Citation: U 344/05 13.03.2006 E. 3

Der Beschwerdeführer leidet seit vielen Jahren an heftigen Knieschmerzen, weswegen er seit geraumer Zeit starke Schmerzmittel (insbesondere Tramal) einnahm und schliesslich davon abhängig wurde (vgl. etwa Bericht der Frau Dr. med. F.________ vom 8. April 2000). Gleichwohl war er beruflich sehr engagiert und bekleidete verschiedentlich Führungspositionen in der Wirtschaft. Im Jahre 1998 wurde ihm seine Stelle als Finanzchef eines grösseren Unternehmens überraschend gekündigt; die berufliche Neuorientierung gestaltete sich schwierig. Am 28. Februar 2000 erfuhr er von einem neuerlichen beruflichen Rückschlag (Ausschluss aus der Geschäftsleitung seiner damaligen Firma, finanzielle Verluste). Am folgenden Tag ereignete sich der Treppensturz, dessen (für die Leistungspflicht der Unfallversicherung nicht relevanten) Ursachen trotz umfangreicher medizinischer Abklärungen nicht geklärt werden konnten. Anlässlich der Nachkontrolle vom 20. März 2000 stellte Hausarzt Dr. med. Z.________ wieder den "üblichen gesundheitlichen Zustand" fest. Eine weitere hausärztliche Betreuung fand bis März 2003 - als sich der Versicherte wegen psychischer Probleme in Zusammenhang mit seiner Ehescheidung und der Arbeitsunfähigkeit respektive der Arbeitslosigkeit wieder zu Dr. med. Z.________ in Behandlung begab - nicht mehr statt (Bericht vom 10. Juli 2003). Dass nach dem Unfall zunächst keine die Erwerbsfähigkeit (wesentlich) beeinträchtigenden Beschwerden bestanden, lässt sich auch den erwerblichen Abklärungen der Winterthur entnehmen, wonach der Versicherte (weiterhin) erfolgreich beruflich tätig war. Indessen machte er in der Folge zunehmend gesundheitliche Beeinträchtigungen geltend. So schilderte er im März 2001 dem Neurologen R.________, er sei generell oft müde, fühle sich nicht leistungsfähig und habe das Gefühl, wie ein Brett vor dem Kopf zu haben (Bericht vom 21. März 2001). Ähnliche Beeinträchtigungen gab er gegenüber Dr. med. K.________, Lungenpraxis X.________, an (Bericht vom 23. Januar 2002) und Dr. med. P.________ klagte er ebenfalls über Gedächtnisstörungen seit dem Unfall vom 1. März 2000 (Bericht vom 10. Juni 2002). Auch die Ehefrau hielt in Notizen vom 23. Juni 2002 und 9. Januar 2003 die gesundheitlichen Probleme des Versicherten fest (Vergesslichkeit, langsamer Bewegungsapparat, Schwerfälligkeit beim Sprechen, Unruhe [Zuckungen in der Nacht, extremes Schnarchen, Schlafprobleme, ständige Schweissausbrüche], Flüchtigkeit auch im Abfassen von Berichten, Unzuverlässigkeit, Passivität, In-sich-gekehrt-Sein, depressive Stimmung, sehr grosse Müdigkeit und grösseres Schlafbedürfnis [21 Uhr bis 8 Uhr], sehr lange Anlaufschwierigkeiten am Morgen, zwei bis dreimal wöchentlich Kopfschmerzen, Ziellosigkeit, Ausweichen menschlicher Kontakte, Passivität auch als Vater). Die neurologische Untersuchung im Universitätsspital Y.________ vom 7. Juni 2002 ergab eine allenfalls diskrete Störung der geteilten Aufmerksamkeit bei im Übrigen durchschnittlichen bis überdurchschnittlichen kognitiven Leistungen. Die Ärzte hielten fest, die Aufmerksamkeitsstörung sei ätiologisch unspezifisch und dürfte in erster Linie Folge der chronischen Schmerzproblematik und der wahrscheinlich sekundären depressiven Entwicklung sein. Für einen hirnorganisch degenerativen Prozess oder eine posttraumatische Hirnfunktionsstörung fänden sich keine sicheren Anhaltspunkte. Eine vielfältige Ätiologie (chronische Schmerzen, Medikamentenkonsum [Opiate], milde traumatische Hirnverletzung, Depression) der kognitiven Beschwerden nahm auch der Psychiater Dr. med. A.________ (Bericht vom 30. August 2002) an. Der beratende Dr. med. I.________ kam in seiner Einschätzung vom 5. März 2003 ebenfalls zum Schluss, die Gesundheitsstörung sei auf mehrere Gründe zurückzuführen. Eine posttraumatische Hirnleistungsstörung schloss er hingegen praktisch aus. Frau Dr. phil. S.________ stellte am 30. April 2003 fest, im Vergleich zur ersten neuropsychologischen Untersuchung vom 7. Juni 2002 sei die kognitive Minderleistung bezüglich Lokalisation und Ausmass deutlich ausgeprägter. Der Versicherte habe am 1. März 2000 vermutlich eine milde traumatische Hirnverletzung erlitten. Hinzu käme die persistierende Schmerzproblematik, welche im Sinne einer permanenten Ablenkung zusätzlich leistungsvermindernd wirken könne. Die ständig in hoher Dosis eingenommenen Medikamente (besonders Opiate, aber auch Antiepileptika) setzten die Leistungsfähigkeit vermutlich ebenfalls herab. Schliesslich könne auch die diagnostizierte Depression leistungsvermindernd wirken. Eine vielfältige Ätiologie der gesundheitlichen Beeinträchtigungen bejahten sodann die beratenden Ärzte Dres. med. N.________, U.________ und E.________.