Citation: U 418/06 29.03.2007 E. 6

6.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 30. Oktober 2000 und den über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus bestehenden Beschwerden im Hüft-/Leistenbereich nicht genügend geklärt ist, während die übrigen geklagten Beschwerden nicht als (natürlich) unfallkausal gelten können. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt neben dem natürlichen auch einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden voraus. Wenn im vorneherein feststeht, dass der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen ist, kann auf eine ergänzende Abklärung des natürlichen Kausalzusammenhangs verzichtet werden. Im vorliegenden Fall verbietet sich allerdings aus den nachfolgend dargestellten Gründen ein solches Vorgehen. 6.2 Im Administrativ- und im kantonalen Beschwerdeverfahren war nur der natürliche Kausalzusammenhang streitig. Die Parteien hatten somit keine Veranlassung zur Frage der Adäquanz Stellung zu nehmen. Das kantonale Gericht stellte zwar eine Adäquanzprüfung an, weil es die Adäquanz aber bejahte, hatte zumindest der Versicherte im Verfahren vor dem Bundesgericht keinen Grund, sich zur Adäquanzprüfung zu äussern. - Nach der Rechtsprechung stellt es eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, wenn ein Gericht die Anspruchsvoraussetzungen des adäquaten Kausalzusammenhangs beurteilt, ohne dass sich die Parteien dazu geäussert haben (vgl. Urteil U 53/05 vom 24. Mai 2005, publ. in: RKUV 2005 Nr. U 558 S. 391). Unter diesen Umständen ist es dem Bundesgericht verwehrt, die Adäquanzprüfung selber vorzunehmen. 6.3 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass die vom kantonalen Gericht gewählte Art der Adäquanzbeurteilung nicht der geltenden Rechtsprechung entspricht. - Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden ist zu prüfen, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädelhirntrauma erlitten hat. Liegt - wie im vorliegenden Fall - keine solche Verletzung vor - die Folgen der Hirnerschütterung sind unbestrittenermassen abgeheilt und das so genannte typische Beschwerdebild hat nie bestanden - ist die Adäquanz nach der Rechtsprechung zu psychischen Unfallfolgen zu prüfen (BGE 115 V 133 E. 6c S. 140). Eine derartige Prüfung hat das kantonale Gericht - soweit ersichtlich - nicht vorgenommen, es hat die Adäquanz offenbar nach der allgemeinen Adäquanzformel überprüft. - Sollte die von der Vorinstanz durchgeführte Adäquanzprüfung so zu verstehen sein, dass diese von einem schweren Unfallereignis ausging und deshalb die Adäquanz ohne weiteres bejahte, so könnte ihr ebenfalls nicht beigepflichtet werden, weil praxisgemäss das vorliegende Unfallereignis den mittelschweren Unfällen zuzuordnen ist (vgl. Urteile U 40/05 vom 24. Mai 2006, E. 3.5 und U 419/05 vom 24. März 2006, E. 4.2). Bei der Adäquanzprüfung sind deshalb die weiteren, von der Rechtsprechung entwickelten unfallbezogenen Kriterien heranzuziehen (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140). 6.4 Wenn die ergänzenden medizinischen Abklärungen die natürliche Unfallkausalität der Beschwerden im Hüft-/Leistenbereich bestätigen, ohne klar fassbare organische Befunde zu Tage zu bringen (vgl. oben Erw. 3.3), ist durch die Verwaltung und - im Falle einer Beschwerdeerhebung - durch das Gericht eine Adäquanzprüfung nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen vorzunehmen.