Citation: 6B_161/2016 E. 1.4.1

1.4.1. Soweit die Vorinstanz unter Berufung auf die Dissertation von Vera Mai "Forensich-Biomechanische Aspekte des Kopfstosses" (Diss. Institut für Rechtsmedizin München 2012) erwägt, es sei allgemein bekannt, dass Kopfstösse erhebliche Folgeschäden nach sich ziehen könnten und neben Knochenbrüchen auch dauerhafte Augenschäden, Schädel-Hirn-Traumen oder Hirnblutungen mit bleibenden Schäden eine häufig beobachtete Folge seien, erweist sich dies als unhaltbar. Auch wenn die Arbeit von Mai wertvolle Aufschlüsse über die biomechanischen Auswirkungen und die damit verbundenen medizinischen Folgen gibt, kann sie die tatsächliche und rechtliche Bewertung der Gefährlichkeit des Kopfstosses im konkreten Einzelfall nicht ersetzen. Zudem setzt sich die Vorinstanz in Widerspruch zu den Ergebnissen in der Dissertation. Mai hält fest, das Risiko ernster und potentiell lebensbedrohender Verletzungen sei bei Kopfstössen vergleichsweise gering. In der überragenden Zahl der untersuchten Fälle, bei denen einzig die gefährlichen Fälle berücksichtigt wurden und solche mit harmlosen Verletzungen wie beispielsweise Riss-Quetsch-Wunden oder Nasenbluten ohne jegliche Folgen keinen Eingang fanden, sei es nur zu geringfügigen Verletzungen wie Nasenpyramidenfrakturen gekommen, die schon bei geringen Einwirkungen entstehen könnten. Es scheine, dass es auch bei Kopfstössen zu Frakturen des Orbitabodens und der Kieferhöhle wie bei Faustschlägen komme, allerdings sei auch möglich, dass Kopfstösse zwar häufig gegeben würden, jedoch geringe Auswirkungen für die Opfer hätten. Bei keinem der untersuchten Archivfälle seien die Verletzungen tödlich gewesen, woraus zu schliessen sei, dass das Risiko, das Leben eines Opfers durch einen Kopfstoss zu gefährden, relativ gering und ein Kopfstoss nur unter bestimmten Umständen dazu geeignet sei, das Leben eines Opfers zu gefährden. Aufgrund der verschiedenen denkbaren Verletzungsszenarien sei eine genaue Analyse des Tatgeschehens unerlässlich, um Fälle richtig evaluieren zu können. Vor diesen Ausführungen ist nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz der Einschätzung des Bezirksgerichts folgt, Kopfstösse führten neben Knochenbrüchen regelmässig zu dauerhaften Augenschäden, Schädel-Hirn-Traumata oder Hirnblutungen mit bleibenden Hirnschäden und wiesen ein hohes Risiko einer potentiell schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB auf. Auch wenn als bekannt vorausgesetzt werden kann, dass der Kopf gegenüber Schlägen, Stössen und Tritten besonders sensibel ist und Kopfstösse zu Verletzungen wie Riss-Quetsch-Wunden, Nasenbluten und Nasenbeinbrüchen sowie unter besonderen Umständen zu Frakturen im Gesichtsbereich führen können, erweist sich der fälschlicherweise als Allgemeinwissen titulierte Erfahrungsschatz, ein Kopfstoss mit massiver Kraft habe regelmässig schwere und bleibende Schäden oder eine lebensgefährliche Verletzung zur Folge, als nicht haltbar und vermag schon unter tatsächlichen Gesichtspunkten keinen Eventualvorsatz des Beschwerdeführers hinsichtlich einer schweren respektive lebensgefährlichen Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB begründen.