Citation: 1C_401/2020 E. 5.1

5.1. Das Kantonsgericht hielt (in E. 6.3.2.3) grundsätzlich fest, dass sich das Kraftwerk bzw. die Verringerung der Abflussmenge negativ auf den Lebensraum auswirke, mit entsprechenden Folgen für die Biodiversität und die Zusammensetzung der Arten. Allerdings habe das Vorkommen der stark gefährdeten Steinfliege Leuctra schmidi im Färdabach und Krummbach vor allem im Mündungsbereich dieser beiden Bäche festgestellt werden können; mit der Verschiebung des Fassungsstandorts unterhalb der Mündung werde dieser Bereich vom Projekt nicht mehr betroffen. Diesem Umstand mass das Kantonsgericht bei der Abwägung der massgeblichen Interessen für und gegen die Wasserentnahme (E. 6.6) grosse Bedeutung bei: Es erwog, dass der Eingriff in den Lebensraum der Leuctra schmidi aufgrund der Verschiebung des Fassungsstandorts "deutlich" eingeschränkt werde; der Krummbach sowie der Zusammenfluss von Krumm- und Färdabach, als "Hotspot" für diese Steinfliegenart und andere nachgewiesene Rote-Liste-Arten, würden nicht mehr betroffen. Der Beschwerdeführer hatte vor Kantonsgericht geltend gemacht, nicht nur der Mündungsbereich, sondern die gesamte Restwasserstrecke stelle einen Brennpunkt für die stark gefährdete Steinfliege Leuctra schmidi dar und sei als wertvoller Lebensraum für gefährdete Arten zu erhalten; die Verschiebung der Fassung um wenige Meter talwärts ändere kaum etwas an den negativen Auswirkungen des Projekts. Das Kantonsgericht setzte sich mit diesem Einwand nicht auseinander, obwohl er sich auf das Gutachten Benthos und die Stellungnahme von Vera Lubini zum Gutachten Pronat stützen konnte: Pronat hatte den Färdabach einzig im September 2018 beprobt und zu diesem Zeitpunkt eine deutlich höhere Individuendichte adulter Fliegen auf 1780 m Höhe festgestellt (19 Exemplare), gegenüber nur 4 Individuen auf 1375 m.ü.M. (Gutachten Pronat, Ziff. 5.3 S. 13 und Tabelle 5 S. 15). Das Gutachten Benthos (Anh. 3) hatte dagegen den Färdabach sowohl im Juli 2017 als auch im September 2017 untersucht. Während es im September zu einem vergleichbaren Ergebnis kam wie das Gutachten Pronat (nur vereinzelte Individuen auf 1375 m.ü.M.), fand es an derselben Stelle im Juli 2017 eine "mässige Dichte" von Leuctra schmidi vor. Dies entspricht 10-50 Individuen und kommt damit der von Pronat auf 1780 m.ü.M. festgestellten Dichte gleich. Dies legt den Schluss nahe, dass der Schwerpunkt des Lebensraums saisonalen Schwankungen unterliegt. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass Steinfliegen den grössten Teil ihres Lebens als Larven im Gewässer verbringen. Info Habitat führt aus, dass die Larven natürlicherweise bachabwärts verdriftet würden; das Adulttier kompensiere diese Verdriftung, indem es zur Eiablage in höhere Gebiete fliege. Insofern ist es naheliegend, dass der aquatische Lebensraum der Larven die gesamte Restwasserstrecke umfasst. Dies stimmt auch mit den Daten des Schweizerischen Zentrums für die Kartografie der Fauna (SZKF/CSCF) überein, wonach das hauptsächliche Vorkommen der Leuctra schmidi zwischen 1'000 und 2'000 m.ü.M. liegt (die Restwasserstrecke befindet sich zwischen 1'756 und 1'369 m.ü.M.).