Citation: U 46/07 10.01.2008 E. 5

Sind nach dem Gesagten die persistierenden Beschwerden natürlich kausal mit einer beim Unfall vom 26. Januar 2002 erlittenen HWS-Verletzung im Sinne der Schleudertrauma-Praxis zu erklären, gilt es den adäquaten Kausalzusammenhang nach den hiefür geltenden Grundsätzen zu prüfen. 5.1 Für die Adäquanzbeurteilung ist an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis anzuknüpfen (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 f.). Das kantonale Gericht hat die Auffahrkollision vom 26. Januar 2002 bei den mittelschweren Unfällen an der Grenze zu den leichten Unfällen eingeordnet. Das ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufes richtig. Ein schwerer Unfall liesse sich auch nicht mit dem von der Versicherten angeführten Umstand begründen, dass aufgrund des seitlich/diagonalen Kollisionspunktes an der Karrosserie des von ihr gefahrenen Renaults dessen Knautschzone im Frontbereich nicht zum Tragen gekommen sei. Auch Auffahrunfälle auf ein haltendes Fahrzeug werden nämlich in der Regel als mittelschwere, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegende Ereignisse, in Einzelfällen sogar als nur leichte Unfälle qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.1.2, U 380/04, 2003 Nr. U 489 S. 357 E. 4.2, U 193/01, je mit Hinweisen), obschon das bei diesen Kollisionen betroffene Fahrzeugheck strukturell ebenfalls deutlich weniger geschützt ist als die Frontpartie. Zudem war hier die Geschwindigkeit des Unfallgegners beim Aufprall recht gering. Dies ergibt sich aus der verlässlich erscheinenden Beurteilung in der Technischen Unfallanalyse vom 24. April 2004. Darin wird überdies ausgeführt, der stattgefundene Bewegungsablauf sei eher mit einer geringeren Belastung der HWS verbunden gewesen als eine gerade gerichtete frontale oder heckseitige Kollision. 5.2 Von den weiteren, objektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umständen, welche als massgebende Kriterien in die Gesamtwürdigung einzubeziehen sind (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367), müssten demnach für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367 f.). 5.2.1 Das kantonale Gericht erachtet die Kriterien der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung, der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, der Dauerbeschwerden, des schwierigen Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen sowie des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit als - in jeweils nicht ausgeprägter Weise - erfüllt. Damit wären die massgeblichen Kriterien in gehäufter Weise gegeben, was für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs genügen würde. Die Versicherte stimmt dieser Adäquanzbeurteilung zu. Weitere der praxisgemäss in Frage kommenden Kriterien werden - nach Lage der Akten zu Recht - nicht zur Diskussion gestellt. Die SUVA verneint, allerdings unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall, sämtliche adäquanzrelevanten Kriterien. 5.2.2 Die Prüfung der nach Auffassung von Vorinstanz und Versicherter erfüllten Kriterien ergibt Folgendes: Rechtsprechungsgemäss vermag die Diagnose eines Schleudertraumas resp. einer Distorsion der HWS für sich allein das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung nicht zu begründen (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3 mit Hinweisen, U 380/04). Hiefür genügt entgegen dem angefochtenen Entscheid auch nicht, wenn die verunfallte Person nach dem Unfall temporär neuropsychologische Defizite aufgewiesen hat. Dem von der Vorinstanz erwähnten Urteil U 20/95 vom 30. März 1995 (zusammengefasst in SZS 2001 S. 438 f. und Plädoyer 3/1995 S. 65) lässt sich nichts anderes entnehmen. Es liegen auch keine weiteren Gesichtspunkte vor, welche für die Erfüllung des Kriteriums sprechen würden. Das kantonale Gericht hat dieses daher zu Unrecht bejaht. Gleiches gilt für das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs oder erheblicher Komplikationen. Für dessen Bejahung genügt entgegen dem angefochtenen Entscheid nicht, wenn keine nachhaltige Besserung der Beschwerden eingetreten ist. Es bedürfte vielmehr besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06, E. 5.3 mit Hinweisen). Anhaltspunkte hiefür liegen nicht vor. Die Entwicklung nach dem Unfall vom 26. Januar 2002 entspricht dem nach HWS-Schleudertraumen Üblichen. Ob das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit als erfüllt zu betrachten ist, erscheint schon mit Blick darauf, dass die Versicherte im Unfallzeitpunkt bereits frühpensioniert war und seither eine Pension von rund zwei Dritteln des ehemaligen Lohnes erhält, eher fraglich. Dies muss aber nicht abschliessend beurteilt werden. Denn auch wenn dieses und die beiden weiteren vom kantonalen Gericht bejahten Kriterien (Dauer der ärztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden) - ohne nähere Prüfung - als erfüllt betrachtet werden, ist jedenfalls keines in besonders ausgeprägter Weise gegeben und bestehen die adäquanzrelevanten Kriterien weder gehäuft noch in besonderer Weise. Entgegen dem angefochtenen Entscheid kommt dem Unfall vom 26. Januar 2002 somit keine rechtserhebliche Bedeutung für die persistierenden Beschwerden zu. Dies führt zur Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde.