Citation: 5A_112/2020 E. 5.2

5.2. Die Beschwerdeführerin bringt vor, die für die Aufenthaltsphase in der Schweiz gewährte Übergangsfrist zur Aufnahme einer Erwerbsarbeit wäre von der Dauer her an sich nicht zu beanstanden. Es sei aber willkürlich und vertrauensverletzend, dass der Ablauf der Frist in der Vergangenheit liege, denn sie habe faktisch gar keine Möglichkeit mehr, per 1. August 2017 eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Mithin verstosse die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ab diesem Datum gegen das Rückwirkungsverbot, zumal sie bis zum erstinstanzlichen Entscheid in guten Treuen habe davon ausgehen dürfen, dass ihre Arbeitsbemühungen freiwillig und genügend gewesen seien. Die Anrechnung eines fiktiven Einkommens für die Zeit von August 2017 bis Juli 2018 verletze deshalb den Grundsatz von Treu und Glauben und verstosse gegen Art. 9 BV, umso mehr als sie bei Fristablauf bereits 51½ Jahre alt gewesen sei und damit die von der Rechtsprechung auf 50 Jahre ausgedehnte Altersgrenze für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit überschritten gehabt habe. Sodann habe das Kantonsgericht absolut keine Abklärungen getätigt oder Feststellungen getroffen bezüglich möglicher Arbeit, Funktion, Berufsgruppe, Aufgabengebiet etc. und entsprechend sei die "Ermittlung" eines Nettolohnes von Fr. 2'540.-- als willkürlich anzusehen. Schliesslich habe das Kantonsgericht auch die Rechtsfrage der Zumutbarkeit nicht geprüft und insbesondere nicht berücksichtigt, dass sie in der Schweiz noch nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. All dies sei willkürlich und gehörsverletzend. Der Ehemann macht vernehmlassungsweise geltend, es sei nie um eine "sofortige" Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gegangen. Bereits im Oktober 2013 habe die Beschwerdeführerin in einer an ihn gerichteten Mail von Scheidung gesprochen. Als sie im Juni 2014 von Singapur in die Schweiz gezogen sei und die Parteien folglich keine "Expat-Ehe" mehr geführt hätten, habe ihr klar sein müssen, dass die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit bevorstehe. Spätestens mit der Rechtshängigkeit des Scheidungsverfahrens hätte sie sich um eine Arbeitsstelle bemühen müssen, was sie jedoch nicht bzw. nachweislich ungenügend getan habe. Sodann könne sie sich nicht auf ihr Alter berufen, zumal das Bundesgericht die "45er-Regel" aufgegeben habe. Schliesslich würden die Abklärungen und die Annahme des Kantonsgerichtes, dass eine Tätigkeit im kaufmännischen Bereich "im Büro" in Frage komme, genügen, ansonsten Bewohnern mit Migrationshintergrund generell keine Erwerbstätigkeit zugemutet werden könnte. Das Kantonsgericht hält vernehmlassungsweise fest, dass die Beschwerdeführerin nebst der Kinderbetreuung längere Zeit zumindest teilzeitlich erwerbstätig geblieben sei, nämlich bis anfangs 2011, und dass sie spätestens seit Februar 2015 um die Endgültigkeit der Trennung habe wissen müssen.