Citation: I 613/03 11.11.2004 E. 2

2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der hier anwendbaren, bis Ende 2003 gültig gewesenen Fassung) hat der Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn er mindestens zu 66 2/3 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist; in Härtefällen hat der Versicherte nach Art. 28 Abs. 1bis IVG (in Kraft gestanden bis Ende 2003) bereits bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine halbe Rente. 2.2 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad auf Grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das der Versicherte nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das er erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (Art. 28 Abs. 2 IVG). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 Erw. 1, 104 V 136 Erw. 2a und b). 2.3 Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige (Art. 27 IVV) ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Dabei wird, im Unterschied zur spezifischen Methode für Nichterwerbstätige, die Invalidität nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchem bemessen. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise, eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 30 Erw. 1, 104 V 137 Erw. 2c; AHI 1998 S. 120 Erw. 1a und S. 252 Erw. 2b). 2.4 Die Voraussetzungen für das ausserordentliche Bemessungsverfahren des erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs können sowohl bei Selbstständigerwerbenden, häufig bei Landwirten, als auch bei Unselbstständigerwerbenden erfüllt sein (BGE 104 V 137 Erw. 2c). Die Anwendung dieses Bemessungsverfahrens ändert im Übrigen nichts daran, dass von den Versicherten zur Verbesserung der Erwerbsfähigkeit im angestammten Arbeitsbereich allenfalls geeignete Eingliederungsvorkehren - im Sinne der Selbsteingliederung oder der Durchführung von seitens der Verwaltung angeordneten Eingliederungsmassnahmen - verlangt werden können. Von der versicherten Person dürfen jedoch nur Eingliederungsanstrengungen verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 28 Erw. 4a mit Hinweisen; AHI 2001 S. 282 Erw. 5a/aa; RKUV 1996 Nr. U 237 S. 37 Erw. 3d). Unter sämtlichen Verfahrensbeteiligten ist zu Recht unbestritten, dass dem Beschwerdeführer eine (selbstständige oder unselbstständige) Erwerbstätigkeit ausserhalb seines eigenen Landwirtschaftsbetriebs aus medizinischen Gründen nicht zugemutet werden kann. Denn nach der überzeugenden Schlussfolgerung im polydisziplinären Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 13. September 2001 wäre bei einer derartigen beruflichen Umstellung eine massive psychische Krise zu befürchten. In diesem Zusammenhang gilt es, die im angefochtenen Entscheid zum Ausdruck gelangende Falschinterpretation der höchstrichterlichen Rechtsprechung zum Grundsatz "Eingliederung vor Rente" zu korrigieren. Im vom kantonalen Gericht angeführten Urteil V. vom 20. August 2002 (I 347/00) stellte das Eidgenössische Versicherungsgericht keineswegs fest, dass die Verwaltung bloss die Möglichkeit, nicht aber die Pflicht habe, vor einer Rentenzusprechung die Eingliederungsaussichten zu prüfen. Vielmehr musste im genannten Urteil eine vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (trotz Fehlens der erforderlichen Voraussetzungen und somit) unzulässigerweise vorgenommene Ausdehnung des erstinstanzlichen Beschwerdeverfahrens über den Anfechtungsgegenstand hinaus berichtigt werden (so schon Erw. 1 des Urteils V. vom 16. März 2004, I 183/03). Der nach ständiger Rechtsprechung die Invalidenversicherung beherrschende materiellrechtliche Grundsatz "Eingliederung vor Rente" (BGE 126 V 243 Erw. 5) wurde in jenem wie im hier zu beurteilenden Fall von keiner Seite in Zweifel gezogen.