Citation: 9C_626/2023 E. 5.2.1

5.2.1. Kein Erfolg beschieden ist zum einen dem Einwand der Beschwerdeführerin, entgegen der gutachtlichen Betrachtungsweise erweise sich eine künftige psychiatrische Therapie in ihrer Muttersprache Italienisch als nicht erforderlich bzw. vermöge dieser Umstand allein die Beweiskraft der bisherigen Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte und der darin gestellten Diagnose (u.a. einer Somatisierungsstörung) nicht in Frage zu stellen. 5.2.1.1. Die begutachtende Person hat im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung zunächst zu entscheiden, ob eine medizinische Abklärung in der Muttersprache der Explorandin oder des Exploranden geboten oder ob eine Übersetzerin oder ein Übersetzer im Einzelfall hinzuzuziehen ist. Besonderes Gewicht kommt dabei der bestmöglichen Verständigung zwischen begutachtender und versicherter Person im Rahmen von psychiatrischen Abklärungen zu. Dort setzt eine gute Exploration auf beiden Seiten vertiefte Sprachkenntnisse voraus. Ist die begutachtende Person der Sprache der Explorandin oder des Exploranden nicht mächtig, erscheint es medizinisch und sachlich geboten, dass sie oder er eine Übersetzungshilfe beizieht. Ob unter den konkreten Umständen nach Massgabe der dargelegten Gesichtspunkte die sprachliche Verständigung zwischen der Gutachterin resp. dem Gutachter und der Explorandin bzw. dem Exploranden hinreichend möglich ist, um eine verlässliche Begutachtung zu gewährleisten, stellt eine Frage der Beweiswürdigung und damit eine - letztinstanzlich nur eingeschränkt überprüfbare - Tatsachenfeststellung dar (vgl. E. 1.2 hiervor). Der Beweiswert des Gutachtens ist dann nicht geschmälert, wenn den Umständen nach auszuschliessen ist, dass sich die fehlende Übersetzung wesentlich auf die gutachtliche Beurteilung ausgewirkt hat (Urteile 8C_150/2022 vom 7. November 2022 E. 9.2, in: SVR 2023 IV Nr. 17 S. 57, 9C_295/2021 vom 23. November 2021 E. 4.1.1 mit Hinweisen). 5.2.1.2. Dem psychiatrischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass die "Explorandin ihren Angaben nach nur wenig Deutsch verstehe und trotz Deutschkursen, welche sie besucht habe, diese Sprache nicht mehr spreche". Auch wurde gleichenorts die Aussage der Beschwerdeführerin protokolliert, die psychiatrischen Therapiesitzungen würden jeweils auf Deutsch abgehalten, was sprachlich "recht schwierig sei. Sie habe bislang keinen Italienisch sprechenden Psychiater gefunden". Der mit der (Teil-) Begutachtung befasste Experte zog daher eine italienischsprachige Dolmetscherin bei. Ferner enthalten die Akten, wie im angefochtenen Urteil angetönt, diverse Anhaltspunkte, welche die eher rudimentären Deutschkenntnisse der Versicherten belegen. So fanden beispielsweise die allgemeininternistischen gutachtlichen Untersuchungen auf Italienisch statt. Auch hielt der für die neurologische (Teil-) Begutachtung verantwortliche ABI-Gutachter fest, die Anamneseerhebung sei weitgehend über die begleitende Dolmetscherin erfolgt, vereinzelt habe die Explorandin Fragen direkt auf Deutsch beantwortet; im Weiteren stufte er die Deutschkenntnisse der Explorandin als "sehr begrenzt" ein. Ebenso wiesen die Ärzte der Klinik B.________ in ihrem Bericht vom 30. August 2019 darauf hin, sprachlich bedingt sei "eine detaillierte Anamnese leider schwierig", und die mit den Erhebungen im Aufgabenbereich Haushalt betraute Fachperson merkte im entsprechenden Abklärungsbericht vom 2. November 2020 an, das Gespräch habe sich auf Grund sprachlicher Einschränkungen "eher schwierig" gestaltet, weshalb der Ehemann der Versicherten bei der Übersetzung habe helfen müssen. Es erscheint daher nachvollziehbar, jedenfalls aber nicht geradezu willkürlich, wenn der psychiatrische ABI-Gutachter, bestätigt durch Beschwerdegegnerin und Vorinstanz, es mit Blick auf die psychiatrische Behandlung für ratsam erachtete, dass diese inskünftig in der Muttersprache durchzuführen sei. Die vorstehend für die psychiatrische Gutachtenssituation erläuterten Grundsätze haben umso mehr für das eigentliche therapeutische Umfeld zu gelten, zielt doch gerade dieses optimalerweise auf eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands der Patientin oder des Patienten ab. Daran ändert entgegen der Beschwerdeführerin nichts, dass der mit den orthopädischen Belangen beauftragte Gutachter der ABI den Austausch mit ihr in deutscher Sprache, allerdings ebenfalls im Beisein einer Übersetzerin, als "möglich" bezeichnete und die Fachpersonen der C.________ AG gemäss Bericht vom 2. Dezember 2022 dafür hielten, die Patientin verfüge mittlerweile über einen beachtlichen passiven und ausreichenden aktiven Wortschatz. Der Vorwurf in der Beschwerde, die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht in dieser Hinsicht verletzt, geht nach dem Gesagten fehl.