Citation: K 34/00 31.01.2001 E. 4

4.- a) In formellrechtlicher Hinsicht lässt die Beschwerdeführerin eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch Vorinstanz und Verwaltung rügen, weil sie, was aufgrund der Akten feststeht, bis heute nie Einsicht in die vertrauensärztlichen Berichte des Dr. med. Z.________ vom 4. und 30. Juni 1998 erhalten hat. b) Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 126 V 132 Erw. 2b mit Hinweisen). Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 126 I 16 Erw. 2a/aa, 124 V 181 Erw. 1a, 375 Erw. 3b, je mit Hinweisen). Dem Einsichtsrecht unterliegen alle Aktenstücke, die der Behörde vorlagen und geeignet waren, ihren Entscheid zu beeinflussen (BGE 114 Ia 100 Erw. 2c mit Hinweisen). Zwar muss die Behörde den Betroffenen nicht jedes Mal informieren, wenn ein neues Aktenstück dem Dossier beigefügt wird, denn grundsätzlich ist sie nur verpflichtet, ihm das Dossier für die Einsichtnahme zur Verfügung zu stellen. Wenn aber ein Aktenstück beigefügt wird, auf das sich die Behörde in ihrem Entscheid stützen will, muss sie dem Beschwerdeführer davon Kenntnis geben, wenn diesem die Existenz im Dossier nicht bekannt sein konnte (BGE 114 Ia 100 Erw. 2c). Im Weitern gilt das Recht nicht absolut; es findet seine Schranken in entgegenstehenden überwiegenden Interessen (privater) Dritter oder des Gesuchstellers selber (BGE 126 I 10 Erw. 2b, 122 I 161 Erw. 6a). c) Nach Zustellung des Einspracheentscheides vom 31. Mai 1999 hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Unitas ersucht, ihm «die gesamten Krankenversicherungsakten (...) möglichst umgehend zur Einsichtnahme zuzustellen», worauf die Unitas ihm mit Schreiben vom 11. Juni 1999 mitteilte, er erhalte «in der Beilage (...) wie gewünscht alle Unterlagen aus unserem Dossier (...), die ihnen nicht bereits vorliegen». Dass bei dieser Sendung, was unbestritten ist, die vertrauensärztlichen Berichte nicht beilagen, musste den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin noch nicht misstrauisch werden lassen oder zur Vornahme weiterer Schritte bewegen, weil er aufgrund der bisherigen Korrespondenzen mit dem Krankenversicherer nicht zwingend annehmen musste, es handle sich bei den vom Krankenversicherer erwähnten vertrauensärztlichen Stellungnahmen um mehr als mündliche Auskünfte oder interne Unterlagen, welche dem Akteneinsichtsrecht nicht unterliegen (BGE 115 V 303 Erw. 2g/aa). Noch in der Verfügung vom 26. Februar 1999 ist bezüglich des Vertrauensarztes nur vage und dunkel von einer «im Auftrag unseres Vertrauensarztes Dr. R.________ durch den Vertrauenspsychiater Dr. med. Z.________» erfolgten «Beurteilung» und von «seinen Ausführungen» die Rede, welche nachfolgend zwar summarisch wiedergegeben wurden, ohne dass aber die in jenem Zeitpunkt schon längst, nämlich vor Jahresfrist, eingeholten Berichte des Dr. med. B.________ vom 4. und 30. Juni 1998 dem Rechtsvertreter eröffnet worden wären. Das gleiche Bild ergibt sich im Einspracheentscheid vom 31. Mai 1999, wo ebenfalls bloss vom «Eingang der vertrauensärztlichen Stellungnahme» und von «einer weiteren Überprüfung durch den Vertrauensarzt» gesprochen wird, ohne diese in den Akten liegenden datierten Berichte zu erwähnen. Erweckt schon diese Formulierung von Verwaltungsverfügung und Einspracheentscheid Bedenken, so ist es jedenfalls nicht hinzunehmen - und wäre vom kantonalen Gericht zu korrigieren gewesen -, dass der Krankenversicherer auch nach dem expliziten Akteneinsichtsgesuch im Anschluss an die Eröffnung des Einspracheentscheides die vertrauensärztlichen Berichte vom 4. und 30. Juni 1998 zurückbehielt. In Anbetracht dieser Verfahrenslage konnte sich das kantonale Gericht nicht damit begnügen, am 27. September 1999 zu bescheinigen und verfügen, dass die Beschwerdeantwort (sowie der bei dieser Gelegenheit ausgearbeitete dritte vertrauensärztliche Bericht des Dr. med. Z.