Citation: 9C_41/2024 E. 6.5.3

6.5.3. Obschon der heutige Wortlaut von Art. 13 Abs. 3 lit. b StG das Merkmal der Gewerbsmässigkeit im Unterschied zu den früheren Gesetzestexten (vgl. insbesondere Art. 33 Abs. 1 StG 1917 i.d.F. vom 22. Dezember 1927; vgl. ferner Art. 13 Abs. 3 lit. a StG i.d.F. vom 27. Juni 1973; Art. 33 Abs. 1 StG 1917, wo nur der gewerbsmässige Handel erwähnt wurde) nicht mehr reflektiert, zeigen die Entstehungsgeschichte und die Gesetzessystematik, dass der Gesetzgeber von 1991 diese Voraussetzung nicht aufgeben, sondern weiterhin nur gewerbsmässige (bzw. professionelle) Händler und Vermittler als Effektenhändler erfassen wollte (vgl. auch JAEGER/ADANK, in: Bundesgesetz über die Stempelabgaben, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 2. Aufl. 2019, N. 60 zu Art. 13 StG; LURÀ, a.a.O., N. 64 zu Art. 13 StG; CONRAD STOCKAR, Übersicht und Fallbeispiele zu den Stempelabgaben und zur Verrechnungssteuer, 4. Aufl. 2006 S. 55). Gewerbsmässig (frz. "professionnel"; ital. "professionale") ist die Tätigkeit des Händlers oder Vermittlers, wenn sie gewinnstrebig, wirtschaftlich unabhängig und fortgesetzt betrieben wird ("intention de lucre, indépendance dans cette activité économique et répétition voulue de l'opération"; Urteil vom 4. Juli 1958 E. 2, in: ASA 28 S. 60; vgl. auch Urteil A.45/1984 vom 4. März 1985 E. 1c, in: ASA 54 S. 599; AMSTUTZ/ WYSS, a.a.O., N. 7 zu Art. 33 StG 1917, nach denen die Absicht darauf gerichtet sein muss, sich eine Quelle dauernden Erwerbs zu verschaffen). Beim Handel auf fremde Rechnung nährt sich der angestrebte Gewinn typischerweise aus dem Honorar, das der Händler oder der Vermittler für das abgeschlossene oder vermittelte Geschäft erhält bzw. erwartet (vgl. Urteil vom 4. Juli 1958 E. 3, in: ASA 28 S. 60; vgl. aber auch Urteil A.45/1984 vom 4. März 1985 E. 1c, in: ASA 54 S. 599, wo das Bundesgericht eine Vermögensverwalterin als gewerbsmässige Effektenhändlerin qualifiziert hat, die für die Verfolgung des vom Kunden vertraglich festgelegten Anlagezieles und nicht besonders für die Erteilung von Börsenaufträgen honoriert worden war). Der Gewinn aus der Handelstätigkeit braucht nicht die einzige oder hauptsächliche Einnahmequelle des gewerbsmässigen Effektenhändlers zu sein; eine gewerbsmässige Tätigkeit kann also auch bloss in der Art eines Nebenberufs ausgeübt werden (vgl. Urteil vom 4. Juli 1958 E. 3, in: ASA 28 S. 60; vgl. auch die Rechtsprechung in anderen Rechtsgebieten zum Begriff der Gewerbsmässigkeit: BGE 147 IV 176 E. 2.2.1; 129 IV 188 E. 3.1.2; sowie ferner zum verwandten Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeit Urteil 7B_958/2024 vom 27. November 2024 E. 2.2.4, zur Publikation vorgesehen; BGE 141 V 234 E. 6.3.3; 125 II 113 E. 5b).