Citation: 7B_448/2023 E. 3.3.2

3.3.2. In der Regel sind mindestens zwei Vortaten erforderlich, was sich bereits aus dem Wortlaut von Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO ergibt. Nach konstanter Rechtsprechung kann unter Umständen aber auch bereits eine einzige gleichartige Vortat genügen (BGE 146 IV 326 E. 3.1; Urteile 1B_195/2023 vom 27. April 2023 E. 2.2; 1B_289/2022 vom 1. Juli 2022 E. 3.2; je mit Hinweisen). Erweisen sich die Risiken als untragbar hoch, kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vom Vortaterfordernis sogar vollständig abgesehen werden, da es nicht in der Absicht des Gesetzgebers lag, mögliche Opfer von schweren Gewaltdelikten einem derart hohen Rückfallrisiko auszusetzen (sogenannte "qualifizierte Wiederholungsgefahr"; BGE 146 IV 326 E. 3.1; 143 IV 9 E. 2.3.1; 137 IV 13 E. 3 f.; Urteile 1B_293/2023 vom 19. Juni 2023 E. 3.1; 1B_195/2023 vom 27. April 2023 E. 2.2; je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer weist nur, aber immerhin, eine gleichartige Vortat im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf (vgl. oben E. 3.3.1). Demnach liegt kein (allfälliger) Anwendungsfall von "qualifizierter Wiederholungsgefahr" vor (vgl. oben E. 3.3.2). Indessen sind die Anforderungen an die Annahme von Wiederholungsgefahr beim Vorliegen von (nur) einer Vortat höher, als dies beim Vorliegen von zwei oder mehreren Vortaten der Fall wäre. Dies gilt insbesondere, wenn sich diese Vortat - wie vorliegend - aus den aktuellen Tatvorwürfen ableitet. Die Anwendung des Haftgrundes der Wiederholungsgefahr über den gesetzlichen Wortlaut hinaus auf Ersttäter muss auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben (Urteile 1B_293/2023 vom 19. Juni 2023 E. 3.1; 1B_197/2023 vom 4. Mai 2023 E. 4.3; je mit Hinweisen).