Citation: I 483/03 10.12.2003 E. 5

5.1 Die IV-Stelle hat den medizinischen Sachverhalt durch Einholung eines Arztberichtes von Dr. med. M.________ vom 20. Juni 2001 erhoben. Dieser bescheinigt der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, deren Beginn offen gelassen wird ("soll von der IV bestimmt werden"). Die Einschätzung wird mit keinem Wort begründet. Als Diagnose ist aufgeführt: Mammakarzinom links, Tumorstadiom p T2 pN bi(9/42) MO G3 seit 1998. Ausser diesem rudimentären ärztlichen Zeugnis befinden sich keine medizinischen Unterlagen in den Akten. So hat die Verwaltung insbesondere beim Arzt keine weiteren Erkundigungen eingezogen, wie seine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu verstehen sei und worauf sie beruhe. Erst 15 Monate nach Eingang des Arztzeugnisses wurde eine Haushaltsabklärung vor Ort an die Hand genommen. 5.2 Anlässlich des Hausbesuchs von 9. September 2002 hat die Beschwerdeführerin auf die Frage nach der heutigen gesundheitlichen Situation unter anderem angegeben, sie sei immer müde und fühle sich seelisch und psychisch krank. Dieser Umstand hätte für die Verwaltung - spätestens nachdem auch in der Stellungnahme zum Vorbescheid starke Depressionen geltend gemacht und eingehende medizinische Sachverhaltsabklärungen beantragt wurden - Anlass sein müssen, abzuklären, wie es um den psychischen Gesundheitszustand der Versicherten steht und ob sich dieser allenfalls seit Einholung des Arztzeugnisses im Juni 2001 verändert hat. 5.3 Die Sache wird demnach an die Verwaltung zurückgewiesen, damit diese durch Erkundigungen bei den behandelnden Ärzten - sowie allenfalls auch mit weiteren medizinischen Sachverhaltsabklärungen - ermittelt, was der Beschwerdeführerin als im Haushalt Tätige aus medizinischer Sicht noch zumutbar ist. Vorliegend wird entscheidend sein, ob sie neben den primären Folgen der Krebserkrankung und deren Behandlung (Operation, Chemo- und Strahlentherapie) auch an psychischen Beschwerden mit Krankheitswert leidet, und ob eine entsprechende Krankheit ihre Leistungsfähigkeit zusätzlich begrenze. Entscheidend ist auch die Frage, ab welchem Zeitpunkt eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bestand und ob sich diese allenfalls im Zeitablauf verändert hat. Bei einer erneuten Haushaltsabklärung wird zu berücksichtigen sein, dass es Familienangehörigen - hier den Kindern der Beschwerdeführerin - zwar zumutbar ist bei der Erledigung der im Haushalt anfallenden Arbeiten mitzuhelfen. Dies darf aber nicht zu einer Überforderung von hauptsächlich noch schulpflichtigen Kindern führen. Im Zeitpunkt der Brustoperation (August 1998) mit nachfolgender Chemo- und Strahlentherapie war das Jüngste der fünf Kinder der Beschwerdeführerin noch nicht ein Jahr alt, die älteste Tochter noch nicht 13jährig (geboren Oktober 1985), die Mittleren elf, acht und fünf Jahre alt. Es versteht sich von selbst, dass so jungen Kindern zwar Mithilfe bei Handreichungen etc. zugemutet werden kann, dass ihnen aber nicht ganze Haushaltsaufgaben wie regelmässiges Zubereiten von Mahlzeiten, eigentliche Putzarbeiten und Wäschepflege delegiert werden können. Die Verwaltung wird demgemäss festzustellen haben, wann ein eventueller Rentenanspruch beginnen würde und wie er sich in der Folge unter revisionsrechtlichen Aspekten (Art. 41 IVG; BGE 129 V 223 Erw. 4.1) entwickelte.