Citation: U 39/00 19.12.2000 E. 3

3.- a) Nach den Angaben des wegen Schwindels, Kopf- und Nackenschmerzen aufgesuchten Hausarztes Dr. S.________ hat der Beschwerdegegner beim Unfall ein massives HWSSchleudertrauma mit erheblicher Beeinträchtigung der HWSBeweglichkeit, jedoch ohne knöcherne Läsion erlitten (Berichte vom 22. Dezember 1997 und 15. Februar 1998). Die gleiche Diagnose findet sich in der Stellungnahme des Neurologen Dr. H.________ vom 19. November 1997. Dieser untersuchte zudem, ob die rund eine Woche nach dem Unfall erstmals aufgetretenen Dysästhesien und Hypästhesie im ulnaren Hand- und Unterarmabschnitt allenfalls mit der bereits vorbestehenden Bandscheibenprotrusion mediolateral rechts C6/C7 oder einer anderen unfallfremden Ursache in Verbindung gebracht werden könnte, und verneinte dies. Besondere neurologische Auffälligkeiten konnte er nicht feststellen. Am 7. September 1998 wies Dr. S.________ in einem Schreiben an die Fortuna Lebens-Versicherungs-Gesellschaft auf den schleppenden Heilungsverlauf hin. Neben der nach wie vor deutlichen schmerzhaften Einschränkung der Beweglichkeit der HWS mit ausstrahlenden Kribbelparästhesien in die Arme verwies er zudem auf eine Störung der psychischen Befindlichkeit mit Antriebsschwäche, Konzentrationsstörungen und verminderter Gedächtnisleistung. Dies wird im Wesentlichen im Austrittsbericht der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Y.________ vom 17. Februar 1999, wo der Versicherte vom 12. Januar bis 9. Februar 1999 stationär in Behandlung stand, bestätigt. Darin wird das gesamte Beschwerdebild indessen als persistierendes zervikovertebrales und zervikozephales Schmerzsyndrom nach der HWSDistorsion vom 31. Oktober 1997 bezeichnet. Auch wird der Verdacht eines zervikoradikulären Syndroms C7 bei rechtslateralem, auch infraforaminal gelegenem Diskusprolaps C6/C7 und nadelmyographischer Veränderung im Bereich des Musculus triceps geäussert. Eine eigentliche Instabilität der HWS konnte nicht festgestellt werden. Dagegen wird in diesem Bericht angesichts der festgestelltermassen starken Diskrepanz zwischen dem Selbsterleben des Versicherten und der ärztlichen Einschätzung der Leistungsfähigkeit auf eine ausgeprägte psychische Fixierung auf die Symptomatik erkannt, welche im Falle deutlich überdurchschnittlicher prämorbider kognitiver Fähigkeiten durchaus denkbar sei und einen entsprechenden Anpassungsprozess des Patienten erfordere. Es wird eine psychologische Unterstützung zum Erlernen von Schmerz-Copingstrategien empfohlen. Seit dem 15. März 1999 absolviert der Beschwerdegegner denn auch bei Dr. E.________ eine Psychotherapie. Der von der La Suisse Versicherungen beauftragte Dr. A.________ erachtet im Bericht vom 9. Juli 1999 die bereits vor dem Unfall vorhanden gewesene degenerative Veränderung des Segments C6/C7 als zumindest mitursächlich für die andauernden Beschwerden, wobei er es als am wahrscheinlichsten bezeichnet, dass durch das Ereignis eine bis dahin klinisch stumme Diskopathie C6/C7 zu einer seither zunehmenden symptomatischen Protrusion/Diskushernie C6/C7 werden konnte; weitere unfallfremde Faktoren wie die prämorbide Persönlichkeit des Beschwerdegegners sowie berufliche Probleme hätten die Beschwerden zusätzlich überlagert. Frau Dr. W.________ erhebt im für die Rehaklinik Z.________ am 28. September 1999 im Anschluss an den Klinikaufenthalt vom 10. August bis 7. September 1999 verfassten Gutachten einen Status nach HWS-Distorsionstrauma mit persistierendem zervikozephalem Syndrom, intermittierendem zervikothorakalem Syndrom, neuropsychologischen Defiziten sowie depressiven Episoden. b) Wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten, ist bei diagnostiziertem Schleudertrauma der HWS der natürliche Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit in der Regel zu bejahen, wenn ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderungen usw. vorliegt (BGE 117 V 360 Erw. 4b). In BGE 119 V 335 hat das Eidgenössische Versicherungsgericht festgehalten, aus BGE 117 V 359 dürfe nicht geschlossen werden, dass bei der Beurteilung der natürlichen Kausalität von Folgeschäden nach Verletzungen der HWS der natürliche Kausalzusammenhang ungeachtet der medizinischen Untersuchungsergebnisse gleichsam als von vornherein gegeben vorausgesetzt werde (BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa). Präzisierend führte es weiter aus, zur Bejahung der Frage, ob ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen einer Schleuderverletzung der HWS ohne organisch nachweisbare Beschwerden und den eingetretenen Gesundheitsschädigungen besteht, müssten die geklagten Beschwerden medizinisch einer fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und die Gesundheitsschädigung mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfall stehen (BGE 119 V 340 f. Erw. 2b/bb). Die Tatsache, dass der im Zusammenhang mit einer HWS-Verletzung sich manifestierende Beschwerdekomplex mitunter noch andere Ursachen haben kann, darf nicht von vornherein zur Verneinung der natürlichen Kausalität führen, da der Unfall als eine Teilursache für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt (BGE 119 V 338 Erw. 1 in fine mit Hinweis). Nach heutiger medizinischer Erkenntnis können bei einem Schleudertrauma der HWS auch ohne nachweisbare pathologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle der verschiedensten Art auftreten (BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa). c) Wenn die Vorinstanz im Lichte dieser Rechtsprechung zum Schluss gelangt ist, dass die vom Versicherten geklagten Beschwerden zumindest teilweise in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 31. Oktober 1997 stehen, so lässt sich dies nicht beanstanden. Zum einen steht auf Grund der zahlreichen, im Wesentlichen übereinstimmenden ärztlichen Berichte fest, dass der Versicherte ein massives HWS-Distorsionstrauma im Sinne eines so genannten Schleudertraumas erlitten hat; zum andern klagt er glaubhaft über Beschwerden, die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehören. So hat er schon wenige Stunden nach dem Unfall über Kopfschmerzen und Schwindel, später auch über Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, rasche Ermüdbarkeit, Übelkeit und schliesslich auch Depressionen geklagt. Diese Störungen haben zu einer Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit geführt, welche über den Tag des Einspracheentscheides hinaus angedauert hat. Inwieweit dabei auch die vorbestandene degenerative Veränderung der HWS im Bereich C6/C7 ebenfalls dazu beigetragen hat, ist unerheblich, solange nach den medizinischen Akten anzunehmen ist, dass der Unfall zumindest eine Teilursache der Gesundheitsschädigung bildet. Dass zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides der status quo sine erreicht worden ist, wovon die Beschwerdeführerin auszugehen scheint, lässt sich dagegen anhand der Arztberichte nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sagen (vgl. Erw. 2b hievor).