Citation: 4C.344/1998 24.11.2000 E. 4

4.- a) Die Beklagten wiederholen ihre bereits vor Handelsgericht vorgebrachte Auffassung, die Erstellung und Verwendung eines unwahren Jahresabschlusses sei nicht geeignet gewesen, den Entscheid der Klägerin über ein Kreditgesuch zu beeinflussen. Das Handelsgericht erwog, die Klägerin hätte den Kredit 1991 nicht - zumindest nicht ohne weitere Abklärungen - oder zu anderen Bedingungen gewährt, wenn ihr eine korrekt erstellte Bilanz vorgestellt worden wäre. Die Beklagten behaupten hingegen erneut, die Debitoren seien ausgewiesen und im Zeitpunkt der Kreditverhandlungen bereits bezahlt gewesen. Auch eine Bilanzierung und ein entsprechender Hinweis auf die Darlehensschuld gegenüber der Gueyerzeller Bank hätte die Klägerin nicht davon abgehalten, der C.E. Capital gleichwohl einen Kredit von Fr. 300'000.-- gegen Bevorschussung von Debitoren einzuräumen. Denn einzig massgeblich sei die Bonität der der Klägerin einzureichenden Debitoren. Dass die Bonität der Debitoren aber gerade nicht gewährleistet war und überdies der Debitorenbestand in dem im Jahresabschluss 1990 aufgeführten Umfang nicht der Wirklichkeit entsprach, hielt das Handelsgericht verbindlich fest. b) Ohne substanzielle rechtliche Anhaltspunkte gegen die Bejahung der objektiven Zurechnung vorzubringen, rügen die Beklagten neben der pauschalen Verletzung der Regeln über die Adäquanz gemäss Art. 41 OR eine Verletzung von Art. 8 ZGB. Sie machen geltend, das Handelsgericht sei auf ihren Antrag auf eine konkrete Beweisführung zur Frage des Kausalzusammenhangs zwischen unwahrem Jahresabschluss und Schädigung der Klägerin nicht eingegangen. Sollten sie damit sinngemäss eine Verweigerung des rechtlichen Gehörs geltend machen, so ist darauf nicht einzutreten. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs als verfassungsmässiges Recht wäre vielmehr mit staatsrechtlicher Beschwerde zu rügen (Art. 43 OG). Insoweit als diese Rüge jedoch als Vorwurf unzulässiger Belastung der Beklagten mit den Folgen der Beweislosigkeit zu verstehen ist, erweist sie sich zwar an sich als zulässig, aber unbegründet. Denn Beweislosigkeit ist hier nicht gegeben, da ein positives Beweisergebnis des Handelsgerichts vorliegt, womit die Frage einer Art. 8 ZGB verletzenden Belastung einer Partei mit den Folgen der Beweislosigkeit gegenstandslos ist (BGE 119 II 114 E. 4c; 118 II 142 E. 3a). c) Im Bereich der aktienrechtlichen Verantwortlichkeit sind an die Adäquanz keine allzu hohen Anforderung zu stellen (Forstmoser, Die aktienrechliche Verantwortlichkeit, 2. Aufl. 1987, S. 98 f. N 269). Es genügt zudem, wenn die Pflichtwidrigkeit des ins Recht Gefassten eine Teilursache darstellt (Forstmoser, a.a.O., S. 100 N 270). Ein Ereignis genügt als adäquate Ursache eines Erfolges, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet war, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, so dass der Eintritt dieses Erfolges durch jenes Ereignis allgemein als begünstigt erscheint. Dabei kommt es auf die allgemeine Eignung der fraglichen Ursache an, Wirkungen der eingetretenen Art herbeizuführen (BGE 113 II 52 E. 3a; 93 II 22 E. 6). Hinsichtlich des Beweises dieses Zusammenhangs muss sich das Sachgericht mit jener Gewissheit zufrieden geben, welche ihm die Erfahrung des Lebens verleiht und welche mit dem gewöhnlichen Lauf der Dinge rechnet (BGE 113 II 52 E. 3a). Dass eine fehlende Bilanzierung eines Darlehens in einer gemessen an der Kapitalstärke der betreffenden Gesellschaft bedeutenden Höhe, jedenfalls aber die Auflistung nicht existierender Debitorenbestände geeignet sind, beim Kreditgeber einen Irrtum über die finanzielle Situation dieser Gesellschaft und damit seinen Kreditentschluss hervorzurufen oder zumindest zu begünstigen, kann nicht abgestritten werden. Die Ausführungen des Handelsgerichts zur Frage der Adäquanz sind daher bundesrechtlich nicht zu beanstanden.