Citation: U 284/06 13.11.2006 E. 3

Gestützt auf die medizinischen Unterlagen ist erstellt und im Übrigen unbestritten, dass zwischen dem Unfallereignis und dem psychischen Leiden des Beschwerdeführers ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Zu prüfen ist, ob die für die Leistungspflicht der Allianz über den 31. Juli 2001 hinaus weiter vorausgesetzte Adäquanz des Kausalzusammenhangs gegeben ist. Diese Frage beurteilt sich nach Massgabe von BGE 115 V 133. 3.1 Auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs und der vom Versicherten an Daumen und Zeigefinger der linken Hand erlittenen Verletzungen ist der Unfall vom 26. September 1994 im Rahmen der Einteilung, wie sie für die Belange der Adäquanzbeurteilung praxisgemäss vorzunehmen ist, mit dem kantonalen Gericht dem mittleren Bereich zuzuordnen. Damit die Adäquanz bejaht werden könnte, müsste somit eines der massgebenden unfallbezogenen Kriterien gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa in besonders ausgeprägter Weise erfüllt oder es müssten mehrere unfallbezogene Kriterien gegeben sein (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 3.2 Dies trifft hier nicht zu. Der Unfall ereignete sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen und kann auch nicht als besonders eindrücklich bezeichnet werden. Die beim Unfall erlittenen Verletzungen sind insofern nicht besonders schwer, als sie nicht die Gebrauchshand betroffen haben; schon aus diesem Grund kann nicht gesagt werden, dass sie erfahrungsgemäss geeignet seien, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. 3.3 Des Weiteren dauerte die ärztliche Behandlung lange, und der Beschwerdeführer musste sich nach der Erstversorgung bis letztmals am 21. Januar 1999, somit während eines Zeitraums von über vier Jahren, mehreren operativen Eingriffen unterziehen. Erst am 13. April 2000 erachtete Dr. med. S.________, Chefarzt am Regionalspital I.________, den Fall aus somatischer Sicht als abgeschlossen. Auch wenn im Verlauf der Zeit die Behandlungsbedürftigkeit des psychischen Leidens in den Vordergrund trat, wie die Vorinstanz ausführt, waren es doch die physischen Unfallfolgen, welche die verschiedenen chirurgischen Eingriffe und die damit zusammenhängenden Therapien erforderlich machten. Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist damit, wenn auch nicht besonders ausgeprägt, als erfüllt zu erachten. 3.4 Sodann kann als erwiesen gelten, dass der Beschwerdeführer an körperlichen Dauerschmerzen, insbesondere im Bereich des linken Daumens, leidet, auch wenn die schon nach kurzer Zeit auftretende psychische Überlagerung des somatischen Beschwerdebildes nicht zu verkennen ist. 3.5 Hingegen kann von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, nicht gesprochen werden. Zwar trifft es zu, dass die Erledigung eines Versicherungsfalles, sei es durch die Behandlung als Naturalleistung der Versicherung, sei es durch die Abklärungen der Kreis- und anderen beigezogenen Ärzte, zur Verschlimmerung oder Verfestigung der psychogenen Beschwerden beitragen kann und solche Umstände gegebenenfalls unter das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung mit Verschlimmerung der Unfallfolgen zu subsumieren sind (SVR 1996 UV Nr. 58 S. 193 f. Erw. 4e). Anhaltspunkte dafür, dass die Erledigung des Versicherungsfalles durch die Allianz zur Verfestigung oder gar zur Verschlimmerung des psychischen Gesundheitsschadens geführt habe, fehlen jedoch. Wenn die Beschwerdegegnerin ihre Taggeldzahlungen teilweise nur schleppend erbracht hat, wie der Versicherte geltend macht, kann darin kein Umstand erblickt werden, der einer ärztlichen Fehlbehandlung mit einer Verfestigung der nach kurzer Zeit imponierenden psychischen Unfallfolgen gleichgestellt werden könnte. Von der Anordnung eines Gutachtens zu dieser Frage sind keine abweichenden Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auf weitere Beweismassnahmen zu verzichten ist. 3.6 Ferner ist mit der Vorinstanz ein schwieriger Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen zu verneinen. Dass nach der anfänglich zu einer Verminderung der Schmerzen führenden Behandlung wieder vermehrt Beschwerden auftraten, die neuerliche Abklärungen und Therapien erforderlich machten, genügt nicht zur Annahme eines schwierigen Heilungsverlaufs (Urteil B. vom 7. August 2002, U 313/01). Der Umstand, dass die Behandlung sich über einer längeren Zeitraum erstreckte, wurde sodann bereits beim Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung berücksichtigt. Aus der Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer mehreren Operationen unterziehen musste, kann nicht auf Komplikationen im Heilungsverlauf geschlossen werden, sind doch Nachoperationen gerade bei Fingerverletzungen häufig. 3.7 Was schliesslich Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit betrifft, ist mit dem kantonalen Gericht festzustellen, dass dieses Kriterium ebenfalls nicht erfüllt ist. Wenn die Allianz vom September 1994 bis Ende Juli 2001 Taggelder für volle Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet hat, ist dies für die Adäquanzbeurteilung nicht entscheidend. Denn das Kriterium der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit beurteilt sich nicht nach Massgabe der Dauer der Taggeldzahlung, sondern nach medizinischen Gesichtspunkten. Dr. med. H.________ berichtete bereits am 24. November 1994, dass der Beschwerdeführer durch die traumatische Teilamputation DIG I+II links sowohl physisch wie auch psychisch derart traumatisiert sei, dass er zur Zeit nicht mehr an die Wiederaufnahme der Arbeit als Metzger denken könne. Nachdem sich der Versicherte zwischenzeitlich einem Eingriff hatte unterziehen müssen, diagnostizierte der Psychiater Dr. med. F.________ am 19. April 1996 einen "état dépressif majeur" und hielt fest, dass das Hauptproblem zur Zeit psychologischer Natur sei. Im Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik B.________ vom 9. April 1997 wurde in psychischer Hinsicht eine erhebliche Unfallfehlverarbeitungsstörung im Sinne einer posttraumatischen Anpassungsstörung und reaktiven Depression festgehalten. Schliesslich ergibt sich aus der von der Vorinstanz angeordneten Expertise des Zentrums für Versicherungsmedizinische Begutachtung vom 17. August 2004, dass die Dauer der Behandlung und die Arbeitsfähigkeit schon vor der ersten Dokumentation durch Dr. med. H.________ (am 24. November 1994) durch die nach dem Unfall einsetzende Entwicklung der psychischen Beeinträchtigungen beeinflusst war. Auf Grund dieser schlüssigen ärztlichen Angaben ist ausgewiesen, dass die Arbeitsunfähigkeit bereits kurz nach dem versicherten Unfall massgeblich der hernach einsetzenden psychischen Fehlentwicklung zuzuschreiben war. Eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit aus somatischen Gründen ist demgegenüber nicht erstellt.