Citation: 2C_265/2018 E. 4.1

4.1. Im Mehrwertsteuerrecht gilt verfahrensrechtlich das (modifizierte) Selbstveranlagungsprinzip (vgl. Urteil 2C_326/2015 vom 24. November 2016 E. 3.2, m.w.H.). Danach ist grundsätzlich die steuerpflichtige Person für die Veranlagung und Entrichtung der Steuerforderung verantwortlich (vgl. Art. 71 und 86 MWSTG). Die ESTV überprüft aber, ob die steuerpflichtige Person die Steuern korrekt berechnet und abgeliefert hat (Art. 77 MWSTG). Soweit zur Abklärung des Sachverhalts erforderlich, kann sie zu diesem Zweck namentlich eine Kontrolle durchführen (Art. 78 Abs. 1 MWSTG). Die Kontrolle ist in der Regel schriftlich anzukündigen (Art. 78 Abs. 3 MWSTG) und innert 360 Tagen seit ihrer Ankündigung mit einer Einschätzungsmitteilung abzuschliessen, die den Umfang der Steuerforderung in der kontrollierten Periode festhält (Art. 78 Abs. 5 MWSTG). Erst bei Uneinigkeit wird in der Folge ein Verfügungsverfahren eröffnet (Art. 82 Abs. 1 MWSTG; BGE 140 II 202 E. 5.3 und 5.4 S. 205). In diesem Verfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz (vgl. für die Inland- und Bezugssteuer Art. 81 Abs. 2 MWSTG; Art. 12 VwVG); entsprechend trägt die ESTV die Hauptverantwortung für die Ermittlung des massgeblichen Sachverhalts (BGE 143 II 425 E. 5.1 vgl. AUER/BINDER, in: Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2019, N. 7 zu Art. 12 VwVG) und hat mit allen ihr vom Gesetz eingeräumten Untersuchungsmitteln den Sachverhalt so zu ermitteln, wie er sich in Wahrheit zugetragen hat (vgl. ZWEIFEL/BEUSCH/CASANOVA/HUNZIKER, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, 2. Aufl. 2018, § 5 N. 7). Von der ESTV zu ermitteln sind damit selbstredend auch Tatsachen, die sich für den Steuerpflichtigen günstig auswirken; gerade insoweit wird sich die ESTV aber darauf verlassen können, dass der Steuerpflichtige seinen Mitwirkungspflichten (vgl. Art. 13 VwVG) nachkommt bzw. von sich aus Beweise vorbringt, die geeignet sind, seine Steuerlast zu mindern.