Citation: 9C_234/2020 E. 4.2

4.2. Weiter rügt die Versicherte die Beweiswürdigung der Vorinstanz als willkürlich. Diese habe die schriftlichen Berichte des Hausarztes Dr. med. B.________ vom 7. Februar 2019 sowie der Wundexpertin C.________ vom 27. Februar 2019 ausser Acht gelassen, wonach am After schwierige Wundverhältnisse vorlägen und eine selbständige Verrichtung der Notdurft nicht möglich sei. Stattdessen habe sie ohne Begründung festgehalten, die Notwendigkeit einer regelmässigen Reinlichkeitskontrolle lasse sich nicht nachvollziehen, da die Versicherte über ein Dusch-WC verfüge. Das Sozialversicherungsgericht habe sich nicht damit auseinandergesetzt, dass die Vernachlässigung der Pflege nach der Notdurft für die Beschwerdeführerin lebensbedrohlich sein könne (Gefahr von Abszessbildung und Infektion). Wolle man dies verneinen, sei in jedem Fall ein medizinisches Gutachten eines Infektionsspezialisten einzuholen. Damit dringt sie nicht durch. Dr. med. B.________ verweist in seinem Bericht einerseits auf die regelmässig notwendige Kontrolle durch eine fachlich versierte Person, wobei auftretende Wunden durch eine Spezialistin der Spitex gepflegt würden. Er wirft sodann die Frage auf, wie sich die Versicherte nach dem Stuhlgang selbständig ihr Gesäss ausduschen und trocknen sollte. Die Wundspezialistin Frau C.________ legt dar, es sei die eigenständige Säuberung der Notdurft mangelhaft, weshalb möglichst oft eine intensive Reinigung mit Fremdhilfe notwendig sei, um Infektionen vorzubeugen. Das kantonale Gericht bejahte nicht zuletzt mit Blick auf die Notwendigkeit einer regelmässigen Kontrolle und Versorgung der Wundverhältnisse am After entgegen der Verwaltung eine Hilflosigkeit im Bereich der Körperpflege (Erwägung 5.2.2 i.f. des angefochtenen Entscheids). Hilfestellungen Dritter, derer die versicherte Person bei mehreren Lebensverrichtungen bedarf, können aber grundsätzlich nur einmal berücksichtigt werden (statt vieler: Urteil 8C_184/2019 vom 22. Juli 2019 E. 5.1 mit Hinweisen). Was sodann die Reinigung nach jedem Toilettengang betrifft, zeigt die Beschwerdeführerin nicht auf, inwiefern hierzu - entgegen der vorinstanzlichen Würdigung - trotz Kostengutsprache vom 23. März 2015 für ein Dusch-WC (Komplettanlage "Aquaclean 8000 plus UP") regelmässig Dritthilfe notwendig sein sollte. Der Arztbericht vom 7. Februar 2019 legt nahe, dass es das Ausduschen und Trocknen zu gewährleisten gilt, was ohne Hilfsmittel nachvollziehbar Schwierigkeiten bereitet. Aus den zitierten Berichten geht indes nicht hervor, inwiefern diese Verrichtungen - als Ersatz für die unbestritten schwierige "eigenständige Säuberung" - durch das abgegebene Dusch-WC nicht zufriedenstellend vorgenommen würden. Der Hausarzt hat denn auch mit Zeugnis vom 13. März 2015 die Kostenübernahme gerade mit Verweis auf die schwierige Narbensituation und das anhaltende Infektrisiko beantragt. Welche zusätzliche Dritthilfe nebst der - bei der Körperpflege berücksichtigten - regelmässigen Kontrolle und Versorgung durch die Wundexpertin sowie dem Ausduschen und Trocknen durch das Dusch-WC nach jedem Toilettengang notwendig sein sollte, ist hier weder ersichtlich noch wird es geltend gemacht (anders z.B. die Ausgangslage im Urteil 9C_560/2017 vom 17. Oktober 2017 zugrunde liegenden Fall, wo nach dem Stuhlgang jeweils die Reinigung mit einer speziellen Seife sowie Eincremen erforderlich waren [a.a.O., E. 4.2]). Mit Blick auf die Mitwirkungspflicht der Versicherten im kantonalen Verfahren (Art. 61 lit. c ATSG) wäre es ihr zumutbar gewesen, konkrete Angaben zur ihres Erachtens weiterhin notwendigen Dritthilfe zu machen, zumal zu erwarten wäre, dass diese seit März 2015 (Zeitpunkt der Entfernung des Kolostomas und der Kostengutsprache für ein Dusch-WC, oben E. 3) beansprucht wird und deshalb genau beschrieben werden könnte. Indes fehlen konkrete Angaben, so dass die Vorinstanz kein Bundesrecht verletzt hat, indem sie keine näheren Abklärungen getroffen, insbesondere kein Gutachten eines Infektionsspezialisten eingeholt hat.