Citation: U 444/99 04.08.2000 E. 2

2.- Materiell zu prüfen ist zunächst, ob der Beschwerdeführer noch an leistungsbegründenden Folgen des Unfalls vom 15. Januar 1991 leidet. a) Der Beschwerdeführer klagte im Anschluss an den Unfall vom 15. Januar 1991 über Lumboischialgien. Seinen Ausführungen gegenüber dem SUVA-Inspektor vom 22. Februar 1991 zufolge hatte er vorher nie irgendwelche Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) verspürt. Nach den Angaben des Arbeitgebers hatte er allerdings bereits vor dem Unfall über Rückenschmerzen geklagt und war deshalb von schwereren Arbeiten dispensiert worden. Dabei handelte es sich vermutlich aber um Nackenbeschwerden im Anschluss an einen früheren Unfall vom 24. Mai 1990. Bezüglich der Befunde an der LWS stimmen die Arztberichte darin überein, dass der Beschwerdeführer an einem chronischen lumbovertebralen Syndrom bei Osteochondrose L4/L5 und L5/S1 leidet. Unklar ist, ob auch eine Diskushernie besteht. Die Verdachtsdiagnose einer kleinen Diskushernie wurde erstmals am 13. März 1991 von der Medizinischen Klinik des Kantonsspitals Y.________ auf Grund eines Myelogramms vom 13. Februar 1991 geäussert, welches Zeichen einer mediolateralen Diskushernie links bei Status nach segmentärer Gefügelockerung L4/L5 und L5/S1 mit reaktiven initialen Osteochondrosen gezeigt hatte. Eine CT-Untersuchung in der Klinik N.________ vom 5. Februar 1991 ergab jedoch keinen Nachweis für eine Diskushernie oder eine andere intraspinale Raumforderung zwischen L3 und S1. In der Folge wurde weder von den behandelnden Ärzten noch von der Rehabilitationsklinik E.________, wo sich der Versicherte zweimal zur stationären Untersuchung und Behandlung aufhielt, eine Diskushernie diagnostiziert. Erst am 19. Juli 1995 stellte Dr. med. M.________ bei einer erneuten CT-Untersuchung eine vorwiegend mediane Diskushernie L5/S1 fest. Die von der Invalidenversicherung mit einer polydisziplinären Abklärung und Begutachtung beauftragte MEDAS bestätigte diese Diagnose nicht und stellte mit Bericht vom 6. Februar 1997 fest, dass auf der Höhe von L5/S1 eine geringgradige Osteochondrose dorsal zu erkennen sei, jedoch kein lumboradikuläres Ausfallsyndrom bestehe. Sofern bei dieser Aktenlage eine Diskushernie überhaupt als nachgewiesen gelten kann, ist mit SUVA und Vorinstanz festzustellen, dass sie jedenfalls nicht als unfallbedingt zu gelten hat. Hiegegen spricht zunächst die allgemeine medizinische Erfahrung, wonach praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besondern Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind (nicht veröffentlichte Urteile N. vom 8. Februar 2000, U 138/99, B. vom 7. Januar 2000, U 131/99, S. vom 5. Januar 2000, U 103/99, F. vom 27. Dezember 1999, U 2/99, S. vom 4. Juni 1999, U 193/98, R. vom 30. April 1999, U 228/98, S. vom 22. Januar 1999, U 69/98, S. vom 26. August 1996, U 159/95, S. vom 7. April 1995, U 238/94, und J. vom 10. Oktober 1994, U 67/94, zusammengefasst in ZbJV 1996 S. 489 f.; vgl. auch Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 54 ff., insbesondere S. 56; Baur/Nigst, Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 162 ff.; Mollowitz, Der Unfallmann, 11. Aufl. Berlin 1993, S. 164 ff.). Im vorliegenden Fall sind die für die ausnahmsweise Annahme einer traumatischen Ursache der fraglichen Diskushernie massgebenden Voraussetzungen nicht erfüllt. Der als leicht zu qualifizierende Unfall vom 15. Januar 1991 war nicht geeignet, eine traumatisch bedingte Diskushernie herbeizuführen. Dazu kommt, dass zwar unmittelbar nach dem Unfallereignis die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Schmerzen im Lumbalbereich aufgetreten sind, eine Diskushernie trotz entsprechender Untersuchungen jedoch erst im Juli 1995 und damit mehr als vier Jahre nach dem Unfall festgestellt wurde. Die Diskushernie hat unter diesen Umständen als krankheits- und nicht als unfallbedingt zu gelten. Zu weiteren Abklärungen besteht auch im Lichte der vom Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren erwähnten medizinischen Literatur kein Anlass. b) Was die Kausalität des Lumbovertebralsyndroms betrifft, ist auf Grund der Akten davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach dem zweiten Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik E.