Citation: 6A.11/2005 06.04.2005 E. 3

3.1 Gemäss Art. 16 Abs. 2 aSVG kann der Führerausweis entzogen werden, wenn der Führer Verkehrsregeln verletzt und dadurch den Verkehr gefährdet oder andere belästigt hat (Satz 1; Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr [VZV; SR 741.51]). Die Dauer des Entzugs ist nach den Umständen festzusetzen; sie beträgt jedoch mindestens einen Monat (Art. 17 Abs. 1 lit. a aSVG; vgl. auch BGE 123 II 225 E. 2b/cc). In leichten Fällen kann eine Verwarnung ausgesprochen werden (Art. 16 Abs. 2 aSVG Satz 2; Art. 31 Abs. 2 VZV). Nach Art. 16 Abs. 3 lit. a SVG muss der Führerausweis entzogen werden, wenn der Führer den Verkehr in schwerer Weise gefährdet hat (Art. 32 Abs. 1 und 2 VZV; BGE 126 II 206 E. 1 mit Hinweisen). Das Gesetz unterscheidet somit den besonders leichten (Art. 16 Abs. 2 Satz 2 aSVG; keine Administrativmassnahme), den leichten (Art. 16 Abs. 2 Satz 2 aSVG), den mittelschweren (Art. 16 Abs. 2 Satz 1 aSVG) und den schweren Fall (Art. 16 Abs. 3 lit. a aSVG). Nach der Rechtsprechung kann auf den Führerausweisentzug grundsätzlich nur verzichtet werden, wenn der Fall leicht im Sinne von Art. 16 Abs. 2 Satz 2 aSVG ist. Bei einem mittelschweren Fall fällt ein Verzicht nur in Betracht, wenn unter dem Gesichtspunkt des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes besondere Umstände, wie z.B. die Anwen-dung von Art. 66bis StGB, vorliegen (BGE 118 Ib 229; vgl. auch BGE 123 II 106 E. 2b). Die Schwere der Verkehrsgefährdung ist nur insoweit von Bedeutung, als sie auch verschuldensmässig relevant ist (BGE 126 II 202 E. 1a und 358 E. 1a; 125 II 561 E. 2; 118 Ib 229). Die Voraussetzungen für die Annahme eines leichten Falles im Sinne von Art. 16 Abs. 2 Satz 2 aSVG ergeben sich aus Art. 31 Abs. 2 Satz 2 VZV. Nach dieser Bestimmung kann eine Verwarnung verfügt werden, wenn die Voraussetzungen für den fakultativen Entzug nach Art. 31 Abs. 1 VZV erfüllt sind und der Fall nach dem Verschulden und dem Leumund als Motorfahrzeugführer leicht erscheint. Der leichte Fall im Sinne von Art. 16 Abs. 2 Satz 2 aSVG setzt somit kumulativ ein leichtes Verschulden und einen guten automobilistischen Leumund des fehlbaren Fahrzeuglenkers voraus. Fehlt es an einem leichten Verschulden, fällt die Annahme eines leichten Falles ausser Betracht, auch wenn der automobilistische Leumund ungetrübt ist (vgl. zuletzt BGE 128 II 282). Die berufliche Angewiesenheit des Betroffenen auf ein Motorfahrzeug ist bei der Bemessung der Entzugsdauer zu berücksichtigen (BGE 128 II 285; 126 II 191 E. 2c und 202 E. 1b). 3.2 Der Beschwerdeführer geriet auf einer zweispurigen Autobahnauffahrt, auf der linken Fahrspur ausgangs einer Linkskurve ins Schleudern, indem das Heck seines Fahrzeugs ausbrach. Er versuchte das Fahrzeug durch Gegensteuer gerade zu stellen, was bewirkte, dass das Heck auf die andere Seite ausbrach, das Fahrzeug auf den Normalstreifen geriet und dort mit einem anderen Fahrzeug kollidierte. Eingangs der Kurve waren die Signale Linkskurve und Schleuder-gefahr angebracht. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Stand-punkt, er habe der Signalisierung Rechnung getragen. Er habe auch die Fahrgeschwindigkeit von der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h auf 50 km/h gesenkt, sei dann allerdings ausgangs der Kurve von einer vereisten Stelle überrascht worden, die ihn ins Schleudern gebracht habe. Es liege nur eine leichte Verkehrsregelverletzung vor, zu deren Ahndung angesichts seines ungetrübten automobilistischen Leumunds eine Verwarnung ausreiche. Er beanstandet, das Verwaltungsgericht habe zu Unrecht nicht berücksichtigt, dass er bei seinem Rückzug der Einsprache zum Strafbefehl klar festgehalten habe, mit dem Vorwurf der Missachtung der Signalisation nicht einverstanden zu sein. Er habe lediglich den Vorwurf der Nichtanpassung der Geschwindigkeit aufgrund der "unerwarteten vereisten Stelle" zur Kenntnis genommen. 3.3 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers verkennt das Verwaltungsgericht dies nicht. Es geht davon aus, dass die Geschwindigkeit angesichts der Strassenverhältnisse übersetzt war und unter-stellt als wahr, dass der Beschwerdeführer nicht aufgrund der nassen Fahrbahn, sondern wegen einer vereisten Stelle ins Schleudern geraten war. Es nimmt aber an, dies bedeute zugleich, dass er der Signalisation nicht die nötige Beachtung geschenkt habe, weil er bei winterlichen Verhältnissen mit vereisten Stellen auf der Fahrbahn hätte rechnen müssen. Diese Beurteilung verletzt kein Bundesrecht. Zu Recht hält das Verwaltungsgericht fest, Gefahrensignale seien im Kontext mit den konkreten Sicht- und Witterungsverhältnissen zu verstehen, zu denen beim Signal "Schleudergefahr" im Winter auch die Möglichkeit vereister Stellen gehört. Hat es der Beschwerdeführer versäumt, dieser Gefahr durch markante Reduktion der Geschwindig-keit Rechnung zu tragen, so ergibt sich daraus zugleich, dass er nicht nur die Geschwindigkeit nicht den Verhältnissen angepasst, sondern auch die Signalisation missachtet hat. Das Verwaltungsgericht verletzte auch kein Bundesrecht, wenn es diesen Fahrfehler des Beschwerdeführers nicht mehr bloss als leichtes, sondern als mittelschweres Verschulden wertet. Mit zu hoher Geschwindigkeit angesichts winterlicher Verhältnisse in eine Kurve zu fahren, bei der die Gefahr des Schleuderns ausdrücklich signalisiert ist, gefährdet die anderen Verkehrsteilnehmer erheblich. Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers lässt sich das Auftreten einer vereisten Stelle auch nicht als zufällige Unfallursache qualifizieren, für die er verschuldensmässig nicht einzustehen hätte, denn die Signali-sation sollte den Beschwerdeführer gerade vor der Schleudergefahr, im Winter wegen möglicherweise vereisten Stellen, warnen und ihn zu angepasster Geschwindigkeit anhalten. Da keine besondereren Umstände vorliegen, bei welchen unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit auf eine Massnahme ver-zichtet werden könnte, verletzt der Entzug des Fahrausweises kein Bundesrecht. Den beruflichen Verhältnissen und der Angewiesenheit des Beschwerdeführers auf den Ausweis ist mit der verfügten Minimal-dauer des Entzugs von einem Monat Rechnung getragen.