Citation: I 492/00 27.11.2002 E. 3

3.1 Dr. med. S.________, insbesondere nach der Arbeitsfähigkeit aus kardiologischer Sicht gefragt, diagnostiziert unter anderem eine koronare 3−Gefässerkrankung und eine schwere psychische Anpassungsstörung bei abnormer Reaktion auf psychische/physische Stresssituationen. Er erklärt, aus rein somatisch-kardiologischer Sicht sollte eine Arbeitsfähigkeit von 50 % möglich sein. Unter Würdigung der multifaktoriellen Problematik - die schwere koronare Herzkrankheit werde durch eine schwere Anpassungsstörung psychischer Natur überlagert - sei indessen die gesamte Arbeitsfähigkeit mit maximal 30 % zu beziffern. Beim Patienten seien primär somatische Gründe (koronare Herzkrankheit) und sekundär psychiatrische Gründe für die Einschränkung im Erwerbsleben verantwortlich. Anderen wie familiären und wirtschaftlichen Gründen komme eine tertiäre Bedeutung zu; deren Ausmass liege sicher unter 5 %. Dr. med. S.________ setzt den Beginn der wegen der zunehmenden psychischen Problematik gegenüber der rein somatisch bedingten Einschränkung im Umfang von 50 % erhöhten Arbeitsunfähigkeit von insgesamt 70 % auf den 1. November 1996 an. Zur Begründung führt er an, bis 1995 hätten die Beschwerden langsam abgenommen; der Patient habe damals pro Monat 1 bis 2 Kapseln Nitroglycerin gebraucht. 1995 habe der berufliche Stress als Sanitärzeichner zugenommen. Stressituationen führten bei geringster körperlicher Aktivität zu heftigsten Retrosternalschmerzen. Deshalb habe der Versicherte im Oktober 1996 wegen invalidisierender Angina pectoris mit über 3 Anfällen pro Woche den Beruf aufgegeben. Der Nitroglycerinbedarf habe sich auf 3 bis 6 Kapseln pro Woche gesteigert (Gutachten vom 4. April 1997). 3.2 Dr. med. H.________, bei dem die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten einholte, diagnostiziert Anpassungsprobleme bei Veränderung der Lebensumstände und eine instabile Persönlichkeitsstörung, wobei diese Zustände nun eher als ungünstige soziokulturelle Umstände denn als Krankheit aufzufassen seien. Wegen einer damals vorhandenen depressiven Episode sei der Explorand von ca. Sommer 1995 bis Herbst (Oktober) 1996 aus psychiatrischer Sicht zu (20 bis) ca. 30 % arbeitsunfähig gewesen. Seither sei die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht kaum mehr herabgesetzt, weshalb die Frage der Arbeitsfähigkeit für die Zeit nach der depressiven Episode allein vom Somatiker beantwortet werden müsse. Die reduzierte Belastbarkeit der Persönlichkeit sei keine neu eingetretene Störung und könne im weitesten Sinn als Normvariante angesehen werden. Der Versicherte leide nach wie vor an heftigen Thoraxschmerzen und fürchte sich vor einem Reinfarkt. Diese Befürchtungen seien teilweise ausschlaggebend gewesen für die Aufgabe der Arbeit als Sanitärzeichner im Herbst 1996. Er sei den beruflichen Belastungen damals generell nicht mehr gewachsen gewesen, habe mit verstärkten Aufregungszuständen und vermehrten Herzbeschwerden reagiert. Es hätten damals auch konjunkturelle Umstände eine Rolle gespielt. Seit der Aufgabe der Arbeit gehe es ihm wieder besser; er sei froh, dem früheren Stress nicht mehr ausgesetzt zu sein (Gutachten vom 7. Mai 1998).