Citation: 1P.501/2000 22.12.2000 E. 4

4.- Wollte man entgegen dem vorhin Ausgeführten auf die Beschwerde mit Bezug auf die Beweiswürdigung dennoch eintreten, erwiese sie sich aufgrund der nachfolgenden Erwägungen als unbegründet. a) Das Obergericht hat seine Beweiswürdigung in überzeugenden allgemeinen Erwägungen methodisch fundiert. Es ist dabei insbesondere auf die Problematik eingegangen, dass bei Sexualdelikten oft Aussage gegen Aussage steht und dritte Tatzeugen selten sind. Im Hinblick darauf hat es in sachgerechter Weise die Kriterien dargestellt, die nach der Erfahrung gewisse Anhaltspunkte zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Aussagen liefern. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen hat es erwogen, dass S.________ Hergang und Ablauf der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Vergewaltigung im Kern konstant und widerspruchsfrei, plastisch und mit signifikanten, situativ stimmigen Details, die auf reales Erleben schliessen lassen, geschildert hat. Der Beschwerdeführer vermag mit seiner Beschwerde keine ernsthaften Zweifel an dieser Beweiswürdigung zu begründen, wie nachfolgend im Einzelnen zu zeigen ist. b) Der Beschwerdeführer stellt die Glaubwürdigkeit von S.________ in Frage und weist hierfür etwa darauf hin, dass diese damals drogensüchtig war, ihr Diebstähle vorgeworfen wurden und sie ihn menschlich versetzt habe. Solche Hinweise mögen belegen, dass die Drogensucht S.________s sich auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen auswirkte. Das macht aber Aussagen, die den persönlichen Intimbereich bzw. die sexuelle Integrität betreffen, nicht unglaubwürdig; ebenso wenig der Umstand, dass S.________ sich erst etwa ein Jahr nach der behaupteten Vergewaltigung gegenüber der Untersuchungsbehörde darüber äusserte. Bei verschiedenen Zeugen, die sich nachteilig über Charakter und Glaubwürdigkeit von S.________ äusserten, fällt sodann auf, dass sie in früheren Verfahrensphasen S.________ weniger negativ beurteilten als in späteren. Die Überlegungen, mit denen das Obergericht begründet, weshalb es den früheren Zeugenaussagen höheres Gewicht beimisst, sind indessen durchaus überzeugend und nachvollziehbar und werden durch die Beschwerde nicht in Frage gestellt. c) Der Beschwerdeführer stellt die Glaubwürdigkeit S.________s auch mit Bezug auf Einzelheiten ihrer Schilderung des Tathergangs in Frage. Das Obergericht hatte angenommen, der Beschwerdeführer habe die Tür des Badezimmers, in welchem sich S.________ befand, aufgebrochen, diese mit einer Pistole bedroht, sie an den Haaren durch die Wohnung gezerrt und schliesslich vergewaltigt. Der Beschwerdeführer erachtet die Aussage S.________s bezüglich des Aufwuchtens der Badezimmertür als durch einen Bericht der Stadtpolizei Bern widerlegt. Darin führt jene Polizeistelle aus, dass die Hausverwaltung nach ihren Angaben keine Reparaturen an Türen oder Türrahmen vorgenommen und die Polizei ihrerseits keine Schäden festgestellt habe; sie folgert daraus, dass auch der Beschwerdeführer an der Tür keine Reparaturen ausgeführt habe. - Wie das Obergericht ausführt, ist der Polizeibericht wenig aussagekräftig. Weder werden die getroffenen Abklärungen genannt noch die Schlussfolgerungen näher begründet. Die Annahme des Obergerichts, dass dieser Bericht eine Reparatur nicht ohne weiteres ausschliesst, ist vertretbar. Die Aussagen des Beschwerdeführers hiezu sind ihrerseits wenig erhellend. Dieser will sich nicht mehr erinnern, die Tür aufgedrückt zu haben, erwähnt dann aber gleichwohl, dass er S.________ einmal - in einem andern Zeitpunkt - aus dem Badezimmer "holte". C.________ bestätigt, dass ihm der Beschwerdeführer einmal erzählt habe, er habe die Badezimmertür aufgebrochen, als sich S.________ dort eingeschlossen hatte; dies müsse im September oder Oktober 1996 gewesen sein. Auf Vorhalt erachtete es der Beschwerdeführer als möglich, sich einmal in diesem Sinne gegenüber C.