Citation: 6B_449/2023 E. 2.2.2

2.2.2. 2.2.2.1. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der in der Schweiz geborene und aufgewachsene und sozial und kulturell gut integrierte Beschwerdeführer ein grosses Interesse daran hat, in der Schweiz zu verbleiben. Er geht im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils im Rahmen eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses einer geregelten Arbeit nach und führt seit mehreren Jahren eine intakte Ehe mit einer hier erwerbstätigen und familiär verbundenen Schweizer Bürgerin. Kinder sind aus der Beziehung keine hervorgegangen. Die finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers können heute insoweit als intakt bezeichnet werden, nachdem er in seiner Jugendzeit mehrfach und zuletzt nach seiner Wiedereinreise in die Schweiz bis zur jetzigen Anstellung im Jahr 2018 auf Sozialhilfe angewiesen war und lediglich Verlustscheine in Höhe von Fr. 2'659.90 bestehen. Zu berücksichtigen ist indes, dass ihn weder die sich seit dem Jahr 2018 stabilisierende berufliche Situation noch die bereits Ende des Jahres 2018 als gefestigt zu qualifizierende Beziehung zu seiner Partnerin und heutigen Ehefrau vor der erneuten und zum Teil schweren Delinquenz abzuhalten vermochten. Der Beschwerdeführer spricht die Landessprache seines Heimatlandes perfekt und ist mit der dortigen Kultur vertraut. Er hat dort während fünf Jahren gelebt und gearbeitet. Damit stehen die Chancen für eine berufliche und soziale Integration in seinem Heimatland Italien gut, auch wenn diese zweifelsohne mit einigen Schwierigkeiten einhergehen kann. Sollte die von ihm in wirtschaftlicher Hinsicht unabhängige Ehefrau ihn nicht nach Italien begleiten wollen, könnte der Kontakt wie auch jener zu seinen übrigen Verwandten, Freunden und Bekannten dank der geographischen Nähe Italiens zur Schweiz durch Besuche und/oder moderne Kommunikationsmittel aufrecht erhalten werden. 2.2.2.2. Den grossen Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz stehen erhebliche öffentliche Interessen an seiner Landesverweisung gegenüber. Er wird (u.a.) wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingt ausgefällten Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt. Dieses Strafmass bzw. die von der Vorinstanz für die versuchte schwere Körperverletzung festgesetzte Einsatzstrafe von 24 Monaten spricht für ein relevantes Tatverschulden. Bereits daraus folgt - auch mit Blick auf die "Zweijahresregel", wonach es bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr ausserordentlicher Umstände bedarf, damit die privaten Interessen des Betroffenen an einem Verbleib in der Schweiz die öffentlichen Interessen an einer Ausweisung überwiegen (Urteil 6B_694/2023 vom 6. Dezember 2023 E. 3.3.5 mit Hinweisen) - ein beträchtliches öffentliches Interesse an einer Wegweisung. Insofern der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz habe fälschlicherweise ausser Acht gelassen, dass er die Tat unter Alkohol- und Drogeneinfluss begangen habe, wendet er sich ohne weitere Begründung gegen deren Feststellungen, wonach dies in Bezug auf Drogen gerade nicht und (auch) in Bezug auf Alkohol nicht in einem die Schuldfähigkeit vermindernden Ausmass der Fall war (vgl. angefochtenes Urteil S. 16 f.). Darauf ist nicht weiter einzugehen (Art. 106 Abs. 2 BGG). Dasselbe gilt, wenn er sich mit der gleichen Begründung auf eine veränderte Wahrnehmung beruft und entgegen den vorinstanzlichen Feststellungen geltend macht, das Opfer habe auf ihn nicht wie ein älterer Herr gewirkt. Der Beschwerdeführer tut nicht dar, inwiefern der vorinstanzliche Schluss, er habe das 72 Jahre alte Opfer als älteren Herren erkannt, schlechterdings unhaltbar sein soll, nachdem er diesen im Rahmen der vorausgegangenen verbalen Auseinandersetzung als "alten Knacker" bezeichnet hatte (vgl. angefochtenes Urteil S. 13 und 25; Art. 106 Abs. 2 BGG). Die Vorinstanz berücksichtigt alsdann zu Recht die Art des Delikts und damit, dass mit dem Versuch einer schweren Körperverletzung ein schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung vorliegt und der Beschwerdeführer besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt hat (vgl. dazu etwa Urteile 6B_856/2023 vom 8. Januar 2024 E. 3.4; 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 3.1.2; 6B_535/2021 vom 14. Juli 2021 E. 4.3.2). Zu dessen konkreten Vorgehen und Motiv erwägt sie, dass das spätere Opfer wegen der im Bus zwischen dem Beschwerdeführer und dem Buschauffeur eskalierenden Situation die Polizei alarmiert habe. Dies habe der Beschwerdeführer bemerkt, dem Opfer die Brille vom Kopf gerissen und dessen Mobiltelefon nach hinten in den Bus geworfen. Daraufhin habe der Beschwerdeführer, ohne Vorwarnung und völlig die Kontrolle über sich verlierend, dem ihm situationsbedingt ausgelieferten