Citation: 8C_495/2022 E. 4.2

4.2. Wie die Vorinstanz richtig erkannte (vgl. E. 2.4 des angefochtenen Urteils), trägt grundsätzlich die Sozialbehörde die Beweislast für eine belastende Verfügung (vgl. Urteil 8C_140/2012 vom 17. August 2012 E. 7.2.2). Für den hier zu beurteilenden Fall bedeutet dies, die Sozialbehörde hat den Nachweis dafür zu erbringen, dass es sich bei den streitigen ins Ausland überwiesenen Beträgen um Einkünfte der Beschwerdeführerin handelt, die bei der Berechnung des Unterstützungsbedarfs anzurechnen sind. Ebenso richtig erwogen hat die Vorinstanz, dass sie sich für die Beurteilung des Sachverhalts veranlasst sehen kann, von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbekannte (Vermutungsfolge) zu schliessen (vgl. GUIDO WIZENT, Sozialhilferecht, 2020, S. 405 Rz. 1093). Es handelt sich dabei um Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezogen werden. Tatsächliche Vermutungen bewirken - entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen - keine Umkehrung der Beweislast zu Gunsten des Vermutungsträgers, sondern betreffen die Beweiswürdigung (BGE 130 II 482 E. 3.2 mit Hinweisen; zum Ganzen: vgl. FamPra.ch, 2018 S. 491, 5A_182/2017 vom 2. Februar 2018 E. 3.2.2 mit Hinweisen). Sie mildern die konkrete Beweisführungslast der beweisbelasteten Partei: Der Vermutungsträger kann den ihm obliegenden (Haupt-) Beweis unter Berufung auf die tatsächliche Vermutung erbringen (BGE 141 III 241 E. 3.2.2). Um die tatsächliche Vermutung zu entkräften, muss der Vermutungsgegner nicht den Beweis des Gegenteils antreten. Er kann sich mit dem Gegenbeweis begnügen. Das bedeutet, dass er Zweifel an der Richtigkeit der Indizien (Vermutungsbasis) und der daraus gezogenen Schlussfolgerung (Vermutungsfolge) wecken muss (BGE 135 II 161 E. 3 mit Hinweisen). Gelingt dem Vermutungsgegner der Gegenbeweis, so greift die tatsächliche Vermutung nicht mehr und der Beweis ist gescheitert. Es stellt sich, sofern der Vermutungsgegner nicht weitergehend das Gegenteil beweist, die Beweislosigkeit ein, deren Folgen den beweisbelasteten Vermutungsträger treffen (BGE 141 III 241 E. 3.2.2 mit Hinweisen).