Citation: I 266/00 05.06.2001 E. 2

2.- Zunächst ist zu entscheiden, ob Verwaltung und Vorinstanz insbesondere gestützt auf das Gutachten des ZMB vom 28. Oktober 1998 zu Recht von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit des Versicherten für leichte Arbeiten ausgegangen sind. In orthopädischer und handchirurgischer Hinsicht sowie in Bezug auf die Hörbehinderung des Versicherten werden in der Begründung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde keine Einwände gegen das diesbezüglich in Anbetracht der übrigen medizinischen Unterlagen nicht zu beanstandende pluridisziplinäre ZMB-Gutachten vorgebracht. Hingegen wendet sich der Beschwerdeführer unter Hinweis auf Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. med. C.________ vom 3. Mai 2000 und der Klinik X.________ für Psychiatrie und Psychotherapie vom 31. Januar 2001 gegen die im Rahmen der ZMB-Expertise erfolgte psychiatrische Beurteilung durch Dr. med. W.________, deren Beweiswert im Folgenden zu prüfen ist. a) Dr. med. W.________ diagnostizierte eine psychogene Schmerzfehlverarbeitung bei einfach strukturierter Persönlichkeit und eine inkonstante beginnende funktionelle Einarmigkeit rechts. Psychiatrisch könne keine wesentliche Komorbidität diagnostiziert werden. Es bestünden weder Anzeichen für eine depressive Symptomatik noch für eine Anpassungs- oder Persönlichkeitsstörung. Der Explorand zeige Anzeichen eines beginnenden funktionellen Einarmigen aus neurotischen Gründen, wobei er die rechte Hand sehr wohl auch in der klinischen Untersuchung als Hilfshand gebrauche. Er sei unter anderem psychogen darauf fixiert, die rechte Hand nicht mehr gebrauchen zu können, schone diese und erlebe dann bei erneutem Gebrauch den "normalen" Schmerz, der nach Schonung auftrete, als Beweis für eine kranke rechte Hand, was ihn wiederum veranlasse, die Hand weiter zu schonen. Dieser Teufelskreis sollte unbedingt durchbrochen werden, indem die Schonung angegangen werde. In der Schlussbeurteilung der ZMB-Gutachter, an welcher auch Dr. med. W.________ mitwirkte, wurde insbesondere festgehalten, die vom Versicherten geklagte Funktionsschwäche und Kraftlosigkeit der rechten Hand müsse als vorwiegend psychogen beurteilt werden im Sinne einer beginnenden inkonstanten funktionellen Einarmigkeit, welche denn auch als eine der Hauptdiagnosen (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) erwähnt wurde. Der Versicherte könnte seine rechte Hand weitgehend voll einsetzen, schone diese aber wegen der psychischen Fehlverarbeitung nach drei Operationen. Damit bestehe eine beginnende funktionelle Einhändigkeit, welche der Explorand eigentlich von sich aus überwinden können sollte. Schon heute gebrauche er je nach Bedarf die rechte Hand doch recht zielgerichtet. Auch das Fehlen einer Muskelatrophie zeuge davon, dass diese Hand mehr eingesetzt werde, als der Versicherte vorgebe. Diesem seien leichtere Hilfsarbeiten auch psychisch ganztags zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht müsse die Frage, ob dem Exploranden Anstrengungen zumutbar seien, sich von der psychogenen Störung zu befreien, klar bejaht werden. b) Als Bestandteil des ZMB-Gutachtens sind die psychiatrischen Ausführungen des Dr. med. W.________ für die streitigen Belange umfassend, beruhen diesbezüglich auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen auch die geklagten Beschwerden und wurden in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben. Sie leuchten im Sinne der inneren Schlüssigkeit in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation ein und enthalten begründete Schlussfolgerungen. Namentlich überzeugen die Verneinung von Anzeichen einer depressiven Symptomatik und die Bejahung der Selbstheilungsressourcen des Versicherten hinsichtlich der psychogenen Schmerzverarbeitungsstörung bzw. der beginnenden funktionellen Einhändigkeit: Gegen das Vorliegen einer Depression