Citation: 9C_123/2023 E. 3.4.2

3.4.2. Weiter beruft sich die Beschwerdeführerin zu den Voraussetzungen für eine Praxisänderung auf geänderte äussere Verhältnisse und eine gewandelte Rechtsanschauung. Sie bringt vor, der Gesetzgeber habe die Problematik der bundesgerichtlichen Praxis zur Berechnung des Invaliditätsgrades bei Teilzeiterwerbstätigen trotz langjähriger und anhaltender Kritik nicht erkannt und daher in der Reform BVG 21 (Änderung des BVG vom 17. März 2023 [Reform der beruflichen Vorsorge]; vgl. BBl 2023 785) nicht thematisiert. Eine Änderung müsse daher über die Rechtsprechung herbeigeführt werden. Sodann ergebe sich aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2021 des Bundesamtes für Statistik, dass der weit überwiegende Anteil der Teilzeiterwerbstätigen Frauen seien, die somit auch überwiegend von der geltenden - diskriminierenden - Praxis betroffen seien. Zudem sei die Erwerbsquote der Frauen von 68,2 % im Jahr 1991 auf 79 % im Jahr 2022 gestiegen und nehme die Anzahl an teilzeitarbeitenden Personen in der Schweiz stetig zu. Es kann offenbleiben, ob die berufsvorsorgerechtliche Invaliditätsbemessung anlässlich der Beratungen der Reform der beruflichen Vorsorge in den Eidgenössischen Räten nicht thematisiert wurde. Auch wenn dies zutrifft, ergibt sich daraus nicht zwingend, dass die Parlamentarierinnen und Parlamentarier keine Kenntnis von der entsprechenden Kritik hatten und diese deswegen nicht in den Gesetzgebungsprozess einfloss. Inwiefern die weiteren geltend gemachten Aspekte - Anteil der Frauen unter Teilzeiterwerbstätigen, steigende Erwerbsquote der Frauen, zunehmende Bedeutung von Teilzeitarbeit - beim Erlass der BGE 144 V 63 und 144 V 72 sich wesentlich anders als heute dargestellt haben resp. nicht oder nur ungenügend berücksichtigt worden sein sollen, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht ausgeführt.