Citation: 8C_377/2023 E. 6.2

6.2. Dr. med. B.________ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 31. August 2017 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11). Differenzialdiagnostisch ging er von einer bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode aus (ICD-10 F31.3). Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung verwarf er, da die Kriterien gemäss ICD-10 nicht ausreichend erfüllt waren. Der Gutachter hielt fest, im Verlauf der mehr als dreistündigen Untersuchung seien Konzentrationsstörungen sowie Zeichen von Müdigkeit aufgetreten. Die Aufmerksamkeit habe nicht nachgelassen. Die Stimmung sei gedrückt und es bestünden Zeichen von Freudlosigkeit, Verminderung von Antrieb, "erschöpfte Ermüdbarkeit" bei berichteter Überbelastung im alltäglichen Leben. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen seien vermindert. Es bestünden Durchschlafstörungen, eine Störung der Vitalgefühle und deutliche Insuffizienzgefühle. Der Appetit sei vermindert. Die Beschwerdeführerin habe seit Beginn ihrer Erkrankung 20 kg abgenommen. Sie vermeide soziale Kontakte. Es zeigten sich im Mini-ICF-APP eine schwere Beeinträchtigung der Selbstbehauptungsfähigkeit und mittelgradige Beeinträchtigungen in acht weiteren Bereichen. Dr. med. B.________ erachtete eine Tätigkeit entsprechend der Erfahrung und Ausbildung der Beschwerdeführerin auf dem "offenen Arbeitsmarkt" aktuell als nicht zumutbar. Er empfahl eine Tätigkeit im geschützten Rahmen im Sinne einer Wiedereingliederung. Die Frage, ob der versicherten Person andere Tätigkeiten zumutbaren seien, bejahte der Gutachter. In einem kleinen ruhigen Team mit klaren Strukturen seien eigentlich alle Tätigkeiten ihrer Erfahrung und Ausbildung entsprechend zumutbar. Der Arbeitsplatz im geschützten Rahmen müsse nicht besonders gestaltet werden. Aufgrund der Absenz vom Arbeitsmarkt seit Juni 2015 sollte ein Einstieg ins Berufsleben zuerst im geschützten Rahmen in einem ruhigen Team, mit klaren Strukturen, ohne Stress und mit wenig zwischenmenschlichen Kontakten erfolgen. Die Frage, in welchem zeitlichen Rahmen den Störungen angepasste Tätigkeiten zumutbar seien, beantwortete der Experte mit vier bis sechs Stunden. Dabei bestehe eine 50%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit.