Citation: 2C_272/2024 E. 7.4.3

7.4.3. Ist die bisherige Praxis einer Behörde uneinheitlich, kann die Herstellung einer einheitlichen und insofern rechtsgleichen Praxis die Grundlage für eine Praxisanpassung bilden (BEATRICE WEBER-DÜRLER, Zum Anspruch auf Gleichbehandlung in der Rechtsanwendung, in: ZBl 2004, S. 18). Das Rechtsgleichheitsgebot verpflichtet die Verwaltungsbehörden auch im Vollzug, eine ungleiche Konkretisierung des Gesetzes nach Möglichkeit zu verhindern. Unter Umständen kann die Rechtsgleichheit in der Rechtsanwendung sogar einen Eingriff in die formelle Rechtskraft einer Verfügung rechtfertigen, um einen rechtsgleichen Zustand wiederherzustellen (vgl. dazu aus der Optik des Sozialversicherungsrechts BGE 147 V 234 E. 5.2; 141 V 585 E. 5.2; 135 V 201 E. 6.1.2; zur Rechtsprechung im übrigen Verwaltungsrecht BGE 127 II 306 E. 7a). Aus dem in solchen Konstellationen zu beachtenden Gleichbehandlungsinteresse folgt, dass eine bisher schwankende Praxis korrigiert werden darf, um zu einer konsistenten Praxis überzugehen (WEBER-DÜRLER, a.a.O., S. 18; vgl. auch DUBEY, a.a.O., N. 3234 f.; VINCENT MARTENET, in: Commentaire romand, 2020, N. 21 zu Art. 8 BV). Wenn das SECO daher im vorliegenden Fall von der bisherigen Bewilligungspraxis abwich, um den rechtsgleichen Vollzug sicherzustellen, liegt darin ein sachlicher Grund. Deshalb verletzt die Vorinstanz kein Bundesrecht, wenn sie die Voraussetzungen für eine Praxisänderung bejaht.