Citation: 8C_785/2009 16.06.2010 E. 6

Nach Lage der Akten kann nicht zuverlässig beurteilt werden, ob die Voraussetzungen für die Adäquanzbeurteilung nach der Schleudertrauma-Rechtsprechung erfüllt sind. 6.1 Zunächst ist als erste ärztliche Stellungnahme der bezüglich Unfallhergang und allfällig erlittener Kopfverletzung wenig aussagekräftige Bericht vom 11. Februar 2004 über die am Unfalltag begonnene hausärztliche Behandlung dokumentiert. Beschwerdeweise wird wohl zutreffend geltend gemacht, dass sich der Hausarzt am 27. Dezember 2003, als in seiner Praxis ein völliges Chaos geherrscht habe, weil unzählige Notfälle zu behandeln gewesen seien, im Wesentlichen auf eine Kontrolle der am 16. August 2003 erlittenen Fraktur von LWK1 fokussiert habe, während die Abklärung (und dementsprechend auch das Arztzeugnis an die SUVA) ansonsten kurz ausgefallen sei; so sei insbesondere auch die Fraktur an BWK10 damals nicht diagnostiziert worden. 6.2 Auch die Angaben zum Unfallhergang sind spärlich und kaum überprüfbar. Dies gilt zunächst für die genannte hausärztliche Stellungnahme ("Ausweichmanöver notwendig und Sturz/Bord-Abhang"). Die Befragung des Versicherten durch die SUVA fand erst am 13. Juli 2004 statt. Der betreffenden Aktennotiz ist folgendes zu entnehmen: "Am 27.12.2003 um ca. 15 Uhr befand ich mich auf der Talabfahrt im Skigebiet. Während der Abfahrt wurde ich von einem Skifahrer fast angefahren. Bei dieser Fastkollision kam ich zu Sturz und rutschte in hohem Tempo ohne Skis einen sehr steilen Hang hinunter. Mit ca. 60-70 Stundenkilometer flog ich über eine Böschung in eine Tanne hinein. Dort blieb ich bewusstlos einige Zeit liegen. Ich weiss nicht, wie lange ich dort lag. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich grosse Rückenbeschwerden sowie grosse Kopfschmerzen. Ich hatte Prellungen und Schürfungen am Kopf. Ich kam nur unter grossen Schmerzen zur Talstation. Dort angekommen, wurde ich sofort zu Dr. K.________ gebracht. Dieser röntgte den Rücken um festzustellen, ob dem Lendenwirbel nichts passiert sei. Als er dies festgestellt hatte, gab er mir Schmerzmittel und schickte mich nach Hause. Die nachfolgenden Tage nahmen die Beschwerden immer mehr zu. Ich hatte sehr grosse Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Nach ca. einer Woche suchte ich Dr. K.________ erneut auf. [...]". Auch wenn keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass diese Angaben des Versicherten nicht unbefangen und zuverlässig wären (vgl. zur Beweismaxime der so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" BGE 121 V 45 E. 2a S. 47; 115 V 133 E. 8 S. 143; RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546, U 236/03 E. 3.3.4; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183, U 322/02 E. 4), wurden sie doch erst ein halbes Jahr nach dem erlittenen Unfall aufgenommen. 6.3 Bei den folgenden ärztlichen Abklärungen wurde verschiedentlich angenommen, dass sich der Versicherte beim Skiunfall eine Verletzung der Halswirbelsäule zugezogen habe. So ging Dr. med. P.________, FMH für ORL und spez. Hals- und Gesichtschirurgie, in seinen Berichten vom 26. Mai 2004 und vom 7. Juni 2004 davon aus, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2003 zweimalig, zuerst beim Vierrad-Motorradunfall und dann auf der Skipiste, ein starkes Wirbelsäulentrauma, damals mit Zervikaltraumatisierung und Bewusstlosigkeit, erlitten habe. Dr. med. L.________, SUVA Abteilung Arbeitsmedizin, ging in seiner Einschätzung vom 24. Juni 2004 davon aus, dass der Versicherte sich nach Lage der Akten am 27. Dezember 2003 ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS) zugezogen haben könnte; dass die Schwindelbeschwerden aber in Zusammenhang mit dem Unfall vom 27. Dezember 2003 stünden, erachtete er als nicht wahrscheinlich. Dr. med. W.________ nahm in seinem Bericht vom 15. Juli 2004 an, dass sich der Beschwerdeführer bereits am 8. Dezember 2001, als er auf Eis ausgerutscht und auf den Hinterkopf gefallen sei (vgl. auch Unfallmeldung vom 13. Dezember 2001), ein leichtes Schädel-Hirntrauma zugezogen habe, dann anlässlich des Unfalls mit dem vierrädrigen Motorrad am 16. August 2003 ein zweites und schliesslich beim hier zu beurteilenden Skiunfall ein drittes Schädel-Hirntrauma erlitten habe, wobei es bei diesem letzten Ereignis vom 27. Dezember 2003 zu einer Bewusstlosigkeit gekommen sei und für diesen Unfall auch eine amnestische Lücke bestehe. Der Versicherte leide an einem typischen postcommotionellen Syndrom mit Spannungskopfweh und ausgeprägten kognitiven Defiziten. Schliesslich gab der Hausarzt Dr. med. K.________ anlässlich einer telefonischen Anfrage der SUVA am 21. Juli 2004 an, dass er die Sturzstelle kenne und es sich um eine sehr gefährliche Passage auf der Piste handle, und berichtete nach Konsultation der Krankenakte am 8. August 2004 schriftlich, dass er am 27. Dezember 2003 u.a. auch diverse Prellungen und Excoriationen im ganzen Kopf-, Thorax- und Wirbelsäulenbereich festgestellt habe. Aufgrund dieser Kontusionsmarken, der angegebenen Bewusstlosigkeit und des klinischen Verlaufs müsse der Versicherte eine Commotio cerebri durchgemacht haben. 6.4 Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang auch, dass innerhalb einer Latenzzeit von 72 Stunden zwar nicht das gesamte Beschwerdebild eines Schleudertraumas gegeben sein muss, innerhalb dieses Zeitraums indessen zumindest Nacken- und/oder Kopfschmerzen aufgetreten sein müssen (SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75, U 215/05 E. 5). Es liegen diesbezüglich einzig die dargelegten Angaben des Versicherten vom 13. Juli 2004 sowie die Bestätigung des Hausarztes im genannten Bericht vom 8. August 2004 vor, wonach ihn der Versicherte bei einer Extrakonsultation vom 7. Januar 2004 wegen sehr starker frontaler Cephalea habe aufsuchen müssen. 6.5 Damit fehlt es weitgehend an den ersten tatbeständlichen Grundlagen, denen für die Frage der Anwendbarkeit der Schleudertrauma-Praxis grosses Gewicht zukommt.