Citation: I 303/06 17.08.2006 E. 5

Zu prüfen ist ferner, ob und bejahendenfalls in welchem Ausmass der Beschwerdeführer krankheitsbedingt in seinem erwerblichen Leistungsvermögen eingeschränkt ist. 5.1 Die MEDAS-Ärzte diagnostizierten im Rahmen ihrer Begutachtung - gestützt auf im Juni 2004 erfolgte spezialärztliche Untersuchungen - gemäss Expertise vom 23. September 2004, worauf Vorinstanz und Beschwerdegegnerin in erster Linie abstellten, eine seit ca. 2001 bestehende Neurasthenie (ICD-10: F48.0). Bezüglich der darauf zurückzuführenden Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit führten sie aus, es fänden sich zwischen April 2001 und März 2002 keine Angaben über eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit. Seit 2. April 2002 bis zum aktuellen Zeitpunkt sei dem Versicherten in seiner bisherigen Tätigkeit ein vollständiges Leistungsunvermögen, für angepasste Beschäftigungen eine minimale Arbeitsfähigkeit, attestiert worden. Objektiv habe der Grad der Arbeitsfähigkeit durch die Aufnahme der Therapie bei Prof. Dr. med. A.________ im April 2003 auch in der angestammten Tätigkeit indes teilweise wiederhergestellt werden können und habe seither 50 % dauerhaft nicht unterschritten. Derzeit sei dem Beschwerdeführer die Tätigkeit als EDV-Supporter bzw. Computerexperte für Hard- und Software während sieben Stunden pro Tag zumutbar, wobei die Leistungsfähigkeit noch für längere Zeit - der Erfolg der durch Prof. Dr. med. A.________ durchgeführten Therapie lasse sich frühestens in zwölf Monaten beurteilen - zwischen 60 und 80 % schwanken werde. Prof. Dr. med. A.________ hatte demgegenüber mit Bericht vom 1. Juni 2003 - ausgehend von einem Chronic Fatigue Syndrome (CFS) / Neurasthenie (ICD-10: F 48.0) sowie einer Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10: F 40.01) - festgehalten, eine dem Leiden des Versicherten entsprechende Tätigkeit, welche nicht zu einer körperlichen oder geistigen Erschöpfung führe, sei aktuell maximal während einer bis zwei Stunden täglich zumutbar. Auch in diesem zeitlichen Rahmen sei die Leistungsfähigkeit aber zu 50 % eingeschränkt. Das durch die MEDAS bescheinigte Leistungsvermögen erklärte er in seinem Bericht vom 22. Dezember 2004 als illusorisch und klar nicht umsetzbar. Am 29. April 2005 bekräftigte er seine Aussagen insofern, als er dem Versicherten eine zumutbare Arbeitsdauer von einer bis maximal zwei Stunden pro Tag attestierte; eine zweistündige Beschäftigung sei jedoch auf zweimal eine Stunde aufzuteilen. In der bisherigen Tätigkeit als IT-Berater/EDV-Supporter weise der Beschwerdeführer eine 20%ige Arbeitsfähigkeit auf, wobei innerhalb dieses zeitlichen Rahmens zufolge der grundsätzlichen Unberechenbarkeit der Symptomatik eine um ca. 30 % reduzierte Leistung zu erwarten sei. Es sei aber denkbar, dass in einer "geistig monotonen" Arbeit, die den intellektuellen Anforderungen eines EDV-Supporters in keiner Weise vergleichbar wäre, die 20%ige Arbeitsfähigkeit ohne die genannte Einschränkung des Leistungsvermögens erreicht werden könnte. An dieser Beurteilung hielt der behandelnde Arzt auch in seinen Stellungnahmen vom 7. November 2005 und 9. April 2006 fest. 5.2 Im angefochtenen Entscheid wurde zu Recht darauf hingewiesen, dass bei der Würdigung der dargelegten ärztlichen Stellungnahmen zur verbliebenen Arbeitsfähigkeit dem Umstand Rechnung zu tragen ist, dass dabei offenbar von unterschiedlichen Krankheitsbegriffen ausgegangen wurde. Das in der Medizin verbreitete - und von Prof. Dr. med. A.________ gemäss Angaben in seinem Bericht vom 7. November 2005 angewandte - bio-psycho-soziale Krankheitsmodell (vgl. dazu Christfried-Ulrich Mayer, Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, in: Sozialversicherungsrechtstagung 2002, St. Gallen 2002, S. 95) ist weiter gefasst als der für die Belange der Rechtsanwendung massgebende sozialversicherungsrechtliche Begriff der gesundheitlichen Beeinträchtigung (vgl. BGE 127 V 299 f. Erw. 5a; Urteile H. vom 2. März 2006, I 616/05, Erw. 2.3, A. vom 12. September 2005, I 430/05, Erw. 2.2, und E. vom 28. Dezember 2004, U 22/04, Erw. 2.2.1). Krankheit wird dabei nicht ausschliesslich als Beeinträchtigung der biologischen oder psychischen Integrität begriffen; massgebend sind vielmehr auch Wechselwirkungen zwischen sich körperlich oder psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen Umwelt (Urteil V. vom 8. August 2005, I 306/05, Erw. 2.2). Beruht die Abweichung indessen allein auf der Verwendung unterschiedlicher krankheitsbegifflicher Prämissen, so liegen keine einander widersprechenden Einschätzungen im Sinne von BGE 125 V 352 Erw. 3a vor. Im hier zu beurteilenden Fall ist von einer derartigen Ausgangslage auszugehen. Die beteiligten Ärzte nennen als für die Leistungsverminderung verantwortlich einzig die Diagnose der Neurasthenie bzw. des CFS. Weitere somatische oder psychische Beschwerden, namentlich spezifischere Störungen wie etwa eine depressive oder eine Angststörung, werden übereinstimmend ausgeschlossen (vgl. insbesondere den Bericht des Prof. Dr. med. A.________ vom 22. Dezember 2004), sodass es an einem eigentlichen objektivierbaren psychischen oder somatischen Substrat mangelt. Die Diagnose eines psychiatrischen Beschwerdebildes als solche, vor allem in Form eines neurotischen bzw. psychosomatischen Leidens, vermag für sich allein aber noch keine Invalidität zu begründen. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit im vorliegenden Kontext nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 Erw. 1.2 mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund ist mit der Vorinstanz anzunehmen, dass die von Prof. Dr. med. A.________ bescheinigte Arbeitsunfähigkeit, soweit sie das durch die MEDAS-Ärzte attestierte Leistungsunvermögen übersteigt, ihre Ursache in der Verwendung des - invalidenversicherungsrechtlich jedoch nicht relevanten - bio-psycho-sozialen Krankheitsmodelles und dessen Folgen hat. Es ist mithin davon auszugehen, dass von April 2003 (Beginn der Therapie bei Prof. Dr. med. A.________) bis Juni 2004 (MEDAS-Untersuchungen) eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestand. Ab diesem Zeitpunkt ist der Beschwerdeführer in der Lage, seine bisherige Tätigkeit während sieben Stunden pro Tag auszuüben, wobei die Leistungsfähigkeit in diesem zeitlichen Rahmen als um 20 bis 40 % eingeschränkt zu gelten hat. Weitere medizinische Abklärungen, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt, sind angesichts dieser Verhältnisse mangels daraus resultierender neuer wesentlicher Erkenntnisse nicht erforderlich (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b; RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50 Erw. 3.4 mit Hinweisen [Urteil R. vom 6. November 2002, U 131/02]).