Citation: 1B_95/2009 25.05.2009 E. 2.3

2.3.1 Die Vizepräsidentin des Kantonsgerichts zieht ergänzend in Erwägung, es stehe ausser Zweifel, dass der Beschwerdeführer im Falle eines Schuldspruchs eine massive Freiheitsstrafe zu erwarten hätte. Sie pflichtet allerdings dem Beschwerdeführer darin bei, dass gewisse Faktoren - wie etwa der Umstand, dass eine Zusatzstrafe auszufällen wäre oder allenfalls ein teilweise zu berücksichtigender Strafmilderungsgrund nach Art. 48 lit. e StGB - die Höhe der in Aussicht stehenden Freiheitsstrafe relativieren dürften. Indes habe der Haftrichter keine dem Gericht vorbehaltene Strafzumessung vorweg zu nehmen. Angesichts der Tragweite der gegen den Beschwerdeführer erhobenen Anschuldigungen dürfte es sich nach Ansicht der Kantonsgerichtsvizepräsidentin bei der zu erwartenden Strafe um eine mehrjährige Freiheitsstrafe handeln. Sicher sei das Vorbringen des Beschwerdeführers glaubhaft, wonach er alles daran setze, nicht ein weiteres Mal in Strafanstalten wie in Brasilien einsitzen zu müssen. Dies ändere aber nichts an der Tatsache, dass er bereits einmal alles unternommen habe, um sich einer Strafverfolgung in der Schweiz zu entziehen. Auch wenn er sich noch vor der Anhebung des vorliegenden Strafverfahrens nach Brasilien abgesetzt habe, sei dies doch während eines hängigen Verfahrens geschehen. Aber selbst im vorliegenden Verfahren habe sich der Beschwerdeführer erst nach über drei Jahren gestellt. Zwar möge zutreffen, dass er es während der Auslieferungshaft in Brasilien nicht in der Hand gehabt habe, Einfluss auf eine umgehende Rückführung in die Schweiz zu nehmen. Diesem Vorbringen würden aber die beiden vom Beschwerdeführer noch während des Auslieferungsverfahrens gestellten Asylgesuche widersprechen. Nicht zu übersehen sei auch, dass der Beschwerdeführer nach seinem Untertauchen im August 2007 noch über vier Monate benötigt habe, bis er mit der Untersuchungsbehörde in der Schweiz Kontakt aufgenommen habe. 2.3.2 Dem Einwand seiner familiären Bindungen in der Schweiz hält die Vizepräsidentin entgegen, diese Beziehungen, insbesondere zu seiner Tochter, hätten bereits bestanden, als er sich anfangs 2004 nach Brasilien abgesetzt bzw. in Brasilien um Asyl nachgesucht habe. Genausowenig belege sein Führungsverhalten im Strafvollzug ein vorbehaltloses Akzeptieren der Strafe und die Absicht, eine geordnete Existenz aufzubauen. Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin nimmt dazu insbesondere Bezug auf eine Erklärung, welche der Beschwerdeführer am 5. Februar 2009 unterzeichnet hat. Gemäss dieser sei er wegen Nichtbezahlung der Einkommenssteuer während der zwei Jahre vor seiner Abreise nach Brasilien in Abwesenheit verurteilt worden. Da er die Raten nicht habe bezahlen können, sei er zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt worden, welche er derzeit noch bis 1. September 2009 verbüsse. Wenn der Beschwerdeführer versuche weiszumachen, er habe im Zeitpunkt der Unterzeichung dieses Schriftstücks aus zeitlichen bzw. sprachlichen Gründen zu wenig Kenntnis vom Inhalt der fraglichen, in Portugiesisch abgefassten Erklärung gehabt, sei diese Behauptung wenig glaubhaft. In seiner Haftbeschwerde habe er selber darauf hingewiesen, dass er die dortigen Sprachen gut beherrsche. Jedenfalls spreche der Umstand, dass er eine Drittperson damit beauftrage, seine Interessen in Brasilien zu vertreten, nicht als Indiz gegen eine Flucht. Vom Untersuchungsrichter sei denn auch nicht geltend gemacht worden, es bestünden einzig Anhaltspunkte für ein erneutes Absetzen nach Brasilien. 2.3.3 Weiter gelangt die Vizepräsidentin mit Blick auf die Akten zum Schluss, der Beschwerdeführer verfüge auch über ein entsprechendes Beziehungsnetz, welches ihm selbst im Ausland die notwendigen finanziellen Mittel habe zukommen lassen. Zudem solle er im Besitze eines gefälschten Passes gewesen sein, dies "für alle Fälle". Dass seine damalige Geldquelle inzwischen versiegt und auch die Gültigkeitsdauer des fraglichen Passes abgelaufen sein möge, sei weniger von Bedeutung als das Faktum, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Erfahrungen nicht bloss um Möglichkeiten wisse, sich im Ausland durchzuschlagen, sondern offensichtlich bei Bedarf auch über die dafür notwendigen Kontakte und Ressourcen verfüge. Die Verteidigung selber führe aus, dass der Beschwerdeführer mit hoher Wahrscheinlichkeit noch während Jahren im südamerikanischen Raum hätte untertauchen können, wenn er dies tatsächlich gewollt hätte. Weiter behaupte die Verteidigung, wohl einzig Kommissar Zufall hätte dem Beschwerdeführer einen Strich durch die Rechnung machen können, zumal er die dortigen Sprachen gut beherrschen und sich viele südamerikanische Beamte als bestechbar erweisen würden. 2.4 Diese sehr detaillierten Darlegungen der kantonalen Behörden lassen die Bejahung der Fluchtgefahr als durchaus nachvollziehbar erscheinen. Der Beschwerdeführer hat in der Vergangenheit enorme Energie darauf verwendet, sich der Strafverfolgung (resp. dem Strafvollzug) zu entziehen. Was er dagegen vorbringt, vermag nicht zu überzeugen. Die familiären Bande haben ihn auch im Jahr 2004 nicht davon abgehalten, sich für längere Zeit ins ferne Ausland abzusetzen. Seltsam mutet auch das von ihm am 5. Februar 2009 unterzeichnete Schriftstück an, in welchem er sich u.a. noch immer als brasilianischen Staatsbürger bezeichnet und den Grund für seinen Freiheitsentzug verschweigt respektive falsch darstellt. Selbst wenn dies kein hinreichendes Indiz für eine mögliche Flucht sein mag, fehlt doch eine überzeugende Erklärung für dieses Verhalten. Auch ändert der Umstand, dass Hinweise auf ein konkretes Fluchtziel fehlen, nichts daran, dass die Behörden die Fluchtgefahr dennoch bejahen durften. Es obliegt ihnen nicht, eine bestimmte Destination zu nennen, um ihre Vermutungen zu belegen. Immerhin hat der Beschwerdeführer selber betont, wie gut er sich im südamerikanischen Raum zurecht finde. Weitere Erwägungen hierzu erübrigen sich mit Verweis auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid (Art. 109 Abs. 3 BGG).