Citation: 1C_660/2021 E. 3.2

3.2. Das Verwaltungsgericht führt dazu aus, es bedürfe eines gesetzlichen oder in der Rechtsprechung anerkannten Rückkommenstitels, um auf die beiden rechtskräftigen Baubewilligungen zurückzukommen. Es zitiert zunächst die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend Widerruf. Es führt sodann weiter aus, dass Verwaltungsbehörden nach den Regelungen im Gesetz des Kantons Graubünden über die Verwaltungsrechtspflege vom 31. August 2006 (VRG/GR; BR 370.100) auf Verfügungen in Form der Wiedererwägung (Art. 24 VRG), des Widerrufs (Art. 25 VRG) und der Revision (Art. 67 VRG) zurückkommen dürften. Der Widerruf gemäss Art. 25 VRG sei rechtsprechungsgemäss nur auf ursprünglich fehlerfreie bzw. erst nachträglich fehlerhaft oder rechtswidrig gewordene (Dauer-) Verfügungen anzuwenden, weil sich die Sach- und Rechtslage gegenüber der ursprünglichen Entscheidungsgrundlage geändert habe. Eine geänderte Gerichts- und Verwaltungspraxis stelle keinen Grund für einen Widerruf dar. Der Widerruf könne erfolgen, wenn keine überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen dem Widerruf entgegenstünden. Vorliegend seien die Voraussetzungen für einen Widerruf gemäss Art. 25 VRG/GR nicht gegeben: Einerseits habe sich in der Zwischenzeit nicht die Rechts- und Sachlage, sondern einzig die Auslegung des Art. 11 Abs. 3 ZWG durch das Bundesgericht geändert. Andererseits sei das öffentliche Interesse an der Verhinderung von Bauruinen sowie das Interesse der Bauherrschaft, die bereits begonnenen Bauten gestützt auf eine rechtskräftige Baubewilligung fertig zu bauen, gross. Die Gemeinde St. Moritz habe somit zu Recht von einem Widerruf der rechtskräftigen Baubewilligungen abgesehen. Das Verwaltungsgericht führt ausserdem aus, die Beschwerdeführerin habe im Einspracheverfahren gegen den ersten Baubewilligungsentscheid die Verletzung der Zweitwohnungsgesetzgebung nicht gerügt. Dies nun im Rahmen eines Gesuchs um Wiedererwägung zu tun, verstosse gegen den Grundsatz von Treu und Glauben und insbesondere gegen die Verbote des widersprüchlichen Verhaltens und des Rechts-missbrauchs.