Citation: 9C_578/2024 E. 2.3.2

2.3.2. Für Leistungen an ausländisch domizilierte Offshore-Gesell- schaften, welche von Personen mit Domizil im Inland beherrscht werden, wird eine Steuerbefreiung verweigert, es sei denn, es werde der Nachweis erbracht, dass der Leistungsort sich im Ausland befinde bzw. die Leistungsempfängerin den Sitz ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit dort habe. Dies hat - wie allgemein für Leistungen ins Ausland - so zu erfolgen, dass der Ort der Leistung oder der Sitz der wirtschaftlichen Tätigkeit der Leistungsempfängerin im Ausland zweifelsfrei nachzuweisen und auch die Art der Leistung detailliert (schriftlich) zu belegen ist, wobei - wie erwähnt - sehr strenge Anforderungen gestellt werden (vgl. oben E. 2.3.1). Wenn Dienstleistungen, die unter das Empfängerortsprinzip fallen, an eine Domizil- bzw. Offshore-Gesellschaft erbracht werden, so ist zu prüfen, ob es sich bei der fraglichen Gesellschaft um eine passive Investmentgesellschaft handelt. Gemäss Verwaltungspraxis ist - unabhängig von der Rechtsform - von einer passiven Investmentgesellschaft auszugehen, wenn die folgenden vier Kriterien kumulativ erfüllt sind: (1) Die Gesellschaft weist lediglich einen statutarischen Sitz auf, verfügt dort über keinerlei Infrastruktur, ebenso wenig wie über eigenes Personal; (2) sie übt keine eigentliche Geschäftstätigkeit aus; (3) sie beschränkt sich darauf, als Inhaberin eines Kontos für die Entgegennahme von Geldern oder als Eigentümerin von Vermögenswerten (z.B. WertschriftenportefeuiIIe) aufzutreten; (4) die an sie erbrachten Dienstleistungen gehen in der Regel nicht über die Verwaltung und Betreuung der in ihrem Eigentum stehenden Vermögenswerte (z.B. Depotgebühren, Portfolio und Asset Management) hinaus. Sind die erwähnten Kriterien erfüllt, ist zur Ortsbestimmung darauf abzustellen, wo sich das Domizil der Inhaber der Mehrheit der Beteiligungsrechte an der Domizilgesellschaft (in der Regel der wirtschaftlich Berechtigten) befindet. Der Nachweis, dass der wirtschaftlich Berechtigte im Ausland ansässig bzw. wohnhaft ist, obliegt dem Leistungserbringer. Ist das Domizil der Inhaber der Mehrheit der Beteiligungsrechte an der Domizilgesellschaft im Inland, erfolgt ein sog. Durchgriff, d.h. die bezogenen Leistungen gelten als im Inland erbracht (zu E. 2.4.2 gesamthaft: vgl. u.a. Urteile 2C_402/2021 vom 10. November 2021 E. 5.2; 2C_614/2007 vom 17. März 2008 E. 3.3 u. 3.4; 2A.534/2004 vom 18. Februar 2005 E. 4.2 u. 6.2; MWST-Branchen-Info 14 "Finanzbereich" der ESTV Ziff. 7.1; siehe auch: Honauer, Kommentar zum MWSTG, Art. 8 N. 5 f.; Geiger, MWSTG Kommentar, Art. 8 N. 10 f.; zum Durchgriff im Rahmen von Offshore-Gesellschaften insb.: Urteil 2C_732/2010 vom 28. Juni 2012 E. 5.2).