Citation: I 806/02 11.08.2003 E. 4

Der Beschwerdeführer arbeitete während der ersten, mit der Lehrabschlussprüfung als Maurer beendeten Umschulungsphase vom 1. September 1999 bis 30. Juni 2001 als Praktikant bei der Bauunternehmung X.________. Die in dieser Zeit bezogenen Taggelder wurden entsprechend dem erzielten Monatslohn von Fr. 800.- (aufs Jahr [x 13] Fr. 10'400.-) gekürzt, was unangefochten geblieben ist. In den beiden folgenden Monaten Juli und August 2001 bezog der Versicherte offenbar nach wie vor den gleichen Lohn wie im Praktikum. Ab 1. September 2001 verdiente er als Maurer/Hilfspolier bei der selben Arbeitgeberin Fr. 1700.- im Monat (aufs Jahr [x 13] Fr. 22'100.-). Verwaltung und Vorinstanz vertreten die Auffassung, die Kürzung des Taggeldes in der hier interessierenden Periode (1. Juli 2001 bis 30. April 2002) habe nicht auf der Grundlage des tatsächlichen Einkommens zu erfolgen. Der Beschwerdeführer sei aus ärztlicher Sicht als Maurer spätestens seit Frühjahr 2000 zu 50 % arbeitsfähig. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht sei er gehalten, diese Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich voll auszuschöpfen, was ihm im Jahr 2001 die Erzielung eines Einkommen von Fr. 32'500.-, entsprechend (: 13) Fr. 2500.- im Monat, ermöglicht hätte. Nach Massgabe dieses hypothetischen Einkommens sei das Taggeld zu kürzen. 4.1 Dr. med. L.________, Physikalische Medizin und Rehabilitation speziell Rheumaerkrankungen FMH, beantwortete in dem am 31. Mai 2000 der IV-Stelle erstatteten Gutachten nach eingehender Diagnosestellung die Frage nach der Arbeitsfähigkeit des Versicherten im Beruf des Baupoliers dahingehend, dass diese bei ausschliesslich planerischen, organisatorischen und Kontrollaufgaben nicht eingeschränkt sei. Gelegentliche leichte Rückenarbeit sei dabei zumutbar, schwere Rückenarbeit hingegen ausgeschlossen. In einer anderen behinderungsgerechten Beschäftigung betrage die Arbeitsfähigkeit ebenfalls 100 %, wobei alle nicht schwer rückenbelastenden Tätigkeiten, Kontrollaufgaben, Schalterdienst, Arbeit im Magazin (ohne schweres Heben) sowie entsprechende Betätigungen in Landwirtschaft, Gastronomie und Industrie zumutbar seien. 4.2 In Anbetracht dieser gutachterlichen Einschätzung erscheint die Feststellung im angefochtenen Entscheid, wonach der Beschwerdeführer aus ärztlicher Sicht im Beruf des Maurers zu 50 % arbeitsfähig sein soll, kaum nachvollziehbar. Es ist nicht ersichtlich, wie der Versicherte in dieser körperlich anspruchsvollen, für gewöhnlich auch mit Verrichtungen in gebückter Stellung und Heben nicht nur leichter Gewichte verbundenen Tätigkeit eine hälftige Leistung erbringen kann, wenn ihm nach der von Verwaltung und Vorinstanz nicht beanstandeten Einschätzung des Experten leidensbedingt leichte Rückenarbeit nur gelegentlich und schwere Rückenarbeit überhaupt nicht zuzumuten ist. Dieser Beurteilung widerspricht auf den ersten Blick, dass der Beschwerdeführer seit 1. September 2001 ganztags als Maurer/Hilfspolier arbeitet. Indessen meidet er bei dieser Tätigkeit konsequent rückenbelastende Arbeiten, wie das Heben von mittelschweren und schweren Lasten und das Arbeiten in gebückter, vornübergebeugter Haltung. Nur auf diese behinderungsgerechte Betätigung bezieht sich denn auch Dr. med. H.