Citation: U 339/05 27.03.2007 E. 4

4.1 Gemäss Austrittsbericht des Spitals X.________, Klinik für Plastische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, vom 14. Juni 2001 erlitt der Versicherte am 31. Mai 2001 ein schweres palmares Quetschtrauma der rechten Hand mit querer palmarer Weichteildestruktion auf der Höhe der distalen Handwurzelreihe, einer Kontusion des Nervus ulnaris und medianus, einer Thrombosierung des Arcus palmaris superficialis mit insuffizientem Arcus palmaris profundus und folgender Finger-Ischämie II bis V sowie mit querer Capitatum-Luxationsfraktur. 4.2 Frau Dr. med. E.________, Oberärztin, Handchirurgische Poliklinik, Spital Y.________, hielt am 7. und 28. August 2001 fest, der Versicherte habe lediglich noch ab und zu Schmerzen im Carpusbereich. Am 3. Oktober 2001 erwähnte sie eine allgemeine leichte Inaktivitätsatrophie. Da der Versicherte Schmerzen im Bereich des MP- und PIP V angab, wurde er am 1. November 2001 geröntgt, was einen unauffälligen Befund ergab. Auf Grund einer Überanstrengung im Rahmen von Kraftübungen traten Belastungsschmerzen auf, welche nach entsprechender Reduktion des Programms deutlich besser wurden (Eintrag vom 28. November 2001). Am 28. Februar 2002 klagte er über Schmerzen im Bereich der Narbe palmarseits am Handgelenk und Carpus. Anlässlich der Kontrolle vom 30. Mai 2002 empfahl Frau Dr. med. E.________, die Stelle im Rahmen des Wiedereingliederungsprogramms (Sortier- und Verpackungsarbeiten) unbedingt beizubehalten, obwohl der Versicherte Beschwerden im Bereich der rechten Hand angab. Nachdem er am 18. Juni 2002 über starke Beschwerden berichtete, da er den ganzen Tag Schrauben befestigen müsse, schrieb Frau Dr. med. E.________ ihn zu 50 % arbeitsunfähig und beurteilte diese Arbeit als noch nicht zumutbar. In der Abschlussuntersuchung vom 28. August 2002 hielt sie fest, die rechte Hand sei nicht mehr wie früher einsetzbar und rechtfertige eine Arbeitsunfähigkeit von bis zu 50 %. Wiedereingliederung in eine manuell weniger beanspruchende Tätigkeit sei wünschenswert. Nachdem sie über die im Rahmen der Wiedereingliederung aufgetretenen psychischen Probleme informiert worden war, diagnostizierte sie am 24. September 2002 den Verdacht auf psychosomatische Komponente und sprach sich für eine Abklärung aus. 4.3 Anlässlich der Untersuchung vom 22. Oktober 2002 kam der Kreisarzt, Dr. med. G.________, zum Schluss, die rechte Hand sei für mechanisch beanspruchende Arbeiten nicht mehr einsetzbar und es seien bei ganztägiger Präsenz zwei Blöcke à je 3 Stunden Arbeit (leichte Sortierarbeiten) zumutbar. Auf Nachfrage hin präzisierte er, dass bei einer Tätigkeit ohne manuellen Anteil von einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei; ebenso bei Einsetzen der rechten Hand als Hilfshand (Aktennotiz vom 21./25. November 2002). 4.4 Frau Dr. med. V.________, Oberärztin, Handchirurgische Poliklinik, Spital Y.________, hielt am 20. November 2002 fest, der Versicherte sei, vor allem für leichtere Sortierarbeiten, wieder voll arbeitsfähig. Nicht geeignet seien das Heben von schweren Gegenständen, Vibrationsexposition sowie feine Koordinationsarbeiten. Nebst den somatischen Diagnosen erwähnte sie eine Anpassungsstörung. An dieser Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hielt sie anlässlich der Untersuchung im Februar 2003 fest. Nachdem der Versicherte im Rahmen einer Wiedereingliederung ab 1. März 2003 über Schmerzepisoden geklagt hatte, wurde er erneut von Frau Dr. med. V.________ untersucht, welche ihm die Weiterführung des Arbeitsprogramms unter Einnahme von Schmerzmitteln empfahl (Bericht vom 11. April 2003). 4.5 Gemäss Schlussbericht der Abteilung Berufliche Eingliederung der IV-Stelle Bern vom 23. Oktober 2003 war der Versicherte nach Aussage von Dr. med. S.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, infolge familiärer Probleme psychisch völlig dekompensiert. Im Bericht vom 9. Februar 2004 gab Dr. med. S.________ zu den angeführten Beschwerden an, diese seien Ketten von psychischen und somatischen Problemen verbunden mit Lebensbewältigungsschwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung. Am 10. August 2004 bestätigte Dr. med. S.________ eine andauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit, deren auslösende Faktoren in engem Zusammenhang mit dem Unfall vom 31. Mai 2001 stünden. Der Versicherte komme mit dem alltäglichen Leben nicht mehr zurecht und regrediere in depressiven Phasen vollständig, sodass er dauernder Fürsorge und Betreuung bedürfe. 4.6 Für Dr. med. F.________, Facharzt für Innere Medizin, welcher den Versicherten ab 9. September 2003 betreute und ihm vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierte, stehen die schwere Krankheitsverarbeitungsstörung und die depressiven Symptome in einem Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 31. Mai 2001. 4.7 Am 1. April 2004 gab der Versicherte gegenüber dem Kreisarzt-Stellvertreter, Dr. med. B.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Handchirurgie, an, die Beschwerden in der rechten Hand seien unverändert. Schmerzen habe er im Bereich der Narbe am Handgelenk. Bezüglich der Zumutbarkeit übernahm Dr. med. B.________ die Einschätzung des Kreisarztes vom Oktober 2002, wonach für die rechte Hand nicht belastende Tätigkeiten volle Arbeitsfähigkeit bestehe. 4.8 Dr. med. H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem Gutachten vom 20. Februar 2005 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4) mit somatischen und psychischen Faktoren bei Status nach schwerem Quetschtrauma der rechten Hand sowie eine leichte depressive Verstimmung (ICD-10: F 32.0) bei anhaltender Schmerzproblematik und diversen sozialen Belastungen. Die Schmerzen in der rechten Hand könnten gemäss handchirurgischer Untersuchung nicht allein mit organischen Befunden erklärt werden. Es bestehe eine funktionelle Einhändigkeit. Der Versicherte könne den Verlust der Kraft in der rechten Hand nicht adäquat verarbeiten, sodass es zu einer Ausweitung der Problematik komme und er sich subjektiv als gänzlich arbeitsunfähig erlebe. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit zu 30 % eingeschränkt, welche nicht zu der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zu addieren sei; vielmehr sei gesamthaft von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % für leichte Arbeiten auszugehen.