Citation: 6B_184/2020 E. 2.2.3

2.2.3. Nach Art. 146 Abs. 1 StGB müssen der Irrtum und die darauf beruhende Vermögensdisposition des Irrenden Folge der täuschenden Einwirkung durch den Täter sein (Motivationszusammenhang; BGE 128 IV 255 E. 2e/aa; 126 IV 113 E. 3a; MAEDER/NIGGLI, a.a.O., N 60 und 126 ff. zu Art. 146 StGB; GARBARSKI/BORSODI, a.a.O., N 96 ff. zu Art. 146 StGB; NYDEGGER, a.a.O., S. 299). Irreführung und Motiv der Vermögensverfügung müssen sich inhaltlich entsprechen (vgl. Urteil 6B_236/2020 vom 27. August 2020 E. 4.3.1). Wenn das Opfer "sich überzeugen lässt, ohne die vom Täter angebotene Arglist hinreichend zu würdigen" (JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, a.a.O., S. 78), ist - unter der Voraussetzung, dass die Täuschung überhaupt geeignet ist, beim anvisierten konkreten Opfer einen Irrtum zu bewirken (E. 2.1.3) - allenfalls ein versuchter Betrug gegeben. Die obigen Zitate von Opferaussagen illustrieren die Unterschiedlichkeit der Zahlungsmotive. Soweit die Selbstschädigung auf einen Irrtum über das Zustandekommen eines Vertrags anlässlich des telefonischen Rückrufs zurückzuführen war, verwirklichte sich die (vom Täter in erster Linie beabsichtigte) Täuschung über den Bestand einer vertraglichen Zahlungspflicht. Hier steht die Kausalität ausser Frage. Die Vorinstanz nimmt indessen an, dass viele Empfänger der fraglichen Rechnungen eine andere Vorstellung über den Bestand einer Geldschuld entwickelten. Danach haben etliche Rechnungsempfänger bezahlt, ohne die Rechnung dem angeblichen Abonnementsvertrag zuzuordnen, so etwa, weil sie vom Bestehen irgendeiner anderen Schuld ausgegangen sind. Es stellt sich die Frage, ob der Motivationszusammenhang zwischen Täuschung und Selbstschädigung mit Bezug auf diese Fälle ebenfalls gegeben ist. Wo Täter und Opfer in direktem Kontakt stehen, erfolgen die Täuschung und die darauf beruhende selbstschädigende Vermögensentäusserung regelmässig im Rahmen eines Vertrauensverhältnisses, das mit der betrügerischen Interaktion gezielt ausgenutzt wird (vgl. SÄGESSER, a.a.O., S. 153 ff. und 188 ff.). Der Massenbetrug hingegen adressiert einen offenen, anonymen Personenkreis. Bei dieser Ausgangslage sieht der typische Tatplan entsprechend unterschiedliche Kausalverläufe vor. Der erforderliche Motivationszusammenhang ist hier auch für Selbstschädigungen zu bejahen, die nur eingetreten sind, weil etliche Adressaten dem vorgetäuschten Schuldverhältnis aus praktischen Gründen unkritisch begegneten. Die Rechnungen mit auf den jeweiligen Empfänger abgestimmten Angaben waren nicht nur darauf angelegt, über den Abschluss eines Abonnementsvertrags zu täuschen. Das Kalkül des Beschwerdegegners schloss zweifellos auch die nach allgemeiner Lebenserfahrung naheliegende Möglichkeit ein, dass Rechnungsempfänger die vorgetäuschte Schuld (gerade mit Blick auf den relativ geringen Betrag) routinemässig und vertrauensselig, ohne nähere Prüfung des Grundes, begleichen würden (vgl. Urteil 6S.776/2000 vom 14. Mai 2001 E. 8). Haben schliesslich gewisse Empfänger aus blosser Furcht vor Unannehmlichkeiten bezahlt - d.h. etwa aufgrund einer falschen Vorstellung über zu gewärtigende Inkassomassnahmen -, so realisierte sich darin ein Ausnützen der menschlichen Scheu vor (juristischen) Auseinandersetzungen. Bei einem Massenbetrug nach vorliegendem Muster ist auch dieses Irrtums- und Handlungsmotiv Teil des Tatplans.