Citation: 8C_460/2024 E. 5.6.2

5.6.2. Ob ein (behinderungsbedingter oder anderweitig begründeter) Abzug vom hypothetischen Invalideneinkommen vorzunehmen sei, ist eine Rechtsfrage. Demgegenüber stellt die Höhe des Abzuges eine typische Ermessensfrage dar, die nur eingeschränkter Korrektur zugänglich ist (Ermessensüberschreitung, -missbrauch oder -unterschreitung; vgl. BGE 137 V 71 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 132 V 393 E. 3.3; Urteil 8C_557/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 3.4). 5.6.2.1. Unbehelflich ist in diesem Zusammenhang die Berufung des Beschwerdeführers auf seine fehlende in der Schweiz anerkannte Berufsausbildung sowie auf mangelnde Weiterbildungen. Dieser Umstand wirkt sich bei den ihm zumutbaren Tätigkeiten im Kompetenzniveau 1 nicht negativ aus (Urteile 8C_715/2022 vom 8. März 2023 E. 10.4.2.2; 8C_192/2022 vom 7. Juli 2022 E. 7.2.2; 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7, je mit Hinweisen). Denn der LSE-Tabellenlohn im vorliegend beigezogenen Kompetenzniveau 1 umfasst bereits eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten (vgl. Urteile 8C_715/2022 vom 8. März 2023 E. 10.4.2.1; 8C_623/2022 12. Januar 2023 E. 5.2.2; 8C_799/2021 vom 3. März 2022 E. 4.3.3 mit Hinweis). Gleiches gilt für die geltend gemachte geringe Weiterentwicklung in sprachlicher Hinsicht (vgl. Urteil 8C_939/2011 vom 13. Februar 2012 E. 5.2.3). Schliesslich ist auch die nicht vorhandene Arbeitserfahrung bei vielen verschiedenen Arbeitgebern im Rahmen der beigezogenen Verweistätigkeiten irrelevant (Urteil 9C_862/2017 vom 29. Juni 2018 E. 3.3.2). 5.6.2.2. Des Weiteren gehört es zur Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, neben der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit ein Zumutbarkeitsprofil zu definieren sowie bspw. ein vermindertes Rendement, therapiebedingte Absenzen oder vermehrten Pausenbedarf zu bescheinigen und diese letzteren - quantifizierbaren - Aspekte bei der Schätzung der Leistungsfähigkeit auch zu veranschlagen (Urteil 8C_823/2023 vom 8. Juli 2024 E. 9.5.3.2 mit Hinweis, zur Publikation vorgesehen). Dem Argument des Beschwerdeführers, sein vermehrter Pausenbedarf rechtfertige einen Tabellenlohnabzug, ist nach dem Gesagten entgegenzuhalten, dass dieser bereits bei der Schätzung der Arbeitsfähigkeit Berücksichtigung fand. 5.6.2.3. Nicht vorhersehbare und schwer kalkulierbare Absenzen, wie sie durch Krankheitsschübe verursacht werden, können demgegenüber einen Tabellenlohnabzug rechtfertigen (Urteile 9C_42/2022 vom 12. Juli 2022 E. 4.5; 9C_439/2020 vom 18. August 2020 E. 4.5.2 mit Hinweisen). Praxisgemäss müssen, damit ein Abzug unter diesem Titel gewährt werden kann, Umstände vorliegen, die das Risiko krankheitsbedingter Arbeitsabsenzen ganz konkret erhöhen (Schubkrankheit, täglich mehrmalige Selbstkatheterisierung usw.; Urteil 9C_42/2022 vom 12. Juli 2022 E. 4.5.1 und 4.5.2). Die sachbezogenen Unterlagen zeigen vorliegend auf (so das rheumatologische Teilgutachten vom 15. Dezember 2021), dass der klinische Zustand als therapeutisch gut kontrolliert betrachtet werden kann, wobei jedoch keine völlige Remissionssituation besteht. Diesem Teilgutachten zufolge besteht die rheumatologische Arbeitsfähigkeit von 100 % in angepasster Tätigkeit (vgl. E. 5.1 hiervor), mit Ausnahme ausgeprägter Schubsituationen, vermutlich seit Auftreten der rheumatoiden Arthritis im Jahr 2004 durchgehend, wobei Frequenz und Intensität derartiger Schübe mangels Aufzeichnungen in den Akten nicht genau datiert werden konnten. Folglich sind gutachterlich keine notwendigen Unterbrüche des Arbeitsalltags ausgewiesen, deren Dauer und Intensität nicht voraussehbar wären (vgl. Urteil 9C_42/2022 vom 12. Juli 2022 E. 4.6). Darüber hinaus wartet in diesem Zusammenhang auch der Beschwerdeführer nicht mit konkreten Angaben auf. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz nicht in rechtsfehlerhafter Ausübung ihres Ermessens einen zu tiefen Tabellenlohnabzug gewährt (vgl. BGE 137 V 71 E. 5.1 mit Hinweisen; 132 V 393 E. 3.3).