Citation: 7B_692/2023 E. 3.3

3.3. Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren nach den Art. 429-434 StPO. Erfolgt weder ein vollständiger oder teilweiser Freispruch noch eine Einstellung des Verfahrens, obsiegt die beschuldigte Person aber in anderen Punkten, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Entschädigung für ihre Aufwendungen (Art. 436 Abs. 2 StPO), namentlich für die Wahlverteidigung (BGE 138 IV 205 E. 1; Urteil 7B_533/2023 vom 12. Oktober 2023 E. 2.3.1). Art. 436 Abs. 2 StPO erweitert den in Art. 429 Abs. 1 StPO vorgesehenen Entschädigungsanspruch (Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 1085 1332 Ziff. 2.10.3.3; s.a. WEHRENBERG/FRANK, Basler Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, N. 10 zu Art. 436 StPO; JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., Rz. 3 zu Art. 436 StPO; YVONA GRIESSER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, Art. 196-457, 3. Aufl. 2020, Rz. 3 zu Art. 436 StPO; STEFAN CHRISTEN, Entschädigungsfolgen im kantonalen Beschwerdeverfahren in Strafsachen, ZStrR 2/2014, S. 194-209, S. 198). Entsprechend erscheint es sachgerecht, die Voraussetzungen für die Zusprache einer Entschädigung gemäss Art. 429 StPO analog auch auf Art. 436 Abs. 2 StPO anzuwenden (vgl. WEHRENBERG/FRANK, a.a.O., N. 10 zu Art. 436 StPO; STEFAN CHRISTEN, a.a.O., S. 205). Der Staat hat den Parteien grundsätzlich die Gesamtheit der Verteidigungskosten zu entschädigen. Diese müssen aber angesichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität wie auch der Höhe des Arbeitsaufwands gerechtfertigt sein (BGE 142 IV 45 E. 2.1; Urteile 7B_12/2021 vom 11. September 2023 E. 3.1.1; 7B_533/2023 vom 12. Oktober 2023 E. 2.3.2). Ob die Beanspruchung eines Anwalts aus einer angemessenen Ausübung der Verfahrensrechte hervorgeht und der beschuldigten Person für die Verteidigungskosten demzufolge eine Entschädigung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO (vorliegend in Verbindung mit Art. 436 Abs. 2 StPO) zugesprochen werden kann, ist eine Frage des Bundesrechts, die das Bundesgericht frei überprüft. Bei der Überprüfung der vorinstanzlichen Beurteilung, insbesondere der Frage, ob der geltend gemachte Aufwand vernünftig erscheint, auferlegt es sich eine gewisse Zurückhaltung (BGE 142 IV 163 E. 3.2.1; 138 IV 197 E. 2.3.6; Urteil 6B_244/2024 vom 24. Juni 2024 E. 4.2 mit Hinweisen). Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden. Es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen, und es kann eine Beschwerde mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung abweisen (BGE 148 V 366 E. 3.1; 146 IV 88 E. 1.3.2 mit Hinweisen).