Citation: M 15/05 22.08.2006 E. 4.3

4.3.1 Nach 1997 begann der Versicherte offensichtlich Symptome einer psychogenen Überlagerung zu zeigen, weshalb anlässlich des Aufenthaltes in der Rehaklinik X.________ im Sommer 2000 eine medikamentöse Therapie mit Saroten eingeleitet wurde. Entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführer findet sich jedoch in den umfangreichen medizinischen Unterlagen - insbesondere auch im Bericht der Rehaklinik X.________ vom 18. August 2000 - kein Hinweis dafür, dass der Versicherte jemals fachärztlich psychiatrisch untersucht worden wäre. Im Bericht der Rehaklinik X.________ wird denn auch keine einzige psychiatrische Diagnose gestellt. Der Aktennotiz des Dr. med. G.________ vom 30. August 2000 zu einem gleichentags stattgefundenen Gespräch zwischen ihm und dem Versicherten ist unter anderem zu entnehmen: "[...] Im Gespräch mit mir hat er zum Ausdruck gebracht, dass er enttäuscht darüber sei, dass man in der Rehabilitationsklinik X.________ anlässlich seines Aufenthaltes im Juli/August dieses Jahres eine Psychopharmako-Therapie eingeleitet habe, ohne ihn entsprechend zu orientieren. Erst nach Klinikentlassung, als er das Saroten in der Apotheke mit dem von der Klinik ausgestellten Rezept bezogen habe, habe er auf sein Fragen hin vom Apotheker erfahren, dass es sich beim Medikament um ein Psychopharmakon handle. Der Patient gibt an, er sei weder psychisch angeschlagen noch psychisch krank und sehe deshalb nicht ein, weshalb er ein Psychopharmakon einnehmen sollte. [...]" 4.3.2 Dennoch berufen sich die Beschwerdeführer nunmehr nach dem Tod des Versicherten darauf, er habe an schweren Depressionen bis hin zu suizidalen Zuständen gelitten. Obwohl der behandelnde Hausarzt Dr. med. P.________, Spezialarzt für Innere Medizin FMH, von einem depressiven Syndrom mit funktionellem Leistungsabbau ausging (Bericht vom 8. Januar 2001) und der Versicherte um die in X.________ angeordnete medikamentöse Therapie mit Saroten wusste, nahm Letzterer das Antidepressivum gemäss Bericht der Rheumaklinik vom 6. März 2001 nicht mehr ein. Vielmehr lehnte er jeden Versuch ab, in seine Psyche einzudringen, da ihm die Einsicht in sein psychisches Leiden fehlte und er nach dem Bericht des Allgemeinmediziners Dr. med. O.________ vom 1. Oktober 2001 "erstens als Mann und zweitens als Angehöriger des Militärs" gelernt habe, dass man keine psychischen Schwächen eingestehen dürfe. 4.3.3 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens setzt zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 Erw. 1.2 mit Hinweis). Daran fehlt es hier. Zwar ist für die Integritätsschadenrente nicht die Gesundheitsschädigung als solche, sondern die daraus resultierende Beeinträchtigung in den Lebensfunktionen und im Lebensgenuss anspruchsbegründend (Erw. 1.2 hievor). Doch ist festzuhalten, dass infolge fehlender fachärztlicher Behandlung des angeblichen psychischen Leidens mit Blick auf den geltend gemachten Integritätsschaden zu den nach Art. 48 Abs. 1 MVG kumulativ erforderlichen Anspruchsvoraussetzungen der Dauerhaftigkeit und Erheblichkeit (Maeschi, a.a.O., N 7 zu Art. 48) gestützt auf die medizinischen Unterlagen keine zuverlässigen Angaben möglich sind. Insbesondere sind den Akten keine Anzeichen dafür zu entnehmen, dass die fraglichen psychogenen Beschwerden auf absehbare Zeit nicht mehr Erfolg versprechend mit geeigneten und zumutbaren therapeutischen Massnahmen hätten behandelt werden können. Bei krankheitsbedingten Beeinträchtigungen der Integrität ist jedoch die Anspruchsvoraussetzung der Dauerhaftigkeit erst dann zu bejahen, wenn keine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten ist und mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Fortbestehen einer Beeinträchtigung mindestens gleichen Ausmasses geschlossen werden muss (vgl. Maeschi, a.a.O., N 11 zu Art. 48). Das kantonale Gericht hat demnach hinsichtlich der geltend gemachten erheblichen Zunahme des psychisch bedingten Integritätsschadens im Ergebnis zu Recht die Auffassung vertreten, es fehle an der Anspruchsvoraussetzung der Dauerhaftigkeit. 