Citation: 6B_973/2022 E. 1.2.1

1.2.1. Die Vorinstanz schliesst sich der erstinstanzlichen Beweiswürdigung im Wesentlichen an und verweist darauf. Demnach ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer am 3. November 2017 um 17:55 Uhr eine eingeschriebene Verfügung des Kantonsarztamts persönlich gegen Unterschrift abholte. Darin wurde dem Beschwerdeführer der Entzug seiner Berufsausübungsbewilligung mitgeteilt. Umstritten ist hingegen, wann der Beschwerdeführer vom Inhalt der Verfügung Kenntnis nahm. Die Vorinstanz stellt fest, die diesbezüglichen Aussagen des Beschwerdeführers seien widersprüchlich. Er habe bereits am 16. Juni 2017 ein Schreiben des Kantonsarztamts erhalten, worin ihm der Entzug seiner Berufsausübungsbewilligung in Aussicht gestellt worden sei. Darauf habe er am 8. Juli 2017 per E-Mail geantwortet, er werde juristischen Rat suchen. Mit E-Mail vom 7. August 2017 habe er geschrieben, dass ihn das Schreiben vom 16. Juni 2017 erschüttere und existenziell bedrohe. Er habe sogar ausgeführt, was der Entzug der Berufsausübungsbewilligung für ihn, seine Mitarbeitenden und seine Patienten bedeuten würde. Aus diesen E-Mails des Beschwerdeführers an das Kantonsarztamt leitet die Vorinstanz ab, dass ihm die Folgen eines Entzugs der Berufsausübungsbewilligung bewusst gewesen seien. Der Beschwerdeführer brachte im kantonalen Verfahren verschiedene Argumente vor, weshalb er am 3. November 2017 keine Kenntnis vom Entzug seiner Berufsausübungsbewilligung erlangt habe, obwohl er an diesem Tag die eingeschriebene Sendung entgegengenommen hatte. Er erklärte dies mit einer heftigen Überbelastung, einem Personalausfall, der Anstellung neuen Personals, der Gründung einer Aktiengesellschaft und einem Besuch seiner Mutter. Aus diesen Gründen habe er die Verfügung des Kantonsarztamts schlicht verlegt. Diesen Einwand verwirft die Vorinstanz unter Hinweis auf die Aussagen des Beschwerdeführers, wonach er damit gerechnet habe, dass noch eine mündliche Verhandlung zum Entzug seiner Berufsausübungsbewilligung angesetzt werde. Gemäss Vorinstanz wäre der Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund auf den Erhalt eines Schreibens des Kantonsarztamts angewiesen gewesen. Es sei daher wirklichkeitsfremd, dass er ein solches Schreiben einfach ungeöffnet verlegt. Zudem wiesen seine Antwortschreiben eindeutig darauf hin, dass ihm klar gewesen sei, welche rechtlichen Konsequenzen ihm drohten. Die Vorinstanz hält es für lebensfremd, dass der Beschwerdeführer einen eingeschriebenen Brief ungeöffnet auf einen Stapel geworfen und danach in der Unordnung vergessen habe. Der Beschwerdeführer brachte vor, es sei wahrscheinlicher gewesen, dass ihm das Kantonsarztamt mit dem eingeschriebenen Brief Rezeptblöcke zugestellt habe. Dem entgegnet die Vorinstanz, der eingeschriebene Brief sei an seine Privatadresse adressiert gewesen, während Rezeptblöcke mit höchster Wahrscheinlichkeit an die Praxisadresse geschickt worden wären. Zudem hätte er auch Rezeptblöcke nicht einfach verlegen können, weil er zur Ausübung seiner ärztlichen Tätigkeit darauf angewiesen gewesen sei. Die Überbelastung des Beschwerdeführers wertet die Vorinstanz als Schutzbehauptung. Er habe mehrfach erwähnt, er sei ein zuverlässiger und verantwortungsvoller Arzt. Vor diesem Hintergrund erscheint es der Vorinstanz als unglaubhaft, dass er das Schreiben des Kantonsarztamts einfach verlegt habe, obwohl ihm zuvor der Entzug der Berufsausübungsbewilligung in Aussicht gestellt worden und ein Verfahren im Gang gewesen sei. Zusammenfassend gelangt die Vorinstanz zum Schluss, dass die Aussagen des Beschwerdeführers zwar mehr oder weniger konstant und gleichbleibend seien. Doch seien sie auch sehr unpräzise und widersprächen deutlich den von ihm selbst verfassten E-Mails an das Kantonsarztamt. Gemäss Vorinstanz war dem Beschwerdeführer bewusst, dass der Entzug der Berufsausübungsbewilligung drohte. Nachdem er am 3. November 2017 den eingeschriebenen Brief des Kantonsarztamts persönlich bei der Post abgeholt habe, habe er vom Entzug seiner Berufsausübungsbewilligung Kenntnis genommen. Ihm sei bewusst gewesen, dass einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen würde. Trotzdem habe er seine Praxis weitergeführt und seine Leistungen gegenüber den obligatorischen Krankenpflegeversicherern abgerechnet, obwohl er gewusst habe, dass er keine Berufsausübungsbewilligung mehr gehabt habe und dazu nicht mehr berechtigt gewesen sei. Seine Tätigkeit als Hausarzt habe er erst am 12. Januar 2018 eingestellt, als er von einem Apotheker erfahren habe, dass seine Rezepte nicht mehr einlösbar seien, und als publik geworden sei, dass er keine Berufsausübungsbewilligung mehr habe. Die Erstinstanz stellte fest, der Beschwerdeführer habe bloss in Kauf genommen, keine Berufsausübungsbewilligung mehr zu haben. Demgegenüber kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass er ab dem 3. November 2017 vom Entzug der Berufsausübungsbewilligung gewusst habe. Damit habe er auch gewusst, dass er nicht mehr berechtigt gewesen sei, seine Leistungen gegenüber den Krankenpflegeversicherern abzurechnen. Trotzdem habe er ab dem 4. November 2017 weiterhin Patienten behandelt und den Krankenpflegeversicherern Leistungsabrechnungen übermittelt. Insgesamt seien Fr. 54'583.75 ausbezahlt worden. Davon seien Fr. 41'909.30 automatisiert und Fr. 12'674.45 manuell abgerechnet worden. Auch den weiteren angeklagten Sachverhalt erachtet die Vorinstanz als erstellt. Der Beschwerdeführer habe B.________ im Wissen darum behandelt, dazu nicht mehr berechtigt zu sein. Sie habe die Rechnungen des Beschwerdeführers bezahlt und dafür von der Krankenkasse keine Rückerstattung erhalten, sodass ein Deliktsbetrag von Fr. 4'135.-- resultierte. Im Weiteren erachtet die Vorinstanz als erstellt, dass der Beschwerdeführer der Patientin 14 Injektionen verabreicht habe, ohne sie über das Fehlen seiner Berufsausübungsbewilligung aufgeklärt zu haben.