Citation: 1C_169/2015 E. 8.2

8.2. Die Vorinstanz kam zum Ergebnis, diese Bestimmung sei gemäss ihrem Sinn und Zweck eine Ordnungs- und nicht eine Gültigkeitsvorschrift. Davon ausgehend habe der Regierungsrat des Kantons Nidwalden die Zonenplanung der Gemeinde Stans ohne Festlegung von Baulinien im Dorfkern genehmigt, weil zum Erlass einer Baulinie keine Notwendigkeit bestanden habe, da der Schutz des Ortsbildes bereits gestützt auf die geltenden Vorschriften des Baugesetzes der Bau- und Zonenordnung auch anderweitig sichergestellt werden könne. Art. 6 Abs. 2 des Bau- und Zonenreglements Stans (BRZ) sehe nämlich für den Fall fehlender Baulinien vor, dass auf die bestehenden Gebäudefluchten oder auf den bestehenden Gebäudeverlauf Rücksicht zu nehmen sei. In der Dorfzone gelte grundsätzlich Art. 11 Abs. 3 BZR, wonach Neubauten auf die Gebäudeflucht der Nachbarbauten zu stellen seien. Damit ergebe sich die Baulinien auf der Seite der Bahnhofstrasse aus der Gebäudeflucht der Häuser an der Bahnhofstrasse 10 und 12 und auf der Seite der Tellenmattstrasse aus der Gebäudeflucht der nun erstellten Baute auf der Parzelle Nr. 1254. Zudem sei die Strasse mit dem bewilligten Strassenabstand zu berücksichtigen. Demnach habe für den Erlass einer Baulinie bezüglich des Baugrundstücks keine Notwendigkeit bestanden, zumal auf die bisherigen Gebäudefluchten abzustellen und gegenüber Strassen gemäss Art. 52 Abs. 4 BauG ohnehin die Vorschriften der Strassengesetzgebung massgebend blieben. Da Art. 41 Abs. 4 BauG keine Gültigkeitsvorschrift sei, habe auch keine Pflicht zum Erlass eines Bebauungsplans bestanden. Ein solcher Plan bezwecke die Regelung der Überbauung eines grösseren Gebiets und nicht einer einzelnen kleineren Fläche, weshalb bezüglich des Baugrundstücks auch kein Bebauungsplan hätte erlassen werden können.