Citation: 6B_186/2024 E. 4.6

4.6. Die Vorinstanz würdigt die Aussagen, die der Ehemann in der Tatnacht gegenüber der Polizei und dem Anästhesiepfleger des Kantonsspitals Schaffhausen getätigt hat. Er habe angegeben, er wisse nicht, wie die Verletzung entstanden sei. Auch sonst könne er keinerlei Angaben zum Tathergang machen. Am nächsten Morgen habe er der Polizei gesagt, er habe viel Alkohol konsumiert und wisse nicht mehr, was passiert sei. Die Beschwerdeführerin habe die Wohnung vor der Tat verlassen und sei jedenfalls unschuldig. Er wolle keine Anzeige machen. In der Einvernahme vom 9. August 2019 habe der Ehemann erneut angegeben, er wisse nicht mehr, wie die Verletzung entstanden sei. Er habe bemerkt, dass er am Bauch blute. Er könne nicht mehr sagen, wann dies geschehen sei, jedenfalls sei seine Frau zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen. Er könne sich lediglich an die Geschehnisse bis Mitternacht erinnern. Ohnehin habe er nicht die Polizei, sondern nur die Rettungskräfte anrufen wollen. Weiter habe der Ehemann ausgeführt, er führe mit der Beschwerdeführerin eine harmonische Ehe und könne sich an keinen Streit erinnern. In der Einvernahme vom 21. August 2019 habe der Ehemann wiederum auf seine erhebliche Alkoholisierung hingewiesen und eine Erinnerungslücke geltend gemacht. Allerdings habe er nun in zeitlicher Hinsicht angegeben, sich nur an die Geschehnisse bis ca. 22:00 Uhr zu erinnern. Auf entsprechenden Vorhalt habe er eingeräumt, am Abend vor der Tat habe es keinen richtigen Streit gegeben, aber eine Diskussion über die Bohnen zum Abendessen. Aber danach sei nichts passiert und irgendwann sei seine Frau gegangen. An der Berufungsverhandlung habe der Ehemann im Wesentlichen angegeben, er könne sich nicht mehr an die Tatnacht erinnern, weil er unter Alkoholeinfluss gestanden habe und seit einer Bypass-Operation sehr vergesslich geworden sei. Jedenfalls habe die Beschwerdeführerin die Tat nicht begangen. An der Berufungsverhandlung habe er erstmals ausgeführt, dass es sich möglicherweise um einen Dieb gehandelt haben könnte, der aus Notwehr gehandelt habe. Dies sei aber nur so ein Gedanke. In der Tatnacht sei auf jeden Fall niemand ausser ihm und der Beschwerdeführerin in der Wohnung gewesen. Die Stichverletzung habe er im ersten Moment nicht bemerkt. Erst nach fünf bis zehn Minuten habe er eine Nässe an seinem Bauch gespürt. Die Vorinstanz fasst zusammen, der Ehemann habe während des ganzen Verfahrens keine Ausführungen zum konkreten Tathergang gemacht. Er habe sich an vorwiegend irrelevante Details erinnert, während er zum Tatgeschehen Gedächtnislücken geltend gemacht habe, deren Zeitpunkt er im Verlauf des Verfahrens angepasst habe. Die Vorinstanz hält die Angaben des Ehemanns selbst unter Annahme eines Vollrauschs für nicht glaubhaft. Trotz angeblichem Gedächtnisverlust habe er sich an die Telefongespräche von 00:02 Uhr und 02:19 Uhr erinnern können. Zudem habe er sich erinnern können, zu welchem Zeitpunkt die Erinnerungslücke eingetreten sei. Eine solch selektive Gedächtnislücke hält die Vorinstanz für unglaubhaft. Gleiches gelte, wenn der Ehemann sich an die Stichverletzung überhaupt nicht erinnern wolle, gleichzeitig aber zu wissen glaube, dass er fünf bis zehn Minuten später Blut an seinem Bauch bemerkt habe. Der Ehemann zeige ein deutliches Bestreben, die Beschwerdeführerin zu entlasten. Wie die Vorinstanz schlüssig erwägt, leuchtet nicht ein, wie sich der Ehemann einerseits überhaupt nicht an den Vorfall erinnern und keinerlei Angaben zum Tatgeschehen machen will, während er andererseits ganz genau wissen will, dass die Beschwerdeführerin die Wohnung noch vor der Tat verlassen habe. Bereits am Morgen nach der Tat habe er gegenüber der Polizei auf die Unschuld der Beschwerdeführerin hingewiesen, obschon diese mit keinem Wort erwähnt und nicht als Verdächtige behandelt worden sei. Gleichwohl habe er von sich aus und ohne entsprechende Nachfrage betont, dass die Beschwerdeführerin nicht die Täterin gewesen sei. Erst im Berufungsverfahren habe er seine früheren Aussagen relativiert und vorgebracht, dass auch ein Dieb als Täter in Frage komme. Insgesamt habe er ein höchst widersprüchliches und angepasstes Aussageverhalten gezeigt, mit dem Bestreben, den Verdacht möglichst von seiner Frau wegzulenken. Mit dieser überzeugenden Begründung kommt die Vorinstanz zum Schluss, die Angaben des Ehemanns würden die Beschwerdeführerin nicht entlasten.