Citation: U 361/05 16.08.2006 E. 3

3.1 Aufgrund der Akten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 25. Oktober 2002, bei dem es sich nicht um einen Auffahrunfall, sondern um eine seitliche Kollision handelte, nicht ein eigentliches Schleudertrauma (Peitschenhiebverletzung, Whiplash-injury), aber eine schleudertraumaähnliche Verletzung der HWS erlitten hat, welche praxisgemäss einem eigentlichen Schleudertrauma gleichzustellen ist (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3, SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67, je mit Hinweisen). Im Anschluss an den Unfall ist denn auch zumindest teilweise das typische Beschwerdebild (i.c. Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel, später auch starke Ermüdbarkeit sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen) nach solchen Verletzungen aufgetreten (vgl. BGE 117 V 360 Erw. 4b). Streitig und zu prüfen ist, ob die ab dem 1. Juni 2004 andauernden Beschwerden noch in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 25. Oktober 2002 standen. Weil es dabei um eine leistungsaufhebende Tatsache geht, obliegt die Beweislast für den Wegfall des Kausalzusammenhangs grundsätzlich dem Unfallversicherer. Dieser hat jedoch nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen zu erbringen. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 2, 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b, je mit Hinweisen). 3.2 Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin schon im Jahr 1980 und erneut ab September 2000 wegen eines Zervikalsyndroms in ärztlicher Behandlung gestanden hatte. Im Oktober 2000 kam es zu einem Rezidiv mit Spannungskopfschmerzen, welches physiotherapeutisch angegangen wurde. Im März 2002 trat erneut ein myofasziales Zervikalsyndrom mit Irritationsotalgien auf, welches sich auf eine medikamentöse Behandlung bei gleichzeitiger Reduktion der beruflichen Belastung (Kurzarbeit im Betrieb) besserte. Anschliessend kam es noch gelegentlich zu zervikalen Beschwerden, die keine Behandlung erforderten. Des Weiteren bestanden rezidivierende statische Rückenbeschwerden bei Hyperlordose der Lendenwirbelsäule (LWS), Adipositas und Beinlängenverkürzung links von 1,5 cm (Berichte des Dr. med. E.________ vom 4. Januar 2003 und des Dr. med. U.________ vom 25. Februar 2003). Im Anschluss an den Unfall vom 25. Oktober 2002 klagte die Versicherte über Kopf- und Nackenschmerzen mit Ausstrahlungen in den Schulterbereich rechts sowie über Schwindel, welche sich in der Folge besserten. Dr. med. S.________ stellte Zerrungen der zervikalen Halsmuskulatur rechts sowie der Schulterblattfixatoren rechts fest und interpretierte den Kopfschmerz als wahrscheinlich zervikal bedingt (Bericht vom 30. Oktober 2002). Dr. med. U.________, welcher ein zervikothorakovertebrales Syndrom myofaszialen Ursprungs diagnostizierte, fand zusätzlich eine paravertebrale Verspannung im Bereich der BWS sowie eine Druckdolenz in der Lendengegend (Bericht vom 4. Dezember 2002). In einem weiteren Bericht vom 31. Januar 2003 führte er aus, im Anschluss an den Unfall seien zunächst zervikothorakale Schmerzen und in der Folge zunehmend auch lumbale Beschwerden aufgetreten, stellte eine Dissoziation zwischen den eher zunehmenden Schmerzen und den Muskelverspannungen fest und schloss auf eine Tendenz zu diffusen Weichteilschmerzen, wobei er auf eine angespannte psychosoziale Situation hinwies. Ab dem 14. März 2003 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer psychotherapeutischen Behandlung bei Dr. phil. A.________, welcher zum Schluss gelangte, der Unfall vom 25. Oktober 2002 habe zu einer psychovegetativen Dekompensation und den heutigen Beschwerden geführt (Bericht vom 29. Juli 2003). In einem weiteren Bericht vom 7. Dezember 2003 führte er aus, wie von Dr. med. U.________ dokumentiert werde, habe sich das nach dem Unfall zunächst lokal definierte Beschwerdebild in ein solches mit diffus wechselnder Lokalisation und Stärke gewandelt. Diese sekundär entstandene Schmerzkrankheit werde heute allgemein als somatoforme Schmerzstörung bezeichnet. Frau Dr. med. L.________ stellte klinisch-neurologisch einen unauffälligen Befund fest und führte im Bericht vom 14. Dezember 2003 aus, im Vordergrund stehe die Zervikozephalobrachialgie mit Chronifizierungstendenz, ähnlich einer Fibromyalgie. Zudem gebe die Versicherte Konzentrations- und Gedächtnisstörungen an, wobei die Zunahme der Störungen eher für eine Aufmerksamkeitsstörung als für eine echte, beispielsweise postcommotionelle Hirnleistungsstörung spreche. Die in der Folge durchgeführte neuropsychologische Untersuchung durch Dr. phil. G.________ bestätigte die Annahme, dass wahrscheinlich keine traumatische Hirnschädigung vorliegt. Festgestellt wurde eine leichte kognitive Funktionsstörung in Form von Konzentrations- und Gedächtnisschwankungen, welche wahrscheinlich in Zusammenhang mit dem Schmerzsyndrom und psychischen Faktoren steht. Die zusätzlich vorhandenen Einschränkungen im konzeptuellen und logischen Denken seien schwierig einzuordnen, liessen sich ihrer Art nach aber nicht mit dem Unfall erklären und entsprächen allenfalls einer vorbestehenden Teilleistungsschwäche (Bericht vom 18.März 2004). 3.3 Aufgrund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall an Zervikalgien und Lumbalgien gelitten hat, ist fraglich, ob in der für die Beurteilung massgebenden Zeit ab Juni 2004 noch somatische Unfallfolgen bestanden haben. Soweit der Unfall zu einer Verschlimmerung vorbestandener Beschwerden geführt hat, dürfte diese mehr als anderthalb Jahre nach dem Unfall behoben gewesen sein. Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung war das Beschwerdebild im Wesentlichen psychisch bedingt bei einer bereits vor dem Unfall vorhanden gewesenen psychischen Beeinträchtigung. Inwieweit die andauernden Beschwerden noch in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 25. Oktober 2002 standen, erscheint deshalb als fraglich, bedarf indessen keiner weiteren Abklärungen, wie sich aus dem Folgenden ergibt.