Citation: 6B_111/2007 04.06.2007 E. A

Mit Strafbefehl vom 26. Oktober 2005 verurteilte das Bezirksamt Muri X.________ wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln (Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 12 Abs. 12 VRV i.V.m. Art. 90 Ziff. 2 SVG) zu einer Busse von 600 Franken. Es hielt auf Grund der Zeugenaussage des Polizeibeamten A.________ für erwiesen, dass er am 30. August 2005, um ca. 7:30 Uhr, mit seinem Personenwagen von Boswil in Richtung Wohlen fuhr und dabei ausgangs Boswil während rund 500 m bis auf max. 2 m auf den vor ihm fahrenden Personenwagen aufschloss, und, nachdem er diesen überholt hatte, erneut bis auf max. 2 m auf den Vordermann aufschloss und diesen Abstand während einer längeren Strecke beibehielt. Auf Einsprache des X.________ hin kam der Präsident des Bezirksgerichts Muri in seinem Urteil vom 14. Februar 2006 zum Schluss, die Aussage des Polizeibeamten A.________, X.________ habe auf längere Strecken einen Abstand von maximal 2 m zu seinem Vordermann eingehalten, sei problematisch, da das Schätzen von Distanzen erfahrungsgemäss schwierig sei, umso mehr als der Zeuge hinter X.________ gefahren sei und sich in der zweiten Phase des Vorfalls noch ein anderes Fahrzeug zwischen ihnen befunden habe. Ein derart geringer Abstand sei auch fahrtechnisch nur schwer einzuhalten. Offenbar neige der Zeuge dazu, Distanzen zu unterschätzen; so habe er seinen eigenen Abstand mit 10 bis 15 m angegeben, was bei einer gefahrenen Geschwindigkeit um die 80 km/h zu wenig gewesen wäre. Als erfahrener Automobilist habe der Zeuge indessen intuitiv erkennen können, dass der Abstand zu klein gewesen sei, auch wenn es schwierig sei, diese Feststellung in präzise Längenangaben umzusetzen. Es könne indessen kein Zweifel daran bestehen, dass der Polizeibeamte festgestellt habe, dass X.________ zu nahe zum Vordermann aufgeschlossen habe. Als er direkt hinter dem Fahrzeug des X.________ gefahren sei, hätte er auch aus seinem ungünstigen Blickwinkel sicher erkannt, wenn dieser mehr als eine Autolänge Abstand gehalten hätte. Beim zweiten Auffahren, als sich ein anderes Fahrzeug zwischen ihm und X.________ befand, hätte er mit Sicherheit erkannt, wenn dieser mehr als zwei Autolängen Abstand gehalten hätte. Es könne daher ausgeschlossen werden, dass X.________ einen Abstand von mehr als 6 Metern im ersten und mehr als 12 Metern im zweiten Fall eingehalten habe. Angesichts dieser Unsicherheiten in Bezug auf den effektiv eingehaltenen Abstand und auch in Bezug auf die gefahrenen Geschwindigkeiten - es sei möglich, dass die innerorts und ausserorts erlaubten Geschwindigkeiten von 50 bzw. 80 km/h nicht ganz erreicht worden seien - könne indessen nicht mit Sicherheit festgestellt werden, dass X.________ mit seiner Fahrweise eine ernsthafte Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer geschaffen habe, weshalb nur eine einfache Verkehrsregelverletzung vorliege. Dementsprechend verurteilte der Gerichtspräsident X.________ wegen mehrfachen ungenügenden Abstandhaltens beim Hintereinanderfahren (Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 12 Abs. 1 VRV i.V.m. Art. 90 Ziff. 1 SVG) zu einer Busse von 400 Franken. Das Obergericht des Kantons Aargau wies die Berufung des X.________ am 23. März 2007 vollumfänglich ab, hob indessen das Urteilsdispositiv von Amtes wegen auf, um es an die Bestimmungen des neuen Rechts anzupassen.