Citation: 4A_476/2012 E. 4.2.1

4.2.1. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung besteht kein verfassungsrechtlicher Anspruch der Parteien, zur rechtlichen Würdigung der durch sie in den Prozess eingeführten Tatsachen noch besonders angehört zu werden. Ebenso wenig folgt aus dem Gehörsanspruch, dass die Parteien vorgängig auf den für den Entscheid wesentlichen Sachverhalt hinzuweisen wären. Eine Ausnahme besteht namentlich dann, wenn ein Gericht seinen Entscheid mit einem Rechtsgrund zu begründen beabsichtigt, auf den sich die beteiligten Parteien nicht berufen haben und mit dessen Erheblichkeit sie vernünftigerweise nicht rechnen mussten (BGE 130 III 35 E. 5 S. 39; 126 I 19 E. 2c/aa S. 22; 124 I 49 E. 3c S. 52). Bei der Frage, ob die Rechtsanwendung des Schiedsgerichts als überraschend im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu qualifizieren ist, handelt es sich um eine Ermessensfrage, bei deren Beurteilung sich das Bundesgericht auf dem Gebiet der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit Zurückhaltung auferlegt. Damit soll den Besonderheiten des Verfahrens - namentlich dem übereinstimmenden Willen der Parteien, ihren Streit nicht vor staatlichen Gerichten auszutragen sowie der Tatsache, dass die Schiedsrichter unterschiedlichen Rechtstraditionen entstammen können - Rechnung getragen sowie verhindert werden, dass das Argument der überraschenden Rechtsanwendung dazu missbraucht wird, eine materielle Überprüfung des Schiedsurteils durch das Bundesgericht zu erwirken (BGE 130 III 35 E. 5 S. 39 f.). Die Beschwerdeführerin zeigt mit ihren Vorbringen nicht auf, inwiefern es ihr im Schiedsverfahren verunmöglicht worden sein soll, ihren Standpunkt hinsichtlich der anwendbaren mexikanischen Regelung der Verjährung darzulegen. Nachdem die CRCC die vom Beschwerdegegner geltend gemachten Ansprüche mit Entscheid vom 26. Juli 2011 als verjährt erachtet hatte, musste der Beschwerdeführerin bewusst sein, dass nach Anfechtung dieses Entscheids im Schiedsverfahren die Frage der Verjährung im Vordergrund stehen würde. Dabei konnte sie sich nicht darauf verlassen, dass sich das Schiedsgericht bei der Beurteilung der Verjährung der Klageansprüche auf die Prüfung der rechtlichen Vorbringen des Beschwerdegegners beschränken würde, sondern musste vielmehr davon ausgehen, dass das Schiedsgericht die Frage in rechtlicher Hinsicht von sich aus umfassend prüft. Dazu gehört auch die Einhaltung bzw. eine allfällige Unterbrechung der Verjährungsfrist durch Einleitung rechtlicher Verfahren. Die Beschwerdeführerin bestätigt in ihrer Beschwerdeeingabe selbst, dass das anwendbare mexikanische Arbeitsrecht in Art. 521 eine Unterbrechung der Verjährung unter anderem durch Klageeinleitung vorsieht. Wenn sie vor Bundesgericht nunmehr unter Berufung auf ein Rechtsgutachten vorbringt, die Annahme im angefochtenen Schiedsentscheid, die Anrufung der Schlichtungskammer der FIFA hätte die Verjährungsfrist unterbrechen können, sei "krass falsch", zeigt sie keinen in Art. 190 Abs. 2 IPRG vorgesehenen Beschwerdegrund auf, sondern kritisiert in unzulässiger Weise die schiedsgerichtliche Anwendung der massgebenden Bestimmungen. Eine überraschende Rechtsanwendung, zu der die Beschwerdeführerin eigens hätte angehört werden müssen, liegt nicht vor.