Citation: U 141/01 28.11.2002 E. 6

6.1 Die Vorinstanz hat weiter erwogen, die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem offenen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt sei für den Versicherten nicht mehr realistisch. Zur Begründung wurde auf die Aussage der als Zeugin einvernommenen Berufsberaterin Frau G.________ abgestellt, wonach dem Versicherten ganz einfache Montagearbeiten, die geistig nicht anspruchsvoll seien, möglich wären; sie könnte sich eine Serienarbeit vorstellen. Es dürfe aber keine sein, die sehr viele Arbeitsabläufe beinhalte. Indessen seien Arbeitsplätze für einfache, repetitive und intellektuell nicht anspruchsvolle Tätigkeiten seit dem letzten rezessiven Einbruch vor 6-7 Jahren wegrationalisiert bzw. ins Ausland ausgelagert worden. Das Angebot solcher Stellen sei sehr geschrumpft; die Suche nach einer solchen Arbeit sei wie diejenige nach der Stecknadel im Heuhaufen. Ein durchschnittlicher Arbeitgeber würde den Versicherten mit seiner reduzierten Leistungsfähigkeit nicht mehr anstellen. Die Vorinstanz schloss hieraus, der Versicherte könne seine Restarbeitsfähigkeit nur noch in einer geschützten Werkstatt verwerten, wo er jährlich Fr. 11'520.- (12 x Fr. 960.-) verdienen könne. Verglichen mit dem Valideneinkommen von Fr. 49'491.- resultiere ein Invaliditätsgrad von gut 76 %. 6.2 Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Denn entscheidend ist, ob der Beschwerdegegner seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten kann, welcher durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot an und Nachfrage nach Arbeitskräften und zudem dadurch gekennzeichnet ist, dass er einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält (BGE 127 V 298 Erw. 4c, 110 V 276 Erw. 4b; AHI 1998 S. 291, ZAK 1991 S. 320 Erw. 3b). Diese Frage ist hier zu bejahen: Der behinderten männlichen Hilfsarbeitern offenstehende Arbeitsmarkt ist nicht ausschliesslich auf Handlanger- und andere körperliche Tätigkeiten beschränkt. In Industrie und Gewerbe werden Arbeiten, welche physische Kraft erfordern, in zunehmendem Mass durch Maschinen verrichtet, während den körperlich weniger belastenden Bedienungs- und Überwachungsfunktionen eine stetig wachsende Bedeutung zukommt; auch in diesen Bereichen stehen somit männlichen Hilfsarbeitern Stellen offen, ebenso im Dienstleistungssektor. Der für den Versicherten in Betracht fallende ausgeglichene Arbeitsmarkt bietet demnach sehr wohl Tätigkeiten an, welche der ärztlicherseits attestierten Teilarbeitsfähigkeit (Erw. 4 hiervor) entsprechen. 6.3 Die Berufsberaterin Frau G.________ führte weiter aus, sie habe den Eindruck gehabt, der Versicherte sei ein einfacher Mann, der einen verständnisvollen Arbeitgeber brauche und nicht an irgendeinem Arbeitsplatz arbeiten könne; zudem bestünden Alkoholprobleme. Dies erschwere die Eingliederung. Dem ist entgegenzuhalten, dass es sich hierbei um invaliditätsfremde (Persönlichkeitsstruktur) bzw. unfallfremde Gründe (Alkoholprobleme) handelt, für welche die Unfallversicherung nicht einzustehen hat (AHI 1999 S. 238 Erw. 1 mit Hinweisen).