Citation: 2C_880/2018 E. A

A.a. Die A.________ Plc (nachfolgend: A.________ Plc) ist eine Bank mit Sitz in Grossbritannien. Sie gehört zur Investmentbankengruppe A.________ mit Hauptsitz in New York, USA. Am 2. Mai 2008 wurde der A.________ Plc eine Dividende von brutto insgesamt Fr. 101'805'782.50 für 40'722'313 Aktien der B.________ AG (nachfolgend: B.________-Aktien) ausgeschüttet, von der die Verrechnungssteuer von 35% abgezogen worden war. Am 30. September 2008 reichte die A.________ Plc bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) einen Antrag auf Rückerstattung der Verrechnungssteuer im Umfang von 20% der Bruttodividende im Betrag von Fr. 20'361'156.50 auf dem Formular 86 ein (Rückerstattungsantrag Nr. xxx). A.b. Im Rahmen einer mehrjährigen Korrespondenz, welche die ESTV und die A.________ Plc hinsichtlich des vorgenannten Rückerstattungsantrags führten, machte die A.________ Plc unter anderem folgende Angaben: - Gefragt nach den wirtschaftlichen Gründen hinter dem Aktienkauf erklärte die A.________ Plc, der wirtschaftliche Grund für den Aktienkauf sei das "Hedging" eines besonderen Derivat-Arrangements gewesen, das die A.________ Plc mit einem Klienten eingegangen sei. Der Klient sei im Sommer 2007 auf die A.________ Plc zugekommen und habe nach einer "leveraged economic exposure" für einen Korb mit US-amerikanischen und europäischen Wertschriften gefragt, der B.________-Aktien beinhaltet habe. Das Geschäft sei als Teil der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der A.________ Plc, die Finanzierungslösungen für ihre weltweite Kundschaft anbiete, eingegangen worden. Gemäss den Vertragsbedingungen habe die A.________ Plc dem Klienten eine Wertsteigerung der B.________-Aktien vergüten müssen, während der Klient der A.________ Plc Wertverluste ausgleichen musste. Zusätzlich habe der Klient der A.________ Plc eine Finanzierungssumme ("charge") für die Absicherung ("hedging") bezahlen müssen. Der wirtschaftliche Effekt sei, dass der Klient dem Marktrisiko für die B.________-Aktien auf einer mit Hebelwirkung versehenen ("leveraged") Basis ausgesetzt sei, was es dem Klienten erlaube, den Preisbewegungen eines notionalen Werts ("notional value", also eines basierend auf echten Werten "gedachten" Wertes) zusätzlich zum Kapitaleinsatz ausgesetzt zu sein. Die Gegenpartei sei nur den Preisbewegungen der B.________-Aktien ausgesetzt. Sie verfüge darüber hinaus über keine Rechte. Die Laufzeit habe zwei Jahre betragen. Der Derivatvertrag sei unter einem Standard ISDA-Mastervertrag dokumentiert worden. Um sich abzusichern, habe die A.________ Plc B.________-Aktien erworben und gehalten. - Die A.________ Plc erklärte weiter, dass es zu ihrer Geschäftstätigkeit gehöre, Positionen abzusichern. Sie tue dies, indem sie entweder Derivatverträge abschliesse oder - wie in Bezug auf die B.________-Aktien - Wertschriften kaufe. Soweit Wertschriften gekauft würden, bildeten diese Teil ihres Nettoinventarbestandes ("net inventory pool"), der auf die bestmögliche Weise aktiv bewirtschaftet würde. Mit den gesamthaft gehaltenen Wertschriftenpositionen würden diverse Handelsstrategien abgesichert. - Ferner teilte die A.________ Plc in Bezug auf den vorliegend relevanten Rückerstattungsantrag die Zusammensetzung des notionalen Aktienkorbes mit, der den Derivatverträgen zugrundegelegen hatte. An schweizerischen Wertschriften hatte dieser Aktienkorb nur B.________-Aktien enthalten. Die übrigen 24 Aktienarten seien ausländischen Gesellschaften zuzuordnen. Im Laufe der Transaktionen seien vier Derivatverträge mit drei Gesellschaften eingegangen worden, die vom gleichen Klienten kontrolliert würden. Der Klient sei eine in Europa domizilierte Investmentgruppe, die in Anlagevehikel investiere. Zwei der drei Gesellschaften seien in Nicht-EU Offshore-Gebieten domiziliert, während die Dritte in der EU domiziliert sei. Neben dem Risiko der Wertverminderung der Aktien habe der Kunde auch das Währungsrisiko unter einigen der Derivatverträge getragen. Alle Verträge hätten nur durch Zahlung ("cash settlement") erfüllt werden können. Es habe keine Übertragung von Aktien zur Vertragserfüllung ("physical settlement") gegeben. Die A.