Citation: 5C.100/2000 20.07.2000 E. 3

3.- Das Kantonsgericht hat den strittigen Scheidungsanspruch der Beklagten bejaht. Es ist davon ausgegangen, beide Ehegatten seien für die unheilbare Zerrüttung ihrer Ehe verantwortlich; daneben hätten auch unverschuldete Umstände zum Scheitern der Ehe beigetragen. Der Kläger macht geltend, eine umfassende Verschuldensbeurteilung, die zwingend eine Gesamtwürdigung aller relevanten Sachverhaltselemente erfordere, lasse die Beklagte als vorwiegend schuldig an der Zerrüttung erscheinen. Sie habe deshalb keinen Klage- und damit verbunden auch keinen Unterhaltsanspruch. a) Der Kläger hält die Tatsachenfeststellungen des Kantonsgerichts für unvollständig. Der Einwand betrifft zunächst seine Qualitäten als Ehegatte, Vater und Berufsmann während der gesamten Ehedauer, dann aber auch die falschen Anschuldigungen der Beklagten ihm gegenüber im Prozess. Freilich darf bei Bewertung der Kausalität mehrerer Zerrüttungsursachen der Gesamtverlauf der Ehe nicht ausgeblendet werden (Bühler/Spühler, Berner Kommentar, N. 127 zu aArt. 142 ZGB), und es ist dem Kläger darin beizupflichten, dass das kantonsgerichtliche Beweisergebnis lediglich die letzten drei bis vier Jahre einer über zwanzig Jahre dauernden Ehe umfasst und die Vorwürfe der Beklagten gegen den Kläger im angefochtenen - anders noch im bezirksgerichtlichen - Urteil keine Rolle gespielt haben. Indessen ist das Kantonsgericht durchaus im Sinne des Klägers davon ausgegangen, dass die Ehe bis auf die letzten drei bis vier Jahre ohne Schwierigkeiten verlaufen ist, hat es doch den Zeugenaussagen mehrfach entnommen, für diesen Zeitraum seien Ehetrübnisse von Dritten wahrnehmbar gewesen (insbesondere Zeugin W.________), und auf die Aussage der Zeugin U._________, Hotelangestellte von April 1990 bis 1992, verwiesen, die damals noch keine Unstimmigkeiten feststellen konnte (abgesehen von Auseinandersetzungen in berufsbedingten Stresssituationen). Insoweit kann mit dem Kläger bejaht werden, dass er, aber auch die Beklagte sich während knapp zwanzig Ehejahren nichts vorzuwerfen und eine "normale" Ehe geführt hatten. Zu ergänzen bleibt - wie die Beklagte betont - nichts (vgl. im Übrigen zum Beweisergebnis: E. 4 des Urteils über die staatsrechtliche Beschwerde). b) In seiner Verschuldensanalyse hat das Kantonsgericht dem Kläger Entgleisungen in einem ehezerrüttenden Ausmass angelastet; vor allem für die letzten Ehejahre sei ein übermässiger Alkoholkonsum und ein gegenüber der Beklagten herabwürdigendes Verhalten erstellt. Auf Grund des Beweisergebnisses ist das Kantonsgericht davon ausgegangen, die Drittbeziehung der Beklagten sei zunächst rein freundschaftlicher Natur gewesen, habe sich jedoch mit der Zeit auf ein Mass intensiviert, das als ehewidrig zu bezeichnen sei; dass die Beklagte dem Wunsch des Klägers, diese Beziehung abzubrechen, nicht Folge geleistet und die Beziehung fortgesetzt habe, gereiche ihr zum Verschulden, wobei unerheblich sei, ob ihre Beziehung bereits im Juli 1998 oder erst im Herbst 1998 intimer Natur geworden sei. Schliesslich hat das Kantonsgericht als gewiss angenommen, dass auch objektive Gründe zum Scheitern der Ehe geführt hätten; so habe das Paar offenbar unter massiven Kommunikationsschwierigkeiten und unter dem Fehlen gemeinsamer Interessen gelitten (E. 2c S. 12 ff. mit Zusammenfassung auf S. 15 des angefochtenen Urteils). c) Für das Bundesgericht verbindlich fest steht, dass die Ehe der Parteien nicht, wie die Beklagte behauptet hatte, bereits vor Aufnahme ihrer Beziehung zu einem Dritten zerrüttet gewesen ist. Mag ihre Beziehung zunächst auch rein freundschaftlicher Natur gewesen sein (Gesprächspartnerschaft über schulische Belange der Tochter), hat sie doch bewirkt, dass die Beklagte sich vom Kläger abgewendet hat und innert kurzer Zeit eine regelrechte Entfremdung unter den Ehegatten eingetreten ist, die die Beklagte durch zumutbare Anstrengungen im Frühjahr 1998 noch hätte beheben können, als der Kläger dazu Hand geboten hatte; der eigentliche Ehebruch steht erst ab Juli 1998 zur Diskussion. Sie hat indessen nicht eingelenkt, sondern die Ehe fahren lassen. Die von der Beklagten gesetzte und ihr anzulastende Zerrüttungsursache wiegt schwer (s. dazu Hinderling/Steck, Das schweizerische Ehescheidungsrecht,