Citation: U 88/01 24.12.2002 E. 4

Umstritten ist weiter, inwieweit die Arbeitsfähigkeit der Versicherten durch die somatischen Beschwerden eingeschränkt ist. 4.1 Im Gutachten der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Spitals G.________ vom 11. Mai 1995 werden eine posttraumatische leichte Coxarthrose (linkes Hüftgelenk) bei Status nach Hüftluxationsfraktur und Acetabulumfraktur, ein Status nach rechtsseitiger vorderer Beckenringfraktur sowie eine traumatische Ischiadicusläsion links leichten Ausmasses diagnostiziert. Durch die Unfallfolgen sei die Beschwerdegegnerin in Bezug auf das Heben und Tragen von Lasten (über 5 kg) sowie Gehen (nicht länger als fünf Minuten), Stehen (nicht länger als 15 Minuten) und länger dauerndes Sitzen (in normalem Rahmen möglich) eingeschränkt. Die Ausübung der angestammten Tätigkeit sei der Versicherten zu "zumindest 50 %" möglich bei voller Leistung. In Bezug auf eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit in einem Industriebetrieb (wie Sortierarbeiten, Überwachungs- und Kontrollfunktionen) betrage die Arbeitsfähigkeit 75 %, wobei jede Viertelstunde eine kurze Pause eingeschaltet werden könne (gemeint wohl: müsse). Unfallfremde Faktoren wurden bei dieser Beurteilung nicht berücksichtigt. Laut dem MEDAS-Gutachten vom 23. Dezember 1996 besteht in rheumatologischer Hinsicht (Konsilium des Dr. med. J.________) die Diagnose einer beginnenden sekundären Coxarthrose links mit Periarthropathie. Das neurologische Konsilium (Dr. med. D.________) ergab eine residuelle posttraumatische Läsion des Nervus ischiadicus links, mit mässig- bis mittelschweren sensomotorischen Ausfällen des peronealen Anteils sowie leichten sensiblen Aus-fällen des tibialen Anteils. Funktionell wirke sich diese Ischiadikusläsion bei entsprechender Belastung mit vorzeitiger Ermüdbarkeit aus, besonders beim Gehen, weniger im Stehen, nicht im Sitzen. Gemäss der psychiatrischen Exploration (Dr. med. B.________) liegt als Diagnose mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor. Die Gutachter der MEDAS beziffern die Arbeitsfähigkeit - unter Berücksichtigung der Gesamtsymptomatik - sowohl in Bezug auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Angestellte in einer Seidengazefabrik als auch für jede andere vergleichbare, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit auf rund 60 %. 4.2 Die Ergebnisse des MEDAS-Gutachtens vom 23. Dezember 1996, welches in Bezug auf die angestammte oder eine vergleichbare Tätigkeit von einer Ar-beitsfähigkeit von rund 60 % ausgeht, wobei auch nicht (adäquat) unfallkausale, psychische Faktoren einbezogen werden, sind mit der Einschätzung der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Spitals G.________ (Gutachten vom 11. Mai 1995) vereinbar, wonach die Arbeitsfähigkeit in einer leichten und wechselbelastenden Tätigkeit (unter Ausblendung der psychischen Befunde und mit der Notwendigkeit häufiger Pausen) 75 % beträgt. Die Ergebnisse der durch die Invalidenversicherung durchgeführten beruflichen Abklärungen können demgegenüber für die Belange der Unfallversicherung nicht von entscheidender Be-deutung sein, weil sich dabei zwangsläufig auch die nicht (adäquat) unfallkau-salen psychischen Beschwerden auswirken mussten. Die IV-Stelle erklärte die Abweichung der Ergebnisse dieser Abklärungen von den medizinischen Beur-teilungen denn auch mit stärkeren Auswirkungen des psychischen Beschwerde-bildes. Für die unfallversicherungsrechtliche Beurteilung ist mit der SUVA ge-stützt auf die medizinischen Akten davon auszugehen, dass die Beschwerde-gegnerin in Bezug auf eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit zu 75 % ar-beitsfähig ist.