Citation: U 77/05 22.08.2005 E. 3

3.1 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, dem ursprünglichen Unfallereignis sei in den Jahren 1995 bis 1997 ein anerkannter Rückfall mit Lyme-Borreliose II gefolgt. Es sei daher nahe liegend, einen erneuten Krankheitsschub anzunehmen, zumal es der Erfahrung widerspreche, dass degenerative Beschwerden im Dezember 2001 plötzlich aufgetreten seien. Die Rocephin-Therapie habe zu einer praktisch vollständigen Beschwerdefreiheit geführt, was bei Beschwerden, welche auf degenerative Veränderungen zurückzuführen wären, nicht der Fall gewesen wäre. Der Gutachter nehme zu diesem zentralen Punkt nur ausweichend Stellung. Nicht einleuchtend sei auch die nicht näher begründete Aussage, im Frühjahr 2002 habe mit Sicherheit kein Borrelieninfekt vorgelegen. Das Ergebnis der Rocephinbehandlung widerlege dies ohne weiteres. Im Gutachten werde nicht konkret begründet, auf welche anderen Ursachen die im Dezember 2001 aufgetretenen Beschwerden zurückzuführen seien, obschon in der Anamnese von einem gegenüber 1988 und 1996 unveränderten Beschwerdebild gesprochen werde. Die degenerativen Veränderungen seien für die Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich kausal und es lägen keine konkreten anderen Ursachen vor, weshalb die Kausalität zu bejahen sei. 3.2 Dass der Beschwerdeführer nach anerkannter Borrelien-Infektion 1988 im Jahr 1995 einen Rückfall erlitten hat und Ende 2001 ein ähnliches Beschwerdebild aufgetreten ist, lässt zwar einen Kausalzusammenhang als nahe liegend erscheinen. Im Gutachten vom 16. März 2003 wird jedoch im Einzelnen dargelegt, weshalb ungeachtet der Vorgeschichte eine Unfallkausalität der bestehenden Beschwerden nicht als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten ist. Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde hiegegen vorgebracht wird, vermag nicht zu überzeugen. Zum Einwand, die Aussage des Gutachters, wonach im Frühjahr 2002 mit Sicherheit kein Borrelieninfekt bestanden habe, sei unzutreffend und werde durch den Erfolg der Rocephin-Therapie widerlegt, ist festzustellen, dass die von Dr. med. A.________ im Bericht vom 10. April 2002 erwähnten Laboruntersuchungen kein eindeutiges Resultat ergeben haben. Bei der serologischen Untersuchung war der IgG-Befund positiv und der IgM-Befund negativ. Der Western Blot zeigte ein Ergebnis, welches einem lang anhaltenden Immunkontakt entsprach, gegenüber 1997 aber unverändert war. Die KBR fiel erhöht aus und es konnte im Liquor eine mononukleäre Pleozytose gefunden werden. Dagegen liess sich eine autochthone Antikörperproduktion im Liquor nicht nachweisen. Nach Meinung von Dr. med. A.________ lag daher eher ein Rezidiv der Lyme-Borreliose als eine Neuinfektion vor. Bei den von den Gutachtern veranlassten Untersuchungen fielen die serologischen Befunde im Blut ähnlich aus. Die Experten weisen aber darauf hin, dass bei der Liquor-Untersuchung vom 27. März 2002 der Western Blot ohne spezifische Reaktion gegen Borrelia burgdorferi war und der Genomnachweis (PCR) negativ ausfiel, was darauf schliessen lasse, dass kein aktiver Borrelieninfekt vorgelegen habe (Stellungnahme Prof. Dr. med. V.________ vom 6. April 2004). Als Hinweis auf ein entzündliches Geschehen fand sich lediglich eine erhöhte Zellzahl (Pleozytose), welche jedoch nicht erheblich von der Norm abwich und für eine Neuroborreliose nicht spezifisch ist (Norbert Satz, Klinik der Lyme-Borreliose, 2. Aufl., Bern 2002, S. 181 f.). Auch das Ansprechen auf die Rocephin-Therapie und die eingetretene Besserung des Gesundheitszustandes lassen nicht schon darauf schliessen, dass die erneut aufgetretenen Beschwerden auf eine Neuroborreliose bzw. ein chronisches Lyme-Syndrom zurückzuführen sind. Nach dem heutigen Stand der Medizin ist der Erfolg antibiotischer Therapien bei Lyme-Borreliosen im Stadium II wissenschaftlich nicht gesichert (vgl. Satz, a.a.O. S. 238 ff. und dort zitierte Literatur). Es besteht daher kein Anlass, von der gutachterlichen Auffassung abzugehen, wonach im vorliegenden Fall mangels hinreichender konkreter Gründe, welche einen