Citation: 8C_61/2008 10.07.2008 E. 7

7.1 Die Schwere des Unfalles ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu bestimmen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, E. 5.3.1 [U 2/07]). Dabei werden einfache Auffahrkollisionen auf ein haltendes Fahrzeug in der Regel als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen betrachtet (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.1.2 S. 237 [U 380/04]). Die entsprechende Qualifikation der beiden Unfallereignisse durch die Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Die Adäquanz des Kausalzusammenhanges wäre somit dann zu bejahen, wenn eines der in E. 4.2 hievor aufgezählten Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre, oder wenn mehrere dieser Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt wären. 7.2 Es liegt zu Recht ausser Streit, dass bei beiden Ereignissen weder das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles noch jenes der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, gegeben sind. 7.3 Das Bundesgericht hat im erwähnten Urteil BGE 134 V 109, E. 10.2.2 S. 127 f. seine Rechtsprechung bestätigt, wonach die Diagnose einer HWS-Distorsion für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung genügt. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 [U 339/06], E. 5.3; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 [U 380/04] E. 5.2.3 mit Hinweisen). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 [U 339/06], E. 5.3; RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357 [U 193/01] E. 4.3 mit Hinweisen). Daneben gilt es zu beachten, dass eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, speziell geeignet ist, die "typischen" Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist (vgl. SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1 [U 39/04], E. 3.4 und Urteil 8C_785/2007 vom 11. Juni 2008, E. 4.4). 7.3.1 Der Beschwerdegegner macht geltend, bezüglich des Unfalles vom 25. September 2000 sei das Kriterium deshalb als erfüllt zu betrachten, weil er seinen Kopf zum Zeitpunkt des Unfalles nach links abgedreht hatte. Wie jedoch Dr. med. W.________ in seiner biomechanischen Beurteilung vom 17. März 2003 ausführt, führen leichte Kopfdrehungen nicht zu einer zusätzlichen biomechanisch relevanten Belastung. Selbst wenn man von der späteren Aussage des Versicherten ausgeht, wonach er einer die Strasse überquerende Fussgängerin nachschaute, so erscheint es doch als wenig wahrscheinlich, dass er dabei eine solch ungünstige Körperhaltung eingenommen hat, dass die Distorsion als eine Verletzung besonderer Art zu qualifizieren wäre. Zudem spricht auch die anfänglich rasche Besserung der Beschwerden gegen eine besondere Schwere der erlittenen Verletzungen. 7.3.2 Die HWS-Distorsion vom 4. November 2002 betraf eine bereits vorgeschädigte Wirbelsäule. Indessen war nach dem ersten Unfall eine rasche Besserung der Symptome zu verzeichnen; der Versicherte konnte seine Arbeit am 17. Januar 2001 wieder voll aufnehmen. Somit ist nicht von einer dermassen erheblich vorgeschädigten Wirbelsäule auszugehen, dass die am 4. November 2002 erlittene Distorsion als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren wäre. 7.3.3 Das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzungen ist somit für beide Unfälle nicht erfüllt. 7.4 Neu gefasst wurde in BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128 das Kriterium der ärztlichen Behandlung. Nunmehr ist zu seiner Bejahung erforderlich, dass nach dem Unfall fortgesetzt eine spezifische, die versicherte Person belastende ärztliche Behandlung bis zum Fallabschluss notwendig war. Mit Ausnahme eines stationären Aufenthaltes in der Rehaklinik H.________ im Mai 2003 beschränkten sich die Therapiemassnamen nach beiden Unfällen in Physiotherapie, Wassergymnastik und einer Schmerzmedikamentation. Damit ist auch dieses Kriterium für beide Unfälle nicht erfüllt. 7.5 Gegenüber den Gutachtern des Kantonsspitals C.________ beklagte sich der Beschwerdegegner über Schmerzen im Nacken-Schulterbereich, gelegentliche Kopfschmerzen von drückend-stechendem Charakter linksseitig betont und gelegentlichen Doppelbildern. Ab und zu würden auch Kieferschmerzen, rechts mehr als links, auftreten. Es bestehe vermehrte Vergesslichkeit mit Konzentrationsstörungen sowie im Brustbereich ein Klemmen. Gemäss der Präzisierung der Rechtsprechung sind adäquanzrechtlich nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentliche Unterbrechung bestehende erhebliche Beschwerden (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128) relevant. Die bloss noch gelegentlich auftretenden Beschwerden sind somit unbeachtlich; die ohne wesentlichen Unterbruch bestehenden Einschränkungen sind vorliegend nicht als erheblich im Sinne der Rechtsprechung zu qualifizieren; auch dieses Kriterium ist somit für beide Unfälle nicht gegeben. 7.6 Der Heilungsverlauf kann nicht als schwierig bezeichnet werden; zur Bejahung dieses Kriteriums braucht es besondere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (vgl. Urteile U 608/06 vom 25. Oktober 2007, E. 5.4.6 und U 590/06 vom 7. Februar 2008, E.4.3.2). Nach dem ersten Unfall heilten die Beschwerden schnell ab, so dass der Versicherte bereits am 17. Januar 2001 seine Arbeit wieder voll aufnehmen konnte. Der zweite Unfall traf zwar eine vorgeschädigte Wirbelsäule; diese Vorschädigung war allerdings nicht so erheblich, dass bereits aus diesem Grund von einem schwierigen Heilungsverlauf ausgegangen werden musste (vgl. auch E. 6.3.2 hiervor). Das Kriterium liegt somit für beide Unfälle nicht vor. 7.7 Bezüglich des durch BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 f. präzisierten Kriteriums der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen ist Folgendes festzuhalten: Nach dem ersten Unfall konnte der Versicherte seine bisherige Arbeitstätigkeit wieder voll aufnehmen. Fraglich erscheint, ob das Kriterium für den zweiten Unfall erfüllt ist. Einerseits besteht in seiner angestammten Tätigkeit bei der Bahn X.________ eine volle Arbeitsunfähigkeit, andererseits wäre dem Versicherten ab spätestens Mai 2003 eine Teilzeittätigkeit im Bürobereich möglich gewesen. Diese wäre jedoch tiefer als seine bisherige Stelle eingestuft gewesen; auf eine solche Tätigkeit konnte bzw. wollte sich der Versicherte aber nicht einlassen. In der Ablehnung einer solchen Tätigkeit wurde er auch vom Neurologen der Rehaklinik H.________ unterstützt. Es kann offenbleiben, ob das Kriterium unter diesen Umständen als erfüllt betrachtet werden kann, da dies jedenfalls nicht in besonders ausgeprägtem Masse der Fall wäre und die Adäquanz des Kausalzusammenhanges daher auf keinen Fall gegeben ist. 7.8 Da somit keines der relevanten Kriterien in besonders ausgeprägtem Masse erfüllt ist und auch nicht mehrere dieser Kriterien in auffallender und gehäufter Weise vorliegen, ist sowohl die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 25. September 2000 und den über den 30. September 2005 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden, als auch jener zwischen dem Unfallereignis vom 4. November 2002 und diesen Beschwerden zu verneinen. Die Einstellung der Leistungen per 30. September 2005 war somit rechtens; die Beschwerde der SUVA ist gutzuheissen und der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben.