Citation: 5A_94/2007 31.05.2007 E. 5.2

5.2.1 Vorweg ist festzustellen, dass das Verstecken von X.________, um die Fremdplatzierung zu verhindern oder zu verzögern, rechtswidrig war. Dies allein rechtfertigt indessen keinen Obhutsentzug, wenn dieser nicht im wohlverstandenen Interesse des Kindes liegt. 5.2.2 Die Beschwerdeführerin wendet sodann im Einzelnen das Folgende ein: 5.2.2.1 Sie ist der Ansicht, die Beschwerdegegner seien im Alter von bald 77 bzw. bald 79 Jahren für die Betreuung von X.________ nicht geeignet. Als 2002/2003 Schwierigkeiten auftraten, schuf der sorge- und obhutsberechtigte Vater Abhilfe, indem er vermehrt die Grosseltern mütterlicherseits einspannte. Zudem stehen weitere Verwandte - vor allem die Paten und Grosseltern väterlicherseits - zur Verfügung, welche bereit und in der Lage sind, zu helfen. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, die Grosseltern handelten aus egoistischen Motiven, da sie keine eigene Tochter hätten, stellt bloss appellatorische Kritik dar, deren sachverhaltliche Grundlage im angefochtenen Entscheid fehlt und die daher nicht gehört werden kann (E. 4.1 hiervor). Das Gleiche gilt auch für den Einwand, der Vater des Kindes habe sich geweigert, sich einer Familientherapie zu unterziehen. Es deutet nichts darauf hin, dass der Vater nicht reagieren würde, wenn z.B. wegen des Alters der Grosseltern oder aus anderen Gründen sich Änderungen aufdrängten. Auch die Beiständin, deren Funktion nicht in Frage gestellt wird, kann Änderungen vorschlagen, wenn solche nötig sind. Die in diesem Zusammenhang erhobene Rüge, das Kantonsgericht habe übersehen, dass im Falle, wo den Eltern die Obhut entzogen werde, diese der Vormundschaftsbehörde und gestützt auf BGE 128 III 9 schon gar nicht den Pflegeeltern zustehe, geht fehl. Denn das Obergericht hat - wie ausgeführt (E. 5.1 hiervor) - die Aufhebung des Rechts des Vaters zur Bestimmung des Aufenthalts von X.________ rückgängig gemacht. 5.2.3 Sodann ist die Beschwerdeführerin der Meinung, sie sei bei der Befragung überfordert und damit nicht urteilsfähig gewesen. Von vornherein unzulässig ist die behauptete Überforderung, denn im angefochtenen Entscheid wird eine solche nicht festgestellt (E. 4.1 hiervor). Darüber hinaus hat das Obergericht die Urteilsfähigkeit bei einem 13-jährigen und im Gutachten als "körperlich, geistig und seelisch gesund bezeichneten" Kind nicht in Zweifel ziehen müssen (vgl. dazu: BGE 131 III 553 ff.). Die Anhörung von X.________, die nur ein Element der Entscheidfindung darstellt und gemäss Art. 314 Abs. 2 ZGB vorgeschrieben ist, stellt somit keine Bundesrechtsverletzung dar. 5.2.4 Im Weiteren rügt die Beschwerdeführerin, das Obergericht sei vom Gutachten des KJPD vom 20. April 2006 abgewichen und habe dabei das Willkürverbot (Art. 9 BV) missachtet. Vorab ist dabei zu erwähnen, dass im Bereich des Kindesschutzes, wo die uneingeschränkte Untersuchungsmaxime gilt, die zuständige Behörde nach eigenem Ermessen Beweise erheben kann; massgebend ist in erster Linie das Wohl des Kindes (BGE 122 I 53 E. 4a S. 55; vgl. auch 128 III 411 E. 3.2.1 S.413 und 131 III 553 E.1.1). Die Vorinstanz hat anlässlich der Verhandlung vom 4. Januar 2007 durch die Anhörung der Grosseltern und des Kindes sich die Erkenntnisse zur Beurteilung der Obhutsfrage und zur Unterbringung von X.