Citation: 8C_269/2009 13.11.2009 E. 5.1

5.1.1 Die Vorinstanz führt aus, bezüglich der Einstellung in der Anspruchsberechtigung infolge qualitativ und quantitativ ungenügender Bewerbungen lege der Versicherte glaubhaft dar, dass ihm die Notwendigkeit, sämtliche Arbeitsbemühungen in schriftlicher Form zu erläutern, nicht bewusst gewesen sei. Die Formulare über die Arbeitsbemühungen seien nicht bei den Akten, aber es sei mit dem Versicherten davon auszugehen, dass er sich jeweils telefonisch mit potentiellen Arbeitgebern in Verbindung gesetzt und hernach auf eine schriftliche Bewerbung verzichtet habe, soweit sich eine solche ohnehin als sinnlos erwiesen hätte. Durch eigenes Zutun habe er wenig später einen neuen, unbefristeten Arbeitsvertrag abschliessen können. Somit sei er tatsächlich bestrebt gewesen, "im Rahmen der Schadenminderungspflicht seine Arbeitslosigkeit zu beenden und sich um eine Arbeits-stelle zu bemühen". Auch wenn sein Vorgehen den gesetzlichen Vorgaben zuwidergelaufen sei, habe er aufgrund seiner faktischen Bemühungen von einem rechtmässigen Bezug der Arbeitslosentaggelder ausgehen können. Dies gelte auch für das Unterlassen der Bewerbung auf die ihm am 19. Juni 2007 zugewiesene Arbeitsstelle. Da die Zuweisung sich ebenfalls nicht bei den Akten befinde, sei zwar unklar, ob sie formell richtig erfolgt sei. Jedenfalls habe der Versicherte vorgebracht, es sei ihm nicht vermittelt worden, dass er "diesbezüglich eine Verpflichtung eingegangen" sei. Zudem habe er mit dem Personalberater über die zugewiesene Stelle diskutiert, jedoch keine Chance für eine Anstellung gesehen. Auf dieser Grundlage hat es das kantonale Gericht als "durchaus plausibel" und "nach dem massgeblichen Beweisgrad überwiegend wahrscheinlich" erachtet, dass der Beschwerdegegner nach Abwägung der Chancen und Risiken tatsächlich auf eine Bewerbung verzichtet habe, "ohne die angedrohte Rechtsfolge gewärtigt zu haben". Demgemäss sei sachverhaltsmässig davon auszugehen, dass er im Zeitpunkt des Bezugs der Arbeitslosentaggelder gutgläubig gewesen sei. Da ihm am 28. August 2007 gleichzeitig mit dem Erlass der Sanktionsverfügungen auch die Taggelder für den ganzen Monat August 2007 ausgerichtet worden seien, habe er im Übrigen auch nicht mit einer entsprechenden Rückforderung rechnen müssen. 5.1.2 Das beco bestreitet den im kantonalen Gerichtsentscheid festgestellten Sachverhalt nicht. Eine Verrechnung der Einstelltage mit den Arbeitslosentaggeldern für den Monat August 2007 entspreche allerdings nicht der Praxis. Zwar seien die drei Sanktionsverfügungen gleichzeitig mit der Ausrichtung der Entschädigung am 28. August 2007 ergangen, doch die Arbeitslosenkasse habe frühestens am Tag nach der Zahlung, also am 29. August 2007, von den Einstellungsverfügungen erfahren können. Die Tatsache, dass es bis zur Abmeldung von der Arbeitslosenversicherung (vorliegend auf Ende August 2007) nicht zu einer Tilgung der Einstelltage gekommen sei, bedeute nicht automatisch, dass die versicherte Person auf einen uneingeschränkten Taggeldanspruch schliessen dürfe. Eine versicherte Person müsse bereits aufgrund der Sanktionsandrohung für den Fall einer Pflichtverletzung anlässlich der Stellenzuweisung bzw. bei Erhalt des Mahnbriefs bezüglich Arbeitsbemühungen mit einer Sanktion rechnen und könne deshalb nicht mehr gutgläubig sein. Spätestens im Zeitpunkt der Gewährung des rechtlichen Gehörs zu einem vorgeworfenen Fehlverhalten sei der gute Glaube hinsichtlich der Sanktionslosigkeit ihres Tuns zerstört. Indem das kantonale Gericht schliesslich sinngemäss davon ausgehe, dass der Beschwerdegegner seine Schadenminderungspflicht im Zusammenhang mit Arbeitsbemühungen und Stellenzuweisung erfüllt habe, stelle es auch die Rechtmässigkeit der Sanktionen in Frage, welche zur Rückforderung geführt hätten. Doch dies könne nicht mehr Gegenstand dieses Verfahrens sein, weil die Einstellungsverfügungen unangefochten in Rechtskraft erwachsen seien.