Citation: 8C_645/2020 E. 5.2

5.2. Nach der Vorinstanz war die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit insbesondere deshalb nicht zu beweisen, weil die von den behandelnden Ärzten zuletzt gestellte Diagnose einer bipolaren Störung gemäss der psychiatrischen Gutachterin von F.________ nicht als gesichert gelten könne. Die Gutachterin von F.________ erläuterte dazu im Einzelnen, dass dem Beschwerdeführer nach der Diagnostizierung einer einfachen Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) Methylphenidat (Ritalin) verabreicht worden sei. Dieses habe der Beschwerdeführer in der Folge exzessiv konsumiert. Aufgrund dieses (zusätzlichen) Missbrauchs der verordneten Medikamente sei im Jahr 2014 eine psychotische Symptomatik mit impulsivem sowie fremd- und eigengefährdendem Verhalten aufgetreten und habe sich im Verlauf des Jahres 2016 noch verstärkt. Trotz stimmungsstabilisierender Medikation sei es seither nicht zu einer vollständigen Remission gekommen. Auch die Gutachterin führte zwar als (einzige) Diagnose mit Auswirkung auf die (ihrer Einschätzung nach vollständig aufgehobene) Arbeitsfähigkeit die bipolare Störung (ICD F31.3) auf. Sie gab indessen zu bedenken, dass die von der behandelnden Ärztin erwähnten mindestens zwölf manischen Episoden in den Befundberichten nicht hinreichend dokumentiert seien. Zudem seien diese Phasen stets im Zusammenhang mit dem Konsum von Kokain oder Methylphenidat aufgetreten. Gemäss Gutachterin konnte die Diagnose aus diesem Grund nicht als zweifelsfrei gesichert gelten. Hegte das kantonale Gericht begründete Zweifel an der gutachtlich bescheinigten (vollständigen) Arbeitsunfähigkeit wegen der nicht gesicherten, aber einzig gestellten Diagnose der bipolaren Störung, lag ein hinreichendes Indiz gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens vor. Damit war der Expertise indessen der erforderliche Beweiswert abzusprechen und fehlte es von vornherein an einer rechtsgenüglichen Grundlage für eine Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers anhand der bei psychischen Leiden praxisgemäss massgeblichen Standardindikatoren (oben E. 3.1). Indem das kantonale Gericht anhand der Angaben im Gutachten dennoch auf den fehlenden Nachweis einer Arbeitsfähigkeit schlussfolgerte, verletzte es die bundesrechtlichen Beweiswürdigungsregeln. Die von der Vorinstanz angenommene Unzulänglichkeit des Gutachtens bezüglich der Diagnostik beschlägt zudem auch die Einordnung der psychotischen Symptomatik. Soweit das kantonale Gericht diese einer bereits früher bestehenden Suchtproblematik zuschrieb und eine rentenerhebliche Veränderung des Gesundheitszustandes aus diesem Grund verneinte, vermag seine Beurteilung nicht standzuhalten. Rechtsprechungsgemäss ist in dieser Konstellation ein Gerichtsgutachten einzuholen (oben E. 3.1). Die Sache ist zu diesem Zweck an das kantonale Gericht zurückzuweisen.