Citation: 5C.261/2006 13.03.2007 E. 3

Der Kläger bringt in der Anschlussberufung weiter vor, von nachehelichem Unterhalt sei mangels ehebedingter Nachteile abzusehen. Die Beklagte habe eine Ausbildung als Sportartikelverkäuferin absolviert und arbeite heute ebenfalls als Verkäuferin in der Lebensmittelbranche. Mit einem 50%-Pensum verdiene sie Fr. 1'850.-- pro Monat und seit dem 16. Altersjahr des jüngeren Kindes, also ab Juli 2005, hätte sie ihr Pensum praxisgemäss auf 100% ausdehnen müssen, womit sie ein Einkommen von mindestens Fr. 3'750.-- erzielen und damit mehr als ihr Existenzminimum von Fr. 3'472.-- abdecken könnte. Weder die Beklagte noch das Kantonsgericht würden nachweisen, dass ihr Einkommen als Sportartikelverkäuferin heute höher wäre, wenn sie nicht geheiratet hätte. Der Kläger übergeht, dass die Ehegatten nur bei der nicht lebensprägenden Ehe (kinderlose Kurzehe) so zu stellen sind, wie wenn diese nie geschlossen worden wäre (Schwenzer, FamKomm Scheidung, Bern 2005, N. 48 zu Art. 125 ZGB; Hausheer/Spycher, a.a.O., Bern 1997, N. 05.121, sowie Ergänzungsband, N. 05.110). Hat die Ehe demgegenüber mehr als zehn Jahre gedauert oder sind aus ihr Kinder hervorgegangen und erscheint deshalb das Vertrauen des Ansprechers auf Fortführung der ehelichen Lebensverhältnisse als schutzwürdig, ist grundsätzlich von einer Lebensprägung auszugehen. Diesfalls ist für den gebührenden Unterhalt nicht am vorehelichen, sondern grundsätzlich am zuletzt gemeinsam gelebten Standard anzuknüpfen (Schwenzer, a.a.O., N. 48 zu Art. 125 ZGB; Hausheer/Spycher, a.a.O., N. 05.125, sowie Ergänzungsband, N. 05.116). Vorliegend hat die Ehe 17 Jahre gedauert und sind aus ihr zwei Kinder hervorgegangen; abgesehen davon hat die Beklagte ihre Arbeitstätigkeit anlässlich der Heirat aufgegeben und haben die Parteien eine klassische Hausgattenehe geführt. Die Ehe war somit lebensprägend und die klägerischen Ausführungen stossen ins Leere. Auf die Frage der Höhe und der Dauer des grundsätzlich geschuldeten nachehelichen Unterhalts wird im Folgenden bei der Behandlung der Berufung zurückzukommen sein.