Citation: I 528/01 03.06.2003 E. 3

3.1 Die IV-Stelle Luzern verweist in ihrer Vernehmlassung sinngemäss auf die Rechtsprechung BGE 119 V 94 Erw. 4b/aa. Danach hat, wer sich während eines hängigen Verfahrens für längere Zeit von dem den Behörden bekannt gegebenen Adressort entfernt, ohne für die Nachsendung der an die bisherige Adresse gelangenden Korrespondenz zu sorgen und ohne der Behörde zu melden, wo er nunmehr zu erreichen ist (bzw. ohne eine Vertretung zu beauftragen, nötigenfalls während seiner Abwesenheit für ihn zu handeln), eine am bisherigen Ort versuchte Zustellung als erfolgt gelten zu lassen. Weil die Beschwerdeführerin nie eine Adressänderung gemeldet habe, habe die IV-Stelle Bern die ablehnende Verfügung vom 7. März 1997 an die letzte ihr bekannte Adresse senden dürfen. Von einer fehlerhaften Eröffnung dieser Verfügung könne demnach keine Rede sein. 3.2 Die von der Beschwerdegegnerin angeführte Rechtsprechung steht allerdings unter der Voraussetzung, dass die Zustellung eines behördlichen Aktes während der Abwesenheit mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist und ein Verfahrens- oder Prozessrechtsverhältnis besteht, welches die Parteien verpflichtet, sich nach Treu und Glauben zu verhalten, d.h. unter anderem dafür zu sorgen, dass ihnen Entscheide, welche das Verfahren betreffen, zugestellt werden können (BGE 119 V 94 Erw. 4b/aa in fine). Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, ist dieses Erfordernis hier nicht gegeben. Nach der im Dezember 1993 erfolgten Anmeldung zum Leistungsbezug teilte die IV-Stelle Bern der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 13. Januar 1994 mit, über ihr Gesuch könne entschieden werden, wenn sämtliche Abklärungen abgeschlossen seien, was "eine gewisse Zeit" in Anspruch nehme. In der Folge ging der Versicherten am 7. März 1995 noch die Aufforderung zu, ihre früheren Arbeitgeber zu nennen und die "Trennungs-/Scheidungskonvention" einzureichen. Davor und danach stellte ihr die IV-Stelle nach der Aktenlage bis im Jahr 1997 keinerlei Mitteilungen mehr zu. Das IV-Abklärungsverfahren wurde offenbar zunächst bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids betreffend Leistungen des Unfallversicherers formlos sistiert, ohne dass die Versicherte darüber in Kenntnis gesetzt worden wäre. Aber auch für den Zeitraum unmittelbar nach der letztinstanzlichen Verneinung eines Anspruchs auf UVG-Leistungen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 7. August 1996) finden sich in den Unterlagen der IV-Stelle Bern keine an die Beschwerdeführerin gerichtete Schreiben. Aktenkundig ist erst der rentenablehnende Vorbescheid vom 28. Februar 1997, welcher die letzte der Verwaltung gemeldete Adresse der Versicherten trägt und von der Post mit dem Vermerk "Weggezogen - Nachsendefrist abgelaufen" zurückgeschickt wurde. Unter den dargelegten Umständen musste die nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin anfangs März 1997 nicht mehr mit einer "gewissen Wahrscheinlichkeit" im Sinne der angeführten Rechtsprechung mit der Eröffnung einer Rentenverfügung rechnen, weshalb es ihr nicht zum Vorwurf gereicht, ihren neuen Aufenthaltsort der IV-Stelle Bern nicht gemeldet zu haben. Vielmehr verstiess Letztere angesichts der geschilderten besonderen Gegebenheiten gegen den Grundsatz von Treu und Glauben, als sie - bezeichnenderweise noch vor Ablauf der im Vorbescheid eingeräumten 14-tägigen Vernehmlassungsfrist - die Abweisungsverfügung vom 7. März 1997 an die nunmehr als nicht mehr gültig erkannte Adresse "..." sandte, ohne auch nur die geringsten Anstrengungen zu unternehmen, den gegenwärtigen Aufenthaltsort der Versicherten in Erfahrung zu bringen. Diesbezügliche Erkundigungen hätten etwa beim (im Rubrum des erwähnten Urteils des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 7. August 1996 als Rechtsvertreter angeführten) Ehemann der Beschwerdeführerin, beim behandelnden Arzt oder bei den involvierten Organen der obligatorischen Unfallversicherung ansetzen können. Nach dem Gesagten wurde die rentenverweigernde Verfügung der IV-Stelle Bern vom 7. März 1997 durch die (fiktive) Zustellung an die frühere Adresse der Versicherten nicht rechtsgültig eröffnet und konnte somit seinerzeit nicht in Rechtskraft erwachsen. Bei dieser Betrachtungsweise braucht der Frage nach einer allfälligen Vertretung der Beschwerdeführerin im seinerzeitigen Abklärungsverfahren der IV-Stelle Bern durch ihren Ehemann nicht weiter nachgegangen zu werden, wie die Vorinstanz zutreffend feststellte.