Citation: U 425/00 29.01.2003 E. 3

Die SUVA hat einen Invaliditätsgrad von 50 %, die IV-Stelle Basel-Stadt hingegen unter Hinweis darauf, dass nebst den Unfallfolgen auch krankheitsbedingte Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit vorlägen, einen solchen von 70 % ermittelt. Aufgrund der Akten liegt nahe, dass die Differenz mit der im Gutachten der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals B.________ vom 22. Juli 1996 diagnosti-zierten schweren narzisstischen Neurose mit sekundärem Alkoholabhängig-keitssyndrom zu erklären ist. Während die SUVA und das kantonale Gericht die Alkoholproblematik, da vorbestehend, für unfallfremd halten, bringt der Be-schwerdeführer vor, er habe sich vor dem Unfall in einer längeren Phase der Suchtfreiheit befunden, weshalb sich trotz seiner Prädisposition zur Alkoholsucht die Frage stelle, ob nicht gerade der äusserst schwere Arbeitsunfall für den Rückfall in die Alkoholsucht massgeblich verantwortlich sei. Da eine Leistungs-pflicht der sozialen Unfallversicherung voraussetzt, dass zwischen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden sowohl ein natürlicher als auch ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 125 V 462 Erw. 5c), ist zunächst zu prüfen, wie es sich damit verhält. 3.1 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). 3.2 Zwar litt der Beschwerdeführer schon Jahre vor dem Unfall an psychischen Schwierigkeiten und Alkoholproblemen. 1980 kam es zu einem Suizidversuch mit Tabletten und Alkohol. Am 23. Januar 1983 wurde der Versicherte wegen Suizidgedanken für zwei Monate und am 31. August 1984 wegen einer Alkohol- und Tablettenintoxikation erneut in der Psychiatrischen Klinik B.________ hos-pitalisiert. 1986 fand eine Alkoholentziehungskur statt. Indessen kann aufgrund der vorhandenen Akten nicht ohne nähere Abklärungen von der Hand gewiesen werden, dass zur Zeit des Unfalls keine oder nur geringe Alkoholprobleme bestanden und der Unfall in Bezug auf den Alkoholismus zu einer unfallversicherungsrechtlich relevanten Verschlimmerung oder einem Rückfall führte. Anlässlich der Begutachtung durch die Psychiatrische Poliklinik des Spitals B.________ (Gutachten vom 22. Juli 1996) erklärte der Beschwer-deführer, im Sommer 1991 habe er wegen der Schmerzen im rechten Arm den Alkoholkonsum erhöht. Im Verlauf der Jahre 1993 und insbesondere 1994 sei das Alkoholproblem in den Vordergrund gerückt, wobei er am 7. Dezember 1994 wegen einer Mischintoxikation mit Alkohol, Distraneurin und weiteren Medika-menten hospitalisiert gewesen sei und im Dezember 1994 eine Alkoholent-zugsbehandlung im Spital C.________ sowie im Januar 1995 eine solche in der Psychiatrischen Klinik absolviert habe. Beim Unfall habe der Alkohol keine Rolle gespielt, was durch eine am Unfalltag vorgenommene Bestimmung der Blutal-koholkonzentration bestätigt worden sei. Auch im Gutachten des PD Dr. med. F.________, Spezialarzt für Neurologie FMH, vom 18. August 1996 wird er-wähnt, die von der Neurologischen Klinik des Spitals B.________ als Thalamus-schmerz interpretierten Beschwerden hätten nach Angaben des Versicherten neben seiner "Untätigkeit" nicht zuletzt zur sozialen Dekompensation mit erneu-ten Alkoholproblemen geführt; in der Beurteilung wird festgehalten, die intensi-ven Schmerzen im Bereich der rechten oberen Extremität sowie auf der rechten Körperseite hätten zu einem erheblichen Abusus von Analgetika geführt und phasenweise vermehrten Alkoholkonsum sowie eine soziale Dekompensation bedingt. Wenn Dr. med. G.