Citation: 7B_783/2023 E. A

A.a. A.a.a. Am 5. September 2001 kam es zu einem Autounfall, bei dem A.A.________ als Beifahrerin im Auto ihres Ehemanns beteiligt war. Sie musste verletzt ins Spital gebracht werden. Nach einem dreitägigen Spitalaufenthalt machte sie gegenüber mehreren Ärzten starke Schmerzen insbesondere im ganzen Oberkörper und in der rechten Körperhälfte geltend. A.a.b. Am 3. Februar 2003 meldete sich A.A.________ bei der Invalidenversicherung (nachfolgend: IV) zum Leistungsbezug an. Sie begründete dies mit einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, ausgelöst durch den Unfall vom 5. September 2001. Ihr Hausarzt, Dr. med. B.________, stellte in seinem Bericht vom 10. Juli 2003 zuhanden der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen, zu der die IV gehört (nachfolgend: SVA SG), die Diagnosen "unklares Schmerzsyndrom rechte Körperseite nach Bagatelltrauma" und "reaktive Depression nach Autounfall", wobei er meinte, dass die Schmerzen rein psychisch bedingt seien. A.A.________ wurde sodann am 26. Februar und am 1. Mai 2003 von Ärzten des Kantonsspitals St. Gallen untersucht. Diesen gegenüber beklagte sie unter anderem chronische Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein, welche durch Belastungen wie Stehen, Gehen oder andere Bewegungen verstärkt würden. Weiter berichtete sie von einer Gefühlsstörung mit einer verminderten Empfindung der gesamten rechten Körperhälfte, schwersten Kopfschmerzen (Schmerzintensität zehn auf einer Skala bis zehn), Übelkeit, Brechreiz und Verschwommensehen beider Augen, Schmerzen im rechten Schulterbereich und Handgelenk, Schlafproblemen, Traurigkeit und Gedankenkreisen. Sie erklärte, nicht mehr fähig zu sein, den eigenen Haushalt selber zu führen und sich zu 100 % arbeitsunfähig zu fühlen. Seit dem Unfall sei sie arbeitslos. Gestützt auf diese Angaben wurden seitens des Kantonsspitals unter anderem eine somatoforme Schmerzstörung und der Verdacht auf ein depressives Syndrom diagnostiziert. Ähnliche Symptome gab A.A.________ gegenüber den Ärzten der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an. Diese stellten gemäss Bericht vom 11. September 2003 eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit Ausweitungstendenz und als Folge eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit fest. A.a.c. Mit Verfügung vom 8. Juni 2004 sprach die IV-Stelle der SVA SG A.A.________ wegen 100 %-iger Erwerbsunfähigkeit rückwirkend ab September 2002 eine ordentliche einfache Invalidenrente, eine Ehegattenrente und vier ordentliche Kinderrenten zu. A.a.d. Im März 2006 führte die IV-Stelle eine erste Rentenrevision durch. Auf dem Revisionsfragebogen vom 20. März 2006 deklarierte A.A.________ einen unverändert schlechten Gesundheitszustand. Das Krankheitsbild wurde von ihrem Hausarzt und von zwei Ärztinnen der Fachstelle für Psychiatrie und Psychotherapie in ihren Berichten vom 17. April und 18. Mai 2006 bestätigt. Am 29. Mai 2006 schloss die IV-Stelle das Revisionsverfahren ab, wobei A.A.________ weiterhin eine volle IV-Rente, entsprechend einem Invaliditätsgrad von 100 %, beziehen konnte. A.a.e. Die IV-Stelle leitete im Jahr 2009 ein zweites Revisionsverfahren ein. Auch im Revisionsfragebogen vom 8. Juli 2009 machte A.A.________ einen gleichbleibend schlechten Gesundheitszustand geltend, was wiederum von ihrem Hausarzt und zusätzlich von Ärzten des Psychiatrie-Zentrums Rheintal bestätigt wurde. In der Folge richtete die IV-Stelle A.A.________ weiter eine ganze IV-Rente aus, ohne das Revisionsverfahren rechtskräftig abzuschliessen. A.a.f. Am 21. Mai 2014 erhielt die SVA SG über ein Meldeblatt einen anonymen Hinweis, wonach A.A.________ "völlig normal funktionieren" und namentlich Auto fahren, sich unauffällig bewegen, das Enkelkind hüten, den ganzen Haushalt erledigen und schwere Sachen tragen würde. Ausserdem sei sie als selbstständige Versicherungsmaklerin tätig. Dieser Hinweis führte zu erneuten Erkundigungen der IV-Stelle. A.a.g. Dr. med. B.________ erklärte am 11. Juni 2014 gegenüber der SVA SG, dass A.A.