Citation: I 723/03 29.06.2004 E. 4.2

4.2.1 Bei der Ermittlung der Grundlagen für die Invaliditätsbemessung geht es stets um die möglichst genaue Abbildung eines hypothetischen Sachverhalts (hier des mutmasslichen Einkommens ohne Gesundheitsschaden), weshalb nicht zwingend allein auf ordnungsgemäss verabgabte und somit registrierte Einkünfte abzustellen ist (Urteil Z. vom 29. Januar 2003, I 305/02). Die Gründe, weshalb diese allenfalls erheblich vom effektiv erzielten Verdienst abweichen - sei es, dass ein Versicherter sämtliche legalen Möglichkeiten zur Steueroptimierung ausgeschöpft oder dass er tatsächlich nicht alle Einkünfte und geldwerten Leistungen deklariert hatte - sind in diesem Zusammenhang grundsätzlich nicht von Bedeutung (vgl. dazu auch Urteil M. vom 4. April 2002, I 696/01, veröffentlicht in: Plädoyer 2002 Nr. 3 S. 73, Erw. 4b/aa). Somit dürfen die im Individuellen Konto ausgewiesenen Einkünfte aus selbstständiger Erwerbstätigkeit im Regelfall zwar als Grundlage für die Bemessung des Valideneinkommens herangezogen werden; hingegen können sie nicht als unabänderliche Grössen verstanden werden, die im Sinne einer abschliessenden Beweiswürdigungsregel eine keinem Gegenbeweis zugängliche Tatsachenvermutung schaffen könnten. 4.2.2 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Versicherte bis im Jahre 1988 als Angestellter tätig war, bevor er sich beruflich selbstständig machte. Aus den Einträgen im Individuellen Konto ergibt sich, dass er als Selbstständigerwerbender nur sehr geringe Einkünfte (1989: Fr. 6264.-; 1990: Fr. 6334.-) verabgabt hatte, weshalb anzunehmen ist, dass die effektiven Einkünfte grossenteils nicht in das Individuelle Konto eingeflossen sind. Dieser Schluss drängt sich umso mehr auf, als der Versicherte selbst nach Eintritt der Behinderung in der Lage war, höhere Einkommen zu erzielen; so rechnete er mit der Firma E.________ AG zwischen Oktober und November 1991 einen Monatslohn von Fr. 7520.- ab. Auszugehen ist somit vom zuletzt bei der Firma A.________ AG erzielten Einkommen von jährlich Fr. 69'732.-, angepasst an die seither eingetretene Nominallohnentwicklung (1989: + 3,8 %, 1990: + 5,9 %, 1991: + 7,0 %, 1992: + 4,8 %, 1993: + 2,6 %, 1994: + 1,5 %, 1995: + 1,3 %, 1996: + 1,3 %, 1997: +0,5 %, 1998: + 0,7 %, 1999: +0,3 %, 2000: + 1,3 %, 2001: + 2,5 %, 2002: + 1,8 %; Die Volkswirtschaft 1/1991 und 1/1994, je Tabelle B4.1, S. 14, und Die Volkswirtschaft 3/2003, Tabelle B10.2, S. 91). Das Valideneinkommen beträgt demnach Fr. 98'555.-. 4.2.3 Hinsichtlich des Invalideneinkommens ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer über eine Berufsausbildung als Schreiner, einen zusätzlichen Abschluss als Elektroniker und langjährige Erfahrung als Selbstständigerwerbender in unterschiedlichen Bereichen verfügt. Auch nach Eintritt der Behinderung war er verschiedentlich erwerbstätig und erzielte zeitweilig beträchtliche Einkommen (Erw. 3.2.2 hievor). Nachforschungen der IV-Stelle ergaben, dass er sich trotz ärztlich bescheinigter vollständiger Arbeitsunfähigkeit ein Auto der gehobenen Klasse leisten konnte, was ebenfalls darauf hindeutet, dass er trotz gesundheitlicher Beschwerden nicht ohne Erfolg wirtschaftlich aktiv war. In Anbetracht dessen und unter Berücksichtigung, dass ihm aus ärztlicher und berufsberaterischer Sicht eine Vielzahl von Tätigkeiten offen steht, in denen er seine bisherige berufliche Erfahrung einbringen kann, ist bei der Bestimmung des Invalideneinkommens anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2000 auf das Anforderungsniveau 2 (Verrichtung selbstständiger und qualifizierter Arbeiten) abzustellen. Gemäss LSE 2000 betrug der von Männern im Dienstleistungsbereich erzielbare Lohn monatlich Fr. 7546.- (LSE 2000 Tabelle TA7 S. 40). Angepasst an die bis ins Jahr 2002 eingetretene Nominallohnentwicklung und die tatsächliche Arbeitszeit (41,9 Stunden im Jahr 1998, 41,8 Stunden in den Jahren 1999 und 2000, 41,7 Stunden in den Jahren 2001 und 2002; Die Volkswirtschaft 3/2003, Tabelle B9.2 S. 90 und 6/2004, Tabelle B9.2, S. 90) ergibt dies einen Monatslohn von Fr. 8209.-. Unter Berücksichtigung der 50%igen Arbeitsfähigkeit resultiert ein monatliches Einkommen von Fr. 4104.-, was verglichen mit einem hypothetischen Monatslohn ohne Behinderung von Fr. 8213.- (Fr. 98'555.- / 12) einen Invaliditätsgrad von 50 % ergibt. Damit bleibt es im Ergebnis bei der vorinstanzlich zugesprochenen halben Invalidenrente (Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2003 gültig gewesenen Fassung). Lediglich der Vollständigkeit halber sei bemerkt, dass selbst unter Anrechnung eines im Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) erzielbaren Lohnes eine halbe Invalidenrente resultieren würde.