Citation: 9C_220/2024 E. 4.3.2

4.3.2. Von der rechtlichen Qualifikation von Aufwendungen als geschäftsmässig begründet zu unterscheiden ist die Frage von deren Nachweis. Dieser obliegt, da es um steuermindernde Tatsachen geht, dem Steuerpflichtigen (vgl. BGE 143 II 661 E. 7.2). Während es hinsichtlich der steuerrechtlichen Anerkennung eines verbuchten Aufwands als geschäftsmässig begründet grundsätzlich nicht Sache der Steuerbehörden ist, dessen Zweckmässigkeit in Frage zu stellen, bleibt es hinsichtlich der Frage, ob und ggf. in welchem Umfang tatsächlich entsprechende Aufwendungen entstanden sind (namentlich ob mit solchen Aufwendungen der steuerpflichtigen Person tatsächlich zugeflossene Leistungen "eingekauft" wurden), bei der Beweislastverteilung gemäss der Normentheorie, d.h. im Fall der Beweislosigkeit trägt die steuerpflichtige Person deren Folgen (Urteil 2C_153/2021 vom 25. August 2021 E. 3.2.3). Diese für das ordentliche Verfahren massgebliche Beweislastverteilung gilt auch für das Steuerstrafverfahren. Sie widerspricht nicht der Unschuldsvermutung, zumal dem Steuerpflichtigen offensteht, wenn sich mangels Nachweises des Empfangs einer Leistung, für welche ein Aufwand verbucht wurde, die natürliche Vermutung für die Unbegründetheit der entsprechenden Buchung ergibt, durch allfällige von ihm eingereichte weitere Beweise wiederum Zweifel hinsichtlich des Fehlens einer Leistung entstehen zu lassen bzw. diese doch noch nachzuweisen. Das bedeutet nicht, dass dem beschuldigten Steuerpflichtigen damit der Nachweis seiner Unschuld auferlegt würde. Misslingt ihm der Nachweis des Bestehens einer dem verbuchten Aufwand korrespondierenden Leistung, so wirkt sich der durch die Steuerverwaltung erbrachte Nachweis der fehlenden Leistung, d.h. die hinsichtlich der Aufwandbuchung bestehende Beweislosigkeit, zu seinen Lasten aus (vgl. Urteil 2C_1157/2016 / 2C_1158/2016 vom 2. November 2017 E. 4.2.3 m.H.).