Citation: 1P.393/2004 26.01.2005 E. 4

Jede Person hat in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung, auf Beurteilung innert angemessener Frist sowie auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 1 und 2 BV). Eine Gehörsverletzung im Sinne einer formellen Rechtsverweigerung liegt nach der Praxis des Bundesgerichtes vor, wenn eine Behörde auf eine ihr frist- und formgerecht unterbreitete Sache nicht eintritt, obschon sie darüber entscheiden müsste (vgl. BGE 117 Ia 116 E. 3a S. 117 f.). Der Inhalt des rechtlichen Gehörs bestimmt sich zunächst nach dem anwendbaren kantonalen Verfahrensrecht und sodann gestützt auf Art. 29 Abs. 2 BV (BGE 126 I 97 E. 2 S. 102 f.; 119 Ia 136 E. 2c S. 138 f., je mit Hinweisen). Dies gilt namentlich für die Rüge, dem Strafanzeiger werde zu Unrecht die strafprozessuale Parteistellung als Geschädigter bzw. Privatstrafkläger verweigert (BGE 120 Ia 220 E. 3a S. 223 mit Hinweisen). Bei der Auslegung des kantonalen Verfahrensrechts beschränkt sich das Bundesgericht grundsätzlich auf eine Willkürkognition (BGE 119 Ia 342 E. 2b S. 347; 118 Ia 14 E. 2b S. 16; 117 Ia 135 E. 2c S. 139 f.; vgl. auch Urteil 1P.152/2004 vom 12. Mai 2004, E. 2.1). Nach bernischem Strafprozessrecht kann sich als Privatkläger am Strafverfahren beteiligen, wer durch eine strafbare Handlung unmittelbar in eigenen rechtlich geschützten Interessen verletzt worden ist (Art. 47 Abs. 1 Satz 1 StrV/BE). Nach herrschender strafprozessualer Lehre und Praxis ist als unmittelbar Geschädigter der Träger des durch die Strafdrohung geschützten Rechtsgutes zu betrachten, gegen das sich die Straftat ihrem Begriff nach richtet. Bei Delikten, die nicht primär Individualrechtsgüter schützen, werden diejenigen Personen als geschädigt betrachtet, die durch derartige Delikte tatsächlich in ihren Rechten beeinträchtigt wurden, sofern die Beeinträchtigung die unmittelbare Folge der tatbestandsmässigen Handlung ist (BGE 120 Ia 220 E. 3b S. 223; 119 Ia 342 E. 2b S. 346 f.; 118 Ia 14 E. 2b S. 16; 117 Ia 135 E. 2a S. 137, je mit Hinweisen; s. auch Urteile 1A.153/2004/ 1P.377/2004 vom 7. September 2004, E. 4.1; 1P.152/2004 vom 12. Mai 2004, E. 2).