Citation: U 123/00 20.12.2000 E. 2

2.- a) Die Vorinstanz wies die Sache zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens an die SUVA zurück, weil sie zum Schluss kam, dass die vorhandenen medizinischen Akten keine genügenden Angaben zur umstrittenen Unfallkausalität der psychischen Beschwerden enthielten. Dem widerspricht die SUVA, welche geltend macht, der natürliche Kausalzusammenhang sei zumindest zweifelhaft, der adäquate hingegen auf jeden Fall zu verneinen. Die Adäquanz sei eine Rechtsfrage, welche die Vorinstanz zu prüfen unterlassen habe und die keine weiteren medizinischen Abklärungen erfordere. Die entsprechenden, bei psychischen Folgen nach mittelschweren Unfällen zur Anwendung gelangenden Kriterien seien nicht erfüllt. b) Der Versicherte verunfallte am 8. Juli 1977 als Soziusfahrer auf einem Motorrad, welches auf der nassen Strasse ausrutschte. Er erlitt dabei ein Flankenhämatom rechts, eine Schwellung und Deformierung des Vorderarmes rechts, eine Schwellung und Druckdolenz über dem Fuss; die Grosszehe war nach dorsal luxiert; die Röntgenbilder zeigten eine Abrissfraktur des Metatarsale I, eine Köpfchenfraktur des Metatarsale II und eine Radiusfraktur loco classico (Bericht des Spitals X.________ vom 5. August 1977). Während die Radiusfraktur gemäss Bericht des Spitals Y.________ vom 25. August 1977 gut und komplikationslos verheilte, bedingte die Verletzung an den Zehen eine erneute Operation. Die Orthopädische Klinik am Spital Y.________ erklärte im Bericht vom 25. August 1978 die Behandlung als abgeschlossen und bescheinigte, dass die Wiederaufnahme der Arbeit zu 100 % seit Mitte Mai 1978 möglich gewesen sei. 1982 und 1983 klagte der Versicherte über Schmerzen an den rechten Zehen, weshalb am 23. Februar 1984 und am 21. Februar 1985 nochmals operative Eingriffe erfolgten. Zwischen den Operationen und ab 13. Mai 1985 arbeitete der Versicherte voll. Im September 1988 meldete die Arbeitgeberfirma einen Rückfall wegen der beim Unfall erlittenen Prellung in der Hüftgegend. Eine Arbeitsunfähigkeit bestand nicht. 1996 erfolgte eine weitere Rückfallmeldung wegen Schmerzen am Fuss. Erstmals Anzeichen auf psychische Beschwerden finden sich im Rapport des IV-Berufsberaters vom 8. September 1994, welcher auf einen Bericht von Dr. med. S.________ vom 28. Juni 1994 verweist. Dort ist von chronisch-depressiven Verstimmungszuständen die Rede. c) Bei dem 1977 erlittenen Unfall handelt es sich um ein mittelschweres Ereignis. Der adäquate Kausalzusammenhang zu den heute geklagten psychischen Leiden wäre daher nur gegeben, wenn mehrere der von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien zugleich oder eines davon in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre. Dies trifft vorliegend nicht zu: das Unfallereignis war weder ausserordentlich eindrücklich noch geschah es unter ungewöhnlich schwerwiegenden Begleitumständen. Die Verletzungen waren nicht besonders schwerer Art. Die Behandlung der Radiusfraktur verlief problemlos; einzig die Verletzungen an den Zehen bedingten weitere Operationen. Dies führte wiederholt zu längere Zeit andauernden Schmerzen. Ärztliche Fehlbehandlungen traten nicht auf. Die somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit dauerte nicht überdurchschnittlich lange, war der Versicherte doch ab Mai 1978 wieder voll einsetzbar. Nach dem Gesagten sind von den für den adäquaten Kausalzusammenhang relevanten Kriterien weder mehrere zugleich noch ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Einzig das Kriterium der lang andauernden Schmerzen könnte allenfalls als erfüllt betrachtet werden, trat jedoch nicht in einer derart ausgeprägten Weise auf, dass es für sich allein den adäquaten Kausalzusammenhang zu den psychischen Leiden zu erfüllen vermöchte. Denn der Versicherte konnte seine Arbeit während Jahren weiterhin zu 100 % verrichten. Die lange Zeitspanne vom Datum des Unfalls bis zum erstmaligen Auftreten psychischer Probleme spricht ebenfalls gegen die adäquate Unfallkausalität. Daran vermöchten zusätzliche psychiatrische Untersuchungen nichts zu ändern, zumal die Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs keine medizinische, sondern eine Rechtsfrage ist (BGE 123 V 105 Erw. 3a in fine). Daher ist die von der Vorinstanz angeordnete Rückweisung zu näheren psychiatrischen Abklärungen ersatzlos aufzuheben. d) Auf einen Beizug der IV-Akten kann unter diesen Umständen verzichtet werden. Denn die Invalidenversicherung hat im Gegensatz zur Unfallversicherung sämtliche gesundheitlichen Beeinträchtigungen unabhängig von ihrer Kausalität zu berücksichtigen, weshalb vorliegend nicht darauf abgestellt werden kann, dass die Invalidenversicherung eine ganze Rente ausrichtet.