Citation: 4A_55/2022 E. 6.1.2

6.1.2. Zu prüfen bleibe, ob die Art und Weise der Beendigung der Lieferbeziehung durch die Beschwerdegegnerinnen als missbräuchlich zu qualifizieren sei, wobei diesbezüglich nebst der Würdigung der Einzelfallumstände auch eine Verhältnismässigkeitsprüfung zu erfolgen habe. Die Beschwerdeführerin habe insbesondere mit der Beschwerdegegnerin 2 langjährige Geschäftsbeziehungen unterhalten, ohne dass ein Grosshandelsvertrag vorgelegen habe. Vielmehr habe sie die Bestellungen jeweils über das Online-Portal der Beschwerdegegnerin 2 getätigt. Die langjährigen Geschäftsbeziehungen hätten auf einer stabilen Grundlage gestanden. Die in den letzten Jahren vor dem Lieferabbruch erzielten Umsätze seien weder vernachlässigbar noch ausserordentlich hoch gewesen. Sie habe jedoch unbestrittenermassen keine auf die Produkte der Beschwerdegegnerinnen ausgelegte besondere Infrastruktur aufgebaut, da sie als Grosshändlerin auch eine Vielzahl von Uhrenersatzteilen anderer Hersteller anbiete. Entsprechend sei keine ihrer Investitionen direkt bzw. einzig auf die Produkte der Beschwerdegegnerinnen zurückzuführen. Die Einstellung der Belieferungen sei ihr von der Beschwerdegegnerin 3 mit einer grosszügigen Vorlaufszeit von einem Jahr und 10 Monaten angezeigt worden. Dadurch habe sie ausreichend Zeit gehabt, um sich an die veränderte Situation anzupassen, beispielsweise um den Vertrieb schwergewichtig auf andere Erzeugnisse als Uhrenersatzteile auszurichten. In der Summe sprächen alle diese Umstände dafür, dass die Art und Weise des Lieferabbruchs jedenfalls nicht missbräuchlich erfolgt sei. Das Interesse der Beschwerdegegnerinnen an der freien Gestaltung ihres Vertriebssystems sei im Resultat höher zu gewichten als das Interesse der Beschwerdeführerin an der Aufrechterhaltung von Lieferungen von Uhrenersatzteilen und der Beibehaltung einer allenfalls überholten Vertriebsstruktur. Es sei nicht ausschlaggebend, dass die Produkte der Beschwerdegegnerinnen grundsätzlich nicht substituierbar seien. Denn auch einem marktmächtigen Unternehmen müsse die freie Gestaltung seiner Vertriebspolitik möglich sein, sofern deren Umgestaltung nicht rechtsmissbräuchlich erfolge.