Citation: 6B_633/2017 E. 2.2.3

2.2.3. Aus der Vorladung zur Vergleichsverhandlung vom 10. Mai 2016 ergibt sich, dass die Staatsanwaltschaft von Antragsdelikten (Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB) ausging. Die Staatsanwaltschaft forderte aufgrund ihrer rechtlichen Würdigung die Beschwerdeführerin in der Vorladung ausdrücklich auf, persönlich an der Vergleichsverhandlung vom 28. Juni 2016 zu erscheinen (kant. Akten, act. 74). Sie wies auf die gesetzlichen Säumnisfolgen bei Nichterscheinen hin. Darauf, dass der Strafantrag gemäss Art. 316 Abs. 1 StPO als zurückgezogen gilt, wenn die antragstellende Person ausbleibt, machte sie die Beschwerdeführerin mittels Fettdruck besonders aufmerksam (kant. Akten, act. 75). Die Beschwerdeführerin bestreitet auch nicht, dass ihr die Säumnisfolgen bekannt waren. Dass sie sich der staatsanwaltschaftlichen Qualifikation des angezeigten Sachverhalts als Tätlichkeiten und nicht als einfache Körperverletzung bewusst war, ergibt sich u.a. aus ihrem eigenen Schreiben an die Staatsanwaltschaft (kant. Akten, act. 76.2). Die Beschwerdeführerin hätte der Vorladung daher Folge leisten müssen. Sie erschien auf eigenes Risiko nicht an der Vergleichsverhandlung bei Antragsdelikten und musste damit rechnen, dass auch die Beschwerdeinstanz die rechtliche Qualifikation der Staatsanwaltschaft bestätigen könnte. Von überspitztem Formalismus kann entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin keine Rede sein.