Citation: 6B_279/2024 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz bejaht den objektiven, nicht jedoch den subjektiven Tatbestand der schweren Körperverletzung. Sie erwägt, es sei mit der Erstinstanz davon auszugehen, dass die Gefahr einer Schädigung der geistigen Gesundheit der Opfer, die der sexuelle Missbrauch von Kindern in sich berge, nach dem heutigen Wissensstand und der allgemeinen Lebenserfahrung wohl bekannt sei. Vorliegend ergäben sich jedoch keine Hinweise, dass die Beschwerdegegner 2 und 3 billigend eine physische und noch weniger eine schwere psychische Verletzung ihrer Opfer in Kauf genommen hätten. Dies treffe umso mehr auf die Beschwerdeführerin als (Stief-) Tochter der Beschwerdegegner 2 und 3 zu. Letztere hätten deren Vertrauen durch Manipulation missbraucht, jedoch nie Gewalt angewandt und deren Weigerung, gewisse Handlungen vorzunehmen, respektiert. Die Ex-Frau des Beschwerdegegners 2 (und Mutter der Beschwerdeführerin) habe zwar ausgesagt, dass schwere Fälle von Kindesmisshandlungen, wie etwa ein Fall in Belgien, in der Familie gemeinsam thematisiert worden seien und sich der Beschwerdegegner 2 schockiert über das Schicksal der Kinder gezeigt habe. Selbst wenn diese Thematik besprochen worden sei, woran sich der Beschwerdegegner 2 angeblich nicht erinnern könne, könne allein daraus aber nicht der Schluss auf eine eventualvorsätzliche schwere Schädigung gezogen werden. Im erwähnten Fall seien die Kinder entführt, missbraucht und anschliessend getötet worden. Nebst der Thematisierung von Kindesmissbrauch in der Familie gebe es keine konkreten Anhaltspunkte, aus denen zu schliessen wäre, der Beschwerdegegner 2 habe eine physische bzw. eine schwere psychische Verletzung der Beschwerdeführerin in Kauf genommen. Die Beschwerdegegner 2 und 3 hätten in einer Art Parallelwelt gelebt, und es seien keine genügenden, objektiv feststellbaren Umstände vorhanden, die mit einer für eine Verurteilung der Beschwerdegegner 2 und 3 erforderlichen Gewissheit auf deren Willen schliessen liessen, sie hätten damit gerechnet, dass ihre Handlungen schwerwiegende Folgen in Form einer schweren physischen und psychischen Verletzung für ihr Opfer haben könnte, oder sich damit abgefunden. Es bestünden daher erhebliche Zweifel, dass die Beschwerdegegner 2 und 3 in der damaligen Situation die Folgen ihrer Handlungen tatsächlich bedacht, geschweige denn mögliche psychische Schäden bei ihrem Opfer in Kauf genommen hätten (angefochtenes Urteil E. 4 S. 9 ff., insbesondere E. 4.3 S. 11 f.). Hinsichtlich der Beschwerdegegnerin 3 erwähnt die Vorinstanz zusätzlich, dass bei ihr eine persönlichkeitsgebundene besondere Naivität und Leichtfertigkeit festgestellt worden sei. Sie scheine nie richtig erwachsen geworden zu sein. Die naiven, unreifen, kindlichen Anteile ihrer Persönlichkeit hätten es ihr erleichtert auszublenden, dass es sich eben nicht um sexuelle Handlungen zwischen Gleichalterigen, sondern um sexuelle Ausbeutung von vor- oder frühpubertären Kindern handle. Sie sei aus diesen Gründen wohl nicht in der Lage gewesen, die Gefahr einer schweren psychischen Störung bei der Beschwerdeführerin in Betracht zu ziehen (angefochtenes Urteil E. 4.3 S. 12).