Citation: 8C_652/2023 E. 4.2

4.2. Dazu äusserte sich der von der Beschwerdegegnerin beigezogene Augenarzt Dr. med. E.________ lediglich insoweit, als keine medizinische Begründung für eine unfallkausale Refraktionsänderung oder das Beheben einer unfallbedingten Schielabweichung erkennbar sei (vgl. Stellungnahme vom 12. August 2022). Indessen bleiben dabei, anders als im angefochtenen Urteil dargelegt, wesentliche Aspekte hinsichtlich Ursache, Art und Ausmass der fraglichen Sehbeeinträchtigung unbeachtet. Der Ophthalmologe des versicherungsmedizinischen Dienstes berücksichtigte denn auch offenkundig nicht, dass aufgrund der von Prof. Dr. med. F.________ diagnostizierten Motilitätsstörung peripher neurogenen Ursprungs die (Augen-) Hebung stärker eingeschränkt ist als die (Augen-) Senkung. Daher nehme - so die behandelnde Augenärztin - die Beschwerdeführerin eine leichte Kopfzwangshaltung (Kopfhebung) ein, um ein doppelbildfreies Fusionsbild erzeugen zu können. Ob diese Schwierigkeit am Ende durch eine Blickverlagerung mittels Prismen behandelt werden müsse, hänge von der Entwicklung der Nackenbeschwerden ab, welche durch die unnatürliche Kopfhaltung bedingt sein könnten (vgl. Bericht vom 8. Juni 2022). Trotz dieser Angaben beschränkte sich Dr. med. E.________ hauptsächlich darauf, an das Brillenrezept vom 16. Mai 2022 zu erinnern, womit seiner Meinung nach lediglich altersbedingte Sehveränderungen ausgeglichen würden (vgl. Stellungnahme vom 12. August 2022). Die von der gestörten Augenbewegung herrührenden Doppelbilder erwähnte er hingegen mit keinem Wort. Ebenso wenig findet sich eine Aussage zur gemäss Einschätzung der Prof. Dr. med. F.________ zumindest nicht auszuschliessenden Zusatzkorrektur mittels Prismen. In dieser Hinsicht liess es Dr. med. E.________ mit der Feststellung bewenden, es seien "keine Prismen" verordnet worden, was den Sachverhalt nur erheblich verkürzt wiedergibt. Abgesehen davon fehlt es in den versicherungsinternen Beurteilungen an einer Auseinandersetzung mit der beschriebenen, höchstwahrscheinlich durch die Okulomotoriusparese - und damit den Unfall - ausgelösten Akkomodationsproblematik (vgl. E. 4.2 a. E. hiervor). Vor diesem Hintergrund kann nicht ohne Weiteres auf eine rein altersbedingte (d.h. unfallfremde) Fehlsichtigkeit geschlossen werden, zumal Dr. med. E.________ keine eigene klinische Untersuchung durchführte. Demzufolge sind (wenigstens geringe) Zweifel an der Aussagekraft der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen angebracht (vgl. Urteil 8C_434/2023 vom 10. April 2023 E. 4.3 mit weiteren Hinweisen, nicht publ. in: BGE 150 V 188, aber in: SVR 2024 UV Nr. 27 S. 107). Die vorinstanzliche Schlussfolgerung, anhand der medizinischen Akten ergebe sich "einhellig", dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die beantragte Gleitsichtbrille aufgrund des fehlenden (natürlichen) Kausalzusammenhangs habe verneinen dürfen, erweist sich somit als rechtsfehlerhaft.