Citation: 1C_520/2022 E. 5.1

5.1. Hinsichtlich der Interessenabwägung hielt die Vorinstanz zunächst fest, die Beschwerdeführerin habe ihren privaten Interessen entgegenhalten zu lassen, dass sie mit der Wahl ihres Produktionsstandorts neben der Goldach und in unmittelbarer Nähe zum Bodensee am Schutz des Gewässers eine grosse Verantwortung trage und mit einer medialen Bearbeitung solcher Vorfälle rechnen müsse. Die wesentlichen Ergebnisse des Strafverfahrens seien durch die Begründung des Strafbefehls ohnehin bereits öffentlich bekannt, weshalb sich die Akteneinsicht nur bedingt auf die Beschwerdeführerin auswirken könne. Eine Akteneinsicht könne zudem selbst im Interesse der Beschwerdeführerin liegen, lege sie doch selber dar, die (geringfügige) Gewässerverschmutzung sei mit dem Strafbefehl angemessen und umfassend beurteilt worden. Die Beschwerdegegnerin werde sich durch die Akteneinsicht davon ein Bild machen können, ob die Beschwerdeführerin bei der juristischen Aufarbeitung privilegiert behandelt worden sein könnte. Mit der Akteneinsicht drohe damit nicht zwangsläufig eine Belastung des Ansehens der Beschwerdeführerin. Die Vorinstanz kommt damit zum Schluss, dass die privaten Interessen der Beschwerdeführerin das schützenswerte Interesse der Beschwerdegegnerin nicht zu überwiegen vermögen. Ausserdem stünden der umfassenden Akteneinsicht auch keine überwiegenden Interessen der Mitarbeitenden der Beschwerdeführerin entgegen. Die Befürchtung, diese könnten durch eine mediale Berichterstattung stark exponiert werden, sei grundsätzlich beachtlich. Aus den Verfahrensakten könne nur sehr punktuell auf konkrete Personen geschlossen werden. Aus diesem Grund erweise sich auch deren Anonymisierung als nicht erforderlich. Die Handlungen der Beschwerdeführerin seien im Strafverfahren zumeist nicht konkreten Personen zugeordnet worden. Das von der Beschwerdeführerin ins Recht gereichte Drohschreiben zeige zudem, dass Drohungen auch gegen zufällig ausgesuchte Mitarbeitende der Beschwerdeführerin ausgesprochen werden könnten. Der Schutz von Mitarbeitenden erlange daher vorliegend keine erhöhte Bedeutung und das Risiko von Bedrohungen dürfte - im Vergleich zur aktuellen Situation - durch die Aktenherausgabe kaum verschärft werden. Es sei ohnehin Sache der Beschwerdegegnerin, durch die Beachtung journalistischer Berufsregeln sowie der Persönlichkeitsrechte und der Unschuldsvermutung die Mitarbeitenden der Beschwerdeführerin mit einer korrekten und fundierten Berichterstattung angemessen zu schützen. Damit sprächen auch die privaten Interessen der Mitarbeitenden der Beschwerdeführerin nicht gegen eine Aktenherausgabe. Die Vorinstanz verneinte vorliegend auch das Vorliegen gewichtiger öffentlicher Interessen, die einer Aktenherausgabe entgegenstünden. Dafür spreche, dass das Untersuchungsamt anfänglich und vor Anhörung der Beschwerdeführerin keine Vorbehalte gegen eine Akteneinsicht formuliert und erklärt habe, diese zulassen zu wollen. Gegen das Vorliegen überwiegender öffentlicher Interessen spreche auch der Umstand, dass die Vermutung, die Beschwerdeführerin könnte im Strafverfahren privilegiert worden sein, Zweifel an der behördlichen Tätigkeit und am Vollzug der Umweltschutzgesetzgebung wecken könnte. Die Klärung dieser Zweifel liege gleichermassen im öffentlichen Interesse.