Citation: 5A_69/2024 E. 3.2.2

3.2.2. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer erfordert die Gutheissung einer Grenzscheidungsklage sodann auch für den Fall, dass die Grundstücke noch nicht amtlich vermessen wurden bzw. die genaue Ausdehnung eines Grundstücks unbekannt ist, keine vollständige Erfassung des Grundstücks: 3.2.2.1. Gemäss Art. 669 ZGB ist jeder Grundeigentümer verpflichtet, auf das Begehren seines Nachbarn zur Feststellung einer ungewissen Grenze mitzuwirken, sei es bei Berichtigung der Grundbuchpläne oder bei Anbringung von Grenzzeichen. Diese Pflicht besteht unbesehen davon, ob die Grundstücke vermessen sind oder nicht (vgl. REY/STREBEL, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch, Bd. II, 7. Aufl. 2023, N. 7 f. zu Art. 669 ZGB; MEIER-HAYOZ, Berner Kommentar, 1964, N. 16 zu Art. 669 ZGB). 3.2.2.2. Verweigert der Nachbar nicht nur die Mitwirkung in diesem Sinn, sondern bestreitet er überdies den vom Eigentümer behaupteten Grenzverlauf, steht diesem ein Grenzscheidungsanspruch zu, also der Anspruch auf Bestimmung der (ungewissen und umstrittenen) Grenzlinie durch richterliches Urteil (TSCHÜMPERLIN, Grenze und Grenzstreitigkeiten im Sachenrecht, 1984, S. 175). Dieser Anspruch wird mit der sogenannten Grenzscheidungsklage verwirklicht (Urteile 5A_726/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.1.3.1; 5A_769/2011 vom 2. März 2012 E. 3.1; REY/STREBEL, a.a.O., N. 11 zu Art. 669 ZGB). 3.2.2.3. Davon zu unterscheiden ist die aus Art. 641 ZGB abgeleitete Eigentumsfeststellungsklage: Während bei dieser die räumliche Ausdehnung des Eigentums nachgewiesen werden muss, woraus sich dann als Reflexwirkung die Lage der Grenze ergibt, erlaubt es die Grenzscheidungsklage, die Lage einer ungewissen Grenze durch richterliches Urteil festsetzen zu lassen (Urteil 5A_390/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.3.2). Bei der Grenzscheidungsklage geht es mit anderen Worten nur um die Lage bzw. Festlegung der Grenze als Linie zwischen zwei Grundstücken (MEIER-HAYOZ, a.a.O., N. 19 zu Art. 669 ZGB; TSCHÜMPERLIN, a.a.O., S. 177). 3.2.2.4. Da die Grenzscheidungsklage immer nur die Festlegung der Grenze zweier Grundstücke als Linie und nicht die räumliche Ausdehnung dieser Grundstücke zum Gegenstand hat (oben E. 3.2.2.3), trifft die Auffassung der Beschwerdeführer, wonach die Parzelle yyy, deren genaue Ausdehnung unklar ist, vollständig hätte ausgewiesen werden müssen, nicht zu. Zwischen den Verfahrensparteien einzig umstritten war die Grenze zwischen ihren beiden Parzellen, nämlich der Parzelle yyy der Beschwerdeführer und der Parzelle zzz des Beschwerdegegners. Genau diese Grenze wurde von den kantonalen Instanzen festgelegt und genau dafür steht die Grenzscheidungsklage zur Verfügung; für eine Festlegung der "übrigen" Grenzen bestand kein Raum.