Citation: 7B_1156/2024 E. 2.2.2

2.2.2. Sodann geht die Vorinstanz nachvollziehbar davon aus, für die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers sei bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit bereits im Zeitpunkt der Einreichung der Berufungserklärung am 14. Juni 2024 erkennbar gewesen, dass Oberrichterin Bengtsson gemäss ordentlicher Gerichtsbesetzung im Berufungsverfahren gegen den Beschwerdeführer mitwirken würde. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers von der publizierten Gerichtsbesetzung Kenntnis haben musste und dass dieses Kennenmüssen dem Beschwerdeführer zugerechnet wird. Dagegen ist es mit der dargestellten bundesgerichtlichen Praxis nicht zu vereinbaren, wenn die Vorinstanz davon ausgeht, der Beschwerdeführer habe, als er das obergerichtliche Verfahren eingeleitet habe, bereits vom Ausstandsgrund Kenntnis haben müssen. Zunächst macht der Beschwerdeführer nachvollziehbar geltend, seine Verteidigerin habe die Mitwirkung von Oberrichterin Bengtsson im früheren Verfahren erst am 16. Oktober 2024 bemerkt, als sie mit der Ausarbeitung des Plädoyers für die Berufungsverhandlung vom 1. November 2024 begonnen und nochmals das Urteil gegen D.________ eingänglich betrachtet habe. Vor allem aber ergibt sich der Ausstandsgrund in Konstellationen wie der vorliegenden gerade nicht ohne Weiteres aus dem Umstand, dass die fragliche Richterin einen anderen Tatverdächtigen oder möglichen Tatbeteiligten freigesprochen oder verurteilt hat, sondern daraus, dass sie sich dabei in einer Weise festgelegt hat, die das Verfahren nicht mehr als offen erscheinen lässt. Ob dies der Fall ist, kann jedoch erst bei näherer Auseinandersetzung mit der schriftlichen Entscheidbegründung beurteilt werden. Der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers kann vor diesem Hintergrund nicht vorgeworfen werden, dass sie den Ausstandsgrund erst bei der Vorbereitung auf die Berufungsverhandlung erkannt hat. Im Ergebnis betrachtet die Vorinstanz entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die blosse Möglichkeit, den Ausstandsgrund zu erkennen, als fristauslösend. Der Beschwerdeführer hat sein Ausstandsgesuch rechtzeitig gestellt. Dementsprechend braucht nicht beurteilt zu werden, ob hier ein ganz offensichtlicher Anschein der Befangenheit gegeben ist, bei dem der Ausstand ausnahmsweise nicht innert Frist verlangt werden muss.