Citation: 1B_412/2016 E. 2.8

2.8. Sachlich gebotene Massnahmen zum Zeugenschutz (oder zur Vermeidung von Kollusion) sind auch im Haftprüfungsverfahren grundsätzlich zulässig. Insbesondere besteht nach der StPO (und der Rechtsprechung des Bundesgerichtes) kein Anspruch des inhaftierten Beschuldigten, bereits in einem frühen Stadium des Strafverfahrens mit belastenden Gewährspersonen konfrontiert zu werden (vgl. Art. 146 Abs. 2 StPO). Bei gefährdeten Zeugen können auch Anonymisierungen der Identität (zumindest in einem frühen Verfahrensstadium) zulässig sein (Art. 149 Abs. 1-2 und Art. 150 StPO). Auch das Teilnahmerecht des Beschuldigten nach Art. 147 Abs. 1 StPO kann im Haftprüfungsverfahren gewissen Restriktionen unterliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 1B_635/2012 vom 27. November 2012 E. 3). Angesichts der Schwere des Eingriffes in die Freiheitsrechte sind bei Haftprüfungen allerdings in der Regel hohe Anforderungen an die Verhältnismässigkeit von Beschränkungen der Verfahrensrechte der Beschuldigten zu stellen (vgl. Art. 36 Abs. 3 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 BV und Art. 149 Abs. 5 StPO). Schutzmassnahmen zugunsten von Zeugen oder zur Sicherung des Verfahrenszweckes dürfen es dem Beschuldigten jedenfalls nicht faktisch verunmöglichen, die Rechtmässigkeit der Haft zu bestreiten (vgl. EGMR vom 13. Februar 2001 i.S. Lietzow c. Deutschland, Recueil CourEDH 2001-I S. 371, §§ 44-47; Urteil des Bundesgerichtes 1B_186/2009 vom 15. Juli 2009 E. 2.1; Forster, a.a.O., Art. 225 N. 4 Fn. 28; Logos, a.a.O., Art. 225 N. 10; Oberholzer, a.a.O., Rz. 1046).