Citation: 4A_439/2020 E. 3

Die Vorinstanz erwog zunächst, der für die Beschwerdeführerin handelnde Anwalt berufe sich auf eine Vollmacht vom 21. November 2018, die ohne erkennbaren Bezug zum vorliegenden Verfahren von zwei ehemaligen, unterdessen ausgeschiedenen kollektivzeichnungsberechtigten Direktoren ausgestellt worden sei. Vorliegend sei unklar, wie der Anwalt für das vorliegende Verfahren instruiert worden sei, fehle es doch an einem Verwaltungsrat, der entsprechende Instruktionen erteilen könne. Ob das Handeln des Anwalts vom Auftragsnexus gedeckt sei, sei somit ungewiss. Ob die Vollmacht immer noch gültig sei, könne indessen offen bleiben, weil das Gesuch des Beschwerdegegners trotz der erhobenen Einwände gutzuheissen und die Gesellschaft aufzulösen sei. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe Art. 35 Abs. 1 OR verletzt, indem sie trotz Einreichung einer Anwaltsvollmacht die Vertretung der Beschwerdeführerin im Verfahren verneint oder zumindest in Frage gestellt habe. Die eingereichte Anwaltsvollmacht habe auch über den Zeitpunkt des Verlusts der Handlungsfähigkeit hinaus Geltung und die Gerichte brauchten sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht darum zu kümmern, ob die vollmachtgebende Person noch handlungsfähig sei, soweit der Vertreter sich wie im vorliegenden Fall dazu in der Lage sehe, ohne konkrete Instruktionen Prozesshandlungen vorzunehmen. Das Handeln des Rechtsvertreters im vorliegenden Verfahren sei vom Auftragsnexus gedeckt, denn die Vollmacht ermächtige den Rechtsvertreter unter anderem zur Vertretung gegenüber Behörden, worunter Gerichte zweifelsohne fielen, und zwar unter anderem betreffend Zivilrecht und SchKG. Es kann offen bleiben, wie es sich damit verhält. Denn die Vorinstanz liess die Frage der rechtsgültigen Bevollmächtigung des Anwalts der Beschwerdeführerin offen, da es den von ihm erhobenen Einwänden gegen das Gesuch des Beschwerdegegners ohnehin nicht folgte. Es ist nicht ersichtlich und die Beschwerdeführerin legt nicht dar, inwiefern der Umstand, dass die Vorinstanz die Gültigkeit der Vollmacht anzweifelte, den Ausgang des vorinstanzlichen Verfahrens beeinflusst haben soll. Daran ändert namentlich nichts, dass die Vorinstanz in ihren entscheidenden Erwägungen erwähnte, dass ein Anwalt, dessen Bevollmächtigung Fragen aufwerfen könnte, für die Beschwerdeführerin Antrag stelle, vermögen doch ihre Erwägungen den angefochtenen Entscheid auch unabhängig davon zu stützen.