Citation: I 410/00 19.10.2000 E. 2

2.- Zu prüfen ist der Anspruch auf Invalidenrente. a) Sowohl Beschwerdeführer als auch Vorinstanz und Verwaltung gehen von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit als Bauarbeiter aus. Eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit halten das kantonale Gericht und die IV-Stelle jedoch physisch und psychisch für voll zumutbar (MEDAS-Gutachten vom 7. Dezember 1998). Bezüglich des zweiten Aspektes kam Dr. med. I.________, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in einem Gutachten vom 26. September 1997 und ergänzenden Schreiben vom 3. November 1997 zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer eine chronifizierte, vollständig invalidisierende somatoforme Schmerzstörung, möglicherweise auf dem Hintergrund einer psychosozialen und Emigrantenproblematik, mit psychoprothetischer Funktion von Schmerzen vorliege, welche sich daraus ergebe, dass sich der Versicherte als Immigrant nicht anders als körpersprachlich artikulieren könne; zudem sei die somatische Situation aus neurologischer und neurochirurgischer Sicht nicht genügend abgeklärt. Er attestierte ihm selbst bei einer leichten Arbeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und befürwortete eine Arbeitsaufnahme erst bei wesentlicher Besserung infolge medizinischer Massnahmen. Auf Grund des MEDAS-Gutachtens vom 7. Dezember 1998, welches aus somatischer Sicht die volle Zumutbarkeit einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit bestätigt, sind die von Dr. med. I.________ geäusserten Zweifel am physischen Gesundheitszustand indessen ausgeräumt. Im Rahmen der Untersuchungen der MEDAS stellte Dr. med. M.________, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine somatoforme Schmerzstörung fest, welche jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (Gutachten vom 28. August 1998). Im Gegensatz zu Dr. med. I.________ geht er davon aus, dass es sich nicht um den psychosomatischen Ausdruck eines Leidens handle, sondern vielmehr die von Dr. med. I.________ ebenfalls erwähnte soziokulturelle Problematik wesentlicher Ursprung des Leidens sei. Die bedrückte Stimmung entspringe den finanziellen und sozialen Problemen des Versicherten, worunter etwa sein Zurückstehen in der Ausbildung gegenüber den Brüdern, welche als Arzt und Chemieprofessor arbeiten würden, oder die Sorge um die von ihm unterstützte, in seiner Heimat lebende 80jährige Mutter sowie die nur beschränkt möglichen Besuche seines Hauses in Mazedonien. Auch wenn es Anhaltspunkte für eine funktionelle Schmerzüberlagerung gebe, so dürfe daraus nicht ohne weiteres eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht abgeleitet werden; eine eventuelle Beschränkung der Arbeitsfähigkeit müsse vielmehr auf somatischen Symptomen beruhen. b) Die Auffassungen der beiden Psychiater weichen in der Erhebung und Beurteilung des Psychostatus nicht wesentlich voneinander ab: Beide schliessen (Dr. med. M.________ zumindest indizweise) auf eine somatoforme Schmerzstörung und soziokulturelle Problematik, ohne dass weitere psychiatrisch relevante Befunde vorliegen, insbesondere keine Depression, sondern allenfalls Anzeichen für einen subdepressiven Verstimmungszustand. Differenzen bestehen hingegen bezüglich der Auswirkungen dieser Befunde auf das Leistungsvermögen. Wiewohl der Psychiater zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen hat und seine Ausführungen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen bilden (vgl. BGE 105 V 158 Erw. 1 in fine), so obliegt es letztlich doch der rechtsanwendenden Behörde - der Verwaltung oder, im Streitfall, dem Richter - zu beurteilen, ob eine Invalidität im Rechtssinne (Art. 4 Abs. 1 IVG), bejahendenfalls eine solche rentenbegründender Art (Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 28 f. IVG), eingetreten ist. Zu diesem Zweck sind die Darlegungen der psychiatrischen Gutachter - im Lichte des objektivierten Zumutbarkeitsbegriffes gemäss ständiger Rechtsprechung zu Art. 4 Abs. 1 IVG (BGE 102 V 165 f. und seitherige Urteile) - frei zu würdigen. Diesbezüglich hat Dr. med. I.________ seine Auffassung einer voll invalidisierenden Somatisierungsstörung nicht genügend belegt. Zwar verhält es sich nicht so, wie Dr. med. M.________ offenbar annimmt, dass Schmerzverarbeitungsstörungen als solche schlechterdings nicht (teil)invalidisierend wirken könnten. Immer kommt es entscheidend darauf an, ob der Betroffene, von seiner psychischen Verfasstheit (und nicht von seinem soziokulturellen Kontext) her besehen, an sich die Möglichkeit hat, trotz seiner subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen. Dem steht hier nach Auffassung des Dr. med. I.________ die psychoprothetische Funktion der Schmerzen entgegen, die "dem Aufrechterhalten eines für den Patienten erträglichen Selbstbildes und der Vermeidung eines psychischen Zusammenbruchs" dienen (Gutachten S. 8 unten). Nun mag es Fälle geben, in denen die psychoprothetische Funktion von Schmerzen invalidenversicherungsrechtlich relevant ist. Dafür ist aber vorausgesetzt, dass die Aufrechterhaltung des erträglichen Selbstbildes überwiegend durch intrapsychische Motive bedingt ist, somit nicht in erster Linie eine Reaktion auf die missliche soziokulturelle Lage darstellt und dass für einen bevorstehenden oder - im Fall der fehlenden versicherungsrechtlichen Anerkennung der invalidisierenden Wirkung des Schmerzsyndroms - zu befürchtenden psychischen Zusammenbruch greifbare Anhaltspunkte bestehen. An beidem fehlt es im vorliegenden Fall, selbst unter Berücksichtigung der Darlegungen des Dr. med. I.________. Somit ist dem Beschwerdeführer auch aus psychischer Sicht die Ausübung einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit zuzumuten. Daran vermögen auch die im letztinstanzlichen Verfahren aufgelegten Arztzeugnisse des Dr. med. S.________, Spezialarzt für Rheumatologie, vom 4. August 2000 und 4. September 2000 nichts zu ändern; denn diese beziehen sich auf einen Zeitraum nach Erlass der angefochtenen Verfügung und haben somit keinen Einfluss auf das vorliegende Verfahren (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen).