Citation: 6B_1294/2022 E. 4.4.3

4.4.3. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, stehen einer Landesverweisung insbesondere aufgrund der familiären Situation der Beschwerdeführerin nicht unerhebliche private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz entgegen. Diese wiegt die Vorinstanz gegen die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung ab. Die Beschwerdeführerin beanstandet die vorinstanzlichen Ausführungen, wonach es sich bei gewerbsmässigem Diebstahl um ein Verbrechen handle, weswegen von einer relativ hohen, abstrakten Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auszugehen sei. Die Beschwerdeführerin macht geltend, aufgrund des grossen Strafrahmens für gewerbsmässigen Diebstahl gebe es sehr unterschiedliche Schweregrade und auch die konkrete Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sei sehr unterschiedlich und individuell. Die Vorinstanz hätte sich mit dem Einzelfall auseinandersetzen müssen. Zwar ist ihr insoweit zuzustimmen, als eine rein abstrakte Gefährdung nicht ausreicht; jedoch setzt sich die Vorinstanz sehr wohl mit dem konkreten Fall auseinander. So hält sie fest, das Verschulden sei im unteren Bereich anzusiedeln und auch der Deliktsbetrag erscheine objektiv betrachtet noch als eher gering. Jedoch erwägt sie in diesem Zusammenhang auch, die Beschwerdeführerin habe Schmuckstücke von hilfsbedürftigen älteren Frauen gestohlen, welche für diese auch einen ideellen Wert gehabt hätten. Die Beschwerdeführerin kann aus ihrem Vorbringen nichts für sich ableiten. Der blosse Umstand, dass die Vorinstanz eine Freiheitsstrafe von acht Monaten ausgesprochen hat und damit im unteren Bereich des Strafrahmens geblieben ist, reicht entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht aus, um ihr eine wesentliche Gefährlichkeit ohne Weiteres abzusprechen. Die Vorinstanz berücksichtigt weiter zu Recht die sechs Vorstrafen der Beschwerdeführerin. Sie wurde mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Gossau vom 4. Juli 2013 wegen Betrugs und Urkundenfälschung schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 40.-- und einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt; mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Gossau vom 26. Februar 2016 wegen geringfügigen Diebstahls, mehrfachen Hausfriedensbruchs und Geldwäscherei zu einer teilbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.-- und einer Busse von Fr. 300.-- bei einer Probezeit von drei Jahren; mit Strafbefehl des Statthalteramts Bezirk Bülach vom 8. Juni 2016 wegen geringfügigen Diebstahls zu einer Busse von Fr. 600.--; mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 8. Juni 2016 wegen mehrfachen geringfügigen Diebstahls zu einer Busse von Fr. 600.--; mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 16. September 2016 wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.--; mit Strafbefehl des Statthalteramts Bezirk Bülach vom 5. Dezember 2017 wegen geringfügigen Diebstahls zu einer Busse von Fr. 2'000.--. Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, verfängt nicht. Vielmehr verfällt sie in rein appellatorische Kritik, wenn sie geltend macht, es handle sich um kleinere Delikte, sie sei gar selbst einem Betrüger "auf den Leim gegangen" und sie sei schlicht und ergreifend keine gefährliche Kriminelle, welche die innere Sicherheit der Schweiz gefährde (Art. 42 Abs. 2 BGG). Im Zusammenhang mit den zahlreichen Vorstrafen bezieht die Vorinstanz nachvollziehbar auch in ihre Würdigung mit ein, dass die Beschwerdeführerin noch während laufender Probezeit (Strafbefehl vom 26. Februar 2016 mit einer Probezeit von drei Jahren) sowie lediglich vier Monate nach der letzten Verurteilung mit Strafbefehl vom 5. Dezember 2017 erneut delinquierte. Ebenso ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie erwägt, die Beschwerdeführerin habe sich selbst von einer Verwarnung und dem Hinweis auf die Folgen der Straffälligkeit auf die Niederlassungsbewilligung durch das Migrationsamt Zürich nicht beeindrucken lassen, was eine deutliche Unbelehrbarkeit zeige. Was die Beschwerdeführerin mit Bezug auf die Rückfallgefahr vorbringt, überzeugt nicht. Es erübrigt sich nach den obigen Ausführungen, auf die Erwägungen der Vorinstanz zum laufenden Strafverfahren vor der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland einzugehen (vgl. oben E. 3.4). Als rein appellatorisch erweist sich zudem der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach sie seit Anfang 2022 als Unterhaltsreinigerin arbeite, dabei ausschliesslich Treppenhäuser und leerstehende Wohnungen reinige, nicht erneut mit älteren Personen zusammenarbeiten möchte und sich damit auch keine Konstellationen ergeben könnten, in welchen sich die begangenen Diebstähle ereignet hätten. Ebensowenig lässt sich die Legalprognose deshalb als positiv bezeichnen, da die Beschwerdeführerin eine geeignete Therapie gefunden habe, ihre Familie seit Anfang 2022 über sämtliche vergangenen und aktuellen Strafverfahren gegen sie umfassend informiert sei und sie unterstütze. Soweit diese Vorbringen überhaupt zu beachten sind (Art. 99 Abs. 1 BGG), kann die Beschwerdeführerin mangels rechtsgenüglicher Auseinandersetzung mit der vorinstanzlichen Urteilsbegründung nichts für sich daraus ableiten (Art. 42 Abs. 2 BGG). Es ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz gestützt auf diese verschiedenen Elemente eine hohe Rückfallgefahr und ein entsprechend hohes, konkretes öffentliches Interesse an einer Landesverweisung bejaht. Sie nimmt eine eingehende und umfassende Interessenabwägung vor. Dabei berücksichtigt sie auch, dass die Beschwerdeführerin in privater Hinsicht - abgesehen von der Situation ihres minderjährigen Sohns - nicht über hohe private Interessen verfügt. Weder liegt eine besondere Integration in der Schweiz in beruflicher oder sozialer Hinsicht vor, noch steht einer Wiedereingliederung in Deutschland etwas entgegen. Entsprechend lässt es sich vorliegend vertreten, die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung höher zu gewichten. Die Anordnung der Landesverweisung verletzt kein Bundesrecht.