Citation: 5C.57/2004 02.09.2004 E. 2

Die Berufung richtet sich ausschliesslich gegen die Schadenersatzbemessung, d.h. gegen die angeordnete Reduktion des Schadenersatzes. 2.1 In diesem Zusammenhang hat das Obergericht festgehalten, dass neben den zur Hauptsache schadenstiftenden "U.________"-Artikeln weitere Ursachen zur Verschlimmerung des Schadens beigetragen hätten. Als von menschlichem Verhalten unabhängiges Ereignis, d.h. als Zufall, könnten die allgemeine Rezession, die anfangs der Neunzigerjahre eingesetzt habe, und die Restrukturierungstendenzen im Bankgewerbe bezeichnet werden. Im Schaffen eines Basisrisikos der Stellenlosigkeit, das nach dem Auflösen eines Arbeitsverhältnisses immer bestehe, solange ein neues Anstellungsverhältnis nicht begründet sei, und im "Risikoprofil" (Alter des Klägers; Tätigkeit bei einer Auslandbank; gehobene Position und entsprechend hohe Gehaltsansprüche) seien sodann Faktoren zu erblicken, für die der Kläger selbst einzustehen habe. Ganz am Anfang, bis zum Ausstellen des sogenannten Persilscheins, habe als Umstand eigener Art auch noch das Verfahren vor der Eidgenössischen Bankenkommission mitgespielt. Bei einer Würdigung all dieser Momente ergebe sich, dass zu Anfang sicher die "U.________"-Artikel und der darauf beruhende Image- und Vertrauensverlust das Hauptgewicht an der Schadensverursachung getragen hätten. Im Laufe der Zeit dürften dann aber wohl die weiteren Mitursachen an Gewicht gewonnen haben. In welchem Umfang diese zum Schaden beigetragen hätten, lasse sich letztlich nicht genau feststellen, sondern müsse geschätzt werden. Es rechtfertige sich, die genannten zusätzlichen Ursachen insgesamt mit einem Drittel zu gewichten. Von der ermittelten Schadensumme von Fr. 1'120'000.-- hat die Vorinstanz deshalb Fr. 370'000.-- in Abzug gebracht und dem Kläger Fr. 750'000.-- zugesprochen. 2.2 In der Herabsetzung des von der Beklagten zu zahlenden Schadenersatzes erblickt der Kläger einen Verstoss gegen die Art. 43 und 44 OR. Er weist darauf hin, dass er mit der A.________ AG die Auflösung des Dienstverhältnisses vereinbart gehabt habe und daran gewesen sei, die Konditionen seines Ausscheidens auszuhandeln, als er bereits den Eintritt in die Geschäftsleitung einer andern Bank in Aussicht gehabt habe. Mitten in diese Verhandlungen seien die unwahren Beschuldigungen in der Zeitschrift der Beklagten geplatzt, die seine wirtschaftliche Situation und seine beruflichen Aussichten völlig vernichtet hätten. Die Privatbank, mit der er in Verbindung gestanden habe, habe nach dem Erscheinen der ersten Artikel ihre Anstellungsabsicht fallen lassen müssen. Ohne die beiden Artikel hätte bei seinen persönlichen und beruflichen Qualifikationen kein Risiko der Stellenlosigkeit bestanden. Vielmehr hätte er mit einer zumindest gleichwertigen Anstellung rechnen können, zumal er mit besten Referenzen aus der A.________ AG ausgeschieden sei. Selbst wenn ein geringes Risiko der Stellenlosigkeit bestanden haben sollte und das sogenannte Risikoprofil nicht gänzlich verneint werden wollte, hätten diese Risiken angesichts der schwerwiegenden diskriminierenden Behauptungen des Zeitungsorgans der Beklagten jegliche Bedeutung verloren. Er sei wegen der Zeitungsartikel derart desavouiert gewesen, dass er in der Folge nicht einmal die Chance gehabt habe, überhaupt zu einem Anstellungsgespräch zugelassen zu werden. Zu dem von der Vorinstanz als Reduktionsfaktor berücksichtigten persönlichen Risikoprofil wendet der Kläger ferner ein, es sei auf den Zeitpunkt des Erscheinens der Zeitungsartikel, und nicht auf spätere Entwicklungen, abzustellen. Er sei damals mit seinen 50 Jahren im besten Alter für eine geschäftsleitende Funktion gewesen. Weshalb der Umstand, dass er bei einer Auslandbank beschäftigt gewesen sei, zum Risikoprofil gezählt werde, d.h. zur Verschlimmerung des Schadens beigetragen haben soll, sei nicht dargelegt worden und auch nicht ersichtlich. Was seine Gehaltserwartungen anbelange, so hätten diese sich im Mittel der allgemeinen Verhältnisse für Geschäftsleitungsmitglieder bewegt und somit kein besonderes Risiko darstellen können. Die angebliche den Schaden verschlimmernde Rezession müsse bei der Bemessung des Schadenersatzes ausser Acht bleiben, weil die dadurch bedingte, rückläufige Lohnentwicklung bis zuletzt bereits in der Schadensberechnung berücksichtigt worden sei und nicht ein zweites Mal als Kürzungsfaktor dienen dürfe. Es erscheine unter sämtlichen angeführten Gesichtspunkten unbillig, den unter dem Titel "Risikoprofil des Klägers" verpackten Umständen den Charakter eines rechtserheblichen, den Schaden mitverursachenden und verschlimmernden Faktors beizumessen. Auf jeden Fall sei das Ausmass von einem Drittel des Gesamtschadens unzulässig hoch, wenn überhaupt von einer adäquaten Kausalität ausgegangen werden könne. Der Kläger wehrt sich ausserdem dagegen, dass das Verfahren vor der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) seine Aussichten auf eine neue Arbeitsstelle beeinträchtigt haben soll. Die Quelle, die "U.________" den Stoff für den skandalträchtigen Artikel geliefert habe, habe dieselben Anschuldigungen auch der EBK vorgetragen. Letztere habe nach pflichtgemässer Prüfung deren Haltlosigkeit festgestellt. Nach den Vorbringen des Klägers wären diese Abklärungen nicht an die Öffentlichkeit gedrungen und auch nicht zu den für eine allfällige Anstellung in Frage kommenden einschlägigen Finanzkreisen gelangt, wenn nicht im "U.________"-Artikel weit Schlimmeres berichtet worden wäre. Der sogenannte Persilschein sei auf sein ausdrückliches Beharren ausgestellt worden, weil die Abklärungen zu den anschuldigenden Behauptungen erst durch den Zeitungsartikel in der Öffentlichkeit bekannt geworden seien und die EBK zu solchen Verfahren keine Stellung zu nehmen pflege. Abschliessend hält der Kläger dafür, dass all die vom Obergericht bei der Bemessung des Schadenersatzes angeführten Reduktionsfaktoren in guten Treuen und nach den Grundsätzen der Billigkeit nicht in Rechnung gestellt und auch nicht als adäquate Teilursachen des Gesamtschadens angesehen werden könnten. Die Hauptursache, nämlich die "U.________"-Artikel, habe die erwähnten Faktoren derart überlagert, dass diese gar nicht berücksichtigt werden könnten, schon gar nicht im Ausmass von einem Drittel des Schadens.