Citation: I 720/02 02.12.2003 E. 2.2

2.2.1 Wird nur die Abstufung der Leistung angefochten, ist damit die richterliche Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass unbestritten gebliebene Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Das ist Folge dessen, dass mit der rückwirkenden Zusprechung einer abgestuften Invalidenrente ein Rechtsverhältnis im anfechtungs- und streitgegenständlichen Sinne geregelt wird (BGE 125 V 413 ff. Erw. 2d). Obwohl keine der Parteien die Zusprechung einer ganzen Rente vom 1. Dezember 1996 bis 31. Juli 1998 beanstandete, ist damit dieser Zeitraum nicht der richterlichen Prüfung entzogen. Das ist deshalb bedeutsam, weil die Verwaltung (und mit ihr die Vorinstanz) für die genannte Zeit offenbar aus der Überlegung heraus eine ganze Invalidenrente zugesprochen haben, dass die SUVA für diese Periode Taggelder auf der Grundlage einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter ausgerichtet hatte. So ist im Vorbescheid vom 25. Oktober 2001 ausdrücklich die Rede davon, gemäss den durch die Invalidenversicherung gemachten Abklärungen "sowie in Abstimmung mit dem Taggeldverlauf der Unfallversicherung" bestünde ab 1. Dezember 1996 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Bedingt durch den Fallabschluss sei ab 1. August 1998 bei einem Invaliditätsgrad von 63 % eine halbe Rente auszurichten (Vorbescheid vom 25. Oktober 2001, S. 2 oben). Für die Invaliditätsbemessung nach Art. 28 IVG ist indes massgeblich, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Bezugsgrösse bildet mit anderen Worten der gesamte der versicherten Person offen stehende Arbeitsmarkt. Die Festsetzung der Arbeitsunfähigkeit nach Art. 16 UVG orientiert sich demgegenüber in der Regel am bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich. Wohl ist abweichend davon bei langer Dauer der Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der Schadenminderung gegebenenfalls auch bei der Taggeldbemessung nach UVG zu berücksichtigen, was eine versicherte Person in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbarerweise zu leisten vermag (statt vieler: Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 114 mit Hinweisen u.a. auf BGE 115 V 133 und RKUV 2000 Nr. U 366 S. 92 Erw. 4). Wird aber, aus welchen Gründen auch immer, die Taggeldausrichtung bis zum Fallabschluss unverändert aufrechterhalten, ist daraus für die Belange der Invaliditätsbemessung nach Art. 28 IVG von vornherein nichts präjudiziert. 2.2.2 Die an das Unfallereignis vom 6. Dezember 1995 anschliessende Krankengeschichte ist dahingehend zu würdigen, dass sich das anfänglich somatisch geprägte Beschwerdebild in der Zeit bis Dezember 1996 (Ablauf des Wartejahres) schwergewichtig in Richtung einer psychischen Störung mit Krankheitswert entwickelt hat (vgl. hiezu BGE 127 V 294 ff. Erw. 5a). Bereits nach dem Austrittsbericht der Rehaklinik (vom 8. August 1996), wo sich der Beschwerdeführer vom 19. Juni bis 19. Juli 1996 aufgehalten hatte, waren die beim Unfall erlittenen Frakturen der Querfortsätze des Lendenwirbelkörpers 1 sowie des rechten Fersenbeins konsolidiert. Neben minimen Restbeschwerden im Bereich des rechten Fusses, die sich einzig bei langem Gehen auswirkten, bestand ein therapieresistentes, leichtgradiges Lumbovertebralsyndrom. Die für den 22. August 1996 vorgesehene ganztägige Wiederaufnahme der Arbeit bei 50 %iger Leistung scheiterte - wie die vom 2. März bis 30. Mai 1998 geplante Evaluation der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten - am Schmerzverhalten des Versicherten. Die dabei geäusserten Beschwerden konnten trotz umfassender Abklärungen (worunter eine Magnet Resonanz Tomographie, diagnostische Infiltrationen und eine Discographie) körperlich nicht erklärt werden. Bei diesem Verlauf hat die Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit laut Gutachten der Klinik X.________ (vom 26. September 2001) für den gesamten Prüfungszeitraum, d.h. ab Dezember 1996 (Beginn des Rentenanspruchs) Gültigkeit. Dies hat zur Folge (vgl. Erw. 2.1), dass ab 1. Dezember 1996 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente besteht. Das Eidgenössische Versicherungsgericht kann, wenn die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen im Streite steht, über die Begehren der Parteien zur deren Gunsten oder Ungunsten hinausgehen (Art. 132 lit. c OG). Der Beschwerdeführer wurde auf die Möglichkeit einer reformatio in peius aufmerksam gemacht, hielt jedoch an seiner Verwaltungsgerichtsbeschwerde fest.