Citation: U 139/00 08.07.2002 E. 3

3.- In BGE 119 V 335, worin das Eidgenössische Versicherungsgericht die Rechtsprechung zur natürlichen Kausalität von Unfallfolgen nach Schleudertrauma der HWS zusammenfasste und sich mit der dazu ergangenen Kritik auseinandersetzte, begegnete es u.a. auch der Kritik, das Gericht habe sich die Formel "post hoc, ergo propter hoc" zu eigen gemacht. Es hielt diesbezüglich fest: "Auch bei Schleudermechanismen der HWS bilden zuallererst die medizinischen Fakten, wie die fachärztlichen Erhebungen über Anamnese, objektiven Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand usw. die massgeblichen Grundlagen für die Kausalitätsbeurteilung durch Verwaltung und Gerichtsinstanzen. Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen müssen somit durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein." (S. 340 Erw. 2b/aa). Dies bedeutet, dass es nicht genügt, das Vorliegen eines Schleudertraumas der HWS nachzuweisen, um dann eine Reihe von Beschwerden, auch wenn sie zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehören, dem Schleudertrauma zuzuschreiben, ohne dass untersucht werden dürfte, ob die einzelnen Beschwerden wirklich Folge des Schleudertraumas sind. Zwar können Beschwerden, die zum typischen Bild gehören, dem Schleudertrauma zugeordnet werden, wenn sie erst nachher aufgetreten sind und andere Ursachen nicht geltend gemacht werden oder sich nicht aufdrängen. Dem Versicherer muss es aber vorbehalten bleiben nachzuweisen, dass einzelne Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf das Schleudertrauma zurückzuführen sind (vgl. auch RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79). Der Einwand der Beschwerdeführerin, eine Unterteilung der verschiedenen Beschwerden widerspreche der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts, geht damit fehl. Dem in RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243 zitierten Urteil kann nichts anderes entnommen werden. Dieses betraf einen Fall, in welchem kein Anlass bestand, die einzelnen Komponenten des Beschwerdebildes daraufhin zu überprüfen, ob sie als natürliche Folgen des Schleudertraumas der HWS zu betrachten seien. Dass diese Prüfung nicht vorzunehmen sei, wenn der natürliche Kausalzusammenhang zwischen einzelnen Beschwerden und der Schleuderverletzung fraglich erscheint, wurde darin nicht gesagt.