Citation: 4A_48/2019 E. 5.7.2

5.7.2. Die Fragen brauchen nicht vertieft zu werden. Selbst wenn man zu Gunsten des Beschwerdeführers annimmt, es habe für ihn keinen Grund gegeben, das Vorgehen der Vorinstanz in einem früheren Stadium zu beanstanden, und der Höhe des Zuschlages komme Bedeutung zu, würde dies im Ergebnis nichts ändern. 5.7.2.1. Zwar hat der Gutachter mit dem blossen Hinweis auf die Aussagen verschiedener Generalunternehmer im ursprünglichen Gutachten nicht hinreichend dargelegt, worauf er seine Einschätzung bezüglich der Spannbreite der Prämien von General- und auf Nachfrage auch von Totalunternehmern auf unabhängig von der Vergütungsart 2.5 % bis 4.5 % stützt. Der Experte hat nämlich die Grundlagen seines Gutachtens offenzulegen und anzugeben, auf welche Aussagen er abgestellt hat (Urteil des Bundesgerichts 4A_77/2007 vom 10. Juli 2007 E. 4.2.1). Dazu genügt zwar, wenn er eine Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen wiedergibt. Damit dies den Parteien aber erlaubt, die Einvernahme der befragten Personen vor Gericht zu beantragen (Art. 186 Abs. 2 ZPO), wenn hinsichtlich ihrer Aussagen Zweifel bestehen (zit. Urteile 4A_77/2007 E. 4.2.1; 4P.172/2003 E. 2.7), sind spezifischere Angaben zu den befragten Personen notwendig. Auf die Ergänzungsfrage, auf welche konkreten Quellen sich seine Aussagen stützen würden und ob sich diese belegen liessen, präzisierte der Gutachter aber, seine Aussage stütze sich auf seine persönliche Einschätzung der Marktsituation Anfang der 90er Jahre, auf die Einsicht in Verträge und Abrechnungen im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit und insbesondere auf Interviews mit zwei namentlich genannten Personen, die bereits Anfang der 90er Jahre in namhaften Generalunternehmungen tätig gewesen seien und diese Einschätzung teilen würden. Dies genügt, um eine Überprüfung der Aussagen im Rahmen von Art. 186 Abs. 2 ZPO zu verlangen und in diesem Rahmen auch zu klären, ob die Personen über hinreichendes Wissen verfügten, um verlässlich die Schlussfolgerung des Gutachters zu stützen. 5.7.2.2. Es mag zutreffen, dass Art. 186 Abs. 1 Satz 2 ZPO in erster Linie die Befragung der Parteien sowie von involvierten Dritten im Interesse der Wahrheitsfindung vor Augen hat (Die Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], BBl 2006 7324, Ziff. 5.10.3 zu Art. 183 E-ZPO spricht davon, oft sei die sachverständige Person darauf angewiesen, selber Abklärungen zu treffen, um sich ein Bild vom Sachverhalt zu machen. Sie nennt als Beispiele Gespräche mit Angestellten einer Partei oder den Augenschein am Unfallort und scheint damit in der Tat eher auf die konkreten Umstände des zu beurteilenden Falles abzuzielen als auf allgemeine Informationen ohne direkten Bezug zum konkreten Fall). Auch der in der Beschwerde zitierte Autor (MÜLLER, a.a.O., N. 21-26 zu Art. 186 ZPO), den der Beschwerdeführer für seine Auffassung anruft, die beiden vom Gutachter befragten Personen hätten nur im Rahmen eines gerichtlich anzuordnenden Untergutachtens ihre Einschätzung abgeben dürfen, erachtet indessen ein Fachgespräch zwischen Fachleuten im Rahmen von Art. 186 ZPO für zulässig (MÜLLER, a.a.O., N. 15 zu Art. 186 ZPO), wenngleich er vielleicht primär Fachkollegen vor Augen hat, die in die Sache involviert sind (MÜLLER, a.a.O., N. 21 zu Art. 186 ZPO). Ein Untergutachten ist nach diesem Autor nötig, wenn der Gutachter zum Schluss kommt, sein Sachverstand reiche zur Beantwortung der ihm unterbreiteten Frage nicht aus (MÜLLER, a.a.O., N. 22 zu Art. 186 ZPO). Es geht darum, dass ein Gutachter sich nicht durch Befragung anderer Spezialisten zu Fragen äussern soll, die gar nicht in sein Fachgebiet fallen. Daraus kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. 5.7.2.3. Der hier zu beurteilenden Fall liegt anders. Wird der Gutachter nach der Höhe des praxisüblichen Unternehmer-Honorarzuschlags in einem gewissen Zeitpunkt gefragt, besteht, wenn der Experte nur auf die eigene Erfahrung abstellt, immer die Gefahr, dass er sich nicht bewusst ist, dass im massgebenden Zeitpunkt auch andere als die ihm bekannte Übungen bestanden haben. Ihm aus formellen Gründen zu verunmöglichen, sich diesbezüglich selbst durch eine Nachfrage abzusichern, würde der Wahrheitsfindung nicht dienen. Zu verlangen, dass sämtliche derartigen Nachfragen in die Form von durch das Gericht anzuordnende Untergutachten gekleidet werden, erscheint nicht sinnvoll. Der Gutachter verlässt nicht sein Fachgebiet. Vielmehr sind es seine Erfahrung und sein Fachwissen, die es ihm erlauben abzuschätzen, wer über die notwendigen Informationen verfügen könnte, und im Gespräch festzustellen, ob dies tatsächlich der Fall ist. Art. 186 ZPO basiert auf dem System einer nachträglichen Kontrolle, mit der gewährleistet wird, dass die Rechte der Parteien nicht unterlaufen werden (vgl. FRANCESCO TREZZINI, in: Commentario pratico al Codice di diritto processuale civile svizzero, Trezzini und andere [Hrsg.], Bd. I, 2. Aufl. 2017, N. 5 f. zu Art. 186 ZPO). Die Parteien können eine Abklärung nach den Regeln des Beweisverfahrens verlangen (Art. 186 Abs. 2 ZPO). Mit Blick darauf erscheint es nicht notwendig, für sämtliche Erhebungen bei sachverständigen Personen separate Gutachten in Auftrag zu geben, zumal wenn keine Frage zum konkreten Fall, sondern zur Üblichkeit in der Praxis zur Debatte steht. Denn im Rahmen der Nachkontrolle können die Parteien allfällige Einwände gegen die Unbefangenheit der befragten Personen vorbringen, so dass sichergestellt werden kann, dass in Bezug auf Aussagen, die grundsätzlich von einer beliebigen Person mit hinreichendem Fachwissen gemacht werden können, nicht auf die Aussagen allenfalls befangener Personen abgestellt wird. 5.7.2.4. Eine entsprechende Nachkontrolle sucht der Beschwerdeführer aber offenbar gar nicht zu erreichen. Es geht ihm nicht darum, im Rahmen von Art. 186 Abs. 2 ZPO abzuklären, inwieweit die Aussagen der befragten Personen tatsächlich die vom Gutachter gezogenen Schlüsse als korrekt und verlässlich und überzeugend erscheinen lassen, sondern vielmehr darum, die Berücksichtigung zweier nach den Informationen im Gutachten für ihn ungünstigen Aussagen zu verhindern, auch wenn sie zutreffen und die Schlüsse des Gutachters schützen sollten. Der Wahrheitsfindung, auf die der Beschwerdeführer selbst sich beruft, wäre damit nicht gedient. Insoweit ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Befragung für zulässig erachtet hat.