Citation: 5A_852/2023 E. 5

All diese Beanstandungen laufen ins Leere. Dies gilt zunächst für die Sachverhaltsrüge. Gewiss trifft es in tatsächlicher Hinsicht zu, dass sich die einzelrichterliche Verfügung vom 2. März 2023 allein von ihrem Wortlaut her nicht zu den Unterlagen äussert, deren Eröffnung unterblieb. Welche offensichtlichen Schlüsse die Beschwerdeführerin aus diesem Umstand ziehen, wie sie die besagte Verfügung also nach Treu und Glauben verstehen musste, ist jedoch keine Frage der Feststellung des (Prozess-) Sachverhalts, sondern eine solche der (normativen) Auslegung der betreffenden Verfügung und damit eine Rechtsfrage (vgl. Urteil 2C_1055/2020 vom 3. März 2021 E. 1.2.2.5 mit Hinweisen). Dass sich die Vorinstanz bei der Anwendung der diesbezüglichen Rechtsregeln vertan hätte, macht die Beschwerdeführerin nicht geltend. Auch sonst ist der Beschwerde keine Erklärung zu entnehmen, weshalb sich die Beschwerdeführerin nicht zu einem (sofortigen) Vorgehen gegen die Verfügung vom 2. März 2023 veranlasst sehen musste und sich damit begnügen durfte, den Einzelrichter am 6. April 2023 erneut um die Eröffnung sämtlicher eingereichter Unterlagen zu ersuchen. Mithin bleibt es bei der vorinstanzlichen Erkenntnis, wonach sich die Beschwerdeführerin schon aufgrund der Verfügung vom 2. März 2023 darüber im Klaren sein musste, dass der Einzelrichter in den übrigen eingelieferten Unterlagen keine zu eröffnenden letztwilligen Verfügungen zu erkennen vermochte. Nach dem Gesagten ist auch dem Vorwurf, dass das Kantonsgericht mit Bezug auf die Verfügung vom 2. März 2023 eine formelle Rechtsverweigerung zu Unrecht verneine, der Boden entzogen. Eine formelle Rechtsverweigerung liegt vor, wenn eine Behörde auf eine ihr frist- und formgerecht unterbreitete Sache nicht eintritt, obschon sie darüber befinden müsste (BGE 135 I 6 E. 2.1). Müssen mit der Verfügung vom 2. März 2023 alle von der Beschwerdeführerin eingelieferten Unterlagen bzw. alle von ihr daraus abgeleiteten letztwilligen Verfügungen als behandelt gelten, so kann nicht gesagt werden, dass sich der Einzelrichter bundesrechtswidrig geweigert hätte, auf die ihm unterbreitete Angelegenheit einzutreten. Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang bemängelt, dass das Kantonsgericht auf ihre Beschwerde vom 24. April 2023 "rechtsfehlerhaft" nicht eintrete, übersieht sie den vorinstanzlichen Urteilsspruch, der allein ihre Rechtsstellung berührt und dem zufolge ihre Beschwerde abgewiesen wird, soweit darauf einzutreten ist. Allein an der Korrektur von Entscheidgründen hat die Beschwerdeführerin kein schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 76 Abs. 1 BGG. Was schliesslich ihre Eingabe vom 6. April 2023 angeht, hat die Beschwerdeführerin den vorinstanzlichen Erwägungen, wonach sie in dieser Eingabe keine Wiedererwägungsgründe vorgebracht habe, nichts entgegenzusetzen. Im Rahmen der Rechtsverzögerungs- und Rechtsverweigerungsbeschwerde, mit der allein die Vorinstanz befasst war, kann an sich kein Thema sein, ob die einzelrichterlichen Verfügungen vom 2. März und 13. April 2023 (s. Sachverhalt Bst. B.c und B.e) Art. 556 ff. ZGB verletzten. Die Erwägungen, mit denen sich das Kantonsgericht "eventualiter" zu dieser Frage äussert (s. E. 3), sind daher keine (alternative) entscheidtragende Begründung für den angefochtenen Entscheid. Abgesehen davon wäre die auch vor Bundesgericht erhobene Rüge, dass die Nichteröffnung bestimmter Unterlagen Art. 556 ff. ZGB verletze, zum Scheitern verurteilt. Wie ihre über alle Instanzen gestellten Rechtsbegehren zeigen, setzt die Beschwerdeführerin die verschiedenen Schriftstücke und Zeugenaussagen, aus denen sie die Existenz der eigenhändigen letztwilligen Verfügungen im Original überhaupt erst herleiten will, mit ebendiesen (angeblichen) eigenhändigen letztwilligen Verfügungen gleich und folgert daraus, dass die fraglichen Unterlagen selbst in ihrer Gesamtheit bzw. Kombination als eigenhändige letztwillige Verfügungen zu eröffnen sind. Damit unterliegt sie einem Zirkelschluss, verwendet sie das (rechtliche) Vorhandensein der drei letztwilligen Verfügungen vom 27. Januar 2005, 30. Oktober 1969 und 28. Januar 2005 doch als Voraussetzung, um mit den fraglichen Unterlagen gerade die Existenz dieser drei Verfügungen zu erklären. Die Beschwerdeführerin täuscht sich, wenn sie meint, sich das Verfahren der behördlichen Eröffnung letztwilliger Verfügungen für ein derartiges Unterfangen zunutze machen und auf diese Weise einen Zivilprozess um die Existenz der von ihr behaupteten eigenhändigen letztwilligen Verfügungen vermeiden zu können. Einzuliefern (Art. 556 Abs. 1 ZGB) und zu eröffnen (Art. 557 Abs. 1 ZGB) sind Schriftstücke, die selbst, das heisst für sich genommen, eine letztwillige Verfügung verkörpern könnten (s. die Beispiele bei FRANK EMMEL/DARIO AMMANN, in: Abt/Weibel [Hrsg.], Erbrecht, Praxiskommentar, 5. Aufl., 2023, N 5 zu Art. 556 ZGB), nicht aber irgendwelche Unterlagen, mit denen - wie von der Beschwerdeführerin beabsichtigt - eine mutmassliche, bloss gedachte letztwillige Verfügung bewiesen werden soll, von der unbekannt ist, ob sie (im Original) noch existiert oder überhaupt je existierte. Insofern hilft der Beschwerdeführerin auch der Hinweis auf BGE 101 II 211 nicht weiter, denn in jenem Fall wurde (zusammen mit einem später erstellten Testament) der maschinengeschriebene Entwurf einer vernichteten eigenhändigen letztwilligen Verfügung eröffnet, deren (frühere) Existenz und Formgültigkeit erstellt und wörtliche Übereinstimmung mit dem Entwurf unbestritten war (s. BGE a.a.O., Sachverhalt Bst. A und B sowie E. 5). Auch im Sachverhalt, der dem Urteil 5C.133/2002 vom 31. März 2003 zugrunde lag, betraf das eröffnete Schriftstück ein eigenhändiges Testament, dessen frühere Existenz nicht in Frage stand. Dass die Schriftstücke, deren Eröffnung der Einzelrichter im heute zu beurteilenden Fall verweigert hatte, selbst eine (eigenhändige) letztwillige Verfügung verkörpern würden, macht die Beschwerdeführerin auch vor Bundesgericht nicht geltend. Die Frage, ob sich diese Dokumente dazu eignen, die Existenz (angeblicher) eigenhändiger letztwilligen Verfügungen nachzuweisen, kann nach dem Gesagten nicht zum Thema des Eröffnungsverfahrens gemacht werden.