Citation: 1P.149/2000 22.01.2001 E. 5

5.- a) Ebenso wie vor den kantonalen Instanzen wendet der Beschwerdeführer auch vor Bundesgericht ein, F.________ sei nicht glaubwürdig, weil sie nachweislich gelogen habe. Bis zum Vorliegen des Vaterschaftsgutachtens, das ihn klar als Vater des totgeborenen Kindes ausschliesse, habe sie gegenüber den Strafverfolgungsbehörden stets behauptet, er sei ihr erster und einziger Sexualpartner gewesen, weshalb nur er als Vater des Kindes, mit dem sie schwanger sei, in Betracht komme. Erst als sie mit dem Ergebnis des Gutachtens konfrontiert worden sei, habe sie zugegeben, auch mit anderen Männern Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. b) Das Obergericht befasste sich in seinem Urteil vom 9. Februar 1999 eingehend mit der Frage, ob diese Lüge die Glaubwürdigkeit von F.________ zu erschüttern vermöge. Es hielt vorab fest, es gebe Gründe, welche die Bedeutung der erwähnten Falschaussage relativieren würden. So sei zu berücksichtigen, dass Frau F.________ bis zum Vorliegen des Vaterschaftsgutachtens überzeugt gewesen sei, der Beschwerdeführer sei der Vater des ungeborenen Kindes. Sie habe nicht etwa auf raffinierte Weise bewusst diesen Irrglauben in die Welt gesetzt. Zudem sei F.________, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen stamme, im Tatzeitpunkt erst 16-jährig gewesen und habe nach eigenen Angaben deshalb gelogen, weil sie Angst gehabt habe, die Polizistinnen würden schlecht über sie denken, wenn sie die Wahrheit über ihr Intimleben gesagt hätte. Dieses Motiv zur Lüge erachtete das Obergericht mit Rücksicht auf die damalige Lebenssituation von F.________ als einfühlbar. Sodann legte es dar, dass die Zweifel, welche aufgrund dieser Lüge an der Glaubwürdigkeit von F.________ entstehen konnten, durch Beweise und Indizien hinreichend wieder beseitigt würden. aa) Das Obergericht stützte sich dabei zunächst auf die vom Stiefvater und dessen Ehefrau als Zeugen zu Protokoll gegebene Schilderung, wonach F.________ am 9. Dezember 1996 um ca. 17.20 Uhr nach der von ihr behaupteten Tat bei ihnen eingetroffen sei, geweint und geschrieen habe, sie wolle ihr Kind nicht verlieren, und Schmerzen gehabt habe, weshalb sich der Stiefvater veranlasst gesehen habe, notfallmässig die Ambulanz zu alarmieren. Ein Motiv für eine falsche Darstellung seitens dieser beiden Zeugen sei nicht erkennbar. bb) Im Weiteren sei zu berücksichtigen, dass die Fusstritte, welche Frau F.________ nach ihren Angaben erhalten habe, gemäss den ärztlichen Gutachten ohne weiteres geeignet gewesen seien, die todbringende Entwicklung auszulösen; die Gutachter hätten keinen Hinweis auf eine Selbstbehandlung von Frau F.________ gefunden. cc) Hinzu kämen die Indizien, welche für ein Tatmotiv des Beschwerdeführers sprächen: Frau F.________ habe ausgesagt, als sie dem Beschwerdeführer die Schwangerschaft eröffnet habe, sei er überrascht gewesen und habe erklärt, es sei zu früh für ein Kind. Sie habe "ein wenig Angst" vor dem Beschwerdeführer gehabt und ihn deshalb gefragt, ob sie das Kind abtreiben solle, was er bejaht habe. Sie habe ihm dann "sozusagen" versprochen, das Kind abzutreiben, sich jedoch nach der Ultraschalluntersuchung entschlossen, es nicht zu tun. Aus Angst vor der Reaktion des Beschwerdeführers habe sie ihm dies aber nicht gesagt. Das Obergericht erklärte, auch hier schildere F.________ einfühlbar, wie der Prozess um die Abtreibungsfrage abgelaufen sei. Der Beschwerdeführer habe von Frau F.________ mehrmals die Vorlage des vermeintlichen Abtreibungsattests verlangt, da sie ihm gegenüber tatsachenwidrig behauptet habe, die Abtreibung sei erfolgt. Bis zum 3. Dezember 1996 habe der Beschwerdeführer angenommen, Frau F.________ habe abgetrieben. Erst an diesem Tag habe er durch die Amtsvormundin die Mitteilung erhalten, F.