Citation: 6B_595/2021 E. 2.3.3

2.3.3. "Dem Fass den Boden ausgeschlagen" habe gemäss Ansicht des Beschwerdeführers schliesslich, dass sich die Instruktionsrichterin und die Sachverständige D.________ offenbar dahingehend abgesprochen hätten, dass im Rahmen der Begutachtung auf eine aussagepsychologische Exploration des Opfers zur Sache zu verzichten sei. Der Beschwerdeführer argumentiert, es bestehe bei objektiver Betrachtung zumindest der Anschein der Befangenheit, da die Instruktionsrichterin damit offen lege, dass sie mit der Beauftragung der Gutachterinnen gar nicht die lege artis Erstellung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens bezweckt habe, sondern nur zum Schein ein solches in Auftrag gegeben habe, um den bereits mit Urteil vom 15. Januar 2016 gefällten Schuldspruch bestätigen zu können. Die Weisung der Instruktionsrichterin führe dazu, dass die Sachverständigen nicht mehr unabhängig gewesen seien, womit von deren Befangenheit auszugehen sei. Dies führe zu einem Ausstandsgrund der Sachverständigen und zur Unverwertbarkeit des Gutachtens. Die Vorinstanz äussert sich weder in ihrem Urteil noch in der Vernehmlassung zu einem allfälligen mündlichen Austausch zwischen der Instruktionsrichterin und einer der Sachverständigen. Wie der Beschwerdeführer zutreffend ausführt, kann aus den Angaben der Sachverständigen D.________ anlässlich der (zweiten) Berufungsverhandlung geschlossen werden, dass die Sachverständigen auf eine Befragung des Opfers zur Sache verzichtet haben, weil eine solche Exploration "juristisch [...] möglicherweise nicht verwertbar" wäre, was die Sachverständige mit der Instruktionsrichterin im Vorfeld des Auftrags auch kurz besprochen habe (kantonale Akten, act. 2690 und 2695). Sollte es vor der Gutachtenserstellung tatsächlich zu einem Austausch zwischen der Instruktionsrichterin und der Sachverständigen D.________ gekommen sein, erweckte dieser angesichts des Inhalts des mutmasslichen Gesprächs bei objektiver Betrachtung nicht den Anschein der Befangenheit, weder bei der Instruktionsrichterin noch bei der Sachverständigen. Aus den Ausführungen der Sachverständigen ergibt sich, dass Grund der allfälligen Rück- bzw. Absprache die Frage gewesen wäre, ob eine aussagepsychologische Exploration des Opfers zur Sache strafprozessual überhaupt zulässig und verwertbar wäre oder nicht. Wie noch aufzuzeigen sein wird, handelt es sich dabei um eine berechtigte juristische Frage (vgl. E. 5.4.2), weshalb nicht zu beanstanden wäre, wenn sich Gutachterin und Instruktionsrichterin darüber ausgetauscht hätten. Aus Sicht der Sachverständigen ist es durchaus nachvollziehbar, wenn sie sich vor der Begutachtung versichert, was im Rahmen der Gutachtenserstellung juristisch zulässig ist und was nicht. Andernfalls riskiert sie, ein nicht verwertbares Gutachten zu erstellen. Dafür, dass die Instruktionsrichterin unter dem Vorwand einer gefährdeten Verwertbarkeit habe verhindern wollen, dass es im Rahmen der Glaubhaftigkeitsbegutachtung zu einer aussagepsychologischen Exploration zur Sache kommen würde, um auf diese Weise eine "Kompetenzaufteilung" zwischen Gutachterinnen und Gericht bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit erreichen zu können (vgl. Beschwerde S. 25), gibt es keinerlei Hinweis.