Citation: U 126/04 30.09.2004 E. 5

5.1 Auf Grund der gesonderten Adäquanzbeurteilung war damit nur hinsichtlich des dritten Unfallereignisses zu prüfen, ob an Stelle der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen die sogenannte "HWS-Praxis" anwendbar ist, wie es der Beschwerdeführer - auf Grund eines dadurch verlängerten Beurteilungszeitraums - für eine Gesamtbeurteilung fordert. Dr. med. Z.________, Leitender Oberarzt Neurorehabilitation der Klinik B.________, diagnostizierte am 19. Februar 2001 nach einer ambulanten neurologischen und neuropsychologischen Abklärung des Beschwerdeführers am 7. Februar 2001 einen Status nach dreimaliger durchgemachter milder traumatischer Hirnverletzung mit Mischbild mit leichten neurologischen Störungen im Bewegungssehen und möglicherweise der Sensibilität, neuropsychologischen Funktionsstörungen und deutlichen Hinweisen auf zusätzliche psychoreaktive Störungen. Er kam zum Schluss, dass neben der schmerzbedingten Leistungseinschränkung wahrscheinlich eine massive psychische Problematik (Adoleszenzprobleme, Konflikt am Arbeitsplatz, neurotische Leistungsverweigerung, depressive Entwicklung) bestehe. Als Massnahme empfahl er eine ambulante psychiatrische Abklärung und die Untersuchung der Arbeitssituation im Lehrbetrieb. Am 16. Mai 2001 wurde der Versicherte von Dr. med. F.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht. Dieser befand im Bericht an den Hausarzt vom 1. Juni 2001 zusammenfassend, es liege eine Adoleszentenkrise mit depressiven Symptomen und Angstsymptomen bei Verdacht auf erzieherische Vernachlässigung bei gleichzeitiger finanzieller Verwöhnung und perspektivarmen Festhalten an einer Jugendliebe vor. Als der Beschwerdeführer am 8. Juni 2001 wegen eines Kollapses bei unklarer Krankheitsursache im Spital A.________ notfallmässig ambulant betreut wurde, fanden die Ärzte Dr. med. E.________ und Dr. med. S.________ ihn in einem guten somatischen Allgemeinzustand vor. Sie führten den Zusammenbruch mit grösster Wahrscheinlichkeit auf eine vasovagale Ursache (funktionelle Kreislaufstörung) zurück. Differenzialdiagnostisch kam allenfalls ein psycho-physiologischer Schwächezustand in Betracht. Hinweise für ein relevantes organisches Leiden ergaben sich nicht. Nach den Ärzten litt der Versicherte zweifellos an einer Depression, sei es als Folge des erlittenen Autounfalles mit HWS-Distorsion oder aber als Folge der seit etwa drei Monaten durchgeführten Therapie gegen Akne mit einem häufig Depressionen auslösenden Medikament (Bericht vom 11. Juni 2001). 5.2 Da die Ärzte der Klinik B.________ am 8. Februar 2001 bereits zwei Monate nach dem Auffahrunfall vom 7. Dezember 2000 eine psychische Problematik erhoben, die im Bericht vom 19. Februar 2001 als massiv bewertet wurde, gingen Verwaltung und Vorinstanz zu Recht davon aus, dass eine erhebliche psychische Überlagerung gegeben war, was zur Folge haben musste, dass das Erfordernis des adäquaten Kausalzusammenhangs nicht nach der Rechtsprechung zu den Folgen eines Schleudertraumas, einer äquivalenten Verletzung oder eines Schädel-Hirntraumas (BGE 117 V 359, 369), sondern nach derjenigen zu psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) zu beurteilen war. Auf Grund der medizinischen Akten, insbesondere des Berichts des Hausarztes Dr. med. H.________ vom 9. Januar 2001 und seines Arztzeugnisses vom 23. Januar 2001, war mit hinreichender Sicherheit erstellt, dass der Versicherte unmittelbar nach dem Unfall Symptome aufwies (Übelkeit, Zittern, Schwindel, vermehrte Nackenschmerzen), welche ohne Zweifel dem erwähnten "bunten" Beschwerdebild zuzuordnen waren, wie es nach HWS-Distorsionsverletzungen und ähnlichen Unfallschädigungen häufig auftritt. Auf Grund der dokumentierten medizinischen Angaben trifft es aber nicht zu, dass der Versicherte als Folge der auf den erlittenen Unfall zurückzuführenden Schmerzen stimmungsmässig zu leiden begann, jedoch erst nach einer mehrmonatigen psychischen Fehlentwicklung und mit zunehmender zeitlicher Distanz zum Unfall immer häufiger die psychische Problematik im Vordergrund stand. Wie der Beschwerdeführer unter Berufung auf RKUV 2002 Nr. U 465 S. 438 f. geltend macht, wäre dies allenfalls als bloss mittelbare (sekundäre) psychische Folgeerscheinung zu werten, welche die primär ursächlichen Zusammenhänge nicht in den Hintergrund zu drängen vermag. Vorliegend lag wie bei der Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 99 Erw. 2a der Sachverhalt zu Grunde, dass bereits unmittelbar nach dem Unfall die psychische Problematik Dominanz aufwies, die sich in der Folge verstärkte; damit findet an Stelle von BGE 117 V 351 die zur Adäquanz bei Unfällen mit anschliessend einsetzender psychischer Fehlentwicklung geltende Rechtsprechung Anwendung. 5.3 Bleibt es somit für die Adäquanzprüfung bei der Kriterienreihe nach BGE 115 V 133 ff. und der dazu ergangenen Rechtsprechung, so lässt sich der kantonale Entscheid nicht in Frage stellen. Die Beurteilung der Kriterien durch das kantonale Gericht weist weithin Ermessenszüge auf, und der Beschwerdeführer trägt nichts vor, was im Rahmen der Angemessenheitskontrolle (Art. 132 lit. a OG; BGE 126 V 81 Erw. 6, 123 V 152 Erw. 2 mit Hinweisen) eine von der vorinstanzlichen Betrachtungsweise abweichende Einschätzung aus triftigen Gründen als naheliegender erscheinen liesse.