Citation: 7B_260/2022 E. 2.5

2.5. Das angefochtene Urteil verletzt den Anklagegrundsatz und die vom Beschwerdeführer angerufenen Rechte (Art. 9 Abs. 1 StPO, Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und lit. b EMRK) nicht. Die Anklage beschreibt die sich aus der Tatsituation ergebende Widerstandsunfähigkeit der Beschwerdegegnerin 2, welche aus der Ablenkung durch den Geschlechtsverkehr mit einem anderen Sexualpartner und dem Irrtum über den Geschlechtspartner (bzw. über die Frage, wem das Körperteil auf ihrem Mund zuzuordnen sei) hervorgeht. Dass die Vorinstanz unter allen Sachverhaltselementen auch die Alkoholisierung und den Cannabiskonsum der Beschwerdegegnerin 2 als nebensächlichen Begleitumstand, wie sich die Tat konkret und im Detail abgespielt hat, in ihre Beweiswürdigung einbezieht, ändert am Kern des Tatvorwurfs nichts. Denn die Vorinstanz legt ihrer Beurteilung weder einen anderen als den angeklagten Sachverhalt zugrunde noch geht sie davon aus, der gesundheitliche Aspekt (Substanzkonsum) sei kausal bzw. entscheidend für die Widerstandsunfähigkeit gewesen. Vielmehr schreibt sie die Widerstandsunfähigkeit in objektiver Hinsicht zur Hauptsache den angeklagten Tatumständen zu, d.h. der Ablenkung durch den Sex mit einem anderen Partner und dem Irrtum über den Sexualpartner, welcher sich daraus ergibt, dass die Beschwerdegegnerin 2 die Anwesenheit des Beschwerdeführers nicht bemerkte. In Bezug auf den subjektiven Tatbestand geht die Vorinstanz sodann davon aus, dass der Beschwerdeführer die Widerstandsunfähigkeit der Beschwerdegegnerin 2 aufgrund der Tatsituation (Ablenkung durch Sexualverkehr mit geschlossenen Augen, fehlendes Bemerken des Beschwerdeführers, Irrtum über den Sexualpartner) hätte erkennen müssen. Hingegen schliesst sie in keiner Weise darauf, dass der Beschwerdeführer um den Cannabis- und Alkoholkonsum Kenntnis gehabt hätte bzw. hätte haben müssen. Der Beschwerdeführer wusste, wogegen er sich zur Wehr setzen musste, zumal er vor Vorinstanz mit keinen neuen oder überraschenden Vorwürfen konfrontiert wurde, die nicht aus der Anklage resultieren.