Citation: U 327/99 20.09.2000 E. 3

3.- a) Die Vorinstanz hielt fest, dass die Versicherte nach Auffassung der Ärzte jedenfalls aus somatischer Sicht spätestens ab 9. Dezember 1997 ihre bisherige, körperlich leichte und sitzend verrichtete Tätigkeit wieder voll ausüben könne. Aus diesem Grunde könne offen bleiben, ob die durch die Neurologische Poliklinik des Universitätsspitals Y.________ am 26. September 1997 erstmals diagnostizierte Diskushernie L4/L5 (Bericht vom 15. Oktober 1997) auf den Unfall zurückzuführen sei, welche Frage gestützt auf das Gutachten des Dr. med. A.________ vom 22. Januar 1998 und die zahlreichen weiteren medizinischen Unterlagen eher verneint werden müsste. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die nur wenige Tage nach dem Unfall neben den Schmerzen im Hüftbereich geklagten Ausstrahlungen ins rechte Bein bis hin zur Zehe könnten mit einer durch den Unfall zumindest ausgelösten Veränderung der Bandscheibe in direktem Zusammenhang stehen. Die vorhandenen Untersuchungsergebnisse gäben hiezu indessen keine Auskunft, weil die Ärzte vor Herbst 1997 nur das Becken und das rechte Hüftgelenk, nicht aber die von der Diskushernie betroffenen Lendenwirbel L4/L5, röntgenologisch erfasst hätten. Für einen medizinischen Laien jedenfalls deuteten die Symptome darauf hin, dass möglicherweise auch die lange Zeit nicht erkannte Diskushernie bereits unmittelbar nach dem Unfall für die Symptome zumindest mitverantwortlich gewesen sein könnte. Schon rein wegen des engen zeitlichen Zusammenhanges käme der Unfall als auslösendes Element für die Diskushernie zumindest in Frage. Im Übrigen gehe das kantonale Gericht in seiner Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit (spätestens ab 9. Dezember 1997) fehl, habe doch das ganze Jahr 1997 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden, welcher Zustand bis heute andaure; da sich die entsprechende Prognose der Rehabilitationsklinik somit nicht bestätigt habe, seien weitere Berichte des Hausarztes Dr. med. L.________ einzuholen. b) Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten. In solchen Fällen hat die Unfallversicherung praxisgemäss auch für Rezidive und allfällige Operationen aufzukommen. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (nicht veröffentlichte Urteile Z. vom 26. Juli 2000, U 24/00, K. vom 1. Februar 2000, U 353/98, S. vom 5. Januar 2000, U 103/99, F. vom 27. Dezember 1999, U 2/99, S. vom 22. Januar 1999, U 69/98, je mit Hinweisen; Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1980, S. 54 ff., insbesondere S. 56). Im vorliegenden Fall kann die Diskushernie schon deshalb nicht als weitgehend unfallbedingt betrachtet werden, weil ihre Symptome gemäss den medizinischen Akten nicht unverzüglich nach dem Unfall auftraten, sondern die Schmerzen anfänglich lediglich in der Hüftgegend lokalisiert waren und Anhaltspunkte für eine traumatische Schädigung der Lendenwirbelsäule überhaupt fehlten (Gutachten des Dr. med. A.________ vom 22. Januar 1998). Aber auch die Möglichkeit, dass die Diskushernie durch den Unfall ausgelöst worden sein könnte, scheidet gemäss den medizinischen Akten aus. Dr. med. A.________ führt hiezu aus, dass eindeutige Brückensymptome fehlten und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden müsse, dass kein Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 30. Dezember 1996 und der 10 Monate später festgestellten Diskushernie bestehe. Im Weitern kann entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin aus der Tatsache, dass sich die Diskushernie nach dem Unfallereignis manifestiert hat, nicht einfach - in Anwendung der Formel "post hoc, ergo propter hoc", wonach ein Gesundheitsschaden schon dann als durch einen Unfall verursacht gilt, weil er nach diesem aufgetreten ist (vgl. BGE 119 V 341 f. Erw. 2b/bb) - auf einen Zusammenhang geschlossen werden. Da der medizinische Sachverhalt mit den vorliegenden Akten hinreichend geklärt ist, kann auf die von der Beschwerdeführerin verlangten weiteren Beweismassnahmen zur Unfallkausalität der Diskushernie verzichtet werden (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis). Ebenso verhält es sich mit Bezug auf die Frage der Arbeitsfähigkeit, insbesondere nachdem auch gemäss dem Gutachten des Dr. med. A.________, der die Beschwerdeführerin am 9. Dezember 1997 einlässlich untersucht hat, eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder einer anderen behinderungsangepassten Tätigkeit nicht vorliegt (Gutachten vom 22. Januar 1998).