Citation: 6B_813/2023 E. 2.4.3

2.4.3. Die zukünftige Fähigkeit, ein Darlehen fristgerecht zurückzahlen zu können, kann nicht Gegenstand einer arglistigen Täuschung im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB sein. Dies ergibt sich daraus, dass zukünftige Ereignisse, soweit sie jedenfalls ungewiss sind, keine Tatsachen im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB sind. Wer Äusserungen oder Prognosen über künftige Vorgänge macht, täuscht somit nicht, auch wenn sie unwahr sind, d.h. nicht seiner wirklichen Überzeugung entsprechen. Prognosen können lediglich in Bezug auf die vom Täter zugrunde gelegten gegenwärtigen Verhältnisse (Prognosegrundlage) eine Täuschung darstellen. Massgebend ist, ob die Äusserung ihrem objektiven Sinngehalt nach einen Tatsachenkern enthält (BGE 135 IV 76 E. 5.1; Urteile 6B_553/2022 vom 16. September 2022 E. 4.3.1; 6B_663/2011 vom 2. Februar 2012 E. 2.3.2). Einzig aus der Aufnahme eines Kredits zur Überbrückung von Zahlungsschwierigkeiten und dem mit einem solchen Kredit verbunden Ausfallrisiko darf zudem nicht geschlossen werden, der Darlehensnehmer sei bereits im Zeitpunkt der Kreditvergabe nicht rückzahlungswillig gewesen. Verwirklicht sich lediglich das der Kreditvergabe immanente Ausfallrisiko und kann dem Darlehensnehmer nicht vorgeworfen werden, er habe den Darlehensgeber im Zeitpunkt der Darlehensvergabe arglistig über seine finanziellen Verhältnisse getäuscht, ist der Zahlungsausfall der eigenen Unvorsichtigkeit des Darlehensgebers zuzuschreiben (Urteil 6B_480/2018 vom 13. September 2019 E. 1.2).