Citation: 1P.408/2003 30.10.2003 E. 5

5.1 Die Verurteilung des Beschwerdeführers beruht im Wesentlichen auf den Beschuldigungen R.A.________s. Das Kantonsgericht hat die verschiedenen Aussagen des Kindes und deren Entstehungsgeschichten dargestellt (angefochtener Entscheid S. 11 ff.) und dargelegt, dass das Obergutachten die Frage nach der Glaubhaftigkeit der Aussagen R.A.________s nicht beantworten konnte (angefochtener Entscheid S. 17. f.). In einer eingehenden Würdigung der verschiedenen Aussagen ist es anschliessend zum Schluss gekommen, dass die Anschuldigungen wahr seien (angefochtener Entscheid S. 19 ff.). Es prüfte, ob R.A.________ von ihrer Mutter, deren Verhältnis zu ihrem Ex-Mann gespannt ist, zu einer falschen Anschuldigung angestiftet worden sein könnte. Es schloss diese Möglichkeit aus, da die Initiative zum Gespräch mit dem Schulpsychologen S.________, bei welchem R.A.________ ihre Anschuldigungen gegenüber ihrem Vater erstmals erhob, von Lehrer X.________ und R.A.________ selber ausging und die Mutter sich zunächst dagegen wandte. Es fand auch keine Anhaltspunkte dafür, dass R.A.________ vor ihrer polizeilichen Einvernahme durch die Beratung der Opferhilfestelle Y.________ suggestiv beeinflusst worden sei und fand, dass R.A.________ ihre gegenüber dem Schulpsychologen gemachte Kernaussage über die sexuellen Handlungen, die ihr Vater an ihr vorgenommen habe, gleichbleibend wiederholte. Auch wenn es einzelne Aussagen unklar und unbestimmt oder auf Grund suggestiver Fragen als nicht glaubhaft fand, kommt das Kantonsgericht in Würdigung dieser Aussagen zum Schluss, dass die Belastungen R.A.________s überzeugend seien. 5.2 Der Beschwerdeführer wirft dem Kantonsgericht vor, es sei ihm gegenüber mit Vorurteilen belastet gewesen und habe die Beweise willkürlich zu seinen Lasten gewürdigt. Dies komme in der widersprüchlichen Urteilsbegründung klar zum Ausdruck, indem es beispielsweise Aussagen des Opfers teilweise auseinander gerissen und sinnentstellend wieder zusammengeführt, gewisse entlastende Punkte übergangen oder lapidar überspielt und in Verhaltensweisen des Angeklagten und seiner Tochter entgegen jeder Lehrmeinung Hinweise für die eingeklagten Vorwürfe gesehen habe. Was der Beschwerdeführer zur Begründung dieser Rüge vorbringt, ist entweder unbegründet oder erschöpft sich in weitschweifiger, appellatorischer Kritik an der kantonsgerichtlichen Beweiswürdigung, was im Folgenden an einzelnen Rügen beispielhaft dargetan wird. 5.2.1 Der Beschwerdeführer wirft dem Kantonsgericht eine widersprüchliche Beweiswürdigung vor, da es einmal auf die Aussage R.A.________s abstelle, ein anderes Mal dagegen nicht. R.A.________ habe sowohl gegenüber dem Schulpsychologen als auch gegenüber der Polizei erklärt, ihr Vater sei mit seinem Geschlechtsteil in ihr "Vorderfudi" eingedrungen. Wenn das Kantonsgericht schon auf die Aussagen R.A.________s abstelle, hätte es ihn nicht nur wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind sowie mehrfacher sexueller Nötigung, sondern auch wegen mehrfacher, teilweise versuchter Vergewaltigung und mehrfachen, teilweise versuchten Inzests schuldig sprechen müssen. Eine Verurteilung wegen Vergewaltigung und Inzests setzt voraus, dass der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzog (Art. 190 und 213 StGB). Wie der Beschwerdeführer zu Recht anführt, beschuldigt ihn R.A.________ tatsächlich, mit seinem Geschlechtsteil in ihr "Vorderfudi" eingedrungen zu sein und damit den Beischlaf vollzogen zu haben. Das gynäkologische Gutachten von Dr. Z.