Citation: I 258/02 02.05.2003 E. 4.4

4.4.1 In einem weitern Schritt ist zu ermitteln, wieweit sich die leidensbedingte Behinderung bei der Arbeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt (wirtschaftliche Gewichtung). Hier geht es darum, die verschiedenen Betätigungen im Verhältnis zueinander zu bewerten und mit der Einschränkung im jeweiligen Tätigkeitsbereich in Beziehung zu setzen. Bei der Betriebsführung, welche in der Landwirtschaft tätige Versicherte in der Regel weiterhin uneingeschränkt ausüben können, muss geprüft werden, welcher Wert ihr im Vergleich zu den übrigen, nicht mehr oder nur noch reduziert ausgeübten Tätigkeiten zukommt. Da die Geschäftsführung keinen direkten Ertrag abwirft, sondern Arbeiten umfasst, die in der Regel unabhängig vom Geschäftsgang zu erledigen sind, kann der Wert dieser Arbeit nicht aus den Betriebsergebnissen ermittelt werden. Es sind vielmehr statistische Werte heranzuziehen. Dies bewirkt weder eine Schlechterstellung noch eine ungenauere Invaliditätsermittlung der Selbstständigerwerbenden gegenüber den Unselbstständigerwerbenden, wird doch bei letzteren ebenfalls auf statistische Löhne (Schweizerische Lohnstrukturerhebung; LSE) abgestellt, wenn die konkrete Festsetzung des Invalideneinkommens nicht möglich ist (BGE 128 V 33 Erw. 4b mit Hinweis; AHI 1998 S. 119). 4.4.2 An sich könnte vorliegend die zahlenmässige wirtschaftliche Gewichtung offen bleiben; denn die Tätigkeit der Betriebsführung ist im Vergleich zu den allgemeinen landwirtschaftlichen Arbeiten zumindest gleichwertig, wenn nicht höher zu veranschlagen (vgl. BGE 128 V 34 Erw. 4d), so dass der Invaliditätsgrad die allein im Bereich der allgemeinen landwirtschaftlichen Arbeiten vorliegende Behinderung (35,3 % [100 % - 64,7 %] von 92,5 %, mithin 32,7 %) ungeachtet der tatsächlichen monetären Grössen nicht übersteigen kann und insoweit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert. Da vorliegend jedoch die Betriebsumstellung von Milchvieh- zu Mutterkuhhaltung - wie nachfolgend darzulegen sein wird (Erw. 5) - Auswirkungen auf die Invaliditätsbemessung haben kann, muss gleichwohl eine zahlenmässige Gewichtung erfolgen. Die Vorinstanz hat bei der erwerblichen Gewichtung mangels anderer repräsentativer Vergleichswerte zu Recht auf die Ergebnisse der Lohnerhebung des Schweizerischen Bauernverbandes vom Juli 2000 abgestellt und im Bereich "Betriebsführung" einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 4750.- bzw. einen Jahreslohn von Fr. 57'000.- und im Bereich "allgemeine landwirtschaftliche Arbeiten" einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 4500.- bzw. einen Jahreslohn von Fr. 54'000.- eingesetzt. 4.4.3 Für den Zweck des Einkommensvergleichs erfolgt die Umsetzung bzw. erwerbliche Gewichtung der Ergebnisse des Tätigkeitsvergleichs anhand der Anteile von Betriebsführung und landwirtschaftlichen Arbeiten an der Gesamttätigkeit sowie gestützt auf branchenspezifische statistische Lohndaten gemäss nachstehender Formel (BGE 128 V 33 Erw. 4c): Tätigkeit T (Anteil an B (Behinderung) s (Lohnansatz) Gesamttätigkeit) in Tätigkeit Betriebsführung 7,5 % 0 % Fr. 57'000.- allgemeine land- wirtschaftliche Arbeiten 92,5 % 35,3 % Fr. 54'000.- T1 x B1 x s1 + T2 x B2 x s2 ------------------- = Invaliditätsgrad T1 x s1 + T2 x s2 Dabei entspricht T dem Anteil der entsprechenden Tätigkeit an der Gesamttätigkeit (T1 + T2 = 100 %) in Prozenten, B der Arbeitsunfähigkeit in der jeweiligen Tätigkeit in Prozenten und s dem Lohnansatz für die betreffende Tätigkeit. Daraus ergibt sich der folgende, nicht rentenbegründende Invaliditätsgrad: (7,5 x 0 x 57'000) + (92,5 x 35,3 x 54'000) --------------------------------- = 32,5 %. (7,5 x 57'000) + (92,5 x 54'000) Zu demselben Resultat führt die Berechnungsweise gemäss Rz. 3115 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit (KSIH) des Bundesamtes für Sozialversicherung, welche rechnerisch einen Einkommensvergleich vornimmt (vgl. dazu aber die in BGE 128 V 34 Erw. 4e formulierten methodischen Vorbehalte).