Citation: I 816/04 21.07.2005 E. 3.1

3.1.1 Die Invaliditätsbemessung hat bezogen auf den frühest möglichen Rentenbeginn zu erfolgen. Die für den Einkommensvergleich massgebenden Validen- und Invalideneinkommen sind auf zeitidentischer Grundlage zu ermitteln. Allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Erlass der Verfügung resp. des Einspracheentscheides sind zu berücksichtigen (BGE 129 V 222; vgl. auch BGE 128 V 174). 3.1.2 Nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung) entsteht der Rentenanspruch gemäss Art. 28 IVG frühestens in dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen war. Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29ter IVV). Unter Arbeitsunfähigkeit im Sinne von alt Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG ist die durch den Gesundheitsschaden bedingte Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen (BGE 130 V 99 Erw. 3.2 mit Hinweisen). Für die Eröffnung der einjährigen Wartezeit muss die Arbeitsunfähigkeit ein gewisses Mass erreichen, sie muss erheblich sein. Nach der Gerichtspraxis ist eine Verminderung des funktionellen Leistungsvermögens im bisherigen Beruf von mindestens 20 % vorausgesetzt (AHI 1998 S. 124 Erw. 3c; vgl. auch BGE 129 V 419 unten; Urteil K. vom 26. März 2004 [I 19/04] Erw. 3.1). 3.1.3 Auf Grund der Akten war die Beschwerdeführerin nach dem Unfall vom 13. Oktober 1998 bis 22. November 1998 zu 100 %, vom 23. November 1998 bis 3. Februar 1999 zu 50 %, vom 4. Februar bis 5. April 1999 zu 100 %, vom 6. April bis 9. Juni 1999 zu 50 % und danach wieder zu 100 % in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Teepackerin arbeitsunfähig. Die Wartezeit im Sinne von alt Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG war somit spätestens am 13. Oktober 1999 abgelaufen. Das kantonale Gericht hat insoweit richtig die Invaliditätsbemessung bezogen auf diesen Zeitpunkt vorgenommen. 3.2 Die Beschwerdeführerin leidet unbestrittenermassen an Schmerzen im Bereich der Schulter links. Aus orthopädischer Sicht sind die angegebenen Beschwerden im Bereich oberhalb von ca. 60° Schulterabduktion und -flexion sowie bei forcierter Extension glaubhaft. Soweit darüber hinaus bei sämtlichen Bewegungen der linken Schulter auch am hängenden Arm Schmerzen angegeben werden, fehlen hiefür Hinweise für eine somatische Ursache. Es steht grundsätzlich ausser Frage, dass die Diskrepanz zwischen objektivem Befund und subjektiv angegebenen Beschwerden sich nur im psychiatrischen Kontext erklären lässt. Gemäss Gutachten des Begutachtungsinstituts Y.________ vom 31. Oktober 2002 besteht eine Schmerzverarbeitungsstörung. Der Orthopäde Dr. med. S.________ spricht von einer dissoziativen Schmerzverabeitungsstörung (Expertise vom 26. Oktober 2002). 3.3 Laut den Gutachtern des Begutachtungsinstituts Y.________ sind aus rein somatischer Sicht Tätigkeiten «mit hängenden Armen», ohne Bewegungen oberhalb von 60° Schulterabduktion und -flexion und ohne forcierte Extension der Schulter, zu 100 % zumutbar. Gemäss Dr. med. S.________ könnte in einer angepassten und zumutbaren Tätigkeit eine volle Arbeitsleistung erbracht werden. Ab welchem Zeitpunkt spätestens diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gilt und eine darüber hinausgehende Einbusse des funktionellen Leistungsvermögens als psychisch bedingt zu betrachten ist, wird in den erwähnten Expertisen nicht gesagt. Am 10. Juni 1999 wurde aufgrund der Diagnose einer Partialläsion des Supraspinatus der linken Schulter bei einem deutlichen subacromialen Impingement-Syndrom eine Arthroskopie mit Débridement supraspinatus, Acromioplastik und AC-Resektion durchgeführt. Am 25. April 2000 wurde die Versicherte von Dr. med. S.________ untersucht und begutachtet. In seiner Expertise vom 9. Mai 2000 zu Handen des Unfallversicherers schätzte der orthopädische Facharzt die Arbeitsfähigkeit in einer den Unfallfolgen angepassten und zumutbaren Tätigkeit auf 0 %. Die Versicherte benötige dringend eine weitere Hospitalisation mit Mobilisation in Narkose und eventuellem Zusatzeingriff. Die Psyche der Explorandin bezeichnete Dr. med. S.________ als kooperativ, ausgeglichen und kommunikativ. Vom 2. bis 5. Mai 2000 unterzog sich die Versicherte in der Klinik X.________ einer stationären Physio- und Schmerztherapie in Plexusanästhesie. Die Massnahme brachte indessen keine Besserung. Bei unklarer Ausgangsdiagnose und trotz nicht voraussehbarem Ergebnis wurde nach einem MRI der Halswirbelsäule (HWS) vom 5. September 2000 (zum Ausschluss der HWS als Schmerzquelle) am 22. Dezember 2000 erneut eine (diagnostische) Arthroskopie u.a. mit Débridement der Supraspinatusunterfläche und Re-Acromioplastik links durchgeführt. Es zeigte sich eine deutlich entzündliche Veränderung der Bizepssehne und eine deutliche Synovialitis im Bereich des Rotatorenintervalls (Operationsbericht vom 4. Januar 2001). Dieser Eingriff führte ebenfalls nicht zu einer dauernden Verbesserung der Schmerzsituation. Auf Zuweisung der Klinik X.________ wurde die Versicherte am 29. August 2001 in der interdisziplinären Schmerzsprechstunde der Medizinischen Abteilung Z.________ des Spitals E.________ untersucht. Die empfohlenen Physiotherapie und medikamentöse antidepressive Behandlung brachten indessen ebenso wenig eine Besserung wie Aufenthalte in verschiedenen Schmerzkliniken. Gemäss Dr. med. S.________ waren nach der Erfolglosigkeit der Schulterarthroskopie vom 22. Dezember 2000 sämtliche behandelnden Ärzte der Ansicht, dass eine wesentliche psychogene Komponente mitspielen dürfte (Gutachten vom 26. Oktober 2002). Aufgrund des Vorstehenden kann eine Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten von 100 % aus rein somatischer Sicht bei Ablauf der Wartezeit im Oktober 1999 und mindestens bis zum Abheilen der Folgen des operativen Eingriffs vom 22. Dezember 2000 nicht als gesichert gelten. Es ist somit nicht auszuschliessen, dass bis zum Einspracheentscheid vom 23. Februar 2004 eine anspruchsbegründende Invalidität bestand. Dies verneint der angefochtene Entscheid, weshalb er aus diesem Grund aufzuheben ist.