Citation: 9C_228/2023 E. 5.5

5.5. Auch verhielt sich die Vorinstanz nicht bundesrechtswidrig, indem sie einen berufsvorsorgerechtlich relevanten Leistungsabfall beim Versicherten zu Beginn des Jahr 2018 bejahte. Zutreffend ist zwar der Einwand der Beschwerdeführerin, die Arbeitsunfähigkeit sei nicht durch echtzeitliche medizinische Unterlagen belegt. Solche sind aber nicht zwingend (vgl. E. 2.2 Abschnitt 2 hiervor). Sowohl das Gutachten des ABI vom 2. Juni 2020 als auch die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 15. Juni 2020 untermauern die vorinstanzliche Annahme einer mit zunehmendem Alter schwindenden Erwerbsfähigkeit. Die ABI-Expertise beschreibt die Entwicklung als für das Krankheitsbild des Versicherten durchaus typisch; im RAD-Bericht ist die Rede von "über die Lebenszeit abnehmenden Coping-Ressourcen". Wie sich aus den Akten der Invalidenversicherung ergibt, war der Versicherte zu Beginn des Jahres 2018 motiviert, eine neue Stelle anzutreten, und absolvierte ein dreimonatiges Beschäftigungsprogramm des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV). Offensichtlich korrelierten die tatsächlichen Leistungen aber nicht mit der Eigenwahrnehmung des Versicherten. Der Schlussbericht der Stiftung G.________ vom 29. Oktober 2018 geht davon aus, der Versicherte könne seine Arbeitsfähigkeit nur noch in einem "Nischenarbeitsplatz" verwerten. Es ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar und jedenfalls nicht willkürlich, wenn das kantonale Gericht das im Jahr 2018 erkennbare Auseinanderfallen von subjektivem Leistungswillen und objektivem Leistungsvermögen als Ausdruck einer nunmehr manifesten Arbeitsunfähigkeit wertete.