Citation: 6B_933/2023 E. 12.3

12.3. Die Vorinstanz erachtet die Voraussetzungen für die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme als erfüllt. Die Vorinstanz stellt auf das forensisch-psychiatrische Gutachten vom 28. Dezember 2020 sowie das forensisch-psychiatrische Zusatzgutachten vom 9. Dezember 2022 der Psychiatrie U.________ von Dr. med. I.________ und ihre Befragung als Sachverständige vor Vorinstanz ab. Dr. med. I.________ attestiert dem Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Tat (en) eine Störung der Sexualpräferenz im Sinne einer homosexuellen Pädophilie vom nicht ausschliesslichen Typus (ICD-10 F65.4), dissoziale Persönlichkeitszüge unklaren Ausmasses sowie in Bezug auf die Körperverletzungsdelikte einen Rauschzustand von Alkohol (ICD-10 F10.0) und Cannabis (ICD-10 F12.0) in leichtem Ausmass ohne eigentliche Abhängigkeit. Offen liess Dr. med. I.________, ob die Verhaltensauffälligkeiten des Beschwerdeführers die Diagnoseschwelle einer Persönlichkeitsstörung überstiegen. Die Vorinstanz bejaht unter Berücksichtigung, dass beim Beschwerdeführer vom 1. bis 31. Juli 2020 eine Fülle von Suchverläufen, Bildern sowie Videos kinderpornografischen Inhalts entdeckt werden konnte, der Vorstrafen und der vorliegend zu beurteilenden Straftaten eine schwere psychische Störung im Sinne von Art. 59 Abs. 1 bzw. Art. 63 Abs. 1 StGB. Die Vorinstanz qualifiziert die sexuellen Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung, mehrfache einfache Körperverletzung, teilweise versucht und mit einem gefährlichen Gegenstand, mehrfache Beschimpfung, Drohung, mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfache Missachtung der Ausgrenzung als Anlassdelikte im Sinne von Art. 56 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 59 Abs. 1 bzw. Art. 63 Abs. 1 StGB. Die Vorinstanz nimmt gestützt auf die fachliche Einschätzung von Dr. med. I.________ eine hohe Rückfallgefahr für schwerwiegende Delikte (insbesondere Sexual- sowie Gewaltdelikte zum Nachteil von Kindern wie auch Erwachsenen, Konsum etc. von illegaler Pornografie sowie Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz) an. Ungünstige Faktoren seien die Diagnose einer homosexuellen Pädophilie von nicht aussschliesslichem Typus als Art von Pädophilie mit der höchsten Rückfallrate, die Vorstrafen, die Permanenz des pädosexuellen Verhaltens des Beschwerdeführers seit mindestens 2015, woran weder Anzeigen noch eine Verurteilung etwas geändert hätten, das von ihm aufgewiesene Groomingverhalten, der Konsum illegaler Substanzen und die Vielfalt der Delikte. Hingegen sei eher ungewöhnlich und prognostisch günstig, dass der Beschwerdeführer verhältnismässig spät erstmals deliktisch in Erscheinung getreten sei und sich trotz sozial schwieriger Ausgangssituation im Arbeitsprozess habe halten können. Die Vorinstanz geht gestützt auf die fachliche Einschätzung davon aus, bei der beim Beschwerdeführer diagnostizierten Störung der Sexualpräferenz lasse sich das Rückfallrisiko mittels einer Behandlung grundsätzlich senken. Der Beschwerdeführer zeige keine Motivation für eine Behandlung und persönliche Veränderung. Deshalb seien die Erfolgsaussichten einer Massnahme deutlich begrenzt, da er störungsbedingt nicht massnahmewillig sei. Nach einer Motivationsphase in einem geeigneten, spezialisierten geschlossenen Rahmen könne sich im Einzelfall im Rahmen einer mehrjährigen Behandlung ein positiver Behandlungsverlauf entwickeln. Letztlich zeige erst ein Behandlungsversuch, ob die Behandlung erfolgreich durchgeführt werden könne. Aufgrund der fehlenden Einsicht in das Unrecht seiner Taten hält Dr. med. I.________ den Beschwerdeführer bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils als nicht behandlungsfähig im Sinne einer Massnahme nach Art. 59 bzw. Art. 63 StGB. Laut fachlicher Einschätzung stünden keine geeigneten Ersatzmassnahmen zur Verfügung. Ebenso habe sich der Beschwerdeführer nicht fähig gezeigt, diese einzuhalten. Im Gutachten vom 28. Dezember 2020 erachtete Dr. med. I.