Citation: H 94/05 19.01.2006 E. 4.2

4.2.1 Wie die Vorinstanz gestützt auf die aus dem Strafverfahren gegen B.________ beruhenden Erkenntnisse mit eingehender Begründung festgestellt hat, handelte es sich bei der Firma X.________ AG vordergründig zwar um eine Firma mit einfachen und überschaubaren Verhältnissen hinsichtlich der Verwaltungsstruktur - der Beschwerdegegner war einziges formelles Organ -; indessen war die Gesellschaft angesichts der intensiven personellen und finanziellen Verflechtung mit andern Firmen undurchsichtig organisiert. Das kantonale Gericht kam dabei zur Überzeugung, die gegenseitige Verstrickung der verschiedenen von B.________ beherrschten Unternehmungen, bei welchen wöchentlich entschieden wurde, mit welchen Mitteln die Löhne jeweils überhaupt ausbezahlt werden konnten - was zum Teil über bewusst buchhalterisch fehlerhafte gegenseitige Darlehens- und Kontokorrentverhältnisse abgewickelt wurde - hätten es E.________ verunmöglicht, die Verhältnisse zu durchschauen. Es zog daraus den Schluss, die an den Tag gelegte Passivität und die Tatsache, dass er sich angesichts der positiv gehaltenen Auskünfte des Prokuristen L.________ immer wieder vertrösten liess und darauf vertraute, alles sei in Ordnung, könne nicht als schweres Verschulden qualifiziert werden. 4.2.2 Die Beschwerde führende Ausgleichskasse erachtet den mangelnden Überblick in Bezug auf die verknüpften Unternehmungen als irrelevant. Im Wissen um die Liquidationsprobleme der Personalverwaltung hätte der Beschwerdegegner auf die Einhaltung der gesetzlichen Zahlungs- und Abrechnungspflichten dringen und dafür sorgen müssen, dass nur insoweit Löhne ausbezahlt werden, als die Firma in der Lage war, die entsprechenden Beiträge zu entrichten. Auch das BSV misst den nicht leicht durchschaubaren Verknüpfungen des Firmenkonglomerates des B.________ keinen Einfluss auf die Verschuldensbeurteilung des E.________ ein, da dieser über die Beitragsschulden gegenüber der Ausgleichskasse wusste. 4.3 Nach für das Eidgenössische Versicherungsgericht verbindlicher Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz (Erwägung 1) hat der Beschwerdegegner jeweils an den Verwaltungsratssitzungen teilgenommen, an welchen auch die finanziellen Angelegenheiten der Firma besprochen und bestimmt worden sei, welche Schulden zu bezahlen seien. Für die Verschuldensbeurteilung ist daher davon auszugehen, dass er über die Zahlungsrückstände gegenüber der Ausgleichskasse informiert war. Das kantonale Gericht hat denn auch richtig erwogen, dass es grundsätzlich als grobes Verschulden zu qualifizieren ist, wenn ein Verwaltungsrat sich während mehr als einem Jahr auf konkrete Fragen - beispielsweise nach den Jahresabschlüssen - vertrösten lässt und sich nicht aktiv um Einsichtnahme in die Bücher bemüht oder sich um eine ordnungsgemässe Buchführung kümmert, wenn er weiss, dass massive Zahlungsausstände vorliegen. Nicht erwiesen ist, dass er über die finanzielle Situation der Gesellschaft wusste (so auch das kantonale Gericht). Auch eine Einsicht in die Bücher hätte ihm nicht zu besserer Erkenntnis geholfen, weil definitive Entnahmen zu Gunsten des B.________ als Darlehen verbucht worden waren und von diesem ohne Wissen des Beschwerdegegners insgesamt eine gewollt unsaubere Buchführung angeordnet worden war. Angesichts der deliktischen Absicht der faktischen Verwaltungs- und Geschäftsorgane - namentlich in der Person von B.________, welcher unter anderem wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung, mehrfacher Anstiftung zu Urkundenfälschung und betrügerischen Konkurses verurteilt wurde - ist auch davon auszugehen, dass dieser eine aktivere Rolle des formellen Verwaltungsrates nicht geduldet hätte. Dass der Beschwerdegegner indessen nicht einmal versuchte, seine ihm von Gesetzes wegen obliegenden Pflichten zu erfüllen und seine Verantwortung als Verwaltungsrat wahrzunehmen, sondern in Passivität verharrt, ist ihm als grobes Verschulden anzulasten, wofür keine Rechtfertigungsgründe ersichtlich sind. Sein Verschulden liegt überwiegend darin, dass er ein Mandat übernahm und daran festhielt, ohne dass er sich in der Lage sah, die nicht delegierbaren gesetzlichen Pflichten, welche mit einem Verwaltungsratsmandat verbunden sind, zu erfüllen.