Citation: U 80/01 11.07.2003 E. 4

Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen von einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung ausgegangen, erachtete aber die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen (vgl. hierzu: BGE 119 V 337 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b) im Vergleich zur psychischen Problematik als ganz in den Hintergrund getreten, weshalb sie für die Adäquanzbeurteilung die in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze für massgebend betrachtete. Der Beschwerdeführer will die in BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4a festgelegten Kriterien angewendet wissen. 4.1 Der erstbehandelnde Arzt Dr. F.________ diagnostizierte am 16. Januar 1995 ein Cervicovertebralsyndrom bei Schmerzen im Bereich der HWS. Weitere dem Schleudertrauma eigene Symptome blieben in diesem und folgenden Arztberichten zunächst unerwähnt; so etwa auch im vom Neurologen Dr. R.________ am 22. Mai 1995 erstellten Bericht, worin die Verletzung mit Blick auf den genauen Geschehensablauf mit Prellungstrauma der HWS und im Hinterhauptbereich und anschliessendem cervicalen Verhebetrauma umschrieben ist. Von ärztlicher Seite werden erstmals von der Klinik A.________ im Austrittsbericht vom 29. Mai 1996 weitere Symptome wie Gleichgewichtsstörungen, Visusprobleme, Konzentrationsstörungen, Erbrechen und Kribbelparästhesien erwähnt. Dies nachdem der Versicherte erstmals am 28. März 1995 gegenüber der SUVA zu Protokoll gegeben hatte, neben Kopfweh auch an Schwindel und Übelkeit zu leiden. Etwa zur gleichen Zeit, als der Versicherte erstmals über Schwindel und Übelkeit berichtet hatte, äusserte Dr. B.________ am 27. März 1995 den dringenden Verdacht auf Somatisierung bei auffallender Persönlichkeit und empfahl eine psychiatrische Abklärung oder Behandlung. Eine (somatische) Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit erachtete er als nicht ausgewiesen. Auch der SUVA-Kreisarzt Dr. X.________ führte im Bericht vom 26. September 1995 aus, die Befunde seien vor allem subjektiver Natur und könnten nur sehr schwer objektiviert werden; der Versicherte sei zwischenzeitig auf die Beschwerden fixiert, zumal sich seine Lebenssituation nicht im positiven Sinne entwickelt habe. Damit sprach der Arzt u.a. die auf Anfang April 1995 erfolgte Kündigung der Arbeitsstelle durch die Firma, die finanziellen Probleme (Darlehensaufnahme bei einer Unternehmens- und Finanzberatung unter Abtretung künftiger Forderungen gegenüber der SUVA) sowie die in dieser Situation zusätzlich belastende Vaterschaft an. Später wies auch die Klinik A.________ im bereits erwähnten Austrittsbericht vom 29. Mai 1996 auf psychische Auffälligkeiten hin, indem der Verdacht auf eine prätraumatische narzisstische Persönlichkeitsstörung geäussert wurde. Der Neurologe Dr. H.________ bezeichnete sodann am 28. Oktober 1997 das Beschwerdebild als, vor allem was die neuropsychologischen und psychischen Komponenten anbelangt, recht eindrücklich; der Explorand wirke auffallend gedrückt, teils blockiert, habe Verständnisprobleme, verhalte sich teils inadäquat, verlangsamt und antriebsgehemmt; psychologische Faktoren wie die verringerte Akzeptanz der Beschwerden mit erschwerter Verarbeitung sowie protrahierte Billigung und Behandlung von medizinischer und Versicherungsseite seien wahrscheinlich; eine psychische und antidepressive Behandlung sei weiterhin angezeigt. Dr. H.________ bezeichnete die beim Unfall erlittene cervicale Distorsion angesichts der Schilderungen und des Ablaufs des Geschehens als eher geringeren Ausmasses und schätzte die Arbeitsfähigkeit aus rein theoretisch neurologischer Sicht als weitgehend vorhanden. Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung kam der für das Zentrum E.________ den neurologischen Status erfassende PD Dr. G.________, indem er die Beschwerden als äusserst diffus bezeichnete: Sie würden nicht im geringsten an irgendeinen neurologischen Kopf- und Gesichtsschmerz erinnern; sodann seien die Angaben zum Teil wechselnd und objektiv läge aus klinisch-neurologischer Sicht kein pathologischer Befund vor. Der den rheumatologischen Status erfassende Dr. Y.________ beschritt mit seiner Einschätzung einen ähnlichen Weg, indem er die Symptomatologie wie auch die klinische Befunderhebung als äusserst uncharakteristisch für ein somatisch determiniertes Leiden erklärte. Gleichzeitig wies er auf die bei der Untersuchung vorgefundenen inadäquaten Bewegungswiderstände und Gegeninnervationen hin, welche keinem körperlichen Leiden zuzuordnen seien. Die Schmerzangaben im Nackenbereich rechts bei der Beweglichkeitsprüfung des rechten Schultergelenkes, der BWS und LWS bezeichnete er sodann als nicht nachvollziehbar. Angesichts der diskreten organischen, rheumatologischen und neurologischen Befunde hielten die Experten des ZMB denn auch zusammenfassend fest, der Versicherte sei auf Grund der Befunde seitens des Bewegungsapparates sowohl als Maurer wie auch als Vorarbeiter vollständig arbeitsfähig, indessen beeinträchtige der psychiatrische Befund (vorbestehende histrionische Persönlichkeitsstörung mit Anteilen einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung; impulsiver Typ mit gleichzeitigen psychoreaktiven Komponenten im Sinne einer Unfallfehlverarbeitung) die Arbeitsfähigkeit in hohem Masse; er erkläre die Diskrepanz zwischen subjektiven und objektiven Befunden in den Fachbereichen Rheumatologie, Orthopädie und Neurologie hinreichend; auch die neuropsychologischen Befunde würden Auffälligkeiten zeigen, die auf eine psychogene Überlagerung hindeuteten. Angesichts der Ausführungen der einzelnen Experten erweist sich die vom Zentrum E.________ an anderer Stelle des Berichtes vom 19. Januar 1998 vorgenommene Gewichtung des Anteil des physischen Geschehens am Krankheitsbild mit einem Drittel als nicht nachvollziehbar. Vielmehr ist gesamthaft gesehen von einem dominierenden psychischen Beschwerdebild auszugehen. Die später getätigten ärztlichen Stellungnahmen lassen keine anderen Schlüsse zu. 4.2 Wie den dargelegten Arztberichten zu entnehmen ist, hat der Beschwerdeführer ein Distorsionstrauma der HWS - eine schleudertraumaähnliche Einwirkung - erlitten und die typischen Kopf- und Nackenschmerzen sind glaubhaft innert der Latenzzeit von 24 bis 72 Stunden aufgetreten (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29). Auch ist erstellt, dass der Versicherte mit der Zeit über weitere zu einem typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Einwirkung gehörige Symptome klagte. Diese traten aber, wie in Erw. 4.1 hiervor aufgezeigt, im Vergleich zur psychischen Problematik schon bald nach deren Auftreten derart in den Hintergrund, dass die Beurteilung des für die Leistungspflicht der SUVA als Unfallversicherer vorausgesetzten adäquaten Kausalzusammenhangs in Übereinstimmung mit der Vorinstanz unter dem Gesichtspunkt einer vorliegend als natürliche Unfallfolge ausgewiesenen psychischen Fehlentwicklung (BGE 115 V 133) vorzunehmen ist. Die physischen Beschwerden haben im Verlaufe der ganzen Entwicklung eine nur sehr untergeordnete Rolle gespielt.