Citation: I 2/04 06.07.2004 E. 3

3.1 Unter dem Valideneinkommen ist dasjenige zu verstehen, welches die versicherte Person ohne Invalidität, also im Gesundheitsfall, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit tatsächlich erzielen würde. Die Ermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Massgebend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung, soweit hiefür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen (Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums etc.), zu erwarten gehabt hätte. Da nach empirischen Feststellungen in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV 2000 Nr. U 400 S. 381 Erw. 2a, 1993 Nr. U 168 S. 100 f. Erw. 3b; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 Erw. 3c). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierte Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte zurückzugreifen, wie sie beispielsweise in der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik enthalten sind. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (Ulrich Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Zürich 1997, S. 205 f.). Ist aufgrund einer gesamthaften Beurteilung der Umstände des Einzelfalles anzunehmen, dass sich eine versicherte Person als Gesunde voraussichtlich dauernd mit einer bescheidenen Erwerbstätigkeit begnügen würde, so ist darauf abzustellen, auch wenn sie an sich besser entlöhnte Erwerbsmöglichkeiten hätte (ZAK 1992 S. 92 Erw. 4a). 3.2 Geht es dagegen im Rahmen des Umschulungsanspruchs im Sinne von Art. 17 Abs. 1 IVG um die Beurteilung der annähernden Gleichwertigkeit (vgl. BGE 124 V 110 Erw. 2a), ist nicht auf die Erwerbsmöglichkeiten im bisherigen Beruf abzustellen, die die versicherte Person ohne Gesundheitsschaden durch berufliche Weiterentwicklung allenfalls (hypothetisch) erreicht hätte; entscheidend sind vielmehr die erwerblichen Verhältnisse im Zeitpunkt des Invaliditätseintritts (Ulrich Meyer-Blaser, a.a.O., S. 129 mit Hinweis auf das unveröffentlichte Urteil D. vom 18. Dezember 1992, I 123/91). Aus diesem Grund und weil im Übrigen auch nicht genügend konkrete Indizien dafür bestehen, dass der Beschwerdeführer wie sein Bruder als Landwirt und Gartenbauer tätig wäre und dabei ein jährliches Einkommen von rund 83'000.- erzielen würde, kann nicht auf dieses in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemachte Vergleichseinkommen abgestellt werden. 3.3 Aufgrund der Akten erscheint es indessen glaubhaft, dass sich der Beschwerdeführer nicht auf Dauer mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen begnügen wollte. In den medizinischen Unterlagen wird denn auch eine seit Jahren bestehende Unentschlossenheit auf beruflicher und beziehungsmässiger Ebene bestätigt, welche auf ein durch traumatische Jugenderlebnisse mitbeeinflusstes Krankheitsbild zurückzuführen ist. Gemäss Gutachten des Dr. med. H.________ vom 11. Februar 2002 leidet der Versicherte an emotionaler instabiler Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetypus (ICD-10 F60.31). Ungünstige persönliche und soziale Faktoren würden mithelfen, dass er beruflich nicht ankomme. Aus diesem Grund begab sich der Beschwerdeführer schliesslich in die ambulante psychiatrische Behandlung des med. pract. N.________. Dieser führte im Bericht vom 13. August 2002 aus, aufgrund der prägenden Erfahrungen in der Jugendzeit bestehe eine tiefgreifende Ambivalenz zu Gegenleistungen für eigens erbrachte Leistungen. Der Versicherte habe jedoch erkannt, dass sein Bild des Versagers, der sich keine Erfolge gönnen dürfe, im Kontrast stehe zu seinen geistigen und psychischen Qualitäten. Ziel der Therapie sei es, die Fähigkeit zu fördern, sich in einer spezifischen Situation für oder gegen ein alternatives Verhalten zu entscheiden. 3.4 Den Akten lässt sich nicht entnehmen, auf welcher Grundlage die IV-Stelle den von der Vorinstanz als Vergleichseinkommen herangezogenen Verdienst von Fr. 37'740.- berechnet hat. Dies braucht indessen auch nicht näher abgeklärt zu werden. Da der Beschwerdeführer, obwohl er über eine Anlehre bei der Firma S.________ und eine landwirtschaftliche Ausbildung verfügt, aus den soeben dargelegten gesundheitlichen Gründen bisher ein weit unterdurchschnittliches Einkommen erzielte, rechtfertigt es sich, bei der Prüfung der annähernden Gleichwertigkeit die Verdienstmöglichkeiten eines Sozialarbeiters mit jenem Einkommen zu vergleichen, das der Versicherte in der bisher ausgeübten Tätigkeit als Bauschreiner und Hilfsgärtner auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zumutbarerweise hätte verdienen können, wenn er nicht invalid geworden wäre. 3.5 Nach Tabelle TA1 der LSE 2000 betrug der statistische Mittelwert einer Arbeit im Bereich Gartenbau für Männer im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) Fr. 3542.- oder umgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 43.2 Stunden (vgl. Die Volkswirtschaft 2003 Heft 1 S. 94 Tabelle B9.2) Fr. 3825.-, mithin Fr. 45'904.- jährlich. Im Bereich Be- und Verarbeitung von Holz beträgt das Einkommen gemäss LSE 2000 für einfache und repetitive Tätigkeiten monatlich Fr. 4303.- und umgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.3 Stunden (vgl. Die Volkswirtschaft, a.a.O.) Fr. 4443.-, somit jährlich Fr. 53'314.-. Das Einkommen im Gesundheits- und Sozialwesen beträgt demgegenüber im Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) nach LSE 2000 Fr. 5490.- im Monat, was umgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft, a.a.O.) Fr. 5723.- im Monat oder Fr. 68'680.- im Jahr ergibt. Es kann somit nicht gesagt werden, die begonnene Ausbildung zum Sozialarbeiter bewirke im Vergleich zu den vor Eintritt der Invalidität möglich gewesenen Erwerbsmöglichkeiten eine erhebliche Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, welche das Erfordernis der Gleichwertigkeit im Sinne der zu Art. 17 IVG ergangenen Rechtsprechung (BGE 124 V 109 unten f. Erw. 2a mit Hinweisen) ausschlösse.