Citation: 7B_995/2024 E. 6.3.2

6.3.2. Soweit der Beschwerdeführer einwendet, sein "vorbildliches bis mustergültiges Verhalten im Strafvollzug" sei ein Anhaltspunkt für eine positive Persönlichkeitsentwicklung, ist darauf hinzuweisen, dass blosses Wohlverhalten im Strafvollzug nicht ohne Weiteres als prognostisch positiv gewertet werden darf (BGE 103 Ib 27 E. 1; Urteil 6B_93/2015 vom 19. Mai 2015 E. 5.3; je mit Hinweis[en]). Soweit dieses reines Anpassungsverhalten darstellt, kann es sogar prognostisch negativ gewertet werden (Urteil 6B_307/2022 vom 23. Mai 2022 E. 2.2.4 mit Hinweis). Einzig eine objektiv nachvollziehbare Auseinandersetzung mit der Tat unter Anerkennung rechtsstaatlicher Prinzipien kann für den Vollzugsentscheid relevant sein (Urteile 7B_280/2023 vom 15. August 2023 E. 2.4.2; 6B_93/2015 vom 19. Mai 2015 E. 5.6; je mit Hinweis[en]). Der Beschwerdeführer hat sich bereits zum Zeitpunkt des psychiatrischen Hauptgutachtens vom 6. November 2019 nicht inhaltlich auf die Therapiearbeit im Strafvollzug eingelassen, was sich während des mehrjährigen Freiheitsentzugs nicht geändert hat: Dem psychiatrischen Hauptgutachten vom 6. November 2019 ist zu entnehmen, dass sich die dem Beschwerdeführer einst bescheinigten weitreichenden therapeutischen Fortschritte im Rahmen der Begutachtung grösstenteils nicht hätten reproduzieren lassen (angefochtenes Urteil E. II.3.2.2.2.2). Er sei nicht in der Lage gewesen, das gemeinsam mit seiner Therapeutin erarbeitete Delinquenzkonzept auch nur rudimentär wiederzugeben, und habe keinen im Rahmen der Deliktbearbeitung angestossenen Reflexions- oder gar Veränderungsprozess erkennen lassen. Insgesamt habe der Beschwerdeführer keine Problemeinsicht hinsichtlich der auffälligen Persönlichkeitseigenschaften, seiner Gewaltbereitschaft bzw. Waffenaffinität, seiner Alkoholabhängigkeit, eines potenziell ungünstigen Einflusses seiner kulturell geprägten Wertvorstellungen und des Rückfallrisikos für erneute Gewaltstraftaten. Der bisherige Verlauf der ambulanten Massnahme müsse als wenig erfolgreich beurteilt werden und es sei nicht wahrscheinlich, dass durch eine Fortsetzung der ambulanten Behandlung eine wesentliche Verbesserung der Legalprognose erreicht werden könne. Desgleichen ist im Therapieverlaufsbericht vom 2. November 2020 das Fehlen einer tatsächlichen intrinsischen Therapie- und Änderungsbereitschaft - trotz guter formaler Therapiemotivation - festgehalten (angefochtenes Urteil E. II.3.2.2.2.3). Dem psychiatrischen Ergänzungsgutachten vom 26. Januar 2021 lässt sich ebenso eine deutliche Diskrepanz zwischen der formalen Zuverlässigkeit des Beschwerdeführers und seiner geringen Bereitschaft für eine inhaltliche therapeutische Arbeit entnehmen (angefochtenes Urteil E. II.3.2.2.2.4). Die geringe bis fehlende Akzeptanz betreffend therapeutische Massnahmen sei problematisch. Der Beschwerdeführer habe offen Therapiemüdigkeit und fehlende Einsicht bezüglich bei ihm bestehender psychischer Störungsbilder und der Notwendigkeit einer spezifischen Behandlung formuliert. Mit zunehmend konfrontativer Gestaltung der Behandlung habe die ablehnende Haltung des Beschwerdeführers klarere Züge angenommen. Die störungs- und deliktsspezifische Therapie habe beim Beschwerdeführer keine deutliche Verbesserung der Legalprognose bewirkt. Die seit dem 5. August 2020 andauernde forensische Schematherapie wurde am 5. März 2021 (während der Erstellung des Ergänzungsgutachtens) mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Der Beschwerdeführer nahm jedoch aus eigenem Antrieb - wegen der Aussicht auf eine bedingte Entlassung - bis zum 24. März 2021 weiterhin daran teil (angefochtenes Urteil E. II.3.2.2.4). Die Vorinstanz legt im angefochtenen Urteil willkürfrei dar, dass der erfolgreiche Abschluss der Schematherapie zwar nicht ausdrücklich in diesem Gutachten genannt werde, sich die Teilnahme aber aus dessen Kontext ergebe. Letztlich fallen auch bei dem Vollzugsverlaufsbericht vom 22. Mai 2023 und der Stellungnahme zur jährlichen Überprüfung der bedingten Entlassung der JVA Solothurn vom 31. Juli 2023 erneut das Fehlen deliktorientierter Gespräche auf (angefochtenes Urteil E. 3.2.2.2.5 f.).