Citation: U 118/05 07.06.2005 E. 3

Verschlimmert der Unfall einen krankhaften Vorzustand oder lässt er ihn überhaupt erst manifest werden, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate; dazu Erw. 4 hienach) Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn dieser also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. 3.1 Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b mit Hinweisen). 3.2 Ist ein Schleudertrauma diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden (wie etwa diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität oder Depression) vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen - allenfalls nicht objektivierbaren - Verletzungen, die durch den versicherten Unfall eingetreten sind, und der danach eingetretenen Arbeitsunfähigkeit nach der Rechtsprechung regelmässig anzunehmen. Dabei ist der natürliche Kausalzusammenhang dann schon gegeben, wenn der Unfall lediglich die Teilursache einer bestimmten gesundheitlichen Störung bildet (BGE 117 V 360 Erw. 4b). Ein Teil der Beschwerden war den im Verlauf der medizinischen Abklärungen namhaft gemachten degenerativen, also unfallfremden, Veränderungen der Halswirbelsäule zuzuschreiben. Soweit dieser Vorzustand prätraumatisch "stumm" gewesen war und durch den Unfall aktiviert wurde, sind die entsprechenden Befunde unfallversicherungsrechtlich durchaus von Belang, solange dem versicherten Ereignis noch die Qualität einer Teilursache zukommt. Ab dem Zeitpunkt der Leistungseinstellung sind die gesundheitlichen Einschränkungen aber nach Lage der (sub Erw. 2 hievor zusammengefassten) medizinischen Akten, welche im Übrigen ein kohärentes Bild abgeben, offenkundig ganz auf nichtkörperliche Ursachen zurückzuführen. Für die Annahme organischer Unfallfolgen verbleibt kein Raum. Mithin lagen überwiegend wahrscheinlich keine somatischen Folgen des Unfalles vom 9. Dezember 2001 mehr vor, bei welchen sich der natürliche und der adäquate Kausalzusammenhang im praktischen Ergebnis weitgehend decken, als die SUVA gestützt auf die umfangreichen medizinischen Akten den Fall auf Ende November 2003 ohne Zusprechung von Rentenleistungen oder einer Integritätsentschädigung abschloss. 3.3 Was die Frage nach dem Bestand psychischer Unfallfolgen angeht, so kann hinsichtlich der sich körperlich manifestierenden ("somatoformen") Störungen mit psychischer Genese eine teilweise natürliche Unfallkausalität bejaht werden, da die nach gutachtlicher Darstellung für die Entstehung des Leidenskomplexes verantwortlichen intrapsychischen Abläufe ohne das versicherte Ereignis nicht oder nicht in gleicher Weise in Gang gekommen wären (Gutachten des Dr. S.________ vom 16. und 27. August 2003).