Citation: K 108/01 15.07.2003 E. 10

Hinsichtlich der Berücksichtigung von Praxisbesonderheiten rügt der Arzt auf der einen Seite, das Schiedsgericht habe diese entweder nicht berücksichtigt oder aber dazu rechtswidrige oder willkürliche Schlussfolgerungen gezogen, während sich die Krankenversicherer auf der anderen Seite daran stossen, dass die Vorinstanz dem Arzt in beiden Kostenbereichen überhaupt eine Praxisbesonderheit (Betreuung überdurchschnittlich vieler Patienten mit einer psychiatrischen Diagnose) zugestanden hat, was sie als klar willkürlich bezeichnen. 10.1 Der Arzt macht vorab geltend, er habe 1993 drei Psychotherapeut/innen beschäftigt, die sich in eineinhalb Stellen teilten. Bei den Kosten der ärztlichen Leistungen von Fr. 364'000.- entfiel 1993 auf die delegierte Psychotherapie ein Anteil von Fr. 49'256.-. Wie die Krankenversicherer zu Recht darauf hinweisen, hat das Schiedsgericht ausdrücklich anerkannt, dass der Arzt im betreffenden Jahr als Praxisbesonderheit überdurchschnittlich viele Patienten mit einer psychiatrischen Diagnose zu betreuen hatte. Es gewichtete diese Besonderheit zusammen mit den anderen bejahten Praxisbesonderheiten (Betreuung vieler Suchtkranker, HIV-positiver, an AIDS Erkrankter, Durchführung von Methadonprogrammen) so, dass es dem Arzt in beiden Kostenbereichen je einen Zuschlag von 40 Punkten zum statistischen Mittelwert zuerkannte. Auch bei Annahme eines Toleranzbereichs von 120 Indexpunkten beträgt der Zuschlag für Praxisbesonderheiten immer noch je 20 Punkte. Die mit einem Anteil von etwas mehr als 10 % bei den ärztlichen Leistungen zu Buche schlagenden Kosten für delegierte Psychotherapie sprengen damit den vom Schiedsgericht nach richterlichem Ermessen abgesteckten Rahmen nicht. 10.2 Zu der in diesem Zusammenhang vom Arzt erhobenen Rüge, die Vorinstanz habe bestimmte von ihm vorgelegte Zahlen nicht hinterfragt oder in Zweifel gezogen, ist vorab festzuhalten, dass eine gewisse Zurückhaltung bei der Zuerkennung von Kostenauswirkungen behaupteter Praxisbesonderheiten durchaus angebracht ist, wenn die Einzelfallprüfung aus Gründen scheitert, die zu einem nicht unerheblichen Teil vom Arzt mit zu vertreten sind. Im Übrigen sind aber mit dem bei den Arzneimittelkosten festgelegten Kürzungsindex die im kantonalen Verfahren vom Arzt nachgewiesenen Kosten für Methadonprogramme, AIDS-Medikamente und Psychopharmaka (Fr. 75'569.-) bei der zugestandenen Differenz von 40 Punkten über dem statistischen Mittelwert ebenfalls abgedeckt. Deshalb ist hier nur im Grundsatz daran zu erinnern, dass die Rechtsprechung bei Vorliegen spezifischer Praxisbesonderheiten zwei verschiedene rechnerische Methoden als zulässig erachtet hat. Die eine Methode besteht darin, wie vorliegend bei Anerkennung spezifischer Praxisbesonderheiten einen Zuschlag zum zunächst festgelegten Toleranzwert zu veranschlagen (SVR 2001 KV Nr. 19 S. 52 Erw. 4b, 1995 KV Nr. 40 S. 125 Erw. 4). Es ist aber auch zulässig, die spezifischen Praxisbesonderheiten anhand konkreter Erhebungen zu quantifizieren und den entsprechenden Faktura-Betrag von den gesamten in der KSK-Statistik ausgewiesenen Kosten in Abzug zu bringen (SVR 1995 KV Nr. 40 S. 125 Erw. 4b; nicht veröffentlichte Urteile W. vom 14. Dezember 1995, K 45/95, und S. vom 29. Oktober 1993, K 101/92). Werden in einem solchen Falle jene Kosten von den gesamten in der KSK-Statistik ausgewiesenen Kosten ausgeschieden, welche dem für die betreffende Arztgruppe atypischen Patientengut oder atypischen Mehrleistungen zugeschrieben werden, ist die Wirtschaftlichkeitsfrage für den bei dieser Berechnung ausgeklammerten Teil gesondert zu beantworten (vgl. Urteil A. vom 30. Juli 2001, K 50/00, Erw. 4 und 6). In dem eben genannten Verfahren, an dem ein Allgemeinpraktiker mit einem ähnlichen Patientengut wie der vorliegend Beschwerde führende Arzt beteiligt war, hatte das Schiedsgericht die zweite der eben genannten Berechnungsmethoden angewandt. Vorliegend war es aber aus den bereits genannten Gründen (vgl. Erw. 9) zumindest für 1993 nicht möglich, die spezifischen Praxisbesonderheiten anhand konkreter Erhebungen zu quantifizieren und den entsprechenden Faktura-Betrag festzustellen. 10.3 Der im selben Zusammenhang von den Krankenversicherern erhobene Vorwurf, es sei klar willkürlich, dass die Vorinstanz in beiden Kostenbereichen überhaupt eine Praxisbesonderheit zugestanden habe, ist nicht nachvollziehbar. Er überzeugt schon deshalb nicht, weil er im klaren Widerspruch zu früheren Aussagen und Einlassungen von Seiten der Krankenversicherer im Schiedsgerichtsverfahren steht.