Citation: 2C_9/2016 E. 2.2.2

2.2.2. Die Qualifikation der deutlich geringeren Wochenlektionen in naturwissenschaftlichen Fächern als einem wesentlichen, einer Äquivalenz entgegenstehendem Unterschied im Sinne von Art. VI.1 des Lissabonner Übereinkommens ist nicht zu beanstanden. Wie das Bundesgericht bereits im ersten Rechtsgang erwog, ist ein in einem Signatarstaat ausgestelltes Zeugnis einer fachgebundenen Hochschulreife einer staatlichen Berufsoberschule (insbesondere in Verbindung mit einem Zeugnis über eine zweite Fremdsprache) zwar nicht zum Vornherein von einer Anerkennung als schweizerische Hochschulqualifikation ausgeschlossen (BGE 140 II 195 E. 5.3 S. 193 f.). Der Europarat, welcher gemeinsam mit der UNESCO das anlässlich einer Konferenz vom 8. bis 11. April 1997 angenommene Lissabonner Übereinkommen ausgearbeitet hatte, wies in seinem Explanatory Report to the Convention on the Recognition of Qualifications concerning Higher Education in the European Region vom 11. April 1997 vielmehr ausdrücklich auf die zunehmende Bedeutung diversifizierter Bildungssysteme, aber auch auf die besondere Problematik einer Anerkennung von deutschen Fachhochschulzeugnissen unter diesem Abkommen hin (S. 2; vgl. zur Berücksichtigung von den Originaltext anlässlich der Übereinkunft begleitenden Texten beim Auslegen zwischenstaatlicher Abkommen gestützt auf Art. 31 Abs. 2 lit. b des Wiener Übereinkommens über das Recht der Verträge vom 23. Mai 1969 [VRK; SR 0.111] JEAN-MARC SOREL, in: Corten/Klein [Hrsg.], Les Conventions de Vienne sur le droit des traités, Bd. II, 2006, N. 38 [Fn. 109] zu Art. 31 VRK; MARK E. VILLIGER, Commentary on the 1969 Vienna Convention on the Law of Treaties, 2009, N. 19 zu Art. 31 VRK [abweichend Fn. 62]). Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, wird mit dem Hochschulreifezeugnis eine breit gefächerte, ausgewogene und kohärente Allgemeinbildung und nicht eine fachspezifische oder berufliche Ausbildung attestiert. Der (Mit-) Verfasser des Entwurfs für den anschliessend durch sämtliche Signatarstaaten angenommenen Art. IV.1 des Lissabonner Übereinkommens hatte denn auch als Anwendungsbeispiel für einen "wesentlichen Unterschied" im Sinne dieser Bestimmung Abweichungen vor Augen, welche auf fundamentale Unterschiede zwischen einer auf Allgemeinbildung und einer auf fachgebundene Kenntnisse ausgerichteten Ausbildung zurückzuführen sind (Explanatory Report of the Council of Europe to the Convention on the Recognition of Qualifications concerning Higher Education in the European Region vom 11. April 1997, S. 14). Ohne die Unterschiede zwischen den verschiedenen Bildungswegen überbetonen oder gar werten zu wollen, sind die naturwissenschaftlichen Fächer als ein Grundpfeiler einer allgemeinen, im Hinblick auf ein lebenslanges Lernen unerlässlichen Bildung zu werten, weshalb eine Abweichung von 3.5 (bei insgesamt 7.5) Wochenlektionen ein sachlicher, diskriminierungsfrei festgestellter Unterschied zwischen den beiden Ausbildungssystemen darstellt, der angesichts der mit dem Hochschulreifezeugnis zu attestierenden breit gefächerten, ausgewogenen und kohärenten Allgemeinbildung auch nicht durch andere Fächer wie etwa Rechnungswesen oder Betriebswirtschaftslehre sozusagen kompensiert werden kann.