Citation: U 192/01 17.01.2002 E. 4

4.- Soweit SUVA und Vorinstanz argumentieren, die Ein- holung eines psychiatrischen Gutachtens erübrige sich von vornherein, weil der adäquate Kausalzusammenhang nicht ge- geben sei, kann dem nicht gefolgt werden. a) Richtig war das Vorgehen der Vorinstanz zwar inso- fern, als sie von der in BGE 115 V 138 ff. Erw. 6 entwick- elten Rechtsprechung ausging. Sie ordnete den Unfall dem mittleren Bereich zu und verneinte die Adäquanz, da nicht mehrere der unfallbezogenen Kriterien erfüllt seien. Die Frage der natürlichen Kausalität wurde - wie auch von der SUVA - offen gelassen. b) aa) Der Beschwerdeführer stürzte unbestrittenermas- sen von einer Leiter aus 3 m Höhe (die Füsse waren 3 m über dem Boden) mit Gesicht und Thorax auf einen Betonboden. Dieses Ereignis gehört bereits wegen der Höhe des Sturzes nicht mehr zu den Unfällen im unteren Bereich der mittel- schweren Unfälle. Zur Bejahung des adäquaten Kausalzusam- menhangs ist daher erforderlich, dass ein einzelnes der nach der Rechtsprechung massgebenden unfallbezogenen Krite- rien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder dass mehrere Kriterien gegeben sind (BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb). Bei psychischer Fehlverarbeitung von Unfällen sind die Kri- terien nur zu berücksichtigen, soweit sie somatisch bedingt sind (BGE 115 V 140). bb) Ob der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem psychischen Leiden gegeben ist, kann auf- grund der unklaren Aktenlage nicht beurteilt werden. Zuerst müssen die tatbeständlichen Grundlagen in somatischer und psychischer Hinsicht von Grund auf eruiert werden. Insbe- sondere ist aufgrund der Divergenzen zwischen dem Spital (relevante mittelgradige depressive Entwicklung) und der MEDAS (irrelevante somatoforme Schmerzstörung) nicht rechtsgenüglich erstellt, welche Bedeutung den physischen und psychischen Ursachen am bestehenden Beschwerdebild zu- kommt. Es ist nicht ersichtlich, ab welchem Zeitpunkt die psychische Fehlentwicklung eingetreten ist und ob von einem in erster Linie somatisch oder psychisch geprägten Krank- heitsbild auszugehen ist bzw. ob, soweit noch körperliche Leiden bestanden, in hohem Masse eine psychische Überlage- rung vorlag, was bei der Adäquanzbeurteilung unberücksich- tigt zu bleiben hat. Unter diesen Umständen steht nicht fest, ob die unfallbezogenen Kriterien ihren Grund im soma- tischen Bereich haben. Die SUVA hat daher auch diesbezüg- lich den medizinischen Sachverhalt zu ergänzen und hernach die Adäquanzfrage erneut zu prüfen. Bejaht sie die Adäquanz, wird sie auch die (bisher offen gelassene) Frage des natürlichen Kausalzusammenhanges zu beantworten haben, welche sich auf Grund der zur Verfü- gung stehenden medizinischen Unterlagen nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit (BGE 125 V 195 Erw. 2 mit Hinwei- sen) beantworten lässt, sondern zusätzliche psychiatrische Abklärungen erfordert. Insbesondere wird zu prüfen sein, ob der Unfall eine massgebliche Teilursache der psychischen Fehlentwicklung darstellt, oder ob ihm allenfalls nur die Bedeutung eines unmassgeblichen Auslösers zukommt neben an- dern dekompensierenden Faktoren. Ist ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden zu bejahen, hat die SUVA zudem, wie bei den somatischen Un- fallfolgen, gutachterlich abzuklären, ob in psychischer Hinsicht im massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentschei- des eine leistungsbegründende Behandlungsbedürftigkeit, eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit oder ein Inte- gritätsschaden vorlag, bzw. zu diesen Fragen allenfalls ein (somatische und psychische Befunde berücksichtigendes) polydisziplinäres Gutachten einzuholen.