Citation: 6B_436/2024 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz prüft die Situation der Beschwerdeführerin umfassend unter Einbezug aller massgeblichen Gesichtspunkte, wie insbesondere dem Grad der (persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiärer Bindungen in der Schweiz bzw. in der Heimat, Aufenthaltsdauer, Gesundheitszustand und Resozialisierungschancen, und gelangt zum Schluss, es liege kein schwerer persönlicher Härtefall gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB vor. Die Vorinstanz weist zutreffend darauf hin, dass der 30-jährige und damit lange Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Schweiz für sich allein noch kein hinreichendes Kriterium für die Begründung eines schweren persönlichen Härtefalls darstellt. Sie berücksichtigt, dass die Integration der Beschwerdeführerin zwar phasenweise durchaus positiv verlaufen ist, letztlich jedoch als gescheitert betrachtet werden muss, nachdem sie aktuell schon seit längerer Zeit von der Sozialhilfe abhängig ist, einige Schulden hat, weitgehend alleine ohne namhafte soziale Kontakte ausserhalb der Familie lebt und auch keinerlei Zukunftspläne hat. Sie weist darauf hin, dass die Beschwerdeführerin bereits vor ihrem Unfall im Jahr 2008 mehrere Vorstrafen wegen Vermögensdelikten erwirkte, die sie als schlecht integriert erscheinen lassen. Die Vorinstanz anerkennt, dass die missglückte Integration nicht in allen Teilen selbstverschuldet ist, gibt jedoch auch zu bedenken, dass die Beschwerdeführerin zuletzt den Weg aus der Misere trotz staatlicher finanzieller Hilfe und mannigfacher psychiatrischer Unterstützung nicht gefunden hat sowie in den letzten Jahren bereits wieder mehrfach straffällig geworden ist. Die Vorinstanz verkennt nicht, dass der mit der Ausweisung einhergehende Verlust des regelmässigen Kontakts mit ihren in der Schweiz lebenden drei erwachsenen Kindern die Beschwerdeführerin zweifellos hart treffen und sie um eine wichtige stabilisierende Stütze bringen wird. Jedoch hält die Vorinstanz fest, dass ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und einem ihrer drei Kinder, das durch eine besondere Betreuung oder Pflege gekennzeichnet wäre, vorliegend weder auszumachen ist noch konkret geltend gemacht wird. Ferner gibt sie zu bedenken, dass im Falle von regelmässigen (abwechselnden) Besuchen der drei Kinder im Heimatland ein relativ engmaschiger Kontakt der Beschwerdeführerin zur Stammfamilie gewährleistet ist und eine soziale Isolation auf diese Weise weitgehend verhindert werden kann, zumal der Kontakt zusätzlich durch die sozialen Medien aufrechterhalten werden kann. Hinsichtlich der Zumutbarkeit der Ausweisung der Beschwerdeführerin in ihr Heimatland berücksichtigt die Vorinstanz, dass die wirtschaftliche Situation in Montenegro zwar um einiges schlechter ist als in der Schweiz, es sich jedoch um einen demokratisch regierten europäischen Staat handelt, welcher der Beschwerdeführerin kulturell und sprachlich vertraut ist und auch ein Sozialsystem kennt, das den Absturz in die totale Mittellosigkeit grundsätzlich zu verhindern vermag. Mangels weiterer Begründung sieht die Vorinstanz keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland nahezu zwingend die Obdachlosigkeit drohe, zumal dort drei ihrer Geschwister leben. Die Vorinstanz berücksichtigt schliesslich auch, dass die Beschwerdeführerin diverse psychische Probleme hat, die sie im Alltag sicherlich wesentlich beeinträchtigen. Sie fügt jedoch an, dass das Beschwerdebild der Beschwerdeführerin nicht derart aussergewöhnlich ist, dass es im Heimatland nicht weiter behandelt bzw. stabilisiert werden könnte. Die Vorinstanz hält abschliessend fest, dass sich auch im Rahmen einer Gesamtschau aller Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin keine Ausnahme von der grundsätzlich obligatorischen Landesverweisung ergibt, da die einzelnen Ausnahmekriterien gemäss der entsprechenden bundesgerichtlichen Praxis jeweils derart klar nicht gegeben sind. Der Vollständigkeit halber weist die Vorinstanz noch darauf hin, dass selbst bei Annahme eines schweren persönlichen Härtefalls ernsthafte öffentliche Interessen an einer Ausweisung der Beschwerdeführerin bestehen, die tendenziell dagegen sprechen würden, dass diese die restriktive Ausnahmeklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB bei einer Verhältnismässigkeitsprüfung mit Erfolg anzurufen vermöchte (Urteil S. 7 ff.).