Citation: 6B_301/2022 E. 3.1

3.1. Der Beschwerdeführer wendet sich weiter gegen die vorinstanzliche Beweiswürdigung. Er rügt, die Vorinstanz habe seine Aussagen zu Unrecht keiner aussagepsychologischen Begutachtung durch eine sachverständige Person unterzogen. Die Rechtsprechung lasse in besonderen Fällen, in welchen eine Aussageanalyse mit besonderen Schwierigkeiten verbunden sei, Ausnahmen von der Regel zu, wonach die Beweiswürdigung zu den Kernaufgaben des Gerichts gehöre. Ein solcher Ausnahmefall liege vor, wenn eine entwicklungsbedingte Beeinträchtigung der Aussagetüchtigkeit im Raum stehe, wie dies bei Kindern der Fall sei. Immerhin habe die Staatsanwaltschaft eine entsprechende Abklärung beim Kantonsspital Baden in Auftrag gegeben, welche ihm im Ergebnis eine altersentsprechende Entwicklung attestiert habe. Schon die vorinstanzliche Erwägung, inwiefern hier eine (ungewollte) Suggestion stattgefunden habe, könne nicht mehr beurteilt werden, zeige eindrücklich auf, dass sich die Vorinstanz Aufgaben angemasst habe, die besonderer Kenntnisse bedurft hätten. Die vorinstanzliche Würdigung basiere zudem auf diversen falschen Annahmen. Das aussagepsychologische Gutachten hätte auch die Frage klären müssen, ob wirklich die Möglichkeit einer Suggestion bestanden habe. Den von der Vorinstanz zitierten Bundesgerichtsentscheiden lägen andere Sachverhalte zugrunde, die sich massgeblich vom vorliegenden unterscheiden würden. Im einen Fall sei das angebliche Opfer zumindest durch die Mutter mehrfach und gezielt auf das angeblich Vorgefallene angesprochen worden. Im anderen Fall habe es, anders als vorliegend, eine Menge Indizien gegeben, die den Aussagen des dort 5-jährigen Opfers konkret widersprochen hätten, und zwischen dem angeblichen Vorfall und der Erstaussage seien ganze sieben Jahre verstrichen. Ausserdem sei der angebliche Vorfall anlässlich psychologischer Therapien im Vorfeld vielfach besprochen worden. Als entscheidrelevant zu berücksichtigen sei auch die Audioaufnahme vom 23. Mai 2018. Gerade weil die delegierte polizeiliche Einvernahme erst viel später durchgeführt worden sei, komme der Audioaufnahme und der darauf befindlichen originären Aussage eine umso wichtigere Bedeutung zu. Wie die Erstinstanz richtig festgestellt habe, lägen dank der Audioaufnahme verbale Originalaussagen vor, welche unter dem Gesichtspunkt ihrer Dokumentation im Sinne der Aussagepsychologie verwertbar seien. Zudem könnten diese Aussagen auch mit seinen Aussagen anlässlich der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 14. Januar 2019 in Zusammenhang gesetzt werden und die Aussagen als Ganzes aussagepsychologisch beurteilt werden. Die Vorinstanz habe den Sinn und die Tragweite der Audioaufnahme verkannt und sie ohne sachlichen Grund gänzlich unberücksichtigt gelassen.