Citation: 9C_41/2024 E. 6.4.4

6.4.4. Während die Materialien zum StG 1917 Hinweise darauf enthalten, dass die Käufe und Verkäufe zwischen Effektenhändlern, die beide auf fremde Rechnung tätig waren, gar nicht erst Objekt der Umsatzabgabe hätten sein sollen (vgl. oben E. 6.4.1), wurden diese Geschäfte in der Praxis gleichwohl der (hälftigen) Umsatzabgabe unterworfen (vgl. Art. 49 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung vom 7. Juni 1928 zu den Bundesgesetzen über die Stempelabgaben [aStV; BS 6 134]). Das hatte zur Konsequenz, dass bei Kettengeschäften (Kauf und Verkauf von steuerbaren Urkunden via mehrere Effektenhändler) auf jedem Glied die (hälftige) Umsatzabgabe anfiel (vgl. die Grafik in Botschaft StG, BBl 1972 II 1303). Der Bundesrat anerkannte, dass eine Vereinfachung dieses komplizierten Erhebungsverfahrens geboten sei. Anders als in den Fällen von Art. 14 Abs. 1 StG nahm der Gesetzgeber die Geschäfte zwischen Effektenhändlern aber nicht vom Tatbestand der Umsatzabgabe (objektiv) aus. Vielmehr modifizierte er die subjektive Abgabepflicht der Effektenhändler dergestalt, dass er sie für die auf fremde Rechnung abgeschlossenen Käufe und Verkäufe als Vermittler behandelte, womit für diese an sich objektiv abgabepflichtigen Geschäfte niemand mehr die Umsatzabgabe zu entrichten hatte und nur noch auf dem ersten und dem letzten Übertragungsgeschäft in der Kette die Umsatzabgabe effektiv anfiel (Art. 17 Abs. 2 lit. a und Abs. 3 lit. a StG; vgl. Botschaft StG, BBl 1972 II 1301 ff.). Diese Behandlung dehnte er sodann "im allseitigen Interesse" und zur Vereinfachung auf Effektenhändler aus, welche die erworbenen steuerbaren Urkunden anschliessend am selben Tag zu anderen Bedingungen ihren Kunden (sog. Selbsteintritt) oder Dritten weiterveräusserten, etwa um so einen Veräusserungsgewinn (sog. Kursschnitt) zu erzielen (Art. 17 Abs. 3 lit. c StG; Botschaft StG, BBl 1972 II 1302; vgl. auch die alte, weniger günstige Regelung in Art. 49 Abs. 2 aStV).