Citation: U 409/04 30.08.2005 E. 3

3.1 Die Abklärungen unter Einbezug verschiedener medizinischer Fachrichtungen in der Rehaklinik B.________ ergaben gemäss Austrittsbericht vom 14. März 2001 eine erhebliche Druckschmerzhaftigkeit der Patella mit diskretem Temperaturunterschied im Vergleich zur Gegenseite, eine mässiggradige schmerzhafte Flexionseinschränkung, Quadricepsinsuffizienz links, und Atrophie der Unterschenkelmuskulatur links. Die Schmerzhaftigkeit ventral im Bereich der Patella ist nach Ansicht der Ärzte möglicherweise auf die Transplantat-Entnahme in diesem Bereich oder auf den im MRI festgestellten retropatellären Knorpelschaden zurückzuführen. Kernspintomographisch war das rekonstruierte Transplantat intakt. Zudem wiesen die Mediziner auf eine rezidivierend depressive Episode hin, welche einer psychopharmakologischen Behandlung bedürfe. Zur Leistungsfähigkeit halten sie fest, längeres Stehen oder Gehen speziell auf unebenem Boden sowie repetitives Treppenlaufen sei erschwert und beschwerlich. Das Ausführen von knienden, hockenden oder kauernden Tätigkeiten wird als nur vereinzelt, das Besteigen von Leitern oder Gerüsten als aktuell überhaupt nicht zumutbar betrachtet. Die Arbeitsfähigkeit für leichtere Tätigkeiten setzten die Ärzte bezogen auf den Zeitpunkt des Klinikaustritts auf 50% fest, wobei die bisher ausgeübte Tätigkeit als Betriebsmitarbeiter in der Nahrungsmittelbranche halbtags wieder aufgenommen werden könne. Bis zur vollen Wiederaufnahme der Arbeit wurden eine physikalische Therapie und eine psychologische Weiterbetreuung vorgeschlagen. 3.2 Aufgrund des Hinweises auf das aktuelle Arbeitsverhältnis ist zu schliessen, dass sich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Ärzte der Rehaklinik sehr stark an der zum damaligen Zeitpunkt bei der Firma R.________ inne gehabten Stelle orientiert. Gemäss Kündigungsschreiben der Arbeitgeberin hat der Versicherte den Arbeitsplatz nach dem Klinikaufenthalt am 19. Februar 2001 indessen nach 2 ½ Stunden wieder verlassen, ohne die Arbeit anschliessend nochmals aufzunehmen, was zur Kündigung per Ende April 2001 führte. Die attestierte Arbeitsfähigkeit konnte somit in der Praxis nicht umgesetzt werden. Wie sich der Verfügung der SUVA vom 22. April 2002 entnehmen lässt, handelte es sich um stehende Arbeit am Förderband, wobei gemäss den im SUVA-Bericht vom 18. April 2001 protokollierten Angaben der Arbeitgeberin offenbar eine Stehhilfe benutzt werden konnte. 3.2.1 Kreisarzt Dr. med. S.________ nahm im Bericht über die kreisärztliche Abschlussuntersuchung vom 6. April 2001 zum Gesundheitsschaden und ganz allgemein zur Frage Stellung, bezüglich welcher Tätigkeiten der Beschwerdegegner in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Danach ist diesem aufgrund der Unfallrestfolgen eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit kürzeren stehenden oder ebenerdig gehenden Intervallen zumutbar. Er sollte jedoch keine Leitern und Gerüste besteigen und Arbeiten in Zwangshaltung wie Kauer- oder kniender Stellung ausüben. Herumgehen in unebenem Gelände und wiederholtes Treppensteigen sind erschwert. In Frage kämen Kontroll- und Überwachungsfunktionen sowie leichte industrielle Produktions- oder Montagetätigkeiten, welche vorwiegend sitzend ausgeführt werden könnten, ebenso leichte handwerkliche Tätigkeiten in einer Werkstätte, Portierdienste oder administrative Tätigkeiten. Diesbezüglich sei ein ganztägiger Arbeitseinsatz zumutbar. 3.2.2 Unter Hinweis auf den Bericht über die Besprechung mit der damaligen Arbeitgeberin, der Firma R.________, vom 18. April 2001, gemäss welchem diese gegenüber der SUVA verlauten liess, der Versicherte habe bereits kurz nach der Arbeitsaufnahme über starke Schmerzen geklagt, obwohl er während des kurzen Einsatzes mit leichten Arbeiten betraut worden sei und ihm eine Stehhilfe zur Verfügung gestanden habe, ersuchte die SUVA Kreisarzt Dr. med. S.________ um Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Dieser antwortete mit "mind. 75%". 3.2.3 Angesichts der kreisärztlichen Stellungnahmen bleibt unklar, ob mit Bezug auf eine leidensangepasste, knieschonende Tätigkeit, wie sie im Bericht vom 6. April 2001 umschrieben wird, uneingeschränkt eine volle Arbeitsfähigkeit besteht oder ob bei ganztägigem Einsatz von einer Leistungseinbusse von 25% auszugehen ist. Abgesehen davon, dass die 75%ige Arbeitsfähigkeit vom Arzt mit keinem Wort begründet wird, erweist sich auch die Fragestellung als unpräzis, zumal unter Hinweis auf ein konkretes Arbeitsverhältnis nach dem Grad der Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gefragt wurde. Es ist daher zu prüfen, ob sich den weiteren, bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen aussagekräftigere Angaben entnehmen lassen.