Citation: U 180/05 17.08.2005 E. 4

4.1 Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde in grundsätzlicher Hinsicht vorgebracht wird, vermag nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin leidet an Kopf- und Nackenschmerzen sowie an Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Fraglich ist daher, ob sie als Folge einer Borrelien-Infektion an einer Borreliose mit Beteiligung des ZNS, d.h. an einer Neuroborreliose leidet. Diese Frage fällt klarerweise in den Bereich der Neurologie und es kann ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass an einer neurologischen Universitätsklinik die erforderliche Fachkompetenz für die Beurteilung dieses Krankheitsbildes vorhanden ist. Es überrascht daher auch nicht, dass die von der SUVA mit der Stellungnahme des Dr. med. C.________ vom 18. Mai 2004 eingereichten, von der deutschen Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) herausgegebenen Leitlinien zur Neuroborreliose von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie verfasst worden sind. Gemäss diesen Richtlinien gilt eine Neuroborreliose als wahrscheinlich, wenn neben dem typischen klinischen Bild Borrelien-spezifische IgG- und/oder IgM-Antikörper im Serum und ein positiver Liquorbefund mit lymphozytärer Pleozytose, Blut/Liquorschrankenstörung und/oder intrathekaler Immunglobulinsynthese vorhanden sind; zudem müssen andere Ursachen für die Symptomatik ausgeschlossen werden können. Ob diese Richtlinien allgemein anerkannt und auch für die Beurteilung von Neuroborreliosen in der Schweiz als wegleitend zu betrachten sind, ist fraglich. Immerhin spricht der Umstand, dass lediglich eine sehr geringer Prozentsatz der Personen mit positiver Borrelienserologie an Neuroborreliose erkranken und die Symptome weitgehend unspezifisch sind, dafür, dass für die Diagnose der Neuroborreliose neben dem klinischen Bild qualifizierte Laborbefunde gegeben sein müssen und keine anderen Ursachen für die Symptomatik vorhanden sein dürfen. 4.2 Der Bericht von Prof. Dr. med. S.________ vom 20. Februar 2003 beruht auf eingehenden Untersuchungen und es wird darin zur Bedeutung der einzelnen Laborbefunde Stellung genommen. Zum Kausalzusammenhang zwischen den bestehenden Beschwerden und einer Borrelien-Infektion wird indessen lediglich festgestellt, angesichts der positiven Blutserologie könne über eine probatorische Therapie mit Rocephine unter der zwar eher unwahrscheinlichen, aber nicht zu widerlegenden Hypothese einer Neuroborreliose diskutiert werden. Auch wenn daraus zu schliessen ist, dass nach Auffassung des Neurologen eine Neuroborreliose nicht als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten ist, fehlt es an einer abschliessenden Beurteilung der Unfallkausalität der geltend gemachten Beschwerden. Dazu kommt, dass nach den Angaben von Dr. med. L.________ und Frau Dr. med. E.________ nachträglich weitere Beschwerden (Müdigkeit, Konzentrationsstörungen) aufgetreten sind, welche zum klinischen Bild einer Neuroborreliose gehören können. Es wäre daher angezeigt gewesen, bei Prof. Dr. med. S.________ eine ergänzende Stellungnahme einzuholen, zumal Frau Dr. med. E.________ zusätzliche Laborbefunde (IgG/IgM Antigen-Test, PCR Mycoplasma) erhoben hat und nach Angabe von Dr. med. L.________ keine anderen Ursachen für das bestehende Beschwerdebild gefunden werden konnten. Die SUVA durfte sich unter diesen Umständen nicht mit den allgemeinen Erwägungen von Dr. med. C.________ zur Häufigkeit der Neuroborreliose nach Zeckenstich und zur Fachkompetenz der mit dem Fall befassten Ärzte begnügen. Vielmehr hätte es einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den neuen ärztlichen Angaben bedurft. Eine solche ist aber weder im Verfügungs- noch im Einspracheverfahren erfolgt. Auf die von Frau Dr. med. E.________ erhobenen Befunde wird in den Stellungnahmen des Dr. med. C.________ nicht eingegangen und es wird lediglich festgestellt, weil es um eine neurologische Problematik gehe, sei der Auffassung von Prof. Dr. med. S.________ zu folgen. Im Weiteren wird zwar auf die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie Bezug genommen, jedoch in keiner Weise dargelegt, weshalb diese Kriterien im vorliegenden Fall nicht als erfüllt zu betrachten sind. Die Beschwerdeführerin rügt folglich zu Recht, dass die SUVA ihrer Abklärungspflicht nicht hinreichend nachgekommen ist. Die Sache ist daher an die SUVA zurückzuweisen, damit sie durch Einholung eines ergänzenden Berichts von Prof. Dr. med. S.________ und erforderlichenfalls durch Einholung eines Gutachtens nähere Erhebungen vornehme und alsdann über den Leistungsanspruch neu befinde.