Citation: 2C_1066/2014 E. 4.3.2

4.3.2. Der Vorwurf an den ehemaligen Ehemann, die Beschwerdeführerin in die Prostitution gedrängt zu haben, lässt sich, wie die Vorinstanz darlegt, zwar durch keinen der eingereichten Arztberichte erhärten. Das in diesem Zusammenhang und betreffend Drohung eröffnete Strafverfahren war zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils allerdings nach wie vor hängig. Die strafrechtliche Beurteilung ist somit noch ausstehend. Hinzu kommt Folgendes: Nach Ansicht einer Minderheitsmeinung der Vorinstanz bestehen Anzeichen, wonach der Ehemann die Beschwerdeführerin von Anfang an mit ihrem von ihm und der Ehe abhängigen Aufenthaltsstatus unter Druck gesetzt habe. Bereits nach wenigen Wochen habe er sich an das Migrationsamt gewandt und wollte die Ehe annullieren lassen. Er habe die Beschwerdeführerin kontrolliert, ihre E-Mails überwacht und in ihrem Namen im Internet nach Jobs für sie gesucht. Es lägen konkrete Hinweise vor, dass er sie in die Prostitution drängen wolle. Gegen ihn werde zudem wegen Todesdrohung ermittelt und er habe sich über die Beschaffung von Munition für die Waffe seines Vaters im Internet informiert. Die Beschwerdeführerin belässt es in ihren Rügen weitgehend bei der Wiederholung der im vorinstanzlichen Urteil wiedergegebenen Minderheitsmeinung und bei pauschalen Hinweisen auf angeblich massive Drohungen und Gewalttätigkeiten sowie eine versuchte Nötigung zur Prostitution. Auch ist nicht restlos geklärt, inwiefern sie selber zu den Streitigkeiten beigetragen hat. Angesichts der vorliegenden Indizien, insbesondere des ungeklärten Vorwurfs gegen den ehemaligen Ehemann, die Beschwerdeführerin in die Prostitution gedrängt und sie bedroht zu haben, kann eine oppressionsbedingte Aufhebung der Hausgemeinschaft aber nicht ausgeschlossen werden. Die Vorinstanz durfte bei dieser Sachlage einen nachehelichen Härtefall nicht verneinen, ohne sich zunächst näher mit den Vorwürfen gegen den ehemaligen Ehemann zu befassen und diese eingehend abzuklären. Namentlich das ausstehende Strafurteil dürfte hierzu weitere Anhaltspunkte liefern.