Citation: 4A_314/2021 E. A

A.a. Die B.________ AG (Klägerin, Beschwerdegegnerin) ist ein landesweit bekannter Zirkus mit Sitz in U.________. Sie bezweckt die Führung des "Circus X.________" und eines Kinderzoos. Bekannt ist sie auch unter den Kurzbezeichnungen "X.________" und "Circus X.________". Die Eintrittskarten für ihre Vorstellungen sind an den Vorverkaufsstellen, an der Zirkuskasse sowie auf www.C.________.ch erhältlich. Es gibt sechs Sitzplatz- beziehungsweise Preiskategorien in einer Bandbreite von Fr. 20.-- bis Fr. 80.-- pro Ticket ("Sektor A Premium" bis "Sektor E"). A.b. Die A.________ AG (Beklagte, Beschwerdeführerin) hat ihren Sitz in V.________ und bezweckt die Erbringung von Dienstleistungen im Bereich des Vertriebs von Tickets und damit verwandter Bereiche. Sie betreibt namentlich auf den Webseiten www.A.________.ch und www.A.________.de eine globale Online-Plattform, auf der Kunden Billette insbesondere für Veranstaltungen im Unterhaltungsbereich erwerben und (angebliche) Dritte ihre übrig gebliebenen Tickets verkaufen können. A.c. Auf der Webseite der Beklagten konnten Eintrittskarten für Zirkusvorstellungen der Klägerin erworben werden. So erschien auf der Webseite der Beklagten eine Übersicht über die nächsten Veranstaltungen der Klägerin und es wurde angeführt, dass einzelne Vorstellungen "ausverkauft" (beziehungsweise "vendu" oder "tutto esaurito") seien. Der Bestellvorgang für Tickets der nicht "ausverkauften" Vorstellungen lief auf der Webseite der Beklagten wie folgt ab: Der Nutzer wählte eine bestimmte Vorstellung der Klägerin, worauf die Mitteilung eingeblendet wurde: "Tickets [...] sind sehr gefragt. Bitte warten Sie [...]. Nur noch [z.B.] 43 Tickets übrig." Nach rund einer Minute erschien die Anzeige: "Grossartig! Tickets für Circus X.________ sind noch verfügbar." Die nächste Seite enthielt die Darstellung eines Sitzplans und Hinweise auf unterschiedliche Sitzplatzkategorien ("Block: Circle seating", "Block: Upper Circle Seating" und/oder "Block: Seating"). Weder der dargestellte Sitzplan noch die genannten Kategorien entsprachen der tatsächlichen Sitzanordnung und den tatsächlichen Kategorien der Klägerin. Wiederum erfolgte auf der Seite der Hinweis: "Nur noch [z.B.] 43 Tickets übrig." An dieser Stelle hatte der Nutzer die Anzahl gewünschter Tickets einzugeben, worauf nach "Block" und "Sektoren" aufgeschlüsselte Angebote mit Angabe des Preises "pro Ticket" und teilweise mit dem Vermerk "Begehrte Tickets" in roter Schrift erschienen. Sobald der Nutzer die Kategorie des Tickets (z.B.: "Block: Circle Seating") ausgewählt hatte, begann eine weitere, rund zwei Minuten dauernde Warteschlaufe mit dem Hinweis "Tickets [...] erfreuen sich grosser Nachfrage. Sie befinden sich in der Warteschlange für diese Tickets". In der Folge wurde dem Nutzer in einem Pop-up-Fenster mitgeteilt: "Sie haben [z.B.] 9.5 oder 6 Minuten Zeit, um sich diese Tickets zu sichern" und teilweise "2 Personen sind der Warteschlange beigetreten", ferner auch "Aufgrund von hoher Nachfrage haben Sie 5 Minuten, um ihre Bestellung abzuschliessen[,] sonst werden Ihre Tickets für andere Interessenten freigegeben". Sobald dieses Pop-up-Fenster durch Klicken auf "OK" geschlossen war, wurde oben auf der Webseite festgehalten, dass der zeitliche Countdown bereits laufe (z.B.: "Die Ticketreservierung läuft ab in: 04:52"). Auf der linken Seite stand in roter Farbe der Hinweis: "Bitte beachten Sie, dass diese Tickets möglicherweise nicht mehr zu diesem Preis verfügbar sein werden, wenn Sie Ihren Einkauf nun abbrechen." Teilweise wies die Beklagte - ebenfalls in roter