Citation: U 8/05 12.04.2005 E. 4

4.1 Der Kreisarzt-Stellvertreter hat mit Untersuchungsbericht vom 3. Oktober 2003 ausgeführt, den vom Patienten geklagten Beschwerden liege anscheinend kein organisches Korrelat zugrunde. Er hat sich weder über das Vorliegen eines somatischen Gesundheitsschadens noch über die Frage der natürlichen Kausalität zum versicherten Ereignis abschliessend geäussert, sondern angesichts der verbliebenen Unsicherheiten zu Recht eine stationäre Abklärung eingeleitet, um die Beschwerden erst einmal den in Frage kommenden medizinischen Kategorien zuordnen zu können. Dabei musste es in erster Linie darum gehen, die jeweilige Bedeutung psychischer und organischer Entstehungsfaktoren zu klären. Aufgrund der eingehenden Abklärung in der Rehaklinik X.________ ergab sich, dass die vollständige Arbeitsunfähigkeit als solche psychisch bedingt ist. Wird dagegen nur die somatische Beeinträchtigung (lumbospondylogenes Syndrom) betrachtet, wäre nach fachärztlicher Beurteilung eine ganztägige Arbeit zumutbar, sofern es sich um eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit handelt (Austrittsbericht vom 12. März 2003). Nachdem die Verwaltung die psychogenen Komponenten bei der Leistungsabklärung zu Recht ausgeklammert hat, stellte sich ihr nunmehr noch die Frage nach der Unfallbedingtheit der rein körperlichen Einschränkung. Dabei galt es, die Möglichkeiten einer andauernden Beschwerdeverursachung durch die beim Unfall erlittene organische Schädigung einerseits oder aber einer alternativen Ursache, etwa einer vorbestehenden degenerativen Veränderung der Lendenwirbelsäule, anderseits gegeneinander abzuwägen. Diese Festlegung konnte nach Lage der Akten im Zeitpunkt des Einspracheentscheids mangels einer begründeten medizinischen Kausalitätsbeurteilung noch nicht getroffen werden. Der entsprechende Abklärungsbedarf entfiel erst, als die Verwaltung aufgrund des kantonalen Gerichtsentscheids vom 15. November 2004 eine versicherungsmedizinische Stellungnahme des eigenen Ärztlichen Dienstes vom 3. Januar 2005 einholte. 4.2 Diesem Bericht ist zu entnehmen, dass eine einfache Kontusion der Lendenwirbelsäule, wie sie der Versicherte am 29. April 2002 erlitten habe, erfahrungsgemäss innerhalb kurzer Zeit folgenlos abheile. Gemäss anerkannter Expertenmeinung sei in solchen Fällen nach spätestens sechs Monaten davon auszugehen, der "Status quo sine" (d.h. der mutmassliche Zustand, wie er sich auch ohne Unfall eingestellt hätte) sei erreicht. Die rehabilitationsmedizinische Abklärung habe somatisch keine neuen Erkenntnisse gebracht. Objektivierbare körperliche Befunde fehlten. Das lumbospondylogene Syndrom entspreche einer lediglich deskriptiven "Beschwerde-Diagnose". Der Versicherte macht zwar zu Recht geltend, dass eine allgemeine Erfahrungsregel für sich allein genommen nicht geeignet ist, den erforderlichen Nachweis für das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung des Unfalls zu erbringen. Die Geltung einer solchen abstrakten Vermutung im konkreten Fall muss anhand der einzelnen Umstände nachvollziehbar dargetan sein. Die Stellungnahme vom 3. Januar 2005, zu welcher es keiner weiteren Untersuchung bedurfte (vgl. RKUV 1988 Nr. U 56 S. 370 Erw. 5b), vermag indes die zuvor bestehende tatbeständliche Lücke hinsichtlich der Zuordnung einer somatischen Beeinträchtigung zum Unfall als dem versicherten Ereignis zu schliessen. Die zitierte Erfahrungsregel kommt hier zum Tragen, weil bei der stationären Abklärung keine organische Schädigung erhoben wurde, die als Folge des erlittenen Traumas der Wirbelsäule identifiziert werden könnte, und weil zugleich bekannt ist, dass der Versicherte bereits vor Jahren an Lumbalgien gelitten hat. Mangels neuartiger Schädigung durch den Unfall ist der Schluss zulässig, die vormalige traumatisch bedingte Aktivierung dieses latent bestehenden (degenerativen) Leidens sei im Zeitpunkt der Leistungseinstellung nicht mehr wirksam gewesen.