Citation: 1P.550/2005 10.11.2005 E. 2

2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Strafkammer sei davon ausgegangen, dass ihr die Verfügung vom 11. März 2005 am 16. März 2005 zugestellt worden sei, als sie vom Gemeindeverwalter von Z.________ in den Briefkasten des Hotels Y.________ geworfen wurde. Dies verstosse gegen Treu und Glauben. Sie habe keinen Zugang zum Hotelbriefkasten. Das Hotel sei zu dieser Zeit geschlossen und die Hoteleigentümer abwesend gewesen. Sie habe als Sozialhilfebezügerin in diesem Hotel ein Notdomizil und verfüge nicht über einen eigenen Briefkasten. Die Appellationsfrist habe daher nicht am 17. März 2005 zu laufen begonnen, wie die Strafkammer angenommen habe, sondern am 22. März 2005, nachdem sie das Urteil am 21. März 2005 empfangen habe. Entgegen der Auffassung der Strafkammer habe sie daher die Appellationsfrist gewahrt. 2.2 Nach Art. 88 des bernischen Gesetzes über das Strafverfahren vom 15. März 1995 (StrV) erfolgt die Zustellung von schriftlichen Mitteilungen grundsätzlich durch die Post (Abs. 1). Soweit dies zweckmässig erscheint, kann sie durch die Polizei erfolgen (Abs. 2). Ist die Adressatin oder der Adressat nicht anwesend, ist die Mitteilung verschlossen, adressiert und gegen Quittung Angehörigen oder Familiengenossen zu übergeben. Wird keine solche Person angetroffen, ist die Mitteilung verschlossen und adressiert in den Briefkasten zu legen oder an die Wohnungstüre zu heften (Abs. 3). Die Zustellung gilt auch dann als erfolgt, wenn die Adressatin oder der Adressat sie verhindert (Abs. 4).