Citation: 1P.203/2000 17.08.2000 E. 3

3.- a) Gemäss dem vom Beschwerdeführer angerufenen, in den Art. 6 Ziff. 2 EMRK und 32 Abs. 1 BV gewährleisteten Prinzip in dubio pro reo ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist. Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Entscheidend ist, ob die Zweifel erheblich und nicht zu unterdrücken sind, das heisst sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 86 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2c S. 37). Bei der Beurteilung von Fragen der Beweiswürdigung beschränkt sich das Bundesgericht auf eine Willkürprüfung. Willkür liegt nach der Rechtsprechung nicht schon vor, wenn eine andere Lösung in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuziehen wäre. Das Bundesgericht weicht vom Entscheid der kantonalen Behörde nur ab, wenn dieser offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt nur vor, wenn nicht bloss die Begründung, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 125 I 166 E. 2a S. 168; 125 II 129 E. 5b S. 134 und 10 E. 3a mit Hinweisen). Demnach kann das Bundesgericht nur eingreifen, wenn der Sachrichter den Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des ganzen Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an dessen Schuld fortbestanden (BGE 124 IV 86 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2d S. 38). Der Sachrichter verfällt nicht in Willkür, wenn seine Schlussfolgerungen nicht mit der Darstellung des Angeklagten übereinstimmen (BGE 116 Ia 85 E. 2b) und jedenfalls im Ergebnis haltbar sind. Eine einseitige Berücksichtigung der Beweismittel verstösst indessen gegen das Willkürverbot. b) Der Beschwerdeführer beanstandet die vom Obergericht vorgenommene Beweiswürdigung hinsichtlich der Feststellung des Unfallhergangs, indem er geltend macht, es sei selbst bei Annahme der aus dem verkehrstechnischen Gutachten hervorgehenden und von den Zeugen bestätigten technischen Daten möglich und sogar wahrscheinlich, dass er sich bei Beginn des Abbiegemanövers - mithin bei Anzeige der Richtungsänderung durch F.________ - bereits auf der Überholspur befunden habe. Aus den obergerichtlichen Feststellungen, wonach der Beschwerdeführer vor der Kollision eine Geschwindigkeit von mindestens 80 km/h aufgewiesen und F.________ das Blinksignal rund 8 - 10 Sekunden vor dem Unfall eingestellt haben soll, leitet der Beschwerdeführer ab, dass er selbst zu diesem Zeitpunkt noch rund 220 m von der späteren Unfallstelle entfernt gewesen und demnach bereits auf der Überholspur gefahren sein müsse. Diese Schlussfolgerung ist indessen nicht nachvollziehbar, da die Distanz des Beschwerdeführers zum Unfallort im Zeitpunkt der Anzeige des Richtungswechsels schon im Grundsatz nicht geeignet ist, etwas darüber auszusagen, wann der Beschwerdeführer zum Überholen ansetzte. Demgegenüber geht aus dem vom Obergericht herangezogenen Gutachten sowie den Zeugenaussagen hervor, dass der Personenwagen F.________ vor dem eigentlichen Richtungswechsel praktisch zum Stillstand kam oder jedenfalls mit höchstens 10 km/h unterwegs war, so dass auch die beiden hinter ihm fahrenden Lenker ihre Geschwindigkeit entsprechend reduzieren mussten. Da der Beschwerdeführer die beiden Lenker Cavigelli und Keller gemäss deren übereinstimmenden Angaben unmittelbar vor der Kollision, als diese ihre Wagen schon fast bis zum Stillstand abgebremst hatten, mit einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h überholte, erscheint es nicht unhaltbar, wenn das Obergericht angenommen hat, der Beschwerdeführer habe zum Überholen erst angesetzt, als er schon fast auf die vorderen Wagen aufgeschlossen hatte und damit zu einem Zeitpunkt, in dem das Abbiegemanöver am vordersten Wagen der Kolonne bereits angezeigt war. Dass der Beschwerdeführer, wie er selbst aussagte, das Blinkzeichen nicht sah, obwohl es unbestrittenermassen während mindestens 8 Sekunden auf der linken Wagenseite des Personenwagens F.________ aufleuchtete, spricht ebenfalls für die Variante, wonach er sich bei der Signalisation des Richtungswechsels noch nicht auf der Überholspur befunden haben dürfte. Folglich ergeben sich aus der Sachverhaltsdarstellung des Obergerichts keine Widersprüche. Es sind auch keine anderweitigen Anhaltspunkte ersichtlich, die erhebliche Zweifel an der Schuld des Beschwerdeführers erwecken würden.