Citation: I 451/02 04.02.2003 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob die versicherungsmässigen Voraussetzungen für den Anspruch auf medizinische Massnahmen erfüllt sind. 2.1 Unbestrittenermassen reiste der Versicherte am 2. November 1998 in die Schweiz ein und besuchte hernach die öffentliche Schule in Triengen. In der Folge litt der Knabe mehrmals an Bewusstseinsausfällen, die schliesslich zur Diagnose einer idiopathischen Absenzepilepsie führten. Die IV-Stelle geht davon aus, dass es sich dabei um ein angeborenes Leiden handle, welches bereits bei der Einschulung hätte diagnostiziert und behandelt werden müssen. Deshalb sei die versicherungsmässige Voraussetzung eines mindestens einjährigen Aufenthaltes in der Schweiz vor Eintritt des Versicherungsfalls nicht erfüllt. Hingegen kam die Vorinstanz zum Schluss, die Krankheit sei erst im Juli 2001 entdeckt worden und hätte auch nicht früher festgestellt werden können. Zu diesem Zeitpunkt hätten die versicherungsmässigen Voraussetzungen vorgelegen. 2.2 Gemäss Bericht von Dr. med. T.________, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, vom 6. Dezember 2001 liegt ein Geburtsgebrechen nach Ziffer 387 GgV Anhang (angeborene Epilepsie) vor. Der Versicherte habe in der Schule immer wieder kleine Abwesenheitszustände. Von diesen Problemen habe Dr. T.________ erst am 12. Februar 2001 erfahren. Daraufhin habe er eine neurologische Abklärung veranlasst. Nachdem ein EEG-Befund vorgelegen habe, sei die Behandlung eingeleitet worden. Diese wäre bei entsprechender Abklärung sicher schon früher angezeigt gewesen. 2.3 Dr. med. M.________, Leitender Arzt der Neuropädiatrie am Spital X.________, untersuchte den Versicherten am 6. Juli 2001 ambulant und diagnostizierte eine frühkindliche idiopathische Absenzepilepsie. Der Junge sei vor drei Jahren seinem seit langem in der Schweiz lebenden Vater nachgefolgt. Bisher sei er nie gravierend krank gewesen. Bei der Einschulung sei eine gewisse Schulleistungsschwäche aufgefallen, weswegen der Knabe der Kleinklasse B zugeteilt worden sei. Da wiederholte kurze Bewusstseinspausen aufgefallen seien, werde jetzt eine EEG-Untersuchung vorgenommen. Die Hirnstromkurve bestätige den Verdacht der Lehrerin. Die Anerkennung des Geburtsgebrechens nach Ziffer 387 GgV durch die IV sei in die Wege geleitet worden. Dieses wirke sich seit dem Beginn der Einschulung auf den Schulbesuch aus (Berichte vom 9. Juli und 6. September 2001). In einem von der Vorinstanz angeforderten Bericht vom 29. Januar 2002 führt Dr. M.________ aus, wiederholte Nichtansprechbarkeit, kurze Abwesenheiten oder Bewusstseinspausen seien bei Kindern mit Lernstörungen sehr häufige Auffälligkeiten. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle beruhten solche Störungen, die lediglich in der Schule, nicht aber zu Hause festgestellt würden, auf Konzentrationsschwächen, Tagträumereien oder andern nicht organischen Ursachen. Der Versicherte sei im März 2001 wegen Lernstörungen vom Hausarzt angemeldet worden. Da jedoch einzig auf Grund derartiger Störungen keine EEG-Untersuchung notwendig sei, habe das Spital den Hausarzt aufgefordert, den Knaben erst bei Vorliegen eindeutiger Hinweise für eine allfällige epileptogene Bewusstseinsstörung wieder zuzuweisen. Bei einer erneuten Untersuchung im Juli 2001 seien tatsächlich Bewusstseinsstörungen epileptischer Art festgestellt worden, die jedoch nur zwei bis vier Sekunden gedauert hätten und klinisch nicht so eindeutig gewesen wären, dass sie den Lehrern, dem Hausarzt oder den Eltern bereits früher hätten auffallen müssen. Aus fachärztlicher Sicht sei eindeutig, das die Diagnose erst bei der EEG-Untersuchung habe gestellt werden können, nicht jedoch durch eine frühere allgemeine klinische oder Routineuntersuchung während der Einschulung. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass bei lernschwachen Schülern, welche dem Anforderungsprofil der Regelschule nicht genügten, routinemässig eine EEG-Untersuchung zum Ausschluss allfälliger epileptogener Bewusstseins- oder Wahrnehmungspausen durchgeführt würden. 2.4 Gemäss Auskunft der Gemeindeschulen Q.________ vom 22. Januar 2002 habe der damalige Lehrer des Versicherten manchmal Bewusstseinsausfälle, jedoch keine epileptischen Anfälle beobachten können. Der Schularzt, Dr. med. T.________, sei darüber informiert worden. Die Lehrerin für Deutschunterricht habe weder Bewusstseinsausfälle noch epileptische Anfälle bemerkt.