Citation: 6B_1038/2017 E. B

Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich erhob Berufung. Der Beschuldigte sei des Mordes schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren zu belegen. X.________ beantragte die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Das Obergericht sprach ihn der vorsätzlichen Tötung schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren (Urteil vom 26. Juni 2017). Dem Urteil des Obergerichts liegen zusammengefasst folgende Feststellungen zum Sachverhalt zugrunde: Nach der Trennung seiner Eltern lebte X.________, damals Primarschüler, bei seiner zunehmend schwer alkoholkranken Mutter. Als er neun oder zehn Jahre alt war, trank seine Mutter so viel, dass sie regelmässig über mehrere Tage nicht mehr aufstehen konnte. An manchen Tagen hatte er deswegen nichts zu essen und stahl ab und zu Brot. Aufgrund des Zustands seiner Mutter wollte er die Mittage nicht zuhause verbringen; während mehrerer Jahre wurde er in der Mittagszeit durch eine andere Familie betreut. Unter Alkoholeinfluss schlug die Mutter ihren Sohn. Der getrennt lebende Vater schritt gegen diese Zustände nicht ein, obwohl ihn der Sohn mehrmals um Hilfe bat. Nach langer Leidenszeit verstarb die Mutter an den Folgen ihrer Alkoholsucht. Der damals 13-Jährige wohnte fortan mit seinem Vater zusammen. Dieser lehnte es ab, den Sohn im Hinblick auf eine bessere Verarbeitung des Todes seiner Mutter psychologisch betreuen zu lassen. Vater und Sohn sprachen kaum miteinander. Des Letzteren Versuche, Nähe zum Vater aufzubauen, scheiterten. Nach aussen hin - gegenüber Dritten wie dem Hausarzt oder dem Lehrmeister - setzte sich der Vater zwar für die Belange des Sohnes ein, bemühte sich etwa auch um ein Coaching für den mit schulischen Problemen kämpfenden Sohn. Im Verhältnis untereinander schikanierte er ihn aber, beschimpfte ihn und verhöhnte die verstorbene Mutter. Der gemeinsame Haushalt war in einem desolaten Zustand. In der Schule fiel X.________ zunehmend durch schlechte Leistungen und undiszipliniertes Verhalten auf. Zum Tatzeitpunkt stand X.________, nunmehr 19 ½-jährig, vor dem Abschluss seiner Lehre. Seit drei Monaten litt er an Magenproblemen und Übelkeit, weshalb es zu Absenzen bei der Arbeit und in der Gewerbeschule kam. Am Morgen des Tattages fühlte er sich unwohl und blieb im Bett. Um neun Uhr weckte ihn der Vater, schlug ihn ins Gesicht und forderte ihn auf, einen Arzt zu konsultieren. Am Nachmittag liess sich X.________ ärztlich untersuchen. Der Arzt sagte ihm, die Magenbeschwerden seien psychosomatischer Natur. Nachdem er dem Vater erklärt hatte, die gesundheitlichen Probleme seien Folge des Drucks der Lehrabschlussprüfungen, lachte dieser, nannte ihn ein "Weichei" und sagte, er gehe nach seiner Mutter, die ebenso unnütz gewesen sei. X.________suchte darauf sein Zimmer auf, weinte und entschloss sich in einem Zustand von Verzweiflung, Zukunftsangst, Enttäuschung und Wut, seinen Vater und anschliessend sich selber zu erschiessen. Er holte aus dem Schlafzimmer des Vaters eine Pistole mit Munition, lud die Waffe, wickelte eine Decke um den Arm, um die Pistole zu verbergen, trat - vorgebend, etwas zu suchen - ins Wohnzimmer hinter den fernsehenden Vater und schoss in dessen Hinterkopf. Von seinem Vorhaben, sich mit der Pistole selber umzubringen, nahm er Abstand und stellte sich der Polizei.