Citation: 9C_527/2013 E. 3.3.1

3.3.1. Das kantonale Gericht hat in der depressiven Problematik ein eigenständiges Krankheitsgeschehen erblickt und mithin eine psychische Komorbidität (von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer) bejaht. Dafür hat sie sich auf verschiedene ärztliche Berichte berufen. Danach sei der Versicherte schon früher durch melancholische Züge aufgefallen, habe er als 16-jähriger einen schweren Motorradunfall erlitten und dadurch ein "schweres" Leben gehabt, sei eine depressive Episode erstmals 1991 nach dem ersten Konkurs aufgetreten und habe sich die seit der Trennung von der Ehefrau im Jahr 2002 bestehende - und damals behandelte - affektive Problematik nach dem Unfall im April 2008 bei anhaltender Schmerzproblematik und fehlender Tagesstrukturierung verstärkt. Demgegenüber hielt der psychiatrische MEDAS-Gutachter fest, der Versicherte habe nach der Trennung von seiner Ehefrau 2002 bereits eine depressive Episode durchgemacht, sei damals fachgerecht behandelt worden und habe sich davon erholen können. Im "Zusammenhang mit den empfundenen Schmerzen" nach dem Unfall im April 2008 seien depressive Symptome erneut in den Vordergrund gerückt. Die subjektiv empfundenen Schmerzen bzw. die Somatisierung intrapsychischer Konflikte und psychosozialer Belastungen liessen sich kaum vom somatischen Syndrom innerhalb der depressiven Störung trennen. Damit ergibt sich aus dem MEDAS-Gutachten nicht, dass es sich bei der diagnostizierten depressiven Störung um ein verselbstständigtes, unabhängig von der somatoformen Schmerzstörung bestehendendes Leiden handeln soll; im Gegenteil legte der Experte einleuchtend dar, dass die Diagnosen eng miteinander verknüpft sind. Ein eigenständiger Krankheitswert der depressiven Störung lässt sich auch aus den übrigen medizinischen Unterlagen nicht ableiten, zumal die früheren Krisen vorübergehende Reaktionen auf konkrete belastende Ereignisse gewesen zu sein scheinen. Die vorinstanzliche Feststellung betreffend eine psychische Komorbidität ist somit mangels einer aktenmässigen Grundlage nicht haltbar (E. 1.2).