________ vom 4. Februar bis 6. März 1992 in deutlich gebessertem Zustand nach Hause entlassen werden konnte. Gegenüber Kreisarzt Dr. med. S.________ gab er am 22. Juni 1992 an, mit dem Gesundheitszustand zufrieden zu sein und unter keinen Dauerschmerzen mehr zu leiden. Nach Auffassung des Arztes bestand volle Arbeitsfähigkeit und keine Behandlungsbedürftigkeit mehr. Die Wiederaufnahme der Arbeit beim bisherigen Arbeitgeber kam nicht zustande, weil dem Versicherten die angebotene Arbeit nicht zusagte. In der Folge arbeitete er bei verschiedenen andern Arbeitgebern, wobei die Erwerbstätigkeit wiederholt durch längere Zeiten von Arbeitslosigkeit unterbrochen wurde. Ende 1994 traten - nach vorausgegangener praktischer Beschwerdefreiheit und ohne bekannten Auslöser - progressive rezidivierende Schmerzen linksbetont lumbal und lumbosakral auf. Der Beschwerdeführer begab sich am 18. Juli 1995 zu Dr. med. Z.________ in chiropraktische Behandlung, welche er am 25. August 1995 vorzeitig abbrach. Nach den Angaben des behandelnden Arztes war der Zustand anlässlich einer letzten Untersuchung vom 10. Oktober 1995 "recht gut und stabil", obwohl der Versicherte beim Gehen immer noch hinke und sein linkes Bein deutlich schwächer sei als das rechte; er sei jedoch praktisch beschwerdefrei (Bericht vom 20. Dezember 1995). Die Gangstörung wurde von der MEDAS als konversionsneurotisch beurteilt; zwar wurden auch beidseitige Hüftkopfnekrosen festgestellt, welche die Gangstörung jedoch nicht zu erklären vermochten. Nach Auffassung der MEDAS-Ärzte sind am bestehenden Beschwerdebild, bei welchem subjektiv die Lumbalgie und die linksseitigen Schulterschmerzen im Vordergrund stehen, und an der damit verbundenen Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit etwa zur Hälfte psychopathologische Befunde beteiligt. Auf Grund der ärztlichen Angaben ist anzunehmen, dass das durch den Unfall vom 15. Januar 1991 ausgelöste lumbovertebrale Syndrom spätestens im Sommer 1992 im Wesentlichen abgeklungen war. Der Beschwerdeführer hat sich mit dem damaligen Fallabschluss abgefunden und sich erst am 20. Dezember 1995, und damit mehr als drei Jahre nach dem Abschluss, erneut bei der SUVA gemeldet. Seinen Angaben vom 24. Januar 1997 zufolge hatte er seit dem Unfall von 1991 stets an Rückenschmerzen gelitten und stand deswegen in ärztlicher Behandlung. Dem Bericht von Dr. med. Z.________ vom 7. Juli 1996 lässt sich diesbezüglich entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer am 27. April 1993 wegen Schmerzen im Gesäss und Ausstrahlungen ins rechte Bein in ärztliche Behandlung begeben hatte. Die Beschwerden, welche auf ein Iliosakralsyndrom rechts verbunden mit einem PiriformisSyndrom und Verspannungen der assozierten Muskeln und Gelenke deuteten, konnten mit chiropraktischer Behandlung rasch behoben werden. Zufolge eines Verhebetraumas am 19. Juni 1993 kam es zu einem Rückfall der iliosakralen Beschwerden, deren Behandlung bei subjektiver Beschwerdefreiheit am 15. September 1993 abgeschlossen werden konnte. Am 5. Dezember 1993 kam es nach einem Verkehrsunfall erneut zu Beschwerden in der rechten unteren LWS-Region sowie an der Brustwirbelsäule und der rechten Schulter. Der Versicherte sprach gut und rasch auf die chiropraktische Behandlung an, welche am 1. Februar 1994 bei weitgehender Beschwerdefreiheit abgeschlossen wurde. Soweit es sich bei den genannten Schmerzepisoden um gleichartige Beschwerden handelte, wie sie im Anschluss an den Unfall vom 15. Januar 1991 aufgetreten waren, hatten sie zumindest teilweise selbstständige Ursachen und zudem nur kurzfristige Behandlungsbedürftigkeiten und Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit zur Folge. Eine Meldung bei der SUVA ist denn auch unterblieben. Erneute behandlungsbedürftige Beschwerden sind erst im Dezember 1994 wieder aufgetreten. Angesichts dieses im Wesentlichen behandlungs- und beschwerdefreien Intervalls und unter Berücksichtigung dessen, dass der Unfall vom 15. Januar 1991 als eher leicht zu qualifizieren ist, kann der Kausalzusammenhang mit den am 20. Dezember 1995 gemeldeten erneuten Beschwerden nicht als überwiegend wahrscheinlich betrachtet werden, zumal an den bestehenden Beschwerden nach den übereinstimmenden ärztlichen Angaben auch psychische Ursachen mitbeteiligt sind. SUVA und Vorinstanz haben weitere Leistungen in Zusammenhang mit dem Unfall vom 15. Januar 1991 daher zu Recht abgelehnt.