Citation: 5P.133/2000 15.05.2000 E. 4

4.- a) Die Beschwerdeführerin rügt im Weiteren eine Verletzung ihres verfassungsmässigen Anspruchs auf unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV). Da sie nicht geltend macht, der Anspruch nach kantonalem Recht, wie er in Art. 77 ZPO/BE umschrieben wird, gehe weiter als der bundesrechtliche Minimalanspruch (vgl. dazu auch Leuch/Marbach/Kellerhals/Sterchi, a.a.O., N 3a zu Art. 77 ZPO/BE), kann die Prüfung darauf beschränkt bleiben, ob der sich direkt aus der Bundesverfassung ergebende Anspruch verletzt worden ist. Diesbezüglich steht dem Bundesgericht freie Kognition zu (BGE 124 I 1 E. 2 S. 2, mit Hinweisen). b) Art. 29 Abs. 3 BV verschafft einer bedürftigen Partei in einem für sie nicht aussichtslosen Verfahren Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege und auf Ernennung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (vgl. zur bundesgerichtlichen Praxis zu Art. 4 aBV, die auf Art. 29 Abs. 3 BV übertragbar ist, BGE 122 I 8 E. 2 S. 9, 322 E. 2b S. 324, je mit Hinweisen; Jörg Paul Müller, Grundrechte in der Schweiz, Bern 1999, S. 542 ff.). Als bedürftig gilt ein Gesuchsteller, der die erforderlichen Prozess- und Parteikosten nur bezahlen kann, wenn er die Mittel angreift, die er zur Deckung des Grundbedarfs für sich und seine Familie braucht (BGE 120 Ia 179 E. 3a S. 181, 119 Ia 11 E. 3a S. 12). c) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ergibt sich aus der ehelichen Unterhalts- und Beistandspflicht gemäss Art. 159 und Art. 163 ZGB, dass der leistungsfähige Ehegatte seinem bedürftigen Partner im Rahmen des Möglichen Prozesskostenvorschüsse leisten muss in Verfahren, die den gemeinsamen ehelichen Bereich beschlagen (sog. provisio ad litem; BGE 103 Ia 99 E. 4 S. 101; statt vieler Hasenböhler, Basler Kommentar, N 14 zu Art. 163 ZGB). Soweit derartige Leistungen aus der Unterhalts- bzw. Beistandspflicht erhältlich gemacht werden können, scheidet die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung aus; diese ist somit gegenüber jenen subsidiär (BGE 85 I 1 E. 3 S. 4; 119 Ia 11 E. 3 S. 12, 134 E. 4 S. 135). Nach dem Anhängigmachen des Scheidungsverfahrens steht zur Geltendmachung eines Prozesskostenvorschusses das Verfahren gemäss Art. 137 ZGB (vgl. aArt. 145 ZGB) zur Verfügung. Solange Ungewissheit besteht, ob der Gesuchsteller in diesem Verfahren einen Prozesskostenvorschuss erhältlich machen kann, gilt er demnach nicht als bedürftig. d) Bei der Abklärung, ob der Ehegatte in der Lage ist, seinem bedürftigen Partner einen Prozesskostenvorschuss zu leisten, ist nicht nur sein den Zwangsbedarf übersteigendes Einkommen, sondern auch sein Vermögen angemessen zu berücksichtigen (BGE 120 Ia 179 E. 3a S. 181, mit Hinweisen). Die Berücksichtigung von Vermögen setzt freilich voraus, dass dieses im Zeitpunkt der Anhängigmachung des Verfahrens oder im Zeitpunkt des Gesuchs überhaupt vorhanden und verfügbar ist und nicht erst nach Abschluss des Verfahrens realisiert werden kann (BGE 118 Ia 369 E. 4 S. 370 f.). Bei Liegenschaftseigentum widerspricht es dem verfassungsrechtlichen Anspruch nicht, vom Grundeigentümer zu verlangen, einen Kredit auf sein Grundstück aufzunehmen, soweit dieses noch belastet werden kann (BGE 119 Ia 11 E. 5 S. 12).