Citation: 5A_139/2008 22.08.2008 E. 3.4

3.4.1 Die Ausführungen des Obergerichts, die Anträge des Beschwerdeführers seien gar nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung und daher nicht mittels Beschwerde anfechtbar gewesen, betreffen die Frage der Aussichtslosigkeit der Beschwerde und nicht der Notwendigkeit der Verbeiständung. Da bereits mit Bundesgerichtsentscheid vom 18. April 2007 verbindlich festgestellt wurde, dass die Beschwerde an das Bezirksamt vom 15. September 2006 nicht aussichtslos war, muss auf dieses Vorbringen nicht weiter eingegangen werden. Es kann somit offen gelassen werden, ob der Beschwerdeführer mit seiner Eingabe eine Änderung der Obhutszuteilung oder eine Abänderung der Fremdplatzierung als Kindesschutzmassnahme anbegehrt hat bzw. ob die Begründung des Obergerichts aufgrund seiner strengen Trennung der beiden Begriffe "Obhut" und "Platzierung" einem überspitzten Formalismus im Sinne von Art. 29 Abs. 1 BV gleichkommt. 3.4.2 Weiter liegen dem vom Obergericht zitierten Entscheid des Bundesgerichts 5P.81/1991 vom 12. Juli 1991 andere Umstände zugrunde. Während damals die Rechtsstellung des nicht sorgeberechtigen Vaters bei Errichtung einer Beistandschaft für das Kind geprüft werden musste, geht es vorliegend um die viel einschneidendere Kindesschutzmassnahme der Fremdplatzierung. In BGE 120 Ia 260 hat das Bundesgericht entschieden, dass ein nicht sorgeberechtigter Vater, welcher seine Kinder einige Monate betreute, während sie der Mutter nach Art. 310 Abs. 1 ZGB weggenommen werden mussten, durch den späteren Umplatzierungsentscheid der Vormundschaftsbehörde in seiner rechtlichen Stellung tangiert werde. Ausgeführt wurde, dass dem kinderbetreuenden Vater zwar keine Obhut überlassen worden, ihm aber durch die Kinderbetreuung die Rolle eines Pflegevaters zugekommen sei. Aufgrund der engen Verbundenheit zu den Kindern könne die Stellung von Pflegeeltern nicht als bloss tatsächliche umschrieben werden, vielmehr könne ihnen ein rechtlich schützenswertes Interesse an der Aufenthaltsregelung nicht abgesprochen werden. Die Sachlage dieses Entscheides ist mit der zu beurteilenden vergleichbar. Zwar wurden vorliegend die Kinder nicht direkt vom Hause des Beschwerdeführers in ein Heim umplatziert, jedoch kam ihm durch die monatelange Betreuung seiner Kinder während wiederholten Obhutsentzügen der Kindsmutter in den vorangehenden Jahren eine faktische Pflegevaterstellung zu. Aufgrund seiner engen Verbundenheit mit seinen leiblichen Kindern kann somit der Auffassung des Obergerichts, der Beschwerdeführer sei durch den Fremdplatzierungsentscheid der Vormundschaftsbehörde vom 8. September 2006 in seiner rechtlichen Stellung überhaupt nicht tangiert worden, nicht gefolgt werden. Wäre der Beschwerdeführer in seiner rechtlichen Stellung nicht tangiert gewesen, hätte zudem auch seine Legitimation zur Erhebung der Vormundschaftsbeschwerde gefehlt. Folglich wäre seine Beschwerde vom 15. September 2006 an das Bezirksamt aufgrund fehlender Prozessvoraussetzung der Beschwerdelegitimation aussichtslos gewesen. Das Bundesgericht hat jedoch bereits mit Entscheid vom 18. April 2007 verbindlich festgestellt, dass diese Beschwerde nicht aussichtslos war. 3.4.3 Dem Beschwerdeführer ist zuzustimmen, dass es sich vorliegend - entgegen der Auffassung des Obergerichts - nicht um ein einfaches Verfahren handelt. Der Verfahrensweg und die Zuständigkeitsabgrenzung im Falle des Obhutsentzuges mit Fremdplatzierung ergeben sich nicht klar aus dem Gesetz und werfen auch unter Juristen Fragen auf. Diese Kompliziertheit führt gelegentlich zu unordnungsgemässen Verfahrensabläufen. Zudem ist die Frage, ob die Kinder beim Beschwerdeführer oder im Heim platziert werden sollen, heikel und vielschichtig. Ihre Beantwortung ist für den Beschwerdeführer selbst - wie auch für seine Kinder und die Kindsmutter - von erheblicher Bedeutung. Der unter Berücksichtigung des Wohls der Kinder zu fällende Entscheid greift in die persönliche Situation des Beschwerdeführers, der Kinder und der Kindsmutter ein. Daher ist es auch von grosser Wichtigkeit, dass ein solches Verfahren ordnungsgemäss abläuft und alle entscheidrelevanten Tatsachen vorgebracht werden. Erwähnt sei weiter, dass der Beschwerdeführer in einem Parallelverfahren vor Bezirksgericht Baden die Umteilung der elterlichen Sorge und Obhut an ihn beantragt. Es besteht daher die Möglichkeit, dass dem vormundschaftlichen Entscheid über die Platzierung der Kinder für das bezirksgerichtliche Verfahren präjudizielle Wirkung zukommt, zumal der Grundsatz gilt, dass ständige Umplatzierungen von Kindern möglichst vermieden und kontinuierliche Verhältnisse angestrebt werden sollen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer von Beruf Lastwagenchauffeur und somit in juristischen Angelegenheiten nicht bewandert ist. In Anbetracht der komplexen und psychisch belastenden Verhältnisse wäre die Gefahr gross, dass er in den beiden Verfahren ohne rechtliche Unterstützung überfordert gewesen wäre und den Überblick verloren hätte. 3.5 Die Feststellungen der Vorinstanzen, der Beschwerdeführer sei den Anforderungen, die das vormundschaftliche Verfahren an ihn stelle, gewachsen und es sei daher keine Notwendigkeit für eine anwaltliche Verbeiständung gegeben, wird den gegebenen Umständen nicht gerecht. Der Vorwurf der Verletzung von Art. 29 Abs. 3 BV ist somit begründet. Dem Beschwerdeführer ist deshalb für die kantonalen Beschwerdeverfahren vor Bezirksamt Lenzburg und Obergericht ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.