________, Allgemeine Medizin FMH, wenn er im Bericht vom 18. Dezember 2001 eine Restarbeitsfähigkeit von 50 % bescheinigt. Es wird sodann von keiner Seite geltend gemacht, der Beschwerdeführer könnte als Maurer bei der Bauunternehmung X.________ zumutbarerweise ein höheres Einkommen als Fr. 1700.- im Monat (Fr. 22'100.- im Jahr) erzielen. Vielmehr bietet nach Auffassung von Verwaltung und Vorinstanz der ausgeglichene Arbeitsmarkt genügend freie Maurerstellen an, welche dem Versicherten unter Berücksichtigung der gesundheitsbedingten Beeinträchtigung die Realisierung eines höheren Verdienstes gestatteten. Vom Beschwerdeführer wird also erwartet, dass er im Rahmen der Schadenminderungspflicht das seit 1. September 2001 bestehende Arbeitsverhältnis aufgibt und eine neue, besser entlöhnte Maurerstelle antritt. 4.3 Den Maurerberuf kann der Beschwerdeführer nach dem Gesagten leidensbedingt nur ausüben, wenn er rückenbelastende Verrichtungen weitgehend meidet. Wenn ihm die Bauunternehmung X.________ als Arbeitgeberin dies in idealer Weise gewährleistet, mag dies auch daran liegen, dass der Versicherte bereits früher für sie tätig war und sie ihn als Polier weiter beschäftigen will, sobald er die entsprechende Ausbildung beendet hat. Ihr Interesse daran hat sie mit Schreiben vom 28. August und 7. September 2001 geäussert. Hingegen erscheint die Annahme, dass auch andere Bauunternehmungen eine derart konsequent der Behinderung angepasste und mit einem höheren als dem jetzigen Verdienst verbundene Maurerstelle anbieten, nicht realistisch. IV-Stelle und kantonales Gericht haben somit zu Unrecht für die Bemessung der Taggeldkürzung ein hypothetisches höheres Einkommen als Maurer herangezogen. 4.4 Zu prüfen bleibt, ob vom Beschwerdeführer für die Dauer des Taggeldbezugs der Wechsel in einen anderen, rückenschonenden Betätigungsbereich erwartet werden darf, für den er gemäss Gutachten des Dr. med. L.________ vom 31. Mai 2000 in seiner funktionellen Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt ist. Dies trifft ebenfalls nicht zu. Der Versicherte war über Jahre hinweg als angelernter Maurer und Akkordmaurer tätig. Zwischenzeitlich hat er mit der erfolgreich absolvierten Maurerabschlussprüfung die erste Phase der beruflichen Eingliederungsmassnahme beendet. Ziel der zweiten Ausbildungsphase ist die Weiterbildung zum Maurer-Baupolier ("Capo Muratore"). Sie erfolgt berufsbegleitend vom 7. Januar 2002 bis ca. 10. Januar 2004 (vgl. Antrag des Berufs- und Laufbahnberaters vom 29. Januar 2002), wobei die IV-Stelle bislang eine Kostenübernahme bis 31. Dezember 2002 gesprochen hat (Verfügung vom 7. Februar 2002). Zweifellos bietet eine neben der Umschulung ausgeübte Erwerbstätigkeit im Bausektor die besseren Rahmenbedingungen für die Erreichung des angestrebten Ausbildungsziels als die Betätigung in einem anderen Arbeitsbereich. Hinzu kommt, dass ein solcher Berufswechsel nur vorübergehender Natur wäre, besteht doch der Sinn und Zweck der von der Invalidenversicherung übernommenen Aus- und Weiterbildung in der daran anschliessenden erwerblichen Eingliederung des Beschwerdeführers als Maurer-Baupolier. 4.5 Zusammenfassend rechtfertigt sich nicht, die Kürzung des (Wartezeit-)Taggeldanspruches anhand eines hypothetischen Einkommens vorzunehmen. Es ist dafür vielmehr auf den tatsächlich erzielten Lohn abzustellen.