Citation: 1B_22/2019 E. 4.3

4.3. Nach den Anklageschriften gehörten die im Immobilienbereich tätigen Genossenschaften B.________, C.________ und D.________ sowie die E.________ AG zu einer Gruppe von Gesellschaften die miteinander verflochten waren und gegenseitig voneinander abhingen. Der Beschwerdegegner hatte sowohl bei den Genossenschaften als auch bei der E.________ AG eine zumindest mitbeherrschende Stellung. Die ihm zur Last gelegten strafbaren Handlungen soll er im Rahmen seiner Tätigkeit für die Genossenschaften und die E.________ AG begangen haben. Die Genossenschaft B.________ verfolgte ein grosses Bauprojekt. Kreisrichter Bernasconi ist Geologe. Seine F.________ AG führte in den Jahren 2007-2010 für die Genossenschaft B.________ Aufträge aus; ebenso für die Genossenschaften C.________ und D.________. Die F.________ AG war als Beraterin für geologische und hydrologische Fragen tätig. Die Honorarsumme zugunsten der F.________ AG belief sich auf insgesamt ca. Fr. 40'000.--. Kreisrichter Bernasconi bzw. seine F.________ AG pflegten demnach eine mehrjährige geschäftliche Beziehung insbesondere zur Genossenschaft B.________. Die Honorarsumme ist beträchtlich. Kreisrichter Bernasconi unterhielt die geschäftliche Beziehung in den Jahren, in denen der Beschwerdegegner die ihm vorgeworfenen strafbaren Handlungen im Wesentlichen begangen haben soll; dies zudem zeitnah vor dem Konkurs der Genossenschaft B.________ im Jahr 2011 und der Eröffnung der Strafverfahren ST.2010.32929 und ST.2011.16289 in den Jahren 2010 und 2011. Im Rahmen seiner Geschäftsbeziehung zur Genossenschaft B.________ hatte Kreisrichter Bernasconi direkten Kontakt mit dem Beschwerdegegner. Dies belegen in den Akten liegende Schreiben bzw. E-Mails. Hinzu kommt Folgendes: Kreisrichter Bernasconi legte in seiner Stellungnahme vom 9. November 2018 an die Vorinstanz dar, das Honorar der F.________ AG sei restlos beglichen worden. Dies trifft jedoch nicht zu. Wie sich aus dem Kollokationsplan der Genossenschaft B.________ ergibt, hat die F.________ AG gegen diese noch eine offene Forderung von Fr. 5'828.60, welche aus der früheren geschäftlichen Beziehung herrührt. Zu deren Zeitpunkt war Kreisrichter Bernasconi alleiniger Aktionär der F.________ AG. Heute ist er nach wie vor Mitglied ihres Verwaltungsrats. Die enge Beziehung von Kreisrichter Bernasconi zur F.________ AG besteht demnach fort, auch wenn er seine Aktien inzwischen an einen Dritten übertragen hat. Ob - wie die Vorinstanz annimmt - die geschäftliche Beziehung von Kreisrichter Bernasconi zu den Genossenschaften für sich allein für den Anschein der Befangenheit genügt hätte, kann dahingestellt bleiben. Dieser Anschein ist jedenfalls zu bejahen, wenn man zusätzlich die noch offene Forderung der F.________ AG gegen die Genossenschaft B.________ berücksichtigt, welche Kreisrichter Bernasconi in seiner Stellungnahme an die Vorinstanz überging. Die Anklage wirft dem Beschwerdegegner vor, die Genossenschaft B.________ schwer geschädigt zu haben. Damit könnte er für einen finanziellen Verlust der F.________ AG verantwortlich sein. Unter diesen Umständen besteht objektiv die Gefahr der Voreingenommenheit von Kreisrichter Bernasconi. Wenn ihn die Vorinstanz in den Ausstand versetzt hat, verletzt das daher kein Bundesrecht.