Citation: 1P.261/2002 20.01.2004 E. 4

4.1 Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, seine Einvernahmen vom 16. Januar bis zum 27. Februar 1998 seien nicht verwertbar, weil wesentliche Teile der polizeilichen Befragungen nicht oder unvollständig protokolliert worden seien. Er rügt insoweit die Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren (Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Art. 29 Abs. 1 BV), des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) sowie des Willkürverbots (Art. 9 BV). Diese verfassungsmässigen Rechte waren bereits im Zeitpunkt der Einvernahmen in Art. 6 EMRK und in Art. 4 aBV gewährleistet. Der Beschwerdeführer begründet diese Rüge wie folgt: Aufgrund der mangelhaften Protokollierung sei es für den Sachrichter nicht nachvollziehbar, wie es zu den Aussagen und insbesondere dem Geständnis des Beschwerdeführers gekommen sei. Es gebe Indizien dafür, dass die Aussagen aufgrund von Suggestivfragen, Vorspiegelungen und Einwirkungen auf die Psyche des Beschwerdeführers zustande gekommen seien; jedenfalls könne dies mangels Protokollierung der informellen Gespräche mit dem Beschwerdeführer nicht ausgeschlossen werden. Unter diesen Umständen dürfe auf das Geständnis nicht abgestellt werden. Das Kantonsgericht sei selbst davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer in den polizeilichen Befragungen mit Einzelheiten der Tat konfrontiert worden sei (Urteil des Kantonsgerichts, S. 49). Dann aber sei es willkürlich anzunehmen, dass die vom Beschwerdeführer wiedergegebenen Details auch tatsächlich von ihm stammten. 4.2 Es ist unstreitig, dass es im vorliegenden Fall ausserhalb der eigentlichen Befragungen zu Kontakten zwischen dem Beschwerdeführer und den zuständigen Polizeibeamten gekommen ist, bei denen auch über das Tötungsdelikt in C.________ gesprochen wurde, ohne dass diese Gespräche protokolliert oder auf Tonband aufgenommen worden wären. Das Kantonsgericht wie auch das Kassationsgericht haben dies als klaren Verstoss gegen die Protokollierungspflicht beurteilt. Beide Gerichte gingen jedoch davon aus, dass sich daraus kein Verwertungsverbot hinsichtlich der übrigen protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers ergebe. Es sei nicht ersichtlich, dass die Aussagen des Beschwerdeführers unter Verletzung der anerkannten Einvernahmegrundsätze, beispielsweise aufgrund von Vorspiegelungen, unter Drohung oder unter Einsatz bewusstseinsverändernder Mittel erhoben worden seien. Die einzelnen Einvernahmen seien korrekt wiedergegeben worden, was auch der Beschwerdeführer nicht grundsätzlich bestreite. Die Aussagen des Beschwerdeführers im Rahmen der informellen Gespräche seien jeweils in der nächsten, kurze Zeit später folgenden Einvernahme nochmals aufgenommen und vom Angeklagten ausdrücklich bestätigt worden. 4.3 Im Folgenden sind die Vorwürfe der Verteidigung im Einzelnen anhand der Akten, insbesondere der Einvernahmeprotokolle, zu überprüfen. 4.3.1 Im Protokoll vom 27. Januar 1998 sagt der Polizeibeamte einleitend: "Sie haben uns heute Morgen im Zusammenhang mit der Bestellung eines Anwalts einen geschriebenen Brief zur Kenntnis gebracht. Dabei kamen wir auf den Vorhalt zum Delikt in C.________ zu sprechen. Sie haben uns dazu einige Sachen erklärt. Können wir dies nochmals zusammenfassend besprechen und notieren?" Danach folgt eine längere Aussage des Beschwerdeführers, in der dieser einräumt, zusammen mit Y.________ nach C.________ gefahren zu sein; Y.________ habe dort etwas zu erledigen gehabt im Zusammenhang mit einer Wohnung, die er verkaufen wollte und nicht konnte, weil eine Mieterin (gemeint ist Z.________) die Wohnung nicht freiwillig verlassen wollte. Y.________ habe die von ihm (dem Beschwerdeführer) bei R.________ gekaufte und mit einem Schalldämpfer versehene Waffe bereits in seinem Besitz gehabt. Der Beschwerdeführer schildert weiter den Besuch bei S.