Citation: 5A_495/2016 E. 3.1

3.1. Aufgrund der am 1. Januar 2014 in Kraft getretenen Teilrevision des SchKG (AS 2013 4111) ist das gerichtliche Nachlassverfahren neu geordnet worden. Unter anderem ist der Zugang zur Nachlassstundung und zum Nachlassvertrag in verschiedener Weise erleichtert worden (JEANDIN, Les nouveautés du droit de l'assainissement, in: Gesellschaftsrecht und Notar/La société au fil du temps, 2016, S. 325). Insbesondere ist nach Einleitung des Nachlassverfahrens immer zunächst eine provisorische und dann erst eine definitive Nachlassstundung zu prüfen (vgl. HUNKELER, in: Kurzkommentar SchKG, 2. Aufl. 2014, N. 24 f. vor Art. 293-336). Erstere ist zu bewilligen, sofern nicht von Beginn an klar erkennbar ist, dass keine Aussichten auf eine Sanierung bestehen (vgl. GASSER, Neues Nachlassverfahren [...], BlSchK 2014 S. 2). Besteht offensichtlich keine Aussicht auf Sanierung oder Bestätigung eines Nachlassvertrages, so eröffnet das Gericht den Konkurs (Art. 293a Abs. 3 SchKG). Im Fall der Bewilligung der provisorischen Stundung entscheidet das Nachlassgericht vor deren Ablauf über die Bewilligung der definitiven Stundung. Es lädt den Schuldner und gegebenenfalls den antragstellenden Gläubiger zu einer Verhandlung ein; der provisorische Sachverwalter erstattet Bericht (Art. 294 Abs. 1 und 2 SchKG). Besteht keine Aussicht auf Sanierung oder Bestätigung eines Nachlassvertrags, so eröffnet das Nachlassgericht von Amtes wegen den Konkurs (Art. 294 Abs. 3 SchKG). In diesem Sinne impliziert die Konkurseröffnung den Widerruf der provisorischen Nachlasstundung (vgl. BGE 142 III 364 E. 2.3 S. 367, betreffend Konkurseröffnung gemäss Art. 293a Abs. 3 SchKG, sowie Urteil 5A_950/2015 vom 29. September 2016 E. 8.3.1 und 8.3.2, betreffend Art. 294 Abs. 3 SchKG). Als Formen der Sanierung (i.w.S.), auf welche Aussicht bestehen muss, kommen neben dem Abschluss eines gerichtlich bestätigten Nachlassvertrages auch die Sanierung ohne Abschluss eines Nachlassvertrages (Sanierung i.e.S.) in Frage (HUNKELER, a.a.O., N. 15 vor Art. 293-336). So ist im Gegensatz zum bisherigen Recht nicht mehr allein massgebend, ob Aussicht auf das Zustandekommen eines Nachlassvertrages besteht, sondern, ob überhaupt Aussichten auf Sanierung (i.w.S.) bestehen (HUNKELER, a.a.O., N. 2, 13, 16 zu Art. 294). Für die definitive Nachlassstundung ist entscheidend, dass die Aussichten auf Sanierung realistisch sind (Urteil 5A_950/2015 vom 29. September 2016 E. 8.3.1). Bei der Sanierung i.e.S. sind grundsätzlich alle Gläubiger voll zu befriedigen, soweit nicht individuelle Lösungen getroffen werden können. Neben dem Zuschuss neuer Mittel kommen auch betriebswirtschaftliche Massnahmen wie der Verkauf einzelner Unternehmensbestandteile in Frage (vgl. HUNKELER, a.a.O., N. 14 vor Art. 293-336, N. 2 zu Art. 294).