Citation: 5A_28/2022 E. 4.2

4.2. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor zu verkennen, dass sämtliche im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren eingereichten Arztberichte ärztliche Überweisungsberichte an den Pneumologen sind, also Arztberichte, die sich an Fachpersonen richten. Dass diese Berichte, namentlich derjenige vom 22. Juli 2019, für das Gericht "nur unzureichend verständlich sind", heisse noch lange nicht, dass sie nicht begründet sind. Deshalb hätte das Bezirksgericht Dr. med. D.________ im erstinstanzlichen Verfahren auch als Zeugen anhören und das Obergericht im Berufungsverfahren auf die Gehörsrüge eingehen müssen. Die Beschwerdeführerin tadelt die vorinstanzlichen Erwägungen als willkürlich. Einerseits erachte das Obergericht eine Zeugenbefragung gestützt auf den im Berufungsverfahren eingereichten Überweisungsbericht als überflüssig, anderseits behaupte es, diese Berichte würden die eingeschränkte Erwerbstätigkeit nicht begründen. Abgesehen von den fehlenden fachlichen Kenntnissen des Gerichts sei auch die Erwägung falsch, wonach der Zeuge nichts anderes ausgesagt hätte, als im Bericht steht. Nachdem es sich beim Bericht nicht um eine Stellungnahme gegenüber dem Gericht (und im Zusammenhang mit der Ehescheidung) handle und Konkretisierungsbedarf bestehe, sei eine Zeugenbefragung angezeigt. Mit den Überweisungsberichten sei lediglich dargelegt worden, dass der behandelnde Arzt Kenntnis von der Erwerbsfähigkeit hat, diese nicht vollständig gegeben ist und der Arzt diesbezüglich als Zeuge zu befragen ist. Gestützt auf diese Argumentation steht für die Beschwerdeführerin fest, dass die Vorinstanz die Frage der Gehörsverletzung durch die erste Instanz keinesfalls hätte offenlassen dürfen. Indem sich das Obergericht "mit fadenscheiniger Begründung" nicht weiter mit der gerügten Gehörsverletzung des Bezirksgerichts befasse, verletze es seinerseits den Anspruch auf rechtliches Gehör und seien die Folgen der Ehescheidung "aufgrund eines komplett falschen Sachverhalts entschieden worden". Eine korrekte Abklärung ihrer Arbeitsfähigkeit erachtet die Beschwerdeführerin für ihre finanzielle Zukunft als entscheidend. Sei sie weiterhin - wie seit drei Jahren vor der Trennung und über acht Jahren vor der Scheidung - teilweise arbeitsunfähig, so habe sie einen bis zur Pensionierung des Beschwerdegegners dauernden Unterhaltsanspruch. Die fehlerhafte Sachverhaltsfeststellung habe einschneidende Konsequenzen für die Beschwerdeführerin, zumal sie stets auf Sozialhilfe angewiesen sein werde, während der Beschwerdegegner das Manko ohne Weiteres ausgleichen könnte und hierzu auch verpflichtet wäre. Auf eine Beweisabnahme könne nur verzichtet werden, wenn das Gericht den Ausführungen der jeweiligen Partei Folge leiste. Eine antizipierte Beweiswürdigung sei von der ersten Instanz jedenfalls nicht vorgenommen worden, was auch vor Obergericht vorgebracht worden sei. Daraus folgert die Beschwerdeführerin, dass das Bezirksgericht, spätestens aber das Obergericht, von ihren Sachverhaltsdarstellungen hätte ausgehen müssen.