Citation: 5A_625/2024 E. 3.4

3.4. Die Vorinstanz geht davon aus, dass vorliegend die Möglichkeit besteht, dass die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Frage des Besuchsrechts des Beschwerdegegners zum Nachteil von A.________ handeln könnte, und stützt sich dabei zu Recht auf BGE 145 III 393 E. 2.7. In Übereinstimmung mit dieser Rechtsprechung prüft sie die Frage, ob eine Interessenkollision im Sinne von Art. 306 Abs. 3 ZGB vorliegt, auf abstrakter Ebene. Die Beschwerdeführerin verkennt bei ihrer Argumentation, dass bereits das Vorliegen einer potenziellen Interessenkollision für den Wegfall der Vertretungsmacht der sorgeberechtigten Eltern genügt. Die Vorinstanz berücksichtigt unter anderem, dass die Beschwerdeführerin Anträge betreffend die Einschränkung des persönlichen Verkehrs des Beschwerdegegners stellt, während dieser ihr vorwirft, ihm den Kontakt zu A.________ zu verweigern. Dass die Vorinstanz unter diesen Umständen von einer potenziellen Kollision der Interessen der Beschwerdeführerin und des Kindes ausgeht, ist nicht zu beanstanden. Zudem irrt die Beschwerdeführerin, wenn sie meint, dass bei Fragen des Besuchsrechts keine Interessenkollision im Sinne von Art. 306 Abs. 3 ZGB bestehen könne. Die Vorinstanz hat bei der Beurteilung der Zulässigkeit von A.________s Berufung entgegen dem, was die Beschwerdeführerin zu glauben meint, nicht tatsächlich, sondern nur abstrakt geprüft, ob eine Interessenkollision im Sinne von Art. 306 Abs. 3 ZGB vorliegt. Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz sei bereits vor der materiellen Prüfung der Berufung davon ausgegangen, dass keine Kindeswohlgefährdung vorliege, und habe damit eine vorgefasste Meinung gehabt, verfängt daher nicht. Zudem irrt die Beschwerdeführerin, wenn sie meint, dass bei Streitigkeiten, die das Besuchsrecht betreffen, nur die Eltern als gesetzliche Vertreter für das Kind ein Rechtsmittel erheben können (vgl. Art. 300 Bst. c ZPO). Die Beschwerdeführerin vermag somit nicht aufzuzeigen, inwiefern die Vorinstanz Bundesrecht verletzen sollte, indem sie von einer abstrakten Interessenkollision ausgeht und ihr im Ergebnis die Vertretungsbefugnis für A.________ abspricht. Daher erweist sich die Beschwerde in diesem Punkt als unbegründet. Somit bleibt es dabei, dass die Vertretungsbefugnis der Beschwerdeführerin für A.________ von Gesetzes wegen entfallen ist. Daran hat sich auch im bundesgerichtlichen Verfahren nichts geändert. Die Beschwerdeführerin ist daher nicht befugt, für ihren Sohn zu handeln. Soweit die Beschwerdeführerin im Namen von A.________ eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und der Rechtsweggarantie rügt, ist deshalb darauf nicht einzutreten. Die Beschwerdeführerin kann in Bezug auf die geltend gemachte Verletzung der Rechtsweggarantie und des rechtlichen Gehörs von A.________ auch nicht in eigenem Namen Beschwerde führen (s. vorne E. 1.2), weshalb auf ihre diesbezüglichen Vorbringen nicht einzutreten ist. Soweit die Beschwerdeführerin im Übrigen pauschal behauptet, die Vorinstanz hätte zwingend eine Kindesvertretung im Sinne von Art. 306 Abs. 3 i.V.m. Art. 299 Abs. 1 und 2 ZPO anordnen müssen, verkennt sie die Rechtslage. Die Anordnung einer Kindesvertretung ist auch dann nicht zwingend, wenn die elterliche Vertretungsbefugnis entfallen ist, sondern steht im Ermessen der Vorinstanz (s. vorne E. 3.1.2).