Citation: U 135/06 15.12.2006 E. 3.4

3.4.1 Prof. Dr. med. A.________ äusserte sich eingehend zur Problematik des erlittenen Blutverlustes. Zunächst konnte ein von der Versicherten als Ursache des als ganz massiv empfundenen Blutverlustes während der Geburt des Kindes und in der anschliessenden Plazentaperiode vermuteter Uterusriss weder klinisch noch durch sonographische Untersuchung und Nachtastung festgestellt werden (vgl. Gutachten des Prof. Dr. med. A.________ vom 28. April 2004). Gestützt auf die echtzeitlichen Aufzeichnungen über den Gesundheitszustand der Versicherten und nach Einholen neurologischer, klinisch-pharmakologischer sowie anästhesiologischer Konsilien legte Prof. Dr. med. A.________ im Gutachten vom 28. April 2004 (wie auch in Zusatzberichten vom 18. Mai und 27. September 2004) im Einzelnen dar, dass die Beschwerdeführerin zwar zeitweilig Anzeichen eines kompensierten Volumenmangels, indessen nie die klinischen Zeichen eines Blutverlustes in der Grössenordnung der Hälfte des Blutvolumens aufwies, wie dies Dr. med. M.________ ausführte (Gutachten vom 3. August 2004). Zur Therapie des Blutverlustes erklärte Prof. Dr. med. A.________, der bis zum Beginn der Narkose erfolgte Blutverlust habe nachweislich keinen Einfluss auf die Kreislaufparameter gehabt. Der etwa eine Stunde lang dauernde Blutdruckabfall habe sich nach adäquater Therapie fast normalisiert und in der Folge seien keine Symptome einer Hypovolämie aufgetreten. Bluttransfusionen seien zu jenem Zeitpunkt absolut nicht indiziert gewesen. Die Versicherte habe den Blutverlust gut toleriert, was einerseits auf die Anpassungsgabe einer jungen gesunden Frau und anderseits auf die adäquate Infusionstherapie zurückzuführen sei. 3.4.2 Demgegenüber basieren die Einschätzungen des Dr. med. M.________ auf Berechnungen, welchen ausschliesslich allgemeine (statistische) Angaben zu Grunde liegen und die somit die Besonderheiten des konkreten Falles ausser Acht lassen. Die daraus abgeleiteten Schlüsse des Dr. med. M.________ sind umso weniger einleuchtend, als er selbst - insoweit übereinstimmend mit Prof. Dr. med. A.________ - davon ausgeht, dass die klinische Symptomatik wichtige Hinweise auf einen Volumenmangel zu geben vermag (Erwiderung vom 20. Oktober 2004). Auch sind seine Beurteilungen nicht ohne Widersprüche. Im Gutachten vom 3. August 2004 gab er (auch diesbezüglich im Einklang mit Prof. Dr. med. A.________) an, der Schockindex sei während der Anästhesie grenzwertig gewesen; am Nachmittag des 13. Juli 1998 hätten die dokumentierten Kreislaufparameter keinen positiven Schockindex, indessen fast durchgehend eine Tachykardie mit mehr als 100 Schlägen pro Minute gezeigt, was für einen eben noch kompensierten Volumenmangel spreche. Auch hätten die typischen Folgen eines Volumenmangels, d.h. Organmanifestationen ausserhalb des zentralen Nervensystems, gefehlt und in den im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt durchgeführten Untersuchungen hätten relevante Verengungen im Bereich der hirnversorgenden Arterien ausgeschlossen werden können. Demgegenüber erklärte er am 20. Oktober 2004, angesichts der arteriellen Mitteldrücke von unter 60 mmHg sei es nicht mehr statthaft, von einem kompensierten Volumenmangel zu sprechen. 3.4.3 Unter Berücksichtigung, dass die Einschätzungen des Dr. med. M.________ nicht ganz widerspruchsfrei und darüber hinaus auf Teilaspekte fokussiert sind, während die Ausführungen des Administrativgutachters Prof. Dr. med. A.________ den medizinischen Hintergrund umfassend ausleuchten, auf Besprechungen mit zahlreichen Fachärzten beruhen sowie einleuchtend und nachvollziehbar begründet - da auf den sich bei den Akten befindlichen Aufzeichnungen der Vitalparameter beruhend - sind, hat die Vorinstanz (in deren Spruchkörper im Übrigen in der Person von Dr. med. O.________, FMH für Anästhesiologie, ein Facharzt mitwirkte) zu Recht auf Prof. Dr. med. A.________ abgestellt. Ausgehend von dessen Einschätzungen kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass den Ärzten bei der Einschätzung und der Therapie des Blutverlustes Fehler unterlaufen sind, die so erheblich vom medizinisch Üblichen abwichen, dass der Unfallbegriff erfüllt wäre. Diese Beurteilung wird auch von den Dres. med. B.________, FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, (Stellungnahme vom 1. Dezember 2001) und S.________ (im undatierten Gutachten zur Pathophysiologie) gestützt. 3.5 Es braucht nicht geklärt zu werden, ob und allenfalls welche Bedeutung dem Leitfaden des Universitätsspitals Zürich zur Plazentaretention für die Beurteilung des ärztlichen Vorgehens im konkreten Fall zukommt. Das ärztliche Prozedere in der Nachgeburtsperiode, die insofern pathologisch verlief, als sich eine Plazentaretention einstellte, wich jedenfalls selbst nach dem erwähnten Leitfaden nicht ganz erheblich vom medizinisch Üblichen ab. Darin wird (in Ziff. 6.9.1) festgehalten, dass 30 Minuten nach der Geburt ein aktives Vorgehen mit einer Syntocinongabe, Entleerung der Harnblase, Eisbeutel auf Uterus und Ansetzen des Kindes einsetzen soll. Bei Erfolglosigkeit dieser Massnahmen soll das Blut aus der Nabelschnur abgelassen werden, danach wiederum Syntocinon (i.v.; Infusion) verabreicht und bei Erfolglosigkeit der sog. Credé-Versuch unternommen werden. Nach einer Stunde habe die manuelle Plazentalösung zu erfolgen. Bei Plazentaretention mit verstärkter Blutung (Ziff. 6.9.1.1) - an einer solchen fehlte es indessen im Falle der Versicherten (Erw. 3.2 hievor; Austrittsbericht des Dr. med. E.________ vom 31. August 1998) - ist unverzüglich eine manuelle Lösung angezeigt. Aus dem Partogramm geht hervor, dass nach der Geburt des Kindes (12.25 Uhr) um 12.27, 12.50 und 13.10 Uhr je 5 Einheiten Syntocinon ("Synto") verabreicht wurden. Nachdem die Plazentaretention manifest wurde, entschlossen sich die Ärzte nach Ausschöpfung aller konservativen Massnahmen 15 bis 25 Minuten postpartal zur manuellen Plazentalösung, welche (bei erschwerter Lösung und Verbleiben von Plazentarückständen) mit einer massiven Blutung einherging. Damit erfolgte der operative Eingriff zum einen fachgerecht nach Ausschöpfung der konservativen Massnahmen und zum anderen zeitgerecht. Ein grober Behandlungsfehler, wie er vorliegend einzig relevant ist, fällt auch diesbezüglich ausser Betracht.