Citation: 8C_812/2007 06.10.2008 E. 6

6.1 Der den Versicherten seit 30. Mai 2005 behandelnde Psychiater Dr. med. L.________ diagnostizierte im Bericht vom 7. April 2006 den Verdacht auf schizoide Persönlichkeitsentwicklungsstörung (ICD-10: F60.1), Zustand nach mittelgradiger depressiver Episode (ICD-10: F32.1) und soziale Phobie vor dem Hintergrund einer adoleszentären Ablösungskrise. Die Krankheit bestehe seit März 2002. Seit Juni 2003 sei der Versicherte in der Beratungsstelle für Jugendliche, Integrierte Psychiatrie, behandelt worden. Zwischen Dezember 2004 und Mai 2005 habe er sich komplett in seiner Wohnung isoliert. Als Polymechanikerlehrling sei er von Januar 2004 bis 31. März 2006 zu 100 % und seit 1. April 2006 bis dato zu 75 % arbeitsunfähig. In einem zwischenmenschlich überschaubaren Umfeld sei er psychisch gut funktionsfähig und in behinderungsangepasster Tätigkeit seit Oktober 2005 ganztags arbeitsfähig. Im Bericht vom 19. September 2006 legte Dr. med. L.________ dar, die mittlerweile erfolgreiche Behandlung der depressiven Störung habe im April 2006 zum Entschluss geführt, den Versicherten für eine berufliche Massnahme vorzuschlagen. Der Wechsel der Ausbildungsrichtung und die dringende Empfehlung für einen geschützten Rahmen begründeten sich in der nunmehr offensichtlich zu Tage tretenden Persönlichkeitsstörung einer Schizoidie, welche den bedeutendsten Risikofaktor für einen neuen Rückfall in eine depressive Episode infolge Überlastung in sich trage. Was letztlich die Wahl des Ausbildungsortes und der -richtung betreffe, könne gesagt werden, dass der Versicherte klar ein Talent für Wort und Schrift besitze, das ihm ermögliche, sich in einem geschützten Ausbildungsrahmen auf das defizitäre Entwicklungsfeld der sozialen Interaktionen und des zwischenmenschlichen Verhaltens zu konzentrieren. Gerade in diesem Feld liege bei ihm das eigentlich die Umsetzung des intellektuellen Potentials behindernde Problem, das, bliebe es unbeachtet, eine stationäre Behinderung mit schlechter Prognose hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit darstellte. Er (Dr. med. L.________) bitte um Kostenübernahme der Ausbildung im geschützten Rahmen in der Stiftung X.________. Im Bericht vom 9. Januar 2007 (der im Wesentlichen seinem Bericht vom 18. Dezember 2006 entspricht) führte Dr. med. L.________ aus, ein geschützter Rahmen für die Ausbildung des Versicherten sei unverzichtbar. Der Versicherte habe in der Schnupperwoche in der Stiftung X.________ das volle Wochenpensum problemlos absolviert. Die Eignung für die Ausbildung im geschützten Rahmen sei gegeben. Das Berufsprofil des Journalisten sei laut dem Ausbildungsverantwortlichen in der Stiftung X.________ durchaus vereinbar mit einer "Arbeit im stillen Kämmerlein". Fraglich sei, ob der RAD den Beruf des Journalisten mit demjenigen des Reporters verwechsle. Der Antrag auf den Berufswechsel sei medizinisch begründet und beruhe nicht auf einer Weigerung des Versicherten, in die begonnene Ausbildung zurückzukehren. Die fehlende medizinische Notwendigkeit lasse sich nicht mit der einfachen Formel "Polymechaniker = kein Kundenkontakt = gut für die Schizoidie" erklären. Die Belastung entstehe gerade in den interaktionell unübersichtlichen Verhältnissen einer Grossraumwerkstatt mit einer Kernbeschäftigung, die zwischenmenschlichen Austausch nicht erwarte oder strukturiere. Die