Citation: 6B_1088/2022 E. 6.2

6.2. Die Vorinstanz verweist auf die erstinstanzlichen Ausführungen, wonach die privilegierenden Tatumstände des Totschlags zu verneinen seien (angefochtenes Urteil S. 25). Gemäss erster Instanz habe eine heftige Gemütsbewegung im Sinne von Art. 113 StGB nicht vorgelegen. In Anbetracht des konkreten Vorgehens der Beschwerdeführerin, insbesondere betreffend die Beschaffung der Medikamente, die Betäubung von B.A.________ am Vorabend der Tat und die Behändigung des Tatwerkzeugs könne von einem Affekt bzw. von einem unmittelbar vorausgehend gefassten Tatentschluss keine Rede sein. Die Beschwerdeführerin habe wohl eine konfliktreiche und für sie teilweise auch leidvolle Beziehung zu B.A.________ geführt. Aufgrund der weiteren zum Tatzeitpunkt aktuellen Umstände, gemäss welchen B.A.________ eine neue Frau kennengelernt, aus der ehelichen Wohnung habe ausziehen und die Nebenbuhlerin baldmöglichst habe heiraten wollen, habe die Beschwerdeführerin zweifellos eine gewisse seelische Belastung empfunden. Es sei jedoch nicht von einer grossen seelischen Belastung im Sinne von Art. 113 StGB auszugehen. Aus Sicht der Beschwerdeführerin hätten andere Auswege bestanden, ihr Leiden zu beenden, zumal B.A.________ ohnehin gerade daran gewesen sei, sie zu verlassen und aus der ehelichen Wohnung auszuziehen (angefochtenes Urteil S. 25 f. mit Verweis auf erstinstanzliches Urteil S. 126). Selbst wenn man eine grosse seelische Belastung bejahen würde, würde es gemäss erster Instanz an der Entschuldbarkeit fehlen. Es sei nämlich nicht davon auszugehen, dass ein vernünftiger Mensch aus den gleichen sozialen Verhältnissen wie die Beschwerdeführerin unter den gleichen Bedingungen leicht in einen solchen Gemütszustand versetzt worden und zur Tat geschritten wäre. Der Auszug des den Leidensdruck verursachenden Partners sei doch absehbar gewesen. Insgesamt sei die Tat der Beschwerdeführerin folglich nicht als Totschlag im Sinne von Art. 113 StGB zu qualifizieren (angefochtenes Urteil S. 26 mit Verweis auf erstinstanzliches Urteil S. 126 f.).