Citation: 2A.695/2005 18.04.2006 E. 4

4.1 Die zuständigen kantonalen Behörden haben im hier zu beurteilenden Fall das Vorliegen eines Rechtsmissbrauchs verneint: Der Regierungsrat erwog, der Beschwerdeführer habe in den Jahren 1996 bis 1999 drei Mal erfolglos versucht, seine Familie in der Schweiz zusammenzuführen. Das älteste Kind sei beim ersten Gesuch erst 13 Jahre alt gewesen, so dass dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden könne, er habe ohne plausiblen Grund mit der Einreichung eines Nachzugsgesuchs zugewartet. Das Verwaltungsgericht hat sich diesem Standpunkt angeschlossen und ausgeführt, es sei unbestritten, dass die Berufung des Beschwerdeführers auf Art. 17 Abs. 2 ANAG nicht rechtsmissbräuchlich erscheine (S. 6 des angefochtenen Entscheides). Das Gericht erwog weiter, zwar könne nach der Rechtsprechung eine Staffelung des Familiennachzugs zulässig sein, doch habe der Beschwerdeführer nicht nur "nie einen Antrag auf einen gestaffelten Nachzug gestellt", sondern sei den Akten auch kein Hinweis zu entnehmen, dass er einen "gestaffelten Nachzug ernsthaft in Erwägung gezogen" habe. Bei dieser Konstellation sei der Nachzug nur der beiden älteren Söhne mit dem Zweck von Art. 17 Abs. 2 ANAG nicht mehr vereinbar (S. 10 des angefochtenen Entscheides). Sodann erwog das Verwaltungsgericht, sämtliche bisher abschlägig beantworteten Nachzugsgesuche der Familie X.________ und Y.________ seien mit den ungenügenden finanziellen Mitteln sowie dem Fehlen einer angemessenen Wohnung begründet worden. Auch vorliegend sei den Vorinstanzen beizupflichten, dass die derzeit vom Beschwerdeführer bewohnte 3 1/2-Zimmer-Wohnung "weder für den Nachzug der beiden älteren Söhne noch viel weniger für den Nachzug auch der beiden Töchter angemessen wäre" (S. 12 des angefochtenen Entscheides). Schliesslich könne auch nicht angenommen werden, dass die beiden nachzuziehenden Söhne - mit ihrer gymnasialen Ausbildung - unverzüglich ins Erwerbsleben einsteigen und zum gemeinsamen Unterhalt der Familie beitragen würden. Hiergegen sprächen bereits die fehlenden Sprachkenntnisse. 4.2 Dass es dem Beschwerdeführer nicht um die Familienzusammenführung, sondern vorab darum geht, den älteren beiden Söhnen eine bessere berufliche Zukunft in der Schweiz zu verschaffen, könnte allenfalls daraus geschlossen werden, dass sich seine Nachzugsgesuche seit dem Jahre 2002 jeweils nicht auf alle noch minderjährigen Kinder, sondern nur auf die genannten beiden Söhne bezogen. Vorangegangen waren aber Bestrebungen, die ganze Familie in die Schweiz nachzuziehen. Es kann insoweit nicht angenommen werden, es gehe dem Beschwerdeführer mit dem vorliegenden Nachzugsgesuch für die beiden dem Schulalter entwachsenen Söhne nicht oder nur noch ganz nebensächlich um die Ermöglichung des Familienlebens. Dass die beiden Söhne im Zeitpunkt der Einreichung des hier zu beurteilenden Gesuches vom 23. September 2002 bereits rund 16 bzw. 17 Jahre alt waren und der Beschwerdeführer zwei jüngere Töchter weiterhin im Heimatland lassen will bzw. aufgrund seiner knappen finanziellen Mittel und seiner beengten Wohnverhältnisse nicht ebenfalls nachziehen kann, lässt sein partielles Nachzugsbegehren noch nicht ohne weiteres als rechtsmissbräuchlich erscheinen. Das streitige Gesuch läuft, wie das Verwaltungsgericht zutreffend feststellt, allerdings insoweit dem Zweck von Art. 17 ANAG zuwider, als es nicht zu einer Vereinigung der Gesamtfamilie führt, sondern vielmehr die lange Zeit im Heimatland zurückgelassenen, in einen dortigen Familienverband integrierten Kinder voneinander trennt. Dass der Beschwerdeführer an sich seine gesamte Familie nachziehen möchte, dies aber aus finanziellen, d.h. von ihm zu vertretenden Gründen nicht kann, stellt die erwähnte Feststellung nicht in Frage. Ob schon dieser Aspekt die Ablehnung des streitigen Nachzugsgesuches zu rechtfertigen vermöchte, kann indessen aus den in der nachfolgenden Erwägung dargelegten Gründen dahingestellt bleiben. 4.3 Der in Art. 17 ANAG verankerte Anspruch auf Nachzug der Kinder setzt voraus, dass die Kinder mit ihren Eltern zusammenwohnen werden. Es entspricht daher der gesetzlichen Regelung, wenn vom niedergelassenen Ausländer verlangt wird, dass er über eine Wohnung verfügt, welche für die Beherbergung der Gesamtfamilie bzw. der durch die nachzuziehenden Kinder erweiterten Familie taugt (BGE 119 Ib 81 E. 2c S. 86, Urteile 2A.119/1995 vom 24. August 1995, E. 3b, 2A.418/1995 vom 18. Januar 1996, E.4b, sowie 2A.248/1996 vom 14. November 1996, E. 2). Der Beschwerdeführer bewohnt heute mit seiner Ehefrau und dem 1998 geborenen Sohn eine 3 1/2-Zimmer- Wohnung. Es liegt auf der Hand, dass diese Wohnung zu klein ist, um auch noch zwei heute erwachsenen Söhnen eine ausreichende Unterkunft zu bieten. Dass die Übersiedlung in eine grössere Wohnung konkret beabsichtigt und innert nützlicher Frist durchführbar sei, wird in der Beschwerde weder geltend gemacht noch belegt. Der blosse allgemeine Hinweis, dass der heute im Genuss einer IV-Rente stehende Beschwerdeführer durch den Zuzug weiterer Kinder einen erweiterten Anspruch auf Ergänzungsleistungen erhalte, vermag die Tatsache, dass der heute vorhandene Wohnraum nicht genügt, nicht aus der Welt zu schaffen. Aussichtsreiche konkrete Bemühungen für eine Lösung dieses Problems sind nicht dargetan (vgl. Urteil 2A.418/1995 vom 18. Januar 1996, E. 4b). Hinzu kommt, dass die beiden nachzuziehenden Söhne weder eine Berufsausbildung haben noch die deutsche Sprache beherrschen. Sie werden daher kaum in der Lage sein, innert nützlicher Frist durch eigene Erwerbstätigkeit das Einkommen der Familie (u.a. mit Blick auf den Bezug einer grösseren Wohnung) zu verbessern. Soweit gar nicht beabsichtigt sein sollte, dass die beiden Söhne in der Wohnung der Eltern leben, entfiele damit das Motiv der Familienzusammenführung, was alsdann das Nachzugsgesuch als rechtsmissbräuchlich erscheinen liesse.