Citation: U 345/02 30.04.2004 E. 5

5.1 Im eben erwähnten in BGE 123 V 45 publizierten Urteil ging es um den für die erstmalige Rentenfestsetzung massgebenden Jahresverdienst im Rahmen von zwei bei der SUVA versicherten Unfällen aus den Jahren 1987 und 1990, für welche die Anstalt einen Rentenanspruch mit Wirkung ab 1. November 1992 bejaht hatte. Im vorliegenden Fall steht dagegen der Rentenanspruch für zwei bei der Allianz Suisse versicherte Unfälle aus den Jahren 1994 und 1995 zur Beurteilung an, während die SUVA für den Unfall vom 19. September 1989 mit Wirkung ab 1. April 1996 eine Rente auszurichten hat. Im Entscheid vom 30. Oktober 2002 nahm das kantonale Gericht eine Gesamtbeurteilung vor, indem es zunächst den Invaliditätsgrad ermittelte, der aus den Beeinträchtigungen aus allen drei Unfällen resultierte. Anschliessend schied es gestützt auf Art. 36 Abs. 2 UVG den Anteil aus, der auf den bei der SUVA versicherten Unfall zurückging. Die Vorinstanz kam dabei zum Ergebnis, dass die Allianz Suisse der Versicherten in Anwendung von Art. 100 Abs. 3 UVV mit Wirkung ab 1. September 1998 eine Rente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 57 % auszurichten habe, wovon 20 % auf den bei der SUVA versicherten Unfall von 1989 entfielen. Die SUVA habe der Allianz Suisse den dafür vorgesehenen Ausgleich zu leisten. 5.2 Ist nach der Rechtsprechung nur eine Rente auszurichten, wenn die Invalidität auf mehrere Unfälle zurückzuführen ist und sind dafür einheitliche Berechnungsgrundlagen heranzuziehen (Rentenkombination; vgl. BGE 123 V 45 und RKUV 1998 S. 91 unten; Peter Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung mit besonderer Berücksichtigung der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Diss. Freiburg 1995, 2. Aufl. 1999, S. 138), hat dies auch dann zu gelten, wenn mehrere Unfälle bei verschiedenen Versicherern gedeckt sind. Dies ergibt sich aus Art. 77 Abs. 3 lit. b UVG, der das Zusammenwirken der Versicherer bei einem erneuten Unfall regelt. Gestützt darauf hat der Bundesrat Art. 100 UVV (Leistungspflicht bei erneutem Unfall) erlassen. In dieser Bestimmung wird das Verhältnis zwischen mehreren UVG-Versicherern geregelt (Alexandra Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 320; vgl. auch BGE 120 V 72 Erw. 5b). Absatz 2 lautet: Verunfallt der Versicherte während der Heilungsdauer eines oder mehrerer Unfälle, aber nach der Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit, erneut und löst der neue Unfall Anspruch auf Taggeld aus, so erbringt der für den neuen Unfall leistungspflichtige Versicherer auch die Leistungen für die früheren Unfälle. Die anderen beteiligten Versicherer vergüten ihm diese Leistungen, ohne Teuerungszulagen, nach Massgabe der Verursachung; damit ist ihre Leistungspflicht abgegolten. Die beteiligten Versicherer können untereinander von dieser Regelung abweichende Vereinbarungen treffen, namentlich wenn der neue Unfall wesentlich geringere Folgen hat als der frühere. Absatz 3 bestimmt: Erleidet ein aus einem früheren Unfall Rentenberechtigter einen neuen Unfall und führt dieser zu einer Änderung des Invaliditätsgrades, so muss der für den zweiten Unfall leistungspflichtige Versicherer sämtliche Leistungen ausrichten. Der für den ersten Unfall leistungspflichtige Versicherer vergütet dem anderen Versicherer den Betrag, der dem Barwert des Rentenanteils, ohne Teuerungszulagen, aus dem ersten Unfall entspricht. Damit ist seine Leistungspflicht abgegolten. 