Citation: I 51/05 14.09.2005 E. 5

5.1 Nach den medizinischen Akten leidet der Beschwerdeführer an einer psychischen Erkrankung mit den Diagnosen rezidivierende ausgeprägte Anpassungsstörung mit Angst, inneren Spannungszuständen und depressiver Reaktion gemischt gemäss ICD-10 F43.22 in psychosozialer Belastungssituation und Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 45.4) sowie paranoide Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen Zügen (ICD-10 F60.0). Der Tod des Bruders im Jahre 1994 hat beim Versicherten gemäss eigenen Angaben einen Schock ausgelöst, den er kaum hat überwinden können. Ebenso einschneidend erlebte er im Mai 1998 die Vertreibung aus dem Kosovo, wobei sich der Verlust seiner sozialen Rollen offenbar besonders schmerzhaft ausgewirkt hat. Zu einer psychischen Manifestation kam es sodann im September 1998 im Durchgangszentrum in Winterthur, welche sich in einem ausgeprägten depressiven Zustandsbild mit Panikattacken, heftigen inneren Spannungszuständen und einer somatoformen Schmerzstörung ausdrückte. Mittels gesprächstherapeutischer Unterstützung und Hilfe von Antidepressiva konnte jedoch eine allmähliche Stabilisierung erreicht werden. Es gelang dem Beschwerdeführer in der Folge auch recht gut, sich in der Schweiz zu integrieren (Bericht des Dr. med. L.________ vom 8. August 2003). Gemäss den in der Stellungnahme desselben Arztes vom 17. August 2004 wiedergegebenen Auszügen aus der Krankengeschichte suchte der Versicherte im November 1998 mit Hilfe eines Sozialarbeiters eine Arbeitsstelle, am liebsten mit einem Pensum von 50 %. Die Stimmungslage habe sich jeweils gebessert, sobald ein Tages- oder Wochenprogramm aufgestellt werden konnte. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bei einem Gärtner scheiterte offenbar wegen der fehlenden Arbeitsbewilligung. Im November 1999 hatte der Beschwerdeführer immer noch keine feste Stelle gefunden, berichtete indessen von verschiedenen Tätigkeiten wie Reinigungsdienst und Malerarbeiten, die er habe ausführen können. Wichtig sei, dass er etwas tun könne. Eine weitere Beruhigung trat gemäss Dr. med. L.________ im Herbst 2001 mit der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ein. 5.2 Zur Arbeitsfähigkeit in der Zeit vor Aufnahme der Erwerbstätigkeit im Sommer 2001 gibt Dr. med. L.________ in der Stellungnahme vom 17. August 2004 an, der Versicherte sei erst seit Februar 2001 bei ihm in Behandlung, weshalb die vorangehende Arbeitsfähigkeit anhand der seit September 1998 in der Integrierten Psychiatrie des Zentrums U.________ geführten Krankengeschichte beurteilt werden müsse. Darin finde sich keine explizite Erwähnung einer Arbeitsunfähigkeit, auch wenn aufgrund der Symptomatik zu vermuten sei, dass zumindest vorübergehend teilweise eine Arbeitsunfähigkeit bestanden haben könnte. Es ergebe sich das Bild eines durch Krisen und Erholungsphasen geprägten Krankheitsverlaufes mit unterschiedlichen Arbeitsfähigkeiten. Während einzelner Krisen sei wohl vorübergehend keine Arbeitstätigkeit mehr möglich gewesen, wobei es offensichtlich auch Phasen gegeben habe, in denen der Versicherte sich relativ wohl gefühlt und Arbeit gesucht habe und andere, in denen er sich zumindest teilweise leistungsfähig gefühlt habe. Die einzelnen Krisen sind laut Dr. med. L.________ von äusseren Belastungszuständen abhängig und variieren entsprechend. Mit Blick auf die Tätigkeit in der Asylkoordination geht der Psychiater davon aus, es habe sich um Hilfsarbeiten ohne Leistungsdruck gehandelt, weshalb sich die Behinderung nicht massgebend auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe. Für die Zeit von Mai 1998 bis August 2001 nimmt er eine durchschnittliche Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % an. 5.3 Der Beschwerdeführer selber teilte der IV-Stelle, welche ihn nach den beruflichen Tätigkeiten und dem Gesundheitszustand in den Jahren 1994 bis 1998 gefragt hatte, mit Schreiben vom 18. August 2003 mit, er sei seit 1994 psychisch krank und bis im Jahr 2001 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Ausgelöst habe die Krankheit ein tödlicher Unfall seines Bruders und ein schwerer Autounfall seiner Schwester, welche deswegen immer noch schwer behindert sei. Nach der Einreise in die Schweiz habe er psychiatrisch behandelt werden müssen. Erst 2001 sei die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit möglich geworden. Der Einwand in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, diesem Schreiben komme keine Beweiskraft zu, weil der Versicherte dieses nicht selber aufgesetzt und dessen Inhalt nicht verstanden habe, ist nur schwer nachvollziehbar. Immerhin erwähnte er auch gegenüber den ihn behandelnden Fachpersonen dieses subjektiv als psychisch sehr belastend empfundene Ereignis. 