Citation: I 39/01 09.10.2001 E. 4

4.- a) Auf Grund der genannten ärztlichen Stellungnahmen ist davon auszugehen, dass die somatischen Beschwerden nicht zum Eintritt der für den Rentenanspruch erforderlichen Invalidität geführt haben. Wie dem Gutachten der Rheumatologischen Klinik Y.________ vom 19. November 1992 bzw. der entsprechenden Klarstellung im Schreiben vom 4. Mai 1993 zu entnehmen ist, war der Versicherte zu diesem Zeitpunkt aus rheumatologischer Sicht in Bezug auf eine leichte Tätigkeit voll arbeitsfähig. Dies stimmt mit der Aussage des SUVA-Kreisarztes Dr. med. W.________ überein, der den Beschwerdeführer für die Zeit ab 13. Juli 1992 in Bezug auf sämtliche "durchschnittlichen Männerarbeiten" als voll arbeitsfähig erachtete. Die durch den Hausarzt Dr. med. H.________ für die Zeit ab 30. September 1991 attestierte, mit den somatischen Beschwerden begründete Arbeitsunfähigkeit erreichte somit die für die Entstehung des Rentenanspruchs erforderliche Dauer von einem Jahr (Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG) nicht, sodass offen bleiben kann, welche Beweiskraft dieser Aussage beizumessen wäre. Früher konnte ein Rentenanspruch nicht entstehen, da vom 19. August bis 29. September 1991 eine Periode vollständiger Arbeitsfähigkeit von mehr als 30 Tagen (Art. 29ter IVV) vorlag. Laut dem Gutachten des ZMB vom 23. August 1994 besteht von den somatischen Beschwerden her für eine rückenadaptierte sitzende Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Diese Einschätzung stimmt mit derjenigen der Ärzte der Rheumatologischen Klinik überein. Ein neurologisches Krankheitsbild liegt gemäss den entsprechenden Untersuchungen nicht vor. Die Verwertung der auf Grund der somatischen Beschwerden verbleibenden Arbeitsfähigkeit in einer leichten, rückenschonenden Tätigkeit liesse die Erzielung eines rentenausschliessenden Einkommens zu. Dies ist denn auch unbestritten. b) aa) Psychische Auffälligkeiten werden bereits in den Berichten des SUVA-Kreisarztes Dr. med. W.________ vom 8. Juli und 10. September 1992 erwähnt, wobei eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit damals offenbar noch nicht vorlag. Die Gutachter der Rheumatologischen Klinik attestierten dem Versicherten am 19. November 1992 im Hinblick auf die von ihnen vorgeschlagene psychiatrische Abklärung - also offensichtlich auf Grund des von ihnen geäusserten Verdachts, es liege ein psychisch begründeter Gesundheitsschaden vor - eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % (bezogen auf eine Tätigkeit als Kellner oder Presseführer). Die entsprechende Untersuchung durch die Psychiatrische Klinik Y.________ führte zum Ergebnis, dass eine psychisch begründete Arbeitsunfähigkeit von über 70 % vorliege. Wohl enthält das entsprechende Gutachten vom 13. August 1993 Aussagen, welche sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen. Diese Unklarheiten werden jedoch durch die in der Aktennotiz vom 13. Oktober 1993 festgehaltenen telefonischen Erläuterungen der begutachtenden Ärztin ausgeräumt. Demnach bestand eine verwertbare Restarbeitsfähigkeit von höchstens 30 %, wobei an einfachste stundenweise Überwachungsfunktionen zu denken war. Der Auffassung der Vorinstanz, die im Gutachten attestierte verbleibende Arbeitsfähigkeit könne nicht mit der aus psychiatrischer Sicht zumutbaren Arbeitsfähigkeit gleichgesetzt werden, kann daher nicht beigepflichtet werden. Dem spezialärztlichen Gutachten ist nach den von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen seine Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb mit Hinweisen; vgl. Erw. 1a hievor). bb) Im Gutachten des ZMB vom 23. August 1994 wird die von der Psychiatrischen Klinik Y.________ gestellte Diagnose einer psychosomatischen Entwicklung auf der Basis einer dissozialen Persönlichkeitsstörung ausdrücklich bestätigt, wobei diesem Beschwerdebild ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugesprochen wird. Allerdings besteht in Bezug auf dessen Ausmass insofern ein Widerspruch, als die Ärzte des ZMB ausführen, zur Zeit könne nicht gesagt werden, inwieweit die psychische Fehlentwicklung mittel- und langfristig die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen werde. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, die Gutachter hätten das Vorliegen einer psychisch bedingten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im damaligen Zeitpunkt verneint. Vielmehr hielten sie ein Abwarten der weiteren Entwicklung für notwendig, um die Einschränkung beziffern zu können, wobei sie selbst eine "wenig günstige" Prognose stellten. Dem Gutachten des ZMB ist demnach keine eigene Aussage zum Ausmass der psychisch begründeten Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen. Es wäre nur dann geeignet, die Zuverlässigkeit des Gutachtens der Psychiatrischen Klinik Y.________ vom 13. August 1993 (mit Erläuterungen vom 13. Oktober 1993) als zweifelhaft erscheinen zu lassen, wenn die weitere Entwicklung den Schluss nahelegen würde, die Arbeitsunfähigkeit habe nicht das Ausmass von 70 % erreicht. Dafür bestehen jedoch keine hinreichenden Indizien: Während der Zeitraum bis September 1996 aktenmässig nicht dokumentiert ist, weisen die Aussagen der Ärzte der Rheumatologischen Klinik vom 23. September und 6. Dezember 1996 sowie 12. März und 12. Mai 1997 auf das Fortbestehen eines gravierenden psychischen Beschwerdebildes hin. Das Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung wird denn auch durch das Gutachten des Dr. med. F.________ vom 31. August 1998 bestätigt. Auf Grund dieses Gutachtens steht ausserdem fest, dass ab März 1997 eine schwere depressive Störung gegeben war, die eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatte. cc) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die übrigen ärztlichen Stellungnahmen nicht gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens der Psychiatrischen Klinik Y.________ vom 13. August 1993 (mit telefonischen Erläuterungen vom 13. Oktober 1993) sprechen. Es ist somit davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähigkeit von über 70 % bestand, wobei zur Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in erster Linie einfachste Überwachungstätigkeiten in Frage kamen. Unter diesen Umständen erscheint auch als überwiegend wahrscheinlich, dass die von der Rheumatologischen Klinik Y.________ am 19. November 1992 im Rahmen einer Verdachtsdiagnose und im Hinblick auf die psychiatrische Abklärung attestierte Arbeitsunfähigkeit von 70 % in Bezug auf eine Tätigkeit als Kellner oder Presseführer tatsächlich gegeben war. Dafür, dass sich der Gesundheitszustand nach der Erstattung des Gutachtens vom 13. August 1993 wesentlich verbessert hätte, bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte. Insbesondere liefert das Gutachten des ZMB vom 23. August 1994 diesbezüglich keine verwertbare Aussage. Unter diesen Umständen ist für den Zeitraum von August 1993 bis März 1997 von einem im Wesentlichen unveränderten Zumutbarkeitsprofil auszugehen, während ab März 1997 eine volle Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit vorlag.