Citation: 6B_1079/2022 E. 3.5.3

3.5.3. Die Pflicht, unter Verletzung des Anwesenheitsrechts einer Partei erfolgte Einvernahmen aus den Akten zu entfernen, und das Verbot, solche Einvernahmen für die Vorbereitung der erneuten Befragung zu verwenden, leitete das Bundesgericht in BGE 143 IV 457 aus Art. 141 Abs. 5 StPO ab (BGE, a.a.O., E. 1.6.2). Allerdings statuiert Art. 147 Abs. 4 StPO wie dargelegt (oben E. 3.5.2) - anders als Art. 141 Abs. 1 und 2 StPO, welche nicht zwischen Verwertungsverboten zugunsten und zulasten der beschuldigten Person unterscheiden (vgl. dazu Urteil 6B_1362/2020 vom 20. Juni 2022 E. 14.4.3) - ausdrücklich nur ein Verwertungsverbot zulasten der nicht anwesenden Partei. Das Bundesgericht betonte in seiner Rechtsprechung zudem, dass unverwertbare Aussagen nicht zwingend sofort aus dem Dossier zu entfernen und zu zerstören sind, da über die strittige Frage der Verwertbarkeit von Beweismitteln grundsätzlich der Sachrichter zu befinden hat (vgl. Art. 339 Abs. 2 lit. d StPO), von welchem erwartet werden kann, dass er in der Lage ist, die unzulässigen Beweise von den zulässigen zu unterscheiden und sich bei der Würdigung ausschliesslich auf Letztere zu stützen (vgl. BGE 148 IV 137 E. 5.7; 144 IV 90 E. 1.1.3; 143 IV 475 E. 2.7, 387 E. 4.4; je mit Hinweisen). Dass die Vorinstanz vorliegend Kenntnis von den unverwertbaren Aussagen nehmen konnte, führt daher ebenfalls nicht zur Aufhebung des angefochtenen Entscheid.