Citation: 6P.194/2001 03.12.2002 E. 7.4

7.4.1 Der Richter misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu; er berücksichtigt die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen (Art. 63 StGB). Fest steht, dass sich der Begriff des Verschuldens auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen muss und dass bei der Tatkomponente insbesondere folgende Faktoren zu beachten sind: das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Schuldigen, die Art. 63 StGB ausdrücklich erwähnt. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren. Dem Sachrichter ist also einerseits vorgeschrieben, welche massgeblichen Gesichtspunkte er für die Zumessung der Strafe zu berücksichtigen hat. Andererseits steht ihm innerhalb des Strafrahmens bei der Gewichtung der einzelnen zu beachtenden Komponenten von der Natur der Sache her ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Der Kassationshof des Bundesgerichts kann daher in das Ermessen auf Nichtigkeitsbeschwerde hin, mit der ausschliesslich eine Verletzung von Bundesrecht geltend gemacht werden kann (Art. 269 BStP), nur eingreifen, wenn das kantonale Gericht den gesetzlichen Strafrahmen über- oder unterschritten hat, wenn es von rechtlich nicht massgebenden Gesichtspunkten ausgegangen ist oder wenn es wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen beziehungsweise in Überschreitung oder Missbrauch seines Ermessens falsch gewichtet hat (vgl. BGE 127 IV 101 E. 2c; 125 IV 1 E. 1; 123 IV 150 E. 2a mit Hinweisen). 7.4.2 Wie der Beschwerdeführer zu Recht rügt, ist es nicht zulässig, strafschärfend zu berücksichtigen, dass er nur seinen Sexualtrieb ausleben wollte und deshalb aus ausschliesslich niederen Motiven handelte. Solches dürfte bei Vergewaltigungen eher das am wenigsten gravierende und mit dem Grundtatbestand stets vorausgesetzte Motiv sein. Der Sexualtrieb und egoistische Motive in dessen Umsetzung spielen bei Vergewaltigungen stets eine wesentliche Rolle, welche aber häufig von erschwerenden Umständen begleitet werden. Schlimmere, das Opfer nachhaltig traumatisierende und deshalb strafschärfend zu berücksichtigende Umstände und Motive, die bei Vergewaltigungen wenigstens für das Opfer, häufig aber auch für den Täter von primärer Bedeutung sind - massive Gewalttätigkeit, schwere Drohung, Unterwerfungs- und Beherrschungswille gegenüber dem Opfer, dessen Entwertung und Demütigung - liegen hier bei der Tat selbst gerade nicht vor. Die Vorinstanz schliesst auf schweres Verschulden, weil der Beschwerdeführer völlig rücksichtslos und grob vorgegangen sei und den Opferwillen in brutaler Weise missachtet habe. Jedes im Sinne von Art. 190 StGB tatbestandsmässige Verhalten dürfte diese Qualifikation jedoch erfüllen. Die Vorinstanz tut nicht dar, inwiefern die Tatumstände über die Tatbestandsverwirklichung hinaus - die in jedem Fall ein gravierendes Delikt darstellt - in besonderer Weise für die Annahme schweren Verschuldens spricht. Dem Beschwerdeführer ist in besonderer Weise das Verhalten nach der Tat vorzuwerfen: Er beschuldigte die Beschwerdegegnerin nicht nur, sondern er äusserte sich darüber hinaus in abfälliger Weise über sie als Person und als Frau und er wollte nichts mehr von ihr wissen. Damit hat er sein Opfer nicht nur schwer enttäuscht, sondern auch in krasser Weise gedemütigt und verletzt. Das in diesem Sinne sehr belastende Nachtatverhalten ist jedoch für die Strafzumessung im Rahmen von Art. 63 StGB vor dem Hintergrund des Tatverschuldens zu sehen. Zwar erwähnt die Vorinstanz als entlastend die vorgängige einvernehmliche sexuelle Stimmung. Sie scheint aber den Umständen nicht hinreichend Rechnung getragen zu haben, dass sich der Beschwerdeführer während der Tat nicht besonders gewalttätig verhielt und dass sich die Beschwerdegegnerin - wenn auch zunächst widerstrebend und durch die Versprechungen des Beschwerdeführers verführt - wenigstens auf gewisse sexuelle Handlungen freiwillig einliess. Dies vermag den Beschwerdeführer im Schuldpunkt zwar nicht zu entlasten, es muss sich aber bei der Strafzumessung auswirken. Ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer im Sinne von Art. 64 Abs. 2 StGB ernstlich in Versuchung führte, wie die Verteidigung geltend macht, kann offen bleiben; der Umstand könnte auch im Rahmen von Art. 63 StGB Berücksichtigung finden. Die Vorinstanz ist hingegen darauf hinzuweisen, dass sie die entsprechende Prüfung nicht auf Antrag, sondern von Amtes wegen vorzunehmen hätte. Die Beschwerde ist demnach im Strafpunkt gutzuheissen und das angefochtene Urteil insoweit aufzuheben. 7.5 Die Landesverweisung beruht auf der Feststellung, der Beschwerdeführer sei in der Schweiz nicht verwurzelt; er beabsichtige, in einigen Jahren in seine Heimat zurückzukehren. Im Übrigen sei das Sicherungsbedürfnis der Schweiz gross. Wie bei der Bemessung der Hauptstrafe steht dem kantonalen Sachrichter auch in Bezug auf die Landesverweisung ein erhebliches Ermessen zu. Wie bereits das Bezirksgericht ordnete die Vorinstanz eine bedingt vollziehbare Landesverweisung von fünf Jahren an, obwohl sie das Verschulden als schwerer einstufte und die Freiheitsstrafe gegenüber dem erstinstanzlichen Urteil deshalb verschärfte. Ist die Hauptstrafe zu reduzieren, so kann daraus in casu nicht gefolgert werden, dass auch die Nebenstrafe nicht schuldangemessen wäre. Insgesamt ist bei der Anordnung der Landesverweisung weder eine Ermessens- noch eine Rechtsverletzung festzustellen. Die extrem frauenverachtende Einstellung des Beschwerdeführers, wie er sie noch in den gerichtlichen Befragungen äusserte, rechtfertigt zumindest diese bedingte Fernhaltemassnahme. Die Beschwerde ist in diesem Punkt demnach abzuweisen.