Citation: U 282/04 14.03.2005 E. 3

3.1 Die in den Akten enthaltenen Angaben zum Unfallereignis sind widersprüchlich. Während in der Unfallmeldung vom 28. März 2000 von einem Unfalldatum vom 9. Dezember 1999 die Rede ist und der Versicherte gegenüber dem SUVA-Inspektor am 12. Juli 2000 angegeben hatte, sich keines konkreten Zeckenbisses zu erinnern, geht Dr. med. A.________ von einem Zeckenstich vor 15 Jahren aus, stellt gleichzeitig aber fest, beim Versicherten bestehe ein Status nach zahlreichen Zeckenstichen (Bericht vom 3. April 2000). Der behandelnde Arzt Dr. med. H.________ bestätigte am 10. April 2000, dass ein Zeckenstich mit Infekt sicher stattgefunden habe. Das Institut K.________, interpretierte die Ergebnisse der Laboruntersuchungen dahin gehend, dass eine Infektion mit Borrelia burgdorferi stattgefunden habe, jedoch eine Aussage über die Aktivität der Infektion serologisch nicht möglich sei und insbesondere kein Hinweis auf eine Infektion des Zentralnervensystems (ZNS) bestehe. Dr. med. A.________ diagnostizierte im April 2000 eine noch floride Lyme-Borreliose im Stadium II und schloss eine Beteiligung des ZNS nicht aus. Demgegenüber gelangte Dr. med. H.________ zum Schluss, eine Neuroborreliose könne weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Bei dieser medizinischen Aktenlage ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass eine durch Zeckenstich hervorgerufene Borrelien-Infektion stattgefunden hat. Fraglich ist, ob die seit Oktober 1999 aufgetretenen Beschwerden (ausgeprägte körperliche und geistige Ermüdbarkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Atemschwierigkeiten) Folge der Borrelien-Infektion sind. 3.2 In dem zu Handen der IV erstatteten Gutachten der MEDAS vom 25. September 2001 werden die Hauptdiagnosen (mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0) sowie einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Erschöpfungsgefühl, Leistungsminderung sowie rezidivierenden Muskel- und Gelenkschmerzen erhoben und es wird festgestellt, dass keine Hinweise für ein organisches neurologisches Korrelat, insbesondere eine Neuroborreliose, vorlägen. Als Nebendiagnosen (ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) werden selten rezidivierende Spannungskopfschmerzen (G44.2) sowie ein linksbetonter Tinnitus beidseits (H93.1) erwähnt. In der zusammenfassenden Beurteilung wird ausgeführt, bei der klinisch-neurologischen Untersuchung hätten sich keine neurologischen Defizite objektivieren lassen. Nach den Ergebnissen der Serum-Tests habe der Versicherte eine Borrelien-Infektion durchgemacht. Die Diagnose einer Neuroborreliose werde indessen erst durch den Nachweis einer spezifischen intrathekalen IgG-Synthese im Liquor gesichert. Richtungsweisend seien eine überwiegend lymphozytäre Pleozytose, eine Blutliquorschrankenstörung sowie eine quantitative IgG/IgM-Synthese. Im vorliegenden Fall bestünden aufgrund der Anamnese mit insbesondere subjektiv geklagten neuropsychologischen Symptomen, wie dem im Vordergrund stehenden Chronic Fatigue Syndrom, der fehlenden objektivierbaren fokal-neurologischen Ausfälle, zusammen mit der unauffälligen Liquordiagnostik und dem normalen Befund des cranio-cerebralen Kernspintomogramms sowie dem praktisch fehlenden Ansprechen auf die durchgeführte antibiotische Therapie keine Anhaltspunkte für eine abgelaufene oder aktuell bestehende Neuroborreliose. Die konsiliarische psychiatrische Untersuchung ergab deutliche Hinweise für eine somatoforme Symptomatik auf der Grundlage einer Neurasthenie. Nach Auffassung des Gutachters ergeben sich aus psychiatrischer Sicht hinreichende Gründe, welche die Diagnose einer psychogenen Ursache der aktuellen Symptomatik nicht nur durch Ausschluss einer allfälligen organischen Erkrankung, sondern aufgrund positiver Indizien gestatten. Die Arbeitsunfähigkeit wird auf 50% geschätzt und es wird die Meinung geäussert, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen ohne vorgängige psychotherapeutische Massnahmen zum Scheitern verurteilt seien. Auf die gegen das Gutachten erhobenen Einwendungen des Versicherten unterbreitete die SUVA der MEDAS Ergänzungsfragen. Zur Frage nach dem überwiegend wahrscheinlichen Vorliegen einer Borreliose Stadium II oder III bzw. einer Neuroborreliose stellten die MEDAS-Ärzte am 1. Mai 2002 fest, aufgrund des unauffälligen Liquorbefundes mit normaler Zellzahl, was eine akute Infektion des Zentralen Nervensystems (ZNS) ausschliesse, normalem Eiweiss und negativen oligoklonalen Banden, die bei infektiologischen Erkrankungen häufig positiv nachweisbar seien, sowie fehlendem Nachweis von IgG- und IgM-Titern für Borrelien, lasse sich eine chronifizierte Erkrankung des ZNS durch eine Borrelien-Infektion mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Der Versicherte habe zwar eine Borrelien-Infektion durchgemacht; weil positive Titer nur im Serum, nicht aber im Liquor hätten nachgewiesen werden können, sei das Vorliegen einer Neuroborreliose indessen nicht wahrscheinlich.