Citation: 1P.761/2005 12.04.2006 E. 2

2.1 Die Beschwerdeführerin wirft dem Kantonsgerichtsausschuss vor, den Anklagegrundsatz verletzt zu haben. Die Anklageschrift erfülle die Anforderungen von Art. 98 Abs. 2 der Strafprozessordnung des Kantons Graubünden vom 8. Juni 1958 (StPO) nicht, die rechtliche Qualifikation des Sachverhaltes bzw. sämtliche Tatbestandselemente des Betrugs fehlten völlig. Ebensowenig sei ihr zu entnehmen, dass sie eine Aufklärungspflicht verletzt haben soll, noch werde ihr ein Verstoss gegen die Preisbekanntgabeverordnung vorgeworfen. Ein weiterer Mangel der Anklageschrift sei, dass daraus weder erkennbar sei, wie sich die Deliktssummen zusammensetzten, noch wie oft der Anrufbeantworter der billigeren Linie einen Verweis auf die teurere gemacht habe, ohne den höheren Tarif der letzteren zu nennen. Sie sei wegen dieser schwer wiegenden Mängel der Anklageschrift nicht in der Lage gewesen, sich sachgerecht zu verteidigen und habe damit keinen fairen Prozess gehabt. 2.2 Der Anklagegrundsatz verteilt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Aufgaben zwischen den Untersuchungs- bzw. Anklagebehörden einerseits und den Gerichten andererseits. Er bestimmt den Gegenstand des Gerichtsverfahrens. Die Anklage hat die dem Angeklagten zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe genügend konkretisiert sind. Das Anklageprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte des Angeschuldigten und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (BGE 120 IV 348 E. 2b S. 353 f. mit Hinweisen). Nach Art. 6 Ziff. 3 lit. a EMRK hat der Angeschuldigte Anspruch darauf, in möglichst kurzer Frist über die Art und den Grund der gegen ihn erhobenen Beschuldigung in Kenntnis gesetzt zu werden. Diese Angaben schliessen es allerdings nicht aus, dass eine spätere Verurteilung wegen eines gleichartigen oder geringfügigeren Delikts erfolgt. Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden, nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (BGE 126 I 19 E. 2a). Nach Art. 98 Abs. 2 lit. b StPO hat die Anklageschrift "die Darstellung und die rechtliche Qualifikation des Sachverhaltes" zu enthalten. Diese Anforderungen des kantonalen Prozessrechts an die Anklageschrift gehen nicht über die oben dargestellten verfassungs- und konventionsrechtlichen Garantien hinaus. Es ist daher im Folgenden zu prüfen, ob die Anklageschrift vom 6. Juli 2004 diesen genügt.