Citation: 6S.181/2002 30.01.2003 E. 3

Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe Art. 229 StGB verletzt. Sie habe bei der Prüfung der vom Beschwerdegegner einzuhaltenden Sicherheitsvorschriften zu Unrecht Art. 17 der Verordnung vom 29. März 2000 über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer (BauAV; SR 832.311.141) angewendet. Art. 16 Abs. 2 BauAV, wonach Bodenöffnungen, in die man hineintreten kann, mit einem Seitenschutz abzuschranken oder mit einer Abdeckung zu versehen seien, sowie Art. 33 BauAV, der Arbeiten auf nicht durchbruchsicheren Dachflächen nur von Laufstegen aus gestattet, hätten zur Anwendung gelangen sollen. Der Grundsatz, dass Flächen, bei denen Durchbruchgefahr bestehe, abzusichern oder abzudecken seien, gelte sowohl unter dem alten als auch unter dem neuen Recht. Als bauleitender Architekt sei der Beschwerdegegner grundsätzlich für die Einhaltung dieser Sicherheitsvorschriften verantwortlich gewesen, ungeachtet dessen, ob er den gefährlichen Zustand am Vorunfall- oder am Unfalltag bemerkt habe. Wären die Sicherheitsvorschriften eingehalten worden, hätte sich der Unfall nicht ereignet. Der Kausalzusammenhang müsse daher bejaht werden. Damit sei der Beschwerdegegner auch für die Körperverletzung haftbar. 3.1 Die Vorinstanz hält zunächst dafür, der Massstab der anzuwendenden Sorgfalt bei Begehung einer fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassung sei derselbe wie der in Art. 229 StGB vorgeschriebene. Aus Art. 104 der SIA-Norm 118 ergebe sich, dass der bauleitende Architekt die einzelnen Unternehmer beim Einhalten der Sicherheitsnormen unterstütze und nur direkt einschreiten müsse, wenn er offensichtliche Sicherheitsmängel bemerke. Der Beschwerdegegner habe am Unfalltag darauf hingewiesen, dass wegen der Gleichfarbigkeit der Isoliermatten und der Balken der trügerische und gefährliche Eindruck entstehe, der Boden sei begehbar. Der Beschwerdegegner habe damit seiner unterstützenden Funktion im Bereich der Unfallverhütung genügt. Es sei nicht erstellt, dass er diese Situation schon am Vortag bemerkt habe. Wäre dies der Fall gewesen, hätte ihm vorgeworfen werden können, keine Massnahme ergriffen zu haben, als trotz seines Hinweises mit den Schiftarbeiten begonnen worden sei. Zwischen dem vom Beschwerdeführer bemängelten trügerischen Schein, der Boden sei begehbar, und dem Unfall bestehe kein Kausalzusammenhang. Der Beschwerdeführer wäre auch ohne die Isoliermatten auf dem Balken ausgerutscht. Das Abdecken der Balkenzwischenräume mit einem tragfähigen Blindboden, Schalungstafeln oder die Vornahme der Schiftarbeiten von einem im 1. Obergeschoss aufgestellten Bock- oder Rollgerüst, hätten keine tauglichen Alternativen dargestellt. Es sei unumgänglich, von der offenen Balkenlage aus zu schiften. Art. 17 BauAV in der Fassung vom 29. März 2000 erlaube, Hochbauarbeiten bei einer Absturzhöhe von bis zu drei Metern ohne Gerüst auszuführen. Zimmerleute arbeiteten typischerweise an und auf offenen Holzkonstruktionen und könnten dies kaum noch tun, wenn sie fortlaufend alle Öffnungen verschliessen oder mit Geländern einfrieden müssten. Daher komme weder Art. 7 der Verordnung vom 17. November 1967 über die Verhütung von Unfällen bei Arbeiten an und auf Dächern [ehemals SR 832.311.15] noch Art. 4 der zur Tatzeit geltenden Verordnung vom 8. August 1967 über die Verhütung von Unfällen bei Bauarbeiten zur Anwendung. Da die Bauarbeiten den Sicherheitsregeln entsprochen hätten, erübrige sich die Prüfung der Frage, ob der Beschwerdegegner nicht nur auf die Gefährlichkeit der vorzeitig montierten Isoliermatten, sondern auch auf die allgemeine Absturzgefahr hätte hinweisen müssen. Schliesslich habe der Beschwerdegegner keine federführende Rolle im Bauablauf übernommen, die eine Verantwortung im Bereich der Sicherheit rechtfertigen würde, die weiter als die in der SIA-Norm 118 beschriebene gehen würde.