und körperlich massiv unterlegenen 72 Jahre alten Opfer mindestens zwei, mit geballter Faust und voller Wucht gegen den Kopf- bzw. Augenbereich ausgeführte Faustschläge versetzt. Er habe erst dann von ihm abgelassen, als er durch den intervenierenden Buschauffeur von hinten gepackt, weggezerrt und so an der Ausführung weiterer Faustschläge gehindert worden sei. Da das Opfer das Mobiltelefon zum Zeitpunkt der Attacke längst nicht mehr in den Händen gehalten habe, liessen sich seine Handlungen lediglich als Vergeltung für die erfolgte Polizeimeldung erklären (vgl. angefochtenes Urteil S. 17 f. und 26). Dass und inwiefern zu beanstanden wäre, wenn die Vorinstanz anhand dieser unbestritten gebliebenen, die Tatbegehung betreffenden Feststellungen auf eine sich in diesen manifestierende und relevante Gefährlichkeit des Beschwerdeführers für die öffentliche Sicherheit schliesst, wird von ihm weder rechtsgenüglich dargetan noch ist dies ersichtlich. 2.2.2.3. Ebenso wenig zu beanstanden ist, wenn die Vorinstanz das künftige Wohlverhalten in Frage stellt und von einer nicht unerheblichen Rückfallgefahr ausgeht (angefochtenes Urteil S. 51). Mit seiner dagegen vorgebrachten Kritik, es sei "Jahre vor der Tat sowie in der Zeit danach" zu keinen Vorkommnissen mehr gekommen, weshalb aus seinem Verhalten am Tattag nicht auf ein grundsätzliches oder regelmässiges Verhalten geschlossen werden könne, stösst der Beschwerdeführer ins Leere, soweit er damit überhaupt zu hören ist (Art. 42 Abs. 2 BGG). Die Vorinstanz anerkennt durchaus, dass sich der Beschwerdeführer bis zur Tat 2018 "vergleichsweise lange bewährt" hat. Damit einhergehend legt sie aber ebenso dar, weshalb sie anhand der Vorstrafen der Jahre 2007 und 2012 im jetzigen Gewaltdelikt eine zu berücksichtigende Kontinuität erkennt. Daraus folgert sie einerseits, der Beschwerdeführer habe die öffentliche Sicherheit und Ordnung bereits in der Vergangenheit nicht unerheblich und zuletzt mit einem schweren Gewaltdelikt gefährdet; andererseits, dass sie entsprechend nicht davon ausgehe, dass sich derartige Vorkommnisse nicht wiederholten (vgl. angefochtenes Urteil S. 39 und 48 f.). Mit letzteren Erwägungen setzt sich der Beschwerdeführer wiederum nicht in einer den Anforderungen genügenden Weise auseinander respektive erschliesst sich nicht, was er aus seinem Vorbringen einer mangelnden Thematisierung "fehlender krimineller Energie" ableiten will, nachdem er deren Manifestation im Tatvorgehen vom 27. Dezember 2018 nicht in Abrede stellt (vgl. Beschwerde Rz. 24). Darauf ist nicht weiter einzugehen. Stattdessen muss festgehalten werden, dass den Beschwerdeführer nebst seiner guten sozialen Integration, seiner intakten Beziehung zu seiner Ehefrau und der sich abzeichnenden beruflichen Stabilisierung weder die Vorstrafen der Jahre 2007 und 2012 bzw. die damit ausgefällten und verbüssten (Freiheits-) Strafen, noch die mit Blick auf sein Aufenthaltsrecht mehrfach ausgesprochenen Verwarnungen und schliesslich selbst die bis 2014 dauernde Wegweisung nicht davon abzuhalten vermochten, Ende 2018 erneut und zum Teil massiv straffällig zu werden. Dies zeugt von einer anhaltenden Gleichgültigkeit gegenüber der hiesigen Rechtsordnung. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz erhebliche Zweifel an einem künftigen Wohlverhalten des Beschwerdeführers äussert und folglich von einer gegenwärtigen Rückfallgefahr ausgeht. Daran vermag sein Vorbringen, er habe sich seit dem Vorfall von Ende Dezember 2018 nichts mehr zu Schulden kommen lassen, wiederum nichts zu ändern. Umso weniger, als die Vorinstanz seine Bemühungen um (finanzielle) Wiedergutmachung und seine geäusserte Reue zwar erkennt (vgl. hierzu Beschwerde Rz. 25 und angefochtenes Urteil S. 39), indes davon ausgeht, dass sich Letztere in erster Linie auf seine persönliche Situation bezieht, womit sich der Beschwerdeführer nicht auseinandersetzt. Darüber hinaus spricht ihm die Vorinstanz jegliche Einsicht in das eigene Fehlverhalten ab, nachdem er bis zuletzt (und entgegen ihren unbestritten gebliebenen Feststellungen) geltend gemacht hatte, auf Provokationen der anderen Anwesenden reagiert zu haben (vgl. wiederum angefochtenes Urteil S. 39). Dass die Vorinstanz damit das "Nachtatverhalten und [die] Zeit nach dem Vorfall" zu wenig oder aber falsch in die Beurteilung der Rückfallgefahr hat einfliessen lassen, ist nicht ersichtlich. 2.2.2.4. Zusammenfassend, mithin angesichts der Schwere der begangenen Straftat, der sich darin manifestierten Gefährlichkeit des Beschwerdeführers und der gegebenen Rückfallgefahr überwiegen damit die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung dessen private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz, die sich weitestgehend aus seinem langen Aufenthalt und seiner familiären Situation ergeben.