Citation: 6B_308/2024 E. 1.2.3

1.2.3. Beim Aussageverhalten des Beschwerdeführers falle hingegen auf, dass er sich zum Kerngeschehen sehr zurückhaltend geäussert habe. In der ersten Einvernahme habe er lediglich gesagt, sie seien sich im Hotelzimmer näher gekommen; weitere Aussagen würden sich wohl erübrigen. Auf Vorhalte habe er keine weiteren Angaben gemacht, ebenso wenig auf die Frage, wie er sich verhalten hätte, wenn die Beschwerdegegnerin 2 keinen Sex gewollt hätte. Er habe sich nicht daran erinnern können, ob er bereits vor dem Essen versucht habe, die Beschwerdegegnerin 2 zu küssen, ob er im Kino seine Hand auf ihr Knie gelegt oder dass er auf dem Bett ihre Hände festgehalten habe. Auf den Vorhalt, gegen den Willen der Beschwerdegegnerin 2 vaginal in sie eingedrungen zu sein, habe der Beschwerdeführer zunächst nur mit Kopfschütteln reagiert, um dann anzufügen: "Wir hatten zusammen etwas, ja, aber nicht, dass sie keinen Willen hatte. Es ist einfach passiert.". Er könne sich nicht erinnern, dass er ihr das Mobiltelefon weggenommen habe. Zwar sei der Beschwerdeführer grundsätzlich nicht zur Aussage verpflichtet. Jedoch falle auf, dass er, soweit er Angaben gemacht habe, konkrete Vorhalte bloss knapp bestritten habe oder sich nicht daran habe erinnern wollen bzw. die Aussage verweigert habe. Von einem Unschuldigen wäre angesichts der drohenden Folgen zu erwarten gewesen, dass er konkrete Vorhalte vehement bestritten und zu seiner Entlastung konkret und ausführlich geschildert hätte, was sich tatsächlich zugetragen habe. Der Beschwerdeführer habe zudem nicht generell die Aussage verweigert, sondern schwammige Angaben gemacht, sich gewunden und zum Kerngeschehen ausweichend geantwortet. Dies sei auffällig und spreche gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Gleiches gelte für das ausgesprochen selektive Erinnerungsvermögen des Beschwerdeführers, wobei auffalle, dass er detaillierte Angaben zum Deliktstag und zum Tatort gemacht habe. Die wenigen Angaben zum eigentlichen Tatgeschehen seien zudem wenig plausibel, etwa, dass die Beschwerdegegnerin 2 im Hotelzimmer selber ihren Hosenknopf geöffnet und sich dem Beschwerdeführer einfach so angeboten habe. Auffällig sei auch, dass er auf Fragen oft mit Gegenfragen geantwortet habe. Schliesslich habe sich der Beschwerdeführer in wesentlichen Punkten auch widersprochen, namentlich zur Frage, wer die Hose der Beschwerdegegnerin 2 geöffnet habe und weshalb es zum Kontaktabbruch gekommen sei.