Citation: 6B_197/2021 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz hält betreffend im Unfallzeitpunkt geltenden Sicherheitsmassnahmen hinsichtlich der Verwendung unterschiedlicher IBC fest, zu Beginn des Jahres 2012 habe die E.________ AG beschlossen, dass alle nicht-ableitfähigen IBC ausgemustert und entsorgt werden sollen. Der Beschwerdeführer sei für die Sicherheit im Bau qqq verantwortlich gewesen und habe im Januar 2012 eine systematische Aussortierung nicht-ableitfähiger IBC veranlasst, welche "laufend" erfolgt sei. Diese Ausmusterung sei jedoch offensichtlich nicht konsequent verfolgt worden, zumal im Juli 2014, also 2 ½ Jahre nach dem Entscheid der Ausmusterung und Entsorgung aller nicht-ableitfähigen IBC, noch immer nicht-ableitfähige IBC im Einsatz gewesen seien. Gemäss dem Beschwerdeführer habe es separate Lagerplätze für ableitfähige und für nicht-ableitfähige IBC gegeben. Im Tatzeitpunkt sei ihm somit bekannt gewesen, dass sich auf dem Gelände weiterhin nicht-ableitfähige IBC befinden würden. Dass die Aussortierung nicht konsequent verfolgt worden sei, zeige sich nicht zuletzt auch daran, dass noch am 21. Mai 2014 (somit 42 Tage vor dem Unfall) der Ereignis-IBC, der notabene nicht-ableitfähig sei, neu befüllt worden sei. Ausserdem habe der Beschwerdeführer trotz Kenntnis der von nicht-ableitfähigen IBC ausgehenden Gefahr nie bei den vorgesetzten Stellen interveniert (Urteil S. 40 f. E. 5.4). Ein Lagerplan für die getrennte Aufbewahrung ableitfähiger und nicht-ableitfähiger IBC habe gemäss Angaben des Beschwerdeführers zwar bestanden, so die Vorinstanz weiter, allerdings scheine dieses Lagerkonzept den Mitarbeitenden nicht oder nur ungenügend bekannt gewesen zu sein. Darauf deute auch der Umstand hin, dass einerseits der Ereignis-IBC falsch abgestellt worden sei, und andererseits, dass nach dem Unfall zehn weitere nicht-ableitfähige IBC gefunden worden seien. Auf explizite Beschriftungen der nicht-ableitfähigen IBC sei verzichtet worden. Eine klar erkennbare und den Mitarbeitern bekannte Beschriftung der verschiedenen IBC habe es erwiesenermassen nicht gegeben. Mit Einführung der neuen "SOP" (Standard Operation Procedure) seien die Richtlinien vor dem Hintergrund der Ableitfähigkeit der neuen IBC dahingehend angepasst worden, dass abzufüllende IBC nicht mehr inertisiert werden mussten. Die Abschaffung der lnertisierung reflektiere auch die Herstellvorschrift, welche diesen Schritt fortan nicht mehr vorsehe. Dies obwohl dem Beschwerdeführer bekannt gewesen sei, dass weiterhin nicht-ableitfähige IBC auf dem Gelände seien, obwohl er selber das Lagerkonzept als fehleranfällig erachtet habe und obschon keine Massnahmen implementiert worden seien, um die Einhaltung des Lagerplans zu kontrollieren oder diesen gegebenenfalls anzupassen. Ebenso wenig habe der Beschwerdeführer andere Sicherheitsmassnahmen eingeführt (Urteil S. 41 f. E. 5.4). Die Vorinstanz stellt weiter fest, es hätten nur sehr rudimentär Schulungen stattgefunden. Eine Schulung vor Ort, anlässlich welcher das exakte Handling mit den verschiedenen IBC gelehrt worden wäre, habe es nicht gegeben. Erstellt sei ferner, dass in den Jahren 2013 und 2014 gar keine einschlägigen Schulungen stattgefunden hätten, und dass ein Grossteil der Richtlinien im Selbststudium zu erlernen gewesen seien. Den genauen Inhalt der einzelnen Richtlinien habe den Mitarbeitenden jedoch ohnehin nicht im Detail bekannt gewesen sein können, umfassten diese doch teilweise - wie im vorliegenden Fall - bis zu 70 Seiten. Erstellt sei überdies, dass das konkrete Abfüllen eines ableitfähigen im Vergleich zu einem nicht-ableitfähigen IBC nicht Teil einer praktischen Schulung gewesen sei. Im Kontext der Schulung und Sensibilisierung des Personals sei zudem bezeichnend, dass den Mitarbeitenden an der Front offensichtlich nicht hinreichend klar gewesen sei, was die neue "SOP" tatsächlich beinhaltet habe, seien doch sowohl G.________ als auch sein Schichtführer H.________ davon ausgegangen, dass die neuen IBC weiterhin inertisiert werden müssten. Mit Blick auf die vorgenannten Ausführungen sei auch betreffend Lagerung der IBC klar, dass keine genügende Sensibilisierung der Mitarbeitenden stattgefunden habe. Das an der Abfüllanlage tätige Personal sei daher nur ungenügend für die von nicht-ableitfähigen IBC ausgehenden Gefahren sensibilisiert worden. Die diesbezüglichen Schulungen seien einzig theoretischer Natur und vorliegend nicht hinreichend gewesen, um die Mitarbeitenden für die drohenden Gefahren zu sensibilisieren (Urteil S. 42 E. 5.4). Die einzige Sicherheitsmassnahme zur Vermeidung von Unfällen habe letztlich darin bestanden, dass die mitzuführende Herstellvorschrift Folgendes vorgeschrieben habe: "Gitterbox von IBC beim Befüllen erden (Kontrolle Auslaufarmatur via Erdungskabel mit Gitterbox verbunden) !". Der erste Schritt beziehe sich dabei auf die externe Erdung der gesamten Gitterbox, der zweite Schritt (die Klammerbemerkung) beziehe sich auf die Kontrolle des Erdungskabels, das bei nicht-ableitfähigen IBC eben fehle. Auf dieser Sichtkontrolle basiere das gesamte Sicherheitskonzept des Beschwerdeführers, welches der Gefahr, dass sich auf dem Areal der E.________ AG weiterhin nicht-ableitfähige IBC befanden, die unkontrolliert und noch 2 ½ Jahre nach Einführung der neuen "SOP" nach wie vor in den Bau qqq hätten gelangen und mit gefährlichen Substanzen hätten befüllt werden können, entgegengestellt worden sei (Urteil S. 42 f. E. 5.4).