Citation: U 77/05 22.08.2005 E. 2

Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer wiederholt einen Zeckenstich und eine damit verbundene Borrelien-Infektion erlitten hat. Streitig und zu prüfen ist, ob die vom behandelnden Arzt Dr. med. B.________ am 17. März 2002 als Rückfall gemeldeten Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen und bejahendenfalls auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit einer solchen Infektion stehen. 2.1 Im Gutachten von Prof. Dr. med. V.________ und Dr. med. N.________ vom 16. März 2003 wird die Hauptdiagnose (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) von Polyarthralgien (Ellbogen-, Handgelenke, obere Sprunggelenke, Schultern beidseits) und eines Panvertebralsyndroms mit/bei degenerativen Veränderungen (oberes Sprunggelenk rechts, einzelne Fingergelenke, Schultergelenk rechts, Chondrose L5/S1 und Spondylose L4/5, Chondrose C5/6 und Unkarthrosen C4-6) und panvertebraler Haltungsinsuffizienz gestellt. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit werden genannt: Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz, anamnestisch passager (Ende 2001) zentralnervöse Symptome mit Kopfschmerzen, Gedächtnisstörungen, Sprachstörungen, Müdigkeit (Differentialdiagnose: im Rahmen einer Enzephalopathie bei Borreliose, somatoforme Störung, depressive Verstimmung), hochgradiger Verdacht auf metabolisches Syndrom (Adipositas, arterielle Hypertonie, aktuell Hyperglykämie), Hinweise auf eine generalisierte Atherosklerose, Dupuytren, Steatosis hepatis mit leichter Transaminasen-Erhöhung, osteoplastische Diathese. Zur Kausalität der im Dezember 2001 aufgetretenen Beschwerden (Symptome im Bereich der Gelenke und des Achsenskelettes sowie passagere Beschwerden seitens des zentralen Nervensystems) und zur Frage, ob es sich aufgrund des bisherigen Krankheitsverlaufs und der aktuellen Untersuchungsergebnisse um die Folge eines Borrelieninfektes handle, führen die Gutachter aus, ein infektiöses Geschehen sei möglich. Einige Argumente sprächen für einen durchgemachten Borrelieninfekt, so beispielsweise das Ansprechen auf die antibiotische Therapie. Die serologische Narbe belege den immunologischen Kontakt mit Borrelien und sei als Hinweis auf eine erfolgte Borrelien-Infektion zu werten, wie auch der 1989 dokumentierte Titer-Verlauf nach Antibiotika-Therapie. Differentialdiagnostisch müsse theoretisch auch an eine Infektion mit Tropheryma whippeli gedacht werden; allerdings fehlten aktuell Zeichen einer starken humoralen Entzündungsaktivität und gastrointestinale Manifestationen. Es sei möglich, dass die passageren zentralnervösen Probleme auf eine Borreliose zurückzuführen seien. Die aktuellen Beschwerden seien aber höchstwahrscheinlich ohne Zusammenhang mit einem stattgehabten oder chronisch persistierenden Infekt. Im Vordergrund stünden die statischen und degenerativen Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule. Diese seien auch als Ursache der bestehenden Arthralgien zu betrachten. Für die im Dezember 2001 aufgetretenen (zentralnervösen) Symptome seien psychische Belastungen wie die vom Versicherten erwähnte nervliche Belastung, welche zu Schlafstörungen geführt habe, verantwortlich. Schlafstörungen könnten auch zu erheblichen Problemen bei den allgemeinen Gedächtnisleistungen führen und in Bezug auf die geltend gemachte Müdigkeit eine Rolle spielen. Zusammenfassend wird festgestellt, ein Kausalzusammenhang der bestehenden Beschwerden mit einer Borreliose sei höchstens als möglich, nicht aber als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten. 2.2 Dr. med. A.________ hat mit Schreiben vom 28. August 2003 zum Gutachten Stellung genommen und ausgeführt, der Versicherte sei mit Ausnahme leichter Muskelschmerzen wieder gesund. Insbesondere hätten sich auch die neurologischen Beschwerden dank der Rocephin-Therapie, welche im Mai 2002 zum dritten Mal durchgeführt worden sei, zurückgebildet. In der Stellungnahme werden vier Punkte genannt, welche nach Auffassung von Dr. med. A.________ für das Vorliegen einer Neuroborreliose bzw. einer chronischen Lyme-Borreliose sprechen. Zunächst wird geltend gemacht, im Liquor sei erneut eine Entzündung (mononukleäre Pleozytose) festgestellt worden, was zum Beschwerdebild einer Enzephalitis passe. Die Beschwerden seien nach erneuter Rocephin-Behandlung abgeklungen, womit das Vorliegen einer Neuroborreliose bewiesen sei. Sodann wird vorgebracht, die Gelenkschmerzen seien typisch für eine chronische Lyme-Borreliose und hätten auf Rocephin angesprochen, so dass angenommen werden könne, dass in den Gelenken wieder Bakterien vorhanden gewesen seien. Dass die vorhandenen arthrotischen Veränderungen für die Gelenksbeschwerden nicht verantwortlich seien, zeige das aktuelle Zustandsbild. Der Verlauf beweise, dass Arthritiden und Periarthritiden im Rahmen der Lyme-Borreliose vorlägen und die Arthrosen von sekundärer Bedeutung seien. Des Weiteren wird gerügt, die Gutachter berücksichtigten den von ihnen erhobenen Laborbefund (erhöhte KBR = Komplementbindungsreaktion) nicht, welcher hochspezifisch für die Lyme-Borreliose sei und auf eine aktive Infektion hinweise. Schliesslich hätten die Beschwerden der Lyme-Borreliose schon vor der im Gutachten erwähnten Gammopathie bestanden, weshalb ein entsprechender Zusammenhang ausgeschlossen werden könne. Mit Bericht an die SUVA vom 6. April 2004 hat Prof. Dr. med. V.________ zu diesen Punkten Stellung genommen und insbesondere darauf hingewiesen, dass während der gutachtlichen Untersuchung keine KBR-Abklärung durchgeführt worden sei. In eingehender Würdigung der unterschiedlichen Auffassungen ist die Vorinstanz zum Ergebnis gelangt, dass die von Dr. med. A.________ erhobenen Einwendungen einer kritischen Prüfung nicht stand halten und nicht geeignet sind, die Schlussfolgerungen der Gutachter in Zweifel zu ziehen. Die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhobene Rüge, die Vorinstanz habe dabei den Beweisgrundsatz der überwiegenden Wahrscheinlichkeit des Kausalzusammenhangs und die Regeln zur Beweiswürdigung ärztlicher Gutachten und Berichte missachtet, ist unbegründet. Das kantonale Gericht hat den Sachverhalt nach den massgebenden Beweisgrundsätzen (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 126 V 360 Erw. 5b) geprüft und ist im Lichte der von der Rechtsprechung aufgestellten Beweisanforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 f. Erw. 1c) sowie unter Berücksichtigung der vom Versicherten erhobenen Einwendungen zu Recht zum Schluss gelangt, dass der Expertise vom 16. März 2003 voller Beweiswert beizumessen ist. Das Gericht ist auch der ihm obliegenden Begründungspflicht nachgekommen (Art. 61 lit. h ATSG; BGE 126 V 80 Erw. 5b/dd, 124 V 181 Erw. 1a mit Hinweisen).