Citation: 7B_859/2024 E. 3.5.3

3.5.3. Eine verminderte Schuldfähigkeit schliesst Skrupellosigkeit nicht grundsätzlich aus (vgl. Urteil 6S.334/2004 vom 30. November 2004 E. 3.2 mit Hinweis). Aufgrund der Umstände ist nicht zwingend auf eine Schuldunfähigkeit des Beschwerdeführers zu schliessen, da er in seinem stark alkoholisierten Zustand noch telefonisch mehrere Personen herbeirief und bei einer Abgabe von 32 Schüssen seine Schusswaffe mehrfach nachgeladen haben musste. Abgesehen davon kann strafprozessuale Haft selbst dann zulässig sein, wenn die Aussicht besteht, die beschuldigte Person könnte von Schuld und Strafe freigesprochen werden. Der vom Haftgericht hier zu prüfende dringende Tatverdacht gemäss Art. 221 Abs. 1bis lit. a StPO beschränkt sich daher auf eine tatbestandsmässige und rechtswidrige Gefährdung des Lebens nach Art. 129 StGB. Das Vorliegen und das Ausmass der strafrechtlichen Schuldfähigkeit sowie die schuldangemessene bzw. sachlich gebotene (verschuldensunabhängige) Sanktion ist demgegenüber vom Sachgericht nach Vorliegen des psychiatrischen Schuldfähigkeitsgutachtens zu prüfen (vgl. zum Ganzen: BGE 143 IV 330 E. 2.2; Urteil 1B_403/2022 vom 23. August 2022 E. 3.3.2).