Citation: I 72/02 18.12.2002 E. 3.2

3.2.1 Die Bemessung des Valideneinkommens eines Selbstständigerwerbenden nach Massgabe der in einem Gewerbebetrieb tatsächlich erzielten Betriebsergebnisse kann zum Vornherein nur zu einem rechtskonformen Einkommensvergleich führen, wenn hiefür die vor dem Eintritt eines invalidisierenden Gesundheitsschadens realisierten Betriebsergebnisse herangezogen werden. Andernfalls wird der Grundsatz verletzt, dass das (hypothetische) Valideneinkommen im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG dem Erwerbseinkommen entsprechen muss, das der Versicherte erzielen könnte, wenn er gesund geblieben wäre. Im vorliegenden Fall steht aber fest, dass der Beschwerdeführer seit 1992 an Schwindelanfällen leidet und dadurch bei bestimmten Arbeiten - mit Reklination des Kopfes, auf Gerüsten oder Leitern sowie als Chauffeur - in seiner Arbeitsfähigkeit als Isoleur beeinträchtigt ist. Es ist daher nicht zulässig, für die Ermittlung des ohne Behinderung zumutbaren Einkommens auf die in den Jahren 1995 bis 1999 tatsächlich realisierten Betriebsergebnisse abzustellen. 3.2.2 Davon abgesehen kann nach Art. 25 Abs. 1 Satz 1 IVV der von einem Selbstständigerwerbenden erzielte Betriebsgewinn dem Validen- oder Invalideneinkommen nicht einfach gleichgesetzt werden. Denn laut dieser Bestimmung gelten (vorbehältlich der in Satz 2 lit. a-c erwähnten Ausnahmen) als Erwerbseinkommen im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG die mutmasslichen jährlichen Erwerbseinkommen, von denen Beiträge gemäss AHVG erhoben würden. Die damit vorgeschriebene Parallelisierung der invalidenversicherungsrechtlich massgebenden hypothetischen Vergleichseinkommen mit dem AHV-rechtlich beitragspflichtigen Einkommen gebietet, für den Einkommensvergleich bei Selbstständigerwerbenden die effektiv bezahlten persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge zum Betriebsgewinn hinzuzuzählen (Art. 9 Abs. 2 lit. d Satz 2 AHVG) und davon den Zinsertrag auf dem im Betrieb eingesetzten Eigenkapital abzuziehen (Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG; vgl. SVR 1999 IV Nr. 24 S. 73 Erw. 4b und c). Auch das so korrigierte AHV-beitragspflichtige Erwerbseinkommen darf aber nicht ohne weiteres für die Ermittlung der Vergleichseinkommen im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG herangezogen werden. Die Invalidenversicherung ist eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung (Art. 4 IVG) und der für den Rentenanspruch massgebende Invaliditätsgrad beruht ausschliesslich auf der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse. Invaliditätsfremde Faktoren, welche das Betriebsergebnis eines Selbstständigerwerbenden beeinflussen, müssen daher beim Einkommensvergleich konsequent ausgesondert werden. Abweichend von der AHV-Beitragsbemessung sind demgemäss invaliditätsfremde Aufwendungen und Erträge bei der Ermittlung der Vergleichseinkommen nach Art. 28 Abs. 2 IVG aufzurechnen oder auszuscheiden, soweit sie aus den vom Versicherten vorgelegten Bilanzen ersichtlich sind oder anhand der Buchhaltungsunterlagen nachgewiesen werden können. Zu diesen ausserordentlichen (nicht im Zusammenhang mit der Behinderung stehenden) Erträgen gehören beispielsweise der Abbau des Warenlagers oder die Auflösung von stillen Reserven. Ausserordentliche und damit für den invalidenversicherungsrechtlichen Einkommensvergleich unbeachtliche Aufwendungen stellen unter anderem Unterhalts- und Reparaturarbeiten, Rückstellungen und Abschreibungen dar (vgl. SVR 1999 IV Nr. 24 S. 73 Erw. 4b). Solche Aufwandpositionen, die sich bei der AHV-Beitragsbemessung ertragsmindernd auswirken (vgl. Art. 9 Abs. 2 lit. b AHVG), sind in den Jahresrechnungen des Beschwerdeführers enthalten. Entgegen seiner Auffassung kann daher für die Ermittlung des Valideneinkommens auch nicht einfach auf das um die geleisteten persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge und die behinderungsbedingte Ertragseinbusse erhöhte AHV-beitragspflichtige Einkommen der Jahre 1996 bis 1998 abgestellt werden. Die von invaliditätsfremden Faktoren unbeeinflusste betriebliche Leistung, wie sie der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Einschränkung bzw. trotz dieser erzielen könnte, lässt sich vielmehr im vorliegenden Fall nur auf dem Wege des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens sachgerecht ermitteln (vgl. auch AHI 1998 S. 254 f. Erw. 4a).