Citation: 6S.451/2004 02.03.2006 E. 3

Eine Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB kann nur begehen, wer sich als Treuhänder verpflichtet, dem Treugeber den Wert der empfangenen Mittel ständig zu erhalten (sog. Werterhaltungspflicht; BGE 124 IV 9 E. 1a S. 10 f.). Diese Pflicht kann sich aus Gesetz oder aus Vertrag ergeben. Nach der Rechtsprechung besteht unter Umständen auch bei einem Darlehen eine Werterhaltungspflicht. Voraussetzung dafür ist, dass der Borger nicht allein verpflichtet ist, das Darlehen am vereinbarten Zeitpunkt zurückzuerstatten, sondern er zusätzlich gehalten ist, die empfangenen Vermögenswerte zu einem bestimmten Zweck zu verwenden, um das Verlustrisiko des Darleihers zu begrenzen (BGE 124 IV 9 E. 1d und e S. 12 f.). Wie die Vorinstanz verbindlich feststellt, verpflichtete sich der Beschwerdeführer, die von den Kunden erhaltenen Gelder mit der von einem ordentlichen Vermögensverwalter zu erwartenden Sorgfalt gewinnbringend anzulegen. Er sicherte seinen Klienten wohl einen festen Zins zu, doch geschah dies vor dem Hintergrund, mit einer geschickten Anlagepolitik noch höhere Renditen erzielen und so die Kosten decken und einen eigenen Gewinn realisieren zu können. Die Vorinstanz hält fest, für die Anleger habe trotz der Zusicherung eines festen Mindestertrags das Risiko bestanden, dass der Beschwerdeführer keine ausreichende Rendite erwirtschaften und die empfangenen Mittel nicht zurückerstatten könnte. Jedenfalls hätten die Geschädigten dem Beschwerdeführer mit Sicherheit kein Geld überlassen, wenn sie gewusst hätten, dass er mit dem grössten Teil davon gar keine Anlagen tätigen, sondern sie zur Tilgung bestehender Schulden und zur Befriedigung eigener Bedürfnisse verwenden würde. Bei einer vertragsgemässen sorgfältigen Anlagepolitik hätten die Klienten zumindest nicht mit einem Totalverlust ihrer überlassenen Gelder rechnen müssen. Die Verpflichtung des Beschwerdeführers, die von den Kunden erhaltenen Gelder sorgfältig gewinnbringend anzulegen, diente offenkundig dazu, deren Verlustrisiko zu verringern. Damit ist eine Werterhaltungspflicht nach der oben erwähnten Rechtsprechung zu bejahen, unabhängig davon, ob die abgeschlossenen Treuhandverträge als Aufträge oder als Darlehen zu qualifizieren sind. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers besteht kein Anlass, auf diese Praxis zurückzukommen, zumal sie bereits im letzten publizierten Entscheid kritisch überprüft wurde (BGE 124 IV 9 E. 1c S. 11 f.). Der Beschwerdeführer stellt jedoch in Frage, dass gegenüber allen Geschädigten von einer abmachungswidrigen Verwendung der überlassenen Gelder gesprochen werden könne. Die Vorinstanz lasse das Strategiepapier von Z.________ vom 8. September 2003 (Urkunde 103008) ausser Acht, woraus sich das Gegenteil ergebe. Dieses offensichtliche Versehen müsse gemäss Art. 277bis Abs. 1 BStP berichtigt werden. Die Urkunde 103008 enthält jedoch kein Strategiepapier von Z.________. Ein solches findet sich in Urkunde 103003, allerdings mit Datum vom 8. September 1993 und nicht 2003. Ihm lässt sich aber nicht entnehmen, dass einzelne Kunden mit der Verwendung ihrer Gelder zur Rückzahlung alter Verbindlichkeiten einverstanden gewesen wären. Die Vorinstanz nimmt daher zu Recht an, dass die im Anklage-Abschnitt A genannten Handlungen - mit Ausnahme der im angefochtenen Urteil aufgezählten Transaktionen - den objektiven Tatbestand der Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB erfüllen.