Citation: U 422/05 12.09.2006 E. 4

4.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die vom Beschwerdeführer ab dem 15. Dezember 1998 geklagten Beschwerden noch in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 27. Juli 1998 standen. Dabei ist davon auszugehen, dass das durch das Unfallereignis bewirkte Zervikalsyndrom mit Nacken- und Kopfschmerzen den Beschwerdeführer nicht mehr wesentlich beeinträchtigt hat, wie auch im Gutachten des Dr. med. M.________ festgestellt wird. Im Vordergrund standen Störungen der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen sowie eine depressive Verstimmung. Mit der psychiatrischen Behandlung durch Dr. med. W.________ konnte die depressive Stimmungslage gebessert werden, es verblieben jedoch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, welche vom Psychiater als ausgeprägt beurteilt wurden. Die Ärzte der Rehaklinik E.________ fanden mässiggradige neuropsychologische Minderfunktionen und schlossen im Austrittsbericht vom 29. November 1999 auf eine posttraumatische Belastungsstörung mit vorwiegend depressiver Symptomatik. Im psychiatrischen Privatgutachten des Dr. med. H.________ vom 15. Mai 2000 werden die Diagnosen eines Status nach depressiver Episode (ICD-10 F32.1), einer Anpassungsstörung vom ängstlichen Typ (ICD-10 F43.22) und einer kognitiven Störung (ICD-10 F06.7) gestellt und der Verdacht auf eine organisch-emotional labile Störung (ICD-10 F06.6), differenzialdiagnostisch organisches Psychosyndrom (ICD-10 F07.2/8), sowie eines Status nach posttraumatischer Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) geäussert. Hiezu ist festzustellen, dass nach den Leitlinien der ICD eine posttraumatische Belastungsstörung nur diagnostiziert werden soll, wenn sie nach einem traumatisierenden Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere auftritt (Dilling/Mambour/Schmidt [Hrsg.], Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 5. Aufl., S. 170). Um ein solches Ereignis handelt es sich hier nicht. Nach dem Gesagten scheiden mangels eines entsprechenden Nachweises auch die Verdachtsdiagnosen einer organischen emotional labilen Störung sowie eines organischen Psychosyndroms aus. Ob schliesslich eine unfallbedingte Anpassungsstörung vorliegt, ist fraglich, weil solche Störungen im Allgemeinen innerhalb eines Monates nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensveränderung auftreten (a.a.O. S. 171). Zudem bestehen konkrete Anhaltspunkte für unfallfremde psychosoziale Faktoren. Der Beschwerdeführer macht zwar geltend, er habe vor dem Unfall sehr erfolgreich gearbeitet, was von den vorinstanzlich befragten Zeugen weitgehend bestätigt wurde. Aus den vom kantonalen Gericht eingeholten "Performance-Beurteilungen" des Arbeitgebers geht indessen hervor, dass er die Erwartungen der Vorgesetzten und des Betriebes zwar jeweils (teilweise knapp) erfüllt hat, jedoch keine überdurchschnittlichen oder gar ausserordentlichen Leistungen erbracht hat. Dazu kommt, dass in der fraglichen Zeit betriebliche Umstrukturierungen stattfanden und nach den Angaben der ehemaligen Vorgesetzten und Mitarbeiter auch der Beschwerdeführer konkret mit einer Entlassung rechnen musste. Es erscheint daher als nahe liegend, dass berufliche Probleme an der Entwicklung der psychischen Beeinträchtigungen mitbeteiligt waren, zumal die Ausweitung der Beschwerden in einem Zeitpunkt erfolgte, als der Beschwerdeführer davon Kenntnis erhalten hatte, dass sein Arbeitsplatz gefährdet war. Schliesslich ist auch ein gewisser Vorzustand nicht auszuschliessen. Bezüglich der kognitiven Beeinträchtigungen gab der Beschwerdeführer anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung vom 7. Januar 1999 jedenfalls an, er habe schon vor dem Unfall Gedächtnisschwierigkeiten (betreffend Namen) gehabt, welche sich nach dem Unfall nicht verändert hätten. Insgesamt ist daher fraglich, ob die bestehenden Beschwerden noch in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem erlittenen Unfall stehen. Zu weiteren Abklärungen besteht indessen kein Anlass, weil jedenfalls die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen ist, wie sich aus dem Folgenden ergibt. 4.2 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass keine nachweisbaren organischen Unfallfolgen bestehen. Aus den Akten geht sodann hervor, dass die nach dem Unfall aufgetretenen Nacken- und Kopfschmerzen leichter Natur waren und weder zu einer länger dauernden Behandlungsbedürftigkeit noch zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit geführt haben. Dr. med. I.________ fand am 24. November 1998 klinisch lediglich eine leichte endgradige Einschränkung der Rotation rechts und der Lateralflexion links bei sonst frei beweglicher und eigentlich indolenter HWS. Dr. med. A.________ stellte am 15. Dezember 1998 unauffällige neurologische Befunde fest und berichtete am 15. Februar 1999 anamnestisch von einer Besserung der Nackenverspannungen und der leichten Kopfschmerzen. In der Folge war das Beschwerdebild praktisch ausschliesslich durch die kognitiven Störungen und die depressive Symptomatik geprägt, welche laut Bericht des Universitätsspitals X.________ im Januar 1999 im Vordergrund stand und ab Mai 1999 psychiatrisch behandelt wurde. Im weiteren Verlauf traten die neuropsychologischen Störungen in den Vordergrund, für die keine organische Grundlage ausgewiesen ist, weshalb eine psychogene Ursache anzunehmen ist, wie Dr. med. A.________ bereits im Bericht vom 15. Februar 1999 angenommen hat. Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass die zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertraumen der HWS (und Schädel-Hirntraumen) auftretenden Beeinträchtigungen anfänglich zwar teilweise vorhanden waren, schon kurz nach dem Unfall und im Verlauf der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft jedoch nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Die Adäquanzbeurteilung hat daher nicht nach den für Schleudertraumen und schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67) sowie Schädel-Hirntraumen (BGE 117 V 369 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen (BGE 123 V 99 Erw. 2a; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437).