Citation: U 207/99 28.11.2001 E. 2

2.- Während SUVA und Vorinstanz unfallbedingte somatische Befunde mit die Arbeits- resp. die Erwerbsfähigkeit erheblich beeinträchtigenden Auswirkungen verneinen, werden in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde organische Schädigungen geltend gemacht, welche in den bisherigen Verfahren zu Unrecht keine Beachtung gefunden hätten. a) Vorauszuschicken ist, dass das Aktendossier der SUVA, ergänzt durch das von der Vorinstanz eingeholte Gerichtsgutachten des Prof. Dr. med. V.________ vom 25. September 1998, von einer äusserst gründlichen Evaluierung der medizinisch relevanten Sachverhaltselemente zeugt, angesichts welcher sich zusätzliche beweismässige Vorkehren erübrigen. Des Weitern hat die umfassende medizinische Dokumentation im Rahmen der eingehenden und sorgfältigen Überprüfung durch das kantonale Gericht eine sachgerechte Würdigung gefunden, welche seitens des Eidgenössischen Versicherungsgerichts nicht zu beanstanden ist. b) Danach kann, was das Vorliegen organischer Befunde anbelangt, gestützt auf die Ausführungen des Dr. med. H.________ im Bericht vom 15. Januar 1996 mit SUVA und Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass bezüglich der anfänglichen unfallbedingten Schädigungen nach einer zunächst beobachteten Verschlechterung schon nach wenigen Wochen eine deutliche Besserung des Gesundheitszustandes, insbesondere der Nackenbeweglichkeit und der Kopfschmerzen, zu verzeichnen war. Dass die spätere Zunahme der verschiedenen Befindlichkeitsstörungen bis hin zum aktuell komplizierten, von Dr. med. H.________ als psychosomatisch bezeichneten Beschwerdebild noch unmittelbar organischen Beeinträchtigungen zuzuordnen wäre, welche vom Verkehrsunfall vom 5. September 1998 herrühren, ist zumindest nicht als überwiegend wahrscheinlich einzustufen. Vielmehr kann, wie Dr. med. H.________ in der erwähnten Stellungnahme darlegte, die im Krankheitsverlauf allmählich zu Tage getretene Verschlechterung pathophysiologisch nicht unfallkausal erklärt werden. Unter diesen Umständen muss angenommen werden, dass sich die gesundheitliche Situation aus organischer Sicht spätestens Ende Juli 1996 weitestgehend wieder in dem Zustand präsentierte, den der Versicherte auch ohne das Unfallereignis vom 5. September 1994 aufgewiesen hätte. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die auf diesen Zeitpunkt hin verfügte Leistungseinstellung demnach ohne weiteres gerechtfertigt gewesen zu sein, zumal allfällig noch vorhandene Restbefunde organischer Art - wie etwa das von Kreisarzt Dr. med. S.________ am 19. Juni 1996 als einziger organischer Befund diagnostizierte leichte linksbetonte Zervikalsyndrom - derart geringfügig sein müssten, dass sie weder eine Behandlungsbedürftigkeit zu begründen noch eine wesentliche erwerbliche Einschränkung zu bewirken vermöchten. Die Verweigerung von Taggeld- oder Invalidenrentenleistungen wie auch die Ablehnung der Übernahme weiterer Heilbehandlungskosten erweisen sich demnach auf Grund der noch vorhandenen organischen Befunde als rechtens. Ebenso wenig ist ein entschädigungsrelevanter körperlicher Integritätsschaden auszumachen. c) Die Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde sind nicht geeignet, in diesem Punkt zu einem abweichenden Ergebnis zu gelangen. aa) So ist, wie die SUVA in ihrer Vernehmlassung vom 30. Juli 1999 zu Recht einwendet, nicht ersichtlich - und wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch nicht näher dargelegt -, inwiefern die vom Beschwerdeführer erwähnte, aus dem Röntgenbefund des Instituts Dr. G.________ vom 18. April 1995 herausgegriffene radiologische Diagnose einer "Verdickung des ligamentum nuchae C 6/7" auf ein massives, vom versicherten Unfallereignis herrührendes Trauma im Halswirbelsäulen-Bereich schliessen lassen sollte, nachdem in besagtem Bericht lediglich von 'vereinbar mit posttraumatischer Läsion' gesprochen wird. Es kann ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass dieser Befund, käme ihm tatsächlich die Bedeutung zu, welche ihm der Beschwerdeführer beimessen will, entsprechend in die Beurteilung der SUVA-Ärzte Dr. med. H.________ und Dr. med. S.