Citation: 6B_861/2008 22.06.2009 E. 3.3

3.3.1 Gemäss Art. 125 StGB wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt (Abs. 1). Ist die Schädigung schwer, so wird der Täter von Amtes wegen verfolgt (Abs. 2). Fahrlässig begeht der Täter ein Verbrechen oder Vergehen, wenn er die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Fahrlässigkeitsdelikt kann auch durch pflichtwidriges Untätigbleiben begangen werden. Pflichtwidrig untätig bleibt, wer die Gefährdung oder Verletzung eines strafrechtlich geschützten Rechtsguts nicht verhindert, obwohl er dazu aufgrund einer Garantenstellung insbesondere kraft Gesetz oder Vertrag verpflichtet ist (vgl. Art. 11 StGB). 3.3.2 Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Vorliegend ist insbesondere die Verordnung über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten (BauAV; SR 832.311.141) heranzuziehen. Ferner findet die Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV; SR 832.30), auf welche Art. 1 Abs. 2 BauAV verweist, Anwendung. 3.3.3 Nach Art. 15 Abs. 1 BauAV ist bei Gerüsten bei ungeschützten Stellen mit einer Absturzhöhe von mehr als zwei Metern als Absturzsicherung ein Seitenschutz zu verwenden, wobei dieser Seitenschutz gemäss Art. 16 Abs. 1 BauAV aus Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett zu bestehen hat. Art. 46 Abs. 2 BauAV bestimmt, dass der Abstand des Gerüstbelags von der Fassade in keiner Bauphase 30 Zentimeter übersteigen darf, ansonsten Massnahmen zur Absturzsicherung zu treffen sind. Die Vorinstanz hat vorliegend willkürfrei festgestellt, dass kein Absturzschutz auf der Fassadenseite bestand, obwohl der Gerüstbelag des Rollgerüsts mehr als 30 Zentimeter von der Fassade entfernt war. Art. 46 Abs. 2 BauAV wurde folglich missachtet, und die mangelhafte Sicherung des Rollgerüsts war - wie die Vorinstanz zutreffend ausführt - kausal für den Unfall des Beschwerdeführers und dessen schwere Verletzungen. 3.3.4 Gemäss Art. 4 Abs. 1 BauAV muss der Arbeitgeber auf jeder Baustelle eine Person bezeichnen, die für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz zuständig ist; diese Person kann den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern diesbezügliche Weisungen erteilen. Nach Art. 3 Abs. 1 VUV hat der Arbeitgeber zur Wahrung der Arbeitssicherheit alle Anordnungen und Schutzmassnahmen zu treffen, die den Vorschriften dieser Verordnung sowie den anerkannten sicherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen. Er muss gemäss Art. 6 Abs. 1 VUV dafür sorgen, dass alle Mitarbeitenden des Betriebs über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren informiert sind und über die Massnahmen zu deren Verhütung angeleitet werden. Diese Informationen und Anleitungen haben im Zeitpunkt des Stellenantritts sowie bei jeder wesentlichen Änderung der Arbeitsbedingungen zu erfolgen und sind nötigenfalls zu wiederholen. Die Vorinstanz hat willkürfrei festgehalten, der Beschwerdegegner habe vor dem Zeitpunkt des Unfalls noch nie auf einem Rollgerüst gearbeitet und sei vom Beschwerdeführer als dem für die Arbeitssicherheit zuständigen Mitinhaber der A.________AG nicht auf die massgeblichen Sicherheitsbestimmungen bei Rollgerüsten hingewiesen worden. Vor diesem Hintergrund ist die im angefochtenen Urteil gezogene Schlussfolgerung, der Beschwerdeführer sei den ihm als Sicherheitsverantwortlichen im Sinne von Art. 4 Abs. 1 BauAV aus Art. 6 Abs. 1 VUV erwachsenen Instruktionspflichten nicht nachgekommen, nicht zu beanstanden. Bei dieser Sachlage geht des Weiteren auch der Einwand des Beschwerdeführers fehl, den Beschwerdegegner treffe ein den Kausalzusammenhang unterbrechendes Selbstverschulden. Der Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung verletzt folglich kein Bundesrecht.