Citation: 7B_72/2024 E. 2.4

2.4. Die Vorinstanz erwägt - so weit im Einklang mit der Beschwerdeführerin -, dass die Berührungen über der Kleidung nicht genügend schwer wögen, um Anlass für eine Verwahrung zu bieten. Anders als die Beschwerdeführerin nimmt sie aber an, dass auch das Berühren und Frottieren des Geschlechtsteil des an das Bett gefesselten Geschädigten während einiger Sekunden die für eine Qualifikation als Anlasstat im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB erforderliche Schwere nicht erreiche. Zur Begründung stellt die Vorinstanz die Straftaten des Beschwerdegegners jenen in zwei nicht amtlich publizierten Urteilen des Bundesgerichts gegenüber, in denen umstritten war, ob wegen sexueller Handlungen mit Kindern eine Verwahrung angeordnet werden konnte. Vom Urteil 6B_1076/2021 vom 28. Oktober 2021 unterscheide sich der vorliegende Sachverhalt, so die Vorinstanz zusammengefasst, durch das Alter der Opfer sowie die Intensität der Nötigung und der sexuellen Handlungen, weshalb sich daraus entgegen der Auffassung der Erstinstanz nicht ohne Weiteres ableiten lasse, dass auch im vorliegenden Fall die von Art. 64 Abs. 1 StGB geforderte Erheblichkeitsschwelle überschritten sei. Dagegen sieht die Vorinstanz Ähnlichkeiten mit der im Verfahren 6B_746/2016 am 8. Dezember 2016 beurteilten Sachlage, in der das Bundesgericht die (nachträgliche) Anordnung einer Verwahrung kassierte. Jenem Urteil lagen zwei Verurteilungen zugrunde. Die Vorinstanz führt aus, der dortige Schuldspruch vom 21. April 1998 (a.a.O. E. 1.4) wiege insbesondere angesichts des analen Geschlechtsverkehrs mit einem Jungen weit schwerer als die vorliegend zu beurteilenden Tathandlungen. Dafür eigneten sich die Taten gemäss der Verurteilung vom 15. Mai 2001 (a.a.O E. 1.3) aufgrund der Ähnlichkeiten in Bezug auf das Alter der Opfer sowie hinsichtlich der Ausgestaltung und der Umstände der Tathandlungen für einen Vergleich mit der Delinquenz des Beschwerdegegners. Neben den Taten, die mit den vorliegend zu beurteilenden nahezu identisch seien, habe der dortige Beschwerdeführer noch weitere Delikte begangen. Die Vorinstanz gibt zu bedenken, dass die Straftaten des Beschwerdegegners angesichts der Fesselung des Geschädigten zwar eine weitergehende, nötigende Komponente enthielten. Unter Würdigung der Aussagen, die der Geschädigte an insgesamt drei Videobefragungen im Jahr 2009 und 2010 gemacht habe, kommt sie zum Schluss, dass die Fesselung im vorliegenden Fall nicht unter Anwendung körperlicher Gewalt erfolgt sei und der Beschwerdegegner die mit der Fesselung herbeigeführte Wehrlosigkeit des Geschädigten nicht extensiv ausgenutzt habe. Der Vergleich zum Urteil 6B_746/2016 vom 8. Dezember 2016 zeige deshalb, dass das Frottieren des Gliedes während mehrerer Sekunden - auch bei einem Kind - als solches die für eine Qualifkation als Anlasstat im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB erforderliche Schwere ebenso wenig erreiche wie die anderen Handlungen des Beschwerdegegners.