Citation: 5A_368/2022 E. 3.7.2

3.7.2. Gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz (Art. 105 Abs. 1 BGG), welche die Beschwerdeführerin nicht beanstandet, steht jener Verein im Zentrum des Stiftungszwecks, welcher auch die kirchliche Aufsicht übernehmen soll. Damit interessiert vorliegend einerseits die Frage, ob eine aus einem einzigen Verein gebildete Religionsgemeinschaft die Aufsicht über die mit ihr organisch verbundene Stiftung überhaupt ordnungsgemäss gewährleisten kann ( pro : PAHUD DE MORTANGES, a.a.O., S. 330 Fn. 7; RIEMER, a.a.O., Systematischer Teil Rz. 296; contra : RÖLLIN, a.a.O., S. 10). Da die Religionsgemeinschaft einerseits direkt oder indirekt Destinatärin der Leistungen der (kirchlichen) Stiftung ist, sie - als Empfängerin von Leistungen - aber andererseits die (kirchliche) Stiftung beaufsichtigen muss, scheint die Voraussetzung einer organischen Verbindung zwischen der (kirchlichen) Stiftung und der Religionsgemeinschaft potenzielle Interessenkollisionen zwischen dem Aufsichtsorgan und der beaufsichtigten Organisation geradezu in Kauf zu nehmen. Den Anforderungen an die Unabhängigkeit des Aufsichtsorgans gegenüber der Stiftung sind damit von vornherein gewisse Grenzen gesetzt. Angesichts dieser Ausgangslage und der Diskussion in der Doktrin ist nicht geradezu offenkundig, dass der Beschwerdeführerin aufgrund des Umstands, dass die als Verein organisierte Religionsgemeinschaft gleichzeitig Destinatärin und Aufsichtsorgan sein soll, kein kirchlicher Charakter zukommt. Immerhin geht es hier nicht um den Fall, in welchem die Religionsgemeinschaft mit der einzutragenden Stiftung identisch ist, was die genannten Autoren einhellig als nicht genügend ansehen (PAHUD DE MORTANGES, a.a.O., S. 330; RIEMER, a.a.O., Systematischer Teil Rz. 295; RÖLLIN, a.a.O.). Zusammengefasst kann keine Rede davon sein, dass die von der Beschwerdeführerin vorgesehene Aufsicht offensichtlich und unzweideutig dem Recht widerspricht; sie beruht vielmehr auf einer ebenfalls denkbaren Gesetzesauslegung. Es fehlte dem EHRA mithin die Prüfungsbefugnis, um die Genehmigung der Eintragung der Stiftung unter diesem Titel zu verweigern.