Citation: 2C_868/2020 E. 3.2.2

3.2.2. Dieser Schluss drängt sich auch namentlich angesichts der (oben in E. 2.2.2 wiedergegebenen) Abwägung der Interessen und Verpflichtungen im Veranlagungsverfahren auf. Die Steuerbehörde darf zwar - wie gesagt - nicht unbesehen auf die Steuererklärung abstellen, als wenn es sich um eine Selbstveranlagung handeln würde. Dennoch ist sie erst dann zu ergänzender Untersuchung verpflichtet, wenn die Steuererklärung augenfällige Mängel enthält, die also derart offensichtlich sind, dass deren Nichtbeachtung eine grobe Missachtung der Untersuchungspflicht durch den Steuerkommissär darstellen und den Kausalzusammenhang zwischen der fehlerhaften Deklaration und der ungenügenden Veranlagung unterbrechen würde. Nur unter der Voraussetzung, dass die Veranlagungsbehörde in voller Kenntnis von Ungereimtheiten zusätzliche Abklärungen unterlässt, kann sie später keine Nachsteuer mehr erheben, wenn sie nachträglich bessere Kenntnis von diesem Umstand erhält. Dagegen war hier ein Sachverhalt gegeben, bei dem die behördliche Untersuchungspflicht nicht verletzt war, da die Unstimmigkeit aus den Angaben der Beschwerdeführer in ihrer Steuererklärung 2014 nicht ohne weiteres ersichtlich war; die Behörde hätte vielleicht Verdacht schöpfen können, ohne dass das aber zwingend gewesen wäre.