Citation: C 49/01 07.11.2001 E. 2

2.- a) Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG haben bei- tragspflichtige Arbeitnehmer von Arbeitgebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmer beschäftigen, Anspruch auf Insolvenz- entschädigung, wenn gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen. Die Insolvenzentschädigung deckt nach Art. 52 Abs. 1 AVIG (in der ab 1. Januar 1996 geltenden Fassung) Lohnforderungen für die letzten sechs (ab 1. September 1999: vier) Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach Artikel 3 Ab- satz 1; als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen. Wird über den Arbeitgeber der Konkurs eröffnet, so muss der Arbeitnehmer gemäss Art. 53 AVIG seinen Entschädi- gungsanspruch spätestens 60 Tage nach der Veröffentlichung des Konkurses im Schweizerischen Handelsamtsblatt bei der öffentlichen Kasse stellen, die am Ort des Betreibungs- und Konkursamtes zuständig ist (Abs. 1). Bei Pfändung des Ar- beitgebers muss der Arbeitnehmer seinen Entschädigungsan- spruch innert 60 Tagen nach dem Pfändungsvollzug geltend machen (Abs. 2). Mit dem Ablauf dieser Fristen erlischt der Anspruch auf Insolvenzentschädigung (Abs. 3). Nach Art. 55 Abs. 1 AVIG muss der Arbeitnehmer im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles unternehmen, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die Kasse ihm mitteilt, dass sie an seiner Stelle in das Verfahren eingetreten ist. Danach muss er die Kasse bei der Verfolgung ihres Anspruchs in jeder zweckdienlichen Weise unterstützen. b) Der früheren Rechtsprechung zufolge bestand in den- jenigen Fällen, in welchen die Konkurseröffnung oder die Einreichung des Pfändungsbegehrens nach Beendigung des Ar- beitsverhältnisses erfolgt, Anspruch auf Insolvenzentschä- digung unter der kumulativen Voraussetzung, dass die Insol- venz des Arbeitgebers im Zeitpunkt der Auflösung des Ar- beitsverhältnisses schon bestanden hat und sich die Kon- kurseröffnung bzw. die Einreichung des Pfändungsbegehrens aus Gründen verzögert hat, auf die die versicherte Person keinen Einfluss nehmen konnte (BGE 114 V 59 Erw. 3d). Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in dem in SZS 2001 S. 92 ff. zusammengefassten Urteil B. vom 18. Februar 2000, C 362/98, entschieden hat, wird daran insofern nicht fest- gehalten, als ein Anspruch auf Insolvenzentschädigung auch dann gegeben sein kann, wenn die Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers erst nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses eintritt. Unverändert gilt die bisherige zweite Voraus- setzung, wonach sich die Konkurseröffnung bzw. die Ein- reichung des Pfändungsbegehrens aus Gründen verzögert haben muss, auf die die versicherte Person keinen Einfluss nehmen konnte. Im Rahmen dieses Erfordernisses ist praxisgemäss Art. 55 Abs. 1 AVIG zu beachten, nach dessen erstem Satz - als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht - der Arbeitnehmer im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles unternehmen muss, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeit- geber zu wahren. Ein Anspruch auf Insolvenzentschädigung entfällt daher, wenn der Arbeitnehmer oder die Arbeitneh- merin nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses die Lohnan- sprüche nicht innert nützlicher Frist geltend macht (BGE 114 V 60 Erw. 4). In dem in ARV 1999 Nr. 24 S. 140 ff. ver- öffentlichten Urteil C. vom 25. Juni 1998, C 183/97, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht festgestellt, dass ein Versicherter, dessen Arbeitsverhältnis lange vor dem Konkurs des Arbeitgebers beendigt worden ist und der mehr als ein Jahr nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu- wartet, um ausstehende Löhne geltend zu machen, den An- spruch auf Insolvenzentschädigung verliert. c) Der Beschwerdegegner hat den Anspruch auf Insol- venzentschädigung am 30. November 1999 und damit innert der Frist von 60 Tagen seit der am 1. Oktober 1999 erfolgten Publikation der Konkurseröffnung im SHAB angemeldet. Er ist indessen der Pflicht zur Geltendmachung seiner Ansprüche aus dem ehemaligen Arbeitsverhältnis in der Zeit bis zur Konkurseröffnung nicht nachgekommen. Seinen Angaben zufolge hat er letztmals im Juni 1996 Lohn erhalten. Die fraglichen Quellensteuerabzüge wurden in den Lohnabrechnungen der Mo- nate Mai und Juni 1996 vorgenommen. Die Kündigung des Ar- beitsverhältnisses erfolgte am 27. Juni 1996, wobei der ehemalige Arbeitgeber von einer zweiwöchigen Kündigungs- frist ausging. Erst mit Schreiben vom 13. Februar 1998 fragte der Beschwerdegegner beim Steueramt der Gemeinde B.________ nach, ob sein ehemaliger Arbeitgeber die Quel- lensteuerbeträge abgeliefert habe. Aus der nachfolgenden Korrespondenz zwischen dem Gemeindesteueramt und der da- maligen Rechtsvertreterin des Beschwerdegegners zog dieser den Schluss, die Quellensteuerabzüge seien zu Unrecht er- folgt, weshalb er am 30. April 1999 Fr. 1915.- zuzüglich Verzugszinsen vom ehemaligen Arbeitgeber zurückverlangen liess. Weil R.________ daraufhin keine Zahlungen erbrachte, wurde dieser Forderungsbetrag am 1. November 1999 in den Konkurs des ehemaligen Arbeitgebers eingereicht. In der Zeit von Juli 1996 bis anfangs 1998 hat der Beschwerde- gegner keine Schritte zur Geltendmachung und Realisierung der behaupteten Forderung aus Arbeitsvertrag unternommen. Es liegen keinerlei Umstände vor, die diesen langen Ver- zicht auf Vorkehren unter den massgebenden arbeitslosenver- sicherungsrechtlichen Gesichtspunkten zu rechtfertigen ver- möchten. Denn es kann nicht Zweck der Insolvenzentschädi- gung sein, Lohnansprüche zu ersetzen, auf deren Geltend- machung die Arbeitnehmenden während über eines Jahres seit Beendigung des Arbeitsverhältnisses ohne hinreichenden Grund verzichtet haben. Der Beschwerdegegner bringt in seiner Vernehmlassung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde vor, dass er zwischen der Beendigung des Arbeitsverhält-