Citation: I 59/06 27.04.2007 E. 3

3.1 Im den laufenden Rentenleistungen zugrunde liegenden Entscheid hat die Verwaltung im Wesentlichen auf das Gutachten der Medizinischen Abklärungsstation am Spital X.________ (MEDAS) vom 23. August 2001 abgestellt, in welchem die Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung, eines Panvertebralsyndroms (je chronisches lumbospondylogenes, thorakovertebrales und zervikovertebrales Schmerzsyndrom), erhöhter arterieller Blutdruckwerte sowie des Verdachts auf eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung gestellt wurden. Insgesamt bestehe eine hälftige Leistungsfähigkeit für leichte Arbeiten. Die Beschwerdegegnerin ist auf das Rentenrevisionsgesuch vom 4. November 2004 eingetreten (vgl. Art. 87 Abs. 3 IVV) und hat es nach materieller Prüfung der Verhältnisse als unbegründet abgewiesen. Sie stützt sich hierbei auf einen Bericht des Hausarztes Dr. S.________ vom 21. Dezember 2004, ferner auf von diesem zu den Akten gegebene Berichte vom 18. und 26. Mai 2004 über (zum Teil schon 2003) in der Schmerzklinik Y.________ durchgeführte multidisziplinäre Untersuchungen, sodann auf einen Bericht der den Versicherten seit dem 7. Mai 2002 behandelnden Frau Dr. A.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 6. Dezember 2004. Die Verwaltung hat das Dossier dem Regionalen Ärztlichen Dienst der IV-Stellen (RAD) vorgelegt, welcher am 7. April 2005 zum Schluss kam, es sei keine objektive und wesentliche Verschlimmerung des Gesundheitszustandes auszumachen. Das kantonale Gericht ist dieser Sichtweise im Wesentlichen gefolgt. 3.2 Im Lichte der für die ausnahmsweise Annahme einer invalidisierenden Wirkung der somatoformen Schmerzstörung (BGE 130 V 352, 396; 131 V 49) aufgestellten Leitkriterien besteht beim noch relativ jungen, im Zeitpunkt des Einspracheentscheides 47-jährigen Versicherten hinreichender Anlass, die Verhältnisse psychiatrisch gründlich abzuklären. Eine eigentliche fachärztliche psychiatrische Exploration (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.2 S. 353), die den Anforderungen an die Begutachtung eines Schmerzpatienten genügt, hat zuletzt anlässlich der Abklärung in der MEDAS im April 2001 stattgefunden. Die im Zusammenhang mit späteren Abklärungen und Behandlungen entstandenen Berichte, namentlich jene der Schmerzklinik Y.________ - als einer in erster Linie somatisch ausgerichteten Institution -, ersetzen eine spezifisch psychiatrische Begutachtung nicht. Zudem sind sie bei Gelegenheit der vom Hausarzt immer wieder neu initiierten Suche nach einem wirksamen Therapiekonzept erstattet worden und nicht mit Blick auf die Ermittlung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. 3.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen langjährigen Schmerzpatienten, der zumindest seit 1993 wegen seiner diversen Rückenleiden praktisch ununterbrochen sowie mit wechselnden therapeutischen Ansätzen stationär und ambulant behandelt wurde und immer noch wird, ohne dass es jemals zu längeren beschwerdefreien Intervallen gekommen wäre. Er hat sich immerhin drei Operationen (1995, 1998, 1999) unterzogen, in deren Gefolge sich ebenfalls keine Beschwerdefreiheit einstellte (Bericht des Psychiatrischen Dienstes am Spital Z.________ vom 22. September 2000). In den Arztberichten finden sich zwar auch gewisse Hinweise, die auf das Fehlen einer versicherten Gesundheitsschädigung hindeuten könnten (vgl. BGE 131 V 49 S. 51), so die immer wieder beschriebene Aggravationstendenz. Zu beachten ist diesbezüglich aber, dass Verdeutlichung zum normalen Bild einer Schmerzerkrankung gehört. Hinzu kommt, dass das Revisionsgesuch vom 4. November 2004 zeitlich mit der Aussteuerung durch die Arbeitslosenversicherung (auf Ende Oktober 2004) zusammenfällt. Diese Punkte dürfen indessen nicht isoliert betrachtet werden; es ist eine Gesamtbeurteilung erforderlich. Das - aus psychiatrischer Sicht - seit langem chronifizierte Beschwerdebild dürfte durch die andauernde medizinische Behandlung begünstigt und verfestigt worden sein. Es ist heute, nach vielen Jahren ununterbrochener Arbeitsabstinenz, völlig unklar, ob der dekonditionierte Beschwerdeführer noch die Möglichkeit hat, die erforderliche Willensanstrengung aufzubringen, um trotz seiner Beschwerden einer Teilzeitarbeit nachzugehen. Die behandelnde Psychiaterin Dr. A.________ verneint die Möglichkeit zur Mobilisierung entsprechender Ressourcen. Diese Auffassung wird mit Stellungnahme des RAD vom 7. April 2005 nicht schlüssig widerlegt, weil sich der IV-Arzt nicht auf eine aktuelle psychiatrische Untersuchung stützen kann. In diesem von der behandelnden Ärztin festgestellten Fehlen von Ressourcen liegt eine vom MEDAS-Gutachten aus dem Jahre 2001 abweichende Feststellung, wurde doch dort eine therapeutische Verbesserung des psychischen Zustands als möglich betrachtet. Entgegen der ansonsten zutreffenden vorinstanzlichen Würdigung kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Sachverhalt (und nicht bloss seine Beurteilung) geändert hat. Es bedarf einer entsprechenden Entscheidungsgrundlage, welche sowohl Angaben über die Entwicklung des bisher berücksichtigten Leidens wie auch über allfällige zusätzliche Gesundheitsschädigungen umfasst.