Citation: 6B_375/2023 E. 1.1

1.1. Zur Beschwerde in Strafsachen ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat und ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids hat (Art. 81 Abs. 1 lit. a und b BGG). Darunter fällt namentlich die Privatklägerschaft, sofern sie im kantonalen Verfahren adhäsionsweise Zivilansprüche geltend gemacht hat und der angefochtene Entscheid sich auf die Beurteilung dieser Zivilansprüche auswirken kann (Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat die Privatklägerschaft auch dann am vorinstanzlichen Verfahren im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. a BGG teilgenommen, wenn sie als Berufungsbeklagte im Berufungsverfahren keine Anträge gestellt hat. Der Verzicht auf Anträge oder auf die nach Art. 405 Abs. 2 StPO freiwillige persönliche Teilnahme an der mündlichen Berufungsverhandlung ist nicht als Gleichgültigkeit am Ausgang des Berufungsverfahrens zu verstehen, sondern als Festhalten an den erstinstanzlichen Anträgen. Wer im Berufungsverfahren mit seinen erstinstanzlichen Anträgen unterliegt, erfüllt deshalb die Legitimationsvoraussetzungen von Art. 81 Abs. 1 lit. a BGG (BGE 143 IV 434 E. 1.2.3; bestätigt im Urteil 6B_257/2020, 6B_298/2020 vom 24. Juni 2021 E. 3.1, nicht publ. in BGE 147 IV 409). Die Beschwerdeführerin war im vorinstanzlichen Verfahren Berufungsbeklagte. Sie hatte in erster Instanz eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- nebst Zins zu 5 % beantragt. Die Erstinstanz hatte ihr eine Genugtuung von Fr. 300.-- zugesprochen. Die Vorinstanz wies ihren Antrag auf Genugtuung gänzlich ab. Die Beschwerdeführerin focht das erstinstanzliche Urteil nicht an und war daher nicht verpflichtet, persönlich zur Berufungsverhandlung zu erscheinen oder sich vertreten zu lassen (Art. 405 Abs. 2 StPO). Ihr Verzicht auf Anträge im Berufungsverfahren stellt nach dem Gesagten keine stillschweigende Anerkennung der Berufungsanträge dar. Vielmehr bleiben die erstinstanzlich gestellten Anträge beachtlich. Das angefochtene Urteil wirkt sich mithin auf die Beurteilung der Zivilansprüche der Beschwerdeführerin aus. Die Eintretensvoraussetzungen von Art. 81 Abs. 1 lit. a und b Ziff. 5 BGG sind erfüllt. Ob die Beschwerdeführerin hingegen im bundesgerichtlichen Verfahren berechtigt wäre, eine Genugtuungsforderung von Fr. 5'000.-- zu stellen, nachdem die Erstinstanz ihr nur Fr. 300.-- zugesprochen hat und sie dies vor der Vorinstanz nicht beanstandete, braucht nicht vertieft zu werden, da auf die Genugtuung nicht eingetreten zu werden braucht (siehe nachfolgend E. 3.3).