________ vom 30. Juni 1999) der Versicherten zugestellt, der Schriftenwechsel sowie das Beweisverfahren geschlossen und der Rechtsvertreter gebeten werde, so rasch als möglich die Kostennote für das verwaltungsgerichtliche Verfahren einzureichen mit der Bemerkung, deren Einholung habe keine präjudizierende Wirkung. d) Im Hinblick darauf, dass die Unitas sich in Verfügung und Einspracheentscheid vollumfänglich auf die Empfehlungen ihres Vertrauensarztes Dr. med. Z.________ stützte und dass auch das kantonale Gericht dessen Einschätzung im Rahmen seiner Beweiswürdigung zur Frage der Spitalbedürftigkeit ausschlaggebende Bedeutung beimass, obwohl die Beschwerdeführerin bis heute keine Einsicht in die Berichte des Dr. med. Z.________ vom 4. und 30. Juni 1998 erhalten hat, leiden die Verfahren vor Krankenversicherer und Vorinstanz an einem schwerwiegenden Mangel. Denn auch vertrauensärztliche Berichte im Sinne von Art. 57 Abs. 6 KVG unterliegen dem integralen Akteneinsichtsrecht der versicherten Person; Einschränkungsgründe, wie insbesondere jener des überwiegenden Interesses sei es (privater) Dritter, sei es (im Hinblick auf eine Gefährdung des Gesundheitszustandes) der rechtsuchenden Versicherten selber, sind weder geltend gemacht noch ersichtlich. Wegen der formellrechtlichen Natur des Gehörsanspruches führt dies ohne weiteres zur Aufhebung von Einsprache- und vorinstanzlichem Entscheid (vgl. Erw. 3b). Ohne Einfluss auf dieses Ergebnis ist die von der Unitas in ihrer im letztinstanzlichen Verfahren eingereichten Vernehmlassung stillschweigend bejahte Frage, ob die prozessleitende Verfügung vom 27. September 1999 einen mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde anfechtbaren Zwischenentscheid darstellt (vgl. Art. 128 in Verbindung mit Art. 97 Abs. 1 OG; Art. 5 und Art. 45 VwVG). Denn selbst wenn es sich um eine selbstständig anfechtbare Zwischenverfügung handelte - was mit Blick auf die Eintretensvoraussetzung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils und die dazu ergangene Rechtsprechung (BGE 124 V 87 Erw. 4, 121 V 116 mit Hinweisen) äusserst fraglich erscheint -, ist es nach ständiger Praxis zulässig, in einer gegen den Endentscheid gerichteten Verwaltungsgerichtsbeschwerde sämtliche Einwände geltend zu machen, die schon gegen die Zwischenverfügung hätten vorgebracht werden können (SVR 2000 UV Nr. 21 S. 71 Erw. 1c). e) Die Sache ist an die CONCORDIA als Rechtsnachfolgerin der Unitas (Erw. 1) zurückzuweisen, damit sie das Einspracheverfahren ordnungsgemäss und - mit Blick auf das Akteneinsichtsrecht - den rechtsstaatlichen Anforderungen entsprechend durchführe, was umso wichtiger ist, als die gleiche Kenntnis des Dossiers für die Beurteilung des Einsprachegegenstandes von grundlegender Bedeutung ist. Gleichzeitig wird die CONCORDIA über die Frage der (armenrechtlichen; vgl. hiezu SVR 2000 KV Nr. 2 S. 5) Entschädigung für das Einspracheverfahren neu zu befinden haben. f) Bei diesem Verfahrensausgang braucht zur materiellrechtlichen Frage, ob Mitte Mai 1998 Spitalbedürftigkeit für die psychosomatische Abteilung am Spital X.________ bestand, nicht Stellung genommen zu werden. Immerhin rechtfertigt sich ein Hinweis darauf, dass nach dem Einspracheentscheid eingetretene Sachverhalte und Entwicklungen dann in die Beurteilung miteinzubeziehen sind, wenn sie Rückschlüsse auf den zeitlich massgebenden Sachverhalt zulassen, wie er sich bis zum Einspracheentscheid (31. Mai 1999) entwickelt hat (vgl. BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen). Diesbezüglich ist der Krankenversicherer daran zu erinnern, dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sich seither drastisch verschlechtert hat, sie mehrmals und längere Zeit hospitalisiert werden musste, was bei der Beurteilung der Frage nach dem Vorliegen der Spitalbedürftigkeit im Mai 1998 nicht ausser Acht gelassen werden darf. Angesichts dieser Entwicklung und des komplexen Beschwerdebildes könnte sich die (in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragte) Einholung eines unabhängigen medizinischen Gutachtens rechtfertigen.