Citation: I 414/98 16.02.2000 E. 3

3.- a) Streitig ist, ob im Zeitraum zwischen dem 4. Juli 1995 (Herabsetzung der zuvor gewährten ganzen auf eine halbe Invalidenrente) und dem 3. November 1997 (Ablehnung einer revisionsweisen Erhöhung der halben auf eine ganze Rente) eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, welche die Erhöhung der halben auf eine ganze Rente rechtfertigt. b) Der Verfügung vom 4. Juli 1995 war eine Restarbeitsfähigkeit von 70 % zu Grunde gelegt worden. Gemäss verschiedenen neueren ärztlichen Attesten ist von einer verbleibenden Arbeitsfähigkeit von etwa 50 % bei leichter körperlicher Tätigkeit auszugehen (Berichte des praktischen Arztes L.________ vom 26. Juli 1996 und vom Januar 1997; Bericht des Dr. F.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vom 13. März 1996). Ein psychisches Leiden mit Krankheitswert besteht im hier massgebenden Zeitraum nicht (Bericht des praktischen Arztes L.________ vom Januar 1997); hieran vermag auch der Bericht des Dr. J.________, Psychiater, vom 22. Februar 1995 nichts zu ändern, zumal dieser der Beschwerdeführerin ein besserungsfähiges psychisches Leiden attestierte, seine Angaben aus der Zeit vor der Herabsetzungsverfügung vom 4. Juli 1995 stammen und der praktische Arzt L.________ in seinem späteren, im Zusammenhang mit dem Revisionsgesuch erstellten Bericht vom Januar 1997 ausführt, es bestehe kein psychisches Leiden mit Krankheitswert. Allerdings hat sich der physische Gesundheitszustand der Versicherten seit Juli 1995 verschlechtert, wie sich insbesondere aus dem Bericht des praktischen Arztes L.________ vom Januar 1997 ergibt. Zu prüfen bleibt, wie sich die Verschlechterung des Gesundheitszustandes und die Zunahme der Arbeitsunfähigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirken. c) Bezüglich des hypothetischen Einkommens ohne Invalidität (Valideneinkommen) kann auf den Lohn abgestellt werden, den die Beschwerdeführerin bei der Firma S.________ verdient hat. Dieser belief sich gemäss Auskunft der früheren Arbeitgeberfirma im Zeitpunkt der Auskunft ohne Gesundheitsschaden auf "ca. Fr. 4'300.--" (Auskunft vom 20. September 1993) bzw. "Fr. 4'350.--" (Auskunft vom 5. Januar 1993) pro Monat. Da die Auskunft vom 20. September 1993 lediglich eine ungefähre Angabe darstellt, jene vom 5. Januar 1993 jedoch ohne Vorbehalt erfolgte, ist auf letztere abzustellen. Die Beschwerdeführerin hatte jeweils Anspruch auf einen 13. Monatslohn. Demnach hätte ihr Valideneinkommen im Jahr 1993 Fr. 56'550.-- betragen. Unter Berücksichtigung der Teuerung von 2.6 % im Jahr 1993, von 1.5 % im Jahr 1994 und von 1.3 % im Jahr 1995 (Die Volkswirtschaft, 1998, Heft 1, Anhang S. 28, Tabelle B 10.2) ergibt dies ein mutmassliches Valideneinkommen von Fr. 59'656.-- für das Jahr 1996. d) Hinsichtlich des Invalideneinkommens ist zu beachten, dass die Beschwerdeführerin seit 1. April 1995 bei derselben Firma tätig ist. Es handelt sich somit um ein stabiles Arbeitsverhältnis. Gemäss Bericht der Berufsberaterin des Amtes für AHV und IV des Kantons Thurgau vom 28. April 1995 ist die Versicherte an dieser Arbeitsstelle im Rahmen des Möglichen integriert; es dürfe als Glücksfall bezeichnet werden, dass eine Eingliederung in diesem Ausmass gelungen sei. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin an ihrer Arbeitsstelle bei der C._________, ihre Restarbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise ausschöpft. Der erzielte Lohn entspricht der erbrachten Leistung und enthält keine Soziallohnkomponente (Auskunft der Firma C.________ vom 24. Juli 1997). Unter diesen Voraussetzungen - Vorliegen eines stabilen Arbeitsverhältnisses, Ausschöpfung der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit und Ausrichtung eines der Leistung entsprechenden Lohnes - kann praxisgemäss auf eine Bezugnahme auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verzichtet werden (BGE 117 V 17 ff. Erw. 2 c aa). e) Infolge des verschlechterten physischen Gesundheitszustandes musste die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum reduzieren. Dementsprechend verringerte sich das auf Stundenlohnbasis erzielte Einkommen: 1995 weist die Versicherte für die Monate April bis Dezember ein durchschnittliches Monatseinkommen von Fr. 1'682.-- auf, im Jahr 1996 ein solches von Fr. 1'313.25 und in den Monaten Januar bis Juli 1997 nur noch ein solches von Fr. 1'234.30 (jeweils ohne Anteil Gratifikation; vgl. Auskunft der Firma C.________ vom 24. Juli 1997). Als Invalideneinkommen kann demzufolge der im Jahr 1996 erzielte Lohn von Fr. 17'059.-- (inkl. Gratifikation) herangezogen werden. f) Ein Vergleich des massgebenden Valideneinkommens von Fr. 59'656.-- und des zumutbaren Invalideneinkommens von Fr. 17'059.-- ergibt einen Invaliditätsgrad von rund 71 %. Die Beschwerdeführerin hat demnach zufolge Verschlechterung des Gesundheitszustandes Anspruch auf revisionsweise Erhöhung der halben auf eine ganze Invalidenrente. Gemäss den Berichten des praktischen Arztes L.________ vom 26. Juli 1996 und vom Januar 1997 ist die Zunahme der Arbeitsunfähigkeit per 1. März 1996 eingetreten. In Anwendung von Art. 88a Abs. 2 IVV ist der Versicherten ab 1. Juni 1996 eine ganze Rente auszurichten.