Citation: U 96/00 12.10.2000 E. 2

2.- Streitig und zu prüfen ist zunächst die Unfallkausalität der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden. a) Nach den Angaben im Gutachten der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Y.________ vom 27. Oktober 1998 leidet die Beschwerdeführerin an praktisch konstanten belastungsabhängigen Nackenbeschwerden mit Ausstrahlung in die linke Schulter sowie den Oberarm und ebenfalls praktisch ständigen belastungsabhängigen Kopfschmerzen, ferner an Parästhesien, Licht-, Lärm- und Hitzeempfindlichkeit, Müdigkeit sowie Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit. Die Hauptdiagnosen lauten auf ein persistierendes, therapieresistentes, tendomyotisches Zervikalsyndrom bei Status nach (anamnestisch) HWS-Kontusions-/Distorsionstrauma und Commotio cerebri mit okzipitaler, zum Teil linksbetonter spondylogener Komponente, ausgeprägter Fehlhaltung der Wirbelsäule sowie muskulärer Haltungsinsuffizienz, vorbestehenden degenerativen Veränderungen zervikal, einer Symptomausweitung mit klinischen Zeichen eines sekundären Fibromyalgiesyndroms und wahrscheinlicher Schmerzverarbeitungsstörung sowie minimalen bis leichten kognitiven Teilleistungsstörungen, vor allem im Bereich Aufmerksamkeit/Konzentration bei weit im Vordergrund stehender schmerzbedingter allgemeiner Leistungseinschränkung. Als Nebendiagnosen werden unter anderem erwähnt eine beidseitige, linksbetonte Periarthropathia humero-scapularis tendinotica partim calcarea bei wahrscheinlich degenerativen (unfallfremden) Veränderungen der Rotatorenmanschette und Impingement-Symptomatik subakromial bei zusätzlicher muskulärer Dysbalance im Bereich des Schultergürtels, eine lumbale Fehlstatik bei lumbosakraler Hyperlordose und S-förmiger Skoliose bei Osteochondrose und Spondylose insbesondere L4/L5, sowie ein Status nach Arthrodese-Operation im Bereich des oberen Sprunggelenks links. Zur Unfallkausalität wird ausgeführt, ein Zusammenhang zwischen den bestehenden Beschwerden und dem Unfallereignis vom 7. Juni 1995 sei wahrscheinlich. Obwohl zwischen dem Schweregrad der geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden eine gewisse Diskrepanz bestehe, seien die von der Versicherten angegebenen Beschwerden durchaus glaubhaft und aufgrund der zum Teil eindrücklichen klinisch-rheumatologischen Untersuchungsbefunde erklärbar. Einschränkend sei anzumerken, dass die erhobenen Befunde auch bei Patienten ohne unfallbedingte Fehlhaltung gefunden werden könnten, dass sie aber im Rahmen einer zunehmenden Dekonditionierung ein bestehendes Beschwerdebild im Sinne einer Chronifizierung unterhalten könnten. Die Frage nach dem Vorliegen unfallfremder Vorzustände wurde von den Gutachtern dahin beantwortet, dass anlässlich der Unfallabklärungen zervikal vorbestehende unfallfremde degenerative Veränderungen nachgewiesen worden seien. Aus mehreren gut belegten Untersuchungen sei jedoch bekannt, dass bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen bei Distorsion bzw. Kontusion der HWS die Beschwerdesymptomatik und der Verlauf eine etwas ungünstigere Prognose erwarten liessen. Im Rahmen der oft persistierenden Beschwerden entwickle sich daraus eine gewisse Fehlhaltung, was die Symptomatik im Sinne einer Chronifizierung weiterhin unterhalte. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sei im vorliegenden Fall von einer richtunggebenden Verschlimmerung eines Vorzustandes zu sprechen. Bei der Periarthropathia humero-scapularis handle es sich ebenfalls um einen unfallfremden Faktor, welcher aber gleichsam koinzidenziell im Rahmen der bestehenden bzw. sich entwickelnden Fehlstatik im Sinne eines zunehmenden Impingement symptomatisch geworden sei. Bezüglich der Commotio cerebri sei eine Restitutio ad integrum anzunehmen; die leichten kognitiven Teilleistungsstörungen dürften kaum in einem entsprechenden Zusammenhang stehen. In welchem Ausmass die Beschwerden zervikal bzw. im