Citation: M 10/01 12.04.2002 E. 3

3.- a) Gemäss BGE 115 V 149 Erw. 3a setzt der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung im Bereiche der Unfallversicherung voraus, dass der Versicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Eine solche Schädigung besteht meistens in einem anatomischen, funktionellen, geistigen oder psychischen Defizit. Entscheidend ist somit, ob der Versicherte eine derartige Schädigung erlitten hat. Ob diese dank einem Hilfsmittel mehr oder weniger vollständig ausgeglichen werden kann mit der Folge, dass sie sich im täglichen Leben nicht mehr oder nur noch in geringem Masse nachteilig auswirkt, ist hingegen unerheblich. b) Diese Rechtsprechung ist in der Folge auch für den Bereich der Militärversicherung übernommen worden (BGE 117 V 84 Erw. 3c/cc). Danach ist es für die Schwere der Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Vornahme der primären Lebensfunktionen unmassgeblich, ob die Einschränkung in der primären Lebensfunktion durch Hilfsmittel ganz oder teilweise ausgeglichen werden kann. Die Abgabe von geeigneten Hilfsmitteln ändert am Integritätsschaden nichts, dies im Gegensatz zu den Krankenpflegemassnahmen, welche direkt die Verbesserung des beeinträchtigten Gesundheitszustandes zum Ziele haben. Bezüglich des Anspruches auf eine Integritätsrente gilt der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" nicht. c) Aus diesem Grundsatzentscheid kann entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht geschlossen werden, der Versicherte habe keinen Anspruch auf die Vergütung von Arzneimittelkosten, da dieser durch Auszahlung der Integritätsschadenrente bereits abgegolten worden sei. Vielmehr ist daraus zu folgern, dass sich der Anspruch auf Hilfsmittel und derjenige auf eine Integritätsschadenrente komplementär gegenüberstehen. Das selbe gilt für das Verhältnis dieser Rente zur medizinischen Behandlung im Sinne von Art. 16 MVG. Eine Behandlung ist auch nach Ausrichtung einer Integritätsschadenrente möglich. Die Ausrichtung einer Rente setzt zwar die Dauerhaftigkeit der Beeinträchtigung voraus (Art. 48 MVG). Voraussichtlich dauernd bzw. bleibend ist die Beeinträchtigung, wenn eine wesentliche Änderung nicht mehr zu erwarten ist. Die Rente ist von dem Zeitpunkt an geschuldet, in dem die ärztliche Behandlung abgeschlossen ist oder von ihrer Fortsetzung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (Art. 48 Abs. 2 MVG). Massgebend für die Beurteilung der vorausgesetzten Stabilität ist nicht der Gesundheitszustand als solcher, sondern dessen Auswirkungen auf die Lebensfunktionen. Die für die Festsetzung der Integritätsschadenrente erforderliche Stabilität kann auch dann gegeben sein, wenn der Gesundheitsschaden insgesamt noch labil ist und weiterer Behandlung bedarf, mit Bezug auf den zu beurteilenden Integritätsschaden aber stabile Verhältnisse bestehen, die sich durch weitere therapeutische Massnahmen nicht mehr wesentlich beeinflussen lassen (Maeschi, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung [MVG] vom 19. Juni 1992, Bern 2000, N 24 zu Art. 48). Ein solcher Fall liegt hier vor. Die erektile Dysfunktion des Versicherten steht fest und kann mittels der benötigten Erektionshilfen nicht behoben werden. Dies schliesst indessen die Anwendung medizinischer Massnahmen im Sinne von Art. 16 MVG nicht aus.