Citation: 5A_884/2012 E. 4.2

4.2. Gewiss trifft es zu, dass Fussbälle in Art. 684 Abs. 2 ZGB nicht erwähnt werden. Die Aufzählung ist aber erklärtermassen nicht abschliessend ("insbesondere") und lässt damit Raum, auch in anders gelagerten Einwirkungen "Immissionen" im Sinne dieser Vorschrift zu erblicken. So stellt beispielsweise der Laubbefall überragender Äste eine Immission und keinen unmittelbaren Eingriff ins benachbarte Grundeigentum dar (BGE 131 III 505 E. 4.2 S. 507). Eine Immission im Sinne von Art. 684 ZGB sieht das Bundesgericht auch in den Besuchern eines Gassenzimmers für Drogenabhängige (BGE 119 II 411 E. 6a S. 418). Wörtlich hielt das Bundesgericht in diesem Zusammenhang fest: "Bei den von den Klägerinnen nachgewiesenen Vorgängen handelt es sich um Erscheinungen, die in der näheren Umgebung eines Gassenzimmers naturgemäss regelmässig beobachtet werden. Sie sind unmittelbar auf den Betrieb eines Lokals der erwähnten Art zurückzuführen und stellen deshalb durchaus unter Art. 684 ZGB fallende Einwirkungen dar" (BGE a.a.O.). Angesichts der erwähnten Unterscheidungskriterien (E. 4.1 ) und der vorstehenden Beispiele kann der Rechtsauffassung der Beschwerdeführer nicht gefolgt werden. Vielmehr ist dem Obergericht beizupflichten: Sowohl die Fussbälle, die beim freien, unbeaufsichtigten Spiel infolge von Fehlstössen auf dem Grundstück der Beschwerdeführer landen, als auch die Fussballspieler, die fehlgeleitete Fussbälle auf dem benachbarten Grundstücke suchen und behändigen, verursachen dort Einwirkungen, die im beschriebenen Sinn als mittelbare Folge der Benutzung der Spielwiese C.________ erscheinen und demnach in den Anwendungsbereich von Art. 684 ZGB fallen. Die von den Beschwerdeführern erwähnte bundesgerichtliche Rechtsprechung, die den gegenteiligen Standpunkt belegen soll, ist nicht einschlägig. So hat das Bundesgericht in BGE 132 III 651 zwar festgehalten, dass mit dem Spannen eines Kabels über fremden Boden unmittelbar ins Grundeigentum des Klägers eingegriffen wird (BGE a.a.O., E. 7 S. 655). Diese Aussage erfolgte aber nicht im Kontext einer nachbarrechtlichen Auseinandersetzung, sondern bei der Prüfung der Frage, ob das Spannen des erwähnten Kabels von einer dem Beklagten eingeräumten (Personal-) Dienstbarkeit (Art. 781 ZGB) abgedeckt sei. Gleiches gilt, wenn im öffentlichen Enteignungsrecht Überflüge als unmittelbare Eingriffe ins Grundeigentum qualifiziert werden, die nur bei formeller Enteignung des entsprechenden Abwehranspruchs hinzunehmen sind (zuletzt Urteil 1C_284/2009 vom 8. Juni 2010 E. 12.2, nicht publ. in: BGE 136 II 263). Diese Lösung stellt eine Eigenheit des Enteignungsrechts dar, die ohne Einfluss auf den privatrechtlichen Begriff der Immission bleibt.