Citation: 5A_641/2020 E. 3.1

3.1. Art. 89 Abs. 1 BGG ist in erster Linie auf Privatpersonen zugeschnitten, doch kann sich auch das Gemeinwesen darauf stützen, falls es durch einen angefochtenen Entscheid gleich oder ähnlich wie ein Privater oder aber in spezifischer Weise in der Wahrnehmung einer hoheitlichen Aufgabe betroffen wird und nicht bloss das allgemeine Interesse an der richtigen Rechtsanwendung geltend macht (BGE 140 V 328 E. 4.1; 138 I 143 E. 1.3.1; 137 IV 269 E. 1.4; 136 I 265 E. 1.4). Was Entscheide mit finanziellen Auswirkungen anbelangt, genügt zur Begründung des allgemeinen Beschwerderechts nicht jedes beliebige, mit der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe direkt oder indirekt verbundene finanzielle Interesse des Gemeinwesens. Die in der Rechtsprechung verwendete Formulierung, wonach der Kanton in Bezug auf den Schutz seines Verwaltungs- oder Finanzvermögens wie ein Privater betroffen sei, kann nicht so verstanden werden, dass die Legitimation des Gemeinwesens immer schon dann zu bejahen wäre, wenn sich ein Entscheid auf das Vermögen auswirkt. Wie ein Privater betroffen ist das Gemeinwesen im Streit um finanzielle Leistungen aus Rechtsverhältnissen, die zwar öffentlich-rechtlich geregelt sind, aber Analogien zu entsprechenden privatrechtlichen Instituten aufwiesen, zum Beispiel als öffentlicher Arbeitgeber, in Fällen der Staatshaftung oder als Schuldner einer Enteignungsentschädigung (BGE 138 II 506, E. 2.1.2, 2.1.3 und 2.3 mit zahlreichen Hinweisen). Im Übrigen ist das Gemeinwesen in seinen fiskalischen Interessen aber grundsätzlich nicht wie ein Privater, sondern in seiner Eigenschaft als Hoheitsträger betroffen. Soweit die Streitsache einzig die finanziellen Folgen der Verwaltungstätigkeit beschlägt, die das Gemeinwesen in seiner Stellung als hoheitlich verfügende Behörde treffen, verneint die Rechtsprechung eine allgemeine Beschwerdelegitimation nach Art. 89 Abs. 1 BGG, denn in solchen Fällen deckt sich das finanzielle Interesse des Gemeinwesens mit der Frage der richtigen Rechtsanwendung, was zur Legitimation nicht genügt (BGE a.a.O., E. 2.3 mit Hinweisen). Gestützt auf die vorstehend resümierte Rechtsprechung verneinte das Bundesgericht die Beschwerdelegitimation des Kantons Graubünden in einem Fall, wo sich der Streit um die (übergangsrechtliche) Frage drehte, ob der Anspruch auf Nachzahlung von Prozesskosten aus einem Scheidungsprozess, die der Kanton etliche Jahre vor Inkrafttreten der ZPO zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege übernommen hatte, nach Art. 123 Abs. 2 der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen ZPO verjährt. Das Bundesgericht befand, sowohl in Bezug auf den konkreten Einzelfall als auch die Präzedenzwirkung für weitere Fälle habe der angefochtene Entscheid lediglich Auswirkungen auf die Kantonsfinanzen, was für sich allein zur Bejahung des Beschwerderechts nach Art. 89 Abs. 1 BGG nicht genüge. Inwiefern infolge des angefochtenen Entscheids über diese finanziellen Auswirkungen hinaus die Erfüllung öffentlicher Aufgaben tangiert werden könnte, sei nicht ersichtlich (BGE 138 II 506 E. 2.4 S. 512).