Citation: 6B_1119/2022 E. 2.2.4

2.2.4. Die Aussagen der Beschuldigten mit Bezug auf ihr eigenes Verhalten seien demgegenüber in wesentlichen Punkten, namentlich den umstrittenen Sachverhaltsfragen widersprüchlich, teilweise nachweislich falsch und wenig lebensecht, so die Vorinstanz weiter. Zudem hätten sie ihre Aussagen immer wieder dem Verfahrensstand angepasst. Hingegen hätten sie sich gegenseitig teilweise erheblich belastet. Dem sei grosses Gewicht beizumessen, da weder ein Motiv noch sachliche Gründe für Falschbelastungen ersichtlich seien. Die Beschuldigten hätten sich angesichts der ihnen von Anfang an vorgeworfenen mittäterschaftlichen resp. gehilfenschaftlichen Vorgehensweise im Gegenteil auch selbst belastet. Der Beschwerdeführer habe die Angaben zu seiner Rolle während den sexuellen Handlungen der andern im Laufe des Verfahrens mehrfach geändert. So habe er anfänglich bestritten, die Mitbeschuldigten gefilmt zu haben, dies aber einen Tag später eingeräumt; das Video habe er gelöscht. Nachdem er diese Einlassung in der Konfrontationseinvernahme sowie vor Erstinstanz noch bestätigt und gleichzeitig die Dauer des Videos relativiert habe, habe er vor Vorinstanz erneut kategorisch bestritten, überhaupt gefilmt zu haben. Dies stehe freilich in Widerspruch zu seinen früheren Angaben sowie denjenigen des Beschuldigten F.________. Ferner stünden die Aussagen der Beschuldigten zur angeblichen sexuellen Offenheit und dem behaupteten sexuell aktiven Verhalten der Beschwerdegegnerin 2 in diametralem Kontrast zum von ihr beschriebenen vollständig asexuellen Leben und den medizinischen Unterlagen. Auch habe kein Beschuldigter Umstände geschildert, welche ansatzweise ein ausdrückliches oder stillschweigendes Einverständnis der Beschwerdegegnerin 2 zu sexuellen Handlungen nahelegen könnten. Die Angaben der Beschuldigten liessen spezifische Realkennzeichen vermissen, die ein wahrgenommenes Einvernehmen plausibilisieren würden. Gleichzeitig hätten sie immer wieder durchblicken lassen, dass sie selbst Vorbehalte bezüglich ihrer Version gehegt hätten, wonach die sexuellen Handlungen seitens der Beschwerdegegnerin 2 freiwillig erfolgt seien. So habe etwa der Beschwerdeführer in Übereinstimmung mit F.________ erklärt, es sei schon möglich, dass die Beschwerdegegnerin 2 nie gesagt habe, sie wolle Sex. Auf die entsprechende Frage sei ihm weder ein Ja noch ein Nein erinnerlich. Insgesamt sei, so die Vorinstanz, allen Beschuldigten klar gewesen, dass die Beschwerdegegnerin 2 die Sexualkontakte nicht gewollt habe. Gegenüber D.________ habe sie dies verbal geäussert, aufgrund der inkriminierten Situation habe es aber auch den Mitbeschuldigten klar sein müssen. Gemäss Aussage von F.________ sei die Beschwerdegegnerin 2 apathisch gewesen. Sie habe nicht gewusst was sie getan habe, sei überfordert gewesen und habe sich bei den sexuellen Handlungen sehr schlecht gefühlt. Dazu passe die Wahrnehmung von E.________, wonach die Beschwerdegegnerin 2 einen "starren Gesichtsausdruck" gehabt habe und "komisch drauf" gewesen sei. Das Vorgehen von F.________ habe er zudem explizit als Vergewaltigung resp. als Zwang beschrieben. D.________ wiederum habe erhebliche Zweifel daran geäussert, dass die von E.________und F.________ vorgenommenen sexuellen Handlungen im Einvernehmen mit der Beschwerdegegnerin 2 erfolgt seien. E.________habe "ihren Willen gebrochen". Der Anklagesachverhalt mit Bezug auf den Vorwurf der gemeinschaftlichen Vergewaltigung und sexuellen Nötigung sei daher erstellt. Die Behauptung der Beschuldigten, wonach die Beschwerdegegnerin 2 aufgrund von Medikamenten widerstandsunfähig gewesen sei, werde durch das IRM-Gutachten widerlegt. Angesichts des koordinierten Vorgehens der Beschuldigten sei bei keinem von ihnen von einer massgeblichen Verminderung der Wahrnehmung resp. der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit auszugehen.