Citation: U 108/02 25.02.2004 E. 2

Streitig ist zunächst die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und deren Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. 2.1 Im Austrittsbericht der Klinik Z.________ vom 7. April 2000 wird ausgeführt, 18 Monate nach dem Unfall bestünden noch mässige, belastungsabhängige Schmerzen in beiden unteren Extremitäten, insbesondere an der rechten Hüfte und im linken Unterschenkel. Subjektiv empfinde der Versicherte das linke Kniegelenk bzw. den Unterschenkel als instabil. Objektiv sei sowohl das Kniegelenk als auch das OSG (oberes Sprunggelenk) stabil. Radiologisch zeige sich eine gute ossäre Konsolidation der Frakturen. Die Hüftgelenksbeweglichkeit sei beidseits mässiggradig eingeschränkt. In beiden Füssen bestünden neuropathische Schmerzen von brennendem Charakter, mehr linksbetont. In der Elektromyographie des rechten Unterschenkels zeige sich ein allgemein neuropathisches Willkürbild mit Ausfällen und erhöhter Polyphasie, vor allem im Bereich des Nervus peronaeus. Die geklagten Schmerzen in den Füssen seien nachvollziehbar. Die belastungsabhängigen Schmerzen in der rechten Hüfte und die Bewegungseinschränkungen seien als Restbeschwerden nach instabiler Beckenringverletzung mit ISG- (Iliosakralgelenks)-Luxationsfraktur rechts zu interpretieren. Im Röntgenbild zeige sich eine Pseudoverschiebung des Beckens links. Die objektiv erhebbaren Befunde deckten sich nicht ganz mit den subjektiv geklagten Beschwerden. Vor allem das Instabilitätsgefühl im linken Knie bzw. Unterschenkel, mit welchem der Versicherte die Benutzung eines Stockes begründe, könne objektiv nicht nachvollzogen werden. Der Versicherte neige teilweise zu demonstrativem Verhalten. Zu den Behinderungen und der Arbeitsfähigkeit wird festgestellt, der Versicherte sei in der Gehfähigkeit mässiggradig bis stark eingeschränkt. Zurzeit könne er kürzere Strecken ohne Stock gehen, Treppensteigen ohne Handlauf sei bis zwei Stockwerke möglich. Zumutbar wäre eine wechselbelastende, vorwiegend sitzend zu verrichtende Tätigkeit ohne Zwangspositionen und repetitives Heben und Tragen von Gewichten über 10 Kilogramm. Einschränkungen bestünden für das Besteigen von Leitern, das Gehen in unebenem Gelände sowie für repetitives Treppensteigen. Eine der Behinderung angepasste Tätigkeit vermöge der Versicherte ganztägig auszuführen. Die bisherige Tätigkeit auf dem Bau könne ihm nicht mehr zugemutet werden. Bei der Abschlussuntersuchung vom 4. Mai 2000 fand Kreisarzt Dr. med. G.________ weiterhin eine deutliche Atrophie sowohl der Fusssohlenhaut als auch der Unter- und Oberschenkelmuskulatur links. Die Beweglichkeit des oberen und unteren Sprunggelenks sei um ein Drittel eingeschränkt und es sei mit einer bleibenden Hypomobilität zu rechnen. Zusätzlich bestehe ein neuropathisches Schmerzsyndrom beidseits am Unterschenkel und Fuss, welches wahrscheinlich durch die Irritation des lumbosakralen Plexus ausgelöst worden sei. Die stabil versorgte ISG-Luxationsfraktur sei bis jetzt folgenlos ausgeheilt. Zumutbar sei eine wechselbelastende, vorwiegend sitzend zu verrichtende Tätigkeit. Durchgehendes Sitzen ohne Zwangsposition der Beine sei fast ganztägig möglich. Aufgrund der leichten Schwellungsneigung und der neuropathischen Beschwerden, welche bei statischer Abhängigkeit und zunehmender Schwellung stärker würden, sei die nachmittägliche Arbeitszeit auf drei Stunden zu verkürzen. Häufiges Treppensteigen, das Gehen auf unebenem Gelände und das Heben von Gewichten über 10 Kilogramm seien kontraproduktiv; die Gehstrecke sollte 500 Meter nicht übersteigen. Mit der Vorinstanz ist auf diese Beurteilung abzustellen, die auf eingehenden ambulanten und stationären Untersuchungen beruht und spezifisch auf die Abklärung der bestehenden Beeinträchtigungen sowie der verbleibenden Leistungsfähigkeit gerichtet ist. Sie erfüllt in jeder Hinsicht die für den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten geltenden Voraussetzungen (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c) und steht sowohl bezüglich des medizinischen Sachverhalts als auch der bestehenden Beeinträchtigungen im Einklang mit den übrigen Arztberichten. So hatte der behandelnde Arzt Dr. med. K.________ bereits am 16. August 1999 von einem befriedigenden Heilungsverlauf und einer praktischen Beschwerdefreiheit berichtet. Im Bericht vom 9. September 1999 bezeichneten die Ärzte des Spitals Y.________ für die Zeit nach der Schraubenentfernung eine leichte Arbeit als möglich und stellten am 20. Dezember 1999 fest, dem Versicherten sei eine angepasste leichte, vorwiegend sitzend zu verrichtende Tätigkeit mindestens zu 50 % zumutbar. Des weitern wurde darauf hingewiesen, dass die Frakturen verheilt seien, der Versicherte eine Stockhilfe objektiv nicht mehr benötige und eine Vollbelastung anzustreben sei. Der in der Folge durchgeführte zweite Rehabilitationsaufenthalt brachte zwar keine Schmerzfreiheit, jedoch eine deutliche Verbesserung der Gehfähigkeit. Der behandelnde Arzt stellte am 27. Oktober 2000 fest, der Versicherte leide an wetterabhängigen Beinschmerzen und einer mässigen bis starken Einschränkung der Beweglichkeit im OSG rechts. Auf der Strasse gehe er mit einem Stock, zu Hause bewege er sich sicher und ohne Stock. Er könne 300 bis 500 Meter gehen, dann müsse er absitzen. Sitzen könne er drei bis fünf Stunden, oft müsse er zwischenhinein liegen. Soweit damit von einer gegenüber den Feststellungen der Klinik Z.