Citation: 9C_261/2009 11.05.2009 E. 2

2.1 Bei der Rentenrevision ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht, zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung, ob eine anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten sei (BGE 133 V 108). 2.1.1 Das kantonale Gericht gelangte aufgrund einer Würdigung des medizinischen Dossiers - wie bereits die Verwaltung - zum Schluss, im Vergleich mit den medizinischen Unterlagen, welche für die Verfügung vom 11. Dezember 2003 massgebend gewesen seien, wiesen die aktuellen Berichte eine massgebliche Verbesserung des Gesundheitszustandes aus (vgl. auch die diversen Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes [RAD] der Invalidenversicherung [Einträge im Protokoll der IV-Stelle]). 2.1.2 Im Jahr 2003 wurde bei der Beschwerdeführerin eine Depression mit psychotischen Anteilen bei histrionischer Persönlichkeit diagnostiziert; es bestehe seit Ende Juni 2002 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Bericht des Psychiaters Dr. S.________ vom 27. Oktober 2003). Im Vergleich dazu fand sich - im Rahmen derselben Grunderkrankung - im Jahr 2007 eine gebesserte Situation: Die rezidivierende Depression war "zur Zeit" (letzte Untersuchung: 23. August 2007) leichtgradig und ohne psychotische Anteile; es gehe "stetig etwas aufwärts". Der Zeitpunkt sei geeignet, um berufliche Massnahmen zu prüfen. In einer angepassten Tätigkeit sei die Versicherte vorerst zu 50 Prozent arbeitsfähig; dieses Leistungsvermögen stelle sich als noch steigerungsfähig dar. Aufgrund ihrer "besonderen Persönlichkeit" bekunde die Versicherte Mühe im Umgang mit anderen Beschäftigten; von Vorteil sei daher eine allein oder im kleinen Team auszuführende Arbeit in klaren Strukturen (Ärztlicher Verlaufsbericht des Dr. S.________ vom 3. September 2007). 2.1.3 Die Beschwerdeführerin rügt das Vorgehen des kantonalen Gerichts, die Zustände von 2003 und 2007 miteinander zu vergleichen, als bundesrechtswidrig. Richtigerweise seien die Verhältnisse im Jahr 2005, welche für die der Rentenreduktion vorangegangene Revisionsverfügung vom 23. August 2005 massgebend gewesen seien, heranzuziehen; im damaligen ärztlichen Verlaufsbericht sei bereits darauf hingewiesen worden, die Versicherte sei "etwas ruhiger" und "leicht stabiler" geworden, die Prognose stelle sich "vorsichtig optimistisch" dar. Die Beschwerdeführerin kann indessen aus dem Umstand, dass die Rente damals unverändert weitergewährt wurde, nichts für ihren hier vorgetragenen Rechtsstandpunkt ableiten. Selbst wenn sich 2005 bereits eine Besserung des Gesundheitszustandes abgezeichnet haben sollte, wäre auch die Differenz zwischen den damaligen Verhältnissen und denjenigen im Jahr 2007 substantiell genug, um Anlass für eine Revision nach Art. 17 ATSG zu bilden. Ausschlaggebend bleibt aber, dass der Revisionsverfügung vom 23. August 2005 allein eine Verlaufskontrolle hinsichtlich der gesundheitlichen Entwicklung zugrunde lag und sie sich auf die Feststellung beschränkte, es sei diesbezüglich keine rentenwirksame Änderung eingetreten. Die Vorinstanz hat die der strittigen Verfügung zugrundeliegenden tatsächlichen Verhältnisse damit methodisch zutreffend mit denjenigen verglichen, welche für die erstmalige Verfügung vom 11. Dezember 2003 massgebend gewesen waren. 2.2 Die Versicherte beanstandet, das kantonale Gericht habe nicht dargetan, inwiefern sich der Schweregrad der Depression abgeschwächt und nicht einfach eine andere Bewertung des Gesundheitszustands Platz gegriffen habe. Das medizinische Dossier zeigt aber in konsistenter Weise eine anhaltende Besserung an, wie die Vorinstanz nicht offensichtlich unrichtig festgestellt hat; die entsprechenden Beobachtungen des behandelnden Psychiaters werden vom Hausarzt grundsätzlich geteilt. Die Erholung beruht nicht nur, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, auf einer Momentaufnahme im Rahmen eines schwankenden Krankheitsbildes. Die Besserung zeigt sich auch darin, dass während der auf eine suizidale Handlung folgenden dreitägigen Hospitalisierung im Spital Z.________ Ende November 2007 lediglich ein Konsilium des Externen Psychiatrischen Dienstes veranlasst, aber keine weitere oder gar längerdauernde stationäre psychiatrische Behandlung angeordnet wurde. Im Januar 2008 bestätigte der behandelnde Psychiater denn auch seine Einschätzung von September 2007 gegenüber der IV-Stelle. Wenn er bei dieser Gelegenheit von einer leicht- bis mittelgradigen Depression sprach, so deckt sich dieser Befund immer noch mit der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent. Der nachgelassene Leidensdruck manifestiert sich wohl auch in der ärztlichen Feststellung, die Compliance bezüglich der Einnahme der verordneten Medikamente sei "nicht so gut". Im psychiatrischen Verlaufsbericht vom 3. September 2007, auf den die Vorinstanz massgeblich abgestellt hat, wird ferner deutlich, dass bei der Neueinschätzung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit die weiteren geklagten Beschwerden (Kopfschmerzen und Migräne sowie Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Schlafstörungen) berücksichtigt wurden. 2.3 Die Beschwerdeführerin beruft sich im Weiteren auf ein Schreiben des seit Oktober 2008 behandelnden Internisten Dr. E.________ vom 12. März 2009, der von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands (u.a. schwere Depression mit Psychosen) berichtet. Eine allfällige Verschlimmerung des Gesundheitszustands nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens (mit Verfügung vom 25. April 2008) bildet indessen nicht Gegenstand dieses Prozesses, sondern eines allfälligen neuen Verfahrens (oben E. 1.1). Schon aus diesem Grund kann auch der Bericht der Klinik B.________ vom 1. April 2009 nicht berücksichtigt werden. 2.4 Unbegründet ist schliesslich das Vorbringen, angesichts der Tatsache, dass die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente noch mit Verfügung vom 7. Januar 2008 bestätigt worden sei, widerspreche die bald darauf verfügte Leistungsreduktion dem Grundsatz von Treu und Glauben. Nachdem sich bei der IV-Stelle aufgrund der eingeholten Arztberichte bereits in der zweiten Jahreshälfte 2007 die Auffassung durchgesetzt hatte, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich massgebend verbessert (Vorbescheid vom 26. November 2007), überprüfte die Verwaltung den diesbezüglichen Sachverhalt aufgrund der vorerwähnten Hospitalisierung im Spital Z.________ nochmals (Anfrage an S.________ vom 14. Januar 2008). Es ist ihr klarerweise nicht als widersprüchliches Verhalten vorwerfbar, wenn sie - veranlasst durch eine Änderung des Kinderrenten-Betrages - am 7. Januar 2008 ein letztes Mal die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente verfügte.