Citation: 1B_289/2022 E. 5.4.2

5.4.2. Der Beschwerdeführer bringt sodann vor, es verstosse gegen die Unschuldsvermutung, dass ihm im Rahmen des Prognosekriteriums "Bisherige Kriminalitätsentwicklung" sein Vorleben vorgeworfen werde, obwohl es nie zu einer Verurteilung gekommen sei. Der Beschwerdeführer verkennt, dass die Unschuldsvermutung auf die Erstellung einer Gefährlichkeitsprognose keine Anwendung findet (Urteile 6B_1172/2020 vom 21. Dezember 2020 E. 1.7.1; 6B_11163/2019 vom 14. Dezember 2019 E. 2.4.2). Bei der forensisch-psychiatrischen Gefährlichkeitsbeurteilung ist es der Sachverständige, welcher sämtliche für seine Einschätzung relevanten Tatsachen und Fallmerkmale erfassen und gewichten muss. Die auftraggebende Behörde gibt ihm zwar Kenntnis von den nach den jeweiligen beweisrechtlichen Vorgaben erhobenen Tatsachen, soweit deren Feststellung Sache der Behörde ist. Der Sachverständige würdigt die für die Beurteilung der Rückfallgefahr relevanten tatsächlichen Elemente dann aber nach den anerkannten Regeln der forensisch-psychiatrischen Wissenschaft. Dieser Aufgabe könnte er nicht nachkommen, wenn er für seine fachliche Beurteilung ausschliesslich tatsächliche Gesichtspunkte heranziehen dürfte, die dem rechtlichen Zweifelsgrundsatz standhalten. Ein einzelnes Element kann auch dann zur Beurteilung eines Gefährlichkeitsmerkmals herangezogen werden, wenn es isoliert betrachtet als unsicher erscheint (Urteil 6B_582/2017 vom 19. Juni 2018 E. 3.3.3). Entsprechend ist es nicht zu beanstanden, dass die Gutachterin (unter ausdrücklichem Hinweis, dass der Beschwerdeführer bislang weder angeklagt noch verurteilt worden sei) den Umstand, dass es bereits früher wiederholt zu polizeilichen Interventionen gekommen sei, als aus forensisch-psychiatrischer Sicht ungünstiges Kriterium wertete (vgl. Urteil 1B_207/2022 vom 18. März 2022 E. 4.4.3, wo berücksichtigt wurde, dass die Polizei vor der Anlasstat insgesamt 17 Mal ausrücken musste). Dies entspricht auch der bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend die Legalprognose im Hinblick auf die Beurteilung der Bewährungsaussichten, bei welcher auch aus eingestellten Strafverfahren gewonnene Erkenntnisse, die Schlüsse auf das Vorleben und den Charakter eines Täters zulassen, beachtet werden dürfen (Urteile 6B_328/2021 vom 13. April 2022 E. 4.4; 6B_488/2011 vom 27. Dezember 2011 E. 4.3).