Citation: 5A_637/2018 E. 4.1

4.1. Das Kantonsgericht erwog, massgebend sei, welches Betreuungskonzept dem Kind am meisten diene. Die Mutter habe auch bei jüngeren Kindern keinen natürlichen Vorrang. Entscheidend seien die innere Bindung zwischen Eltern und Kind, die Erziehungseignung, die Möglichkeit der persönlichen Betreuung und die Kontinuität sowie Stabilität der Verhältnisse. Ein Kind solle nach Möglichkeit nicht aus seinem gewohnten Umfeld gerissen werden. Weiter von Bedeutung seien die Möglichkeit und das Bestreben, das Kind seinen Bedürfnissen gemäss zu fördern und zu unterstützen. Zu beachten sei auch die Einstellung gegenüber dem jeweils anderen Elternteil und der Wille, die Kontakte des Kindes zu jenem zu bejahen und zu pflegen. Dem eigenen Wunsch des Kindes komme zudem mit steigendem Alter immer grössere Bedeutung zu. Ausschlaggebend seien nicht einzelne Faktoren. Vielmehr sei in einer Gesamtbilanz für das Kind und mit Blick auf die Gegenwart sowie die Zukunft abzuwägen, welche Betreuungsregelung sein Wohl am besten wahre. Zunächst prüfte das Kantonsgericht, ob C.________ in der gemeinsamen elterlichen Obhut belassen werden könne; das Gericht habe dies stets bzw. unabhängig von Anträgen der Eltern zu prüfen. Die Erziehungsfähigkeit beider Eltern sei unbestritten gegeben. Bezüglich der Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit seien die Schwierigkeiten der Eltern offensichtlich. Trotzdem sei es den Eltern gelungen, den Alltag von C.________ gemeinsam zu meistern und zu organisieren; der Alltag von C.________ klappe. Namentlich bestünden keine Differenzen in grundsätzlichen Erziehungsfragen. Unter dem Kriterium der Kontinuität hielt das Kantonsgericht fest, C.________ sei es seit der Trennung der Eltern gewohnt, dass sich Vater wie Mutter im Alltag um sie kümmerten, auch wenn der Anteil der Mutter seit jeher etwas grösser gewesen sein möge. Entsprechend fühle sich C.________ im Lebensumfeld der Mutter wie des Vaters wohl und zuhause; beide Eltern seien heute ihre Hauptbezugspersonen. Die Betreuungsqualität beider Eltern sei offensichtlich gut; beide könnten kindgerecht und altersadäquat mit ihrer Tochter umgehen. Indes könne die Mutter C.________ an mehr Tagen persönlich betreuen als der Vater, der zu 100 % als Selbständigerwerbender arbeite, einen Betrieb führe und ein Geschäft aufbaue. Zwar möge der Vater beruflich flexibel sein, würde er C.________ aber voll betreuen, wäre er dennoch mehr abwesend als die Mutter. Dennoch spreche das Kriterium der persönlichen Betreuung nicht gegen den Vater bzw. gegen eine alternierende Obhut, seien doch insgesamt beide Eltern auf eine Drittbetreuung angewiesen. Beide Fremdbetreuungsvarianten seien gleichwertig und von guter Qualität. Schliesslich sei C.________ eine Drittbetreuung seit Jahren gewohnt. Auch seien beide Eltern für allfällige Betreuungs- oder anderweitige Notfälle gerüstet. Ferner schienen beide Eltern ausreichend und gleichwertig in ein soziales Netzwerk eingebunden zu sein. Sodann vermöchten beide Eltern ihrem Kind gute Freizeitaktivitäten zu bieten; der Vater hauptsächlich auf dem Land und die Mutter in der Stadt. Ein Vorteil der Stadt möge für das allergiegeplagte Mädchen die grössere Nähe zum Kinderspital und die breitere, schneller zugängliche medizinische Versorgung darstellen. Die Bindungstoleranz sei bei beiden Eltern eingeschränkt, aber für eine alternierende Obhut immer noch ausreichend gegeben, sofern die Eltern begleitet würden. Beide Eltern schienen die wichtige Rolle des anderen im Leben ihres Kindes grundsätzlich einzusehen. Der Wunsch des Kindes sei vom Loyalitätskonflikt geprägt, spreche aber für beide Eltern. Die Halbschwester von C.________ spiele in deren Leben eine wichtige Rolle, wie auch die Grossmutter väterlicherseits; diese Beziehungen gelte es dem Kind unbedingt zu erhalten, was durch eine gemeinsame Obhut erleichtert würde. Indes erschwere die geografische Distanz die gemeinsame Betreuung von C.________. Bis anhin seien trotz der zwei Wohnorte keine massgebenden Probleme aufgetreten. In einer Gesamtbilanz ergebe sich für das Kind, dass dieses es gewohnt ist, mit beiden Eltern viel Zeit und auch ein Stück Alltag verbringen zu dürfen. Kontinuität und Stabilität sprächen somit für eine Fortführung der gemeinsamen Obhut. Das Mädchen profitiere offensichtlich von den zwei völlig verschiedenen, aber gleich guten Lebenswelten sowie Charakteren der Eltern. Der Vater vermöge seinem Kind ein traditionelles, familiäres ländliches Umfeld zu ermöglichen, während die Mutter C.________ eine lebendige, moderne städtische Struktur biete. Das Gericht sähe keine Rechtfertigung, dem Mädchen die offensichtlichen Vorteile beider Zuhause vorzuenthalten. Insgesamt seien die Voraussetzungen für eine alternierende Obhut nach wie vor gegeben. Es gelte daher, eine Lösung zu erarbeiten, welche C.________ alle wichtigen Bezugspersonen erhalte und die Vorzüge beider Eltern vereinige. Leitlinien für die zu treffende Betreuungsregelung sollen sein, dass erstens C.________ mit beiden Eltern Alltag wie Freizeit solle verbringen dürfen und dass zweitens der Betreuungsanteil des Vaters insgesamt nicht kleiner sei als bisher. C.________ solle drittens mit ihren Eltern möglichst viel Zeit am Stück verbringen dürfen, wobei zu erwarten sei, dass sich die Eltern entsprechend einrichten und auch den Betreuungsplan von E.________ allenfalls anpassen. Demnach scheine folgende Betreuungsregelung sachgerecht: C.________ wohne weiterhin bei der Mutter und besuche den gleichen Kindergarten (und später die Schule) wie bisher, in dem sie sich wohl fühle. Diese Regelung erfülle den Grundsatz, wonach sich der Wohnsitz eines Kindes bei jenem Elternteil befinden soll, von dem es zeitlich häufiger betreut werde. Die Wochenenden dauerten von Freitag nach dem Kindergarten bzw. der Schule (je nach Stundenplan Mittag oder Nachmittag) bzw. 12.00 Uhr (falls kein Unterricht stattfinde) bis Sonntag 18.00 Uhr. C.________ verbringe die Wochenenden je abwechselnd mit dem einen oder anderen Elternteil. Den Sonntagabend ab 18.00 Uhr und den Montag verbringe C.________ beim Vater, der sie in den Kindergarten bringe, von dort wieder abhole und sie am Dienstagmorgen in den Kindergarten oder die Schule fahre. Die Betreuungszeit der Mutter beginne ab Dienstagmorgen Kindergarten-/ Schulbeginn bzw. 8.00 Uhr.