Citation: M 13/05 17.07.2006 E. 3

3.1 In beweismässiger Hinsicht beruhte der ursprüngliche Entscheid der Militärversicherung, die Haftung für den Gehörschaden des Beschwerdeführers anzuerkennen, auf den Angaben des Dr. med. H.________ vom 26. Juni 2001 und des Dr. med. S.________ vom 13. November 2001 sowie einem Bericht des Spitals Y.________ vom 2. Mai 1979, unterzeichnet ebenfalls von Dr. med. H.________, worin dieser erklärt hatte, der Versicherte leide seit der Rekrutenschule beim Schiessen an Tinnitus, der sich in letzter Zeit massiv verstärkt habe, einen Status nach rezidiverenden Knalltraumen mit Hochtoninnenohrschaden und Tinnitus diagnostiziert und die absolute Dispensation von weiteren Schiessübungen empfohlen hatte. Am 14. Juni 1979 wurde der Beschwerdeführer für schiessuntauglich erklärt. Weitere echtzeitliche Dokumente fehlen, weil gemäss Angaben des Versicherten gegenüber dem Aussendienstmitarbeiter der Militärversicherung vom 24. Juli 2001 keine Behandlung beim Truppenarzt erfolgt war, obwohl er im Wiederholungskurs 1976 oder 1978 ein Knalltrauma erlitten und dieses dem Arzt gemeldet habe. Ereignet habe sich der Vorfall, als er in der Nähe eines Minenwerfers stand, aus irgendeinem Grund den Gehörschutz entfernte und in diesem Moment ein Schuss abgegeben wurde. In der Folge sei ein vorübergehendes Rauschen aufgetreten, nach dessen Abklingen das Pfeifen (Tinnitus) geblieben sei. 3.2 Der rund zweieinhalb Jahre später ergangenen, die Haftung ablehnenden Verfügung der Militärversicherung vom 16. Juni 2004 lagen keine neuen Beweismittel aus der Zeit des Militärdienstes zu Grunde, während der laut Aussagen des Versicherten der Gesundheitsschaden verursacht wurde. Vielmehr stützte sich das BAMV nun auf eine versicherungsmedizinische Beurteilung des Dr. med. L.________ vom chefärztlichen Dienst (vom 11. Dezember 2003). Der Arzt gelangte auf Grund einer Würdigung der medizinischen Akten und der Aussagen des Beschwerdeführers zum Schluss, es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der im Juni 2001 angemeldete Hörschaden während eines bestimmten Dienstes verursacht oder verschlimmert worden ist. Aus dem UC-Eintrag vom 14. Juni 1979 betreffend Schiessuntauglichkeit dürfe nicht auf ein Knalltrauma geschlossen werden. Dr. med. L.________ weist des Weiteren auf gewisse Unklarheiten hin, namentlich in Bezug auf den anzuschuldigenden Dienst (Rekrutenschule 1968, Wiederholungskurse 1976/1978) und die Frage, ob tatsächlich ein Knalltrauma ursächlich für Hörschaden und Tinnitus sei. 3.3 Gestützt auf dieses Gutachten ist nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Gehörschädigung im Zusammenhang mit einer ausserdienstlichen Ursache steht. Der medizinische Befund ist laut Dr. med. L.________ mit einem Knalltrauma im Militärdienst vereinbar, die kurze Zeit nach den in Frage stehenden Wiederholungskursen 1976 oder 1978 am 14. Juni 1979 angeordnete Schiessuntauglichkeit ist aktenmässig ausgewiesen und die vom Administrativgutachter angeführten Unklarheiten sind, wie vom Arzt selbst eingeräumt wird, mit dem langen Zeitablauf von 25-30 Jahren leicht erklärbar. Angesichts all dieser Punkte sah Dr. med. L.________ denn auch davon ab, die Schädigung des Gehörs mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit einem aussendienstlichen Vorkommnis anzulasten. Vielmehr hielt er dafür, dass eine dienstliche Ursache für das Leiden nicht überwiegend wahrscheinlich sei. Damit vermag indessen die Militärversicherung den ihr nach anfänglicher Bejahung von Kausalität und Haftung obliegenden Beweis, der Gehörschaden sei ausserdienstlich entstanden, nicht zu erbringen. Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt und die Beweislast bei der Militärversicherung liegt, bleibt diese entsprechend der Anerkennung ihrer Haftung gemäss Schreiben vom 20. November 2001 für die Folgen des am 7. Juni 2001 angemeldeten Gehörschadens leistungspflichtig.