Citation: 8C_624/2010 03.12.2010 E. 4

4.1 Das kantonale Gericht qualifizierte den Unfall vom 19. November 2004 in Anwendung der Schleudertrauma-Rechtsprechung (BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.) als mittelschweres Ereignis im mittleren Bereich. Die Beschwerdeführerin macht hingegen geltend, das Unfallereignis sei mindestens als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen zu beurteilen. 4.1.1 Für die Adäquanzbeurteilung ist an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis anzuknüpfen, wobei zwischen banalen bzw. leichten Unfällen einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wird (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126). Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126; SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07). 4.1.2 Über den Hergang des Unfalls vom 19. November 2004 ist den Akten zu entnehmen, dass der Kleinbus der Beschwerdeführerin und der angehängte Wohnwagen mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h auf der Autobahn fuhren, als ein Auto von hinten auf den Wohnwagen auffuhr. Das Fahrzeug der Versicherten durchbrach in der Folge die Leitplanke, fuhr eine Böschung hinunter, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Die Beschwerdeführerin verlor vorübergehend das Bewusstsein, konnte ihren Hund allerdings selbständig aus dem Fahrzeug befreien. 4.1.3 Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin stellt das Ereignis vom 19. November 2004 mit Blick auf die Kasuistik weder einen schweren noch einen mittleren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen dar. Als mittelschwere Ereignisse im mittleren Bereich - wie das vorliegende Ereignis - wurden in jüngerer Zeit etwa folgende Unfälle qualifiziert: ein Fahrzeug geriet bei ca. 80 km/h ins Schleudern, kam von der Strasse ab, prallte gegen einen Drahtgitterzaun, überschlug sich seitlich und kam auf dem Dach liegend im angrenzenden Wiesland zum Stillstand (Urteil 8C_609/2007 vom 22. August 2008 Sachverhalt und E. 4.1.3), ein Fahrzeug, das bei einem Überholmanöver mit ca. 100 km/h abrupt abgebremst wurde, geriet dabei ins Schleudern, prallte gegen einen Strassenwall, überschlug sich und kam auf der Fahrerseite zu liegen (Urteil 8C_169/2007 vom 5. Februar 2008, E. 4.2), ein Fahrzeug touchierte beim Überholen einen Lastwagen und überschlug sich (Urteil 8C_743/2007 vom 14. Januar 2008, Sachverhalt und E. 3), ein Fahrzeug kam von der Strasse ab und überschlug sich (Urteil U 213/06 vom 29. Oktober 2007, Sachverhalt und E. 7.2), oder ein Fahrzeug geriet auf der Autobahn in einer Kurve ins Schleudern, überschlug sich und kam auf dem Dach liegend zum Stillstand (Urteil U 258/06 vom 15. März 2007, Sachverhalt und E. 5.2). Das vorliegende Unfallereignis ist mit den genannten Beispielen vergleichbar und daher gleich zu qualifizieren. 4.1.4 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift ist aus dem Urteil 8C_9/2010 vom 11. Juni 2010 E. 3.6, wo nach dem Platzen des linken hinteren Reifens auf der Autobahn bei ca. 130 km/h das Fahrzeug ins Schleudern kam, sich um die eigene Achse drehte, einen Schutzzaun durchbrach und anschliessend nach der Überquerung mehrerer Wassergräben auf einem Acker neben der Fahrbahn zum Stehen kam, nichts anderes abzuleiten. Das Unfallereignis wurde dort ebenfalls als mittelschwer im mittleren Bereich beurteilt. Aus dem Umstand, dass sich das Fahrzeug in diesem Fall nicht überschlagen hat, kann nicht der Schluss gezogen werden, bei Überschlagen des Fahrzeugs müsse das Ereignis im Grenzbereich zu den schweren Unfällen qualifiziert werden. Dies ergibt sich auch aus den in Erwägung 4.1.3 genannten Fällen, auf welche auch im Urteil 8C_9/2010 vom 11. Juni 2010 verwiesen wurde. Der Umstand, dass es sich im Fall der Beschwerdeführerin nicht um einen Selbstunfall handelte, sondern ein anderer Verkehrsteilnehmer der Auslöser für den Unfall war, ist im vorliegenden Fall für die Qualifikation ebenfalls nicht entscheidend. Im Vergleich zum Urteil 8C_817/2009 vom 26. März 2010, in dem das Ereignis als im Grenzbereich zu den Schweren Unfällen qualifiziert wurde, fallen vorliegend die um mindestens zirka 40 km/h tiefere Fahrgeschwindigkeit und der Umstand, dass vorliegend niemand aus dem Auto geschleudert wurde, ins Gewicht (vgl. auch 8C_595/2009 vom 17. November 2009 E. 7.2). Dass der Wohnwagen ca. 150 Meter vom Fahrzeug entfernt liegen blieb, erklärt sich damit, dass dieser auf der Autobahn zum Stillstand kam, während das Fahrzeug der Versicherten die Leitplanke durchbrach, und neben der Autobahn weiter fuhr. Bei der Qualifikation der Unfallschwere ist der Abstand zwischen Auto und Wohnwagen nicht entscheidend. Damit ist die Beurteilung der Unfallschwere durch die Vorinstanz - trotz des dokumentierten erheblichen Schadens am Fahrzeug und Wohnwagen der Beschwerdeführerin - als mittelschweres Ereignis im mittleren Bereich nicht zu beanstanden. Bei dieser Qualifikation müssten für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs von den weiteren in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffälliger Weise erfüllt sein (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f., 117 V 359 E. 6 S. 367 f.).