Citation: 5A_224/2023 E. 2.2

2.2. Der Beschwerdeführer beklagt sich zunächst über eine Verletzung von Art. 188 Abs. 2 ZPO. Zu Unrecht erachte das Obergericht C.________s Gutachten als vollständig, klar und nachvollziehbar. Die vor Bundesgericht erhobenen Beanstandungen drehen sich um den Vorwurf, dass in die kantonalen Urteile keine eigenständige Unternehmungsertragswertberechnung Eingang gefunden habe. Indem sich weder der Gutachter noch die kantonalen Instanzen mit den mehrmals ausführlich gerügten Mängeln befasst hätten, sei überdies der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Der Beschwerdeführer wirft dem Gutachter vor, mit der Anwendung der reinen Substanzwertmethode "fundamental seiner eigenen Vorgehensweise" zu widersprechen, erkläre er doch selbst ausdrücklich, dass sich der Unternehmenswert aus dem Substanzwert, insbesondere aber aus dem nachhaltig erzielbaren Ertrag bzw. der in Zukunft zu erwartenden Rendite zusammensetze. Die D.________ AG sei als eigenständige juristische Person verpflichtet, Ertrags- und Kapitalsteuern, Darlehenszinsen, Verwaltungsräte sowie Buchhaltungs- und Revisionsstellen zu bezahlen, was den Barwert der zukünftig zu erwartenden frei verfügbaren Mittel reduziere. Auch in seiner Stellungnahme vom 30. April 2018, in der er auf das Gutachten vom 15. Dezember 2017 verweise, äussere sich C.________ nicht zu diesem Barwert. Im Zusammenhang mit der Berücksichtigung der Steuern nimmt der Beschwerdeführer Anstoss am Hinweis in der erwähnten Stellungnahme, wonach allfällige Steuerfolgen bei den Aktionären nicht vom Gutachterauftrag erfasst gewesen seien. Er, der Beschwerdeführer, habe ausdrücklich gefordert, die Gewinn- und Kapitalsteuer der D.________ AG in die Unternehmensbewertung einfliessen zu lassen; die "Behandlung der Ausschüttungssteuer" bei den einzelnen Aktionären sei nie verlangt worden. Weder das Bezirks- noch das Obergericht hätten sich mit dieser falschen Aussage des Gutachters auch nur ansatzweise auseinandergesetzt. In der Auffassung des Gutachters, dass eine Berücksichtigung der Gewinnsteuern bei einer Substanzwertberechnung nicht sachlogisch sei, manifestiere sich sodann "mit aller Deutlichkeit", dass der Nichteinbezug der ordentlichen Ertrags- und Kapitalsteuern in der reinen Substanzwertmethode eine massive Verletzung des Anspruchs auf ein vollständiges Gutachten darstelle, was sowohl vom Gutachter als auch von den Vorinstanz "bewusst übergangen" werde. Im selben Sinn beanstandet der Beschwerdeführer, dass der Schätzer nur den Bestand der Schulden berücksichtige und den periodischen Zinsaufwand völlig ausblende. Auch in dieser Unterlassung zeige sich die Unvollständigkeit von C.________s Gutachten und damit die Verletzung von Art. 188 Abs. 2 ZPO. Die Vorinstanzen würden keine sachlichen Argumente zu diesen Einwendungen liefern; deren legitime Geltendmachung werde "als blosse Wiederholungen der eigenen Kritik abgekanzelt". Zur Verdeutlichung druckt der Beschwerdeführer entsprechende Passagen aus seiner Berufungsschrift ab. Dass keine Instanz diese Punkte aufgreife, sei nicht hinzunehmen; angesichts der Rechtsanwendung von Amtes wegen sei nicht nachvollziehbar, weshalb weder das Bezirksgericht noch das Obergericht die Vollständigkeit des Gutachtens zum Beispiel durch Einholung eines Obergutachtens hergestellt hätten. Zur Illustration, weshalb der im Rahmen der Substanzwertberechnung ermittelte Liegenschaften-Ertragswert von Fr. 18'270'000.-- die Unternehmensertragswertberechnung "in keiner Art und Weise ersetzen" könne, rechnet der Beschwerdeführer gestützt auf den (um die ausserordentlichen Erträge korrigierten) Jahresgewinn der D.________ AG des Jahres 2016 von Fr. 287'187.37 beispielhaft vor, dass sich der Unternehmens-Ertragswert bei einem Kapitalisierungszinssatz von 4 % auf Fr. 7'175'000.-- und bei einem solchen von 5 % auf Fr. 5'740'000.