Citation: 2C_333/2015 E. 5.2

5.2. Der Beschwerdeführer wurde am 11. Januar 2012 wegen gewerbsmässigen Betrugs unter anderem gegenüber der IV-Stelle des Kantons Bern, des Versuchs dazu sowie Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die AHV zu einer 15-monatigen Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 80.-- verurteilt. Der Beschwerdeführer hatte u.a. bei medizinischen Untersuchungen, arbeitsmarktlich-medizinischen Abklärungen und bei Gesprächen mit den Behörden der IV-Stelle Kanton Bern wiederholt gravierende gesundheitliche Beeinträchtigungen und Beschwerden bewusst vorgetäuscht, so dass die Begutachtenden ihm zu Unrecht eine dauerhafte volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigten. Gestützt darauf wurde ihm von der IV-Stelle am 3. Juli 2007 rückwirkend ab 1. Februar 2005 eine volle Invalidenrente von rund Fr. 2'200.-- pro Monat und von der Swiss Life AG rückwirkend ab 1. Februar 2002 eine solche von jährlich über Fr. 18'000.-- zugesprochen. Die vom Beschwerdeführer missbräuchlich bezogenen Sozialversicherungsleistungen belaufen sich auf insgesamt über Fr. 280'000.--. Zwar spricht das verhängte Strafmass von 15 Monaten Freiheitsstrafe nicht für ein gravierendes strafrechtliches Verschulden. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist jedoch für das migrationsrechtliche Verschulden nicht nur das Strafmass der verfahrensauslösenden Verurteilung massgeblich, sondern die gesamten (strafrechtlich relevanten) Verfehlungen der betroffenen Person. Das migrationsrechtliche Verschulden ist somit das Ergebnis einer Gesamtbetrachtung des deliktischen Verhaltens, wobei das Alter der betroffenen Person bei der (jeweiligen) Tatbegehung ebenso eine Rolle spielt wie die Art, Anzahl und Frequenz der Delikte (vgl. Urteil 2C_1046/2014 vom 5. November 2015 E. 4.1). In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass - wie die Vorinstanz zu Recht bemerkt - der missbräuchliche Bezug von Sozialversicherungsleistungen zu den in Art. 121 Abs. 3 lit. b BV genannten Anlasstaten gehört, deren Begehung dazu führen soll, dass die ausländische Person "unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz" verliert. Dieser Absicht des Verfassungsgebers trägt das Bundesgericht bei der Auslegung des geltenden Ausländergesetzes insoweit Rechnung, als dies zu keinem Widerspruch mit übergeordnetem Recht führt und mit gleichwertigen Verfassungsbestimmungen, namentlich dem Verhältnismässigkeitsprinzip, im Einklang steht (sog. "praktische Konkordanz"; vgl. BGE 139 I 16 E. 4.2, 4.3 und 5.3, 31 E. 2.3.2 S. 34). Vorliegend spricht nicht nur die zeitliche Dauer (2000-2010) des strafbaren Handelns gegen den Beschwerdeführer, sondern auch die bemerkenswerte Unverfrorenheit, die er bei seinem Vorgehen an den Tag legte: Mit der ihm rückwirkend ab 1. Februar 2005 (zu Unrecht) zugesprochenen Invalidenrente gab er sich nicht zufrieden, sondern er versuchte auf dem Beschwerdeweg, die rückwirkende Ausrichtung der IV-Rente bereits ab 1. Juli 2000 sowie eine Zusatzrente für die Ehefrau zu erwirken. Erst als die in diesem Zusammenhang vorgenommenen weiteren Abklärungen den Betrug ans Licht brachten, liess er von seinem deliktischen Handeln ab. Zudem hat er bei vorgetäuschter Arbeitsunfähigkeit und teilweise bereits laufendem Rentenbezug eine Erwerbstätigkeit ausgeübt, ohne das betreffende Einkommen der Ausgleichskasse zu melden. Wenn die Vorinstanz in Anbetracht dieser Umstände zum Schluss kam, der Beschwerdeführer habe eine erhebliche kriminelle Energie offenbart, ist dies nicht zu beanstanden. Negativ fällt zudem ins Gewicht, dass die verfahrensauslösende Verurteilung nicht das erste Straferkenntnis gegen den Beschwerdeführer darstellt: Schon in den Jahren 1997 und 2001 war er wegen anderer Delikte strafrechtlich belangt worden. Zwar liegen diese Straftaten schon einige Zeit zurück; wie die Vorinstanz jedoch zu Recht bemerkt, hat der Beschwerdeführer teils während laufender Probezeit erneut delinquiert, was auf eine gewisse Unbelehrbarkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der hiesigen Rechtsordnung schliessen lässt. Auch wenn gegen den Beschwerdeführer keine hohe Anzahl strafrechtlicher Verurteilungen vorliegt, kann doch im Ergebnis festgehalten werden, dass er über einen Zeitraum von über zehn Jahren - d.h. mehr als die Hälfte seiner Aufenthaltszeit in der Schweiz - kontinuierlich die Rechtsordnung missachtet hat. Schliesslich ist auch zu beachten, dass der Beschwerdeführer seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist. Den - unbestrittenen - vorinstanzlichen Feststellungen zufolge lagen im November 2013 Betreibungen im Gesamtbetrag von über Fr. 400'000 und Verlustscheine in der Höhe von über Fr. 440'000.-- vor.