Citation: 8C_755/2023 E. 4.1.5

4.1.5. Die Beschwerdegegnerin bringt vor, die Mitwirkungspflicht der versicherten Person umfasse nicht nur, Auskünfte zu erteilen, Formulare wahrheitsgemäss auszufüllen, Zwischenverdienste zu melden und die Arbeits (un) fähigkeit anzugeben, sondern verlange von ihr auch, sich mit den zur Verfügung gestellten Merkblättern und "Informationstools" auseinanderzusetzen. Der Beschwerdeführerin sei vorzuhalten, sich auch nach dem Hinweis auf den orts- und branchenüblichen Lohn nicht weiter informiert zu haben. Die Vorinstanz habe den Umstand nicht gewürdigt, dass die Beschwerdegegnerin im Bereich der Massenverwaltung tätig sei und zunächst auf die Angaben der Versicherten in den eingereichten Unterlagen abstelle, wie hier auf die Zwischenverdienstbescheinigungen. Sie habe die orts- und branchenübliche Entlöhnung erst geprüft, nachdem die dafür zuständige Abteilung des KIGA die Vermittlungsfähigkeit mit Verfügung vom 7. Oktober 2021 bejaht habe. Diese Frage habe sich darauf bezogen, ob die Funktion der Beschwerdeführerin bei der C.________ AG eine selbstständige Erwerbstätigkeit darstelle und daher das daraus erzielte Einkommen keinen Zwischenverdienst begründe. Im Übrigen habe das Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern mit Verfügung vom 1. Juni 2021 die Vermittlungsfähigkeit nicht mit Blick auf einen anrechenbaren Zwischenverdienst, sondern hinsichtlich der voraussichtlich weiterdauernden (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit geprüft. In diesem Zusammenhang habe diese die Vorleistungspflicht der Arbeitslosenkasse aufgrund der festgestellten Vermittlungsfähigkeit gegenüber der beantragten Rente bei der Invalidenversicherung bestätigt. Somit könne diese Vermittlungsfähigkeit nicht mit derjenigen im Kontext eines selbstständigen Zwischenverdiensts gleichgesetzt werden. Abschliessend hält die Beschwerdegegnerin fest, die Beschwerdeführerin habe die Aufhebungsvereinbarung mit der C.________ AG am 17. Dezember 2021 unterschrieben, also noch bevor sie die Rückforderungsverfügung vom 13. Januar 2022 erhalten habe. Die Kenntnis über eine orts- und branchenübliche Anpassung des Zwischenverdiensts sei also nicht ausschlaggebend gewesen, sondern habe auf erwarteten wirtschaftlichen Ergebnissen und nicht auf den direkten oder indirekten Auskünften beruht.