Citation: 4A_194/2024 E. 4.2.4

4.2.4. 4.2.4.1. Die Vorinstanz überspannt die Anforderungen an die Begründung der Berufungsantwort gemäss Art. 312 Abs. 1 i.V.m. Art. 311 Abs. 1 ZPO (vgl. BGE 141 III 569 E. 2.3.3; 138 III 374 E. 4.3.1). Die Beschwerdeführerin wendet zu Recht ein, dass sie in der Berufungsantwort ausführlich auf ihre erstinstanzliche Bestreitung einging, die Reisezeit von täglich 30 Minuten sei gemäss GAV keine zu vergütende Arbeitszeit und deshalb vom behaupteten Anspruch abzuziehen. Sie nimmt dabei entgegen der Vorinstanz hinreichend Bezug auf die relevante Erwägung 3.1.3. des erstinstanzlichen Entscheids, die sie mit konkreter Kritik an den Vorbringen des Beschwerdegegners in seiner Berufungsbegründung zu ihren Gunsten zu stützen versucht. Dies untermauert sie mit konkreten Aktenhinweisen auf die relevanten erstinstanzlichen Vorbringen und entsprechende Beweisanträge. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin in ihrer Rolle als Berufungsbeklagte sind hinreichend genau und eindeutig. Die Vorinstanz hätte durch sorgfältiges Studium der zitierten Aktenverweise mühelos verstehen können, auf welche Bestreitung sich die Vorbringen der Parteien bezüglich der streitgegenständlichen erstinstanzlichen Erwägung 3.1.3 beziehen und hätte sich mit der prozesskonformen Bestreitung der Abweichung zwischen GAV und Arbeitsvertrag hinsichtlich der Vergütung der geltend gemachten Arbeitszeit als Reisezeit befassen und sich die Frage stellen müssen, ob die Partien ihrer jeweiligen Behauptungs- Bestreitungs- und Substanziierungslast nachgekommen sind, was gerade der Kern des angefochtenen erstinstanzlichen Entscheids ausmachte. Der Hinweis, dass die Vorinstanz "aussenstehend" sei und sich die Parteien - zwangsläufig erstinstanzlich - schon ausgetauscht hätten, greift offensichtlich zu kurz. Damit wird die Vorinstanz ihrer Rolle als Berufungsinstanz mit voller Kognition in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht nicht gerecht. Die Vorinstanz hat sich über die hinreichend begründeten Vorbringen der Beschwerdeführerin in Verletzung ihres Gehörsanspruchs hinweggesetzt. 4.2.4.2. Die Beschwerdeführerin wendet zu Recht ein, dass die Beweiswürdigung wegen der Nichtberücksichtigung ihrer Vorbringen willkürlich ausfällt: Die Vorinstanz überging die hinreichende Bestreitung der Beschwerdeführerin in einem entscheiderheblichen Punkt, indem sie dem Beschwerdegegner ungerechtfertigterweise die ihm obliegende Substanziierungs- und Beweisführungslast erleichterte. Sie berücksichtigte dabei im Sinne eines Einzelvergleichs die für den Beschwerdegegner günstige Abweichung zwischen dem GAV und dem Arbeitsvertrag hinsichtlich der Arbeitszeit, ignorierte aber die damit sachlich eng zusammenhängende Abweichung hinsichtlich der Entschädigung der Reisezeit als Arbeitszeit. Gestützt auf diese unvollständige Anwendung des Günstigkeitsprinzips (vgl. BGE 134 III 399 E. 3.2.4.3) würdigte sie die Beweise einseitig dahin, ob der Beschwerdeführerin der Gegenbeweis gelungen sei, dass der Beschwerdegegner weniger als die behaupteten 43 Stunden geleistet hat. In welchem Umfang die (pauschal) behauptete Arbeitszeit aus Fahrzeit bestand und wie dies bei der Beurteilung der Entschädigung für die behaupteten 43 Stunden pro Woche zu würdigen ist, liess sie demgegenüber gänzlich ausser Acht.