Citation: U 133/03 16.06.2004 E. 4.1

4.1.1 Aufgrund der Akten stand die Beschwerdeführerin im Zeitraum Januar bis März 1996 sowie Juli 1996 bis Februar 1997 in physiotherapeutischer Behandlung. Ebenfalls musste sie während ihres Aufenthalts in H.________ von Mitte März bis Mitte Juli 1996 wegen eines Carpal-Tunnelsyndroms der rechten Hand medizinisch versorgt werden. Ob diese gesundheitliche Beeinträchtigung im Zusammenhang mit dem Unfall vom 28. Dezember 1995 steht, kann nicht gesagt werden. Im Weitern wurde im Zeitraum November 1996 bis März 1997 am Spital R.________ ambulant Ergotherapie durchgeführt. Ziel war die bessere Einteilung der Zeit und der Arbeit durch entsprechende Organisation der Abläufe sowie die Instruktion der hiefür geeigneten Strategien. Im Bericht vom 24. März 1997 hielt die Therapeutin fest, dass die Massnahmen nun nicht mehr notwendig seien. Bis Ende Dezember 1997 sind keine Behandlungen dokumentiert. Vom 6. Januar bis 17. März 1998 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer logopädischen Therapie. Schliesslich wurde vom 23. Dezember 1999 bis 13. Januar 2000 wieder Physiotherapie durchgeführt. Der Hausarzt Dr. med. F.________ bezifferte im Bericht vom 9. Juni 1996 die Arbeitsfähigkeit auf 0 % bis 21. Januar 1996, 50 % vom 22. bis 28. Januar 1996 sowie 100 % ab 29. Januar 1996. Im Bericht des Spitals M.________ vom 15. August 1996 über die neuropsychologische Untersuchung vom Vortag wurde festgehalten, aufgrund der Störungen in der Aufmerksamkeit und in der Denkflexibilität sei die Explorandin in der Bewältigung von Haushalt und Studium beeinträchtigt. Die Belastbarkeit sei deutlich eingeschränkt. Sie scheine sehr unorganisiert zu arbeiten, ohne die vorhandenen Ressourcen einteilen zu können. Dies müsse zu Überforderung und Übermüdung führen. Der Rheumatologe Dr. med. G.________ sodann äusserte sich in seinem Bericht vom 16. September 1996 nicht zur Arbeitsfähigkeit. Er bejahte indessen die Notwendigkeit von Physiotherapie und medikamentöser Behandlung bis zur Stabilisierung des klinischen Zustandes. Dr. med. D.________, welcher die Beschwerdeführerin nach der Pensionierung von Dr. med. F.________ ab November 1997 hausärztlich betreute, attestierte ab 18. Dezember 1997 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (Ärztliches Zeugnis vom 17. Dezember 1997). Einen Monat vorher hatte die Beschwerdeführerin im Rahmen eines Beschäftigungsprogrammes der Arbeitslosenversicherung als Hotelfachassistentin im F.________ in X.________ zu arbeiten begonnen. Das Pensum betrug 80 %. Die restlichen 20 % waren laut Stellenbeschrieb für die Ausbildung reserviert. 4.1.2 Laut Gutachten der Klinik Y.________ vom 2. September 1999 sind die angegebenen Beschwerden sowie die erhobenen rheumatologischen und neuropsychologischen Befunde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 28. Dezember 1995 zurückzuführen. Die Arbeitsfähigkeit wird für die Zeit ab November 1997 - in Übereinstimmung mit dem Hausarzt Dr. med. D.________ - auf etwa 50 % geschätzt. Im Zeitpunkt der Untersuchung im November 1998 wäre die Explorandin aus rheumatologischer Sicht in einer leichten körperlichen Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig. In Bezug auf die neuropsychologischen Defizite ist bei einer langsamen Reintegration in den Arbeitsprozess mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf mindestens 80 % zu rechnen. Allerdings ist gemäss den Experten bei der Wiedereingliederung unbedingt eine Überforderung zu vermeiden. Im Vordergrund der allgemeinen Leistungseinschränkung stünden die seit dem Unfall gegebene abnorme Mündigkeit verbunden mit rascher Erschöpfbarkeit und entsprechend verminderter Belastbarkeit sowie ein deutlicher Initiativeverlust. Im Übrigen halten die Gutachter fest, dass gut drei Jahre nach dem Unfall vom 28. Dezember 1995 von den ärztlichen Behandlungen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten ist. 4.1.3 Auf Grund der medizinischen Akten ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 28. Dezember 1995 und den in der Folge geklagten und bis Ende März 1997 zu Lasten des Unfallversicherers behandelten Beschwerden zu bejahen. Dabei kann offen bleiben, ob in Bezug auf die im Dezember 1997 aufgetretenen gesundheitlichen Probleme von einem Rückfall im Sinne von Art. 11 UVV auszugehen ist. Die natürliche Unfallkausalität ist ebenfalls zu bejahen, wenn und soweit dadurch die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit eingeschränkt war, was auf Grund der Berichte des Spitals M.