Citation: U 125/06 22.06.2006 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob die Hotela über den 12. Juli 2004 hinaus Leistungen für das Unfallereignis vom 15. Juli 2001 zu erbringen hat. In zeitlicher Hinsicht beschränkt sich die gerichtliche Prüfung praxisgemäss auf den Sachverhalt, wie er sich bis zum Einspracheentscheid vom 4. November 2004 entwickelt hat (BGE 116 V 248 Erw. 1a; RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101 Erw. 2a [= Urteil S. vom 29. Dezember 2000, U 170/00]). 2.1 Die Hotela hatte ihre Leistungspflicht für den von der Beschwerdegegnerin als Köchin am 15. Juli 2001 erlittenen Berufsunfall (Schnittwunde am Handgelenk rechts mit Durchtrennung zweier Sehnen und des Nervus medianus) zunächst anerkannt. In der Folge betrachtete sie den Fall jedoch als abgeschlossen. Denn die Versicherte hatte seit März 2002 zu 100 % gearbeitet und war ab 1. Juni 2002 wieder voll arbeitsfähig geschrieben. Die Sprechstunde der Handchirurgischen Abteilung des Spitals X.________ hatte sie ab 26. Februar 2002 nicht mehr aufgesucht, und es war auch keine besondere Behandlung vorgesehen (Bericht der Klinik vom 15. August 2002). Am 9. Januar und 21. April 2004 stellte sich die Versicherte wieder in der handchirurgischen Sprechstunde am Spital X.________ vor. Praktisch zeitgleich wies sie sich selbst der Handchirurgie am Spital Z.________ zur Konsultation zu. Unter anderem auf Grund der entsprechenden medizinischen Berichte und nach Rücksprache mit dem Vertrauensarzt gelangte die Hotela zur Auffassung, es könne keine namhafte Besserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes mehr erwartet werden. Spätestens am 12. Juli 2004 sei von einem stabilisierten Gesundheitszustand auszugehen, weswegen auf diesen Zeitpunkt hin die "kurzfristigen Leistungen" (Heilbehandlung und Taggeld) eingestellt würden. Die unter anderem mit dem Vorbringen, eine bestehende "psychosoziale Problematik" sei auf das Unfallereignis vom 15. Juli 2001 zurückzuführen, begründete Einsprache lehnte der Versicherer mit Entscheid vom 4. November 2004 ab. 2.2 Das kantonale Gericht gelangte zum Ergebnis, eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen, welche die Leistungspflicht der Hotela begründen würde, sei mangels adäquater Kausalität nicht gegeben. Die Frage nach dem Bestehen und gegebenenfalls dem Ausmass einer unfallbedingten physischen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten in ihrem angestammten Beruf während des relevanten Zeitraums ab 12. Juli 2004 lasse sich demgegenüber auf Grund der medizinischen Akten nicht mit hinreichender Zuverlässigkeit beantworten. Deshalb seien zusätzliche Abklärungen erforderlich. 2.3 Dem kantonalen Gericht ist beizupflichten, was die Beurteilung allfälliger psychischer Unfallfolgen anbelangt. Mit Blick auf die von der Rechtsprechung entwickelten Massstäbe (BGE 115 V 139 Erw. 6a; leichte Unfälle wurden z.B. angenommen in den Urteilen S. vom 7. April 2005, U 221/04 [Ausgleiten beim Tragen einer Motorsäge auf abschüssigem Gelände im Wald, stichartige Schmerzen beim Auffangen des Sturzes], E. vom 25. Februar 2003, U 78/02 [Sturz auf Eisfläche mit Kopfanprall], R. vom 2. Dezember 2002, U 145/02 [Sturz bei Eisregen mit Schenkelhalsbruch], und S. vom 15. Oktober 2001 [Schlag eines 600 kg schweren Betonblocks an den rechten Oberarm]) ist das Ereignis vom 15. Juli 2001 - Schnittwunde durch einen zerbrechenden Teller - als leichter oder allenfalls als mittelschwerer, im Grenzbereich zu den leichten liegender Unfall zu qualifizieren, was bei den gegebenen Umständen zur Verneinung der Adäquanz des Kausalzusammenhangs führt (BGE 115 V 139 Erw. 6a und 141). Dagegen kann den vorinstanzlichen Überlegungen zu den somatischen Unfallfolgen nicht zugestimmt werden. Denn es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdegegnerin bei ihrer mehrmonatigen vollen Berufsarbeit im Landgasthof F.________ wesentlich, das heisst mit erwerbsmässigen Folgen, unfallbedingt beeinträchtigt gewesen wäre, und sie selbst macht dies auch nicht geltend. Das Vorliegen gewisser Residuen, insbesondere einer Sensibilitätsstörung, ist unbestritten; es führte aber nach Lage der Akten nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit als Köchin von mindestens einem Viertel, wie sie Art. 25 Abs. 3 UVV für den Taggeldanspruch voraussetzt. Die Frage kann aber letztlich offen bleiben, und auch die Gesetzmässigkeit der erwähnten Bestimmung ist nicht näher zu prüfen (dazu BGE 126 V 128 f. Erw. 3c und 129 Erw. 4). Denn es läge in jedem Fall eine mehrjährige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Köchin vor, sodass die Beschwerdegegnerin auf Grund der allgemeinen Schadenminderungspflicht (dazu BGE 129 V 453 Erw. 4.2, 123 V 233 Erw. 3c, 117 V 278 Erw. 2b, 400, je mit Hinweisen) praxisgemäss innert einer Übergangsfrist von höchstens fünf bis sechs Monaten (BGE 114 V 289 f. Erw. 5b mit Hinweisen; vgl. auch SVR 2001 KV Nr. 34 S. 99 Erw. 9) eine andere Anstellung hätte suchen müssen, bei der sich die Restfolgen der erlittenen Schnittverletzung nicht auswirken. Ein solches Ausweichen auf berufsfremde Arbeiten hat die Beschwerdegegnerin auch tatsächlich anvisiert, wie die bei den Akten liegenden Stellenzuweisungen des Arbeitsamtes Q.________ belegen. Die temporäre Ausübung berufsfremder Tätigkeiten war der Beschwerdegegnerin umso mehr zumutbar, als sie sich am 7. Oktober 2003 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zwecks "Umschulung auf eine neue Tätigkeit" und "Arbeitsvermittlung" angemeldet hatte und schliesslich die Zusprache einer "Umschulung zum Handelsdiplom VSH in der Zeit vom 17. Januar 2005 bis 30. Juni 2006" erreichte. Damit steht fest, dass die kurzfristigen Leistungen zu Recht eingestellt wurden.