-- belaufen würde. Diese Beispiele seien "nichts Neues"; sie würden nur das reflektieren, was er, der Beschwerdeführer, sowohl dem Gutachter als auch den kantonalen Instanzen gegenüber vergeblich eingewendet habe. Der Vorinstanz wirft der Beschwerdeführer vor, den von ihr zitierten Aufsatz (KIM LUDVIGSEN, Wie bewertet man Unternehmen? Bewertungsmethodik erklärt für Juristen, in: AJP 2004, S. 1285 ff.) zu verkennen, dem zufolge eine Unternehmensbewertung das Postulat der Vollständigkeit zwingend erfüllen müsse. Dies sei hier entgegen Art. 188 Abs. 2 ZPO nicht der Fall, denn das Gutachten lasse die Steuer- und Zinsaufwendungen, Verwaltungsratshonorare, Revisionsaufwendungen, Wertverminderungen etc. ebenso ausser Acht wie das generelle Unternehmerrisiko im Rahmen einer eigenständigen Unternehmensertragswert-Kapitalisierung. Damit liege "ein sehr triftiger Grund" vor, den Verkehrswert der zwanzig Aktien der D.________ AG mittels eines Obergutachtens zu bestimmen. In einem weiteren Abschnitt bemängelt der Beschwerdeführer, dass sich die Vorinstanzen mit dem Sachverhalt des Bewertungsanlasses nicht auseinandersetzen würden, obwohl er auf die Massenfallbearbeitung im Steuerrecht und die Einzelfallbeurteilung im ehelichen Güterrecht hingewiesen habe. Mit Zitaten aus seiner Berufungsschrift erinnert er daran, dass der Fortführungswert eines Unternehmens im Ehegüterrecht rechtsprechungsgemäss anhand der zukünftig zu erwartenden Gewinne bestimmt werde und eine überwiegende oder gänzliche Bewertung zum Ertragswert sinnvoll sein könne, wenn das Gut voraussichtlich über längere Zeit nicht veräussert werden wird. Dass eine Veräusserung im konkreten Fall nie ein Thema gewesen sei, habe er ebenfalls schon im Berufungsverfahren klargestellt. Im selben Kontext bestreitet der Beschwerdeführer, dem Gutachter vorgeworfen zu haben, nicht von Pauschalen ausgegangen zu sein. Die diesbezügliche Behauptung des Obergerichts sei "klar aktenwidrig". Der Beschwerdeführer kommt auf die Unterscheidung zwischen Betrieb und Unternehmung zu sprechen; die Aussagen des Obergerichts würden die fehlende Kompetenz "bei der Beurteilung der Unternehmensbewertung unter dem Postulat der Vollständigkeit" belegen. Als "absoluten Tiefpunkt" des angefochtenen Entscheides bezeichnet der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Vorhalt, wonach er nicht geltend mache, dass die berücksichtigten Bewirtschaftungskosten die anfallenden Steuern und Verwaltungsratshonorare nicht decken würden. Den "Unsinn, dass angeblich Kosten (hier Bewirtschaftungskosten) andere Kosten (Steuern und Verwaltungsratshonorare) nicht decken würden", habe das Obergericht zu erklären. Hier müsse die Rüge der Aktenwidrigkeit und der Willkür greifen, unter Verletzung des Postulats über die Vollständigkeit des Gutachtens im Sinne von Art. 188 ZPO. Schliesslich beanstandet der Beschwerdeführer die Berücksichtigung des von der D.________ AG vom 1. Januar bis 31. Mai 2020 erzielten Gewinns. Diese Position sei ein Baustein im Rahmen der Substanzwertberechnung und stehe in keiner Weise in Verbindung mit der Unternehmensertragswert-Berechnung. Die Folgerung des Obergerichts, dass einerseits der Verkehrswert der Geschäftsliegenschaft ins Bewertungsergebnis eingeflossen sei und anderseits die latenten Steuern auf der Liegenschaft in Abzug gebracht worden seien, sei deshalb "in jeder Hinsicht unhaltbar". Unter dem Titel "Fazit" verweist der Beschwerdeführer auf seine im kantonalen Verfahren vorgetragene Schlussfolgerung, wonach für den Unternehmenswert auf den Ertragswert abzustellen sei, falls dieser unter dem Substanzwert liege, da kein potentieller Käufer für das Unternehmen einen Preis zahlen würde, der zu einer unzulänglichen Rentabilität des investierten Kapitals führt, er im Ergebnis also einen Aktienanteil übernehmen müsse, dessen Werthaltigkeit er in Ermangelung einer Unternehmensertragswert-Berechnung gar nicht überprüfen könne. Anstatt auf diese Einwendungen spezifiziert einzugehen, begnüge sich das Obergericht mit dem lapidaren Hinweis, dass er, der Beschwerdeführer, C.________s Gutachten nicht zu erschüttern vermöge. "Bei Herstellung des Postulates der Vollständigkeit" würde der Verkehrswert des Aktienanteils nicht Fr. 1,39 Mio., sondern maximal ca. Fr. 1 Mio. betragen.