Citation: I 152/05 23.05.2006 E. 3

Streitig ist, ob eine rentenbegründende Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit besteht, wobei vorab zu prüfen ist, inwieweit der Beschwerdeführer unfall- oder krankheitsbedingt in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Dabei ist davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit grundsätzlich nach der Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich bestimmt. Bei langer Dauer der Arbeitsunfähigkeit sind jedoch andere zumutbare Tätigkeiten zu berücksichtigen (Art. 6 Satz 2 ATSG), was im vorliegenden Fall umso mehr zu gelten hat, als dem Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis per 31. Juli 2000 gekündigt worden ist. 3.1 Der Beschwerdeführer hat beim Unfall vom 22. Dezember 1999 eine HWS-Distorsion erlitten und im Anschluss daran über Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie depressive Verstimmungen geklagt. Objektivierbare organische Unfallfolgen liessen sich nicht feststellen. Inwieweit in der Folgezeit überhaupt noch somatisch erklärbare Beschwerden bestanden haben, ist fraglich. Auf Grund der medizinischen Akten ist indessen anzunehmen, dass sie jedenfalls zu keiner anhaltenden erheblichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit geführt haben. Im Austrittsbericht der Rehaklinik B.________ vom 15. Juni 2000 wird ausgeführt, die bisherige berufliche Tätigkeit als Hilfsspengler sei dem Versicherten mit Einschränkungen zumutbar, wobei die Arbeitsfähigkeit zur Zeit mit 50% zu bewerten sei. Eine sehr leichte Arbeit sei ganztags mit zusätzlichen Pausen von etwa zwei Stunden über den Tag verteilt zumutbar. Die BEFAS Appisberg gelangte auf Grund beruflicher und medizinischer Untersuchungen im Bericht vom 16. November 2001 zum Schluss, wegen des ungünstigen Belastungsprofils erscheine eine Wiedereingliederung in die angestammte Tätigkeit als Abkanter/Hilfsspengler nicht mehr als zumutbar. Eine körperlich leichtere und wechselbelastend ausübbare Tätigkeit sei zumutbar, sofern keine wiederholten und längerdauernden Armeinsätze über Schulterhöhe und keine grösseren Gewichtsbelastungen (über 15 kg) gefordert seien. Wegen bald zweijähriger Arbeitskarenz mit entsprechender Arbeitsentwöhnung sei eine "aufbauende berufliche Übergangslösung" erforderlich, wie sie in Form einer dreimonatigen Abklärung in Richtung Maschinenzeichner vorgesehen sei. Im Anschluss daran sollte das Wiedererreichen einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit unter behinderungsgerechten Arbeitsbedingungen möglich sein. Im Austrittsbericht zur zweiten stationären Abklärung und Behandlung in der Rehaklinik B.________ vom 9. September 2003 heisst es, bei den Therapien sei eine deutliche Selbstlimitierung und mangelnde Leistungsbereitschaft festgestellt worden; bei optimaler Kooperation und Leistungsbereitschaft wäre aus somatisch-funktioneller Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Belastbarkeit für die bisherige Tätigkeit ganztags erreichbar gewesen. Das Gleiche gilt gemäss Bericht der Rehaklinik für andere geeignete berufliche Tätigkeiten mindestens soweit es sich um leichtere Arbeiten handelt, wobei zur Erleichterung des beruflichen Wiedereinstiegs sowohl in der bisherigen als auch in einer andern Tätigkeit vorübergehend ein halbtägiger Einsatz erfolgen sollte. Auf Grund dieser ärztlichen Angaben ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht, wenn nicht in der bisherigen Tätigkeit als Hilfsspengler, so doch in einer angepassten körperlich leichten Tätigkeit voll arbeitsfähig wäre. Dem steht nicht entgegen, dass mehrere Arbeitsversuche und wiederholte Eingliederungsbemühungen zu keinem Erfolg geführt haben. Nach den Feststellungen sowohl im IV- als auch im UV-Verfahren hat es der Beschwerdeführer an der ihm zumutbaren Willensanstrengung fehlen lassen. Für das Andauern der Erwerbslosigkeit bestehen damit persönliche, allenfalls auch psychosoziale Gründe, welche bei der Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unberücksichtigt zu bleiben haben (BGE 127 V 299 Erw. 5). 3.2 Eine relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit folgt auch aus den festgestellten neuropsychologischen Beeinträchtigungen nicht. Die von der Rehaklinik B.