Citation: U 169/06 12.03.2007 E. 3

3.1 Entgegen der Argumentation in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist den Überlegungen des kantonalen Gerichts beizupflichten. Zunächst ist festzuhalten, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht schon in BGE 126 V 288 und auch in seiner früheren Rechtsprechung (vgl. BGE 119 V 468) nie derart bestimmt wie nunmehr der Beschwerdeführer in seiner Rechtsschrift erklärt hat, inwiefern die rechtskräftige Invaliditätsschätzung des einen Sozialversicherungsträgers für den anderen bindend ist. Ausgehend von der koordinierenden Funktion des Invaliditätsbegriffs in der Invalidenversicherung einerseits und in der Unfallversicherung (wie auch der Militärversicherung) andererseits hat es in BGE 126 V 288 vielmehr festgehalten, dass die Bemessung der Invalidität für jeden Sozialversicherungszweig grundsätzlich selbstständig vorzunehmen ist (BGE 126 V 288 E. 2a S. 291 f. mit Hinweisen). Mit Bezug auf den gleichen Gesundheitsschaden hat diese im Regelfall zwar zum selben Ergebnis zu führen; gleichzeitig wurden indessen Abweichungen ausdrücklich vorbehalten (BGE 126 V 288 E. 2b S. 292 mit Hinweis). Dem Ansinnen des heutigen Beschwerdeführers wird schon in BGE 126 V 288 deutlich entgegengetreten, indem dort ausgeführt wird, die Versicherer dürften sich keinesfalls ohne weitere eigene Prüfung mit der blossen Übernahme des von einem anderen Versicherer festgelegten Invaliditätsgrades begnügen; zumindest rechtskräftig abgeschlossene Invaliditätsschätzungen dürften allerdings auch nicht einfach unbeachtet bleiben, sondern müssten als Indiz für eine zuverlässige Beurteilung gewertet und als solches in den Entscheidungsprozess erst später verfügender Versicherungsträger mit einbezogen werden (BGE 126 V 288 E. 2d S. 293 f.). 3.2 Schon nach der eben erwähnten Rechtsprechung ist das Begehren des Beschwerdeführers unbegründet. Die Vorinstanz hat klar festgestellt, dass die von der SUVA berücksichtigten medizinischen Berichte, auch wenn es sich bei den Dres. med. T.________ und G.________ um auf Gehörschäden spezialisierte Fachärzte handelt, für sich allein eine Abweichung von dem von der Invalidenversicherung bestimmten Invaliditätsgrad zwar nicht rechtfertigen. Dies schliesst indessen nicht aus, dass die SUVA nicht wie die Invalidenversicherung auf das primär aus internistischem Blickwinkel erstellte MEDAS-Gutachten vom 9. September 2002 abstellt, sondern weitere fachspezifische Stellungnahmen einholt und darüber hinaus allenfalls auch zusätzliche erwerbliche Abklärungen tätigt. Es kann ihr denn auch nicht verwehrt sein, bei ausgewiesenem Bedarf von der Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung abzuweichen, sofern sie dafür triftige Gründe im Sinne von BGE 126 V 288 anführen kann. Aus dem Umstand, dass das kantonale Gericht die Expertise der MEDAS vom 9. September 2002 als "plausibel und sachgerecht" qualifiziert hat, steht dem vorinstanzlichen Rückweisungsentscheid vom 20. Februar 2006 jedenfalls nicht entgegen, lässt sich doch nicht ausschliessen, dass weitere Abklärungen medizinischer oder erwerblicher Art die SUVA zu einem in zulässiger Weise von der Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung abweichenden Ergebnis führen. Des Gleichen beruht - was auch der Beschwerdeführer einräumt - die vorinstanzliche Feststellung, wonach "das MEDAS-Gutachten nicht umzustossen und damit ein Ansatzpunkt für eine Abweichung von der Invaliditätsschätzung der IV-Stelle nicht gegeben" sei, ausdrücklich auf "der jetzigen medizinischen Aktenlage". Die Möglichkeit, diese durch eigene Abklärungen zu ergänzen, muss der SUVA gewahrt bleiben. 3.3 Kommt hinzu, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht an der Rechtsprechung in BGE 126 V 288 nicht strikt festgehalten, sondern - worauf die SUVA in ihrer der Vorinstanz eingereichten Beschwerdeantwort vom 3. Januar 2006 zu Recht hinweist - etwa in BGE 131 V 362 mit Blick auf das auf den 1. Januar 2003 in Kraft getretene ATSG eine Bindungswirkung rechtskräftiger Invaliditätsbemessungen der Invalidenversicherung für den Unfallversicherer sogar ausdrücklich verneint hat (BGE 131 V 362 E. 2.2.1 S. 366 f.). Damit hat es eine schon früher in AHI 2004 S. 181 publizierte Rechtsprechung auch für die Zeit nach dem Inkrafttreten des ATSG bestätigt. In dem in AHI 2004 S. 181 veröffentlichten Urteil vom 13. Januar 2004 (I 564/02) ist das Gericht bereits zum Schluss gelangt, dass die Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung gegenüber dem Unfallversicherer mangels rechtserheblichen "Berührtseins" im Sinne des zum 1. Januar 2003 aufgehobenen Art. 129 Abs. 1 UVV (vgl. nunmehr Art. 49 Abs. 4 ATSG) keinerlei Bindungswirkung entfaltet, auch nicht im Sinne einer Richtigkeitsvermutung (AHI 2004 S. 181 E. 4.3 und 4.4). Die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde angerufene, dem kantonalen Rückweisungsentscheid nicht entgegenstehende (E. 3.2 hievor) Rechtsprechung war damit schon im Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids der SUVA vom 30. Juni 2004 überholt.