Citation: 1C_232/2022 E. 2.1

2.1. Das Kantonsgericht legte dar, die Mitglieder des Stadtrats hätten sich ausdrücklich und in guten Treuen für unbefangen erklärt. Eine solche Erklärung sei zwar für sich allein nicht ausschlaggebend, immerhin gebe sie aber einen nicht unbedeutenden Anhaltspunkt für die Intention der Behördenmitglieder. Vor der Medienmitteilung vom 23. Juli 2019 sei jahrelang darüber diskutiert worden, wie den Interessen der Hundehalter und dem Interesse an der Vermeidung von Konflikten beim freien Laufenlassen von Hunden in der Stadt Luzern Rechnung getragen und wie negative Auswirkungen des Hundefreilaufs auf die Tier- und Pflanzenwelt vermieden werden könnten. Im Oktober 2015 sei eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden und mit einer Medienmitteilung vom 17. März 2017 habe der Stadtrat bekannt gemacht, dass die Stadt zwei zusätzliche Hundefreilaufzonen (nebst einer damals bereits bestehenden) einrichte: eine beim Churchillquai und eine im Tribschenhorn. Beide hätten Teil eines auf zwei Jahre befristeten Pilotprojekts gebildet. In der von den Beschwerdeführerinnen beanstandeten Medienmitteilung vom 23. Juli 2019 sei der Gesamtstadtrat vor dem Hintergrund verschiedenster Rückmeldungen aus der Bevölkerung zum Schluss gekommen, dass eine Abwägung der Konfliktlage vor und nach dem Versuch zu Gunsten einer Weiterführung des Hundefreilaufs am Churchillquai spreche. Mit der Medienmitteilung sei jedoch keine rechtliche Prüfung erfolgt, vielmehr habe es sich um eine politische Beurteilung des eingeschlagenen Wegs zur Gestaltung des Nebeneinanders von verschiedenen Nutzungen des öffentlichen Raums gehandelt. Insbesondere gehe daraus nicht hervor, wie die Baudirektorin als Vorsteherin der Baubewilligungsbehörde zur Bewilligungsbedürftigkeit und -fähigkeit des Projekts stehe. Die Fragen, mit denen sich die Baudirektion im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens auseinandersetzen müsse, unterschieden sich somit von denjenigen, die nach Abschluss der Probephase im Rahmen der politischen Entscheidung über die Gestaltung des Nebeneinanders von Hundefreilauf und übriger Nutzung im dafür bestimmten Perimeter am Churchillquai vom Stadtrat als Kollegium geprüft worden seien. Von einer Vorbefassung, welche das Baubewilligungsverfahren als nicht mehr offen erscheinen lasse, könne deshalb keine Rede sein. Daran ändere auch nichts, dass gegen die Mitglieder des Stadtrats eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen baurechtliche Pflichten eingereicht worden sei. Andernfalls könnten Verfahrensbeteiligte ihnen missliebige Mitglieder einer Behörde mit dem Einreichen einer Strafanzeige aus dem Verfahren drängen.