Citation: 5C.218/2003 04.12.2003 E. 4

Zur Begründung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung hat das Verwaltungsgericht im Weiteren zusammenfassend dafürgehalten, bei der Berufungsklägerin bestehe sowohl eine erhebliche Selbstgefährdung im Sinne einer schweren seelischen und affektiven Verwahrlosung als auch eine ebenfalls zu berücksichtigende Drittgefährdung in Form einer unzumutbaren Belastung der Umgebung. Die Berufungsklägerin bestreitet in ihrer Eingabe die beschriebene Selbst- und Drittgefährdung. Was sie jedoch zur Begründung ihres Standpunktes darlegt, ist nicht geeignet, eine Bundesrechtsverletzung auszumachen. 4.1 Soweit sie der Vorinstanz vorwirft, dass Hotelzimmer und Kliniken von vornherein keine dauerhafte Wohngelegenheit sein könnten, so würdigt sie nicht ausreichend, dass die Gemeindebehörden gerade versucht haben, ihr eine Wohnung zu verschaffen, und die Berufungsklägerin schliesslich vorübergehend in Hotels und Erholungsheimen unterbringen mussten, da sie jegliche Wohnungsangebote ablehnte. 4.2 Die Berufungsklägerin gibt sich zwar überzeugt, dass ihre soziale Integration möglich sein werde, sobald sie wieder an einem geordneten Alltagsleben teilnehmen könne. Dem stehen indes die weit weniger positiven, für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen des Verwaltungsgerichts entgegen (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; Art. 63 Abs. 2 OG), wonach die Berufungsklägerin aufgrund ihrer gravierenden Persönlichkeitsstörung in keiner Art und Weise mehr in der Lage ist, mit der Umwelt zu kommunizieren. Das Verwaltungsgericht hält im Weiteren dafür, sie sei in äusserst penetranter Weise fordernd, ohne jegliche Kooperationsbereitschaft und habe weder Bekannte noch Freunde; ihre einzigen Kontakte beschränkten sich auf die für sie zuständigen Gemeindebehörden sowie die Angestellten und Mitpatienten von Kliniken. Die Ereignisse des letzten Jahres hätten gezeigt, dass die Berufungsklägerin in einem Teufelskreis gefangen sei, den zu durchbrechen sie offensichtlich nicht in der Lage sei. So agiere sie stets nach dem gleichen Muster. Nach einer zum Teil selbst veranlassten Einweisung in eine Klinik dränge sie auf sofortige Entlassung. Habe sie diese erwirkt, sei sie nicht bereit, die Klinik auch tatsächlich zu verlassen. Die von der Berufungsklägerin angestrebte Notwohnung falle ausser Betracht, da sie diese mit anderen Bewohnern teilen müsste, was zu erneuten Schwierigkeiten führen müsste und den Mitbewohnern nicht zugemutet werden könnte. Die Berufungsklägerin sei aufgrund ihrer Angstzustände weder in der Lage, allein zu wohnen, noch mit anderen zusammenzuleben, da sie sich weder an Regeln halten noch mit der Umwelt kommunizieren könne. 4.3 Die Berufungsklägerin führt die mangelnde Kooperation mit Ärzten und Behörden, welche das Verwaltungsgericht bei der Frage der Selbstgefährdung mit berücksichtigt hat, darauf zurück, dass ihr diese weitgehend als Gegner und nicht als Partner gegenüberstünden. Dies ergebe sich namentlich aus der Aussage des Chefarztes, er sähe für sie nur die Strafanstalt als passende Anstalt. Im angefochtenen Urteil finden sich indes keine entsprechenden Feststellungen, so dass insoweit auf die Berufung nicht eingetreten werden kann (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). 4.4 Die Berufungsklägerin hält im Weiteren dafür, die Tatsache, dass der Umgang mit ihr anstrengend sei, vermöge ihre Beibehaltung in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik nicht zu rechtfertigen, zumal der Eingriff in die Rechte einer Person nicht im öffentlichen, sondern in ihrem privaten Interesse liegen müsse. 4.4.1 Bei der Frage, ob die nötige persönliche Fürsorge nur durch eine Anstaltsunterbringung oder auch auf andere Weise erbracht werden kann, gilt es mit zu berücksichtigen, was eine ambulante Betreuung für die Umgebung der Person an Belastung bedeutet (Art. 397a Abs. 2 ZGB; BGE 114 II 213 E. 5 S. 217 f.; Geiser, Basler Kommentar, N. 26 zu Art. 397a ZGB). Dabei ist eine Interessenabwägung vorzunehmen und zu klären, was die Umgebung an Betreuungsarbeit zu leisten bereit und in der Lage ist (vgl. Deschenaux/Steinauer, a.a.O., Rz. 1172; Geiser, a.a.O., N. 26 zu Art. 397a ZGB). Unter den Begriff der Umgebung fallen sämtliche Personen, die mit dem oder der Schutzbedürftigen in Verbindung stehen und durch ihr Verhalten den Entscheid betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung beeinflussen können. Dazu zählt einerseits die nähere Umgebung des oder der Betroffenen (Verwandte, Ehegatte, Partner, Hausgenossen, Nachbarn), anderseits aber auch die weitere Umgebung, worunter namentlich der Arzt, Vormund oder der Sozialarbeiter fallen (Deschenaux/ Steinauer, a.a.O., Rz. 1172). 4.4.2 Dem angefochtenen Entscheid lässt sich entnehmen, dass die Berufungsklägerin vor Jahren jeglichen Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen hat und auch keine Freundschaften oder Beziehungen pflegt. Die schutzbedürftige Berufungsklägerin verfügt damit nicht über die geforderte nähere Umgebung, die ihre Betreuung übernehmen und so eine fürsorgerische Freiheitsentziehung überflüssig machen könnte. Im Übrigen belastet sie auch die für sie zuständigen Behörden in einem Mass, das nach den Feststellungen der Vorinstanz die Grenze des sozial Verträglichen bei weitem übersteigt. Auch unter diesem Gesichtswinkel liegt somit keine Bundesrechtsverletzung vor.