Citation: 2C_83/2023 E. 5.4

5.4. Durch das materielle Recht vorgegebenes Beweisthema im vorinstanzlichen Verfahren war einerseits die Frage, ob der Beschwerdeführer eine Berufspflichtverletzung begangen hat. Andererseits hatten die kantonalen Instanzen zu beurteilen, wie der Beschwerdeführer gegebenenfalls zu sanktionieren ist. Die Frage, ob der Beschwerdeführer durch seine schriftlichen Äusserungen überhaupt eine Berufspflicht nach Art. 12 lit. a BGFA verletzt hat, lässt sich aufgrund des festgestellten Sachverhalts, namentlich aufgrund der schriftlichen Äusserungen selbst, beurteilen (hinten E. 6.3.4 und 6.4.2 f.). Diesbezüglich sind die vorinstanzlichen Feststellungen vollständig. Sie sind zudem nicht offensichtlich unrichtig, was der Beschwerdeführer übrigens auch nicht geltend macht. Für die Bestimmung und Bemessung der Sanktion ist das Verschulden des Anwalts und insofern der Gesamtkontext seiner Äusserungen grundsätzlich relevant (vgl. Bauer/Bauer, in: Commentaire romand, Loi sur les avocats, 2. Aufl. 2022 [nachfolgend: Commentaire romand], N. 25 zu Art. 17 BGFA; Tomas POLEDNA, in: Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011 [nachfolgend Kommentar Anwaltsgesetz], Rz. 27 zu Art. 17 BGFA). Inwieweit dieser Gesamtkontext im vorliegenden Fall massgebend ist, hängt davon ab, welche der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Äusserungen überhaupt den Tatbestand einer Berufspflichtverletzung nach Art. 12 lit. a BGFA erfüllen. Zudem lässt sich die Frage, welche tatsächlichen Umstände für die Beurteilung des Verschuldens massgeblich sind, erst nach einer Auseinandersetzung mit dem Inhalt der sich aus Art. 12 lit. a BGFA ergebenden Pflichten zuverlässig beantworten. Es rechtfertigt sich daher, zuerst zu prüfen, welche konkreten Berufspflichten der Beschwerdeführer zu befolgen hatte und inwieweit er überhaupt dagegen verstossen hat (vgl. Urteil 2C_55/2015 vom 6. August 2015 E. 2).