Citation: 5A_747/2020 E. 3.4.2

3.4.2. Der Beschwerdeführer bestreitet, dass es sich bei der Berechnung der latenten Lasten um eine Rechtsfrage handle und neue Behauptungen daher während des ganzen Verfahrens uneingeschränkt zulässig seien. Die Beschwerdegegnerin habe ihre Ansprüche im erstinstanzlichen Verfahren unzulässig von Fr. 311'430.-- vor Aktenschluss auf Fr. 467'041.-- im Schlussvortrag erhöht und in der Anschlussberufung weiter ausgedehnt. Unter der Herrschaft des Verhandlungs- und Dispositionsgrundsatzes seien die latenten Lasten vor Aktenschluss zu beziffern. Die Bezifferung der zu berücksichtigenden Lasten sei Sache der Parteien; einen höheren als den vom Ansprecher geltend gemachten Betrag zu berücksichtigen, sei bundesrechtswidrig. Im Berufungsverfahren seien die Voraussetzungen von Art. 317 ZPO nicht gegeben gewesen, da sich die Beschwerdegegnerin schon vor Bezirksgericht mit der Eventualität hätte auseinandersetzen müssen, dass die gutachterliche Schätzung übernommen würde. Deshalb könnten unter diesem Titel höchstens Fr. 311'430.--, eventuell Fr. 467'041.-- berücksichtigt werden. Darüber hinaus beanstandet der Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz mit den errechneten Fr. 625'871.-- einen höheren Betrag berücksichtige, als die Beschwerdegegnerin in ihrer Anschlussberufung verlangt habe. In diesem Umfang liege eine unzulässige "reformatio in peius" vor. In prozessualer Hinsicht macht der Beschwerdeführer geltend, er habe nicht damit rechnen müssen, dass das Obergericht von höheren Lasten ausgehen würde als die Beschwerdegegnerin. Deshalb hätte ihn die Vorinstanz zu der für ihn überraschenden Rechtsanwendung anhören müssen. Der Beschwerdeführer bemängelt auch die vorinstanzliche Berechnung der latenten Lasten. Mit Bezug auf die Liegenschaften in V.________ (ZH) übersehe das Obergericht, dass die Gebühren für die öffentliche Beurkundung und den Grundbucheintrag von beiden Parteien zu gleichen Teilen geschuldet seien; im Ergebnis sei lediglich ein Betrag von Fr. 6'911.25 einzusetzen. Hinsichtlich der Liegenschaft U.________strasse vvv macht der Beschwerdeführer als Eventualbegründung geltend, dass das Steueramt den Verkehrswert im Zeitpunkt, als dieses "Renditeobjekt" erworben wurde, sicher auf über Fr. 2 Mio. schätzen und diesen Betrag der Berechnung anstelle des tatsächlichen Erwerbspreises von Fr. 1,4 Mio. zugrunde legen würde, womit (nach Abzug der Handänderungskosten und einer Maklerprovision) ein Grundstückgewinn von Fr. 1'464'613.-- und Grundstückgewinnsteuern von Fr. 292'922.-- resultieren würden. Was die Liegenschaften in Y.________ (GR) betreffe, lasse die Vorinstanz ausser Acht, dass die Handänderungssteuer einzig vom Erwerber des Grundstücks zu bezahlen sei, die Beschwerdegegnerin also in dieser Hinsicht gar nie Steuersubjekt sein werde. Grundstückgewinnsteuern fallen laut dem Beschwerdeführer im Kanton Graubünden überhaupt keine an. Für das Ferienhaus sei zu berücksichtigen, dass nach kantonalem Recht "pauschal 44 Prozent vom Erwerbspreis als Zuschlag für Geldentwertung auf Erwerbskosten... abgezogen" werden, so dass kein Grundstückgewinn, sondern ein Grundstückverlust von Fr. 360'000.-- resultiere. Beim Ökonomiegebäude gebe es keine latente Grundstückgewinnsteuer, da alle von ihm, dem Beschwerdeführer, getätigten wertvermehrenden Investitionen zu berücksichtigen seien. Schliesslich beklagt sich der Beschwerdeführer darüber, dass das Obergericht entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine nachvollziehbaren Annahmen darüber treffe, ob und wann die Beschwerdegegnerin ihre Liegenschaften verkaufen werde, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich die latenten Lasten also überhaupt realisieren werden. Was die Liegenschaften in V.________ (ZH) anbelangt, räume das Obergericht zwar ein, dass ein Verkauf mindestens vorderhand unwirtschaftlich wäre, trage dieser Erkenntnis bei der Bemessung der latenten Lasten jedoch nicht Rechnung. Die vorinstanzliche Überlegung, dass sich eine Reduktion nicht rechtfertige, weil die maximale Reduktion der Steuer wegen langer Besitzesdauer bereits erreicht sei, tadelt der Beschwerdeführer als Zirkelschluss. Die Veräusserung dieser Liegenschaften sei "durchaus ungewiss"; die Beschwerdegegnerin werde vielmehr alles daran setzen, in erster Linie die V.________er Liegenschaften zu halten und ihren bisherigen Wohnsitz beizubehalten. Auch bezüglich der Liegenschaften in Y.________ (GR) vermisst der Beschwerdeführer die von der Rechtsprechung vorgeschriebene Reduktion der errechneten latenten Lasten. Das Obergericht lasse lediglich die gesetzlich vorgesehene Ermässigung wegen langer Besitzesdauer zu und bezeichne eine weitere Reduktion im Hinblick auf eine erst spätere Veräusserung als spekulativ. Damit lege es seiner Berechnung letztlich die Annahme zugrunde, dass die Beschwerdegegnerin diese Objekte sofort nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils verkaufen werde, wofür es nicht den geringsten Anhaltspunkt gebe. Im Ergebnis will der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin unter dem Titel der latenten Lasten "ex aequo et bono" höchstens einen Betrag von Fr. 200'000.-- zugestehen; die Errungenschaft der Beschwerdegegnerin sei daher um Fr. 425'871.-- zu erhöhen.