Citation: 4A_235/2020 E. 7.2.1

7.2.1. Zu dem mit Rechtsbegehren Ziffer 1 beantragten Hinweis, dass die Tickets personalisiert sein bzw. auf einen anderen Namen lauten können (zweiter Spiegelstrich) und dass die Tickets nicht immer Zugang zur Veranstaltung gewähren (dritter Spiegelstrich), verneinte die Vorinstanz eine entsprechende Aufklärungspflicht der Beschwerdegegnerin. Sie erwog, die Beschwerdeführerin leite die Aufklärungspflicht aus dem Umstand ab, dass die Beschwerdegegnerin Wiederverkäuferin sei, die Nutzer aber von einer Erstverkäuferin ausgingen. Dieser nicht erstellte Umstand könne keine Grundlage für eine Aufklärungspflicht darstellen; andere Grundlagen seien nicht ersichtlich. Das Nichtvorhandensein der Hinweise führe zudem nicht zu einer Unvollständigkeit des Gesamtbildes hinsichtlich des Angebots der Beschwerdegegnerin. Diese trete nicht selber als Verkäuferin auf, sondern biete eine Wiederverkaufsplattform an, auf der Drittverkäufer Tickets verkauften. Sie verkaufe daher keine ungültigen, gefälschten oder personalisierten Tickets bzw. solche, die keinen Zugang gewährten. Durch einen Verkauf verstosse sie demnach nicht gegen das UWG. Vom Durchschnittsadressaten werde die Beschwerdegegnerin als Wiederverkaufsplattform wahrgenommen. Sie suggeriere nicht (beispielsweise durch andere Angaben), Einfluss auf die Erfüllung des Vertrags durch den Verkäufer oder den Veranstalter des Events betreffend Zutritt oder Eigenschaften der Tickets zu haben. Ein Durchschnittsadressat sei sich bei einem Ticketkauf durchaus bewusst, dass es - insbesondere auf dem Sekundärticketmarkt - Probleme mit dem Zugang zu einer Veranstaltung geben könnte. Hinweise auf allfällige Probleme erwarte er nicht, seien solche Hinweise auf mögliche Leistungsstörungen doch auch beim Erstkauf nicht üblich, obwohl es dort (beispielsweise wegen Fehlern in Strichcodes, Absagen usw.) ebenfalls solche gebe. Zu erwähnen seien seitens eines Verkäufers nicht unerhebliche Produktemängel, die für die geforderten generellen Hinweise auch weit verbreitet sein müssten. Die Beschwerdegegnerin sei selber aber nicht Verkäuferin; zudem werde eine grosse Verbreitung solcher Vorfälle gemessen an der Anzahl gehandelter Tickets weder schlüssig noch substanziiert behauptet. Die Beschwerdeführerin beschränke sich auf die Darlegung einzelner Beispiele. Daher könne eine Aufklärungspflicht nicht bejaht werden. Das Nichtvorhandensein der Hinweise stelle folglich kein täuschendes, irreführendes oder sonstwie gegen Treu und Glauben verstossendes Verhalten dar, oder ein solches, das zu einer Täuschungs- oder Irreführungsgefahr für Durchschnittsadressaten führe. Damit liege keine UWG-Verletzung (Art. 3 Abs. 1 lit. b und Art. 2 UWG) vor. Die Klage sei bezüglich Rechtsbegehren 1, zweiter und dritten Spiegelstrich, abzuweisen.