Citation: 6B_197/2021 E. 3.4.1

3.4.1. Die Vorinstanz erwägt, die Sorgfaltspflicht richte sich nach den Umständen des konkreten Falls und der Gefahrenlage. Letztere sei vorliegend als erheblich einzustufen, da im Bau qqq gefährliche Arbeiten mit teilweise leicht brennbaren Substanzen ausgeführt würden. Von dort getroffenen Sicherheitsmassnahmen hänge die Gesundheit und das Leben zahlreicher Menschen ab. Soweit machbar, müssten deshalb auch ausserordentliche Sicherheitsmassnahmen implementiert werden, um mögliche Risiken auf ein Minimum zu beschränken. In jedem Fall müssten die errichteten Massnahmen dem drohenden Risiko gerecht werden. Der Beschwerdeführer sei für die Sicherheit im Bau qqq verantwortlich gewesen und habe für den Schutz seiner Mitarbeitenden sorgen müssen. Es sei nicht ausreichend, wenn die Mitarbeitenden zur Verhinderung potentiell tödlicher Unfälle als einzige Sicherheitsmassnahme dazu angehalten würden, das Vorhandensein eines vergleichsweise kleinen und leicht übersehbaren Teils, wie hier das Erdungskabel zwischen Auslaufarmatur und Gitterbox, zu überprüfen. Der Beschwerdeführer habe eine einzige Massnahme errichtet, um die Verwendung nicht-ableitfähiger IBC auszuschliessen. Gerade wenn mit Fehlern gerechnet werden müsse und in Bereichen, in denen ein Restrisiko nie gänzlich ausgeschlossen werden könne, sei zu erwarten, dass nötigenfalls verschiedene Massnahmen ergriffen würden, um das verbleibende Risiko auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Wenn die Kontrolle des Erdungskabels, wie vom Beschwerdeführer angegeben, die einzig sichere Massnahme zur Verhinderung der Verwendung nicht-ableitfähiger IBC sei, dann hätte diese Kontrolle wenigstens visiert werden müssen, so wie dies in der Herstellvorschrift für andere Schritte davor und danach auch vorgesehen gewesen sei. Hingegen sei die Kontrolle des Erdungskabels lediglich eine Klammerbemerkung, wodurch der Eindruck entstehe, dass sie weniger relevant sei. Damit würde die Herstellvorschrift und insbesondere dieser einzelne Kontrollschritt der Gefahr, die von einer Nichtbeachtung einer entsprechenden Kontrolle ausgehe, in keiner Weise gerecht. Eine korrekte Kontrolle des Erdungskabels hätte den Unfall zwar verhindert. Angesichts der Schwere eines drohenden Unfallereignisses dürfe aber nicht alleine auf diese Kontrolle abgestellt werden, zumal mit Fehlern bei der Handhabung gerechnet werden müsse. Jede in der Anklage aufgeführte und teilweise verhältnismässig leicht umsetzbare Massnahme hätte die Unachtsamkeit von G.________ kompensieren können. Somit hätte der Beschwerdeführer mit einfachen Mitteln Vorkehrungen treffen können, die einen solch tragischen Unfall auch dann hätten verhindern können, wenn einem Mitarbeiter an der Front ein Fehler unterlaufe. Wenn die Gefahr bestehe, dass diejenige Massnahme, die den Unfall auszuschliessen vermöge, nicht greife, dann seien zusätzlich auch solche Massnahmen zu treffen, die einen Unfall verhindern könnten. In Anbetracht des erheblichen Gefährdungspotenzials wären hier verschiedene Massnahmen zu treffen gewesen, um einen Unfall möglichst auszuschliessen. Aufgrund dieser Abwägung zwischen der Schwere eines drohenden Unfallereignisses und der Einfachheit, mit der zusätzliche Massnahmen hätten ergriffen werden können, sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer solche hätte implementieren müssen. Dieses Unterlassen sei ihm als Pflichtverletzung anzulasten (Urteil S. 46 ff. E. 6.2.2). Schliesslich gelangt die Vorinstanz zum Schluss, der Unfall wäre vermeidbar gewesen. Der Beschwerdeführer hätte mehrere Massnahmen ergreifen können, die ihn mit grösster Wahrscheinlichkeit verhindert hätten. So hätte er dafür sorgen können, dass die IBC bereits vor der Bereitstellung, d.h. bevor sie in den Bau qqq gelangen, auf deren Ableitfähigkeit geprüft werden. Auch hätte er anordnen können, dass im Bau qqq nur nach internationalem Standard (farblich) markierte IBC zur Verwendung kommen dürften. Zumindest hätten die Mitarbeiter besser geschult und auf die von nicht-ableitfähigen IBC ausgehenden Gefahren sensibilisiert werden müssen. Weshalb die alles entscheidende Kontrolle nicht mindestens visiert habe werden müssen, sei vor dem Hintergrund fehlender Zusatzmassnahmen unverständlich. Auch wenn der Beschwerdeführer nicht für das gesamte Areal der E.________ AG verantwortlich gewesen sei, so hätte er die Mitarbeitenden im Bau qqq durch unterschiedliche Massnahmen vor einem solchen Unfallereignis dennoch schützen können (Urteil S. 49 E. 6.2.4). Die Vorinstanz erklärt ihn der fahrlässigen Tötung schuldig (Urteil S. 49 f. E. 6.2.4).