Citation: 2C_856/2018 E. 4.4.2

4.4.2. Anders liegt der Fall, wenn die Frist von Art. 47 Abs. 1 AIG im Zeitpunkt der Statusverschlechterung und des damit verbundenen Verlusts des Nachzugsanspruchs (Art. 44 AIG) noch nicht abgelaufen war und in der Folge - immer noch innerhalb der Frist - ein erstes Mal um Familiennachzug ersucht wird (vgl. auch Urteil 2C_160/2016 vom 15. November 2016 E. 2.2). Mit der neuerlichen Statusverbesserung verändert sich die Sachlage in einem solchen Fall in wesentlicher Weise und beginnt mit der Statusverbesserung eine neue Frist zu laufen. Eine solche Lösung ist nur schon deshalb angezeigt, weil sonst die gesetzlich vorgesehene Frist zur Geltendmachung des Nachzugsanspruchs (Art. 47 AIG) für einen Betroffenen gegenüber anderen Anspruchsberechtigten verkürzt würde, ohne dass dafür ein sachlicher Grund bestünde. Kein sachlicher Grund für eine solche Verkürzung bildet namentlich der Umstand, dass der Verlust des Nachzugsanspruchs durch die nachzugswillige Person verschuldet war, denn der Familiennachzug dient der Gewährleistung des Anspruchs auf Achtung des Familienlebens (Art. 13 Abs. 1 BV, Art. 8 EMRK; vgl. auch Botschaft vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, BBl 2002 3709 ff., S. 3739 sowie 3751 ff.). Entsprechend berührt die Verweigerung des Nachzugs nicht allein die Interessen der in der Schweiz anwesenheitsberechtigten nachziehenden, sondern auch diejenigen seiner im Ausland weilenden Familienangehörigen.