Citation: I 164/99 20.03.2000 E. 3

3.- Die Physiotherapeutin H.________ führte in ihrem Bericht vom 11. Juni 1992 aus, dass die Beschwerdegegnerin seit 1986 wegen einer Paraplegie zwei Mal monatlich auf ärztliche Verordnung bei ihr in Behandlung sei. Beschwerden verursache der Versicherten, da sie zu 80 % berufstätig sei und ständig sitzen müsse, auch die starke Skoliose, welche die Wirbelsäule im lumbovertebralen Bereich aufweise. In seinem Bericht vom 18. Juni 1991 hielt Dr. med. E.________, fest, dass es sich bei der seit Jahren durchgeführten Phy- siotherapie, welche vorwiegend aktive Heilgymnastik bein- halte, um eine Dauertherapie zwecks Erhalt des neurologi- schen Status quo handle. Auf die Notwendigkeit ständiger Physiotherapie zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit wies auch Dr. med. B.________, FMH Allgemeinmedizin, in seinem Be- richt vom August 1998 hin. Aus diesen medizinischen Unterlagen zieht das Be- schwerde führende Bundesamt zu Recht den Schluss, dass die bei der Beschwerdegegnerin seit Jahren durchgeführte Phy- siotherapie voraussichtlich dauernd weiter benötigt wird, weshalb die in Frage stehenden Vorkehren nicht auf stabile Folgen der Lähmungen und damit auch nicht auf einen zumin- dest relativ stabilisierten Zustand gerichtet sind. Bei den umstrittenen Therapien handelt es sich vielmehr primär da- rum, den durch Abnützung der Wirbelsäule hervorgerufenen Problemen des Rückens und der bestehenden grossen Rezidiv- gefahr durch dauernde physiotherapeutische Behandlung vor- zubeugen und auf diese Weise den Zustand einigermassen im Gleichgewicht zu halten (vgl. Erw. 1 hievor). Wie das Bun- desamt zutreffend darlegt, liegt damit ein im Sinne der Rechtsprechung stationärer, nicht aber stabiler Zustand vor, weshalb die anbegehrten Therapien invalidenversiche- rungsrechtlich als Behandlung des Leidens an sich zu bewer- ten sind. Bei diesen Gegebenheiten kann die streitige Phy- siotherapie rechtsprechungsgemäss (AHI 1999 S. 125) nicht als medizinische Eingliederungsmassnahme im Sinne von Art. 12 IVG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 3 IVV qualifi- ziert werden. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin beruht dabei offenbar auf der früheren, seit längerem überholten Rechtsprechung gemäss BGE 100 V 37 (vgl. AHI 1999 S. 125), so dass insofern nichts zu ihren Gunsten abgeleitet werden kann. Dass die vorgenommenen Behandlungen sich günstig auf die Arbeits- resp. Erwerbsfähigkeit auswirken bzw. für die Erhaltung derselben wesentlich sind, wie sich insbesondere den Berichten der Physiotherapeutin H.________ vom 11. Juni 1992 und des Dr. med. B.________ vom August 1998 entnehmen lässt, gibt zu keiner andern Beurteilung Anlass. Denn ein - in der Regel mit jeder Therapie verbundener - Eingliede- rungserfolg allein ist nicht entscheidend dafür, ob eine medizinische Vorkehr als Eingliederungsmassnahme im Sinne des Art. 12 Abs. 1 IVG anerkannt werden kann (BGE 120 V 279 Erw. 3a, 115 V 194 Erw. 3, 112 V 349 Erw. 2). Unter diesen Umständen erübrigen sich weitere Abklärungen und muss es bei der Feststellung sein Bewenden haben, dass die Invali- denversicherung die anbegehrte, an sich zweckmässige und sinnvolle Physiotherapie gleichwohl nicht zu übernehmen hat, indem die Massnahme in den Bereich der Krankenversi- cherung gehört.