Citation: 6B_415/2021 E. 2.4

2.4. Die Vorinstanz erkennt zutreffend, dass die polizeilichen Einvernahmen unter Verletzung der Teilnahmerechte des Beschwerdeführers stattfanden. Vorliegend wurde D.________ anlässlich der Berufungsverhandlung vor Vorinstanz im Beisein des Beschwerdeführers und seines Verteidigers befragt (vorinstanzliche Akten act. 1217 ff.). Damit kam die Vorinstanz ihrer Pflicht nach, in Verletzung von Beweisvorschriften erhobene Beweise nochmals zu erheben. Dem Protokoll der Befragung im vorinstanzlichen Verfahren kann entnommen werden, dass D.________ offene Fragen gestellt wurden, die er mit einlässlicher Schilderung des Geschehens in eigenen Worten beantwortete. Dabei wurde ihm lediglich eine einzige Aussage aus seinen Depositionen gegenüber der Polizei aus der Einvernahme vom 27. Februar 2017 vorgehalten, dies allerdings nicht durch das Gericht, sondern durch die Verteidigung des Beschwerdeführers (vorinstanzliche Akten act. 1218). Da sich die erneute Befragung des Zeugen demnach nicht in einer formalen Bestätigung des früher Ausgesagten erschöpfte und der Beschwerdeführer resp. dessen Verteidigung dem Belastungszeugen diverse Fragen stellte, wurde der Konfrontationsanspruch des Beschwerdeführers gewahrt und die Verletzung seiner Teilnahmerechte durch die polizeiliche Befragung ohne seine Anwesenheit oder diejenige seiner Verteidigung von der Vorinstanz geheilt. Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit und die Verpflichtung der Rechtsmittelinstanzen zur Wiederholung von in Verletzung von Beweisvorschriften erhobenen Beweisabnahmen und damit deren nachträgliche Heilung explizit vorgesehen (VIKTOR LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Donatsch/Lieber/ Summers/Wohlers [Hrsg.], 3. Aufl. 2020, N. 3 f. zu Art. 389 StPO; SVEN ZIMMERLIN, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], 3. Aufl. 2020, N. 7 zu Art. 409 StPO; vgl. SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung [StPO], Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 4 zu Art. 389 StPO). Dabei ist es angesichts der Rechtsmittelkonzeption in der Strafprozessordnung, wonach gegen erstinstanzliche Strafurteile das ordentliche Rechtsmittel der Berufung zur Verfügung steht, unvermeidbar, dass zwischen ersten unverwertbaren Einvernahmen im Vorverfahren bis zur Wiederholung im Berufungsverfahren je nach Schwierigkeit und Komplexität des Falles mehrere Jahre liegen können. Solches kann auch bei einer Aufhebung und Rückweisung des letztinstanzlichen kantonalen Urteils durch das Bundesgericht zur neu vorzunehmenden Beweiswürdigung der Fall sein. Das führt für sich alleine auch bei einer vergangenen Zeit von mehreren Jahren nicht zur Unverwertbarkeit der neuen Aussagen, sofern diese selbst formulierte und aus der Erinnerung wiedergegebene Angaben zum Gegenstand der Strafuntersuchung enthalten und sich nicht in einer formalen Bestätigung von früher Ausgesagtem erschöpfen. Allfälligen Erinnerungslücken und Widersprüchen zu anderen Beweismitteln ist im Rahmen der freien Beweiswürdigung Rechnung zu tragen. Indem die Vorinstanz für ihre Beweiswürdigung ausschliesslich auf die durch die erste Instanz bzw. von ihr selber abgenommenen konfrontierten Aussagen (Urteil S. 11) und insbesondere nicht auf die polizeilichen Einvernahmen abstellt, verletzt sie weder Bundes- noch Konventionsrecht. Die Rüge erweist sich daher als unbegründet.