Citation: 6B_98/2024 E. 2.4.2

2.4.2. Die Kritik des Beschwerdeführers erweist sich auch insoweit als begründet, als er rügt, die Vorinstanz gehe zu Unrecht von eventualvorsätzlichem Handeln mit Blick auf eine (versuchte) vorsätzliche Tötung i.S.v. Art. 111 StGB aus. Der Vorinstanz ist insoweit beizupflichten, als gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei Messerstichen in den Hals und Schnittverletzungen am Hals das Risiko der Tatbestandsverwirklichung, das heisst des Todes des Opfers, insbesondere bei einer langen Messerklinge als hoch einzustufen ist (vgl. Urteile 6B_935/2017 vom 9. Februar 2018 E. 1.3 mit Hinweisen; 6B_234/2016 vom 5. August 2016 E. 3.3; 6B_480/2011 vom 17. August 2011 E. 1.4; 6B_635/2009 vom 19. November 2009 E. 3.3). Auch Stiche mit einem Messer in den Oberkörper oder den Bauchbereich eines Opfers können ohne Weiteres tödliche Verletzungen bewirken und es darf bei derartigen Verletzungen darauf geschlossen werden, dass der Täter den Tod des Opfers in Kauf genommen hat (vgl. Urteile 7B_280/2022 vom 6. Dezember 2023 E. 2.1.2; 6B_645/2023 vom 27. September 2023 E. 2.4; 6B_798/2020 vom 16. September 2020 E. 3.2.2; 6B_369/2016 vom 29. Juli 2016 E. 4.4 f.; je mit Hinweisen). Dieser Rechtsprechung liegen indes jeweils Fallkonstellationen zugrunde, in denen die Beschaffenheit des Messers bzw. der Tatwaffe sowie die Klingenlänge und die daraus hervorgehende Verletzung bekannt sind. Im Urteil 6B_927/2019 vom 20. November 2019 wurde erstellt, dass der Beschwerdeführer den Geschädigten mit einem Klappmesser in den Rücken stach, wobei dieses auf Höhe des 10. Brustwirbels drei Zentimeter tief in den Körper eindrang. Die Klinge war acht, das Messer insgesamt 19.5 cm lang (E. 3.2). In 6B_724/2017 vom 21. Juli 2017 ging es um eine metallene Haushaltsschere, mit welcher derart wuchtig im Bereich der Herzgegend auf das Opfer eingestochen wurde, dass die Klinge 9.4 cm in den Körper eindrang (E. 1.3). Aber auch beispielsweise in 6B_935/2017 vom 9. Februar 2018 stach der Täter in einer dynamischen und chaotischen Auseinandersetzung aggressiv sowie alkoholisiert bei schlechten Lichtverhältnissen unkontrolliert mit einem Messer mit einer Klingenlänge von 19 cm gegen den Halsbereich des Opfers (E. 1.3). In 6B_536/2021 vom 2. November 2022 entstand durch einen Küchenschnitzer mit einer Klingenlänge von 8 cm eine 5 mm lange und tiefe Schnittwunde an der rechten Halsseite (E. 1.2). In all diesen Fällen wurde eventualvorsätzliches Handeln bejaht und die erwähnte Rechtsprechung angewendet. Jedoch wurde in der dem Urteil 6B_775/2011 vom 4. Juni 2012 zugrundeliegenden Konstellation eventualvorsätzliches Handeln verneint. Die Klinge des verwendeten Taschenmessers - 34 mm Länge und 6 mm Breite - bezeichnete das Bundesgericht als vergleichsweise klein; ein solches Taschenmesser gelte nicht als Waffe. Zwar bestehe die Möglichkeit, dass ein solches Risiko eintrete, weil jede Klinge tödlich verwendet werden könne. Gleichwohl liege bei einer solchen Klinge der Todeseintritt nicht schlechterdings auf der Hand (E. 2.5).