Citation: 8C_322/2021 E. 6.3.7

6.3.7. Am 17. September 2020 nahm Dr. med. G.________ erneut Stellung und äusserte sich dahingehend, dass die Einschätzungen des Dr. med. F.________ nicht mit den neuesten Erkenntnissen betreffend die Unterscheidungskriterien zwischen degenerativen und traumatischen Läsionen der Rotatorenmanschette übereinstimmen würden. Ohne Angabe von Literatur über demografische Kriterien schreibe er, dass bei 65-jährigen degenerative Veränderungen mit transmuralen Schädigungen der Rotatorenmanschette oft vorkämen. In der Publikation des PD Dr. med. Alexandre Lädermann et al. (Degenerative oder traumatische Läsionen der Rotatorenmanschette, in: Swiss Medical Forum 2019, S. 260 ff.) sei klar dargelegt worden, dass die von Dr. med. F.________ u.a. angeführten demographischen Kriterien überholt seien. Auch dass der beratende Arzt das längere Vorbestehen der Rotatorenmanschettenverletzung mit einem im MRI ersichtlichen Humeruskopfhochstand begründe, entspreche nicht der zeitgemässen Literatur. Die Verwertbarkeit der acromiohumeralen Distanz sei nur im korrekten konventionellen a.p.-Röntgen aussagekräftig. Die Beschreibung des Schadensmechanismus könne sodann nicht als fundierte Argumentation, sondern nur als persönliche Meinung des Dr. med. F.________ aufgefasst werden. Während dieser bezüglich des morphologischen Schadensbilds eine Pseudoparese mit Erholung der aktiven Seitenelevation für untypisch halte, würden die vom Beschwerdeführer angegebenen Symptome in der genannten Publikation unter den klinischen Kriterien als typisch belegt. Auch die Interpretation der radiologischen Bildgebung und die Ausführungen zur Operationssituation durch Dr. med. F.________ würden nicht mit der Publikation bzw. der aktuellen Literatur übereinstimmen; ebenso entspreche seine Bilanzierung nicht dem aktuellen Wissensstand zur Differenzierung zwischen traumatischen und degenerativen Läsionen der Rotatorenmanschette. Im Gegenteil sei der aktuelle Wissensstand bezüglich persistierender Pseudoparese aufgrund der Ausdehnung von Rotatorenmanschettenrupturen durch "Collin" umfassend aufgearbeitet worden. Er sei nach wie vor der Meinung, so Dr. med. G.________, dass der vorliegende Befund mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit traumatischer Genese sei. Es handle sich um eine "Acute-on-chronic"-Situation mit vorgeschädigter Rotatorenmanschette. Durch den Unfall sei es zu einer richtungsweisenden Verschlimmerung gekommen, die ohne operativen Eingriff einen irreversiblen Schaden erzeugt hätte.