Citation: U 588/06 11.12.2007 E. 4.2

4.2.1 Das Vorliegen eines Schleudertraumas der HWS oder eines äquivalenten Verletzungsmechanismus im Sinne der bundesgerichtlichen Adäquanzrechtsprechung ist mit dem kantonalen Gericht als unwahrscheinlich zu betrachten. Die am 20. Oktober 2003 im Spital Y.________, in welches die Versicherte vom Hausarzt zur Kontrolle eingewiesen worden war, festgestellte geringgradige Druck- und Klopfdolenz im Bereich der HWS (Bericht des Kantonsspitals vom 22. Oktober 2003) genügt nicht, um auf eine solche Verletzung schliessen zu können. Eigentliche Beschwerden im Bereich der HWS werden erstmals im Bericht des Hausarztes vom 28. November 2003 erwähnt, welcher von einem aktuell bestehenden Nackenschmerz unklarer Ursache spricht. Im Bericht der Neurologischen Klinik des Spitals Y.________ vom 12. Dezember 2003 werden sodann cervikocephale Schmerzen bei freier Beweglichkeit der HWS in allen Richtungen mit Schmerz in den endgradigen Positionen und deutlich druckdolenter, allenfalls geringfügig verspannter Paravertebralmuskulatur beschrieben. Der Kreisarzt wiederum konnte gemäss Untersuchungsbericht vom 17. Februar 2004 keine Druckdolenz, Einschränkung der Beweglichkeit oder andere Auffälligkeit im Bereich der HWS feststellen. Beschwerden im Bereich der HWS werden auch im Austrittsbericht der Rehaklinik X.________ vom 24. April 2007 und im hausärztlichen Zwischenbericht vom 7. Juni 2004 nicht erwähnt. Erst im psychiatrischen Gutachten des Dr. med. G.________ vom 19. Januar 2005 und im Bericht des Schmerztherapeuten Dr. med. K.________ vom 25. Mai 2005 ist wieder von Nackenbeschwerden die Rede. Bei der dargestellten Aktenlage ist davon auszugehen, dass wesentliche Beschwerden im Bereich der HWS, soweit überhaupt, erst deutlich nach der bei solchen Verletzungen üblichen Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29; vgl. auch SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75, E. 5, U 215/05) und überdies mit zeitlichen Unterbrüchen aufgetreten sind. Dies spricht klar gegen ein beim Unfall vom 18. Oktober 2003 eingetretenes Schleudertrauma der HWS resp. einen äquivalenten Verletzungsmechanismus. Dass Dr. med. K.________ dennoch eine entsprechende Verletzung als gegeben erachtet, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise, zumal der Schmerztherapeut von einem Unfallablauf ausgeht, der sich so nicht zugetragen hat. Es betrifft dies insbesondere die Annahme, die Versicherte sei aus 4 m Höhe gestürzt. Dies war von der Versicherten zwar anfänglich so geschildert worden. Bei näherer Überprüfung hatte sich aber herausgestellt, dass der Sturz aus einer deutlich geringeren Höhe erfolgt sein musste, war doch die Leiter, auf welcher die Beschwerdegegnerin gestanden hatte, lediglich 1.65 m hoch. Es bedarf unter diesen Umständen auch keiner näheren Abklärung, ob das Ereignis vom 18. Oktober 2003, welches gemäss Beschreibung der Versicherten vom 11. Januar 2005 in einem Hinabschlittern fussvoran an der Leiter mit Aufschlagen des Hinterkopfes an einer Leiterstufe bestand, überhaupt als geeignet angesehen werden könnte, im Bereich der HWS eine Verletzung im Sinne der Schleudertrauma-Rechtsprechung zu bewirken. Ebenso kann in antizipierter Beweiswürdigung von einer MRI-Untersuchung der HWS, wie sie im Bericht des Dr. med. K.________ vom 25. Mai 2005 angeregt wird, abgesehen werden. 