Citation: 5A_707/2017 E. 4.2

4.2. Laut der Beschwerdeführerin leidet ihre Enkelin tagtäglich unter der Trennung von ihrer Grossmutter und Pflegemutter, bei welcher sie seit dem 3. Tag nach ihrer Geburt während mehr als fünf Jahren aufwuchs. Die Trennung müsse sofort aufgehoben werden, damit B.________ und sie nicht weiteren psychischen Schaden erlitten. B.________ selber wolle ebenfalls möglichst bald zu ihr zurück. Bei ihr fühle sie sich viel wohler als in der neuen Pflegefamilie, in welcher sie gegenüber der leiblichen Tochter der neuen Pflegeeltern diskriminiert werde. Sie, die Beschwerdeführerin, habe B.________ alleine betreut, weil ihre drogenabhängige Tochter damit überfordert gewesen sei und weiterhin überfordert sei. Es sei völlig unverhältnismässig, B.________ während 93,7 % der Zeit zwangsweise in der völlig fremden, nicht blutsverwandten Pflegefamilie zu platzieren. Jedes Mal, wenn B.________ bei ihr sei, lasse sie sie kaum mehr aus den Augen und laufe ihr überall nach. B.________ habe Angst, wieder von ihr getrennt zu werden. Dies zeige, dass sie nach wie vor die primäre Bindungsperson sei, zu welcher B.________ Vertrauen habe. Ferner macht die Beschwerdeführerin geltend, als Grossmutter von B.________ nicht eine gewöhnliche, von der Behörde einzig zur Betreuung eingesetzte Pflegemutter zu sein. Es sei zu berücksichtigen, dass B.________ seit den ersten Tagen bei ihr lebe und dadurch dieselbe emotionaleenge und schützenswerte Bindung wie zwischen Mutter und Kind bestehe. Im Übrigen falle selbst eine normal enge Beziehung zwischen Grosseltern und Grosskind unter den nach Art. 8 EMRK geltenden Schutz des Familienlebens. Aus Sicht von B.________ handle es sich bei ihr ohne jeden Zweifel um die primäre Bindungsperson, die aktenkundig eine von Geborgenheit und Empathie getragene sichere Bindung zu B.________ aufgebaut habe. Die massive Einschränkung des Kontakts zu ihr gefährde diese sichere Bindung erheblich und entspreche weder aus fachlicher noch aus menschlicher Sicht dem Wohl, geschweige denn dem Willen von B.________, sondern schade der Entwicklung des Kindes aufs Gröbste. Der Klärung bedürfe auch der Loyalitätskonflikt, in welchem sich B.________ befinde. Ein solcher setze das Vorhandensein kindlicher Loyalitätsgefühle voraus. Offenkundig könne ein echter Loyalitätskonflikt nur da entstehen, wo zwei oder mehrere aus Sicht des Kindes gleichwertige Beziehungen bestünden, und sich das Kind bewusst oder unbewusst genötigt sehe, zwischen diesen beiden wählen zu müssen. Es sei sehr zweifelhaft und werde bestritten, dass B.________ in nur ca. acht Monaten Platzierung bei der Pflegefamilie zu dieser eine emotional ebenso enge und wichtige Bindung aufgebaut habe wie zu ihr. Der Loyalitätskonflikt werde zu Unrecht vollumfänglich ihr angelastet. Es sei aber anzunehmen, dass sich die einseitige Sichtweise der KESB, der Beiständin und der Kindesvertreterin negativ auf den Umgang mit B.________ ausgewirkt hätten. Es verstehe sich von selbst, dass das Selbstwertgefühl von B.________ auch davon abhänge, ob ihrer geliebten Grossmutter und primären Bindungsperson eine positive Haltung entgegengebracht werde. Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, dass sie ihren Sohn G.________ seit dem in den Akten dokumentierten sexuellen Übergriff auf einen Buben grundsätzlich nicht mehr bei sich übernachten lasse. Ihr sei absolut bewusst, dass mit Blick auf die sexuellen Präferenzen von G.________ sichergestellt werden müsse, dass dieser und B.________ nie allein seien. Genau dies habe sie nach Bekanntwerden des sexuellen Übergriffs getan. Als G.________ plötzlich und unangekündigt zu Besuch gekommen sei und bei ihr habe übernachten wollen, habe sie eingewilligt. Immerhin sei sie seine Mutter und brauche ihren Sohn nicht aus dem Haus zu weisen, wenn sie dies nicht wolle. Um B.________ sicher zu schützen, habe sie sich selber mit B.________ über Nacht im Schlafzimmer eingeschlossen - eine durchaus adäquate Massnahme, um ein allfälliges nächtliches Eindringen von G.________ ins Schlafzimmer zu verhindern. Es sei daher völlig widersinnig, ihr nun genau dies zum Vorwurf zu machen und ihr deshalb die Obhut zu entziehen. Vielmehr sei ihr Verhalten ein Beleg dafür, dass sie seit der Geburt von B.________ nach bestem Wissen und Gewissen für ihre Enkelin gesorgt und nichts als deren Wohl im Auge gehabt habe. Sie handle aus Liebe, welche nicht verwandte Pflegeeltern, die ein Kind oft nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen aufnehmen würden, niemals gewährleisten könnten. Es sei auch ihrer Aufmerksamkeit zu verdanken, dass die allfällig stattgefundene Berührung an B.________s Schamlippen durch G.________ bekannt und thematisiert worden sei. Lediglich im Zusammenhang mit Umzugsarbeiten habe sie G.________ als Helfer beigezogen und am 29. August 2016 bei sich übernachten lassen. Das werde auch von B.________ so bestätigt. Anstatt darin den Ausdruck verantwortungsvollen Handelns zu sehen, werde ihr Handeln in geradezu absurder Weise dahingehend verdreht, als habe sie B.________ im Zimmer eingesperrt, und dies sogar noch regelmässig. Wie in der Verfügung vom 29. Dezember 2016 erwähnt, werde ihre Beziehung zu B.________ im kinderpsychiatrischen Gutachten als stabil, liebevoll und warmherzig beschrieben. Die mit dem Abklärungsbericht vom 6. Oktober 2016 betraute Beiständin sei mit Sicherheit nicht in demselben Masse qualifiziert gewesen wie der Gutachter, soweit es um die Beurteilung ihres Erziehungsverhaltens und ihrer Beziehung zu B.________ gehe. Auffällig sei zudem, dass die neu hinzugekommene Mandatsperson von einem rauhen Umgangston zwischen B.________ und der Beschwerdeführerin berichte. Der angeblich rauhe Umgangston werde nicht näher spezifiziert, sondern der Phantasie des Lesers überlassen. Wenn die früher langjährig involvierten Mandatsträger und sogar ein kinderpsychiatrisches Gutachten zum Schluss gekommen seien, dass die Beziehung zwischen der Beschwerdeführerin und B.________ liebevoll und warmherzig sei, sei dies relevanter und glaubwürdiger als die Ansichten von zwei erst seit kurzer Zeit involvierten Mandatsträgerinnen, die weder ihr Vertrauen geniessen noch die Lebenswelt von ihr und B.________ kennen würden. Es zeige sich aufgrund der Akten ganz klar, dass niemals eine akute Kindeswohlgefahr bestanden habe. Vielmehr sei völlig befremdlich, dass G.________ noch ca. drei Monate nach dem sexuellen Übergriff bei ihr zu Hause bleiben konnte mit dem Argument, dass derzeit gerade kein Platz in einer Institution verfügbar sei.