________, Allgemeine Medizin FMH, vorbestehende soziale und alkoholbedingte Schwierigkeiten als im Heilungsverlauf mitspielende unfallfremde Faktoren bezeichnet (Berichte vom 27. Februar 1992, vom 4. Juni 1992 und vom 10. September 1992), so kann gestützt darauf mangels einer diesbezüglichen Begründung eine Teilkausalität des Unfalls für den Alkoholismus nicht verneint werden (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Das Gleiche gilt für die Bezeichnung des Äthylismus als unfallfremd durch Kreisarzt Dr. med. W.________. Das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene Gutachten der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals B.________ vom 22. Juli 1996 nimmt nicht ausdrücklich zur Frage einer Teilkausalität des Unfalls für die Alkoholproblematik Stellung. Dr. med. F.________ zählt in seinem neurologischen Gutachten vom 18. August 1996 ausdrücklich auf, welche Gesundheitsschäden er für sichere, wahrscheinliche und nur mögliche Folgen des Unfalls betrachtet. Wenn er den Alkoholabusus keiner dieser Kategorien zuordnet, sondern diesbezüglich festhält, dieses Leiden sei bereits vor dem Unfallereignis beschrieben worden, so kann daraus nicht zwingend geschlossen werden, der Experte habe eine Teilursächlichkeit des Unfalles im Sinne einer Verschlimmerung oder eines Wiederauflebens der Alkoholprobleme verneint. Die im gleichen Gutachten enthaltene Bemerkung, ob das Suchtverhalten allein im Gefolge der unfallbedingten cerebralen Schädigung interpretiert werden dürfe, er-scheine aufgrund der Vorgeschichte zweifelhaft, spricht vielmehr für die gegenteilige Annahme. Vor diesem Hintergrund kann nicht auf die im zuhanden der IV-Stelle, für welche die Abgrenzung zwischen krankheits- und unfallbedingten Gesundheitsschäden irrelevant ist (Art. 4 Abs. 1 IVG), erstatteten Bericht des gleichen Arztes vom 24. November 1997 enthaltene Qualifikation des chronischen Alkoholabusus als krankheitsbedingter Faktor abgestellt werden, um eine Teilkausalität des Unfalls auszuschliessen. Dies gilt umso mehr, als diese Einschätzung einzig mit dem Vorbestehen der Alkoholprobleme begründet wird, ohne dass auf die Frage einer Verschlimmerung durch den Unfall eingegangen würde, und im Übrigen die Beurteilung der Teilursächlichkeit des Unfallereignisses für eine psychische Krankheit - narzisstische Neurose mit sekundärem Alkoholabhängigkeitssyndrom - nicht in den Fachbereich des Neurologen fällt. 3.3 Nachdem frühere Alkoholprobleme des Beschwerdeführers bekannt sind, sich den vorhandenen medizinischen Akten aber keine schlüssigen Hinweise auf deren Beeinflussung durch den Unfall, insbesondere über den Zustand in den letzten Jahren vor dem Unfall entnehmen lassen, sind hinsichtlich der Unfallkausalität des Alkoholismus weitere Abklärungen erforderlich. Deren Zweck besteht darin, über die genaue Entwicklung der Alkoholprobleme Aufschluss zu geben und die Frage zu beantworten, ob der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine unfallversicherungsrechtlich relevante Teilursache des Alkoholismus darstellt. Nebst psychiatrischen Abklärungen könnte diesbezüglich auch die Einholung einer Auskunft bei der damaligen Arbeitgeberin des Versicherten sachdienlich sein. Die Sache ist schon zur Vornahme der im vorliegenden Zusammenhang notwendigen Aktenergänzungen an die SUVA zurückzuweisen. Die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs kann nicht etwa mit der Begründung offen gelassen werden, der adäquate Kausalzusammenhang sei ohnehin zu verneinen. Letzterer ist hier nämlich bei Vorliegen des natürlichen Kausalzusammenhangs unabhängig davon, ob die Rechtsprechung zu Schädel-Hirntraumen oder zu den psychischen Unfallfolgen massgebend ist, ohne weiteres zu bejahen, wenn, was bisher nicht zu prüfen war, von einem schweren Unfall auszugehen ist (BGE 117 V 383 Erw. 4b, 115 V 140 Erw. 6b).