Citation: 6B_125/2009 20.10.2009 E. 1.3

1.3.1 Gestützt auf die unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanz, die teilweise auf den von der ersten Instanz festgestellten Sachverhalt verweist, schoss der Beschwerdegegner am Abend des 1. Juli 2005 viermal auf seine Bekannte und Landsfrau A.________ in ihrem Wohnhaus. Zuvor hatte er mit ihr zusammen das Nachtessen eingenommen und den Hund spazieren geführt. Die Schussabgabe erfolgte im Wohnzimmer, wo sich der Beschwerdegegner und das Opfer auf den Sofas gegenüber sassen. Zwei Schüsse trafen das Opfer in die unteren Extremitäten, der dritte Schuss drang in die Brust ein. Beim vierten Schuss handelt es sich um einen praktisch aufgesetzten Kopfschuss. Das Opfer verblutete. 1.3.2 Eingangs der Beweiswürdigung führt die Vorinstanz zur Frage des Tatmotivs aus, das Aussageverhalten des Beschwerdegegners sei widersprüchlich, zum Teil sogar geradezu absurd. Stellenweise habe er schlicht gelogen. Seine Aussagen seien insgesamt als wenig glaubhaft einzustufen. Die Pistole habe der Beschwerdegegner am Tatabend per Zufall mit sich geführt, weil ihn das Opfer gebeten habe, eine Waffe zu besorgen. Er habe die Tat nicht geplant und keine Erfahrung im Umgang mit Waffen gehabt. Der Beschwerdegegner habe sich nur mittels Privatdarlehen finanziell über Wasser gehalten, welche er in seinem Bekanntenkreis aufgenommen hatte. Seine finanzielle Situation habe zur Tatzeit wesentlich schlechter ausgesehen, als er darstelle. Er habe mit seinem Restaurant keinen Gewinn erzielt und sei mit deutlich über Fr. 100'000.-- verschuldet gewesen. Sein Umgang mit Geld sei unbekümmert gewesen, insbesondere weil er das Restaurant trotz erheblicher Schulden habe umbauen wollen. Das Opfer habe ihm ein Darlehen über Fr. 30'000.-- gewährt, welches er am 30. Juni 2005, einen Tag vor dem Tatabend, mit einem Zins von Fr. 5'000.-- hätte zurückzahlen sollen. Bis zum Tatzeitpunkt sei keine Darlehensrückzahlung erfolgt. Das Thema Geld habe am Tatabend eine Rolle gespielt, und es sei dabei zu erheblichen Spannungen gekommen. Das Opfer werde von Zeugen als soziale, einfühlsame und kompetente Persönlichkeit und Berufsfrau beschrieben, andererseits aber auch als dominant und herrschsüchtig. Seine direkte und verletzende Art habe schon öfters zu Differenzen Anlass gegeben. Für die vom Beschwerdegegner vorgebrachte Version, wonach das Opfer ihn und seine Familie an den iranischen Geheimdienst verraten habe bzw. zwei unbekannte Männer am Tatabend in der Wohnung des Opfers anwesend waren, gebe es keine Anhaltspunkte. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdegegners habe das Opfer auch keine Reise in den Iran bzw. andere Bemühungen unternommen, um der Schwester des Beschwerdegegners einen Reisepass zu beschaffen. Die Vorinstanz schliesst einen Unfall am Tatabend aufgrund der viermaligen Schussabgabe aus, weil jeder Schuss ein Treffer war. Sie erwägt, es sei unklar, was sich unmittelbar vor der Schussabgabe zugetragen habe. Jedenfalls habe der Beschwerdegegner vier gezielte Schüsse auf das Opfer abgegeben. Gestützt auf die Zeugenaussagen der Nachbarn und des Spurenbildes, wonach das Opfer dem Täter gegenüber sass, bestehe kein Hinweis, dass es sich bedroht gefühlt habe oder dass es zu einem länger dauernden heftigen Streit gekommen sei. Die Schussabgabe sei nur mit einer heftigen Gefühlswallung von Wut und Zorn auf Seiten des Beschwerdegegners erklärbar, welche das Opfer durch eine erhebliche Kränkung oder eine äusserst starke Provokation unmittelbar vor der Tat ausgelöst habe. Worin diese Provokation bestanden habe, sei unbekannt, ebenso das Tatmotiv. Das zur Rückzahlung fällige Darlehen habe am Tatabend mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer akuten Verstimmung zwischen dem Beschwerdegegner und seinem Opfer geführt. Der Umgang des Beschwerdegegners mit Geld sei locker gewesen. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Forderung nach einer Rückzahlung des Darlehens alleine nicht ausgereicht habe, um eine derartige Reaktion zu veranlassen. Das Motiv könne nicht eindeutig geklärt werden, die Tat stehe vermutlich zumindest mittelbar vor dem Hintergrund des fälligen Darlehens. Im Zweifel sei zugunsten des Beschwerdegegners von der günstigsten Variante auszugehen. Danach sei sein Tatmotiv offen und es sei ihm ein schwerer Aggressionsausbruch, also ein Affektdelikt zuzuschreiben. 1.3.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz im Wesentlichen aus, es lasse sich nicht rechtsgenüglich beweisen, dass Geld das Motiv für die Tat gewesen sei. Es sei aber falsch zu behaupten, dass nur zwei Motive für die Tötung in Frage kämen, so dass das eine erwiesen sei, wenn das andere wegfalle. 1.4 Gemäss dem in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten Grundsatz "in dubio pro reo" darf sich der Richter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41 mit Hinweisen). Der Richter darf auch nicht zu Unrecht Zweifel zugunsten des Angeklagten annehmen (Urteil 6B_351/2008 E. 3.1). Ob dieser Grundsatz verletzt ist, prüft das Bundesgericht nur unter dem Gesichtspunkt der Willkür (BGE 127 I 38 E. 2.a S. 41 mit Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Praxis liegt Willkür in der Beweiswürdigung nach Art. 9 BV vor, wenn der angefochtene Entscheid auf einer schlechterdings unhaltbaren oder widersprüchlichen Beweiswürdigung beruht bzw. im Ergebnis offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Das Bundesgericht hebt einen Entscheid nur auf, wenn nicht bloss die Begründung, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist. Für die Annahme von Willkür genügt es nicht, wenn eine andere Lösung auch als vertretbar oder sogar zutreffender erscheint (BGE 132 I 175 E. 1.2 S. 177; 131 I 467 E. 3.1 S. 473 f., je mit Hinweisen). Soweit der Beschwerdeführer im Rahmen der Beweiswürdigung den Grundsatz "in dubio pro reo" im Sinne von Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK als verletzt rügt, fällt sein Vorbringen mit der Willkürrüge nach Art. 9 BV zusammen.