Citation: 6B_205/2023 E. 1.4.1

1.4.1. Die Vorinstanz setzt sich mit der Frage auseinander, ob eine Landesverweisung auch mit dem FZA vereinbar ist. Sie erwägt, der Beschwerdegegner habe mit dem gewerbsmässigen Betrug ein Delikt erheblicher Schwere begangen. Angesichts des Deliktsbetrags von über Fr. 90'000.-- ist dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden; der Beschwerdegegner hat das Rechtsgut Vermögen erheblich verletzt. Wie die Vorinstanz zutreffend darlegt, handelt es sich dabei aber nicht um eine schwere Verletzung hoher Rechtsgüter wie der psychischen, physischen oder sexuellen Integrität. Der Beschwerdeführerin ist zwar insoweit beizupflichten, als nicht vorausgesetzt sei, dass ein Täter bereits mehrfach vorbestraft sei oder sich gar als eigentlicher Gewohnheitsverbrecher präsentieren müsse, damit die obligatorische Landesverweisung bei Anwendung des FZA ausgesprochen werden könne. Jedoch ist, wie bereits dargelegt, jeweils nach Art und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzieren. Ein geringes Rückfallrisiko kann ausreichen, sofern es eine schwere Verletzung hoher Rechtsgüter, wie z.B. die körperliche Unversehrtheit, beschlägt (vgl. oben E. 1.2.2). Sind andere Rechtsgüter, wie vorliegend das Vermögen, betroffen, so sind entsprechend höhere Anforderungen an die Rückfallgefahr bzw. die Legalprognose zu stellen. Die Vorinstanz setzt den Schwerpunkt ihrer Prüfung folglich zu Recht auf die Prognose des künftigen Wohlverhaltens. Die Rüge der Beschwerdeführerin, wonach eine Landesverweisung i.S.v. Art. 66a StGB bei Vermögensdelikten auf vom FZA geschützte Personen geradezu verunmöglicht werde, geht fehl. Ebensowenig vermag sie aus ihrem Vergleich mit dem "Drogenhandel" etwas für sich abzuleiten.