Citation: I 216/05 21.07.2005 E. 3

Zu prüfen bleibt die Frage, ob weitergehende Nachzahlungen zu erbringen sind, weil der Versicherte den anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht kennen konnte und die Anmeldung innert 12 Monaten seit Kenntnisnahme vorgenommen hat (Art. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG). 3.1 Praxisgemäss ist unter dem anspruchsbegründenden Sachverhalt in Anlehnung an Art. 4 und 5 IVG der körperliche oder geistige Gesundheitsschaden zu verstehen, der eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit verursacht oder der den nicht erwerbstätigen Versicherten in seinem bisherigen Aufgabenbereich beeinträchtigt. Mit der Kenntnis des anspruchsbegründenden Sachverhalts ist nicht das subjektive Einsichtsvermögen des Versicherten gemeint, sondern es geht nach dem Wortlaut von Art. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG vielmehr darum, ob der anspruchsbegründende Sachverhalt objektiv feststellbar ist oder nicht (BGE 120 V 94 Erw. 4b, 108 V 228 Erw. 3, 100 V 119 f. Erw. 2c; ZAK 1984 S. 404 f. Erw. 1, 1975 S. 128). 3.2 Der Beschwerdeführer steht seit September 1998 in dauernder psychiatrischer Behandlung und ist seither praktisch vollständig arbeitsunfähig. Unter diesen Umständen kann nicht die Rede davon sein, der Gesundheitsschaden sei objektiv nicht feststellbar und der Versicherte habe das Ausmass des Gesundheitsschadens nicht kennen können, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht wird. Es ist unerheblich, dass die behandelnden Ärzte und der psychiatrische Experte den Gesundheitsschaden diagnostisch nicht gleich benennen. Entscheidend ist, dass die erhobenen Befunde übereinstimmen. Das gestützt auf die Stellungnahme des Dr. med. S.________ vom 17. November 2002 geltend gemachte Vorbringen, die gesundheitliche Verfassung habe es dem Beschwerdeführer nicht erlaubt, den anspruchsbegründenden Sachverhalt zu antizipieren, da gerade mit den Therapien eine Verbesserung des Gesundheitszustandes angestrebt worden sei, ist ebenfalls nicht stichhaltig. Wie in Erw. 3.1 hievor dargelegt, ist unter dem anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht der Rechtsanspruch auf eine Rente, sondern der körperliche oder geistige Gesundheitsschaden zu verstehen, der u.a. eine voraussichtlich längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit verursacht. Nach spätestens zwölf Monaten seit Beginn der psychiatrischen Behandlung war erkennbar, dass kurzfristig nicht mit einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes zu rechnen war. Schliesslich geht der Einwand, eine rechtzeitige Anmeldung hätte das therapieschädigende und heilungsbehindernde Vermeidungsverhalten gefördert und zementiert, an der Sache vorbei.