Citation: 8C_623/2007 22.08.2008 E. 8.3

8.3.1 Für das Kriterium der ärztlichen Behandlung entscheidwesentlich ist, ob nach dem Unfall bis zum Fallabschluss eine fortgesetzt spezifische, die versicherte Person belastende Behandlung notwendig war (BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128). 8.3.2 Nach der initialen Untersuchung in der Notfallstation des Spitales in T.________ bedurfte die Beschwerdeführerin am Unfalltag keiner stationären Hospitalisierung, weil es angeblich gemäss Beschwerdeschrift vom 12. Oktober 2007 (S. 22) in jenem Spital für die Versicherte "keinen Platz mehr [...] gab". Obwohl sie daraufhin noch am gleichen Tag (der 12. Mai 1996 war ein Sonntag) von einem Kollegen in die Schweiz nach Hause gefahren wurde, begab sie sich erst am darauf folgenden Mittwoch (15. Mai 1996) in ärztliche Erstbehandlung zu Dr. med. A.________. Gemäss Bericht vom 14. Juni 1996 verordnete dieser einzig einen Schaumstoffkragen sowie die dreimal tägliche Einnahme einer Trancopal Tablette. Nach einer MRI-Untersuchung der Wirbelsäule vom 24. Juli 1996 und einer neurologischen Abklärung vom 5. August 1996 beschränkte sich die Behandlung laut Bericht des Dr. med. A.________ vom 13. Januar 1997 noch auf Arztkonsultationen alle zwei bis vier Wochen, Analgetika bei Bedarf, Neuraltherapie und möglichst konservative Massnahmen. Im April 1997 wechselte die Beschwerdeführerin den behandelnden Arzt und begab sich in Betreuung durch Dr. med. D.________. Dieser applizierte zwei Injektionen mit Schmerzmitteln, welche jedoch am Krankheitsbild nichts zu ändern vermochten. Bei einer konsiliarischen Untersuchung in der Neurologisch-Neurochirurgischen Poliklinik des Spitals Y.________ konnten die gezeigten gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Sommer 1997 keinem organischen Korrelat zugeordnet und keine Anzeichen für eine Nervenwurzelkompression gefunden werden. Angesichts einer Reihe von gravierenden psycho-sozialen Problemen (drei Operationen an der linken Brust der Versicherten zwischen 1988 und 1997 wegen einem Karzinom, ein drogensüchtiger Stiefsohn, welcher sich im August 1996 drei Rückenwirbel brach und der achtzehn Jahre ältere Ehegatte, welcher 1997 zwei Herzinfarkte erlitt) veranlasste Dr. med. D.________ einen knapp vierwöchigen stationären Aufenthalt in der Medizinischen Abteilung des Spitals Y.________, damit die Beschwerdeführerin in dieser Zeit "mehr Distanz zu ihren Problemen gewinnen" könne. Bei Austritt wurden im Wesentlichen psychotherapeutische Einzelbetreuung und eine Ehepaartherapie empfohlen bei bereits ausgeschöpften Behandlungsmöglichkeiten hinsichtlich der unmittelbaren Unfallfolgen. Dr. med. E.________, welche die Versicherte in der Privatklinik F.________ ab 15. Oktober 1998 ambulant psychiatrisch behandelte, berichtete am 26. November 1998, die Beschwerdeführerin leide an einer mittelschweren depressiven Episode. Aufenthalte in ihrer Herkunftsfamilie im ehemaligen Jugoslawien zeigten eine entlastende und stimmungsmässig stabilisierende Wirkung, weshalb sie aus fachärztlicher Sicht einen entsprechenden Urlaub unbedingt befürworte. Gemäss Gutachten des Medizinischen Zentrums Z.________ war einzig von der psychiatrischen Behandlung eine verbesserte Motivation zur Eingliederung in eine Tagesstruktur zu erhoffen. 8.3.3 Festzuhalten ist, dass die Verhältnisse bis zum Fallabschluss auf den 31. Dezember 1998 zu beurteilen sind (vgl. Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 7.3.3, mit Hinweis). Die nachfolgenden therapeutischen Bemühungen sind somit nicht relevant. Insgesamt ist das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung mit Blick auf den Zeitraum zwischen Unfall und Ende 1998 nach dem Gesagten nicht erfüllt. Abgesehen von der knapp vierwöchigen stationären Rehabilitation im Spital Y.________ waren unfallbedingt neben der ambulanten Psychotherapie und gelegentlichen Arztkonsultationen keine belastenden operativen Eingriffe oder sonstige Hospitalisierungen erforderlich. 8.4 Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128). Gemäss Gutachten des Medizinischen Zentrums Z.________ litt die Beschwerdeführerin seit dem Unfall konstant an Nacken- und Kopfschmerzen mit Ausstrahlung in beide Arme und in den gesamten Rücken bei zunehmend reduzierter Grundstimmung. Den Besuch eines Fitnesscenters habe sie ebenso schmerzbedingt abbrechen müssen wie den einzigen Arbeitsversuch als Serviceangestellte. Neben dem täglichen Einkauf, den Spaziergängen mit dem Hund und dem Besuch eines religiösen Kurses seien ihr körperliche Arbeiten völlig unmöglich. Bei stark positiv getesteten Waddellzeichen und einer - ausserhalb der medizinischen Untersuchungssituation beobachteten - normalen Beweglichkeit des Kopfes und unauffälligen Gangart ohne Hinken oder Abstützen kann das Kriterium erheblicher Beschwerden in Anbetracht der aktenkundigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen (E. 6, 8.2.2 und 8.3.2 hievor) als grundsätzlich nur knapp erfüllt angesehen werden. Dies aber weder auffallend noch in besonders ausgeprägter Form, da es der Versicherten immer noch möglich blieb, gewisse Aktivitäten auszuüben (Urteil 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 7.4). 8.5 Das nicht geänderte Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat (BGE 134 V 109 E. 10.2.5 S. 129), ist unbestrittenermassen nicht erfüllt. 8.6 Unverändert beibehalten wird das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6 S. 129). Diese beiden Teilaspekte müssen nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V 359 E. 7b S. 369). Aus der ärztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (E. 7 i.f. hievor) zu berücksichtigen sind - darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (Urteile 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008, E. 7.6, und 8C_57/2008 vom 16. Mai 2008, E. 9.6.1, je mit Hinweisen). Im Vergleich mit anderen Fällen von HWS-Distorsionstraumen und äquivalenten Verletzungen kann vorliegend bis zum Fallabschluss nicht von erheblichen Komplikationen ausgegangen werden. Hingegen ist insgesamt das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs zu bejahen, aber weder auffallend noch besonders ausgeprägt.