Citation: I 688/01 27.06.2002 E. 3

3.- a) Die von der Verwaltung vorgenommene Gewichtung der von der Beschwerdeführerin ausgeübten Tätigkeiten als Bäuerin und als Hausfrau im Verhältnis 39,17 zu 60,83 und die gesundheitlich bedingte vollständige Beeinträchtigung, im landwirtschaftlichen Betrieb zu arbeiten, sind unbestritten. Hingegen ist zu prüfen, in welchem Umfang die Versicherte in der Haushalttätigkeit behindert ist. b) Die Verwaltung hat die Haushalttätigkeiten gemäss der Verwaltungsweisung des BSV in sieben prozentual gewichtete Einzelbereiche aufgeteilt (Rz 3095 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit, gültig ab 1. Januar 2001). Den siebten Bereich "Verschiedenes" gewichtete sie im Verhältnis zu den anderen mit 44 % und die Beeinträchtigung schätzte sie auf 20 %, mit der Begründung, angesichts des hohen Anteils an der Gesamttätigkeit erweise sich diese Einschränkung nicht als unzutreffend. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, im Abklärungsbericht seien die Tätigkeiten im Bereich "Verschiedenes" zwar zutreffend beschrieben, indessen deren Beeinträchtigung unzutreffend eingeschätzt worden, was sich ohne weiteres aus einem Vergleich mit den Tätigkeiten in den übrigen Bereichen ergebe. c) Im Abklärungsbericht vom 2. Mai 2000 wurden die invalidenversicherungsrechtlich relevanten Tätigkeiten des Bereichs "Verschiedenes" zusammengefasst wie folgt umschrieben: Die Versicherte vermag im Garten keine Arbeiten mehr zu verrichten; im Bäuerinnenverein und im Gesangschor kann sie nicht mehr mithelfen; die vorgesehene Beschäftigung am Webstuhl ist unmöglich geworden; die körperlich belastende Pflege der Hauspflanzen, wie Ein- und Umtopfen, Tragen der Töpfe zur Überwinterung in den Keller, müssen vom Ehemann übernommen werden. Entgegen der Auffassung von Vorinstanz und Verwaltung erscheint die Einschätzung der Beeinträchtigung von 20 % als der tatsächlichen Beeinträchtigung der Versicherten nicht angemessen. Die Ausführungen der Verwaltung in ihrer Vernehmlassung, dass keine Gartenarbeiten mehr anfallen würden, weil diese schon in der Mitarbeit auf dem Landwirtschaftsbetrieb des Sohnes ausgeschieden worden seien, ist aktenwidrig. Dem Abklärungsbericht ist zu entnehmen, dass im Landwirtschaftsbetrieb des Sohnes unter anderem Gemüse, Blumen und Beeren als Intensivkulturen angebaut werden. Daraus kann indessen nicht geschlossen werden, dass sämtliche im Haushalt der Beschwerdeführerin benötigten und gewünschten Gemüse und Beeren enthalten sind. Vielmehr entspricht es einer allgemeinen Erfahrungstatsache, dass die Landwirte neben solchen Intensivbetriebszweigen für den Eigenbedarf benötigte weitere Gemüse ziehen. Gerade dies wird im Haushaltbericht bestätigt. Weiter war die Versicherte aktiv tätig im Bäuerinnenverein, was ihr gemäss Abklärungsbericht nicht mehr möglich ist. Auch hierin entspricht es einer allgemeinen Erfahrungstatsache, dass die Mitglieder von Bäuerinnen- und Landfrauenvereinen vielfältige gemeinnützige Aufgaben erfüllen. Schliesslich ist nicht zu übersehen, dass die Beschwerdeführerin den Webstuhl mit den gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr zu betreiben vermag. Demgegenüber erscheinen die weiteren im Abklärungsbericht erwähnten Tätigkeiten (Betreuen der Katze; Pflege der Hauspflanzen, die im Rahmen der Schadenminderungspflicht der Angehörigen weitgehend vom Ehemann zu übernehmen sind) bezüglich des zeitlichen Umfangs bescheiden. Die Einschätzung von Vorinstanz und Verwaltung erweisen sich damit als nicht angemessen. Die nicht mehr ausübbaren Tätigkeiten im Bereiche "Verschiedendes" betreffen, wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht, einen erheblichen Teil. Gesamthaft betrachtet erscheint eine Beeinträchtigung von mindestens 50 % als angemessen. d) Die Vorbringen der Verwaltung vermögen an diesem Ergebnis nichts zu ändern. Der Hinweis auf das Urteil S. vom 4. September 2001, I 175/01, ist unbehelflich. Gemäss jenem Sachverhalt wurde, bei ebenfalls unbestritten gebliebener Gewichtung des Bereichs "Verschiedenes" bezogen auf den Gesamthaushalt, lediglich festgestellt, dass die vor Eintritt des Gesundheitsschadens ausgeübten Tätigkeiten nach wie vor in praktisch uneingeschränktem Umfang ausgeübt werden konnten. Die von der IV-Stelle in der Vernehmlassung zitierte Formulierung aus dem Urteil I 175/01, wonach bei verhältnismässig hohem prozentualem Anteil des Bereichs "Verschiedenes" es sich nicht als unzutreffend erweise, wenn die gesundheitliche Beeinträchtigung tief bewertet werde, ist nur aus dem Zusammenhang gerissen missverständlich. Nach der Rechtsprechung (AHI 1997 S. 286; unveröffentlichtes Urteil V. vom 4. Januar 1996, I 303/95) entspricht der gesamte Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Versicherten in jedem Fall einem Wert von 100 %. Eine Differenzierung, die sich an der Grösse des Haushaltes orientiert mit der Folge, dass bei kleineren Haushaltungen eine Gesamtbelastung von weniger als 100 % anzunehmen wäre, ist gesetzes- und verordnungswidrig (AHI 1997 S. 291 Erw. 4a). Die Argumentation der IV-Stelle, die Versicherte habe keine Kinder mehr zu betreuen, führe einen kleinen Haushalt für zwei Personen, betreibe keine Weiterbildung, weshalb es sich - sinngemäss - rechtfertige, bei einer verhältnismässig hohen Gewichtung des Aufgabenbereichs "Verschiedenes" eine tiefe Behinderung anzunehmen, widerspricht im Ergebnis der Rechtsprechung.