Citation: U 93/06 29.11.2006 E. 5

Von keiner Seite wird bestritten, dass die Beschwerdeführerin am 14. April 2003 ein sogenanntes Schleudertrauma der HWS erlitt und nach diesem Unfall psychisch erkrankte. Sie umschrieb die direkt nach dem Unfall geklagten Gesundheitsstörungen als "Schock, Unwohlsein, nachträgliches Kopfweh [und] Rückenbeschwerden" (Angaben vom 30. Juni 2003). Ergänzend wies Dr. med. S.________ auf Nacken-, Schulter- und Bauchschmerzen sowie eine vermehrte Vergesslichkeit hin (Bericht vom 29. August 2003). Ab dem Unfalltag war die Versicherte während acht Tagen voll arbeitsunfähig. Anschliessend konnte sie ihre angestammte Tätigkeit ab 22. April 2003 mit dem bisherigen Vollpensum wieder aufnehmen. Nach den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid (S. 7), welche zu Recht unbestritten blieben, kam es in der Folge des Unfalles und der Wiederaufnahme der Arbeit zunächst zu einer Besserung der Beschwerden, welche ab Ende April 2003 eine Verlängerung der Intervalle zwischen den weiteren Arztkonsultationen auf fast zwei Monate ermöglichte. Laut den ausführlich und sorgfältig dargestellten Angaben der Beschwerdeführerin im Rahmen der psychiatrischen Teilbegutachtung durch Dr. med. M.________ kündigte die Arbeitgeberin gegen Ende Oktober 2003 den Arbeitsvertrag wegen angeblich - von der Versicherten jedoch bestrittener - ungenügender Arbeitsleistung. Das nach eigener Wahrnehmung der Beschwerdeführerin als ausserordentlich unehrlich und herabwürdigend empfundene Verhalten ihrer Chefin am Tag der Kündigung kränkte die Versicherte so sehr, dass sie in dieser Situation "explodieren" wollte und am folgenden Tag den Hausarzt konsultieren musste. Dieser behandelte in der Folge eine krankheitsbedingte Bronchopneumonie. Nebst einer zum grössten Teil unfallfremd vorbestehenden morbiden Adipositas, einem massiven Nikotinabusus und erheblichen psychosozialen Belastungsfaktoren (invalider Ehemann, Infertilität, Zuzug des nach kosovarischer Sitte von einer Schwägerin für die Versicherte geborenen Neffen, welchen die Beschwerdeführerin ab Geburt adoptieren konnte, Arbeitsplatzverlust und fehlende Berufsbildung) wurden gemäss polydisziplinärem Gutachten (S. 11) unter anderem folgende, psychisch bedingte Diagnosen (alle nach ICD-10) gestellt: - ängstlich-depressive posttraumatische Anpassungsstörung mit erheblichem somatischem Syndrom bzw. vegetativer Dysfunktion sowie dissoziativen Phänomenen (F43.25) und Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (F43.1), - aktuell anhaltende Depression etwa mittleren Schweregrades (F34.8), - Panikstörung (F41.0) und - chronisches Schmerzsyndrom mit erheblichem psychischem Anteil (F54). Fest steht, dass die Infertilität der Versicherten nicht in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Unfall steht und sie unter den Folgen dieser Unfruchtbarkeit schon vor dem Unfall litt. Gleiches gilt in Bezug auf die körperlich stark belastenden Faktoren einer vorbestehenden massiven Adipositas (Gewicht von 119 kg bei einer Grösse von 175 cm) und eines ebensolchen Nikotinabusus (40-50 Zigaretten täglich). Den bereits 1992 ab Geburt adoptierten Sohn konnte sie erst im Mai 2004 - rund ein halbes Jahr vor der psychiatrischen Begutachtung - in die Schweiz zu sich holen. Traten bis dahin im Sinne eines psychisch belastenden Vorzustandes Suizidgedanken auf, bestand nach dem Zuzug ihres Adoptivsohnes in die Schweiz keine aktive Suizidalität mehr (psychiatrisches Teilgutachten S. 9). Dr. med. M.________ vertrat die Auffassung, dass im Anschluss an den Unfall von Anfang an eine psychiatrische Behandlung indiziert gewesen sei. Mit nachvollziehbarer und überzeugender Begründung legten die Spezialärzte im polydisziplinären Gutachten dar, dass betreffend die mannigfaltigen psychosomatischen Beschwerden viele Anzeichen auf nicht-organisches Krankheitsverhalten hindeuteten, so zum Beispiel nebst der diffusen Symptombeschreibung die hohe Schmerzbewertung, die weitgehende Erfolglosigkeit der bisherigen Behandlungen, das nicht plausible Ausmass der demonstrierten Behinderung im Vergleich zu den klinischen und bildgebenden Befunden sowie die sehr tiefe Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit im PACT-Test. Zudem wiesen die Gutachter ausdrücklich auf Compliance-Probleme hin, da gemäss negativem Serumspiegel die ärztlich verordneten und angeblich regelmässig angewendeten Medikamente Mefenacid und Zoloft nicht oder nur sehr unregelmässig eingenommen würden. Demnach steht gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten fest, dass die seit 5. Dezember 2004 anhaltende Arbeitsunfähigkeit im Wesentlichen psychisch bedingt ist und seit dem Unfall von Anfang an eine psychiatrische Behandlung indiziert war. Dieses Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden; zudem ist es in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und enthält begründete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Somit kommt dieser Expertise grundsätzlich volle Beweiskraft zu.