Citation: 6B_41/2022 E. 3.6

3.6. Strittig ist ferner, ob mit der vom Beschwerdeführer im Schreiben vom 3. Januar 2017 geltend gemachten Schadenersatzforderung eine Androhung ernstlicher Nachteile im Sinne von Art. 181 StGB vorliegt. Mit der geltend gemachten Schadenersatzforderung geht implizit die Androhung der Durchsetzung auf dem Zivilweg einher. Nach der Rechtsprechung lässt die Möglichkeit, dem angedrohten Nachteil auf dem Rechtsweg zu begegnen, dessen Ernstlichkeit nicht ohne weiteres entfallen (BGE 122 IV 322 E. 1.a; 115 IV 207 E. 2a; je mit weiteren Hinweisen). Gerichtsverfahren haben oft einen ungewissen Ausgang und sind für die beteiligten Parteien häufig mit einem erheblichen Aufwand verbunden (BGE 122 IV 322 E. 1.b). Eine Betreibung stellt nach der Rechtsprechung eine unzulässige, mithin rechtswidrige Nötigung dar, wenn sie rechtsmissbräuchlich erfolgt (Urteil 6B_28/2021 vom 29. April 2021 E. 2.3; 6B_1037/2019 vom 24. Juni 2020 E. 2.3.3; 6B_979/2018 vom 21. März 2019 E. 1.2.5 mit Hinweisen). Die unzulässige Nötigung besteht dabei in der Notwendigkeit, gegen den rechtsmissbräuchlichen Eintrag vorgehen zu müssen oder dessen Folgen zu dulden, worin eine namhafte Beschränkung der Handlungsfreiheit zu erblicken ist (Urteil 6B_28/2021 vom 29. April 2021 E. 2.3 mit Hinweisen). Die Kontaktaufnahmen zur Durchsetzung einer Forderung mit der Androhung rechtlicher Schritte, einer Betreibung bei Nichtbezahlung der bestrittenen Forderungen sowie die Drohung mit steigenden Kosten, ist widerrechtlich, wenn sie, obwohl grundsätzlich legal, der Durchsetzung einer infolge eines lauterkeitswidrigen Vertragsabschlusses nicht bestehenden Forderung dient (Urteil 6B_1074/2016 vom 20. Juli 2017 E. 2.3.2). Der Versand einer Rechnung inklusive Mahnungen mit Betreibungsandrohungen über einen streitigen Betrag ist jedoch grundsätzlich nicht strafbar, auch wenn sich im anschliessenden Zivilverfahren ergibt, dass der Betrag nicht geschuldet ist (Urteil 6B_979/2018 vom 21. März 2019 E. 1.5). Die im Schreiben vom 3. Januar 2017 geltend gemachte Schadenersatzforderung von mehreren Millionen Franken ist zweifellos überhöht. Dass die Forderung in dieser Höhe keinen Bestand hat, genügt indes nicht, um von der Androhung eines ernstlichen Nachteils auszugehen (vgl. Urteil 6B_979/2018 vom 21. März 2019 E. 1.5). Massgebend ist vorliegend, dass der Beschwerdeführer seine Forderung gegenüber der B.________ AG, beziehungsweise E.________, dem Verwaltungsrat dieses Immobilienunternehmens, geltend gemacht hat. Es ist davon auszugehen, dass der Verwaltungsrat eines Immobilienunternehmens nach einem objektiven Massstab (vgl. oben, E. 3.2.1) in der Lage ist, eine wie vom Beschwerdeführer geltend gemachte, derart überhöhte Zivilforderung als solche zu erkennen und dadurch nicht geradezu gefügig gemacht wird. Ferner bestand für E.________ keine Notwendigkeit, gegen die geltend gemachte Schadenersatzforderung vorzugehen, wie dies im Falle eines rechtsmissbräuchlichen Betreibungsregistereintrags der Fall gewesen wäre. Der Strafschutz würde überdehnt, wenn bereits die schriftliche Geltendmachung einer überhöhten Zivilforderung in einem geschäftlichen Kontext zu einer Verurteilung wegen Nötigung führt. Demnach ist das Androhen ernstlicher Nachteile durch die vom Beschwerdeführer geltend gemachte (überhöhte) Zivilforderung im vorliegenden Kontext zu verneinen. Die Verurteilung des Beschwerdeführers für sein Schreiben vom 3. Januar 2017 verletzt Art. 181 StGB.