Citation: I 357/99 09.03.2001 E. 3

3.- a) Die vorinstanzlich bestätigte Ablehnung des Anspruchs auf Invalidenrente mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades (IV-Stelle: 12 %; kantonales Gericht: 22,1 %) beruht auf der Annahme, dass die Beschwerdeführerin trotz dem diagnostizierten chronisch-rezidivierenden Panvertebral-Syndrom (mit einer im Vordergrund stehenden lumbo-spondylogenen Komponente beidseits rechts mehr als links) sowie trotz dem ärztlicherseits angegebenen maximalen Deconditioning-Syndrom in der Lage ist, eine körperlich leichte Arbeitstätigkeit ohne zeitliche Einschränkung auszuüben. In diesem Sinne hat Dr. med. M.________ im Bericht vom 8. April 1998 Stellung genommen. Danach besteht für eine körperlich leichte Tätigkeit in abwechslungsreicher Arbeitshaltung unter Vermeiden stereotyper Arbeitshaltungen, monotoner Arbeitsabläufe, langem Sitzen/Stehen sowie repetitiver Bück- und Hebebelastungen "medizinisch-theoretisch eine volle Arbeitsfähigkeit". Auf der andern Seite hat der gleiche Arzt die Versicherte im angestammten Beruf (als Hilfsarbeiterin der Firma R.________ AG) als zu 50 % arbeitsfähig bezeichnet. Es kommt hinzu, dass Dr. med. M.________ die (allenfalls von ihm bescheinigten) früheren Perioden von Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf als "ausschliesslich gesundheitlich begründet" bezeichnet. b) Es fragt sich, ob diese fachärztliche Stellungnahme des Dr. med. M.________ zur Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf und seine Angaben zur Zumutbarkeit anderer in Frage kommender Tätigkeiten als im Sinne der Rechtsprechung (BGE 105 V 158 Erw. 1 in fine) erforderliche und schlüssige Grundlage für die Invaliditätsbemessung bezeichnet werden können. Die Frage ist zu bejahen, wenn angenommen werden könnte, dass es sich bei der von der Beschwerdeführerin in der Firma R.________ AG während Jahren ausgeübten Hilfsarbeit um eine körperlich schwerere Tätigkeit handelt, hinsichtlich deren aus rheumatologischer Sicht eine bloss 50 %ige Arbeitsfähigkeit zu attestieren ist, wie Dr. med. M.________ hervorhebt. Sollte diese Annahme dagegen nicht zutreffen, wäre die Stellungnahme des Dr. med. M.________ widersprüchlich. Im Vorbescheidverfahren hat der (die Beschwerdeführerin damals vertretende) Rechtsanwalt eingewendet, nach Lage der Akten sei unklar, welcher Art die Tätigkeit der Versicherten bei der Firma R.________ AG gewesen sei. Die Arbeitgeberin weise nicht darauf hin, inwiefern die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit im Problembereich des Rückens beansprucht worden sei. Unter diesen Voraussetzungen sei die von der IV-Stelle angenommene 50 %ige Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf und eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit in einer rückenschonenden Tätigkeit in medizinisch-theoretischer Hinsicht wenig überprüfbar. Es werde daher ersucht, bei der bisherigen Arbeitgeberfirma abzuklären, welcher Art die Tätigkeit der Versicherten genau war und wie weit im Verlauf der langen Zeit, in der die Versicherte häufig und regelmässig aus krankheitsbedingten Gründen der Arbeit fernbleiben musste, versucht wurde, ihr eine etwas rückenschonendere Arbeit zuzuweisen. Daraus seien wichtige Hinweise zu gewinnen, ob tatsächlich in einem rückenschonenderen Bereich eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit bestehe. c) Die IV-Stelle hat sich über diese Einwendungen hinweggesetzt, indem sie weder weitere Abklärungen traf noch sich in der am 8. Juli 1998 erlassenen Ablehnungsverfügung dazu überhaupt äusserte. Das kantonale Gericht hat, auf eine entsprechende Rüge hin, diese Vorgehensweise der Verwaltung unter Berufung auf die gebotene Mitwirkung geschützt, weil die Beschwerdeführerin selber am Besten wisse, welche Tätigkeit sie bei der Firma R.________ AG ausgeübt habe. Folglich sei sie auch in der Lage, gegen eine allenfalls unzutreffende Beschreibung dieser Tätigkeit substanziierte Einwände zu erheben. Wenn der behandelnde Arzt diese Arbeit als weniger rückenschonend einstufe als andere, auf die Beschwerden der Versicherten zugeschnittene Hilfsarbeitertätigkeiten, so sei die Verwaltung nicht verpflichtet, von sich aus umfangreiche Abklärungen zu tätigen, um die beiden Beschäftigungen vergleichen zu können und sich damit Anhaltspunkte für die Plausibilisierung des Arztberichtes zu verschaffen, sofern keine substanziierten Einwände gegen die dortigen Aussagen über den Inhalt der Tätigkeit erhoben werden. Bei dieser Begründung übersieht die Vorinstanz einerseits, dass sich Dr. med. M.________ effektiv nicht zur Art der Tätigkeit äusserte, welche die Beschwerdeführerin als Hilfsarbeiterin in der Firma R.________ AG ausgeübt hatte. Anderseits weist der Arzt auf die allgemein geringen Ressourcen der Beschwerdeführerin und insbesondere ihre schlechten Deutschkenntnisse hin. Daher ist es zweifelhaft, ob die Beschwerdeführerin in der Lage war, über ihre Berufsarbeit im Einzelnen zuverlässig Auskunft zu geben. Jedenfalls lagen die erforderlichen Informationen nicht vor, um die Stellungnahme des Dr. med. M.________ auf ihre Schlüssigkeit hin überprüfen zu können. Wenn es auch mit Blick auf die gebotene Raschheit des Verfahrens (und weitere Überlegungen) durchaus als angezeigt erscheint, dass die IV-Stelle die Rentenanträge speditiv behandelt und rasch verfügt, so rechtfertigt es der angestrebte rasche Fallabschluss doch nicht, über im Vorbescheidverfahren konkret vorgebrachte Einwände und Anträge stillschweigend hinwegzugehen. Es ist vielmehr Sinn und Zweck des Vorbescheidverfahrens, den berichterstattenden Ärzten und Arbeitgebern präzisierende Rückfragen stellen zu können. Dies wird die IV-Stelle hier in Bezug auf die von der Beschwerdeführerin in der Firma R.________ AG ausgeübte Arbeit nachholen und, je nach dem Ergebnis, weitere Abklärungen anordnen.