Citation: I 686/04 08.02.2005 E. 3

Strittig und zu prüfen ist der Umfang der der Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2001 zustehenden Invalidenrente, insbesondere der für die Invaliditätsbemessung relevante Grad der (Rest-)Arbeitsfähigkeit. 3.1 Gestützt auf die medizinische Aktenlage im Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom 14. Juli 2004, insbesondere in Würdigung des als beweistauglich eingestuften MEDAS-Gutachtens vom 7. März 2003, sind Vorinstanz und Verwaltung im Rahmen der Invaliditätsbemessung von einer - auch im bisherigen Tätigkeit zumutbarerweise verwertbaren - Restarbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen. Die Einschränkung des Leistungsvermögens sei dabei nicht auf die somatischen Befunde (namentlich rezidivierende Lungenembolien bei Status nach wiederholten Thrombophlebitiden und Trombophilie, Status nach Lungentuberkulose, Erythema nodosum [Knotenrose] chronicum migrans), sondern auf die im MEDAS-Gutachten fachärztlich diagnostizierte generalisierte Angststörung sowie depressive Störung ("gegenwärtig leichte depressive Episode bei Status nach rezidivierenden Lungenembolien und schwieriger psychosozialer Belastungssituation") zurückzuführen. 3.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass sie aus rein körperlicher Sicht zu 100 % einsatzfähig ist. Sie macht jedoch geltend, in Würdigung der gesamten Aktenlage sei von einer psychisch bedingten 100 % -igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. 3.2.1 Im vorinstanzlich als ausschlaggebend erachteten MEDAS-Gutachten vom 7. März 2003 führt der Psychiater Dr. med. H.________ aus, auf dem Boden einer potentiell lebensbedrohlichen somatischen Erkrankung (namentlich wiederholte Lungenembolien) habe sich bei der Versicherten eine heute als generalisierte Angststörung imponierende psychische Erkrankung entwickelt, welche ursprünglich wohl als Anpassungsstörung bei schwerer körperlicher Erkrankung zu sehen war. Aufgrund der langen Krankheitsdauer mit Verschärfung und Akzentuierung des Symptombildes seit circa zwei Jahren müsse heute jedoch von einer generalisierten Angsstörung ausgegangen werden, welche auch Zeichen einer somatoformen und hypochondrischen Störung zeige und zweifellos Krankheitswert aufweise. Gegenüber der Ängstlichkeit der Versicherten eher im Hintergrund stehe daneben eine aktuell als leicht einzustufende depressive Phase. Die Arbeitsfähigkeit werde durch die generalisierte Angststörung "zwar nicht dauernd, jedoch repetitiv für Stunden, Tage oder eventuell gar Wochen massiv eingeschränkt". Gestützt auf diese psychiatrische Stellungnahme gelangte die interdisziplinär zusammengesetzte MEDAS-Kommission für medizinische Begutachtung zum Schluss, das psychische Leiden schränke die Arbeitsfähigkeit "intermittierend ganz erheblich ein"; es sei davon auszugehen, dass die Versicherte in einem Angstzustand nicht arbeitsfähig sei, andererseits bestünden nach deren eigenen Angaben auch Phasen, in welchen sie sich ganz gesund fühle. Gesamthaft betrage die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Angestellte eines Temporärbüros sowie in jeder anderen Beschäftigung 50 %. 3.2.2 Wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu Recht eingewendet wird, ermangelt die numerische Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit auf 50 % einer nachvollziehbaren und überzeugenden Begründung. Auch wenn anerkannt wird, dass ärztliche Stellungnahmen zur Arbeits(un)fähigkeit naturgemäss mit Ermessenszügen behaftet sind, leuchtet nicht ein, weshalb aus einer "intermittierend ganz erheblichen" bzw. einer "repetitiv für Stunden, Tage oder eventuell gar Wochen massiven" Einschränkung des Leistungsvermögens ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von genau 50 % resultieren soll. Mit der Beschwerdeführerin ist zu vermuten, dass die MEDAS-Ärzte das arithmetische Mittel zwischen vollständig fehlendem und vollem Leistungsvermögen gewählt haben. Eine derartige Schätzung aber bietet im hier zu beurteilenden Fall keine hinreichend verlässliche, schlüssige Grundlage für die rechtliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Gerade weil die Leistungsfähigkeit der Versicherten offenbar starken Schwankungen unterworfen ist und sich daraus besondere Schwierigkeiten bei der prozentualen Festlegung des Arbeitsunfähigkeitsgrades ergeben, ist hierbei - wie der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bereits im Einspracheverfahren eingewendet hatte (Schreiben vom 20. Januar 2004) - der Beizug der seit längerer Zeit behandelnden Psychiaterin, Frau Dr. med. G.