________ wie auch der übrigen mit dem Heilungsprozess vertrauten Spezialisten Eingang gefunden hätte. Dasselbe gilt hinsichtlich der an der Neurologischen Universitätsklinik des Spitals B. am 3. April 1995 neuro- und elektromyographisch festgestellten Zeichen neurogenen Umbaus und der pathologischen Spontanaktivität im Myotom C8 links verbunden mit Zeichen ebenfalls neurogenen Umbaus in den Muskeln des Myotoms C8 rechts. Dass es sich dabei um unfallbedingte Schädigungen mit wesentlichen Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit handeln soll, kann auf Grund der Aktenlage keineswegs zuverlässig bejaht werden, sondern erscheint gegenteils sogar äusserst fraglich, nachdem im Bericht der Universitätsklinik auch ein leicht ausgeprägter, nicht frischer Denervationsprozess mit Schwerpunkt im Myotom C8 links sowie nachweisbare Zeichen eines alten Denervationsprozesses auch in Muskeln des Myotoms C8 rechts erwähnt werden. bb) Klarerweise nicht als Unfallfolge qualifizieren lässt sich auch die unbestrittenermassen vorhandene Diskushernie C 5/6. Es entspricht im Bereich des Unfallversicherungsrechts einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 Erw. 2a mit Hinweisen). Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie nur gelten, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen; die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) müssen zudem unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sein. Beim Beschwerdeführer ist insbesondere die Schwere der Einwirkung auf die zur Diskussion stehende Körperpartie und damit die Eignung für eine ernsthafte Bandscheibenschädigung nicht gegeben. Auch standen während der ersten Behandlungswochen andere Beschwerden im Vordergrund. Die Annahme einer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 5. September 1994 zurückzuführenden Bandscheibenschädigung verbietet sich unter diesen Umständen auch unter Mitberücksichtigung der - wenn auch nicht ganz eindeutig - abweichenden Beurteilung durch Dr. med. J.________ von der Orthopädischen Universitätsklinik B. vom 2. April 1996. cc) Dass der beidseitige Tinnitus des Beschwerdeführers als direkte Unfallfolge zu betrachten wäre, kann auf Grund der Berichte des Dr. med. T.________ und des Dr. med. K.________ beides Spezialärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, ebenfalls nicht als erstellt gelten. Dr. med. T.________ hielt am 20. März 1995 fest, durch ein stumpfes Schädeltrauma könne zwar eine Hochtonschwerhörigkeit und ein dadurch bedingter Tinnitus entstehen; die Form der Audiogrammkurven lasse aber eher einen vorbestehenden lärmbedingten Hochtonschaden vermuten. Dr. med. K.________ erklärte überdies am 2. Juli 1997, vom medizinischen Standpunkt aus könne er mangels Kenntnis früherer HNO-Befunde nicht entscheiden, wieweit die für den Tinnitus verantwortlichen Senken kausal durch den Unfall verursacht wurden. Rechtsprechungsgemäss muss sich die damit bezüglich der Unfallkausalität des beidseitigen Tinnitus bestehende Beweislosigkeit zum Nachteil des Beschwerdeführers auswirken, welcher aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 Erw. 3b mit Hinweisen). dd) Zur behaupteten Hirnschädigung ist vorab festzuhalten, dass schon eine anlässlich des Unfallereignisses erfolgte mechanische Einwirkung in Form eines Kopfaufpralls auf Grund der Aktenlage nicht als erstellt gelten kann, zumal die erstbehandelnden Ärzte keinerlei Kontusionsmarken am Kopf feststellen konnten. Auch die nachträglich vermutete Commotio cerebri ändert daran nichts. In Übereinstimmung mit den Aussagen des Dr. med. H.________ und des Prof. Dr. med. V.________ ist die Vorinstanz denn auch zu Recht zum Schluss gelangt, dass der Nachweis einer Hirnschädigung nicht erbracht ist. Bezüglich der Ergebnisse der am 21. März 1995 am Institut für Nuklearmedizin am Spital B. durchgeführten Single Photon Emission Computed Tomography (Spect) ist im Übrigen festzuhalten, dass sich das Eidgenössische Versicherungsgericht in dem in RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316 (= SVR 2001 UV Nr. 1 S. 1) publizierten Urteil Z. vom 2. Juni 2000 (U 160/98) eingehend mit der Aussagekraft hirnorganischer Abklärungen mittels Spect auseinander gesetzt hat. Dabei ist es zum Schluss gelangt, dass diese bisher auch wissenschaftlich nicht anerkannte Untersuchungsmethode zum Vornherein nicht geeignet ist, den Nachweis der natürlichen Kausalität eines Unfalles für hirnorganische Schädigungen zu erbringen. Selbst wenn auf Grund der anlässlich der Spect-Untersuchung festgestellten Auffälligkeiten eine hirnorganische Schädigung als erstellt gelten könnte - was indessen sowohl von Dr. med. H.________ als auch im Gerichtsgutachten des Prof. Dr. med. V.________ verneint wird -, wäre deshalb bezüglich der Frage nach der Ursächlichkeit des am 5. September 1994 erlittenen Unfalles nichts gewonnen.