Citation: 2C_357/2022 E. 4.5.1

4.5.1. Zur Prüfung der Verhältnismässigkeit der Massnahme müssen die öffentlichen Interessen am Widerruf der Bewilligung respektive an der Aufenthaltsbeendigung mit den Interessen am Verbleib in der Schweiz abgewogen werden. Dabei ist das Interesse an einer Kontrolle und Steuerung der Zuwanderung (Art. 121a BV) bzw. an der Erhaltung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung ein legitimes Interesse, das im Rahmen der Verhältnismässigkeit Eingriffe in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK rechtfertigen kann (BGE 144 I 266 E. 3.7; 138 I 246 E. 3.2.2; 137 I 247 E. 4.1.2; Urteile des EGMR M.A. gegen Dänemark vom 9. Juli 2021 § 142; Biao gegen Dänemark vom 24. Mai 2016 § 117 mit weiteren Hinweisen). Zu berücksichtigen sind weiter namentlich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit in der Schweiz sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile (BGE 139 I 245 E. 2.4; Urteil 2C_814/2020 vom 18. März 2021 E. 6.1). Je länger der Ausländer bereits in der Schweiz anwesend ist, desto höher sind die Anforderungen an die Beendigung des Aufenthalts (Urteil 2C_814/2020 vom 18. März 2021 E. 6.1). Zeiträume, während derer sich der Ausländer illegal in der Schweiz aufgehalten hat oder der Aufenthalt in der Schweiz aufgrund der aufschiebenden Wirkung eines Rechtsmittels lediglich toleriert wurde, sind jedoch nicht ausschlaggebend (BGE 137 II 1 E. 4.3; Urteil 2C_814/2020 vom 18. März 2021 E. 6.1). Die Bedeutung der Aufenthaltsdauer ist zudem zu relativieren, wenn sie durch falsche Angaben oder das Verschweigen wesentlicher Tatsachen ermöglicht wurde (Urteile 2C_754/2018 vom 28. Januar 2019 E. 6.2; 2C_251/2018 vom 7. November 2018 E. 5.2 mit Hinweisen). Wenn sich der Ausländer dank eines Aufenthaltstitels in der Schweiz integrieren konnte, den er durch Täuschung der Behörden erworben hatte, kommt der guten Integration in der Interessenabwägung ebenfalls nur geringes Gewicht zu. Sie kann jedenfalls für sich alleine keine Verlängerung des Aufenthalts in der Schweiz rechtfertigen (Urteile 2C_814/2020 vom 18. März 2021 E. 6.1; 2C_754/2018 vom 28. Januar 2019 E. 6.2).