Citation: 7B_269/2022 E. 8.7.1

8.7.1. Zunächst knüpft Art. 433 Abs. 1 StPO den Entschädigungsanspruch einzig an die Notwendigkeit der Aufwendungen und formuliert darüber hinaus keine weiteren Voraussetzungen. Die Sichtweise, wonach bereits die Mandatierung einer Rechtsvertretung an sich, und nicht nur der von dieser betriebene Aufwand, notwendig sein müssen, findet im Gesetzeswortlaut somit keine ausdrückliche Stütze. Anders verhält es sich mit der Regelung zur unentgeltlichen Rechtspflege. Dort wird der Privatklägerschaft die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands explizit nur zuerkannt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (Art. 136 Abs. 2 lit. c StPO). Diese Unterscheidung hat, wie EYMANN zutreffend ausführt, durchaus ihre Berechtigung, ist es im Falle der unentgeltlichen Verbeiständung doch der Staat, der für die Kosten aufkommt, und nicht die - im Falle eines Schuldspruchs fehlbare - beschuldigte bzw. verurteilte Person. Die Staatskasse soll nicht mit in der Sache unnötigen Kosten belastet werden. Die schuldig gesprochene Person hingegen hat mit ihrem Verhalten die Ursache für die Kosten gesetzt, was es mit RÜEGG rechtfertigen würde, dass sie dem Verursacherprinzip entsprechend dafür aufzukommen hat.