Citation: 6S.132/2003 06.08.2003 E. 2.2

2.2.1 Die Vorinstanz führt aus, bei einem Jäger könne, anders als bei einem Wildhüter, nicht vorausgesetzt werden, dass er die Weisung des Jagd- und Fischereiinspektorats für den Abschuss von Wild durch die Wildhut kenne; die Weisung richte sich an die Wildhüter und nicht an die Jäger. Es könne von einem Jäger auch nicht erwartet werden, dass er sich einer klaren Anweisung des Wildhüters widersetze; der Wildhüter, der zugleich Jagdpolizist sei, sei für die meisten Jäger eine Respektsperson und kenne als Fachmann das Jagdrecht, das er vollziehen müsse. Der Wildhüter habe im vorliegenden Fall, wie auch durch die Videoaufnahmen belegt sei, seine Anweisung zu schiessen klar und bestimmt erteilt. Unter diesen Umständen habe der Beschwerdeführer keinen Anlass gehabt, an der Rechtmässigkeit seines Tuns zu zweifeln. Die Vorinstanz weist im Anschluss an diese Erkenntnis auf die Rechtsfolgen gemäss Art. 20 StGB hin, wonach der Richter die Strafe nach freiem Ermessen mildern oder von einer Bestrafung Umgang nehmen kann. Sie kommt zum Schluss, dass unter Berücksichtigung aller Umstände des Falles eine minimale Busse von 100 Franken gerechtfertigt sei. Die Vorinstanz nennt im angefochtenen Urteil indessen keine Umstände, aus denen sich ergibt, dass den Beschwerdeführer, obschon er ihres Erachtens unter den gegebenen Umständen keinen Anlass gehabt habe, an der Rechtmässigkeit seines Tuns zu zweifeln, ein immerhin minimales Verschulden treffe, welches die Ausfällung einer Busse von 100 Franken rechtfertige. Diese Strafe steht damit in einem Widerspruch zu der vorinstanzlichen Erkenntnis, dass der Beschwerdeführer unter den gegebenen Umständen keinen Anlass gehabt habe, an der Rechtmässigkeit seines Tuns zu zweifeln. Es kann indessen davon abgesehen werden, die Sache zur Klärung dieses Widerspruchs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Mit der Erkenntnis, der Beschwerdeführer habe unter den gegebenen Umständen keinen Anlass gehabt, an der Rechtmässigkeit seines Tuns zu zweifeln, bringt die Vorinstanz im Ergebnis zum Ausdruck, dem Beschwerdeführer könne kein Vorwurf gemacht werden, dass er irrtümlich angenommen habe, zum Abschuss der beiden Steingeissen berechtigt gewesen zu sein. In der Tat ist nicht ersichtlich, worin ein auch nur minimales Verschulden des Beschwerdeführers bestehen könnte. Der Wildhüter hätte gemäss den Erwägungen der Vorinstanz die beiden Tiere abschiessen dürfen. Der Beschwerdeführer hat in Anwesenheit des Wildhüters mit dessen Repetierbüchse die vom Wildhüter bezeichneten zwei Steingeissen abgeschossen. Der Zweck von Art. 12 Abs. 3 Satz 2 KVRS, wonach die fehlenden Abschüsse von der Wildhut getätigt werden, besteht in erster Linie darin, dass die Wildhüter bestimmen sollen, welche Tiere - bei Nichterfüllung der Kontingente durch die Jäger - abzuschiessen sind. Dieser Zweck ist im vorliegenden Fall nicht vereitelt worden, da der Beschwerdeführer die vom Wildhüter selbst bezeichneten Steingeissen in dessen Anwesenheit abgeschossen hat. Dass der Beschwerdeführer, der Jäger ist, weniger genau ziele und treffe als der Wildhüter, wird im angefochtenen Urteil nicht festgestellt. 2.2.2 Allerdings verstiess der Wildhüter dadurch, dass er den Beschwerdeführer anwies, die beiden Tiere abzuschiessen, nach der Auffassung der Vorinstanz gegen die Weisung des Jagd- und Fischereiinspektorates des Kantons Graubünden vom 2. April 1998 über den Abschuss von Wild durch die Wildhut; denn die beiden Steingeissen waren weder krank noch verletzt noch schadenstiftend, und daher war es nach der Ansicht der Vorinstanz dem Wildhüter gemäss der Weisung nicht erlaubt, einen Jäger als Hilfsperson beizuziehen. Dies ist indessen unerheblich. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, kann vom Beschwerdeführer als Jäger nicht erwartet werden, dass er die an die Wildhüter gerichtete Weisung über den Abschuss von Wild durch die Wildhut kennt; dem Beschwerdeführer kann mithin kein Vorwurf gemacht werden, dass er die fragliche Weisung nicht kannte. 2.3 Da der Beschwerdeführer keinen Anlass hatte, an der Rechtmässigkeit seines Tuns zu zweifeln, und keine Umstände ersichtlich sind, die auf ein wenigstens minimales Verschulden des Beschwerdeführers am Irrtum, dem er erlag, schliessen lassen, ist er, entsprechend der neueren Praxis (BGE 120 IV 313 E. 2), vom Vorwurf der vorsätzlichen Widerhandlung im Sinne von Art. 17 Abs. 1 lit. a JSG freizusprechen. Die Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer Busse von 100 Franken verstösst somit gegen Bundesrecht.