Citation: 5A_765/2022 E. 4.1.1

4.1.1. Zunächst kritisiert die Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Sachdarstellung, sie habe keinen abweichenden tatsächlichen Willen behauptet, als willkürlich, weil aktenwidrig. Sie habe nie dargetan, dem Erbvertrag liege kein übereinstimmender wirklicher Wille zugrunde. Vielmehr implizierten ihre Vorbringen vor erster Instanz den wirklichen Willen der Parteien, den sie damit durchaus sinngemäss behauptet habe. Zusammengefasst stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, sie habe sich zum Nachweis ihrer Erbenstellung auf den Erbvertrag sowie darauf berufen, dass dieser sie gerade nicht vom Erbe ausschliesse, d.h. der Erblasser nicht über den gesamten Nachlass zugunsten anderer Erben verfügt habe, insbesondere gemäss Erbvertrag nicht in ihren Pflichtteil eingegriffen worden sei. Dieses Beweismittel, auf das sich die Beschwerdeführerin für ihre Erbenstellung und die ihr zustehende Erbquote berufen habe, sei zu würdigen, und zwar dahingehend, ob ein übereinstimmender wirklicher Wille vorliege oder nicht und davon abhängig, ob dieser subjektiv oder normativ auszulegen sei. Die Beschwerdeführerin habe sich nicht zur Auslegung des Erbvertrags äussern müssen, das Gericht habe im Rahmen der Beweiswürdigung des Erbvertrags auf das Vorliegen eines übereinstimmenden wirklichen Willens schliessen müssen. Dies verkenne die Vorinstanz, die Art. 9 BV und Art. 18 OR verletze, indem sie es unterlasse, den Erbvertrag als Beweismittel dahingehend zu prüfen, ob diesem ein übereinstimmender wirklicher Wille zugrunde liege. Dies verletze zudem Art. 29 Abs. 2 BV. Nicht weiter begründet werde im Übrigen, dass der übereinstimmende wirkliche Wille nicht rechtzeitig behauptet worden sei, womit es weder der Beschwerdeführerin noch dem Bundesgericht möglich sei, die richtige Anwendung von Art. 18 OR zu beurteilen. Die Vorinstanz habe daher auch Art. 29 Abs. 2 BV (Begründungspflicht) verletzt.