Citation: 1B_289/2022 E. 3.2

3.2. In der Regel sind zwar mindestens zwei Vortaten erforderlich, was sich bereits aus dem Wortlaut von Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO ergibt. Nach konstanter Rechtsprechung kann unter Umständen aber auch bereits eine einzige gleichartige Vortat genügen (BGE 146 IV E. 3.1; Urteile 1B_202/2022 vom 11. Mai 2022 E. 4.1; 1B_50/2013 vom 25. Februar 2013 E. 4.2; 1B_676/2012 vom 27. November 2012 E. 3.1; 1B_254/2012 vom 24. Mai 2012 E. 6.2; 1B_133/2011 vom 12. April 2011 E. 4.7). Erweisen sich die Risiken als untragbar hoch (sogenannte "qualifizierte Wiederholungsgefahr"), kann nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vom Vortatenerfordernis sogar vollständig abgesehen werden (BGE 146 IV 326 E. 3.1; 143 IV 9 E. 2.3.1 137 IV 13 E. 3 f.; Urteil 1B_202/2022 vom 11. Mai 2022 E. 4.1) Der Beschwerdeführer weist nur, aber immerhin, eine gleichartige Vortat im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf (vgl. E. 3.2.1 hiervor). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers liegt demnach kein (allfälliger) Anwendungsfall von "qualifizierter Wiederholungsgefahr" vor, bei welchem (gar) keine Vortaten vorliegen. Indessen sind die Anforderungen an die Annahme von Wiederholungsgefahr beim Vorliegen von (nur) einer Vortat höher, als dies beim Vorliegen von zwei oder mehr Vortaten der Fall wäre, insbesondere wenn sich diese Vortat aus den aktuellen Tatvorwürfen ableitet. Die Anwendung des Haftgrundes der Wiederholungsgefahr über seinen gesetzlichen Wortlaut hinaus auf Ersttäter muss auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben (Urteile 1B_91/2022 vom 18. März 2022 E. 4.1; 1B_556/2019 vom 12. Dezember 2019 E. 2.2; 1B_88/2015 vom 7. April 2015 E. 2.2; 1B_322/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 3). Inwiefern diese Anforderungen erfüllt sind, ist nachfolgend zu prüfen.