Citation: 5A_427/2022 E. 5.2.4

5.2.4. Ausserdem meint die Beschwerdeführerin, hier sei sehr wohl zu berücksichtigen, dass die "Ausheiratung" der Beschwerdegegnerin im Jahr 1980 und damit noch vor dem Inkrafttreten des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung erfolgt sei. Sie habe der damals herrschenden Anschauung, den Zeitverhältnissen und dem rechtlichen Umfeld entsprochen. Diese Auffassung teile auch das Verwaltungsgericht, wenn es schreibe, dass die Ausheiratung nicht per se verfassungswidrig gewesen sei. Die Ausheiratung habe das Rechtsverhältnis zwischen den Parteien bzw. die Mitgliedschaft der Beschwerdegegnerin bei der Beschwerdeführerin beendet. Ungeachtet dessen, dass diese Ausheiratung heute noch Auswirkungen zeitige, bilde die Tatsache, dass dieselbe vor der Einführung des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung erfolgt sei, im Rahmen der inzidenten Normenkontrolle des vorliegenden Falls einen sachlichen und vernünftigen Grund, welcher eine allfällige Ungleichbehandlung der Beschwerdegegnerin durch die Beschwerdeführerin bzw. deren Statuten rechtfertige. Ob eine Frau, welche nach dem Inkrafttreten des Gleichstellungsartikels "ausgeheiratet" worden sei, entgegen dem Wortlaut der Statuten einen Wiederaufnahmeanspruch hätte, sei vorliegend nicht zu entscheiden. Die Sache liegt gerade umgekehrt. Entscheidend ist allein, ob die in den streitgegenständlichen Statuten enthaltenen, das Abstammungsprinzip einschränkenden Bestimmungen sachgerecht sind oder nicht. Diese stellen unbestrittenermassen nicht darauf ab, ob eine Frau vor oder nach dem Inkrafttreten des Gleichstellungsartikels 1981 "ausgeheiratet" worden ist. Daher kann die Beschwerdeführerin aus dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin vor dem Inkrafttreten des Gleichstellungsartikels "ausgeheiratet" wurde, nichts zu ihren Gunsten ableiten, und zwar selbst dann nicht, wenn dieses Unterscheidungsmerkmal verfassungskonform sein sollte, was hier nicht abschliessend zu prüfen ist.