Citation: 6B_838/2024 E. 2.2

2.2. Der Beschwerdeführer beruft sich auf Art. 333 Abs. 4 Satz 1 StPO. Demnach darf das Gericht eine geänderte oder erweiterte Anklage seinem Urteil nur zu Grunde legen, wenn die Parteirechte der beschuldigten Person und der Privatklägerschaft gewahrt worden sind. Der Beschwerdeführer trägt vor, gemäss Anklage solle er die Beschwerdegegnerin 2 einige Meter abseits der Gruppe am Handgelenk gepackt und zurückgerissen haben, um sie am Wegrennen zu hindern. Als er die Handgelenke losgelassen, und die Beschwerdegegnerin 2 erneut wegzurennen versucht habe, solle er sich ihr in den Weg gestellt und dazu gedrängt haben, ihn oral zu befriedigen, worauf die Beschwerdegegnerin 2 vorgeschlagen habe, gemeinsam zu einer noch weiter von der Gruppe entfernten Sitzbank zu gehen. Dort habe der Beschwerdeführer sie unter dem T-Shirt an den Brüsten angefasst, worauf sie ihm gesagt habe, er solle damit aufhören. Die Jugendanwaltschaft habe in ihrem Plädoyer vor der Erstinstanz nach abgeschlossenem Beweisverfahren ausgeführt, diese verbale Zurückweisung des Beschwerdeführers nach dem Anfassen der Brüste müsse aus dem Anklagesachverhalt gestrichen werden. Im Weiteren sei die Jugendanwaltschaft zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer sich der Beschwerdegegnerin 2 in den Weg gestellt haben müsse, bevor er ihre Handgelenke gepackt habe. Darauf sei das Beweisverfahren nicht nochmals geöffnet worden. Auch anderweitig seien die Parteirechte des Beschwerdeführers nicht gewahrt worden. Trotzdem habe die Erstinstanz ihrem Urteil den geänderten Sachverhalt zugrunde gelegt, indem sie festgestellt habe, entgegen der Anklageschrift habe sich der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin 2 beim Festhalten der Handgelenke nicht zusätzlich in den Weg gestellt. Gemäss den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 an der Hauptverhandlung sei dies in einer früheren Phase des Geschehens passiert. Eine derartige Ergänzung des Anklagesachverhalts verletzt nach Ansicht des Beschwerdeführers den Anklagegrundsatz. Er verweist auf Art. 340 Abs. 1 lit. b StPO, wonach die Anklage nicht mehr zurückgezogen und unter Vorbehalt von Art. 333 StPO nicht mehr geändert werden kann, sobald allfällige Vorfragen behandelt sind. Die sinngemässe Ergänzung der Anklage durch die Jugendanwaltschaft im Plädoyer und die Erstinstanz im Urteil sei unzulässig. Es hätte nicht festgestellt werden dürfen, dass die Beschwerdegegnerin 2 und der Beschwerdeführer sich bereits zuvor etwas abseits der Gruppe befunden hätten und dass er sie daran gehindert habe, zur Gruppe zurückzukehren, indem er sich ihr in den Weg gestellt habe.