Citation: 6B_818/2022 E. 1.3

1.3. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer sei bei der B.________ GmbH und der C.________ GmbH als Gesellschafter mit Zeichnungsberechtigung im Handelsregister eingetragen gewesen. Einziger Geschäftsführer sei gemäss Handelsregister D.________ gewesen (angefochtenes Urteil S. 22). Die Statuten der beiden Gesellschaften würden eine Grundlage für die Abweichung vom in Art. 809 Abs. 1 OR verankerten Prinzip der Selbstorganschaft enthalten, jedoch weder positiv einzelne Personen als formelles Organ einsetzen noch negativ einen Gesellschafter von der formellen Organschaft ausschliessen. Gemäss den Gründungsakten der beiden Gesellschaften sei D.________ jeweils ausdrücklich als Geschäftsführer mit Einzelunterschrift bestellt worden. Ein zusätzlicher verschriftlichter Gesellschaftsvertrag sei nicht aktenkundig. Die in den Statuten gewählte Regelung der Geschäftsführertätigkeit, welche derjenigen der Musterstatuten des Handelsregisteramtes Zürich für die Neugründung einer GmbH ähnlich sei, spreche gegen eine formelle Organschaft des Beschwerdeführers. Es habe nur zwei Gesellschafter gegeben, wobei D.________ aufgrund seines Todes nie habe befragt werden können. Die Vorinstanz geht "in dubio pro reo" daher davon aus, die Gesellschafter seien in Bezug auf den Beschwerdeführer vom Prinzip der Selbstorganschaft abgewichen und der Beschwerdeführer sei folglich nicht formelles Organ der beiden Gesellschaften gewesen (angefochtenes Urteil S. 23 ff.). Hingegen bejaht die Vorinstanz die faktische Organstellung des Beschwerdeführers, weshalb ihm die strafrechtlich relevanten Verhaltenspflichten nach Art. 29 StGB zurechenbar seien (angefochtenes Urteil S. 33). Sie berücksichtigt dabei im Wesentlichen, dass D.________ und der Beschwerdeführer zuvor bereits mit der E.________ GmbH gemeinsam im Zirkusgeschäft tätig waren und der Beschwerdeführer gemäss dem rechtskräftigen Strafbefehl vom 9. Januar 2013 faktisches Organ der E.________ GmbH war, obschon er damals nur Gesellschafter ohne Zeichnungsberechtigung gewesen sei (angefochtenes Urteil S. 29). Weiter habe der Beschwerdeführer in verschiedener Hinsicht eine Schlüsselposition innerhalb der Zirkusorganisation eingenommen. Er sei zeichnungsberechtigt und angesichts der Bankvollmachten befugt gewesen, über die finanziellen Mittel der Gesellschaften zu verfügen. Darüber hinaus sei er auch in die administrativen Belange der Gesellschaften eingebunden gewesen. Er habe das Kassabuch geführt, Zahlungsbefehle entgegengenommen, bei der Steuerverwaltung um Fristerstreckung ersucht und mehrfach Aufenthaltsgesuche für Künstler unterzeichnet. Am 4. November 2015 habe er einem Mitarbeiter fristlos gekündigt. Zuvor habe er zugunsten dieses Mitarbeiters am 27. Mai 2015 zwei unbeschränkt formulierte Vollmachten ausgestellt, welche insbesondere auch die Befugnis, Vergleiche abzuschliessen sowie Rechtsmittel zu ergreifen, umfasst hätten (angefochtenes Urteil S. 30 f.). Sodann sei er in der Öffentlichkeit als Geschäftsführer des Zirkusbetriebs in Erscheinung getreten. Im Programmheft für das Jahr 2017 habe er sich als Leiter des Zirkus B.________ vorgestellt, den man auch täglich im Büro antreffe und der in den letzten Jahren immer mehr Aufgaben des Tagesgeschäfts übernommen habe (angefochtenes Urteil S. 31). Auch die Angestellten hätten ihn als Vorgesetzten bzw. Zirkusdirektor bezeichnet. Der Beschwerdeführer habe auch Mitarbeiter angestellt. F.________ und G.________ hätten zudem ausgesagt, D.________ sei ab ca. 2014 nicht mehr so viel im Zirkus gewesen bzw. er habe sich schon seit längerem immer mehr aus dem Zirkus zurückgezogen (angefochtenes Urteil S. 31 f.). Die Kompetenzen des Beschwerdeführers im Innenverhältnis sowie dessen Auftreten nach Aussen ergeben gemäss der Vorinstanz ein schlüssiges Gesamtbild. Dieser sei im Innenverhältnis mit dem Wissen eines Organs ausgestattet gewesen und im Aussenverhältnis auch so aufgetreten. Nicht plausibel sei, dass er lediglich Entscheidungen von D.________ ausgeführt habe. Seine Behauptung, er sei zwar für die Leute am Platz Ansprechpartner gewesen, aber er habe 20-, 25-mal pro Tag mit D.________ telefoniert, wenn dieser nicht im Zirkus gewesen sei, sei unglaubhaft, zumal er dies erstmals an der zweiten Berufungsverhandlung vorgebracht habe als Reaktion auf die Aussagen von F.________ und G.________, wonach sich D.________ schon seit einigen Jahren vom Zirkus zurückgezogen habe (angefochtenes Urteil S. 32 f.).