Citation: 5P.147/2001 30.08.2001 E. 2

2.-Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt: In einem Verfahren, in dem wie hier die Offizialmaxime gelte, treffe das Gericht eine extensive Fragepflicht. Dieser Fragepflicht sei das Obergericht nicht nachgekommen. In Anbetracht der illiquiden Tatsachenbehauptungen und der offensichtlichen Unbeholfenheit der Beschwerdeführerin im Schriftenwechsel hätte sie persönlich befragt werden sollen. a) aa) Nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG muss die staatsrechtliche Beschwerde neben den wesentlichen Tatsachen eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze und inwiefern sie durch den angefochtenen Erlass oder Entscheid verletzt worden sind. Das Bundesgericht wendet im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde das Recht nicht von Amtes wegen an, sondern prüft nur Rügen, die genügend klar und detailliert erhoben werden (grundlegend: BGE 110 Ia 1 E. 2a; 122 I 70 E. 1c S. 73). bb) Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, inwiefern der bundesrechtliche Gehörsanspruch (Art. 29 Abs. 2 BV) geboten hätte, sie im kantonalen Rekursverfahren, einem schriftlichen Verfahren, mündlich anzuhören, beziehungsweise inwiefern sich aus diesem Anspruch eine richterliche Fragepflicht ableitet. Es gibt keinen allgemeinen verfassungsrechtlichen Anspruch auf mündliche Anhörung. Ein solcher besteht nur, wo sich massgebliche Umstände ausschliesslich durch mündliche Anhörung abklären lassen, die mündliche Anhörung sich also für den zu fällenden Entscheid als unerlässlich erweist (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 1999 i.S. E., Pra 1999 126 679 E. 3b/cc). Inwiefern dies hier der Fall sein soll, legt die Beschwerdeführerin nicht dar. cc) Was die richterliche Fragepflicht betrifft, auf welche sich die Beschwerdeführerin beruft, hat das Bundesgericht bis anhin offen gelassen, ob und unter welchen Voraussetzungen sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör eine solche ergibt. Auch wenn eine Fragepflicht von Verfassung wegen bestände, würde sie lediglich dort greifen, wo nach den Umständen die Unkenntnis einer Partei über die prozessualen Erfordernisse klar ersichtlich ist. Keinesfalls würde sie jedoch dazu dienen, prozessuale Nachlässigkeiten auszugleichen oder gar die Auswirkungen bewussten Verhaltens einer Partei rückgängig zu machen, wo sich dieses nachträglich als nachteilig auswirkt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 1999 i.S. S., E. 1c [4P. 229/1999]). Um einen solchen Ausgleich würde es sich vorliegend aber handeln, nachdem die Beschwerdeführerin der wiederholten Einladung der Vormundschaftsbehörde zur Anhörung keine Folge geleistet hat. dd) Die Beschwerdeführerin kritisiert die fragliche Unterlassung unter Hinweis auf einen veröffentlichten Entscheid des Obergerichtes, wonach der zum Referenten bestellte Sekretär auch im Rekursverfahren zu solcher Befragung befugt sei. Hier hätte sich die Frage stellen können, ob das Obergericht unter Verletzung des Willkürverbots von seiner eigenen Praxis abgewichen sei. Diese Rüge wird von der Beschwerdeführerin freilich nicht erhoben, geschweige denn substantiiert. ee) Auf die Rügen betreffend persönliche Anhörung und Verletzung der Fragepflicht ist demnach mangels Substantiierung nicht einzutreten. b) Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei nie mit den eigentlichen Entscheidungsgrundlagen konfrontiert worden; die Begründung, die Verhältnisse hätten sich nicht verändert, lasse offen, auf welche Tatsachenbehauptungen Bezug genommen werde. aa) Aus dem Anspruch der Parteien auf rechtliches Gehör ergibt sich die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen. Der Bürger soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat. Die Begründung eines Entscheides muss deshalb so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. In der Begründung sind also die Argumente aufzuführen, die tatsächlich dem Entscheid zugrunde liegen (BGE 126 I 97 E. 2b mit Hinweisen). bb) Die Beschwerdeführerin übersieht, dass das Obergericht die massgeblichen Umstände einzeln dargelegt hat: es hat festgestellt, dass die Tochter der Beschwerdeführerin schon seit Januar 1996 im Heim wohnt, sich dort gut entwickelt, sich aber in einer heiklen Phase befindet, dass die Beschwerdeführerin sich weder gegenüber dem Beistand noch gegenüber dem Heimpersonal kooperativ zeigt, im Heim immer wieder Überraschungsbesuche macht und droht, die Tochter vom Kinderheim nach Hause zu holen, dass ihr Ehemann ein Alkoholproblem hat, und dass sie ebenfalls gesundheitlich angeschlagen und wiederholt in alkoholisiertem Zustand angetroffen worden ist. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt demnach nicht vor.