Citation: 6B_210/2022 E. 2.3

2.3. Weiter hält die Vorinstanz fest, es sei erstellt, dass es für die Untersuchung im Vaginalbereich keine medizinische Indikation gegeben habe. Bei den vom Beschwerdeführer bei dieser Untersuchung vorgenommenen Handlungen (Berühren der Schamlippen und der Klitoris, Einführen eines Fingers in die Vagina) handle es sich um sexuelle Handlungen im Sinne von Art. 191 StGB (Urteil S. 35 E. 3.1). Ferner erwägt die Vorinstanz, es sei auf eine situationsbedingte Widerstandsunfähigkeit der Beschwerdegegnerin 2 zu schliessen. Aufgrund der Körperlage, die ihr Sichtfeld und ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt habe, sowie des Umstands, dass sie anlässlich einer ärztlichen Behandlung nicht mit einem sexuellen Übergriff habe rechnen müssen bzw. nicht damit gerechnet habe, sei sie in dieser Situation ausgeliefert gewesen. Die Beschwerdegegnerin 2 sei nicht in der Lage gewesen, den sexuellen Übergriff des Beschwerdeführers zu erkennen und sich dagegen zur Wehr zu setzen. Als dieser sie an der Vulva berührt habe, habe sie seitlich auf der Untersuchungsliege gelegen, wobei ihre Hose sowie Slip bis zu den Knien herunter gezogen gewesen seien. Ihre Knie seien angezogen und die Beine leicht gespreizt gewesen. Die Untersuchung habe von hinten stattgefunden. Die Beschwerdegegnerin 2 habe nicht erkennen können, welche Handlungen der Beschwerdeführer vornehme. In ihrer Position mit der bis zu den Knien heruntergezogenen Hose sei sie zudem in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt gewesen. Sie habe dem Beschwerdeführer vertraut und sich in eine ausgelieferte Situation begeben. Dies im berechtigten Vertrauen auf eine fachgerechte ärztliche Behandlung (Urteil S. 36 E. 3.2). Dass sich die Beschwerdegegnerin 2 nicht gewehrt und die Konsultation abgebrochen habe, sei für die Frage der Widerstandsunfähigkeit unbedeutend. Dazu hätten wohl das grundsätzliche Vertrauen in die Angemessenheit der ärztlichen Behandlung und der Umstand, dass sie vom Übergriff überrumpelt worden sei, beigetragen (Urteil S. 38 E. 3.3). Der vorliegende Sachverhalt sei insofern speziell, als der Beschwerdeführer vor den sexuellen Handlungen der Beschwerdegegnerin 2 mitgeteilt habe, er wolle "vaginal" oder "hier" noch eine Untersuchung vornehmen bzw. er wolle "noch da unten schauen", ob alles in Ordnung sei. Dies ändere jedoch nichts daran, dass die Beschwerdegegnerin 2 nicht habe auf den sexuellen Übergriff gefasst sein können. Sie habe sich wegen Erkältungssymptomen in ärztliche Behandlung begeben. Im Zeitpunkt der Konsultation habe sie keine Beschwerden im Vaginalbereich aufgewiesen. Solche seien im Rahmen der Konsultation auch nicht Thema gewesen. Die Beschwerdegegnerin 2 habe den Beschwerdeführer zudem darüber informiert, dass schon in der Folgewoche eine gynäkologische Untersuchung stattfinden würde. Unter diesen Umständen sei nicht mit einer Untersuchung im Intimbereich zu rechnen. Dies gelte umso mehr, als es sich beim Beschwerdeführer nicht um einen Gynäkologen handle. Die Beschwerdegegnerin 2 sei von ihm weder über den Ablauf noch den Umfang der vaginalen Untersuchung informiert worden. Insbesondere sei sie nicht darüber in Kenntnis gesetzt worden, welche Handlungen er konkret vornehmen werde. Der Beschwerdeführer habe die Beschwerdegegnerin 2 an den Schamlippen berührt, ihr einen Finger auf die Klitoris gelegt und einen Finger vaginal eingeführt. Bei solchen Berührungen dürfe eine vorgängige präzise Ankündigung erwartet werden. Dies gelte umso mehr, als ein medizinischer Bezug insbesondere bei den Handlungen im Bereich der Vulva (Streicheln der Schamlippen und Berühren der Klitoris) nicht evident sei. Vor diesem Hintergrund könne der sehr allgemein gehaltene Hinweis des Beschwerdeführers, er müsse die Beschwerdegegnerin 2 noch "da unten" untersuchen, nicht als vorgängige Ankündigung der nachfolgend vorgenommenen Handlungen qualifiziert werden. Dieser Hinweis ändere nichts daran, dass die Beschwerdegegnerin 2 auf den nachfolgenden sexuellen Übergriff in keiner Weise gefasst gewesen sei, zumal sie aufgrund der körperlichen Lage nicht habe erkennen können, was der Beschwerdeführer genau tue (Urteil S. 38 f. E. 3.4).