Citation: 6B_1310/2023 E. 1.3

1.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz verletze die bundesgerichtlichen Weisungen im Rückweisungsentscheid, mithin dessen Bindungswirkung, indem sie ihn teilweise schuldig erkläre, obwohl das Bundesgericht im Rückweisungsentscheid einen Freispruch als logisch zwingende Folge für den Fall, dass die Geschädigte sich nicht mehr zur Sache äussere, vorgesehen habe (Beschwerde S. 7 ff., 26). Im Rahmen seiner Ausführungen löst der Beschwerdeführer die bundesgerichtlichen Erwägungen teilweise aus dem Zusammenhang oder macht Ergänzungen, die sich im Rückweisungsurteil so nicht finden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn er argumentiert, aus dem Rückweisungsurteil ergebe sich mit aller Deutlichkeit, dass es im vorliegend zu beurteilenden Fall zwingend erforderlich gewesen wäre, eine aussagepsychologische Exploration der Geschädigten zur Sache durchzuführen, ansonsten sich eine aussagepsychologische, lege artis erfolgte Konstanzanalyse nicht durchführen liesse, da die von der Sachverständigen erhobenen Angaben der Geschädigten zum Kernsachverhalt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mangels justizförmiger Erhebung für die gerichtliche Sachverhaltsfeststellung und Beweiswürdigung nicht verwertbar wären (Beschwerde S. 9 Rz. 19), oder er ausführt, das Bundesgericht halte klar fest, dass im vorliegenden Fall eine Exploration zur Sache durch die sachverständige Person erfolgen müsse, da keine Aufzeichnungen in Bild und Ton sowie exakte Wortprotokolle existierten, die eine lege artis durchgeführte Konstanzanalyse erlauben würden (Beschwerde S. 9 f. Rz. 21). Zwar nimmt das Bundesgericht zur Kenntnis, was es - nach Ansicht des Beschwerdeführers - mit seinen Erwägungen gemeint haben soll (vgl. Beschwerde S. 10 Rz. 21), dennoch ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass seine Interpretation nicht zutrifft, zumal bereits die Wörter "Bild", "Ton" und "Wortprotokolle" im Rückweisungsurteil nicht zu finden sind. Das Bundesgericht hat zusammengefasst erwogen, die Vorinstanz setze sich mit ihrer Annahme, die Aussagen der Geschädigten entsprächen deren wirklichem Erleben, über die gutachterlichen Schlussfolgerungen hinweg und setze ihr eigenes Wissen an die Stelle desjenigen der sachverständigen Personen. Indem sie das Gutachten einerseits als schlüssig bezeichne und auf weitere Beweiserhebungen verzichte bzw. den Antrag des Beschwerdeführers auf Einholung eines Obergutachtens abweise sowie andererseits in wesentlichen Punkten bzw. im Ergebnis davon abweiche, verfalle sie in Willkür und verletzt Art. 189 StPO. Die Vorinstanz werde die Beweise bzw. das Gutachten ergänzen oder ein neues Gutachten einholen müssen (Urteil 6B_595/2021 vom 24. Juni 2022 E. 5.4.1 i.f.). In der Folge äusserte sich das Bundesgericht zum weiteren Vorgehen und prüfte, wie die Konstanzanalyse allenfalls doch (noch) ermöglicht werden könnte. Es hielt fest, die Sachverständigen führten sowohl im Gutachten als auch anlässlich der Berufungsverhandlung nachvollziehbar aus, dass vorliegend die Konstanzanalyse - mit Ausnahme einzelner Schilderungselemente - nach aussagepsychologischen Kriterien nicht bzw. nur beschränkt möglich sei, weil wiederholte Schilderungen zum selben Sachverhalt weitgehend fehlten. Vorliegend brauche nicht abschliessend beurteilt zu werden, ob eine Befragung derjenigen Person, deren Aussagen analysiert werden sollen, durch die sachverständige Person zur Sache in jedem Einzelfall unabdingbar sei. Aufgrund des Ausgeführten wäre sie jedenfalls im vorliegend zu beurteilenden Fall zwingend erforderlich gewesen, um - unter der Voraussetzung, dass sich das Opfer zur Sache äussert - eine Konstanzanalyse durchführen zu können (a.a.O., E. 5.4.2). Daraus folgt, dass die Konstanzanalyse nicht bzw. nur beschränkt möglich war, weil wiederholte Schilderungen zum gleichen Sachverhalt - mit Ausnahme zweier Handlungskomplexe bzw. eines Anklagepunkts (vgl. hierzu E. 2.3.4) - weitgehend fehlten. Aus diesem Grund wies das Bundesgericht die Vorinstanz an, eine Befragung der Geschädigten durchzuführen, und zeigte auf, dass die Befragung bzw. Exploration der Geschädigten vor Gericht mit Gewährung der Teilnahmerechte der Parteien zu erfolgen habe, wobei den sachverständigen Personen in geeigneter Form ein Fragerecht zu gewähren sei (vgl. Art. 185 Abs. 2 StPO), andernfalls die Angaben der Geschädigten zum Kernsachverhalt mangels justizförmiger Erhebung für die gerichtliche Sachverhaltsfeststellung und Beweiswürdigung nicht verwertbar wären (a.a.O., E. 5.4.2). Abschliessend hielt das Bundesgericht fest, die Vorinstanz werde die Geschädigte in Anwesenheit der Sachverständigen sowie der Parteien zur Sache befragen (lassen), das Gutachten ergänzen bzw. ein neues Gutachten einholen und in der Folge die Beweise abschliessend würdigen müssen (a.a.O., 5.4.4). Damit hat das Bundesgericht einerseits nicht festgehalten, dass vorliegend bzw. generell eine Exploration zur Sache durch die sachverständige Person erfolgen müsse, da/wenn keine Aufzeichnungen in Bild und Ton sowie exakte Wortprotokolle existierten, die eine lege artis durchgeführte Konstanzanalyse erlauben würde. Vielmehr scheiterte vorliegend die Konstanzanalyse weitgehend daran, dass - mit Ausnahme zweier Handlungskomplexe - keine wiederholten Schilderungen eines Sachverhalts vorlagen. Andererseits war die Einvernahme der Geschädigten in Anwesenheit der Sachverständigen und der Parteien zur Sache nicht deshalb notwendig, weil - wovon der Beschwerdeführer auszugehen scheint - die von den Sachverständigen erhobenen Angaben der Geschädigten zum Kernsachverhalt mangels justizförmiger Erhebung für die gerichtliche Sachverhaltsfeststellung und Beweiswürdigung nicht verwertbar waren, sondern um - unter der Voraussetzung, dass sich die Geschädigte zur Sache äussert - eine Konstanzanalyse durchführen zu können. Anzumerken ist, dass die Sachverständigen die Geschädigte gerade nicht zur Sache befragt hatten. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz angesichts der Erwägungen im Rückweisungsentscheid teilweise auf das aussagepsychologische Gutachten abstellen und den Beschwerdeführer für einzelne Anklagesachverhalte schuldig sprechen durfte, obwohl die Geschädigte sich bei ihrer Befragung im dritten Berufungsverfahren nicht zur Sache äusserte.