________ zunächst als leicht bis mittelschwer beurteilten Störungen insbesondere der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen hatten sich bis zur neuropsychologischen Untersuchung vom Juni 2001 gebessert. Gemäss Bericht des Dr. phil. G.________ vom 28. Juni 2001 lagen lediglich noch leichtgradige Leistungsschwankungen im Bereich der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfunktionen vor, welche als schmerzbedingt und allenfalls auch als psychisch beeinflusst zu betrachten sind. Sie führen zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. 3.3 Nach dem psychosomatischen Konsiliarbericht des Dr. med. K.________ vom 20. August 2003 besteht ein leicht depressives Zustandsbild, wobei die Belastungsfaktoren zu einem grossen Teil aus sekundär aufgetretenen psychosozialen Problemen bestehen. Gegen konkrete Schritte, die weiterführen könnten, setze der Versicherte dysfunktionale Vermeidungsstrategien ein. Er sei darauf hingewiesen worden, dass er sich selber zu mehr Verlässlichkeit und Regelmässigkeit zwingen müsse. Die depressive Störung sei nicht derart schwer, dass dadurch die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt wäre. Abweichend hievon wird im Gutachten des Sozialpsychiatrischen Dienstes D.________ vom 25. September 2003 eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert und eine Arbeitsunfähigkeit von 50% angenommen. Dabei wird von einer somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von 50% ausgegangen und festgestellt, aus der psychischen Beeinträchtigung ergebe sich keine zusätzliche Einschränkung. Hinsichtlich der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit stützt sich das Gutachten auf die Ergebnisse der BEFAS-Abklärung sowie einen Bericht des Neurologen Dr. med. S.________ vom 25. November 2002. Im Bericht der BEFAS vom 16. November 2001 wird indessen eine volle Arbeitsfähigkeit in einer den Behinderungen angepassten körperlich leichteren und wechselbelastenden Tätigkeit unter der Voraussetzung eines Arbeitstrainings als realisierbar erachtet. Nachdem der Beschwerdeführer dem entsprechenden Eingliederungsvorschlag sowie weiteren Eingliederungsbemühungen nicht gefolgt ist, kann nicht von einer andauernden somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von 50% ausgegangen werden. Eine solche lässt sich auch aus dem Bericht des Dr. med. S.________ vom 25. November 2002 nicht ableiten. Soweit im Bericht dieses Arztes davon ausgegangen wird, die berufliche Eingliederung sei wegen des somatischen Gesundheitsschadens gescheitert, kann dem im Lichte der übrigen medizinischen Akten nicht gefolgt werden. Es geht daraus klar hervor, dass es der Beschwerdeführer an der ihm zumutbaren Willensanstrengung zur (Selbst-)Eingliederung hat fehlen lassen. Im Gutachten des Sozialpsychiatrischen Dienstes D.________ wird zwar auf eine mittelgradige Depression (mit Krankheitswert) geschlossen und näher dargelegt, wie sich die psychische Beeinträchtigung auf das Arbeitsverhalten des Beschwerdeführers auswirkt. Es wird jedoch nicht gesagt, dass der Beschwerdeführer krankheitsbedingt nicht in der Lage gewesen wäre, den Eingliederungsbemühungen der IV Folge zu leisten und - allenfalls nach Absolvierung eines Arbeitstrainings - einer rentenausschliessenden Erwerbstätigkeit nachzugehen. Vielmehr wird ausgeführt, das Scheitern der beruflichen Eingliederungsbemühungen sei mit dem Ausmass der vorliegenden psychischen Störung nur teilweise erklärbar und die Arbeitsfähigkeit liege weit über dem, was sich der Versicherte gemäss seiner Selbsteinschätzung zumute. Zur Annahme einer relevanten psychischen Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit besteht umso weniger Anlass, als die Ärzte des Sozialpsychiatrischen Dienstes D.________ nicht - wie Dr. med. K.________ - eine rezidivierende depressive Störung mittleren Grades (ICD-10 F33.1), sondern eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) diagnostizieren. Dabei handelt es sich definitionsgemäss um ein vorübergehendes Leiden, indem solche Episoden im Mittel etwa sechs Monate, selten länger als ein Jahr dauern und länger dauernde Störungen unter F33 (rezidivierende depressive Störung) oder F34 (anhaltende affektive Störung) zu subsumieren sind (vgl. Dilling/ Mambour/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V(F): Klinisch diagnostische Leitlinien, 5. Aufl. Bern 2004, S. 142 ff.).