Citation: I 534/02 25.08.2003 E. 3

Streitig ist allein die Bemessung des Invalideneinkommens. 3.1 Verwaltung und Vorinstanz stellten zur Bezeichnung der zumutbaren Tätigkeiten, auf deren Grundlage der anrechenbare Lohn festzustellen ist, auf die Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit durch Frau Dr. L.________, Spezialärztin für Neurochirurgie, ab. In ihrem Gutachten vom 17. Juni 2000 diagnostizierte sie im Wesentlichen ein zervikales Schmerzsyndrom bei ausgeprägten degenerativen Veränderungen, beidseitige Schulter- und Thoraxschmerzen, ein lumbales Schmerzsyndrom mit pseudo-radikulärer Ausstrahlung links, wiederum mit ausgeprägten degenerativen Veränderungen, sowie beidseitige Knieschmerzen (letztere ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit). Die an eine Verweisungstätigkeit zu stellenden Anforderungen umriss die Medizinerin sodann folgendermassen: Eine leidensangepasste Arbeit erfordere kein Kopfdrehen bzw. kein längeres Verharren in einer gedrehten, reklinierten oder geneigten Kopfhaltung, schliesse das Tragen von Gewichten über 10 Kilogramm aus und erlaube - besonders bei einer sitzenden Beschäftigung - einen häufigen Positionswechsel. Eine solche Tätigkeit sei zu 100 % zumutbar und mit keiner Leistungseinbusse verbunden. Zu den erwähnten Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates kommt allerdings noch ein schweres Schlafapnoesyndrom hinzu (vgl. den Bericht des Zentrums X.________ am Spital B.________ vom 29. April 2002), das bereits bei der neurologischen Begutachtung bekannt war. Unter Berücksichtigung der Folgen dieser Krankheit bezifferte die Sachverständige die Arbeitsfähigkeit auf etwa 75 bis 80 %. Nicht näher abgeklärt wurde, inwiefern diese Einschätzungen mit Blick auf das - nach der Begutachtung, aber vor dem Verfügungsdatum eingetretene - Unfallereignis vom 25. Juni 2000 noch abschliessenden Charakter beanspruchen können; in den medizinischen Akten ist von einer posttraumatischen Aktivierung des Zervikalsyndroms die Rede (vgl. die Berichte des Allgemeinmediziners Dr. W.________, vom 2. Mai 2001 und des Dr. G.________, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, vom 16. April 2001). 3.2 Sowohl in der streitigen Verfügung als auch im angefochtenen Entscheid wurde bei der Bemessung des Invalideneinkommens auf einen Tabellenlohn zurückgegriffen. Konkret stellten die Vorinstanzen auf das durchschnittliche Einkommen bei einfachen und repetitiven Tätigkeiten in allen Wirtschaftszweigen ab (gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2000 des Bundesamtes für Statistik [LSE], Tabelle TA 1 S. 31). Unter Einrechnung der reduzierten Arbeitsfähigkeit (75 % gemäss Gutachten der Frau Dr. L.________ vom 17. Juni 2000) und eines sogenannten leidensbedingten Abzuges (vgl. BGE 126 V 78 ff. Erw. 5) von 15 % ermittelte das kantonale Gericht einen Invaliditätsgrad von 36,25 %. 3.3 Verwaltung und Vorinstanz verfügten nicht über ausreichende Entscheidungsgrundlagen, um das Invalideneinkommen mit der erforderlichen Sorgfalt (BGE 127 V 134 Erw. 4c) bemessen zu können. So ist das Ausmass allfälliger erwerblich bedeutsamer Folgen des Unfalls vom 25. Juni 2000 ungeklärt (vgl. Erw. 3.1 in fine hievor). Im Weitern ist fraglich, ob bei der Umschreibung der Restarbeitsfähigkeit sämtlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, namentlich auch der Schlafstörung, ausreichend Rechnung getragen wurde. 3.3.1 Die Vermittlungsfähigkeit eines Versicherten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wird vorwiegend von den mit beruflicher Beratung und Eingliederung betrauten Einrichtungen der IV beurteilt. Die medizinischen Sachverständigen, welche das jeweilige Anforderungsprofil des Arbeitsmarktes in der Regel nicht kennen, haben prinzipiell nur die medizinischen Rahmenbedingungen einer behinderungsgerechten erwerblichen Beschäftigung zu bezeichnen, dies in negativer (sachliche und zeitliche invaliditätsbedingte Restriktionen) wie positiver (erwerbsrelevante funktionelle Integrität) Umschreibung. Nach der Rechtsprechung ist zwischen dem ärztlichen Gutachter und den Fachleuten der Berufsberatung eine enge, sich gegenseitig ergänzende Zusammenarbeit erforderlich. Der Arzt oder die Ärztin beurteilt, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist; die Mediziner äussern sich vor allem zu jenen Funktionen, welche für die nach ihrer Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder stehend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Fachleute der Berufsberatung dagegen nehmen dazu Stellung, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten auf Grund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kommen, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen beim Arzt oder der Ärztin erforderlich sind (BGE 107 V 20 Erw. 2b). 