Citation: 6B_477/2009 24.09.2009 E. 1

1.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz sei beim Schuldspruch der versuchten vorsätzlichen Tötung des Opfers A.________ unter Verletzung von Bundesrecht von einem Eventualvorsatz ausgegangen. Ihm und seinem Bruder sei es durchaus bewusst gewesen, dass sie das Opfer durch volles Zuschlagen mit dem 1.4 kg schweren Drehmomentschlüssel auf den Kopf hätten töten können. Sie seien in der Überzahl und dem wehrlosen Opfer kräftemässig überlegen gewesen. Sie hätten aber den Angriff nicht mit voller Kraft ausgeführt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei es möglich gewesen, mit dem Tatwerkzeug einen dosierten Schlag abzugeben. Sie hätten dem Opfer lediglich eine Lehre erteilen wollen, welche weder eine schweren Körperverletzung noch den Tod bewirken sollte. Der Nichteintritt des Todes hange nicht vom Zufall ab, sondern sei beabsichtigt. Deshalb habe das Opfer lediglich eine einfache Körperverletzung davongetragen. Die Vorinstanz habe den Eventualvorsatz unter Verletzung von Art. 12 Abs. 2 StGB bejaht. 1.2 Nach den unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanz waren der Beschwerdeführer und sein Bruder am 6. Oktober 2007 am Winzerfest Döttingen in einen Raufhandel mit einer Personengruppe verwickelt. Darunter befanden sich auch die Brüder B.________. Der Beschwerdeführer und sein Bruder bewaffneten sich an ihrem Wohnort mit einem Messer und einem Drehmomentschlüssel, in der Absicht, sich für die Streitigkeit zu rächen. Um ca. 1.40 Uhr nachts kam es zu einer Auseinandersetzung mit verschiedenen Beteiligten, an welcher sich der Beschwerdeführer und sein mitangeklagter Bruder beteiligten. Letzterer setzte dabei den Drehmomentschlüssel gegen D.________ ein. In der Folge machten sich der Beschwerdeführer und sein Bruder auf die Suche nach weiteren Personen der Gruppe B.________. Um ca. 1.50 Uhr bremste der Beschwerdeführer A.________ auf der Aarebrücke mit seinem Fahrzeug aus. Der Beschwerdeführer und sein Bruder schlugen mit dem Messer, dem Drehmomentschlüssel, Fäusten und Füssen gegen das Auto des Opfers und zerstachen einen Pneu. Als A.________ aus dem Fahrzeug ausstieg, gingen sie gemeinsam auf das Opfer los. Der Beschwerdeführer packte es an der Brust und stiess es mit beiden Händen an das Auto zurück. Er schlug es mit den Fäusten und verletzte es mit dem Messer an der Lippe. Der Bruder versetzte dem Opfer mit dem Drehmomentschlüssel mindestens drei Schläge auf den Kopf. Das Opfer hatte nach den Feststellungen der Vorinstanz keine Chance zu fliehen. Durch die Heftigkeit der Schläge ging es zu Boden. Der Beschwerdeführer hielt ihm drohend das Messer vors Gesicht, worauf es bewusstlos wurde. Es trug von der Auseinandersetzung drei stark klaffende Rissquetschwunden am Kopf sowie eine Verletzung der Oberlippe davon. Die Wunden mussten genäht werden. Die Verletzungen stammen von den von oben herab geführten Schlägen. 1.3 Die Vorinstanz erwägt, die Schläge mit dem Drehmomentschlüssel seien wuchtig und unkontrolliert gewesen. Nach den Aussagen des Opfers habe der mitangeklagte Bruder den Schläger voll aufgezogen. Er habe in blinder Rachewut gehandelt. Auch nach seinen eigenen Aussagen sei er völlig durchgedreht. Er habe die Leute überfahren wollen, mit welchen sich die erste Streiterei ereignet habe. Deshalb sei davon auszugehen, dass er mit voller Wut und kräftig dreimal auf den Kopf des Opfers eingeschlagen habe. Jeder einzelne Schlag hätte tödlich sein können, da die Gefahr eines Schädelbruchs mit Hirnverletzungen bestanden habe. Dies habe der Arzt bestätigt, welcher das Opfer behandelt habe. Irrelevant seien die tatsächlich erlittenen Verletzungen. An der Willensseite ändere es nichts, dass der Tod von A.________ nicht eigentliches Handlungsziel des Beschwerdeführers und seines Bruders gewesen sei. Der mitangeklagte Bruder habe gewusst, dass seine Schläge zum Tod des Opfers führen könnten. Wer trotz dieses Wissens mindestens dreimal unkontrolliert mit dem verwendeten Werkzeug auf den Kopf eines Opfers einschlage, dem müsse sich die Möglichkeit der tödlichen Verletzungen als derart wahrscheinlich aufdrängen, dass sein Verhalten nur als eine Inkaufnahme des Tötungserfolgs im Falle seines Eintritts gewertet werden könne. Indem der Mitangeklagte dennoch handelte, habe er sich gegen das Leben des Opfers entschieden. Die erste Instanz sei korrekterweise von Mittäterschaft ausgegangen, auf ihre Ausführungen sei zu verweisen. Die Handlungen seines Bruders seien dem Beschwerdeführer wie seine eigenen zuzurechnen. 