Citation: 4A_235/2020 E. 4.2

4.2. Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Beschwerdegegnerin sei Inhaberin der knapp 70 betroffenen Domainnamen, auf denen sie ihre Ticket-Wiederverkaufsplattform weltweit aufgeschaltet habe; ferner biete sie ihre Plattform auf der Website "www.A.________.com" einem internationalen Publikum an. Da die Beschwerdegegnerin Sitz in der Schweiz habe, sei somit ein genügender Bezug zur Schweiz gegeben und auch das Ansehen der Schweiz im Ausland zumindest bedroht, weshalb ihre Klagelegitimation nach Art. 10 Abs. 3 lit. a UWG gegeben sei. Die Beschwerdegegnerin wendet jedoch zu Recht ein, es sei bei der Einführung des Klagerechts des Bundes darum gegangen, unlauteren Machenschaften vorzubeugen, die aus der Schweiz heraus begangen werden und das Ansehen der Schweiz gefährden, und nicht darum, die extraterritoriale Anwendbarkeit des UWG in allgemeiner Weise einzuführen. Die Aufgabe des Bundes besteht im Schutz des Ansehens der Schweiz im Ausland und nicht in der voraussetzungslosen weltweiten Durchsetzung des schweizerischen Lauterkeitsrechts in Bezug auf Online-Angebote, die über in der Schweiz niedergelassene Unternehmen betrieben werden. Insoweit ist der Vorinstanz - entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht - keine Bundesrechtsverletzung vorzuwerfen, wenn sie erwog, das weltweite Internetangebot der Beschwerdegegnerin allein reiche für das Vorliegen der Aktivlegitimation der Beschwerdeführerin nicht aus. Die Vorinstanz hat die Aktivlegitimation der Beschwerdeführerin in Bezug auf Rechtsbegehren Ziffer 2 (Fehlen einer E-Mail-Adresse im Impressum), Ziffer 6 (Verwendung der Formulierung "keine Warteschlangen") und Ziffer 7 (fehlende Kontaktangaben gewerbsmässiger Anbieter) verneint, die Frage im Übrigen jedoch offengelassen. Die Beschwerdeführerin stellt nicht grundsätzlich in Abrede, dass die Voraussetzungen der Aktivlegitimation für alle Rechtsbegehren erfüllt sein müssen. Sie wirft der Vorinstanz im Zusammenhang mit der Klageberechtigung des Bundes nach Art. 10 Abs. 3 lit. b UWG eine unzutreffende Auslegung dieser Bestimmung vor, indem der angefochtene Entscheid zu Unrecht voraussetze, dass die unlautere Praktik in ihrem Gewicht und in ihrer Bedeutung "weit über den Einzelfall hinausreiche". Sie weist dabei zwar grundsätzlich zutreffend darauf hin, dass die im angefochtenen Entscheid zitierte Botschaft lediglich erwähnt, dass die unlautere Praktik in ihrem Gewicht und ihrer Bedeutung "über den Einzelfall hinausreicht" (Botschaft, a.a.O., BBl 2009 6181). Sie vermag jedoch nicht aufzuzeigen, inwiefern der angefochtene Entscheid im Ergebnis Bundesrecht verletzt. Soweit sie überhaupt auf die fraglichen Rechtsbegehren eingeht, unterbreitet sie dem Bundesgericht lediglich in appellatorischer Weise ihre Sicht der Dinge. Damit vermag sie die konkreten Erwägungen im angefochtenen Entscheid zur Aktivlegitimation nicht als bundesrechtswidrig auszuweisen. Die neu eingereichten Beweismittel in Form von Tabellen und einer Statistik, mit denen die Beschwerdeführerin nunmehr die zahlreichen mit der Klage und der Replik eingereichten Beanstandungen auswertet und den verschiedenen Rechtsbegehren zuordnet, sind neu und damit unbeachtlich (Art. 99 Abs. 1 BGG). Der Inhalt der eingegangenen Beschwerden und Schreiben ausländischer Behörden und Organisationen wäre wie auch der nunmehr vor Bundesgericht ins Feld geführte politische Vorstoss in Form einer parlamentarischen Interpellation in der Schweiz im kantonalen Verfahren näher darzulegen gewesen. Im Übrigen ist der Vorinstanz keine Bundesrechtsverletzung vorzuwerfen, indem sie erwog, dass auch bei einer kleinen Anzahl ein die Klageerhebung rechtfertigendes öffentliches Interesse gegeben sein könne und sie in diesem Zusammenhang darauf hinwies, die erforderliche Zahl vorhandener Beschwerden hänge nicht zuletzt von der Schwere des Verstosses ab, indem bei gravierenden Verstössen allenfalls schon eine einzelne Beschwerde oder eine geringe Zahl genüge (vgl. etwa TANJA DOMEJ, in: Heizmann/Loacker [Hrsg.], UWG-Kommentar, 2018, N. 43 zu Art. 10 UWG; DAVID RÜETSCHI, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb [UWG], 2013, N. 37 zu Art. 10 UWG). Die Beschwerdeführerin räumt denn auch selber ein, dass die Art und Schwere der Vorwürfe eine Rolle spielen könne, wenn nur wenige Adressaten von einer unlauteren Geschäftspraktik betroffen sind.