Citation: U 36/04 13.09.2004 E. 3.2

3.2.1 Die Versicherte wurde während ihres fünftägigen Aufenthalts im ZMB durch die Dres. med. D.________ betreffend Allgemeinstatus, T.________ betreffend den handchirurgischen und orthopädischen Status, B.________ betreffend den neurologischen Status und E.________ betreffend den psychiatrischen Status allseits eingehend untersucht. Zu den bleibenden Folgen der Radiusfraktur loco classico vom 2. Dezember 1992 ist dem polydisziplinären ZMB-Gutachten (S. 22 f.) in Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit unter anderem zu entnehmen: "[...] Im somatischen Bereich ist heute eine leichte radiokarpale Arthrose sowie eine deutliche Arthrose im distalen Radioulnar-Gelenk sowie eine allgemeine Osteopenie nachweisbar. Wahrscheinlich hat die Versicherte nach dem Unfall eine leichte Sudeck'sche Dystrophie durchgemacht. Spätfolgen derselben sind aber heute nicht mehr objektivierbar. Die genannten Arthrosen müssen überwiegend wahrscheinlich als Unfallfolgen beurteilt werden. Gewisse Schmerzen bei starker Belastung des Handgelenkes sind als Folgeerscheinungen dieser Arthrosen möglich, hingegen ist die ausgeprägte, von der Versicherten subjektiv erlebte Schmerzempfindlichkeit durch diesen Befund nicht zu erklären. Auch dass die Versicherte ihre Hand praktisch nicht mehr einsetzt und erhebliche Einschränkungen ihrer Beweglichkeit sowohl im Arm wie in der Hand schildert, kann durch den somatisch objektivierbaren Befund nicht erklärt werden. Aus somatischer Sicht könnte die Versicherte auch weiterhin an einem Buffet zu 80 % arbeiten. Die Hauptproblematik der Versicherten liegt auf psychischem und psychosomatischem Gebiet. Frau P.________ hat bereits nach ihrer Emigration in die Schweiz 1990 Kopfschmerzen vom Spannungstyp entwickelt. Nach dem Unfall von 1992 bahnte sich eine psychosomatische Entwicklung an, die begleitet wurde von einer Schmerzverarbeitungsstörung und Symptomausweitung. Die Versicherte hat nunmehr seit neun Jahren nicht mehr gearbeitet und sicher auch durch die Berentung einen sekundären Krankheitsgewinn erlebt, so dass sich das ganze Geschehen fixiert und chronifiziert hat. Die Grundlage dieser Entwicklung ist eine einfach strukturierte, histrionische Persönlichkeit. Die Diagnose der körperlichen Symptome aus psychischen Gründen stützt sich auf das demonstrative Verhalten der Versicherten während den Untersuchungen, bei denen sich deutliche Diskrepanzen zwischen den angegebenen Einschränkungen und den objektiv beobachteten Beweglichkeiten sowie der symmetrischen Muskulatur (wir verweisen dazu auf den handchirurgisch-orthopädischen Status) ergeben. Auch berichtet die Versicherte in einer Art "belle indifférence" [von] ihren schweren Beschwerden, so als spräche sie nicht von sich, sondern von einer anderen Person. [...]" Unter zusätzlicher Berücksichtigung der psychosomatischen Entwicklung schätzten die ZMB-Gutachter die Arbeitsfähigkeit auf 50 %. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gemäss ZMB-Gutachten liegt sehr nahe bei den nur geringfügig abweichenden Einschätzungen des Prof. Dr. med. S.________ (Bericht vom 13. März 1996) und der Dres. med. M.________ und A.________ (Bericht vom 9. August 1995). Während die Letzteren gar davon ausgingen, rein somatisch gesehen bestünden keine mit dem Unfallereignis in Zusammenhang stehenden Spätfolgen mehr, weshalb streng fachbezogen zumindest seit Mai 1995 kein bleibender Nachteil mehr bestehe, vertrat Prof. Dr. med. S.________ in seinem Bericht die Auffassung, zwar erscheine noch verständlich, dass die Versicherte ihre angestammte Tätigkeit am Buffet nicht mehr ausüben könne, weil dazu wohl der unbehinderte Gebrauch beider Arme und Hände erforderlich sein dürfte, doch sei "es ihr durchaus zumutbar, eine leichtere berufliche Arbeit zu leisten, wo sie hauptsächlich ihren in keiner Weise geschädigten dominanten rechten Arm einsetzen und auch ihren insgesamt doch nicht schwer beeinträchtigten linken in eingeschränktem Masse (mit-) benutzen" könne. Er schätzte ihre Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf mindestens 50 % ein, obwohl sie damit sogar 66,66-75 % erreichen dürfte. Da die Beschwerdegegnerin ihren angestammten Arbeitsplatz als Buffet-Angestellte in der Folge des Unfalles verlor, ist entgegen der Zürich auf die Beurteilung der Zumutbarkeit in Bezug auf eine angepasste (und nicht die angestammte) Tätigkeit abzustellen. Nach umfassender Würdigung sämtlicher medizinischer Unterlagen ist mit mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen) davon auszugehen, dass die Versicherte in einer behinderungsadaptierten leichten manuellen Tätigkeit ohne zu starke Belastung des linken Armes (vgl. ZMB-Gutachten S. 9) zumutbarerweise eine Leistungsfähigkeit von 75 % erwerblich verwerten könnte. 