Citation: U 274/04 17.03.2005 E. 5.2

5.2.1 Es fragt sich, ob die Anwendung von BGE 115 V 133 den Besonderheiten des konkreten Falles genügend und in richtiger und geeigneter Weise Rechnung trägt. Es trifft zwar zu, dass die gemischte Konversionsstörung den heutigen Gesundheitszustand massgebend beschreibt. Laut Dr. med. K.________ ergab sich jedoch der starke Ausprägungsgrad der Konversionssymptomatik erst mit einer Latenz von mindestens einem halben Jahr oder länger (Nachtrag vom 15. Dezember 1998 zum psychiatrischen Teilgutachten vom 6. November 1997). Sodann hält auch die Vorinstanz bei der Prüfung des Kriteriums der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung fest, es könne nicht gesagt werden, dass bereits 1995 die psychische Problematik die somatischen Beschwerden eindeutig überlagerten. Zur Begründung verweist sie auf die Discographie 26. September 1995 und die Wurzelkompression L5/S1 mit Fenestration vom 3. November 1995 sowie das Gutachten des Prof. Dr. med. S.________ vom 17. Juli 1996, wonach bei Austritt aus der Rheuma- und Rehabilitationsklinik X.________ am 23. Mai 1996 der somatische Status quo noch nicht erreicht war (vgl. Erw. 4.1). Es kommt weiter dazu, dass über den 4. Februar 1998 hinaus somatische Unfallfolgen sich nicht hinreichend sicher ausschliessen lassen (vgl. Erw. 4.3). Ebenfalls scheinen sie mit eine Ursache für die Entwicklung und das Fortdauern der Konversionsstörung zu sein. Im Bericht vom 15. Dezember 1998 führte Dr. med. K.________ u.a. aus, oftmals sei es so, dass z.B. ein Unfall einen Körperteil betroffen habe und dann darauf aufbauend dieser Defekt sekundär durch das Konversionssymptom ausgebaut werde mit massivem weiterem Funktionsverlust. Das Konversionssymptom hefte sich somit häufig dort an, wo der Unfall schon eine gewisse «Bresche in die subjektive Integrität» geschlagen habe. Im Gutachten vom 10. Juni 2002 führte Dr. med. K.________ sodann aus, die doch auch wesentlich durch den Teilfaktor Unfall mitbedingten Konversionssymptome hätten eine Eigendynamik, indem sie das subjektive Körperempfinden störten und sich so verfestigten und Selbstheilungstendenzen im Wege stünden. Damit korrespondiert, dass gemäss Expertise der Rehabilitationsklinik Z.________ vom 4. Februar 1998 eine Behandlung des Leidens, will sie erfolgversprechend sein, Psychotherapie und Physiotherapie umfassen muss (vgl. Erw. 3.1). Über den ganzen Verlauf der Entwicklung des Gesundheitszustandes gesehen kann somit nicht von einer Dominanz der psychischen Beschwerden im Sinne von RKUV 2002 Nr. U 465 S. 439 Erw. 3b gesprochen werden. 5.2.2 Ob aufgrund des Vorstehenden bei der Adäquanzbeurteilung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten zu verzichten ist, was eine sinngemässe Anwendung von BGE 117 V 359 bedeutete, kann offen bleiben. So oder anders ist in Würdigung der gesamten Umstände der Unfall vom 26. Oktober 1994 als adäquate Ursache der geklagten Beschwerden zu betrachten. Nach dem in Erw. 4.2.1 und 4.2.2 Gesagten sind neben der von der Vorinstanz bejahten ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung mindestens auch die Kriterien «körperliche Dauerschmerzen» sowie «Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit» gegeben. Insbesondere können die geklagten Rückenschmerzen nicht als rein psychisch bedingt bezeichnet werden. Nicht von Bedeutung ist sodann, dass die Beschwerdeführerin als Folge der Spondylodese L3 bis S1 vom 16. Mai 1994 im Unfallzeitpunkt noch nicht arbeitsfähig war. Es ist nicht anzunehmen, dass dieser Eingriff zu bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt hätte (Erw. 4.3). Ebensowenig ist von Belang, dass das Ausmass der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit sich nicht hinreichend genau beziffern lässt. Auch wenn im Übrigen besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit der Auffahrkollision vom 26. Oktober 1994 zu verneinen sind, ist zu berücksichtigen, dass der Unfall die Versicherte während der Rehabilitationsphase nach der Rückenoperation vom 26. Mai 1994, somit in einem für den Heilungs- und Genesungsprozess sehr ungünstigen Zeitpunkt traf. Schliesslich kann nicht gesagt werden, die Beschwerdeführerin falle aufgrund einer besonderen Veranlagung für psychische Störungen ausserhalb die weite Bandbreite von Versicherten, welche im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung eines Unfalles zu einer Personengruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf ein solches Ereignis nicht optimal reagieren (BGE 129 V 182 Erw. 3.2, 115 V 135 Erw. 4b und 141 Erw. 6c/bb). Dr. med. K.________ bezeichnete zwar im Nachtrag vom 15. Dezember 1998 zum psychiatrischen Teilgutachten vom 6. November 1997 die gemischte Konversionsstörung aufgrund ihrer längerfristigen Dauer als klaren Hinweis auf überforderte, defiziente Persönlichkeitsstrukturen in einer konkreten Lebenssituation. In der Expertise vom 10. Juni 2002 wies er zudem auf den bewusstseinsfernen bzw. dem bewussten Willen entzogenen Charakter der gezeigten Störungen der Sensorik und Motorik hin. Weiter führte Dr. med. K.________ aus, eine Konversionsstörung der vorliegenden Art könne allenfalls als Störung aus dem erweiterten Formenkreis der Psychotraumatologie gelten. Sie sei in diesem Fall jedoch ausserordentlich ausgeprägt und im Ausmass ungewöhnlich, so dass noch andere unfallfremde Teilkomponenten (beruhend u.a. auf der Persönlichkeitsstruktur) zur Erklärung des Zustandekommens herangezogen werden müssten. Der Facharzt verneinte indessen, dass unfallfremde Faktoren, insbesondere eine psychische Prädisposition, alleine die Konversionsstörung hervorgebracht hätten und diese jetzt noch alleine wirksam unterhielten. Im Bericht vom 15. Dezember 1998 hielt Dr. med. K.________ fest, im Prinzip könnten sich bei sämtlichen Arten von Persönlichkeitsstrukturen Konversionssymptome entwickeln. In Extremsituationen mit starker äusserer Belastung oder unlösbarem massivem Konflikt seien gegebenenfalls auch psychisch vormals mehr oder weniger gesunde Personen davon betroffen, und zwar einfach als Manifestation einer Überforderung, wo der Körper gleichsam auf symbolischer Ebene einen Ausweg suche, wenn die bewussten psychischen Funktionen mit ihren Bewältigungsmechanismen nicht mehr zu Rande kämen. Diese fachärztlichen Aussagen verbieten den rechtlichen Schluss, erfahrungsgemäss vermöchte eine versicherte Person innerhalb der erwähnten weiten Bandbreite mit demselben Vorzustand einen Unfall von der vorliegenden Art mit nicht auszuschliessenden somatischen Folgen zu verkraften. 5.3 Somit ist die Basler über den 4. Februar 1998 hinaus aus dem Unfall vom 26. Oktober 1994 leistungspflichtig. Der anders lautende kantonale Entscheid verletzt Bundesrecht. Über die Leistungen im Einzelnen wird die Basler im Rahmen von Art. 36 Abs. 2 UVG zu verfügen haben.