Citation: U 83/05 01.06.2006 E. 3.3

3.3.1 Nach der zitierten Rechtsprechung (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb mit Hinweis auf BGE 123 V 99 Erw. 2a) hat die Adäquanzprüfung auch dann unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall (BGE 115 V 133) zu erfolgen, wenn die zum typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der HWS (oder einer gleichgestellten Verletzung) gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Dieser Rechtsprechung liegt der Sachverhalt zu Grunde, dass sehr bald nach dem Unfall, gleichsam an diesen anschliessend, die psychische Problematik derart überwiegt, dass die mit dem Schleudertrauma (oder einer äquivalenten Verletzung oder einem Schädel-Hirntrauma) einhergehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen ("buntes" Beschwerdebild) völlig in den Hintergrund treten. Soll die Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 99 Erw. 2a in einem späteren Zeitpunkt angewendet werden, muss geprüft werden, ob im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Wenn dies zutrifft, ist die Adäquanz nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) zu beurteilen (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 439 Erw. 3b, Urteil B. vom 28. Dezember 2004, U 347/02). 3.3.2 Bei der Beurteilung des Verhältnisses zwischen physischen (bzw. dem "bunten" Beschwerdebild zuzurechnenden) und psychischen Anteilen kommt den medizinischen Feststellungen naturgemäss eine erhebliche Bedeutung zu. Dass die Vorinstanz die Dominanz der psychischen Problematik nur aus dem Bericht des Dr. med. K.________ vom 13. Juli 2002 abgeleitet hätte, wie der Versicherte einwendet, trifft nicht zu. Diesbezüglich wurde bereits im neuropsychologischen Bericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 22. März 2001, also rund dreieinhalb Monate nach dem Unfallereignis (vgl. dazu Urteil P. vom 30. September 2004, U 126/04), eine ausgeprägte posttraumatische Schmerzproblematik festgestellt und im psychosomatischen Bericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 27. April 2001 eine Agoraphobie (ICD-10: F40.00) sowie eine somatoforme Störung von vorwiegend hypochondrischer Qualität (ICD-10: F45.2) diagnostiziert, ohne dass den durchwegs als äusserst stark und dauernd beschriebenen, trotz verschiedenster therapeutischer Massnahmen persistierender Schmerzen entsprechende somatische Befunde hätten erhoben werden können. Beim Versicherten stehe heute die ausgeprägte posttraumatische Schmerzproblematik im Vordergrund. Auch die angegebenen wiederholten Stürze liessen sich gemäss Bericht des Dr. med. K.________ vom 27. Februar 2001 neurologisch nicht erklären. Nach den medizinischen Akten ist überwiegend wahrscheinlich, dass mit dem ersten Unfallereignis eine erhebliche psychische Fehlentwicklung ihren Anfang nahm. Daran ändert entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nichts, dass zwischenzeitlich im Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 25. Oktober 2001 festgehalten wurde, die vor einem halben Jahr festgehaltene Agoraphobie und somatoforme hypochondrische Störung sei heute weitgehend remittiert. Im weiteren Verlauf ergibt sich aus den Akten erneut, dass die psychische Problematik im Vordergrund stand: So wurde von Kreisarzt Dr. med. A.________ am 14. Mai 2002 wiederum festgestellt, der Versicherte weise im Wesentlichen Kriterien einer Angststörung sowie einer somatoformen Schmerzstörung auf, wobei rein somatisch schon früher ein unauffälliger Befund festgestellt worden sei. Auch nach dem zweiten Unfall vom 31. Mai 2002 traten beim Befund einer leichten Schwellung medial im linken Kniebereich mit Schmerzen bei Flexion sowie Druckdolenz im lumbosakralen Übergangsbereich ohne Hämatom und der diagnostizierten Kniekontusion und Kontusion der LWS mit den beklagten unerträglichen Bein- und Nackenschmerzen erneut Beschwerden auf, welche in der beschriebenen Intensität und mit Blick auf das eher leichte Unfallereignis nicht objektivierbar waren. Schliesslich wurde kurz nach dem zweiten Unfall von Dr. med. K.