Citation: H 170/99 03.11.2000 E. 3

3.- Die vom Bundesamt überdies erhobenen materiellen Einwendungen erweisen sich als unbehelflich. Richtig ist, dass der Schadenersatzprozess von der Offizialmaxime beherrscht ist und der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen gilt. Dies schliesst jedoch eine vergleichsweise Einigung nicht aus (Erw. 2 hievor). Ebenso trifft es zu, dass sich das Gericht nicht damit begnügen darf, das Verfahren auf Grund der gemeinsamen Parteierklärung abzuschreiben, sondern der Vergleich ist vom Gericht zu genehmigen, was bedeutet, dass es mit der Genehmigung das Ergebnis seiner Prüfung im Entscheid festhält. Entgegen der Auffassung des BSV hat sich die Vorinstanz jedoch nicht darauf beschränkt, das Verfahren auf Grund der ihr von den Parteien vorgelegten gemeinsamen Erklärung abzuschreiben. Vielmehr hat sie erwogen, dass der Vergleich den Interessen der Parteien angemessen Rechnung trägt und im Einklang mit der Akten- und Rechtslage steht, womit zum Ausdruck kommt, dass die von der Rechtsprechung geforderte richterliche Prüfung erfolgte. Schliesslich ist der Einwand des Bundesamtes, die Parteien machten keinerlei Fehler seitens der Verwaltung geltend, die eine Reduktion der Schadenersatzpflicht im Sinne der Rechtsprechung begründen könnten, nicht stichhaltig. Das Mitverschulden der Kasse an der Entstehung des Schadens wurde im Verfahren vor dem Sozialversicherungsgericht sehr wohl im Hinblick auf eine Herabsetzung der Schadenersatzforderung thematisiert, wie die Beschwerdegegner 2 und 3 zu Recht einwenden. Dass sodann die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach BGE 122 V 185 in Fällen, in welchen eine grobe Pflichtverletzung der Verwaltung für die Entstehung oder Verschlimmerung des Schadens adäquat kausal gewesen ist, herabgesetzt werden kann, bedeutet entgegen der Ansicht des BSV nicht, die Zulässigkeit eines Vergleichs in einem Schadenersatzprozess nach Art. 52 AHVG setze ein solches Mitverschulden der Ausgleichskasse voraus (vgl. AHI 1999 S. 208 Erw. 2b in fine). Gegenteils dürfte eine vergleichsweise Lösung insbesondere bei umstrittenen Forderungen und Beweisschwierigkeiten - ungeachtet eines allfälligen schuldhaften Verhaltens der Kasse - angestrebt werden (in diesem Sinne nicht publiziertes Urteil G. vom 16. Februar 2000, H 155/99). Weitere materielle Einwendungen, welche geeignet wären, den Vergleich als mit der Akten- oder Rechtslage unvereinbar erscheinen zu lassen, führt das Bundesamt nicht ins Feld.