Citation: U 53/02 27.05.2003 E. 2

Auf Grund der medizinischen Akten steht fest, dass die Beschwerdeführerin unter einem rechtsseitigen Zervikalsyndrom mit einer begleitenden Zervikobrachialgie rechts sowie unter einer reaktiv depressiven Entwicklung leidet. 2.1 Die Vorinstanz hat festgestellt, als Ursache dieser Gesundheitseinschränkungen falle ein Schleudertrauma ausser Betracht, da der von der Versicherten angegebene Mechanismus im Zusammenhang mit dem Schlag des Segelbaumes an ihren Kopf ein ganz anderer gewesen sei, als derjenige, der zu einem Schleudertrauma der HWS führe. Auch ein schleudertraumaähnlicher Vorfall sei zu verneinen, weil keine mit einer Geschwindigkeitsänderung verbundene körperliche Reaktion vorliege. Auf Grund der gegensätzlichen ärztlichen Beurteilungen könne das Bestehen struktureller Veränderungen an der HWS trotz etlicher, insbesondere radiologischer Untersuchungen weder eindeutig bejaht noch eindeutig ausgeschlossen werden. Da es bloss möglich, nicht aber überwiegend wahrscheinlich sei, dass der Schlag des Segelbaumes an den Kopf zu einer Schädigung der HWS und damit zu den festgestellten Beschwerden geführt habe, liege Beweislosigkeit vor, deren Folgen die Beschwerdeführerin zu tragen habe. 2.2 Der SUVA-Kreisarzt Dr. med. O.________ hat in seiner Beurteilung vom 12. Oktober 1999 angegeben, der Kopf der Versicherten sei anlässlich des Unfallereignisses vom 22. Mai 1998 "unter Verdrehung in der Halswirbelsäule nach rechts geschlagen"; die Ursache der Beschwerden sehe er nicht im Unfallereignis, sondern in einem physiologischen Treppenphänomen. Dr. med. F.________, Allgemeinpraktiker, hat am 26. August 1999 eine Distorsion/Luxation der HWS diagnostiziert, während Dr. med. H.________ von einem Status nach schwerem HWS-Schleudertrauma mit radiologisch eindeutig nachweisbarer Instabilität C3/4, etwas weniger C4/5, ausgegangen ist (Bericht vom 16. September 1999). Auf Veranlassung des Kreisarztes hat PD Dr. med. B.________, Leitender Arzt, Orthopädische Klinik U.________, die Röntgenbilder am 4. November 1999 analysiert und dabei keine Anhaltspunkte für eine Hypermobilität oder Instabilität auf dem Niveau L3/4 gefunden; die untere HWS habe eine Streckhaltung, auf dem Niveau C3/4 finde sich eine normale Beweglichkeit und auch das Segment C4/5 zeige keine Hinweise auf eine segmentale Instabilität. Frau Dr. med. V.________, Fachärztin FMH für Neurologie, stellte gemäss Bericht vom 15. Dezember 1999 ein ausgeprägtes rechtsseitiges Zervikalsyndrom mit begleitender Zervikobrachialgie rechts und eine wahrscheinlich reaktiv depressive Entwicklung fest; eigentliche fokalneurologische Ausfallsymptome seien nicht objektiviert, so dass kein Hinweis für eine zusätzliche Läsion zerebral oder im Bereich des Halsmarkes bestehe, was im Übrigen durch das normale MRI der HWS bestätigt werde. Gestützt auf die Stellungnahmen des PD Dr. med. B.________ und der Frau Dr. med. V.________ hat der Kreisarzt am 30. Dezember 1999 ergänzt, die Versicherte sei von grazilem Habitus und weise konstitutionell eine lockere ligamentäre Führung der Gelenke auf. Dies prädisponiere zur Entwicklung von muskulären Verspannungszuständen im Bereich des Achsenskelettes. Die gewaltsame Torsion der HWS vom 22. Mai 1998 habe für diese Entwicklung fast ein Jahr später keine Bedeutung, da keine morphologischen Veränderungen eingetreten seien. Dr. med. R.________ hat in seinem Gutachten vom 27. Februar 2001 angegeben, die Wucht des Segelbaumaufpralles habe zu einer forcierten Kopfreklination mit gleichzeitigem Abdrehen des Kopfes geführt. Zervikozephale Schmerzen seien eine typische Folge der passiven Überdehnung der HWS. Aus den Unfallschilderungen sei bekannt, dass die Überdehnung nach hinten, mit gleichzeitiger Drehung des Kopfes erfolgt sei. Derartige Mechanismen würden recht häufig zu langwierigen Heilverläufen führen, so dass sich die Entwicklung bei der Versicherten zwanglos erklären liesse. Die Instabilität C3/4 deute zudem auf eine durchgemachte Bandläsion hin. 2.3 Gestützt auf die medizinischen Akten ist die Vorinstanz - insbesondere mit Blick darauf, dass die MRI-Aufnahmen keine morphologischen Veränderungen der HWS zeigen - zu Recht davon ausgegangen, dass ein organisches Substrat für die Leiden der Versicherten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist. Entgegen der Ansicht des kantonalen Gerichts kann allerdings ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen einem Schleudertrauma der HWS, einer schleudertraumaähnlichen Einwirkung oder einem Schädel-Hirntrauma mit vergleichbaren Folgen und den eingetretenen Gesundheitsschädigungen auch ohne organisch nachweisbare Beschwerden vorliegen (Erw. 1.2 hiervor). Im zu beurteilenden Fall ist nach dem Unfallhergang (Aufprall des Grosssegels an der linken Stirnseite, dadurch forcierte Kopfreklination mit gleichzeitigem Abdrehen des Kopfes) ein Schleudertrauma zu verneinen. Wie den ärztlichen Stellungnahmen zu entnehmen ist, hat die Versicherte am 22. Mai 1998 aber ein Distorsionstrauma, eine schleudertraumaähnliche Einwirkung erlitten. Die dafür typischen Nackenbeschwerden sind innert der Latenzzeit von 24 bis 72 Stunden aufgetreten (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29). Die Versicherte klagt ausserdem über Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie rasche Ermüdbarkeit und es liegt eine depressive Entwicklung vor (zum typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma, nach schleudertraumaähnlichen Einwirkungen oder nach einem Schädel-Hirntrauma: BGE 117 V 360 Erw. 4b). Seit dem Ereignis vom 22. Mai 1998 bestand keine Zeit der Beschwerdefreiheit. Wie die Versicherte glaubhaft angibt, hat sie zunächst versucht, mit alternativen Heilmethoden, insbesondere mit Akupressur (Behandlungen vom 1. Juni, 8. Juli und 2. September 1998, durchgeführt von T.________) eine Besserung zu erreichen, bevor sie sich am 17. September 1998 wieder in ärztliche Behandlung begab. Prädisposition allein (das "Treppenphänomen" gemäss der Beurteilung des Kreisarztes) kann bei dieser Entwicklung für den Gesundheitszustand der Versicherten, welche vor dem 22. Mai 1998 keine Beschwerden im Nacken- oder Kopfbereich hatte, nicht verantwortlich sein. Mit Blick auf die medizinischen Unterlagen ist davon auszugehen, dass das Distorsionstrauma der HWS vom 22. Mai 1998 zumindest eine Teilursache der geltend gemachten Leiden ist, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs praxisgemäss genügt (BGE 121 V 329 Erw. 2a mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79).