Citation: 7B_727/2023 E. 2.5

2.5. Die vorinstanzlichen Überlegungen orientieren sich am Text der streitigen E-Mail. Dass sie dabei in Willkür verfallen würde, wenn sie annimmt, der Beschwerdegegner 1 habe die Beschwerdeführerin davon abhalten wollen, zu terrorisieren und zu drohen, ist mit deren Ausführungen nicht dargetan. Die Vorinstanz hält sich zudem an den Sachverhalt gemäss Strafbefehl, der vorliegend als Anklageschrift dient (Art. 356 Abs. 1 StPO) und an den sie in tatsächlicher Hinsicht nach Art. 350 Abs. 1 StPO gebunden ist. Dort wird dem Beschwerdegegner 1 genau das vorgeworfen, nämlich, er habe die Beschwerdeführerin dazu veranlassen wollen, D.________ nicht zu terrorisieren und zu drohen. Einzuräumen ist indessen, dass die Begriffe "drohen" und "terrorisieren" in der vorliegenden Konstellation durchaus Raum für Interpretationen lassen. Selbst wenn dabei der Beschwerdeführerin gefolgt und davon ausgegangen würde, der Beschwerdegegner 1 habe sie davon abhalten wollen, straf- oder zivilrechtliche Schritte gegen D.________ einzuleiten, läge jedoch kein strafbarer Nötigungsversuch vor. Denn wie die Beschwerdeführerin selber geltend macht, wollte sie einzig klären, warum jemand unter falschem Namen einen Kundentermin mit ihr vereinbart hatte. Sie führt sodann aus, nachdem sie mit D.________ Kontakt aufgenommen habe, habe sich herausgestellt, dass er mit der Sache nichts zu tun habe. Das vom Beschwerdegegner 1 angesprochene Androhen rechtlicher Konsequenzen, welche so gar nie stattgefunden hätten, sei danach nicht weitergegangen. Wenn in diesem Zusammenhang die Androhung von zivil- oder strafrechtlichen Schritten ergangen wäre, dann wäre dies ohne Weiteres zulässig gewesen. Gemäss ihrer eigenen Darstellung hatte die Beschwerdeführerin nach ersten Abklärungen bei D.________ somit nicht vor, rechtliche Schritte zu unternehmen und auch nicht, ihm anderweitig zu drohen oder ihn zu "terrorisieren". Unabhängig davon, ob man die E-Mail des Beschwerdegegners 1 in ihrem oder im Sinne der Vorinstanz interpretiert, wurde die Beschwerdeführerin von ihm also höchstens aufgefordert, etwas zu unterlassen, was sie ohnehin gar nicht beabsichtigt hatte zu tun und auch nicht tat. Ihre Willensbildungs- und betätigungsfreiheit war folglich nicht berührt, ebenso wenig im Übrigen ihre Handlungsfreiheit. Der Tatbestand der (versuchten) Nötigung ist nicht erfüllt. Dass der Beschwerdegegner 1 mit seinem Vorgehen, namentlich der Androhung, dafür zu sorgen, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsstelle verlieren würde, eine Drohung (Art. 180 StGB) begangen haben könnte, macht sie nicht geltend. Eine Rückweisung zur Prüfung dieses Tatbestands scheitert somit bereits am fehlenden Parteiantrag (vgl. Art. 107 Abs. 1 BGG, zur Änderung der Anklage nach Art. 333 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 379 StPO im Berufungsverfahren siehe BGE 148 IV 124 E. 2.6.3 mit Hinweisen).