Citation: 5A_705/2022 E. 4.5

4.5. Im Weiteren versucht die Beschwerdeführerin eine Lebensprägung dadurch zu begründen, dass das voreheliche Zusammenleben praxisgemäss mitzurechnen sei und die massgebliche Zeitdauer deshalb 19 Jahre gedauert habe. Abgesehen davon, dass die publizierte Rechtsprechung gerade das Gegenteil festhält (BGE 135 III 59: das voreheliche Zusammenleben ist nicht anzurechnen, sondern in qualifizierten Ausnahmefällen höchstens bis zu einem gewissen Grad mitzuberücksichtigen), kann die Dauer des Zusammenlebens nach der neuen Formel zwar weiterhin ein Faktor sein, ist aber nicht mehr der spezifische Angelpunkt für die Annahme einer Lebensprägung. Dass eine solche nach der geänderten Rechtsprechung vorliegen würde, versucht die Beschwerdeführerin höchstens in Ansätzen darzutun, wenn sie geltend macht, der Beschwerdeführer hätte sich während der Ehe zum Lokomotivführer ausbilden lassen und damit sein Einkommen steigern können. Indes äussert sie sich nicht zu den - vorliegend denn auch nicht erfüllten - zentralen Elementen, wonach sie ihm hierfür unter spezifischer Rollenteilung den Rücken freigehalten und dabei auf eine eigene Karriere verzichtet hätte. Vielmehr war sie selbst durchgehend erwerbstätig und sie tut nicht dar, inwiefern sie ihm unter eigenem Karriereverzicht bzw. eigenen Einschränkungen zugunsten von Leistungen an die Gemeinschaft ein berufliches Fortkommen ermöglicht hätte, welches es im Rahmen der nachehelichen Solidarität auszugleichen gälte.