Citation: I 214/04 30.11.2004 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer leidet seit Jahren an Rückenschmerzen. Schon vor dem Unfall vom 11. Januar 1999 musste er wegen eines akuten Schmerzsyndroms bei ausgeprägter Diskushernie L5/S1 und leichter Diskushernie L4/L5 behandelt werden und war deshalb während längerer Zeit arbeitsunfähig. Beim Unfall kam es zu Deckplattenimpressionsfrakturen der Wirbelkörper Th12-L2 und einem Rezidiv des lumbosakralen Schmerzsyndroms, wobei eine grosse, nach kaudal luxierte Diskushernie L5/S1 festgestellt wurde. Bestätigt wurde die Diagnose einer degenerierten Bandscheibe L4/L5. Während unmittelbar nach dem Unfall geringgradige neurologische Beeinträchtigungen (Hyposensibilität L4/L5/S1, motorische Schwäche L5) auftraten, zeigten sich in der Folge keine neurologischen Ausfälle mehr. Laut Austrittsbericht der Rehaklinik Z.________ vom 8. Oktober 1999 bestand ein ligamentäres Überlastungssyndrom des lumbosakralen Übergangs, mehr rechts als links, mit myotendoperiostotischen Ausstrahlungen in beide Oberschenkel, Pseudo-Lasègue, Ansatztendinosen über den processi spinosi L3-L5, Myosen im Gesässbereich und auffälliger Gangstörung rechts im Sinne eines Einknickens während der beginnenden Standbeinphase. Des Weiteren fand sich eine lokalisierte Myotendoperiostose der mittleren thorakalen Wirbelsäule mit starken Ansatztendinosen an den processi spinosi Th4-6 und mit einer Überlastungssymptomatik bei Deckplattenimpressionsfrakturen BWK12-LWK2. Anlässlich einer vom Beschwerdeführer in Mazedonien veranlassten MRI-Untersuchung der Brustwirbelsäule (BWS) wurden im April 2000 zudem Diskushernien Th7-10 mit teilweiser Impression des Rückenmarks festgestellt. Dieser Befund wurde von der Klinik Q.________ am 6. Juli 2000 bestätigt. 3.2 Fraglich ist, ob beim Unfall ein Kopfanprall stattgefunden und der Beschwerdeführer eine Commotio cerebri erlitten hat. Während die Rehaklinik Z.________ und Dr. med. R.________ sowie Dr. med. M.________, Spezialarzt für Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie FMH, eine Commotio cerebri mit milder traumatischer Hirnverletzung annehmen, verneinen Kreisarzt Dr. med. J.________ und PD Dr. med. L.________ das Vorliegen einer Commotio cerebri. Im biomechanischen Gutachten gelangt Prof. Dr. med. W.________ auf Grund einer Analyse des Unfallgeschehens zum Schluss, der Versicherte sei wahrscheinlich mit dem Kopf gegen das Dach der Führerkabine geprallt und habe sich dabei eine Commotio cerebri mit einer leichten Traumatisierung des Gehirns zugezogen. Für diese Annahme spricht, dass der Beschwerdeführer bereits bei der polizeilichen Einvernahme am 18. Januar 1999 ausgesagt hatte, beim Unfall den Kopf am Fahrzeuginnendach angeschlagen zu haben. Zudem wurden bei der neuropsychologischen Untersuchung in der Rehaklinik Z.________ minimale bis leichte neuropsychologische Störungen festgestellt, welche auf eine milde traumatische Hirnverletzung schliessen lassen. Wie es sich diesbezüglich verhält, kann indessen offen bleiben, weil die Commotio cerebri und die neuropsychologischen Störungen nach ärztlicher Auffassung ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind. Auch die von Dr. med. M.________ erhobenen audio-neurootologischen Befunde (Bericht vom 16. Mai 2003) lassen nicht auf eine erhebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit schliessen. 3.3 Schon im Bericht der Rehaklinik Z.________ vom 8. Oktober 1999 war darauf hingewiesen worden, dass der somatische Befund die geklagten Rückenbeschwerden nicht voll zu erklären vermöge. Die auch von Kreisarzt Dr. med. E.________ festgestellte Tendenz zur Symptomausweitung wurde von Dr. med. R.________ mit der Feststellung bestritten, dass - aus neurologischer Sicht - nicht von einem psychogen überlagerten Beschwerdebild gesprochen werden könne. Bei der Evaluation der Leistungsfähigkeit in der Rheumaklinik des Spitals X.________ vom April 2000 wurde aber auf eine Schmerzverarbeitungsstörung (im Sinne einer Schmerzausbreitung nach Matheson) in Kombination mit einer aggressiven und ängstlichen Grundstimmung bezüglich Rückkehr zur Arbeit und Status als Ausländer in der Schweiz geschlossen. Die Leistungsbereitschaft des Versicherten wurde im Wesentlichen als schlecht beurteilt und es fiel eine deutliche Selbstlimitierung auf. Entsprechende Feststellungen machte auch die Rheuma- und Rehabilitationsklinik P.________, wo der Beschwerdeführer vom 15. Oktober bis 5. November 2002 hospitalisiert war. Laut deren Bericht vom 26. November 2002 bestanden deutliche Zeichen einer Schmerzverarbeitungsstörung, weshalb eine psychologische Betreuung empfohlen wurde, welche der Versicherte jedoch ablehnte. Aus den medizinischen Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für eine psychische Störung mit Krankheitswert. Es muss daher angenommen werden, dass am bestehenden Beschwerdebild invaliditätsfremde Gründe (insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitbeteiligt sind. Diese Faktoren haben bei der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit unberücksichtigt zu bleiben (BGE 130 V 356 Erw. 2.2.4 mit Hinweisen).