Citation: 2C_83/2023 E. 6.4.2

6.4.2. Analog zu den strafrechtlichen Ehrverletzungsdelikten kann ein Anwalt seine Berufspflicht nach Art. 12 lit. a BGFA auch dadurch verletzen, dass er sich einer fremden Äusserung anschliesst, die ihrerseits berufspflichtwidrig ist. Vorausgesetzt ist, dass er sich die fremde Äusserung bzw. deren berufspflichtwidrigen Teil zweifellos erkennbar zu eigen macht (vgl. in Bezug auf Ehrverletzungsdelikte BGE 146 IV 23 E. 2.2.3 S. 28; Urteil 6B_440/2019 vom 18. November 2020 E. 2.3.1, nicht publ. in: BGE 147 IV 65). Im vorliegenden Fall ist strittig, ob sich der Beschwerdeführer mit der Aussage, er schliesse sich "der gestrigen Eingabe von Kollege C.________ betreffend Befangenheit vorbehaltlos an", die Äusserungen des Wahlverteidigers C.________, die nach Auffassung der kantonalen Instanzen gegen Art. 12 lit. a BGFA verstossen, zweifellos erkennbar zu eigen gemacht hat. Wörtlich hat sich der Beschwerdeführer zwar nicht speziell den hier in Frage stehenden Äusserungen angeschlossen, sondern der "Eingabe". Mit dem "vorbehaltlosen" Anschluss hat er sich die Eingabe jedoch als Ganzes, einschliesslich dieser Äusserungen, zu eigen gemacht. Sein Einwand, er habe sich der Eingabe nur insoweit angeschlossen, als damit auf Befangenheit des Verfahrensleiters geschlossen und dessen Ausstand verlangt wurde, überzeugt nicht. Denn es ist nicht einzusehen, wieso er für eine derart differenzierte Bezugnahme das Wort "vorbehaltslos" verwenden sollte. Auch ohne sich von der Ausdrucksweise seines Kollegen ausdrücklich zu distanzieren, wäre es dem Beschwerdeführer - zumal in einer schriftlichen Eingabe - ohne Weiteres möglich gewesen, zumindest auf das Wort "vorbehaltlos" zu verzichten. Durch den vorbehaltlosen Anschluss an die Eingabe vom 29. Januar 2020 hat er sich die fraglichen Äusserungen von Rechtsanwalt C.________ zweifellos erkennbar zu eigen gemacht. Sie sind somit nach dem gleichen Massstab zu beurteilen, wie wenn er sie selbst getätigt hätte.