Citation: 9C_586/2023 E. 9.2

9.2. Den Akten ist lediglich ein einziger echtzeitlicher psychiatrischer Bericht von Dr. med. B.________, FMH Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. Dezember 2021 zu entnehmen. Der behandelnde Psychiater diagnostiziert eine mittelgradige bis schwere depressive Episode bei chronischer depressiver Störung im Sinne einer chronifizierten Erschöpfungsdepression. Von 27. August bis 27. Oktober 2020 sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert worden. Aus dem Bericht geht nicht hervor, ob der behandelnde Arzt seine Diagnosen und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf eigene Untersuchungen, oder lediglich auf die Schilderungen der Beschwerdeführerin stützt. Wie bereits dargelegt (vorne E. 8.2) ist der Bericht des behandelnden Psychiaters ausserdem widersprüchlich, indem er zwar stark ausgeprägte Konzentrations- und Schlafstörungen festhält, hingegen die Fahreignung ausdrücklich bejaht. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist der Bericht des behandelnden Arztes demnach nicht beweiskräftig, weshalb die Beurteilung durch das ABI auch nicht von beweiskräftigen Berichten abweicht. Zudem ist zu beachten, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) rechtsprechungsgemäss nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten (zu deren Beweiswert: BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/bb beziehungsweise BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweis, SVR 2015 UV Nr. 4 S. 13, 8C_159/2014 E. 3.2, Urteil 8C_132/2018 vom 27. Juni 2018 E. 6.1.2) stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (BGE 135 V 465 E. 4.5; 125 V 351 E. 3b/cc; SVR 2017 IV Nr. 7 S. 19, 9C_793/2015 E. 4.1; Urteile 8C_630/2020 vom 28. Januar 2021 E. 4.2.1; 8C_370/2020 vom 15. Oktober 2020 E. 7.2). Die Vorinstanz konnte nach dem Gesagten auch in zeitlicher Hinsicht auf das ABI-Gutachten vom 16. August 2022 abstellen.