Citation: 1A.9/2003 22.08.2003 E. 4

Nach Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR muss die dem Rechtshilfeersuchen zugrunde liegende strafbare Handlung sowohl nach dem Recht des ersuchenden Staates als auch nach demjenigen des ersuchten Staates strafbar sein. Der Kantonsgerichtspräsident hielt fest, aufgrund der Darstellung des Sachverhalts im italienischen Rechtshilfeersuchen bestünden Anhaltspunkte für eine fahrlässige Tötung, welche Handlung sowohl in Italien (Art. 589 des italienischen Strafgesetzbuches) als auch in der Schweiz (Art. 117 StGB) unter Strafe gestellt sei. Daran ändere nichts, dass bisher nicht nachgewiesen oder dargelegt sei, dass alle Tatbestandselemente der fahrlässigen Tötung erfüllt worden seien. Diese Überlegungen sind entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin nicht zu beanstanden. Wie ausgeführt wurde (E. 3.2), ergibt sich aus dem italienischen Rechtshilfebegehren, dass die ersuchende Behörde von einem gewissen Verdacht ausgeht, die zuständigen leitenden Personen der Beschwerdeführerin hätten durch Verletzung von Sorgfaltspflichten den Tod von Arbeitern verursacht, die in den Werken der Beschwerdeführerin mit Asbest gearbeitet hatten und an einem Asbesttumor gestorben waren. Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung im Sinne von Art. 117 StGB setzt voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat (BGE 127 IV 34 E. 2a S. 38; 126 IV 13 E. 7a/bb S. 16). Die Vorinstanz nahm zu Recht an, der Sachverhalt, welcher Gegenstand des italienischen Rechtshilfebegehrens bildet, würde nach schweizerischem Recht unter den Tatbestand von Art. 117 StGB fallen. Unzutreffend ist die Auffassung der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe den Grundsatz der beidseitigen Strafbarkeit verletzt, indem sie "trotz fehlender italienischer Strafhoheit" Rechtshilfe gewährt habe. Nach Art. 6 des italienischen Strafgesetzbuches gilt eine strafbare Handlung auch dann als innerhalb des italienischen Staatsgebietes begangen, wenn in diesem Gebiet der Erfolg der Handlung oder Unterlassung eingetreten ist. Die Vorinstanz ging zu Recht davon aus, die italienische Strafhoheit sei gegeben, denn das Ersuchen beziehe sich nur auf den Vorwurf der fahrlässigen Tötung in Bezug auf Arbeiter der Beschwerdeführerin, die in Italien an einem Asbesttumor gestorben seien.