Citation: U 436/06 06.07.2007 E. 3.4.2

3.4.2.1 Die Algodystrophie (ohne Nervenverletzung) entspricht einem klinischen Bild, das auch als CRPS I, reflex sympathetic dystrophy oder Morbus Sudeck bezeichnet wird (Heierli/Meyer/Radziwill, Nosologischer Rahmen und Terminologie, in: Bär/Felder/Kiener [Hrsg.], Algodystrophie [Complex regional pain syndrome I], SUVA, 1998, S. 7). Sie wird definiert als "kontinuierlicher Schmerz in einem Abschnitt einer Extremität nach einem Trauma, das eine Knochenfraktur einschliessen kann, eine Verletzung eines grösseren Nervs jedoch ausschliesst und das mit einer sympathischen Hyperaktivität assoziiert ist" (Definition der International Association für the Study of Pain [IASP], 1986, zitiert bei Heierli/Meyer/Radziwill, a.a.O., S. 5; vgl. dort auch weitere, an bestimmten Kriterien orientierte Umschreibungen). Die Qualifikation des entsprechenden Beschwerdebildes als Folge eines Unfalles setzt die folgenden drei Kriterien voraus: a) Nachweis eines Körperschadens nach einem Unfall (beispielsweise in Form eines Hämatoms oder einer Schwellung) oder das Auftreten einer Algodystrophie nach einer wegen einer Unfallverletzung durchgeführten Operation, b) Ausschluss anderer nicht traumatischer, ursächlicher Faktoren (wie z.B. Zustand nach Myokardinfarkt, nach Apoplexie, nach/bei Barbiturat-Einnahme, bei Tumoren, bei Schwangerschaften etc.) sowie c) Kurze Latenzzeit zwischen dem Unfall und dem Auftreten der Algodystrophie (bis maximal sechs bis acht Wochen) (Troeger/Kissling/Kopp/Ludin/Thali, Risikofaktoren und Prävention der Algodystrophie, in: a.a.O., S. 90). 3.4.2.2 Die im rechten Armbereich vorhandenen Symptome (anhaltende Schmerzen, Schwellung; vgl. Berichte des Dr. med. A.________ vom 31. Dezember 2003 und 18. Mai 2004 sowie des Dr. med. B.________ vom 5. Oktober 2004) wie auch der Umstand, dass sich die Beschwerdegegnerin deshalb am 16. Juli 2003 - rund vier Wochen nach dem Unfallereignis und somit innerhalb der beschriebenen Latenzzeit - zur Behandlung zu Dr. med. A.________ begeben hat, lassen den Schluss nahe legen, dass die Versicherte an der betreffenden Gesundheitsstörung leidet, als deren Auslöser mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der versicherte Sturz zu gelten hat. Wie Dr. med. A.________ in seinem Bericht vom 7. Juli 2005 zutreffend ausführte, erscheint die 1993 erlittene Ellbogenfraktur, auch wenn von einer Defektheilung auszugehen ist (vgl. Bericht des Dr. med. A.________ vom 27. Januar 2004), zufolge des Zeitablaufs als Ursache wenig wahrscheinlich. Handelt es sich sodann gemäss Befundbericht der Dres. med. K.________ und F.________ vom 5. März 2004 bereits um ein fortgeschrittenes Stadium (II bis III; dazu im Detail: Waldburger/Gobelet/Rigoni/Robert/Magistris, Klinische Erscheinungsform, Verlauf und Prognose des Leidens, in: a.a.O., S. 42) des Leidens (in der Regel dauert der initiale und entzündliche Zustand der Algodystrophie etwa vier Monate; Kiener/Kissling, Begutachtungsfragen bei Algodystrophie, in: a.a.O., S. 92), wäre eine Normalisierung des Zustandes im Sinne der Dauerhaftigkeit des eingetretenen Schadens (keine Veränderung der Situation mehr) spätestens innerhalb von zwei Jahren nach dem Unfall zu erwarten (vgl. Kiener/Kissling, a.a.O., S. 93). Dies bedeutet vorliegend, dass die Beschwerdeführerin Versicherungsleistungen in Form von Heilbehandlungskosten und Taggeldern zwar bis längstens Juni 2005 zu entrichten haben dürfte, sich anschliessend aber die Frage der Rente und der Integritätsentschädigung stellt. Zu keinem anderen Ergebnis führen im Übrigen die Darlegungen der Dres. med. O.________ (Bericht vom 21. April 2004) und B.________ (Bericht vom 5. Oktober 2004), wonach zwar ein unklares Schmerzsyndrom des gesamten rechten Armes vorliege, aber keine sicheren Hinweise für einen Morbus Sudeck bestünden. Auch diesfalls wären keine unfallfremden Ursachen erkennbar, welche ab November 2004 allein verantwortlich für das gesamte Beschwerdebild zeichneten, was jedoch Voraussetzung für eine Einstellung der Versicherungsleistungen der Beschwerdeführerin bildete (vgl. E. 3.2 hievor). Schliesslich steht auch die Aussage des Dr. med. B.________ vom 3. Dezember 2004, die durch den Unfall exazerbierten vorbestehenden Gesundheitsstörungen hätten sich innerhalb eines halben Jahres (wohl nach dem Unfallereignis) wieder auf den ursprünglichen Zustand zurückgebildet, in keinem Widerspruch zu dieser Beurteilung. Die betreffende Äusserung bezieht sich auf die durch den Sturz verursachte - vorübergehende - (Re-)Aktivierung der vor über zehn Jahren erlittenen Ellbogenverletzung, nicht aber auf den durch den Unfall ausgelösten entzündlichen Prozess. Es hat damit beim vorinstanzlichen Entscheid sein Bewenden.