Citation: 5F_22/2023 E. 3.2.1

3.2.1. Kann die Konventionsverletzung durch eine Entschädigung behoben werden, so ist diese bereits im Verfahren vor dem EGMR zu verlangen. Im Revisionsverfahren vor Bundesgericht ist dies nicht mehr möglich (BBl 2001 4353; BGE 142 I 42 E. 2.2.1; ESCHER, a.a.O., N. 5 zu Art. 122 BGG). Daher besteht für die Revision eines bundesgerichtlichen Urteils kein Anlass mehr, wenn der EGMR eine die Folgen der Konventionsverletzung ausgleichende Entschädigung gesprochen hat. Möglich bleibt die Revision nur insoweit, als sie geeignet und erforderlich ist, um über die finanzielle Abgeltung hinaus fortbestehende, konkrete nachteilige Auswirkungen der Konventionsverletzung im Rahmen des ursprünglichen Verfahrens zu beseitigen. Stehen materielle Interessen zur Diskussion, bezüglich welcher die Konventionsverletzung zwar mit einer Entschädigung grundsätzlich vollständig gutgemacht werden könnte, hat der EGMR aber eine Entschädigung abgelehnt, weil ein Schaden fehlt, oder hat er sich mangels eines entsprechenden Begehrens über das Vorliegen eines Schadens nicht ausgesprochen, so kommt die Revision durch das Bundesgericht nicht mehr in Frage. Zulässig bleibt die Revision, wenn der EGMR die verlangte Entschädigung ohne inhaltliche Prüfung abgelehnt hat (BGE 144 I 214 E. 4.2; 137 I 86 E. 3.2.2).