Citation: 6B_1470/2020 E. 3.3

3.3. Gemäss Art. 44 Abs. 6 VRPG/BE darf aus mangelhafter Eröffnung einer Verfügung niemandem ein Rechtsnachteil erwachsen. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen Rechtsgrundsatz, der den verfassungsmässigen Vertrauensschutz sowie Art. 29 Abs. 1 und 2 BV konkretisiert (vgl. BGE 144 II 401 E. 3.1 mit Hinweisen). Für die ordnungsgemässe Zustellung einer Verfügung oder eines Entscheids ist die Verwaltungs- bzw. Gerichtsbehörde beweisbelastet (BGE 144 IV 57 E. 2.3 mit Hinweisen). Von einer mangelhaften Zustellung abzugrenzen ist die Nichtzustellung. Gemäss der bundesgerichtlichen Praxis ist davon auszugehen, dass ein Urteil oder eine Verfügung erst mit der Mitteilung an die Parteien rechtliche Existenz erlangt. Vor seiner Mitteilung ist es ein Nichturteil, was von Amtes wegen zu berücksichtigen ist (BGE 142 II 411E. 4.2; 122 I 97E. 3a/bb). Dementsprechend vermögen Urteile oder Verfügungen, die den Parteien nie mitgeteilt worden sind, keinerlei Rechtswirksamkeit zu entfalten (BGE 144 IV 57 E. 2.3; 142 II 411E. 4.2; 136 V 295E. 5.3).