Citation: 5A_157/2022 E. 3.4.3

3.4.3. Eine Abweichung vom Effektivitätsgrundsatz gemäss bisheriger bundesgerichtlicher Praxis ist nicht angezeigt. Soweit die Beschwerdeführerin unter "fehlender Agilität" die Fähigkeit versteht, Belege für getätigte Zahlungen aufzubewahren und dem Betreibungsamt vorzulegen, hat die Vorinstanz auf die Möglichkeit hingewiesen und der Beschwerdeführerin mit Nachdruck nahegelegt, entsprechende Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld oder von einer sozialen Institution in Anspruch zu nehmen. Beschreibt die Beschwerdeführerin hingegen mit "fehlender Agilität" ein Schwächezustand, ihre finanziellen Angelegenheiten nicht mehr besorgen zu können, so wären unter Berücksichtigung der Verhältnismässigkeit Schutzmassnahmen gemäss Art. 390 ff. ZGB allenfalls sachgerecht. In jedem Fall scheint eine Präzisierung der Rechtsprechung nicht das geeignete Mittel zu sein, die Defizite der Beschwerdeführerin in administrativen und finanziellen Angelegenheiten unter Berücksichtigung aller beteiligter Interessen angemessen zu adressieren. Der Gefahr einer Zweckentfremdung der im Existenzminimum berücksichtigten Beträge im Sinne der Praxis des Effektivitätsgrundsatzes kann entgegen dem Vorschlag der Beschwerdeführerin auch nicht mittels Zahlungsanweisungen durch das Betreibungsamt begegnet werden. Die Vorinstanz hat dieser Alternative entgegnet, es bestehe keine gesetzliche Grundlage für eine solche "amtliche Treuhandfunktion" des Betreibungsamtes. Diesem Einwand ist hinzuzufügen, dass der Gesetzgeber am 18. März 2022 mit Art. 93 Abs. 4 SchKG eine Grundlage für Zahlungsanweisungen durch das Betreibungsamt beschlossen hat (BBl 2022 701). Es ist vor diesem Hintergrund nicht angebracht, mittels Präzisierung der Rechtsprechung zum Effektivitätsgrundsatz diese neue gesetzliche Grundlage vor Inkrafttreten zu berücksichtigen bzw. deren Auslegung vorzugreifen.