Citation: 5A_228/2016 E. 4.2.2

4.2.2. Weiter ist auf die Frage einzugehen, inwiefern der Beschwerdeführer zur Zeit rückfallgefährdet und damit eine Gefahr für Dritte ist. 4.2.2.1. In Bezug auf die Fremdgefährdung hält die Vorinstanz fest, mittel- bis langfristig sei mit neuerlichen Gewalttätigkeiten des Beschwerdeführers zu rechnen, wenn seine massive Persönlichkeitsstörung nicht therapiert werde. Nach der Einschätzung der Gutachter würden die problematischen Persönlichkeitsstrukturen, die für eine potentielle Rückfälligkeit kausal seien, ohne intensive und langfristige Psychotherapie weiterbestehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer erneut gewalttätig in Erscheinung treten könnte, werde von den Gutachtern mittel- bis langfristig (ab sechs Monaten und länger) als mittel bis hoch erachtet. Mögliche gewalttätige Ereignisse seien für die Gutachter gewalttätige Verhaltensweisen gegenüber Personen und Sachen. Unter gewalttätigen Verhaltensweisen gegenüber Personen verstehe die Gutachterin Tätlichkeiten und Körperverletzungen bzw. ganz allgemein Aktionen, bei denen einer Drittperson unter Einsatz von Körperkraft ein Schaden zugefügt werde. Damit sei die Schwelle erreicht, die eine fürsorgerische Unterbringung erlaube. Nur weil die Rückfallgefahr (mittel- bis längerfristig) als mittel bis hoch anstatt als hoch eingestuft werde, d.h. ein gewisses, ohnehin nicht exakt kalkulierbares (Risiko-) Spektrum bestehe, sei ein Handlungsbedarf nicht weniger ausgewiesen. Bei der Therapierung einer schweren Persönlichkeitsstörung handle es sich um eine langfristige Angelegenheit ohne Aussicht auf einen schnellen Therapieerfolg, weshalb auch nicht ins Gewicht fallen könne, dass die Legalprognose kurzfristig günstig sei. Man müsse sich vor Augen halten, dass innerhalb einer Frist von sechs Monaten, nach deren Ablauf das Risiko für Gewalttätigkeiten des Beschwerdeführers in unbehandeltem Zustand wieder zunehmen würde, kein Therapieerfolg mit einer signifikanten Verringerung des Rückfallrisikos erzielt werden könne, jedenfalls nicht mit einer ambulanten Therapie, die sich der Beschwerdeführer vorstelle. Der Begriff der Körperverletzung schliesse schwere Straftaten gegen Leib und Leben ohne weiteres mit ein. Es sei entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers nie die Rede davon gewesen, dass nur einfache Körperverletzungen zu befürchten seien. Zu bedenken sei ferner, dass eine schwere Körperverletzung Todesfolgen haben könne und nicht selten der Zufall oder glückliche Umstände darüber entscheiden würden, ob eine Person am Leben bleibe. Die Annahme, dass es im äussersten Fall bei einer schweren Körperverletzung bleiben würde, was es an sich schon zu vermeiden gelte, wäre ein theoretisches Konstrukt. Kurzum sei die Gefahr, dass der Beschwerdeführer wieder eine (schwere) Gewalttat gegen eine Person verüben und dadurch letztlich auch sich selber schaden und die Aussicht auf ein einigermassen sorgenfreies Leben zunichte machen könnte, zu ernsthaft, um von einer Therapierung seiner Persönlichkeitsstörung absehen zu können. In Bezug auf die Krankheitseinsicht des Beschwerdeführers hält die Vorinstanz weiter fest, dass dieser eine Therapie der von ihm diagnostizierten Persönlichkeitsstörung nicht per se ablehne, solange diese ambulant erfolge. Fraglich sei aber nach wie vor, wie ernst es ihm damit sei. Dr. N.________ habe bereits an der vorausgegangenen Verhandlung Zweifel an der Krankheitseinsicht des Beschwerdeführers geäussert. Mit diesen Zweifeln sei sie nicht alleine. Die Gutachter würden ebenfalls von einem mangelnden Krankheitsgefühl und mangelnder Krankheitseinsicht des Beschwerdeführers ausgehen. Aussagen des Beschwerdeführers wie diejenige, mit ihm sei alles in Ordnung, er brauche keine Therapie, oder, eine Therapie sei vom rechtlichen Standpunkt betrachtet nicht notwendig, werde aber in Anspruch genommen, um die Geschehnisse der letzten fünfeinhalb Jahre zu verarbeiten, würden diese gutachterliche Einschätzung stützen. Dasselbe gelte für seine kategorische Ablehnung jeglicher Therapeuten mit Beziehungen zum Kanton Aargau. Unter diesem Aspekt bestehe zumindest längerfristig keine ausreichende Gewähr dafür, dass sich der Beschwerdeführer im ambulanten Rahmen auf die von ihm benötigte intensive und langfristige Therapie zur Behandlung seiner Persönlichkeitsstörung mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit einlassen würde. 4.2.2.2. Der Beschwerdeführer verneint eine relevante Fremdgefährdung. Er betont, Dr. O.________ habe anlässlich der Verhandlung vom 27. Mai 2015 erklärt, dass er, der Beschwerdeführer, seine Entwicklungsrückstände habe ausgleichen können und dem Stress, welchem er ausserhalb eines geschlossenen Settings ausgesetzt sei, gewachsen sei. Seiner Ansicht nach bestehe zudem keine erhöhte Rückfallgefahr für Tötungsdelikte oder sonstige Gewaltverbrechen. Auch Dr. C.