Citation: 5A_224/2023 E. 2.1

2.1. Die Vorinstanz erinnert an Art. 211 ZGB, wonach die Vermögensgegenstände bei der güterrechtlichen Auseinandersetzung zu ihrem Verkehrswert einzusetzen sind. Ausgangspunkt für die Bewertung eines Geschäftsbetriebs oder eines kaufmännischen Unternehmens sei die Frage, ob das Unternehmen weitergeführt oder aufgegeben wird; je nachdem sei der Fortführungs- oder der Liquidationswert zu ermitteln. Im Anschluss daran erörtert das Obergericht ausführlich die verschiedenen Grundsätze und Methoden, die hierfür zur Verfügung stehen. Es weist auf die Rechtsprechung hin, wonach wegen des geltenden Methodenpluralismus in Bezug auf die Wahl der Bewertungsmethode ein gewisser Ermessensspielraum bestehe, zumal mehrere Methoden zu einem angemessenen Ergebnis führen könnten. Die gewählte Methode müsse aber in jedem Fall nachvollziehbar, plausibel und anerkannt sein; sie müsse in vergleichbaren Fällen verbreitete Anwendung finden, begründetermassen besser oder mindestens ebenso bewährt sein wie andere Methoden und den Verhältnissen im konkreten Einzelfall Rechnung tragen. Bezogen auf den konkreten Fall konstatiert das Obergericht, der Gutachter C.________ habe die verschiedenen Bewertungsmethoden im Gutachten vom 15. Dezember 2017 erläutert und darauf hingewiesen, dass die Vorgehensweise den individuellen Gegebenheiten anzupassen sei, um einen möglichst objektiven, praxisbezogenen Wert zu ermitteln. Die Bewertung der Aktien nach der reinen Substanzwertmethode habe der Gutachter damit begründet, dass die D.________ AG eine klassische Immobiliengesellschaft sei, deren Haupttätigkeit in der Vermietung des Gewerbehauses "im Ruchstuck" bestehe. Laut Gutachten berücksichtige die eng mit der Gesellschaft verbundene Verkehrswertschätzung der Liegenschaft "im Ruchstuck" bereits diverse Ertragskomponenten der Gesellschaft, wie Mieteinnahmen, Unterhalt, Reparaturen, Verwaltungskosten etc., weshalb die Anwendung einer weiteren Ertragswertkomponente (DCF-Methode, reine Ertragswertmethode oder Praktikermethode) zu einer doppelten Berücksichtigung führen würde, was nicht sachlogisch sei. Das Obergericht kommt zum Schluss, dass der Gutachter, dem die Wahl der angemessenen Bewertungsmethode oblegen habe, transparent offen lege, weshalb er sich für die reine Substanzwertmethode entschied. Massgebend sei für ihn gewesen, dass sich die D.________ AG als klassische Immobiliengesellschaft auf die Vermietung des Gewerbehausess "im Ruchstuck", der einzigen Immobilie in ihrem Eigentum, beschränke. Das erwähnte Argument, weshalb von der Berücksichtigung zusätzlicher Ertragswertkomponenten abzusehen sei, erachtet das Obergericht als nachvollziehbar und überzeugend; der Berufung sei nicht zu entnehmen, weshalb die Ertragswertkomponente mit der Ertragswertberechnung im Rahmen der Verkehrswertschätzung der Liegenschaft nicht hinreichend berücksichtigt sein soll. In der Folge verwirft die Vorinstanz die Kritik des Beschwerdeführers, dass der Gutachter anstatt einer zivilrechtlichen eine steuerrechtliche Beurteilung vorgenommen habe. Der Gutachter sei nicht von Pauschalen ausgegangen, sondern habe der Bewertung eine Verkehrswertschätzung der Geschäftsliegenschaft "im Ruchstuck" zugrunde gelegt. Ebenso wenig sei ersichtlich, was der Beschwerdeführer aus der terminologischen Unterscheidung zwischen Betrieb und Unternehmung ableiten wolle, die zu verkennen er dem Gutachter vorwerfe. Soweit der Beschwerdeführer einwende, dass kein Bewertungsverfahren einzig auf den Substanzwert abstelle, übersehe er, dass die Verkehrswertschätzung der Liegenschaft "im Ruchstuck" diverse Ertragskomponenten der Gesellschaft berücksichtige. Der Gutachter gehe zwar von einem Eigenkapitalwert der D.________ AG per 31. Dezember 2019 von Fr. 598'000.-- aus, addiere aber die Differenz zwischen dem Verkehrswert der Geschäfsliegenschaft (Fr. 17'610'000.