Citation: 6B_1032/2023 E. 3.1.1

3.1.1. Die Vorinstanz verweist betreffend die persönliche Situation des Beschwerdeführers zunächst auf die Ausführungen der ersten Instanz. Diese erwägt, sowohl die Ehefrau des Beschwerdeführers als auch die Kinder verfügten über eine Niederlassungsbewilligung. Mit Ausnahme einer Tochter, die mit zwei Jahren in die Schweiz gekommen sei, seien die Kinder hier geboren und aufgewachsen. Sie seien alle volljährig und hätten ihre Ausbildung abgeschlossen. Lediglich der jüngste Sohn befinde sich noch in einem Praktikum als Hauswart, wobei er dieses im Sommer um ein Jahr verlängern werde, wodurch er über eine abgeschlossene Lehre verfügen werde. Die Kinder lebten noch zu Hause und es sei ihnen nicht zumutbar, die Schweiz zu verlassen. Dies gelte auch für die pflegebedürftigen Eltern des Beschwerdeführers. Deren Aufenthaltsstatus sei zwar unbekannt, aufgrund der langen Aufenthaltsdauer dürften jedoch auch sie über eine Niederlassungsbewilligung verfügen. Wegen ihres Alters und ihres Gesundheitszustandes sei ihnen ein Wegzug kaum zumutbar. Anders sehe es hingegen bei der Ehefrau des Beschwerdeführers aus. Sie sei mit 17 Jahren zusammen mit der ältesten Tochter in die Schweiz gekommen und habe sich seither um die Kinder bzw. später um die Eltern des Beschwerdeführers gekümmert. Sie verfüge über keine Ausbildung, habe in der Schweiz nie gearbeitet und sei gemäss den Angaben der Tochter auch in sprachlicher Hinsicht nicht integriert. Es sei ihr zumutbar, dem Beschwerdeführer nach Mazedonien zu folgen, sobald der Sohn seine Ausbildung abgeschlossen habe und selbständig sei. Aufgrund der Kinder und der Eltern des Beschwerdeführers berühre die Landesverweisung das durch Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens, weshalb eine umfassende Interessenabwägung im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK vorzunehmen sei. Der Beschwerdeführer habe in den Kellerräumlichkeiten des V.________-Gebäudes mit einer Pistole in Richtung zweier Personen geschossen, wobei das Projektil des einen Schusses auf dem Betonfussboden aufgeprallt sei, sich in Einzelteile zerlegt und den Beschwerdegegner 2 im linken Knie getroffen habe. Ihm sei es lediglich um seinen verletzten Stolz und darum gegangen, Rache zu üben. Die Beweggründe seien rein egoistisch gewesen und es habe zu keiner Zeit eine Notlage bestanden. Trotz eines 27-jährigen Aufenthalts könne nicht von einer gelungenen Integration gesprochen werden. Der Beschwerdeführer spreche zwar Deutsch, sei jedoch im vorliegenden Strafverfahren aufgrund mangelhafter Sprachkenntnisse auf einen Übersetzer angewiesen gewesen. In sozialer Hinsicht habe er ausserhalb seines ursprünglichen Kulturkreises keine Kontakte knüpfen können. Dies auch nicht durch die Kinder, die hier zur Schule gegangen seien. Stattdessen habe er sich - zumindest vor der Tat - hauptsächlich in einem durch sein Heimatland geprägten Umfeld bewegt. In beruflicher Hinsicht sei ihm zugute zu halten, dass er immer wieder gearbeitet habe, obschon ihm zufolge fehlender Ausbildung der Einstieg in den Schweizer Arbeitsmarkt nicht leicht gefallen sein dürfte. Dennoch habe es immer wieder Phasen der Arbeitslosigkeit gegeben, wobei er zeitweise auch vom Sozialamt unterstützt worden sei und entsprechende Schulden in Höhe von rund Fr. 60'000.