Citation: 4A_84/2020 E. 4.2.1

4.2.1. Die Vorinstanz beurteilte, ob das vertragliche Verhältnis zwischen den Parteien als Arbeitsvertrag qualifiziert werden könne. Sie ging vorab auf das versicherungstechnische Konstrukt der delegierten Psychotherapie ein. Danach bräuchten die Psychotherapeuten eine Zusammenarbeit mit einem Facharzt, denn ohne diese könnte sie ihre nichtärztlichen Leistungen nicht über die Grundversicherung der Krankenkasse abrechnen und dementsprechend nur Patienten mit Zusatzversicherung oder Selbstzahler behandeln. Die Beschwerdeführerin habe mit der Eingehung des Vertragsverhältnisses mit dem Beschwerdegegner offensichtlich nicht beabsichtigt, als eigentliche Arbeitnehmerin in die Dienste des Beschwerdegegners einzutreten und ihre Zeit in einer fremden Arbeitsorganisation dem Arbeitgeber vollumfänglich zur Verfügung zu stellen. Ihre Intention sei vielmehr dahin gegangen, ihre Leistungen auch über die Grundversicherung der Krankenkasse abrechnen zu können und damit einen grösseren Patientenkreis zu erreichen. Dafür habe sie gewisse Einschränkungen ihrer weitestgehend selbstständig organisierten Berufstätigkeit auf sich nehmen müssen, jedoch nicht weil der Beschwerdegegner diese verlangt habe, sondern weil dies krankenversicherungsrechtlich vorgegeben sei. Die Vorinstanz prüfte vor dem Hintergrund dieses Beweggrundes für den Vertragsabschluss in einer ausführlichen Begründung die einzelnen Kriterien, welche für oder gegen ein Arbeitsverhältnis sprechen. Sie erwog, dass es an einer hohen Weisungsgebundenheit der Beschwerdeführerin fehle. Die Beschwerdeführerin habe keine Arbeitsverpflichtung gehabt. Sie habe mithin nach ihrem Belieben zur Arbeit erscheinen können, oder eben auch nicht, und so viele Patienten behandeln können, wie sie wollte. Die Beschwerdeführerin habe sich im Weiteren in hohem Masse an den Kosten für die Infrastruktur beteiligt und sie habe das wirtschaftliche Risiko zu einem wesentlichen Teil selbst getragen. Die Beschwerdeführerin sei sodann für die Akquisition ihrer Patienten - also die Beschaffung ihrer Arbeit - selbst verantwortlich gewesen und sie habe sämtliche Kosten für die Sozialversicherungen und Versicherungskosten etc. selbst bezahlt. Darüberhinaus habe sie nicht nur Miete für ihren Arbeitsraum geleistet, sondern auch weitere Mietkosten für die Mitbenutzung der allgemeinen Räume der Praxis übernommen. Unter diesen Umständen könne das Vertragsverhältnis nicht als Arbeitsvertrag nach Art. 319 ff. OR qualifiziert werden.