Citation: 6B_159/2015 E. 1.2.2

1.2.2. Die Vorinstanz erwägt, bei der Kreuzung Höschgasse/Seefeldstrasse handle es sich um eine breite und, was die vorliegend massgebenden Verkehrswege angehe, übersichtliche Kreuzung, auf welcher in der Regel ein erhebliches Verkehrsaufkommen bestehe. Die Kreuzung werde nicht nur durch Motorfahrzeuge befahren, sondern es führe zusätzlich der Tramverkehr über diesen Verkehrsraum und es befinde sich eine Tramhaltestelle in unmittelbarer Nähe. Die Beschwerdeführerin sei ortskundig gewesen, habe sie doch selber angegeben, die Örtlichkeit drei- bis fünfmal pro Woche zu befahren. Sie sei sich damit der Verkehrslage, der potentiellen Gefahren und des Erfordernisses einer besonderen Aufmerksamkeit beim Befahren der Kreuzung bewusst gewesen. Insbesondere die Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe eine Tramhaltestelle befinde und damit mit einem erhöhten Fussgängerverkehr zu rechnen gewesen sei, gebiete ein besonders aufmerksames Befahren der entsprechenden Örtlichkeit (angefochtenes Urteil E. 2.4.1 S. 24). Die Beschwerdeführerin habe, bevor sie links habe abbiegen können, gemäss eigenen Angaben auf der Kreuzung anhalten müssen, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Gerade dieser Umstand führe dazu, dass von ihr bei der Fortsetzung der Fahrt eine noch höhere Aufmerksamkeit hätte erwartet werden können. Sie habe davon ausgehen müssen, dass sich die Verkehrssituation im Vergleich zum Zeitpunkt, als sie das Abbiegemanöver bei Grünlicht begonnen habe, verändert und sich nicht mehr gleich präsentiert habe wie vor ihrem Zwischenhalt. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin, wenn sie auf der Kreuzung anhalten musste, um den Gegenverkehr passieren zu lassen, gerade dadurch zusätzliche Zeit und Gelegenheit gehabt habe, den Kreuzungsraum inkl. den unmittelbar anschliessend zu überquerenden Fussgängerstreifen und dessen nächste Umgebung zu beobachten und sich auf mögliche Verhaltensweisen anderer Verkehrsteilnehmer einzustellen (angefochtenes Urteil E. 2.4.2 S. 24). Die Zeit vom Moment, in dem der Geschädigte den Fussgängerstreifen betreten habe, bis zur Kollision habe bei einer Gehgeschwindigkeit von 1,5 m/s 1,9 Sekunden betragen. Da nach der für die Beschwerdeführerin günstigsten Variante davon auszugehen sei, dass der Geschädigte den Fussgängerstreifen mit konstanter Geschwindigkeit betrat, diese also vor dem Fussgängerstreifen nicht verringerte, hätten bereits unmittelbar vor dem Betreten des Fussgängerstreifens konkrete Anzeichen dafür bestanden, dass der Geschädigte den Fussgängerstreifen betreten würde. Dies hätte bei der Beschwerdeführerin ebenfalls zu einer besonderen Vorsicht führen sollen (angefochtenes Urteil E. 2.4.3 S. 25). Das Ergänzungsgutachten vom 20. März 2014 setze sich insbesondere mit der Vermeidbarkeit bei der vorliegend zugrunde zu legenden erhöhten Gehgeschwindigkeit des Geschädigten von 1,5 m/s auseinander. Danach hätte die Beschwerdeführerin die Kollision ausgehend von einer Geschwindigkeit ihres Fahrzeugs von 22 km/h vermeiden können, wenn sie 1,8 Sekunden vor der Kollision erkannt hätte, dass sie reagieren müsse und dies danach sofort getan hätte. Diesfalls hätte sie unter Berücksichtigung einer Reaktionszeit von einer Sekunde, einer Bremsschwelldauer von 0,2 Sekunden und einer Bremszeit von 0,6 Sekunden rechtzeitig anhalten können. Es seien keine Gründe ersichtlich, weshalb an der Richtigkeit der gutachterlichen Schlussfolgerung zu zweifeln wäre (angefochtenes Urteil E. 2.6 S. 26 ff.).