Citation: 6B_63/2020 E. 2.3.2

2.3.2. Konkret wird dem Beschwerdeführer in der Anklageschrift vorgeworfen, bei der Beurteilung der CT-Bilder von D.E.________ sel. in gemeinsamer Besprechung mit F.________ keine Hinweise für eine Anastomoseninsuffizienz erkannt zu haben. Diese Beurteilung sei nach dem allgemeinen fachlichen Wissensstand nicht vertretbar und genüge den objektiven Anforderungen an die ärztliche Kunst nicht. Der Beschwerdeführer hätte das Ausmass der freien Luft, insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden Schmerzproblematik trotz laufender Periduralanästhesie und ergänzender Gabe von Morphium, als potentielles indirektes Anzeichen einer Anastomoseninsuffizienz erkennen und weitere ärztliche Untersuchungen des Patienten durchführen bzw. durchführen lassen müssen. Auch als der Beschwerdeführer am 18. August 2010 um ca. 21.00 Uhr durch das Pflegepersonal telefonisch informiert worden sei, dass sein Patient erneut und trotz der von ihm im Anschluss an die CT-Untersuchung veranlassten Massnahmen (Einlegen einer Magensonde, Verabreichen zusätzlicher Schmerz- und Beruhigungsmittel) heftige Schmerzen habe, habe er es weiterhin unterlassen, ergänzende ärztliche Untersuchungen einzuleiten, und D.E.________ sel. am Telefon mit erneutem Verweis auf die (falsche) Interpretation der CT-Bilder erklärt, es bestehe kein Handlungsbedarf. Auch dieses Verhalten genüge den objektiven Anforderungen an die ärztliche Kunst nicht (vgl. kant. Akten pag. 678 f.). Für den Beschwerdeführer war mit diesen Ausführungen hinreichend klar erkennbar, was ihm zum Vorwurf gemacht wird. Dass die gebotenen weiteren bzw. ergänzenden ärztlichen Untersuchungen des Patienten in der Anklage nicht weiter präzisiert bzw. die vorzunehmenden Untersuchungen nicht im Einzelnen benannt werden, schadet nicht. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, kann davon ausgegangen werden, dass dem Beschwerdeführer in seiner Eigenschaft als erfahrener laparoskopischer Chirurg, welcher gemäss eigenen Aussagen 2000 bis 3000 Patienten in dieser Form operiert hat, die vorzunehmenden ergänzenden und notwendigen ärztlichen Untersuchungen bestens bekannt waren (vgl. angefochtenes Urteil S. 7). Dazu kommt, dass sich diese auch aus den von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen, der Anklage zugrunde liegenden und dem Beschwerdeführer im Laufe des Untersuchungsverfahrens zur Kenntnis gebrachten Gutachten entnehmen lassen: So nennt etwa das rechtsmedizinische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern vom 11. Februar 2011 neben der CT-Untersuchung, die klinische Untersuchung (inkl. Blutdruck- und Pulsmessung) sowie die Blutanalyse auf Zeichen eines Blutverlusts und Infekts als ärztliche Untersuchungen, welche der frühzeitigen Entdeckung allfälliger Komplikationen dienen (kant. Akten pag. 174) und führt zudem an, dass bei Komplikationen die Indikation zur chirurgischen Intervention in Form einer Relaparoskopie oder einer Relaparotomie gegeben sei (kant. Akten pag. 176). Ferner wird im ergänzenden Aktengutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern vom 23. Januar 2014 darauf hingewiesen, dass im Fall von D.E.________ sel. in den Patientenakten das ansonsten üblicherweise vorliegende Datenmaterial zu klinischen und laborchemischen Untersuchungen fehle (kant. Akten pag. 361). So fehle es etwa an der Fortsetzung der Körpertemperatur-Kurve/-Werte im Anschluss an die letzte dokumentierte Messung mit einem Wert von 38.3 C° um 14.45 Uhr des 18. August 2010, an einer gezielten ärztlichen klinischen Untersuchung des Bauches von D.E.________ sel. am späten Abend des gleichen Tages und damit verbunden auch an einer allfällig erneuten Standortbestimmung der Laborparameter im Vergleich zu den um 9.35 Uhr des 18. August 2010 abgenommenen Werten (kant. Akten pag. 360). Dem Beschwerdeführer war damit durchaus bewusst, um welche medizinischen Untersuchungen und Massnahmen es vorliegend ging. Die Anklageschrift ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Umgrenzung des Prozessgegenstandes und der Information des Angeklagten (Urteile 6B_550/2019 vom 8. Juli 2019 E. 2.2; 6B_361/2017 vom 2. November 2017 E. 2.4.1). Dass der Beschwerdeführer sich gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht sachgerecht hätte verteidigen können, ist unter dem Gesichtspunkt des Anklagegrundsatzes nicht ersichtlich.