Citation: U 259/03 06.08.2004 E. 3

Die Versicherte macht namentlich geltend, die im Bereich des linken Hemithorax weiterbestehenden Schmerzen seien auf eine Distorsion der Halswirbelsäule oder eine unfallbedingte hirnorganische Veränderung zurückzuführen. Die Kontusionen an Thorax, Ellbogen und Unterschenkeln selber sind unbestrittenermassen ausgeheilt. 3.1 Der Unfall vom 18. November 2001 bestand in einer seitlichen Frontalkollision; die Beschwerdeführerin stiess dabei mit dem rechten Jochbein (Wangenpartie) gegen den Innenspiegel, ohne dass dabei - mit Ausnahme einer kleinen Schürfung - eine Verletzung manifest geworden wäre. Eine eigentliche Schleudertraumaverletzung (im Sinne des sogenannten Peitschenschlagmechanismus, das heisst nach abrupter Retro- und sodann Anteflexionsbewegung ohne Kopfanprall; vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage, S. 1499 [Stichwort: Schleudertrauma]) scheidet bei diesem Hergang aus. Zu fragen ist vielmehr, ob eine Distorsion der Halswirbelsäule oder eine milde traumatische Hirnverletzung stattgefunden habe (dazu Jürg Senn, Das "Schleudertrauma" der Halswirbelsäule - Bemerkungen zum Stand der Diskussion, in: SZS 40/1996, S. 317 ff.; Steinegger/Walz/Dvorak/Jenzer/Radanov/Kind, Das sogenannte "Schleudertrauma" und der Grenzbereich zum leichten Schädel-Hirn-Trauma ["mild traumatic brain injury"], unter Berücksichtigung psychoreaktiver Störungen nach Unfällen - zum Erkenntnisstand, in: SZS 40/1996, S. 433 ff.). Verletzungen von umgebenden Weichteilen (Bändern, Sehnen, Muskeln, Gelenkkapseln, Nerven) oder gar der Halswirbelsäule selbst, die durch einen "äquivalenten" Mechanismus entstanden sind (so bei Distorsion der Halswirbelsäule mit Kopfanprall), und auch das Schädel-Hirn-Trauma (vgl. Felix Walz, Weichteilverletzungen der Halswirbelsäule und "leichte" Hirnverletzungen bei Autoinsassen; biomechanische Voraussetzungen, in: SZS 40/1996, S. 437 f., 444) sind mit den Folgen eines Schleudertraumas vergleichbar. In solchen Fällen kommt die Rechtsprechung zum natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang nach Schleudertrauma (BGE 119 V 335, 117 V 359) zur Anwendung (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2). 3.2 Eine am 18. Januar 2002 im Spital M.________ durchgeführte Magnetresonanztomographie (MRI) der Halswirbelsäule - die Beschwerdeführerin klagte erst anlässlich der Aufnahme eines Arbeitsversuchs am 14. Januar 2002 über Nackenbeschwerden - zeigt ein unauffälliges Bild. Dies allein vermag eine Schädigung der (Weichteil-)Strukturen bekanntlich nicht auszuschliessen. Indes wurde der Befund durch eine eingehende neurologische - wenn auch nicht neuropsychologische - Abklärung bestätigt (Bericht des Dr. R.________ vom 5. März 2002). Als ausschlaggebend erscheint, dass in der Befundaufnahme des erstversorgenden Spitals M.________ weder äussere noch innere Verletzungen des Kopfes verzeichnet wurden, die auf eine namhafte Gewalteinwirkung hingedeutet hätten (wie etwa eine Schädelprellung oder Gehirnerschütterung [Commotio cerebri]; vgl. SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 3a). Bei dieser Ausgangslage spricht kaum etwas für das Vorliegen eines Schädel-Hirn-Traumas (einer milden traumatischen Hirnverletzung) oder einer Distorsionsverletzung der Halswirbelsäule. Wurde in medizinischen Stellungnahmen mitunter von letzterem ausgegangen (so im Bericht des Neurologen Dr. A.________ vom 15. Mai 2002), so handelt es sich dabei nicht um das Ergebnis einer einlässlichen Kausalitätsbeurteilung, welche an der vorstehend dargelegten Sachlage etwas zu ändern vermöchte. 3.3 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in diesem Zusammenhang geltend gemacht, das kantonale Gericht habe eine materielle Rechtsverweigerung begangen, indem es sich in seinem Entscheid nicht zur Relevanz von (in autorisierter deutscher Übersetzung vorliegenden) Berichten des Zentrums für medizinische Rehabilitation F.________ (Bosnien-Herzegowina), sowie des Radiologischen Zentrums U.________, Sarajevo, vom Juli 2003 ausgesprochen hatte. 3.3.1 Das kantonale Gericht hat auch eine dritte Eingabe des Rechtsvertreters mit den genannten medizinischen Dokumentationen zu den Prozessakten genommen, wiewohl der zweifache Schriftenwechsel schon abgeschlossen war, und der Gegenpartei zur Kenntnis- und allfälligen Stellungnahme zugesandt. Davon hat die SUVA Gebrauch gemacht. Der Umstand, dass die fraglichen Atteste nur in der Prozessgeschichte, nicht aber in den materiellen Erwägungen des angefochtenen Entscheids Erwähnung finden, stellt für sich allein keine Verletzung der Justizgewährleistung, des rechtlichen Gehörs oder der gerichtlichen Begründungspflicht dar. Vielmehr hat das kantonale Gericht damit zu erkennen gegeben, dass es den Berichten keine verfahrensentscheidende Bedeutung beimass. 