Citation: U 127/06 18.04.2007 E. 6

6.1 Gegenüber dem Kreisarzt der SUVA erklärte der Versicherte am 3. September 1999, der Tinnitus sei tagsüber bei normalem Geräuschpegel nicht störend, gestört sei hingegen das Einschlafen bei absoluter Ruhe. Zwischenzeitlich habe er im Schlafzimmer einen Zimmerbrunnen installiert; durch das Wassergeräusch werde der Tinnitus in den Hintergrund gedrängt. Kreisarzt Dr. med. S.________ kam zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in seinem angestammten Beruf wieder voll integriert; alternativ kämen auch "die meisten durchschnittlichen wechselbelastenden Männerarbeiten vollschichtig in Frage". 6.2 Am 29. März 2001 fand eine Unterredung mit dem Versicherten statt, anlässlich welcher er sich ausführlich zu seinem Tinnitus äusserte. Dabei führte er aus, der linksseitige Tinnitus (Grundfrequenz-Pfeifen mit Hintergrundrauschen und breitem Spektrum von Hintergrundwellen) sei dauernd vorhanden. Die Ohrgeräusche hinderten ihn am Einschlafen (längere Phase) und Durchschlafen. Immer wieder wecke ihn dieses Pfeifen nach der Tiefschlafphase, die etwa vier Stunden dauere. Meistens könne er dann nicht erneut einschlafen und liege "mehr oder weniger wach" im Bett. Früher habe er acht bis neun Stunden durchschlafen können. Lesen und Schreiben in ruhiger Umgebung sei durch den Tinnitus nicht beeinträchtigt. Ob die Ohrgeräusche im Schlaf wahrnehmbar seien, könne er nicht sagen. Tatsache sei, dass er wegen des Tinnitus längere Zeit nicht zum Schlaf finde, bis sich sein Kopfinneres auf das Pfeifen im Ruhezustand eingestellt habe. Soweit er anlässlich einer früheren Besprechung vom 26. Juli 1999 angegeben habe, der Tinnitus beeinträchtige die Alltags- und Berufsverrichtungen nicht, müsse er seine Aussage relativieren. Direkt während der Arbeitsausübung sei er wirklich nicht eingeschränkt, hingegen gelange er nach ungefähr sechs Stunden an eine Grenze, welche ihn zwinge, die Arbeit niederzulegen (Sicherheitsrisiko im Strassenverkehr wegen Übermüdung). 6.3 Die Schlafstörung des Versicherten wurde in der KSM, Klinik für Schlafmedizin, abgeklärt (Bericht vom 21. September 2001). Die dortigen Ärzte stellten folgende Diagnosen: Ein- und Durchschlafstörungen bei posttraumatischem Tinnitus, Diabetes mellitus, leichtes Schädel-Hirntrauma. Das am 21. August 2001 durchgeführte Polysomnogramm beurteilten die Ärzte wie folgt: "Subjektiv hat der Patient während der polysomnographischen Untersuchung besser geschlafen als zu Hause. Das Hypnogramm zeigt 3 knapp erkennbare Schlafzyklen, wobei die erste REM-Phase durch eine Wachphase ersetzt ist. Zu Beginn der Nacht findet sich eine länger dauernde Wachphase mit Auftreten von konsolidiertem Schlaf erst nach ca. 70 Minuten. Während der weiteren Untersuchung kommt es zu häufigen kurzen Wachphasen. Die Schlafeffizienz beträgt 77 %. Die Anteile der verschiedenen Schlafstadien sind normal. Respiratorisch kommt es zu lageunabhängigen Hypnoen und seltenen Apnoen, welche in einem AHI (d.h. Apnoe-Hypopnoe-Index) von 12,2 resultieren. Der Arousalindex ist mit 9,4/Std. normal. Motorisch finden sich auch während den Wachphasen keine Auffälligkeiten." Ebenfalls am 21. August 2001 unterzog sich der Versicherte einem multiplen Schlaflatenztest (MSLT). In der diesbezüglichen Auswertung führten die Ärzte aus: "Der Patient leidet unter einer Ein- und Durchschlafinsomnie, welche nach dem Unfall [...] aufgetreten ist. Es ist bekannt, dass ein schwerer Tinnitus zu Ein- und Durchschlafstörungen führen kann. Der Patient legt glaubhaft dar, dass vor dem Unfallereignis weder Schlafstörungen noch Ohrgeräusche bestanden. [...] Durch die Schlafstörung ist der Patient in seiner beruflichen Tätigkeit als Taxichauffeur, wo auch unregelmässige Arbeitszeiten in Kauf genommen werden können, mittelgradig eingeschränkt". 