Citation: 8C_252/2007 16.05.2008 E. 4

4.1 Das ZMB stellte im polydisziplinären (orthopädischen, neurologischen, psychiatrischen, neuropsychologischen) Gutachten vom 16. Dezember 2004 folgende Diagnosen: Chronisches rechtsbetontes zervikobrachiales Schmerzsyndrom nach HWS-Akzelerationstrauma vom 19. Januar 2002; mittelgradige depressive Episode und generalisierte Angststörung nach Unfall vom 19. Januar 2002 bei kombinierten narzisstisch-selbstunsicheren und histrionischen akzentuierten Persönlichkeitszügen; Status nach Mittelfussfraktur Dig. V rechts im Mai 2004. Diagnostisch stünden ein chronisches, rechsbetontes zervikobrachiales Schmerzsyndrom, daneben eine mittelgradige depressive Episode und eine generalisierte Angststörung im Vordergrund. Früher sei auch eine posttraumatische Belastungsstörung in Betracht gezogen worden; aufgrund des Unfallgeschehens sei diese Diagnose aber sicher nicht zureffend. Eine milde traumatische Hirnverletzung liege nicht vor. Orthopädisch fänden sich ein Hartspann der parazervikalen Muskulatur, vor allem rechts, eine schmerzhafte HWS-Bewegungseinschränkung sowie eine leichte Bewegungseinschränkung im rechten Schultergelenk. Neurologisch bestünden keine Unfallfolgen respektive keine objektivierbaren Ausfälle. Von den Beschwerden, die vom Eidgenössischen Versicherungsgericht als typische Beschwerden nach HWS-Distorsionstrauma bezeichnet worden seien, lägen Nackenschmerzen, eine rasche Ermüdbarkeit, Reizbarkeit und Depression vor. Die Gesundheitsstörungen im Zusammenhang mit dem "typischen Beschwerdebild nach HWS-Distorsionstrauma" träten gegenüber den vorhanden psychischen Beschwerden nicht ganz in den Hintergrund. Mit Ausnahme der Beschwerden am rechten Fuss seien alle Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen. Daneben bestehe noch eine psychosozial schwer belastende Situation, indem die Versicherte dieses Jahr getrennt worden sei und eine Scheidung bevorstehe. Weiter sei davon auszugehen, dass sie schon vor dem Unfall vom 19. Januar 2002 an akzentuierten Persönlichkeitszügen gelitten und eine Tendenz zu psychischen Beschwerden somatoformer und depressiver Art aufgewiesen habe. Diese Beschwerden seien aber nicht derart ausgeprägt gewesen und hätten wahrscheinlich ohne den Unfall auch nicht zu einer solchen psychischen Entwicklung geführt, wie sie die Versicherte jetzt durchmache. Der Unfall habe nicht zu einer richtunggebenden, sondern zu einer wahrscheinlich vorübergehenden Verschlimmerung dieser Tendenz zur somatoformen und depressiven Verarbeitung geführt. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten, dass die Versicherte weiterhin am unfallbedingten rechtsbetonten zervikobrachialen Schmerzsyndrom leide. Aus somatischer Sicht sei sie in einer leichten Arbeit ohne Heben von Lasten über acht Kilogramm und ohne Überkopfarbeiten in wechselnder Körperbelastung voll arbeitsfähig. Aus psychischer Sicht sei sie noch nicht belastbar genug, um einem Erwerb nachgehen zu können. Ihr Denken sei eingeengt. Inhaltlich fänden sich noch zu sehr resignative Gedanken bis hin zu Suizidphantasien. Aufgrund der Depressivität mit der geringen Belastbarkeit bestehe noch keine Arbeitsfähigkeit. Unter der bisherigen psychiatrischen Behandlung sei seit dem Jahre 2002 eine Besserung eingetreten. Eine weitere Besserung sei mit weiterer Behandlung noch zu erwarten. 4.2 Aufgrund dieses Gutachtens und der übrigen medizinischen Akten nicht zu beanstanden ist - auch im Lichte der im erwähnten Urteil BGE U 349/06, E. 9, präzisierten Rechtsprechung - die vorinstanzliche Feststellung, dass die Versicherte beim Unfall vom 19. Januar 2002 eine HWS-Distorsion erlitten hat (zum innerhalb der Latenzzeit von maximal 72 Stunden erforderlichen Beschwerdebild vgl. SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75 E. 5, U 215/05), und dass dieses Ereignis zumindest eine Teilursache ihrer gesundheitlichen Störungen bildet, was für die Bejahung der natürlichen Kausalität genügt (BGE 119 V 335 E. 1 S. 337, 117 V 359 E. 4b S. 360). Weiter steht fest, dass die Versicherte im Zeitpunkt des Fallabschlusses (31. Januar 2005; BGE U 394/06 E. 4 und 10.2.3) an keinen objektiv (hinreichend) nachweisbaren organischen Unfallfolgen gelitten hat. Insbesondere können der vom ZMB in der Expertise vom 16. Dezember 2004 festgestellte leichte parazervikale Hartspann, der sich in die Schultermuskulatur rechts fortsetzt, die schmerzhafte HWS-Bewegungseinschränkung und die leichte Bewegungseinschränkung im rechten Schultergelenk (E. 4.1 hievor) für sich allein nicht als klar ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden (vgl. Urteil U 328/06 vom 25. Juli 2007, E. 5.1.3 und 5.2, mit Hinweisen).