Citation: 7B_193/2022 E. 3.4.4

3.4.4. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Verschlechterungsverbots. Sie macht geltend, die Aufhebung des erstinstanzlichen Schuldspruchs hätte zu einer teilweisen Gutheissung der Berufung führen und bei der Strafzumessung berücksichtigt werden müssen. Die Vorinstanz hält fest, die Beschwerdeführerin habe sich wegen versuchter Tötung und wegen versuchter Freiheitsberaubung schuldig gemacht. Wegen des Verschlechterungsverbots könne offen bleiben, ob richtigerweise nicht von einer vollendeten Freiheitsberaubung auszugehen wäre. Entgegen der Erstinstanz entfalle jedoch ein zusätzlicher Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Dem Würgen und den Körperverletzungen nach dem Messerstich komme keine selbständige Bedeutung zu, weshalb sie durch die versuchte Tötung konsumiert würden. Daher sei das erstinstanzliche Urteil gestützt auf Art. 404 Abs. 2 StPO von Amtes wegen zu korrigieren. Bei der Strafzumessung hält die Vorinstanz zusammengefasst fest, dass bereits für die versuchte Tötung eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren auszusprechen wäre, um dem nicht mehr leichten bis mittelschweren Verschulden und den persönlichen Verhältnissen angemessen Rechnung zu tragen. Aufgrund des Verschlechterungsverbots nach Art. 391 Abs. 2 StPO komme eine Erhöhung der Freiheitsstrafe oder eine zusätzliche Geldstrafe für die versuchte Freiheitsberaubung nicht in Frage. Vielmehr bleibe es bei der von der Erstinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 4 Jahren, welche unter dem ordentlichen Strafrahmen liege und auch unter Berücksichtigung eines blossen Versuchs sowie der mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit sehr mild sei. Damit zielt die Rüge der Beschwerdeführerin ins Leere. Denn die Vorinstanz legt überzeugend dar, weshalb nur schon für die versuchte Tötung eine Freiheitsstrafe von mehr als 4 Jahren auszusprechen wäre. Eine Verletzung des Verschlechterungsverbots liegt nicht vor. Unberechtigt ist auch der Einwand, dass die Vorinstanz die Berufung hätte gutheissen müssen. Denn die Beschwerdeführerin beantragte im Berufungsverfahren einen Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Die Vorinstanz rief daher zu Recht Art. 404 Abs. 2 StPO an, wonach zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte überprüft werden können, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern. Selbst wenn dem nicht so wäre, legt die Beschwerdeführerin nicht substanziiert dar, inwieweit sie beschwert wäre, weil die Vorinstanz das erstinstanzliche Urteil von Amtes wegen berichtigte. Insbesondere führt sie nicht aus, inwiefern sich eine teilweise Gutheissung der Berufung auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen hätte auswirken müssen.