Citation: U 483/05 30.06.2006 E. 3

Dr. med. D.________, Facharzt für Innere Medizin, diagnostizierte am 20. August 2002 eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) bei Schleudertrauma. Neurologisch seien keine Ausfälle festzustellen. Die Röntgenaufnahmen hätten keine ossären Läsionen und das MRI keine Discushernien oder Bandläsionen ergeben. Der Hausarzt, Dr. med. B.________, hielt am 26. August 2002 fest, weder aus dem Röntgenbild noch dem MRI vom 12. August 2002 seien Läsionen erkennbar; es bestehe aber eine ausgeprägte Fehlhaltung der HWS. Ab 3. August 2002 bestehe volle Arbeitsunfähigkeit für voraussichtlich sechs Wochen. Am 2. Oktober 2002 berichtete er, unter antiphlogistischer und Physiotherapie zeige sich nur eine langsame Besserung. Zur Zeit bestehe wieder eine starke Blockierung der unteren HWS. Weiter erwähnte er rezidivierende Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen sowie Schmerzen in der rechten Schulter und dem rechten Arm. Dr. med. M.________, Facharzt für Neurologie, diagnostizierte am 18. Oktober 2002 einen Status nach Autounfall mit HWS-Distorionstrauma und hielt ein ausgeprägtes Zervikalsyndrom mit schmerzhafter Muskulatur im Bereich des Nackens, des Schultergürtels und der oberen Extremitäten mit Ausstrahlung in den Rücken fest. Die Behandlung mit Physiotherapie und exzessiver Einnahme von Schmerzmitteln sei nicht adäquat. Sollten die Beschwerden in den nächsten Wochen nicht regredient sein, sei eine stationäre Rehabilitation zu erwägen. Die Arbeitsgruppe für Unfallmechanik kam in ihrer biomechanischen Kurzbeurteilung vom 11. Februar 2003 zum Schluss, die Beschwerden und Befunde seien durch die Kollisionseinwirkung allein im Normalfall nicht erklärbar; im Hinblick auf den zweiphasigen Kollisionsablauf mit letztlich nicht genau eruierbaren Insassenbewegungen und dem gegebenen Vorzustand (Verkehrsunfall 1990) seien diese eher erklärbar. Der Kreisarzt hielt in seinem Bericht vom 21. März 2003 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % innerhalb eines halben Arbeitspensums als Arbeitsversuch ab 19. März 2003 fest und empfahl den Versuch einer Akupunkturtherapie sowie infolge der privaten psychischen Probleme eine Abklärung bei Dr. med. U.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 6. Februar 2004 gab die Versicherte an, auf Grund der Polyarthritis arbeite sie seit November 2003 nicht mehr. Es bestünden noch Restbeschwerden im Bereich der HWS und BWS; insgesamt sei sie mit dem Verlauf an der HWS zufrieden. Die wöchentlichen Sitzungen bei Dr. med. U.________ täten ihr gut. Der Kreisarzt empfahl die weitere Behandlung bei Dr. med. U.________ und Dr. med. A.________. Organisch stünden die Beschwerden bezüglich der Polyarthritis im Vordergrund; anders sehe es im psychischen Bereich aus, wo nach wie vor Angst im Strassenverkehr angegeben werde. Unter Ausschluss der physischen und psychischen Folgen der Polyarthritis seien alle durchschnittlichen Frauenarbeiten ganztags zumutbar. Dr. med. A.________, Facharzt für Innere Medizin, speziell Rheumatologie, diagnostizierte am 5. Mai 2003 den Status nach wahrscheinlichem HWS-Distorsionstrauma am 2. August 2002 mit persistierender leichter Funktionsstörung C0/1 und C1/2 rechts und persistierendem Thorakovertebralsyndrom Th3/4 rechts bei möglicher Restblockierung und Verdacht auf interspinale Ligamentose Th3/4, sowie eine beginnende seropositive chronische Polyarthritis mit wahrscheinlichem Krankheitsbeginn im Herbst 2002. Wegen der im Vordergrund stehenden entzündlich-rheumatischen Erkrankung sei primär eine cardiale Mitbeteiligung ausgeschlossen worden. Auf Grund der Behandlung sei die polyartikuläre Symptomatik regredient. Ab 28. April 2003 sei eine Arbeit von 3 Stunden pro Tag zumutbar, wobei eine weitere Steigerung wahrscheinlich bald möglich sei. Am 23. September 2003 berichtete Dr. med. A.________ über die weitere Behandlung. Die Inklinationsfähigkeit der HWS sei stark verbessert. Die Schmerzen im Bereich der oberen cranialen BWS und HWS seien stark regredient. Die HWS-Beweglichkeit sei uneingeschränkt und praktisch schmerzfrei. Die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit betrage ca. 25 %, der Rest sei krankheitsbedingt. Es sei damit zu rechnen, dass die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit in ein bis zwei Monaten gänzlich wegfalle. Die weitere Beschäftigung als Krankenpflegerin sei infolge der chronischen Polyarthritis, also krankheitsbedingt, nicht möglich. Dr. med. U.________ diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1), eine Panikstörung sowie die HWS-Distorsionsproblematik. Hinzu komme eine offenbar recht schwere Polyarthritis (Bericht vom 5. September 2003). Im Bericht vom 6. April 2004 hielt er fest, er könne sich nicht zu möglichen Unfallfolgen am Bewegungsapparat äussern; dies habe durch einen Rheumatologen zu erfolgen. Aus psychischer Sicht gebe es zwei mit dem Unfall zusammenhängende Problemkreise. Die Angst-/Panikstörung habe sich unter kognitiver Verhaltenstherapie etwas gebessert. Die posttraumatische Belastungsstörung sei nach wie vor aktiv; die Versicherte träume ein- bis zweimal pro Monat vom Unfall. Die Ängste um die Tochter bestünden noch in quälendem Ausmass, welches als mittelschwer einzustufen sei. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit von etwa 20 %. Anlässlich der Abklärung der Versicherten durch den Versicherungspsychiatrischen Dienst der SUVA gab sie an, sie werde nun am Spital X.________ behandelt. Auf Grund der aktuellen Abklärungen sei nicht klar, an welcher Autoimmunkrankheit sie genau leide. Die verstärkten Beschwerden im Bereich der BWS und HWS führe sie auf das Absetzen des NSAR zurück; dies zeige, dass noch somatische Unfallfolgen bestünden. Der Experte schloss sich der Einschätzung der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit von 20 % im psychischen Bereich durch Dr. med. U.________ an. Die seit November 2003 bestehende volle Arbeitsunfähigkeit sei krankheitsbedingt und die Versicherte wäre auch ohne die psychischen Symptome nicht arbeitsfähig. Retrospektiv sei die 20 % übersteigende Arbeitsunfähigkeit zwischen Frühjahr und Herbst 2003 nicht psychisch begründet (Bericht vom 28. Juni 2004).