Citation: I 608/02 23.04.2003 E. 3

3.1 Zum hypothetischen Valideneinkommen, welches in die Vergleichsrechnung nach Art. 28 Abs. 2 IVG einzustellen ist, zählen sämtliche Einkünfte, welche der Versicherte im Gesundheitsfall, also ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleicher Situation mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erzielen vermöchte. Ist auf Grund einer solchen gesamthaften Beurteilung der Umstände des Einzelfalles anzunehmen, dass sich ein Versicherter als Gesunder voraussichtlich dauernd mit einer bescheidenen Erwerbstätigkeit begnügen würde, so ist darauf abzustellen, auch wenn der Versicherte besser entlöhnte Erwerbsmöglichkeiten hätte (ZAK 1992 S. 90 ff. Erw. 4a). 3.2 Es ist zu beachten, dass das Valideneinkommen hypothetisch auf Grund der beim Rentenbeginn bzw. im Zeitpunkt des Verfügungserlasses bestehenden Verhältnisse festzusetzen ist. Massgebend ist daher nicht, was der Beschwerdeführerin in den Jahren 1993 bis 1998 verdient hat, sondern das Einkommen, welches er als Gesunder ab 1999 erzielt hätte. Das Valideneinkommen ist nicht eine vergangene, sondern eine hypothetische Grösse. Das nicht existenzsichernde Einkommen gemäss IK-Auszug könnte ihm nur angerechnet werden, wenn auf Grund der konkreten Umstände anzunehmen wäre, dass er sich ohne die gesundheitliche Beeinträchtigung voraussichtlich dauernd mit einer derart bescheidenen Erwerbstätigkeit begnügt hätte (BGE 125 V 157 Erw. 5c/bb). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist dies aber nicht anzunehmen. Das jährliche Einkommen von Fr. 10'600.-, für welches in den Jahren 1993 bis 1997 Sozialversicherungsbeiträge bezahlt wurden - beziehungsweise Fr. 10'700.- für die Jahre 1999 und 2000 -, beruht auf einer Schätzung der Steuerbehörde, nachdem der Beschwerdeführer keine Steuererklärung abgegeben hatte. Der äusserst niedrige Betrag kann verschiedene Ursachen haben, sei es, dass das betriebene Geschäft tatsächlich keinen höheren Reinertrag abwarf, sei es, dass der Selbstständigerwerbende sämtliche legalen Möglichkeiten zur Steueroptimierung ausschöpfte, sei es, dass der Betroffene über bedeutend mehr Einkünfte verfügte, was mangels Buchführung nicht nachprüfbar ist (vgl. teilweise in Plädoyer, 2002 S. 73 veröffentlichtes Urteil I 696/01 vom 4. April 2002). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer im Februar 1998 wieder eine unselbstständige Arbeit als technischer Leiter eines Hotels angenommen hatte - bei der er um ein Vielfaches mehr verdiente als die angenommenen Fr. 10'700.- im Jahr oder Fr. 891.- im Monat - und die Tatsache, dass sich vor Aufnahme dieser Stelle in den Jahren 1996 und 1997 die Verlustscheine häuften (1996: Fr. 32'164.85 bei 28 Verlustscheinen; 1997 Fr. 50'555.- bei 7 Verlustscheinen), machen es wahrscheinlich, dass er sich, wie von ihm behauptet, im Jahre 1998 tatsächlich dazu entschlossen hat, seine Selbstständigkeit aufzugeben, wie er das in der Vergangenheit auch schon getan hatte. 3.3 Es rechtfertigt sich daher, bei der Festsetzung des Valideneinkommens vom Verdienst auszugehen, den der Beschwerdeführer ohne Gesundheitsschaden als angestellter technischer Mitarbeiter erzielt hätte. Dabei kann nicht auf den von ihm im Hotel Q.________ bezogenen Monatslohn von Fr. 7200.- abgestellt werden, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde postuliert wird. Nach eigenen Angaben gegenüber der IV-Stelle hat es sich dabei um eine Saisonstelle gehandelt. Der Lohn stellt unter diesen Umständen keine zuverlässige Grundlage für die Festsetzung des Valideneinkommens dar. Dafür sind vielmehr statistische Durchschnittslöhne heranzuziehen. Nachdem die Arbeitsunfähigkeit im März 1998 eintrat, ist der Rentenbeginn in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG auf März 1999 festzusetzen. Es ist demnach auf die hypothetischen Einkommenszahlen des Jahres 1998 abzustellen. Nach Tabelle TA1 der vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 1998 belief sich der monatliche Bruttlohn (Zentralwert) im Bereich Handel und Reparatur für Männer im Anforderungsniveau 3 (Beruf- und Fachkenntnisse voraussetzt) auf Fr. 4872.-; umgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,9 Stunden (BGE 126 V 77 Erw. 3b/bb) entspricht dies einem Jahreslohn von Fr. 61'241.-. Bei einem Anforderungsniveau 1+2 (Verrichtung höchst anspruchsvoller und schwierigster bzw. selbstständiger und qualifizierter Arbeiten) beziffert sich das jährliche Erwerbseinkommen auf Fr. 88'631.-. Angesichts der vom Beschwerdeführer als Angestellter in den Jahren 1990 und 1991 und wiederum in der Saisonstelle im Winter 1998 erzielten Löhne (1990: Fr. 64'106.-; 1991: Fr. 62'010.-) und der Tatsache, dass er als Leiter der technischen Dienste eines Hotels selbstständige und qualifizierte Arbeiten zu leisten hatte, rechtfertigt es sich, beim Validenlohn vom Mittel der genannten Anforderungsniveaus auszugehen. Das führt zu einem Valideneinkommen von Fr. 74'936.- (Fr. 61'241.- plus Fr. 88'631.- : 2).