Citation: 2C_272/2024 E. 7.5.1

7.5.1. Das Verbot widersprüchlichen Verhaltens und der verfassungsrechtliche Vertrauensschutz (Art. 9 BV) stehen in einem engen Verhältnis. Ersteres untersagt den Behörden, von einem Standpunkt, den sie in einer bestimmten Angelegenheit einmal eingenommen haben, ohne sachlichen Grund abzuweichen (vgl. Urteile 2C_706/2018 vom 13. Mai 2019 E. 3.1; 2C_542/2016 vom 27. November 2017 E. 3.2; 9C_453/2020 vom 20. November 2020 E. 4.2; T SCHANNEN/MÜLLER/KERN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl. 2022, N. 495 f.). Der Vertrauensschutz hingegen schützt das berechtigte Vertrauen von Privatpersonen in staatliches Verhalten. Die Abgrenzung zwischen dem Verbot des widersprüchlichen Verhaltens und dem Vertrauensschutz ist zwar umstritten, doch müssen nach der Rechtsprechung grundsätzlich in beiden Fällen die gleichen Voraussetzungen erfüllt sein (Urteil 2C_211/2023 vom 3. September 2024 E. 8.1; vgl. auch Urteile 2C_706/2018 vom 13. Mai 2019 E. 3.1; 2C_542/2016 vom 27. November 2017 E. 3.2 mit Hinweisen). Verlangt wird, dass die Person, die sich auf den Vertrauensschutz beruft, auf ein bestimmtes staatliches Verhalten vertrauen durfte und gestützt darauf nachteilige Dispositionen getroffen hat, die sie nicht mehr rückgängig machen kann (BGE 149 V 203 E. 5.1; 148 II 233 E. 5.5.1; 137 I 69 E. 2.5.1; je mit Hinweisen). Ferner darf die relevante Rechtslage keine Änderung erfahren haben (BGE 131 II 627 E. 6.1). Keinen Vertrauensschutz geniessen die Rechtsuchenden, wenn sie bzw. ihre Rechtsvertreter den Fehler erkannten oder bei zumutbarer Sorgfalt hätten erkennen müssen (vgl. BGE 134 I 199 E. 1.3.1; 129 II 125 E. 3.3). Schliesslich scheitert die Berufung auf Treu und Glauben, wenn ihr überwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen (vgl. BGE 137 I 69 E. 2.6; Urteil 2C_542/2016 vom vom 27. November 2017 E. 3.2).