Citation: 6B_1074/2023 E. 1.2.2

1.2.2. Die Vorinstanz erwägt, gemäss übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten zur letzten Phase ihres Zusammenlebens sei die Beschwerdegegnerin 2 aus wirtschaftlichen, finanziellen Gründen wieder beim Beschwerdeführer eingezogen. Es sei unbestritten, dass sie mindestens seit 2010 an Migräneanfällen gelitten habe, die mitunter so schwer sein konnten, dass sie deswegen ins Spital habe gebracht werden müssen. Auch der frühere Arbeitgeber habe die Migräneanfälle festgestellt und die Symptome mit denjenigen eines Schlaganfalls verglichen. Der Beschwerdeführer habe die Beeinträchtigung der Beschwerdegegnerin 2 gekannt. Er bestreite aber den Vorwurf sowie allgemein sexuellen Kontakt und einen Migräneanfall in der kritischen Zeit. Trotz gewisser Aggravationstendenzen der Beschwerdegegnerin 2 mit Bezug auf das Zusammenleben und das Verhalten des Beschwerdeführers ihr gegenüber im Allgemeinen sei hinsichtlich des konkreten Tatvorwurfs auf ihre Aussagen abzustellen. Die Beschwerdegegnerin 2 habe die Geschehnisse sehr originell, authentisch und adäquat begleitet von Gefühlen geschildert. Ihre Wortwahl in der Ersteinvernahme erscheine normal und der Ablauf stimmig. Auf eine allgemeine Frage hin habe sie spontan und nahtlos das Geschehen dargestellt. Auch die Gespräche am Mittag und Abend des Tattages, wonach ihr der Beschwerdeführer den Rücken habe wärmen wollen, habe die Beschwerdegegnerin 2 detailreich wiedergegeben. Mit Bezug auf die intimen Handlungen sei, auch in späteren Einvernahmen, keine Aggravation auszumachen. Zwar habe die Beschwerdegegnerin 2 den eigentlichen Akt - das Weitermachen mit der sexuellen Handlung - in der Ersteinvernahme nicht im Detail wiedergegeben. Der Grund dafür dürfte aber, neben ihrem damaligen, angeschlagenen Zustand, darin liegen, dass die (männlichen) Polizisten hinsichtlich des sexuellen Übergriffs keine eingehende Befragung hätten durchführen können. So hätten die Beamten nach der Schilderung des Vorfalls in freier Rede durch die Beschwerdegegnerin 2 keine Ergänzungsfragen gestellt. Die zweite Einvernahme vom Juli 2019 sei wesentlich detaillierter und ihre Aussagen naturgemäss umfangreicher. Sie habe erstmals erzählt, dass sie nach dem Vorfall zur Toilette gegangen und ihr Slip nass, klebrig und weiss gewesen sei. Sie habe erlebnisnah angegeben, dass der Beschwerdeführer gelacht habe, nachdem sie zu ihm gesagt habe, dass er hoffentlich nicht das getan habe, was sie denke. Die Beschwerdegegnerin 2 habe zwar vermutlich nicht gewusst, wie ihre Schilderung des Vorfalls rechtlich zu qualifizieren wäre. Jedoch hätte sie auf keinen Fall einen relativ komplizierten Vorfall mit einer Migräneattacke erfinden müssen, sondern einfach von einer Vergewaltigung gesprochen, wenn sie den Beschwerdeführer zu Unrecht hätte belasten wollen. Zudem wirke eindrücklich, dass sich die Beschwerdegegnerin 2 genervt habe, wenn sie sich nicht mehr vollumfänglich habe erinnern können, wobei Erinnerungslücken mit Bezug auf die dritte und vierte Befragung mit dem Zeitablauf zu erklären seien. Massgebend seien primär die ersten beiden Befragungen der Beschwerdegegnerin 2. Für ein reales Geschehen spreche auch die Entstehung der Aussagen resp. die Tatsache, dass nicht die Beschwerdegegnerin 2 selbst, sondern die konsultierten Ärzte mit ihrem Einverständnis die Polizei involviert hätten. Als objektive Beweismittel lägen ferner diverse Arztberichte im Recht. So habe die Beschwerdegegnerin 2 gegenüber den behandelnden Ärzten (C.________/D.________) erstmals am 2. Mai 2019 Beleidigungen und Abwertungen des Beschwerdeführers ihr gegenüber thematisiert und infolge des Vorfalls vom 26. Mai 2019 häusliche Gewalt und einen sexuellen Übergriff angesprochen. Letzterer sei breites Thema beim Aufsuchen des Notfallszentrums E.________ am 29. Mai 2019 gewesen. Der diesbezügliche Bericht sowie die Fotos zu den Verletzungen aus dem Vorfall vom 26. Mai 2019 würden sich grundsätzlich mit den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 decken. Gemäss Verlaufsbericht der Praxis F.________ habe die Beschwerdegegnerin 2 auch hier den Vorfall von Anfang/Mitte Mai 2019 angesprochen bzw. gesagt, dass sie während einer Migräne-Attacke vergewaltigt worden sei. Die Aussagen des Beschwerdeführers seien demgegenüber nicht glaubhaft. Er habe zum Vorfall keine bis sehr abweichende und ausschweifende Angaben gemacht. Demnach habe es zuletzt keine intimen Kontakte mehr gegeben, wobei er aber gewisse Verhaltensweisen der Beschwerdegegnerin 2 trotzdem als provozierend tituliert habe. Sie habe zuletzt auch keine Migräneanfälle mehr erlitten. Unter Verweis auf die Erstinstanz erachtet die Vorinstanz das Aussageverhalten des Beschwerdeführers als sehr auffällig. Es erscheine nicht als dasjenige einer Person, die einfach nur bestreite. Der Beschwerdeführer habe durchwegs aggraviert und stets versucht, die Beschwerdegegnerin 2 in ein schlechtes Licht zu rücken. In Kontrast dazu habe er ein sehr positives Bild von sich selbst als Vater und Ehemann gezeichnet, dem jedoch die gegenteiligen Aussagen seiner Kinder gegenüberstünden. Er habe die Vorwürfe konsequent und von Beginn weg bestritten und sich überdies als Opfer eines Komplotts bezeichnet. Ferner habe er massive Gegenvorwürfe an die Beschwerdegegnerin 2 gerichtet, wobei nicht nachvollziehbar sei, dass er die angebliche Tyrannei seiner Ex-Frau stets ohne Widerspruch ertragen haben wolle. Insgesamt bestünden erhebliche Zweifel an den Aussagen des Beschwerdeführers, sodass darauf nur insoweit abgestellt werden könne, als sie sich mit objektiven Beweisen deckten, bzw. als sie nicht in Widerspruch zu überzeugenderen Aussagen anderer Personen stünden.