Citation: 6B_551/2021 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer sei irakischer Staatsangehöriger. Die Voraussetzungen einer obligatorischen Landesverweisung nach Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB seien erfüllt. Der Beschwerdeführer sei im Dezember 2006 mit knapp 22 Jahren in die Schweiz gekommen und habe ein Asylgesuch gestellt, das abgelehnt worden sei. Zuvor habe er bereits in Deutschland unter einem Aliasnamen um Asyl ersucht. Mit Entscheid des Bundesamts für Migration vom 28. Dezember 2006 sei er vorläufig aufgenommen worden. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sei ihm im September 2008 provisorisch bewilligt worden. Der Beschwerdeführer habe seither in Autogaragen an bisher fünf verschiedenen Stellen gearbeitet. Diese seien ihm jeweils gekündigt worden, weil er unentschuldigt nicht am Arbeitsplatz erschienen sei, den Anforderungen während der Probezeit nicht genügt, trotz Mahnungen Arbeiten unkorrekt und gefährlich ausgeführt oder Schäden verursacht habe. Er sei mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten. Auch wenn eine Rückkehr in die Heimat mit empfindlichen Einschränkungen verbunden sei, könne er nicht von der Härtefallklausel profitieren. Er lebe seit bald 14 Jahren in der Schweiz, sei aber erst mit knapp 22 Jahren hierher gekommen und habe hier weder eine Schule besucht noch eine Ausbildung absolviert. Die prägenden Kindheits- und Jugendjahre habe er in seiner Heimat verbracht. Er sei mit der dortigen Sprache und den Gepflogenheiten vertraut und könne sich bei einer Rückkehr rasch wieder in die Gesellschaft einfügen, zumal er auch in der Schweiz hauptsächlich Umgang mit Landsleuten gepflegt habe. Obwohl er immer wieder gearbeitet habe, habe er in der Schweiz beruflich nie richtig Fuss gefasst. Seine Arbeitsstellen habe er alle nicht lange halten können, sondern meist nach kurzer Zeit Kündigungen aus eigenem Verschulden erhalten. Er sei somit auch auf staatliche Unterstützung angewiesen gewesen. Trotz gewisser Deutschkenntnisse sei ihm in sprachlicher Hinsicht keine Integration gelungen, er habe während sämtlicher Befragungen einen Übersetzer benötigt. Auch im persönlichen Umfeld lasse sich kein wesentlicher Bezug zur Schweiz ausmachen. Ins Gewicht falle die wiederholte Delinquenz praktisch seit Beginn seines Aufenthalts in der Schweiz. Zu seinem hier lebenden minderjährigen Sohn, dem Opfer der vorliegenden Straftat, habe er keine enge affektive und wirtschaftliche Beziehung. Er habe seine familiären Bindungen in gröbster Art und Weise verletzt. Die Partnerschaft zur Mutter des Opfers sei keine von Zuneigung geprägte, echte Beziehung. Er habe währenddessen verschiedene sexuelle Beziehungen unterhalten, dies einerseits zu einer anderen Frau, deren Kinder er ebenfalls missbraucht habe, andererseits zu Prostituierten und gemäss eigenen Angaben auch zu einem Mann. Er habe die psychisch kranke Mutter des Opfers bzw. deren emotionale Abhängigkeit stets zu seinen Gunsten ausgenutzt. Die Sicherheitslage und die politische Situation im Irak sei aktuell immer noch instabil. Es gebe allerdings keine Hinweise, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Glaubens, seiner Ethnie, der Familienzugehörigkeit oder infolge früherer politischer Aktivitäten nach einer Rückkehr staatlicher Repressionen ausgesetzt wäre. Bereits beim Asylentscheid habe das damals zuständige Bundesamt erwogen, es ergäben sich keine Anhaltspunkte, dass ihm bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Die Ausführungen zur angeblichen Bedrohung, sich dem islamischen Staat anschliessen zu müssen, seien wenig glaubhaft. Er habe dies im Berufungsverfahren das erste Mal und auch erst auf mehrmalige Nachfrage seines Verteidigers thematisiert. Die abschliessende Prüfung der Vollziehbarkeit einer Landesverweisung bzw. des Non-Refoulement-Prinzips obliege den Migrationsbehörden.