Citation: 5C.62/2002 11.04.2002 E. 2

2.- Der Kläger wirft der Vorinstanz hauptsächlich vor, sie hätte ihm nicht Fr. 6'000.-- als Monatseinkommen anrechnen dürfen. Als Angestellter würde er in der Baubranche keine so gut bezahlte Stelle finden. a) Bei der Festsetzung von Unterhaltsbeiträgen darf vom tatsächlichen Leistungsvermögen des Pflichtigen, das Voraussetzung und Bemessungsgrundlage der Beitragspflicht bildet, abgewichen und statt dessen von einem hypothetischen Einkommen ausgegangen werden, falls und soweit der Pflichtige bei gutem Willen bzw. bei ihm zuzumutender Anstrengung mehr zu verdienen vermöchte, als er effektiv verdient. Wo die reale Möglichkeit einer Einkommenssteigerung fehlt, muss eine solche jedoch ausser Betracht bleiben. Aus welchem Grund der Unterhaltsschuldner auf ein höheres Einkommen verzichtet, ist im Prinzip unerheblich (BGE 128 III 4 E. 4a S. 5 f.). Rechtsfrage ist, ob dem Unterhaltspflichtigen eine Steigerung des Einkommens zugemutet werden kann. Die Ebene der Sachverhaltsermittlung beschlägt die Frage, ob der Unterhaltsschuldner sein Einkommen wird erhöhen können (BGE 128 III 4 E. 4c/bb S. 7 mit Hinw.). b) Der Kläger wirft dem Obergericht eine Verkennung der Lage auf dem Arbeitsmarkt in der Baubranche vor. Zwecks Reduktion der Fixkosten würden frei werdende Stellen nur sehr zurückhaltend und vorzugsweise mit jungen Arbeitskräften besetzt. Bei seinem Alter von bald 50 Jahren könne er als Neuzuzüger einen Lohn von Fr. 6'000.-- im Monat nie erzielen. Ihm werde eine lukrative Stelle angedichtet, obwohl seine Aussichten angesichts der wenigen Stellenangebote und der schlechten Wirtschaftsnachrichten sehr gering seien. Das Obergericht habe weder sein Alter, noch Stelleninserate und Lohnstatistiken berücksichtigt. Damit übt er unzulässige Kritik an der vorinstanzlichen Beweiswürdigung (BGE 125 III 78 E. 3a S. 79; 122 III 219 E. 3c S. 223), wonach der Kläger mit seiner Ausbildung und Erfahrung als Montageleiter, mithin in einer Kaderposition, Fr. 6'000.-- im Monat verdienen könnte. Dass diese Tatsachenfeststellung nur knapp begründet erscheint, ist nachvollziehbar, stellt doch das Obergericht massgeblich auf das entsprechende Zugeständnis des Klägers vor erster Instanz ab (E. 2c S. 11 Abs. 2 des angefochtenen Urteils). Wenn der Kläger schliesslich auf die Umstände hinweist, dass er als psychisch angeschlagener Mensch mehr Freizeit und Ferien hätte, wenn er als Angestellter arbeiten würde, so setzt er sich wiederum über die für das Bundesgericht verbindliche, tatsächliche Feststellung (Art. 63 Abs. 2 OG) hinweg, dass es ihm möglich wäre, als Angestellter Fr. 6'000.-- im Monat zu verdienen. Auf die Berufung ist insoweit nicht einzutreten. c) Der Kläger führt im Weiteren aus, was den Rückzug aus dem Deutschlandgeschäft betreffe, könne von ihm wohl nicht verlangt werden, dass er Knall auf Fall sein Geschäft an den Nagel hänge. Das Obergericht verkenne die wirtschaftlichen Gegebenheiten, und ihm könne die Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit schon deshalb nicht zugemutet werden, weil er als bald 50-jähriger Mann sich später nicht mehr erneut selbständig machen könne. Damit wird weder die Zumutbarkeit einer Umstellung auf unselbständige Erwerbstätigkeit noch ein allfälliger Zeitpunkt derselben ernsthaft in Zweifel gezogen: Die Umstände, dass der Kläger seit zehn Jahren selbständig ist, nächstens 49-jährig wird und eine spätere Rückkehr zur Selbständigkeit kaum mehr schaffen würde, gehören gewissermassen zu den normalen Erscheinungen, die mit jeder Veränderung der Erwerbstätigkeit verbunden sind. Sie stellen namentlich keine Gründe dar, die eine Umstellung als unzumutbar erscheinen lassen. d) Nach dem Dargelegten hält die Begründung der Vorinstanz, dem Kläger könne zugemutet werden, ein hypothetisches Einkommen von Fr. 6'000.-- zu erzielen, vor Bundesrecht stand. Wird bei dieser Ausgangslage eine Alternativbegründung des Urteils angefochten, sind die entsprechenden Rügen nicht zu hören, weil die Berufung für einen blossen Streit über Urteilsmotive nicht offen steht (BGE 106 II 117 E. 1 S. 118 f.). Daher ist auf die Einwände des Klägers, sein tatsächliches Einkommen betrage nur etwas mehr als die Hälfte von den Fr. 6'145.--, auf die das Obergericht abgestellt hat, nicht einzutreten (vgl. BGE 116 II 721 E. 6a S. 730 und 115 II 300 E. 2b S. 302).