Citation: 5A_723/2017 E. 6.5.5

6.5.5. Im konkreten Fall steht fest, dass die Tatsachenbehauptungen der Beschwerdeführerinnen zur Loss-Berechnung von der Gegenseite (Beschwerdegegnerin) im Einzelnen bzw. substantiiert bestritten worden sind. Es geht vorliegend nicht um behauptete allgemein bekannte Tatsachen, von denen die Beschwerdeführerinnen ausgehen konnten, dass das Gericht sie aufgrund seines eigenen Wissens beurteilen könne. Der Vergleich mit der Begutachtung einer Buchhaltung, den die Beschwerdeführerinnen machen, geht fehl: Die Buchhaltungsunterlagen stellen - anders als ein Parteigutachten (BGE 141 III 433 E. 2.5.3) - als Urkunden bereits ein Beweismittel dar (Art. 177 ZPO; Botschaft, a.a.O., S. 7323), zu dessen inhaltlicher Beurteilung im Fall, dass dem Gericht buchhalterische Sachkenntnissen fehlen, ein weiteres Beweismittel (Gutachten) notwendig sein kann (vgl. TREZZINI, in: Commentario pratico al CPC, 2. Aufl. 2017, N. 19 zu Art. 177). Wenn das Obergericht die konkrete Loss-Berechnung als hochkomplexe finanztechnische Angelegenheit bezeichnet hat, welche Sachverstand erfordert, über welchen ein Gericht in der Regel nicht verfüge, hat es einem gerichtlichen Gutachten sicher auch eine Aufklärungsfunktion zugemessen. Daran ändert indes nichts, dass es im konkreten Fall als eigentliches Beweismittel zum Zuge kommen soll, denn das von den Beschwerdeführerinnen eingereichte Privatgutachten hat gerade keine beweisbildende Wirkung. Darauf - und auf die Notwendigkeit förmlicher Beweismittel - hat die Vorinstanz zu Recht hingewiesen.