Citation: 6B_784/2022 E. 1.3.1

1.3.1. Zunächst kritisiert die Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz dem Schreiben der Kindergärtnerin einen geringen Beweiswert beimisst. Die Vorinstanz erwägt, die Kindergärtnerin schildere einen Vorfall, der sich im März 2011 abgespielt habe. Damals habe sich ein verdächtiger Mann im Ort herumgetrieben. Deswegen sei mit den Kindern thematisiert worden, dass sie nicht mit Fremden mitgehen dürfen und dass ihr Körper ihnen gehöre. Die Kinder hätten von ihren Bedenken und Ängsten erzählen dürfen und seien mit Rollenspielen auf die Thematik eingegangen. Plötzlich habe der Sohn der Beschwerdeführerin starke körperliche Reaktionen gezeigt. Als sie ihn habe beruhigen wollen, habe er einen Schrei ausgestossen, sei in Tränen ausgebrochen und habe in ihren Armen geweint. Er habe sich schliesslich im Beisein der anderen Kinder beruhigt. Die Kindergärtnerin habe dies bei Schulschluss der Beschwerdeführerin gemeldet. Die Vorinstanz weist darauf hin, dass das Schreiben der Kindergärtnerin vom 21. Juni 2011 datiere. Deshalb stelle sich die Frage, weshalb sich die Kindergärtnerin erst drei Monate nach dem Vorfall schriftlich an die Beschwerdeführerin gewandt habe. Dies könne jedoch offenbleiben, da der Beweiswert des Schreibens ohnehin gering sei. Es erscheine nicht ungewöhnlich, dass ein Kind unerwartete Reaktionen zeige, wenn es zum ersten Mal mit solchen Themen konfrontiert werde. An der Berufungsverhandlung habe die Beschwerdeführerin erklärt, vor diesem Vorfall nie mit ihrem Sohn über Sexualität gesprochen zu haben. Ausserdem scheine die Beschwerdeführerin neue Bezugspersonen für den Sohn mit Bedacht ausgewählt zu haben. Gemäss den Ausführungen des Obergerichts des Kantons Zürich habe sie keine Beziehungen zugelassen, die ihre Beziehung zum Sohn allenfalls konkurrenzieren könnten. Weshalb aus dem Schreiben der Kindergärtnerin eine Gefährdung des Kindeswohls durch den Kindsvater ersichtlich sein sollte, erschliesst sich der Vorinstanz nicht. Genauso gut habe der Sohn stark darauf reagieren können, dass man nicht mit Fremden mitgehen sollte. Die Vorinstanz erklärt, die Kindergärtnerin habe mit der Information bezweckt, dass die Mutter eine allfällige Reaktion des Sohns zu Hause habe zuordnen und auffangen können. Sie habe nirgends eine Gefährdung des Kindeswohls erwähnt. Umso weniger habe die Beschwerdeführerin aus den Angaben der Kindergärtnerin eine Gefährdung durch den Kindsvater ableiten können.