Citation: 5P.288/2000 19.09.2000 E. 2

2.- a) Das am 1. Januar 2000 in Kraft getretene neue Scheidungsrecht (AS 1999 1118) setzt für eine Scheidung gegen den Willen des anderen Ehegatten grundsätzlich voraus, dass die Ehegatten bei Eintritt der Rechtshängigkeit mindestens vier Jahre getrennt gelebt haben (Art. 114 ZGB). Vor Ablauf der vierjährigen Frist kann ein Ehegatte die Scheidung gegen den Willen des anderen verlangen, wenn ihm die Fortsetzung der Ehe aus schwerwiegenden Gründen, die ihm nicht zuzurechnen sind, nicht zugemutet werden kann (Art. 115 ZGB). Das trifft nicht schon dann zu, wenn das eheliche Zusammenleben nicht mehr tragbar ist, sondern nur, wenn dem klagenden Ehegatten nicht zugemutet werden kann, die vierjährige Trennungszeit abzuwarten, mit anderen Worten ihm selbst die Fortsetzung der Ehe dem rechtlichen Bande nach unzumutbar geworden ist (Sutter/ Freiburghaus, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, Zürich 1999, N. 9 zu Art. 115; Fankhauser, in: Schwenzer (Hrsg.), Praxiskommentar Scheidungsrecht, Basel 2000, N. 4 und 6 zu Art. 115; Micheli/Nordmann et al., Le nouveau droit du divorce, Lausanne 1999, Rz. 189 f.). b) Die Beschwerdeführerin beruft sich für ihr Scheidungsbegehren namentlich darauf, dass ihr Mann sie geschlagen habe. Das Obergericht hat darauf verwiesen, dass es sich um zeitlich weit zurückliegende Vorkommnisse handle. Das vorgelegte ärztliche Zeugnis führe die "wechselnden depressiven Verstimmungen" auf verschiedene Ursachen zurück, teilweise auf die zerrütteten ehelichen Verhältnisse, teilweise aber auch auf Schwierigkeiten an verschiedenen Arbeitsplätzen und auf Probleme mit Sohn und Töchtern. Mit den ärztlichen Ausführungen zu weit zurückliegenden Handgreiflichkeiten und allgemeinen Schlussfolgerungen zur heutigen belastenden Lebenssituation, in welcher die (mittlerweile getrennt geführte) Ehe nur ein Element darstelle, lasse sich keine derartige psychische Beeinträchtigung belegen, die ein Abwarten der vierjährigen Trennungsdauer als unzumutbar erscheinen lasse. Dieser Beurteilung ist beizupflichten. Es kann zwar sein, dass körperliche Übergriffe derart nachwirken, dass es trotz getrennter Ehe dem betroffenen Ehegatten nicht zugemutet werden kann, noch während vier Jahren verheiratet zu bleiben. Unter Berücksichtigung der weit zurückliegenden Vorkommnisse durfte das Obergericht aber annehmen, dass die Erfolgsaussichten eines Scheidungsbegehrens als derart gering einzustufen sind, dass eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, bei vernünftiger Überlegung einen solchen Prozess nicht führen würde. c) Dasselbe gilt auch für die als Scheidungsgrund vorgebrachte Drittbeziehung des Ehemannes. Näheres dazu hat die Beschwerdeführerin in ihrem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und im Rekurs an das Obergericht nicht vorgebracht. Aus der behaupteten Drittbeziehung kann deshalb ebenfalls kaum geschlossen werden, die Fortführung der Ehe wäre für die Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 115 ZGB unzumutbar geworden, zumal sie selbst mit "einem guten Freund" zusammenlebt.