Citation: 6B_375/2023 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz verweist zunächst auf die erstinstanzlichen Erwägungen, wonach die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner seit rund 20 Jahren eine turbulente Beziehung führen und durch drei gemeinsame Kinder miteinander verbunden sind. Bereits früher hätten heftige Streitigkeiten zu diversen Strafverfahren und Zivilprozessen geführt. Auch das vorliegende Strafverfahren gegen den Beschwerdegegner gehe auf einen eskalierten Konflikt über die gemeinsamen Kinder zurück. Die Beschwerdeführerin habe den Beschwerdegegner erst angezeigt, nachdem dieser gemeinsam mit den Kindern gegen die Beschwerdeführerin Strafanzeige erstattet habe wegen Tätlichkeiten. Diese Strafanzeige habe zur Folge gehabt, dass die Kinder nach den Sommerferien 2020 beim Beschwerdegegner geblieben seien. Die Polizei habe Anhaltspunkte festgestellt, dass die Wohnung der Beschwerdeführerin verwahrlost sei, worauf die Beschwerdeführerin den Polizeibeamten den Zutritt zur Wohnung verweigert habe. Die Verfahrenseinstellung wegen Entziehens von Minderjährigen sei denn auch mit der Begründung eingestellt worden, der Beschwerdegegner habe im Interesse der Kinder gehandelt, als er sie nach den Sommerferien bei sich behalten habe. Die KESB habe eine Überführung der Kinder vom Beschwerdegegner zur Beschwerdeführerin abgelehnt, worauf sich die Beschwerdeführerin ohne ersichtlichen Anlass in das Frauenhaus begeben und die Kinder eigenmächtig zu sich geholt habe. Unmittelbar danach habe die Beschwerdeführerin die vorliegende Strafanzeige gegen den Beschwerdegegner eingereicht. Gemäss Vorinstanz schliesst diese Vorgeschichte nicht aus, dass die Vorwürfe der Beschwerdeführerin zutreffen. Allerdings sei möglich, dass die Beschwerdeführerin zur Wiedererlangung der Obhut über die gemeinsamen Kinder geneigt gewesen sei, auch stark übertriebene Vorwürfe gegen den Beschwerdegegner zu erheben. Sie sei nämlich der Ansicht gewesen, er habe ihr die Kinder wegnehmen wollen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Vorinstanz die allgemeine Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin eingeschränkt. Allerdings hält die Vorinstanz fest, dass auch die allgemeine Glaubwürdigkeit des Beschwerdegegners herabgesetzt sei. Dabei übersieht sie nicht, dass ohnehin die Glaubhaftigkeit der einzelnen Aussagen entscheidend ist.