Citation: 2C_1155/2014 E. 3.3.1

3.3.1. Während das Handelsrecht Höchstwerte zur Bewertung von Aktien festlegt (Art. 960a ff. OR 2011) und die Betriebswirtschaftslehre nach den "richtigen" Werten sucht, stehen steuerrechtlich die Mindestwerte (Bewertungsuntergrenzen) im Zentrum. Diese ergeben sich dadurch, dass Abschreibungen auf Geschäftsvermögen steuerlich nur soweit anerkannt werden, als sie auch tatsächlich geschäftsmässig begründet sind (im Bereich der selbständigen Erwerbstätigkeit: Art. 10 Abs. 1 lit. a StHG bzw. Art. 27 Abs. 2 lit. a DBG). Auch die gesetzliche Beschränkung der Abschreibungen auf das sachlich Gebotene fliesst unmittelbar aus dem steuerrechtlichen Verhältnismässigkeitsgebot (Art. 127 Abs. 2 BV). Der Einkommens- bzw. Gewinnsteuer soll der tatsächlich erzielte Periodengewinn unterliegen (Urteil 2C_309/2013 / 2C_310/2013 vom 18. September 2013 E. 2.4.2, in: ASA 82 S. 305, RDAF 2014 II S. 346, StE 2013 B 72.14.2 Nr. 42, StR 69/2014 S. 222; XAVIER OBERSON, Droit fiscal suisse, 4. Aufl. 2012, § 10 N. 5; PETER LOCHER, Kommentar zum DBG, II. Teil, 2004, nachfolgend: DBG II, N. 85 zu Art. 57 DBG). Mit Blick darauf hat die Veranlagungsbehörde von Amtes wegen einzugreifen (Art. 46 Abs. 1 StHG; Art. 130 Abs. 1 DBG), falls der Wertansatz eines Aktivums des Geschäftsvermögens den handelsrechtlich zulässigen Höchstwert übersteigt oder aber den steuerrechtlich zulässigen Tiefstwert unterschreitet (Urteile 2C_1168/ 2013 und 2C_1169/2013 vom 30. Juni 2014 E. 3.1, in: StE 2014 B 72.14.2 Nr. 44; 2A.157/2001 vom 11. März 2002 E. 2d, in: RDAF 2002 II 131, StE 2002 B 72.13.1 Nr. 3, StR 57/2002 S. 392).