Citation: 4A_473/2022 E. 3.2

3.2. Privatgutachten stellen im Zivilprozess keine Beweismittel dar. Ihnen kommt die Qualität von blossen Parteibehauptungen zu. Allerdings ist zu beachten, dass nach Art. 153 Abs. 1 ZPO (unter Vorbehalt von Art. 153 Abs. 2 ZPO; Urteil 4A_196/2021 vom 2. September 2022 E. 3.4.1 und E. 3.5) Tatsachenbehauptungen nur bewiesen werden müssen, wenn sie "ausdrücklich" (so Urteil 4A_200/2022 vom 9. Juni 2022 E. 3; vgl. BGE 147 III 440 E. 5.3: "expressément") bestritten sind. Entscheidend ist, ob eine Bestreitung klar erkennen lässt, welche Behauptungen die Gegenpartei weiter zu substanziieren und welche sie schliesslich zu beweisen hat (Urteile 4A_35/2021 vom 15. November 2022 E. 3.4.5; 4A_225/2011 vom 15. Juli 2011 E. 2.3 mit Hinweis; vgl. auch BGE 147 III 440 E. 5.3). Analog zu impliziten beziehungsweise mitbehaupteten Tatsachen (BGE 144 III 519 E. 5.3.2 S. 526) können unter diesen Voraussetzungen auch implizite Bestreitungen genügen (Urteil 4A_396/2021 vom 2. Februar 2022 E. 3.1). Bestreitungen sind mithin so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, welche einzelnen Behauptungen damit bestritten werden. Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, sind oft besonders substanziiert. Entsprechend genügt eine pauschale Bestreitung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substanziieren, welche einzelnen Tatsachen sie konkret bestreitet (BGE 141 III 433 E. 2.6 S. 438; vgl. auch Urteil 4A_247/2020 vom 7. Dezember 2020 E. 4.2).