Citation: I 741/02 09.04.2003 E. 3

3.1 Gemäss kantonalem Gericht widerspricht die Invaliditätsbemessung der IV-Stelle insofern Bundesrecht, als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Der Invaliditätsgrad sei daher nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Art. 28 Abs. 2 IVG) zu ermitteln. Für die Vorinstanz sprechen im Wesentlichen zwei Gründe für eine Vollerwerbstätigkeit ohne gesundheitliche Beeinträchtigung, nämlich die berufliche Karriere bis zur Geburt des zweiten Kindes im November 1992 sowie die wirtschaftlichen und familiären Verhältnisse. Die Versicherte sei von Dezember 1984 bis Dezember 1992 als allein erziehende Mutter des 1980 geborenen Sohnes vollzeitlich erwerbstätig gewesen. In finanzieller Hinsicht sodann sei sie nach der Trennung von ihrem Ehemann und Vater der 1992 geborenen Tochter auf Sozialhilfe angewiesen gewesen. Dauerhaft und zuverlässig seien lediglich die Alimente für ihre Tochter in der Höhe von Fr. 870.- monatlich geflossen. Das Scheidungsurteil vom 23. März 1999 sodann spreche der Versicherten selber keinen nachehelichen Unterhaltsanspruch zu. Dass die in Betracht fallenden Arbeiten als Näherin, Schneiderin oder Hilfskraft erfahrungsgemäss schlecht entlöhnt würden, spreche ebenfalls für eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle. Wenn im Übrigen die Versicherte sich bei der Arbeitslosenversicherung lediglich als teilarbeitslos im Umfang von 50 % gemeldet und ab Oktober 2000 Taggelder von Fr. 500.- bis Fr. 700.- im Monat bezogen habe, entspreche dies der ärztlich attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 %. 3.2 Die von der Vorinstanz genannten Umstände stellen in der Tat gewichtige Indizien für eine Vollerwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle dar. Dagegen führt die IV-Stelle hauptsächlich den Umstand ins Feld, dass die Beschwerdegegnerin nach der Geburt ihrer Tochter im November 1992 nicht mehr erwerbstätig war, obschon erst ab 2. Juni 1999 eine gesundheitlich bedingte Arbeitsunfähigkeit von 50 % in der bisherigen Tätigkeit als Näherin attestiert werde. Dieser Einwand ist unbehelflich, soweit er die Zeit betrifft, in welcher der 1980 geborene Sohn noch schulpflichtig war. Sodann erscheint bis zu einem gewissen Grad verständlich, dass die Versicherte vor und in der ersten Zeit nach der Trennung von ihrem Ehemann 1997 keine erwerbliche Beschäftigung gesucht hatte. Dabei dürften die Sozialhilfeleistungen die Aufnahme einer bezahlten Arbeit nicht unbedingt gefördert haben. Anders verhält es sich indessen in Bezug darauf, dass gemäss Akten die Beschwerdegegnerin frühestens ein Jahr nach der Scheidung im März 2000 in bescheidenem Umfang im Rahmen von Heimarbeit wieder einem Erwerb nachging. Dies spricht gegen die Annahme, sie wäre ohne gesundheitliche Beeinträchtigung im Zeitpunkt der Verfügung vom 23. April 2001 voll erwerbstätig gewesen, und zwar umso mehr, als sie auf Grund des Scheidungsurteils lediglich Anspruch auf Unterhaltsbeiträge für ihre Tochter hatte. Es ist nicht anzunehmen und wird auch nicht geltend gemacht, die Versicherte habe sich schon vorher ernstlich, aber erfolglos um eine Stelle bemüht. Wenn und soweit hiefür soziale und sprachliche Gründe (allein erziehende Mutter, Ausländerin, mangelhafte Deutschkenntnisse) verantwortlich gewesen sein sollten - gemäss "Abklärungsauftrag" vom 30. Oktober 2000 übte sie ihre vollzeitliche Tätigkeit vor der Geburt der Tochter 1992 in Heimarbeit aus -, ist dies ohne Belang. In diesem Zusammenhang ist auch unklar, ob die Beschwerdegegnerin aus eigenem Antrieb ab März 2000 Heimarbeit leistete und sich im Sommer 2000 zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung anmeldete oder erst auf entsprechende Aufforderung der Fürsorgebehörde hin. 3.3 Im Lichte des Vorstehenden ist für die Statusfrage entscheidend, in welchem Zeitpunkt spätestens die Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigung bei im Übrigen unveränderten Umständen fürsorgerechtlich verpflichtet (gewesen) wäre, eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung zu suchen oder eine angebotene Stelle im Rahmen des Zumutbaren anzunehmen. In diesem Zusammenhang interessiert die Praxis der zuständigen Fürsorgebehörde im Allgemeinen sowie was sie im konkreten Fall der Beschwerdegegnerin im Besonderen unternommen hat. Weder den Akten noch dem einschlägigen kantonalen Recht, insbesondere dem st. gallischen Sozialhilfegesetz vom 27. September 1998 (sGS 381.1), lässt sich hiezu etwas entnehmen. Die IV-Stelle wird die zur Beantwortung dieser Frage notwendigen Abklärungen vorzunehmen haben und anschliessend über den Rentenanspruch neu verfügen. Dabei hat sie Folgendes zu beachten. 3.3.1 Das kantonale Gericht hat die Sache auch zur Prüfung der Frage zurückgewiesen, ob die hausärztlichen Berichte für die Bestimmung der Restarbeitsfähigkeit und die Bezeichnung einer allenfalls zumutbaren Verweisungstätigkeit genügen oder ob weitere medizinische Abklärungen notwendig sind. Gemäss Dr. med. H.________ sind körperlich leichte, der Behinderung angepasste Tätigkeiten an vier Arbeitsstunden pro Tag zumutbar. Dabei kommt eher eine Teilzeitbeschäftigung in Betracht (Bericht vom 26. Januar 2001). Darauf ist abzustellen. Weitere Erhebungen zur Arbeitsfähigkeit sind nicht erforderlich. 3.3.2 Im Weitern erscheint eine Behinderung von lediglich 6 % im Haushaltbereich zwar viel zu tief, wie auch die Vorinstanz richtig festhält. Eine nochmalige Abklärung vor Ort erübrigt sich indessen, wenn - bezogen auf den Zeitpunkt der Verfügung (23. April 2001) - von einer Teilerwerbstätigkeit von 50 % im Gesundheitsfalle auszugehen ist. Denn selbst bei einer Einschränkung von 57 % gemäss Berechnung in der Vernehmlassung, ergibt sich diesfalls bei im Übrigen unveränderten Bemessungsfaktoren ein Invaliditätsgrad von deutlich weniger als die anspruchsbegründenden 40 % (Art. 28 Abs. 1 IVG). 3.4 Im Sinne des Vorstehenden widerspricht der angefochtene Entscheid Bundesrecht und ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde begründet.