Citation: 1C_514/2020 E. 4.6

4.6. Da die Regelung in § 203 Abs. 1 lit. c PBG den darin verwendeten Begriff der baukünstlerischen Epoche nicht näher definiert und sie diesbezüglich keine zeitlichen Angaben macht, überschritt die Baudirektion ihren Ermessensspielraum bei der Auslegung dieses unbestimmten Rechtsbegriffs nicht, wenn sie darunter auch neuere stilbildende baukünstlerische Entwicklungen und Strömungen subsumierte, zumal der Denkmalschutz sich heute auch auf Objekte neuerer Zeit und auf Gebäude erstreckt, welche für ihre Entstehungszeit charakteristisch sind (BGE 120 Ia 270 E. 4a S. 275: Urteil 1C_128/2019 vom 25. August 2020 E. 5.1; je mit Hinweisen). So können zum Beispiel Gewerbe- und Fabrikbauten oder technische Anlagen aus dem ausgehenden 19. und aus dem 20. Jahrhundert typische Zeugen dieser Zeit sein (BGE 118 Ia 384 E. 5a S. 389; 135 I 176 E. 6.2 S. 182; je mit Hinweisen; vgl. auch Urteile 1C_368/2019 vom 9. Juni 2020 E. 11.3; 1C_128/2019 vom 25. August 2020 E. 5.1). Zudem können auch Bauten schützenswert sein, die aufgrund von architektonischen oder handwerklichen Qualitäten für einen - auch jüngeren - Baustil typisch sind und damit Zeugen kultureller Entwicklungen bilden (BGE 135 I 176 E. 6.2 S. 182; WALTER ENGELER, Das Baudenkmal im schweizerischen Recht, 2008, S. 23). So kann für die Erhaltung eines städtischen Bürgerhauses sprechen, dass dessen aufwändige und qualitätsvolle Gestaltung für den Übergang vom Historismus zum Jugendstil kennzeichnend ist (vgl. DIMITRIJ DAVYDOV, in: Handbuch Denkmalschutz und Denkmalpflege, Davydov/Spennemann [Hrsg.], München, 4. Aufl. 2017, S. 135 Rz. 29 mit Hinweis). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts darf bei der Beurteilung der kulturellen und künstlerischen Bedeutung eines Bauwerks die Person der Architektin bzw. des Architekten und der Stellenwert des Gebäudes in ihrem Schaffen als Kriterium berücksichtigt werden (BGE 120 Ia 270 E. 5c S. 280).