Citation: 2C_171/2024 E. A

A.a. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2022 widerrief die Einwohnergemeinde Thun die Niederlassungsbewilligung EU/EFTA von A.________, Staatsangehörige von Deutschland (geb. 1980), infolge Wegfalls ihrer freizügigkeitsrechtlichen Arbeitnehmereigenschaft sowie dauerhaften und erheblichen Sozialhilfebezugs. Sie wies die Beschwerdeführerin aus der Schweiz weg und setzte ihr eine Ausreisefrist bis 28. Februar 2023. A.b. Mit folgender, handgeschriebener Eingabe vom 12. Januar 2023 gelangte die damals nicht anwaltlich vertretene A.________ an die Einwohnerdienste der Stadt Thun: "Hiermit möchte ich, A.________, einen Widerspruch bzw. eine Beschwerde gegen meine Ausweisung einlegen. Da es mir nicht möglich ist, in dieser kurzen Zeit einen neuen Platz zum Leben zu finden und da Ihr Schreiben mich am 15. Dezember 22 erreicht hat, ich über die Feiertage keine Chance hatte, mir Hilfe für einen Einspruch innerhalb der vier Wochen zu suchen, versuche ich nun auf diesem Weg um eine Verlängerung der Ausreisefrist zu beantragen. Damit mein Sohn wenigstens noch das Schuljahr hier beenden kann. Ich werde mich weiterhin um noch eine Arbeitsstelle bemühen, damit wir nicht vom Amt abhängig sind. Ich bitte Sie um Nachsicht, da ich auf keine Hilfe von meiner Familie in Deutschland hoffen kann und diese mitunter auch ein Grund war, in die Schweiz auszuwandern. Bitte geben Sie mir noch diese Chance. Der Vater von meinem Sohn würde sich auch verweigern, eine Ausreisegenehmigung zu unterschreiben, lieber will er meinen Sohn in eine Pflegefamilie in seiner Nähe stecken. Er hat sich auch krankheitsbedingt nie richtig um ihn gekümmert. Und ich gehe ohne mein Kind nicht weg von hier, denn er ist mein ein und alles im Leben. Darum bitte Sie nochmals, bitte verlängern Sie die Frist."