Citation: 8C_688/2021 E. 5.3

5.3. Nach Ansicht des Beschwerdeführers handelt es sich beim Vorkommnis vom 18. Oktober 2016 um einen Unfall, weil das Ausklinken des Biegeinstruments überaus selten bis nie vorkomme, wie die Gutachter bestätigten, und daher als aussergewöhnlich zu qualifizieren sei. Aufgrund der absoluten Seltenheit müsse zudem auf eine grobe und ausserordentliche Ungeschicklichkeit geschlossen werden, was auch mit Blick auf die Abweichung vom medizinischen Standard angezeigt sei. Wie die Gutachter D.________ und E.________ aufgezeigt haben, stellt der Einsatz eines Biegeinstruments am Stab eines Fixateurs ein durchaus übliches Manöver dar, weshalb die "in situ Bender" zum Operationsinstrumentarium gehören und eingesetzt werden, wenn - wie hier - die erforderliche Biegung nicht (vollständig) ausserhalb des situs erreicht werden kann. Der Einsatz des Biegeinstruments ist somit kein Behandlungsfehler. Des Weiteren ist auch die Frage, ob der Eingriff in qualifizierter Weise vom medizinisch Üblichen abwich, zu verneinen. Denn die Experten legten umfassend und nachvollziehbar dar, dass es sich um ein Standardverfahren handelte, das standardmässig durchgeführt wurde und keine erheblichen, unüblichen Risiken einschloss, wobei auch keine Anhaltspunkte für ein unsorgfältiges Vorgehen des Operateurs bestünden. Zu keinem anderen Ergebnis führt sodann der Umstand, dass das Ausklinken des Biegeinstruments gemäss den Ausführungen der Gutachter extrem selten vorkommt. Wohl ist die Komplikationshäufigkeit bei der Frage nach dem Vorliegen eines Unfalls mitzuberücksichtigen. Sie kann aber nicht alleiniges, ausschlaggebendes Kriterium zur Bejahung der Aussergewöhnlichkeit des äusseren Faktors bilden. Ob eine medizinische Vorkehr im Rahmen der Krankenbehandlung einen Unfall im Sinn des Art. 4 ATSG darstellt, beurteilt sich in Berücksichtigung des gesamten Sachverhalts (Urteil 8C_283/2014 vom 2. September 2014 E. 3.5). Hier erfolgte der Eingriff lege artis und blieb im Rahmen des medizinisch Üblichen, auch wenn sich dabei ein statistisch seltenes Risiko verwirklichte. Somit vermag er die Kriterien des Unfallbegriffs nicht zu erfüllen.