Citation: 6S.88/2000 29.04.2000 E. 2

2.- Nach Auffassung der Beschwerdeführerin ist sie aus mehreren Gründen als Erbschaftsverwaltung über den Nachlass von A.________ zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde gegen das X.________ von den Vorwürfen der Aussetzung und des Betrugs (eventuell des Wuchers) zum Nachteil von A.________ freisprechende Urteil legitimiert. Mit dem Tod von A.________ und der behördlichen Anordnung der Erbschaftsverwaltung seien sowohl der Straf- wie auch der Zivilanspruch von A.________ auf die Erbschaftsverwaltung übergegangen beziehungsweise habe diese den gesetzlichen Auftrag erhalten, die Ansprüche von A.________ sowohl im Strafpunkt wie auch im Zivilpunkt durchzusetzen. Die Erbschaftsverwaltung habe, solange der Erbschaftsprozess hängig sei, Geschädigtenstellung bis zum definitiven Erbgang. Sie sei nicht nur betreffend die zivilrechtlichen Ansprüche von A.________ prozessführungsbefugt, sondern auch im Strafpunkt, wenn etwa, wie vorliegend, ein Freispruch auch die Zivilforderungen berühre. Entgegen der in der Lehre vertretenen Auffassung sei die strafprozessuale Stellung als Geschädigter beziehungsweise als Opfer vererbbar, wie sich auch aus BGE 83 IV 183 betreffend die Legitimation beim Tod eines Strafantragstellers ergebe. Das Gesetz regle die Legitimation von Betroffenen zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde im Strafpunkt nicht abschliessend und sei insoweit lückenhaft. Durch das Opferhilfegesetz und die damit verbundene Revision von Art. 270 BStP sei die Legitimation von Betroffenen ausgeweitet worden. Sie habe sich am kantonalen Strafverfahren beteiligt und adhäsionsweise Zivilforderungen wegen Betrugs geltend gemacht. Der Entscheid im Strafpunkt könne auch erheblichen Einfluss auf den Ausgang des zurzeit hängigen beziehungsweise sistierten Erbschaftsprozesses haben, so etwa in Bezug auf den Entscheid betreffend die Erbunwürdigkeit (im Sinne von Art. 540 ZGB) von X.________ im Falle einer Verurteilung wegen Aussetzung und/oder Betrugs (zum Ganzen Nichtigkeitsbeschwerde S. 5 - 15). Ihre Opferstellung im Sinne von Art. 2 Abs. 2 OHG sei zu Unrecht verneint worden. Die Erbschaftsverwaltung sei geradezu verpflichtet, Verfahrensrechte des Opfers, gerade auch im Strafpunkt, und dessen Zivilansprüche gegenüber dem Beschuldigten geltend zu machen. Die Verneinung ihrer Opferstellung habe die fatale Folge, dass es der Erbschaftsverwaltung verunmöglicht werde, die Mängel der vorinstanzlichen Beurteilung des eingeklagten Sachverhalts zu rügen (Nichtigkeitsbeschwerde S. 15 f.). A.________ selbst sei in Bezug auf die X.________ zur Last gelegte Aussetzung gemäss Art. 127 StGB Opfer im Sinne von Art. 2 Abs. 1 OHG (Nichtigkeitsbeschwerde S. 16 f.). X.________ habe durch ihr Verhalten entgegen der bundesrechtswidrigen Auffassung der Vorinstanz den Tatbestand der Aussetzung erfüllt (Nichtigkeitsbeschwerde S. 18 ff.). Zu Unrecht habe die Vorinstanz ohne die unter anderem nach Art. 13 StGB gebotene Einholung eines psychiatrischen Gutachtens angenommen, dass A.________ urteilsfähig gewesen sei, weshalb er von X.________ gar nicht habe betrogen beziehungsweise ausgesetzt werden können (Nichtigkeitsbeschwerde S. 22 f.).