Citation: 1P.231/2000 09.05.2000 E. 4

4.- a) Weiter rügt der Beschwerdeführer, die gesamte Dauer seiner Haft drohe die Strafe, zu der er verurteilt werden könnte, zu überschreiten. Wie intensiv der Haftrichter sich mit der Höhe der dem Betroffenen drohenden Strafe auseinander setzen muss, hängt davon ab, in wie grosse Nähe die Gefahr einer Überhaft rückt. Nach § 58 Abs. 3 StPO/ZH darf die Untersuchungshaft nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe. Diese Bestimmung, die mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Art. 5 Ziff. 3 EMRK übereinstimmt (BGE 124 I 208 E. 6 S. 215), dem heute Art. 31 Abs. 3 Satz 2 BV entspricht, verbietet es dem Haftrichter, die Untersuchungshaft zu verlängern, wenn ihre Dauer in grosse Nähe der konkret zu erwartenden Freiheitsstrafe rückt. Bei der Bemessung der Letzteren ist auf alle nach dem Untersuchungsstand bekannten Umstände abzustellen (Andreas Donatsch, in: Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, 1996, § 58 N. 85 f.). b) Wie schon in der Haftanhörung durch den Richter macht der Beschwerdeführer geltend, angesichts des Wegfalls des Tatverdachts des gewerbsmässigen Betrugs sei für die übrigen Vorwürfe selbst bei Berücksichtigung seiner Vorstrafen mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu rechnen. Davon seien 9 Monate wegen seiner verminderten Zurechnungsfähigkeit und von den restlichen 15 Monaten wiederum ein Drittel in Anbetracht der Möglichkeit einer bedingten Entlassung abzuziehen. Die zum Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung ausgestandene Haft von 9 Monaten rücke in grosse Nähe der zu erwartenden tatsächlich zu verbüssenden von 10 Monaten. Da der Tatverdacht des gewerbsmässigen Betrugs in vielen Fällen ein dringender bleibt (vgl. vorne E. 3c), kann schon dem Ausgangspunkt dieser Berechnung nicht gefolgt werden. Im Delikteverzeichnis vom 3. Januar 2000 werden dem Beschwerdeführer 61 Delikte mit einem Gesamtdeliktsbetrag von über Fr. 500'000.-- vorgeworfen. Daher durfte der Haftrichter angesichts einer Höchststrafdrohung von 10 Jahren Zuchthaus (vgl. Art. 146 Abs. 2 und 147 Abs. 2 StGB) und der Vorstrafen des Beschwerdeführers von einer drohenden Freiheitsstrafe von erheblich mehr als zwei Jahren Dauer ausgehen. Damit war die Möglichkeit einer verminderten Zurechnungsfähigkeit (vgl. dazu BGE 105 Ia 26 E. 4b S. 33), soweit Prognosen dazu vor Vorliegen des Gutachtens überhaupt möglich sind, irrelevant. Ebenso wenig musste er prüfen, ob ausnahmsweise die grundsätzlich unerhebliche Möglichkeit einer bedingten Entlassung (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 26. März 1991 E. 2 in SZIER 1992 S. 489 f.) berücksichtigt werden musste.