Citation: 5A_478/2008 20.08.2008 E. 4

4.1 In der Sache selbst weist das Obergericht darauf hin, der Obhutsentzug sei damit begründet worden, dass die Kinder in stark verwahrlostem Zustand mit einem massiven Entwicklungsrückstand im Haus der Beschwedeführer vorgefunden worden seien. Der damalige Zustand von S.________ und T.________ habe sich nur durch massive, lang andauernde Mängel in der Kindererziehung und -pflege erklären lassen. Die Verwahrlosung der Kinder sei auch auf den katastrophalen hygienischen Zustand des Elternhauses zurückzuführen gewesen. Der Präsident der Vormundschaftsbehörde entzog den Beschwerdeführern die Obhut über ihre beiden Kinder denn auch "wegen starker Verwahrlosung und gesundheitlicher Gefährdung" (Verfügung vom 28. August 2007), was von der Gesamtbehörde mit Beschlüssen vom 30. August bzw. vom 3. September 2007 bestätigt wurde. Dass zu jenem Zeitpunkt eine erhebliche Gefährdung der Kinder bestand und dieser nicht anders begegnet werden konnte als durch eine Aufhebung der elterlichen Obhut im Sinne von Art. 310 ZGB und durch eine Einweisung der Kinder zunächst in ein Spital und anschliessend in ein Heim, stellen die Beschwerdeführer, die denn auch die erwähnten Anordnungen der vormundschaftlichen Instanzen nicht anfochten, nicht in Abrede. 4.2 Kindesschutzmassnahmen sind der neuen Lage anzupassen, wenn sich die Verhältnisse verändern (Art. 313 Abs. 1 ZGB). Gemäss Art. 313 Abs. 2 ZGB darf die elterliche Sorge in keinem Fall vor Ablauf eines Jahres nach ihrer Entziehung wieder hergestellt werden. Im vorliegenden Fall geht es nicht um die elterliche Sorge, sondern um die elterliche Obhut, so dass diese Bestimmung nicht zum Tragen kommt. Auch die Wiederherstellung der Obhut ist indessen erst zulässig, wenn die Verhältnisse sich derart geändert haben, dass das Kindeswohl bei einer Rückgabe an die Eltern nicht mehr als gefährdet erscheint. Erweist sich eine Massnahme in der bisherigen Form als nicht mehr nötig, ist sie aufzuheben oder durch eine mildere zu ersetzen. Jede Abänderung von Kindesschutzmassnahmen setzt in einem gewissen Ausmass eine Prognose über die künftige Entwicklung der massgebenden Umstände voraus. Diese wird durch das bisherige Verhalten der betroffenen Personen wesentlich mitbestimmt (BGE 120 II 384 E. 4d S. 386). 4.2.1 Hier fällt vorab in Betracht, dass die Beschwerdeführer ihr Begehren um Aufhebung des Obhutsentzugs bereits zwei Monate nach Anordnung der Massnahme eingereicht haben und die Kinder sich somit nur recht kurze Zeit zuvor noch in dem vom Obergericht beschriebenen stark verwahrlosten Zustand befanden. Das Fehlverhalten der Beschwerdeführer, auf das die Verwahrlosung nach den Feststellungen der Vorinstanz zurückzuführen war, legt unter den gegebenen Umständen eine gewisse Zurückhaltung nahe. Die Beschwerdeführer haben im Sinne einer Vorleistung zu zeigen, dass sie aus den groben Fehlern gelernt haben und ihnen die Kinder ohne Gefahr wieder anvertraut werden können. Dass das Wohnhaus nunmehr gereinigt ist, genügt für sich allein nicht. Es ist einzuräumen, dass die der Beschwerdeführerin von den Psychiatrischen Diensten (Dr. med. N.________ und Dr. med. O.________) und von Dr. P.________, Spezialärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, zugebilligte grundsätzliche Erziehungsfähigkeit ein nicht unbedeutendes Element darstellt. Zu beachten ist jedoch, dass die angeführten - nach dem Obhutsentzug beigezogenen - Ärzte die Beschwerdeführerin nur während einer sehr beschränkten Zeit betreut und sich mit den Kindern gar nicht befasst haben. Wenn die Vorinstanz der Meinung der Beiständin und der Verantwortlichen des Heims B.________, die eine Rückübertragung der Obhut für verfrüht hielten, ein stärkeres Gewicht beimass, ist dies nicht zu beanstanden, hatten doch die genannten Personen die Gelegenheit, das Verhältnis zwischen den Eltern und den Kindern und deren "Interaktion" während längerer Zeit zu beobachten und zu würdigen. Nach Meinung der Verantwortlichen des Heims B.________ vermögen die Beschwerdeführer den Kindern die nötigen klaren Strukturen noch nicht zu bieten und die erforderlichen Grenzen noch nicht zu setzen, da der Vater praktisch nicht präsent sei und die Mutter in allen Bereichen, vor allem in der Pflege, Erziehung und Wahrnehmung der Bedürfnisse ihrer Kinder noch dauernder Anleitung und Unterstützung bedürfe. 4.2.2 Die Beschwerdeführer halten die Verweigerung der Rückübertragung der Obhut für unverhältnismässig, da eine solche mit geeigneten familienbegleitenden Massnahmen hätte verbunden werden können. Nach den Feststellungen der Vorinstanz war ihnen eine familienbegleitende Anordnung vorgeschlagen worden mit dem Ziel, den Übergang vom Heim B.________ ins Haus der Familie zu begleiten und im Familienalltag abzuklären, ob und gegebenenfalls in welcher Form Unterstützung nötig sei, um das Wohl der Kinder und die Stabilität der Eltern längerfristig zu sichern. Im Rahmen dieser Massnahme wären die Kinder ab 7. Januar 2008 vier bis sechs Wochen lang jede Woche für drei Tage zurück in die Familie gegangen. Die Beschwerdeführer lehnten das Angebot einer solchen familienbegleitenden Abklärung ab, was sie damit begründen, sie hätten sich dagegen gewehrt, dass die Kinder allenfalls unter Anwendung von Zwang nach drei Tagen jeweils wieder ins Heim hätten zurückgeführt werden müssen. Wenn sie dafür halten, es sei besser, abzuwarten, bis eine vollständige Rückführung der Kinder in die Familie möglich werde, dürfen sie angesichts der Ende August/anfangs September 2007 festgestellten schweren Vernachlässigung ihrer elterlichen Pflichten nicht davon ausgehen, dieser Zeitpunkt sei bereits zwei Monate nach dem Obhutsentzug erreicht gewesen. Im Übrigen legen sie nicht dar, welche Form von Familienbegleitung sie als angemessen erachten würden. Der Vorwurf der Unverhältnismässigkeit ist nach dem Ausgeführten unbegründet.