Citation: 1C_881/2013 E. 2.2

2.2. Es trifft zu, dass sich weder Staatsanwaltschaft noch Obergericht zur "sexuellen Nötigung" geäussert haben. Dabei wurde die Beschwerdeführerin nach ihrer Darstellung vom Beschwerdegegner anlässlich der körperlichen Untersuchung aufgefordert, sich bis auf den Slip auszuziehen. Er habe ihre wehrlose Situation ausgenützt und verlangt, ihm ihre Brüste zu zeigen, da er ihre Herztöne sonst nicht abhören könne. Die anwesende Betreuerin habe Grimassen gezogen und ihr bedeutet, sie solle als Frau "nicht so tun". Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor: "Selbstverständlich tasteten seine Finger mit dem Abhörgerät (Stethoskop?) auf meine Brüste - (per excusé). Furchtbar!" Es ist ohne weiteres nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin die körperliche Untersuchung durch den Beschwerdegegner als unangenehm und demütigend empfunden haben mag, vor allem weil sie nicht auf ihre Initiative hin und nicht vom Arzt ihres Vertrauens durchgeführt wurde. Ihre Schilderung vermag indessen keinen Verdacht auf ein strafbares Verhalten des Beschwerdegegners zu begründen. Eine Nötigung fällt schon deshalb ausser Betracht, weil die Beschwerdeführerin nicht einmal behauptet, der Beschwerdegegner habe Gewalt angewandt oder ihr ernsthafte Nachteile angedroht, um sie gefügig zu machen. Ihre Darstellung des Vorfalls gibt zudem keinen Hinweis darauf, dass der Beschwerdegegner ihre sexuelle Integrität verletzt haben könnte. Eine körperliche Untersuchung, die u.a. die Überprüfung der Herz- und Lungenfunktionen, das Abtasten des Bauchraumes und der Leber, die Auskultation des Darmes, die Besichtigung der oberen und unteren Extremitäten auf ihre Durchblutung, Beweglichkeit, Narben, etc. umfasst, lässt sich offensichtlich nur am nackten Körper vornehmen. Die Aufforderung des Beschwerdegegners an die Beschwerdeführerin, sich bis auf den Slip auszuziehen, erfolgte somit im Rahmen des ärztlichen Untersuchungsauftrags. In der Natur der Sache liegt, dass Herz und Lungen dort abgehört werden müssen, wo sich diese Organe befinden; dass der Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin mit dem Stethoskop im Bereich der Brüste berührte, ist anatomisch bedingt und war medizinisch erforderlich. Die Schilderung der Beschwerdeführerin bietet somit keinen Grund zur Annahme, dass sie vom Beschwerdegegner aus sexuellen Motiven über das medizinisch Notwendige hinaus zum Ausziehen angehalten und an den Brüsten berührt bzw. begrapscht worden sein könnte. Gegen einen solchen Verdacht spricht im Übrigen auch der Umstand, dass der Beschwerdegegner die Untersuchung in Anwesenheit einer Krankenpflegerin durchführte, was dem üblichen Vorgehen entspricht, um sowohl die Explorandin vor sexuellen Übergriffen zu schützen als auch den Arzt vor ungerechtfertigten Anschuldigungen.