Citation: 8C_875/2008 06.03.2009 E. 4

4.1 Nach der Rechtsprechung erfasst die Leistungspflicht des Unfallversicherers auch die Beeinträchtigung durch Beschwerden, welche aus einer unfallbedingten (vorübergehenden oder richtunggebenden) Verschlimmerung einer vorbestandenen Diskushernie herrühren (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190, U 149/99). Dabei besteht die anspruchsbegründende gesundheitliche Beeinträchtigung nicht in der unfallfremden Diskushernie, sondern in deren unfallbedingten Verschlimmerung. Die Diskushernie kann daher nicht als organisches Substrat betrachtet werden, welches gestatten würde, den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall ohne besondere Prüfung zu bejahen. Auch wenn die Diskushernie als gesundheitlicher Vorzustand notwendige Voraussetzung der gesundheitlichen Verschlimmerung bildet, müsste hiefür vielmehr die natürlich unfallkausale Verschlimmerung selber organisch objektiv ausgewiesen sein (SVR 2008 UV Nr. 36 S. 137, 8C_637/2007 E. 2.2). 4.2 Dass der Unfall vom 30. Juni 2004 zu einer Verschlimmerung der vorbestandenen Diskushernie geführt hat, ist nach Lage der medizinischen Akten nicht objektiv ausgewiesen. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, gemäss dem durch Dr. med. N.________ am 8. Oktober 2007 auf Grund einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) des cranio-cervicalen Übergangs erhobenen Befund einer Läsion des lig. alare Grad 1 sei eine unfallkausale Strukturalteration erstellt, kann ihm nicht gefolgt werden. Eine medizinisch-diagnostische Methode muss wissenschaftlich anerkannt sein, damit der mit ihr erhobene Befund eine zuverlässige Beurteilungsgrundlage zu bieten vermag. Als wissenschaftlich anerkannt gilt eine Untersuchungsart jedoch erst dann, wenn sie von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis anerkannt ist (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 f. mit Hinweisen). Wie in BGE 134 V 231 (E. 5.2-5.5 S. 233 ff.) erwogen wurde, stellen fMRT-Untersuchungen jedenfalls nach dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft kein geeignetes Beweismittel zur Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden nach HWS-Traumen dar (vgl. auch BGE 134 V 109 E. 7.2 S. 119 mit Hinweisen). Die von Dr. med. N.________ festgehaltenen Untersuchungsergebnisse lassen demnach keine zuverlässigen Rückschlüsse auf ein den Unfallfolgen zugrunde liegendes organisches Substrat zu, zumal ein am 26. August 2004 im Spital X.________ durchgeführtes MRT der HWS keine traumatischen Läsionen aufzeigte. Ob der letztinstanzlich eingereichte Bericht des FMRI-Zentrums vom 8. Oktober 2007 mit Blick auf Art. 99 Abs. 1 BGG ein zulässiges Beweismittel darstellt, kann bei diesem Ergebnis offen bleiben. 4.3 Ein Abnützungsvorgang kann durch eine traumatische Einwirkung einen zusätzlichen Schub erfahren oder seinerseits die unfallbedingten gesundheitlichen Schäden intensivieren. Eine allfällige richtunggebende Verschlimmerung müsste jedoch röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben. Aufgrund der diesbezüglich übereinstimmenden Untersuchungsberichte des Spitals X.________ vom 27. und 31. August 2004 und des SUVA-Arztes Dr. med. M.________ vom 27. April 2005 ist dies vorliegend weder erstellt, noch bestehen dafür konkrete Anzeichen. Eine Rückweisung der Sache zur näheren medizinischen Abklärung (im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung) erübrigt sich, da davon mit Bezug auf die Unfallkausalität keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. Daran vermag auch die Kritik des Beschwerdeführers am Bericht von SUVA-Arzt Dr. med. M.________ nichts zu ändern, da die Ärzte des Spitals X.________ im Bericht vom 31. August 2004 zu denselben Schlussfolgerungen gelangt sind. 4.4 Dies schliesst indessen nicht aus, eine durch den Unfall bewirkte Verschlimmerung des Bandscheibenschadens als natürlich unfallkausale Ursache der bestehenden Beschwerden anzunehmen. Laut Kreisarzt Dr. med. M.________ unterhalten die degenerativen Veränderungen die Symptome. Der adäquate Kausalzusammenhang für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom kann indessen nicht ohne besondere Prüfung bejaht werden. Insofern verhält es sich nicht anders als bei der ebenfalls diagnostizierten, unbestrittenermassen natürlich unfallkausalen HWS-Distorsion mit den dafür charakteristischen Symptomen, für welche ebenfalls kein organisches Substrat gefunden werden konnte. 4.5 Dr. med. R.________, welchem der Beschwerdeführer von der Klinik Y.________ zur psychotherapeutischen Betreuung zugewiesen worden war, beschreibt im Bericht vom 9. Mai 2005 Beschwerden in Form von Druck und Stechen im Kopf, Schwindel, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, attackenartige Zustände von Beklemmung und Unwohlsein, Nackenschmerzen, Konzentrationsstörungen, reduzierte Belastbarkeit, Schlafprobleme, sowie eine depressive Symptomatik und diagnostiziert eine Anpassungsstörung nach HWS-Trauma mit ängstlich depressiver Entwicklung. Dem Einwand, die depressive Stimmungslage sei nie seriös abgeklärt worden, kann angesichts der von Dr. med. R.________ durchgeführten Behandlung nicht gefolgt werden. In neuropsychologischer Hinsicht ist der Beschwerdeführer in der Klinik Y.________ umfassend untersucht worden, weshalb auch diesbezüglich kein Anlass zur Einholung eines ergänzenden medizinischen Gutachtens besteht. Von der Beschwerdegegnerin wird denn auch nicht bestritten, dass das für ein Schleudertrauma typische Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden weiterhin vorhanden ist. 4.6 Ob es sich bei den psychischen Beschwerden um ein eigenständiges, nicht mehr auf das Unfallereignis zurückzuführendes Krankheitsbild oder eine psychische Fehlentwicklung nach der schmerzhaft gewordenen degenerativen Veränderung der HWS handelt, oder vielmehr um einen Teilaspekt des Schleudertraumas, welches durch ein komplexes und vielschichtiges Beschwerdebild mit eng ineinander verwobenen, einer Differenzierung kaum zugänglichen Beschwerden physischer und psychischer Natur gekennzeichnet ist, braucht nicht abschliessend beurteilt zu werden. Denn der adäquate Kausalzusammenhang, welcher nach dem vorstehend Ausgeführten, anders als bei organisch objektivierbaren Unfallfolgen (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.), nach besonderen Regeln zu prüfen ist, ist auch dann zu verneinen, wenn er gesamthaft nach der - für die versicherte Person in der Regel und jedenfalls hier günstigeren - Schleudertrauma-Praxis beurteilt wird, wie die nachstehenden Erwägungen zeigen.