Citation: 1C_257/2022 E. 5.1

5.1. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt und die Beschwerdeführerin auch nicht bestreitet, bedeutet die Zugehörigkeit eines Archivdossiers zu einer gemäss Art. 12 Abs. 1 BGA definierten Kategorie nicht per se, dass in jedem konkreten Fall auch tatsächlich überwiegende öffentliche oder private Geheimhaltungsinteressen vorliegen. Zum einen führt die Einteilung in Kategorien unvermeidlicherweise zu einer gewissen Pauschalisierung: So genügt es, wenn überwiegende öffentliche oder private Interessen an der Geheimhaltung einer gewissen Kategorie bestehen, um alle dazugehörigen Dossiers einer verlängerten Schutzfrist zu unterstellen (vgl. auch Stellungnahme des Bundesrates zur Interpellation von Nationalrätin Semadeni, Massive Zunahme gesperrter Akten im Bundesarchiv, NR 14.3871). Zum anderen können sich öffentliche oder private Geheimhaltungsinteressen über die Zeit, d.h. während der Schutzfrist, ändern, nicht zuletzt dann, wenn Akten bereits anderweitig (z.B. in illegaler Weise) veröffentlicht wurden. Schliesslich sieht Art. 13 Abs. 1 BGA explizit die Möglichkeit einer Einsichtnahme in Archivgut vor Ablauf der in Art. 12 Abs. 1 BGA festgelegten Schutzfrist vor: Es kann also möglich sein, dass die überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen, die zu einer Verlängerung der Schutzfrist für eine Dokumentenkategorie geführt haben, in Bezug auf ein der Kategorie zugeordnetes Archivdossier nicht oder nicht mehr vorliegen. Daraus ergibt sich, dass die konkreten Geheimhaltungsinteressen überprüft werden müssen, wenn ein Gesuch um Einsicht in ein Archivdossier gestellt wird, das einer nach Art. 12 Abs. 1 BGA verlängerten Schutzfrist untersteht.