Citation: 9C_672/2017 E. 4.2.4

4.2.4. 4.2.4.1. Die in der Beschwerde vertretene Betrachtungsweise fusst grossmehrheitlich auf den bisherigen, mit BGE 143 V 409 und 418 zwischenzeitlich überholten Grundsätzen zur Beurteilung der Invalidität von depressiven Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur, weshalb ihr schon aus diesem Grund mit Vorbehalt zu begegnen ist. So ist nunmehr etwa die Frage irrelevant, ob es sich bei der mittelgradigen Depression des Versicherten um ein von der Schmerzkrankheit losgelöstes, eigenständiges Krankheitsbild handelt, sind gemäss den Urteilen BGE 143 V 409 und 418 doch auch depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur grundsätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Ebenso wenig kann ferner allein aus dem Umstand, dass noch nicht sämtliche therapeutischen Optionen zur Behandlung der depressiven Störung ausgeschöpft sind, auf ein uneingeschränktes Leistungsvermögen bzw. auf ein nichtinvalidisierendes Leiden des Versicherten geschlossen werden (BGE 143 V 409 E. 4.4 S. 414 f.; Urteil 8C_12/2018 vom 21. Juni 2018 E. 3.3). Vielmehr ist es Aufgabe der medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar aufzuzeigen, weshalb trotz lediglich leichter bis mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 S. 416; Urteil 9C_312/2017 vom 18. Mai 2018 E. 5.3.2). 4.2.4.2. Wie die Vorinstanz im Ergebnis zu Recht aufzeigt, ist dies vorliegend geschehen und behält die Einschätzung der Arbeits (un) fähigkeit gemäss MGSG-Gutachten vom 29. März 2015, welche von RAD und behandelndem Arzt Dr. med. B.________, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit Stellungnahmen vom 15. April und 3. Juli 2015 ebenfalls als überzeugend qualifiziert wurde, demnach auch im Lichte der aktuellen, vorerwähnten Rechtsprechung ihre Gültigkeit. Zwar hat sich das kantonale Gericht nicht im Detail zu den gemäss BGE 141 V 281 (sowie BGE 143 V 409 und 418) wesentlichen Indikatoren geäussert. Aus seinen Schilderungen ergibt sich indessen ohne Weiteres, dass die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome - als erster Indikator im Komplex Gesundheitsschädigung - angesichts der bereits seit Jahren vorhandenen, sich aktuell verstärkten depressiven Störung zu bejahen ist (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298 f.). Auch bestehen zwar noch nicht ausgeschöpfte therapeutische Optionen in Form teilstationärer und stationärer psychiatrischer/psychotherapeutischer bzw. psychosomatischer Behandlungen. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass der Beschwerdegegner sich seit 2002 psychiatrisch-psychotherapeutisch einmal monatlich durch Dr. med. B.________ behandeln lässt und sich einer antidepressiven Medikation unterzieht. Diese regelmässige und doch relativ konsequente Behandlung spricht für einen hohen Leidensdruck, was sowohl im Komplex Gesundheitsschädigung (Behandlungserfolg oder -resistenz als Schweregradindikator; BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.) als auch im Hinblick auf den beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz bedeutsam ist (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 303 f.). Sodann liegen mit den diagnostizierten körperlichen Beschwerden (zervikovertebrales Syndrom bei mässiger Osteochondrose C4-C7, failed low back surgery syndrome bei Status nach Diskushernienoperation L4/5 links im April 2002 und Spondylodese L4/5 im Februar 2012) sowie der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und der ängstlichen vermeidenden Persönlichkeitsstörung auch ins Gewicht fallende somatische und psychische Komorbiditäten zur depressiven Störung vor (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 ff.). Was den Komplex Persönlichkeit (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen; BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 302) anbelangt, wird dem Beschwerdegegner, wie im angefochtenen Entscheid ausführlich beschrieben (vgl. E. 4.2.3 hiervor), zum einen erhebliches Beeinträchtigungspotential in Bezug auf emotionale Belastbarkeit, geistige Flexibilität, Antrieb, Interessen, Motivation, Kontaktfähigkeit und Dauerbelastbarkeit attestiert. Zugleich hielten die Ärzte aber fest, dass angesichts der vom Versicherten angegebenen (wenigen) Aktivitäten und (reduzierten) sozialen Kontakten auch noch Ressourcen bestünden, die dieser für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nutzen könne. Schliesslich räumt die IV-Stelle selber ein, obwohl der Beschwerdegegner bei der orthopädischen Untersuchung und der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durch eine erhebliche Symptomausweitung und Selbstlimitierung aufgefallen sei, könne insgesamt nicht von einer derart ausgeprägten und eindeutigen Aggravation ausgegangen werden, dass ein Ausschlussgrund zu bejahen wäre (BGE 141 V 281 E. 2.2 S. 287 f.). Insgesamt erscheint anhand der massgeblichen Indikatoren folglich nachvollziehbar, dass beim Versicherten zwar gewisse Ressourcen vorhanden sind, er diese auf Grund des mittelschweren depressiven Geschehens und der diversen Komorbiditäten aber nicht voll ausschöpfen kann. Damit verletzt die Vorinstanz im Ergebnis kein Bundesrecht, indem sie von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % in angepasster Tätigkeit ausgeht.