Citation: H 344/00 15.11.2001 E. 3

3.- Streitig ist, ob die Beiträge der Versicherten ab 1. Februar 1997 infolge Änderung der Einkommensgrundlagen im ausserordentlichen Verfahren (Gegenwartsbemessung) festzusetzen sind. a) Kantonales Gericht und Ausgleichskasse haben zu Recht die Anwendung der Gegenwartsbemessung infolge Reduktion des Arbeitspensums abgelehnt, da weder Erhöhung noch Einschränkung der selbstständigen Erwerbstätigkeit einen Neufestsetzungsgrund darstellen (ZAK 1992 S. 474 Erw. 2b/aa mit Hinweisen). b) Vorinstanz und Ausgleichskasse sind sich jedoch nicht einig in der Qualifizierung der Aufgabe des einen Hotelbetriebs und Übernahme eines neuen: Während das kantonale Gericht vom Neufestsetzungsgrund des Geschäftswechsels ausgeht, bestreitet die Ausgleichskasse einen solchen und schliesst auf einen Domizilwechsel, welcher keine Grundlagenänderung darstelle. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat in einem älteren Entscheid festgehalten, dass ein Geschäftswechsel vorliegt, wenn eine selbstständig erwerbende Person ihr Geschäft verkauft und - allenfalls nach einer kurzen Zeitspanne - einen anderen Betrieb der gleichen Branche übernimmt (ZAK 1958 S. 292 Erw. 1; bestätigt in ZAK 1980 S. 326 Erw. 2; vgl. auch nicht publiziertes Urteil A. vom 16. Juni 2000, H 179/98). Voraussetzung ist jedoch auch diesfalls, dass dieser Geschäftswechsel eine wesentliche Änderung der Einkommensgrundlagen mit sich bringt (vgl. etwa die allgemeinen Ausführungen in SVR 1997 AHV Nr. 122 S. 373 Erw. 2 zum Neufestsetzungsgrund der Invalidität). Der Umstand, dass der neue Betrieb tiefere Personalkosten ausweist, genügt hiefür nicht, da weder der Ausbau noch die Reduktion des Personalbestandes eine wesentliche Änderung der betrieblichen Struktur darstellen (ZAK 1976 S. 225 Erw. 2b). Weder hat die Vorinstanz geprüft, ob infolge des Geschäftswechsels die betrieblichen Strukturen und die übrigen Gegebenheiten derart anders sind, dass von veränderten Einkommensgrundlagen gesprochen werden kann, noch finden sich in den Akten hinreichend Angaben über Infrastruktur, Art (z.B. ganzjähriger oder saisonaler Betrieb), Grösse und Organisation der geführten Betriebe sowie der von der Versicherten ausgeübten Aufgaben (z.B. zeitliche Inanspruchnahme durch die eigentliche Geschäftsführung), als dass vorliegend darüber befunden werden könnte. Die Sache ist deshalb an die Vorinstanz zur näheren Abklärung zurückzuweisen. c) Unbestritten und in den Akten auch eindeutig ausgewiesen ist die Wesentlichkeit der Einkommensveränderung, vorliegend ein Einkommensrückgang, welcher deutlich über dem erforderlichen Mass von 25 % liegt. d) Eine weitere Voraussetzung für die Anwendung der Gegenwartsbemessung ist die Dauerhaftigkeit der Grundlagenveränderung. Während dies bezüglich der Übernahme des Hotel-Restaurants Y.________ ohne weiteres bejaht werden kann, ist es bezüglich jener des Hotels Z.________ zumindest fraglich, da die Beschwerdeführerin diesen Betrieb lediglich vier Monate führte, bevor sie ihn wieder aufgab. Die Frage kann vorliegend jedoch offen bleiben, da die Sache aus anderen Gründen an die Vorinstanz zur erneuten Beurteilung zurückzuweisen ist (Erw. 3b und e). e) Vierte der kumulativ erforderlichen Voraussetzungen ist der Kausalzusammenhang zwischen der Einkommens- und der Grundlagenveränderung. In casu bedeutet dies, dass der Einkommensrückgang kausal zur Übernahme des neuen Hotelbetriebs sein muss. Die Vorinstanz hält in ihrem Entscheid ohne nähere Begründung fest, dass "augenscheinlich ein Kausalzusammenhang" bestehe. In Anbetracht der Einschränkung der Tätigkeit von einem vollen Arbeitspensum auf ein solches von 30 % ist indessen nicht ohne weiteres ersichtlich, dass der Geschäftswechsel ausschlaggebend für die Einkommenseinbusse war, zumal sich in den Akten keine näheren Angaben über die von der Versicherten geführten Betriebe sowie die von ihr ausgeübten Tätigkeiten finden und sie auch selbst angibt, dass ihr Einkommen infolge der massiven beruflichen Einschränkung zu Gunsten ihrer Familie zurückgegangen sei. Auch diesbezüglich wird die Vorinstanz weitere Abklärungen tätigen. f) Die Sache ist demnach an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie die notwendigen Angaben über die von der Versicherten vor und nach der Arbeitsreduktion geführten Betriebe einhole und hernach die Voraussetzungen zur Anwendung des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens nochmals prüfe.