Citation: 4A_611/2016 E. 5.1

5.1. Wenn der Vertrag lediglich eine Einigungsfrist enthielte und keine Frist zur Expertenbestellung, würde dies nach Auffassung der Vorinstanz zu einer unzumutbaren Belastung für den Kaufrechtsbelasteten hinsichtlich seiner Verfügungsmacht führen, weshalb aus teleologischer Sicht die 20-Tage-Frist auch als Frist zur Einleitung der Expertise zu verstehen sei. Bei Verträgen über veränderliche Werte wie vorliegend komme ein aleatorisches Element hinzu. Der Beschwerdegegner mache zu Recht geltend, dass während der Zeit nach dem Bewertungsstichtag eine massgebliche Wertveränderung eintreten könne; die Vorinstanz verweist dazu auch auf das vom Beschwerdegegner vorgebrachte Argument, dass Kaufoptionen ("call options") im Finanzbereich stets befristet seien, da es keine "ewigen Optionen" gebe, die nach Gutdünken zu einem günstigen Kurszeitpunkt ausgeübt werden könnten. Art. 156 Abs. 1 OR [recte: Art. 156 OR] führe in Fällen wie dem vorliegenden nicht zum Ziel, wo ohne Bestellung eines Experten kein definitiver Entscheid über die Ausübung des Kaufrechts möglich sei. Für den Beschwerdegegner sei die auch ihm offen stehende Bestellung eines Experten kein zumutbarer Weg. Denn mit einem solchen Vorgehen würden allenfalls nutzlose Kosten im Umfang der Hälfte der Expertisekosten auf ihn zukommen, falls die Beschwerdeführerin am Ende ihr Kaufrecht doch nicht ausübe. Gemäss dem letzten Satz von Ziffer 13.6.4 Abs. 3 ABV bestehe nämlich hälftige Kostenteilung in jeder Konstellation. Hätten die Parteien keine Frist für die Bestellung des Experten vorgesehen, würde sich die Frage einer richterlichen Lückenfüllung stellen, um einer unzumutbar langen Ungewissheit ein Ende zu setzen.