Citation: 8C_1021/2009 03.11.2010 E. 6

6.1 Vorweg ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin laut Bericht des Dr. med. S.________ vom 25. Februar 2005 "seit dem Unfall" an Kopf- und Nackenschmerzen litt. Sucht man für die echtzeitliche Dokumentation dieser Beschwerden in den Akten nach weiteren Angaben, fällt auf, dass die Aktenlage offensichtlich unvollständig ist. So fehlt ein Bericht zur notfallmässigen medizinischen Erstversorgung der Versicherten am 25. Februar 2004 noch auf dem Unfallplatz bzw. während des Notrettungstransportes ins Spital. Ein solcher könnte gegebenenfalls Aufschluss geben über den Bewusstseinszustand (vgl. dazu Urteil U 75/07 vom 23. Oktober 2007 E. 3.1 und 4.2.1 mit Hinweisen) der Beschwerdeführerin kurze Zeit nach dem Kopfanprall. Immerhin gab die Versicherte anlässlich der polizeilichen Befragung zum Unfallhergang am 18. März 2004 zu Protokoll: "So weit ich das noch weiss, ist vor mir ein Mercedes-Bus gefahren. Ich bin mir bezüglich der Marke nicht ganz sicher. Der Abstand betrug drei bis vier Autolängen. Mein Tempo betrug ca. 80 km/h. Ich fuhr in Richtung St. Gallen. Auf einmal fuhr der Bus vor mir zur Seite und vor mir fuhr plötzlich der rote Golf in meine Richtung. Ich bremste noch und wich nach rechts aus. Der rote Golf kollidierte dann vorne links mit meinem Auto. Ich kann mich noch an den Knall erinnern, wie der Airbag aufging. Mir tat dann alles weh, besonders die linke Seite. Es kam dann ein Mann zum Fahrzeug und sagte, dass die Feuerwehr gebraucht werde, da ich sonst nicht herauskommen würde. Die Personen halfen mir dann durch die Beifahrertüre aus dem Auto. Ich konnte nicht stehen und mir wurde auch schlecht." Diese Aussagen stimmen überein mit den unfallanamnestischen Angaben gemäss Gutachten des Instituts Y.________. Sie lassen darauf schliessen, dass zumindest unmittelbar nach dem Unfall - entgegen der von der SUVA-Ärztin Dr. med. G.________ in der Aktenbeurteilung vom 23. Juli 2007 vertretenen Auffassung - eine Beeinträchtigung des Bewusstseins feststellbar war. Ein weiterer Anhaltspunkt dafür ergibt sich aus der Indikationsstellung zu der am 25. Februar 2004 durchgeführten operativen Sanierung der Maisonneuve-Fraktur rechts, wonach sich "die Patientin [...] initial nicht operieren lassen wollte", was auf eine nicht adäquate Selbstbeurteilung ihres eigenen Gesundheitszustandes am Unfalltag hindeutet. 6.2 Der Unfall hat sich am 25. Februar 2004 um ca. 14.20 Uhr ereignet. Die Frage, um welche Uhrzeit und mit welchem Transportmittel die Beschwerdeführerin anschliessend ins Spital M.________ eingeliefert wurde, ist bei gegebener Aktenlage nicht zu beantworten. Immerhin waren am Unfallort offenbar nebst verschiedenen Polizeibeamten auch etwa 30 Personen der Feuerwehr, zwei Ambulanzfahrzeuge und ein REGA-Helikopter im Einsatz, ohne dass den Akten zu deren Einsatz nähere Angaben zu entnehmen wären. Im Zeitpunkt des Spitaleintrittes war die Versicherte dann wach, ansprechbar, orientiert und ohne Amnesie oder Übelkeit. Nebst der 5 cm langen RQW parietal links, der Contusio cordis, einer Kontusion des Ellenbogens links, des Unterschenkels links und des Knies rechts, einer Fibulafraktur am rechten Unterschenkel und einer Fraktur des Malleolus medialis erhoben die Notfallärzte auch den "dringenden Verdacht auf [eine] Fraktur der Massa lateralis des Os sacrum links" (Austrittsbericht des Kantonsspitals M.________ vom 4. März 2004 S. 2). Obwohl dieser Austrittsbericht an den "nachbehandelnden Arzt" gerichtet war, holte die CSS von Dr. med. C.________, soweit aktenkundig ersichtlich, keinen einzigen Bericht über den weiteren Verlauf der Beschwerden ein. Diese zusätzlichen Abklärungen waren nach Massgabe des Untersuchungsgrundsatzes unerlässlich, zumal die Unterlagen des Kantonsspitals M.