Citation: K 8/04 14.06.2004 E. 2.4

2.4.1 Der behandelnde Arzt Dr. med. A.________ führt in dem im letztinstanzlichen Verfahren ins Recht gelegten Fax-Schreiben vom 22. Januar 2004 an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin u.a. aus, die Häufigkeit der Blutzuckermessung werde durch die individuellen Bedingungen einer Patientin und durch die aktuelle Stoffwechselsituation bedingt. Dazu brauche es bei der Versicherten (einer psychisch labilen und durch schwere Blutzucker-Entgleisungen gezeichneten Person) in dieser Zeit zur Verhinderung einer Ketoazidose oder einer Hypoglykämie durchschnittlich acht Messungen pro Tag. Im Schreiben vom 25. November 2002 an den vertrauensärztlichen Dienst des Krankenversicherers hatte Dr. med. A.________ ausgeführt, der Teststreifenverbrauch sei tatsächlich hoch. Er habe mit der Patientin mehrfach darüber gesprochen. Da der Diabetes sehr labil sei und sie früher schwerste Hypoglykämien mit längeren Ohnmachten gehabt habe, fühle sie sich innerlich genötigt, gehäuft ihren Blutzucker zu testen. Sie habe panische Angst, in eine Unterzuckerung zu kommen. Richtigerweise kontrolliere die Patientin deshalb jeweils vor einer Autofahrt und während ihrer Teilzeitarbeit als Kassiererin den Blutzucker. Der Vertrauensarzt hat die Aussagen des Dr. med. A.________ im Bericht vom 25. November 2002 in dem Sinne interpretiert, dass auch der behandelnde Arzt den Teststreifenverbrauch als zu hoch erachte. Es sei ihm indessen trotz mehrmaligem Versuch nicht gelungen, mässigend auf die Patientin einzuwirken, was er mit dem Hinweis auf ihre grossen Ängste erkläre. Diese Interpretation muss auf Grund des Schreibens des Dr. med. A.________ vom 22. Januar 2004 als unzutreffend bezeichnet werden. 2.4.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird insoweit richtig vorgebracht, dass dem behandelnden Arzt bei seinen diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen ein Ermessensspielraum zusteht. In diesen ist von den rechtsanwendenden Organen und Behörden nur mit Zurückhaltung einzugreifen. Sodann haben von Ärzten und Ärztinnen selber durchgeführte oder verordnete Behandlungen die Vermutung für sich, wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich zu sein (BGE 129 V 170 unten mit Hinweis). Diese Grundsätze kommen vorliegend insofern zum Tragen, als laut Dr. med. A.________ die «notwendige Messhäufigkeit (...) durch den Alltag des Patienten bestimmt und nicht vom Diabetologen fix verordnet» wird (Schreiben vom 22. Januar 2004). Diese individuellen Bedingungen können von Person zu Person ganz verschieden sein, werden indessen vom Facharzt überwacht, der entsprechende Blutzuckermessungen anordnet. Bei der Beschwerdeführerin sind es insbesondere die Arbeit als Kassiererin, die Besorgung des Haushalts, die Benützung des Autos für Erledigungen, Ausflüge und die regelmässigen Arztbesuche sowie die für eine Diabetikerin wichtige körperliche Betätigung (tägliches Spazierenführen des Hundes). Der Bedarf an täglichen Blutzuckermessungen im Rahmen der Insulinpumpentherapie wird sich daher kaum je hinreichend sicher bestimmen lassen. Ebenso wenig ist der Nachweis zu erbringen, dass alle vorgenommenen Messungen aus medizinischer Sicht effektiv auch notwendig waren. 2.5 Aus dem Gesagten folgt, dass es grundsätzlich nicht angezeigt ist, bei Diabetikern, insbesondere bei denjenigen, die auf die regelmässige Zuführung von Insulin angewiesen sind (z.B. Einstellung mit einer Insulinpumpe), einen Richtwert für die Anzahl der durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung jährlich höchstens zu vergütenden Teststreifen für die Blutzuckermessungen festzulegen. Diese Versicherten können ihre Selbstverantwortung nur durch regelmässige Kontrollmessungen wahrnehmen. Die Häufigkeit wird durch den Facharzt bestimmt, dies auch im Hinblick darauf, einen möglichst normalen Blutzuckerspiegel über 24 Stunden herbeizuführen, um Spätkomplikationen zu vermeiden (vgl. RKUV 1991 Nr. K 861 S. 65 Erw. 2a). Dabei haben Facharzt und versicherte Person zu beachten, dass im Rahmen der auch im Bereich der sozialen Krankenversicherung geltenden Schadenminderungspflicht (zur Publikation in BGE 130 V vorgesehenes Urteil B. vom 30. April 2004 [K 95/01] Erw. 6.2.2.2) der Messstreifenverbrauch grundsätzlich auf das zumutbare Mass zu beschränken ist.