Citation: 6B_1179/2021 E. 6.7.6

6.7.6. Daraus folgt, dass eine Interessenabwägung vorzunehmen ist. Die Vorinstanz nimmt eine solche mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung und die Praxis des EGMR summarisch vor. Sie hält fest, selbst bei Annahme eines schweren persönlichen Härtefalls würde die Interessenabwägung nicht zugunsten des Beschwerdeführers ausfallen. Bei einem derart schweren Delikt wie der Schändung mit einem Strafrahmen, der bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe reiche, überwiege das öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts regelmässig das private Interesse des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz, falls keine besonderen persönlichen oder familiären Bindungen im Aufenthaltsstaat bestehen würden (angefochtenes Urteil S. 46). Diesen Ausführungen der Vorinstanz kann nicht zugestimmt werden. Bei der Interessenabwägung nach Art. 66a Abs. 2 StGB bildet der ordentliche Strafrahmen der in Frage stehenden Straftat (en) nicht das ausschlaggebende Kriterium. Vielmehr müssen bei der Interessenabwägung stets die konkreten Umstände des Einzelfalls berücksichtigt werden, namentlich die verschuldensmässige Natur und die Schwere der Tatbegehung, die sich darin manifestierende Gefährlichkeit des Täters für die öffentliche Sicherheit und die Legalprognose (vgl. oben E. 6.3.2 und E. 6.3.4).