Citation: U 250/03 17.06.2004 E. 3

Streitig und zu prüfen ist, ob zwischen dem Unfall vom 5. März 1986 und den Hüft-, Rücken- sowie Nackenbeschwerden des Versicherten ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. 3.1 Das Spital Q.________ stellte im Gutachten vom 26. September 2001 folgende Diagnosen: chronisches cervico- und lumbo-vertebrales Syndrom bei: Wirbelsäulenfehlform bei Status nach Morbus Scheuermann und Haltungsinsuffizienz bei verminderter Kraft und Kraftausdauer der rumpfstabilisierenden und der Schultergürtel-Muskulatur infolge Dekonditionierung, mehrsegmentalen im HWS-Bereich mässiggradigen und im LWS-Bereich leichtgradigen degenerativen Veränderungen. Es bestünden keine Hinweise für heute noch bestehende Unfallfolgen von Seiten des Bewegungsapparates (HWS, LWS, Hüfte). Hinsichtlich der Nackenbeschwerden wurde ausgeführt, es bestünden ein leichtgradiger Schulterhochstand linksseitig, eine verstärkte Stufenbildung am zervikothorakalen Übergang mit einer Kopf- und Schulterprotraktion beidseits, die insgesamt durch die Haltungsinsuffizienz in diesem Bereich verstärkt würden. Relevante Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit seien nicht feststellbar. Subjektiv würden vom Versicherten Endphasenschmerzen bei Rotation in Neutralstellung beidseits sowie bei Rotation in Extensionsstellung nach rechts angegeben. Von Seiten der Weichteile finde sich isoliert eine Druckdolenz am Ansatz des Musculus levator scapulae linksseitig, die auf eine Ansatztendinose dieses Muskels respektive der entsprechenden Sehne Hinweise. Auch die anlässlich der Begutachtung erfolglose Lokalinfiltration mittels Kenacort spreche nicht dagegen. Ansonsten würden keine wesentlichen Druck- oder Klopfdolenzen im Bereich der HWS und deren Weichteilen angegeben. Die Untersuchung habe allerdings morgens bei eher geringerer Schmerzintensität stattgefunden, wobei die Beschwerden gemäss Angaben des Versicherten über den Tag deutlich zunähmen. Die bildgebenden Untersuchungen zeigten mehrsegmentale degenerative Veränderungen, insbesondere der Bandscheiben, wobei in den Funktionsaufnahmen eine grenzwertig pathologische Beweglichkeit im Segment C5/6 feststellbar sei. Die Fehlform des Dens axis mit asymmetrischer Konfiguration sei Folge einer anlagebedingten Entwicklungsstörung der Basis des Dens und ohne bekannten Krankheitswert. Die Tatsache fehlender Bewegungseinschränkungen der HWS unmittelbar und in den folgenden 1-2 Jahren nach dem Unfall sprächen gegen eine relevante HWS-Verletzung. Zumindest die Feststellung einer schmerzreflektorischen Bewegungseinschränkung sei bei einer relevanten HWS-Verletzung zu erwarten. Weiter seien aufgrund der Akten und der Angaben des Versicherten in der vorgenannten Periode und bis zur heutigen Begutachtung keine HWS-Röntgenaufnahmen angefertigt worden, was darauf hinweise, dass die untersuchenden Ärzte - abgesehen von Dr. med. E.________, der 1988 die Anfertigung von HWS-Röntgenbildern empfohlen habe - keine wesentliche HWS-Verletzung angenommen hätten. Eine relevante strukturelle HWS-Verletzung mit Einbezug ligamentärer, diskogener oder artikulärer Komponenten, welche die Entwicklung vorzeitiger Abnützungserscheinungen auslöse, ginge mit wesentlichen Befunden in der klinischen Untersuchung unmittelbar nach dem Unfall respektive in den folgenden Monaten einher (wenigstens eine schmerzreflektorische Bewegungseinschränkung), was hier nicht zutreffe. Bei einer allfällig traumatisch ausgelösten Segmentdegeneration wäre diese wahrscheinlicher isoliert auf einem Niveau zu erwarten, währenddem mehrsegmentale Degenerationen, wie in diesem Fall, wahrscheinlicher für üblich vorkommende Degenerationen und nicht für durch den Unfall ausgelöste Veränderungen sprächen. Die in den Funktionsaufnahmen im Segment C5/6 festgestellte antero-posteriore Verschiebung der Wirbelkörper sei mit knapp 3 mm grenzwertig pathologisch, ohne dass hier von einer "eindeutigen" Instabilität gesprochen werden könne. Zudem sei eine relevante ligamentäre Verletzung durch das hier zu diskutierende Unfallereignis unwahrscheinlich. Es bestünden keine Anhaltspunkte, dass es durch eine allfällige Traumatisierung der HWS beim Unfall von 1986 zu einer irreversiblen strukturellen Läsion gekommen sei, welche die bestehenden Beschwerden begründen würde. Die heutige Symptomatik mit der Schmerzzunahme am Tag passe zu einer Überlastungsproblematik mit im Vordergrund stehenden Weichteilbeschwerden. Hiebei sei klinisch eine linksseitige Ansatztendinose des Musculus levator scapulae festzustellen (ansonsten seien anlässlich der morgendlichen Untersuchung bei eher geringgradiger Schmerzintensität palpatorisch keine wesentlichen Weichteilbefunde zu objektivieren). Als Ursache dieser Belastungsintoleranz seien die Wirbelsäulenfehlform mit Haltungsinsuffizienz bei Dekonditionierung und die mehrsegmentalen degenerativen Veränderungen zu nennen. Bezüglich der lumbalen Beschwerden wurde dargelegt, der Versicherte klage über belastungsabhängige, tieflumbal und im cranialen Anteil des Sacrums lokalisierte Rückenbeschwerden, die er durch entsprechende Anpassungen (Meidung von Belastungen wie Heben und Tragen von Lasten sowie längerem Sitzen) gut kontrollieren könne und dadurch mehrheitlich beschwerdefrei sei. Die Untersuchung habe eine langgezogene BWS-Kyphose mit eher kurzer LWS-Lordose, eine leichtgradige linkskonvexe Skoliose im Bereich des thoraco-lumbalen Übergangs sowie Zeichen verminderter Kraft/Kraftausdauer der rumpfstabilisierenden Muskulatur bei Dekonditionierung ergeben, hingegen bei gleichzeitig angegebener Schmerzfreiheit keine pathologischen Weichteilbefunde (Muskeltonuserhöhung, Druckdolenzen) oder Zeichen einer Bewegungseinschränkung im LWS-Bereich. Weiter seien keine ISG-Dysfunktionen feststellbar gewesen. Konventionell radiologisch zeigten sich keine Hinweise für wesentliche Segmentdegenerationen und auch im Vergleich zu den Voraufnahmen seien keine Anhaltspunkte für ein wesentliches Fortschreiten degenerativer Veränderungen seit dem Unfall zu erheben. Die heute feststellbaren spondylophytären Ausziehungen an der Deckplatte von LWK 3 seien zwar seit 1992 neu aufgetreten, seien aber doch von sehr geringem Ausmass, ohne dass von einer namhaften, über den natürlichen Verlauf hinausgehenden Progredienz einer Segmentdegeneration ausgegangen werden könne. Beim Unfall im Jahre 1986 sei es zu einer LWS-Traumatisierung gekommen, was aus den unmittelbar danach angegebenen Rückenbeschwerden hervorgehe. Als Vorzustand seien wiederholt auftretende Rückenschmerzen, insbesondere nach einem Unfall im Jahre 1980, festzuhalten, wobei diese Beschwerden nach Angaben des Versicherten nur intermittierend und mehr im thoracolumbalen Bereich lokalisiert gewesen seien. Folgende Gründe sprächen dafür, dass es bei der Verletzung durch den Unfall im Jahre 1986 nur zu einer vorübergehenden Symptomatik bzw. Verschlimmerung gekommen sei: Von Seiten der Wirbelkörper seien bis heute keine Hinweise für eine ossäre Läsion durch den Unfall feststellbar. Die Veränderung im Bereich der Bodenplatte von LWK 5, erstmals feststellbar 1987, passe zu einer Schmorl'schen Impression (im Rahmen eines Morbus Scheuermann) und zeige bis heute keine Grössenzunahme. Die Tatsache der 1978 radiologisch noch vorhandenen Apophysenkerne zeige, dass die Wirbelkörper des Versicherten damals noch nicht ausgewachsen gewesen seien und nach dem 16. Altersjahr noch Schmorl'sche Impressionen auftreten könnten. Weiter sprächen die unregelmässigen Wirbelkörperkonturen für einen Status nach Morbus Scheuermann. Eine durch ein Trauma ausgelöste lokalisierte Bandscheibenherniation in einem Wirbelkörper sei unwahrscheinlich. Im Weiteren zeigten sich bis heute keine Zeichen einer Keil- oder Fischwirbelbildung von LWK 5. Bei einer unfallbedingten dauernden und richtungweisenden Läsion diskogener oder ligamentärer