Citation: 6B_966/2022 E. 2.4.2

2.4.2. Indizien für die besondere Skrupellosigkeit ergeben sich auch aus der Ausführung der Tat, wobei dem Beschwerdeführer diesbezüglich beizupflichten ist, dass seine Vorgehensweise nicht im eigentlichen Sinne als heimtückisch bezeichnet werden kann, da er die Beschwerdegegnerin 2 nicht durch List in einen Hinterhalt gelockt oder er ein zuvor erschlichenes Vertrauen ausgenutzt hat (vgl. Urteil 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 6.4 mit einer Auflistung von Beispielfällen mit heimtückischem Vorgehen). Mit der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin 2 ist die Vorgehensweise des Beschwerdeführers jedoch als besonders grausam zu qualifizieren. Gemäss den verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen öffnete der Beschwerdeführer auf dem Weg zum Hauseingang sein Messer und näherte sich der Beschwerdegegnerin 2 von hinten, ohne ein Wort zu sagen. Er versetzte sie sodann in eine ausweglose Situation, indem er sie im Hauseingang, eingesperrt zwischen der verschlossenen Haustüre und ihm, ansprach und sie überraschend angriff. Die Beschwerdegegnerin 2 sah das Messer zu keinem Zeitpunkt und war entsprechend nicht auf einen Angriff vorbereitet (vgl. Urteil S. 34 f.). Aufgrund der engen räumlichen Verhältnissen und des Grössenunterschieds zwischen ihnen, konnte sich die Beschwerdegegnerin 2 weder hinreichend schützen noch fliehen, und war dem Beschwerdeführer somit völlig ausgeliefert. Er hat ihre Wehrlosigkeit gnadenlos ausgenutzt und mit einem spitzen Messer, mit einer Klingenlänge von 9.8 cm heftig sowie gezielt in ihre linke Körperhälfte eingestochen und sie damit schwer verletzt. Ein Stich erfolgte in den Brustkorb und verletzte die Lunge. Drei Stiche gingen in den Oberbauch, wovon einer den Pankreasschwanz und die Magenvorder- sowie die Magenhinterwand verletzte, ein anderer Stich erfolgte in die Milz. Von den drei Stichen in den Oberbauch drang einer mindestens 10 cm und die übrigen zwei mindestens 4 bis 5 cm ein. Zwei Verletzungen am Oberschenkel resultierten aus einem Durchstich, wobei von einer tangentialen Eindringtiefe von zirka 10 cm auszugehen ist. Die Stiche waren gemäss gutachterlicher Einschätzung geeignet, das Herz der Beschwerdegegnerin 2 zu erreichen, und bewirkten eine besonders nahe Lebensgefahr (Urteil S. 34 f.). Die Beschwerdegegnerin 2 schützte sich nach dem ersten, unerwarteten Stich in den Pankreasschwanz mit ihren Armen und leistete Widerstand (Urteil S. 35). Der Beschwerdeführer hat jedoch erst, aber immerhin von ihr abgelassen, als sie ihm - bereits am Boden liegend - einen Fusstritt versetzte, der ihn in seinem gleichbleibenden und wiederholenden Zustechen unterbrach (vgl. Urteil S. 38). Da er sein Vorhaben nicht zu Ende brachte und schliesslich den Notruf alarmierte, erscheint fraglich, ob von einem eigentlichen Vernichtungswillen ausgegangen werden kann. Jedenfalls hat er mit seinem mindestens fünfmaligen, wuchtigen und zielgerichteten Zustechen, seine Entschlossenheit, die ihm schutzlos ausgelieferte Beschwerdegegnerin 2 zu töten, bis zu deren Fusstritt auf grausame Art und Weise gezeigt. Soweit der Beschwerdeführer sinngemäss geltend macht, da die Beschwerdegegnerin 2 die Attacke überlebt habe, gehe die Grausamkeit nicht über jene hinaus, die jedem Tötungsversuch immanent sei, kann ihm nicht gefolgt werden. Das Ausbleiben des Erfolgs schliesst nicht aus, dass die Tatausführung ausserordentlich grausam ist.