Citation: 7B_193/2022 E. 3.3.1

3.3.1. Zur Tatkomponente hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin habe dem Geschädigten unvermittelt ein Messer in den Brustkorb gestossen, als er versucht habe, sie von einem mutmasslichen Suizid abzuhalten. Die Beschwerdeführerin habe sich ein Messer an die Kehle gehalten, welches der Geschädigte ihr habe entreissen wollen, weil er angenommen habe, sie wolle sich damit töten. Für ihn sei nicht voraussehbar und völlig überraschend gewesen, dass die Beschwerdeführerin plötzlich ihn mit einem zweiten Messer angreift. Er habe keine Möglichkeit gehabt, den Stich in die Brust abzuwehren. Er habe nicht den geringsten Anlass für diese Attacke geboten, sondern die Beschwerdeführerin retten wollen. Seine linke Körperseite sei ungeschützt gewesen, weil er sich nur auf das Messer an der Kehle der Beschwerdeführerin konzentriert habe. Er habe nicht gesehen, wie die Beschwerdeführerin ein zweites Messer behändigt habe, sondern erst den Stich in die Brust gespürt. Die Beschwerdeführerin habe die wehrlose Position, die Arglosigkeit und die Hilfsbereitschaft ihres ehemaligen Lebenspartners ausgenutzt. Damit habe sie ein hohes Mass an Skrupellosigkeit offenbart. Der Geschädigte habe eine 10 bis 15 cm tiefe Stichverletzung in die linke Brust erlitten. Im Zug eines dynamischen Tatgeschehens sei es ihm schliesslich gelungen, der Beschwerdeführerin beide Messer zu entwinden, wobei er Schnittwunden an der rechten Hand, am linken Unterarm und an der Stirn erlitt. Auch danach habe die Beschwerdeführerin nicht von ihm abgelassen. Sie habe ihn mit beiden Händen gewürgt. Nachdem er sich aus dem Würgegriff habe befreien können, habe sie ihn gezielt mit Füssen und Fäusten traktiert, wodurch er weitere Verletzungen im Gesicht und am Körper erlitten habe. Dabei sei ihr bekannt gewesen, dass er unlängst am Schlüsselbein operiert worden sei. Die Vorinstanz bezeichnet diese Tatausführung "als absolut überschiessend". Die Beschwerdeführerin habe eine ausserordentliche Gewaltbereitschaft offenbart. Die Tatausführung gehe hinsichtlich eines vollendeten Delikts deutlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands hinaus. Die Beschwerdeführerin habe aus Verzweiflung und Existenzangst gehandelt. Sie habe den Geschädigten moralisch abstrafen wollen und ihm eine Mitverantwortung gegeben für ihre als ausweglos empfundene Situation. Hintergrund für die Tat sei gewesen, dass sich der Geschädigte vor einiger Zeit von ihr getrennt habe und bereits eine neue Beziehung eingegangen sei. Die Beschwerdeführerin sei aus egoistischen Gründen nicht bereit gewesen, die Entscheidung des Geschädigten zu akzeptieren und ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Stattdessen habe sie sich entschieden, den Geschädigten für seine Entscheidung zu bestrafen. Unabhängig davon, wann sie die Tötungsabsicht gefasst habe, könne ihrem Vorgehen eine gewisse Planmässigkeit nicht abgesprochen werden. Sie habe zwei Messer besorgt, Abschiedsbriefe verfasst, sämtliche Türen verschlossen und die Schlüssel sowie das Haustelefon versteckt. Sodann habe sie gezielt einen Zeitpunkt gewählt, als sich der Geschädigte in der gemeinsamen Wohnung aufgehalten habe, und ihn zu sich zu rufen. Die Vorinstanz fährt fort, bei uneingeschränkter Schuldfähigkeit wäre von einem schweren Tatverschulden auszugehen. Allerdings sei mit Blick auf das Mass der Entscheidungsfreiheit zu berücksichtigen, dass die Schuldfähigkeit der Beschwerdeführerin gemäss psychiatrischem Gutachten mittelgradig vermindert gewesen sei. Sie habe zum Tatzeitpunkt an einer akuten Belastungsstörung gelitten. Der Gutachter ging von einer leichtgradigen Intoxikation durch Alkohol und Medikamente aus und bewertete diese als Teil der akuten Belastungsstörung. Er stellte bei der Beschwerdeführerin eine vollständig erhaltene Einsichtsfähigkeit fest, erachtete hingegen die Steuerungsfähigkeit als eingeschränkt. Mit dieser Begründung attestierte er ihr eine mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit. Die Vorinstanz berücksichtigt die Schlussfolgerungen des Gutachters und gelangt auf diese Weise vom schweren Tatverschulden zu einem nicht mehr leichten bis mittelschweren Verschulden. Innerhalb des ordentlichen Strafrahmens von 5 bis 20 Jahren hält sie eine hypothetische Einsatzstrafe von 8 Jahren für angemessen. Weil es beim Versuch geblieben ist, reduziert die Vorinstanz die Strafe gestützt auf Art. 22 Abs. 1 StGB. Dabei berücksichtigt sie zutreffend, dass der Umfang der Strafreduktion wegen Versuchs von den tatsächlichen Folgen der Tat und der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs abhängt (Urteile 6B_1066/2023 vom 16. November 2023; 6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 5.4.3; 6B_774/2020 vom 28. Juli 2021 E. 3.3.3 vgl. zum alten Recht BGE 127 IV 101 E. 2b; 121 IV 49 E. 1b; bestätigt in den Urteilen 6B_587/2015 vom 6. April 2016 E. 1.3.3 und 6B_281/2014 vom 11. November 2014 E. 3.6). Konkret erwägt die Vorinstanz, es habe keine unmittelbare Lebensgefahr für den Geschädigten bestanden. Doch wie die Vorinstanz schlüssig festhält, ist ein 10 bis 15 cm tiefer Messerstich in die Brust eine objektiv lebensgefährliche Verletzung, weshalb der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs, also des Todes, als nahe bezeichnet werden muss. Dies ergibt sich aus dem rechtsmedizinischen Gutachten, welches den Messerstich in den linken Brustkorb als lebensbedrohlichen Akt qualifiziert und festhält, dass es dem reinen Zufall zu verdanken ist, dass keine tödlichen Verletzungen oder Komplikationen auftraten. Gemäss Vorinstanz verhinderte die Beschwerdeführerin den Erfolgseintritt nicht aktiv. Im Gegenteil habe sie den Geschädigten weiter attackiert, nachdem er bereits erheblich verletzt gewesen sei. Die Stichverletzung habe notfallmässig chirurgisch versorgt werden müssen. Mit dieser Begründung berücksichtigt die Vorinstanz den Versuch im Umfang von 3 Jahren strafmindernd. Eine weitergehende Strafminderung, die zu einer Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens führen würde, hält die Vorinstanz für nicht angezeigt. Sie verweist korrekt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung in BGE 136 IV 55 E. 5.8, wonach der ordentliche Strafrahmen nur zu verlassen ist, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart erscheint.