Citation: 5A_459/2024 E. 2.2

2.2. Bei der Abtretung nach Art. 260 SchKG handelt es sich nicht um eine Abtretung im zivilrechtlichen Sinne, sondern um ein betreibungs- und prozessrechtliches Institut sui generis, mit dem die Prozessführungsbefugnis übertragen wird. Der Abtretungsgläubiger handelt im Prozess in eigenem Namen, auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko. Er wird durch die Abtretung indes nicht Träger des abgetretenen Anspruchs. Dieser verbleibt vielmehr der Konkursmasse (BGE 146 III 441 E. 2.5.1; 145 III 101 E. 4.1.1; je mit Hinweisen). Gemäss Art. 260 Abs. 2 SchKG dient das Ergebnis der Geltendmachung des abgetretenen Anspruchs nach Abzug der Kosten zur Deckung der Forderungen der Gläubiger, an welche die Abtretung stattgefunden hat. Der Überschuss ist an die Masse abzuliefern. Aus dieser Ablieferungspflicht folgt eine Pflicht des Abtretungsgläubigers, gegenüber der Konkursverwaltung über das Resultat seiner gerichtlichen oder aussergerichtlichen Bemühungen Bericht zu erstatten bzw. Rechenschaft abzulegen, wobei er entsprechende Belege vorzulegen hat. Dies gilt auch dann, wenn die Bemühungen erfolglos geblieben sind. Der Abtretungsgläubiger muss dieser Pflicht zur Rechenschaftsablegung unaufgefordert und ungesäumt nachkommen. Diese Pflicht ergibt sich auch aus dem Musterformular Nr. 7 K betreffend die Abtretung von Rechtsansprüchen der Masse gemäss Art. 260 SchKG, wo sie in Ziff. 2 der Bedingungen festgehalten ist (BGE 139 III 384 E. 2.2.2, 391 E. 5.1; zum Ganzen EVA BACHOFNER, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs II, 3. Aufl. 2021, N. 112 zu Art. 260 SchKG; MATTHIAS HÄUPTLI, in: Verordnung über die Geschäftsführung der Konkursämter [KOV], Kommentar, 2016, N. 35 zu Art. 80 KOV). Der Beschwerdeführer gesteht denn auch selber zu, dass die Pflicht zur Berichterstattung in Ziff. 2 der Abtretungsverfügung vom 21. November 2014 enthalten war. Da der Abtretungsgläubiger unaufgefordert Bericht erstatten muss, darf ihn die Konkursverwaltung (vorliegend das Konkursamt) erst recht dazu auffordern, wenn er dieser Pflicht nicht von sich aus nachkommt. Vorliegend war eine Nachfrage - wie das Kantonsgericht zu Recht festgehalten hat - angezeigt, da die Abtretung vom 21. November 2014 datiert und die Frist zur Geltendmachung des abgetretenen Anspruchs auf den 31. Januar 2016 angesetzt war. Für die Pflicht zur Berichterstattung - und auch die damit verbundene Pflicht zur Ablieferung eines Überschusses - ist sodann unerheblich, ob ein von einem Abtretungsgläubiger im Ausland erstrittenes Urteil in der Schweiz anerkannt werden könnte oder nicht. Sowohl für die Berichterstattung wie auch für die Ablieferung eines allfälligen Überschusses bedarf es keiner Anerkennung. Die Berichterstattungs- und Ablieferungspflicht hängt nicht davon ab, in welcher Weise und wo der Abtretungsgläubiger tätig geworden ist und welcher Art die von ihm erzielten Ergebnisse sind. Es braucht demnach nicht geprüft zu werden, ob das vom Beschwerdeführer allenfalls bereits erstrittene oder noch zu erstreitende deutsche Urteil in der Schweiz anerkannt werden könnte. Der Beschwerdeführer legt denn auch nicht dar, wozu es der Anerkennung des allfälligen Urteils in der Schweiz bedürfte. Insbesondere geht er selber davon aus, dass das Urteil nicht in der Schweiz zu vollstrecken ist. Allerdings macht er geltend, nach dem Tod von L.________ am 6. Dezember 2020 müsse die Vollstreckung gegen dessen Erben ausserhalb Deutschlands erfolgen, womit die vom Kantonsgericht wohl getroffene Annahme nicht zutreffe, dass ein in Deutschland erstrittenes Urteil automatisch in Deutschland vollstreckt werden könne. Die Sachverhaltsbehauptungen zum Tod von L.________ und zu seinen Erben finden keine Grundlage im angefochtenen Entscheid und sind mangels Sachverhaltsrüge (Art. 97 Abs. 1 BGG) unbeachtlich. Für die Pflicht zur Berichterstattung ist jedoch ohnehin nicht relevant, wo das allfällige Urteil zu vollstrecken ist. Auch ist nicht bekannt, ob es überhaupt einer Vollstreckung bedarf oder ob der Beschwerdeführer allenfalls bereits Vermögenswerte vereinnahmt hat. Über das Verfahren ist insgesamt nichts bekannt, ausser dem unbestrittenen Umstand, dass es ein solches beim Landgericht Hamburg gab oder gibt, das sich auf eine Klageschrift des Beschwerdeführers gegen L.________ vom 26. Januar 2016 stützt, in der Fr. 500'000.-- verlangt wurden. Auch die übrigen vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang angeführten Einwände sind nicht von Belang: Unerheblich ist die Behauptung des Beschwerdeführers, dass ihm die Berichterstattung Aufwand verursache und zu Anwaltskosten führe. Auf allfälligen Aufwand im Zusammenhang mit der Berichterstattung hat sich ein Abtretungsgläubiger einzustellen. Unsubstantiiert ist die Behauptung, das Verfahren in Deutschland werde quasi öffentlich gemacht, da sämtliche Gläubiger der C.________ AG in Liquidation im Rahmen des Akteneinsichtsrechts von den Verfahrensdetails Kenntnis nehmen könnten und damit seine Privatsphäre tangiert würde. Welche schützenswerten privaten Interessen tangiert sein könnten, legt der Beschwerdeführer nicht dar. Keine Rolle für die Pflicht zur Berichterstattung spielt schliesslich der Umstand, dass im Parallelverfahren gegen die A.________ GmbH das Verfahren gegen L.________ in Deutschland nicht berücksichtigt wurde (vgl. Urteil 5A_233/2022 vom 31. August 2023 E. 1.5 und E. 2).