Citation: 6B_1087/2022 E. 7.4

7.4. Es ist der Beschwerdeführerin zuzustimmen (Beschwerde S. 8), dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei gehäuften und regelmässigen Delikten dem Anklagegrundsatz Genüge getan wird, wenn die Handlungen in zeitlicher und örtlicher Hinsicht lediglich approximativ umschrieben werden. Der Zeitraum ist auf eine bestimmte Dauer einzugrenzen. Insbesondere bei Familiendelikten kann nicht erwartet werden, dass über jeden einzelnen Vorfall Buch geführt wird (vgl. Urteile 6B_798/2021 vom 2. August 2022 E. 1.1; 6B_997/2019 vom 8. Januar 2020 E. 2.3). Der Anklagegrundsatz ist vorliegend in Bezug auf die Vorwürfe der mehrfachen Tätlichkeiten nicht verletzt. Weder dessen Umgrenzungsfunktion noch die Informationsfunktion wurden beeinträchtigt. Der Beschuldigte B.A.________ konnte aus der Anklage ohne Weiteres ersehen, wessen er angeklagt war. Die Taten waren in der Anklage - entgegen der Vorinstanz (angefochtenes Urteil S. 20) - ausreichend umschrieben. Da der Anklagegrundsatz nicht verletzt ist, braucht nicht weiter geprüft zu werden, ob formell eine Anklageberichtigung im Sinne von Art. 329 Abs. 2 StPO hätte erfolgen müssen (Urteil 6B_921/2017 vom 29. April 2019 E. 2.2). Entgegen der Beschwerde (S. 8) hat die Vorinstanz den Beschwerdegegner auch in Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Tätlichkeiten nicht wegen der mangelhaften Anklageformulierung freigesprochen. Die Vorinstanz verweist vielmehr im Rahmen der Beweiswürdigung auf die insgesamt fehlende Überzeugungskraft der Aussagen der Beschwerdeführerin, die auch von der Anklagebehörde eingeräumt worden sei, und sich auf die Aussagen der vier gemeinsamen Kinder stützen lasse. Sie kommt überzeugend zum Schluss, dass ein B.A.________ nicht zweifelsfrei überführendes Beweisergebnis vorliegt (angefochtenes Urteil S. 20 f.). Die Beschwerdeführerin legt in ihrer Beschwerde nicht rechtsgenüglich dar, inwiefern dieser Schluss der Vorinstanz im Ergebnis schlechterdings unhaltbar, d.h. willkürlich sein soll. Die Beschwerde genügt in diesem Punkt den gesetzlichen Begründungsanforderungen (vgl. oben E. 2.2) nicht. Darauf ist nicht weiter einzugehen. Insofern die Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Erwägung kritisiert, wonach aufgrund des gegen sie durch B.A.________ angestrebten Gewaltschutzverfahrens mutmasslich beide Parteien handgreiflich gewesen seien (angefochtenes Urteil S. 21), und diesbezüglich ausführt, Gewaltschutzmassnahmen seien "wenig aussagekräftig", da sie "sehr schnell und niederschwellig" ohne Überprüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der ersuchenden Person erlassen würden (Beschwerde S. 9), kann ihr nicht zugestimmt werden. Die Anordnung von Gewaltschutzmassnahmen setzt gemäss Rechtsprechung und Lehre in der Regel voraus, dass das Vorliegen von häuslicher Gewalt oder ein Gefährdungstatbestand mindestens glaubhaft gemacht wird (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.7 S. 151; Urteile des Zürcher Verwaltungsgerichts VB.2021.00313 vom 26. Mai 2021 E. 2.4; VB.2011.00228 vom 26. Mai 2011 E. 4.3; CONNE/PLÜSS, Gewaltschutzmassnahmen im Kanton Zürich, Sicherheit & Recht 3/2011, S. 134 f.). Dass Gewaltschutzmassnahmen ohne Überprüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der ersuchenden Person erlassen würden, trifft damit nicht zu. Mit ihrer Kritik vermag die Beschwerdeführerin keine willkürliche Beweiswürdigung der Vorinstanz rechtsgenüglich darzulegen. Sie beschränkt sich vielmehr darauf, den tatsächliche Feststellungen der Vorinstanz ihre eigene Sicht der Dinge gegenüber zu stellen, ohne darzulegen, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung auch im Ergebnis schlechterdings unhaltbar sein soll. Sie verfällt demnach in unzulässige appellatorische Kritik, auf die nicht einzutreten ist (Art. 42 Abs. 2 BGG; vgl. oben E. 2.2).