Citation: 4C.309/2004 10.11.2004 E. 3

3.1 Nach Art 337 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit fristlos auflösen (Abs. 1). Als wichtiger Grund gilt jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). Über das Vorhandensein solcher Umstände entscheidet das Gericht nach seinem Ermessen (Abs. 3) Eine fristlose Kündigung ist nur bei besonders schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese müssen einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tief greifend zu erschüttern, dass dem Arbeitnehmer die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zuzumuten ist. Anderseits wird vorausgesetzt, dass sie tatsächlich zu einer entsprechenden Zerstörung oder Erschütterung des gegenseitigen Vertrauens geführt haben. Sind die Verfehlungen weniger schwerwiegend, müssen sie trotz Abmahnung wiederholt vorgekommen sein (BGE 130 III 213 E. 3.1; 129 III 380 E. 2.1 mit Hinweisen). 3.2 Ob eine rechtsgenügende Abmahnung vorliegt, ist an sich eine im Berufungsverfahren überprüfbare Rechtsfrage. Auf die Berufung wäre somit grundsätzlich einzutreten, soweit die Beklagte beanstandet, dass die Vorinstanz im Schreiben von A.________ vom April 2001 eine hinreichende Abmahnung erblickte. Das würde indes nichts am Verfahrensausgang ändern. Die Vorinstanz hätte angesichts der Vielzahl der die Klägerin als menschliche Person herabwürdigenden Vorkommnisse (vgl. lit. B hiervor) bundesrechtskonform schliessen dürfen, die Verletzung der Fürsorgepflicht durch die Arbeitgeberin wiege derart schwer, dass sich eine vorgängige Abmahnung durch die Arbeitnehmerin erübrigt habe. Dies gilt umso mehr, als es der Bürochef und Ehemann der Beklagten mit seinem Verhalten darauf angelegt hatte, die Klägerin zur Kündigung der Stelle zu veranlassen, wie das Arbeitsgericht unangefochten und für das Bundesgericht verbindlich festgestellt hat. Ob die Vorinstanz zu Recht angenommen hat, die Beklagte sei durch das Schreiben ihres Vertrauensarztes hinreichend abgemahnt worden, wäre mithin nicht erheblich. 3.3 Die Vorinstanz ist auf den Einwand der Beklagten, dass die Klägerin nie erklärt habe, fristlos zu kündigen, mangels gehöriger Behauptung im Verfahren vor dem Arbeitsgericht nicht eingetreten. Das betreffende Vorbringen in der Berufungsschrift gilt daher als unzulässiges Novum (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG).