Citation: 6B_867/2022 E. 4.4.1

4.4.1. Gemäss vorinstanzlicher Sachverhaltsfeststellung sei der am xx. xx. 1986 in Travnik, Bosnien-Herzegowina geborene Beschwerdeführer am yy. yy. 1987 mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz eingereist, wo sich die Familie in der Gemeinde U.________, Graubünden niedergelassen habe. Er spreche deshalb fliessend Deutsch. In U.________ habe er die obligatorische Schulzeit absolviert. Es sei auffällig, dass der Beschwerdeführer im Erwachsenenalter es immer wieder versäumt habe, sich um die Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung zu kümmern. Dementsprechend sei er auch mehrfach durch die Staatsanwaltschaft Graubünden wegen Übertretung des Ausländergesetzes verurteilt worden, trotz Mahnung der Fremdenpolizei des Kantons Graubünden, "schwerwiegendere fremdenpolizeiliche Massnahmen" zu ergreifen. Die Vorinstanz stellt gestützt auf die Verfügung des Amtes für Migration und Zivilrecht Graubünden fest, seine Aufenthaltsbewilligung sei seit dem 13. Dezember 2018 erloschen, wobei auf der Grundlage der entsprechenden rechtskräftigen Feststellungsverfügung davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer an einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz bzw. an einer Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nicht interessiert sei. Die Vorinstanz hält weiter fest, dass der Beschwerdeführer insbesondere in Bosnien-Herzegowina über ein umfassendes und tragfähiges soziales Umfeld verfüge. Namentlich seine Mutter, seine Schwester sowie viele weitere Verwandte, durch die er in beruflicher Hinsicht bereits Unterstützung erfahren habe, lebten allesamt in Bosnien-Herzegowina. Zu seinem in der Schweiz lebenden Vater habe er demgegenüber keinen gefestigten Kontakt. Die Aufrechterhaltung der Beziehung zu seiner Partnerin und der Kontakte zu seinen Geschwistern in der Schweiz wäre sodann, wie bisher, mit modernen Kommunikationsmitteln oder auch durch Besuche in Bosnien-Herzegowina möglich. Eine Landesverweisung würde gemäss vorinstanzlicher Schlussfolgerung die familiären und sozialen Kontakte des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht in unzumutbarer Weise einschränken, zumal seine familiären Bindungen in der Schweiz ihn auch keineswegs dazu bewogen hätten, sich um die Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung zu bemühen. Die Vorinstanz fährt fort, der Beschwerdeführer habe nach der obligatorischen Schulzeit in U.________ eine Anlehre als Sanitär/Baupraktiker absolviert. Seine weitere berufliche Entwicklung zeige sich insgesamt als ausgesprochen durchzogen, ohne eine lang dauernde Tätigkeit beim gleichen Arbeitgeber oder eine Festanstellung zu verzeichnen. Zwischenzeitlich habe er auch Arbeitslosengeld bezogen und sei auch mehrfach auf sozialhilferechtliche Unterstützung verschiedener Gemeinden im Kanton Graubünden angewiesen gewesen, weswegen (weiterhin) sozialhilferechtliche Rückzahlungspflichten bestünden. Es könne nicht von einer beruflich stabilen Situation gesprochen werden. Seine allgemeine finanzielle Lage sei ebenfalls angespannt und er habe gemäss eigenen Angaben Schulden von mehr als Fr. 19'000.-- (angefochtener Entscheid S. 8 E. III. 3. cc). Schliesslich führt die Vorinstanz zu den Resozialisierungschancen des Beschwerdeführers aus, diese erschienen in Bosnien-Herzegowina nicht deutlich schlechter als in der Schweiz. Er habe keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Er kenne die Gepflogenheiten in seinem Heimatland, habe er doch mittlerweile bereits über ein Jahr dort gelebt. Sdann spreche er bosnisch. Weiter habe er in Bosnien-Herzegowina tragfähige familiäre Kontakte bzw. mehrere Verwandte, die ihn bei der zukünftigen Stellensuche unterstützen könnten. So habe er dort bereits bei seinem Onkel als Plattenleger arbeiten können. Seine abgeschlossene Ausbildung als Sanitär/Baupraktiker sowie seine Erfahrung im Baugewerbe würden ihm die Stellensuche ebenfalls erleichtern. Gestützt auf diese Überlegungen gelangt die Vorinstanz zum nachvollziehbaren Ergebnis, dass mit der Landesverweisung kein persönlicher Härtefall für den Beschwerdeführer einhergeht.