Citation: 6B_1231/2022 E. 2.2.4

2.2.4. Die Vorinstanz hält selbst fest, dass sie die amtliche Entschädigung in Anwendung von Art. 404 Abs. 2 StPO kürzt. Dazu war sie nicht berechtigt. Zwar können nach dieser Bestimmung zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte überprüft werden, um gesetzeswidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern. Doch ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine umfassende, freie Überprüfung auf blosse Unangemessenheit ausgeschlossen. Art. 404 Abs. 2 StPO erlaubt keinen Eingriff in Ermessensentscheide. Eine Beschränkung der Dispositionsmaxime rechtfertigt sich nur bei Willkür (vgl. E. 2.1 hiervor). Die Beurteilung des Zeitaufwands der amtlichen Verteidigung ist aber gerade ein solcher Ermessensentscheid. Auch wenn die Vorinstanz den Aufwand von 101.09 Stunden als zu hoch erachtet, rechtfertigt dies keine Korrektur von Amtes wegen. Es bleibt anzufügen, dass bereits die Erstinstanz die Honorarnote der Beschwerdeführerin kürzte. Es kann also nicht gesagt werden, die Erstinstanz habe keine Überprüfung vorgenommen. Damit bestand auch keine Veranlassung, dass die Vorinstanz dies von Amtes wegen nachholt. Dass die erstinstanzliche Festsetzung der amtlichen Entschädigung geradezu gesetzeswidrig oder krass unbillig ist, erwägt die Vorinstanz nicht.