Citation: U 290/02 07.08.2003 E. 5

Nach dem Gesagten ist die Adäquanzbeurteilung im Sinne der bisherigen Rechtsprechung vorzunehmen. 5.1 Über den Hergang des Unfallereignisses vom 19. Mai 1997 ist den Akten zu entnehmen, dass sich die Versicherte in einem Wohnquartier zu Fuss auf dem Weg zu ihrer Arbeit bei B.________ befand, als sie von einem 4-jährigen Hund der Rasse Labrador, der aus dem offenen Auto seiner Besitzerin gesprungen war, angefallen, in den rechten Oberschenkel gebissen und gegen einen Gartenzaun gestossen wurde. Gemäss den Angaben der Versicherten biss sich der Hund im Oberschenkel fest und konnte durch den erst nach einiger Zeit hinzugekommenen Ehemann der Besitzerin nur mit Mühe und nach einigen Versuchen wieder entfernt werden. Bei der Erstbehandlung im Spital O.________ fanden sich drei kleine blutende Bisswunden (offenbar von Eckzähnen) am proximalen lateralen rechten Oberschenkel mit einer dazwischen liegenden handtellergrossen lividen, stark druckdolenten Schwellung. 5.2 Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Katalogisierung (BGE 115 V 138 Erw. 6) ist das geschilderte Ereignis auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen den mittelschweren Unfällen zuzuordnen. Es handelt sich nicht um einen Vorfall, der im Grenzbereich zu den schweren Unfällen anzusiedeln wäre (vgl. zur diesbezüglichen Rechtsprechung die Übersicht in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff. Erw. 4b/bb). Insbesondere verlief das Ereignis wesentlich weniger gravierend als der dem Urteil J. vom 16. Juli 2001 (U146/01) zu Grunde liegende Sachverhalt, welcher innerhalb der mittelschweren Ereignisse dem Grenzbereich zu den schweren Unfällen zugeordnet wurde. Die dortige Versicherte wurde von zwei Hunden der als aggressiv geltenden Rasse Dobermann angegriffen und zu Fall gebracht, wodurch sie mit den empfindlichen Körperstellen an Hals und Kopf den Angriffen ausgesetzt war, und zog sich eine frontale Rissquetschwunde, mehrere, zum Teil klaffende Fleischwunden, ausgedehnte Hämatome sowie Schürfwunden zu. Sowohl der augenfällige Geschehensablauf als auch die erlittenen Verletzungen waren demnach deutlich gravierender als im vorliegenden Fall. 5.3 Da ein mittelschwerer, nicht den Grenzbereich zu den schweren Ereignissen beschlagender Unfall vorliegt, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu bejahen, falls ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden unfallbezogenen Kriterien (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit; BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 5.3.1 Dem unerwarteten, plötzlichen Angriff eines unbegleiteten Hundes dieser Grösse (4-jähriger Labrador), der sich im Oberschenkel des Opfers festbeisst, dieses gegen einen Gartenzaun stösst und erst nach einiger Zeit durch eine inzwischen eingetroffene Bezugsperson entfernt werden kann, kommt eine erhebliche Dramatik und Intensität zu. Die Gefährdung durch einen angreifenden grösseren Hund, welcher es nicht bei Drohgebärden bewenden lässt, sondern physisch zubeisst, wird von vielen Menschen - im Vergleich etwa zu einem Verkehrsunfall - als besonders ursprünglich empfunden, und der Umstand, dass sich die Versicherte während einiger Zeit in der bedrohlichen Situation befand, war geeignet, sie diese erkennen und fühlen zu lassen. Das Kriterium der besonderen Eindrücklichkeit ist deshalb als erfüllt anzusehen. Dagegen hat das kantonale Gericht zutreffend dargelegt, dass und warum die übrigen Kriterien nicht gegeben sind. So handelt es sich bei den dokumentierten Bisswunden und Hämatomen nicht um Verletzungen, welche auf Grund ihrer Schwere oder besonderen Art erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Die ärztliche Behandlung der somatischen Unfallverletzungen konnte trotz der Serombildung und des Hautinfektes per 13. August 1997 abgeschlossen werden (Zwischenbericht des Dr. med. A.________ vom 14. August 1997) und erreichte damit keine ungewöhnlich lange Dauer. Ebenso wenig kann von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen gesprochen werden. Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, bestehen mit Bezug auf die im vorliegenden Zusammenhang einzig relevanten somatischen Beschwerden nicht. Gleiches gilt hinsichtlich körperlicher Dauerschmerzen. Eine physisch bedingte Arbeitsunfähigkeit ist für die Zeit bis 11. Juli 1997 ausgewiesen (Zwischenbericht des Dr. med. A.________ vom 14. August 1997; Zeugnis dieses Arztes vom 28. September 1997), dauerte also knapp zwei Monate, und erreichte damit das von der Rechtsprechung im Rahmen des entsprechenden Kriteriums vorausgesetzte Ausmass (vgl. RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff.) ebenfalls nicht. 5.3.2 Die Erfüllung des Kriteriums der besonderen Eindrücklichkeit oder der dramatischen Begleitumstände genügt für sich allein nicht zur Bejahung der Adäquanz. Die Vorinstanz hat daher das Bestehen eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 19. Mai 1997 und einer psychisch bedingten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu Recht verneint.