Citation: 5A_969/2019 E. 4.3.2

4.3.2. Die Beschwerdeführerin führt unter Verweis auf das Urteil 5A_214/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 4.3 aus, die gemeinsame elterliche Sorge dürfe nicht ausgesprochen werden, solange ein Elternteil - wie im vorliegenden Fall - aufgrund fehlenden Zugangs die aktuellen Bedürfnisse der Kinder nicht kenne. Ob sich die angeordnete und vor Bundesgericht ebenfalls angefochtene Besuchsrechtsregelung umsetzen lasse bzw. der Beschwerdegegner künftig Zugang erhalte zu den Töchtern, sei, so die Beschwerdeführerin, sehr unsicher, zumal sich bisher selbst unter Mitwirkung der Beiständin nicht einmal eine vereinbarte Besuchsrechtsregelung umsetzen lasse. Das Kantonsgericht verstosse entsprechend gegen die geltende Rechtsprechung und gegen Bundesrecht. Die Rüge der Beschwerdeführerin ist unbegründet. Der Sachverhalt ist mit demjenigen im Urteil 5A_214/2017 vom 14. Dezember 2017 nicht vergleichbar. Im genannten Entscheid lebten die (unverheirateten) Eltern im Zeitpunkt der Geburt des Kindes nicht zusammen. Das Kind wohnte in den ersten vier Lebensjahren bei der Kindsmutter, welcher auch die alleinige elterliche Sorge zukam; später wurde es fremdplatziert. Der Kindsvater, welcher das gemeinsame elterliche Sorgerecht beantragte, befand sich im Zusammenhang mit einem Asylverfahren während gut zwei Jahren in Ausschaffungshaft. Im Zeitpunkt der Inhaftierung war der Sohn drei Jahre alt; während der Inhaftierung wurde der Kontakt zum Kind unterbrochen. Danach fanden zwei Besuche statt. Das Bundesgericht befand, dass der Kindsvater nach rund zweijährigem Kontaktunterbruch gleichsam neu in das Leben seines Sohnes eintrete, ohne dessen Bedürfnisse zu kennen und daher seiner Aufgabe als Vater, der im Wohl des Kindes entscheiden müsse, nicht gewachsen sei (E. 4.3). Im vorliegenden Fall unterscheidet sich die Ausgangslage insofern, als die Eltern im Zeitpunkt der Geburt ihrer Töchter (2010 bzw. 2013) zusammenlebten. Die räumliche Trennung der Eltern erfolgte erst im Frühjahr 2014. Die Eltern haben mithin mit ihren Töchtern zusammen als Familie gewohnt; allein schon deswegen muss unweigerlich von einer höheren Beziehungsintensität zwischen dem Kindsvater und den Töchtern ausgegangen werden. Dies spiegelt sich auch im relativ weit ausgedehnten Besuchsrecht, das dem Vater - nach einer Übergangsphase - u.a. die Hälfte der Wochenenden zugesteht (vgl. Bst. A.b und B.). Überdies bezeugte die Gutachterin, dass der Kindsvater und seine Töchter - trotz mehrmonatigem Kontaktunterbuch - einen natürlichen, ungezwungenen und fröhlichen Umgang miteinander pflegen und der Kindsvater die Fähigkeit habe, die Grundbedürfnisse seiner Töchter zu erkennen. Auf dieser Grundlage ist die Schlussfolgerung des Kantonsgerichts, wonach der Kindsvater nach Umsetzung des Besuchsrechts über genügenden Zugang zu den Kindern haben wird bzw. deren Bedürfnisse kennen wird, nicht zu beanstanden. Mithin hat es sich nicht in Widerspruch zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung gesetzt und auch kein Bundesrecht verletzt.