Citation: 4A_29/2024 E. 4.2.3

4.2.3. Bei einer hinreichenden Begründung würde das Bundesgericht erkennen, was die Beschwerdeführerin im kantonalen Verfahren vorgebracht haben will, und könnte beurteilen, ob dies eine hinreichende Behauptung einer von der gesetzlichen Regelung abweichenden Abrede betreffend Rügemodalitäten darstellt. Nur diesfalls müsste das Bundesgericht prüfen, ob an den in den Aktenhinweisen bezeichneten Stellen das Behauptete auch gesagt wurde. Dies ist hier nicht der Fall: 4.2.3.1. Zur Behauptung, sie habe bereits in der Klageschrift und in der Replik behauptet, die Parteien hätten eine von der gesetzlichen Ordnung abweichende Absprache über die Rügemodalitäten getroffen, verweist sie zunächst auf zwei Stellen in der Klage (Rz. 305 f.), die unter dem Titel "H. Einigungsversuche der Parteien" (als Teil von "II. MATERIELLES") stehen. Dort führt sie aus, mit Blick auf die neu aufgetretenen Schadensfälle ab Herbst 2018 habe sich die Beschwerdegegnerin mit E-Mail vom 15. März 2018 bei der Beschwerdeführerin gemeldet und diese informiert, dass sie den "Serienschaden" bereits bei der Versicherung angemeldet habe, und sie habe die Beschwerdeführerin angehalten, sämtliche Schadensfälle zu dokumentieren. Die detaillierte Dokumentation der Schadensfälle ab 2018 habe die Beschwerdeführerin mittels E-Mail vom 19. Juni 2019 an die Beschwerdegegnerin übermittelt. 4.2.3.2. Von einer von den gesetzlichen Regeln abweichenden Vereinbarung betreffend die Rügemodalitäten ist an der genannten Stelle nicht die Rede. Im Gegenteil sind auch hier die Ausführungen widersprüchlich: Die E-Mail datiert vom 15. März 2018. Sie kann chronologisch nicht mit Blick auf die neu aufgetretenen Schadensfälle ab Herbst 2018 verfasst worden sein - sie könnte höchstens mit Blick auf zukünftig (ab Herbst 2018) allenfalls erst noch eintretende Schadensfälle verfasst worden sein, wofür die Beschwerdeführerin an der angegebenen Stelle aber keinerlei Indizien nennt. 4.2.3.3. Hingegen findet sich bereits in der Klageschrift unter "III. RECHTLICHES" der Titel "E. Rügepflicht der Klägerin (367 OR) ". Dieser Abschnitt beginnt mit der Behauptung, die Beschwerdeführerin habe ihre Rügepflicht nach Art. 367 OR erfüllt und endet im Wesentlichen mit den Sätzen, da der Werkmangel erst bei kalten Temperaturen im Aussenbereich sichtbar geworden sei, habe es sich um einen versteckten Mangel gehandelt, welchen die Beschwerdeführerin sofort nach der erstmaligen Entdeckung gegenüber der Beschwerdegegnerin gerügt habe. Die Beschwerdegegnerin habe auch bereits Nachbesserungen zur Behebung des Mangels vorgenommen, was somit den Nachweis einer rechtzeitigen Mängelrüge ohnehin obsolet mache. Von einer vom Gesetz abweichenden Abrede betreffend Rügemodalitäten ist keine Rede. 4.2.3.4. Es ist nicht Sache des Bundesgerichts, den weiteren Aktenhinweisen nachzugehen, um festzustellen, was dort tatsächlich vorgebracht wurde und ob darin allenfalls die Behauptung einer Abrede betreffend die Rügemodalitäten gesehen werden könnte. Es wäre Sache der Beschwerdeführerin gewesen, dies in der Beschwerde klar darzulegen, wobei ohnehin nur klar und eindeutig (mit) behauptete Tatsachen genügen würden (BGE 144 III 519 E. 5.3.2 S. 526). Zudem hat eine Tatsachenbehauptung zwar in der Tat nicht alle Einzelheiten zu enthalten, sondern es genügt, wenn die Tatsachen in einer den Gewohnheiten des Lebens entsprechenden Weise in ihren wesentlichen Zügen oder Umrissen behauptet werden (BGE 136 III 322 E. 3.4.2). Soweit der Prozessgegner die Vorbringen aber bestreitet, greift eine über die Behauptungslast hinausgehende Substanziierungslast. Die Vorbringen sind diesfalls nicht nur in den Grundzügen, sondern in Einzeltatsachen zergliedert, so umfassend und klar darzulegen, dass darüber Beweis abgenommen oder dagegen der Gegenbeweis angetreten werden kann (BGE 144 III 519 E. 5.2.1.1).