Citation: 9C_650/2022 E. 2.1.4

2.1.4. Zum Vorbringen der Beschwerdeführerin, es gehe nicht an, anstelle der beschuldigten Person (Beschwerdeführerin) einfach eine andere Person (B.________) zu befragen, hat das Verwaltungsgericht erwogen, dass B.________ gemäss Handelsregister seit 1998 einziger Verwaltungsrat (mit Einzelunterschrift) der Beschwerdeführerin gewesen sei (was er übrigens immer noch sei). Für diese habe er somit in den hier in Frage stehenden Jahren 2008 bis 2013 Organstellung innegehabt sowie die Steuererklärungen 2008 bis 2013 (mit den Kürzeln A.B.________.) unterzeichnet und eingereicht. Deshalb dürfe von einer entsprechenden Bevollmächtigung in Steuerangelegenheiten ausgegangen werden. Die Beschwerdeführerin stelle eine Bevollmächtigung von B.________ durch sie denn auch nicht in Frage. Im hier zu beurteilenden Steuerhinterziehungsverfahren habe die Beschwerdeführerin aufgrund des Verbots des Selbstbelastungszwangs (Art. 6 Ziff. 1 EMRK) keine Mitwirkungspflicht getroffen. Zudem habe sie von der Unschuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV; Art. 6 Ziff. 2 EMRK) profitiert. Als juristischer Person sei ihr Beschuldigtenstellung und damit das in Strafverfahren übliche Recht auf Mitwirkung sowie Aussageverweigerung zugekommen. Im Strafverfahren werde die juristische Person durch eine (einzige) natürliche Person vertreten; diese rede (oder schweige) mit deren Stimme. Nachdem B.________ die Beschwerdeführerin im Jahr 2018 bereits im Nachsteuerverfahren und im Untersuchungsverfahren betreffend Steuerhinterziehung vertreten habe, habe er für die Beschwerdeführerin gegen den Strafbefehl vom 25. Februar 2019 mit Eingabe vom 27. März 2019 Einsprache erhoben und den Rechtsvertreter (Rechtsanwalt Prechtl) bekannt gegeben. Der Beschwerdegegner und die VRK als untere Rechtsmittelinstanz hätten unter diesen Umständen von einer Vertretung der Beschwerdeführerin im Strafverfahren durch den (einzigen) Verwaltungsrat B.________ (mit Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt Prechtl) ausgehen dürfen. Die Beschwerdeführerin habe im Verfahren vor der VRK von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen können und sich nicht selbst belasten müssen. Im Untersuchungsverfahren habe B.________ als einziges Verwaltungsratsmitglied der Beschwerdeführerin an den Befragungen vom 5. März 2015 sowie 20. Januar und 10. Februar 2016 jeweils die Aussage verweigert.