________ und Dr. med. P.________, wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, die psychische Fehlentwicklung mit Verweis auf die schwierige Situation bei chronifizierter Schmerzproblematik und schwerer depressiver Überlagerung mit ausgeprägter Konversionstendenz sowie inadäquater Schmerzverarbeitung eindrücklich geschildert (Berichte vom 28. Juni und 13. Juli 2002). Überdies wurde auch nach der Diagnose der beginnenden Myelopathie der HWS eine depressive Entwicklung mit Schmerzverarbeitungsstörung und einer Tendenz zur Somatisierung festgestellt (Bericht der Dres. med. P.________ und S.________, Neurologen FMH, vom 6. März und 3. Mai 2003). Im Lichte dieser ärztlichen Angaben ist deshalb, wie die Vorinstanz zu Recht erwogen hat, davon auszugehen, dass physische Beschwerden (im Rahmen des "typischen" Beschwerdebildes) zwar anfänglich gegeben waren, jedoch im Verlauf der ganzen Entwicklung vom ersten wie auch vom zweiten Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit gegenüber der auf der psychischen Problematik beruhenden Unfallfehlverarbeitung ganz in den Hintergrund getreten sind, weshalb die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen den beiden Unfällen und den über den 12. Januar 2003 hinaus fortbestehenden Beschwerden nach der Praxis zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) zu beurteilen ist (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79 ff. Erw. 2b [Urteil L. vom 12. Oktober 2000, U 96/00]; Urteile P. vom 30. September 2005, U 277/04, Erw. 4.2.2, B. vom 23. März 2005, U 457/04, Erw. 5.2, sowie B. vom 7. August 2002, U 313/01, Erw. 2.2). 3.3.3 Daran ändert nichts, dass anfangs 2003 zervikale Diskushernien mit beginnender chronischer zervikaler Myelopathie diagnostiziert wurden (Berichte des Dr. med. K.________ vom 10. Februar 2003 sowie der orthopädischen, neurologischen und neurochirurgischen Klinik, Kantonsspital Y.________, vom 5. März, 3. April sowie 2. Mai 2003). Auch nach verschiedenen Abklärungen bleibt auf Grund der Akten ungeklärt, inwiefern diese Diagnosen den beklagten Beschwerden des Versicherten entsprechen (vgl. Berichte der neurologischen Klinik, Kantonsspital Y.________, vom 3. April 2003, wonach auch nach Feststellung der Diskushernien und einer gewissen radikulären Affektion der Wurzeln C5 und C6 eine klinisch schwierig einzuschätzende Symptomatik bestand). Im Bericht des Röntgeninstituts Dres. R.________, B.________, W.________ vom 12. Dezember 2000 wurden leichte degenerative Veränderungen der mittleren HWS mit diskreten dorsalen Spondylophyten im Niveau C4/5 und C6/7 ohne Hinweis für eine frische traumatische Läsion diagnostiziert. Wann sich diese vorbestehenden degenerativen Veränderungen soweit verschlimmert haben, dass sie als organisches Korrelat für gewisse vom Beschwerdeführer beklagten Beschwerden überhaupt in Frage kommen, lässt sich auf Grund der Akten nicht abschliessend beurteilten. Jedenfalls ist dafür aber ein Zeitpunkt lange nach den ersten Hinweisen auf eine psychische Fehlentwicklung anzunehmen. Denn bereits im März 2001 wurde in der Rehabilitationsklinik X.________ eine somatoforme Schmerzstörung festgestellt und konnten die massiven Beschwerden nicht objektiviert werden, während in dieser Zeit eine Verschlimmerung der degenerativen Befunde nicht im schliesslich festgestellten Ausmass stattfinden konnte. Im Übrigen ergibt sich eine funktionellen Überlagerung auch im Rahmen des zweiten Unfalles (vgl. Erw. 3.3.2 hievor), nach welchem massive, nicht objektivierbare Beinbeschwerden beklagt wurden, welche jedenfalls nicht mit den erwähnten degenerativen Veränderungen der HWS erklärt werden können. Auch unter Berücksichtigung der im Einspracheverfahren geltend gemachten Leiden ist deshalb von einer im Vordergrund stehenden psychischen Problematik auszugehen, abgesehen davon, dass die fraglichen Befunde, wie die Vorinstanz unter anderem unter Bezugnahme auf den Austrittbericht der neurologischen Klinik, Kantonsspital Y.