kausalen Zusammenhang plausibel machen, lediglich von Koinzidenz, nicht aber von Kausalität gesprochen werden kann. Im Übrigen kann auf die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Neuroborreliose vom 13. Mai 2002 (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften [AWMF], Leitlinien-Register Nr. 030/071; www.uni-duesseldorf.de) verwiesen werden. Danach gilt eine Neuroborreliose als wahrscheinlich, wenn neben dem typischen klinischen Bild Borrelien-spezifische IgG- und/oder IgM-Antikörper im Serum und ein positiver Liquorbefund mit lymphozytärer Pleozytose, Blut/Liquorschrankenstörung und/oder intrathekaler Immunglobulinsynthese vorhanden sind; zudem müssen andere Ursachen für die Symptomatik ausgeschlossen werden können. Diese Voraussetzungen sind hier nicht gegeben, weil die genannten Merkmale lediglich teilweise vorliegen und in Form degenerativer Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule und der Extremitäten sowie einer Fehlstatik der Wirbelsäule und Muskelhypertonie im Nacken/Schulterbereich unfallfremde Befunde vorliegen, welche laut Gutachten die bestehenden Beschwerden ohne weiteres zu erklären vermögen. Entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde trifft nicht zu, dass erhebliche degenerative Veränderungen erst im Dezember 2001 festgestellt worden sind. Aus den Akten geht hervor, dass schon vor dem erstmaligen Zeckenstich im Jahr 1988 degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule bestanden haben und Lumbalgien aufgetreten sind, welche medikamentös und mit Physiotherapie behandelt wurden. Degenerative Veränderungen an der Lenden- und Halswirbelsäule sowie eine ausgeprägte linkskonvexe Skoliose hat auch Dr. med. A.________ im Bericht vom 3. Februar 1996 (Röntgenbefund vom 16. November 1995) festgestellt. Bei der Untersuchung in der Rheumaklinik des Spitals R.________ vom 23. Januar 2003 wurden ausgedehnte degenerative Veränderungen an der gesamten Wirbelsäule, im Bereich der Schultern und des Beckens sowie an den oberen und unteren Extremitäten gefunden, wobei gegenüber 1995 teilweise eine leichte Zunahme festzustellen war. Anhaltspunkte für ein entzündliches Geschehen fanden sich nicht; zudem entsprach das Beschwerdebild nicht demjenigen einer Gelenkerkrankung nach Borreliose (Stellungnahme Prof. Dr. med. V.________ vom 6. April 2004). Nach Meinung der Gutachter stehen die degenerativen Veränderungen im Vordergrund und lassen sich die vorhandenen Beschwerden durch die erhobenen radiologischen und weichteilmässigen Befunde ohne weiteres erklären. Zu einer andern Beurteilung vermag auch der Einwand nicht zu führen, wonach sich das Beschwerdebild nicht mit demjenigen bei degenerativen Veränderungen an den Gelenken decke und weitere Beschwerden (Arthralgien, Kopfweh, Vergesslichkeit) bestünden, welche sich nicht darauf zurückführen liessen. Bezüglich der Arthralgien ist laut Gutachten davon auszugehen, dass es sich um Symptome der degenerativen Veränderungen handelt. Die übrigen Beschwerden stellen allgemeine und unspezifische Symptome dar, welche sich nach Meinung der Gutachter mit der vom Versicherten erwähnten, vorübergehend vermehrten nervlichen Belastung erklären lassen. Dafür spricht auch, dass sie sich innert weniger Wochen zurückgebildet haben, während die Gelenk- und Rückenbeschwerden noch bis September/Oktober 2002 andauerten. Dass hinsichtlich der Gelenk- und Rückenbeschwerden eine Besserung eingetreten ist, stellt insofern nichts Aussergewöhnliches dar, als der schubweise Verlauf der Beschwerden bei degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule und den Gelenken typisch ist. Der Beschwerdeführer war denn auch bereits früher und schon vor dem Unfallereignis von 1988 jeweils vorübergehend beschwerdefrei gewesen. Insgesamt besteht daher kein stichhaltiger Grund, von der Schlussfolgerung im Gutachten vom 16. März 2003 abzugehen, wonach ein Kausalzusammenhang zwischen den bestehenden Beschwerden und einer Borreliose zwar möglich, nicht aber überwiegend wahrscheinlich ist. Es besteht auch kein Anlass zur Anordnung ergänzender Abklärungen.