Citation: 8C_53/2021 E. 5.3

5.3. Auch der Vergleich mit dem Urteil 8C_847/2017 vom 27. September 2018 (SVR 2019 UV Nr. 19 S. 67) verfängt nicht. Im dort beurteilten Fall wurde die Versicherte von ihrem Ehemann gefesselt und verschleppt, wobei dieser der Versicherten während über dreier Stunden den Eindruck vermittelt hatte, ihr Tod sei beschlossene Sache und es gäbe nichts, was sie tun könnte, um diesem Ende zu entgehen. Die emotionale Beziehung, das Wissen um die psychische Erkrankung des Ehemannes (Borderline) und seine Suizidversuche in der Vergangenheit vermochten dabei die Ernsthaftigkeit seiner Todesdrohungen noch zu unterstreichen. Sein Aggressionspotenzial zeigte sich zudem nicht nur in tätlichen Übergriffen und den ausgestossenen Todesdrohungen, sondern es wurde noch untermauert durch die Fahrt an einen unbekannten Ort im Wald. Dabei waren vom Ehemann zuvor Gegenstände im Kofferraum des Personenwagens verstaut worden, welche die Versicherte nicht zu erkennen vermochte. Dazu kam die Unbrauchbarmachung des Mobiltelefons während der Fahrt, womit er sie daran hinderte, mit einer Drittperson Kontakt aufzunehmen, und - wie er der Versicherten erklärte - auch die Ortung des Geräts vereiteln wollte. Das Bundesgericht kam aufgrund all dieser Umstände zum Schluss, dass die durch diese Tat ausgelöste psychische Störung der Versicherten auch nach Ablauf von sechs Jahren adäquat kausal auf das Schreckereignis zurückzuführen sei. Es mag zwar zutreffen, dass auch die Beschwerdeführerin aufgrund der Äusserungen des Täters und der Häufung von Terroranschlägen in jener Zeit auch in Europa davon ausging, ihr Tod sei beschlossene Sache. Da sie von einem Terroranschlag ausging, konnte sie - anders als etwa Opfer von Raubüberfällen - nicht darauf hoffen, der Täter habe es lediglich auf die Erbeutung von Geld und nicht auf die Tötung von Opfern abgesehen. Dennoch fällt vorliegend ins Gewicht, dass der Vorfall vom 20. Januar 2016 nur wenige Minuten gedauert hat, tatsächlich keine Waffe zum Einsatz kam und auch niemand verletzt wurde. Insbesondere konnte die Beschwerdeführerin noch reagieren und den Notfallknopf drücken. Daraufhin ergriff der Täter die Flucht und die Bedrohungslage war gebannt, auch wenn der Täter später noch einmal zur Filiale zurückkehrte, wo er vor verschlossenen Türen stand. Insoweit war die Beschwerdeführerin der Situation nicht machtlos ausgeliefert. Damit unterscheidet sich der hier zu beurteilende Sachverhalt massgeblich von dem im Urteil 8C_847/2017 bewerteten Geschehen.