Citation: 6B_921/2022 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Grundsatzes der Verfahrenseinheit gemäss Art. 29 StPO. Der Beschwerdeführer machte im Berufungsverfahren geltend, dass die Erstinstanz das Strafverfahren gegen den Mitbeschuldigten in unzulässiger Weise abgetrennt habe. Die Erstinstanz habe nämlich getrennte Urteile gefällt und separate Verfahrensnummern verwendet. Indessen hat die Erstinstanz gemäss den verbindlichen vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer und den Mitbeschuldigten gemeinsam verhandelt und beurteilt. Der Beschwerdeführer übersieht, dass Art. 29 Abs. 1 StPO nach seinem klaren Wortlaut nur verlangt, dass Straftaten "gemeinsam verfolgt und beurteilt" werden. Hingegen ist es nicht nötig, ein einziges Urteil auszufertigen oder eine einzige Verfahrensnummer zu verwenden. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, kann die Redaktion mehrerer Urteile und die Verwendung separater Verfahrensnummern zur Vermeidung von Unklarheiten sogar angezeigt sein. Auch vor Bundesgericht legt der Beschwerdeführer nicht dar, inwiefern ihm aus dem Vorgehen der Erstinstanz ein Nachteil erwachsen sein soll. So macht er insbesondere nicht geltend, dass er an einer Beweisaufnahme nicht hätte teilnehmen können oder dass er sich im erstinstanzlichen Verfahren nicht hinreichend hätte einbringen können. Im Berufungsverfahren anerkannte der Beschwerdeführer selbst, dass ihm die Eingaben des Privatklägers B.________ und des Mitbeschuldigten im Original zugänglich gemacht wurden. Die Vorinstanz weist den Beschwerdeführer zu Recht darauf hin, dass seine Verteidigung an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung keinen Antrag auf Unterbrechung oder Verschiebung stellte, um sich nötigenfalls mit ihm zu besprechen. Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben sowie dem Verbot des Rechtsmissbrauchs ist es nicht zulässig, formelle Rügen, die in einem früheren Prozessstadium hätten geltend gemacht werden können, bei ungünstigem Ausgang später noch vorzubringen (BGE 143 V 66 E. 4.3; Urteil 6B_828/2020 vom 1. September 2021 E. 1.1; je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei zu vermuten, dass er die Verteidigungsstrategie angepasst hätte, wenn die Erstinstanz die Verfahren nicht getrennt hätte. Diese Ausführungen zielen ins Leere, da nach dem Gesagten keine Verfahrenstrennung vorliegt.