Citation: 4A_84/2020 E. 4.2.2

4.2.2. Dagegen moniert die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz verkenne den effektiven Gehalt des Subordinationsmerkmals. Wenn der Patient auf die Deckung seiner Krankenkasse angewiesen sei, bleibe es der Psychotherapeutin verwehrt, einen solchen Patienten anzunehmen, sofern sie nicht delegiert und mithin unter der Aufsicht des Psychiaters ihre Leistung erbringen könne. Es liege damit eine krasse wirtschaftliche Abhängigkeit vor. Das Modell der delegierten Psychotherapie sei geradezu ein Ausbeutungsmodell. Das werde dadurch akzentuiert, dass sie ein erhebliches Entgelt von Fr. 1'900.-- pro Monat für die Miete habe entrichten müssen. Es habe dadurch auch einen faktischen Zwang zur Leistung eines erheblichen Pensums bestanden, um die Kosten zu decken. Der Umstand, dass der Beschwerdegegner für die Zurverfügungstellung der Praxisräume ein Entgelt verlangt habe und die Akquisition von Patienten der Beschwerdeführerin überlassen habe, dürfe nicht dazu führen, dass er keine Rücksicht nehmen müsse auf die in grosser wirtschaftlicher Abhängigkeit arbeitende Therapeutin. Es liege eben offensichtlich kein Auftragsverhältnis vor, sondern ein Arbeitsvertrag, der sich durch ein sehr ausgeprägtes Abhängigkeitsmerkmal auszeichne. Hinzu komme, dass die Parteien das Vertragsverhältnis ausdrücklich als Arbeitsvertrag bezeichnet haben. Es habe damit von Anfang bis zum Ende nach dem Willen der Parteien ein Arbeitsvertrag bestanden, weshalb eine Verneinung der Anwendung arbeitsvertraglicher Schutzbestimmungen durch die Vorinstanz Art. 319 ff. OR verletze.