Citation: 8C_379/2024 E. 5.1.2

5.1.2. Steht somit fest, dass der Tinnitus im vorliegenden Fall nicht auf eine organisch (hinreichend) nachweisbare Unfallfolge zurückzuführen ist, zielen auch die weiteren Rügen ins Leere. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers stellt es keinen "Bruch in der Logik" dar, den adäquaten Kausalzusammenhang gesondert zu prüfen und gegebenenfalls zu verneinen, auch wenn ein (zumindest teilweiser) natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Knalltrauma und dem Tinnitus bejaht wurde. Weiter trifft es zwar zu, dass der grundlegende BGE 138 V 248 nicht ein Knalltrauma, sondern einen Sturz vom Fahrrad betraf. Dies steht der Anwendbarkeit der durch dieses Urteil bereinigten Rechtsprechung auf den vorliegenden Fall jedoch nicht entgegen, da es für die Frage der besonderen Adäquanzprüfung nach BGE 115 V 133 nicht auf die Art des schädigenden Ereignisses, sondern auf das Fehlen organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen ankommt (BGE 134 V 109 E. 2.1; 127 V 102 E. 5b/bb). Aus dem gleichen Grund erweist sich auch das Vorbringen als unbehelflich, die Prüfung der Adäquanz anhand der Kriterien dieser Rechtsprechung sei sachfremd, weil es sich beim Tinnitus nicht um ein psychisches Leiden handle. Ernsthafte Gründe für eine Änderung der Rechtsprechung (dazu vgl. BGE 149 V 177 E. 4.5) dahingehend, dass im Zusammenhang mit dem Beschwerdebild des subjektiven Tinnitus die allgemeine Adäquanzformel (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.2) anzuwenden wäre, werden in der Beschwerde nicht aufgezeigt und sind auch nicht ohne Weiteres ersichtlich. Der vom Beschwerdeführer angerufene Ueli Kieser beschränkt sich in seiner Entscheidbesprechung zu BGE 138 V 248 nebst einer allgemein gehaltenen Kritik an der sozialversicherungsrechtlichen Adäquanzprüfung auf den Hinweis, dass es offensichtlich unmöglich sei, ein Knalltrauma als leichtes, mittleres oder schweres Unfallereignis einzustufen (vgl. Ueli Kieser, Entscheidbesprechungen, Bundesgericht, I. sozialrechtliche Abteilung, Urteil vom 3. Mai 2012 i.S. W. c. SUVA, 8C_498/2001 = BGE 138 V 248, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, in: AJP 2012 S. 1643 ff., S. 1645). Dies ist hier schon deshalb unbehelflich, weil die Suva auf eine Einstufung des Ereignisses verzichten konnte, da unbestrittenermassen keines der sieben massgebenden Kriterien gemäss BGE 115 V 133 erfüllt war. Der vom Beschwerdeführer zudem herangezogene BGE 139 V 346 beschlägt den Bereich der Invalidenversicherung, welche im Gegensatz zur Unfallversicherung alle Leiden unabhängig von ihrer Ursache zu berücksichtigen hat und bei welcher sich die Frage eines allfällligen Kausalzusammenhangs daher von vornherein erübrigt (Urteil 8C_628/2023 vom 9. April 2024 E. 5.3.1). Soweit der Beschwerdeführer sodann das Urteil 8C_660/2012 vom 23. März 2013 wohl dahingehend interpretiert, dass im Zusammenhang mit den dort erwähnten Phantomschmerzen auf eine besondere Adäquanzprüfung verzichtet wurde, kann dem mangels entsprechender Hinweise im genannten Urteil nicht gefolgt werden.