Citation: 4P.139/2002 10.10.2002 E. 3

Die Beschwerdeführer rügen, das Verwaltungsgericht habe mit der Annahme der hypothetischen Einwilligung das Willkürverbot und den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. 3.1 Das Bundesgericht hat sich in BGE 117 Ib 197 E. 5 in einem Direktprozess ausführlich mit den Voraussetzungen der Annahme einer hypothetischen Einwilligung auseinander gesetzt. In Anwendung von aargauischem kantonalem Recht hat das Bundesgericht erwogen, dass ein Patient nicht rechtsgültig in die Behandlung einwilligen kann, wenn er nicht umfassend über die Risiken einer Operation informiert wird. Liegt keine Einwilligung des Patienten vor, ist der Arzt beweispflichtig, dass der Patient auch eingewilligt hätte, wenn er über die Risiken aufgeklärt worden wäre. Vom Patienten kann jedoch verlangt werden, dass er glaubhaft macht oder zumindest behauptet, weshalb er auch bei gehöriger Aufklärung die Einwilligung zur Vornahme des Eingriffes verweigert hätte. Wirkt der Patient nicht mit, kann nach objektiviertem Massstab darauf abgestellt werden, ob die Ablehnung des Eingriffs vom Standpunkt eines vernünftigen Patienten aus unverständlich ist. Das Verwaltungsgericht hat in casu die bundesgerichtliche Praxis zur Auslegung des bernischen kantonalen Rechts beigezogen, was die Beschwerdeführer nicht als verfassungswidrig beanstanden. In eingehender Würdigung der Beweise ist das Verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, es sei der Beschwerdeführerin nicht gelungen plausibel zu machen, weshalb sie bei gehöriger Aufklärung aus damaliger Sicht vor einem echten Entscheidungskonflikt gestanden hätte. Die Beschwerdeführerin habe nicht darlegen können, warum sie in Kenntnis ihres besorgniserregenden Zustandes und der äusserst ungünstigen Prognose ihre Einwilligung verweigert hätte, zumal sie sich auch bei gehöriger Aufklärung nicht für eine erfolgversprechende Alternative hätte entscheiden können, denn eine solche sei von vornherein nicht in Betracht gefallen. Daher sei massgebend, ob die Ablehnung vom Standpunkt einer vernünftigen Person aus unverständlich gewesen wäre, was vorliegend bejaht werden müsse.