Citation: I 348/03 21.11.2003 E. 6.2

6.2.1 Mit Vernehmlassung vom 1. Juni 2003 reicht der Versicherte eine Stellungnahme des Prof. Dr. med. L.________ vom 28. Mai 2003 ein, womit sich Letzterer zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde des BSV äussert. Er bestätigt darin, dass Erosionen der Hornhaut als Nebenerscheinungen bei der gittrigen Hornhautdystrophie auftreten könnten und dieser Vorgang der von Zeit zu Zeit aufbrechenden Narben tatsächlich nie zu einem Ende komme. Im Vergleich zum Keratokonus sei bei der gittrigen Hornhautdystrophie nach einer Keratoplastik mit einem erhöhten Risiko der Wiedereintrübung zu rechnen. In seinem Gutachten vom 27. August 2002 führte er dazu aus, es sei tatsächlich so, dass sich in einer gesunden Hornhaut nach Implantation in einen Empfänger mit einer gittrigen Hornhauterkrankung Trübungen entwickeln könnten, weil das Transplantat derselben genetisch bedingten Stoffwechsellage unterliege. Die Frage sei, wie lange der Rehabilitationseffekt nach einer Keratoplastik bei dieser Krankheit anhalte. Gestützt auf die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie und seine eigenen Erfahrungen gelangte Prof. Dr. med. L.________ zur Einschätzung, in Bezug auf die Beständigkeit des Eingliederungserfolgs sei hinsichtlich des Erhalts der Lesefähigkeit und der Erlaubnis, ein Motorfahrzeug zu lenken, von einer Dauer "von 5-10 Jahren oder mehr" auszugehen. 6.2.2 Zutreffend verwies die Vorinstanz darauf, dass der 57-jährige Versicherte auf Grund der massgeblichen (Erw. 4.1 hievor) Angaben in der 5. Auflage der Barwerttafeln Stauffer/Schaetzle (Zürich 2001) statistisch noch mit einer mittleren Aktivitätsdauer von 17,58 Jahren zu rechnen habe. Damit die Keratoplastik im vorliegenden Fall als medizinische Massnahme, welche von der Invalidenversicherung zu übernehmen wäre, qualifiziert werden könnte, müsste sich der Erfolg des Eingriffs in Anbetracht des Alters des Versicherten während eines wesentlichen Teils dieser Zeitspanne günstig auf seine Leistungsfähigkeit auswirken. Bei einer gittrigen Hornhautdystrophie ist die perforierende Keratoplastik, wie sie beim Versicherten am 9. Oktober 2001 durchgeführt wurde, wegen des Risikos der Wiedereintrübung mit einer unsicheren Prognose behaftet (Küchle/Busse, Taschenbuch der Augenheilkunde, 3. Aufl., Bern/Stuttgart/Toronto 1991, S. 198). Geht man von einer medizinisch wissenschaftlich belegten Kontinuität der Eingliederungswirksamkeit einer perforierenden Keratoplastik bei gittriger Hornhautdystrophie von fünf bis zehn Jahren aus und berücksichtigt man, dass der Versicherte als Nebenerscheinung zusätzlich unter rezidivierenden Hornhauterosionen litt, ist mit einem im Vergleich zum statistischen Durchschnitt erhöhten Risiko der Wiedereintrübung und einer entsprechend verkürzten Beständigkeit des Eingliederungseffekts zu rechnen. Bei einem voraussichtlich maximal eher nur für die Dauer von fünf als zehn Jahren zu erwartenden Eingliederungserfolg ist gemessen an der statistisch noch verbleibenden mittleren Aktivitätsdauer von 17,58 Jahren nicht von einer während eines wesentlichen Teils dieser Aktivitätsdauer anhaltenden Verbesserung der Leistungsfähigkeit auszugehen, weshalb die Voraussetzung der Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolgs nicht erfüllt und die perforierende Keratoplastik vom 9. Oktober 2001 nicht als medizinische Eingliederungsmassnahme durch die Invalidenversicherung zu übernehmen ist. 6.3 Prof. Dr. med. L.________ legte in seinem Gutachten vom 27. August 2002 in Bezug auf die Situation des Versicherten dar, bei der gittrigen Hornhautdystrophie müssten die Hornhauttrübungen und Narben mit dem präoperativen Abfallen des Sehvermögens auf Werte, welche einer Erblindung entsprächen (Visus von 0,05 auf dem rechten Auge), als "annähernd stabiler Zustand" bezeichnet werden, welcher keiner Leidensbehandlung mehr zugänglich sei, sondern nur noch durch die Wiedereingliederungsmassnahme einer perforierenden Keratoplastik habe verbessert werden können. Es ist darauf zu verweisen, dass es sich beim Begriff des labilen pathologischen Geschehens wie auch demjenigen des (relativ) stabilen Defektzustandes im hier gegebenen Zusammenhang (Art. 12 Abs. 1 IVG) um Rechtsbegriffe handelt, die nicht vom Arzt auszulegen sind und daher auch nicht strikte mit der medizinischen Sicht übereinstimmen müssen (AHI 1997 S. 117 Erw. 3c). Auch wenn der vor Durchführung des Eingriffs erreichte Zustand bei einem Restvisus von 5 % als stabiles oder zumindest relativ stabilisiertes Leiden zu bezeichnen wäre, was nach dem Gesagten offen bleiben kann, sind nur solche Vorkehren als medizinische Eingliederungsmassnahmen zu übernehmen, welche prognostisch einen dauerhaften Eingliederungserfolg (Erw. 6.1 hievor) versprechen. Wie bereits dargelegt (Erw. 6.2.2 hievor) ist diese Voraussetzung für die Übernahme der Vorkehr als medizinische Eingliederungsmassnahme hier nicht erfüllt.