Citation: 6B_882/2024 E. 4.4.2

4.4.2. Die Vorinstanz geht von der Anwendbarkeit des FZA auf den (italienischen) Beschwerdeführer aus, sieht darin allerdings aufgrund der begangenen "erheblichen Straftat" und des als hoch bewerteten Rückfallrisikos keinen Hinderungsgrund für die Landesverweisung. Zwar ist dem Beschwerdeführer darin zuzustimmen, dass vorliegend keine hohen Rechtsgüter wie beispielsweise die körperliche Unversehrtheit betroffen sind. Dies bedeutet aber nicht, dass Vermögensdelikte keine einschränkenden Massnahmen nach Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA begründen können, zumal es vorliegend um einen Deliktsbetrag von Fr. 60'000.-- geht. An die Wiederholungsgefahr bzw. die Legalprognose sind jedoch entsprechend höhere Anforderungen zu stellen. Diesbezüglich macht der Beschwerdeführer geltend, die Gewährung des teilbedingten Vollzugs spreche für eine positive Legalprognose. Grundvoraussetzung für eine teilbedingte Strafe ist allerdings nicht eine günstige Prognose, sondern das Fehlen einer ungünstigen Prognose (vgl. dazu BGE 144 IV 277 E. 3.1.1). Der teilbedingte Vollzug kann gerade auch dann gewährt werden, wenn erhebliche Bedenken an der Legalbewährung des Täters bestehen, die bei einer Gesamtwürdigung aller Umstände noch keine eigentliche Schlechtprognose zu begründen vermögen (BGE 134 IV 1 E. 5.5.2; Urteile 6B_265/2024 vom 21. Oktober 2024 E. 1.1.2; 6B_395/2024 vom 16. Oktober 2024 E. 1.2.1; 6B_962/2023 vom 26. Februar 2024 E. 2.3.2; je mit Hinweisen). Aus den Erwägungen der Vorinstanz geht klar hervor, dass sie aufgrund der Suchtproblematik und der instabilen beruflichen und persönlichen Situation des Beschwerdeführers "ganz erhebliche Bedenken" an seiner Legalbewährung hegt; im Zusammenhang mit der Dauer der Landesverweisung spricht sie sogar ausdrücklich von einer "ungünstigen" Prognose. Auf die Gewährung des Strafaufschubs als solche konnte sie aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) nicht zurückkommen. Sie hat aber den unbedingt zu vollziehenden Teil der Strafe - wie sie zu Recht hervorhebt - auf dem gesetzlichen Maximum (vgl. Art. 43 Abs. 2 StGB) belassen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers hätte es ihr durchaus freigestanden, den vollziehbaren Anteil zu reduzieren. Es trifft also nicht zu, dass die Vorinstanz von einer günstigen Prognose ausgehen würde. Ohnehin gilt im ausländerrechtlichen Bereich - die FZA-Prüfung ist letztlich nicht strafrechtlicher Natur - aufgrund der unterschiedlichen Zielsetzungen von Straf- und Ausländerrecht ein strengerer Beurteilungsmassstab (vgl. Urteil 6B_378/2018 vom 22. Mai 2019 E. 4.4 [nicht publ. in BGE 145 IV 364] mit Verweis auf BGE 137 II 233 E. 5.2.2; vgl. auch Urteile 6B_999/2023 vom 9. September 2024 E. 2.3.3; 6B_748/2021 vom 8. September 2021 E. 1.3.2; 6B_736/2019 vom 3. April 2020 E. 1.2.2). Die ausgesprochene Landesverweisung erweist sich auch unter dem Blickwinkel von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA als rechtmässig.