Citation: 8C_895/2009 19.01.2010 E. 4

4.1 Es steht fest und ist unbestritten, dass die Gutachter der medizinischen Begutachtungsstelle X.________ bei der Begutachtung Kenntnis des Ermittlungsberichtes des Privatdetektivs vom 20. Mai 2003 hatten. Unklar ist, ob diese Observation durch die Beschwerdegegnerin als Unfallversicherer gemäss UVG oder von ihr als Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers in Auftrag gegeben wurde. Diese Frage kann indessen offenbleiben, da die Verwendung des Berichtes als Beweismittel im Unfallversicherungs-Verfahren in beiden Fällen zulässig wäre (vgl. BGE 135 I 169 E. 4 f. S. 170 ff. bzw. BGE 129 V 323). Unbestritten ist im Weiteren, dass die Beschwerdeführerin erst im März 2006, mithin nach der Begutachtung durch die medizinische Begutachtungsstelle X.________ Einblick in den Ermittlungsbericht des Privatdetektivs genommen hat. 4.2 Die Versicherte rügt, die Beschwerdegegnerin habe dadurch, dass sie den Gutachtern den Ermittlungsbericht, von dem die Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt keine Kenntnis hatte, zur Verfügung gestellt hat, den Anspruch der Versicherten auf rechtliches Gehör verletzt und gegen das Fairnessgebot und das Gebot der Waffengleichheit verstossen. 4.2.1 Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführt, muss die versicherte Person gemäss Art. 42 ATSG erst im Einspracheverfahren angehört werden. Da die angefochtene Verfügung vom 8. April 2008 stammt und die Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt unbestrittenermassen längst Kenntnis aller relevanter Akten hatte, wurde ihr Anspruch auf rechtliches Gehör nicht verletzt. 4.2.2 Die Versicherte rügt weiter unter Hinweis auf Art. 6 EMRK eine Verletzung des Fairnessgebotes und des Gebotes der Waffengleichheit. Art. 6 EMRK garantiert jeder Person ein faires Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht; die in diesem Artikel enthaltenen Verfahrensgarantien sind indessen im Administrativverfahren nicht direkt anwendbar. Auch in diesem Verfahren sind jedoch sowohl Versicherungsträger als auch versicherte Person gehalten, nach Treu und Glauben zu handeln (Art. 5 Abs. 3 BV; Art. 2 Abs. 1 ZGB). Die Beschwerdeführerin rügt mit ihren Vorbringen sinngemäss ein treuwidriges Verhalten der Beschwerdegegnerin. 4.2.3 Ob es, wie von der Versicherten sinngemäss geltend gemacht, tatsächlich treuwidrig wäre, wenn ein Versicherungsträger relevante Beweismittel, von welchen die versicherte Person weder Kenntnis hatte noch haben konnte, den Gutachtern zur Verfügung stellt, ohne zuerst die versicherte Person darüber zu unterrichten, kann vorliegend offenbleiben: Mit Schreiben vom 1. Oktober 2004 erklärte sich die Versicherung mit dem Vorschlag der Beschwerdeführerin einer Begutachtung durch die medizinische Begutachtungsstelle X.________ einverstanden und bat sie um Zustimmung zum vorgesehenen Fragenkatalog. Gleichzeitig führte die Beschwerdegegnerin aus, sie werde den Gutachtern neben den rein medizinischen Akten auch den Polizeirapport, die Garagenrechnungen und den Ermittlungsbericht zustellen. Somit hatte die Versicherte nach Erhalt dieses Schreibens und damit vor der Begutachtung durch die medizinische Begutachtungsstelle X.________ Kenntnis von der Existenz eines solchen Berichtes. Sie hätte folglich bereits im Herbst 2004 die Möglichkeit gehabt, Einsicht in die umstrittenen Aktenstücke zu verlangen. Nicht geklärt zu werden braucht vorliegend, aus welchen Gründen die Beschwerdeführerin dies damals unterlassen hat; fest steht jedenfalls, dass der Beschwerdegegnerin in Bezug auf den Ermittlungsbericht und die Kenntnisgabe desselben an die Gutachter keine Treuwidrigkeit vorzuwerfen ist. 4.3 Ist der Beschwerdegegnerin bezüglich der Einholung des Gutachtens der medizinischen Begutachtungsstelle X.________ keine Treuwidrigkeit vorzuwerfen, so hat auch das kantonale Gericht nicht gegen die in Art. 6 EMRK festgelegten Verfahrensgarantien verstossen, als es dieser Expertise Beweiswert zuerkannte.