Citation: H 306/99 25.02.2000 E. 2

2.- a) Die im vorliegenden Fall massgebenden rechtli- chen Grundlagen (Art. 52 AHVG, Art. 14 Abs. 1 AHVG in Ver- bindung mit Art. 34 ff. AHVV) und die zur subsidiären Haft- barkeit der Organe (vgl. statt vieler BGE 123 V 15 Erw. 5b) sowie zur Haftungsvoraussetzung des zumindest grobfahrläs- sigen Verschuldens (BGE 121 V 243, 108 V 186 Erw. 1b, 193 Erw. 2b; ZAK 1985 S. 576 Erw. 2, 619 Erw. 3a) ergangene Rechtsprechung finden sich im kantonalen Entscheid zutref- fend wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden. b) Wie das kantonale Gericht verbindlich festgestellt hat (vgl. Erw. 1 hievor), war die S.________ AG im Zeitpunkt, als W.________ am 21. Februar 1996 sämtliche Aktien erwarb und fortan (faktisch) einziges Mitglied des Verwaltungsrats war, bereits überschuldet. Am 9. April 1996 entsprach die Beschwerdeführerin einem Gesuch der Aktienge- sellschaft um Zahlungsaufschub für verschiedene Beitrags- forderungen aus dem Jahr 1995 von insgesamt Fr. 42 071.50. Die Gesellschaft hielt sich an den vereinbarten Tilgungs- plan und bezahlte von März bis November 1996 monatlich Fr. 4000.-. Die letzten beiden Raten von Fr. 4000.- und Fr. 2071.50 wären am 31. Dezember 1996 und am 31. Januar 1997 fällig gewesen. Zuvor am 17. Dezember 1996 war jedoch über die Gesellschaft bereits der Konkurs eröffnet worden. Die für das Jahr 1996 geschuldeten Sozialversicherungs- beiträge hatte sie mit Ausnahme der am 30. Dezember 1996 fällig gewordenen Beitragsforderung für Dezember 1996 eben- falls bezahlt. Gestützt auf diese Sachlage kam das kantonale Gericht zum Schluss, dem Beschwerdegegner könne einzig vorgeworfen werden, dass er nicht sofort den Konkurs angemeldet habe. Es sei jedoch zu beachten, dass er keine weiteren unbezahl- ten Sozialversicherungsbeiträge auflaufen liess und mit dem Einbringen beträchtlicher privater finanzieller Mittel nicht nur einen weiteren Schaden verhindert, sondern zu- sätzlich durch die Bezahlung von ausstehenden Beitragsfor- derungen aus dem Jahr 1995 gemäss Tilgungsplan den Schaden vermindert habe. Die von ihm getroffenen Vorkehren würden belegen, dass die konkursite Gesellschaft während der Zeit, als er Verwaltungsrat gewesen sei, in keiner Weise beab- sichtigt habe, ihren Betrieb auf Kosten der Beschwerdefüh- rerin weiterzuführen. Unter den gegebenen Umständen könne dem Beschwerdegegner keine haftungsbegründende schwere Pflichtverletzung zur Last gelegt werden. Eine Haftung entfalle somit mangels qualifiziertem Verschulden. Das kantonale Gericht liess ferner offen, ob die Haftung des Beschwerdegegners auch wegen fehlendem adäquatem Kausalzu- sammenhang zwischen seinem Verhalten und dem vor seinem Eintritt in den Verwaltungsrat verursachten Schaden abzu- lehnen wäre. c) Der Auffassung der Vorinstanz ist beizupflichten. Der Beschwerdegegner hat sich nach Übernahme der Aktienge- sellschaft mit der Ausgleichskasse in Verbindung gesetzt und für die im Zeitpunkt der Übernahme noch ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge einen Zahlungsaufschub und Til- gungsplan vereinbart, den die Gesellschaft in der Folgezeit bis zur Konkurseröffnung eingehalten hat. Unter diesen Um- ständen entfällt eine haftungsbegründende grobfahrlässige Pflichtverletzung (BGE 124 V 253; AHI 1999 S. 26). Die Be- schwerdeführerin kann daher nichts aus dem Grundsatz ablei- ten, dass ein Verwaltungsrat mit dem Antritt des Mandats sowohl in die Verantwortung für die laufenden als auch für die verfallenen, von der Gesellschaft vor diesem Zeitpunkt schuldig gebliebenen Beiträge eintritt (vgl. BGE 119 V 401). Der Beschwerdegegner hat auch dafür gesorgt, dass die laufenden Beiträge des Jahres 1996 bezahlt werden. Damit ist er der Pflicht nachgekommen, in finanziell schwierigen Zeiten nur so viel Lohn auszuzahlen, als dass die darauf unmittelbar ex lege entstandenen Beitragsforderungen ge- deckt sind (SVR 1995 AHV Nr. 70 S. 214 Erw. 5). In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird nichts vor- gebracht, was die tatsächlichen Feststellungen der Vorin- stanz als mangelhaft im Sinne von Art. 105 Abs. 2 OG oder die rechtliche Würdigung als bundesrechtswidrig erscheinen liesse. Insbesondere übersieht die Beschwerdeführerin, wo- rauf das kantonale Gericht in der Vernehmlassung zu Recht hinweist, dass die Schadenersatzklage wegen fehlendem Ver- schulden abgewiesen worden ist und nicht wegen fehlendem Kausalzusammenhang. Selbst wenn von der Sachdarstellung der Beschwerdeführerin ausgegangen wird, wonach die Aktienge- sellschaft nach September 1996 den Tilgungsplan nicht mehr eingehalten habe, so könnte im vorliegenden Fall angesichts der kurze Zeit später am 17. Dezember 1996 erfolgten Kon- kurseröffnung nicht von einem grobfahrlässigen Verhalten gesprochen werden (vgl. BGE 121 V 243).