Citation: 8C_675/2010 21.10.2010 E. 3

Laut den Angaben des erstbehandelnden Arztes des Spitals X.________ vom 10. Dezember 2006 klagte der Versicherte nach dem Unfall vom 9. Dezember 2006 namentlich über Nacken- und Kopfschmerzen sowie eine Hyposensibilität im linken Arm. Die SUVA hat die hiefür erbrachten Geldleistungen auf den 31. Januar 2009 eingestellt und zugleich einen Anspruch auf weitergehende gesetzliche Leistungen verneint. Das kantonale Gericht hat dies bestätigt. 3.1 Der Beschwerdeführer wendet zunächst ein, im Zeitpunkt des Fallabschlusses der SUVA seien allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung noch nicht abgeschlossen gewesen. Die IV-Stelle habe am 23. Oktober 2009 mitgeteilt, es seien noch weitere medizinische Abklärungen notwendig. 3.1.1 Nach Gesetz (Art. 19 Abs. 1 UVG) und Praxis hat der Unfallversicherer den Fall (unter Einstellung von Heilbehandlung und Taggeld sowie Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung) abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (BGE 134 V 109 E. 4.1 S. 113 mit Hinweisen). Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3 S. 115). Sodann gilt, dass der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht auf Grund retrospektiver Feststellungen zu beurteilen ist (RKUV 2005 Nr. U 557 S. 388, U 244/04 E. 3.1 mit Hinweisen; Urteil 8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 4.2). Davon zu unterscheiden ist die Prüfung der adäquaten Kausalität zwischen Unfall und Gesundheitsschaden, bei welcher nach Abschluss des normalen, unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses abgeklärt wird, ob die geklagten Beschwerden zum Unfall adäquat kausal sind. 3.1.2 Das kantonale Gericht hat erwogen, Kreisarzt Dr. med. S.________ habe in der ärztlichen Beurteilung vom 25. September 2008 festgehalten, es sei mit keiner namhaften Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu rechnen. Dies bestätigte der Arzt auch in der Beurteilung vom 26. Januar 2009. Zudem ergibt sich aus den Akten und wird in der Beschwerde bestätigt, dass bislang keine Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung zugesprochen, geschweige denn im Zeitpunkt des Fallabschlusses bereits durchgeführt wurden. Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu werden. Wird der Entscheid der Invalidenversicherung über die (berufliche) Eingliederung erst später gefällt, kann dies Anlass für eine das Taggeld ablösende Übergangsrente nach Art. 19 Abs. 3 UVG in Verbindung mit Art. 30 UVV bilden. Beim Entscheid über die Übergangsrente ist der Unfallversicherer, nicht anders als beim Entscheid über die definitive Invalidenrente, im Lichte von BGE 134 V 109 gehalten, auch die Adäquanzfrage zu prüfen. Der Anspruch auf eine Übergangsrente setzt denn auch voraus, dass der ausstehende Entscheid der Invalidenversicherung über die Eingliederung einer Problematik aufgrund eines unfallkausalen Gesundheitsschadens gilt (SVR 2009 UV Nr. 39 S. 134, 8C_304/2008 E. 3.1.2 und 3.2.2). Fehlt es an einem solchen Gesundheitsschaden, was nachfolgend geprüft wird, erübrigen sich Weiterungen zu einer Übergangsrente. Hier hat es mit der Feststellung sein Bewenden, dass die SUVA auf den 31. Januar 2009 zu Recht Taggeld und Heilbehandlung eingestellt hat. 3.2 Die Vorinstanz hat bei der Verneinung eines weiteren Leistungsanspruchs erwogen, es liege keine organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolge vor, welche die geklagten Beschwerden zu erklären vermöge. 3.2.1 Diese Beurteilung beruht auf einer nicht zu beanstandenden Würdigung der medizinischen Akten. Hervorzuheben ist, dass die unmittelbar nach dem Unfallereignis im Spital X.________ durchgeführten Untersuchungen von HWS und BWS mittels CT keine relevanten Befunde ergaben, welche gegebenenfalls auf den Unfall zurückzuführen wären. Gemäss Bericht vom 10. Dezember 2006 fehlten Hinweise auf frische ossäre oder Weichteile betreffende Läsionen. Etwas anderes lässt sich auch dem Bericht des Dr. med. H.________ vom 2. Juli 2007 nicht entnehmen. Die auf dem MRI der HWS vom 26. März 2007 gezeigte subligamtentäre Diskushernie C6/7 entsprach laut Stellungnahme von Kreisarzt Dr. med. S.________ vom 24. Juli 2007 einer degenerativen Veränderung, für deren Verursachung der Unfallmechanismus vom 9. Dezember 2006 als ungeeignet zu betrachten sei. Bei einer akut durch den Unfall entstandenen Diskushernie wären gemäss seinen Ausführungen andere Befunde festgehalten worden. Auch für die Verschlimmerung eines pathologischen Vorzustandes würden in den echtzeitlichen medizinischen Unterlagen entsprechende Befunde fehlen. Das MRI der Schulter zeigte laut Bericht des Orthopäden Dr. med. N.________ vom 2. Mai 2007 eine intakte Rotatorenmanschette und unauffällige Bizepssehnen sowie ein intaktes Labrum. Auch neurologisch konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden, wie den Berichten des Dr. med. F.________ vom 3. April 2007 und des Dr. med. H.________ vom 2. Juli 2007 zu entnehmen ist. Nichts anderes lässt sich dem Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 20. November 2007 entnehmen. Sowohl am 25. September 2008 wie auch am 26. Januar und am 11. März 2009 bestätigte Kreisarzt Dr. med. S.