Citation: 1C_260/2016 E. 3.4

3.4. Im Entwurf 2005 (S. 3 und 7) wurde zum Revisionsbedarf ausgeführt, dass sich die Haltungsysteme seit 1995 verändert hätten. Tierfreundliche Stallsysteme erforderten für die Tiere mehr Fläche und Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien (Auslauf). Während früher bei den geschlossenen Stallsystemen Zwangsentlüftung mit punktförmigen Emissionsquellen vorherrschten, handle es sich heute bei den offenen Mehrflächenstallsystemen und Ausläufen um bodennahe, diffuse Emissionsquellen. Der Entwurf 2005 sah Änderungen insbesondere bei den Korrekturfaktoren für Geländeform, Aufstallungssystem und der Art der Lüftung vor, basierend auf zahlreichen Felduntersuchungen. Das Bundesgericht hat schon im Urteil BGE 133 II 370 E. 6.2 S. 380 anerkannt, dass der geltende FAT-Bericht nicht mehr bei allen Stallsystemen eine störungsgerechte Beurteilung erlaube; dies gelte insbesondere für die Schweinehaltung mit Stallauslauf. In der Tat betreffen die meisten der (im Entwurf 2005 grau hinterlegten) Änderungen die Schweinehaltung. Bei der Rindviehhaltung sind die Unterschiede dagegen gering: Die Geruchsbelastungsfaktoren (Tab. 1) sind unverändert; gemäss Tab. 2 Ziff. 3 bleibt es für die Rinderhaltung mit und ohne Laufhof beim Korrekturfaktor 1. Ziff. 5.1 des Entwurfs 2005 sieht allerdings eine Änderung der Abstandsbemessung bei der Rinderhaltung mit Auslauf vor (Messung ab der Laufhofmitte anstatt von der nächstgelegenen Austrittsöffnung der Stallabluft). Im vorliegenden Fall ging das AWEL jedoch von der den Wohnbauten der Beschwerdeführer nächstliegenden nordöstlichen Grenze des Stallanbaus, d.h. des Laufhofs, aus (gestützt auf den FAT-Bericht Ziff. 2.2. S. 6, Sonderfälle, Geruchsstau im umbauten Raum; vgl. Verfügung AWEL E. 5 S. 10 und E. 6 S. 11) und wählte damit einen für die Beschwerdeführer noch günstigeren Emissionspunkt. Ob und inwieweit bei der Rinderhaltung mit Auslauf ein Revisionsbedarf besteht, muss im vorliegenden Zusammenhang nicht vertieft werden: Streitig ist einerseits die Beurteilung des Kaltluftabflusses, wofür sich das AWEL bereits am Entwurf 2005 orientiert hat (unten E. 3.5 - 3.7), und zum anderen der Korrekturfaktor für die Sauberkeit (unten E. 3.8), für den der Entwurf 2005 keine Änderung gegenüber der heutigen Regelung vorsieht.