Citation: I 87/02 04.03.2004 E. 5

5.1 Die Vorinstanz hat die Verfügung der IV-Stelle mit der Begründung bestätigt, die Hörgeräteversorgung für die Versicherte sei in der höchstmöglichen Indikationsstufe 3 erfolgt, weshalb diese keine darüber hinausgehenden Leistungen seitens der Invalidenversicherung beanspruchen könne. Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, die angepassten Hörgeräte Phonak HdO Claro 211 seien für sie einfach und zweckmässig, weil diese ihr ermöglichten, ihren Beruf als Wissenschaftlerin im Bereich der sowjetischen Geschichte (mit Forschungen in Russland an Ort und Stelle, Teilnahme an Kolloquien am Osteuropalehrstuhl der Universität X.________, Besuch und Abhalten von Lehrveranstaltungen sowie der Organisation von Tagungen) auszuüben. 5.2 Bezüglich der Frage, ob die tarifarische Hörgeräteversorgung dem invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnis ausnahmsweise nicht genügt, trägt, wie im zitierten Urteil L. ausgeführt wurde, die Versicherte die Beweislast. Weil der Sozialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, wonach das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat, handelt es sich dabei zwar nicht um die subjektive Beweisführungslast nach Art. 8 ZGB in dem Sinne, dass die Versicherte den Beweis für ein gesteigertes Eingliederungsbedürfnis gestützt auf eine fachärztliche oder fachaudiologische Beurteilung selbst erbringen muss; vielmehr trägt sie die (objektive) Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu ihren Ungunsten ausfällt (BGE 117 V 264 Erw. 3b). Indes hat die Versicherte auf Grund der Vermutung, die tarifliche Hörgeräteversorgung führe zu einer den gesetzlichen Vorgaben genügenden Eingliederung im Einzelfall, jedenfalls in substantierter Weise darzutun, weshalb die gestützt auf den Tarifvertrag abgegebenen Hörgeräte ausnahmsweise nicht genügen sollten. Nur wenn die Versicherte namhafte Gründe vorbringt, die klar für ein gesteigertes Eingliederungsbedürfnis im konkreten Fall (und nicht bloss für einen gesteigerten Hörkomfort) sprechen, besteht für die Verwaltung und, im Beschwerdefall das Sozialversicherungsgericht Anlass für eine nähere Prüfung von Amtes wegen. 5.3 Soweit die Beschwerdeführerin einwendet, das Indikationsmodell sehe drei Stufen vor, wogegen die Hörhilfen in vier Stufen eingeteilt würden, verkennt ihr Standpunkt die Rechtslage. Invalidenversicherungs-rechtlich bedeutsam nach den eingangs dargelegten Grundlagen sind einzig die drei Indikationsstufen, und nicht eine allfällige technische Einteilung der Hörgeräte. Es gibt Invalidenversicherungs-rechtlich keine Indikationsstufe 4. Indessen ändert diese rechtlich unrichtige Argumentation nichts daran, dass die Versicherte namhafte Gründe vorbringt, die für ein erhöhtes invaliditätsbedingtes Eingliederungsbedürfnis sprechen. So erscheint es glaubhaft, dass auf Grund ihrer Forschungstätigkeit vor Ort wie auch anlässlich von Vorträgen und Tagungen in russischer Sprache spezielle erhöhte sprachliche Anforderungen bestehen, denen mit Blick auf eine ausreichende Verständigung eine der Indikationsstufe 3 entsprechende Hörgeräteversorgung allenfalls nicht genügen könnte, was nach der Aktenlage nicht klar ist. Zur abschliessenden Beantwortung der Frage, ob nur eine die tarifvertraglichen Höchstansätze übersteigende Hörgeräteversorgung den beruflichen Anforderungen der Beschwerdeführerin entspricht und damit mit Blick auf das Eingliederungsziel noch als einfach und zweckmässig im Sinne des Gesetzes zu qualifizieren wäre oder ob zur genügenden Verständigung im beruflichen Umfeld auch ein Modell ausgereicht hätte, welches den tariflichen Kostenrahmen der Indikationsstufe 3 wahrt, ist die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, welche die notwendigen Abklärungen durch Rückfrage bei Frau Dr. med. E.________ vornehmen wird.