Citation: 6B_563/2021 E. 1.4.2

1.4.2. Zwar erging die strittige Rückweisungsverfügung von der sachlich unzuständigen Behörde, da gemäss Art. 329 Abs. 2 StPO nicht die Verfahrensleitung, sondern das Gericht für die Rückweisung der Anklage zuständig ist. Dieser Mangel ist aber nicht derart schwerwiegend, als dass es angesichts der besonderen Bedeutung der Rechtssicherheit gerechtfertigt wäre, dem fraglichen Rückweisungsentscheid vom 19. Juni 2015 nach mehr als sieben Jahren jegliche Rechtswirkung abzusprechen. Angesichts der umfangreichen Kompetenzen der Verfahrensleitung gemäss Art. 62 und 329 ff. StPO, ist zudem nicht von einem offensichtlichen Mangel auszugehen. Dafür spricht auch der Umstand, dass der Fehler offenbar auch der Staatsanwaltschaft und den übrigen Parteien entgangen ist. Der rechtskundig vertretene Beschwerdeführer verhält sich sodann widersprüchlich, wenn er einerseits in der fehlenden Zuständigkeit des Kantonsgerichtspräsidenten einen offensichtlichen und schwerwiegenden Fehler erblickt und er andererseits im Rahmen der ergänzenden Beweiserhebungen seine Teilnahmerechte wahrnahm, ohne die Rechtmässigkeit der Rückweisungsverfügung in Frage zu stellen; erst anlässlich der Hauptverhandlung vom 2. Oktober 2020 vor dem Kantonsgericht machte er die Nichtigkeit der Rückweisungsverfügung wegen sachlicher Unzuständigkeit geltend. War der Mangel somit nicht offensichtlich, und steht auch die Rechtssicherheit der Annahme der Nichtigkeit der Rückweisungsverfügung vom 19. Juni 2015 entgegen, so verletzt die Vorinstanz kein Bundesrecht, wenn sie weder die nach der Rückweisung erfolgte Beweiserhebung noch die zweite Anklage der Staatsanwaltschaft vom 30. Oktober resp. 7. November 2018 (Rektifikat) oder das Urteil des Kantonsgerichts vom 31. Juli 2019 als nichtig erachtet.