Citation: 5A_853/2023 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz widerspricht zunächst dem Einwand des Beschwerdeführers, wonach das Zivilgericht nicht ausgeführt habe, dass einer der Gründe gemäss Art. 311 ZGB erfüllt wäre. Das Zivilgericht habe die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge sehr wohl auf Art. 311 ZGB gestützt. Sein Vorhalt, dass der Ehemann aus dem Gefängnis die elterliche Sorge derzeit nicht pflichtgemäss ausüben könne, lehne sich an den Wortlaut von Art. 311 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB an, und in anderem Zusammenhang sei von einer gröblichen Verletzung der elterlichen Pflicht des Ehemannes die Rede, was der Formulierung von Art. 311 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB entspreche. Soweit der Beschwerdeführer BGE 119 II 9 nicht für anwendbar halte, verkenne er, dass der Entzug der elterlichen Sorge gestützt auf Art. 311 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB nicht durch die der Inhaftierung zugrundeliegende Tat, sondern durch die langjährige Inhaftierung selbst begründet werde; dem erwähnten Entscheid zufolge wäre ein Sorgerechtsentzug in jenem Fall auch gestützt auf Art. 311 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB möglich gewesen, da die Tötung der Mutter durch den Vater eine grobe Pflichtverletzung der elterlichen Pflichten darstelle. Der Beschwerdeführer klammere mit seiner Argumentation die neue Verurteilung durch das Strafgericht vom 8. Juli 2022 (s. Sachverhalt Bst. A.c) aus, die erhebliche Delikte gegen die Beschwerdegegnerin betreffe. Das Appellationsgericht erinnert an die Geschehnisse, die zu dieser Verurteilung führten, und daran, dass sich die Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Anzeige gegen den Beschwerdeführer in ein ausserkantonales Frauenhaus habe begeben müssen. Es liege offensichtlich häusliche Gewalt vor. Auf die nicht bestrittenen Verurteilungen könne abgestellt werden, wobei zur Bedrohungslage für die Beschwerdegegnerin das Tötungsdelikt des Beschwerdeführers gegenüber Dritten mitberücksichtigt werden könne. Weiter stellt der angefochtene Entscheid klar, dass der Beschwerdeführer auch aus seiner Verlegung in die Justizvollzugsanstalt U.________ und seiner guten telefonischen Erreichbarkeit nichts für sich ableiten könne, sofern die Beziehung zu seinem Sohn nicht tatsächlich gelebt werde. Selbst aus regen Telefonkontakten und gelegentlichen Besuchen könne nicht geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer imstande ist, die elterliche Sorge auszuüben. Mit Blick auf das vom Beschwerdeführer erwähnte bundesgerichtliche Urteil 5A_781/2015 vom 14. März 2016 erklärt das Appellationsgericht, weshalb die tatsächliche Distanz zwischen New York und der Schweiz nicht mit der Hinderung an der Ausübung der elterlichen Sorge infolge einer mehrjährigen Inhaftierung vergleichbar sei. In der Folge äussert sich der angefochtene Entscheid zum Vorbringen des Beschwerdeführers, dass der fehlende persönliche Kontakt durch die Beschwerdegegnerin provoziert worden sei, keinen Grund für den Sorgerechtsentzug darstelle und erst mit seiner Mitteilung, dass er die Scheidung wünsche, zum Problem geworden sei. Das Appellationsgericht stellt klar, dass der persönliche Kontakt nicht das einzige Kriterium bei der Zuteilung der elterlichen Sorge sei, der physische Zugang zum Kind und die Teilhabe am Informationsfluss über das Kind jedoch berücksichtigt werden könne. Unabhängig davon, wer die "Schuld" für den kompletten Kontaktabbruch zwischen C.________ und dem Beschwerdeführer trage, habe das Zivilgericht somit dem Umstand Rechnung tragen können, dass C.________ seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Vater hatte und dieser als Folge davon die Bedürfnisse seines Sohnes nicht mehr kennt. Davon abgesehen könne der Beschwerdegegnerin auch nicht vorgeworfen werden, dass sie den Kontakt zum Beschwerdeführer abgebrochen hat. Der angefochtene Entscheid verweist auf die Straffälligkeit des Beschwerdeführers, auf C.