Citation: 5A_1038/2020 E. 5.4.2

5.4.2. Weiter moniert der Beschwerdeführer, dass der angefochtene Entscheid auf dem Charakter des Erblassers und auf einer Spekulation darüber basiere, was dieser gewollt haben könnte, wenn sich die Umstände tatsächlich so verhalten hätten, wie es die Beschwerdegegner geltend machen. Dieser "subjektive Ansatz" widerspreche dem anwendbaren norwegischen Recht. Der Beschwerdeführer beruft sich auf die im SIR-Gutachten erwähnte norwegische Rechtsprechung, wonach es "sehr unerfreulich [wäre], wenn die Frage, inwieweit ein Testament gültig sein solle, auf einer Beweisführung beruhen solle, inwieweit der Testator seine Meinung geändert habe". Laut dem SIR-Gutachten zeichne sich eine im Sinne von § 57 Abs. 2 Satz 2 NEG unzweifelhafte Lage dadurch aus, dass es aus Sicht des objektiven Betrachters keinen vernünftigen Grund zu zweifeln gibt. Für den Beschwerdeführer steht damit fest, dass beim Kriterium "unzweifelhaft" nach objektiven Massstäben vorzugehen ist, indem beispielsweise dem Testament selbst etwas zu entnehmen ist (zum Beispiel eine Bedingung) oder ein anderslautendes Testament erstellt wurde. Indem die Vorinstanz zum Schluss komme, das Erfordernis "unzweifelhaft" könne gestützt auf rein subjektive Kriterien - in casu den "Charakter" des Erblassers - und damit rein spekulativ erfüllt werden, wende sie das norwegische Recht willkürlich an. Die Befürchtung ist unbegründet. Auch die Vorinstanz macht sich ausdrücklich die Einschätzung des SIR-Gutachtens zu eigen, wonach blosse Spekulationen über den möglichen Willen des Erblassers zu vermeiden sind. Dem angefochtenen Entscheid zufolge verlangt § 57 Abs. 2 Satz 2 NEG vom Gericht, nach objektivierbaren Gesichtspunkten eine begründete und faktenbasierte Hypothese über den mutmasslichen subjektiven Willen des Erblassers anzustellen. Der zitierte Passus aus der norwegischen Rechtsprechung, den der Beschwerdeführer ins Feld führt, steht im Zusammenhang mit dem förmlichen Widerruf eines Testaments. Er betrifft die Beweisführung über die Frage, ob der Erblasser seine Meinung tatsächlich geändert habe. Bei § 57 Abs. 2 Satz 2 NEG geht es hingegen um nachträgliche Annahmen über den mutmasslichen Willen des Erblassers, also um die Frage, ob der Erblasser seine Meinung angesichts der später eingetretenen Umstände geändert hätte (5.4.1). Auch sonst liefert der Beschwerdeführer keine nachvollziehbare Erklärung, weshalb die von ihm geforderte Beurteilung "aus der Sicht des objektiven Betrachters" dem Gericht verböte, den Umständen des konkreten Falls Rechnung zu tragen und dabei auch die Charaktereigenschaften des Erblassers zu berücksichtigen. Er begnügt sich mit der pauschalen Behauptung, allein auf den Charakter einer Person abzustellen, sei "stets Spekulation". Damit ist nichts gewonnen. Laut Vorinstanz ist vielmehr unstreitig und erstellt, dass der Erblasser ein harter, misstrauischer, penibler und prinzipientreuer Geschäftsmann war, der von seinem persönlichen und geschäftlichen Umfeld unbedingte Loyalität einfordert, über ein ausgeprägtes Schwarz-Weiss-Denken verfügte und auf illoyales Verhalt ungeachtet persönlicher Bindungen oder vergangener Verdienste äusserst rigoros reagierte. Auf welche Tatsachen - wenn nicht auf diejenigen des konkreten Falls - das Gericht seine faktenbasierte Hypothese über den mutmasslichen Willen des Erblassers nach norwegischem Recht denn abstützen müsste, mag der Beschwerdeführer nicht erklären.