Citation: 2A.456/2002 11.12.2002 E. 2

Zweck des so genannten Familiennachzugs ist es, das Leben in der Familiengemeinschaft zu ermöglichen. Die Nachzugsregelung von Art. 17 Abs. 2 ANAG ist auf Familien zugeschnitten, in denen die (leiblichen) Eltern einen gemeinsamen ehelichen Haushalt führen (grundlegend: BGE 118 Ib 153 E. 2b S. 159; 126 II 329 E. 2a S. 330). Das Bundesgericht hat es demgegenüber in den Fällen, in denen ein (vom anderen Elternteil) geschiedener oder getrennt lebender Ausländer allein den Nachzug seiner Kinder verlangt und der andere Elternteil im Ausland verbleibt, abgelehnt, einen bedingungslosen Anspruch auf Nachzug der Kinder anzunehmen, weil es dabei nicht um die Zusammenführung der Gesamtfamilie geht. Es erachtet einen solchen als nicht dem Gesetzeszweck entsprechend und prüft differenziert, ob im konkreten Fall ein Nachzugsrecht besteht. Das Ziel, das familiäre Zusammenleben zu ermöglichen, wird verfehlt, wenn der in der Schweiz niedergelassene Elternteil das Kind erst kurz vor Erreichen des 18. Altersjahres zu sich holt, nachdem er jahrelang von ihm getrennt gelebt hat (vgl. BGE 126 II 329 E. 2b S. 331; 125 II 633 E. 3a S. 640, mit Hinweisen). Eine Ausnahme kann nur gelten, wenn aus den Umständen des Einzelfalls stichhaltige Gründe dafür ersichtlich sind, dass die Familiengemeinschaft in der Schweiz erst nach Jahren hergestellt wird. Voraussetzung für ein Nachzugsrecht ist generell, dass der in der Schweiz lebende Elternteil die vorrangige familiäre Beziehung zum betroffenen Kind unterhält, wobei zu berücksichtigen ist, bei welchem Elternteil das Kind bisher gelebt hat und wem die elterliche Gewalt zukommt (vgl. BGE 126 II 329 E. 2b S. 331, mit Hinweisen). Analoges gilt für Art. 8 EMRK, der ebenfalls kein absolutes Recht auf Einreise und Aufenthaltsbewilligung von Familienmitgliedern vermittelt und namentlich demjenigen Elternteil grundsätzlich kein Recht auf Nachzug eines Kindes einräumt, der freiwillig ins Ausland verreist ist, ein weniger enges Verhältnis zum Kind hat als der andere Elternteil oder sonstige Verwandte, die für das Kind sorgen, und seine bisherige Beziehung zum Kind weiterhin - im bis anhin gewohnten Rahmen - pflegen kann. Ein Nachzugsrecht des in der Schweiz lebenden Elternteils setzt vielmehr voraus, dass das Kind zu diesem die vorrangige familiäre Beziehung unterhält und sich der Nachzug als zu deren Pflege notwendig erweist. Dabei ist zu prüfen, ob im Herkunftsland alternative Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die dem Kindeswohl besser entsprechen; beispielsweise, weil dadurch bei schon älteren Kindern vermieden werden kann, dass sie aus ihrer bisherigen Umgebung und dem ihnen vertrauten Beziehungsumfeld herausgerissen werden (vgl. BGE 125 II 633 E. 3a S. 640, mit Hinweisen). Die Verweigerung einer Bewilligung lässt sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung von den Betroffenen ursprünglich selbst freiwillig herbeigeführt worden ist, für die Änderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die Fortführung und Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (BGE 124 II 361 E. 3a am Ende S. 366 f., mit Hinweisen).