Citation: 2C_868/2020 E. 4.1

4.1. Vom Ergebnis her stimmt es mit der oben dargestellten Praxis überein, wenn die Vorinstanz erwogen hat, dass das Kantonale Steueramt die Kapitalauszahlung, welche Ende Juni 2015 vorgenommen und (im Oktober des gleichen Jahres) auch veranlagt wurde, im Rahmen der ordentlichen Veranlagung der Steuerperiode 2014 nicht hätte berücksichtigen müssen. Dementsprechend hat sie eine "neue Tatsache" im Sinne von Art. 151 DBG angenommen und die Voraussetzungen für die Einleitung eines Nachsteuerverfahrens als erfüllt erachtet. Die Übereinstimmung geht u.a. so weit, dass die Vorinstanz - im Sinne einer subsidiären Alternativbegründung - Folgendes erwogen hat: Tatsachen, die damals aus der geprüften Steuererklärung 2014 nicht ersichtlich waren, hatten als neu zu gelten, selbst wenn die Steuerbehörde sie bei besserer Untersuchung hätte erfahren können. Diese Erklärung enthielt jedoch keine offensichtlichen Fehler. Das kantonale Steueramt war somit nicht verpflichtet, ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Eine solche Pflicht hätte hingegen dann bestanden, wenn die Pflichtigen bzw. die diese vertretende Treuhandgesellschaft in der besagten Steuererklärung 2014 auf die im Zeitpunkt der Einreichung der Steuererklärung bereits erfolgte Kapitalauszahlung hingewiesen hätte. Das war jedoch nicht der Fall. Unter solchen Umständen braucht sich die Behörde sich zwar nicht auf die Richtigkeit der Steuererklärung zu verlassen, darf es aber ohne Verletzung ihrer Untersuchungspflicht tun. Sie hat ohne besondere Veranlassung keine Quervergleiche mit Akten anderer Steuerpflichtiger vorzunehmen oder im Steuerdossier nach ergänzenden Unterlagen zu suchen. Das war auch hier der Fall (vgl. dazu E. 2.3.2 u. 3.4 des angefochtenen Urteils).