Rahmen der Periarthropathie ausgelöst und unterhalten würden, lasse sich klinisch-rheumatologisch nicht mit Sicherheit feststellen, zumal sich die beiden Probleme wahrscheinlich gegenseitig beeinflussten. Obwohl die Zuordnung "unfallfremd" bzw. "unfallkausal" oftmals rein hypothetisch sei, dürfte der bestehende Beschwerdekomplex zu 50 % auf die vorbestehenden degenerativen Veränderungen und zu 50 % auf das Unfallereignis zurückzuführen sein. b) Aufgrund dieser medizinischen Angaben, auf welche abzustellen ist, steht mit der vorausgesetzten überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin ein HWS-Trauma erlitten hat und der Unfall vom 7. Juni 1995 zumindest eine Teilursache der bestehenden Beschwerden und der darauf zurückzuführenden Einschränkung in der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit bildet, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs praxisgemäss genügt (BGE 121 V 329 Erw. 2a mit Hinweisen). Fraglich ist, wie es sich hinsichtlich der Unfallkausalität der bestehenden psychischen Beeinträchtigungen in Form einer Symptomausweitung mit sekundärem Fibromyalgie-Syndrom und wahrscheinlicher Schmerzverarbeitungsstörung verhält. Die Vorinstanz geht diesbezüglich davon aus, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 7. Mai 1995 ein Schleudertrauma der HWS erlitten hat, weshalb es für die Adäquanzbeurteilung praxisgemäss nicht entscheidend sei, ob die bestehenden Beschwerden medizinisch eher organischer oder psychischer Natur seien. Weil das in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall stehende Beschwerdebild, zu dem auch das diagnostizierte Fibromyalgie-Syndrom gehöre, als Ganzes zu betrachten sei und die psychischen Beeinträchtigungen nicht eindeutig im Vordergrund stünden, habe die Adäquanzbeurteilung nach den für ein Schleudertrauma oder eine schleudertraumaähnliche Verletzung (BGE 117 V 359 ff.) und nicht nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Kriterien zu erfolgen (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Dies gilt indessen nur dann, wenn die im Anschluss an den Unfall auftretenden psychischen Störungen zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Traumas gehören. Denn es muss auch bei Vorliegen eines Schleudertraumas der Nachweis möglich sein, dass es sich im konkreten Fall nicht um eine unfallkausale psychische Beeinträchtigung handelt. Erforderlichenfalls ist vorgängig der Adäquanzbeurteilung daher zu prüfen, ob es sich bei den im Anschluss an den Unfall geklagten psychischen Beeinträchtigungen um blosse Symptome des erlittenen Traumas oder aber um eine selbstständige (sekundäre) Gesundheitsschädigung handelt, wobei für die Abgrenzung insbesondere Art und Pathogenese der Störung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren und der Zeitablauf von Bedeutung sind. Im vorliegenden Fall ist aufgrund der gutachterlichen Angaben mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es im Anschluss an das beim Unfall erlittene Zervikalsyndrom zu einer Schmerzverarbeitungsstörung und Symptomausweitung mit sekundärem Fibromyalgie-Syndrom gekommen ist. Im Gutachten wird ausgeführt, die Pathogenese des Fibromyalgie-Syndroms sei bis heute nicht genügend geklärt. Meistens entwickle sich das Syndrom aus einem ursprünglich lokalisierten Prozess (Zervikalsyndrom), wobei es in der Folge aus noch nicht geklärten Gründen zu einer Symptomausweitung kommen könne. Zu den von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wird festgestellt, diese seien zwar glaubhaft, könnten in ihrem Schweregrad jedoch weder aus rheumatologischer noch aus neurologischer Sicht objektiv genügend erklärt werden. Der Verlust der Arbeitsstelle sei für die prätraumatisch normal leistungsfähige und aktive Versicherte ausserordentlich kränkend gewesen. Die Vorstellung, zufolge der unfallbedingten Beschwerden den Anforderungen am Arbeitsplatz nicht mehr genügen zu können, dürfte für die Chronifizierung des Beschwerdekomplexes mit Symptomausweitung von wesentlicher Bedeutung gewesen sein. Im Lichte dieser ärztlichen Angaben handelt es sich bei den aufgetretenen psychischen Störungen nicht um blosse Symptome des erlittenen Traumas, sondern um eine selbstständige sekundäre Gesundheitsschädigung. