Citation: 8C_847/2008 29.01.2009 E. 4

4.1 Das Eidgenössische Versicherungsgericht (seit 1. Januar 2007 Bundesgericht) hat bei einem Tinnitus (acouphène), der Ursache für eine psychische Dekompensation war, die Adäquanz des psychischen Leidens nur bei Erfüllung der Adäquanzkriterien gemäss BGE 115 V 133 (sog. Psycho-Praxis) als gegeben betrachtet (Urteil U 382/05 vom 19. Oktober 2006, E. 3.2). Der Beschwerdeführer behauptet, dieser Entscheid könne auf seine Angelegenheit nicht angewendet werden. Er macht vielmehr geltend, bei einem schweren respektive sehr schweren Tinnitus sei das Entstehen eines psychischen Leidens auch ohne die Erfüllung von Zusatzkriterien mit eingeschlossen und beruft sich dabei insbesondere auch auf RKUV 2004 Nr. U 505 S. 246 (U 116/2003). Wie dargelegt, resultiert die Qualifikation, welcher Schweregrad eines Tinnitus vorliegt, auf subjektiven Angaben des Patienten. Dabei wurde der von Dr. med. S.________ im Rahmen seines Berichts vom 29. März 2005 beantwortete Fragebogen erst nach der psychischen Dekompensation erstellt, nachdem der Beschwerdeführer offensichtlich durch die Anstellung von neuem Personal in seinem Lehrbetrieb unter Druck geriet (vgl. die Angaben seines damaligen Arbeitgebers vom 24. März 2005). In dieser Situation machte der Beschwerdeführer dann geltend, der Tinnitus werde immer stärker und quäle ihn dauernd. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. A.________ stellte dabei eine überfordernde Situation für den Beschwerdeführer privat und am Arbeitsplatz fest. Gleichzeitig eskalierten gemäss den Feststellungen dieses Gutachters förmlich medizinische Abklärungen, ärztliche Behandlungen und Hilfeleistungen verschiedener Art durch das Versorgungssystem. Offensichtlich resultierte daraus auch für den Beschwerdeführer ein Krankheitsgewinn, denn gemäss den Feststellungen des psychiatrischen Gutachters Dr. med. A.________ arrangierten sich darauf alle mit der Krankheit des Beschwerdeführers (Gutachten vom 22. August 2006). Bei einem solch auffälligen Beschwerdebild, bei dem ein Tinnitus erst mit einer Latenz von fünf Jahren (8. März 1999 bis Mai 2004; erst in einem Bericht des Dr. med. S.________ vom 28. Mai 2004 wurden der grosse Leistungsdruck, die wechselhaften Kopfschmerzen und ziehenden Schmerzen im Nacken und die Arbeitsunfähigkeit angeführt) zu einer offensichtlich plötzlich aufgetretenen psychischen Dekompensation geführt hat, kann diese bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs nicht mit einbezogen werden. Gemäss den Feststellungen des psychiatrischen Gutachters Dr. med. A.________ hat die Prädisposition des Exploranden eine adäquate Verarbeitung des Knalltraumas mit seinen Folgen verhindert (Gutachten vom 22. August 2006). Damit muss aber von einem eigenständigen psychischen Leiden ausgegangen werden, da der Beschwerdeführer im Zeitraum vom 8. März 1999 bis Mai 2004 normal seiner Arbeit nachgehen konnte und ihm durch Gewährung einer beruflichen Umschulung durch die IV auch ermöglicht wurde, sich beruflich in einer lärmärmeren Umgebung zu bewegen. Auffallend ist gerade auch in dieser Hinsicht, dass bis Mai 2004 keinerlei Hinweise auf eine psychische Beeinträchtigung gegeben waren. Selbst wenn keine eigene, vom durch das Aufschlagen des Metallrohres am 8. März 1999 verursachten Lärmtrauma unabhängige psychische Erkrankung angenommen wird, so rechtfertigt es sich doch, vorliegend die Adäquanz der psychischen Beeinträchtigungen mit dem Unfallereignis in Übereinstimmung mit dem erwähnten Urteil U 382/05 nach der Psycho-Praxis (BGE 115 V 133) zu beurteilen. Anders vorzugehen würde zu einer nicht nachvollziehbaren und letztlich einseitig privilegierenden Ungleichbehandlung gegenüber jenen Versicherten führen, die nach einem Unfallereignis ohne Tinnitus psychisch dekompensieren. Dass die Voraussetzungen für einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den vom Beschwerdeführer erst fünf Jahre nach dem Unfallereignis geltend gemachten psychischen Beschwerden mit dem Unfallereignis nach der Psycho-Praxis nicht gegeben sind, hat die Vorinstanz bereits festgehalten. Es kann diesbezüglich auf ihre überzeugenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden. 4.2 Damit hat die Beschwerdegegnerin jedoch ihre Leistungen zu Recht per 31. Januar 2007 eingestellt. Auch rechtfertigt sich keine Erhöhung der Integritätsentschädigung, da die psychische Kompensation nicht mehr in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis stehend betrachtet werden kann.