Citation: 6B_853/2016 E. 3.4

3.4. Im Hinblick auf das psychiatrische Sachverständigengutachten und dessen Berücksichtigung ist darauf hinzuweisen, dass sich der Gutachter zu der vom Gericht zu beurteilenden Rechtsfrage, ob eine verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB vorliegt, nicht zu äussern hat (vgl. Urteile 6B_648/2014 vom 28. Januar 2015 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 34; 6B_202/2017 vom 23. August 2017 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). Zudem ist vorliegend nicht ersichtlich, inwieweit die Voraussetzungen von Art. 19 Abs. 2 StGB überhaupt erfüllt sein sollen. Der Sachverständige verneint explizit eine (schwere) psychische Störung der Beschwerdegegnerin (vgl. hierzu: BOMMER/DITTMANN, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, N. 8-12 zu Art. 19 StGB). Diese weise akzentuierte narzisstische und dependente Persönlichkeitszüge auf, die nicht tathandlungsrelevant und unterhalb einer Diagnoseschwelle liegen. Warum der Sachverständige aufgrund der von ihm als nachvollziehbar erachteten "Affektakzentuierung" eine nicht mehr als mittelgradige Minderung der Steuerungsfähigkeit annimmt, obwohl die Einsichtsfähigkeit in das Unrecht der Tathandlung uneingeschränkt gegeben war und es sich bei der Tatausführung um keinen unmittelbaren Impulsdurchbruch handelt, sondern es der Beschwerdegegnerin möglich war, die Waffe drohend einzusetzen und im weiteren Tatverlauf zielgerichtete Schüsse abzugeben, hätte einer eingehenden Erläuterung bedurft.