Citation: 1P.582/2004 07.12.2004 E. A

X.________ reichte mit Schreiben vom 16. Januar 2004 gegen Z.________, Chef der Sozialdienste der Stadt Thun, eine Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs und Urkundendelikten ein und konstituierte sich als Privatklägerin. Der Angeschuldigte wurde in der Folge mit Überweisungsbeschluss vom 30. Juni bzw. 1. Juli 2004 an das Strafeinzelgericht des Gerichtskreises X Thun überwiesen. Der zuständige Gerichtspräsident 4 des Gerichtskreises X Thun lud die Parteien mit Verfügung vom 14. Juli 2004 auf den 19. August 2004 zu einer ersten Einvernahme evtl. Hauptverhandlung vor. Zu Beginn dieser Einvernahme erklärte der Vorsitzende den Anwesenden, dass ausschliesslich der überwiesene Sachverhalt, nicht aber Geschehnisse, welche sich vor zehn Jahren ereignet hätten, zu beurteilen seien. Fürsprecher Beat Kurt verlangte jedoch namens der Privatklägerin eine Ausdehnung des Verfahrens auf die Ereignisse der letzten zehn Jahre. Der Vorsitzende bestätigte, dass er den Sachverhalt (d.h. das Verfahren) allenfalls ausdehnen könne, er aber zunächst die Parteien einzuvernehmen gedenke. Im Übrigen verwies er auf den Anklagegrundsatz gemäss Art. 308 StrV/BE. Fürsprecher Kurt lehnte daraufhin den Vorsitzenden als zuständigen Richter ab, weil dieser die Verfahrensausdehnung verweigert habe. Aus den Akten werde klar ersichtlich, dass das Verfahren zwingend auszudehnen sei. Dadurch, dass der Vorsitzende dies nicht gemacht habe, zeige sich, dass er befangen sei. Mit Beschluss vom 6. September 2004 wies die Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern das Ablehnungsbegehren ab.