Citation: 1C_520/2022 E. 2.1

2.1. Gemäss Art. 35 Abs. 2 lit. g EG-StPO/SG werden an andere als die in den lit. a-f genannten Personen und Behörden Strafakten herausgegeben und Auskünfte erteilt, wenn ein schützenswertes Interesse glaubhaft gemacht wird und der Einsichtnahme keine überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen. Die Anklagekammer regelt die Einzelheiten (Abs. 3). Diesem Auftrag ist die Anklagekammer mit der Weisung der Anklagekammer vom 12. Juni 2019 über die Herausgabe von Strafakten und die Erteilung von Auskünften nach rechtskräftigem Abschluss des Strafverfahrens (nachfolgend: Weisung der Anklagekammer) nachgekommen. Für die Vornahme der Interessenabwägung ist den betroffenen Personen Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen, sofern sie der Herausgabe nicht zugestimmt haben, trotz Anonymisierung Rückschlüsse auf sie gezogen werden könnten oder wenn bei wissenschaftlichen Zwecken keine Anonymisierung erfolgt (Art. 3 Abs. 1 und Abs. 3 i.V.m. Art. 5 Abs. 2 der Weisung der Anklagekammer). Kann dem Antrag nach Abwägung der Interessen nicht entsprochen werden, wird gemäss Art. 4 der Weisung der Anklagekammer geprüft, ob ihm teilweise oder in anderer Form stattgegeben werden kann (z.B. Anonymisierung/Einschwärzung, Beschränkung auf einzelne Dossiers, Abdeckung bestimmter Stellen).