Citation: 4A_462/2024 E. 4.2.1

4.2.1. Die Vorinstanz erwo g, e s sei unbestritten, dass die Parteien zwischen 2016 und 2020 mehrere hundert Mini-Futures-Transaktionen durchgeführt hätten, wobei für die Entwicklung der Produktidee auf Seiten der Beschwerdeführerin in den meisten Fällen C.________ zuständig gewesen sei. Einigkeit bestehe auch insoweit, als gestützt auf die Produktidee nach den Bedürfnissen der Beschwerdeführerin bzw. deren Kunden D.________ eine indikative Berechnung ("Indicative Pricing") mit allen wesentlichen Parametern des Produkts an C.________ gesandt habe. Sofern er damit einverstanden war, habe C.________ eine Order Instruction vorgenommen, entweder zum Marktpreis ("At Market") oder mit einer Limite. Bei den vorliegend interessierenden "At Market"-Instruktionen habe die Beschwerdegegnerin unmittelbar nach Eingang der Instruktionen ein Absicherungsgeschäft (sog. "Hedge") getätigt und damit zum Ausschluss ihres Auszahlungsrisikos am Markt ein Gegengeschäft im Basiswert abgeschlossen. Der Börsenkurs des Basiswerts, zu dem die Beschwerdegegnerin das Absicherungsgeschäft getätigt habe, fliesse als Spot-Preis in die definitive Berechnung des Mini-Futures ein und ergebe damit auch das Investitionsvolumen bzw. die Anzahl Einheiten. Die von den Parteien in diesem Zusammenhang verwendete Terminologie sei zwar uneinheitlich und teilweise widersprüchlich. Jedenfalls aber würden mit einer solchen Order Instruction "At Market" alle wesentlichen Parameter eines Mini-Future feststehen oder seien zumindest bestimmbar. Folglich trete in diesem Zeitpunkt - die Vertretungsbefugnis des Handelnden vorausgesetzt - die vertragliche Bindungswirkung ein. Die diesbezüglichen Einwände der Beschwerdeführerin überzeugten nicht. So gehe die Einigung über alle wesentlichen Eigenschaften eines massgeschneiderten Mini-Future der Emission sowie dem Clearing und Settlement zeitlich zwangsläufig voraus. Die Beschwerdeführerin habe denn auch anerkannt, dass sich C.________ und D.________ hinsichtlich aller Produktparameter des Mini-Future ISIN CH0501202847 (vom 2. März 2020) geeinigt hätten. C.________ habe zudem gegenüber seiner Handelsabteilung den Handel des Produkts angewiesen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin sei das Verpflichtungsgeschäft nicht erst durch ihre eigene Handelsabteilung zustande gekommen. Diese habe vielmehr ein konkretes, für die Beschwerdeführerin massgeschneidertes und bereits emittiertes Produkt gehandelt. Demgegenüber wäre nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdegegnerin ohne verbindliche Einigung über die wesentlichen Parameter auf eigenes Risiko ein massgeschneidertes Produkt hätte herausgeben sollen mithin ohne Gewähr, dass dieses vom Kunden anschliessend auch übernommen werde. Somit liege bezüglich des Mini-Future ISIN CH0501202847 eine Order Instruction von C.________ vor. Daran ändere nichts, dass der Mini-Future nicht auf aktuellen Marktbedingungen beruht habe, weil er auf einem bestehenden Absicherungsgeschäft strukturiert worden und durch Abstellen auf den ursprünglichen Spot-Preis Verluste aus früheren Geschäften eingepreist gewesen seien. C.________ sei sich hierüber bei Abgabe der Order Instruction im Klaren gewesen. Auch hinsichtlich eines zweiten Mini-Future (ISIN CH0501203092) hätten sich D.________ und C.________ bereits am 2. März 2020 über alle wesentlichen Parameter geeinigt und habe C.________ eine Order Instruction abgegeben. Unter den gegebenen Umständen müsse ferner davon ausgegangen werden, dass C.________ trotz einer Kollektivvollmacht zu zweien intern zum Abschluss der streitigen Geschäfte bevollmächtigt gewesen sei. Andernfalls hätten bei der Beschwerdeführerin für die fraglichen Geschäfte eine andere interne Organisation sowie Kontrollmechanismen bestehen müssen. Zumindest hätte die Beschwerdeführerin aber grundsätzlich ein Vertrauen darauf erweckt, dass C.________ zur Vereinbarung solcher Produkte ermächtigt gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe gegenüber der Beschwerdegegnerin während Jahren hunderte von C.________ vereinbarte Geschäfte abgewickelt. Für die Beschwerdegegnerin habe kein Grund zur Annahme bestanden, dass C.________ nicht mehr über dieselben Kompetenzen wie bisher verfügt hätte. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin habe die Beschwerdegegnerin soweit ersichtlich auch keine falschen oder irreführenden "Trade Confirmations" oder Termsheets ausgestellt, insbesondere mit Bezug auf den Mini-Future ISIN CH0501202847. Zudem liege es im Verantwortungsbereich der Beschwerdeführerin, ihre Kunden über die von ihr vertriebenen strukturierten Produkte korrekt zu informieren. Allfällige Verfehlungen von C.________ könnten der Beschwerdegegnerin ebenso wenig angelastet werden. Diese habe die Order Instructions von C.________ soweit ersichtlich auch nicht zeitlich verzögert bearbeitet. Sodann habe die Beschwerdegegnerin aus dem Umstand, dass C.________ nicht umgehend den Handel der Mini-Futures veranlasst habe, nicht auf strafbare Handlungen von C.________ schliessen müssen. Clearing und Settlement der Mini-Futures seien mithin korrekt erfolgt. Aus den Gesprächen zwischen D.________ und C.________ sowie aus dessen übrigem Verhalten ergebe sich ebenfalls nicht, dass D.________ um eine angeblich fehlende Vertretungsmacht von C.________ gewusst habe oder auf strafbare Handlungen oder einen Interessenkonflikt seitens C.________ hätte schliessen müssen. Es sei auch nicht ersichtlich, dass die beiden bewusst auf nicht-überwachte bzw. nicht-aufgezeichnete Kommunikationskanäle ausgewichen wären, um die Beschwerdeführerin zu täuschen oder strafbare Handlungen zu vertuschen. Somit seien die von C.________ abgegebenen Order Instructions mit Bezug auf die streitgegenständlichen Mini-Futures (ISIN CH0501202847 und ISIN CH0501203092) gültig und die Beschwerdeführerin daraus verpflichtet.