Citation: U 83/04 29.03.2005 E. 3

3.1 In formellrechtlicher Hinsicht bringt die Beschwerdeführerin vor, die Vorinstanz habe sie im Anspruch auf das rechtliche Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt, indem sie sich mit den im kantonalen Verfahren vorgebrachten Einwendungen gegen das Gutachten des Spitals Y.________ nicht auseinandergesetzt habe. In der Stellungnahme vom 6. Oktober 2003 hatte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen gerügt, das Gutachten entspreche nicht den Vorgaben des Eidgenössischen Versicherungsgerichts im Urteil vom 4. Oktober 2001 und es sei eine polydisziplinäre Begutachtung, unter Einbezug insbesondere der Inneren Medizin, der Dermatologie und der Psychiatrie sowie der Neuropsychologie, anzuordnen. Des Weiteren wurde unter Hinweis auf eine Stellungnahme des Dr. med. S.________ vom 21. August 2003 geltend gemacht, das Gutachten weise fachliche Mängel auf. Für den Fall, dass die Beschwerde nicht gutgeheissen oder ein Obergutachten angeordnet werde, wurde in Form eines Fragenkataloges beantragt, dem Gutachter Erläuterungs- und Ergänzungsfragen zu unterbreiten. In einer weiteren Eingabe vom 28. Oktober 2003 wurde insbesondere das Fehlen einer psychiatrischen Abklärung beanstandet. 3.2 Zur Rüge, beim Gutachten vom 5. August 2003 handle es sich nicht um ein polydiszipinäres Gutachten und es seien insbesondere die psychischen Aspekte nicht abgeklärt worden, stellt die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid fest, zu psychiatrischen Abklärungen hätte nur Anlass bestanden, wenn eine Lyme-Borreliose diagnostiziert worden wäre. Es sei sodann nicht zutreffend, dass das Gutachten den Anforderungen an eine polydisziplinäre Begutachtung nicht genüge. Der Gutachter habe sowohl einen Dermatologen beigezogen als auch das Institut für Infektionskrankheiten konsultiert, deren Ärztinnen zum eindeutigen Schluss gelangt seien, dass die Laborresultate keine Anhaltspunkte für eine durchgemachte Borreliose ergeben hätten. Dass das dermatologische Konsilium nur mündlich erfolgt sei, lasse sich nicht beanstanden, da es in grossen Kliniken durchaus üblich sei, die Fälle an interdisziplinären Sitzungen zu besprechen, ohne dass schriftliche Meinungsäusserungen vorlägen. Das kantonale Gericht hat damit nicht nur zu den entsprechenden Vorbringen der Beschwerdeführerin Stellung genommen, sondern diese mit stichhaltiger Begründung widerlegt. Es ist hiervon um so weniger abzugehen, als selbst Dr. med. S.________ den Beizug eines Dermatologen als nicht angezeigt erachtet hat (Stellungnahme vom 4. Februar 2004). Der Vorinstanz ist auch darin beizupflichten, dass das Gutachten den im Rückweisungsurteil vom 4. Oktober 2001 genannten Anforderungen genügt und sich angesichts der Schlussfolgerungen des Gutachters eine psychiatrische Begutachtung erübrigte. Daran ändert die Feststellung im Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 4. Oktober 2001 nichts, wonach angesichts der Unklarheiten bezüglich des Vorliegens einer Neuroborreliose der Frage wesentliche Bedeutung zukomme, ob und gegebenenfalls inwieweit sich die bestehenden Beschwerden auf andere (beispielsweise psychische) Ursachen zurückführen liessen. Es wurde damit nicht gesagt, dass es im Sinne der Ausschlussdiagnostik für die Leistungspflicht des Unfallversicherers genügt, wenn keine anderen Ursachen für die Beschwerden festgestellt werden können. Vielmehr gilt auch hier der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen leistungsbegründender Unfallfolgen. Weil aus den im Gutachten genannten Gründen das Bestehen einer Borreliose nicht als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten ist, erübrigen sich weitere Abklärungen hinsichtlich anderer möglicher Ursachen der geltend gemachten Beschwerden. Ebenso wenig kann eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darin erblickt werden, dass die Vorinstanz zu der in der Stellungnahme des Dr. med. S.________ vom 21. August 2003 enthaltenen Kritik am Gutachten nicht im Einzelnen Stellung genommen und davon abgesehen hat, dem Gutachter ergänzende Fragen zu unterbreiten. Zum einen hat der Rechtsuchende keinen Anspruch darauf, dass das Gericht, namentlich wenn es um medizinische Fragen geht, zu jedem einzelnen Argument Stellung nimmt. Es genügt, wenn es sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränkt (BGE 124 V 181 Erw. 1a mit Hinweisen). Zum andern weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 125 V 352 Erw. 3b/aa mit Hinweisen). Gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten können allenfalls eine Überprüfung durch einen Oberexperten als angezeigt erscheinen lassen. Hierzu bestand im vorliegenden Fall um so weniger Anlass, als dem Gerichtsgutachten bereits der Charakter eines Obergutachtens zukam. Bei den von der Beschwerdeführerin im Anschluss an das Gutachten formulierten Ergänzungsfragen handelte es sich überwiegend um die bereits zuvor umstritten gewesenen medizinischen Fragen, zu deren Beantwortung das Gutachten eingeholt wurde. Zu weiteren Beweisvorkehren hätte nur Anlass bestanden, wenn wesentliche neue Aspekte vorgebracht worden wären, was indessen nicht der Fall war.