Citation: 8C_495/2007 31.01.2008 E. 4.4

4.4.1 Die Vorinstanz hat erwogen, der Beschwerdeführer habe sich "über Jahre hinweg" ärztlichen und physiotherapeutischen Behandlungen sowie "mehreren operativen Eingriffen" unterziehen müssen. Das Adäquanzkriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sei daher gegeben, wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Weise. Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer bis Mai 1998 (Formularbericht des Dr. med. C.________ vom 15. Mai 1998), wenn auch mit Unterbrüchen, immer wieder in haus- und spezialärztlicher Behandlung stand. Am 3. Februar 1985, 29. Juli 1986, 30. Oktober 1987, 22. Juni 1994 und 10. Dezember 1995, das heisst innerhalb von rund zehn Jahren, wurde er fünf Mal im rechten Knie operiert. Bis September 1996 war er insgesamt sieben Mal teils für wenige Tage, teils für mehrere Wochen in der Orthopädischen Klinik B.________ sowie in der Klinik N.________ zwecks stationärer Behandlung seiner Beschwerden im rechten Knie hospitalisiert. Der Beschwerdeführer ist somit während rund 13 Jahren immer wieder, sei es ambulant oder stationär, ärztlich behandelt worden. Bei einer so langen Behandlungsdauer kann man sich fragen, ob entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts das Kriterium der ungewöhnlich lang dauernden ärztlichen Behandlung nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Indessen kann diese Frage offen bleiben, weil - wie die nachstehenden Erwägungen zeigen - der adäquate Kausalzusammenhang im vorliegenden Fall auch wegen des gehäuften Vorliegens der massgebenden, unfallbezogenen Adäquanzkriterien zu bejahen ist. 4.4.2 Der Beschwerdeführer war seit dem Unfall vom 1. Februar 1985 nie mehr frei von Schmerzen im rechten Kniegelenk. Das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen, welches auch vom kantonalen Gericht bejaht worden ist, ist daher fraglos gegeben. 4.4.3 Aus der Überversicherungsrechnung der SUVA vom 20. Juli 2001 geht hervor, dass dem Beschwerdeführer in der Zeit vom 4. Februar 1985 bis 30. September 1988 1'082 Taggelder ausgerichtet wurden, wovon 739 Taggelder für vollständige Arbeitsunfähigkeit, 331 Taggelder für eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % und 12 Taggelder für eine Arbeitsunfähigkeit von 25 %. Im Rahmen des im Oktober 1993 eingeleiteten Revisionsverfahrens richtete die SUVA dem Beschwerdeführer in der Zeit vom 21. Juni 1994 bis 28. Februar 1997 nochmals für 239 Tage das volle Taggeld und für 245 Tage ein Teiltaggeld für Arbeitsunfähigkeiten zwischen 50 % und 80 % aus. Insgesamt hat die SUVA unfallbedingte Arbeitsunfähigkeiten während 1'566 Tagen, das heisst während 4 1/4 Jahren anerkannt und entschädigt. Davon richtete sie während 978 Tagen oder einer Zeitspanne von rund zwei Jahren und acht Monaten das volle Taggeld für eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % aus. Bei einer solchen mehrjährigen Dauer der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit, wobei während rund 2 2/3 Jahre eine volle Arbeitsunfähigkeit vorlag, ist nach der Rechtsprechung (vgl. RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 f. E. d/aa, U 56/00) das Kriterium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit erfüllt. 4.4.4 Wie vorne im Zusammenhang mit der Dauer der ärztlichen Behandlung dargelegt, wurde der beim Unfall vom 1. Februar 1985 erlittene körperliche Gesundheitsschaden des Beschwerdeführers in den Jahren 1985 bis 1987 drei Mal und dann erneut am 22. Juni 1994 sowie am 10. Dezember 1995 operativ behandelt. Letztlich blieben alle im rechten Knie durchgeführten chirurgischen Interventionen erfolglos, weil weder eine Teilinvalidität verhindert noch eine Verbesserung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit erreicht wurde. Der Beschwerdeführer wurde zwischen Juli 1985 und Dezember 1995 vier Mal in der Orthopädischen Klinik B.________ stationär behandelt, nämlich vom 29. Juli bis 15. August 1986, vom 28. Oktober bis 4. Dezember 1987, vom 21. bis 29. Juni 1994 sowie vom 10. bis 12. Dezember 1995. Hinzu kamen die Rehabilitationsaufenthalte in der Klinik N.