Citation: U 48/02 29.08.2002 E. 2

2.- Streitig und zu prüfen ist des Weitern, ob der Beschwerdeführer einen Leistungsanspruch auch für die Zeit ab 11. Juli 1994 hat. a) Die Alba hat die Taggeldzahlungen auf den 10. Juli 1994 eingestellt und die Ausrichtung einer Rente mit Verfügung vom 18. März 1999 und Einspracheentscheid vom 28. April 2000 abgelehnt. Die Vorinstanz hat dem Versicherten für die Zeit vom 20. Juni 1994 bis 31. August 1997 ein Taggeld auf Grund einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % und ab 1. September 1997 eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von 20 % zugesprochen, wobei sie den versicherten Verdienst für Taggeld und Rente auf Fr. 84'000.- festsetzte. Der Beschwerdeführer verlangt die Berücksichtigung eines versicherten Verdienstes von Fr. 97'000.- und die Zusprechung einer Rente auf Grund einer Erwerbsunfähigkeit von 50 %. Die Beschwerdegegnerin widersetzt sich der vorinstanzlichen Zusprechung einer Rente von 20 % nicht, macht jedoch geltend, diese sei auf einem versicherten Verdienst von weniger als Fr. 80'000.- festzusetzen. b) Der Taggeldanspruch für Zeit ab 11. Juli 1994 bildete nicht Gegenstand der angefochtenen Einspracheentscheide. Es ist indessen nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Verfahren auf diesen Punkt ausgedehnt hat, nachdem der Versicherte einspracheweise einen entsprechenden Antrag gestellt hatte und sich im Rahmen der gegen den Einspracheentscheid vom 28. April 2000 erhobenen Beschwerde auch die Frage nach der zeitlichen Ablösung des Taggeldanspruchs durch einen allfälligen Rentenanspruch stellte. Bei der Einstellung der Taggeldleistungen stützte sich die Alba im Wesentlichen auf Angaben des Neurologen Dr. med. Z.________, welcher eine volle Arbeitsfähigkeit ab 11. Juli 1994 bescheinigte. Am 26. Juli 1995 bestätigte der Arzt diese Beurteilung unter Hinweis auf eine Untersuchung durch die Psychologin V.________, welche bei Verdacht auf eine reaktivierte Angstneurose eine hirnlokale Störung nicht mit Sicherheit ausschliessen konnte, jedoch die Auffassung vertrat, dass sich diese vermutlich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Dr. med. X.________, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, schloss sich dieser Beurteilung an und stellte fest, seiner Meinung nach sei mit keinem bleibenden Nachteil zu rechnen. Nachdem Dr. med. Y.________ im Aktengutachten vom 7. Februar 1997 das Bestehen neuropsychologischer Defizite in Betracht gezogen hatte, fanden Dr. med. X.________ und der von ihm beigezogene Neuropsychologe W.________ eine insgesamt leichtgradige Hirnfunktionsstörung, welche mit spezifischen verbal-kognitiven Teilleistungsdefiziten und einer Wesensänderung (Affektstörungen) einhergeht. Nach Auffassung des Neuropsychologen vermag sich der Versicherte dank einer vorbestehenden überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit und einem adaptierten Verhalten im bisherigen Tätigkeitsbereich zu behaupten. Die reaktive Angststörung hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und es besteht aus neuropsychologischer Sicht keine Behandlungsbedürftigkeit. Dr. med. X.