Citation: 1B_152/2022 E. 1.2

1.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe ein schutzwürdiges Interesse daran, dass über die Gültigkeit der Anschlussberufung vor der Durchführung der Berufungsverhandlung entschieden werde, da er sonst die Möglichkeit verliere, seine Berufung allenfalls rechtzeitig vor dem Abschluss der Parteiverhandlungen (Art. 386 Abs. 2 lit. a StPO) zurückziehen zu können. Erklärt ein erstinstanzlich Verurteilter Berufung, kann die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung erheben, welche ohne Weiteres dahinfällt, wenn die Berufung zurückgezogen wird oder auf sie nicht eingetreten wird (Art. 401 Abs. 3 StPO). Nach dieser gesetzlichen Regelung trägt der Beschwerdeführer das Risiko, dass das erstinstanzliche Urteil im Rahmen der von der Staatsanwaltschaft gestellten Anträge zu seinen Ungunsten abgeändert werden kann, wenn er an seiner Berufung festhält. Er muss damit die Erfolgsaussichten der Berufung und der Anschlussberufung gegeneinander abwägen und entscheiden, ob er das erstinstanzliche Urteil akzeptieren oder an der Berufung festhalten will mit dem Risiko, dass das Strafurteil zu seinen Ungunsten abgeändert wird. Diese Zwangslage wurde vom Gesetzgeber bewusst so angelegt, der Beschwerdeführer hat deshalb kein schutzwürdiges Interesse, vor der Berufungsverhandlung zu wissen, ob die Anschlussberufung gültig ist oder nicht. Ein nicht wiedergutzumachender Nachteil rechtlicher Natur droht ihm schon gar nicht, weil er gegen das Berufungsurteil Beschwerde ans Bundesgericht erheben und dabei geltend machen kann, die Berufungsinstanz sei zu Unrecht auf die Anschlussberufung eingetreten.