Citation: I 508/01 27.08.2002 E. 4

4.1 In medizinischer Hinsicht gelangten Verwaltung und Vorinstanz gestützt auf die medizinischen Akten, in erster Linie den Bericht des Dr. med. M.________ vom 22. Juni 1999, zum Ergebnis, der Beschwerdeführer könne auf Grund seines Rückenleidens die bisherige Arbeit als Freileitungsmonteur nicht mehr ausüben; dagegen sei er in Bezug auf eine leichte, in wechselnder Körperposition zu verrichtende Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, die medizinischen Akten seien widersprüchlich und unvollständig. Sie liessen eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht zu. Erforderlich seien ergänzende Abklärungen in rheumatologisch/neurochirurgischer sowie psychiatrischer Hinsicht. 4.2 Hinsichtlich des somatischen Beschwerdebildes hat die Vorinstanz die Notwendigkeit zusätzlicher Abklärungen mit der Begründung verneint, die vorhandenen Akten, namentlich die Stellungnahme des Dr. med. M.________ vom 22. Juni 1999, bildeten eine ausreichende Entscheidgrundlage. 4.2.1 Der Hausarzt Dr. med. X.________ diagnostiziert in seinem Bericht vom 11. November 1997 ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit Osteochon-drose und Spondylarthrosen. Der Gesundheitsschaden bestehe seit Januar 1997. Der Zustand sei besserungsfähig. Die Rückenschmerzen liessen eine Rückkehr an die Arbeit als Kabelleger nicht zu. Es bestehe eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit seit 13. März 1997. Da der weitere Verlauf wenig Hoffnung auf Heilung zeige, sei eine Umschulung dringend nötig. In der Krankengeschichte der Klinik F.________ werden als strukturelle Diagnose mehrsegmentale degenerative LWS-Veränderungen im Sinne von Chondrosen bis Osteochondrosen, Spondylophytosen sowie eine mögliche Instabilität L5/6 bei Hemilumbalisation nach lumbalem Morbus Scheuermann, als funktionelle Diagnose ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom, eine segmentale Dysfunktion auf mehreren lumbalen Niveaus, muskuläre Dysbalance und Fehlhaltung im Sinne eines Flachrückens genannt. Das Beschwerdebild habe durch die physiotherapeutische Behandlung nur wenig geändert werden können. Empfohlen werde ein Arbeitsversuch mit einem Pensum von 50 % für 14 Tage und, falls dieser scheitern sollte, eine orthopädische Abklärung. Frau Dr. med. W.________ führt in ihrem Bericht vom 30. Juni 1997 aus, es bestehe ein chronisches Lumbovertebralsyndrom. Von der klinischen Untersuchung her sei eine Instabilität, wie sie offenbar in Z.________ erwogen worden sei, durchaus denkbar und könnte zu den vorzeitigen degenerativen Veränderungen (Spondylarthrose, Osteochondrose) passen. Falls die Entzündungsparameter normal seien und da auch klinisch ausser dem recht unspezifischen Mennell keine Zeichen einer entzündlichen Erkrankung bestünden, dränge sich zur Zeit eine weitere Abklärung der ISG (Iliosakralgelenke) durch CT oder Szinti nicht auf. Wegen der weitgehenden Un beeinflussbarkeit der Beschwerden stelle sich auch die Frage nach dem Einfluss psychosozialer Faktoren und einem eventuellen Einsatz von Antidepressiva. Am 6. Februar 1998 bestätigte Frau Dr. med. W.________ die Diagnose eines chronischen Lumbovertebralsyndroms bei degenerativen Veränderungen und Fehlform sowie Verdacht auf Instabilität. Noch immer klage der Patient über lumbale Schmerzen vor allem beim Bücken und Aufstehen. Im Liegen sei nur die Seitenlage schmerzfrei. Beim Gehen, insbesondere abwärts, verstärkten sich die Schmerzen. Das Sitzen sei ein bis zwei Stunden möglich. Mennell sei jetzt beidseits negativ, ISG und periphere Gelenke unauffällig, der Neurostatus normal. Der Gesundheitszustand sei stationär, eventuell besserungsfähig. Der Behinderung angepasst sei eine Tätigkeit ohne Heben schwerer Lasten und Beugen der Lumbalwirbelsäule. Dr. med. M.________ nennt in seiner Stellungnahme vom 22. Juni 1999 als Diagnose ein chronisches lumbovertebrales Syndrom bei Flachrücken, erheblichen Residuen bei Status nach thorakolumbalem Morbus Scheuermann, generalisierten mässigen, lumbalen Segmentdegenerationen mit segmentaler Gefügelockerung L3-S1 sowie partieller Lumbalisation von S1 rechts. Die rheumatologische Abklärung habe eine ausgeprägt schmerzhaft eingeschränkte Lendenwirbelsäule ergeben, wobei keine klinischen Zeichen für eine Instabilität oder eine lumboradikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik bestanden hätten. Radiologisch bestätige sich der Übergangswirbel mit partieller Lumbalisation von S1 rechts sowie die generalisierten, mässigen, lumbalen Segmentdegenerationen mit segmentaler, degenerativ bedingter Gefügelockerung L3/S1 ohne Instabilität in den gehaltenen seitlichen Funktions-aufnahmen bei im Übrigen unauffälligen Schrägaufnahmen der LWS. Eine Wirbelsäulen-Erkrankung aus dem entzündlich-rheumatischen Formenkreis, insbesondere eine seronegative Spondarthropathie, habe klinisch, labormässig aber auch in den bildgebenden Verfahren klar ausgeschlossen werden können. