Citation: 2C_17/2018 E. 2.2.3

2.2.3. Dieses gewichtige öffentliche Interesse an der Ausreise der Beschwerdeführerin wird durch ihre privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz nicht aufgewogen. Die Beschwerdeführerin hielt sich im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Urteils seit rund 22 Jahren in der Schweiz auf, was als eine lange Aufenthaltsdauer zu werten ist. Auch ihre nahen Familienangehörigen - ihr Ehemann sowie die minderjährigen Kinder C.A.________ (Jahrgang 2006) und D.A.________ (Jahrgang 2008) - leben in der Schweiz. Zu berücksichtigen ist weiter, dass die Beschwerdeführerin gemäss der Aktenlage weder vor ihrer strafrechtlichen Verurteilung vom 4. November 2015 noch nachher straffällig geworden ist. Ungeachtet ihrer langen Aufenthaltsdauer hat sich die Beschwerdeführerin hingegen sprachlich nicht in einem Grad in der Schweiz integriert, der ihr erlauben würde, im Umgang mit Behörden auf einen Dolmetscher verzichten zu können. Auch eine berufliche Integration fand nicht statt: Während die Beschwerdeführerin nach ihrer erneuten Einreise in die Schweiz im Jahr 2001 zunächst als Zimmermädchen und als Erntehelferin arbeitete, geht aus den Vorakten hervor (Art. 105 Abs. 2 BGG), dass sie nach einem im Jahr 2005 erlittenen Verkehrsunfall keine Arbeitstätigkeit mehr ausübte und sich stattdessen darauf konzentrierte, die Behörden zwecks Erhalt einer Rente über ihren Gesundheitszustand zu täuschen (Anklageschrift der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 28. April 2015, S. 9). Zu ihrem Heimatstaat Serbien, in welchem sie aufgewachsen und ihre Schulbildung am Gymnasium abgeschlossen hat, unterhält sie hingegen nach wie vor stabile Verbindungen. So steht sie in so engem Kontakt mit den Eltern und Geschwistern des Ehemannes, dass diese nur aus finanziellen Gründen nicht gewillt sind, sie bei sich aufzunehmen (angefochtenes Urteil, E. 4, S. 5). Schwierig würde sich hingegen die Ausreise der zwei Kinder D.A.________ und C.A.________ gestalten, die in der Schweiz geboren sind und hier die Schule besuchen. Das Wohl der beiden Kinder ist in der Interessenabwägung gemäss Art. 3 UN-Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) und Art. 11 Abs. 1 BV vorrangig zu berücksichtigen (BGE 143 I 21 E. 5.5.1 S. 29 f.). Unzweifelhaft sind die Kinder der albanischen Sprache mächtig, könnten sie sich doch andernfalls nicht mit ihrer Mutter in deren Muttersprache verständigen. Sie befinden sich noch in einem anpassungsfähigen Alter (Urteil 2C_813/2012 vom 21. März 2013 E. 6.2), weshalb ihnen eine Ausreise zumutbar und nicht ersichtlich ist, aus welchen Gründen das Kindeswohl durch eine Ausreise nach Serbien konkret gefährdet wäre. Die Beeinträchtigung, welche die Beschwerdeführerin mit ihrem Betrug und Betrugsversuch zu Lasten der Sozialversicherungsanstalt der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zugefügt hat, überwiegt vorliegend das Interesse der niederlassungsberechtigten Kinder, mit ihrer sorge- und obhutsberechtigten Mutter in der Schweiz aufwachsen zu können (BGE 137 I 247 E. 4.2 S. 250 f.). Dem nach wie vor anwesenheitsberechtigten Vater steht es frei, in der Schweiz zu bleiben oder mit den Kindern zusammen mit der Mutter nach Serbien auszureisen; auch eine Ausreise der gesamten Familie ist in der vorliegenden Konstellation zumutbar. Auch ihr Gesundheitszustand steht einer Ausreise der Beschwerdeführerin nicht entgegen. Das Gericht ist sich der besonderen Situation von gesundheitlich angeschlagenen Personen im Falle einer Ausreise bewusst (vgl. die Kritik in MARIANA DUARTE/MÉLISSA LLORENS/SASCHA MOORE BOFFI, Renvois de personnes atteintes dans leur santé, in: Asyl 1/16 S. 15 ff.). Vorliegend hat die Vorinstanz festgehalten, dass die Beschwerdeführerin vor allem dann sehr hoch suizidgefährdet wäre, wenn sie von ihrer Familie getrennt würde. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift geht aus einem in den Vorakten liegenden Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 21. Juli 2009, auf welchen im bundesgerichtlichen Verfahren abgestellt werden kann (Art. 105 Abs. 2 BGG), hervor, dass in Presevo, wohin die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen im Falle einer Ausreise zurückkehren wird, permanent ein Psychiater in den Gesundheitszentren zur Verfügung steht. Finanzielle Hindernisse, welche einem Zugang zum Gesundheitssystem entgegenstehen würden, wurden in der Beschwerdeschrift nicht geltend gemacht, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. Insgesamt ist von einer sichergestellten medizinischen Versorgung der Beschwerdeführerin in ihrem Heimatstaat auszugehen. Dem Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin kann unbestrittenermassen durch adäquate medizinische Rückkehrhilfe vor und bei der Ausreise Rechnung getragen werden; die Familie kann das Wohlergehen der Beschwerdeführerin durch eine Begleitung unterstützen. Bei diesen Umständen steht Art. 3 EMRK einer Rückreise der Beschwerdeführerin nach Serbien nicht entgegen (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte [EGMR] in Sachen Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Nr. 41738/10, §§ 172-192, mit zahlreichen Hinweisen). Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.