Citation: 1P.629/2000 20.10.2000 E. 3

3.- a) Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst. Die Untersuchungshaft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Angeschuldigte die Freiheit dazu missbrauchen würde, die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts zu gefährden oder zu vereiteln (BGE 123 I 31 E. 3c S. 35 mit Hinweisen). b) Die äusseren Tathandlungen werden im Grundsatz vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Hinsichtlich der Beurteilung seiner inneren Einstellung zur Tat sind jedoch noch weitere Abklärungen erforderlich. Der Haftrichter befürchtet, der Beschwerdeführer würde in Freiheit versuchen, seine Familienangehörigen im Aussageverhalten zu beeinflussen. Diese Gefahr nimmt der Haftrichter auch im Verhältnis zu H.________ an, zu dem sich der Beschwerdeführer unmittelbar nach der Tat begeben hat, und dem er den Vorfall gestanden haben soll. Der Haftrichter geht aufgrund der aktuellen Aktenlage davon aus, dass das Geschworenengericht des Kantons Zürich zur Beurteilung der Sache zuständig sein wird. Er weist darauf hin, dass aufgrund des dort zur Anwendung gelangenden Unmittelbarkeitsprinzips den Zeugenaussagen ein besonderes Gewicht zukomme. Theoretisch besteht somit die Möglichkeit, den strafrechtlich relevanten Sachverhalt zu verdunkeln, noch bis zum Abschluss des Verfahrens vor Geschworenengericht fort; dies, obwohl wichtige Einvernahmen bereits stattgefunden haben. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt indessen die theoretische Möglichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren könnte, nicht, um die Fortsetzung der Haft oder die Nichtgewährung von Urlauben unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Anhaltspunkte eine Verdunkelungsgefahr nahe legen (BGE 123 I 31 E. 3c S. 35 mit Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zulässig, neben den objektiven Faktoren im Rahmen eines Strafverfahrens auch die subjektiven Eigenschaften des Angeschuldigten in die Beurteilung der Kollusionsgefahr miteinzubeziehen (BGE 117 Ia 257 E. 4c). Nach den Angaben der Ehefrau des Beschwerdeführers vom 7. August 2000 gegenüber der Bezirksanwaltschaft soll dieser ihr schon mehrmals gedroht haben, sie mit dem Messer zu töten. Die Tochter sagte am 24. August 2000 aus, ihr Vater sei gegenüber ihrer Mutter bereits früher tätlich geworden. Die Aussagen des Beschwerdeführers über seine innere Gesinnung gegenüber seiner Ehefrau geben ein anderes Bild ab. In Bezug auf den fraglichen Vorfall macht er geltend, als er seine Ehefrau "geschlagen" habe, sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er ein Messer in der Hand halte. Angesichts der erwähnten Belastungen durch seine Familienangehörigen hat der Beschwerdeführer ein Interesse daran, die Zeugen und Auskunftspersonen zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Dass er im Falle der Freilassung tatsächlich einen entsprechenden Druck ausüben würde, muss vorläufig jedenfalls im Verhältnis zu seinen nahen Angehörigen bejaht werden. Konkrete Hinweise dafür ergeben sich insbesondere aus den Darlegungen der Ehefrau darüber, wie der Beschwerdeführer sich in der Familie bisher durchzusetzen versucht hat. Mit welchen milderen Massnahmen als einer Aufrechterhaltung der Haft der Beschwerdeführer an der Beeinflussung dieser Personen gehindert werden könnte, ist nicht ersichtlich. Da der angefochtene Entscheid auch angesichts der bisherigen Haftdauer von rund vier Monaten verhältnismässig erscheint, bewirkt er im Ergebnis keine unzulässige Einschränkung der persönlichen Freiheit des Beschwerdeführers. c) Ob neben der Kollusionsgefahr auch Fluchtgefahr anzunehmen ist, kann unter diesen Umständen offen gelassen werden. Auf die diesbezüglich erhobene Rüge des Verstosses gegen Art. 8 BV braucht nicht näher eingegangen zu werden.