Citation: I 445/05 28.09.2005 E. 3

3.1 In medizinischer Hinsicht ist den Akten zu entnehmen, dass der Hausarzt Dr. med. R.________ in seinem Bericht vom 5. September 2001 erklärte, er sei nicht in der Lage, die von der Patientin angegebenen multiplen Beschwerden (Schmerzen in allen Gelenken, vor allem im Kreuz und in der Hüfte) unter ein einheitliches rheumatologisches Krankheitsbild einzuordnen. Sicher spiele eine psychische Komponente mit. Der daraufhin konsultierte Dr. med. A.________ stellte am 29. Oktober 2001 die Diagnose "primäres Fibromyalgie-Syndrom und/oder somatoforme Schmerzstörung". Weiter führte er aus, für ihn liege hier schon das Krankheitsbild der Fibromyalgie vor. Die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit in derartigen Fällen sei sehr schwierig und eine Ermessensfrage. Aus seiner Sicht könne der Patientin in diesem Zustand wohl keine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit zugemutet werden. Inwieweit sie in der Haushaltarbeit eingeschränkt sei, müsse wohl am besten durch eine Abklärung der Invalidenversicherung bestimmt werden. Dr. med. R.________ übernahm in seinem Bericht an die IV-Stelle vom 4. Januar 2002 die erwähnte Diagnose. Die Arbeitsunfähigkeit als Hausfrau bezifferte er für die Zeit ab 20. Februar 1998 auf 50 %, wobei er die konkreten Einschränkungen beschrieb. In ihrem angestammten Beruf als angelernte Vermessungszeichnerin sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig, da es ihr nicht mehr möglich sei, über längere Zeit sitzend oder stehend an der selben Arbeit zu arbeiten. 3.2 Die erwähnten Stellungnahmen lassen sich, trotz der vordergründig divergierenden Aussagen, durchaus mit dem der MEDAS erstatteten rheumatologischen Konsilium des Dr. med. J.________, physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen FMH, vom 20. Februar 2003 vereinbaren. Dieser Arzt gelangte zum Ergebnis, es liege ein Ganzkörperschmerzsyndrom vor, das seiner Ansicht nach viel eher einer somatoformen Schmerzstörung entspreche und streng genommen nicht der Definition eines Fibromyalgie-Syndroms genüge. Es handle sich bei diesem Krankheitsbild streng genommen nicht um eine rheumatologische Affektion, weshalb die Arbeitsfähigkeit hauptsächlich durch den Psychiater festgelegt werden sollte. Diese Aussage steht in keinem Widerspruch zu den Feststellungen des Dr. med. R.________, der erklärt hatte, er könne die angegebenen Beschwerden keinem einheitlichen rheumatologischen Krankheitsbild zuordnen. Dr. med. A.________ geht zwar von einem primären Fibromyalgie-Syndrom aus, stellt diese Diagnose aber in Kombination mit oder alternativ zu derjenigen einer somatoformen Schmerzstörung. Die Differenz zur Beurteilung durch Dr. med. J.________ ist im Wesentlichen terminologischer Art und dürfte darin gründen, dass der Begriff des Fibromyalgie-Syndroms nicht einheitlich verwendet wird. Der Bericht des Dr. med. A.________ bildet unter diesen Umständen keinen hinreichenden Anlass, die durch die MEDAS vorgenommene Zuordnung des Beschwerdebildes zum Bereich der psychischen Gesundheitsschädigungen (vgl. BGE 131 V 50 Erw. 1.2) in Frage zu stellen. 3.3 Mit Bezug auf den psychiatrischen Aspekt stellte der durch die MEDAS beigezogene Spezialarzt Dr. med. N.________ in seinem Bericht vom 26. Februar 2003 die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung (gegenwärtig leichtere bis mittelgradige Episode; ICD-10: F 33.0/33.1) sowie eines ausgeprägten Schmerzsyndroms. Diese Beurteilung stimmt überein mit den Feststellungen der Klinik Y.________ anlässlich der Hospitalisationen vom 23. Juni bis 31. Juli 2002 und vom 30. Dezember 2002 bis 23. Januar 2003. Dr. med. N.________ bezifferte die Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht für ausserhäusliche Tätigkeiten auf 50 % und für Haushaltarbeiten auf etwa 30 %. Im Vordergrund steht nach seiner Einschätzung die depressive Komponente. Die Schmerzsymptomatik wurde offensichtlich ebenfalls berücksichtigt, aber in ihren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nur geringfügig gewichtet. Dies ist mit Blick auf die durch die neuere Rechtsprechung entwickelten Grundsätze zur invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz somatoformer Schmerzstörungen (BGE 131 V 50 f. Erw. 1.2 mit Hinweisen) nicht zu beanstanden. Während die der psychischen Komorbidität zuzurechnenden Anteile im MEDAS-Gutachten berücksichtigt werden, sind die übrigen praxisgemäss relevanten Kriterien (BGE 131 V 50 f. Erw. 1.2) nicht in ausgeprägtem Mass erfüllt; demgegenüber spricht beispielsweise die vage Charakterisierung der angegebenen intensiven Schmerzen gegen die Annahme einer zusätzlichen invalidisierenden Gesundheitsschädigung. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die MEDAS diesem Aspekt des psychischen Beschwerdebildes bei der Bezifferung der Arbeitsunfähigkeit in relativ geringem Umfang Rechnung trug. Ebenso war es - auch unter Berücksichtigung des Zeugnisses des Dr. med. H.________ vom 18. Juni 2004 - zulässig, dass die Vorinstanz von weiteren diesbezüglichen Abklärungen absah. Auch letztinstanzlich können solche unterbleiben, da der relevante medizinische Sachverhalt durch das MEDAS-Gutachten vom 25. April 2003 hinreichend geklärt ist. Für eine nach diesem Zeitpunkt eingetretene Veränderung, welche bis zum Einspracheentscheid vom 15. März 2004 anspruchswirksam geworden wäre, bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte.