Citation: 5A_245/2017 E. 2.4

2.4. Schliesslich bestreitet der Beschwerdeführer die Rechtzeitigkeit der Klageänderung der Beschwerdegegnerin, die auf einem verbesserten Baugrubensicherungskonzept gemäss dem erstinstanzlichen Gutachten beruht. Der Gutachter hat das von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagene Baugrubensicherungskonzept als ungenügend bezeichnet, jedoch die Machbarkeit einer verbesserten Sicherung mit einer zweiten Lage vorgespannter Erdanker und einer Verlängerung der untersten Bodennägel bejaht. In ihrer Stellungnahme zum Gutachten erklärte die Beschwerdegegnerin, die darin empfohlene Baugrubensicherung umzusetzen. Das hat die Erstinstanz als Klageänderung entgegen genommen. Die Vorinstanz bestätigte deren Rechtzeitigkeit. Die Beschwerdegegnerin habe die Klageänderung innert der gerichtlichen Frist zur Stellungnahme zum Gutachten und damit bei nächster prozessualer Gelegenheit vorgenommen. Sie sei nicht verpflichtet gewesen, dafür vorab eine Eingabe einzureichen. Der Beschwerdeführer rügt, das Kantonsgericht sei zu Unrecht von der Rechtzeitigkeit der Klageänderung ausgegangen; die Beschwerdegegnerin habe nicht anderthalb Monate nach der Zustellung des Gutachtens (d.h. bis zum Ablauf der vom Gericht gesetzten Frist zur Stellungnahme) zuwarten dürfen. Sie hätte die Klageänderung sofort und unabhängig von der Frist zur Stellungnahme erklären müssen. Für die Klageänderung sieht Art. 230 ZPO - anders als Art. 229 Abs. 1 ZPO zur Noveneingabe - kein Vorbringen "ohne Verzug" vor (Urteil 5A_16/2016 vom 26. Mai 2016 E. 5.1; Francesco Trezzini, in: Francesco Trezzini et al. [Hrsg.], Commentario pratico al Codice di diritto processuale civile svizzero, 2. Aufl. 2017, N. 5 zu Art. 230 ZPO; a.M. [auch Klageänderung "ohne Verzug"], aber ohne Begründung, offenbar: LAURENT KILLIAS, Berner Kommentar, 2012, N. 16 zu Art. 230 ZPO). Der spätest mögliche Zeitpunkt für die Klageänderung ist gemäss Art. 230 Abs. 1 ZPO "in der Hauptverhandlung". Im Einzelfall mag der Grundsatz von Treu und Glauben eine frühere Erklärung der Klageänderung nach Kenntnisnahme des Novums gebieten (Urteil 5A_16/2016 vom 26. Mai 2016 E. 5.1 ["rapidement après avoir eu connaissance desdits éléments nouveaux"] mit weiteren Hinweisen; Trezzini, a.a.O., N. 6 zu Art. 230 ZPO, der zusätzlich auf das Gebot der Verfahrensbeschleunigung verweist; a.M. offenbar Christoph Leuenberger, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 2 zu Art. 230 ZPO [ohne zeitliche Einschränkung bis zur Hauptverhandlung], und Daniel Willisegger, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017, N. 17 zu Art. 230 ZPO [an einem Termin der Hauptverhandlung; allenfalls vorgängige Anzeige]). Aus Art. 230 ZPO kann daher nicht geschlossen werden, dass die Beschwerdegegnerin die Klageänderung sofort nach Erhalt des Gutachtens hätte erklären müssen; die im Rahmen der Stellungnahme zum Gutachten abgegebene Erklärung erfolgte rechtzeitig. Im Ergebnis ist von einer rechtzeitigen Klageänderung auszugehen. Der Umfang der damit geltend gemachten verstärkten Baugrubensicherung ist durch den Beizug der vorinstanzlichen Erwägungen, die auf das Gutachten verweisen, ausreichend bestimmt.