Citation: 1C_30/2016 E. 3.2

3.2. Das Verwaltungsgericht führte sinngemäss aus, das Baugesuch sei vor dem Inkrafttreten des neuen Planungs- und Baugesetzes am 1. Januar 2013 gestellt worden, weshalb die Rechtmässigkeit des Bauprojekts nach dem alten Planungs- und Baugesetz (aPGB) sowie der per 1. April 1996 in Kraft gesetzten alten Planungs- und Bauverordnung (aPBV) zu beurteilen sei. Gemäss § 11 aPBV Abs. 1 gelte als anrechenbare Landfläche die Fläche der vom Baugesuch erfassten, baulich noch nicht ausgenützten Grundstücke oder Grundstücksteile der Bauzonen. Nach § 11 Abs. 2 Ziff. 1 aPBV könnten zur anrechenbaren Landfläche auch noch nicht ausgenützte Flächen von in enger örtlicher Beziehung liegenden Grundstücken hinzugenommen werden, sofern der Transfer im Grundbuch angemerkt werde und keine öffentlichen Interessen entgegenstehen. Gemäss der Rechtsprechung verlange § 11 Abs. 2 Ziff. 1 aPBV nicht, dass Geber- und Übernahmeparzelle in der gleichen Zone zu liegen hätten. Vorliegend gehe es zwar nicht um eine Nutzungsübertragung von einem Grundstück auf das andere im Sinne von § 11 Abs. 2 Ziff. 1 aPBV. Strittig sei eine interzonale Anrechnung der auf demselben Grundstück in der Dorfzone D liegenden Grundstücksfläche an die in der Wohnzone W2 liegende Teilfläche, auf der das geplante Bauprojekt errichtet werden soll. Jedoch könne § 11 Abs. 2 Ziff. 1 aPBV, der interzonale Ausnützungsanrechnung bei Grundstücken in enger örtlichen Beziehung zulasse, analog angewendet werden. Die Voraussetzung der engen örtlichen Beziehung sei gegeben, weil beide Teilflächen auf demselben Grundstück lägen. Zudem würden der interzonalen Ausnützungsanrechnung keine öffentlichen Interessen - so etwa ortsbauliche, landschafts- und umweltschutzrechtliche oder raumplanerische Überlegungen zum haushälterischen Umgang mit dem Boden - entgegenstehen. Gemäss der schlüssigen Ausnützungsberechnung des DBU werde mit dem Bauprojekt nach Berücksichtigung des "Tiefgaragen-Bonus" und der Reduktion für den Minergie-Standard die in der Wohnzone W2 zulässige Ausnützungsziffer von 0.50 eingehalten. Es erfolge keine Übertragung der in der Dorfzone D2 zulässigen Ausnützungsziffer von 0.6 auf den in der Wohnzone W2 liegenden Grundstückteil. Ausserdem stelle die freibleibende, in der Dorfzone D liegende Teilfläche der Liegenschaft Nr. 195 keine ortsbaulich atypische oder störende Baulücke dar. Dass mit dem geplanten Haus die ganze Ausnützung der Bauliegenschaft konsumiert werden soll, entspreche dem verfassungsrechtlichen Grundsatz des haushälterischen Umgangs mit dem Boden, zumal die Realisierung einer Wohnbaute auf der in der Dorfzone D liegenden Restfläche von lediglich 260 m2 ohne Einräumung von Näherbaurechten kaum sinnvoll möglich sei. Unter Beachtung der Grenzabstände zur westlichen und östlichen Grundstücksgrenze könne dort lediglich ein ca. 5 m breites Gebäude errichtet werden, das zudem gegenüber der nördlich vorbeiführenden Ruberbaumstrasse den Strassenabstand von 3 m einzuhalten habe. Somit sei gemäss § 11 aPBV eine interzonale Ausnützungsanrechnung zulässig. Diese Vorschrift sei vom Regierungsrat gestützt auf § 18 (recte: § 12) kompetenzgemäss erlassen worden und stelle damit eine ausreichende gesetzliche Grundlage im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dar. Demnach dürfe bei der Berechnung der Ausnützungsziffer für das Haus in der Wohnzone W2 die Fläche des nördlichen Teils des Baugrundstücks in der Dorfzone D mitberücksichtigt werden.