Citation: I 70/05 15.06.2006 E. 2

2.1 Im vorliegend zu beurteilenden Fall diagnostizierte Dr. med. dent. E.________ am 13. August 2002 auf Grund der Untersuchung vom 27. Mai 2002 und gestützt auf das gleichentags erstellte Fernröntgenbild eine Micrognathia inferior congenita und vermutete eine skelettale Anomalie. Er erachtete eine sofortige zahnärztliche Behandlung für die Heilung des Geburtsgebrechens Ziffer 208 GgV Anhang als notwendig und gab Dr. med. dent. W.________ als mit der weiteren Abklärung betrauten Kieferorthopäden SSO an. Dr. med. dent. W.________, Kieferorthopäde SSO, gelangte in seinem Bericht vom 31. August 2002 zum Schluss, es bestehe eine ausgeprägte Gebissanomalie auf skelettaler Grundlage mit einem stark vergrösserten ANB-Winkel von 9 Grad, womit die Bedingungen für die Übernahme von Kosten im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 208 GgV Anhang durch die Invalidenversicherung erfüllt seien. Auf Anfrage der IV-Stelle führte Dr. med. dent. W.________ am 26. Oktober 2002 aus, die Zähne 12 und 22 seien durchgebrochen. Das Fernröntgenbild datiere vom 27. Mai 2002 und seitdem sei sicher keine Veränderung eingetreten. Der massgebende ANB-Winkel betrage 9 Grad. Demgegenüber äusserte Dr. med. dent. E.________ auf entsprechende Nachfrage der IV-Stelle am 15. Januar 2003, die Zähne 12 und 22 seien am 27. Mai 2002 angelegt, aber noch nicht durchgebrochen gewesen. Mit Schreiben vom 4. April 2003 an die Mutter der Versicherten erklärte Dr. med. dent. E.________, er habe am 23. Oktober 2002 mit der Behandlung begonnen, weil auf Grund der Tatsachenlage ein weiteres Zuwarten nicht zumutbar gewesen wäre. In der Zwischenzeit seien die Zähne 12 und 22 durchgebrochen, aber infolge der guten Mitarbeit der Patientin hätten sich natürlich auch die Werte positiv entwickelt. 2.2 Im Rahmen des vorinstanzlichen Prozesses holte das kantonale Gericht eine ergänzende Auskunft bei Dr. med. dent. W.________ ein. Der Kieferorthopäde, welcher im Register der Kieferorthopäden und Kieferorthopädinnen SSO (Anhang 4 der KSME) eingetragen ist, führte am 2. September 2004 aus, vom Durchbruch der Zähne 12 und 22 habe er anlässlich einer telefonischen Rückfrage bei Dr. med. dent. E.________ Mitte Oktober 2002 erfahren. Allerdings sei der A-Punkt (tiefster Punkt auf der Prämaxilla zwischen Spina nasalis anterior und Prosthion) nach dem Durchbruch der Zähne 11 und 21 definiert. Die weiter lateral durchbrechenden Zähne 12 und 22 hätten darauf wenig Einfluss. Weil die Zähne 11 und 21 bereits durchgebrochen waren, seien beim A-Punkt in nur fünf Monaten kaum Veränderungen auszumachen, welche den SNA-Winkel wesentlich beeinflussen würden. Eine Neubeurteilung zu einem späteren Zeitpunkt sei nicht notwendig gewesen, weil nach telefonischer Rücksprache mit Dr. med. dent. E.________ im Oktober 2002 auch die Zähne 12 und 22 durchgebrochen gewesen seien. Ein ANB-Winkel von 9 Grad sei auch ohne das von der IV-Stelle geforderte neue Fernröntgenbild nach Durchbruch der Zähne 12 und 22 "überwiegend wahrscheinlich bis sicher". 2.3 Der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde angekündigte Bericht der SSO wurde am 15. April 2005 auf der Grundlage der Sitzung der Kommission für Versicherungsfragen SGK vom 7. April 2005 erstattet. Darin gibt Dr. med. dent. B.________ an, vor dem Frontzahnwechsel werde die ventrale Kontur des Oberkiefers durch die Keime der bleibenden Frontzähne (und hier insbesondere die Zahnkeime 1 + 1) vorgewölbt. Damit werde die Lage des A-Punktes in der sagittalen Dimension so beeinflusst, dass in diesem Zeitpunkt der ANB-Winkel eventuell zu gross bemessen werde. Deshalb soll eine IV-Abklärung gemäss den Informationen für Zahnärztinnen und Zahnärzte über die Eidgenössische Invalidenversicherung, Ausgabe 2004, erst nach dem Frontzahnwechsel vorgenommen werden. Im vorliegenden Fall seien die Zähne 1 + 1 gemäss Fernröntgenbild vom 27. Mai 2002 durchgebrochen. Die seitlichen Schneidezähne würden noch 6 mm über ihrer okklusären Endposition und leicht palatinal stehen. In dieser Stellung bewirkten sie die Vorwölbung der Knochenstruktur im Bereich des A-Punktes in keiner Weise, weshalb die Messung des ANB-Winkels in dieser Phase der Gebissentwicklung bereits korrekt habe vorgenommen werden können.