Citation: 6B_999/2023 E. 1.2.3

1.2.3. In rechtlicher Hinsicht erwägt die Vorinstanz u.a., gestützt auf das Sachverständigengutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern (IRM Bern) sei davon auszugehen, dass ein einziger Schlag mit dem streitgegenständlichen 1.04 kg schweren Hammer auf den Hinterkopf des (wehrlosen) Geschädigten geeignet sei, eine lebensgefährliche Verletzung (z.B. einen Schädelbruch und/oder eine Hirnblutung) zu verursachen, da mit diesem Hammer von einem durchschnittlich kräftigen Mann genügend kinetische Energie auf den Hinterkopf übertragen werden könne. Da sich das Verletzungsbild eines Schädelbruchs, einer Hirnblutung oder einer anderen lebensgefährlichen Verletzung im Sinne des Tatbestandes einer schweren Körperverletzung nicht verwirklicht habe, sei die Tathandlung maximal als versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zu qualifizieren (angefochtenes Urteil E. 2.2 S. 39). Da das Risiko, den Geschädigten mit einem wuchtigen Schlag gegen den Hinterkopf schwer im Sinne der Rechtsprechung zu verletzen, angesichts der konkreten Umstände (namentlich zielstrebiges Zugehen auf den Geschädigten, Ausholbewegung und gezielter Schlag mit dem Hammer auf den Kopf ohne vorgängige Warnung oder Schläge auf andere Körperteile im Rahmen eines nach wie vor gesamthaft betrachtet dynamischen Geschehens) und der Eigenschaften des streitgegenständlichen Hammers derart gross und naheliegend gewesen sei, könne aus dem Verhalten des Beschwerdeführers nur geschlossen werden, dass er auch schwerere Verletzungen in Kauf genommen habe, als er gehandelt habe. Dies treffe umso mehr zu, als er trotz eines kurzen Zögerns aufgrund eines Zwischenrufes ("oh nein") nicht von seiner Absicht, mit dem Hammer auf den Kopf des Geschädigten zu schlagen, abgelassen habe. Aufgrund sämtlicher Tatumstände verbleibe kein unüberwindbarer Zweifel, dass der Beschwerdeführer eine schwere Verletzung des Geschädigten durch den Hammerschlag auf den Kopf zumindest im Sinne des Eventualvorsatzes in Kauf genommen habe, selbst wenn er ihn nicht direktvorsätzlich schwer habe verletzen wollen (angefochtenes Urteil S. 41). Die Vorinstanz geht weiter davon aus, im Zeitpunkt des Hammerschlags habe keine Notwehrsituation bzw. keine Notwehrhilfesituation vorgelegen, insbesondere nicht bezüglich des Geschädigten, der vom Sohn des Chefs gehalten worden sei. Angesichts des Umstandes, dass die Auseinandersetzung bereits einmal habe beruhigt werden können, und der Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer und die Leute aus seiner Gruppe in dieser Phase des Geschehens in der Überzahl befunden hätten, fehle es auch an der Verhältnismässigkeit der Handlung des Beschwerdeführers, zumal alle übrigen Beteiligten in dieser Phase des Geschehens mit den blossen Fäusten gekämpft hätten und keine anderen Gegenstände (wie der Besenstiel) mehr im Einsatz gewesen seien, namentlich auch nicht auf Seiten des Privatklägers und des Geschädigten. Es wäre ein Einfaches gewesen, die beiden entgegenkommenden Kollegen um Mithilfe zu bitten, die Streitenden definitiv und endgültig zu trennen. Die Aussage, wonach es sich beim Geschädigten um einen schlechten Menschen handle, seine eigene früher in der Auseinandersetzung durch den Besenstiel erlittene Verletzung beim Eingreifen auf Seiten seines Chefs und die Zielstrebigkeit, mit welcher er zur Tat geschritten und auf den Kopf des Geschädigten eingeschlagen habe (und nicht gegen einen anderen Körperteil wie die Arme, Beine oder Hände), sprächen zudem gegen einen reinen Abwehrwillen (angefochtenes Urteil S. 42 f.). Selbst wenn man zugunsten des Beschwerdeführers annehmen würde, dass er seinen Chef verteidigen wollte, der vom Geschädigten und vom Privatkläger erneut angegriffen und geschlagen und schliesslich vom Privatkläger von hinten fest mit dem Arm um den Hals umklammert worden sei, läge keine Notwehrhilfesituation vor, da der Beschwerdeführer nicht gegen den Angreifer vorgegangen sei, der den Chef attackiert habe. Der Beschwerdeführer habe seinen Chef gar nicht erreichen können, da der Geschädigte und der Sohn des Chefs den Durchgang zu diesem erschwert hätten. Die Argumentation der Verteidigung, der Privatkläger und der Geschädigte hätten ein Kampfteam gebildet, verfange mindestens in Bezug auf den zu beurteilenden Zeitpunkt nicht. Mit anderen Worten sei mit Blick auf den Angriff gegenüber dem Chef beim Beschwerdeführer kein Abwehrwille auszumachen (angefochtenes Urteil E. 2.5 S. 43). Gestützt auf den erstellten Sachverhalt könne auch nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer habe in besonderer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff des Geschädigten gehandelt. Ein solcher Angriff habe nicht vorgelegen, denn der Schlag mit dem Hammer sei gezielt auf den Geschädigten und nicht den Privatkläger gerichtet gewesen (angefochtenes Urteil E. 2.6 S. 43).