Citation: 4A_43/2024 E. 2.2

2.2. Die Beschwerdeführerin bringt vor, das Schiedsgericht habe zu Unrecht die im Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung bestehende SIA Richtlinie 150 aus dem Jahr 1977 anstatt die erst 2018 ergangene Fassung dieser Richtlinie angewendet. Damit seien nicht die zutreffenden Verfahrensbestimmungen zur Anwendung gelangt, was - aufgrund der strengeren Regelung der Säumnisfolgen der älteren Fassung bei Ausbleiben der Klageantwort - zum Rechtsverlust geführt habe. Indem sie sich vor Bundesrecht darauf beruft, die Parteien hätten sich mangels anderslautender Vereinbarung im Sinne eines normativen Konsenses auf die Fassung der Verfahrensbestimmungen im Zeitpunkt der Einleitungsanzeige geeinigt, zeigt die Beschwerdeführerin keine Willkür im Sinne von Art. 393 lit. e ZPO auf. Sie verkennt mit ihren Ausführungen, dass mit offensichtlicher Verletzung des Rechts nach dieser Bestimmung nur eine Verletzung des materiellen Rechts gemeint ist und nicht eine solche des Verfahrensrechts. Mit ihrem Hinweis auf andere Schiedsordnungen und dem Vorbringen, es habe sich gesamtschweizerisch ein "Usus in der Anwendung der aktuellen Version des Schiedsregelwerks zum Zeitpunkt der Einleitungsanzeige [herausgebildet]", vermag sie auch keinen Prozessfehler aufzuzeigen, der den verfahrensrechtlichen Ordre public verletzen würde. Nachdem die vom Schiedsgericht angewendeten Verfahrensbestimmungen für den Fall des Ausbleibens einer Klageantwort keine Ansetzung einer Nachfrist vorschrieben, kann ihm nicht vorgeworfen werden, es hätte der Beschwerdeführerin zur Wahrung des Gehörsanspruchs eine kurze Nachfrist ansetzen müssen. Dem Schiedsgericht ist weder eine Gehörsverletzung noch ein anderer von Art. 393 ZPO erfasster Prozessfehler vorzuwerfen, indem es den Schriftenwechsel nach versäumter Einreichung der Klageantwort als beendet erklärte. Dass sich die Säumnis einer Prozesspartei zu deren Ungunsten auswirken und rechtliche Nachteile nach sich ziehen kann, bedeutet weder eine Ungleichbehandlung noch eine Verletzung des Fairnessgebots im Verfahren, sondern liegt in der Natur der Sache.