Citation: 1P.437/2004 01.12.2004 E. 5

Das Appellationsgericht hat bei seiner Beweiswürdigung verschiedene Elemente berücksichtigt, welche seiner Meinung nach die Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin belegten. Zwar seien in den Aussagen in gewissen Punkten, auch soweit sie das Kerngeschehen beträfen, kleinere Abweichungen und Ungereimtheiten zu erkennen, doch handle es sich dabei um letztlich bedeutungslose Details, an die sich die Beschwerdegegnerin eben nicht präzis habe erinnern könne. 5.1.1 Als überzeugend erachtet das Appellationsgericht insbesondere die Aussage der Beschwerdegegnerin, wonach der Beschuldigte seinen Gürtel leicht zusammengerollt vor ihr auf den Tisch gelegt habe und sich dieser wieder leicht gelöst habe. Die Erwähnung des Gürtels beinhalte ein auffälliges Detail, welches bei der geschilderten Masturbationsszene nicht notwendigerweise dazu gehört hätte und welches die Beschwerdegegnerin nicht erfunden haben könne. Als Besonderheit nennt das Appellationsgericht auch, dass die Beschwerdegegnerin die Boxershorts des Beschuldigten erwähnt hatte. Der Beschuldigte habe in der zweiten Verhandlung erklärt, er trage nicht nur gewöhnliche Slips, sondern auch Boxershorts. Letztere habe er als sehr bequem bezeichnet. Von dieser Gewohnheit habe die Beschwerdegegnerin nichts wissen können, wenn sich der Vorfall nicht wirklich zugetragen hätte. Der vom Beschuldigten beauftragten Gutachterin hält das Appellationsgericht entgegen, sie habe nicht berücksichtigt, dass die Beschwerdegegnerin ihre Faulheit und ihr Desinteresse an der Arbeit zugestanden habe und überdies den Beschuldigten insofern entlastet habe, als dieser sie nach ihren eigenen Angaben nie angefasst und auch nicht eingeschüchtert oder bedroht habe. Wenn der Beschuldigte neben der Beschwerdegegnerin gestanden habe und in seinen Boxershorts an seinem Glied manipuliert habe, sei es aus Sicht des völlig schockierten und peinlich berührten Opfers egal gewesen, ob er dies ein- oder zweihändig getan habe, wie weit seine Hose genau heruntergezogen bzw. -gerutscht war, wie stark der von ihm auf den Tisch gelegte Gürtel zusammengerollt bzw. -gelegt war und wo sie während des Vorfalls ihre Hände gehabt habe. Der Umstand, dass in solchen Nebensächlichkeiten nicht stets gleichlautende Aussagen erfolgt sind, stellt für das Appellationsgericht keinen Grund dar, die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussagen ernsthaft in Zweifel zu ziehen. 5.1.2 Dem Appellationsgericht ist darin zuzustimmen, dass es durchaus nachvollziehbar und verständlich ist, dass die Beschwerdegegnerin gemäss eigener Aussage nicht zum Beschuldigten hingeschaut hat, sondern aus Angst und Scham wie gelähmt gewesen sei und vor sich auf den Tisch gestarrt habe. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, vermag in keiner Weise zu überzeugen. Es ist durchaus vorstellbar, dass das Mädchen nach einem Blick die Situation erfasst hat und dann nicht mehr hingeschaut hat. So hat die Beschwerdegegnerin vor der Statthalterin am 18. Oktober 2002 zu Protokoll gegeben, es sei ihr klar gewesen, "was für Bewegungen es waren" (Protokollabschrift S. 7). Mit dem Appellationsgericht ist davon auszugehen, dass es sich bei der Schilderung des Gürtels und der Art und Weise, wie er auf dem Testblatt lag, um eine Einzelheit handelt, welche bei einer erfundenen Geschichte kaum Erwähnung gefunden haben dürfte. Gleiches gilt für die Boxershorts. Die Argumentation des Beschwerdeführers, nahezu jeder Mann trage irgendwann Boxershorts, ist unbehelflich. Ob die Beschwerdegegnerin von sich aus gesagt hatte, sie sei faul oder erst auf Nachfrage der Untersuchungsbeamtin, durfte das Appellationsgericht als unwesentlich erachten. Die Beschwerdegegnerin hat damit zugestanden, dass sie während der Schnupperwoche nicht die erwartete Leistung erbracht hat. Wenn das Appellationsgericht dies als Eingeständnis einer eigenen Schwäche und damit als weiteres Indiz für die Glaubhaftigkeit der Beschwerdegegnerin gewertet hat, ist dies verfassungsrechtlich keinesfalls zu beanstanden. Das Appellationsgericht musste der Beschwerdegegnerin im Übrigen nicht entgegenhalten, dass sie nicht von sich aus erwähnt hatte, der Beschwerdeführer habe sie ansonsten nie belästigt. Für die Beschwerdegegnerin dürfte in erster Linie der eigentliche Tathergang im Vordergrund gestanden haben. Inwiefern der Beschwerdeführer darin offensichtlich eine Falschaussage erkennen will, ist nicht ersichtlich und wurde auch nicht rechtsgenüglich dargetan (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). 