Citation: 6B_75/2020 E. 2.4

2.4. Der Beschwerdegegner, der nicht über die schweizerische Staatsangehörigkeit verfügt, wird u.a. wegen eines am 11. Juli 2017 und damit nach Inkrafttreten der Bestimmungen der Landesverweisung begangenen Raubes für eine Katalogtat gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB verurteilt. Folglich sind die Voraussetzungen für eine obligatorische Landesverweisung grundsätzlich erfüllt. Die Beschwerdeführerin vertritt mit der Vorinstanz sodann nachvollziehbar die Ansicht, es liege ein Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor. Demzufolge bleibt zu prüfen, ob die vorinstanzliche Interessenabwägung zugunsten des Beschwerdegegners Bundesrecht verletzt und, gegebenenfalls, ob ein völkerrechtlicher Vertrag einer Landesverweisung entgegensteht. Den für das Bundesgericht verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen zufolge ist der Beschwerdegegner in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Auch sein Bruder, der laut Stellungnahme des Beschwerdegegners an das Bundesgericht die einzige Person ist, zu welcher er ein vertrautes Verhältnis habe, lebt in der Schweiz. Massgebend für das Interesse des Beschwerdegegners am Verbleib in der Schweiz sind allein diese Umstände. Seine am 21. Januar 2020 verstorbene Mutter lebte zuletzt in Portugal. Sein Vater lebt angeblich in der Dominikanischen Republik. Kinder hat der Beschwerdegegner keine. Eine Landesverweisung wirkt sich daher nicht in relevanter Weise auf dessen Familienleben aus. Über anderweitige soziale Kontakte in der Schweiz verfügt der Beschwerdegegner kaum (vgl. kant. Akten, act. 5 S. 3). Zudem ist es ihm nicht gelungen, hierzulande beruflich Fuss zu fassen. Er spricht sowohl die deutsche als auch portugiesische Sprache. Diese Sprachkenntnisse, seine Ausbildung, sein Alter und seine Gesundheit erlauben es ihm, sich in Portugal zu integrieren. Eine für den Beschwerdegegner möglicherweise schwierigere Wirtschaftslage in Portugal als in der Schweiz schliesst eine Landesverweisung entgegen seiner Auffassung praxisgemäss nicht aus (vgl. Urteil 6B_1299/2019 vom 28. Januar 2020 E. 3.4.2 mit Hinweisen). Die vorinstanzlichen Erwägungen zur Legalprognose überzeugen alsdann nicht. Der Beschwerdegegner delinquierte während laufender Strafuntersuchung und ist mehrfach vorbestraft. Die sich deshalb aufdrängenden Bedenken betreffend die Rückfallgefahr lassen sich nicht lediglich mit einem persönlichen Eindruck an einer Gerichtsverhandlung, dem Beginn einer Therapie oder einer jüngsten Zusammenarbeit mit einem Beistand beseitigen. Aufgrund der zahlreichen Straftaten und dem schweren Verschulden, welches auch durch die rechtskräftige Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren belegt ist, sowie mangels hinreichend ausgeschlossener Rückfallgefahr ist das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung offensichtlich als hoch zu werten. Der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden, wenn sie gestützt auf den Zeitpunkt der letzten Straftat des Beschwerdegegners und einen möglichen Zusammenhang mit einer schwierigen Vergangenheit ein weniger gewichtiges öffentliches Interesse annimmt. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht ausführt, sind diese Aspekte im Rahmen der Strafzumessung, nicht jedoch bei der Bewertung des öffentlichen Interesses an der Landesverweisung von Relevanz. Unter Berücksichtigung dieser Umstände hätte die Vorinstanz bei ihrer Prüfung der restriktiv anzuwendenden Härtefallklausel das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung höher werten müssen als das persönliche Interesse des Beschwerdegegners an einem Verbleib in der Schweiz.