Citation: 4D_54/2018 E. 3.3

3.3. Sodann meint sie, die Voraussetzungen für die einzelrichterliche Beurteilung hätten nicht vorgelegen. Sie beruft sich neben Art. 18 Abs. 3 des zitierten Gerichtsorganisationsgesetzes auf Art. 7 Abs. 2 lit. b des Einführungsgesetzes des Kantons Graubünden zur Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 16. Juni 2010 (BR 320.100). Beide Bestimmungen sehen einen Entscheid in einzelrichterlicher Kompetenz vor, wenn ein Rechtsmittel "offensichtlich unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet" ist. Die Beschwerdeführerin meint, dies sei nicht der Fall, und wirft dem Einzelrichter eine "gesetzeswidrige Kompetenzattraktion im Sinne einer funktionellen Unzuständigkeit, also eine verfassungsrechtlich relevante, weil willkürliche Missachtung" dieser Bestimmungen vor. Sie verweist in diesem Zusammenhang ferner auf "Art. 9/30 BV". Gemäss Art. 4 Abs. 1 ZPO regelt das kantonale Recht die sachliche und funktionelle Zuständigkeit der Gerichte, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Demnach ist in erster Linie im Lichte des anwendbaren kantonalen Rechts zu untersuchen, ob eine gerichtliche Behörde ihre Zuständigkeit in gesetzeskonformer Weise angenommen hat. Die Anwendung der kantonalen Zuständigkeitsbestimmungen prüft das Bundesgericht nur auf Willkür (Art. 9 BV) hin (Urteil 5A_448/2012 vom 17. Januar 2013 E. 3.2.2 mit Hinweis). Die beschränkte Überprüfungsbefugnis gilt auch, wenn wohl ein Verstoss gegen die Garantie des verfassungsmässigen Richters gemäss Art. 30 Abs. 1 BV gerügt wird, dadurch aber ausschliesslich die unrichtige Auslegung und Anwendung kantonaler Verfahrensvorschriften zur Überprüfung gebracht werden soll (BGE 129 V 335 E. 1.3.2; 110 Ia 106 E. 1). Demnach ist die Beschwerde insoweit unzulässig, als darin - unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 312 Abs. 1 ZPO (BGE 143 III 153 E. 4.6) - argumentiert wird, das Rechtsmittel sei nicht offensichtlich unbegründet im Sinne der zitierten kantonalen Zuständigkeitsbestimmungen. Denn dem Bundesgericht kommt keine freie Überprüfung dieser Frage zu. Die Beschwerdeführerin belegt aber auch keine willkürliche Anwendung des kantonalen Zuständigkeitsrechts: Sie bringt vor, von "offensichtlicher Aussichtslosigkeit" könne "wohl nur dann ausgegangen werden, wenn auch nur eine kurze Entscheidbegründung notwendig ist", was vorliegend (sechs Seiten Erwägungen) nicht der Fall sei. Entgegen der Beschwerdeführerin kann vom Umfang eines Rechtsmittelentscheids gerade bei beschränkter Kognition der Rechtsmittelinstanz nicht ohne Weiteres auf die Erfolgsaussichten des Rechtsmittels geschlossen werden. Vielmehr hängt dieser aufgrund des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) massgeblich davon ab, wieviele Rügen mit dem Rechtsmittel erhoben werden, auch wenn sich sämtliche davon als offensichtlich unbegründet erweisen mögen. Im Übrigen kann eine Entscheidbegründung auch deshalb länger ausfallen, weil das Gericht darin im Sinne einer Eventualbegründung aufzeigt, dass das Rechtsmittel sogar dann nicht zum Erfolg führte, wenn der beschwerdeführenden Partei in einem Punkt gefolgt werden könnte. In diesem Sinne kann alleine aus dem Umfang eines Rechtsmittelentscheides nicht abgeleitet werden, dass ein Rechtsmittel nicht offensichtlich unbegründet ist. Dass die Beurteilung der Vorinstanz geradezu willkürlich gewesen wäre, vermag die Beschwerdeführerin auch anhand der einzelnen Ausführungen nicht aufzuzeigen, die sie aus dem angefochtenen Entscheid hervorhebt: Sie meint, in Erwägung 3 habe die Vorinstanz "recht detailliert" die These geprüft, wonach das streitgegenständliche Arbeitsverhältnis nicht schon ab dem 1. Januar 2010 bestanden habe. Dabei habe sie beispielsweise eine Annahme des Erstrichters als "nicht offensichtlich unrichtig" bezeichnet, was bedeute, dass die Annahme der Erstinstanz "auch nach Feststellung des Kantonsgerichts" nicht "[w]irklich richtig" gewesen sei. Die Beschwerdeführerin übersieht, dass sich die Vorinstanz mit dieser Formulierung lediglich den im (kantonalen) Beschwerdeverfahren nach Art. 320 lit. b ZPO geltenden Prüfungsmassstab für Sachverhaltsrügen anwandte. Ohnehin führte die Vorinstanz sogleich in Erwägung 4 aus, der genaue Beginn des Arbeitsverhältnisses habe keinen Einfluss "auf die entscheidende Fragestellung, ob die Kündigungsfrist einen oder zwei Monate hätte betragen sollen". Für die Anwendbarkeit der zweimonatigen Kündigungsfrist spiele es somit keine Rolle, ob das Arbeitsverhältnis bereits im Januar 2010 bestanden habe oder erst ab dem März 2010. Wenn die Vorinstanz an anderer Stelle (Erwägung 4.3) der Beschwerdeführerin in einem Punkt ausdrücklich zustimmt, bedeutet dies nicht, dass die Beschwerden hier einem Erfolg nahe kommen würden, zumal die Vorinstanz (auch) diesen Punkt gerade nicht für entscheidwesentlich hält, wie übrigens die Beschwerdeführerin selber einräumt. Schliesslich meint die Beschwerdeführerin, in Erwägung 6 müsse sich die Vorinstanz bei der Prüfung der Gehörsrüge "mit der problematischen Feststellung 'retten', die Beschwerdeführerin habe sich nicht gegen den Verzicht auf die Befragung der Geschäftsführerin zur Wehr gesetzt", weshalb von stillschweigender Zustimmung ausgegangen werden müsse. Indessen ist nicht erkennbar, weshalb es unhaltbar sein soll, die Beschwerden mit dieser Begründung als offensichtlich unbegründet zu beurteilen. Somit verstösst es nicht gegen Art. 9 BV, wenn die Vorinstanz zum Schluss gelangte, die Beschwerden seien offensichtlich unbegründet, und sie in Einzelrichterkompetenz beurteilte. Inwiefern aber die willkürfreie Anwendung der kantonalen Zuständigkeitsbestimmungen gegen Art. 30 Abs. 1 BV verstossen soll, wird in der Beschwerde nicht ausgeführt und ist auch nicht erkennbar, zumal diese Bestimmung keinen Anspruch auf die Beurteilung von Rechtsmitteln durch ein Kollegialgericht vermittelt. Die Beschwerdeführerin weist zwar in einer allgemeinen Anmerkung darauf hin, dass am Kantonsgericht Graubünden Fälle von einem der Vorsitzenden entgegen der Absicht des Gesetzgebers in Einzelrichterkompetenz entschieden würden, um ein Unterliegen im Dreierkollegium zu vermeiden, ohne diesen Vorwurf allerdings zu belegen oder auch nur zu behaupten, dass das gerade hier der Fall gewesen wäre.