Citation: 4A_614/2014 E. 7.1.1

7.1.1. Es ist zuerst zu prüfen, welche Mängel vom Vorbehalt "some bands broken or loose" erfasst werden. Diesbezüglich rügt die Beschwerdeführerin zu Recht die von der Vorinstanz vorgenommene Unterscheidung zwischen Konfektionierungsmängeln im engeren und solchen im weiteren Sinn. Unbestritten ist nach den vorinstanzlichen Feststellungen, dass die Formulierung "bands" die vier Stahlbänder betraf, welche die im übrigen nicht verpackten Walzdrahtspulen ("bare coils") für den Transport zusammenhalten. Unbestritten ist auch, dass die Beeinträchtigung dieser Bänder zur Verformung oder Öffnung der Walzdrahtspulen führen kann. Die Vorinstanz nahm mit ihrer Unterscheidung an, die Formulierung "some bands broken or loose" erfasse nicht nur lose und gebrochene Stahlbänder, sondern auch "daraus resultierende Beeinträchtigungen der Walzdrahtspulen". Sie legte indessen nicht positiv dar, was sie genau unter "daraus resultierende Beeinträchtigungen der Walzdrahtspulen" verstand, sondern schied nur negativ aus, dass die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Verdrehungen, Verstrickungen, Verbiegungen und Quetschungen des Drahts als weitere Mängel nicht darunter fielen. Eine Unterscheidung zwischen Mängeln der Walzdrahtspulen im engeren Sinn und solchen im weiteren Sinn ist nicht nachvollziehbar. Vielmehr ist entscheidend, ob der Vorbehalt nur die Bänder erfasste oder auch irgendwelche Beeinträchtigungen der Drahtspulen selber und damit des Drahts als Folge davon. Nach dem Wortlaut sind klar nur die Bänder selber erfasst. Es ist somit davon auszugehen, dass der Vorbehalt "some bands broken or loose" nur die Stahlbänder betraf, welche die Spulen zusammenhalten, jedoch nicht Mängel am Draht selber bzw. den Drahtspulen. Ist dem so, entfällt auch das Argument der Beschwerdeführerin, dass nämlich unter dem Titel " Specifications" Walzdrahtspulen mit gebrochenen und losen Bändern nicht erwähnt würden, was systematisch gegen die Vertragsauslegung der Vorinstanz spreche. Denn unter "Specifications" werden nur die Eigenschaften der Ware selber umschrieben, nicht aber die Anforderungen an deren "Verpackung" bzw. Konfektionierung. Es bestand also keine Veranlassung, dort etwas zu erwähnen. Im Übrigen trifft zwar zu, wie die Beschwerdeführerin ausführlich geltend macht, dass der zulässige Vorbehalt auf dem Konnossement aufgrund des Akkreditiv-Mechanismus vorerst nur bedeutet, dass die Bank - und damit indirekt die Käuferin - zahlen muss, obwohl einige Stahlbänder gebrochen oder lose sind. Angesichts dessen, dass sich der Vorbehalt nur auf die Stahlbänder und nicht auf die Ware selber bezieht und aufgrund dessen nur von untergeordneter Bedeutung war, durfte jedoch eine vernünftige Person in der gleichen Stellung wie die Beschwerdegegnerin annehmen, dass damit nicht nur der Zahlungsmechanismus nicht blockiert werden sollte, sondern dass gebrochene oder lockere Stahlbänder insgesamt keine Vertragswidrigkeiten darstellen.