Citation: 8C_295/2023 E. 7.3.1

7.3.1. Sie bringt im Wesentlichen vor, im Zeitpunkt des Gutachtens des Dr. med. E.________ vom 30. Dezember 2020 sei sie bereits 62 1/4 Jahre alt gewesen. Somatischerseits seien ihr einzig noch leichte wechselbelastende Tätigkeiten mit einer zeitlichen Einschränkung von 15 % möglich. Aus psychischer Sicht sei sie zu 30 % eingeschränkt. Kaufmännische Tätigkeiten seien in der Regel mit sitzender Zwangshaltung verbunden, was mit ihren Rückenbeschwerden nicht vereinbar sei und eine zusätzliche Erschwernis bei der Arbeitsplatzgestaltung darstelle. Im Übrigen habe sie 1975 eine Büroanlehre gemacht und seit Jahrzehnten nie mehr im kaufmännischen Bereich gearbeitet. Seit 2006 sei sie selbstständigerwerbend und habe zuerst aufwändig eingearbeitet werden müssen, um schliesslich eine Leistung von 55 % zu erbringen. Erschwerend wäre auch die altersbedingt eingeschränkte Flexibilität zur Umstellung von der langjährigen selbstständigen Tätigkeit in eine kaufmännische Tätigkeit als Angestellte mit hierarchischem Betriebsgefüge. Ihre bisherige Berufserfahrung im Verkauf, im Gastgewerbe, im Aussendienst und im Warenvertrieb sei nicht nennenswert verwertbar. Unter diesen Umständen wäre eine Anstellung nur mit einer weit unterdurchschnittlichen Entlöhnung denkbar, was einen 10%igen Abzug rechtfertige. Zudem sei den wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung zu tragen, dass der Statistikwert der LSE-Tabelle TA1 im niedrigsten Kompetenzniveau auf den Lohndaten einer Vielzahl von höher entlöhnten, jedoch für sie ungeeigneten Stellenprofilen basiere. Es sei statistisch bewiesen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen generell 10 bis 15 % weniger verdienten, während die LSE-Lohndaten hauptsächlich auf Löhne von gesunden Personen beruhten (Rechtsgutachten "Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung" vom 22. Januar 2021 von GÄCHTER/EGLI/ MEIER/FILIPPO). Deshalb stehe bei der Berechnung des Invaliditätsgrads die Revision von Art. 26 bis Abs. 3 IVV an, wonach vom Tabellenwert 10 % abzuziehen seien.