Citation: U 61/01 28.05.2002 E. 3

3.- a) Beim Unfall vom 6. August 1988 wurde der Beschwerdeführer, der am linken Strassenrand ging, von einem Personenwagen, der mit einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h ein anderes Auto überholte, erfasst und 2,55 m ins angrenzende Wiesland geschleudert. Gemäss Bericht des Spitals X.________, wo er nach dem Unfall hospitalisiert war, erlitt der Versicherte nebst multiplen Prellungen und Kontusionen eine Commotio cerebri und eine Unterschenkelfraktur rechts mit beginnendem Compartmentsyndrom. Ausserdem bestand der Verdacht auf ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS). Der Röntgenbefund ergab weder Schädelfrakturen noch ossäre Läsionen an der HWS. Angesichts des augenfälligen Geschehensablaufs und der mit Ausnahme der multiplen Frakturen am rechten Unterschenkel geringfügigen Verletzungen, die sich der Beschwerdeführer zuzog, ist der Unfall im Rahmen der Einteilung, wie sie für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmen ist (BGE 115 V 138 Erw. 6), dem mittleren Bereich zuzuordnen, wie die Vorinstanz unter Hinweis auf ähnlich gelagerte Fälle (vgl. BGE 117 V 368 Erw. 7b; RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122) richtig festgestellt hat. Damit die Adäquanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden könnte, müsste eines der für die Beurteilung heranzuziehenden unfallbezogenen Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt oder es müssten mehrere Kriterien gegeben sein. b) Dies trifft hier nicht zu. Der Beschwerdeführer wurde nachts als Fussgänger von einem von hinten mit einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h herannahenden Personenwagen angefahren und rund 2,5 m weggeschleudert. Das Unfallereignis ist wohl als eindrücklich zu bezeichnen. Dieses Kriterium ist indessen bei objektiver Betrachtung nicht in derart ausgeprägter Weise erfüllt, dass deswegen der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen wäre. Die nach dem Unfall diagnostizierte Commotio cerebri kann nicht zu den Verletzungen gezählt werden, die erfahrungsgemäss geeignet sind, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. Soweit in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unter Berufung auf das psychiatrische Gutachten des PD Dr. M.________ vom 4. Mai 1998 geltend gemacht wird, der Versicherte habe beim Unfall eine hirnorganische Schädigung erlitten, ist dem entgegenzuhalten, dass eine solche Verletzung (Contusio cerebri) von den behandelnden Ärzten nie in Betracht gezogen oder gar festgestellt wurde. Der knapp zehn Jahre nach dem Unfall von einem der Gutachter vertretenen These, der psychische Gesundheitsschaden des Versicherten sei die Folge einer hirnorganischen Schädigung, kommt im Zusammenhang mit der Frage nach allfälligen, beim Ereignis erlittenen besonderen Verletzungen kein Beweiswert zu. Dies gilt umso mehr, als die übrigen Psychiater, die den Beschwerdeführer untersucht und begutachtet oder auf Grundlage der Akten eine Expertise erstattet haben, zu anderen Folgerungen als PD Dr. M.________ gelangten. Des Weiteren wurde die unmittelbar nach dem Unfall gestellte Verdachtsdiagnose eines Schleudertraumas der HWS später nicht erhärtet, und beim Versicherten lag in der ersten Zeit nach dem Unfall mit Ausnahme von Nackenschmerzen namentlich auch nicht das für Distorsionsverletzungen der HWS typische Beschwerdebild (vgl. dazu BGE 117 V 360 Erw. 4b) vor. Dass er beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS erlitten hat, welches erfahrungsgemäss geeignet wäre, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen, ist somit nicht erstellt. Selbst wenn jedoch das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung ebenfalls erfüllt wäre, würde sich am Ergebnis nichts ändern, da die weiteren rechtsprechungsgemäss in die Beurteilung miteinzubeziehenden Kriterien (ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit) allesamt unbestrittenermassen nicht gegeben sind. Aufgrund einer Gesamtwürdigung kommt dem Unfall damit für die psychische Fehlentwicklung und die damit verbundene Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit keine massgebende Bedeutung zu. Das kantonale Gericht hat den adäquaten Kausalzusammenhang daher zu Recht verneint, womit die Leistungspflicht der Winterthur über den 21. Dezember 1991 hinaus entfällt.