Citation: 6B_991/2023 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erachtet eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten und 15 Tagen als angemessen. Im Rahmen ihrer Erwägungen zur Strafzumessung stellt sie fest, der Beschwerdeführer weise eine unbehandelte psychische Störung auf und der Gutachter taxiere dessen Legalprognose als sehr kritisch. Die Freiheitsstrafe sei als vollziehbar zu erklären. Allerdings habe der Beschwerdeführer diese bereits vollständig durch Haft erstanden (Art. 51 StGB; Urteil S. 20 E. III.1.6 ff.). Sodann hält die Vorinstanz fest, nach seiner Verhaftung am 7. März 2021 sei der Beschwerdeführer in Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft gewesen. Seit dem 22. April 2022 befinde er sich in der Klinik B.________ (Urteil S. 21 E. IV.2). Sie gelangt zum Schluss, die Massnahmenbedürftigkeit sei gegeben, die Massnahmefähigkeit sei hingegen äusserst fraglich und schliesslich liege keine Massnahmebereitschaft resp. -willigkeit vor (vgl. Art. 56 StGB; Urteil S. 23 E. IV.8). Dementsprechend ordnet die Vorinstanz, im Gegensatz zur ersten Instanz, keine stationäre therapeutische Massnahme an (Urteil S. 24 E. IV.9). Schliesslich erwägt die Vorinstanz, da heute trotz offensichtlicher Massnahmenindikation eine stationäre therapeutische Massnahme nicht mehr angeordnet werde, weil deren Erfolgsaussichten zu gering und die Verhältnismässigkeit nicht mehr gegeben wären, stelle sich die Frage nach einer Genugtuung für den Beschwerdeführer. Sie erkennt, die durch ihn erstandene Haft sei auf die auszufällende Strafe anzurechnen resp. sei die Strafe als durch Haft verbüsst zu erachten. Eine Genugtuung für die 26 Tage erstandene Haft bis zum erstinstanzlichen Urteilsdatum [10. Februar 2022], die nicht durch die auszufällende Strafe konsumiert worden sei, für die 71 Tage Haft, die der Beschwerdeführer seit Urteilsdatum bis zum Eintritt in die Klinik B.________ und damit dem Massnahmenantritt erstanden habe (10. Februar 2022 bis 22. April 2022) sowie für die 372 Tage, seit sich der Beschwerdeführer im vorzeitigen Massnahmenvollzug befinde (22. April 2022 bis 28. April 2023) habe jedoch keine Stütze. Die erste Instanz habe im Zeitpunkt ihres Urteils noch davon ausgehen dürfen, dass die stationäre Behandlung beim Beschwerdeführer Aussicht auf Erfolg habe. Damit sei auch die Haft von 21 [recte: 26] und 71 Tagen im Hinblick auf den Antritt der stationären therapeutischen Massnahme gerechtfertigt gewesen. Die Voraussetzungen für den Verzicht auf eine beim Beschwerdeführer an sich indizierte, stationäre therapeutische Massnahme hätten sich erst im Verlauf des Berufungsverfahrens aufgezeigt, namentlich erst mit dem Eingang des Verlaufsberichts aus dem vorzeitigen Massnahmenvollzug im März 2023 bzw. bei dessen Verarbeitung im Rahmen der Urteilsberatung sowie durch den vom Beschwerdeführer hinterlassenen Eindruck an der Berufungsverhandlung. Somit habe der fraglos behandlungsbedürftige Beschwerdeführer durch Haft und den vorzeitigen stationären Massnahmenvollzug keinen genugtuungsrelevanten Freiheitsentzug erlitten (Urteil S. 24 f. E. V).