Citation: 5A_94/2010 27.05.2010 E. 3

Hauptsächlich beantragt die Beschwerdeführerin, die Obhut über das Kind sei ihr zuzuteilen. 3.1 Das mit der "Regelung des Getrenntlebens" (Marginalie zu Art. 176 ZGB) befasste Eheschutzgericht trifft nach den Bestimmungen über die Wirkungen des Kindesverhältnisses die nötigen Massnahmen, wenn die Ehegatten unmündige Kinder haben (Art. 176 Abs. 3 ZGB). Für die Zuteilung der Obhut an einen Elternteil gelten grundsätzlich die gleichen Kriterien wie im Scheidungsfall. Nach der Rechtsprechung hat das Wohl des Kindes Vorrang vor allen anderen Überlegungen, insbesondere vor den Wünschen der Eltern. Vorab muss deren Erziehungsfähigkeit geklärt werden. Ist sie bei beiden Elternteilen gegeben, sind vor allem Kleinkinder und grundschulpflichtige Kinder demjenigen Elternteil zuzuteilen, der die Möglichkeit hat und dazu bereit ist, sie persönlich zu betreuen. Erfüllen beide Elternteile diese Voraussetzung ungefähr in gleicher Weise, kann die Stabilität der örtlichen und familiären Verhältnisse ausschlaggebend sein. Schliesslich ist - je nach Alter der Kinder - ihrem eindeutigen Wunsch Rechnung zu tragen. Diesen Kriterien lassen sich die weiteren Gesichtspunkte zuordnen, so die Bereitschaft eines Elternteils, mit dem anderen in Kinderbelangen zusammenzuarbeiten, der Grundsatz, Geschwister nach Möglichkeit nicht zu trennen, oder die Forderung, dass eine Zuteilung der Obhut von einer persönlichen Bindung und echter Zuneigung getragen sein sollte (vgl. die Zusammenfassung der Rechtsprechung in BGE 115 II 206 E. 4a S. 209 und 317 E. 2 und E. 3 S. 319 ff. sowie 117 II 353 E. 3 S. 354 f.; HAUSheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar, 1999, N. 45, und Bräm, Zürcher Kommentar, 1998, N. 89 zu Art. 176 ZGB). Bei der Beurteilung der für die Obhutszuteilung massgebenden Kriterien verfügt das Sachgericht über grosses Ermessen (vgl. alle soeben zitierten Urteile). Auf Willkürbeschwerde hin kann das Bundesgericht deshalb nur eingreifen, wenn das Sachgericht grundlos von in Rechtsprechung und Lehre anerkannten Grundsätzen abgewichen ist, wenn es Gesichtspunkte berücksichtigt hat, die keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn es umgekehrt rechtserhebliche Umstände ausser Acht gelassen hat. Der Ermessensentscheid muss sich als im Ergebnis offensichtlich unbillig, als in stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 109 la 107 E. 2c S. 109; 128 III 4 E. 4b S. 7). 3.2 Die Vorinstanz hat zusammenfassend erwogen, die Erziehungsfähigkeit beider Parteien könne nicht in Frage gestellt werden. B.________ sei bis kurz vor seinem zweiten Geburtstag von der Beschwerdeführerin ganztags betreut worden. Seither sei während der Woche, ab 13.00 bzw. 13.30 Uhr, grundsätzlich die Beschwerdeführerin um die Betreuung von B.________ besorgt gewesen. Aber auch der Beschwerdegegner habe seinen Teil dazu beigetragen, insbesondere während der Zeit, in welcher er nach seinem Motorradunfall vom 16. April 2007 und der anschliessenden Rehabilitation wegen seiner bis heute bestehenden Arbeitsunfähigkeit von 100% zu Hause gewesen sei. Fraglich erscheine, ob die Beschwerdeführerin auch künftig in der Lage sein werde, B.________ von Montag bis Freitag auch nur jeweils während eines halben Tages persönlich zu betreuen. Demgegenüber sei der Beschwerdegegner wegen seiner vollständigen Arbeitsunfähigkeit viel zu Hause und wäre deshalb zumindest einstweilen in der Lage, B.________ persönlich zu betreuen. Die Beschwerdeführerin habe ihren Sohn Mitte März 2009 ohne glaubhafte Not aus dessen gewohnter Umgebung in D.