Citation: 6B_1060/2019 E. 3.2.2

3.2.2. Bei der Festlegung des zulässigen Verhaltens und der zu respektierenden Sorgfaltspflichten sind im Fussballspiel nebst dem allgemeinen Grundsatz "neminem laedere" insbesondere auch die vom International Football Association Board (IFAB) festgelegten Spielregeln zu beachten. Letztere dienen auch der Unfallverhütung und der Sicherheit der Spieler. Wird eine den Schutz der Spieler vor Verletzungen bezweckende Spielregel absichtlich oder in grober Weise missachtet, so darf keine stillschweigende Einwilligung in das der sportlichen Tätigkeit innewohnende Risiko einer Körperverletzung angenommen werden (BGE 145 IV 154 E. 2.2 S. 158; 134 IV 26 E. 3.2.4 S. 29; 121 IV 249 E. 3 und 4 S. 252 ff.; 109 IV 102 E. 2 S. 105 f.). Je krasser Regeln verletzt werden, die dem körperlichen Schutz der Spieler dienen, desto weniger kann von der Verwirklichung eines spieltypischen Risikos gesprochen werden und desto eher rückt eine strafrechtliche Verantwortlichkeit des Spielers ins Blickfeld (BGE 145 IV 154 E. 2.2 S. 158; BGE 134 IV 26 E. 3.2.5 S. 31 mit Hinweisen). Die mit körperkontaktbetonten Mannschaftssportwettkämpfen zwangsläufig einhergehenden "normalen" Fouls gehören indes zum Grundrisiko des Fussballspiels. Nur ein nach den Umständen als grob beurteilendes Fehlverhalten rechtfertigt es, die Grenzen des stillschweigenden Einverständnisses des Spielers zum Verletzungsrisiko als überschritten zu betrachten und eine strafrechtliche Sanktion auszusprechen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.5 S. 30 f.; ROTH/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N. 23 zu Vor Art. 122 StGB). Dabei gilt es zu beachten, dass einzig die Schwere des Fouls und nicht etwa die daraus resultierenden Verletzungsfolgen für die Beurteilung einer strafrechtlich relevanten Sorgfaltspflichtverletzung ausschlaggebend sein können.