Citation: 1B_244/2009 22.09.2009 E. 2.3

2.3.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts braucht es für die Annahme von Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich die angeschuldigte Person, wenn sie in Freiheit wäre, der Strafverfolgung oder dem zu erwartenden Strafvollzug entziehen würde. Die Schwere der drohenden Strafe darf als ein Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden. Sie genügt jedoch für sich allein nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die konkreten Umstände des betreffenden Falls, insbesondere die gesamten Lebensverhältnisse der angeschuldigten Person, in Betracht gezogen werden (BGE 125 I 60 E. 3a S. 62; 117 Ia 69 E. 4a S. 70; je mit Hinweisen). Zu berücksichtigen sind beispielsweise die familiären und sozialen Bindungen des Häftlings, dessen berufliche, finanzielle und gesundheitliche Situation sowie Kontakte ins Ausland und Ähnliches. 2.3.2 Die Vorinstanz erwägt, aufgrund der Schwere der Delinquenz des Beschwerdeführers und der zu erwartenden hohen Freiheitsstrafe bestehe beim Beschwerdeführer eine hohe Fluchtgefahr. Er lebe seit sieben Jahren mit Niederlassungsbewilligung C in der Schweiz und spreche akzentfrei Schweizerdeutsch, könne sich aber auch mit seiner Muttersprache Portugiesisch in seiner Heimat problemlos verständigen. Die nächsten Bezugspersonen des Beschwerdeführers, insbesondere dessen Mutter und Schwester, lebten zwar in der Schweiz und das Verhältnis zu ihnen sei angeblich eng, während in Brasilien nur noch entferntere Verwandte (Tante, Onkel, Grossmutter) leben würden. Zudem habe der Beschwerdeführer in der Schweiz eine Freundin, wobei das Verhältnis zu ihr als zweifelhaft erscheine, jedenfalls habe sie ihn in der Untersuchungshaft noch nie besucht. Diese familiären und sozialen Bindungen des Beschwerdeführers vermöchten die grosse Fluchtgefahr indes nicht entscheidend herabzumindern. Weshalb die religiöse Einstellung des Beschwerdeführers diesen an einer Flucht hindern sollte, sei nicht ersichtlich, da diese ihn auch nicht an der Begehung von drei Raubüberfällen hinderte. Weiter erscheine die Prognose des im Zeitpunkt der Raubüberfälle arbeitslosen Beschwerdeführers, er würde nach der Freilassung aus der Untersuchungshaft umgehend eine Arbeit finden, als zu optimistisch. Vielmehr sei damit zu rechnen, dass er angesichts des in nicht allzu weiter Ferne liegenden Strafantritts in der Schweiz keine Stelle finden würde, was wiederum die Fluchtgefahr weiter erhöhe. Andererseits könne nicht gesagt werden, dass der Beschwerdeführer in wirtschaftlicher Hinsicht in Brasilien keine Zukunft hätte. Jedenfalls werde die bestehende Fluchtgefahr durch allfällige Schwierigkeiten wirtschaftlicher Natur bei einem Aufenthalt in Brasilien nicht ausgeschlossen. 2.3.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Beziehung zu seiner Freundin sei sehr eng. Der Grund dafür, dass sie ihn in der Untersuchungshaft bisher nicht besucht habe, liege in ihrem sehr sensiblen Charakter, der ihr einen Gefängnisbesuch bisher verunmöglicht habe. Als Beleg dafür, dass die Beziehung zu seiner Freundin sehr tief und intensiv sei, verweise er auf die über 20 Briefe, die er seit Antritt der Untersuchungshaft von ihr erhalten habe. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, in Brasilien habe er nur noch entfernte Verwandte, die er nicht kenne. Seine Tante und sein Onkel lebten inzwischen in Grossbritannien, wobei er zu ihnen keinen Kontakt habe. Seine kranke und angeschlagene Grossmutter in Brasilien habe er das letzte Mal mit acht Jahren gesehen. Sein Vater sei bereits verstorben. In Brasilien kenne er weder den Arbeitsmarkt noch das Arbeitssystem, weshalb eine Flucht dorthin keinen Sinn mache, zumal er dann mit einem Einreiseverbot in die Schweiz auf unbestimmte Zeit rechnen müsste. Wegen der engen Beziehung zu seinen Angehörigen, d.h. vor allem zu seiner Mutter und zu seiner Schwester, würde dies für ihn einen sehr viel grösseren Einschnitt bedeuten, als die voraussichtlich in der Schweiz zu verbüssende Strafe. Dass er nach einer Freilassung aus der Untersuchungshaft keine Stelle finden würde, treffe nicht zu. Er habe eine Offerte, dass er ab sofort in einem Privathaushalt eine bezahlte, temporäre Praktikumsstelle (50%-Stelle) als Kinderbetreuer zu einem Monatslohn von Fr. 500.-- übernehmen könne. Zu seiner religiösen Einstellung führt der Beschwerdeführer aus, er sei seit seinem 14. Lebensjahr gläubiger Evangelik. Nachdem er durch die Arbeitslosigkeit und vor allem durch den Einfluss eines Mitangeschuldigten zeitweise von seinem Glauben abgekommen sei, habe ihn die Erfahrung der Verhaftung und des Gefängnisses wieder zum Glauben zurückgeführt. Dieser bestärke ihn darin, aus den gemachten Fehlern zu lernen und für das Getane Verantwortung zu tragen. 2.3.4 Was der Beschwerdeführer gegen den angefochtenen Entscheid einwendet, lässt die Annahme von Fluchtgefahr angesichts der empfindlichen Freiheitsstrafe, die er im Falle einer Verurteilung zu gewärtigen hätte, nicht als verfassungswidrig erscheinen. Seine familiären und sozialen Bindungen in der Schweiz sind insgesamt nicht von einer derartigen Intensität, als dass sie die Fluchtgefahr entscheidend zu vermindern vermöchten. Zudem ist der mittellose Beschwerdeführer in der Schweiz beruflich nicht verwurzelt. Daran ändert auch die ihm offerierte Praktikumstelle nichts, zumal diese zeitlich befristet wäre und ihm kein Einkommen ermöglichen würde, mit dem er seinen Lebensunterhalt sichern könnte. Weiter sind die Verhältnisse in Brasilien dem Beschwerdeführer nicht unvertraut. Er lebte dort, bis er 15 Jahre alt war, besuchte dort die Schulen und er spricht Portugiesisch. Dies lässt die Annahme der Vorinstanz, die bestehende Fluchtgefahr werde durch allfällige Schwierigkeiten wirtschaftlicher Natur bei einem Aufenthalt in Brasilien nicht ausgeschlossen, nicht als unhaltbar erscheinen. Schliesslich ist auch die Erwägung der Vorinstanz nicht zu beanstanden, die religiöse Einstellung des Beschwerdeführers habe ihn nicht an der Begehung von drei Raubüberfällen zu hindern vermocht, sodass nicht ersichtlich sei, weshalb ihn diese an einer Flucht hindern sollte. Diese Erwägung erscheint auch dann nicht als unhaltbar, wenn der Beschwerdeführer geltend macht, zwischenzeitlich wieder zum Glauben zurückgefunden zu haben. 2.4 Da Untersuchungshaft bereits beim Vorliegen eines Haftgrunds zulässig ist, muss nicht geprüft werden, ob vorliegend auch weitere besondere Haftgründe (Kollusions- oder Wiederholungsgefahr) erfüllt sind.