Citation: 7B_837/2023 E. 3.4

3.4. Der Auffassung der Vorinstanz, eine Landesverweisung begründe keinen schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB für die Beschwerdeführerin, kann nicht gefolgt werden. Zunächst hat sich der Stiefvater der Beschwerdeführerin um ihre Adoption bemüht und ein entsprechendes Gerichtsurteil im Heimatland der Beschwerdeführerin, der Dominikanischen Republik, erwirkt. Auch wenn das Urteil in den Schweizern Registern aus unbekannten Gründen nicht nachvollzogen ist, so begründet dies zusammen mit dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin seit ihrer Jugend, d.h. seit nunmehr 35 Jahren, in der Schweiz lebt, eine erhebliche Bindung zum Gastland. Zwar erscheint die sprachliche Integration der Beschwerdeführerin trotz ihres überaus langen Aufenthalts im hiesigen Land nicht als besonders gelungen. Indessen ist die wirtschaftliche Integration der im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils rund 50 Jahre alten Beschwerdeführerin - anders als die Vorinstanz ausführt - nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin, welche mit 20 Jahren erstmals und mit 28 Jahren letztmals Mutter wurde, hat in der Schweiz geheiratet und vier Kinder zur Welt gebracht (Jahrgänge 1992, 1993, 1999 und 2000). Sie hat infolge eines Unfalls die ordentliche Schule in ihrer Heimat nicht lückenlos besucht und keine berufliche Ausbildung abgeschlossen. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin neben der Kindererziehung nur teilweise, aber wiederholt, erwerbstätig war, ist ihr positiv anzurechnen. Hinzu kommt, dass an eine ungelernte Frau mit vier nunmehr erwachsenen Kindern zumindest für die Zeit, in welcher sie erhebliche Betreuungspflichten wahrgenommen hat, keine hohen Erwartungen an deren berufliche Integration gestellt werden dürfen. Das von der Vorinstanz negativ gewertete Kriterium, für die Berufstätigkeit seien keine besonderen Fähigkeiten erforderlich gewesen, ist aufgrund der Umstände des vorliegenden Einzelfalles ohne Bedeutung. Ebenso wirkt sich die aktuellste Berufstätigkeit, welche im Zeitpunkt des angefochtenen Urteils immerhin knapp ein Jahr angedauert hatte, günstig auf die Beurteilung aus. Weiter darf bei der persönlichen Integration der verwitweten Beschwerdeführerin, welche über keinen besonderen Freundeskreis, sondern bloss über innerfamiliäre Beziehungen zu ihren Kindern verfügt, nicht übersehen werden, dass die Kinderbetreuung und die parallel dazu geführte Arbeitstätigkeit ausserfamiliäre Betätigungen für einen langen Zeitraum eingeschränkt haben. Darüber lässt die Vorinstanz den im Rahmen der Strafzumessung erwähnten Umstand ausser Acht, dass der Beschwerdeführerin im Jahr 2020, d.h. im Alter von 48 Jahren, eine psychiatrische Diagnose gestellt wurde, welche sich gerade in ihrem sozialen Rückzug äussert. Insoweit kann von der in diesem Bereich aus gesundheitlichen Gründen beeinträchtigten Beschwerdeführerin kein ausgeprägtes Sozialleben erwartet werden. Die finanziellen Verhältnisse erachtet die Vorinstanz zutreffend als getrübt. Die Beschwerdeführerin hat während vielen Jahren Sozialleistungen und Ergänzungsleistungen zur AHV/IV bezogen, Schulden, ihr Einkommen ist gepfändet; um Abzahlung der Schulden ist sie jedoch immerhin bemüht. Wenn die Vorinstanz eine persönliche und wirtschaftliche Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin in ihren Herkunftsstaat als intakt bewertet, ist ihr nicht zuzustimmen. Bei dieser Würdigung übergeht die Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin im Alter von 15 Jahren in die Schweiz migriert ist, in ihrer Heimat die Schule längere Zeit nicht besucht hat, ungelernt ist, während ausgesprochen langer Zeit in der Schweiz gewohnt hat und mit 50 Jahren fortgeschrittenen Alters ist. Unter diesen Umständen erscheint eine Reintegration zumindest als fraglich. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin, bis auf die im Verfahren zu beurteilenden Delikte, vorstrafenlos ist. Insgesamt verstösst es gegen Art. 66a Abs. 2 StGB, wenn die Vorinstanz den schweren persönlichen Härtefall unter den gegebenen Umständen verneint. Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und die Sache zur Interessenabwägung an die Vorinstanz zurückzuweisen.