Citation: 6P.47/2003 28.11.2003 E. 4.1

4.1.1 Im Einzelnen führt der Beschwerdeführer aus, er habe den Begleiter des Geschädigten eingehend zum Unfallhergang befragt. B.________ sei der einzige originäre Zeuge gewesen. Seine Darstellung habe genau mit dem Untersuchungsbefund übereingestimmt. Die Rettungssanitäterin habe den Unfall nicht selber beobachtet und habe aus eigener Wahrnehmung nur den Transport des Geschädigten beschreiben können. Das von ihr ausgefüllte Protokoll habe nichts enthalten, was die Rettungssanitäterin nicht mündlich berichtet habe. Er habe daher auf die verlässliche und glaubwürdige Schilderung von B.________, der bereitwillig und vorbehaltlos Auskunft gegeben habe, vertrauen dürfen. Aufgrund dessen habe er davon ausgehen dürfen, dass der Geschädigte den Kopf nicht wirklich angeschlagen habe und insbesondere nicht bewusstlos gewesen sei. Ferner habe er aufgrund der Darstellung von B.________ annehmen dürfen, dass dieser den Geschädigten mit dem Rollbrett von Hand angestossen habe, der Geschädigte massiv Alkohol getrunken habe und dass die beiden weiter gegangen wären, wenn die herangefahrenen Automobilisten nicht die Ambulanz avisiert gehabt hätten. 4.1.2 Das Kantonsgericht begründet den Schuldspruch der fahrlässigen schweren Körperverletzung damit, der Beschwerdeführer habe nicht sicher sein dürfen, dass der Geschädigte bei seinem Sturz den Kopf nicht angeschlagen habe. Er habe in jedem Fall von einem Sturz ausgehen müssen. Unter der Annahme einer gleichzeitig vorhandenen starken Alkoholisierung des Geschädigten hätte er diesen nicht in die Obhut seiner Freundin, die zudem nur im Hinblick auf die Gefahr der Aspiration von Erbrochenem instruiert worden war, entlassen dürfen, sondern hätte ihn im Spital zurückbehalten und eine engmaschige Überwachung anordnen müssen. 4.1.3 Ob der Beschwerdeführer bezüglich des Kopfaufpralls unsicher war, ist ohne Bedeutung. Wesentlich ist allein, dass er angesichts der geschilderten Umstände und der einer erheblichen Alkoholisierung zugeschriebenen Symptome des Geschädigten nicht sicher sein durfte, dass dieser den Kopf nicht in relevanter Weise angeschlagen haben könnte. Dies beschlägt allerdings eine Rechtsfrage, die im Rahmen der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde aufzuwerfen ist. Ferner kann offen bleiben, ob es allgemeiner Erfahrung entspricht, dass ein Beobachter eines nächtlichen Sturzereignisses kaum in der Lage sei anzugeben, ob jemand den Kopf angeschlagen habe, geschweige denn wie stark. Denn auch dieser Erwägung kommt keine eigenständige Bedeutung zu. Das Kantonsgericht sagt damit nur aus, der Beschwerdeführer hätte der Schilderung des Begleiters mit Vorsicht begegnen müssen und hätte nicht darauf vertrauen dürfen. Das gleiche gilt, soweit der Beschwerdeführer geltend macht, es habe von ihm als Notfallarzt nicht verlangt werden können, dass er den Sachverhalt sozusagen als Detektiv hätte abklären müssen. Das Kantonsgericht führt hier zu Recht aus, dem Beschwerdeführer hätte der Vermerk auf dem Notfallformular des Rettungsdienstes auffallen müssen, dass der Geschädigte von Brunnen nach Schwyz unterwegs gewesen sei. Dies hätte nicht nur Bedenken an den Angaben von B.________ erwecken müssen, wonach die beiden zu Fuss unterwegs gewesen seien. Darüber hinaus hätte es auch zu Zweifeln darüber Anlass geben müssen, dass sich die beim Geschädigten festgestellten Symptome auf einen derart schweren Alkoholrausch zurückführen liessen, der es ihm verunmöglichte, dem Arzt über das Unfallgeschehen Auskunft zu geben. 4.2 Wie bereits ausgeführt worden ist (vgl. E. 2.4), ist nicht zu beanstanden, dass das Kantonsgericht den Bericht des IRM Zürich nicht als Gutachten im Rechtssinne angesehen hat. Dementsprechend liegt im Umstand, dass das Kantonsgericht nicht auf diesen Bericht abstellt, sondern sein Urteil im Wesentlichen auf das Gutachten des IRM St. Gallen stützt, keine Willkür. 4.3 Soweit der Beschwerdeführer im Weiteren vorbringt, es fehle am natürlichen Kausalzusammenhang zwischen der bestrittenen Sorgfaltspflichtverletzung und der schweren Körperverletzung, ist seine Beschwerde unbegründet. Dass ein Kausalzusammenhang gegebenen ist, steht aufgrund des Gutachtens und der weiteren ärztlichen Berichte ausser Frage und wurde im Berufungsverfahren auch nicht bestritten. Im Grunde wendet sich der Beschwerdeführer mit seiner Rüge gegen die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs. Dabei wirft er aber eine Rechtsfrage auf, die im Verfahren der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde zu prüfen ist (BGE 116 IV 182 E. 4b; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl. Zürich 1997, Art. 18 N 26). Auf die Beschwerde kann insoweit nicht eingetreten werden. Aus dem selben Grund nicht zu hören ist der Beschwerdeführer, soweit er sich auf den Standpunkt stellt, ein allfällig vorhandener Kausalzusammenhang wäre durch die gezielte Irreführung von B.________ unterbrochen worden.