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Freileitungsmonteur sowie für jede andere körperlich schwere und mittelschwere Arbeit sei der Versicherte aus rheumatologischer Sicht 100 % arbeitsunfähig. Für eine körperlich leichte Arbeit in wechselnden Körperpositionen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % "mit Besserungstendenz unter Therapie bis auf 100 % innerhalb des nächsten halben Jahres". 4.2.2 Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass die Stellungnahme des Dr. med. M.________ auf Grund der vorgenommenen Untersuchungen sowie der beigezogenen Informationen den von der Rechtsprechung formulierten Anforderungen an beweiskräftige medizinische Berichte und Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) gerecht wird und sich auch mit den übrigen medizinischen Beurteilungen vereinbaren lässt. Auf die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz kann verwiesen werden mit der Ergänzung, dass in den Berichten der Klinik F.________ und von Frau Dr. med. W.________ lediglich die Möglichkeit einer Instabilität erwähnt und nicht deren Vorliegen diagnostiziert wird. Dieser Verdacht bestätigte sich im Rahmen der durch Dr. med. M.________ vorgenommenen Untersuchungen nicht. Die Zuverlässigkeit des Berichts vom 22. Juni 1999 und der ihm zu Grunde liegenden Untersuchungsmethoden wird auch durch das mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichte Gutachten des Prof. Dr. med. P.________ nicht in Frage gestellt. Dieses bezieht sich auf die Folgen eines Verkehrsunfalls mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule, wobei die vom Beschwerdeführer angerufene Stelle die Frage betrifft, ob eine Diskushernie im Wesentlichen durch das Schleudertrauma verursacht worden sei. Die vorliegende Problematik ist anders gelagert. Die Stellungnahme des Dr. med. M.________ bietet allerdings insofern keine hinreichende Grundlage für die Bestimmung des Invaliditätsgrades während des vorliegend relevanten Zeitraums bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung vom 2. Mai 2000 (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen), als sie eine Prognose über den weiteren Verlauf bis zu diesem Zeitpunkt enthält, indem ausgesagt wird, die Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer leichten Tätigkeit habe eine "Besserungstendenz unter Therapie bis auf 100 %" innerhalb des nächsten halben Jahrs, also bis Ende 1999. Ob in der Folge wirklich eine Verbesserung eingetreten ist, lässt sich auf Grund der Akten nicht beurteilen. Diese Frage wird ergänzend abzuklären sein. 4.3 Umstritten ist ausserdem die Notwendigkeit einer ergänzenden psychiatrischen Abklärung. 4.3.1 Der im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren geltende Untersuchungsgrundsatz besagt unter anderem, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 Erw. 4a; AHI 1994 S. 212 Erw. 4a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 2c). 4.3.2 Der vorinstanzlichen Erwägung, Dr. med. M.________ habe die vom Beschwerdeführer angegebenen "psychosozialen Aspekte" (Ängste und Hemmungen) in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einbezogen, kann nicht beigepflichtet werden. Die entsprechenden Aussagen des Beschwerdeführers werden im Bericht dieses Arztes vom 22. Juni 1999 wohl wiedergegeben, anschliessend jedoch nicht mehr erwähnt. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit trägt die Überschrift "Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht". Unter diesen Umständen kann nicht davon ausgegangen werden, der psychiatrische Aspekt sei bereits Gegenstand der bisherigen Untersuchungen gewesen. 4.3.3 Dr. med. X.________ führt in seinem letztinstanzlich eingereichten Schreiben vom 13. Juli 2001 aus, die chronischen Schmerzen und der mehrjährige Ausschluss vom Arbeitsprozess hätten zu einer Beeinträchtigung des psychischen Befindens geführt. Hinweise dafür seien ungefähr seit Frühjahr 1998 festzustellen. Werden ausserdem die im Bericht des Dr. med. M.________ vom 22. Juni 1999 wiedergegebenen Aussagen des Beschwerdeführers sowie der bereits im Bericht von Frau Dr. med. W.________ vom 30. Juni 1997 enthaltene Hinweis auf mögliche "psychosoziale" Faktoren berücksichtigt, ist das Vorliegen psychischer Auffälligkeiten während des relevanten Zeitraums nicht ohne weiteres auszuschliessen. Damit festgestellt werden kann, ob solche bestehen, ob ihnen gegebenenfalls Krankheitswert zukommt und ob die Arbeitsfähigkeit dadurch beeinträchtigt wird, ist eine ergänzende psychiatrische Abklärung unumgänglich.