Citation: U 238/05 31.05.2006 E. 4.2

4.2.1 Der Neurologe Dr. R.________ diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin 1994 ein chronifiziertes und therapieresistentes Nacken- und Kopfschmerzsyndrom, für das keine unfallfremden Faktoren mitverantwortlich seien. Weiter lägen leichte neuropsychologische Funktionsstörungen vor, diese mit einem ungefähr hälftigen "unfallfremden Anteil in Form der psychischen Störungen". Schliesslich fand der Sachverständige eine "depressive Entwicklung mit paranoider Färbung und Schlafstörungen" (zu zirka 80 Prozent unfallfremd), ferner eine "Schulterprellung rechts, Status nach Schleudertrauma rechts 1980"; aufgrund des Letzteren bestehe wahrscheinlich ein minimaler, durch einen Orthopäden näher zu bestimmender Vorzustand (Gutachten vom 21. Dezember 1994). Nach Auffassung des neurologischen Experten könne durch physikalische Therapien und eine begleitende psychiatrische oder psychologische Betreuung mittel- und längerfristig eine Besserung erzielt werden. Diese sei aber weitgehend verknüpft mit einer psychischen Gesundung. Diese Einschätzung entspricht derjenigen des Orthopäden Dr. S.________ (Bericht vom 27. April 1993). Die gutachtlich überwiegend auf den Unfall zurückgeführten Beschwerden wurden denn auch anfänglich erfolgreich physikalisch behandelt (Schreiben des Dr. S.________ vom 22. Januar 1993 an den behandelnden Chiropraktor). Blieb schliesslich aber eine nachhaltige Besserung des Gesundheitszustandes aus, so ist dies nach den zitierten Quellen in erster Linie auf eine psychische Fehlentwicklung zurückzuführen. 4.2.2 Die psychischen Störungen, auf welchen der aktuelle Zustand und die ausgebliebene Besserung beruhen, bilden nicht Teil des schleudertraumaspezifischen Symptomenkatalogs. Die unmittelbaren Unfallfolgen wurden durch sekundäre psychosoziale Belastungsfaktoren wie den Verlust des eigenen Geschäfts und damit einhergehende Existenzängste, in Scheidung mündende Eheprobleme und finanzielle Schwierigkeiten überlagert und verdrängt (Gutachten der Psychiaterin Dr. F.________ vom 19. August 1995 und der Neuropsychologin Dr. O.________ vom 19. Dezember 1996; vgl. die ähnliche Ausgangslage im Urteil R. vom 25. Januar 2005, U 106/03, Erw. 5.4). Auch im Gutachten des Psychiaters Dr. D.________ vom 29. Dezember 1996 ist davon die Rede, die psychischen Probleme seien aus den körperlichen Beschwerden und neuropsychologischen Defiziten nach dem Unfall entstanden. Dass sie nicht zum primären Beschwerdebild gehören, sondern indirekte Unfallfolgen darstellen, zeigen auch die im letzterwähnten Gutachten erhobenen Diagnosen (Anpassungsprobleme bei Veränderung der Lebensumstände nach Autounfall; mittelschwere reaktive Depression nach Autounfall; chronisches Schmerzsyndrom und mittelschwere neuropsychologische Hirnleistungsstörungen nach Autounfall). Was die neuropsychologischen Ausfälle betrifft, so stehen diese nach gutachtlicher Feststellung in einer sich wechselseitig verstärkenden Beziehung zur (hier) reaktiven, verselbständigten und insofern nicht dem schleudertraumaspezifischen Beschwerdebild zugehörigen Depression ("Circulus vitiosus"), sind sie also nur in diesem Kontext erklärbar. Auch die ausgebliebenen Therapieerfolge hinsichtlich der - an sich wie dargelegt besserungsfähigen - körperlichen Beschwerden (Schmerzen) sind mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der psychischen Fehlentwicklung zuzurechnen. Hiefür sprechen (im Umkehrschluss) auch die biomechanischen Erkenntnisse (Erw. 3.3 hievor) und die seit dem Unfall verstrichene lange Zeit. Auch das in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unter Hinweis auf das Gutachten des Dr. D.________ vorgetragene Argument, die Versicherte habe vor dem Unfall keine psychischen Probleme gehabt, ändert nichts daran, dass ihr gesundheitlicher Zustand im hier massgebenden Zeitpunkt, über zehn Jahre nach dem versicherten Ereignis, nicht mehr dem typischen Beschwerdebild nach einem Trauma der Halswirbelsäule zugeordnet werden kann. 4.2.3 Aus dem Gesagten folgt, dass die Adäquanzprüfung gemäss den Vorgaben nach BGE 115 V 138 Erw. 6 und 407 Erw. 5 erfolgt (vgl. Erw. 4.1 hievor).