Citation: 8C_439/2014 E. 4.4

4.4. Nach der Feststellung des kantonalen Gerichts reichte die Beschwerdegegnerin im Monat Juli 2012 keines der in Art. 29 Abs. 2 AVIV verlangten Dokumente ein. Wie die Arbeitslosenkasse grundsätzlich korrekt einbringt, kommt die Schutznorm von Art. 29 Abs. 3 AVIV ihrem Wortlaut entsprechend nur dann zum Tragen, wenn es um die Vervollständigung der erforderlichen Dokumente geht. Nicht dem Zweck von Art. 29 Abs. 3 AVIV entspricht es dagegen, das Fehlen jeglicher Unterlagen zu verschleiern; diesfalls muss die Arbeitslosenversicherung die säumige Person weder mahnen noch ihr eine zusätzliche Frist einräumen (in E. 3 hiervor erwähntes Urteil C 7/03 vom 31. August 2004 E. 5.3.2 mit Hinweisen). Entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht hat das kantonale Gericht dennoch zu Recht diese Rechtsprechung hier nicht zur Anwendung gebracht. Denn sie soll - wie dem zitierten Urteil C 7/03 in E. 5.3.3 weiter zu entnehmen ist - einer rechtsmissbräuchlichen Berufung auf die Schutznorm des Art. 29 Abs. 3 AVIV in jenen Fällen Einhalt gebieten, in welchen sich die leistungsansprechende Person gegenüber den ihr obliegenden Handlungspflichten völlig gleichgültig zeigt und entsprechend untätig bleibt. Tritt keinerlei Absicht zum (weiteren) Leistungsbezug und keinerlei Mitwirkungsbereitschaft zutage, wäre es in der Tat stossend, dem Anspruchsuntergang allein unter Hinweis auf die Nichterfüllung der Informationspflichten der Kasse gemäss Art. 29 Abs. 3 AVIV - ohne sonstige entschuldbaren Gründe - entgehen zu können. In diesem Sinne hat die Vorinstanz - entgegen den Vorbringen in der Beschwerde - zutreffenderweise dem Umstand, dass die Versicherte kein gleichgültiges oder gar rechtsmissbräuchliches Verhalten an den Tag gelegt hat, Gewicht beigemessen. Die Arbeitslosenkasse konnte und musste in Würdigung der Umstände klar erkennen, dass die Beschwerdegegnerin keinen Rechtsverlust in Kauf zu nehmen bereit war. Es kann zudem nicht angehen, dass die Fristsetzung zur Vervollständigung der Unterlagen mit Aufmerksammachen auf die Folgen der Unterlassung durch die Arbeitslosenkasse von internen EDV-technischen Gegebenheiten und organisatorischen Zufälligkeiten abhängt. Im Lichte der dargelegten Rechtsprechung - namentlich mit Blick auf das Verhältnismässigkeitsprinzip sowie Sinn und Zweck von Art. 20 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 29 Abs. 3 AVIV - wäre die Beschwerdeführerin gehalten gewesen, die Versicherte im Rahmen einer zuverlässigen Aktenführung (trotz des vollständigen Fehlens der in Art. 29 Abs. 2 AVIV genannten Unterlagen) ausdrücklich auf ihre Mitwirkungspflichten und die schwerwiegende Rechtsfolge der Anspruchsverwirkung im Säumnisfall aufmerksam zu machen.