Citation: U 24/06 04.05.2006 E. 2

2.1 Streitig ist nurmehr die Höhe der Integritätsentschädigung. Dabei steht insbesondere die Bemessungsgrundlage der Integritätseinbusse in Frage. Während die SUVA im Einspracheentscheid die Integritätseinbusse unter Berücksichtigung einer bestehenden mässigen Arthrose im Ulnohumeralgelenk gestützt auf die von ihr unter dem Titel "Integritätsentschädigung gemäss UVG, Tabelle 5 betreffend Integritätsschäden bei Arthrosen" veröffentlichten Richtwerte auf 5 % festgesetzt hatte, begründet die Vorinstanz die Integritätseinbusse von 10 % mit den Bewegungseinschränkungen im linken Arm und stützt sich dabei auf die Richtwerte der Tabelle 1 betreffend Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten. Sie führt aus, bei einer normalen Beweglichkeit von 0°/90°/150° sei die Streckfähigkeit bei der Versicherten mit 10° besser als die entschädigungsberechtigten 30° gemäss SUVA-Tabelle; hingegen sei die Beugefähigkeit mit 130° stärker beeinträchtigt als die in der SUVA-Tabelle vorgesehenen 135°. 2.2 Die Vorinstanz hat die in der Tabelle unter 1.2 angegebenen Funktionsstörungen "beweglich 0°/30°/90°" sowie "beweglich 0°/90°/135°", die einer Integritätseinbusse von 10 % entsprechen, offenbar dahingehend interpretiert, dass bereits eine Einschränkung in der Beuge(=Flexions-)fähigkeit von mehr als 15° (150°-135°) einer Integritätseinbusse entspricht, ohne dass kumulativ ein Streck(= Extensions-)defizit vorliegen müsste, dies unter Annahme einer normalen Beweglichkeit von 0°/90°/150°. 2.3 Wie die SUVA zu Recht einwendet, ist dies nicht zutreffend: Die in der Tabelle unter 1.2 für eine Integritätseinbusse vorausgesetzten Beweglichkeitseinschränkungen entsprechen der sogenannten Neutral-0-Methode. Damit werden die Bewegungen eines einzelnen Gelenks von einer einheitlich definierten Neutral- oder Nullstellung aus gemessen und so Beuge- und Streckdefizite festgestellt. Von der Nullstellung aus werden die Winkel der Bewegungsausschläge in jeder Bewegungsebene in beide Richtungen gemessen. Zuerst wird der eine Bewegungsausschlag notiert, dann beim Durchgang durch die Neutralposition die Null (normalerweise in der Mitte) und als dritte Zahl der Endausschlag auf der Gegenseite. Wird (bei einer Kontraktur) die Nullstellung nicht erreicht, steht die Null nicht in der Mitte, sondern auf der Seite der Bewegungseinschränkung (Debrunner, Orthopädie. Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S.193 f.). Für ein normales Ellbogengelenk ergibt sich damit - je nach dem, ob berücksichtigt wird, dass bei gewissen Personen eine Überstreckung von etwa 10° möglich ist -, ein möglicher Bewegungsumfang von 0°/0°150° (wovon die SUVA gestützt auf Dr.med. V.________ ausgeht) oder von -10°/0°150° (vgl. Debrunner a.a.O.). Nach dem Gesagten bedeutet eine Beweglichkeit gemäss Tabelle 1.2 von 0°/30°/90°, dass die Extension um 30° und gleichzeitig die Flexion um 60° (150°-90°) eingeschränkt ist, die betroffene Person also ihren Arm nur vom rechten Winkel von 90° bis zu 30° strecken kann; demgegenüber kann sie bei einem Bewegungsumfang 0°/90°/135° den Arm nur im Radius zwischen 90° und 135° bewegen. Die Integritätsentschädigung gemäss Tabelle 1.2 setzt damit, wie die SUVA mit Verweis auf die illustrierte Stellungnahme des Dr.med. V.________ zu Recht vorbringt, eine gesamthafte Beweglichkeitseinschränkung von 90° bzw. 105° voraus. 2.4 Eine solche liegt bei der Versicherten jedoch nicht vor: Bereits am 27. Februar 2003 stellte Dr. med. L.________ eine Beweglichkeit von 0°/30°/95° fest, welche sich am 20. März 2003 auf 0°/40°/105° verbesserte. Am 29. April 2004 - nach der teilweisen Entfernung des Osteosynthese-Materials am 9. März 2004 - diagnostizierte er einen Bewegungsumfang von 0°/8°/140. Kreisarzt Dr. med. C.________ stellte schliesslich am 12. Mai 2004 eine Beweglichkeit von 0°/10°/130° fest (nach 0°/5°/120° am 3. Juli 2003). Dr. med. B.________ ging in seinem Bericht vom 18. März 2005 ebenfalls von einem Beuge- und Streckdefizit von je etwa 10° aus. Damit ist gemäss den übereinstimmenden ärztlichen Feststellungen gesamthaft von einer Bewegungseinschränkung von rund 10° bei Beugung und Streckung auszugehen. Auf das einzig höhere, von Dr. med. S.________ am 4. Mai 2004 gemessene Flexionsdefizit von 44° bei einer festgestellten Beweglichkeit von 0°/12°/106° ist mit SUVA und Vorinstanz nicht abzustellen, abgesehen davon, dass auch diese Bewegungseinschränkung nicht dem eine Integritätseinbusse begründenden Bewegungsumfang von Tabelle 1.2 entspricht. 2.5 Demgegenüber erscheint die Festsetzung einer Integritätsentschädigung von 5 % durch die SUVA unter Berücksichtigung der einzig von Kreisarzt Dr. med. C.________ festgestellten mässigen posttraumatischen Arthrose im Ulnohumeralgelenk als angemessen und entspricht dem Gesetz, der Verordnung und insbesondere den Richtwerten gemäss der Tabelle 5.2 (Integritätsschaden bei Arthrosen), wonach eine mässige Arthrose mit einer Einbusse von 5-10 % zu veranschlagen ist. Der Einspracheentscheid der SUVA ist deshalb nicht zu beanstanden.