Citation: I 100/05 10.05.2005 E. 5.1

5.1.1 Einig sind sich die Parteien, dass der Rentenbeginn auf Oktober 1999 festzulegen ist und daher die Verhältnisse vorerst auf diesen Zeitpunkt hin zu prüfen sind (vgl. BGE 129 V 222). 5.1.2 Im Oktober 1999 stand die Beschwerdeführerin noch in einem Arbeitsverhältnis mit der Firma X.________. Gemäss Fragebogen für den Arbeitgeber vom 4. Dezember 2000 war sie vom 22. Juni 1999 bis zum Gespräch über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses Mitte Januar 2000 - einzig unterbrochen von einer 14 tägigen 100%igen Arbeitsunfähigkeit im September 1999 - zu 50 % arbeitsfähig. Davon kann für den Rentenbeginn ausgegangen werden. Ab Oktober 1999 wurde ihr zu Recht eine halbe Rente ausgerichtet. 5.2 Zu prüfen bleibt, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse seither verändert haben (BGE 129 V 223 Erw. 4.1 und 4.2). Eine Veränderung liegt in der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsstelle auf April 2000 verloren hatte und die Erwerbsfähigkeit daher für die Verhältnisse auf dem offenen Arbeitsmarkt zu bestimmen sind. Es ist daher zu untersuchen, ob sich der Invaliditätsgrad dadurch erhöht hat. 5.2.1 Die medizinischen Sachverständigen sind sich über die Diagnosen einig. Die Beschwerdeführerin ist hingegen der Ansicht, dass sich ihr behandelnder Arzt, Prof. B.________, und die Gutachter im ABI bezüglich der ihr noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit widersprächen. Ersterer formuliert seinen Bericht vom 24. April 2001 wie folgt: "Im Moment ist stärkere körperliche Arbeit nicht möglich. Man kann sich vorstellen, dass die Patientin leichtere Aufgaben durchführen kann, auch über einen längeren Zeitraum stehen und sitzen kann, sobald es gelingt, das Brennen in der Vagina abzumindern. Wie oben genannt glaube ich, dass eine Teilzeitarbeit von drei bis vier Stunden am Tag mit einem möglichst geringen Zeitdruck zumutbar ist. Die Sprachkenntnisse der Patientin könnten für Übersetzungstätigkeiten nutzvoll umgesetzt werden. - Durch einen Einsatz in diesem Bereich könnte die Erwerbsfähigkeit verbessert werden". Im ABI-Gutachten vom 31. März 2003 wird eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert, wobei die angestammte Arbeit als kaufmännische Angestellte ins Zumutbarkeitsprofil falle. 5.2.2 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin steht die Beurteilung des Prof. B.________ dem Gutachten des ABI nicht entgegen. Zum einen drückt sich der Arzt eher vage aus. Indem er für Übersetzungstätigkeiten eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit sieht, drückt er vor allem aus, dass eine grosse zeitliche Flexibilität und eine freie Wahl der Arbeitshaltung für die Beschwerdeführerin wichtig sei. Zum andern wird die Arbeitsfähigkeit ausschliesslich durch psychiatrische Diagnosen eingeschränkt. Der die Beschwerdeführerin behandelnde Prof. B.________ ist gynäkologischer Sozialmediziner und dürfte auf Grund seiner Spezialisierung weniger gewohnt sein, Anhaltspunkte zur Bemessung der Arbeitsfähigkeit zu geben, als die Gutachter einer MEDAS. Die - kleine - Differenz liegt damit einzig in der Zumutbarkeitsbeurteilung. Da es sich dabei indessen um eine dem Beweis nicht zugängliche Rechtsfrage handelt und der medizinische Sachverständige nur die notwendigen Beurteilungsgrundlagen beisteuern kann (vgl. BGE 105 V 158 f. Erw. 1), besteht keine Veranlassung für eine erneute Begutachtung. Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist den verschiedenen medizinischen Unterlagen kein Widerspruch zu entnehmen. Auf das Gutachten vom 31. März 2003, das den rechtsprechungsgemässen Kriterien (BGE 125 V 352 Erw. 3, 122 V 160 Erw. 1c) vollumfänglich entspricht, ist abzustellen. Dabei ist eine 50%ige Arbeitsfähigkeit nicht mit einer Tätigkeit während eines halben Tages zu verwechseln. Arbeitsfähigkeit hat keinen Zusammenhang mit dem zeitlichen Engagement, sondern mit der zu erbringenden Leistung. Sie kann auch mit einer Präsenz während eines vollen Tages - bei vermehrten Pausen und einer langsamen Arbeitsweise ohne Zeitdruck - verwertet werden. Da die Beschwerdeführerin angibt, grundsätzlich zu 100 %, also ganztags arbeiten zu wollen, ist ihr ein Rendement von 50 % während dieser Zeit zumutbar.