Citation: 7B_956/2023 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz erwägt, die bisher gemachten Aussagen des Beschwerdeführers und von B.________ schienen grundsätzlich übereinstimmend. So habe letzterer in der ersten Einvernahme angegeben, dass er im Grunde von nichts wisse, und habe hinsichtlich jeglicher Geschäftstätigkeit in Bezug auf die genannten Firmen wie Zahlungen, Geschäftsführung, Buchhaltungen oder Kreditanträge auf den Vater verwiesen. Das Verhältnis zum Vater - so die Vorinstanz - scheine (mittlerweile) allerdings getrübt zu sein. So habe B.________ angegeben, dass seine Frau den Vater als Halunken bezeichne oder (sein Schwager) F.________ ein "armer Siech" sei, weil er auf den Vater reingefallen sei und er wohl als Sündenbock benutzt werde. Der Beschwerdeführer habe ausgesagt, dass B.________ blosser Verwaltungsrat und er selbst für die Geschäftsführung zuständig gewesen sei. Entscheidungen, die gefällt worden seien, seien - auch wenn gemeinsam besprochen - durch ihn initiiert worden. Sollte sich abzeichnen, dass ein strafrechtlich relevantes, schuldhaftes Handeln vorliege, treffe seinen Sohn seines Erachtens keine Schuld, da er zu jenem Zeitpunkt weder ausbildungsmässig noch tatsächlich oder emotional in der Lage gewesen sei, die Tragweite dieser Handlungen abzuschätzen. Aus den Akten ergebe sich - so die Vorinstanz -, dass die Kantonale Staatsanwaltschaft bereits früher ein Strafverfahren gegen B.________ geführt habe und dieser mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 8. April 2022 (SST.2021.198) der Misswirtschaft und Unterlassung der Buchführung schuldig gesprochen worden sei. Damals sei B.________ durch den aktuellen Verteidiger des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Semela, verteidigt worden, wobei im damaligen Verfahren B.________' Tätigkeit als formeller Verwaltungsrat der G.________ AG (mittlerweile aufgelöst und aus dem Handelsregister gelöscht) im Vordergrund gestanden habe. Das Obergericht habe es jedoch als erstellt angesehen, dass der Beschwerdeführer insofern involviert gewesen sei, als dass die G.________ AG die Buchführung nicht selbst ausgeführt, sondern an externe Firmen, an welchen der Beschwerdeführer beteiligt gewesen sei, übergeben habe. Wenn auch zwischen den Verfahren kein direkter Sachzusammenhang bestehe, könne eine Verbindung zwischen dem früheren und dem aktuellen Verfahren nicht verneint werden: Es scheine offensichtlich, dass beim Vorgehen von Vater und Sohn hinsichtlich ihrer "Firmenführung" ein gewisser modus operandi vorliege. Es sei durch den Beschwerdeführer mehrfach ausgeführt worden, dass der Sohn blosser Strohmann des Vaters sei und selbst keine eigenverantwortlichen Entscheidungen treffen könne. Es scheine daher wahrscheinlich, dass der Vater in den Sohn betreffenden, ähnlich gelagerten Verfahren im Hintergrund als lenkende Hand involviert gewesen sein dürfte. Rechtsanwalt Semela habe B.________ (und den Beschwerdeführer) zudem in einem Verfahren im Kanton Bern als Straf- und Zivilkläger vertreten, wie er B.________ aktuell im Zivilverfahren VZ.2020.5 vor dem Bezirksgericht Muri gegen die D.________ AG in Liq. vertrete (und er insofern auch mit ihm in Kontakt stehen dürfte). Thema des letzteren Prozesses seien allfällige unrechtmässige Bezüge von B.________ zu Lasten der D.________ AG in Liq., welche offenbar auch Gegenstand des Strafverfahrens seien. Auch hinsichtlich des Verfahrens VZ.2020.5 sei somit ein Zusammenhang mit dem vorliegenden Strafverfahren zu bejahen. Zudem gebe der Beschwerdeführer mit Stellungnahme vom 8. September 2023 an, dass auch er sich (zumindest im Hintergrund) am Verfahren VZ.2020.5 beteilige und den Sohn instruiert habe. Es möge zutreffend sein, dass sich die Kantonale Staatsanwaltschaft widersprüchlich verhalten habe, wenn sie die Einsetzung von Rechtsanwalt Semela als amtlichen Verteidiger beantragt habe, obwohl sie von seiner Verteidigung oder Vertretung von B.________ in anderen Verfahren gewusst beziehungsweise ihn trotz den Hinweisen auf einen allfälligen Interessenkonflikt über längere Zeit in diesem Amt belassen habe. Entgegen dem Beschwerdeführer sei den Akten jedoch nicht zu entnehmen, dass die damalige Verfahrensleiterin eine Interessenkollision explizit verneint habe. Vielmehr sei relevant, dass ein konkreter Interessenkonflikt vorliege: Zwar deckten sich die Aussagen des Beschwerdeführers und dessen Sohnes in dem Sinne, dass B.________ aussage, er habe im Grunde genommen von nichts gewusst und sein Vater habe alles ausgeführt beziehungsweise sei verantwortlich gewesen, und der Beschwerdeführer jegliche Schuld auf sich nehme, obgleich er noch ausgeführt habe, dass Entscheide jeweils gemeinsam besprochen worden seien. Insgesamt könne jedoch ein späterer Strategiewechsel im Verfahren inklusive von sich gegenseitig belastenden Aussagen nicht ausgeschlossen werden. "Derartiges sollte sich insbesondere durch die Beschuldigten auch offengehalten werden". Zudem habe der Beschwerdeführer sogar ausgesagt, dass er nicht über den Kopf des Sohnes hinweg entschieden, sondern ihn in seine Entscheidungen auch einbezogen habe, womit er diesen nicht vollständig entlaste; seitens des Sohnes seien hinsichtlich des Vaters nur belastende Aussagen erfolgt. Während den Mandatsverhältnissen zu B.________ wie auch zum Beschwerdeführer dürften diese Rechtsanwalt Semela zweifelsohne sensible Informationen anvertraut haben. Es scheine in einer derartigen Situation nicht ausgeschlossen, dass Rechtsanwalt Semela zuungunsten eines der beiden Beschuldigten auf den anderen Rücksicht nehme, so dass er beispielsweise gewisse Ratschläge erteile oder gewisse Verteidigungs- und Angriffsmittel nicht benutze. Als Verteidiger des Beschwerdeführers sei er "zu seiner Interessenwahrung aber gerade hierzu verpflichtet", was sich wiederum nicht mit der Treuepflicht aufgrund des laufenden wie des ehemaligen Mandatsverhältnisses zu B.________ vereinbaren lasse.