Citation: 6P.194/2006 16.02.2007 E. 4

4.1 Die Vorinstanz begründet die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung im Fall Pfäffikon damit, dass er auf den Motorfahrradfahrer nicht genügend Rücksicht genommen, keinen genügenden Sicherheitsabstand gewahrt und dem Motorfahrradfahrer schliesslich den Weg abgeschnitten habe, so dass dieser zu Fall gekommen und verletzt worden sei. Konkret wirft sie dem Beschwerdeführer vor, er habe nicht die ihm zumutbare Aufmerksamkeit aufgebracht, sei es, dass er in der Kolonne fahrend den nachfolgenden Verkehr zu wenig beobachtet habe, oder sei es, dass er die Problematik des sichttoten Winkels zu wenig in Rechnung gestellt und infolgedessen die erforderlichen Vorsichtsmassnahmen unterlassen habe. 4.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe es Rad- und Motorfahrradlenkern durch starkes Rechtshalten bewusst verunmöglicht, an seinem Lastwagen rechts vorbeizufahren. Folglich habe er auch nicht damit rechnen müssen, dass sich das Opfer in unvernünftiger Art und Weise mit seinem Motorfahrrad auf dem bloss rund 50 cm breiten Freiraum zwischen Lastwagen und Trottoir durchzwänge. 4.3 Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung müssen die Führer von Lastwagen mit einem sichttoten Winkel sich den Gefahren, die sich aus der fehlenden Einsehbarkeit einzelner Bereiche ergeben, bewusst sein. Der Chauffeur muss die ihm möglichen Massnahmen treffen, um das Risiko zu beseitigen, wenn nach den Umständen die nahe Möglichkeit besteht, dass sich Verkehrsteilnehmer rechts von seinem Fahrzeug im verdeckten Sichtbereich befinden könnten. Dazu gehört, dass er dieser Gefahr im Sinne einer vorausschauenden Vorsicht besondere Aufmerksamkeit schenkt und das Verkehrsgeschehen im Hinblick auf sein beabsichtigtes Fahrmanöver beobachtet. Eine Sorgfaltspflichtverletzung kann dem Lastwagenlenker nur nicht zur Last gelegt werden, wenn er auch bei Aufwendung aller gehörigen und zumutbaren Vorsicht einen im sichttoten Bereich seines Fahrzeugs verborgenen anderen Verkehrsteilnehmer nicht hätte erkennen können und er mit einem solchen aufgrund der konkreten Verhältnisse auch nicht rechnen musste (BGE 127 IV 34 E. 3b mit Hinweisen). 4.4 Der Beschwerdeführer hat gemäss den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz erst beim Verlassen des Kreises das erste Mal in den Rück- respektive in die Seitenspiegel geschaut. Hätte er dem nachfolgenden Verkehr bereits während der verlangsamten Anfahrt zum Kreisverkehrsplatz Beachtung geschenkt, so hätte er das herannahende und kurz vor dem Kreis rechts neben ihm fahrende Motorfahrrad sehen können und müssen. Des Weiteren ist sich der Beschwerdeführer gemäss den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz auch bewusst gewesen, dass er den Motorfahrradfahrer zuvor überholt hat. Dementsprechend hätte der Beschwerdeführer im Kolonnenverkehr damit rechnen müssen, dass der Motorfahrradfahrer in seinen sichttoten Winkel aufschliessen und er ihn bei seinem beabsichtigten Abbiegemanöver aus dem Kreis gefährden könnte. Sodann hat die Vorinstanz unter Bezugnahme auf die Aussagen der Zeugin A.________, wonach der Lastwagen und das Motorfahrrad nebeneinander gefahren und der Beschwerdeführer immer näher zum Motorfahrrad gekommen sei, mit Recht gefolgert, dass für den Motorfahrradfahrer zu Beginn genügend freier Raum im Sinne von Art. 42 Abs. 3 und 4 VRV bestanden hatte, um rechts neben der Motorfahrzeugkolonne vorbeizufahren. Hält der Chauffeur aber einen so weiten Abstand vom rechten Strassenrand ein, dass er regelkonform rechts überholt werden kann, ist er zu besonderer Vorsicht verpflichtet und muss alle Vorkehren treffen, um den sich aus diesem Umstand ergebenden Gefahren begegnen zu können. Er darf erst nach rechts abbiegen beziehungsweise einen Kreisverkehrsplatz rechter Hand verlassen, wenn er durch Beobachten des rechten Aussenspiegels die Gewissheit erlangt hat, dass er dabei nicht mit einem anderen Verkehrsteilnehmer kollidieren werde. Kann er dies nicht mit Sicherheit ausschliessen, so hat er sein Manöver jedenfalls langsam im Sinne eines schrittweisen Vortastens auszuführen (BGE 127 IV 34 E. 3c/bb). 4.5 Nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass er in der Anfahrt zum Kreisverkehrsplatz den rechten Blinker gestellt hat. Selbst eine pflichtgemässe Zeichengebung - vorliegend hätte der Beschwerdeführer ohnehin erst das Verlassen des Kreises anzeigen müssen (vgl. Art. 41b Abs. 2 VRV) - kann den Fahrzeugführer nicht von der gebotenen Vorsicht entbinden (vgl. hierzu BGE 91 IV 10 E. 1; ferner BGE 125 IV 83 E. 2a). Das Betätigen des Blinkers konnte dem Beschwerdeführer folglich keine Sicherheit verschaffen, dass nicht ein Motorfahrradfahrer rechts aufschliessen würde. 4.6 Da der Motorfahrradlenker regelkonform gefahren ist, ist dessen Verhalten entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers offensichtlich nicht derart abwegig oder unvernünftig gewesen, dass es den Kausalzusammenhang unterbrochen hätte und als wahrscheinlichste Ursache des Erfolgs erscheinen würde. Nichts anderes würde aber selbst dann gelten, wenn sich der Motorfahrradfahrer regelwidrig durch einen zu schmalen Freiraum gezwängt hätte. 4.7 Die Vorinstanz hat folglich zu Recht erkannt, der Beschwerdeführer habe nicht die ihm zumutbare Aufmerksamkeit aufgebracht, da er einerseits im Kolonnenverkehr nicht auf den nachfolgenden Verkehr achtete und andererseits den Gefahren des sichttoten Winkels nicht durch erhöhte Vorsicht begegnete. Der Unfall wäre somit bei Anwendung der gehörigen Sorgfalt voraussehbar und vermeidbar gewesen. Die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen fahrlässiger Körperverletzung im Fall Pfäffikon verstösst demnach nicht gegen Bundesrecht. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist daher in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.