Citation: 4A_141/2022 E. 4.3.3

4.3.3. Gerade die Tätigkeit des Anwalts fällt aber, zumindest soweit es um die eigentliche Prozessführung geht, in aller Regel nicht in die Kategorie der Aufträge, bei denen sich der Erfolg allein mit genügendem Fachwissen und hinreichendem Einsatz des Anwalts nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge ohne Weiteres erreichen lässt. Das Ergebnis eines Prozesses hängt oft von Umständen ab (wie beispielsweise dem Inhalt und der Überzeugungskraft einer Zeugenaussage, den Schlussfolgerungen eines Gerichtsexperten, aber auch dem Umfang der Bestreitungen durch die Gegenpartei), die bei Mandatsübernahme noch nicht bekannt und bisweilen kaum abschätzbar sind (GAUTSCHI, Berner Kommentar, 3. Aufl. [Vorauflage] 1971, N. 21c und N. 34c[4] zu Art. 398 OR). Unter diesem Gesichtspunkt fragt sich, ob sich in derartigen Fällen aus einer vorbehaltslosen Mandatsübernahme mehr ableiten lässt, als dass die Erfolgsaussichten bei Mandatsübernahme nicht bereits kompromittiert erschienen. Denn nur wenn sich die mangelnden Prozessaussichten bereits bei Mandatsübernahme oder vor Einleitung des Prozesses erkennen lassen, hätte der Beauftragte von der Prozessführung abmahnen müssen.