Citation: 8C_446/2007 28.12.2007 E. 6

Der Beschwerdeführer beruft sich des Weiteren auf einen Bericht des Facharztes für Radiologie Dr. med. N.________ vom 19. Oktober 2006 über die Ergebnisse einer Untersuchung mit funktioneller Magnetresonanztomographie (FMRT) und macht geltend, es liege ein organisch nachweisbarer Befund in Form einer Läsion der Kopfgelenksbänder vor. 6.1 Bei der funktionellen Magnetresonanztomographie (FMRT, auch: fMRT, englisch: FMRI [functional Magnetic Resonance Imaging]) handelt es sich um eine neuere Form der Kernspintomographie, welche sich vom herkömmlichen MRT dadurch unterscheidet, dass Aufnahmen in verschiedenen Funktionsstellungen (oder Aktivierungszuständen) durchgeführt werden. Bei Beschleunigungsverletzungen der HWS werden neben Aufnahmen in der Normalstellung in der Regel solche in unterschiedlicher Rechts- und Linksrotation sowie in Flexions- und Extensionsstellung des Schädels vorgenommen. Über die diagnostische Bedeutung der erhobenen Befunde und deren Eignung für die Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden nach HWS-Distorsionen gehen die ärztlichen Meinungen auseinander. Dies gilt auch hinsichtlich der hier zur Diskussion stehenden Läsionen der Kopfgelenkbänder, insbesondere der Ligamenta alaria (nachfolgend: Ligg. alaria). Eine Durchsicht der von den Parteien eingereichten Auszüge aus der medizinischen Literatur und ein Blick auf das weitere Schrifttum (vgl. hiezu die Literaturhinweise in: Hans Schmidt/Jürg Senn [Hrsg.], Schleudertrauma - neuester Stand, Zürich 2004) zeigt ein uneinheitliches Bild. Teils wird der Aussagewert von FMRT-Befunden grundsätzlich in Frage gestellt, weil Untersuchungen ergeben haben, dass auch bei Personen ohne HWS-Distorsionstrauma Breitenasymmetrien der Ligg. alaria ausgesprochen häufig sind und die Bänder oft unregelmässige Konturen aufweisen, weshalb entsprechende Befunde in der Regel keinen zuverlässigen Schluss auf durch Schleudertrauma bewirkte Bandläsionen zulassen (C.W. Pfirrmann et al., Functional MR imaging of the craniocervical junction. Correlation with alar ligaments and occipito-atlantoaxial joint morphology: a study in 50 asymptomatic subjects, Schweiz. Medizinische Wochenschrift, 130/2000 S. 645-651). Verschiedene Autoren weisen auf die Schwierigkeiten bei der Interpretation der FMRT-Befunde hin, insbesondere wenn es um den Nachweis leichterer Läsionen und die Beurteilung des Schweregrades von Bandverletzungen geht (S. Roy et al., Pitfalls of magnetic resonance imaging of alar ligament, in: Neuroradiology, 46(5): 392-398; 2004; J.T. Wilmink/J. Patijn, MR imaging of alar ligament in whiplash-associated disorders: an observer study, in: Neuroradiology, 43(10) S. 859-63, 2001). Teils wird die Signifikanz des Befundes für eine durch Schleudertrauma verursachte Läsion generell oder unter bestimmten Voraussetzungen (hohe Signalintensität, Rotation des Kopfes, Schwere des Traumas) bejaht (so etwa: B.H. Johansson, Whiplash injuries can be visible by functional magnetic resonance imaging, in: Pain Res Manage, 11(3) S. 197-199, 2006; J. Krakenes/B.R. Kaale, Magnetic resonance imaging assessment of craniovertebral ligaments and membranes after whiplash trauma [deutsch: MRT-Darstellung der craniovertebralen Ligamente und Membranen nach einem Schleudertrauma], in: Spine, 31(24), S. 2820-2826, 2006). 6.2 Auf die medizinische Kontroverse und die diesbezüglichen Vorbringen der Parteien braucht an dieser Stelle nicht näher eingegangen zu werden. Auch besteht kein Anlass zur Einholung eines Grundsatzgutachtens, da hievon kaum Erkenntnisse zu erwarten wären, welche sich auf den Ausgang des Verfahrens auswirken könnten (BGE 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162). Den diesbezüglich von Dr. med. N.________ erhobenen Befunden kann nämlich keine Bedeutung beigemessen werden, welche sich auf den Ausgang des Verfahrens auswirken könnte. Aus dessen Beurteilung kann insbesondere nicht geschlossen werden, dass die geltend gemachten Kopfschmerzen und zervikothorakalen Beschwerden auf organisch (hinreichend) nachweisbare Unfallfolgen zurückzuführen sind, nachdem der FMRT-Befund laut Bericht des Radiologen lediglich einem alten Teilriss rechts und einem fraglichen Teilriss links entspricht und die Befunde an den Ligg. alaria weder als eindeutig ("entweder hyperintens oder nicht abgrenzbar") noch als erheblich (links: "nicht inhomogen", rechts: "etwas dünner") beschrieben werden. Zu einer andern Beurteilung gibt auch die von Dr. med. N.________ als sehr wahrscheinlich bezeichnete Instabilität der Kopfgelenke kein Anlass, zumal in den bisherigen Arztberichten, einschliesslich der Stellungnahme des Dr. med. U.________, eine eingeschränkte Beweglichkeit im HWS-Kopfgelenksbereich, aber keine Instabilität erwähnt wurde.