________ herausgerissen. Bei ihr erscheine auch künftig die Stabilität der örtlichen Verhältnisse fraglich. Beim Beschwerdegegner bestünden indessen keine Anhaltspunkte, welche dessen örtliche Stabilität in Frage stellten. Der Beschwerdeführerin komme gegenüber dem Beschwerdegegner für ihren vierjährigen Sohn kein natürlicher Vorrang zu. Indessen fehle es ihr im Unterschied zum Beschwerdegegner an der nötigen Bindungstoleranz. Eher für den Beschwerdegegner spreche, dass der Kontakt zwischen B.________ und seiner Halbschwester C.________ beibehalten würde und Letztere, sofern nötig, zu ihrem kleinen Halbbruder schauen könnte. Unter Würdigung der gesamten Umstände halte das Gericht dafür, dass dem Wohl von B.________ besser gedient sei, wenn er für die Dauer des Eheschutzverfahrens unter die Obhut des Vaters gestellt wird, und zwar mit Zeitpunkt ab Rechtskraft dieses Beschlusses. 3.3 Die Beschwerdeführerin bringt dagegen unter dem Titel "Bisherige Erziehungs- und Sorgeverhältnisse" vor, es sei festzuhalten, dass sie das Kind bisher de facto ausschliesslich betreut und erzogen habe, der Beschwerdegegner habe sich jedoch wenig bis gar nicht darum gekümmert. Dieser gehe heute an Krücken und sei auch aus diesen Gründen (unabhängig des fehlenden Willens) nicht in der Lage, das Kleinkind zu betreuen. Die Beschwerdeführerin halte klar dafür, dass ein anderes Betreuungsverhältnis vorliege und die Vorinstanz auf Vermutungen und nicht auf bewiesene oder zumindest glaubhaft gemachte Fakten abstelle, was als willkürliche tatsächliche Annahmen im Sinne des Willkürverbotes nach Art. 9 BV gerügt werde. Weiter wird in der Beschwerde zur "Zukünftigen Prognose" geltend gemacht, die Annahme, beim Ehemann seien die Verhältnisse stabiler zu beurteilen, sei willkürlich. Die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Verhandlung vor Kantonsgericht unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass der Standort F.________ beibehalten werde, dort eine Wohnung in Aussicht stehe, sie ihre berufliche Tätigkeit im Rahmen von 50% gestalten und auf die Bedürfnisse des Kindes Rücksicht nehmen werde (wofür es auch in ihrem Beruf als Ärztin Möglichkeiten gebe [etwa Reha-Klinik ohne Notfälle]), sie beabsichtige, Arbeit und Kinderbetreuung mit einander in Einklang zu bringen. 3.4 Selbst wenn man zugunsten der Beschwerdeführerin davon ausgeht, dass sie diese - nicht protokollierten - Tatsachenbehauptungen form- und fristgerecht vorgetragen hat, und sie zutreffen, vermag dies am Ergebnis nichts zu ändern, denn die Beschwerdeführerin zeigt mit ihrer weitestgehend auf die Darlegung der Situation aus ihrer Sicht beschränkten, d.h. appellatorisch vorgetragenen Kritik nicht auf, inwiefern das Kantonsgericht grundlos von in Rechtsprechung und Lehre anerkannten Grundsätzen abgewichen sein soll, dass und welche Gesichtspunkte es berücksichtigt hat, die keine Rolle hätten spielen dürfen, bzw. dass und welche rechtserheblichen Umstände es ausser Acht gelassen haben soll, sodass die vorinstanzlich getroffene Obhutsregelung nicht als offensichtlich unangemessen erscheint. Die Rüge ist unbegründet. Lediglich der guten Ordnung halber sei angefügt, dass bereits der erstinstanzliche Richter die Obhut dem Beschwerdegegner zugeteilt hat und die Beschwerdeführerin schon in ihrem Rekurs die für eine (zwingende) Übertragung der Obhut auf sie massgeblichen Gründe hat darlegen können (vgl. die Plädoyernotizen der Rechtsanwältin der Beschwerdeführerin vor dem Einzelrichter, act. VII). 3.5 Nach dem Ausgeführten hat das Kantonsgericht kein verfassungsmässiges Recht verletzt, wenn es für die Dauer des Eheschutzverfahrens den Sohn unter die Obhut des Beschwerdegegners gestellt hat.