Citation: 8C_83/2024 E. 5.2.5

5.2.5. Der Administrativgutachter Prof. Dr. med. H.________ ging bei seiner Beurteilung davon aus, dass die behandelnden Ärzte den Riss in der Hinterwand der Gebärmutter entdeckten und versorgten, was nach dem Gesagten (vgl. E. 5.1 hiervor) nicht zutrifft. Folglich kann auf seine Einschätzung zur Beantwortung der Frage, ob es sich beim Übersehen des Risses um eine grobe und ausserordentliche Ungeschicklichkeit der behandelnden Ärzte handelt, nicht abgestellt werden. Der Parteigutachter Prof. Dr. med. F.________ bezeichnete das Übersehen des Hinterwandrisses zwar als folgenreichen Behandlungsfehler. Aus seinen Ausführungen wird aber nicht ersichtlich, inwiefern den behandelnden Ärzten dabei grobe Verwechslungen oder Ungeschicklichkeiten unterlaufen sein sollen. Er hält es für bemerkenswert, dass der Riss an der Gebärmutterhinterwand beim Herauswälzen des entleerten Organs unentdeckt geblieben sei. Aus diesen Ausführungen ergibt sich aber kein grober Behandlungsfehler im Sinne der Rechtsprechung. Prof. Dr. med. J.________ hielt seinerseits fest, der Muskelwandriss der Hinterwand sei gemäss Pathologiebericht von Serosa bedeckt gewesen. Er sei demnach bei der Beurteilung der Hinterwand im Rahmen des Herausnehmens der Gebärmutter vor die Bauchwand nicht sichtbar gewesen. Er wäre nur bei offener Gebärmutter bei der Evaluation des Wundwinkels erkennbar gewesen, wenn mit diesem eine Verbindung vorgelegen hätte. Sollte der Riss aber keine Verbindung zu dem von den Operateuren verschlossenen Wundwinkel gehabt haben, so könne es gut sein, dass er aufgrund der begrenzten Einsicht durch die Gebärmutteröffnung nicht habe identifiziert werden können. Zwar werde die Gebärmutterhöhle mit einem Tuch und Finger "ausgetastet". Die Gebärmutterwand sei aber nicht glatt und zudem bestünden im Rahmen des Kaiserschnitts und der Plazentaentfernung Blutungen. Auch wenn das Gutachten des Prof. Dr. med. J.________ nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt und für die Belange der Berufshaftpflichtversicherung des Spitals erstellt wurde, vermag es dennoch zu überzeugen. Der Experte hat die Schwierigkeiten beim Erkennen des Risses in der Gebärmutterhinterwand nachvollziehbar geschildert. Selbst wenn seine Beurteilung teilweise auf Annahmen beruhen mag, steht jedenfalls fest, dass keine groben und ausserordentlichen Ungeschicklichkeiten zum Übersehen des Risses führten. Dass von weiteren Abklärungen neue entscheidwesentliche Erkenntnisse zu erwarten wären, ist nicht ersichtlich. Die vorinstanzliche Beurteilung ist demnach nicht zu beanstanden.