Citation: I 337/01 16.09.2002 E. 6

6.1 Das kantonale Gericht hat die gesetzliche Bestimmung und die Grundsätze zum Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit (Art. 17 Abs. 1 IVG; BGE 124 V 109 Erw. 2 mit Hinweisen; AHI 2000 S. 62 Erw. 1) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. Ergänzend ist anzuführen, dass die Umschulung als beruflich-erwerbliche Ausbildung, somit als Ausbildung im Sinne des Berufsbildungsrechts oder als Massnahme zur Vorbereitung einer solchen zu erfolgen hat. Anders als konjunkturell bedingte Schwierigkeiten bei der Stellensuche, welche grundsätzlich in den Bereich der Arbeitslosenversicherung gehören und dort unter Umständen nach arbeitsmarktlich indizierten Präventivmassnahmen rufen, können strukturelle Änderungen in dem für die versicherte Person in Frage kommenden Arbeitsmarkt zu einer Umschulung der Invalidenversicherung führen (Meyer-Blaser, a.a.O., S. 127). 6.2 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer die Stelle bei der Asylorganisation des Kantons Graubünden nicht infolge seiner körperlichen Behinderung, sondern wegen der Schliessung des Durchgangszentrums R.________ verloren hat. Diese Schliessung ist gemäss Arbeitszeugnis des kantonalen Sozialamtes Graubünden vom 9. Juni 2000 auf den Rückgang der Zahl der Asylgesuchsteller und die verringerten Bundessubventionen zurückzuführen. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden nimmt demzufolge in ihrer Verfügung vom 1. September 2000 an, die Erwerbslosigkeit sei nicht auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen, weshalb kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe. Tatsächlich ist davon auszugehen, dass der Versicherte bei der zuletzt als Mitarbeiter der Asylorganisation ausgeübten Erwerbstätigkeit in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt war. Liegt aber keine mindestens teilweise Arbeitsunfähigkeit vor, ist in der Regel auch Erwerbsunfähigkeit und damit Invalidität zu verneinen (BGE 115 V 133 Erw. 2, 105 V 141 Erw. 1b; ZAK 1985 S. 224 Erw. 2b). Ob in diesem Tätigkeitsbereich eine derartige strukturelle Änderung eingetreten ist, dass eine Umschulung angebracht erscheint, kann offen gelassen werden, da der für den Beschwerdeführer in Frage kommende Arbeitsmarkt jedenfalls nicht auf eine Beschäftigung im Asylbereich beschränkt ist. Wie dem Bericht des IV-Berufsberaters vom 20. November 2000 zu entnehmen ist, steht dem Versicherten im Gastgewerbe oder im Lebensmittelhandel ein breites Betätigungsfeld offen, in dem er seine erlernten und durch Berufserfahrung erweiterten Kenntnisse und Fähigkeiten nutzbringend einsetzen kann. Soweit sich der Beschwerdeführer bei seiner Argumentation auf die strukturelle Entwicklung im bisherigen Tätigkeitsbereich als Betreuer von Asylsuchenden beruft, muss darauf hingewiesen werden, dass das IVG nicht Berufsunfähigkeit, sondern Erwerbsunfähigkeit versichert (Meyer-Blaser, a.a.O., S. 8 f.). 6.3 Orientiert man sich richtigerweise an dem dem Versicherten offen stehenden, weiter gesteckten Arbeitsmarkt, so muss allerdings umgekehrt auch die Frage der Invalidität mit Blick auf diesen (ausgeweiteten) Arbeitsmarkt untersucht werden. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer bis anhin seine Arbeitskraft im spezifischen Tätigkeitsbereich als Betreuer von Asylsuchenden ohne Beeinträchtigung einsetzen konnte, bildet deshalb nicht ohne weiteres eine genügende Begründung für die Ablehnung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen. Dies umso mehr, als er den Wechsel von der gelernten Tätigkeit als Kellner zur Beschäftigung als Gerant/Wirt und später als Betreuer von Asylsuchenden nach dem Unfall vorgenommen hat, an dessen Folgen er heute leidet und welche als Begründung für die Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angeführt werden. Der Berufswechsel ist also möglicherweise unter dem Eindruck der körperlichen Beeinträchtigung erfolgt, wobei offen bleiben kann, ob er nicht auch einem Wunsch des Versicherten entsprochen hat. Selbst wenn sich bei der Tätigkeit für die Asylorganisation die körperliche Behinderung nicht ausgewirkt hat, bleibt nach dem Gesagten zu prüfen, ob die Gesundheitsbeschwerden - nach dem Verlust der geeigneten und gut entlöhnten Stelle als Betreuer von Asylsuchenden - die Erwerbsfähigkeit und die Verdienstmöglichkeiten des Beschwerdeführers einschränken.