Citation: I 20/04 13.07.2004 E. 3

3.1 Mit Blick auf den psychischen Gesundheitszustand zeigen die Akten das folgende Bild: 3.1.1 Dem Entlassungsbericht des Klinikums für medizinische Rehabilitation B.________ vom 28. März 2001 ist im Rahmen der prognostischen Einschätzung zu entnehmen, dass im damaligen Zeitpunkt eine Minderung der Erwerbsfähigkeit in rentenberechtigtem Ausmass auf wahrscheinlich verschiedenen Gebieten vermutet wurde, weshalb sowohl im orthopädischen wie auch im neurologischen und psychiatrisch/ psychosomatischen Bereich weitere gutachtliche Abklärungen empfohlen wurden. Mit Bericht vom 6. April 2001 hielten die gleichen Ärzte fest, dass sich im Verlauf der psychologischen Einzelgespräche der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung herauskristallisiert habe, die in jedem Fall weiterbehandelt werden müsse. 3.1.2 Dr. med. D.________ ordnete die psychiatrischen Befunde in seinem Gutachten vom 8. Mai 2001 diagnostisch ebenfalls dem Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) zu - eine Depression mit Krankheitswert schloss er aus - und schätzte das Ausmass der Unfallschäden auf über "50 % GdB". Zur Besserung mindestens des psychischen Schadens erachtete er, da eine Umschulung bzw. ein Arbeitsversuch zufolge der noch vorhandenen gravierenden psychotherapeutisch-neurologischen Unfallfolgen nicht in Frage kämen, ein erneutes Rehabilitations-Heilverfahren für notwendig. 3.1.3 In Bezug auf die psychischen Unfallfolgen führte Frau Dr. med. P.________ am 13. Juli 2001 aus, dass die vom Versicherten geklagten Beschwerden an eine posttraumatische Belastungsstörung denken liessen. Mit Sicherheit sei der Proband, obwohl er sich im Rahmen der aktuellen Begutachtung psychisch völlig unauffällig und durchaus durchsetzungsfähig gezeigt habe, infolge des schweren Unfalls (der Unfallverursacher sei dabei ums Leben gekommen) psychisch etwas "alteriert, verunsichert". 3.1.4 In einem weiteren Bericht vom 30. April 2002 gab Dr. med. D.________ an, dass die Beschwerden des Versicherten, insbesondere auch auf psychiatrischem Fachgebiet, ohne Antidepressiva eine recht schnelle Besserung erfahren hätten. Das seelische Leiden habe sich namentlich auf Grund des Umstands gebessert, dass der Unfallverursacher wider Erwarten noch am Leben sei. Der Grad der Behinderung wurde aktuell auf insgesamt 40 - 50 % geschätzt, wobei "die früher geschilderten psychischen Beschwerden und Ausfälle jetzt nicht mehr von Belang" seien. 3.1.5 Frau Dr. med. W.________ führte die meisten Beschwerden in ihrem Bericht vom 15. Juli 2002 aus hausärztlicher Sicht auf die Wirbelfrakturen des BWK 11 und 12, die Ulnarläsion rechts sowie auf die posttraumatische Belastungsstörung bei Zustand nach Commotio cerebri zurück. 3.1.6 Dem neurologisch-psychiatrischen Gutachten des Dr. med. O.________ vom 21. August 2002 ist sodann zu entnehmen, dass die Ursache der vorhandenen posttraumatischen depressiven Reaktion im Wesentlichen in der seit 2 ½ Jahren ungeklärten beruflichen und Lebenssituation bestünde (ICD-10: F33.9). Auf Grund des neurologischen Residualbildes sei der Versicherte für die Tätigkeit als LKW-Fahrer bzw. auch für den erlernten Beruf eines Kochs - im Gegensatz zu körperlich leichten Beschäftigungen - auf Dauer nicht mehr geeignet und damit als berufsunfähig einzustufen. Die depressive Situation dürfte, so der Gutachter weiter, je nach Verlauf der weiteren Entwicklung abklingen. Mit Stellungnahme vom 13. September 2002 ergänzte Dr. med. O.________ seine gutachtlichen Ausführungen insofern, als er die Minderung der Erwerbsfähigkeit allein zufolge der posttraumatischen depressiven Reaktion auf 10 % bzw. - samt der somatisch bedingten Leistungseinbusse - auf 25 % schätzte. 