Citation: U 28/03 26.09.2003 E. 2.3

2.3.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdegegner nach dem 21. Juni 2000 erstmals am 6. Juli 2000 die Sprechstunde von Dr. med. W.________ aufsuchte. Den Grund bildete gemäss dem Zeugnis dieses Arztes vom 6. September 2000 eine anteromediale Knie-Instabilität 3. Grades bei VKB-Ruptur und zusätzlich Meniskusläsion. Der Eintrag in der Krankengeschichte vom 6. Juli 2000 enthält die Diagnose "Anteromediale Knie-Instabilität rechts 3. Grades mit Verdacht auf alte VKB-Ruptur und Meniskusläsionen." Seit ein paar Wochen bestünden Beschwerden am rechten Kniegelenk; Velofahren sei möglich, Joggen jedoch nicht. Auf Veranlassung von Dr. med. W.________ wurde am 12. Juli 2000 im Röntgeninstitut der Klinik H.________ ein MRI des rechten Knies vorgenommen. Die Indikation lautete: "Vor fünf Jahren Distorsion Knie rechts." Gemäss dem Bericht des Instituts wurden insbesondere eine basisnahe Rissbildung im medialen Meniskushinterhorn bis hin zum Corpus sowie eine komplette Ruptur des vorderen Kreuzbandes festgestellt. Dr. med. W.________ nahm daraufhin am 15. August 2000 einen operativen Eingriff vor (Kniearthroskopie rechts, Teilmeniskektomie medial; Notch-Plastik und Semitendinosus-Transplantat-Präparation, 3-fach; Arthroskopisch kontrollierte VKB-Plastik, Endobutton). Am 6. September 2000 berichtete der Arzt über einen bisher problemlosen postoperativen Verlauf. Ausserdem erklärte er, die VKB-Ruptur und zusätzliche Meniskusläsion seien zurückzuführen auf ein konkretes Schadenereignis mit - gemäss Patient - Knieunfall vor fünf Jahren. Die weiteren Einträge in der Krankengeschichte enthalten keine anders lautenden Angaben. Dr. med. V.________ gelangte in seinem Aktengutachten vom 26. Februar 2001 zum Ergebnis, durch den 1995 erlittenen Unfall sei eine Instabilität entstanden. Die alte vernarbte Kreuzbandläsion sei auf jenes Trauma zurückzuführen. Der mediale Meniskusschaden im Hinterhorn sei typisch für eine chronische Instabilität. Die Beschwerden seien anlässlich des ersten Arztbesuches vom 6. Juli 2000 auch als chronisch seit ein paar Wochen beschrieben worden. Es handle sich dementsprechend um eine Sekundärschädigung bei alter Kreuzbandläsion. In einem Schreiben an die Beschwerdeführerin vom 10. September 2001 hielt Dr. med. W.________ fest, der Versicherte habe offenbar am 21. Juni 2000 ein Traumaereignis erlitten mit dann durchgeführter Operation am 15. August 2000. Die bei der Arthroskopie festgestellten Verletzungen mit dorsaler medialer Meniskusruptur und abgelaufener VKB-Ruptur seien auch mit Videoprints dokumentiert. Bei diesen beiden Verletzungen handle es sich in der Regel um frische Verletzungen, wobei dann auch ein älterer Kapsel-Band-Unfall nicht ausgeschlossen sei. Die Meniskusverletzung sei aber ganz eindeutig frischeren Datums, da der Patient sonst nicht mehr richtig hätte Sport treiben, insbesondere joggen, können. 2.3.2 Der Eintrag von Dr. med. W.________ in der Krankengeschichte des Versicherten über die Konsultation vom 6. Juli 2000 enthält keinen Hinweis auf einen Unfall neueren Datums. Erwähnt werden dagegen ein fünf Jahre zurückliegendes Ereignis und seither bestehende Kniebeschwerden. Daraus muss geschlossen werden, dass der Beschwerdegegner seinerseits gegenüber dem Arzt keinen am 21. Juni 2000 bei einem Waldlauf erlittenen Sturz erwähnt, sondern nur über einen mehrere Jahre zurückliegenden Unfall gesprochen hat. Derartigen "Aussagen der ersten Stunde" ist praxisgemäss in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht beizumessen als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen; AHI 2000 S. 197 Erw. 2d). Gemäss seiner Darstellung in der Einsprache vom 17. Mai 2001 erklärte der Beschwerdegegner gegenüber Dr. med. W.