Citation: 1P.160/2000 25.05.2000 E. 3

3.- a) Der Beschwerdeführer wirft dem Kantonsgericht Willkür und Gehörsverweigerung vor, weil die Betäubungsmittel, deren Besitz ihm vorgeworfen werde, entgegen der klaren Vorschrift von Art. 150 Abs. 2 des Gesetzes über die Strafrechtspflege vom 9. August 1954 (StPO) an der Verhandlung nie aufgelegen hätten und weder dem Beschwerdeführer, seinem Verteidiger noch dem Gericht je vorgelegt worden seien. Das Minigripsäcklein mit dem braunen Pulver habe sich zudem gar nicht bei den Verfahrensakten befunden, sondern sei in einem anderen Verfahren (H.________) abgelegt gewesen. Die Identität des untersuchten mit dem seinerzeit beim Beschwerdeführer beschlagnahmten Stoffes stehe damit nicht fest, was seine Verurteilung als willkürlich erscheinen lasse. b) Willkürlich ist ein Entscheid, der mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Dabei genügt es nicht, dass die Begründung unhaltbar ist, der Entscheid muss sich vielmehr im Ergebnis als willkürlich erweisen (BGE 125 I 166 E. 2a; 125 II 10 E. 3a; 125 II 129 E. 5b je mit Hinweisen). c) Es trifft zu, dass sich die Gerichtskommission Werdenberg offensichtlich über Art. 150 Abs. 2 StPO hinweggesetzt und die Beweismittel - die sichergestellten Betäubungsmittel - während der Verhandlung nicht aufgelegen haben. Der Beschwerdeführer legt indessen nicht in nachvollziehbarer Weise dar, inwiefern ihm daraus ein Nachteil erwachsen sein könnte. Das ist auch nicht ersichtlich, stand doch im vorliegenden Fall von vornherein fest, dass die Auflage der Beweismittel während der Verhandlung nicht geeignet gewesen wäre, dem Gericht neue Erkenntnisse zu verschaffen. Solche konnte nur eine naturwissenschaftliche Untersuchung bringen, wie sie schliesslich nach dem Urteil des Bundesgerichts vom 30. August 1999 auch angeordnet wurde. Hinweise dafür, dass eine falsche Probe untersucht wurde, sind keine ersichtlich. Das beim Beschwerdeführer als Kokain sichergestellte Pulver wurde von der Kantonspolizei zwar aus unbekanntem Grund unter einem anderen Namen abgelegt, der zuständige Sachbearbeiter R.________ von der Dienststelle Betäubungsmittel der Kantonspolizei St. Gallen konnte dem Gerichtspräsidenten von Werdenberg auf telefonische Anfrage hin über zwei Jahre nach der Beschlagnahme Auskunft über dessen Verbleib erteilen. Das deutet entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers gerade darauf hin, dass die Beweismittel von der Polizei mit der notwendigen Sorgfalt aufbewahrt worden sind. Unter diesen Umständen ist das Kantonsgericht nicht in Willkür verfallen, indem es den angefochtenen Entscheid der Gerichtskommission Werdenberg nicht deswegen aufhob, weil diese die Beweismittel in Missachtung von Art. 150 Abs. 2 StPO während der Verhandlung nicht aufgelegt hatte. Inwiefern in diesem Vorgehen eine Gehörsverweigerung liegen soll, ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht in einer den Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügenden Weise dargetan (BGE 125 I 492 E. 1b S. 495). Die Rüge ist unbegründet.