Citation: 6B_1031/2016 E. 8.2

8.2. Die Vorinstanz nimmt an, die Dauer des Verfahrens verletze das Beschleunigungsgebot. Die lange Verfahrensdauer von zwölfeinhalb Jahren hänge einerseits mit der Komplexität des Falles zusammen, welche die Einholung zahlreicher Gutachten und Ergänzungsgutachten erfordert habe. Andererseits sei sie auf den Umstand zurückzuführen, dass während mehr als 4 1/2 Jahren, ab dem ersten Urteil der 2. Strafkammer vom 17. März 2009 bis zum Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2013, einer möglichen Sorgfaltspflichtverletzung des Beschwerdeführers nachgegangen wurde, die sich schliesslich beweismässig nicht habe erhärten lassen. Dem Beschwerdeführer sei keine rechtsmissbräuchliche Verfahrensverzögerung anzulasten. Die lange Verfahrensdauer sei aber auch nicht auf behördliche Untätigkeit zurückzuführen. Dass die Strafverfolgungsbehörden und Gerichte gewisse Untersuchungsansätze und Stossrichtungen verfolgten, welche sich im Nachhinein als falsch erwiesen bzw. sich beweismässig nicht erhärten liessen, lasse sich nicht immer vermeiden und sei von der beschuldigten Person grundsätzlich hinzunehmen. Die Vorinstanz erwägt ferner, der Beschwerdeführer sei seit nunmehr zwölfeinhalb Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert, einen Fehler begangen und dadurch den Tod einer Patientin verursacht zu haben. Dieser Vorwurf habe seinen Beruf und damit einen sein Selbstbild sowie seinen sozialen Status bestimmenden Lebensbereich beschlagen und sei damit grundsätzlich geeignet gewesen, sein berufliches Ansehen zu schmälern. Andererseits habe der Beschwerdeführer in dieser Hinsicht einerseits vom Verfahrensgeheimnis und andererseits von der Unschuldsvermutung profitiert. Dass er in seiner beruflichen Reputation tatsächlich beeinträchtigt gewesen wäre oder sogar finanzielle Folgen zu tragen gehabt hätte, gehe aus den Akten nicht hervor und werde auch von ihm selbst nicht behauptet. Es dürfte deshalb vor allem das Selbstbild des Beschwerdeführers als ausgewiesener Spezialist und Vorreiter der Wirbelsäulenchirurgie in der Schweiz gewesen sein, welches durch den Vorfall in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung über eine derart lange Zeit hinweg habe für den Beschwerdeführer subjektiv zweifellos schwer gewogen. Es könne aber nicht von einer besonders schweren Betroffenheit gesprochen werden. So habe er weder Untersuchungs- oder Sicherheitshaft auszustehen gehabt noch werde ihm vorsätzliches Verhalten vorgehalten. Die ärztliche Tätigkeit sei sodann immer mehr oder weniger gefahrengeneigt. Dass sich ein Arzt während seiner beruflichen Laufbahn dem Vorwurf eines fahrlässigen Behandlungsfehlers ausgesetzt sehe, gehöre gewissermassen zum Berufsrisiko und dürfte gerade im medizinischen Umfeld des Beschwerdeführers entsprechend nüchtern betrachtet worden sein. Angesichts seiner überaus zahlreichen erfolgreich verlaufenen Wirbelsäulenoperationen habe die eine fatale Fehlbehandlung in Bezug auf das berufliche Ansehen mithin objektiv betrachtet nicht besonders schwer gewogen. Die Vorinstanz nimmt weiter an, angesichts des Umstands, dass ein Mensch ums Leben gekommen sei, bestehe ein erhebliches öffentliches Interesse an der Strafverfolgung. Zudem liege das fehlende Sich-Vertraut-Machen des Beschwerdeführers mit dem Röntgenbildverstärker und die sich daraus ergebende Fehlmanipulation nicht mehr im Bereich der leichten, sondern eher der groben Fahrlässigkeit, so dass das Verschulden nicht mehr als ganz leicht erscheine. Auch wenn dem Beschwerdeführer schon aufgrund des Verschlechterungsverbots und unter strafmildernder Berücksichtigung des Zeitablaufs im Ergebnis lediglich eine Strafe am untersten Ende des Strafrahmens drohe, könne nicht gesagt werden, dass eine Strafmilderung oder ein Absehen von Strafe keine angemessene Entschädigung des Beschuldigten für die Verletzung des Beschleunigungsgebots darstelle. Insgesamt liege somit noch nicht ein Extremfall vor, welchem das Gericht nur noch mit der Einstellung des Verfahrens gerecht werden könnte. Unter Berücksichtigung des heute kaum mehr bestehenden Strafbedürfnisses erscheine deshalb ein Schuldspruch unter Verzicht auf eine Strafe als angemessen (angefochtenes Urteil S. 92 ff.).