Citation: I 557/00 13.05.2002 E. 3

3.- a) Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat im Urteil E. vom 8. August 2001 (BGE 127 V 129) im Zusammenhang mit der Rechtsfrage der Zulässigkeit des Aufrundens des errechneten Invaliditätsgrades u.a. ausgeführt, im Rahmen der vom Gesetzgeber in Art. 28 Abs. 1 IVG festgelegten Rentenabstufungen seien die im konkreten Fall massgebenden Faktoren, wie hypothetisches Validen- und Invalideneinkommen beim Erwerbsvergleich (Art. 28 Abs. 2 IVG) oder/und beim Betätigungsvergleich (Art. 27 IVV in Verbindung mit Art. 28 Abs. 3 IVG) mit grosser Sorgfalt zu bestimmen, wobei je nach den Umständen des Falles ein Ermessensspielraum vorhanden sei. Dies gelte insbesondere dort, wo der Invaliditätsgrad in die Nähe des für die Anspruchsberechtigung als solche entscheidenden Grenzwertes von 40 % oder die für den Umfang des Rentenanspruches ausschlaggebenden 50 % oder 66 2/3 % rücke (BGE 127 V 134 Erw. 4c und 136 Erw. 4e; vgl. auch AHI 2002 S. 68 Erw. 4a/aa). Im vorliegenden Fall hat die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 48,2 % (0,9 x 50 % + 0,1 x 32 %), die kantonale Rekurskommission von 50,875 % (0,9 x 50 % + 0,1 x 58,75 %) ermittelt, was Anspruch auf eine Viertelsrente resp. auf eine halbe Rente bedeutet. Allein diese knappe Differenz mit erheblichen Auswirkungen auf die Höhe der Leistungen rechtfertigt es, nicht bloss die einzig umstrittene Behinderung in der Haushaltführung, sondern auch die an sich ausser Diskussion stehende Einschränkung im erwerblichen Bereich näher zu prüfen. Dazu besteht umso mehr Anlass, als die erwerbsbezogene Invalidität mit dem Gewicht von 0,9 in die Ermittlung der Gesamtinvalidität Eingang findet (vgl. BGE 125 V 149 Erw. 2b). So ergäbe bereits eine um lediglich 1 % niedrigere Invalidität im erwerblichen Bereich (49 % statt 50 %) bei einer Behinderung in der Haushaltführung von 58,875 %, wie von der Vorinstanz ermittelt, einen Invaliditätsgrad von weniger als 50 %. Dass der Bemessungsfaktor der Invalidität im erwerblichen Bereich unbeanstandet geblieben ist, steht einer Überprüfung in diesem Verfahren nicht entgegen (BGE 125 V 415 ff. Erw. 2, insbesondere S. 417 oben). b) aa) Für die rechnerische Bestimmung des Invalideneinkommens ist praxisgemäss primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint, gilt grundsätzlich der damit erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 126 V 76 Erw. 3b/aa mit Hinweisen). bb) In Anwendung dieser Rechtsprechung hat vorlie- gend die IV-Stelle bezogen auf ein ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleistetes Arbeitspensum von 90 % oder 37 Stunden in der Woche bei einer normalen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,15 Stunden eine Erwerbsunfähigkeit von 50 % ermittelt. Dabei hat sie auf die Angaben der Firma Y.________ AG abgestellt, bei welcher die Beschwerdegegnerin seit 1. August 1997 zunächst in den Bereichen Betreuung des Uniformwesens sowie Kantinendienst (Mahlzeitenausgabe etc.), ab 20. Juli 1998 gesundheitlich bedingt lediglich noch im Bereich Betreuung des Uniformwesens tätig ist. Das Arbeitspensum betrug 1999 18,5 Stunden in der Woche, somit die Hälfte der vorher geleisteten 37 Wochenstunden. Aufgrund der Angaben der Firma, wonach der Lohn der Arbeitsleistung entspreche und die Arbeitnehmerin 1999 ohne Gesundheitsschaden Fr. 4140.- im Monat verdient hätte, setzte die IV-Stelle den tatsächlichen Verdienst für dieses Jahr auf monatlich Fr. 2070.