Citation: I 94/06 23.08.2006 E. 3

In Frage steht der Rentenanspruch. Dabei ist unbestritten, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf Grund der Fussbeschwerden des Beschwerdegegners (dekompensierter Knicksenkspreizfuss beidseits) 30% beträgt und diesbezüglich auf das Gutachten des Dr. med. M.________ vom 30. April 2003 abzustellen ist. Uneinig sind sich die Parteien darüber, ob der vom Hausarzt diagnostizierte Diabetes und die Hypertonie die Arbeitsfähigkeit zusätzlich limitieren. Während die Vorinstanz mit dem Versicherten davon ausgeht, diesbezüglich könne weder auf das Gutachten des Dr. med. M.________ noch auf die Einschätzungen des Hausarztes abgestellt werden, weshalb weitere Abklärungen notwendig seien, stellt sich die IV-Stelle auf den Standpunkt, der medizinische Sachverhalt sei hinreichend geklärt und es bestehe kein weiterer Abklärungsbedarf. 3.1 Zu den Diagnosen des Diabetes und der Hypertonie ergibt sich aus den medizinischen Unterlagen folgendes: Der Diabetes wird erstmals im Gutachten des Dr. med. M.________ vom 30. April 2003 erwähnt: Zwar führte der Gutachter einleitend bei den Diagnosen den Diabetes nicht auf; als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er lediglich einen dekompensierten Knicksenkspreizfuss beidseits, als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein leichtes, überbelastungsbedingtes lumbales Schmerzsyndrom bei Fehlstatik bei extremer Adipositas sowie eine arterielle Hypertonie und Nikotinabusus. Hingegen führte er zu den Angaben des Versicherten aus, vor kurzem sei eine Zuckerkrankheit entdeckt worden, weswegen er jetzt Medikamente nehmen müsse (Metfin 850mg 0-1/2-1/2, Coversum 1-1-1 wegen einem Bluthochdruck), und gab zur Arbeitsfähigkeit an, im Sinne einer Schadenminderungspflicht sollte der Versicherte dringend und drastisch sein Körpergewicht reduzieren zwecks Optimierung der diabetischen Stoffwechsellage, der arteriellen Hypertonie und im weiteren den Nikotinabusus stoppen. Schliesslich schätzte er die Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit "aus seinem Fachgebiet" auf 70%. Der Hausarzt Dr. med. J.________ führte am 7. Januar 2004 auf Anfrage der IV-Stelle aus, es gebe seit dem Gutachten des Dr. med. M.________ keine Änderungen der Diagnosen. Im Vordergrund stehe weiterhin ein Diabetes mellitus, eine Hypertonie sowie eine Adipositas per magna. Ferner habe der Versicherte Senkfüsse mit Hallux Valgus. Es resultiere eine schlechte Fussstatik mit starker, rezidivierender Clavusbildung. Die überlasteten Füsse wiesen in den Zehenbeugen permanent Ulzera auf. Auch im Schreiben vom 2. März 2004, in welchem Dr. med. J.________ von einer vollständigen Arbeits-, Erwerbs- und Vermittlungsunfähigkeit ausging, sowie in der telefonischen Stellungnahme gab er als Diagnosen einen fortgeschrittenen Diabetes mellitus, Hypertonie, Spreizplattfüsse mit permanenter Clavusbildung sowie einen Strabismus divergens des linken Auges an. Demgegenüber hatte er in seinem Bericht vom 20. Oktober 2002, in dem er eine Arbeitsfähigkeit in vorwiegend sitzender Tätigkeit von 50-70% attestiert hatte, lediglich die dekompensierten Spreizfüsse mit extremer Clavusbildung sowie das Übergewicht diagnostiziert, nicht aber einen Diabetes erwähnt, weshalb die IV-Stelle am 13. Januar 2004 telefonisch bei ihm nachfragte, seit wann der Diabetes mellitus bestehe und ob und in welchem Ausmass er die Arbeitsfähigkeit beeinflusse. Dr. med. J.