Citation: 6B_812/2018 E. 1.6

1.6. Ebensowenig ist es bundesrechtswidrig, dass die Vorinstanz einen Antrag auf Ergänzung und Verbesserung gutachterlicher Festlegungen zum Todeszeitpunkt durch einen weiteren gerichtsmedizinischen Sachverständigen (Art. 189 StPO) nicht stattgegeben hat. Der Beschwerdeführer moniert, die dem gerichtlichen Sachverständigen gestellte Frage " Die Anklageschrift... geht davon aus, dass A.________ bereits um ca. 17.40 Uhr des 7. Januar 2009 oder wenige Minuten später, mithin 25 Stunden vor der Leichenschau, erschossen worden sei. Lässt sich dies mit dem Ergebnis der Leichenschau vereinbaren oder ist dieser Todeszeitpunkt auszuschliessen? ", sei unnötig und tangiere die Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit des Gutachters. Es sei unverständlich, dass dem Gutachter mitgeteilt wurde, weshalb die ursprüngliche Schätzung überprüft werde. Der Gutachter sei dann auch bestrebt gewesen, seine Feststellungen mit den in der Anklageschrift getroffenen Annahmen in Einklang zu bringen. Wegen dieses Mangels und angesichts der erheblich voneinander abweichenden Ergebnisse der ursprünglichen und der nachträglichen Todeszeitschätzung sei bei einem anderen Institut für Rechtsmedizin ein "Obergutachten" im Sinne von Art. 189 StPO einzuholen. Eine suggestive Art der Fragestellung liegt nicht vor. Es ist nicht zu beanstanden, dass die vorinstanzliche Verfahrensleitung den Anlass und Hintergrund der Beweisergänzung in die Gutachterfrage eingebaut hat. Mehr noch: Es erscheint hier geradezu notwendig, dass der Sachverständige diesen Kontext kannte. Vorliegend ging es gerade darum herauszufinden, ob ein ganz bestimmtes postmortales Intervall aus wissenschaftlicher Sicht zutreffen kann. Eine im Sinne des Beschwerdeführers offen formulierte Frage hätte insofern kaum eine Klärung herbeigeführt. Da sich der Gutachter dabei auch mit der Ersteinschätzung der Legalinspizientin auseinandersetzen musste, war es unumgänglich, ihm diese Einschätzung mitzuteilen. Prozessuale oder inhaltliche Mängel bei der Einholung des ergänzenden Gutachtens vom 23. Februar 2018 liegen somit nicht vor. Kein Grund für eine weitere Begutachtung nach Art. 189 StPO besteht schliesslich mit Bezug auf die Abweichungen zwischen der ersten Einschätzung der untersuchenden Gerichtsmedizinerin und den späteren Beurteilungen des Gutachters. Auf die Gründe für die ausgeprägte Varianz der Einschätzungen ist später zurückzukommen (E. 2.3-2.8). Mit Blick darauf kann offenbleiben, ob sich die Vorinstanz förmlich mit dem Beweisantrag befassen musste.