Citation: 4C.192/1998 19.04.2000 E. 1

1.- a) Im Berufungsverfahren hat das Bundesgericht seiner Entscheidung die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz als wahr und vollständig zugrunde zu legen, es sei denn, sie beruhten auf einem offensichtlichen Versehen, seien unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustandegekommen oder bedürften der Ergänzung, weil das Sachgericht in fehlerhafter Rechtsanwendung einen gesetzlichen Tatbestand nicht oder nicht hinreichend klärte, obgleich ihm entscheidwesentliche Behauptungen und Beweisanerbieten dazu prozesskonform unterbreitet worden waren (Art. 63 und 64 OG; BGE 123 III 110 E. 2; 115 II 484 E. 2a). Werden solche Ausnahmen geltend gemacht, hat die Partei, die den Sachverhalt berichtigt oder ergänzt wissen will, darüber genaue Angaben mit Aktenhinweisen zu machen (Art. 55 Abs. 1 lit. d OG). Eine Ergänzung setzt zudem voraus, dass entsprechende Sachbehauptungen bereits im kantonalen Verfahren prozesskonform aufgestellt, von der Vorinstanz aber zu Unrecht für unerheblich gehalten oder übersehen worden sind, was wiederum näher anzugeben ist. Ohne diese Angaben gelten Vorbringen, welche über die tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Urteil hinausgehen, als neu und damit als unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Eine blosse Kritik an der Beweiswürdigung des Sachrichters ist, soweit nicht Vorschriften des Bundesrechts in Frage stehen, von der Berufung ausgeschlossen (BGE 120 II 97 E. 2b S. 99; 119 II 84 E. 3 S. 85; 115 II 484 E. 2a S. 485/6 mit Hinweisen). b) Im angefochtenen Urteil werden über den Wissensstand der Beteiligten vor der Gewährung des Syndikatskredites in Würdigung der Beweise verschiedene tatsächliche Feststellungen getroffen. Das Handelsgericht führt diesbezüglich aus, der künftige Finanzierungsbedarf der Euroaktividade im Umfang von SFr. 500 Mio. sei der Öffentlichkeit bekannt gewesen. Für die Beklagte habe kein erkennbarer Anlass bestanden, an den unbestrittenermassen vorteilhaften Zahlen der Euroaktividade zu zweifeln, und die Klägerin habe nicht beweisen können, dass die Beklagte von einer allfälligen Unrichtigkeit der den Syndikatsbanken abgegebenen Bilanz gewusst habe. Ebenfalls nicht erwiesen sei die Behauptung, wonach die Beklagte gewusst habe, dass das in der Zwischenbilanz der Euroaktividade per 30. Juli 1989 ausgewiesene Eigenkapital nicht vorhanden gewesen sei. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, es sei davon auszugehen, dass die Beklagte weder als federführende Bank ("lead manager") vor dem Abschluss des Syndikatsvertrages im Jahre 1989 noch als "agent" im Jahre 1990 über die dringenden Liquiditätsprobleme der Euroaktividade informiert gewesen sei. Die Klägerin habe den Beweis nicht erbringen können, dass die Beklagte ihr und den übrigen Syndikatsbanken Informationen, welche die Kreditwürdigkeit der Euroaktividade vermindert hätten, verheimlicht habe. c) Die Klägerin geht, was die rechtlichen Gesichtspunkte betreffe, in der Berufungsschrift davon aus, dass die kantonale Nichtigkeitsbeschwerde geschützt und der wirkliche Sachverhalt festgestellt sein werde, wenn das Bundesgericht an die Behandlung der Berufung herantrete. Sie verkennt damit, dass im Falle der Gutheissung ihrer kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde die vorliegende Berufung gegenstandslos würde. Nachdem das Kassationsgericht des Kantons Zürich die Nichtigkeitsbeschwerde vollumfänglich abgewiesen hat, soweit darauf eingetreten werden konnte, ist jedenfalls die tatsächliche Grundlage für die klägerischen Ausführungen dahingefallen. Die Klägerin geht in ihrer Argumentation somit ausdrücklich von einem im Vergleich zum angefochtenen Urteil abweichenden Sachverhalt aus. Eine Ausnahme von der Bindung des Bundesgerichts an die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz macht sie zudem substanziiert nicht geltend. Weite Teile der Berufung stellen daher im Ergebnis eine Kritik an der vorinstanzlichen Beweiswürdigung dar, worauf nicht eingetreten werden kann. Dies ist namentlich der Fall für die Ausführungen der Klägerin in Bezug auf die Aufklärungspflicht der Beklagten, soweit diese auf der - von der Vorinstanz als unbewiesen bezeichneten - Annahme beruhen, dass die Beklagte im Vorfeld des Abschlusses des Syndikatsvertrages von den finanziellen Problemen der Euroaktividade genaue Kenntnis hatte. Unbeachtlich sind im Übrigen die Verweise auf Ausführungen in Rechtsschriften vor den kantonalen Instanzen (BGE 110 II 74 E. 1 S. 78). d) Die Klägerin macht geltend, der Schluss von einzelnen Wissensindizien auf den Kenntnisstand der Beklagten sei weitgehend eine Rechtsfrage, weil er nach der allgemeinen Lebenserfahrung gezogen werden könne. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts stellen Schlussfolgerungen, welche sich auf die Würdigung von Beweisen stützen, grundsätzlich nicht Anwendung von Bundesrecht dar, sondern sind Teil der Beweiswürdigung und insoweit nicht mit Berufung anfechtbar. Nur wo sich das kantonale Gericht auf Erfahrungssätze stützt, die über den konkreten Sachverhalt hinaus Bedeutung haben und damit gleichsam die Funktion von Normen übernehmen, überprüft das Bundesgericht solche Schlüsse im Berufungsverfahren frei. Wo der Sachrichter sich demgegenüber bloss auf die allgemeine Lebenserfahrung stützt, um aus den Gesamtumständen des konkreten Falls oder den bewiesenen Indizien auf einen bestimmten Sachverhalt zu schliessen, liegt unüberprüfbare Beweiswürdigung vor (BGE 126 III 10 E. 2b S. 12/3; 123 III 241 E. 3a S. 243; 117 II 256 E. 2b S. 258/9 mit Hinweisen). Die Auffassung der Klägerin trifft somit nicht zu und auf die entsprechenden Rügen ist ebenfalls nicht einzutreten.