Citation: I 277/00 07.11.2001 E. 4

4.- In einem Bericht der Medizinischen Abteilung des Spitals C.________, wo die Versicherte vom 20. Januar bis zum 20. Februar 1998 hospitalisiert gewesen war, vom 18. März 1998 wurden unter anderem ein chronisch generalisiertes Schmerzsyndrom und eine reaktive Depression bei schwieriger psychosozialer Situation diagnostiziert. Aktuell stehe die Depression bei der schwierigen psychosozialen Situation der Patientin im Vordergrund. Das durch die eingeschränkte Leistungsfähigkeit, die verschiedenen narzisstischen Kränkungen und die massive psychosoziale Problematik mit Kinderlosigkeit, Eheproblematik und Arbeitsplatzverlust bedrohte Selbstwertgefühl werde durch die chronischen Schmerzen zu kompensieren versucht. Die depressive Symptomatik habe sich im Laufe der Hospitalisation gebessert. Die Patientin sei für die ersten sechs Monate nach Austritt voll arbeitsunfähig; danach sollte ein Wiedereingliederungsversuch stattfinden. In einem Bericht der Neurologischen Rehabilitations- und Multiple Sklerose-Abteilung der Klinik B..________, in der sich die Beschwerdeführerin nach einem zerebrovaskulären Insult mit rasch regredientem handbetontem Hemisyndrom rechts vom 15. bis 29. September 1998 aufgehalten hatte, vom 2. Oktober 1998 wurde unter anderem die Diagnose einer chronischen Depression bei psychosozialer Belastungssituation gestellt. Die chronische Depression bestehe seit fünf Jahren, wobei der depressive Zustand seit ungefähr vier Jahren mit Antidepressiva behandelt werde. Dr. med. A.________, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem zuhanden der MEDAS erstatteten psychiatrischen Konsilium vom 27. Mai 1999 unter Erwähnung früherer Diagnosen einer Depression und der auch im Zeitpunkt der Begutachtung erfolgenden Medikation mit Efexor und Temesta einen Erschöpfungszustand bei psychosozialer Problematik (Getrenntsein von einem Familienmitglied). Zum Psychostatus führte er aus, die Explorandin wirke im Gespräch freundlich und im Grunde genommen durchaus humorvoll und vital. Sie werde aber im Gespräch mehrmals von der sozialen Realität eingeholt und beginne zu weinen. Im Übrigen sei sie affektiv adäquat, wirke vor allem durch die sozialen und finanziellen Probleme belastet und unglücklich. Unter dem Titel der Beurteilung erklärte er, die Versicherte sei eine grundsätzlich engagierte und arbeitswillige Frau mit somatischen Problemen und psychosozialen Belastungsfaktoren. Sie wirke nicht aggravierend. Psychosozial im Vordergrund stehe die Tatsache, dass sie den vierjährigen Sohn nicht bei sich habe und zur Zeit keine klare Aussicht darauf bestehe, ihn künftig in die Schweiz zu nehmen. Es erscheine ihm genügend wahrscheinlich, dass die Explorandin bei Wegfallen der psychosozialen Belastungsfaktoren (Zusammenschluss mit dem Sohn, Lösung verschiedener finanzieller Probleme), unter Missachtung der körperlichen Probleme, zu einer vollen Arbeitsfähigkeit zurückfinden würde. Sie habe eine sehr gewinnende, lockere Art im Umgang mit Menschen, was für die Weiterbeschäftigung im Service spreche. Dr. med. A.________ schloss mit der Bemerkung, dass unter Ausserachtlassung der körperlichen, psychosozialen und finanziellen Probleme invalidenversicherungsrechtlich keine wesentlichen Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit bestünden. Doch sei der Zustand der Explorandin durch die gegebenen sozialen Belastungsfaktoren durchaus erklärt. Die Arbeitsfähigkeit hänge somit vom somatischen Status ab. Dementsprechend wurde im MEDAS-Gutachten vom 4. Juni 1999, welches seit Jahren bestehende rezidivierende depressive Verstimmungen erwähnt, festgehalten, im Gegensatz zu früheren Untersuchern könne der von der MEDAS beigezogene psychiatrische Konsiliarius zur Zeit kein psychisches Leiden mit Krankheitswert feststellen. Dr. med. G.________, Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik Y.________, wo sich die Versicherte seit Mitte September 1999 in stationärer psychiatrischer Behandlung befand, diagnostizierte in einem Bericht vom 18. Oktober 1999 unter anderem reaktive chronifizierte und therapieresistente depressive Störungen mit somatischem Syndrom als Resultat des starken chronischen körperlichen und psychischen Stresserlebens bei Kinderlosigkeit, Eheproblematik, Arbeitsplatzverlust, Emigrationsproblematik sowie diversen chronischen körperlichen Krankheiten und ein chronisches Schmerzsyndrom. Die Symptomatik spreche eindeutig für eine chronifizierte therapieresistente depressive Störung, die bei der Patientin offensichtlich seit einigen Jahren bestehe, wobei schon mehrere Ärzte in verschiedenen Institutionen die Diagnose einer chronischen Depression gestellt hätten und einzig Dr. med. A.________ nur einen Erschöpfungszustand festgestellt habe. Die depressive Störung habe eindeutig Krankheitswert, müsse als reaktiv chronifiziert betrachtet werden und führe mindestens seit Sommer 1998 zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit. Die Depression werde wahrscheinlich so lange weiter bestehen, wie die dafür verantwortlichen Faktoren (multiple somatische Beschwerden und Schmerzen, Kinderlosigkeit, Eheproblematik, Arbeitslosigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, Integrationsschwierigkeiten usw.) anhielten. Alle bisherigen Behandlungen seien ziemlich erfolglos geblieben. Die Patientin könnte unter den aktuellen Umständen nur in einem geschützten Rahmen beschäftigt werden. Auch Dr. med. Z.________, der ebenfalls unter anderem reaktive, chronifizierte und therapieresistente depressive Störungen mit somatischem Syndrom als Resultat des starken chronischen körperlichen und psychischen Stresserlebens bei schwieriger psychosozialer Situation diagnostizierte, erachtete in seinem Überweisungsschreiben an die Psychiatrische Klinik Y.________ vom 12. April 2000 die Auffassung des psychiatrischen MEDAS-Gutachters, wonach die Arbeitsfähigkeit lediglich vom somatischen Status abhänge, als unzutreffend.