Citation: 6B_135/2017 E. 2.1.1

2.1.1. Nach Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer vorsätzlich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). Der Begriff der schweren Körperverletzung ist auslegungsbedürftig. Wenn ein Grenzfall zur Diskussion steht, weicht das Bundesgericht deshalb nur mit einer gewissen Zurückhaltung von der vorinstanzlichen Auffassung ab (BGE 129 IV 1 E. 3.2; 115 IV 17 E. 2a und b). Angesichts der hohen Strafdrohung von bis 10 Jahren Freiheitsstrafe muss der Tatbestand aber auf schwerste Eingriffe in die physische und psychische Integrität begrenzt bleiben (ROTH/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N. 20 ff.). Als eine von der Generalklausel im Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB einbezogene "andere schwere Schädigung des Körpers oder der Gesundheit" kommen nur Beeinträchtigungen in Betracht, die hinsichtlich ihrer Qualität mit den in den beiden ersten Absätzen der Bestimmung aufgeführten Verletzungen vergleichbar sind. Dazu werden u.a. lange Bewusstlosigkeit, schweres und lang dauerndes Krankenlager, ausserordentlich langer Heilungsprozess oder Arbeitsunfähigkeit während eines grossen Zeitraumes gezählt. Es muss anders als in Art. 122 Abs. 2 StGB, wonach unter anderem eine bleibende Arbeitsunfähigkeit erforderlich ist, weder die Arbeitsunfähigkeit voll noch die Invalidität dauernd sein. Mehrere Beeinträchtigungen, die für sich allein keine schwere Körperverletzung darstellen, können in ihrer Summierung eine solche sein. So können Arbeitsunfähigkeit und Invalidität insgesamt mit anderen Umständen (wie langes Krankenlager) den Tatbestand von Art. 122 Abs. 3 StGB erfüllen. Das momentane subjektive Empfinden bezüglich einer Narbe ist nicht ausschlaggebend; es kommt auf objektive Gesichtspunkte an (BGE 124 IV 53 E. 2; 105 IV 179; 101 IV 381 E. 1b; Urteile 6B_71/2012 vom 21. Juni 2012 E. 3.2; 6P.54/2002 vom 22. November 2002 E. 2.1.1; 6P.71/2002 vom 27. August 2002 E. 3.6; je mit Hinweisen).