Citation: I 217/02 09.01.2003 E. 2

Unbestritten ist, dass der Versicherte ab Mai 2000 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Streitig und zu prüfen ist indes die Höhe dieser Rente. Dabei steht insbesondere in Frage, ob die durchgeführten Abklärungen und medizinischen Unterlagen zur Beurteilung des streitigen Anspruches genügen. Während die Vorinstanz dies bejaht und sich mit der IV-Stelle auf das Gutachten des Dr. med. H.________ abstützt, stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, das Zusammenwirken von Depression und Schlafstörungen sei von Dr. med. H.________ zu wenig berücksichtigt worden, weshalb feststehe, dass er zu 100 % arbeitsunfähig sei; sollte sich das Gericht dieser Ansicht nicht anschliessen können, müsste ein "gesamtärztliches" Gutachten erstellt werden. 2.1 In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ergeben sich aus den Akten unterschiedliche Stellungnahmen: 2.1.1 Dr. med. S.________ schätzte die Arbeitsfähigkeit in seinem Bericht vom 15. September 2000 auf 100 % seit 2. Juli 1999. Er diagnostizierte eine depressive Erkrankung mittleren Grades mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) und führte aus, seit der Magenoperation 1986 leide der Versicherte an Schlaflosigkeit und Magenschmerzen. Er sei sehr nervös und in bedrückter Stimmung. Es fehle ihm an Selbstvertrauen und Lebensenergie. Er leide täglich an Angstzuständen. Es sei eine sehr grosse Konzentrationstörung feststellbar. In seinem Bericht vom 28. November 2001 führte er weiter aus, die Situation habe sich seit dem 11. September 2000 nicht geändert, im Gegenteil sei eine Verschlechterung feststellbar. Der Versicherte sei auf Grund seines psychischen Zustandes nicht arbeitsfähig. 2.1.2 Dr. med. Z.________ führte in seinem Bericht vom 16. September 2000 als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine unklare psychische Erkrankung mit reaktiven depressiven Schüben, Paranoia und familiären Konflikten sowie eine Therapieresistenz auf, als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine therapieresistente Refluxkrankheit bei gelockerter Manschette und Status nach Fundoplicatio im März 1996 und schätzte die Arbeitsfähigkeit auf 100 % seit 24. Mai 1999. 2.1.3 Dr. med. H.________ diagnostizierte eine leichte depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F 32.01) sowie Probleme in der Familienbeziehung (Z63.5). Als Untersuchungsbefund führt er Folgendes aus: "Mittelgrosser, adipöser, muskelkräftiger, einfach gekleideter Mann. Er wirkt besorgt und subdepressiv, kommt immer wieder auf seine Magenkrankheit zu sprechen, hegt Befürchtungen vor einer Krebserkrankung. Ein anamnestisches Syndrom lässt sich nicht nachweisen. Der affektive Rapport ist mässig herstellbar. Keine Suizidimpulse". Dr. med. H.________ führte aus, der Versicherte stamme von der Türkei aus geordneten Verhältnissen, in der Familie kämen keine Geistes- oder Nervenkrankheiten vor. Er sei in einer kinderreichen Familie aufgewachsen, kinderneurotische Zeichen bestünden nicht. Er habe die Maturität bestanden, jedoch nicht studieren können. Er sei später in der Schweiz ein geschätzter Maschinenführer gewesen, habe sich bei der Arbeit intensiv eingesetzt. Familiär sei es vorerst gut gegangen, er habe zwei Kinder. In den letzten Jahren sei die positive Entwicklung zum Erliegen gekommen. Er leide an einer Magenkrankheit, wegen der er im März 1996 operiert worden sei. Die Beschwerden hätten sich seither nur zum Teil verbessert, es habe sich ein chronische Magenschmerzsyndrom ausgebildet. Der Versicherte leide an einer Cancerophobie, welche offensichtlich auch durch eine ambulante Psychotherapie nicht zurückgebildet werden könne. In den letzten Jahren seien eigenartige Verhaltensstörungen aufgetreten. Der Versicherte habe am Arbeitsplatz und zu Hause aggressiv, nervös-gespannt reagiert, Unfälle erlitten und sich mit seinen Arbeitkollegen verkracht. Er habe sogar Frau und Kinder geschlagen. Unterdessen sei er den Job sowie die Familie losgeworden. Er leide jetzt an der Vereinsamung, grüble über die vergangene Zeit nach, dürfte an Schuldkomplexen leiden. Die bereits vom Psychiater festgestellte depressive Episode sei noch heute vorhanden. Es fänden sich entsprechende Symptome: mürrische Stimmungslage, Subdepressivität, hypochondrische Tendenzen, Rückzugsverhalten. Es könne