Citation: 2C_261/2024 E. 4.5.2

4.5.2. Der Beschwerdeführer beruft sich auf eine biografische Kehrtwende. Die Voraussetzungen dafür sind jedoch nicht erfüllt. Erstens ist die Rechtsprechung zur biografischen Kehrtwende primär auf junge Erwachsene zugeschnitten, die auf der Schwelle zum Erwachsenenalter einen grundlegenden Wandel durchmachen und sich nachhaltig von ihrer in jungen Jahren gezeigten Straffälligkeit distanzieren (Urteil 2C_71/2020 vom 28. April 2020 E. 5.2.1). Der Beschwerdeführer befand sich im hier relevanten Deliktszeitraum (bis ca. 2013) nicht mehr auf der Schwelle zum Erwachsenenalter. Zweitens beging er die Straftaten, als er bereits mit seiner Ehefrau und seinem älteren Sohn in Familiengemeinschaft lebte. Die familiären Rahmenbedingungen hielten ihn damals nicht von der Delinquenz ab. Insoweit ist zweifelhaft, dass zum heutigen Zeitpunkt aufgrund der familiären Umstände - unter Berücksichtigung der Geburt des jüngeren Sohns - eine grundlegend andere Ausgangslage besteht. Drittens erweist sich die Dauer des Wohlverhaltens als zu kurz, um von einer im Hinblick auf die migrationsrechtliche Prognose relevanten Verhaltensänderung ausgehen zu können. Dabei ist das normkonforme Verhalten während eines laufenden Strafverfahrens, dem Strafvollzug und der anschliessenden Probezeit nach ständiger Rechtsprechung nur zurückhaltend zu berücksichtigen (Urteile 2C_501/2023 vom 11. Oktober 2024 E. 7.4.6; 2C_159/2023 vom 6. Februar 2024 E. 5.3; 2C_4/2022 vom 11. August 2022 E. 6.3; 2C_658/2021 vom 3. März 2022 E. 4.2). Der Beschwerdeführer befand sich vorliegend zwischen dem 20. März 2013 und dem 21. Juli 2015 in Untersuchungshaft. Die daran anschliessende Phase bis zum obergerichtlichen Urteil im Oktober 2020 kann nur sehr zurückhaltend zu seinen Gunsten gewertet werden. Dies gilt für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren, denn der Beschwerdeführer war gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen während des gesamten Strafverfahrens nicht einsichtig und bestritt grösstenteils die ihm vorgeworfenen Delikte (angefochtenes Urteil, E. 3.2.4.3). Am 2. Mai 2022 trat er den Vollzug der Freiheitsstrafe an; am 29. September 2023 erfolgte die Entlassung unter Ansetzung einer Probezeit bis 30. Mai 2025. Damit hat der Beschwerdeführer sein bisheriges Wohlverhalten vollumfänglich entweder während dem Freiheitsentzug oder unter dem Eindruck eines gerichtlichen Verfahrens bzw. einer Probezeit gezeigt. Die Voraussetzungen für die biografische Kehrtwende sind deshalb auch in zeitlicher Hinsicht nicht erfüllt (vgl. dazu auch Urteil 2C_501/2023 vom 11. Oktober 2024 E. 7.4.6). Keine Bedeutung ist in diesem Zusammenhang den vom Beschwerdeführer angerufenen Vollzugsberichten beizumessen, die ihm - wie von ihm vorgetragen - jeweils ein gutes Zeugnis ausstellen. Ein Wohlverhalten im Vollzug darf erwartet werden (vgl. Urteil 2C_159/2023 vom 6. Februar 2024 E. 5.3).