Citation: 4A_598/2019 E. 5.3

5.3. Aus dieser E-Mail-Korrespondenz ergebe sich, so die Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin die strittige Formulierung von Ziff. 2.1.2 der Vereinbarung tatsächlich so verstanden habe, wie sie auch die Beschwerdegegnerin verstehe: Die Beschwerdeführerin sollte ein Erfolgshonorar erhalten, wenn die Verträge für neue Züge, welche die Beschwerdegegnerin abschliessen konnte, ein "direktes Resultat" ("direct result") der Tätigkeiten der Beschwerdeführerin waren. Sie verwarf den Einwand der Beschwerdeführerin, woraus sich aus dem E-Mail-Verkehr vielmehr ein tatsächlicher Konsens in ihrem Sinn ergebe (vgl. E. 4 hiervor). Die Beschwerdeführerin habe mit ihrer E-Mail vom 20. Dezember 2012 Befürchtungen geäussert, dass das Erfordernis des "direct result" zu ihrem Nachteil gewisse Vertragsabschlüsse ausschliesse. Da die Formulierung "direct result" aber klar sei, habe sie mit dieser Bemerkung - zumindest implizit - den Vorschlag einer Änderung dieser Formulierung vorgeschlagen. Daran ändere nichts, dass die Beschwerdeführerin keinen konkreten Abänderungsvorschlag gemacht habe, denn aus dem Zusammenhang der E-Mail-Korrespondenz sei beiden Parteien klar gewesen, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Bemerkung eine Abänderung des Vertragsentwurfs gewollt habe. Gleich habe sich die Beschwerdeführerin nämlich auch in Bezug auf die zeitliche Verknüpfung verhalten. Auch bei diesem Punkt habe sie nicht ausdrücklich verlangt, die ihr nicht genehme Formulierung müsse abgeändert werden und habe dazu auch keine eigene konkrete Formulierung geliefert. Vielmehr habe sie auch hier nur einen Vorschlag gemacht, dass auch ein späterer Erfolg entschädigt werden sollte. Indem die Beschwerdegegnerin mit dem revidierten Vertragsentwurf gemäss ihrer E-Mail vom 10. Januar 2013 im Sinn der Anregung der Beschwerdeführerin den Zeitrahmen angepasst, jedoch die Formulierung "direct result" beibehalten habe, sei klar gewesen, dass die Beschwerdegegnerin diesbezüglich keine Änderung gewollt habe. Das ergebe sich erst recht daraus, dass sie noch spezifisch darauf hingewiesen habe, die Parteien könnten offene Punkte - wenn es solche gebe - noch telefonisch besprechen. Die Beschwerdeführerin habe aber geantwortet, sie habe keine Fragen mehr und verstehe den Vertrag. Deshalb bestehe eine tatsächliche Willensübereinstimmung im Sinn des Wortlauts. Entgegen der Beschwerdeführerin ändere auch die einleitende Bemerkung in der E-Mail der Beschwerdegegnerin vom 10. Januar 2013 daran nichts. Dort schreibe die Beschwerdegegnerin, sie habe einige Änderungen gemacht und rot gekennzeichnet. Mit diesen Änderungen sollten die "remarks [gemeint: der Beschwerdeführerin] be well covered". Daraus ergebe sich nur, dass es nach dem Willen der Beschwerdegegnerin bei den nun gemachten Änderungen bleiben solle.