Citation: 2C_605/2023 E. 3.3.1

3.3.1. Zunächst ist mit Blick auf E. 3.2 hiervor klarzustellen, dass eine Präzisierung von Art. 40 lit. a MedBG in den Standesregeln oder im kantonalen Recht für die Annahme einer Berufspflicht nicht zwingend erforderlich ist. Eine Disziplinarmassnahme gemäss Art. 43 MedBG kann vielmehr direkt gestützt auf die Verletzung einer Berufspflicht im Sinne von Art. 40 lit. a MedBG verhängt werden: Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verstossen gesetzliche Generalklauseln nicht gegen das Bestimmtheitsgebot, selbst wenn sie für die Normadressaten belastende Rechtsfolgen vorsehen, sofern sich mit den üblichen Auslegungsmethoden die Tragweite und der Anwendungsbereich der Rechtsnorm zuverlässig ermitteln lässt (BGE 148 IV 298 E. 7.2; Urteil 2C_340/2023 vom 28. März 2024 E. 6.5.2). Diesen rechtsstaatlichen Mindestanforderungen an die Normbestimmtheit genügt Art. 40 lit. a MedBG (vgl. auch E. 3.2 hiervor: "in verfassungskonformer Weise"), zumal es nicht möglich wäre, die verschiedenen Berufspflichtverletzungen einzeln und abschliessend aufzuzählen (vgl. BGE 108 Ia 316 E. 2b/aa; 106 Ia 100 E. 7a; Urteil 2C_268/2010 vom 18. Juni 2010 E. 5.1; DONZALLAZ, a.a.O., S. 2363 Rz. 4914 und S. 2395 Rz. 4995; VIRGILIA RUMETSCH, Berufspflichten, in: Gesundheitsrecht, SBVR Bd. VIII/1, 2. Aufl. 2023, S. 197 Rz. 493; DANIEL SCHAFFNER, Disziplinarrecht, in: Gesundheitsrecht, SBVR Bd. VIII/1, 2. Aufl. 2023, S. 254 f. Rz. 665 f.). Zudem hat die bundesgerichtliche Rechtsprechung der Generalklausel Konturen verliehen und die Anforderungen an eine sorgfältige und gewissenhafte Berufsausübung konkretisiert (vgl. etwa BGE 149 II 109 E. 10; Urteile 2C_747/2022 vom 14. Februar 2023 E. 7; 2C_95/2021 vom 27. August 2021 E. 5.3.3).