Citation: 2C_878/2018 E. 5.2

5.2. Unbestritten ist, dass es am 8. Dezember 2016 zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann zu einem heftigen Streit gekommen ist, in dessen Rahmen die Beschwerdeführerin mindestens einen Gegenstand zertrümmert hat. Der Polizeirapport vom 8. Dezember 2016, 21:51 Uhr, hält diesbezüglich fest (Art. 105 Abs. 2 BGG) : "Streit - C.________ [...] A.B.________ [...] sind seit einigen Monaten verheiratet. Es kommt zu einem Streit bei welchem B.________ Sachen in der Wohnung herumwirft, weshalb C.________ sie nicht mehr in seiner Wohnung möchte (Mietvertrag läuft nur auf ihn). B.________ übernachtet bei ihrer Tante." Der Bericht der E.________ AG vom 6. März 2017 hält fest, dass an diesem Datum ("Am heutigen Untersuchungszeitpunkt") Hämatome nicht mehr nachweisbar sind, verweist jedoch auf die Krankenakte der Beschwerdeführerin. Laut dieser seien der Beschwerdeführerin gemäss Sprechstundenbefund vom 9. Dezember 2016 infolge Handgreiflichkeiten mit dem Ehemann Hämatome zugefügt worden. Letztere werden auf der zweiten Seite des Berichts mit Verweis auf den Befund vom 9. Dezember 2016 bezüglich Grösse und Aussehen beschrieben. Entgegen der Vorinstanz ist deshalb davon auszugehen, dass die Hämatome durch den genannten Streit verursacht wurden. Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung erweist sich in diesem Punkt als aktenwidrig und damit willkürlich. Allerdings reicht dieses Ereignis für sich alleine praxisgemäss bezüglich Intensität nicht, um als eheliche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG qualifiziert werden zu können. Es kommt demnach darauf an, ob eheliche Gewalt im Sinne psychischer Gewalt stattgefunden hat. C.________ und die Beschwerdeführerin haben am 30. April 2016 in der Türkei geheiratet. Am 30. Juni 2016 wurde der Beschwerdeführerin seitens der schweizerischen Behörden die Einreiseerlaubnis erteilt, worauf erstere zwei Wochen später einreiste. Entgegen der Beschwerdeführerin hat C.________ in seiner Stellungnahme vom 23. Juni 2017 an das Migrationsamt bestritten, dass es seiner Ehefrau verboten gewesen sei, vor der Einreise in die Schweiz die deutsche Sprache zu lernen, führte er doch im Gegenteil aus, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie die Wartezeit in der Türkei nicht genutzt habe, um Deutsch zu lernen. Auch stellte er in Abrede, dass seine Eltern die Beschwerdeführerin in der Türkei unterdrückt hätten. Die Beschwerdeführerin hätte laut C.________ ausserdem bei sich zuhause statt bei seinen Eltern auf die Einreisebewilligung warten können. Die Wartezeit in der Türkei war ausschliesslich durch die Bearbeitung des Aufenthaltsbewilligungs- und Einreisegesuchs bedingt. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin relativ rasch nach der Einreise einen über zweimonatigen, halbintensiven Deutschkurs besuchte, wobei sie nur an zwei von 42 Lektionen fehlte. Aus den Akten ergibt sich zudem (Art. 105 Abs. 2 BGG), dass sie ab dem 18. Juli 2016, also nur drei Tage nach ihrer Einreise, über einen ZVV-9-Uhr-Pass (Abonnement des Zürcher Verkehrsverbundes bzw. für den öffentlichen Verkehr) und ab dem 23. Juli 2016 über ein Mobile-Abonnement verfügte. Im Übrigen war die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der (zweiten) Heirat fast 38-jährig und zumindest am 12. April 2016 noch in der Türkei berufstätig. Vor diesem Hintergrund ist nicht nur die Beweiswürdigung der Vorinstanz, wonach eine Isolation der Beschwerdeführerin durch den Ehemann als fraglich erscheine, nicht zu beanstanden, sondern eine Isolation durch den Ehemann oder die Schwiegereltern ist nicht glaubhaft.