Citation: 6B_188/2022 E. 7.4

7.4. Anhand der bereits mehrfach diagnostizierten Suchtkrankheit geht das psychiatrische Gutachten vom 27. Juni 2020 von einer Chronifizierung derselben bzw. einer Polytoxikomanie aus und diagnostiziert für den Beschwerdeführer überdies eine schizotype Persönlichkeitsstörung. Sowohl die psychische Störung als auch die Abhängigkeit würden weiterhin bestehen und die vorgeworfenen Taten stünden damit in Zusammenhang. Das Verhalten des Beschwerdeführers sei deutlich von einer als schizotypen Störung bezeichneten, krankhaft-auffälligen, skurrilen, plumpen Erlebnis- und Verhaltensweise gekennzeichnet und bestimmt. Er sei nicht in der Lage, sich in besonnener und differenzierter Weise mit seiner konflikthaften Beziehung zu seiner geschiedenen Ehefrau auseinanderzusetzen, sondern befinde sich in den Fängen seiner eigensinnigen Vorstellungen. Sowohl bei der Polytoxikomanie als auch der schizotypen Störung handle es sich um Krankheiten bzw. Störungen mit einer ungünstigen Prognose. Die Sucht neige, wie der Beschwerdeführer selber veranschauliche, zu Rückfällen; die schizotype Persönlichkeitsstörung sei von konstanter Natur. Suchtmittel könnten enthemmend wirken und Delikte aus unkontrollierten Impulsen heraus begünstigen. Entsprechend sei damit zu rechnen, dass der Beschwerdeführer immer wieder Taten von jener Art begehen könnte oder würde, für die er bisher schon bestraft worden sei. Die Legalprognose sei ungünstig. Zudem sei eine Gewaltneigung oder eine Affinität für Gewaltsymbole und Gewaltmittel festzustellen und erschienen die Gewaltaufwallungen und -durchbrüche des Beschwerdeführers unberechenbar. Die Kombination der Affinität zu Waffen und explosiven Stoffen, die bekannten Manifestationen von Gewalt in Form von Drohungen und der Zustand von Verzweiflung und feindseligen Gefühlen gegenüber seiner geschiedenen Frau und Behörden gäben Anlass, ein schweres Gewaltdelikt, mithin eine Tötung oder eine schwere Körperverletzung unter der Verwendung von Sprengstoff und/oder einem Messer nicht auszuschliessen. Ein "Kippen von Spass zu Ernst" sei im Zustand der Verzweiflung und der Ranküne in Betracht zu ziehen. Zu den begünstigenden Voraussetzungen gehörten auch die unberechenbaren Auswirkungen seines Drogenkonsums. In Anbetracht der Verzweiflung des Beschwerdeführers und der ungenügenden Beherrschung aggressiver Tendenzen sei die Möglichkeit einer Inkaufnahme seines eigenen Todes, etwa im Sinne eines erweiterten Suizids, zu beachten. Mithin bestehe die Gefahr erneuter Straftaten einerseits aufgrund einer anhaltenden oder langdauernden psychischen Störung und/oder Abhängigkeit von Suchtstoffen von erheblicher Schwere, andererseits aber auch aufgrund der für ihn deprimierenden und zur Verzweiflung bringenden familiären Situation. Angezeigt wäre eine stationäre Behandlung gemäss Art. 59 oder aber gemäss Art. 60 StGB. Die Abhängigkeit von Suchtstoffen und die festgestellte psychische Störung liessen sich durch eine stationäre Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung mit begleitender psychotherapeutischer Aufarbeitung der Schizotypie behandeln und lasse sich so der Gefahr neuerlicher Straftaten begegnen. Eine Suchtbehandlung gemäss Art. 60 StGB erscheine deswegen als zweckmässiger, weil in einer Behandlungseinrichtung, die nicht auf Suchttherapie spezialisiert sei, letztere nicht mit der notwendigen Intensität erfolge. Hingegen könne die Schizotypie durch eine begleitende Gesprächstherapie auch in einer Suchtstation behandelt werden. Ziel der Behandlung sei, längerfristig auf eine Abstinenz hin zu arbeiten und zwar nach einer anfänglichen körperlichen Entziehung durch eine psychische Entwöhnungstherapie. Durch begleitende Gespräche sollten die im Zusammenhang mit der Schizotypie und den konflitkthaften Spannungen mit der geschiedenen Ehefrau gegebenen Probleme aufgearbeitet werden. In der Schweiz existierten mehrere Suchtkliniken, in welcher eine solche Massnahme durchgeführt werden könnte, so z.B. die Klinik I.________. Eine ambulante Behandlung genüge nicht, um der Gefahr weiterer Straftaten zu begegnen.