Citation: 8C_689/2009 16.02.2010 E. 4

Die Frage, ob sich der Beschwerdeführer auch beim ersten Unfall eine der erwähnten Gesundheitsschädigungen zugezogen hat, oder ob insgesamt eine psychische Problematik im Vordergrund steht, kann letztlich offen gelassen werden, da die Adäquanz der Beschwerden zu den versicherten Unfällen auch in Anwendung der für den Beschwerdeführer günstigeren Rechtsprechung (Urteil 8C_349/2009 vom 17. August 2009 E. 4) verneint werden muss. 4.1 Falls im Anschluss an zwei oder mehrere Unfälle eine psychische Fehlentwicklung eintritt, hat die Adäquanzprüfung grundsätzlich für jeden Unfall gesondert gemäss der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen zu erfolgen (Urteile [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 403/05 vom 20. Dezember 2006 E. 2.2.2, U 39/04 vom 26. April 2006 E. 3.2.2 und 3.3.2, in: SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1, und U 297/04 vom 16. Dezember 2005 E. 4.1.2, je mit Hinweisen). Gleiches gilt prinzipiell auch bei einer Mehrzahl von Unfällen mit Schleudertrauma der HWS oder gleichgestellter Verletzung (Urteil [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 297/04 vom 16. Dezember 2005 E. 4.1.2 mit Hinweis). In diesem Rahmen ist es rechtsprechungsgemäss jedoch nicht generell ausgeschlossen, die wiederholte Betroffenheit desselben Körperteils bei der Adäquanzprüfung zu berücksichtigen. Letzteres ist insbesondere dann denkbar, wenn die Auswirkungen der verschiedenen Ereignisse auf gewisse Beschwerden und/oder die Arbeitsfähigkeit nicht voneinander abgegrenzt werden können (Urteil [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 39/04 vom 26. April 2006 E. 3.3.2, in: SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1). Der hinreichend nachgewiesenen, durch einen früheren versicherten Unfall verursachten dauerhaften Vorschädigung der HWS kann diesfalls bei der Beurteilung der einzelnen Kriterien - beispielsweise der besonderen Art der Verletzung, des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit (neu: der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen) oder der Dauer der ärztlichen Behandlung (neu: fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung) - Rechnung getragen werden (bereits erwähntes Urteil U 39/04 [E. 3.3.2]). 4.2 Die Schwere des Unfalles ist auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Die Vorinstanz qualifizierte die Ereignisse vom 27. November 2002 (Ausrutschen auf dem nassen Küchenboden mit Anschlagen des Kopfes an einer Tischbeinkante) und vom 4. Januar 2004 (Frontalkollision als Autofahrer ohne schwerwiegende körperliche Folgen für den Versicherten oder Angehörige) als mittelschwer und dies weder im Grenzbereich zu den leichten noch zu den schweren Unfällen. Das wird im letztinstanzlichen Verfahren auch vom Beschwerdeführer zu Recht nicht mehr bestritten, ist doch die vorinstanzliche Einstufung insbesondere des ersten Unfalls als wohlwollend zu bezeichnen. Die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges wäre demnach nur dann zu bejahen, wenn eines der in BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. angeführten Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter oder mehrere dieser Kriterien in gehäufter Weise erfüllt wären. 4.2.1 Der Beschwerdeführer macht zu Recht nicht geltend, das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderer Eindrücklichkeit der Unfälle sei erfüllt. Ebensowenig ist der Heilungsverlauf - auch der Rissquetschwunde am Hinterkopf und der Fraktur des kleinen Fingers - als schwierig anzusehen, noch kam es zu erheblichen Komplikationen. 4.2.2 Die Verletzungen, welche sich der Beschwerdeführer bei den Unfällen zugezogen hat, waren nicht besonders schwer. Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, ist hingegen speziell geeignet die "typischen" Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist (vgl. Urteile 8C_69/2009 vom 3. September 2009 E. 4.3.3, 8C_154/2009 vom 5. Juni 2009 E. 5.3, 8C_785/2007 vom 11. Juni 2008 E. 4.4). Eine entsprechende Qualifikation der erlittenen Verletzungen rechtfertigt sich indessen nur bei Vorliegen einer erheblich vorgeschädigten Wirbelsäule (vgl. Urteile 8C_759/2007 vom 14. August 2008, E. 5.3 und 8C_61/2008 vom 10. Juli 2008 E. 7.3.2). Es kann vorliegend offenbleiben, ob das Kriterium hier eventuell als erfüllt gelten kann, ist es doch mit Sicherheit nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. 4.2.3 Eine fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung musste der Beschwerdeführer nicht über sich ergehen lassen. So hatte er im Sommer 2003 nicht einmal den dringend empfohlenen Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik X.________ angetreten, weil er in den Ferien weilte, als das Aufgebot eintraf. Entgegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift können diese Ferien nicht als Entschuldigung für das Fernbleiben gelten, hatte er durch die bereits am 5. Mai 2003 erfolgte Anmeldung doch gewusst, dass er sich für eine stationäre Behandlung bereit halten muss. Offenbar hat er die Unfallversicherung vorgängig nicht um Zustimmung für seinen geplanten Auslandaufenthalt ersucht oder sie über diesen orientiert, weshalb die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen ist, dass er die unterbliebene Rehabilitation selbst zu verantworten hat. Die weiteren medizinischen Massnahmen bestanden im Einnehmen von Medikamenten. Damit gehen auch die tatsächlich erfolgten Behandlungen nicht über das übliche Mass bei den vom Beschwerdeführer erlittenen Verletzungen hinaus. 4.2.4 Entgegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift gilt die Verordnung eines Halskragens und das eventuell zu lange Tragen desselben nicht als ärztliche Fehlbehandlung (SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142 E. 5.6). 4.2.5 Das Kriterium der erheblichen Beschwerden ist aufgrund der glaubhaften Schmerzen und der Beeinträchtigung, welche der Versicherte durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt, wenn überhaupt, höchstens in der einfachen Form zu bejahen. Was das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen betrifft, ist entscheidend, dass der Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Schritte für eine berufliche Wiedereingliederung unternommen hat. Er hat weder nach dem ersten noch nach dem zweiten Unfall einen Arbeitsversuch absolviert oder Abklärungen über eine eventuelle andere zumutbare Tätigkeit durchgeführt. Da der Beschwerdeführer überhaupt keine Anstrengungen für eine Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit gemacht hat, ist auch dieses Kriterium in der nunmehr geltenden Fassung gemäss BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 nicht erfüllt. 4.3 Da mithin keines der massgeblichen Kriterien besonders ausgeprägt vorliegt und selbst dann, wenn man zugunsten des Beschwerdeführers die beiden Kriterien der erheblichen Beschwerden und der besonderen Art der erlittenen Verletzung als erfüllt erachten würde, die Kriterien nicht in gehäufter Weise gegeben sind, ist die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges zwischen den Unfallereignissen vom 27. November 2002 sowie vom 4. Januar 2004 und den über den 1. Januar 2006 hinaus anhaltend geklagten, organisch nicht im Sinne der Rechtsprechung hinreichend nachweisbaren Beschwerden zu verneinen. Somit ist die Leistungseinstellung auf dieses Datum hin rechtens.