Citation: 6B_887/2022 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz stellt fest, der Beschwerdeführer sei 1987 im Kosovo geboren und habe dort drei Jahre die Schule besucht, bevor er am 12. November 1994 mit seiner Mutter und den Geschwistern im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz eingereist sei. Noch im Kosovo habe er mehrere Operationen wegen eines Nierenleidens erstehen müssen. In der Schweiz habe er die Primarschule und die Realschule besucht, wobei er im Alter von 13/14 Jahren einmal wegen seines auffälligen Verhaltens ein halbes Jahr in einem Heim habe verbringen müssen. Mit 16 Jahren habe er erstmals Cannabis konsumiert, ab 19 Jahren Kokain und ab 22 Jahren Heroin. Längere Aufenthalte in Institutionen zwecks Drogenentzugs habe er im Sommer 2014 und von Dezember 2014 bis im Herbst 2015 verbracht, zuletzt in der Klinik für Suchttherapie in U.________. Dort sei er wegen mehrfachen Rückfällen im September 2015 entlassen worden, bzw. habe er die Therapie selbst abgebrochen. Für weitere Entzüge sei er meist in den Kosovo gegangen, um sich in einem anderen Milieu zu befinden. Der Beschwerdeführer sei seit dem 15. Juni 1995 im Besitze einer Niederlassungsbewilligung des Kantons Aargau. Seine strafrechtlichen Erscheinungen reichen von Übertretungen bis hin zu Verbrechen (insgesamt 29 Verurteilungen seit dem 26. Juni 2006). Die Delikte hätten bereits im jugendlichen Alter angefangen. Nach einer Anlehre als Koch habe er für rund zwei Jahre in einer Storenbaufirma gearbeitet. Danach habe er meist temporär gearbeitet oder sei arbeitslos gewesen. Seinen Lebensunterhalt hätten meistens die Eltern, bei denen er damals gewohnt habe, bestritten. Gemäss seinen eigenen Angaben sei er arbeitslos, sei seit kurzem ohne Wohnung und lebe von der Sozialhilfe. Seine Familie sei nicht gewillt, ihm wegen seiner Drogensucht zu helfen. Er habe längere Zeit bei seiner Ex-Freundin gewohnt. Er verzeichne in der Schweiz Schulden in Höhe von Fr. 23'916.80 (Betreibungen und Verlustscheine). Zwischen Mai 2018 und Ende August 2019 habe er Beiträge der Sozialhilfe im Gesamtbetrag von Fr. 28'147.15 bezogen. Er habe Kontakt zu seinem älteren Bruder in der Schweiz. Seine Eltern lebten mehrheitlich im Kosovo und kämen im Winter regelmässig in die Schweiz. Im Vollzug erhalte er Besuch von seinem Bruder, seinen beiden Schwestern und - wenn sie hier seien - von seinen Eltern, aber auch wieder von seiner Freundin, wobei es ungewiss sei, wie es mit dieser weitergehe. Gemäss eigenem Bekunden im späteren Verlauf des Strafverfahrens sei im Falle eines Verzichts auf die Landesverweisung eine Heirat mit ihr geplant. Zudem würden seine Eltern wegen der Geburt von mehreren Enkeln wieder mehr Zeit in der Schweiz als im Kosovo verbringen. Dort stehe ein Haus zur Verfügung, das er benutzen könnte. Er sei bisher nur im Sommer ferienhalber regelmässig in den Kosovo gereist und habe dort keinerlei Umfeld. Die Vorinstanz kommt damit zum Schluss, es liege kein Härtefall vor. Sie erwägt im Sinne einer Eventualbegründung dennoch, dass selbst bei Annahme eines solchen das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung klar überwiege. Die Vorinstanz stellt dabei das wohl nicht unerhebliche Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz seinem belasteten strafrechtlichen Vorleben mit einem trotz der angeordneten stationären Massnahme zur Behandlung seiner Drogensucht hohen bis sehr hohem Rückfallrisiko für Delikte im bisherigen Rahmen (Drogenhandel und Beschaffungskriminalität), seinen Schulden sowie seiner überjährigen Sozialhilfeabhängigkeit gegenüber.