Citation: 6B_407/2022 E. 6.3

6.3. Die Rügen der Beschwerdeführerin gehen auch fehl, soweit sie das Anklageprinzip anruft. Dass die Vorinstanz in die Rolle der Anklägerin schlüpft, kann nicht gesagt werden. Auch kann keine Rede davon sein, dass sie den Anklagesachverhalt in unzulässiger Weise erweitert hätte. Die Vorinstanz beantwortet nur, ob das Gutachten erheblich im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO ist. Dass sie dabei konsequent auf die neu ermittelte Geschwindigkeit abstellt, ist folgerichtig (vgl. E. 6.2 hiervor). Ohnehin kommt dem Anklageprinzip im Revisionsverfahren nicht die von der Beschwerdeführerin unterstellte Bedeutung zu. Die Beschwerdeführerin übersieht den Ablauf des Revisionsverfahrens: Erachtet das Berufungsgericht die geltend gemachten Revisionsgründe als gegeben, so hebt es den angefochtenen Entscheid gemäss Art. 413 Abs. 2 StPO ganz oder teilweise auf und weist die Sache an die von ihm bezeichnete Behörde zur neuen Behandlung und Beurteilung zurück (lit. a); oder fällt selber einen neuen Entscheid, sofern es die Aktenlage erlaubt (lit. b). Vorliegend wäre angesichts der Aktenlage nur eine Rückweisung an das Untersuchungsamt denkbar. Dieses hätte dann zu entscheiden, ob eine neue Anklage zu erheben, ein Strafbefehl zu erlassen oder das Verfahren einzustellen ist (Art. 414 Abs. 1 StPO). Dabei wäre es freilich an keine Anklage gebunden. Denn der Strafbefehl gilt frühestens im erstinstanzlichen Hauptverfahren als Anklageschrift, wenn nach einer Einsprache daran festgehalten wird (Art. 356 Abs. 1 Satz 2 StPO).