Citation: U 66/04 14.10.2004 E. 5

5.1 Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall vom 13. März 2000 und den hernach andauernden Beschwerden mit Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist die Vorinstanz zutreffend davon ausgegangen, dass hiefür nicht entscheidend ist, ob die im Anschluss an ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) auftretenden Beschwerden medizinisch eher als organischer oder als psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa mit Hinweis). Diese Unterscheidung ist jedoch insoweit von Belang, als die Adäquanzbeurteilung nicht nach den für Schleudertraumen der HWS und äquivalente Verletzungen, sondern nach den für psychische Unfallfolgen geltenden Regeln (BGE 115 V 138 ff.) zu erfolgen hat, wenn die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Ergänzend dazu ist festzuhalten, dass der Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 99 Erw. 2a der Sachverhalt zu Grunde liegt, dass sehr bald nach einem Unfall mit Schleudertrauma, gleichsam an diesen anschliessend, die psychische Problematik derart überwiegt, dass die mit dem Schleudertrauma einhergehenden, körperlichen Beeinträchtigungen (buntes Beschwerdebild) völlig in den Hintergrund treten. Soll die Rechtsprechung zur Adäquanz von psychischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall hingegen in einem späteren Zeitpunkt angewendet werden, so ist die Frage, ob die psychische Problematik die übrigen Beschwerden nach einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS ganz in den Hintergrund treten lässt nicht nur auf Grund einer Momentaufnahme zu entscheiden. Vielmehr ist in einem solchen Fall zu prüfen, ob im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die körperlichen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Nur wenn dies zutrifft, ist für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen nach einem Schleudertrauma der HWS abweichend von BGE 117 V 367 Erw. 6a in fine und in Übereinstimmung mit BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa lediglich auf das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen abzustellen (RKUV 2002 U 466 S. 438 Erw. 3a und b). 5.2 Im vorliegenden Fall hat der erstbehandelnde Hausarzt Dr. med. F.________ bereits am 8. Mai 2000, also rund zwei Monate nach dem Unfall, im "Zusatzfragebogen bei HWS-Verletzungen" als Begleitdiagnose eine Depression und vegetative Dystonie angegeben. In der Folge litt die Beschwerdeführerin ab Februar 2001, also rund 11 Monate nach dem Unfall, unter einer massiven depressiven Reaktion "bei ausgeprägter psychosozialer Belastungssituation" (Bericht Dr. med. G.________, Leiter Sozialpsychiatrischer Dienst, vom 12. Februar 2001 und Verlaufsberichte des Dr. med. S.________ vom 14. Februar und 7. März 2001). Danach diagnostizierten der neue Hausarzt der Versicherten, Dr. med. N.________ und der Neurologe Dr. med. F.________ als psychischen Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin eine "posttraumatische Belastungsstörung" (Verlaufsbericht vom 26. März 2001 und Abklärungsbericht vom 29. Mai 2001), während die Ärzte der Rehaklinik X.________ im September 2001 den psychischen Zustand der Beschwerdeführerin als "depressive Krisensituation bei multiplen psychosozialen Belastungsfaktoren" beschrieben. Der Psychiater Dr. med. E.________ schloss in seinem Abklärungsbericht vom 3. Januar 2002 "am ehesten" auf das Vorliegen einer chronischen und reaktiven Anpassungsstörung bei Persönlichkeitsstruktur mit "zumindest teilweise histrionischem Charakter". Die Neuropsychologin Dr. phil. O.________ fand bei ihrer Untersuchung vom 24. April 2002 schliesslich einerseits ein mittelschwer bis schwer reduziertes kognitives Leistungsdefizit, das auf ungewöhnlichen und für ein erlittenes HWS-Distorionstrauma atypischen Fehlleistungen beruhte, sowie anderseits ausser der persistierenden massiven Schmerzproblematik vor allem einen "psychisch stark auffallenden Zustand". Das tatsächliche Ausmass der kognitiven Funktionsstörung konnte sie auf Grund der massiven psychischen Überlagerung aber nicht feststellen. 5.3 Gesamthaft ergibt sich aus den medizinischen Akten ein Beschwerdebild, bei dem ärztlicherseits der psychischen Gesundheitsstörung der Versicherten ab Februar 2001 dominierende Bedeutung beigemessen wurde, für die geklagten somatischen Beschwerden aber ab jenem Zeitpunkt von keinem Arzt mehr ein objektiver klinischer Befund erhoben wurde, der einer fassbaren organischen Gesundheitsschädigung hätte zugeordnet werden können (vgl. vorne Erw. 4.2). Bei einer solchen Entwicklung der medizinischen Sachlage bis zum sozialversicherungsrechtlich massgebenden Zeitpunkt des angefochtenen Einspracheentscheides, der hier rund zweieinviertel Jahre nach dem Unfallereignis vom 13. März 2000 liegt, ist die Adäquanz nach der für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall geltenden Rechtsprechung (BGE 123 V 98, 115 V 133 ff.) zu beurteilen.