Citation: 6B_125/2024 E. 1.3

1.3. Der Schluss der Vorinstanz auf Eventualvorsatz hält vor Bundesrecht stand. Die Sorgfaltspflichtverletzung der Beschwerdeführerin wiegt schwer. Wer in einer dynamischen tätlichen Auseinandersetzung unkontrolliert mit einem Messer gegen den Kopf- und Halsbereich einer Person zusticht, muss in aller Regel ernsthaft mit schweren Verletzungen rechnen. Bei einem Messerstich gegen den Kopf- und Halsbereich ist das Risiko einer schweren bzw. gar schwersten Verletzung gemäss der allgemeinen Lebenserfahrung als (sehr) hoch einzustufen. Nachdem sich die Beschwerdeführerin Zutritt in das Zimmer verschafft hatte, ging sie unvermittelt auf ihre Stieftochter zu, die die Arme in Abwehr spontan erhoben hatte, und stach, das Messer in der Faust haltend, in ihrer Wut unkontrolliert von oben herab zu, wodurch es zu den bekannten Stich-/Schnittverletzungen am Kopf und an der Schulter der Stieftochter kam. Dass die Messerklinge in Anbetracht des dynamischen Tatablaufs nicht lebenswichtige Strukturen (z.B. Blutgefässe wie Schläfenarterie bzw. Halsschlagader) verletzte, war Zufall, zumal die Beschwerdeführerin bei ihrem unkontrollierten Zustechen weder Einstichstelle noch Tiefe genau bestimmen und kontrollieren konnte. Eine schwere oder schwerste Verletzungsfolge lag damit im allgemein bekannten Rahmen des Kausalverlaufs, was auch der Beschwerdeführerin bewusst und von ihrem Vorsatz erfasst war.