Citation: 9C_28/2022 E. 4.2.2

4.2.2. Vorliegend ist nicht ausser Acht zu lassen, dass die Beschwerdeführerin im Oktober 2013, als sie ihr Pensum reduzierte und in eine weniger fordernde Funktion (von der Geschäftsführung in den Verkauf) wechselte, bereits seit über 25 Jahren zu 100 % bei der B.________ tätig war, die letzten rund sieben Jahre in leitenden Funktionen. Andere Gründe als gesundheitliche für die abrupte Zäsur in der Erwerbsbiographie sind nicht ersichtlich. Demgegenüber sind der Krankengeschichte von Hausarzt Dr. med. G.________, Facharzt für Rheumatologie sowie Allgemeine Innere Medizin, - auf welche die Beschwerdeführerin zu Recht verweist - insbesondere ab Mai 2013 Symptome respektive gesundheitliche Einschränkungen zu entnehmen, die auf den im Sommer 2014 entdeckten Hirntumor zurückzuführen sein könnten. So beklagte die Beschwerdeführerin etwa morgendliches Erbrechen und einen Schwindel (Krankengeschichte S. 2). Auf diese Symptome wird in den nachfolgenden Berichten des Spitals H.________, Klinik für Neurochirurgie, vom Sommer 2014 im Zusammenhang mit dem damals entdeckten Hirntumor verwiesen. Zudem wird festgehalten, dass die Beschwerdeführerin die Beschwerden seit ungefähr einem Jahr beklagte (vgl. etwa den Bericht vom 16. Juni 2014). Der Hausarzt ging ab Mai 2013 von verschiedenen Verdachtsdiagnosen aus (Gastritis, Zöliakie, Multiple Sklerose), die jedoch in der Folge nicht erstellt werden konnten. Der Krankengeschichte ist sodann im Verlauf zwischen Mai und November 2013 eine Zunahme der besagten Beschwerden zu entnehmen (Krankengeschichte S. 2 f.). Mit der Krankengeschichte - die zumindest hinsichtlich der geklagten Beschwerden als beweiskräftig zu erachten ist (die Fachärzte des Spitals H.________ verwiesen auf dieselben, seit einem Jahr bestehenden Symptome) - liegt eine echtzeitliche Aufzeichnung der im vorliegend relevanten Zeitraum vorhanden gewesenen gesundheitlichen Einschränkungen vor, die auf den im Sommer 2014 entdeckten Hirntumor zurückzuführen sein könnten. Damit sind andere Umstände im Sinne der dargelegten Rechtsprechung (E. 3.2.2 hiervor) aktenkundig, welche den Schluss nahelegen, dass die Pensumsreduktion inklusive Funktionswechsel objektiv betrachtet aus gesundheitlichen Gründen erfolgt sein könnten. Eine retrospektive ärztliche Einschätzung, die den Zusammenhang der Beschwerden zum Hirntumor bestätigt und hieraus schlüssig zu Leistungseinbussen Stellung nimmt, wäre daher nicht als spekulativ zu qualifizieren. Zu prüfen bleibt, ob eine solche beweiskräftige medizinische Grundlage (dazu BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a und E. 3b, insbesondere 3b/dd) bei den Akten liegt.