Citation: 6B_28/2018 E. 3.2.3

3.2.3. Schliesslich führt auch zu keinem anderen Ergebnis, was der Beschwerdeführer unter Berufung auf Art. 6 Ziff. 3 lit. b EMRK vorbringt. Nach dieser Bestimmung hat jede angeklagte Person als Ausprägung der Garantie eines fairen Verfahrens das Recht auf ausreichend Zeit und Gelegenheit zur Vorbereitung ihrer Verteidigung. Es mag zutreffen, dass in diesem Lichte betrachtet zu knappe, nicht verlängerbare Rechtsmittelfristen bei Grossverfahren nicht unproblematisch sein können (vgl. GRABENWARTER/PABEL, Europäische Menschenrechtskonvention, 6. Aufl. 2016, § 24 N 118, vgl. auch N 55; ROBERT ESSER, in: Löwe-Rosenberg, Die Strafprozessordnung und das Gerichtsverfassungsgesetz, Band 11: EMRK und IPBPR, 26. Aufl. 2012, N 633 zu Art. 6 EMRK/Art. 14 IPBPR). Doch hat der EGMR in seiner bisherigen Rechtsprechung lediglich eine Frist für die Begründung eines Rechtsmittels von 5 Tagen als mit Art. 6 Ziff. 3 lit. b EMRK unvereinbar angesehen, wobei der Rechtsmittelführer bis dahin nicht einmal von allen massgeblichen Entscheidungsgründen Kenntnis hatte (Urteil des EGMR Nr. 12945/87 vom 16. Dezember 1992 i.S. Hadjianastassiou c. Griechenland Rz. 34 ff., in: EuGRZ 1993 S. 70 f.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist jedenfalls für das auf eine Rechtskontrolle beschränkte Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht auch gestützt auf diese konventionsrechtliche Bestimmung keine Gewährung einer Nachfrist geboten (Urteil 1B_232/2017 vom 19. Juli 2017 E. 2.4.5). Zudem räumt der EGMR den einzelnen Vertragsstaaten bei der Wahl geeigneter Mittel für die Anpassung ihrer Gerichtsorganisation an die Anforderungen von Art. 6 EMRK einen erheblichen Ermessensspielraum ein. Dass der Gesetzgeber diesen bei der Regelung der Rechtsmittelfristen des BGG überschritten hätte, ist nicht ersichtlich. Schliesslich mögen im vorliegenden Fall die Verfahrensakten zwar in der Tat ausserordentlich umfangreich sein, doch erscheint das angefochtene Urteil mit einem Umfang von 173 Seiten, wovon rund 75 Seiten die Beurteilung der Zivilklagen betreffen, nicht als aussergewöhnlich lang (vgl. auch Schreiben des Präsidenten der Strafrechtlichen Abteilung vom 10. Januar 2018, Dossier 6B_28/2018 act. 4).