Citation: 1P.570/2001 28.01.2002 E. 4

4.1 Die Beschwerdeführer rügen, das Verwaltungsgericht habe die Zulässigkeit der strittigen Pferdehaltung in der Wohnzone unter willkürlicher Anwendung von Art. 40 in Verbindung mit Art. 95 des Baugesetzes der Gemeinde Flims (Baugesetz, BG) bejaht. Zudem habe es willkürlich den Art. 3 Abs. 3 lit. b RPG missachtet, wonach Wohngebiete vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen wie Luftverschmutzung, Lärm und Erschütterungen zu verschonen seien. Das Baugesetz lasse in der Wohnzone A einzig den Bau von freistehenden Ein- und Mehrfamilienhäusern zu. Art. 95 BG verbiete jede Störung des ruhigen und gesunden Wohnens sowie alle Betriebe und Anlagen, die nachteilige Einwirkungen auf das Wohngebiet haben können. Zudem seien nach der Praxis im Kanton Graubünden in reinen Wohnzonen keine Pferdestallungen zugelassen. Vorliegend sei die Pferdehaltung nicht nur für den Eigentümer der Parzelle Nr. 1521 bewilligt worden. Dieser habe vielmehr im Interesse seiner volljährigen Tochter um die Bewilligung nachgesucht. Das zweite, während des Umnutzungsbewilligungsverfahrens gehaltene Pferd werde gar für eine Freundin der Tochter untergebracht. Dies sei mit dem Baugesetz offensichtlich nicht vereinbar. Die willkürliche Bewilligung der Umnutzung führe zu einer massiven Belastung und Entwertung ihres Wohneigentums, worin ein unverhältnismässiger Eingriff in ihr verfassungsmässig geschütztes Eigentum (Art. 26 BV) liege. 4.2 Mit Inkrafttreten der Bundesgesetzgebung über den Umweltschutz hat das kantonale Recht betreffend den direkten Schutz vor Immissionen seine selbständige Bedeutung verloren, soweit sich sein materieller Gehalt mit dem Bundesrecht deckt oder weniger weit geht als dieses; es hat sie dort behalten, wo es die bundesrechtlichen Normen ergänzt oder - soweit erlaubt - verschärft (vgl. Art. 65 USG). Indessen haben (städtebauliche) Nutzungsvorschriften des kantonalen und kommunalen Rechts weiterhin selbständigen Gehalt, soweit sie die Frage regeln, ob eine Baute oder Anlage nach den raumplanerischen Grundlagen am vorgesehenen Ort erstellt und ihrer Zweckbestimmung übergeben werden darf. Dies gilt auch, wenn die für den Charakter eines Quartiers wesentlichen Nutzungsvorschriften mittelbar dem Schutz der Nachbarn vor Übelständen verschiedenster Art dienen (BGE 118 Ib 590 E. 3a mit Hinweisen). 4.3 Wie das Verwaltungsgericht feststellte, handelt es sich bei der Zone, in der das streitbetroffene Grundstück liegt, um eine für den Bau von freistehenden Ein- und Mehrfamilienhäusern bestimmte, reine Wohnzone (Art. 40 BG). In dieser lasse Art. 95 Abs. 1 lit. a BG nur nichtstörende Betriebe zu, die ihrem Wesen nach in Wohnquartiere passen und das ruhige und gesunde Wohnen in keiner Weise beeinträchtigen. Bei Art. 95 BG handle es sich, so das Verwaltungsgericht weiter, nicht nur um eine relativ strenge immissionsmässige Beschränkung, sondern auch um eine funktionale Bindung an die Bedürfnisse der Wohnzone. Vorliegend gehe es um eine hobbymässige Tierhaltung. Die Ausübung einer Freizeitbeschäftigung gehöre nach der allgemeinen Lebenserfahrung zum Begriff des Wohnens und müsse in einer Wohnzone grundsätzlich als zonenkonform betrachtet werden. Dies gelte auch unter Berücksichtigung der geringen, vorliegend damit verbundenen Geruchs- und Lärmimmissionen. Diese erschienen im Lichte des Bundesumweltrechts als zulässig, zumal die Pferde im Frühjahr, Sommer und Frühherbst grundsätzlich nur bei Krankheit und schlechtem Wetter für maximal 15 Tage und mitunter im Winter bei sehr kalter Witterung in der Pferdebox und auf dem Vorplatz gehalten würden. 4.4 Die Beschwerdeführer machen, wie bereits ausgeführt, nicht geltend, das Verwaltungsgericht habe mit seinem Urteil Immissionsschutzvorschriften des Bundesumweltrechts (insbes. Art. 11 ff. USG) verletzt. Es ist daher insoweit von der Zulässigkeit bzw. Zumutbarkeit der mit der umstrittenen Pferdehaltung verbundenen Einwirkungen auszugehen. Die Beschwerdeführer haben sodann nicht dargetan und es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern trotzdem eine Verletzung des Planungsgrundsatzes von Art. 3 Abs. 3 lit. b RPG vorliegen soll. Zu prüfen bleibt allein, ob das Verwaltungsgericht in Willkür verfallen ist, indem es die umstrittene, immissionsschutzrechtlich zulässige Pferdehaltung als mit den für den Charakter des Quartiers wesentlichen kantonalen Nutzungsvorschriften vereinbar betrachtet hat. Das Verwaltungsgericht befand, die Haltung von zwei Pferden zu Freizeitzwecken passe ihrem Wesen nach in eine Wohnzone und überschreite vorliegend das in der betroffenen Zone erlaubte Störungsmass eines "nicht störenden Betriebes" im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a nicht. Die Beschwerdeführer bringen nichts vor, was diesen Schluss als willkürlich erscheinen liesse. Insbesondere haben sie nicht dargetan, dass Pferdestallungen zur hobbymässigen Pferdehaltung in einer reinen Wohnzone nach der bündnerischen Praxis generell unzulässig wären und das Verwaltungsgericht im vorliegenden Fall willkürlich von einer solchen Praxis abgewichen wäre. Der verwaltungsgerichtliche Entscheid ist verfassungsrechtlich auch nicht zu beanstanden, weil im Stall die Pferde der volljährigen Tochter des Grundeigentümers bzw. ihrer Freundin gehalten werden sollen und nicht diejenigen des Grundeigentümers selbst. Es ist jedenfalls nicht willkürlich, den hobbymässigen Charakter der Pferdehaltung und ihre "funktionale Bindung an die Bedürfnisse der Wohnzone" auch für eine solche Nutzung zu bejahen. Das Verwaltungsgericht hat demnach die Zonenkonformität der Umnutzung im Lichte von Art. 40 in Verbindung mit Art. 95 BG willkürfrei bejaht. Auch die Rügen, das Verwaltungsgericht habe mit der Bewilligung der Umnutzung die Eigentumsgarantie und das Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt, erweisen sich damit ohne weiteres als unbegründet. Die Beschwerde ist auch insoweit abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann (vgl. Erwägung 1.3 oben).