________, sagt aber aus, er sei danach, etwa zur Mittagszeit, in sein Zimmer zurückgekehrt. Y.________ habe ihn am Abend, ungefähr gegen 22.00 Uhr, mit dem Auto abgeholt. Er habe eine Sporttasche mit einer Waffe in einem Haus abgestellt, das angeblich seinem Vater gehörte; anschliessend seien sie in die Schweiz zurückgefahren. Aus diesem Protokoll lässt sich ableiten, dass es am Vormittag zu einem informellen Gespräch mit dem Beschwerdeführer gekommen und ihm bei dieser Gelegenheit das Delikt in C.________ vorgehalten worden ist. Vergleichbare Vorhalte waren bereits in früheren Einvernahmen gemacht worden, z.B. derjenigen vom 13. Januar 1998. Grundsätzlich ist es zulässig, dem Angeschuldigten den gegen ihn bestehenden Tatverdacht vorzuhalten. Es gibt keinen Hinweis dafür, dass die Polizeibeamten am Vormittag des 27. Januar 1998 mehr getan hätten, z.B. dem Beschwerdeführer suggestive Fragen gestellt, ihm falsche Tatsachen vorgespiegelt oder ihm gar gedroht hätten. Dem Beschwerdeführer wurde am Nachmittag desselben Tages Gelegenheit gegeben, seine Aussage vom Vormittag zu Protokoll zu wiederholen; somit liegt kein unzulässiges Ignorieren seiner Aussage vor. 4.3.2 In einer persönlichen Aufzeichnung des Beschwerdeführers vom 30./31. Januar 1998 wird ein Gespräch mit den Polizeibeamten A.________ und B.________ erwähnt; diese hätten ihn aufgefordert, sich seine Aussage noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die Verteidigung rügt, es sei unklar, welche Aussage damit gemeint sei. Offensichtlich seien dem Beschwerdeführer zwischen den Einvernahmen vom 29. Januar und vom 3. Februar 1998 Details bekannt gegeben worden, die nicht von ihm stammten. Nur so sei zu erklären, weshalb sich der Beschwerdeführer in seiner handschriftlichen Notiz vom 30. Januar 1998 an erster Stelle mit der Montage des Schalldämpfers beschäftigt habe. Die Aufzeichnungen vom 30./31. Januar müssen jedoch vor dem Hintergrund der kurz zuvor, am 29. Januar 1998, erfolgten Einvernahme des Beschwerdeführers durch die Polizeibeamten A.________ und B.________ betrachtet werden. Diese hatten dem Beschwerdeführer vorgehalten, er habe Personen aus seinem Umfeld Einzelheiten über das Delikt in C.________ erzählt, die zuträfen, und zwar wesentlich mehr, als er jetzt wissen wolle (S. 4). Darauf antwortete der Beschwerdeführer: "Ich kann mir das auch nicht erklären. Ich werde mir darüber Gedanken machen." Es ist deshalb davon auszugehen, dass sich die Notiz vom 31. Januar 1998 auf die am 29. Januar 1998 protokollierte Aussage des Beschwerdeführers bezieht, die er sich nochmals durch den Kopf gehen lassen wollte. Schon in dieser Aussage hatte der Beschwerdeführer angegeben, er habe gehört, dass der Schuss auf das Opfer ein Abpraller von einer Wand gewesen sei (S. 2 oben); ausserdem habe er erfahren, dass die Tatwaffe eine Pistole mit Schalldämpfer gewesen sei (S. 3 unten). Dann aber verfügte er bereits am 29. Januar 1998 über sämtliche Elemente, die in seinen persönlichen Aufzeichnungen vom 30. Januar 1998 vorkommen (vgl. zum Schalldämpfer E. 6.3.2 hiernach). Das legen auch die Aussagen des Zeugen T.________ nahe. Nach dessen Angaben hat der Beschwerdeführer ihm nur wenige Tage nach dem Tötungsdelikt in C.________ die Tatwaffe gezeigt und erklärt, dass der Abpraller durch Streifen am Schalldämpfer-Ausgang entstanden sei (Aussage vom 18. Juni 1998, Protokoll S. 2 unten; vgl. zur Beweiswürdigung in Bezug auf einzelne Tatumstände E. 6.3.2 ff. hiernach). Nimmt man hinzu, dass er selbst den Schalldämpfer konstruiert und auf die Pistole Kaliber "22 l.r." montiert hatte, die er Y.