Citation: 1P.58/2003 15.04.2003 E. 4.4

4.4.1 Einen weiteren Schwerpunkt legt das Appellationsgericht bei seiner Beweiswürdigung auf die Aussagen der Belastungszeugin. Die Behauptung des Beschwerdeführers, mit der Zeugin nie telefoniert zu haben und sie auch nicht telefonisch beschimpft oder bedroht zu haben, werde durch keine besonderen Faktoren gestützt. Sie stehe den Zeugenaussagen der Hauswartin entgegen, welche vom Strafgericht auf Realitätskriterien geprüft worden seien. Dabei habe das Strafgericht berücksichtigt, dass das von der Belastungszeugin geschilderte Verhalten des Beschwerdeführers angesichts früherer Vorkommnisse, bei welchen er eine erhebliche Gewaltbereitschaft an den Tag gelegt habe, als persönlichkeitsadäquat erscheine. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Belastungszeugin werde dadurch erhöht, dass aus den Akten keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich seien, weshalb sie den Tatvorwurf hätte erfinden sollen. Auf der anderen Seite sei die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers in gewissem Masse erschüttert, nachdem dieser unter anderem Behauptungen vorgebracht habe, welche mit der Aktenlage nicht vereinbar seien. Das Appellationsgericht verweist sodann vollumfänglich auf die diesbezüglichen Erwägungen des Strafgerichtes. 4.4.2 Der Beschwerdeführer hält dagegen, es sei unberücksichtigt geblieben, dass sich die Zeugin niemanden anders als den Beschwerdeführer als vermeintlichen Täter habe vorstellen können. Sie sei mit Vorurteilen belastet gewesen. Als es am 14. Juni 2000 zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau gekommen sei, habe diese die Hauswartin getroffen und ihr die Situation geschildert. Die Zeugin glaube, dass der daraufhin erschienene Beschwerdeführer gesagt habe: "Was du mit meiner Frau gesprochen?" Sie sei daraufhin äusserst erschreckt geflüchtet. Der Beschwerdeführer sei für sie der böse Mann gewesen, der seine Ehefrau schlägt, und der sie gleichentags verbal und mit Gesten bedroht habe. Die Hauswartin habe am Tag des umstrittenen Anrufs nur noch diese Eindrücke präsent gehabt. Der Beschwerdeführer unterstreicht seine Argumentation damit, dass die Belastungszeugin anlässlich ihrer Strafanzeige einen Vorfall vom 26. Juli 2000 zu Protokoll gegeben habe, wonach jemand ihr Rosenbeet verwüstet habe. Nach ihren Aussagen komme dafür nur der Beschwerdeführer in Frage. Für sämtliche Bosheiten in ihrem Umfeld sei der Beschwerdeführer verantwortlich. Darum glaube sie tatsächlich, er habe sie angerufen. Das erkläre auch, weshalb sie über die guten Sprachfähigkeiten des Beschwerdeführers erstaunt gewesen sei. Sie habe nur ein einziges Mal unmittelbar Kontakt mit dem Beschwerdeführer gehabt. Ob sie den Beschwerdeführer öfters reden gehört habe, sei nicht bekannt. Es erstaune deshalb, dass das Appellationsgericht davon ausgehe, die Hauswartin habe den Beschwerdeführer am Telefon einwandfrei identifizieren können. Zudem habe die Zeugin in der Hauptverhandlung vor der ersten Instanz ausgesagt, sie sei sich zu 98% (recte 99%) sicher, dass es sich beim Anrufer um den Beschwerdeführer gehandelt habe. Sinngemäss leitet der Beschwerdeführer aus dieser Aussage ab, die Belastungszeugin sei sich nicht ganz sicher, dass er angerufen habe. Gegen die Version der Zeugin spreche auch, dass sie den Beschwerdeführer am 14. Juni 2000 nicht richtig verstanden habe, obwohl er ihr unmittelbar gegenüber gestanden habe, während sie behaupte, sie habe den Anrufer eindeutig verstanden. Als widersprüchlich erscheint dem Beschwerdeführer überdies, dass die Belastungszeugin ihn bei der Befragung zum Vorfall vom 14. Juni 2000 gebrochen hochdeutsch zitiere, beim inkriminierten Telefonanruf hingegen am Dialektzitat festhalte. Hinzu komme, dass die Zeugin erstmals anlässlich der Hauptverhandlung zu Protokoll gegeben habe, sie habe den Beschwerdeführer an seiner abgehackten Stimme erkannt. Hiervon sei in der Voruntersuchung noch nicht die Rede gewesen. 4.4.3 Es ist nicht als willkürlich zu qualifizieren, wenn das Appellationsgericht die Aussage der Belastungszeugin, sie sei telefonisch beschimpft und bedroht worden, als glaubwürdig einstuft. Zwar ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Belastungszeugin durch den Vorfall vom 14. Juni 2000 sehr erschreckt worden ist. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer verschiedentlich durch seine Gewaltbereitschaft aufgefallen ist, wenn auch bis anhin nicht durch telefonische Drohungen. Zusätzlich können sich die kantonalen Instanzen auf die Aussagen des Gehörlosenbetreuers stützen, wonach in Gehörlosenkreisen schnell geschimpft und gedroht werde (Protokoll-Abschrift der Hauptverhandlung vor Strafgericht, S. 2). Gerade weil die Belastungszeugin den Beschwerdeführer schon zuvor hatte reden hören, ist es auch nicht stossend, wenn das Appellationsgericht ihre Wahrnehmung für glaubwürdig erachtet. Dass sie - in der allgemeinen Aufregung, sozusagen "im Eifer des Gefechts" - anlässlich des Vorfalls vom 14. Juni 2000 nicht jedes Wort verstanden hatte, ist nachvollziehbar. Dagegen ist es einfacher, einen Anrufer zu verstehen, dessen Stimme unmittelbar neben dem Ohr wahrgenommen wird. Nicht ins Gewicht fällt, dass sich die Belastungszeugin nur zu 99% sicher ist, dass es sich beim Anrufer um den Beschwerdeführer gehandelt hat. Um hundertprozentig sicher zu sein, hätte sie ihren Gesprächspartner sehen müssen. Nachdem das Appellationsgericht zuvor schon die Behauptung des Beschwerdeführers, er könne nicht auf Deutsch telefonieren, als widerlegt erachten durfte, ist es verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn es dessen Glaubwürdigkeit weniger stark gewichtet als diejenige der Belastungszeugin.