Citation: 1B_612/2021 E. 2.3

2.3. Vorliegend fand am 8. Juli 2021 die erstinstanzliche Hauptverhandlung statt und der Beschwerdeführer wurde unter anderem wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Gemäss der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann aber ausnahmsweise auch nach Durchführung der erstinstanzlichen Hauptverhandlung noch Kollusionsgefahr bestehen. Wie sich den Akten entnehmen lässt, wurden anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sowohl das Opfer als auch die Zeugin erneut umfassend einvernommen. Ihre Aussagen stehen folglich mehrfach und präzise fest. Damit ist indes das Hauptargument der Strafbehörden, aufgrund dessen das Bundesgericht im den Beschwerdeführer betreffenden Urteil 1B_234/2020 vom 5. Juni 2020 E. 3.1 die Kollusionsgefahr als noch vorhanden beurteilte, weg gefallen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz hat sich die Ausgangslage entscheidend verändert. Dass in Bezug auf die Zielrichtung bei der Schussabgabe nach wie vor unterschiedliche Aussagen vorliegen, ist unbehelflich. Zum jetzigen Zeitpunkt des Strafverfahrens ist jedenfalls nicht mehr ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer tatsächlich noch die Möglichkeit hat, diese Beweismittel konkret zu beeinflussen bzw. zu manipulieren, so dass die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts vereitelt bzw. gefährdet würde. Ob allenfalls eine erneute Befragung des Opfers und der Zeugin anlässlich der anhängig gemachten Berufungsverhandlung stattfinden wird, ist unklar. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für die gemeinsame Tochter des Beschwerdeführers und des Opfers. Dabei ist anzumerken, dass die Tochter bereits an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht mehr einvernommen wurde. Die Vorinstanz hält in diesem Zusammenhang weiter fest, dass, anders als im den Beschwerdeführer betreffenden Urteil 1B_234/2020, keine anderen Beweismassnahmen wie die Einvernahme der Tochter bzw. des Waffenhändlers mehr im Raum stünden. Damit zeigt sie selbst auf, dass sich die Ausgangslage wesentlich verändert hat. Nach dem Gesagten ist nicht ersichtlich, welche konkreten Verdunkelungshandlungen vom Beschwerdeführer beim derzeitigen Verfahrensstand noch zu befürchten sind. Somit liegt einzig eine theoretische Möglichkeit vor, dieser könnte kolludieren. Dies reicht gemäss der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedoch zur Bejahung des besonderen Haftgrunds der Verdunkelungsgefahr nicht aus. Es verletzt demnach Bundesrecht, dass die Vorinstanz Kollusionsgefahr (Art. 221 Abs. 1 lit. b StPO) angenommen hat.