Citation: U 48/01 27.06.2002 E. 3

3.- Streitig und zu prüfen ist, ob die SUVA ihre Taggeldleistungen zu Recht ab dem 5. Mai 1997 um 50 % gekürzt und ab dem 2. Juni 1997 ganz eingestellt hat. a) Die in den Akten verschiedentlich, namentlich im Bericht von Dr. med. P.________ vom 14. Oktober 1997, zu Tage tretende Auffassung der SUVA, sie habe - ausserhalb des Bereichs schwerer Unfälle - nur für klar ausgewiesene organische Unfallfolgen Leistungen zu erbringen, trifft nicht zu. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers fällt auch dann in Betracht, wenn Beschwerden, wiewohl nicht durch eine zwingende Beweisführung auf organischer Ebene klar als natürlich-kausale Folgen des Unfallereignisses ausgewiesen, nach unfallmedizinischer Erfahrung als Unfallfolgen beurteilt werden (BGE 119 V 335). In der Tat ist im vorliegenden Fall nach sämtlichen verfügbaren medizinischen Unterlagen - einschliesslich jener des Kreisarztes der SUVA - keinerlei unfallfremde Einwirkung ersichtlich, welche für den zunächst günstigen, dann jedoch protrahierten Verlauf verantwortlich gemacht werden könnte. Insbesondere fehlt es an vorbestandenen Schädigungen, an einer psychogenen Prämorbidität und an nach dem Unfall hinzutretenden unfallfremden Körperschädigungen. Die Beschwerden der Versicherten sind - medizinisch gesehen - plausiblerweise als Folgen des Unfalls vom 15. Februar 1997 zu betrachten (BGE 123 V 102 Erw. 3b). Es kann in keiner Weise angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin die ärztlich dokumentierten Beeinträchtigungen auch ohne den versicherten Unfall aufweisen würde. b) SUVA und Vorinstanz kann auch insoweit nicht beigepflichtet werden, als sie von einer frühzeitigen und erheblichen psychischen Überlagerung der somatischen Probleme ausgehen und dementsprechend - gemäss BGE 123 V 99 Erw. 2a - die Kriterien zur Adäquanzbeurteilung bei psychogenen Unfallfolgen, wie sie in BGE 115 V 133 entwickelt worden sind, anwenden. Die Beschwerdeführerin wird in den medizinischen Akten als unauffällige Persönlichkeit geschildert. Der Umstand, dass sie zu jener kleinen Gruppe von Unfallopfern gehört, deren Beeinträchtigungen im Anschluss an ein erlittenes Schleudertrauma der HWS nicht nach drei Monaten abklingen, weist keineswegs zwangsläufig auf eine psychische Überlagerung hin. Es fehlt denn auch in den Akten eine fachärztlich gestellte psychiatrische Diagnose. Auf Grund der bisherigen ärztlichen Beurteilungen ist eine deutliche Dominanz der psychischen Beeinträchtigungen gegenüber den somatischen nicht erstellt. Vorbehältlich der Ergebnisse weiterer Sachverhaltsabklärungen (siehe Erw. 3c) ist daher die Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs nach den in BGE 117 V 359 entwickelten Kriterien zu beurteilen (BGE 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen). c) Gemäss neuester Rechtsprechung (BGE 127 V 105 Erw. 5e) ist für die Leistungspflicht des Unfallversicherers ein adäquat kausaler Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden auch dort vorausgesetzt, wo es um vorübergehende Leistungen (Krankenpflege, Taggeld) geht. Mit der Vorinstanz und entgegen dem, was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht wird, ist festzustellen, dass es sich beim Ereignis vom 15. Februar 1997 um einen Unfall aus dem mittleren Schwerebereich handelt. Eine Einordnung in die Gruppe der schweren Unfälle lässt sich auf Grund der Rechtsprechung zu dieser Frage (dargestellt in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 123 und 1995 Nr. U 215 S. 91) nicht rechtfertigen. Damit müssen zur Bejahung der Adäquanz der psychischen Unfallfolgen die Kriterien gemäss Erw. 2c erfüllt sein. Eine sachgerechte Prüfung dieser Kriterien ist jedoch nach der Aktenlage nicht möglich. Die Arztbeichte zeichnen ein widersprüchliches Bild, soweit sie beweiskräftig sind. Die Darlegungen des Dr. med. H.________ (Arztberichte vom 30. Juli 1997 und 7. April 1999) sind zu pauschal und entbehren einer näheren Begründung. Die Berichte der Dres. med. F.________ vom 4. April, 30. April und 18. Juni 1997 und P.________ vom 17. Mai 1999 lassen darauf schliessen, dass die Arbeitsfähigkeit wesentlich aus therapeutischen Gründen, zur Vermeidung einer Chronifizierung infolge Inaktivität, hoch veranschlagt wurde. Eine solchermassen motivierte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, die mehr einer Prognose denn einer aktuellen Stellungnahme entspricht, vermag nicht verlässlich Auskunft darüber zu geben, ob und inwieweit die fraglos noch bestehenden Einschränkungen und Beschwerden zu einer Arbeitsunfähigkeit führten. Die Verneinung der lang andauernden Arbeitsunfähigkeit auf Grund der Einstellung der Taggeldleistungen nach rund dreieinhalb Monaten (Klageantwort der SUVA im vorinstanzlichen Verfahren vom 25. Mai 1999, S. 3 f.) setzt voraus, dass diese Einstellung zu Recht erfolgte, was gerade streitig ist und nicht abschliessend beurteilt werden kann. Sodann lässt sich daraus, dass die Versicherte arbeitslos war, nichts für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ableiten. Insgesamt ist der Sachverhalt bis zum massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides am 22. Januar 1999 zu wenig abgeklärt. Die SUVA wird deshalb ergänzende Abklärungen zur Entwicklung von physischem und psychischem Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit bis zu jenem Zeitpunkt vornehmen, gestützt darauf die in Betracht fallenden Adäquanzkriterien beurteilen und hernach über die Leistungsberechtigung zu befinden haben.