Citation: 4C.406/2006 16.02.2007 E. 4

4.1 Nach konstanter Rechtsprechung entspricht der haftpflichtrechtlich relevante Schaden der ungewollten Verminderung des Reinvermögens. Er kann in einer Vermehrung der Passiven, einer Verminderung der Aktiven oder in entgangenem Gewinn bestehen und entspricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte. Der entgangene Gewinn entspricht der Differenz zwischen den Einkünften, die nach dem schädigenden Ereignis tatsächlich erzielt worden sind und denjenigen, die ohne dieses Ereignis zugeflossen wären (BGE 132 III 321 E. 2.2.1 S. 323 f., 359 E. 4 S. 366, je mit Hinweisen). 4.2 Entgegen dem Begehren des Beklagten hat es die Vorinstanz abgelehnt zu berücksichtigen, dass der grössere Teil der beim Beklagten verbliebenen Gelder von dritter Seite (A.________ AG) stammte. Nach Auffassung der Vorinstanz ist entscheidend, dass die betreffenden Überweisungen an den Beklagten auf Rechnung der Klägerin erfolgten, welcher gemäss den gerichtlichen Entscheidungen die Prozessentschädigungen und die Zinsen zustanden. Ob die Geldzahlungen je zu den eigenen Mitteln der Klägerin gehört hätten oder gestützt auf die Abtretungserklärungen direkt dem Vermögen des Beklagten erwachsen seien, sei unerheblich. 4.3 Der Beklagte bringt diesbezüglich vor, die Vorinstanz habe elementarste Grundsätze des Schadenersatzrechts und damit Bundesrecht verletzt. Sie habe in Verkennung des Schadensbegriffs Prozessentschädigungen im Gesamtbetrag von Fr. 33'600.-- zu Unrecht als Schaden aufgerechnet. In diesem Umfang seien der Klägerin keine Kosten und damit kein Schaden entstanden. Es fehle somit an der wesentlichen Voraussetzung einer Schadenersatzforderung. Sollte die Klägerin den Gegenwert von ihr gutgeschriebenen Prozessentschädigungen nochmals beanspruchen können, wäre sie entsprechend bereichert, was Sinn und Zweck des Schadenersatzrechts zuwiderlaufe. 4.4 Die Rüge ist offensichtlich begründet. Nach dem angefochtenen Urteil leitet die Klägerin ihren Schaden aus einer Unterlassung ab, indem sie geltend macht, sie könne die bezahlten Honorarvorschüsse nicht auf die Mitinvolvierten abwälzen, weil der Beklagte keine den Anforderungen entsprechende Honorarrechnung erstellt hat. Zu fragen ist daher, nachdem die rechtliche Handlungspflicht feststeht, nach dem normativen Kausalzusammenhang zwischen Unterlassung und Erfolg. Zu prüfen ist, ob sich unter der Hypothese normkonformem Verhaltens eine Differenz zwischen der Vermögenslage des Ansprechers zum aktuellen Zustand ergäbe (Brehm, a.a.O., N. 108 zu Art. 41 OR; Honsell, Schweizerisches Haftpflichtrecht, 4. Aufl., S. 38 Rz. 35). Die Klägerin kann von vornherein nur eine unfreiwillige Verminderung ihres Vermögens erleiden, soweit sie daraus über den auf sie selbst entfallenden Anteil hinaus das Honorar des Beklagten bevorschusst oder die betreffende Rechnung begleicht. Nur in diesem Ausmass kann sie die Überwälzung der Anwaltskosten auf die Mitbeteilgten beanspruchen. Leistet die Gegenpartei in dem oder den vom Beklagten für die Klägerin geführten Verfahren eine Prozessentschädigung und verringert sich dadurch die Honorarforderung, ist nicht ersichtlich, inwiefern die Klägerin bei gehöriger Substanziierung der Anwaltsrechnung durch den Beklagten die Mitbeteiligten hätte belangen können. Sie hat in diesem Umfang keine Vorleistungen erbracht. In diesem Ausmass bleibt die ungenügende Rechnungsstellung durch den Beklagten ohne Einfluss und kann dem pflichtwidrigen Verhalten des Beklagten kein Schaden der Klägerin im Rechtssinne (E. 4.1 hiervor) durch den behaupteten Verlust von Ersatzforderungen zugerechnet werden. Soweit der Beklagte aufgrund der ihm abgetretenen Ansprüche auf Prozessentschädigungen für sein Honorar befriedigt wurde, kann der Klägerin kein Schaden entstanden sein. Mit der gegenteiligen Auffassung hat die Vorinstanz den Schadensbegriff verkannt und Bundesrecht verletzt. Insoweit ist die Berufung begründet. 4.5 Weil die Vorinstanz die betreffenden Ausführungen des Beklagten in Verkennung der Rechtslage für unerheblich hielt, hat sie zur Höhe der von dritter Seite gedeckten Honorarforderung und der vom Beklagten im kantonalen Verfahren unter diesem Titel geforderten Reduktion des Schadens keine eindeutigen Feststellungen getroffen. Das Verfahren ist daher nicht spruchreif und zur Ergänzung des Sachverhalts und zu neuer Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 64 Abs. 1 OG).