Citation: U 12/00 21.08.2000 E. 4

4.- a) Der Beschwerdeführer macht geltend, bei der Invaliditätsbemessung sei auf den von der IV-Stelle festgesetzten Invaliditätsgrad von 100 % abzustellen. Nach der Rechtsprechung bestehe eine Bindung der obligatorischen Unfallversicherung an die Invaliditätsbemessung der IV-Stelle, sofern die Invalidenversicherung nicht gesundheitliche Beeinträchtigungen zu berücksichtigen habe, für welche die obligatorische Unfallversicherung in versicherungsrechtlicher Hinsicht nicht aufzukommen habe. Im vorliegenden Fall seien keine solchen Gründe ersichtlich, weil sich der nicht versicherte Gesundheitsschaden von 1962 nicht auf die Erwerbsfähigkeit auswirke und auch die psychischen Störungen als adäquat unfallkausal zu betrachten seien. Selbst wenn in der Invalidenversicherung keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu berücksichtigen sind, für welche die obligatorische Unfallversicherung nicht aufzukommen hat, besteht keine uneingeschränkte Bindung des Unfallversicherers an die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung. Anlass für ein Abweichung von einer bereits rechtskräftigen Invaliditätsschätzung eines andern Versicherers können etwa äusserst knappe oder ungenaue Abklärungen sowie kaum überzeugende oder nicht sachgerechte Schlussfolgerungen bieten (zur Publikation vorgesehenes Urteil G. vom 26. Juli 2000, I 512/98). Als massgeblich zu betrachten ist die Invaliditätsschätzung des einen Sozialversicherungsträgers unter anderem dann, wenn sie auf einem korrekt durchgeführten Einkommensvergleich beruht und der angenommene Invaliditätsgrad als vertretbar erscheint (BGE 119 V 474 Erw. 4). Hieran fehlt es im vorliegenden Fall. Die Invalidenversicherung hat dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Oktober 1990 eine ganze Invalidenrente auf Grund eines Invaliditätsgrades von 100 % zugesprochen (Verfügung vom 7. Mai 1992). Der Rentenanspruch wurde in der Folge wiederholt revisionsweise überprüft, wobei weiterhin von einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit ausgegangen wurde. Damit bleibt aber unberücksichtigt, dass der Versicherte zu Lasten der Invalidenversicherung auf eine Tätigkeit als Rechtsagent umgeschult worden ist. Diese Ausbildung hat er im November 1995 erfolgreich abgeschlossen. Zudem haben die MEDAS-Ärzte im Bericht vom 4. Februar 1997 für eine körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von (höchstens) 50 % aus rheumatologischer Sicht und von noch 30 % unter Berücksichtigung der psychischen Beeinträchtigungen angenommen. Der Rentenentscheid der Invalidenversicherung stellt unter diesen Umständen keine zuverlässige und im Sinne der Rechtsprechung verbindliche Grundlage für die Invaliditätsbemessung in der obligatorischen Unfallversicherung dar. b) Zur Zeit des ersten Unfalls (1962) war der Beschwerdeführer in der Landwirtschaft und später im Baugewerbe tätig gewesen, zuletzt als selbstständiger Bauunternehmer. Im Anschluss an den Unfall vom 12. Juni 1987 wurden seitens der Invalidenversicherung Umschulungsmassnahmen in die Wege geleitet. Bei Eintritt des Unfalls vom 20. November 1990 befand sich der Versicherte in Umschulung zum technischen Kaufmann, mit welcher Massnahme ihm eine unselbstständige Tätigkeit im Baumaterialienhandel (Vertreterstelle oder Leitung eines Auslieferungslagers) ermöglicht werden sollte (Bericht der IV-Regionalstelle St. Gallen vom 8. November 1988). In der Verfügung vom 31. Mai 1995 hat die SUVA das Valideneinkommen ohne nähere Begründung auf Fr. 97'200.- festgesetzt. Aus einer Aktennotiz vom 13. Juni 1995 geht hervor, das sie sich dabei auf Angaben der Firma E.________ AG stützte, bei welcher der Versicherte nach dem Unfall vom 12. Juni 1987 eine Umschulung zum Buchbinder in Angriff genommen hatte. Abgesehen davon, dass diese Ausbildung Ende 1988 aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben wurde, hätte sich der Lohn nach den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin vom 10. April 1995 auf lediglich Fr. 4000.- bis 4500.- (x 13) belaufen. In Wirklichkeit hat die SUVA das Valideneinkommen in der Weise festgesetzt, dass der für das Taggeld im Jahr 1990 angenommene versicherte Verdienst von Fr. 81'600.- (entsprechend dem damaligen Jahresverdienstmaximum) nach Massgabe der Preisentwicklung auf den Zeitpunkt des Verfügungserlasses (31. Mai 1995) umgerechnet wurde. Der im Jahr 1990 versichert gewesene Verdienst bildet indessen keine zuverlässige Grundlage für die Bemessung des Valideneinkommens, weil er nicht auf konkreten Einkommenszahlen beruht. Im Einspracheentscheid vom 26. Februar 1997 hat die SUVA das Valideneinkommen denn auch neu auf Fr. 80'000.- festgesetzt, indem sie vom Lohn von rund Fr. 56'000.- ausging, welchen der Versicherte als Vorarbeiter in der Baubranche vor Juli 1986 bezog. Vor Eintritt des Unfalls vom 12. Juni 1987 war der Beschwerdeführer allerdings als selbstständiger Bauunternehmer tätig gewesen, wobei er seinen Angaben zufolge ein Einkommen von rund Fr. 5000.- im Monat erzielt hatte. Dementsprechend war er bei der SUVA für einen Verdienst von Fr. 60'000.