Citation: 6B_1261/2023 E. 2.4.2

2.4.2. Die Vorinstanz überschreitet zudem die ihr zustehende Kognition. Wie vom Beschwerdeführer zu Recht gerügt, wirft es zunächst Fragen auf, wenn diese die erstinstanzliche Sachverhaltsfeststellung (wonach der Beschwerdeführer mit ungenügendem Abstand hinter dem voranfahrenden Fahrzeug gefahren sei) stützt, in der Folge aber dennoch "zu Gunsten" des Beschwerdeführers von einer ausreichenden Distanz ausgeht. Dies erweist sich im vorliegenden Fall insofern als unzulässig, als die Vorinstanz damit keine blosse rechtliche Eventualbegründung vornimmt, sondern vom erstinstanzlich festgestellten Sachverhalt abweicht, indem sie diesen ergänzt. So stellt sie namentlich neu fest, aufgrund der Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers sei von einer Fahrgeschwindigkeit von ungefähr 80 km/h und von einem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug von 30 Metern auszugehen. Nach der Faustregel "halber Tacho" sei bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h ein Abstand von 40 Metern einzuhalten gewesen. Weiter trifft die Vorinstanz die Feststellung, eine Vollbremsung bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h mit einem schwerfälligen Oldtimer-Fahrzeug ohne Fahrzeugassistenzsysteme und ABS sei nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge geeignet, einen Schleudervorgang auszulösen, der zum Verlust der Herrschaft über das Fahrzeug im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG führe, was für den Beschwerdeführer voraussehbar gewesen sei. Sie erwägt weiter, das Bremsmanöver des Beschwerdeführers sei verfehlt gewesen. Indem die Vorinstanz obige Sachverhaltsfeststellungen selbst nachholt und massgebende Umstände erstmals und mittels einer eigenen Beweiswürdigung anhand der in den Akten befindlichen Aussagen des Beschwerdeführers feststellt, nimmt sie im Sinne einer Berufungsinstanz mit vollumfänglicher Kognition eine eigentliche Neubeurteilung des Sachverhalts vor, und zwar sowohl bezüglich des objektiven wie des subjektiven Tatbestands. Dies ist vorliegend unzulässig (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_786/2020 vom 11. Januar 2021 E. 3.1 [nicht publ. in BGE 147 IV 274]; 6B_426/2019 vom 31. Juli 2019 E. 1.3; DANIEL JOSITSCH/NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 4.A. 2023, N 13 zu Art. 398 StPO; NIKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, Bern 2020, S. 648 Rz 2102).