Citation: 5A_86/2021 E. 3.1.3

3.1.3. Die Beschwerdeführerin wirft dem Obergericht vor, willkürlich zu ignorieren, dass sie die Globalübernahme der SIA-Norm 118 durch den Beschwerdegegner, das heisst die ungelesene Übernahme des Regelwerks, bestritten habe. Wie sich aus ihrer Berufung ergebe, habe sie schon vor der Vorinstanz reklamiert, dass eine ungelesene Globalübernahme und insbesondere die Unkenntnis des umstrittenen Art. 154 der SIA-Norm 118 vom Beschwerdegegner nicht behauptet, geschweige denn substanziiert, begründet oder bewiesen worden sei. Dass der Beschwerdegegner die Globalübernahme implizit behauptet habe, sei eine willkürliche Annahme der Vorinstanz. Diese hätte prüfen müssen, ob der Beschwerdegegner zum Vertragszeitpunkt oder jedenfalls vor Anerkennung der Schlussrechnungen durch den Bauleiter von Art. 154 der SIA-Norm 118 wusste bzw. diese Klausel rechtzeitig gelesen und die Vollmacht rechtzeitig entzogen hat. In der Folge legt die Beschwerdeführerin dar, weshalb der Beschwerdegegner um die Tragweite von Art. 154 der SIA-Norm 118 gewusst haben müsse. So habe der Bauleiter angegeben, bis nach Bezug des Hauses, also "wohl auch" nach der Unterzeichnung der hier umstrittenen Schlussrechnungen, Schlussrechnungen und Ausmasse anderer Unternehmer kontrolliert und unterzeichnet zu haben. Weiter habe der Beschwerdegegner eingeräumt, dem Bauleiter die Vollmacht gegenüber anderen Handwerkern entzogen bzw. beschränkt zu haben, was er nicht getan hätte, wenn ihm nicht klar gewesen wäre, dass der Bauleiter ihn zur Zahlung von Schlussrechnungen verpflichten konnte. Mit der Behauptung, er habe die Vollmacht des Bauleiters zur verpflichtenden Anerkennung der Schlussrechnungen mit Schreiben vom 12. September 2013 widerrufen, habe der Beschwerdegegner zugegeben, von der Vertretungsbefugnis des Bauleiters gemäss Art. 154 der SIA-Norm 118 schon drei Monate vor der (im September 2013 erfolgten) Anerkennung der Schlussrechnungen gewusst zu haben. Damit sei "in vielerlei Hinsicht erstellt", dass der Bauleiter den Beschwerdegegner mit seiner Prüfung und Unterschrift der Schlussrechnung gültig zur Zahlung der Schlussrechnungen verpflichtete. Schliesslich argumentiert die Beschwerdeführerin, die Anerkennung der eingeklagten Forderung sei auch gestützt auf Ziffer 38 der Werkverträge erfolgt; diese Klausel sehe ausdrücklich vor, dass die Bauleitung die geleisteten Arbeiten und Lieferungen anerkennen kann, was "selbstredend" die Anerkennung des Gesamtausmasses und "letzten Endes" der Schlussrechnungen einschliesse. Auf den Werkvertrag selbst sei die Ungewöhnlichkeitsregel "ganz sicher nicht" anzuwenden. Bezüglich des Streits um die Frage, ob der Beschwerdegegner branchenfremd oder bauunerfahren sei, wirft die Beschwerdeführerin dem Obergericht zwei wesentliche Irrtümer vor. Erstens treffe es nicht zu, dass sich der beweispflichtige Beschwerdegegner mit der blossen Behauptung der negativen Tatsache begnügen durfte. Betreffend die Behauptung, er habe nie zuvor gebaut und keine Ahnung von der Baubranche, wäre ihm zuzumuten gewesen, Zeugenbefragungen aus seinem Umkreis oder wenigsten seine Beweisaussage anzubieten. Zweitens wehrt sich die Beschwerdeführerin gegen den Vorhalt der ungenügend substanziierten Bestreitung. Zumindest sinngemäss habe sie geltend gemacht, dass das sehr grosse Projektvolumen die Branchenvertrautheit des Beschwerdegegners belege. Weiter habe sie darauf hingewiesen, dass die Abnahme der Arbeiten durch die Ehefrau des Beschwerdegegners erfolgt sei, was ebenfalls Branchenvertrautheit indiziere, denn wer keine Ahnung vom Bauen habe, vertraue die Abnahme einer beachtlich grossen Baute nicht einem Laien, sondern einem Fachmann an. Schliesslich habe sie auch die berufliche Stellung des Beschwerdegegners und dessen Ausbildung als Ingenieur und Betriebswirtschafter erwähnt, die vermuten liessen, dass der Beschwerdegegner in der Vergangenheit mit Bauten in Berührung gekommen war und sich Kenntnis der SIA-Norm 118 verschafft hatte, zumal er sie selbst vorgeschlagen hatte. Die Beschwerdeführerin rügt Willkür in der Sachverhaltsfeststellung und eine Verletzung der Beweisregeln. Vehement bestreitet sie, dass sie unter den gegebenen Umständen hätte behaupten müssen, wann und wo der Beschwerdegegner gebaut hat. Ihre Behauptungen im Zusammenhang mit der Bau (un) erfahrenheit des Beschwerdegegners seien ausreichend gewesen, um Zweifel an der gegnerischen Behauptung des Beschwerdegegners zu wecken, weshalb über diese Tatsache Beweis hätte abgenommen werden müssen. Das Obergericht greife dem beweisbelasteten, anwaltlich vertretenen Beschwerdegegner auf unzulässige Weise unter die Arme. Während es bei ihr, der Beschwerdeführerin, die Substanziierungsschwelle bezüglich Bestreiten sehr hoch ansetze, lasse es beim Beschwerdegegner eine simple, unbewiesene Behauptung zu und bejahe im Ergebnis zu Unrecht die Anwendung der Ungewöhnlichkeitsregel.