Citation: U 198/06 31.08.2006 E. 3

3.1 Verwaltung und Vorinstanz stützten sich hinsichtlich der hier interessierenden Integritätsentschädigung auf die ärztliche Beurteilung des Dr. med. S.________, Facharzt FMH für Chirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA, vom 20. Dezember 2002. In dieser einzigen medizinischen Stellungnahme zur Frage der Integritätseinbusse wird ausgeführt, der Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 17. Januar 1995 und den geltend gemachten OSG-Beschwerden rechts sei zwar immer noch wahrscheinlich (Brückensymptome). Es bestünden eine leichte Instabilität und eine diskrete Arthrose (nach minimaler Läsion an der Talusrolle medial gemäss dem MRI-Befund vom 26. April 1995). Ausser gelegentlichen physikalischen Massnahmen bei einem Reizzustand seien aber keine speziellen Behandlungen nötig, und auch eine Arbeitsunfähigkeit lasse sich allein deswegen nicht rechtfertigen. Ein erheblicher Integritätsschaden liege nicht vor. 3.2 Der Beschwerdeführer bemängelt, diesem Bericht hätten weder aktuelle Röntgenbilder noch eine medizinische Untersuchung des Versicherten zugrunde gelegen. Es sei in keiner Weise nachvollziehbar dargestellt, weshalb ein Integritätsschaden nicht vorliegen sollte. Trotz der knappen Feststellungen, dass der Beschwerdeführer an OSG-Beschwerden aufgrund des Unfalls vom 17. Januar 1995 leide und eine leichte Instabilität und eine diskrete Arthrose feststellbar seien, sei eine umfassende medizinische Beurteilung nicht abgegeben, sondern lediglich ohne nähere Begründung das Vorliegen eines Integritätsschadens verneint worden. Dieser Bericht sei wegen seiner Kürze und der fehlenden Plausibilität als Beweismittel ungeeignet. 3.3 Zur Kritik an der ärztlichen Beurteilung des Dr. med. S.________ vom 20. Dezember 2002 ist zunächst festzuhalten, dass auch einem reinen Aktengutachten voller Beweiswert zukommen kann. Dies setzt voraus, dass der medizinischen Fachperson, die das Aktengutachten verfasst hat, genügend auf persönlichen Untersuchungen der versicherten Person beruhende ärztliche Unterlagen zur Verfügung standen. Diese müssen es dem Experten oder der Expertin erlaubt haben, sich ein für die zu beurteilenden Belange gesamthaft lückenloses Bild zu verschaffen. Vorausgesetzt ist somit, dass es beim Aktengutachten im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (RKUV 2006 Nr. U 578 [U 245/05] S. 175 Erw. 3.4, 2001 Nr. U 438 [U 492/00] S. 346, 1988 Nr. U 56 S. 370 Erw. 5b). Im Folgenden ist zu prüfen, ob diese Voraussetzungen in Bezug auf die ärztliche Beurteilung des Dr. med. S.________ erfüllt sind. Ebenso ist zu prüfen, ob zum einen diese ärztliche Beurteilung als schlüssig erscheint, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei ist und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/ee), und ob sich zum andern die Verhältnisse seit der Abgabe dieser medizinischen Stellungnahme nicht geändert haben (BGE 128 IV 247 Erw. 3.4).