Citation: 5A_800/2022 E. 5.3

5.3. Der Beschwerdeführer macht eine willkürliche Beweiswürdigung geltend. Er wehrt sich gegen die Einschätzung der Vorinstanz, wonach die Beschwerdegegnerin 2 in der Vergangenheit die Hauptbetreuungsperson des Beschwerdegegners 1 gewesen sei. Tatsächlich habe er B.________ nach dem Umzug nach W.________ (LU) zu rund 60 % und fast täglich betreut. Nicht gewürdigt habe die Vorinstanz weiter den Umstand, dass die Beschwerdegegnerin 2 seit der Trennung im Sommer 2018 die Betreuung von B.________ eigenmächtig auf zwei Wochenenden pro Monat reduziert habe. Bei korrekter Beweiswürdigung hätte die Vorinstanz zum Schluss kommen müssen, dass das Kriterium der Hauptbezugsperson weder für noch gegen eine alternierende Obhut spreche, zumal sich aufgrund der widersprechenden Aussagen der Parteien nicht habe erstellen lassen, wer genau wie oft den gemeinsamen Sohn betreut habe. Fakt sei jedenfalls, dass er, der Beschwerdeführer den gemeinsamen Sohn nach der Trennung wesentlich mehr betreut habe als im Rahmen eines üblichen Besuchsrechts. Willkürlich und bundesrechtswidrig ist laut dem Beschwerdeführer auch der an ihn gerichtete Vorwurf, kein Betreuungskonzept eingereicht zu haben. Der Beschwerdeführer insistiert, dass er selbständigerwerbend und praktisch immer von zu Hause aus im Büro tätig sei. Er kaufe europaweit Lieferwagen ein und lasse diese durch Mitarbeiter abholen. Anschliessend verkaufe er diese durch Online-Inserate im Inland weiter. Seine Tätigkeit bedinge insofern nicht, dass er sich ständig am Arbeitsplatz befinde. Aussentermine seien höchst selten, da alles online über das Internet ablaufe. Insofern stelle sich die Frage, was denn in diesem Betreuungskonzept stehen sollte. Dass er kein Betreuungskonzept vorgelegt habe, hätte die Vorinstanz daher nicht zu seinem Nachteil berücksichtigen dürfen. Die Vorinstanz hätte im Gegenteil zum Schluss kommen müssen, dass auch er eine persönliche Betreuung seines Sohnes jederzeit sicherstellen könne. Schliesslich sei es widersprüchlich, ihm vorzuwerfen, kein Betreuungskonzept eingereicht zu haben, gleichzeitig aber die Betreuungszeit - ohne die Vorlage eines Betreuungskonzepts - auf den Mittwochnachmittag bis Donnerstagmorgen zu erweitern. Auf rechtswidrige Weise unberücksichtigt gelassen habe die Vorinstanz auch den Umstand, dass der Beschwerdegegner 1 eine gute Beziehung zu seinen Halbgeschwistern pflege. Zudem bestünden in U.________ (LU) mehr Möglichkeiten für den Beschwerdegegner 1, sich zu entfalten, z.B. im FC W.________. Die Mutter habe bisher nicht dafür gesorgt, dass sich der Beschwerdegegner 1 sportlich betätige. Er könne auch als bald Sechsjähriger nicht schwimmen; auch spreche er noch sehr schlecht Deutsch. Unberücksichtigt gelassen habe die Vorinstanz auch den Umstand, dass er, der Beschwerdeführer, bereits den Tatbeweis erbracht habe, zwei Töchter grosszuziehen. Die Vorinstanz habe es verpasst, das Schreiben des Schulleiters D.________ vom 4. Februar 2021 zu würdigen. Sodann rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des Gleichheitsgebots (Art. 8 Abs. 1 BV), indem die Vorinstanz von ihm, nicht aber von der Beschwerdegegnerin 2 ein Betreuungskonzept verlangt habe. Sachliche Gründe dafür gebe es nicht, werde doch auch von der Beschwerdegegnerin 2 erwartet, dass sie einer Arbeit nachgehe. Das Vorgehen der Vorinstanz sei zudem diskriminierend (Art. 8 Abs. 2 BV) : Dass die Beschwerdegegnerin 2 den Sohn seit dem Umzug nach W.________ (LU) betreut habe, sei allein dem Umstand geschuldet, dass die Beschwerdegegnerin 2 eigenmächtig umgezogen sei und die Betreuungsanteile diktiert habe. Mit ihrem Entscheid diskriminiere die Vorinstanz ihn als Mann. Da die Kinder mehrheitlich von ihren Müttern betreut würden, könnten diese automatisch nach einer Trennung Fakten schaffen und die spätere Obhutsregelung diktieren. Verletzt seien auch Art. 13 BV und Art. 8 EMRK. Es könne "unmöglich" im öffentlichen Interesse liegen, im vorliegenden Fall keine alternierende Obhut anzuordnen. Vielmehr liege es im öffentlichen Interesse, dass er, der Beschwerdeführer, den Beschwerdegegner 1 mehr betreue, weil dadurch dessen persönliche Entwicklung positiv beeinflusst werde. Die Anordnung der Vorinstanz sei auch unverhältnismässig, da immer die Möglichkeit bestanden habe, ihn mit dem Auto zu verpflichten, den Sohn zwischen Luzern (LU) und U.________ (LU) zu begleiten. Das angefochtene Urteil stehe nicht im Einklang mit dem Kindeswohl und verletze deshalb auch Art. 3 Abs. 1 und Art. 9 Abs. 1, 3 und 4 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107). Schliesslich wirft der Beschwerdeführer der Vorinstanz auch noch vor, den Offizialgrundsatz (Art. 296 Abs. 2 [recte: Abs. 3] ZPO) und den Untersuchungsgrundsatz (Art. 296 Abs. 1 ZPO) verletzt zu haben. Im Rahmen des Offizialgrundsatzes hätte die Vorinstanz prüfen müssen, ob dem Beschwerdeführer mehr Wochenenden und mehr Abende unter der Woche als Betreuungszeit zugestanden werden könnten. Auch hätte die Vorinstanz festlegen können, dass der Beschwerdeführer seinen Sohn jeweils mit dem Auto holt und bringt. Der Untersuchungsgrundsatz sei auch deshalb verletzt worden, weil es die Vorinstanz unterlassen habe, weitere Abklärungen bezüglich der Hauptbetreuungsperson zu treffen.