Citation: 6B_1126/2017 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz erwägt, vorliegend sei für die Beurteilung einer ärztlichen Sorgfaltspflichtverletzung die Frage zentral, ob die behandelnden Ärzte vorgängig zur Operation die schwere koronare Herzkrankheit des Verstorbenen bei pflichtgemässer Sorgfalt hätten entdecken müssen beziehungsweise ob sie die präoperativen Abklärungen lege artis vorgenommen hätten. Es sei davon auszugehen, dass die koronare Herzkrankheit gerade wegen der Operation beziehungsweise der dadurch geschaffenen Gefahr zum letalen Herzinfarkt geführt habe. Zu prüfen sei daher eine Sorgfaltspflichtverletzung der für die Operation verantwortlichen Ärzte sowie der für die präoperativen Abklärungen zugezogenen Fachärzte. In der Folge führt die Vorinstanz ausführlich die dokumentierten präoperativen Untersuchungen beziehungsweise Abklärungen sowie deren Ergebnisse auf. Sie erwägt, vor dem Hintergrund dieser umfangreichen Abklärungen sei nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin behaupte, der Verstorbene sei über die beiden Eingriffe und die damit verbundenen Risiken nicht hinreichend aufgeklärt worden beziehungsweise dieser habe nicht gültig darin eingewilligt. Aufgrund der vom Verstorbenen am 4. November und 2. Dezember 2014 unterschriebenen Einwilligungen hätte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde darlegen müssen, worauf sich ihre Behauptung einer fehlenden Einwilligung konkret stütze. Dies habe sie nicht getan, weshalb der entsprechende Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolgen als aus der Luft gegriffen erscheine. Diesem sei nicht weiter nachzugehen. Auch könne ohne Weiteres ausgeschlossen werden, dass die beiden Eingriffe gar nicht indiziert gewesen seien, zumal die Beschwerdeführerin selbst von einer relativen Indikation spreche. Dass die Eingriffe damals möglicherweise nicht "zwingend" vorzunehmen gewesen seien, ändere hieran nichts, da auch Wahleingriffe indiziert sein könnten. Die Vorinstanz führt weiter aus, es sei offenkundig, dass die präoperativen Abklärungen auch das Vorliegen einer (koronaren) Herzkrankheit zum Gegenstand gehabt hätten. So sei etwa gezielt nach hierfür typischen Schmerzen (Angina pectoris) gefragt und am 7. Januar 2015 ein Ruhe-EKG erstellt worden. In der Folge prüft die Vorinstanz die Fragen, ob die behandelnden Ärzte insbesondere wegen des Ruhe-EKGs, der festgestellten Atemnot des Verstorbenen, und/oder der CT-Thorax-Untersuchung vom 14. November 2014 einen weiter abklärungsbedürftigen Verdacht auf eine (schwere) koronare Herzerkrankung hätten haben beziehungsweise die tatsächlich vorliegende schwere koronare Herzkrankheit hätten diagnostizieren müssen. Ferner prüft sie die Frage, ob die behandelnden Ärzte bei gesamthafter Betrachtung in sorgfaltswidriger Weise das Operationsrisiko für den Verstorbenen falsch eingeschätzt hätten. Nach Würdigung der präoperativen Abklärungen und den Gutachten des IRM Bern sowie der von diesem beigezogenen Fachärzten verneint die Vorinstanz all diese Fragen. Sie gelangt zum Schluss, dass die behandelnden Ärzte präoperativ lege artis vorgegangen sind, mithin die gestützt auf die massgeblichen Umstände gebotenen Untersuchungshandlungen vorgenommen beziehungsweise veranlasst und die Ergebnisse dieser Untersuchungshandlungen lege artis gewürdigt haben. Es seien keine sachlichen beziehungsweise inhaltlichen Gründe ersichtlich, weshalb auf die Ausführungen der Gutachter des IRM Bern und der zugezogenen Fachärzte nicht abzustellen wäre. Es sei festzustellen, dass die Ausführungen in sich und vor dem Hintergrund der tatsächlich stattgefundenen präoperativen Abklärungen schlüssig wirkten und daraus überzeugend hervorgehe, weshalb nicht eine ärztliche Sorgfaltspflichtverletzung der beteiligten Ärzte zum Tode des Verstorbenen geführt habe. Insgesamt sei nicht zu beanstanden, dass die Staatsanwaltschaft gestützt auf diese Berichte eine Sorgfaltspflichtverletzung und damit den Tatverdacht der fahrlässigen Tötung für sämtliche beteiligten Ärzte sicher im Sinne von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ausgeschlossen habe, ohne die involvierten Ärzte zu ihrem hinreichend dokumentierten Verhalten zu befragen. Mit ihrer Vorgehensweise habe die Staatsanwaltschaft weder den Untersuchungsgrundsatz noch den Grundsatz "in dubio pro duriore" noch daraus abzuleitende Verfahrensgrundsätze verletzt. Grund für ein "Gutachten Chirurgie Stufe Spital" oder eine Fortführung der Untersuchung bestehe keiner. Die Einstellungsverfügung sei zu bestätigen.