Citation: 2A.464/2003 26.01.2004 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer verbrachte seit 1990 als Saisonnier den Grossteil seiner Zeit in der Schweiz, wo er seit dem 29. Juni 1993 definitiv verblieb. Die Mutter von C.________ wurde damit zu dessen Hauptbezugsperson und behielt diese Rolle bis zum August 2001, als C.________ zu den Grosseltern mütterlicherseits zog. Zu prüfen ist, ob sich seit dem Zeitpunkt, als sich der Beschwerdeführer das Sorgerecht über C.________ übertragen liess, eine Änderung der Betreuungsverhältnisse aufdrängt. 3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Grosseltern mütterlicherseits seien nicht in der Lage, C.________ ausreichend zu betreuen und zu erziehen, und kritisiert die Würdigung der entsprechenden Arztzeugnisse durch das Verwaltungsgericht. Die Grossmutter mütterlicherseits von C.________ F.X.________, ist am ** ** 1938 geboren. Wie aus dem ärztlichen Attest der Gesundheitsanstalt H.________ vom 4. November 2002 hervorgeht, hat diese Grossmutter vor zehn Jahren einen Herzinfarkt erlitten, leidet seit 40 Jahren an hohem Blutdruck und wurde im Jahre 1996 an der Schilddrüse operiert. Die Ärztin zieht daraus den Schluss, die Grossmutter sei nicht zur Erziehung des Enkels fähig. Der Grossvater mütterlicherseits, der am ** ** 1939 geborene G.Y.________, wurde gemäss einem ärztlichen Attest derselben Gesundheitsanstalt seit 20 Jahren gegen Zuckerkrankheit behandelt und litt an Neuropathie sowie Veränderungen an den Füssen. Die Ärztin spricht auch ihm die Fähigkeit zur Erziehung seines Enkels ab; dabei berücksichtigt sie unter anderem die niedrigen Renten. Das ärztliche Attest für die Grossmutter stellt mehr eine Krankengeschichte als ein Arztzeugnis dar; insbesondere geht daraus weder hervor, ob und wie sich der vor zehn Jahren erlittene Herzinfarkt heute gesundheitlich auswirkt, noch wird präzisiert, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen ihr seit 40 Jahren erhöhter Blutdruck heute konkret mit sich bringt. Entsprechend ist der von der Ärztin gezogene Schluss, wonach die Grossmutter nicht fähig sei, den Enkel zu erziehen, nicht nachvollziehbar. Dasselbe gilt für den Grossvater: Aus dem ärztlichen Attest geht, abgesehen vom Hinweis auf eine Neuropathie sowie so genannte Veränderungen an den Füssen, nicht hervor, wie sich seine Zuckerkrankheit heute konkret auswirkt; vielmehr wird auf die mögliche Progression der Krankheit und allfällige Komplikationen hingewiesen. Auch hier ist die Schlussfolgerung der Ärztin, wonach der Grossvater nicht zur Erziehung seines Enkels fähig sei, nicht nachvollziehbar. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Grossmutter erst 65 Jahre und der Grossvater 64 Jahre alt ist, und dass der bald 16-jährige C.________ nicht mehr einer Betreuung wie ein kleines Kind bedarf. Damit aber verliert der körperliche gesundheitliche Zustand der ihn betreuenden Grosseltern zunehmend an Bedeutung. Dafür, dass die geistigen Fähigkeiten der Grosseltern, die für deren Erziehungsfähigkeit eine viel grössere Rolle spielen, in irgendeiner Weise beeinträchtigt wären, finden sich in beiden ärztlichen Attesten keine Anhaltspunkte. Es ist daher nicht einzusehen, weshalb die Grosseltern nicht für den 15-jährigen Knaben sollten sorgen können. Dazu kommt, dass die Mutter, die bis zum Jahre 2001 C.________s Hauptbezugsperson war, nach wie vor in Jugoslawien wohnt, wobei nicht bekannt ist, wo genau sie wohnhaft ist. In seiner Eingabe an das Verwaltungsgericht hatte der Beschwerdeführer geltend gemacht, das Verhältnis von C.________ zu seiner Mutter sei nicht schlecht, hingegen sei sein Verhältnis zu seinem Stiefvater distanziert und ohne emotionale Wärme, und dieser wolle nicht, dass C.