Citation: 5A_682/2022 E. 5.4.1

5.4.1. Die Vorinstanz erwog hierzu, auch die methodenkritische Stellungnahme vermöge die Schlüssigkeit des behördlichen Gutachtens inhaltlich nicht in Zweifel zu ziehen. Zunächst handle es sich dabei nicht um ein Gutachten, sondern um eine Stellungnahme zum behördlichen Gutachten. Ausserdem basiere sie weder auf vollständiger Akteninformation noch auf eigenständiger Befunderhebung. Es sei auch nicht ersichtlich, dass deren Verfasser im Sinn von § 95 VRG LU ermahnt worden wäre. Es überrasche sodann nicht, dass die Befundlage beim Beschwerdeführer insofern unauffällig sei, als der behördliche Gutachter das Vorliegen einer klassischen psychischen Erkrankung verneine. Gänzlich unauffällig sei die gutachterliche Befundlage indes nicht. So falle dem Gutachter insbesondere die nichtssagende Schilderung der ehelichen Beziehung auf, die distanziert anmute und wenig gegenseitiges Interesse und Teilhabe erkennen lasse, ein trotz Vorgeschichte nachgebender Umgang mit Geldforderungen seitens der Ehefrau und die grosse Diskrepanz zwischen der Aktenlage und den Angaben des Beschwerdeführers. Der Gutachter komme zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer eine mindestens mittelschwere emotionale Unreife vorliege, die sich in einem schweren Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Ehefrau äussere. Damit korrelierend werde einzig in Bezug auf Personen, zu denen der Beschwerdeführer ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt, ein besonderer Schutzbedarf hinsichtlich seiner finanziellen Interessen festgestellt. Anders als vom Verfasser der methodenkritischen Stellungnahme angenommen, sei ein anspruchsvoller Beruf kein Garant für emotionale Reife. Der Gutachter gehe sodann bei seinen Schlussfolgerungen sehr wohl von fassbaren Defiziten aus, wobei nicht zu bemängeln sei, dass er seine Beurteilung auch auf die Aktenlage abstütze. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf die Schilderung der Geschehnisse im Nachgang zur Gefährdungsmeldung eine Kehrtwende vollzogen habe, die er nicht zu erklären vermocht habe. Dies habe der Gutachter nicht unberücksichtigt lassen können. Die sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte für Defizite seien vom Gutachter im Gespräch mit dem Beschwerdeführer zum Thema gemacht worden, wobei sich der Gutachter um Klärung beziehungsweise Auflösung der Widersprüche bemüht habe. Es treffe nicht zu, dass der behördliche Gutachter anhand einer vermeintlichen Irrationalität von Geldausgaben oder eines vermeintlichen Machtgefälles zwischen den Eheleuten auf ein Störungskonzept schliesse. Vielmehr berücksichtige und bewerte er die in den Akten dokumentierten Umstände und Vermögenstransaktionen, das in Bezug darauf wechselhafte Verhalten des Beschwerdeführers sowie dessen Erklärungen für das wechselhafte Verhalten - alles Themen, die in der methodenkritischen Stellungnahme übergangen würden. Der Gutachter habe auch einbeziehen dürfen, dass die auffallend vage Schilderung der ehelichen Beziehung im Kontrast stehe zu den erheblichen Schenkungen und weiteren einseitigen Zugeständnissen des Beschwerdeführers gegenüber seiner Ehefrau. Anders als in der methodenkritischen Stellungnahme angenommen handle es sich dabei nicht einfach um grosszügige Geldausgaben im Beziehungskontext. Vielmehr habe der Beschwerdeführer kurz nach Übertragung des hälftigen Miteigentums an seiner Liegenschaft auf seine Ehefrau und nach erteiltem (aber noch pendentem) Auftrag an die Bank, der Ehefrau eine Vollmacht auf sein Vermögen einzurichten, eine Gefährdungsmeldung befürwortet, was auffällig sei. Es sei der Beschwerdeführer gewesen, der der Bank unter anderem berichtet habe, die Ehefrau habe ihn - auch unter Androhung von Gewalt - unter Druck gesetzt, ihr Zugang zu seinem Vermögen zu verschaffen. Entsprechend nehme der Gutachter in seiner Beurteilung nicht eine Wertung hinsichtlich der Lebens- und Beziehungsgestaltung vor, sondern eine faktenbasierte Analyse des Verhaltens des Beschwerdeführers. Dem Verfasser der methodenkritischen Stellungnahme könne schliesslich nicht gefolgt werden, wenn er dafürhalte, dass dem Beschwerdeführer im Kontakt mit seiner Partnerin nicht die Fähigkeit, sondern das Wollen fehle, die Bedeutung einer Handlung und die Wirkung eines Verhaltens abzuschätzen und auf dieser Basis einen vernünftigen Willen zu bilden bzw. diesem Willen gemäss zu handeln.