Citation: 7B_42/2024 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz geht zunächst davon aus, dass die (übrigen) Mitglieder der Berufungskammer gegenüber der Beschwerdeführerin als Vizepräsidentin der Kammer befangen seien und für die Beurteilung des Ausstandsgesuchs betreffend die Beschwerdekammer in den Ausstand treten müssten. Von aussen und objektiv entstehe der Eindruck, die ordentlichen und nebenamtlichen Richterpersonen der Berufungskammer könnten nicht ausreichend unabhängig und unbefangen über die Anträge ihrer eigenen Vizepräsidentin entscheiden, wenn diese persönlich als Verfahrenspartei auftrete. Im äusseren Erscheinungsbild des Gerichts bestünden in den Augen Aussenstehender konstellationsbedingt Zweifel, wenn - bildlich gesprochen - die gleiche Richterperson im einen Fall mit ihren Kollegen im Richtergremium sitze und im nächsten Fall den gleichen Kolleginnen als Partei gegenüberstehe. Anders verhalte es sich, so die Vorinstanz weiter, mit den Mitgliedern der Beschwerdekammer, der die Beschwerdeführerin nicht angehört. Die Beschwerdekammer habe ihr eigenes Präsidium und ihren eigenen Zuständigkeitsbereich. In dieser Konstellation entstehe in der Aussenwahrnehmung nicht der Eindruck, die Richterpersonen könnten nicht ausreichend unabhängig und unbefangen über die Anträge einer Richterkollegin aus einer anderen Kammer entscheiden, wenn diese persönlich als Verfahrenspartei auftrete. Die punktuelle Aushilfe von Mitgliedern der Beschwerdekammer in der Berufungskammer ändere daran nichts. Eine Ausnahmebestimmung wie Art. 38c StBOG betreffend die Berufungskammer gebe es für die Beschwerdekammer nicht, weshalb die Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 37 StBOG ausnahmslos gälten und es gesetzlich vorgesehen sei, dass die Beschwerdekammer über die StPO-Beschwerde zu befinden habe. Der Kollegialspruchkörper, bestehend aus Richtern einer anderen Kammer, habe seinen Entscheid schriftlich, rational und nachvollziehbar zu begründen. In dieser Begründung und im kollegialen Diskurs könnten subjektive Richtigkeitsüberzeugungen hinterfragt und sachfremde Festlegungen aufgedeckt werden. Das entspreche auch der Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach die allgemeine, vom konkreten Fall losgelöste Zusammenarbeit am Gericht die Unvoreingenommenheit der urteilenden Richter nicht generell infrage stelle.