Citation: I 398/00 04.04.2002 E. 2

2.- a) Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Das kantonale Gericht habe seinen Entscheid massgeblich auf denjenigen im Beschwerdeverfahren i. S. SUVA gegen den Versicherten und zwei darin teilweise wiedergegebene Gutachten gestützt, ohne ihr diese Akten zur Einsicht und Stellungnahme zur Verfügung gestellt zu haben. Die Vorinstanz bestätigte in ihrer Vernehmlassung, dass die Beschwerdeführerin nicht mit allen Unterlagen bedient worden ist. Die Darstellung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist insofern nicht voll zutreffend, als die für das kantonale Gericht entscheidenden Widersprüche in der ärztlichen Beurteilung nicht erst dann entstehen, wenn die Akten aus dem SUVA-Verfahren mit einbezogen werden, sondern teilweise auch aus den Akten des IV-Verfahrens hervorgehen (Gutachten MEDAS vs. Dres. med. K._________ und P._________). Es bleibt aber offensichtlich, dass der Einbezug der nicht zur Kenntnis gebrachten Akten für den Entscheid der Vorinstanz von Bedeutung ist. Den Ausführungen in der Vernehmlassung des Versicherten (der im vorliegenden Verfahren Beschwerdegegner ist), dergemäss die Vorinstanz im Wesentlichen nur Akten einander gegenübergestellt haben soll, die der Beschwerdeführerin bekannt waren, treffen in diesem Punkt nicht zu. Des Weitern gehen die Erörterungen in der Vernehmlassung des Versicherten darüber, dass Entscheide in anderen Verfahren nicht zu den Akten gehören, zu denen das rechtliche Gehör zu gewähren ist, an der Sache vorbei. Sie verkennen insbesondere den Unterschied zwischen Rechtsgrundlagen (als welche u. U. auch nicht veröffentlichte Rechtsprechung fungiert) und Beweismassnahmen. b) Das Abstützen eines Entscheides auf Akten, von denen die Betroffenen keine Kenntnis haben, stellt zweifelsohne eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Zu prüfen ist, ob diese geheilt werden kann. Da das Eidgenössische Versicherungsgericht in Prozessen um Versicherungsleistungen den Sachverhalt und die Rechtslage frei überprüfen kann (Art. 132 OG), ist eine Heilung nicht ausgeschlossen. Dem Interesse an einem Verfahren, das den Anspruch auf rechtliches Gehör ungeschmälert verwirklicht, steht das Interesse an einer beförderlichen Beurteilung der Sache (das in der neuen Bundesverfassung in Art. 29 als Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist seinen Niederschlag gefunden hat) gegenüber. Von der Rückweisung an die Vorinstanz zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach der Rechtsprechung dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde (BGE 116 V 187 Erw. 2d mit Hinweis). Dabei ist nach der Lehre auch zu berücksichtigen, ob die Streitsache ohnehin vernünftigerweise zur weiteren Abklärung an die Verwaltung zurückgewiesen werden sollte (Ulrich Zimmerli, Zum rechtlichen Gehör im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren, in: Sozialversicherungsrecht im Wandel, Bern 1992, S. 333 f.). Im vorliegenden Fall wiegt das Interesse des Versicherten an einer beförderlichen Beurteilung seines Anspruches schwerer als die Verletzung des rechtlichen Gehörs der IV-Stelle. Diese hat zudem Gelegenheit gehabt, sich zu den fraglichen Aktenstücken im letztinstanzlichen Verfahren zu äussern und hat das in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch getan. Die Gehörsverletzung gilt damit als geheilt. c) Inwiefern das Geltendmachen des Anspruches auf rechtliches Gehör einen offenbaren Rechtsmissbrauch (Art. 2 Abs. 2 ZGB) darstellen soll, wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung meint, ist nicht ersichtlich. Zwar kann man darin, dass im Hauptantrag ein Urteil in der Sache und im Eventualantrag die Rückweisung zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs verlangt wird, eine gewisse Widersprüchlichkeit sehen. Trotzdem geht es nicht an, in diesem Vorgehen mit zwei abgestuften Anträgen einen offensichtlichen Rechtsmissbrauch erblicken zu wollen. Es steht den Parteien frei, auf ihnen zustehende prozessuale Rechte für den Fall eines für sie vorteilhaften Sachentscheides zu verzichten und sie nur eventualiter geltend zu machen.