Citation: 6B_470/2016 E. 1.4.3

1.4.3. Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin stützt die Vorinstanz ihren Entscheid auch nicht ausschliesslich auf den erstinstanzlichen Augenschein. Sie bezieht vielmehr offensichtlich die Fotos und die Aussagen der Beteiligten mit ein. Die Beschwerdeführerin scheint mit ihrem Einwand im Übrigen zu verkennen, dass die Vorinstanz eine vorwerfbare Unachtsamkeit des Beschwerdegegners nicht primär mit dem Argument fehlender Sicht verneint. Sie begründet dies massgeblich damit, dass ihm angesichts des hohen Verkehrsaufkommens zugestanden werden müsse, sein Augenmerk auf die blinkende Lichtsignalanlage, die Fussgänger und den Gegenverkehr gerichtet zu haben. Dies ist nicht willkürlich. Die Vorinstanz begründet damit auch nachvollziehbar, weshalb zwar die Verkehrskadettin den Beschwerdegegner gesehen haben mag, er sie hingegen nicht. Sie verletzt in diesem Zusammenhang auch den Anklagegrundsatz nicht. Ob und weshalb der Beschwerdegegner die Verkehrskadettin nicht gesehen hat, ist eine Frage der Beweiswürdigung. Diese nimmt die Vorinstanz willkürfrei vor, zumal sie erwägt, die Verkehrskadettin könne ebenfalls nicht mit Sicherheit sagen, ob der Beschwerdegegner sie gesehen habe. Es ist nicht unhaltbar, wenn die Vorinstanz dem Beschwerdegegner zugute hält, dass ihm unter den gegebenen, anspruchsvollen Verkehrsbedingungen nicht ausreichend Zeit zum Erfassen der - im Zweifel jedenfalls nicht ideal positionierten - Verkehrskadettin verblieben ist, nachdem er sich einen Überblick über die Verkehrssituation vor und links von ihm verschafft hatte. Dass sie dabei, anders als die Beschwerdeführerin, nur die Zeit zwischen dem Losfahren und der Kollision berücksichtigt, nicht aber auch diejenige des vorhergehenden Halts, ist nicht schlechterdings unhaltbar. Die Beschwerdeführerin räumt selber ein, dass der Beschwerdegegner anlässlich des Halts noch mindestens zwanzig Meter von der Kreuzung entfernt und mit ein- sowie aussteigenden Passagieren beschäftigt war. Es ist daher plausibel, dass er sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht voll auf die vor ihm liegende Kreuzung konzentrierte. Unter diesen Umständen war die Vorinstanz nicht gehalten, weitere Abklärungen hinsichtlich des dem Beschwerdegegner bis zur Kollision verbleibenden Zeitfensters vorzunehmen. Sie durfte vielmehr im Zweifel davon ausgehen, dass ihm nur wenig Zeit blieb. Da den tatsächlichen Sichtverhältnissen in der Argumentation der Vorinstanz keine ausschlaggebende Bedeutung zukommt, durfte sie, zumal angesichts der beschränkten Aussagekraft, auch auf die Wiederholung des erstinstanzlichen Augenscheins verzichten, ohne den Untersuchungsgrundsatz zu verletzen. Sie weist im Übrigen zu Recht darauf hin, dass die Beschwerdeführerin eine Wiederholung erst replicando im Berufungsverfahren verlangt hat. Die Staatsanwaltschaft scheint dies somit ebenfalls nicht für vordringlich erachtet zu haben. Trotz der missverständlichen Wortwahl nimmt die Vorinstanz im Ergebnis keine reine Willkürprüfung der erstinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen vor. Sie würdigt die Beweise vielmehr umfassend. Der diesbezügliche Einwand der Beschwerdeführerin ist unbegründet.