Citation: 2C_911/2022 E. 7.6

7.6. Die Zwecke des Erfordernisses der Zugehörigkeit zu einer Konkordatskirche (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Konkordat) lassen sich Art. 1 Konkordat entnehmen. Danach bestreben die beteiligten Landeskirchen u.a. die Förderung einer gleichwertigen Pfarrausbildung in den schweizerischen evangelischen Kirchen (lit. a), die Sicherstellung eines den Bedürfnissen entsprechenden Angebots für die kirchliche Ausbildung (lit. b) und die einheitliche Regelung der Zulassungsvoraussetzungen für den Kirchendienst (lit. c). Diese Zwecke sind unabhängig von der Staatsangehörigkeit der Vikariatsanwärter. Das Wohnsitzerfordernis ist zu ihrer Erreichung geeignet, denn ein Wohnsitz im betreffenden Gebiet kann der Bedürfnisgerechtigkeit und Gleichwertigkeit der Ausbildung dienen; die Nichtzulassung bei Fehlen dieser Voraussetzung ist die Konsequenz einer einheitlichen Regelung der Zulassungsvoraussetzungen. Das Wohnsitzerfordernis entspricht auch den Realitäten und praktischen Bedürfnissen des Pfarrberufes. Das Schweizer Staatskirchenrecht ist stark föderalistisch geprägt. Letztlich kennt jeder Kanton eine eigene Ordnung (FRIEDERICH, a.a.O., S. 26 ff.; vgl. auch KRAUS, a.a.O., S. 370 ff.). Die Vertrautheit mit den örtlichen Verhältnissen gewinnt zunächst vor diesem föderalistischen Hintergrund an Bedeutung. Sie wird denn auch im Merkblatt (vorne E. 4.5.6) in Ziff. 1.2 als Voraussetzung der Zulassung zum Lernvikariat genannt. Weiter erfordert der Pfarrberuf eine physische Präsenz beim Kirchendienst und die rasche Erreichbarkeit im Rahmen der Seelsorge. Die Einheit von Arbeits- und Wohnort ("Pfarrhaus") entspricht daher einer Tradition des Pfarrberufs (dazu Urteil 2P.254/1998 vom 14. September 1999 E. 3c/cc). Das Leben und Wirken nach evangelisch-reformierter Tradition, die öffentliche Präsenz und die Begegnung mit Menschen sind zudem explizite Elemente des "Kompetenzstrukturmodell[s] für die Aus- und Weiterbildung der evangelisch-reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer", das dem Lernvikariat als Leitfaden dient (abrufbar unter <www.bildungkirche.ch/dokumente-und-formulare-lernvikariat>", dort S. 11, 13, 17). Es ist daher sachgerecht und angemessen, dass diese praktischen Aspekte bereits bei der Ausbildung im Lernvikariat berücksichtigt werden. Das Wohnsitzerfordernis ist somit sachlich begründet und seinen Zwecken angemessen. Eine indirekte Diskriminierung liegt folglich nicht vor.