Citation: 2C_361/2022 E. 5.1

5.1. Gestützt auf die bundesgerichtlichen Erwägungen verstiess die Ausschaffungshaft spätestens im Zeitpunkt des Urteils des Verwaltungsgerichts vom 3. September 2020 gegen Art. 5 Ziff. 1 lit. f EMRK, da dann nur noch eine höchst unwahrscheinliche, rein theoretische Möglichkeit bestand, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers innert absehbarer Frist hätte durchgeführt werden können. Das Bundesgericht hat zwar auch festgehalten, dass sich die äthiopische Botschaft bereits Mitte Mai 2020 weigerte, das erforderliche Ersatzreisepapier bzw. ein neues Laissez-passer für den Beschwerdeführer auszustellen (Urteil 2C_768/2020 vom 21. Oktober 2020 E. 3.4). Daraus kann indes nicht geschlossen werden, dass die Ausschaffungshaft bereits ab diesem Zeitpunkt unverhältnismässig und damit konventionswidrig gewesen wäre. Ausschlaggebend war vielmehr, dass auch die in der Folge getroffenen weiteren Bemühungen (bis anfangs September 2020) des Staatssekretariats für Migration vereitelt worden sind. Erst vor diesem Hintergrund kam das Bundesgericht zum Schluss, dass trotz des völkerrechtlichen Grundsatzes von Treu und Glauben nicht (mehr) vermutet werden konnte, dass die äthiopische Botschaft in absehbarer Zeit einlenken würde (Urteil 2C_768/2020 vom 21. Oktober 2020 E. 5.4.3).