Citation: 1P.485/2006 30.11.2006 E. 2.1

2.1.1 Das Kantonsgericht hat den Antrag, eine andere Fachperson zur Beantwortung sich stellender Fragen zu allfälligen Auswirkungen einer Borderline-Krankheit beizuziehen, abgelehnt. Es äussert zuerst Zweifel an der Rechtzeitigkeit des erst rund vier Wochen nach Einsetzung von Frau Dr. E.________ als Expertin an der Hauptversammlung gestellten Ablehnungsantrages, lässt diese Frage aber offen, da es den Antrag als materiell unbegründet erachtet. Gegenstand der Expertenfragen gemäss Antrag der Verteidigung seien die generelle Symptomatik der Borderline-Erkrankung und die Frage, inwieweit diese für eine schwere Gewalttat ursächlich sein könne. Deshalb sei es nicht auf das fallspezifische Wissen der Expertin im Verfahren gegen D.Y.________, sondern auf ihr allgemeines Fachwissen angekommen. Aber auch eine Ausweitung der Expertenfragen auf die individuell-konkrete Ebene sei im Hinblick auf die Unabhängigkeit der Expertin unbedenklich, da es nicht um die Begutachtung des Beschwerdeführers, sondern um ergänzende Fragen zum seinerzeitigen Gutachten über D.Y.________ gegangen sei. Somit liege keine unzulässige Vorbefassung vor. Es treffe auch nicht zu, dass zwischen der Expertin und D.Y.________ ein eigentliches Arzt-Patientenverhältnis bestanden habe. Frau Dr. E.________ habe einzig einmal einen von einem anderen Arzt (Dr. F.________) erstatteten fachärztlichen, D.Y.________ als "Patientin" bezeichnenden Bericht mitunterzeichnet. Daraus lasse sich aber nicht auf das Bestehen eines klassischen ärztlichen Vertrauensverhältnisses zu D.Y.________ schliessen; im Gegenteil sei D.Y.________, um eine Doppelrolle zwischen Therapie- und Gutachterauftrag zu vermeiden, einer Therapie ausserhalb des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes Basel-Landschaft zugeführt worden. 2.1.2 Der Beschwerdeführer erblickt aus zwei Gründen im Abstellen des Kantonsgerichts auf die Gutachterin Frau Dr. E.________ eine Verletzung seines Anspruchs auf einen unabhängigen und unparteiischen Sachverständigen (Art. 29 Abs. 1 BV). Aus seinem Beweisantrag ergebe sich einerseits, dass es neben abstrakten Fragen auch darum gegangen wäre, einem unabhängigen Experten Fragen individuell-konkreter Natur zu den Auswirkungen der Diagnose bei D.Y.________ sowie zu der vom Beschwerdeführer behaupteten Doppelrolle von Frau Dr. E.________ als Gutachterin und behandelnde Ärztin zu stellen. Anderseits habe das Gericht gestützt auf die Einschätzung der Expertin erwogen, das Verhalten von D.Y.________ lasse sich möglicherweise als Entspannungsaggression bewerten, so dass es dem Beschwerdeführer allenfalls möglich gewesen wäre, D.Y.________ beispielsweise durch heftiges Schütteln an der Tat zu hindern. Wie es sich damit verhalte, habe die Expertin jedoch zufolge ihrer Rolle als Gutachterin im seinerzeitigen Jugendstrafverfahren nicht mehr unvoreingenommen beurteilen können.