Citation: 4A_707/2016 E. 1.2.1

1.2.1. BGE 141 V 281 befasst sich zwar auch mit tatsächlichen Fragen, wie der medizinischen Befundlage. Es geht darin aber hauptsächlich um die rechtliche Frage, unter welchen Voraussetzungen aus der Befundlage ein Anspruch nach Art. 4 Abs. 1 IVG und Art. 6 ff. ATSG (insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG) entsteht (BGE 141 V 281 E. 2 S. 285 ff.). In BGE 141 V 281 wird die Überwindbarkeitsvermutung zugunsten eines strukturierten, normativen Prüfungsrasters aufgegeben. Anhand eines Kataloges von Indikatoren soll eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens erfolgen (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 295). Dieser Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (BGE 141 V 281 E. 5 304 und E. 6 S. 308). Die damit eingeführten Indikatoren sind nicht unmittelbar vom (herrschenden) medizinisch-empirischen Kenntnisstand abhängig. Um eine einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu gewährleisten, verlange das Recht nach einer objektivierten Zumutbarkeitsbeurteilung, die durch Verwendung von - juristisch, jedoch unter Berücksichtigung der medizinischen Empirie, festgelegten - Standardkriterien zu harmonisieren sei (BGE 141 V 281 E. 5.1.1 S. 305). Für das Verfahren vor Bundesgericht zählen nach BGE 141 V 281 im Ergebnis alle Feststellungen der kantonalen Instanz im Hinblick auf die Beurteilung, ob eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung - oder ein vergleichbares psychosomatisches Leiden - invalidisierend wirkt, die auf der Würdigung von ärztlichen Angaben und Schlussfolgerungen betreffend Diagnose und Folgenabschätzung beruhen, als Tatsachenfeststellungen, die das Bundesgericht nur eingeschränkt überprüfen kann. Als Rechtsfrage frei überprüfbar ist dagegen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) schliessen lassen (BGE 141 V 281 E. 7 S. 308 f.).