5.1.3 Nicht gegen die Glaubhaftigkeit der Beschwerdegegnerin spricht nach Auffassung des Appellationsgerichtes, dass Letztere den Knopf eines Fahrstuhls durch einen Fusstritt beschädigt und diesen Vorfall in der erstinstanzlichen Verhandlung in Abrede gestellt hatte. Wie der Abwart anlässlich des Augenscheins zum Ausdruck gebracht habe, sei jener Fusstritt aus "Blödsinn" resp. Übermut im Beisein eines anderen Schnupperlehrlings erfolgt, weshalb er die Sache humorvoll aufgenommen und die entsprechende kleine Reparatur vorgenommen habe. Weder habe er einen Rapport noch eine Ermahnung gegenüber dem Mädchen für nötig erachtet. Soweit er sich erinnern könne, habe er nicht einmal den Beschuldigten informiert. Der Umstand, dass der Vorfall für die Beschwerdegegnerin keinerlei Folgen gehabt hat, ist nach Meinung des Appellationsgerichts auch eine Erklärung dafür, warum sie diesen vergessen habe. Diese Schlussfolgerung ist keineswegs stossend, wie der Beschwerdeführer geltend macht. Soweit der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, diese Beurteilung stehe in klarem Widerspruch zur tatsächlichen Situation, überzeugt seine Argumentation nicht. Er stellt lediglich die Behauptung in den Raum, der Hauswart habe sich nach 2 1/4 Jahren nicht mehr erinnern können, ob er mit dem Beschwerdeführer gesprochen habe. Somit könne ein solches Gespräch tatsächlich stattgefunden haben. Nur weil die erste Instanz sich geweigert habe, den Zeugen zu befragen, könne die Erinnerungslücke des Hauswartes nicht zu Lasten des Beschwerdeführers ausgelegt werden. Es sei von seiner Version auszugehen, nach welcher er vom Hauswart auf die Liftbeschädigung aufmerksam gemacht worden sei und hierauf die Beschwerdegegnerin darauf angesprochen habe. Er unterstellt damit dem Abwart eine Erinnerungslücke, will aber der Beschwerdegegnerin eine solche nachgerade nicht zugestehen. Damit zeigt er nicht auf, inwiefern die Beurteilung des Appellationsgerichtes unhaltbar sein soll (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). 5.2 Weiter ist für das Appellationsgericht kein Motiv für eine falsche Anschuldigung durch die Beschwerdegegnerin erkennbar. Der Beschwerdeführer sei lediglich ihr Vorgesetzter während einer Schnupperlehrwoche gewesen, mit dem sie nach deren Beendigung am Tag nach Absolvierung des Tests nichts mehr zu tun gehabt hätte. Weshalb sie ihn in dieser Situation zu Unrecht hätte beschuldigen sollen, sei unerfindlich, zumal es auch nach seiner Darstellung keine besonderen Schwierigkeiten und Differenzen zwischen ihnen gegeben habe. Weshalb diese Einschätzung durch das Appellationsgericht willkürlich sein soll, vermag der Beschwerdeführer wiederum nicht darzutun. Seines Erachtens wäre nachvollziehbar, dass man nach einem desolaten Abschlussgespräch nicht mehr für einen einzigen Tag an der Arbeitsstelle auftauchen will. Eine Bewertung einer Schnupperlehre sei zudem ein vorzeigbares Papier, welches zumindest in der Schule mit der Lehrerschaft besprochen werde. "Unplausibel" sei damit die Motivationslage der Anzeigestellerin für eine Falschbeschuldigung jedenfalls nicht. Mit dieser Wortwahl macht der Beschwerdeführer selber deutlich, dass die gegenteilige Annahme des Appellationgerichtes in keinem Fall stossend ist. Der vom Beschwerdeführer genannte Beweggrund gibt kaum Anlass dazu, jemanden fälschlich eines derartigen Straftatbestandes zu bezichtigen.