Citation: 4C.293/2006 17.11.2006 E. 2.2

2.2.1 Zu prüfen ist zunächst, ob W.L.________ im Namen der Beklagten handelte. Die Vorinstanz stellte dazu verbindlich fest, W.L.________ sei nicht bewusst gewesen, für die Beklagte als Organ gehandelt zu haben. Soweit sich der Kläger gegen diese tatsächliche Feststellung wendet, ist er nicht zu hören (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Weiter kam die Vorinstanz zum Schluss, dass W.L.________ dennoch - in der Annahme, er sei von seinem Bruder M.L.________ dazu bevollmächtigt worden - im Namen der Beklagten auftrat und der Kläger dies auch so verstand. Damit ist die erste Voraussetzung für den Vertrauensschutz erfüllt. 2.2.2 Weiter ist zu untersuchen, ob das tatsächliche Verhalten der Beklagten nach Treu und Glauben auf den Willen zur Mitteilung einer (dem Handelsregistereintrag widersprechenden) Einzelvollmacht schliessen liess. Ein Vertrauensschutz kommt nach dem Gesagten im kaufmännischen Bereich nur ausnahmsweise in Betracht, namentlich wenn die Gesellschaft mehrmals Einzelhandlungen des Kollektivvertreters duldet (Urteil 4C.377/1995 vom 23. September 1996, E. 3b; Watter, a.a.O., Nr. 219; Schärer, a.a.O., S. 130). Nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz ist nicht bewiesen, dass die Beklagte W.L.________ wiederholt als ihren einzelzeichnungsberechtigten Vertreter hat auftreten lassen. Ein Dulden der Handlungen W.L.________ durch die Beklagte lässt sich entgegen der Ansicht des Klägers auch nicht damit begründen, der Beklagten müsse das Wissen ihres Verwaltungsratspräsidenten zugerechnet werden. Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, würde eine im Handelsregister eingetragene Vertretungsbeschränkung wirkungslos, wenn die Kenntnis der juristischen Person aus dem Wissen des Organs, das seine Vertretungsbefugnis überschreitet, abgeleitet würde. Im Übrigen trat W.L.________ nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz nicht in seiner Funktion als Organ im Namen der Beklagten auf, sondern in der Annahme, er sei von seinem Bruder M.L.________ dazu ermächtigt worden. Weitere Umstände, aus denen auf einen entsprechenden Mitteilungswillen der Beklagten zu schliessen wäre, sind nicht ersichtlich und werden vom Kläger auch nicht behauptet. 2.3 Aus dem Gesagten folgt, dass die Voraussetzung der objektiven Mitteilung nicht erfüllt ist und die Vorinstanz zu Recht das Vorliegen einer Duldungs- bzw. einer Anscheinsvollmacht verneint hat. Es erübrigt sich damit, auf die Frage einzugehen, ob sich der Kläger im Sinn von Art. 3 Abs. 2 ZGB auf seinen guten Glauben berufen durfte. Im Übrigen hält der Kläger in der Berufung selbst fest, er habe sich nicht "veranlasst" gesehen, die Vollmachten bereits im November 1999 von der Beklagten einzuholen, sondern erst als sich die Verkaufspläne im April 2000 konkretisierten, was seinen guten Glauben zumindest als zweifelhaft erscheinen lässt.