Citation: I 955/05 06.11.2006 E. 3

3.1 Es steht fest und ist unbestritten, dass der Versicherte seit seinem 14. Lebensjahr Drogen konsumiert und davon weiterhin abhängig ist. Nach ständiger Rechtsprechung begründet die Drogensucht, für sich allein betrachtet, indessen keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird eine solche Sucht im Rahmen der Invalidenversicherung bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt (BGE 99 V 28; AHI 2002 S. 30 Erw. 2a [Urteil G. vom 22. Juni 2001, I 454/99], 2001 S. 228 f. Erw. 2b in fine mit weiteren Hinweisen [Urteil P. vom 31. Januar 2000, I 138/98]; vgl. auch BGE 124 V 268 Erw. 3c mit Hinweis). 3.2 Dass die Drogensucht des Versicherten Folge einer krankheitswertigen Gesundheitsschädigung ist, kann gestützt auf die Akten mit der Vorinstanz zuverlässig verneint werden. Hieran ändern die in der Stellungnahme des Ambulatoriums B.________ vom 21. Dezember 2005 erwähnten Probleme familiärer Natur und bei der Integration mit mehrfachem Landeswechsel nichts. Gleiches gilt, soweit die Möglichkeit eines Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) im Kindesalter angesprochen wird. Selbst wenn sich diese Diagnose nachträglich noch bestätigen liesse, wäre damit nichts gewonnen. Denn zuverlässige Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer als Folge eines solchen Syndroms drogenabhängig geworden wäre oder in anderer Weise relevant eingeschränkt wurde, liegen nicht vor und sind auch von der durch das Ambulatorium angeregten ergänzenden Abklärung nicht zu erwarten. Gegen die Annahme einer invalidisierenden Beeinträchtigung, ob nun durch ein ADHS oder andere gesundheitliche, namentlich psychopathologische Faktoren, im Kindes- oder Jugend-, aber auch im Erwachsenenalter spricht klar, dass der Versicherte imstande war, die obligatorische Schule zu besuchen, eine Lehre mit gutem Zeugnis der Lehrfirma, wenn auch ohne erfolgreichen Abschluss, zu absolvieren und in der Folge verschiedene Erwerbstätigkeiten mit durchwegs positiven Aussagen der Arbeitgeberfirmen zu seiner Arbeitsleistung auszuüben. Zudem bezog er in den Jahren 2002 und 2003 Arbeitslosentaggelder auf der Grundlage einer durch ihn angegebenen und von der Verwaltung akzeptierten Vermittlungsfähigkeit. Nach Lage der Akten bedurfte der Beschwerdeführer denn auch erst im Jahr 2004 ärztlicher Betreuung wegen psychischer Probleme. 3.3 Zu prüfen bleibt, ob eine invalidisierende psychisch bedingte Beeinträchtigung hinzugekommen ist. 3.3.1 Die Einweisung in das Sanatorium A.________ erfolgte aufgrund des vom Hausarzt erhobenen Befundes eines "wahrscheinlich drogeninduzierten depressiven Zustandes". Im Bericht des nach der Hospitalisation betreuenden Ambulatoriums B.________ vom 25. August 2004 wurde gestützt auf die Diagnosen einer schweren depressiven Episode, einer Polytoxikomanie und eines Benzodiazepinabhängigkeitssyndroms eine Arbeitsunfähigkeit von aktuell 50 % bescheinigt. Die berichterstattenden Ärzte führten hiezu aus, der Versicherte leide bei einer aktuell sehr schwierigen psychosozialen Situation unter einem depressiven Zustandsbild, welches sich im Anschluss an den stationären Kokainentzug entwickelt habe. Es sei davon auszugehen, dass eine Klärung der sozialen Situation zu einer deutlichen Verbesserung der depressiven Symptomatik führen könnte. Eine stundenweise Tätigkeit als Pizzakurier habe prompt zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung und Verbesserung der depressiven Situation geführt. Es sei daher äussert wichtig, den Versicherten wieder in einen regulären Arbeitsprozess zu integrieren, wobei für die beruflichen Prognosen auch relevant sei, eine Berufsausbildung abschliessen zu können. Langfristig sei bei den erwähnten Voraussetzungen mit einer vollständigen Wiedergewinnung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Vorderhand werde die antidepressive Medikation weitergeführt und der Benzodiazepinkonsum schrittweise reduziert. Im