Citation: 5P.47/2003 04.09.2003 E. 4.3

4.3.1 Das Bezirksgericht Baden hat auf 2 ½ Seiten verschiedene tatbeständliche Elemente gewürdigt, bevor es zum Schluss gelangt ist, dass der fragliche Artikel im X.________ für die Absage durch die V.________ AG nicht ursächlich war: Ausgehend vom Absageschreiben vom 17. August 1992 des Mehrheitsaktionärs der V.________ AG, U.________, der daselbst auf das Gerede der Leute um den Kläger herum, auf den Artikel und auf die inzwischen unvorteilhaft gewordene Wirtschaftslage Bezug nimmt, hat es in der Folge dieselben Argumente vertieft im Lichte der Zeugenaussage von U.________ analysiert. Diese Zeugenaussage hat als weiteres, besonders wichtiges Entscheidungselement für die Absage auch die persönliche Freundschaft des Klägers und Beschwerdegegners zu T.________ erkennen lassen. Das Absageschreiben präzisierend soll dann der Zeuge wieder auf die zahlreichen, von verschiedenen Seiten her kommenden Gerüchte hingewiesen haben, die ihm das Ganze als doch zu riskanten Schritt habe erscheinen lassen. Der Zeuge ist allerdings angeblich nicht in der Lage gewesen zu bestätigen, dass das Gerede der Leute durch die erschienenen Presseerzeugnisse bedingt gewesen sei. Das Bezirksgericht gelangt zum Ergebnis, dass der fragliche X.________-Artikel für die Absage nicht adäquat-kausal gewesen sei: Von besonderer Relevanz für diesen Schluss sei nach Meinung des Bezirksgerichtes gewesen, dass der Nachweis eines entscheidenden Einflusses der Presse auf die kursierenden Gerüchte nicht in rechtsgenüglicher Weise erbracht worden sei, was auch daraus erhelle, dass bis zum Zeitpunkt der Absage nur drei, den Kläger betreffende Artikel erschienen seien, wovon nur derjenige vom 2. Juli 1992 konkrete Anschuldigungen an seine Adresse enthalten habe. Die erste Instanz hat sich nicht damit begnügt, aus dem Urteil vom 13. Dezember 1994 das sich daraus ergebende Gesamtbild einer Persönlichkeitsverletzung zu übernehmen, sondern hat aus jenem Urteil die damals vom Gericht festgestellten einzelnen Sachverhaltselemente herauskristallisiert und sie dahingehend gewürdigt, ob und allenfalls inwiefern sie als für den behaupteten Schaden des Klägers ursächlich sein konnten. Diese Vorgehensweise ist wegen der sich nun neu stellenden Frage der allfälligen Schadenersatzpflicht der Beschwerdeführerin durchaus angemessen und verdient prinzipielle Zustimmung. 4.3.2 Diesen Überlegungen der ersten Instanz, wie ausgeführt 2 ½ Seiten füllend, widmet das Obergericht lediglich 8 ½ Zeilen: Die ersten 5 sind der natürlichen Kausalität, die folgenden 3 ½ der Adäquanz gewidmet. Und in diesen 8 ½ Zeilen ist nicht im Ansatz eine Begründung enthalten: Soweit es um die natürliche Kausalität geht, begnügt sich nämlich das Obergericht mit der lakonischen Behauptung, auf Grund der - im angefochtenen Entscheid nur sehr oberflächlich diskutierten - Zeugenaussage U.________ lasse sich "entgegen der Vorinstanz" nicht sagen, der X.________-Artikel vom 2. Juli 1992 sei für die Absage nicht ursächlich gewesen; zumindest müsse er als Teilursache angesehen werden. Und für die Adäquanz genügt dem Obergericht der Hinweis auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge und die allgemeine Lebenserfahrung: Beide würden zeigen, dass der Artikel für eine solche Absage einer Zusammenarbeitsvereinbarung sicher geeignet war. 4.3.3 Dies ist keine Begründung, aus welcher die Anspruchsgrundlagen für den dem Kläger und Beschwerdegegner zugesprochenen Schadenersatz erhellen würden. Das Obergericht hat überhaupt nicht erläutert, wieso es zu einem anderen Ergebnis als das Bezirksgericht gelangen musste, obwohl es dessen Begründung über zwei Seiten wiedergibt: Hatte z.B. das Bezirksgericht in überzeugender Weise dargelegt, dass nicht hatte bewiesen werden können, dass der Zeitungsartikel für die Verbreitung der Gerüchte ursächlich gewesen war, sucht man im obergerichtlichen Urteil vergeblich eine Stellungnahme zu dieser Schlussfolgerung. Die Lückenhaftigkeit der Begründung fällt vorliegend