Citation: 5C.81/2001 14.01.2002 E. 5

5.- Die Vorinstanz hat verbindlich festgestellt, dass die Beklagte für den Kauf des Hauses in Y.________ Fr. 35'000.-- aus dem Eigengut geleistet hat. Diese Summe sei in unveränderter Höhe auch in die Liegenschaft in X.________ investiert worden. Der (Netto-)Erlös aus dem Verkauf der Liegenschaft in Y.________, der nach der Grundstückgewinnsteuererklärung Fr. 5'764.-- betragen habe, sei ebenfalls für den Kauf des Wohnhauses in X.________ verwendet worden. a) Die Beklagte macht ein Versehen (Art. 55 Abs. 1 lit. d und Art. 63 Abs. 2 Satz 2 OG) geltend mit der Begründung, der Betrag von Fr. 5'764.-- entspreche der Grundstückgewinnsteuer. Sodann sei das Wohnhaus Z.________ mit ihren Fr. 35'000.-- und einem Hypothekardarlehen von Fr. 250'000.-- zum Preis von Fr. 285'000.-- gekauft worden. Weil die Liegenschaft am 26. Oktober 1988 für den Betrag von Fr. 725'000.-- verkauft worden sei, müsse von einem Wertsteigerungsfaktor von 2,54 ausgegangen werden mit der Folge, dass der ursprüngliche Betrag von Fr. 35'000.-- um den Gewinn zu erhöhen sei und ihr in diesem Punkt somit Fr. 88'900.-- angerechnet werden müssten. Darauf ist nicht einzutreten, weil ein allfälliger Mehrwert ohnehin nicht berücksichtigt werden könnte. Das Haus Z.________, das ebenfalls in hälftigem Miteigentum stand und zu den Errungenschaften der Parteien gehörte, ist in mehreren Schritten durch das Wohnhaus in X.________ ersetzt worden. Werden die Forderungen der Ehegatten in solchen Fällen bei der Veräusserung des ersetzten Gutes nicht geregelt, so richtet sich die Berechnung der Forderung von Art. 206 ZGB nach dem Wert des zuletzt erworbenen Gegenstandes (Botschaft vom 11. Juli 1979, BBl. 1979 II 1191 ff. Ziff. 222. 522 S. 1315 Abs. 3; Deschenaux/Steinauer/Baddeley, Les effets du mariage, Rz. 1311 S. 531; vgl. unter Verweis auf Art. 197 Abs. 2 Ziff. ZGB Hausheer/Reusser/Geiser, N. 59 zu Art. 206 ZGB). Daher ist die Forderung der Beklagten nach dem Wert des Wohnhauses in X.________ zu berechnen. b) Bundesrechtswidrig geht das Obergericht vor, indem es die Fr. 35'000.--, die die Beklagte aus ihrem Eigengut in die Liegenschaften investiert hat, güterrechtlich gleich wie die darlehensweise erhaltenen Fr. 100'000.-- behandelt. Denn bezüglich des Betrages von Fr. 35'000.-- hat das Eigengut der Beklagten Ersatzansprüche. Zunächst ist entsprechend dem bereits Dargelegten davon auszugehen, dass die Fr. 35'000.-- zur Hälfte für den Erwerb und die Überbauung der Miteigentumshälfte des Klägers an der Liegenschaft in X.________ verwendet worden sind, hat doch diese Summe Eigenkapital gebildet, ohne das schon die Liegenschaft in Y.________ nicht hätte erworben werden können. Somit steht dem Eigengut der Beklagten zunächst eine Forderung von Fr. 17'500.-- gegenüber der Errungenschaft des Klägers zu, die zum Nennwert einzusetzen ist (E. 4 hiervor). Die andere Hälfte hat die Beklagte aus ihrem Eigengut in ihre eigene Miteigentumshälfte investiert. Insoweit ist eine Ersatzforderung des Eigenguts der Beklagten gegenüber ihrer eigenen Errungenschaft entstanden. Diese Hälfte der Forderung ist aber nicht im vollen Umfang von Fr. 17'500.-- einzusetzen, weil nach Art. 209 Abs. 3 ZGB ein Minderwertabzug angebracht werden muss. Dieser wird - wie der Mehrwert nach Art. 206 Abs. 1 ZGB - durch Vergleich des Anfangswertes mit dem Endwert errechnet (System der variablen Ersatzforderung; Hausheer/Reusser/Geiser, N. 47 ff. und 51 zu Art. 209 ZGB i.V.m. N. 31 und 33 zu Art. 206 ZGB; H. Hausheer, La participation aux plus-values et aux moins-values selon les articles 206 und 209 CC, in: Le nouveau droit du mariage, CEDIDAC, 2. unveränd. Aufl. 1987, S. 63 f.). Da die Parteien übereinstimmend davon ausgehen, in die Liegenschaft X.________ seien gemäss Baukostenabrechnung insgesamt Fr. 1'974'012.-- investiert worden, dürfen sie darauf behaftet werden (z.B. BGE 125 III 193 E. 2b S. 208; 123 III 246 E. 4b a.E. S. 252; 119 II 333 E. 5b S. 336). Infolgedessen ist die Ersatzforderung des Eigenguts der Beklagten gegenüber ihrer Errungenschaft gemäss Art. 209 Abs. 3 ZGB im Verhältnis zwischen dem Zwangsverwertungserlös und dem Investitionswert zu kürzen und wie folgt festzusetzen: Fr. 1'170'000.-- ---------------- x Fr. 17'500.-- = Fr. 10'372. 30 Fr. 1'974'012.--