1.4 Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt (Satz 1). Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Satz 2). Beim Eventualvorsatz strebt der Täter den Erfolg nicht an, sondern weiss lediglich, dass dieser möglicherweise mit der willentlich vollzogenen Handlung verbunden ist. Der Eventualvorsatz ist zu bejahen, wenn der Täter den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt und sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 133 IV 1 E. 4.1 S. 3 mit Hinweisen). Die zu aArt. 18 StGB entwickelte Rechtsprechung ist auch auf das neue Recht anwendbar (vgl. Urteil 6B_344/2008 vom 6. März 2009 E. 3.2). Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss der Richter bei fehlendem Geständnis aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Der Richter darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 133 IV 1 E. 4.1 S. 3 f. mit Hinweisen). Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft so genannte innere Tatsachen und ist damit Tatfrage. Rechtsfrage ist demgegenüber, ob nach den von der kantonalen Instanz festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt erscheint. Das gilt grundsätzlich auch, wenn bei Fehlen eines Geständnisses des Täters aus äusseren Umständen auf jene inneren Tatsachen geschlossen werden muss (BGE 133 IV 9 E. 4.1. S. 17; 130 IV 58 E. 8.5 S. 62; 125 IV 242 E. 3c S. 251 je mit Hinweisen). Die Feststellungen der Vorinstanz zum Sachverhalt prüft das Bundesgericht nur unter dem Gesichtspunkt der Willkür (Art. 97 Abs. 1 BGG). Die Verletzung des Willkürverbots ist ausdrücklich in der Beschwerde vorzubringen und zu begründen (Art. 106 Abs. 2 BGG). Der Beschwerdeführer muss sich dazu mit den Entscheidgründen der Vorinstanz auseinandersetzen und präzise angeben, worin er die Rechtsverletzung erblickt bzw. inwiefern der Entscheid an einem qualifizierten und offensichtlichen Mangel leidet. Auf rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid wird nicht eingetreten (BGE 134 V 53 E. 3.3. S. 60 mit Hinweisen; 134 II 244 E. 2.1 und 2.2 S. 245 f.; 130 I 258 E. 1.3 S. 261 f. mit Hinweisen). 1.5 Zu prüfen ist nachfolgend ausschliesslich der Tatvorsatz des Beschwerdeführers. Nicht angefochten ist die Annahme des mittäterschaftlichen Handelns und das Wissen, dass unkontrollierte Schläge mit einem Drehmomentschlüssel auf den Kopf eines wehrlosen Opfers tödlich sein können. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, sein Bruder habe als Mittäter nicht mit voller Wucht zugeschlagen, erschöpft sich seine Beschwerde in appellatorischer Kritik. Er setzt sich nicht mit der Beweiswürdigung der Vorinstanz auseinander, welche sich zu dieser Frage auf die Aussagen des Opfers und des Mittäters stützt (angefochtenes Urteil S. 25 f.). Darauf ist nicht einzutreten. 1.6 Nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz führte der Beschwerdeführer mit seinem Bruder einen Rachefeldzug gegen Personen, welche in eine Schlägerei involviert waren. Sie bewaffneten sich zu diesem Zweck mit Messer und Drehmomentschlüssel und wirkten bei den nachfolgenden Auseinandersetzungen arbeitsteilig zusammen. Bereits vor dem Zusammentreffen mit A.________ schlug der Bruder des Beschwerdeführers mit dem Drehmomentschlüssel auf D.________ ein. Der Beschwerdeführer wirkte aktiv an dieser Schlägerei mit. Im darauf folgenden Kampf mit A.________ gingen der Beschwerdeführer und sein Bruder gemeinsam auf ihr Opfer los. Der Beschwerdeführer hielt das Opfer mit Faustschlägen in Schach und verletzte es mit dem Messer an der Lippe, während sein Bruder unkontrolliert mit dem 1.4 kg schweren und 57 cm langen, aus Metall bestehenden Drehmomentschlüssel auf den Kopf des Opfers einschlug. Der Beschwerdeführer verhinderte eine Flucht des Opfers und ermöglichte die Tathandlung seines Bruders. Spätestens nach dem ersten Schlag war für den Beschwerdeführer die Wucht der Schläge erkennbar. Trotzdem beteiligte er sich weiter aktiv an der Auseinandersetzung. Bei dieser Sachlage durfte die Vorinstanz ohne Bundesrechtsverletzung davon ausgehen, dem Beschwerdeführer hätten sich tödliche Verletzungen als derart wahrscheinlich aufgedrängt, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Todes gewertet werden könne, falls dieser eingetreten wäre.