Citation: 5D_103/2023 E. 4.3

4.3. Schliesslich nimmt die Beschwerdeführerin Anstoss an der vorinstanzlichen Erwägung, wonach ihre Reaktion mit den zahlreichen derben Beleidigungen in Schreiben, missbräuchlichen Betreibungen und unberechtigten Strafanzeigen selbst dann übermässig gewesen wäre, wenn der Beschwerdegegner sie am 29. März 2020 tatsächlich mit der Hand gestossen haben sollte. Ihre Rüge der "erheblichen Verletzung von Art. 6 EMRK" erklärt die Beschwerdeführerin damit, dass sie das Recht habe zu sagen, wenn sie vom Beschwerdegegner körperlich angegriffen wurde. Allein damit ist nichts gewonnen, denn worin die Verletzung der angerufenen Norm bestehen soll, bleibt unklar (s. oben E. 2). Vor allem aber übersieht die Beschwerdeführerin, dass es sich bei den fraglichen obergerichtlichen Erwägungen um eine Eventualbegründung handelt. In erster Linie konstatiert das Obergericht im besagten Kontext, den erstinstanzlichen Akten lasse sich nicht entnehmen, dass sie zur bestrittenen Behauptung eines tätlichen Angriffs des Beschwerdegegners eine Zeugen- bzw. Parteibefragung beantragt hätte, weshalb diese Behauptung unbewiesen geblieben sei. Bezüglich dieser Begründung des angefochtenen Entscheids macht die Beschwerdeführerin keine Verletzung von verfassungsmässigen Rechten geltend, weshalb es damit sein Bewenden hat. Beruht der angefochtene Entscheid auf mehreren (Eventual-) Begründungen, die je für sich den Rechtsstreit vor der Vorinstanz beenden konnten, so muss in der Beschwerde an das Bundesgericht dargelegt werden, dass jede von ihnen Recht - hier verfassungsmässige Rechte - verletzt; andernfalls kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden (BGE 142 III 364 E. 2.4; 133 IV 119 E. 6.3).