Citation: 5A_228/2016 E. 4.3.2

4.3.2. Inwieweit im konkreten Fall die festgestellte Selbst- und Fremdgefährdung eine stationäre Behandlung notwendig macht, wird von der Vorinstanz und vom Beschwerdeführer naturgemäss unterschiedlich eingeschätzt. 4.3.2.1. Die Vorinstanz schickt voraus, die Gutachterin habe an der Verhandlung vom 2. Februar 2016 präzisiert, dass Lockerungen grösserer Art, z.B. eine Entlassung in eine offene Einrichtung, für sie derzeit nicht in Frage kämen. Geringfügige Lockerungen, z.B. Ausgänge in Begleitung seines Beistands und seiner Eltern, würde sie jedoch vor dem Hintergrund der kurzfristig günstigen Legalprognose befürworten, falls sich der Beschwerdeführer ernsthaft auf den Therapieprozess (angefangen mit der Auswahl eines Therapeuten) einlasse. Die Vorinstanz fährt fort, die Behandlung einer (kombinierten) Persönlichkeitsstörung setze ein hohes Mass an Kooperation des Betroffenen voraus. Eine Zwangsbehandlung falle ausser Betracht. An der Motivation des Beschwerdeführers, sich stationär behandeln zu lassen, müsse noch gearbeitet werden, um mit der angeordneten fürsorgerischen Unterbringung einen Behandlungserfolg erzielen zu können. An den Verhandlungen vor Verwaltungsgericht habe sich der Beschwerdeführer in dieser Hinsicht wenig kompromissbereit gezeigt. Die Gutachterin sei jedoch der Meinung, die Haltung des Beschwerdeführers sei in diesem Punkt nicht unumstösslich. Unter Einbezug der Eltern könne etwas erreicht werden. Die Rückkehr nach Hause könnte als mittel- bis langfristiges Ziel formuliert werden. In der Zwischenzeit wäre allenfalls ein Deal mit der Gewährung von kurzen Urlauben möglich, ohne dabei den Blick auf die Sicherheitsstandards und die legalprognostischen Überlegungen zu verlieren. Es sei nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer mit einer Mischung aus Druck (den die fürsorgerische Unterbringung zweifelsohne bedeute, obwohl er sie als "Staatsferien" bezeichnet habe), und der Aussicht auf Lockerungen des Settings nach Massgabe des Therapiefortschritts letzten Endes doch noch dazu gebracht werden könnte, sich auf die benötigte intensive und langfristige Psychotherapie einzulassen. Würden die Massnahmeempfehlungen im Gutachten der Universitären Klinik Y.________ - nötigenfalls mit der von der Gutachterin an der Verhandlung vor Verwaltungsgericht vom 2. Februar skizzierten Speziallösung - umgesetzt, sei eine stationäre Behandlung der Persönlichkeitsstörung des Beschwerdeführers nicht nur in Reichweite, sondern auch erfolgversprechender als eine ambulante Therapie. Die Therapiefortschritte könnten im stationären Rahmen mit einem engmaschigen Betreuungsnetz durch Rückmeldungen der fachlich geschulten Betreuungspersonen besser überwacht werden. Das gebe dem Therapeuten wertvolle Feedbacks, die einem ambulanten Therapeuten fehlen würden. Zudem biete die stationäre Unterbringung dem Beschwerdeführer das notwendige "Schonmilieu", das er zumindest in der Anfangsphase der Behandlung seiner schweren psychischen Störung noch brauche, um sich auf ein Leben in Freiheit vorbereiten und sich schrittweise an die Anforderungen des Alltags herantasten zu können. Nicht zuletzt könne mit einem stationären Klinikaufenthalt die Gefahr verringert werden, dass der Beschwerdeführer in eine ihn überfordernde Situation gerate, auf welche er mit gewalttätigem Verhalten reagiere. Die Gutachter hätten dargelegt, dass es aus ihrer Sicht zur Behandlung und Betreuung des Beschwerdeführers (vorerst) einer Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung bedürfe. Weitere Lockerungen des Settings seien aus Sicht der Gutachter erst realistisch, wenn sich der Beschwerdeführer vertrauensvoll auf den psychotherapeutischen Prozess einlasse, um eine deutliche Veränderung seiner Persönlichkeit herbeizuführen und dadurch die Rückfallwahrscheinlichkeit zu verringern. Die Massnahmeempfehlung der Gutachterin inkl. Präzisierung vom 2. Februar 2016 lasse keinen Zweifel, dass sie den Übertritt in eine offene Einrichtung gegenwärtig für verfrüht halte. Die Vorinstanz erwägt weiter, dass auch die Auffassung des Beschwerdeführers nicht geteilt werden könne, wonach eine fürsorgerische Unterbringung der Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit diametral entgegen stehe. Bis zu einem gewissen Grad liessen sich auch in einer geschlossenen Einrichtung Alltagssituationen erproben. In diesem Zusammenhang sei auf die diversen Therapieangebote der Psychiatrischen Klinik Z.________ hinzuweisen (Milieu-, Sport-, Bewegungs- und Ergotherapien etc.), mit denen eine Resozialisierung bezweckt werde. Die geplanten Lockerungen des Settings würden es dem Beschwerdeführer ausserdem ermöglichen, sich in zunehmendem Masse in der Aussenwelt bewegen zu lernen. Die vom Familiengericht T.