Verlaufsbericht vom 25. April 2005 stellten die Ärzte des Ambulatoriums die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie einer Störung durch multiplen Substanzgebrauch (Amphetamine, Kokain). Zum Verlauf wurde ausgeführt, die im letzten Bericht erhoffte Klärung der sozialen Situation und Besserung der depressiven Symptomatik sei nicht eingetreten. Aufgrund der deutlich reduzierten Belastbarkeit und der starken Stimmungsschwankunen werde die Arbeitsfähigkeit seit 1. August 2004 auf zwischen 70 und 100 % geschätzt. Es bestünden weiterhin eine insgesamt deprimierte Stimmung, Stimmungsschwankungen, Interesselosigkeit und Antriebslosigkeit. Im Hintergrund liege eine schwierige psychosoziale Situation mit Arbeitslosigkeit und verschiedenen familiären Belastungsfaktoren vor. Die berufliche Wiedereingliederung habe für den Patienten weiterhin einen hohen Stellenwert. Ein Arbeitsversuch als Taxifahrer sei auf ärztliches Anraten (Substanzkonsum / Psychopharmakotherapie) hin abgebrochen worden. Ein weiterer Arbeitsversuch als Pizzakurier sei wegen persönlichen Differenzen mit dem Arbeitgeber gescheitert. Auf Ablehnungen seiner Bewerbungen oder auf Anfragen von Behörden und Ämtern träten gereizt-dysphorische und stark depressive Zustandsbilder auf. Der Patient erlebe dann massive Insuffizienz- und Überforderungsgefühle. Hier zeige sich seine deutlich eingeschränkte Belastbarkeit. Zusätzlich wirkten sich ein weiterhin bestehender Cannabiskonsum sowie ein intermittierender Konsum von Amphetaminen ungünstig aus. Seit zwei Wochen sei es auch wieder zum Konsum von Kokain gekommen, was in der Vergangenheit zu psychotischen Zustandsbildern geführt habe. Hinsichtlich Benzodiazepinen hingegen bestehe derzeit Abstinenz. Der Gesundheitszustand sei seit dem letzten Bericht unverändert. In den psychotherapeutischen Gesprächen werde versucht, die Belastbarkeit des Patienten zu erhöhen und den Umgang mit Frustrationen und Kränkungen zu verbessern. Weiterhin werde versucht, eine Abstinenz von psychotropen Substanzen zu erzielen und den Versicherten für eine stationäre Entzugstherapie zu motivieren. Die aktuelle Pharmakotherapie der rezidivierenden depressiven Störung erscheine aufgrund des anhaltenden Konsums psychotroper Substanzen nicht sinnvoll. 3.3.2 Mit der Vorinstanz ist aufgrund dieser ärztlichen Aussagen davon auszugehen, dass das rezidivierende depressive Zustandsbild namentlich in der bestehenden, zumindest teilweise durch den Drogenkonsum geprägten, psychosozialen Problematik begründet liegt sowie durch diese unterhalten wird und dass bei einer Veränderung dieser Lebenssituation auch eine wesentliche Besserung der psychischen Befindlichkeit und damit der durch diese eingeschränkten Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann. Damit liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Gesetz und Rechtsprechung vor. Die letztinstanzlich aufgelegte Stellungnahme des Ambulatoriums B.________ vom 21. Dezember 2005 führt zu keiner anderen Betrachtungsweise. Zwar haben sich die anfänglichen positiven Prognosen der behandelnden Ärzte in der Tat bislang nicht erfüllt. Dies liegt indessen gerade darin begründet, dass die psychosoziale Problematik und der damit korrelierende Drogenkonsum gleich geblieben sind. Im Weiteren mögen Persönlichkeitszüge des Versicherten seine berufliche Wiedereingliederung erschweren. Ein psychischer Gesundheitsschaden, bei dem weiter anzunehmen ist, dass er die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit in relevanter Weise einschränkt, ist damit aber nicht dargetan. Entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unter Hinweis auf die Stellungnahme des Ambulatoriums B.________ vom 21. Dezember 2005 vertretenen Auffassung sind auch keine weiteren psychiatrischen Abklärungen erforderlich. Der relevante medizinische Sachverhalt lässt sich aufgrund der vorhandenen Arztberichte zuverlässig beurteilen. Einsprache- und angefochtener Entscheid sind somit rechtens.