Citation: 8C_343/2024 E. 4.3.2

4.3.2. Bestand damit nach den willkürfreien Feststellungen der Vorinstanz die linksseitige peripher-vestibuläre Unterfunktion, wenn auch nur vorübergehend bzw. mit schwankendem Verlauf, bereits im Jahr 2007 und war sie, zumindest zum Zeitpunkt der Begutachtung im April 2023 zentral kompensiert, lässt sich auch hieraus keine neuanmeldungsrechtlich zu beachtende, klinisch relevante Veränderung des Gesundheitszustandes erblicken, zumal der Beschwerdegegner anlässlich der Begutachtung subjektiv eher eine leichtgradige Verbesserung der Schwindelbeschwerden angab. Ferner ist unbestritten, dass sich anlässlich der asim-Begutachtung im Jahr 2023 an den Befunden betreffend die linksseitige Schwerhörigkeit seit 2007/2008 keine grundsätzliche oder relevante Veränderung ergab. Auch ist nicht ersichtlich, dass sich aus psychiatrischer Sicht ein Revisionsgrund bejahen liesse, was auch nicht eingewendet wird. Zum zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit wurde in Übereinstimmung mit dem soeben Dargelegten in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung festgestellt, die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die angestammte Tätigkeit als Malermitarbeiter bestehe faktisch seit dem Auftreten der Schwindelepisode im Oktober 2007. Auch wenn es zutrifft, dass die ORL-Gutachterin die quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit in zeitlicher Hinsicht auf die im Jahr 2019 dokumentierte posturale Instabilität bezog, lässt es sich vor dem aufgezeigten Hintergrund nicht halten, hieraus einen Revisionsgrund abzuleiten, wie es die Vorinstanz vornahm. Dies gilt umso mehr, als, wie die Vorinstanz feststellte (E. 4.1 vorne), die im Gutachten beschriebenen quantitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nicht mit der posturalen Instabilität begründet wurden. Soweit sich im asim-Gutachten hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs der Arbeitsfähigkeit die ab 2019 angenommene quantitative Verminderung derselben auf die neu festgestellte posturale Instabilität bezieht, ist dies nach dem Gesagten nicht schlüssig, wie die Beschwerdeführerin zutreffend vorbringt. Eine mit der posturalen Instabilität einhergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit stellten die Gutachter nicht fest. Überdies wurde die leichte Verminderung der quantitativen Leistungsfähigkeit in Bezug auf eine leidensangepasste Tätigkeit hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs insoweit sehr vorsichtig formuliert, als lediglich "annäherungsweise" auf das Datum der Begutachtung im Spital B.________ Bezug genommen und in "bestmöglicher zeitlicher Abbildung" mit der erstmals im Gutachten 2019 festgehaltenen posturalen Instabilität begründet wurde. Zusammenfassend ist mit der Beschwerdeführerin bezüglich der Arbeitsfähigkeitsschätzung dieser zeitliche Bezug zur Begutachtung im Spital B.________ im Jahr 2019 mithin nicht nachvollziehbar, da der neu erhobenen posturalen Instabilität bei der Umschreibung der quantitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit keinerlei Bedeutung beigemessen wurde. Die Gutachter äusserten sich dazu weder in den Teilgutachten noch in der Konsensbeurteilung. Die Vorinstanz thematisierte diese Ungereimtheiten nicht. Sie legte denn auch nicht dar, weshalb sie in der im Jahr 2019 neu befundeten posturalen Instabilität einen Revisionsgrund erblickte. Soweit sie sich auf das ORL-Teilgutachten der asim stützte, stellte sie lediglich fest, die Gutachterin habe ab diesem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdegegners angenommen. Entgegen der (impliziten) Annahme der Vorinstanz lässt sich daraus jedoch nicht schliessen, dass sich dieser Befund in rentenrelevanter Weise auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Entsprechende Hinweise finden sich im asim-Gutachten nicht. Eine neuanmeldungsrechtlich bedeutsame (erheblich) veränderte Befundlage im relevanten Zeitraum (2. Mai 2012 bis 8. April 2021) ist damit gestützt auf die gegebene Aktenlage nicht hinreichend erstellt. Es ist der Beschwerdeführerin daher beizupflichten, dass das asim-Gutachten in Bezug auf die Entwicklung des Gesundheitszustandes und die entsprechenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seit der letzten materiellen Rentenprüfung im Jahr 2012 widersprüchlich ist und deshalb nicht als beweiskräftig eingestuft werden kann. Vielmehr wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, die dargelegten Unstimmigkeiten und Widersprüche durch eine Rückfrage bei den Gerichtsgutachtern oder durch weitere Beweiserhebungen klären zu lassen. Indem sie dies unterliess, stellte sie den Sachverhalt in Verletzung der Beweiswürdigungsregeln und des Untersuchungsgrundsatzes unvollständig fest. Die Sache wird daher an die Vorinstanz zurückgewiesen, damit sie die erforderlichen Abklärungen in medizinischer Hinsicht vornehme und danach neu entscheide. Bei diesem Ergebnis ist auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde nicht näher einzugehen, namentlich zum vorinstanzlich festgestellten Umfang der Arbeitsfähigkeit und zur erwerblichen Seite der Invaliditätsbemessung.