Citation: I 757/01 05.09.2002 E. 3

Streitig und zu prüfen ist, ob erhebliche krankhafte Nebenbefunde vorliegen, welche die Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolgs der Kataraktoperation am rechten Auge in Frage zu stellen vermögen. 3.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Staroperation rechts beim Beschwerdegegner erfolgreich verlaufen ist. Das allein genügt jedoch nicht, um diese Operation als medizinische Eingliederungsmassnahme im Sinne von Art. 12 Abs. 1 IVG zu qualifizieren, die von der Invalidenversicherung zu übernehmen ist. Insbesondere die Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolges ist dann in Frage gestellt, wenn erhebliche krankhafte Nebenbefunde vorliegen, die ihrerseits geeignet sind, die Aktivitätserwartung des Versicherten trotz Operation gegenüber dem statistischen Durchschnitt wesentlich herabzusetzen. Diesfalls vermögen die medizinischen Vorkehren bezüglich Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit für sich allein den Eingliederungserfolg nicht zu gewährleisten (AHI 2000 S. 299 Erw. 2b mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist die Frage nach der im Rahmen der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 12 IVG vorausgesetzten Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des angestrebten Eingliederungserfolges aufgrund des medizinischen Sachverhalts zu beurteilen, wie er im Zeitpunkt der Durchführung der Massnahme bestanden hat. Damit wird vermieden, dass Versicherte, die auf eine rechtskräftige Verfügung warten, bevor sie sich beispielsweise einer Operation unterziehen, anders behandelt werden als solche, die den Erlass der Verfügung nicht abwarten. Eine solche ungleiche Behandlung liesse sich mit Art. 12 IVG, der die voraussichtliche Tauglichkeit der Massnahme beurteilt wissen will, nicht vereinbaren. In dieser Hinsicht stellt der Arztbericht im allgemeinen eine unerlässliche Grundlage zur Beurteilung der Anspruchsberechtigung dar, wobei die Prüfung im Rahmen eine freien Beweiswürdigung zu erfolgen hat (BGE 98 V 34 Erw. 2 mit Hinweisen; BGE 101 V 48 oben, 97 Erw. 2b, 103 Erw. 3; ZAK 1970 S. 617; vgl. auch BGE 115 V 206 Erw. 5 und 110 V 102 oben). 3.2 Zutreffend weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass insbesondere wegen der hohen Myopie in Verbindung mit der Makuladegeneration - trotz des postoperativ voraussichtlich guten Gesundheitsverlaufs - angesichts der gravierenden Nebenbefunde medizinisch-prognostisch nicht habe von einem dauerhaften und wesentlichen Eingliederungserfolg ausgegangen werden können (vgl. AHI 2000 S. 299 Erw. 3). Das BSV ergänzt in der Vernehmlassung vom 11. Januar 2002, auf Grund der im Zusammenhang mit der sehr hochgradigen Myopie festgestellten Makulaveränderung und dem Staphyloma posterius sei prognostisch nicht auszuschliessen gewesen, dass es im postoperativen Verlauf zu einer weiteren Visusverschlechterung oder anderen Komplikationen kommen könne. Dass die Staroperation wegen den Nebenbefunden mit zusätzlichen Risiken verbunden war, belegt der Bericht des Dr. med. S.________ vom 17. April 2000, wonach er den Versicherten vor der Operation "auf die erhöhte Schwankungsbreite bei hinterem Staphylom aufmerksam gemacht" hatte. Schliesslich wies auch Dr. med. M.________ mit Bericht vom 3. April 2001 ausdrücklich darauf hin, dass eine hohe Myopie und eine Pseudophakie "ein etwas höheres Risiko für Netzhautprobleme" darstellten. Soweit die behandelnde Augenärztin diese Aussage im Zusammenhang mit der Frage nach der postoperativen Prognose machte, muss diese Einschätzung deshalb um so schwerer gewichtet werden, weil diese Risikofaktoren schon präoperativ bekannt und demzufolge bereits vor dem Eingriff in der prognostischen Beurteilung zu berücksichtigen waren. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist im vorliegenden Fall mithin die erforderliche qualifizierte Eingliederungswirksamkeit der Staroperation nicht gegeben. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde erweist sich als begründet.