Citation: 9C_635/2021 E. 2.3.3

2.3.3. Der vorliegende Fall entspricht der letzteren Konstellation. Das Gutachten der MEDAS macht zunächst deutlich, dass die unstete Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin - geprägt von häufig wechselnden, überwiegend nur kurz dauernden Anstellungen (Gutachten S. 20) - mit der Persönlichkeitsstörung resp. den mit dieser verbundenen charakterlichen Eigenschaften zu erklären ist. Die Persönlichkeitsmerkmale führten regelmässig zu einem Scheitern der Arbeitsverhältnisse, die damit verbundene psychische Belastung wiederum zu depressiven Phasen. Auf therapeutischem Weg könne versucht werden, die Beschwerdeführerin längerfristig zu einem besseren Umgang mit sich selbst und anderen hinzuführen, was die depressiven Phasen zurückbinden sollte (Gutachten S. 29 Ziff. 5.3). Daraus, aber auch aus Berichten des früheren Therapeuten, die aus Sicht der Gutachter "eindrücklich das Auf und Ab der Jahre ab 2003 mit Arbeitssuche, neuen Stellen, Arbeitsplatzverlusten, Arbeitslosigkeit, depressiven Phasen" beschrieben (S. 6 und 22), ergibt sich, dass die depressiven Phasen jeweils eng mit der Persönlichkeit zusammenhängen. Die Beschwerdeführerin wendet ein, eine Persönlichkeitsstörung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht vor 2013 als überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen. Sie stützt sich auf die im Gutachten (S. 26) aufgegriffenen Feststellungen von Dr. D.________, der noch 2013 von einem auffälligen Charakter, nicht jedoch von einer Persönlichkeitsstörung berichtet hat, sowie auf die Feststellung der Gutachter, nach Lage der Akten sei eine 2013 und davor bestehende Persönlichkeitsstörung (nur) "möglich" (S. 26). Die Gutachter haben indessen wie erwähnt einen klaren, grundsätzlichen Zusammenhang zwischen der kombinierten Persönlichkeitsstörung und den "interpersonalen Problemen" hergestellt, die schon seit längerer Zeit regelmässig zum Scheitern von Arbeitsverhältnissen und infolgedessen zu akuten depressiven Schüben führten. Sie beschreiben einen spezifischen Mechanismus, der zweifellos schon vor der ausdrücklichen Diagnostizierung einer kombinierten Persönlichkeitsstörung im Jahr 2013 zum Tragen kam. Die ab 2013 gestellte Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstörung ist mithin auch auf die Zeit davor zu beziehen. Es verhält sich ähnlich wie wenn während eines Vorsorgeverhältnisses erst einmal eine Verdachts- oder Differentialdiagnose im Raum steht; wird die definitive Diagnose später gestellt, ist der (sachliche) Zusammenhang in der Regel dennoch gewahrt (Urteil 9C_752/2008 vom 9. April 2009 E. 2.3).