________ verkaufte und im Februar 1998 noch für die Tatwaffe hielt (vgl. dazu E. 6.3.3 hiernach), so hatte er auch Anlass, sich Gedanken über eine mögliche Deformation der Kugel durch Streifen am Schalldämpfer zu machen. Dies bestätigte er in seiner untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 17. Februar 1998 (S. 5): Er habe in einer österreichischen Zeitung gelesen, dass es ein "Abpraller" gewesen sei. Für ihn sei sofort klar gewesen, dass die Kugel am Ausgang des Schalldämpfers die Innenwand gestreift haben müsse. Dies sei jedoch weder beabsichtigt noch geplant gewesen. Insgesamt ergeben sich deshalb aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass die persönlichen Aufzeichnungen des Beschwerdeführers vom 30./31. Januar 1998 auf Informationen beruhen, die ihm anlässlich eines informellen Gesprächs von der Polizei vorgegeben worden wären. 4.3.3 Die vier handbeschriebenen A4-Blätter mit seinen Notizen vom 30./31. Januar und 1.-2. Februar 1998 übergab der Beschwerdeführer am Abend des 2. Februar den Polizeibeamten. Aus dem Protokoll der Einvernahme vom 3. Februar 1998 geht hervor, dass es darüber am Morgen des 3. Februar zu zwei informellen Gesprächen kam. Diese wurden von den polizeilichen Sachbearbeitern wie folgt zusammengefasst: "Über diese Unterlagen haben wir uns heute morgen kurz unterhalten. Bei diesem Gespräch kam auf Grund Ihrer Notizen heraus, dass Sie zur Kenntnis nehmen mussten, gegenüber Ihrem persönlichen Umfeld Aussagen gemacht zu haben, welche auf das Delikt in C.________ zutreffend sind. [...] Bei einem weiteren Gespräch zwischen uns von heute Morgen erwähnten Sie, dass Sie tatsächlich einiges an Wissen hätten, welches Sie allerdings nicht zuordnen könnten. Sie sagten auch, dass Sie sich immer noch nicht sicher seien, ob Sie dieses Wissen erlebt, in einem Film gesehen oder von jemandem erzählt erhalten hätten." Der Beschwerdeführer bestätigte dies und ergänzte, bei diesem Wissen gehe es unter anderem auch um den speziellen Punkt "Abpraller" und seine Erklärung dazu, dass so etwas auch durch Manipulation vorgetäuscht werden könne (Protokoll S. 1). Weitere Einzelheiten des morgendlichen Gesprächs ergeben sich aus den Erklärungen der Polizeibeamten auf S. 2 des Protokolls: Danach sei dem Beschwerdeführer u.a. vorgehalten worden, dass er selbst gegenüber anderen Personen ausgesagt habe, wie eine erschossene Person still in sich zusammensacke. Dies bestätigte der Beschwerdeführer und fügte hinzu: "Ja, dieses Gespräch von heute Morgen hat mich aufgewühlt. Die Aussage und Ihre Beschreibung über die in sich zusammenfallende Person lässt mich nicht mehr los. Es bewirkte in mir ein Bild, welches ich versucht habe, auf ein Blatt aufzuzeichnen. In Zusammenhang mit diesem Bild sehe ich nebst der Örtlichkeit, wie eine Person eine andere Person mit einer Pistole erschiesst. Ich händige Ihnen diese Zeichnung nun aus. Der auf dieser Zeichnung eingezeichnete Punkt mit meinem Visum zeigt den Tatort. Dieses Bild habe ich nach dieser Erklärung von heute Morgen nun dauernd im Kopf und kann es örtlich nicht zuordnen. Ich habe dafür nun nur zwei Erklärungen. Entweder habe ich einen Videofilm gesehen, in dem diese nun aufgezeichnete Örtlichkeit vorkommt und wo eine Person erschossen worden ist und in sich zusammensackte. Oder aber dieses von mir gezeichnete Bild hat einen Bezug zum tatsächlichen Tatort, wo ich dann allenfalls das Erschiessen einer Person selbst miterlebt haben musste." Anschliessend wurden dem Beschwerdeführer zwei fotokopierte Aufnahmen des Tatorts aus den Akten im Fall C.________ gezeigt. Der Beschwerdeführer sah eine grosse Ähnlichkeit zwischen diesen Fotos und seinen Erinnerungen, die er auf der dem Protokoll beigelegten Zeichnung festgehalten hatte. