Citation: 6B_844/2023 E. 2.3.1

2.3.1. Die Vorinstanz bewertet zunächst das objektive Tatverschulden für die mehrfache qualifizierte Entführung als schwerste Straftat. Dabei berücksichtigt sie den Deliktszeitraum von sechseinhalb Jahren, der weit über der die Qualifikation nach Art. 184 Abs. 4 StGB begründenden Dauer von zehn Tagen liege, als erschwerend. Sie hält fest, es könne keine Rede davon sein, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich einer Repatriierung der Söhne in die Schweiz zur Kooperation mit den zuständigen Behörden bereit sei. Vielmehr sei offensichtlich, dass er mit seiner beharrlichen Verweigerungshaltung seine faktische Machtposition hinsichtlich der Kinder nach wie vor schamlos ausnütze. Auch wenn das ursprüngliche Verbringen nach Nigeria verschuldensmässig bereits mit der ersten Verurteilung abgegolten worden sei, stehe fest, dass es den heranwachsenden Kindern durch das Fortdauern des rechtswidrigen Zustands, den der Beschwerdeführer geschaffen habe und seither mutwillig aufrecht erhalte, dauerhaft und wohl endgültig verunmöglicht werde, während ihrer Kindheit und Adoleszenz die nötige Beziehung zu den Eltern aufzubauen und mit ihnen Umgang zu pflegen. Die Perpetuierung dieses Missstands über eine so lange Zeit hinweg stelle zweifellos eine krasse und irreversible Verletzung des Kindswohls dar, die weit über die ursprüngliche Entführungshandlung hinausgehe. Auf der anderen Seite sei zu berücksichtigen, dass seit dem Verbringen der Kinder nach Nigeria elf Jahre vergangen seien, womit inzwischen eine vollständige Entwurzelung von ihrem ursprünglichen schweizerischen Umfeld stattgefunden haben dürfte. Obwohl das Schicksal der Kinder mangels Angaben völlig im Ungewissen bleibe, müsse zugunsten des Beschwerdeführers immerhin angenommen werden, dass sie sich - so sie überhaupt noch am Leben seien - an ihrem Aufenthaltsort in Nigeria wohl zumindest frei bewegen könnten. Insgesamt erscheine es als angezeigt, das objektive Tatverschulden - ohne es im Geringsten bagatellisieren zu wollen - in Beachtung der bereits erfolgten Verurteilung und in Relation zum sehr weiten Strafrahmen von bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe noch als leicht zu bewerten. Die hypothetische Einsatzstrafe sei daher - unter Berücksichtigung der mehrfachen Tatbegehung - auf dreieinhalb Jahre anzusetzen (Urteil S. 20 ff.). Diese Beurteilung liegt ohne Weiteres innerhalb des der Vorinstanz zustehenden Ermessens. Auch berücksichtigt die Vorinstanz alle wesentlichen Elemente und begründet ihre Einschätzung hinreichend. Zwar hält sie nicht explizit fest, in welchem Umfang sie die Deliktsdauer, die beharrliche Verweigerungshaltung und das Ausnützen der Machtposition erschwerend berücksichtigt. Da sie jedoch die objektive Tatschwere insgesamt als leicht bezeichnet, ergibt sich, dass sie die vorgenannten Aspekte leicht erschwerend in ihre Beurteilung einbezieht; dies genügt vorliegend als Begründung (vgl. E. 2.2; BGE 127 IV 101 E. 2c). Auch stellt sie damit die vorliegende Deliktsdauer implizit der denkbar längstmöglichen Deliktsdauer gegenüber (vgl. Beschwerde S. 10). Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers beachtet die Vorinstanz sein Vorbringen, dass der Deliktsdauer immer weniger Bedeutung beizumessen sei, insoweit als sie die mutmasslich mittlerweile eingetretene vollständige Entwurzelung der Kinder zu seinen Gunsten miteinbezieht. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, es treffe nicht zu, dass er eine Verweigerungshaltung an den Tag gelegt und eine Machtposition ausgenutzt habe, sondern vielmehr seine Bereitschaft zur Kooperation und Mitwirkung zu seinen Gunsten bei der Strafzumessung zu berücksichtigen gewesen wäre, weicht er vom verbindlich festgestellten Sachverhalt ab (vgl. E. 1.4.3; Art. 105 Abs. 1 BGG), weshalb darauf nicht einzutreten ist. Schliesslich ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz eine krasse und irreversible Verletzung des Kindswohls im Umstand erblickt, dass den Kindern dauerhaft und wohl endgültig verunmöglicht wird, während ihrer Kindheit und Adoleszenz die nötige Beziehung zu den Eltern aufzubauen und mit ihnen Umgang zu pflegen, und dies unabhängig von den Umständen, unter denen die Kinder in Nigeria aufwachsen, verschuldenserhöhend berücksichtigt.