Citation: 8C_98/2023 E. 4.3

4.3. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung überzeugt vollumfänglich. Es ist zwar richtig, dass das Bundesgericht im Urteil 8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 aufgrund der divergierenden Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit in den Akten zumindest geringe Zweifel in Bezug auf den Bericht des Kreisarztes Dr. med. C.________ und damit gleichzeitig die Notwendigkeit einer versicherungsexternen Begutachtung bejahte. Dies war Ausdruck des Grundsatzes der Waffengleichheit (vgl. Art. 6 Abs. 1 EMRK; vgl. BGE 135 V 465 E. 4.6). Nachdem nunmehr ein Gerichtsgutachten vorliegt, gestaltet sich die Ausgangslage aber anders. Es ist nämlich die Aufgabe des Gerichtsgutachters, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Das Gericht weicht rechtsprechungsgemäss nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab (BGE 135 V 465 E. 4.4; 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweis; SVR 2015 UV Nr. 4 S. 13, 8C_159/2014 E. 3.2; Urteil 8C_135/2023 vom 20. Juni 2023 E. 5.2). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) lassen es ausserdem nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (BGE 135 V 465 E. 4.5; 125 V 351 E. 3b/cc; SVR 2017 IV Nr. 7 S. 19, 9C_793/2015 E. 4.1; Urteile 8C_630/2020 vom 28. Januar 2021 E. 4.2.1; 8C_370/2020 vom 15. Oktober 2020 E. 7.2). Solche Aspekte vermag der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen. Entscheidend ist, dass sich Dr. med. D.________ mit den divergierenden Beurteilungen der Dres. med. G.________ und C.________ auseinandersetzte und begründete, weshalb er die Einschätzung des Kreisarztes bestätigte. Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass das Bundesgericht bereits im zitierten Urteil 8C_380/2021 auf die Widersprüchlichkeit der RAD-Einschätzung hindeutete. So attestierte Dr. med. G.________ eine (mindestens) 60%ige Arbeitsfähigkeit, obwohl er gleichzeitig unter ausschliesslicher Berücksichtigung der Schulterproblematik von einer sicher nicht wesentlich eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit sprach.