3.3.2 Der Versicherte leidet einerseits an degenerativen Schädigungen des Bewegungsapparats (Erw. 3.1 hievor), anderseits aber auch an einem - möglicherweise therapieresistenten (vgl. die Berichte des Zentrums X.________ am Spital B.________ vom 29. April 2002 und des Dr. G.________ vom 16. April 2001 sowie das Gutachten der Frau Dr. L.________ vom 17. Juni 2000) - Schlafapnoesyndrom. Das Gutachten der Frau Dr. L.________ vom 17. Juni 2000, das vorab den rheumatologisch-orthopädischen Befunden gewidmet ist, enthält keine vertiefte Auseinandersetzung mit der Schlafstörung und deren Folgen. Derweil veranschlagt die Sachverständige die - ansonsten vollschichtig zumutbare - Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit "unter Berücksichtigung der Schlafstörung" auf 75-80 %. Diese Angaben genügen nicht, um die Tragweite des Schlafapnoesyndroms für die Zwecke der Bemessung des Invalideneinkommens zuverlässig abschätzen zu können. Eine vertiefte fachmedizinische Abklärung erscheint entscheiderheblich, denn nach Feststellung des Zentrums X.________ am Spital B.________ liege eine "schwere schlafassoziierte Atemstörung" vor; die durchgeführte Polysomnographie bestätige das Vorliegen eines schweren Schlafapnoesyndroms als Ursache einer "subjektiv stark störenden und ausgeprägten Tagesschläfrigkeit" (Bericht vom 29. April 2002). In Anbetracht des offenbaren Ausmasses der Schlafstörung kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, dass die erwähnte Einschätzung der Gutachterin hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit die Gesamtheit der gesundheitlichen Beeinträchtigungen hinlänglich berücksichtigt. In den Akten der Invalidenversicherung ist überdies nicht dokumentiert, in welchem Mass sich der Befund auf den hier massgebenden Zeitraum (bis zum Erlass der strittigen Verfügung) zurückbeziehen lässt. Es bedarf in dieser Hinsicht sowie bezüglich der funktionellen Auswirkungen der Schlafstörung weiterer medizinischer (und erwerblicher; dazu Erw. 3.3.3 hienach) Abklärungen. Mit Blick auf den sozialversicherungsrechtlichen Grundsatz der Schadenminderung (vgl. BGE 113 V 28 Erw. 4a) sind schliesslich therapeutische Möglichkeiten zu relevieren. 3.3.3 Verwaltung und kantonales Gericht haben bei der Bemessung des Invalideneinkommens das statistische Durchschnittseinkommen eines ungelernten Hilfsarbeiters herangezogen, ohne die noch zumutbaren Tätigkeitsbereiche näher zu bezeichnen; den ärztlicherseits definierten funktionellen Einschränkungen wurde mit einem Abzug in Höhe von 15 % Rechnung getragen. Mit Blick auf die Auswirkungen des in die Abklärung einzubeziehenden Leidens erscheint es angezeigt, die zumutbaren Arbeiten auf der Grundlage der ergänzten Akten (Erw. 3.3.2 hievor) spezifischer zu umschreiben. Denn falls sich als Folge des Schlafapnoesyndroms etwa eine Verminderung der Konzentrationsfähigkeit oder des Arbeitstempos ergeben sollte, wäre nämlich darzutun, welche Kategorien von Arbeiten beispielsweise eine verlangsamte Arbeitsweise oder eine verminderte Aufmerksamkeit überhaupt zulassen. Im bislang vorliegenden Bericht des Zentrums X.________ am Spital B.________ ist einzig davon die Rede, ohne adäquate Therapie sei zumindest das gewerbliche Lenken eines Motorfahrzeuges zu unterlassen. Die angesichts der krankheitsbedingten Tagesschläfrigkeit im Zusammenhang mit der Bemessung eines leidensbedingten Abzuges am Invalidenlohn bedeutsame Frage, ob den allfälligen Folgen des Leidens für die erwerbliche Leistungsfähigkeit mit einer zeitlichen Reduktion der Verweisungstätigkeit Genüge getan wird oder ob eine im Rahmen des zugemuteten Arbeitspensums zusätzlich anfallende Minderung des Rendements zu gewärtigen ist, kann nicht unter blossem Rückgriff auf die Gesamtheit der einfachen und repetitiven Tätigkeiten im Sinne der LSE beantwortet werden.