Citation: 4A_555/2022 E. 2.8

2.8. Das Bundesgericht ist streng, wenn kein materielles Rechtsbegehren gestellt wird, obwohl ein solches erforderlich wäre, weil die Rechtsmittelinstanz bei Gutheissung reformatorisch entscheiden könnte: Ein fehlendes materielles Rechtsbegehren macht die Beschwerde grundsätzlich unzulässig (BGE 136 V 131 E. 1.2; 134 III 235 E. 2, 379 E. 1.3). Ferner verwarf das Bundesgericht einen überspitzten Formalismus durch Nichteintreten mangels materiellem Rechtsbegehren in einem Fall, in dem die Erstinstanz nicht auf die Klage eingetreten war, jedoch in einer Eventualbegründung zur Sache Stellung bezogen hatte. Vor diesem Hintergrund hätte der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer mit einem reformatorischen Entscheid des zweitinstanzlichen Gerichts rechnen und also ein materielles Rechtsbegehren stellen müssen (Urteil 4D_71/2020 vom 23. Februar 2021 E. 4.3). Wenn demgegenüber zwar ein materielles Rechtsbegehren gestellt wird, dieses aber mangelhaft ist, gilt: Wie alle Prozesshandlungen sind Rechtsbegehren nach Treu und Glauben auszulegen, insbesondere im Lichte der dazu gegebenen Begründung. Auf die Begründung ist nur zurückzugreifen, wenn das Begehren unklar ist und einer Auslegung bedarf (BGE 137 III 617 E. 6.2; 123 IV 125 E. 1; Urteil 4A_440/2014 vom 27. November 2012 E. 3.3). Eine Pflicht zur Auslegung eines Berufungsantrags besteht indes dann nicht, wenn das - an sich mangelhafte - Begehren den wirklichen Willen der Partei wiedergibt; diesfalls ist vom Wortlaut des Begehrens auszugehen (Urteile 4A_510/2022 vom 22. Dezember 2022 E. 5.1; 5A_342/2022 vom 26. Oktober 2022 E. 2.1.3 mit Hinweisen).