Citation: U 234/04 15.09.2004 E. 2

Die Versicherte wurde am 13. Mai 2000 in einen Verkehrsunfall verwickelt, der nach einigen Tagen zu Schmerzen im Nacken- und Hinterkopfbereich führte. Am 17. Oktober 2001 untersuchte Dr. med. B.________, Chefarzt Rheumatologie, Klinik Y.________, die Beschwerdeführerin im Auftrag der Invalidenversicherung zu diesem Geschehen. Daraufhin machte L.________ geltend, anlässlich der durchgeführten ärztlichen Untersuchung sei eine falsche Manipulation an der Halswirbelsäule vorgenommen worden, welche zu schwerwiegenden Folgen geführt habe. Am 19. Oktober 2001 konsultierte sie Dr. med. U.________, der einen akuten Schwindelzustand nach Schleudertrauma vor einem Jahr diagnostizierte, wobei die Angehörigen der Beschwerdeführerin angaben, die Schwindelsymptomatik habe sich seit der Untersuchung durch Dr. med. B.________ verschlimmert. 2.1 Die Vorinstanz stützte sich hauptsächlich auf vollständige Angaben der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes, auf einen Bericht von Dr. med. T.________, Fachärztin für Neurologie (vom 11. Dezember 2001), auf die Stellungnahme von Dr. med. B.________, der am 29. August 2002 die vorgenommene Untersuchung schilderte, auf die am 22. Mai 2003 gemachten Ausführungen von Dr. med. S.________, Facharzt FMH für Chirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA, sowie auf ein Gutachten, welches im Auftrag der Beschwerde"führerin am 12. Januar 2004 von PD Dr. med. F.________, Spezialarzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen, erstellt wurde. Dabei hat das kantonale Gericht in sorgfältiger Würdigung der Aktenlage erwogen, die von der Neurologin Dr. med. T.________ als "grob" bezeichnete Untersuchung möge die Beschwerden verstärkt haben; auch der Gutachter PD Dr. med. F.________ habe die Untersuchung einer richtungsgebenden Verschlimmerung gleichgesetzt. Nach seiner Betrachtungsweise habe Dr. med. B.________ jedoch lediglich eine normale rheumatologische Untersuchung vorgenommen bzw. nach Manual-Therapie-Technik die Halswirbelsäule untersucht, auch wenn die Vorkehr als unangenehm, grob oder gar als Manipulation habe empfunden werden können. Denkbar sei auch, dass einzelne Untersuchungshandlungen schmerzhaft waren, wobei allerdings offen bleiben müsse, ob dabei auch der von der Beschwerdeführerin später geltend gemachte stromstossähnliche Zwick aufgetreten sei, zumal es keine entsprechende spontane Schmerzäusserung der Versicherten gab. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, eine Untersuchung könne unter Umständen wohl zu einer vorübergehenden Beschwerdezunahme führen. Die Handlungen von Dr. med. B.________ seien jedoch klarerweise im für eine Beweglichkeitsprüfung der Halswirbelsäule zulässigen, wenn nicht gar üblichen Rahmen anzusiedeln. 2.2 Demgegenüber wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erneut geltend gemacht, Dr. med. B.________ habe lediglich den Auftrag erhalten, die Beschwerdeführerin zu begutachten; darin, dass er sie auch behandelt habe, liege eine Verletzung der ärztlichen Sorgfalts-pflicht. Die Neurologin Dr. med. T.________ habe eine akute Dekom-pensation festgestellt, und es sei absolut glaubwürdig, dass die Patientin anlässlich der Behandlung einen Zwick verspürt habe. Dem Gutachten von PD Dr. med. F.________ sei zu entnehmen, dass er in Anbetracht der akuten Beschwerden auf die Erhebung eines Status des Bewegungsapparates verzichtet habe. Daraus sei zu schliessen, dass es unverantwortlich war, den ärztlichen Eingriff dennoch vorzunehmen und die Beschwerdeführerin einem derartigen Risiko auszusetzen. Zudem bestehe Anlass, die Praxis des Erfordernisses einer streng zu nehmenden Ungewöhnlichkeit aufzugeben, weil sie sich nicht auf eine Rechtsnorm stütze und sich auch nicht auf dem Weg der Auslegung rechtfertigen lasse. Entscheidend sei einzig, ob die Schädigung mit der Einwilligung der Patientin erfolgte, was vorliegend nicht zutreffe. 2.3 Die Argumentation der Beschwerdeführerin überzeugt nicht. Insbesondere liegt ihr die unzutreffende Annahme zugrunde, die Untersuchung durch Dr. med. B.________ habe auch Manipulationen eingeschlossen, wobei die Zunahme der Beschwerden nach dem 17. Oktober 2001 ein Indiz für die Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht darstelle. Diese Vorbringen vermögen keine Leistungspflicht der SUVA zu begründen und für eine Praxisänderung (BGE 129 V 292 Erw. 3.2 mit Hinweisen) sind stichhaltige Gründe nicht ersichtlich. Wie die Anstalt in ihrer Vernehmlassung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde zutreffend ausführt, hat Dr. med. B.________ in seinem Schreiben vom 29. August 2002 genau beschrieben, welche Untersuchungen stattgefunden haben. Nachdem auch der von der Beschwerdeführerin beauftragte Gutachter PD Dr. med. F.________ in seinem Bericht vom 12. Januar 2004 attestiert hat, dass derartige Abklärungen der Beweglichkeit der Wirbelsäulensegmente zur rheumatologischen Untersuchungstechnik gehörten, besteht kein Anlass zu prüfen, was unter eigentlichen Manipulationen zu verstehen wäre und ob solche tatsächlich vorgenommen wurden. Ausschlaggebend für die Beantwortung der Frage, ob die medizinische Vorkehr das zum Unfallbegriff gehörende Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, ist somit der Umstand, dass die Handlungen des Begutachters offensichtlich nicht als vom medizinisch Üblichen ganz erheblich abweichend noch, objektiv betrachtet, als entsprechend grosse Risiken nach sich ziehend einzustufen waren. Auch konnten keine groben und ausserordentlichen Verwechslungen und Ungeschicklichkeiten oder sogar absichtliche Schädigungen, mit denen niemand rechnete noch zu rechnen brauchte, festgestellt werden. Sind die Voraussetzungen für die Aussergewöhnlichkeit der medizinischen Vorkehr nicht erfüllt, besteht keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin.