Citation: 6B_1193/2021 E. 6.4.4

6.4.4. Dass die Vorinstanz mit Blick auf die familiäre Situation des Beschwerdeführers von einer Landesverweisung hätte absehen müssen, ist sodann nicht ersichtlich. Ihre Erwägung, wonach die Bindung zu seiner Ehefrau und den Kindern zu relativieren sei (vgl. angefochtenes Urteil Ziff. 6.3.1 f. S. 21), gibt zu keiner Kritik Anlass. Dabei fällt insbesondere ins Gewicht, dass die Ehefrau Opfer der Vergewaltigung und der übrigen, im vorliegenden Verfahren beurteilten Straftaten ist. Nach den für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz hat die Ehefrau des Beschwerdeführers zudem eine aussereheliche Beziehung gepflegt und stammt eines der drei gemeinsamen Kinder mutmasslich nicht von ihm. Der Fortbestand der ehelichen Gemeinschaft ist nach den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen offen, zumal sich die Privatklägerin dahingehend geäussert hat, in Zukunft mit den Kindern alleine leben zu wollen, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird. Ebensowenig stellt er in Abrede, dass die Familie finanziell wie auch organisatorisch nicht auf ihn angewiesen sei, die Familie in der Vergangenheit bereits mehrere Jahre getrennt gelebt habe und er sich höchstens um die Kinder gekümmert habe, wenn seine Frau verhindert war (Arzt, Therapie), ansonsten aber abwesend gewesen sei. Damit liegt keine intakte familiäre Beziehung zu seiner Ehefrau vor und es erscheint zumindest als fraglich, ob die Landesverweisung nahe, echte und tatsächlich gelebte Vater-Kind-Beziehungen beeinträchtigen würde. Letzteres muss auch nicht abschliessend beurteilt werden. Selbst wenn aufgrund der Beziehung des Beschwerdeführers zu seinen Kindern entgegen der Auffassung der Vorinstanz ein persönlicher Härtefall anzunehmen wäre und die Anwesenheit des Vaters für das Wohl eines Kindes im Grundsatz wichtig ist, steht dies einer Landesverweisung nicht in jedem Fall entgegen. Auch der Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK und das Recht des Kindes auf beide Elternteile gelten nicht absolut (vgl. Urteile 6B_166/2021 vom 8. September 2021 E. 3.4.3; 6B_1245/2020 vom 1. April 2021 E. 2.2.2; 6B_1054/2020 vom 30. November 2020 E. 1.1.2). Dabei ist zunächst zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer nicht die elterliche Sorge und die alleinige Obhut über seine Kinder hat, womit seine Landesverweisung nicht dazu führt, dass auch die Kinder faktisch gezwungen werden, die Schweiz zu verlassen. Aufgrund der aufgezeigten Verhältnisse erscheint es zudem durchaus als zumutbar, die bereits bis anhin wenig intensive Beziehung zu seinen Kindern auch telefonisch, mittels moderner Kommunikationsmittel und Besuchen weiter zu pflegen. Dass sich die Privatklägerin gegen eine Landesverweisung ausspricht und sich wünscht, dass die Kinder in der Anwesenheit des Beschwerdeführers aufwachsen und mit ihm Zeit verbringen können, ändert daran nichts und vermag die Landesverweisung nicht als bundesrechtswidrig auszuweisen. Entsprechend musste die Vorinstanz auf den von der Privatklägerin angeblich geäusserten Wunsch nicht explizit eingehen. Das Gericht darf sich in seinem Urteil auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand des Beschwerdeführers auseinandersetzen und diese widerlegen. Es genügt, wenn sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann (BGE 147 IV 409 E. 5.3.4; 143 III 65 E. 5.2; 142 III 433 E. 4.3.2; je mit Hinweisen). Diese Voraussetzung ist vorliegend zweifelsohne erfüllt. Eine Verletzung der Begründungspflicht bzw. des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.