Citation: 6B_1118/2023 E. 1.4

1.4. Die gegen das Gutachten von Prof. Dr. G.________ vom 2. Februar 2021 und dessen Würdigung durch die Vorinstanz gerichteten Rügen des Beschwerdeführers sind unbegründet, soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann. Die Vorinstanz geht einlässlich auf die grösstenteils bereits im zweiten Berufungsverfahren erhobenen Einwände des Beschwerdeführers gegen das vorerwähnte Gutachten ein (Urteil S. 41-52 E. 7 f.; Gutachten, act. 2; Berufungsbegründung vom 17. Dezember 2021, kantonale Akten act. 217). Insbesondere legt sie sorgfältig und nachvollziehbar dar, weshalb darauf abgestellt werden kann. Auf diese zutreffenden Ausführungen kann verwiesen werden (Urteil S. 41-52 E. 7 f.). Soweit es der Beschwerdeführer unterlässt, sich mit den entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz auseinanderzusetzen, genügt er von vornherein den Begründungsanforderungen nicht (Art. 42 Abs. 2 BGG). Auf die Beschwerde kann insofern nicht eingetreten werden. Dies ist etwa der Fall, wenn er einwendet, der Gutachter habe die zentralen Fragen nicht beantwortet und aus eigener Initiative eine Gesamtbetrachtung der Transaktionen vorgenommen, ohne die einzelnen trades zu bewerten (Beschwerde S. 6 f.). Ohnehin ist es vorliegend nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz zum Schluss gelangt, das Gutachten vom 2. Februar 2021 sei vollständig, auch wenn der Sachverständige teilweise die Fragen nicht beantwortet hat. Die Vorinstanz erwägt hierzu, gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts lasse sich aus der Aufgliederung der Handelsaktivitäten in einzelne Geschäfte für die Frage der Pflichtwidrigkeit der Geschäftsbesorgung insgesamt nichts ableiten. Folglich sei irrelevant, ob für den Entscheid zu einer einzelnen Transaktion nur der break-even dieses trades entscheidend gewesen sei oder nicht. Diese Rechtsprechung sei erst nach der Anklageerhebung im vorliegenden Verfahren ergangen, weshalb selbst die Beschwerdegegnerin konstatiere, dass im heutigen Zeitpunkt eine zusätzliche Beurteilung der einzelnen Transaktionen nicht (mehr) erforderlich sei. Dem Beschwerdeführer sei nicht vorgeworfen worden, jeder einzelne trade sei ein Minusgeschäft resp. nicht im Kundeninteresse gewesen, sondern die Handelstätigkeit sei gesamthaft pflichtwidrig gewesen. Sei die strafrechtlich relevante Pflichtverletzung anhand einer Gesamtschau der Handelstätigkeit zu beurteilen, könne nicht bemängelt werden, dass der Gutachter "lediglich" eine solche Betrachtung vornehme. Im Strafverfahren werde ein Gutachten angeordnet, um Sachkunde bei der Beurteilung des prozessrelevanten Sachverhalts einzuholen. Werde für die Frage der Strafbarkeit nicht die Beurteilung der einzelnen trades verlangt, könne dies auch nicht von einem Gutachten gefordert werden. Das vorliegende Gutachten zeige umfassend und nachvollziehbar auf, worauf die Erkenntnisse gestützt seien. Vor dem Hintergrund der aktiven Tradingstrategie mit dem gegebenen Gebührenmodell und den erheblichen Verlusten sowie Retrozessionen während kurzer Handelszeit sei nicht einzusehen, weshalb die daraus gezogenen Schlüsse des Experten nicht zutreffen sollten. Im Übrigen halte auch das vom Beschwerdeführer eingereichte (Privat-) Gutachten im Ergebnis fest, dass letztlich das Zusammenspiel aller Positionen den Erfolg einer Strategie bestimme (Urteil S. 44 f. E. 8.3; kantonale Akten act. 219 S. 9). Setze man sich mit den Ausführungen des gerichtlich bestellten Gutachters zur Nachvollziehbarkeit der Transaktionen im Sinne einer Gesamtbetrachtung näher auseinander, blieben keine wesentlichen Fragen unbeantwortet und das Vorgehen des Sachverständigen sei auch in diesem Punkt nicht zu beanstanden. Da der Gutachter folgere, die Aktivität des Beschwerdeführers im gewählten Setting habe per se nicht erfolgreich sein können, habe er die in den Anhängen 4-6 der Beschwerdegegnerin weiter konkretisierten Vorwürfe von einzelnen wirtschaftlich sinnlosen Transaktionen nicht (mehr) eingehend prüfen müssen. Dies gelte umso mehr, als die Beschwerdegegnerin diesen Punkt nicht separat anklage, sondern das Kriterium der wirtschaftlichen Sinnlosigkeit lediglich als einen Gesichtspunkt von vielen bei der Gesamtbeurteilung der Handelstätigkeit sehe. Damit treffe zwar zu, dass sich das Gutachten nicht dazu äussere, ob die in den Anhängen zur Anklageschrift enthaltenen Vorwürfe erstellt werden könnten (Neutralisierung von Positionen, lange Haltedauer als Widerspruch zur Trading-Strategie, nicht gewinnbringende Kombination von trades). Dies sei mit Blick auf die rechtliche Würdigung des Anklagevorwurfs aber nur noch von untergeordneter Bedeutung. Der Kernvorwurf gegen den Beschwerdeführer habe sich dadurch nicht verändert. Der Vorwurf laute nach wie vor, Kapital übermässig umgeschlagen und dabei nicht im