--) und deren Nettobuchwert im Betrag von Fr. 8'982'000.--, bevor er die latenten Steuern auf der Liegenschaft von Fr. 857'000.-- in Abzug bringe und zu diesem Zwischenergebnis - entsprechend dem Bewertungsstichtag gemäss Ergänzungsgutachten vom 3. Juni 2020 - den Gewinn bis 31. Mai 2020 von Fr. 165'000.-- addiere. Das Obergericht zitiert die gutachterlichen Erklärungen zur Verkehrswertschätzung der Liegenschaft, die auf einer Ertragswertbetrachtung basieren. Dem Beschwerdeführer hält es entgegen, auf diese Zahlen nicht Bezug zu nehmen und insbesondere auch nicht geltend zu machen, dass die berücksichtigten Bewirtschaftungskosten die anfallenden Steuern und Verwaltungsratshonorare nicht decken würden. Inwiefern der Gutachter einen unvollständigen Ertragswert unter Zuhilfenahme einer Scheinplausibilität ermittelt haben soll, sei nicht nachvollziehbar dargetan. Dass der Gutachter einzig auf den Substanzwert abgestellt hätte, könne vor diesem Hintergrund nicht gesagt werden. Als Nächstes pflichtet die Vorinstanz dem Gutachter darin bei, dass die Berücksichtigung der Gewinnsteuern der Aktiengesellschaft bei einer Substanzwertberechnung nicht sachlogisch wäre und bei der Ermittlung des Unternehmenswerts der D.________ AG allfällige individuelle Steuerfolgen bei den Aktionären nicht zu berücksichtigen seien. Sie rechnet vor, dass der Gutachter entgegen den in der Berufung erhobenen Beanstandungen sowohl den Steueraufwand als auch die Kosten für das Fremdkapital mit einbezieht, indem er zum Unternehmenswert per 31. Dezember 2019 das Unternehmensergebnis vom 1. Januar bis 31. Mai 2020 von Fr. 165'000.-- addiert, das auf dem um Abschreibungen, Steuern und Finanzaufwendungen bereinigten EBIT der Jahre 2018 und 2019 beruht. Bei der Anrechnung der latenten Steuern zum halben Steuersatz stütze sich der Gutachter auf eine im Falle der Fortführung des Unternehmens bestehende Praxis. Dass eine Absicht bestehe, die Geschäftsliegenschaft kurzfristig zu veräussern, sei nicht ersichtlich und werde auch nicht behauptet. Ebenso wenig widerlege der Beschwerdeführer die erwähnte Praxis, die sich - entgegen seiner Behauptung - im Gutachten ausdrücklich auf eine Literaturstelle stütze. Auch den Einwand, dass aufgrund des Baurechts ein höherer Abschlag hätte erfolgen müssen, lässt das Obergericht nicht gelten. So übersehe der Beschwerdeführer, dass dem Unternehmenswert der Verkehrswert der Geschäftsliegenschaft "im Ruchstuck" ohne Landwert zugrunde liege. Der Gutachter sei sich der Besonderheiten, die aufgrund des Baurechts beständen, bewusst gewesen und zum Schluss gekommen, dass die Regelung bezüglich der Heimfallentschädigung aufgrund der konkreten Dauer des Baurechts die heutige Werteinschätzung nicht beeinflusse. Auf diese Erläuterungen des Gutachters gehe der Beschwerdeführer nicht ein. Schliesslich ist dem angefochtenen Entscheid zu entnehmen, dass der Gutachter den Einwand des Beschwerdeführers, die Generalversammlung der D.________ AG habe am 11. Mai 2020 eine Dividendenausschüttung von Fr. 2 Mio. und nicht von Fr. 4 Mio. beschlossen, unumwunden als korrekt bezeichnet und den Verkehrswert der Aktien entsprechend auf Fr. 1,39 Mio. festgelegt habe. Laut der Vorinstanz spricht dies für und nicht gegen die Glaubwürdigkeit und Fachkompetenz des Gutachters. Gestützt auf diese hier resümierten Erwägungen hält das Obergericht fest, dass die Einwendungen des Beschwerdeführers gegen das Gutachten von lic. oec. HSG C.________ allesamt unbegründet seien, die erste Instanz zu Recht auf dieses Gutachten abgestellt habe und ein weiteres Gutachten nicht einzuholen sei. Entsprechend bleibe es dabei, dass im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung von einem Wert der zwanzig Namenaktion der D.________ AG von Fr. 1,39 Mio. auszugehen sei.