Citation: 6B_1129/2021 E. 1.4.1

1.4.1. Das Bundesgericht erwog im Rückweisungsentscheid zusammengefasst, dass den Ausführungen der Geschädigten gemäss den vorinstanzlichen Erwägungen für die Erstellung des Sachverhalts grundlegende Bedeutung zukomme. Es sei von einer eigentlichen "Aussage gegen Aussage"-Situation auszugehen. Vor diesem Hintergrund und angesichts der nicht unerheblichen Schwere der Tatvorwürfe erscheine ein Verzicht auf eine Einvernahme sowohl der Geschädigten als auch des Beschwerdegegners als unzulässig. Eine sachgerechte und angemessene Beurteilung der Angelegenheit hätte vorliegend nach einer einlässlichen Befragung der beiden vorgenannten Personen verlangt. Dies gelte umso mehr, als dass bereits das erstinstanzliche Gericht auf die Durchführung einer Einvernahme der Geschädigten verzichtet habe und diese damit bis anhin noch von keinem Gericht persönlich einvernommen worden sei. Die Befragung der Geschädigten und des Beschwerdegegners hätte es der Vorinstanz ermöglicht, einen persönlichen Eindruck von deren Aussageverhalten zu gewinnen, sie mit allfälligen Widersprüchen zu konfrontieren und Unklarheiten zu klären. Die unmittelbare Beweisabnahme durch die Vorinstanz erscheine für die Urteilsfällung als notwendig. Das vorinstanzliche Urteil verletze folglich Art. 343 Abs. 3 StPO. Die Erledigung im schriftlichen Berufungsverfahren verstosse zudem gegen Art. 406 und Art. 389 Abs. 3 StPO. Die Sache sei daher zur Durchführung des mündlichen Berufungsverfahrens, zur Erhebung der notwendigen Beweise und zu neuer Entscheidung an das Obergericht zurückzuweisen (Urteil 6B_1087/2019 vom 17. Februar 2021 E. 1.4 und E. 2).