Interesse der Kunden liegende Transaktionen vorgenommen zu haben (Urteil S. 47 f. E. 8.5). Die weitere Kritik des Beschwerdeführers, das Gutachten genüge in formeller Hinsicht den Anforderungen nicht, weil es nur eine einzige Quelle bzw. Literaturangabe enthalte (Beschwerde S. 6), geht fehl. Alleine aus dem Umstand, dass der Sachverständige neben der Angabe auf Seite 15 des Gutachtens vom 2. Februar 2021 (Note 69) keine weiteren Literaturquellen nennt, ist nicht per se auf die Unvollständigkeit des Gutachtens zu schliessen. Grundsätzlich besteht für die Begutachtung Methodenfreiheit. Die Wahl der Methode muss aber begründet sein. Die wissenschaftlichen Standards müssen eingehalten und die Schlussfolgerungen transparent sowie für die Verfahrensbeteiligten nachvollziehbar dargestellt werden (BGE 128 I 81 E. 2; Urteile 6B_354/2022 vom 24. August 2022 E. 3.3.1; 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 E. 1.2.3; je mit Hinweisen). Der Gutachter ist zu einer umfassenden Dokumentierung der eigenen Erhebungen unter genauer Angabe der entsprechenden Vorkehren sowie der Quellen verpflichtet. Soweit Auskünfte Dritter ins Gutachten einfliessen, sind sie genau wiederzugeben (Urteil 6B_648/2014 vom 28. Januar 2015 E. 4.2, nicht publ. in BGE 141 IV 34; MARIANNE HEER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Auflage 2023, Art. 185 StPO N. 34a). Um die Nachvollziehbarkeit und Transparenz zu gewährleisten, hat der Sachverständige im Gutachten umfassend darzulegen, wie und weshalb er zu den von ihm gefundenen Ergebnissen gelangt (Urteile 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 E. 1.2.3; 6B_828/2018 vom 5. Juli 2019 E. 6.2; 6B_582/2017 vom 19. Juni 2018 E. 2.2.3; je mit Hinweisen), was hier der Fall ist. Das Gutachten vom 2. Februar 2021 genügt diesen Anforderungen, auch wenn nicht alle Erfahrungs- oder Wissenssätze mit einer entsprechenden Quelle bzw. Literaturangabe versehen sind: Zunächst listet der Experte alle Unterlagen auf, die dem Gutachten zugrunde liegen. Im Rahmen der Vorbemerkungen skizziert er sodann den Kontext des Gutachtens, definiert unter dem Titel "Finanzwissen" etliche Begriffe und gibt Erfahrungs- oder Wissenssätze wieder. Nachdem der Sachverständige den konkreten Auftrag darlegt, macht er Ausführungen zu den an ihn gestellten Fragen und zieht sachliche Schlussfolgerungen aus den bestehenden Tatsachen (act. 2). Letztlich scheint sich der Beschwerdeführer selbst zu widersprechen, wenn er pauschal die fehlenden Quellen bzw. Literaturangaben im Gutachten bemängelt, in dem von ihm eingereichten Privatgutachten u.a. aber erklärt wird, die Darlegungen unter "Finanzwissen" im Gutachten vom 2. Februar 2021 seien allgemein bekannt (kantonale Akten, act. 219 S. 5 f.). Die Frage, ob die Vorinstanz das Gutachten im Rahmen ihrer Beweiswürdigung zutreffend als schlüssig bezeichnet oder nicht, überprüft das Bundesgericht einzig auf Willkür (E. 1.3.2). Mit seinen weiteren Vorbringen vermag der Beschwerdeführer aber den qualifizierten Begründungsanforderungen an die Willkürrüge nicht zu genügen. Dies ist beispielsweise hinsichtlich der geltend gemachten "inhaltlichen materiellen Mängel" der Fall (Beschwerde S. 7-14). Der Beschwerdeführer begnügt sich damit, die gutachterlichen Feststellungen aus dem Zusammenhang zu reissen oder Behauptungen aufzustellen (so etwa, wenn er erklärt, der Gutachter sage nichts dazu, weshalb vor dem Anlageentscheid auch ein Verlustlimit hätte gesetzt werden müssen, Beschwerde S. 8, vgl. hierzu jedoch Gutachten, act. 2, S. 11 N. 40 ff. und S. 12 f. N. 44 ff. sowie Ergänzung zum Gutachten vom 23. September 2021, S. 4) oder seine Sicht der Dinge aufzuzeigen, ohne dabei substanziiert auf die vorinstanzlichen Erwägungen einzugehen (z.B. bei seinen Ausführungen betreffend "Positionierung am Markt" oder "dem Zugang zu hochwertigen Informationen", Beschwerde S. 10 ff., vgl. diesbezüglich Urteil S. 50 f. E. 8.9, oder seiner Kritik bezüglich der Transaktionsgebühren, Beschwerde S. 12 ff., siehe hierzu Urteil S. 51 E. 8.9). Es genügt nicht, wenn der Beschwerdeführer vor Bundesgericht wie in einem appellatorischen Verfahren frei plädiert; er hätte vielmehr anhand der vorinstanzlichen Ausführungen aufzeigen müssen, weshalb diese schlechterdings unhaltbar und damit willkürlich sind. Mit seinen Vorbringen vermag der Beschwerdeführer auch insgesamt nicht darzulegen, dass und inwiefern die vorinstanzlichen Schlussfolgerungen, es könne auf das Gutachten vom 2. Februar 2021 abgestellt werden und es bestehe kein Anlass zur Einholung eines Obergutachtens oder erneuten Vernehmlassung des beauftragten Sachverständigen, auch mit Blick auf Art. 189 lit. a und lit. c StPO geradezu unhaltbar sein sollte. Entgegen seiner Behauptung kann nicht die Rede davon sein, dass die Vorinstanz diesem Gutachten quasi blind gefolgt ist.