Citation: 5P.9/2001 30.08.2001 E. 4

4.- Offenbar zieht das Kantonsgericht daraus, dass Prof. Clavadetscher im Gutachten vom 20. April 1996 den Vorab Pign erwähnt (S. 3 oben), in der Ergänzung vom 19. August 1996 aber von einer Grenze entlang dem Gletscherfirn ausgeht, die mit der Wasserscheide (S. 1 f.) und der später entsprechend gezogenen Kantonsgrenze übereinstimmt, den Schluss, für eine Grenzlinie oberhalb des alpwirtschaftlich nutzbaren Landes gebe es bei strenger Beachtung des Wortlauts der Urkunde vom 15. Mai 1528 zwei Varianten: Die eine Linie müsste vom Glarner Vorab (3'018 m) entlang dem Gletscherfirn Richtung Osten zum Crap Ner (2'718 m) und weiter zum unbenannten Spitz mit der Höhe von 2'740 m führen und würde mithin mit der Grenze zwischen den Kantonen Graubünden und Glarus übereinstimmen. Die andere Linie läge weiter südlich, würde beim Bündner-Vorab (3'028 m) beginnen, über den Vorab Pign (2'897 m) laufen und durch eine Senke ebenfalls zum Crap Ner und zum Bergspitz mit der Höhe von 2'740 m führen. Das Kantonsgericht hat sich freilich keiner der beiden Varianten angeschlossen, sondern die Grenze fast parallel zur Luftlinie zwischen den Bergspitzen des Vorab Pign (2'897 m) und des Crap Ner (2'718 m), aber auf einer Höhe von ungefähr 2'500 m und damit deutlich weiter südlich gezogen mit der Folge, dass die Bergstation nicht mehr zum Gebiet der Alp St. Martin gehört. Es kommt zum Schluss, der Beschrieb der Grenze im Norden der Alp St. Martin sei alles andere als klar, weil die sogenannten Pertinenzformeln, mit denen die Liegenschaften bezüglich Umfang und Zugehör in den damaligen Urkunden umschrieben worden waren, mit Vorsicht zu werten seien; die erste Instanz habe sich zu sehr auf die Formulierung "oberhalb bis zu den obersten (Berg-) Spitzen, von denen man nach Glarus hinunter sieht" gestützt. Prof. Clavadetscher habe der Reihe der Bergspitzen entlang keine eindeutige Linie ziehen können, und der von ihm nicht widerspruchsfrei festgelegte Grenzverlauf stimme mit dem von der Beschwerdeführerin angegebenen nur bezüglich des Crap Ner (2'718 m) mit Sicherheit überein. Von dieser Bergspitze sehe man sicher nach Glarus hinunter. Die Grenzlinie lasse sich nicht zweifelsfrei ziehen, besonders unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Ausdruck "Spitz" nicht immer für den obersten Punkt, sondern häufig auch für eine Berghöhe ohne Gipfelform gebraucht worden sei. a) Die Beschwerdeführerin erblickt Willkür im Umstand, dass das Kantonsgericht die Grenzlinie nicht entsprechend dem klaren Wortlaut der Urkunde festgelegt habe. Jeder Alpinist könne bestätigen, dass man von allen erwähnten Bergspitzen nur vom Glarner Vorab (3'018 m), vom Crap Ner (2'718 m) und vom weiter östlich davon liegenden Bergspitz mit der Höhe von 2'740 m auf die Glarner Landschaft hinab sehen könne; dass der Experte Clavadetscher den südlich gelegenen Vorab Pign erwähnt habe, spreche nicht gegen seinen Standpunkt, da er nach der Karte geurteilt habe. Die kantonsgerichtliche Argumentation mit dem Begriff "Spitz" sei willkürlich. Da im fraglichen Grenzgebiet mehrere Gipfel stehen, die nicht nur in Ost-Westrichtung ausgerichtet, sondern auch in Nord-Südrichtung verschoben sind, ist die Rüge der Beschwerdeführerin durchaus verständlich. Diese verkennt aber, dass im