Citation: 6B_393/2024 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdegegner sei 1994 in der Dominikanischen Republik geboren und habe dort seine prägenden Jugendjahre verbracht. Er habe in seinem Heimatland 13 Jahre die Schule besucht, einen Abschluss jedoch erst nach Einreise in die Schweiz gemacht und hier eine Lehre als Maurer absolviert. Abgesehen von seiner Grossmutter habe er in der Dominikanischen Republik keine weitere Verwandtschaft und nach über 10 Jahren Aufenthalt in der Schweiz auch keinen grossen Bezug mehr zu seinem Heimatland. Seine Mutter und seine beiden Schwestern seien unterdessen in der Schweiz eingebürgert und er habe einen engen Bezug zu ihnen. Weiter führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdegegner spreche gut Deutsch und sei sprachlich integriert. Gegen eine erfolgreiche Integration spreche hingegen der Umstand, dass er beruflich keinen Fuss gefasst habe und damit weder beruflich noch wirtschaftlich verankert sei. Der Beschwerdegegner sei vor den vorliegend zu beurteilenden Taten in der Schweiz nicht straffällig geworden. Entgegen der Auffassung der ersten Instanz könne indes sein auffälliges und renitentes Verhalten während der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht als Argument für seine mangelnde soziale Integration verwendet werden, sondern dies sei vor dem Hintergrund der heute bestehenden Diagnose als Ausfluss seiner Erkrankung zu sehen. Auch die Delinquenz während des hängigen Verfahrens sei in diesem Lichte zu betrachten, weshalb nicht per se von einer mangelnden Respektierung der rechtsstaatlichen Ordnung ausgegangen werden könne. Ihm sei noch eine gute Legalprognose zu stellen. Nichtsdestotrotz vermöge die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Verwurzelung in der Schweiz alleine beim Beschwerdegegner noch keinen schweren persönlichen Härtefall zu begründen. Im Weiteren setzt sich die Vorinstanz ausführlich mit der gesundheitlichen Situation des Beschwerdegegners auseinander. Sie erwägt, dessen Gesundheitszustand habe sich während des Berufungsverfahrens massiv verschlechtert. Zwischenzeitlich sei bei ihm eine paranoide Schizophrenie sowie eine psychische Verhaltensstörung durch Cannabinoide diagnostiziert worden. Gemäss Klinikberichten brauche der Beschwerdegegner neben der medikamentösen Behandlung auch regelmässig therapeutische Unterstützung. Aufgrund dieser Diagnose und der damit einhergehenden Symptome erhalte der Beschwerdegegner eine 100 % IV-Rente und könne nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden. Bei der paranoiden Schizophrenie würden Medikamente zu einer deutlichen Verminderung der Symptome, nicht jedoch zu einer vollständigen Remission führen. Eine zusätzliche Gesprächstherapie sei unabdingbar. Die Vorinstanz geht davon aus, der Zugang zur Medikation sei in der Dominikanischen Republik gewährleistet. Jedoch sei davon auszugehen, dass er auch in seinem Heimatland aufgrund seiner Krankheit nicht arbeitsfähig sein werde. Die IV-Rente aus der Schweiz werde ihm dort nicht ausbezahlt. Somit sei das allgemeine Auskommen bzw. die Finanzierung seines Lebensunterhalts in der Dominikanischen Republik nicht gewährleistet. Hinzu komme, dass es sich bei der Schizophrenie um eine Krankheit handle, die das Denken und die Gefühlswelt stark beeinträchtige und zu Realitätsverlust, Trugwahrnehmungen und Wahnvorstellungen führe. In der Schweiz sei der Beschwerdegegner inzwischen einerseits medikamentös eingestellt und andererseits in therapeutischer Behandlung. Zudem habe er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern hier ein soziales Netzwerk, das ihn unterstütze und auf das er sich im Falle eines Rückfalls bzw. einer akuten Psychose verlassen könne. In seinem Herkunftsland könne ihm wegen seiner Krankheit indes weder die berufliche Integration zugemutet werden, noch sei die soziale sowie finanzielle Unterstützung gewährleistet. Insbesondere vor dem Hintergrund des Stimmenhörens und der Wahnvorstellungen sei zu befürchten, dass eine Ausweisung zu einer ernsthaften Verschlechterung seines Gesundheitszustands führe. Die Vorinstanz schliesst daraus, die Wiedereingliederungschancen des Beschwerdegegners in der Dominikanischen Republik seien nicht intakt, sondern vielmehr destabilisierend. In Anbetracht seiner Erkrankung sei nicht zuletzt das familiäre Netzwerk in der Schweiz unabdingbar. Angesichts der Kombination des instabilen Gesundheitszustands des Beschwerdegegners mit der vergleichsweise gefestigten familiären Stabilität in der Schweiz sei von einem schweren persönlichen Härtefall i.S.v. Art. 66a Abs. 2 StGB auszugehen.