Citation: 4A_473/2022 E. 4.3.2

4.3.2. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz eine falsche Verteilung der Beweislast vor. Die Beschwerdegegnerin habe vom 10. August 2020 bis 1. Juni 2021 Krankentaggelder ausgerichtet. Damit habe sie die psychische Erkrankung und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin anerkannt. Wenn die Beschwerdegegnerin nun geltend mache, es seien keine psychische Erkrankung und keine Arbeitsunfähigkeit vorhanden, behaupte sie anspruchsaufhebende Tatsachen, für welche sie die Beweislast trage. Die Vorinstanz erwog zutreffend, auch wenn die Beschwerdegegnerin bis am 31. Mai 2021 Taggelder ausbezahlt habe, trage die Beschwerdeführerin die Beweislast für ihre weitere Arbeitsunfähigkeit ab 1. Juni 2021. Die Beschwerdeführerin übersieht, dass am 1. Juni 2021 keine Beweislastumkehr erfolgte, nur weil die Beschwerdegegnerin bis am 31. Mai 2021 Leistungen ausgerichtet hatte. Für ihre Argumentation findet sich weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung eine Stütze. Macht die Versicherung im Sinne einer Veränderung der relevanten Umstände geltend, die versicherte Person sei wieder arbeitsfähig, so hat diese zu beweisen, dass sie weiterhin arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf Taggelder hat. Im Falle der Beweislosigkeit trägt mithin nicht die Versicherung, sondern die versicherte Person die Beweislast (BGE 141 III 241 E. 3.1 S. 243; Urteile 4A_243/2017 vom 30. Juni 2017 E. 3.2.2; 4A_246/2015 vom 17. August 2015 E. 2.2).