Citation: 5A_945/2023 E. 4.2.2

4.2.2. Ausserdem ist in diesem Vorgehen grundsätzlich kein überspitzter Formalismus (Art. 29 Abs. 1 BV) zu erblicken. Davon könnte nur dann gesprochen werden, wenn die kantonale Instanz auch dort noch formelle Belege über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse verlangt, wo die desolate finanzielle Situation bereits aus anderen Aktenstücken klar hervorgeht (vgl. BGE 137 II 305 E. 4.1; 119 III 28 E. 3b; Urteile 5A_1002/2017 vom 12. März 2019 E. 2.3; 5A_761/2014 vom 26. Februar 2015 E. 3.3). Das behauptet die Beschwerdeführerin unter Verweis auf die erstinstanzlichen Akten - aus denen sie umfangreich zitiert - zwar bzw. behauptet sie, die finanzielle Situation sei der Vorinstanz bekannt gewesen. Dass sich solcherlei aus den vorinstanzlichen Akten ergeben würde, ist hingegen weder behauptet noch ersichtlich. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass erstens im Rechtsmittelverfahren grundsätzlich dieselben Anforderungen an den Nachweis der Mittellosigkeit gelten (oben E. 3.1) und dass zweitens das Scheidungsurteil im Zeitpunkt der Berufungserhebung bereits über sieben Monate zurücklag. Die Mittellosigkeit ist aber zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung zu belegen, weswegen es vor dem Verbot des überspitzten Formalismus (Art. 29 Abs. 1 BV) nicht zu beanstanden ist, in einer solchen Situation auf der Einreichung von (aktuellen) Belegen zu beharren bzw. das Unterlassen der Einreichung von (aktuellen) Belegen als Verletzung der Mitwirkungspflicht entsprechend zu sanktionieren. Der (pauschale) Verweis der Beschwerdeführerin auf andere Verfahren, in denen sie ebenfalls um unentgeltliche Rechtspflege ersucht hat oder ihr diese bewilligt worden ist, vermag an diesem Schluss nichts zu ändern: Zum einen war die Vorinstanz nicht an Entscheide über die unentgeltliche Rechtspflege in anderen Verfahren von anderen Gerichten gebunden (Urteil 5A_1012/2020 vom 3. März 2021 E. 3.3), zum anderen weist die Beschwerdeführerin nicht nach, dass die Vorinstanz selbst - aktuell - der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege in einem anderen Verfahren gewährt hätte.