Citation: 6B_352/2016 E. 1.4

1.4. Die tätliche Auseinandersetzung hatte vorerst ein Ende gefunden, als der Beschwerdeführer in die Bar zurückkehrte. Zu diesem Zeitpunkt war der Privatkläger nicht (mehr) mit einem Angriff konfrontiert und ein solcher drohte ihm auch nicht unmittelbar. Indem er dem Beschwerdeführer gleichwohl nacheilte und zu einem (weiteren) Faustschlag ausholte, handelte er rechtswidrig und ging er den Beschwerdeführer "ohne Recht" im Sinne von Art. 15 StGB an. Es ist unzweifelhaft, dass sich der Beschwerdeführer in einer Notwehrlage befand. Ob dem angegriffenen Beschwerdeführer - wie nachvollziehbar behauptet, aber vorinstanzlich nicht festgestellt - im Eingangsbereich der Bar ein Schlag ins Gesicht drohte, kann dahingestellt bleiben. Der Privatkläger setzte zu einem Schlag an, nachdem sich unmittelbar bevor beide Kontrahenten einen in etwa ausgeglichenen und offensichtlich nicht massiven Schlagabtausch geliefert hatten. Er war seinem Gegner körperlich nicht (wesentlich) überlegen und zudem unbewaffnet. In den zutreffenden Worten der Vorinstanz war "einfach ein weiterer Schlag abzuwenden". Obgleich ausser Frage steht, dass Faustschläge gegen den Kopf fatale Auswirkungen haben können, musste der Beschwerdeführer nicht mit einer massiven Einwirkung auf seinen Kopf rechnen. Insbesondere hatte er (im Gegensatz zu dem von ihm zitierten BGE 136 IV 49) keine Fusstritte gegen den Kopfbereich zu befürchten und standen ihm nicht mehrere Angreifer gegenüber. Im kantonalen Verfahren stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, er habe beim Zuschlagen vergessen, dass er eine Glasflasche in der Hand gehalten habe und diese deshalb versehentlich eingesetzt. Diese Beteuerung schätzt die Vorinstanz als unglaubhaft ein. Vor Bundesgericht will der Beschwerdeführer sich zwischen der ersten und zweiten Phase der Auseinandersetzung in der Bar ein Bier genehmigt haben und dabei vom Angriff überrascht worden sein. Damit weicht er in unzulässiger Weise vom festgestellten Sachverhalt ab (Art. 105 Abs. 1 BGG), da der behauptete Tatablauf schon eine zeitliche Diskrepanz schafft. Der Privatkläger verharrte nach der ersten Phase nicht vor der Bar, sondern eilte dem Beschwerdeführer nach. Zudem ergriff der Beschwerdeführer nicht erst in der Bar, sondern im Eingangsbereich eine Bierflasche. Dort stand ein Tisch, um die Getränke beim Verlassen der Bar in Becher umzuleeren (vgl. Entscheid S. 14 f. mit Verweis auf den angeklagten Sachverhalt und die vorinstanzlichen Akten act. D1/6/5 S. 4). Der Umstand, wonach im Eingangsbereich "Bierflaschen greifbar waren", spricht (nebst den festgestellten Blutspuren) laut Vorinstanz dafür, dass der letzte Schlag am besagten Ort ausgeführt wurde. Dies heisst nichts anderes, als die Bierflasche nach der vorinstanzlichen Einschätzung zu Kampf- und nicht Konsumzwecken behändigt wurde. Der Beschwerdeführer wurde damit nicht beim späteren Konsum von einem Angriff überrascht. Der Beschwerdeführer schlug die Glasflasche mit voller Wucht gezielt auf den Kopf des Privatklägers, wodurch dieser auf seine Knie fiel und es ihm kurzzeitig schwarz vor Augen wurde. Soweit der Beschwerdeführer nicht mit voller Härte zugeschlagen haben will, ist er damit nicht zu hören (Art. 105 Abs. 1 BGG). Der Privatkläger erlitt eine stark blutende, klaffende, 4 cm lange Rissquetschwunde, welche im Kantonsspital genäht werden musste. Dabei nahm der Beschwerdeführer, der später mit seinem Schlag prahlte, eine schwere Körperverletzung seines Gegners in Kauf. Die Abwehr und der Einsatz der Glasflasche erfolgten nicht in einer den Umständen angemessenen Weise. Der Beschwerdeführer versuchte nicht, den drohenden Faustschlag vorerst mit blossen Händen respektive mit einem milderen Mittel abzuwehren, sondern ergriff dazu eine Glasflasche. Diese setzte er zudem in einer massiven Art ein. Darüber hinaus spricht ein weiterer Umstand gegen das Notwehrrecht des Beschwerdeführers. Selbst wenn eine Absichtsprovokation nicht vorliegt - der Beschwerdeführer provozierte den Angriff des Privatklägers nicht, um ihn mit einer Glasflasche zu verletzen - hat der Beschwerdeführer die Situation vor der Bar eindeutig hervorgerufen. Bereits zu Beginn forderte er den Privatkläger mit "gömmer use!" heraus. In der Folge verliess er die Bar und passte den Privatkläger draussen ab. Er hat deshalb die Auseinandersetzung nach den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen geradezu gesucht. Der Beschwerdeführer hat deshalb die spätere Notwehrsituation in einem Ausmass verschuldet, dass sein Abwehrrecht eingeschränkt war. Nach der Gesamtheit der Umstände verletzt die Vorinstanz kein Bundesrecht, indem sie einen Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 StGB bejaht.