sprechen die nur angedeutet leicht bedrückte Stimmung, die gute Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit sowie die fehlende Aufgabe der Sozialkompetenz (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 258. Auflage, Berlin/New York 1998, S. 1536, Stichwort "Syndrom, depressives"); die Auffassung des Psychiaters, der Versicherte könne sich durch eigene Anstrengung von der psychogenen Störung befreien, wird dadurch gestützt, dass dieser seine rechte Hand - wie insbesondere das Fehlen einer Muskelatrophie zeigte - trotz Schonung tatsächlich teilweise gebrauchte, weshalb der Schluss, es handle sich um eine vom Beschwerdeführer aus eigener Kraft überwindbare, erst beginnende und nur inkonstante funktionelle Einarmigkeit und damit Arbeitsunfähigkeit, plausibel erscheint. Sodann bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass aus sprachlichen Gründen keine adäquate Verständigung zwischen dem Exploranden und dem psychiatrischen Experten stattgefunden hätte; denn abgesehen davon, dass auch der handchirurgische Teilgutachter bemerkte, die Unterhaltung in deutscher Sprache bereite keine Probleme, lässt sich aus den gutachtlichen Erklärungen zum psychiatrischen Status mit der Vorinstanz schliessen, dass der Versicherte ohne Hilfe eines Dolmetschers hinreichend genaue Angaben zu seiner persönlichen Situation zu machen vermochte. Unter diesen Umständen ist der psychiatrischen Beurteilung des Dr. med. W.________ volle Beweiskraft zuzuerkennen (BGE 125 V 352 Erw. 3a), sofern keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen (vgl. BGE 125 V 353 f.). c) aa) Frühere ärztliche Stellungnahmen vermögen auch in psychiatrischer Hinsicht das fachärztliche Gutachten des ZMB nicht zu entkräften. Einzig der Hausarzt, Dr. med. V.________, Allgemeine Medizin FMH, erwähnte in einem Bericht vom 21. November 1996 unter den Diagnosen eine depressive Grundstimmung. Diese Aussage wurde indessen im gleichen Bericht dahin präzisiert, dass der Patient subdepressiv wirke, woraus nicht auf eine hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit bedeutsame Depression geschlossen werden kann. bb) Im mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichten psychiatrischen Gutachten des Dr. med. C.________, bei dem der Versicherte seit 16. August 1999 in psychiatrischer Behandlung stand, vom 3. Mai 2000 werden unter anderem ein Schmerzsyndrom des rechten Arms, übergehend in psychogenen Neglect, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45. 4), eine Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerz (ICD-10: F62. 8) mit Symptomatik Sozialphobie und Klaustrophobie, zunehmend, sowie eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41. 1) diagnostiziert. Der im gutachtlichen Bericht beschriebene Zustand habe vor einem Jahr begonnen und sich während eines Erdbebens in der Heimat des Patienten massiv verschlechtert. Unter dem Titel der Prognose führte Dr. med. C.________ an, die Krankheit sei aufgrund ihrer Schwere und Dauer als chronisch anzusehen. Er halte den Beschwerdeführer für dauernd zu 100 % arbeitsunfähig. Zum ZMB-Gutachten vom 28. Oktober 1998 bemerkte Dr. med. C.________, aus Scham werde von den Patienten oft vieles verschwiegen. Wenn sie nicht danach gefragt würden, erzählten solche Patienten, die sich der Zusammenhänge nicht bewusst seien, oft auch nichts davon. Für den Arzt als Gutachter seinerseits sei es wegen der sehr grossen sozialen Distanz schwierig, sich in diese Menschen einzufühlen. Ausserdem handle es sich bei Schmerzpatienten um eine schwierige Klientel, da das Wissen über Schmerzen und deren Folgen erst seit kurzer Zeit zunehmend bekannt werde. Er selbst betrachte den Zustand des Versicherten aufgrund einer differenzierteren psychiatrischen Befragung als wesentlich schwerwiegender als das ZMB-Gutachten. Die Beurteilung einer psychogenen Fixierung entspreche aus seiner Sicht nicht dem Schweregrad der Krankheit. In Abweichung von der Expertise des ZMB halte er den Krankheitszustand als willentlich nicht mehr wesentlich beeinflussbar. Der Patient habe das in seinen Möglichkeiten Stehende getan. Ein Rehabilitationsversuch bei der Firma F.