3.1.7 Frau Dr. med. N.________ diagnostizierte in ihrer im Auftrag des Landessozialgerichtes Baden-Württemberg angefertigten psychiatrischen Expertise vom 14. Oktober 2003, welche der Vorinstanz im Zeitpunkt ihrer Entscheidfällung nicht bekannt war, eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), die bei dem nun knapp vier Jahre zurückliegenden auslösenden Trauma (Unfall vom 16. Februar 2000) einen chronischen Verlauf genommen habe. Auf Grund der massiven Einschränkungen der geistigen Funktionen sei der Proband nicht in der Lage, eine regelmässige Arbeit aufzunehmen. Nach dem Zeitpunkt des Eintritts des Gesundheitsschadens befragt, gab die Gutachterin an, dass der Zustand seit dem Datum der Antragstellung (in Deutschland: Juni 2001) bestehe, wobei die depressive Symptomatik sich im Laufe des Verfahrens - mit Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit - wohl auf Grund der belastenden Unsicherheit und der angespannten wirtschaftlichen Situation noch verschlechtert habe. Eine wesentliche Besserung des Gesundheitszustandes in absehbarer Zeit verneinte sie angesichts des vorliegenden chronischen Störungsbildes, hielt jedoch eine längerfristige psychotherapeutische Behandlung für angezeigt. Sie schätzte die Minderung der Erwerbsfähigkeit gemäss ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 25. März 2004 auf 70 %. 3.2 Aus diesen ärztlichen Unterlagen erhellt, dass spätestens während des Aufenthaltes des Beschwerdeführers im Klinikum für medizinische Rehabilitation B.________ vom 8. bis 29. März 2001 - rund ein Jahr nach dem Unfallereignis vom 16. Februar 2000 - Anzeichen eines psychischen Gesundheitsschadens in Form einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) vorhanden waren und vertiefte Abklärungen in diese Richtung als erforderlich erachtet wurden. Dr. med. D.________ kam zwei Monate später nach eigenen Untersuchungen zur gleichen Diagnose, schätzte die psychisch bedingte Beeinträchtigung des Leistungsvermögens als beträchtlich ein und empfahl weitere Rehabilitationsvorkehren. Mitte Juli 2001 bestätigte Frau Dr. med. P.________ die bisherigen Befunde und beurteilte den Beschwerdeführer als psychisch etwas "alteriert, verunsichert". Gemäss Bericht des Dr. med. D.________ vom 30. April 2002 hatte sich das psychische Krankheitsbild bis zu diesem Zeitpunkt erheblich verbessert, wobei er den Grad der Behinderung insgesamt immer noch auf 40 - 50 % einstufte. Aus hausärztlicher Sicht ordnete Frau Dr. med. W.________ die Beschwerden sodann Mitte Juli 2002 ebenfalls u.a. einer posttraumatischen Belastungsstörung zu. In seinem Gutachten vom 21. August 2002 (samt ergänzender Stellungnahme vom 13. September 2002) gelangte Dr. med. O.________ zum Schluss, dass der Versicherte an einer posttraumatischen depressiven Reaktion (ICD-10: F33.9) leide, welche zur Hauptsache auf die nunmehr seit 2 ½ Jahren ungeklärte berufliche und persönliche Lebenssituation zurückzuführen sei. Prognostisch hielt er ein Abklingen des depressiven Leidens je nach weiterer Entwicklung für möglich, wobei er die dadurch bedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aktuell auf 10 % und insgesamt auf 25 % schätzte. Über ein Jahr später diagnostizierte Frau Dr. med. N.________ in ihrem Gutachten vom 14. Oktober 2003 wiederum eine - nunmehr chronifizierte - posttraumatische Belastungsstörung und bescheinigte dem Beschwerdeführer eine erhebliche Leistungseinbusse. Obgleich die letztgenannte Expertise erst mehrere Monate nach Erlass des Einspracheentscheides (vom 30. Juni 2003), welcher rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze richterlicher Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 129 V 4 Erw. 1.2, 169 Erw. 1, 356 Erw. 1, je mit Hinweisen), erstellt wurde, lässt sie dennoch Rückschlüsse auf den hier relevanten Zeitabschnitt zu und ist deshalb - entgegen der Betrachtungsweise der IV-Stelle - zu berücksichtigen (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweis). Die Verwaltung macht, insbesondere gestützt auf eine Stellungnahme des Dr. med. A.