Citation: 9C_131/2025 E. 2.2.6

2.2.6. Soweit der Steuerpflichtige im vorliegenden Fall meint, er habe gar nicht säumig werden können, weil der Kanton Thurgau als "Leitkanton" gehalten gewesen sei, die Steuererklärung gewissermassen postwendend an den Kanton Aargau weiterzuleiten, findet dies nach dem Gesagten im Bundesrecht keine Grundlage. Anders, als der Steuerpflichtige dies annimmt, sieht weder Art. 39 Abs. 2 StHG noch der darauf gestützte Art. 2 Abs. 2 StHV einen "One-stop Shop" vor. Auch im formell harmonisierten einheitlichen "Steuerraum Schweiz" besteht keine zentrale Anlaufstelle, die sämtliche Eingaben der steuerpflichtigen Personen entgegennimmt und diese sachdienlich weiterverteilt. Das heutige Konzept unterscheidet sich von der früheren Ausgestaltung einzig darin, dass die steuerpflichtigen Personen nicht mehr gehalten sind, die Steuererklärungen aller beteiligten Kantone je einzeln auszufüllen und einzureichen. Diese aufwändige Arbeit wurde dadurch ersetzt, dass die steuerpflichtige Person sich mit dem (rechtzeitigen) Einreichen einer Kopie der Steuererklärung begnügen darf, wie sie diese im Wohnsitz- oder Sitzkanton abgibt. Die übrigen Mitwirkungspflichten bestehen gegenüber dem Kanton der wirtschaftlichen Zugehörigkeit im herkömmlichen Umfang, gemäss dem jeweiligen kantonalen Verfahrensrecht (Art. 2 Abs. 4 StHV; Urteil 9C_674/2022 vom 12. April 2023 E. 7.3). Dies hat die bundesgerichtliche Rechtsprechung verschiedentlich hervorgehoben ("La transmission du contenu de la déclaration du contribuable et de sa taxation par l'autorité de taxation du domicile ou du siège prévue à l'art. 39 al. 2 LHID ne dispense pas les contribuables de leurs propres obligations de déclaration"; Urteil 2C_553/2018 vom 17. Juni 2019 E. 5.3.1; dazu etwa auch Urteil 2C_632/2012 vom 28. Juni 2013 E. 3.2).