Citation: 4A_544/2017 E. 4.3

4.3. Zutreffend ist hingegen ihr auf den konkreten Fall bezogenes Vorbringen, wonach der behandelnde Psychiater in einem seiner Berichte selber festgehalten habe, er habe eine "parteiische Position" und könne nicht neutral begutachten. Einleitend steht im Bericht wörtlich: "Ich kann in meiner Stellungnahme natürlich nicht meine therapeutische, d.h. parteiische Position aufgeben und 'neutral' begutachten, da ich als behandelnder Arzt unausweichlich dem Leidensdruck meines Patienten verpflichtet bin." In BGE 124 I 170 E. 4 S. 175, einem Straf- bzw. Haftfall, hielt das Bundesgericht fest, ein behandelnder Arzt, der eine Psychotherapie durchführe, sei natürlich darum besorgt, alles zu vermeiden, was seine Arbeit beeinträchtigen könnte. Insbesondere suche er zu vermeiden, bei seinem Patienten Ressentiments zu provozieren, die seine Aufgabe erschweren oder gar verunmöglichen würden. Indem der behandelnde Psychiater in seinem Bericht einleitend ausdrücklich auf seine Verpflichtung gegenüber dem Leidensdruck seines Patienten hinwies, brachte er sanft, aber dennoch deutlich zum Ausdruck, dass er mit dem fraglichen Bericht keineswegs die zu diesem Zeitpunkt andauernde psychiatrische Behandlung gefährden wollte - und zwar auch nicht durch eine möglichst neutrale Berichterstattung. Die Vorinstanz ging aber nicht auf diesen Vorbehalt des behandelnden Psychiaters an seinen eigenen Berichten ein, sondern ignorierte diesen. Sie hielt nämlich ungeachtet dessen pauschal fest, es bestünde kein Anlass, die Angaben des behandelnden Psychiaters in Zweifel zu ziehen. Dadurch hat sie diesen Berichten eine Tragweite beigemessen, die diese - wie deren Verfasser mit seinem Hinweis klarstellte - im konkreten Fall offensichtlich nicht hatten. Für die vorinstanzliche Beweiswürdigung bezüglich Arbeitsunfähigkeit waren diese Dokumente zentral und entscheidend (vgl. E. 3). Wurden sie willkürlich gewürdigt, fällt die vorinstanzliche Beweiswürdigung zur Arbeitsunfähigkeit in sich zusammen und erweist sich insgesamt als willkürlich. Bloss am Rande sei ergänzt, dass das Bundesgericht bereits im zit. Urteil 4A_66/2017 darauf hinwies, dass es sich bei diesen Berichten teilweise um Prognosen handeln dürfte (E. 5.2), solche aber nicht interessieren würden, sondern vielmehr die tatsächliche Entwicklung (E. 5.1) - auch dies überging die Vorinstanz bei ihrer Würdigung. Unter primärer Abstützung auf die Berichte des behandelnden Psychiaters kann in vorliegendem Fall die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdegegners nicht willkürfrei als bewiesen erachtet werden. Dadurch würde diesen Berichten nämlich eine Tragweite zugemessen, die sie in concreto offensichtlich nicht haben. Wie das Bundesgericht bereits in E. 5.2 des zit. Urteils 4A_66/2017 festhielt, begnügte sich der Beschwerdegegner zum Nachweis der von ihm behaupteten Arbeitsunfähigkeit nicht mit der Einreichung der Berichte der behandelnden Psychiater, sondern beantragte als weiteres Beweismittel ein Gutachten. Ein Entscheid in der Sache durch das Bundesgericht ist vor Abnahme dieses Beweismittels nicht möglich. Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und an die Vorinstanz zu neuer Beurteilung zurückzuweisen. Dies mit der verbindlichen Anordnung, das beantragte gerichtliche Gutachten in Auftrag zu geben. Auf den Zusammenhang, in dem diese ärztlichen Berichte gemäss Beschwerdeführerin eingeholt worden sein sollen, sowie auf die angebliche Verletzung von Art. 168 Abs. 1 ZPO kommt es daher nicht mehr an. Erstgenannter Punkt hätte allerdings ohnehin nicht behandelt werden können, da es sich dabei um eine Ergänzung des vorinstanzlich festgestellten Sachverhalts handelt, ohne dass dabei die zu beachtenden Vorgaben (E. 2.2) eingehalten worden wären.