Citation: 8C_170/2017 E. 7.3

7.3. Neue medizinische Expertisen, die im Verfahren, das zur früheren Verfügung geführt hat, keine gravierende und unvertretbare Fehldiagnose feststellen, erfüllen das Kriterium der Erheblichkeit nicht. Aufgrund der Symptome lassen sich Krankheiten oft nicht klar voneinander abgrenzen. Es wäre nicht sinnvoll, wenn jede im Nachhinein korrigierte Diagnose eine Revision begründen könnte, zumal der erhobene Krankheitsbefund nicht grundlegend für das Mass der Arbeits (un) fähigkeit und damit die Beurteilung des Invaliditätsgrades ist. Das geltend gemachte Übersehen der Diagnose einer PTBS im ABI-Gutachten stellt keine revisionserhebliche neue Tatsache dar. Die Gutachter hatten damals das Vorhandensein einer PTBS diskutiert und explizit verneint. Im Übrigen beruhen medizinische Gutachten meist auf ärztlichem Ermessen. Insbesondere bei der Festsetzung der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) verfügt der Gutachter über einen beachtlichen Ermessensspielraum. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit basiert massgebend auf Schätzung oder Würdigung der erfragten und entdeckten Symptome. Die Tatsache, dass Dr. med. F.________ im neusten Gutachten dem Versicherten für den Zeitpunkt der ersten Verfügung eine höhere Arbeitsunfähigkeit attestiert als Dr. med. H.________ in der früheren Expertise, ist revisionsrechtlich irrelevant. Die prozessuale Revision der Verfügung vom 17. Juli 2008 ist somit weder aufgrund einer allfälligen fehlerhaften Diagnose noch wegen einer anderen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit im Vergleich zum ABI-Gutachten möglich.