________ vom 29. Februar 2000 führt dazu indessen aus, dass es sich bei Penetrations-Beschreibungen von Kindern meistens nicht um Penetrationen im Sinne von vollzogenem Geschlechtsverkehr, sondern um Berührungen verschiedener Intensität an der Vulva, der Harnröhre und der Aftergegend handle, was von Kindern dieser Altersgruppe als Penetration empfunden werde. Das Kantonsgericht hat sich daher keineswegs in einen Widerspruch verwickelt, indem es gestützt auf die Aussagen R.A.________s davon ausgeht, dass sie von ihrem Vater mehrfach sexuell missbraucht wurde, dass aber nicht erstellt ist, dass er dabei auch den Geschlechtsverkehr mit ihr vollzog. Die Rüge ist unbegründet. 5.2.2 Der Beschwerdeführer begründet seinen Vorwurf, das Kantonsgericht habe den Sachverhalt bloss selektiv gewürdigt, etwa damit, dass es über den Umstand hinweggegangen sei, dass R.A.________ Begeisterung gezeigt habe, als ihre Mutter sie gefragt habe, ob sie zum Schulpsychologen gehen wolle. Eine derartige Zustimmung eines vermeintlichen Opfers sexueller Handlungen zu einer Befragung müsse als "bemerkenswert" bezeichnet werden. Das Kantonsgericht habe diese Episode vollständig ausgeblendet, da sie wohl nicht ins klassische Opferschema hineinpasse. Es sind naturgemäss viele Gründe denkbar, wieso sich R.A.________ auf dieses Gespräch mit dem Schulpsychologen gefreut haben könnte; unter anderem den nahe liegenden, dass sie ihre schlimmen Erlebnisse mit ihrem Vater endlich einem Aussenstehenden anvertrauen wollte. Spekulationen darüber sind indessen müssig, da der Beschwerdeführer nicht in einer Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügenden Weise darlegt, inwiefern der Umstand, dass R.A.________ gerne zum Schulpsychologen gehen wollte, einen massgeblichen Einfluss auf die Beweiswürdigung hat und dementsprechend vom Kantonsgericht nicht hätte übergangen werden dürfen. Die Rüge ist unbegründet und offensichtlich nicht geeignet, die angebliche Voreingenommenheit des Kantonsgerichts nachzuweisen. 5.2.3 Das Kantonsgericht geht gestützt auf die Aussagen des Schulpsychologen S.________ davon aus, dass sich dieser vom Gespräch mit R.A.________ stichwortartige Notizen machte, welche er nachträglich ins Reine schrieb. Der Beschwerdeführer bemängelt, der Psychologe habe nur eine Reinschrift dieser Notizen zu den Akten gegeben und dies dazu noch sehr spät; die Original-Notizen seien nicht mehr vorhanden. Er unterstellt, der Psychologe habe sich gar keine solchen Gesprächsnotizen erstellt und seine Aussagen dazu am 8. März 2000 dementsprechend aus freier Erinnerung gemacht. Indem das Kantonsgericht dies nicht abgeklärt und sich damit auseinander gesetzt habe, habe es ein weiteres Mal eine für die Gesamtbeurteilung nicht unwesentliche Zeugenaussage übergangen. Die Rüge ist offensichtlich unbegründet, das Kantonsgericht konnte ohne Willkür auf die plausiblen Aussagen des Schulpsychologen, er habe sich vom Gespräch mit R.A.________ stichwortartige Notizen gemacht, abstellen. Der Beschwerdeführer bringt neben blossen Spekulationen nichts vor, was diesen Schluss unhaltbar erschienen liesse. 5.3 In dieser und ähnlicher Weise kritisiert der Beschwerdeführer die kantonsgerichtliche Beweiswürdigung in verschiedenster Hinsicht und hält ihr seine Sicht der Dinge entgegen. Er weist weder konkret nach, dass und inwiefern einzelne Folgerungen des Kantonsgerichts unhaltbar sind, noch dass das Beweisergebnis durch das Zusammenwirken mehrerer, für sich allein betrachtet weniger gravierender Fehler bei der Beweiswürdigung unhaltbar erscheint. Letzteres behauptet er zwar, begründet die Rüge aber nicht in einer den Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügenden Weise. Dies erstaunt auch nicht, da die kantonsgerichtliche Beweiswürdigung einer Willkürprüfung offensichtlich standhält. Soweit auf Ausführungen in der Beschwerdeschrift nicht eingegangen wird, handelt es sich um appellatorische, in der staatsrechtlichen Beschwerde unzulässige Kritik.