Citation: 8C_272/2022 E. 4.1

4.1. Das kantonale Gericht stellte im Wesentlichen gestützt auf den Abklärungsbericht vom 18. November 2020 fest, vor allem aufgrund des nun normalen Tempos bei der Sondenernährung sei - verglichen mit den Verhältnissen zur Zeit der letzten Abklärung im Jahr 2017 - eine massgebliche Abnahme der Hilfsbedürftigkeit im Bereich des Essens anzunehmen. Darin sei - unabhängig davon, ob die ausgewiesenen Änderungen bei näherer Prüfung zum Dahinfallen der Hilfsbedürftigkeit in diesem Bereich führen würden - ein Revisionsgrund zu sehen. Tatsächlich sei die Beschwerdegegnerin trotz der erzielten Fortschritte auch zur Zeit der Abklärung im November 2020 noch in erheblichem Mass auf Sondennahrung angewiesen gewesen. Die Abklärerin und damit auch die IV-Stelle hätten jedenfalls den Fortbestand einer massgebenden Hilfsbedürftigkeit im Bereich des Essens zu Recht anerkannt. Da aber in den übrigen fünf alltäglichen Lebensverrichtungen keine Hilfsbedürftigkeit (mehr) bestehe und die Voraussetzungen für eine ständige und besonders aufwendige Pflege ebenfalls nicht erfüllt seien, lasse sich die Weitergewährung der Hilflosenentschädigung aufgrund einer leichten Hilflosigkeit weder auf lit. a noch auf lit. c des Art. 37 Abs. 3 IVV stützen. Was die Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwachung nach Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV angehe, sei zu berücksichtigen, dass im Beschwerdeverfahren auf die stete Gefahr einer Unterzuckerung hingewiesen worden sei. Gemäss Abklärungsbericht vom 18. November 2020 habe die Beschwerdegegnerin bis heute nicht verstanden, wie gefährlich ihre Grunderkrankung sei. Es sei ihr immer noch nicht möglich, eine Unterzuckerung anhand von Symptomen rechtzeitig zu erkennen, und sie habe - im Alter von immerhin erst zehn Jahren - ungeachtet des Trainings hierzu auch noch nicht die Fähigkeit und Zuverlässigkeit erlangt, von sich aus regelmässige Blutzuckerkontrollen vorzunehmen und die Nahrung selbstständig der Situation anzupassen. Da auch im Bericht des Spitals F.________ vom 22. Januar 2021 betreffend Psychotherapie die Förderung des Selbstmanagements der Nahrungsaufnahme als weiter bestehendes Behandlungsziel genannt werde, sei nicht davon auszugehen, dass sich an dieser Problematik bis zur Revisionsverfügung vom 22. März 2021 etwas Massgebliches verändert habe. Damit sei zwar von einer reduzierten Häufigkeit tatsächlicher Blutzuckerentgleisungen auszugehen. Zu deren Vermeidung bedürfe es jedoch nach wie vor mehrmals täglich erheblicher, engmaschiger Vorkehren der Kontrolle, Handlungsbereitschaft und Handlungskompetenz, die nicht auf Ausnahmesituationen beschränkt seien, sondern sich über den gesamten Alltag erstreckten. Diese Vorkehren würden einerseits zu den Hilfeleistungen bei der Nahrungsaufnahme hinzutreten und anderseits seien sie auch mit dem Zeitbedarf für den rein medizinisch-pflegerischen Vorgang der Blutzuckermessung nicht hinreichend erfasst. In den Jahren 2013, 2015 und 2017 sei ein Überwachungsbedarf anfänglich unter Hinweis darauf abgelehnt worden, dass auch ein gleichaltriges gesundes Kind der Überwachung bedürfe. Die bei der Beschwerdegegnerin krankheitsbedingt erforderliche Überwachungsbedürftigkeit entfalle nun jedoch bei (gleichaltrigen) nicht behinderten Minderjährigen gänzlich (Art. 37 Abs. 4 IVV), weshalb hier der gesamte Überwachungsbedarf zu berücksichtigen sei. Unter diesen Umständen genüge die Intensität den Anforderungen des Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV. Weil folglich im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 22. März 2021 (hinsichtlich Hilflosenentschädigung) die Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwachung im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV (immer noch) bestanden habe, sei eine Hilflosigkeit leichten Grades und damit auch ein Anspruch auf eine entsprechende Hilflosenentschädigung weiterhin zu bejahen. Mit dem Weiterbestehen des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung sei nach Art. 42quater Abs. 1 lit. a IVG und Art. 39a IVV auch der Assistenzbeitrag weiterhin geschuldet. Die Sache gehe an die IV-Stelle zurück, damit sie die erforderlichen Abklärungen zum Ausmass des anerkannten Hilfebedarfs treffe und hernach über die Höhe des Assistenzbeitrags neu verfüge.