Citation: 4P.185/2000 04.12.2000 E. 4

4.- Das Kantonsgericht hat als bewiesen erachtet, dass die Beschwerdeführerin kurz nach dem 5. Februar 1997 telefonisch in der Tierarztpraxis von Dr. Y.________ nachgefragt hat, ob A.________ an diesem Datum tatsächlich einen Termin bei ihr gehabt habe, der dann verschoben worden sei. Die Beschwerdeführerin hält diese Feststellung für willkürlich. a) Eine Beweiswürdigung ist nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht schon willkürlich, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre. Das Bundesgericht hebt einen kantonalen Entscheid wegen willkürlicher Sachverhaltsfeststellung nur auf, wenn diese offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht (BGE 124 I 208 E. 4a S. 211; 122 I 61 E. 3a S. 66/7; 121 I 113 E. 3a S. 114). b) Das Kantonsgericht hat in Würdigung der Zeugenaussage von E.________ zwei Schlüsse gezogen. Zum einen hielt es aufgrund dieser Aussage als erwiesen, dass A.________ am 5. Februar 1997 keinen Termin mit der Tierärztin vereinbart hatte, der verschoben worden sei. Zum anderen zog es aus ihr den Schluss, dass sich die Beschwerdeführerin kurz nach diesem Datum bei der Praxishilfe erkundigt habe, ob eine Terminverschiebung erfolgt sei und so die Unrichtigkeit der Angaben des Arbeitnehmers in Erfahrung gebracht habe. Es ist zuzugeben, dass die erste Schlussfolgerung nicht ausdrücklich im Urteil enthalten ist. Sie ergibt sich aber aus der Bedeutung, welche der zweiten Aussage zugemessen wird. Hätte nämlich die Terminverschiebung tatsächlich stattgefunden, wären die Angaben des Arbeitnehmers richtig gewesen und die Beschwerdeführerin hätte keinen Anlass gehabt, diesem zu misstrauen. Die beiden Feststellungen stützen sich auf unterschiedliche Teile der Aussage der Zeugin. Jene betreffend der Verschiebung des Termins basiert zudem auf den Einträgen in der Agenda der Praxis und einer schriftlichen Bestätigung der Praxishilfe. aa) Für die Nachfrage der Beschwerdeführerin unmittelbar nach dem 5. Februar 1997 stützt sich das Gericht auf folgenden Teil der Aussage: "Was genau gelaufen ist, weiss ich nicht mehr. Aufgrund der Agenda ist nicht ersichtlich, dass er überhaupt am 5. Februar 1997 eingetragen war. Aber ich weiss, dass er sich umgemeldet hat und an einem anderen Tag gekommen ist. Wann das war, weiss ich nicht mehr. Ob sich Herr A.________ mehrmals umgemeldet oder abgemeldet hat, weiss ich nicht mehr. Dieses Datum ist mir aber geblieben, weil kurz darauf ein Telefon von Fa. X.________ gekommen ist und wissen wollte, ob Herr A.________ am 5. Februar 1997 einen Termin hatte. (...) Was der Grund gewesen ist, warum Herr A.________ mir am 5. Februar 1997 abgesagt hat, weiss ich nicht. Herr A.________ ist am 7. Februar 1997 gekommen.. " Diese Aussage bestätigt den Telefonanruf der Beschwerdeführerin unmittelbar nach dem 5. Februar 1997. Sie widerspricht aber der Feststellung der Vorinstanz, der Arbeitnehmer habe keine Terminverschiebung vorgenommen. Diese Schlussfolgerung konnte das Kantonsgericht nur ziehen, weil es den Wahrheitsgehalt der Zeugenaussage bezweifelte. Ausserdem erklärte die Zeugin, nachdem ihr die schriftliche Bestätigung in Erinnerung gerufen worden ist, die sie ungefähr einen Monat nach dem in Frage stehenden Datum unterzeichnet hatte, folgendes: "Wenn ich diese Bestätigung anschaue, muss ich sagen, dass diese einen Monat später eingeholt wurde. Nun ist mehr als ein Jahr vergangen. Es ist möglich, dass ich etwas durcheinander gebracht habe. Möglich ist auch, dass es sich bei der Terminverschiebung um einen andern Zeitpunkt gehandelt hat. Diese Bestätigung, die ich unterschrieben habe, wird schon der Wahrheit entsprechen.. " bb) Das Kantonsgericht hat somit angenommen, die Zeugin erinnere sich nicht mehr an den genauen Zeitpunkt der Verschiebung des Termins und des Besuches von A.________. Die Zeugin hat aber ihr genaues Erinnerungsvermögen mit der Verknüpfung dieses Ereignisses mit dem Anruf der Beschwerdeführerin begründet. Wenn nun aber die Erinnerung an den Zeitpunkt des vereinbarten Termins als unzuverlässig angesehen werden muss, ist nicht ersichtlich, warum die Erinnerung an den Zeitpunkt des Anrufs der Beschwerdeführerin korrekt sein soll. Im einen Punkt wird diesem Teil der Aussage Beweiskraft zugemessen, im anderen wird die Beweiskraft negiert. Aus welchem Grund die Zuverlässigkeit des Zeugnisses je nach dem, um welchen Gesichtspunkt des gleichen Sachverhaltes es sich handelt, unterschiedlich sein soll, lässt sich nicht begründen. Die Beweiswürdigung ist nicht kohärent. Sie ist in sich widersprüchlich und damit willkürlich. cc) Der Nachweis dieses Sachverhaltes ist für den Ausgang des Rechtsstreites zwischen den Parteien entscheidend. Wusste die Beschwerdeführerin bereits kurz nach dem 5. Februar 1997, dass der Arbeitnehmer in den Arbeitsrapporten unwahre Angaben machte, so kann sie - wie dies das Kantonsgericht zutreffend erkannte - diesen Vorfall nicht erst rund einen Monat später als Grund für eine fristlose Entlassung anführen. c) Erweist sich die Feststellung bezüglich der Kontrolle des Vorfalles vom 5. Februar 1997 als willkürlich, so hat auch die Sachverhaltsfeststellung bezüglich des Vorfalles vom 24. Februar 1997 keinen Bestand. Dass die Beschwerdeführerin diesen Rapport noch gleichentags erhalten hat, ist unbestritten. Fraglich ist nur, ob sie Anlass gehabt hat, die darin enthaltenen Angaben zu überprüfen. Da nicht nachgewiesen ist, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits von der Unrichtigkeit des Rapportes vom 5. Februar 1997 wusste, ist auch nicht erstellt, dass die Beschwerdeführerin konkreten Anlass zu Misstrauen gehabt habe, als sie die ordentliche Kündigung aussprach.