Citation: 9C_98/2024 E. 4.2.2

4.2.2. Es stellt sich somit die Frage, ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Versicherungsantrags am 17. Juli 2014 von einer bei ihr bestehenden oder bestandenen psychischen Beeinträchtigung ausgehen musste, die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erforderte oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatte (vgl. E. 3.2.1 und 4 hiervor). Seitens der IV wurde eine seit Oktober 2020 eingeschränkte Leistungsfähigkeit festgehalten (Verfügung der IV-Stelle des Kantons Zürich vom 4. September 2023). Den medizinischen Akten (Art. 105 Abs. 2 BGG) sind sodann keine Hinweise auf eine vor diesem Zeitpunkt bestehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu entnehmen, insbesondere nicht für den Zeitraum vor Antragsstellung im Juli 2014. Weiter sind gemäss unbestrittener vorinstanzlicher Feststellung keine echtzeitlichen medizinischen Berichte aktenkundig, die eine psychiatrische Behandlung vor dem am 17. Juli 2014 unterzeichneten Antrag zum Abschluss der Vorsorgeversicherung belegen (vorinstanzliche Erwägung 5.3 S. 12). Anhaltspunkte für eine psychiatrische Untersuchung vor diesem Zeitpunkt bestehen mit Blick auf die Akten ebenfalls nicht. Es ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bis zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Versicherungsantrags weder psychiatrisch behandelt noch untersucht worden war und dass bis dahin auch keine relevante Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen eingetreten war. Die Frage nach einer vergangenen "gesundheitlichen Beeinträchtigung infolge Krankheit" "der Psyche" durfte sie damit ohne Weiteres verneinen. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass eine Arbeitsunfähigkeit erst Jahre nach Unterzeichnung des Versicherungsantrags dokumentiert ist und der Besuch eines Psychiaters gemäss den von der Vorinstanz zitierten Arztberichten erstmals 2018 erfolgt ist (vorinstanzliche Erwägung 4.2 S. 9), ist auch nicht von einem hohen Leidensdruck im vorliegend relevanten Zeitpunkt des Antrags im Juli 2014 auszugehen - allfällige Beeinträchtigungen zeitigten vielmehr offensichtlich noch über Jahre hinweg keine relevanten Auswirkungen. Bei dieser Sachlage durfte die Beschwerdeführerin daher auch im Zeitpunkt des Antrags davon ausgehen, nicht an einer "gesundheitlichen Beeinträchtigung infolge Krankheit" "der Psyche" im Sinne der Gesundheitsfrage 9 zu leiden. Diese Schlussfolgerungen rechtfertigen sich umso mehr, als mit Blick auf die Ausführungen in den von der Vorinstanz zitierten Arztberichten auf lange vor der Unterzeichnung des Antrags bestehende, erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren zu schliessen ist. Die Belastungen wurden seitens der behandelnden Fachärzte wiederholt als "chronisch" beschrieben (Bericht der Klinik B.________ vom 16. März 2021, vorinstanzliche Erwägung 4.2 S. 8 f.; Bericht von med. pract. C.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Fachpsychologin D.________ vom 17. Dezember 2021, vorinstanzliche Erwägung 4.3.1 S. 9). Dass solche Dauerbelastungen psychische Folgen zeitigen können, ist nachvollziehbar. Daraus musste die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihres Versicherungsantrages im Juli 2014 jedoch (noch) nicht auf eine psychische Störung mit Krankheitswert im Sinne der Definition gemäss den ZB schliessen. Vielmehr durfte sie die Beeinträchtigungen in guten Treuen als Reaktion auf ihre Dauerbelastungen ansehen. Im Zusammenhang mit der seitens der Vorinstanz festgestellten Essstörung (Bulimia nervosa) weist die Beschwerdeführerin schliesslich zu Recht auf den Bericht der Klinik B.________ vom 16. März 2021 hin, gemäss welchem sie sich nach einer Ernährungsumstellung nicht mehr erbrach (vgl. vorinstanzliche Erwägung 4.2 S. 9). Mit Blick hierauf muss die Diagnose zumindest in Zweifel gezogen werden.