Citation: 6B_196/2021 E. 2.3.3

2.3.3. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Daran ändert nichts, dass einer Mechanik kein eigener Wille zukommt. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung hat klargestellt, warum bereits dann von einer konkreten Lebensgefahr auszugehen ist, wenn der Täter das Opfer mit einer schussbereiten Waffe bedroht. In einer solchen Situation kann sich wegen verschiedener Umstände auch ohne weitere zielgerichtete Handlungen des Täters jederzeit ungewollt ein Schuss lösen. Es hängt demnach nur noch vom Zufall ab, ob das Opfer durch einen Schuss getötet werden kann (vgl. oben Ziffer 2.3.1). Mithin ist die Möglichkeit, dass sich ungewollt und ohne weitere Handlungen des im Waffenumgang oft ungeübten Täters ein tödlicher Schuss löst, derart gross, dass es für eine konkrete Lebensgefahr nicht darauf ankommt, ob der Täter den Finger am Abzug hat oder nicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_317/2012 vom 21. Dezember 2012 E. 3.2 f. m.w.H.). Vorliegend ist erstellt, dass der Einsatz der Schusswaffe im Nachgang an eine tätliche Auseinandersetzung, mithin im Rahmen einer "Vergeltungsaktion" und damit einer emotional aufgeladenen Situation erfolgte. Erstellt ist auch, dass der im Waffenumgang absolut unerfahrene Beschwerdeführer 1 die schussbereite Waffe aus kurzer Distanz bzw. aus aller nächster Nähe auf seine Opfer richtete und mit dieser zudem als "Schlagstock" hantierte; schliesslich stand er nachweislich unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Es ist offensichtlich, dass damit eine insgesamt unberechenbare Konstellation vorlag, mithin es nur noch vom Zufall abhing, ob diese eskalieren, sich z.B. ein Handgemenge entwickeln oder aber eine der involvierten Personen unerwartet reagieren würde. Es lagen Umstände vor, in deren Kontext sich aus dem Verhalten des Beschwerdeführers 1 direkt die Wahrscheinlichkeit bzw. die nahe Möglichkeit der Todesfolge ergab. Mit anderen Worten erscheint in der konkreten Situation die Möglichkeit, dass sich selbst ungewollt und ohne weitere Handlungen des Beschwerdeführers 1 ein tödlicher Schuss lösen würde, als nur noch vom Zufall abhängig und damit als derart gross, dass von einer konkreten und unmittelbaren Lebensgefahr auszugehen ist. Offen bleiben kann, ob damit davon auszugehen ist, dass dem Richten einer schussbereiten Waffe auf einen Menschen per se (unkontrollierbare) Umstände inhärent sind, welche die Gefahr als konkret, mithin den Schadenseintritt als ernstliche Wahrscheinlichkeit erscheinen lassen.