Citation: 7B_268/2022 E. 3.2

3.2. Liegt ein Fall notwendiger Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung darauf, dass unverzüglich eine Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). Die Verteidigung ist unter anderem notwendig, wenn eine Landesverweisung droht (Art. 130 lit. b StPO). Wurden in Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben, bevor eine Verteidigerin oder ein Verteidiger bestellt worden ist, so ist die Beweiserhebung nur gültig (aArt. 131 Abs. 3 StPO in der bis am 31. Dezember 2023 geltenden Fassung) bzw. sind diese Beweise nur verwertbar (Art. 131 Abs. 3 StPO), wenn die beschuldigte Person auf eine Wiederholung der Beweiserhebung verzichtet. Sind die Voraussetzungen notwendiger Verteidigung bei Einleitung des Vorverfahrens erfüllt, so ist die Verteidigung vor der ersten Einvernahme sicherzustellen, welche die Staatsanwaltschaft oder in deren Auftrag die Polizei durchführt (Art. 131 Abs. 2 StPO). aArt. 131 Abs. 2 StPO in der bis am 31. Dezember 2023 geltenden Fassung hatte noch vorgesehen, dass die Verteidigung nach der ersten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft, jedenfalls aber vor Eröffnung der Untersuchung, sicherzustellen ist (vgl. zum uneinheitlichen Wortlaut der verschiedenen Sprachfassungen und zu der per 1. Januar 2024 erfolgten Anpassung von Art. 131 Abs. 2 und 3 StPO: Urteil 6B_452/2023 vom 20. Oktober 2023 E. 1.3.2 und E. 1.3.3 mit Hinweisen).