Citation: 1P.422/2005 19.10.2005 E. 4

4.1 Nach der Überzeugung des Kantonsgerichts (angefochtenes Urteil E. 8 S. 44 ff.) hat der Beschwerdeführer zusammen mit X.________ und C.________ am 28. Oktober 2002, um etwa 22:50 Uhr, das Restaurant "B.________" in Binningen aufgesucht. Sie konsumierten verschiedene Getränke und verliessen das Lokal um ca. 23:20 Uhr. Der Wirt, Y.________, hielt sich während dieser Zeit in seiner über dem Restaurant gelegenen Wohnung auf. Grujic ging dann zu seinem Auto, während der Beschwerdeführer und X.________, beide mit Faustfeuerwaffen bewaffnet, nach der Verabschiedung Grujics in der Nähe des Restaurants warteten bzw. dorthin zurückkehrten. Gegen 23:30 trat Y.________ auf den Vorplatz seines Restaurants, um die Menükarte im Schaukasten zu wechseln. Er wurde vom Beschwerdeführer und X.________ angesprochen und gefragt, ob es noch etwas zu trinken gäbe. Y.________ verneinte und erklärte, das "Highspeed" sei noch geöffnet. Unmittelbar nach der Frage, wie man dorthin komme, hielt der Beschwerdeführer oder X.________ Y.________ eine Faustfeuerwaffe an die rechte Schläfe und forderte seinen Komplizen auf, Y.________ ins Knie zu schiessen. Darauf feuerten der Beschwerdeführer und X.________ in kurzer Folge aus zwei verschiedenen Waffen drei Schüsse auf Y.________ ab, wodurch dieser lebensgefährlich verletzt wurde. Nach der Tat rief einer der Täter per Handy Grujic an, und forderte ihn auf, sie mit dem Auto abzuholen, was dieser tat. 4.2 Der Verteidiger des Beschwerdeführers brachte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vor, Y.________ habe sich in seinem Lokal aufgehalten, als der Beschwerdeführer, X.________ und Grujic dieses vor der Tat betreten hätten, und sei von einem von ihnen mit "Hallo Wolfi" oder ähnlich begrüsst worden, wie D.________ ausgesagt habe. Gestützt darauf stellte er dann die Hypothese auf, dass sich Opfer und Täter kannten, und dass sich das Opfer nicht vor die Tür begeben hatte, um die Menükarte zu wechseln, sondern um mit einer unter den Kleidern versteckten Faustfeuerwaffe nachzusehen, ob sich die drei Gäste wirklich entfernt hätten. Als Reaktion auf den Überfall und den Schuss ins Knie, den er erhalten habe, habe er seine Waffe gezogen. Daraufhin hätten die Angreifer, deren Plan sich auf einen Schuss ins Knie des Opfers beschränkt habe, weiter - einmal in Richtung Bauch - geschossen und Y.________ lebensgefährlich verletzt. Diese Version des Tatgeschehens, welche das Strafgericht "in dubio pro reo" nicht ausschliessen wollte und seinem erstinstanzlichen Urteil zu Grunde legte, verwarf das Kantonsgericht. 4.3 Der einzig erhebliche Unterschied zwischen den beiden Versionen besteht darin, dass nach der Auffassung des Kantonsgerichts die beiden Angreifer ein wehrloses Opfer zusammengeschossen haben, währenddem das Opfer im zweiten Fall, nachdem es einen Knieschuss erhalten hatte, selber zur Waffe griff und dadurch die Angreifer veranlasste, quasi zum Selbstschutz weiterzuschiessen. Über das Motiv der Täter ist nichts bekannt; es ist daher unerheblich, ob sich Täter und Opfer kannten oder nicht, und ob sich letzteres im Restaurant befunden hatte, als der Beschwerdeführer, X.________ und Grujic dieses kurz vor der Tat betraten. Ebenso unerheblich ist, aus welchem Grund Y.________ nachher vor die Türe seines Restaurants trat. Entscheidend ist einzig, ob das Kantonsgericht in verfassungsrechtlich haltbarer Weise davon ausgehen konnte, dass er dies unbewaffnet tat. Das ist offensichtlich der Fall. Es gibt niemanden, der gesehen haben will, dass Y.________ bewaffnet vor sein Restaurant trat. Auch die Täter, die jedenfalls nach ihrer zweifelsfreien Identifikation alles Interesse daran gehabt hätten, entlastende Sachverhaltsmomente vorzubringen, haben dies nicht behauptet. Y.________ hat stets bestritten, beim Vorfall eine Waffe getragen zu haben. Die Auswertung der gegen ihn angeordneten Telefonüberwachung hat zudem mehrere Gespräche ergeben, in denen er Bekannten gegenüber den Vorfall schilderte und ausführte, was anders gelaufen wäre, wenn er - als für solche Situationen ausgebildeter Schütze - eine Waffe bei sich gehabt hätte. Des Weiteren wäre es nach der zutreffenden Auffassung des Kantonsgerichts für Y.________ ohnehin sehr schwierig gewesen, eine Waffe in den Kleidern zu verstecken, da er am Oberkörper nur ein T-Shirt trug. Dazu schloss das Kantonsgericht zu Recht aus, dass Y.________ - auf den Tod verwundet - die Waffe selber hätte verschwinden lassen können. Dass dies seine damalige Freundin und heutige Frau E.________, die als erste beim verwundeten Y.________ eintraf, getan haben könnte, schloss es aus, da es ihr die Kaltblütigkeit und Besonnenheit nicht zutraute, ihren blutüberströmt am Boden liegenden Freund liegen zu lassen, um die Waffe verschwinden zu lassen. Anschliessend kamen F.________ und G.________ dazu, was bedeuten würde, dass die drei die Waffe in gemeinsamer Absprache hätten verschwinden lassen müssen. Dafür konnte das Kantonsgericht keinerlei Anhaltspunkte finden. Die These der Verteidigung, Y.________ habe eine Faustfeuerwaffe bei sich getragen und versucht, sich mit dieser gegen seine Angreifer zur Wehr zu setzen, bleibt daher reine Spekulation, die durch keine Fakten erhärtet wird. Das Kantonsgericht konnte unter diesen Umständen ohne Verfassungsverletzung davon ausgehen, dass Y.________ im Tatzeitpunkt unbewaffnet war. Die Rüge ist unbegründet.