Citation: I 708/99 06.04.2001 E. 2

2.- a) Im vorliegenden Fall wurden durch die IV-Stelle ab April 1994 wiederholt konkrete, Erfolg versprechende und offenbar zumutbare Eingliederungsmassnahmen zugesprochen, denen sich der Versicherte teilweise auch unterzogen hatte. Nachdem der Berufsberater der IV-Stelle ab 2. Oktober 1996 den Abbruch der Umschulung beantragte und daran auch in seinem Schlussbericht vom 29. Mai 1997 festhielt, wurde beim Leitenden Arzt des Spitals Y.________, Dr. med. R.________, ein Arztbericht vom 27. Juni 1997 eingeholt. Danach wurde der Versicherte in seinem bisherigen Beruf als Schaler als nicht mehr arbeitsfähig, in leichter rückenadaptierter Tätigkeit hingegen als voll arbeitsfähig betrachtet, wobei bei mittelschwerer Tätigkeit eine Einschränkung zwischen 25 und 40 % gegeben war. Dr. med. R.________ attestierte ferner, dem Versicherten sei die Umschulung zum Metallarbeiter bei rückenschonender Tätigkeit in jedem Fall zumutbar. Auf Grund dieser Angaben nahm die Verwaltung an, dass der Versicherte, hätte er die als zumutbar zu betrachtende Umschulung zum Metallarbeiter erfolgreich zu Ende geführt, ein Invalideneinkommen von Fr. 51'820. - pro Jahr verdienen könnte. Aus dem Vergleich mit einem Valideneinkommen von Fr. 58'440. - errechnete sie einen Invaliditätsgrad von 11 %. Weil damit weder die Anspruchsvoraussetzungen für weitere berufliche Massnahmen noch für Rentenleistungen erfüllt waren, lehnte die IV- Stelle weitere Leistungen ab. b) Die Vorinstanz hat gestützt auf die in Erwägung Ziff. 1 erwähnte Rechtsprechung erwogen, obschon es dem Grundsatz nach nicht zu beanstanden sei, dass bei einem schuldhaften Abbruch beruflicher Massnahmen als Sanktion der nach einer hypothetisch erfolgreichen Umschulung erzielbare Lohn als Invalideneinkommen eingesetzt werde, könne ein solches Vorgehen indessen in jedem Fall erst dann Platz greifen, wenn die versicherte Person sich nach Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens einer zumutbaren Eingliederung widersetze. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde bringt die Beschwerdeführerin vor, die in der Verfügung ausgewiesenen Validen- und Invalideneinkommen seien richtigerweise so zu berücksichtigen, dass der Invaliditätsgrad lediglich 10 % ausmache. Weil der Anspruch auf Umschulung einen Invaliditätsgrad von etwa 20 % voraussetze, sei die IV-Stelle nicht verpflichtet gewesen, den Beschwerdegegner umzuschulen. Wenn die Vorinstanz darauf hinweise, dass der Umschulungsanspruch auch bei einem geringeren Invaliditätsgrad bestehen könne, übersehe sie, dass diese Ausnahmeregelung auf den Beschwerdegegner nicht anwendbar sei, weil von der 20 %-Regel nur dann abgewichen werden könne, wenn die Einkommensmöglichkeiten der beiden zu beurteilenden Ausbildungen mittelfristig erheblich voneinander abweichen würden (BGE 124 V 111 Erw. 3b). Dem Versicherten fehle es am Willen, seine verbleibende Arbeitsfähigkeit zu verwerten. Somit sei die subjektive Eingliederungsfähigkeit nicht gegeben und es mangle an einer wichtigen Voraussetzung für den Anspruch auf Umschulung. Wenn ein Versicherter keinen Umschulungsanspruch habe, müsse selbstredend auch kein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt werden. c) Der Auffassung der Beschwerdeführerin kann nicht beigepflichtet werden. Festzustellen ist vorab, dass gemäss Art. 31 Abs. 1 IVG nicht nur die Verweigerung, sondern auch der Entzug der Leistungen erst verfügt werden kann, wenn die Verwaltung den Versicherten vorgängig durch eine schriftliche Mahnung und unter Einräumung einer angemessenen Bedenkzeit auf die Folgen seiner Widersetzlichkeit aufmerksam gemacht hat. Daraus ist abzuleiten, dass diese Bestimmung auch Tatbestände zum Gegenstand haben kann, bei welchen, wie im vorliegenden Fall, Eingliederungsmassnahmen während einer bestimmten Zeit tatsächlich durchgeführt wurden und bei welchen sich die Frage der Eingliederungsfähigkeit und somit des Umschulungsanspruchs erst ab einem bestimmten Zeitpunkt erneut stellt. Dass in solchen Fällen das Ziel, welches nach obgenannter Rechtsprechung angestrebt wird, anders zu bewerten wäre als bei Eingliederungsmassnahmen, bei denen es um die ursprüngliche Verweigerung von Leistungen geht, ist nicht ersichtlich. Unter diesen Umständen kann das Argument, es sei nachträglich festgestellt worden, die Voraussetzung eines für den Anspruch auf Umschulung erforderlichen Invaliditätsgrades von etwa 20 % sei nicht erfüllt, nicht entscheidend sein. Es erübrigt sich daher auch weiter abzuklären, welcher Invaliditätsgrad der Versicherte im Zeitpunkt der ursprünglich zugesprochenen Massnahmen (April 1994) aufwies. d) Nach dem Gesagten hält der angefochtene Gerichtsentscheid sowohl in der Begründung als auch im Ergebnis stand.