Citation: 1C_92/2021 E. 5.4

5.4. Dem Gemeinderat bzw. -vorstand steht beim Entscheid darüber, welche Objekte ins Inventar aufzunehmen sind, ein Spielraum zu. Bei der Prüfung, ob ein solcher Entscheid angemessen ist, ist dementsprechend Zurückhaltung geboten, damit die Gemeindeautonomie gemäss Art. 50 Abs. 1 BV respektiert wird. Der erwähnte Spielraum wird indessen namentlich dann überschritten, wenn der kommunale Entscheid sachlich nicht mehr vertretbar und damit willkürlich ist (vgl. zum Ganzen BGE 145 I 52 E. 3.6 S. 57 ff.; Urteil 1C_128/2019 / 1C_134/2019 vom 25. August 2020 E. 5.3 [zur Publikation vorgesehen]). Vorliegend hat der Gemeinderat mit seiner Vorgabe, wonach bei mindestens zwei der sechs Kriterien die Bewertung "besondere Bedeutung" gegeben sein muss, eindeutig überspannte Anforderungen für die Inventarisierung gestellt. Zwar mag eine solche Vorgabe gerechtfertigt sein, wenn es darum geht, in Bezug auf die Schutzwürdigkeit herausragende Objekte zu selektieren. Die genannte Vorgabe führt jedoch dazu, dass Objekte, die sich bei genauer Untersuchung - insbesondere aufgrund einer Gesamtwürdigung - als Denkmäler erweisen könnten, allein deshalb nicht ins Inventar aufgenommen werden, weil die Bewertung "besondere Bedeutung" bei weniger als zwei Kriterien vorliegt. Dies steht nicht nur im Widerspruch zur kantonalen Praxis, nach welcher für die Inventarisierung eines Objekts keine zu strengen Anforderungen gestellt werden dürfen (vgl. vorne E. 5.2). Vielmehr steht das vom Gemeinderat gewählte Vorgehen auch in offenkundigem Widerspruch zum Zweck des Inventars, diejenigen Objekte lückenlos zu erfassen, bei welchen in Zukunft gestützt auf entsprechende Entscheide möglicherweise Schutzmassnahmen im Sinne von §§ 205-210 PBG/ZH ergriffen werden müssen. Bei einem Objekt wie dem ehemaligen Gasthof "U.________" mit einer "gewissen Bedeutung" hinsichtlich vier der Kriterien und einer "besonderen Bedeutung" bezüglich eines weiteren Kriteriums liegt es auf der Hand, dass mit der strengen Vorgabe des Gemeinderats im Ergebnis mit dem (negativen) Entscheid über die Inventarisierung der spätere (allfällige) Entscheid, ob tatsächlich Schutzmassnahmen zu ergreifen sind, in unzulässiger Weise vorweggenommen wird. Die Einschätzung der Baudirektion, wonach das Inventar der Gemeinde Dägerlen hinsichtlich Qualität und Umfang vorbildlich sei (vgl. vorne Sachverhalt, lit. A.b), kann unter diesen Umständen nicht geteilt werden. Vielmehr erscheint der Entscheid des Gemeinderats, den Gasthof "U.________" nicht ins Inventar aufzunehmen, als offensichtlich unhaltbar. An dieser Beurteilung nichts ändern kann der im angefochtenen Urteil erwähnte Umstand, dass im einschlägigen "Hinweisinventarblatt" (nur) das Wirtshausschild des ehemaligen Gasthofes "U.________" als schutzwürdig bezeichnet wurde. Dies gilt schon deshalb, weil mit diesem "Hinweisinventarblatt" zugleich dem ganzen ehemaligen Gasthof in verschiedener Hinsicht mindestens eine gewisse Bedeutung zuerkannt wurde.