Citation: I 380/02 09.01.2003 E. 3

Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine nachvollziehbare medizinische Beurteilung ihrer Arbeitsfähigkeit. Die Tatsache allein, dass ein polydisziplinäres MEDAS-Gutachten vorliegt, hat noch nicht zur Folge, dass dieses ohne weitere Prüfung der Kriterien als überzeugend zu qualifizieren ist. 3.1 Das Gutachten erscheint gesamthaft als wenig sorgfältig abgefasst. So ist unter Ziffer 6.1.3 ausgeführt, es könne von einer Arbeitsfähigkeit in anderen Berufen bei einer Tätigkeit mit wechselnder körperlicher Belastung von 80 % ausgegangen werden. Auf die konkrete Frage der IV-Stelle wird die Arbeitsfähigkeit mit 80 - 100 % angegeben, ohne die Differenz zu begründen (Ziff. 6.1.7 Frage 8. S. 8 des Gutachtens). Der Gesamtbetrachtung vom 2. Oktober 2000 kann entnommen werden, dass das psychiatrische Leiden der Beschwerdeführerin als die Arbeitsfähigkeit kaum einschränkend beurteilt wurde. So wurde auf die Frage nach dem Umfang der Zumutbarkeit einer angepassten Tätigkeit einzig die rheumatologische Sicht (wörtlich zitiert aus dem Teilgutachten vom 25. Juli 2000) wiedergegeben. Demnach kann die Beschwerdeführerin eine wechselnd sitzend und stehend auszuübende Tätigkeit mit Möglichkeiten von Pausen und ohne Zwangspositionen und ohne längere Überkopfarbeiten in einem Rahmen von 80 bis 100 % ausüben. Unklar bleibt dabei, wie oft die Arbeit durch Pausen unterbrochen werden müsste und wie lange diese dauern sollten. Dem Gutachten ist auch nicht zu entnehmen, ob die Pausen in der prozentualen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt sind oder zusätzlich berechnet werden müssen. Auffallend ist auch, dass das Alter der Beschwerdeführerin - im Zeitpunkt der Begutachtung knapp 42-jährig - immer wieder falsch mit 52 Jahren angegeben wird (Rheumatologisches Untergutachten S. 2, 3 und 4, Hauptgutachten S. 4 und 8). Diese Unsorgfältigkeit von Gutachtern, welche die Betroffene selbst untersucht haben, weckt wenig Vertrauen. Spätestens bei der Kontrolle des Verfassten sollte realisiert werden, dass die Ziffern mit dem persönlich gewonnenen Eindruck nicht korrelieren. Wenn dies, wie vorliegend, nicht geschah, lässt sich vermuten, dass die Beschwerdeführerin einen bedeutend älteren Eindruck machte, als es ihrem tatsächlichen Lebensalter entsprach, was in einer medizinischen Gesamtbetrachtung zu würdigen wäre. Allenfalls hatten die Verfasser der Berichte die Explorandin nicht mehr vor Augen, was der Qualität der Begutachtung ebenfalls abträglich wäre. 3.2 Gesamthaft ergibt sich, dass die psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin im genannten Gutachten widersprüchlich beurteilt wird und insgesamt offensichtlich nicht berücksichtigt wurde. Dies steht im Gegensatz zu den Arztberichten von Dr. med. F.________ ("Allenfalls noch zumutbar wären z.B. eine Stunde täglich bei abwechslungsreicher Tätigkeit mit kurzem Sitzen und kurzem Stehen ohne Lastentragen und ohne Zeitdruck", Beurteilung vom 19. Januar 2000), Dr. med. Z.________ (gemäss MEDAS wird die Arbeitsfähigkeit an einem geeigneten Arbeitsplatz zwischen 80 und 100 % eingestuft. "Diese Bewertung ist hinsichtlich der restlichen Arbeitsfähigkeit völlig unrealistisch", Bericht vom 20. Februar 2001) und Frau Dr. med. A.________ ("Pour le moment, la patiente se trouve dans une incapacité totale à répondre aux obligations d'une activité lucrative", Zeugnis vom 17. April 2001). Damit erfüllt das MEDAS-Gutachten vom 2. Oktober 2000 die rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. Erwägung 1.2) nicht. Die Vorinstanz hat sich nicht mit den Widersprüchen in den ärztlichen Beurteilungen auseinandergesetzt, sondern primär darauf hingewiesen, dass es einer Erfahrungstatsache entspreche, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen ehe zugunsten ihrer Patienten aussagten. Dafür besteht vorliegend allerdings kein Anhaltspunkt. 3.3 Auf Grund der Aktenlage ist es nicht möglich, sich ein Bild über den tatsächlichen psychischen und physischen Gesundheitszustand und der sich daraus ergebenden Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu machen, welches mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der effektiven Sachlage entsprechen würde. Daher ist zusammenfassend festzustellen, dass der Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist und ergänzende Ermittlungen vorzunehmen sind. Nach dem Gesagten ist die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, welche eine psychiatrische Begutachtung vorzunehmen haben wird. Der begutachtenden Person werden sämtliche medizinischen Akten vorzulegen sein und sie wird ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nachvollziehbar zu erklären haben und darüber Auskunft geben, ob eine (eventuelle) Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit kumulativ zu der aus rheumatologischer Sicht zu werten ist.