Citation: U 180/02 08.05.2003 E. 3

Streitig ist, ob die geklagten Beschwerden auf den Unfall von September 1994 zurückzuführen sind, was die Vorinstanz sowohl für die somatischen wie für die psychischen Beschwerden verneint. 3.1 Das ursprüngliche Unfallversicherungsverfahren ist mit - unangefochten gebliebenem - Einspracheentscheid vom 7. Februar 1997 abgeschlossen worden. Das am 15. Juli 1999 vom Beschwerdeführer eingereichte Schreiben, mit welchem er eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend macht, ist als Meldung eines Rückfalles oder einer Spätfolge zu einem rechtskräftig beurteilten Unfallereignis aufzufassen: Ein verfügter Fallabschluss durch Einstellung sämtlicher Leistungen steht nämlich unter dem Vorbehalt einer Anpassung an geänderte unfallkausale Verhältnisse. Dieser in der Invalidenversicherung durch das Institut der Neuanmeldung (Art. 87 Abs. 4 IVV) geregelte Grundsatz gilt auch im Unfallversicherungsrecht, indem es einem Versicherten jederzeit freisteht, einen Rückfall oder Spätfolgen eines rechtskräftig beurteilten Unfallereignisses geltend zu machen und erneut Leistungen der Unfallversicherung zu beanspruchen (vgl. Art. 11 UVV; RKUV 1994 Nr. U 189 S.139); hingegen entfällt vorliegend eine Revision im Sinne von Art. 22 Abs. 1 UVG, da sich diese Bestimmung nur auf die Revision laufender Invalidenrenten bezieht. Bei der Geltendmachung eines Rückfalls oder einer Spätfolge trägt der Leistungsansprecher hinsichtlich der Tatsachen, von denen das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall abhängt, die Beweislast. Nur wenn die Tatsachengrundlage, auf welcher die Unfallkausalität beruht, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten des Versicherten aus, der aus dem unbewiesen gebliebenen natürlichen Kausalzusammenhang als anspruchsbegründender Tatsache Rechte ableiten wollte (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b). 3.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass anlässlich des Unfalles von September 1994 auch der Bereich der Halswirbelsäule (HWS) betroffen gewesen sei und er die mittlerweile diagnostizierte Diskusprotrusion sowie/oder ein HWS-Distorsionstrauma erlitten habe; nicht zuletzt passten dazu auch die geltend gemachten psychischen Beschwerden. Jedoch sei die HWS bis jetzt nur ungenügend untersucht worden, so dass sich eine interdisziplinäre Abklärung rechtfertige. Die - vom SUVA-Arzt Dr. med. P.________ im Bericht vom 24. August 1999 bestätigte - Diskusprotrusion ist erstmals von Dott. U.________ in seinem Bericht vom 12. Mai 1999 - d.h. mehr als viereinhalb Jahre nach dem Unfall - erwähnt worden, ohne dass er sich zu deren Ursache geäussert hat. Mit dem kantonalen Gericht ist davon auszugehen, dass die Unfallkausalität dieses Gesundheitsschadens nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b) nachgewiesen ist, da die diversen Ärzte, welche den Versicherten untersucht haben, nie auch nur einen Hinweis auf einen solchen Gesundheitsschaden gefunden haben. Mangels genügend nachgewiesener Kausalität liegt daher kein Rückfall und keine Spätfolge zum Unfall von September 1994 vor, und die Diskusprotrusion kann aus diesem Grund auch nicht als Grundlage einer prozessualen Revision (vgl. dazu BGE 127 V 469 Erw. 2c) betreffend Einspracheentscheid von Februar 1997 dienen. Eine Verletzung der HWS ist ebenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen; in dieser Hinsicht steht sogar fest, dass die HWS mehrfach untersucht worden ist, ohne dass eine Schädigung diagnostiziert wurde. So konnte Dr. med. V.________ in seiner zweiten Untersuchung vom 16. Mai 1995 eine freie Beweglichkeit der HWS feststellen, nachdem die Beweglichkeit am 26. Oktober 1994 schmerzbedingt noch endgradig eingeschränkt gewesen war; auch der Hausarzt Dr. med. J.________ und der SUVA-Arzt Dr. med. P.________ haben die HWS abgeklärt, ohne Unfallfolgen festzustellen. Gemäss dem Bericht vom 11. Oktober 1994 des Spitals Q.________ wurden im Übrigen auch im Bereich der Lendenwirbelsäule keine össaren Läsionen bemerkt. 3.3 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird weiter ausgeführt, dass eine - vom Privatgutachter M.________ diagnostizierte - posttraumatische Anpassungsstörung vorliege. Zudem habe bereits die Klinik X.________ im Jahr 1995 eine psychiatrische Abklärung und Betreuung empfohlen, welche die SUVA jedoch nicht veranlasst habe, so dass nicht argumentiert werden könne, das psychische Beschwerdebild habe keinen Eingang in die Akten gefunden. 