Citation: 5A_909/2022 E. 6.1.1

6.1.1. Vorliegend geht es nicht um ein materielles Erkenntnis-, sondern um ein Vollstreckungsverfahren. In diesem darf der zu vollstreckende Entscheid nicht materiell überprüft und geändert werden (Urteil 4A_287/2020 vom 24. März 2021 E. 2.2.1, 2.3), auch nicht indirekt dadurch, dass die Vollstreckung auf Dauer verweigert wird (vgl. BGE 107 II 301 E. 7; 120 Ia 369 E. 2); bei dauerhafter Änderung der Besuchsrechtsordnung hat vielmehr der Sachrichter neu zu entscheiden (Urteil 5A_388/2008 vom 22. August 2008 E. 3). In besonders gelagerten Situationen kann das Vollstreckungsgericht zum Wohl des Kindes ausnahmsweise materiell in die Rechtslage eingreifen. Eine solche Ausnahmesituation liegt namentlich bei einem ausserordentlich langen Kontaktunterbruch seit Entscheidfällung und der dadurch offensichtlich hervorgerufenen Entfremdung zwischen dem nicht obhutsberechtigten Elternteil und dem Kind vor, was eine Modifikation des Besuchsrechts im Sinn einer schrittweisen Wiederannäherung im Vollstreckungsverfahren rechtfertigen kann (zit. Urteil 5A_388/2008 E. 3).