Citation: 5A_185/2023 E. 3.2.2

3.2.2. Das Zeugnis ist ein zulässiges Beweismittel (Art. 168 Abs. 1 Bst. a ZPO). Ein Zeuge bzw. eine Zeugin kann über Tatsachen Zeugnis ablegen, die er oder sie unmittelbar wahrgenommen hat (Art. 169 ZPO). Ein Zeuge hat wahrheitsgemäss auszusagen (Art. 160 Abs. 1 Bst. a ZPO); er wird vor der Einvernahme zur Wahrheit ermahnt und nach Vollendung des 14. Altersjahrs zudem auf die strafrechtlichen Folgen des falschen Zeugnisses (Art. 307 StGB) hingewiesen (Art. 171 Abs. 1 ZPO). Eine Person wird nicht vom Zeugnis ausgeschlossen, nur weil sie allenfalls ein eigenes Interesse am Ausgang des Verfahrens hat; Aussagen einer solchen Person berücksichtigt das Gericht im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Urteil 4A_673/2016 vom 3. Juli 2017 E. 2.1.2 mit Hinweisen). Wer mit einer Partei verheiratet ist oder war, darf die Mitwirkung verweigern (Art. 165 Abs. 1 Bst. a ZPO). Genauso wie bei der Parteibefragung und der Beweisaussage (vgl. BGE 143 III 297 E. 9.3.2 mit Hinweis) verbietet es das Gebot der freien Beweiswürdigung, der Zeugenaussage einer Person, die mit einer Partei verheiratet war, vom Zeugnisverweigerungsrecht aber keinen Gebrauch macht, von vornherein einen reduzierten Beweiswert bzw. eine verminderte Überzeugungskraft beizumessen. Eine geschickte Befragung durch das Gericht kann erfahrungsgemäss ein gutes Mittel sein, die Wahrheit zu erforschen, wenn die befragte Person - zumal in Konfrontation mit der Gegenpartei - eindringlich verhört wird und auf unerwartete Fragen Antwort geben muss, vor allem aber, weil das Gericht, welches die Befragung durchführt, dabei einen persönlichen Eindruck gewinnt, der es ihm gestatten kann, die Glaubwürdigkeit der befragten Person zu beurteilen (a.a.O.). Der Beweiswert einer Zeugenaussage, auch jene einer "selbstbefangenen" Zeugin, ist stets aufgrund der Umstände des Einzelfalls zu beurteilen.