________, vom 3. Juli 2003 sowie den Widerspruch im Bericht des Dr. med. K.________ vom 10. Februar 2003 zutreffend ausgeführt hat, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallbedingt sind. Für eine traumatische Ursache dieser Schädigungen bestehen entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers aus den medizinischen Unterlagen keinerlei Hinweise. Dies entspricht denn auch der durch die Rechtsprechung anerkannten medizinischen Erfahrungstatsache, dass ein Unfallereignis nur ausnahmsweise unter besondern Voraussetzungen als eigentliche Ursache einer Diskushernie in Betracht fällt (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 190 f. Erw. 3 [Urteil N. vom 8. Februar 2000, U 138/99] mit Hinweisen; Urteile S. vom 9. Mai 2005, U 408/04, Erw. 3.1, und F. vom 13. Juni 2005, U 441/04, Erw. 3.1), während die praxisgemäss erforderlichen Voraussetzungen für eine abweichende Beurteilung (dazu RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 Erw. 2a [Urteil N. vom 8. Februar 2000, U 138/99] mit Hinweisen; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 3a) nicht erfüllt sind. 3.4 Bleibt es somit für die Adäquanzprüfung bei der Kriterienreihe nach BGE 115 V 133 ff. und der dazu ergangenen Rechtsprechung, so lässt sich der kantonale Entscheid nicht in Frage stellen. Die Bejahung der Adäquanz setzt demzufolge voraus, dass die massgebenden unfallbezogenen Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind (BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb). Die Beurteilung der Kriterien durch das kantonale Gericht weist weithin Ermessenszüge auf, und der Beschwerdeführer trägt nichts vor, was im Rahmen der Angemessenheitskontrolle (Art. 132 lit. a OG; BGE 126 V 81 Erw. 6, 123 V 152 Erw. 2 mit Hinweisen) eine von der vorinstanzlichen Betrachtungsweise abweichende Einschätzung aus triftigen Gründen als naheliegender erscheinen liesse: Die Unfälle ereigneten sich bei objektiver Betrachtung weder unter besonders dramatischen Begleitumständen, noch waren sie durch eine besondere Eindrücklichkeit gekennzeichnet. Ferner kann weder von schweren noch von im Hinblick auf die in Frage stehende Adäquanzbeurteilung besonders gearteten Verletzungen gesprochen werden, insbesondere bei den anlässlich des zweiten Unfalles erlittenen leichten Kontusionen von Knie und LWS. Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, liegt nicht vor. Des Weitern kann insofern nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung gesprochen werden, als diese in immer stärkerem Masse durch die psychogene Fehlverarbeitung bestimmt wurde, abgesehen davon, dass ein zweiter stationärer Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik X.________ nur erfolgte, weil der erste aus familiären Gründen hatte abgebrochen werden müssen. Aus demselben Grund kann, wie das kantonale Gericht zu Recht erkannt hat, auch nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit sowie einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen gesprochen werden, insbesondere deshalb, weil sich der Heilungsverlauf gerade auch der psychopathologischen Befunde sowie die Arbeitsfähigkeit nach dem ersten Unfall vom 7. Dezember 2000 positiv entwickelte. Schliesslich ist unter diesem Blickwinkel auch das unfallbezogene Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen zu verneinen. Die über den 12. Januar 2003 hinaus andauernden Beschwerden stehen daher in keinem adäquaten Zusammenhang mit den Unfallereignissen vom 7. Dezember 2000 und 31. Mai 2002, sodass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht eingestellt hat.