Citation: 5A_252/2019 E. 2.6.2

2.6.2. Wenn das Betreibungsamt die Ausfallforderung gegenüber dem Erstersteigerer unter Berücksichtigung seiner Anzahlungen festgestellt hat, nimmt es lediglich eine vorbereitende Handlung zum Inkasso vor (GILLIÉRON, a.a.O., N. 59 zu Art. 143). Der Grund liegt darin, dass in erster Linie dem Betreibungsamt obliegt, das Inkasso der Ausfallforderung vorzunehmen, das Amt indes keine weiteren Inkassobemühungen zu tätigen hat (SCHOBER, in: Kurzkommentar VZG, 2011, N. 9 zu Art. 79). Dies geht aus den (erwähnten) Urteilen aus dem Jahre 1902 bzw. 1903 hervor, welche Art. 72 und Art. 131 VZG [im Konkurs] zugrunde liegen (GILLIÉRON, a.a.O., N. 32 zu Art. 129) : Das Betreibungsamt, welches die Rechte der Gläubiger mittels Verwertung und damit auch die aus der Zwangsversteigerung entstandene Ausfallforderung durchsetzt, hat die Ausfallforderung an die Gläubiger (gemäss Art. 130 Ziff. 1 und Art. 131 SchKG) zur Geltendmachung zu überweisen oder zu versteigern, weil es für die selbständige Einklagung der Ausfallforderung weder die Mittel noch die gesetzliche Pflicht hat (BGE 28 II 582 E. 2 S. 588; 29 I 597 E. 1). Dieser Grundsatz ist allgemein in Art. 100 SchKG festgelegt: Das Betreibungsamt hat keine Pflicht zur Führung von Prozessen; das ist Sache desjenigen, der eine zu verwertende Forderung erwirbt. Hingegen sind unbestrittene und fällige Forderungen gegenüber Dritten, gleichgültig welcher Art, vom Moment des Vollzugs der Pfändung an vom Betreibungsamt von Amtes wegen einzuziehen (LEBRECHT, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, 2. Aufl. 2010, N. 8 zu Art. 100). Dass die Ausfallforderung - als Aktivum des Schuldners - dem Pfändungs- bzw. Pfandbeschlag unterliegt, steht fest (Urteil 5C.222/2006 vom 14. Februar 2007 E. 3, mit Hinweis auf BGE 28 II 582 E. 2 S. 588 und u.a. FRITZSCHE/WALDER, a.a.O., § 30 Rz. 14) : Aus diesem Grund ist sie - soweit unbestritten - vom Betreibungsamt einzuziehen (GILLIÉRON, a.a.O., N. 25 zu Art. 129: "... si le fol enchérisseur ne conteste pas le montant" mit Hinw. auf Art. 100 SchKG). Kann das Betreibungsamt eine unbestrittene Ausfallforderung durch Verrechnung mit der Anzahlung erhältlich machen und den Gläubigern (durch Hinzuschlagung zum Verwertungserlös) zur Verfügung stellen, stellt dies keine Rechtsverletzung dar.