Citation: U 181/01 08.10.2002 E. 2

In somatischer Hinsicht klagte die Versicherte insbesondere über Schulter- und Nackenbeschwerden, wobei die Schulterprobleme im Vordergrund stünden. Umstritten ist insoweit der natürliche Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 3. September 1996. 2.1 Die Weichteilsonographie der rechten Schulter vom 8. November 1996 ergab einen Verdacht auf degenerative Veränderungen der rechten Rotatorenmanschette, allerdings keine Kriterien einer Rotatorenmanschettenruptur. Aus dem Arthro-MRI vom 17. Januar 1997 resultierte ebenfalls kein Nachweis eines Einrisses an der Rotatorenmanschette. Dagegen fanden sich Zeichen einer Tendopathie der distalen Supraspinatussehne mit leichten entzündlichen/degenerativen Signalveränderungen. In der Folge wurde eine posttraumatische Tendopathie der Rotatorenmanschette rechts diagnostiziert. Laut dem Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Spitals Z.________ vom 3. Juli 1997 sind die Schulterbeschwerden klinisch sowie sonographisch und auch im MRI durch eine Strukturauflockerung im Bereich des Supraspinatusansatzes zu erklären. Ausserdem bestehe ein Verdacht auf einen Akromeonsporn. Die Untersuchung durch Dr. med. W.________ vom 21. April 1998 ergab eine deutliche Verspannung der Nacken- und Trapeziusmuskulatur rechts. Dr. med. L.________ erklärt in seinem Bericht vom 25. August 1998, die Patientin leide unter starken Verspannungen im Schulter-Nackenbereich. Die klinische Untersuchung ergab einen Hartspann der Schulter-Nackenmuskulatur beidseits mit mehreren schmerzhaften Myogelosen. Der SUVA-Kreisarzt Dr. med. I.________ führt in seiner Stellungnahme vom 1. September 1998 aus, erfahrungsgemäss seien Unfallfolgen, die ohne Fraktur oder strukturelle Läsion einhergingen, nach rund einem halben Jahr abgeheilt. Die derzeitigen Beschwerden mit der Verspannung der Nacken- und Trapeziusmuskulatur rechts seien belastungs- und haltungsbedingt. Sie könnten nicht mehr in Zusammenhang mit dem Unfallereignis gebracht werden. Im Anschluss an die Untersuchung vom 7. Oktober 1998 erklärte Dr. med. I.________, es bestünden deutliche Verspannungen im Bereich des Trapezius rechts sowie der Paravertebralmuskulatur im BWS- und HWS-Bereich. Die geklagten Beschwerden seien dadurch erklärt. Dr. med. H.________ führt in seinem Bericht vom 20. Januar 1999 aus, es liege eine gewisse Innervationsschwäche der rechtsseitigen Schultermuskulatur vor, bei welcher es sich jedoch um eine schmerzbedingte Minderaktivierung und dadurch auch um einen Mindergebrauch der Muskulatur handeln dürfte. Nadelmyographisch habe man keinen Hinweis auf ein peripher neurogenes Geschehen, eine radikuläre Symptomatik, eine Plexusläsion oder eine Läsion des Nervus suprascapularis rechts im Rahmen des damaligen Unfalls. Laut dem Bericht des Dr. med. S.________ vom 7. September 1999 ergab sich ergometrisch kein Nachweis einer Ischämie/Arrhythmie. Die von der Beschwerdeführerin geklagten Thoraxschmerzen interpretierte der Arzt "am ehesten posttraumatisch als Folge der Thoraxkontusion 1996". Die Untersuchung durch Dr. med. H.________ vom 22. November 1999 bestätigte das Vorliegen ausgeprägter Verspannungen im Bereich der ganzen Schultermuskulatur. Auf Grund der neu geklagten Beschwerden an der rechten Hand sei zudem ein leichtes Carpaltunnelsyndrom denkbar. Dr. med. P.________ verneint in seinen Stellungnahmen vom 24. September 1999 und (Bezug nehmend auf ihm zwischenzeitlich unterbreitete neue ärztliche Aussagen) 13. Januar 2000 das Vorliegen somatischer Beschwerden, die in einem Zusammenhang mit dem Unfallereignis stehen könnten. Es gebe konkret kein Substrat, welches die sekundär wieder verschlimmerten Myogelosen im Nacken-Schulter-Bereich ab 18. August 1998 erklären könne. Ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem von Dr. med. H.________ festgestellten leichten Carpaltunnelsyndroms rechts sei ebenfalls völlig unwahrscheinlich. Zwar möge rein zeitlich ein Zusammenhang zwischen den aktuellen Beschwerden und dem Unfallereignis bestehen. Da kein entsprechendes Korrelat vorliege, müsse jedoch ausschliesslich von einer psychogenen (psychosomatischen) Problematik ausgegangen werden. 2.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass sich mit bildgebenden Verfahren keine Körperschädigung nachweisen liess. Die Ursache der Beschwerden dürfte gemäss den zitierten Arztberichten in Verspannungen insbesondere der Schultermuskulatur liegen. Die Frage, ob das Unfallereignis vom 3. September 1996 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch eine Teilursache des Gesundheitsschadens darstellt, der die geklagten Beschwerden sowie die attestierte Arbeitsunfähigkeit verursacht, lässt sich jedoch auf Grund der Akten nicht mit hinreichender Zuverlässigkeit beantworten. Die von Dr. med. I.________ postulierte Regel, wonach Unfallfolgen, die ohne Fraktur oder strukturelle Läsion verlaufen, nach rund einem halben bis einem ganzen Jahr abgeheilt sind, mag einen Erfahrungswert darstellen; sie dürfte aber zur Verneinung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht in allen Fällen ausreichen. Die Stellungnahmen mehrerer Ärzte lassen es als möglich erscheinen, dass die Beschwerden mindestens teilweise Unfallfolgen (im Sinne der rechtsprechungsgemäss [Erw. 1.1 hievor] erforderlichen conditio sine qua non) darstellen. Neben der klaren Aussage des Dr. med. L.________ ergeben sich entsprechende Anhaltspunkte auch aus dem Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Spitals Z.________ vom 3. Juli 1997 sowie den Stellungnahmen des Dr. med. H.________, des Dr. med. W.________ und des Dr. med. S.________. Dagegen erachtet Dr. med. P.________ in seinen während des vorinstanzlichen Beschwerdeverfahrens auf Grund der Akten erstellten Stellungnahmen das Bestehen eines natürlichen Kausalzusammenhangs hinsichtlich somatischer Beschwerden als völlig unwahrscheinlich, da es an einem entsprechenden Korrelat fehle. Angesichts dieser divergierenden Aussagen, deren medizinische Schlüssigkeit das Gericht nicht hinreichend beurteilen kann, ist ein Entscheid darüber, ob der natürliche Kausalzusammenhang als überwiegend wahrscheinlich zu gelten hat, nicht möglich. Ergänzende medizinische Abklärungen sind daher unumgänglich. Die Sache ist an die SUVA zurückzuweisen, damit sie ein externes Gutachten erstellen lasse.