Citation: 1C_51/2023 E. 4.3.1

4.3.1. Im Rahmen der Interessenabwägung nach Art. 5 Abs. 2 WaG sind die Interessen an der Errichtung eines bestimmten Werks als Nutzungsinteressen den Interessen an der Walderhaltung als Schutzinteressen gegenüberzustellen. Dabei ist die Interessenabwägung nicht frei, sondern vorstrukturiert. Damit eine Abwägung der Nutzungs- gegenüber den Schutzinteressen überhaupt erfolgen kann, müssen bestimmte weitere Voraussetzungen wie die Standortgebundenheit (Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG) oder die Erfordernisse des Natur- und Heimatschutzes (Art. 5 Abs. 4 WaG) erfüllt sein. Eine Ausnahmebewilligung kommt mit anderen Worten nur in Betracht, wenn diese weiteren Voraussetzungen erfüllt sind (PETER M. KELLER, in: Kommentar zum Waldgesetz, 2022, N. 13 zu Art. 5). Die relative Standortgebundenheit des Werks (vgl. Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG), für das gerodet werden soll, ist daher eine von mehreren Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung. Es ist jedoch in jedem Fall nachzuweisen, dass für die Rodung wichtige Gründe bestehen, die das Interesse an der Walderhaltung überwiegen (vgl. Urteil 1C_567/2020, 1C_568/2020 vom 1. Mai 2023 E. 5.4). Die Standortgebundenheit ist dabei nicht in einem absoluten Sinne aufzufassen, besteht doch fast immer eine gewisse Wahlmöglichkeit. Entscheidend ist, ob die Gründe der Standortwahl die Interessen der Walderhaltung überwiegen (BGE 120 Ib 400 E. 4c; 117 Ib 325 E. 2 S. 327 mit Hinweis; Urteil 1C_443/2020 vom 8. April 2021 E. 5.1). Die Behörde ist allerdings nur verpflichtet, ernsthaft in Betracht fallende Varianten näher zu prüfen; andere Varianten können bereits aufgrund einer summarischen Prüfung ausgeschieden werden (vgl. BGE 139 II 499 E. 7.3.1; Urteile 1C_567/2020 vom 1. Mai 2023 E. 5.1; 1C_528/2018, 1C_530/2018 vom 17. Oktober 2019 E. 4.1). Zu berücksichtigen sind dabei insbesondere solche Varianten, die den Wald und andere Schutzobjekte besser schonen (KELLER, a.a.O., N. 18 zu Art. 5).