Citation: 2C_112/2021 E. 8.3

8.3. Die Erfordernisse der Sachgerechtigkeit und Ausgewogenheit dürfen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht derart streng gehandhabt werden, dass die für die demokratische und pluralistische Gesellschaft erforderliche journalistische Freiheit und Spontaneität verloren gehen. Die in Art. 17 Abs. 1 und Art. 93 Abs. 3 BV garantierte Autonomie der Medienschaffenden ist zu wahren; der ihnen bei der Programmgestaltung zustehende Spielraum verbietet es, aufsichtsrechtlich bereits einzugreifen, wenn eine Sendung - wie hier - nicht in jeder Hinsicht überzeugt, zumal es den sich durch eine bestimmte Darstellung widerrechtlich in ihrer Persönlichkeit verletzt fühlenden Personen freisteht, ausserhalb des ausschliesslich im Interesse des Publikums liegenden programmrechtlichen Verfahrens zivil- oder strafrechtlich gegen den Veranstalter oder Dritte vorzugehen und die objektive Berechtigung der Vorwürfe dort klären zu lassen (vgl. BGE 137 I 340 E. 4.6 ["FDP und die Pharmalobby"]). Entsprechende Verfahren wurden denn hier auch eingeleitet. In diesem Zusammenhang ist noch einmal zu betonen, dass im vorliegenden Verfahren weder der Wahrheitsgehalt der Vorwürfe noch die Relevanz der umstrittenen Darstellungen für ein allfälliges Straf- oder Zivilverfahren zu prüfen waren, sondern (lediglich), ob sich der Fernsehzuschauer selber ein Bild hat machen können und der Gesamtbeitrag das rundfunkrechtliche Sachgerechtigkeitsgebot verletzt hat oder nicht. Die Programmaufsicht dient nicht der Durchsetzung privater Anliegen (Urteil 2C_778/2019 vom 28. August 2020 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen ["Fall Maudet: die Spur des Goldes"]). Für mögliche Verletzungen anderer Normen (z.B. Persönlichkeits-, Lauterkeits- und Strafrecht) bleiben die ordentlichen Gerichte und Verwaltungsbehörden zuständig (Urteil 2A.74/2007 vom 5. Juli 2007 E. 2.2 ["Nutzlose Adressregister: Alte Falle, neue Masche"]; BGE 123 II 69 E. 3b S. 72 ["medicall AG"]).