Citation: 2C_701/2019 E. 5.4

5.4. Diese Ausführungen überzeugen nicht: Das Erfordernis der Verhältnismässigkeit einer (direkten oder indirekten) Vollstreckungsmassnahme enthält nicht nur ein Übermass-, sondern auch ein Untermassverbot: Die angeordnete Massnahme soll nicht weiter gehen als zur Erreichung des Zieles erforderlich ist, aber auch nicht weniger weit: Es soll diejenige Massnahme angeordnet werden, die das angestrebte Ziel (gerade noch) sicherstellt (TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., 2014, S. 165 Rz. 7). Der Beschwerdeführer lebt nun seit dem Ablauf der Ausreisefrist bereits seit mehr als sieben Jahren illegal in der Schweiz, ohne dass er Papiere beschafft oder sonstwie seine Rückreise organisiert hätte. Das legitime Ziel der Massnahme, nämlich den Beschwerdeführer zur Einhaltung seiner Rechtspflicht zur Ausreise zu bewegen (vorne E. 4.7.2), ist offensichtlich noch nicht erreicht, so dass die Massnahme nicht über das Erforderliche hinausgeht. Da der Aufenthalt des Beschwerdeführers seit Ablauf der Ausreisefrist ohnehin in der ganzen Schweiz rechtswidrig ist, verbietet ihm die Eingrenzung auf die Stadt Luzern nichts, was ihm nicht ohnehin schon verboten ist (Art. 10 ff. und Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG), sondern versieht lediglich dieses Verbot für den übrigen Teil des Landes mit einer zusätzlichen und höheren Strafandrohung (Art. 119 Abs. 1 AIG; BGE 142 II 1 E. 4.5 S. 8). Wenn der Beschwerdeführer seiner Rechtspflicht nachkommt und effektiv ausreist, wird die Eingrenzung und damit auch die Strafandrohung ohnehin wegfallen. Der Beschwerdeführer hat es in der Hand, durch rechtmässiges Verhalten die Massnahme hinfällig werden zu lassen (vgl. zur Ausschaffungshaft Urteil 2C_252/2008 vom 10. Juni 2008 E. 2.4; zur Durchsetzungshaft vgl. Urteil 2C_624/2011 vom 12. September 2011 E. 3). Im Übrigen steht es der Freundin des Beschwerdeführers frei, letzteren in Luzern zu besuchen und den Kontakt mit ihm so aufrecht zu erhalten (vgl. Urteil 2C_1044/2012 vom 5. November 2012 E. 3.4). Die Tatsache, dass sie gemäss den Angaben des Beschwerdeführers viel arbeite und daher wenig Zeit habe, steht dem nicht entgegen. Die angeordnete Dauer der Massnahme von 18 Monaten stellt zudem einen angemessenen zeitlichen Horizont dar und ist daher auch nicht unverhältnismässig (vgl. Urteil 2C_54/2015 vom 22. Juni 2015 E. 3).