Citation: 1P.596/2001 22.01.2002 E. 3

3.1 Das Kantonsgericht geht im angefochtenen Entscheid davon aus, die Beschwerdeführerin sei, wie schon der Vorderrichter zu Recht festgestellt habe, bei schwierigen Witterungsverhältnissen auf einer breiten, geraden und übersichtlichen Strasse in einer rund 30 km/h fahrenden Kolonne unterwegs gewesen. In dieser Situation habe sie ihre Aufmerksamkeit in erster Linie auf das vor ihr fahrende Fahrzeug richten und sicherstellen müssen, bei einem unter diesen Umständen jederzeit möglichen verkehrsbedingten Anhalten des Vordermannes rechtzeitig bremsen und ihr Fahrzeug zum Stillstand bringen zu können. Es ergebe sich daher schon aus dem Zustandekommen der Auffahrkollision, dass sie es an der für das von Art. 31 Abs. 1 SVG verlangten ständigen Beherrschen des Fahrzeugs erforderlichen Aufmerksamkeit habe fehlen lassen. 3.2 Nach der Auffassung des Kantonsgerichts gehört der Grund für die pflichtwidrige Unaufmerksamkeit nicht zum Tatbestand von Art. 31 Abs. 1 SVG; weil für die Verurteilung der Beschwerdeführerin unerheblich, liess es diesen Grund offen. Die Beschwerdeführerin sieht darin eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Ob der Grund der pflichtwidrigen Unaufmerksamkeit ein für eine Verurteilung nach Art. 31 Abs. 1 SVG notwendiges Tatbestandselement darstellt, ist indessen eine materiellrechtliche, auf staatsrechtliche Beschwerde hin nicht überprüfbare Frage. Inwiefern im Offenlassen des Grundes für die ihr vorgeworfene Unaufmerksamkeit eine Verletzung des Anklagegrundsatzes liegt, ist völlig unerfindlich. Eine solche könnte vorliegen, wenn das Kantonsgericht die Beschwerdeführerin aufgrund einer mangelhaften Anklage verurteilt hätte. Dies wirft sie ihm indessen in diesem Zusammenhang gar nicht vor. Die Rüge ist offensichtlich unbegründet, ebenso wie die beiläufig erhobene Gehörverweigerungsrüge. 3.3 Die Beschwerdeführerin rügt als willkürlich, dass das Kantonsgericht "diesen Sachverhalt des abrupten Bremsmanövers zum Zwecke des unvermittelten Rechtsabbiegens ohne Stellen des Blinkers vernachlässigt und in Abweichung vom Anklagevorhalt nicht von diesem unvermittelten mit einem Bremsmanöver verbundenen Rechtsabbiegemanöver" ausgehe. Der Einwand geht an der Sache vorbei. Das Kantonsgericht ist im angefochtenen Entscheid davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin jederzeit mit einem verkehrsbedingten Anhalten des Vordermannes hätte rechnen und dementsprechend sicherstellen müssen, selber jederzeit rechtzeitig anhalten zu können. Unter diesen Umständen war es für die Verurteilung der Beschwerdeführerin unerheblich, ob der Kollisionsbeteiligte sein Abbiegemanöver mit einem abrupten Bremsen einleitete und mit dem Blinker anzeigte oder nicht. Es kann daher keine Rede davon sein, das Kantonsgericht habe den rechtserheblichen Sachverhalt willkürlich festgestellt oder den Anklagegrundsatz verletzt.