Citation: 8C_127/2009 16.06.2009 E. 5

Streitig ist, inwiefern sich die erlittenen Augenverletzungen auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, dass ihm eine Angewöhnungszeit zu gewähren sei. Er stützt sich dabei auf das von ihm eingeholte Gutachten des PD Dr. med. W.________ vom 4. März 2008. 5.1 Der Gutachter vertritt dort die Auffassung, dass der Beschwerdeführer eine Anpassungsphase mit beispielsweise 50%iger Tätigkeit während eines Jahres brauche, mit späterem Übergang in eine 100%ige Tätigkeit. Eine exakte Prognose sei nicht möglich; vorerst sei offen, ob wegen der störenden Nebenerscheinungen (Tränen, Trockenheit der Augen, Augen-/Kopfschmerzen) während einer maximalen Arbeitszeit auch eine volle Leistungsfähigkeit erbracht werden könne. Der Gutachter führt des Weiteren aus, dass die Einschränkung in der Leistungsfähigkeit abhängig sei von der Differenziertheit der Tätigkeit; jede komplizierte visuelle Tätigkeit führe zu einem Leistungsabstand gegenüber einer gesunden Person. 5.2 Demgegenüber attestierte PD Dr. med. S.________ in seinem Gutachten vom 24. Februar 2005 bei leidensangepasster Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Er weist darauf hin, dass der Versicherte vor seinem zweiten Unfall mit Verletzung des linken Auges trotz des schlechten Visus am rechten Auge seit dem ersten Unfall, also während etwa acht Jahren, voll als Maurer gearbeitet hatte. Da nun der Visus am linken Auge wieder hergestellt sei, spreche von den ophthalmologischen Befunden her nichts grundsätzlich gegen die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit. Tätigkeiten, die ein räumliches Sehen bedingen, sollten vermieden werden. Dr. med. F.________ gab diesbezüglich eine differenzierte Stellungnahme (vom 13. Mai 2008) ab und ging davon aus, dass dem Versicherten Tätigkeiten, welche Stereopsis erforderten, nicht zumutbar seien. Alle Tätigkeiten, die ein gutes bis sehr gutes Sehen voraussetzen würden, seien nicht mehr zumutbar, insbesondere auch solche, die Kontrolltätigkeiten beinhalteten. Tätigkeiten, welche mittelgutes bis gutes Sehen erforderten, seien grossenteils prinzipiell mit einer verminderten Leistungsfähigkeit ausführbar, wobei die Einschränkung je nach Sehanspruch zwischen 10 und 30% schwanke. Schliesslich nennt er knapp 40 Tätigkeiten, welche der Beschwerdeführer uneingeschränkt ausüben könne. PD Dr. med. W.________, welcher in seinem Gutachten vom 4. März 2008 Tätigkeiten unter relativ statischen Arbeitsbedingungen wie konstante Beleuchtung und Vermeidung dynamischer Abläufe mit permanenten visuellen Anpassungserfordernissen als zumutbar erachtet hatte, nahm zur Beurteilung des Dr. med. F.________ am 16. Juni 2008 Stellung. Dabei werden die Ausführungen des SUVA-Arztes nicht grundsätzlich bestritten, wenn auch einzelne Berufe wie etwa Krankenpfleger als eher unrealistisch bezeichnet werden. Er beharrt indessen darauf, dass für eine Arbeitsaufnahme eine Angewöhnungszeit mit vorerst begrenzter Arbeitsfähigkeit zu fordern sei. 5.3 Somit besteht grundsätzlich Einigkeit darin, dass dem Versicherten eine leidensangepasste Tätigkeit zumutbar ist. Es wird darauf hingewiesen, dass das räumliche Sehvermögen eingeschränkt ist und dass sich das linke Auge nicht an die Lichtverhältnisse anpassen kann. Wie Frau Dr. med. B.________ am 16. April 2007 ausführte, lässt sich dies indessen mit einer phototropen Brille abfangen; bezüglich des Akkomodationsverlustes sei er mit einem voll presbyopen Arbeiter von 60 Jahren zu vergleichen. Aus den ärztlichen Stellungnahmen ergibt sich des Weiteren, dass die Arbeitsfähigkeit in zeitlicher Hinsicht durch höhere Anforderungen an das Sehvermögen der entsprechenden Tätigkeit limitiert wird. Präzise äussert sich diesbezüglich Dr. med. F.________, welcher eine Einschränkung von 10 bis 30% annimmt bei Tätigkeiten, welche mittelgutes bis gutes Sehen erfordern, keine Einschränkungen hingegen bei Tätigkeiten, die lediglich ein mässig gutes Sehen erfordern. Damit darf mit Dr. med. F.________ und PD Dr. med. S.________ angenommen werden, dass bei einer dem Sehleiden des Beschwerdeführers optimal angepassten Tätigkeit eine zeitlich uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit besteht. Dass der Beschwerdeführer eine entsprechende Tätigkeit finden könnte, kann angesichts der Aufzählung der dabei in Frage kommenden Berufe und mit Blick darauf, dass allein der ausgeglichene Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, massgebend ist (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276), nicht bezweifelt werden. Unter solchen Umständen ist jedenfalls zurzeit nicht einzusehen - und wird im Übrigen von PD Dr. med. W.________ auch nicht näher begründet - warum eine Angewöhnungszeit erforderlich wäre, zumal der Gutachter ausser Tränen, Trockenheit der Augen sowie Augen-/Kopfschmerzen, welche bei einer leidensangepassten Tätigkeit mangels entsprechender besonderer Anstrengung ohnehin nur in geringem Mass auftreten sollten, keine weiteren Einschränkungen nennt. Dass die Anpassungsphase der Angewöhnung an den Verlust des stereoskopischen Sehens diene (siehe dazu Urteil I 694/01 vom 30. September 2003 E. 3), wird jedenfalls nicht geltend gemacht und ist auch sonst nicht ersichtlich. 5.4 Die Frage einer allenfalls zu gewährenden Anpassungsfrist könnte sich allenfalls stellen, wenn der Beschwerdeführer tatsächlich eine Stelle antreten würde. Dies hat er jedoch zumindest bis zum in zeitlicher Hinsicht massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides nicht getan. Sollte er in einer konkreten neuen Arbeitssituation in der Tat Anpassungsschwierigkeiten haben, welche selbst die SUVA-Fachärztin in ihrem Bericht vom 16. April 2007 in Form einer Leistungseinbusse von 10-20% während zweier Jahre für möglich hält, steht es dem Beschwerdeführer frei, dannzumal bei der SUVA ein Revisionsbegehren im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG einzureichen.