Citation: 1B_174/2023 E. 2.4.2

2.4.2. Entgegen der Rechtsauffassung der Vorinstanz lässt sich die Fristüberschreitung durch das Zwangsmassnahmengericht auch nicht durch das Verhalten des amtlichen Verteidigers der Beschwerdeführerin rechtfertigen. Die Beschwerdeführerin macht zu Recht geltend, dass die Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlich vorgesehen Fristen des Haftverfahrens bei den Strafverfolgungsbehörden und den Gerichten liegt. Es ist insoweit zwar nicht zu beanstanden, wenn Termine für eine mündliche Haftverhandlung nach den kantonalen Gepflogenheiten grundsätzlich in vorgängiger Absprache mit der Rechtsvertretung der beschuldigten Person erfolgen. Ist dies innert nützlicher Frist jedoch nicht möglich, haben die Gerichte nötigenfalls mittels Vorladung (Art. 201 ff. StPO) oder anderer Vorkehrungen sicherzustellen, dass der Haftanordnungsentscheid des Zwangsmassnahmengerichts auch an Wochenenden spätestens innert den gesetzlich vorgegebenen Fristen ergehen kann. Sodann ist auch die von der Vorinstanz genannte Organisation einer Dolmetscherin oder eines Dolmetschers für eine gängige Sprache (Spanisch) sowie der Transport der Beschwerdeführerin von der Haftanstalt zum Gericht nicht geeignet, die Nichteinhaltung der 96-Stunden-Frist zu rechtfertigen. Diese Umstände gehen zwar naturgemäss mit einem gewissen Zeitaufwand einher. Der damit verbundene Aufwand überschreitet jedoch das übliche Mass der in einem Haftverfahren anfallenden organisatorischen Vorkehrungen nicht. Dies wird vorliegend bereits dadurch belegt, dass die mündliche Haftverhandlung, nachdem unbestrittenermassen während eines ganzen Tages seitens des Zwangsmassnahmengerichts keine Verfahrensschritte unternommen worden waren, innert weniger Stunden organisiert und durchgeführt werden konnte. Wie die Beschwerdeführerin korrekt vorbringt, stellt schliesslich auch die Tatsache, dass sie vor der Haftverhandlung um Akteneinsicht ersuchte, keine Rechtfertigung für die Fristüberschreitung dar. Gemäss Art. 225 Abs. 2 StPO hat die beschuldigte Person einen gesetzlichen Anspruch um Einsicht in die dem Zwangsmassnahmengericht vorliegenden Akten. Die Gerichte sind deshalb auch insoweit gehalten, organisatorische Vorkehrungen zu treffen, damit die 96-Stunden-Frist auch unter Gewährung der Akteneinsicht im Normalfall nicht ausgeschöpft wird.