hierdurch entstandene Isolation innerhalb der Werkstattgruppe habe im Wesentlichen zur schweren depressiven Krise geführt. Der Versicherte erfülle einige Kriterien der schizoiden Persönlichkeitsstörung ganz deutlich, gerade aber am Mangel bzw. Nichtgelingen von Kontakten leide er hingegen. Dieser Umtand habe in direkter Kausalität zur Arbeitsunfähigkeit geführt. Das bedeute nicht, dass er nicht in der Lage wäre, Kontakte herzustellen oder mit anderen Menschen zu sprechen. Vielmehr handle es sich um die fehlende Fähigkeit zum Herstellen einer Ausgewogenheit zwischen Nähe und Distanz, zwischen Überreizung und Isolation, welche die psychische Behinderung begründe. Für eine Prävention einer erneuten ursächlich darin begründeten Arbeitsunfähigkeit würden einerseits der geschützte Rahmen und anderseits ein Wechsel der Ausbildung zu einer Tätigkeit mit integrierten zwischenmenschlichen Interaktionen benötigt. Begleiteter und überschaubarer zwischenmenschlicher Kontakt am Ausbildungsort seien für den Versicherten unabdingbar. 6.2 Der RAD (Dres. med. H.________ und B.________) führte in der Akten-Stellungnahme vom 24. November 2006 aus, laut Bericht der Stiftung X.________ vom 4. Oktober 2006 habe der Versicherte dort eine Schnupperwoche verbracht und zeige sich motiviert und geeignet für eine Journalisten-Lehre. Sein Psychiater Dr. med. L.________ (Bericht vom 19. September 2006) unterstütze diesen Berufswunsch. Die depressive Störung sei erfolgreich behandelt. Die Notwendigkeit eines geschütztes Rahmens begründe Dr. med. L.________ mit der Gefahr des Rückfalls in eine depressive Episode bei schizoider Persönlichkeitsstörung. Weiter legte der RAD dar, die Notwendigkeit eines Berufswechsels könne nicht als medizinisch ausgewiesen erachtet werden. Das Eingliederungsziel Journalismus sei gerade aufgrund der Angaben des Dr. med. L.________ "...Unfähigkeit, sich im mitmenschlichen Umfeld adäquat zu verhalten und Kontakte zu knüpfen und zu pflegen..." eher nicht als medizinisch nachvollziehbar einzustufen. In der Akten-Stellungnahme vom 22. Januar 2007 gab der RAD (Dr. med. H.________) an, das Ressourcenprofil des Versicherten enthalte keine Tätigkeiten, die mit einer erhöhten Frequenz an interpersonellen Kontakten einhergingen. In der Stellungnahme vom 24. November 2006 sei der RAD davon ausgegangen, dass es sich beim Berufsbild des Journalisten eher um eine Tätigkeit mit zahlreichen interpersonellen Kontakten handle. Ob dies nicht der Fall sein sollte, wie Dr. med. L.________ mitteile, bleibe dahingestellt, könne vom RAD aber nicht anders bewertet werden als bislang. Dass es sich beim Berufsbild des Journalisten um eine dem Krankheitsbild einer schizoiden Persönlichkeitsstörung angepasste Tätigkeit handeln sollte, könne jedenfalls nicht nachvollzogen werden. Ein geschützter Rahmen könne beim Versicherten als angezeigt gelten. Laut Akten-Notiz vom 23. Januar 2007 führte der RAD (Dr. med. H.________) aus, dem Versicherten könnten aufgrund seiner soziopathischen Störung nur Tätigkeiten zugemutet werden, die nicht mit vermehrten interpersonellen Kontakten einhergingen. Die Häufigkeit sozialer Kontakte sei der limitierende Faktor. Ob die begonnene Polymechaniker-Lehre unter diesem Gesichtspunkt zumutbar sei, sei mit der Berufsberatung zu klären. Sie dürfte jedenfalls mit weniger sozialen Anforderungen verbunden sein als der Journalisten-Beruf.