Citation: 1P.734/2001 18.04.2002 E. A

X.________ wurde am 8. August 2000 auf der Grimselstrasse in Guttannen/BE von einem Polizisten mit dem Vorwurf angehalten, er habe mit seinem Motorrad die ausserorts signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h um 32 km/h überschritten; eine Sicherheitsmarge von 5 km/h sei dabei bereits in Abzug gebracht. Dieser Vorhaltung entgegnete X.________, er habe das Geschwindigkeitssignal vermutlich übersehen, als er an einem am Strassenrand abgestellten Lastwagen links vorbeigefahren sei. A.________, der Chauffeur dieses Lastwagens, wurde ebenfalls vor Ort befragt. Er erklärte, sein Fahrzeug unmittelbar nach dem rechts platzierten Signal kurz angehalten und die Warnblinker eingeschaltet zu haben. Der Polizist gelangte zum Schluss, X.________ hätte die Signalisation bei genügender Aufmerksamkeit sehen können, zumal an der fraglichen Stelle auch auf der linken Seite der Fahrbahn eine Tafel vorhanden sei. Auf polizeiliche Anzeige hin wurde X.________ mit Strafmandat des Untersuchungsrichteramts IV Berner Oberland vom 20. September 2000 wegen grober Verkehrsregelverletzung durch Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit um 32 km/h ausserorts zu einer Busse von Fr. 1'000.-- verurteilt. Gleichzeitig wurde ein Eintrag im Strafregister angeordnet, bedingt löschbar bei einer Probezeit von einem Jahr. X.________ erhob hiergegen Einsprache. Die Gerichtspräsidentin 2 des Gerichtskreises XI Interlaken-Oberhasli führte am 26. April 2001 eine Hauptverhandlung durch und befragte einen Polizisten sowie die beiden Motorradfahrer B.________ und C.________, die damals ebenfalls angehalten worden waren, als Zeugen. X.________ anerkannte eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 10-15 km/h, weil er aufgrund der konkreten Verkehrssituation die Signalisation "Höchstgeschwindigkeit 60 km/h" nicht habe sehen können und davon habe ausgehen dürfen, 80 km/h seien zulässig. Die Gerichtspräsidentin 2 erkannte X.________ wegen Geschwindigkeitsüberschreitung ausserorts um 32 km/h der einfachen Verkehrsregelverletzung für schuldig und verurteilte ihn zu einer Busse von Fr. 600.--. Sie zog dabei zu seinen Gunsten in Erwägung, dass nach den übereinstimmenden Zeugenaussagen die auf der rechten Strassenseite angebrachte Signalisationstafel 60 km/h zum fraglichen Zeitpunkt durch einen davor stehenden Lastwagen verdeckt gewesen sei und die Position des Lastwagens ein Überholmanöver erfordert habe, das die volle Aufmerksamkeit von X.________ auf sich gezogen habe. Folglich erscheine glaubhaft, dass er die linksseitige Signalisationstafel übersehen und sich bezüglich der zulässigen Geschwindigkeit in einem Sachverhaltsirrtum befunden habe. Ausserdem habe er im Ausserortsbereich nicht zum Vornherein mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 60 km/h rechnen müssen. Die Überschreitung sei somit in Bezug auf 20 km/h fahrlässig erfolgt. X.________ erhob Appellation gegen dieses Urteil und stellte den Antrag, er sei wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 12 km/h mit einer Busse von Fr. 100.-- zu bestrafen. Eventualiter sei das Urteil aufzuheben und die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die 1. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern bestätigte in ihrem Urteil vom 26. September 2001 den erstinstanzlichen Schuldspruch sowie die ausgesprochene Sanktion.