Citation: 1B_66/2020 E. 4.1

4.1. Die Staatsanwaltschaft begründete die vorläufige Sistierung der Strafuntersuchung im Wesentlichen damit, dass vor dem Tribunal Régional du Littoral et du Val-de-Travers (Tribunal Civil) ein Scheidungsverfahren zwischen der Beschwerdeführerin (Strafanzeigerin) und dem Beschuldigten pendent sei und es zweckmässig und sachlich geboten erscheine, diesen Verfahrensausgang abzuwarten, zumal güterrechtliche Fragen (insbesondere die Zusammensetzung von Errungenschaft bzw. Eigengut) ein zentrales Fundament der Strafanzeige bildeten. Das Obergericht verneint in diesem Zusammenhang eine bundesrechtswidrige strafprozessuale Rechtsverweigerung bzw. -verzögerung. Die kantonalen Strafbehörden weisen zunächst darauf hin, dass die Strafanzeige ursprünglich relativ vage gewesen sei, weshalb die Beschwerdeführerin von der Staatsanwaltschaft aufgefordert worden sei, ihre Strafanzeige zu präzisieren. Erst fünf Monate nach deren Eingang (und zweimaliger Fristerstreckung) seien weitere Beweismittel eingereicht worden. Nach erfolgter Sichtung der Akten habe die Staatsanwaltschaft am 28. November 2017 einen Ermittlungsauftrag an die Polizei erteilt und eine entsprechende Delegation verfügt. Am 10. Januar 2018 sei der polizeiliche Schlussbericht bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Am 12. März 2018 sei das Verfahren zunächst eingestellt worden. Am 2. Oktober 2018 habe das Obergericht die Einstellungsverfügung teilweise aufgehoben und für einen Teil des beanzeigten Sachverhaltes eine Rückweisung an die Staatsanwaltschaft zur weiteren Untersuchung angeordnet. Zwischen dem 7. November und 4. Dezember 2018 seien diverse Schriftenwechsel und Abklärungen erfolgt, insbesondere zur Frage, bei welchem Gericht ein allfälliges Scheidungsverfahren anhängig war. Am 20. November 2018 habe die Staatsanwaltschaft erstmals eine vorläufige Sistierung des Strafverfahrens in Erwägung gezogen; am 4. Dezember 2018 habe sie diesbezüglich bei der Verteidigung weitere Auskünfte eingeholt. Die Staatsanwaltschaft habe sich am 12. Februar 2019 beim Tribunal Régional du Littoral et du Val-de-Travers zum Stand des seit dem 4. Juli 2018 dort anhängigen Zivilverfahrens erkundigt. Am 19. März 2019 habe sie die Strafuntersuchung sistiert, bis zum Ausgang des pendenten Scheidungsverfahrens. Die Vorinstanz erwägt, im Zivilverfahren werde auch über die güterrechtliche Auseinandersetzung zu befinden sein. Da die Parteien dem ordentlichen Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung unterstünden, werde es "insbesondere darum gehen, die Vermögenswerte ihren jeweiligen Gütermassen (Errungenschaft oder Eigengut) zuzuteilen und deren Umfang festzustellen". Strafprozessual zu untersuchen sei derzeit noch, ob eine strafrechtlich relevante Verschiebung von Vermögenswerten aus der Errungenschaft der Beschwerdeführerin in das Eigengut des Beschuldigten erfolgt sei. Auch wenn die strafrechtliche Relevanz der fraglichen Vorgänge (Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung) von den Strafbehörden zu beurteilen sein werde, dürften die zivilprozessualen Vorbringen und eingereichten Beweismittel der Parteien sowie die tatsächlichen Feststellungen des Scheidungsgerichtes von entscheidender Bedeutung auch für die strafrechtliche Beurteilung sein. Ein enger sachlicher Konnex zwischen dem Strafverfahren und dem seit dem 4. Juli 2018 rechtshängigen Scheidungsverfahren sei damit klar zu bejahen. Auch sonst sei in diesem Zusammenhang keine systematische Rechtsverzögerung oder -verweigerung durch die Strafbehörden ersichtlich. Die Beschwerdeführerin habe mit ihren Fristerstreckungsgesuchen und diversen Eingaben im Übrigen selber für mehrmonatige Verzögerungen gesorgt. Das Zivilgericht habe am 12. Februar 2019 die amtliche Auskunft erteilt, das Scheidungsverfahren werde "noch mehrere Monate dauern". Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, begründet keinen Vorwurf der Rechtsverweigerung oder -verzögerung durch die kantonalen Strafbehörden im Sinne der oben (E. 3) dargelegten Praxis: