Citation: I 90/01 13.06.2001 E. 4

4.- Streitig und zu prüfen ist im Weiteren die Höhe des Valideneinkommens. a) Bei der Ermittlung des ohne Invalidität vom Versicherten erzielbaren Einkommens ist entscheidend, was er im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunder tatsächlich verdienen würde (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 Erw. 3b mit Hinweis). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist daher in der Regel vom letzten Lohn, welchen der Versicherte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt hat, auszugehen. Dabei ist grundsätzlich das durchschnittliche Lohnniveau in der betreffenden Branche und in der konkreten beruflichen Situation massgebend. Ein Spitzenlohn darf nur angenommen werden, wenn ganz besondere Umstände eindeutig hiefür sprechen (ZAK 1980 S. 593 mit Hinweisen). Fehlen aussagekräftige konkrete Anhaltspunkte, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte zurückzugreifen. Die Löhne verschiedener Wirtschaftszweige und Anforderungsniveaus werden in der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ermittelt. In diesen Durchschnittswerten schlägt sich nieder, was eine Person mit gleichen beruflichen Voraussetzungen wie der Versicherte verdienen könnte. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (Meyer-Blaser, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Zürich 1997, S. 205 f.; Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1995, S. 180). Da die Invaliditätsbemessung der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG), ist auch die berufliche Weiterentwicklung mit zu berücksichtigen, die eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären (BGE 96 V 30; AHI 1998 S. 171 Erw. 5a; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 Erw. 3b). b) aa) Der Beschwerdeführer arbeitete vom 1. Juli 1994 bis 30. Juni 1998 als angestellter Versicherungsberater im Aussendienst bei der Versicherung X.________. Er bezog hier folgende Einkommen: Fr. 56'377.- im Jahre 1995, Fr. 43'844.- im Jahre 1996, Fr. 70'862.- im Jahre 1997 und Fr. 44'926.- im Jahre 1998 (bis Ende Juni). Für die Zeit ab 26. Juni 1998 schloss er mit der Versicherung Y.________ einen Vertrag als selbstständiger Versicherungs-Vermittler ab. Bei dieser Firma erzielte er folgende Einkommen: Fr. 1940. 80 im Juli 1998, Fr. 3689. 05 im August 1998, Fr. 2263. 25 im September 1998, Fr. 1198. 60 im Oktober 1998, Fr. 3065. 35 im November 1998 und Fr. 4501. 25 im Dezember 1998, total Fr. 16'658. 30. bb) Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer habe bei der Versicherung X.________ in den Jahren 1997/1998 einen nicht unerheblichen Anstieg des Einkommens verzeichnet. Ziehe man indessen seine Einkommen der Jahre 1995/1996 heran, sei die Lohnentwicklung nicht konstant steigend, sondern kurzfristigen Schwankungen unterworfen gewesen. Zudem habe er die Stelle bei der National-Versicherung Mitte 1998 aus invaliditätsfremden Gründen gekündigt und danach bei der Versicherung Y.________ nur etwa einen Drittel des früheren Lohnes erzielt. Weshalb es bei der Versicherung Y.________ - wie der Beschwerdeführer ausführe - zwangsläufig zu einer gewissen Verdiensteinbusse gekommen sei, sei nicht nachvollziehbar. Denn gerade bei leistungsabhängiger Entlöhnung - wie dies dem Maklervertrag eigen sei - komme es vornehmlich auf den individuellen Einsatz an, mithin nicht in erster Linie auf die Tatsache, ob die Stelle gewechselt worden sei. Deshalb habe die IV-Stelle zu Recht auf den früheren Durchschnittsverdienst von Fr. 63'853.