Citation: 6S.61/2003 06.04.2004 E. 4

Arglistig im Sinne von Art. 148 Abs. 1 aStGB handelt, wer ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient (manoeuvres frauduleuses; mise en scène). Ein Lügengebäude liegt vor, wenn mehrere Lügen derart raffiniert aufeinander abgestimmt sind und von besonderer Hinterhältigkeit zeugen, dass sich auch der kritische Geschädigte täuschen lässt. Besondere Machenschaften sind eigentliche Inszenierungen und deshalb zusätzlich zu einem Lügengebäude gekennzeichnet durch intensive, planmässige und systematische Vorkehren des Täters. Arglistig handelt aber auch, wer bloss einfache falsche Angaben macht, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, oder wer den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der Angaben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen wird. Arglist ist jedoch zu verneinen, wenn der Getäuschte sich mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit selber hätte schützen bzw. den Irrtum durch ein Mindestmass an zumutbarer Vorsicht vermeiden können. In dieser Hinsicht ist es allerdings nicht erforderlich, dass der Getäuschte die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle denkbaren Vorsichtsmassnahmen trifft. Entscheidend ist nicht, ob er alles vorgekehrt hat, um den Irrtum zu vermeiden. Arglist scheidet lediglich aus, wenn der Getäuschte die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet hat (BGE 128 IV 18 E. 3a; 126 IV 165 E. 2a; 122 IV 197 E. 3d; 119 IV 28 E. 3c; je mit Hinweisen; Arzt, a.a.O., N 50 ff. zu Art. 146, Stratenwerth, a.a.O., § 15 N 17; Schubarth, Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, Bern 1990, N 31 ff. zu Art. 148 aStGB; Trechsel, a.a.O., N 7 ff. zu Art. 146). 4.1 Die Vorinstanz geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin keine besonderen Machenschaften im Sinne eines eigentlichen Lügengebäudes angewendet, sondern lediglich die unwahre Zusicherung abgegeben hat, die A.________Ltd. könne über den Ferrari frei verfügen. Arglist ist deshalb nach dem oben Gesagten nur bei Vorliegen qualifizierender Umstände anzunehmen. Die Vorinstanz stellt dazu im Wesentlichen übereinstimmend mit der ersten Instanz fest, dass Z.________s Firmengeflecht für Y.________ kaum überblickbar war, eine Möglichkeit zur Überprüfung der aktuellen Eigentumsverhältnisse am Ferrari im Zeitpunkt des Vertragsschlusses für ihn nicht ohne weiteres bestand und er zu einer solchen Überprüfung auch keinen Grund hatte, da er annehmen konnte, dass die Beschwerdeführerin, die ihm als Rechtsanwältin und als Verteidigerin eines Freundes vertrauenswürdig erschien, darüber Bescheid wusste. Die Vorinstanz hält allerdings auch fest, dass Y.________ - wenn auch mehr als ein Jahr zuvor - für Z.________ das Auto geprüft und in London Checks zu dessen Bezahlung abgeholt hatte. Sie fügt indes bei, dass schon damals nicht ohne weiteres ersichtlich war, ob Z.________ das Auto im eigenen oder im Namen einer seiner Firmen gekauft hatte, und dass zudem seither auch eine Handänderung stattgefunden haben konnte (angefochtener Entscheid S. 15 f.). 4.2 Geht man von diesen Feststellungen und Überlegungen der Vorinstanz aus, so stand für Y.________ zwar nicht mit Sicherheit fest, dass die A.________Ltd. frei über den Ferrari verfügen konnte. Eine Möglichkeit, die Stichhaltigkeit der Zusicherung der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses zu prüfen, bestand für ihn jedoch, wie auch die Vorinstanz festhält, höchstens beschränkt, woran seine Mitwirkung beim seinerzeitigen, rund ein Jahr zurückliegenden Kauf des Ferraris nichts ändert. Dies spricht gemäss der dargelegten Praxis für die Annahme von Arglist. Auch unter dem Gesichtswinkel der Opfermitverantwortung kann nicht gesagt werden, Y.________ habe die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen unterlassen. Die Vorinstanz ist zu Recht der Auffassung, die Erkennbarkeit der mit dem vorliegenden Geschäft möglicherweise verbundenen Gläubigerbenachteiligung und des daraus folgenden Risikos einer Anfechtung bedeute nicht, dass der im Vertrauen auf die Zusicherung der rechtskundigen Beschwerdeführerin erfolgte Vertragsschluss als Missachtung elementarster Vorsichtspflichten anzusehen war. Die eigenen Kenntnisse Y.________s bezogen sich auf Umstände, wie sie rund ein Jahr zuvor bestanden hatten, weshalb für ihn kein zwingender Grund bestand, die rund ein Jahr später erfolgte Zusicherung der Beschwerdeführerin als unglaubwürdig zu betrachten. Die Situation konnte sich in der Zwischenzeit geändert haben, ohne dass er dies wusste und hätte überprüfen können. Der Aspekt der Opfermitverantwortung steht daher der Annahme von Arglist nicht entgegen. Es ist auch nicht widersprüchlich, wenn die Vorinstanz Y.________ im Zusammenhang mit dem Zivilpunkt ein gewisses Selbstverschulden vorwirft (angefochtener Entscheid S. 25). Dieses war jedenfalls nicht so gravierend, dass es auch die strafrechtlich relevante Arglist aufhöbe. Die Erwägungen der Vorinstanz zur Arglist verletzen deshalb Bundesrecht nicht.