________ einen unveränderten Gesundheitszustand aufweise und sich selber derart krank fühle, dass es für sie unvorstellbar sei, zu arbeiten. Im Zusatzfragebogen, ausgefüllt am 3. September 2014, gab A.A.________ an, dass es ihr seit dem Unfall gesundheitlich eher schlechter gehe. Sie könne keine Computer- oder sonstige Büroarbeiten verrichten. Im Moment könne sie sich nicht vorstellen, wieder erwerbstätig zu sein. Sie habe seit der Berentung keine Erwerbstätigkeiten ausgeübt und auch keine entsprechenden Versuche gestartet. Von einer Arbeit abhalten würden sie starke Kopf-, Rücken- und Beinschmerzen, eine depressive Stimmung und Schlafstörungen. Sie sei auch beim Gehen eingeschränkt und hinke auf der rechten Seite. Sie würde sozial eher zurückgezogen leben (Besuch ca. zwei Mal pro Jahr; ansonsten nur Kontakt zu den Eltern in der Nähe, dies ca. einmal pro Monat; keine Freunde/Bekannte). Es belaste sie, wenn andere lachten, Spass hätten oder fröhlich seien. Sport und Hobbys könne sie wegen der Schmerzen nicht ausüben. Die Tage verbringe sie zu einem grossen Teil liegend im Bett. A.a.h. Dqie SVA SG reichte am 3. Dezember 2014 Strafanzeige gegen A.A.________ ein. Mit Verfügung vom 10. August 2015 stellte sie die Invalidenrente mit sofortiger Wirkung vorsorglich ein. Bis zu diesem Zeitpunkt waren A.A.________ Leistungen von gesamthaft Fr. 664'540.-- ausbezahlt worden. A.b. A.b.a. Parallel dazu war A.A.________ seit Ende 2003 für die C.________ GmbH tätig. Die Gesellschaft war von D.A.________, dem Ehemann von A.A.________, gegründet worden und auf die Vermittlung von Versicherungsprodukten spezialisiert. A.A.________ führte diverse Arbeiten für die Gesellschaft aus: Sie stand unter anderem in Kontakt mit Versicherungen, nahm Telefonanrufe für die C.________ GmbH entgegen, nahm Kundentermine wahr, tätigte Abklärungen in deren Auftrag, holte Offerten bei Versicherungen ein bzw. erstellte solche und nahm an Schulungen und Ausbildungsveranstaltungen von Versicherungen teil. Am 11. Oktober 2012 wurde sie als Bevollmächtigte mit Einzelunterschrift ins Handelsregister eingetragen. A.b.b. D.A.________ hatte am 22. Januar 2011 bei der Bank E.________ ein Geschäftskonto für die C.________ GmbH eröffnet. Das zuständige Treuhandbüro wurde seitens der C.________ GmbH nicht über dieses Konto informiert, sodass dieses nicht in die Geschäftsabschlüsse aufgenommen wurde. Die so unversteuert gebliebenen Einnahmen betrugen vom 6. Januar 2011 bis 31. Januar 2014 Fr. 199'420.16. A.b.c. Nachdem die SVA SG im Zusammenhang mit den IV-Leistungen gegen A.A.________ Strafanzeige eingereicht hatte, wurde am 30. Juni 2015 an ihrem Wohnort eine Hausdurchsuchung durchgeführt und sie wurde von der Staatsanwaltschaft über die verfügte Grundbuchsperre bezüglich ihres Miteigentumsanteils an der betroffenen Liegenschaft informiert. In der Folge hob sie am 2. Juli 2015 sämtliche Guthaben der C.________ GmbH bei der Bank E.________, insgesamt Fr. 72'160.--, ab. Mit dem Geld wurden unter anderem Sanierungsarbeiten am Haus der Familie A.________ im Kosovo finanziert. Erkennbare Ansprüche von A.A.________ oder D.A.________ für die Privatentnahme sind nicht ersichtlich und eine Rückzahlung ist nicht erfolgt. Im Laufe des Jahres 2015 kam es zu weiteren ungerechtfertigten Privatbezügen in Form von Darlehen durch D.A.________. A.b.d. A.A.________ veranlasste am 21. August 2015 ab dem Konto der C.________ GmbH, die damals bereits überschuldet war, eine Zahlung von Fr. 1'474.-- an die Physiotherapeutin F.________. Die Zahlung stellte einen Teil des Deliktserlöses im Zusammenhang mit betrügerischen Machenschaften zum Nachteil verschiedener Krankenversicherungen dar. A.b.e. Über die C.________ GmbH wurde am 3. April 2017 der Konkurs eröffnet. Das Konkursverfahren wurde am 19. April 2017 mangels Aktiven eingestellt. A.c. Nach Eröffnung des Strafverfahrens wegen Verdachts auf IV-Betrug wurde am 3. November 2015 der Weinbauer G.________ zur polizeilichen Einvernahme auf den 18. November 2015 vorgeladen. Ungefähr eine Woche vor dem Einvernahmetermin suchten A.A.________ und D.A.________ unangemeldet den Zeugen auf und sprachen mit ihm über die bevorstehende Einvernahme.