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die SUVA im Einspracheentscheid vom 25. Mai 1999 zum Schluss gelangt ist, dass die bestehende Schmerzverarbeitungsstörung und das sekundäre FibromyalgieSyndrom als psychische Fehlverarbeitung der Unfallfolgen aufzufassen und zu beurteilen ist. Zu ergänzenden Abklärungen, wie sie die Beschwerdeführerin mit dem Begehren um Einholung eines psychiatrischen Teilgutachtens verlangt, besteht kein Anlass. c) Der SUVA ist auch darin beizupflichten, dass die nach der Rechtsprechung für die Adäquanz psychischer Unfallfolgen massgebenden Kriterien nicht erfüllt sind. Weil es sich beim Ereignis vom 7. Juni 1995 um einen Unfall im mittleren Bereich, jedoch im Grenzbereich zu den leichten Unfällen handelt, wäre die Adäquanz nur zu bejahen, wenn eines der massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt wären (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). So verhält es sich jedoch nicht. Der Unfall war weder besonders eindrücklich noch hat er sich unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet. Von einer schweren oder besondern Art der Verletzungen, die erfahrungsgemäss geeignet ist, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, kann nicht gesprochen werden. Objektivierbare traumatische Läsionen konnten keine gefunden werden; zudem hat der Unfall lediglich zu einer richtunggebenden Verschlimmerung eines Vorzustandes geführt, wobei das bestehende Beschwerdebild nach Auffassung der Gutachter zur Hälfte auf den Vorzustand zurückzuführen ist. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebensowenig die Rede sein wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Nicht erfüllt sind sodann die Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sowie von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Die Behandlung beschränkte sich im Wesentlichen auf ambulante sowie eine kurzfristige stationäre Physiotherapie. Nach den Angaben im Gutachten vom 27. Oktober 1998 sind aus rheumatologischer, neurologischer und neuropsychologischer Sicht keine therapeutischen Massnahmen mehr indiziert und es genügt, wenn die Versicherte die während des stationären Aufenthaltes in der Rheuma- und Rehabilitationsklinik von Ende 1995 erlernten Heimübungen regelmässig ausführt. Nach dem Unfall vom 7. Juni 1995 hatte die Beschwerdeführerin die Arbeit am 4. September 1995 im (bisherigen) Umfang von 50 % wieder aufgenommen und wurde vom behandelnden Arzt ab dem 9. Oktober 1995 als zu 75 % arbeitsfähig erklärt. Im Anschluss an die in der Zeit vom 23. November bis 21. Dezember 1995 erfolgte stationäre Behandlung gab die Rheuma- und Rehabilitationsklinik Y.________ eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis 2. Januar 1996 und eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab 3. Januar 1996 für vier Wochen an. Wenn die Beschwerdeführerin die Arbeit nach einem kurzfristigen Einsatz in der Zeit vom 3. bis 5. Januar 1996 aufgegeben hat und in der Folge nicht mehr erwerbstätig gewesen ist, so sind hiefür unfallfremde Gründe (fehlende leichtere Tätigkeit, vorzeitige Pensionierung) sowie der Umstand ausschlaggebend gewesen, dass das Beschwerdebild durch die psychische Fehlentwicklung überlagert wurde. Was schliesslich das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen betrifft, kann dieses jedenfalls nicht als in besonders ausgeprägter Weise erfüllt gelten, zumal die Beschwerden psychisch überlagert sind. Da somit weder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist, noch die massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind, ist die Adäquanz der psychischen Beeinträchtigungen zu verneinen.