Citation: 6B_885/2022 E. 1.2.4

1.2.4. Schliesslich würdigt die Vorinstanz die erwähnten Beweismittel ausführlich. Dabei kann sie den Aussagen des Jugendlichen und seiner damaligen Betreuerin nichts Entscheidendes entnehmen. Was die Aussagen des Beschwerdeführers und des anderen Polizisten betrifft, erkennt die Vorinstanz eine weitgehende Übereinstimmung vor und nach dem Kerngeschehen. Was das Kerngeschehen selbst betrifft, macht sie aber Widersprüche aus. Beispielsweise habe der andere Polizist geschildert, der Jugendliche sei mit dem Hinterkopf gegen die Wand gestossen und dann nach vorne gefallen, wo er mit dem Kopf gegen die Tischkante geschlagen und zu Boden gegangen sei. Demgegenüber habe der Beschwerdeführer in keiner Befragung einen Sturz des Jugendlichen auf die Tischkante beschrieben. Daher hält die Vorinstanz die Aussage des anderen Polizisten, wonach der Jugendliche sich an der Tischkante gestossen habe, für unglaubhaft. Sie weist darauf hin, dass der andere Polizist dem Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Aussage hierarchisch untergeordnet war. Zudem hält die Vorinstanz für unwahrscheinlich, dass der andere Polizist den Beginn der Auseinandersetzung nicht wahrgenommen haben wolle, sei der Kontrollraum doch sehr klein. Die Vorinstanz übersieht nicht, dass sich der Jugendliche die Verletzungen auch nach der Entlassung aus der Polizeiwache zugezogen haben könnte. Gegen diese Hypothese sprechen gemäss Vorinstanz verschiedene Gründe. So weist sie darauf hin, dass der Jugendliche nach der Interaktion mit dem Beschwerdeführer auf der Polizeiwache kurz aus der Nase geblutet habe. Gemäss Gutachten liege keine Verletzung der Nase vor. Daher liege nahe, dass ein Zusammenhang bestehe zwischen dem Nasenbluten und den Knochenbrüchen. Zudem habe die Gutachterin ausgeführt, dass keine mehrfache Gewalteinwirkung vorliege, sondern nur ein Verletzungskomplex. Daraus leitet die Vorinstanz ab, dass die Verletzungen mit den Vorkommnissen auf der Polizeiwache in Zusammenhang stehen müssen. Denn das Gutachten schliesse aus, dass sich der Jugendliche die Verletzungen bei verschiedenen Vorfällen zugezogen habe. Für eine schwere Verletzung auf der Polizeiwache spreche auch, dass der Beschwerdeführer und der andere Polizist aussagten, der Jugendliche habe sich nach dem Vorfall plötzlich ruhig verhalten. Diese abrupte Veränderung des Verhaltens mutet gemäss Vorinstanz seltsam an, lasse sich aber damit erklären, dass er sich die schweren Verletzungen im Kontrollraum zugezogen habe. Weiter hält die Vorinstanz fest, dass in der Tatnacht kein gewalttätiger Vorfall rapportiert worden sei, in den der Jugendliche nach dem Verlassen der Polizeiwache involviert gewesen wäre. Sie hält dem Beschwerdeführer zugute, dass nicht jeder Vorfall rapportiert werde. Doch erkennt sie im Fehlen eines solchen Rapports dennoch ein weiteres Indiz dafür, dass der Jugendliche sich die Verletzungen auf der Polizeiwache zuzog und nicht danach. Dass sich der Jugendliche erst am nächsten Morgen in ärztliche Behandlung begab, erklärt die Vorinstanz damit, dass erst im Lauf der Nacht grössere Beschwerden aufgetreten seien. Im Ergebnis kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass sich der Jugendliche die Verletzungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf der Polizeiwache zuzog.