Citation: I 937/05 22.09.2006 E. 2

Streitig und zu prüfen sind Beginn und Umfang des dem Beschwerdeführer unstrittig zustehenden Anspruchs auf eine Invalidenrente. 2.1 Der Beschwerdeführer beanstandet in erster Linie die vorinstanzliche Ermittlung des ohne Gesundheitsschadens hypothetisch erzielbaren Einkommens (Valideneinkommen), wobei insbesondere verlangt wird, dass dem Valideneinkommen in den Jahren 1998 und 1999 gebildete stille Reserven (angefangene Arbeiten und Rückstellung Ferien/Überzeit) hinzuzurechnen seien. 2.2 Vorinstanz und Verwaltung errechneten das Valideneinkommen gestützt auf die Geschäftsabschlüsse der Jahre 1998 und 1999 der X.________ AG, deren Alleinaktionär der Versicherte ist und seiner Einzelfirma Y.________ sowie aus den entsprechenden IK-Einträgen. Bereinigt durch den Abzug eines Zinsertrags von 4,5 % auf dem im Betrieb investierten Eigenkapital sowie durch Erhöhung um die persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge, resultierte für das Jahr 2002 (frühestmöglicher Rentenbeginn; vgl. Erw. 3 hernach) ein Valideneinkommen von Fr. 154'880.-. 2.3 Bei der Ermittlung der Vergleichseinkommen von Selbstständig-erwerbenden im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG sind der Zinsertrag auf dem investierten Eigenkapital abzuziehen und die von der versicherten Person in einem bestimmten Geschäftsjahr effektiv bezahlten AHV/IV/ EO-Beiträge zum Betriebsgewinn hinzuzuzählen. Auch das so korrigierte AHV-beitragspflichtige Erwerbseinkommen darf nicht ohne weiteres für die Ermittlung der Vergleichseinkommen herangezogen werden. Invaliditätsfremde Faktoren, welche das Betriebsergebnis eines Selbstständigerwerbenden beeinflussen, müssen beim Einkommensvergleich konsequent ausgesondert werden. Abweichend von der AHV-Beitragsbemessung sind demgemäss invaliditätsfremde Aufwendungen und Erträge bei der Ermittlung der Vergleichseinkommen nach Art. 28 Abs. 2 IVG aufzurechnen oder auszuscheiden, soweit sie aus den vom Versicherten vorgelegten Bilanzen ersichtlich sind oder anhand der Buchhaltungsunterlagen nachgewiesen werden können. Zu diesen ausserordentlichen (nicht im Zusammenhang mit der Behinderung stehenden) Erträgen gehören beispielsweise der Abbau des Warenlagers oder die Auflösung von stillen Reserven. Ausserordentliche und damit für den invalidenversicherungsrechtlichen Einkommensvergleich unbeachtliche Aufwendungen stellen unter anderem Unterhalts- und Reparaturarbeiten, Rückstellungen und Abschreibungen dar (SVR 1999 IV Nr. 24 S. 71 ff.; Urteil A. vom 7. April 2004, I 202/03, Erw. 3.2). 2.4 Gemäss Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 6. April 2004 sind die Auf- und Abrechnungen insoweit korrekt vorgenommen, als der Abklärungsdienst die Zinserträge auf dem investierten Eigenkapital vom Betriebsgewinn abzog und die persönlichen sozialversicherungs-rechtlichen Abgaben diesem hinzurechnete. Nicht durchzudringen vermag der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebrachte Einwand, es seien die stillen Reserven der Jahre 1998 und 1999 der Ermittlung des Valideneinkommens hinzuzurechnen. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die X.