________s gesteigertes Sicherheitsbedürfnis und ängstliches Bindungsverhalten sowie auf den diesbezüglichen Therapiebericht vom 14. März 2023 und C.________s Reaktion auf den letzten telefonischen Kontakt mit dem Beschwerdeführer. Schliesslich verwirft das Appellationsgericht auch alle weiteren in der Berufung erhobenen Einwände. So werde im bundesgerichtlichen Urteil 5A_490/2021 vom 22. April 2022 nicht gesagt, dass ein Kontakt der Eltern über WhatsApp den Kontakt eines Elternteils zum Kind ersetzen kann, sondern dass die Eltern untereinander über WhatsApp kommunizieren können, statt sich persönlich zu treffen. Fehl gehe auch die Kritik, dass die Kommunikation lediglich bezüglich des persönlichen Verkehrs zwischen C.________ und dem Beschwerdeführer gewichtet, für die elterliche Sorge jedoch nicht als massgebend erachtet werde. Das Zivilgericht habe der Beschwerdegegnerin die Alleinsorge nicht wegen eines schwerwiegenden elterlichen Dauerkonflikts oder anhaltender Kommunikationsunfähigkeit zugeteilt, sondern aufgrund der durch die Inhaftierung geschaffenen Lage, die einem "ähnlichen Grund" im Sinne von Art. 311 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB gleichkomme. Im vorliegenden Setting sei ohne weiteres denkbar, dass die Eltern zwar nicht im Rahmen einer gemeinsamen elterlichen Sorge, wohl aber zur Regelung des persönlichen Verkehrs miteinander kommunizieren können, denn diesbezüglich sei der Kommunikationsbedarf geringer und von anderer Qualität als bei der Wahrnehmung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Das Konfliktpotential sei tiefer und allfällige Konflikte hätten nicht zur Folge, dass in Bezug auf das Kind erforderliche Entscheide ausbleiben. Ebenso widerspricht das Appellationsgericht dem Argument, wonach sich die Zuteilung der Alleinsorge nicht damit rechtfertigen lasse, dass wegen der Behinderung des Informationsflusses durch die Beschwerdegegnerin mit anhaltenden behördlichen Interventionen zu rechnen sei. Wie der Beschwerdeführer selbst andeute, beständen zwischen den Eltern offensichtlich Differenzen in der Ausübung der elterlichen Sorge, so dass wiederholt behördliche Entscheide zu befürchten wären. Abgesehen davon sei der fehlende Informationsfluss nicht primär durch eine Verweigerungshaltung der Beschwerdegegnerin, sondern durch die Inhaftierung des Beschwerdeführers bedingt. Ein bereits bestehendes Informationsdefizit sei durch die Beschwerdegegnerin allenfalls verstärkt, nicht jedoch verursacht worden. Diese hätte aufgrund der Straffälligkeit des Beschwerdeführers zudem Gründe für eine allenfalls blockierende Haltung. Zuletzt schliesst sich das Appellationsgericht auch den erstinstanzlichen Ausführungen zur gröblichen Verletzung der elterlichen Pflichten an. Angesichts der ihm angelasteten schweren Straftaten beständen starke Zweifel daran, ob der Beschwerdeführer ein hinreichendes Bewusstsein für seine Vorbildfunktion habe und in der Lage sei, diese in verantwortungsvoller Weise wahrzunehmen; besonders hervorzuheben seien auch die zum Nachteil der Beschwerdegegnerin begangenen Straftaten. Der Beschwerdeführer habe seine Inhaftierung selbst verursacht und trage damit die Verantwortung für sein Unvermögen, C.________ als Betreuungs- und Bezugsperson zur Verfügung zu stehen. Darin liegt laut Vorinstanz eine gröbliche Pflichtverletzung im Sinne von Art. 311 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB, welche die Zuteilung der elterliche Sorge an die Beschwerdegegnerin allein rechtfertige. Zusammengefasst habe der Beschwerdeführer demonstriert, dass er nicht über diejenigen Kompetenzen verfügt, die ihn befähigen, Entscheide im Sinne des Kindeswohls zu treffen. Die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge lasse eine Verbesserung der Situation erwarten.