Citation: 4A_663/2018 E. 3.2

3.2. Der Beschwerdeführer kritisiert den angefochtenen Entscheid in mehrfacher Hinsicht. Zunächst bringt er vor, die Vorinstanz habe zu Unrecht einzelne Umstände betrachtet, ohne das sich aus ihnen ergebende Gesamtbild zu würdigen. Es sei "realitätsfremd", jeden der Ausstandsgründe einzeln zu prüfen und zu verneinen; eine Gesamtbetrachtung sei unausweichlich. Dann erläutert er die Umstände, die seines Erachtens den Anschein der Befangenheit von F.________ begründen. Erstens stelle aus Sicht des Beschwerdeführers die langjährige Mandatsbeziehung zwischen F.________ Kanzlei G.________ LLP und I.________ Corporation, Hauptaktionärin der Muttergesellschaft der C.________-Gruppe, einen Ausstandsgrund im Sinne von Ziff. 2.3.6 der IBA-Richtlinien. Es sei unbestritten, dass G.________ LLP in den letzten neun Jahren vor 2012 I.________ Corporation in circa einem Fall pro Jahr beraten habe. Dieses Mandatsverhältnis sei sowohl zeitlich wie auch aufgrund seiner Intensität geeignet, einen Anschein der Befangenheit zu vermitteln. Dabei führt der Beschwerdeführer aus, die Beziehung zwischen I.________ Corporation und C.________ SA habe schon während des Schiedsverfahrens bestanden, werde doch eine M&A-Transaktion lange im Voraus vorbereitet. Da G.________ LLP das DOE, dessen Zustimmung zur Transaktion notwendig gewesen sei, in Bezug auf Veränderungen in der Aktionärstruktur von C.________ SA infolge der Beteiligung durch I.________ Corporation beraten habe, sei das Wissen um die Transaktion notwendigerweise schon vor dem Tag der Veröffentlichung in der Kanzlei vorhanden gewesen. Folglich habe die langjährige Klientin von G.________ LLP, I.________ Corporation, während hängiger Schiedsverfahren eine 15.9%-Beteiligung an C.________ SA erworben, also von der Konzernmutter einer Gesellschaft, die vom Beschwerdeführer Millionen forderte. Zweitenserblickt der Beschwerdeführer einen weiteren Ausstandsgrund im Sinne von Ziff. 2.3.6 der IBA-Richtlinien in der Ausrichtung von Honorarzahlungen in der Höhe von USD 6.5 Mio. von C.________ Solar an G.________ LLP während der beiden Schiedsverfahren. Drittens sei die Beratung von J.________ S.E. durch G.________ LLP beim Erwerb der Tochtergesellschaft der C.________-Gruppe, K.________ SA, problematisch. Dass keine Gegnersituation zwischen G.________ LLP und J.________ S.E. vorgelegen habe, sei unbeachtlich. Ein Anschein der Befangenheit von F.________ bestehe nicht etwa aufgrund einer potenziellen Benachteiligung des Beschwerdeführers, son-dern aufgrund einer möglichen Bevorteilung der Beschwerdegegnerin. Dabei sei zu beachten, dass die Abwicklung einer M&A-Transaktion sich von einer gerichtlichen Auseinandersetzung unterscheide: zwischen den Parteien herrsche bei einer solchen Transaktion regelmässiger, fast täglicher und kollegialer Kontakt. Dass G.________ LLP die Käuferin einer C.________-Gesellschaft beraten habe, könne folglich sehr wohl zum Anschein der Befangenheit führen. Viertens sei die Verletzung der Offenlegungspflicht durch F.________ ein weiteres Element, das zur Annahme seiner Befangenheit beitrage. Gemäss den ICC-Schiedsregeln habe ein Schiedsrichter dem Sekretariat der ICC alle Umstände und Fakten offenzulegen, welche in den Augen der Parteien die Unabhängigkeit oder Unparteilichkeit des Schiedsrichters infrage stellen könnten. Die Verletzung dieser umfassenden Offenlegungspflicht führe folglich auch zur Herabsetzung der Prüfschwelle zur Annahme eines Anscheins der Befangenheit. Dabei sei unbeachtlich, ob F.________ Kenntnis von den Beziehungen seiner Kanzlei zur C.________-Gruppe gehabt habe, sei doch auch massgeblich, was der Schiedsrichter hätte wissen können und sollen. Fünftens stelle der Rücktritt von F.________ ein starkes Indiz für das Vorliegen von Befangenheitsgründen dar. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei die innere Haltung des Schiedsrichters nicht irrelevant. Der Entschluss von F.________, der die Situation am besten einschätzen konnte, zurückzutreten, müsse bei der Beurteilung der Gesamtheit der Umstände berücksichtigt werden. Sechtens könne nicht ausser Acht bleiben, dass das zuständige brasilianische Gericht die Anerkennung und Vollstreckung der beiden Schiedssprüche wegen des Anscheins der Befangenheit von Schiedsrichter F.________ verweigert habe. Dieser Entscheid sei insbesondere deshalb relevant, weil die schweizerischen Gerichte die Anerkennung und Vollstreckung der Schiedssprüche nach demselben Prüfstandard zu beurteilen hätten wie das brasilianische Gericht. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die Anerkenn- und Vollstreckbarkeit eines Schiedsurteils nur verweigert werden könne, wenn der Schiedsrichter tatsächlich (subjektiv) befangen gewesen sei und dies bewiesen werden könne, sei in der Schweiz und in Brasilien der Anschein der Befangenheit massgebend.