Citation: 6B_971/2018 E. 2.1

2.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine offensichtlich falsche Sachverhaltsfeststellung. Aktenwidrig sei, dass sie seit 2010 mit der Waffe trainiere und schon viele Male damit geschossen habe. Richtig sei vielmehr, dass sie die Waffe bis 2010 benutzt habe. Insofern könne keine Rede davon sein, dass sie eine versierte Schützin sei und sie eine gesteigerte Verantwortung (im Umgang mit Schusswaffen) treffe. Zudem berücksichtige die Vorinstanz die angeblich aktuelle Erfahrung der Beschwerdeführerin im Umgang mit Waffen und die daraus abgeleitete gesteigerte Verantwortung im Rahmen der Strafzumessung negativ. Ein ihr Notwehrrecht einschränkender Verschuldensvorwurf könne auch nicht aus der im Übrigen nicht belegten und somit willkürlichen Annahme konstruiert werden, sie hätte voraussehen müssen, dass der Verstorbene sich von einer vorgehaltenen Waffe nicht beeindrucken lasse. In rechtlicher Hinsicht moniert die Beschwerdeführerin, indem die Vorinstanz die Kausalität der einzelnen Schüsse mittels der Rechtsfigur der "kumulativen Kausalität" bei den Schüssen 1, 2 und 4 sowie mittels Annahme einer natürlichen Handlungseinheit bei den Schüssen 2 und 4 bejahe, verletze sie Bundesrecht, "nämlich das Verhältnis von vollendeter und versuchter Tatbegehung (Art. 22 StGB) sowie die Grundannahme der Notwendigkeit von Kausalität und tatbestandlichem Erfolg". Die Rechtsfigur der kumulativen Kausalität sei eine Kausalitätsannahme für den Fall, dass mehrere Taten gemeinsam einen Erfolg bewirkten. Gemäss dem rechtsmedizinischen Gutachten habe jedoch kein Treffer für sich allein zu einem sofortigen Todeseintritt geführt, mithin sei der kausale Anteil der einzelnen (schussbedingten) Verletzungen für den Tod des Verstorbenen nicht quantifizierbar. Hieraus folge entgegen der Vorinstanz jedoch nicht, dass jeder der fünf Treffer ursächlich gewesen sei. Es liege vielmehr neben dem Fall der Mitursächlichkeit einzelner Schüsse ein Fall alternativer Kausalität vor, weshalb im Zweifel von der für die Beschwerdeführerin günstigeren Variante ausgegangen werden müsse, dass bereits der Blutverlust der infolge in gerechtfertigter Notwehr abgegebenen Schüsse 1 und 2 tödlich sei. Hinsichtlich der übrigen Schüsse käme allenfalls eine Versuchsstrafbarkeit in Betracht, weshalb die Strafe gemäss Art. 22 StGB zu mildern sei. Die Rechtsfigur einer natürlichen Handlungseinheit könne keine Klammer bilden, um die fehlende Kausalität zu begründen. Ob einzelne Schüsse kausal bzw. gerechtfertigt gewesen seien, sei eine Frage der Konkurrenzen. Die Vorinstanz argumentiere zudem widersprüchlich, wenn sie einerseits zutreffend festhalte, die Beschwerdeführerin habe den Angriff weder absichtlich noch durch ein sozialethisch verwerfliches Verhalten provoziert, gleichzeitig aber deren Notwehrrecht faktisch mit der Begründung einschränke, sie habe durch die Mitnahme der Waffe zur lebensgefährlichen Situation massgeblich beigetragen und deshalb nicht direkt auf den Verstorbenen schiessen dürfen. Ob und inwieweit eine "quantitativ" weniger intensive Gegenwehr überhaupt möglich und erfolgversprechend gewesen wäre, prüfe die Vorinstanz jedoch nicht und verletzte damit das Prinzip der Angemessenheit der Notwehrhandlung und den Anspruch auf rechtliches Gehör.