________ sei nach wie vor schwanger, wobei er als Vater des ungeborenen Kindes angesehen werde. Gemäss seiner Darstellung im Berufungsverfahren habe ihn diese Mitteilung "schockiert". Das Obergericht erwog, es sei unschwer vorstellbar, dass dies keine freudige Überraschung gewesen sei. Was dann allerdings im Beschwerdeführer innerlich vorgegangen sei und wozu er sich in der Folge wirklich entschieden habe, dazu könne die Amtsvormundin nichts beitragen. Entgegen seinem Antrag bedürfe es daher nicht der Befragung der Amtsvormundin als Zeugin zu seiner damaligen Reaktion auf ihre Mitteilung. Das Obergericht folgerte, es liege auf der Hand, dass eine vom Beschwerdeführer nicht auszuschliessende und von ihm auch nicht ausgeschlossene Vaterschaft bei offenkundig unerwünschter Mutter und nicht gewünschtem Kind neben allfälligen sozialen vorab finanziell unangenehme Folgen haben konnte. Es sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer keine engere Beziehung zur werdenden Mutter angestrebt habe und die Beziehung vielmehr bereits beendet gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe somit einen handfesten Grund gehabt, eine solche Tat wie eingeklagt zu begehen oder zu veranlassen. Ein gewichtiges Indiz für diese Annahme sei auch darin zu erblicken, dass der Beschwerdeführer mit Frau F.________, auf sein Betreiben hin und angeblich um mit ihr über die Schwangerschaft zu sprechen, am 8. Dezember 1996 ein Treffen auf den 9. Dezember 1996, 17.00 Uhr, bei der Endstation der Buslinie A in Zürich vereinbart habe, und ausgerechnet zu diesem wichtigen Treffen nicht bzw. erst eine Stunde nach dem abgemachten Termin erschienen sei. Während er ausgeblieben sei, sei F.________ fristgerecht am Treffpunkt erschienen und gemäss ihrer grundsätzlich glaubhaften Schilderung von einem bereits vor Ort wartenden Mann angegriffen worden. Den Täter habe Frau F.________ beschrieben und identifiziert, wobei sich herausgestellt habe, dass es sich um einen Kollegen des Beschwerdeführers gehandelt habe. Das Obergericht gelangte zum Schluss, ein "solch auffälliges Zusammentreffen von Querverbindungen sowie von Übereinstimmungen, ein derartiges Ineinandergreifen in zeitlicher, örtlicher, personeller sowie insbesondere auch motivlicher Art" könne "unmöglich auf Zufällen beruhen" und sei "mit Sicherheit auch nicht der Fantasie" von Frau F.________ entsprungen. c) Die Überlegungen, mit denen das Obergericht die Glaubwürdigkeit von F.________ und die grundsätzliche Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung des Tatgeschehens vom 9. Dezember 1996 bejahte, lassen sich mit guten Gründen vertreten. Der Beschwerdeführer bringt nichts vor, was geeignet wäre, die oben (E. 3a u. 5b) angeführten Feststellungen der kantonalen Instanz als willkürlich erscheinen zu lassen. Er macht geltend, wesentlich sei, dass nicht jede einzelne Argumentation des Obergerichts für sich allein genommmen den Vorwurf der Willkür zu begründen vermöge; vielmehr sei es die Summe der konsequent zugunsten von F.________ einerseits und zu seinen Ungunsten anderseits gerichteten Argumentation, welche die Beweiswürdigung als Ganzes willkürlich erscheinen lasse. Wo immer auch eine Interpretation des vorhandenen Beweismaterials zu seinen Gunsten möglich gewesen wäre, sei dies unterlassen worden. Diese Rügen sind unzutreffend. Das Obergericht hat sowohl die Aussagen von Frau F.________ als auch die dagegen erhobenen Einwendungen des Beschwerdeführers sowie dessen Darstellung des Sachverhaltes ausführlich analysiert und eingehend geprüft. Wenn es zum Schluss gelangte, die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten die im Kerngehalt immer konstant gebliebene Darstellung der Zeugin F.________ nicht zu entkräften, hat es die Beweise nicht einseitig und nicht mit fehlender Objektivität gewürdigt. Es konnte ohne Willkür annehmen, es sei erstellt, dass sich die beiden Angeklagten im Zeitraum zwischen dem 3. und 9. Dezember 1996 entschlossen hätten, mit Gewalteinwirkung bei F.________ eine Abtreibung zu bewirken. Bei objektiver Würdigung des ganzen Beweisergebnisses blieben auch keine offensichtlich erheblichen und schlechterdings nicht zu unterdrückenden Zweifel an der Schuld des Beschwerdeführers bestehen. Das Kassationsgericht hat im angefochtenen Entscheid mit Recht eine willkürliche Beweiswürdigung des Obergerichts verneint. Es verletzte daher weder Art. 9 BV noch verfiel es in überspitzten Formalismus, wenn es die vom Beschwerdeführer gegen das obergerichtliche Urteil eingereichte Nichtigkeitsbeschwerde abwies, soweit es darauf überhaupt eintreten konnte. Nach dem Gesagten ist die staatsrechtliche Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.