Citation: 4A_91/2022 E. 3.6

3.6. Trotz dieser hohen Latte hat das Bundesgericht in jüngerer Zeit eine Unterbrechung des adäquaten Kausalzusammenhangs wegen schweren Selbstverschuldens und demnach eine Entlastung der Bahn von der Haftpflicht nach Art. 40c EBG bejaht in einem Fall, in dem die Geschädigten einen Katamaran auf einem Wagen mit Blick in Gehrichtung über einen Bahnübergang zogen und dabei mit dem Mast des Katamarans die unter Hochspannung stehende Fahrleitung trafen (Urteil 4A_131/2021 vom 11. Februar 2022). Sodann wertete es als haftungsausschliessendes schweres Selbstverschulden das Verhalten eines Geschädigten, der auf einer Tramhaltestelle über sein Mobiltelefon gebeugt unvermittelt in den Geleisebereich trat und dabei das einfahrende Tram nicht wahrnahm, weil er durch sein Mobiltelefon abgelenkt war (Urteil 4A_179/2021 vom 20. Mai 2022, zur Publ. bestimmt). Betreffend Kollision von Fussgängern mit einem Tram sind zwei ältere Urteile zu erwähnen, in denen das Bundesgericht eine entsprechende Wertung vorgenommen hat: So beurteilte es als grob fahrlässiges, die elementarsten Vorsichtsmassnahmen missachtendes Verhalten, dass ein Fussgänger das Geleise einer Strassenbahn betrat, ohne vorher Umschau zu halten. Wäre der Betroffene im Moment des Unfalls geistig vollständig normal gewesen, hätte das Bundesgericht sein Verhalten als derart grob unachtsam betrachtet, dass ihm das ausschliessliche Verschulden an der Entstehung des Unfalls hätte zugeschrieben werden müssen (BGE 53 II 433 E. 1). In BGE 57 II 585 erkannte es, wer an einer Stelle, wo der Bahnkörper gut zu übersehen sei, auch die einfachste Vorsichtsmassnahme missachte, mithin vorher Ausschau zu halten, ob der Bahnkörper gefahrlos überquert werden könne, der könne sich nachher nicht auf die besondere Gefährlichkeit des Trams berufen. Den Einwand, dass solche Unachtsamkeiten auch bei an sich sorgfältigen Personen vorkommen könnten, liess das Bundesgericht mit Hinweis auf das Anwachsen des Verkehrs schon in diesem Entscheid aus dem Jahre 1931 nicht gelten und würdigte das Verschulden des Geschädigten als ausschliessliche Unfallursache.