Citation: 2C_99/2024 E. 3.2.4

3.2.4. Auch die sicherheitspolitische Lage lässt die Aufenthaltsbeendigung entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers nicht als unzumutbar erscheinen. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, auf die für die Beurteilung der Zumutbarkeit einer aufenthaltsbeendenden Massnahme abgestellt werden kann (vgl. Urteile 2C_355/2020 vom 12. August 2020 E. 7.4; 2C_679/2019 vom 23. Dezember 2019 E. 6.4.3; 2C_666/2017 vom 1. Februar 2018 E. 3.3.2), ist der Wegweisungsvollzug nach Libyen und insbesondere nach Tripolis zumutbar, wenn begünstigende Faktoren vorliegen (vgl. das Referenzurteil D-6946/2013 vom 28. März 2018 E. 6.5, bestätigt z.B. mit Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts E-1936/2024 vom 2. Mai 2024 E. 8.4 und 8.5; D-1440/2023 vom 29. März 2023 E. 6.3.1; D-7157/2018 vom 8. Dezember 2021 E. 7.2). Als begünstigende Faktoren gelten u.a. eine intakte Gesundheit bzw. Erwerbsfähigkeit, eine Schulbildung im Herkunftsland, eine frühere Erwerbstätigkeit, ein familiäres Beziehungsnetz in Tripolis sowie finanzielle Mittel (Urteil D-6946/2013 vom 28. März 2019 E. 6.5.4). Wie die Vorinstanz zutreffend erkannte, sind vorliegend das abgeschlossene Studium, die frühere berufliche Tätigkeit in Libyen und die intakten Beziehungen zu Familienangehörigen in Tripolis als begünstigende Faktoren zu werten. Hinzu kommt, dass der EGMR unlängst entschied, dass sich die Sicherheitslage in Libyen - wiewohl nach wie vor prekär ("serious and fragile") - seit dem Waffenstillstand vom Oktober 2020 derart entwickelt habe, dass nicht angenommen werden könne, die Rückkehr libyscher Staatsbürger nach Libyen stelle für diese generell ein ernsthaftes Risiko dar (vgl. Urteil des EGMR A.A. gegen Schweden vom 13. Juli 2023 [4677/20] §§ 50-52). Der Beschwerdeführer bringt im Übrigen nicht vor, ihn erwarte in Libyen eine konkrete Gefahr für Leib und Leben, sondern beschränkt sich auf allgemeine Hinweise zur Sicherheitslage. Dadurch vermag er die dargelegten begünstigenden Faktoren nicht zu entkräften (vgl. Urteil 2C_572/2020 vom 22. Oktober 2020 E. 4.7).