Citation: U 167/06 31.01.2007 E. 3

In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erachtet es die SUVA nicht als erwiesen, dass der Beschwerdegegner beim Unfall vom 30. Mai 2002 ein HWS-Distorsionstrauma im Sinne eines sog. Schleudertraumas erlitten hat, weil es nicht innert der von der Rechtsprechung genannten Frist von 72 Stunden nach dem Unfall zu dem für solche Verletzungen typischen Beschwerdebild gekommen sei. 3.1 Die Ärzte des Spitals X.________ stellten am Unfalltag eine Druckdolenz über den Dornfortsätzen C3-7 und Th1-11 sowie eine Muskelverspannung mit Schmerzen über den ganzen Abschnitt fest und diagnostizierten ein "HWS-Schleudertrauma Grad I" (Austrittsbericht vom 31. Mai 2002). Funktionsaufnahmen der HWS und BWS vom 13. Juni 2002 ergaben keine Frakturen oder traumatischen Läsionen; es zeigte sich jedoch eine reduzierte Beweglichkeit der unteren HWS bei Streck- und Schiefhaltung der HWS und leichtgradiger Drehskoliose der BWS. Der behandelnde Arzt Dr. med. C.________ stellte am 21. Juni 2002 die Diagnose einer HWS-Distorsion mit starken Schmerzen im Bereich des Nackens und des Schultergürtels, woran er in weiteren Berichten vom 28. Oktober 2002 und 28. März 2003 festhielt. Kreisarzt Dr. med. U.________ bestätigte am 8. Juli 2002 die Diagnose einer HWS-Distorsion mit Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen und stellte fest, der Versicherte zeige die klassische Klinik einer solchen Verletzung mit insuffizienter Analgesie bei Nichteinnahme der verschriebenen Schmerzmedikamente. Aufgrund der übereinstimmenden ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung des Unfallhergangs, wie er sich aus den Polizeiakten ergibt, ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Beschwerdegegner beim Unfall vom 30. Mai 2002 eine, wenn auch leichte HWS-Distorsion im Sinne eines sog. Schleudertraumas erlitten hat. Er hat im Anschluss an den Unfall denn auch über Beschwerden (Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen, später auch Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Nervosität und Angstzustände, Schlafstörungen, Tinnitus sowie eine depressive Reaktion) geklagt, welche zum typischen Beschwerdebild solcher Verletzungen gehören (BGE 117 V 360 Erw. 4b). Davon, dass es sich dabei zumindest teilweise um unfallkausale Beeinträchtigungen handelt, gehen nebst Dr. med. U.________ auch die SUVA-Kreisärzte Dr. med. B.________ (Bericht vom 21. Januar 2004) und Dr. med. A.________ (Stellungnahme vom 4. November 2004) aus. Zu keinem andern Schluss geben die Berichte über die stationären Abklärungen in der Rehaklink Y.________ vom 22. Juli 2003 und der Rehaklinik W.________ vom 6. April 2004 Anlass. 3.2 Der SUVA kann auch insoweit nicht gefolgt werden, als sie sich darauf beruft, das typische Beschwerdebild sei nicht innert der von der Rechtsprechung als massgebend bezeichneten Dauer von 72 Stunden nach dem Unfall aufgetreten. Die 72 Stunden-Regel gilt vorab für das Auftreten von Nackenschmerzen, weil es medizinischer Erkenntnis entspricht, dass sich solche Beschwerden innert einer Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall manifestieren (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29 mit Hinweisen). Sie bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche der zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Distorsionstraumas gehörenden und im Einzelfall festgestellten Symptome innert dieser Latenzzeit aufgetreten sein müssen (Urteile A. vom 16. September 2004, U 121/04, und M. vom 17. Juni 2003, U 358/02). Denn es entspricht ebenfalls medizinischer Erfahrung, dass im Anschluss an solche Verletzungen noch Jahre nach dem Unfall Beeinträchtigungen der verschiedensten Art auftreten können (BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall ist aufgrund der Angaben des Versicherten im "Erhebungsblatt für die Abklärung von HWS-Fällen" vom 8. Juli 2002 und der ärztlichen Feststellungen mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass innert der Latenzzeit Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen aufgetreten sind. Dr. med. U.________ hat die Angaben des Versicherten über die geltend gemachten Beschwerden anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 8. Juli 2002 ausdrücklich als konsistent bezeichnet. Zudem liegt nach dem Gesagten eine fachärztlich wiederholt bestätigte Diagnose eines Distorsionstraumas der HWS vor. Gründe, weshalb nachträglich von dieser auch seitens der SUVA anerkannten Diagnose abzugehen wäre, sind nicht ersichtlich. Mit der Vorinstanz ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner beim Unfall vom 30. Mai 2002 ein HWS-Distorsionstrauma im Sinne eines sog. Schleudertraumas erlitten hat.