- freiwillig versichert. Wird dieser Betrag nach Massgabe der Nominallohnentwicklung in der Zeit von 1987 bis 1994 erhöht (gemäss Tabelle 2.2 der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen "Lohnentwicklung 1995" stieg der Nominallohnindex 1988 um 3,4 %, 1989 um 3,8 %, 1990 um 5,9 %, 1991 um 7 %, 1992 um 4,8 %, 1993 um 2,7 % und 1994 um 1,5 %), so ergibt sich ein Einkommen von Fr. 79'716.-, womit die Annahme eines Valideneinkommens von Fr. 80'000.- bestätigt wird. Nichts anderes ergibt sich, wenn im Sinne des vorinstanzlichen Entscheids auf die Verhältnisse bei Eintritt des Unfalls vom 20. November 1990 und - in Anwendung von Art. 28 Abs. 1 UVV - auf das hypothetische Einkommen abgestellt wird, welches der Beschwerdeführer ohne den Gesundheitsschaden als technischer Kaufmann im Baugewerbe hätte erreichen können. Wenn die Vorinstanz auf die im Rahmen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 1994 für die Dienstleistungsbereiche "Immobilien, Vermietung, Leasing", "Beratung, Planung, Informatik" und "Dienstleistungen für die Allgemeinheit, Interessenwahrung" ermittelten monatlichen Bruttolöhne (Zentralwert) von Fr. 5725.-, 6426.- und 7008.- (LSE 1994 Tabelle A 1.3.1 S. 57), abgestellt und das mutmassliche Jahreseinkommen auf Fr. 76'800.- festgesetzt hat, so lässt sich dies nicht beanstanden. Entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde besteht kein Anlass, der Festsetzung des Valideneinkommens die Durchschnittswerte für das Anforderungsniveau 1 und 2 (Verrichtung höchst anspruchsvoller und schwieriger bzw. selbstständiger und qualifizierter Arbeiten) zu Grunde zu legen. Immerhin liegt der von der Vorinstanz herangezogene Gesamtdurchschnitt über dem für das Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) massgebenden Durchschnittswert. Zudem hat das kantonale Gericht auf Bereiche mit Werten abgestellt, die deutlich über dem Gesamtdurchschnitt aller Wirtschaftszweige (Fr. 5221.-) und insbesondere auch über dem für das Baugewerbe (Fr. 4677.-) und den Grosshandel (Fr. 5682.-) gültigen Werten liegen. Es besteht daher kein Anlass zur Annahme eines höheren Valideneinkommens, als die SUVA es der Invaliditätsbemessung zu Grunde gelegt hat. c) Was das zumutbarerweise noch erzielbare Invalideneinkommen betrifft, nahm die SUVA an, dem Beschwerdeführer wäre es trotz der Unfallfolgen möglich, ein Einkommen von Fr. 40'000.- (monatlich rund Fr. 3000.- x 13) zu erzielen, selbst wenn eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen berücksichtigt werde. Aus dem Einspracheentscheid geht nicht hervor, auf welche zumutbarerweise zu verrichtenden Tätigkeiten sich diese Annahme stützt. Das kantonale Gericht geht davon aus, dass es dem Versicherten nach erfolgtem Abschluss der von der Invalidenversicherung übernommenen Ausbildung zum Rechtsagenten möglich sei, in dem laut MEDAS-Gutachten für eine körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeit als zumutbar erachteten Mass von 50 % tätig zu sein. Weil anzunehmen sei, dass das Einkommen eines Rechtsagenten nicht tiefer liege, als dasjenige eines technischen Kaufmanns, sei der Anspruch auf eine Rente von 50 % zu bestätigen. Damit bleibt unberücksichtigt, dass der Beschwerdeführer an psychischen Beeinträchtigungen leidet, die nach dem Gesagten als adäquat unfallkausal zu gelten haben. Nach Auffassung der MEDAS-Ärzte ist dem Versicherten auf Grund seiner psychischen Auffälligkeiten (narzisstisch-neurotische Persönlichkeit mit leichter reaktiver Depression als Folge der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit) eine körperlich leichtere Tätigkeit lediglich noch zu 30 % zumutbar; gemäss fachärztlicher psychiatrischer Beurteilung wird der Beschwerdeführer auch als Rechtsagent keine relevante Einsatzfähigkeit erreichen können und ist von weiteren beruflichen Eingliederungsmassnahmen abzusehen. Es besteht kein Anlass, von dieser auf eingehenden Untersuchungen beruhenden Beurteilung durch die hiefür spezialisierte Abklärungsstelle der Invalidenversicherung abzugehen, zumal auch im Gutachten des Sozialpsychiatrischen Dienstes vom 13. Februar 1996 eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von rund 30 % angegeben wurde. Der Festsetzung des Invalideneinkommens ist somit eine Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer körperlich leichten, vorwiegend sitzend zu verrichtenden Tätigkeit von 30 % zu Grunde zu legen. Im Jahre 1996 betrug der monatliche Bruttolohn für männliche Arbeitnehmer (privater und öffentlicher Sektor zusammen) mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten Fr. 4399.-, einschliesslich 13. Monatslohn (LSE 1996 Tabelle A 3 S. 19), was - umgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,9 Stunden (Statistisches Jahrbuch der Schweiz 1999 S. 115) - einem Jahreseinkommen von Fr. 55'295.- entspricht. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 30 % resultiert ein theoretisches Einkommen von Fr. 16'588.- und unter Berücksichtigung des hier gerechtfertigten maximalen leidensbedingten Abzuges von 25 % (noch nicht veröffentlichtes Urteil A. vom 9. Mai 2000, I 482/99) ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 12'441.-. Im Vergleich zum Valideneinkommen von Fr. 80'000.- ergibt sich damit ein Invaliditätsgrad von rund 85 %, in welchem Umfang der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat.