Citation: 6P.53/2005 25.07.2005 E. 2

Der Beschwerdeführer macht sodann eine Verletzung der Unschuldsvermutung gemäss Art. 32 Abs. 1 BV geltend. Seine Verurteilung wegen mehrfacher sexueller Nötigung stütze sich einzig auf die Aussagen des Opfers. Dieses habe seine Angaben - namentlich hinsichtlich der Frage, was der Zeuge K.________ wahrgenommen haben soll - im Verfahren laufend abschwächen müssen. So habe das Opfer anlässlich seiner ersten polizeilichen Befragung angegeben, dass K.________ die sexuellen Übergriffe bezeugen könne, habe er den Beschwerdeführer in dieser Hinsicht doch gar unterstützt. Im Rahmen seiner zweiten Einvernahme habe das Opfer seine Aussagen bereits dahingehend relativieren müssen, dass der Zeuge K.________ die sexuellen Übergriffe lediglich als Spass wahrgenommen habe. Entscheidend sei, dass der Zeuge K.________ aus eigener Wahrnehmung keine solchen Übergriffe auf das Opfer schildere. Er habe auf nachhaltige Befragung lediglich von einer diesbezüglichen Möglichkeit gesprochen, solche Handlungen im Rahmen des Verfahrens jedoch nie bestätigt. Gestützt auf die Aussagen des Opfers, wonach der Beschwerdeführer ihm mindestens 20 Mal auf die Toilette gefolgt sei, hätte K.________ aber derartige Wahrnehmungen machen müssen. An der Richtigkeit der Ausführungen des Opfers bestünden deshalb erhebliche Zweifel, weshalb der Beschwerdeführer in Anwendung der Unschuldsvermu-tung hätte freigesprochen werden müssen. 2.1 Im Bereich der Beweiswürdigung kommt dem aus der Un-schuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK) folgenden Grundsatz "in dubio pro reo" die Bedeutung zu, dass sich der Strafrichter nicht von einem für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Diese Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Das Bundesgericht legt sich bei der Überprüfung von Beweiswürdigungen im Strafprozess eine gewisse Zurückhaltung auf. Es greift mit anderen Worten nur ein, wenn der Sachrichter den Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an dessen Schuld fortbestanden (vgl. BGE 127 I 38 E. 2a S. 41; 124 IV 86 E. 2a S. 88; 120 Ia 31 E. 2c und d S. 37 f.). 2.2 Soweit der Beschwerdeführer die Beweiswürdigung des Obergerichts lediglich in allgemeiner Weise kritisiert, ohne im Einzelnen darzulegen, inwiefern der Grundsatz der Unschuldsvermutung verletzt sein soll, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). Denn das Bundesgericht prüft im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren nur klar und detailliert erhobene Rügen. Auf ungenügend begründete Rügen, rein appellatorische Kritik am angefochtenen Urteil und eine blosse Behauptung von Willkür mit pauschalen Vorbringen tritt es nicht ein (BGE 130 I 258 E. 1.3; 129 I 185 E. 1.6; 125 I 492 E. 1b mit Hinweisen). 2.3 Das Obergericht erachtet den der Anklage zugrunde liegenden Sachverhalt als verwirklicht. Danach hat der Beschwerdeführer über eine längere Zeitspanne hinweg das Opfer im Fahrradgeschäft seines Freundes sexuell belästigt und genötigt. Das Obergericht stellt dabei insbesondere auf die glaubhaften Angaben des Opfers ab, welche zu den fraglichen Vorfällen klar und widerspruchsfrei Stellung genommen hat. Das Obergericht hat aber auch die Aussagen des Zeugen K.________, des Beschwerdeführers und des Zeugen W.________ einer eingehenden Würdigung unterzogen und im Rahmen der Beweiswürdigung in einen sachlich überzeugenden Zusammenhang gestellt. Vor diesem Hintergrund ist der Umstand, dass der Zeuge K.________ die fraglichen sexuellen Übergriffe auf das Opfer in der Zweiradwerkstatt nicht wahrgenommen hat bzw. haben will, für sich genommen nicht geeignet, die umfassende und sorgfältige obergerichtliche Beweiswürdigung als willkürlich erscheinen zu lassen. Dies gilt umso mehr, als K.________ seine Angaben anlässlich der Befragung an der Hauptverhandlung vor Bezirksgericht relativierte und die Aussagen des Opfers in einigen wesentlichen Punkten als möglich bestätigte. Die Kritik an der Beweiswürdigung des Obergerichts zur Frage der Wahrnehmungen durch den Zeugen K.________ vermag deshalb keine offensichtlich erheblichen und schlechterdings nicht zu unterdrückenden Zweifel an der Täterschaft des Beschwerdeführers zu wecken. Wenn das Obergericht nach einer Gesamtwürdigung aller Umstände deshalb zum Ergebnis gelangte, es bestünden keine vernünftigen Zweifel an der Schuld des Beschwerdeführers, ist dies unter dem Blickwinkel der Unschuldsvermutung nicht zu beanstanden.