Citation: 6B_861/2008 22.06.2009 E. 5

5.1 Im Zivilpunkt macht der Beschwerdeführer geltend, das erhebliche Selbstverschulden des Verunfallten müsse sich zwingend in einer wesentlichen Korrektur der Haftungsquote niederschlagen. Ohnehin sei es aber nur möglich und zulässig, eine Haftungsquote festzulegen, wenn kein Anteil eines Dritten, der am Verfahren nicht teilnehme, beachtet werden müsse. Vorliegend seien nun jedoch gerade solche Dritte vorhanden. Der Beschwerdegegner habe beim Bezirksgericht Arlesheim einen Haftungsprozess gegen die A.________AG angestrengt, welche daraufhin dem Gerüstlieferanten und dem Architekturbüro den Streit verkündet habe. Diese hätten sich als Streitberufene an die Seite der A.________AG begeben. Da somit am Strafverfahren nicht beteiligte Dritte als Haftpflichtige in Frage kämen, müsse selbst im Falle eines Schuldspruchs gegen ihn die ganze Forderung des Beschwerdegegners ohne Bestimmung einer Haftungsquote auf den Zivilweg verwiesen werden (Beschwerde S. 17 - 18). 5.2 Die Vorinstanz hat ausgeführt, der Beschwerdeführer habe dem Beschwerdegegner widerrechtlich im Sinne von Art. 41 OR einen Schaden zugefügt. Die Höhe des geschuldeten Schadenersatzes zu bestimmen, sei mangels Substantiierung nicht möglich. Indessen sei eine Haftungsquote festzulegen. Vorliegend erscheine angesichts des bloss geringen Verschuldens des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 43 OR eine Reduktion der Haftung um 20% angemessen. Eine Haftungsreduktion wegen Selbstverschuldens des Opfers im Sinne von Art. 44 OR falle demgegenüber nicht in Betracht, da der Beschwerdegegner nicht genügend über die bei Rollgerüsten notwendigen Sicherheitsmassnahmen informiert gewesen sei. Eine allfällige zusätzliche Haftung Dritter führe nach Art. 50 OR zunächst zur Solidarhaftung und sei für den Beschwerdeführer daher erst beim Regress relevant; eine (weitere) Haftungsreduktion nach Art. 43 habe sie nicht zur Folge (angefochtenes Urteil S. 16 - 18). 5.3 Sinn und Zweck des Opferhilfegesetzes ist es unter anderem, die Verfahren zu vereinfachen, mit denen Opfer von Straftaten ihre Ansprüche geltend machen können. Über die Forderungen des Opfers soll deshalb möglichst im Adhäsionsverfahren zum Strafverfahren befunden werden. Gemäss Art. 38 Abs. 3 OHG kann das Strafgericht die Zivilansprüche aber auch nur dem Grundsatz nach entscheiden und das Opfer im Übrigen auf den Zivilweg verweisen, falls die Beurteilung der Zivilansprüche einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern würde. Das Strafgericht wird lediglich von der Berechnung der Höhe des Schadens, nicht aber von dessen Bemessung entbunden. Zu den Grundsatzfragen, die das Strafgericht in jedem Fall zu entscheiden hat, gehört die Verantwortlichkeit der beschuldigten Person gegenüber dem Opfer. Darunter fällt auch die Haftungsquote, zumindest soweit kein Anteil eines Dritten zu beachten ist, der am Verfahren nicht teilnimmt (BGE 125 IV 153 E. 2b/ aa; Urteil des Bundesgerichts 6P.55/2001 vom 26. Juni 2001 E. 6a; vgl. auch Sabine Steiger-Sackmann, in: Peter Gomm/Dominik Zehntner [Hrsg.], Opferhilfegesetz, Bern 2005, Art. 9 OHG N. 30 ff.). Von der Festsetzung der Haftungsquote wird das Strafgericht mithin einzig in Fällen entbunden, in denen das Verschulden einer dritten, nicht am Strafverfahren teilnehmenden Person ausnahmsweise zu einer Reduktion der Haftpflicht der beschuldigten Person führt (Eva Weishaupt, Die verfahrensrechtlichen Bestimmungen des Opferhilfegesetzes, Diss. Zürich 1998, S. 250 f.). Bei einer allfälligen zusätzlichen Haftung weiterer Personen besteht Solidarhaftung im Aussenverhältnis (vgl. Art. 50 und 51 OR), sofern das Drittverschulden nicht den Kausalzusammenhang unterbricht. Die solidarische Mithaftung des Dritten schliesst eine Herabsetzung der Haftpflicht des anderen Verursachers wegen des Drittverschuldens aus. Die Verteilung des Schadenersatzes ist aufs Innenverhältnis, d.h. auf den Regressweg verschoben (Karl Oftinger/Emil W. Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht I, 5. Aufl. 1995, § 7 N. 40 ff.). 5.4 Aus diesen Ausführungen folgt, dass die Vorinstanz zutreffend die Haftungsquote des Beschwerdeführers festgelegt hat, denn ein den Kausalzusammenhang unterbrechendes Drittverschuldens fällt vorliegend nicht in Betracht. Des Weiteren hat sie zu Recht ein Selbstverschulden des Beschwerdegegners verneint, da dieser - wie im angefochtenen Urteil willkürfrei festgestellt worden ist - erstmals auf einem Rollgerüst tätig und nicht über die massgeblichen Sicherheitsbestimmungen informiert war. Nicht zu beanstanden ist schliesslich die Reduktion der Haftung des Beschwerdeführers infolge leichten Verschuldens um 20%, so dass die Vorinstanz im Ergebnis mit der Festsetzung der Haftungsquote auf 80% kein Bundesrecht verletzt hat.