Citation: 2C_784/2014 E. 4.2.2

4.2.2. Das Bundesgericht stuft den Drogenhandel - in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des EGMR, vgl. die Urteile Gablishvili, § 50; Koffi, § 65; Maslov, § 80; Ezzouhdi gegen Frankreich vom 13. Februar 2001, § 34 ff.; Dalia gegen Frankreich vom 19. Februar 1998, § 54 - angesichts der Gefährdung der öffentlichen Gesundheit als schwere Straftat ein, welche ein hohes öffentliches Interesse an einer Ausweisung bzw. Fernhaltung des Täters begründet. Der Drogenhandel ist eine der in Art. 121 Abs. 3 BV (Fassung vom 28. November 2010) genannten Anlasstaten, die nach dem Verfassungsgeber dazu führen soll, dass der entsprechende Täter aus der Schweiz ausgewiesen und mit einem Einreiseverbot belegt wird. Diese Sichtweise gilt allerdings nicht für den Konsum. Bereits in der Rechtssache Ezzouhdi, § 50, unterstrich der EGMR, die Einstufung des Drogenkonsums als schwere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung könne selbst bei wiederholter Begehung nicht aufrecht erhalten werden (bestätigt in den Urteilen Maslov, § 80, und Gablishvili, § 50). Nach der Praxis des EGMR überwiegt bei Betäubungsmitteldelikten (ohne Konsum) regelmässig das öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts, falls keine besonderen persönlichen oder familiären Bindungen im Aufenthaltsstaat bestehen; ist die betroffene Person ledig und kinderlos, setzt sich tendenziell das öffentliche Fernhalteinteresse durch, sofern das Strafmass drei Jahre Freiheitsstrafe erreicht oder weitere erhebliche Delikte hinzukommen (BGE 139 I 31 E. 2.3.3 S. 35 mit zahlreichen Hinweisen).