Citation: 1B_315/2020 E. 4.3.2

4.3.2. Zu dieser Frage hat sich die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid nicht geäussert. Ihre Begründung legt allerdings nahe, sie habe sie bejaht. Dem kann nicht gefolgt werden. Aus den bei den Akten liegenden Rechtsschriften des Beschuldigtenvertreters geht hervor, dass im fraglichen Briefkopf oben in der Mitte prominent der Name der Kanzlei steht, in Grossbuchstaben und Fettdruck. Unter dem Namen befinden sich in kleinerer Schrift in drei Zeilen Angaben zur Kanzlei. Darunter, in der linken Spalte, folgt in der gleichen Schriftgrösse wie diese Angaben, in Grossbuchstaben und mit enger Zeilenschaltung eine Auflistung der Namen der Partner, der angestellten Anwälte, der Substituten und der Konsulenten, aufgeteilt in vier Blöcke. Wiederum darunter sind die Internetseite der Kanzlei und deren E-Mail-Adresse aufgeführt. Die Auflistung der Namen tritt gegenüber dem prominent hervorgehobenen Namen der Kanzlei in den Hintergrund. Die Wahrnehmung der einzelnen Namen bedarf wegen der Länge der Auflistung (etwa 15 Namen) und deren Gestaltung einer bewussten Lektüre. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass ohne besonderen Anlass die Auflistung der Namen nicht oder nur flüchtig zur Kenntnis genommen wird und zufällig wahrgenommene Namen anderer Personen als des unterzeichnenden Anwalts neben dem Namen der Kanzlei kaum länger in Erinnerung bleiben dürften. Dass vorliegend ein derartiger Anlass bestand, bringt die Vorinstanz nicht vor und ist nicht ersichtlich. Insbesondere brauchte die Beschwerdeführerin, wie sie zutreffend vorbringt, nicht damit zu rechnen, dass ein ehemaliger Bürokollege des Beschuldigtenvertreters mit der Führung des Strafverfahrens betraut werden würde. Dass sie dennoch die Auflistung der Namen aufmerksam studieren und bereits vor dem 6. März 2020 den Namen des Beschwerdegegners hätte bemerken sowie hätte abklären müssen, ob es sich bei der unter diesem Namen aufgeführten Person tatsächlich um den Beschwerdegegner handelt, ist zu verneinen. Damit würden, auch mit Blick auf die Verwirkungsfolge bei verspäteter Geltendmachung des Ausstandsgesuchs, die Anforderungen an die gebotene Aufmerksamkeit überspannt (vgl. BOOG, a.a.O., N. 7 zu Art. 58).