________ Plc habe dem Kunden die Finanzierungsgebühren gemäss dem anwendbaren "overnight" Zins (z.B. CHF-LIBOR-BBA oder EONIA) plus eine Marge basierend auf dem vollen notionalen Wert des zugrundeliegenden Aktienkorbes in Rechnung gestellt. Die A.________ Plc habe dem Klienten Beträge bezahlt, die aufgrund der für den Aktienkorb ausgerichteten Dividenden berechnet worden seien. Gemäss den Verträgen habe der Klient ein Geldpfand ( cash collateral) von bis zu 25% des notionalen Wertes des zugrundeliegenden Aktienkorbes zur Verfügung gestellt, wobei die A.________ Plc darauf Zinsen zum anwendbaren "overnight" oder eine "term rate" plus Marge bezahlt habe. Innerhalb des Korbes habe der Klient die Anteile ("stocks") erhöhen oder vermindern können. Die Aktien seien während der Dauer der Derivatverträge vom 8. Juni 2007 bis 8. Oktober 2008 gekauft oder verkauft worden. - Die Dividende im Mai 2008 auf den B.________-Aktien sei erst fast elf Monate nach Abschluss der Derivatverträge ausgerichtet worden. In den Monaten vor dem Stichtag seien keine B.________-Aktien gekauft worden. Die A.________ Plc habe im Gegenteil fast 3.9 Mio. Aktien im Monat vor dem Stichtag verkauft. Die Aktien seien mehr als fünf Monate nach dem Dividendenstichtag im Oktober 2008 verkauft worden, nachdem der Klient seiner vertraglichen Verpflichtung nicht nachgekommen sei. Die Aktien seien nicht vor dem Dividendenstichtag von Gegenparteien gekauft und danach diesen verkauft worden. Mit den Gegenparteien der Aktienkäufe seien keine derivative Transaktionen eingegangen worden. Die Dividende auf den B.________-Aktien sei von der A.________ Plc als alleinige rechtliche und wirtschaftliche Inhaberin der B.________-Aktien vereinnahmt worden. In Bezug auf die Dividende seien unter den Derivatverträgen Zahlungen in Höhe von 65% der Bruttodividende geleistet worden. Dessen ungeachtet brachte die A.________ Plc vor, dass die Dividende weder weitergeleitet worden, noch eine solche Weiterleitung an irgendeine Partei vorgesehen (gewesen) sei. - Als die Werte weltweiter Wertschriften im Oktober 2008 stark gefallen seien, habe die A.________ Plc einen "margin call" gemacht (also die Vertragspartnerin aufgefordert, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen), dem der Klient leider nicht entsprochen habe. Aufgrund dieser Vertragsverletzung habe die A.________ Plc den Vertrag gekündigt und damit begonnen, die Positionen, die sie zu Sicherungszwecken erworben hätte, zu veräussern, was auch beinhaltet habe, die B.________-Aktien auf eigenes Risiko im Oktober 2008 am Markt zu verkaufen. Infolge des Verkaufs des Aktienkorbes, der zur Absicherung der Derivatverträge gehalten worden sei, habe die A.________ Plc einen signifikanten Verlust erlitten, da die Werte der enthaltenen Aktien im Oktober 2008 stark gefallen seien. Es handle sich dabei um einen realen Verlust, der nicht durch den mittels der Derivatverträge erzielten Gewinn wettgemacht worden sei und nicht dem Klienten hätte überbunden werden können. A.c. Mit Brief vom 8. März 2012 wurde ein Verständigungsverfahren gestützt auf Art. 24 Abs. 1 des Abkommens vom 8. Dezember 1977 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Vereinigten Königreich von Grossbritannien und Nordirland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen (DBA CH-GB; SR 0.672.936.712) zwischen dem Staatssekretariat für Finanzfragen (SIF) und der britischen Steuerbehörde Her Majesty's Revenue and Customs (HMRC) eingeleitet. Die HMRC stellte sich zumindest vorläufig auf den Standpunkt, die Zahlung an die Gegenpartei erfolge ungeachtet dessen, ob die A.________ Plc tatsächlich B.________-Dividenden erhalte. Die A.________ Plc werde nicht als Stroh- oder Durchlaufgesellschaft benutzt und ihr komme das Nutzungsrecht an den Dividenden zu. Da weiterhin Gespräche zwischen der A.________ Plc und der ESTV stattfanden, wurde das Verständigungsverfahren Anfang 2013 auf Vorschlag der HMRC sistiert. Am 23. Juni 2014 verlangte die A.________ Plc von der ESTV eine anfechtbare Verfügung.