Citation: 8C_928/2009 26.04.2010 E. 3

3.1 In tatsächlicher Hinsicht hat das kantonale Gericht festgestellt, die Versicherte habe im Frühjahr des Jahres 2005 an Beschwerden am ganzen Körper, insbesondere an Gelenken, Sehnen und Muskeln zu leiden begonnen. Mit Blick auf die hinsichtlich des Zeitpunkts eines Zeckenstichs vagen Angaben der Versicherten und des Umstands, dass der serologische Nachweis eines Borreliosekontaktes durch Zeckenstich und der entsprechende Ausbruch von Gesundheitsstörungen auch erst viele Jahre nach einem solchen Ereignis möglich sei, könne ein Zeckenstich auch vor dem 1. Januar 2000 erfolgt sein. Hinsichtlich der Versicherungsdeckung bei der Allianz kam die Vorinstanz daher zum Schluss, es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der allenfalls massgebliche Zeckenstich während des seit 1. Januar 2000 bei der Allianz bestehenden Versicherungsverhältnisses eingetreten sei. Die Folgen der Beweislosigkeit habe die Versicherte zu tragen. 3.2 Ausgehend von der vorinstanzlichen Feststellung, dass die Versicherte seit Frühjahr 2005 an den geltend gemachten Beschwerden, namentlich in Form von Arthralgien, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten/-schwäche, Gedächtnisschwierigkeiten, Malaise und Herzbeschwerden leidet, kann den Erwägungen der Vorinstanz insoweit nicht gefolgt werden, als sie einen Symptomausbruch auch viele Jahre nach einem Zeckenstich als möglich erachtet. Diese Schlussfolgerung findet weder in den ärztlichen Unterlagen noch in der medizinischen Literatur eine Stütze. Die klinischen Manifestationen einer Lyme-Borreliose werden nach Zeitpunkt und Lokalisation in Stadium I bis III eingeteilt. Die Symptome in Stadium I (früh/lokalisiert) und II (früh/disseminiert) wie Erythema migrans, grippale und Allgemeinsymptome, Lymphozytom, Befall des Bewegungsapparates (Gelenke [Arthralgien, Arthridien], Muskeln, Knochen und Sehnen), des Nervensystems, des Herzens und der Haut treten dabei innerhalb von Tagen bis Monaten auf; erst in Stadium III (spät/persistierend) können die Symptome Monate bis Jahre nach einem Zeckenstich auftreten (Steffen, Hirsch, Diagnostik der Lyme-Borreliose in: Therapeutische Umschau, 2005, S. 738; Orasch, Itin, Flückiger, Lyme Borreliose in der Schweiz, in: Swiss Medical Forum 2007, S. 852). Ein Stadium III mit chronischen, irreversiblen organischen oder funktionellen Schädigungen stand jedoch bei der Beschwerdeführerin gemäss Aktenlage in diagnostischer Hinsicht nie zur Diskussion. Dies deckt sich mit der vom behandelnden Arzt Dr. med. S.________, Facharzt für Innere Medizin in seinem letztinstanzlich neu eingereichten Schreiben vom 2. November 2009 vertretenen Auffassung - welches Schreiben aufgrund der von der Vorinstanz erstmals mit der Begründung der fehlenden Versicherungsdeckung verneinten Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin als zulässiges Novum berücksichtigt werden darf (Art. 99 Abs. 1 BGG; BGE 135 V 194 E. 3.4 S. 199 f.) - wonach bei unbekanntem Datum eines Zeckenstichs mit grösster Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass der entscheidende, unbemerkte Zeckenstich zwei bis sechs Monate vor Symptomauftritt stattgefunden habe (vgl. ferner S.________, Klinik der Lyme-Borreliose, 3. Auflage, Bern 2010, S. 262 f.). Damit schätzte die Vorinstanz den Zeitraum möglicher Zeckenstiche offensichtlich falsch ein (E.1). Aufgrund des zeitlichen Ablaufs ist vielmehr davon auszugehen, dass die Zeckenstiche während des seit 1. Januar 2000 bei der Allianz bestehenden Versicherungsverhältnisses erfolgten, weshalb die Versicherungsdeckung zu bejahen ist.