Citation: 6B_959/2021 E. 3.3.2

3.3.2. Hinsichtlich seiner familiären Verhältnisse erwägt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer wohne mit seinen Eltern und Geschwistern zusammen. Die Eltern unterstützten ihn einerseits finanziell, da er kein eigenes Einkommen vorweisen könne. Andererseits benutze er die elterliche Wohnung als Schlafgelegenheit. Erst in neueren Einvernahmen habe er beteuert, dass er sich nun wieder besser mit seiner Familie verstehe. Er sei nun vermehrt darum bemüht, die familiären Beziehungen als positiv darzustellen. Dies erstaune angesichts der drohenden Landesverweisung nicht, könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er bis vor kurzem erwiesenermassen kein nahes Verhältnis zu seiner Kernfamilie gepflegt habe. Es sei ihm zuzumuten, den Kontakt zu den Eltern und Geschwistern mittels elektronischer Kommunikationsmittel und regelmässiger Besuche aufrechtzuerhalten. Weiter wohnten die Ehefrau sowie die gemeinsame Tochter in U.________. Die Ehegatten seien jedoch gerichtlich getrennt und der Beschwerdeführer sei erstinstanzlich wegen versuchter Nötigung zu ihrem Nachteil verurteilt. Von einem gemeinsamen Familienleben könne deshalb nicht ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer dürfe die Tochter einmal pro Woche für vier Stunden - gegebenenfalls auch länger - sehen, sie übernachte aber nicht bei ihm. Er habe es zudem während sechseinhalb Jahren unterlassen, für sie eine Niederlassungsbewilligung zu beantragen. Diese habe sie erst nach mehrjährigem illegalem Aufenthalt auf Initiative der Ehefrau und der Anlaufstelle Sans-Papiers erhalten, was eine gewisse Gleichgültigkeit des Beschwerdeführers für die Belange seiner Tochter illustriere. Aufgrund des zerrütteten Verhältnisses der Ehegatten sei auch davon auszugehen, dass sie bei der Ehefrau in der Schweiz verbleiben werde. Dem Beschwerdeführer sei es zuzumuten, den Kontakt zu seiner Tochter während der Dauer der Landesverweisung mittels elektronischer Kommunikationsmittel und Besuche aufrechtzuerhalten. Auch diese Ausführungen geben zu keinerlei Kritik Anlass. Dass der Beschwerdeführer erst in jüngerer Zeit wieder besseren Kontakt zu seinen Eltern pflegt, wird von ihm nicht bestritten. Ein allfälliges Abhängigkeitsverhältnis ist weder behauptet noch dargetan (zur Unterstützung durch die Familie bei seiner Therapie, vgl. nachfolgend E. 3.3.3). Die Zerrüttung seiner Ehe wird vom Beschwerdeführer - der diesbezüglich ein "schwieriges Verhältnis" erwähnt - ebenfalls anerkannt. Entgegen seiner Kritik stellt die Vorinstanz das Vorliegen einer tatsächlich gelebten Beziehung zu seiner Tochter sodann nicht vollständig in Abrede. Vielmehr anerkennt sie, dass er einen gewissen Kontakt zu dieser pflegt und bejaht auch deswegen das Vorliegen eines Härtefalls. Wenig überzeugend ist aber, dass sich der Beschwerdeführer einzig aufgrund des schwierigen Verhältnisses zu seiner Ex-Frau während mehrerer Jahre nicht um die Legalisierung des Aufenthalts seiner Tochter kümmerte, bzw. dass seine entsprechende Mithilfe nach der Trennung "gar nicht mehr erwünscht" gewesen sei. Befremdlich ist auch, dass er die Adresse seiner Ehefrau und Tochter nicht nennen konnte. Der Einwand, wonach es willkürlich sei, wenn ihm die Vorinstanz eine gewisse Gleichgültigkeit attestiere, ist vor diesem Hintergrund unbegründet. Der Frage kommt ohnehin nur untergeordnete Bedeutung zu. Der Beschwerdeführer sieht seine Tochter im Rahmen eines Besuchsrechts einmal pro Woche, grundsätzlich für vier Stunden. Die Einschätzung der Vorinstanz, wonach ihm die Aufrechterhaltung dieser Beziehung mittels moderner Kommunikationsmittel und Besuche für die Dauer der Landesverweisung zumutbar sei, überzeugt. Unplausibel ist demgegenüber, dass seine Tochter mit Jahrgang 2014 zu jung für eine Kontaktpflege mittels elektronischer Kommunikationsmittel sei. Sonstige Gründe für die Unausweichlichkeit eines Abbruchs der Beziehung im Falle einer Landesverweisung nennt der Beschwerdeführer sodann nicht.