Citation: 5A_373/2021 E. 5.4.3

5.4.3. Schliesslich beschränken sich die Beschwerdeführerinnen auf die Aussage, die Interpretation des Kaufvertrags zwischen der Bank Y.________ und der Beschwerdegegnerin durch das Obergericht widerspreche klar dessen Wortlaut. Wie bereits dargelegt geht es bei der objektiven Auslegung eines Vertrags nicht allein um dessen Wortlaut; Letzterer ist nicht isoliert, sondern aus seinem konkreten Sinngefüge heraus zu beurteilen und es ist zu berücksichtigen, was sachgerecht ist, weil nicht anzunehmen ist, dass die Parteien eine unangemessene Lösung gewollt haben (E. 5.2.2). Die Beschwerdeführerinnen legen aber nicht dar, weshalb die Beachtung des konkreten Sinngefüges oder der Angemessenheit der Lösung zu einem anderen Auslegungsergebnis hätten führen müssen. Im Gegenteil (und zur Erinnerung) : Mit dem Erwerb der drei Stockwerkeinheiten ist die Beschwerdegegnerin im entsprechenden Umfang in die Rechtsposition der Bank Y.________ eingetreten und Baurechtsnehmerin geworden (E. 3.3.1). Ausserdem wurde sie gegenüber der Stockwerkeigentümergemeinschaft Schuldnerin für ihren Anteil am Baurechtszins (E. 3.2.2). Genau dies bringt Ziff. 11 des Kaufvertrags vom 22. Februar 1988 zwischen der Bank Y.________ und der Beschwerdegegnerin zum Ausdruck: Darin wird die gesetzliche Folge des Erwerbs von 50/100 Stockwerkeigentum durch die Beschwerdegegnerin festgehalten, nämlich dass diese mit hälftiger Beteiligung in den Baurechtsvertrag eintrat und die Hälfte des Baurechtszinses schuldet. Demgegenüber folgt aus dem Vertragseintritt (in den Baurechtsvertrag) nicht, dass die Beschwerdegegnerin sich direkt gegenüber den Beschwerdeführerinnen zur anteilsmässigen Bezahlung des Baurechtszinses verpflichten wollte. Auch sonst liegen keine objektiven Anhaltspunkte vor, anhand derer die Regelung nach Ziff. 11 des Kaufvertrags anders zu verstehen sein soll, als sie sich ohnehin aus dem Gesetz ergibt. Eine Bundesrechtsverletzung ist nicht ersichtlich und die Beschwerde in diesem Punkt unbegründet.