Citation: 5A_233/2022 E. 2

Als unbegründet erweist sich die Rüge der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe ihren Anspruch auf Beweis und ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie ihrem Editionsbegehren betreffend sämtliche Akten des Verfahrens vor dem Landgericht Hamburg und die beim Hanseatischen Oberlandesgericht eingereichten Rechtsschriften nicht stattgegeben bzw. sich nicht dazu geäussert habe. Die Beschwerdeführerin hat im Wesentlichen vorgebracht, mit ihrem Editionsbegehren den Beweis führen zu wollen, dass der Beschwerdegegner am 26. Januar 2016 in Deutschland eine Anfechtungsklage erhoben habe und von L.________ die Rückzahlung der von ihr im Rahmen der Abwicklung des Kaufgeschäfts an L.________ (bzw. dessen Rechtsvertreter) gezahlten Fr. 500'000.-- verlangt habe. Jedoch ist die Tatsache der Existenz eines solchen Verfahrens unbestritten geblieben. Ausserdem macht die Beschwerdeführerin nicht geltend, sie hätte je behauptet, dass der Beschwerdegegner einen solchen Betrag von L.________ bzw. seinen allfälligen Erben auch effektiv erhältlich machen konnte. Es ist daher nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz eine Edition dieser Akten für die Beurteilung der vorliegenden Streitsache als erforderlich hätte erachten müssen. Insbesondere ist nicht ersichtlich, weshalb das in Deutschland geführte Verfahren für die Frage der örtlichen Zuständigkeit der vom Beschwerdegegner in der Schweiz angerufenen Gerichte oder die Sachlegitimation der Verfahrensparteien von Relevanz sein soll. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, hat der Beschwerdegegner die Klage gegen die Beschwerdeführerin korrekterweise an deren Schweizer Sitz erhoben (Art. 289 Satz 1 SchKG). Sodann gibt es entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keine gesetzliche Grundlage, welche den Anfechtenden verpflichten würde, gleichzeitig gegen sämtliche möglichen Anfechtungsbeklagten vorzugehen. Aus diesem Grund sind sie auch keine notwendigen Streitgenossen im Sinne von Art. 70 Abs. 1 ZPO (KRIESI, Actio Pauliana, 2020, S. 289). Eine notwendige Streitgenossenschaft ergibt sich insbesondere nicht aus der vom Beschwerdegegner geltend gemachten solidarischen Haftung. Im Gegenteil hat ein Gläubiger nach Art. 144 OR die freie Wahl in der Ausübung seiner Rechte gegen die Solidarschuldner (VON TUHR/ESCHER, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts, Bd. II, 3. Aufl. 1974, S. 304 f.). Aus dem Umstand, dass der Beschwerdegegner gegen L.________ - unabhängig von einer späteren Vollstreckbarkeit des Anfechtungsurteils im Ausland (BGE 131 III 227 E. 5) - auch am Gerichtsstand in der Schweiz am Ort des Konkurses hätte klagen können, kann die Beschwerdeführerin daher nichts zu ihren Gunsten ableiten. Auch die Rüge, dass die Vorinstanz ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen sei, verfängt nicht. Das Gericht ist nicht gehalten, sich mit jedem einzelnen Parteistandpunkt einlässlich auseinanderzusetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich zu widerlegen. Vielmehr kann es sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann (BGE 148 III 30 E. 3.1; 134 I 83 E. 4.1). Eingedenk dieser Vorgaben ist der angefochtene Entscheid unter dem Blickwinkel von Art. 29 Abs. 2 BV nicht zu beanstanden.