Citation: 4A_350/2020 E. 6.1

6.1. Die Vorinstanz bejaht zunächst die Verrechenbarkeit der Forderungen sowie eine grundsätzliche Lieferpflicht der Beschwerdegegnerin (auch) für das strittige Produkt "Y.________" aufgrund der Auslegung der anwendbaren Vertragsklauseln. Rechtlich betrachtet liege eine Schadenersatzforderung der Beschwerdeführerinnen aus Nicht- oder Schlechterfüllung vor, entsprechend dem entgangenen Gewinn. Die Beschwerdeführerinnen hätten den Schaden zwar hinreichend behauptet, aber auf Bestreiten der Beschwerdegegnerin keinerlei Belege für die geltend gemachten Verkaufspreise bzw. die daraus resultierenden Margen eingereicht. Dies, obwohl sie selber angegeben hätten, dass das Einreichen einer Excel-Tabelle mit den regulierten Preisen an sich möglich gewesen wäre. Soweit sie diese Unterlassung damit begründeten, dass die Sichtung der grossen Datenmenge für das Gericht unzumutbar gewesen wäre, könne dieses das Argument mangels Unterlagen nicht beurteilen. Zudem hätten die Beschwerdeführerinnen mit Blick auf den Umfang des Verfahrens und des Aufwands davon ausgehen können, dass das Gericht soweit möglich versuchen würde, auch eine grosse Datenmenge nachzuvollziehen. Auch der Einwand, bei Einreichung der Daten hätte die Gegenseite diese sowieso bestritten, könne keinen antizipierten Verzicht auf zumutbare Beweismittel rechtfertigen. Gegebenenfalls wären weitere Beweismassnahmen möglich gewesen, etwa Zeugenbefragungen oder ein von den Beschwerdeführerinnen beantragtes Gutachten. Das Gericht habe diesen Antrag abgewiesen, da die Beschwerdeführerinnen nicht einmal die ihnen verfügbaren Unterlagen eingereicht hätten, anhand derer die Verkaufspreise wenigstens plausibilisiert, wenn nicht sogar genau hätten belegt werden können. Für die Behauptung, wonach sie sich in der Türkei um eine offizielle Bestätigung der Verkaufspreise bemüht hätten, gebe es schliesslich ebenso wenig Belege wie für das Vorbringen, sich diesbezüglich erfolglos an einen Notar gewandt zu haben. Die Beschwerdeführerinnen hätten somit die Verkaufspreise in der Türkei resp. die daraus resultierenden Margen nicht bewiesen, sodass auch der Schaden als Ganzes unbewiesen bleibe. Eine Verrechnungsforderung sei nicht erstellt.