3.2.2 Demgegenüber vertrat die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid die Auffassung, die ZMB-Gutachter hätten sich mit den abweichenden Einschätzungen der übrigen involvierten Ärzte nicht auseinander gesetzt und das Gericht nicht von ihrer Schätzung der Arbeitsfähigkeit überzeugen können. Auch in sich selbst sei das ZMB-Gutachten nicht widerspruchsfrei. Alle erhobenen Diagnosen somatischer Natur seien unter dem Titel "Nebendiagnosen (ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit)" aufgelistet worden, obwohl an anderer Stelle dem ZMB-Gutachten zu entnehmen sei, aus somatischer Sicht betrage die unfallbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Buffet-Angestellte 20 %. 3.2.3 Entgegen dem kantonalen Gericht ist für den Beweiswert eines Arztberichtes nicht entscheidend, ob er sich mit jeder einzelnen abweichenden, sich bei den Akten befindlichen medizinischen Einschätzung in einlässlicher Weise auseinander setzt, sondern vielmehr, ob er in Kenntnis der Vorakten abgegeben wurde (Erw. 3.1 hievor). Letzteres trifft auf das ZMB-Gutachten (vgl. Ziff. 1.2: medizinische Unterlagen, S. 1-9) zu. Dass es sich bei der kritisierten Auflistung der Diagnosen im ZMB-Gutachten (S. 21) um ein formelles Versehen handelt, ergibt sich aus der erläuternden Stellungnahme der Dres. med. E.________ und T.________ vom 31. Januar 2002, wonach an objektivierbaren Befunden als überwiegend wahrscheinliche Unfallfolgen lediglich eine leichte Radiocarpalarthrose und eine Arthrose im distalen linken Radioulnargelenk hätten lokalisiert werden können, welche bei Belastung gewisse Schmerzen zu verursachen vermöchten; "alle übrigen erhobenen somatischen Befunde haben primär nichts mit dem Unfall zu tun." Die Versicherte bestritt den gemäss ZMB-Gutachten erhobenen Befund eines seitengleichen Muskelreliefs an beiden Ober- und Vorderarmen mit Schreiben vom 31. Dezember 2001 zu Recht nicht. Dazu führten die Dres. med. E.________ und T.________ erläuternd aus, ein effektives Schonen der Extremitäten - wie man es schmerzbedingt und nach dem beobachteten Verhalten der Versicherten in Bezug auf den zur Diskussion stehenden Arm vermuten müsste - führe innert kurzer Zeit zu einer deutlichen Atrophie der betreffenden Muskulatur. Die hingegen anlässlich der Untersuchung durch die Experten festgestellte symmetrische Muskulatur spreche jedoch eindeutig dafür, dass die Versicherte ihren Arm nicht schone, sondern regelmässig gebrauche und aktiv belaste. Nach eingehender pflichtgemässer Würdigung der vorhandenen medizinischen Unterlagen kann nach dem Gesagten entgegen der Vorinstanz nicht die Rede davon sein, dass dem ZMB-Gutachten und den übrigen Arztberichten kein hinreichend klares Bild betreffend die bleibenden unfallbedingten Gesundheitsschäden organischer Natur und die daraus resultierenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu entnehmen sei. Unter Mitberücksichtigung der erläuternden Stellungnahme der Dres. med. E.________ und T.________ und der restlichen medizinischen Unterlagen erweisen sich die Schlussfolgerungen der ZMB-Gutachter als überzeugend, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei. Die in jeder Hinsicht umfassenden und allseitigen spezialmedizinischen Untersuchungen der Versicherten lassen nach dem Gesagten von zusätzlichen Abklärungen der organischen Unfallfolgen keine neuen Erkenntnisse erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b) zu verzichten ist. 3.3 Somit ist im Folgenden davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung der einzig unfallkausalen organischen Gesundheitsschäden einer leichten Radiocarpalarthrose und einer Arthrose im distalen linken Radioulnargelenk in einer behinderungsadaptierten leichten manuellen Tätigkeit ohne zu starke Belastung des linken Armes zumutbarerweise eine Leistungsfähigkeit von 75 % erwerblich verwerten kann.