Citation: U 54/03 17.12.2003 E. 6

Es steht ausser Frage, dass körperliche Unfallfolgen bestehen und inwiefern diese sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Darauf braucht hier nicht näher eingegangen zu werden. Im Weitern ist unter den Verfahrensbeteiligten grundsätzlich unbestritten, dass der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 17. Januar 1997 und den geklagten psychischen Beschwerden nicht schlüssig bejaht oder verneint werden kann. Das im Rahmen des IV-Verfahrens erstellte MEDAS-Gutachten vom 14. November 2000 bildet keine hinreichende Beurteilungsgrundlage. Nach sinngemässer Auffassung des kantonalen Gerichts braucht nicht geprüft zu werden, ob die psychischen Beeinträchtigungen natürlich kausale Folge des Ereignisses vom 17. Januar 1997 sind, weil es in Bezug auf die Anpassungsstörung am adäquaten Kausalzusammenhang fehle. 6.1 Für die Beurteilung der Unfalladäquanz psychischer Fehlentwicklungen nach Unfall sind grundsätzlich alle Umstände von Bedeutung, die einen Bezug zum schädigenden Ereignis haben und die objektiv nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet sind, allein oder im Zusammenwirken eine psychische Fehlentwicklung auszulösen (vgl. BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Dabei fallen bei den gesundheitlichen Folgen des Unfalles lediglich Faktoren physischer Natur in Betracht. Dauerschmerzen und Arbeitsunfähigkeit im Besonderen, soweit psychisch bedingt, haben unberücksichtigt zu bleiben (Urteil D. vom 29. August 2003 [U 371/02] Erw. 3.2.2.3). 6.2 Die Vorinstanz erachtet von den wichtigsten Kriterien, welche nach der Rechtsprechung bei Unfällen aus dem mittleren Bereich in die Adäquanzbeurteilung einzubeziehen sind, die ersten drei sowie das fünfte als nicht gegeben (vgl. BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Das ist bis auf das Kriterium «besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles» unangefochten geblieben. Es besteht auf Grund der Akten kein Anlass, darauf näher einzugehen (BGE 125 V 415 Erw. 1b und 417 oben). Den Kriterien «körperliche Dauerschmerzen», «schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen» sowie «Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit» erkennt das kantonale Gericht zwar eine gewisse Bedeutung zu. Bei der Gesamtwürdigung misst sie ihnen indessen kein besonderes Gewicht bei. 6.2.1 Die Vorinstanz hat körperliche Dauerschmerzen weder klar bejaht noch verneint. Soweit sie bestünden, komme ihnen angesichts der von den MEDAS-Ärzten geäusserten Zweifel in Bezug auf die Echtheit gewisser Symptome im Rahmen der Adäquanzbeurteilung keine massgebende Bedeutung zu. Ob körperliche Dauerschmerzen bestehen und welches Gewicht ihnen beizumessen ist, kann aufgrund der Akten nicht gesagt werden. Es kommt entscheidend darauf an, ob psychische Beschwerden von Krankheitswert gegeben sind, welche das Schmerzverhalten in einer nicht dem Unfall zurechenbaren Weise beeinflussen. Diese Frage ist, wie dargelegt, nicht genügend abgeklärt (Erw. 6). 6.2.2 Das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und erheblichen Komplikationen hat die Vorinstanz zu Recht unter Hinweis darauf bejaht, dass nach der operativen Erstbehandlung der Vorderarmfraktur wegen einer Pseudarthrose sowie einer Nervenläsion zwei weitere Eingriffe notwendig waren. Entgegen dem kantonalen Gericht besteht kein Anlass, dieses Merkmal bei der Adäquanzprüfung nicht voll zu gewichten. Es ist zu berücksichtigen, dass nach der Reosteosynthese vom 8. Juli 1997 eine ausgeprägte Atrophie des ganzen Armes rechts bestand. Hauptproblem bildeten die Weichteile mit den Vernarbungen, eine Teilparese des Nervus medianus und ulnaris rechts Hand und die ausgeprägte Schwäche in der Hand (Berichte Dr. med. S.________ vom 8. September und 27. Oktober 1997 sowie vom 3. Februar 1998). Sodann kam es auch nach der dritten Operation des Carpaltunnels vom 27. März 1998 zu neurologischen Ausfällen und zu allerdings nur bedingt objektivierbaren Sensibilitätsstörungen. Ebenfalls bestand noch im Dezember 1998 eine deutliche Atrophie der Vorderarm-Muskulatur dorsal und eine Druckdolenz dorsoradial (Berichte Dr. med. S.________ vom 11. Mai und 9. Dezember 1998 sowie Kreisarzt Dr. med. B.________ vom 17. August 1998). Dass der letzte Eingriff bereits 14 Monate nach dem Unfall stattfand, betrifft im Übrigen die Dauer der ärztlichen Behandlung. 6.2.3 Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit hat das kantonale Gericht deshalb kein besonderes Gewicht beigemessen, weil der Beschwerdeführer nach Jahresfrist zu 50 %, später zu 75 % resp. zu 100 % für eine leidensangepasste Tätigkeit als arbeitsfähig gegolten habe. Diese Betrachtungsweise verkennt, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu Recht eingewendet wird, dass nach der Gerichtspraxis bei diesem Kriterium eine dauernde und vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ebenfalls zu berücksichtigen ist. Es ist an dieser Stelle auf die in RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff. dargestellte Kasuistik zu verweisen. Es steht fest, dass der Beschwerdeführer bei Erlass des Einspracheentscheides vom 6. April 2001 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als «2. Gehilfe Papiermaschine 4» aus somatischen Gründen immer noch arbeitsunfähig war. Das Adäquanzkriterium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist somit zu bejahen und bei der Gesamtwürdigung grundsätzlich voll in Anschlag zu bringen. 6.2.4 Im Lichte des Vorstehenden kann schliesslich dem genauen Unfallhergang nicht jegliche Bedeutung für die Adäquanzbeurteilung abgesprochen werden. Auf diesen Punkt sowie die diesbezüglichen Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde braucht hier indessen nicht näher eingegangen zu werden. Immerhin ist festzustellen, dass entgegen dem kantonalen Gericht zumindest einem Augenschein nicht von vornherein jegliche Beweistauglichkeit abgesprochen werden kann. 6.3 Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob psychische Beeinträchtigungen gegeben sind, welche in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 17. Januar 1997 stehen. Dies ist schon deshalb geboten, weil die Adäquanz zwischen Unfall und einer allfällig auf diesen zurückzuführenden psychischen Fehlentwicklung - wie vorstehend ausgeführt - nicht klar verneint werden kann. Die SUVA wird daher ein psychiatrisches Gutachten einzuholen haben. Dieses hat sich dazu zu äussern, ob psychische Beschwerden von Krankheitswert gegeben sind, ob sie in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 17. Januar 1997 stehen und allenfalls inwiefern sie sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Je nach dem wird der Unfallversicherer weitere Beweise, u.a. Augenschein, erheben. Anschliessend wird die SUVA über den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung neu verfügen.