Citation: 9C_399/2022 E. 2.4

2.4. Das Erfordernis, wonach der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen "echtzeitlich" nachgewiesen sein muss (Urteil 9C_52/2018 vom 21. Juni 2018 E. 3.2 mit Hinweisen), ist nicht so zu verstehen, dass dieser Nachweis zwingend ein sogenannt echtzeitliches, d.h. zum fraglichen Zeitpunkt verfasstes Arztattest voraussetze. Gemeint ist vielmehr, dass nachträglich formulierte Hypothesen theoretischer Natur über den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht ausreichen. Einer retrospektiven Festlegung der Arbeitsunfähigkeit kann (nur) gefolgt und auf ein echtzeitliches Arztzeugnis verzichtet werden, wenn anderweitig echtzeitlich dokumentiert ist, dass und wann sich die gesundheitliche Beeinträchtigung in Form einer verminderten Leistungsfähigkeit ("sinnfällig") auf das Arbeitsverhältnis ausgewirkt hat (Urteil 9C_314/2022 vom 2. März 2023 E. 2.2.1 mit Hinweisen). Die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen kann sich etwa in einem belegten Leistungseinbruch am Arbeitsplatz manifestieren, ebenso in auffällig gehäuften gesundheitlich bedingten Arbeitsausfällen (vgl. etwa Urteil 9C_170/2022 vom 16. August 2022 E. 4.3). Diese Vorgaben für eine retrospektive ärztliche Festlegung des massgebenden Zeitpunkts sind umso bedeutsamer, je schwieriger es im Einzelfall ist, bei einer Erkrankung, die sich über längere Zeit hinweg kontinuierlich entwickelt hat, nachträglich zu erkennen, zu welchem Zeitpunkt diese Erkrankung überwiegend wahrscheinlich ein Ausmass angenommen hat, das eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 Prozent bewirkte. Diese Schwierigkeit stellt sich hier kaum, da dem Beginn des Vorsorgeverhältnisses (15. Mai 2017) eine abrupte Verschlechterung des Gesundheitszustandes (5. Mai 2017) unmittelbar vorausgegangen ist. Es bleibt wenig Raum zur Annahme, dass innert dieses kurzen Zeitraums noch eine weitere, für die Arbeitsunfähigkeit entscheidende Entwicklung stattgefunden haben könnte. Unter diesen Umständen durfte die Vorinstanz auf spätere Berichte abstellen. Wenn der RAD festgehalten hat, er könne die Frage nach dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht beantworten, so ist dies im Kontext mit seiner Empfehlung zu sehen, es solle ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden; die offenen Fragen - somit auch jene nach Beginn und Verlauf der Arbeitsunfähigkeit - zu beantworten werde Aufgabe des Gutachters sein. Schliesslich beruft sich der Beschwerdeführer auf die Bestätigung der E.________ AG vom 21. September 2021, wonach bei der Erstkonsultation am 11. Mai 2017 keine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe, entsprechend auch kein Zeugnis ausgestellt und erst am 8. Juni 2017 im Rahmen einer notfallmässigen Beurteilung eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab diesem Zeitpunkt bestätigt worden sei. Diesem Dokument kann letztlich nur entnommen werden, dass vor dem 8. Juni 2017 kein Arbeitsunfähigkeitsattest ausgestellt worden ist. Dies zieht die weiteren ärztlichen Stellungnahmen, die übereinstimmend von einer relevanten Arbeitsunfähigkeit schon vor Mitte Mai ausgehen, nicht in Zweifel. Unter diesen Umständen bleibt die vorinstanzliche Folgerung, der Beschwerdeführer sei auf seinen Wunsch deswegen zunächst nicht krankgeschrieben worden, weil die eben erst angetretene Stelle nicht gefährdet werden sollte, jedenfalls vertretbar.