Citation: 6S.192/2003 01.10.2003 E. 5

Die Beschwerdeführerin stellt sich schliesslich auf den Standpunkt, der Unfall sei nicht vermeidbar gewesen. Dabei wendet sie sich namentlich gegen die Annahme der Vorinstanz, aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung könne darauf geschlossen werden, dass auch bei schlechten Witterungsverhältnissen eine Sichtweite von mindestens 35 bis 40 Metern bestehe. 5.1 Die Vorinstanz gelangt gestützt auf das verkehrstechnische Gutachten zum Schluss, der Unfall wäre vermeidbar gewesen, mindestens hätten seine schwerwiegenden Folgen gemildert werden können. Wohl seien die Sichtbedingungen angesichts der Licht- und Witterungsverhältnisse schlecht gewesen. Es gebe aber nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, dass die generelle Sichtweite zum damaligen Zeitpunkt deutlich unter 50 Metern gelegen habe. Ebenso sei davon auszugehen, die Distanz, innerhalb welcher die Beschwerdeführerin das mit eingeschalteter Beleuchtung auf dem Trottoir und der Strasse entgegenkommende Fahrrad hätte erkennen können, habe nicht unter 35 Metern gelegen. Die Beschwerdeführerin hätte bei Aufwendung der gebotenen Aufmerksamkeit das Opfer so rechtzeitig erkennen können, dass sich die Kollision - wenn nicht vermeidbar - aufgrund eines Bremsmanövers jedenfalls mit erheblich geringerer Kollisionsgeschwindigkeit ereignet hätte. Damit hätte sich zumindest die schwere Körperverletzung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vermeiden lassen. 5.2 Ein Schuldspruch nach Art. 125 Abs. 2 StGB erfordert neben der Vorhersehbarkeit des Erfolgs zusätzlich, dass derselbe auch vermeidbar war. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Dabei genügt es für die Zurechnung des Erfolgs, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolges bildete (BGE 121 IV 286 E. 3 mit Hinweisen).