Citation: 1C_172/2022 E. 5.5.1

5.5.1. Dazu ist vorab festzuhalten, dass die Kantone unterschiedliche Regelungen zum Näherbau bzw. zum Grenz- und Gebäudeabstand kennen. So sieht beispielsweise der Kanton Bern eine ungleiche Verteilung vor, d.h. der Gebäudeabstand muss eingehalten werden, während die Grenzabstände ungleich verteilt werden können, indem sie auf der einen Parzelle verkürzt, auf der Nachbarparzelle entsprechend verlängert werden (vgl. Art. 14 Abs. 1 des kantonalen Dekrets über das Normalbaureglement vom 10. Februar 1970 [NBRD/BE; BSG 723.13]). Es existieren aber auch kantonale Regelungen, nach denen sich bei einer Reduktion des Grenzabstands gestützt auf ein Näherbaurecht im entsprechenden Umfang auch der erforderliche Abstand zu einem bereits bestehenden benachbarten Gebäude reduziert (z.B. die Regelung im Kanton Zürich: § 270 Abs. 3 des kantonalen Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 [PBG/ZH; LS 700.1]; vgl. FRITZSCHE/BÖSCH/ Wipf/Kunz, Zürcher Planungs- und Baurecht, Band 2, 6. Aufl. 2019, S. 1104; im Kanton Aargau: § 47 Abs. 2 des kantonalen Gesetzes über Raumentwicklung und Bauwesen vom 19. Januar 1993 [BauG/AG; SAR 713.100], wonach unter Vorbehalt einer abweichenden kommunalen Regelung sogar beide Varianten vorgesehen sind; vgl. CHRISTIAN HÄUPTLI, in: Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, 2013, N. 28 ff. zu § 47 BauG/AG). Die Annahme der Vorinstanz, wonach eine Reduktion des Grenzabstands nach § 11 aV PBG/ZG automatisch dazu führe, dass auch der Gebäudeabstand entsprechend reduziert würde, ist somit nicht grundsätzlich willkürlich. Aus dem Wortlaut von § 11 aV PBG/ZG kann jedenfalls nichts Gegenteiliges abgeleitet werden. Ausserdem enthält auch die kommunale Bauordnung der Gemeinde Cham - anders als die von den Beschwerdeführenden erwähnte Bauordnung der Gemeinde Baar vom 5. Juni 2005 in § 46 und die Bauordnung der Gemeinde Hünenberg vom 25. Mai 2004 in § 27 Abs. 3 - keine Vorschrift, welche eine Reduktion des Gebäudeabstands ausschliessen würde. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass das Verwaltungsgericht erwog, es sei keine Übergangsbestimmung in der BO Cham erforderlich, da nach der hier anwendbaren kantonalen Regelung von § 11 aV PBG/ZG i.V.m. § 10 Abs. 1 aV PBG/ZG weiterhin eine Reduktion des Gebäudeabstands durch Vereinbarung von Näherbaurechten zulässig wäre.