Citation: U 393/06 24.09.2007 E. 6

6.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt neben dem natürlichen auch einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden voraus. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 E. 5a mit Hinweisen). 6.2 Die Adäquanzbeurteilung nach HWS-Distorsionen (ohne organisch nachweisbare Unfallfolgeschäden) hat grundsätzlich nach der in BGE 117 V 366 E. 6a und 382 E. 4b dargelegten Rechtsprechung zu erfolgen (BGE 123 V 99 E. 2a). Von diesem Grundsatz ist abzuweichen, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber unmittelbar nach dem Unfall ganz in den Hintergrund treten oder die physischen Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Diesfalls ist die Prüfung der adäquaten Kausalität praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall gemäss BGE 115 V 133 ff. vorzunehmen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb mit Hinweisen). 6.3 Nach zutreffender Darstellung der Vorinstanz lag bei der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Leistungseinstellung im April 2004 nicht (mehr) das typische Beschwerdebild nach erlittener HWS-Distorsion vor. Wie der Beschreibung der aktuellen Beschwerden im MZR-Gutachten zu entnehmen ist, hatte sich ein umfangreiches Beschwerdebild mit Schmerzen im rechten Arm, in der rechten Kopfhälfte, im Nacken sowie in den Schulterblättern - ausstrahlend bis zu den Leisten und dem rechten Bein - sowie mit Atemproblemen und Gefühlsstörungen entwickelt, welches über das typische Beschwerdebild nach erlittener HWS-Distorsion weit hinausgeht. Angesichts dieser Entwicklung und aufgrund der insofern weitgehend übereinstimmenden Feststellungen der verschiedenen ärztlichen Gutachter ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin die psychische Problematik eindeutig im Vordergrund steht, so dass der adäquate Kausalzusammenhang nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff) zu prüfen ist. 6.4 Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zu dem für die Leistungspflicht des Unfallversicherers nach UVG vorausgesetzten adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und nachfolgend einsetzenden psychischen Gesundheitsstörungen, welche die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen, zutreffend dargelegt. Der adäquate Kausalzusammenhang setzt demnach grundsätzlich voraus, dass dem Unfallereignis für die Entstehung einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt (BGE 115 V 141 E. 7). Der Unfall vom 18. August 2002 ist angesichts des augenfälligen Geschehensablaufs und der Ergebnisse des unfallanalytischen Gutachtens - es wird eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsveränderung (Delta-v) von 7.8 bis 13.3 km/h angenommen - der Kategorie der mittelschweren Unfälle, im Grenzbereich zu den leichten zuzuordnen, wie die Vorinstanz zu Recht ausführt. Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs sind somit weitere unfallbezogene Kriterien, die nach den Erfahrungen des Lebens geeignet sind, eine psychische Fehlreaktion auszulösen, erforderlich, damit dem Unfall die vorausgesetzte massgebende Bedeutung zukommt. Dabei müssen solche Kriterien bei einem Unfall wie dem vorliegenden in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein (BGE 115 V 141 E. 11b). 6.5 Der Unfall vom 18. August 2002 ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen, noch war er objektiv gesehen von besonderer Eindrücklichkeit. Er löste auch nicht ein Trauma aus, das erfahrungsgemäss dazu geeignet gewesen wäre, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Von einem schwierigen Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen kann ebenso wenig die Rede sein wie von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Zu beachten ist hierbei, dass der Genesungsverlauf der somatischen Unfallfolgen bereits im Oktober 2003 weitestgehend abgeschlossen war und die nachfolgende Behandlung im Zeichen der psychischen Problematik stand. Was die körperlichen Dauerschmerzen betrifft, ist dieses Kriterium jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Schliesslich ist die Beschwerdeführerin zwar unter anderem auch wegen organischen Unfallfolgen zunächst während mehreren Monaten zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Die anhaltende Arbeitsunfähigkeit war jedoch im Zeitpunkt der Leistungseinstellung auf die psychische Überlagerung zurückzuführen, so dass Dauer und Grad der Arbeitsunfähigkeit nicht derart ins Gewicht fallen, dass deswegen die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu bejahen wäre. Dem Unfallereignis vom 18. August 2002 kommt somit für die Entstehung der nach dem 1. April 2004 bestehenden, vor allem psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit keine rechtlich massgebende Bedeutung zu.