Citation: 5A_757/2016 E. 3.3.2

3.3.2. Die Erbenbescheinigung ist ein behördliches Dokument, das die darin aufgeführten Personen als Erben des betreffenden Erblassers ausweist. Die Erbenbescheinigung verschafft den darin ausgewiesenen Personen das provisorische Recht, den Nachlass in Besitz zu nehmen und darüber zu verfügen (s. BGE 128 III 318 E. 2.2.2 S. 323; 91 II 395 E. 1 S. 397; Urteile 5A_841/2013 vom 18. Februar 2014 E. 5.2.2; 5A_800/2013 vom 18. Februar 2014 E. 4.2.2). Notwendiger Inhalt der Erbenbescheinigung ist in persönlicher Hinsicht - neben der genauen Bezeichnung des Erblassers und dessen Todestags - die vollständige und präzise Bezeichnung aller Erben, einschliesslich des überlebenden Ehegatten, dem die Nutzniessung nach Massgabe von Art. 473 ZGB zusteht (Urteil 5A_533/2015 vom 7. Dezember 2015 E. 4.1 mit Hinweisen). Anspruch auf Ausstellung einer Erbbescheinigung haben nicht nur eingesetzte, sondern - entgegen dem Wortlaut von Art. 559 Abs. 1 ZGB - auch gesetzliche Erben (BGE 82 I 188 E. 1 S. 192; 73 I 273 E. 1 S. 275; 57 II 396 E. 2 S. 401; 41 II 202 E. 6 S. 213). Zu den gesetzlichen Erben, die in der Erbenbescheinigung aufzuführen sind, zählen auch die Nachkommen eines enterbten (Art. 478 Abs. 3 ZGB), ausschlagenden (Art. 572 ZGB) oder durch Erbvertrag verzichtenden Erben, sofern der Erbvertrag nicht gegenüber den Nachkommen des Verzichtenden wirkt (Art. 495 Abs. 3 ZGB). Dem eingesetzten Erben gleichzustellen ist der Ersatzerbe im Sinne von Art. 487 ZGB, sofern der ihm vorangestellte Haupterbe wegfällt (MARTIN KARRER/NEDIM PETER VOGT/DANIEL LEU, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II, 5. Aufl. 2015, N 5 zu Art. 559 ZGB; FRANK EMMEL, in: Abt/Weibel [Hrsg.], Praxiskommentar Erbrecht, 2. Auf. 2011, N 6 und 22 zu Art. 559 ZGB). Anspruch auf eine Erbenbescheinigung haben sodann der Vorerbe und, sofern der Nacherbfall (Art. 489 ZGB) eingetreten ist, der Nacherbe (STEPHAN WOLF/GIAN SANDRO GENNA, in: SPR, Bd. IV/2, Erbrecht 2. Teil, 2015, S. 61; KARRER/VOGT/LEU, a.a.O., N 9 zu Art. 559 ZGB; EMMEL, a.a.O., N 7 und 22 zu Art. 559 ZGB). Die Erbenbescheinigung muss ausserdem allfällige Willensvollstrecker, Erbschaftsverwalter, Erbschaftsliquidatoren und Erbenvertreter erwähnen (KARRER/VOGT/LEU, a.a.O., N 22 und 43 zu Art. 559 ZGB; PAUL-HENRI STEINAUER, Le droit des successions, 2. Aufl., 2015, Rz. 902b S. 484; TABEA S. JENNY, Die Erbbescheinigung, 2014, S. 54). Diese Personen können die Ausstellung einer Erbenbescheinigung verlangen, sofern sie für ein bestimmtes Geschäft die Identität und Berechtigung der Erben nachweisen müssen (KARRER/VOGT/LEU, a.a.O., N 7 zu Art. 559 ZGB; EMMEL, a.a.O., N 6 zu Art. 559 ZGB). Keinen Anspruch auf Ausstellung einer Erbenbescheinigung haben demgegenüber all jene Erben, die ausgeschieden sind. Darunter fallen nicht nur die Erben, die einen Erbverzicht abgeschlossen (Art. 495 ZGB) oder die Erbschaft ausgeschlagen (Art. 566 ff. ZGB) haben, sondern auch diejenigen, die durch Verfügung von Todes wegen ausdrücklich enterbt (Art. 477 ff. ZGB) oder als Pflichtteilserben übergangen wurden (KARRER/VOGT/LEU, a.a.O., N 9 zu Art. 559 ZGB; WOLF/ GENNA, a.a.O., S. 61; PETER TUOR/VITO PICENONI, in: Berner Kommentar, 2. Aufl. 1964, N 17 zu Art. 559; PAUL PIOTET, in: SPR, Bd. IV/2, Erbrecht, Zweiter Halbband, 1981, S. 728). Sie sind auch nicht in die Erbenbescheinigung aufzunehmen (STEINAUER, a.a.O., Rz. 902b mit Fn. 103, S. 483; JENNY, a.a.O., S. 60 mit Hinweisen; zu den Pflichtteilserben vgl. BGE 98 Ib 92 E. 3 S. 97 ff.).