Citation: U 333/05 06.09.2006 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob die Versicherungsleistungen ab 1. Juli 1997 einzustellen sind, weil die unfallbedingten Ursachen des somatischen Gesundheitsschadens des Beschwerdeführers ihre kausale Bedeutung verloren haben (vgl. statt vieler Urteil B. vom 30. November 2004, U 222/04 Erw. 1.3). Was allfällige psychische Unfallrestfolgen bzw. das typische Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS betrifft, kann auf die entsprechenden Erwägungen im kantonalen Entscheid vom 19. Mai 1999 und auf das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht vom 21. November 2001 verwiesen werden. Im angefochtenen Entscheid stellt die Vorinstanz fest, auch aufgrund der aktualisierten medizinischen Aktenlage würden sich beim Beschwerdeführer nach wie vor keine erheblichen somatischen Unfallrestfolgen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit objektivieren lassen. 2.1 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, die im kantonalen Entscheid vertretene Auffassung, die Beurteilungsmethoden von PD Dr. med. W.________ und von Dr. med. A.________ könnten nicht als anerkannt bezeichnet werden, sei vor dem Hintergrund der Relativität des Begriffs der Wissenschaftlichkeit nicht haltbar. Das von der Vorinstanz in Auftrag gegebene Gutachten von PD Dr. med. K.________ entspreche nicht den Vorgaben des Eidgenössischen Versicherungsgerichts, da es sich bei diesem Experten nicht um ein Mitglied einer anerkannten universitären Institution mit entsprechender Erfahrung handle. Wenn PD Dr. med. K.________ die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer posttraumatisch atypischen Migräne und einer Blendungsstörung mit 50 % einschätze, so liege dieser Wert demjenigen der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von mindestens 51 % sehr nahe. Damit sei umgekehrt anzunehmen, es könne nicht nachgewiesen werden, dass diese Gesundheitsstörungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weggefallen wären. Was das Gutachten von Dr. med. A.________ anbelangt, seien die darin aufgeführten Untersuchungen und daraus gezogenen Schlüsse gemäss Prof. Dr. med. L.________ durchaus als wissenschaftlich anerkannt zu bezeichnen. Ein zwingender Beweis sei bei der Kausalitätsbeurteilung nicht möglich und könne im Hinblick auf den Wissenschaftlichkeitsbegriff auch gar nicht gefordert werden. Prof. Dr. med. L.________ beurteile die beim Beschwerdeführer gefundenen Gesundheitsstörungen als hirnorganisches Leiden, welches zum Unfallereignis in einem kausalen Zusammenhang stehe. 2.2 Diese Argumentation ist nicht stichhaltig. 2.2.1 Zunächst ist festzuhalten, dass das Gutachten von Dr. med. K.________ nicht mit der Begründung beanstandet werden kann, die Begutachtung sei fälschlicherweise durch einen leitenden Arzt am Spital Y.________ und nicht durch eine anerkannte universitäre Institution mit Schwerpunkt und entsprechender Erfahrung im zu beurteilenden Fachgebiet durchgeführt worden. In der Tat hatte das Eidgenössische Versicherungsgericht in seinem Urteil lediglich darauf hingewiesen, vorzugsweise sei ein universitäres Institut mit der Begutachtung zu beauftragen. Zudem betraf dieser Hinweis hauptsächlich die im Zusammenhang mit dem Gutachten von Dr. med. A.________ zu erstellende Expertise. 2.2.2 In materieller Hinsicht kann aus dem Gutachten von Dr. med. K.________ nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers abgeleitet werden. Abzuklären war diesbezüglich ausschliesslich die Richtigkeit der Kausalitätsbeurteilung durch PD Dr. med. W.________ hinsichtlich der Dysfunktion der subjektiven visuellen Bewegungswahrnehmung, nicht aber bezüglich des geklagten Blendungsgefühls und der posttraumatischen atypischen Migräne, bei welchen Gesundheitsschäden Dr. med. K.