Citation: U 101/04 16.08.2004 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin hat im vorinstanzlichen Verfahren sowohl vor wie auch nach Erstattung des gerichtlichen Gutachtens durch den Neurologen Dr. med. L.________ eine polydisziplinäre Begutachtung beantragt. Zur Begründung machte sie unter Hinweis auf Lehre und Praxis insbesondere geltend, bei der Beurteilung von Unfallfolgen mit Einwirkungen auf die Halswirbelsäule sei ein interdisziplinäres Zusammenwirken der verschiedenen Fachrichtungen erforderlich. Nach dem Vorliegen der spezialärztlichen Expertise hat sie den Antrag auf polydisziplinäre Begutachtung ausdrücklich erneuert und auf die vom Gutachter erwähnte - und nach ihrer Auffassung offenbar fachärztlich zu beurteilende - psychische Problematik hingewiesen. Das kantonale Gericht hat den Antrag auf eine polydisziplinäre Begutachtung mit Zwischenentscheid vom 15. Januar 2003 ohne Begründung abgelehnt. Die Ablehnung wurde auch im Urteil nicht begründet. Durch dieses Vorgehen hat die Vorinstanz zumindest die Begründungspflicht und damit den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. Denn auch wenn kein formeller Anspruch auf eine polydisziplinäre Begutachtung besteht und der Verzicht auf ein beantragtes Beweismittel zulässig ist, falls das Gericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidungsgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig erachtet (Erw. 2.3 hievor), hätte das kantonale Gericht seine Überlegungen, warum es auf eine interdisziplinäre Begutachtung oder allenfalls auf eine ergänzende psychiatrische Beurteilung verzichtete, darlegen und sich mit den diesbezüglichen Einwänden der Beschwerdeführerin auseinandersetzen müssen (vgl. BGE 124 V 182 Erw. 2b). Dies gilt um so mehr, als bei der Kausalitätsbeurteilung von Schleuderverletzungen der HWS ein interdisziplinäres Zusammenwirken verschiedener medizinischer Fachrichtungen notwendig sein kann (BGE 119 V 341) und bei psychischen Leiden grundsätzlich ein psychiatrisches Gutachten erforderlich ist, wenn es darum geht, über das Ausmass der durch sie bewirkten Arbeitsunfähigkeit zu befinden (AHI 2000 S. 159 Erw. 4b mit Hinweisen). Weil das kantonale Gericht, das im Ergebnis die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) und nicht nach jener bei Schleudertraumen der HWS ohne organisch nachweisbare Befunde (BGE 117 V 359) beurteilte, den Verzicht auf eine polydisziplinäre oder psychiatrische Begutachtung nicht begründete, kann sein Entscheid nicht geprüft und nicht nachvollzogen werden. 3.2 Gleiches gilt für die Weigerung des kantonalen Gerichts, dem Gutachter die Ergänzungsfragen der Beschwerdeführerin vom 10. September 2003 vorzulegen. Die Mitwirkung an der Einholung eines Gutachtens bildet einen Teilaspekt des rechtlichen Gehörs, und der Mitwirkungsanspruch beinhaltet auch die Möglichkeit, zum Gutachten gegebenenfalls Ergänzungsfragen zu stellen (BGE 125 V 338 Erw. 4b). Die Ergänzungsfragen der Beschwerdeführerin insbesondere zur - von der Vorinstanz schliesslich verneinten - Unfallkausalität der geklagten Schulterbeschwerden erscheinen als sachlich begründet, und ihrer Beantwortung könnte allenfalls entscheidrelevante Bedeutung zukommen. Die nicht näher begründete Aussage des Gutachters, die Schulterbeschwerden seien möglicherweise auf den Unfall zurückzuführen, ermöglicht unter den konkreten Umständen des vorliegenden Falles, insbesondere angesichts der anders lautenden Stellungnahmen des Dr. med. S.________, keine hinreichend zuverlässige Beurteilung der Frage, ob ein derartiger Zusammenhang als überwiegend wahrscheinlich anzusehen ist oder nicht. Eine diesbezügliche Erläuterung des Gutachtens war daher durchaus angezeigt. Falls das kantonale Gericht - was aus seinem Entscheid nicht hervorgeht - deshalb darauf verzichtete, dem Experten die Ergänzungsfragen vorzulegen, weil es sich von dessen Antwort in antizipierter Beweiswürdigung keine zusätzlichen relevanten Erkenntnisse versprach, kann ihm daher nicht gefolgt werden. Indem die Vorinstanz dem Gutachter die Ergänzungsfragen vom 10. September 2003 nicht vorlegte, ohne dieses Vorgehen in ihrem Entscheid zu begründen, hat sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör in elementarer Weise verletzt. Schliesslich hat sie sich auch mit den Einwänden beider Parteien am Gerichtsgutachten nicht auseinandergesetzt und ist insofern der Begründungspflicht, deren Einhaltung das Eidgenössische Versicherungsgericht von Amtes wegen prüft (BGE 120 V 362 Erw. 2a, 119 V 216 Erw. 5a; SVR 1999 UV Nr. 25 S. 75 1a), ebenfalls nicht hinreichend nachgekommen. Die Rüge einer Gehörsverletzung erweist sich damit als begründet.