Citation: 6P.115/2005 24.01.2006 E. 1

In der staatsrechtlichen Beschwerde macht die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Verurteilung wegen mehrfacher Drohung Willkür und Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, weil das Obergericht hinsichtlich ihres Wissens und Willens in unhaltbarer Weise Tatsachenfeststellungen treffe, die sich nicht aus den Akten ergäben, und weil es sich mit ihren entscheidwesentlichen Aussagen nicht auseinander gesetzt habe (Beschwerde S. 6 ff.). Das Obergericht stellt fest, das Schreiben vom 10. Februar 2003 (kantonale Akten, act. 75) stelle eine Reaktion auf einen Brief der Hypothekarbank vom 5. Februar 2003 dar (act. 74), in welchem diese der Beschwerdeführerin die Einleitung rechtlicher Schritte für den Fall angekündigt hatte, dass sie "weitere Aktivitäten dieser Art" an den Tag legen werde (nämlich ihrer Ansicht nach ehrverletzende Schreiben an Mitarbeiter der Bank). Die Beschwerdeführerin führte im Schreiben vom 10. Februar 2003 an die Direktion und den Verwaltungsrat der Hypothekarbank sowie in Kopie an zwei weitere Personen aus, dass sie gefährliche, böse und unverantwortliche Spiele spielen würden. Dabei bezog sie sich auf ein damals aktuelles versuchtes Tötungsdelikt, in dessen Zusammenhang ihr das Verteidigungsmandat übertragen worden sei, und führte aus, dass sie davon ausgehe, dass sie in diesen Akten gewisse Parallelen zum Fall der Bank und ihres im Oktober 2002 entlassenen Ehegatten finden werde. Und sie fügte an: "Das sind keine Situationen für Spiele, sondern es ist bitterster Ernst des Lebens, Situationen, die den harmlosesten, unauffälligsten Bürger entweder zum Mörder machen können oder ihn an einer Krankheit abserbeln lassen können" (act. 75). Dabei stellt das Obergericht zum subjektiven Sachverhalt fest, die Beschwerdeführerin habe vor der Polizei ausgesagt, dass sie mit ihrem Brief habe sagen wollen, dass die Adressaten jetzt endlich still sein und sie in Ruhe lassen sollten; diese wüssten ganz genau, dass rechtliche Schritte und Strafanzeigen ihr in ihrem Beruf sehr schaden würden (angefochtenes Urteil S. 9 mit Verweisung auf act. 26 f.). Das Obergericht kommt zum Ergebnis, wer unter den vorliegenden Umständen einen solchen Brief verschicke, müsse sich bewusst sein, dass die enthaltene Drohung die Empfänger in Schrecken oder Angst zu versetzen geeignet sei, und nehme dies auch billigend in Kauf (angefochtenes Urteil S. 10). Die Beschwerdeführerin wendet ein, sie habe vor der Polizei ausgesagt, dass sie niemand habe bedrohen wollen; sie habe der Bank bloss sagen wollen, dass diese jetzt endlich still sein und sie in Ruhe lassen solle (mit Hinweis auf act. 27). Wie erwähnt, hat sich das Obergericht mit dieser Aussage auseinandergesetzt und diese unter Verweisung auf act. 26 f. in die Urteilsbegründung aufgenommen. Die Beschwerdeführerin bringt zusammenfassend vor, mit ihrem Schreiben habe sie niemand bedrohen, sondern die Adressaten lediglich darauf aufmerksam machen wollen, wie Menschen in Extremsituationen reagieren können (Beschwerde S. 7). Dabei bezieht sie sich auch in der Beschwerde auf das erwähnte Tötungsdelikt, in dem "ein Mann wegen einer Frau nach langjähriger Anstellung hinausgeekelt und anschliessend arbeitslos geworden und ausgesteuert worden" sei; der Bank habe sie nur sagen wollen, was so etwas auslösen könne (Beschwerde S. 7). Diese Argumentation bestätigt die Beweiswürdigung des Obergerichts. Es ist der Hinweis auf eine mögliche und gravierende Eskalation, falls die Adressaten nicht "still" seien. Das hat die Beschwerdeführerin den Adressaten "sagen wollen". Diese wurden dadurch in Angst und Schrecken versetzt. Die Schlussfolgerung, das habe die Beschwerdeführerin billigend in Kauf genommen, erscheint nicht als willkürlich, hat diese doch die Adressaten gerade unter Hinweis auf das Tötungsdelikt nachdrücklich auf die Möglichkeit einer solchen Eskalation aufmerksam gemacht. Eine Verletzung des Gehörsrechts sowie eine willkürliche Beweiswürdigung sind nicht ersichtlich. Die staatsrechtliche Beschwerde ist abzuweisen.