- abgestellt, womit ein Ausgleich der lohnschwachen und lohnstarken Jahre erzielt worden sei. Wollte man der Argumentation des Beschwerdeführers folgen, müsste an den letzten Lohn bei der Versicherung Y.________ angeknüpft werden, was ein tieferes Valideneinkommen ergeben hätte. Der Beschwerdeführer bringt vor, die Einkommenssteigerung bei der Versicherung X.________ zeige, dass er dort bei einem weiteren Verbleib im Jahre 1998 Fr. 89'851. 60 verdient hätte. Der Beizug des Lohnes 1995 bedeute nicht, die Einkommenserhöhung sei nur eine vorübergehende Schwankung gewesen. Insgesamt liege eine Steigerung vor, die sich mit den aufgebauten Geschäftsbeziehungen und der zunehmenden Berufserfahrung erklären lasse. Er würde deshalb bei der Versicherung X.________ einen Jahreslohn von gegen Fr. 90'000.- erzielen. Der Wechsel zu der Versicherung Y.________ sei zwar aus invaliditätsfremden Gründen erfolgt. Dieses Arbeitsverhältnis habe jedoch nur wenige Monate gedauert, da sich die invalidisierenden Gesundheitsbeschwerden zunehmend bemerkbar gemacht hätten. Aber auch in diesem neuen Arbeitsverhältnis habe er im Dezember 1998 wieder eine beträchtliche Einkommenssteigerung verzeichnet. Dies spreche dafür, dass bei der Versicherung Y.________ mit dem Aufbau eines entsprechenden Kundenstamms eine ähnliche Verdiensterhöhung wie bei der Versicherung X.________ zu erwarten gewesen wäre. Dass die mutmassliche Lohnentwicklung letztlich zu einem tieferen Einkommen führen würde, als er es noch bei der Versicherung X.________ erzielt habe, sei nicht nachvollziehbar. Das Valideneinkommen sei nach dem Gesagten auf mindestens Fr. 80'000.- festzusetzen. cc) Für die Ermittlung des Valideneinkommens massgebend ist grundsätzlich die Tätigkeit, die der Versicherte ohne Schadenseintritt wahrscheinlich ausüben würde. Es ist anzunehmen und unbestritten, dass der Beschwerdeführer als selbstständiger Vermittler für die Versicherung Y.________ weiter gearbeitet hätte, wenn er nicht invalid geworden wäre. Das Valideneinkommen wäre daher grundsätzlich anhand der konkreten Verhältnisse an dieser Arbeitsstelle zu bestimmen. Da jedoch bei dieser Vermittlertätigkeit zweifellos ein Kundenstamm aufgebaut werden muss und der Beschwerdeführer ab Ende Oktober 1998 bereits invaliditätsbedingt eingeschränkt war, bildet diese sechsmonatige Tätigkeit mit einem Verdienst von total lediglich Fr. 16'658. 30 (bzw. von durchschnittlich Fr. 2776.- pro Monat) unbestrittenermassen keinen repräsentativen Zeitraum für die Bemessung des Valideneinkommens. Verwaltung und Vorinstanz haben daher als Validenlohn den vom Beschwerdeführer bei der Versicherung X.________ als Aussendienstmitarbeiter durchschnittlich erzielten Lohn von Fr. 63'853.- herangezogen. Der Vergleich dieses masslich unbestrittenen Durchschnittslohnes mit den ermittelten Invalideneinkommen von Fr. 30'794.- (Industriebranche) und von Fr. 27'219.- (Automobilbranche) ergibt einen Invaliditätsgrad von 51,77 % bzw. von 57,37 %, womit der Anspruch auf eine halbe Rente ausgewiesen ist. Es kann offen bleiben, ob dieses Vorgehen von Verwaltung und Vorinstanz korrekt ist. Denn selbst wenn auf den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Validenlohn von Fr. 80'000.- - über den hinaus zu gehen als nicht angemessen erscheint - abgestellt wird, gelangt man zu keinem anderen Ergebnis. Der Vergleich dieses Einkommens mit den Invalideneinkommen von Fr. 30'794.- und von Fr. 27'219.- ergibt nämlich einen Invaliditätsgrad von 61,5 % bzw. von 65,97 %, womit die für den Anspruch auf eine ganze Invalidenrente erforderliche Grenze von 66 2/3 % nicht erreicht wird.