Citation: 5A_472/2021 E. 3.2

3.2. Die Auslegungsgrundsätze im Verhältnis unter Dritten hat das Kantonsgericht Art. 738 ZGB entnommen. Danach bestimmt sich Inhalt und Umfang einer Dienstbarkeit - verkürzt gesagt - nach dem Grundbucheintrag und, soweit undeutlich, in dessen Rahmen nach dem Erwerbsgrund und, soweit nicht schlüssig, nach der unangefochtenen Ausübung der Dienstbarkeit während längerer Zeit im guten Glauben. Diesen Grundsätzen hat das Kantonsgericht die sog. natürliche Publizität beigesellt und dafürgehalten, trete die Dienstbarkeit baulich in Erscheinung bzw. lasse sie sich durch bauliche Massnahmen abgrenzen, so hätten sich Erwerber diesen Zustand im Zeitpunkt des Erwerbs grundsätzlich unabhängig von Grundbucheintrag und Begründungsakt entgegenhalten zu lassen. Die durch die baulichen Massnahmen erkennbaren Ausmasse der tatsächlich im Erwerbszeitpunkt ausgeübten Dienstbarkeit zerstörten den guten Glauben des Erwerbers, der sich insoweit nicht mehr auf den Inhalt des Grundbuches verlassen dürfe, sondern das durch die baulichen Massnahmen im Zeitpunkt des Erwerbs kenntlich gemachte Ausmass hinzunehmen habe. Dies gelte sowohl für den Berechtigten wie den Belasteten. Die natürliche Publizität gehe somit auch dem eigentlich klaren Grundbucheintrag vor (E. 3.1 S. 8 des angefochtenen Urteils).