Citation: 9C_375/2024 E. 6.1

6.1. Die beschwerdeführende Steuerverwaltung stellt sich auf den Standpunkt, die von der Beschwerdegegnerin erstellten Fahreignungsgutachten würden der Inlandsteuer unterliegen, da sie nicht in Zusammenhang mit einer konkreten Behandlung der untersuchten Person stünden und nicht der Abklärung sozialversicherungsrechtlicher Ansprüche dienten. Sie räumt im Weiteren ein, der Beigeladenen als damaligen Vertreterin der Beschwerdegegnerin in ihrer Mail vom 9. Juni 2010 diesbezüglich eine falsche Auskunft erteilt zu haben, weshalb sich die Beschwerdegegnerin grundsätzlich erfolgreich auf den Vertrauensschutz berufen könne. Sie habe allerdings ihre Falschauskunft mit Schreiben vom 11. Mai 2012 - wiederum gerichtet an die Beigeladene - widerrufen, weshalb dem Vertrauensschutz ab 2012 die Grundlage entzogen sei. Das Bundesverwaltungsgericht hat hierzu erwogen, das Schreiben der ESTV an die Beigeladene vom 11. Mai 2012 sei nicht in einem zwischen der Beschwerdegegnerin und der ESTV hängigen Verfahren ergangen, weshalb die Beigeladene nicht als Vertreterin der Beschwerdegegnerin zu betrachten sei und damit Letzterer das Wissen um den Inhalt dieses Schreiben nicht zugerechnet werden könne. Somit habe dieses Schreiben das Vertrauen der Beschwerdegegnerin in die urspüngliche - falsche - Auskunft nicht zerstören können, womit diese sich auch über das Jahr 2012 hinaus erfolgreich auf den Vertrauensschutz habe berufen können.