Citation: 4A_277/2023 E. 5.3.3

5.3.3. Die Vorinstanz hat nun aber in ihrer Beweiswürdigung massgebend darauf abgestellt, dass F.________ in seiner Befragung mehrfach aussagte, er habe Ziff. 8 des AKV 2018 nur als (unverbindliche) Möglichkeit zum Kauf weiterer Aktien gesehen (vgl. hiervor E. 5.2.3). Diese Aussage steht aber nicht nur im Widerspruch zum Wortlaut von Ziff. 8 des AKV 2018 (vgl. hiervor E. 5.3.2), sondern auch zum nachträglichen Verhalten der Parteien. Wie die Vorinstanz für das Bundesgericht verbindlich festhielt, schrieb E.________ von der Beschwerdeführerin am 3. Juli 2019 an F.________ was folgt: "Reference is made to the enclosed SPA, by which B.________ GmbH committed to buy an additional 2.5 % of the participation in G1.________ Holding AG from A.________ AG for a purchase price of CHF 4.25 million by end of July 2019 (see Article 8). We suggest July 12th 2019 as closing date for this transaction. Please kindly confirm if this suits." Darauf antwortete F.________ gemäss den für das Bundesgericht verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen am 9. Juli 2019 wie folgt: "Sorry for the late reply. The 12th July won't really work for me. I have instructed the closing to take place the 25th July. Hope this works for you." Damit habe sich E.________ noch am selben Tag einverstanden erklärt. Aus der E-Mail vom 3. Juli 2019 ergibt sich, wie die Erstinstanz zutreffend erwog, dass E.________ davon ausgegangen ist, Ziff. 8 des AKV 2018 wäre für die Beschwerdegegnerin verbindlich, ansonsten er nicht ein "closing date" vorgeschlagen hätte. Aus der E-Mail vom 9. Juli 2019 ergibt sich sodann, dass auch F.________ davon ausgegangen ist, Ziff. 8 des AKV 2018 enthalte (zumindest) eine für die Beschwerdegegnerin verbindliche Verpflichtung zum Kauf von 25 weiteren Aktien der G1.________ Holding AG bis Ende Juli 2019. Es lässt sich schlechterdings nicht erklären, weshalb F.________ zu diesem Zeitpunkt bloss einen anderen Vollzugstermin ("closing date") vorgeschlagen hätte, wenn er davon ausgegangen wäre, Ziff. 8 des AKV 2018 enthalte - entgegen ihrem Wortlaut - bloss eine unverbindliche Absichtserklärung betreffend den Kauf eines weiteren Aktienpakets der G1.________ Holding AG. Wenn die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen wäre, die Kaufverpflichtung sei für sie nicht verbindlich, wäre offensichtlich zu erwarten gewesen, dass sie dies in der E-Mail vom 9. Juli 2019 klargestellt und nicht bloss einen anderen Vollzugstermin vorgeschlagen hätte. Entgegen der Vorinstanz ändern daran auch die übrigen Geschehnisse im Sommer 2019 nichts. Dass die Parteien im weiteren Verlauf der Korrespondenz dennoch Vertragsentwürfe ausgetauscht haben, ändert nichts daran, dass die Aussage von F.________, es habe sich seinerseits bloss um eine unverbindliche Absichtserklärung gehandelt, und er habe es als sein Recht angesehen, den Kaufpreis im Sommer 2019 nochmals zu überprüfen, in unauflösbarem Widerspruch zu seiner E-Mail vom 9. Juli 2019 steht. Hinzu kommt, dass in den ausgetauschten Vertragsentwürfen die Höhe des Preises für das weitere Aktienpaket gerade nicht zur Debatte gestellt wurde. Diskutiert wurden, wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht, bloss noch Nebenpunkte, insbesondere Erfüllungsmodalitäten. Aus der E-Mail-Korrespondenz ergibt sich nicht, dass F.________ zu irgendeinem Zeitpunkt nach Abschluss des AKV 2018, seine Kaufpflicht als solche, den vereinbarten Kaufpreis von Fr. 4'250'000.-- oder den Kaufgegenstand von 25 (weiteren) Aktien der G1.________ Holding AG in Frage gestellt hat. Für einen Rechtsbindungswillen der Beschwerdegegnerin am 4. Oktober 2018 spricht schliesslich auch, dass F.________ selbst ausgesagt hat, er wäre am 4. Oktober 2018 bereit gewesen, die zweite Aktientranche sofort zu kaufen. Nichts ändert, dass im Rubrum und in der Präambel des AKV 2018 nur der bereits vollzogene Kauf/Verkauf von 25 Aktien der G1.________ Holding AG erwähnt wird. Soweit die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort geltend macht, es sei für die Parteien am 4. Oktober 2018 nicht ansatzweise vernünftig einschätzbar gewesen, wie sich der Wert der Aktie der G1.________ Holding AG über die kommenden Monate entwickeln würde, übergeht sie, dass die Vorinstanz für das Bundesgericht verbindlich festgestellt hat, C.________ und F.________ seien sich nicht auf Augenhöhe begegnet, sondern es habe ein Machtgefälle bestanden (vgl. hiervor E. 5.2.6).