________ bei ihm und der Mutter lebe; die Mutter passe sich diesbezüglich dem Willen ihres Mannes an. Ob diese Weigerung des Stiefvaters, C.________ bei ihm wohnen zu lassen, unumstösslich ist, ist zweifelhaft. Aber auch wenn C.________ weiterhin von seinen Grosseltern betreut wird, hindert ihn nichts daran, seine Mutter zumindest regelmässig zu besuchen; dass der Stiefvater seiner Lebenspartnerin verweigern sollte, ihren eigenen Sohn regelmässig zu sehen, ist doch kaum anzunehmen. Ebenso ist davon auszugehen, dass, falls sich die Gesundheit der Grosseltern plötzlich drastisch verschlechtern sollte, der Stiefvater sich wohl nicht mehr weigern würde, C.________ für die kurze Zeit bis zum Erwachsenenalter bei sich wohnen zu lassen. Ein Umzug in die Schweiz würde hingegen bedeuten, dass C.________ seine Mutter, die ihn von klein auf bis zu seinem 13. Lebensjahr erzogen hat, nur noch sehr selten sehen könnte, und würde eine eigentliche Entwurzelung darstellen. Die Integration in eine fremde Kultur ist für einen 15-Jährigen von vornherein nicht einfach, auch wenn C.________ die deutsche Sprache spricht. Es drängt sich daher im heutigen Zeitpunkt keine Änderung der Betreuungsverhältnisse auf. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, dass dem Beschwerdeführer das Sorgerecht über C.________ erst 2001 zugeteilt worden ist. Dass er sich weder während der der Zeit, als seine frühere Ehefrau und sein Sohn in Deutschland weilten (Ende 1992 bis Frühsommer 1997), noch unmittelbar danach, als sich abzeichnete, dass C.________ mit seiner Mutter wieder nach Jugoslawien zurückkehren würde, um eine Zuteilung des Sorgerechts an ihn bemühte, begründet der Beschwerdeführer heute damit, dass ein solches Gesuch damals völlig aussichtslos gewesen wäre. Ob dem so ist, kann naturgemäss rückwirkend nicht abschliessend beurteilt werden. Doch selbst wenn diese seine Hypothese zutreffen sollte, hätte der Beschwerdeführer die Aussichtslosigkeit eines Gesuchs um Neuzuteilung des Sorgerechts an ihn vor dem Jahre 2001 selber zu vertreten: Er ist im Jahre 1990 freiwillig in die Schweiz gereist, um dort ein paar Jahre als Saisonnier zu arbeiten, bevor er definitiv in der Schweiz blieb. Damit nahm er in Kauf, den bei seiner ersten Ausreise im Jahre 1990 erst gerade zweijährigen Sohn pro Jahr neun Monate nicht zu sehen und auch später nur anlässlich von Besuchsaufenthalten. Durch diese Konstellation entstand von Anfang an eine sehr enge Bindung nur zwischen C.________ und seiner Mutter, die ihn sozusagen vaterlos aufzog, und die Abweisung eines allfälligen Gesuchs um Umteilung des Sorgerechts vor 2001 durch die Behörden in Jugoslawien wäre in jeder Hinsicht nachvollziehbar gewesen. Das Verwaltungsgericht ist daher zu Recht zum Schluss gekommen, dass sich eine Änderung der Betreuungsverhältnisse im vorliegenden Fall nicht aufdrängt; die Verweigerung des Familiennachzugs ist mit Art. 17 Abs. 2 ANAG zu vereinbaren. 3.3 Wie erwähnt, kann sich der Beschwerdeführer in Bezug auf den Nachzug seines Sohnes auch auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen. Indessen ist der mit der Verweigerung des Familiennachzugs verbundene Eingriff im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK gerechtfertigt; es kann dafür auf das im Zusammenhang mit Art. 17 Abs. 2 ANAG Gesagte verwiesen werden. 3.4 Der in Art. 13 Abs. 1 BV garantierte Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens entspricht materiell der Garantie von Art. 8 EMRK und gewährt darüber hinaus im Bereich des Ausländerrechts keine zusätzlichen Ansprüche (BGE 126 II 377 E. 7 S. 394).