Citation: 6B_160/2022 E. 2.4

2.4. Die Rüge der Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" erweist sich als begründet. Die Vorinstanz wendet den In-dubio-Grundsatz nicht erst nach der Würdigung sämtlicher relevanter Beweismittel an. Vielmehr hält sie in ihrer Beweiswürdigung fest, in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" sei davon auszugehen, dass der Pistenverlauf und der Pistenrand auch für die Verunfallte erkennbar gewesen seien (angefochtenes Urteil S. 26). Ebenso müsse "in dubio pro reo" angenommen werden, dass nach dem Unfall zusätzliche Spuren durch weitere Schneesportler, Zuschauer, Gaffer, Rettungskräfte oder andere Personen auf dem fraglichen Pistenabschnitt entstanden seien und der auf der Fotodokumentation abgebildete Pistenrand nicht demjenigen zum Unfallzeitpunkt entspreche (angefochtenes Urteil S. 25). Sodann sei unter Berücksichtigung des Grundsatzes "in dubio pro reo" davon auszugehen, dass die Verunfallte (nach dem bewussten Verlassen der Skipiste) die Kontrolle über ihre Skier verloren habe und deshalb statt dem Nebenweglein entlang zurück auf die Piste rechts von den Markierungsstangen in den Graben gefahren sei (angefochtenes Urteil S. 27). Der Unfall hätte aufgrund des Kontrollverlusts nicht verhindert werden können, was auch für die Anbringung eines Markierungsseils - jedenfalls "in dubio pro reo" - gelte, da Markierungsseile nicht zum Auffangen oder Rückhalten der Skifahrer geeignet seien, sondern auf eine Gefahr hinweisen würden (angefochtenes Urteil S. 28). Der In-dubio-Grundsatz hätte gemäss konstanter Lehre und Rechtsprechung aber erst nach erfolgter Gesamtwürdigung, falls relevante Zweifel verblieben wären, herangezogen werden dürfen. Die mehrfache Würdigung von Beweismitteln zu den einzelnen Sachverhaltsteilen zugunsten des Beschwerdegegners 2 unter Berufung auf den In-dubio-Grundsatz ergibt ein zugunsten der beschuldigten Person verzerrtes Bild und widerspricht der Rechtsprechung zur Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo". Eine solche Beweiswürdigung ist bei objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses offensichtlich unhaltbar und damit willkürlich.