Citation: 6B_1462/2021 E. 1.3.1

1.3.1. Die erste Instanz erwog eingangs, der Beschwerdeführer anerkenne den Sachverhalt nur teilweise. Er bestreite insbesondere, dass das ihm entgegenkommende Fahrzeug wegen seines Fahrverhaltens hätte ausweichen und von der Fahrbahn abfahren müssen. In der Folge nahm die erste Instanz eine eingehende Beweiswürdigung vor und hielt schliesslich für erstellt, dass sich der Beschwerdeführer am Abend des 21. März 2018 ins Auto gesetzt habe, um nach Langenthal zu gelangen. Hierfür sei er zwischen 19:45 Uhr und 19:55 Uhr auf der Bernstrasse in Rothrist in allgemeine Richtung Murgenthal gefahren. Als der Beschwerdeführer den Kreisel (Verzweigung Neue Industriestrasse und Oberwilerweg) erreicht habe, habe er zu drei vor ihm fahrenden Personenwagen und einem zuvorderst fahrenden Lastenzug aufgeschlossen. Ausgangs des Kreisels hätten sich die Fahrzeuge vor dem Beschwerdeführer relativ langsam bewegt. Deshalb habe dieser sein Fahrzeug nach dem Kreisel und zu Beginn der Leitlinienmarkierung beschleunigt, habe auf die Gegenfahrbahn gewechselt und die drei Personenwagen mit ca. 80-90 km/h auf der Geraden neben dem Schöniareal überholt. Dabei habe er beim Überholen jedes einzelnen Fahrzeugs stets aufs Neue geprüft, ob die Gegenfahrbahn noch frei sei, ob der Abstand zum vorderen Fahrzeug weiterhin genug Platz lasse, um wieder auf der rechten Fahrbahn einscheren zu können und habe sich erst danach entschlossen, das jeweils nächste Auto zu überholen. Dabei sei er sich sicher gewesen, dass ihm kein Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn entgegenkomme. Die überholten Fahrzeuge hätten infolge des Wechsels vom Innerorts- zum Ausserortsbereich ebenfalls beschleunigt. Aufgrund der aufschliessenden Autos und der sich verändernden Distanzen zwischen dem Lastwagen und dem unmittelbar dahinter fahrenden Personenwagen habe sich der Beschwerdeführer dazu entschlossen, auch noch den Lastenzug zu überholen. Dies habe dazu geführt, dass der gesamte Überholvorgang erst in der Kurve habe abgeschlossen werden können, weshalb der Beschwerdeführer auf der Gegenfahrbahn in die Rechtskurve eingebogen sei und daher beim Spurwechsel zurück auf die rechte Fahrbahn eine Doppellinie überfahren habe. In der Folge hätten mehrere der überholten Fahrzeuglenker, insbesondere der Lastwagen- und der dahinterfahrende Personenwagenfahrer, ihre Fahrzeuge abgebremst, um dem Beschwerdeführer genügend Platz für das Wiedereinbiegen zu lassen. Erst nach dem Abschluss des Überholvorgangs und dem Wiedereinscheren auf der rechten Fahrbahn hat der Beschwerdeführer das Fahrzeug von B.________ seitlich gekreuzt. Danach sei er mit der erlaubten Geschwindigkeit nach Langenthal weitergefahren. Warum, wann und wie B.________ in die Grasnarbe gefahren sei, bleibe unbekannt bzw. könne dem Beschwerdeführer aufgrund der mangelnden resp. sich widersprechenden Beweise nicht angelastet werden. Zu den äusseren Umständen sei festzuhalten, dass die Fahrbahn trocken gewesen sei und es gedämmert habe. Im Übrigen seien die Sichtverhältnisse gut gewesen. Der Baum auf der Höhe der Kurve trage zu dieser Jahreszeit kein Laub und rechts von der Strasse habe sich ein Maschendrahtzaun befunden. Der unbelaubte Baum und der Maschendrahtzaun hätten die Sicht über die Rechtskurve hinaus ermöglicht. In rechtlicher Hinsicht erwog die erste Instanz sodann, der Beschwerdeführer habe zum infrage stehenden Überholmanöver bei Dämmerung angesetzt, was besondere Vorsicht gebiete und den Fahrer dazu zu veranlassen habe, den Entscheid zu überholen noch zurückhaltender zu treffen. Der Beschwerdeführer habe das Überholmanöver nicht rechtzeitig abgeschlossen und habe bis in die Kurve hinein überholt und dabei sogar eine Doppellinie überfahren. Daraus gehe ohne Weiteres hervor, dass der Überholvorgang früher hätte abgebrochen werden müssen respektive gar nicht hätte zu diesem angesetzt werden dürfen. Zwar könne aufgrund der äusseren Umstände durchaus darüber diskutiert werden, ob es sich um eine unübersichtliche Kurve handle oder nicht, zumal vor und hinter der Kurve jeweils eine lange gerade Strecke verlaufe, die von den auf die Kurve zufahrenden Fahrzeuglenkern weitgehend überblickt werden könne. Jedoch zeige die dort eingezeichnete Sicherheitslinie exemplarisch auf, dass die Biegung nicht vollständig überblickt werden könne und daher unübersichtlich sei, weil dort eben gerade nicht überholt werden dürfe. Zudem habe der Beschwerdeführer die überholten Fahrzeuge behindert, weil sein Fahrverhalten diese dazu veranlasst habe, zu bremsen, um ihm genügend Platz für das Wiedereinbiegen zu lassen. Damit habe er den Überholvorgang zu spät abgeschlossen und mit seinem Fahrverhalten die überholten Fahrzeuge behindert, womit er die Verkehrsregeln nach Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG i.V.m. Art. 10 Abs. 1 und 2 der Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11) verletzt und sich der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 i.V.m. Art. 35 Abs. 2-4 SVG und Art. 10 Abs. 1 sowie 2 VRV durch Überholen schuldig gemacht habe.