Citation: 8C_539/2022 E. 4.3

4.3. Die Behauptung, es sei zu einem anderen Zeitpunkt zum schädlichen Ereignis gekommen als von der Vorinstanz gestützt auf die ursprünglichen Angaben des Beschwerdeführers angenommen, und zwar im Zeitraum, als gemäss kantonalem Gericht die zulässigen Lärmgrenzwerte überschritten worden seien, kann nichts ändern an der vom kantonalen Gericht festgestellten Beweislosigkeit der plötzlichen Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors. Gemäss den vom kantonalen Gericht gestützt auf das Gutachten getroffenen sachverhaltlichen Feststellungen wurden die zulässigen Lärmwerte ab 21.41 Uhr um höchstens 3,6 Dezibel überschritten, das heisst, es wurden 103,6 statt der zulässigen 100 Dezibel gemessen. Es ist daran zu erinnern, dass sich die Beurteilung der Ungewöhnlichkeit daran auszurichten hat, was im jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist. Die gemessenen Werte - auch soweit sie (im Umfang von 3,6 Dezibel) das zulässige Mass überschritten - können für ein Rockkonzert nicht als ungewöhnlich gelten. Mit seiner Argumentation, anders als im Fall der Souffleuse, die nach einem Paukenschlag anlässlich einer Opernaufführung einen Hörsturz erlitt (RKUV 2006 Nr. U 578 S. 170, U 245/05), sei die Lärmexposition an einem Rockkonzert als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu qualifizieren, vermag der Beschwerdeführer nicht durchzudringen. Selbst unter Annahme, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum ab 21.41 Uhr noch im Konzertsaal gewesen sei, wäre im Übrigen nicht zu beweisen, dass er sich in dem Bereich des Saales aufgehalten hätte, wo es gemäss Gutachten bei einem gemessenen Lärmpegel von maximal 103,6 Dezibel doppelt so laut gewesen sein soll wie zulässig. Es fehlt zudem unter Annahme der vom Beschwerdeführer auch letztinstanzlich angegebenen Verweildauer von rund 30 Minuten (21.30 bis 22 Uhr) auch am Begriffsmerkmal der Plötzlichkeit der Einwirkung (vgl. oben E. 3), zumal weder geltend gemacht wird noch dem Gutachten zu entnehmen ist, dass es entgegen der Vorinstanz - etwa zu Beginn des Auftritts von F.________, wie vom Beschwerdeführer sinngemäss geltend gemacht wird - zu einem isolierten, besonders lauten Lärmereignis gekommen wäre. Im Übrigen hat sich das Bundesgericht zur spezifischen Problematik beim Tinnitus in BGE 138 V 248 eingehend geäussert und erkannt, dass es, sofern sich die Symptomatik keiner organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge zuordnen lässt, wie bei anderen organisch nicht ausgewiesenen Beschwerdebildern einer besonderen Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhang bedarf. Weshalb diese Praxis bei geltend gemachter Schädigung anlässlich eines Rockkonzerts keine Anwendung finden dürfte, wird beschwerdeweise nicht aufgezeigt. Dass eine organische Verletzung objektiv nicht ausgewiesen sei, ist unbestritten geblieben. Im Ergebnis ist das vorinstanzliche Urteil somit nicht zu beanstanden.