Citation: 6B_1115/2021 E. 3.3

3.3. Die Beschwerdeführer beanstanden, die Vorinstanz verkenne, dass der Tatbestand der Unterdrückung von Urkunden nach Art. 254 Abs. 1 StGB nicht primär ein öffentliches Interesse, sondern ein Individualrechtsgut schütze. Er diene zur Sicherung von Urkunden als Beweismittel zu Gunsten des am Beweismittel (Mit-) Berechtigten. Erst zusätzlich schütze der Tatbestand den Bestand von Urkunden und damit ein Interesse der Allgemeinheit. Die E-Mail vom 7. Februar 2016, in der sich die Beschwerdegegnerin 3 zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin 3 geäussert habe, hätte ihnen im erwähnten verwaltungsrechtlichen Verfahren als Beweismittel gedient. Sie seien als direkt Betroffene (Beschwerdeführerin 3) bzw. als ihre Eltern (Beschwerdeführer 1 und 2) berechtigt gewesen, Einsicht in die Urkunde zu nehmen und sie zu Beweiszwecken zu verwenden. Durch die Nichtherausgabe dieser E-Mail sei ihre Beweisführungsmöglichkeit verletzt worden. Deshalb würden sie als Geschädigte i.S.v. Art. 115 Abs. 1 StPO gelten.