Citation: 6B_855/2022 E. 2.7.1

2.7.1. Im Rahmen der vorzunehmenden Verhältnismässigkeitsprüfung bestreitet der Beschwerdeführer (einzig) die Erforderlichkeit der Weisung, im betreuten Wohnen bleiben zu müssen. Er verweist auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med. C.________, das keine entsprechende Empfehlung enthalte. Dies räumt auch die Vorinstanz ein. Sie führt jedoch weiter aus, dass der Beschwerdeführer nach der klaren Auffassung der Gutachterin auf Unterstützung im Alltag angewiesen sei, um der Rückfallgefahr zu begegnen. Die Gutachterin halte ausdrücklich fest, dass sich ein geeignetes Wohn- und Tagesstruktursetting stabilisierend auf seinen psychischen Zustand auswirke und seine eingeschränkte Stressbewältigungsfähigkeit insbesondere durch ein adäquates Wohnsetting kompensiert werden könne. In der Tat sieht die Gutachterin in der Fortsetzung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, zu der namentlich der Einbezug des sozialen Umfelds und geeignete Unterstützung im Alltag gehören, ein wichtigstes Instrument zur Vermeidung erneuter Delinquenz (Gutachten S. 34). Auch die PDAG und die KoFaKo, so die weiteren Erwägungen der Vorinstanz, gingen davon aus, dass weiterhin eine geregelte Tagesstruktur mit engmaschiger Begleitung sichergestellt werden müsse. Dem Vollzugsbericht der Stiftung B.________ vom 8. Oktober 2021 sei ebenfalls zu entnehmen, dass eine geregelte Tagesstruktur wichtig und ein betreutes Setting mit regelmässiger Beschäftigung als sinnvoll erachtet werde. Angesichts der einhelligen Meinung der involvierten Fachpersonen ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz zusätzlich zur psychiatrischen und medikamentösen Behandlung sowie der Suchtmittelabstinenz eine geregelte Tagesstruktur mit engmaschiger Betreuung als notwendig erachtet. Ebenfalls gefolgt werden kann der vorinstanzlichen Schlussfolgerung, wonach ein hinreichend strukturierter Tagesablauf nur mit betreutem Wohnen gewährleistet werden kann. Die ambulante therapeutische und die medikamentöse Behandlung sind zwar im Hinblick auf die Deliktsprävention unerlässlich, vermögen dem Alltag des Beschwerdeführers gemäss korrekter Einschätzung der Vorinstanz die nötige klare Struktur jedoch nicht zu geben. In diesem Zusammenhang stellt der Beschwerdeführer insbesondere nicht in Abrede, dass im Falle einer Verschlechterung seines psychischen Zustands eine rasche Reaktion angezeigt ist, damit die günstige Legalprognose nicht gefährdet wird. Eine solche kann mit einer ambulanten Behandlung, die naturgemäss nur in gewissen Abständen an einzelnen zeitlich begrenzten Terminen stattfindet, nicht restlos sichergestellt werden. Nebst dem weist die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass die Beiständin keine psychologische Betreuungsfunktion wahrnimmt und kaum in derart engem Kontakt mit dem Beschwerdeführer steht, dass sie psychische Schwankungen rechtzeitig erkennen und angemessen darauf reagieren könnte. Folglich reichen die übrigen strafrechtlich motivierten Weisungen resp. die zivilrechtlich installierte Massnahme entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht aus, um die mit Blick auf die Legalprognose nötigen Sicherheiten zu bieten. Weiter wird im angefochtenen Entscheid erwogen, dass der Beschwerdeführer nach einer bedingten Entlassung aufgrund seiner Invalidität und psychischen Verfassung voraussichtlich nicht unmittelbar eine Arbeitsstelle finden wird und es ihm deshalb an einem strukturierten Tagesablauf fehlen würde. Wie schon vor der Vorinstanz wendet der Beschwerdeführer dagegen ein, dass er in einem Beschäftigungsprogramm der IV integriert werden könne. Diesbezüglich hält die Vorinstanz jedoch fest, dass laut Akten noch keine entsprechende Vorkehrungen getätigt worden seien und es unwahrscheinlich sei, dass die IV umgehend und ohne Weiteres eine Tagesstruktur sicherstellen könne. Diese Überlegungen werden vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt und scheinen schlüssig. Schliesslich wird in dem vom Beschwerdeführer ins Feld geführten Vollzugsbericht der Stiftung B.________ zwar ausgeführt, dass er über eine gefestigte Absprachefähigkeit verfüge und sich zuverlässig an alle Regeln, Auflagen und Weisungen halte. Indes empfiehlt auch die Stiftung im Rahmen der bedingten Entlassung namentlich die Prüfung von Auflagen und Weisungen betreffend Wohnen und Arbeiten (Vollzugsbericht S. 5 und 6). Gesamthaft betrachtet ist der Verbleib im betreuten Wohnen mit der Vorinstanz als erforderlich zu erachten, um einen strukturierten Alltag sicherzustellen und damit die psychische Stabilität des Beschwerdeführers bestmöglich zu erhalten sowie der Rückfallgefahr zu begegnen. Auch wenn dies im Gutachten von Dr. med. C.________ nicht ausdrücklich so formuliert wird, ist es nicht willkürlich, wenn die Vorinstanz daraus unter Berücksichtigung der übrigen Beweismittel eine Notwendigkeit für betreutes Wohnen ableitet.