Citation: 6B_596/2015 E. 1.3

1.3. Die Vorinstanz erwägt, eine beschuldigte Person könne zwar auf das Konfrontationsrecht verzichten. Dies habe aber förmlich und unzweideutig zu erfolgen. Dem Protokoll zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung könne entnommen werden, dass die Vorsitzende mit dem Einverständnis der Parteien auf eine Einvernahme des Privatklägers verzichtet habe. Der protokollierte Wortlaut sei allerdings nicht eindeutig. Es sei nicht ersichtlich, was genau zwischen den Parteien und dem Gericht besprochen worden sei bzw. wer welche Anträge gestellt habe. Aus dem Protokoll ergebe sich auch nicht unmissverständlich, dass der Beschwerdegegner, dem das Konfrontationsrecht persönlich zustehe, selbst förmlich auf dieses verzichtet habe. Damit stehe auch nicht fest, dass er sich mit der Verwertbarkeit der Aussagen des Privatklägers einverstanden erklärt habe. Selbst das erstinstanzliche Gericht, welches das Protokoll verfasst habe, sei nicht sicher gewesen, wie die Erklärung der Verteidigerin zu verstehen gewesen sei. Dies gehe einerseits aus den Ausführungen in der schriftlichen Urteilsbegründung hervor, andererseits aber auch aus dem Wortlaut des Protokolls. Wäre tatsächlich und eindeutig ein ausdrücklicher Verzicht auf Konfrontation erfolgt, hätte die erste Instanz dies auch so protokolliert und die Aussagen des Privatklägers in der Folge verwertet.