Citation: I 488/00 15.09.2003 E. 3

3.1 Die Vorinstanz, die IV-Stelle und das Bundesamt für Sozialversicherung vertreten die Auffassung, die Frage der behinderungsbedingten Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung sei aufgrund eines Vergleichs der der Versicherten für die Ausbildung an der Schule C.________ zur medizinischen Masseurin entstehenden Kosten mit dem einer nichtbehinderten Person für die gleiche Ausbildung bzw. für die Erreichung des gleichen beruflichen Ziels erwachsenden Aufwand zu beantworten. Demgegenüber lässt die Beschwerdeführerin vorbringen, als Vergleichsbasis müsse die Ausbildung zur Physiotherapeutin an der Schule für Physiotherapie am Spital X.________ betrachtet werden. Zur Begründung wird angeführt, ohne die Sehbehinderung wäre sie dank des guten Vorpraktikums vermutlich in diese Schule aufgenommen worden. Zwar habe Letztere am 9. März 1999 gegenüber der IV-Stelle erklärt, die Versicherte sei nicht aufgenommen worden, weil sie das zum Aufnahmeverfahren gehörende Praktikum nicht bestanden habe. Im Praktikumsbericht vom 5. August 1996 fänden sich indessen ausschliesslich gute bis vorzügliche Qualifikationen. Nachdem die Beschwerdeführerin ausserdem bereits vor dem Praktikum die Aufnahmeprüfung bestanden habe, sei der negative Aufnahmeentscheid doch sehr unerklärlich, weshalb sich die Vermutung aufdränge, dieser habe mit der Sehbehinderung im Zusammenhang gestanden. Jedenfalls hätte sich die Versicherte ohne Beeinträchtigung des Sehvermögens mit guten Erfolgsaussichten bei anderen Physiotherapieschulen um eine Aufnahme bewerben können. Ohne Gesundheitsschaden wäre sie bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung keinesfalls gezwungen gewesen, eine private Schule mit entsprechenden Kostenfolgen zu besuchen. Sie habe aus invaliditätsbedingten Gründen ihre erstmalige berufliche Ausbildung an der Schule C.________ absolviert; es habe ihr invaliditätsbedingt gar keine kostengünstigere erstmalige berufliche Ausbildung offen gestanden. 3.2 Die zusätzlichen Kosten werden grundsätzlich ermittelt, indem die Kosten der Ausbildung der invaliden Person den mutmasslichen Aufwendungen gegenübergestellt werden, die bei der Ausbildung einer gesunden Person zur Erreichung des gleichen beruflichen Zieles notwendig wären (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 IVV). Nur wenn die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität schon eine Ausbildung begonnen hatte oder wenn sie ohne Invalidität offensichtlich eine weniger kostspielige Ausbildung erhalten hätte, bilden die Kosten dieser (begonnenen oder hypothetischen) Ausbildung die Vergleichsgrundlage für die Berechnung der invaliditätsbedingten zusätzlichen Aufwendungen (Art. 5 Abs. 3 Satz 2 IVV). Die Versicherte ist seit Geburt stark sehbehindert, sodass die Ausnahme der vor Eintritt der Invalidität begonnenen Ausbildung von vornherein ausser Betracht fällt. Es fragt sich indessen, ob die Beschwerdeführerin ohne Invalidität offensichtlich eine weniger kostspielige Ausbildung erhalten hätte. Die Erfüllung dieses zweiten Ausnahmetatbestandes setzt voraus, dass die gewählte Ausbildung invaliditätsbedingt ist (BGE 106 V 168; EVGE 1968 S. 204 Erw. 2, 1967 S. 38 Erw. 2; ZAK 1966 S. 573 Erw. 2). Dabei muss wegen des Erfordernisses der Offensichtlichkeit stringent bewiesen sein, dass die Versicherte ohne Invalidität eine weniger kostspielige Ausbildung genossen hätte (Ulrich Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Diss. Bern 1985, S. 176). 