________ die Wahrscheinlichkeit des Kausalzusammenhangs mit 50 % bzw. mit höchstens 50 % eingeschätzt hat. Im Übrigen hatte das Eidgenössische Versicherungsgericht hinsichtlich des letztgenannten Leidens in seinem Urteil bereits festgehalten, dass der erforderliche Kausalzusammenhang von vornherein ausgeschlossen werden könne. Was die Dysfunktion der subjektiven visuellen Bewegungswahrnehmung anbelangt, führte Dr. med. K.________ lediglich aus, die wissenschaftliche Erforschung der Bewegungswahrnehmung stehe noch in den Anfängen, wobei wissenschaftliche Arbeiten, welche visuelle Bewegungswahrnehmungsstörungen im Zusammenhang mit Distorsionstraumata belegen, zur Zeit nicht vorliegen würden. Da beim Versicherten kein organischer Substratsschaden mittels Bildgebung nachweisbar sei, könne lediglich von unspezifischen Wahrnehmungsstörungen gesprochen werden. Zudem sei eine Latenzzeit von 19 Monaten zu lang, um im direkten kausalen Zusammenhang mit einem Unfallgeschehen zu stehen. Die Wissenschaftlichkeit in Bezug auf die Dysfunktion der visuellen Bewegungswahrnehmung sei unter dem Aspekt der dargelegten Ausführungen als äusserst relativ einzustufen. Schliesslich hat der Begutachter festgehalten, der subjektive Bewegungswahrnehmungs-MD-Letter-Test werde von ihm und vielen anderen Neuroophthalmologen nicht angewandt, weil seine Wissenschaftlichkeit, bedingt durch die subjektive Skalierung, nicht eindeutig sei. 2.2.3 Was die Auffassung von Prof. Dr. med. L.________ anbelangt, trifft es zwar zu, dass dieser Arzt die Wissenschaftlichkeit der Methoden von Dr. med. A.________ anerkannt hat. Aus den Darlegungen des Gutachters ergibt sich jedoch nicht, dass erhebliche organische Unfallfolgen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit objektiviert werden konnten. So darf beim Beschwerdeführer wohl von einer hirnorganischen Störung ausgegangen werden, allerdings kann aus den Aussagen von Prof. Dr. med. L.________ nicht abgeleitet werden, dass diese durch den Unfall verursacht worden wäre. In seinem Gutachten wird in der Tat wörtlich festgehalten, aus neurootologisch-wissenschaftlicher Sicht sei es niemals möglich, eine exakte Kausalitätsbegründung auf Grund pathologischer neurootologischer Befunde zu erstellen. Zum Nachweis der Hirnorganizität eines Schleudertraumas seien ausser dem Schleudertrauma selbst selbstverständlich auch andere Gründe für die hirnorganisch vorhandenen Befunde denkbar. Konkret lasse sich in casu der Kausalzusammenhang zwischen hirnorganisch festgestellten Befunden und dem Schleudertrauma bzw. dem Unfall durch den engen zeitlichen Zusammenhang, das erste Auftreten der Beschwerden sowie durch die Kombination verschiedener Befunde erklären. Die Konstellation der pathologischen Befunde selbst sei jedoch nicht beweisend, sondern lediglich hinweisend. Gestützt auf diese Angaben ist das kantonale Gericht zu Recht zum Schluss gelangt, auf Grund der aktualisierten medizinischen Aktenlage liessen sich beim Beschwerdeführer nach wie vor keine erheblichen somatischen Unfallrestfolgen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit objektivieren. Dieser Standpunkt ist insbesondere deshalb zutreffend, weil eine gesundheitliche Schädigung nicht schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, wenn sie nach diesem aufgetreten ist. Das erste Auftreten der Beschwerden an sich kann ebenfalls nicht als Beweis der Kausalität in Betracht kommen, da das Schleudertrauma als Ursache nicht dazu dienen kann, die Hirnorganizität als Folge desselben zu beweisen. Schliesslich erlaubt auch die Kombination verschiedener Befunde nicht, einen natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall herzustellen, präzisiert Prof. Dr. med. L.________ doch selbst, die Konstellation der pathologischen Befunde sei nicht beweisend, sondern lediglich hinweisend. 2.2.4 Nach dem Gesagten ist nach dem versicherungsrechtlich geforderten Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, dass ab 1. Juli 1997 die unfallbedingten Ursachen des somatischen Gesundheitsschadens des Beschwerdeführers ihre kausale Bedeutung verloren haben.