Citation: 5A_677/2022 E. 3.3

3.3. Zudem wendet die Beschwerdeführerin ein, der Anspruch auf das negative Interesse gemäss Art. 109 Abs. 2 OR setze einen Rücktritt vom Vertrag nach vorangegangenem Eintritt des Schuldnerverzugs voraus. Vorliegend habe der Beschwerdegegner also behaupten müssen, wann der Schuldnerverzug eingetreten sei, inwiefern und wann er vom Vertrag zurückgetreten sei und inwiefern ihm aus dem Rücktritt ein Schaden entstanden sei. Keine dieser Behauptungen habe der Beschwerdegegner je aufgestellt. Ferner setze Art. 109 Abs. 2 OR einen Schuldnerverzug gemäss Art. 102 ff. OR voraus. Mit dieser Thematik habe sich das Obergericht nicht auseinandergesetzt. Im angefochtenen Entscheid stehe kein Wort dazu, inwiefern und wann vorliegend ein Schuldnerverzug eingetreten sein solle, welcher den Beschwerdegegner zum Rücktritt von der Vereinbarung vom 10. Januar/30. April 2014 berechtigt haben könnte. Auch stehe nichts davon, inwiefern der Beschwerdegegner überhaupt die Regeln des Schuldnerverzugs (Nachfristansetzung, Rücktrittserklärung etc.) eingehalten hätte. Damit seien die Voraussetzungen für einen Schadenersatzanspruch nach Art. 109 Abs. 2 OR nicht ansatzweise erstellt. Nach dem angefochtenen Entscheid hat sich das Regionalgericht ausführlich mit den Anspruchsvoraussetzungen auseinandergesetzt. Hingegen ergibt sich daraus nicht, dass die Beschwerdeführerin die hiervor wiedergegebenen Einwendungen bereits vor Obergericht vorgetragen hätte. Diesbezüglich erhebt sie weder eine Sachverhalts- noch eine Gehörsrüge. Mangels Ausschöpfung des Instanzenzuges ist darauf nicht einzutreten (E. 2.3).