Citation: 4A_542/2020 E. 3.3.3

3.3.3. Weiter trägt die Beschwerdeführerin vor, die Beschwerdegegnerin habe von einer "ausserordentlichen Kündigung" gesprochen, als sie die Projektvereinbarung aufgelöst habe. Erst nach anwaltlicher Beratung habe sie sich auf Art. 404 Abs. 1 OR gestützt. Weshalb dies "klar rechtsmissbräuchlich" sein soll, legt die Beschwerdeführerin allerdings nicht dar und ist auch in keiner Weise ersichtlich. Die Beschwerdeführerin übersieht, dass Art. 2 Abs. 2 ZGB lediglich als korrigierender Notbehelf dient für die Fälle, in denen formales Recht zu materiell krassem Unrecht führen würde. Rechtsmissbrauch ist restriktiv anzunehmen. Einen Grundsatz der Gebundenheit an das eigene Handeln gibt es nicht. Vielmehr ist in einem Widerspruch zu früherem Verhalten nur dann ein Verstoss gegen Treu und Glauben zu erblicken, wenn dieses ein schutzwürdiges Vertrauen begründet hat, das durch die neuen Handlungen enttäuscht wird (BGE 143 III 666 E. 4.2 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend eindeutig nicht der Fall.