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht geltend, im informellen Gespräch am Vormittag des 3. Februar 1998 hätten die Polizeibeamten in unzulässiger Weise auf die Psyche des Beschwerdeführers eingewirkt. Er konkretisiert diesen Vorwurf allerdings nicht näher, sondern begründet ihn allein mit dem "Aufgewühltsein" des Beschwerdeführers. Auslöser dieser Reaktion war unstreitig der Vorhalt, der Beschwerdeführer habe gegenüber einer anderen Person bemerkt, wie eine erschossene Person still in sich zusammensacke. Das Kassationsgericht hat im angefochtenen Entscheid (S. 16) dargelegt, dass der Zeuge M.________ tatsächlich eine solche Aussage gemacht hatte, weshalb der Vorhalt der Aktenlage entsprach. Dies wird vom Beschwerdeführer in seiner staatsrechtlichen Beschwerde nicht mehr bestritten. Dann aber war es zulässig, den Beschwerdeführer mit dieser Zeugenaussage zu konfrontieren, selbst wenn er dadurch an bislang verdrängte Bilder erinnert wurde, die ihn anschliessend lange beschäftigten und stark bewegten. Zu bedenken ist sodann, dass der Beschwerdeführer noch heute einräumt, Zeuge des Tötungsdelikts in C.________ gewesen zu sein und beobachtet zu haben, wie das Opfer niedergeschossen wurde. Noch anlässlich des Widerrufs seines Geständnisses am 2. März 1998 hielt er daran fest, er habe gesehen, "wie das Opfer auf eine unbeschreibliche Art in sich zusammensackte" (S. 6). Es handelt sich somit um ein reales Erlebnis des Beschwerdeführers, das ihm nicht von der Polizei suggeriert, sondern an das er durch den Vorhalt der Zeugenaussage von M.________ höchstens wieder erinnert worden ist. Der Beschwerdeführer rügt weiter, es sei aus den Akten nicht ersichtlich, welche fotokopierten Aufnahmen ihm vorgelegt worden seien. Dies trifft zu. Immerhin geht jedoch aus dem Protokoll hervor, dass es sich um Fotokopien aus den Akten im Fall C.________ handelte, auf denen die involvierte Liegenschaft zu sehen war. Dies genügt, um die Vernehmungssituation und die Antwort des Beschwerdeführers beurteilen zu können. 4.3.4 Aus dem Protokoll der Einvernahme vom 13. Februar 1998 geht hervor, dass am Morgen desselben Tages erneut ein informelles Gespräch geführt wurde. Dieses wurde vom Polizeibeamten wie folgt zusammengefasst: "Wir haben heute Morgen zusammen ein Gespräch geführt und Sie haben daraufhin ein Bild erklärt, welches Sie selbst auf Grund ihrer Kenntnisse im Fall von C.________ im Kopf haben. Dieses Bild haben sie nun gezeichnet und uns übergeben (Beilage 1). [...] Wir haben Sie gebeten, dieses Bild zu interpretieren, worauf Sie ausgesagt haben, dass dieses Bild, je mehr Sie darüber nachdenken, immer mehr durch ein grosses Bild vom Kopf von Y.________ überlagert wird." Der Beschwerdeführer bestätigte dies: "Ja, das ist so richtig, ich empfinde das genau so. Je mehr ich darüber nachdenke, wird mir bewusst, dass in diesem Bild, welches ich bis anhin hatte, dieser Y.________ irgenwo fehlt, er steht einfach nicht mehr vor mir oder neben mir. Ich bemerke auch, dass Y.________ und ich plötzlich nicht mehr auf der gleichen Strassenseite stehen, einer von uns beiden ist auf der Zuschauerseite, der andere steht auf der Täterseite, dies wird mir nun bewusst." In der Einvernahme vom 13. Februar 1998 forderten die Polizeibeamten den Beschwerdeführer auf, beide Varianten zu durchdenken: "Angenommen, Y.________ wäre auf der Täterseite. Wie wäre dann das Verhalten zwischen ihm und der Frau aus Ihrer Sicht? Die beiden Personen kannten sich ja bestens." Der Beschwerdeführer antwortete: "Mir ist klar, dass die Szene anders hätte ablaufen müssen, wenn Y.