Citation: 1P.9/2000 26.01.2000 E. 3

3.- Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen einer Fluchtgefahr. a) Nach der Rechtsprechung braucht es für die Annahme der Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich der Angeschuldigte, wenn er in Freiheit wäre, der Strafverfolgung und dem Vollzug der Strafe durch Flucht entziehen würde. Hierfür genügt die theoretische Möglichkeit einer Flucht nicht. Für die Beurteilung der Fluchtgefahr sind vielmehr die gesamten konkreten Umstände des betreffenden Falles in Betracht zu ziehen. Der Charakter des Betroffenen, sein bisheriges Verhalten, sein Wohnsitz, sein Beruf, seine Vermögensverhältnisse, seine Familienbande und seine Beziehungen im Staat, in dem er der Strafverfolgung unterliegt, sind zu berücksichtigen (vgl. Urteil des EGMR i.S. Neumeister c. Österreich vom 27. Juni 1968, Serie A, Band 7, Ziff. 10). Dabei darf auch die Schwere der drohenden Strafe als ein Indiz für die Fluchtgefahr gewertet werden, aber sie alleine genügt nicht für deren Bejahung (vgl. BGE 117 Ia 69 E. 4a S. 70 mit Hinweisen, zuletzt bestätigt in BGE 125 I 60 E. 3a S. 62). Die Tatsache, dass der Angeschuldigte Ausländer ist, genügt nicht als alleiniges zusätzliches Indiz, sondern auch dann kann eine Gesamtwürdigung der Beziehungen zur Schweiz es erlauben, auf eine geringe Fluchtgefahr zu schliessen. Anderseits kann auch die Wahrscheinlichkeit einer Flucht in ein Land, aus dem der Beschwerdeführer wieder in die Schweiz ausgeliefert werden könnte, eine Untersuchungshaft rechtfertigen (BGE 123 I 31 E. 3d S. 36 f.). Dies muss auch gelten, wenn die Gewähr dafür besteht, dass ein Land, in das er zu fliehen droht, die Strafverfolgung übernehmen würde. b) Im angefochtenen Entscheid wird zum speziellen Haftgrund der Fluchtgefahr einzig ausgeführt, der Beschwerdeführer müsse mit einer hohen Freiheitsstrafe rechnen, weshalb Fluchtgefahr bestehe, unabhängig davon, ob sein Lebensmittelpunkt sich in der Schweiz oder in Deutschland befinde. Der Haftrichter hat somit nur auf die drohende Freiheitsstrafe abgestellt und alle weiteren Gesichtspunkte für die Beurteilung der Fluchtgefahr bewusst ausser Acht gelassen. Dadurch sind entscheidrelevante Punkte ausdrücklich offen gelassen worden und mithin der allgemeine Verweis auf die Ausführungen der Bezirksanwaltschaft relativiert worden. Daher kritisiert der Beschwerdeführer zu Recht, dass die Begründung des angefochtenen Entscheids verfassungswidrig sei, weil sie der erwähnten Bundesgerichtspraxis widerspreche, wonach die Höhe der drohenden Strafe nicht als alleiniges Indiz für eine Fluchtgefahr genüge. Der Haftrichter hätte sich vielmehr mit den Ausführungen des Beschwerdeführers im Haftentlassungsgesuch zu seinen persönlichen Verhältnissen und den entsprechenden Einwänden der Bezirksanwaltschaft auseinandersetzen müssen und erst gestützt auf eine Gesamtwürdigung die Streitfrage entscheiden dürfen. Da er dies nicht getan hat, widerspricht sein Entscheid Verfassung und EMRK. Ob die Haftentlassung, wie die Bezirksanwaltschaft geltend macht, auch gestützt auf den speziellen Haftgrund der Ausführungsgefahr hätte abgelehnt werden können, kann das Bundesgericht nicht entscheiden. Der Haftrichter hat ausdrücklich darauf verzichtet, diese Frage zu prüfen. Es ist nicht Aufgabe des Verfassungsgerichts, in den Akten selbständig nach ausreichenden Haftgründen zu suchen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 12. September 1996, in EuGRZ 1997, S. 15 E. 2d/aa).