Citation: 6S.139/2005 24.06.2005 E. 2

Der Vize-Polizeirichter hielt in tatsächlicher Hinsicht fest, dass die Strasse nass war, dass das Unfallopfer die Strasse von links nach rechts auf dem Fussgängerstreifen überquerte und dass es in der Strassenmitte von der linken Vorderseite des Fahrzeugs erfasst wurde. Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs von 50 km/h bewertete der Vize-Polizeirichter aufgrund der Licht- und Witterungsverhältnisse als leicht übersetzt. Eine gewisse Verantwortung für den Unfall trage das Opfer, weil es vor dem Überqueren des Fussgängerstreifens das Auto der Beschwerdegegnerin hätte sehen und allenfalls zuwarten müssen. Letztere habe die Situation wegen einer kurzfristigen Unauf-merksamkeit falsch eingeschätzt, weshalb sie sich einer einfachen Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht habe. Die Vorinstanz, der in tatsächlicher Hinsicht lediglich eine beschränkte Kognition zukam, verneint Anhaltspunkte, wonach sich das Opfer in einer für die Beschwerdegegnerin nicht vorhersehbaren Weise verhalten habe. Sie hält zudem fest, die Sicht und Übersicht sei gut gewesen und dass die Strasse am Unfallort leicht abfällt. Gestützt auf die verbindliche Feststellung des Vize-Polizeirichters, wonach der Unfall auf eine kurzfristige Unaufmerksamkeit der Beschwerdegegnerin zurückzuführen sei, erachtet sie den subjektiven Tatbestand des Art. 90 Ziff. 2 SVG als nicht erfüllt.