Citation: 5C.290/2001 18.02.2002 E. 6

6.- Anspruch auf nachehelichen Unterhalt ("einen angemessenen Beitrag") besteht nur, soweit einem Ehegatten nicht zuzumuten ist, für den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufzukommen (Art. 125 Abs. 1 ZGB). Die Bezirksgerichtskommission ist zu Recht davon ausgegangen, dass nach mehr als fünfundzwanzig Ehejahren und drei Kindern eine lebensprägende Ehe vorliegt (vgl. etwa Schwenzer, N. 48 zu Art. 125 ZGB) und die Klägerin deshalb grundsätzlich Anspruch auf Fortführung der während der Ehe gelebten Lebenshaltung bzw. bei ungenügender Leistungsfähigkeit auf gleichwertige Lebensführung wie der Unterhaltspflichtige hat (statt vieler: Schnyder, Die ZGB-Revision 1998/2000, Zürich 1999, S. 62/63). Obschon die Klägerin während der Ehe zur Hauptsache die drei Kinder betreute, ist sie einer gewissen Erwerbstätigkeit nachgegangen. Gemäss obergerichtlichen Feststellungen ist sie ab 1990, als sie selber im vierzigsten Altersjahr stand und das jüngste Kind zehnjährig war, fortgesetzt, in mehr oder minder grossem Umfang erwerbstätig gewesen. Bei objektiver Betrachtungsweise hat die Klägerin unter diesen Umständen als Zuverdienerin und nicht als Hausgatte zu gelten. Trotz langer Ehedauer mit Kinderbetreuung und trotz ihres Alters ist es ihr deshalb im Grundsatz zumutbar, eine Nebenerwerbstätigkeit weiterzuführen und allenfalls auszubauen (vgl. etwa Vetterli, Scheidungshandbuch, St. Gallen/ Lachen SZ 1998, S. 96). Die Frage nach der Eigenversorgungskapazität beantwortet sich nach den gleichen Kriterien wie diejenige nach dem hypothetischen Einkommen des Unterhaltspflichtigen (E. 2a Abs. 3 hiervor sowie Urteil des Bundesgerichts 5C.278/2000 vom 4. April 2001, E. 3a Abs. 3, in: ZBJV 138/2002 S. 34, mit Nachweisen). Auf Grund des Gesundheitszustandes der Klägerin hat das Obergericht angenommen, es sei ihr zumutbar und tatsächlich möglich im bisherigen Umfang weiterhin Reinigungsarbeiten auszuüben und damit Fr. 930.-- zu erzielen. Demgegenüber dürfte nach Ansicht des Obergerichts "ein Wechsel zu einer qualifizierteren Tätigkeit für eine über 50-jährige übergewichtige Italienerin nicht in Sicht sein" (E. 2b S. 16). Die Bezirksgerichtskommission hat als Grund für die unmöglich scheinende Integration der Klägerin in das Berufsleben zusätzlich deren fehlende Ausbildung genannt (E. 5 S. 10). Der Beklagte wendet ein, es sei nicht einzusehen, weshalb der Klägerin kein Vollpensum zumutbar sei; bei einem festgestellten Stundenlohn von Fr. 22.45 resultiere ein Bruttoeinkommen von Fr. 3'600.-- pro Monat. Entgegen seiner Darstellung bestehen die gesundheitlichen Schwierigkeiten der Klägerin nicht bloss in scheidungsbedingten psychischen Problemen. Das Obergericht hat bei der Klägerin weitergehend einen hohen Blutdruck mit Herzrhythmusstörungen sowie Gallensteine mit wiederholten Koliken und allgemeinen Verdauungsstörungen festgestellt. Insoweit wird klar zum Ausdruck gebracht, dass mit diesen gesundheitlichen Beschwerden zwar eine Erwerbstätigkeit im bisherigen Umfang weiterhin zumutbar, eine Steigerung körperlicher Arbeit (Reinigungsarbeiten) aber nicht möglich ist und ein Wechsel auf eine qualifiziertere Tätigkeit vorab mangels geeigneter Ausbildung ausser Betracht fällt. Was der Beklagte unter Hinweis auf seine eigene Gesundheit dagegenhält, macht keine bundesrechtsverletzende Beurteilung der Eigenversorgungskapazität der Klägerin erkennbar.