Citation: 6B_746/2016 E. 1.4.3

1.4.3. Mehrheitlich sind die vom Beschwerdeführer begangenen Übergriffe aus dem Jahr 1998 hinsichtlich ihrer Schwere und Ausgestaltung mit jenen aus dem Jahr 2001 vergleichbar. Sie erreichen damit die für die Anordnung der Verwahrung erforderliche Schwere nicht. Demgegenüber sticht der anale Geschlechtsverkehr mit einem Jungen als deutlich schwererer Übergriff hervor. Dabei handelt es sich grundsätzlich um ein gravierendes Delikt, welches aufgrund seiner Eingriffsintensität nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, auf Seiten der Opfer eine schwerwiegende Integritätsbeeinträchtigung zu bewirken. Hinsichtlich seiner Schwere ist es ohne Weiteres mit der Katalogtat der Vergewaltigung vergleichbar. Hinsichtlich der Legalprognose stützt sich die Vorinstanz auf das Gutachten von Dr. med. A.________ vom 10. August 2013. Demgemäss sei die Rückfallgefahr für ein Sexualdelikt der Qualität einer sexuellen Handlung mit Kindern sehr hoch. Eine stabile Verminderung des strukturellen Rückfallrisikos habe durch die bisher durchgeführten therapeutischen Interventionen nicht erzielt werden können. Der Beschwerdeführer beanstandet weder die gutachterliche Einschätzung noch die vorinstanzlichen Erwägungen. Nebst der Tatschwere und der Rückfallgefahr muss vorliegend besonderes Augenmerk auf den Zeitfaktor gelegt werden. Je länger die Massnahme und damit der Freiheitsentzug für den Betroffenen dauert, desto strenger werden die Anforderungen an die Wahrung der Verhältnismässigkeit (E. 1.4.2). Es ist daher zu prüfen, ob die Anordnung der Verwahrung einer Verhältnismässigkeitsprüfung nach wie vor standhält. Der Beschwerdeführer befindet sich seit dem Jahr 2000 im Strafvollzug respektive der Verwahrung oder einer stationären therapeutischen Massnahme. Dieser Zeitraum ist unter anderem auch gemessen an den ausgefällten Strafen von zweieinhalb und zwei Jahren relativ lang. Der Eingriff in die Freiheitsrechte des Beschwerdeführers wiegt damit schwer und die Anordnung der Verwahrung würde einen weiteren gravierenden Eingriff darstellen. Die beabsichtigte Massnahme und die damit verbundene Grundrechtsbeschränkung ist mit den Anlasstaten und der Schwere der in Freiheit zu erwartenden Taten abzuwägen. Die zu erwartenden Delikte, die sexuellen Handlungen mit Kindern, gehen mit der Verletzung eines hochwertigen Rechtsguts, nämlich der ungestörten sexuellen Entwicklung von Kindern einher. Dass es auch zu höhergradigen körperlichen Integritätsverletzungen der Opfer kommen könnte, ist jedoch nicht ersichtlich. Die Vorgehensweise des Beschwerdeführers war jeweils nicht von körperlicher Gewalt geprägt. Vielmehr nutzte er die Situation des zuvor aufgebauten Vertrauensverhältnisses aus. Besonders ins Gewicht fällt vorliegend der Analverkehr mit einem Jungen als schwerster Verstoss, der indessen einmalig blieb. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände erweisen sich die verübten und die zu erwartenden Delikte als mässig schwer. Der massive Eingriff in die Freiheitsrechte des Beschwerdeführers wird daher nicht durch den Sicherheitsanspruch der Allgemeinheit aufgewogen. Die Anordnung der Verwahrung erweist sich vorliegend als unverhältnismässig. Nicht gefolgt werden kann der vorinstanzlichen Argumentation, wonach das Bundesgericht hinsichtlich des Beschwerdeführers die Verwahrung bereits einmal bestätigt habe. Das bundesgerichtliche Urteil vom 20. Dezember 2005 bezog sich auf die altrechtliche Verwahrung nach aArt. 43 StGB, deren Voraussetzungen mit denjenigen von Art. 64 StGB nicht vollständig vergleichbar sind. Daraus kann deshalb weder zu Gunsten noch zu Lasten des Beschwerdeführers etwas abgeleitet werden. Da weder die Delikte aus dem Jahr 2001 noch jene aus dem Jahr 1998 die Anforderungen von Art. 64 Abs. 1 StGB erfüllen, erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob der vorinstanzliche Entscheid gegen das Verbot der doppelten Strafverfolgung verstösst. Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.