________ explizit das Fehlen strukturell objektivierbarer unfallbedingter Veränderungen. 3.2.2 Betreffend den vom Beschwerdeführer geklagten Tinnitus hält das kantonale Gericht fest, unmittelbar nach dem Unfall und auch in den darauf folgenden Monaten sei in den Akten kein Hinweis auf einen Tinnitus zu finden. Dieser sei vom Versicherten erstmals am 9. August 2007 erwähnt worden und habe alsdann im Rahmen der Abklärungen in der Klinik Y.________ als "Geräusch im Kopf" Eingang in die Anamnese gefunden. Frau Dr. med. P.________, Spezialärztin FMH für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, berichtete am 14. Dezember 2007 über einen ohrmikroskopisch unauffälligen Befund, eine klinisch normale Hörprüfung und fehlende Hirnnervenausfälle. Im Reintonaudiogramm fand sich eine linksbetonte beidseitige Hochtonsenke. Dr. med. M.________ von der SUVA-Abteilung Arbeitsmedizin, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, hielt im Bericht vom 12. März 2008 fest, es sei bekannt, dass der Airbag - welcher sich beim Beschwerdeführer nach dem Zusammenstoss ausgelöst hatte - eine gehörschädigende Schallbelastung und damit eine entsprechende knalltraumatische Ohrschädigung bewirken kann. In einem solchen Fall hätte der Tinnitus laut Facharzt indessen unmittelbar nach dem Unfall oder in den darauffolgenden Tagen oder Wochen auftreten müssen. Im Bericht vom 17. September 2008 bezeichnete Dr. med. M.________ den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem höchstens mittelschweren und damit keinem messbaren Integritätsschaden entsprechenden Tinnitus und dem Unfallereignis zwar als möglich, nicht aber als überwiegend wahrscheinlich, was für eine Bejahung der Unfallkausalität nicht genügt. Zudem attestierte keiner der Ärzte eine Arbeitsunfähigkeit wegen des Tinnitus. 3.2.3 Die bei den Akten liegenden medizinischen Abklärungsberichte und die Aussagen des Kreisarztes sowie des Dr. med. M.________ zum natürlichen Kausalzusammenhang sind genügend umfassend, klar und nachvollziehbar, um als verlässliche Entscheidungsgrundlage zu dienen. Weitere fachärztliche Beurteilungen der vorhandenen Bilder sind ebenso wenig erforderlich wie zusätzliche medizinische Abklärungen. Entgegen den Ausführungen des Versicherten ist nicht zu erwarten, dass mit erneuten medizinischen Untersuchungen oder einem interdisziplinären Gutachten, im Sinne der Rechtsprechung organisch hinreichend nachweisbare Verletzungen, dargestellt werden könnten, da sich die Beurteilung fehlender objektivierbarer organischer Unfallfolgen bereits auf gesicherte medizinische Beurteilungsgrundlagen stützen kann. Die Rüge des Versicherten, Unfallversicherer und Vorinstanz hätten den Untersuchungsgrundsatz verletzt ist ebenso unbegründet wie der Vorwurf der Rechtsverweigerung zufolge Ablehnung einer polydisziplinären Begutachtung und der Befragung von Zeugen zum Beschwerdebild. Ein interdisziplinäres Gutachten ist laut BGE 134 V 109 allenfalls zur Klärung der natürlichen Kausalität noch vorhandener Beschwerden angezeigt, wenn die üblichen Abklärungen nach einem Unfall die erforderlichen Aufschlüsse nicht zu vermitteln vermögen und die Beschwerden ohne deutliche Besserungstendenz länger anhalten oder sich schon kurz nach dem Unfallereignis Anzeichen für einen problematischen Verlauf erkennen lassen (BGE 134 V 109 E. 9.3 S. 124). Kann hingegen schon die adäquate Kausalität verneint werden, lässt sich der Fall in aller Regel ohne beweismässige Weiterungen abschliessen. Aus dem Umstand, dass sich für die Belange der Invalidenversicherung ein weitergehender Abklärungsbedarf ergeben hat, vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, da sich dort die Sach- und Rechtslage anders stellt. 3.2.4 Fehlt es nach dem Gesagten an einer organisch objektiv ausgewiesenen Folge des Unfalles vom 9. Dezember 2006, schliesst dies zwar die natürliche Unfallkausalität der bestehenden Beschwerden nicht aus. Anders als bei einem klaren unfallbedingten organischen Korrelat kann der zusätzlich zum natürlichen erforderliche adäquate Kausalzusammenhang aber nicht ohne besondere Prüfung bejaht werden (E. 2 hievor). Ergibt sich hiebei, dass es an der Adäquanz fehlt, erübrigen sich auch Weiterungen zur natürlichen Kausalität (BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472). 3.3 Unfallversicherer und Vorinstanz haben die Adäquanz geprüft und verneint. Sie gingen dabei davon aus, es fehle am schleudertraumatypischen Beschwerdebild resp. ein solches sei nicht innerhalb einer Latenzzeit von 24 bis 72 Stunden nach dem Unfallereignis aufgetreten. Daher sei der adäquate Kausalzusammenhang nach der Psycho-Praxis zu beurteilen. Der Beschwerdeführer erachtet die Schleudertrauma-Praxis für anwendbar. 3.4 Auf weitere Abklärungen zur Frage, ob der Beschwerdeführer Verletzungen erlitten hat, welche eine Prüfung nach den Kriterien der sog. "Schleudertrauma-Praxis" (BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130) rechtfertigen, kann verzichtet werden, da - wie nachfolgende Prüfung zeigt - die Adäquanz selbst bei Anwendung dieser für den Versicherten günstigeren Kriterien zu verneinen ist.