Citation: U 461/06 12.01.2007 E. 3

3.1 Mit Blick auf die Aktenlage und die Parteivorbringen besteht kein Anlass, den vorinstanzlich in einlässlicher Würdigung der medizinischen Unterlagen bejahten (teilweisen) natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 11. Januar 2004 und dem über den 31. Dezember 2004 hinaus fortdauernden, die Leistungsfähigkeit einschränkenden somatoformen Beschwerdebild der Versicherten letztinstanzlich erneut der richterlichen Überprüfung zu unterziehen (BGE 110 V 53 Erw. 4b). Zu beurteilen bleibt die - einzig - umstrittene Adäquanz des Kausalzusammenhangs. 3.2 Aus den Akten geht hervor, dass unmittelbar nach dem Unfall (Arztzeugnis UVG vom 23. Januar 2004) die depressiv klagende Versicherte Schmerzen im HWS- und LWS-Bereich beschrieb, wobei sie aufgetretene chronische Rückenschmerzen bekannte. Es wurden weder eine Wirbelsäulen-Klopfdolenz noch neurologische Defizite festgestellt; auch die Röntgenbilder ergaben keine Hinweise auf eine strukturelle Läsion. Die diagnostizierte leichte HWS-Distorsion führte weder zu einer dauernden Behandlungsbedürftigkeit noch zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Die in der Folge durchgeführte kreisärztliche Untersuchung des Dr. med. O.________ vom 3. März 2004 zeichnete das Bild einer überforderten Patientin, welche nach dem Unfall einen totalen Zusammenbruch erlitt, wobei die zentrale Problematik mit hoher Wahrscheinlichkeit psychosomatisch war. Diese Diagnose wurde auch im Kurzbericht des Spitals I.________ vom 25. Juni 2004 bestätigt: generalisiertes Schmerzsyndrom, Menorrhagie unklarer Ätiologie, mittelgradige depressive Episode. Im Bericht vom 3. September 2004 hielten die Ärzte des Spitals I.________ fest, dass die Patientin unter einem generalisierten Schmerzsyndrom, ausgelöst nach HWS-Distorsionstrauma (R52.1), und einer mittelgradigen depressiven Episode (F 32.1) leide. Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass die zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma der HWS auftretenden Beeinträchtigungen anfänglich zwar teilweise vorhanden waren, schon kurz nach dem Unfall und im Verlauf der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft jedoch nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Die Adäquanzbeurteilung hat daher nicht nach den für Schleudertrauma und schleudertraumaähnliche Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff: RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3: SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen (BGE 123 V 99 Erw. 2A; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437). Daran vermögen auch die Ausführungen des Prof. Dr. med. S.________ nichts zu ändern. Im Gegenteil wird anhand der anamnestischen Angaben im Bericht vom 19. September 2005 deutlich, dass bereits vor dem Auffahrunfall psychosomatisch orientierte Beschwerden vorhanden waren und auftretende Thoraxschmerzen jeweils mit Atmungsbehinderungen einhergingen und bereits damals panikartige Ängste auslösten. Auch der darin enthaltene Hinweis auf die Ausführungen des Dr. med. H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. November 2004, erlauben keine andere Schlussfolgerung, da Dr. med. H.________ explizit als Diagnose ein generalisiertes Schmerzsyndrom mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und einer depressiven Störung stellte.