Citation: 8C_823/2023 E. 9.3

9.3. Der Wortlaut der hier beschlagenen Delegationsnorm in Art. 28a Abs. 1 (Satz 2) IVG scheint auf Anhieb klar. Unter dem Titel "Bemessung des Invaliditätsgrades" und nach dem im ersten Satz enthaltenen Verweis auf Art. 16 ATSG wird festgehalten: "Der Bundesrat umschreibt die zur Bemessung des Invaliditätsgrades massgebenden Erwerbseinkommen sowie die anwendbaren Korrekturfaktoren" ("Le Conseil fédéral fixe les revenus déterminants pour l'évaluation du taux d'invalidité ainsi que les facteurs de correction applicables "; "Il Consiglio federale definisce i redditi lavorativi determinanti per la valutazione del grado d'invalidità e i fattori di correzione applicabili "). Im Vergleich zu der bis Ende 2021 gültig gewesenen Fassung fällt die neue formelle Gesetzesnorm insofern konkreter aus, als es im alten Recht bloss hiess, der Bundesrat umschreibe " das zur Bemessung des Invaliditätsgrades massgebende Erwerbseinkommen". Von Korrekturfaktoren war nicht die Rede. Diese existierten jedoch aufgrund der Rechtsprechung, mithin durch eigentliches Richterrecht bereits seit längerem, und zwar in zweierlei Gestalt: Zum einen als Abzug vom Tabellenlohn zwecks Korrektur der insbesondere für die Berechnung des Invalideneinkommens verwendeten statistischen Werte seit 1988 (vgl. BGE 126 V 75 E. 5a/aa mit Hinweis auf die nicht publizierte E. 4b von BGE 114 V 310). Damit soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie oder Beschäftigungsgrad - wie es die LSE dokumentieren - Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können, was sich als Rechtsprechung namentlich ab dem Jahr 2000 konsolidierte (BGE 126 V 75 E. 5a/cc, mit Hinweis auf BGE 124 V 321 E. 3b/aa und seitherige; zur Genese der Rechtsprechung vgl. auch Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 104 ff. zu Art. 28a IVG). Zum andern etablierte die Rechtsprechung auch die Korrektur in Form der Parallelisierung, die namentlich dort zum Tragen kommen soll, wo ein im Vergleich zu den statistischen Werten bedeutend tieferes Valideneinkommen gegeben war (BGE 134 V 322 E. 4.1; 135 V 58 E. 3.4.3, 297 E. 5.1; zu den beiden Korrekturinstrumenten: BGE 148 V 174 E. 6.3, 6.4 und 9.2.2 sowie zum Verhältnis der beiden: BGE 146 V 16).