Citation: U 329/03 31.05.2005 E. 3.3

3.3.1 Der Unfall vom 10. April 1997 hat sich objektiv betrachtet nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet und war auch nicht von besonderer Eindrücklichkeit. 3.3.2 Die Diagnose eines HWS-Schleudertraumas vermag für sich allein die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung nicht zu begründen (Urteile K. vom 11. Februar 2004 Erw. 5.3, U 97/03, und B. vom 22. Mai 2002 Erw. 4c, U 339/01; SZS 2001 S. 448 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Das in RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243 ff. publizierte Urteil betraf eine Person, die als Beifahrerin eines stehenden Personenwagens in eine Auffahrkollision verwickelt wurde und im Zeitpunkt des Heckaufpralls nach oben zum Schiebedach hinaus schaute, wobei sie den Oberkörper nach links neigte. In Berücksichtigung dieser besonderen Körperhaltung und der damit verbundenen Komplikationen wurde die besondere Art der Verletzung bejaht. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe beim Aufprall den Kopf nach links zu ihrem Freund abgedreht; weiter sei ihre Kopfstütze nach dem Aufprall nach hinten verbogen worden. Ob dies zutrifft, ergibt sich nicht aus den Unfallakten, kann aber offen bleiben. Denn aufgrund der ärztlichen Unterlagen und im Vergleich mit anderen Fällen kann bei dem von der Versicherten erlittenen HWS-Schleudertrauma nicht von Komplikationen gesprochen werden, die zur Bejahung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der Verletzung führen könnten. Insbesondere hat sich der im Bericht des Spitals X.________ vom 10. April 1997 geäusserte Verdacht auf eine discoligamentäre Läsion C5/6 nicht bestätigt (Bericht der Frau Dr. med. R.________ vom 23. Juli 2002). 3.3.3 Bezüglich der Dauer der ärztlichen Behandlung ist festzuhalten, dass die primäre Unfallbehandlung in ambulanter Physiotherapie, Lockerungsmassagen, Verabreichung von Ponstan sowie im dreimonatigen Tragen eines weichen Halskragens bestand und am 30. September 1997 abgeschlossen wurde. In der Folge ging die Versicherte ohne ärztliche Anordnung regelmässig in Physiotherapie, unter anderem bei ihrer Mutter, einer ärztlich diplomierten Masseurin und Lebensberaterin VBLB. Anfang Februar 2002 konsultierte die Versicherte Frau Dr. med. J._______, welche sanfte Physiotherapie und Medikamenteneinnahme verordnete. Bis zum Einspracheentscheid vom 13. November 2002, der die zeitliche Grenze der gerichtlichen Überprüfung festlegt (BGE 129 V 4 Erw. 1.2), kam es zu keinen zusätzlichen ärztlichen Behandlungen. Insbesondere kommt den verschiedenen Abklärungsmassnahmen (Berichte des Röntgeninstituts Y.________ vom 5. Juni und 21. August 2002, des Kreisarztes Dr. med. G.________ vom 6. Juni 2002, des Ärztlichen Zentrums für Gehör- und Gleichgewichtsstörungen vom 19. August 2002, der Frau Dr. med. R.________ vom 23. Juli 2002 und des Spitals X.________ vom 17. September 2002) nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu (vgl. auch Urteil M. vom 12. Juli 2002 Erw. 4b, U 34/02). Gesamthaft betrachtet ist das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht erfüllt. 3.3.4 Gemäss Bericht der Frau Dr. med. J._______ vom 10. April 2002 hat die Versicherte angegeben, sie leide seit dem Unfall an nuchealen Kopfschmerzen mit Ausstrahlung in beide Arme, einem dumpfen Gefühl der Hinterkopfhaut, Augenflimmern, ungerichtetem Schwindel und Konzentrationsstörungen. Sie habe sich trotz der genannten Schmerzen mit grosser Anstrengung bei der Arbeit durchgebissen, dabei aber ihre Hobbies und sozialen Kontakte vernachlässigt und sich zunehmend sozial isoliert. In den Monaten sei es zu einer allgemeinen Schmerzzunahme sowie zusätzlich zu Schlaflosigkeit, Antriebsstörung und Suizidgedanken gekommen. Anlässlich der Untersuchung in der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals X.________ vom 29. August 2002 führte die Versicherte im Wesentlichen die gleichen Beschwerden an. Die Schmerzen im Hinterkopf hätten sich besonders im letzten Jahr verschlimmert. Anhaltspunkte für Suizidalität wurden indessen nicht festgestellt (Bericht vom 17. September 2002). Gemäss Bericht des Ärztlichen Zentrums für Gehör- und Gleichgewichtsstörungen vom 19. August 2002 gab die Versicherte an, seit dem Unfall sei der in ihrer Kindheit nur ab und zu aufgetretene Tinnitus ständig im ganzen Kopf vorhanden, störe sie aber relativ wenig. Die übrigen seit dem Unfall bestehenden Beschwerden, wie tägliche Kopfschmerzen, Schwindel und Unsicherheit beim Laufen, seien viel störender. Angesichts dieser Berichte und des Schreibens des Bundesamtes Z.