Citation: 2C_109/2022 E. 4.1

4.1. Die ESTV macht geltend, bei der Beurteilung der voraussichtlichen Erheblichkeit beschränke sich die Rolle des ersuchten Staats darauf, zu überprüfen, ob die vom ersuchenden Staat verlangten Informationen mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie potenziell dazu geeignet seien, im ausländischen Verfahren verwendet zu werden. Der Beschwerdegegner, so die ESTV, habe sich unbestrittenermassen mit seiner individuellen Kundennummer auf den ersuchten Listen mit dem Domizilcode für Südkorea befunden. Damit habe nach ständiger Rechtsprechung ein hinreichender Anknüpfungspunkt für eine mögliche Steuerpflicht im ersuchenden Staat bestanden. Hingegen sei es nicht Aufgabe des ersuchten Staats, zu prüfen, ob nach ausländischem Recht im relevanten Zeitraum tatsächlich eine Steuerpflicht bestanden habe. Demgegenüber, so die ESTV weiter, nehme die Vorinstanz, indem sie den ersuchten Informationen die voraussichtliche Erheblichkeit aufgrund einer bankintern registrierten Domiziladresse in Indonesien abspreche, implizit eine Prüfung des steuerrechtlichen Wohnsitzes des Beschwerdegegners auf internationaler Ebene vor. Ausserdem lasse die Vorinstanz hierfür ein Schreiben genügen, das nicht von einer staatlich legitimierten Stelle ausgestellt worden sei, sondern von der Informationsinhaberin. Würden solche Schreiben künftig tatsächlich zur Widerlegung des Anknüpfungspunkts zum ersuchenden Staat und der voraussichtlichen Erheblichkeit der verlangten Informationen zugelassen, wäre es faktisch der jeweiligen Informationsinhaberin überlassen, über den Umfang der internationalen Amtshilfe in Steuersachen zu entscheiden.