Citation: 9C_448/2008 02.09.2008 E. 4

Die Vorinstanz hat die Anteile der hypothetischen Tätigkeit im Gesundheitsfall auf 75 % Erwerbstätigkeit und 25 % Hausarbeit festgelegt und die Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode vorgenommen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie wäre bei guter Gesundheit zu 100 % erwerbstätig, weshalb die gemischte Methode zu Unrecht angewendet worden sei. Überdies sei diese Methode nicht korrekt angewendet worden. 4.1 Nach Auffassung des kantonalen Gerichts lässt sich in Würdigung insbesondere der persönlichen, familiären und finanziellen Verhältnisse die von der IV-Stelle vorgenommene Einstufung der Beschwerdeführerin als zu 75 % Teilerwerbstätige nicht beanstanden. Die Versicherte habe nach der Realschule keine Ausbildung absolviert. Laut Angaben in den Abklärungsberichten Haushalt habe sie seit 1986 ca. 20 Kinder pro Woche betreut. Seit 1998 sei sie als Tagesmutter für den Verein Tageseltern-Vermittlungsstelle tätig, wobei sie mehrere Kinder vornehmlich im Kleinkind- und Vorschulalter betreue. Zudem beaufsichtige sie ein Grosskind, wofür sie keine Entschädigung erhalte. Sie bewohne zusammen mit ihrem Ehemann, der im Jahre 2005 einen Nettolohn von Fr. 4'200.- erzielt habe, ein 7-Zimmer-Einfamilienhaus mit grossem Umschwung. 2002 hätten die drei eigenen erwachsenen Kinder, 2006 nur noch der Sohn, im Haushalt gewohnt und die Mahlzeiten dort eingenommen. Unter Berücksichtigung, dass sie einen eigenen Fünf- bzw. Drei-Personen-Haushalt zu versorgen und ein grosses Einfamilienhaus mit Garten zu pflegen gehabt und bei Erlass des Einspracheentscheides in ihrem fünfzigsten Lebensjahr gestanden habe, sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie im Gesundheitsfall voll erwerbstätig gewesen wäre. Allein schon in Anbetracht der familiären Situation könne neben der Besorgung eines grösseren Mehrpersonenhaushalts nicht von der Ausübung einer vollen Erwerbstätigkeit als Tagesmutter (Betreuung von 25 Kindern pro Woche) ausgegangen werden. Eine solche Auslastung stelle in physischer wie psychischer Hinsicht eine ständige Überlastung dar und sei unter gesundheitlichen Gesichtspunkten nicht zumutbar. 4.2 Eine Tagesmutter ist insofern erwerbstätig, als sie gegen Entgelt im eigenen Haushalt fremde Kinder betreut. Der für die Invaliditätsbemessung relevante Umfang der Erwerbstätigkeit bestimmt sich dabei nur nach dem Kriterium des zeitlichen Aufwandes (vgl. E. 3.1). Die Anzahl der während einer bestimmten Zeit betreuten Kinder ist für sich allein nicht entscheidend, denn auch bei geringerer Zahl bedarf es zumindest der ständigen Überwachung durch die Betreuungsperson. Während dieser Zeit ist es ihr in der Regel nicht möglich, einer anderen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Ebenso ist in diesem Zusammenhang belanglos, dass die Erwerbstätigkeit mit der privaten Haushaltführung untrennbar verflochten, das Entgelt in der Regel bescheiden und zudem von der Anzahl betreuter Kinder abhängig ist (vgl. dazu E. 4.4). 4.3 Die vorinstanzlichen Feststellungen tatsächlicher Natur sind zwar nicht offensichtlich unrichtig, bilden jedoch keine hinreichende Grundlage für die Festlegung der Anteile von Erwerbstätigkeit und Haushaltsführung, weil sie nicht die für die Entscheidung der iv-rechtlichen Statusfrage rechtlich massgeblichen Gesichtspunkte - den zeitlichen Umfang der im Gesundheitsfall (hypothetisch) ausgeübten Erwerbstätigkeit - betreffen, sondern die - nicht alleinentscheidende (E. 4.2) - Anzahl betreuter Kinder. Feststellungen zum zeitlichen Umfang der hypothetischen Tätigkeit als Tagesmutter fehlen, können aber aufgrund der Akten ergänzt werden (Art. 105 Abs. 2 BGG): Die Beschwerdeführerin hat anlässlich der Haushaltabklärungen (Abklärungsberichte vom 1. Oktober 2002 und vom 19. Juni 2006) angegeben, 18 resp. 8 Kinder während mindestens eines vollen Arbeitspensums zu betreuen. Dies ist nicht unglaubwürdig, zumal diese Arbeitsleistung auch mit der bisher erfolgten Mithilfe von Familienmitgliedern bei körperlich anstrengenden Arbeiten erklärt wurde. War die Versicherte demnach selbst mit ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung tatsächlich im Rahmen eines vollzeitlichen Arbeitspensums tätig, ist für die Situation bei guter Gesundheit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nichts anderes anzunehmen. Zudem vermag die vorinstanzliche Auffassung, eine volle Erwerbstätigkeit als Tagesmutter stelle nebst der Besorgung eines Dreipersonenhaushalts in physischer wie psychischer Hinsicht eine ständige Überlastung dar und sei daher nicht als überwiegend wahrscheinlich anzunehmen, auch deswegen rechtlich nicht zu überzeugen, weil Vollerwerbstätige sehr oft noch einen Haushalt zu besorgen haben, was iv-rechtlich gänzlich unerheblich ist und kein Grund sein kann, ihnen den Status als ausschliesslich erwerbstätige Personen streitig zu machen. Dies gilt im konkreten Fall umso mehr, als die Versicherte nebst den eigenen seit 1986 ständig mehrere fremde Kinder betreut, über dafür geeignete Räumlichkeiten und Einrichtungen (7-Zimmer-Haus, Garten) verfügt, im Haushalt nur noch erwachsene Personen (Ehemann und Sohn) leben und sie dafür die Mithilfe mehrerer Familienmitglieder (Ehemann, Schwiegermutter, eigene erwachsene Kinder) beanspruchen kann. Nach dem Gesagten ist die Beschwerdeführerin iv-rechtlich als Erwerbstätige zu qualifizieren. Die Anwendung der gemischten Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrades verletzt Bundesrecht.