Citation: 6S.481/2002 19.06.2003 E. 5

Es kann im vorliegenden Verfahren dahingestellt bleiben, ob der Pauschalabzug von monatlich Fr. 180.-- für "Kostgeld Mittagessen" rechtlich zulässig war. Selbst wenn man die Frage verneinen wollte, ergäbe sich daraus nach der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz nicht die Berechtigung der Beschwerdeführerin zur Aneignung der fraglichen Sachen. Wer zum Zwecke der Sicherung eines berechtigten Anspruchs sich selbst Schutz verschafft, ist gemäss Art. 52 Abs. 3 OR dann nicht ersatzpflichtig, wenn nach den gegebenen Umständen amtliche Hilfe nicht rechtzeitig erlangt und nur durch Selbsthilfe eine Vereitelung des Anspruches oder eine wesentliche Erschwerung seiner Geltendmachung verhindert werden konnte. Diese Voraussetzungen der erlaubten Selbsthilfe sind hier nicht erfüllt. Der Beschwerdeführerin wäre es möglich und zumutbar gewesen, im einfachen und raschen arbeitsrechtlichen Verfahren (siehe Art. 343 OR) abklären zu lassen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang der Lohnabzug von Fr. 180.-- unter den gegebenen Umständen rechtens sei.