________ vom 15. August 1996 und des Dr. med. G.________ vom 16. September 1996 auch für die Zeit nach dem 28. Januar 1996 nicht auszuschliessen ist. Gemäss der Expertise vom 2. September 1999 sodann hat der unfallbedingt notwendige Heilungsprozess spätestens im Zeitpunkt der Untersuchung im November 1998 als abgeschlossen zu gelten. 4.2 Das kantonale Gericht hat die Adäquanzfrage nach Massgabe von BGE 117 V 366 ff. Erw. 6 beurteilt. Das ist im Grundsatz unbestritten. In Würdigung der Akten ist die Vorinstanz zum Schluss gelangt, die geklagten Beschwerden stellten keine adäquat kausale Unfallfolgen dar. 4.2.1 Die Vorinstanz hat das Ereignis vom 28. Dezember 1995 als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichteren Unfällen qualifiziert. Das ist nach den gesamten Umständen (Unfallhergang, Verletzungen, Sachschaden) nicht zu beanstanden. Eine Zuordnung zum mittleren Bereich (im engeren Sinn) fällt ausser Betracht. Die hier zu beurteilende Kollision ist klar weniger schwer als der im Urteil P. vom 15. Dezember 2000 (U 105/00) beurteilte Unfall. Damals wurde ein Personenwagen von einem von der Überholspur auf die Normalspur wechselnden Lastwagen hinten links angefahren, nach vorne vor den LKW und anschliessend nach links zur Mittelleitplanke geschleudert, wo er in der Gegenrichtung zum Stillstand kam. Ein nachfolgender auf der Überholspur fahrender Personenwagen prallte dagegen und wurde nach rechts auf die Normalspur abgedrängt. Dort kam es zu weiteren Kollisionen. Das Eidgenössische Versicherungsgericht ordnete diesen Unfall den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu. Die Kollision vom 28. Dezember 1995 ist aber auch weniger schwer einzustufen als der im Urteil R. vom 27. April 2001 (U 328/00) beurteilte Fall. Die damalige Beschwerdeführerin stiess trotz einer Vollbremsung mit etwa 15 km/h mit einem anderen Fahrzeug zusammen. Dabei wurde ihr Kopf nach vorne und dann wieder zurück an die Nackenstütze geworfen. Ihre mit fahrenden Ehemann und Tochter wurden leicht verletzt und mussten in ärztliche Behandung gebracht werden. Das Auto erlitt Totalschaden. Das Eidgenössische Versicherungsgericht qualifizierte den Zusammenstoss unter Berücksichtigung des augenfälligen Geschehensablaufs sowie der erlittenen Verletzungen als Unfall aus dem mittleren Bereich. Vorliegend gab der das eine Unfallfahrzeug lenkende Ehemann der Beschwerdeführerin gegenüber den Untersuchungsbehörden an, nach dem völlig unerwarteten Schlag von hinten rechts habe er das Fahrzeug mit instinktiven Lenkkorrekturen mit grosser Mühe auf der Überholspur stabilisieren können. Er sei auch nicht teilweise auf die rechte Normalspur abgekommen. Ebenfalls touchierte er nicht die Mittelleitplanke. Laut Unfallprotokoll waren die Schäden an den unfallbeteiligten Fahrzeugen relativ gering. Beide Autos konnten nach der Tatbestandsaufnahme weiterfahren. Diese Umstände sprechen für die geringe Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den Fahrzeugen und die verhältnismässig geringe Querbeschleunigung als Folge der seitlichen Kollision. Das wird auch dadurch bestätigt, dass die Beschwerdeführerin, welche auf der dem Stoss zugewandten Seite sass, mit dem Kopf nicht an der Seitenwand anschlug. Soweit in den unfalltechnischen Unterlagen Divergenzen bestehen, geben sie zu keiner andern Beurteilung Anlass. Unfallanalytische Erkenntnisse und biomechanische Überlegungen können berücksichtigt werden, bilden für sich allein jedoch keine hinreichende Grundlage hiefür (Urteile D. vom 4. September 2003 [U 371/02], Z. vom 18. März 2003 [U 205/02] und P. vom 14. März 2001 [U 137/00]; vgl. auch Jürg Senn, HWS/-Hirnverletzungen und Biomechanik in: AJP 1999 S. 625 ff., insbesondere S. 633 f.). 