Citation: 5C.279/2000 30.01.2001 E. 4

4.- a) Entsprechend dem Gebot von Art. 397f Abs. 1 ZGB, wonach über die fürsorgerische Freiheitsentziehung in einem einfachen und raschen Verfahren befunden werden muss, verlangen die Berufungskläger, das Bundesgericht möge im vorliegenden Fall die Sache (in rechtlicher Hinsicht) selber beurteilen und sowohl den Obhutsentzug als auch die fürsorgerische Freiheitsentziehung aufheben. Die Berufungskläger übersehen, dass Art. 397f Abs. 1 ZGB die Parteien nicht davon entbindet, die erforderlichen prozessualen Handlungen vorzunehmen. Sie hätten demnach unter Auseinandersetzung mit dem angefochtenen Entscheid darlegen müssen, inwiefern dieser namentlich gegen Art. 310 und 314a i.V.m. Art. 397a ff. ZGB verstösst und die Gefährdungslage der Kinder (vgl. E. 1 hiervor) den Schluss zulässt, es seien keine oder bloss mildere Massnahmen zu ergreifen. Insoweit haben die Berufungskläger Art. 55 Abs. 1 lit. c OG missachtet (BGE 116 II 745 E. 3, 116 II 92 E. 2). b) Schliesslich sind die Berufungskläger im Ergebnis der Meinung, die angeordneten Massnahmen seien deshalb bundesrechtswidrig, weil sie auf der unbelegten Vermutung beruhten, es könnten weitere sexuelle Übergriffe stattfinden. Damit verkennen sie Sinn und Zweck der Kindesschutzmassnahmen: aa) Da Kindesschutzmassnahmen keine Sanktionen darstellen und somit nicht erforderlich ist, dass (weitere) Beeinträchtigungen des Kindeswohles eingetreten sind, genügt die Gefährdung der Kinder für die Anordnung der geeigneten und rechtzeitig einsetzenden Massnahmen (BGE 111 II 119 E. 5 S. 123 f.; Breitschmid, a.a.O. N 4 f. und 17 f. zu Art. 307 ZGB, N 3 zu Art. 310 ZGB sowie N 6 und 8 zu Art. 314/314a ZGB). Die Interessen der Kinder gehen denjenigen der Eltern vor (BGE 111 II 119 E. 5 S. 124 oben). Dürften Massnahmen erst nach einer (erneut) vorgekommenen Schädigung der Kinder oder erst dann ergriffen werden, wenn eine Beeinträchtigung des Kindeswohls sehr wahrscheinlich ist, würde die Schutzfunktion der Massnahmen illusorisch. Deshalb ist auch denkbar, dass es dem Kindeswohl dient, selbst Kinder, die nicht mehr Opfer sind oder sogar mit Sicherheit nicht mehr werden können, aus psychologischen Gründen nicht mit dem Täter unter dem gleichen Dach wohnen zu lassen, damit sie z.B. Abstand nehmen und das Erlittene besser verarbeiten können. bb) Es ist den Berufungsklägern zuzubilligen, dass weitere sexuelle Übergriffe auch ausbleiben können (vgl. aber E. 5b des Urteils zur staatsrechtlichen Beschwerde). Indessen hat die Vorinstanz anders entschieden, und in der Unsicherheit jeder Zukunftsprognose liegt auch ein Grund dafür, dass der rechtsanwendenden Behörde bei der Wahl der geeigneten Massnahme ein gewisses Ermessen zusteht (Breitschmid, a.a.O. N 26 zu Art. 307 ZGB; Deschenaux/Steinauer, a.a.O. Rz 1175 S. 425). In dieses greift das Bundesgericht bloss mit Zurückhaltung ein (BGE 123 III 193 E. 2c/cc S. 199 mit Hinw.).