Beschwerdeverfahren wegen Willkür neue tatsächliche Vorbringen ausgeschlossen sind (BGE 124 I 208 E. 4b S. 212; 119 II 6 E. 4a). Das Bundesgericht kann somit nicht von sich aus feststellen, von welchen Bergspitzen (nebst dem Crap Ner; 2'718 m) freie Sicht nach Glarus besteht, weil die Verfassungsmässigkeit des angefochtenen Urteils nur nach Massgabe der Sach- und Rechtslage zur Zeit des angefochtenen Entscheids beurteilt werden darf (BGE 124 I 208 E. 4b S. 212; 121 I 279 E. 3a S. 283 f.; 367 E. 1b S. 370; 118 Ia 28 E. 1b). b) Die Beschwerdeführerin argumentiert sodann, wenn man davon ausgehe, dass mit der Sicht nach Glarus die Bergspitzen zweifelsfrei bestimmt werden könnten, verfalle das Kantonsgericht in Willkür, wenn es den Grenzbeschrieb im Norden als unpräzis qualifiziere. Wollte man verlangen, dass Grenzbeschreibungen den Grundsätzen moderner Kartographie genügen müssten, wäre Art. 664 Abs. 2 ZGB in keinem vergleichbaren Fall anwendbar und somit seines Sinnes beraubt. Soweit sich die Beschwerdeführerin mit dieser Rüge zu Bundesrecht äussert, ist darauf nicht einzutreten (E. 2a hiervor). Sachlich mag die Rüge einiges für sich haben, doch scheitert sie letztenends daran, dass das Kantonsgericht die Grenze mit einer anderen Begründung nach Süden verschoben und tiefer gelegt hat (E. 5 hiernach). Gegen das so abgestützte Urteil ist mit der vorliegenden Rüge nicht aufzukommen, weil der angefochtene Entscheid auch dann bestehen bliebe, wenn diese Willkürrüge durchdringen würde (BGE 124 I 208 E. 4a Abs. 2 S. 211 mit Hinw. ; 122 I 53 E. 5 S. 57). c) Die Beschwerdeführerin wendet weiter ein, das Kantonsgericht habe sich fast vollständig über die Expertise Clavadetscher hinweggesetzt, indem es diese in unhaltbarer Weise auf die Ermittlung des Wortlautes der Urkunde vom 15. Mai 1528 reduziert und verkannt habe, dass der Experte zahlreiche Fragen der Parteien zum Grenzverlauf habe beantworten müssen. Aus den Antworten des Gutachters gehe zweifelsfrei hervor, dass das fragliche Gebiet, auf dem die Bergstation liege, zur Alp St. Martin gehöre. Das Kantonsgericht nehme wohl Bezug auf die Expertise, übergehe aber willkürlich die Feststellungen des Gutachters zum Grenzverlauf entlang den Bergspitzen. Diese Rüge geht schon deshalb fehl, weil das Kantonsgericht durchaus zur Kenntnis genommen hat, dass Otto Clavadetscher unkultivierbares Land zur Alp St. Martin geschlagen, dessen Meinung aber als nicht überzeugend abgelehnt hat. Da der Experte im ersten Gutachten den Vorab Pign und im zweiten Gutachten die nördlich davon liegende Wasserscheide erwähnt, kann zudem auch nicht gesagt werden, es sei willkürlich, dem Gutachten Widersprüche zu entnehmen (vgl. E. 4 Abs. 1 hiervor). Jedenfalls darf von einem Gutachten in Fällen berechtigter Zweifel ohne Verletzung der Verfassung abgewichen werden (BGE 118 Ia 144 E. 1c S. 146 f.; vgl. 120 III 79 E. 2b S. 81 f.). Die Beschwerdeführerin verkennt, dass Willkür nicht bereits dann vorliegt, wenn einem Gutachten nicht gefolgt wird und eine andere Entscheidvariante möglich oder gar vorzuziehen wäre (BGE 124 IV 86 E. 2a S. 88 mit Hinw. , 120 Ia 369 E. 3a; 119 Ia 113 E. 3a). Weiter ist auch in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass das Kantonsgericht die Grenzlinie aus anderen Gründen südlich der Bergspitzen festgelegt hat.