Citation: 9C_280/2018 E. 5.2.1

5.2.1. Aufgrund des Schreibens der Beschwerdeführerin vom 16. Juni 2012 und des eingereichten Arbeitsvertrages mit dem D._________ konnte die Beschwerdegegnerin nicht ausreichend wissen, ob die Beschwerdeführerin am 1. Juli 2012 diese Anstellung effektiv antreten und ob daraus ein Arbeitsverhältnis von länger als drei Monaten resultieren würde, was zu einer Rentenrevision berechtigt hätte (vgl. Art. 17 Abs. 1 ATSG und Art. 88a IVV). Angesichts der Gesamtumstände durfte die Beschwerdegegnerin diesbezüglich vielmehr ernsthafte Zweifel haben: Die Beschwerdeführerin war über Jahre (mindestens seit Mai 1999) wegen anhaltender, nicht heilbarer Erkrankungen (HIV-Infektion und Hepatitis C) zu 50 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, wohingegen die Anstellung ab Juli 2012 im D._________ ein Pensum von 80 % beinhaltete. Weitere Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin waren somit indiziert. Die Beschwerdegegnerin durfte das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 16. Juni 2012 entgegen deren Auffassung auch (noch) nicht dahingehend verstehen, dass die Versicherte damit auf einen Rentenanspruch verzichtete. Das Schreiben enthält keine ausdrückliche Verzichtserklärung. Zudem konnte ein entsprechender Leistungsverzicht auch nicht vorbehaltlos erfolgen, waren doch auch die Interessen der Tochter, geboren 1998, betroffen (Art. 23 Abs. 2 ATSG). Selbst wenn die Beschwerdegegnerin das Schreiben vom 16. Juni 2012 als Verzichtserklärung hätte entgegen nehmen sollen, wie die Beschwerdeführerin rügt, wäre sie somit gehalten gewesen, abzuklären, ob die Voraussetzungen hiezu erfüllt waren.