Citation: 6B_694/2024 E. 2.2.1

2.2.1. Der Beschwerdeführer ist eritreischer Staatsangehöriger, geboren 1999 in Addis Abeba, Äthiopien. Dort besuchte er die Schule, brach sie aber ab. Er reiste 2015 in die Schweiz, wo sein Asylgesuch abgewiesen, er aber vorläufig aufgenommen wurde. Hier lebte er bei einer Gastfamilie. Er besuchte einige Deutschkurse und absolvierte das 9. und 10. Schuljahr. Anschliessend machte er diverse Praktika und trat eine Ausbildung als Schreiner an, die er nicht abschloss. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer habe die prägendsten Kinder- und Jugendjahre in Äthiopien verbracht. Er spreche die dortige Landessprache, diejenige seiner Heimat sowie Englisch und Deutsch. Der Beschwerdeführer ist alleinstehend und kinderlos, seine Eltern sind verstorben, Geschwister hat er keine. In der Schweiz sind bis auf die Beziehungen zu seiner Gastfamilie und zwei ehemaligen Arbeitskollegen keine gefestigten Beziehungen bekannt. Zu diesen Personen pflegt er nach eigenen Angaben Brief- und Telefonkontakte. Sie hätten ihn auch im Massnahmezentrum besucht. Eine soziale und/oder berufliche Integration sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen. Dass er trotz mehrfacher Versuche über keinen Berufsabschluss verfüge, sei zwar auch seinem psychischen Zustand geschuldet, aber ebenso zu einem erheblichen Anteil der anhaltenden Delinquenz. Aufgrund dessen müsse von mangelnden beruflichen Perspektiven in der Schweiz ausgegangen werden. Sodann falle deutlich zu Ungunsten des Beschwerdeführers ins Gewicht, dass er spätestens seit 2016 und damit nur kurze Zeit nach seiner Ankunft im Gastland regelmässig, zum Teil einschlägig (Gewalt und Drohung gegen Behörden; Raufhandel), strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Von seinem knapp neunjährigen Aufenthalt habe er rund die Hälfte im Straf- und Massnahmenvollzug verbracht. Weder eine bedingte Geldstrafe, Verlängerungen der Probezeit noch unbedingte Freiheitsstrafen hätten ihn von weiterer Delinquenz abgehalten. Besonders schwer wiege, dass er den Tötungsversuch zum wiederholten Mal während einer Probezeit begangen habe. Der Beschwerdeführer habe mehrfach gezeigt, dass er nicht davor zurückschrecke, Gewalt gegen Personen anzuwenden und damit die physische Integrität von Dritten aus nichtigen Gründen zu verletzen. Aufgrund der anhaltenden Straffälligkeit und mangelnder Anzeichen für verbesserte persönliche Lebensumstände sei die Legalprognose schwer belastet. Dies habe auch der forensisch-psychiatrische Gutachter bestätigt und eine hohe Rückfallgefahr - insbesondere für Gewaltdelikte - angenommen. Demnach sei auch in unspezifischen Beziehungen mit Gewaltdelikten, ähnlich dem Tatvorwurf, zu rechnen. Dies schliesse plötzliche, unerwartete Gewalt gegen Fremde oder flüchtige Bekannte im öffentlichen Raum ein. Das Gewaltrisiko sei latent immer vorhanden, steige jedoch unter dem Einfluss enthemmender psychoaktiver Substanzen wie Alkohol deutlich an. Auch die Legalprognose wirke somit stark zu Ungunsten des Beschwerdeführers. Insgesamt bestehe ein erhebliches öffentliches Interesse an einer Landesverweisung. Der Beschwerdeführer habe in einer tätlichen Auseinandersetzung aus nichtigem Anlass nebst blosser körperlicher Gewalt auch ein Messer gegen eine - ihm bis dato gänzlich unbekannte Person - eingesetzt. Durch seine zahlreichen Straftaten habe er den fehlenden Willen demonstriert, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten. Die vom Gutachter attestierte hohe Rückfallgefahr für Gewaltdelikte sei nicht hinzunehmen.