Citation: 4A_398/2022 E. 5.3

5.3. In einem solchen Fall beurteilt sich nach dem Vertrauensprinzip, welchen Inhalt eine Willenserklärung hat. Die Erklärung ist danach so auszulegen, wie sie von der Adressatin nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen nach Treu und Glauben verstanden werden durfte und musste. Dies stellt eine Rechtsfrage dar, die das Bundesgericht frei überprüft, wobei es an die vorinstanzlichen Feststellungen zu den tatsächlichen Umständen des Vertragsschlusses gebunden ist (BGE 148 III 57 E. 2.2.1; 147 III 153 E. 5.1). Die Vorinstanz nahm eine objektivierte Vertragsauslegung vor und erwog zusammenfassend, die Parteien hätten Ziff. 5.1.3 CMA in guten Treuen nur so verstehen dürfen und müssen, dass zum einen eine Herstellungs- und Lieferpflicht der Beschwerdeführerinnen von prognostizierten und bestellten Produktmengen vereinbart worden sei und zum anderen bei Nicht- oder Zuweniglieferungen von bestellten Produktmengen durch die Beschwerdeführerinnen als Folge der Verletzung einer CMA-Vertragspflicht eine verhältnismässige Reduktion der AGP durch die Beschwerdegegnerinnen gemäss dem Modus nach Ziff. 5.1.3 CMA zulässig gewesen sei. Damit sei ein Synallagma zwischen den Produktlieferungen und den AGP-Zahlungen vereinbart worden. Dabei habe bereits eine Zuweniglieferung von bestellten Produktmengen als Folge einer Verletzung von Pflichten aus dem CMA die Beschwerdegegnerinnen zur verhältnismässigen Kürzung der AGP nach dem Kürzungsmechanismus gemäss Ziff. 5.1.3 CMA berechtigt, ohne dass eine anderweitige Vertragsverletzung durch die Beschwerdeführerinnen hätte vorliegen müssen. Ferner kam die Vorinstanz zum Schluss, dass sich die Beschwerdeführerin 2 ein Verschulden der Beschwerdeführerin 1 in Bezug auf die Herstellung von bestellten Produktmengen anrechnen lassen müsse, da bereits aus der subjektiven Vertragsauslegung nach dem übereinstimmenden Parteiwillen resultiere, dass beide Beschwerdeführerinnen für die Herstellung und Lieferung der bestellten Produktmengen verantwortlich gewesen seien.