Citation: I 142/06 25.10.2006 E. 3.3

3.3.1 Ist aufgrund der Umstände des Einzelfalls, insbesondere der Erfahrungswerte aus der Zeit vor Eintritt des Gesundheitsschadens, anzunehmen, dass sich ein Versicherter als Gesunder voraussichtlich dauernd und aus freien Stücken mit einer bescheidenen Erwerbstätigkeit begnügt hätte, ist darauf abzustellen, auch wenn er an sich besser entlöhnte Erwerbsmöglichkeiten hätte. Massgebendes Valideneinkommen ist in solchen Fällen jener Verdienst, welchen er im hypothetischen Gesundheitsfall tatsächlich erzielen würde, und nicht dasjenige, was er bestenfalls verdienen könnte (BGE 125 V 157 Erw. 5c/bb mit Hinweisen; Urteil M. vom 4. April 2002, I 696/01, Erw. 4a). 3.3.2 Der Versicherte war seit Jahrzehnten als selbständiger Schuhmacher tätig. In dieser Zeit hat er sich zwar mit einem sehr niedrigen Einkommen zufrieden gegeben. Im konkreten Fall ist indes nicht von vornherein davon auszugehen, dass er sich im Gesundheitsfall weiterhin mit einem geringen Einkommen begnügen würde. Hätte er bei gleichbleibendem Gesamteinkommen der Ehegatten wohl keinen Grund zur Aufgabe der unrentablen selbständigen Erwerbstätigkeit gehabt, weil der Lebensunterhalt der Ehegatten durch das regelmässige Einkommen der Ehefrau gesichert wurde, die bis kurz vor Antritt des Ruhestandes eine vollzeitliche Anstellung bei einer Grossbank innehatte, so änderte sich die Erwerbsgrundlage mit dem Ersatz des ordentlichen Einkommens durch die Rentenbezüge in erheblichem Ausmass. Nachdem die Ehefrau im Jahr 1998 noch ein Einkommen von Fr. 68'570.- ausgewiesen hatte (Auszug aus dem Individuellen Konto der AHV vom 6. Februar 2006), beliefen sich ihre Rentenbezüge aus erster und zweiter Säule nach der Pensionierung laut Veranlagung der Staats- und Gemeindesteuern 2001 nur noch auf Fr. 34'546.-. Diese Halbierung der Einkünfte fällt vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 1990 bis 1998 lediglich Einkommen zwischen Fr. 6334.- und Fr. 10'300.- erzielte (Auszug aus dem Individuellen Konto der AHV vom 5. Februar 1999), massgeblich ins Gewicht. Die Ehegatten befänden sich mit diesen Werten im Bereich des Existenzminimums, zumal - wiederum laut Steuererklärung - keine flüssigen Vermögenswerte vorhanden sind. Ein anderer Grund für die tatsächlich erfolgte Aufgabe der unrentablen selbständigen Erwerbstätigkeit ist nicht ersichtlich. 3.4 Hat der Beschwerdeführer bei der Neuanmeldung somit nachvollziehbare Gründe für einen hypothetischen Statuswechsel genannt, so ist glaubhaft dargelegt, dass sich eine massgebende Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse ergeben haben könnte. In Anbetracht dessen ist die Verwaltung zu Unrecht nicht auf die Neuanmeldung eingetreten. Sie wird demzufolge zu beurteilen haben, ob sich das Valideneinkommen tatsächlich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in anspruchserheblichem Ausmass verändert hat.