Strukturen sei nach einer mehr als 10-jährigen Latenzzeit seit dem Unfall eine schwerwiegendere Segmentdegeneration, auch konventionell-radiologisch mit einer deutlichen Abnahme des Zwischenwirbelraums respektive Abstützreaktionen, zu erwarten. Eine Segmentdegeneration in entsprechendem Ausmass sei hier konventionell-radiologisch jedoch nicht feststellbar. Auch aus der Befundbeschreibung anlässlich der MRI im August 1998 gingen keine Anhaltspunkte dafür hervor, dass beim Versicherten schwerwiegendere Bandscheibendegenerationen, die über das in diesem Alter üblicherweise vorkommende Ausmass hinausgingen, vorhanden seien. Auch habe bezüglich der damals beschriebenen linksseitigen Radikulopathie kein entsprechendes Korrelat in der bildgebenden Untersuchung, wie eine Nervenwurzelkompression, festgestellt werden können. Zusammenfassend sei ein dauernder und richtungweisender struktureller Schaden der Wirbelsäule als Folge der Verletzung beim Unfall von 1986 unwahrscheinlich. Es handle sich überwiegend wahrscheinlich um eine Wirbelsäulenkontusion mit einem zeitlich befristeten Beschwerdeschub von höchstens 6-12 Monaten. Die feststellbaren Befunde der Wirbelsäulenfehlform mit langgezogener BWS-Kyphose und eher kurzer LWS-Lordose bei Status nach Morbus Scheuermann, der verminderten Kraft/Kraftausdauer der rumpfstabilisierenden Muskulatur bei Dekonditionierung gingen mit Einschränkungen von Seiten statischer wie auch dynamischer Belastungen einher. Somit seien die vom Versicherten angegebenen weitgehend belastungsabhängigen Beschwerden erklärbar. Schliesslich wurde im Gutachten festgehalten, der Versicherte klage über belastungsabhängige wie auch bei längerem Sitzen auftretende Hüftschmerzen, die jedoch eindeutig gluteal (= Gesäss) und weder im Bereich des Trochanter major noch in der für eine Hüftgelenk-Pathologie charakteristischen Leistengegend lokalisiert würden. Die klinische Untersuchung habe keinerlei Anhaltspunkte für eine Hüftgelenk-Pathologie gezeigt. Hingegen habe durch eine endphasige Aussenrotation im Hüftgelenk ein glutealer Muskelschmerz ausgelöst werden können. Die vom Versicherten geschilderten Beschwerden im Glutealbereich seien Ausdruck einer tendomyotischen Problematik, möglicherweise im Sinne reaktiver Weichteilveränderungen des lumbovertebralen Schmerzsyndroms. Es fänden sich keine Hinweise für eine Hüftgelenk-Pathologie. Weiter sei auf Grund der in den Akten beschriebenen Befunde (klinisch und radiologisch) eine durch den Unfall von 1986 ausgelöste irreversible morphologische Läsion seitens der ossären oder artikulären Becken- und Hüftstrukturen weitgehend ausgeschlossen. 3.2 Diese Expertise erfüllt die von der Rechtsprechung an die Beweiskraft von Arztberichten gestellten Anforderungen (Erw. 2.3 hievor) und vermag zu überzeugen, weshalb darauf abzustellen ist. SUVA und Vorinstanz haben demnach den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 5. März 1986 und den Hüft-, Rücken- sowie Nackenbeschwerden zu Recht verneint. Daran ändert die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgetragene Argumentation, die sich im Wesentlichen in der Wiederholung bereits vorinstanzlich vorgebrachter Einwendungen erschöpft, nichts. Die Einwendungen sind im kantonalen Entscheid mit zutreffender Begründung, worauf verwiesen werden kann, entkräftet worden. Es werden keine neuen Einwendungen vorgebracht, die Zweifel an der vorstehend genannten Schlussfolgerung aufkommen lassen könnten. Soweit der Versicherte eine interdisziplinäre und insbesondere eine psychiatrische Begutachtung verlangt, kann dem nicht gefolgt werden, da die Hüft-, Rücken- und Nackenbeschwerden auf Grund der erstatteten Expertise somatisch rechtsgenüglich erklärbar sind. Demnach ist auf medizinische Beweisergänzungen zu verzichten, da der rechtserhebliche Sachverhalt hinreichend erstellt ist und von weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b; SVR 2001 IV Nr. 10 Erw. 4b).