Citation: 8C_949/2008 04.05.2009 E. 4.2

4.2.1 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207, U 287/97 E. 3b/cc; Urteil [des Bundesgerichts] U 56/07 vom 25. Januar 2008 E. 6.1). Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil [des Bundesgerichts] 8C_39/2008 vom 20. November 2008 E. 5.2). In jüngerer Zeit bejahte das Bundesgericht dieses Kriterium etwa bei einer Massenkarambolage auf einer Autobahn (Urteil [des Bundesgerichts] 8C_623/2007 vom 22. August 2008 E. 8.1; vgl. auch Urteil [des Bundesgerichts] 8C_633/2007 vom 7. Mai 2008 E. 6.3), bei einem Zusammenstoss zwischen einem Personenwagen und einem Lastwagen in einem Autobahntunnel mit mehreren sich anschliessenden Kollisionen mit der Tunnelwand (Urteil [des Bundesgerichts] 8C_257/2008 vom 4. September 2008 E. 3.3.3), bei einem Zusammenprall zwischen einem Sattelschlepper und einem Personenwagen, wobei der Fahrer des Sattelschleppers die Kollision zunächst nicht bemerkte und den Personenwagen der versicherten Person noch auf einer längeren Distanz vor sich herschob, wobei die Insassen des Personenwagens verzweifelt versuchten, den Unfallverursacher auf sie aufmerksam zu machen (Urteil [des Bundesgerichts] 8C_508/2008 vom 22. Oktober 2008 E. 5.3) oder bei einem in der 29. Woche schwangeren Unfallopfer (Urteil [des Bundesgerichts] 8C_590/2008 vom 3. Dezember 2008 E. 5.3). Mit den genannten Präjudizien vergleichbare, besonders dramatische Begleitumstände oder eine vergleichbare Eindrücklichkeit des Unfalles liegen nicht vor. Der Versicherte übersieht, dass sich der Unfall vom 22. Mai 2000 vom Sachverhalt, wie er dem von der Vorinstanz zitierten Urteil (des Bundesgerichts) U 78/07 vom 17. März 2008 zugrunde liegt, insofern unterscheidet, als sich die Kollision nicht bei Regen, sondern bei schönem Wetter und auf trockenem Asphaltbelag in unmittelbarer Nähe einer Kreuzung (Verkehr mit Ampeln geregelt) ereignete, wo die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer im Allgemeinen erhöht ist, und der Versicherte vor der Kollision mit einer reduzierten Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h unterwegs war (im Gegensatz dazu belief sich die Geschwindigkeit des Motorradfahrers vor der Kollision im zitierten Urteil auf 70 bis 80 km/h). Das Kriterium ist somit zu verneinen. 4.2.2 Das kantonale Gericht geht zutreffend davon aus, dass sich der Versicherte keine Verletzungen zugezogen hat, welche aufgrund ihrer Schwere in besonderer Weise geeignet wären, eine psychische Fehlentwicklung von erheblicher Dauer und Intensität zu bewirken. 4.2.3 Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung wird im vorinstanzlichen Entscheid als - nicht in ausgeprägter Weise - erfüllt betrachtet. Die Femurschaft-Querfraktur rechts und in der Folge aufgetretene Komplikationen erforderten in den zwei Jahren nach dem Unfall mehrere operative Eingriffe. Eine definitive Besserung im Heilungsverlauf konnte nach der Operation vom 4. April 2001 (Entfernung des distalen Verriegelungsbolzens sowie des Marknagels, Umnagelung, Dekortikation im Frakturbereich und Spongiosaplastik: Operationsbericht des Dr. med. B.________, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, vom 4. April 2001) verzeichnet werden (ärztlicher Zwischenbericht des Dr. med. B.________ vom 10. Juli 2001). Anfangs 2001 setzte allerdings auch eine psychische Fehlreaktion ein, welche die weitere Entwicklung beeinflusste (Anpassungsstörung und später mit grosser Wahrscheinlichkeit auftretende anhaltende somatoforme Schmerzstörung: Gutachten des Dr. med. C._________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 8. November 2006). Die Kniebeschwerden links, auf welche der Versicherte (aktenkundig) erstmals anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 7. Mai 2004 aufmerksam machte ("spickendes Gefühl bei gewissen Belastungen"; vgl. ausserdem die Feststellung im Bericht der Klinik D.________ über das Ergonomie-Trainingsprogramm vom 3. Juni 2002: "Leichtes Krepitieren bei Durchbewegen des linken, nicht betroffenen Kniegelenks"), wurden von der SUVA schliesslich mit Verfügung vom 29. Dezember 2006 "im Rahmen einer unfallähnlichen Körperschädigung trotz fehlendem zeitlichem Zusammenhang" zum Ereignis vom 22. Mai 2000 als "Unfallfolge" akzeptiert. Auf einen operativen Eingriff am linken Knie wurde bislang verzichtet. Seit dem Motorradunfall sind immer wieder physiotherapeutische Bemühungen unternommen worden, welche im Rahmen des Kriteriums der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht berücksichtigt werden können (SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 8.3, U 479/05). Wie sich zeigen wird, kann letztlich offen bleiben, ob die Vorinstanz das Vorliegen dieses Kriteriums mit Blick auf die gesamten Umstände zu Recht bejaht hat (vgl. E. 4.3 nachfolgend). Fest steht jedenfalls, dass das Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. 