Citation: 6B_1318/2020 E. 1.5.2

1.5.2. Das private Interesse des zum Zeitpunkt des angefochtenen Urteils 74-jährigen Beschwerdeführers, der sich seit Anfang zwanzig in der Schweiz aufhält und keinen engen Bezug mehr zu seinem Herkunftsland hat, ist beträchtlich. Dies gilt freilich auch für das öffentliche Interesse an der Landesverweisung, zumal sich der Beschwerdeführer einer schweren Straftat schuldig gemacht hat, die sich gegen ein unbedingt zu schützendes Rechtsgut richtete. Aus gutachterlicher Sicht besteht zudem ein mittelgrosses Rückfallrisiko, das mit einer Tendenz zur Bagatellisierung einhergeht. Indessen ist auch in diesem Zusammenhang neben dem fortgeschrittenen Alter und der (wenn auch nicht schwer) angeschlagenen Gesundheit zu berücksichtigen, dass sich der Beschwerdeführer seit dem sexuellen Übergriff, der sich im April 2018 ereignet hat (vgl. angefochtenes Urteil S. 38), offenbar nichts mehr zuschulden kommen liess. Ausserdem stellt auch die Vorinstanz grundsätzlich auf die gutachterliche Einschätzung ab, wonach die Durchführung der im Strafurteil angeordneten ambulanten Massnahme das Rückfallrisiko günstig beeinflussen sollte. Ziel der Massnahme muss es gerade sein, die Einsicht des nicht an einer Kernpädophilie leidenden Beschwerdeführers in das Unrecht der Tat zu fördern und dessen "verkrustete" Vorstellungen aufzulösen. Sind erste Behandlungsziele erreicht, so besteht auch die Perspektive, dass der Beschwerdeführer sich medikamentös behandeln lässt. Diese Elemente relativieren die vorinstanzlich prognostizierte Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit so weit, dass das öffentliche Interesse das im vorliegenden Fall ausserordentlich grosse, private Interesse nicht mehr überwiegt.