Citation: 8C_73/2020 E. 7.1.2

7.1.2. Dr. med. E.________ führte im Gutachten vom 22. Juni 2015 aus, der Explorand habe sich beim Unfall vom 22. August 2010 eine Schädelbasisfraktur und multiple Gesichtsschädelfrakturen zugezogen. Es habe eine MTBI diagnostiziert werden können. Eine solche heile nach heutigem medizinischem Kenntnisstand und literaturgestützt spätestens innerhalb eines Jahres folgenlos aus. Zu den vom Beschwerdeführer geklagten Kopfschmerzen hielt er fest, diese seien von der symptomatologischen Präsentation her formal als Spannungskopfschmerzen zu fassen. Auffällig sei, dass sie sich nach anfänglichem Decrescendocharakter offenbar erst sekundär verstärkt hätten. Bei der aktuell angegebenen täglichen Medikamenteneinnahme wären theoretisch die Kriterien eines Kopfschmerzes bei Analgetikaübergebrauch erfüllt. Allerdings hätten sich im Medikamentenspiegel für keine der getesteten und vom Versicherten als regelmässig eingenommen angegebenen Substanzen therapeutische Spiegel gefunden. Dieser Befund widerspreche sehr eindeutig der angegebenen Einnahmefrequenz und Dosierung der Medikation. Da der Versicherte in der Anamnese ausserdem einen aktuellen und zeitnahen Cannabiskonsum strikt verneint habe, aber im Drogenscreening dennoch Cannabiol positiv nachgewiesen worden sei, bestünden erhebliche Zweifel an der generellen Glaubwürdigkeit der Angaben des Versicherten. Insoweit seien auch die geklagten Dauerkopfschmerzen kritisch zu hinterfragen resp. bei - trotz subjektiv hohem Leidensdruck - negativem Medikamentenspiegel als nicht konsistent zu beurteilen. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten, einmal wöchentlich auftretenden superponierten Kopfschmerzattacken führte Dr. med. E.________ aus, diese würden formal die Kriterien einer Migräne ohne Aura erfüllen. Migräneartige Kopfschmerzattacken seien in den Akten erstmals im kreisärztlichen Bericht vom 12. März 2012 erwähnt. Die Migräne sei ein häufiges Krankheitsbild in der Bevölkerung und könne durchaus noch im Alter des Versicherten beginnen, auch wenn prätraumatisch keine solchen Attacken bestanden hätten und die Familienanamnese leer sei. Da die Attacken zudem nur einmal wöchentlich aufträten und medikamentös innerhalb einer Stunde beherrschbar seien, sei daraus keine dauernde Leistungseinschränkung ableitbar. Abgesehen davon sei auch für das eingesetzte Medikament kein wirksamer Serumspiegel nachweisbar gewesen, was auch einen höheren Leidensdruck bezüglich der Migräne in Frage stelle. Bei der abschliessenden Beantwortung der von der Suva gestellten Fragen hielt Dr. med. E.________ - nach interdisziplinärer Konsensbildung mit PD Dr. med. D.________ - sodann fest, aufgrund der Akten und dem klinischen Eindruck bei der aktuellen Begutachtung sei unfallfremdes maladaptiv-dysfunktionales Schmerzverhalten mit teils bewussten Falschangaben zur Medikation und zu einem fortgesetzten Cannabiskonsum anzunehmen. Wegen der unfallkausalen vestibulären Störung mit Gleichgewichtsstörungen könne die frühere Tätigkeit als Elektroinstallateur und Maschinenschlosser auf Dauer nicht mehr ausgeübt werden, da in diesem Berufsbild Trittsicherheit verlangt werde. In einer anderen körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit in lärmarmer Umgebung, ohne besondere Anforderungen an das Gleichgewicht und an das Gehör wäre dagegen medizinisch-theoretisch eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit gegeben. Der Integritätsschaden sei aufgrund der unfallkausalen vestibulocochleären Störung infolge der Felsenbeinfraktur links bereits nachvollziehbar mit 15 % bemessen worden. Damit seien die Hörminderung, die Gleichgewichtsstörungen und die Tinnitusbeschwerden abgegolten. Hinzu komme aufgrund der Kiefergelenksmyarthropathie ein Integritätsschaden von maximal 5 %. Gesamthaft bestehe ein Integritätsschaden von 20 %.