Citation: 9C_499/2022 E. 5.2

5.2. Auf im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholte Gutachten ist rechtsprechungsgemäss abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4). Ob die von der Vorinstanz angeführte Diskrepanz in der Diagnosestellung in den verschiedenen von Dr. med. B.________ erstellten Gutachten (zwei Gutachten zuhanden der Versicherung C.________ vom 11. Januar 2018 und 21. August 2018 sowie dasjenige für die IV-Stelle vom 28. April 2018) tatsächlich unerklärt geblieben und für sich alleine ein hinreichendes Indiz gegen die Zuverlässigkeit der Expertise darstellen würde, muss vorliegend nicht näher geprüft werden. Gewichtiger ist der Umstand, dass die in der Expertise vom 28. April 2018 gezogenen Schlüsse in Bezug auf die verbleibende Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar sind und als widersprüchlich erscheinen. So ist unverständlich, weshalb der Experte einerseits auf die grosse Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung der Versicherten und der objektiven gutachterlichen Sicht hinweist, andererseits aber bei der Schätzung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit die Selbsteinschätzung der Versicherten im Ergebnis gerade bestätigt. Zudem verneint er unter Hinweis auf die Behandelbarkeit des Leidens eine mittel- oder langfristige Arbeitsunfähigkeit, was in dieser Absolutheit gegen die aktuelle bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 409 E. 4) verstösst. Damit verletzte das kantonale Gericht kein Bundesrecht, als es nicht auf das von Dr. med. B.________ erstellte psychiatrische Teilgutachten der Neuroinstitut St. Gallen GmbH vom 24. April 2018 abstellte.