Citation: 4C.294/2001 03.01.2002 E. 3

3.- a) aa) Gemäss Art. 55 Abs. 1 lit. c OG muss in der Berufungsschrift dargelegt werden, welche Bundesrechtssätze und inwiefern sie durch den angefochtenen Entscheid verletzt worden sind. Zwar ist eine ausdrückliche Nennung bestimmter Gesetzesartikel nicht erforderlich, falls aus den Vorbringen hervorgeht, gegen welche Regeln des Bundesrechts die Vorinstanz verstossen haben soll. Unerlässlich ist aber, dass auf die Begründung des angefochtenen Urteils eingegangen und im Einzelnen dargetan wird, worin eine Verletzung von Bundesrecht liegen soll (BGE 116 II 745 E. 3). Unzulässig sind demgegenüber Rügen, die sich gegen die tatsächlichen Feststellungen und die Beweiswürdigung der Vorinstanz richten, es sei denn, es werde ein offensichtliches Versehen, eine Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften oder eine unvollständige Ermittlung des Sachverhalts behauptet (Art. 55 Abs. 1 lit. c sowie Art. 63 und 64 OG). Wer sich auf solche Ausnahmen von der Bindung des Bundesgerichts an die tatsächlichen Feststellungen der letzten kantonalen Instanz beruft und den Sachverhalt gestützt darauf berichtigt oder ergänzt wissen will, hat darüber genaue Angaben mit Aktenhinweisen zu machen (Art. 55 Abs. 1 lit. d OG; BGE 115 II 484 E. 2a S. 485 f.). Nicht zu hören sind ferner Rügen der Verletzung kantonalen Rechts und des Verfassungsrechts (Art. 43 Abs. 1 und 55 Abs. 1 lit. c OG). bb) Art. 8 ZGB gibt der beweisbelasteten Partei in allen bundesrechtlichen Zivilstreitigkeiten einen Anspruch darauf, für rechtserhebliche Sachvorbringen zum Beweis zugelassen zu werden, wenn ihr Beweisantrag nach Form und Inhalt den Vorschriften des kantonalen Verfahrensrechts entspricht. Ist das kantonale Gericht jedoch aufgrund des Beweisverfahrens zum Ergebnis gelangt, eine Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder widerlegt, kommt es auf die Beweislastverteilung nicht an. Diesfalls liegt freie Beweiswürdigung vor, die bundesrechtlich nicht geregelt ist, auch nicht durch Art. 8 ZGB. Diese Bestimmung schreibt insbesondere nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären und wie die Beweise zu würdigen sind. Sie schliesst zudem nicht aus, aufgrund antizipierter Beweiswürdigung auf die Abnahme angebotener Beweise zu verzichten. Mithin steht Art. 8 ZGB einer bloss beschränkten Beweisabnahme nicht entgegen, wenn das Gericht schon nach deren Ergebnis von der Sachdarstellung einer Partei überzeugt ist und dafür hält, die zusätzlich beantragten Beweise vermöchten nichts mehr zur Klärung des Sachverhalts beizutragen (BGE 119 II 114 E. 4c S. 117; 115 II 305 f., je mit Hinweisen). b) aa) Die Vorinstanz hat den Minderwert des Kaufgegenstands den geschätzten Kosten der Mängelbehebung gleichgestellt. Mit der Berufung macht die Beklagte unter Hinweis auf BGE 85 II 192 beiläufig geltend, der Minderwert sei kein Schadenersatz. Damit übergeht sie indessen, dass das zitierte Urteil des Bundesgerichts nicht den gegenwärtigen Stand der Rechtsprechung wiedergibt. Das Bundesgericht hat sich bereits im Jahre 1985 der in der Lehre vertretenen Auffassung angeschlossen, dass als Alternative zur relativen Methode auf die tatsächlichen oder geschätzten Verbesserungskosten abgestellt werden kann, wenn die Umstände des Einzelfalles eine entsprechende tatsächliche Vermutung zulassen (BGE 111 II 162 E. 3c für den Kaufvertrag und BGE 116 II 305 E. 4a für den Werkvertrag; vgl. auch Schumacher/Rüegg in Koller, Der Grundstückkauf, 2. Aufl. , Bern 2001, Nr. 253). Die vom Obergericht angewendete Berechnungsmethode verstösst demnach nicht gegen Bundesrecht. bb) Für den Beweis der Existenz der Mängel und der Höhe der Verbesserungskosten stellte die Vorinstanz auf das Gutachten Nänny ab. Die dagegen erhobenen Rügen der Beklagten sind unzulässig. Sie richten sich entweder gegen die Anwendung kantonalen Prozessrechts oder gegen die Beweiswürdigung der Vorinstanz, und zwar auch dort, wo die Beklagte Art. 8 ZGB und Art. 42 Abs. 2 OR anruft oder ein offensichtliches Versehen geltend macht. Auch in dieser Hinsicht richten sich ihre Ausführungen in Wirklichkeit gegen die Schlüssigkeit des Gutachtens Nänny oder laufen auf die Rüge der Verletzung des Gehörsanspruchs, mithin von Verfassungsrecht hinaus. Derartigen Rügen ist die Berufung indessen verschlossen (oben E. 3a).