Citation: 2C_542/2016 E. 4.4

4.4. Mit Verfügung vom 6. Januar 2011 hat das Migrationsamt des Kantons Luzern den Zuzug des Beschwerdeführers vom Kanton Aargau in den Kanton Luzern gutgeheissen und diesem den Widerruf der Niederlassungsbewilligung angedroht für den Fall, dass sein Verhalten künftig erneut zu Klagen Anlass geben oder dieser erneut straffällig werden sollte, und ihn deshalb eindringlich verwarnt. Gestützt auf die verschiedenen strafrechtlichen Verfehlungen und Schulden ist das Migrationsamt zum Schluss gekommen, dass der Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zwar gegeben sei, der Widerruf aber den Umständen entsprechend noch nicht angemessen gewesen wäre, weshalb dem Beschwerdeführer eine letzte Chance zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, um die Schulden abzubauen bzw. keine mehr anzuhäufen, gegeben werden sollte. Das Migrationsamt hat sich somit bereits in der Verfügung vom 6. Januar 2011 auf den Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG gestützt. Diese Verfügung ist in Rechtskraft erwachsen (dazu 2C_1018/2016 vom 22. Mai 2017 E. 3.2). Genügten somit bereits die in der Verfügung vom 6. Januar 2011 aufgeführten Verfehlungen, um den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu erfüllen, bedarf es für die erneute Erfüllung dieses Widerrufsgrundes nur noch geringerer Anforderungen. Dies bedeutet zwar nicht, dass bei jedem noch so geringfügigen weiteren Delikt eine aufenthaltsbeendende Massnahme ergriffen werden müsste, doch hat sie zur Folge, dass die Eingriffsschwelle abgesenkt wird gegenüber einem erstmaligen Setzen von Widerrufsgründen (vgl. 2C_451/2015 vom 28. April 2016 E. 5). Dabei ist auf Sinn und Zweck der Verwarnung zu achten: Personen sollen nach der Verwarnung einen Entwicklungs- und Reifeprozess durchgemacht haben. Insgesamt soll ein tragfähiges Zukunftsprojekt ersichtlich sein, welches eine allfällige Rückfallgefahr auf ein hinzunehmendes Mass reduziert (vgl. Urteil 2C_503/2016 vom 8. Dezember 2016 E. 3.4).