Citation: 5C.93/2001 05.07.2001 E. 5

5. Aufl. 1995, § 5 Rz. 95 f., § 14 Rz. 13-16.). b) Zunächst ist der Beklagten beizupflichten, dass es bei der Frage der leichten Fahrlässigkeit vorliegend nicht allein darauf ankommt, ob das Gepäck "dauernd im direkten Einflussbereich des Klägers und des Fahrers stand" und damit kein Grund für den Leistungsausschluss gemäss Lit. D Ziff. 6.4 der AVB vorliegt. Vielmehr muss auch massgebend sein, ob dauernd eine effektive Einflussbereitschaft gewährleistet war. Die Beachtung der fraglichen speziellen AVB-Bestimmung betreffend "Einflussbereich" durch den Kläger schliesst daher nicht aus, dass gegen eine der allgemeinen Bestimmungen, insbesondere die "Ausserachtlassung der allgemein gebotenen Sorgfaltspflicht der versicherten Person" (Lit. D Ziff. 6.2 der AVB), verstossen wurde. c) Die Argumente der Beklagten für die Auffassung, dass sich ein Reisender unsorgfältig verhält, wenn er in einer Flughafenhalle sein Gepäck aus den Augen lässt, ohne z.B. die Fototasche in die Hand zu nehmen, haben wohl einiges für sich. Vom Kläger zu verlangen, seine "visuelle Abwesenheit" vom Gepäck hätte ohne weitere Vorkehren nicht eine halbe bis eine Minute dauern dürfen, ist indessen aufgrund des massgebenden Sachverhalts kaum mehr realistisch. Dass der Kläger unmittelbar beim Gepäck geblieben ist und dieses bewacht hat, entspricht dem Verhalten des durchschnittlich sorgfältig Reisenden. Dabei ist es auch allgemein üblich und gerechtfertigt, dass dieser den Blick nicht dauernd auf das Gepäck gerichtet hat, sondern annimmt, dass ein möglicher Dieb sich wegen der unmittelbaren physischen Präsenz von einem Diebstahlversuch abhalten lassen wird. Bewachen - wie hier - in einer Flughafenhalle mit nur wenig anwesenden Leuten sogar zwei Personen das Gepäck, hat der Kläger annehmen dürfen, dass dies auf Diebe genügend abschreckend wirkt. Dass sich der Kläger während einer halben bis einer Minute nicht auf das Gepäck konzentriert, sondern in Richtung Ausgang bzw. Fahrzeug geschaut hat, kann ihm nicht als Ausserachtlassen der allgemein gebotenen Sorgfaltspflicht vorgeworfen werden. Vielmehr muss der vorliegende Diebstahl als derart dreist bezeichnet werden, dass der Kläger mit solcher Frechheit unter den konkreten Umständen nicht rechnen musste. Wenn die Vorinstanz zum Schluss gelangt ist, das Verhalten des Klägers, in einer Flughafenhalle mit nur wenig anwesenden Leuten zu zweit unmittelbar beim Gepäck zu stehen und während sehr kurzer, eine Minute nicht überschreitender Zeitdauer Richtung Ausgang bzw. Fahrzeug zu schauen, verstosse nicht gegen die allgemein gebotene Sorgfaltspflicht, stellt dies keine Verletzung von Bundesrecht dar, zumal ihr bei der Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse ein gewisses Ermessen zuzubilligen ist. Bei diesem Ergebnis fehlt dem Vorwurf der Beklagten, die Vorinstanz habe die Grobfahrlässigkeit (vgl. BGE 119 II 443 E. 2a S. 448) des Verhaltens des Klägers verkannt, von vornherein die Grundlage.