________ AG nach Lage der Akten zumindest seit 1997, hinsichtlich Bildung und Auflösung stiller Reserven angefangene Arbeiten erst mit Rechnungsstellung verbuchte, womit beim Wechsel in ein neues Geschäftsjahr noch nicht in Rechnung gestellte Arbeiten des Vorjahres ausgewiesen und die entsprechenden Guthaben demnach grundsätzlich im Folgejahr verbucht wurden, wie sich aus den genehmigten Jahresrechnungen ergibt. Überdies gilt es zu beachten, dass die Aktiengesellschaft des Versicherten auch Angestellte beschäftigte, weshalb es ohnehin fehl geht, stille Reserven im Sinne der geltend gemachten angefangen Arbeiten in identischer Höhe dem hypothetischen Einkommen des Beschwerdeführers hinzurechnen zu wollen. Richtigerweise legte das kantonale Gericht daher der Ermittlung des Valideneinkommens die im Rahmen des Einspracheverfahrens neu erstellten Jahresrechnungen "nach Berücksichtigung der Bildung von stillen Reserven" der Jahre 1998 und 1999 nicht zu Grunde. Nicht ausser Acht zu lassen ist aber, dass die Betriebsgewinne der Einzelfirma dieser Jahre erheblich schwanken. Im Jahr 1998 wird ein Gewinn von Fr. 66'989.- und im Jahr 1999 - trotz des im Juli 1999 erlittenen Schleudertraumas - ein solcher von Fr. 106'171.- ausgewiesen. Obwohl der Beschwerdeführer nach Lage der Akten seit 23. Oktober 2000 nie mehr voll leistungsfähig war, fiel auch der Betriebsgewinn des Jahres 2000 mit Fr. 71'737.- höher als jener des Jahres 1998 aus. Diese Entwicklung lässt sich anhand der Unterlagen nicht erklären. Da aber nicht auszuschliessen ist, dass konjunkturelle Faktoren eine entscheidende Rolle spielten, diese aber im Rahmen eines Einkommensvergleichs unberücksichtigt zu bleiben haben, ist das Abstellen auf das eher über einen kurzen Zeitraum erhobene Valideneinkommen zumindest zweifelhaft. Wie sich aus nachstehender Erw. 2.6 ergibt, braucht daher auch nicht abschliessend geklärt zu werden, ob die als Lohnnachzahlung bezeichnete Summe von Fr. 20'000.- als separate unselbstständige Erwerbstätigkeit im Januar 1998 dem Valideneinkommen hinzuzurechnen ist oder bereits in der Buchhaltung einer seiner beiden Firmen erfasst wurde. 2.5 Weiter überzeugt die vorinstanzliche Invaliditätsbemessung auch insoweit nicht, als Validen- und Invalideneinkommen nicht auf zeitidentischer Grundlage (BGE 129 V 222) ermittelt wurden, wobei zudem zu beachten ist, dass die durchschnittlichen Betriebsgewinne 1998/1999 und 2001/2002 auf den Zeitpunkt des Einkommensvergleichs (Rentenbeginn: BGE 129 V 222) an die Teuerung und die reale Einkommensentwicklung anzupassen sind (ZAK 1990 S. 517 und RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 Erw. 3b in fine). Mit Blick auf das an sich unbestritten gebliebene Invalideneinkommen ist ferner zu bemerken, dass die Eigenkapitalbemessung der Steuerbehörde für die IV-Stellen verbindlich ist. Beim Valideneinkommen bleiben das zuletzt vor Eintritt einer invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit ermittelte Eigenkapital und der damals gültige Zinssatz unverändert massgebend, während beim Invalideneinkommen die Höhe des Eigenkapitals und der Zinssatz sich nach dem Zeitpunkt der Invaliditätsbemessung richten (Art. 18 Abs. 2 AHVV; SVR 1999 IV Nr. 24 S. 75). Die IV-Stelle legte dagegen bei der Ermittlung beider Vergleichseinkommen die von der Steuerbehörde am 16. Januar 1998 verfügte Eigenkapitalbemessung (samt damals gültigem Zinssatz) zu Grunde. 2.6 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten zweifelhaft, ob die von Verwaltung und Vorinstanz herangezogenen Vergleichszahlen eine aussagekräftige Grundlage für die Beurteilung der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens des Beschwerdeführers bieten. Die Aktenlage erlaubt es insbesondere nicht, ein zuverlässiges Valideneinkommen zu ermitteln. Deshalb hat die ausserordentliche Bemessungsmethode Platz zu greifen (vgl. Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 205), welche sich an der von invaliditätsfremden Faktoren unbeeinflussten betrieblichen Leistung, die der Versicherte ohne gesundheitliche Einschränkung und trotz dieser erzielen könnte, orientiert (vgl. Betätigungsvergleich im Abklärungsbericht vom 6. April 2004).