Citation: 1C_655/2023 E. 2.4

2.4. Private sind im Verkehr mit den Behörden ebenfalls an Treu und Glauben gebunden (Art. 5 Abs. 3 BV). Ein auch im öffentlichen Recht anerkannter Ausfluss davon ist das Verbot widersprüchlichen Verhaltens (BGE 143 V 66 E. 4.3; 137 V 394 E. 7.1; vgl. THOMAS GÄCHTER, Rechtsmissbrauch im öffentlichen Recht, 2005, S. 194 ff., S. 197). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es entsprechend dem Prinzip von Treu und Glauben und dem Verbot des Rechtsmissbrauchs nicht zulässig, formelle Rügen, die in einem früheren Prozessstadium hätten geltend gemacht werden können, bei ungünstigem Ausgang erst später vorzubringen (BGE 143 V 66 E. 4.3; 135 III 334 E. 2.2; 132 II 485 E. 4.3; Urteil 1B_246/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 3.2; je mit Hinweisen). Wer einen Verfahrensmangel nicht unverzüglich vorbringt, wenn er davon Kenntnis erhält, verwirkt den Anspruch auf spätere Anrufung der vermeintlich verletzten Verfahrensvorschrift (BGE 132 II 485 E. 4.3; Urteile 1C_35/2023 vom 13. Juni 2023 E. 4.1.1; 8C_616/2022 vom 15. März 2023; 8C_933/2015 vom 2. März 2016 E. 2.2; 1C_630/2014 vom 18. September 2015 E. 3.1; je mit Hinweisen). Das trifft insbesondere auf den Vorwurf zu, eine Behörde sei nicht rechtskonform besetzt worden oder in der Sache unzuständig (vgl. zur Frage der Zuständigkeit auch etwa Art. 92 Abs. 2 BGG; Urteil 1C_282/2008 vom 7. April 2009 E. 2.3). Dies gilt, sofern - wie vorliegend - kein Nichtigkeitsgrund vorliegt (zum Ganzen: vgl. Urteile 1B_246/2020, 1B_248/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 3.2; 1B_266/2020, 1B_270/2020, 1B_276/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 4.2; BGE 130 III 66 E. 4.3, wonach "gerichtsorganisatorische Fragen" frühstmöglich zu bereinigen sind).