Citation: 5A_589/2021 E. 3.2.2

3.2.2. Seien beide Elternteile erziehungsfähig sowie willens und in der Lage, die Kinder bei sich aufzunehmen und persönlich oder im Rahmen eines im Kindeswohl liegenden Betreuungskonzepts für sie zu sorgen, so komme - insbesondere bei Gleichwertigkeit der beiden Betreuungskonzepte - dem Kriterium der Stabilität der Verhältnisse besonderes Gewicht zu. Ausgehend vom bisherigen Betreuungsmodell erwog die Vorinstanz, dass aufgrund der 100 %igen Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers die nicht erwerbstätige Beschwerdeführerin - trotz Fremdbetreuung der Kinder ab einem Alter von neun Monaten - im Alltag der Kinder präsenter gewesen sei und mehr Verantwortung für diese zu übernehmen gehabt habe. Hinzu komme, dass bei der Tochter die (volle) auswärtige Betreuung erst zwei Monate vor der Trennung begonnen habe und die ersten acht Monate im Leben des Kindes eine eher lange Zeitspanne seien, in der die Beschwerdeführerin die engere Bezugsperson gewesen sei. Gleichwohl sei davon auszugehen, dass auch der Beschwerdeführer sich nach Möglichkeit um die Kinder gekümmert habe und stets eine enge Bezugsperson gewesen sei. Die zwei- bzw. vierjährigen Kinder seien mehr personen- denn umgebungsbezogen und noch nicht in ein Schulsystem integriert. Eine Eingliederung in ein ausländisches Schulsystem sei möglich, zumal der Sohn auch bereits Englisch spreche. Da die Beschwerdeführerin beabsichtige, die Kinder in eine bilingual geführte Privatschule zu schicken, würden diese in Brasilien folglich nicht in einer fremden Sprache beschult werden. Auch seien die Kinder schweizerisch-brasilianische Doppelbürger, verfüge die Beschwerdeführerin über ein ausgedehntes familiäres Netz einer Grossfamilie und könne den Kindern (in Brasilien) ein gutes, stabiles und wirtschaftlich abgesichertes Umfeld bieten. Demgegenüber könne der Beschwerdeführer die Kinder an dem von den Parteien begründeten Lebensmittelpunkt weiterhin betreuen und hätten die Kinder auch zu seiner Familie eine gute Beziehung. Insgesamt könne die Beschwerdeführerin aufgrund der Personenbezogenheit den Kindern die nötige Stabilität gewähren und habe diese die Möglichkeit, die Kinder mehr persönlich zu betreuen. Demgegenüber beabsichtige der Beschwerdeführer das bisher gelebte Betreuungsmodell (mit teilweiser Fremdbetreuung) weiterzuführen. Dennoch seien gewisse Vorbehalte betreffend die Vereinbarkeit von Beruf und Familie anzubringen.