Citation: 2A.390/2005 22.06.2005 E. 2.3

2.3.1 Der Anspruch auf Erteilung oder Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung eines mit einem Schweizer Bürger verheirateten Ausländers erlischt, falls ein Ausweisungsgrund vorliegt (Art. 7 Abs. 1 Satz 3 ANAG). Dies ist der Fall, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde (Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG) und die nach Art. 11 Abs. 3 ANAG bzw. Art. 8 Ziff. 2 EMRK gebotene Interessenabwägung die Verweigerung der Bewilligung nicht als unverhältnismässig erscheinen lässt. Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (vgl. Art. 16 Abs. 3 ANAV [SR 142.201]; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 2. August 2001 i.S. Boultif, Rz. 48, VPB 65/2001 Nr. 138). 2.3.2 Das Justiz- und Polizeidepartement sowie das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen sind im Sinne einer Subsidiärbegründung davon ausgegangen, auch diese Voraussetzungen seien vorliegend erfüllt und rechtfertigten, die Aufenthaltsbewilligung nicht zu verlängern: Der Beschwerdeführer habe sich im Asyl- und im anschliessenden fremdenpolizeilichen Verfahren grob rechtsmissbräuchlich verhalten und sei hier wiederholt straffällig geworden. Es bestehe deshalb ein erhebliches öffentliches Interesse daran, "ihm ungeachtet der strafrechtlichen Landesverweisung den weiteren Aufenthalt in der Schweiz zu verweigern", zumal er erst seit fünf Jahren hier über eine Aufenthaltsbewilligung verfüge und seine Gattin zum Zeitpunkt des Eheschlusses davon habe ausgehen müssen, dass die familiären Beziehungen - zumindest für die Dauer der Landesverweisung - allenfalls nicht hier würden gelebt werden können. 2.3.3 Die entsprechenden Ausführungen sind nicht unproblematisch: Der Beschwerdeführer ist neben der bereits genannten bedingten Strafe von fünf Monaten Gefängnis am 8. November 2000 zu einer Busse von Fr. 700.-- (ANAG-Vergehen) und am 25. Juli 2002 im Zusammenhang mit dem Diebstahl von zwei Trainingsanzügen im Wert von Fr. 359.80 zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt worden. Seine Verurteilungen sind damit noch relativ weit vom Richtwert der Freiheitsstrafe von zwei Jahren entfernt, welche es bei einem mit einer Schweizerin verheirateten Ausländer, der erstmals um eine Bewilligung ersucht oder nach bloss kurzer Aufenthaltsdauer deren Erneuerung beantragt, praxisgemäss rechtfertigt, selbst dann keine Bewilligung mehr zu erteilen, wenn dem Ehepartner die Ausreise nur schwer zumutbar erscheint (sog. "Reneja"-Praxis; BGE 120 Ib 6 E. 4b S. 14; Spescha/ Sträuli, a.a.O., S. 60); dies ist vorliegend nicht auszuschliessen, unterhält die Ehefrau des Beschwerdeführers, die als Lehrerin arbeitet, doch offenbar keinerlei Beziehungen zu Algerien und sorgt sie hier zudem für ihre (vier) Kinder aus erster Ehe. Wie es sich damit verhält, braucht indessen nicht abschliessend geprüft zu werden; der angefochtene Entscheid ist - wie dargelegt - zumindest zurzeit aus einem anderen Grund (Vorrang der strafrechtlichen Landesverweisung, Art. 10 Abs. 4 ANAG) bundesrechtskonform. Sollte die strafrechtliche Landesverweisung nicht vollzogen werden können, wird das Ausländeramt unter Berücksichtigung der veränderten Umstände (Dahinfallen der Landesverweisung bzw. der sich hieraus ergebenden Unmöglichkeit der Erteilung oder Verlängerung einer ausländerrechtlichen Bewilligung) gegebenenfalls neu zu prüfen haben, ob die Verweigerung der Bewilligung noch vor Art. 7 ANAG bzw. Art. 8 EMRK standhält.