Citation: 1C_140/2022 E. 3.3.2

3.3.2. Als ausserordentliches Ereignis kann eine Fremdbeziehung in Frage kommen, die zu einem raschen Scheitern der Ehe führt (vgl. Urteile 1C_337/2013 vom 13. September 2013 E. 5.7; 1C_496/2010 vom 18. Januar 2011 E. 2.4). Das Eingehen einer Fremdbeziehung kann zwar auch die Folge einer unbefriedigenden ehelichen Situation darstellen, in der sich die Eheleute bereits auseinandergelebt haben, und nicht ein isoliertes, quasi aus heiterem Himmel eingetretenes Ereignis, das die zuvor intakte Ehe ohne vorbestehende Zerrüttung zum Scheitern bringt (vgl. Urteile 1C_445/2017 vom 4. Januar 2018 E. 3.3; 1C_12/2016 vom 23. Mai 2016 E. 3.4). Der Beschwerdeführer 1 legt - in Übereinstimmung mit seiner Ex-Ehefrau - aber nachvollziehbar dar, diese sei Anfang 2017 in eine Midlife-Crisis geraten und habe sich auf eine aussereheliche Beziehung mit ihrem Ex-Freund eingelassen. Dies sei für ihn völlig überraschend gekommen und zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung (sieben Monate zuvor) nicht absehbar gewesen. Gründe, weshalb diese Ausführungen nicht plausibel sein sollen, führt die Vorinstanz nicht auf. Den vorinstanzlichen Erwägungen kann auch nicht entnommen werden, dass die Ehegatten bereits zum Zeitpunkt der Einbürgerung Eheprobleme hatten und deshalb von einer vorbestehenden Zerrüttung ausgegangen werden müsste. Hierfür ergeben sich auch aus den Akten keine Anhaltspunkte. Es fehlen jedenfalls objektive Umstände, die auf seit längerem andauernde, gravierende Eheprobleme hinweisen und die Überlebensfähigkeit der Ehe im Zeitpunkt der Einbürgerung als fraglich erscheinen liessen (vgl. Urteil 1C_475/2014 vom 16. Dezember 2014 E. 2.6). Die Annahme eines arglistigen Verschweigens von rechtsrelevanten Tatsachen im Sinne von Art. 36 Abs. 1 BüG rechtfertigt sich erst, wenn die Eheprobleme tatsächlich bereits im massgeblichen Einbürgerungszeitpunkt eine gewisse Erheblichkeit erreicht hatten, so dass der Beschwerdeführer 1 vernünftigerweise nicht mehr auf den Fortbestand der Ehe vertrauen durfte (vgl. Urteil 1C_451/2020 vom 12. Mai 2021 E. 5.2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine Ehe im Übrigen selbst bei vorbestehenden Beziehungsproblemen noch als intakt bezeichnet werden, insbesondere wenn sich die Ehegatten bemühen, die Probleme zu überwinden (Urteile 1C_431/2020 vom 10. November 2020 E. 4.5.1; 1C_510/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 2.6; 1C_475/2014 vom 16. Dezember 2014 E. 2.6). Eine Fremdbeziehung, die sich nach der Einbürgerung ereignet hat bzw. aufgedeckt wird, ist aber für gewöhnlich geeignet, das Vertrauen zu zerstören und zu einem raschen Erlöschen des Ehewillens zu führen. In einer solchen Situation können nicht belegte Bemühungen, eine Ehe zu retten, nicht zu Ungunsten der eingebürgerten Person gewertet werden. Wenn sich der Beschwerdeführer 1 trotzdem zunächst darum bemüht hat, die Ehe zu retten, kann ihm jedenfalls nicht vorgeworfen werden, dass er - immerhin zwei Jahre später - hierfür keine Belege mehr vorweisen konnte. Ebenso wenig lässt der Umstand, dass der Beschwerdeführer 1 sich nach der Trennung sehr rasch seiner zweiten Ehefrau annäherte, welche in der Folge schwanger wurde, seine Ausführungen von vornherein als unplausibel erscheinen. Vor dem Hintergrund des Vertrauensbruchs infolge der ausserehelichen Beziehung seiner damaligen Ehefrau ist zu berücksichtigen, dass diese Ereignisse gemäss (nicht widerlegten) Aussagen des Beschwerdeführers 1 zu einem Zeitpunkt erfolgt sind, nachdem diese ihm gegenüber unmissverständlich ihren Scheidungswillen mitgeteilt hat und er die Ehe somit als definitiv gescheitert betrachten musste. Dass er aufgrund der schnellen Schwangerschaft Verantwortung übernehmen wollte und die Kindsmutter kurz nach der Scheidung mit seiner ersten Ehefrau geheiratet hat, kann ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden.