Citation: U 292/05 25.05.2007 E. 3

3.1 Nach Art. 6 Abs. 3 UVG erbringt die Versicherung Leistungen für Schädigungen, die dem Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden. Dabei handelt es sich um die Konsequenz des Rechts des Unfallversicherers zur Anordnung von Behandlungsmassnahmen (BGE 128 V 171 E. 1c). Die Haftung erstreckt sich auf Gesundheitsschädigungen, die auf Behandlungsmassnahmen im Anschluss an einen Unfall zurückzuführen sind. Es muss weder ein Behandlungsfehler vorliegen noch der Unfallbegriff erfüllt noch ein Kunstfehler oder auch nur objektiv eine Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht gegeben sein (BGE 118 V 292 E. 3b). Bei den Leistungen handelt es sich nicht um Schadenersatz im Sinne des Haftpflichtrechts, sondern um Versicherungsleistungen nach UVG. Angesichts dieser Konzeption hat der Unfallversicherer nur für Schädigungen aufzukommen, die in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit den durch den versicherten Unfall erfolgten Heilbehandlungen und medizinischen Untersuchungen stehen (BGE 128 V 171 E. 1c mit Hinweisen). Da es nicht um Unfall-, sondern um Heilbehandlungsfolgen geht, ist von einer Adäquanzbeurteilung nach Massgabe der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen unter Berücksichtigung unfallbezogener Kriterien (BGE 115 V 133) Abstand zu nehmen. Stattdessen ist, wie beispielsweise auch bei Berufskrankheiten (BGE 125 V 464 E. 5d), Beschwerdebildern im Zusammenhang mit einer Lyme-Borreliose (RKUV 2001 Nr. U 432 S. 321) oder Schreckereignissen ohne körperliche Verletzung der versicherten Person (BGE 129 V 184 E. 4.2) auf die allgemeine Adäquanzformel zurückzugreifen. Das heisst es ist zu fragen, ob die allenfalls nicht lege artis durchgeführte ärztliche und psychotherapeutische Behandlung nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 461 E. 5a mit Hinweisen). 3.2 Dr. med. K.________ gibt in der Expertise vom 19. Mai 2003 zu verstehen, die psychiatrische Behandlung des Versicherten habe zu spät eingesetzt, die psychotherapeutische Arbeit von Frau A.________ habe auf einer falschen Diagnose beruht und sei zudem in einer Art und Weise durchgeführt worden, als hätten die Ausfälle eine organische (neurologische) Grundlage. Im Lichte dieser ärztlichen Ausführungen und in Berücksichtigung der nach dem Unfallereignis angeordneten Behandlungen, deren Zweckmässigkeit teilweise zumindest fraglich erscheint, indem der Beschwerdeführer trotz Psychogenie der Lähmungserscheinungen zunächst wie ein Tetraplegiker mit neurologischen Ausfällen behandelt wurde, lässt sich eine Fehlbehandlung im Sinne von Art. 6 Abs. 3 UVG nicht ohne weiteres ausschliessen. Eine gesamthafte Würdigung der medizinischen Unterlagen zeigt, dass der Gesundheitsschaden des Versicherten möglicherweise in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit den infolge des Unfalls durchgeführten Heilbehandlungen und Abklärungsmassnahmen steht. Um diese Frage abschliessend zu klären, wären ergänzende Beweismassnahmen unabdingbar. Darauf kann jedoch verzichtet werden. Selbst wenn aufgrund zusätzlicher Abklärungen der natürliche Kausalzusammenhang zu bejahen wäre, fehlt es an dem für die Leistungspflicht der SUVA nach Art. 6 Abs. 3 UVG überdies erforderlichen adäquaten Kausalzusammenhang, wie die nachstehenden Erwägungen zeigen. 3.3 Eine allenfalls nicht lege artis durchgeführte psychologische Behandlung von beschränkter Dauer und die zeitweilige Anordnung unzweckmässiger Therapien sind nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet, eine funktionelle inkomplette Tetraplegie zu bewirken. Vielmehr führen solche Behandlungsfehler in aller Regel nicht so schwerwiegende, sich auf somatischer Ebene derart eindrücklich manifestierende psychische Gesundheitsschäden herbei. Eine so weit reichende psychische Störung ist nicht mehr adäquat, das heisst auch in einem weiten Sinne nicht mehr angemessen und "einigermassen typisch" (BGE 115 V 141 E. 7 mit Hinweis auf Oftinger, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd. I, 4. Aufl., S. 75).