Citation: 4C.92/2007 31.07.2007 E. 5

Was die Beklagte dagegen einwendet, vermag keine andere Beurteilung zu rechtfertigen: 5.1 Sie macht zunächst geltend, die Vorinstanz hätte das Verhalten von F.________ nicht beurteilen dürfen, da die Klägerin erst im Plädoyer vor dem Bezirksgericht Albula - und damit nach der Bündner Prozessordnung zu spät - behauptet habe, auch F.________ habe grobfahrlässig gehandelt. Wie es sich damit verhält, kann das Bundesgericht im Berufungsverfahren nicht prüfen, da es eine Frage des kantonalen Prozessrechts ist, bis zu welchem Zeitpunkt Behauptungen vorgebracht werden können. Die Vorinstanz stellte fest, dass F.________ bei der Beklagten angestellt war, und folgerte zutreffend, dass diese sich dessen Verhalten anrechnen lassen muss. Sie wirft ihm vor, dass er beim Verlegen der Dachpappe hätte sehen können, dass in der alten Stallwand Spalten offen standen, und er seinen Vorarbeiter auf diesen Umstand hätte hinweisen müssen. Dieser Beurteilung ist ohne Weiteres beizupflichten. Das war grob unvorsichtig. Zudem zog die Vorinstanz das Verhalten von F.________ vor allem insofern in Betracht, als sie es - anders als die Staatsanwaltschaft - für unhaltbar hielt anzunehmen, für A.________ sei nicht voraussehbar gewesen, dass Funken in den Heustall springen könnten, weil die Spalten durch die von F.________ hochgezogene Dachpappe abgedeckt gewesen seien. Auch dem ist zuzustimmen. In der Tat hätte A.________ die Spalten bei sorgfältiger Besichtigung des Arbeitsplatzes mit Leichtigkeit sehen können und die Gefahr erkennen müssen. Es kann ihn nicht entlasten, dass sein Kollege die Spalten mit Dachpappe abgedeckt hat. 5.2 Weiter wirft die Beklagte der Vorinstanz vor, von einem falschen Begriff der Grobfahrlässigkeit ausgegangen zu sein. Inwiefern dies der Fall sein soll, zeigt sie jedoch nicht auf und ist nicht ersichtlich. Die Vorinstanz fasste ihre Beurteilung dahingehend zusammen, das Verhalten der beiden Angestellten sei "schlechterdings unverständlich" und machte damit deutlich, dass sie von einem zutreffenden Begriff der Grobfahrlässigkeit (vgl. dazu Erwägung 3.2) ausgegangen ist. 5.3 Die Beklagte ist der Ansicht, A.________ habe nicht grobfahrlässig gehandelt, was sich schon aus dem Umstand ergebe, dass das gegen ihn eröffnete Strafverfahren wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst eingestellt worden sei. Indem A.________ einen Wasserschlauch am Fusse der Leiter bereitstellte, habe er die massgebende Vorsichtsmassnahme getroffen, was eindeutig gegen die Qualifikation seines Verhaltens als grobfahrlässig spreche. Entgegen der Beklagten ist die Vorinstanz nicht von den tatsächlichen Feststellungen der Einstellungsverfügung abgewichen. Jedoch hat sie eine andere Beurteilung des Verschuldens vorgenommen. Wie die Beklagte selbst anmerkt, besteht keine Bindung des Zivilrichters an die strafrechtliche Beurteilung der Schuld (Art. 53 OR). Ob die von A.________ getroffene Vorsichtsmassnahme der Bereitstellung eines Wasserschlauches am Fusse der 2.5 m langen Leiter ausreichte, um die zu beachtenden Sorgfaltspflichten zu erfüllen, bezweifelte die Vorinstanz, liess die Frage aber offen, weil die Wahl dieses Löschmittels für den hier zu beurteilenden Brand ohnehin nicht kausal gewesen sei. Diesbezüglich ergibt sich somit keine Belastung der Beklagten bzw. von A.________, weshalb die Rüge in diesem Punkt ins Leere stösst. 5.4 Die Beklagte ist ferner der Ansicht, A.________ könne auch deshalb kein Verschulden zur Last gelegt werden, weil für ihn gemäss Einstellungsverfügung nicht vorhersehbar gewesen sei, dass es beim Verschweissen der Dachpappe zu einem Brand kommen könnte. Da F.________ die Dachpappe an der angrenzenden Stallwand hinaufgezogen habe, habe A.