Citation: U 479/05 06.02.2007 E. 5

5.1 Dr. med. W.________ ging in den Berichten vom 28. Februar und 26. April 1999 davon aus, die Versicherte habe beim Unfall vom 13. Februar 1999 zusätzlich eine leichte Commotio cerebri erlitten. Im neurologischen Gutachten des Dr. med. M.________ vom 20. April 2000 wurde ausgeführt, Hinweise für eine Commotio cerebri ergäben sich auf Grund der Anamnese, insbesondere auch der früheren Aktennotizen, nicht; in der klinischen Untersuchung fänden sich auch keine Hinweise auf eine neuropsychologische Beeinträchtigung. Der psychiatrische Experte Dr. med. F.________ legte am 17. Januar 2001 dar, die subjektiven Beschwerden der Versicherten entsprächen denjenigen, über die auch andere Patienten, die nachweislich eine HWS-Verletzung und möglicherweise des Gehirns erlitten hätten, berichteten; es sei unter anderem eine neuropsychologische Untersuchung vorzunehmen. Dr. med. K.________ führte am 16. Oktober 2000 aus, auf Grund der von der Versicherten angegebenen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen scheine ihm eine neuropsychologische Untersuchung angezeigt. Am 12. März 2001 gab er an, diese Untersuchung sei eventuell nachzuholen. 5.2 Eine Commotio cerebri wird definiert als ein Bewusstseinsverlust von kurzer Dauer ohne neurologische Ausfälle, währenddem eine Contusio cerebri einen Zustand mit konsekutiven neurologischen Defiziten mit oder ohne Bewusstseinsverlust darstellt. Diese Begriffe werden den peritraumatischen Störungen nicht gerecht, da der Bewusstseinsverlust zu sehr im Mittelpunkt steht und klinische Zwischenstufen nicht berücksichtigt werden. Unter anderem wegen dieser Nachteile wurde der neue Begriff der milden traumatischen Hirnverletzung (mild traumatic brain injury [MTBI]) eingeführt. Darunter wird ein durch Kontaktkräfte (Kopfanprall, Schlag auf Kopf) oder Akzeleration bzw. Dezeleration bedingtes kraniales Trauma verstanden, welches zu einer Unterbrechung der zerebralen Funktionen führt. Nach allgemein anerkannter Lehrmeinung setzt die Diagnose entweder eine Episode von Bewusstlosigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmittelbar vor oder nach dem Unfall oder eine Bewusstseinsstörung (z.B. Benommenheitsgefühl, Desorientierung) im Zeitpunkt der Verletzung voraus (Adrian M. Siegel, Neurologisches Beschwerdebild nach Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule, in: Adrian M. Siegel/ Daniel Fischer [Hrsg.], Die neurologische Begutachtung, Zürich 2005, S. 164-166; Urteile T. vom 29. März 2006 E. 3.1, U 197/04, und R. vom 6. November 2006 E. 4.2, U 444/05). 5.3 Umstritten ist, ob die Versicherte beim Unfall vom 13. Februar 1999 den Kopf angeschlagen hat. 5.3.1 Im Rahmen der neurologischen Begutachtung durch Dr. med. M.________ vom 20. April 2000 führte die Versicherte aus, beim Unfall vom 13. Februar 1999 habe es ihr den Kopf nach hinten und vorn geschlagen; sie habe sofort einen enormen Schmerz im Nacken gehabt. Danach sei sie zur Arbeit gefahren; dann habe sie richtig realisiert, was geschehen sei. Gleichentags sei sie zu Dr. med. W.________ gegangen. Sie wisse nicht, ob sie den Kopf angeschlagen habe; sie meine aber, die Beule am Kopf bestehe seit jenem Moment. Dem psychiatrischen Experten Dr. med. F.________ gab sie an, sie könne nicht mit Bestimmtheit sagen, ob sie den Kopf angeschlagen habe (Gutachten vom 17. Januar 2001). In der Unfallmeldung der Arbeitgeberin vom 19. Februar 1999 wurden eine Verletzung an Rücken und Hals sowie eine Zerrung der HWS und Muskelzerrung angegeben. Eine Kopfverletzung wurde nicht erwähnt. In seinem ersten Bericht vom 28. Februar 1999 verneinte Dr. med. W.