-- angehäuft habe. Die berufliche Integration sei ihm daher nie ganz gelungen. Auch heute verfüge er über keine feste Anstellung und müsse von seinen Kindern finanziell unterstützt werden. Auf diese Unterstützung werde er auch in Mazedonien zurückgreifen können. Zwar dürfte es für den Beschwerdeführer in Mazedonien nicht leicht sein, eine Anstellung zu finden. Allein aufgrund der Tatsache, dass die wirtschaftlichen Bedingungen in der Schweiz besser als in seinem Heimatland seien, lasse sich jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten. Zumindest habe er in Mazedonien keine sprachlichen Hürden zu überwinden. Abgesehen davon seien die Resozialisierungschancen in seiner Heimat eher getrübt. Es lebten dort keine nahen Verwandten, so dass er nicht auf ein bestehendes Beziehungsnetz zurückgreifen könne. Im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Entscheids sei er seit drei Jahren nicht mehr dort gewesen, was jedoch auch mit der Covid-19-Pandemie zu tun haben dürfte. Davor habe der Beschwerdeführer sein Heimatland gemäss eigenen Angaben mindestens einmal pro Jahr während zwei Wochen besucht. Die Resozialisierungschancen in der Schweiz dürften sicherlich besser sein, lebe hier doch seine Familie, die ihn unterstützen könne. Allerdings habe ihn auch diese bisher nicht von der Begehung von Straftaten abhalten können. Im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Urteils liege die Tatbegehung vier Jahre zurück. In dieser Zeit habe sich der Beschwerdeführer alles andere als wohl verhalten und sei mehrmals erneut verurteilt worden. Eine Landesverweisung würde unweigerlich zu einer räumlichen Trennung des Beschwerdeführers von seinen vier Kindern, seinen Eltern und allenfalls auch seiner Ehefrau führen. Jedoch seien die Kinder aufgrund ihres Alters nicht mehr auf die Unterstützung durch die Eltern angewiesen. Im Gegenteil seien es vorliegend sie, die den Beschwerdeführer unterstützten. Sie seien in der Lage, alleine zu reisen und den Beschwerdeführer zu besuchen. Schliesslich sei ein Kontakt auch mittels moderner Kommunikationsmittel gewährleistet. Der Beitrag des Beschwerdeführers bei der Pflege seiner Mutter beschränke sich sodann im Wesentlichen darauf, diese zum Duschen in den oberen Stock zu tragen, wofür auch die Spitex avisiert oder der Sohn einbezogen werden könne. Andere Arbeiten, insbesondere die körperliche Pflege, würden weitestgehend durch seine Ehefrau wahrgenommen. Der Beschwerdeführer habe eine schwere Straftat begangen und es sei einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass diese nicht tödlich geendet habe. Die Tat sei aus nichtigem Anlass erfolgt, der Beschwerdeführer sei mehrfach vorbestraft und während laufendem Strafverfahren erneut straffällig geworden. Er habe bereits mehrfach die Chance erhalten, sich zu bewähren, wobei ihn nichts von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten scheine. Dass er seine Alkoholproblematik habe behandeln lassen, sei nicht belegt und von angeblich abgegebenen Urinproben hätten anscheinend weder seine Tochter noch sein Anwalt gewusst. Es bleibe fraglich, ob sich der Beschwerdeführer ernsthafte Gedanken über seine Zukunft gemacht habe. Angesichts von Art und Schwere der begangenen Straftat, der fehlenden Integration und der offensichtlichen Unbelehrbarkeit des Beschwerdeführers erscheine die Landesverweisung mit Blick auf den von Art. 8 EMRK garantierten Anspruch auf Achtung des Familienlebens als verhältnismässig. Da die aufenthaltsbeendende Massnahme zudem gesetzlich vorgesehen sei und einen legitimen Zweck verfolge, erweise sie sich auch unter dem Blickwinkel von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als rechtmässig. Selbst bei Vorliegen eines Härtefalls überwiege damit das öffentliche Interesse an der Landesverweisung die privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz.