Citation: 5A_14/2022 E. 3.1

3.1. Das Obergericht beschäftigt sich zuerst mit der Frage, ob für die Auslegung der Erbverzichtserklärung das alte oder das am 7. Juli 2017 veröffentlichte neue monegassische Gesetz über das internationale Privatrecht einschlägig sei. Es lässt die Frage offen und legt dar, weshalb der Beschwerdegegner auch aus dem alten monegassischen Recht nichts zu seinen Gunsten ableiten könne. In der Folge kommt die Vorinstanz auf die nach der Erbverzichtserklärung erfolgte Teilung der Vermögenswerte bei der Bank W.________ zu sprechen, die der Beschwerdegegner als Beleg dafür erwähne, dass der Erbverzicht nur die monegassischen Vermögenswerte erfasste und weitere Teilungshandlungen nicht ausschloss. Der Beschwerdegegner beziehe sich damit auf seine Schilderung, wonach die von beiden Parteien erteilte Instruktion, die Hälfte des Saldos des Kontos bei der U.________ AG auf ein ausschliesslich auf den Beschwerdeführer lautendes Konto zu übertragen, ein weiterer Schritt zur hälftigen Teilung des mütterlichen Nachlasses gewesen und der Streit erst ein Jahr später ausgebrochen sei, als er, der Beschwerdegegner, das Restguthaben ausschliesslich auf seinen Namen übertragen wollte (s. Sachverhalt Bst. A.b). Der Beschwerdeführer bestreite nicht, dass ihm gestützt auf die aktenkundigen Zahlungsinstruktionen die Hälfte der Guthaben bei der Bank U.________ AG überwiesen wurde. Er habe vor erster Instanz allerdings geltend gemacht, dass die beiden Zahlungsinstruktionen nicht zusammengesetzt, sondern separat zu verstehen seien und der Beschwerdegegner mit der Unterzeichnung dieser Zahlungsinstruktion schriftlich bestätigt habe, dass zweimal die Hälfte, also die Gesamtheit der Vermögenswerte, an ihn, den Beschwerdeführer, zu überweisen sei. Die Vorinstanz findet, dieser Versuch des Beschwerdeführers, seine Position mit den beiden Zahlungsinstruktionen zu begründen, wirke gesucht. Dass die zweite Hälfte der Vermögenswerte damals nicht an ihn überwiesen wurde und sich nach wie vor auf dem besagten Konto befindet, deute darauf hin, dass die Zahlungsinstruktionen nicht so verstanden wurden, wie der Beschwerdeführer dies heute geltend mache. Allein mit der von ihm selbst unterzeichneten Instruktion habe der Beschwerdeführer die Überweisung der Hälfte der Vermögenswerte an ihn selbst nicht auszulösen vermocht; vielmehr habe es dazu der Zustimmung des Beschwerdegegners bedurft und seien die beiden Zahlungsanweisungen nur in Kombination bzw. zusammengesetzt wirksam gewesen. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die vom Beschwerdegegner unterzeichnete Zahlungsinstruktion einen Monat älter ist als diejenige des Beschwerdeführers. Beide Parteien seien mit ihren Versuchen gescheitert, die Auszahlung des Restguthabens gestützt auf eine einseitige Erklärung und ohne Zustimmung der Gegenpartei zu erwirken. Für die Vorinstanz deuten die besagten Zahlungsinstruktionen darauf hin, dass die Parteien die bei der U.________ AG liegenden Vermögenswerte hälftig teilen wollten. Da es sich um einen Teil des mütterlichen Nachlasses gehandelt habe, liege die Erklärung nahe, dass der Grund dafür die Erbteilung gewesen sei. Darauf lasse insbesondere der Umstand schliessen, dass ein dem Erbteil entsprechender Bruchteil überwiesen wurde. Dieses Verhalten scheine die Darstellung des Beschwerdegegners zu bestätigen, dass sein Erbverzicht diese Werte nicht erfasste, und stehe im Widerspruch zur Behauptung des Beschwerdeführers, dass der Erbverzicht umfassend sei. Mit Blick darauf, dass das Restguthaben heute blockiert sei, dränge sich die Frage auf, weshalb sich der Beschwerdeführer damals nur fünfzig Prozent überweisen liess, wenn er von Anfang an alles erhalten sollte. Offensichtlich seien sich die Parteien heute nicht einig über die Auslegung des Erbverzichts, was darauf hindeute, dass einer der Brüder nachträglich seine Meinung geändert hat, wobei offen sei, welcher der beiden, so dass keiner daraus etwas für seinen Standpunkt ableiten könne. An der erstinstanzlichen Einschätzung, wonach sich die Erbverzichtserklärung sehr wahrscheinlich auf das gesamte Nachlassvermögen beziehe, will das Obergericht unter diesen Umständen nicht festhalten. Die Klage stütze sich im Wesentlichen auf die Erbverzichtserklärung des Beschwerdegegners. Deren Wirkungen seien umstritten; es gebe Indizien dafür, dass sich die Verzichtserklärung nach dem Willen der Parteien nicht auf die Vermögenswerte auf dem Konto der Bank U.________ AG erstrecken sollte. Angesichts dessen erscheine die Klage bei einer vorläufigen Beurteilung nicht im Sinne von Art. 85a Abs. 2 SchKG als sehr wahrscheinlich begründet.