Citation: 6B_999/2022 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt, die Strafdrohung im Zusammenhang mit der Offenlegungspflicht bei einer konkursamtlichen Befragung nach Art. 222 SchKG diene anderen Strafverfolgungszwecken als im Strafverfahren. Sie sei daher nicht auf eine Selbstbelastung der befragten Person gerichtet, sondern ziele lediglich darauf ab, den Gemeinschuldner zur Offenlegung all seiner Vermögenswerte anzuhalten. Es sei kaum vorstellbar, dass der Gemeinschuldner Vermögenswerte aufgrund der Strafbewehrung nenne, die nicht zur Konkursmasse gehörten. Selbst wenn er dies tun würde, hätte es gegebenenfalls bloss eine Aussonderungsklage zur Folge. Es könne daher nicht davon gesprochen werden, dass die konkursrechtliche Auskunftspflicht einem ungerechtfertigten Zwang gleichkomme. Die Auskunftspflicht vermöge folglich keine grundlegenden menschenrechtlichen Bedenken zu wecken. Zudem könne gerade beim Konkurs einer Ein-Mann-Kapitalgesellschaft, wie es vorliegend der Fall sei, der Unternehmer die Schulden der Gesellschaft hinter sich lassen und von neuem beginnen. Im Gegenzug für dieses Privileg solle er jedoch auch die nötigen Auskünfte über die Vermögenswerte der konkursiten Gesellschaft erteilen, ungeachtet davon, dass sich der unredliche Unternehmer durch seine Angaben allenfalls einem Strafverfahren aussetzen könnte. Jedenfalls überwiege in allen Konkursfällen das Interesse der Gläubiger, die notwendigen Angaben vom Gemeinschuldner für den Zugriff auf die gesamte Konkursmasse zu erlangen. Schliesslich gehörten effiziente Konkursverfahren zu einem funktionierenden Wirtschaftswesen und lägen damit offensichtlich im öffentlichen Interesse. Daher stelle die strafbewehrte Auskunftspflicht im Konkursverfahren ein angemessenes Mittel für die ordnungsgemässe Abwicklung des Konkursverfahrens dar und sei zulässig.