Citation: 2C_248/2019 E. 2.4.4

2.4.4. Mit ihren weiteren Ausführungen macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, eine allenfalls zurzeit noch nicht vorliegende erfolgreiche Integration könne nicht zur Verneinung des Anspruches auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung führen. Der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin nicht erfolgreich habe integrieren können, sei nämlich auf das tyrannische Verhalten ihres Ehegatten C.________ zurückzuführen. Dieser habe sie als billige Haushaltshilfe ausgebeutet. Es handle sich um einen Mann, der in seinen Ehefrauen primär Arbeitskräfte sehe. Sein Bild von Frauen (namentlich solchen aus Drittweltländern) zeige sich nicht zuletzt daran, dass er kürzlich bereits zum neunten Mal geheiratet habe. Schon aufgrund seines Charakters sei er bestrebt gewesen, jegliche Integrationsbemühungen und Emanzipationsversuche seiner zahlreichen Ehefrauen (namentlich der Beschwerdeführerin) unter allen Umständen zu unterbinden. Eine eigenständige berufliche und wirtschaftliche Integration sei der Be-schwerdeführerin nicht möglich gewesen, weil sie ihrem Mann als Haushalts- und Pflegekraft habe dienen müssen und der ungesicherte Aufenthaltsstatus in der Folge die Arbeitssuche erschwert habe. Sprachkompetenzen habe sich die Beschwerdeführerin bis zur Trennung von ihrem Ehemann nicht aneignen können, da dieser ihr das für den Besuch von Deutschkursen benötigte Geld verweigert habe. Die erheblichen Schulden und die Sozialhilfeabhängigkeit seien grösstenteils darauf zurückzuführen, dass sich ihr Ehemann geweigert habe, für sie Krankenkassenprämien zu bezahlen und im Nachgang zur Trennung seinen Unterhaltspflichten nachzukommen. Die Missachtung der Anordnung, die eheliche Wohnung entsprechend der eheschutzrichtlichen Anordnung zu verlassen, sei im Übrigen einer Notsituation geschuldet gewesen, da die Beschwerdeführerin und ihre Tochter ohne Verbleib in dieser Wohnung vorübergehend obdachlos geworden wären. Es kann dahingestellt bleiben, ob und inwieweit gegebenenfalls die geltend gemachten Erschwernisse und Hindernisse für eine erfolgreiche Integration sowie die Sachumstände, welche nach Ansicht der Beschwerdeführerin die Schulden und den Hausfriedensbruch relativieren sollen, grundsätzlich bei der Prüfung der Integrationskriterien zu berücksichtigen sind. Denn unabhängig davon, ob diese Elemente bei dieser Prüfung (im Zusammenhang mit Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG) oder aber als wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG in die Beurteilung einbezogen werden, erscheinen sie nicht als hinreichend, um bundesrechtlich von einem Fortbestand des Anspruchs auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin auszugehen. Entscheidend ist, dass die Beschwerdeführerin - wie im Folgenden ersichtlich wird (hinten E. 5.2 ff.) - nicht unter systematischem und zeitlich andauerndem psychischen Druck ihres Ehemannes stand. Damit greift die Beschwerdeführerin ins Leere, wenn sie ihre Integrationsdefizite zur Hauptsache mit dem Verhalten ihres Ehemannes zu erklären sucht. Auch kann es unter diesen Umständen für die Annahme einer erfolgreichen Integration nicht genügen, dass ein Integrationspotenzial bzw. eine Integrationsbereitschaft bestehen soll (vgl. dazu Beschwerde, S. 16). Zudem kann sich die Beschwerdeführerin von vornherein nicht darauf berufen, dass ihr Aufenthaltsstatus die Stellensuche erschwert habe, war ihr Aufenthalt doch jedenfalls während der Zeit des ehelichen Zusammenlebens gesichert.