Citation: 6S.472/2004 07.07.2005 E. 1

1.1 Der Beschwerdeführer befand sich während 401 Tagen in Untersuchungshaft, zuletzt bis am 20. März 2003. Das Bezirksgericht verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten, das Obergericht reduzierte diese auf 2 Jahre. Im Falle der Bestätigung dieser Strafe wird der Beschwerdeführer bis zu einer allfälligen bedingten Entlassung noch knapp 3 Monate verbüssen müssen. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe sich seit der Entlassung aus der Untersuchungshaft nichts mehr zu Schulden kommen lassen und habe den Tatbeweis für seine Resozialisierung erbracht. Eine Versetzung in den Strafvollzug müsste diese Resozialisierung gefährden, was die Vorinstanz bei der Strafzumessung hätte berücksichtigen müssen. 1.2 Es kommt nicht selten vor, dass der Täter, der in Untersuchungshaft genommen wurde, sich im Zeitpunkt, in dem das Strafgericht oder eine Rechtsmittelinstanz seine Tat beurteilt, sich seit mehr oder weniger langer Zeit wieder auf freiem Fuss befindet. Dies kann indessen die Gerichte nicht daran hindern, die ihres Erachtens dem Verschulden angemessene Strafe auszufällen, auch wenn dies zur Folge hat, dass der Täter, der allenfalls bereits resozialisiert ist, in den Strafvollzug versetzt wird. Wohl soll der Vollzug der Zuchthaus- und Gefängnisstrafen erziehend auf den Gefangenen einwirken und ihn auf den Wiedereintritt in das bürgerliche Leben vorbereiten (Art. 37 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Die Strafe ist vom Richter gemäss Art. 63 StGB aber nach dem Verschulden des Täters zu bemessen, wobei die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen zu berücksichtigen sind. Allerdings wird von einem Teil der Lehre die Auffassung vertreten, dass im Dienste der Resozialisierung unter Umständen eine Strafe ausgefällt werden kann, die unter der schuldangemessenen Strafe liegt (siehe dazu Hans Wiprächtiger, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, N 43 zu Art. 63 mit Hinweisen). Wie es sich damit verhält, kann hier dahingestellt bleiben. Dass der Beschwerdeführer sich seit März 2003 wieder auf freiem Fuss befindet und sich seither nichts hat zu Schulden kommen lassen, ist jedenfalls kein ausreichender Grund für die ausnahmsweise Ausfällung einer derartigen Strafe, zumal ein 1 ½-jähriges Wohlverhalten eine Resozialisierung nicht ohne weiteres belegt. Die von der Vorinstanz ausgefällte Freiheitsstrafe verstösst nicht schon deshalb gegen Bundesrecht, weil sie erforderlich macht, den Beschwerdeführer, der sich während längerer Zeit in Untersuchungshaft befand, für den Strafvollzug wieder in Haft zu setzen. Wohl mag dieser Umstand allenfalls unter dem Gesichtspunkt einer erhöhten Strafempfindlichkeit im Rahmen der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB strafmindernd berücksichtigt werden. Die Vorinstanz hat genau dies im Ergebnis getan. Sie hat ausgehend von der durch den erstinstanzlichen Richter ausgesprochenen Strafe von 2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis eine Reduktion um 3 Monate vorgenommen, weil sich der Beschwerdeführer seit der vorinstanzlichen Verhandlung wohl verhalten hat (angefochtenes Urteil S. 38). Sie hat zu Recht aber auch festgehalten, dass eine weitere Reduktion des Strafmasses, welches die Gewährung des bedingten Strafvollzuges ermöglichen würde, den Gesamtumständen nicht mehr angemessen wäre.