Citation: 6S.70/2004 28.01.2005 E. 6

Der Beschwerdeführer wendet sich weiter gegen die Anwendung der qualifizierten Tatbestandsvariante der Geiselnahme nach Art. 185 Ziff. 2 StGB. Diese Qualifikation sei nur gegeben, wenn der Täter auch Willens sei, seine Drohung wahr zu machen. Dies sei bei ihm nicht der Fall gewesen. 6.1 Die Rechtsprechung hat bei der Auslegung von qualifizierten Tatbeständen der angedrohten Strafe Rechnung zu tragen (BGE 121 IV 178 E. 2b mit Hinweisen). Angesichts der massiven Erhöhung der Mindeststrafe und der sich daraus ergebenden Folge für den bedingten Strafvollzug ist Art. 185 Ziff. 2 StGB restriktiv auszulegen. Die Qualifikation rechtfertigt sich nur, wenn die Rechtsgüter der Geisel in gesteigertem Mass betroffen sind; sie müssen erheblich stärker als beim Grundtatbestand beeinträchtigt worden sein. Diese Voraussetzung ist nicht nur zu bejahen, wenn der Täter die Drohung wahr machen kann und will, sondern auch, wenn er sie nicht wahrnehmen will, ja sogar, wenn er sie nicht einmal wahrnehmen kann, weil aufgrund der durch die Drohung ausgelösten Todesangst für sie das Risiko eines Schocks besteht. Hält der Täter die Geisel über einen längeren Zeitraum in seiner Gewalt unter Umständen, da jederzeit mit der Verwirklichung der Todesdrohung gerechnet werden muss, hat das für die Geisel zudem regelmässig eine schwere psychische Belastung zur Folge. Bei derartigen längeren Geiselnahmen besteht zudem die Gefahr, dass es zu einer Befreiungsaktion unter Einsatz von Schusswaffen kommt, was auch für die Geisel ein Risiko darstellt (BGE 121 IV 162 E. 2b-d; vgl. auch BGE 121 IV 269 E. 1c). 6.2 Nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz war es dem Beschwerdeführer und seinen Mittätern mit den gegenüber dem Vater der Geisel ausgesprochenen Todesdrohungen ernst. Ebenso ist davon auszugehen, dass sie diese Drohungen bei Ausbleiben der Lösegeldzahlung wahr gemacht hätten. Es kommt dazu, dass die mit fast 100 Stunden erhebliche Dauer der zwischenzeitlich in weiten Kreisen der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Geiselnahme und die damit verbundene, zunehmende Gefahr einer polizeilichen Befreiungsaktion unter dem Einsatz von Schusswaffen gemäss der angeführten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ebenfalls für eine Qualifizierung sprechen. Die Vorinstanz hat somit die qualifizierte Tatbestandsvariante gemäss Art. 185 Ziff. 2 StGB zu Recht angenommen. Bei dieser Sachlage braucht somit auf die vom Beschwerdeführer angeführte - von einem Teil der Lehre (vgl. dazu Delnon/Rüdy, a.a.O., N 32 zu Art. 185 StGB) erhobene - Kritik an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht eingegangen werden, wonach die Qualifikation zu weit gehe, wenn sie auch bei der Drohungen, die der Täter nicht wahr machen wolle oder könne, angenommen werde. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist somit auch in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.