Citation: 5C.53/2007 19.10.2007 E. 4

Gemäss dem angefochtenen Urteil lebten die Parteien während rund 28 ½ Jahren eine Zuverdienstehe, wobei neben der Vollerwerbstätigkeit des Beklagten die Klägerin auch während der Betreuungszeit für die beiden gemeinsamen Söhne immer ganz- oder teilzeitig erwerbstätig war. Eine durch die Ehe bewirkte erhebliche Beeinträchtigung der vorehelichen Erwerbsfähigkeit der Beklagten liegt deshalb nicht vor. 4.1 Strittig ist vor Bundesgericht unter anderem die sog. Eigenversorgungskapazität der Klägerin und damit die Frage, ob es der Klägerin möglich und zumutbar ist, ihre Erwerbstätigkeit von heute 60 % nicht bloss auf 75 % auszudehnen, wovon das Kantonsgericht ausgegangen ist, sondern auf 100 %, eventuell auf mindestens 80 %, wie das der Beklagte fordert, oder - anders gefragt - ob der Klägerin ein (hypothetisches) Einkommen aus voller oder nur teilzeitlicher Erwerbstätigkeit angerechnet werden darf. Der Beklagte bringt im Wesentlichen vor, die vom Kantonsgericht getroffene Annahme, der Klägerin sei (lediglich) eine Erwerbstätigkeit von 75 % zuzumuten, erscheine realitätsfremd. Wirklichkeitsnaher sei eine Anstellung der Beklagten mit einem Beschäftigungsgrad von mindestens 80 %. 4.2 Ob der Klägerin ein hypothetisches Einkommen, d. h. eine Tätigkeit im Sinne der Eigenversorgungskapazität, in der beantragten Höhe zugemutet werden kann, bildet eine vom Bundesgericht im Berufungsverfahren überprüfbare Rechtsfrage. Ob die Erzielung dieses hypothetischen Einkommens auch als tatsächlich möglich erscheint, ist hingegen eine Tatfrage, die durch entsprechende Feststellungen oder durch die allgemeine Lebenserfahrung beantwortet wird (BGE 126 III 10 E. 2b S. 12; 128 III 4 E. 4 c/bb und cc S. 7); auch letzternfalls müssen aber jene Tatsachen als vorhanden festgestellt sein, die eine Anwendung von Erfahrungssätzen überhaupt erst ermöglichen (vgl. Kummer, Grundriss des Zivilprozessrechts, 4.A. Bern 1984, S. 225/226). Der Beklagte begründet seine diesbezüglichen Vorbringen jedoch nicht näher, sondern begnügt sich damit, die Auswirkung der verschiedenen Grade der Eigenversorgungskapazität (75 %, 80 % oder 100 %) auf die Verteilung des Überschusses aufzuzeigen. Die Vorinstanz hat eine Ausdehnung der Eigenversorgungskapazität der Klägerin von 60 % auf 75 % aufgrund der Tatsache, dass sie keine gesundheitlichen Probleme habe und die Kinder keiner speziellen Betreuung mehr bedürften, als angemessen erachtet. Ob und in welchem Ausmass der Unterhaltsgläubigerin ab einem bestimmten Zeitpunkt ein höheres als das tatsächlich erzielte Einkommen angerechnet werden darf, ist eine ausgesprochene Wertungsfrage, die das Sachgericht nach pflichtgemässem Ermessen zu beantworten hat. Das Bundesgericht überprüft solche Ermessensentscheide grundsätzlich frei; es übt jedoch Zurückhaltung und schreitet nur ein, wenn die Vorinstanz grundlos von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgewichen ist, wenn sie Tatsachen berücksichtigt hat, die für den Entscheid im Einzelfall keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn sie umgekehrt Umstände ausser Betracht gelassen hat, die zwingend hätten beachtet werden müssen. Ausserdem greift das Bundesgericht in Ermessensentscheide ein, falls sich diese als offensichtlich unbillig, als in stossender Weise ungerecht erweisen (vgl. für die Eigenversorgungskapazität: BGE 127 III 136 E. 2c und E. 3a S. 140; Urteil 5C.278/2000 vom 4. April 2001, E. 3b, publ. in: ZBJV 138/2002 S. 35; allgemein: BGE 131 III 12 E. 4.2 S. 15). -:- Die Vorinstanz hat sich bei dieser Wertung von verschiedenen Kriterien wie dem Alter der Klägerin, deren Ausbildung und Berufserfahrung sowie der allgemeinen Lage auf dem Arbeitsmarkt leiten lassen. Die Aufnahme einer vollen Erwerbstätigkeit hat die Vorinstanz hingegen angesichts des fortgeschrittenen Alters der Klägerin, derer langjährigen Einschränkung der Berufstätigkeit in ihrem erlernten Beruf als Pharmaassistentin zu Gunsten der Familienarbeit sowie der andauernden Kinderbetreuung für unzumutbar und angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt für unrealistisch gehalten. Aufgrund dieser von der Vorinstanz angewandten Entscheidkriterien kann nicht gesagt werden, diese sei von nicht massgeblichen Kriterien ausgegangen und habe das ihr zustehende Ermessen überschritten. Die Berufung erweist sich somit auch in diesem Punkt als unbegründet.