Citation: 9C_154/2023 E. 3.5.3

3.5.3. Der Steuerpflichtigen ist einleitend insofern zuzustimmen, als Art. 70 Abs. 1 Satz 1 MWSTG 2009 festhält, dass die steuerpflichtige Person ihre Geschäftsbücher und Aufzeichnungen nach den handelsrechtlichen Grundsätzen zu führen hat. Das Handelsrecht bildet in Fragen der Buchführung und Rechnungslegung das "Leitrecht" und beruht seinerseits auf der Betriebswirtschaftslehre, weswegen insbesondere auch mehrwertsteuerrechtlich praktischerweise vom Handelsrecht auszugehen ist (Urteil 9C_698/2022 vom 21. Juni 2023 E. 3.3.4.1, zur Publikation vorgesehen). Im vorliegenden Fall stellt Art. 72 Abs. 2 Satz 2 MWSTV 2009 sich indes als das speziellere Recht dar. Die Norm kodifiziert, einzig bezogen auf die mehrwertsteuerrechtliche Behandlung, gewissermassen eine Pflicht zur Sofortabschreibung, weswegen, wiederum rein mehrwertsteuerrechtlich, kein beständiger, vorsteuerbelasteter Wert zurückbleibt, der zur Einlageentsteuerung berechtigen könnte. Der Bundesrat kann in begründeten Fällen Abweichungen von den Abschreibungsvorschriften festlegen (Art. 32 Abs. 2 Satz 3 MWSTG 2009), was er hier sinngemäss auch getan hat. Die buchmässige Behandlung ist folglich in diesem eng beschränkten Bereich nicht einschlägig, wie Art. 32 Abs. 2 Satz 3 MWSTG 2009 ausdrücklich festhält und damit zu einer bereichsspezifischen Entkoppelung vom Handelsrecht führt.