Citation: 9C_573/2016 E. 5.2

5.2. Die Vorinstanz hat zunächst den Bedeutungsgehalt des in Art. 21 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 HVI und Ziff. 14 HVI-Anhang verwendeten Begriffs des für die Selbstsorge erforderlichen Hilfsmittels anhand grammatikalischer, historischer, systematischer und teleologischer Auslegungselemente ermittelt. Sie ist dabei zum Ergebnis gelangt, die Versicherte habe auf Grund ihrer Behinderung, welche ihr das Öffnen der Eingangstür verunmögliche, einen Anspruch auf einen Türöffner an der Eingangstür des Mehrfamilienhauses, in dem sie wohne. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, der Begriff der Selbstsorge umfasse auch Betätigungen ausserhalb der Wohnung bzw. der Wohnstätte. Da die Selbstsorge in Ziff. 14.05 HVI-Anhang nicht anders, nämlich weiter definiert sein könne als in Ziff. 14.04 HVI-Anhang, müsse "das Marginale" der Ziff. 14.04 ("invaliditätsbedingte bauliche Änderungen in der Wohnung") notwendigerweise auch so ausgelegt werden, dass jene Änderungen als in der Wohnung notwendig zu qualifizieren seien, die es der versicherten Person erlaubten, die Wohnung bzw. Wohnstätte zu verlassen und anschliessend wieder zu betreten. Erforderlich sei nur, dass sich die Änderung unmittelbar auf das Verlassen/Betreten der Wohnung bzw. der Wohnstätte auswirke. Zur Wohnung bzw. Wohnstätte gehöre in diesem Zusammenhang aber in jedem Fall nicht nur die eigentliche Wohnungstür, sondern auch die Haustür eines Mehrfamilienhauses. Die Selbstsorge beinhalte demgemäss - in systematischer Analogie zu Ziff. 14.05 HVI-Anhang - ebenso die automatische Öffnung der Haustür des Mehrfamilienhauses, in dem sich die betreffende Wohnung befinde. Für diesen Schluss spreche überdies das Ergebnis der teleologischen Interpretation. Ziel jeder Hilfsmittelversorgung nach Art. 21 Abs. 2 IVG sei es, die Selbstständigkeit im Lebensalltag, die auf Grund des Ausfalls einer oder mehrerer Körperfunktionen erheblich eingeschränkt sei, soweit wiederherzustellen, dass das existenziell notwendige Mass an Selbstständigkeit wieder erreicht werde. Bezogen auf die Selbstsorge bedeute dies, dass es der versicherten Person durch die Abgabe des notwendigen und geeigneten Hilfsmittels ermöglicht werden solle, selbstständig zu leben, d.h. insbesondere sich allein zu ernähren und zu kleiden, allein den Arzt, Zahnarzt, Coiffeur etc. aufzusuchen, allein einzukaufen usw. Diese beispielhafte Aufzählung der existenziell notwendigen Verrichtungen im Rahmen des selbstständigen Meisterns des Alltags zeige, dass eine auf die Wohnung im engen Sinne beschränkte Hilfsmittelversorgung der Versicherten und damit die Verweigerung der Automatik für die Eingangstür des Mehrfamilienhauses dem Zweck des Art. 21 Abs. 2 IVG nicht gerecht werde. Dafür spreche auch der Umstand, dass eine behinderte Person, die in einem Einfamilienhaus lebe, grundsätzlich einen Anspruch auf einen automatischen Türöffner haben müsse, da sich die Innenseite der Haustür diesfalls in der Wohnung befinde. Eine sich einzig am Wortlaut orientierende Auslegung hätte mithin eine unzulässige Ungleichbehandlung der in einem Mehrfamilienhaus wohnenden versicherten Person gegenüber den Eigenheimbesitzern zur Folge und wäre damit - so das kantonale Gericht abschliessend - verfassungswidrig.