Citation: I 15/03 21.10.2003 E. 4

4.1 Die Vorinstanz hat richtig erwogen, dass die Eingliederungsmassnahmen dem Versicherten eine seiner früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit vermitteln sollen. Zu ergänzen ist, dass es für die Beurteilung der Gleichwertigkeit zwar in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer dem Versicherten zumutbaren Tätigkeit ankommt. Dabei geht es jedoch nicht an, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen - gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme - ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkommensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Möglichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzunehmenden Prognose (BGE 124 V 111 Erw. 3b mit Hinweis) unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbildungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 111 Erw. 3b mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung (Urteil U. vom 5. März 2002, I 761/02, Erw. 2.1) kann unqualifizierte Hilfsarbeit im Vergleich zur Tätigkeit im erlernten Beruf nicht als "annähernd gleichwertig" bezeichnet werden, auch wenn der invaliditätsbedingte Minderverdienst weniger als 20 % beträgt. Die grösseren konjunkturellen Risiken bei Hilfsarbeitern sowie die besseren erwerblichen Aussichten im angestammten Beruf dürfen namentlich bei jüngeren Versicherten mit einer beträchtlichen verbleibenden Aktivitätsdauer nicht ausser Acht gelassen werden. 4.2 Als der 1962 geborene Beschwerdegegner am 9. Juni 2000 bei der Invalidenversicherung den Antrag auf Umschulung stellte, war er 38-jährig und es verblieb ihm eine Aktivitätsdauer von über 25 Jahren. Aus welchen (medizinischen) Gründen genau er 1990 seine Schreinertätigkeit aufgab, die er sowohl als Angestellter (am Ende in leitender Position) wie auch als Selbstständiger ausgeübt hatte, ist auf Grund der Akten nicht eindeutig feststellbar. Für die Vorinstanz ergab es sich aber - nicht zuletzt auch aus der mündlichen Parteibefragung vor dem Versicherungsgericht -, dass der Beschwerdegegner die seinerzeitige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen (Asthma) aufgegeben hat. Aus den anamnestischen Angaben im Gutachten der Klinik X.________ geht hervor, dass der Versicherte damals unter einer körperlichen Symptomatik mit Brennen im Hals und brennenden Schmerzen im Thoraxbereich gelitten haben will, die durch die Arbeit als Schreiner ausgelöst und verstärkt worden sein sollen. Der verstorbene Dr. med. G.________, Hals-, Nasen- und Ohrenarzt FMH, soll diese Beschwerden als "nervös bedingt" interpretiert haben. Im April 1990 musste der Beschwerdegegner wegen eines Nervenzusammenbruchs sechs Tage im Spital Y.________ hospitalisiert werden. Anschliessend wurde er ein Jahr lang ambulant psychiatrisch behandelt und medikamentös therapiert. 4.3 Der Beschwerdegegner deutete in seinen Eingaben und bei der Befragung durch das kantonale Gericht verschiedentlich an, dass für den Ausstieg aus dem erlernten Beruf und insbesondere auch für den zwischenzeitlichen Nicht-Wiedereinstieg erhebliche psychische Gründe vorlägen. Solche Gründe sind zwar bei der ambulanten Untersuchung in der Klinik X.________ nicht konstatiert worden, es ist aber aus dem Gutachten auch nicht ersichtlich, dass die Umstände des psychischen Leidens 1990/1991 bei der Erstellung des Gutachtens überhaupt näher abgeklärt worden sind. Der Beschwerdegegner, der sich in seinen Eingaben zu seinem Anliegen und den Ausführungen der Beschwerdeführerin geäussert hat, hat für die Aufgabe des Schreinerberufs zwar eine Schwächung der Atmungsorgane in den Vordergrund gestellt, die infolge der Schadstoffexposition im erlernten Beruf zu Asthma geführt habe. Er räumte in der Vernehmlassung vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht ein, dass die Asthmabeschwerden auch eine psychische Mitursache gehabt haben könnten. Im Gutachten der Klinik X.________ wurden bei ihm im November 2001 ein leichtgradiges Asthma bronchiale (ICD-10 J 45.1) und multiple funktionelle Beschwerden im Bereich der oberen Luftwege diagnostiziert. Auch wenn man die Störung als leichten Grades und mit geeigneter medikamentöser Therapie genügend kontrollierbar einschätzte, so machte man die Klärung der Arbeitsfähigkeit als Schreiner doch von einem mindestens vier Wochen dauernden Arbeitsplatzversuch abhängig. Der Beschwerdegegner wendet dagegen ein, er sei vor über zehn Jahren aus dem Schreinerberuf ausgestiegen, um sich den schädlichen Einflüssen von Lösungsmitteln und Feinstaub zu entziehen, was zu einer Verbesserung des Asthmaproblems geführt habe. Dies wolle er nun nicht durch die Rückkehr in den früheren Beruf gefährden. 4.4 Bei einer Gesamtwürdigung der verfügbaren Angaben und Aussagen ist es nachvollziehbar, dass der Beschwerdegegner wie von der Vorinstanz festgestellt die Schreinertätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Da das kantonale Gericht besonders auch auf Grund der mündlichen Befragung des Beschwerdegegners zu diesem Ergebnis gelangte, besteht vorliegend kein Anlass, von der Feststellung abzurücken, dass der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit als Schreiner nach wie vor gesundheitlich eingeschränkt, in einer andern (gesundheitlich angepassten) Tätigkeit aber vollständig arbeitsfähig ist. Die medizinische Situation ist zur Feststellung des grundsätzlichen Anspruchs auf berufliche Massnahmen genügend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, da für den streitigen Anspruch auf Umschulung vornehmlich die erwerbliche Einbusse ausschlaggebend ist, die der Versicherte ohne zusätzliche berufliche Ausbildung in einer ihm noch zumutbaren Erwerbstätigkeit dauernd oder über längere Zeit mutmasslich erleidet (vgl. Erw. 3 hievor und 6 hienach).