Citation: 1C_89/2017 E. 2.4.2

2.4.2. Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der massgeblichen Bestimmung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente (sog. Methodenpluralismus), wobei die einzelnen Auslegungselemente keiner hierarchischen Prioritätsordnung unterstehen. Dabei kommt es namentlich auf den Zweck der Regelung, die dem Text zugrunde liegenden Wertungen sowie auf den Sinnzusammenhang an, in dem die Norm steht. Die Entstehungsgeschichte ist zwar nicht unmittelbar entscheidend, dient aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen (BGE 141 II 220 E. 3.3.1 S. 225; 138 IV 232 E. 3 S. 234 f.; je mit Hinweisen). Das SVG regelt den Entzug des Führerausweises im sog. Kaskadensystem (vgl. dazu die Botschaft vom 31. März 1999 zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes, BBl 1999, 4474) und unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Die Art. 16a und Art. 16b SVG enthalten ebenfalls Bewährungs- bzw. Rückfallfristen. Der für die Beschreibung des Rückfalls im Rahmen des Führerausweisentzugs verwendete Wortlaut nimmt ausdrücklich Bezug auf die vorausgegangene Massnahme (vgl. Art. 16a Abs. 2 SVG: "...wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere Administrativmassnahme verfügt wurde "...; Art. 16b Abs. 2 und 16c Abs. 2 SVG: "wenn in den vorangegangenen zwei [oder fünf] Jahren der Ausweis entzogen war..."; vgl. BGE 136 II 447 E. 5.3 S. 456, in: Pra 2011 Nr. 3 S. 242 f.). Nach der Systematik des SVG beginnen die Rückfall- bzw. Bewährungsfristen also grundsätzlich nicht, bevor eine den Entzug anordnende Massnahme ausgesprochen wird. Wie das ASTRA zutreffend ausführt, geht aus Art. 16a Abs. 2 SVG hervor, dass die Bewährungsfrist ausser bei Ausweisentzügen mit der Verfügung der Massnahme beginnt. Daher erscheint es folgerichtig, dass auch die Bewährungsfrist gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. d zweiter Teil SVG nicht bereits im Zeitpunkt der Widerhandlung, und somit bevor die betroffenen Personen mit einer Massnahme in Form einer Verwarnung sanktioniert werden, beginnt. Der Beschwerdeführer bringt denn auch nicht vor, weshalb der Gesetzgeber in Art. 16b und Art. 16c SVG bewusst eine von Art. 16a SVG abweichende Lösung gewählt haben sollte. Da alle diese Bestimmungen Teil des Kaskadensystems sind, liegt es viel eher nahe, auch für den Beginn der Bewährungsfristen gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. e und 16c Abs. 2 lit. d SVG auf den Zeitpunkt abzustellen, in dem die Massnahme verfügt wird.