Citation: 6B_221/2009 02.09.2009 E. 5.4

5.4.1 Entlang dem asphaltierten Strässchen, welches die Familie A.________ benützte, sind mehrere Warntafeln aufgestellt. Eine solche Tafel ist, wenige Meter vom Strässchen entfernt, auch an der Stelle angebracht, an welcher die Familie A.________ das asphaltierte Strässchen verliess, um zum Bachbett zu gelangen. Auf diesen ziemlich grossen, dunkelgelb gefärbten Tafeln ist ein dreieckiges Signal aufgemalt, welches einem Gefahrensignal entspricht. Auf den drei rot bemalten Seiten des Signals steht in weisser Schrift "Vorsicht!" beziehungsweise "Attention!" respektive "Attenzione!". In diesem Signal sind auf weissem Grund ein Totenschädel mit gekreuzten Knochen und darunter eine stilisierte Wasserwelle gezeichnet, vor welcher ein Männchen ängstlich zurückschauend davonrennt. Unter diesem Signal steht auf der Tafel in relativ kleiner Schrift geschrieben: "GEFAHR.... Es ist gefährlich, sich im Flussbett aufzuhalten. Der Betrieb der Wasserkraftanlage kann das Wasser jederzeit und plötzlich anschwellen lassen." Diese Warnung steht auf den Tafeln auch in französischer, italienischer und englischer Sprache geschrieben. Auf den Warntafeln steht zudem oben links und oben rechts in französischer und in deutscher Sprache geschrieben: "Aussi par beau temps"; "Auch bei schönem Wetter". Diese Warntafeln sind als Sicherheitsvorkehrungen jedenfalls nicht schon deshalb ungenügend, weil A.A.________ die Warntafel gemäss seinen von der Vorinstanz als glaubhaft erachteten Aussagen nicht "wahrnahm" beziehungsweise nicht "beachtete". Unerheblich ist insoweit grundsätzlich auch der Umstand, dass sich erfahrungsgemäss immer wieder Personen ungeachtet der Warntafeln im Bachbett aufhalten. Dieser Umstand könnte allerdings ein Indiz dafür sein, dass die Warntafeln in ihrer konkreten Ausgestaltung das tatsächliche Ausmass der Gefahr nicht deutlich und eindringlich genug vor Augen führen. Der Betrachter der Warntafel könnte den Eindruck gewinnen, dass der Aufenthalt im Bachbett nicht grundsätzlich verboten sei, dass aber beim jederzeit möglichen, plötzlichen Anschwellen des Wassers infolge des Betriebs der Wasserkraftanlage das Bachbett möglichst rasch verlassen werden müsse, da andernfalls die Gefahr bestehe, von den Wassermassen erfasst und mitgerissen zu werden. Der Betrachter kann zudem angesichts der örtlichen Gegebenheiten im Bereich der Unfallstelle den Eindruck gewinnen, dass er die herannahenden Wassermassen früh genug hören und sehen werde und ihm daher bei der gebotenen Eile genügend Zeit bleibe, das Bachbett zu verlassen, zumal das Gefälle im Bereich der Unfallstelle relativ gering ist. 5.4.2 Warnungen vor der Gefahr waren nicht nur auf den insgesamt 14 Tafeln enthalten, die zwischen Fiesch und dem Weiler "Gere" aufgestellt waren, sondern wurden auch in anderen Formen verbreitet. In einer schriftlichen "Bekanntmachung" vom 10. April 2003, die von den Verantwortlichen der GWK an sämtliche Konzessionsgemeinden und auch die Gemeinde Fiesch sowie die Tourismusbüros dieser Gemeinden versandt wurde, wurden die Adressaten gebeten, den Inhalt der Bekanntmachung der Bevölkerung und den Gästen zur Kenntnis zu bringen. In der Bekanntmachung wurde unter dem Titel "Gefahr in Wasserläufen, die von Wasserkraftgesellschaften genutzt werden" unter anderem darauf aufmerksam gemacht, dass durch den Betrieb der Wasserkraftanlagen jederzeit mit einem plötzlichen Wasseranstieg in Bächen und Flüssen gerechnet werden muss, dass der Aufenthalt in den Wasserläufen deshalb unbedingt zu vermeiden ist und dass entlang der Flüsse Schwall-Warntafeln auf die ständige Gefahr aufmerksam machen. Am 16. Juli 2003 stellte die GKW den vorstehend genannten Adressaten ein weiteres Schreiben unter dem Titel "Information der Öffentlichkeit über die Gefahren bei Wasserläufen" zu. Darin wurden die Adressaten gebeten, die beigelegten Warnplakate und Flyer an die "Gemeindeverwaltung, Schulen, Kirche, Vereine, Post und Sport- und Fischer-Artikel-Geschäfte" sowie an "Verkehrsbüro, Camping, Bergführerbüro, Berghütten, Hotels und Sport- und Abenteuer-Zentren" zu verteilen. Auf den Plakaten mit der Aufschrift "ATTENTION!" und der Abbildung einer gelben Warntafel wurden "Touristen, Wanderer, Sportler, Fischer" in vier Sprachen darauf hingewiesen, dass diese gelben Warntafeln sie "auf die STÄNDIGE GEFAHR im Flussbett und an den Ufern der Wasserläufe unterhalb der Stauanlagen oder Wasserfassungen aufmerksam" machen. Die beschriebenen Informationen sind angesichts ihrer weitverzweigten Verbreitung für den durchschnittlichen Touristen, der im Kanton Wallis in den Ferien weilt, schwerlich zu übersehen. Hingegen dürfte ein Tourist, der sich nur für einen Tagesausflug im Kanton Wallis aufhält, von diesen Informationen kaum Kenntnis nehmen. 5.4.3 Der Zugang zum Bachbett im Bereich der Unfallstelle ist durch dichtes Gestrüpp erschwert. Dieses wird jedoch, da es naturgemäss gewachsen ist, von den Passanten nicht als eine Absperrung empfunden, welche den Zugang zum Bachbett wegen der darin lauernden Gefahr verhindern soll. Daher ist es entgegen der Meinung der Beschwerdeführer unerheblich, dass sich die Mitglieder der Familie A.________ durch dichtes Ufergestrüpp zwängen mussten, um zum Bachbett zu gelangen. 5.5 Ob unter den gegebenen Umständen von einer eigenverantwortlichen Selbstgefährdung der Betroffenen auszugehen ist, wie die Beschwerdeführer meinen, muss hier indessen nicht abschliessend entschieden werden, da die Beschwerdeführer jedenfalls aus nachstehenden Gründen (siehe E. 6 hiernach) den Tatbestand der fahrlässigen Tötung nicht erfüllt haben.