Citation: 7B_7/2023 E. 2.5.2

2.5.2. Die Vorinstanz geht ohne nähere Auseinandersetzung mit den dargestellten Pflichten der Arbeitgeberschaft davon aus, dass das Selbstverschulden des Beschwerdeführers eine allfällige Verletzung dieser Pflichten in den Hintergrund drängen würde. Ob die Arbeitgeberin des Beschwerdeführers ihren Pflichten hinsichtlich Sicherheit am Arbeitsplatz nachgekommen ist, lässt sich mangels Feststellungen im angefochtenen Urteil folglich nicht abschliessend überprüfen. Einiges deutet jedoch darauf hin, dass dies nicht der Fall war. So steht jedenfalls fest, dass man den Beschwerdeführer dabei gewähren liess, in einer Höhe von fünf Metern Arbeiten zu verrichten, ohne seinen Auffanggurt (PSAgA) zu tragen respektive sich generell hinreichend zu sichern. Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass selbst bei erfahrenen Mitarbeitern (was der Beschwerdeführer namentlich mit Verweis auf seine fehlende Ausbildung bestreitet zu sein) ein Minimum an Überwachung und Kontrolle der Einhaltung der für die Arbeitsplatzsicherheit wesentlichen Regeln nötig ist (vgl. Urteil 6B_1334/2019 vom 27. März 2020 E. 2.5.2 mit Hinweis). Indem man den Beschwerdeführer ungesichert auf der Deckenschalung arbeiten liess, wurde die Einhaltung einer bedeutenden Sicherheitsmassnahme von Seiten der Arbeitgeberin nicht durchgesetzt. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz rund einen Monat vor dem Unfall einen Kurs in Bezug auf Arbeiten in der Höhe absolvierte, lässt die genannte Überwachungspflicht grundsätzlich nicht entfallen (Urteil 6B_1334/2019 vom 27. März 2020 E. 2.5.2). Hierzu wendet der Beschwerdeführer zudem ein, dass das Thema "Arbeiten in der Höhe und in Gräben und Gruben" lediglich in 30 Minuten im Rahmen eines Postenlaufs abgehandelt worden sei (so auch das "Kurs- und Ablaufprogramm des SUVA-Abends 2021" der C.________ AG; kantonale Akten act. B6/1.4.5). Gemäss Factsheet der SUVA müssen Schulungen für die Arbeit mit der PSAgA dagegen mindestens einen Tag dauern. Auch macht der Beschwerdeführer geltend, die Checkliste für Absturzsicherungen auf einer Baustelle sei nach Aussagen des Beschwerdegegners 2 und entgegen den Feststellungen der Vorinstanz auf der Baustelle gar nicht aufgehängt gewesen (so auch die Aussage des Beschwerdegegners 2, kantonale Akten act. B6/1.3.2, Frage 57). Nebst dem, dass die Überwachungspflicht seitens der Arbeitgeberin möglicherweise nur ungenügend erfüllt wurde, bestehen somit auch Anzeichen dafür, dass der Beschwerdeführer nur unzureichend geschult war. Zwar hat der Arbeitnehmer den Arbeitgeber in der Durchführung der Vorschriften über den Gesundheitsschutz zu unterstützen (Art. 6 Abs. 3 ArG). Er muss insbesondere die persönlichen Schutzausrüstungen benützen (Art. 82 Abs. 3 UVG, Art. 11 Abs. 1 VUV und Art. 10 Abs. 1 ArGV 3). Dies setzt aber voraus, dass er entsprechend informiert und ausgebildet ist. Darüber hinaus bringt der Beschwerdeführer vor, die nötigen Sicherungsmöglichkeiten seien gar nicht vorhanden bzw. vorbereitet gewesen. In der Tat drängen sich diesbezüglich gewisse Zweifel auf, geht doch aus dem vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt hervor, dass der Beschwerdeführer unmittelbar vor dem Sturz erst mit dem Aufstellen des "Life Gards" beschäftigt war und sich daran mit anderen Worten noch gar nicht hätte festmachen können. Auch hinsichtlich der von der Vorinstanz erwähnten Möglichkeit, bei den vorderen Armierungseisen ein Höhensicherungsgerät anzubringen, sind Unsicherheiten auszumachen: Wie vom Beschwerdeführer zu Recht eingewendet, ist aufgrund der Akten nicht klar, ob ein solches Gerät für ihn überhaupt verfügbar war und ob diese Art der Sicherung geeignet bzw. vorschriftsgemäss gewesen wäre (siehe insbesondere Einvernahme des Beschwerdegegners 2 vom 5. Juni 2021, kantonale Akten act. B6/1.3.2, Fragen 16, 18, 47 und 50). Vor diesem Hintergrund geht die Vorinstanz zu Unrecht von einem eindeutigen groben, den Kausalzusammenhang unterbrechenden Selbstverschulden aus. Trotz des Fehlverhaltens des Beschwerdeführers ist eine Mitverantwortung seitens der bei der C.________ AG für Sicherheitsbelange verantwortlichen Personen nicht ausgeschlossen. Klare Straflosigkeit auf Seiten der Arbeitgeberin liegt nicht vor. Mit der angegebenen Begründung hätte die Vorinstanz die Verfahrenseinstellung somit nicht schützen dürfen. Vielmehr bedarf die Frage nach der Sorgfaltspflichtverletzung der Klärung in einer ordentlichen Untersuchung.