Citation: 1B_548/2017 E. 6.5

6.5. Diesbezüglich haben sich seit dem Urteil des Obergerichtes vom 19. März 2007 (angesichts von neuen Beweismitteln) neue Fakten im Hinblick auf die Gefährlichkeitsprognose und die Therapiefähigkeit ergeben: Wie die Oberstaatsanwaltschaft gestützt auf die betreffenden Dokumente darlegt (und wie schon die Staatsanwaltschaft IV in ihrem Haftantrag vom 13. Dezember 2017 dargelegt hatte), weicht die Diagnose im psychiatrischen Gutachten vom 4. Mai 2015 vom medizinischen Befund aus dem Jahr 2006 deutlich ab. Nachdem damals noch eine "kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, dissozialen und emotional instabilen Zügen" festgestellt worden war, diagnostiziert das neue Gutachteneine "paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F 60.0) " und eine "emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus (ICD 10: F 60.31) ". Auch bei der Borderline-Störung handle es sich um eine "schwere und schwer behandelbare" psychische Krankheit. Die im Gutachten von 2006 vermuteten "schizoiden" Persönlichkeitsmerkmale hätten sich hingegen im jahrelangen weiteren Therapie- und Anamneseverlauf nicht erhärtet. Auch die Gefährlichkeitsprognose hat sich unterdessen verschärft: Gestützt auf das damalige Gutachten war das Obergericht 2007 noch zum Schluss gekommen, der Verurteilte weise "eine gewisse Gefährlichkeit" auf; es könne jedoch "nicht gesagt werden", dass es sich bei ihm um einen "hoch gefährlichen" Täter handle. Das neue psychiatrische Gutachten geht demgegenüber von einer hohen Rückfallgefahr für schwere Gewaltdelikte aus. Auch mehr als 12 Jahre nach den Mordversuchen mit einer Kriegswaffe und trotz jahrelanger intensiver therapeutischer Bemühungen (zwischen 2011 und 2016) sei beim Verurteilten noch eine "erhöhte Tötungsbereitschaft" festzustellen. Die Gutachterin stuft ihn deshalb als hochgefährlich ein (vgl. oben, E. 5.2). Die gegenüber der Expertise von 2006 ungünstigere ärztliche Diagnose und Risikoprognose begründet sie unter anderem mit den ursprünglich noch sehr beschränkten medizinischen und behördlichen Informationen über den verurteilten Ersttäter, mit dessen Verhalten seit 2007 sowie mit den ärztlichen und behördlichen Erfahrungen während der mehrjährigen Strafvollzugs- bzw. Therapiephase, auf die der Gutachter von 2006 noch nicht hat zurückgreifen können. Die hohe Rückfallgefahr in Bezug auf schwere Gewaltdelikte wird durch eine Stellungnahme vom 7. Juni 2017 der Fachkommission "Gemeingefährlichkeit" des Ostschweizer Strafvollzugskonkordates sowie durch ein weiteres (von der KESB in Auftrag gegebenes) psychiatrisches Gutachten vom 6. November 2017 bestätigt (vgl. oben, E. 5.2).