Citation: 5A_872/2022 E. 3.2

3.2. Ein Bezifferungserfordernis, wie das Obergericht es vorsieht, verletzt nach Auffassung der Beschwerdeführerin Art. 105 Abs. 2 und Art. 326 ZPO. Ein Antrag auf Zusprechung einer Parteientschädigung müsse im erstinstanzlichen Verfahren zwar gestellt, nicht aber beziffert werden. Vor Obergericht könne nichts anderes gelten, da ansonsten das Novenverbot ausgehebelt würde. Das Obergericht stütze sich in seinem Entscheid auf eine Gerichtspraxis, die nicht auf das vorliegende Verfahren übertragbar sei. Nach der bundesgerichtlichen Praxis müsse ein Antrag auf Sicherstellung der Parteientschädigung auch vor der zweiten Instanz nicht beziffert werden, wenn ein solcher schon im erstinstanzlichen Verfahren nicht beziffert werden müsse. Was für die Sicherstellung der Parteientschädigung gelte, müsse auch für deren Zusprechung massgebend sein. Auch inhaltlich überzeuge die Argumentation der Vorinstanz nicht: Die Beschwerdeführerin habe in der Schutzschrift auf alle Eventualitäten eingehen müssen und sich nicht darauf verlassen können, dass der anwaltlich vertretene Beschwerdegegner ein unzulässiges Gesuch stellen werde. Ausserdem stehe das Wohl des gemeinsamen Kindes auf dem Spiel, weshalb sich die Schutzschrift nicht nur gegen allfällige superprovisorische Massnahmen, sondern auch gegen andere Massnahmen gerichtet habe. Es sei nicht bekannt gewesen, welche Anträge der Beschwerdegegner stellen würde. Damit sei der Umfang der Schutzschrift nicht zu beanstanden. Vor Bundesgericht beziffert die Beschwerdeführerin die von ihr geforderte Parteientschädigung für das erstinstanzliche Verfahren mit Fr. 2'270.50 (Fr. 2'126.70 zzgl. Fr. 143.80 Barauslagen zzgl. 7,7 % MWST).