Citation: U 61/05 03.08.2005 E. 5

5.1 Dr. med. H.________ gelangte in seinem Bericht vom 26. Juni 2001 nach einer eingehenden neurologischen Untersuchung der Versicherten und einer Funktions-Computer-Tomographie vom 29. Mai 2001 zur Beurteilung, es lägen weitgehend normale anatomische Verhältnisse am cervico-cranialen Übergang mit mittelständiger Denslage und ohne Nachweis von rotatorischen Fehlstellungen vor. Die ausgeprägte paradoxe Rotation C2/3 bei Hypomobilität von C2 nach links interpretierte er als Ausdruck einer erheblichen muskulären Dysbalance, weshalb er unter anderem medizinische Trainingstherapie zur Erhöhung der Belastbarkeit empfahl. Für den Fall, dass nach Abklingen der Schmerzsymptomatik die Konzentrationsstörungen weiter bestehen bleiben sollten, riet er zu einer neuropsychologischen Untersuchung. Bei einer fortdauernden myofascialen Symptomatik befürwortete er im Bericht vom 17. September 2001 eine Fortsetzung der Physiotherapie mit Schwerpunkt auf der myofascialen Behandlung sowie einer Dehnung und Muskelkräftigung zur Erhöhung der Belastbarkeit. Zu dem anlässlich einer Konsultation vom 9. Januar 2002 erhobenen Befund hielt Dr. med. H.________ unter anderem fest: "[...] Die Muskulatur der linken Seite ist locker, ebenso besteht keine nennenswerte Druckdolenz des Muskulus temporalis und frontalis, so dass die Annahme von Spannungskopfschmerzen nicht erhoben werden kann. Es handelt sich um [eine] myofasciale-cervicale beziehungsweise Cervico-occipitale Symptomatik. Die Beweglichkeit der HWS in den Endexkursionen [ist] eingeschränkt und dolent, vor allem beim Kopfdrehen nach rechts. Keine sensomotorischen Ausfälle. - Beurteilung und Procedere: Es besteht eine HWS Symptomatik mit neurovegetativer und neuropsychologischer Symptomatik. Die Physiotherapie soll jetzt fortgesetzt werden. Falls keine Besserung, dann Durchführung von Infiltrationen bei der nächsten Kontrolle in loco dolenti (am Ansatz des Mastoids und im Bereich des rechten Trapezius). Diese Behandlungen würden sich über das Jahr 2002 erstrecken, nachher kann man über den Abschluss reden." 5.2 Der von Dr. med. H.________ veranlassten neuropsychologischen Expertise der Dr. med. O.________ vom 29. August 2002 ist unter anderem folgende Beurteilung zu entnehmen: "Bei Frau B.________ zeigen sich keine kognitiven Defizite in den höheren kortikalen Leistungen. - Das allgemeine intellektuelle Leistungsniveau der Patientin ist überdurchschnittlich, es übertrifft das auf Grund der schulischen Ausbildung und beruflichen Tätigkeiten erwartete Niveau. Insbesondere zeigen sich keine Auffälligkeiten im sprachlichen Bereich sowie keine Lern- und Gedächtnisstörungen, und auch die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen sind unauffällig bis gut bis auf eine Verlangsamung der Reaktionszeiten bei sonst aber durchschnittlichem Arbeitstempo. - Aus rein neuropsychologischer Sicht besteht bei Frau B.________ in ihrer jetzigen Tätigkeit als Mitarbeiterin einer Reinigungsfirma bzw. in ihrer früheren Tätigkeit als Verkäuferin eine Arbeitsfähigkeit von 100%." 5.3 Prof. Dr. med. W.________ würdigte in seinem Aktengutachten vom 20. Mai 2003 alle medizinischen Unterlagen (einschliesslich die Berichte des Dr. med. H.________ vom 2. September 2002 und 14. April 2003). Im Gegensatz zum neurologischen Gutachten des Dr. med. M.________ vom 22. Oktober 2001 konnte Prof. Dr. med. W.________ somit auch die neuesten Untersuchungsergebnisse der Dres. med. H.________ und O.________ mitberücksichtigen. Nach umfassender Würdigung sämtlicher Akten diagnostizierte Prof. Dr. med. W.________ nebst einer vorzeitigen Ermüdbarkeit und einem Erschöpfungszustand im Wesentlichen eine Schmerz-Symptomatik der HWS (Cervicalgie) sowie neu eine Lumbalgie und gelangte zur Überzeugung, spätestens ein Jahr nach dem Unfall seien nur noch nicht limitierende Residualzustände vorhanden gewesen. Diesbezüglich teile er vollumfänglich die von Dr. med. M.