Citation: 2C_911/2022 E. 6.3

6.3. Der Beschwerdeführer scheint in seiner Nichtzulassung zum Lernvikariat trotz abgeschlossenem Theologiestudium eine Verletzung von Art. 95 Abs. 2 Satz 2 BV zu sehen. Nach dieser Bestimmung hat der Bund zu gewährleisten, dass Personen mit einer wissenschaftlichen Ausbildung oder einem eidgenössischen, kantonalen oder kantonal anerkannten Ausbildungsabschluss ihren Beruf in der ganzen Schweiz ausüben können. Dabei handelt es sich - in erster Linie - um einen Gesetzgebungsauftrag an den Bund (vgl. Peter Hettich, in: Ehrenzeller u.a. [Hrsg.], Die schweizerische Bundesfassung, St. Galler Kommentar, 4. Aufl. 2023, N. 16 f. zu Art. 95 BV; Giovanni Biaggini, BV Kommentar, Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 2. Aufl. 2017, N. 11 zu Art. 95 BV). Es ist daher fraglich, ob sich daraus Ansprüche ableiten lassen, die ohne vorgängige Umsetzung durch die Gesetzgebung direkt anwendbar sind (dazu Biaggini, a.a.O., N. 11 zu Art. 95 BV; Felix Uhlmann, in: Waldmann/Belser/Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesverfassung, 2015, N. 15 zu Art. 95 BV). Fraglich ist ausserdem, ob sich die Bestimmung nur auf privatwirtschaftliche oder auch auf gewisse staatliche Tätigkeiten bezieht (dazu Botschaft über eine neue Bundesverfassung vom 20. November 1996, BBl 1997 I 299 f.; Damiano Canapa, in: Commentaire romand, N. 31, 33 zu Art. 95 BV; Uhlmann, a.a.O., N. 17 zu Art. 95 BV). Beides kann aber letztlich offen bleiben. Denn Art. 95 Abs. 2 BV schliesst jedenfalls nicht aus, dass das kantonale oder interkantonale Recht die Zulassung zu einer der Berufsausübung vorangehenden praktischen Ausbildung wie dem Lernvikariat von bestimmten Voraussetzungen wie einem Wohnsitz im betreffenden Gebiet abhängig macht (vgl. BGE 125 I 276 E. 5c.aa). Da der Beschwerdeführer das konkret geltende Wohnsitzerfordernis nicht erfüllt, kann er aus Art. 95 Abs. 2 BV nichts für sich ableiten.