Citation: 6B_611/2020 E. 1.6

1.6. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach einer Partei bei einer unrichtigen Rechtsmittelbelehrung unter Vorbehalt einer groben prozessualen Unsorgfalt keine Nachteile erwachsen dürfen, kommt auch dann zur Anwendung, wenn das Dispositiv oder die Rechtsmittelbelehrung in Missachtung von Art. 68 Abs. 2 StPO nicht übersetzt wurde (Urteile 6B_1294/2019 vom 8. Mai 2020 E. 1.3.2; 6B_667/2017 vom 15. Dezember 2017 E. 5.4; je mit Hinweisen). Nur die Übersetzung des Dispositivs erlaubt es der beschuldigten Person, die Tragweite der mit dem Strafbefehl ausgesprochenen Sanktion und die Notwendigkeit einer Einsprache einzuschätzen (Urteil 6B_1294/2019 vom 8. Mai 2020 E. 1.3.2). Dass dem Beschwerdeführer eine grobe prozessuale Unsorgfalt vorzuwerfen wäre, lässt sich den Erwägungen der Vorinstanz nicht entnehmen. Eine grobe prozessuale Unsorgfalt liegt nicht bereits dann vor, wenn sich die beschuldigte Person trotz dem auf einem Merkblatt enthaltenen Hinweis auf eine "Übersetzungshilfe" nicht telefonisch bei den Behörden meldet (vgl. Urteil 6B_1294/2019 vom 8. Mai 2020 E. 1.3.1 f.). Demnach verletzt die Vorinstanz Bundesrecht, wenn sie auf die Einsprache des Beschwerdeführers infolge Verspätung nicht eintritt.