Citation: 1C_257/2022 E. 6.1

6.1. Bezüglich der öffentlichen Interessen an der Geheimhaltung führt die Vorinstanz aus, es könne zwar aufgrund der Medienberichterstattung und des Berichts der Geschäftsprüfungsdelegation davon ausgegangen werden, dass die Crypto AG im Auftrag ausländischer Geheimdienste bis 2018 manipulierte Verschlüsselungsgeräte hergestellt und weltweit an über 100 Staaten verkauft habe. Ein Bekanntwerden weiterer Details, insbesondere in Bezug auf die Funktionsweise der Operation sowie die involvierten Personen und Quellen, könnte hingegen unter Umständen auch Rückschlüsse auf den heutigen Modus Operandi der Geheimdienste zulassen. Unter diesen Umständen und angesichts der Bedeutung der weltweiten Operation sei dieser aus Sicht der ausländischen Geheimdienste weiterhin ein hohes Geheimhaltungsinteresse zuzusprechen. Auch im schweizerischen Kontext würden die Akten einen erheblichen nachrichtendienstlichen Charakter aufweisen und deshalb zu den besonders sensiblen Bereichen staatlicher Tätigkeiten zählen. Die Befragungen der Bundespolizei und weitere Nachforschungen seien hinsichtlich des Verdachts des verbotenen Nachrichtendiensts und teilweise auf der Grundlage von Informationen ausländischer Partnerdienste durchgeführt worden. Zudem enthielten die Akten nicht nur Namen von Personen, die als Auskunftspersonen für nachrichtendienstliche Zwecke anzusehen seien. In Bezug auf einen spezifischen Zeitraum seien auch detaillierte Informationen enthalten, welche Länder in welchem Umfang Chiffriergeräte von der Crypto AG bezogen hätten. Bezüglich der unbekannten Auskunftspersonen und der ausländischen Partnerdienste könne sich der NDB auf den Quellenschutz berufen, wonach nachrichtendienstliche Quellen sicherzustellen und deren Anonymität zu wahren sei (Art. 35 des Bundesgesetzes vom 25. September 2015 über den Nachrichtendienst [NDG]; SR 121). Die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Staaten beruhe sodann auf Freiwilligkeit, für welche wiederum entscheidend sei, dass sich die Staaten auf die vertrauliche Behandlung der von ihnen weitergegebenen Informationen verlassen könnten. Es sei üblich, dass archivierte nachrichtendienstliche Akten der Öffentlichkeit für eine längere Periode verschlossen blieben. Bei einer frühzeitigen Einsichtgewährung sei mit einem Vertrauensverlust seitens der partnerschaftlichen Dienste zu rechnen. Eine solche Einsichtnahme sei auch nicht im Sinne der Staaten, welche Geräte von der Crypto AG bezogen hätten und damit unter Umständen von Sicherheitslücken betroffen gewesen seien. Es würden somit Anhaltspunkte vorliegen, dass eine Bekanntgabe der in Frage stehenden Informationen zu einer dauerhaften Beeinträchtigung von ausländischen Beziehungen führen würde. Zudem habe es auch Auswirkungen auf die Sicherheit der Schweiz, wenn diese von ausländischen Nachrichtendiensten und Sicherheitsbehörden als unsichere Partnerin betrachtet werde. Es bestehe demnach ein erhebliches öffentliches Interesse an einer Geheimhaltung.