________ geäussert zu haben. Der Beschwerdeführer wendet ferner ein, es sei "kaum vorstellbar", dass S.________ "an den Haaren über den Boden" ins Schlafzimmer gezerrt und auf das Bett geworfen worden sei; ein solches Vorgehen hätte Verletzungen verursacht und Spuren an der Kopfhaut hinterlassen. Der Beschwerdeführer setzt sich indessen auch in dieser Hinsicht nicht mit der Beweiswürdigung des Obergerichts auseinander. Dieses nahm aufgrund der Aussagen S.________s an, sie sei, als sie vom Beschwerdeführer an den Haaren ins Schlafzimmer gezerrt wurde, noch immer auf den Füssen gestanden; entgegen der Ausführungen in der Beschwerdeschrift ging es damit nicht davon aus, dass das Opfer "an den Haaren über den Boden geschleift" wurde. Bei der Annahme des Obergerichts sind Verletzungen - die von S.________ auch nicht beklagt wurden - keineswegs zwingend. Die Version des Beschwerdeführers ist daher nicht geeignet, die Beweiswürdigung des Obergerichts zu erschüttern. d) Ferner wendet der Beschwerdeführer ein, dass sich verschiedene Zeugen widersprüchlich über Aussagen S.________s zu den dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Sexualdelikten äusserten. Bei diesen Äusserungen handelt es eher um einzelne Erinnerungsfetzen als um zusammenhängende Schilderungen von konkret namhaft gemachten Aussagen S.________s und sind daher von geringer Bedeutung, zumal verschiedene Zeugen sich in den späteren Verfahrensphasen anders über S.________ äusserten als in früheren. Bedeutsam hingegen scheint, dass der Zeuge M.________, dem S.________ gesagt hatte, dass sie vom Beschwerdeführer mit einer Waffe bedroht und zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sei, dieser Schilderung Glauben schenkte und den Beschwerdeführer darauf ansprach. Auch R.________ hatte sie über vom Beschwerdeführer erzwungenen Sexualkontakt berichtet, und diesem erschienen die Angaben nach seinen Aussagen als Auskunftsperson vor dem Untersuchungsrichter glaubhaft; er schilderte plastisch, wie S.________s "jedes Mal am ganzen Körper gezittert hat, als sie mir das erzählt hatte". Auch die Mutter S.________s schildert vergleichbare körperliche Symptome. Von Gewalttätigkeiten des Beschwerdeführers berichtet ferner T.________. - Gesamthaft haben diese auf Hörensagen gestützten Schilderungen dieser Zeugen einen deckungsgleichen Kern. Hingegen bleiben die Aussagen dieser Beweispersonen meist im Unbestimmten, wenn sie S.________ in späteren Verfahrensphasen Unglaubwürdigkeit vorwerfen. Alles in allem wird die Beweiswürdigung des Obergerichts durch die Hinweise des Beschwerdeführers auf widersprüchliche Aussagen Dritter nicht erschüttert. e) In der Beschwerde wird ferner nichts Durchschlagendes gegen die Erwägung des Obergerichts vorgebracht, dass der Beschwerdeführer und sein Aussageverhalten wenig glaubwürdig erscheinen. Wie schon die Erstinstanz legt auch das Obergericht eingehend dar, dass der Geständniswiderruf des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit den Drogendelikten an sich unglaubwürdig war und auch mit Bezug auf seine Begründung nicht überzeugte. Bei den vom Beschwerdeführer dafür angegebenen Motiven ist wenig glaubhaft, dass er zunächst S.________ habe schonen wollen und dass er die Einvernahme bei der Polizei nicht ernst genommen habe und die Sache daher so rasch wie möglich hinter sich bringen wollte; ebenso wenig die Aussage, er habe bei seinen ersten Einvernahmen noch unter der Einwirkung seines Drogenkonsums bzw. dessen Folgen gestanden. Auch im Zusammenhang mit den Sexualdelikten erachtet das Obergericht die Aussagen des Beschwerdeführers als nicht glaubwürdig. