Citation: 6A.97/2001 05.03.2002 E. 4

4.- a) Bei Verwirklichung mehrerer Entzugsgründe durch eine Handlung ist nach der Rechtsprechung Art. 68 StGB sinngemäss anzuwenden; dasselbe gilt für den Fall, dass durch mehrere Handlungen mehrere Entzugsgründe gesetzt werden beziehungsweise die zu beurteilenden Handlungen noch vor Erlass einer früheren Entzugsverfügung begangen wurden. Hat die Behörde eine Handlung zu beurteilen, die vor Erlass einer früheren Administrativmassnahme begangen wurde, so ist in Anwendung von Art. 68 Ziff. 2 StGB eine Zusatzmassnahme dafür auszusprechen; der Täter soll durch die Aufteilung der Strafverfolgung in mehrere Verfahren nicht benachteiligt und soweit als möglich auch nicht besser gestellt werden (BGE 120 Ib 54 E. 2a). Bei der Berechnung der Zusatzmassnahme darf der bereits beurteilte Vorfall nicht wieder aufgegriffen werden; dies würde gegen die Rechtskraft des ergangenen Urteils verstossen (BGE 120 Ib 54 E. 2b). Ist jemand für eine Tat mit Freiheitsstrafe und für eine andere mit Busse zu bestrafen, sind gemäss Rechtsprechung zu Art. 68 StGB beide zu verhängen (BGE 102 IV 242 E. 5, 86 IV 226 E. 3 S. 233, 75 IV 1 E. 1). Im Lichte dieser Rechtsprechung erscheint zumindest zweifelhaft, ob das Vorgehen der kantonalen Behörden (Aufhebung der Verwarnung und darauf gesamthafte Beurteilung beider Vorfälle) richtig war. Für eine nachträgliche Aufhebung der rechtskräftigen Verwarnung bestand kaum ein ausreichender Grund. Zudem ist fraglich, ob die erwähnte Rechtsprechung, wonach Art. 68 StGB gar nicht zum Zuge kommt, wenn für zwei Vorfälle zwei unterschiedliche Arten von Sanktionen (z.B. Busse und Gefängnis) zu verhängen sind, ohne weiteres auf Administrativmassnahmen übertragen werden kann. Wie es sich damit verhält, kann jedoch offen bleiben: b) Gemäss Art. 33 Abs. 2 VZV richtet sich die Dauer eines Warnungsentzugs unter anderem auch nach dem Leumund als Motorfahrzeugführer. Daraus folgt, dass der erste Vorfall, selbst wenn die Verwarnung nicht aufgehoben worden wäre, bei der Beurteilung des zweiten hätte berücksichtigt werden dürfen. Dies jedoch nur unter dem Gesichtspunkt des automobilistischen Leumunds, aber ohne Einbezug der Wirkung der Verwarnung, die ja erst nach dem zweiten Vorfall erfolgte. Die Mitberücksichtigung des ersten Vorfalls bei der Beurteilung des zweiten verletzt daher Art. 9 BV nicht. Es liegt auch kein Verstoss gegen den Grundsatz "ne bis in idem" vor. c) Gegenüber allen Strassenbenützern ist ausreichender Abstand zu wahren, namentlich beim Hintereinanderfahren (Art. 34 Abs. 4 SVG). Der Fahrzeugführer hat beim Hintereinanderfahren einen ausreichenden Abstand zu wahren, so dass er auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten kann (Art. 12 Abs. 1 VRV). Diesen Bestimmungen kommt grosse Bedeutung zu, sind doch die Unfälle zahlreich, in denen ein zweites Fahrzeug nicht genügend Abstand zum ersten einhielt (BGE 126 II 358 E. 1a mit Hinweis). Der Beschwerdeführer hat angesichts der hohen Fahrgeschwindigkeit von 120 km/h und des Abstands von manchmal lediglich 5 - 8 Metern extrem nahe zum voranfahrenden Fahrzeug aufgeschlossen. Diese vorsätzliche massive Gefährdung der Verkehrssicherheit erscheint derart schwer, dass die Ahndung dieses Vorfalls für sich allein mit einem Führerausweisentzug von zwei Monaten durchaus im Rahmen des vorinstanzlichen Ermessens liegt, und zwar auch unter Einbezug einer leicht erhöhten Massnahmeempfindlichkeit. Wie erwähnt (E. b hievor), kann wegen der Geschwindigkeitsübertretung vom 18. Januar 1999 nicht mehr von einem ungetrübten automobilistischen Leumund ausgegangen werden. Im Ergebnis verstösst der zweimonatige Führerausweisentzug somit nicht gegen Bundesrecht (Art. 17 Abs. 1 SVG und Art. 33 Abs. 2 VZV). Damit erweisen sich die Rügen des Beschwerdeführers als unbegründet. Im Übrigen ist die vorinstanzliche Annahme zutreffend, eine Überschreitung der Innerortshöchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 20 km/h stelle einen Grenzfall zwischen einem leichten und einem mittelschweren Fall dar (BGE 124 II 97).