Citation: 7B_295/2023 E. 4.6.1

4.6.1. Med. pract. B.________ führte im Gutachten vom 2. November 2021 zur Therapiemotivation aus, diese sei durch den Beschwerdeführer zwar durchgängig geäussert worden; es gelinge ihm aber aufgrund seiner Persönlichkeitsproblematik nicht, sich in adäquater Weise auf eine Therapie einzulassen. Die Behandelbarkeit sei bei ihm demnach als gering, aber nicht gänzlich fehlend zu beurteilen. Der Gutachter hielt weiter fest, der Beschwerdeführer sei noch zu jung, um ihn bereits aufzugeben, zumal eine basale Therapiefähigkeit bei ihm vorhanden sei. Es werde daher wichtig sein, seinen Umgang mit der Multiplen Sklerose, die er derzeit nicht in medizinisch adäquater Weise behandeln lasse, psychotherapeutisch zu bearbeiten und somit zu verbessern. Aus diesen Gründen sollte ihm weiterhin ein Therapieangebot gemacht werden. Dieses Therapieangebot könnte einerseits im Rahmen einer Verwahrung gemäss Art. 64 StGB gemacht werden, wobei allerdings bei der bereits bestehenden resignativen Haltung die Gefahr bestehe, dass er sich der Therapie wie aktuell entziehe und sein Vollzugsverhalten noch stärker von Drohungen und allenfalls Gewaltanwendung geprägt sein werde. Eine alternative Möglichkeit bestünde darin, die stationäre Massnahme aufzuheben und stattdessen versuchsweise eine ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB anzuordnen. Die Chancen bei einem solchen Vorgehen seien zwar nicht als gut zu bewerten, aber dennoch wohl besser als im Falle der Anordnung einer Verwahrung. Bei einem Scheitern der therapeutischen Bemühungen könnte die ambulante Massnahme beendet und stattdessen immer noch eine Verwahrung gemäss Art. 64 StGB angeordnet werden. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 11. Juli 2022 führte der Gutachter aus, Ziel der ambulanten Massnahme wäre einerseits eine deliktsorientierte und andererseits eine störungsspezifische Auseinandersetzung. Ob das funktioniere, wisse der Gutachter nicht und hänge stark vom Beschwerdeführer ab. Es sei nicht so, dass er [der Gutachter] sage, man müsse jetzt eine ambulante Massnahme machen und dann werde es ganz sicher gut. Die therapeutische Beeinflussbarkeit bleibe wie sie sei. Sie sei nicht wahnsinnig gut. Sie sei auch nicht so schlecht, dass man sagen könne, in den nächsten 30 Jahren passiere sicher nichts Positives.