3.3.2 Selbst wenn ein Verfahrensmangel angenommen werden müsste, wäre er im bundesgerichtlichen Leistungsprozess heilbar, zumal eine umfassende Überprüfungsbefugnis des erkennenden Gerichts vorgesehen ist (Art. 132 lit. a und b OG). Die computertomographisch abgestützten Feststellungen der bosnischen Ärzte, wonach die Versicherte zum einen eine Gehirnerschütterung mit der Folge einer "Hypodens-Zone links parietal", zum andern eine nackentraumatisch verursachte dorso-mediale Diskushernie erlitten habe, sind kaum mit dem Unfallhergang und den aktenkundigen Befunden vereinbar. Nicht nur zeigte die zwei Monate nach dem Unfall im Spital M.________ durchgeführte MRI der Halswirbelsäule ein unauffälliges Bild, nachdem (erst) anlässlich eines Arbeitsversuchs Mitte Januar 2002 Nackenbeschwerden aufgetreten sind. In der Klinik B.________ wurde lediglich eine Radiographie der Brustwirbelsäule angefertigt, die keine posttraumatischen Veränderungen sichtbar machte; die an der Halswirbelsäule erhobenen Befunde (Bewegungsschmerzen, Druckdolenzen) liessen den (nochmaligen) Einsatz bildgebender Diagnostik offenbar nicht als erforderlich erscheinen. Auch kann der anhand der beigebrachten Atteste geltend gemachte Hirnbefund nicht auf den Unfall zurückgeführt werden, weil nichts darauf hindeutet, dass der Unfall Läsionen im Bereich des Kopfes hervorgerufen haben könnte (Erw. 3.2 hievor). Entscheidmassgebend ist, dass die (alternativ) notwendigen Begleitsymptome einer milden Gehirnverletzung (Gedächtnisstörung [Amnesie], [auch kurzzeitiger] Bewusstseinsverlust oder eine andere Veränderung des Bewusstseins zur Zeit des Unfalls [Desorientierung, Verwirrtheit]; dazu Gerhard Jenzer, Klinische Aspekte bei HWS-Belastungen durch Kopfanprall oder Beschleunigungsmechanismus: Grenzbereich zum "leichten" Schädel-Hirn-Trauma, in: SZS 40/1996, S. 465 ff.) bei der Beschwerdeführerin nicht gegeben waren (Bericht des SUVA-Kreisarztes vom 30. Januar 2002). 3.4 Ein Hinweis auf eine mögliche organische Schädigung ergibt sich schliesslich aus dem Bericht des behandelnden Physiotherapeuten W.________ vom 3. Juni 2003, soweit dieser die Auffassung vertritt, beim Unfall seien diverse Rippen verrenkt worden, wodurch bei mehreren Bändern Zerrungen oder Risse eingetreten seien. Solche Verletzungen führten zu einer labilen Gelenksverbindung zwischen Rippen und Wirbeln. Diese Destabilisierung wiederum ermögliche eine Verletzung von seitlich austretenden Nerven. Die dadurch hervorgerufenen Schmerzen würden durch eine aus Gründen der Stabilisierung eintretende Muskelverspannung noch verstärkt. Dieses Erklärungsmuster für eine somatische Ursache des Schmerzbefundes ist zwar durchaus nachvollziehbar; es entspricht aber nur einer Hypothese, welche durch diagnostische Mittel nicht erhärtet wird. Im Austrittsbericht der Klinik B.________ vom 27. Juni 2002 wird ausdrücklich festgehalten, in der klinischen Untersuchung zeige sich eine uneingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule bei guter Bandstabilität. 3.5 Schliesslich kann aus der biomechanischen Beurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom 26. Juni 2002, wonach die bei der Beschwerdeführerin festgestellten Beschwerden und Befunde durch die Kollisionseinwirkung "erklärbar" seien, mit Bezug auf die Kausalitätsfrage nichts abgeleitet werden. Eine unfalltechnische oder biomechanische Analyse vermag allenfalls gewichtige Anhaltspunkte zur - einzig mit Blick auf die Adäquanzprüfung relevanten (Urteil W. vom 30. April 2001, U 396/99, Erw. 2b in fine) - Schwere des Unfallereignisses zu liefern; sie bildet aber - weder in bejahendem noch in verneinendem Sinne - eine hinreichende Grundlage für die Beurteilung der natürlichen Kausalität (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359). 3.6 Nach dem Gesagten lagen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine organischen Folgen des Unfalles vom 18. November 2001 mehr vor, als die SUVA gestützt auf die umfangreichen medizinischen Akten den Fall mit Verfügung vom 10. September 2002 auf Mitte September 2002 ohne Zusprechung von Rentenleistungen abschloss. Die Vorinstanz durfte daher ohne Verletzung von Bundesrecht die andauernden Beschwerden und Schmerzen nicht als somatische Folgen des erlittenen Unfalls interpretieren, bei welchen sich der natürliche und der adäquate Kausalzusammenhang im praktischen Ergebnis weitgehend decken.