Citation: 4A_590/2015 E. 3.5.2

3.5.2. Die Beschwerdeführer werfen dem Beschwerdegegner zwar ein rechtsmissbräuchliches Verhalten vor. Gestützt auf das Beweisergebnis der Vorinstanz geht dieser Vorwurf aber ins Leere. 3.5.2.1. Die Vorinstanz ging davon aus, dem Verstorbenen sei es möglich gewesen zu kontrollieren, ob der Beschwerdegegner seine Ferien und Freitage bezog. Sie kam in Würdigung der Beweise zum Schluss, dem Verstorbenen sei bewusst gewesen, dass der Beschwerdegegner nicht alle seine Ferien und Freitage bezogen habe. Von einem treuwidrigen Verhalten des Beschwerdegegners kann aber bei einem Dulden durch den Arbeitgeber keine Rede sein. Daran ändert auch die Vollmacht, die der Verstorbene während seines Spitalaufenthalts zu Gunsten des Beschwerdegegners ausgestellt hat, nichts. Sie mag die Freiheit des Beschwerdegegners erweitern. Dies ist aber nicht entscheidend, solange der Arbeitgeber duldet, dass der Arbeitnehmer nicht sämtliche Ferien- und Freitage bezieht. Hätte mit Erteilung der Vollmacht eine Änderung des bisherigen Ferien- und Freitage-Systems einhergehen sollen, hätte der Verstorbene das anordnen können. Dass er dies getan hätte, ist nicht festgestellt. 3.5.2.2. Die Beschwerdeführer gehen in ihrer Argumentation entgegen der Vorinstanz davon aus, der Arbeitgeber habe die Forderung des Arbeitnehmers nicht gekannt. Sie machen geltend, bei der Voraussetzung der Kenntnis einer Forderung könne es sich nur um die konkrete Forderung handeln, die in einem genau bestimmten Anspruch in Tagen beziehungsweise Franken bestehe. Den Umfang des Anspruchs hätten die Beschwerdeführer aber erst erkannt, als ihn der Beschwerdegegner nach erfolgter Kündigung geltend gemacht habe. Der behauptete Ferien- und Freitageanspruch sei - im Gegensatz zur sich verändernden Darlehenssumme - nicht schriftlich fixiert worden. Auch dies sei ein Indiz dafür, dass die Beschwerdeführer davon ausgehen durften, der Beschwerdegegner mache keinen Anspruch aus Ferien- und Freitagen geltend. 3.5.2.3. Gemäss einer Zeugenaussage, welche die Vorinstanz als glaubwürdig einstufte und auf die sie abgestellt hat, hat der Verstorbene im Zusammenhang mit Ferien und Freizeit gesagt, er sei froh und dankbar, dass er den Beschwerdegegner habe; er könne das nur honorieren, wenn er dem Beschwerdegegner dereinst den Betrieb zu einem guten Preis übertrage. Ob zwischen dem Beschwerdegegner und dem Verstorbenen eine Vereinbarung getroffen wurde, wonach nicht bezogene Ferien- und Freitage im Rahmen der geplanten Hofübernahme zu honorieren seien (die Beschwerdeführer machen geltend, der Beschwerdegegner habe eine derartige Vereinbarung nicht rechtzeitig behauptet) und ob eine solche Vereinbarung rechtlich zulässig wäre (was die Beschwerdeführer bestreiten), ist unerheblich. Entscheidend ist, dass der Verstorbene das Verhalten des Beschwerdegegners in Kenntnis des Nichtbezugs von Ferien- und Freitagen toleriert hat und weder davon ausging, der Beschwerdegegner habe die Ferien- und Freitage im Rahmen seiner freien Arbeitsgestaltung bezogen noch der Arbeitnehmer müsse seine Forderungen regelmässig beziffern. Auch ging er nicht davon aus, die Arbeiten seien unentgeltlich erfolgt. Damit scheidet insoweit ein rechtsmissbräuchliches Verhalten des Beschwerdegegners aus und kann von ihm nicht verlangt werden, dass er glaubhaft macht, er habe die Ferien nicht beziehen können. Selbst wenn tatsächlich die Möglichkeit zum Bezug der Freitage und Ferien bestanden hätte, wäre dies nicht massgebend, solange der Arbeitgeber um den Nichtbezug weiss und diesen duldet. 3.5.2.4. Das Wissen des Verstorbenen müssen sich seine Erben, die in seine Rechtsstellung eintreten, entgegenhalten lassen. Es kann sich nur die Frage stellen, ob die Zeit nach seinem Ableben anders zu beurteilen ist. Die Beschwerdeführer behaupten zwar, es sei ihnen nach dem Tod des Verstorbenen nicht möglich gewesen, den Ferienbezug des Beschwerdegegners zu kontrollieren. Selbst wenn dies zutreffen sollte, zeigen sie nicht rechtsgenüglich auf, dass der Beschwerdegegner dies hätte erkennen müssen, zumal sie selbst ausführen, die Beschwerdeführerin 2 sei auf dem Hof anwesend gewesen. Sie legen nicht rechtsgenüglich dar, woraus der Beschwerdegegner hätte erkennen müssen, dass sie das vom Verstorbenen geduldete Verhalten nicht mehr akzeptierten, sondern davon ausgingen, der Beschwerdegegner beziehe alle seine Ferien- und Freitage.