Citation: 6B_1095/2017 E. 2.3

2.3. Gemäss Vorinstanz sind die postalische und die polizeiliche Zustellung als gleichwertig anzusehen. In der Lehre wird teilweise die Auffassung vertreten, die Zustellung durch die Polizei sei gegenüber der postalischen Zustellung subsidiär und könne nur dann erfolgen, wenn eine Zustellung trotz Nachforschungsbemühungen nicht möglich sei (SARARARD ARQUINT, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., N. 7 und N. 12 zu Art. 85 StPO; vgl. auch SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, 3. Aufl. 2018, N. 6 zu Art. 85 StPO). Dieser Ansicht liegen wohl in erster Linie prozessökonomische Überlegungen zu Grunde (vgl. STEFAN CHRISTEN, Anwesenheitsrecht im schweizerischen Strafprozessrecht mit einem Exkurs zur Vorladung, ZStV - Zürcher Studien zum Verfahrensrecht, Bd. 161, 2010, S. 129; vgl. hingegen Urteil des Obergerichts Zürich vom 26. Januar 1972, in: ZR 72/1973 S. 4, wobei keine gesetzliche Grundlage für eine polizeiliche Zustellung vorhanden war). Dass die polizeiliche Zustellung gegenüber der postalischen strikt subsidiär und damit die polizeiliche Zustellung in einem Fall wie dem vorliegenden rechtswidrig sein soll, lässt sich weder dem Wortlaut des Gesetzes noch der bundesrätlichen Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts (BBl 2006 1157 f. Ziff. 2.2.8.6) entnehmen. Darüber hinaus ist weder geltend gemacht noch ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der polizeilichen Zustellung einen Nachteil erlitten hätte. Nichts zu ihren Gunsten abzuleiten vermag die Beschwerdeführerin aus dem von ihr erwähnten verwaltungsgerichtlichen Entscheid des Kantons Aargau. Dieser betraf die Eröffnung von Entscheiden im Anwendungsbereich des kantonalen Verwaltungsrechtspflegegesetzes bzw. die Voraussetzungen, unter welchen ein Entscheid durch amtliche Publikation eröffnet werden kann. Für den vorliegenden Fall lässt sich daraus nichts ableiten. Die polizeiliche Zustellung des Strafbefehls an die Beschwerdeführerin ist damit gültig erfolgt. Somit erübrigt sich im Grunde eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen der Beschwerdeführerin zum Zustellungsdomizil (Art. 87 StPO). Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass das Statthalteramt gemäss Vorinstanz entsprechende Nachforschungen anstellte, von der Einwohnerkontrolle jedoch - aus welchen Gründen auch immer - die Auskunft erhielt, die Beschwerdeführerin sei im System mit "Auslandreise/Weggezogen" aufgeführt und es sei keine aktuelle Adresse in der Schweiz bekannt.