Citation: 2A.8/2005 30.06.2005 E. 3.4

Wenn die Vorinstanzen angenommen haben, dass der vorliegende Fall hiermit nicht zu vergleichen sei und vor einer Ausreise des Beschwerdeführers deshalb kein fremdenpolizeiliches Verfahren eingeleitet werden könne, ist dies nicht bundesrechtswidrig: 3.4.1 Die Beschwerdeführerin befindet sich erst seit etwas mehr als acht Jahren in der Schweiz, wobei deren vier auf das Asyl- bzw. das entsprechende Beschwerdeverfahren mit der damit verbundenen aufschiebenden Wirkung (hierzu: Urteil 2A.471/2001 vom 29. Januar 2002, E. 2b/cc) entfielen. Erst ab dem 26. September 2000 verfügte sie über die vorläufige Aufnahme und ab dem 24. Oktober 2003 über eine humanitäre Aufenthaltsbewilligung. Die vorläufige Aufnahme war angeordnet worden, da es ihr - als alleinerziehender Mutter - und ihren Kindern nicht zumutbar erschien, in die Heimat zurückzukehren. Durch die Heirat eines Landsmanns am 12. Dezember 2003 hat sich ihre Lage diesbezüglich verändert. Ihre beiden inzwischen 16 ½- und 17 ½-jährigen Söhne leben zudem seit dem 13. August 2002 nicht mehr bei ihr, sondern bei ihrem Vater und haben inzwischen eine Lehre als Bäcker bzw. Recyclist begonnen. 3.4.2 Der Sachverhalt unterscheidet sich von dem in BGE 130 II 281 ff. beurteilten dadurch, dass beide Ehegatten einen gemeinsamen Heimatstaat haben, in den sie - wie ihre Papierbeschaffung für die Heirat belegt - grundsätzlich zurückkehren können. Die eheliche Beziehung dauert erst kurze Zeit (rund 1 ½ Jahre), zudem sind ihr bisher keine gemeinsamen Kinder entsprungen; dies im Gegensatz zum Vergleichsfall, wo die Ehegatten seit vielen Jahren miteinander verbunden waren, die gemeinsamen Kinder in der Schweiz geboren wurden und auch das Familienleben (im Rahmen von Touristenaufenthalten) bereits weitgehend hierzulande gepflegt worden war. Der Ehegatte der Beschwerdeführerin befand sich bis zu seiner Ausreise in die Schweiz in seinem Heimatland, wogegen der durch BGE 130 II 281 ff. betroffene Ausländer in einem Drittstaat geboren war, dort einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte und sein Heimatland lediglich von vereinzelten kürzeren Aufenthalten her kannte, ohne aber je dort gelebt zu haben. 3.4.3 Die Beschwerdeführer verfügen damit zurzeit nicht über eine hinreichend klar gefestigte Anwesenheit, die den kombinierten Schutzbereich des Privat- und Familienlebens von Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. von Art. 13 Abs. 1 BV im Sinne der zitierten Rechtsprechung berühren und die Schweiz bereits jetzt verpflichten würde, als Ausnahme vom Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens ein entsprechendes fremdenpolizeiliches Verfahren einzuleiten. Ob der Beschwerdeführerin im Hinblick auf die kulturellen Verhältnisse eine Rückkehr in den Iran unzumutbar ist, wird nach Ausreise ihres Gatten geprüft werden können. Es bestehen hierfür insofern allenfalls gewisse Anhaltspunkte, als das iranische Zivilgesetzbuch (in Verletzung des schweizerischen Ordre public: vgl. BGE 129 III 250 ff.) eine Gefahr für das Kindeswohl bereits dann annimmt, wenn die geschiedene Mutter eine neue Ehe eingeht (§ 1175; vgl. Bergmann/Ferid/Henrich, Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht, Iran, S. 86), weshalb die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in ihre Heimat das Sorgerecht über ihre Tochter zugunsten von deren väterlichen Verwandten verlieren könnte; im Übrigen ist die inzwischen 10-jährige D.________ seit ihrem zweiten Lebensjahr in der Schweiz wohnhaft; ihre beiden Brüder, zu denen regelmässige Kontakte seitens der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter bestehen, haben hier ihrerseits die obligatorische Schulpflicht absolviert, sind christlichen Glaubens und sprechen offenbar nur noch beschränkt Persisch. Die Problematik braucht an dieser Stelle jedoch nicht weiter vertieft zu werden: Es wird unter Berücksichtigung des Zeitablaufs, des Verlaufs der Ausbildung der Beschwerdeführerin, der schulischen und sozialen Eingliederung der Tochter, der Intensität der ehelichen Beziehung, der Verhältnisse im Iran usw. - in Respektierung des Grundsatzes des Vorrangs des Asylverfahrens (Art. 14 Abs. 1 AsylG) - erst nach der Ausreise des Ehemanns definitiv darüber zu befinden sein, ob allenfalls von einem faktisch gesicherten Anwesenheitsrecht im Sinne der zitierten Rechtsprechung auszugehen und dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 8 EMRK deshalb eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Frau zu erteilen ist, wobei die gemäss Art. 17 Abs. 2 ANAG geltenden Massstäbe - etwa hinsichtlich der Gefahr einer künftigen Fürsorgeabhängigkeit (vgl. hierzu BGE 125 II 633 E. 3c S. 641 f.) - analog gelten und den Bestimmungen von Art. 38 f. BVO vorgehen müssten (vgl. BGE 130 II 281 E. 4.1 S. 290). Der vorliegende Entscheid im Rahmen von Art. 14 AsylG ist insofern vorläufiger Natur.