Citation: I 325/03 04.08.2003 E. 5

Zu prüfen ist, welche Tätigkeiten dem Versicherten trotz seiner psychischen Beschwerden zumutbar sind. 5.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 Erw. 4, 115 V 134 Erw. 2, 114 V 314 Erw. 3c, 105 V 158 Erw. 1). 5.2 Der Beschwerdeführer beruft sich mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde im Wesentlichen darauf, es sei nicht auszuschliessen, dass er seine Todesdrohungen gegenüber Behördenmitgliedern gemäss ABI-Gutachten in die Tat umsetzen könnte, er projiziere alle seine Aggressionen gegen aussen und fühle sich infolge dessen durch seine Umwelt bedroht. Deshalb sei die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit für die Gesellschaft nicht tragbar. Demzufolge sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. 5.3 Gestützt auf das ABI-Gutachten sowie unter Verweis auf die ergänzenden Ausführungen des Dr. med. X.________ vom 17. Januar 2003 gelangte die Vorinstanz demgegenüber mit zutreffender Begründung zur Auffassung, dem Beschwerdeführer seien jegliche körperlich leichte bis mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten zu mindestens 70 % bei voller Leistung zumutbar. Bei entsprechender Willensanstrengung vermöge er seine Impulse während mindestens fünf bis sechs Stunden pro Tag zu kontrollieren und in diesem Umfang die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu erfüllen. Die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit im entsprechenden Ausmass sei auch für die Gesellschaft tragbar. Die durch die fachärztlichen Experten aus eigener Wahrnehmung beschriebenen Aggressionen und Impulsausbrüche des Versicherten (Einschlagen auf einen Tisch oder auf die Wände; vgl. z.B. ABI-Gutachten S. 12) richteten sich nur gegen Sachen. Bereits Dr. med. W.________ wies in seinem Bericht vom 14. Februar 1999 darauf hin, dass der Explorand mittlerweilen gelernt habe, "mit seinen Symptomen und seiner Demonstrationstendenz sämtliche Umgebung zu beeindrucken". Den Akten sind jedenfalls keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer gegenüber Behördenmitgliedern konkrete Todesdrohungen ausgesprochen hätte, welche zu einer Bestrafung im Sinne von Art. 285 Abs. 1 StGB (Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte) führten. Soweit der Beschwerdeführer durch Auflage der Kopie eines Strafmandates vom 12. April 2000 wegen Rechtsüberholens mit einem Personenwagen auf der Autobahn mit Unfallfolge das Gegenteil darzulegen versucht, lässt dies keine entsprechenden Schlussfolgerungen zu. 5.4 Gemäss ABI-Gutachten (S. 15) wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit abschliessend aufgezählt: eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typus (ICD-10 F60.30), eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) und ein generalisiertes Schmerzsyndrom (ICD-10 F45.4). Im Gegensatz zu Dr. med. N.________, welcher in seinen Berichten vom 10. September 1998 und 4. Juni 1999 von einem starken bzw. leicht bis mittelgradig depressiven Syndrom (ICD-10 F32.2) ausging, war davon weder im Austrittsbericht der kantonalen psychiatrischen Klinik in A.________ vom 8. Juni 1999 (nachfolgend: Austrittsbericht) noch im ABI-Gutachten die Rede; vielmehr wurde festgestellt, dass "keinerlei Anzeichen einer depressiven Erkrankung beobachtet werden" konnten (ABI-Gutachten S. 16). Nachdem der Versicherte am 10. Mai 1999 "freiwillig" in die kantonale psychiatrische Klinik in A.________ eingetreten war und sich bereits "nach wenigen Tagen [wieder] zum Klinikaustritt entschloss", musste er schon am 18. Mai 1999 "auf eigenen Wunsch" wieder nach Hause entlassen werden, ohne dass es - auch nur versuchsweise - zu einer Arbeitserprobung hätte kommen können, weil der Beschwerdeführer sogar leichteste Beschäftigungen wie z.B. die "Übernahme von 'Ämtlis' vehement ablehnte" (vgl. Austrittsbericht). Der Versicherte beschrieb seinen üblichen Tagesablauf gegenüber Dr. med. N.________ gemäss Bericht vom 25. Juli 1995 folgendermassen: "Je nach Situation schlafe er mehr oder weniger lang, stehe dann auf und erledige die nötigen Haushaltsverrichtungen; ab und zu gehe er etwas spazieren, die meiste Zeit verbringe [er] aber in seinem Zimmer, da er sich nicht auf die Strasse getraue. Im weiteren müsse er regelmässig aufs Sozialamt, um dort um Geld zu 'betteln'. Er schildert diesen Vorgang als sehr entwürdigend und wird stimmungsmässig deutlich spürbarer und andeutungsweise gespannt. Ein Quervergleich zur Situation in der Türkei wehrt er vehement ab und wird über meine Frage sehr ungehalten." Demgegenüber ist dem ABI-Gutachten (S. 11 oben) zu entnehmen: "Auffallend und sehr diskrepant zu seinen eigenen Angaben einer praktisch völligen alltäglichen Inaktivität, ist der doch eher tendenziell athletische Körperbau, vor allem des gesamten Nacken-Schultergürtels und das eindeutig sonnengebräunte Hautkolorit." 5.5 Angesichts des vorhandenen Willenspotenzials ist es dem Beschwerdeführer nach dem weitgehend objektiv bestimmten Mass des Forderbaren bei Aufbietung allen guten Willens (vgl. Erw. 3.1 hievor) zuzumuten, seine Impulse während fünf bis sechs Stunden pro Tag zu kontrollieren und in diesem Umfang seine Restarbeitsfähigkeit von 70 % trotz seiner Beschwerden in einer angepassten, körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit voller Leistung erwerblich zu verwerten, ohne dass dies für die Gesellschaft untragbar wäre. Anzufügen bleibt, dass ein gewisses Gewaltpotenzial allein die gesetzlichen Voraussetzungen für Leistungen der Invalidenversicherung nicht zu ersetzen vermag.