Citation: U 281/06 21.06.2007 E. 7

7.1 Das Ereignis vom 19. Oktober 2002 ist mit Blick auf das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 158/05 vom 8. August 2005 (E. 3.2 mit Hinweisen) höchstens als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren. Die Adäquanz der psychischen Unfallfolgen ist daher zu bejahen, wenn eines der in BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 erwähnten Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind. Bei der Prüfung der einzelnen Kriterien sind nur die organisch bedingten Beschwerden zu berücksichtigen, während die psychisch begründeten Anteile, deren hinreichender Zusammenhang mit dem Unfall den Gegenstand der Prüfung bildet, ausgeklammert bleiben. 7.2 Der Unfall vom 19. Oktober 2002 hat sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch ist das Geschehen mit Blick auf die sehr geringen kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderungen (vgl. den Bericht der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom 4. August 2003) als besonders eindrücklich zu beurteilen. Eine Distorsionsverletzung der HWS, wie sie hier aufgetreten ist (ohne Frakturen, nur leichte und kurzzeitige neurologische Defizite, bei reinem Blechschaden), begünstigt den Eintritt eines chronifizierten zervikozephalen und zervikobrachialen Schmerzsyndroms, eines anhaltenden Schmerzes im Bewegungsapparat und einer Anpassungsstörung nicht in besonderer Weise. Eine ärztliche Fehlbehandlung wird zu Recht nicht behauptet und eine physisch bedingte (teilweise) Arbeitsunfähigkeit bestand nach Lage der Akten nur für kurze Zeit. Denn bereits fünf Wochen nach dem Unfall standen die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin im Vordergrund (E. 6.1 hievor). Weiter liegen kein schwieriger Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen, keine Dauerbeschwerden und keine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung vor. Abgesehen von Muskelverspannungen im Schulter- und Nackenbereich sowie einer noch nicht vollständig freien Beweglichkeit der HWS konnte der Hausarzt bereits zweieinhalb Monate nach dem Unfall keine somatisch erklärbaren gesundheitlichen Einschränkungen mehr feststellen. Die rückfallweise im Zusammenhang mit der Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf 75% geklagte Verschlechterung des Gesundheitszustandes ab Januar 2003 war psychogener Natur, führte zur Wiederaufnahme der Psychotherapie bei dem schon vor dem Unfall behandelnden Dr. med. S.________ ab 8. Januar 2003 und schliesslich zum stationären Rehabilitationsaufenthalt in der Rehaklinik Y.________. Selbst wenn den Kriterien eines schwierigen Heilungsverlaufs und einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung angesichts der ambulanten therapeutischen Bemühungen des Dr. med. K.________ eine gewisse Bedeutung beizumessen wäre, so kommt keinem dieser Kriterien ausschlaggebendes Gewicht zu. Auch kann unter den gegebenen Umständen nicht bejaht werden, dass die Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind. Der Unfall vom 19. Oktober 2002 war somit nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet, über den 31. Mai 2005 hinaus anhaltende gesundheitliche Beeinträchtigungen zu verursachen. Die ÖKK hat daher im Ergebnis zu Recht die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen den über den 31. Mai 2005 hinaus geklagten Beschwerden und dem Ereignis vom 19. Oktober 2002 verneint, weshalb nicht zu beanstanden ist, dass das kantonale Gericht mit angefochtenem Entscheid den verfügten Fallabschluss gemäss Einspracheentscheid vom 9. September 2005 bestätigt hat.