Citation: 9C_364/2023 E. 2.1.3

2.1.3. Wird die natürliche oder juristische Person in einer Steuerperiode zu einem Reingewinn veranlagt und ficht sie diese Veranlagung nicht an, rechtfertigt der Verzicht auf die Ergreifung eines Rechtsmittels gegen eine derartige Veranlagung die Annahme, dass keine verrechenbaren Verluste (mehr) vorliegen. Insofern liegt über das Bestehen von Verlusten bzw. über deren vollständige Kompensation mit Gewinnen bis und mit Abschluss des zuletzt steuerlich erfassten Geschäftsjahres ein rechtskräftiger Entscheid vor, auf welchen nicht mehr zurückgekommen werden kann, es sei denn, die Voraussetzungen einer Revision seien erfüllt. Eine andere Lösung wäre mit der Rechtssicherheit nicht vereinbar. Frühere Beurteilungen der Steuer (justiz) behörden könnten in späteren Steuerperioden immer wieder infrage gestellt werden. Über Verluste erginge nie eine definitive Entscheidung. Die steuerpflichtige Person würde dadurch in die Lage versetzt, in neuen Steuerperioden auf vormals akzeptierte Beurteilungen und eigene Erklärungen zu Bestand und Höhe von Verlusten zurückzukommen, was mit dem Grundsatz von Treu und Glauben und dem daraus folgenden Verbot widersprüchlichen Verhaltens (Art. 5 Abs. 3 BV) nicht zu vereinbaren wäre (vgl. u.a. Urteile 2C_696/2013 vom 29. April 2013 E. 3.2 u. 3.4.2; 2C_973/2012 / 2C_974/2012 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2; 2C_240/2011 vom 8. April 2011 E. 2; 2C_220/2009 vom 10. August 2009 E. 8.1; 2C_475/2008 vom 1. Juli 2009 E. 3.3; je m.w.H.).