Citation: 9C_786/2014 E. 5.2

5.2. Indes weisen die Nachfolgegutachten der MEDAS und des Instituts B.________ eine wesentliche Verbesserung, gar eine Remission des psychischen Leidens aus: Während der seinerzeitigen Rentenzusprache aus psychiatrischer Sicht die Diagnosen einer anhaltenden posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F45.0) bei narzisstisch kränkbarer Persönlichkeit (ICD-10 F60.8) zu Grunde gelegen hatten und dieses psychische Leiden zu 50 % für die gänzliche Arbeitsunfähigkeit verantwortlich gewesen war, vermochten die Gutachter der MEDAS im Jahre 2010 keine krankheitswertige psychische Störung mehr festzustellen und attestierten aus psychiatrischer Sicht eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Insbesondere verneinten sie eine narzisstisch kränkbare Persönlichkeit (ICD-10 F60.8), wie sie seinerzeit noch diagnostiziert worden war. Die Gutachter der MEDAS wiesen diesbezüglich darauf hin, dass die Persönlichkeitseigenschaften des Beschwerdegegners zwar immer noch als narzisstisch einzuschätzen seien, seine Ausstrahlung jedoch nicht mehr als klagsame, den ständigen Ungereimtheiten zum Opfer gewordene narzisstische Kränkung zu beschreiben gewesen sei. Auch die in diesem Zusammenhang ursprünglich beschriebene Hoffnungslosigkeit konnten die Gutachter nicht mehr feststellen. Vielmehr imponierte der Beschwerdegegner als selbstsicher, lebenszugewandt und die Gutachter bezeichneten diesen als einen Menschen, der "versteht zu leben". Es konnten anlässlich der Begutachtung in der MEDAS auch keine anderen besonderen Belastungen, Probleme oder ein misstrauisches bzw. unterschwellig aggressives Verhalten mehr festgestellt werden. Auch im nachfolgend veranlassten polydisziplinären Gutachten des Instituts B.________ konnte aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit konstatiert werden. Bei somatisch nicht ausreichend erklärbaren Befunden könne - bei vorhandener psychosozialer Belastungssituation - eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung festgestellt werden. Es liege keine Komorbidität vor, eine erhebliche depressive Störung sei nicht vorhanden; psychiatrisch bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die interdisziplinäre Konsensfindung ergab geringe Leistungseinbussen aus orthopädischer und neurologischer Sicht; gesamthaft ermittelten die Gutachter eine 90%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit für körperlich leichte leidensangepasste Tätigkeiten. Ein Vergleich der Befunderhebung in diesen Nachfolgegutachten mit jenen in den Berichten des Psychiatrischen Dienstes F.________ vom 27. Juni 1995 und der Klinik C.________ vom 20. Januar 1998 zeigt evident eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse auf. Gestützt auf diese veränderten Untersuchungsergebnisse ist von einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes und nicht bloss von einer anderen Beurteilung desselben medizinischen Sachverhalts auszugehen. Insbesondere in Bezug auf die der ursprünglichen Rentenzusprache unter anderem zu Grunde gelegene narzisstisch kränkbare Persönlichkeit (ICD-10 F60.8) kann augenscheinlich nicht von unveränderten Befunden ausgegangen werden. Der psychiatrische Gutachter der MEDAS wies denn in seiner Expertise auch darauf hin, dass zwar seit 2002 keine wesentliche Veränderung eingetreten sei, vermochte diesen Schluss in Bezug auf den davor liegenden Zeitraum aber explizit nicht zu ziehen. Folglich ist diesbezüglich weiterhin von dem der ursprünglichen Rentenzusprache zu Grunde gelegenen und nicht zweifellos unrichtigen ( vgl. E. 5.1 hievor) Sachverhalt auszugehen, wonach der Beschwerdegegner an einer anhaltenden posttraumatischen Somatisierungsstörung bei narzisstisch kränkbarer Persönlichkeit (ICD-10 F45.0, F60.8) gelitten hatte und gestützt unter anderem darauf berentet worden war. Dieser Schluss - wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes - rechtfertigt sich schliesslich auch unter Berücksichtigung der übrigen echtzeitlichen Berichte, insbesondere jenen des Psychiatrischen Dienstes F.________ vom 27. Juni 1995 und des Dr. med. G.________ vom 23. Oktober 1995, welche im Wesentlichen mit dem Gutachten der Klinik C.________ übereinstimmen. Damals wurde die "auffallend apathische Stimmungslage" festgehalten, auf die psychosoziale Belastung hingewiesen wegen zerstörtem Elternhaus in der Heimat und beengten Wohnverhältnissen wegen der Aufnahme von Verwandten in der Wohnung. Es war die Rede von einem depressiv-resignierten Zustandsbild gewesen.