Citation: 6B_1250/2013 E. 3.2

3.2. Der angefochtene Entscheid verletzt Bundesrecht. Die Vorinstanz hält fest, der Beschwerdeführer habe zwar um die lebensgefährliche Wirkung seines Vorgehens gewusst, jedoch keinen direkten Tötungsvorsatz gehabt; auch fehle es an einem erkennbaren Motiv für eine Tötung. Damit verneint sie sowohl, dass der Beschwerdeführer den Tod des Beschwerdegegners 2 wollte als auch, dass er irrig annahm, seine Tritte seien auf jeden Fall tödlich. Eine lebensgefährliche Verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB ist gegeben, wenn die Verletzung zu einem Zustand führt, in dem sich die Möglichkeit des Todes dermassen verdichtet, dass sie zur ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit wird (BGE 131 IV 1 E. 1.1; 125 IV 242 E. 2b/dd; Roth/Berkemeier, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N. 5 zu Art. 122 StGB; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz setzt das sichere Wissen um die unmittelbare Lebensgefahr mit der billigenden Inkaufnahme des Todes gleich. Sie zeigt keine objektiven Umstände auf, die darauf schliessen lassen, dem Beschwerdeführer habe sich durch sein Verhalten ein über die unmittelbare Lebensgefahr im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB hinausgehendes Todesrisiko aufgedrängt, was er billigend in Kauf genommen hätte. Die Vorinstanz setzt sich über das Gutachten des IRM St. Gallen hinweg, wenn sie bei Fusstritten gegen Kopf und Oberkörper eines - am Boden liegenden - Menschen generell ein hohes oder sogar sehr hohes Risiko des Todeseintritts bejaht. Das IRM St. Gallen betont, eine bestimmte Gewalteinwirkung, z.B. ein Fusstritt gegen den Kopf, gehe nicht regelhaft mit bestimmten Verletzungen oder einer bestimmten Verletzungsschwere einher und müsse nicht generell zum Tod führen oder lebensgefährlich sein. Die Vorinstanz scheint insoweit zu verkennen, dass die von Daniel H. Heinke in seiner Studie "Tottreten - eine kriminalwissenschaftliche Untersuchung" (Bremen 2010) gewonnenen Erkenntnisse auf Todesfälle durch Tottreten beruhen und für Verletzungsmuster überlebender Opfer von Angriffen durch Fusstritte nur bedingt aussagekräftig sind bzw. nicht eins zu eins übertragen werden können. Auch die konkreten Verletzungshandlungen erweisen sich vorliegend als nicht derart gefährlich, dass auf eine eventualvorsätzliche Tötung geschlossen werden kann. Gemäss Dr. C.________ und dem IRM barg die grosse Anzahl von Tritten auf den wehrlos am Boden liegenden Beschwerdegegner 2 die Möglichkeit schwerer und lebensgefährlicher Verletzungen, nicht hingegen ein gesteigertes Todesrisiko. Dass die angewendete Gewalt nicht zu schwersten Verletzungen führte, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Beschwerdegegner 2 sich mit beiden Armen unablässig und effizient den Kopf schützte (Dr. C.________, kantonale Akten S 1 30). Der Beschwerdegegner 2 konnte sich zwar gegen die Tritte nicht wehren, war diesen jedoch - anders als eine bewusstlos am Boden liegende Person - zu keinem Zeitpunkt schutzlos ausgesetzt. Er befand sich nie in (unmittelbarer) Lebensgefahr und wies keinerlei augenscheinliche Verletzungen auf. Die erlittenen Blutergüsse und Prellungen an Armen und im Gesicht konnten von ihm selbst behandelt werden und waren bereits nach vier Tagen überwiegend verheilt. Nach eigenen Angaben waren die Tritte - wohl auch aufgrund seiner Alkoholisierung (ca. 8 Flaschen zu 3 dl Bier) - nicht allzu schmerzhaft. Dass der Beschwerdeführer keinen Einfluss darauf hatte, wie effizient sich der Beschwerdegegner 2 schützen konnte und nicht wusste, ob und ggf. was für Verletzungen dieser erlitten hatte, ist kein Beleg (zu Ungunsten) des Beschwerdeführers, er habe den Tod des Beschwerdegegners 2 in Kauf genommen. Er hat gesehen, dass der Beschwerdegegner 2 sich permanent gegen die Tritte schützen konnte und musste vorliegend nicht von schwerwiegenderen Folgen als einer lebensgefährlichen Körperverletzung ausgehen.