Citation: 6B_1378/2021 E. 2.4

2.4. Die Vorinstanz verletzt Bundesrecht, indem sie den Antrag des Beschwerdeführers auf Einvernahme der Beschwerdegegnerin 2 und von C.________ abweist. Ihre diesbezügliche Begründung steht nicht im Einklang mit ihren weiteren Feststellungen und Schlussfolgerungen im angefochtenen Entscheid. Wie bereits dargelegt (E. 1.4), gelangt die Vorinstanz zum Schluss, die am 6. April 2020 eingereichte Fotografie sei für die Beurteilung des angeklagten Sachverhalts entbehrlich (Urteil S. 13 f. E. 2.2.1.2). Sie erwägt weiter, das inkriminierte Geschehen, d.h. die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Tätlichkeiten (zweimaliges Packen und zu Boden Drücken seiner Schwägerin) sowie die Drohung, stünden aufgrund der Personalbeweise rechtsgenüglich fest (Urteil S. 13 E. 2.2.1.2). Nach der Würdigung der Aussagen des damaligen Nachbarn D.________ hält die Vorinstanz sodann fest, dieser habe zu den konkreten Vorwürfen gegen den Beschwerdeführer keine Angaben machen können. D.________ habe zu Protokoll gegeben, dass er nicht gesehen habe, dass der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 zu Boden gedrückt und ihr mit einem Stein gedroht habe, was mit Blick auf sein späteres Hinzukommen durchaus plausibel sei (Urteil S. 35 E. 4.5.4). Damit gibt es - entgegen der vorinstanzlichen Begründung betreffend Abweisung des Antrags auf gerichtliche Einvernahme u.a. der Beschwerdegegnerin 2 und von C.________ - neben den Aussagen dieser beiden Personen kein weiteres Beweismittel für die gegen den Beschwerdeführer erhobenen und von ihm vollumfänglich bestrittenen Vorwürfe. Insofern kann der Vorinstanz nicht gefolgt werden, wenn sie erwägt, es liege keine eigentliche "Aussage gegen Aussage"-Konstellation vor. Die belastenden Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 und von deren Ehemann C.________ sind für den Verfahrensausgang entscheidend. Hinzu kommt vorliegend, dass die Vorinstanz die Aussagen von C.________ zum inkriminierten Geschehen - den Vorwürfen der Tätlichkeiten und der Drohung - insgesamt als glaubhaft qualifiziert. Sie kommt weiter zum Schluss, diese Aussagen würden zwar nicht bezüglich sämtlicher Einzelheiten mit den Angaben der Beschwerdegegnerin 2 übereinstimmen, es handle sich dabei aber um untergeordnete Divergenzen, die ihrerseits gegen die Annahme von Absprachen zwischen der Beschwerdegegnerin 2 und ihrem Ehemann C.________ sprechen würden (Urteil S. 32 f. E. 4.5.3). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin 2, wonach der Beschwerdeführer sie unmittelbar zu Beginn der Auseinandersetzung zu Boden gerissen habe, sei den Aussagen von C.________ anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 zunächst ins Gesicht geschlagen habe und dann beide (die Beschwerdegegnerin 2 und der Beschwerdeführer) am Gartenschlauch gerissen hätten, bevor der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 zu Boden gerissen habe. An seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe C.________ ausgeführt, der Beschwerdeführer habe der Beschwerdegegnerin 2 zunächst ins Gesicht geschlagen und dann an ihr gerissen bis schlussendlich beide zu Boden gefallen seien. Zudem habe C.________ nicht bestätigen können, dass seine Ehefrau auf den Rücken gefallen sei, obschon die Beschwerdegegnerin 2 dies ihrerseits ausgesagt habe (Urteil S. 31 E. 4.5.3). Ob es sich bei diesen Widersprüchen bzw. fehlenden Übereinstimmungen gemäss der Vorinstanz lediglich um untergeordnete Punkte handelt, braucht an dieser Stelle nicht vertieft zu werden. Wie dargelegt, kommt den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 und denjenigen von C.________ grundlegende Bedeutung zu. Sie weisen gemäss der Vorinstanz einige Ungereimtheiten auf. Vor diesem Hintergrund und im Lichte der nicht unerheblichen Schwere der Tatvorwürfe ist die unmittelbare Beweisabnahme durch die Vorinstanz im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO für die Urteilsfällung notwendig. Dies gilt umso mehr, weil bereits die erste Instanz auf die Durchführung einer Einvernahme der Beschwerdegegnerin 2 sowie von C.________ verzichtet und sich damit noch kein urteilendes Gericht einen unmittelbaren Eindruck von deren Aussageverhalten verschafft hat. Vorliegend kommt neben den dargelegten Unstimmigkeiten zwischen den Aussagen der beiden Belastungszeugen noch hinzu, dass die Vorinstanz feststellt, zwischen den Parteien hätten über Jahre hinweg erhebliche Konflikte bestanden, in die auch D.________ involviert gewesen sei (Urteil S. 11 E. 1.3). Die Vorinstanz hält deshalb fest, hinsichtlich der Aussagewürdigung sei vorab auf das problembelastete Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer einerseits und der Beschwerdegegnerin 2, C.________ und D.________ andererseits hinzuweisen. Die Genannten seien seit Jahren in Streitigkeiten verwickelt, teilweise seien auch Strafanzeigen und Strafuntersuchungen erfolgt. Auffallend sei dabei insbesondere das schwierige Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Bruder, C.________. Des Weiteren sei zu beachten, dass es sich bei Letzterem und der Beschwerdegegnerin 2 um Eheleute handle, weshalb es denkbar sei, dass sie sich in einem Loyalitätskonflikt befinden würden (Urteil S. 24 E. 4.5.1). Angesichts eines solchen Hintergrunds drängt sich vorliegend eine persönliche Einvernahme der Beschwerdegegnerin 2 und von C.________ umso mehr auf. Die Abklärung der Glaubwürdigkeit der beiden Belastungszeugen bzw. die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen mittels gerichtlicher Einvernahme ist geboten. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als begründet. Die Vorinstanz hat die Beschwerdegegnerin 2 und C.________ zu befragen und unter Berücksichtigung dieser Einvernahmen einen neuen Entscheid zu fällen. In Anbetracht dieses Verfahrensausgangs besteht kein Anlass, die übrigen Rügen des Beschwerdeführers zu behandeln.