Citation: 1P.253/2006 21.08.2006 E. A

X._______ reichte am 22. Dezember 2005 Strafanzeige gegen diverse Amtspersonen des Vormundschaftsamtes Bratsch ein. Er machte geltend, die Beschuldigten hätten seine Eingabe an das Vormundschaftsamt Bratsch vom 24. Mai 2000 betreffend Überprüfung der elterlichen Sorge der Kindsmutter über die gemeinsame Tochter unbehandelt gelassen und sich daher des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht. Am 26. Januar 2006 übermittelte der zuständige Untersuchungsrichter die Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft Oberwallis und ersuchte um Stellungnahme. Der Staatsanwalt erachtete die Voraussetzungen zur Eröffnung einer Strafuntersuchung wegen Amtsmissbrauch als nicht erfüllt und überliess das weitere Vorgehen dem Untersuchungsrichter. Dieser leistete der Strafanzeige mangels Erfüllung eines Straftatbestandes mit Verfügung vom 13. Februar 2006 keine Folge. Gegen diesen Entscheid beschwerte sich X._______ beim Kantonsgericht Wallis mit den Anträgen, es sei die Verfügung des Untersuchungsrichters aufzuheben, die zuständige Strafuntersuchungsbehörde anzuweisen, eine umfassende Untersuchung durchzuführen, und die verantwortlichen Personen wegen Amtsmissbrauch zu bestrafen und ihrer Amtsgeschäfte zu entheben. In seiner Stellungnahme im kantonalen Beschwerdeverfahren bemerkte der Untersuchungsrichter, dass X._______ als Anzeigeerstatter eventuell nicht Geschädigter im Sinn von Art. 48 der Strafprozessordnung des Kantons Wallis vom 22. Februar 1962 (StPO/VS) sei und sich auch nicht als Zivilpartei gestellt habe. Mit Urteil vom 27. März 2006 trat die Strafkammer des Kantonsgerichts Wallis auf die Beschwerde nicht ein. Es begründete seinen Entscheid damit, dass dem Beschwerdeführer keine Parteistellung zukomme und er deshalb nicht beschwerdelegitimiert sei. In einer materiellen Eventualbegründung führte es aus, die Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung müsste ohnehin abgewiesen werden, da nicht alle objektiven Tatbestandsmerkmale des Amtsmissbrauchs (Art. 312 StGB) erfüllt seien.