________ teils widersprüchliche und hinsichtlich der geklagten Beschwerden offensichtlich unvollständige Angaben enthalten. Hatte angeblich die Behandlung gemäss Bericht des Kantonsspitals M.________ vom 27. April 2004 bereits am 16. April 2004 bei voller Arbeitsfähigkeit und einer geplanten Nachkontrolle am 20. Mai 2004 abgeschlossen werden können, so berichtete der Chefarzt Chirurgie des gleichen Spitals am 15. Juni 2004, der Behandlungsabschluss sei bei anhaltender Arbeitsunfähigkeit ab 14. Juni 2004 von 20% (und zuvor durchgehender voller Arbeitsunfähigkeit) noch offen. 6.3 Weiter findet sich in in den Akten weder ein Unfallschein (oder eine Kopie davon) noch eine lückenlose Zusammenstellung der Taggeldleistungen. Unklar ist demzufolge der tatsächliche Verlauf von Grad und Dauer der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit. Auch diese Tatsachenfeststellung ist unerlässliche Voraussetzung für die Beantwortung der Rechtsfrage nach der Unfalladäquanz und zwar sowohl nach der präzisierten Schleudertrauma-Praxis (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129) als auch bei allfälliger Anwendbarkeit der Psycho-Praxis (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140). Weder die CSS noch das kantonale Gericht haben nachvollziehbar und schlüssig festgestellt, von wann bis wann die Beschwerdeführerin in welchem Ausmass arbeitsunfähig war. Von einer dauerhaften vollen Arbeitsunfähigkeit war laut Dr. med. S.________ jedenfalls erst wieder ab 1. September 2005 auszugehen. 6.4 Nach dem Gesagten steht fest, dass bei gegebenem unvollständigem Aktenstand die Anwendung der Adäquanzprüfung nach der Schleudertrauma-Praxis nicht mit der Begründung verneint werden kann, Kopf- und Nackenschmerzen seien erstmals im Bericht des Dr. med. S.________ vom 25. Februar 2005 - mithin ein Jahr nach dem Unfall und somit ausserhalb der geforderten Latenzzeit - dokumentiert. Sowohl die Gutachter des Instituts Y.________ wie auch Dr. med. S.________ beschrieben die Angaben der Versicherten als präzise und glaubwürdig, ohne Abwehrverhalten und Selbstmitleid. Es wird ihr übereinstimmend eine beeindruckende Eigeninitiative in der Überwindung der Unfallfolgen attestiert. Angesichts der offensichtlichen Unvollständigkeit der medizinischen Aktenlage hinsichtlich aller unmittelbar nach dem Unfall geklagter Beeinträchtigungen (E. 6.1 bis 6.3 hievor) fällt es schwer, daran zu zweifeln, dass die Beschwerdeführerin "anfangs [...] eigentlich überall Schmerzen gehabt" habe (Anamnese gemäss Bericht der Neurologin Dr. med. F.________ vom 22. September 2005), obwohl aus dem äussert knappen Austrittsbericht des Kantonsspitals M.________ vom 5. März 2004 (ohne klar unterscheidbare Befunde bei Eintritt und Austritt) der Eindruck entstehen könnte, abgesehen von der Psoriasis und den Operationsresiduen am rechten OSG habe die Versicherte das Spital in vollkommen beschwerdefreiem Zustand verlassen können. Dass diese Einschätzung offensichtlich nicht zutrifft, erhellt aus den umfangreichen weiteren Abklärungs- und Behandlungsmassnahmen nach Spitalaustritt. Daraus folgt, dass der Austrittsbericht vom 5. März 2004 mit Sicherheit nicht vollständig war hinsichtlich der am 2. März 2004 noch geklagten unfallbedingten Restbeschwerden. Die zusätzlich zur Aktenergänzung im Weiteren erforderlichen Abklärungen (vgl. dazu nachfolgend E. 7 und 8) werden zudem Einfluss auf die Beurteilung der Adäquanzkriterien sowohl nach der Schleudertrauma- als auch nach der Psycho-Praxis haben, weshalb der angefochtene Entscheid auf jeden Fall in Bezug auf den verneinten Anspruch auf eine Integritätsentschädigung aufzuheben und die Sache zur Vervollständigung der Akten und weiteren Abklärung an die CSS zurückzuweisen ist.