Citation: 5A_877/2019 E. 6

Bei den weiteren rechtlichen Vorbringen erfolgen zwar ebenfalls keine Willkürrügen im Zusammenhang mit dem kantonalen Recht, aber wenigstens werden andere Verfassungsverletzungen geltend gemacht. Die Behauptung, die Rechtsuchende müsse angesichts des Eingriffes in Grundrechte und des äusserst fragwürdigen und gegen das Kindeswohl stehenden Entscheides vom 28. April 2019 jederzeit den Ausstand verlangen können, widerspricht jedoch den sich aus Art. 30 Abs. 1 BV - gerügt wird fälschlich eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV - und Art. 6 Ziff. 1 EMRK ergebenden Grundsätzen diametral: Die dazu aufgestellte Rechtsprechung geht gerade dahin, dass Ausstandsgründe ohne Verzug geltend zu machen sind; wer von einem Ablehnungsgrund tatsächlich Kenntnis hat oder bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit Kenntnis haben müsste und sich dennoch auf das Verfahren einlässt, verwirkt den Anspruch auf spätere Geltendmachung, insbesondere wenn in der Sache ein ungünstiger Entscheid ergeht (vgl. BGE 132 II 485 E. 4.3 S. 496; 134 I 20 E. 4.3.1 S. 21 f.; 143 V 66 E. 4.3 S. 69). Insofern ist auch die - ebenfalls durch keine Hinweise belegte - Behauptung falsch, für die "Befristung" der Geltendmachung bedürfe es einer ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage, in welcher die Ablehnungsfristen genau zu regeln wären. Der Grundsatz, wonach Ausstandsgründe unverzüglich vorzubringen sind, lässt sich ferner nicht ins Gegenteil verkehren mit dem Vorbringen, Entscheidträger müssten ihre eigene Befangenheit jederzeit von Amtes wegen prüfen. Im Übrigen fühlte sich der Präsident der KESB nicht befangen, weshalb es für ihn nichts zu prüfen gab, und während der langen Monate der Verfahrensführung teilte offensichtlich auch die Beschwerdeführerin diese Meinung. Nicht einschlägig sind vor dem Hintergrund der festgehaltenen Grundsätze ferner die Ausführungen im Zusammenhang mit dem Vorbringen, der Ausstand sei in einem erstinstanzlichen und nicht in einem Rechtsmittelverfahren verlangt worden.