Citation: 5A_28/2020 E. 3.2.6

3.2.6. Das Kantonsgericht geht auch auf die Beanstandung der Beschwerdeführerin ein, wonach das Bezirksgericht auf einen Bericht des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg sowie auf eine Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 28. Dezember 2016 Bezug genommen habe, ohne die Parteien zu diesen selbständig beigezogenen Beweisen angehört zu haben. Was den Bericht des Flüchtlingsrates angeht, erklärt das Kantonsgericht, dass es sich um eine leicht zugängliche Information aus einer nicht umstrittenen Quelle und damit um eine offenkundige Tatsache im Sinn von Art. 151 ZPO handle. Ob dies auch für die fragliche Pressemitteilung gelte, lässt das Kantonsgericht mit der Begründung offen, dass die Lebensumstände in der Heimat der Beschwerdeführerin bereits erstinstanzlich und auch im Massnahmeverfahren (s. Sachverhalt Bst. B.b) umstritten gewesen seien. Dass der Bezirksrichter in der Folge gestützt auf die pauschalen Vorbringen der Beschwerdeführerin eigene Recherchen im Internet anstrengte, ohne die Parteien über die so gewonnenen Fakten zu unterrichten, stelle keine besonders schwerwiegende Gehörsverletzung dar. Nachdem die Berufungsinstanz über volle Kognition verfüge und die Rückweisung des Prozesses an die Vorinstanz zu einem formalistischen Leerlauf führen würde, sei von der eventuell beantragten Rückweisung abzusehen. In der Sache entnimmt die Vorinstanz dem Bericht des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg, dass sich die monatlichen Lebenshaltungskosten für eine Einzelperson in Mazedonien auf ca. EUR 530.-- belaufen, wovon EUR 170.-- auf Mietkosten entfallen. Dass diese Lebenshaltungskostenaufstellung aus politischen Gründen unzutreffende Angaben enthielte und international anerkannte Organisationen wie die Weltbank, die OECD oder die ILO von wesentlich anderen Werten ausgingen, habe die Beschwerdeführerin nicht aufzuzeigen vermocht. Auch wenn sie nun ein Einkommen von EUR 340.-- erziele und unentgeltlich bei ihrer Mutter wohne, könne sie den Lebensunterhalt für sich und C.________ nicht selbst bestreiten, da schon die Lebenskosten für eine Einzelperson (ohne Mietkosten) ihr Einkommen um EUR 20.-- überstiegen. Mit ihrem Vorbringen, die Lebenshaltungskosten in Nordmazedonien könnten stark variieren, vermöge die Beschwerdeführerin nicht darzutun, dass sie mit Einkünften von rund EUR 340.-- für sich und C.________ aufkommen könnte, auch wenn C.________s Betreuung durch ihre Familie gewährleistet wäre. Im Gegensatz dazu könne der Beschwerdegegner dank staatlicher Leistungen für sich und die Kinder sorgen. Insgesamt pflichtet das Kantonsgericht den erstinstanzlichen Einschätzungen selbst unter Berücksichtigung des neu geltend gemachten Einkommens von rund EUR 340.-- bei.