Citation: U 54/01 13.06.2002 E. 3

3.- a) Ist nach dem Gesagten die Aufhebung der Verfügung vom 28. Februar 1994 und damit ein Rückkommen auf den rechtskräftig verfügten Fallabschluss unter den Titeln der Wiedererwägung und der prozessualen Revision durch die Vorinstanz zu Recht abgelehnt worden, bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer wegen veränderter tatsächlicher Verhältnisse ein Leistungsanspruch zusteht. Eine Revision im Sinne von Art. 22 Abs. 1 UVG entfällt von vornherein, weil sich diese Bestimmung nur auf die Revision laufender Invalidenrenten bezieht. Hingegen steht auch ein verfügter Fallabschluss durch Einstellung sämtlicher Leistungen unter dem Vorbehalt einer Anpassung an geänderte unfallkausale Verhältnisse. Dieser in der Invalidenversicherung durch das Institut der Neuanmeldung (Art. 87 Abs. 4 IVV) geregelte Grundsatz gilt auch im Unfallversicherungsrecht, indem es einem Versicherten jederzeit freisteht, einen Rückfall oder Spätfolgen eines rechtskräftig beurteilten Unfallereignisses geltend zu machen und erneut Leistungen der Unfallversicherung zu beanspruchen (vgl. Art. 11 UVV; RKUV 1994 Nr. U 189 S. 139 Erw. 3a). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, sodass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 296 f. Erw. 2c mit Hinweisen). Eine allfällige hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs bestehende Beweislosigkeit wirkt sich zum Nachteil des Versicherten aus, da dieser aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b). b) aa) Ab 2. März 1994 arbeitete der Beschwerdeführer mit einem Pensum von 100 %, bis er im Dezember 1995 krankheitsbedingt arbeitsunfähig wurde. Die in der Folgezeit vorgenommenen Untersuchungen ergaben keine pathologischen Befunde (Berichte des Dr. med. E.________ vom 14. und 27. Juni 1997). Anlässlich der Untersuchung in der Klinik F.________ wurden einerseits krankheitsbedingte Arthralgien und Lumbalgien sowie andererseits Kopf- und Nackenbeschwerden, Schwindel, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen festgestellt. Die begutachtenden Ärzte gelangten zum Ergebnis, "aus der Sicht des Bewegungsapparates" bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Zur weiteren Abklärung und Objektivierung der kognitiven Defizite schlugen sie eine neuropsychologische Untersuchung vor. Laut dem Gutachten des Neuropsychologischen Instituts vom 22. November 1998 bestehen Defizite hinsichtlich der Konzentration und Daueraufmerksamkeit, der Aufnahme- und Lernfähigkeit sowie der Wahrnehmungsfunktionen. Gesamthaft liege eine leichte neuropsychologische Funktionsstörung vor, die der Gutachter auf Grund der ihm vorliegenden Informationen als posttraumatisch einstufe und welche zu einer Arbeitsunfähigkeit (in Bezug auf die frühere Tätigkeit) von 20 % führe. CT-Aufnahmen des Schädels und der Felsenbeine vom 16. März 1999 ergaben gemäss Bericht des Spitals M.________ vom 17. März 1999 intrakraniell keinen pathologischen Befund. Es zeige sich eine relativ geringe Pneumatisation beider Felsenbeine. Dr. med. G.________ gelangt in seiner Stellungnahme vom 23. April 1999 zum Ergebnis, es lägen keine neuen Fakten vor, welche es erlaubten, auf die rechtskräftig verfügte volle Arbeitsfähigkeit ab 2. März 1994 zurückzukommen. Der Versicherte selbst erklärte am 1. April 1997 gegenüber dem Sachbearbeiter der SUVA, der Gesundheitszustand (unfallbedingt) sei seit 1994 gleichbleibend. Neu verspüre er Übelkeit, welche vermutlich mit den seit 1993 eingenommenen Schmerztabletten zusammenhänge. Zusätzlich leide er seit 1996 unter Gelenksschmerzen am ganzen Körper, deren Ursache unbekannt sei. bb) Die neu aufgetretenen Gelenksschmerzen sind gemäss den medizinischen Unterlagen als krankheitsbedingt und damit unfallfremd anzusehen. Daneben enthält einzig das Gutachten des neuropsychologischen Instituts vom 22. November 1998 eine Aussage, welche den der Verfügung vom 28. Februar 1994 zu Grunde liegenden Annahmen (Erw. 2b/cc hievor) widerspricht, indem eine leichte neuropsychologische Funktionsstörung diagnostiziert wird, welche die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit um 20 % reduziere. Es ist jedoch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan, dass die Funktionsstörung eine Unfallfolge darstellt, findet die entsprechende, zurückhaltend formulierte Aussage doch keine hinreichende Abstützung in den ärztlichen Stellungnahmen (vgl. dazu BGE 119 V 341). Das neuropsychologische Gutachten vermag auch nicht als überwiegend wahrscheinlich erscheinen zu lassen, dass die leichte Funktionsstörung nach der rechtskräftigen Leistungseinstellung im Jahr 1994 aufgetreten ist oder sich seither verschlimmert hat und deshalb einen Rückfall darstellt. Wie der Gutachter darlegt, enthalten die Inspektorenberichte vom 24. Juni und 30. März (richtig wohl: 30. September) 1993 Hinweise auf entsprechende Defizite. Gemäss dem Bericht der Klinik F.________ vom 3. Juli 1998 bestehen Kopf- und Nackenbeschwerden, Schwindel, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen "seit dem Unfallereignis 1994" (richtig wohl: 4. Dezember 1991). Eine als Folge des Unfalls während des Zeitraums zwischen der Verfügung vom 28. Februar 1994 und dem Einspracheentscheid vom 20. Januar 2000, welcher praxisgemäss die zeitliche Grenze der gerichtlichen Prüfung festlegt (BGE 116 V 248 Erw. 1a mit Hinweisen), eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist unter diesen Umständen nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad nachgewiesen. cc) Dafür, dass sich die erwerblichen Auswirkungen des im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes verändert hätten, lassen sich den Akten, insbesondere auch dem Schlussbericht der Abklärungs- und Ausbildungsstätte L.________ vom 8. Juli 1999, keine Hinweise entnehmen. Das Vorliegen eines die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründenden Rückfalls ist deshalb zu verneinen. c) Ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung besteht bei dieser Sachlage ebenfalls nicht, da nach dem Gesagten keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine unfallbedingte, dauernde und erhebliche Schädigung der körperliche oder geistigen Integrität vorliegen.