Citation: 1C_569/2018 E. 3.3

3.3. In den folgenden Fällen erachtete das Bundesgericht hingegen die Anhaltspunkte für ein tatsächlich verkehrsrelevantes Suchtverhalten der ausserhalb des motorisierten Strassenverkehrs auffälligen Personen als nicht erstellt und die angeordneten Untersuchungen als widerrechtlich: Im Zusammenhang mit einem Vorfall häuslicher Gewalt wurde bei einem Mann eine Blutalkoholkonzentration von 1,99 Gewichtspromille festgestellt. Abgesehen von diesem Vorfall bestanden aber keine Hinweise, dass dem bei jahrzehntelanger Fahrpraxis über einen ungetrübten automobilistischen Leumund verfügenden Mann die Fahreignung abgehen würde (Urteil 1C_256/2011 vom 22. September 2011). Nicht genügend Anhaltspunkte für die Annahme einer verminderten Fahrfähigkeit aufgrund eines Alkoholproblems erblickte das Bundesgericht weiter bei einem Mann, welcher im alkoholisierten Zustand Hausklingeln einer Liegenschaft gedrückt und damit ein öffentliches Ärgernis erregt hatte. Dieser einzelne Vorfall genügte gemäss Bundesgericht nicht, um eine verkehrsmedizinische Untersuchung anzuordnen. Weitere Indizien, wonach der Mann regelmässig so viel Alkohol trinken würde, dass zu befürchten gewesen wäre, er könne Trinken und Fahren nicht zuverlässig trennen, lagen keine vor (Urteil 1C_356/2011 vom 17. Januar 2012). Als nicht gerechtfertigt erachtete das Bundesgericht sodann die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung bei einer Frau, welche aufgrund wechseljahrbedingter hormoneller Stimmungsschwankungen eine überhöhte Dosis Hormontabletten und Alkohol (1,2 Gewichtspromille) zu sich genommen und einer Kollegin eine SMS mit einer Suizidandrohung geschrieben hatte. Gemäss dem Bundesgericht waren lediglich aufgrund dieses isolierten Ereignisses keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich, wonach die Frau ihre Wohnung hätte verlassen oder sich gar ans Steuer setzen wollen (Urteil 1C_748/2013 vom 16. Januar 2014). Ebenfalls von einer ungerechtfertigt angeordneten Abklärung ging das Bundesgericht in einem Fall aus, in welchem ein Mann zu Fuss unterwegs war und sich bei einem Sturz auf dem Trottoir den Fuss brach. Obschon der durchgeführte Atemalkoholtest einen Wert von 2,27 Gewichtspromille ergab und der automobilistische Leumund des Mannes in Bezug auf Alkohol bzw. Trunkenheitsfahrten getrübt war, erwog das Bundesgericht, die Anordnung einer verkehrspsychiatrischen Abklärung lasse sich nicht mehr rechtfertigen, da der Mann nach dem Ereignis keinen Anlass mehr zu Beanstandungen geboten hatte. Das Bundesgericht führte aus, es sei plausibel, dass es sich beim Rauschtrinken um ein isoliertes Ereignis gehandelt habe, welches keinen Bezug zu einer allfälligen Teilnahme am motorisierten Strassenverkehr gehabt habe und auch nicht die Annahme rechtfertige, dass der Mann erneut in verkehrsrelevanter Weise Alkohol konsumieren könnte (Urteil 1C_144/2017 vom 2. Juni 2017 E. 3.1 f.).