________ sei nicht am Unwillen des Versicherten, sondern an den real nicht vorhandenen Rehabilitationsmöglichkeiten gescheitert. Gemäss dem vom Beschwerdeführer nach Abschluss des ordentlichen Schriftenwechsels zu den Akten gegebenen Bericht der Klinik X.________ für Psychiatrie und Psychotherapie, wo er vom 1. Dezember 2000 bis zum 31. Januar 2001 stationär behandelt wurde, vom 31. Januar 2001 leidet der Versicherte an einem chronifizierten Schmerzsyndrom mit Entwicklung einer mittelgradigen depressiven Symptomatik (F32. 1) sowie an einem sekundären schädlichen Alkoholgebrauch (F10. 1). cc) Vergleicht man die im kurz vor Erlass der streitigen Verwaltungsverfügung vom 27. November 1998 erstatteten, auf nicht weit zurückliegenden Untersuchungen vom 21. bis 24. September 1998 beruhenden ZMB-Gutachten vom 28. Oktober 1998 enthaltene psychiatrische Beurteilung des Dr. med. W.________ mit den vom Versicherten im Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren ins Recht gelegten psychiatrischen Berichten des Dr. med. C.________ vom 3. Mai 2000 und der Klinik X.________ vom 31. Januar 2001, ist ersichtlich, dass sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zwischenzeit erheblich verschlechtert hat. Aufgrund des gutachtlichen Berichts des Dr. med. C.________ ist davon auszugehen, dass der dort beschriebene Zustand erst ca. im Mai 1999 (ein Jahr vor Erstattung des Berichts), mithin nach Erlass der angefochtenen Verwaltungsverfügung, begonnen und sich anlässlich eines Erdbebens im Heimatland des Versicherten vom August 1999 massiv verschlimmert hat. Dass es sich um eine fortschreitende negative Entwicklung handelte, erhellt auch daraus, dass im gleichen Gutachten ausgeführt wurde, das Hauptsymptom "Schmerz" und "Functio laesa" müsse rückblickend über mehrere Jahre angedauert und sich entsprechend tief in die Psyche des Patienten eingegraben haben "bis heute zum Neglect und [zu] Dauerschmerzen", dass im Rahmen der Fremdanamnese von einer "zunehmende[n] Zustandsverschlechterung" und einem "zunehmenden familiären Desaster" die Rede war und dass im Bericht der Klinik X.________ ein depressives Zustandsbild, welches sich im Rahmen der sozialen Schwierigkeiten entwickelt habe, festgestellt wurde. Dass eine entscheidende Verschlechterung erst nach dem Zeitpunkt des Erlasses der Verwaltungsverfügung vom 27. November 1998 eingetreten ist, wird sodann dadurch bestätigt, dass erstens gemäss Gutachten des Dr. med. C.________ der Beschwerdeführer von einer Bekannten als dauernd mürrisch bezeichnet wurde, wohingegen ihm der Zwischenbericht vom 20. Oktober 1998 über das Beschäftigungsprogramm W.________ noch ein freundliches Verhalten sowie einen guten Umgang mit Mitarbeitern und Vorgesetzten attestiert hatte, dass zweitens insbesondere Dr. med. C.________ von einem starken sozialen Rückzug berichtete, während Dr. med. W.________ festgehalten hatte, der Explorand habe die Sozialkompetenz in keiner Weise aufgegeben, sondern habe sowohl zu in der Schweiz weilenden Familienmitgliedern als auch zu Freunden regelmässig Kontakte, dass drittens in den Berichten des Dr. med. C.________ und der Klinik X.________ grosse Familienprobleme erwähnt wurden, nachdem solche anlässlich der ZMB-Begutachtung noch verneint worden waren, und dass viertens der Beschwerdeführer laut Bericht der Klinik X.________ ca. seit anfangs 1999 (2 Jahre vor Erstattung des Berichts) etwa 20 kg bzw. ca. seit Mitte 1999 (1 ½ Jahre vor Erstattung des Berichts) etwa 15 kg abgenommen hatte. In Anbetracht der nichtpsychiatrischen Beurteilung im Zwischenbericht zum Beschäftigungsprogramm und des objektiv fassbaren Gesichtspunkts des Gewichtsverlusts ist schliesslich trotz der Bemerkung des Dr. med. C.