Citation: I 494/06 19.10.2006 E. 4.1

4.1.1 Die rechnerische Bestimmung von Validen- und Invalideneinkommen hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person steht. Übt sie nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung eine Erwerbstätigkeit aus, bei der besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind, ist weiter anzunehmen, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft und erscheint das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der damit erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 129 V 475 Erw. 4.2.1, 126 V 76 Erw. 3b/aa mit Hinweisen). 4.1.2 Bei selbständigerwerbenden Versicherten im Besonderen fällt die Ermittlung des Invaliditätsgrades aufgrund der konkreten beruflich-erwerblichen Situation namentlich dann ausser Betracht, wenn volks- und betriebswirtschaftliche Faktoren (u.a. Konjunkturlage und -entwicklung, Konkurrenzsituation, Mitarbeit von Familienangehörigen) die Geschäftsergebnisse vor und nach Eintritt des Gesundheitsschadens beeinflussen und die hinreichend genaue Bestimmung der auf dem eigenen Leistungsvermögen beruhenden Einkommensschöpfung nicht zulassen (AHI 1998 S. 254 Erw. 4a; Urteil D. vom 1. Mai 2006 [I 660/05] Erw. 2.2.1; vgl. auch AHI 1998 S. 122 f. Erw. 2c). Kann der nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung realisierte Verdienst nicht als Mass für das durch eine zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielbare Einkommen gelten, ist zu fragen, inwiefern der versicherten Person im Rahmen der Pflicht zur Selbsteingliederung (BGE 113 V 28 Erw. 4a; AHI 1997 S. 39 Erw. 4a; vgl. auch BGE 130 V 99 Erw. 3.2) die Aufgabe der aktuellen und die Ausübung einer anderen erwerblichen Beschäftigung zuzumuten ist. Dabei sind die gesamten objektiven und subjektiven Umstände in Betracht zu ziehen, wie Alter, Ausbildung und berufliche Karriere, Stabilität und Qualität des Arbeitsverhältnisses unter dem Gesichtspunkt der Eingliederung im Betrieb, Aussichten im konkreten Beruf, ferner Art und Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung sowie die noch zu erwartende Arbeitsdauer (AHI 2001 S. 283 Erw. 5a/bb, 1997 S. 39 Erw. 4a). In Anschlag zu bringen ist aber auch die familiäre Situation der versicherten Person (vgl. ZAK 1983 S. 257 Erw. 1, 1968 S. 475 Erw. 4). Im Rahmen der Pflicht zur Selbsteingliederung ist bei neuen Betätigungen indessen nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen (ZAK 1991 S. 320 Erw. 3b, 1989 S. 321 Erw. 4a; Urteil Z. vom 6. Juni 2005 [I 499/04] Erw. 3.2.2). Ist die Aufnahme einer anderen, allenfalls unselbständigen Erwerbstätigkeit nicht zumutbar, ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige zunächst anhand eines Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen und diese sodann im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung in der konkreten beruflichen Situation besonders zu gewichten (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 31 Erw. 1, 104 V 137 Erw. 2c mit Hinweisen; Urteil Z. vom 6. Juni 2005 [I 499/04] Erw. 3.2.3; vgl. auch Art. 25 Abs. 2 IVV). Ist dagegen die Ausübung einer anderen Erwerbstätigkeit als der aktuellen grundsätzlich zumutbar, ist die Invalidität nach der Einkommensvergleichsmethode auf der Grundlage von Tabellenlöhnen zu bemessen (BGE 129 V 475 Erw. 4.2.1, 124 V 321). 4.2 Die Beschwerdeführerin arbeitete auch nach dem Sturz vom 25. September 2001 und der Operation vom folgenden Tag (Osteosynthese einer pertrochanteren Femurfraktur rechts mit dynamischer Hüftschraube) im angestammten Beruf als Schaustellerin zusammen mit ihrem Ehemann. Die Vorinstanz hat die in der Replik beantragte Bemessung der Invalidität im erwerblichen Bereich bezogen auf die konkrete berufliche Situation oder allenfalls nach dem ausserordentlichen Bemessungsverfahren mit der Begründung abgelehnt, es könne nicht angenommen werden, dass die Versicherte ihre Restarbeitsfähigkeit im Rahmen ihrer selbständigen Tätigkeit optimal verwerte. Es sei ihr aus medizinischer Sicht jede - besser entlöhnte - Hilfsarbeitertätigkeit zuzumuten. Es dürfe demzufolge nicht auf den effektiven Verdienst im angestammten Tätigkeitsbereich der Schaustellerei abgestellt werden. 