Citation: 1A.114/2006 07.03.2007 E. 5

5.1 Des Weitern beanstandet die Beschwerdeführerin, das Verwaltungsgericht sei wiederum unter Verletzung der Untersuchungsmaxime (Art. 16 Abs. 2 OHG) davon ausgegangen, dass ihr Rechtsanwalt bereits ab November 2004 (Datum der bei der Opferhilfe-Behörde vorgewiesenen Vollmachtsurkunde) mit der vorsorglichen Geltendmachung der opferrechtlichen Ansprüche beauftragt worden sei und das Vorschussgesuch somit längstens hätte stellen können. Diese Annahme des Verwaltungsgerichts treffe indessen nicht zu. Der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin sei erst am 20. Oktober 2005 zur Vertretung in opferrechtlichen Angelegenheiten beauftragt worden. 5.2 Der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin wies sich gegenüber der Opferhilfe-Behörde mit einer vom 22. November 2004 datierenden Vollmacht aus. Gemäss Verfügung des Kantonalen Sozialdienstes war die Beschwerdeführerin mindestens seit dem Rechtsmittelverfahren gegen die Verfügung der SUVA vom 4. Juni 2002 anwaltlich vertreten. Im Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht brachte die Beschwerdeführerin nicht vor, sie habe ihren Rechtsanwalt erst im Oktober 2005 mit der Vertretung in opferrechtlichen Angelegenheiten beauftragt. Auch in den Akten finden sich keine Anhaltspunkte, dass diesbezüglich ein Klärungsbedarf bestehen könnte. Es bestand daher für das Verwaltungsgericht kein Anlass, zusätzliche Sachverhaltsabklärungen anzuordnen. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes liegt somit nicht vor, und es kann dem Verwaltungsgericht daher nicht angelastet werden, dass es seine rechtlichen Erwägungen auf die im Recht liegenden Akten stützte (vgl. E. 4.2 hiervor). 5.3 Die Frage, ob das Verwaltungsgericht davon ausgehen durfte, der Rechtsanwalt sei bereits im November 2004 mit der Geltendmachung opferrechtlicher Ansprüche beauftragt worden, ist vom Regelungsgedanken von Art. 33 Abs. 3 OR erfasst. Diese Vorschrift kann auch im Verfahrensrecht zum Tragen kommen (vgl. das Bundesgerichtsurteil P.745/1983 vom 31. Januar 1984 E. 3, publ. in SJ 1984 S. 304). Nach Art. 33 Abs. 3 OR beurteilt sich der Umfang einer Ermächtigung, die vom Vollmachtgeber einem Dritten mitgeteilt wird, diesem gegenüber nach Massgabe der erfolgten Kundgebung. Dies bedeutet, dass der Vertretene unter Anwendung des Vertrauensprinzips auf einer bestimmt gearteten Äusserung zu behaften ist, wenn der gutgläubige Dritte, demgegenüber der Vertreter ohne resp. mit einer weniger weit gehenden Vollmacht handelt, sie in guten Treuen als Vollmachtskundgabe verstehen durfte und darauf vertraute (BGE 120 II 197 E. 2a S. 199; Zäch, Berner Kommentar, N. 124 zu Art. 33 OR). Die Vollmachtskundgabe bedarf keiner besonderen Form; sie kann ausdrücklich oder stillschweigend erfolgen. Häufig erfolgt die Mitteilung durch Ausstellung einer Vollmachtsurkunde. Passives Verhalten (Dulden, Unterlassen) kann als Kundgabe gelten, wenn zusätzliche, vom Vertretenen gesetzte Umstände vorliegen, die den Dritten berechtigen, auf eine Vollmacht zu schliessen (BGE 120 II 197 E. 3b S. 203; Watter, Basler Kommentar, N. 31 zu Art. 33 OR). 5.4 Der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin teilte der Opferhilfe-Behörde am 20. Oktober 2005 mit, dass er deren Interessen vertrete. Gleichzeitig wies er sich mit einer am 22. November 2004 ausgestellten Anwaltsvollmacht betreffend "Unfallereignis vom 4. März 2000 (Haftpflicht- und Unfallversicherungsrecht)" aus. Die Bevollmächtigung in opferrechtlichen Angelegenheiten ist darin nicht expressis verbis erwähnt. Jedoch duldete die Beschwerdeführerin sowohl im erstinstanzlichen Verfahren vor den Opferhilfe-Behörden als auch im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht, dass ihr Rechtsanwalt sie gestützt auf die erwähnte Vollmachtsurkunde in opferrechtlichen Angelegenheiten vertrat. Aus diesem Verhalten durfte das Verwaltungsgericht in guten Treuen auf eine stillschweigende, an die Behörden gerichtete Kundgabe seitens der Beschwerdeführerin schliessen, die Bevollmächtigung umfasse nicht nur das in der Vollmachtsurkunde ausdrücklich erwähnte Haftpflicht- und Unfallversicherungsrecht, sondern auch das Opferhilferecht. Dies wird durch den Umstand unterstrichen, dass die Vollmachtsurkunde erst ein knappes Jahr alt und absolut ordnungsgemäss ausgestellt war (vgl. BGE 77 II 138 E. 3 S. 148). Zudem kommt es in der Praxis häufig vor, dass in Vollmachtsformularen von Rechtsanwälten einzelne Vertretungsangelegenheiten nur beispielhaft aufgezählt werden und die Vertretung in andern Angelegenheiten einschliessen, wenn sie in engem Zusammenhang mit den ausgeführten Rechtssachen stehen (vgl. Zäch, a.a.O., N. 116 zu Art. 33 OR). Wollte die Beschwerdeführerin das Datum auf der ihrem Anwalt ausgestellten Vollmachtsurkunde nicht gegen sich gelten lassen, hätte sie eine neue Vollmachtsurkunde, datierend von Oktober 2005, ausstellen müssen. Dies hatte sie indessen unterlassen, weshalb sie auf den Angaben in der ausgestellten Vollmachtsurkunde zu behaften ist (Art. 33 Abs. 3 OR). Indem das Verwaltungsgericht schloss, die Beschwerdeführerin habe ihren Anwalt bereits im November 2004 mit der Vertretung in ihren opferrechtlichen Angelegenheiten beauftragt, hat es Bundesrecht nicht verletzt.