Citation: 6B_1390/2021 E. 1.4.4

1.4.4. Auch in rechtlicher Hinsicht ist die vorinstanzliche Beurteilung nicht zu beanstanden. Unzutreffend ist zunächst der Einwand des Beschwerdeführers, die Vorinstanz verletze Bundesrecht, indem sie keine Massnahme für junge Erwachsene nach Art. 61 StGB anordne, obwohl deren Voraussetzungen erfüllt seien. Sowohl aus Art. 56a Abs. 1 StGB als auch aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip ergibt sich, dass im Falle mehrerer gleich geeigneter Massnahmen, die mildere Massnahme anzuordnen ist, sofern diese für den angestrebten Erfolg ausreicht bzw. nur eine Massnahme notwendig ist (vgl. E. 1.3.2 i.f. und E. 1.3.4). Vorliegend ist die eingriffsintensivere stationäre Massnahme für junge Erwachsene gegenüber der milderen ambulanten Massnahme subsidiär (vgl. Urteile 6B_633/2015 vom 12. Januar 2016 E. 4.3.2; 6B_440/2014 vom 14. Oktober 2014 E. 5.3). Massgebend für die Wahl der Massnahme ist grundsätzlich, welche Form der Behandlung für die optimale Erreichung des Massnahmenzwecks notwendig und geeignet ist. Auf die subjektive Meinung der betroffenen Person kommt es grundsätzlich ebenso wenig an, wie auf deren persönliche Empfindung (Urteile 6B_463/2016 vom 12. September 2016 E. 1.3.3; 6B_73/2015 vom 25. November 2015 E. 3.3.2; 6B_440/2014 vom 14. Oktober 2014 E. 5.6). Offenbleiben kann, ob die Voraussetzungen einer Massnahme für junge Erwachsene vorliegend erfüllt sind. Art. 61 Abs. 1 StGB setzt eine erhebliche Störung der Persönlichkeitsentwicklung voraus. Damit ist eine Störung des "altersspezifischen psychosozialen Reifungsprozesses" gemeint. Anderweitig begründete Persönlichkeitsstörungen werden von Art. 61 StGB nicht erfasst (vgl. Urteil 6B_105/2021 vom 29. November 2021 E. 2.3.2 mit Hinweis auf: STRATENWERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II: Strafen und Massnahmen, 3. Aufl. 2020, § 10 Rz. 10; WOLFGANG WOHLERS, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. Aufl. 2020, N. 3 zu Art. 61 StGB; siehe auch: MARIANNE HEER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd. I, 4. Aufl. 2019, N. 26 f. zu Art. 61 StGB). Unklar ist damit auch, ob eine Massnahme für junge Erwachsene geeignet wäre, um die Rückfallgefahr zu reduzieren. Jedenfalls verletzt die Vorinstanz kein Bundesrecht, indem sie gestützt auf das Gutachten zum Schluss gelangt, eine ambulante Massnahme mit einleitender stationärer Behandlung sei geeignet, um der Gefahr weiterer mit der psychischen Störung des Beschwerdeführers in Zusammenhang stehender Taten zu begegnen. Da diese als mildere Massnahme gemäss der Einschätzung des Sachverständigen zur Erreichung des angestrebten Erfolgs ausreicht, ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz eine stationäre Massnahme (für junge Erwachsene) zurzeit nicht als verhältnismässig erachtet. Unter diesen Umständen darf sie von einer vertieften Prüfung der Verhältnismässigkeit einer stationären Massnahme absehen. An dieser Beurteilung ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer ausdrücklich eine Massnahme für junge Erwachsene wünscht. Wie bereits ausgeführt, sind für die Wahl der Massnahme objektive Kriterien massgebend, auf die subjektive Meinung der betroffenen Person kommt es hingegen nicht an. Vorliegend wird der Wunsch des Beschwerdeführers nach einem geschlossenen Rahmen zumindest insofern berücksichtigt, als die ambulante Behandlung stationär eingeleitet wird. Es ist erfreulich, dass der Beschwerdeführer mittlerweile gewillt ist, sein Leben zu ändern und eine therapeutische Behandlung zu absolvieren. Auch erscheint nachvollziehbar, weshalb er der Ansicht ist, dass eine Massnahme für junge Erwachsene für ihn sinnvoll wäre. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass nach den gutachterlichen Ausführungen auch eine ambulante Behandlung geeignet ist, ihm die nötige Stabilität und Struktur zu geben. Es wird Aufgabe der Vollzugsbehörde sein, die gutachterlichen Empfehlungen umzusetzen und neben einer deliktsorientierten Psychotherapie auch um die berufliche Integration, das prosoziale Umfeld und die Strukturierung der Freizeit besorgt zu sein (vgl. Gutachten vom 20. Dezember 2018, kantonale Akten, act. 401 und 404). Sollte sich die ambulante Behandlung im Verlaufe des Massnahmenvollzugs als unzureichend erweisen und aufgehoben werden müssen (vgl. Art. 63a Abs. 2 f. StGB), wird die Frage, ob die Voraussetzungen einer stationären Massnahme (für junge Erwachsene) erfüllt sind, im Rahmen eines allfälligen selbstständigen nachträglichen Verfahrens zu beurteilen sein (vgl. Art. 63b Abs. 2 und 5 StGB; Art. 363 ff. StPO).