Citation: 5A_182/2017 E. 3.3.1

3.3.1. Die Beanstandungen des Beschwerdeführers drehen sich darum, wie sich die Vorinstanz der tatsächlichen (oder natürlichen) Vermutung bedient, "wonach für den Lebensunterhalt Errungenschaft statt Eigengut verbraucht werde". Der Beschwerdeführer wirft dem Obergericht vor, auf "unbewiesenen Prämissen" aufzubauen und zu einer falschen Beweiswürdigung zu gelangen. Die Vorinstanz übernehme den "logischen Zirkelschluss" des Bezirksgerichts. Dieses habe festgestellt, dass die Beschwerdegegnerin ihre Errungenschaft aufgebraucht hatte, also angenommen, "was in der Vermutungsbasis selber steht". Die "wahre Ursache" für die Abnahme der ehelichen Errungenschaft erblickt der Beschwerdeführer darin, dass sich das Vermögen des Erblassers seit 2007 um ca. Fr. 130'000.-- verringert habe. Der vorinstanzliche Argumentationsfehler komme einem Betrug, einer Täuschung gleich und verstosse "gegen das Vertrauensprinzip gemäss Art. 9 BV". Die Feststellung des Eigenguts in Form des per Stichtag vorhandenen Vermögens der Beschwerdegegnerin sei deshalb offensichtlich falsch und willkürlich. Zugleich umgehe die Vorinstanz mit ihren "vorgefertigten Annahmen" Art. 200 Abs. 3 ZGB, wonach alles Vermögen eines Ehegatten bis zum Beweis des Gegenteils als Errungenschaft gilt. Anstatt sich substanziiert zum Verbleib ihres Vermögens und zur Massenzugehörigkeit der per Stichtag vorhandenen Vermögenswerte zu äussern, begnüge sich die Beschwerdegegnerin damit, vom Vermögen am Todestag des Erblassers das Eigengut per Datum Ehevertrag abzuziehen. Komme die Beschwerdegegnerin ihrer Substanziierungspflicht nicht nach, so könne sie keine Beweiserleichterung für sich beanspruchen. Der Beschwerdeführer bemängelt, dass die Zuordnung der Vermögensteile der Beschwerdegegnerin per Stichtag nach Gütermassen gemäss Art. 207 Abs. 1 ZGB unterblieben sei. Das bei Auflösung der Ehe vorhandene Vermögen könne nicht im Umfang der den Ehegatten einst zugeflossenen Erbschaften oder Schenkungen vorab dem Eigengut zugeordnet werden. Vielmehr hätte die Beschwerdegegnerin substanziieren müssen, inwiefern die im Ehevertrag aufgeführten vier Eigengüter auf ihren sieben Bankkonten noch vorhanden waren. Der Beschwerdeführer erinnert daran, dass es sich beim Beweis des Gegenteils im Sinne von Art. 200 Abs. 3 ZGB um einen "Hauptbeweis nach Art. 8 ZGB" handele, für den das Regelbeweismass des vollen Beweises gelte. Eine "Beweismassreduktion" setze eine "typische Beweisnot" voraus, was von der Beschwerdegegnerin aber nie behauptet worden sei. Nach der Meinung des Beschwerdeführers kommt die tatsächliche Vermutung als Beweiserleichterung zugunsten des Eigenguts nur dort zur Anwendung, wo mit Urkunden belegt eine Ersatzforderung des Eigenguts gegenüber der Errungenschaft besteht, was bei einer Vermengung beider Vermögensmassen desselben Ehegatten auf einem Konto der Fall sein könne. Aus der besagten Vermutung lasse sich jedoch nicht ableiten, dass die Reduktion des "unausgeschiedenen Vermögens" eines Ehegatten nur auf den Lebensunterhalt der Gemeinschaft zurückzuführen ist und nur die Errungenschaft betrifft, so dass das noch vorhandene Vermögen gänzlich Eigengut ist. Da die Beschwerdegegnerin keinerlei Belege für eine Ersatzforderung eingereicht habe, könne sie die natürliche Vermutung nicht "gegen Art. 200 Abs. 3 ZGB ins Feld führen". Indem ihm die Vorinstanz vorhalte, weitere Investitionen der Beschwerdegegnerin aus ihrem Eigengut nicht behauptet zu haben, auferlege es ihm faktisch die Beweislast, eine hypothetische Annahme zu widerlegen. Die Art und Weise, wie das Obergericht die natürliche Vermutung zugunsten des Eigenguts pauschal auf das ganze vorhandene Vermögen der Beschwerdegegnerin anwende, laufe auf eine Umkehrung der Beweislast zulasten des Beschwerdeführers hinaus, was bei einer natürlichen Vermutung unzulässig sei. Anfall, Verlauf und Vorhandensein der Eigengüter liessen sich per Stichtag beweisen; ein Regelbeweis sei also möglich und werde von der Gerichtspraxis auch verlangt. Die vorinstanzliche Erwägung, wonach die Beschwerdegegnerin angesichts der langen Dauer der Ehe wegen der natürlichen Vermutung die Veränderung ihres Eigenguts nicht mit Belegen "penibel dokumentieren" müsse, verletze deshalb Art. 200 Abs. 3 ZGB. Habe die Beschwerdegegnerin Anfall und Verlauf ihres Eigenguts nicht mit Belegen substanziiert behauptet, so müsse sie gemäss Art. 200 Abs. 3 ZGB die Nachteile tragen. Anhand einer Tabelle legt der Beschwerdeführer schliesslich dar, weshalb sich die einzelnen, im Ehevertrag als Eigengut vermerkten Positionen zu keinem der per Todestag des Erblassers vorhandenen Bankkonten der Beschwerdegegnerin zuordnen lassen.