________ eine Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB wie auch Art. 63 StGB als zweckmässig. Im Zusatzgutachten vom 9. Dezember 2022 statuierte sie, aufgrund der Behandlungsunfähigkeit vor Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils sei eine längere vollzugsbegleitende Behandlungsphase im Rahmen einer Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB nicht umsetzbar. Deshalb sei eine Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB zu empfehlen, da nur dadurch die Gefahr weiterer mit der schweren psychischen Störung des Beschwerdeführers im Zusammenhang stehenden Taten gesenkt werden könne. Anlässlich ihrer Befragung führte sie aus, es könne solange nicht deliktspräventiv mit dem Beschwerdeführer gearbeitet werden, als er die Straftaten bestreite, da ein Zielkonflikt bestehe. Wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliege, werde der Beschwerdeführer mit der Zeit erkennen, dass er zu Recht verurteilt worden sei. Es komme die Motivationsphase und die Therapie werde insofern deliktspräventiv, als der Zielkonflikt wegfalle. Wann genau mit einer verbesserten Prognose beim Beschwerdeführer zu rechnen sei, könne nicht gesagt werden. Es müsse genug Zeit zur Verfügung stehen, um mit dem Beschwerdeführer zu arbeiten und die Therapieziele zu erreichen. Dies sei bei einer längeren Freiheitsstrafe ohne Weiteres möglich. Wenn wie hier die Freiheitsstrafe bald abgesessen sei, bestehe die ernste Gefahr, dass der Beschwerdeführer in Freiheit aufgrund seiner unbehandelten Störung weiter delinquiere. Damit das Ziel einer verbesserten Legalprognose erreicht werden könne, brauche es viele Jahre. Die Vorinstanz erachtet die fachliche Einschätzung von Dr. med. I.________ nachvollziehbar und überzeugend. Sie erwägt, solange der Beschwerdeführer die Taten bestreite und seine Verurteilung insbesondere wegen sexuellen Handlungen mit Kindern noch nicht rechtskräftig sei, werde er sich nicht zweckmässig auf eine Behandlung seiner schweren psychischen Störung einlassen können. Damit liege bei einer therapeutischen Massnahme jeglicher Vollzugsform ein Zielkonflikt vor. Deshalb habe selbst die durch den Beschwerdeführer vor einem halben Jahr begonnene, vollzugsbegleitende ambulante Therapie noch keinerlei positiven Effekt haben können. Er sehe sich auch im Zeitpunkt des angefochtenen Urteils noch als unschuldiges Opfer von Erwachsenen, Jugendlichen und Minderjährigen, die ihm nicht wohlgesinnt seien. Daran ändere auch der mehrheitlich positive Führungsbericht des Gefängnisses Muttenz vom 7. Juni 2022 nichts. Bis zum Ende seiner Haftzeit verbleibe nur noch sehr wenig Zeit, um eine (vollzugsbegleitende) ambulante Therapie im Sinne von Art. 63 StGB durchzuführen, wobei zuerst der Zielkonflikt auszuräumen und anschliessend mit einer mehrjährigen Behandlung zu rechnen wäre. Die kognitiven Verzerrungen hätten sich beim Beschwerdeführer derart gefestigt, dass er ohne intensive Therapie in zeitlicher wie auch inhaltlicher Hinsicht nicht mehr zu einem gesetzeskonformen Umgang mit seiner Problematik gelangen könne. Würde sich der Beschwerdeführer nicht mehr in einem gesicherten Setting befinden, wäre die von ihm dringend benötigte intensive Behandlung nicht mehr sichergestellt. Verbunden wäre dies mit dem nach wie vor bestehenden hohen Risiko, weitere schwerwiegende Straftaten zu begehen. Somit hält die Vorinstanz eine ambulante Massnahme für nicht zielführend und zweckmässig, um dem Beschwerdeführer die erforderliche Behandlung zu verschaffen sowie die Legalprognose zu verbessern. Sie stuft einzig eine therapeutische Behandlung in einer stationären Vollzugsform als dazu zielführend ein.