Citation: I 621/01 17.11.2003 E. 2

Streitig sind zunächst die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdegegners und deren Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. 2.1 Im Gutachten der Rheumaklinik des Spitals Y.________ vom 6. Juli 2000 wird ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom mit möglicher intermittierender Reizung der Wurzel L5 links bei Status nach Hemilaminektomie L4/5 1980, mit Rezidivhernie L4/5 links mediolateral und intraforaminal, rechts mediolateraler, nach kaudal sequestrierter Diskushernie L5/S1, segmentaler Funktionsstörung mit deutlicher muskulärer Insuffizienz sowie Osteochondrosen L4/5 und L5/S1 diagnostiziert. Nach Meinung der Gutachter besteht im bisherigen Beruf als Hilfsarbeiter im Bilderlager der C.________ AG keine verwertbare Arbeitsfähigkeit, weil die Tätigkeit mit häufigem Bücken und Rumpfdrehen verbunden ist und kein häufiger Positionswechsel möglich ist. Dagegen sind dem Versicherten leichte, wechselbelastende Tätigkeiten zu 50 % zumutbar, wobei repetitives Heben und Tragen von Gewichten von mehr als 10 kg, monoton-statische Belastungen, starke Rumpftorsionen und längeres Gehen oder Sitzen vermieden werden sollten. In Betracht fallen angepasste leichtere Tätigkeiten beispielsweise in der industriellen Fertigung oder im Verkauf. Mit Verwaltung und Vorinstanz besteht kein Grund, von dieser Beurteilung abzugehen, woran die Berichte des behandelnden Arztes Dr. med. R.________ vom 4. November 2000 und 12. März 2001 und des Rheumatologen Dr. med. D.________, vom 20. Dezember 2000 und 14. März 2001 nichts zu ändern vermögen. Zum einen werden die von den Gutachtern erhobenen Befunde ausdrücklich bestätigt und wesentliche nachträgliche Änderungen verneint. Zum andern wird die medizinisch-theoretische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als solche nicht bestritten, sondern von Dr. med. D.________ bestätigt und nur insofern in Frage gestellt, als eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit unter den gegebenen Umständen als nicht mehr möglich oder zumutbar betrachtet wird. Dabei werden auch invaliditätsfremde Gründe (wie das Alter) berücksichtigt, für welche die Invalidenversicherung nicht einzustehen hat (BGE 107 V 21 Erw. 2c; SVR 2003 IV Nr. 1 S. 1). Im Übrigen ist es nicht Sache des Arztes, sich zur Verwertbarkeit der verbleibenden Arbeitsfähigkeit auf dem in Betracht fallenden Arbeitsmarkt zu äussern. Aufgabe des Arztes ist es vielmehr, den Gesundheitszustand zu beurteilen (Befunderhebung, Diagnosestellung) und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der Versicherte arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen dem Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 Erw. 4 mit Hinweisen). Wie es sich damit verhält, ist von der Verwaltung oder vom Gericht unter Berücksichtigung der massgebenden rechtlichen Kriterien (ausgeglichener allgemeiner Arbeitsmarkt, Schadenminderungspflicht des Versicherten, Nichtberücksichtigung invaliditätsfremder Faktoren) zu beurteilen. 2.2 Im vorliegenden Fall besteht zwar eine erhebliche Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit, indem der Versicherte nurmehr eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit zu 50 % auszuüben vermag. Erfahrungsgemäss stehen Hilfsarbeitern und gelernten Arbeitern, die vor der Behinderung manuell tätig waren, nach Eintritt der Invalidität jedoch zahlreiche Stellen im Produktions- und Dienstleistungssektor offen, wo sie (bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage) die verbleibende Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu verwerten vermögen. Nach Auffassung der Gutachter der Rheumaklinik des Spitals Y.________ fallen körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten beispielsweise in der industriellen Fertigung oder im Verkauf in Betracht. Dass solche Arbeitsmöglichkeiten existieren, belegen die von der Verwaltung angegebenen Verweisungstätigkeiten, welche im Lichte der ärztlichen Angaben zumindest teilweise als zumutbar zu betrachten sind. Entgegen den Ausführungen in der Vernehmlassung des Beschwerdegegners steht die ärztliche Zumutbarkeitsbeurteilung einer vorwiegend sitzend zu verrichtenden Tätigkeit nicht entgegen, sofern sie mit gelegentlichem oder gar häufigem Stehen und Gehen verbunden ist. Auch repetitive Tätigkeiten sind nicht ausgeschlossen, soweit sie nicht mit Belastungen verbunden sind. Bei den von der Verwaltung herangezogenen Arbeitsplätzen handelt es sich zumindest teilweise um Tätigkeiten, die mit keinen oder lediglich geringen körperlichen Belastungen verbunden sind und bei denen die Arbeitsposition (sitzend/stehend) frei gewählt werden kann. Es muss daher bei der Feststellung bleiben, dass der Beschwerdegegner die verbleibende Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt zu verwerten vermag. Einer beruflichen Abklärung, wie sie vom Beschwerdegegner beantragt wird, bedarf es nicht.