Citation: 2C_743/2019 E. 4.3.2

4.3.2. Dessen ungeachtet ist der Begriff der Veräusserung nicht so eng zu verstehen, dass davon einzig die Übertragung eines dinglichen oder obligatorischen Rechts an eine andere Person erfasst wäre. Der Gesetzgeber hat die Kriterien Substanzverzehr und Veräusserung im Bereich der Abgrenzung des Kapitalgewinns von Vermögenserträgen auf beweglichem Privatvermögen relativiert, indem er zusätzlich oder stattdessen auf andere Merkmale abstellt. Für Obligationen mit überwiegender Einmalverzinsung sieht Art. 20 Abs. 1 lit. b DBG vor, dass über die investierte Kapitalsumme hinausgehende Leistungen Dritter zum steuerbaren Vermögensertrag zählen, diese also nicht als private Kapitalgewinne steuerfrei bleiben (vgl. Urteil 2C_77/2017 vom 16. Januar 2019 E. 4.3.2). Diese Regelung orientiert sich am objektiven Herkunftsprinzip, wonach es für die Steuerbarkeit eines Entgelts für die Überlassung von Kapital nicht darauf ankommt, ob dieses vom Kapitalschuldner oder von einem Dritten geleistet wird (RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N. 19 zu Art. 20 DBG). Greift das objektive Herkunftsprinzip, hat dies zur Folge, dass der Gewinn aus der Veräusserung eines Rechts, also ein Kapitalgewinn, entgegen der allgemeinen Regel von Art. 16 Abs. 3 DBG steuerbar ist (vgl. WEIDMANN/SCHMID, Aspekte der Besteuerung von Finanzmarktprodukten aus struktur- und anwendungsorientierter Sicht, FStrR 2005, S. 50 ff., S. 53). Zum steuerbaren Vermögensertrag bei Obligationen mit überwiegender Einmalverzinsung zählt nach der Vorschrift von Art. 20 Abs. 1 lit. b DBG namentlich der vereinnahmte Marchzins (Urteil 2C_77/2017 vom 16. Januar 2019 E. 4.3.2).