Citation: 8C_510/2007 03.10.2008 E. 7.3

7.3.1 Zu beachten ist ferner, dass die Staatshaftung und die Haftung von mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen eine Amtspflichtverletzung voraussetzt, falls die Widerrechtlichkeit aus einer Unterlassung hergeleitet wird. Denn für Schädigungen infolge einer Unterlassung kann sich eine Haftpflicht nicht aus einer natürlichen Kausalität ergeben, sondern nur dadurch, dass eine Garantenpflicht verletzt worden ist. Eine solche kann aber nur durch rechtliche Vorschriften begründet werden (BGE 133 V 14 E. 8.1 S. 19, 126 III 113 E. 2a S. 114/115, 123 II 577 E. 4d/ff S. 583, 118 II 502 E. 3 S. 506/507, 115 II 15 E. 3b und c S. 19 f. mit weiteren Hinweisen; Urteil 9C_92/2007 vom 30. April 2008, E. 1.4, zitiert in Plädoyer 2008/4 S. 68; Urteil 2A.402/2000 vom 23. August 2001, E. 2c). 7.3.2 Für den Bereich der obligatorischen Unfallversicherung bestimmt Art. 48 Abs. 1 UVG, dass der Versicherer "unter angemessener Rücksichtnahme auf den Versicherten und seine Angehörigen die nötigen Anordnungen zur zweckmässigen Behandlung des Versicherten treffen" kann. Art. 61 Abs. 3 UVV in der hier massgebenden, bis zum Inkrafttreten des ATSG am 1. Januar 2003 gültigen Fassung deklarierte zudem unter dem Marginale "Zumutbare Behandlung oder Eingliederungsmassnahme" jene "Behandlungen..., die eine Gefahr für Leib und Gesundheit darstellen", als nicht zumutbar. Sowohl das Gebot der Rücksichtnahme auf den Versicherten (Art. 48 Abs. 1 UVG) als auch der Grundsatz, dass nur zumutbare Behandlungen angeordnet werden dürfen (Art. 61 Abs. 2 UVV in der bis 31. Dezember 2002 in Kraft gewesenen Fassung), gelten auch dann, wenn der obligatorische Unfallversicherer eine Untersuchung durch eigene Ärzte anordnet. Auch die versicherungsinternen Ärzte dürfen nur diagnostische Mittel einsetzen, die zumutbar, d.h. beinahe ungefährlich sind und nicht übermässige Schmerzen verursachen (Maurer, a.a.O., S. 302). Die damit gesetzlich festgelegte Garantenpflicht der versicherungsinternen Ärzte ist daher auch dann verletzt, wenn ein Arzt von mehreren diagnostischen Mitteln vorerst nicht das praktisch schmerzfrei zu beschaffende oder jedenfalls schmerzlos auswertbare Diagnosemittel wie z.B. Röntgenaufnahmen wählt, sondern die Untersuchung eines Versicherten sogleich nach einer je nach den Umständen schmerzhaften oder riskanteren (z.B. invasiven oder klinischen) Methode durchführt.