Citation: 2C_314/2018 E. 6.3

6.3. Bei einer Person, die ihr ganzes Leben oder ein Grossteil davon in der Schweiz verbracht hat und glaubhaft dartut, dass sie sich dauerhaft gebessert hat, würden durch eine allzu leichtfertig ausgesprochene Wegweisung der Resozialisierungsgedanke des Strafrechts bzw. die im Strafvollzug unternommenen Bemühungen grundlos zunichte gemacht (Urteil 2C_94/2016 vom 2. November 2016 E. 5.1). Das private Interesse des Beschwerdeführers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz überwiegt das gegenteilige öffentliche Interesse, wenn dem Umstand Rechnung getragen wird, dass der Beschwerdeführer wegen der begangenen, von einer beschränkten kriminellen Energie getragenen Jugendkriminalität (bspw. Besprayen von Mauern und eines Autos, Diebstähle mit beschränkter Beute usw.) das Land zu verlassen hätte. Ob ihm die Rückkehr in seine Heimat trotz seiner langen Abwesenheit zumutbar wäre, braucht unter diesen Umständen ebensowenig geklärt zu werden wie die Frage, ob er in seiner Heimat oder hier sozialisiert worden ist. Soweit die Vorinstanz davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer Anlasstaten gemäss Art. 66a StGB begangen habe, was zu einer automatischen Landesverweisung führe, ist ihr entgegenzuhalten, dass die jeweilige Tat ohne Automatismus im Einzelfall zu würdigen ist (vgl. das Urteil des EGMR Saber und Boughassal gegen Spanien vom 18. Dezember 2018 [Nr. 76550/13 und 45938/14] § 47 ff.) und die Voraussetzungen eines Härtefalls nach Art. 66a Abs. 2 StGB zu prüfen wären, worauf das Verwaltungsgericht indessen nicht weiter eingegangen ist. Nachdem die neurechtlichen Bestimmungen von Art. 66a StGB erst am 1. Oktober 2016 in Kraft getreten sind (AS 2016 2329) und auf den vorliegenden Fall noch keine Anwendung finden, erübrigt es sich hier, die entsprechende Problematik unter Berücksichtigung des EGMR-Urteils Saber und Boughassal gegen Spanien zu vertiefen.