Citation: 5A_157/2021 E. 5.2.3

5.2.3. Ferner bezeichnet der Beschwerdeführer das Vorgehen des Kantonsgerichts als überspitzt formalistisch. 5.2.3.1. Überspitzter Formalismus als besondere Form der Rechtsverweigerung liegt vor, wenn für ein Verfahren rigorose Formvorschriften aufgestellt werden, ohne dass die Strenge sachlich gerechtfertigt wäre, wenn die Behörde formelle Vorschriften mit übertriebener Schärfe handhabt oder an Rechtsschriften überspannte Anforderungen stellt und damit dem Bürger den Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrt (BGE 135 I 6 E. 2.1 mit Hinweisen). Prozessuale Formen sind unerlässlich, um die ordnungsgemässe Abwicklung des Verfahrens und die Durchsetzung des materiellen Rechts zu gewährleisten. Nicht jede prozessuale Formstrenge stellt daher überspitzten Formalismus dar, sondern nur jene, die durch keine schutzwürdigen Interessen gerechtfertigt ist, zum blossen Selbstzweck wird und die Verwirklichung des materiellen Rechts in unhaltbarer Weise erschwert oder verhindert (BGE 134 II 244 E. 2.4.2 mit Hinweisen; 125 I 166 E. 3a). 5.2.3.2. Die Pflicht, (bezifferte) Anträge zu stellen, soll einerseits unter dem Gesichtspunkt der Wahrung des rechtlichen Gehörs die Gegenpartei darüber informieren, gegen was sie sich verteidigen muss. Im Anwendungsbereich des Dispositionsgrundsatzes, wozu auch der Ehegattenunterhalt gehört, muss dem Gericht sodann klar sein, was Streitgegenstand bildet, woraus sich auch die materielle Rechtskraft des Entscheids ergibt (Urteile 5A_390/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.3.1; 4A_686/2014 vom 3. Juni 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Darin liegt die prozessuale Formstrenge begründet; sie stellt keinen Selbstzweck dar. Überhaupt verhindert die Vorgabe, Rechtsbegehren im Licht der Begründung auszulegen (E. 5.2.2.1), einen überspitzt formalistischen Entscheid. Nachdem feststeht, dass sich der Betrag, den der Beschwerdeführer im bundesgerichtlichen Verfahren als Ehegattenunterhalt fordert, auch nicht aus der Berufungsbegründung hat ableiten lassen, erweist sich der Vorwurf des überspitzten Formalismus als unbegründet.