Citation: U 565/06 11.10.2007 E. 4

4.1 Bei medizinischer Diagnose eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule oder einer äquivalenten Verletzung sowie eines Schädel-Hirntraumas und Vorliegen des für diese Verletzungen typischen Beschwerdebildes mit einer Häufung von Beschwerden wie diffusen Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. ist ein natürlicher Kausalzusammenhang mit dem Unfall in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4 S. 360 f., 369 E. 3 S. 376 ff.). Voraussetzung für diese Annahme ist, dass innerhalb von 72 Stunden nach dem Unfall Nacken- bzw. Beschwerden an der Halswirbelsäule aufgetreten sind (SVR 2007 Nr. 23 S. 75 [U 215/05] E. 5 mit Hinweisen; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29 [U 264/97] E. 5e-g). 4.2 Im Fall der Beschwerdeführerin wurde weder je ein Schleudertrauma oder ein Schädel-Hirntrauma diagnostiziert, noch sind in den medizinischen Akten Kopfverletzungen oder Nackenbeschwerden innerhalb des relevanten Zeitraumes dokumentiert. Gemäss Befundaufnahme im Spital X.________, wo die Versicherte von der Polizei eingeliefert wurde, hatte sie sich zufolge Anstossens gegen das Armaturenbrett eine Kontusion am rechten Knie (indessen gemäss Röntgenbild keine ossäre Läsion), oberflächliche Schürfwunden am Schienbein in der Grösse von zwei Handflächen sowie zwei kleine Rissquetschwunden zugezogen. Die Kreuzbänder waren intakt, es fand sich kein Gelenkerguss; die Hüften waren beidseits ohne Befund und ohne Hinweis auf eine Acetabulum-Verletzung. Andere Verletzungen oder Beschwerden sind nicht aufgeführt. Aus dem Arztzeugnis UVG vom 18. Mai 2003 geht ausdrücklich hervor, dass den Ärzten des Kantonsspitals bezüglich Allgemeinzustand keine besonderen Wahrnehmungen (Gemütszustand usw.) aufgefallen sind. Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist daher nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360, 130 III 321 E. 3.2 u. 3.3 S. 324 f.), dass sich die Beschwerdeführerin nicht nur mit dem Bein am Armaturenbrett angestossen, sondern sich auch den Kopf irgendwo angeschlagen hat, wäre sonst doch ebenfalls eine entsprechende Wunde beziehungsweise Prellung sichtbar gewesen. Dies ist im Übrigen auch aus der Aussage der Versicherten und aus den Angaben im Polizeirapport zu schliessen, wonach in ihrem Unfallfahrzeug beide Airbags ausgelöst wurden; wie dem Protokoll der vorinstanzlichen Verhandlung zu entnehmen ist, hat sich die Beschwerdegegnerin beim Fahrzeughersteller über die Konzeption dieser Airbags erkundigt und war die in der Mitte sitzende Beschwerdeführerin durch den Airbag auf der Seite des Beifahrersitzes geschützt. Auch erwähnte die Versicherte nie eine Bewusstlosigkeit. Ebenfalls nicht dokumentiert wurden anlässlich der Hospitalisation die Nackenbeschwerden. Nach Lage der medizinischen Akten klagte die Beschwerdeführerin darüber erstmals am 29. März 2004 in der Sprechstunde bei Frau Dr. med. Z.________, Innere Medizin FMH, wie aus deren Bericht vom 19. Mai 2005 hervorgeht, somit ein Jahr nach dem Unfall. Die Versicherte gibt an, sie und auch ihr vormaliger Hausarzt Dr. med. E.________ hätten solche Beschwerden auf ihre Schwangerschaft zurückgeführt, welche indessen erst zwei Monate nach dem Unfall eingetreten ist. Im Übrigen werden im Bericht des Dr. med. E.________ vom 30. Mai 2003 keine Nacken-, sondern Schmerzen im thorakolumbalen Übergang erwähnt. Entscheidend ist somit, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weder ein Kopfanprall stattgefunden hat oder innert der rechtsprechungsgemäss relevanten Frist Nackenbeschwerden aufgetreten sind, noch dass ärztlicherseits je ein Schleuder- oder ein Schädel-Hirntrauma diagnostiziert wurde. Dass heute ein Beschwerdebild vorliegt, wie es möglicherweise auch einem solchen Trauma zugeordnet werden könnte, ist unter diesen Umständen nicht massgebend. Weitere Abklärungen sind nicht erforderlich.