die Beurteilung dieser Frage bilden.