________ dort bei dieser Frau gewesen wäre. Ich bin sicher, dass sich die beiden Personen, welche ich auf meinem Bild sehe, mit Sicherheit nicht gegrüsst haben." Dies führte den Beschwerdeführer zur Einsicht, das er der Mann in der Täterposition vor dem Schaufenster gewesen sein müsse. Er erinnerte sich konkret daran, dass dieses Schaufenster beleuchtet gewesen sei. Zudem sei es zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich dunkel gewesen. Trotzdem beharrte er darauf, dass ihm die von ihm stammenden Aussagedetails (Plastiksack, Waffe mit Schalldämpfer etc.) nicht im Zusammenhang mit seiner Täterposition in Erinnerung seien; vielmehr habe er zum Zeitpunkt der Tat seiner Erinnerung nach auf der anderen Strassenseite gestanden. Drei Tage später, anlässlich der Einvernahme vom Nachmittag des 16. Februar 1998, sprach der Beschwerdeführer von einem "zweiten Ich", welches die Tat ausgeführt habe, weil ihm aus dem Unterbewusstsein immer mehr Details kämen, die zwar vom Täter stammen müssten, die er bis jetzt aber aus der Beobachtersituation geschildert habe. Er sehe "den Täter mit vermutlich meinem Gesicht mir gegenüberstehend". Die Verteidigung vermutet, dass dieses von ihm als "Unterbewusstsein" Bezeichnete von den polizeilichen Sachbearbeitern beeinflusst worden sei, indem man ihm Hinweise auf das Tatgeschehen gegeben habe. Die geschilderten Einvernahmen vom 13. und 16. Februar 1998 sind von grosser Bedeutung, da der Beschwerdeführer darin erstmals in Erwägung zieht, dass er der Täter gewesen sein könnte, auch wenn er dies erst in seinem Geständnis vom 17. Februar 1998 ausdrücklich bestätigte. Umso bedauerlicher ist es, dass das informelle Gespräch am Vormittag vom 13. Februar 1998 nicht aufgezeichnet wurde. Aus dem am Nachmittag desselben Tages erstellten Protokoll (S. 1) ergibt sich immerhin, dass es um ein Bild ging, das der Beschwerdeführer aufgrund seiner Kenntnisse im Fall von C.________ im Kopf hatte. Dieses Bild wurde vom Beschwerdeführer am 13. Februar 1998 aufgezeichnet und anlässlich der Einvernahme vom gleichen Tage interpretiert. Das Bild ist noch aus der Zuschauerperspektive gezeichnet und entspricht somit der bis heute vom Beschwerdeführer vertretenen Version, er sei Zuschauer der Tat gewesen. Dies spricht gegen den Verdacht der Verteidigung, das Bild und wesentliche Details der Aussage seien dem Beschwerdeführer anlässlich des informellen Gesprächs von den Polizeibeamten vorgegeben worden. Erst bei der Interpretation des Bildes und dem Versuch, die Positionen des Beschwerdeführers und Y.________ zu klären, kommt der Beschwerdeführer zum Ergebnis, dass er auf der anderen Strassenseite vor dem Schaufenster und damit in Täterposition gestanden haben müsse. Sicher unterstützten die Polizeibeamten den Beschwerdeführer bei diesen Überlegungen - dies geht schon aus dem Protokoll der Einvernahme vom 13. Februar 1998 hervor, wonach sie den Beschwerdeführer aufforderten, die möglichen Varianten (Y.________ bzw. er in Täterposition) durchzuspielen und zu bedenken, dass Y.________ und das Opfer sich bestens kannten. Dagegen gibt es keine Hinweise auf unzulässige Suggestivfragen, Täuschungen oder Drohungen. 4.3.5 In seiner polizeilichen Einvernahme vom 17. Februar 1998 gestand der Beschwerdeführer erstmals, er sei der Täter gewesen. Die Verteidigung rügt, das Protokoll der polizeilichen Einvernahme umfasse nur zweieinhalb Seiten, obwohl die Befragung 95 Minuten gedauert habe. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer während dieser Zeit nicht ununterbrochen aussagte, sondern auch eine Jacke besichtigte und mehrere (dem Protokoll beiliegende) Zeichnungen anfertigte. Der Beschwerdeführer macht denn auch selbst nicht geltend, dass wesentliche Teile der Vernehmung nicht protokolliert worden seien. Den noch in der kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde (S. 42 Ziff. 9) erhobenen Vorwurf, es sei offensichtlich unmittelbar vor dem Geständnis ein informelles Gespräch geführt worden, hat der Beschwerdeführer in seiner staatsrechtlichen Beschwerde nicht erneuert. Es gibt hierfür auch keinen Anhaltspunkt, bezieht sich doch der Einleitungssatz des Polizisten klarerweise auf die förmlichen Einvernahmen vom Vortag. Schliesslich findet sich auf der ersten Seite des Protokolls vom 17. Februar 1998 eine handschriftliche Ergänzung des Beschwerdeführers, die belegt, dass er das Protokoll sorgfältig gelesen und nicht unbedacht unterschrieben hat. Insofern ist mit den kantonalen Instanzen davon auszugehen, dass das Protokoll die Einvernahme zwar in geraffter Form, aber dennoch inhaltlich richtig und vollständig wiedergibt. 