4.2.2 Das Kriterium «besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls» ist nicht gegeben. Ebenfalls liegt keine ärztliche Fehlbehandlung mit erheblicher Verschlimmerung der Unfallfolgen vor. Das ist unbestritten. 4.2.3 Im Weitern ist die «Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen» zu verneinen. Es kann sich nicht anders verhalten als in dem vom kantonalen Gericht zitierten Urteil W. vom 30. April 2001 (U 396/99). In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird zwar insoweit zu Recht vorgebracht, dass im Urteil K. vom 31. Mai 2001 (U 416/00) dieses Kriterium bei im Wesentlichen gleichem Beschwerdebild und nicht objektiv nachweisbaren organischen Verletzungen bejaht wurde. Soweit hier ein Widerspruch zu erblicken ist, ändert es nichts an der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art erlitt. Die klinischen Befunde eines höchstens mässiggradigen chronifizierten zervikovertebralen zervikospondylogenen Syndroms beidseits sowie eines chronischen leichten Thorakovertebral- und Lumbovertebral-Syndroms mit wahrscheinlich schmerzbedingter leichtgradiger Einschränkung der Mobilität der Halswirbelsäule sowie die leichte neuropsychologische Funktionsstörung (Expertise vom 2. September 1999) genügen nicht für die Bejahung dieses Kriteriums. 4.2.4 Im Weitern ist mit der Vorinstanz eine ungewöhnlich lange Dauer der Behandlung zu verneinen. Der Einwand in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, es seien weit mehr Therapien notwendig gewesen und durchgeführt worden als im Gutachten der Klinik Y.________ vom 2. September 1999 erwähnt, sticht nicht. Es wäre dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, der seit Sommer 1997 ihre Interessen wahrnimmt, zumutbar gewesen und hätte sich auf Grund der gerügten Verweigerungshaltung des Unfallversicherers sogar aufgedrängt, die angeblich zahlreichen in den Akten nicht dokumentierten Therapieverordnungen und Rechnungen über absolvierte Therapien aufzubewahren und gegebenenfalls ins Recht zu legen. Indessen sind auch in diesem Verfahren keine entsprechenden weiteren Belege eingereicht worden. Die Vorinstanz durfte daher ohne Bundesrecht zu verletzen von weiteren diesbezüglichen Abklärungen absehen. 4.2.5 Das Kriterium der Dauerbeschwerden - in nicht besonders ausgeprägter Form - hat das kantonale Gericht bejaht. Diese Würdigung ist zutreffend. Inwiefern die Häufung und Unberechenbarkeit verschiedener Beschwerden inklusive der neuropsychologischen Defizite die Ausgeprägtheit ausmachen (sollen), wie geltend gemacht wird, ist nicht ersichtlich. 4.2.6 Von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen kann mit der Vorinstanz nicht gesprochen werden. Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist eine lange Behandlungsdauer weder notwendige noch hinreichende Voraussetzung hiefür. 4.2.7 Ob das Kriterium «Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit» zu bejahen ist, aber höchstens teilweise, wie die Vorinstanz annimmt, braucht nicht näher geprüft zu werden. Selbst wenn es in besonders ausgeprägter Weise als gegeben zu betrachten wäre, änderte das nichts am Ergebnis. Aufgrund einer Gesamtwürdigung kommt dem Unfall vom 28. Dezember 1995 keine massgebende Bedeutung für die im Dezember 1997 aufgetretenen Beschwerden zu. 4.3 Ist die Adäquanz zwischen dem Unfall 28. Dezember 1995, den geklagten Beschwerden sowie der dadurch bewirkten Arbeitsunfähigkeit zu verneinen, lässt sich die Einstellung der Heilbehandlung (ab April 1997) und des Taggeldes (ab 29. Januar 1996) nicht beanstanden. Der angefochtenen Entscheid, soweit er sich nicht zum Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung äussert (Erw. 1), ist somit rechtens.