Citation: 6B_31/2022 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz verweist vorab auf die Ausführungen des Bezirksgerichts Uster im Urteil vom 27. August 2020. Ergänzend legt sie den Inhalt des am 9. Januar 2019 beim Staatssekretariat für Migration (SEM) eingegangenen anonymen Schreibens dar. Es lasse sich dem Schreiben zusammengefasst entnehmen, dass die (zweite) Ehe des Beschwerdeführers eine Scheinehe gewesen sei, um ihm das Bleiberecht in der Schweiz zu sichern. Der Beschwerdeführer habe sich am 14. Dezember 2010 in der Türkei mit C.A.________ verlobt, sie am 18. Juli 2011 religiös geheiratet und sei zwischen 2011 und 2014 zwischen der Türkei und der Schweiz hin- und hergereist, um seine "Ehefrau" in der Türkei zu sehen. Im Mai 2015 sei seine "Ehefrau" in der Türkei schwanger geworden und habe am 16. Februar 2015 den Sohn D.A.________ geboren. Nach der Scheidung von B.________ habe der Beschwerdeführer C.A.________ in der Türkei gesetzlich geheiratet und die Familienzusammenführung in der Schweiz beantragt. Weiter führt die Vorinstanz aus, dem Schreiben seien zudem Fotos aus dem Instagram Profil "E.________" beigelegt worden, die den Beschwerdeführer mit C.A.________ sowie deren Hochzeitseinladung zeigen würden (angefochtenes Urteil S. 5 f.). Das SEM habe dieses Schreiben nach Erhalt an das Migrationsamt und die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich zur Prüfung und allfälligen Massnahmen weitergeleitet. Bei dem anonymen Schreiben handle es sich um einen (weiteren) Hinweis aus der Bevölkerung für eine Scheinehe des Beschwerdeführers mit B.________. Gegen den Beschwerdeführer sei bereits vor Kenntnisnahme dieses Schreibens fremdenpolizeilich aufgrund des Verdachts einer Scheinehe ermittelt worden. Dabei setzt sich die Vorinstanz ausführlich mit einem Schreiben des Migrationsamts vom 19. September 2019 auseinander. Sie erachtet die Behauptung der Verteidigung als unzutreffend, wonach sämtliche Beweiserhebungen und alle Erkenntnisse, auf die sich die Anklage stütze, einzig auf dem anonymen Schreiben beruhen würden (angefochtenes Urteil S. 6 f.). Die Vorinstanz erwägt, beim Verfasser des anonymen Schreibens handle es sich nicht um einen Belastungszeugen im klassischen Sinne, sondern vielmehr um einen Anzeigeerstatter i.S.v. Art. 301 Abs. 1 StPO. Es sei zulässig, anonym Strafanzeige zu erheben bzw. die (Strafverfolgungs-) Behörden über mutmasslich rechtswidrige Umstände in Kenntnis zu setzen. Dabei müssten auch nicht irgendwelche Formvorschriften beachtet werden; vielmehr könne eine Anzeige auch einfach ein Tipp oder ein Hinweis sein, wodurch ein polizeiliches Ermittlungsverfahren eingeleitet werde. Auf eine Identifizierung des Anzeigeerstatters dürfe dann verzichtet werden, wenn aufgrund seiner Darstellung zwar eine Strafuntersuchung ausgelöst werde, der Nachweis aber auf andere Weise erbracht werden könne und seinen Aussagen keine Beweisrelevanz zukomme. Werde die anzeigeerstattende Person als Zeuge oder Auskunftsperson befragt, so stünde dem Beschwerdeführer natürlich auch das Konfrontationsrecht zu. Im vorliegenden Fall habe gerade keine Notwendigkeit bestanden, nach der Identität des Anzeigeerstatters zu forschen und ihn oder sie als Auskunftsperson und Zeugen zu befragen. Es habe schon aufgrund von Indizien ein Verdacht auf eine Scheinehe bestanden, der sich jedoch nicht weiter erhärtet habe. Aufgrund des anonymen Schreibens seien die polizeilichen Ermittlungen wieder aufgenommen und weitere Indizien bzw. Beweise für das mutmassliche Vorliegen einer Scheinehe gefunden worden. Gestützt darauf lasse sich der Vorwurf der Staatsanwaltschaft ohne Weiteres erstellen; auf eine Identifizierung und Befragung des Anzeigeerstatters als Auskunftsperson oder Zeugen habe demnach verzichtet werden können (angefochtenes Urteil S. 7 f.).