Citation: 7B_267/2022 E. 7.4

7.4. Entgegen der Vorinstanz befindet sich die schulpflichtige Tochter der Beschwerdeführerin nicht mehr im anpassungsfähigen Alter im engen Sinn. Inwieweit sie mit ihrem Heimatland Kosovo vertraut ist, sei es durch Ferienaufenthalte oder sonstige Kulturvermittlung seitens der Familie, lässt sich dem angefochtenen Urteil nicht entnehmen. Aus dem Umstand allein, dass sie mit einzelnen Personen Albanisch spricht, kann jedenfalls nicht geschlossen werden, dass dem bereits in der Schweiz eingeschulten Mädchen ein Umzug in den Kosovo ohne Weiteres zumutbar wäre. Ob die Vorinstanz vor diesem Hintergrund von einem schweren persönlichen Härtefall hätte ausgehen müssen, kann jedoch offen gelassen werden. Denn bei den in Art. 66a Abs. 2 StGB genannten Kriterien handelt es sich um kumulative Voraussetzungen für den Verzicht auf eine Landesverweisung. Folglich führt bereits die Verneinung eines der beiden Kriterien (Härtefall oder Interessenabwägung zugunsten der von der Landesverweisung Betroffenen) dazu, dass eine Landesverweisung auszusprechen ist (Urteil 7B_181/2022 vom 27. September 2023 E. 5.4.1). Was die zweite dieser Voraussetzungen - die Interessenabwägung - betrifft, gibt die vorinstanzliche Einschätzung zu keiner Kritik Anlass. Angesichts der inexistenten beruflichen Integration der Beschwerdeführerin - selbst wenn dies nicht von ihr allein zu verantworten sein sollte -, ihrer teils einschlägigen Vorstrafe und vor allem der Schwere der aktuellen Anlasstaten, bei denen die physische, sexuelle und psychische Integrität der Privatklägerin massiv beeinträchtigt wurde, überwiegt das öffentliche Sicherheitsinteresse an einer Wegweisung ihr persönliches Interesse an einem Bleiberecht. Insbesondere zeigt die wiederholte, sich in ihrer Intensität deutlich gesteigerte Straffälligkeit, dass entgegen der Beteuerungen der Beschwerdeführerin gewichtige Zweifel hinsichtlich einer positiven Legalprognose bestehen. Ausserdem war sie laut angefochtenem Urteil bei den mittäterschaftlich begangenen Taten nicht nur Mitläuferin, sondern letztlich eine treibende Kraft, die dem Missbrauch der Privatklägerin mit ihren Ideen noch neue Dimensionen verlieh, was eine beträchtliche kriminelle Energie offenbart. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde erweist sich die Landesverweisung der Beschwerdeführerin für die Wahrung der inneren Sicherheit somit als notwendig im Sinne der zu Art. 66a Abs. 2 StGB ergangenen Rechtsprechung.