Citation: 8C_389/2007 04.02.2008 E. 4

4.1 Nach der Rechtsprechung obliegt der Beweis der Tatsache sowie des Zeitpunktes der Zustellung einer Verfügung der Verwaltung. Weil der Sozialversicherungsprozess von der Untersuchungsmaxime beherrscht wird, handelt es sich dabei nicht um die subjektive Beweisführungslast (Art. 8 ZGB), sondern in der Regel nur um die so genannte objektive Beweislast in dem Sinne, dass im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (Urteil U 378/01 vom 5. April 2002, E. 1c mit Hinweis, publiziert in plädoyer 2002/5 S. 61). Geben konkrete Anhaltspunkte Anlass zu Zweifeln hinsichtlich des Inhalts einer erwiesenermassen zugestellten Sendung, gilt die Vermutung, dass diese tatsächlich die auf dem Umschlag angegebenen Aktenstücke enthielt, als umgestossen, womit die Beweislast für deren Inhalt deren Urheber trifft (BGE 124 V 400 mit Hinweisen). 4.2 Wie der Versicherte zutreffend geltend macht, ist die Verwaltung - wenn auch nicht gestützt auf Art. 8 ZGB - beweispflichtig für den Inhalt einer Sendung, sofern Anhaltspunkte bestehen, dass sich eine andere als die geltend gemachte Verfügung im strittigen Couvert befand (E. 4.1). Zum Nachweis solcher Anhaltspunkte hat er vor Bundesgericht die in der Sendung mit der Nummer ... enthaltene Verfügung vom 19. Januar 2007 betreffend G.M. und das entsprechende Zustellcouvert sowie weitere Unterlagen eingereicht. Da erst durch den Nichteintretensentscheid der Vorinstanz vom 11. Juni 2007 Veranlassung bestand, anstelle der IV-Stelle den Inhalt der strittigen Sendung zu eruieren, handelt es sich bei diesen Akten um zulässige Noven im Sinne von Art. 99 Abs. 2 BGG. 4.3 Die Bestätigung der Post vom 3. April 2007 beweist die Zustellung der strittigen Sendung an die Y.________ am 19. Januar 2007, nicht aber die Tatsache, dass sich die angefochtene Verfügung in dieser Sendung befand. Ausser identischem Empfänger lässt sich der Bestätigung diesbezüglich nichts entnehmen. Da die Y.________ die Interessen mehrerer Verfügungsempfänger vertritt, hätte die Vorinstanz nicht annehmen dürfen, dass sich unter den dreizehn entgegen genommenen Sendungen auch die angefochtene Verfügung befand, zumal der Versicherte verschiedene Umstände (fehlender Hinweis für den Versand als eingeschriebene Sendung auf der Verfügung sowie Eingangsstempel der Y.________ vom 22. Januar 2007) dargetan hatte, welche Zweifel am Inhalt der Sendung Nummer ... aufkommen liessen. Insbesondere der Umstand, dass auch das vom Versicherten aufgelegte Originalcouvert keinen Code mit entsprechender Nummer ... aufwies, hätte bei der Vorinstanz Zweifel wecken müssen. Denn jede eingeschriebene Sendung muss einen solchen Code aufweisen, weil sie ohne Nummerncode gar nicht zurückverfolgt werden kann. Die Vorinstanz durfte auch nicht annehmen noch wurde geltend gemacht, dass die Verfügung dem Rechtsvertreter zweimal zugestellt worden war (einmal als eingeschriebene Sendung, einmal als B-Post). Sie wäre somit gehalten gewesen, von der Verwaltung den Nachweis zu verlangen, dass sich in der Sendung Nummer ... auch tatsächlich die an den Versicherten gerichtete Verfügung befand. Dies hat sie in Verletzung der bundesrechtlichen Beweislastregeln unterlassen, weshalb der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben ist. 4.4 Gestützt auf die vor Bundesgericht erstmals eingereichten Unterlagen steht fest, dass die angefochtene Verfügung nicht in der Sendung Nummer ... enthalten war. Die Zustellung am 19. Januar 2007 ist nicht erstellt, weshalb von der Zustellung am 22. Januar 2007 auszugehen ist. Damit ist die Beschwerde vom 21. Februar 2007 rechtzeitig eingereicht worden und es ist die Sache zur materiellen Beurteilung an das kantonale Gericht zurückzuweisen.