3.3.1 Die geltend gemachten psychischen Beschwerden wurden in zeitlicher Hinsicht vor dem Privatgutachten M.________ einzig im Austrittsbericht der Klinik X.________ vom 11. September 1995 erwähnt, jedoch nur dahin, dass bei "Fortbestehen oder Verstärkung dieser psychischen Auffälligkeit ... zu einer ambulanten psychiatrischen Abklärung und gegebenenfalls Mitbetreuung" geraten werde. Demnach haben die Ärzte der Klinik X.________ das Vorliegen dieser psychischen Probleme nur leicht gewichtet, da sie andernfalls eine psychiatrische Abklärung selber vorgenommen oder mindestens veranlasst hätten. Aber auch die anderen, den Beschwerdeführer untersuchenden und/oder behandelnden Ärzte haben - in Kenntnis des Austrittsberichtes der Klinik X.________ - keine psychischen Beschwerden (oder allfällige Anzeichen davon) festgestellt. Es ist nun allerdings möglich, dass psychische Beschwerden erst nach einer längeren Latenzzeit auftreten; jedoch gilt, dass je grösser der zeitliche Abstand zwischen Unfall und Eintritt psychischer Störungen ist, desto strengere Anforderungen an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen sind. Denn medizinische Aussagen über den Kausalverlauf bei psychischen Beschwerden, welche - bei beschwerdefreiem Intervall - erst mehrere Jahre nach einem Unfall auftreten, werden mit zunehmender zeitlicher Distanz zum Unfall immer schwieriger und hypothetischer. Bei konkurrierenden Ursachen kommt einem Unfall daher nicht ohne Weiteres die Bedeutung einer massgeblichen Teilursache zu. Diese setzt vielmehr voraus, dass die Ärzte einen ursächlichen Zusammenhang klarerweise bejahen und insbesondere überzeugend zu begründen vermögen, weshalb ein lange zurückliegender Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine psychische Fehlentwicklung ermöglicht oder begünstigt hat. Andernfalls lässt sich die Gefahr nicht mehr von der Hand weisen, dass schon bei nicht auszuschliessender oder bloss möglicher Kausalkette der natürliche Kausalzusammenhang angenommen oder einfach unterstellt und damit das die Unfallversicherung beherrschende Kausalitätsprinzip unterlaufen wird (in RKUV 1996 Nr. U 249 S. 179 nicht veröffentlichte Erw. 9 des Urteils Z. vom 24. April 1996, U 202/95). Abgesehen davon, dass bereits wegen inhaltlicher Mängel (vgl. Erw. 3.3.2 hienach) nicht auf das Privatgutachten M.________ vom 21. März 2001 abgestellt werden kann, enthält es keinerlei Ausführungen über den Zeitpunkt des Eintritts der geklagten psychischen Beschwerden, so dass eine überzeugende Begründung fehlt, weshalb die geklagten psychischen Probleme unfallkausal und erst nach einer langen Latenzzeit aufgetreten sein sollen. 3.3.2 In der Privatexpertise vom 21. März 2001 kommt der Arzt M.________ zum Schluss, dass der Versicherte "eine akute Belastungsreaktion (psychischer Schockzustand) durchgemacht und danach eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hat (ICD-10: F43.0, F43.1)." Auf diese Ausführungen kann jedoch nicht abgestellt werden, da sie auf falschen Grundlagen beruhen, indem der Arzt allein auf die Aussagen des Versicherten abgestellt und die Widersprüche zur ihm bekannten Aktenlage nicht diskutiert hat. Dies betrifft vor allem die zentrale Frage der Schwere des Unfalls: Im - mehr als sechs Jahre nach dem Unfall durchgeführten - Gespräch gibt der Beschwerdeführer an, er sei beim Unfall in Ohnmacht gefallen und erst spät in der Nacht wieder aufgewacht, was jedoch keinerlei Stütze in den Akten findet, sondern sogar widerlegt ist, da gemäss den Angaben des Spitals Q.________ im Bericht vom 11. Oktober 1994 der Patient am Unfalltag "immer allseits orientiert" gewesen ist; im Weiteren hat der Versicherte angegeben, er sei etwa einen Monat hospitalisiert gewesen, während die effektive Dauer sechzehn Tage betragen hat. Daher ist der Privatgutachter von einem zu schweren Unfallereignis ausgegangen, sodass - mangels korrekter Grundlagen - nicht auf die darauf aufbauenden weiteren Äusserungen abgestellt werden kann. Es ist somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt noch durch weitere psychiatrische Abklärungen zu beweisen, dass die geklagten psychischen Beschwerden eine - eventuell auch erst nach einer jahrelangen Latenzzeit ausgebrochene - Spätfolge des Unfalles von September 1994 sind; die Folgen der Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer zu tragen (vgl. Erw. 3.1 in fine hievor). 3.4 Mangels rechtsgenüglich nachgewiesenem Kausalzusammenhang besteht in der Folge keine Leistungspflicht der SUVA.