Citation: 1P.716/2004 22.12.2004 E. 2

Nach Art. 113 StPO kann der Angeschuldigte verhaftet werden, wenn er eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig ist und ernsthafte Anhaltspunkte dafür bestehen, dass er sich dem Strafverfahren durch Flucht entziehen könnte. Ist neben dem allgemeinen Haftgrund des dringenden Tatverdachts der besondere der Fluchtgefahr gegeben, steht der Anordnung von Untersuchungshaft grundsätzlich auch unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Freiheit von Art. 10 Abs. 2 und Art. 31 Abs. 1 BV nichts entgegen. Dass der Beschwerdeführer dieses Grundrecht im Zweckartikel Art. 2 BV verortet, ist zwar unverständlich, schadet ihm aber nicht. 2.1 Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, mit einem Kilogramm Kokain gehandelt und die Einfuhr eines weiteren Kilogramms in Auftrag gegeben zu haben. Er bestreitet nicht, dass er dieser Taten dringend verdächtig ist, macht aber geltend, die Vorwürfe seien in Bezug auf die Rauschgiftmengen übertrieben. Dies ändert nichts daran, dass der allgemeine Haftgrund des dringenden Tatverdachts gegeben ist. 2.2 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt die Höhe der zu erwartenden Freiheitsstrafe für sich allein nicht für die Annahme von Fluchtgefahr. Eine solche darf nicht schon angenommen werden, wenn die Möglichkeit der Flucht in abstrakter Weise besteht. Vielmehr müssen konkrete Gründe dargetan werden, die eine Flucht nicht nur als möglich, sondern als wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Höhe der zu erwartenden Freiheitsstrafe kann immer nur neben anderen, eine Flucht begünstigenden Tatsachen herangezogen werden (BGE 125 I 60 E. 2a; 117 Ia 69 E. 4a; 108 Ia 64 E. 3; 107 Ia 3 E. 6). 2.3 Der Beschwerdeführer muss nach der zutreffenden Einschätzung der Anklagekammer im Fall eines Schuldspruchs in allen Punkten mit einer empfindlichen, unbedingten Gefängnisstrafe rechnen, selbst wenn er "nur" die Einfuhr von 700 g Kokain in Auftrag gegeben haben und auch die von ihm gehandelte Rauschgiftmenge unter einem Kilogramm liegen sollte. Mit einer solchen Strafe wäre das weitere Fortkommen des als Asylbewerber eingereisten nigerianischen Beschwerdeführers in der Schweiz erheblich kompromittiert; nach Auskunft des Ausländeramtes des Justiz- und Polizeidepartementes des Kantons St. Gallen müsste er jedenfalls bei einer Verurteilung zu einer 24 Monate übersteigenden Gefängnisstrafe mit einer Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung rechnen. Der Beschwerdeführer hat zwar eine Schweizerin - seine Komplizin, die das Rauschgift in die Schweiz einführte - geheiratet, und diese erwartet ein Kind von ihm. Die Einschätzung der Anklagekammer, der Beschwerdeführer, der hier keine weiteren ersichtlichen Wurzeln hat und auch der Landessprache nicht mächtig ist, werde dadurch nicht von einer Flucht abgehalten, ist indessen nicht zu beanstanden, da es nicht ausgeschlossen erscheint, dass die Ehefrau nach Verbüssung einer allfälligen Freiheitsstrafe einen regelmässigen Kontakt zu ihrem geflüchteten Gatten ausserhalb der Schweiz aufrechterhalten oder diesem gar ins Ausland nachfolgen könnte. Ihre Schwangerschaft hielt sie, wie die Anklagekammer zutreffend anführt, auch nicht davon ab, Drogen von Brasilien in die Schweiz zu transportieren. Die Rüge, es bestehe keine Fluchtgefahr, ist offensichtlich unbegründet.