Citation: 1C_451/2020 E. 5.3

5.3. Die von der Vorinstanz aufgeführten ehelichen Schwierigkeiten können in der Summe grundsätzlich durchaus geeignet sein, den Fortbestand einer Ehe in Frage zu stellen. Dass beispielsweise die veränderte Arbeitssituation des Beschwerdeführers ab April 2010 zu gewissen Spannungen führte, weil das Ehepaar nicht mehr ganztäglich beieinander sein konnte, ist nachvollziehbar. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz stellt dieser Umstand jedoch noch kein schwerwiegendes Eheproblem dar, aufgrund dessen der Beschwerdeführer bereits im Einbürgerungszeitpunkt am 4. April 2012 nicht mehr auf den Fortbestand der Ehe hätte vertrauen dürfen. Vielmehr schilderte das Ehepaar im Nichtigerklärungsverfahren übereinstimmend und glaubhaft, dass der Beschwerdeführer von seiner Ex-Ehefrau sowohl bei der Stellensuche wie auch beim späteren Erlernen des Schulstoffs für seine pflegerischen Ausbildungen unterstützt wurde. Die Arbeitsaufnahme des Beschwerdeführers war demzufolge ein gemeinsames Ziel, weshalb auch die damit verbundenen Differenzen nicht als von Beginn weg schwerwiegende bzw. unüberwindbare Eheprobleme bezeichnet werden können. Insoweit erweist sich der Einwand des Beschwerdeführers als berechtigt, wonach ihn seine Ehefrau nicht bei der Suche nach einem Praktikum in einem Alterspflegeheim unterstützt hätte, wenn sie in seiner Arbeitstätigkeit sowie in den dort praktizierten schulmedizinischen Behandlungsmethoden von vornherein potentielle Gefahren für die eheliche Beziehung gesehen hätte. Ohne Weiteres nachvollziehbar ist in diesem Zusammenhang überdies das Vorbringen des Beschwerdeführers, seine Arbeitsaufnahme habe anfänglich gar positive Auswirkungen auf die Beziehung gehabt, da sich die zuvor knappen finanziellen Möglichkeiten des Ehepaars merklich verbesserten. Dieser Umstand ist als Indiz dafür zu werten, dass die Ehe nach dem Arbeitsbeginn des Beschwerdeführers zunächst noch intakt war.