Citation: 6B_596/2015 E. 1.4.2

1.4.2. Die Argumentation der Vorinstanz, dass das erstinstanzliche Gericht selbst nicht sicher gewesen sei, wie die Verteidigerin ihre Erklärung gemeint habe, da es einen eindeutigen Verzicht auch als solchen protokolliert und die Aussagen des Privatklägers in der Folge verwertet hätte, greift zu kurz. Die erste Instanz hält in ihrer Urteilsbegründung ausdrücklich fest, sie sei ursprünglich davon ausgegangen, der Beschwerdegegner verzichte nicht nur auf die Durchführung der Befragung mit dem Privatkläger, sondern auch auf sein Konfrontationsrecht. Erst seinem anschliessenden Parteivortrag sei zu entnehmen gewesen, dass dem offenbar nicht so sei (vgl. erstinstanzliches Urteil, S. 33). Diese Formulierung spricht klar dafür, dass der Beschwerdegegner zuvor in Bezug auf seinen Verzicht keine Einschränkungen erklärt hatte und das Protokoll somit vollständig und korrekt wiedergibt, was tatsächlich geäussert wurde: ein ohne Vorbehalte geäusserter Verzicht auf die Durchführung der Einvernahme mit dem Privatkläger. Dass die erste Instanz der Argumentation des Beschwerdegegners schliesslich trotzdem folgte und die Aussagen des Privatklägers als unverwertbar qualifizierte, geschah aus rechtlichen Überlegungen und kann nicht als Indiz dafür verstanden werden, dass die Verzichtserklärung an der Hauptverhandlung nicht in der protokollarisch festgehaltenen Weise erfolgt war.