Citation: 7B_129/2022 E. 2.2.1

2.2.1. Nach Art. 316 Abs. 1 Satz 1 StPO kann die Staatsanwaltschaft die Antrag stellende und die beschuldigte Person zu einer Verhandlung vorladen mit dem Ziel, einen Vergleich zu erzielen, soweit Antragsdelikte Gegenstand des Verfahrens sind. Die Konsequenz des Nichterscheinens zur staatsanwaltschaftlichen Vergleichsverhandlung ist, anders als im ordentlichen Verfahren, in Art. 316 Abs. 1 Satz 2 StPO geregelt (siehe Urteil 6B_374/2013 vom 19. September 2013 E. 2.4.2, mit Hinweisen, wonach weder Ordnungsbusse noch Zwangsmassnahmen drohen). Danach gilt der Strafantrag als zurückgezogen, wenn die Antrag stellende Person der Vergleichsverhandlung fern bleibt. Der Vergleich stellt eine aussergerichtliche Form der Konfliktbewältigung dar, die es den Parteien ermöglicht, eine Lösung zu finden, die ihnen besser entspricht als eine strafrechtliche Sanktion. Die Verfahrensleitung versucht, eine Einigung zwischen den Parteien in Form einer übereinstimmenden Willenserklärung herbeizuführen, mit dem Ziel, dass die Antrag stellende Person ihren Strafantrag zurückzieht und die beschuldigte Person als Ausgleich eine Entschuldigung, Genugtuung oder Schadenersatz leistet. In der Praxis erfordert das Vergleichsverfahren regelmässig eine Gegenüberstellung und das Mitwirken der geschädigten und der beschuldigten Person, um das Verfahren aussergerichtlich zu beenden. Die direkte Konfrontation zwingt die Parteien, sich mit den Standpunkten des Gegenübers auseinanderzusetzen und darauf einzugehen. Dies erleichtert erfahrungsgemäss die Konfliktbewältigung. Eine gemeinsam gefundene Lösung findet bei den Parteien eine stärkere Akzeptanz als ein von staatlicher Seite "aufgezwungenes Ergebnis" (BGE 140 IV 118 E. 3.3.3; Urteil 6B_374/2013 vom 19. September 2013 E. 2.4.1 mit Hinweisen). Dabei ist die Anordnung einer Vergleichsverhandlung ein interner verfahrensleitender Akt. Es obliegt alleine der Staatsanwaltschaft, ob und in welchem Verfahrensstadium sie eine solche anordnet (Urteil 6B_1179/2020 vom 4. Februar 2021 E. 3.1).