________ vom 16. Januar 2003 (Erw. 3.3.7 hienach) kann von Dauerbeschwerden ausgegangen werden. Indessen kann nicht von besonderer Ausgeprägtheit des Kriteriums gesprochen werden, da sich die Versicherte trotz der Beschwerden von August 1997 bis Februar 2002 nicht veranlasst sah, einen Arzt aufzusuchen (Erw. 3.3.3 hievor) und in dieser Zeit, wenn auch mit Einschränkungen, in der Lage war, zu 100 % bzw. ab Frühjahr 2001 zu 90 % zu arbeiten (Erw. 3.3.7 hienach). 3.3.5 Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, es liege eine ärztliche Fehlbehandlung vor, da sie während dreier Monate ärztlich verordnet einen Halskragen habe tragen müssen. Sie zitiert die Empfehlungen der Schweizerischen Arbeitsgruppe zum diagnostischen und therapeutischen Vorgehen in der Akutphase nach karnio-zervikalem Beschleunigungstrauma, wonach die routinemässige Abgabe von weichen Stoffkragen nicht von Nutzen sei (Schweizerisches Medizinisches Forum, Nr. 47, 20. November 2002, S. 1124). Abgesehen davon, dass diese Frage in medizinischen Fachkreisen umstritten ist (vgl. auch Urteil M. vom 20. April 2004 Erw. 3.3, U 299/03), kann vorliegend gestützt auf die Akten jedenfalls nicht als erstellt gelten, dass das dreimonatige Tragen eines weichen Halskragens als medizinische Fehlbehandlung, die eine Verschlimmerung oder gar Chronifizierung der Beschwerden bewirkt hätte, gezählt werden muss. 3.3.6 Wegen der geklagten Beschwerden und der Wiederaufnahme der ärztlichen Behandlung im Februar 2002 kann nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Vielmehr bedarf es hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteil B. vom 7. Juni 2004 Erw. 3.2.6, U 69/04). Solche Gründe sind hier nicht ersichtlich. 3.3.7 Nach dem Unfall vom 10. April 1997 war die Versicherte bis 22. April 1997 zu 100 % arbeitsunfähig. Am 23. April 1997 nahm sie die Arbeit beim Bundesamt Z.________ zu 50 % und am 4. August 1997 zu 100 % auf. Gemäss Schreiben des Bundesamtes Z.________ vom 16. Januar 2003 hat die Versicherte aber wegen der unfallbedingten Beschwerden nicht jederzeit die volle Leistung erbringen können, da sie in der Ausübung gewisser Tätigkeiten eingeschränkt gewesen sei. Es sei versucht worden, diesen Umständen Rechnung zu tragen. Sie habe aber immer versucht, die geforderten Leistungen zu erbringen. Gegenüber Dr. med. I._______ gab die Versicherte an, sie habe beim Bundesamt Z.________ zweimal versucht, das Pensum zu reduzieren, was abgelehnt worden sei. Danach habe sie zur Arbeitslosenkasse der Gewerkschaft Q.________ gewechselt und habe ihr Pensum im Frühjahr 2001 auf 90 % reduzieren können. Gemäss Frau Dr. med. J._______ bestanden im Jahre 2002 folgende Arbeitsunfähigkeiten: 50 % ab 25. Februar bis 22. März, 100 % am 19. März und ab 23. März bis 7. Mai sowie 50 % ab 8. Mai. Dazu kamen noch acht Einzeltage 100%iger Arbeitsunfähigkeit in der Zeit ab 8. Mai 2002. Dr. med. I._______ legte im Gutachten vom 9. Februar 2003 dar, die Schätzung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % in der bisherigen Tätigkeit sei korrekt. Das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher erfüllt, wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Weise (vgl. RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544). 3.3.8 Nach dem Gesagten sind lediglich Dauerbeschwerden und eine hinsichtlich Grad und Dauer ins Gewicht fallende Arbeitsunfähigkeit zu bejahen. Da diese Kriterien nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, reicht dies nicht aus, um dem Unfall vom 10. April 1997 eine rechtlich massgebende Bedeutung für die physisch und psychisch bedingte Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zuzuschreiben. Mangels eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden haben Vorinstanz und SUVA somit eine über den ärztlichen Behandlungsabschluss am 30. September 1997 hinausgehende Leistungspflicht des Unfallversicherers zu Recht verneint. Weitere Abklärungen vermöchten an diesem Ergebnis nichts zu ändern, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis; SVR 2001 IV Nr. 10 Erw. 4b S. 28).