Citation: 2C_1188/2013 E. 3.2

3.2. Der 16-jährige Beschwerdeführer 3 ist zusammen mit seinem Bruder in Afghanistan und Pakistan aufgewachsen und ist mit den dortigen Verhältnissen vertraut. Seit mindestens zehn Jahren lebt er getrennt vom Beschwerdeführer 1 und wird von verschiedenen Verwandten und Bekannten betreut, die grösstenteils auch finanziell für ihn aufkamen. Seinen Vater hat er während dieser Zeit bloss zweimal gesehen, seine Stiefmutter kennt er nicht. Die Beschwerdeführer machen geltend, aktuell lebe der Sohn zusammen mit seinem älteren Bruder in Afghanistan in derart desaströsen Verhältnissen, dass nicht einmal ihre grundlegendsten Bedürfnisse - Unterkunft, Nahrung, Sicherheit, Zugang zu Bildung, Betreuung - gesichert seien. Es ist jedoch aktenkundig, dass der Beschwerdeführer 3 (wie auch sein Bruder) die gesamte Schulausbildung zumindest bis im Jahr 2011 in Pakistan absolviert hat. Wie die Vorinstanz zu Recht einwendet, ist nicht ersichtlich, weshalb dies nicht auch weiterhin möglich sein sollte, wenn die unsichere Situation in Afghanistan einen weiteren Verbleib verunmögliche. Entgegen dem Vorwurf der Beschwerdeführer hat die Vorinstanz damit die Gefährdung des Kindeswohls in Afghanistan nicht verneint, vielmehr hat sie sich dazu angesichts der Alternative in Pakistan nicht weiter geäussert. Von diesbezüglich willkürlicher Sachverhaltsfeststellung unter Verletzung der Untersuchungsmaxime kann somit nicht die Rede sein. Dass sich nun plötzlich nach über zehnjähriger Betreuung niemand mehr finden liesse, der den Jugendlichen, der im ihm vertrauten sozialen Umfeld keiner engmaschigen Begleitung mehr bedarf, betreuen und ihm für die kurze Zeit bis zum Erwachsenenalter zur Seite stehen könnte, erscheint als wenig glaubhaft, zumal der Beschwerdeführer 1 aufgrund seiner Erwerbstätigkeit nun in der Lage sein sollte, für den Unterhalt des Sohnes in Pakistan finanziell aufzukommen. Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer 3 in einem fremden Kulturkreis sozialisiert wurde und es ihm gänzlich an Kenntnissen der deutschen Sprache fehlt. Dies allein führt zwar noch nicht dazu, dass das Kindeswohl dem fristgerecht beantragten Nachzug eines Jugendlichen entgegenstünde. Es kann jedoch nicht in Abrede gestellt werden, dass bei dieser Ausgangslage in der Schweiz mit erheblichen Integrationsschwierigkeiten zu rechnen wäre, weshalb der Sohn trotz seines Alters im schweizerischen Alltag einer umfassenden Begleitung bedürfte. Die Ehegattin des Beschwerdeführers 1 leidet gemäss eigenen Angaben seit 1991 an Psychosen und Angstzuständen und wird zur eigenen Lebensführung durch eine Beiständin unterstützt. Ihre Krankheit erforderte mehrfach Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken, zuletzt im Jahr 2012 während mehrerer Monate. Zwar wurde im November 2012 von ärztlicher Seite bestätigt, sie sei aus medizinisch-psychiatrischer Sicht in der Lage, dem Sohn ihres Ehemannes bei der Alltags- und Freizeitgestaltung zu helfen und ihn aufgrund ihrer Ausbildung mit der hiesigen Kultur und der deutschen Sprache vertraut zu machen. Wie die Vorinstanz festhält, kann dies indessen bloss für Phasen gesundheitlicher Stabilität gelten. Angesichts der psychischen Krankheit der Stiefmutter und der vollen Berufstätigkeit des Beschwerdeführers 1 ging die Vorinstanz davon aus, dass die vorhandenen Betreuungsmöglichkeiten dem für eine erfolgreiche Integration erforderlichen Unterstützungsbedarf des Sohnes nicht zu genügen vermöchten. Diese Würdigung ist nicht zu beanstanden. Im Hinblick auf das Kindeswohl kann zudem nicht ausser Acht gelassen werden, dass der Sohn bei einer Übersiedlung in die Schweiz verhindert würde, seine Schulausbildung im Heimatland bzw. in Pakistan abzuschliessen und dort eine Berufsausbildung zu absolvieren, wobei ihm in der Schweiz wegen mangelnder Integration und sprachlicher Schwierigkeiten sowie angesichts seines Alters eine entsprechende Ausbildung verwehrt bliebe und wenig Aussichten bestünden, dass er sich hier wirtschaftlich erfolgreich integrieren könnte. Diese Überlegung ist namentlich auch von Bedeutung im Zusammenhang mit dem zwar für das Nachzugsgesuch nicht entscheidenden Hinweis der Vorinstanz, dass dem Sohn nach Erreichen der Volljährigkeit, d.h. bereits in einem Jahr und zehn Monaten, bei fehlender beruflicher Integration die Aufenthaltsbewilligung vermutlich relativ rasch nicht mehr verlängert würde und er wieder in sein Heimatland bzw. nach Pakistan zurückkehren müsste, wo ihm der verpasste Schulabschluss und eine dort verwertbare Berufsausbildung fehlen würden. Unter den vorliegenden Umständen schloss die Vorinstanz zu Recht, der beantragte Nachzug des Beschwerdeführers 3 entspreche nicht dem Kindeswohl, da der Sohn aus dem ihm vertrauten Kulturkreis herausgerissen und in eine ihm gänzlich fremde Umgebung verbracht würde, in der er sich namentlich mangels genügender Betreuungsmöglichkeiten kaum massgeblich zu integrieren vermöchte. Was die Beschwerdeführer dagegen vorbringen, insbesondere auch die Berufung auf Art. 3 Abs. 1 KRK, vermag die vorinstanzliche Würdigung nicht zu erschüttern.