Citation: 9C_204/2023 E. 3.2.1

3.2.1. Im Jahr 2009 sei insbesondere Art. 48 Abs. 1 lit. a al. 2 Satz 1 StG/SG neu eingeführt worden, der den Kinderabzug für Kinder unter gemeinsamer elterlicher Sorge nicht gemeinsam besteuerter Eltern regle und somit auf den vorliegenden Fall anzuwenden sei. Gemäss dieser Bestimmung knüpfe die Gewährung des Kinderabzugs bei getrennt besteuerten Eltern und gemeinsamer elterlicher Sorge an die Leistung von bzw. Besteuerung der Kinderalimente an. Eine alternierende Obhut ändere daran nichts. Der Kinderabzug komme in dieser Konstellation jenem Elternteil zu, der für das Kind Unterhaltsbeiträge nach Art. 45 lit. c StG/SG erhalte, was vorliegend die Mutter sei. Das StG/SG statuiere damit bei gemeinsamer elterlicher Sorge ausdrücklich das Kumulationsverbot. Der Wortlaut der gesetzlichen Regelung sei klar und lasse keinen Raum für eine Auslegung. Der Kinderabzug bleibe folglich jenem Steuerpflichtigen verwehrt, der Unterhaltsbeiträge gestützt auf Art. 45 Abs. 1 lit. c StG/SG von seinen Einkünften abziehen könne. Die für die Kinder bezahlten Alimente, die bereits als Unterhaltsbeiträge vom steuerbaren Einkommen abgezogen worden seien, könnten nicht ein zweites Mal auf der Seite des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden. Aus denselben Gründen könne unter den gegebenen Umständen auch kein hälftiger Versicherungsabzug oder die Gewährung des Elterntarifs in Frage kommen.