Citation: 4A_605/2019 E. 5.6

5.6. Bereits aus dem allgemeinen Schadensbegriff (vgl. E. 5.4 hiervor) folgt, dass zur Beantwortung der Frage, ob im ursprünglichen Verfahren ein Schadenersatzanspruch bestanden hätte, der tatsächliche Gesundheitszustand des Beschwerdegegners nach unterbliebener Behandlung mit demjenigen zu vergleichen ist, in dem er gewesen wäre, wenn die angezeigte Behandlung nicht unterblieben wäre. Auch die Gutachter gehen davon aus, die Chancen für einen guten Verlauf hätten mit einer Behandlung besser gestanden als ohne. Die blosse Chance auf eine Verbesserung genügte indessen nach Auffassung der kantonalen Gerichte (die auch vom Bundesgericht im Rahmen der Willkürkognition nicht beanstandet wurde) nicht, solange nicht überwiegend wahrscheinlich war, dass tatsächlich eine Verbesserung erreicht worden wäre (vgl. zit. Urteil 4A_516/2012 E. 4, 8 und 9). Ist dies aber der Fall, umfasst der Schadenersatzanspruch die finanziellen Auswirkungen der Differenz zwischen dem tatsächlichen Zustand und dem besseren Zustand, in dem sich der Beschwerdegegner bei erfolgter Behandlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit befinden würde. Dies ist der Schaden, der beweismässig als durch die unterlassene Behandlung kausal verursacht anzusehen ist.