Citation: U 64/03 15.10.2003 E. 3

Streitig ist einzig, ob der Beschwerdeführer ab 1. März 2002 weiterhin Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat. 3.1 Beim Abschluss des Falles am 20. Februar 2002 bestanden keine organisch nachweisbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen mehr. Nach übereinstimmender Beurteilung aller an der Heilbehandlung und Rehabilitation des Versicherten beteiligten Aerzte wurde die Symptomatik von einem psychopathogenen Geschehen unterhalten. Die Befunde des Dr. med. Y.________ gemäss letztinstanzlich aufgelegtem Bericht vom 24. Februar 2003 stehen damit in Einklang. Von weiteren medizinischen Abklärungen sind angesichts der umfassenden Untersuchungen, die während des Administrativverfahrens veranlasst wurden, keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb dem Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz bzw. dem Subeventualbegehren um Anordnung eines zusätzlichen Gutachtens nicht stattzugeben ist. Nicht weiter abzuklären ist, ob der Beschwerdeführer beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine diesem äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat, bzw. ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen (vgl. dazu BGE 119 V 337 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b) teilweise vorliegen. Wie die SUVA im Einspracheentscheid zutreffend erwogen hat, ist die Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall (BGE 115 V 133) zu beurteilen, da im Verlaufe des Krankheitsgeschehens die physischen Beschwerden im Verhältnis zur ausgeprägten psychischen Symptomatik nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind (BGE 123 V 99 Erw. 2a; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437). Nach der Rechtsprechung werden Unfälle mit psychischen Fehlentwicklungen, ausgehend vom augenfälligen Unfallgeschehen, in drei Gruppen eingeteilt (schwere, mittelschwere und leichte, banale Unfälle). Während bei banalen Unfällen der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Fehlentwicklungen in der Regel ohne weiteres zu verneinen, bei schweren ohne weiteres zu bejahen ist, lässt sich diese Frage bei den dem mittleren Bereich zuzuordnenden Ereignissen nicht allein in Anbetracht des Unfallgeschehens schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, die unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folge davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien gelten praxisgemäss (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa): - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrück lichkeit; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen (somatischen) Ver letzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychi sche Fehlentwicklungen auszulösen; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - körperliche Dauerschmerzen; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich ver schlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; - Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. 3.2 In Anbetracht der Umstände (das Fahrzeug geriet mit relativ hoher Geschwindigkeit ins Schleudern, prallte gegen einen Holzstapel, überschlug sich und kam auf dem Dach liegend zum Stillstand) ist mit der Vorinstanz ein Unfall im mittleren Bereich anzunehmen. Das deckt sich mit der zu vergleichbaren Ereignissen ergangenen Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (vgl. die Zusammenfassung in Erw. 3.3.2 des in BGE 129 V noch nicht publizierten Urteils T. vom 25. Februar 2003, U 161/01, sowie den dort beurteilten Sachverhalt). Der Unfall vom 12. Mai 2000 wies eine gewisse Eindrücklichkeit auf; sie war jedoch nicht besonders ausgeprägt. Der Beschwerdeführer macht hiezu geltend, er sei nach dem Anprall gegen den Holzstapel aus dem Fahrzeug hinausgeschleudert worden. Dafür spreche auch die im Polizeirapport festgehaltene Aussage eines Zeugen, der bei seiner Ankunft am Unfallort sah, wie die Fahrerin aus dem Personenwagen ausgestiegen, während er im Freien auf dem Boden gelegen sei. Nach Lage der Akten steht indessen keineswegs fest, dass der Beschwerdeführer aus dem Wagen hinausgeschleudert wurde. Gemäss den im Rapport der Polizei Z.________ vom 5. Juni 2000 festgehaltenen ersten Aussagen des Versicherten war er auf der Fahrt eingeschlafen und wurde durch einen "Knall" geweckt. Er habe zunächst nicht gewusst, was geschehen sei. Nachdem er sich aus dem Wagen selber habe befreien können, sei er zeitweilig ohnmächtig gewesen. Auf diese "Aussagen der ersten Stunde" (vgl. BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen) ist abzustellen. Gemäss verschiedenen ärztlichen Berichten zur Unfallanamnese bestand für das Unfallereignis eine Amnesie. Dies ist ohne weiteres nachvollziehbar, war der Versicherte doch stark angetrunken und entspricht es der allgemeinen Lebenserfahrung, dass schwer berauschte Personen sich nach Ernüchterung nicht mehr zu erinnern vermögen. Gegen die Annahme, der Versicherte sei zum Fahrzeug hinausgeschleudert worden, spricht zudem, dass er die Sicherheitsgurten getragen hatte. In den Erwägungen der Einstellungsverfügung vom 23. Januar 2003 kommt das Bezirksamt N.________ zu keinem anderen Schluss. Besonders dramatische Begleitumstände lagen keine vor. Die Wagenlenkerin wurde nur leicht verletzt; andere Personen waren am Unfall nicht beteiligt. Ausserdem ist nicht zu übersehen, dass der Beschwerdeführer bis zu dem von ihm geschilderten "Knall" vom Unfallgeschehen nichts bemerkt hatte. Die im Spital X.________ festgestellten Verletzungen (Armplexusschädigung, Nasenbeinbruch, Rissquetschwunde an Stirn und Augenbraue rechts sowie lateral der linken Mamille; Rippenserienfrakturen mit Pneumothorax) waren nicht schwer. Die Wundversorgung verlief ohne Komplikationen und der Beschwerdeführer wurde am 31. Mai 2000 in gutem Allgemeinzustand aus der Klinik entlassen. Hinsichtlich der unteren Armplexusschädigung kam es nach Physio- und Ergotherapie zu einer eindeutigen Verbesserung der Symptomatik, was vom neurologischen Konsilium des Dr. med. A.________ (Bericht vom 24. Mai 2000) bestätigt wurde (Bericht des Spitals X.________ vom 5. Juni 2000). Die Ziele der sechs Wochen dauernden stationären Rehabilitation in der Klinik S.________ (Schmerzreduktion, Verbesserung der Fingerbeweglichkeit, Kräftigung der Hand- und Armmuskulatur rechts) konnten nur teilweise erreicht werden. Gemäss Bericht dieser Klinik vom 25. Juli 2000 zeigte der Patient nur wenig Selbstinitiative und musste für jegliche Aktivität, die er ausserhalb der Therapie hätte durchführen sollen, mehrmals aufgefordert werden. Bei Austritt aus der Klinik am 12. Juli 2000 bestand keine Notwendigkeit für weitere Physiotherapie mehr und ärztliche Behandlung wurde lediglich im Rahmen hausärztlicher Verlaufskontrollen empfohlen. Die medizinische Behandlung der körperlichen Verletzungen war demnach im Wesentlichen schon zwei Monate nach dem Unfall abgeschlossen. Soweit ein schwieriger Heilungsverlauf, eine lang dauernde Arbeitsunfähigkeit sowie Dauerschmerzen geltend gemacht werden, muss hiefür die langgezogene depressive Anpassungsstörung verantwortlich gemacht werden, die die somatischen Einschränkungen allmählich überlagerte und zusehends in den Hintergrund drängte. Inwiefern eine ärztliche Fehlbehandlung vorliegen soll, wie geltend gemacht wird, ist nicht ersichtlich. Da die gemäss Rechtsprechung bei einem mittleren Unfall notwendigen objektiven Kriterien nicht gehäuft vorliegen und auch keines davon in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist (BGE 115 V 140 Erw. 6c), ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und dem psychischen Gesundheitsschaden, zu verneinen. Der kantonale Entscheid ist daher im Ergebnis zu bestätigen.