Citation: 7B_706/2023 E. 3.4

3.4. In Bezug auf den dringenden Tatverdacht führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe gemäss dem erstinstanzlichen Sachurteil vom 30. Juni 2022 im Rahmen seiner ersten Einvernahme ausgesagt, er habe anlässlich der tatgegenständlichen gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern von drei Motorradgruppen am 11. Mai 2019 in U.________ mehrfach mit einer Pistole geschossen. Gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers habe sich ein erster Schuss gelöst, als er "dem Fahrer des schwarzen Pickups zwei, drei Mal die Waffe über den Kopf gezogen habe". Nach dem dritten Schlag sei ihm "ein Schuss ab ins Auto" bzw. glaube er, der Schuss sei ins Auto, er könne es aber nicht sagen. Bevor der Schuss abgegangen sei, seien vier bis fünf Personen aus dem Fahrzeug ausgestiegen. Dann habe er "drei, vier Mal in die Luft geschossen und schliesslich auf einen heranfahrenden silbernen Mercedes gezielt und abgedrückt bzw. er könne nicht sagen, wie oft". Auf die Frage, ob an diesem Abend sonst noch jemand geschossen habe, habe der Beschwerdeführer geantwortet: "Nicht, dass ich wüsste". Diese Ausführungen werden vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Die Vorinstanz zieht zur Begründung des dringenden Tatverdachts weiter in Erwägung, der Beschwerdeführer habe erstinstanzlich selber Schuldsprüche wegen versuchter vorsätzlicher Tötung (in Notwehrexzess) und Raufhandel beantragt. Gemäss der Vorinstanz sei es zwar zutreffend, dass aufgrund der Rügen der Verteidigung, wonach anlässlich des tatgegenständlichen Raufhandels nebst dem Beschwerdeführer noch weitere Personen Schusswaffen eingesetzt haben sollen, ein Beweisantrag betreffend die Erstellung eines ballistischen Gutachtens hängig sei. Ohne diesem Beweisantrag vorzugreifen, sei aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers und seiner erstinstanzlichen Anträge allerdings keine klare Fehlerhaftigkeit des erstinstanzlichen Schuldspruchs erkennbar. Dasselbe gelte in Bezug auf die Rüge, der am Tatort vorgefundene silberne Mercedes sei kriminaltechnisch untersucht worden und es seien dabei keine relevanten ballistischen Spuren gefunden worden, weshalb es ausgeschlossen sei, dass er B.________ am linken Brustkorb eine Schussverletzung zugefügt habe. In Würdigung des aktenkundigen erstinstanzlichen Strafurteils führt die Vorinstanz diesbezüglich aus, B.________ habe sich gemäss dem Beweisergebnis des Sachgerichts nicht in der Nähe des silbernen Mercedes aufgehalten, sondern sei zusammen mit weiteren Personen aus dem schwarzen Pickup ausgestiegen. Nach den Erwägungen der Vorinstanz bestreite der Beschwerdeführer die Verortung von B.________ zum schwarzen Pickup nicht, weshalb die Frage, ob dieser durch eine Schussabgabe des Beschwerdeführers verletzt wurde, in keinem direkten Zusammenhang mit der mutmasslichen Schussabgabe auf den silbernen Mercedes stehe. Folglich sei das Fehlen von ballistischen Spuren am silbernen Mercedes nicht geeignet, den dringenden Tatverdacht zu entkräften.