Citation: 1C_355/2023 E. 3.2

3.2. Vorliegend handelt es sich um einen Ortsplan aus dem Jahre 2012, der vom Kanton im gleichen Jahr genehmigt wurde. Die nun strittige Teilrevision des Baugesetzes Savognin ist im Jahr 2021 an der Urne angenommen und im Jahr 2022 von der Regierung genehmigt worden. Etwa zwei Drittel des Planungshorizonts von Art. 15 Abs. 1 RPG waren damit seit der letzten Gesamtrevision erreicht. Das Vertrauen in die Planbeständigkeit ist daher nicht mehr sehr gross. Zudem handelt es sich bei den vorgesehenen Änderungen des Baugesetzes um punktuelle Eingriffe, die entweder materiell nicht stark ins Gewicht fallen oder bloss einzelne Parzellen betreffen. Insbesondere besteht ein öffentliches Interesse an der verdichteten Überbauung der Hotelzone B. Dabei ist zu berücksichtigen, dass seit der letzten Gesamtrevision der Ortsplanung sowohl auf Bundes- wie auch auf Kantonsebene gewichtige Änderungen in der Gesetzgebung stattgefunden haben, wie die Vorinstanz zu Recht anmerkt. Auf eidgenössischer Ebene wurde am 11. März 2012 die Zweitwohnungsinitiative angenommen und auf den 1. Mai 2014 die RPG-Revision 1 (vom 15. Juni 2012) in Kraft gesetzt, welche Massnahmen zur inneren Verdichtung sowie zur Aktivierung der Baulandreserven vorsieht. Weiter wurde im März 2018 der Kantonale Richtplan Siedlung (KRIP-S) Graubünden, genehmigt von der Bündner Regierung am 10. April 2019, überarbeitet, u.a. mit dem Ziel, verdichtete qualitativ hochwertige Wohnangebote im Siedlungsgebiet zu fördern. Zudem misst die Gemeinde den durch die Teilrevision ermöglichten Bauprojekten ein sehr hohes Gewicht zu. Das ist auch daraus ersichtlich, dass sie die fraglichen Parzellen der Hotelzone B ("Viols") im kommunalen räumlichen Leitbild, vom Gemeindevorstand am 21. April 2020 beschlossen, als Entwicklungsschwerpunkt für Beherbergungsbetriebe festgelegt hat. Wie die Vorinstanz ausgeführt hat, bedeuten die vorgesehene Erhöhung der maximalen Ausnützungsziffer für die Hotelzone B von heute 0.85 auf neu 1.0 sowie die Vergrösserung der maximalen Gebäudelänge/-breite von heute 30 m auf neu 55 m samt der Möglichkeit von Verbindungsbauten von max. 5 m Höhe keine völlig atypische oder ortsfremde Bauvorschriften. Die von den Beschwerdeführenden bewohnten Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft stünden dem durch diese Anpassung ermöglichten Hotelkomplex in ihrer Höhe und in ihrem Erscheinungsbild kaum nach, wie die Vorinstanz argumentiert. Es sei daher nicht zu kritisieren, dass die Gemeinde den involvierten öffentlichen Interessen, namentlich am Tourismus, ein höheres Gewicht zugesprochen habe als den Interessen der Nachbarschaft an einer möglichst geringen Einschränkung ihrer Aussicht. Diese Ausführungen sind nachvollziehbar, werden im Ergebnis vom Bundesamt für Raumentwicklung geteilt und von den Beschwerdeführenden nicht bestritten. Keine Bedeutung hat zudem, dass die vorgesehenen Änderungen den Bau eines bestimmten Projekts ermöglichen sollen, der mit den bisherigen Bauvorschriften unvereinbar war. Es steht der Gemeinde vielmehr frei, ihre Rechtsgrundlagen anzupassen, um ein bestimmtes Bauprojekt zu ermöglichen. Auch kann ein bestimmtes Bauprojekt zur Erkenntnis führen, dass die geltenden Bauvorschriften änderungsbedürftig sind, und damit Auslöser einer Revision der Ortsplanung sein.