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang zunächst die diffusen, wenig klärenden Äusserungen des Beschwerdeführers zur Frage, ob er die Badezimmertür eingedrückt habe. Widersprüchlich sind auch seine Angaben, ob er Handfeuerwaffen in seiner Wohnung aufbewahrte oder nicht bzw. ob die Waffen, die er in der Wohnung hatte, geladen waren oder nicht. Dass er S.________ gelegentlich schlug, gibt er zu, wobei allerdings das von ihm auf Vorhalt Zugegebene relativ geringfügig ist und mit den Äusserungen S.________s und Dritter kontrastiert. Schliesslich ist in den Depositionen des Beschwerdeführers auch eine Tendenz ersichtlich, den Zeitpunkt der Trennung von S.________, den er zunächst auf etwa Anfang November angesetzt hatte, auf Anfang oder Mitte Oktober und sogar auf September 1996 vorzuverlegen. Nach durchaus nachvollziehbarer Auffassung des Obergerichts will der Beschwerdeführer damit dartun, dass eine Vergewaltigung Ende September/Anfang Oktober, wie dies S.________ behauptet hatte, nicht möglich gewesen sei, da die beiden damals nicht mehr zusammen gewohnt hätten. Es ist in diesem Zusammenhang nicht ersichtlich, dass beim Beschwerdeführer namhaft gemachte Widersprüche auf untersuchungsrichterliche Vorgaben zurückgehen; jedenfalls nennt die Beschwerde keine solchen Beispiele. Was die Beschwerde zum fehlenden Motiv des Beschwerdeführers, S.________ zu vergewaltigen, ausführt, ist ebenso wenig stichhaltig, weil sich solche Verbrechen in ganz besonderem Mass durch das Fehlen einer adäquaten Motivlage auszeichnen. Selbst Beweispersonen, die sich negativ über S.________ äussern, haben jedoch beim Beschwerdeführer einen Hang zu Gewalttätigkeit festgestellt und - wie aus ihren früheren Aussagen hervorgeht - die Angaben S.________s ernst genommen. f) Gesamthaft ist die Beweiswürdigung des Obergerichts nicht zu beanstanden. Sie geht sorgfältig auch auf Einzelheiten der Sachdarstellung des Beschwerdeführers, S.________s und der einvernommenen Beweispersonen ein. Sie hält auch zu Recht fest, dass S.________ im Kern konstant und glaubwürdig aussagt, während dies beim Beschwerdeführer nicht der Fall ist und auch die Aussagen Dritter, die in späteren Phasen sich negativ über S.________ äussern, viel unspezifischer als deren früheren, für S.________ günstigeren Angaben sind. Soweit sich die obergerichtliche Beweiswürdigung von derjenigen der Erstinstanz entfernt und S.________ höhere Glaubwürdigkeit beimisst als die Vorinstanz, sind die entscheidenden Erwägungen durchaus nachvollziehbar. Der von der Erstinstanz als Widerspruch erachtete Umstand, dass S.________ die Waffe, mit der der Beschwerdeführer sie bedroht habe, in ihrer Aussage vom 4. März 1998 als "dunkel und eher klein" erinnert, während sie am 28. Oktober 1998 zu Protokoll gab, dass die Waffe "für mich ... riesengross" war, erklärt das Obergericht zwanglos dadurch, dass S.________ das erste Mal schilderte, wie die Waffe aussah, und das zweite Mal ihre eigene Empfindung wiedergab. Auch die von ihrer Mutter und von R.________ geschilderten Angstsymptome legen eine solche Beurteilung nahe. Die Erwägung des Obergerichts, dass die Aussagen S.________s derart detailliert, logisch und übereinstimmend seien und dass eine Bewusstseinsstörung in jenem Moment ausgeschlossen werden könne, ist aufgrund der Aussagen nachvollziehbar. Insbesondere in den beiden Einvernahmen, in denen S.________ eingehend zum Hergang befragt wurde, sind die Schilderungen annähernd deckungsgleich, plastisch und atmosphärisch stimmig. Dafür, dass S.________ dem von ihr berichteten Vorgang bei vollem Bewusstsein so erlebt hat, spricht auch ihr Hinweis, sich nach der von ihr berichteten Vergewaltigung mit Drogen sinngemäss betäubt zu haben. Die bereits eingangs erwähnten Grundlinien dieser Beweiswürdigung sind daher gesamthaft überzeugend und werden durch die Beschwerdevorbringen nicht ernsthaft erschüttert. Die Beschwerde erwiese sich daher materiell als unbegründet, soweit auf sie überhaupt eingetreten werden könnte.