Citation: 8C_753/2007 26.11.2008 E. 4.2.2

4.2.2.1 Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles vom 9. Juni 2000 liegen unstreitig nicht vor. 4.2.2.2 Gemäss BGE 134 V 109 bestimmt die Annahme eines Schleudertraumas der HWS (resp. einer der weiteren, adäquanzrechtlich gleich behandelten Verletzungen) lediglich, dass die Schleudertrauma-Praxis anzuwenden ist. Hingegen genügt die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06 E. 5.3; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04 E. 5.2.3 mit Hinweisen). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06 E. 5.3; RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357, U 193/01 E. 4.3 mit Hinweisen). Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 f.). Solche Umstände sind hier indessen nicht nachgewiesen. Wie die MEDAS im Gutachten vom 11. November 2002 aufgrund der unwidersprochen gebliebenen Angaben der Explorandin festhielt, wurde die Versicherte durch das vom Fahrzeugführer eingeleitete Bremsmanöver auf die danach erfolgte Kollision mit dem von hinten herannahenden Personenwagen aufmerksam gemacht, weshalb nicht wahrscheinlich ist, dass sie eine besondere Körperhaltung (wie sie zum Beispiel im Schlaf typisch ist) eingenommen hatte. Dafür zeugt auch der Umstand, dass die geltend gemachten Beschwerden keinem medizinisch klar fassbaren Korrelat zugeordnet werden konnten. Eine besonders schwerwiegende Verletzung der HWS ist aber auch in Berücksichtigung des Unfalles vom 28. August 1999 zu verneinen. Die Versicherte war wenige Wochen danach im ausgeübten Beruf wieder dauernd vollständig arbeitstätig. In den Akten finden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass sie dauernder ärztlicher Unterstützung bedurfte. Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen ist daher zu verneinen. 4.2.2.3 Hinsichtlich des Kriteriums der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung ergibt sich aus den Akten sowie der im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Zusammenfassung der Versicherten zu den durchgeführten Therapien, dass sie nach dem Unfall regelmässig physiotherapeutische Behandlung beanspruchte. Vom 10. Juli bis 7. August 2001 hielt sie sich zur Rehabilitation in der Rheuma- und Rehabilitatiosklinik A.________ auf. Die psychotherapeutische Behandlung konnte im Mai 2002 erfolgreich abgeschlossen werden (vgl. Bericht der Frau Dr. phil. U.________ vom 24. Mai 2002). Die von der MEDAS im Gutachten vom 11. November 2002 empfohlene Weiterführung der begonnenen Physiotherapie wurde bis zum Fallabschluss am 31. Dezember 2006 fortgesetzt, nicht aber eine adäquate medikamtentöse Behandlung der Schmerzen. Daneben beanspruchte die Versicherte alternativ- oder komplementärmedizinische Massnahmen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich zwar umstritten ist (vgl. SVR 2007 Nr. UV 25 S. 81, U 479/05 E. 8.3.3 mit Hinweisen), welche hier aber zu berücksichtigen sind, da die Allianz diese jedenfalls teilweise übernommen und deren Nutzen daher insoweit anerkannt hat (vgl. Besprechungsprotokoll vom 1. Juni 2001). Insgesamt betrachtet kann eine fortgesetzt spezifische, nicht aber eine belastende ärztliche Behandlung angenommen werden. 4.2.2.4 Die geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen konnten keinem medizinisch klar fassbaren Korrelat zugeordnet werden, weshalb das Kriterium der erheblichen Beschwerden nicht gegeben ist. 4.2.2.5 Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, liegt unstreitig nicht vor. 4.2.2.6 Weiter ist der letztinstanzlichen Beschwerde nicht zu entnehmen, inwiefern ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen gegeben sind. Das Vorbringen, dass die "bisher eingeleiteten Therapien nicht zur gewünschten, nachhaltigen Verbesserung des Gesundheitszustandes ... geführt haben", gründet weitgehend im Umstand, dass medizinisch betrachtet keine Pathologika nachweisbar sind (vgl. Gutachten der MEDAS vom 26. September 2006). 4.2.2.7 Schliesslich ist den Akten entgegen den Aussagen in der letztinstanzlichen Beschwerde nicht eine seit dem Unfall vom 9. Juni 2000 bestehende, zwischen 45 und 68 % liegende und ab Januar 2004 praktisch vollständige Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen. Vielmehr war der Versicherten jedenfalls im Zeitpunkt der Begutachtung durch die MEDAS (vgl. Expertise vom 11. November 2002) zunächst eine hälftige (vermindert durch die notwendig gewordenen Physiotherapien sowie eine nicht näher spezifizierbare Psychasthenie) und prognostisch betrachtet eher steigerbare Arbeitstätigkeit zumutbar. Nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der Gemeinde Y.________ per 31. Dezember 2002, welche ihr eine stundenweise Weiterbeschäftigung anbot (vgl. Schreiben vom 27. September 2002), bemühte sie sich ausweislich der Akten um keine anderen Anstellungsmöglichkeiten. Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen ist daher nicht erfüllt. 4.2.3 Liegt nach dem Gesagten keines der massgeblichen unfallbezogenen Adäquanzkriterien gemäss der mit BGE 134 V 109 präzisierten Rechtsprechung vor, ist der vorinstanzliche Entscheid im Ergebnis nicht zu beanstanden.