3.3 Die Ausbildung zur Physiotherapeutin an der Schule für Physiotherapie am Spital X.________ kann nach dem Gesagten nur dann als Vergleichsbasis herangezogen werden, wenn offensichtlich ist, dass die Versicherte ohne Invalidität diesen oder einen gleichartigen Lehrgang an einer öffentlichen Schule absolviert hätte, dass mit anderen Worten die Ausbildung zur Physiotherapeutin wegen der Behinderung nicht zustande kam. 3.3.1 In Anbetracht der beruflichen Interessen der Beschwerdeführerin ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese auch als Gesunde hätte Physiotherapeutin werden wollen. In einer schriftlichen Auskunft vom 9. März 1999 erklärte die Schule für Physiotherapie am Spital X.________, die Versicherte sei nicht zur Ausbildung zugelassen worden, weil sie das Praktikum nicht bestanden habe. Demgegenüber führt die Beschwerdeführerin, die auf die positiv lautende Praktikumsbeurteilung hinweist, aus, sie sei wegen einer Änderung der Aufnahmebedingungen während des Praktikums trotz des positiven Praktikumsbesuchs überraschend nicht zugelassen worden. Dabei stelle sich die Frage, ob der negative Entscheid der Schule mit der invaliditätsbedingten Beeinträchtigung in Zusammenhang stehe, bzw. es dränge sich die Vermutung auf, der Entscheid der Lehranstalt hänge mit der Sehbehinderung zusammen. Auf Rückfrage des Eidgenössischen Versicherungsgerichts hin erklärte die Leiterin der Schule für Physiotherapie am 16. Mai 2003, sie könne die Frage nach den Gründen für die Nichtaufnahme nicht beantworten, weil die Schule nicht mehr im Besitz von Unterlagen über die Versicherte sei. Aufgrund der Weisungen des kantonalen Datenschutzbeauftragten würden alle persönlichen Dokumente bei Nichtaufnahme den Bewerberinnen und Bewerbern zurückgesandt. Wenn Akten im Hinblick auf eine allfällige Nachfrage zurückbehalten würden, müssten diese spätestens nach einem Jahr vernichtet werden. 3.3.2 Bei dieser Beweislage müssen die Gründe für die Nichtaufnahme der Beschwerdeführerin durch die ein spezielles Förderprogramm für Sehbehinderte anbietende Schule für Physiotherapie am Spital X.________ als unbekannt bezeichnet werden. Blosse Vermutungen erlauben nicht den Schluss, die Ausbildung zur Physiotherapeutin sei wegen der Behinderung nicht zustande gekommen. Da die Gründe für die Nichtzulassung zur gewünschten Ausbildung nicht bekannt sind, kann auch nicht davon ausgegangen werden, die Versicherte hätte sich als Gesunde offensichtlich an einer anderen Schule zur Physiotherapeutin ausbilden lassen können. Auch wenn im von der Versicherten gewünschten medizinischen Bereich einzig noch eine Ausbildung zur medizinischen Masseurin in Frage kam, steht unter diesen Umständen nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad (Erw. 3.2 hievor) fest, dass die Wahl dieses Lehrgangs an der privaten Schule C.________ (allein [ZAK 1966 S. 574 oben; vgl. auch BGE 106 V 168]) invaliditätsbedingt ist und die Versicherte ohne die Sehbehinderung offensichtlich eine weniger kostspielige Ausbildung (an einer öffentlichen Schule) genossen hätte. Mangels Erfüllung eines Ausnahmetatbestandes haben Verwaltung und Vorinstanz demnach zu Recht die Regel angewandt, nach der die Vergleichsbasis in den Aufwendungen besteht, die bei der Ausbildung einer gesunden Person zur Erreichung des schliesslich gewählten beruflichen Zieles der medizinischen Masseurin notwendig wären.