Citation: 2A.470/1999 31.01.2000 E. 3

3.- a) Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Kreuzlingen vom 30. Juni 1998 der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz - mithin eines Verbrechens - schuldig gesprochen. Damit ist der Ausweisungsgrund von Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG erfüllt, setzt dieser gemäss dem zur Publikation bestimmten Urteil des Bundesgerichts vom 15. Dezember 1999 in Sachen S. (E. 3) doch einzig einen Schuldspruch wegen eines Verbrechens oder Vergehens voraus. Ob es sich bei der dem Ausländer durch Strafurteil auferlegten Sanktion um eine Strafe oder um eine Massnahme handelt, ist dabei unerheblich. Es bleibt somit zu prüfen, ob die Ausweisung als verhältnismässig erscheint (vgl. E. 2a). b) aa) Hinsichtlich der Schwere des Verschuldens ist vorab festzuhalten, dass der Beschwerdeführer infolge schwerer Betäubungsmitteldelikte (Handel mit rund 47'000 Ecstasy-Pillen, knapp 400 Gramm reinem Kokain, rund 130 Portionen MDMA-Flüssig, etwa 250 LSD-Trips und ca. 160 Gramm Amphetamin) verurteilt wurde. Das Bundesgericht verfolgt im Zusammenhang mit solchen Straftaten im Hinblick auf den Kampf gegen den Drogenhandel sowie auf die mit diesen Delikten zusammenhängende Gefährdung der Gesundheit einer Vielzahl von Menschen eine strenge Praxis (unveröffentlichte Urteile vom 13. März 1997 i.S. Yurtsever, vom 20. Januar 1997 i.S. Palomo sowie vom 3. Dezember 1996 i.S. Baspinar; vgl. auch Alain Wurzburger, La jurisprudence récente du Tribunal fédéral en matière de police des étrangers, in RDAF 1997 1 267, S. 308, mit weiteren Hinweisen). Das Verschulden des Beschwerdeführers, welcher während rund eines Jahres als Haupttäter einen intensiven Drogenhandel betrieben hat, wiegt schwer. Weder handelte es sich um einen einmaligen Fehltritt noch um eine blosse Jugendsünde, war der Beschwerdeführer doch zur Zeit der Deliktsbegehung bereits über 20 Jahre alt. Allerdings war er selber Drogenkonsument, was ihn von Händlern, die allein aus finanziellen Interessen tätig werden, unterscheidet. Sodann war er zuvor nie straffällig geworden und hat ausser dem Drogenhandel keine weiteren Delikte begangen. Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass die Ecstasy-Pillen nicht zu den besonders gefährlichen Drogen gehören (vgl. BGE 125 IV 90 E. 3 S. 93 ff.). Diese verschuldensmindernden Umstände treten indessen in den Hintergrund angesichts der vom Beschwerdeführer umgesetzten Mengen an Kokain bzw. an LSD, bei denen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung von einem schweren Fall auszugehen ist (vgl. BGE 109 IV 143 E. 3 S. 143 ff.; bestätigt in BGE 122 IV 360 E. 2a S. 362 f. hinsichtlich Kokain bzw. in BGE 121 IV 332 E. 3 S. 336 ff. hinsichtlich LSD). Laut den Erwägungen des Bezirksgerichts Kreuzlingen wäre vom Verschulden des Beschwerdeführers her denn auch eine mehrjährige Freiheitsstrafe auszufällen gewesen. bb) Dass das Bezirksgericht Kreuzlingen den Beschwerdeführer in eine Arbeitserziehungsanstalt einwies, ihn somit als dieser Massnahme zugänglich bezeichnete und ihm insofern hinsichtlich der Resozialisierungschancen eine günstige Prognose ausstellte, ist aus fremdenpolizeilicher Sicht - wie bereits ausgeführt wurde (vgl. E. 2b) - nicht allein ausschlaggebend. Das Risiko eines Rückfalles kann im Übrigen, trotz des dem Beschwerdeführer im Schreiben der Arbeitserziehungsanstalt X.________ vom 13. November 1998 attestierten guten Verhaltens im Massnahmevollzug, nicht ausgeschlossen werden. Daran vermögen die nachträglich eingereichten Berichte der Anstalt vom 19. August 1999 und des Psychiaters vom 14. September 1999 - soweit sie im vorliegenden Verfahren überhaupt berücksichtigt werden können (vgl. E. 1d) - nichts zu ändern. Nach dem Gesagten besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse, den Beschwerdeführer von der Schweiz fernzuhalten. c) Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Der Beschwerdeführer reiste 1988 im Alter von 14 Jahren in die Schweiz ein. Seine nächsten Verwandten, seine Eltern und Geschwister, leben ebenfalls in der Schweiz, wogegen er in seinem Heimatland zwar offenbar auch noch Verwandte hat, ansonsten aber kaum noch Kontakte pflegt. Eine allfällige Ausweisung wird den Beschwerdeführer folglich hart treffen. Zu berücksichtigen ist andererseits, dass der Beschwerdeführer nicht in der Schweiz geboren ist, sondern sich erst seit gut 11 Jahren hier aufhält und damit nicht als Ausländer der "zweiten Generation" einzustufen ist (vgl. BGE 122 II 433 E. 2c S. 436). Er hat die ganze Kindheit und einen Teil seiner Jugend in Mazedonien verbracht, weshalb er als mit der Sprache und den dortigen Gepflogenheiten genügend vertraut bezeichnet werden kann, um sich rasch wieder ein soziales Umfeld aufbauen zu können. Was schliesslich seine beruflichen Aussichten anbelangt, so sind diese bei einer Ausweisung massiv schlechter: Wie einem nachträglich zu den Akten gegebenen - allerdings im vorliegenden Verfahren grundsätzlich unbeachtlichen (vgl. E. 1d) - Schriftstück zu entnehmen ist, erhält der Beschwerdeführer Stipendien, womit er in der Lage wäre, in der Schweiz seine bisherige Ausbildung fortzusetzen und eine technische Berufsmatura zu absolvieren; diese Pläne sind nach einer Ausweisung in Mazedonien nicht mehr zu verwirklichen. Immerhin wird der Beschwerdeführer seine guten Sprachkenntnisse und sein bisheriges berufliches Wissen als gelernter Maschinenzeichner auch in seinem Heimatland erfolgreich einsetzen können. Trotz nachteiliger Auswirkungen auf seine persönliche, namentlich seine berufliche Situation, erweist sich die Ausweisung des Beschwerdeführers in Würdigung aller Umstände als zumutbar. d) Die Vorinstanz verletzt somit Bundesrecht nicht, wenn sie das sicherheitspolizeiliche Interesse an der Entfernung und Fernhaltung des Beschwerdeführers höher gewichtet als dessen privates Interesse, in der Schweiz bleiben zu können. Angesichts der schweren Drogendelikte, die sich der Beschwerdeführer hat zu Schulden kommen lassen, bildet die Ausweisung auch nicht eine zu einschneidende Massnahme, welche der blossen Androhung einer Ausweisung hätte weichen müssen.