Citation: I 161/04 07.09.2004 E. 2

Streitig ist, ob die Invalidenversicherung die Keratoplastik am linken Auge als medizinische Eingliederungsmassnahme zu übernehmen hat. Dabei ist zu prüfen, ob diese Frage bei gegebener Aktenlage beantwortet werden kann. Während die Verwaltung gestützt auf den Bericht der behandelnden Augenärztin vom 14. April 2003 das Leistungsgesuch ablehnte, weil es sich bei der Hornhautproblematik am linken Auge um labiles Geschehen handle, geht die Vorinstanz davon aus, dass diese Frage erst nach ergänzenden medizinischen Abklärungen zu beantworten sei, da aus den sich gegenseitig widersprechenden Angaben der Dres. med. G.________ und S.________ keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden könnten. 2.1 Nach der Rechtsprechung stellt der Keratokonus grundsätzlich labiles pathologisches Geschehen dar, weshalb eine wegen dieses Leidens erforderliche Hornhautübertragung nicht als medizinische Massnahme nach Art. 12 IVG zu Lasten der Invalidenversicherung geht. Die Leistungspflicht der Invalidenversicherung fällt namentlich dann ausser Betracht, wenn die Keratoplastik durchgeführt wird, um einer in absehbarer Zeit drohenden Perforation der Hornhaut zuvorzukommen oder wenn damit eine frische Verletzung der Hornhaut angegangen wird. Die Keratoplastik gilt nur dann als eine medizinischen Massnahmen nach Art. 12 IVG zugänglicher Eingriff, wenn damit eine narbig veränderte Hornhaut oder eine getrübte Keratokonusspitze ersetzt wird. In diesen Fällen rechtfertigt sich die Annahme eines stabilen oder relativ stabilisierten Defektzustandes, weshalb sie grundsätzlich eine medizinische Massnahme nach Art. 12 IVG bilden kann (BGE 100 V 97 und Urteil G. vom 21. November 2003, I 348/03, Erw. 2, je mit Hinweisen). 2.2 Auf die Frage der Verwaltung hin, ob durch Keratoplastik am linken Auge "eine narbig veränderte Hornhaut oder eine getrübte Keratokonusspitze" ersetzt worden sei, antwortete der Operateur Dr. med. S.________ am 10. April 2003 abschliessend: "Es handelt sich um den stabilen Endzustand eines Keratokonus am linken Auge mit narbig veränderter Cornea und nicht mehr Korrigierbarkeit mit Brille oder Kontaktlinse. Beginnende soziale Erblindung an diesem Auge. - Die Operation ist bereits erfolgt." Er verzichtete auf Angaben zur Behandlungsdauer und Anamnese sowie zu angegebenen Beschwerden, erhobenen Befunden und gestellten Diagnosen. Demgegenüber ist dem ausführlichen Bericht der die Versicherte seit 1989 behandelnden Augenärztin Dr. med. G.________ vom 14. April 2003 unter anderem zu entnehmen, dass sie nebst einem Status nach Keratoplastik am rechten Auge vom 26. Januar 2001 einen Keratokonus am linken Auge "mit Keratokonusspitzen-Trübungen und androhendem Ulcus der Hornhaut wegen offener Hornhaut" diagnostizierte. Weiter berichtete die Augenärztin zur Anamnese, dass die Versicherte Kontaktlinsen immer schlechter toleriert habe, weil immer häufiger Komplikationen ("Hornhauttrübungen, offene Hornhaut, drohendes Hornhautgeschwür") aufgetreten seien. Am linken Auge erhob sie anlässlich der Untersuchung vom 3. Dezember 2002 unter anderem folgende Befunde: "Bindehaut gereizt, Hornhaut mit sehr ausgeprägten Spitzentrübungen, Fluo-positive Trübungen, der Befund kann sich jederzeit verschlechtern." 2.3 Unter pflichtgemässer Würdigung der medizinischen Unterlagen hat die IV-Stelle gestützt auf den Bericht der Frau Dr. med. G.________ zu Recht erkannt, dass angesichts eines drohenden Hornhautgeschwürs, einer offenen Hornhaut und einer jederzeit möglichen Verschlechterung der erhobenen Befunde mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen) auf ein labiles pathologisches Geschehen zu schliessen ist, welches die am linken Auge durchgeführte Hornhautübertragung erforderlich werden liess. Demgegenüber vermögen die ohne nachvollziehbare Begründung geäusserten gegenteiligen Einschätzungen des Dr. med. S.________ nicht zu überzeugen. Zutreffend weist das BSV in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde darauf hin, dass an diesem Ergebnis - entgegen dem vorinstanzlichen Entscheid - auch weitere medizinische Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b mit Hinweisen auf BGE 124 V 94 Erw. 4b und 122 V 162 Erw. 1d) nichts zu ändern vermögen.