Citation: 7B_42/2024 E. 2.6

2.6. Es ist zunächst nicht zu übersehen, dass sich die bisherige bundesgerichtliche Praxis zur Frage, wann eine Gerichtsperson in den Ausstand treten muss, weil eine Partei oder deren Rechtsvertreter (ehemaliges oder nebenamtliches) Mitglied desselben Gerichts ist (vgl. BGE 147 I 173 E. 5.2 mit Hinweisen), nicht direkt mit der vorliegenden Konstellation vergleichen lässt. Das Bundesgericht hatte bis anhin nicht zu beurteilen, dass eine aktuelle, vollamtliche Richterin als Partei vor einer anderen Kammer des Gerichts auftritt, an dem sie selbst tätig ist. Allerdings kann ein Ausstandsgrund gestützt auf Art. 56 lit. f StPO wegen seiner Einzelfallbezogenheit kaum je anhand pauschaler Kriterien beurteilt werden, sondern bedarf einer rechtlichen Würdigung der konkreten Umstände, insbesondere der Beziehungen zwischen den beteiligten Parteien, Parteivertretern und Behördenmitgliedern sowie deren Tätigkeiten ausserhalb des Verfahrens und Handlungen im Rahmen des Verfahrens (vgl. Urteil 1B_465/2020 vom 7. Dezember 2020 E. 1.3.2 mit Hinweisen).