Citation: I 326/00 09.11.2001 E. 3

3.- Zu prüfen bleibt, ob eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung gemäss Art. 12 IVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG in Betracht fällt. a) Nach Art. 12 Abs. 1 IVG hat ein Versicherter Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die berufliche Eingliederung gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Um Behandlung des Leidens an sich geht es in der Regel bei der Heilung oder Linderung labilen pathologischen Geschehens. Die Invalidenversicherung übernimmt in der Regel nur solche medizinische Vorkehren, die unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrektur stabiler oder wenigstens relativ stabilisierter Defektzustände oder Funktionsausfälle hinzielen und welche die Wesentlichkeit und Beständigkeit des angestrebten Erfolges gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG voraussehen lassen (BGE 120 V 279 Erw. 3a mit Hinweisen; AHI 2000 S. 64 Erw. 1). Bei nichterwerbstätigen minderjährigen Versicherten ist zu beachten, dass diese als invalid gelten, wenn ihr Gesundheitsschaden künftig wahrscheinlich eine Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 5 Abs. 2 IVG). Nach der Rechtsprechung können daher medizinische Vorkehren bei Jugendlichen schon dann überwiegend der beruflichen Eingliederung dienen und trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der Invalidenversicherung übernommen werden, wenn ohne diese Vorkehren eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand einträte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt würden (BGE 105 V 20; AHI 2000 S. 64 Erw. 1). b) Als stabile oder mindestens relativ stabilisierte Defektzustände oder Funktionsausfälle bei Gelenkschäden gelten nach ständiger, auch auf Minderjährige anwendbarer Rechtsprechung nur solche im knöchernen Bereich, d.h. im Bereich des Skeletts selbst unter Ausschluss der Knorpelpartien sowie des Bänder- und Muskelsystems. Mit anderen Worten werden Operationen im Kniegelenk dann als medizinische Eingliederungsmassnahmen anerkannt, wenn sie der Beseitigung oder Korrektur eines stabilen Skelettdefektes und dessen unmittelbaren mechanischen Folgen gelten. Als medizinische Massnahmen übernimmt die Invalidenversicherung deshalb die Korrektur von Skelettdeformitäten als Ursache der Patellaluxation, nicht aber die Behebung von Störungen an den Knorpelpartien oder am Zug- und Haltesystem des Knies. Sind diese Ursachen (Formveränderungen am Skelett einerseits, Störungen am aktiven oder passiven Streckapparat andererseits) kombiniert, d.h. liegt eine Mischform vor, ist jeweils zu prüfen, ob die Luxation vorwiegend auf die Knochenmissbildung oder auf andere Ursache zurückgeführt werden muss, was sich gewöhnlich anhand der angewandten Operationsmethode zuverlässig beurteilen lässt (BGE 101 V 60; ZAK 1977 S. 539 Erw. 1b, 1975 S. 163 Erw. 2, je mit Hinweisen). c) Die bei der Beschwerdegegnerin diagnostizierte Patelladysplasie, welche im Oktober 1995 mit einer Weichteiloperation nach Ali Krogius Goldwaith (Bericht der Orthopädischen Klinik X.________ vom 10. April 1996) und im Juli 1998 mit einer Operation zur besseren Zentrierung der Patella und des Streckapparates (Berichte der Orthopädischen Klinik X.________ vom 27. März und 5. August 1998) angegangen wurde, stellt, wie bereits in Erw. 2b hievor dargelegt, keine knöcherne Missbildung dar. Somit steht im Falle der Beschwerdegegnerin nicht die Korrektur eines gegenwärtigen oder künftigen Skelettdefektes im Sinne der Rechtsprechung in Frage. Auch unter diesem Blickwinkel lässt sich die ablehnende Verfügung der IV-Stelle somit nicht beanstanden (vgl. in diesem Sinne auch Rz 177. 4 KSME in der ab 1. November 2000 geltenden Fassung, wonach "eine Patelladysplasie [...] auch nicht gestützt auf Art. 12 IVG übernommen werden" kann). Vielmehr muss es bei der Feststellung sein Bewenden haben, dass die anbegehrte Massnahme in den Bereich der Krankenversicherung gehört.