Citation: 1P.640/2001 04.02.2002 E. B

Dagegen gelangte X.________ mit einer als "Berufung" bezeichneten Eingabe vom 9. Oktober 2000 an das Obergericht. Er machte im Wesentlichen geltend, er habe die auf den 30. Mai 2000 datierte Berufung bereits am Tage vor Auffahrt, dem 31. Mai 2000, nach Erkundigung bei einem SBB-Angestellten in einen Briefkasten der schweizerischen Post am Bahnhof H. eingeworfen und nicht erst am 2. Juni 2000. Er habe die Berufungsfrist nicht überschritten. Das Urteil vom 25. August 2000 sei zu widerrufen. Das Obergericht überwies die Eingabe am 17. Oktober 2000 dem Bundesgericht zur Behandlung. Der Instruktionsrichter des Bundesgerichts sandte sie am 4. Dezember 2000 zur allfälligen Behandlung als Begehren um Revision des obergerichtlichen Urteils an das Obergericht zurück. Dieses trat auf das Revisionsbegehren mit Beschluss vom 1. März 2001 nicht ein, da eine Revision des Prozessurteils vom 25. August 2000 weder nach § 230 der Strafprozessordnung des Kantons Aargau (StPO/AG) noch nach Art. 397 StGB zulässig sei. Gegen diesen Beschluss erhob X.________ mit Eingabe vom 9. April 2001 staatsrechtliche Beschwerde (Verfahren 1P.266/2001). Das Bundesgericht hiess diese Beschwerde am 12. Juni 2001 gut und hob den Obergerichtsbeschluss vom 1. März 2001 auf (BGE 127 I 133). Es hielt fest, dass es eine grundsätzlich in allen Prozessverfahren Geltung beanspruchende Verfahrensgarantie darstelle, ein materiell und formell rechtskräftiges Urteil, das mit der materiellen Wahrheit nicht übereinstimme, unter bestimmten Voraussetzungen korrigieren zu können. Der Nichteintretensentscheid des Obergerichts vom 25. August 2000 versperre dem Beschwerdeführer den ordentlichen Rechtsmittelweg gegen die Verurteilung endgültig. Er müsse daher aufgrund der Verfahrensgarantie gemäss Art. 29 Abs. 1 BV nötigenfalls nachträglich auf dem Weg der Revision korrigiert werden können, ohne dass es eine Rolle spiele, ob es sich dabei um ein Sach- oder Prozessurteil handle. Der Beschwerdeführer habe mit der Behauptung, die Berufungseingabe am 31. Mai 2000 der Post übergeben zu haben, eine neue und erhebliche Tatsache geltend gemacht. Das Obergericht wäre daher verpflichtet gewesen, die Eingabe vom 9. Oktober 2000 als zulässiges Gesuch um Wiederaufnahme des Berufungsverfahrens im Sinne der analog als anwendbar zu betrachtenden Bestimmung von § 230 StPO/AG entgegen zu nehmen und zu behandeln (BGE 127 I 133 E. 6 und 7).