Citation: 2C_245/2018 E. 4.2

4.2. Vorbehalten hat die Rechtsprechung den Fall, dass die Anwendung der Verwirkungsregel gegen Treu und Glauben verstossen würde, namentlich wenn der Staat durch sein eigenes Verhalten den Gläubiger von der rechtzeitigen Forderungsanmeldung abhält (BGE 106 Ib 231 E. 2b S. 234; 111 Ib 280 E. 3a S. 283; 113 Ib 34 E. 3 S. 38 f.; 116 Ib 386 E. 3c/bb S. 392; 126 II 145 E. 3b/aa S. 149; 128 V 236 E. 4a S. 241; 131 II 65 E. 1.3 S. 69 f.). Das Verhalten des Schuldners muss kausal dafür sein, dass der Gläubiger seinen Anspruch nicht innert Frist geltend gemacht bzw. durchgesetzt hat (BGE 126 II 145 E. 3b/aa S. 149). Im Enteignungsrecht wurde zudem anerkannt, dass der Enteigner ausdrücklich darauf verzichten kann, sich auf die Verwirkung zu berufen (BGE 116 Ib 386 E. 3c/bb S. 392 und E. 4d S. 394; 131 II 65 E. 1.3 S. 69 f.). In einem singulären Entscheid, auf den sich die Beschwerdeführerin beruft, wurde unter Hinweis auf zivilprozessuale Literatur angenommen, dass die Verwirkung nicht zu beachten ist, wenn sich der Schuldner vorbehaltlos auf die materiellen Fragen eingelassen hat (BGE 106 Ib 357 E. 3a S. 364), doch hat sich das Bundesgericht später ausdrücklich von dieser Aussage distanziert (BGE 116 Ib 386 E. 4d S. 394; vgl. auch Urteil 2P.67/1996 vom 3. Juli 1996 E. 5b, RDAT 1996 II N. 52)