Citation: 2C_460/2017 E. 3.5.2

3.5.2. Eine strafrechtliche Verurteilung ist deshalb keine Voraussetzung für die Annahme häuslicher Gewalt gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AuG, weil Strafverfahren in der Praxis aus unterschiedlichsten Gründen eingestellt werden können, sodass ungewiss bleibt, ob häusliche Gewalt stattgefunden hat (BGE 138 II 229 E. 3.3.3 S. 237; HUGI YAR, a.a.O., S. 86). Die Voraussetzungen für ein ausländerrechtliches Beweisverfahren wurden bereits ausgeführt (E. 3.3). Im vorinstanzlichen Verfahren legte die Beschwerdeführerin betreffend physische Gewalt neben den bekannten Arztberichten die schriftliche Bestätigung einer Person namens G.________ vor, welche sich selbst als langjährige Freundin der Beschwerdeführerin und von deren Ehegatte bezeichnet und in der Beschwerde an das Verwaltungsgericht als ehemalige Ehefrau von B.________ aufgeführt wird, wobei Belege dafür fehlen. Der entsprechende Text lautet: "Hiermit bestätige ich, dass B.________ ein unberechenbarer Mann ist, welcher all seine Ehefrauen und seine Kinder regelmässig geschlagen hat. Ebenso möchte ich den regelmässigen Drogenkonsum seinerseits noch erwähnen." Dabei handelt es sich um eine allgemeine Behauptung, welche weder bezüglich betroffener Personen noch Ort, Zeit oder Handlungen konkretisiert oder näher belegt ist. Für den angeblichen Drogenkonsum fehlen ebenfalls jegliche konkrete Hinweise und Belege. Die Vorinstanz hat dieses Beweismittel zu Recht nicht berücksichtigt. Zeugen für eine physische Gewalt am 14. Dezember 2011 oder 28. Januar 2012 gibt es gemäss vorinstanzlichem Sachverhalt nicht und die Beschwerdeführerin hat auch keine entsprechenden Zeugen offeriert. Bezüglich des Vorfalls vom 14. Dezember 2011 führte der Ehemann in einer schriftlichen Stellungnahme an die Kantonspolizei Schwyz vom 6. Februar 2012 (zu seiner Strafanzeige gegen die Beschwerdeführerin) aus, er sei um 02.30 Uhr nachts durch ständiges Läuten an der Eingangstüre des Gebäudes geweckt worden und habe mittels Überwachungskamera gesehen, wie seine Ehefrau betrunken am Boden gesessen und versucht habe ihrer Begleitperson bzw. Arbeitgeberin, Frau H.________ aus W.________, Instruktionen zum Öffnen der Tür zu geben. Da er die Tür bereits geöffnet habe, sei seine Ehefrau schliesslich taumelnd in die Wohnung getreten und nach der Lektüre seines SMS, worin er an der Fortführung der Ehe zweifelte, mit Spucken und Schlägen auf ihn los gegangen und habe verschiedene Gegenstände zerstört. Als sie nach einem wertvollen Bild habe greifen wollen, habe er sie von hinten während 10 Minuten auf dem Boden festgehalten, bis sie erschöpft gewesen sei. Die Beschwerdeführerin sagte diesbezüglich in der polizeilichen Einvernahme vom 15. Februar 2012 aus, ihr Ehemann sei tätlich gegen sie geworden, ohne jedoch die Handlungen näher zu konkretisieren. Da er ihr das Telefon weggenommen habe, habe sie nicht die Polizei rufen können. Er habe sie gepackt und geschüttelt. Nachdem sie um Hilfe geschrien habe, habe er sie auf den Boden gedrückt und mit ihren Armen hinter ihrem Rücken während einer Stunde festgehalten. Der Arztbericht von Dr. I.________ vom 29. Januar 2012, Permanence Hauptbahnhof Zürich, diagnostiziert bezüglich 14. Dezember 2011 mehrere kleine Hämatome an beiden Handgelenken und an beiden Unterarmen sowie ein Hämatom am rechten Oberarm, aber keine Einschränkung der Beweglichkeit oder sonstige Beeinträchtigung und empfiehlt Kontrolle bei Bedarf. Strafrechtlich würde es sich, falls dieser Befund auf einen Angriff des Ehemannes zurückgehen würde, um eine Tätlichkeit handeln (ROTH/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 3. Aufl. 2013, N. 4 zu Art. 123 StGB; ROTH/KESHELAVA, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 3. Aufl. 2013 N. 3 und 5 zu Art. 126 StGB, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Als einzelner Vorfall würde dies jedoch ausländerrechtlich noch keine häusliche Gewalt darstellen (E. 3.2). Das Strafgericht hat in detaillierten Erwägungen die Aussagen der Beschwerdeführerin als unglaubwürdig qualifiziert, unter anderem wegen widersprüchlichen Aussagen bzw. weil die Beschwerdeführerin bei der ersten Einvernahme (vom 15. Februar 2012) angegeben habe, von ihrem Ehemann wie vorgängig beschrieben festgehalten worden zu sein, aber nicht Schläge ins Feld geführt habe. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 6. März 2013 habe sie dann erstmals erwähnt, geschlagen worden zu sein, was als konstruiert erscheine. Das Strafgericht ging schliesslich vom Ablauf, wie ihn der Ehemann geschildert hatte, aus, auch weil es schlüssig erscheine, dass die Beschwerdeführerin sich, stark betrunken, aggressiv verhalten und damit begonnen habe, Gegenstände durch die Wohnung zu werfen. Unbestritten sei lediglich, dass der Ehemann die Beschwerdeführerin festgehalten habe. Somit sei im Zweifel davon auszugehen, dass der Ehemann die Beschwerdeführerin nicht geschlagen und lediglich Angriffe der Beschwerdeführerin gegen sich selbst und sein Eigentum abgewehrt habe. Die vom Ehemann erwähnte Begleitperson der Beschwerdeführerin, welche wohl Aussagen zum Zustand der Beschwerdeführerin vor dem Vorfall hätte machen können, wurde von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren nicht als Zeugin offeriert. Die Vorinstanz hat die genannte Beurteilung des Strafgerichts übernommen.