besonders schwer ins Gewicht, erweist sich doch die Übernahme der Erwägungen zur Widerrechtlichkeit des fraglichen Zeitungsartikels, die das Bezirksgericht Baden im Urteil vom 13. Dezember 1994 formuliert hatte, im Hinblick auf die Frage einer allfälligen Schadenersatzpflicht der hiesigen Beschwerdeführerin als äusserst delikat: Denn selbst wenn man im Sinne einer Gesamtbetrachtung nicht nur den Titel als solchen, sondern die Verbindung von Titel und Text als rechtswidrig betrachten darf, ohne in Willkür zu verfallen (s. E. 3.3 vorne), darf mit Fug bemerkt werden, dass für die Würdigung der Haftpflicht der Beschwerdeführerin eine gesonderte Auseinandersetzung mit den einzelnen, im fraglichen Zeitungsartikel aufgestellten, vom Bezirksgericht damals als rechtmässig taxierten Behauptungen absolut unverzichtbar gewesen wäre. Ebenso hat das Obergericht nicht auseinander gesetzt, welche Rolle die Rezession bei der Nichtanstellung des Beschwerdegegners gespielt haben soll, wogegen das Bezirksgericht festgestellt hat, nach der Absage an den Kläger habe die V.________ AG keinen neuen Geschäftsführer eingestellt. Warum diese Tatsache nicht von Bedeutung sein soll, wird im angefochtenen Entscheid nicht dargetan. Und das Gleiche gilt für die Freundschaft des Klägers mit T.________ und im Weiteren für die vom Bezirksgericht angeführten Gründe, die in der Persönlichkeit des Klägers lägen und welche - nicht aber die Presseartikel - Anlass für das Gerede in der Gemeinde gegeben hätten. Nach den Darlegungen des Bezirksgerichts sind die Berichte in der Presse durch das Gerede der Leute kausal überholt worden. Obwohl im obergerichtlichen Urteil dieselben Fakten aufgeführt werden wie im Entscheid der ersten Instanz, gibt das Obergericht keine Erklärung dafür, warum es zu einem anderen Resultat gelangt ist. Das Obergericht scheint sich vielmehr mit der Feststellung begnügt zu haben, da der fragliche Artikel zumindest eine Teilursache für die Absage war, hafte die Beschwerdeführerin sowieso für den ganzen Schaden. Dieser Rechtssatz, der auf der zitierten Lehrmeinung beruht, wird dann aber nicht ansatzweise mit Tatsachen untermauert: Das Obergericht gibt auch hier keine Erklärung dafür, warum der fragliche Zeitungsartikel überhaupt eine Teilursache für die unterbliebene Anstellung des Klägers bei der V.________ AG darstellen soll. Es scheint angenommen zu haben, die vom Bezirksgericht Baden im Dezember 1994 erkannte Widerrechtlichkeit des Zeitungsartikels stelle an sich eine genügend feste Grundlage dar, um daraus ableiten zu dürfen, weil der Artikel als solcher widerrechtlich war, sei die Beschwerdeführerin für die wirtschaftlichen Folgen ohne weiteres haftbar zu machen. 4.3.4 Nach dem soeben Ausgeführten hat das Obergericht mit einer pauschal anmutenden Begründung auf eine Schadenersatzpflicht der Beschwerdeführerin erkannt; das aber ist mit dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs unvereinbar, wird doch damit von Anfang an dem Rechtsuchenden ebenso wie der Rechtsmittelinstanz eine fundierte Auseinandersetzung mit den entscheidrelevanten Argumenten verunmöglicht. Denn - wie erwähnt - geht es im hiesigen Verfahren nicht mehr um die blosse Feststellung der Widerrechtlichkeit eines Zeitungsartikels und um die daraus allenfalls fliessende Persönlichkeitsverletzung des Klägers, sondern darum, ob der fragliche Artikel darüber hinaus auch eine geeignete Ursache für eine materielle Schädigung darstellt, die der Kläger damit in Zusammenhang bringen will. 4.4 Damit sind die vorstehend (E. 4.1) aufgeführten Erfordernisse an eine dem rechtlichen Gehör genügende Begründung nicht erfüllt. In Gutheissung der Beschwerde ist demnach das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache an das Obergericht des Kantons Aargau zu neuem Entscheid zurückzuweisen. Unter diesen Umständen erübrigt es sich für das Bundesgericht, auf die weiteren von der Beschwerdeführerin zur behaupteten willkürlichen Beweiswürdigung und Sachverhaltsfeststellung erhobenen Rügen näher einzugehen.