________, wonach von den Patienten aus Scham oft vieles verschwiegen und ohne präzise Frage oft nichts erzählt werde, davon auszugehen, dass die Diskrepanz zwischen dem ZMB-Gutachten und den im Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren eingereichten psychiatrischen Berichten jedenfalls nicht in ausschlaggebender Weise darauf zurückzuführen ist, dass der Versicherte anlässlich der psychiatrischen ZMB-Teilbegutachtung durch Dr. med. W.________ gewisse Aspekte verschwiegen hätte, sondern darauf, dass in der Zwischenzeit tatsächlich eine massgebende Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands stattgefunden hat. dd) Unter diesen Umständen vermögen die psychiatrischen Berichte des Dr. med. C.________ und der Klinik X.________ den Beweiswert der im ZMB-Gutachten enthaltenen Beurteilung des Dr. med. W.________ nicht zu erschüttern. Der auf den Bericht des Dr. med. C.________ gestützte beschwerdeführerische Einwand, man sei sich noch vor kurzem der Problematik der somatoformen Schmerzstörungen bzw. der Schmerzpatienten zu wenig bewusst gewesen, ändert daran nichts. Zum einen muss sich nämlich Dr. med. W.________ der erwähnten Problematik bewusst gewesen sein, als er eine psychogene Schmerzfehlverarbeitung diagnostizierte und erklärte, der Versicherte zeige Anzeichen eines beginnenden funktionellen Einarmigen aus neurotischen Gründen, werden doch die somatoformen Störungen (F45) - darunter die von Dr. med. C.________ diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45. 4) - in der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10 Kapitel V [F], Forschungskriterien, 1. Auflage 1994, unveränderter Nachdruck 1997, S. 130 ff.) unmittelbar vor den "sonstige[n] neurotische[n] Störungen" (F48) eingereiht, mithin den neurotischen Störungen zugerechnet. Zum andern räumt Dr. med. C.________, indem er erklärt, die beim Beschwerdeführer stattgefundene Veränderung entspreche einem irreversiblen, willentlich "nicht mehr" beeinflussbaren Zustand auf der Ebene der Persönlichkeit im Sinne einer Persönlichkeitsänderung, selbst ein, dass die Störung früher einmal willentlich beeinflussbar war. In Anbetracht der aus den Berichten des Dr. med. C.________ und der Klinik X.________ ersichtlichen Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes und des Umstandes, dass nach dem Gesagten keine Indizien gegen die Zuverlässigkeit der psychiatrischen Beurteilung durch Dr. med. W.________ sprechen, ist auf letztere abzustellen und demnach unter Verzicht auf eine weitere Begutachtung (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d, 119 V 344; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b) nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 338) davon auszugehen, dass die willentliche Beeinflussbarkeit im damaligen Zeitpunkt und damit auch zur Zeit des sehr bald darauf folgenden, für die richterliche Beurteilung massgebenden Erlasses der Verwaltungsverfügung noch gegeben war. Eine spätere Verschlechterung des Gesundheitszustands kann im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden, sondern ist im Rahmen einer Neuanmeldung geltend zu machen. d) Nachdem vollumfänglich auf das Gutachten des ZMB abzustellen ist, steht fest, dass dem Versicherten leichtere Hilfsarbeiten, die kein intaktes Gehör erfordern, ganztags zumutbar sind. Unter leichteren Arbeiten ist vorliegend eine rückenschonende (wechselbelastende [vgl. Gutachten des Spitals Y.________ vom 13. Februar 1998 mit Ergänzung vom 10. Juni 1998]) Tätigkeit zu verstehen, die keine Schwerstarbeiten mit häufigem Heben und Tragen von Lasten über 15 kg, keine vorwiegend in Vorhalteposition zu verrichtenden Arbeiten und keine dauernde starke Beanspruchung der rechten Hand mit dauerndem Zupacken oder dauerndem Heben schwerer Lasten oder dauernd forcierten Drehbewegungen beinhaltet.