________, er habe sich vor Jahren das Knie verdreht, was ambulant behandelt worden sei und als geheilt gelte; seither habe er keine Probleme gehabt. Die Differenz zu den Notizen des Arztes führt der Versicherte auf sprachliche Verständigungsschwierigkeiten zurück. Diese Argumentation überzeugt jedoch nicht. Der Beschwerdegegner ist als Übersetzer bei einer schweizerischen Grossbank tätig und beherrscht demnach die deutsche Sprache bereits auf Grund seines Berufs. Es ist deshalb davon auszugehen, dass er in der Lage gewesen wäre, dem Arzt verständliche Angaben über den früheren Unfall zu liefern und ihm auch den sachverhaltlich relativ einfachen Vorgang, der sich am 21. Juni 2000 ereignet haben soll, zu schildern. Die späteren Angaben zum Sachverhalt vom 17. Juli 2000 (englisch) und 26. August 2000 (deutsch) stimmen denn auch inhaltlich überein, indem ausgesagt wird, der Beschwerdegegner sei bei einem Waldlauf mit dem rechten Bein unter eine Wurzel geraten und stecken geblieben, was zu einer Verletzung geführt habe, während die vorinstanzlichen Rechtsschriften eine abweichende Darstellung enthalten (Aufschlagen des Knies am Boden). Zweifel daran, dass sich wirklich ein Ereignis der beschriebenen Art abgespielt hat, ergeben sich auch daraus, dass der Beschwerdegegner erst 14 Tage nach dem 21. Juni 2000 wegen der angeblich damals erlittenen Verletzung den Arzt aufsuchte, ohne jedoch bei dieser Konsultation zu erwähnen, dass sich an diesem Datum ein Unfall ereignet habe. Dr. med. W.________ seinerseits äusserte auch im Anschluss an die Operation vom 15. August 2000 keinen Verdacht auf eine durch ein neueres Ereignis verursachte Verletzung, sondern knüpfte - auf die ausdrückliche Frage des Versicherers nach dem massgebenden Schadenereignis - weiterhin an den früheren Knieunfall vor fünf Jahren an (Zeugnis vom 6. September 2000). Erst in seinem Schreiben vom 10. September 2001 (nach Erlass des Einspracheentscheides) schloss er auf eine Meniskusverletzung, welche "ganz eindeutig frischeren Datums" gewesen sei. Dr. med. V.________ führt demgegenüber in seiner Stellungnahme vom 26. Februar 2001 die Kreuzbandläsion auf den länger zurückliegenden früheren Unfall zurück und erblickt in der Meniskusläsion eine Sekundärfolge der damaligen Verletzung. Er fügt bei, Dr. med. W.________, mit dem er telefonisch Kontakt aufgenommen habe, habe diese Beurteilung anhand seiner Aufzeichnungen und auf Grund seines ASK-Befundes nachvollziehen können. Bei dieser Aktenlage ist nicht mit der erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b mit Hinweisen) dargetan, dass der Beschwerdegegner, wie behauptet, am 21. Juni 2000 anlässlich eines Waldlaufs stürzte und sich eine Bein- und Knieverletzung zuzog, welche die über den 31. Juli 2000 hinaus fortbestehenden Beschwerden verursachte. Das Ereignis ist weder durch Zeugen oder auf andere Weise als Sachverhalt belegt, noch hat es auf Grund der medizinischen Stellungnahmen als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt zu gelten. 2.3.3 Ein Meniskusriss kann unter Umständen als unfallähnliche Körperschädigung eine Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers begründen (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 lit. c UVV). Auch diesfalls ist jedoch vorausgesetzt, dass die Verletzung durch eine äussere Einwirkung ausgelöst wird (BGE 123 V 45 Erw. 2b mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 435 S. 333 Erw. 2c; noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlichtes Urteil H. vom 20. August 2003, U 17/03, Erw. 4). Gemäss dem Aktengutachten des Dr. med. V.________ vom 26. Februar 2001 ist der mediale Meniskusschaden im Hinterhorn typisch für eine chronische Instabilität. Es handle sich dementsprechend um eine Sekundärschädigung bei alter Kreuzbandläsion. Diese Beurteilung lässt sich vereinbaren mit den Aussagen des Dr. med. W.________ in seinem Bericht vom 6. September 2000, wonach die Verletzungen zurückzuführen sind auf ein konkretes Schadenereignis mit - gemäss Patient - Knieunfall vor fünf Jahren, in dessen Folge eine konservative Behandlung durchgeführt wurde, jedoch mit verbleibender Knie-Instabilität rechts und jetzt entsprechend Meniskusruptur. Im Lichte dieser medizinischen Beurteilung scheidet eine Übernahme der Meniskusverletzung unter dem Titel der unfallähnlichen Körperschädigung - im Rahmen des seit April 2000 bestehenden Versicherungsverhältnisses bei der Beschwerdeführerin - ebenfalls aus. 2.3.4 Weil es nach dem Gesagten an einem hinreichend nachgewiesenen versicherten Ereignis fehlt, besteht keine Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers, ohne dass geprüft werden müsste, ob auf der Grundlage der Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdegegners alle Merkmale des Unfallbegriffs erfüllt wären.