Citation: I 610/02 06.05.2003 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt ist, um über den Anspruch der Versicherten auf medizinische Massnahmen entscheiden zu können. 2.1 Die Vorinstanz kam auf Grund der ärztlichen Unterlagen zum Schluss, dass weder eine seit der Geburt bestehende Bluterkrankung noch ein angeborenes Leberleiden vorlägen. Die Diagnose von Prof. Dr. med. B.________, Spital G.________, im Kurzbericht vom 2. Oktober 2000, wonach die Versicherte an einem Geburtsgebrechen im Sinne von Ziff. 331 GgV-Anhang leide, finde in den übrigen medizinischen Berichten keine Stütze. Namentlich ergebe sich aus den Berichten von Prof. Dr. med. A.________, Vertrauensarzt der IV-Stelle, vom 12. Oktober 2001 und 3. Januar 2002, dass sich Ziffer 331 GgV Anhang nur auf Neugeborene beziehe, welche bei der Geburt über die Nabelschnur zu viel Blut erhielten, sich deshalb in einer bedrohlichen Situation befänden und einen Aderlass mit Plasmaersatz benötigten. Solches habe sich bei der Versicherten nicht ereignet. Trotz zahlreicher Abklärungen hätten sich sodann keine angeborenen Stoffwechselstörungen erkennen lassen. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei rechtsgenüglich abgeklärt worden, weshalb von weiteren Untersuchungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien. Deshalb müsse es dabei sein Bewenden haben, dass kein Geburtsgebrechen nachgewiesen werden könne und Leistungen nach Art. 13 IVG entfielen. Die Versicherte benötige eine Lebertransplantation. Diese Massnahme beschlage in erster Linie die Behandlung des Leidens an sich und richte sich weniger auf die berufliche Eingliederung. Daher könnten auch unter Art. 12 IVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG keine medizinischen Massnahmen zugesprochen werden. 2.2 Demgegenüber lässt die Beschwerdeführerin geltend machen, die involvierten Ärzte seien sich über die genaue Diagnose wie auch über die Herkunft der Lebererkrankung uneinig. Ob die von Prof. B.________ angegebene Polyglobulie bereits seit der Geburt bestanden und damals zu einem Aderlass mit Plasmaersatz geführt habe, wie dies zur Anerkennung eines Geburtsgebrechens nach Ziff. 331 GgV Anhang verlangt werde, sei nicht abgeklärt worden. Frau Dr. med. H.________, vom Spital S.________, habe im Bericht vom 3. Mai 2001 eine Leberzirrhose diagnostiziert, bei welcher es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um ein kongenitales Leiden im Stoffwechselbereich (mögliche Ziffern gemäss GgV Anhang: 451-458) handle. Auch diesbezüglich habe die Verwaltung keine näheren Abklärungen getroffen, um ein allfälliges Geburtsgebrechen nachzuweisen. 2.3 Gemäss Bericht des Spital S.________ vom 20. Januar 1997 verlief die Schwangerschaft bei der Mutter der Versicherten ohne Komplikationen. 16 Tage vor dem errechneten Termin sei wegen blutigem Fruchtwasser die Geburt eingeleitet worden. Die Beschwerdeführerin sei mit Stauungen bei Nabelschnurumschlingung geboren und wegen einer Neugeborenengelbsucht mit Fototherapie behandelt worden. Es folgte die Behandlung einer Hüftluxation (Ziffer 183 GgV Anhang). 1996 wurde eine kongenitale Epilepsie (Ziffer 387 GgV Anhang) entdeckt, für welche die IV in der Folge Leistungen erbrachte. Schliesslich kam die IV für die Behandlung eines angeborenen Psychoorganischen Syndroms (POS; Ziffer 404 GgV Anhang) auf. Hinweise auf ein Leberleiden finden sich in den älteren medizinischen Unterlagen nicht. 2.4 Angesichts dieser Akten muss das Vorliegen einer angeborenen Polyglobulie im Sinne von Ziffer 331 GgV Anhang verneint werden. Wie Prof. A.________ überzeugend ausführt, bezieht sich die erwähnte Ziffer nur auf Neugeborene, welche unmittelbar nach der Geburt einen Aderlass mit Plasmaersatz benötigen. Auf diese Einschränkung nimmt Prof. B.________ in seinem Kurzbericht vom 2. Oktober 2001 nicht Bezug, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Zusätzliche Versuche, alte Akten über die Geburt der Versicherten zu finden, versprechen keine neuen Erkenntnisse, zumal die Anamnese im Bericht des Spital S.________ vom 20. Januar 1997 keine Hinweise auf ein Krankheitsgeschehen im Sinne von Ziffer 331 GgV Anhang enthält. Daher ist in antizipierter Beweiswürdigung (dazu BGE 124 V 94 Erw. 4b; 122 III 469 Erw. 4a und 223 Erw. 3c) auf weitere Beweismassnahmen zu verzichten. 2.5 Hinsichtlich einer allfälligen angeborenen Stoffwechselstörung nach den Ziffern 451 - 458 GgV Anhang waren weder Frau Dr. H.________ noch Prof. A.________ in der Lage, klare Angaben zu liefern. Zwar sprechen beide von einem höchstwahrscheinlich angeborenen Leiden; jedoch schliesst Frau Dr. H.________ mit der Bemerkung, die Frage, ob die Leberzirrhose mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erworben oder kongenital sei, könne nicht beantwortet werden. In dieser Hinsicht erscheinen weitere Abklärungen nicht sinnvoll. Prof. A.________ führt sodann aus, das Leiden lasse sich keiner Ziffer des GgV Anhangs zuordnen. Die ebenfalls diskutierte Diagnose einer Polycycthämia Vera mit Budd-Chiari-Syndrom lässt sich keiner Ziffer der GgV zuordnen. In Anbetracht dieser Aktenlage ist davon auszugehen, dass kein von der Liste der Geburtsgebrechen erfasstes Leiden vorliegt.