Citation: 8C_377/2023 E. 7.3

7.3. Das kantonale Gericht scheint davon auszugehen, die Beschwerdeführerin leide an keiner schweren Gesundheitsschädigung. Dies steht indessen in klarem Widerspruch zu den gutachterlichen Feststellungen, ergab doch eine Bewertung anhand des MINI-ICF-APP insgesamt eine schwere Funktionseinschränkung (vgl. E. 7.1 hiervor). Dr. med. B.________ zeigte auf, dass die kombinierte Persönlichkeitsstörung zu verminderter Belastbarkeit und Flexibilität führe und sich in dysfunktionalen Verhaltensweisen äussere. Es komme dann zu vermehrtem Fernbleiben von der Arbeit sowie zu zwanghaften Handlungen und Zwangsgedanken. Die Beschwerdeführerin erkenne ihre eigenen Grenzen nicht und habe das Gefühl, bis zur völligen Erschöpfung arbeiten zu müssen. Die fehlende Durchhaltefähigkeit spiegle sich auch im beruflichen Lebenslauf der Beschwerdeführerin wider: Sie sei nie in der Lage gewesen, über längere Zeit an einem Arbeitsplatz zu bleiben und habe immer nur kurze Anstellungen innegehabt, wobei sie sich offensichtlich an keinem Arbeitsplatz von den an sie gestellten Anforderungen habe abgrenzen oder ihre eigenen Grenzen habe erkennen können. Sodann wies der Gerichtsgutachter darauf hin, dass inzwischen eine als erheblich zu bezeichnende Chronifizierung der Störung eingetreten sei. Dazu komme die nachteilige Komorbidität mit der affektiven Störung und das rigide, einfache Wertesystem der Beschwerdeführerin. All diese Faktoren würden sich ungünstig auf die zur Verfügung stehenden therapeutischen Optionen auswirken. Eine wesentliche Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands sei zumindest kurz- bis mittelfristig höchst unwahrscheinlich. Auch diese Ausführungen sprechen für eine erhebliche Gesundheitsschädigung. Soweit die Vorinstanz weiter davon auszugehen scheint, die Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherungen seien erfolgreich verlaufen, steht auch dies im offensichtlichen Widerspruch zu den gutachterlichen Verlautbarungen, wie die Beschwerdeführerin zu Recht einwendet. Dr. med. B.________ setzte sich eingehend mit den Ergebnissen der Eingliederungsmassnahmen auseinander (Gutachten S. 61-63 und S. 73). Aus den Eingliederungsberichten ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin Schwierigkeiten gehabt habe, sich an geregelte Arbeitszeiten zu halten. Bereits zu Beginn des Arbeitsversuchs habe sie Mühe gehabt, das Pensum von 50 % zu halten. Der Job Coach habe festgehalten, dass der dreimonatige Arbeitsversuch nicht wie geplant verlaufen sei. Sie habe mehrere Absenzen gehabt und eine eingeschränkte Fähigkeit gezeigt, sich an Rahmenbedingungen wie Arbeitszeiten zu halten. Die Stellensuche mit ihr gestalte sich enorm schwierig. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit war demnach nur vordergründig zu Beginn des Belastbarkeitstrainings möglich. Gemäss Dr. med. B.________ war rasch klar, dass die Beschwerdeführerin eigentlich von Anfang an in der Integrationsmassnahme resp. dem Belastbarkeitstraining kaum belastbar war. Entgegen der Annahme des RAD-Arztes habe die Beschwerdeführerin ein Arbeitspensum von 70 % nicht realisieren können. Von einer erfolgreichen Eingliederung kann somit nicht die Rede sein. Unbestritten ist sodann, dass die Eltern der Beschwerdeführerin eine grosse Stütze sind. Die Vorinstanz hält fest, es bestehe auch ein guter Kontakt zu verschiedenen engen Freundinnen und Freunden. Sie verweist dabei auf das Protokoll der Parteibefragung. Dort gab die Beschwerdeführerin an, sie habe "nicht gross" Kontakte, da sie "diese Panikattacken" habe. Sie sei meist alleine mit ihren Hunden, da sie Menschen meide. Sie habe zwar langjährige Freunde. Meistens würden sie aber nur telefonisch reden. Eine gute Freundin begleite sie zudem zum Einkaufen. Gegenüber dem Gutachter gab die Beschwerdeführerin ebenfalls an, sie telefoniere mit ihren Freunden, zu denen sie Vertrauen habe. Es sei für sie zudem schwierig, Liebesbeziehungen "zu erhalten". Die letzte habe ca. ein Jahr gedauert. Diese konsistenten Schilderungen lassen sich mit den vom Gutachter beschriebenen Einschränkungen durchaus vereinbaren.