- fest, was zwangsläufig eine erwerbsbezogene Invalidität von 50 % bedeutet. cc) Der Berechnung der erwerbsbezogenen Invalidität durch die IV-Stelle kann nicht ohne weiteres beigepflichtet werden. "Im Fragebogen für den Arbeitgeber" vom 2. Februar 1999 wird zum Arbeitspensum von 18,5 Wochenstunden Folgendes festgehalten: "Weil ursprünglich ein 90%iges Pensum (37 h/Wo) vereinbart worden war, beträgt das heutige Pensum - wegen der 50%igen Arbeitsunfähigkeit - die Hälfte davon, nämlich 45 % eines Vollpensums (bzw. 18:30 h/Woche)". Diese Angaben werfen die Frage auf, ob die Beschwerdegegnerin mit einem Arbeitspensum von 18,5 Wochenstunden die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft. Dies bejahen setzte voraus, dass die Einschätzung des Rheumatologen Dr. med. S.________ vom 26. Februar und 8. März 1999, wonach die Versicherte seit 20. Juli 1998 als Schneiderin sowie in der angestammten Tätigkeit (Betreuung des Uniformwesens/Kantinendienst [Mahlzeitenausgabe]) zu 50 % arbeitsfähig ist, sich auf ein 90 %-Arbeitspensum bezieht. Für diese Annahme fehlen indessen Hinweise in den Akten. Es kann daher nicht ohne weiteres der tatsächlich erzielte Verdienst dem Invalideneinkommen gleichgesetzt werden, und zwar umso weniger, als bereits eine Erhöhung des Arbeitspensums von aktuell 18,5 auf 19 Wochenstunden, soweit aus rheumatologischer Sicht zumutbar, bei einem entsprechend höheren Salär selbst bei einer Behinderung in der Haushaltführung von 58,75 % eine Gesamtinvalidität von weniger als 50 % ergibt. c) Nach dem Gesagten gilt Folgendes: Ist aus rheumatologischer Sicht ein Arbeitspensum von mindestens 19 Wochenstunden als Angestellte im Bereich Betreuung des Uniformwesens zumutbar und besteht arbeitgeberseits die Möglichkeit, die wöchentliche tatsächliche Arbeitszeit von 18,5 Stunden entsprechend zu erhöhen, besteht Anspruch auf eine Viertelsrente der Invalidenversicherung. Denn eine stärkere Behinderung in der Haushaltführung als der von der kantonalen Rekurskommission ermittelte prozentuale Wert von 58,75 % kann nicht angenommen werden und wird zu Recht auch nicht vernehmlassungsweise geltend gemacht. Eine zumutbare Ausdehnung der Teilerwerbstätigkeit hat im Übrigen keinen Einfluss auf die Invaliditätsbemessung im Haushaltbereich aufgrund eines Betätigungsvergleiches (vgl. BGE 125 V 159 f. Erw. 5c/dd). Die Invalidität im erwerblichen Bereich beträgt diesfalls weniger als 44 % und damit die Gesamtinvalidität weniger als 50 %. Ist hingegen eine Erhöhung des Arbeitspensums von 18,5 Wochenstunden aus gesundheitlichen oder betrieblichen Gründen nicht möglich, ist die invaliditätsbedingte Einschränkung im erwerblichen Bereich auf der Grundlage von statistischen Durchschnittslöhnen zu ermitteln (vgl. dazu BGE 126 V 76 f. Erw. 3b/bb mit Hinweisen). Diesfalls wird je nachdem nochmals eine Abklärung vor Ort für die Festlegung der Behinderung in der Haushaltführung vorzunehmen sein, worüber die IV-Stelle, an welche die Sache zurückgeht, zu entscheiden haben wird. Dabei wird die Verwaltung zu beachten haben, dass der Grundsatz, wonach eine allenfalls verminderte Leistungsfähigkeit im Haushaltbereich infolge der Beanspruchung im erwerblichen Bereich, wozu auch ein (über-)langer Arbeitsweg zu zählen ist, unberücksichtigt zu bleiben hat (BGE 125 V 159 f. Erw. 5c/dd), für den Ehegatten der invaliden Person nicht gilt. Mit anderen Worten können sich aus Art und zeitlichem Umfang seiner Erwerbstätigkeit Schranken der Mithilfe im Haushalt ergeben, welche unter dem Gesichtspunkt der Schadenminderungspflicht zu beachten sind. Dies ergibt sich ohne weiteres sinngemäss aus der bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 28 Abs. 2 IVG geltenden Praxis, wonach beim Einkommensvergleich invaliditätsfremde Gesichtspunkte überhaupt nicht oder dann bei beiden Vergleichsgrössen gleichmässig zu berücksichtigen sind (vgl. ZAK 1989 S. 456, AHI 1999 S. 240 unten; ferner RKUV 1993 Nr. U 168 S. 104 Erw. 5b).