Citation: 2C_909/2019 E. 4.6.2

4.6.2. Das Gesuch um Familiennachzug reichte die Mutter der Beschwerdeführerin erst im März 2017 ein und somit neun Jahre nach ihrem Wegzug in die Schweiz. Wichtige familiäre Gründe, die einem frühzeitigen Nachzug in die Schweiz entgegengestanden wären, sind nicht ersichtlich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Vater der Beschwerdeführerin bereits vor dem Wegzug der Mutter verstorben ist, bestanden sogar gewichtige Gründe, die dafür gesprochen hätten, den Familiennachzug schnellstmöglich zu beantragen. Schliesslich hatte die damals erst vierjährige Beschwerdeführerin nach dem Wegzug der Mutter keinen Elternteil mehr, der mit ihr im Kosovo blieb. Die Mutter der Beschwerdeführerin hat sie somit bewusst bei der Familie ihres verstorbenen Ex-Ehemanns gelassen und damit akzeptiert, die entsprechenden familiären Beziehungen künftig nur besuchsweise und eingeschränkt leben zu können (vgl. Urteile 2C_555/2017 vom 5. Dezember 2017 E. 3.3; 2C_780/2012 vom 3. September 2012 E. 2.3.2). Der diesbezügliche Einwand der Beschwerdeführerin, ihrer Mutter wäre es wegen der kulturellen Traditionen in ihrem Heimatland nicht möglich gewesen, innerhalb der gesetzlichen Nachzugsfristen ein Gesuch einzureichen, ist nicht plausibel. Die Vorinstanz führt diesbezüglich zu Recht aus, dass es der Mutter mit entsprechender fachlicher Unterstützung zumutbar gewesen wäre, ein fristgerechtes Nachzugsgesuch zu stellen (E. 7.3 des angefochtenen Entscheids). Vor diesem Hintergrund kann im Folgenden grundsätzlich auch nicht von der gesetzlichen Vermutung ausgegangen werden, dass bei einem Kind mit nur einem Elternteil in der Regel angenommen wird, dass es nicht im Kindesinteresse liegt, von diesem Elternteil getrennt zu leben (vorne E. 4.4).