Citation: 1C_119/2023 E. 3.1

3.1. Nachdem die Vorinstanz zum Schluss gelangt, dass die eingebauten Kunststofffenster nicht bewilligungsfähig sind, prüft sie, ob die mit ihrer Beseitigung verbundene Eigentumsbeschränkung im Lichte von Art. 36 BV zulässig ist. Während sie dies in Bezug auf die gesetzliche Grundlage und das öffentliche Interesse bejaht, kommt sie in Bezug auf die Verhältnismässigkeit zu einem anderen Schluss. Im vorliegenden Fall erscheine es nicht offenkundig, dass der Ersatz der Fenster einer Bewilligung bedürfe. Die Eigentümerin hätte sich angesichts von Art. 17 Abs. 4 des Baureglements der Stadt Rorschach vom 20. April 2000 (BauR), wonach Farbgebungen und Fassadenrenovationen in den Ortsbildschutzgebieten bewilligungspflichtig sind, veranlasst sehen müssen, sich bei der Baubewilligungsbehörde nach der Baubewilligungspflicht ihres Vorhabens zu erkundigen. Obwohl sie dies nicht getan habe, könne ihr Verhalten unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht als bösgläubig bezeichnet werden. Das Gewicht des öffentlichen Interesses an der Durchsetzung der äusseren Erscheinungsform werde relativiert durch die bereits bestehende unbestrittene Heterogenität der Materialisierung der Fenster an den spätklassizistischen, das Ortsbild prägenden Bauten nicht nur im gesamten ISOS-Gebiet Nr. 3.1, sondern insbesondere auch an der Feuerwehrstrasse, an welcher das spätklassizistische Gebäude in der zweiten Bautiefe liege. Die gemäss Denkmalpflege unterschiedlichen Eckverbindungen und Profilierungen von Kunststoff- und Holzfenstern seien kaum wahrnehmbar. Sie würden für den Erhalt des äusseren Erscheinungsbilds auch deshalb viel weniger ins Gewicht fallen, weil sie im zweiten Obergeschoss lägen. Bei ihrer Beurteilung misst die Vorinstanz dem Umstand grosse Bedeutung bei, dass die kantonale Denkmalpflege die Kontinuität der Matierialisierung der Gebäudefassaden bei den Rollläden offenbar weniger hoch gewichte, zumal sie den Ersatz von hölzernen Rollläden durch solche aus Metall - wenn auch "unpräjudizierlich" - bewilligt habe. Die wirtschaftlichen Interessen der Eigentümerin hätten, wie die Vorinstanz weiter ausführt, beim Bauen ohne Baubewilligung in den Hintergrund zu treten. Mit der Entfernung der noch neuwertigen Kunststofffenster sei deren Entsorgung wahrscheinlich, was auch aus ökologischen Gründen nicht sinnvoll erscheine. Demnach erweise sich die Wiederherstellungsmassnahme des Einbaus von Holzfenstern als unverhältnismässig. Die Eigentümerin sei jedoch bereit, die neu eingebauten Kunststofffenster mit Sprossen zu versehen. Damit entsprächen die Fenster - im Gegensatz zu den Fenstern an zahlreichen anderen spätklassizistischen Gebäuden des Quartiers - zumindest hinsichtlich ihres Erscheinungsbilds der ursprünglichen Gestaltung.