Citation: 9C_131/2022 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz befasst sich in erster Linie mit den Perspektiven eines weiterführenden Hochschulstudiums. Gegenstand des Verfahrens ist indessen ein zur Maturität führender Lehrgang (Art. 5 Abs. 1 IVV). Die Prognose, ob der Beschwerdeführer den Anforderungen eines späteren Hochschulstudiums trotz seiner autismusbedingten Einschränkungen standhalten könnte, ist für die Frage der persönlichen Eignung insofern nicht ausschlaggebend, als die Maturität nicht nur dann eine berufliche Eingliederung ermöglicht, wenn ein Hochschulstudium folgt. Der Mittelschulabschluss kann auch Grundlage für alternative Bildungsgänge, die dem Profil des Beschwerdeführers entsprechen, oder selbst für einen direkten Einstieg in das Erwerbsleben sein (zu den für Menschen mit Autismus notorischerweise geeigneten beruflichen Tätigkeitsfeldern vgl. unten E. 4.1.4). Im Vordergrund steht also die Eignung des Beschwerdeführers für einen gymnasialen Lehrgang. Diesbezüglich rügt der Beschwerdeführer zu Recht, dass die Vorinstanzen den Lernbericht des Gymnasiums B.________ vom 9. April 2021 nicht berücksichtigt haben. Dieses Dokument wurde bereits mit dem Einwand gegen den IV-Vorbescheid vom 6. Mai 2021 eingereicht. Der Lernbericht enthält fünfzehn kurze Stellungnahmen von Lehrpersonen, die sich u.a. zu den Leistungen in einzelnen Fächern, zur Arbeitsweise, zu Engagement und Disziplin, zur Beteiligung im Unterricht, zur Integration in der Klasse und zum sozialen Verhalten äussern. Es handelt sich um ein zentrales Dokument zur Beurteilung der schulisch relevanten Ressourcen des Beschwerdeführers. Die Eignungsfrage wird im angefochtenen Urteil insofern nicht abschliessend beantwortet, als die Vorinstanz auf medizinische Einschätzungen abstellt, ohne diese dem praktischen Erfahrungsbericht gegenüberzustellen. Im Übrigen hält auch der jugendpsychiatrische Gutachter fest, der Schulbesuch als solcher sei nur mit geringen Schwierigkeiten verbunden. Durch intensive Schulungs- und Trainingsmassnahmen, durch den grossen Anpassungswillen des Versicherten sowie durch eine gute familiäre Unterstützung sei es gelungen, die Symptomatik gut zu kompensieren (Expertise vom 6. November 2020 S. 6 Ziff. 2.1 und S. 19 Ziff. 7.1). Die Eignung des Beschwerdeführers für die strittige Bildungsvorkehr bedarf einer neuen Beurteilung unter Berücksichtigung aller Akten.