Citation: U 211/02 28.03.2003 E. 5

5.1.1 Die Argumentation in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zielt dahin, das Kriterium der Eindrücklichkeit des Unfallereignisses sei vorliegend erfüllt. Bei der Qualifikation der Eindrücklichkeit eines Unfallereignisses bleibe selbst in Anwendung eines objektivierten Massstabes zu berücksichtigen, dass eine Vielzahl von Versicherten unterschiedliche Veranlagungen mit sich bringen würden. Konkrete Kriterien, wann ein Unfallereignis "objektiv" als eindrücklich zu qualifizieren sei, seien keine entwickelt worden. Die Eindrücklichkeit lasse sich nicht losgelöst vom menschlichen Empfinden, welches sehr unterschiedlich sein könne, festlegen. Letztendlich müsse davon ausgegangen werden, dass es nicht möglich sei, dort einen objektivierten Massstab zu definieren, wo menschliches Empfinden und Erleben über das Kriterium der Eindrücklichkeit eines Unfallereignisses entscheide. Diese richte sich quasi definitionsgemäss immer nach subjektiven Kriterien, womit auch die Berücksichtigung einer weiten Bandbreite von Versicherten, Richtern, Anwältinnen etc. zu keinem objektiven Massstab führen könne. 5.1.2 Wie schon in dem in RKUV 2000 U 394 313 veröffentlichten Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 31. Mai 2000 dargelegt, besteht kein Anlass, von einer objektivierten Adäquanzbeurteilung abzugehen und einer subjektivierten Betrachtungsweise den Vorzug zu geben. Dies auch nicht mit Blick auf das Kriterium der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles. Es wäre denn auch schier unmöglich, verlässliche konkretisierende Unterkriterien aufzustellen. An der bisherigen Praxis, die diesbezüglich kasuistisch ausgestaltet ist, wie die in der Beschwerdeantwort zitierten Urteile belegen, ist festzuhalten. Es ist ebenso wenig erforderlich, die Voraussetzungen für die Zugehörigkeit zur sogenannten weiten Bandbreite der Versicherten zu umschreiben. Es muss bei der allgemeinen Formulierung gemäss BGE 117 V 362 Erw. 5b mit Hinweisen sein Bewenden haben. 5.1.3 Den beschwerdeführerischen Ausführungen kann auch deshalb nicht gefolgt werden, weil die persönliche, eventuell krankhafte Reaktion auf die subjektiv empfundene besondere Eindrücklichkeit eines Ereignisses ein Element des natürlichen Kausalzusammenhanges mit einem bestimmten Unfallgeschehen ist. Die hier zur Diskussion stehende Frage der Adäquanz stellt sich ja lediglich dann, wenn psychische Beschwerden als Unfallfolgen vorliegen. Es versteht sich von selbst, dass Betroffene das Ereignis, bzw. dessen Folgen als besonders eindrücklich erleben. Es gilt jedoch in Erinnerung zu rufen, dass die Theorie des adäquaten Kausalzusammenhanges den Zweck hat, eine - als zu fern empfundene, weil nicht dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung entsprechende - Haftung, hier des sozialen Unfallversicherers, zu begrenzen (vgl. hiezu auch BGE 123 V 104 Erw. 3e und 122 V 417 Erw. 2c). Das heisst mit anderen Worten, dass es gerade Ziel und Zweck dieses Institutes darstellt, die Haftung für tatsächlich bestehende Zusammenhänge auf ein "vernünftiges", das heisst eben adäquates Mass zu reduzieren und damit zu objektivieren. Vorliegend ist evident, dass der vom Beschwerdeführer erlittene Unfall das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls praxisgemäss nicht erfüllt. 5.2 Auch von den weiteren unfallbezogenen Kriterien ist nach den zutreffenden Wertungen der Vorinstanz keines in auffallender Weise gegeben, und diese sind auch nicht gehäuft erfüllt. Wie die Winterthur in der Beschwerdeantwort einräumt, haben zwar die Dauer der ärztlichen Behandlung, die körperlichen Dauerschmerzen sowie die Dauer und der Grad der Arbeitsunfähigkeit ein gewisses Ausmass erreicht. Dies ist jedoch nicht ausreichend, um daraus ableiten zu können, dem Unfall komme für die psychische Fehlentwicklung massgebende Bedeutung zu (zum Grad und zur Dauer der Arbeitsunfähigkeit vergleiche auch die Zusammenstellung der Kasuistik in RKUV 2001 U 442 544; U 56/00). Vorliegend lassen sich die Dauer der ärztlichen Behandlung, die Dauerschmerzen und die Dauer der Arbeitsunfähigkeit unter Ausklammerung der Auswirkungen der psychischen Faktoren auch kaum bestimmen. Dies weil die psychische Überlagerung offenbar schon relativ früh nach dem Unfall eingesetzt hat und weil man immer wieder nach körperlichen Ursachen der Schmerzen forschte, ohne aber auf relevante pathologische Veränderungen zu stossen. So wurde laut Gutachten von Dr. med. R.________, Spezialarzt für Neurologie FMH, vom 28. Dezember 1997 durch Dr. med. K.________, Neurologe in bereits am 16. August 1996, also einen Monat nach dem Unfall, die Diagnose eines "subjektiven posttraumatischen Syndromes" mit Schwindel, Kopfschmerzen und einer Depression gestellt. Auch der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med. X.________, Allgemein- und Sportarzt, berichtete der Winterthur am 20. Juli 1997, die Diagnose sei immer noch nicht befriedigend. Er stellte den Begriff der "reaktiven neurotischen Depression" in den Raum. Die langdauernde Behandlung richtete sich denn auch vor allem danach, die im Hinblick auf physische Unfallfolgen nicht erklärbaren andauernden Beschwerden zu ergründen und zu lindern. Die aus objektivierbaren Gründen ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit und die entsprechend notwendigen Behandlungen erfüllen auf jeden Fall das Kriterium der langen Dauer nicht. Die Winterthur hat daher ihre Leistungspflicht für die psychischen Unfallfolgen zu Recht verneint, weshalb der vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen ist. Weitere medizinische Abklärungen zur anerkannten natürlichen (Teil-)Kausalität sind überflüssig.