Citation: 4A_298/2019 E. 7.2

7.2. Eine vertragswidrige Verzögerung der Werkausführung im Sinn von Art. 366 Abs. 1 OR liegt etwa vor, wenn der Unternehmer ein im Vertrag festgelegtes Zeitprogramm nicht einhält oder vereinbarte Zwischentermine verpasst. Ist keine Lieferzeit vereinbart, so steht dem Unternehmer nach hypothetischem Parteiwillen die Zeit zur Verfügung, die ein kompetenter Unternehmer benötigt, der rechtzeitig beginnt und normal arbeitet (Urteile 4A_233/2016 vom 12. September 2016 E. 6.2; 4C.347/2003 vom 1. April 2004 E. 4.1.1; 4C.457/1999 vom 14. Juni 2000 E. 3a; je mit Hinweisen). Denn in diesem Fall kommt der Tatbestand, dass die "rechtzeitige Vollendung nicht mehr vorauszusehen" ist, nicht zur Anwendung. Vielmehr ist zu prüfen, ob eine der andern beiden Tatbestandsvarianten - nicht rechtzeitiger Beginn bzw. vertragswidrige Verzögerung - vorliegt (ALFRED KOLLER, in: Berner Kommentar, 1998, N. 182 zu Art. 366 OR). Die Beschwerdeführerin macht mit (zutreffenden) Verweisen auf Replik und Klage geltend, sie habe dargelegt, dass die Herstellung der SMC-Maschine verzögert gewesen sei, indem die Beschwerdegegnerin diese fünf Monate nach dem ersten vertraglichen Vollendungstermin (gemeint offenbar die "wet pre-acceptance trials " vom April 2015) immer noch nicht hergestellt habe und auch keine gültige Anzeige vorgelegen habe, dass die Maschine für die "wet pre-acceptance trials " bereit sei. Selbst wenn man - wie die Beschwerdegegnerin - von keinem verbindlichen Vollendungstermin ausgehe, sei im Zeitpunkt des Rücktritts im September 2015 nicht mehr vorauszusehen gewesen, dass die Beschwerdeführerin (recte: Beschwerdegegnerin) die SMC-Maschine überhaupt je vollenden werde. Da vorliegend weder der Tatbestand, dass die rechtzeitige Vollendung nicht mehr vorauszusehen ist, noch ein nicht rechtzeitiger Beginn zur Diskussion steht, hätte die Beschwerdeführerin aber darlegen müssen, inwiefern die Beschwerdegegnerin die Erstellung vertragswidrig verzögerte, also namentlich, inwieweit sie nicht im üblichen Arbeitstempo vorwärts machte. Scheiterten die Tests, weil die Beschwerdeführerin selber über Monate ein untaugliches Rezept zur Verfügung stellte, wie die Beschwerdegegnerin behauptet und was von der Vorinstanz offengelassen wurde, würde jedenfalls keine vertragswidrige Verzögerung seitens der Beschwerdegegnerin vorliegen. Insofern hat die Beschwerdeführerin mit ihren Ausführungen in der Tat die Voraussetzungen von Art. 366 Abs. 1 OR nicht genügend substanziiert.