Citation: 7B_238/2025 E. 2.2

2.2. Die Oberstaatsanwaltschaft vertritt demgegenüber die Auffassung, dass, wenn sie gemäss Art. 231 Abs. 2 lit. b StPO bei einem Freispruch inklusive Freilassung der beschuldigten Person zur Beschwerde legitimiert sei und die Fortsetzung der Sicherheitshaft beantragen könne, müsse ihr diese Legitimation erst recht zustehen, wenn bei einem vollumfänglichen Schuldspruch die Freilassung der beschuldigten Person verfügt werde. Andernfalls bestünde für den Fall der Verurteilung und Haftentlassung durch die erste Instanz eine Lücke zwischen Erlass des erstinstanzlichen Urteils und Berufungsanmeldung durch die beschuldigte Person. Innerhalb dieses Zeitraums könnte die beschuldige Person ansonsten entlassen werden, ohne dass dies verhindert werden könne, auch wenn die in Art. 231 Abs. 2 lit. b StPO umschriebene Gefährdung gegeben sei. Nicht entscheidend sei, dass die Staatsanwaltschaft keine Berufung angemeldet habe und es für sie auch keinen Grund gebe, den erstinstanzlichen Entscheid im vorliegenden Verfahren anzufechten.