4.3.6 Am Nachmittag des 17. Februar 1998 wiederholte der Beschwerdeführer sein Geständnis vor dem Untersuchungsrichter. Er schilderte ausführlich die Verfolgung des Opfers mit dem Auto und die Tatausführung mit einer "22 long rifle" Pistole mit Schalldämpfer, welche in einem Plastiksack verborgen gewesen sei. Er habe aus einer Distanz von ca. 2 bis 2.5 m mit voll ausgestrecktem Arm auf den Oberkörper bzw. den Kopf der Frau gezielt, die ihm den Rücken zugewandt habe. Daraufhin sei die Frau richtiggehend zusammengesackt und auf den Boden gefallen. Anschliessend sei er mit Y.________ zu einem Haus gefahren, das angeblich dessen Vater gehörte; dort hätten sie eine Tasche mit einer Maschinenpistole "Uzi" abgestellt; der Schalldämpfer habe aus der Tasche geragt. Danach seien sie in einer "Horrorfahrt" in die Schweiz zurückgefahren. Es folgen Aussagen zur Konstruktion der Pistole LR Kal. 22 und des Schalldämpfers sowie zur Frage, weshalb der Schuss wie ein "Abpraller" ausgesehen habe. Am Schluss der Befragung sagte der Beschwerdeführer, er habe noch Lücken, die er in den nächsten Tagen mit der Polizei besprechen werde. Die Verteidigung schliesst daraus, dass die Erinnerungslücken des Beschwerdeführers im gesamten Verfahren immer wieder von der Polizei gefüllt worden sind. Das Kassationsgericht hat diese Darstellung zu Recht als einseitig gewertet. Der Hinweis auf die "Lücken" steht im Zusammenhang mit der vorangegangenen Frage des Untersuchungsrichters, ob der Beschwerdeführer zu seiner heutigen Aussage stehe. Daraufhin antwortete der Beschwerdeführer: "Ganz sicher. Auch wenn es gewisse Punkte gibt, welche ich heute nicht genau angeben konnte, kann ich doch sagen, dass die gemachten Angaben korrekt sind". Er fügte hinzu: "Ich möchte über alles, was ich in der Vergangenheit gemacht habe, umfassend Auskunft geben. Ich will einen Schlussstrich ziehen unter meine Vergangenheit." Berücksichtigt man diesen Kontext, so beziehen sich die "Lücken" nur auf weitere Details, an die sich der Beschwerdeführer nicht oder nicht mehr genau erinnern konnte. Sein Hinweis auf weitere Gespräche mit der Polizei ist im Zusammenhang mit seinem Wunsch nach umfassender Aufklärung seiner Vergangenheit zu sehen und nicht als Hinweis auf eine "Lückenfüllung" seitens der Polizei. Diese Interpretation wird durch das Protokoll der folgenden polizeilichen Einvernahme vom 19. Februar 1998 bestätigt. Dem Beschwerdeführer wurden Fragen zur Besorgung, Abänderung und zum Ausprobieren der Tatwaffe gestellt, die er beantwortete, soweit er sich daran noch erinnern konnte. Auf die Frage, ob er noch etwas beizufügen habe, antwortete er: "Ich kann sagen, dass mir einige kleinere Sachen zur Zeit vor der Tat in C.________ eingefallen sind. Es fehlen da aber noch einige Stücke. Die Tatwaffe kam wahrscheinlich zurück in die Schweiz. In meiner Erinnerung sind der Plastiksack mit der Tatwaffe und die Sporttasche mit der (Maschinenpistole) Uzi getrennt, demnach müsste die Tatwaffe zurückgekommen sein. Im Moment kann ich dazu aber noch nicht mehr sagen." Der Beschwerdeführer versuchte also, sich an weitere Einzelheiten, wie z.B. den Verbleib der Tatwaffe, zu erinnern, ohne dass ihm dazu Vorgaben von der Polizei gemacht worden wären (vgl. zur Lückenhaftigkeit des Geständnisses auch die Überprüfung der Beweiswürdigung unter E. 6.3.3 hiernach). 