Citation: 2C_1024/2019 E. 5.2

5.2. Die Vorinstanz hat das Vorliegen ehelicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG im Wesentlichen gestützt darauf verneint, dass keine objektiven Indizien vorlägen, welche die Ausführungen der Beschwerdefüherin untermauern würden. Die Vorwürfe strafbarer Handlungen (Wasser über den Kopf giessen, Kopfstoss, Drücken des Arms, Nötigung und Drohung mit eine Messer) seien im Strafverfahren nicht erhärtet worden. Der Abklärungsbericht der Psychiatrie äussere die Verdachtsdiagnose einer akuten Belastungsreaktion, die eine rasch abklingende normale Reaktion der menschlichen Psyche auf ein aussergewöhnliches Belastungsereignis sei. Gegen die verdachtsweise geäusserte Differentialdiagnose einer Anpassungsstörung, welche mit Beeinträchtigungen der sozialen Funktionen und Leistungen verbunden sei, spreche, dass die Beschwerdeführerin im Dezember 2017 erfolgreich eine betriebsinterne Weiterbildung absolviert habe. Eine anhaltende psychische Beeinträchtigung könne ausgeschlossen werden. Gegen eine von Psychoterror und häuslicher Gewalt geprägte Ehe spreche ferner, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur beabsichtigten Nichtverlängerung ihrer Aufenthaltsbewillung die Hoffnung geäussert habe, die Ehe fortsetzen zu können. Die Akten zeichneten denn auch das Bild unglücklicher und verlustbehafteter letzter Monate einer von verbalen Auseinandersetzungen geprägten Ehegemeinschaft, wo das Vorkommen einzelner Handgreiflichkeiten nicht ganz ausgeschlossen werden könne. Grund für das Scheitern der Ehe seien jedoch weitgehend eheliche Probleme im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Auffassungen zur Rolle der Frau in der Ehe und zum Umgang mit Geld gewesen. Die Tatsache, dass der Ehemann die Beschwerdeführerin aus der Wohnung vertrieben habe, sei nicht ausreichend für die Annahme ehelicher Gewalt.