________ die Spalten nicht sehen können. Dass die Vorinstanz dieses Argument zu Recht nicht gelten liess, wurde bereits ausgeführt (Erwägung 5.1). A.________ wird gerade vorgeworfen, dass er bei ordnungsgemässer Besichtigung des Arbeitsplatzes die Spalten ohne Weiteres hätte erkennen können und müssen. Dass F.________ die Spalten abdeckte, entlastet A.________ nicht, sondern gereicht zusätzlich F.________ zum Vorwurf, dass er A.________ nicht auf die Spalten aufmerksam machte. Auch ohne entsprechende Meldung von F.________ hätte A.________ die Spalten bemerken müssen, wenn er die Umgebung der Schweissarbeiten mit der gebotenen Sorgfalt untersucht hätte. 5.5 Nicht nachvollziehbar und auch nicht hinlänglich konkretisiert ist der Vorwurf der Beklagten, die "ex-post-Argumentation" der Vorinstanz überspanne die Anforderungen an die Sorgfalt, die von A.________ erwartet werden könne, in krasser Weise. Selbst einem erfahrenen und vorsichtigen Dachdecker könne passieren, dass er Spalten in einer Holzwand nicht wahrnehme, zumal wenn sie sehr klein, nur ca. 2 cm breit und ca. 10-12 cm lang, gewesen seien. Gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz handelte es sich um erhebliche Spalten. Darauf ist abzustellen. Dafür spricht auch, dass A.________ im Nachhinein die Spalten ohne Weiteres wahrnahm. Von einer unzulässigen Beurteilung ex post oder überspannten Anforderungen an die Sorgfalt kann keine Rede sein. Das zu beachtende Mass an Sorgfalt beurteilt sich nach der jeweils konkreten Lage und den gegebenen Umständen. Schweissarbeiten sind mit erheblichen Risiken verbunden, zumal wenn sie neben einem alten Stall und bei ungünstigen meteorologischen Verhältnissen (starker Nordwind in Richtung des Stalles) vorgenommen werden. Diese konkreten Verhältnisse hat die Vorinstanz zu Recht berücksichtigt und auch zutreffend gefolgert, die ungünstigen Bedingungen hätten ein besonders sorgfältiges Arbeiten erfordert. 5.6 Die Beklagte bestreitet sodann, dass A.________ verpflichtet gewesen wäre nachzusehen, ob sich im angrenzenden Stall leicht brennbares Material (Heu oder Stroh) befinde, zumal ihn der Geschädigte auch nicht darauf aufmerksam gemacht habe. Sie verweist auf BGE 80 II 247, in welchem Fall der Arbeiter die Lötlampe zum Entfernen der alten Farbe gegen die Aussenseite einer Holztüre richtete, worauf eine Flamme durch die Ritzen drang und die im Innern des Gebäudes gelagerte Holzwolle in Brand steckte. Das Bundesgericht habe in diesem Fall keine Grobfahrlässigkeit angenommen und müsse vorliegend den gleichen Massstab anwenden. Wie die Vorinstanz zutreffend aufzeigt, besteht der Unterschied der beiden Fälle im Wesentlichen in den unterschiedlichen Arbeitsorten. In BGE 80 II 247 waren die Arbeiten an der Aussenwand der Dependance einer Villa vorzunehmen und es war nicht naheliegend, dass in diesem Gebäude leicht brennbares Material gelagert wurde. In einem Stall hingegen, der sich oberhalb eines belegten Viehstalles befindet, drängt sich das Vorhandensein von Heu oder Stroh geradezu auf. 5.7 Was die Beklagte gegen die Annahme ungünstiger meteorologischer Verhältnisse vorbringt, stellt zum einen unzulässige Kritik an der Beweiswürdigung dar (BGE 127 III 543 E. 2c S. 547). Es bleibt daher bei der vorinstanzlichen Feststellung, dass (zeitweise) starker Nordwind herrschte. Zum andern übersieht die Beklagte, dass es nicht ausschlaggebend ist, ob der Brand tatsächlich aufgrund eines Windstosses ausgelöst bzw. begünstigt wurde. Entscheidend ist, dass die festgestellten Windverhältnisse zu einer erhöhten Gefährlichkeit der Schweissarbeiten führten und es daher einer erhöhten Sorgfalt bedurfte. 5.8 Die Beurteilung der Vorinstanz, dass das Verhalten der Angestellten der Beklagten als grobfahrlässig zu qualifizieren ist, ist somit bundesrechtlich nicht zu beanstanden.