Citation: 5A_558/2024 E. 5.2

5.2. Die Vorinstanz prüfte die relevanten Kriterien für die Obhutszuteilung. Sie erwog, das Kind habe zu beiden Eltern eine gute, enge Bindung und Beziehung. Beide Eltern seien aktuell erziehungsfähig. Gleichwohl erkannte die Vorinstanz in der Erziehungsfähigkeit der Beschwerdeführerin gewisse Defizite. Insgesamt attestierte die Vorinstanz dem Beschwerdegegner die bessere Erziehungsfähigkeit. Was die Bindungstoleranz anbelangt, erachtete die Vorinstanz diese bei der Beschwerdeführerin für die Zeit von Sommer 2023 bis Februar 2024 als deutlich eingeschränkt. Aktuell sei der Beschwerdeführerin zugute zu halten, dass sie trotz erschwerter Umstände regelmässig in die Schweiz reise, um die Kontakte zu ihrem Kind zuverlässig wahrzunehmen. Die Möglichkeit der persönlichen Betreuung sei bei beiden Parteien gegeben. Die Vorinstanz äusserte sich sodann zum sozialen Umfeld der Parteien. Die Beschwerdeführerin wohne in der Umgebung ihrer Eltern. Angesichts der Tatsache, dass zum Zeitpunkt ihres Unfalls im Juni 2022 dennoch niemand zur Betreuung des Kindes zur Verfügung gestanden habe, sei jedoch mindestens fraglich, ob das soziale Netz der Beschwerdeführerin an ihrem Wohnort derart eng und unterstützend sei, wie sie dies behaupte. Der Beschwerdeführer verfüge an seinem Wohnort zwar über keine Familie und habe sich von seiner Partnerin getrennt. Er sei aber sozial gut eingebunden und habe mittlerweile ein bestehendes Netz von Arbeitskollegen und Freunden. Mit Blick auf die Stabilität der Verhältnisse gelte es zu berücksichtigen, dass das Kind in den letzten zwei Jahren vielen unerwarteten Wechseln ausgesetzt gewesen sei. Es sei daher nun nötig, ihm ein reguliertes und strukturiertes Leben zu ermöglichen. Nachdem es mehrheitlich die Beschwerdeführerin gewesen sei, die für die unerwarteten und abrupten Wechsel gesorgt hätte, diese also nicht in der Lage gewesen sei, dem Kind Stabilität zu bieten, der Beschwerdegegner dem Kind dagegen ein geordnetes Leben, Struktur sowie einen regelmässigen Kontakt zur Beschwerdeführerin biete, müsse das Kriterium der Stabilität der Verhältnisse deutlich zugunsten des Beschwerdegegners ausgelegt werden. Nach einer umfassenden Würdigung sämtlicher Entscheidkriterien kam die Vorinstanz zu dem (eindeutigen) Schluss, dass der Beschwerdegegner als besser geeignet anzusehen sei, die alleinige Obhut des Kindes zu übernehmen. Er verfüge über die notwendige Erziehungs-, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, habe ausreichende Möglichkeiten, das Kind persönlich zu betreuen und ihm die dringend notwendige Struktur und Stabilität zu bieten und zeige sich durchwegs bindungstolerant.