Citation: 1C_254/2023 E. 5.4

5.4. Von einer Befragung der infrage kommenden Täter sah die Vorinstanz ab, weil diese sich auf ihr strafprozessuales Aussageverweigerungsrecht hätten berufen können (vgl. Art. 113 StPO), was auch im Opferhilfeverfahren seine Gültigkeit haben müsse. Eine Befragung der Apothekerin und des behandelnden Arztes führe sodann zu keinen Erkenntnissen in Bezug auf den Tathergang. Damit stellte die Vorinstanz bei der Sachverhaltsfeststellung allein auf die Aussagen des Beschwerdeführers ab. Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, als der Umstand allein, dass eine Person sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen könnte, nicht bedeutet, sie werde die Aussage tatsächlich verweigern. Allerdings trifft ihn im Opferhilfeverfahren eine Mitwirkungs- (vgl. BGE 126 II 97 E. 2e; Urteil 1C_165/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 4.4) und im Verfahren vor Bundesgericht eine Begründungsobliegenheit (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG und vorne E. 2). Wenn er eine Zeugenbefragung beantragt, hat er zu begründen, wozu diese dient, mithin welche Sachumstände damit bewiesen werden sollen. Es geht nicht an, die Opferhilfebehörde eine versäumte Strafuntersuchung unter Befragung zahlreicher Personen nachholen zu lassen, vor allem wenn der Gesuchsteller - wie hier der Beschwerdeführer - von einer Strafanzeige bzw. Strafantragstellung abgesehen hatte. Der Behörde, die Leistungsbegehren nach dem OHG beurteilt, stehen im Übrigen rechtlich und faktisch nicht dieselben prozessualen Untersuchungsmittel zur Verfügung wie den Strafverfolgungsbehörden (BGE 126 II 97 E. 2e). Der Beschwerdeführer äussert sich vor Bundesgericht nicht einmal dazu, welcher Straftatbestand seiner Ansicht nach erfüllt sei, geschweige denn, welche Person sich aufgrund welchen Verhaltens strafbar gemacht haben könnte. An einer sachbezogenen Rüge fehlt es auch, soweit sich der Beschwerdeführer damit begnügt zu behaupten, seine Beweisanträge seien mit "widersprüchlicher Begründung abgelehnt" worden. Ohne weitere Erklärungen bringt er dazu einzig vor, laut Vorinstanz sei zwar nur auf die Aussagen des Opfers abzustellen, was diese aber dann "nicht gemacht" habe. Ebenfalls unpräzise waren die Angaben des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Verfahren. Aus dem Protokoll der Parteibefragung folgt namentlich, dass er weder angeben konnte, wie viele Temporärangestellte am Tag des Vorfalls anwesend waren, noch ob diese das Geschehen beobachten konnten. Auch bezüglich der Anwesenheit des Baustellenleiters waren seine Aussagen widersprüchlich. Dass die Vorinstanz unter diesen Umständen keine weiteren Nachforschungen anstellte und von den beantragten Befragungen absah, ist mit Art. 29 Abs. 2 BV vereinbar.