5.3 Mit Blick auf den Rentenanspruch der Beschwerdegegnerin bedeutet dies, dass für die drei erlittenen Unfälle eine kombinierte Rente auszurichten ist, für deren Berechnung eine einheitliche Grundlage und damit nur ein versicherter Verdienst massgebend ist. Obwohl die Vorinstanz mit Entscheid vom 21. September 2000 zunächst über die Leistungspflicht der SUVA befunden und das die Allianz Suisse betreffende Verfahren sistiert hat, ändert dies nichts am Umstand, dass es um eine erstmalige Rentenfestsetzung nach drei invalidisierenden UVG-versicherten Unfällen geht. Gemäss rechtskräftiger Verfügung der SUVA vom 24. Juni 2002 beginnt die Rente mit Wirkung ab 1. April 1996 und somit später als fünf Jahre nach dem ersten Unfall vom 19. September 1989 zu laufen. Ab 1. Oktober 1998 geht ein Teil der Leistungen gemäss den diesbezüglich unbestritten gebliebenen Erwägungen der Vorinstanz zu Lasten der Allianz Suisse. Diese Konstellation spricht für eine analoge Anwendung der Praxis bei der erstmaligen Rentenfestsetzung nach mehreren invalidisierenden Unfällen und einem Rentenbeginn später als fünf Jahre nach dem ersten Unfall (vgl. BGE 123 V 45) und damit der Bestimmung des massgebenden versicherten Jahresverdienstes nach Art. 24 Abs. 2 UVV auch in einem Fall, in welchem die versicherte Person zwischen dem ersten und den nachfolgenden Unfällen über ihren neuen Arbeitgeber einem anderen UVG-Versicherer unterstellt wurde. 5.4 Art. 24 Abs. 4 UVG (in der bis 31. Dezember 1997 gültig gewesenen Fassung) betrifft Bezüger von Renten der Unfallversicherung und regelt den Sonderfall, dass die versicherte Person einen weiteren Unfall erleidet, welcher zu einer höheren Invalidität führt. Der bis 31. Dezember 1997 in Kraft gewesene Absatz 5 der Bestimmung bezieht sich dagegen auf Invalide, die keine Rente der Unfallversicherung (wohl aber eine solche der Invalidenversicherung) beziehen (RKUV 1991 Nr. U 123 S. 152 Erw. 3a). Da die Beschwerdegegnerin weder vor dem Unfall vom 19. September 1989 noch vor den beiden bei der Allianz Suisse versicherten Unfällen vom 9. Dezember 1994 und 27. September 1995 einen Anspruch auf eine Rente der Unfallversicherung hatte, besteht - entgegen der im angefochtenen Entscheid nicht näher begründeten Auffassung der Vorinstanz - auch wenn mehrere UVG-Versicherer involviert sind, kein Grund, Art. 24 Abs. 4 UVG über den klaren Wortlaut der Bestimmung hinaus auch auf Fälle anzuwenden, wo es nicht um die revisionsweise Neufestsetzung einer Rente, sondern um die erstmalige Rentenzusprechung geht (vgl. BGE 123 V 51 Erw. 3c). Die IV-Stelle des Kantons Zürich sprach der Versicherten gemäss Verfügung vom 28. August 2000 erst mit Wirkung ab 1. August 1997 eine ganze Invalidenrente zu. Der versicherte Verdienst ist daher auch nicht nach Art. 24 Abs. 5 UVV festzusetzen. 5.5 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird - allerdings mit Bezug auf die vor den beiden bei der Allianz Suisse versicherten Unfälle von 1994 und 1995 ausgeübte Tätigkeit als Aussendienstmitarbeiterin - diskutiert, ob allenfalls die Voraussetzungen einer Anwendung von Art. 24 Abs. 1 UVV erfüllt seien. Die Beschwerdeführerin hat dies verneint. Nach der vorzunehmenden Gesamtbetrachtung mit einheitlichen Berechnungsgrundlagen (vgl. BGE 123 V 49 Erw. 3b) müsste diese Frage indessen mit Blick auf die Verhältnisse vor dem Unfall vom September 1989 geprüft werden. Im Entscheid vom 21. September 2000 hatte das kantonale Gericht ausgeführt, die Versicherte habe vor dem ersten Unfall praktisch kein Einkommen als Helikopterpilotin mehr erzielt und dies mit Schwangerschaften und der Geburt dreier Kinder (31. März 1983, 1. März 1985 und 28. Mai 1988) sowie einer Knieoperation im Jahre 1987 begründet. Da sich keines dieser Ereignisse auf das Jahr vor dem Unfall vom 19. September 1989 bezieht, findet die Sonderregelung von Art. 24 Abs. 1 UVV somit keine Anwendung. 5.6 Daraus ergibt sich, dass der für den Rentenanspruch massgebende Verdienst nach Art. 24 Abs. 2 UVV aufgrund des Lohnes festzusetzen ist, welchen die Beschwerdegegnerin ohne die Unfälle im Jahre vor dem Rentenbeginn (1. April 1996) bezogen hätte, sofern er höher ist als der letzte vor dem Unfall (19. September 1989) erzielte Lohn.