Citation: 6B_111/2007 04.06.2007 E. 3

3.1 Nach der Darstellung des Polizeibeamten A.________, wie sie sich aus seinem Rapport und seiner Zeugenaussage ergibt, hat sich der fragliche Vorfall wie folgt abgespielt: A.________ wollte zur fraglichen Zeit mit seinem Personenwagen von Kallern über Boswil nach Wohlen zur Arbeit fahren. Als er in Boswil in die Hauptstrasse nach Wohlen einbiegen wollte, musste er zwei vortrittsberechtigte Fahrzeuge abwarten, wobei er feststellte, dass die beiden sehr nahe aufeinander fuhren. Er sei hinter den beiden Fahrzeugen in die Hauptstrasse eingebogen und den beiden gefolgt, wobei er einen Abstand von zwei bis drei Fahrzeuglängen bzw. 10 - 15 m eingehalten habe. Es habe fliessender Kolonnenverkehr geherrscht. Der Fahrer vor ihm habe zu nahe auf seinen Vordermann aufgeschlossen und sei immer wieder versetzt gefahren, vermutlich um zu schauen, ob er überholen könne. Er habe dann auch überholt, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden, und sei dann wiederum bis auf maximal 2 m zum vorderen Fahrzeug aufgeschlossen, welches er im Gebiet Büelisacker überholt habe. Er habe anschliessend wiederum zu den vor ihm fahrenden Fahrzeug aufgeschlossen, wobei er den Abstand aber nicht mehr habe einschätzen können. Beim "Boll-Kreisel" habe er das Fahrzeug aus den Augen verloren. 3.2 Der Beschwerdeführer hat in seiner polizeilichen Einvernahme rund einen Monat nach dem Vorfall bestätigt, am fraglichen Morgen von Boswil nach Wohlen gefahren zu sein und dabei Fahrzeuge überholt zu haben. Er bestritt jedoch, zu nahe auf vor ihm fahrende Fahrzeuge aufgeschlossen zu sein. Er sei der Meinung, sein Abstand zum Vordermann habe jeweils 50 m betragen. 3.3 Das Obergericht erwägt im angefochtenen Entscheid, das genaue Schätzen von Distanzen sei schwierig, und der hinter dem Beschwerdeführer her fahrende Zeuge habe dies auch nicht aus einer guten Position getan. Der von ihm festgestellte Abstand von 2 m des Beschwerdeführers auf die vor ihm fahrenden Fahrzeuge erscheine unglaubhaft tief; er scheine Mühe zu haben, die von ihm festgestellten Abstände in Metern anzugeben. Daraufhin deute auch seine Aussage, er selber habe einen ausreichendem Abstand zu den jeweils vor ihm fahrenden Fahrzeugen eingehalten, nämlich 10 - 15 m. Ausreichend sei indessen bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von 70 - 80 km/h ein Abstand von 35 - 40 m. Die Distanzangabe des Zeugen sei daher um rund den Faktor 3 zu tief. Die Kernaussage des A.________, der Beschwerdeführer habe einen (viel) zu geringen Abstand zu seinen Vorderleuten eingehalten, erscheine durch diese Schätzfehler indessen keineswegs unglaubhaft. 3.4 Die Darstellung des A.________ ist klar und widerspruchsfrei. Sie wirkt auch deshalb glaubhaft, weil sie die Fahrweise des Beschwerdeführers differenziert wiedergibt und etwa ausdrücklich festhält, dass dieser bei seinen beiden Überholmanövern niemanden gefährdete. Es werden denn auch keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen erhoben, sondern einzig an dessen Fähigkeit, Distanzen einschätzen zu können. Dieser sagte indessen in Bezug auf seinen eigenen Abstand zum Vordermann aus, es habe Kolonnenverkehr geherrscht, in welchem "man" - also auch er - generell weniger Abstand halte, und dieser sei zudem durch das Bremsmanöver des ersten der vom Beschwerdeführer überholten Fahrzeuge - der Zeuge spricht von einem Handorgeleffekt - verkleinert worden. Die vom Beschwerdeführer übernommene Einschätzung des Bezirks- und des Obergerichts, die Distanzschätzungen des Zeugen seien mit einer Unschärfe von 300 % behaftet, steht damit auf einer wackeligen Grundlage. Dies ist indessen ohnehin nicht rechtserheblich. Selbst unter der Annahme, dass sich der Zeuge in diesem Umfang verschätzt haben sollte und der Abstand des Beschwerdeführers zum jeweiligen Vordermann demnach rund 6 m betrug (oder sogar 12 m, wie das Bezirksgericht für das zweite Aufschliessen annimmt, indem es den möglichen Schätzfehler auf Grund der weiteren Beobachtungsdistanz nochmals verdoppelt), war dieser Abstand bei dem ausserorts gefahrenen Tempo zwischen 70 und 80 km/h bei weitem ungenügend. Selbst wenn sich der Zeuge also - was keineswegs erstellt ist - derart grob verschätzt haben sollte, könnte dies die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen einfacher Verkehrsregelverletzung nicht in Frage stellen. Diese ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.