Citation: 9C_189/2023 E. 5.4.2

5.4.2. Sowohl in ihrem Einspracheentscheid vom 8. Februar 2021 als auch in ihrer im kantonalen Verfahren eingereichten Vernehmlassung vom 7. April 2021 legte die Ausgleichskasse zahlreiche Umstände dar, aus welchen sie den Schluss zog, die Beschwerdegegnerin habe die Aufnahme einer (vollen) Erwerbstätigkeit bloss vorgeschoben angesichts der hohen Beiträge, die sie als Nichterwerbstätige hätte bezahlen müssen, mithin zwecks Einsparung von Sozialversicherungsbeiträgen. Die Kasse nannte die auffällige zeitliche Abfolge sowie eine Reihe von Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit den vorgelegten Arbeitsverträgen. Dabei argumentierte sie zusammengefasst wie folgt: Als die Beschwerdegegnerin gemerkt habe, dass sie als Nichterwerbstätige relativ hohe Beiträge schulden würde, habe sie den Arbeitsvertrag zwischen ihr und der Firma C.________ vom 26./28. März 2018 eingereicht, welche Gesellschaft ihr bzw. ihrem Ehemann gehöre (wobei zu den Rollen der beiden innerhalb der Firma widersprüchliche Angaben vorlägen). Von der Ausgleichskasse darauf aufmerksam gemacht, dass sie aufgrund des darin festgelegten Arbeitspensums von 25 % dennoch Nichterwerbstätigenbeiträge schulde, habe sie einen angepassten, ein Pensum von 50 % vorsehenden Arbeitsvertrag vom 16./17. April 2018 eingereicht. Nach weiteren analogen Rückmeldungen der Ausgleichskasse sei das Pensum schliesslich auf 100 % angehoben worden (Arbeitsvertrag vom 22./25. Juni 2018). Die Stellenprozente seien damit jeweils auf Informationen der Ausgleichskasse hin angepasst worden, wie die Beschwerdegegnerin im Übrigen in einem Schreiben vom 13. Februar 2020 selber zugegeben habe. Weiter falle auf, dass der Lohn mit der Erhöhung des Arbeitspensums nicht Schritt gehalten habe (25 %: Fr. 1'500.-; 50 %: Fr. 2'000.-; 100 %: Fr. 2'500.-). Zweifel bestünden auch an den in den Verträgen genannten Funktionen und Tätigkeiten, denn die Beschwerdegegnerin wäre danach direkt dem Geschäftsführer unterstellt und würde sich mit allgemeinen Büroarbeiten sowie der Koordination von Reisen/Terminen befassen, doch sei im Handelsregister kein Geschäftsführer eingetragen (anders als im Arbeitsvertrag festgehalten) und auch auf der Lohnbescheinigung 2018 sei keine weitere Person als Lohnempfänger aufgeführt, womit auch unklar sei, für wen die Beschwerdegegnerin gearbeitet habe. Aus all diesen Umständen ergebe sich, dass die eingereichten Arbeitsverträge nicht den Tatsachen entsprechen würden. Die Berufung auf die volle Erwerbstätigkeit sei damit rechtsmissbräuchlich und die damalige Verfügung vom 9. Juli 2018 zweifellos unrichtig.