Citation: H 98/05 06.12.2005 E. 5

5.1 Die im Zentrum des Rechtsstreits stehende Frage des anwendbaren Rechts (aArt. 82 Abs. 1 AHVV oder Art. 52 Abs. 3 AHVG) hat die Vorinstanz in Ermangelung einer speziellen Übergangsbestimmung (vgl. Erw. 4.1 hievor) gestützt auf den Grundsatz entschieden, wonach für den Fall einer Änderung der gesetzlichen Grundlagen diejenige Ordnung Anwendung findet, welche zur Zeit galt, als sich der zu Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat. Dementsprechend hielt sie die bei Ausstellung der (zumutbare Schadenskenntnis begründenden) definitiven Verlustscheine am 14. Juni und 24. September 2002 in Kraft gewesene Bestimmung des aArt. 82 AHVV für anwendbar und gelangte zum Ergebnis, dass die darin vorgesehene (altrechtliche) einjährige Verwirkungsfrist bei Erlass der Schadenersatzverfügung am 15. Dezember 2003 bereits abgelaufen war. 5.2 Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden. Denn wie das Eidgenössische Versicherungsgericht im zur Publikation in BGE 131 V bestimmten Urteil R. vom 27. September 2005, H 53/05, unter Hinweis auf die von Rechtsprechung (BGE 102 V 207 Erw. 2; BGE 111 II 193, 107 Ib 203 f. Erw. 7b/aa) und Lehre (Rhinow/Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Nr. 15 B III d; Attilio Gadola, Verjährung und Verwirkung im öffentlichen Recht, in: AJP 1/95, S. 58) für den Bereich der Verjährung/Verwirkung entwickelten übergangrechtlichen Grundsätze entschieden hat, gelangt auf Schadenersatzansprüche, die bei Inkrafttreten des neuen Rechts am 1. Januar 2003 noch nicht verwirkt waren, die eine zweijährige Verjährungsfrist vorsehende Norm des Art. 52 Abs. 3 AHVG zur Anwendung. Dies trifft auf die am 15. Dezember 2003 verfügungsweise geltend gemachte Schadenersatzforderung zu, steht doch fest und ist unbestritten, dass die Ausgleichskasse mit der Ausstellung der definitiven Pfändungsverlustscheine am 14. Juni und 24. September 2002 Kenntnis vom Schaden erlangt hat (BGE 113 V 257 f.; ZAK 1991 S. 127 Erw. 2a), so dass die einjährige Verwirkungsfrist am 1. Januar 2003 noch nicht abgelaufen war. Wie im Urteil R. vom 27. September 2005, H 53/05 (Erw. 5.3), kann auch hier offen bleiben, ob die unter altem Recht abgelaufene Zeit an die zweijährige Verjährungsfrist anzurechnen ist oder die zweijährige Frist erst mit Inkrafttreten des neuen Rechts zu laufen begann, weil die Schadenersatzforderung mit der Verfügung vom 15. Dezember 2003 auf jeden Fall rechtzeitig geltend gemacht worden ist. 5.3 Da das kantonale Gericht zum gegenteiligen Ergebnis gelangt ist, d.h. Verwirkung der Schadenersatzforderung angenommen hat, erübrigte sich eine Prüfung der Haftungsvoraussetzungen gemäss Art. 52 AHVG. Die Sache geht daher an die Vorinstanz zurück, damit sie über die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der Kasse vom 9. August 2004 neu entscheide.