4.3.4 Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Versicherte zwar seine angestammte Tätigkeit als Klassenlehrer während der Unteroffiziersschule oder als Instruktor während der Rekrutenschule (mit rückenbelastenden Tätigkeitsanteilen zum Beispiel bei der kniend, stehend, liegend und robbend durchzuführenden Ausbildung am Sturmgewehr) liebte, aber nicht bereit war, sich mit einer anderen leidensangepassten Beschäftigung anzufreunden. Mit Unterstützung der für ihn zuständigen Personaldienststelle wollte er sich vielmehr im Alter von 55 Jahren zum 30. Juni 2000 "invalidisieren" bzw. aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig pensionieren lassen. Die gemäss hausärztlichem Zeugnis vom 25. Januar 2000 attestierte Arbeitsfähigkeit ("halbtags, nur für Büroarbeit, nicht Ausbildung") schien der Versicherte nicht mehr angemessen zu verwerten (Bericht des Dr. med. P.________ vom 28. April 2000). Statt dessen beantragte er am 16. Februar 2001 erneut seine vorzeitige Pensionierung. Dem Bericht des Dienstes für Eingliederung des Eidgenössischen Personalamtes vom 11. Mai 2001 ist zu entnehmen, dass der Versicherte als Instruktor mit 58 Jahren altersmässig ordentlich pensioniert worden wäre. Mit der seit Januar 2001 im Rahmen eines Eingliederungsversuches ausgeübten Schreibtischtätigkeit in der Kaserne habe er sich nicht identifizieren können. Er komme "sich als überzählig vor". Für anspruchsvolle Aufgaben fehlten ihm die nötige Routine und das Rüstzeug. Als "Bewegungs-Mensch" und Instruktor, welcher "draussen im Feld tätig" gewesen sei, sei es "für ihn eine Strafe, ins Büro versetzt zu werden." Da ihm jedoch gemäss Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit in der Rehaklinik Y.________ trotz seiner verschiedenen Beschwerden eine leidensangepasste wechselbelastende administrative Tätigkeit durchaus ganztags zumutbar war, lehnte die SUVA-MV mit Blick auf die dem Versicherten obliegende Schadenminderungspflicht eine vorzeitige Pensionierung ab und veranlasste die Zuweisung einer neuen Tätigkeit (Kontroll- und Koordinationsaufgaben), welche gemäss Schreiben der SUVA-MV vom 31. August 2001 optimal dem Gesundheitszustand angepasst war. 4.3.5 Nach dem Gesagten steht fest, dass der Versicherte nach 1997 gewisse Symptome einer Beeinträchtigung der psychischen Unversehrtheit zu zeigen begann. Er selber negierte jedoch, an einer psychischen Störung zu leiden. Dementsprechend lehnte er eine medikamentöse Therapie dieser Beschwerden ab und verzichtete auf eine fachärztliche psychiatrische Untersuchung und Behandlung. Statt dessen strebte er seit dem 55. Lebensjahr eine vorzeitige Pensionierung an. Da nur erhebliche Beeinträchtigungen in der allgemeinen Lebensgestaltung und im Lebensgenuss bei der Bemessung des Integritätsschadens zu berücksichtigen sind und dabei subjektiven Präferenzen nicht Rechnung getragen werden kann (Maeschi, a.a.O., N 14 zu Art. 49), ist hier zumindest fraglich, ob die Anspruchsvoraussetzung der Erheblichkeit betreffend die psychischen Einschränkungen zu bejahen wäre. Mit Blick auf die dem Versicherten obliegende Schadenminderungspflicht (Erw. 1.3 hievor), die mangelhafte medikamentöse Therapie seiner geklagten psychischen Beschwerden, die fehlende fachärztlich psychiatrische Abklärung und Behandlung sowie die ihm gemäss Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit verbleibenden Möglichkeiten der allgemeinen Lebensgestaltung (einschliesslich einer Fortsetzung der Erwerbstätigkeit bei Bereitschaft zur Ausübung einer leidensangepassten Beschäftigung) hat die Vorinstanz im Ergebnis jedenfalls richtig erkannt, dass auch betreffend die geltend gemachten psychischen Beeinträchtigungen nicht von einer dauerhaften und erheblichen Zunahme des Integritätsschadens gesprochen werden kann. 4.4 Ist somit weder in psychischer noch in somatischer Hinsicht von einer dauernden und erheblichen Zunahme des Integritätsschadens seit 1997 auszugehen, hat die SUVA-MV zutreffend die Gewährung einer zusätzlichen Integritätsschadenrente abgelehnt. Nachdem der Versicherte am 12. Oktober 2001 verstorben ist und sich zu Lebzeiten nie fachärztlich psychiatrisch untersuchen oder behandeln liess, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz - ohne den Anspruch auf rechtliches Gehör der Beschwerdeführer zu verletzen - in zulässiger antizipierter Beweiswürdigung (BGE 124 V 9 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d; SVR 2005 MV Nr. 1 S. 2 Erw. 2.3 mit Hinweisen) auf weitere Beweismassnahmen verzichtete. 4.5 Das kantonale Gericht hat folglich die gegen den Einspracheentscheid der SUVA-MV vom 29. Dezember 2004 gerichtete vorinstanzliche Beschwerde zu Recht abgewiesen. Was die Beschwerdeführer letztinstanzlich hiegegen vorbringen, ist unbegründet.