Citation: 6S.114/1999 12.05.2000 E. 1

1.- Hinsichtlich des Schuldspruchs wegen mehrfachen versuchten Mordes macht der Beschwerdeführer geltend, die Vorinstanz verletze mit der Annahme eines auf Tötung gerichteten Eventualvorsatzes Art. 18 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 112 StGB. Die Vorinstanz hat sich sowohl in tatsächlicher wie auch in rechtlicher Hinsicht eingehend mit der Frage des Tötungsvorsatzes auseinander gesetzt (Urteil S. 80-84; S. 91-93). Im Lichte der von ihr für das Bundesgericht verbindlich festgestellten Tatsachen (Art. 277bis Abs. 1 BStP) hat die Vorinstanz mit der Annahme von Mordvorsatz kein Bundesrecht verletzt. Die Vorinstanz (S. 81 oben) stellt fest, dass X. objektiv mehrmals in Lebensgefahr war, einerseits durch die mehrmalige Beeinträchtigung der Atmung mittels Plastiksack und andererseits durch wiederholtes Untertauchen im Wasser während kürzeren oder längeren Zeitabschnitten; sie stellt fest, dass der Todeseintritt lediglich vom Zufall abgehangen habe. Es sei Allgemeinwissen, dass wiederholtes Unterbrechen der Sauerstoffzufuhr während längerer Zeitabschnitte ein hohes Todesrisiko mit sich bringe. Der Beschwerdeführer habe während der ganzen Misshandlungen, namentlich als er X. verschiedene Male brutal untertauchte und den Plastiksack über ihren Kopf stülpte und zuzog, immer wieder vom Sterben gesprochen. Bei der Visionierung der Stelle im Video B, in der sich X. 36 Sekunden unter Wasser befindet, habe die Vorinstanz realisiert, wie unglaublich lange 36 Sekunden sein können, "sie erscheinen endlos". Man habe das Bedürfnis einzugreifen und möchte das Kind aus dem Wasser ziehen. Auf dem Video sehe man deutlich, dass nicht nur einmal, sondern dreimal unter Wasser Luft aus Mund und Nase austrete und dass unübersehbar Luftblasen aufstiegen, die auch für jeden Laien ein eindeutiges und konkretes Anzeichen dafür seien, dass das Kind zu ertrinken drohe. Dies stelle Allgemeinwissen dar. Der Beschwerdeführer habe jedoch das zweijährige Kleinkind nicht beim ersten Mal aus dem Wasser geholt, als diese Zeichen höchster Lebensgefahr im wahrsten Sinne des Wortes aufgetaucht seien, sondern habe sein Opfer weiter unter Wasser gehalten. Als er es dann endlich nach dem dritten Austritt von Luftblasen losgelassen habe - und nicht etwa aktiv heraufgeholt habe -, habe sich das Kind aufgerappelt und sei vollständig erschöpft und benommen gewesen. Es habe blaue Lippen gehabt, gehustet und gekeucht. Im Video B gebe es eine weitere und auch im Video A gebe es zwei Szenen, in denen das Kind während je 26 Sekunden unter Wasser gehalten werde und Luftblasen aus Mund und Nase austreten würden, in einem Fall dreimal und in einem Fall sogar fünfmal. Auch das Husten sei ein deutlich wahrnehmbares Zeichen, dass sich das Kind in höchster Gefahr befinde. Von grausamer Eindrücklichkeit sei sodann die Szene im Video E, welche das Gericht visioniert habe, bei der die Luftzufuhr insgesamt 31 Sekunden unterbrochen wurde. X. ringe unter dem zusammengezogenen Plastiksack nach Luft, wobei sich der Sack über dem aufgerissenen Mund stark einbuchte; sie bekomme einen blauen Kopf. Eine ähnliche Sequenz finde sich im Film A, in welchem dem Kind sogar die Arme auf dem Rücken gefesselt worden seien, was die Atmung zusätzlich erschwert habe. Es kippe nach dem Entfernen des Plastiksackes erschöpft zur Seite. Es sei jedermann bekannt, dass es gefährlich sei, einen Plastiksack über den Kopf zu stülpen und dies plötzlich zum Tod führen könne. Die Vorinstanz gelangt zur festen Überzeugung, die Aussage des Experten sei richtig, dass es damals auf des Messers Schneide stand, ob das zweijährige Mädchen überleben würde oder nicht und dass der Beschwerdeführer den Tod ausgereizt habe, indem er das Kind am Rande des Todes malträtierte und sich an dessen Qualen und Todesängsten weidete. Der Beschwerdeführer habe bei den Misshandlungen zielgerichtet gehandelt. Er sei in der Lage gewesen, die Kamera zu bedienen, das Telefon abzunehmen und ein normales Gespräch zu führen, weshalb er auch in der Lage gewesen sei, das augenscheinlich grosse Risiko für das Kind zu erkennen. Er habe damit den Tod des Kindes in Kauf genommen. Die Vorinstanz setzt sich eingehend mit den Argumenten der Verteidigung gegen die Annahme eines Eventualvorsatzes auseinander (Urteil S. 83/84). Die Einwendungen des Beschwerdeführers sind unbegründet. Er macht zunächst geltend, die Vorinstanz habe sich nicht mit der Frage befasst, ob nicht anstelle von Tötungsvorsatz Gefährdungsvorsatz im Sinne von Art. 129 StGB anzunehmen sei. Nachdem die Vorinstanz gestützt auf ihre tatsächlichen Feststellungen zutreffend auf Tötungsvorsatz geschlossen hat, erübrigte es sich, auf die Frage einzugehen, ob der subsidiäre Tatbestand von Art. 129 StGB allenfalls erfüllt sei. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz hätte berücksichtigen müssen, dass er gewusst habe, dass er das Kind der Mutter, einer Bekannten von ihm, im Beisein seiner Freundin abends wieder werde übergeben müssen. Wäre das Kind tot gewesen, hätte er nicht nur mit einer Anzeige und mit dem Verlust seiner Lebenssituation rechnen müssen, sondern auch mit dem Verlust seiner Beziehung zu seiner damaligen Geliebten, Frau S.________, die für ihn existenziell gewesen sei. Dieses vitale Interesse verbiete es, eine innere Einstellung anzunehmen, welche auf die Vernichtung des Kindes gerichtet gewesen sei. Der Einwand ist unbehelflich. Wer, wie dargelegt, ein Kind einer derart extremen Todesgefahr aussetzt wie hier, nimmt den Todeseintritt in Kauf, und zwar auch dann, wenn ihm der Tod des Kindes im Hinblick auf die hier geschilderten Folgen unerwünscht sein sollte. Im Übrigen hätte der Beschwerdeführer so, wie er das Ganze angerichtet hat, gegebenenfalls von einem Badewannen-Ertrinkungsunfall sprechen können. Unbehelflich ist auch der Einwand des Beschwerdeführers, er hätte ja die Tötung des Kindes jederzeit verwirklichen können, und die Tatsache, dass er dies nicht getan habe, sondern den lebensgefährlichen Zustand aktiv behoben habe, indiziere eine andere Einstellung als das Inkaufnehmen des Todes. Dieses Vorgehen beweist nur, dass der Beschwerdeführer möglicherweise keinen direkten Tötungsvorsatz hatte.