________ vom 14. Februar 2004, geltend, dass Frau Dr. med. N.________ in ihrer Beurteilung den - im Gutachten erwähnten - neuropsychologischen Untersuchungsergebnissen des Dipl. Psych. Dr. R.________ vom 23. September 2003 zu wenig Beachtung geschenkt habe. Diesem Einwand ist entgegenzuhalten, dass Dr. R.________ eine hirnorganisch bedingte Beeinträchtigung der intellektuellen Leistungsfähigkeit zwar ausgeschlossen hat, er aber auf Grund des anamnestisch berichteten schweren Autounfalles und den dabei erlittenen massiven körperlichen Verletzungen eine psychische Traumatisierung im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung als durchaus plausibel erachtete, welche die subjektiv erlebten Beeinträchtigungen der psychisch-funktionalen Leistungsfähigkeit hinreichend zu erklären vermöchten. Nach dem Gesagten kann als erstellt gelten, dass der Beschwerdeführer auch über Ende März 2001 hinaus an einem psychischen Gesundheitsschaden gelitten hat, der sich auch im Zeitpunkt des Einspracheentscheides (vom 30. Juni 2003), wenngleich zwischendurch anscheinend eine Besserung erfahrend, noch manifestierte. Unsicher ist auf Grund der bestehenden Aktenlage indessen zum einen die genaue Diagnose der festgestellten geistigen Beeinträchtigung, hielt doch Dr. med. O.________ nicht eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), sondern eine posttraumatische depressive Reaktion (ICD-10: F33.9) für gegeben. Es bestehen des Weitern gewichtige Unterschiede in der Einschätzung der durch die psychische Störung verursachten Arbeitsunfähigkeit. Diesem Umstand ist vor dem Hintergrund, dass die korrekte Diagnosestellung eines Gesundheitsschadens letztlich keinen Einfluss auf den für die Invaliditätsbemessung relevanten, allein auf Grund der Auswirkungen des Leidens ermittelten Grad der Arbeitsunfähigkeit hat und in jedem Einzelfall eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein muss (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen), erhöhtes Gewicht beizumessen. Entscheidend ist allein die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozialpraktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen). Da ferner von einer hinsichtlich ihrer Beweiskraft (vgl. dazu BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) weitgehenden Gleichwertigkeit der Gutachten auszugehen ist - namentlich die Stellungnahmen und Expertisen der Dres. med. D.________ (vom 30. April 2002), W.________ (vom 15. Juli 2002), O.________ (vom 21. August und 13. September 2002) und N.________ (vom 14. Oktober 2003 und 25. März 2004) sind im Auftrag von deutschen Gerichten erstellt worden (vgl. dazu BGE 125 V 352 f. Erw. 3b/aa mit Hinweisen) -, drängt sich die Einholung eines weiteren Gutachtens auf, welches sich mit den Widersprüchen zwischen den verfügbaren ärztlichen Aussagen befassen und Stellung nehmen wird, inwiefern sich ein beim Beschwerdeführer vorliegender psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert auf dessen Arbeitsfähigkeit auswirkt. Dabei wird - im Rahmen einer umfassenden interdisziplinären Begutachtung, vorzugsweise in der hierfür spezialisierten Medizinischen Abklärungsstelle der Invalidenversicherung (MEDAS) - auch den somatischen Leiden bzw. allfälligen Wechselwirkungen zwischen körperlichem und geistigem Krankheitsbild Rechnung zu tragen sein.