Citation: 6A.25/2005 03.07.2005 E. 3

3.1 Hat der zu Zuchthaus oder Gefängnis Verurteilte zwei Drittel der Strafe verbüsst, so kann ihn die zuständige Behörde bedingt entlassen, wenn sein Verhalten während des Strafvollzuges nicht dagegen spricht und anzunehmen ist, er werde sich in der Freiheit bewähren (Art. 38 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Die bedingte Entlassung ist die vierte Stufe des Strafvollzugs und deshalb in der Regel anzuordnen. Es darf davon nur aus guten Gründen abgewichen werden. Wie bei der Zubilligung des bedingten Strafvollzuges ist auch bei der bedingten Entlassung für die Beurteilung des künftigen Wohlverhaltens eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Gesichtspunkte vorzunehmen. In diese sind neben dem Vorleben und der Persönlichkeit des Straftäters vor allem seine neuere Einstellung, der Grad einer allfälligen Besserung und seine nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnisse miteinzubeziehen. In diesem Rahmen ist auch das im Gesetz ausdrücklich aufgeführte Kriterium des Verhaltens während des Strafvollzuges zu würdigen (BGE 124 IV 193 E. 3; 119 IV 5 E. 1a/aa und 2 je mit Hinweisen; zu den Schwierigkeiten der Prognosenstellung vgl. BGE 125 IV 113 E. 2a S. 116; 124 IV 193 E. 4a; ferner Andrea Baechtold, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Art. 38 N 20). Die bedingte Entlassung darf nicht für gewisse Tatkategorien ausgeschlossen oder erschwert werden. Insofern ist die Art der vom Betroffenen verübten Straftaten für die Prognose nicht entscheidend. Doch sind die Umstände der Straftat insoweit beachtlich, als sie Rückschlüsse auf die Täterpersönlichkeit und damit auf das künftige Verhalten erlauben. Ob die mit einer bedingten Entlassung in gewissem Masse stets verbundene Gefahr neuer Delikte zu verantworten ist, hängt im Übrigen nicht nur vom Wahrscheinlichkeitsgrad der Begehung einer neuen Straftat ab, sondern auch von der Bedeutung des eventuell bedrohten Rechtsgutes. Die mit der bedingten Entlassung verfolgte Wiedereingliederung des Rechtsbrechers ist nicht Selbstzweck, sondern auch ein Mittel, um die Allgemeinheit vor neuen Straftaten zu schützen. Deswegen rechtfertigt es sich auch, im Rahmen der Prognose der Art des möglicherweise weiterhin gefährdeten Rechtsgutes Rechnung zu tragen. Bei Gefährdung weniger hochwertiger Rechtsgüter darf ein höheres prognostisches Risiko eingegangen werden als bei der Gefährdung hochwertiger Rechtsgüter (BGE 125 IV 113 E. 2a; 124 IV 193 E. 3). Das Bundesgericht greift in die Beurteilung der Bewährungsaussichten nur bei Ermessensüberschreitung oder Ermessensmissbrauch ein (BGE 119 IV 5 E. 2). 3.2 Die Straftat des Beschwerdeführers beruht auf einem familiären Konflikt mit kulturellem Hintergrund. Das Verharren des Beschwerdeführers in den herkömmlichen patriarchalischen Strukturen seiner Heimat hat zu entsprechenden Spannungen innerhalb der Familie und schliesslich auch zur Tat selbst geführt. Die erhebliche Rückfallgefahr in Bezug auf Delikte im innerfamiliären Bereich hat denn auch den Strafrichter zur Anordnung einer ambulanten psychiatrischen Behandlung veranlasst (Urteil des Kantonsgerichts vom 20. August 2002, S. 18 f.). Diese Therapie liess sich allerdings in der Folge nur ansatzweise durchführen, was nicht ausschliesslich der fehlenden Motivation des Beschwerdeführers zuzuschreiben ist. Waren zunächst sprachliche Schwierigkeiten ein Hinderungsgrund, musste schliesslich die begonnene Therapie wegen eines Auslandaufenthalts der türkisch sprechenden Therapeutin wieder abgebrochen werden. Freilich ändern die Umstände des Therapieabbruchs nichts daran, dass eine hinreichende Aufarbeitung des familiären Konflikts, der Ursache der Tat war, bislang unterblieb. Wenn die Vorinstanz ausführt, ein sozialer Empfangsraum in der Schweiz sei nicht erkennbar, ist dies nicht offensichtlich unrichtig, räumt der Beschwerdeführer doch selber ein, dass seine Ehefrau und die Kinder den Kontakt zu ihm weitgehend abgebrochen haben und er sich vorerst lediglich bei seinem Bruder in der Nähe von Freiburg aufhalten könnte (act. 9, Verhandlungsprotokoll). Der Bericht der Therapeutin, die den Beschwerdeführer ein halbes Jahr begleitet hat, musste die Behörden nicht zu der Einschätzung führen, das Rückfallrisiko habe sich merklich vermindert. Wohl nimmt die Therapeutin dies an, räumt aber zugleich ein, dass eine tiefgründige Veränderung der Verhaltensmuster zumindest fragwürdig sei (act. 7/7). Die negative Beurteilung des Therapieverlaufs durch die Vorinstanz bestätigt sich anhand des Therapieberichts selber, dem sich entnehmen lässt, dass der Beschwerdeführer weiterhin in seiner Sicht des familiären Konflikts gefangen blieb. Im Ergebnis ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz die Bewährungsaussichten bei einer Entlassung aus dem Strafvollzug in der Schweiz aufgrund der nicht hinreichend aufgearbeiteten familiären Konflikte negativ beurteilte. Jedenfalls hat sie ihr Ermessen nicht missbraucht. Demgemäss durfte sie die Entlassung aus dem Vollzug auch davon abhängig machen, dass der Beschwerdeführer nicht in der Schweiz in der Nähe seiner Familie verbleiben würde.