Citation: 8C_312/2023 E. 5.1.1

5.1.1. Die Vorinstanz gelangte im Rahmen einer eingehenden Würdigung der medizinischen Aktenlage zum Schluss, Prof. Dr. med. B.________ habe die von ihm gestellten Diagnosen nachvollziehbar hergeleitet, dies insbesondere unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden und Angaben der Beschwerdeführerin, des erhobenen psychopathologischen Befundes sowie der Resultate der neuropsychologischen Zusatzuntersuchung. Im Rahmen einer Auseinandersetzung mit den medizinischen Vorakten habe der Gutachter sodann differenziert und überzeugend dargelegt, weshalb er im Gegensatz zur behandelnden Psychiaterin und dem Sanatorium F.________ nicht von einer rezidivierenden depressiven Störung, einer PTBS und einer Persönlichkeitsstörung ausgehe. So fühle sich die Beschwerdeführerin laut Gutachten zwar - selbst unter Berücksichtigung des aggravatorischen Verhaltens - im momentanen Zustand nicht wohl und immer wieder niedergeschlagen. Die Symptome seien jedoch weder von ihr noch in den Arztberichten als typisch für eine depressive Episode geschildert worden. Auch die Kriterien einer rezidivierenden depressiven Störung seien nicht erfüllt, da kein phasenhaft abgegrenzter Verlauf mit mehreren Wochen ohne deutliche affektive Symptomatik beschrieben worden sei; die Beschwerdeführerin habe explizit berichtet, dass die depressive Symptomatik nie ganz weg sei. In Bezug auf die von den behandelnden Ärzten festgestellte PTBS habe Prof. Dr. med. B.________ sodann nachvollziehbar ausgeführt, es könne bezweifelt werden, dass mit den erlebten Gewalterfahrungen und den auch nach der Scheidung noch weitergehenden Bedrohungen durch den Ex-Ehemann eine "Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass", die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde, vorgelegen habe. Dieser Einschätzung sei zu folgen, da die Rechtsprechung für die Annahme einer PTBS eine bedeutsame Schwere des auslösenden Traumas voraussetze. Gegen diese Diagnose spreche nach Auffassung des Gutachters zudem auch das fehlende Vermeidungsverhalten der Beschwerdeführerin in Bezug auf den Kontakt mit Männern und der Umstand, dass sie die Erinnerungen an belastende Zeiten nicht mit dem typischen aufdrängenden Charakter von Intrusionen beschrieben habe. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung habe Prof. Dr. B.________ schliesslich in erster Linie unter Hinweis darauf verworfen, dass nach Angaben der Beschwerdeführerin bis 2015 keine gesundheitlichen Störungen bestanden hätten und auch in den Akten keine Anhaltspunkte dafür existierten. Auch dies sei schlüssig, zumal sich eine Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 grundsätzlich bereits in der Kindheit und Jugend entwickeln und dann im Erwachsenenalter manifestieren müsse.