Citation: 1P.211/2002 13.05.2002 E. 4

Bei dieser Sachlage wurde der besondere Haftgrund der Kollusionsgefahr von den kantonalen Behörden nicht ausreichend erstellt und begründet. Er ergibt sich auch nicht liquide aus den vorliegenden Akten. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers folgt jedoch daraus nicht ohne Weiteres ein Anspruch auf Haftentlassung. Zum einen haben die kantonalen Behörden zu prüfen, ob der Haftgrund der Kollusionsgefahr auf andere Weise ausreichend begründet werden könnte. Zum andern sieht die Strafprozessordnung des Kantons Basel-Stadt noch weitere (alternative) besondere Haftgründe (insbesondere Fluchtgefahr) vor, die eventuell in Frage kommen könnten (§ 69 lit. a - c StPO/BS, vgl. oben, E. 2.1). Auch angesichts der erstinstanzlichen Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe rechtfertigt sich eine Haftentlassung im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV) und das Beschleunigungsgebot in Haftsachen (Art. 31 Abs. 4 BV) verlangen allerdings eine rasche Prüfung der fraglichen Haftgründe. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben. Die kantonalen Behörden haben im Lichte der obigen Erwägungen nochmals zu prüfen, ob ein strafprozessualer Haftgrund vorliegt. Andernfalls wäre der Beschwerdeführer aus dem vorzeitigen Strafvollzug zu entlassen. Das Haftentlassungsgesuch ist folglich abzuweisen. Der Kanton Basel-Stadt hat dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer jedoch eine angemessene Parteientschädigung zu entrichten (Art. 159 OG). Gerichtskosten sind nicht zu erheben (Art. 156 Abs. 2 OG).