________ vom 24. November bis 19. Dezember 1986 und vom 7. August bis 25. September 1996. Alles in allem war der Beschwerdeführer in den zehn Jahren zwischen 1986 und 1996 während 141 Tagen oder rund vier Monaten hospitalisiert. Mit all diesen aufwändigen, jahrelangen Therapien und chirurgischen Interventionen konnte nach der Berentung per 1. Oktober 1988 weder eine Verbesserung des unfallbedingten Gesundheitsschadens im rechten Knie des Beschwerdeführers noch eine Linderung des daraus resultierenden chronischen Schmerzzustandes erreicht werden. Bei einem solch ausserordentlich langwierigen und letztlich erfolglosen Krankheits- und Behandlungsverlauf ist das Kriterium eines schwierigen Heilungsverlaufes zu bejahen. 4.4.5 Im Gutachten der MEDAS vom 5. Juli 2002 wird festgehalten, "die rein orthopädische Behandlung bei zweifellos vorhandener, vielfach vordiagnostizierter erheblicher psychischer Komponente im Schmerzgeschehen und die jahrelange konsequente Nichtbehandlung der psychischen Faktoren" stelle "angesichts des heute anerkannten Konzepts der biopsychosozial bedingten Schmerzchronifizierung eine erhebliche ärztliche Fehlbehandlung dar". Diese Schlussfolgerung hat der psychiatrische Gutachter der MEDAS im Teilgutachten vom 28. Mai 2002 im Wesentlichen dahingehend begründet, dass der beim Beschwerdeführer vorliegende psychische Gesundheitsschaden als algogenes Psychosyndrom, das heisst eine durch körperlichen Schmerz bedingte psychische Störung, zu betrachten sei. Diese habe ihre volle negative klinische Bedeutung erst durch den Teufelskreis zwischen körperlich bedingtem chronischem Schmerz und speziellem, aber im Rahmen des Normalpsychologischen liegenden Schmerzbewältigungsmusters einer depressiv-aggressionsgehemmt-strukturierten Persönlichkeit erhalten. Da Schmerz ein unangenehmes Gefühl sei, seien Abklärungen und Therapien, welche die psychische Dimension nicht berücksichtigen, grundsätzlich unzulänglich. Beim Beschwerdeführer sei die psychische Störung über volle 17 Jahre - von der gelegentlichen Verordnung von Antidepressiva abgesehen - unbehandelt geblieben, weshalb die Behandlungsaussichten heute, nach zahlreichen psychosozialen Komplikationen de facto als nicht mehr therapierbar einzustufen sei. Insgesamt sei der Verlauf der Unfallfolgen beim Beschwerdeführer wahrscheinlich vermeidbar, jedenfalls der Versuch einer fachpsychiatrischen Behandlung angezeigt gewesen, weshalb aus aaaaaaa psychiatrischer Sicht von einer Fehlbehandlung gesprochen werden müsse. Anderseits sei die Behandlung offensichtlich vorschriftsgemäss korrekt verlaufen. Diese Begründung der Diagnose eines algogenen (schmerzbedingten) Psychosyndroms sowie der dieser psychischen Gesundheitsstörung zugrunde liegenden ursächlichen Faktoren beruhen auf einer umfassenden Berücksichtigung der umfangreichen medizinischen Unfallakten sowie einer eingehenden psychiatrischen Exploration des Beschwerdeführers. Sie sind gut nachvollziehbar, widerspruchsfrei und schlüssig. Das psychiatrische Teilgutachten der MEDAS vom 28. Mai 2002 und die darin enthaltene Sachverhaltsfeststellung, dass die jahrelange ausschliesslich orthopädische Behandlung der Kniebeschwerden des Beschwerdeführers unter konsequenter Nichtbehandlung der mehrfach diagnostizierten, erheblichen psychischen Faktoren aus psychiatrischer Sicht eine ärztliche Fehlbehandlung darstellt, erfüllt sämtliche nach der Rechtsprechung an die Beweiskraft von medizinischen Gutachten und Berichten zu stellenden Anforderungen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a S. 352, 122 V 157 E. 1c S. 160). Demgemäss ist im vorliegenden Fall auch das Adäquanzkriterium der ärztlichen Fehlbehandlung zumindest teilweise zu bejahen. 4.4.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass von den zu berücksichtigenden, unfallbezogenen Adäquanzkriterien diejenigen der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, der körperlichen Dauerschmerzen, des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit, des schwierigen Heilungsverlaufes und - zumindest teilweise - der ärztlichen Fehlbehandlung gegeben sind. Es liegt daher eine Häufung der massgebenden Kriterien vor, sodass der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 1. Februar 1985 und dem beim Beschwerdeführer eingetretenen psychischen Gesundheitsschaden zu bejahen ist. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers hat sich demgemäss in der revisionsrechtlich relevanten Zeitspanne zwischen November 1988 und November 2002 durch die Entwicklung und Verfestigung eines unfallkausalen, nicht mehr therapierbaren algogenen (schmerzbedingten) Psychosyndroms erheblich verschlechtert.