Citation: 1C_1/2022 E. 5.3

5.3. Angesichts der Tatsache, dass die Überschreitungen der IGW nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz näher beim Alarm- als beim Immissionsgrenzwert liegen und das Baugrundstück zusätzlich der Empfindlichkeitsstufe III zugewiesen ist, in welcher die Toleranz für Überschreitungen der IGW geringer ist als in der Empfindlichkeitsstufe II (vorne E. 5.1), sind diese gleichlautenden Beurteilungen der Vorinstanz und des BAFU nicht als bundesrechtswidrig zu qualifizieren (vgl. Urteil 1C_106/2018 vom 2. April 2019 E. 4.7, in welchem in der Empfindlichkeitsstufe II eine Überschreitung der IGW am Tag um bis zu 4 dB (A) als wesentlich beurteilt wurde). Der Beschwerdeführer bestreitet denn auch nicht, dass das Bauvorhaben die für die Empfindlichkeitsstufe III massgeblichen IGW wesentlich überschreitet. Vielmehr wendet er sich gegen die vorinstanzliche Rechtsauffassung, wonach die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art. 31 Abs. 2 LSV bei einer wesentlichen Überschreitung der IGW generell nicht in Frage komme. Zusammengefasst vertritt er insoweit den Standpunkt, dass eine derart "apodiktische" Betrachtungsweise nicht mit dem Wortlaut von Art. 31 Abs. 2 LSV vereinbar sei, da die Bestimmung die Erteilung einer Ausnahmebewilligung erlaube, sobald an der Errichtung eines Gebäudes ein überwiegendes öffentliches Interesse bestehe. Die Erteilung einer Ausnahmebewilligung könne damit nicht bereits deshalb generell verweigert werden, weil das Bauprojekt die IGW wesentlich überschreite. Vielmehr sei darin lediglich ein Beurteilungskriterium zu sehen, welches im Rahmen einer umfassenden Interessenabwägung zu berücksichtigen sei. Nur so könne eine einzelfallgerechte Betrachtung der jeweiligen Gesamtsituation erreicht werden. Komme demgegenüber eine Ausnahmebewilligung nach Art. 31 Abs. 2 LSV bereits bei einer wesentlichen Überschreitung der IGW von vornherein nicht mehr in Betracht, führe dies insbesondere in zentralen städtischen Gebieten, die regelmässig lärmvorbelastet seien, zwangsläufig zu einem unüberwindbaren Zielkonflikt zwischen den Vorgaben des Lärmschutzes und der raumplanungsrechtlich gewünschten Siedlungsverdichtung nach innen (Art. 1 Abs. 2 lit. a bis RPG). Auf diese Kritik ist angesichts der nachfolgenden Erwägung nicht weiter einzugehen.