Citation: 6B_803/2020 E. 1.5.1

1.5.1. Der Tatbestand der Misswirtschaft von Art. 165 Ziff. 1 StGB setzt in objektiver Hinsicht eine Bankrotthandlung, d.h. ein "krasses wirtschaftliches Fehlverhalten" voraus. Das Eingehen eines jeder Geschäftstätigkeit inhärenten Risikos ist nicht strafbar, auch wenn sich "ex post" herausstellt, dass eine Fehlentscheidung getroffen wurde (BGE 144 IV 52 E. 7.3 mit Hinweisen). Erforderlich ist zudem eine Vermögenseinbusse im Sinne einer Gläubigerschädigung (Urteile 6B_748/2017 vom 30. Mai 2018 E. 3.2.2; 6B_985/2016 vom 27. Februar 2017 E. 4.1.1; NADINE HAGENSTEIN, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd. II, 4. Aufl. 2019, N. 67 f. zu Art. 165 StGB). Zwischen der Bankrotthandlung und der Vermögenseinbusse muss ein Kausalzusammenhang bestehen (Urteil 6B_775/2020 vom 23. November 2020 E. 3.1 mit Hinweisen). Zu den Bankrotthandlungen im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB zählt das Gesetz insbesondere das leichtsinnige Gewähren von Krediten. Die Tathandlung der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB besteht in der Verletzung spezifischer Pflichten, die den Täter in seiner Stellung als Geschäftsführer generell, aber auch bezüglich spezieller Geschäfte zum Schutz des Auftraggebers bzw. Geschäftsherrn treffen. Die Pflichten ergeben sich aus dem jeweiligen Grundverhältnis (BGE 142 IV 346 E. 3.2 mit Hinweisen). Aus der gewinnstrebigen Grundstruktur einer Aktiengesellschaft folgt etwa die Verpflichtung aller Geschäftsführungsorgane zur Wahrung und Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Gesellschaft (Urteile 6B_940/2019 vom 6. Mai 2020 E. 2.1; 6B_644/2018 vom 22. Mai 2019 E. 2.4.3). Der Geschäftsführer verfügt bei der Frage, was geschäftsmässig begründet ist, über einen Ermessensspielraum (Urteile 6B_940/2019 vom 6. Mai 2020 E. 2.1; 6B_818/2017 vom 18. Januar 2018 E. 1.2.2). Pflichtwidrig im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB handelt nach der Rechtsprechung etwa der Vorsitzende einer Personalvorsorgestiftung, der in Verletzung der Bestimmungen über die sichere Anlage der Vorsorgegelder erheblich gefährdete Darlehen gewährt (vgl. BGE 122 IV 279).