Citation: 6B_1408/2022 E. 4.5.5

4.5.5. Als materielle Rechtsverweigerung wird die qualifiziert falsche, d.h. willkürliche oder rechtsungleiche Rechtsanwendung verstanden (BOSSHART/BERTSCHI, a.a.O., § 19 Rz. 40; MARKUS MÜLLER, in: Kommentar zum Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege des Kantons Bern [VRPG; BSG 155.21], Herzog/Daum [Hrsg.], 2. Aufl. 2020, N. 95 zu Art. 49 VRPG; MÜLLER/BIERI, a.a.O., N. 9 zu Art. 46a VwVG Fn. 19; LORENZ MEYER, a.a.O., S. 1 f.; FELIX UHLMANN, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, N. 1 zu Art. 94 BGG; UHLMANN/WÄLLE-BÄR, a.a.O., N. 1 zu Art. 46a VwVG; WIEDERKEHR/PLÜSS, Praxis des öffentlichen Verfahrensrechts, 2020, § 1 Rz. 49). Eine materielle Rechtsverweigerung liegt nach der Praxis des Bundesgerichts vor, wenn zwar ein Entscheid getroffen wurde, dieses aber ein offensichtliches Fehlurteil ist (BGE 127 III 576 E. 2d S. 579; Urteil 5A_426/2022 vom 3. August 2022 E. 4.2). Eine materielle Rechtsverweigerung ist nicht schon dann gegeben, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erscheint, sondern nur dann, wenn das Ergebnis schlechterdings mit vernünftigen Gründen nicht zu vertreten ist (BGE 124 IV 86 E. 2a S. 88; 120 Ia 369 E. 3a S. 373; je mit Hinweisen).