Citation: 5A_291/2023 E. 4.3

4.3. Abschliessend stellt die Mutter die Behauptung auf, das Asylrecht gehe dem Kindesentführungsübereinkommen vor und die Kinder dürften nicht zurückgeführt werden, soweit der Asylentscheid noch ausstehe. Dieses Vorbringen ist zulässig, weil in der Endverfügung 5A_271/2023 vom 5. April 2023 E. 2 einzig festgehalten wurde, dass ein noch hängiges Asylverfahren kein Grund sei, welcher den sofortigen Vollzug des angefochtenen obergerichtlichen Entscheides ausschliesse. In der Sache ist der Behauptung allerdings nicht zu folgen. Das Kindesentführungsübereinkommen regelt die Voraussetzungen der Rückführung wie auch die Ausschlussgründe autonom. Selbstverständlich könnte eine bestimmte Situation im Herkunftsstaat gleichzeitig einen Asylgrund und einen Ausschlussgrund für die Rückführung im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. b HKÜ bilden. Indes begründet die blosse Tatsache, dass ein Asylantrag anhängig gemacht wurde, für sich genommen keinen Ausschlussgrund - am ehesten wäre ein solcher wohl unter Art. 20 HKÜ zu subsumieren -, umso weniger als die Mutter es an Ausführungen vermissen lässt, welche auch nur entfernt auf einen Asylgrund deuten könnten (vorgebracht wird Schutz vor den kroatischen Behörden, von denen sich die Mutter nach ihren Angeben bei der obergerichtlichen Anhörung verfolgt fühlt, was vielleicht auch aufgrund ihrer Tätigkeit als Aktivistin und Whistleblowerin sei).