Citation: 1C_587/2022 E. 4.4.2

4.4.2. Auch die Annahme der Vorinstanz, wonach die jeweiligen Strasseneigentümer die Nutzung durch die Allgemeinheit seit nunmehr rund 110 Jahren bewusst geduldet haben, vermögen die Beschwerdeführer nicht als willkürlich umzustossen. Damit wären - neben der formlosen Widmung - auch die Anforderungen an die Unvordenklichkeit erfüllt. Selbst wenn ursprünglich nur eine gewisse (eingeschränkte) Nutzung durch die Öffentlichkeit im Sommer geduldet worden wäre, änderte dies - entgegen den Beschwerdeführern - nichts an der Qualifikation als öffentliche Strasse. Der öffentliche Charakter einer Strasse geht nicht verloren, wenn sie nur mit gewissen Einschränkungen (z.B. nur als Fuss- oder Fahrradweg) oder nur für bestimmte Zwecke (Kirch- oder Schulweg) der Öffentlichkeit gewidmet worden ist, zu diesem beschränkten Gebrauch aber von jedermann benützt werden darf. Es ist zu unterscheiden zwischen der allgemeinen Zweckbestimmung der öffentlichen Strasse als eigentliche öffentlich-sachenrechtliche Widmung, durch die eine Strasse erst zur öffentlichen Strasse erhoben wird, und einer engeren, spezifischen Zweckbestimmung, durch die eine Strasse ihr bestimmtes Gepräge erhält (vgl. WALTER MÜLLER, Die öffentliche Strasse und ihre Benutzung nach Aargauischem Verwaltungsrecht, Diss. Zürich 1973, S. 22; MOSER, a.a.O., S. 110). Für die Widmung ist auf die ursprüngliche, d.h. erstmalige Festlegung der Nutzungsart einer Verkehrsfläche abzustellen (MOSER, a.a.O., S. 110). Über die Jahre hinweg kann sich die Zweckbestimmung oder Nutzungsart einer Verkehrsfläche aufgrund der Verkehrsentwicklung ändern. Eine Anpassung an die veränderte Zweckbestimmung oder Nutzungsart erfolgt in Form einer Umwidmung oder Teilentwidmung, wobei der öffentliche Charakter eine Strasse erhalten bleibt (vgl. MÜLLER, a.a.O., S. 40 ff., insbesondere S. 42). Unter dem Begriff der Umwidmung sind nicht nur sog. Teilentwidmungen, sondern auch gegenteilige Sachverhalte zu verstehen, bei denen eine öffentliche Sache im Gemeingebrauch weiteren Benutzergruppen zugänglich gemacht oder für zusätzliche Benützungsformen zur Verfügung gestellt wird (sog. Widmungsausweitungen; MOSER, a.a.O., S. 42 Fn. 211; TOBIAS JAAG, Verkehrsberuhigung im Rechtsstaat, ZBl 87/1986 S. 295 Fn. 31).