Citation: 2A.171/2002 28.11.2002 E. 5

5.1 Während der Hängigkeit des bundesgerichtlichen Verfahrens sind nämlich neue Entwicklungen aufgetreten: Wie dem Bericht der Kantonspolizei des Kantons St. Gallen vom 19. August 2002 sowie den betreffenden Befragungsprotokollen zu entnehmen ist, hat D.________ zugegeben, in der Nacht vom 18. auf den 19. August 2002 in F.________ durch ein Toilettenfenster in eine Garage eingebrochen zu sein und anschliessend ein Auto entwendet zu haben und damit nach St. Gallen gefahren zu sein; anschliessend sei er dort in einer Garage eingebrochen und habe eine Fotokamera gestohlen. Anlässlich einer weiteren Befragung vom 20. August 2002 gab D.________ zudem zu, in der Nacht vom 17. auf den 18. August 2002 in G.________ in eine Pizzeria eingebrochen zu sein und dort auf dem Parkplatz ein Auto entwendet zu haben; Mitte August 2002 sei er in H.________ in eine Boutique eingebrochen und habe Schmuck, Kleider und einen Geldbetrag mitgenommen; anfangs August habe er zudem in einem Restaurant in I.________ Fr. 20.-- mitgenommen, und am 16. August 2002 habe er einen Einbruchdiebstahl in einen Autokosmetikbetrieb in J.________ verübt. 5.2 All diese Straftaten hat D.________ nach Ausfällung des angefochtenen Entscheids verübt. Das Bundesgericht berücksichtigt solche so genannten "echten Noven" grundsätzlich nicht (vgl. E. 1.6 oben). Indessen kann es ihm nicht verwehrt sein, ausnahmsweise auf nachträglich eingetretene Tatsachen abzustellen, wenn diese geeignet sind, eine aufgrund des bisherigen Sachverhalts an sich gebotene Gutheissung der Beschwerde im Nachhinein als ungerechtfertigt erscheinen zu lassen. Es wäre kaum sinnvoll, wenn das Bundesgericht den angefochtenen Entscheid aufheben und selbst eine fremdenpolizeiliche Bewilligung bzw. eine entsprechende Ausweisung erteilen würde und anschliessend die zuständige kantonale Behörde - in Würdigung der inzwischen eingetretenen, vom Bundesgericht noch nicht berücksichtigten Tatsachen - diese Bewilligung umgehend wieder entziehen müsste bzw. nicht verlängern dürfte. 5.3 Der Anspruch auf Familiennachzug im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ANAG erlöscht, wenn der Anspruchsberechtigte gegen die öffentliche Ordnung verstossen hat (Art. 17 Abs. 2 letzter Satz ANAG). Die Voraussetzung für das Erlöschen eines Anspruchs ist weniger streng als im Fall des ausländischen Ehegatten eines Schweizers oder Schweizerin, bei dem nach Art. 7 Abs. 1 letzter Satz ANAG ein Ausweisungsgrund vorliegen muss. Immerhin muss die Verweigerung der Bewilligung nach den allgemeinen Regeln des Verwaltungsrechts verhältnismässig sein; da aber im Vergleich zur Regelung von Art. 7 ANAG bereits geringere öffentliche Interessen für ein Erlöschen des Anspruchs genügen, sind auch die entgegenstehenden Interessen weniger stark zu gewichten als bei einer Ausweisung (BGE 122 II 385 E. 3a S. 390, mit Hinweisen). Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit können die in Art. 16 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung vom 1. März 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAV; SR 142.201) für die Fälle einer Ausweisung aufgestellten Kriterien - Schwere des Verschuldens des Ausländers, Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile - analog herangezogen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Oktober 2002, 2A.257/2002, E. 2.1). Bisher ist zu den von D.________ zugegebenen Straftaten, soweit bekannt, noch kein Strafurteil ergangen. Indessen kann kein Zweifel daran bestehen, dass die ihm zur Last gelegten Einbruchdiebstähle, soweit er sie zugegeben hat, einen Verstoss gegen die öffentliche Ordnung darstellen. Es ist daher zu prüfen, ob die Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung an D.________ nach Massgabe der bundesgerichtlichen Praxis verhältnismässig ist. 5.4 D.________ hat eine ganze Serie von Einbruchdiebstählen zugegeben; es handelt sich also nicht um eine einmalige Entgleisung. Die begangenen Delikte können keinesfalls als Bagatelldelikte abgetan werden, und die wiederholte Tatbegehung wiegt schwer, ebenso wie die Tatsache, dass D.________ sich noch während des vor Bundesgericht hängigen Beschwerdeverfahrens überhaupt zu solchen Taten hinreissen liess. Es besteht daher ein gewichtiges öffentliches Interesse daran, D.________ aus der Schweiz fern zu halten. Im vorliegenden Fall vermögen die entgegenstehenden privaten Interessen D.________s an einem Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an seiner Fernhaltung nicht zu überwiegen: D.________ lebt zwar seit bald vier Jahren in der Schweiz. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen ordnungsgemäss geregelten Aufenthalt; vielmehr ist er illegal in die Schweiz eingereist und wurde sein Aufenthalt in der Folge aufgrund des laufenden Nachzugsgesuchs geduldet. Von einer besonderen Verwurzelung in der Schweiz kann bisher nicht gesprochen werden. Dass er sich beruflich noch nicht integrieren konnte, ist zwar nicht D.________ anzulasten, hat ihm doch die Fremdenpolizei - gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin - nie eine Arbeitsbewilligung erteilt. Dies ändert aber nichts daran, dass die mangelnde berufliche Integration im Rahmen der Prüfung der Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen ist. Auch wenn davon ausgegangen wird, dass D.________ als Serbe nicht in den Kosovo zurückkehren möchte, ist ihm zuzumuten, etwa in Serbien von vorne anzufangen, einen Beruf zu ergreifen und sich ein soziales Netz aufzubauen. Der Betreuung durch die Grosseltern bedarf er heute nicht mehr. Den Kontakt zu seiner Mutter wird er in Form von Besuchen aufrechterhalten können. Aus heutiger Sicht durfte das Verwaltungsgericht D.________ somit eine Aufenthaltsbewilligung verweigern; der angefochtene Entscheid erweist sich jedenfalls im Ergebnis als bundesrechtskonform.