Citation: U 35/02 26.02.2004 E. 2

Unter sämtlichen Verfahrensbeteiligten ist zu Recht unbestritten, dass als Anspruchsgrundlage einzig Art. 9 Abs. 2 UVG in Betracht fällt, wonach als Berufskrankheiten auch andere (d.h. nicht in der Liste von Anhang 1 zum UVG aufgeführte) Krankheiten gelten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche Tätigkeit verursacht worden sind. 2.1 Die Voraussetzung des ausschliesslichen oder stark überwiegenden Zusammenhanges gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG ist nach ständiger Rechtsprechung erfüllt, wenn die Berufskrankheit mindestens zu 75 % durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden ist. Die Anerkennung von Beschwerden im Rahmen dieser von der Gerichtspraxis als Generalklausel bezeichneten Anspruchsgrundlage (vgl. dazu BGE 114 V 111 Erw. 3c) ist an relativ strenge Beweisanforderungen gebunden. 2.2 Im Rahmen von Art. 9 Abs. 2 UVG ist grundsätzlich in jedem Einzelfall darüber Beweis zu führen, ob die geforderte stark überwiegende (mehr als 75 %ige) bis ausschliessliche berufliche Verursachung vorliegt (BGE 126 V 189 Erw. 4b am Ende). Angesichts des empirischen Charakters der medizinischen Wissenschaft (BGE 126 V 189 Erw. 4c am Anfang) spielt es für den Beweis im Einzelfall eine entscheidende Rolle, ob und inwieweit die Medizin, je nach ihrem Wissensstand in der fraglichen Disziplin, über die Genese einer Krankheit im Allgemeinen Auskunft zu geben oder (noch) nicht zu geben vermag. Wenn auf Grund medizinischer Forschungsergebnisse ein Erfahrungswert dafür besteht, dass eine berufsbedingte Entstehung eines bestimmten Leidens von seiner Natur her nicht nachgewiesen werden kann, dann schliesst dies den (positiven) Beweis auf qualifizierte Ursächlichkeit im Einzelfall aus. 2.3 Die Vorinstanz hat in zutreffender Würdigung der Ergebnisse der Abklärungen über die Arbeitsplatzverhältnisse, namentlich die toxikologische Situation, und der medizinischen Akten zu Recht erkannt, dass die primäre biliäre Zirrhose (PBC) der Versicherten auf jeden Fall nicht im rechtsprechungsgemäss erforderlichen Ausmass von mindestens 75 % auf die frühere Berufsarbeit als lacktechnische Laborantin zurückgeführt werden kann. Daran vermögen die Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts zu ändern. Die biliäre Zirrhose ist eine von den Gallengängen ausgehende Leberzirrhose. Die Form der primären biliären Zirrhose kommt fast ausschliesslich bei Frauen im mittleren Alter (je nach Autor: 35. bis 70. bzw. 25. bis 60. Lebensjahr) vor. Die Ätiologie der Krankheit ist ungewiss; vermutet bzw. als wahrscheinliche Ursache angesehen wird eine Autoimmunreaktion (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 256. Aufl., S. 1848; Hans-Peter Buscher, Chefarzt der Medizinischen Klinik II der DRK-Klinik Berlin-Köpenick, Hypermedialen Nachschlagwerk für Hepatologie, auffindbar bei: www.medicoconsult.de/Hepabook [Krankheitsbilder, Primäre biliäre Zyrrhose, Ätiologie]). Entgegen der Behauptungen der Beschwerdeführerin scheint namentlich die toxikologische Exposition am Arbeitsplatz dabei keine Rolle zu spielen. Buscher ausdrücklich darauf hin, dass für die Annahme einer PBC andere häufige Leberkrankheiten (keine Leberschädigung durch Alkohol, Drogen, Medikamente, Chemikalien, giftige Pilze, Verdacht auf Hepatitisinfektion; sonstige Leberkrankheiten bekannt) ausgeschlossen sein müssen (a.a.O. [Krankheitsbilder, primäre biliäre Zirrhose, Klinik]). Soweit eine Leberschädigung durch Chemikalien belegt wäre, schlösse dies eine PBC-Diagnose gerade aus. Nach der unter Erw. 2.2 hievor dargelegten Rechtsprechung scheidet somit eine Anerkennung als Berufskrankheit im Einzelfall von vornherein aus, weshalb auf die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde diesbezüglich vorgebrachten Einwendungen (einschliesslich des Eventualantrags auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur ergänzenden Beweisergänzung) nicht näher einzugehen ist.