Citation: 9C_439/2024 E. 3.4

3.4. Die ESTV führt zusammengenommen weitergehend als das Bundesverwaltungsgericht aus, dass keine eigenständige von der Mehrwertsteuer ausgenommene Vermittlung nach Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 lit. a - e MWSTG vorliege. Eine steuerausgenommene Vermittlung würde an drei Voraussetzungen anknüpfen: eine Tätigkeit, die auf den Abschluss eines Vertrages im Bereich des Geld- und Kapitalverkehrs hinwirke (Voraussetzung 1 [in gekürzter Form wiedergegeben]), die Ausübung der Vermittlung als eigenständige Mittlertätigkeit (Voraussetzung 2 [in gekürzter Form wiedergegeben]), und die Mittelsperson dürfe weder selbst Partei des vermittelten Vertrages noch ein Eigeninteresse am Inhalt des Vertrages (Grundgeschäft) haben (Voraussetzung 3 [in gekürzter Form wiedergegeben]). Die diesbezügliche Praxis der ESTV sei mit BGE 145 II 270 und im Urteil 2C_996/2019 vom 30. Juni 2020 höchstrichterlich bestätigt worden. Genannte Praxis würde die ausgenommene Vermittlung von steuerbaren Beratungsleistungen abgrenzen. Lediglich eine im Zusammenhang mit einer Vermittlungsleistung erbrachte untergeordnete Beratungsleistung würde der Steuerausnahme nicht entgegenstehen, wenn die Vermittlung als Hauptleistung anzusehen sei, zu welcher die Beratungsleistung eine blosse Nebenleistung darstelle, so dass sie das steuerliche Schicksal der Hauptleistung teile (vgl. MBl Nr. 14 Ziff. 5.10.2 f.). Vorliegend hätte die Beschwerdeführerin ein Eigeninteresse an der Durchführung der Transaktionen, weshalb nicht von einer steuerausgenommenen Vermittlungsleistung ausgegangen werden könne. Aus Sicht des Kunden sollten nur Transaktionen getätigt werden, die dem Anlageziel dienen würden. Transaktionen, die nicht diesem Ziel entsprächen und Kosten auslösen würden, seien nicht im Interesse des Kunden. Bei der vorliegenden Vermögensverwaltung seien Wertschriftentransaktionen, die einen Umsatz generieren, sehr wohl auch im Interesse der Beschwerdeführerin. BGE 145 II 270 könne - entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin - nicht herangezogen werden, weil im besagten Urteil kein Vermögensverwaltungsverhältnis bestanden habe.