Citation: 1A.128/2000 11.05.2000 E. 3

3.-a) Die Auslieferung ist zulässig wegen Handlungen, die sowohl nach dem Recht des ersuchenden als auch nach dem des ersuchten Staates mit einer freiheitsbeschränkenden Sanktion im Höchstmass von mindestens einem Jahr oder mit einer schwereren Sanktion bedroht sind (Art. 2 Ziff. 1 EAUe, vgl. auch Art. 35 Abs. 1 IRSG). Betrifft das Auslieferungsersuchen mehrere verschiedene Handlungen, von denen jede (nach dem Recht beider Staaten) mit einer freiheitsbeschränkenden Sanktion bedroht ist, einige aber die Bedingung hinsichtlich des Strafmasses nicht erfüllen, so ist der ersuchte Staat berechtigt, die Auslieferung auch wegen dieser Handlungen zu bewilligen (Art. 2 Ziff. 2 EAUe). b) Das Ersuchen muss unter anderem eine Darstellung der Handlungen enthalten, derentwegen um Auslieferung ersucht wird. Zeit und Ort der Begehung sowie ihre rechtliche Würdigung unter Bezugnahme auf die anwendbaren Gesetzesbestimmungen sind so genau wie möglich anzugeben (Art. 12 Ziff. 2 lit. b EAUe). c) Nach der Praxis des Bundesgerichtes verlangt das Europäische Auslieferungsübereinkommen keine lückenlose und in jeder Hinsicht präzise Sachverhaltsdarstellung, zumal gerade ein Hauptziel der beantragten Rechtshilfe darin liegt, bisher im Dunkeln gebliebene Sachverhaltsfragen zu klären. In Bezug auf den Grundsatz der beidseitigen Strafbarkeit genügt es, dass die untersuchten Delikte sowohl nach deutschem als auch nach schweizerischem Recht strafbar und die Voraussetzungen von Art. 2 EAUe bezüglich Mindeststrafmass erfüllt sind (vgl. auch Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR, Art. 64 IRSG, sowie BGE 122 II 422 E. 2a S. 424 mit Hinweisen). Es ist hingegen nicht Aufgabe der Rechtshilfebehörde zu prüfen, ob eine strafbare Handlung vorliegt und welche konkreten Straftatbestände erfüllt sind. Dies wird - im Falle einer Anklageerhebung - vielmehr vom erkennenden Strafrichter zu beurteilen sein. Im Rechtshilfeverfahren ist indessen abzuklären, ob die Sachverhaltsdarstellung der ersuchenden Behörde genügend konkrete Hinweise auf die untersuchten strafbaren Handlungen enthält. Das Ersuchen muss es dem Rechtshilferichter ausserdem ermöglichen zu prüfen, ob rechtshilfefähige Delikte Gegenstand der Strafuntersuchung bilden bzw. ob die Voraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit erfüllt ist (vgl. BGE 125 II 250 E. 5b S. 257; 122 II 134 E. 7b S. 137, 367 E. 2c S. 371; 120 Ib 251 E. 5c S. 255, je mit Hinweisen).