Citation: 9C_364/2023 E. 2.2.3

2.2.3. Die Steuerbehörden sind grundsätzlich nicht verpflichtet, gegenüber einer handelsrechtswidrigen Jahresrechnung von Amtes wegen eine Bilanzberichtigung vorzunehmen. Zwar gilt für eine selbständige Erwerbstätigkeit auch der Grundsatz der Massgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz. Danach muss sich die steuerpflichtige Gesellschaft grundsätzlich bei der in ihren ordnungsgemäss geführten Büchern erscheinenden Darstellung der Vermögenslage des Jahresergebnisses behaften lassen. Dieser Grundsatz gilt aber nur, wenn der Erfolgsausweis nicht unter Verletzung zwingender Bestimmungen des Handelsrechts zustande kam und sofern keine speziellen steuerrechtlichen Vorschriften für die Gewinnermittlung zu beachten sind. Wurden handelsrechtswidrige Ansätze gewählt, ist eine Korrektur bis zum Eintritt der Rechtskraft der Veranlagung zulässig (sog. Bilanzberichtigung). Ist indessen die Veranlagung bereits in Rechtskraft erwachsen, ist eine Bilanzberichtigung nur bei einem Revisionsgrund (zu Gunsten des Steuerpflichtigen) oder im Falle eines Nachsteuerverfahrens (zu Ungunsten des Steuerpflichtigen) zulässig (vgl. BGE 141 II 83 E. 3.3 u. 3.4; Urteile 2C_1107/2018 vom 19. September 2019 E. 3.2; 2C_662/2014 vom 25. April 2015 E. 6.1 u. 6.2; 2C_24/2014 vom 29. Januar 2015 E. 2.2; 2C_911/2013 vom 26. August 2014 E. 6.1; 2C_787/2012 / 2C_788/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.2; je m.w.H., auch auf die Lehre).