Citation: 6A.81/2002 15.01.2003 E. 3

Der Beschwerdeführer macht geltend, es liege aufgrund des Notstandes und seines deshalb fehlenden Unrechtsbewusstseins ein besonders leichter Fall vor. Deshalb könne die Mindestentzugsdauer gemäss Art. 17 Abs. 1 lit. c SVG unterschritten werden. Da seit dem Vorfall verhältnismässig viel Zeit verstrichen sei, er sich seither klaglos verhalten habe und zudem auf den Führerausweis beruflich angewiesen sei, könne auf eine Administrativmassnahme ganz verzichtet werden (Beschwerde, S. 4 f.). 3.1 Gemäss den verbindlichen tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz hat der Beschwerdeführer entgegen seinen Vorbringen den Personenwagen gelenkt, um einen geschäftlichen Termin wahrzunehmen, und nicht um der Verkehrssicherheit willen (angefochtener Entscheid, S. 4 Ziff. bb). Er habe sich ans Steuer seines Autos gesetzt, obschon er gewusst habe, dazu wegen des laufenden Führerausweisentzugs nicht berechtigt gewesen zu sein. Damit habe er sich vorsätzlich über das Verbot, ein Motorfahrzeug zu führen, hinweggesetzt. Selbst wenn seiner Darstellung gefolgt würde, sei ihm vorzuhalten, deutlich weiter gefahren zu sein als die angeblich zuerst vorgesehenen besonders schwierig zu befahrenden dreissig Meter. Dass ein Fahrerwechsel nicht bereits auf dem Parkplatz des Restaurants möglich gewesen wäre, sei trotz des angeblich aufschliessenden Fahrzeugs schwer nachvollziehbar. Jedenfalls wiege sein Verschulden derart schwer, dass die Mindestentzugsdauer nicht unterschritten werden könne (angefochtener Entscheid, S. 5 f.). 3.2 Gemäss Art. 17 Abs. 1 lit. c SVG beträgt die Dauer des Entzugs von Führerausweisen mindestens sechs Monate, wenn der Führer trotz Ausweisentzuges ein Motorfahrzeug geführt hat. Die Bestimmung ist auf die typischen Fälle zugeschnitten, in denen sich der Betroffene vorsätzlich über einen laufenden Führerausweisentzug hinwegsetzt. Handelt er ausnahmsweise fahrlässig, ist zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit zu unterscheiden. Unter einem besonders leichten Fall ist die Begehungsform der einfachen Fahrlässigkeit zu verstehen. Bei einfacher Fahrlässigkeit ist von einer Mindestentzugsdauer von einem Monat auszugehen, weil die Anwendung des Art. 17 Abs. 1 lit. c SVG, dem von Gesetzes wegen eine gewisse Schwere zukommt, infolge des geringen Verschuldens nicht gerechtfertigt ist (vgl. nur BGE 124 II 103 E. 2a). Ausgehend von ihren Feststellungen durfte die Vorinstanz ohne Bundesrecht zu verletzen annehmen, der Beschwerdeführer habe den Tatbestand des Fahrens ohne Führerausweis mindestens eventualvorsätzlich erfüllt. Damit gilt die gesetzliche Mindestentzugsdauer von sechs Monaten ungeachtet der aus beruflichen Gründen erhöhten Sanktionsempfindlichkeit des Beschwerdeführers. An dieser Entzugsdauer vermögen die seit dem Vorfall verstrichenen rund zwei Jahre nichts zu ändern. Die Erziehung und Besserung eines Täters setzt voraus, dass die Massnahme in einem angemessenen zeitlichen Zusammenhang zur Regelverletzung steht. Ausserdem nimmt mit dem Zeitablauf die Erforderlichkeit einer erzieherischen Sanktion ab, wenn sich der Täter in dieser Zeit wohl verhalten hat (BGE 127 II 297 E. 3d). Das Bundesgericht hat eine Verkürzung der Entzugsdauer in Ausnahmefällen für möglich erklärt, wenn das Verfahren verhältnismässig lange gedauert hat, der Betroffene sich während dieser Zeit wohl verhalten hat und ihn an der langen Verfahrensdauer keine Schuld trifft (BGE 120 Ib 504 E. 4e S. 510). Welche Verfahrensdauer als überlang zu gelten hat, lässt sich nicht abstrakt und in absoluten Zahlen ausdrücken, sondern ist nach den Umständen des Einzelfalls zu beantworten. Die strafrechtlichen Verjährungsregeln sind sinngemäss beizuziehen (BGE 127 II 297 E. 3d). Das Bundesgericht hat im Falle einer groben Verletzung der Verkehrsregeln eine Dauer des kantonalen Verfahrens von fünf Jahren als überlang erachtet (BGE 120 Ib 504 E. 3), bei einer blossen Übertretung schon eine solche von viereinhalb Jahren (BGE 127 II 297 E. 3d). Im hier zu beurteilenden Fall hat das kantonale Verfahren bis zum vorinstanzlichen Urteil rund zwei Jahre beansprucht. Das ist nicht unverhältnismässig lang, zumal die Erstinstanz angesichts des streitigen Falls den Ausgang des Strafverfahrens abwarten durfte. Das kantonale Administrativverfahren dauerte nach dem Strafurteil weniger als ein Jahr. Eine Unterschreitung der Mindestentzugsdauer fällt bereits aus diesem Grund ausser Betracht.