Citation: 5A_254/2020 E. 5

Das Obergericht stellt zunächst klar, dass der Beschwerdeführer im von ihm beanstandeten Onlinebericht subjektiv und objektiv individualisierbar ist. In der zweiten, noch immer abrufbaren Version sei zwar der volle Name des Beschwerdeführers durch seine Initialen ersetzt worden, doch wegen des enthaltenen Fotos könnten Leser aus dem sozialen Umfeld des Beschwerdeführers diesen mühelos identifizieren. Unbestritten bzw. zugestanden ist laut Vorinstanz weiter, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit einer von Kritikern der religiösen Gemeinschaft der Zwölf Stämme in U.________ (D) durchgeführten Mahnwache zugunsten dieser Gemeinschaft auftrat und eigens zu diesem Zweck nach Deutschland gefahren war, dass er den Teilnehmern der Mahnwache "voller Begeisterung und spontan" erklärte: "Wer sein Kind liebt[,] der [z]üchtig[t] es im Mass und in der Liebe", und dass er nach der Mahnwache in der Schweiz Mitglieder der Gemeinschaft der Zwölf Stämme bei sich beherbergte. Insofern sei im streitigen Artikel wahrheitsgemäss über den Beschwerdeführer berichtet worden. Das Obergericht bejaht ein öffentliches Interesse an einer Berichterstattung über die umstrittene religiöse Gemeinschaft der Zwölf Stämme, die gegen diese organisierte Mahnwache sowie deren Störung durch den Beschwerdeführer. In der Folge prüft die Vorinstanz, inwieweit die fragliche Berichterstattung durch das öffentliche Interesse nicht gerechtfertigte Persönlichkeitsverletzungen enthielt bzw. weiter enthält. Sie widerspricht der erstinstanzlichen Argumentation, wonach Titel und Untertitel nur im Gesamtzusammenhang betrachtet werden können. Anders als der Haupttitel lasse der Untertitel auch unter Berücksichtigung des eigentlichen Berichts, das heisst des Kontextes, nicht erkennen, dass mit "Unterstützung" bloss die verbale Verteidigung der Gemeinschaft der Zwölf Stämme und das von ihr proklamierte Züchtigungsrecht gemeint ist. Der Inhalt des zweiten Teilsatzes des Untertitels beziehe sich auf jenen des ersten Teilsatzes und könne aufgrund seiner klaren Formulierung nicht anders als ein Vorwurf an den Beschwerdeführer verstanden werden, die Gemeinschaft der Zwölf Stämme in einer Weise zu unterstützen, die das Quälen von Kindern ermögliche oder erleichtere. In dieser Unterstellung liegt dem Obergericht zufolge nicht nur eine klare Verletzung der Ehre des Beschwerdeführers. Vielmehr werde dieser auch in ein falsches Licht gerückt, denn es sei nicht nachgewiesen, dass er einen tatsächlich erfolgten Akt des Quälens bzw. der Züchtigung von Kindern unterstützte. Das Obergericht erinnert daran, dass an falschen Informationen von vornherein kein öffentliches Interesse bestehe, und heisst das Feststellungs- und Beseitigungsbegehren dementsprechend teilweise gut (vgl. Sachverhalt Bst. B.b). Was den Haupttext des Onlineartikels angeht, kommt der angefochtene Entscheid zum Schluss, die Beschwerdegegnerin berichte zutreffend davon, dass der Beschwerdeführer die Gemeinschaft der Zwölf Stämme unterstützt und deren Mitglieder unter Berufung auf die Bibel gerade auch insoweit verteidigt, als diese bei der Erziehung ihrer Kinder eine "liebevolle" körperliche Züchtigung praktizieren. Als nächstes beschäftigt sich die Vorinstanz mit der Frage, ob bzw. inwieweit der Onlineartikel deshalb persönlichkeitsverletzend sei, weil über den Beschwerdeführer unter Nennung seines vollen Namens berichtet und eine Fotografie verwendet wird, die ihn erkennbar in Nahaufnahme zeigt. Sie findet, der Beschwerdeführer müsse sich zwar eine Berichterstattung über die Kundgebung und deren Störung durch ihn gefallen lassen, doch sei grundsätzlich kein schützenswertes Interesse ersichtlich, den nicht prominenten Urheber einer solchen Aktion, zumal wenn er nicht namentlich auftrete, zuhanden einer weiteren Öffentlichkeit (Leserschaft) zu identifizieren. Es könne keinem ernsthaften Zweifel unterliegen, dass eine personifizierte Berichterstattung über den Beschwerdeführer, der sich für eine von der Beschwerdegegnerin ausdrücklich als Sekte bezeichnete, angeblich Körperstrafen praktizierende religiöse Gemeinschaft wie diejenige der Zwölf Stämme einsetzt, für ihn erhebliche negative Konsequenzen haben kann. In teilweiser Gutheissung der Klage stellt das Obergericht demnach fest, dass die Berichterstattung über den Beschwerdeführer dessen Persönlichkeit insoweit verletzt, als der Beschwerdeführer in der ersten Version mit seinem vollständigen Namen genannt und dadurch zuhanden der Öffentlichkeit eindeutig identifiziert wurde. Die aktuell abrufbare Version, in welcher der Name durch die Initialen ersetzt ist, verletze das Recht des Beschwerdeführers am eigenen Bild, weil allein der singuläre öffentliche Auftritt des Beschwerdeführers an der Mahnwache in U.________ (D) keine ihn individualisierende Abbildung rechtfertige. Zum Schluss äussert sich die Vorinstanz zum Vorwurf, wonach die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der Beherbergung von Mitgliedern der Gemeinschaft der Zwölf Stämme illegal observiert habe. Der Beschwerdeführer bestritt die erstinstanzliche Erkenntnis, wonach das Auto der Gemeinschaft für jedermann ersichtlich vor seinem Haus gestanden habe, sein Privatbereich daher nicht betroffen gewesen sei und ein Auskundschaften nicht in Betracht falle. Er rügte, Gesichter und Autonummern vor einem Haus würden zum Privatbereich gehören, und hielt an seinem Vorwurf fest. Das Obergericht erklärt, auf diese Rügen sei schon deshalb nicht einzugehen, weil der Beschwerdeführer aus der angeblich illegalen Observation keine Rechtsbegehren abgeleitet habe. Im Übrigen seien im beanstandeten Onlinebericht keine aus der (angeblichen) Observation stammenden Abbildungen von Gesichtern oder Autokennzeichen verwendet worden. Schliesslich würden die Gesichter von Mitgliedern der Gemeinschaft der Zwölf Stämme und allenfalls die Kennzeichen eines dieser Gemeinschaft gehörenden Fahrzeugs auch nicht in den Privatbereich des Beschwerdeführers fallen, sondern seien allenfalls durch das Persönlichkeitsrecht der betroffenen Mitglieder der Gemeinschaft der Zwölf Stämme geschützt.