Citation: 6S.106/2006 16.10.2006 E. 5

Die Strafzumessung wird vom Beschwerdeführer unter mehreren Gesichtspunkten gerügt. Zunächst beanstandet er, dass die Vorinstanz sein Verschulden hinsichtlich der Schussabgabe auf B.________ als sehr schwer einstufe, obwohl er lediglich eventualvorsätzlich gehandelt habe. Auch wenn bei einer Tatbegehung mit Eventualvorsatz das Verschulden im Vergleich zu einer solchen mit direktem Vorsatz geringer erscheint, kann dieses auch bei eventualvorsätzlichem Handeln immer noch sehr schwer wiegen. Die Vorinstanz legt die Umstände dar, die das Verschulden des Beschwerdeführers bei der Schussabgabe auf den flüchtenden und vollkommen wehrlosen B.________ als sehr schwer erscheinen lassen. Dieser zeigt mit keinem Wort auf, noch ist ersichtlich, dass diese Würdigung ermessensverletzend sein könnte. Weiter kritisiert der Beschwerdeführer, im angefochtenen Entscheid werde nicht näher begründet, warum der Umstand, dass bei der Schussabgabe auf B.________ lediglich ein vollendeter Versuch vorliege, nur strafmindernd und nicht strafmildernd berücksichtigt werde, und es erfolge auch keine Quantifizierung der Strafreduktion. Nach der Rechtsprechung ist der Richter gehalten, das Vorliegen eines Versuchs zumindest strafmindernd zu würdigen. Hingegen besteht keine Pflicht zu einer Strafmilderung gemäss Art. 65 StGB (BGE 121 IV 49 E. 1b S. 55). Ebenso wenig muss er das Gewicht der einzelnen Strafzumessungsfaktoren im Urteil in Zahlen oder Prozentwerten angeben, und er braucht auf Umstände, die ihm ohne oder nur von untergeordneter Bedeutung erscheinen, nicht näher einzugehen (BGE 127 IV 101 E. 2c S. 105). Dem blossen Hinweis auf die Strafminderung wegen Versuchs lässt sich entnehmen, dass die Vorinstanz diesem Reduktionsgrund nur relativ wenig Gewicht beimisst. Das ergibt sich auch aus den Ausführungen zum Tatverschulden. Diese Betrachtungsweise ist nicht zu beanstanden, da ein vollendeter Versuch vorliegt, bei dem der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs sehr nahe lag (vgl. BGE 121 IV 49 E. 1b S. 54). Der Beschwerdeführer rügt ausserdem, dass seine schwierige Jugendzeit während des Kriegs in Bosnien-Herzegowina bloss leicht strafmindernd und der nach der Verhaftung begangene Suizidversuch überhaupt nicht als Strafreduktionsgrund gewürdigt werde. Er räumt indessen selber ein, dass die ihm vorgeworfenen Taten in keinem Zusammenhang mit den posttraumatischen Belastungsstörungen wegen der Kriegserlebnisse stehen. Ausserdem erfolgte in der Schweiz im Jahre 1999 eine Behandlung dieser Probleme, die der Beschwerdeführer nach einigen Konsultationen selber abbrach. Er meisterte denn auch in der Folge sein Leben in der Schweiz ohne besondere Probleme. Ferner bestehen keinerlei Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer den Suizidversuch aus Verzweiflung über das begangene Unrecht verübte. Bei dieser Sachlage erscheinen die erhobenen Rügen als unbegründet. Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, die Strafe müsse auch wegen Verletzung des Beschleunigungsgebots herabgesetzt werden. Er begründet diesen Vorwurf nicht mit Bearbeitungslücken seitens der Behörden, sondern mit Mängeln, die das Kassationsgericht zur Gutheissung des von ihm erhobenen Rechtsmittels veranlassten und die zu einer entsprechenden Verlängerung des Verfahrens führten. Der Vorwurf erscheint schwer verständlich, war doch die Vorinstanz mit dem von ihr gewählten Vorgehen gerade bemüht, das Verfahren möglichst rasch abzuschliessen, und hätte die vom Beschwerdeführer jetzt bevorzugte Verschiebung der Hauptverhandlung und vorgängige Klärung der offenen Fragen ebenfalls eine Verfahrensverlängerung bewirkt. In einem umfangreichen Verfahren wie dem vorliegenden verlangt das Beschleunigungsgebot nicht, dass die Behörden - aus der Retrospektive betrachtet - jeden Schritt so schnell wie nur irgendwie möglich abwickeln (vgl. BGE 124 I 139 E. 2c S. 142 und 144). Die gegen die Strafzumessung erhobenen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet.