Citation: 1C_180/2021 E. 5.3

5.3. Gemäss Art. 46 Abs. 2 lit. b BauG/BE ist ein nachträgliches Baugesuch ausgeschlossen, wenn bereits rechtskräftig über das Bauvorhaben entschieden worden ist. Mit dieser Vorschrift wurde der allgemeine Grundsatz, wonach auf eine abgeurteilte Sache (res iudicata) nicht zurückgekommen wird, ausdrücklich im Gesetz verankert. Eine abgeurteilte Sache (res iudicata) liegt vor, wenn der streitige Anspruch mit einem schon rechtskräftig beurteilten identisch ist (BGE 144 I 11 E. 4.2 S. 13 f.; 142 III 210 E. 2.1 S. 212; 139 II 404 E. 8.2 S. 432). Dies trifft zu, falls der Anspruch dem Gericht aus demselben Entstehungsgrund und gestützt auf denselben Sachverhalt erneut zur Beurteilung unterbreitet wird und sich wieder die gleichen Parteien gegenüberstehen (BGE 144 I 11 E. 4.2 S. 13 f.; 139 II 404 E. 8.2 S. 434; 139 III 126 E. 3.2.3 S. 130). Es erscheint nicht als willkürliche Anwendung des kantonalen Rechts, der Beschwerdeführerin entgegenzuhalten, es sei im Sinne von Art. 46 Abs. 2 lit. b BauG/BE bereits mit dem Gesamtentscheid vom 17. Juli 2015 rechtskräftig über die zu verwendende Ziegelfarbe entschieden worden. Denn indem die Gemeinde mit ihrem Gesamtentscheid vom 17. Juli 2015 festlegte, es seien die in der Kernzone ortstypischen roten Ziegel zu verwenden, verbot sie der seinerzeit gesuchstellenden Beschwerdeführerin, die Dächer der Mehrfamilienhäuser mit Ziegeln anderer Farbe einzudecken. Damit hat sie im Ergebnis insbesondere auch darüber entschieden, ob anthrazitfarbene Ziegel verwendet werden dürfen. Jedenfalls insoweit war der Gesamtentscheid vom 17. Juli 2015 klar. Folglich betraf das nachträgliche Baugesuch, soweit die Ziegel betreffend, das gleiche Bauvorhaben, wie es Gegenstand des ursprünglichen Bewilligungsverfahrens war. Dies gilt selbst dann, wenn im zunächst bewilligten Baugesuch und/oder im Gesamtentscheid vom 17. Juli 2015 nicht ausdrücklich von anthrazitfarbenen Ziegeln die Rede gewesen sein sollte. Wegen einer abgeurteilten Sache wäre damit auf das Gesuch um nachträgliche Bewilligung von anthrazitfarbenen Ziegeln - wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat - gar nicht einzutreten gewesen. Hiervon ist die Vorinstanz auch deshalb richtigerweise ausgegangen, weil seit dem ursprünglichen Entscheid vom 17. Juli 2015 keine relevante Praxisänderung der kommunalen Baubehörde erfolgt ist (vorne E. 4.1) und auch keine anderen Hinweise auf zwischenzeitlich wesentlich geänderte Verhältnisse vorliegen.