Citation: 5A_471/2020 E. 3.1

3.1. Das Obergericht stellt zunächst klar, dass eine Ausgleichungspflicht nach Art. 626 ZGB eine unentgeltliche Zuwendung und einen Zuwendungswillen des Erblassers voraussetze. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung müsse der Erblasser das Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses tatsächlich erkannt haben; allein dass das Missverhältnis für ihn erkennbar war, genüge nicht. In der Folge äussert sich die Vorinstanz zur Passage in den übereinstimmenden Testamentsnachträgen der Erblasser vom 21. Oktober 1993 (s. Sachverhalt Bst. A.a), wonach der Beschwerdegegner 2 das Hotel in V.________ "erheblich unter dem Verkehrswert übernehmen konnte". Aus dieser Formulierung lasse sich nicht schliessen, dass G.________ bereits beim Abschluss des Kaufvertrags über die Hotelliegenschaft ein Missverhältnis zwischen Verkehrswert und Kaufpreis bewusst gewesen sei. Nachdem der Kauf des Hotels im Zeitpunkt der Erstellung des Testamentsnachtrags bereits zwölf Jahre zurück lag, habe in der Formulierung die Vergangenheitsform gewählt werden müssen. Dass G.________ den Kaufpreis im Jahr 1993 offenbar als zu tief erachtete, belege nicht, dass er dies bereits beim Abschluss des Kaufvertrags tat. Auch dass sich die Parteien nach mehrjährigen, zähen Verhandlungen schliesslich auf einen Preis von Fr. 800'000.-- einigten, beweist laut Vorinstanz nicht, dass dieser Preis aus der Sicht des Verkäufers G.________ unter dem Verkehrswert lag. Nachdem G.________ während mehrerer Jahre erfolglos versucht habe, das Hotel zum Preis von Fr. 1'000'000.-- zu verkaufen, sei eine Senkung des Kaufpreises eine logische Konsequenz gewesen. Dies gelte insbesondere angesichts des Umstands, dass der Kaufpreis genau auf den durch das Gutachten vom 26. September 1979 geschätzten Wert (mit Einbezug der für Fr. 100'000.-- renovierten Küche) reduziert worden sei. Dass im Betriebsjahr 1980/1981 offenbar ein besseres Betriebsergebnis erzielt werden konnte als im Jahr 1979, belege nicht, dass G.________ die Betriebswertschatzung im Gutachten als unzutreffend erachtete. Das Obergericht kommt zum Schluss, entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführerin gebe es keine objektiven Anhaltspunkte, aus denen auf einen Schenkungswillen von G.________ geschlossen werden könnte. Ob der vereinbarte Kaufpreis dem tatsächlichen Wert des Hotels entsprach, sei unter diesen Umständen nicht zu prüfen. Fehle es am Nachweis eines Schenkungswillens zum Zeitpunkt des Verkaufs des Hotels, so sei eine Ausgleichungspflicht zu verneinen. Die diesbezüglichen Anweisungen im Testamentsnachtrag der beiden Erblasser vom 21. Oktober 1993 seien somit ohne Grundlage und nicht weiter zu beachten.