Citation: 2A.484/1999 25.02.2000 E. 3

3.- a) Die Beschwerdeführerin hat ihre Heimat im Jahre 1990 verlassen, um in der Schweiz eine Stelle anzutreten. Ihr Kind liess sie zurück. Etwas anderes war ihr aber auch nicht möglich, da sie lediglich über eine Saisonbewilligung verfügte, welche den Familiennachzug nicht erlaubt (vgl. Art. 38 Abs. 2 der Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die Begrenzung der Zahl der Ausländer, BVO; SR 823. 21). Nachdem sie - durch Heirat - das Schweizer Bürgerrecht erlangt hatte, wollte sie das Kind zu sich in die Schweiz nehmen. Der Vater des Kindes widersetzte sich, und das Zentrum für Sozialarbeit in Cuprija sprach es ihm zu Pflege, Obhut und Erziehung zu. Tatsächlich verblieb der Sohn der Beschwerdeführerin aber bei den Grosseltern väterlicherseits. Nach der Darstellung der Beschwerdeführerin hat sie den Kontakt aufrechterhalten können, obwohl der Vater - der gewalttätig sei - versucht habe, den Kontakt des Kindes zu ihr zu unterbinden. Sie sei alle drei bis vier Monate nach Jugoslawien gereist, um dort ein bis zwei Wochen mit ihrem Sohn zu verbringen. Aus Angst, der Sohn würde nicht mehr zurückkehren, habe der Vater ihm strikte verboten, seine Mutter in der Schweiz zu besuchen. Sie habe auch all die Jahre finanziell für ihren Sohn gesorgt. Im Laufe der Jahre 1996/97 habe sich die Situation für den Sohn verschlimmert; er habe sie immer wieder gebeten, ihn aus "dieser Tragödie zu befreien", und habe gar damit gedroht, sich das Leben zu nehmen. In dieser Situation habe sie erneut ein Gesuch um Übertragung des Sorgerechts gestellt, das trotz Widerstands des Vaters gutgeheissen worden sei. b) Das Verwaltungsgericht gelangte im angefochtenen Urteil zur Auffassung, dass eine vorrangige familiäre Beziehung während der vergangenen acht Jahre zum Vater bzw. den betreuenden Grosseltern väterlicherseits, nicht aber zur Mutter bestanden habe. Diese habe ihr Kind bei der Übersiedlung in die Schweiz freiwillig in Jugoslawien zurückgelassen. Da keine familiären Kontakte zwischen Mutter und Kind nachgewiesen seien und die Übertragung des Sorgerechts erst im sechzehnten Altersjahr des Sohnes erfolgt sei, bestünden keine zwingenden Gründe, die langjährige Familiengemeinschaft des Sohnes mit seinen Grosseltern auf die Mutter zu übertragen. Weiter wird im Urteil des Verwaltungsgerichts ausgeführt, dass es auf den Gesundheitszustand und auf den Verbleib der in Pec (Kosovo) lebenden Grosseltern mütterlicherseits, bei denen sich der Sohn nach der Übertragung des Sorgerechts auf die Mutter zunächst aufgehalten habe, - sie sollen im Gefolge der kriegerischen Auseinandersetzungen verschollen sein - nicht ankomme. Über die Grosseltern väterlicherseits, die in Serbien leben, lägen jedenfalls keine Angaben dazu vor, dass diese gesundheitlich nicht mehr in der Lage wären, den Sohn zu betreuen. c) Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht macht die Beschwerdeführerin geltend, sie habe für ihre Darstellung der Sachlage namentlich beantragt, ihren Sohn persönlich zu befragen. Die Vorinstanz hat auf eine solche Befragung verzichtet mit der Begründung, die Angaben des Sohnes über Vorfälle in der Heimat liessen sich ohnehin nicht überprüfen. Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist das Bundesgericht an die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz gebunden, wenn wie hier eine richterliche Behörde entschieden hat, ausser die tatsächlichen Feststellungen erwiesen sich als offensichtlich unrichtig oder unvollständig oder seien unter Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften getroffen worden (Art. 105 Abs. 2 OG). Im vorliegenden Fall stellt sich die Frage, ob das Verwaltungsgericht zur Abklärung des massgebenden Sachverhaltes dem Beweisantrag auf Befragung des Sohnes der Beschwerdeführerin hätte stattgeben müssen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet, rechtzeitig und formrichtig angebotene Beweismittel abzunehmen, es sei denn, diese beträfen eine nicht erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache Beweis zu erbringen (BGE 124 I 241 E. 2; 117 Ia 262 E. 4b). Eine vorweggenommene Beweiswürdigung wird dadurch nicht ausgeschlossen; der Richter kann das Beweisverfahren schliessen, wenn er aufgrund bereits abgenommener Beweise seine Überzeugung gebildet hat und er ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass diese seine Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGE 122 II 464 E. 4a; 119 Ib 492 E. 5 b bb; 115 Ia 97 E. 5b; 103 Ia 490 E. 5). d) Das Verwaltungsgericht hat der Sachdarstellung über die Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihrem Kind und namentlich über die Entwicklung des Verhältnisses des Sohnes zu seinem Vater und zu den Grosseltern nicht die Erheblichkeit abgesprochen, und es hat auch nicht aufgrund weiterer abgenommener Beweise ausgeführt, davon überzeugt zu sein, dass ihre Vorbringen unzutreffend wären. Es hat vielmehr angenommen, die Beschwerdeführerin habe den Beweis für ihre Darstellung nicht erbringen können. Das Verwaltungsgericht lehnte die Befragung des Sohnes deshalb ab, weil dessen Angaben nicht nachprüfbar wären. Indessen ist der Richter vielfach darauf angewiesen, aufgrund der Aussagen von Auskunftspersonen die Richtigkeit von Tatsachenbehauptungen zu prüfen, ohne dass ihm weitere, objektive Beweismittel zur Verfügung stehen. Die Befragung von Zeugen und selbst von Parteien ist eine wichtige Erkenntnisquelle zur Erforschung der materiellen Wahrheit. Ob die Aussage glaubhaft ist und Beweis zu erbringen vermag, ist aufgrund einer kritischen Würdigung der Aussage selbst zu beurteilen (dazu: Bender/ Nack, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 2. Aufl. , München 1995). Zum Vornherein untauglich zur Beweisführung ist das Beweismittel nicht.