Farbe - zusätzlich darauf hin, wie viele Personen der Warteschlange beigetreten seien (z.B.: "1 Person ist der Warteschlange beigetreten.") und/oder hielt in einem roten Balken fest, wie viele "Bereiche" bereits ausverkauft seien. Es erschienen weitere, ebenfalls farblich hervorgehobene Vermerke wie: "2 Tickets ist eine äusserst beliebte Anzahl an Tickets. Diese Tickets sind vermutlich schnell ausverkauft." Auf dieser Seite fand sich in der linken Spalte in kleiner, grauer Schrift der "Ticketpreis". Darunter folgte ebenfalls in kleiner, grauer Schrift der Hinweis, dass "Bearbeitungsgebühr (zzgl. MWSt), Buchungsgebühr (plus MWST) " nicht inbegriffen seien. Um den Bestellvorgang fortzusetzen, musste der Nutzer nach unten zum Feld "Weiter" scrollen. Dabei wurden die "Preisangaben" in der linken Spalte - nicht aber alle weiteren Hinweise - "überdeckt". Sichtbar blieben der Countdown und der Vermerk in fetter, roter Schrift: "Bitte beachten Sie, dass diese Tickets möglicherweise nicht mehr zu diesem Preis verfügbar sein werden, wenn Sie Ihren Einkauf nun abbrechen." Direkt über dem Feld "Weiter" stand zudem Folgendes: "Es besteht eine hohe Nachfrage an diesen Tickets! Falls du diese nicht erwerben willst, gebe sie für andere Käufer frei." Im nächsten Schritt wurde der Käufer aufgefordert, seine Personalien anzugeben. Die ausgewiesenen Preise blieben unverändert; hingewiesen wurde wiederum darauf, dass "Bearbeitungsgebühr (zzgl. MWSt), Buchungsgebühr (plus MWST) " nicht inbegriffen seien. Auch auf dieser Seite erschienen der Countdown und der Hinweis: "Bitte beachten Sie, dass diese Tickets möglicherweise nicht mehr zu diesem Preis verfügbar sein werden, wenn Sie Ihren Einkauf nun abbrechen." Danach hatte der Nutzer die Lieferart zu wählen. An dieser Stelle fand eine "Bearbeitungsgebühr (zzgl. MWSt) " Erwähnung. Diese wurde jedoch sofort wieder "abgedeckt", sobald der Nutzer - um mit dem Bestellvorgang fortzufahren - nach unten scrollte. Nicht genannt wurde die Höhe der "Buchungsgebühr". Hingegen blieben der Countdown und der Hinweis in fetter, roter Schrift: "Bitte beachten Sie, dass diese Tickets möglicherweise nicht mehr zu diesem Preis verfügbar sein werden, wenn Sie Ihren Einkauf nun abbrechen" weiterhin ersichtlich. Anschliessend wurde der Nutzer angehalten, seine E-Mail-Adresse zu bestätigen. In der Folge erschien die Mitteilung "Ihre Tickets stehen zur Lieferung bereit!". Im Hintergrund war der nach wie vor laufende Countdown sichtbar. Sodann war die Zahlungsart zu wählen. Genannt wurden der "Ticketpreis" und die "Bearbeitungsgebühr (zzgl. MWSt) ", nicht aber die "Buchungsgebühr". Der Countdown und die erwähnten Hinweise blieben sichtbar. Wurde per Kreditkarte bezahlt, waren die dafür erforderlichen Angaben zu übermitteln. Hier fanden neben "T icketpreis" und "Bearbeitungsgebühr (zzgl. MWSt") auch die "Buchungsgebühr (plus MWST) " sowie ein "Gesamtpreis" Erwähnung. Schliesslich wurde der Nutzer gebeten, die Bestellung und die Zahlungsdetails zu bestätigen. Auch auf dieser Abschlussseite erschienen der laufende Countdown und weitere Hinweise, wonach die Tickets begehrt seien. Der Käufer musste auf der Seite nach unten scrollen, um das Feld "Einkauf bestätigen" anzuklicken. Dabei waren die einzelnen Preiskomponenten und der zu bezahlende Gesamtbetrag nicht mehr sichtbar. A.d. Mit Schreiben vom 3. Mai 2017 mahnte die Klägerin die Beklagte ab. A.e. Am 20. Juni 2018 ersuchte die Klägerin beim Handelsgericht des Kantons St. Gallen um Erlass vorsorglicher Massnahmen. Der Präsident des Handelsgerichts hiess dieses Gesuch mit Entscheid vom 12. Juli 2018 gut.