Citation: 6B_966/2022 E. 3.4.1

3.4.1. Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz zunächst vor, sie habe verschiedene Widersprüche in den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 bei deren Würdigung nicht berücksichtigt. Es trifft zu, dass die vorinstanzliche Aussagen- und Beweiswürdigung in Zusammenhang mit dem Vergewaltigungsvorwurf eher kurz ausfällt und sich die Vorinstanz nicht mit jedem Widerspruch in den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 detailliert auseinandersetzt. Jedoch übersieht die Vorinstanz nicht, dass einige Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 als übertrieben oder widersprüchlich interpretiert werden könnten. Sie hält diesbezüglich fest, die Beschwerdegegnerin 2 habe beispielsweise angegeben, der Beschwerdeführer habe sie "immer" sexuell belästigt, "jeden Abend" Geschlechtsverkehr gewollt und es habe jeweils von 22.00 bis 03.00 Uhr gedauert. Indes beziehe sich der Vorwurf - so die Vorinstanz weiter - auf eine Vielzahl von einzelnen Tathandlungen über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr. "Immer" beschreibe im allgemeinen Sprachgebrauch eine Regelmässigkeit und zeuge vorliegend nicht unbedingt von Übertreibung. Aus demselben Grund seien die von der ersten Instanz angeführten Widersprüche zu den praktizierten Stellungen gesucht. Die Beschwerdegegnerin 2 habe zunächst erklärt, sie sei meistens auf dem Beschwerdeführer gelegen, da er sehr schwer sei, aber nicht immer - manchmal sei es auch umgekehrt gewesen. Dass sie vor der ersten Instanz auf Frage hin ausgesagt habe, sie sei auf dem Rücken und er auf ihr gelegen, sei kein Widerspruch. Bei einer derartigen Vielzahl von einzelnen Tathandlungen könne nicht erwartet werden, dass jeder Vorfall im Detail beschrieben werde, da nicht jeder Vorfall identisch abgelaufen sei. Das den einzelnen Tathandlungen zugrunde liegende Muster habe die Beschwerdegegnerin 2 auf jeden Fall nachvollziehbar und lebensnah beschrieben (Urteil S. 14). Was die Verwendung des Begriffs "immer" betrifft, mag die Erklärung der Vorinstanz zunächst etwas unverständlich wirken. Allerdings ist ihre Interpretation nach der Lektüre der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 nachvollziehbar. Es fällt auf, dass diese den Begriff "immer" häufig und nicht stets im Sinne von "ständig", "dauernd" bzw. "jederzeit" verwendet. Die Vorinstanz verfällt nicht in Willkür, wenn sie davon ausgeht, die Beschwerdegegnerin 2 wolle mit dem wiederholten Einsatz des Begriffs "immer" eine gewisse Regelmässigkeit zum Ausdruck bringen. Damit ist auch nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz nicht näher auf die Aussage eingeht, wonach der Beschwerdeführer "immer eine Erektion" bzw. "immer einen Steifen" gehabt habe (vgl. Beschwerde S. 15). Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers begründet die Vorinstanz auch, weshalb die Ausdrücke "jeden Abend" und die angegebene Dauer keine Übertreibungen seien. Sie geht sinngemäss davon aus, dass es sich dabei um eine gewisse Pauschalisierung bzw. Zusammenfassung handelt und bei einer derartigen Vielzahl von Tathandlungen nicht erwartet werden könne, dass jeder Vorfall im Detail beschrieben werde. Diese Einschätzung ist unter Willkürgesichtspunkten vertretbar. Aus den vorstehend wiedergegebenen Ausführungen der Vorinstanz ergibt sich sodann, dass diese sich mit den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 zu den praktizierten Stellungen auseinandersetzt und darin keinen Widerspruch erkennt. Der Beschwerdeführer zeigt weder auf noch ist ersichtlich, dass diese Einschätzung willkürlich ist. Er macht geltend, es sei widersprüchlich, wenn die Beschwerdegegnerin 2 einerseits angebe, sie habe "nie Freude am Sex gehabt" bzw. sei "immer gezwungen worden" und sie sei "meistens oben gewesen", und sie andererseits ausführe, sie sei oben gewesen, wenn sie "auch gewollt habe", er sonst aber "zu ihr gekommen und ihre Unterhose zerrissen habe" (vgl. Beschwerde S. 15). Diesbezüglich fällt zunächst auf, dass der Beschwerdeführer die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 nicht korrekt bzw. zumindest nicht wörtlich zitiert. Jedenfalls hat die Beschwerdegegnerin 2 an den von ihm angegebenen Stellen nicht ausgesagt, sie sei "immer gezwungen worden" (vgl. kantonale Akten, pag. 762 Z. 33-60, pag. 768 Z. 246-270). Auch gab sie an, dass der Beschwerdeführer an ihrer Unterhose gerissen habe, wenn er zu ihr gekommen sei und sie gezwungen habe (vgl. kantonale Akten, pag. 769 Z. 281-285). Dass er ihre Unterhose zerrissen habe, erwähnt sie - soweit ersichtlich - einzig hinsichtlich eines Vorfalls (siehe hierzu auch E. 3.4.5). Unabhängig davon mag zutreffen, dass die Beschwerdegegnerin 2 zunächst in freier Erzählung eher allgemeine und pauschale Angaben gemacht hat. Auf konkrete Nachfrage hin hat sie jedoch in der Folge klar zwischen freiwilligem und erzwungenem Geschlechtsverkehr unterschieden. Folglich ist auch in diesem Punkt kein unauflösbarer Widerspruch in ihren Aussagen ersichtlich.