Citation: 2A.71/2007 07.05.2007 E. 3

3.1 Nach Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG kann ein Ausländer aus der Schweiz ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde. Durch die Ausweisung erlischt die Niederlassungsbewilligung (Art. 9 Abs. 3 lit. b ANAG). Der erwähnte Ausweisungsgrund ist hier unbestrittenermassen gegeben. Der Beschwerdeführer macht allerdings geltend, dass seine Ausweisung unangemessen sei. 3.2 Gemäss Art. 11 Abs. 3 ANAG soll die Ausweisung nur verfügt werden, wenn sie nach den gesamten Umständen angemessen bzw. verhältnismässig erscheint (vgl. hierzu auch BGE 125 II 521 E. 2a S. 523 und Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Es sollen unnötige Härten vermieden werden. Bei der vorzunehmenden Abwägung sind vor allem die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung vom 1. März 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer, ANAV; SR 142.201). Je länger ein Ausländer in der Schweiz lebt, desto strengere Anforderungen sind an die Voraussetzungen einer Ausweisung zu stellen. Eine solche ist indessen selbst bei einem Ausländer, der - wie der Beschwerdeführer - bereits in der Schweiz geboren ist und hier sein ganzes bisheriges Leben verbracht hat (sog. "Ausländer der zweiten Generation") nicht ausgeschlossen. Sie kommt namentlich dann in Betracht, wenn der Ausländer besonders schwere Gewalt-, Sexual- oder Betäubungsmitteldelikte begangen hat bzw. bei wiederholter schwerer Straffälligkeit. Entscheidend sind immer die gesamten Umstände des Einzelfalles (vgl. BGE 130 II 176 E. 4.4.2 S. 190; 125 II 521 E. 2b S. 523; 122 II 433 E. 2 und 3 S. 435 ff., je mit Hinweisen). 3.3 Der Beschwerdeführer ist namentlich wegen Drogendelikten mehrmals zu Freiheitsstrafen von insgesamt rund neun Jahren verurteilt worden. Zutreffend hat die Vorinstanz die besondere Schwere der begangenen Straftaten und der Schuld des Beschwerdeführers als wesentlich erachtet, die sich auch in der Strafdauer widerspiegeln. An dessen Entfernung und Fernhaltung besteht somit ein grosses sicherheitspolizeiliches Interesse, das nur durch entsprechend gewichtige private Interessen aufgewogen werden könnte, d.h. wenn aussergewöhnlich schwerwiegende Umstände gegen eine Ausweisung sprechen würden. Solche hat das Verwaltungsgericht hier zu Recht nicht gesehen. Für den weiteren Verbleib in der Schweiz spricht vor allem bzw. einzig der Umstand, dass der Beschwerdeführer in diesem Land geboren ist und hier seither gelebt hat. Er konnte sich indessen weder in die Gesellschaft noch ins Berufsleben integrieren. Sein Leben als Jugendlicher bzw. als junger Erwachsener war durch die Drogensucht und die dadurch bedingte Kriminalität mit den entsprechenden Folgen (Straf- und Massnahmenvollzug) geprägt. Selbst sein familiäres Umfeld konnte ihn nicht davon abhalten, massiv und immer schwerer straffällig zu werden. Weder die strafrechtlichen Verurteilungen noch die fremdenpolizeilichen Verwarnungen schreckten ihn von der Fortsetzung seines deliktischen Verhaltens ab. Dabei begnügten sich die Behörden nicht mit dem Vollzug von Freiheitsstrafen, sondern boten ihm mehrfach Hilfs- bzw. Therapiemassnahmen an, die er aber durch Abbruch bzw. Entweichen aus den Drogenentzugsstationen jeweils zum Scheitern brachte, so dass die Strafen schliesslich doch vollzogen werden mussten. Dementsprechend haben die kantonalen Behörden zu Recht die Gefahr eines Rückfalls in Drogensucht und Beschaffungskriminalität als beträchtlich eingestuft und - trotz 30-jähriger Anwesenheit in der Schweiz - ein überwiegendes sicherheitspolizeiliches Interesse an der Ausweisung festhalten dürfen. Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer sich nunmehr auf eine Therapie eingelassen hat und sich seit fast zwei Jahren vom Konsum harter Drogen distanziert haben soll. Die geltend gemachten Verhaltensänderungen sind indessen nur bedingt aussagekräftig, soweit sie sich auf die Dauer des Strafvollzugs beziehen. Weiter kann die Zeit nach dem angefochtenen Entscheid im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden (vgl. oben E. 1.3). Angesichts der Schwere und Dauer der vorherigen Drogenabhängigkeit bzw. -delinquenz vermag das behauptete Wohlverhalten auf jeden Fall nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen. Wenn die kantonalen Behörden von einer weiterhin erheblichen Rückfallgefahr ausgegangen sind, haben sie nicht gegen Bundesrecht verstossen. Insbesondere haben sie den Therapiebericht vom 8. Juni 2006, der keineswegs eindeutig lautet, zutreffend gewürdigt. 3.4 Die Situation des Beschwerdeführers unterscheidet sich wesentlich von derjenigen, die dem Urteil des Bundesgerichts 2A.468/2000 vom 16. März 2001 zugrundelag: Dort unternahm die Fremdenpolizei vorerst nichts und verfügte erst nachträglich die Ausweisung, nachdem sich der Betroffene zu stabilisieren begann. Hier indessen geht die schärfste Strafe wohl auf das Urteil vom 22. März 2002 zurück (viereinhalb Jahre Zuchthaus, aufgeschoben zugunsten einer stationären Massnahme). Doch kam am 9. Mai 2003 eine weitere Strafe von 24 Monaten Gefängnis hinzu (ebenfalls aufgeschoben zugunsten einer Therapie). Wenn die Fremdenpolizei den Erfolg dieser Massnahme abwartete und den Beschwerdeführer erst auswies, nachdem die Therapie abgebrochen und die Strafen vollzogen werden mussten, kann ihr kein widersprüchliches Verhalten zur Last gelegt werden. Ausserdem betraf der Vergleichsfall eine letzte Chance durch Mitwirkung an einem Programm mit kontrollierter Drogenabgabe, das in der Heimat nicht zur Verfügung gestanden hätte. Hier handelt es sich um eine psychotherapeutische Betreuung, der sich der Beschwerdeführer in Kroatien ebenfalls unterziehen kann, wenn auch mit Schwierigkeiten, welche die Vorinstanz nicht verkannt, aber zutreffend als nicht entscheidend eingestuft hat. 3.5 Der Beschwerdeführer ist unverheiratet und hat keine Familie, weshalb er sich nicht auf Art. 8 EMRK bzw. auf Art. 13 BV berufen kann. Eine Prüfung unter dem Gesichtspunkt des Rechts auf Achtung des Privatlebens erübrigt sich unter den gegebenen Umständen (vgl. BGE 130 II 281 E. 284 ff.), müsste aber immer noch zum Nachteil des Beschwerdeführers ausfallen. 3.6 Von einer Verletzung von Art. 3 EMRK könnte schliesslich höchstens dann die Rede sein, wenn der Beschwerdeführer im Falle der Rückkehr nach Kroatien wegen Fehlens von medizinischen Betreuungsmöglichkeiten unmittelbar in eine lebensbedrohende Situation geraten würde, was offensichtlich nicht der Fall ist. Dieser Bestimmung ist im übrigen gegebenenfalls im Stadium des Vollzugs der Ausweisung Rechnung zu tragen.