Citation: I 579/98 13.06.2001 E. 3

3.- a) An sich ist es Sache des Empfängers, sich das Aushändigungsdatum der Verfügung zu merken und an geeignetem Ort zu notieren. Wenn er sich im Datum aber nicht mehr sicher ist, muss ihm dennoch eine Möglichkeit offen stehen, um den letzten Tag der Rechtsmittelfrist zu bestimmen. aa) Hiefür könnte etwa ein Nachforschungsbegehren bei der Post Hand bieten. Ob vom Verfügungsempfänger die Eingabe eines solchen Begehrens überhaupt verlangt werden kann, ist fraglich, zumal es sich beweismässig so verhält, dass der Absender den Zeitpunkt der Zustellung darzulegen hat, während dem Empfänger der Nachweis der Rechtzeitigkeit der Beschwerde obliegt. Abgesehen davon nimmt die Beantwortung des Gesuchs regelmässig einige Tage in Anspruch, während welcher Zeit die Rechtsmittelfrist weiter läuft. Eine abschliessende Beurteilung dieser Frage kann aber vorliegend unterbleiben. Denn über die für ein Nachforschungsbegehren erforderlichen Angaben wie Aufgabezeitpunkt und -ort verfügte der Versicherte ohnehin nicht. Diese hätten sich allenfalls dem Briefumschlag der Verfügung entnehmen lassen, sofern der darauf befindliche Poststempel leserlich gewesen wäre. Dieses Couvert hatte der Beschwerdeführer jedoch frühzeitig weggeworfen. Da sich in der Rechtsmittelbelehrung der IV-Stelle, anders als etwa in jener der Vorinstanz, auch kein Hinweis auf eine Aufbewahrungspflicht befand, kann dem Versicherten dieses Verhalten nicht angelastet werden. bb) In jenen Fällen, in denen sich auf dem Zustellcouvert die Sendungsnummer (Strichcode-Kleber) befindet, lässt sich sodann das Empfangsdatum über das Internet ermitteln. Unter der Adresse www. post. ch/d/track_trace/track_trace. html ist zunächst die Sendeart anzuwählen (z.B. Briefpost: Einzelsendungen), ehe die Sendungsnummer einzugeben ist, worauf das Abholdatum angezeigt wird. Die gleichen Auskünfte müssten durch Kenntnisgabe der Sendungsnummer auch auf telefonischem Wege bei der Post erhältlich sein. Da es vorliegend am Briefumschlag fehlte, stand diese Variante indessen nicht zur Diskussion. cc) Als weitere Möglichkeit steht die Zuhilfenahme des Versanddatums im Raum, wie dies für die Überprüfung der Rechtzeitigkeit eines gegen einen Behördenentscheid ergriffenen Rechtsmittels von einer Vielzahl von Gerichten in einem ersten Schritt praktiziert wird. Dabei wird auf das Poststempeldatum des Zustellcouverts abgestellt, oder, wenn dieser fehlt oder unleserlich ist, in zweiter Linie auf das Verfügungsdatum. Trägt die Verfügung zusätzlich ein separat aufgeführtes Zustelldatum, ist dieses massgebend. Danach wird ausgehend vom herangezogenen Datum der Fristablauf errechnet und mit dem Eingabedatum der Rechtsmittelschrift verglichen. Falls in der Folge nach wie vor Zweifel an der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung bestehen, wird die verfügende Behörde in einem zweiten Schritt zur Einholung eines Nachforschungsbegehrens bei der Post angehalten. Nachdem der Versicherte im Aushändigungsdatum nicht mehr sicher war, in der Rechtsmittelbelehrung kein Hinweis auf die Notwendigkeit der Aufbewahrung des Zustellcouverts stand und er ohne Briefumschlag den Zeitpunkt der Postaufgabe nicht bestimmten konnte, musste und durfte er auf das Verfügungsdatum zurückgreifen. b) Für die, ausgehend vom Verfügungsdatum, vorgenommene Fristberechnung bediente sich der Versicherte der Vermutungen, dass einerseits eingeschrieben aufgegebene Briefpostsendungen regelmässig frühestens am Folgetag dem Empfänger zugestellt werden und dass andererseits bei Verfügungen oder Schreiben von Amtsstellen Brief- und Versanddatum übereinstimmen. Wie die Abklärungen der Vorinstanz ergeben haben, wurde dem Beschwerdeführer die fragliche Verfügung tatsächlich einen Tag nach der Versendung von der Post ausgehändigt; insoweit trifft die erste Annahme zu. Ferner erwies sich die zweite Vermutung zwar als falsch. Jedoch darf der Empfänger von Verfügungen oder Schreiben von Amtsstellen, zumindest in jenen Fällen, in denen er nicht mehr über das Zustellcouvert verfügt, vorbehältlich offensichtlicher Unrichtigkeit darauf vertrauen, dass Brief- und Absendedatum übereinstimmen (vgl. BGE 115 IV 58 Erw. 6, wo mit Bezug auf Geschäftsbriefe eines Treuhänders an eine Amtsstelle ebenfalls eine derartige Vertrauenssituation bejaht wurde). Wenn daher die Amtsstelle, aus welchen Gründen auch immer, die Verfügung vordatiert hat, schuf sie damit eine Situation, welche eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung des Beschwerdeführers im von ihm anbegehrten Sinne gebietet (vgl. BGE 121 V 66 Erw. 2a mit Hinweisen).