Citation: U 246/03 11.02.2004 E. 2

Streitig ist einzig, ob die Beschwerdeführerin ab 31. Mai 2002 weiterhin Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat. 2.1 Beim Abschluss des Falles konnte anhand zahlreicher medizinischer Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin am 2. April 2001 ein Schleudertrauma (Distorsion der HWS) erlitten hatte und die vorhandenen typischen Beschwerden mit dem fraglichen Verkehrsunfall in einem natürlichen Kausalzusammenhang stehen. Psychische Beeinträchtigungen wurden keine geltend gemacht, sodass die Beurteilung der Adäquanz gemäss den Grundsätzen in BGE 117 V 367 Erw. 6a zu erfolgen hatte. Bei dem als mittelschwer zu beurteilenden und dort im Grenzbereich zu den leichten Unfällen einzureihenden Unfall wurde jedoch festgestellt, dass auf Grund einer Gesamtwürdigung die Adäquanzkriterien weder in gehäufter Form gegeben waren noch eines in besonders ausgeprägter Weise zu bejahen war. Demzufolge hat das kantonale Gericht die Adäquanz des Kausalzusammenhanges und damit die Leistungspflicht der "Zürich" nach dem 31. Mai 2002 in Bestätigung der angefochtenen Verfügung verneint. 2.2 Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren, vertritt die Beschwerdeführerin in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde die Meinung, eine Adäquanzprüfung während der Heilbehandlung sei nicht zulässig, da in jener Phase das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs ausreiche. Nachdem das Leistungsrecht grundlegend zwischen den Phasen der medizinischen Heilbehandlung und der Zeit nach Abschluss derselben unterscheide, stelle es eine sinnvolle Eingrenzung dar, wenn der soziale Unfallversicherer die vorübergehenden Leistungen jedenfalls bis zum Abschluss der Heilbehandlung zu erbringen und eine Prüfung der Adäquanz zu verschieben habe, bis Dauerleistungen zur Diskussion stehen. Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, sollte die Adäquanz dennoch geprüft werden, wäre das Vorliegen dieses Kausalzusammenhangs zu bejahen, da das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzungen jedenfalls erfüllt sei, wenn sich eine versicherte Person ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule zuziehe. Zudem seien vorliegend auch die Adäquanzkriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, der Dauerbeschwerden und eines schwierigen Heilungsverlaufs gegeben. 2.3 Diese Argumentation vermag nicht zu überzeugen. Zunächst ist festzuhalten, dass die zur Adäquanz entwickelte Praxis einerseits nach der Art des eingetretenen Schadens und anderseits nach der Art des schädigenden Ereignisses differenziert. Der im Einzelfall in Betracht zu ziehenden Leistung kommt im Rahmen der Prüfung der Adäquanz keine Massgeblichkeit zu. Denn die Frage nach der Leistungsart stellt sich erst, wenn ein leistungsbegründender adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall oder der Berufskrankheit einerseits und der Gesundheitsschädigung anderseits zu bejahen ist. Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs kann somit weder ein "milderer Massstab" zur Anwendung kommen, wenn die Frage im Raum steht, ob vorübergehende Leistungen zu gewähren seien (BGE 127 V 104 f. Erw. 5d und e), noch kann auf die Adäquanzprüfung verzichtet werden. Es trifft zwar zu, dass die differenzierende Praxis zur Adäquanz auf Fälle ausgerichtet ist, in denen die Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs einige Zeit nach dem Unfallereignis stattfindet. Wie sich aus dem Folgenden ergibt, muss allerdings auch im vorliegenden Fall die Frage, ob sich deshalb eine Weiterentwicklung der Rechtsprechung rechtfertigt, welche es erlaubt, dem Zeitpunkt Rechnung zu tragen, in welchem die Adäquanzprüfung stattfindet, nicht beantwortet werden (BGE 127 V 104 f. Erw. 5d und e). 2.4 Das kantonale Gericht hat erwogen, sobald organisch nicht hinreichend nachgewiesene Unfallfolgen zur Diskussion stünden, sei der Versicherer berechtigt, unabhängig von der begehrten Leistungsart die Adäquanzprüfung dann vorzunehmen, wenn sie ihm geboten erscheine. Im vorliegenden Fall sei der Zeitpunkt, in welchem die Adäquanzprüfung vorgenommen wurde, nicht willkürlich, sondern nach pflichtgemässem Ermessen festgelegt worden. Diese Betrachtungsweise widerspricht der den Zeitpunkt der Adäquanzprüfung betreffenden Rechtsprechung. Vielmehr ist die Adäquanz erst nach Abschluss des normalen, unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses zu prüfen, und nicht solange von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch immer eine Besserung erwartet werden kann (Urteile K. vom 6. Mai 2003, U 6/03; R. vom 9. September 2002, U 412/01; A. vom 6. November 2001, U 8/00; D. vom 16. März 2000, U 127/99, H. vom 29. März 2001, U 114/00). Nachdem sich der versicherte Unfall am 2. April 2001 ereignet hatte, verfügte die "Zürich" am 12. Juli 2002, also nach rund 14 Monaten, die Einstellung ihrer Leistungen ab 31. Mai 2002 mit der Begründung, es liege zwischen den noch geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis kein adäquater Kausalzusammenhang mehr vor. Die Vorinstanz befand, dieses Vorgehen sei rechtens, da die Adäquanzprüfung nach einer vollständigen Arbeitsfähigkeit von mehr als einem Jahr (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff.; in SZS 2001 S. 433 f. veröffentlichtes Urteil A. vom 29. Dezember 1998, U 100/97) rund 14 Monate nach dem Unfallereignis vorgenommen wurde. In den erwähnten Urteilen wurde jedoch nicht von einer für alle Schleudertraumen gleiche Heilungsdauer ausgegangen, sondern es wurde auf Grund der Umstände des Einzelfalles entschieden. 2.5 Als die Beschwerdegegnerin vorliegend die Leistungen einstellte, empfahl Dr. med. M.________, behandelnder Arzt und Gutachter des Medizinischen Zentrums Y.________, die Fortführung der Physiotherapie, das Erlernen einer Entspannungstherapie sowie Medikation. Die von der Beschwerdegegnerin empfohlene Craniosakraltherapeutin empfahl ebenfalls weitere Behandlungen. Den erwähnten ärztlichen Berichten lässt sich somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitpunkt nicht mehr an Unfallfolgen litt. Daraus ergibt sich vielmehr, dass 14 Monate nach dem Unfall der Endzustand noch nicht erreicht war und mit den genannten somatischen Behandlungen mit einer Besserung zu rechnen war. Die Adäquanzbeurteilung erfolgte unter den gegebenen Umständen verfrüht. Da somit ein Dahinfallen der Unfallkausalität bis zum massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) nicht erstellt ist, hat die Beschwerdegegnerin über den 31. Mai 2002 hinaus und jedenfalls bis zum Zeitpunkt des Einspracheentscheids (vom 18. Oktober 2002) die Kosten für die Heilbehandlung zu übernehmen, deren Umfang sie im Einzelnen noch festzulegen haben wird.