________ fand auch aus psychiatrischer Sicht keine Behandlungsbedürftigkeit, schätzte die Arbeitsunfähigkeit jedoch zunehmend höher ein. Während er die medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit im Bericht vom 2. September 1997 mit 25 % bis 30 % bezifferte, gab er in Berichten vom 22. Juni und 17. November 1998 eine solche von 35 % bis 40 % bzw. 40 % bis 50 % an. Konkrete Anhaltspunkte für eine Verschlimmerung des Gesundheitszustandes mit entsprechenden Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit fehlen indessen. Laut Bericht vom 17. November 1998 ist der Versicherte im bisherigen Beruf als Werbeberater unfallbedingt in der Kreativität, der Flexibilität im Handeln, der Fähigkeit unter Stress zu arbeiten, im Antrieb und im Durchstehvermögen beeinträchtigt und benötigt daher für seine Arbeit mehr Zeit; gleichzeitig hat die Qualität seiner Leistungen abgenommen. Demgegenüber hatte der Neuropsychologe im Teilgutachten vom 17. Juli 1997 auf Grund der Angaben des Versicherten festgestellt, dass die Konzeptarbeit zwar weniger schnell, qualitativ jedoch auf gleichem Niveau wie vor dem Unfall vonstatten gehe. Dr. med. X.________ führt die diesbezüglichen Angaben des Versicherten auf eine kritiklose Selbstüberschätzung zurück und beruft sich auf Feststellungen von Dr. med. Z.________, mit dem er sowohl vor dem Bericht vom 2. September 1997 als auch vor demjenigen vom 22. Juni 1998 Rücksprache genommen hatte. Auch die Beurteilung im Bericht vom 17. November 1998, wonach die Leistungsfähigkeit um 40 % bis 50 % herabgesetzt sei, stützt er vorab auf Angaben von Dr. med. Z.________. In den Akten fehlen indessen neuere Berichte dieses Arztes. Es liegen lediglich Kurzberichte über EEG-Untersuchungen vom 20. Januar 1997, 6. April 1998 und 16. August 1999 vor, die einen unveränderten Befund (leichte unspezifische Allgemeinveränderungen) ergeben haben. Nachdem Dr. med. Z.________ eine volle Arbeitsfähigkeit ab 11. Juli 1994 bestätigt hatte, kann der Auffassung der Vorinstanz nicht gefolgt werden, wonach der Leistungsanspruch gestützt auf die Angaben des Psychiaters Dr. med. X.________ zu bejahen und dem Versicherten vom 20. Juni 1994 bis 31. August 1997 ein Taggeld auf Grund einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % zuzusprechen ist. Es bedarf vielmehr ergänzender Abklärungen insbesondere in neurologischer Hinsicht, weshalb die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, damit sie den Sachverhalt durch Einholung eines neuen Berichtes von Dr. med. Z.________ und nötigenfalls durch Anordnung eines Gerichtsgutachtens näher feststelle und hierauf über den Taggeldanspruch neu befinde. Neu zu entscheiden wird auch über das Rentenbegehren sein, wofür es ebenfalls weiterer Abklärungen bedarf. c) Beim versicherten Verdienst, welcher gegebenenfalls der Festsetzung des Taggeldes und der Rente zu Grunde zu legen sein wird, ist davon auszugehen, dass die Alba den Beschwerdeführer in seiner Eigenschaft als Betriebsleiter und Aktionär der Q.________ AG obligatorisch nach UVG versichert und den versicherten Verdienst in Anwendung von Art. 22 Abs. 2 lit. c UVV auf Fr. 97'200.- festgesetzt hat. Gemäss dieser, als gesetzmässig zu erachtenden Bestimmung (Urteil A. vom 21. Dezember 2001, U 197/01) wird bei mitarbeitenden Familiengliedern, Gesellschaftern, Aktionären und Genossenschaftern in Abweichung von der Regel, wonach als versicherter Verdienst der nach der Bundesgesetzgebung über die AHV massgebende Lohn gilt, mindestens der berufs- und ortsübliche Lohn berücksichtigt. Das Antragsformular der Alba weist ergänzend darauf hin, dass für die Bemessung der Versicherungsleistungen und der Prämien der ortsübliche Lohn massgebend ist, wenn der effektive Lohn kleiner ist als der ortsübliche Lohn. Entspricht der effektive Lohn dem ortsüblichen Lohn oder übersteigt er diesen, so ist der wirkliche Lohn für die Versicherung massgebend. Gemäss diesen mit der Verordnungsregelung und der Rechtsprechung (RKUV 2001 Nr. U 420 S. 104) übereinstimmenden Regeln war die Alba grundsätzlich gehalten, das Taggeld auf dem versicherten Verdienst von Fr. 97'200.