Citation: 4C.332/2000 26.01.2001 E. 4

4.- Die Beklagte rügt sodann eine Verletzung von Art. 8 ZGB, da das Obergericht die angerufenen Zeugen nicht zugelassen, sondern eine antizipierte Beweiswürdigung vorgenommen und festgestellt habe, die Beklagte hätte den Schaden nicht hinreichend substanziiert. Zudem habe es den Schadensbegriff verkannt, indem es auf den Gewinn abstellte statt auf den Erwerbsausfall. a) In antizipierter Beweiswürdigung wird auf die Abnahme von Beweisen verzichtet, wenn das Gericht diese von vornherein nicht für geeignet hält, die behaupteten Tatsachen zu beweisen, oder wenn es seine Überzeugung bereits aus anderen Beweisen gewonnen hat und davon ausgeht, dass weitere Abklärungen am massgeblichen Beweisergebnis nichts mehr zu ändern vermöchten. Kritik an einer derartigen Beweiswürdigung ist im Rahmen der Berufung unzulässig (vgl. BGE 122 III 219 E. 3c S. 223 f. mit Hinweisen). Von der antizipierten Beweiswürdigung ist die Frage der gehörigen Substanziierung zu unterscheiden. Fehlt es an hinreichend detaillierten Behauptungen, so unterbleibt die Beweisabnahme, da das Beweisverfahren nicht dazu dient, mangelhafte Vorbringen der Parteien zu ergänzen. Diesbezüglich stellt sich höchstens die Frage, ob der Richter eine allfällige Pflicht zur Abklärung des Sachverhalts von Amtes wegen oder zur Befragung der Parteien verletzt hat (vgl. E. 4c/aa hiernach). b) Die inhaltlichen Anforderungen an die Substanziierung bundesrechtlicher Ansprüche richten sich nach Bundesrecht, und das Bundesgericht kann im Berufungsverfahren prüfen, ob der Sachverhalt durch die Sachvorbringen einer Partei so weit substanziiert ist, dass er unter die Bestimmungen des Bundesrechts subsumiert werden kann, das heisst die Beurteilung der Rechtsbehauptung zulässt, um die sich der Streit dreht (BGE 108 II 337 E. 2 und 3 S. 338 ff., insbesondere S. 341 f., mit Hinweisen). c) Streitig ist vorliegend, ob der Umsatzrückgang auf die Lärmimmissionen zurückzuführen ist oder auf andere Gründe, nämlich auf die Arbeitsunfähigkeit der Beklagten im fraglichen Zeitraum, auf die gegen sie in der Presse geäusserte Kritik oder auf den bevorstehenden Umzug in eine andere Praxis. Unter diesen Umständen wäre es Sache der Beklagten gewesen, aufzuzeigen, dass gerade die Lärmimmissionen die behauptete Umsatzeinbusse verursachten. Sie hätte darlegen müssen, wieviele Patienten sie nicht behandeln konnte oder an andere Ärzte weiterverweisen musste und welche Honorare ihr dadurch entgingen. Ohne entsprechende Angaben kann nicht beurteilt werden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang der Umbau für den Umsatzrückgang kausal war. Wenn die Vorinstanz der Beklagten entgegenhält, sie habe ihre Vorbringen diesbezüglich nicht hinreichend substanziiert, ist das bundesrechtlich nicht zu beanstanden. aa) An diesem Ergebnis vermag auch die in Art. 274d Abs. 3 OR verankerte "soziale Untersuchungsmaxime" nichts zu ändern, da diese die Parteien nicht davon befreit, bei der Feststellung des entscheidwesentlichen Sachverhalts aktiv mitzuwirken. Das Mietgericht hat die Beklagte denn auch ausdrücklich aufgefordert, die notwendigen Angaben beizubringen (BGE 125 III 231 E. 4a S. 239). bb) Auch der Hinweis auf Art. 42 Abs. 2 OR nützt der Beklagten nichts, da diese Bestimmung an ihrer Substanziierungsobliegenheit nichts ändert. Die Beklagte hat vielmehr alle Umstände, die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung erlauben oder erleichtern, soweit möglich und zumutbar zu behaupten und zu beweisen (BGE 122 III 219 E. 3a S. 221 mit Hinweisen). Inwiefern es ihr unmöglich gewesen sein soll, konkretere Angaben über den entstandenen Schaden zu machen, legt die Beklagte nicht dar und ist auch nicht ersichtlich. Soweit sie anführt, das Obergericht stelle überzogene Beweisanforderungen und vereitle dadurch die Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR, ist daran zu erinnern, dass die Beklagte bereits ihrer Behauptungslast nicht genügte. Eine Beweisabnahme konnte daher bundesrechtskonform unterbleiben. d) Hat die Beklagte ihre Vorbringen bezüglich der Kausalität des schädigenden Ereignisses nicht hinreichend substanziiert, kommt der Frage, wie der Schaden berechnet werden müsste, keine selbständige Bedeutung zu. Diesbezüglich ist auf die Berufung nicht einzutreten.