Citation: 9C_696/2022 E. 2.4.2

2.4.2. Aus PraktikabiIitätsgründen gilt das Kumulationsverbot unabhängig davon, ob sich das Kind in alternierender Obhut befindet oder nicht (vgl. dazu schon die Botschaft zum Bundesgesetz über die steuerliche Entlastung von Familien mit Kindern vom 20. Mai 2009, BBI 2009 4729, 4757 und 4766; BGE 141 II 338 5.1 u. 5.2; 133 II 305 E. 6.5 u. 6.8; Urteile 2C_533/2021 vom 23. Juni 2022 E. 6.3.1 u. 6.4 ff.). Auch im Fall alternierender Obhut gilt: Wer Unterhaltsbeiträge für Kinder leistet und diese von seinen steuerbaren Einkünften abzieht, trägt steuerlich betrachtet keine Kosten des Kinderunterhalts. Es wird dabei nicht vorausgesetzt, dass der Anspruchsberechtigte die Kosten des Kinderunterhalts in überwiegendem Ausmass oder sogar vollständig trägt. Es genügt, dass mindestens Kosten im Umfang des Kinderabzugs geleistet werden. Diese steuersystematische Umverteilung von Ressourcen (vgl. BGE 133 II 305 E. 6.5; Urteil 2C_437/2010 vom 11. Oktober 2010 E. 2.2 u. 2.3) hat zur Folge, dass der unterhaltsberechtigte Elternteil, der als zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes sorgend gilt, Anspruch auf den Kinderabzug hat (vgl. u.a. Urteile 2C_1145/2013 / 2C_1146/2013 vom 20. September 2014 E. 3.2). Aus PraktikabiIitätsgründen wird dabei vernachlässigt, dass derjenige, der die Unterhaltsbeiträge leistet, darüber hinaus auch noch weitere kinderbedingte Auslagen hat. Die direkten Unterhaltskosten, für die der Unterhaltsbeiträge schuldende Elternteil während der alternierenden Obhut aufkommt, sind somit nicht Gegenstand besonderer Sozialabzüge. Diese Kosten berechtigen nicht zum Kinderabzug (vgl. BGE 133 II 305 E. 6.5, 6.8 u. 8.4 sowie u.a. das Urteil 2C_1145/2013 / 2C_1146/2013 vom 20. September 2014 E. 3.2).