Citation: 2A.46/2004 18.06.2004 E. 2

2.1 Zweck des Familiennachzugs gemäss Art. 17 Abs. 2 dritter Satz ANAG ist es, das familiäre Zusammenleben zu ermöglichen. Sind die Eltern voneinander getrennt oder geschieden, kann es nicht um eine Zusammenführung der Gesamtfamilie gehen. In solchen Fällen entspricht es nicht dem Zweck des Gesetzes, einen bedingungslosen Anspruch auf Nachzug der Kinder anzunehmen (BGE 129 II 11 E. 3.1.1 - 3.1.3 S. 14 f., 249 E. 2.1 S. 252 mit Hinweisen). Ein Nachzugsrecht setzt vielmehr voraus, dass das Kind zu dem in der Schweiz lebenden Elternteil die vorrangige familiäre Beziehung unterhält, wobei auch das Verhältnis des Kindes zu weiteren Betreuungspersonen (Grosseltern, ältere Geschwister, etc.) in Betracht zu ziehen ist (BGE 129 II 11 E. 3.1.4 S. 15 mit Hinweisen). Im Übrigen wird das gesetzgeberische Ziel von Art. 17 Abs. 2 ANAG, das familiäre Zusammenleben zu ermöglichen und rechtlich abzusichern, nicht erreicht, wenn der in der Schweiz niedergelassene Ausländer jahrelang von seinem Kind getrennt lebt und dieses erst kurz vor Vollendung des 18. Altersjahrs in die Schweiz holt. Eine Ausnahme kann nur gelten, wenn die Familiengemeinschaft in der Schweiz aus guten Gründen erst nach Jahren hergestellt wird; solche Gründe müssen sich aus den Umständen des Einzelfalls ergeben (BGE 125 II 585 E. 2a S. 587; 119 Ib 81 E. 3a S. 88; 115 Ib 97 E. 3a S. 101). Es werden hohe Beweisanforderungen gestellt (BGE 124 II 361 E. 4c S. 370 f.). Die Verweigerung einer Bewilligung lässt sich jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung von den Betroffenen ursprünglich selbst freiwillig herbeigeführt worden ist, für die Änderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die Fortführung und Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (BGE 129 II 11 E. 3.1.3 S. 15, 249 E. 2.1 S. 253; 124 II 361 E. 3a S. 366 f. mit Hinweisen). 2.2 Im vorliegenden Fall hat die nun geschiedene Beschwerdeführerin die älteste Tochter, nachdem diese vom dritten bis zum achten Lebensjahr, bzw. viereinhalb Jahre in der Schweiz geweilt hatte, freiwillig in die Türkei zurückgebracht, wo das Kind seither von den Grosseltern väterlicherseits betreut wurde. Dass eine Änderung der bisherigen Betreuungsverhältnisse im Heimatland vorliegt, welche die Übersiedlung zu einem der beiden in der Schweiz lebenden Elternteil gebietet, ist nach den für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen (vgl. E. 1.4) im angefochtenen Urteil nicht der Fall. Es ist nicht dargetan, dass die Tochter C.________, die heute immerhin bereits 16 Jahre alt ist, nicht weiterhin von ihren Grosseltern väterlicherseits betreut werden kann. Der blosse Hinweis auf das Älterwerden der Grosseltern sowie auf die Krankheit der Tochter (Epilepsie) genügt nicht. Es ist insbesondere nicht ersichtlich, dass eine weitere altersgerechte Betreuung der Tochter, die nicht mehr ständig einer persönlichen, insbesondere physischen Betreuung bedarf, durch die Grosseltern nicht mehr möglich wäre. Nachdem die Tochter nach Angabe der Beschwerdeführerin gerade wegen der epileptischen Erkrankung in die Türkei zurückgebracht worden war, da die dortigen klimatischen Verhältnisse für Epileptiker günstiger seien, leuchtet nicht ein, inwiefern nun dieselbe Krankheit eine Rückkehr in die Schweiz gebieten soll. Auch der geltend gemachte Umstand, dass seitens der beiden Elternteile eine Rückkehr in die Türkei heute nicht mehr beabsichtigt sei, begründet keine Änderung der Betreuungsverhältnisse. In Betracht fallen sodann die nicht unerheblichen Integrationsschwierigkeiten, die bei einer Übersiedlung in die Schweiz der in der Türkei aufgewachsenen, dort sozial, kulturell und sprachlich integrierten Tochter zu erwarten wären. Je älter das nachzuziehende Kind ist, desto höhere Anforderungen sind an den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland zu stellen, zumal es aus integrationspolitischer Sicht nicht erwünscht ist, dass Kinder erst als Jugendliche in die Schweiz geholt werden (vgl. BGE 129 II 11 E. 3.3.2 S. 16 mit Hinweis). Dazu kommt vorliegend, dass das Einkommen der Beschwerdeführerin, die mit den beiden jüngeren Töchtern zusammenlebt, gemäss ihren Darstellungen im Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege schon heute unter dem Existenzminimum liegt. Durch den Nachzug eines weiteren Kindes würde das Risiko dauernder Fürsorgeabhängigkeit noch entsprechend verschärft, was ebenfalls gegen die Gutheissung des streitigen Nachzugsgesuchs spricht. Die Beschwerdeführerin bringt nichts vor, was die Bundesrechtskonformität des angefochtenen Urteils in Frage zu stellen vermöchte.