Citation: I 226/06 25.08.2006 E. 4

4.1 Die Aktenlage stellt sich in medizinischer Hinsicht wie folgt dar: Gemäss Bericht des Dr. med. D.________, Arzt für allgemeine Medizin FMH, vom 14. Februar 2003 leidet der Beschwerdeführer seit dem 24. Mai 2002 an einem cervicalen Schmerzsyndrom bei objektiv nachgewiesener Wurzelirritation C6-C7 links und seit Beginn des Jahres 2003 an einer Lumboischialgie rechts bei einer Diskushernie L5-S1. Wegen der chronischen Schmerzen sei es zu einer reaktiven Depression gekommen. Gegenüber den als Taggeldversicherung involvierten Basler Versicherungen fasste er die Perioden unterschiedlicher Arbeitsunfähigkeiten am 20. Dezember 2003 wie folgt zusammen: 21. Mai 2002 bis 16. Juni 2002: 100%; 17. Juni bis 14. Dezember 2002: 50%; 15. Dezember 2002 bis 16. Januar 2003: 80%; 17. Januar bis 31. Juli 2003: 100% und ab 1. August 2003 wiederum 50%. Dr. med. Z.________, Facharzt für Neurochirurgie FMH, stellte in seinem Gutachten vom 17. Juni 2003 die Diagnosen eines chronifizierten, therapieresistenten teils cervico-spondylogenen, teils residuellen cervico-radikulären Schmerzsyndroms rechts bei Diskopathie L5/S1 und Spondylolisthesis L5/S1. Zudem äussert dieser Arzt einen Verdacht auf Aggravation und Begehrungshaltung. Die verminderte Belastbarkeit führt nach Einschätzung des Dr. Z.________ zu einer "medizinisch-theoretischen" Arbeitsunfähigkeit von 30%. In der Tätigkeit im Gartenmöbelgeschäft schätzt er diese "in der Grössenordnung von ca. 15%", wobei die Frage an Ort und Stelle abgeklärt werden müsse. Die Arbeit als Carrosseriespengler sei im Bereiche von 50% zumutbar. Die von der IV-Stelle beauftragten Gutachter Dr. med. B.________ und Dr. med. V.________ diagnostizierten einerseits ein chronifiziertes cervico- und lumbo-degeneratives Wirbelsäulensyndrom und andererseits eine reaktive Dysthymie (IDC-10: F34.1) bei chronischem Schmerzsyndrom. Aus somatischer Sicht attestierte Dr. med. B.________ für eine leichte, wechselbelastende und ohne längere Zwangshaltungen auszuführende Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70%. Dabei gingen die Gutachter davon aus, die zuletzt bei der Firma S.________ AG geleistete Arbeit habe diesem Profil entsprochen. Als Carrossieriespengler sei der Beschwerdeführer noch zu 40% arbeitsfähig. Der Psychiater Dr. V.________ erachtet die von ihm gestellte Diagnose als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Schliesslich reichte der Beschwerdeführer mit der Einsprache-Begründung vom 8. März 2005 einen Verlaufsbericht seiner behandelnden Ärzte am Externen Psychiatrischen Dienst (EPD) X.________ ein. Dr. med. F.________ und Dr. med. I.________ stellen darin die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10:F32.11) bestehend seit Anfang 2003 - initial im Sinne einer Anpassungsstörung reaktiv auf eine psychosoziale Belastungssituation - und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend narzisstischen Anteilen (ICD-10:F61.0), welche vermutlich seit der Adoleszenz beziehungsweise dem frühen Erwachsenenalter vorliege. Zu Beginn ihrer Behandlung im Sommer 2004 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% bestanden, die sich ab Januar 2005 auf 70% verschlechtert habe. 4.2 Unter den Verfahrensbeteiligten herrscht einerseits darüber Uneinigkeit, ob sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach der Begutachtung durch Dr. V.________ im Mai 2004 verschlechtert habe und in der Folge eine erhebliche psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit resultierte, und andererseits, ob es sich bei den verschiedenen psychiatrischen Diagnosen und Arbeitsunfähigkeitsattesten um bloss unterschiedliche Beurteilungen desselben Sachverhalts handelt. Weiter wird darüber argumentiert, ob die bei der Firma S.________ AG ausgeübte Tätigkeit als leicht zu bezeichnen ist und ob diese dem Anforderungsprofil des Dr. B.________ entspricht. 4.2.1 Die kantonale Rekurskommission stellt hinsichtlich der psychischen Beschwerden allein auf das Gutachten des Dr. V.________ ab. Sie begründet dies mit dessen höheren Beweiswert, da es "auch unter Berücksichtigung sämtlicher IV-Akten erstellt" worden sei. Im Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). Die Rechtsprechung hat es als mit diesem Grundsatz vereinbar erklärt, in Bezug auf bestimmt Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. So weicht der Richter beispielsweise bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab (BGE 125 V 352 Erw. 3b/aa). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die IV-Stelle eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist - wie solchen der Unfallversicherungen - bei der Beweiswürdigung solange volle Beweiskraft zuzuerkennen, als nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb). 4.2.2 Dr. V.________ setzt sich in seinem Kurzgutachten zu Handen der Verwaltung nicht mit den Akten auseinander. Der Beginn der einzig durch die Ärzte des EPD festgestellten kombinierten Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend narzisstischen Anteilen wird von diesen auf die Adoleszenz beziehungsweise das frühe Erwachsenenalter datiert. Dr. V.________ bezeichnet hingegen die persönliche und Familienanamnese als "weitgehend unauffällig", ohne sie darzustellen. Auch in der ärztlichen Beurteilung wiederholt er lediglich die von ihm gestellte Diagnose und seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, ohne diese nachvollziehbar zu begründen. Die psychiatrischen Beurteilungen vom 31. Mai 2004 (Dr. V.________) und vom 3. Februar 2005 (EPD X.________) differieren hingegen nicht nur in der unterschiedlichen Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Es werden darin auch verschiedene Diagnosen gestellt, die zwar beide in den Bereich der affektiven Störungen (ICD-10: F30 - F39) fallen, aber gemäss den Klassifikationen von so unterschiedlicher Intensität sind, dass sie nicht ohne weiteres als blosse "andere Würdigung des gleichen Sachverhalts" qualifiziert werden können. Bei der von Dr. V.________ diagnostizierten Dysthymie (F34.1) handelt es sich um eine chronische, wenigstens mehrere Jahre andauernde depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierende depressiven Störung zu erfüllen (DIMDI [Hrsg.], Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, ICD-10, Ausgabe 2006). Demgegenüber fanden die Dres. F.________ und I.________ eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) und zusätzlich eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61) mit vorwiegend narzisstischen Anteilen. 4.2.3 Die Vorinstanz hat sich entgegen den praxisgemässen Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a) nicht mit diesen Unterschieden auseinandergesetzt. Zusammenfassend kann dem Kurzgutachten des Dr. V.________ kein höherer Beweiswert zugesprochen werden, als dem Verlaufsbericht der behandelnden Ärzte beim EPD X.________. Die damit vorliegende Diskrepanz bezüglich der Diagnosen und Beurteilungen der aus medizinischer Sicht zumutbaren Arbeitsfähigkeit ist daher mit einer weiteren eingehenden psychiatrischen Begutachtung zu klären, wobei insbesondere die Auswirkung der neben der affektiven Störung gefundenen Persönlichkeitsstörung zu untersuchen sein wird, wofür die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen ist.