Citation: 6B_375/2015 E. 2.2.2

2.2.2. Die Vorinstanz problematisiert den einleitenden Antwortsatz ("Ich weiss nicht, warum ich so reagiert habe"; Urteil S. 9, 14) sowie die Antwort auf eine Frage der Vorinstanz, warum er gegen den Kopf geschlagen habe: " Das weiss ich auch nicht. Vermutlich habe ich rein reflexartig reagiert" (Urteil S. 10 mit Kursivdruck). Auch erscheine sonderbar, dass er " irgendetwas " ergriffen und nicht gewusst habe, wo er getroffen hatte. Sie sieht in der Aussage eine unnatürlich gehäufte und insofern auf eine intentionale Falschaussage hindeutende Verwendung des Modalverbs "wollen". Sie verkennt damit, dass es sich um umgangsprachliche Wendungen eines Nicht-Muttersprachlers aus dem Arbeitermilieu handelt. Mit einer dem sprachlichen Niveau nicht Rechnung tragenden Aussageanalyse lässt sich hier keine intentionale Falschaussage begründen. Solche Schlüsse lassen sich auch nicht aus der Antwort des Beschwerdeführers auf die Frage ziehen, warum er nach der erfolgreichen Blockierung des Arms des Angreifers noch zuschlug (" Das frage ich mich auch. Es ist alles innerhalb einer Sekunde passiert und war eine Schutzreaktion meinerseits"; Urteil S. 15 mit Kursivdruck). Weiter nimmt die Vorinstanz an, wer in Angst und Notwehr handle, wisse im Allgemeinen sehr wohl, warum er so gehandelt habe, nämlich wegen der Notwehrlage bzw. der Angst. Diesen Widerspruch habe der Beschwerdeführer nicht plausibel erklären können. Ferner hält die Vorinstanz fest: "Abgesehen vom zweimalig ausgedrückten Nichtwissen fällt auf, dass der [Beschwerdeführer] nicht aussagte, der Privatkläger sei extrem aggressiv gewesen, sondern dass er extrem aggressiv sei, also im Sinne einer allgemeinen Charakterisierung (wodurch eine anlasslose Tat etwas plausibler erschiene) " (Urteil S. 11 mit Kursivdruck). Weiter falle auf, dass der Beschwerdeführer den Angriff spontan ohne jegliche Kontexteinbettung schildere, gewissermassen als "aus heiterem Himmel". Dabei verweist sie auf den oben (E. 2.2.1) zitierten ersten polizeilichen Vorhalt zur Sache (Urteil S. 10). Sie berücksichtigt nicht, dass der Beschwerdeführer hier auf die präzise Fragestellung der Polizei zu antworten hatte, die keine Kontexteinbettung eröffnete. Sie führt weiter aus, der Beschwerdeführer habe dem Privatkläger "schon hundert Mal gesagt" (Zitat aus der polizeilichen Befragung), seine grossen Ohren seien typisch für Albaner. Somit habe dieser doch nicht gänzlich ohne Anlass gehandelt. Diese Beurteilung geht ebenfalls an der Sache vorbei. Die Vorinstanz zitiert hier Aussagen des Beschwerdeführers in der erwähnten polizeilichen Erstbefragung, wo dieser Provokationen und Sticheleien gerade bestätigt (und grobe Invektiven bestreitet) und weiter ausführt, er wisse nicht, wieso der Privatkläger "dieses Mal so reagiert hat"; manchmal sei er freundlich, manchmal sei er "hässig. Mal so mal so". Der Beschwerdeführer hatte bereits in seiner Strafanzeige dargelegt, dass dem körperlichen Angriff eine verbale Auseinandersetzung vorausging und der Privatkläger im Betrieb für seine aggressive Art und Weise bekannt sei; in der Strafanzeige wird zudem der Ausspruch betreffend die "grossen, abstehenden Ohren" ebenso erwähnt wie eine Drohung des Privatklägers: "Sei still oder ich bringe Dich um!", welche dieser "noch ein zweites und drittes Mal" wiederholt habe (act. 3). Nur weil die Vorinstanz diese aktenkundigen Tatsachen übergeht, kann sie zum Ergebnis gelangen, sonderbar erscheine auch, dass der Beschwerdeführer erst nachträglich eine dreimalige Todesdrohung erwähne; das erscheine unglaubhaft (Urteil S. 13). Die Aussagen enthalten entgegen der Vorinstanz keine ausgesprochen hohe Dichte an Widersprüchen, logischen Inkonsistenzen, Unplausibilitäten und sonstigen Auffälligkeiten (Urteil S. 28). Sie entsprechen einer üblichen polizeilichen Befragung (mit der Einschränkung, dass der erwähnte erste Vorhalt zur Sache zu wenig offen formuliert wurde), in welcher sich der Beschuldigte nicht auf ein Bestreiten versteift (die Aussagen finden sich im Wesentlichen bereits in der Strafanzeige vom 25. November 2012), sondern Fragen beantwortet, wenn auch angesichts der Selbstbelastungssituation in der üblichen Weise eher zurückhaltend. Der Beschwerdeführer beantwortet Fragen öfters zunächst mit "Nichtwissen" (im Hauptsatz) und erklärt anschliessend (im Nebensatz und weiteren Äusserungen) sein Verhalten. Die Vorinstanz trägt der Tatsache nicht Rechnung, dass dieses Aussagemuster im Wesentlichen seiner Sprachkompetenz und Sprechweise zuzuschreiben ist (kein Muttersprachler, bescheidenes Sprachniveau, Arbeitermillieu, Soziolekt und Idiolekt). Es ist nicht haltbar, die Glaubhaftigkeit (etwa wegen gehäufter Verwendung von Modalverben) zu verneinen. Nach dem empirischen Ausgangspunkt der Aussageanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche geistige Leistungen. Bei der Glaubhaftigkeitsbeurteilung ist davon auszugehen, dass die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese Nullhypothese (Unwahrhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen (BGE 128 I 81 E. 2 S. 85 f.). Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer dem Privatkläger mit einem Hammer occipital hinter dem linken Ohr eine Verletzung zufügte (oben Bst. A). Die Version des Beschwerdeführers lautet: Der Privatkläger habe "dieses Mal so reagiert", indem er mit einem Inbusschlüssel in der Hand auf ihn losgegangen sei; er habe die Hand blockiert und "reflexartig" mit einem eben greifbaren Hammer zugeschlagen. Die Version des Privatklägers besagt dagegen: Der Beschwerdeführer habe ihm von hinten überraschend auf den Kopf geschlagen, als er ihm den Rücken zukehrte, um eine Palette zusammenzubinden. Nach der ersten Version wehrte der Beschwerdeführer einen durch seine Provokation ausgelösten unerwarteten Angriff ab (oben E. 2.2.1), nach der zweiten schlug er überraschend von hinten zu (unten E. 2.5).