Citation: 8C_103/2007 17.08.2007 E. 4

4.1 Nachdem schon die im Anschluss an den Unfall durchgeführten neurologischen und röntgenologischen Untersuchungen unauffällige Befunde gezeigt hatten, fanden auch die Ärzte der Rehaklinik Z.________ kein organisches Substrat für die geltend gemachten Beschwerden und schlossen auf eine subjektive Restschmerzsymptomatik im Nacken- und Hinterkopfbereich sowie thorako-lumbal, wobei psychische Faktoren im Vordergrund standen. Diese Beurteilung wurde durch den späteren Verlauf und die ab Dezember 2005 erforderlich gewordene psychiatrische Behandlung bestätigt. Weil im Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine nachweisbaren organischen Unfallfolgen mehr vorlagen, haben SUVA und Vorinstanz zu Recht eine spezifische Adäquanzprüfung vorgenommen. Sie sind dabei zutreffend davon ausgegangen, dass allenfalls noch vorhandene, zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung gehörende Beeinträchtigungen gegenüber den schon kurz nach dem Unfall aufgetretenen psychischen Störungen eindeutig in den Hintergrund getreten sind und im Verlauf der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Davon geht auch der Beschwerdeführer aus, wenn er geltend macht, die psychische Überlagerung habe bereits früh und nicht erst ab September 2005 begonnen. Bei der Adäquanzprüfung sind daher nicht die für Schleudertraumen oder schleudertraumaähnliche Verletzungen (BGE 117 V 359 ff.), sondern die für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln anwendbar (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437, U 164/01). 4.2 Beim Unfall vom 4. Dezember 2004 handelte es sich um eine frontale Kollision innerorts. Seinen Angaben zufolge war der Beschwerdeführer in seinem Personenwagen (Mercedes C 180, 1996) mit einer Geschwindigkeit von 40 - 50 km/h unterwegs, als ihm der Unfallverursacher auf der falschen Verkehrsspur entgegenfuhr. Weil ein Unfall unausweichlich schien, bremste er sein Fahrzeug voll ab und stand praktisch still, als es zur Kollision kam. Über die mutmassliche Geschwindigkeit des vom (alkoholisierten) Unfallverursacher gesteuerten Personenwagens (Audi 100, 1993) enthalten die Polizeiakten keine Angaben. Bremsspuren konnten nicht festgestellt werden. Nach Meinung des Beschwerdeführers stiess der Personenwagen des Unfallverursachers ungebremst in sein Fahrzeug. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt (versicherungstechnisch Totalschaden). Der Beschwerdeführer zog sich eine HWS- und BWS-Distorsion, eine Thoraxkontusion sowie ein Knalltrauma zu, die mitfahrende Ehefrau eine Commotio cerebri, eine Thoraxkontusion, ein stumpfes Abdominaltrauma, eine Ober- und Unterschenkelkontusion rechts sowie ein Knalltrauma. Der Beschwerdeführer war bis zum 14. Dezember 2004, die Ehefrau bis zum 20. Dezember 2004 hospitalisiert; beide wurden in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen. Der Unfallverursacher blieb praktisch unverletzt. Aufgrund des Unfallhergangs, der Fahrzeugschäden und der erlittenen Verletzungen ist der Unfall mit der Vorinstanz als mittelschwer zu qualifizieren. Ein schwerer Unfall liegt nicht vor, was auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird. Ob allenfalls ein mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen anzunehmen ist, kann nach den zutreffenden Erwägungen im kantonalen Entscheid offen bleiben, weil die Adäquanz selbst in diesem Fall zu verneinen wäre, wie nachfolgend darzulegen ist. Eines unfallanalytischen oder biomechanischen Gutachtens zur Beurteilung der Unfallschwere (vgl. hiezu RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357 ff., U 193/01) bedarf es entgegen den Ausführungen in der Beschwerde daher nicht. 4.3 Dem Unfall vom 4. Dezember 2004 ist eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen. Er hat sich jedoch nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 ff., U 248/98) - von besonderer Eindrücklichkeit. Dass der Beschwerdeführer den Unfall kommen sah und die Ehefrau ebenfalls verletzt wurde, genügt nicht zur Annahme einer besonderen Eindrücklichkeit. Wenn in der Beschwerde geltend gemacht wird, der Versicherte habe mitansehen müssen, wie seine Ehefrau "wie tot" auf dem Trottoir gelegen habe und von Samaritern versorgt worden sei, so sind dem die eigenen Angaben des Beschwerdeführers entgegenzuhalten, wonach er nach dem Unfall ausgestiegen ist und die Beifahrertüre geöffnet hat, worauf die Ehefrau selbständig ausgestiegen ist und sich anschliessend hingelegt hat. Der Versicherte selbst unterhielt sich mit dem Unfallverursacher und es spricht nichts dafür, dass er die Ehefrau, welche von Passanten betreut wurde, in Todesgefahr wähnen musste. Der Beschwerdeführer hat sodann keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art erlitten. Weder lag eine besondere Schwere der für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden vor noch handelte es sich um Verletzungen, welche erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Daran ändert nichts, dass im Anschluss an den Unfall Albträume und sog. Flash-backs aufgetreten sind. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Im Anschluss an die kurzfristige Hospitalisation wurden physiotherapeutische Massnahmen sowie eine medikamentöse Behandlung durchgeführt. Die stationäre Therapie in der Rehaklinik Z.________ brachte keine wesentliche Besserung der Beschwerden; der Versicherte wurde zur Fortsetzung der Physiotherapie "ambulant nach Ausmass der Beschwerden" entlassen. Anschliessend wurde weitere Physiotherapie in Form von Wassertherapie durchgeführt. Spätestens nach dem Rehabilitationsaufenthalt in Z.________ hatte die somatische Behandlung weitgehend symptomatischen Charakter und ging auch in zeitlicher Hinsicht nicht über das hinaus, was bei Schleudertraumen oder schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS als üblich zu gelten hat (vgl. RKUV 2005 Nr. 549 S. 238 f. E. 5.2.4 mit Hinweisen, U 380/04). Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Dass sich der Heilungsverlauf verzögert hat, ist auf die psychischen Beeinträchtigungen und das ärztlicherseits festgestellte ausgeprägte Krankheitsverhalten mit Verdeutlichungs- und Somatisierungstendenz zurückzuführen. Was sodann das Kriterium von Grad und Schwere der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit betrifft, ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Anschluss an den Rehabilitationsaufenthalt für eine angepasste leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit ganztags arbeitsfähig war. Dass eine Verwertung der Arbeitsfähigkeit nicht realisiert werden konnte, ist auf die psychischen Beeinträchtigungen und die ausgeprägte Selbstlimitierung zurückzuführen. Schliesslich ist auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen nicht erfüllt, weil sich die nach dem Unfall geklagten Beschwerden nur für begrenzte Zeit mit den somatischen Befunden erklären lassen und das Andauern der Beschwerden auf die psychischen Beeinträchtigungen und die damit verbundene Somatisierungstendenz zurückzuführen ist. Da somit keines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien als erfüllt gelten kann, ist die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden zu verneinen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.