Citation: 2C_35/2019 E. 4.4.3

4.4.3. Angesichts der dargelegten Grundsätze (vorne E. 4.1) erscheint es bundesrechtswidrig, für die Ehefrau kein Einkommen anzurechnen. Es liegt ein konkreter Arbeitsvertrag vor, der sowohl von der Beschwerdeführerin als auch von der B.________ AG unterschrieben ist, welcher die Vorinstanz grundsätzlich eine Geschäftstätigkeit attestiert. Dass sie nicht unter den Ausstellern der C.________ 2018 zu finden ist, lässt noch nicht auf unsolide Geschäftstätigkeit schliessen. Die Argumentation der Vorinstanz, es sei nicht ersichtlich, weshalb die Tätigkeit gerade durch die Beschwerdeführerin ausgeführt werden müsse, die unqualifiziert sei und keine Deutschkenntnisse habe, während die Stelle auch durch bereits in der Schweiz anwesende Personen besetzt werden könnte, kann nicht überzeugen. Die Arbeitgeberin ist grundsätzlich frei, wen sie anstellen möchte. Die Argumentation, auch eine andere Person könnte die Tätigkeit wahrnehmen, könnte praktisch in jedem Fall vorgebracht werden und schlösse den Familiennachzug weitgehend aus. Liegt ein beidseitig unterzeichneter Arbeitsvertrag vor, so ist grundsätzlich von einer Erwerbsmöglichkeit auszugehen, solange nicht konkrete Hinweise für das Gegenteil vorliegen. Solche Hinweise werden von der Vorinstanz nicht rechtsgenüglich festgestellt: Es ist nicht abwegig, dass die potentielle Arbeitgeberin die Beschwerdeführerin als Hilfskraft im Verkauf anstellen möchte, zumal sie Produkte und Lebensmittel aus deren Heimatland verkauft. Auch dass sie die Stelle während des Verfahrens für die Beschwerdeführerin freigehalten hat, genügt nicht, um den Arbeitsvertrag in Zweifel zu ziehen; eine solche Argumentation hätte zur Folge, dass praktisch in jedem Fall, in welchem sich das Bewilligungs- und Rechtsmittelverfahren in die Länge zieht, eine Erwerbsmöglichkeit zu verneinen wäre. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz erlauben solche pauschalisierte Gründe bei gleichzeitigem Vorliegen eines Arbeitsvertrags nicht den Schluss, dass die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Einreise kein Erwerbseinkommen erzielen werde. Sodann vermag auch die finanzielle Situation des Beschwerdeführers die Nichtberücksichtigung einer potenziellen Einkommenserzielung durch die Beschwerdeführerin nicht zu rechtfertigen. Zwar hat der Beschwerdeführer in der Vergangenheit Schulden angehäuft und auch bereits Sozialhilfeleistungen bezogen. Bei der Beurteilung eines Familiennachzugsgesuch ist jedoch die aktuelle finanzielle Situation sowie die wahrscheinliche Entwicklung auf längere Sicht massgebend, wobei die finanziellen Möglichkeiten aller Familienmitglieder zu berücksichtigen sind (vorne E. 4.1).