Citation: 6B_563/2022 E. 1.3.2

1.3.2. Die Vorinstanz erwägt zusammengefasst, im Verfahren nach Art. 374 f. StPO gehe es nicht um die Strafbarkeit der betreffenden Person, sondern darum, diese zu bessern und die Allgemeinheit vor einer erhöhten Rückfallgefahr, die sich aus einer psychischen Störung ergibt, zu schützen. Die Tat sei nicht oder zumindest nicht nur die Folge einer hochspezifischen Täter-Opfer-Beziehung, sondern (gerade auch) eine Folge der psychischen Störung, die sich grundsätzlich auch in Rückfalltaten zu Lasten von Opfern ausserhalb des sozialen Nahraums auswirken könne. Der Beschwerdeführer sei bereits vor der Tat wegen verbaler Aussetzer sowie aggressivem Verhalten aufgefallen und Fachleute hätten ihn in seiner manischen Phase zeitweise als fremdgefährlich eingestuft. Unter diesen Umständen überwiege das Interesse der Öffentlichkeit an der Vermeidung von Rückfalltaten dasjenige der nahestehenden Person, dass die beschuldigte Person kein Strafverfahren über sich ergehen lassen und keine Sanktionen gewärtigen müsse. Es bleibe im Verfahren nach Art. 374 ff. StPO schon aus diesem Grund kein Raum für eine Verfahrenseinstellung nach Art. 55a StGB. Eine Sistierung und Einstellung des Verfahrens liege vorliegend aber auch nicht im wohlverstandenen Interesse des Opfers an einer Stabilisierung und Verbesserung seiner Situation i.S.v. Art. 55a Abs. 1 lit. c und Abs. 4 sowie 5 StGB. Liesse man in solchen Fällen eine Verfahrenssistierung zu, würde man das Opfer einem Rückfallrisiko aussetzen, das es mangels einer ausreichenden psychiatrischen Abklärung und therapeutischen Unterstützung des Beschwerdeführers nicht zu überblicken vermöge. Daran ändere auch der Wunsch bzw. die Bereitschaft der Ehefrau nichts, den Beschwerdeführer bei der Genesung und der Wiedereingliederung zu unterstützen. Der Beschwerdeführer leide an einer bipolaren affektiven Störung (ICD-10: F31), einer schwergradigen, chronischen, potenziell lebenslangen psychischen Erkrankung mit guter Behandelbarkeit. Legalprognostisch sei das Verhindern einer Manie von entscheidender Bedeutung. Der Beschwerdeführer habe sich zwar nach seiner Haftentlassung zunächst stationär und danach ambulant behandeln lassen, was positiv zu werten sei, eine freiwillige Behandlung könne indessen jederzeit wieder abgebrochen werden; sie vermöge eine strafrechtliche Massnahme schon mangels Verbindlichkeit nicht zu ersetzen. Sie biete weder für die Ehefrau noch für die Allgemeinheit denselben Schutz wie eine strafrechtliche Massnahme. Aus den dargelegten Gründen sei der Sistierungsantrag abzuweisen (Urteil S. 7 f.).