Citation: 1A.140/2005 04.04.2006 E. 4

Aus prozessökonomischen Gründen erscheint es ausnahmsweise gerechtfertigt, auf die vom Verwaltungsgericht bereits geprüften Rügen der Verletzung bundesrechtlicher Lärmschutzvorschriften kurz einzugehen. 4.1 Die Beschwerdeführer beanstanden, dass das Verwaltungsgericht ihren Beweisantrag auf LSV-konforme Lärmmessungen nicht abgenommen und auch keinen Augenschein durchgeführt habe. Ein solcher hätte ergeben, dass heute in der Schiessanlage "Allmid" entgegen seiner Annahme wieder vermehrt mit Sturmgewehren (Stgw) 57, Standardgewehren und Karabinern geschossen werde. Es sei zu beachten, dass diese Gewehre wegen der Munition GP 11 höhere Knall- und dB(A)-Werte als das Stgw 90 aufweisen würden. Sodann sei das jährlich stattfindende Herbstschiessen mit ca. 600 auswärtigen Schützen nicht berücksichtigt worden. Da weder die Betriebsdaten noch die Anlage- und Lärmschutzdaten aktuell erhoben worden seien, hätte die Vorinstanz Neumessungen anordnen müssen. Der von ihr festgestellte Sachverhalt erweise sich insbesondere messtechnisch als unvollständig. Das Verwaltungsgericht hat sich bei der Beurteilung der Lärmimmissionen auf das Schiesslärmgutachten der Walther Bauphysik AG vom 6. Oktober 1994, die Messungen des Eidgenössischen Schiessoffiziers Kreis 7 von 1995 und 1997, den Bericht "Detailermittlung und Sanierungskonzept" der HSR Ingenieure AG vom 2. August 2001 und die ergänzenden Berechnungen der Grolimund + Partner AG vom 19. November 2001 abgestützt. Die Beschwerdeführer zeigen nicht auf und es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern sich seither die Verhältnisse derart geändert haben sollen, dass die damals erhobenen Daten nicht mehr den heutigen tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Was die im Schiessstand "Allmid" vorwiegend eingesetzten Gewehre betrifft, lassen die Beschwerdeführer ausser Acht, dass das Verwaltungsgericht bei der Beurteilung der Parzelle Nr. 541 die überwiegende Verwendung des Stgw 90 nur als zusätzliches - mit Blick auf den einzuhaltenden Planungswert von 60 dB(A) aber nicht massgebendes - Argument anführte. So ist es gestützt auf die Gutachten davon ausgegangen, dass der Schiesstunnel eine Lärmreduktionswirkung von 8 dB(A) erzielt und schon eine Reduktionswirkung von ca. 4 dB(A) genügen würde, um selbst bei Verwendung des Stgw 57 den massgeblichen Planungswert einhalten zu können. Diese Sachverhaltsfeststellung ist offensichtlich nicht unhaltbar. Wird der Planungswert durch einen Schallschutztunnel selbst beim Einsatz des im Vergleich zum Stgw 90 lärmintensiveren Stgw 57 eingehalten, so ist die Frage, welche der beiden Waffen im Schiessstand "Allmid" überwiegend zum Einsatz kommt, bei der beurteilten Parzelle Nr. 541 nicht entscheidrelevant. Im Übrigen deckt sich in dieser Hinsicht die Auffassung des Verwaltungsgerichts mit derjenigen des Eidgenössischen Schiessoffiziers. So hielt dieser in seinem Gutachten vom 26. September 1995 fest, dass in wenigen Jahren schwergewichtig nur noch mit dem Stgw 90 geschossen werde. Das Verwaltungsgericht war aufgrund dieser Umstände weder gehalten, einen Augenschein durchzuführen noch anderweitige Beweise abzunehmen. Sollte sich der Einwand der Beschwerdeführer betreffend Art der zum Einsatz gelangenden Waffen zusätzlich auf die Parzelle Nr. 118 und das in der Empfindlichkeitsstufe II gelegene südwestlichste Dreieck beziehen, wäre auch dieser unbegründet. So hielt das Verwaltungsgericht dazu fest, je nach gewählter Kombination zwischen Stw 57 und Stgw 90 liege der massgebende Beurteilungswert beim Planungswert oder knapp (maximal 1 dB[A]) darüber. Diese beiden Grenzfälle könnten zurzeit nicht abschliessend beurteilt werden. Das Verwaltungsgericht hiess daher die Beschwerde insoweit gut und wies die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die JGK zurück. Was schliesslich das jährliche Herbstschiessen betrifft, weist das Verwaltungsgericht zu Recht darauf hin, dass dieses nicht Gegenstand des Plangenehmigungsverfahrens bildet, sondern im Rahmen der Beschwerde gegen die Sanierungsverfügung zu beurteilen ist. Wie aus dem von der JGK mit der Vernehmlassung an das Bundesgericht eingelegten Beschwerdeentscheid hervorgeht, wurde dieses Verfahren zwischenzeitlich rechtskräftig abgeschlossen. Aufgrund des Gesagten ergibt sich somit, dass keine offensichtlich unrichtige oder unvollständige Sachverhaltsermittlung vorliegt. 