Citation: 1P.154/2005 30.05.2005 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei zurzeit in einer schwierigen persönlichen Lage. Sie sehe sich einer Scheidungsklage ihres Ehemannes gegenüber, welcher das Sorgerecht über den gemeinsamen Sohn D.________ beanspruche. Zudem sei ein neues Verfahren zur Wiedererlangung der elterlichen Obhut über ihre Kinder B.________ und C.________ hängig, und sie müsse sich im Strafverfahren gegen den unbegründeten Verdacht, ihre Kinder misshandelt zu haben, zur Wehr setzen. Sie sei als juristischer Laie mit der Führung der verschiedenen parallel laufenden Verfahren, die sie nicht mehr selber zu überblicken vermöge, überfordert. Im Strafverfahren stehe für sie viel mehr auf dem Spiel als eine bedingte Gefängnisstrafe, habe doch dessen Ausgang einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang der Verfahren um das Sorgerecht und die Obhut ihrer Kinder. Da ihre Prozessarmut ausgewiesen sei und vom Obergericht anerkannt werde, habe sie unter diesen Umständen gestützt auf Art. 29 Abs. 3 BV einen verfassungsmässigen Anspruch auf unentgeltliche Verteidigung. Dies erheische auch das Prinzip der Waffengleichheit, da ihre Kinder als Geschädigte im Strafverfahren gegen sie von einer amtlichen Anwältin vertreten seien. 3.2 Es liegt auf der Hand, dass sich die Beschwerdeführerin im Strafverfahren wegen Kindsmisshandlung in einer schwierigen Situation befindet. Sie muss sich gegen Anschuldigungen ihrer Kinder zur Wehr setzen, über welche sie das uneingeschränkte Sorgerecht erhalten oder wiedererlangen möchte. Will sie die Beziehungen zu ihren Kindern nicht vollends gefährden, wird sie diese bei der Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen im Verfahren möglichst schonen wollen. Es erscheint daher schon mehr als fraglich, wie die offensichtlich in erheblichen persönlichen und familiären Schwierigkeiten steckende Beschwerdeführerin dieser heiklen Gratwanderung zwischen der Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen als Angeschuldigter und der Rücksichtnahme auf ihre als Geschädigte im Prozess gegen sie auftretenden Kinder ohne anwaltlichen Beistand gewachsen sein könnte. Vor allem aber wurde ihren Kindern eine amtliche Anwältin zur Seite gestellt. Unter diesen Umständen hätte indessen auch der Beschwerdeführerin, deren Prozessarmut anerkannt ist, nach dem Prinzip der Waffengleichheit ein amtlicher Anwalt beigegeben werden müssen. Dieses im Recht auf ein faires Verfahren von Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK enthaltene formale Prinzip ist schon dann verletzt, wenn eine Partei bevorteilt wird, es ist nicht notwendig, dass die Gegenpartei dadurch tatsächlich einen Nachteil erleidet (Mark Villiger, Handbuch der EMRK, 2. A. Zürich 1999, Rz. 480). Können sich die Geschädigten zum Schuldpunkt äussern - was hier ausser Frage steht, da die Anschuldigungen gegen die Beschwerdeführerin weitgehend auf den Aussagen ihrer Kinder beruhen - ist das Prinzip der Waffengleichheit bereits verletzt, wenn den Geschädigten ein amtlicher Anwalt beigegeben und der Beschwerdeführerin ein solcher verweigert wird. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, das verfassungs- und konventionsrechtliche Prinzip der Waffengleichheit sei verletzt, weil den Geschädigten ein amtlicher Rechtsvertreter beigegeben und ihr ein solcher verweigert worden sei, ist damit zutreffend, die Rüge ist begründet.