Citation: 6B_612/2020 E. 2.4

2.4. Bei den dem Beschwerdeführer vorgeworfenen mehrfachen sexuellen Handlungen zulasten der Beschwerdegegnerin 2 handelt es sich um Vier-Augen-Delikte. Die Anschuldigungen der Beschwerdegegnerin 2 sind neben den Aussagen des Beschwerdeführers das wesentliche Beweismittel in Bezug auf diesen Tatvorwurf. Den sich widersprechenden Aussagen kommt hinsichtlich des Verfahrensausgangs damit entscheidende Bedeutung zu, weshalb die unmittelbare Wahrnehmung der aussagenden Personen regelmässig als notwendig erscheint. Vorliegend durfte die Vorinstanz jedoch im Rahmen des ihr zustehenden Ermessens darauf verzichten, die Beschwerdegegnerin 2 erneut einzuvernehmen. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft haben diese bereits eingehend zu den sexuellen Handlungen befragt, wobei die Einvernahmen vom 22. März 2017 (polizeiliche Einvernahme, Akten Staatsanwaltschaft act. D1/6/3), vom 24. März 2017 (Staatsanwaltschaftliche Konfrontationseinvernahme, Akten Staatsanwaltschaft act. D1/6/6) und vom 19. Mai 2017 (Staatsanwaltschaftliche Konfrontationseinvernahme, Akten Staatsanwaltschaft act. D1/6/10) audiovisuell aufgezeichnet wurden. Die von der Belastungszeugin anlässlich dieser Einvernahmen gemachten Ausführungen weisen eine hinreichend hohe Aussagenqualität auf, welche es ohne Weiteres erlaubt, ihre Schilderungen auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen. Aufgrund der Qualität der Aussagen, drängt sich vorliegend keine erneute Einvernahme durch das Gericht auf. Die Ausführungen der Beschwerdegegnerin 2 zum Kerngeschehen durfte die Vorinstanz als schlüssig, authentisch und realistisch werten (vgl. dazu auch E. 3.4 hiernach). Sodann liegen nebst den sich widersprechenden Aussagen des Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin 2 mit den Aussagen von D.________ und E.________ weitere Beweismittel vor, welche die gegen den Beschwerdeführer erhobenen Anschuldigungen zwar nicht direkt belegen, aber dennoch geeignet sind, die Schilderungen der Beschwerdegegnerin 2 zu stützen bzw. für den Wahrheitsgehalt ihrer Ausführungen sprechen. Inhaltliche Diskrepanzen und Unklarheiten in den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2, welche im Vorverfahren nicht bereits thematisiert wurden und im Rahmen einer erneuten Befragung auszuräumen wären, sind entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers sodann nicht ersichtlich. Die Beschwerdegegnerin 2 wurde insbesondere dazu befragt, weshalb sie nicht alle sexuellen Handlungen von Anfang an offengelegt habe. Für die Beurteilung, ob ihre diesbezüglich zu Protokoll gegebene, audiovisuell aufgezeichnete Erklärung überzeugt, bedarf es keiner neuerlichen Einvernahme. Soweit für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 deren nonverbales Verhalten hilfreich war, konnte die Vorinstanz dieses aus den vorhandenen Aufzeichnungen ersehen. An der audiovisuell aufgezeichneten polizeilichen Einvernahme vom 22. März 2017 war mit F.________ zudem eine diplomierte Psychologin FH im Übertragungsraum anwesend (vgl. Akten Staatsanwaltschaft act. D1/6/2 S. 5), welche ihre Beobachtungen in einem schriftlichen Bericht festhielt (Akten Staatsanwaltschaft act. D1/6/4) und deren Ausführungen helfen, das nonverbale Verhalten der Befragten einzuordnen. Mit Hilfe der teilweise audiovisuell aufgezeichneten Einvernahmen der Beschwerdegegnerin 2, den Aussagen von D.________ und E.________ und dem Bericht der Psychologin F.________, konnte sich die Vorinstanz ein hinreichendes Bild von der Glaubwürdigkeit bzw. Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 machen. Die unmittelbare Kenntnis der Aussagen durch das Gericht war vorliegend nicht zwingend erforderlich und eine erneute Befragung umso weniger angebracht, als es eine erneute Traumatisierung der Opferqualität aufweisenden Beschwerdegegnerin 2 zu vermeiden galt. Die Rüge des Beschwerdeführers ist insoweit abzuweisen.