Citation: I 484/03 29.10.2003 E. 4.2

4.2.1 Im Unterschied zu den Gutachtern schätzt der Hausarzt Dr. med. I.________, FMH für Chirurgie und Orthopädie, die Arbeitsfähigkeit wegen der linksseitigen kongenitalen Blindheit sowie den posttraumatischen Dorsalgien und Schulterschmerzen als Folge des Sturzes vom 24. Juli 1993 dauernd auf 0 %. Entgegen der Vorinstanz kann nicht gesagt werden, auch der Hausarzt gehe davon aus, eine der Behinderung angepasste Tätigkeit sei zu 50 % zumutbar. Insbesondere äussert sich Dr. med. I.________ im Bericht vom 17. September 1997 nicht in diesem Sinne. Die Frage, welche Tätigkeiten trotz des Gesundheitsschadens und in welchem Ausmass noch in Betracht fallen, beantwortete er mit «Leichte Bürotätigkeit mit viel Bewegung z.B. sitzend, z.B. gehend, z.B. stehend?». Der Hausarzt setzte somit ein Fragezeichen hinter seine Zumtbarkeitsbeurteilung. Im Übrigen gab Dr. med. I.________ an, in der bisherigen oder in einer z.B. aus finanziellen Gründen notwendigen Erwerbstätigkeit bestehe dauernde Arbeitsunfähigkeit. 4.2.2 In einem gewissen Widerspruch zur Beurteilung der Dres. med. L.________ und H.________ stehen sodann die Angaben der Augenärztin Frau Dr. med. O.________. Danach ist die Beschwerdeführerin am linken Auge praktisch blind und funktionell als einäugig zu betrachten. Sie ermüde deswegen sehr stark beim Lesen und am PC und bekomme starke Beschwerden (Kopfschmerzen, Augenschmerzen, Augenbrennen und Augenentzündungen). Aus ophthalmologischer Sicht sollte sie daher unbedingt nur halbtags arbeiten und keine Tätigkeiten verrichten müssen, welche eine genaue optische Kontrolle erforderten (Ärztliche Zeugnisse vom 23. Dezember 1994 und 21. Mai 2001 sowie Arztbericht vom 16. September 1997). Im Zusammenhang mit dem Augenleiden ist auch auf das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 5. Januar 1995 an das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, Arbeitslosenkasse, hinzuweisen. Darin gab sie an, sie habe aus gesundheitlichen Gründen ihre 100 %-Stelle auf den 1. Oktober 1989 auf eine 50 %-Erwerbstätigkeit reduzieren müssen. Als Sekretärin sei sie zur Hauptsache am PC tätig gewesen. Das habe zur raschen Ermüdung der Augen und zu Kopfschmerzen geführt. Ihre Arbeitslosenentschädigung beruhe denn auch auf einem 50 %igen Einkommen. 4.3 Es besteht somit in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Einschätzung der Gutachter Dres. med. L.________ und H.________ einerseits sowie derjenigen des Hausarztes Dr. med. I.________ und der Augenärztin Dr. med. O.________ anderseits. Die Abweichung erscheint umso bedeutsamer, als laut Experten somatische und psychosomatisch-psychiatrische Beeinträchtigungen das erwerbliche Leistungsvermögen um die Hälfte reduzieren. Demgegenüber verursachen gemäss Hausarzt bereits die somatischen Beschwerden eine dauernde Arbeitsunfähigkeit und aus Sicht der Augenärztin ist wegen des Augenleidens eine Erwerbstätigkeit von mehr als 50 % nicht zumutbar. Dass Dr. med. L.________ alle Berichte der Frau Dr. med. O.________ berücksichtigt hat, ändert entgegen der Vorinstanz nichts daran, dass in Bezug auf die gesundheitlich bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit die medizinischen Unterlagen nicht schlüssig sind. Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar, inwiefern es einleuchten soll, dass bei einer angenommenen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit infolge des Rückenleidens von 50 % «keine zusätzliche Einschränkung der Erwerbsfähigkeit durch die Augen zu erwarten ist». Schliesslich erscheint auch sehr fraglich, ob für Frauen im Alter der Beschwerdeführerin (Jahrgang 1942) selbst bei altersentsprechender guter Gesundheit das repetitive Heben von Gewichten bis 15 kg zumutbar ist. 4.4 Nach dem Gesagten kann der medizinische Sachverhalt nicht als genügend abgeklärt betrachtet werden. Eine von der IV-Stelle zu veranlassende polydisziplinäre Begutachtung erscheint angezeigt. In die Massnahme sind alle für eine umfassende Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit notwendigen Fachrichtungen einzubeziehen. Bei dieser Rechtslage hat die Frage des Rentenbeginns offen zu bleiben. Diesen Zeitpunkt wird die IV-Stelle aufgrund der ergänzten Akten neu festzulegen haben.