________ im Gutachten vom 22. Oktober 2001 vertretene Auffassung. Der Treppensturz habe durchaus zu vorübergehenden Symptomen mit Nacken- und Rückenschmerzen führen können. Die Persistenz und Ausbreitung mit jetzt im Frühjahr 2003 offensichtlich dominierender Lumboischialgie links sei unfallfremd. Die im Leidensspektrum im Vordergrund stehenden Erschöpfungszustände und vorzeitige Ermüdbarkeit seien am ehesten durch die neue berufliche und erhöhte familiäre Belastung im eigenen Haushalt und in der eigenen Familie zu erklären. In diesem Zusammenhang ist auf die schon vor dem Unfall eingeleitete Änderung der erwerblichen Verhältnisse hinzuweisen. Der Wechsel von der seit 1995 bis zum Unfall vom 24. Dezember 2000 und darüber hinaus bis zum 7. Januar 2001 ohne Arbeitsausfall ausgeübten Tätigkeit als Teilzeit-Verkäuferin in einer Bäckerei zum Antritt einer neuen Teilzeit-Arbeitsstelle in einer chemischen Reinigung ab 10. Januar 2001 mit einem erheblichen Anteil an - von der Versicherten selber als besonders anstrengend bezeichneten - Bügelarbeiten war unfallunabhängig mit einer Veränderung der körperlichen Belastungssituation verbunden, welche erfahrungsgemäss auch bei gesunden Menschen zu belastungsbedingten Verspannungen im Nacken- / Schulterbereich führen kann. Dr. med. M.________ wies darauf hin, dass die Beschwerdeführerin schon im Alter von sechzehn Jahren unter Rückenschmerzen gelitten habe, wobei man damals von "Wachstumsstörungen" gesprochen und die Versicherte seither deswegen keine spezielle Behandlung mehr benötigt habe. Er fand für das diagnostizierte Zervicobrachialsyndrom sowie das Kopfweh vom Spannungstyp kein somatisch erklärbares Substrat. Während Dr. med. E.________ keine Pathologien nachweisen konnte, blieb der neurologische Untersuchungsbefund des Dr. med. H.________ vom 23. Mai 2001 unauffällig bei intakter Koordination, Sensibilität und Motorik, mittellebhaften und symmetrischen Reflexen, fehlenden Pyramidenzeichen und normaler Vibrationsempfindung. Er beurteilte die geklagten Beschwerden als persistierendes Cervicalsyndrom mit myofascialer Symptomatik (Bericht vom 2. September 2002), doch ging auch er davon aus, dass ab 2003 der Abschluss der unfallbedingten Behandlung in Betracht zu ziehen sei. Die computertomographisch anlässlich der Untersuchung vom 4. September 2002 - mithin mehr als zwanzig Monate nach dem Unfall - gefundenen Hinweise auf eine Einengung der Foramina L5/S1 beidseits (links ausgeprägter als rechts) durch Verkalkung des Ligamentum flavum bei wahrscheinlich abgelaufener ISG-Arthritis sowie Anzeichen einer leichten Osteochondrose L4/5 und L5/S1 führte auch Dr. med. H.________ nicht auf den Unfall zurück. Vielmehr ist diesbezüglich mit Prof. Dr. med. W.________ von degenerativen Veränderungen auszugehen, welche nicht in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall stehen. 5.4 Eine objektivierbare Erklärung für die Schmerzproblematik liess sich nach dem Gesagten trotz eingehender klinischer und bildgebender Abklärungen nicht finden. Von unfallbedingten organisch nachweisbaren Beschwerden kann somit entgegen der Beschwerdeführerin nicht die Rede sein. Nichts Anderes ergibt sich diesbezüglich aus den Berichten der Klinik S.________ vom 20. und 28. August 2003. Die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz haben den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 24. Dezember 2000 und den über den 30. Juni 2003 hinaus geklagten Gesundheitsstörungen verneint, womit grundsätzlich eine Adäquanzprüfung entfällt. Trotzdem hat das kantonale Gericht - für den Fall einer Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs - die Adäquanz geprüft. Dieser Prüfung ist grundsätzlich beizupflichten, wie sich den nachstehenden Erwägungen entnehmen lässt.