Citation: 6S.142/2004 28.06.2004 E. B

X.________ stellte am 12. Juni 2003 ein Gesuch um Wiederaufnahme des Strafverfahrens. Zur Begründung machte er geltend, seine Tochter A.________ habe seit Frühjahr 2003 in mehreren Schreiben zum Ausdruck gebracht, dass sie ihren Vater zu Unrecht der sexuellen Handlungen beschuldigt habe, um mehr Freiheit für sich zu erlangen. Wäre dem Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden bekannt gewesen, dass A.________ ihre Aussagen im Strafverfahren frei erfunden habe, hätten die urteilenden Richter mit Sicherheit ein anderes Urteil gefällt und ihn von Schuld und Strafe freigesprochen. Es handle sich beim Widerruf der Anschuldigungen von A.________ um eine neue erhebliche Tatsache im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StPO/GR. Mit Verfügung vom 2. Juli 2003 wies das Kantonsgerichtspräsidium die Staatsanwaltschaft Graubünden an, A.________ untersuchungsrichterlich einzuvernehmen. Mit Vernehmlassung von 16. September 2003 liess A.________ durch ihre Rechtsvertreterin beantragen, das Revisionsgesuch ihres Vaters sei nicht zuzulassen. Sie begründete dies im Wesentlichen mit dem Umstand, dass sie die Briefe unter dem Druck der Familie und von Rechtsanwalt B.________ geschrieben bzw. unterzeichnet habe. Sie habe anlässlich einer Besprechung mit dem Amtsvormund ihre früheren Aussagen bekräftigt und in der Videobefragung vom 23. Juli 2003 deutlich festgehalten, dass der Inhalt der Briefe nicht stimme und sie diese nur unter Druck verfasst habe. Sie bereue dies, habe aber aus Angst gehandelt.