________, unumgänglich. Indem die Verwaltung dies unterliess und sich hinsichtlich der psychischen Leiden auf die bis anhin einzige, bereits mehr als ein Jahr zurückliegende und nach dem unter Erw. 3.2.1 hievor Gesagten nicht vollends beweiskräftigen Einschätzung des MEDAS-Gutachters Dr. med. H.________ stützte, hat sie - in Verletzung des im Sozialversicherungsverfahren allgemein geltenden Untersuchungsgrundsatzes (vgl. BGE 125 V 195 Erw. 2, 122 V 158 Erw. 1a, je mit Hinweisen) - den Sachverhalt unvollständig abgeklärt. 3.2.3 Zufolge Untätigkeit der Verwaltung brachte die Versicherte anlässlich der vorinstanzlichen Beschwerdeerhebung von sich aus die Berichte der Frau Dr. med. G.________ vom 12. August 2004 und des Dr. med. A.________ vom 11. August 2004 (behandelnde Ärzte) bei. Diese sind entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen beweisrechtlich beachtlich. Die nur wenige Wochen nach dem Einspracheentscheid verfassten Stellungnahmen weisen nicht nur einen (auch vorinstanzlich anerkannten) engen Sachzusammenhang zur beurteilenden Streitrage auf. Bezug nehmend auf die bereits über längere Zeit andauernde, persönliche Behandlung und den "seit mehreren Jahren anhaltenden Zustand" (so ausdrücklich der Bericht vom 12. August 2004), berühren sie direkt den zeitlich massgebenden Sachverhalt bis zum Erlass des Einspracheentscheids (BGE 130 V 140 Erw. 2.1), weshalb sie - ohne dass dies in zeitlicher Hinsicht einer Ausdehnung des Verfahrens gleichkommt (vgl. BGE 130 V 138) - im Rahmen der richterlichen Beweiswürdigung zu berücksichtigen sind. Die von Frau Dr. med. G.________ unter Hinweis auf einen bereits länger bestehenden Angstzustand sowie eine aktuell im Vordergrund stehende depressive Haltung attestierte 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit (bestätigt im Bericht des Dr. med. A.________) steht offenkundig in Widerspruch zu den Schlussfolgerungen im fast eineinhalb Jahre zuvor verfassten MEDAS-Gutachten vom 7. März 2003. Zwar ist auch die psychiatrische Einschätzung von Frau Dr. med. G.________ mit gewissen beweisrechtlichen Mängeln behaftet, zumal die von ihr - in weiten Teilen übereinstimmend mit dem MEDAS-Gutachten - erwähnten Leiden wie Ängste und Panikzustände, depressive Störungen mit chronischen Beschwerden, somatoformen Symptome wie Atemnot und stenokardiale Beschwerden, ferner Tendenzen zu selbstzerstörerischen, selbstdemütigenden und entehrenden Aktionen (Wunsch, sich die Haare kahl zu schneiden) sowie der Hinweis auf eine Art "posttraumatische Belastungsstörung" (mit Symptomen wie Angstträume, Herzklopfen, Vermeidung von Anlässen, Interessenlosigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Schreckhaftigkeit) einer nachvollziehbaren diagnostischen Einordnung entbehren und daher keine hinreichend klare Unterscheidung zwischen psychischen Leiden mit anerkanntem Krankheitswert einerseits und (aus rechtlicher Sicht) invaliditätsfremden Faktoren erlauben. Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann daher nicht ohne Weiteres auf den Bericht abgestellt werden. Da aber nichts dafür spricht, dass es sich bei der in Einklang mit Dr. med. A.________ bescheinigten 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit um ein nachträgliches Gefälligkeitsattest der Vertrauensärztin handelt, vermag er ernsthafte, hier nicht zu beseitigende Zweifel an der Einschätzung im MEDAS-Gutachten vom 7. März 2003 zu begründen bzw. zu bekräftigen (vgl. Erw.3.2.2 hievor). 3.3 Nach dem Gesagten ist der Sachverhalt hinsichtlich der psychisch bedingten Arbeitsfähigkeit nicht rechtsgenüglich erstellt. Die Sache ist daher an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie die erforderlichen Abklärungen treffe. Namentlich ist eine erneute, im Sinne obiger Erwägungen präzisierte Stellungnahme bei Frau Dr. med. G.________ sowie - im Falle eines Arztwechsels - bei der aktuell behandelnden Fachperson einzuholen und den MEDAS-Gutachtern zur Stellungnahme zu unterbreiten, verbunden mit der Aufforderung, die Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit auf 50 % näher zu begründen. Die Fachärzte der Psychiatrie werden sich zudem zu der im Bericht des Dr. med. A.________ vom 11. August 2004 aufgeworfenen und zur Abklärung empfohlenen Frage zu äussern haben, ob die bei der Beschwerdeführerin festgestellten Symptome nach ihrer Einschätzung durchwegs auf ein eigentliches psychisches Krankheitssubstrat zurückzuführen sind, oder aber teilweise medikamentöse Nebenwirkungen (mit oder ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) darstellen, die mit geeigneten Massnahmen voraussichtlich gelindert werden könnten.