Citation: 8C_437/2023 E. 8.3

8.3. Die IV-Stelle macht geltend, für die Ermittlung des Einkommens ohne Invalidität sei nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung vielmehr entscheidend, was der Versicherte im Zeitpunkt der Invaliditätsbemessung überwiegend wahrscheinlich als Gesunder tatsächlich verdient hätte. Dabei werde in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspreche, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Die Vorinstanz gehe deshalb fälschlicherweise davon aus, dass der Wortlaut des Art. 16 ATSG absolut klar sei und daraus folge, dass das Erwerbspotential (und nicht das zuletzt effektiv erzielte Erwerbseinkommen) versichert sei. Die Gesetzesbestimmung sei nicht so zu verstehen, dass grundsätzlich das anhand der (beruflichen) Qualifikationen der versicherten Person höchstmögliche Erwerbseinkommen als Valideneinkommen einzusetzen wäre. Der Konjunktiv "könnte" nehme Bezug auf die gesundheitliche Einschränkung, da die versicherte Person aufgrund des Gesundheitsschadens nicht mehr in der Lage sei, dieses Einkommen zu erwirtschaften.