Citation: 2C_1072/2014 E. 3.3

3.3. Die Vorinstanz erwog, der kantonalen Direktion sei darin beizupflichten, dass das Verhalten der Beschwerdeführerin und die zeitliche Abfolge des Geschehens einen gewissen rechtsmissbräuchlichen Charakter aufweise und nicht auszuschliessen sei, dass die Beschwerdeführerin den Vorwurf häuslicher Gewalt für ihren Aufenthaltsstatus instrumentalisiert habe. Welches Verhalten der Beschwerdeführerin und inwiefern der zeitliche Ablauf des Geschehens Indizien darauf enthalten sollten, dass die Beschwerdeführerin das Institut der nachehelichen Härtefallregelung zweckwidrig in Anspruch zu nehmen gedenkt, geht aus der vorinstanzlichen Urteilsbegründung nicht hervor. Die Beschwerdeführerin hat zweifelsohne massive häusliche Gewalt in Form von physischen Verletzungen durch ihren Ehemann erfahren; dass die erlittenen Verletzungen zwecks Erlangung einer Aufenthaltsbewilligung vorgetäuscht worden wären, ist weder dargetan noch ersichtlich. Der blosse Umstand, dass die Beschwerdeführerin vor das Dilemma gestellt war, in dieser Zwangssituation bei ihrem gewalttätigen Ehemann zu verbleiben oder den Verlust des Aufenthaltsrechts hinnehmen zu müssen, und in diesem Dilemma zunächst an ihrer Ehe festhielt, begründet keine zweckwidrige Inanspruchnahme der nachehelichen Härtefallregelung. Der Gesetzgeber hat diesem Dilemma, in welchem sich gewaltbetroffene Personen befinden, mit der Regelung von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG gerade Rechnung tragen wollen, weshalb das Verhalten der Beschwerdeführerin nicht als rechtsmissbräuchlich bezeichnet werden kann (vgl. oben, E. 2.3). Die grundrechtlichen staatlichen Schutzpflichten gegenüber der Beschwerdeführerin (Art. 7 und Art. 35 Abs. 1 und 3 BV; sowie Art. 3 und Art. 8 EMRK), insbesondere der Schutz vor unwürdiger, erniedrigender Behandlung, erfordern vielmehr, an den Aufenthaltsanspruch der Beschwerdeführerin keine zu hohen Anforderungen zu stellen (oben, E. 2.3). Der Beschwerdeführerin ist die Berufung auf Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG nicht verwehrt, und die Anspruchsvoraussetzungen dieser Bestimmung sind erfüllt, weshalb ihre Beschwerde sich als begründet erweist.