Citation: I 97/01 12.07.2001 E. 3

3.- a) Streitig sind im Weiteren die Arbeitsfähigkeit und damit die Feststellung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch erzielbaren Einkommens (Invalideneinkommen) sowie die Einsatzfähigkeit im Haushalt. aa) Die Beschwerdeführerin beruft sich auf das Gutachten des Prof. Dr. med. H.________, Klinikdirektor, und des Dr. med. L.________, Oberarzt, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, Spital Z.________, vom 19. November 1998, worin folgende Diagnose gestellt wurde: neuropathisches Schmerzsyndrom im Bereich des Nervus saphenus und der Rami cutanei anteriores des Nervus femoralis rechts sowie diskrete motorische Ausfälle der Quadrizepsmuskulatur rechts bei Status nach laparoskopischer Adhäsiolyse bei Adhäsionen im rechten Unterbauch bei Status nach offener Appendektomie (1986) mit iatrogener Läsion der Arteria iliaca externa und partiell des Nervus femoralis rechts am 30. Oktober 1996, Status nach Laparotomie, Goretex-Interponat der rechten Arteria iliaca externa sowie Naht des partiell lädierten Nervus femoralis rechts am 30. Oktober 1996, chronifiziertes Panvertebralsyndrom rechts mit lumbospondylogener Komponente mit/bei Fehlform der Wirbelsäule, muskulärer Insuffizienz im Rahmen einer Fehlbelastung bei oben genannten Diagnosen, reaktive Depression. Die Arbeitsunfähigkeit als Raumpflegerin betrage ab dem Operationsdatum bis heute und bleibend 100 %. Als Hausfrau bestehe eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit. Nicht mögliche Tätigkeiten als Hausfrau seien Einkauf mit Tragen von Lasten über 5 kg, Putzarbeiten im Haushalt, Gartenarbeit und gewisse Wäschereinigung. Der Endzustand sei nicht erreicht. Im Rahmen einer Hospitalisation in der Schmerzklinik A.________ mit Evaluation einer möglichen anästhesiologischen Schmerztherapie und allenfalls zusätzlicher psychologischer respektive psychiatrischer Betreuung zur subjektiven Verbesserung der Schmerzwahrnehmung könnte eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik auftreten. Erst wenn die Schmerzsymptomatik genügend bekämpft werden könne, wäre eine intensive physikalische Therapie zum Aufbau der dekonditionierten Rückenmuskulatur möglich und sinnvoll. Denkbar wäre, dass die Arbeitsfähigkeit als Hausfrau auf 75 %, bei sehr gutem Ansprechen auf die Therapien allenfalls auf 100 % gesteigert werden könnte. Als Raumpflegerin dürfte sie dauernd arbeitsunfähig bleiben. Durch einen Berufswechsel könne die Arbeitsfähigkeit nicht erhöht werden. bb) Verwaltung und Vorinstanz stützen sich auf das Gutachten des Spitals X.________ vom 25. Juli 1999. Darin wurde folgende Diagnose gestellt: persistierendes neuropathisches Schmerzsyndrom im Ausbreitungsgebiet des Nervus femoralis rechts (Rami cutanei anteriores und Nervus saphenus) bei Status nach iatrogener Läsion des Nervus femoralis (partielle Durchtrennung) und der Arteria iliaca externa anlässlich einer laparaskopischen Adhäsiolyse am 30. Oktober 1996, Status nach Laparotomie, Gore-tex-Interponat der rechten Arteria iliaca externa sowie Naht des Nervus femoralis, depressive Entwicklung, Spannungskopfschmerzen, lumbospondylogenes Syndrom rechts, whs. bei degenerativen Veränderungen, keine sichere radikuläre Symptomatik, arterielle Hypertonie. Die Arbeitsfähigkeit sei durch medizinische Massnahmen nicht wesentlich zu verbessern. Im Bereich Reinigungsmitarbeiterin betrage sie seit der Operation vom 30. Oktober 1996 schätzungsweise noch 20 %, für eine rein sitzende Tätigkeit 50 %. Günstig wäre eine Arbeit, bei der die Versicherte zwischendurch aufstehen könnte, da sie auch bei längerem Sitzen über intensivere Schmerzen klage. Eine wechselnd belastende Tätigkeit mit vorzugsweisem Sitzen sei daher zumutbar. Eine Verbesserung der lumbospondylogenen Problematik wäre auch durch eine Gewichtsreduktion zu erreichen. Eine antidepressive Behandlung sei sinnvoll. Die Vorinstanz legt dar, das Gutachten des Spitals Z.________ vom 19. November 1998 sei nicht nachvollziehbar. Denn es bejahe eine teilweise Arbeitsfähigkeit als Hausfrau und verneine nur körperlich anstrengendere Arbeiten wie das Tragen von Lasten über 5 kg oder die Gartenarbeit. Hieraus müsse geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin auch ausserhäuslich in einem beschränkten Umfang Arbeiten erledigen könne, die nicht mit grosser körperlicher Anstrengung verbunden seien. Zu diesem Schluss komme denn auch das Spital X.________, auf dessen Einschätzung abzustellen sei. b) Nach dem Gesagten bestehen zwischen den Gutachten erhebliche Differenzen bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht. Es kann indessen offen bleiben, ob die von der Vorinstanz gegen das Gutachten des Spitals Z.________ vorgebrachten Einwände stichhaltig sind. Denn als Erstes ergibt sich aus dem Gutachten des Spitals X.________ vom 25. Juni 1999, dass den Verfassern dasjenige des Spitals Z.________ vom 19. November 1998 nicht zur Verfügung stand. Die Expertise wurde somit ohne Kenntnis einer wesentlichen Vorakte erstellt. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse des Gutachtens vom 25. Juni 1999 auf der medizinischen Gesamtsituation basieren, sodass es den zitierten Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberichtes (Erw. 1 in fine) nicht genügt. Weiter ist zu beachten, das in den obigen Gutachten - wie gesagt - eine reaktive Depression bzw. eine depressive Entwicklung festgestellt wurden. Auch der Hausarzt Dr. med. M.________ diagnostizierte im Bericht vom 15. Januar 1998 eine seit Jahren bestehende depressive Entwicklung mit Spannungskopfschmerzen und Schlafstörungen; zudem sei die Beschwerdeführerin nach der Operation vom 30. Oktober 1996 erst richtig psychisch krank bzw. depressiv geworden. Unter diesen Umständen ist eine fachärztliche psychiatrische Abklärung notwendig, um die Einschränkung in der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit rechtsgenüglich beurteilen zu können. Bei dieser Sachlage besteht keine hinreichende Grundlage zur Bestimmung des Invalideneinkommens. Notwendig ist eine sämtliche Aspekte des vorliegenden Falles umfassende interdisziplinäre medizinische Begutachtung, vorzugsweise in der hierfür spezialisierten Abklärungsstelle der Invalidenversicherung (MEDAS). Die einzuholende Expertise wird sich insbesondere darüber auszusprechen haben, ob - wie im Gutachten des Spitals Z.________ vom 19. November 1998 erwähnt wurde - medizinische Massnahmen angebracht sind. Weiter wird sie zur Arbeitsfähigkeit in den in Betracht fallenden Tätigkeiten Stellung zu nehmen haben.