Citation: U 286/06 31.08.2007 E. 6.2

6.2.1 Der Unfall vom 15. Juli 1997 ereignete sich weder unter dramatischen Begleitumständen noch ist er als besonders eindrücklich zu bezeichnen. 6.2.2 Das Kriterium der besonderen Schwere oder Art der Verletzung wurde ursprünglich mit Bezug auf die psychischen Unfallfolgen entwickelt und betrifft insbesondere die erfahrungsgemässe Eignung einer Verletzung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Übertragen auf die Schleudertraumapraxis hat es dementsprechend als erfüllt zu gelten, wenn die Unfallverletzung in besonderer Weise geeignet ist, eine intensive, dem so genannten typischen Beschwerdebild (BGE 119 V 338 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b, 383 Erw. 4b) entsprechende Symptomatik zu bewirken (vgl. BGE 117 V 369 oben Erw. 7b). Die Diagnose eines Schleudertraumas vermag zwar dieses für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besondere Umstände (wie etwa eine ungünstige Körperhaltung; vgl. RKUV 1998 Nr. U 297 S. 245 E. 3c, U 16/97), welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 348/03 vom 7. Juli 2004, E. 4.2 mit Hinweis). Es entspricht der allgemeinen Erfahrung, dass pathologische Zustände nach HWS-Verletzungen bei erneuter Traumatisierung ausserordentlich stark exazerbieren können. Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits durch einen früheren versicherten Unfall erheblich vorgeschädigte HWS trifft, ist demnach speziell geeignet, die "typischen" Symptome hervorzurufen, und deshalb als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren (vgl. in SVR 2007 UV Nr. 1 veröffentlichtes Urteil S. vom 26. April 2006, U 39/04 mit Hinweis auf Urteil H. vom 28. Mai 2003 [U 12/03], Erw. 4.2.2 am Ende). Da eine erhebliche Vorschädigung der HWS durch den Unfall vom 16. Oktober 1995 ausgewiesen ist, hat dieses Kriterium als erfüllt zu gelten. 6.2.3 Bezüglich der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist eine Behandlungsbedürftigkeit während zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS oder äquivalenten Verletzungen mit ähnlichem Beschwerdebild noch als in einem üblichen Rahmen liegend zu betrachten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 462/04 vom 13. Februar 2006, E. 2.4.3 mit Hinweisen). Die Versicherte wurde unmittelbar nach dem Unfall mit der Ambulanz ins Regionalspital C.________ eingewiesen, wo neben einer Amnesie für das Unfallereignis eine Commotio cerebri und ein HWS- Distorsionstrauma diagnostiziert wurde. Die Patientin wurde gleichentags ins Universitätsspital in R.________ eingewiesen, danach am 17. März 1997 ins Kantonsspital Chur verlegt, wo sie bis am 29. März hospitalisiert blieb. In der Folge stand die Beschwerdeführerin in ununterbrochener ärztlicher Behandlung. Auch während der vollen Arbeitsfähigkeit vom Juli 1998 bis Ende März 1999 wurde sie medikamentös und physiotherapeutisch behandelt. Daneben fanden auch verschiedene stationäre Behandlungen statt, so vom 13. September bis 8. Oktober 1999 in der Klinik T.________ und vom 7. März bis 4. April 2000 in der Rehalinik E.________. Gemäss Bericht von Schmerzspezialisten am Schweizerischen Zentrum N.________ vom 17. Dezember 2001 besteht eine Notwendigkeit einer medikamentösen Dauertherapie mit verschiedensten Produkten. Auch die Gutachter der Klinik H.________ gehen in ihrer Expertise vom 30. Juli 2004 davon aus, dass eine weitere medizinische Behandlung notwendig ist. Unter diesen Umständen ist eine siebeneinhalb Jahre übersteigende und damit ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung klar zu bejahen. 6.2.4 Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, ist nichts bekannt. 6.2.5 Gemäss Gutachten vom 30. Juli 2004 leidet die Beschwerdeführerin bei einem Status nach HWS-Distorsionstrauma 1997 unter anderem an einem chronifizierten generalisierten Schmerzsyndrom, auch wenn dieses durch verschiedene zusätzliche Faktoren wie vorbestehende psychische Schwierigkeiten und einer 1995 erlittenen ersten HWS-Distorsion erheblich mitunterhalten wird. In Würdigung dieser Sachlage ist das Kriterium der Dauerbeschwerden gegeben. 6.2.6 Schliesslich ist auch das Kriterium der langandauernden Arbeitsunfähigkeit erfüllt, nachdem die Beschwerdeführerin seit dem Unfall im März 1997 - mit Ausnahme einer acht Monate dauernden vollen Arbeitsfähigkeit vom Juli 1988 bis März 1999 - immer zumindest zu 50 %, meist aber vollständig arbeitsunfähig war. Dies ist auch unter dem Aspekt zu würdigen, dass ihr von ärztlicher Seite eher Dissimulation als Aggravation attestiert wird. 6.3 Eine Gesamtwürdigung des Unfallgeschehens und der unfallbezogenen Kriterien, welche in gehäufter Weise erfüllt sind, ergibt, dass dem Unfall vom 15. März 1997 für die über den 31. Oktober 2004 hinaus anhaltenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt, weshalb die Adäquanz des Kausalzusammenhangs, entgegen der Auffassung von Vorinstanz und Beschwerdegegnerin, zu bejahen ist.