Citation: 6B_452/2023 E. B

Die Anklage wirft B.________ vor, er und A.________ hätten sich ca. einen Monat vor dem unbegleiteten Hafturlaub von A.________ vom 23. Juni 2016 intensiv darüber Gedanken zu machen begonnen, wie sie gemeinsam am schnellsten aus der Strafanstalt Pöschwies fliehen könnten, wobei B.________ auf die Idee gekommen sei, dass A.________ anlässlich des Hafturlaubs die Gelegenheit wahrnehmen könnte, die Flucht zu ergreifen und ein "Erpresserschreiben" an den Zürcher Kantonsrat zu verfassen, in welchem er namens einer unbekannten litauischen Täterschaft androhen würde, wahllos einen Menschen umzubringen, sollte B.________ nicht umgehend aus dem Gefängnis entlassen werden. Diesen Tatplan habe A.________ in der Folge stichwortartig auf einem Stück Papier aufgeschrieben, wobei B.________ ihm die Ideen und den Wortlaut (Wörter und Satzteile in gebrochenem Deutsch, Tonalität) vorgegeben und A.________ dies zu Papier gebracht habe. Ca. drei Tage vor dem anstehenden Hafturlaub seien beide zur festen Überzeugung gelangt, dass es nötig sei, irgend einen unbekannten Menschen zu töten, sollte der Kantonsrat dieser Forderung im "Erpresserschreiben" nicht nachkommen. Beide seien willens und damit einverstanden gewesen, dass die Tötung ausgeführt würde, wenn nicht auf die Forderung eingegangen werde. Für den Fall, dass B.________ auch nach der (ersten) Tötung nicht aus der Haft entlassen würde, hätten sie vereinbart, dass im "Erpresserschreiben" noch weitere Tötungsdelikte angedroht werden sollten, um der Forderung Nachdruck zu verleihen. B.________ habe A.________ zudem den Ratschlag gegeben, das zufällig ausgewählte Opfer mit einer Schusswaffe zu töten. Ferner habe B.________ vorgeschlagen, im "Erpresserschreiben" aufzuführen, dass A.________ in die Fänge einer unbekannten litauischen Täterschaft geraten sei und als erster getötet würde, wenn nicht auf die Forderung eingegangen werde. Um die angebliche Gefangenschaft von A.________ und die Brutalität der Entführer zu dokumentieren, sei B.________ auf die Idee gekommen, dem "Erpresserschreiben" Fotoaufnahmen beizulegen, auf welchen A.________ gefesselt und geknebelt mit blutüberströmtem Kopf in einem Kellerverlies zu sehen sein würde (Anklageschrift S. 6). Des Weiteren hätten A.________ und B.________ besprochen und vereinbart, innert welcher Frist der Kantonsrat B.________ aus dem Gefängnis zu entlassen habe und dass man am Ort der Tötung einen Zettel mit einer Grussbotschaft hinterlassen würde (Anklageschrift S. 7).