4.3 Mit dem kantonalen Gericht lässt sich das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erzielbare Einkommen aufgrund der von der Steuerverwaltung Basel-Stadt gemeldeten Einkommen 1998-2000 sowie der Eintragungen im individuellen Konto nicht hinreichend genau bestimmen. Anderseits kann bei der gegebenen Aktenlage nicht in zuverlässiger Weise beurteilt werden, ob die Versicherte die verbliebene Arbeitsfähigkeit im Schaustellerbetrieb in zumutbarer Weise voll ausschöpft oder nicht und ob ihr die Aufnahme einer anderen unselbständigen Erwerbstätigkeit zumutbar wäre, wie die Vorinstanz ohne nähere Begründung annimmt. Dr. med. G.________ hielt in seinem Gutachten vom 24. Februar 2004 zur Arbeitsfähigkeit Folgendes fest: «Die Beschwerden sind offensichtlich dergestalt, dass die Arbeitsfähigkeit von primär 50% (ab dem 11.04.2003) im September auf 30% zurückgenommen werden mussten. Aufgrund der geklagten Beschwerden sowie der klinischen und radiologischen Befunde ist an eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit in der jetzigen Situation nicht zu denken. Die Probandin kann im Sitzen halbtags die Arbeit, die sie jetzt verrichtet (Bedienung der Karussellkasse) verrichten; dabei kommt ihr entgegen, dass sie keine fixe Arbeitsposition einnehmen muss. Arbeiten, bei denen die Probandin stehen oder gar Lasten heben müsste sind nicht möglich.» Diese Einschätzung ist widersprüchlich oder zumindest nicht konsistent. Einerseits attestierte Dr. med. G.________ allgemein eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 30%. Anderseits erachtete er die Bedienung der Karussellkasse halbtags als zumutbar. Es kommt dazu, dass Dr. med. G.________ die von der Patientin geklagten Beschwerden als glaubhaft bezeichnete. Ebenfalls stellte er eine Korrekturosteotomie des Trochanter major sowie die Abklärung der Durchblutungsverhältnisse (MRI/Szintigraphie) am rechten Femurkopf zur Diskussion. Die IV-Stelle ersuchte daher richtigerweise Dr. med. G.________ um klärende Auskunft. Diese hätte jedoch in Anbetracht der Bedeutung von Art und Umfang der Arbeitsfähigkeit auch für die Frage das Verfahrens zur Ermittlung des erwerblichen Invaliditätsgrades in der Form einer schriftlichen Anfrage und Antwort geschehen müssen (BGE 117 V 284 f. Erw. 4c). Dabei hätte der Gutachter einlässlich zu begründen gehabt, weshalb der Versicherten in Abweichung von der Expertise vom 24. Februar 2004 jede sitzende Tätigkeit als Hilfsarbeiterin halbtags zumutbar ist. Entgegen der Vorinstanz kann nicht von einer bloss präzisierenden Umschreibung der Arbeitsfähigkeit gesprochen werden. In diesem Zusammenhang erscheint die Bemessung der erwerblichen Invalidität durch einen Einkommensvergleich ohnehin zumindest fraglich. Gemäss den einleuchtenden Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde befindet sich der Schaustellerbetrieb nur während eines Teils des Jahres effektiv auf Jahrmärkten im Einsatz. An den entsprechenden Tagen ist eine «mehr als ganztägige Besetzung der Kasse» erforderlich. In der restlichen Zeit fallen Vorbereitungs- und Instandstellungsarbeiten an. Es ist somit von einer sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch von der Art der Tätigkeit her unterschiedlichen erwerblichen Beschäftigung auszugehen, was eine entsprechend differenzierte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erfordert. 4.4 Die IV-Stelle wird die im Sinne des Vorstehenden notwendigen medizinischen und erwerblichen Abklärungen vorzunehmen und je nachdem auch die vom kantonalen Gericht zu Recht in Frage gestellte Einschränkung im Haushalt neu zu ermitteln haben. Danach wird sie über den streitigen Rentenanspruch neu verfügen.