Citation: I 510/06 26.01.2007 E. 5

5.1 Was den psychischen Gesundheitszustand anbelangt, hat Dr. med. O.________ im Bericht vom 5. Oktober 2004 eine depressive Episode mittleren Grades mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11) diagnostiziert. Wegen der schweren Erkrankung des 1992 geborenen Sohnes an Lipofuszinose, einer zum Tode führenden, neurodegenerativen Krankheit, sei es zu einer familiären Dekompensation gekommen. Der Sohn sei bettlägerig, blind, könne nicht mehr sprechen und werde mit einer Sonde ernährt. Beide Eltern hätten sich darauf versteift, nicht von seinem Bett zu weichen und rieben sich bei der Pflege in ständigem Streit gegenseitig auf. Ende 2003 habe der Versicherte auf körperlicher Ebene dekompensiert (Beinvenenthrombose). Nach einem Nervenzusammenbruch Ende Mai 2004 stehe er in der psychiatrischen Behandlung des med. pract. E.________. Der Versicherte habe bereits seine 1988 geborene Tochter im Kleinkindalter verloren. Bei der Untersuchung fand Dr. med. O.________ ein Bild innerer Angetriebenheit, Rastlosigkeit, Schlafstörungen, Ratlosigkeit, Unkonzentriertheit und innerer Auflehnung gegen den nahen Tod des Sohnes in Verbindung mit mindestens zum Teil psychosomatischen Körperbeschwerden (Magenschmerzen). Die Arbeitsunfähigkeit werde vorwiegend durch das Festhalten an der Pflege des Sohnes zu Hause und die ständigen dadurch sich ergebenden Streitereien mit der Ehefrau unterhalten. Im Laufe der Therapie hätten gewisse Fortschritte, dieses Fehlverhalten aufzugeben, gemacht werden können. Somit sei von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50 % ab spätestens dem 1. Dezember 2004 auszugehen. Der Versicherte wurde angehalten, sein selbstdestruktives Festklammern am Sohn aufzugeben, da es für seinen Gesundungsprozess förderlich sei, eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen. 5.2 Med. pract. E.________ diagnostizierte im Bericht vom 13. Januar 2005 eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion und somatischen Symptomen (ICD-10 F43.21). Er habe beim Versicherten eine depressive Verstimmung festgestellt, mit Antriebsstörung und Müdigkeit. Die Symptome stünden in Verbindung mit der psychosozialen Belastung, vor allem durch die Krankheit des Sohnes und die eigenen somatischen Probleme. Nach Ansicht des Psychiaters wird die Arbeitsfähigkeit in Zukunft nicht durch psychische Probleme beeinträchtigt sein. Die Arbeitsunfähigkeit setzte er für die Zeit vom 1. Juni bis 30. November 2004 auf 100 % fest, ab 1. Dezember 2004 auf 50 %. Seit November 2004 steht der Beschwerdeführer nicht mehr bei ihm in Behandlung. 5.3 Laut den Berichten von Frau prakt. med. L.________ vom 7. Februar und 15. Juni 2005, welche den Versicherten seit Dezember 2004 psychiatrisch betreut, leidet der Beschwerdeführer an einer posttraumatischen Belastungsstörung mit länger dauernder Depression (ICD-10 F43.21). Bisher habe er sich in die Arbeit geflüchtet. Durch den Tod eines Kindes und die wiederholten Atemstillstände des schwer kranken Sohnes habe er mehrere traumatische Verlusterlebnisse erdulden müssen. Angesichts des derzeit depressiven und akut traumatisierenden Zustandes schätzte sie die Arbeitsunfähigkeit, welche aktuell mit keiner Therapie verbessert werden könne, auf 100 %. Der Versicherte fühle sich gefangen in der jetzigen Situation, möchte jedoch so bald als möglich wieder arbeiten, was im Moment indessen nicht möglich sei. Mit Bezug auf die bisher durchgeführte Therapie hält die Ärztin fest, die belastende Situation mit dem sterbenden Sohn, dem früheren Verlust eines anderen Kindes und der durchgemachten Krebserkrankung einer weiteren Tochter sei stets präsent, was eine Besserung der psychischen Problematik verunmögliche. Der Gesundheitszustand sei als mittelschwer depressiv zu beurteilen, wobei der Versicherte die Hoffnung auf eine aktive Zukunft nicht aufgegeben habe. Die Prognose für die Zeit nach dem Tod des Sohnes betrachtet die Ärztin als gut, da der Patient über genügend Ressourcen verfügen dürfte, um die Erwerbstätigkeit innerhalb von drei bis sechs Monaten wieder zu 50 % bis 100 % aufzunehmen. Im Bericht vom 30. November 2005 geht Frau prakt. med. L.________ von einer mittelschweren bis phasenweise schweren Depression aus.