Citation: 9C_255/2023 E. 4.2.1

4.2.1. Ob und in welchem Umfang der Ehepartner einer Ergänzungsleistungen beanspruchenden Person ein Erwerbseinkommen zu erzielen hat, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Die Zumutbarkeit einer Aufnahme oder Ausdehnung der Arbeitstätigkeit beurteilt sich dabei nach familienrechtlichen Grundsätzen (BGE 117 V 287 E. 3c; Urteile 9C_160/2018 vom 9. August 2018 E. 3, in: SVR 2018 EL Nr. 19 S. 49, 9C_265/2015 vom 12. Oktober 2015 E. 3.3.2, in: SVR 2016 EL Nr. 1 S. 1). Massgebend sind das Alter, der Gesundheitszustand, die Sprachkenntnisse, die Ausbildung, die frühere Tätigkeit, die konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls die Dauer der Abwesenheit vom Berufsleben (BGE 134 V 53 E. 4.1; 117 V 287 E. 3a; Urteil 9C_148/2022 vom 16. September 2022 E. 3.2). Der Ehefrau oder dem Ehemann ist sodann eine realistische Übergangsfrist für die Aufnahme oder Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit einzuräumen (BGE 142 V 12 E. 5.4; Urteil 9C_265/2015 vom 12. Oktober 2015 E. 3.4.1, in: SVR 2016 EL Nr. 1 S. 1). Dieser Grundsatz gilt unabhängig davon, ob erstmals Ergänzungsleistungen beantragt oder laufende Leistungen neu berechnet werden. Er kommt nach der Rechtsprechung jedoch dort nicht zur Anwendung, wo mit Blick auf einen absehbaren künftigen EL-Bezug eines Ehepartners, beispielsweise infolge Eintritts in das AHV-Rentenalter, dem anderen Ehepartner im Vorfeld genügend Zeit zur Verfügung stand, um sich erwerblich einzugliedern (BGE 142 V 12 E. 5.4).