Citation: 1P.301/2006 01.09.2006 E. A

Das Bezirksamt Brugg verurteilte X.________ am 7. Oktober 2004 wegen mehrfacher Drohung, mehrfacher Nötigung, Freiheitsberaubung und Verleumdung zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 60 Tagen und einer Busse von 300 Franken. Es hielt folgenden Anklagesachverhalt für erwiesen: "Mehrfache Drohung (Dossier 2) - indem der Beschuldigte die Geschädigte Y.________ durch verbale Drohungen ("andere Mittel", im Haus des Freundes und der Eltern Radau machen) ernsthaft und glaubwürdig in Angst und Schrecken versetzt hatte; begangen am 21.11.2003, zwischen 20.00 Uhr und 22.30 Uhr, in Schönenwerd. Die Geschädigte stellte am 22.11.2003 Strafantrag; - indem der Beschuldigte die Geschädigte Y.________ durch Drohung (vgl. oben) dahingehend nötigte, in sein Auto einzusteigen, um mit ihr wegzufahren; begangen am 21.11.2003, zwischen 20.00 Uhr und 22.30 Uhr, in Schönenwerd; - indem der Beschuldigte die Geschädigte Y.________ durch verbale Drohungen ("er könnte mit ihr zusammen in eine Mauer fahren") und halsbrecherische Fahrweise mit Schwenkern nach links und rechts ernsthaft und glaubwürdig in Angst und Schrecken versetzt hatte; begangen am 21.11.2003 auf der Fahrt von Schönenwerd, zwischen 20.00 Uhr und 22.30 Uhr, nach Brugg; - indem der Beschuldigte die Geschädigte Y.________ durch wortloses Deponieren einer Waffe auf einem Tisch ernsthaft und glaubwürdig in Angst und Schrecken versetzt hatte; begangen am 21.11.2003 in Brugg. Die Geschädigte stellte am 22.11.2003 Strafantrag. Mehrfache Nötigung (Dossier 2) indem der Beschuldigte die Geschädigte Y.________ durch Drohung (vgl. oben) dahingehend nötigte, ihn zu sich nach Hause zu begleiten und mit ihm dort ein Gespräch zu führen; begangen am 21. 11. 2003 auf der Fahrt von Schönenwerd nach Brugg sowie in Brugg selber. Freiheitsberaubung (Entführung (Dossier 2) indem der Beschuldigte die Geschädigte Y.________ durch Nötigung in ihrer körperlichen Bewegungsfreiheit einschränkte und zwang, mit ihm ins Auto zu steigen und sie gegen ihren Willen bis zu seinem Wohnsitz in Brugg mitnahm. Aufgrund seiner Fahrweise und seinen Drohungen war ihr ein Aussteigen während der Fahrt unmöglich; begangen am 21. 11.2003, beginnend in Schönenwerd und endend in Brugg. Verleumdung (Dossier 3) Durch Aushändigen mehrerer Schriftstücke, welche eine HIV-Infektion oder AIDS-Erkrankung der Y.________ suggerierte, begangen am 25.11.2003, zwischen ca. 18.00 Uhr und 22.00 Uhr, in Aarau und Brugg. Die Geschädigte stellte am 04.12.2003 Strafantrag." Auf Einsprache von X.________ hin sprach ihn der Gerichtspräsident von Brugg am 15. März 2005 vom Vorwurf der Freiheitsberaubung frei und verurteilte ihn wegen Nötigung sowie übler Nachrede zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 14 Tagen und einer Busse von 300 Franken. Er erwog, es sei nicht erwiesen, dass Y.________ gegen ihren Willen gezwungen worden sei, zu X.________ ins Auto einzusteigen; vielmehr liege nahe, dass Y.________, die sowohl zu Z.________ als auch zu X.________ ein Verhältnis gehabt habe, das Auffliegen ihres Doppelspiels sehr peinlich gewesen sei, weshalb sie letztlich freiwillig eingestiegen sei, um zu verhindern, dass X.________, wie angedroht, vor der Wohnung der Eltern seines Rivalen randaliere. Damit sei der Tatbestand der Nötigung, nicht aber derjenige der Freiheitsberaubung, erfüllt. Offen bleiben könne, ob X.________ Y.________ während der Autofahrt und bei sich zu Hause weiter bedroht habe: diese Drohungen stünden in engem Zusammenhang mit der Nötigung und würden von dieser konsumiert. Das Obergericht des Kantons Aargau wies die Berufung von X.________ am 6. April 2006 ab. Es erwog, Y.________ habe vor Wegfahrt Z.________ mehrmals weggeschickt, woraus sich ergebe, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Angst vor X.________ gehabt habe. Es sei ihr vielmehr bewusst gewesen, dass sie diesem eine Erklärung schulde, weshalb sie freiwillig in dessen Auto gestiegen sei und diesem vorgeschlagen habe, irgendwo hin zu fahren, um die Sache zu besprechen. Damit aber könne X.________, entgegen den Ausführungen der Vorinstanz, nicht vorgeworfen werden, sie genötigt zu haben, ins Auto einzusteigen und mit ihm wegzufahren. Anders verhalte es sich indessen mit dem weiteren Ablauf. Diesbezüglich sei erstellt, dass X.________ Y.________ beschimpft und ihr gesagt habe, sein Leben sei kaputt und er könne sie auch gleich mitnehmen; diese Drohung habe er durch heftige Schwenkmanöver unterstützt. Dadurch sei sie in Angst und Schrecken versetzt worden, weshalb nachvollziehbar sei, dass sie seiner Aufforderung, in die Wohnung mitzukommen, gefolgt sei, wo er ihr gesagt habe, sie sei seine Freundin und müsse den Abend mit ihm verbringen. Als dieser dann eine Waffe auf den Tisch gelegt habe, habe sie eine Eskalation vermeiden wollen. Durch dieses Verhalten habe X.________ Y.________ genötigt, ab dem Zeitpunkt der Autofahrt bis zum Zeitpunkt, als sie die Wohnung verlassen habe, bei ihm zu bleiben. Mit der während der Fahrt erfolgten Drohung habe er bezweckt, Y.________ einzuschüchtern, damit sie bei ihm bleibe bzw. ihm in die Wohnung folgen solle; die Drohung werde daher durch die Nötigung konsumiert.