Citation: U 196/06 23.02.2007 E. 5

5.1 Dem erstbehandelnden Arzt, Dr. med. V.________, gab die Versicherte am 28. Januar 2003 an, beim Skifahren gestürzt zu sein, wobei sie sich an den genauen Vorgang nicht mehr erinnern konnte. Gegenüber der SUVA gab sie am 9. April 2003 zu Protokoll, sie sei im Bereich der abgesicherten Piste in einem Steilhang im Tiefschneebereich gefahren. Dabei sei sie im einbrechenden Schnee mit den Skiern hängen geblieben und nach vorne gestürzt. Was dabei genau abgelaufen sei, wisse sie nicht mehr. An einen eigentlichen Aufschlag mit dem Kopf könne sie sich nicht erinnern. Es sei indessen möglich, dass sie reflexartig eine Kopfbewegung nach hinten gemacht habe. Im Gesichtsbereich habe sie sich keine Verletzungen zugezogen, jedoch einen leichten Schmerz im Nackenbereich verspürt. Daraufhin sei sie normal ins Tal gefahren. Die Frage des Kreisarztes, ob sich beim Sturz die Sicherheitsbindung geöffnet habe, konnte die Versicherte nicht beantworten. Auf Grund der Unfallschilderung allein lässt sich somit nicht ohne weiteres auf ein Schleudertrauma der HWS schliessen. 5.2 Dr. med. V.________ diagnostizierte am 13. März 2003 ein HWS-Distorsionstrauma. Zudem erwähnte er die Möglichkeit einer frischen ausgeprägten Diskusprotrusion C6/7 links mit konsekutiver leichter Spinaleinengung, deren Unfallkausalität in der Folge jedoch nicht erhärtet wurde. Das MRI dokumentierte degenerative Veränderungen mit Osteochondrosen und Diskusprotrusionen bei leichter Spinalkanaleinengung. Dr. med. I.________ spricht im Bericht an Dr. med. V.________ vom 28. April 2004 von einem vorbestehend engen Spinalkanal bei Diskusprotrusion C3 bis 6 und Diskushernie C6/7. Er diagnostizierte ein posttraumatisches Cervikalsyndrom bei unklaren neuropsychologischen und Wesensveränderungen. Die Neurologen des Spitals X.________ gingen im Bericht vom 24. Juli 2003 bei fehlenden Anzeichen für fokale neurologische Defizite und anamnestischer Beschwerdefreiheit vor dem Sturz sowie Beginn der Beschwerden mit einer Latenz von wenigen Tagen nach dem Sturz mit stabilem Verlauf von einem posttraumatischen Syndrom nach HWS-Distorsionstrauma als Ursache der Symptome aus. Neuropsychologisch fanden sie eine reduzierte spontane Ideenproduktion, verminderte Konzentrationsleistung mit langsamem Arbeitstempo und stark verminderter Interferenz- und Fehlerkontrolle, ohne sich allerdings zur Unfallkausalität zu äussern. Laut Bericht von Frau Dr. med. E.________ von der Klinik Y.________ vom 8. April 2004 sind die Nackenbeschwerden und Ausstrahlungsschmerzen in den Kopf erst durch das Unfallereignis aufgetreten. Ohne dieses wäre mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine solche Schmerzsymptomatik vorhanden. Die Beschwerden hätten sich chronifiziert und es bestehe zusätzlich der Verdacht auf eine mittelgradige Depression. Die Kausalität wird somit nach der Formel "post hoc ergo propter hoc" bejaht, was in beweisrechtlicher Hinsicht indessen nicht zu genügen vermag (vgl. BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 342). Laut Untersuchungsbericht der Klinik Y.________ vom 5. Juli 2004 ergab die neuropsychologische Teiluntersuchung ein mittelschwer beeinträchtigtes Leistungsprofil. Auffallend war dabei, dass die kognitiv anspruchsvolleren Aufgaben zur geteilten Aufmerksamkeit normgerecht gelöst wurden, sich aber deutliche Schwierigkeiten in der gerichteten Aufmerksamkeit zeigten. Selber beurteilte sich die Versicherte als unzufrieden, wobei nicht auszuschliessen war, dass sich die emotionale Situation negativ auf die Untersuchung ausgewirkt hat. Zur Unfallkausalität äusserten sich die Psychologen nicht. 5.3 Angesichts der Aktenlage und im Hinblick auf die Latenzzeit bis zum Auftreten der Beschwerden, welche zudem erst neun Tage nach dem Unfall einen Arztbesuch notwendig machten, ist das Vorliegen eines HWS-Schleudertraumas oder eines äquivalenten Verletzungsmechanismus im vorliegenden Fall nicht gesichert. Jedenfalls kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem solchen Verletzungsmechanismus ausgegangen werden. Insofern sind die diesbezüglichen Vorbehalte der SUVA in ihrer Vernehmlassung zutreffend. Hinzu kommt, dass die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchungen die Genese nicht selbstständig und abschliessend vorzunehmen vermögen. Ein HWS-Schleudertrauma und durch den Unfall verursachte organische Störungen sind somit nicht rechtsgenüglich ausgewiesen. Daran vermag auch der von der Versicherten angerufene Bericht des Dr. med. V.________ vom 21. Februar 2005 nichts zu ändern. Dieser erwähnt lediglich in der Diagnose ein chronisches zervikospondylogenes Syndrom nach zervikocranialem Beschleunigungstrauma im Januar 2003 mit neuropsychologischen Defiziten, ohne indessen zur Unfallkausalität eingehender Stellung zu nehmen. Etwas anderes kann auch dem in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erwähnten Austrittsbericht der Ergotherapie der Klinik Y.________ vom 23. November 2004 nicht entnommen werden. 5.4 Obwohl die medizinischen Unterlagen keine hinreichende Grundlage bieten, um einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 19. Januar 2003 als mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt qualifizieren zu können, kann von den beantragten ergänzenden medizinischen Abklärungen abgesehen werden, da von ihnen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; Kieser, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, S. 212, Rz 450; Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., S. 39, Rz 111 und S. 117, Rz 320; Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., S. 274). In einem solchen Vorgehen liegt kein Verstoss gegen das rechtliche Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4b; zu Art. 4 Abs. 1 aBV ergangene, weiterhin geltende Rechtsprechung: BGE 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162 mit Hinweis). Da der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten Beschwerden und dem erlittenen Unfall nicht als mehr denn eine blosse Möglichkeit erscheint, besteht kein Anlass, die Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs nach Massgabe der Rechtsprechung zu den Schleudertraumen der HWS (BGE 117 V 359) zu beurteilen.