Citation: I 585/06 24.10.2006 E. 4

Gemäss Arztbericht des Externen Psychiatrischen Dienstes des Kantons Y.________ (EPD), vom 27. Januar 2004 besteht bei der Versicherten eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) und differentialdiagnostisch eine depressive Entwicklung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F34.0). Zudem wurde ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Auf ergänzende Fragen der IV-Stelle hielten die Ärzte des EPD mit Bericht vom 15. Januar 2005 fest, dass die Versicherte an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), an rezidivierenden depressiven Störungen, aktuell leichte Episode (ICD-10 F33.0) sowie differentialdiagnostisch an Dysthymia (ICD-10 F43.1) mit rezidivierenden depressiven Episoden ("double depression") leide. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, die Versicherte sei aktuell nicht in der Lage, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Es sei ihr aber zuzumuten, "für 2 bis 3 Stunden am Tag in einer körperlich leichten, angepassten Tätigkeit im geschützten Rahmen zu arbeiten". Dabei sei mit vermehrten Pausen zu rechnen. Zudem sei die Leistungsfähigkeit um 40 % reduziert. Im Bericht vom 14. April 2005 schätzten die Ärzte des EPD die Arbeitsfähigkeit bei im Wesentlichen gleich gebliebener Diagnose als weiter reduziert ein: ein bis zwei Stunden körperlich leichte, angepasste Tätigkeit und 50%ige Reduktion der Leistungsfähigkeit. Auf die Anfrage der IV-Stelle beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 11. März 2005, wie die zumutbare Arbeitsfähigkeit einzuschätzen und ob allenfalls eine ergänzende psychiatrische Abklärung angezeigt sei, antwortete der im RAD tätige Arzt, Dr. T.________, am 16. März 2005 wie folgt: Das Dossier der Versicherten sei am 15. März 2005 mit dem psychiatrischen Konsiliarius durchgegangen worden. Dieser gelange zum Schluss, dass die Diagnosen des EPD mit Blick auf die Definitionen der ICD-10 "sicher keine volle AUF [Arbeitsunfähigkeit] in der freien Wirtschaft" zur Folge hätten. "Ganz im Gegenteil muss nach den Kriterien der IV zur somatoformen Schmerzstörung ohne invalidisierende psychische Komorbidität [...] von einer vollen AF in adaptierter Tätigkeit (körperlich nicht stark belastende Tätigkeit, keine Schichtarbeit wegen des Diabetes) ausgegangen werden". Vor diesem Hintergrund ist für die Frage der Arbeitsfähigkeit in erster Linie entscheidend, ob die Versicherte die diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung überwinden kann oder ob sie nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt, wobei Letzteres nur in Ausnahmefällen anzunehmen ist. Ob ein solcher vorliegt, entscheidet sich nach den durch die Rechtsprechung entwickelten Kriterien (BGE 130 V 352). Zu Recht hat bereits die Vorinstanz festgestellt, dass diese Frage aufgrund der noch unzureichenden Aktenlage nicht beurteilt werden kann. Zwar nehmen die beiden letzten Berichte des EPD Stellung zu einigen der Ausnahmekriterien. Hingegen bleiben die Arztberichte dabei derart summarisch und ohne schlüssige Begründung, dass auf dieser Grundlage die Frage der Überwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung nicht beurteilt werden kann. Das Ungenügen dieser Stellungnahmen lässt sich etwa auch daraus ersehen, dass sie sich nicht dazu äussern, ob bzw. inwieweit die somatischen Beschwerden der Versicherten (z.B. der Diabetes mellitus Typ II) sich negativ auf ihre Ressourcen auswirken. Da der Aktenbericht des RAD vom 11. März 2005 "unter besonderer Berücksichtigung der Berichte und der Fragebeantwortung des EPD" (aber ohne eigene Untersuchung der Versicherten) erstellt wurde, haften ihm diese Schwächen in gleichem Masse an. Hinzu kommt, wie bereits vorinstanzlich festgehalten, dass sich Dr. T.________ nur zu einem der mehreren Ausnahmekriterien äusserte, nämlich zu einer möglichen psychischen Komorbidität.