Citation: 8C_151/2019 E. 6.2.3

6.2.3. Die Allianz stützt ihre Rentenaufhebung mit Verfügung vom 13. Januar 2015 resp. mit Einspracheentscheid vom 12. Januar 2017 auf den Gesundheitszustand gemäss dem ZMB-Gutachten vom 27. September 2012, den Berichten des Dr. med. F.________ vom 1. Mai und vom 14. September 2014 sowie dem Aktengutachten von Frau Dr. med. I.________. Die ZMB-Experten diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische paranoide Schizophrenie, eine rezidivierende depressive Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtiger leichtgradiger Episode und ein chronifiziertes posttraumatisches cervicales Schmerzsyndrom nach mehreren Unfallereignissen ohne nachweisbare strukturelle Veränderung der HWS; ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellten sie eine leichte Fehlhaltung und leiche konzentrische Bewegungseinschränkung der HWS, einen thorakalen, teilweise fixierten Rundrücken bei Status nach Morbus Scheuermann, Übergewicht und eine Hepatopathie unklarer Ätiologie fest. Für die angestammte Tätigkeit als Anlageberater attestierten sie angesichts der schweren Beeinträchtigung durch die psychiatrische Erkrankung volle Arbeitsunfähigkeit; in einer angepassten Tätigkeit (einfache Bürotätigkeit) bescheinigten sie ihm eine Arbeitsfähigkeit von 40 % und wiesen darauf hin, dass die Einschränkung auf dem psychiatrischen Leiden beruhe und das chronische Cervicalsyndrom dabei keine entscheidende Rolle spiele. Diese Einschätzung gelte seit ca. 2010, wobei zu erwähnen sei, dass Dr. med. F.________ 2009 noch keine Schizophrenie diagnostiziert habe. Die Experten empfahlen eine psychiatrische und psychopharmakologische Behandlung; der Versicherte gebe jedoch an, er habe auf den Philppinen weder eine Krankenkasse noch einen Hausarzt. Abschliessend halten sie fest, bezüglich der Folgen der erwähnten Unfälle sei eine Besserung der somatischen Befunde eingetreten und aktuell stehe das psychiatrische Krankheitsbild im Vordergrund. Dr. med. F.________ diagnostiziert in seinem Gutachten vom 1. Mai 2014 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende depressive Episode mittleren Ausmasses (ICD-10: F32.1) und eine schizotype Störung (ICD-10: F21.0; DD paranoide Schizophrenie ICD-10: F20.0). Im Weiteren verneinte er Anhaltspunkte für seinen 2009 noch geäusserten Verdacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41). Er attestierte dem Versicherten volle Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Versicherungsfachmann und eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für eine Tätigkeit in einem geschützten Rahmen (wie z.B. Büro- oder Hauswartarbeiten). Auch er empfahl eine psychotherapeutische und psychopharmakologische Behandlung, wobei letztere eine stabile Arzt-Patienten-Beziehung voraussetze. In seinem Bericht vom 14. September 2014 ergänzte er sein Gutachten um die sich aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht stellenden Fragen. Dabei hielt er fest, dass "mit grosser Wahrscheinlichkeit die stattgehabten milden traumatischen Gehirnverletzungen keinen sicheren nachweisbaren und objektiven Zusammenhang mehr mit der vorliegenden Psychopathologie" hätten; ab wann dies der Fall gewesen sei, könne rückblickend nicht exakt datiert werden. Die durch die Unfälle entstandenen körperlichen Beeinträchtigungen seien mitunter Teilursache der Entwicklung der Psychopathologie gewesen, doch es müsse festgehalten werden, dass sich die Psychopathologie mit grosser Wahrscheinlichkeit auch ohne die Unfälle hätte entwickeln können. Aus psychiatrischer Sicht lägen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Unfallfolgen mehr vor. Aus psychiatrischer Sicht bestehe auch keine unfallbezogene Beeinträchtigung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit mehr. Bezüglich der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit stehe die psychiatrische Störung im Vordergrund. Frau Dr. med. I.________ äusserte sich in ihrem Aktengutachten vom 28. April 2016 zur Frage der Kausalität der psychischen Beschwerden. Sie verneinte die Unfallkausalität der schizophreniformen Störung, da sich der Versicherte - entgegen der Ansicht des psychiatrischen MEDAS-Experten - bei den Unfällen in den Jahren 1989, 1991 und 1995 keine organisch-strukturelle Hirnschädigung zugezogen habe, eine schizophreniforme Störung jedoch nur nach einer schweren Schädel-Hirnverletzung, nicht jedoch bei blosser Commotio cerebri, denkbar sei.