Citation: 6B_409/2015 E. 2.1

2.1. Nach der Maxime "in dubio pro reo" und in Berücksichtigung des verkehrstechnischen Gutachtens ist im vorliegenden Strafverfahren davon auszugehen, dass das Opfer den Fussgängerstreifen 0,8 Sekunden vor dem Kollisionszeitpunkt betrat, als das Fahrzeug der Beschwerdeführerin bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h noch 9,1 Meter von der Kollisionsstelle entfernt war. Damit betrat das Opfer in Missachtung von Art. 49 Abs. 2 Satz 2 SVG und Art. 47 Abs. 2 Satz 2 VRV den Fussgängerstreifen überraschend in einem Zeitpunkt, als das Fahrzeug der Beschwerdeführerin bereits so nahe war, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte. Die Beschwerdeführerin ihrerseits musste vor dem Fussgängerstreifen besonders vorsichtig fahren. Sie musste damit rechnen, dass sich in der Dunkelheit für sie nicht erkennbare Fussgänger befanden, welche am Fussgängerstreifen auftauchen konnten in der Absicht, diesen zu überqueren. Die Beschwerdeführerin musste aber ohne gegenteilige konkrete Anzeichen nicht damit rechnen, dass solche Fussgänger aus der Dunkelheit kommend den Fussgängerstreifen in Missachtung der geltenden Regeln überraschend in einem Zeitpunkt betreten würden, in dem sie nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte. Sie durfte nach dem Vertrauensgrundsatz, der auch im Verhältnis zwischen Fahrzeugführern und Fussgängern im Bereich von Fussgängerstreifen gilt (BGE 129 IV 39 E. 2.2; 115 II 283 E. 1a), davon ausgehen, dass allfällige aus der Dunkelheit hervorkommende Fussgänger vor dem Überqueren des Streifens ihre Beobachtungs- und allfällige Wartepflicht erfüllten.