der medikamentösen und psychiatrischen Therapie verdankt werden, dass die depressive Episode heute nur noch leicht ausgeprägt sei. Zusätzlich sei das somatische Syndrom, welches als psychosomatische Störung gedeutet werden könne, noch immer vorhanden. Die Arbeitsfähigkeit werde dadurch noch um etwa 50 % eingeschränkt. Indiziert sei die Weiterführung der bisherigen ärztlichen Behandlung. Beim Versicherten bestünden ungünstige soziokulturelle Umstände, welche die Erwerbsfähigkeit einschränkten: Emigration, geringe Assimilation, prekäre berufliche und familiäre Lage, Vereinsamung. Diese Faktoren würden mithelfen, das der Versicherte nicht arbeitstätig sei. Sie hinderten ihn daran, mit beruflichen Massnahmen einen Erfolg zu erzielen. Dr. med. H.________ führte auf den entsprechenden Fragekatalog der IV-Stelle hin aus, beim Versicherten liege eine psychisch / psychosomatische Störung vor, welche Krankheitswert besitze. Seit ca. Mai 2000 werde die Arbeitsfähigkeit um 50 % eingeschränkt. Vorher (ab ca. August 1999) sei die Einschränkung höher gewesen (ca. 80 %). Es bestünden nicht bloss reaktive psychische Störungen, welche bei Veränderung der Verhältnisse verschwinden würden. Die Chronifizierung sei teilweise unlösbar. Die Weiterführung der bisherigen Behandlungen könne den Zustand stabilisieren. Berufliche Massnahmen seien sinnvoll. Berufliche Eingliederungsmassnahmen könnten nicht empfohlen werden. Dem Versicherten sei noch eine Teilzeitarbeit möglich. Am geeignetsten wäre eine Tätigkeit wie die vorher durchgeführte. Die Bedingung für eine dem Leiden angepasste Arbeitsstelle sei Teilzeitarbeit. Auf die Frage, ob noch andere als invaliditätsbedingte (wie soziokulturelle, soziale, familiäre, wirtschaftliche, altersbedingte, sprachliche, suchtbedingte etc.) Gründe für die Einschränkung im Erwerbsleben mitverantwortlich seien und wenn ja, welche, führte Dr. med. H.________ aus, die angeführten Gründe seien vorhanden; sie würden mithelfen, dass der Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit nicht ausnütze. 2.1.4 Im ausführlichen Bericht über die Schlafabklärung im Spital, Q.________, vom 15. Februar 2002 äusserten sich die Ärzte nicht ausdrücklich zur Arbeitsunfähigkeit, führten aber an, die erhebliche Störung der Schlafphysiologie erkläre die Tagesmüdigkeit und eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit. 2.2 Wenn die Vorinstanz mit der IV-Stelle davon ausgegangen ist, das Gutachten des Dr. med. H.________ erfülle die rechtsprechungsgemässen Kriterien für ein beweiskräftiges Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis), und die übrigen medizinischen Unterlagen vermöchten dieses nicht in Zweifel zu ziehen, so kann dem nicht beigepflichtet werden. Zunächst ist der Untersuchungsbefund, so knapp begründet, dass nicht mehr von einer zuverlässig überprüf- und nachvollziehbaren gutachterlichen Darlegung der medizinischen Sachverhalts gesprochen werden kann, wie sie in heiklen Fällen zur Beurteilung erfordlich ist. Insbesondere - und dies ist entscheidend - begründet Dr. med. H.________ mit keinem Wort, weshalb er dem Versicherten ab Mai 2000 eine Arbeitsfähigkeit von bloss 50 %, vorher aber ab August 1999 eine solche von 80 % attestiert, obwohl sich für eine solche unterschiedliche Stellungnahme keine Anhaltspunkte in den tatsächlichen Verhältnissen finden lassen. Auch im Zusammenhang mit seinen übrigen Ausführungen lässt sich dies nicht schlüssig nachvollziehen. Schliesslich gibt Dr. med. H.________ zwar die Beurteilungen der Dres. med. S.________ und Z.________ in seinem Gutachten wieder, geht jedoch ebenfalls mit keinem Wort auf diese ein. Er erwähnt weder die von Dr. med. S.________ festgestellten schweren Konzentrationsstörungen noch die im Bericht des Spitals ausführlich dokumentierten und bereits von Dr. med. S.________ erwähnten Schlafstörungen, sodass von einer Berücksichtigung der erwähnten Arztberichte und damit der Vorakten nicht die Rede sein kann, wie es die Rechtsprechung verlangt. Daher lässt sich der Grad der Arbeitsunfähigkeit auf Grund der vorhandenen medizinischen Unterlagen nicht zuverlässig bestimmen, weshalb weitere Abklärungen erforderlich sind. Die Sache wird zu diesem Zweck an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit sie eine ergänzende psychiatrische Abklärung unter Einbezug der psychomatischen Aspekte veranlasse.