Citation: 2C_520/2024 E. 5.2

5.2. Die Wahrung des Berufsgeheimnisses zählt zu den zentralen Berufspflichten von Anwältinnen und Anwälten. Erst der Schutz durch das Berufsgeheimnis ermöglicht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Klientschaft. Der durch diese Vertraulichkeit geschaffene Kommunikationsraum dient sowohl dem subjektiven Interesse des Klienten als auch der Rechtsordnung insgesamt (eingehend dazu BGE 150 II 300 E. 5.5 mit Hinweisen). Während Art. 13 BGFA den Umfang und die Tragweite des Berufsgeheimnisses als Berufsregel umschreibt, stellt Art. 321 des Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0) dessen Verletzung unter Strafe. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts normiert das Strafrecht gleichsam die Minimalvorgaben für das Berufsrecht (vgl. BGE 150 II 300 E. 5.6). Die Entbindung vom Berufsgeheimnis muss deshalb mindestens die Kriterien erfüllen, die für das Vorliegen eines strafrechtlichen Rechtfertigungsgrunds nach Art. 321 Ziff. 2 StGB vorliegen müssen (BGE 150 II 300 E. 5.6 mit Hinweis auf BGE 142 II 307 E. 4.3.2).