Citation: M 3/05 13.09.2005 E. 4.2

4.2.1 In der Krankheits-und Unfallmeldung vom 14. Februar 2002 erwähnte der Hausarzt unklare Fussballenschmerzen links (infolge Überlastung). Im Mai/Juni 2002 wurde der Versicherte wegen persistierender Beschwerden im Vorderfuss links auf der Höhe der Metatarsalia eher lateral und plantar auf der Orthopädischen Abteilung der Chirurgischen Klinik des Spitals R.________ abgeklärt. Es wurde u.a. die Diagnose einer symptomatischen Morton-Neuralgie interdigital III/IV bei MRI-mässig nachgewiesenem kleinem Morton-Neurom im Interdigitalraum zwischen Os metatarsale III und IV Fuss links gestellt. Aus therapeutischer Sicht wurden eine Infiltration interdigital III/IV mit einem Lokalanästhetikum sowie Kortikosteroid vorgeschlagen und die Exzision des Neuroms empfohlen (Sprechstundenbericht vom 4. Juni 2002). Am 25. Juli 2002 wurde eine Infiltration interdigital III/IV durchgeführt. Die Massnahme brachte indessen keine wesentliche Besserung. Nach Angaben des Versicherten traten sogar vorübergehend vermehrt Schmerzen auf. Ebenfalls führte die Verwendung von Sohleneinlagen zu keiner dauernden Besserung der Fusssymptomatik. Eine weitere Infiltration vom 2. September 2003 in der Klinik O.________ brachte keine Linderung der Schmerzen. Ein operativer Eingriff zur Exzision des Morton-Neuroms fand nicht statt. 4.2.2 In seiner Verlaufsbeurteilung vom 18. Juni 2003 führte Dr. med. G.________ vom Ärztlichen Dienst der zuständigen MV-Sektion u.a Folgendes aus: «Beim M. Morton handelt es sich um anfallsweise auftretende Parästhesien und Schmerzen im Vorfussbereich, hervorgerufen durch eine sklerosierende Verdickung des M. digiti plantaris communis, (fälschlicherweise) als Neurom oder Neurinom bezeichnet. Begünstigend für die Entstehung eines solchen Pseudoneuroms ist vor allem das Vorliegen von Fussdeformitäten (Spreizfuss, Hallux valgus). Auch das Tragen eines ungeeigneten Schuhwerkes kann zur Entwicklung eines Morton-Syndroms führen. Es handelt sich bei den vorliegenden Beschwerden mit Gewissheit um ein vordienstlich begründetes Leiden auf Grund der (moderaten) Fussdeformität einerseits sowie des exzessiven Joggens anderseits.» Die Frage, wann die Verschlimmerung der von der MV übernommenen «'Mortonmetatarsalgie' bei vordienstlicher Beschwerdefreiheit» als behoben gelten könne, beantwortete der MV-Arzt wie folgt: «Aufgrund der weiter bestehenden vordienstlich begründeten Anlage (Fussdeformität, Vorschädigung durch mechanische Beanspruchung und als Folge des radiologisch dokumentierten Morton-Neuroms) sind neu auftretende Beschwerden durch wiederholte Beanspruchungen, z.B. durch sportliche Aktivität, immer wieder zu erwarten. Ein definitiver Status quo ante kann so nicht erreicht werden. Hingegen darf auf Grund der Akten angenommen werden, dass im Spätherbst 2002 der Status quo sine nach dem Verschwinden der durch die dienstliche Beanspruchung (langes Stehen in inadäquatem Schuhwerk) begründeten Beschwerden erreicht worden ist.» Die Chefärztin des BAMV hielt in ihrer versicherungsmedizinischen Stellungnahme vom 8. März 2004 fest, die genaue Diagnose der Fussbeschwerden links sei nicht bekannt. Mit Bezug auf die heute vorliegende unklare Gesundheitsschädigung könne nur gesagt werden, dass sich das Beschwerdebild unverändert wie das ursprünglich gemeldete präsentiere. Namentlich seien der pathologisch-anatomische sowie der funktionelle Zustand heute gleich wie vor und während des Dienstes. Dies lasse aber keine Rückschlüsse auf das zu Grunde liegende Leiden zu. 4.3 Auf Grund dieser fachärztlichen Aussagen sowie der übrigen medizinischen Akten kann der Sicherheitsbeweis für den Wegfall der Haftung der Militärversicherung für die Fussbeschwerden links nicht als erbracht gelten. Gemäss dem Bericht des Dr. med. W.