6.4 Prof. Dr. med. K.________ diagnostizierte am 8. Dezember 2001 einen linksseitigen Tinnitus bei panochleärer Schwerhörigkeit links und C5-Senke rechts sowie eine Dekompensation durch eine massive Schlafstörung. Er führte aus, der Versicherte schlafe nach eigenen Angaben durchschnittlich zweimal schlecht und einmal gut. Derartige schwere Schlafstörungen seien bei Tinnitus immer wieder möglich, glücklicherweise aber selten. Der Prozentsatz der Teilarbeitsunfähigkeit sei schlecht anzugeben. Anlässlich einer erneuten Konsultation bei Prof. Dr. med. K.________ vom 17. April 2002 erklärte der Versicherte (nach Anpassung eines Hörgerätes), der gegenwärtige Zustand entspreche einer etwa 30%igen Teilarbeitsunfähigkeit, sei aber schwer abzuschätzen. In der Folge konnte Prof. Dr. med. K.________ keine Veränderung der gesundheitlichen Situation feststellen. Am 20. September 2002 hielt er fest, nach wie vor erlebe der Versicherte etwa eine gute auf zwei schlechte Nächte. Eine leise Dauerbeschallung könne nicht ideal verwirklicht werden, da der Beschwerdeführer die Noiser (d.h. Geräte, welche ein Rauschen erzeugen und dadurch den Tinnitus in den Hintergrund drängen sollen) nachts nicht ertrage. Er solle wenigstens das nahe Aquarium nachts regelmässig laufen lassen. Aus seinem Standpunkt als Tinnitus-Spezialist könne der Fall insofern abgeschlossen werden, als kaum mehr mit einer Besserung des gegenwärtigen Zustandes zu rechnen sei. Auf entsprechende Frage des Rechtsvertreters führte Prof. Dr. med. K.________ am 9. Dezember 2004 aus, seit der letzten Kontrolle hätten sich die Beschwerden nicht verändert. Tagsüber komme der Versicherte mit dem Tinnitus gut zurecht, wirklich störend sei er beim Einschlafen. In Bezug auf den Schlaf gebe der Beschwerdeführer an, er gehe erst zu Bett, wenn er wirklich müde sei. Dies könne schon um 21 Uhr, aber auch erst um 1 Uhr der Fall sein. Die Einschlafzeit betrage dann eine Stunde oder mehr, er stehe oft wieder auf und beschäftige sich mit dem PC. Die maximale Schlafdauer betrage nach eigenen Angaben zwei Stunden, danach könne er nicht mehr richtig einschlafen. Dementsprechend sei er dauernd müde. Ein Mittagsschlaf von ein bis zwei Stunden sei manchmal möglich, oft aber nicht. Weiterhin komme eine bessere Nacht auf zwei ausgesprochen schlechte Nächte. Gelegentlich trinke er Alkohol, um besser zu schlafen. Der Versicherte habe erklärt, Schlafmittel nicht einnehmen zu dürfen, da er sonst eine etwa einmal wöchentlich eintretende nächtliche Hypoglykämie verpassen könnte. Weiter habe er ausgeführt, die Arbeit als Taxifahrer nicht mehr als etwa zehn Stunden pro Woche (inklusive Wartezeit) verrichten zu können. Prof. Dr. med. K.________ führte eine erneute Tinnitus-Messung durch, die (wie dies immer der Fall sei) keine messbare Verschlimmerung ergab. In seiner Beurteilung kam er zum Schluss, dass sich die Tatsache des Fremdverschuldens, wie in ähnlich gelagerten Fällen, auch beim Beschwerdeführer ungünstig auswirken dürfte. Trotzdem sei die natürliche Kausalität zwischen dem Unfall und der Schlafstörung klar zu bejahen. Im Quervergleich zu anderen schweren Tinnitusfällen könne er sagen, dass er oft froh sei, wenn man beispielsweise eine 50%ige Arbeitsfähigkeit aufrecht erhalten könne. Sehr oft komme es zu einer vollen Invalidisierung. Er könne bestätigen, dass es nach seiner Erfahrung durchaus ein günstiges Endresultat wäre, wenn der Versicherte im Umfang von 50 % arbeiten könne. Eine präzise prozentuale Schätzung der Arbeitsfähigkeit stehe ihm als Arzt nicht zu.