Citation: 6B_92/2009 18.06.2009 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer bestreitet, sich sorgfaltswidrig verhalten zu haben, und lastet der Vorinstanz eine Verletzung von Art. 12 Abs. 3 StGB und Art. 117 StGB an. Er bringt vor, der Umgang mit Stresssituationen nach einem Lawinenniedergang bilde Bestandteil der Bergführerausbildung, nicht aber derjenigen von Tourenleitern. Ihn hinsichtlich seiner Qualifikation mit einem schweizerischen Bergführer gleichzusetzen, wie dies die Vorinstanz getan habe, gehe daher nicht an. Die Gefahrenstufe "erheblich" gemäss Lawinenbulletin verbiete ein Tourengehen in kritischer Höhenlage und Exposition nicht. Vorliegend seien keine konkreten Anzeichen (wie "Wumm-Geräusche" oder abgehende Schneebretter) auszumachen gewesen, welche auf eine erhebliche Lawinengefahr hingedeutet hätten. In der konkreten Situation habe er davon ausgehen dürfen, dass die kritische Grenze oberhalb von rund 2'000 m.ü.M. gelegen sei, was im Übrigen auch mit der Einschätzung des SLF-Regionalbeobachters übereingestimmt habe. Zudem habe die Vorinstanz bei ihrer Beurteilung fälschlicherweise einzig auf die Lawinenbulletins abgestellt, statt zusätzlich die sog. Reduktionsmethode heranzuziehen. Gestützt auf diese Methode habe er nicht mit einem Lawinenniedergang rechnen müssen (Beschwerde S. 8 ff.). Der Beschwerdeführer betont, vor diesem Hintergrund sei der Erfolgseintritt für ihn weder voraussehbar noch vermeidbar gewesen. Auch der SLF-Gutachter habe im Übrigen nicht eindeutig gefordert, dass die Tour überhaupt nicht hätte durchgeführt werden dürfen, vielmehr werfe ihm dieser in erster Linie die gewählte Querungsstrategie des Unfallhangs vor. Dabei verkenne der Gutachter aber, dass der dichte Nebel grössere Abstände zwischen den Teilnehmenden oder gar eine Einzelbefahrung verunmöglicht habe. Ferner sei nicht belegt, dass die Lawine selbst bei Einhaltung grösserer Abstände mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeblieben wäre. Schliesslich habe er sich nach dem Lawinenniedergang auf die Auskünfte und Mitteilungen der Teilnehmenden verlassen dürfen. Dass das Fehlen von Y.________ nicht früher bemerkt worden sei, könne ihm nicht zum Vorwurf gereichen, zumal insoweit nicht nachgewiesen sei, dass der Verschüttete noch rechtzeitig hätte geborgen werden können, wenn sein Fehlen früher festgestellt worden wäre (Beschwerde S. 11 ff.). 3.2 Die Vorinstanz hat demgegenüber erwogen, das regionale Lawinenbulletin habe für das Gebiet um die Unfallstelle die Lawinenstufe 3 und damit eine erhebliche Lawinengefahr ausgewiesen (vgl. angefochtenes Urteil S. 7). Wie sich aus dem Gutachten des SLF ergebe, habe der Unfallhang bezüglich Steilheit, Höhenlage und Exposition zu den im Lawinenbulletin erwähnten Gefahrenstellen gezählt (Beschwerde S. 11). Überdies seien weitere, das Tourvorhaben erschwerende Umstände hinzugekommen, welche den Beschwerdeführer bei Beachtung der ihm zumutbaren Vorsicht davon hätten abhalten müssen, die Variantenabfahrt als solche respektive in dieser Form durchzuführen. So habe das nationale Lawinenbulletin für den Unfalltag am östlichen Alpennordhang Neuschnee von 10 bis 20 Zentimeter und in Kammlagen die Bildung von Triebschneeansammlungen prognostiziert. Auch aufgrund des Wetterberichts sei von einer Schneefallfront gegen Abend auszugehen gewesen, so dass auf der Abfahrt mit eingeschränkter Sicht habe gerechnet werden müssen. Zudem sei bereits zu Beginn der Abfahrt erkennbar gewesen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Nebel die Sicht trüben würde, habe doch der Beschwerdeführer bereits auf der Fahrt auf dem Sessellift eine Nebelwand festgestellt (angefochtenes Urteil S. 8). Zwar - so hebt die Vorinstanz hervor - sei angesichts der Lawinenbreite von ca. 40 Metern und vier Verschütteten davon auszugehen, dass der vom Beschwerdeführer durch seine rasche Hangfahrt zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern herbeigeführte Abstand rund 13 Meter betragen habe. Gemäss der vom SLF erstellten Gerichtsexpertise, deren Ergebnisse durch das Privatgutachten nicht in Frage gestellt würden, hätten aber bei der Traversierung des Hangs Abstände von deutlich mehr als 10 Metern eingehalten werden müssen, da diesfalls die Wahrscheinlichkeit einer Lawinenauslösung zufolge geringerer Belastung der Schneedecke vermindert worden wäre. An einer klaren Aufforderung an die Teilnehmenden, bei der Querung des Steilhangs Abstände von wesentlich mehr als 10 Metern einzuhalten, habe es jedoch gefehlt. Die Instruktion einzig zu Beginn einer Skitour genüge insoweit nicht (angefochtenes Urteil S. 9 ff.). Schliesslich - so führt die Vorinstanz aus - sei es zwar nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer zufolge des Lawinenabgangs geschockt gewesen sei. Von einem Tourenführer mit seiner Qualifikation dürfe aber erwartet werden, dass er gerade in einer kritischen Situation einen "klaren Kopf" behalte. Eine sorgfältige Bestandesaufnahme hätte dabei zu den elementaren und vordringlichen Pflichten gehört. Dass der Beschwerdeführer das Fehlen von Y.________ erst nach einer Stunde bemerkt habe, stelle eine eindeutige Sorgfaltswidrigkeit dar (angefochtenes Urteil S. 10). Zusammenfassend wirft die Vorinstanz dem Beschwerdeführer vor, dass er erstens überhaupt zur geplanten Variantenabfahrt aufbrach, dass er sich zweitens in den eigentlichen Unfallhang begab und dabei nicht sicherstellte, dass die Teilnehmenden Sicherheitsabstände von deutlich über zehn Metern einhielten, und dass er drittens nicht rechtzeitig bemerkte, dass Y.________ verschüttet worden war (angefochtenes Urteil S. 10). Diese Sorgfaltswidrigkeiten - so schliesst die Vorinstanz - seien kausal gewesen für den für den Beschwerdeführer voraussehbaren Erfolgseintritt (angefochtenes Urteil S. 12).