Citation: 4A_228/2018 E. 4.3

4.3. Die Beschwerdeführerin rügt, selbst wenn von ungenauen, unklaren oder unpräzisen Behauptungen betreffend die Angemessenheit des Betrages im Vergleichszeitpunkt auszugehen sei, könne ihr dies nicht angelastet werden. Denn das Regionalgericht hätte sie im Rahmen der gerichtlichen Fragepflicht darauf hinweisen müssen. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz sei die Beschwerdeführerin nur jeweils kurz und temporär anwaltlich vertreten gewesen und habe nie durchgängig einen Rechtsvertreter gehabt. Die Annahme der Vorinstanz, sie sei anwaltlich vertreten gewesen, sei willkürlich. Sie sei namentlich nicht bei der Ausfertigung des 2. Parteivortrages und der Schadensberechnung anwaltlich vertreten gewesen. Rechtsanwalt I.________ habe das Mandat per 20. Februar 2017 niedergelegt und auch Rechtsanwalt K.________ habe das Mandat per 3. Oktober 2011 niedergelegt. Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin ergibt sich nicht, dass sie im erstinstanzlichen Verfahren, namentlich bei der Vorbereitung und Ausfertigung der Klage vom 31. Januar 2011 sowie der Instruktionsverhandlung vom 24. August 2011, nicht (zumindest zeitweise) anwaltlich vertreten gewesen ist. Im Gegenteil, die Beschwerdeführerin selbst macht geltend, sie sei (wenn auch kurzfristig) anwaltlich vertreten und beraten gewesen. Sie legt insbesondere nicht rechtsgenüglich dar, wann Rechtsanwalt I.________ ihre Vertretung übernommen hat, nachdem Rechtsanwalt K.________ das Mandat per 3. Oktober 2011 niedergelegt hat. Sie zeigt auch nicht auf, in welchem Zeitraum der 2. Parteivortrag und die Schadensberechnung angefertigt wurde, sondern begnügt sich damit zu behaupten, sie sei bei deren Ausfertigung nicht anwaltlich vertreten gewesen. Damit genügt die Beschwerdeführerin den Erfordernissen einer Willkürrüge (vgl. E. 1.2 hiervor) nicht. Selbst wenn aber mit der Beschwerdeführerin davon auszugehen wäre, sie sei nicht anwaltlich vertreten gewesen, geht ihre Rüge fehl. Denn sie selbst rügt in ihrer Beschwerdeschrift, sie habe nie behauptet/verlangt, "dass ausschliesslich der Urteilszeitpunkt massgebend sein solle, sondern sowohl der Vergleichszeitpunkt als auch (d.h. eventualiter) der Urteilszeitpunkt massgebend sein kann". Auch die in ihrer Beschwerde zitierten Auszüge aus der Klage machen deutlich, dass ihr durchaus bewusst war, dass sich die Angemessenheit der Entschädigungsvereinbarung nach Art. 87 Abs. 2 SVG gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nach den Umständen zur Zeit des Vertragsabschlusses beurteilt. Wenn die Beschwerdeführerin aber in Kenntnis der bundesgerichtlichen Rechtsprechung darauf verzichtet, Ausführungen zur Angemessenheit der Entschädigung im Zeitpunkt des Vergleichsabschlusses zu machen, kann sie sich anschliessend nicht auf die gerichtliche Fragepflicht berufen. Die richterliche Befragung darf nicht dazu dienen, prozessuale Nachlässigkeiten auszugleichen oder gar die Auswirkungen bewussten Verhaltens einer Partei rückgängig zu machen, wo sich dieses nachträglich als nachteilig erweist (vgl. Urteil 4P.84/2003 vom 28. August 2003 E. 4.2 mit Hinweis).