Citation: 5A_299/2020 E. 3.4.1

3.4.1. Die Beschwerdeführerin hält zutreffend fest, dass die Auffassung des englischen Gerichts, wonach die Beschwerdegegnerin das alter ego des beklagten Ehemannes sei, gemäss Art. 45 Ziff. 2 LugÜ im Grundsatz der Nachprüfung entzogen ist. Hingegen geht sie fehl in der Annahme, soweit sie den Durchgriff des englischen Gerichts vom beklagten Ehemann auf die Beschwerdegegnerin (als alter ego) in Bezug auf die Zustellung als verbindlich bezeichnet. Sie übergeht, dass dem Gericht im Anerkennungsstaat eine "kontrollbezogene" Befugnis zur Prüfung zusteht, d.h. soweit eine Nachprüfungsbefugnis gemäss LugÜ besteht, was mit Bezug auf die Zustellung des verfahrenseinleitendens Schriftstück als Versagungsgrund gemäss Art. 34 Ziff. 2 LugÜ gerade zutrifft (GAUDEMET-TALLON/ANCEL, a.a.O., Rz. 413, Nachprüfungsbefugnis " à fin de contrôle "; STAEHELIN/STAEHELIN/GROLIMUND, a.a.O.; JEANDIN, a.a.O.). Allein aus dem Umstand, dass der Durchgriff für die Beurteilung der Ansprüche der Beschwerdeführerin (als Klägerin) gegenüber dem Ehemann im englischen Verfahren eine Rolle spielt, bedeutet nicht, dass mit Bezug auf die Zustellung gegenüber der Beschwerdegegnerin der Durchgriff der Überprüfung entzogen wäre. Einzig mit Bezug auf diesen Aspekt (Zustellungsdurchgriff) und in diesem Umfang ist das Anerkennungsgericht ungebunden. Anders - im Sinn der Beschwerdeführerin - zu entscheiden, würde bedeuten, unter dem Vorwand des Verbotes der révision au fond den Anerkennungsverweigerungsgrund gerade seines Sinnes zu entleeren (GAUDEMET-TALLON/ANCEL, a.a.O., Rz. 413). Es ist nicht zu beanstanden, wenn das Obergericht den Zustellungsdurchgriff, mit welchem das englische Gericht die Beschwerdegegnerin als Beklagte in das Verfahren einbezogen hat, in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht als unverbindlich erachtet hat, soweit die Anerkennungsverweigerung gestützt auf Art. 34 Ziff. 2 LugÜ geltend gemacht wird.