4.2.4 Körperliche Dauerschmerzen, welche auf die organisch nachweisbaren, unfallkausalen Befunde zurückgingen, liegen entgegen der Behauptung des Versicherten nicht vor. Dr. med. B.________ hat im ärztlichen Zwischenbericht vom 10. Juli 2001 ausgeführt, es träten keine Schmerzen beim Belasten auf. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 26. September 2001 hat der Versicherte angegeben, jetzt habe er bei Belastung etwas Schmerzen im rechten Knie und bei Schmerzen brauche er Dafalgan oder Ponstan, jedoch nicht täglich. Aus einem Bericht der Klinik E.________ vom 24. Juni 2005 ergibt sich, dass der Beschwerdeführer bezüglich der operativ behandelten Femurfrakur rechts und des linken Knies praktisch beschwerdefrei sei. Soweit seine variierenden Schmerzangaben den psychischen Anteilen zugerechnet werden müssen, haben sie im Rahmen der Adäquanzprüfung nach BGE 115 V 133 unberücksichtigt zu bleiben. 4.2.5 Das Vorliegen einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, ist zu verneinen. Wie der Versicherte richtig wiedergibt, handelt es sich bei der Knieverletzung links um eine "alte" Fraktur (u.a. Bericht des Dr. med. B.________ vom 25. April 2005). Ob die laterale Tibiaplateau-Fraktur links aber Folge des Unfalls vom 22. Mai 2000 ist, wird durch diese Aussage weder bestätigt noch ausgeschlossen. Die SUVA anerkennt ihre Leistungspflicht in diesem Zusammenhang auf der Grundlage einer unfallähnlichen Körperschädigung und übernimmt die Kosten "der Einfachheit halber zu Lasten dieses Unfalls" vom 22. Mai 2000 (Schreiben der SUVA vom 14. März 2006). Wenn bereits zweifelhaft ist, ob die Knieverletzung links in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 22. Mai 2000 steht, so kann entgegen der Ansicht des Versicherten und insbesondere mit Blick darauf, dass Beschwerden am linken Knie (aktenkundig) zum ersten Mal anlässlich der Untersuchung durch den Kreisarzt am 7. Mai 2004 angegeben wurden, von einer Fehlbehandlung, welche darin bestehen soll, dass die rechtzeitige Untersuchung und Behandlung des linken Knies verpasst worden sei, keine Rede sein. 4.2.6 Auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen kann nicht bereits aus der Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden geschlossen werden. Es bedarf dazu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 8.5, U 479/05). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Daran vermag nichts zu ändern, dass sich die Heilung der Femurschaft-Querfraktur zunächst durch eine mediale Haut-/Muskelnekrose und eine Pseudarthrose verzögerte. Nach einer Umnagelung sowie Dekortikation im Frakturbereich und Spongiosaplastik am 4. April 2001 konnte mit einer guten definitiven Ausheilung gerechnet werden (Bericht des Dr. med. B.________ vom 10. Juli 2001). Erschwerend traten psychische Faktoren auf, welche aber bei der Adäquanzbeurteilung nach BGE 115 V 133 nicht ins Gewicht fallen dürfen. 4.2.7 Das kantonale Gericht hat das Vorliegen des Kriteriums der nach Grad und Dauer erheblichen, physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit bejaht, da der Versicherte erst anfangs 2002 wieder zu 59 % arbeitsfähig gewesen sei. Auf Grund der organisch bedingten Beschwerden am rechten Bein (und dem nicht zusätzlich ins Gewicht fallenden Knieleiden links) ist eine Beschäftigung im angestammten Beruf als Maler nicht mehr bzw. nur noch mit Einschränkungen zumutbar. Der Versicherte unternahm jedoch zunächst einzig Arbeitsversuche als Maler und galt in diesem Sektor ab 10. Dezember 2001 als voll arbeitsfähig. Nach der Arbeitsaufnahme am 3. Januar 2002 zu 100 % für eine neue Arbeitgeberin wurde die Arbeitsfähigkeit ab 23. Januar 2002 ärztlicherseits auf 50 % reduziert. Vom 9. April bis 3. Mai 2002 absolvierte der Versicherte ein ambulantes Ergonomie-Trainingsprogramm. Ab 17. April 2002 erfolgte zudem in der Klinik D.________ eine vierwöchige berufliche Abklärung und vom 16. Mai 2002 bis 28. Februar 2003 (mit operationsbedingtem Unterbruch) wurde in der Betriebsmalerei der Klinik D.________ ein Arbeitstraining mit steigendem Pensum durchgeführt. Die von der Invalidenversicherung veranlasste BEFAS-Abklärung vom 1. bis 16. November 2004 zeigte auf, dass in leidensangepassten Beschäftigungen - nach einer Einarbeitungszeit mit 70 %iger Leistungsfähigkeit - eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit besteht (Schlussbericht BEFAS vom 20. Januar 2005). Ob das Kriterium der nach Grad und Dauer erheblichen Arbeitsunfähigkeit erfüllt ist, ist bei dieser Entwicklung fraglich, kann aber offen bleiben (vgl. E. 4.3 nachfolgend). Jedenfalls ist das Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. 4.3 Geht man zugunsten des Versicherten mit der Vorinstanz davon aus, dass lediglich zwei der Adäquanzkriterien erfüllt sind, wobei keines davon in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist, führt dies dennoch zur Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 22. Mai 2000 und dem psychischen Leiden. Die SUVA hat ihre Leistungspflicht in diesem Rahmen zu Recht verneint.