Citation: U 83/04 29.03.2005 E. 2

2.1 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den ersten kantonalen Entscheid vom 7. Februar 2001 hat die Beschwerdeführerin das Vorliegen einer Lyme-Borreliose im Wesentlichen damit begründet, dass die laborchemischen Untersuchungen positive Resultate ergeben hätten, Rocephin-Therapien zu einer Besserung geführt hätten, eine Acrodermatitis chronica atrophicans als eindeutige Manifestation einer Lyme-Borreliose diagnostiziert worden sei, das für eine Lyme-Borreliose typische Beschwerdebild fortbestehe und für die bestehenden Beschwerden keine anderen Ursachen hätten eruiert werden können. Im Urteil vom 4. Oktober 2001 hat das Eidgenössische Versicherungsgericht hiezu festgestellt, die laborchemischen Untersuchungen hätten keine eindeutigen Befunde ergeben und es vermöge nicht zu überzeugen, wenn Dr. med. S.________ in einer Stellungnahme zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vom 18. Februar 1999 ausführe, serologisch habe der Beweis des Erregerkontaktes jederzeit vorgelegen. Dass es nach antibiotischer Medikation mit Rocephin zu einer offenbar dauerhaften Besserung der Beschwerden gekommen sei, könne als Indiz für eine Borreliose betrachtet werden. Hinsichtlich der Acrodermatitis bestünden nach den medizinischen Akten zumindest Zweifel, ob die Diagnose als gesichert gelten könne. Was den Krankheitsverlauf und das Beschwerdebild betreffe, sei festzustellen, dass sich die neurologischen Befunde gebessert hätten und psychische sowie psychosomatische Aspekte zunehmend in den Vordergrund getreten seien. Angesichts der bestehenden Unklarheiten bezüglich des Vorliegens einer Neuroborreliose komme der Frage wesentliche Bedeutung zu, ob und gegebenenfalls inwieweit sich die vorhandenen Beschwerden auf andere Ursachen zurückführen liessen, was bisher nicht umfassend abgeklärt worden sei. In dem vom kantonalen Gericht eingeholten Gutachten des PD Dr. med. K.________ vom 18. September 2000 werde zwar ausgeführt, es sei weder genügend dokumentiert, dass bei der Versicherten eine typische Lyme-Borreliose vorgelegen habe, noch habe je ein positiver serologischer Befund erhoben werden können. Gleichzeitig werde jedoch festgestellt, das bestehende Beschwerdebild lasse eine weite Differentialdiagnose, einschliesslich einer Neuroborreliose, zu. Dass eine interdisziplinäre Untersuchung zu neuen Erkenntnissen zu führen vermöge, werde trotz des Zeitablaufs vom Gutachter nicht ausgeschlossen. Ergänzende Untersuchungen drängten sich insbesondere in dermatologischer Sicht (Acrodermatitis) auf. Zu weiteren Abklärungen bestehe um so mehr Anlass, als der im vorliegenden Fall offenbar wesentliche psychische Aspekt bisher nicht untersucht worden sei. Es rechtfertige sich daher, die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie die erforderliche polydisziplinäre Begutachtung nachhole und über das Leistungsbegehren neu entscheide. Sollte sich ergeben, dass eine Lyme-Borreliose mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist, werde gegebenenfalls zu berücksichtigen sein, dass psychische Störungen, wie Depressionen, zum Krankheitsbild der Borreliose gehören können. Bildeten sie eine direkte Folge der Krankheit, seien der natürliche und adäquate Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis ohne Weiteres zu bejahen; handle es sich dagegen um sekundäre Folgen, beurteile sich die Adäquanz nach der für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall geltenden Rechtsprechung (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 432 S. 321). 2.2 In dem von der Vorinstanz eingeholten Gutachten vom 5. August 2003 gelangt Prof. Dr. med. T.________ zum Schluss, die Beschwerdeführerin leide an unspezifischen Beschwerden, die keiner neurologischen Krankheit zugeordnet werden könnten. Zu den klinischen Befunden wird ausgeführt, die von Dr. med. S.________ erhobene Diagnose einer Acrodermatitis chronica atrophicans beruhe auf einer Inspektion der Haut. Hautveränderungen seien jedoch unspezifisch und es hätte zur sicheren Diagnose einer histopathologischen Untersuchung bedurft. Hinzu komme, dass eine Acrodermatitis chronica atrophicans meist zusammenhängend an einem Körperteil auftrete und ein Auftreten an beiden Handrücken wohl möglich, insgesamt aber ungewöhnlich sei. Im weiteren fehle der typisch progrediente Verlauf der Hautveränderungen. Schliesslich seien die Borrelienserologien im Stadium der Acrodermatitis chronica atrophicans positiv, was hier nicht der Fall gewesen sei. Dass ein solches Leiden vorgelegen habe, sei daher nicht anzunehmen oder höchstens als möglich zu erachten. Was den Befall des Nervensystems betreffe, habe die Krankheit schleichend mit Müdigkeit und Erschöpfung, einem Leistungsunvermögen und unspezifischen Gefühlsstörungen, Tremor, Urininkontinenz sowie Koordinationsstörungen begonnen. Eine erste neurologische Untersuchung durch Frau Dr. med. B.________ habe den Verdacht auf eine Myasthenia gravis, eine nachfolgende klinische und elektrophysiologische Untersuchung durch den Neurologen Dr. med. M.________ keinen Hinweis auf eine Neuritis, Radikulitis oder Polyradikulitis ergeben. Eine Pleozytose im Liquor habe nicht vorgelegen und es habe keine intrathekale Immunglobulinproduktion stattgefunden. Für eine Lyme-Arthritis lägen ebenfalls keine Anhaltspunkte vor. Auch die Ergebnisse der serologischen Untersuchungen - mehrfacher negativer ELISA-Test und einmal positiver Western Blot - stützten die Annahme einer Borreliose nicht oder höchstens mit dem Grad der Möglichkeit. Die von der Versicherten geklagte Hirnleistungsschwäche sowie die verminderte Konzentrations- und Merkfähigkeit seien unspezifisch und kämen bei zahlreichen somatischen und psychischen Erkrankungen vor. Das Vorliegen einer chronischen Lyme-Borreliose (Post Lyme Syndrom) würde eine positive Serologie voraussetzen, was hier nicht der Fall sei, weshalb auch diese Hypothese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen sei. Das Gutachten wird ergänzt durch einen Bericht der Frau PD Dr. med. L.________, Institut für Infektionskrankheiten des Spitals Y.________, vom 30. Juli 2003, worin aufgrund der Ergebnisse sämtlicher Laboruntersuchungen die Auffassung vertreten wird, dass keine Hinweise auf eine durchgemachte oder noch aktive Borreliose vorlägen.