Citation: 6B_1077/2020 E. 1.5.3

1.5.3. Wie der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde richtig betont, sind sowohl sein deliktisches Verhalten und die Legalprognose als auch seine ausgebliebene berufliche Entwicklung und die diesbezüglichen Zukunftsaussichten im Kontext seines noch jungen Erwachsenenalters sowie seiner Lernschwäche und gestörten Persönlichkeitsentwicklung zu würdigen. Aus den betreffenden Umständen kann er jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten. Von wesentlicher Bedeutung ist in dieser Hinsicht, dass dem Beschwerdeführer mehrmals und bis zum Schluss des vorinstanzlichen Verfahrens Therapie- und Ausbildungsmöglichkeiten angeboten wurden, die er nicht wahrnahm. Aus der verbindlichen Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz ergibt sich, dass er bereits vor diesem Strafverfahren durch die Invalidenversicherung (IV) in der Lehrausbildung begleitet und psychologisch unterstützt wurde. Eine erste solche Lehre habe er abgebrochen, "weil es ihm nicht gefalle, er Mühe mit dem Aufstehen habe und Gartenbau nicht sein Job sei". Die zweite von der IV vermittelte Lehre sei wegen seiner Verhaftung gescheitert (angefochtener Entscheid E. 4.15 S. 23, E. 4.21 S. 31). Im vorliegenden Strafverfahren sei ihm sodann wiederholt die Chance auf Unterstützung im Rahmen einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB zugekommen. An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 11. Oktober 2017 sei er mit einer solchen Massnahme zunächst einverstanden gewesen und habe er diese im Eventualantrag für den Fall beantragt, dass die Freiheitsstrafe nicht bedingt aufgeschoben werde. In dem danach eröffneten weiteren Strafverfahren (Zusatzanklage betreffend Irreführung der Rechtspflege und Drohung) und in der Fortsetzung der Hauptverhandlung habe er sich indes dezidiert dagegen ausgesprochen und eventualiter nur noch eine ambulante Massnahme verlangt. Er habe den Standpunkt vertreten, eine (stationäre) Massnahme für junge Erwachsene brauche er nicht, da er mit der Möglichkeit, eine Lehre durch die IV zu absolvieren, bereits einen Plan für die Zeit in der Freiheit habe. Er würde sich einer gerichtlich angeordneten stationären Massnahme verweigern, bis sie ihn "rauswerfen"; eine ambulante Massnahme würde er aber machen. Im Berufungsverfahren habe er demgegenüber am 16. April 2019 (erstmals) den vorzeitigen Antritt einer Massnahme für junge Erwachsene beantragt, dies jedoch erst nachdem ihm die bedingte Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug verweigert worden sei. In Gutheissung dieses Begehrens sei er per 22. Mai 2019 in den vorzeitigen Massnahmevollzug versetzt worden. Am 8. August 2019 habe dieser jedoch wegen fehlender minimaler Motivation als "zurzeit nicht zweckmässig durchführbar" abgebrochen werden müssen. Gleichwohl habe der Beschwerdeführer an der Berufungsverhandlung vom 24. Oktober 2019 nach einer ersten Weigerung erneut den vorzeitigen Vollzug einer entsprechenden Massnahme beantragt, der ihm abermals bewilligt worden sei. Laut dem Zwischenbericht des Massnahmezentrums habe er sich dabei zwar grundsätzlich aktiv an der Therapie beteiligt, seine Motivation und Arbeitsleistung seien indes (weiterhin) miserabel gewesen. "Um ihm bezüglich Durchhaltevermögen und -willen ein Lernfeld zu bieten", sei die Massnahme trotzdem bis zur Fortsetzung der Berufungsverhandlung am 18. Juni 2020 aufrechterhalten worden. Der Beschwerdeführer habe an dieser letzten Gerichtsverhandlung jedoch erneut seine fehlende Motivation bestätigt und betont, er habe gemerkt, dass er die Massnahme nicht wolle, sondern nach wie vor beabsichtige, in Freiheit eine Lehre zu machen (angefochtener Entscheid E. 3.9.5 ff. S. 11 ff.). Die Vorinstanz sah daraufhin mangels Motivierbarkeit des Beschwerdeführers von der Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene im Endentscheid ab. Auf die Anordnung einer ambulanten Therapie verzichtete sie im Übrigen mangels Vorliegens einer rechtsgenüglich schweren Störung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB (angefochtener Entscheid E. 3.8 S. 10, E. 3.10 S. 15 f.). Nachdem der Beschwerdeführer ein Begehren um vorzeitigen Massnahmeantritt erst nach Ablehnung seines Haftentlassungsgesuchs stellte und sich dennoch in der Massnahme bis zum Schluss motivationslos zeigte, um deren Abbruch zu forcieren, durfte die Vorinstanz willkürfrei ein gewisses taktiererisches Verhalten des Beschwerdeführers und eine fehlende grundsätzliche Änderungsbereitschaft erkennen (angefochtener Entscheid E. 4.21 in fine S. 31). Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der mehrmals ausgeschlagenen Therapie- und Ausbildungsangebote war sie nicht gehalten, die fehlende berufliche Entwicklung des Beschwerdeführers wegen seines jungen Alters sowie seiner Lernschwäche und gestörten Persönlichkeitsentwicklung nur eingeschränkt bzw. gar nicht zu seinen Lasten in die Beurteilung miteinzubeziehen. Gleichzeitig durfte sie aus den dargelegten Umständen Rückschlüsse sowohl auf die Legalprognose als auch auf seine beruflichen Zukunftsaussichten ziehen und diese uneingeschränkt in die Würdigung mitaufnehmen. Ob die genannten Gegebenheiten in Verbindung mit der Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers nachgerade den vorinstanzlichen Schluss zulassen, es sei "völlig unrealistisch", dass der Beschwerdeführer in der Schweiz eine Lehre in einem erneuten Anlauf erfolgreich abschliessen würde (angefochtener Entscheid E. 4.24 S. 33), kann angesichts der Absolutheit dieser Feststellung zwar hinterfragt werden, bleibt aber unerheblich. Die Vorinstanz durfte bei der gegebenen Sachlage jedenfalls willkürfrei von einer erheblich geringen Chance auf Abschluss einer Berufslehre in der weiteren Zukunft ausgehen. Wenn die Vorinstanz angesichts der hartnäckigen Missachtung der Rechtsordnung und der ausgebliebenen beruflichen Entwicklung des Beschwerdeführers seine persönliche und wirtschaftliche Integration, abgesehen von der erlernten Sprachkompetenz und seinen Kontakten, als gescheitert beurteilt, ist dies nach dem Ausgeführten nicht zu beanstanden. Allein aufgrund seiner mit ihm eingewanderten Familie und seinem (ausserfamiliären) sozialen Umfeld musste die Vorinstanz nicht von einer insgesamt gelungenen Integration ausgehen. Gleichermassen ist nicht zu kritisieren, dass die Vorinstanz die künftige Teilnahme des Beschwerdeführers am wirtschaftlichen Leben in der Schweiz als unwahrscheinlich einstuft (angefochtener Entscheid E. 4.21 S. 29 ff., E. 4.24 S. 33).