Citation: 6B_1424/2019 E. 3.2.1

3.2.1. Die Vorinstanz verneint das Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls. Sie erwägt zusammengefasst, die Beschwerdeführerin sei in der Dominikanischen Republik geboren und dort aufgewachsen. Erst im Alter von 20 Jahren sei sie in die Schweiz eingereist. Zwar lebe sie nun bereits seit rund 27 Jahren hier. Die prägenden Kinder- und Jugendjahre habe sie aber in der Dominikanischen Republik verbracht. Sie sei daher mit den Gepflogenheiten des Landes und der dortigen Sprache vertraut. Ein Grossteil ihres familiären Umfeldes befinde sich auch heute noch in der Dominikanischen Republik. So würden ihre Eltern sowie die Tante, bei welcher sie aufwuchs, ihr Bruder, Cousins wie auch ihr erwachsener Sohn dort leben. Die Beschwerdeführerin pflege zu diesen Verwandten einen guten Kontakt und habe diese zuletzt im Mai 2019 besucht und ihre Familienmitglieder auch regelmässig finanziell unterstützt. Bei einer Rückkehr in die Dominikanische Republik würde sie folglich auf ein bekanntes und vertrautes Umfeld stossen, von welchem zu erwarten sei, dass ihr dieses bei der Wiedereingliederung in ihrer Heimat nach Kräften behilflich sein würde. In der Schweiz verfüge die Beschwerdeführerin hingegen kaum über familiäre Bindungen. Zwar habe sie in der Schweiz zahlreiche Bekannte und Freunde verschiedener Nationalitäten. Anhaltspunkte, dass das vorhandene ausserfamiliäre Beziehungsnetz auch tatsächlich tragfähig sei, würden jedoch fehlen. Die berufliche Situation wie auch die Wohnsituation der Beschwerdeführerin seien derzeit nicht stabil. Die Beschwerdeführerin habe während längerer Zeit zwar eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausgeübt. Seit knapp 10 Jahren sei sie jedoch von der Sozialhilfe abhängig. Obschon sie sich bemühe, in die Erwerbstätigkeit zurückzufinden, sei es ihr nicht gelungen, eine Arbeitsstelle auf dem freien Arbeitsmarkt anzutreten und finanziell nicht mehr auf die Unterstützung der Sozialhilfe angewiesen zu sein. Ein Landesverweis würde folglich nicht mit dem Verlust einer langjährigen Arbeitsstelle einhergehen. Für die Beschwerdeführerin werde es zwar nicht einfach sein, in der Dominikanischen Republik eine Arbeitsstelle zu finden. Ihr beruflicher Wiedereinstieg sei aber auch in der Schweiz mit Schwierigkeiten verbunden. Soweit sie vorbringe, dass sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme auf die medizinische Versorgung in der Schweiz angewiesen sei, müssten gewisse Bedenken hinsichtlich der medizinischen Versorgung in der Dominikanischen Republik geteilt werden. Diese sei gemäss den Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) nicht überall gewährleistet. Die Infrastruktur von Spitälern, Kliniken und Entbindungsstationen sei ungenügend und für Notfälle schlecht eingerichtet. Ausserdem verfüge die Dominikanische Republik nicht über ein Krankenkassenobligatorium. Hingegen sei es möglich, eine private Krankenversicherung abzuschliessen. Bei Depressionen und Drogensucht handle es sich zudem nicht um seltene Erkrankungen, welche nur erfolgreich in der Schweiz behandelt werden können. Vielmehr dürfe davon ausgegangen werden, dass in der Dominikanischen Republik eine angemessene Behandlung dieser Leiden sichergestellt sei. Dass die Beschwerdeführerin bei einer Ausreise aus der Schweiz nicht mehr auf die Leistungen der schweizerischen Sozialwerke zurückgreifen könnte, vermöge schliesslich ebenfalls keine persönliche Härte zu begründen. Unter Berücksichtigung aller Umstände sei ein schwerer persönlicher Härtefall zu verneinen (vgl. angefochtenes Urteil Ziff. 4.1 S. 18 ff.).