Citation: 6B_596/2015 E. 1.4.4

1.4.4. Aus dem Protokoll zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung geht somit entgegen der vorinstanzlichen Auffassung klar hervor, dass der Beschwerdegegner auf die Befragung des Privatklägers vorbehaltlos verzichtete. Dass das urteilende Gericht diesen ohne Einschränkungen geäusserten Verzicht im gegebenen Kontext als gleichzeitigen Verzicht auf das Konfrontationsrecht verstehen würde, liegt auf der Hand und musste auch dem Beschwerdegegner bzw. seiner Verteidigung bewusst sein. Es wäre ohne Aufwand und Rechtsverlust möglich gewesen, darauf hinzuweisen, dass der Verzicht ausschliesslich die Durchführung der Einvernahme, nicht aber den Konfrontationsanspruch umfassen solle. Ebenso hätte der Beschwerdegegner ohne Weiteres an der Befragung des Privatklägers festhalten und so entweder sein Konfrontationsrecht durchsetzen oder - im Verweigerungsfall - immer noch die Unverwertbarkeit von dessen früheren Aussagen geltend machen können. Stattdessen verlegte er sich von vornherein darauf, seinen zunächst ohne Vorbehalt erklärten Verzicht im Parteivortrag zu relativieren und für die Unverwertbarkeit der fraglichen Aussagen zu plädieren. Dieses Vorgehen erscheint rechtsmissbräuchlich. Unter dem Aspekt von Treu und Glauben ist der Verzicht des Beschwerdegegners auf die gerichtliche Befragung des Privatklägers deshalb als gleichzeitiger Verzicht auf sein Konfrontationsrecht zu verstehen.