Citation: 2C_534/2022 E. 4.7

4.7. Der Beschwerdeführer und seine Ehegattin verfügen über ein erhebliches privates Interesse an seinem Verbleib in der Schweiz, zumal gegenseitige Besuche aufgrund der grossen Distanz zwischen der Schweiz und dem Kongo und der finanziellen Rahmenbedingungen zwar nicht unmöglich, aber nur in relativ beschränktem Ausmass zu realisieren sein dürften. Auf der anderen Seite weist der Beschwerdeführer trotz sehr langem Aufenthalt in der Schweiz gravierende Integrationsdefizite auf. Die Vorinstanz hat zu Recht erwogen, dass dessen Berufsunfall sich erst im Juni 2018 ereignet hat und dessen misslungene Integration jedenfalls nicht erklären kann. Die langjährige, quantitativ erhebliche mutwillige Verschuldung könnte damit ohnehin nicht entschuldigt werden. Abgesehen davon wäre es dem Beschwerdeführer weiterhin möglich, im Rahmen eines 60%-Pensums und einer angepassten Tätigkeit erwerbstätig zu sein. Zulasten des Beschwerdeführers fällt ausserdem ins Gewicht, dass dieser trotz Sozialhilfebezug seit 1. November 2019 und Zusprechung einer Viertels-IV-Rente ab April 2020 im selben Zeitraum fortgesetzt massiv Schulden angehäuft hat. Im Weiteren trifft zu, dass mehrere Strafurteile bezüglich vom Beschwerdeführer begangener Delikte (insbesondere Betäubungsmitteldelikte) im Strafregister gelöscht waren und deshalb aufgrund von Art. 369 Abs. 7 aStGB die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung nicht gestützt auf ein solches Strafurteil verfügt werden durfte (Urteil 2C_861/2018 vom 21. Oktober 2019 E. 3.2 mit Hinweisen). Die Vorinstanz hat deshalb, wie auch der Beschwerdeführer anerkennt, die Erfüllung des Widerrufs- respektive Erlöschensgrundes der schwerwiegenden Gefährdung der öffentlichen Ordnung (Art. 51 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG) nicht auf ein solches Strafurteil, sondern auf die mutwillige Verschuldung abgestützt. Dem stand jedoch rechtsprechungsgemäss nicht entgegen, solche Strafurteile bei der Verhältnismässigkeitsprüfung bzw. Interessenabwägung zu berücksichtigen, wenn es darum geht, das Verhalten des Beschwerdeführers zu würdigen (Urteile 2C_998/2020 vom 3. Juni 2021 E. 4.4; 2C_69/2019 vom 4. November 2019 E. 4.2; 2C_861/2018 vom 21. Oktober 2019 E. 3.2). Vorliegend und im Rahmen der Interessenabwägung kann deshalb berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 1998 bis 2005 mehrfach Betäubungsmitteldelikte begangen hat (vgl. Urteil 2C_332/2009 vom 16. November 2009 E. 1). Im Vergleich dazu ist die Schwere der Delikte angesichts der letzten drei strafrechtlichen Verurteilungen (vgl. Bst. A.d oben) zwar zurückgegangen. Das Verhalten des Beschwerdeführers vermittelt dennoch ein negatives Bild. Dies gilt umso mehr, als dem Beschwerdeführer gemäss Urteil 2C_332/2009 vom 16. November 2009 bereits einmal die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert wurde. Er hat anschliessend jedoch die Chance, sein zukünftiges Verhalten in positiver Hinsicht anzupassen, nicht genutzt. Im Gegenteil: Er hat weiter mutwillig massiv Schulden angehäuft und es ist nicht von einer baldigen Ablösung von der öffentlichen Fürsorge auszugehen. Nicht zuletzt auch um die Gefährdung weiterer potentieller Gläubiger zu unterbinden, besteht deshalb ein erhebliches öffentliches Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer einen Teil seines Erwachsenenlebens im Kongo verbracht hat und dort nach wie vor über enge Verwandte und damit über ein gewisses soziales Netz verfügt. Seine gesundheitlichen Probleme (Rückenschmerzen, Asthma und Diabetes) bedürfen zudem, wie die Vorinstanz festgestellt hat, keiner stationären oder komplexen Behandlung und können auch im Kongo adäquat behandelt werden. Hinsichtlich der weiteren privaten Interessen trifft es zwar zu, dass, sollte die Ehefrau nicht mit dem Beschwerdeführer ausreisen, aufgrund der grossen Distanz zwischen der Schweiz und der Demokratischen Republik Kongo gegenseitige Besuche nicht allzu häufig möglich sein und die Kontaktpflege deshalb überwiegend auf moderne Kommunikationsmittel beschränkt sein dürfte. Dies ist jedoch angesichts der erheblichen Integrationsdefizite des Beschwerdeführers rechtsprechungsgemäss hinzunehmen (vgl. Urteil 2C_818/2018 vom 25. November 2019 E. 4.1 ff.). Insgesamt überwiegt deshalb vorliegend das öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts des Beschwerdeführers dessen privates Interesse am Verbleib in der Schweiz. Die vorinstanzliche Interessenabwägung bzw. Verhältnismässigkeitsprüfung respektive das angefochtene Urteil steht deshalb mit Art. 8 EMRK und Art. 96 Abs. 1 AuG im Einklang und erweist sich als bundesrechts- und konventionskonform.