Citation: 5A_972/2023 E. 3.2.2

3.2.2. Mit Bezug auf den persönlichen Verkehr konstatiert das Obergericht, dass C.________ mit einem Alter von 23 Monaten ein Kleinkind ist. Die Erziehungsfähigkeit der Eltern werde nach den unangefochtenen Feststellungen des Bezirksgerichts gegenseitig nicht in Frage gestellt. Weder die geographische Distanz zwischen den Wohnorten der Eltern noch deren Lebensgestaltung oder zeitliche Verfügbarkeit sprächen gegen Übernachtungen beim Beschwerdeführer. Nachdem sich die Eltern kaum zwei Monate nach C.________s Geburt getrennt hätten, könne auch nicht von einer vor der Trennung gelebten Betreuung die Rede sein, die zu berücksichtigen wäre. Zutreffend beklage sich der Beschwerdeführer aber darüber, dass kinderpsychologische Studien für den Obhutsentscheid nicht massgebend sind. Dasselbe müsse auch bei der Ausgestaltung des Besuchsrechts gelten, da auch für die Frage nach Übernachtungen im Kleinkindalter kaum eindeutige Forschungsergebnisse vorliegen. Entscheidend sei in beiden Fällen der konkrete Einzelfall bzw. das Kindeswohl. Ohne konkrete Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung reiche der pauschale Verweis auf kinderpsychologische Studien nicht aus, um eine Übernachtung beim nicht hauptbetreuenden Elternteil zu verweigern. Vorliegend habe das Bezirksgericht keine Kindeswohlgefährdung bei Übernachtungen festgestellt. Ebenso wenig lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer C.________ in Stresssituationen nicht ausreichend beruhigen kann. Insofern sei nicht ersichtlich, was gegen eine Übernachtung von C.________ beim Beschwerdeführer sprechen könnte, und die Berufung daher begründet. Der Argumentation in der Berufung, dass beide Eltern gleichermassen Anspruch auf die Betreuung ihres Kindes hätten und die Beschwerdegegnerin keine Gründe gegen einen regelmässigen und ausgedehnten Kontakt zwischen Vater und Sohn vorbringe, hält die Vorinstanz entgegen, dass es keinen Automatismus für die Anordnung eines paritätischen Betreuungsverhältnisses gebe, sondern dieses dem Kindeswohl entsprechen müsse. Die Beschwerdegegnerin sei unbestrittenermassen C.________s Hauptbezugsperson und der Beschwerdeführer zeige nicht auf, inwiefern zwei aufeinanderfolgende Übernachtungen bei ihm und damit eine Trennung über drei Tage von der Hauptbezugsperson in C.________s Interesse sei. Auch wenn der pauschale Verweis des Bezirksgerichts auf die Kinderpsychologie alleine nicht ausreiche, dürften kinderpsychologische Erkenntnisse bei der Gestaltung des persönlichen Verkehrs nicht gänzlich ausser Acht gelassen werden. Dem Umstand, dass Kinder unter achtzehn Monaten durch regelmässige Übernachtungen bei dem Elternteil, der nicht die Hauptbetreuungsverantwortung trägt, eine unsichere Bindungsqualität entwickeln können, sei daher gleichwohl Rechnung zu tragen. Ebenso sei das kleinkindliche Zeitgefühl zu berücksichtigen und zu beachten, dass die Anpassung des Kindes an die wechselnden Übernachtungen zusätzlich zu den in diesem Alter sowieso anfallenden anderen Entwicklungsaufgaben bewältigt werden muss. Diese bedeute "keinesfalls", dass Kinder in diesem Alter auf Übernachtungen beim nicht hauptbetreuenden Elternteil verzichten müssen. Vielmehr sei "ein angemessenes Ausprobieren der Königsweg", um ein gutes Übernachtungsmodell zu finden. Gestützt auf diese Erwägungen kommt das Obergericht zum Schluss, dass vorläufig pro Monat nur eine Übernachtung an einem Wochenende angezeigt sei, damit sich C.________ langsam an die Übernachtungen gewöhnen kann. Angesichts der raschen Entwicklung eines Kindes in C.________s Alter sei die Angewöhnungsphase auf wenige Monate zu begrenzen und das Besuchsrecht danach auf eine Übernachtung alle zwei Wochen auszudehnen.