- festzusetzen. Hieran ändert nichts, dass der effektive Verdienst von Anfang an deutlich unter dem vereinbarten versicherten Verdienst lag. Nach Art. 22 Abs. 2 lit. c UVV hat der versicherte Verdienst auch dann dem berufs- und ortsüblichen Lohn zu entsprechen, wenn der für die AHV massgebende Lohn diesen unterschreitet. Vom vereinbarten versicherten Verdienst ist allerdings dann abzuweichen, wenn der berufs- und ortsübliche Lohn deutlich unter diesem Verdienst liegt. Als ortsüblicher Lohn ist dabei der Verdienst zu verstehen, den die versicherte Person in einem andern Betrieb bei entsprechender Funktion, Leistung und Arbeitszeit erzielen könnte (Urteil M. vom 30. November 2001, U 282/99). Die Vorinstanz hat den für die Taggeldbemessung massgebenden versicherten Verdienst auf Fr. 84'000.- festgesetzt. Sie stützte sich dabei auf die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) von 1998, wonach der durchschnittliche monatliche Bruttolohn für männliche Arbeitnehmer im privaten Sektor für Arbeitsplätze mit dem Anforderungsniveau 1 und 2 (höchst anspruchsvolle und schwierigste Arbeiten bzw. selbstständige und qualifizierte Arbeiten) Fr. 7345.- und im Dienstleistungssektor Fr. 7810.- betrug. Ausgehend von diesen Angaben und unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung bis 1998 nahm sie an, dass der berufs- und ortsübliche Lohn eines qualifizierten Werbeberaters im Jahr 1994 rund Fr. 7000.- betragen habe, was einem Jahreseinkommen von Fr. 84'000.- entspricht. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Durchschnittslohn in der Werbebranche liege höher als im gesamten Dienstleistungssektor und ein Art Director bei einer Werbeagentur habe im Jahre 1994 ein Monatseinkommen zwischen Fr. 8000.- und 10'000.- erzielt. Zudem ergebe sich auch auf Grund des Durchschnittslohnes im Dienstleistungssektor ein Jahreseinkommen von mehr als Fr. 90'000.-, weshalb kein Anlass bestehe, vom vereinbarten versicherten Verdienst von Fr. 97'200.- abzugehen. Zu dem von der Vorinstanz ermittelten berufs- und ortsüblichen Lohn ist festzustellen, dass die Lohnstatistik gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) nur hilfsweise herangezogen werden kann, weil sie keine spezifischen Angaben für die Werbebranche enthält. Zudem handelt es sich um gesamtschweizerische Durchschnittswerte, welche unter den in grösseren Städten liegenden berufs- und ortsüblichen Löhnen liegen dürften. Durch die mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichten Unterlagen hat der Beschwerdeführer glaubhaft gemacht, dass das Lohnniveau in der Werbebranche höher als im gesamten Dienstleistungssektor ist und im Jahr 1994 für qualifizierte Tätigkeiten Löhne im Rahmen von Fr. 8000.- bis Fr. 10'000.- bezahlt wurden. Die Alba hat jedenfalls nicht dargetan, dass der berufs- und ortsübliche Lohn eines qualifizierten Werbeberaters eindeutig unter dem vereinbarten versicherten Verdienst lag. Nicht entscheidend ist nach dem Gesagten, dass die effektiven Einkommen des Beschwerdeführers regelmässig tiefer waren. Denn es entspricht der Verordnungsregelung, dass der berufs- und ortsübliche Lohn selbst dann massgebend bleibt, wenn der tatsächliche Lohn geringer ist. Im vorliegenden Fall sind allfällige Leistungen daher auf einem versicherten Verdienst von Fr. 97'200.- festzusetzen. Auf diesem Verdienst hat der Beschwerdeführer Prämien bezahlt und darauf sind nach dem Äquivalenzprinzip auch die Leistungen festzusetzen (RKUV 1999 Nr. U 327 S. 111 Erw. 3c mit Hinweisen; Urteil M. vom 30. November 2001, U 282/99).