________ verschaffen können. Die Rüge geht daher fehl. Das Obergericht hat zudem erwogen, es liege hier ein Fall vor, in welchem der allein sorgeberechtigte Kindsvater in seiner Doppelbelastung durch Beruf und Kinderbetreuung in seiner Abwesenheit X.________ durch dessen Grosseltern habe betreuen lassen, welche dem Kind wohlgesinnt seien. Dabei sei die offene Ablehnung der Stiefmutter gegenüber den Kindern und das dadurch begründete Defizit einer Mutter-Kind-Beziehung bei X.________ durch dessen gute, herzliche Beziehung zur Grossmutter und die geregelte Kindesbetreuung ausgeglichen worden. Es sei nicht einsichtig, worin und weshalb in diesem Fall bei dem als körperlich, geistig und seelisch gesund bezeichneten Kind X.________ eine "massive Gefährdung" vorliegen solle, die nicht anders als durch dessen Fremdplatzierung in einer heilpädagogischen Pflegefamilie abgewendet werden könne. Indem das Obergericht diesen im Gutachten enthaltenen Widerspruch als Anlass für eigene Abklärungen angesehen hat, die schliesslich zu einer anderen Beurteilung der Gefährdung des Kindes geführt haben, hat es kein Bundesrecht verletzt. Zu einer abstrakten Gefährdung hat die Vorinstanz keine Tatsachen festgestellt. Das Obergericht ist im Gegenteil zur Auffassung gelangt, da sich seit dem Beschluss der Vormundschaftsbehörde vom 22. September 2003 keine neuen tatsächlichen Erkenntnisse für eine neue Kindesgefährdung ergeben hätten, sei diese Behörde zu Unrecht tätig geworden. Inwiefern dieser Schluss bundesrechtswidrig sein soll, wird von der Beschwerdeführerin nicht einlässlich begründet. Darauf kann demnach nicht eingetreten werden (E. 4.2 hiervor). 5.2.5 Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, auch wenn die Beschwerdegegner im jetzigen Zeitpunkt in der Lage wären, ein Pflegekind aufzunehmen, könne niemand sagen, ob das in zwei bis drei Jahren immer noch der Fall sein werde und sich X.________ mit dem Lebenstil und der dann in hohem Alter stehenden Beschwerdegegner noch identifizieren könne. Jede Anordnung oder Abänderung von Kindesschutzmassnahmen setzt in einem gewissen Ausmass eine Prognose über die künftige Entwicklung der massgebenden Umstände voraus (BGE 120 II 384 E. 4d S. 386). Der Blick in die Zukunft ist vom Obergericht positiv beurteilt worden. Wie die Umstände in zwei bis drei Jahren sein werden, weiss niemand, so dass beim Scheitern der angestrebten Unterbringung dannzumal nach einer anderen Lösung gesucht werden müsste. 5.3 Die Vorinstanz hat anders entschieden, und in der Unsicherheit jeder Zukunftsprognose liegt auch ein Grund dafür, dass der rechtsanwendenden Behörde bei der Wahl der geeigneten Massnahme ein gewisses Ermessen zusteht (vgl. Peter Breitschmid, Basler Kommentar, ZGB I, 3. Aufl., N. 26 zu Art. 307 ZGB, S. 1610). In dieses greift das Bundesgericht bloss mit Zurückhaltung ein (BGE 128 III 161 E. 2c/aa S. 162; 131 III 12 E. 4.2 S. 15). Nach dem Ausgeführten hat das Obergericht kein Bundesrecht verletzt, wenn es wegen des Abwendens der Kindsmutter von der Familie und der fehlenden Wärme seitens der Stiefmutter, welche beiden Elemente offenbar hinter der aufgestellten positiven Erscheinung zu einer unterschwelligen Bedrücktheit bei X.________ geführt haben, befunden hat, dieser Mangel könne besser durch die Beanspruchung des bestehenden Familiennetzes, das X.________ wohl gesinnt ist und wo sie sich aufgehoben fühlt, als durch eine neue Drittfamilie aufgefangen werden.