Citation: U 371/04 02.03.2005 E. 3

3.1 Eine arbeitsbedingte Erkrankung gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 14 UVV und Ziff. 2 des Anhangs 1 zur UVV stellt nach lit. a (Erkrankungen durch physikalische Einwirkungen) u.a. eine durch Arbeiten im Lärm verursachte erhebliche Schädigung des Gehörs dar. Die Schwere der Beeinträchtigung ist aus praktischen Gründen in Prozenten des Hörverlusts zu umschreiben, wobei die Frage, ab welcher prozentualen Grenze ein Hörverlust als erheblich im Sinne der genannten Bestimmung zu qualifizieren ist, sich nicht nach abstrakten medizinischen Kriterien beantworten lässt; vielmehr kommt es darauf an, ob sich der Gehörschaden praktisch in erheblicher Weise auswirkt, indem er zu einer anspruchsbegründenden Erwerbs- oder Integritätseinbusse führt (im SUVA-Jahresbericht 1988 [Nr. 2 S. 3] publiziertes Urteil R. vom 11. Dezember 1987, U 71/86, Erw. 2b mit Hinweis; Rumo-Jungo, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, Zürich 2003, S. 85). 3.1.1 Eine hinsichtlich des Anspruchs auf Invalidenrente (Art. 18 ff. UVG) erhebliche Gehörsschädigung kann folglich u.a. nur dann bejaht werden, wenn die Auswirkungen eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit bewirken. 3.1.2 Mit Bezug auf den Integritätsentschädigungsanspruch nach Art. 24 f. UVG in Verbindung mit Art. 36 UVV (in den bis 31. Dezember 2002 in Kraft gestandenen Fassungen) gilt ein Integritätsschaden demgegenüber dann als erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird, wobei gemäss Art. 36 Abs. 2 UVV für die Bemessung der Integritätsentschädigung die vom Bundesrat aufgestellten Richtlinien des Anhanges 3 gelten. Danach wird der (vollständige) Verlust des Gehörs auf einem Ohr mit einem Integritätsschaden von 15 % und die vollständige Taubheit, d.h. der Verlust des Gehörs auf beiden Ohren, mit einem solchen von 85 % bewertet. Gemäss der von der Medizinischen Abteilung der SUVA in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala erarbeiteten, höchstrichterlich als mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar beurteilten (RKUV 1989 Nr. U 71 S. 222 f. Erw. 3b Hinweisen) Tabelle 2 zu Tabelle 12 betreffend Integritätsschaden bei Schädigung des Gehörs (Mitteilungen der Medizinischen Abteilung der SUVA Nr. 58 S. 46 ff.) liegt die Erheblichkeitsschwelle bei binauralem Schaden bei 70 % - bzw. bei 35 % je Ohr - Hörverlust (das intakte Gesamtgehör mit 200 % veranschlagt), monaural bei Verlust der halben Hörfähigkeit, beides entsprechend einem Integritätsschaden von 5 %.