________ mit dem Überprüfungsentscheid vom 2. Dezember 2015 angeordneten begleiteten Ausgänge auf dem Klinikareal seien ein erster Schritt in diese Richtung. Nun sei es am Beschwerdeführer, sich auf den Therapieprozess einzulassen, damit ihm weitere Lockerungen gewährt werden könnten. Weshalb der Beginn bzw. die Fortsetzung der von ihm benötigten Psychotherapie nicht condicio sine qua non für weitere Öffnungen des Settings und schliesslich die Entlassung aus der fürsorgerischen Unterbringung sein dürfe, erschliesse sich dem Verwaltungsgericht nicht. Art. 426 ZGB unterscheide nicht zwischen kurzfristiger und langfristiger Behandlungsbedürftigkeit einer psychischen Störung. Entsprechend könne nicht gesagt werden, eine fürsorgerische Unterbringung diene der kurzfristigen Begegnung akuter Gefahren. Das sei in der Regel so, müsse aber nicht zwingend so sein, wie der dem BGE 138 III 593 zu Grunde liegende Sachverhalt zeige. Zusammenfassend bringt das Verwaltungsgericht seine Überzeugung zum Ausdruck, dass der Beschwerdeführer stationär behandelt und betreut werden müsse. Er sei gegenwärtig nicht in der Lage, mit einer ambulanten Psychotherapie und flankierenden Massnahmen (Unterstützung durch Beistand und Eltern) die ausstehenden Entwicklungsschritte zu vollziehen und ein "normales", gewaltfreies Leben aufzunehmen. Insofern erweise sich die fürsorgerische Unterbringung des Beschwerdeführers als verhältnismässige Massnahme. 4.3.2.2. Der Beschwerdeführer kritisiert vorab auch vor Bundesgericht, der von der Vorinstanz vorgebrachte Zweck der Unterbringung - das Vorbereiten auf ein Leben in Freiheit - und die Natur der fürsorgerischen Unterbringung - der Freiheitsentzug - stünden sich diametral entgegen. Solange er sich in einem geschlossenen Setting befinde, sei es ihm nicht möglich, sich für ein Leben in Freiheit zu wappnen. Dadurch könne er sein angebliches Defizit niemals ausgleichen, was letzten Ende bedeuten würde, dass die fürsorgerische Unterbringung niemals aufgehoben werden könnte. Dieses Problem werde sich in jeder geschlossenen Einrichtung stellen und manifestiere sich bereits deutlich in der derzeitigen Unterbringung in der Psychiatrische Dienste X.________, welche jegliche Lockerung der Massnahme und adäquate Behandlung des Beschwerdeführers verweigere. Die im angefochtenen Urteil angeordnete fürsorgerische Unterbringung sei in dieser Form mithin nicht geeignet, den angestrebten Resozialisierungszweck zu erfüllen bzw. vereitle diesen regelrecht. Die mangelnde Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit könne durch andere Vorkehrungen, namentlich ein betreutes Wohnen, der Hilfe bei der Lehrstellensuche sowie der Zurverfügungstellung einer Ansprechperson, kompensiert werden. Solche flankierenden Massnahmen seien ein gleich geeignetes, milderes Mittel, seine Resozialisierung zu gewährleisten. Insbesondere habe das Familiengericht mit Entscheid vom 3. Juni 2015 bereits eine Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung angeordnet und mit Verfügung vom 3. Juli 2015 wiedererwägungsweise unter anderem folgende Aufgaben definiert: Vertretung bei der Erledigung der administrativen und finanziellen Angelegenheiten, Besorgtsein für die Durchführung einer ambulanten Behandlung, Finden einer geeigneten Wohnsituation, Ausarbeiten einer Tagesstruktur sowie Integration ins Berufsleben. Entsprechend seien die ersten Schritte für ein Leben ausserhalb eines geschützten Settings bereits vor längerer Zeit in die Wege geleitet worden. Er, der Beschwerdeführer, habe während des ganzen Verfahrens mehrfach erklärt, dass er bereit sei, die begonnene Therapie ambulant weiterzuführen. Eine ambulante Therapie sei - neben der Beistandschaft - ausreichend, seinen allfälligen Defiziten entgegenzuwirken. Sie sei als gleich geeignetes, jedoch milderes Mittel der fürsorgerischen Unterbringung vorzuziehen. Sodann seien in Bezug auf die Rückfallgefahr keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Gutachterin die Periode von sechs Monaten (für welche ihm ein geringes Rückfallrisiko attestiert worden sei) als zu kurz für die notwendigen Interventionen erachtet habe, weshalb sie denn auch weitere Lockerungen und Öffnungen von der Einlassung auf den Therapieprozess bzw. die Auswahl eines Therapeuten abhängig mache. Somit stelle sich von vornherein die Frage, ob zumindest für die erste Phase der günstigen Legalprognose nicht mildere Mittel als eine fürsorgerische Unterbringung vorhanden seien. Die Gutachterin befürworte ausdrücklich "vor dem Hintergrund der günstigen Legalprognose" geringfügige Lockerungen, zum Beispiel Ausgänge in Begleitung des Beistands und der Eltern.