Citation: I 725/01 30.07.2002 E. 4

4.- a) Betreffend die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht liegen drei Gutachten von Fachärzten vor. Dr. med. F.________ diagnostiziert in seinem Gutachten vom 8. März 1999 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45. 4), welche indes eine Arbeitsunfähigkeit nicht zu begründen vermöge; der Versicherten sei es zumutbar, ganztags einer körperlich nicht zu anstrengenden Tätigkeit nachzugehen. Dr. med. E.________ schätzt die Arbeitsunfähigkeit in seinem vom behandelnden Neurologen der Versicherten, Dr. med. K.________, veranlassten konsiliarischen Gutachten vom 15. November 1999 auf 100 %, wobei als die Arbeitsfähigkeit beeinflussende Diagnose vor allem die hysterische Persönlichkeitsstruktur ICD 10 F60. 4; F 45.4 nach Hinweisen auf eine neurotische Entwicklung und weniger die ebenfalls diagnostizierte mittelgradig depressive Episode ICD-10 F 32.1 eine Rolle spielt. Das psychiatrische Untergutachten der MEDAS der Dr. med. A.________ vom 11. Oktober 2000 stellt aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fest; die gegenwärtigen Beschwerden erfüllten die Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht und auch nicht mehr diejenigen der Depression. b) Dem im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten des Facharztes Dr. med. F.________ ist bei der Beweiswürdigung hohe Beweiskraft zuzuerkennen. Es erfüllt alle rechtsprechungsgemässen (BGE 125 V 352 Erw. 3 mit Hinweisen) Kriterien für eine beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlage und ist umfassend, beruht auf eingehender Untersuchung, berücksichtigt die beklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden und überzeugt auch mit seinen Schlussfolgerungen. Schliesslich sprechen keine konkreten Indizien dafür, dass die Untersuchung in einem für die Beurteilung wesentlichen Punkt unvollständig gewesen wäre. Beim Parteigutachten des Dr. med. E.________ rechtfertigt der Umstand, dass diese Stellungnahme von der Beschwerdeführerin eingeholt und in das Verfahren eingebracht wurde, nicht Zweifel am ebenfalls hohen Beweiswert. Der Arzt hat sich in seiner Expertise auf Grund persönlicher Untersuchungen der Versicherten und in Kenntnis der medizinischen Vorakten ebenso umfassend, nachvollziehbar und folgerichtig zur Frage geäussert, ob bei der Beschwerdegegnerin eine psychische Störung mit Krankheitswert vorliegt. Es ist somit im Prinzip von einer Gleichwertigkeit dieser einander in den die Arbeitsfähigkeit betreffenden Schlussfolgerungen widersprechenden Gutachten auszugehen. Demgegenüber ist das psychiatrische MEDAS-Untergutachten weniger umfassend und insofern nicht schlüssig, als angegeben wird, unter der laut Angaben der Versicherten fünf Monate dauernden antidepressiven Therapie mit Efexor sei die Depression, die ein Jahr früher diagnostiziert worden war, fast vollständig zurückgegangen, ohne dass dazu näher ausgeführt wird, woraus sich dies schliessen lässt und weshalb sich der Zustand der Versicherten gebessert haben soll. Ebenso wenig wird bei der Angabe, es finde sich noch eine Restsymptomatik einer depressiven Episode, die indes die Kriterien der Depression nicht mehr erfülle, dargelegt, worin diese Restsymptomatik besteht und welche Elemente des Depressionsbefundes seit der letzten Diagnose weggefallen sind, um einen solchen nunmehr zu verneinen. Eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen der in den Schlussfolgerungen divergierenden fachärztlichen Beurteilungen der Dres. med. F.________ und E.