Citation: 1B_2/2022 E. 4.2

4.2. Der Ausstandsgrund der sog. Vorbefassung nach Art. 56 lit. b StPO setzt voraus, dass die vom Ausstandsgesuch betroffene Person in einer anderen Stellung in der gleichen Sache tätig war. Ist die Person in derselben Stellung mit der gleichen Sache mehrfach befasst, liegt keine Vorbefassung im Sinne von Art. 56 lit. b StPO vor (BGE 143 IV 69 E. 3.1; Urteil 1B_98/2021 vom 3. März 2022 E. 5.4, zur Publikation vorgesehen). Die Mehrfachbefassung kann unter dem Gesichtswinkel von Art. 56 lit. f StPO Bedeutung erlangen, wenn zu erwarten ist, die betroffene Gerichtsperson habe sich in Bezug auf einzelne Fragen bereits in einem Masse festgelegt, dass das Verfahren im späteren Verfahrensabschnitt nicht mehr als offen erscheint (vgl. Urteile 1B_139/2018 vom 26. November 2018 E. 4.2; 1B_549/2017 vom 16. Februar 2018 E. 2; MARKUS BOOG, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, N. 28 zu Art. 56 StPO). Diese Voraussetzungen von Art. 56 lit. b StPO sind vorliegend nicht erfüllt. Es steht zwar fest, dass der Beschwerdegegner im Jahr 2007 in seiner früheren Funktion als Amtsschreiber des Amtsstatthalteramts Willisau bereits einmal mit einem Strafverfahren befasst war, in welchem die Beschwerdeführerin gegen ein Behördenmitglied eine Strafanzeige wegen Urkundenfälschung eingereicht hatte. Dieses Verfahren wurde am 29. März 2007 mittels Einstellungsverfügung abgeschlossen. Wie die Vorinstanz richtig festhielt, betraf die damalige Strafuntersuchung im Vergleich zum aktuellen Strafverfahren jedoch nicht den gleichen Personenkreis und stellten sich auch andere Beweis- und Rechtsfragen, weshalb nicht von einer "gleichen Sache" im Sinne von Art. 56 lit. b StPO gesprochen werden kann. Wie die Beschwerdeführerin in Übereinstimmung mit der Vorinstanz selbst anerkennt, hatte der Beschwerdegegner als Amtsschreiber zudem gar keine Entscheidbefugnis, sondern oblag diese dem damaligen Amtsstatthalter von Willisau. In Anbetracht dessen ist nicht ersichtlich und ergeben sich aus den Akten auch keine Hinweise, inwiefern sich der Beschwerdegegner bezüglich den sich vorliegend stellenden Tat- und Rechtsfragen bereits derart festgelegt haben soll, dass der Verfahrensausgang des Strafverfahrens nicht mehr als offen bezeichnet werden könnte. Die Strafuntersuchung aus dem Jahr 2007 stellt damit auch keine ausstandsbegründende Mehrfachbefassung im Sinne von Art. 56 lit. f StPO dar. Zu prüfen bleibt folglich noch, ob die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin allenfalls geeignet sind, eine Ausstandspflicht gemäss Art. 56 lit. f StPO zu begründen.