Citation: 6B_1178/2021 E. 2.5.2

2.5.2. Nach dem Ausgeführten hat die Beschwerdeführerin zunächst den nicht (frisch) präparierten Teil der Piste Nr. 69b gequert, um dann über die "Kante" in den präparierten Teil der Piste Nr. 69b einzufahren, den sie ebenfalls traversieren wollte. Zwar ist die Bestimmung, dass ein Skifahrer, der eine Abfahrt quert, also von einem Pistenrand zum anderen gelangen will, verpflichtet ist, während des Querens nach oben zu beobachten, in der FIS-Regel 5 nicht mehr enthalten (vgl. STIFFLER, a.a.O., Rz. 101 Fn. 88). Mit der Vorinstanz ist das Queren der Piste Nr. 69b, auf der sich der Beschwerdegegner 2 befand, aufgrund der bestehenden örtlichen Verhältnisse dennoch als atypisches Verhalten zu bezeichnen (vgl. Beschluss S. 8). Die querende Beschwerdeführerin war folglich gehalten, besondere Vorsichtsmassnahmen zu treffen, um der von ihr dadurch geschaffenen Gefahr zu begegnen. Kommt hinzu, dass sie auf eine Abfahrt einfuhr, ohne an der "Kante", die den präparierten Teil der Piste Nr. 69b merklich vom nicht (frisch) präparierten Teil abgrenzte, anzuhalten, und schliesslich auch noch hangaufwärts fuhr. Folglich wäre sie gemäss der FIS-Regel 5, die entgegen ihrem Einwand für alle Skifahrer und Snowboarder und damit auch für sie galt (vgl. E. 2.4.3 i.f.; Beschwerde S. 9 f.; Beschluss S. 11), verpflichtet gewesen, sich nach oben und unten zu vergewissern, dass sie dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann, was sie nicht tat. Selbst wenn die Beschwerdeführerin, wie in der Beschwerde vorgebracht, mit ihrer Rechtskurve hangaufwärts auf das Verhalten des Beschwerdegegners 2 reagiert hätte, würde dies nichts daran ändern, dass sie die FIS-Regel 5 verletzt hat. Kommt hinzu, dass sie dem Beschwerdegegner 2 mit ihrem Manöver, wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, den Reaktionsweg verkürzte. Demgegenüber fuhr der Beschwerdegegner 2 auf dem präparierten Teil der Piste Nr. 69b, deren Verlauf er folgte. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass er mittels der Linkskurve hinter der traversierenden Beschwerdeführerin durchfahren wollte, womit er diese auch frühzeitig wahrgenommen haben muss. Dieses Manöver erscheint durchaus nachvollziehbar, da er der grundsätzlich vortrittsbelasteten Beschwerdeführerin so nicht in die Fahrstrecke fuhr und ihr ermöglichte, ihre Fahrt fortzusetzen. Indem die Beschwerdeführerin plötzlich hangaufwärts und nicht weiter geradeaus fuhr, verkürzte sie die Distanz zum Beschwerdegegner 2, worauf er nicht mehr reagieren konnte, weshalb es zum Zusammenstoss kam. Selbst wenn man dem Beschwerdegegner 2 vorhalten wollte, dass er die von ihm gefahrene Strecke so hätte wählen müssen, dass er die Beschwerdeführerin nicht gefährdet, bzw. in einem grösseren Bogen um sie herum hätte fahren müssen, ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass er nicht damit rechnen musste, dass ihm die Beschwerdeführerin plötzlich hangaufwärts entgegen kommt (vgl. E. 2.4.3; siehe auch Beschluss S. 12). Es ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz sinngemäss festhält, dass es bei den möglichen alternativen Verhaltensweisen der Beschwerdeführerin, mit denen der Beschwerdegegner 2 rechnen musste (Sturz, Geradeausfahren, Abfahrt, Stillstand), nicht zum Zusammenstoss gekommen wäre (vgl. Beschluss S. 11). Weshalb die Beschwerdeführerin letztlich hangaufwärts fuhr, ist für die Beurteilung, ob der Beschwerdegegner 2 eine Sorgfaltspflicht verletzt hat, nicht massgebend. In jedem Fall musste er bei der Wahl seiner Fahrstrecke/Fahrweise nicht damit rechnen, dass die Beschwerdeführerin ihm hangaufwärts entgegen fährt. Damit verletzt die Vorinstanz kein Bundesrecht, wenn sie zum Schluss gelangt, der Beschwerdegegner 2 habe sich nicht pflichtwidrig unvorsichtig verhalten, womit der Tatbestand von Art. 125 Abs. 2 StGB nicht erfüllt und das Verfahren gegen ihn zu Recht eingestellt worden sei.