Citation: C 29/07 10.03.2008 E. 4

4.1 Was zunächst die Frage der zeitlichen Verfügbarkeit anbelangt, ist nicht zu beanstanden, dass das kantonale Gericht die Angaben der Beschwerdegegnerin, wonach sie durch die Betreuungsbedürftigkeit ihrer behinderten Tochter an einem ausserhäuslichen Einsatz vormittags, nachmittags oder abends nicht gehindert sei, für glaubhaft hielt. Wohl ist dem Arbeitsamt insoweit zuzustimmen, als die diesbezüglichen Angaben anfänglich unklar waren und erst nach und nach ergänzt wurden, doch wurde bis zum massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides dargetan, dass im Haushalt der Beschwerdegegnerin insgesamt sieben Familienmitglieder, eingeschlossen die behinderte Tochter, leben und dass die Betreuung auch durch den Ehemann, den Sohn und die Tochter, welche Schicht arbeiten, sowie durch die Mutter der Beschwerdegegnerin wahrgenommen werden kann. Soweit das Arbeitsamt argumentiert, die "Aussage der ersten Stunde" sei zuverlässiger als spätere Aussagen, ist ihr mit der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass dies vorliegend, wo die Angaben - teilweise auf entsprechendes Nachfragen der Verwaltung hin - ergänzt und präzisiert wurden, nicht dieselbe Bedeutung hat wie in Fällen, wo ein Ereignis plötzlich anders geschildert wird. Zudem ist den mangelnden Deutschkenntnissen Rechnung zu tragen. Sodann darf die Vermittlungsfähigkeit rechtsprechungsgemäss nicht leichthin unter Verweis auf familiäre Betreuungsaufgaben verneint werden. Dies gilt namentlich dann, wenn eine Person schon vor Eintritt der Arbeitslosigkeit den Tatbeweis erbracht hat, dass sie trotz Betreuungsaufgaben eine Beschäftigung auszuüben bereit und in der Lage war, und sie die bisherige Stelle nicht aus Gründen der fehlenden Betreuungsmöglichkeit aufgeben musste. Wie das Arbeitsamt selber erwähnt, wird auch im neuen Kreisschreiben ALE, Januar 2007, Rz. B225 ausgeführt, die Regelung der Kinderbetreuung sei der versicherten Person überlassen. Erst wenn im Verlaufe des Leistungsbezugs der Wille oder die Möglichkeit, die Kinder einer Drittperson anzuvertrauen, als zweifelhaft erscheine, müsse die zuständige Amtsstelle die Vermittlungsfähigkeit im Hinblick auf die konkrete Möglichkeit einer Kinderbetreuung prüfen und einen Obhutsnachweis verlangen. Ausser bei offensichtlichem Missbrauch ist somit nicht schon zum Zeitpunkt des Einreichens des Entschädigungsgesuchs der Nachweis der Betreuung zu prüfen (ARV 2006 Nr. 3 S. 62, C 88/05, mit Hinweis), sondern auf plausible Angaben abzustellen (vgl. Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, Rz. 267). Das Vorhandensein solcher Angaben ist mit dem kantonalen Gericht zu bejahen. 4.2 Ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin vormittags, nachmittags oder abends zwei Stunden einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen kann, sind die konkreten Aussichten auf eine Anstellung auf dem für die versicherte Person in Betracht fallenden Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung der zeitlichen Verfügbarkeit, der konjunkturellen Verhältnisse und der andern entscheidenden Umstände mit der Vorinstanz als intakt zu beurteilen. Für die Beschwerdegegnerin kommen in erster Linie Reinigungs- und Hilfsarbeiten in Frage, bei welchen sowohl Schichtarbeiten wie abendliche Einsätze und insbesondere stundenweise Einsätze zu unterschiedlichen Tageszeiten möglich sind. Wenn das Arbeitsamt mit dem Mangel an gemeldeten derartigen Stellen argumentiert, ist ihm entgegenzuhalten, dass in der Reinigungsbranche etliche Stellen nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern aufgrund persönlicher Anfragen besetzt werden. Zu denken ist an Privathaushalte oder kleinere Unternehmen, welche eine bestimmte Person aufgrund einer Empfehlung als Reinigerin anstellen, mittels Annonce an einem Anschlagbrett oder via Internet jemanden suchen. Bei derartigen Stellen dürfen denn auch die mangelnden Deutschkenntnisse nicht derart erschwerend gewichtet werden, ist doch lediglich für die Einführung in die Arbeit eine deutsch und albanisch sprechende Person, allenfalls ein Familienmitglied der Versicherten, beizuziehen. 4.3 Dass die Beschwerdegegnerin die ihr bei der Stiftung Y.________ zugewiesene Stelle nicht annahm, vermag sodann ihre grundsätzliche Vermittlungsfähigkeit ebenfalls nicht in Frage zu stellen, entsprachen die Tätigkeiten im Nähatelier und Recyclingbetrieb doch nicht ihren Fähigkeiten, dies im Gegensatz zur gesuchten Tätigkeit als Reinigerin, die schon bei der innegehabten Hauswartstelle zu ihrem Aufgabenkreis zählte. Der Vorwurf ungenügender bzw. untauglicher Arbeitsbemühungen schliesslich rechtfertigt rechtsprechungsgemäss nicht den Schluss auf mangelnde Vermittlungsbereitschaft, solange diese nur Ausdruck unzureichender Erfüllung der Schadenminderungspflicht sind. Auch dürftige Bemühungen um eine neue Arbeit sind in der Regel nur Ausdruck unzureichender Erfüllung der gesetzlichen Schadenminderungspflicht und nicht die Folge davon, dass die versicherte Person in der fraglichen Zeit eine neue Anstellung gar nicht finden wollte. Wenn immerhin gewisse Anstrengungen der Versicherten festzustellen sind, wie dies vorliegend der Fall ist, kann grundsätzlich nicht auf fehlende Vermittlungsbereitschaft erkannt werden, es sei denn, dass trotz des äusseren Scheins nachweislich keine Absicht zur Wiederaufnahme einer Arbeitnehmertätigkeit bestanden hat (ARV 1996/1997 Nr. 8 S. 29 E. 3, C 84/94). An einem solchen Nachweis fehlt es im konkreten Fall. Allenfalls qualitativ oder quantitativ nicht in jeder Hinsicht genügende Arbeitsbemühungen wären - nach dem auch im Arbeitslosenversicherungsrecht geltenden Verhältnismässigkeitsprinzip - nicht mit der Verneinung der Vermittlungsfähigkeit, sondern vielmehr mit einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG) zu sanktionieren (SVR 1997 ALV Nr. 81 S. 245 E. 3b/bb, C 91/96, mit Hinweisen). 4.4 In Würdigung der Aktenlage ist zusammenfassend nicht zu beanstanden, dass das kantonale Gericht die Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin ab 1. März 2006 bejaht hat. Daran vermag die nicht durchgehend korrekte Verwendung der Begriffe Vermittelbarkeit und Vermittlungsfähigkeit nichts zu ändern, hat sie doch keinen Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens. Ebenfalls nicht relevant sind die Ausführungen des Arbeitsamtes zur krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdegegnerin ab 1. Mai 2006, da die Beurteilung der Vermittlungsfähigkeit prospektiv, d.h. von jenem Zeitpunkt aus und unter Würdigung jener Verhältnisse, die bei Erlass des Einspracheentscheides gegeben waren, zu erfolgen hat (BGE 129 V 167 E. 1 S. 169, 120 V 385 E. 2 S. 387).