Citation: U 29/99 06.10.2000 E. 3

3.- a) Ausgangspunkt für die Beurteilung des Integritässchadens durch die SUVA bildete das von dieser in Auftrag gegebene, am 25. März 1996 von PD Dr. med. E.________, Chefarzt der Rehaklinik Y.________, erstellte "Neurologische und neuropsychologische Gutachten". In diesem wird auf S. 17 ausgeführt: "Den Integritätsschaden für die Schmerzen und Funk- tionseinschränkungen von seiten der Halswirbelsäule schätze ich auf 30 %, von seiten der lumbalen Wirbel- säule auf 20 %, für die neuropsychologischen Funk- tionsdefizite auf 20 % und für die Schwankschwindel- Symptomatik auf 5 %. Insgesamt resultiert ein Integ- ritätsschaden, bzw. eine medizinisch-theoretische Invalidität von 75 %." Die SUVA ersuchte Dr. med. S.________ vom Ärzteteam Unfallmedizin um eine Stellungnahme zum Gutachten E.________. Gestützt auf dessen Beurteilung vom 3. Mai 1996 führte sie im Einspracheentscheid aus, die Schäden an der Wirbelsäule müssten gesamthaft geschätzt werden, der Integritätsschaden sei auf höchstens 20 % festzusetzen (Tabelle 7 "Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen", Ziff. 2). Da die Wirbelsäule schon vor dem Unfall krankhafte Schädigungen aufgewiesen habe, sei die Entschädigung um die Hälfte zu kürzen (Art. 36 Abs. 2 UVG). Die im Gutachten E.________ angeführten neuropsychologischen Funktionsdefizite - samt Schwankschwindel-Symptomatik - seien psychogen bedingt. Da der Unfall vom 5. November 1990 zur mittleren Kategorie gehöre und dort keinesfalls an der Grenze zu den schweren Unfällen einzuordnen sei, sei die Voraussetzung der Dauerhaftigkeit dieser psychogenen Schäden nicht erfüllt, weshalb hiefür keine Integritätsentschädigung geschuldet sei. Die Vorinstanz ist der Beurteilung der SUVA insoweit nicht gefolgt, als sie an der Unterscheidung der Schäden an der Halswirbelsäule einerseits und der Lendenwirbelsäule andererseits festhielt und gestützt auf die Beurteilung im Gutachten E.________ die Beeinträchtigung der Halswirbelsäule als überwiegende Folge der Distorsionsverletzungen vom 5. November 1990 qualifizierte; sie verneinte deshalb, dass die Integritätsentschädigung von 20 % wegen eines Vorzustandes zu kürzen sei. Andererseits hielt sie dafür, die Schäden an der Lendenwirbelsäule seien im Wesentlichen nicht auf den Unfall vom 5. November 1990 zurückzuführen, weshalb diesbezüglich keine Integritätsentschädigung geschuldet sei. Bezüglich der psychischen Beeinträchtigungen schützte sie die im Einspracheentscheid vertretene Auffassung der SUVA. b) Der Beschwerdeführer gab mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde einen "Audio-neuro-otologischen Bericht" von Dr. med. A.________ vom 14. Januar 1999 zu den Akten. Darin wird zum Integritätsschaden zusammenfassend ausgeführt: "Anhand der SUVA Tabelle 14 und der Bewertung der subjektiven und objektiven Faktoren kann man von einer Intensität Stufe 3 und einer Belastung Stufe 1-2 sprechen, sodass sich ein Integritätsschaden von mindestens 20-25 % ergibt. Wenn man den Integritäts- schaden für die Schmerzen und die Funktionseinschrän- kung seitens der HWS von 20-30 % dazuzählt, kommt man auf den realen Wert eines Integritätsschadens zwi- schen 40-50 %, ohne dabei die neuro-physiologischen Defizite dazuzurechnen." Der Antrag des Beschwerdeführers auf die Zusprechung einer Integritätsentschädigung von 50 % beruht wesentlich auf dieser ärztlichen Stellungnahme. Die SUVA beantragt in der Vernehmlassung, gestützt auf je eine Stellungnahme von Dr. med. G.________, Abteilung Arbeitsmedizin, vom 2. März 1999 sowie von Dr. med. H.________, Ärzteteam Unfallmedizin, vom 2. März 1999, in welchen auch zu den Schlussfolgerungen des Berichts A.________ Stellung genommen wird, es sei dem Beschwerdeführer eine Integritätsentschädigung von 20 % zuzusprechen: Gemäss Tabelle 14 eine Entschädigung von 10 % für die Störung des Gleichgewichtsfunktionssystems, und zudem gemäss Tabelle 7 für die Kopf- und Nackenschmerzen eine Entschädigung von 10 %. An ihrer früheren Auffassung, wonach die physischen Schäden gesamthaft zu beurteilen seien, hält sie also nicht fest. c) Die von der Vorinstanz auf 20 % festgesetzte Integritätsentschädigung erscheint angesichts der auf den Unfall vom 5. November 1990 zurückzuführenden Schädigungen als angemessen. Geboten ist, entgegen der Meinung von Parteien und Vorinstanz, eine Gesamtbeurteilung der physischen Gesundheitsschäden, da sich die verschiedenen in den Akten angeführten Schädigungen offensichtlich nicht eindeutig in einzelne Beeinträchtigungen, welche von den anderen Schäden unabhängig wären, trennen lassen. Sodann liegt klarerweise kein schwerer Unfall vor, ebenso wenig ein der Grenze zu einem solchen zuzuordnendes Ereignis. Damit fällt eine Integritätsentschädigung für psychische Beeinträchtigungen ausser Betracht. Gemäss Anhang 3 zur UVV ist zwar für sehr starke schmerzhafte Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule eine Entschädigung von 50 % geschuldet. Von einer solch schweren Schädigung kann vorliegend indessen bei weitem nicht gesprochen werden. Hinzu kommt, dass die dem Beschwerdeführer zustehende Integritätsentschädigung wegen der unbestrittenermassen vorliegenden vorbestehenden Schädigungen gemäss Art. 36 Abs. 2 UVG gekürzt werden muss. Bezüglich dieser vorbestehenden Schädigungen ist im Übrigen auf das von der SUVA am 16. Mai 2000 zu den Akten gegebene Gutachten der MEDAS vom 3. April 2000 hinzuweisen, welches folgende Diagnose enthält: "Strenger Verdacht auf Pseudodemenz bei Versichertem mit schizoider Persönlichkeitsstruktur und beginnen- der Hirnatrophie." Das Gutachten der MEDAS hält zudem fest, der Unfall vom 5. November 1990 habe die hirnorganische Störung sicher nicht ausgelöst, aber möglicherweise den posttraumatischen Verlauf beeinflusst. Die Ablehnung einer Integritätsentschädigung für psychische Störungen ist auch mit Blick auf diese Diagnose und Beurteilung gerechtfertigt, ist es doch fraglich, ob die psychischen Störungen überhaupt durch den Unfall vom 5. November 1990 verursacht wurden. d) Der kantonale Entscheid ist somit im Ergebnis zu bestätigen, was zur Abweisung des Hauptbegehrens des Beschwerdeführers führt. Dessen Eventualanträge auf ergänzende medizinische Abklärungen sind ebenfalls unbegründet, da für den rechtlich massgeblichen Zeitpunkt (11. Oktober 1996) keine wesentlichen zusätzlichen Erkenntnisse erwartet werden können. Schliesslich ist auf die erstmals im letztinstanzlichen Verfahren formulierten Begehren um Gewährung weiterer Heilbehandlungen nicht einzutreten. Diesbezüglich müsste gegebenenfalls zunächst die SUVA verfügen.