Citation: 4A_55/2022 E. 8

Mit der dritten Rüge wirft die Beschwerdeführerin der Vorinstanz - wie erwähnt - vor, sie habe willkürlich angenommen, die Einführung eines selektiven Systems stelle "per se" bzw. "grundsätzlich immer" eine objektive Rechtfertigung dar, also selbst dann, wenn dadurch der Wettbewerb auf dem relevanten Markt verringert oder sogar ganz eliminiert werde. Entsprechend habe sie nicht geprüft, ob der Lieferabbruch vorliegend eine effizienzsteigernde Wirkung habe, welche dessen negativen Auswirkungen zu kompensieren vermöchte. Diese Rüge überschneidet sich insbesondere mit der ersten Rüge (Ausschaltung jeglichen Wettbewerbs sei nie objektiv gerechtfertigt). Denn die Einführung eines selektiven Systems unter Ausschaltung der Grosshändler resultiert grundsätzlich immer in einer Ausschaltung des Wettbewerbs auf dem zwischengeschalteten Ersatzteilliefermarkt, sofern dieser markenspezifisch abgegrenzt ist. Auch die zweite Rüge wird gegenstandslos, sollte bei der dritten Rüge davon ausgegangen werden, ein Lieferabbruch im Rahmen der Restrukturierung des Vertriebssystems sei - vorbehältlich bestimmter, den Missbrauch begründende Ausnahmen - grundsätzlich zulässig. Denn die zweite Rüge basiert darauf, dass dem nicht so ist und vielmehr Effizienzvorteile der neuen Struktur im Einzelfall nachzuweisen sind.