Citation: 8C_59/2024 E. 4.2

4.2. Die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer rückenadaptierten Tätigkeit erachtete die Vorinstanz hingegen als nicht nachvollziehbar. Dr. med. B.________ habe die 50%ige Einschränkung mit der aus seiner Sicht zunehmenden Minderbelastbarkeit des Achsenskeletts aufgrund des zweiten und dritten wirbelsäulenchirurgischen Eingriffs sowie den weiterbestehenden resp. vermehrten Schmerzen begründet. Dabei habe er aber übersehen, dass der Minderbelastbarkeit des Achsenskeletts bereits mittels Anpassung des ergonomischen Profils Rechnung getragen worden sei. Sensomotorische Ausfälle hätten nicht objektiviert werden können. Damit verblieben noch die vom Beschwerdeführer beklagten und demonstrativ vorgetragenen Schmerzen, welche allerdings insofern berücksichtigt worden seien, als ihm schmerzbedingt ein erhöhter Pausenbedarf zugestanden und in einer angepassten Tätigkeit nur noch eine 70%ige Arbeitsfähigkeit angenommen werde. Die gutachterlich postulierte dauerhafte Verschlechterung des Gesundheitszustands sei somit nicht objektivierbar. Das gelte umso mehr, als Dr. med. B.________ selbst explizit darauf hingewiesen habe, dass die letzten beiden LWS-Operationen komplikationslos verlaufen seien. Sodann habe der orthopädische Gutachter mit Stellungnahme vom 11. März 2021 bestätigt, dass sich der Gesundheitszustand aus rein orthopädischer Sicht durch die beiden LWS-Eingriffe nicht derart verschlechtert habe, als dass hieraus orthopädischerseits eine begründbar erhöhte Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Vorgutachten vom 17. Oktober 2017 (100%ige Arbeitsfähigkeit adaptiert) resultiere. Insoweit habe der Gutachter dem RAD-Arzt zugestimmt. Weshalb er dann in seiner Stellungnahme vom 18. Januar 2022 zu seiner ursprünglichen Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auch in einer rückenadaptierten Tätigkeit zurückgekehrt sei, habe er nicht begründet und sei nicht nachvollziehbar. In Anbetracht dessen, dass sich im Rahmen der neurologischen Zusatzabklärung durch Dr. med. D.________, Fachärztin für Neurologie, weder ein radikuläres noch ein peripheres Ausfallsyndrom habe abgrenzen lassen und auch die ausführlichen Neuro-/Myografien einen Normalbefund ergeben hätten, erscheine die im BEGAZ-Gutachten ab April 2020 auf 50 % geschätzte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit weiterhin nicht plausibel, weshalb die IV-Stelle zu Recht nicht darauf abgestellt habe. Weiter mass die Vorinstanz der Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. C.________ Beweiskraft bei. Dieser habe am 1. Februar, 29. März und 8. September 2021 sowie am 1. März 2022 Stellung genommen und dabei schlüssig und detailliert begründet, weshalb die Einschätzung des Dr. med. B.________ nicht überzeuge. Mit dem RAD-Arzt sei von einer lediglich vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustands im Kontext der erfolgten neuerlichen Operationen auszugehen. Es sei nicht zu beanstanden, wenn er nach einer "plus/minus" dreimonatigen Rehabilitationsphase wieder von der bereits zuvor bestehenden 70%igen Arbeitsfähigkeit (30%ige Leistungsminderung infolge schmerzbedingt erhöhten Pausenbedarfs und leichter depressiver Episode) ausgehe.