________, Radiologie-Institut B.________, vom 15. Dezember 2004 zeigte die Kernspintomografie des linken Vorfusses vom Vortag eine flüssigkeitshaltige interdigitale Bursa (Bursitis; Pschyrembel, 260. Aufl., S. 275) zwischen dem 3. und 4. Strahl auf Höhe der Metatarsaleköpfchen bzw. der MTP-Gelenke. Ein Morton-Neurom (Pschyrembel a.a.O. S. 1181 und 1268) war nicht nachweisbar. Im Bericht vom 26. Januar 2005 bestätigt Dr. med. W.________, dass dieser Befund dem (schriftlichen) Befund der MRI-Untersuchung vom 28. Mai 2002 entspricht. Dies stützt die Aussage der Chefärztin des BAMV, wonach das Beschwerdebild seit dem Dienst im November/Dezember 2001 und im Januar 2002 nicht geändert hat. Dem scheinen allerdings die Angaben des Versicherten in den Sprechstunden auf der Orthopädischen Abteilung der Chirurgischen Klinik des Spitals R.________ zu widersprechen. Am 21. November 2002 äusserte er sich dahingehend, die Beschwerden hätten abgenommen und er könne wieder ohne verstärkte Schmerzen trainieren. Am 4. Februar 2003 gab er an, nach einem Training von 10 km seien die Schmerzen in abgeschwächter Form wieder aufgetreten. Der Sprechstunden-Arzt bezeichnete im Protokoll über die Sitzung vom 12. Mai 2003 die Schmerzproblematik als multifaktoriell. Schliesslich hatte der Versicherte am 1. April 2003 gegenüber dem Neurologen Dr. med. C.________ neu auch über lokale Schmerzen am Fussrist links geklagt. Aufgrund der Diskrepanz in diagnostischer Hinsicht stellt sich im Besonderen die Frage, ob die Behandlung bei einer Bursitis anders ausgesehen hätte. Dies betrifft namentlich die Infiltrationen, welche wirkungslos geblieben waren. Anderseits kann entgegen der offenbaren Auffassung des Versicherten darin, dass und soweit ihm ärztlicherseits nicht ausdrücklich im Sinne einer Therapieanweisung Schonung verordnet worden war, keine Fehlbehandlung erblickt werden. War er nach seinen eigenen Angaben nie ganz und für längere Zeit beschwerdefrei, musste er sich vernünftigerweise mit dem Lauftraining zurückhalten, ohne dass es hiefür einer speziellen ärztlichen Verordnung bedurfte. Indessen vermag die insoweit unbestrittene Tatsache, dass der Beschwerdeführer nach den WK's 2001/02 weiterhin, wenn auch seinen glaubhaften Angaben zufolge in reduziertem Umfang Lauftraining machte, was dem Heilungsprozess nicht förderlich war, den Sicherheitsbeweis nicht im Umkehrschluss zu erbringen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der vordienstlichen, jedoch als geringfügig zu bezeichnenden Fussdeformität (minimer Spreizfuss bei leichtgradigem Hohlfuss) sowie des Umstandes, dass der Versicherte schon seit Jahren regelmässig Laufsport betreibt. Nach dem Gesagten kann der Beweis dafür, dass die WK's 2001/02 für die immer wieder aufgetretenen Fussbeschwerden links nach der medizinischen Erfahrung spätestens ab 1. Oktober 2003 resp. ab einem bestimmten Zeitpunkt vor Erlass des Einspracheentscheides vom 25. Juni 2004 praktisch keine Bedeutung mehr hatten, nicht ohne orthopädische Begutachtung erbracht werden.