Citation: I 645/05 13.04.2006 E. 2

Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die bestehende medizinische Aktenlage einen abschliessenden Entscheid über den Invaliditätsgrad erlaubt, aus welchem sich alsdann ein allfälliger Rentenanspruch ableitet. 2.1 Verwaltung und Vorinstanz haben massgebend auf das Gutachten des ABI vom 24. Mai 2004 abgestellt. Die Beschwerdeführerin beruft sich demgegenüber auf die Berichte der behandelnden Ärztinnen Dr. med. R.________ vom 6. Mai 2002 sowie 24. März 2003 und Dr. med. B.________ vom 10. September 2003, im vorliegenden Verfahren insbesondere auf die Berichte des Hausarztes Dr. med. K.________ vom 6. September 2004 und 13. September 2005. 2.2 Unter den verschiedenen medizinischen Berichten besteht zunächst - wie das kantonale Gericht zutreffend dargelegt hat - insoweit Übereinstimmung, als somatisch hauptsächlich chronische Rückenbeschwerden vorliegen. Was allfällige psychische Beschwerden anbelangt, erwähnte Frau Dr. med. R.________ als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Entwicklung, wohingegen die Psychiaterin Dr. med. B.________ eine depressive Störung ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte. Das ABI stellte wohl eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung fest, bemerkte jedoch, dass diese geringgradig ausgeprägt sei, kaum Krankheitswert habe und die Arbeitsfähigkeit nicht einschränke. Im Bericht vom 6. September 2004 schliesslich führte der Hausarzt Dr. med. K.________ aus, aufgrund der angegebenen Beschwerden sowie der erhobenen Befunde lasse sich einschätzen, dass die Versicherte zusätzlich an einem Fibromyalgiesyndrom leide. Exazerbierend auf die Schmerzen würden sich - so der Arzt - auch die ausgeprägten psychosozialen Belastungssituationen und die depressive Verstimmung auswirken. Im Bericht vom 13. September 2005 präzisierte Dr. med. K.________, die sichere Diagnose einer Fibromyalgie müsste anhand der tender points gestellt werden. Im weitesten Sinn liege bei der Patientin neben der Depression eine ausgeprägte, anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor, bei der man auch von einer Schmerzverarbeitungsstörung oder von einer Symptomausweitung sprechen könnte. Zusammenfassend leide die Patientin nebst den diversen rheumatologischen Diagnosen und der Depression zusätzlich wahrscheinlich an einem Fibromyalgiesyndrom und an einer ausgeprägten anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Was den Einfluss der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit anbelangt, attestierte Frau Dr. med. R.________ der Beschwerdeführerin im Bericht vom 6. Mai 2002 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit April 2001, in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit jedoch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Im Bericht vom 24. März 2003 setzte sie den Beginn der 100%igen Arbeitsunfähigkeit als Verkäuferin bereits auf Juli 2000 fest. Frau Dr. med. B.________ hielt die Versicherte in ihrem Bericht vom 10. September 2003 in der Tätigkeit als Verkäuferin zu ca. 75 % arbeitsunfähig, wobei ihr maximal ein Pensum von zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar sei. Auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit - so die Psychiaterin - betrage die Arbeitsfähigkeit zwei bis drei Stunden pro Tag, maximal sei eine halbtägige Arbeit zumutbar. Die Experten des ABI kamen im Gutachten vom 24. Mai 2004 zum Schluss, in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin sei die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer und aus orthopädischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig. Auch betreffend Leistungsfähigkeit in andern Tätigkeiten bestünden aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkungen, wohingegen der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht Arbeiten mit ausschliesslich schweren körperlichen Aufgaben aufgrund einer gewissen körperlichen Dekonditionierung nicht mehr zugemutet werden könnten. Sämtliche leichten und mittelschweren Tätigkeiten mit nur intermittierend schweren Anteilen seien der Versicherten - so die Gutachter - zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkt zumutbar. Dr. med. K.________ schliesslich attestierte der Beschwerdeführerin im Bericht vom 6. September 2004 für jegliche leichte, wechselbelastende Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. An dieser Einschätzung hielt er im Bericht vom 13. September 2005 fest. 2.3 In einlässlicher Würdigung der medizinischen Aktenlage hat die Vorinstanz zunächst zutreffend dargelegt, dass das Gutachten des ABI vom 24. Mai 2004 nicht an formellen Mängeln leidet, die Anforderungen der Rechtsprechung erfüllt und es sich insbesondere auch mit den teilweise abweichenden Beurteilungen der Dres. med. R.________ und B.________ eingehend auseinandergesetzt hat. So hat das ABI nachvollziehbar und überzeugend erläutert, die Diskrepanz in der Einschätzung der noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit gegenüber der behandelnden Psychiaterin ergebe sich daraus, dass Frau Dr. med. B.________ von der subjektiven Krankheitsüberzeugung der Versicherten ausgehe, während sich die Abweichungen der somatischen Befunde gegenüber der Beurteilung durch Frau Dr. med. R.________, insbesondere die Nichtobjektivierbarkeit der von der behandelnden Ärztin noch festgestellten Neurokompression mit Dysästhesien im Dermatom S1 beider Beine, daraus erklären liessen, dass sich das Beschwerdebild durch das regelmässige Übungsprogramm verbessert habe und dadurch auch eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit habe erzielt werden können. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte aufgrund deren auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zu ihren Patientinnen und Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc), was für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie für den behandelnden Spezialarzt und erst recht für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz zunächst bedingungslos zu akzeptieren gilt (Urteil S. vom 20. März 2006, I 655/05, Erw. 5.4 mit Hinweisen). Dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die Patienten länger gesehen haben als die Gutachterinnen und Gutachter, vermag daran nichts zu ändern, ergibt sich doch gerade aus der längeren Beziehung das besondere Vertrauensverhältnis.