Citation: 1C_89/2017 E. 2.4.3

2.4.3. Vorliegend ist zu beurteilen, wann eine Bewährungsfrist beginnt, die von einer Verwarnung, d.h. einer nicht mit unmittelbaren Folgen verbundenen Massnahme, ausgelöst wird. Eine vergleichbare Konstellation ist bei der bedingten Strafe zu finden. Bei dieser schiebt das Gericht den Vollzug der Strafe auf und bestimmt dem Verurteilten eine Probezeit (Art. 42 Abs. 1 i.V.m. Art. 44 Abs. 1 StGB). Bewährt sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, wird die aufgeschobene Strafe nicht mehr vollzogen (Art. 45 Abs. 1 StGB). Die Probezeit für bedingte Strafen beginnt nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit der Eröffnung des Urteils und nicht mit der Widerhandlung zu laufen (Urteil 6S.506/2001 vom 25. Februar 2002, in: Pra 2002 Nr. 76 S. 442; BGE 120 IV 172 E. 2a S. 174; SCHNEIDER/ GARRÉ in: Basler Kommentar, Strafrecht, 3. Auflage 2013, N. 5 zu Art. 44). Die allgemeinen Bestimmungen des Strafgesetzbuches sind grundsätzlich auch im SVG anwendbar (vgl. Art. 102 Abs. 1 SVG). Dasselbe muss für die entsprechende Rechtsprechung gelten. Auch unter diesem Blickwinkel ergibt sich, dass die Bewährungsfrist bei Verwarnungen im Strassenverkehrsrecht analog zur Probezeit bei der bedingten Strafe nicht schon im Zeitpunkt der Widerhandlung beginnt.