________ fehlt. Jedoch gerade mit Blick darauf, dass das MEDAS-Gutachten auf Grund zweier bereits vorliegender, zwar in ihren Schlussfolgerungen divergierender, aber umfassender und nachvollziehbarer fachärztlicher Gutachten bereits im Sinne eines Obergutachtens veranlasst wurde, muss dies als ungenügend qualifiziert werden. Was dagegen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebracht wird, ist nicht stichhaltig. Entgegen der Auffassung der IV-Stelle wurden die Divergenzen in den beiden früheren psychiatrischen Gutachten gerade nicht gelöst. Die Notwendigkeit einer abermaligen Begutachtung beurteilt sich zudem nicht auf Grund der Tatsache, dass das MEDAS-Gutachten von vorherigen fachärztlichen Beurteilungen abweicht, sondern allein danach, ob es die rechtsprechungsgemässen Kriterien an ein beweiskräftiges Gutachten erfüllt, was vorliegend wie dargelegt nicht der Fall ist. c) Das MEDAS-Gutachten erweist sich indes nicht nur mit Blick auf die anderen psychiatrischen Beurteilungen als ungenügend. Auch in der Gesamtbeurteilung vermag das MEDAS-Gutachten im Sinne eines Obergutachtens mit Blick auf die übrigen medizinischen Unterlagen nicht zu überzeugen. So bleibt zum einen unklar, weshalb bei der konkreten Schätzung der Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf der Kosmetikerin, einer gemäss den Angaben der Versicherten vorwiegend sitzenden Tätigkeit, eine Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit von aktuell 30 % berücksichtigt und erst mittelfristig von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen wurde, nachdem zunächst festgestellt worden war, durch die sekundäre funktionelle Dysfunktion der rechten Hüfte auf Grund der chronischen Schonhaltung mit Flexion des rechten Beines sei eine gewisse Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gegeben, indem Arbeiten, die ein erhöhtes Pensum von Stehen erforderten (z.B. Serviceangestellte), nicht geeignet seien, die erlernte Tätigkeit als Kosmetikerin hingegen durchaus zumutbar sei. Soweit damit die im Neurologischen Untergutachten geschätzte Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % auf Grund der Schmerzsymptomatik einbezogen werden wollte, die sonst in der Gesamtbeurteilung nirgends ihren Niederschlag fand, wäre nicht einzusehen, weshalb gerade eine Reduktion von 50 % auf 30 % erfolgte und weshalb mittelfristig wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100 % angenommen werden könnte. Zum anderen wird eine organische Ursache der von der Versicherten beklagten Beschwerden auf Grund des gastro-enterologischen Untergutachtens ausgeschlossen. Deren Ergebnis stützt sich im Wesentlichen auf eine Abklärung mittels Ösophago-Gastroduodenoskopie und Ileokoloskopie des Dr. med. D.________ von 1996, die in den Akten nicht dokumentiert ist, sowie auf wenige eigene Untersuchungen. Obwohl in den Akten mehrfach der Hinweis besteht, dass die Schmerzen von Vernarbungen herrühren könnten (Dr. med. M.________ hatte in seinem Gutachten bereits eine Abklärung durch einen Bauchchirurgen vorgeschlagen; anlässlich der Laparoskopie vom 27. August 1994 wurde eine mässige Adhärenz zum Zökum [Blinddarm] festgestellt und gelöst) und auch die Neurologen der MEDAS angeben, die Unterbauchschmerzen seien am ehesten durch intraabdominale Vernarbungen sowie Adhäsionen erklärbar, wurden keine entsprechenden Untersuchungen veranlasst. Angesichts der verschiedenen, wie auch die MEDAS ausführt, teilweise komplizierten operativen Eingriffe und insbesondere mit Blick auf die Tragweite der Beurteilung einer somatischen Ursache für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht erweist sich dieses Teilgutachten entgegen der Auffassung der Vorinstanz ebenfalls als ungenügend. d) Bei dieser Aktenlage lässt sich die zentrale Frage, ob die Versicherte bei Aufbietung allen guten Willens Arbeit in ausreichendem Masse verrichten könnte, nicht zuverlässig beantworten. Vielmehr drängt sich ausnahmsweise die Einholung eines Obergutachtens auf. Dabei ist einerseits eine Begutachtung bei einem spezialisierten Chirurgen zur Frage der möglichen organischen Ursache der abdominalen Beschwerden einzuholen und hernach in psychiatrischer Hinsicht zu den bisherigen psychiatrischen Gutachten im Sinne eines Obergutachtens Stellung zu nehmen. Die Sache ist zu diesem Zweck an die IV-Stelle zurückzuweisen, welche anschliessend über den Anspruch auf eine Invalidenrente neu verfügen wird.