Citation: 5C.123/2002 07.08.2002 E. 2

2.1 Die Klägerin macht geltend, das Obergericht habe Art. 641 Abs. 2 i.V.m. Art. 930 und 936 ZGB sowie Art. 20 OR falsch angewandt und damit Bundesrecht verletzt. Wer Ware versende, sei zwingend ihr Besitzer. Da sie die fraglichen Pelzwaren in Hong Kong nachweislich verschickt habe, sei ihr Besitz in objektiver Hinsicht bewiesen. Indem sie die Ware der Fur Supply & Trading Ltd. in Rechnung gestellt habe, sei auch ihr subjektiver Besitzwille dokumentiert. Als Besitzerin im Zeitpunkt der Versendung der Pelzwaren dürfe sie die Rechtsvermutung von Art. 930 Abs. 2 ZGB beanspruchen und gestützt hierauf das vorliegende Vindikationsbegehren stellen. 2.2 Das Obergericht hat für das Bundesgericht verbindlich festgestellt (Art. 63 Abs. 2 OG), der Klägerin sei der Nachweis nicht gelungen, dass die von ihr in Hong Kong versandte Pelzware mit der nunmehr bei der Beklagten herausverlangten identisch sei. Das Bundesgericht hat die dagegen gerichtete staatsrechtliche Beschwerde mit Entscheid heutigen Datums abgewiesen, soweit darauf einzutreten war, und befunden, entgegen der Behauptung der Klägerin habe das Obergericht nicht davon ausgehen dürfen, die Identität der Pelzware sei von der Beklagten unbestritten und damit zugestanden. Fehlt es am Beweis der Warenidentität, spielt es keine Rolle, ob die Klägerin Besitzerin der in Hong Kong aufgegebenen Ware (gewesen) ist oder nicht. Die Rüge, die Vorinstanz habe Art. 930 Abs. 2 und Art. 936 ZGB verletzt, stösst ins Leere und die Berufung ist abzuweisen. Bei diesem Ergebnis kann offen gelassen werden, ob die Berufung nicht ohnehin auch bei nachgewiesener Warenidentität an der fehlenden Darlegung der heutigen Besitzesverhältnisse scheitern würde: Die Eigentumsvermutung des früheren Besitzers nach Art. 930 Abs. 2 ZGB gilt nur für die Zeit seines Besitzes, während für die spätere Zeit keine Vermutung besteht (Stark, Berner Kommentar, N. 45 zu Art. 930 ZGB). Wenn die Klägerin heute in der Schweiz eine Vindikationsklage anstrengt, dürfte es deshalb nicht genügen, auf den (behaupteten) Besitz im Zeitpunkt des Versandes in Hong Kong hinzuweisen, vielmehr wäre der Nachweis zu erbringen, dass sie im heutigen Zeitpunkt immer noch selbständigen Besitz an der versandten Ware hat. Hierfür müsste die Klägerin aufzeigen, wer gegenwärtig aus welchem Rechtsgrund für sie den Fremdbesitz innehat.