________ habe ausgesagt, dass sie sein Rückfallrisiko als gering einschätze. In ihrem Bericht vom 21. April 2015 habe Dr. C.________ zudem ausgeführt, dass er ein Deliktsbewusstsein entwickelt habe und wisse, worauf er seine Aufmerksamkeit zu richten habe und welche Vorkehren er treffen könne, um mögliche deliktrelevante Risikofaktoren wahrzunehmen und diese steuern zu können. Das Gutachten der Universitären Klinik Y.________ komme zum Schluss, dass "kurzfristig von einer geringen Rückfallwahrscheinlichkeit hinsichtlich gewalttätiger Ereignisse" auszugehen sei, "[m]ittel- und langfristig hingegen (ab sechs Monaten bis mehrere Jahre)... von einer mittleren bis hohen Wahrscheinlichkeit..., dass gewalttätige Verhaltensweisen sowohl gegenüber Personen als auch Dingen erneut auftreten". Bezüglich Rückfallgefahr ruft der Beschwerdeführer ferner die vorausgegangenen Urteile der Vorinstanz in Erinnerung, in denen diese festgehalten habe, "[e]ine hohe Gefahr einer Straftat gegen Leib und Leben, wie sie vom Bundesgericht im Entscheid BGE 138 III 593, Erw. 5.2 als gegeben erachtet wurde", sei im vorliegenden Fall nicht belegt bzw. ihm, dem Beschwerdeführer, sei "aber darin beizupflichten, dass bislang kein genügend hohes Rückfallrisiko nachgewiesen sei, um seine fürsorgerische Unterbringung in Anlehnung an BGE 138 III 593 mit einer hohen Gefahr für Leib und Leben rechtfertigen zu können". Er verweist dabei auf die Kurzbegründung zum Urteil der Vorinstanz vom 18. Juni 2015, Ziff. 3 S. 6 oben sowie das Urteil vom 7. August 2015, E. II/3.4 S. 29. Der Beschwerdeführer sieht das angefochtene Urteil im Widerspruch dazu. Die Vorinstanz behaupte jetzt nämlich, "die Gefahr, dass der Beschwerdeführer wieder eine (schwere) Gewalttat gegen eine Person verüben und dadurch letztlich auch sich selber schaden könnte, [sei] zu ernsthaft, um von einer Therapierung seiner Persönlichkeitsstörung absehen zu können". Dabei verweise die Vorinstanz darauf, dass nicht zu unterscheiden sei, ob die Gutachterin von einer mittel bis hohen oder hohen Rückfallgefahr ausgehe, weil es sich ohnehin um nicht exakt kalkulierbare Risiken handle. Nach Ansicht des Beschwerdeführers müsste hingegen eine hohe Gefahr für Leib und Leben ausgewiesen sein, da die Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung den schwerst möglichen Eingriff in die Freiheitsrechte einer Person darstelle und einzig als ultima ratio zulässig sei. Die Vorinstanz habe das anfänglich gleich gesehen. Nachgewiesen sei bei ihm nur ein Rückfallrisiko der Stufe mittel, was für eine fürsorgerische Unterbringung eben gerade nicht ausreiche; hinzu komme, dass dieses Risiko sich erst nach Ablauf einer Zeit von sechs Monaten bis mehreren Jahren manifestiere, sofern er ohne adäquate Intervention bleiben würde. Somit attestiere ihm das Gutachten der Universitären Klinik Y.________ kurzfristig (für mindestens sechs Monate) eine geringe Rückfallgefahr. Entgegen der Vorinstanz, welche die Frist von sechs Monaten von vornherein als zu kurz ansehe, um ausreichende Therapiefortschritte zu erzielen, folgere die Gutachterin, dass erste Lockerungen möglich seien, sobald er sich ernsthaft auf den Therapieprozess einlasse, was nach ihr mit der Auswahl des Therapeuten nach dem im Gutachten der Universitären Klinik Y.________ vorgeschlagenen Prozedere beginnen würde. Zudem übergehe die Vorinstanz bei ihrer Argumentation, dass die sechs Monate auch gemäss Gutachten eine (pessimistische) Minimalfrist darstelle. Die Erhöhung des Rückfallrisikos könne auch erst nach mehreren Jahren eintreten. 4.2.2.3. Aus dem Gutachten geht hervor, dass der Beschwerdeführer nach wie vor ein mittel- bis hochgradiges Gefährdungspotential für Dritte birgt, wobei sich diese Gefährdung allerdings nicht unmittelbar zu manifestieren drohe, sondern erst in einigen Monaten. Die Gutachter sprechen dabei von einem Zeitraum von sechs Monaten. Das volle Gefährdungspotential entwickelt der Beschwerdeführer sodann ihrer Ansicht nach nur, wenn er sich inzwischen nicht therapieren lässt. Dazu sind zwei Dinge festzuhalten: Erstens bedarf es einer aktuellen und langfristigen günstigen Prognose, um eine Fremdgefährdung verneinen zu können. Die Gutachter sprechen aber nur von einer vorläufigen Herabsetzung des Gefährdungspotentials. Zweitens fehlt beim Beschwerdeführer offensichtlich die Krankheitseinsicht, um sich im stationären Rahmen einer Therapie zu unterziehen. Es ist illusorisch davon auszugehen, dass sich allein durch eine Freilassung eine Krankheitseinsicht entwickeln würde. Ohne genügende Krankheitseinsicht und darauf aufbauender Bereitschaft, eine Therapie aufzunehmen, bleibt das Risiko einer Drittgefährdung im Falle einer Freilassung des Beschwerdeführers unverändert hoch.