Citation: I 54/04 29.03.2005 E. 5

5.1 Als Grund für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fällt zunächst die somatoforme Schmerzstörung in Betracht. Fraglich ist sodann, ob die zusätzlich genannte narzisstische Störung als selbstständiges, vom Schmerzsyndrom losgelöstes Leiden im Sinne einer psychischen Komorbidität interpretiert werden kann. Gemäss Schreiben des Dr. med. Z.________ vom 20. Januar 2004 kommt der somatoformen Schmerzstörung die Funktion der körperlichen Ausdrucksebene für die narzisstische Störung zu. Die psychische (narzisstische) Störung verberge sich hinter dem somatischen Symptom, habe sich aber in den vergangenen zwei Jahren immer mehr von diesem abgelöst und ein eigenes Gesicht und Gewicht erhalten, insbesondere auch was ihren depressiven Anteil betreffe. Der Arzt betont, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, irgend einer Arbeit nachzugehen, da er zwischen sich und der Arbeit keine Verbindung herstellen könne. Er habe seinen sozialen Austausch mit Freunden, Bekannten und den Verwandten nahezu gänzlich eingestellt und werde gemieden. Geblieben sei einzig der Bezug zu seiner engen Kernfamilie, also zu seiner Ehefrau und den zwei Söhnen. Er habe jegliches Interesse an der Welt verloren und fixiere sich nur noch auf seinen Körper. Die narzisstische Störung kippe zusehends ins Depressive. Die depressiv-negativistische Stimmungslage mache aus psychiatrischer Sicht bereits einen wesentlichen Faktor seiner Arbeitsunfähigkeit aus. Die seit 1998 unternommenen psychotherapeutischen Anstrengungen hätten keinen Erfolg gezeigt. Ein solcher könne auch künftig nicht erwartet werden. 5.2 Das psychiatrische Gutachten des Dr. med. O.________ vom 28. März 2002 führt aus, dass ein volles Pensum, das heisst eine Arbeit während 8 - 8,5 Stunden täglich, zumutbar sei. Indessen äussert sich der Gutachter auch dahingehend, die psychische Störung habe grösseren Krankheitswert erlangt, was sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Er macht in der Folge Ausführungen über das Procedere, welches eine Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ermöglichen sollte (worunter Unterstützung durch die IV-Stelle und weitere Massnahmen). Im Hinblick auf diese Relativierung eines grundsätzlich zumutbaren Tagespensums hat das Gericht beim Administrativgutachter am 17. August 2004 nachgefragt. Seiner Antwort vom 10. September 2004 ist zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht bei Aufbringung allen guten Willens zumutbar ist, seine aus rheumatologischer Sicht bestehende Restarbeitsfähigkeit zu verwerten. Diese - unter Hinweis auf die detaillierte Begründung im Gutachten - klargestellte Einschätzung bestätigt die Überwindbarkeit der langjährigen Hemmung, einer Arbeit nachzugehen, auch wenn die Schmerzstörung sich auf der Grundlage einer narzisstischen Persönlichkeit ausgebreitet hat. Dass Dr. med. O.________ bei seiner Antwort am 10. September 2004 nicht (mehr) über das "Schlussgutachten" vom 16. Dezember 2002 verfügte, ist ohne Bedeutung. Auf die präzisierende Antwort des Administrativexperten ist daher abzustellen. Dr. med. Z.________ attestiert in seiner Stellungnahme an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vom 20. Januar 2004 ausdrücklich einen sekundären Krankheitsgewinn. Dies spricht nun aber - anders als der primäre Krankheitsgewinn (Erwägung 4) - gegen die invalidisierende Wirkung der Schmerzstörung. Weiter erfüllt eine Therapie, welche über Jahre hinweg ohne erhebliche Fortschritte einzig dazu dient, den Patienten in seiner Krankheit zu begleiten, das Kriterium der Behandlung (Erwägung 4) nicht, weil sie den Schmerzpatienten in seiner Überzeugung des Krankseins bestätigt, statt ihn davon abzulösen, was zumindest initial das Ziel jeder Schmerzbehandlung sein und aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht auch im weiteren Verlauf bleiben muss. Auf die Berichte des Dr. med. I.________ kann nicht abgestellt werden, da er ausweislich der Akten zur Arbeitsfähigkeit widersprüchliche Angaben machte: So wird am 2. September 1995 - gegenüber der Arbeitslosenversicherung - eine volle Arbeitsfähigkeit (unter Ausschluss körperlicher Schwerarbeit und Exposition zu Staub und Rauch) ab 9. August 1995 bescheinigt, während derselbe Arzt am 15. Juli 1995 - gegenüber der Invalidenversicherung - eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf als Tankwart ab 7. Juni 1995 attestiert und als Ergebnis seiner 13jährigen intensiven Beschäftigung mit dem Beschwerdeführer von einer durchgehenden Arbeitsunfähigkeit ausgeht (Stellungnahme vom 21. Januar 2004). Zumindest hinsichtlich der Verhältnisse, wie sie sich bis zum Einspracheentscheid vom 11. Juli 2003 entwickelt haben, ist den psychiatrisch relevanten Beeinträchtigungen und Störungen der invalidisierende Charakter abzusprechen.