Citation: 1P.465/2003 27.08.2003 E. 3

Der Beschwerdeführer bestreitet nicht den hinreichenden Tatverdacht in Bezug auf die ihm vorgeworfenen Messerstiche, wohl aber das Vorliegen der Fluchtgefahr. In diesem Zusammenhang wirft er dem Haftrichter vor, den massgeblichen Sachverhalt willkürlich festgestellt zu haben. 3.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts wird für die Annahme der Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit gefordert, dass sich der Angeschuldigte, wenn er in Freiheit wäre, der Strafverfolgung und dem Vollzug der Strafe durch Flucht entziehen würde. Die Schwere der drohenden Strafe darf als Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden. Sie genügt für sich allein jedoch nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die gesamten Verhältnisse des Angeschuldigten in Betracht gezogen und konkrete Gründe dargetan werden, die eine Flucht nicht nur als möglich, sondern als wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Höhe der zu erwartenden Freiheitsstrafe kann immer nur neben anderen, eine Flucht begünstigenden Tatsachen herangezogen werden (BGE 125 I 60 E. 3a S. 62; 117 Ia 69 E. 4a S. 70; 108 Ia 64 E. 3 S. 67). Willkürlich ist ein Entscheid nicht schon dann, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst dann, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (BGE 128 II 259 E. 5 S. 280 f.; 127 I 60 E. 5a S. 70, je mit Hinweisen). Willkür in der Tatsachenfeststellung ist nicht nur gegeben, wenn entscheiderhebliche tatsächliche Feststellungen offensichtlich falsch sind. Ebenso unhaltbar ist es, wenn eine Behörde Sachverhaltselementen Rechnung trägt, die keinerlei Bedeutung haben, oder entscheidende Tatsachen ausser Acht lässt (BGE 100 Ia 305 E. 3b S. 307). 3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Feststellung des Haftrichters, wonach seine Verwandtschaft in Brasilien lebe, sei nicht haltbar. Seine älteste Schwester A.Z.________ lebe seit längerer Zeit in der Schweiz, genauer - wie auch seine Ehefrau - in Dübendorf. Diese Schwester stelle für ihn eine äusserst wichtige Bezugsperson dar. So habe es auf der Hand gelegen, dass er jeweils bei ihr Unterschlupf gefunden habe, wenn es "in seiner Ehe nicht harmoniert" habe. Richtig sei, dass seine Mutter wie auch sein jüngerer Bruder in Brasilien leben; der Vater sei bereits verstorben. 3.3 Der Beschwerdeführer hat bereits anlässlich der Einvernahme zur Person vom 18. März 2003 angegeben, eine Schwester - sie heisse A.Z.________ - wohne in Dübendorf und sei Hausfrau. Gegenüber dem Gutachter hat er ergänzend ausgeführt, sie sei mit B.Z.________ verheiratet. Sie habe zwei Kinder im Alter von 14 und vier Jahren. Auf Einladung seiner Schwester hin sei er zum ersten Mal in die Schweiz gekommen; sie sei auch seine Trauzeugin gewesen. Auf die ehelichen Auseinandersetzungen angesprochen hat der Beschuldigte angegeben, er sei zu seiner Schwester gegangen, nachdem ihm seine Frau ihre Wohnung verboten habe. Zwischen Neujahr und Februar 2003 habe er seine Tochter zwei Samstage zu A.Z.________ in deren Wohnung genommen. Nachdem er die ersten Hinweise auf ein Verhältnis seiner Frau mit dem späteren Opfer erhalten habe, sei seine Schwester die einzige Person gewesen, mit der er sich habe aussprechen können. B.Z.________, der Schwager des Beschwerdeführers, hat dessen Aussagen auf Frage des Gutachters dahingehend bestätigt, dass dieser immer wieder, insgesamt sicher ein Jahr lang, bei ihnen gewohnt habe. Zu diesen Angaben hat die Bezirksanwaltschaft V nicht Stellung genommen. 3.4 Nach dem Gesagten erweist sich die Sachverhaltsfeststellung des Haftrichters, die Verwandtschaft des Angeschuldigten lebe in Brasilien, als unhaltbar. Dies könnte ohne Folgen bleiben, wenn die getroffene Feststellung für das Haftprüfungsverfahren unerheblich wäre. So verhält es sich hier aber nicht. Nachdem der Haftrichter die Kollusionsgefahr im Gegensatz zu früheren Verfügungen ausdrücklich verneint hatte, blieb einzig die Fluchtgefahr als Entscheidthema. Dabei ist der Haftprüfungsentscheid in jedem einzelnen Fall aufgrund der Würdigung der gesamten Umstände des konkreten Falles zu treffen (E. 3.1 hiervor; Robert Hauser/Erhard Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 5.Auflage, Basel 2002, §68 Rz.12). Als konkretes Indiz für Fluchtgefahr ist dabei zu bewerten, wenn der Inhaftierte in der Schweiz weder verwandtschaftliche noch enge freundschaftliche Bindungen hat (Andreas Donatsch, in: Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 1996 ff., § 58 Rz. 33). Im Umkehrschluss sind wichtige Bezugspersonen in der Schweiz zugunsten des Angeschuldigten zu berücksichtigen. Dies gilt auch für die Schwester des Beschwerdeführers im vorliegenden Fall.