Citation: 1C_261/2022 E. 6.5.3

6.5.3. Laut Bericht der Psychiatrischen Poliklinik der Stadt Zürich vom 18. Juni 2018, welcher vom Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich nicht in Frage gestellt wird, beeinträchtigte die Kraftlosigkeit in den depressiven Episoden nicht nur die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin deutlich, sondern es waren sämtliche Bereiche ihres Lebens (privat und beruflich) betroffen. Die depressiven Episoden der Beschwerdeführerin hatten somit in der fraglichen Zeitperiode von Dezember 2012 bis Dezember 2018 nachweislich Auswirkungen auf elementare Aspekte ihrer Lebensführung, wozu auch die Erfüllung von privaten Verpflichtungen, wie insbesondere von Zahlungsverpflichtungen, gezählt werden können. Die Beschwerdeführerin litt über Jahre hinweg an teils schweren depressiven Episoden und hat vor ihrer Sozialhilfeabhängigkeit überdies ohne Berufsausbildung in einer Niedriglohn-Branche - im Gastgewerbe - gearbeitet. Auch bei einer Arbeitsunfähigkeit von weniger als 70 % war sie damit gesundheitlich und finanziell offensichtlich nicht in der Lage, neben den Kosten für den Lebensunterhalt noch Schulden aus der Vergangenheit zurückzuzahlen und damit eine erneute Betreibung des Verlustscheins zu verhindern. Vor diesem Hintergrund ist bereits positiv zu bewerten, dass die Beschwerdeführerin trotz ihrer schwierigen Situation keine neuen Schulden angehäuft hat. Dass sich die Beschwerdeführerin erst während des laufenden Verfahrens um eine ratenweise Rückzahlung bemüht hat, gereicht ihr vor diesem Hintergrund nicht zum Nachteil. Im Übrigen ist anzumerken, dass die Vorinstanz ohnehin verpflichtet gewesen wäre, die von der Beschwerdeführerin behaupteten Anstrengungen zur Schuldentilgung bis zum Entscheidzeitpunkt zu berücksichtigen (vgl. BGE 135 II 369 E. 3.3; Urteil 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.4). Ist die Beschwerdeführerin somit ihrer Verpflichtung zur Schuldentilgung unverschuldet nicht nachgekommen, kann ihr kein ungenügender finanzieller Leumund vorgeworfen werden.