Citation: 6B_936/2019 E. 8.4.1

8.4.1. Das angefochtene Urteil ist auch in Bezug auf die Kosten für die Übersetzung des zweitinstanzlichen Plädoyers nicht zu beanstanden. Es trifft zwar zu, dass die Verpflichtung zum unentgeltlichen Beizug eines Übersetzers nicht nur für das Verhältnis zwischen der beschuldigten Person und den Strafbehörden gilt, sondern sich auch auf das interne Verhältnis zwischen der beschuldigten Person und der Verteidigung erstreckt. Soweit sich Verteidiger und Mandant aus sprachlichen Gründen nicht gehörig verständigen können, müssen auch in diesem Fall die Dienste einer Übersetzung in Anspruch genommen werden können, wobei die daraus entstehenden Kosten vom Staat zu tragen sind (Niklaus Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, N 673). Der Anspruch auf Übersetzung ist nach der Rechtsprechung indes auf die Schriftstücke und mündlichen Äusserungen beschränkt, auf deren Verständnis die angeklagte Person angewiesen ist, um in den Genuss eines fairen Verfahrens zu kommen und sich wirksam verteidigen zu können. Dazu gehören in der Regel die Anklageschrift, die Instruktion der Verteidigung und die wesentlichen Vorgänge der mündlichen Hauptverhandlung. Es besteht aber kein Anspruch auf vollständige Übersetzung aller Verfahrenshandlungen oder der Akten und im Übrigen auch nicht des Urteils (BGE 115 Ia 64 E. 6c; Urteil 6B_482/2017 vom 17. Mai 2017 E. 3). Dem Angeschuldigten muss durch die Übersetzung zur Kenntnis gebracht werden, was ihm konkret vorgeworfen wird, und er muss in die Lage versetzt werden, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen (Urteile 6B_719/2011 E. 2.4; 6B_721/2011 E. 5.5 und 6B_722/2011 E. 2.4 je vom 12. November 2012 mit Hinweisen; vgl. auch MEYER-LADEWIG et al., in: EMRK, Handkommentar, 4. Aufl. 2017, Art. 6 N 248). Daraus ergibt sich, dass zu den wichtigen Verfahrenshandlungen, die übersetzt werden müssen, wohl das Plädoyer der Staatsanwaltschaft bzw. jedenfalls die darin gestellten Anträge (Urteile 6B_719/2011 E. 2.5.3; 6B_721/2011 E. 5.7 und 6B_722/2011 E. 2.5.2 je vom 12. November 2012) gehört, nicht jedoch dasjenige der Verteidigung. Die beschuldigte Person ist nicht auf die Übersetzung des Plädoyers der Verteidigung angewiesen, um sich wirksam verteidigen zu können. Es ist namentlich nicht ersichtlich, inwiefern für die Instruktion der Verteidigung eine Übersetzung des Plädoyers notwendig sein sollte, zumal dieses eine solche gerade voraussetzt. Ausserdem ist die Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall nach ihren Ausführungen zwar türkischer Muttersprache. Sie beherrscht offenbar aber in hohem Masse auch die englische Sprache, zumal sie in der Türkei ein Management Studium in Englisch absolviert hat (vgl. zweitinstanzliches Verhandlungsprotokoll act. 270 S. 13). Dementsprechend sind an den Hauptverhandlungen der kantonalen Instanzen denn auch ausschliesslich ein Englisch-Dolmetscher bzw. eine Englisch-Dolmetscherin beigezogen worden (erstinstanzliches Protokoll S. 11; obergerichtliches Protokoll act. 270 S. 7), so dass eine Übersetzung ins Türkische offenbar nicht erforderlich war. Dass das Plädoyer in die türkische Sprache übersetzt worden ist, behauptet die Beschwerdeführerin auch nicht. Sie hat überdies selbst nie geltend gemacht, sie habe für die Instruktion ihrer Verteidiger einen Dolmetscher benötigt. Jedenfalls hat sie keine Entschädigung für derartige Kosten beantragt. Die Beschwerdeführerin konnte somit offensichtlich ohne Weiteres auf Englisch mit ihren Anwälten kommunizieren. Diese waren mithin für eine Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts des Plädoyers, die auch in mündlicher Form hätte erfolgen können, nicht auf eine Übersetzung angewiesen. Zuletzt ist auch nicht ersichtlich, inwiefern sich die Notwendigkeit einer Übersetzung des Plädoyers aus dem Umfang der Verfahrensakten und den Schwierigkeiten der in Dubai lebenden Beschwerdeführerin ergeben soll (Beschwerde S. 61).