4.3.7 Am 2. März 1998 widerrief der Beschwerdeführer sein Geständnis. Er äusserte den Verdacht, man habe ihm missbräuchlich Medikamente verschrieben, unter deren Einfluss er das Geständnis abgelegt habe. Er habe keine Schlussfolgerungen mehr ziehen und nicht mehr frei aussagen können. In dieser Zeit sei er "ganz brutal unter Druck gesetzt worden". Sein Vertrauen sei von der Polizei missbraucht worden. Das Geständnis sei ihm vorgeredet worden. Man habe ihm viele Informationen vorgegeben, die man nachträglich wieder abgestritten habe. Man habe ihn auch die Protokolle nicht in Ruhe durchlesen lassen und ihn immer wieder unterbrochen. Vor der Strafkammer machte er weiter geltend, er sei mit der Auslieferung nach Österreich bedroht worden. 4.3.7.1 Der Vorwurf, das Geständnis sei unter dem Einfluss von Medikamenten zustande gekommen, wurde von der Polizei als widerlegt erachtet, weil aufgrund der Medikamentenkarte des Beschwerdeführers und der Aussage seines Gefangenen-Betreuers feststehe, dass der Beschwerdeführer die ihm verschriebenen Medikamente ab dem 28. Januar 1998 nur abends eingenommen und deren Einnahme tagsüber verweigert habe. Der Beschwerdeführer macht denn auch vor Bundesgericht (wie schon in seiner kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde) nicht mehr geltend, das Geständnis unter dem Einfluss von Medikamenten abgelegt zu haben. Auch der Vorwurf, er sei mit der Auslieferung nach Österreich bedroht worden, wird nicht mehr aufrechterhalten. 4.3.7.2 Soweit der Beschwerdeführer rügt, ihm sei keine Zeit gegeben worden, seine Aussageprotokolle durchzulesen, steht dies im Widerspruch zu den handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen in den Einvernahmeprotokollen, namentlich im Geständnis vor dem Untersuchungsrichter (Protokoll S. 1, 2, 3, 4 und 6). Diese belegen, dass dem Beschwerdeführer sehr wohl Zeit gegeben wurde, seine Aussagen nochmals durchzulesen, Fehler zu korrigieren und Ergänzungen anzubringen. 4.3.7.3 Zum Vorwurf, ihm seien zahlreiche Informationen von der Polizei vorgegeben worden, führten das Kantonsgericht (Urteil S. 49) und das Kassationsgericht (Urteil S. 16/17) aus, der Beschwerdeführer habe Details bekannt gegeben, die ihm nicht vorgegeben worden sein konnten. Dazu zähle der Umstand, dass der Täter mit einer durch einen weissen Plastiksack verdeckten Pistole mit Schalldämpfer und ohne Zielvorrichtung geschossen habe. In der Tat waren der Polizei diese Details nur aus den Aussagen des Beschwerdeführers selbst bzw. aus den Zeugenaussagen über Äusserungen des Beschwerdeführers unmittelbar nach der Tat bekannt. Sie stammten also unmittelbar oder zumindest mittelbar vom Beschwerdeführer (vgl. dazu ausführlich die Überprüfung der Beweiswürdigung unter E. 6.3.1 f. hiernach). Dies bestätigte der Beschwerdeführer übrigens ausdrücklich in seiner Einvernahme vom 13. Februar 1998 (Protokoll S. 2 ). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer auch nach dem Widerruf seines Geständnisses daran festhielt, die Tat als Zuschauer erlebt zu haben. Seine Aussagen vor und nach Widerruf des Geständnisses decken sich weitgehend und unterscheiden sich im Wesentlichen nur in der Person des Täters (so schon das Urteil des Kantonsgerichts, S. 50 unten). Dies bedeutet, dass dem Beschwerdeführer Details der Tatausführung, wie z.B. das Schiessen durch eine weisse Plastiktüte oder das Zusammensacken des Opfers, aus eigener Anschauung bekannt waren (vgl. dazu E. 6.3.2 hiernach). Dann aber ist es für die Glaubhaftigkeit des Geständnisses unwesentlich, ob ihm Einzelheiten der Tatausführung durch die Polizei bekannt gegeben wurden oder nicht. Der Fall liegt insofern anders als bei Personen, die ein Geständnis nachträglich widerrufen und geltend machen, überhaupt nie am Tatort gewesen zu sein: Enthält das Geständnis einer solchen Person zutreffende Einzelheiten über die Tatausführung, die sie nicht aus der Zeitung oder von Dritten erfahren haben können, so müssen diese Informationen von der Polizei geliefert worden sein, wenn das Geständnis falsch sein soll. In einem solchen Fall ist es von grosser Bedeutung, die Entstehungsgeschichte eines Geständnisses im Detail verfolgen zu können und über eine möglichst lückenlose Dokumentation auch der gestellten Fragen und der Vorhalte der Polizei zu verfügen. Im vorliegenden Fall stellt sich dagegen die Frage: War der Beschwerdeführer Täter oder Zuschauer? Im beiden Fällen bedurfte er keiner Informationen durch die Polizei, um die Tatausführung zutreffend schildern zu können. 