________ schwerwiegenderen Beeinträchtigung ausgegangen wird, ist festzustellen, dass Dr. med. K.________ im Wesentlichen nur die Angaben des Versicherten wiedergibt und sich einer eigenständigen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit enthält. Zudem hat sich der Beschwerdeführer mit der kreisärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung vom 4. Mai 2000 ausdrücklich einverstanden erklärt. Dass nachträglich eine erhebliche Verschlechterung des Zustandes eingetreten wäre, lässt sich den medizinischen Akten nicht entnehmen und wird auch nicht geltend gemacht. Zu keiner andern Beurteilung führt der vom Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren eingereichte Bericht des Neurologen Dr. med. A.________ vom 11. September 2001. Er beruht auf einer einmaligen Untersuchung des Beschwerdeführers und ist in der Schlussfolgerung, wonach der Versicherte zufolge seiner neuropathischen Schmerzen vermutlich auch bei leichteren Tätigkeiten massiv beeinträchtigt wäre und für solche Tätigkeiten höchstens ein Einsatz von 30 % bis 50 % möglich sein dürfte, zu unbestimmt, als dass darauf abgestellt werden könnte. Es besteht auch kein Anlass zur Vornahme ergänzender Abklärungen, woran die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebrachten Argumente nichts zu ändern vermögen. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Instabilität im linken Knie bzw. Unterschenkel konnte nicht objektiviert werden, und es ist aufgrund der Berichte des Inselspitals und der Klinik Z.________ (welche in diesem Zusammenhang auf eine Neigung des Versicherten zu demonstrativem Verhalten hinweist) davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zumindest auf ebenem Gelände für kürzere Strecken stockfrei gehen kann. Was die geltend gemachten Schwindelanfälle betrifft, ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer zwar anlässlich des ersten Rehabilitationsaufenthaltes in Z.________ Ende 1998 über Schwindel geklagt hatte. In den späteren Arztberichten finden sich jedoch keine Hinweise auf derartige Beschwerden mehr. Im Bericht vom 11. September 2001 bestätigt Dr. med. A.________, dass auch ihm gegenüber keine Schwindelbeschwerden erwähnt worden seien. Soweit Schwindel aufgetreten sind, kann ihnen daher keine wesentliche Bedeutung beigemessen werden. Es muss demzufolge bei der Feststellung von SUVA und Vorinstanz bleiben, wonach dem Beschwerdeführer die Ausübung einer wechselbelastenden, vorwiegend sitzend zu verrichtenden Tätigkeit unter Berücksichtigung der invaliditätsbedingten Einschränkungen (keine Zwangshaltungen, ohne repetitives Heben und Tragen von Gewichten über 10 Kilogramm, repetitives Treppensteigen oder Besteigen von Leitern und Gehen auf unebenem Gelände) praktisch voll zumutbar ist, wobei die Arbeitszeit nachmittags auf drei Stunden zu beschränken ist. 2.2 SUVA und Vorinstanz ist auch darin beizupflichten, dass dem Beschwerdeführer die Ausnützung der verbleibenden Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt möglich und zumutbar wäre. In Betracht fallen etwa Hilfsarbeiten bei der Herstellung oder der Montage von Industrieprodukten, die Bedienung von einfachen Maschinen sowie Kontroll- oder Verpackungsarbeiten. Dass solche Arbeitsmöglichkeiten existieren, belegen die von der SUVA für die Invaliditätsbemessung herangezogenen Beispiele aus der internen Dokumentation der Arbeitsplätze (DAP), welche im Lichte der ärztlichen Angaben zumindest zum Teil als zumutbar zu betrachten sind. Zwar handelt es sich dabei durchwegs um Arbeitsplätze, welche sich in erheblicher Entfernung vom Wohnsitz des Beschwerdeführers befinden. Auch am Wohnort des Beschwerdeführers in der Stadt Bern und der näheren Umgebung finden sich jedoch geeignete Arbeitsplätze in Industrie- und Dienstleistungsbetrieben, die er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahn, Tram, Bus) erreichen kann. Zwar hat Dr. med. A.________ im Bericht vom 11. September 2001 die Auffassung geäussert, er könne sich nicht vorstellen, dass der Versicherte noch Tram oder Bus benützen könne. Die Gehfähigkeit bildete jedoch Gegenstand eingehender Untersuchungen und Behandlungen in der Klinik Z.________ mit dem Ergebnis, dass dem Beschwerdeführer das Zurücklegen kürzerer Gehstrecken selbst ohne Stock und auch das Treppensteigen ohne Handlauf über zwei Stockwerke möglich ist. Daraus ist zu schliessen, dass ihm jedenfalls mit Stockhilfe auch die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel möglich und zumutbar ist, wovon der Beschwerdeführer beim Austritt aus der Klinik Z.________ selber ausgegangen ist. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich hieran in der Folge etwas geändert hätte.