Citation: 6B_759/2024 E. 2

Die Vorinstanz erwägt, es sei bei B.________ weder ein Motiv für eine Falschbezichtigung erkennbar, noch seien Umstände ersichtlich, die auf eine unbewusste Falschaussage hindeuten würden. Bei ihr hätten wenige Stunden nach dem Geschlechtsverkehr im Genital- und Analbereich keine Verletzungen und auffällige Sekretantragungen festgestellt werden können. Gestützt auf das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin vom 10. November 2020 müsse jedoch das von ihr geschilderte Geschehen einer erzwungenen Penetration nicht zwingend zu Verletzungen führen. B.________ habe die Geschehnisse zurückhaltend und detailliert geschildert. Sie habe zwischen direkten Wahrnehmungen und Vermutungen unterschieden und ihre Schilderungen hätten sich nicht auf die strafbaren Handlungen beschränkt. Dabei habe sie nicht aufgesetzt, sondern nachvollziehbar sowie situationsgerecht beschrieben, was sie beim Geschehen gedacht und sowohl seelisch als auch körperlich empfunden habe. Auch ihre Schilderungen zur Schockstarre während des Ereignisses seien nachvollziehbar. Ob es sich dabei um ein "Freezing" im eigentlichen Sinne handle, sei unerheblich. Angesichts des dynamischen Geschehens und der damaligen Ausnahmesituation sei auch nachvollziehbar, dass sie nicht exakt habe berichten können, wer zu welchem Zeitpunkt was gesagt habe. Dies spreche für einen authentischen und gerade nicht auswendig memorierten Bericht. Hinsichtlich eines allfälligen analen Eindringens habe B.________ ihre Unsicherheit von Beginn an offen kommuniziert, weshalb die diesbezüglich unterschiedlichen Angaben nicht per se gegen ihre Glaubhaftigkeit sprächen. Die Aussagen von B.________ würden indirekt auch durch die glaubhaften Aussagen der nicht tatbeteiligten Zeugen bestätigt, die übereinstimmend berichtet hätten, dass sich B.________ nach dem Vorfall in einem schlimmen Zustand befunden und auf dem Boden gelegen habe bzw. dort zusammengebrochen sei sowie geweint habe. Im Weiteren kommt die Vorinstanz zum Schluss, es falle auf, dass der Beschwerdegegner bei der Polizei sehr unspezifisch ausgesagt und die Handlung gerafft und allgemein wiedergegeben habe. Sodann seien seine Aussagen in Bezug auf das Kerngeschehen nicht plausibel. Ebenso wenig sei gestützt auf seine Schilderungen nachvollziehbar, weshalb er zu Beginn überhaupt angehalten und B.________ angeboten habe, sie in seinem Auto mitzunehmen. Überdies würden seine Angaben diverse Unstimmigkeiten aufweisen. Unglaubhaft sei im Weiteren seine Aussage, er sei nicht zum Samenerguss gekommen, da gemäss Kurzbericht des IRM Zürich seine Spermaspuren so gut wie sicher im Vaginalbereich von B.________ hätten festgestellt werden können. Sonderbar erschienen ferner seine (unterschiedlichen) Angaben zur Frage, ob er ein Kondom benutzt habe. Insgesamt lasse sich seinen Aussagen kein lebensnahes und plausibles Geschehen entnehmen. Diese seien daher mit grosser Zurückhaltung in die Gesamtwürdigung einzubeziehen. In den Aussagen von B.________ zu den Verletzungen nach dem Geschlechtsverkehr ortet die Vorinstanz erhebliche Abweichungen, die auch zu den objektiven Beweismitteln im Widerspruch stünden. Nach körperlichen Verletzungen gefragt, habe sie anlässlich der polizeilichen Einvernahme drei Tage nach dem Vorfall angegeben, keine solchen erlitten zu haben, sie habe einfach eine Beule am Kopf und das Schienbein schmerze. Auf dieselbe Frage habe sie rund ein Jahr später in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ausgeführt, im Spital Schmerzen im Unterleib verspürt zu haben. Sie habe ihre Unterhose dort lassen müssen, diese sei voller Blut gewesen. Letzteres erwähne der Spurenbericht des FOR jedoch nicht. Im Unterschied zu den Vorbringen ihrer Vertreterin habe B.________ selbst nie erwähnt, sich im Hotel umgezogen zu haben. Obschon das Fehlen von Verletzungen im Genital- und Analbereich nicht gegen eine Vergewaltigung spreche, hätte der Beschwerdegegner in Anbetracht der von B.________ geschilderten blutgetränkten Unterhose erhebliche Gewalt anwenden müssen, die wiederum zu feststellbaren Verletzungen hätte führen müssen. B.________ habe zwar ausgeführt, er sei sehr grob gewesen und habe ihr Schmerzen bereitet, sie habe jedoch während des gesamten Verfahrens keine derart rohe Gewaltanwendung des Beschwerdegegners während des Geschlechtsverkehrs geschildert und auch angegeben, an diesem Tag ihre Periode nicht gehabt zu haben. In ihrer Gesamtwürdigung kommt die Vorinstanz zum Schluss, die Aussagen von B.________ seien nicht per se unglaubhaft, es lägen keine Hinweise auf eine Falschbezichtigung vor und die wenig glaubhaften Aussagen des Beschwerdegegners vermöchten diese Einschätzung nicht umzustossen. Trotzdem könne hinsichtlich des Kerngeschehens nicht auf ihre Angaben abgestellt werden. Da in ihrem Analabstich keine DNA-Spuren des Beschwerdegegners festgestellt worden seien, lasse sich das von ihr berichtete anale Eindringen mit Fingern und/oder dem Penis nicht erstellen. Ausschlaggebend sei, dass ihre Aussagen betreffend Schmerzen und Verletzungen aufgrund des Geschlechtsverkehrs unterschiedlich ausgefallen seien und in einem evidenten Widerspruch zur objektiven Beweislage stünden. "In dubio pro reo" sei der Beschwerdegegner daher vom Vorhalt der Vergewaltigung freizusprechen.