________ gab dazu an, er habe den Diabetes erstmals am 26. November 2002 diagnostiziert, zeitgleich mit dem Bluthochdruck. Diabetes und Bluthochdruck hätten bei Personen, die es gewohnt seien, körperlich schwer zu arbeiten, sehr wohl einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Einzeln könne er diese Auswirkungen (Diabetes, Hypertonie, Fuss-Beschwerden) aber nicht bewerten. 3.2 Nach der Rechtsprechung ist für den Beweiswert eines Arzt-berichtes entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer-den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). 3.3 Weder Dr. med. M.________ noch Dr. med. J.________ äussern sich explizit zur Auswirkung des Diabetes auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten: Während Dr. med. M.________ den vom Versicherten angegeben Diabetes zwar im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnte, nicht aber bei den Diagnosen aufführte, und sich damit aus dem Gutachten nicht ohne weiteres ergibt, ob der Diabetes mellitus bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt wurde, konnte Dr. med. J.________ auch auf Nachfrage der IV-Stelle die Arbeitsunfähigkeit allein auf Grund des Diabetes nicht beziffern und überdies auch nicht schlüssig begründen, weshalb nach einer von ihm wegen der Fussbeschwerden attestierten Arbeitsfähigkeit von 50-70% auf Grund des Diabetes nun eine volle Arbeitsunfähigkeit, auch in jeglicher Verweisungstätigkeit, vorliegen sollte. 3.4 Indes ist davon auszugehen, dass mit einem adäquat behandelten, gut eingestellten Diabetes mellitus in der Regel keine Arbeitsunfähigkeit verbunden ist (vgl. dazu Urteile K. vom 6. Juni 2006, I 22/05, Erw. 5.1, M. vom 13. März 2006, I 432/05, Erw. 2.2, M. vom 20. April 2005, I 797/04, Erw. 2.2). Anders als bei einem entgleisten Diabetes, der eine dauernde Arbeitsunfähigkeit bewirken kann (vgl. Urteil K. vom 6. Juni 2006, I 22/05), ergibt sich eine Einschränkung allenfalls aus dem Risiko einer plötzlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie), weshalb gewisse Berufe wegen Fremd- oder Eigengefährdung, wie der Arbeit an Maschinen, mit Fahrzeugen oder sonstigem hohem Gefahrenpotential nicht als geeignet erscheinen. Das gilt zudem für Tätigkeiten, bei denen sich der Diabetiker nicht um seine Stoffwechselkontrolle kümmern kann. 3.5 Zwar werden weder im Gutachten des Dr. med. M.________ noch in den Berichten des Dr. med. J.________ genauere Befunde zum diagnostizierten Diabetes wie Blutzuckerspiegel oder dessen Verlauf aufgeführt. Es ergeben sich aus den medizinischen Unterlagen aber keine Anhaltspunkte, dass der Beschwerdegegner an einem nicht gut eingestellten Diabetes leidet. Er erhält mit Metfin 850 mg ein orales Diabetikum ohne zusätzliche Insulingabe, das im Übrigen allein nicht zu einer Hypoglykämie führen kann (vgl. Arzneimittel-Kompendium der Schweiz). Inwieweit damit eine Arbeitsunfähigkeit einhergeht, ist nicht erkennbar. Auch auf Nachfrage der IV-Stelle konnte Dr. med. J.________ eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch den Diabetes nicht schlüssig begründen, sondern gab lediglich an, Diabetes und Bluthochdruck hätten bei Personen, die es gewohnt seien, körperlich schwer zu arbeiten, sehr wohl einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Da aber dem Versicherten seine angestammte, schwere körperliche Tätigkeit unbestrittenermassen nicht mehr zumutbar ist und sich die ihm von Dr. med. M.________ attestierte Arbeitsfähigkeit von 70% auf eine leichte, vorwiegend sitzende Verweisungstätigkeit bezieht, ist nicht zu beanstanden, wenn die IV-Stelle davon ausging, der Diabetes bewirke keine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit. Dies gilt im Übrigen auch für den Bluthochdruck. Weitere Abklärungen erübrigen sich.