Citation: 4A_614/2014 E. 5.6.2

5.6.2. Dies verkennt die Beschwerdeführerin auch, soweit sie ausführt, die Wesentlichkeit der Nichtlieferung beziehungsweise der verspäteten Lieferung der Konnossemente sei eigenständig zu prüfen und beurteile sich nicht nach der Vertragsmässigkeit der Ware. Die Vorinstanz geht, wie die Beschwerdeführerin selbst festhält, bei Dokumentengeschäften von einer zweifachen Leistungspflicht aus, einer Pflicht einerseits zur Lieferung der Ware und andererseits zur Lieferung der Dokumente. Aus dem Fehlen oder der Fehlerhaftigkeit der gemäss Akkreditiv zur korrekten Andienung verlangten Dokumente, folgt zwar, dass die präsentierten Dokumente von der Bank zurückgewiesen werden können, so dass keine Zahlung erfolgt. Insoweit sind sämtliche verlangten Dokumente wesentlich. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass bei Fehlen eines Dokuments eine wesentliche Vertragsverletzung vorliegt (Leisinger, a.a.O., N. 19 zu Art. 25 CISG). Mit Blick auf das Verhalten der Beschwerdeführerin durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass weder wegen der verspäteten Lieferung der Akkreditivdokumente (namentlich der Konnossemente) noch wegen deren Inhalt eine "wesentliche Vertragsverletzung" gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a CISG vorlag.