Citation: 7B_283/2022 E. 2.4.2

2.4.2. Des Weiteren ist die Sorgfaltspflichtverletzung des Beschwerdegegners 2 mit der Beschwerdeführerin als schwer zu bezeichnen. So wirkte er in einer Weise auf sie ein, die zwar nicht geradewegs, aber doch zumindest nach ganz wenigen Minuten zum Tod hätte führen können. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschwerdegegner 2 keine einmalige Handlung vornahm, sondern zunächst das Gesicht der Beschwerdeführerin in die Matratze drückte und, als sie sich dagegen wehren konnte, dazu überging, ihr mehrfach mit der Hand Nase und Mund zuzudrücken. Dies tat er mit einer derartigen Intensität, dass sie fürchtete, zu ersticken - wie wenn man sich mit dem Kopf unter Wasser befinde und zu spät auftauche. Angesichts dieses wiederholten Einwirkens auf die Beschwerdeführerin kann der Vorinstanz nicht gefolgt werden, wenn sie ausführt, das freiwillige Unterbrechen seiner Handlungen - zwecks Beantwortung der Frage, ob die Beschwerdeführerin sterben wolle - spreche gegen eine Inkaufnahme des Todes durch den Beschwerdegegner 2. Wäre es ihm, so die Annahme der Vorinstanz, nur darum gegangen, ihr mit dem Tod zu drohen und ihr Angst einzujagen, hätte ein einmaliges kurzes Abstellen der Luftzufuhr ausgereicht. Die Beschwerdeführerin weist sodann berechtigterweise darauf hin, dass der Beschwerdegegner 2 sie nicht nur fragte, ob sie sterben wolle, sondern dies auch als Tatsache formulierte und konkretisierend anfügte, dies werde "niemanden interessieren". Diese verbalen Drohungen während der Tatausführung sind entgegen der Vorinstanz als Indiz für Eventualvorsatz zu werten (vgl. Urteile 6B_73/2015 vom 25. November 2015 E. 1.3.3; 6B_422/2008 vom 31. Juli 2008 E. 2.2).