Citation: I 326/03 29.12.2003 E. 4

4.1 Die korrekte Diagnosestellung eines Gesundheitsschadens nach Art. 4 Abs. 1 IVG hat keinen Einfluss auf den für die Invaliditätsbemessung relevanten, allein auf Grund der Auswirkungen des Leidens ermittelten Grad der Arbeitsunfähigkeit. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein (BGE 127 V 298 Erw. 4c, 99 V 29 Erw. 2; Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 11 f. und Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, S. 117, 122 und 126). Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern dem Versicherten trotz seines Leidens die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit auf dem ihm nach seinen Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE 127 V 298 Erw. 4c, 102 V 165; AHI 1996 S. 303 Erw. 2a und ZAK 1992 S. 170 Erw. 2a mit Hinweisen). 4.2 Nach übereinstimmender Auffassung der Ärzte leidet die Beschwerdegegnerin an einer anamnestisch feststellbaren und einer im Wesentlichen ungeklärten chronischen Erschöpfung. Entscheidend für die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit waren die Angaben des Psychiaters, der das Krankheitsbild entsprechend der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), mit dem Begriff Neurasthenie (ICD-10 F.48.0) umschrieb. Demgegenüber setzte Dr. med. G.________ in der Stellungnahme vom 22. Dezember 2001 auseinander, dass das Beschwerdebild einem Chronic Fatigue Syndrom entspreche. Nach dem in Erw. 3.1 Gesagten ist nicht von Bedeutung, wie die Krankheit der Beschwerdegegnerin medizinisch zu bezeichnen ist. Etwas anderes ergibt sich aus dem Rückweisungsurteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 8. September 2000 nicht, wonach auf Grund der Arztberichte nicht auszuschliessen war, dass die Versicherte u.a. an einem chronischen Erschöpfungszustand leide. Entscheidend ist allein, welcher Schweregrad den Beschwerden beizumessen ist und wie diese sich auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auswirken. 4.3 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung hinsichtlich der Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit vermag nicht zu überzeugen. Unzutreffend ist die offenbar vom kantonalen Gericht (und ausdrücklich in der Stellungnahme des Dr. med. G.________ vom 22. Dezember 2001) vertretene Auffassung, aus einem medizinisch als Chronic Fatigue Syndrom diagnostizierten Leiden könne ohne weiteres auf eine vollständige Erwerbsunfähigkeit geschlossen werden. Erhebliche Bedenken an den Angaben des Dr. med. G.________ bestehen aber auch aus anderen Gründen. So hat dieser Arzt in der Stellungnahme vom 22. Dezember 2001 ausdrücklich erwähnt, bei Zweifeln in der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit sei zu Gunsten des Exploranden auf dessen Angaben abzustellen. Dieser Aussage hat die Vorinstanz bei der Beweiswürdigung nicht genügend Rechnung getragen (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc). Zur Beurteilung des Ausmasses der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit ist somit nicht allein auf die Angaben des Dr. med. G.________ abzustellen. Die Einschätzung des Dr. med. R.________ (Bericht vom 24. Dezember 2002) wird nicht begründet. Auch gestützt auf das Gutachten des Ärztlichen Beobachtungsinstituts Y.________ vom 14. November 2001 kann die Frage nicht abschliessend beurteilt werden. Wie schon die Vorinstanz erwähnt hat, bestanden anamnestisch deutliche Hinweise (Konzentrationsstörungen, Schwindel, verminderte Belastbarkeit bei geistigen Anstrengungen), die eine neuropsychologische Untersuchung nahe legten. Die Gründe, weshalb eine solche nicht vorgenommen wurde, werden im Gutachten des Ärztlichen Beobachtungsinstituts Y.________ nicht erörtert. In der Höhenklinik Z.________ wurde zwar eine entsprechende Testung durchgeführt (Bericht vom 16. April 2002), die Ergebnisse (diffuses Ausfallmuster mit meist leicht beeinträchtigenden Resultaten, jedoch mit mittelstarken Schwierigkeiten im Arbeitstempo und bei komplexen Planungsaufgaben mit mehreren Bedingungen) wurden aber hinsichtlich zumutbarer Arbeitsmöglichkeiten medizinisch nicht ausgewertet. Die Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit erscheinen daher ärztlicherseits nicht ausreichend abgeklärt worden zu sein, weshalb die Sache entsprechend dem Eventualantrag in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an die IV-Stelle zurückzuweisen ist.