Citation: 5A_984/2023 E. 4.2.2

4.2.2. Die Obhut über ein Kind umfasst die Befugnis zu dessen täglichen Betreuung und zur Ausübung der Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit seiner Pflege und laufenden Erziehung (BGE 142 III 612 E. 4.1). Bei ihrer Zuteilung an den einen oder anderen Elternteil hat das Wohl des Kindes als oberste Maxime des Kindesrechts Vorrang vor allen anderen Überlegungen (BGE 143 III 361 E. 7.3.1; 141 III 328 E. 5.4). In erster Linie ist die Erziehungsfähigkeit der Eltern zu klären. Ist diese bei beiden Elternteilen gegeben, kann neben weiteren Elementen (namentlich Stabilität der örtlichen und familiären Verhältnisse, Bereitschaft eines Elternteils, mit dem anderen in Kinderbelangen zusammenzuarbeiten, Vorhandensein einer persönlichen Bindung mit echter Zuneigung, bei Bedarf persönliche Betreuung) auch dem eindeutigen Wunsch des Kindes Rechnung getragen werden (BGE 142 III 481 E. 2.7; Urteil 5A_744/2023 vom 21. Februar 2024 E. 3.1), und zwar auch dann, wenn es bezüglich des Umgangsrechts noch nicht urteilsfähig ist (BGE 142 III 612 E. 4.3). Dabei ist zu berücksichtigen, wenn die ablehnende Haltung des Kindes gegenüber einem Elternteil wesentlich durch die Einstellung des anderen Elternteils geprägt ist (vgl. Urteil 5A_400/2023 vom 11. Januar 2024 E. 3.3.3 [zu Art. 273 ZGB]). Die Willensäusserung des Kindes darf nicht auf einer Manipulation oder Indoktrination beruhen, denn es lässt sich nicht mehr von einem dem Kind zurechenbaren autonomen Willen sprechen, wo dieses bloss die Ansicht seiner momentanen Bezugsperson transportiert. Beim Entscheid, ob eine Manipulation vorliegt, ist von Bedeutung, ob das Kind seine Ablehnung eines Elternteils auf offenbar nicht selbst Erlebtes stützt (vgl. Urteil 5A_952/2021 vom 6. Januar 2022 E. 3.1, in: SZIER 2022 S. 245, mit zahlreichen Hinweisen [zu Art. 13 des Haager Übereinkommens vom 25. Oktober 1980 über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung; HKÜ, SR 0.211.230.02]) oder ob es aufgrund seiner eigenen Erfahrungen zu seiner Meinung gelangt (vgl. Urteil 5A_400/2023 vom 11. Januar 2024 E. 3.3.3 [zu Art. 273 ZGB]).