Citation: 8C_153/2022 E. 5.1

5.1. Die asim-Gutachter berichteten, die Beschwerdeführerin leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, histrionischen und abhängigen Anteilen (ICD-10 F61.0). Sie sei deshalb in einer angepassten Tätigkeit nie mehr als 50 % arbeitsfähig gewesen. Das kantonale Gericht erkannte in diesem Zusammenhang, dass namentlich diese Diagnose für den Eintritt des rentenspezifischen Versicherungsfalles vor der Einreise in die Schweiz spreche. Denn die ausgewiesene Persönlichkeitsstörung beginne gemäss den diagnostischen Leitlinien nach ICD-10 immer in der Kindheit oder Jugend und manifestiere sich auf Dauer im Erwachsenenalter. Es mag zutreffen, dass die an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung leidenden versicherten Personen nicht immer in der Adoleszenz (zu mindestens 40 %) invalid werden, sondern es vielmehr einer Einzelfallbetrachtung bedarf, wie die Beschwerdeführerin geltend macht. Dieser Anforderung kam die Vorinstanz im vorliegenden Fall entgegen den Ausführungen in der Beschwerde jedoch nach. So legte das kantonale Gericht umfassend dar, dass die asim-Gutachter den Ursprung der psychischen Erkrankung überzeugend in Zusammenhang mit den belasteten familiären Verhältnissen in der Kindheit mit Verstossung, Fremdplatzierung und Gewalt gestellt hätten. Ausserdem erkannte es, dass die Beschwerdeführerin erst im Alter von rund 33 Jahren in die Schweiz eingereist sei. Dieser Umstand lasse den Schluss zu, dass die Persönlichkeitsstörung mit entsprechenden Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit bereits bis zu diesem Zeitpunkt erheblich fortgeschritten und verfestigt gewesen sei. Die Vielzahl von Beziehungsabbrüchen zu ehemaligen Partnern und teilweise auch zu den eigenen Kindern, das Bettnässen der Beschwerdeführerin sowie ein erster Suizidversuch bereits im Alter von 17 Jahren würden diese Annahme bestätigen. Ein entsprechendes gewichtiges Indiz, dass die Beschwerdeführerin bei ihrer Einreise in die Schweiz bereits (mindestens) 40 % invalid gewesen sei, biete laut Vorinstanz darüber hinaus auch die Erwerbsbiografie. Das kantonale Gericht wies darauf hin, dass sie bereits ab dem jungen Erwachsenenalter nicht in der Lage gewesen sei, über einen längeren Zeitraum einer kontinuierlichen Arbeit im Umfang von mehr als 50 % nachzugehen. Sowohl in der Zeit in Ungarn als auch in in der Schweiz hätten sich eine Vielzahl von Jobwechseln und Tätigkeitsbereichen (Krankenschwester, Service, Reinigung, häusliche Pflege, Studium) gezeigt. Trotz abgeschlossener Ausbildung zur Krankenschwester habe die Beschwerdeführerin in Ungarn nur kurz in dieser Branche gearbeitet und sei in der Folge in wechselnden Anstellungen im Servicebereich tätig gewesen.