Citation: I 56/02 30.12.2002 E. 3

3.1 Im Gutachten der Medas wird ausdrücklich festgehalten, dass sich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf das Datum der Schlussbesprechung vom 22. März 2000 beziehe. Zur Feststellung des Rentenbeginns, der von Beginn und Ablauf der Wartezeit (Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG) sowie davon abhängig ist, ob zum letztgenannten Zeitpunkt eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40% (Art. 28 Abs. 1 IVG) bestand (vgl. BGE 121 V 272 Erw. 6), müssen daher andere medizinische Unterlagen beigezogen werden. Frau Dr. med. B.________ führte im Bericht vom 20. Oktober 1995 aus, seit 1991 leide die Versicherte an einer zunehmenden Schmerzsymptomatik im ganzen Skelett sowie Knie- und Rückenbeschwerden beim Sitzen (Bürostellung). Weiter bestünden auch unangenehme Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Kopf-, Stirn- und Augenbereich sowie in die rechte Schulter- und Armregion. Wegen Beschwerden im HWS/LWS-Bereich habe die seit Januar 1993 vollzeitlich ausgeübte Tätigkeit als Kanzleisekretärin und Arbeitsvermittlerin ab 6. Juni 1994 auf 50% reduziert werden müssen. Für den Fall, dass sich die Arbeitsfähigkeit mittels intensiver Physiotherapie bis Ende Februar 1996 nicht verbessern lasse, wurde die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens empfohlen. Damit hat die Ärztin keine abschliessende, mit Blick auf das gesamte in Frage kommende Tätigkeitsgebiet massgebende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen. Gemäss dem neuropsychologischen Gutachten des Spitals Y.________ vom 27. Februar 1996 zeigte die Versicherte deutlich reduzierte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistungen bei multimodaler Belastung, einen mässig verminderten Antrieb und eine reduzierte Gedächtnisleistung für figurales Material. Qualitativ und in ihrer Ausprägung seien die Funktionsstörungen mit einem posttraumatischen Folgezustand nach einem Schädel-Hirntrauma gut vereinbar. Aus rein neuropsychologischer Sicht wurde die Arbeitsfähigkeit mit Bezug auf die aktuelle berufliche Situation auf 30% veranschlagt. Empfohlen wurde eine Beurteilung in der interdisziplinären Schmerzsprechstunde. Abgesehen davon, dass zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit und zur Behinderung in anderen Erwerbsbereichen nicht Stellung genommen wird, gilt es darauf hinzuweisen, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht im die Unfallversicherung betreffenden Urteil vom 29. August 1997 (U 174/96) erwogen hat, dass sich in den Zeugnissen der die Beschwerdeführerin nach dem Unfall vom 23. April 1985 behandelnden Ärzte keine Hinweise auf eine Schädigung der Halswirbelsäule oder gar auf ein Schädel-Hirntrauma finden liessen und auch in den folgenden acht Jahren keine entsprechenden Symptome aktenkundig seien, weshalb davon auszugehen sei, dass sich die Versicherte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine solchen Verletzungen zugezogen habe. Dr. med. C.________ führt in der psychiatrischen Begutachtung vom 23. Mai 1996 - ohne eine Diagnose zu stellen - aus, die Versicherte genüge den Anforderungen am Arbeitsplatz auch im Rahmen eines Halbtagespensums nicht mehr und klage über seit dem Unfall im Jahre 1985 bestehende Kopfschmerzen, Schmerzen im Bewegungsapparat, chronische Müdigkeit, Vergesslichkeit und sehr rasche Ermüdbarkeit bei der Arbeit. Die Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit erschöpfen sich im Hinweis, dass allenfalls ein jahrelanger Schmerzmittelkonsum und/oder eine psychogene Komponente wesentlich mitbeteiligt seien, was indessen nicht beurteilt werden könne; eine theoretisch bestehende Erwerbsfähigkeit von 30% bis 50% könne derzeit höchstwahrscheinlich nicht verwertet werden, da eine einfache, stressfreie Stelle kaum zu finden sei. Damit lässt das Gutachten klare und schlüssig nachvollziehbare Aussagen zur Arbeitsfähigkeit vermissen. 3.2 Bezüglich der Frage, in welchem Ausmass und für welche Tätigkeitsbereiche eine Arbeitsunfähigkeit besteht, geben die erwähnten, aus den Jahren 1995/96 stammenden medizinischen Unterlagen kein klares Bild. Die entsprechenden Angaben sind sehr unbestimmt formuliert, und es fehlt auch eine Gesamtbeurteilung, welche das gesamte Beschwerdebild berücksichtigt. Hinzu kommt, dass für die Folgezeit in den Akten aussagekräftige ärztliche Berichte fehlen. Der Zusammenfassung der Vorgeschichte im Medas-Gutachten lässt sich lediglich entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin am 1. März 1998 einer Operation am Vorderarm und am rechten Fuss unterziehen musste und anschliessend bis Ende Juni 1998 völlig und ab diesem Zeitpunkt als selbstständigerwerbende Heilpraktikerin zu 50% arbeitsunfähig betrachtet wurde (vgl. auch Zeugnis von Frau Dr. med. M.________ vom 8. Januar 1999). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann nach dem Gesagten nicht ohne weiteres mit der Begründung, den ärztlichen Stellungnahmen aus den Jahren 1995 und 1996 lasse sich nichts von den Schlussfolgerungen der Gutachter der Medas Abweichendes entnehmen, für die gesamte in Frage kommende Zeit auf die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit in der Expertise vom 17. April 2000 abstellen. Es drängen sich vielmehr für den Zeitraum vor dem 22. März 2000 (Datum der Beurteilung durch die Medas) sowohl für die Berechnung der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit im Hinblick auf die Erfüllung der Wartezeit (deren Beginn und Ende noch nicht festgestellt werden können) als auch im Hinblick auf die Bestimmung des Invaliditätsgrades (insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Frage eines zumutbaren Invalideneinkommens) weitere medizinische Abklärungen auf.