Citation: 6B_310/2013 E. 2.4

2.4. Der Beschwerdeführer interpretiert die Äusserungen des Beschwerdegegners als Vorwurf, er (Beschwerdeführer) handle in Bereicherungsabsicht und ausschliesslich aus Eigeninteressen. Welcher Sinn einer Äusserung zukommt, ist eine Rechtsfrage. Gegenstand eines Strafverfahrens wegen übler Nachrede und Verleumdung sind Tatsachenbehauptungen, nicht ein Gesamtbild, welches durch mehrere Tatsachenbehauptungen gezeichnet wird. Ein solches Gesamtbild kann aber für die Auslegung der einzelnen Äusserungen im Gesamtzusammenhang von Bedeutung sein (vgl. BGE 124 IV 162 E. 3b S. 167 zu Art. 23 i.V.m. Art. 3 lit. a UWG betreffend unrichtige, irreführende oder unnötig verletzende Äusserungen). Aufgrund ihres Wortlautes sind die einzelnen Äusserungen nicht geeignet, den Ruf des Beschwerdeführers zu verletzen, ein ehrbarer Mensch zu sein. Die Behauptung, jemand handle aus Eigeninteresse oder wolle sich bereichern, ist nicht ehrenrührig. Im Gesamtkontext sind die Aussagen so zu interpretieren, dass der Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer unterstellte, er habe ebenfalls ein Interesse am Ausgang des Zivilverfahrens. Er wolle seinem Klienten später das Grundstück abkaufen und dieses überbauen. Daraus leitete der Beschwerdegegner ab, Z.________ sei im Zivilprozess nicht aktiv legitimiert. In einem ähnlich gelagerten Fall hielt das Bundesgericht fest, dass der Anwalt, der nur deshalb einen Prozess anhebt, weil allein er daraus einen Nutzen zieht oder ziehen zu können glaubt, ausschliesslich zu seinem eigenen Vorteil und nicht im Interesse seiner Klientschaft handelt. Er verletzt seine Standespflichten. Wer einen Anwalt einer solchen Handlungsweise, die sich ein ehrbarer Mensch nicht zu eigen macht, bezichtigt, greift ihn in seiner persönlichen Ehre an (BGE 99 IV 148 E. 2 S. 150). Die zu beurteilenden Sachverhalte unterscheiden sich in massgebender Hinsicht. Im vorgenannten Fall wurde dem Anwalt vorgeworfen, er habe ein Verfahren nur im Interesse seiner Honorarforderung eingeleitet ("Es dürfte wohl vor allem in seinem Interesse liegen, wenn er nun ein gerichtliches Verfahren einleitet, richten sich doch Anwaltshonorare nach den Streitwerten."). Das Bundesgericht entschied, dass die Äusserung neben dem Ansehen als Anwalt auch seine Geltung als ehrbarer Mensch berührte und ehrverletzend war. Der Beschwerdegegner unterstellte dem Beschwerdeführer, ein Interesse am Ausgang des Verfahrens zu haben. Da dieses allfällige Interesse des Beschwerdeführers gleichgelagert ist, wie jenes seines Klienten - Herausgabe des Inhaberschuldbriefes -, besteht kein Interessenskonflikt (vgl. Art. 11 der Schweizerischen Standesregeln des Schweizerischen Anwaltsverbands). Dem Beschwerdeführer wird auch nicht mangelnde Pflichttreue oder fehlendes Verantwortungsbewusstsein vorgehalten. Die Behauptung, der Beschwerdeführer wolle das Grundstück erwerben, dieses überbauen und sich bereichern, bezichtigt ihn nicht der Verletzung der Standesregeln und berührt seine Geltung als ehrbarer Mensch nicht.