Citation: 6B_1354/2017 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwägt, die Regeln der Guten Abgabepraxis für Heilmittel würden aufgrund des Verweises in Art. 26 Abs. 1 HMG auf die anerkannten Regeln der pharmazeutischen Wissenschaft Wirkung entfalten, zumal sie als Ausdruck der Usanz die zu beachtende Sorgfaltspflicht definierten (angefochtenes Urteil, E. II. 5.4.2 S. 28). Aus Ziff. 20.3.B2.b der Regeln der Guten Abgabepraxis für Heilmittel, aber auch aus Ziff. 5 der Arzneimittelpolitik FMH könne ohne Weiteres gefolgert werden, dass gemäss den anerkannten Regeln der pharmazeutischen Wissenschaft eine Arzneimittelabgabe unmittelbar und direkt durch eine abgabeberechtigte Person bzw. eine von dieser direkt beaufsichtigte Hilfsperson zu erfolgen habe. Eine Abgabe von Arzneimitteln mittels einer an der Türklinke angebrachten Plastiktragtasche genüge diesen Anforderungen nicht, weshalb keine Art. 26 HMG entsprechende Abgabe erfolgt sei. Bei der Tatbestandsvariante von Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG, die an Art. 86 Abs. 1 lit. a HMG anknüpfe, sei entgegen des Wortlauts aufgrund der generellen Sorgfaltspflicht nach Art. 3 HMG zumindest eine abstrakte Gesundheitsgefährdung vorausgesetzt. Vorliegend sei die Praxistür, an welcher die Arzneimittel angebracht worden seien, über das Treppenhaus sowie über den Lift öffentlich und frei zugänglich gewesen. Dadurch sei die Gefahr geschaffen worden, dass eine nicht berechtigte Person die Arzneimittel behändigen könnte und diese selbst einnehme oder dazu weitergebe. Die Praxisassistentinnen hätten dies nicht ständig kontrollieren können und der Beschwerdeführer habe selbst eingeräumt, diese hätten zu tun gehabt und sich zwischen dem Dialyse- und Praxisraum bewegt (angefochtenes Urteil, E. II. 4.3.1 f. S. 22 f.).