Citation: U 77/06 14.03.2007 E. 4

4.1 Streitig ist, ob die geklagten Beschwerden noch in einem kausalen Zusammenhang mit dem Unfall vom 5. August 1998 stehen. Dabei steht insbesondere in Frage, ob die medizinischen Abklärungen zur Beurteilung des Leistungsanspruches genügen. Die SUVA stellte ihre Leistungen mit der Begründung ein, es seien im Zusammenhang mit den Beschwerden des Versicherten keine unfallbedingten organischen Folgen objektivierbar. Sie verwies dazu im Einspracheentscheid vom 28. November 2003 neben dem Bericht des Kreisarztes Dr. med. I.________ vom 12. Mai 2003 auf die Beurteilungen des Dr. med. M.________. Gemäss Bericht vom 5. Dezember 2001 hätte bei der orthopädischen Untersuchung keine organische Ursache für die erheblichen Beschwerden festgestellt werden können, weshalb davon auszugehen sei, dass die geklagten Beschwerden nicht durch die Prellung (der linken Hüfte) und die deswegen vorgenommenen operativen Eingriffe verursacht worden seien. Im Bericht vom 4. November 2003 habe der Arzt dargelegt, dass auch mit Blick auf die Rückenbeschwerden und die Hüftbeschwerden rechts keine unfallbedingten objektivierbaren organischen Befunde gegeben seien und dass bezüglich der linken Hüfte das bisher Gesagte gelte. Die Vorinstanz bestätigte diese Beurteilung und lehnte das Leistungsbegehren des Versicherten ab. Der Beschwerdeführer wendet im Wesentlichen dagegen ein, die medizinischen Verhältnisse seien auch hinsichtlich der Symptomausweitung auf die rechte Hüfte und die Lendenwirbelsäule ungenügend abgeklärt, weshalb ein versicherungsexternes Gutachten erforderlich sei. 4.2 Während der Kreisarzt Dr. med. W.________ am 16. Februar 2001 befand, somatische Unfallfolgen im engen Sinne würden keine mehr vorliegen und der Versicherte könne zumindest halbtags Büroarbeiten erledigen, legte die IV-Stelle am 11. Mai 2001 auf Grund ihrer medizinischen Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit den Invaliditätsgrad des Versicherten ab 1. Mai 2000 auf 89 % fest und sprach ihm ab diesem Zeitpunkt eine ganze Rente zu. Im Bericht des SUVA-Arztes Dr. med. M.________ vom 5. Dezember 2001 wurden wiederum jegliche unfallbedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit verneint. 4.3 Diese Diskrepanz in der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit lässt sich entgegen der Auffassung der SUVA nicht damit erklären, dass die Invalidenversicherung auch nicht unfallbedingte Faktoren wie die Rückenproblematik, die Beschwerden im rechten Hüftgelenk und die Adipositas mitberücksichtigt habe. Als sich die Invalidenversicherung auf die erwähnten Grundlagen stützte, stand eindeutig die Problematik der linken Hüfte im Vordergrund. Die anderen Probleme (Rücken, rechte Hüfte) akzentuierten sich erst später. 4.4 Weder die Berichte des Kreisarztes Dr. med. I.________ vom 12. Mai 2003 noch diejenigen des SUVA-Arztes Dr. med. M.________ vom 20. Mai und 4. November 2003, auf welche die SUVA ihren Einspracheentscheid abgestützt hat, vermögen diese Diskrepanz zu erklären. Sie überzeugen auch nicht in ihren Schlussfolgerungen. Dr. med. I.________ verneint Unfallfolgen, "welche einem anatomisch pathologischen Substrat zu Grunde liegen". Dr. med. M.________ stellt fest, auf organischer, namentlich orthopädischer Ebene liessen sich weder ein Integritätsschaden noch eine "erhebliche" Einschränkung im Alltag begründen. Was unter einer erheblichen Einschränkung zu verstehen ist, erklärt er indessen nicht. Andererseits stellen beide Ärzte die vom Versicherten geklagten Beschwerden nicht in Abrede. Vielmehr schlägt Dr. med. I.________ zu deren Therapie eine Akupunkturbehandlung vor. 4.5 Der Unfallversicherer kann sich seiner Leistungspflicht nach immerhin 5 Jahren der Leistungserbringung nicht entschlagen mit der Begründung, die Ärzte könnten für Beschwerden, die sie nicht in Abrede stellten, kein anatomisch pathologisches Substrat feststellen. Der Versicherte ist drei Mal an der linken Hüfte operiert worden. Anhaltspunkte, dass er vor dem Unfall an Hüftbeschwerden gelitten hätte, sind den Akten nicht zu entnehmen. Der Arzt hat zu prüfen, ob die Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ihre Ursachen in den Verletzungen durch den Unfall und die verschiedenen Operationen oder in unfallfremden Ursachen haben. Sollen andere Ursachen dafür verantwortlich sein, so sind die Ursachen und ihre Eignung, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Beschwerden zu verursachen, darzutun. 4.6 Die Aussage des Dr. med. M.________ vom 6. April 2001, wonach die Eröffnung der Hüftkapsel mit partieller Synovektomie das Hüftgelenk, "wenn schon vielleicht leider nicht erfolgreich, dann aber auch nicht negativ beeinflusst haben", ist ebenso wie die Beurteilung, der Versicherte sei im Alltag nicht "erheblich" eingeschränkt, vage und zu wenig begründet. Die Beurteilungen des Dr. med. M.________ und des Dr. med. I.________ überzeugen auch hinsichtlich der Problematik der rechten Hüfte nicht. Sie vermögen nicht schlüssig darzutun, weshalb die Beschwerden an der rechten Hüfte, die der Versicherte bei längerer Belastung (längerer Gehstrecke) ähnlich wie in der linken Hüfte verspürt, gerade mit Blick auf eine mögliche Fehlbelastung wegen verändertem Gangbild in keinem Zusammenhang, insbesondere auch nicht im Sinne einer Teilursache, stehen. So vermag die Begründung des Dr. med. I.________, wonach die rechtsseitigen Hüftbeschwerden nichts mit dem Unfall zu tun hätten, weil die Wissenschaft bisher keine Sekundärschäden einer gesunden Gegenseite nach Trauma habe nachweisen können, nicht zu überzeugen, nachdem er selbst einen Beckenschiefstand feststellt. Ebenso wenig sind die Ausführungen des Dr. med. M.________ vom 4. November 2003 schlüssig, wonach es wenig plausibel sei, dass die rechte durch Beschwerden an der linken Hüfte stärker belastet worden ist. Jedenfalls fehlen hinsichtlich der rechten Hüfte Anhaltspunkte für eine Vorschädigung. Mit Bezug auf die Rückenbeschwerden zeigte die Wirbelsäule des Versicherten zwar degenerative Veränderungen, die schon vor dem Unfall bestanden haben müssen, doch hatten diese Veränderungen bis zum Unfall den Versicherten in seiner Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Die SUVA hat deshalb ein versicherungsexternes Gutachten einzuholen, in welchem die strittigen medizinischen Sachverhalte abzuklären sind.