Citation: I 556/04 22.12.2004 E. 3.5.2

3.5.3 Prof. Dr. med. S.________, der um eine Zweitmeinung zur empfohlenen lumbosakralen Spondylodese angefragt worden war, verneinte mit Bericht vom 18. Dezember 2003 die Indikation für eine Operation klar. Seine vermutungsweisen Angaben zur Arbeitsunfähigkeit von 100 % in körperlicher Schwerarbeit (Metallbauschlosser) und von 50 % in einer leichten oder mittelschweren Tätigkeit stellte er unter den Vorbehalt einer stationären Rehabilitation, wo "die Arbeitsbelastbarkeit und Reintegration in beruflicher Hinsicht ausgetestet werden" können. Die vom 24. März bis 14. April 2004 in I.________ durchgeführte Rehabilitation ergab aus rheumatologischer und orthopädischer Sicht nichts, was gegen eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten spricht. Anlässlich einer am 29. März 2004 in der Klinik L.________ durchgeführten psychosomatischen Abklärung diagnostizierte Dr. med. P._________ eine wahrscheinliche somatoforme Komponente der Schmerzen (ICD-10 F45.4). Selbst wenn eine solche bereits zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides vorgelegen hätte, vermag eine derartige Störung allein in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken. Invalidisierender Charakter kommt einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nur ausnahmsweise zu, wenn diese nach Einschätzung des Arztes eine derartige Schwere aufweist, dass der versicherten Person die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver Betrachtung - und unter Ausschluss von Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, die auf aggravatorisches Verhalten zurückzuführen sind - sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder dies für die Gesellschaft gar untragbar ist (BGE 130 V 354 Erw. 2.2.3 mit Hinweisen). Dies trifft insbesondere dann zu, wenn eine mitwirkende, psychisch ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer besteht oder aber andere qualifizierte, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Kriterien erfüllt werden (BGE, a.a.O.). Aus dem Konsilium des Psychiaters der Klinik L.________ geht klar hervor, dass der Versicherte weder an einer wesentlichen depressiven Verstimmung noch an anderen psychischen Krankheiten leidet. Eine aussergewöhnlich schwere Ausprägung der Störung kann somit ausgeschlossen werden. Die nach der erwähnten neuesten Rechtsprechung nebst der psychischen Komorbidität massgeblichen Kriterien, welche ausnahmsweise eine willentliche Schmerzüberwindung verunmöglichen, sind nach Lage der Akten eindeutig nicht erfüllt, insbesondere weil es an der erforderlichen Dauerhaftigkeit der Entwicklung seit dem ersten Unfall vom 28. Januar 1991 fehlt. Soweit Prof. Dr. S.________ auf entsprechende Nachfrage der Rechtsvertreterin des Versicherten und nachdem ihm die Berichte der Klinik B.________ vom 21. November 2001 und der Klinik L.________ vom 30. März und 19. April 2004 vorgelegt worden waren, am 3. September 2004 präzisierte, auch in einer leichten körperlichen Tätigkeit bestehe lediglich eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit und er ein ergänzendes (somatisches und psychiatrisches) Gutachten anregte, zielen seine Ausführungen nach dem Gesagten ins Leere. 3.6 Das nachträglich aufgelegte Schreiben des Dr. med. K.________ vom 14. September 2004, in welchem der Psychiater eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.2) und eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11) diagnostiziert und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, bezieht sich auf Untersuchungen, die fast ein Jahr nach Erlass des Einspracheentscheides stattgefunden haben. Es kann daher offen bleiben, ob dieses neue Beweismittel überhaupt zu berücksichtigen ist, zumal es nach Ablauf der Beschwerdefrist, und ohne zweiten Schriftenwechsel - welchen anzuordnen keine Veranlassung besteht (Art. 110 Abs. 4 OG; BGE 119 V 323 Erw. 1 mit Hinweisen, Urteil G. vom 13. August 2003, I 204/02) -, aufgelegt wurde (vgl. BGE 127 V 357 Erw. 4). Da sich die Einschätzung des Dr. med. K.________ nicht auf den Zeitpunkt des Einspracheentscheides bezieht, kann sie im Übrigen auch keine neuen erheblichen Tatsachen oder entscheidende Beweismittel gemäss Art. 137 lit. b OG enthalten. 3.7 Die medizinischen Unterlagen erlauben somit eine schlüssige Beurteilung der gesundheitlichen Einschränkungen. Von weiteren, den Zeitraum vor Erlass des Einspracheentscheides und damit retrospektiv vorzunehmenden medizinischen Einschätzungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b mit Hinweis auf BGE 124 V 94 Erw. 4b und 122 V 162 Erw. 1d). Sollte sich die psychische Situation nach Erlass des Einspracheentscheides verschlechtert haben, ist es dem Beschwerdeführer unbenommen, dies im Rahmen einer Neuanmeldung geltend zu machen.