Citation: 5A_414/2024 E. 2.6

2.6. Nach Ablauf der Fristen gemäss Art. 260c Abs. 1 ZGB wird eine Anfechtung zugelassen, wenn die Verspätung mit wichtigen Gründen entschuldigt wird (Art. 260c Abs. 3 ZGB). Dies sieht im Übrigen auch Art. 256c Abs. 3 ZGB vor, so dass die Rechtsprechung zur Wiederherstellung der Frist für die Anfechtung der Ehelichkeitsvermutung berücksichtigt werden kann (GAY, a.a.O., Rz. 424; RUSCH/GÖTSCHI, a.a.O., N. 4 zu Art. 260c ZGB). Art. 260c Abs. 3 ZGB gewährt keine zusätzliche Frist, auch nicht von kurzer Dauer; es obliegt der anfechtenden Person, so schnell wie möglich zu klagen, sobald der Grund für die Verzögerung weggefallen ist. Die Rechtsprechung geht im Prinzip von einer Monatsfrist aus, es sei denn, aussergewöhnliche Umstände hätten die anfechtende Person daran gehindert, rasch zu handeln (BGE 136 III 593 E. 6.1.1; 132 III 1 E. 3.2; zit. Urteil 5A_258/2023 E. 3.1; Urteile 5A_921/2017 vom 16. Juli 2018 E. 3.1; 5A_541/2017 vom 10. Januar 2018 E. 3.1; 5A_700/2013 vom 20. Januar 2014 E. 3.1, in: SJ 2014 I S. 268). Als wichtige Gründe gelten in Rechtsprechung und Lehre z.B. Krankheit, Abwesenheit und Urteilsunfähigkeit oder etwa die Hoffnung der Kindsmutter, die Paarbeziehung aufrechtzuerhalten (zit. Urteile 5A_240/2011 E. 6.2.1 und 5A_921/2017 E. 3.1; GAY, a.a.O., Rz. 273). Sodann kann auch das Fehlen zureichender Veranlassung zu Zweifeln an der Vaterschaft als wichtiger Grund vorgebracht werden (BGE 132 III 1 E. 2; zit. Urteil 5A_541/2017 E. 3.1; Urteile 5A_741/2021 vom 22. April 2022 E. 5.1; 5A_298/2009 vom 31. August 2009 E. 4.2, in: FamPra.ch 2010 S. 194; GAY, a.a.O., Rz. 274). Demgegenüber stellt die blosse Rechtsunkenntnis keinen Wiederherstellungsgrund im Sinne von Art. 260c Abs. 3 ZGB dar (Urteil 5A_178/2022 vom 4. Juli 2023 E. 3.3.1, in: FamPra.ch 2023 S. 1021; zit. Urteile 5A_258/2023 E. 3.4 und 5A_240/2011 E. 6.5; SCHWENZER/COTTIER, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch, Bd. I, 7. Aufl. 2022, N. 6 zu Art. 256c ZGB). Das Interesse des Kindes kann im Rahmen der Ermessensausübung eine Rolle spielen, wenn die konkreten Umstände für die Annahme eines wichtigen Grundes nicht ausreichen; es ist jedoch keine zusätzliche Bedingung für die Fristwiederherstellung (BGE 136 III 593 E. 6.2; zit. Urteile 5A_258/2023 E. 3.3.2, 5A_178/2022 E. 3.3.2 und 5A_741/2021 E. 5.2; RUSCH/GÖTSCHI, a.a.O., N. 4 zu Art. 256c ZGB; GAY, a.a.O., Rz. 275). Ob ein wichtiger Grund gegeben ist, hat der Richter gemäss Art. 4 ZGB unter Würdigung der einschlägigen Umstände nach Recht und Billigkeit zu entscheiden (zit. Urteile 5A_741/2021 vom 22. April 2022 E. 5.1, 5A_258/2023 E. 3.1 und 5A_541/2017 E. 3.1; Urteil 5A_210/2016 vom 3. Juni 2016 E. 2.1). Das Bundesgericht auferlegt sich bei der Überprüfung solcher Ermessensentscheide eine gewisse Zurückhaltung. Es schreitet nur ein, wenn die Vorinstanz von dem ihr zustehenden Ermessen falschen Gebrauch gemacht hat. Das ist namentlich der Fall, wenn sie grundlos von in Rechtsprechung und Lehre anerkannten Grundsätzen abgewichen ist, wenn sie Gesichtspunkte berücksichtigt hat, die für den Entscheid im Einzelfall keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn sie Umstände nicht in Betracht gezogen hat, die hätten beachtet werden müssen. Aufzuheben und zu korrigieren sind ausserdem Ermessensentscheide, die sich im Ergebnis als offensichtlich unbillig oder als in stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 145 III 49 E. 3.3; 138 III 252 E. 2.1).