5.4 Gemäss den Eintragungen im individuellen Konto erzielte der Beschwerdeführer lediglich ab August 2001 ein beitragspflichtiges Erwerbseinkommen. Dabei war er zunächst vom 1. August 2001 bis 15. März 2002 in der Firma G.________ tätig. Im Fragebogen für den Arbeitgeber vermerkte dieser, von einem Gesundheitsschaden nichts gewusst zu haben. Im Schreiben vom 16. März 2002 hielt er fest, zur fristlosen Auslösung des Arbeitsverhältnisses sei es gekommen, nachdem der Beschwerdeführer die Arbeitsstelle am 15. März 2002 auf eigenen Wunsch verlassen habe. Zudem sei dieser nicht gewillt gewesen, das Natel während der Arbeitszeit abzuschalten. Er habe auch erklärt, nicht mehr für den vereinbarten Lohn arbeiten zu wollen. Im Mai 2002 meldete sich der Beschwerdeführer wegen einer schweren depressiven Krise in der Integrierten Psychiatrie des Zentrums U.________, wo eine psychotherapeutische Intervention und antidepressive Behandlung erfolgte. Dr. med. L.________, welcher die Betreuung ab dem 8. Mai 2002 durchführte, attestierte vom 3. bis 13. Juni 2002 eine volle Arbeitsunfähigkeit. Vom 17. Juni bis 31. Oktober 2002 war der Beschwerdeführer alsdann in der Firma W._________ tätig. Für die Zeit vom 17. Juni bis 8. Juli betrug der Beschäftigungsgrad 60 %, anschliessend 100 %, wobei Dr. med. L.________ vom 14. bis 30. Juni 2002 eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % attestierte. Seit November 2002 geht der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit mehr nach. Dr. med. L.________ hält zu den Arbeitseinsätzen fest, nachdem der Arbeitgeber seine Anforderungen gesteigert habe, sei der Versicherte in eine Überforderungssituation geraten, worauf es zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit der Firma G.________ gekommen sei. Nach erneuter psychotherapeutischer Intervention und antidepressiver Behandlung habe sich der Versicherte wieder stabilisieren können, und im Sommer 2002 sei es ihm gelungen, eine Tätigkeit als Magaziner im Umfang von 50 % aufzunehmen. Da der Arbeitgeber während der allgemeinen Ferienzeit die Leistung von Überstunden verlangt habe, sei erneut eine Überforderungssituation mit Müdigkeit, Unkonzentriertheit und Fehlerhäufigkeit eingetreten und es sei zur Kündigung gekommen. Weiter hält der Psychiater fest, dem Versicherten sei es jeweils deutlich besser gegangen, sobald er Arbeit gefunden habe. Dieser habe dann seine ganze Energie und seinen Ehrgeiz investiert, um die ihm anvertraute Arbeit gut zu erledigen und seinem Ziel, in der Schweiz Fuss zu fassen, näher zu kommen, was sein Selbstwertgefühl deutlich gestärkt habe. Nach anfänglicher Idealisierung des Arbeitgebers hätten sich jeweils Anzeichen von Erschöpfung und Überforderung gehäuft und die Beschäftigung sei nach einer persönlichen Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber abrupt beendet worden. Nach Auffassung von Dr. med. L.________ dauern die Schwierigkeiten in der Persönlichkeit und die somatoformen und psychischen Beschwerden bereits seit Jahren an, so dass die Hoffnung auf eine vollständige Behebung eher klein sei. Trotz der Einschränkungen sei eine Erwerbstätigkeit jedoch immer wieder möglich gewesen (Bericht vom 8. August 2003). In der Zeit ab Oktober 2002 hat Dr. med. L.________ erst wieder vom 14. bis 22. April 2003 eine volle und vom 23. April bis 21. Juli 2003 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. In der Stellungnahme vom 17. August 2004 hält er fest, er habe eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, als der Versicherte durch die regionale Arbeitsvermittlung zu einem Arbeitseinsatz bei einem Bauern aufgefordert worden sei, der auf die eingeschränkte Leistungsfähigkeit keine Rücksicht genommen habe. Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit habe er auf dringenden Wunsch des Beschwerdeführers schrittweise verlängert mit dem Ziel, eine möglichst baldige Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess zu erreichen. Seit Juli 2003 wird die Behandlung nicht mehr von Dr. med. L.________ durchgeführt, sondern von Frau Dr. med. P.________. In ihrem Arztbericht vom 28. August 2003 konnte diese daher keine zuverlässigen Angaben über die Arbeitsfähigkeit in der vorangehenden Zeit machen.