Citation: 4A_91/2022 E. 3.1

3.1. Per 1. Januar 2010 wurde das EHG aufgehoben, und sind die Art. 40b ff. des Eisenbahngesetzes (vom 20. Dezember 1957, EBG; SR 742.101) in Kraft getreten (jeweils mit Bundesgesetz vom 19. Dezember 2008). Da sich der Unfall am 11. Juni 2005 und somit vor dem Inkrafttreten der neuen Bestimmungen von Art. 40b ff. EBG ereignete, gelangen vorliegend noch die Bestimmungen des EHG zur Anwendung. Wenn beim Bau oder Betrieb einer Eisenbahn oder bei Hilfsarbeiten, mit denen die besondere Gefahr des Eisenbahnbetriebes verbunden ist, ein Mensch getötet oder körperlich verletzt wird, so haftet nach Art. 1 Abs. 1 EHG der Inhaber der Eisenbahnunternehmung für den daraus entstandenen Schaden, sofern er nicht beweist, dass der Unfall durch höhere Gewalt, durch Verschulden Dritter oder durch Verschulden des Getöteten oder Verletzten verursacht ist. Es handelt sich um eine strenge Kausalhaftung (sog. Gefährdungshaftung), die weder ein Verschulden noch eine Ordnungswidrigkeit bedingt, da sie an die besondere Gefahr des Betriebs einer Eisenbahn anknüpft, welche - trotz der ausserordentlichen Anzahl und/oder des Ausmasses der zu befürchtenden Schäden - angesichts des Interesses der Allgemeinheit an der Fortführung der gefährlichen Tätigkeit erlaubt ist (Urteil 4A_602/2018 vom 28. Mai 2019 E. 2.3; Walter Fellmann, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd. II, 2013, S. 34 Rz. 113 und S. 51 Rz. 172; Oftinger/Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, Bd. I, 5. Aufl. 1995, S. 20 § 1 Rz. 41). Die Beschwerdegegnerin beruft sich denn auch nicht auf ihr fehlendes Verschulden, sondern auf den Entlastungstatbestand von Art. 1 Abs. 1 EHG und bringt vor, Hauptursache der Verletzungen von C.________ sei dessen schweres Selbstverschulden.