Citation: 1C_411/2020 E. 2.4.3

2.4.3. Eine langandauernde Übung vermag in gewisser Hinsicht eine formellgesetzliche Grundlage zu ersetzen, was das Bundesgericht namentlich im Zusammenhang mit Universitätsgebühren und Gerichtsgebühren anerkannt hat (BGE 143 I 227 E. 4.5; 125 I 173 E. 9e S. 181; je mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall handelt es sich freilich nicht um Gerichtsgebühren im engeren Sinne, sondern um Gebühren für ausserhalb eines Gerichtsverfahrens erbrachte Dienstleistungen, und gibt es für eine lang andauernde Übung keine Anhaltspunkte. Die Kostenverordnung des Obergerichts, die in § 32 Abs. 1 lit. i für die Abgabe eines anonymisierten Entscheides eine Gebühr von Fr. 5.-- pro Seite vorsieht, trat erst 2012 in Kraft. Aus dem angefochtenen Entscheid und der Vernehmlassung des Obergerichts, wonach die Bestimmung konsequent für die ab und zu verlangte Herausgabe anonymisierter Entscheide angewendet worden sei, ergibt sich ebenfalls nichts, was auf eine lang andauernde Übung schliessen liesse.