Citation: 4A_42/2021 E. 5.3

5.3. Die Beschwerdeführerin stellt sich somit vor Bundesgericht nicht auf den Standpunkt, es sei für den Preis der in Frage stehenden Skulptur von Bedeutung, ob Yves Klein oder dessen Nachlass den Ständer angebracht habe. Sie leitet die Aufklärungspflicht allein daraus ab, dass für sie unter immateriellen Gesichtspunkten entscheidend gewesen sei, ob die Gesamtheit des Kunstwerks von Yves Klein stamme. Der Beschwerdeführerin ist insoweit zuzustimmen, als dass nicht nur Eigenschaften von der Aufklärungspflicht erfasst sind, die einen negativen Einfluss auf den (Markt-) Verkaufspreis haben, sondern überhaupt all jene, welche (für den Verkäufer erkennbar) hinsichtlich des Kaufentschlusses des Käufers von Wichtigkeit sind (siehe Erwägung 3.3). Inwiefern dies aber vorliegend mit Bezug auf die Sockelung der Skulptur der Fall gewesen sein soll, zeigt die Beschwerdeführerin nicht auf. Sie beschränkt sich auf die Behauptung, dass für sie die Authentizität des Werks "im Vordergrund" gestanden sei, und verweist auf den Informationsvorsprung der Beschwerdegegnerin als "gewerbsmässige Kunsthändlerin". Richtig ist zwar, dass das Ausmass der Aufklärungspflicht vom Wissensstand der Parteien abhängt (BGE 116 II 431 E. 3b). Umgekehrt stellt die Rechtsprechung angesichts der Vielfalt des angebotenen Auktionsgutes bei Kunstauktionen nur beschränkte Anforderungen an die Beschreibung in Auktionskatalogen (vgl. BGE 123 III 165 E. 4 S. 170). Die Beschwerdeführerin legt jedenfalls nicht dar, aus welchem Grund die Beschwerdegegnerin hätte erkennen müssen, dass die Urheberschaft der Sockelung (Yves Klein oder dessen Nachlass) für sie (die Beschwerdeführerin) von besonderer Relevanz war, wiewohl diesem Umstand für die Preisbestimmung auf dem Markt offenbar kein erhebliches Gewicht zukommt. Zu beachten ist auch, dass der Aufklärungspflicht (sowohl nach Art. 199 OR als auch nach Art. 28 OR) das Prinzip von Treu und Glauben (Art. 2 Abs. 1 ZGB) zugrunde liegt. Dass sich die Beschwerdegegnerin in diesem Sinne unredlich verhalten haben soll, lässt sich den - für das Bundesgericht massgebenden - Feststellungen im angefochtenen Entscheid (Art. 105 BGG) nicht entnehmen. Insbesondere ist nicht festgestellt, dass die Beschwerdeführerin betreffend die Urheberschaft der Sockelung Nachfragen gestellt hätte, was aber zu erwarten gewesen wäre, wenn ihr dieser Punkt so wichtig war. Daran ändert auch das Argument der Beschwerdeführerin nichts, die Beschwerdegegnerin sei in die posthume Sockelung "involviert" gewesen. Dies lässt darauf schliessen, dass die Beschwerdegegnerin Kenntnis von der Herkunft des Ständers hatte (was denn das Obergericht auch feststellte). Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass sie die Bedeutung erkannte, welche die Beschwerdeführerin diesem Umstand zumass.