4.2 Die Beschwerdeführer werfen dem Verwaltungsgericht eine Verletzung von Art. 38 und 39 LSV sowie der Anhänge 2 und 7 zur LSV vor. Es sei unabdingbar, dass die Schiesslärmmessungen im hier umstrittenen Gebiet von derselben Qualität und Quantität seien wie beim früher zur Einzonung vorgesehenen Gebiet "Angeli". Damals seien die Messungen auf einer Höhe von 4.5 m ab Boden sowie auf offenem Feld in den Eckpunkten des Gebiets vorgenommen worden. Dabei hätten die Messungen auf 4,5 m ab Boden (ca. Mitte Fenster im 1. Obergeschoss) dazu geführt, dass die Einwohnergemeinde Gelterfingen das Gebiet "Angeli" infolge zu hoher Schiesslärmvorbelastung nicht mehr zur Einzonung beantragt habe. Derartige Messungen seien im Gebiet "Houene" nie gemacht worden. 4.2.1 Gemäss Art. 38 Abs. 1 LSV werden die Lärmimmissionen anhand von Berechnungen oder Messungen ermittelt. Der Verordnungsgeber räumt demnach alternativ die Anwendung einer dieser beiden Ermittlungsmethoden ein. Zudem hat er damit zum Ausdruck gebracht, dass sie in qualitativer Hinsicht gleichwertig sind. Insoweit sind demnach die Einwände der Beschwerdeführer unbegründet. 4.2.2 Was den Ort der Ermittlung der Lärmimmissionen betrifft, sind diese gemäss Art. 39 Abs. 1 LSV bei Gebäuden in der Mitte der offenen Fenster lärmempfindlicher Räume vorzunehmen. Bei den Akten befinden sich insgesamt vier Gutachten über die Lärmimmissionen im Gebiet "Houene": Dem Schiesslärmgutachten der Walther Bauphysik AG vom 6. Oktober 1994 ist zu entnehmen, dass sie unter anderem eine Messung am Gebäude auf Parzelle Nr. 263 (F.________) vornahm, die unmittelbar neben dem Haus auf der Parzelle Nr. 118 liegt. Des Weiteren führte sie für die Liegenschaft auf Parz. Nr. 541 des Beschwerdeführers 2 eine Berechnung durch. Zum Vorgehen bei den Messungen wird im Gutachten (Ziff. 4.1) festgehalten, dass das Mikrophon jeweils im offenen Fenster eines lärmempfindlichen Raumes des entsprechenden Hauses installiert worden sei. Zu den Berechnungen wird bemerkt (Ziff. 5), für zusätzliche Empfangspunkte A-D seien Computermodellberechnungen durchgeführt worden, um die gesamte Situation abzuschätzen. Dabei hätten die Messungen vor Ort als Anhaltspunkte gedient, um die Berechnung zu bestätigen oder zu berichtigen. Daraus erhellt, dass sowohl bei den Messungen als auch bei den Berechnungen die Lärmimmissionen auf Fensterhöhe ermittelt wurden. Ebenso verhält es sich bezüglich der vom Eidgenössischen Schiessoffizier Kreis 7 am 25. September 1995 unter anderem bei der Liegenschaft Nr. 541 des Beschwerdeführers 2 (vgl. Gutachten S. 3 Messpunkt 6) und am 4. Juli 1997 bei den Häusern der Familie F.________ auf Parz. Nr. 263 und der Beschwerdeführerin 1 auf Parz. Nr. 513 (vgl. Gutachten S. 2 Messpunkt 4 und S. 3 Messpunkt 10) vorgenommenen Messungen. Nichts anderes ergibt sich schliesslich aus den weiteren Gutachten der HSR Ingenieure AG vom 2. August 2001 und der Grolimund und Partner AG vom 19. November 2001, zumal beiden für ihre Berechnungen die früheren Gutachten als Grundlage dienten. Aus den Tabellen, welche die HSR Ingenieure AG ihrem Gutachten beilegten, geht zudem ausdrücklich hervor, dass bei jedem Wohnhaus der Immissionspunkt auf Höhe des 1. oder 2. Obergeschosses festgelegt worden war. Der Vorwurf der Beschwerdeführer, die Messungen bzw. Berechnungen seien im Gebiet "Houene" nicht auf Fensterhöhe vorgenommen worden, ist demnach aktenwidrig. Aus den vorerwähnten Gutachten ergibt sich des Weiteren, dass die Anzahl der dort erhobenen Lärmermittlungen auch in quantitativer Hinsicht nicht zu beanstanden ist. Eine Verletzung von Art. 38 und 39 LSV sowie der Anhänge 2 und 7 zur LSV ist somit entgegen der Behauptung der Beschwerdeführer auch unter diesen Gesichtspunkten nicht ersichtlich.