Citation: 6B_459/2020 E. 2.4.3

2.4.3. Die beiden Tatvorgänge wurden in der Anklageschrift explizit gegeneinander abgegrenzt. Sie lassen sich ohne weiteres auseinanderhalten und aufteilen, so dass sich die Sperrwirkung des erstinstanzlichen Freispruchs nicht auf diesen Sachverhalt erstreckt. An diesem Ergebnis ändert nichts, dass beide Handlungskomplexe Teil eines übergeordneten Gesamtgeschehens bilden. Das Vorgehen mit dem Einsatz des BH-Trägers bildet ein eigenständiges spezifisches Geschehen ausserhalb des Tatplans, das im Handlungszusammenhang über die sexuelle Nötigung hinausgreift, indem es nicht das Schutzobjekt des Art. 189 StGB (Schutz der sexuellen Selbstbestimmung) angriff, sondern sich objektiv unmittelbar gegen jenes durch Art. 129 StGB geschützte Rechtsgut "Leben" vor skrupelloser Gefährdung richtete, mochte dieser Erfolg auch nicht intendiert sein.