4.2.2 Was sodann die streitige Frage eines unfallbedingten Schädel-Hirntraumas betrifft, ergibt sich aus den Akten Folgendes: Der als erstes aufgesuchte Hausarzt veranlasste, da er eine Commotio cerebri nicht sicher ausschliessen konnte, die erwähnte, am 20. Oktober 2003 durchgeführte Kontrollabklärung im Spital Y.________. Dort wurde auf posttraumatischen Kopfschmerz bei Status nach Commotio cerebri befunden (Bericht Spital Y.________ vom 22. Oktober 2003). Der Hausarzt nahm sodann am 28. November 2003 sowie am 28. Januar und 7. Juni 2004 selber Stellung, wobei er eine Kopfkontusion mit konsekutiven Kopfschmerzen resp. eine Schädelprellung bestätigte. Eine allfällige Verletzung im Hirnbereich wurde von ihm ebenso wenig erwähnt wie in den Berichten der Neurologischen Klinik des Spitals Y.________ vom 12. Dezember 2003 und des Kreisarztes vom 17. Februar 2004, in welchen sich ebenfalls die Diagnose einer Schädelprellung resp. -kontusion findet. Im Austrittsbericht der Rehaklinik X.________ vom 27. April 2007 wird hingegen von einer beim Unfall erlittenen leichten traumatischen Hirnverletzung ausgegangen. Die Aussage ist allerdings insofern mit einem Vorbehalt zu versehen, als die berichterstattenden Ärzte annahmen, die Sturzhöhe habe 4 m betragen, was nach dem zuvor Gesagten nicht zutrifft. Immerhin bezeichnete aber der Kreisarzt die von den Klinikärzten gestellte Diagnose in seiner Stellungnahme vom 3. Mai 2004 als nachvollziehbar. Zusammenfassend liegen über das Vorliegen eines unfallbedingten Schädel-Hirntraumas divergierende ärztliche Aussagen vor. Es kann aber jedenfalls zuverlässig gesagt werden, dass ein allfälliges Trauma höchstens den Schweregrad einer Commotio cerebri nicht im Grenzbereich zu einer Contusio cerebri erreichte. Dies genügt grundsätzlich nicht für die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis (Urteile U 419/05 vom 24. März 2006, E. 4.1, U 276/04 vom 13. Juni 2005, E. 2.2, U 6/03 vom 6. Mai 2003, E. 3.2). 4.2.3 Zu beachten ist im Weiteren, dass schon im Bericht der Neurologischen Klinik des Spitals Z.________ vom 12. Dezember 2003 die Versicherte als deutlich depressiv beschrieben und eine antidepressive Medikation empfohlen wurde. Die psychiatrischen Fachärzte der Rehaklinik X.________ stellten gemäss Bericht vom 20. April 2004 eine depressive Entwicklung mit anhaltenden Ängsten, welche am ehesten als Anpassungsstörung zu interpretieren seien, fest. Erwähnt wurden zudem, wie bereits vom Hausarzt am 28. Januar und erneut am 7. Juni 2004, erhebliche Symptomausweitungszeichen. Sodann befand Dr. med. G.________ im psychiatrischen Gutachten vom 19. Januar 2005 auf eine - vom Experten als nur fraglich unfallkausal betrachtete - mittelgradige depressive Episode und differentialdiagnostisch auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bzw. eine Entwicklung körperlicher Symptome aufgrund psychischer Faktoren. Auf eine depressive Episode erkannte auch Dr. med. K.________ im Bericht vom 25. Mai 2005, welches Leiden der Schmerztherapeut allerdings auf ein beim Unfall erlittenes HWS-Distorsionstrauma zurückführte (vgl. E. 4.2.1 hievor). 4.2.4 Aus diesen Erwägungen erhellt, dass bei ohnehin höchstens geringfügigem Schädel-Hirntrauma und klaren Hinweisen für eine Symptomausweitung schon bald nach dem Unfall eine deutliche psychische Überlagerung stattfand. Dies hat rechtsprechungsgemäss (BGE 123 V 98) und entgegen dem angefochtenen Entscheid sowie der von der Versicherten vertretenen Auffassung zur Folge, dass der adäquate Kausalzusammenhang gemäss den bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Grundsätzen zu beurteilen ist.