Citation: 1B_422/2018 E. 2.4

2.4. Der Beschwerdegegner bringt vor, es sei unerheblich, ob er als "alleiniger Urheber" in Betracht komme. Bei einer Mittäterschaft erfolge eine wechselseitige Zurechnung der Tatbeiträge. Vorliegend reiche es deshalb, wenn der Verdacht auf eine (Mit-) Urheberschaft an den vorgehaltenen Sprayereien bestanden habe. Soweit das Obergericht einen konkreten Tatverdacht zum relevanten Zeitpunkt bejaht habe, sei diese Sachverhaltsfeststellung für das Bundesgericht verbindlich. Es käme einer Umgehung der Bestimmungen zur notwendigen Verteidigung gleich, wenn die Strafverfolgungsbehörden Verfahrensbeteiligte zu konkreten Vorwürfen zwar formell als beschuldigte Person befragen könnten, ihnen aber nicht alle damit einhergehenden Rechte gewähren müssten. Statt als Auskunftsperson habe die Staatsanwaltschaft ihn als Beschuldigten befragt und bei jeder einzelnen Sprayerei die Frage gestellt, ob er der Urheber sei. Damit habe sie zum Ausdruck gebracht, dass sie ihn als Urheber tatsächlich in Betracht ziehe. Weiter deuteten die Akten auf eine natürliche Handlungseinheit hin. Vermutlich seien in einer einzigen Nacht 65 Sprayereien entstanden, die darüber hinaus einen engen örtlichen Zusammenhang hätten. Im Übrigen sei die Polizei selber ausdrücklich von einem grossen Schaden im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB ausgegangen, als sie am 17. Oktober 2017 eine erkennungsdienstliche Erfassung und die Erstellung eines DNA-Profils beantragte. Weiter sei die Annahme eines durchschnittlichen Schadens von Fr. 1'000.-- mit grosser Wahrscheinlichkeit zu tief, wie auch der Rechtsprechung entnommen werden könne (z.B. Urteil 1P.216/2006 vom 3. Juli 2006 E. 3.4). Selbst bei der Annahme einer mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB komme eine Freiheitsstrafe von über einem Jahr in Betracht. Im Übrigen habe das Bundesgericht auch als zulässig erkannt, die verschiedenen Straftaten in einem Gesamtzusammenhang zu betrachten und anstelle einer Geld- eine Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe zu verhängen (Urteil 6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2 mit Hinweisen).