Citation: U 244/05 25.01.2006 E. 4

4.1 Auf Grund der MEDAS-Expertise steht fest, dass die beim Unfall vom 26. Februar 1997 erlittene komplexe Mittelgesichts- sowie die Felsenbeinlängsfraktur und die damit in Zusammenhang stehenden Folgen (Sensibilitätsstörung V/2, Funktionsmyogelose im Gesicht, Kalt-Warm-Empfindlichkeit in Folge der Osteosyntheseplatte, Schallleitungsschwerhörigkeit links) keine Arbeitsunfähigkeit begründen. Der Heilverlauf des am 24. Februar 1997 operierten Lendenwirbelsäuleschadens (degenerative Segmentinstabilität L4/5, Status nach Laminektomie L4) wurde durch den Unfall theoretisch verzögert, wobei sechs Monate danach der Status quo sine et ante erreicht worden ist. Die durch die Rückenbeschwerden bewirkte Arbeitsunfähigkeit ist daher nicht zu berücksichtigen. Weiter ist gestützt auf das MEDAS-Gutachten davon auszugehen, dass die geltend gemachte Schwindelsymptomatik mit Bewusstseinsverlust keiner fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden kann (vgl. BGE 119 V 340 Erw. 2b/bb). Bei dieser Sachlage ist auf den von den Parteien und der Vorinstanz diskutierten Punkt, ob Ursache des Sturzes eine Synkope gewesen war, mithin die Beschwerdegegnerin schon vor dem Unfall an Schwindel gelitten hat, nicht weiter einzugehen. Die Frage, ob die neuropsychologischen Defizite sowie die psychiatrischen Befunde natürlich kausale Folgen des Unfalles sind, ist nicht abschliessend zu prüfen, da jedenfalls die Adäquanz, wie sich aus dem Folgenden ergibt, zu verneinen ist. 4.2 Die Beschwerdegegnerin hat beim Unfall vom 26. Februar 1997 nebst den Frakturen an Gesicht und Schädelbasis auch ein Schädelhirntrauma sowie möglicherweise eine HWS-Distorsion ohne nachweisbare hirnorganische Schädigung erlitten. Die bis Ende April 1997 durchgeführten stationären medizinischen Behandlungen erfolgten vor allem wegen der Frakturen am Gesicht und an der Schädelbasis. Nach Austritt aus der Rehaklinik Z.________ standen weitgehend die Schwindelgefühle und Gedächtnisschwierigkeiten im Vordergrund. Laut psychiatrischem Konsilium des Dr. med. B.________ vom 8. April 2002 hat diese anhaltend unangenehme Situation eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten hervorgerufen. In Anbetracht dieser Umstände ist davon auszugehen, dass im Verlauf des Heilungsprozesses vom Unfall bis zu dem für die gerichtliche Beurteilung massgebenden Zeitpunkt bei Erlass des Einspracheentscheids vom 18. Juni 2004 (vgl. BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom 26. Februar 1997 und dessen Folgen ist daher nicht nach der Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359, sondern nach den in BGE 115 V 133 für Unfälle mit psychischen Folgeschäden entwickelten Grundsätzen zu beurteilen ist (vgl. RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437). 4.3 Der Sturz vom 26. Februar 1997 ist objektiv betrachtet den mittelschweren Unfallereignissen im mittleren Bereich zuzuordnen. Die Adäquanzkriterien müssen daher in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz der bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen psychischen Fehlentwicklung bejaht werden kann (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Es ist evident, dass sich der Unfall weder unter besonders dramatischen Begleitumständen zugetragen, noch durch eine besondere Eindrücklichkeit ausgezeichnet hat, zumal die Beschwerdegegnerin für das Ereignis nach eigenen Angaben eine Amnesie aufweist (vgl. den Bericht des Dr. phil. G.________ vom 7. März 2002). Auch wenn die Ärzte die Mittelgesichtsfraktur als "komplex" bezeichnet haben, ist daraus nicht zu schliessen, dass es sich um eine schwere Verletzung von besonderer Art gehandelt hat. Sowohl die Operation wie auch die anschliessende Rehabilitation verliefen komplikationslos. Ende April 1997, mithin zwei Monate nach dem Unfall, wurde die Beschwerdegegnerin aus dem Spital entlassen, wobei danach im Wesentlichen nur noch regelmässige ärztliche Kontrollen und Abklärungen durchgeführt wurden. Anhaltspunkte für einen schwierigen Heilverlauf, eine ungewöhnlich lange Dauer der Heilbehandlung oder gar eine die Unfallfolgen erheblich verschlimmernde ärztliche Fehlbehandlung liegen damit nicht vor. Die im Rahmen des Kriteriums der Dauerschmerzen einzig in Betracht fallenden Kopfschmerzen und Schwindel, soweit sie unfallbedingt überhaupt zu berücksichtigen sind, beeinträchtigen laut Konsilium des Dr. med. M.________ vom 28. Februar 2002 die Arbeitsfähigkeit nicht. Hinsichtlich des Grades und der Dauer der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit ist festzuhalten, dass jedenfalls nach Spitalentlassung am 29. April 1997 sich weniger die körperlichen Unfallfolgen, als vielmehr vor allem die unfallfremden Rückenleiden und Schwindelsymptome sowie die psychischen Beschwerden auf die Leistungsfähigkeit auswirkten. Da nach dem Gesagten weder eines der für die Adäquanzprüfung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, noch mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der bestehenden psychischen und neuropsychologischen Beeinträchtigungen zu verneinen.