Citation: 6B_228/2023 E. 2.6.1

2.6.1. Die insgesamt beschränkten privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz wurden schon anlässlich der Härtefallprüfung erörtert (vgl. soeben E. 2.5). Lediglich mit Blick auf die familiäre Situation bestehen begründete private Interessen. Diese gilt es jedoch - wie auch die Vorinstanz es tut - zu relativieren. Die Vorinstanz hält fest, ein regelmässiger und enger Kontakt zu den Söhnen bestehe erst seit Sommer 2021. Dabei stützt sie sich auf den anlässlich der Berufungsverhandlung von der Verteidigerin des Beschwerdeführers eingereichten Bericht des Leiters der Institution, in der die Söhne fremdplatziert sind. Dieser hält fest, in der Vergangenheit habe der Beschwerdeführer oft unregelmässige Arbeitszeiten gehabt, weshalb es für ihn schwierig gewesen sei, an den Wochenenden für seine Kinder da zu sein. Seit Sommer 2021 könne er es sich einrichten; seither gingen die Kinder regelmässig ein Wochenende pro Monat zu ihrem Vater. Seit Januar 2022 würden sie zwei Wochenenden pro Monat bei ihm verbringen, zusätzlich seien sie während der Schulferien dieses Jahres einige Tage bei ihm gewesen. Gestützt darauf ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz ausführt, ein regelmässiger und enger Kontakt zu den Söhnen bestehe erst seit Sommer 2021. Was der Beschwerdeführer dagegen einwendet, vermag keine Willkür in den vorinstanzlichen Feststellungen zu begründen. Er verweist auf ein Schreiben der Beiständin der Kinder vom 16. Juni 2020, dem lediglich zu entnehmen ist, die Kinder würden regelmässig die Wochenenden beim Vater verbringen; die konkrete Ausgestaltung und die Häufigkeit ist daraus nicht ersichtlich. Und auch die Angaben anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung, wonach er die Kinder zweimal im Monat sehe, vermag die Ausführungen der Vorinstanz nicht als willkürlich auszuweisen. Wenn der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang geltend macht, die Vorinstanz dürfe den Zeitraum zwischen April 2020 und Juni 2021 nicht derart nachteilig gewichten, so ist ihm ebenso wenig zu folgen. Denn die Vorinstanz durfte ohne Weiteres berücksichtigen, dass der Zeitpunkt des nachgewiesenen regelmässigen Kontakts mit der Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils vom 24. Juni 2021 zusammenfällt. Ebenso gibt zu keinen Bemerkungen Anlass, wenn die Vorinstanz die Frage aufwirft, weshalb sich der Kontakt in der Zeit seiner Arbeitslosigkeit im April 2020 nicht intensiviert habe. Inwieweit sie diese Aspekte dem Beschwerdeführer übermässig negativ anlaste, ist nicht ersichtlich. Sie fallen jedoch für die Frage der privaten Interessen durchaus ins Gewicht. Das Gleiche gilt für die Argumentation der Vorinstanz, wonach der Beschwerdeführer nicht einmal die Geburtsdaten seiner Kinder habe angeben können. Wenn der Beschwerdeführer dem lediglich entgegenhält, er tue sich allgemein mit Daten schwer, so vermag er nicht zu überzeugen. Bei dieser Ausgangslage ist, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers, nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz davon ausgeht, er habe bisher nicht massgeblich Verantwortung für seine Kinder übernommen. Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei aktenwidrig anzunehmen, der Beschwerdeführer könne im Falle einer Landesverweisung weiterhin über soziale Medien und Besuche mit seinen Kindern in Kontakt bleiben. Der Kontakt via soziale Medien mit dem jüngeren neunjährigen Sohn sei aufgrund seines Alters nicht möglich; dieser habe auch kein Mobiltelefon. Diese Begründung überzeugt nicht. Angesichts des Umstands, dass die Kinder in einem Wohnheim fremdplatziert sind, eine Beiständin haben und der Beschwerdeführer gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz regelmässig per Chat mit dem älteren Sohn in Kontakt steht, ist nicht ersichtlich, inwieweit dem jüngeren Sohn ein Kontakt verwehrt sein soll. Auch ohne eigenes Mobiltelefon wird es für ihn möglich sein, Kontakt zum Beschwerdeführer herzustellen; sei dies mittels des Mobiltelefons seines Bruders oder beispielsweise durch das Zurverfügungstellen eines Computers oder eines Mobiltelefons durch die Institution oder die Beiständin. Überdies wird weder dargetan noch ist ersichtlich, inwieweit ein neunjähriges Kind nicht in der Lage sein soll, über die modernen Kommunikationsmittel - so beispielsweise Chats oder Videotelefonie - mit dem Beschwerdeführer in Kontakt zu stehen. Mit Bezug auf allfällige Besuche der Kinder ist dem Beschwerdeführer insoweit zuzustimmen, als ihnen eine Reise nach Nordmazedonien aufgrund ihres Alters alleine wohl kaum zugemutet werden könnte und dies auch der Zustimmung der KESB bedürfte. Die Vorinstanz hält diesbezüglich lediglich fest, der Beschwerdeführer könne - wenngleich mit Einschränkungen gegenüber dem heutigen persönlichen Kontakt - weiterhin über soziale Medien und Besuche mit den Kindern in Kontakt bleiben. Vorliegend ist die Aufgleisung von Kurzbesuchen (unter Mitwirkung der Beiständin und der zuständigen Personen) nicht ausgeschlossen; deren konkrete Ausgestaltung kann und muss von der Vorinstanz nicht beurteilt werden. In diesem Zusammenhang lässt die Vorinstanz nicht ausser Acht, dass der persönliche Kontakt auch im Interesse des Kindeswohls sein dürfte. Zutreffend führt die Vorinstanz aber aus, die Kinder würden seit mehreren Jahren vornehmlich von der Institution getragen, weil weder der Beschwerdeführer als Vater noch die Mutter in der Lage gewesen seien bzw. seien, die für das Kindeswohl unabdingbare Stabilität und Verlässlichkeit zu gewähren. Entscheidend ist denn auch, dass gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen eine Platzierung der Kinder beim Vater auch weiterhin nicht angedacht ist, diese entsprechend auch in Zukunft fremdplatziert sein werden und der Beschwerdeführer selbst bei einem Verzicht auf die Landesverweisung nicht über das Aufenthaltsbestimmungsrecht über seine Kinder verfügen würde. Dass der Beschwerdeführer - mit seinen Worten - stets nur das Beste für seine Kinder möchte, wird nicht bezweifelt, vermag aber an der Beurteilung nichts zu ändern. Daraus geht, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers, nicht hervor, er habe massgeblich Verantwortung für seine Kinder übernommen und werde dies auch in Zukunft tun. Demnach ist eine gewisse Härte im Falle einer Landesverweisung durchaus anzunehmen; diese ist angesichts der öffentlichen Interessen jedoch hinzunehmen.