________, der die Versicherte am Unfalltag behandelte, einen Kopfanprall ausdrücklich. Es ist nur schwer nachvollziehbar, dass eine verunfallte Person, die den Arzt aufsucht, um einen Befund über die Unfallfolgen erstellen zu lassen, Verletzungen am Kopf - selbst wenn es sich nur um eine Kontusion bzw. Verwölbung handelt - nicht festhalten lässt (vgl. auch Urteil G. vom 2. März 1999 E. 2b, U 25/98). Der Bericht des Paraplegikerzentrums vom 31. Mai 1999 (MRI Schädel nativ und KM vom 28. Mai 1999) enthält keine Angaben zur Unfallkausalität des festgestellten Osteoms. Kreisarzt-Stellvertreter Dr. med. U.________, FMH Orthopädie, ging am 25. Juni 1999 davon aus, das Osteom sei ein Zufallsfund und nicht unfallkausal. 5.3.2 Nach dem Gesagten ist es zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 13. Februar 1999 den Kopf angeschlagen hat, jedoch ist dies nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt (BGE 129 V 153 E. 2.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil O. vom 4. August 2003 E. 3.1, U 67/03). Die Verwölbung am Kopf kann somit nicht auf den Unfall vom 13. Februar 1999 zurückgeführt werden. 5.4 Vorliegend scheinen die Voraussetzungen für eine MTBI insofern erfüllt zu sein, als gemäss Angaben der Versicherten unmittelbar nach dem Unfall zwar keine Bewusstlosigkeit aufgetreten, es jedoch zu Bewusstseinsstörungen in Form von Benommenheit und Verwirrtheit gekommen ist (Bericht des Dr. med. W.________ vom 28. Februar 1999; vgl. auch erwähntes Urteil U 197/04 E. 3.1). Damit ist indessen noch nicht gesagt, dass sie an nachweisbaren organischen Unfallfolgen leidet. Hiezu bedarf es einer feststellbaren intrakraniellen Läsion oder eines messbaren Defektzustandes (neurologischer Ausfall) als Folge einer Schädigung des zentralen Nervensystems (erwähnte Urteile U 197/04 E. 3.1 und U 444/05 E. 5.2). Die durchgeführten neurologischen Abklärungen des Dr. med. M.________ vom 20. April 2000 und des Dr. med. S.________ vom 23. Juli 2002, ergaben unauffällige Befunde. Die von Dr. med. S.________ festgestellte, seit April 2002 aufgetretene Sehstörung am linken Auge unklarer Ätiologie war gemäss Angaben der Versicherten vom 18. September 2002 wieder grösstenteils verschwunden und wurde in den nachfolgenden Arztberichten nicht mehr erwähnt; auch vor- und letztinstanzlich machte die Versicherte eine Sehstörung nicht mehr geltend. In der neurologischen Expertise vom 20. April 2000 wurden Hinweise auf eine neuropsychologische Beeinträchtigung verneint. Der Psychiater Dr. med. F.________ stellte am 17. Januar 2001 lediglich ein gelegentliches Stocken im Redefluss fest, das als Wortfindungsstörung interpretiert werden könne. Anhaltspunkte für neuropsychologische Funktionsstörungen von erheblichem Gewicht fehlten mithin. Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass die SUVA von einer neuropsychologischen Abklärung absah (vgl. auch AJP 2006 S. 236 [Urteil A. vom 5. Oktober 2005 E. 5, U 424/04]). Nach dem Gesagten ist ein klar fassbares organisches Korrelat für die geltend gemachten Beschwerden und ein hinreichender Nachweis für die Organizität des Beschwerdebildes nicht erbracht (vgl. auch erwähntes Urteil U 444/05 E. 5.2). Ergänzend sei angefügt, dass die Versicherte vorinstanzlich selber einräumte, es sei zutreffend, dass der Neurologe Dr. med. M.________ für die Kopfschmerzen kein organisches Substrat ausgemacht habe. 5.5 Mangels Bewusstlosigkeit der Versicherten nach dem Unfall vom 19. Februar 1999 scheidet eine Commotio cerebri als Unfallfolge grundsätzlich aus (vgl. auch Urteil B. vom 27. Juni 2002 E. 2, U 56/02).