4.3.8 Eine andere Frage ist, ob unter den geschilderten Umständen die Kenntnis des Beschwerdeführers von bestimmten Details der Tatausführung im Rahmen der Beweiswürdigung als belastendes Element berücksichtigt werden durfte, nachdem der Beschwerdeführer auch nach dem Widerruf seines Geständnisses geltend machte, Zuschauer der Tat gewesen zu sein. Das Kantonsgericht hat jedoch eingehend geprüft, ob ein Dritter als Täter in Betracht komme (E. 4 S. 60 f.). Es hielt diese Variante nach einer ausführlichen Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers und der übrigen Zeugen für nicht in sich stimmig. Entscheidend ist, dass es in diesem Zusammenhang den Kenntnissen des Beschwerdeführers zum Tathergang keine entscheiderhebliche Bedeutung beimass - abgesehen davon, dass es verwunderlich sei, dass der Beschwerdeführer in der Lage sei, das Geschehene so detailliert zu schildern, obwohl er das Ganze gar nicht richtig realisiert haben wolle (Urteil Kantonsgericht S. 61 oben), und dass er den Dritttäter auch nicht ansatzweise beschreiben könne, obwohl er sich ansonsten an zahlreiche Details erinnere und in der Lage sei, entsprechende Skizzen anzufertigen (Urteil Kantonsgericht S. 61 und S. 62 oben). Dann aber kann dem Kantonsgericht in diesem Punkt keine verfassungswidrige Beweiswürdigung vorgeworfen werden (zur Rüge der willkürlichen Beweiswürdigung vgl. im Übrigen E. 6.3 hiernach). 4.4 Zusammenfassend ergeben sich aus den Akten keine Hinweise auf verbotene Vernehmungsmethoden. Die Vorwürfe, das Geständnis sei unter dem Einfluss von Medikamenten oder aufgrund der Drohung mit der Auslieferung nach Österreich zustande gekommen, hat der Beschwerdeführer bereits im kantonalen Verfahren fallen gelassen. Der Vorwurf der Täuschung durch Vorhalt aktenwidriger Zeugenaussagen wurde durch das Kassationsgericht widerlegt und wird heute vom Beschwerdeführer nicht mehr aufrechterhalten. Es gibt auch keine Hinweise in den Protokollen auf suggestive Fragestellungen der Polizeibeamten. Dem Beschwerdeführer wurde, wie seine handschriftlichen Anmerkungen belegen, genügend Zeit gegeben, die Aussageprotokolle durchzulesen und auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit zu überprüfen. Zwar trifft es zu, dass gewisse informelle Gespräche des Beschwerdeführers mit der Polizei nicht aufgezeichnet worden sind. Sie wurden jedoch zumindest nachträglich zusammenfassend wiedergegeben und dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit gegeben, seine Angaben vom Vormittag oder vom Vortag zu wiederholen. Seine Aussagen sind deshalb nicht in unzulässiger Weise ignoriert worden. Insgesamt war es dem Sachrichter aufgrund der Einvernahmeprotokolle durchaus möglich, das Zustandekommen des Geständnisses und seines Widerrufs nachzuvollziehen, wie die ausführlichen Erwägungen des Kantonsgerichts (E. 2d S. 41) belegen. Unter diesen Umständen widersprach es trotz der unvollständigen Protokollierung der zum Geständnis führenden Einvernahmen weder dem Gebot eines fairen Strafverfahrens (Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Art. 29 Abs. 1 BV bzw. Art. 4 aBV) noch dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 4 aBV) und dem Willkürverbot (Art. 9 BV; Art. 4 aBV), die Einvernahmen des Beschwerdeführers vom 16. Januar bis zum 27. Februar 1998 und namentlich sein Geständnis vom 17. Februar 1998 im Strafprozess zu verwerten.