Citation: U 26/02 29.12.2003 E. 3.2

3.2.1 Das Invalideneinkommen hat die SUVA auf Grund von Lohnangaben aus der internen Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) auf Fr. 47'000.- bis Fr. 50'000.- festgesetzt und den Anspruch auf eine Invalidenrente daher verneint. Die Vorinstanz hielt das Vorgehen der SUVA für korrekt und hat das Ergebnis bestätigt. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, die Unfallversicherung sei an das seitens der Invalidenversicherung festgelegte Invalideneinkommen gebunden. Sie verlangt die Ermittlung dieses Einkommens gestützt auf die Tabellenlöhne sowie die Vornahme eines 15%igen Abzuges, was im Vergleich zum Valideneinkommen einen Invaliditätsgrad von 23 % ergebe. 3.2.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die so genannten DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 126 V 76 Erw. 3b mit Hinweisen; RKUV 1999 Nr. U 343 S. 412). Zum Verhältnis der beiden Methoden hat das Eidgenössische Versicherungsgericht im letztgenannten Urteil festgestellt, den DAP-Zahlen komme kein genereller Vorrang gegenüber den Tabellenlöhnen zu. Offen blieb, auf welche Methode im Einzelfall abzustellen ist. Im zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteil C. vom 28. August 2003, U 35/00 und U 47/00, räumte das Eidgenössische Versicherungsgericht ein, dass ein ungeregeltes Nebeneinander der beiden Verfahren in dem Sinne, dass nach freiem Ermessen entweder die eine oder die andere Methode gewählt werden kann, nicht zu befriedigen vermöge. Eine einheitliche und rechtsgleiche Praxis liesse sich am ehesten über eine Prioritätenordnung gewährleisten. Diese abschliessend festzulegen sei beim gegenwärtigen Stand der Dinge indessen schwierig (oben zitiertes Urteil, Erw 4.2.1). Nach Darstellung der sich je aus ihrer Entstehung und Eigenart ergebenden Vor- und Nachteile der beiden Methoden umschrieb das Eidgenössische Versicherungsgericht die Voraussetzungen dafür, dass die Ermittlung des Invalideneinkommens gestützt auf die Lohnangaben aus der DAP im Einzelfall bundesrechtskonform ist. Das Abstellen auf DAP-Löhne setzt demnach voraus, dass, zusätzlich zur Auflage von mindestens fünf DAP-Blättern, Angaben gemacht werden über die Gesamtzahl der auf Grund der gegebenen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den Tiefstlohn sowie über den Durchschnittslohn der entsprechenden Gruppe. Sind die erwähnten verfahrensmässigen Anforderungen nicht erfüllt, könne nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt werden (zitiertes Urteil, Erw. 4.2.1 und 4.2.2). Schliesslich seien bei der Ermittlung des Invalideneinkommens gestützt auf DAP-Profile Abzüge nicht sachgerecht und nicht zulässig (zitiertes Urteil, Erw. 4.2.3). 3.2.3 Im vorliegenden Fall bilden die von der SUVA verwendeten DAP-Profile allein im Lichte von Erw. 3.2.2 hievor keine genügende Grundlage für die Festsetzung des Invalideneinkommens, lässt sich doch mangels der verlangten zusätzlichen Angaben und entsprechenden Unterlagen in diesem Verfahren das Auswahlermessen der SUVA nicht überprüfen. Das Invalideneinkommen ist daher gestützt auf die LSE zu ermitteln. Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdeführerin, wenn sie behauptet, die SUVA sei diesbezüglich an das von der Invalidenversicherung festgelegte Einkommen gebunden, sind doch dort - entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde - die psychischen Faktoren, für welche die Unfallversicherung nicht leistungspflichtig ist, miteingeschlossen worden. Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2000 belief sich der Zentralwert für die mit einfachen und repetitiven Arbeiten (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Frauen für eine 40-Stundenwoche im privaten Sektor, auf welchen bei der Festsetzung des Invalideneinkommens anhand von Tabellenlöhnen grundsätzlich abgestellt wird (zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil C. vom 28. August 2003, U 35/00 und U 47/00, Erw. 4.3.2; RKUV 2001 Nr. U 439 S. 347), auf Fr. 3658.-, was umgerechnet auf die betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit für das Jahr 2000 von 41,8 Stunden (Die Volkswirtschaft, 9/2003, S. 102 Tabelle B 9.2) einem Jahreseinkommen von Fr. 45'871.- entspricht. Was den Abzug vom Tabellenlohn anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht in BGE 126 V 75 ff. die bisherige Praxis dahingehend präzisiert hat, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängig ist. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 126 V 79 Erw. 5b/aa-cc). Vorliegend ist unter Würdigung der gesamten Umstände ein Abzug vom Tabellenlohn nicht gerechtfertigt, dies im Gegensatz zur Invalidenversicherung, wo ein solcher zufolge der psychischen Beschwerden hauptsächlich mit dem Beschäftigungsgrad und der lohnmässigen Benachteiligung der gesundheitlich beeinträchtigten Versicherten begründet wurde. Vielmehr ist hier davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht vollumfänglich arbeitsfähig ist und in einer Tätigkeit ohne Exposition zu Isocyanaten keine weiteren Einschränkungen erleidet. Stellt man das Invalideneinkommen von Fr. 45'871.- dem Valideneinkommen von Fr. 47'970.- gegenüber, ergibt sich ein Invaliditätsgrad von rund 4 %. Angesichts der Geringfügigkeit der ermittelten Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit lässt es sich im Ergebnis somit nicht beanstanden, wenn SUVA und Vorinstanz von der Zusprechung einer Invalidenrente abgesehen haben (vgl. Urteil Z. vom 5. Februar 2001, U 414/00, und Urteil M. vom 3. Februar 2003, U 151/00), dies auch in Anbetracht der Tatsache, dass Art. 18 Abs. 1 UVG in der ab 1. Juli 2001, somit nur 3 ½ Monate nach Erlass des Einspracheentscheids, geltenden Fassung für den Anspruch auf eine Invalidenrente einen Invaliditätsgrad von mindestens 10 % voraussetzt.