Citation: U 305/02 26.02.2004 E. 2

2.1 In ihrer Unfallmeldung vom 2. Dezember 2000 gab die Beschwerdeführerin an, sie habe beim Pizza-Essen in einem Restaurant "in ein Stück Muschelschale" gebissen und ergänzte: "Konnte den Stück Schale nicht sehen in Pizza". Mit Schreiben vom 14. Juli 2001 machte ihr Ehemann geltend, dass es seiner Frau gelungen sei, "die erkennbaren ganzen Muscheln von der Schale zu trennen, diese ohne Schale zu verspeisen, die Schale am Tellerrand zu deponieren". Das fragliche Muschelschalenstück, auf das sie gebissen habe, habe sich jedoch im Pizzateig befunden. Mit Einsprache vom 21. August 2001 führte hingegen ihr Rechtsvertreter aus, dass auf der Pizza keine Muschelschalen vorhanden waren. Die Pizza sei nur mit dem Inhalt der Muscheln sowie mit weiteren Meeresfrüchten belegt gewesen. Das Muschelschalenstück sei "im Pizzateig verborgen und daher für sie nicht erkennbar" gewesen. Dies wiederholte er auch in der Beschwerde an das kantonale Gericht. Die Abklärungen der Vorinstanz bei der fraglichen Pizzeria ergaben, dass die Pizza "Frutti di mare" zusammen mit den Muschelschalen gebacken werde und beschädigte Muscheln nicht verwendet würden. Auf Grund der Hitze im Pizza-Ofen (bis 400 Grad) sei es jedoch theoretisch möglich, dass eine Schale angesengt oder sogar gesprengt werde; allerdings seien noch keine entsprechenden Reklamationen von Gästen eingegangen. 2.2 Nach Auffassung des kantonalen Gerichts ist mit genügender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Zahnschaden durch den Biss auf einen Muschelschalensplitter verursacht worden ist. Die Beschwerdeführerin bestreitet dies letztinstanzlich nicht, weshalb auch hier von diesem Sachverhalt auszugehen ist. Damit steht fest, dass eine plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines äusseren Faktors stattgefunden hat. Zu prüfen bleibt, ob auch das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors gegeben ist und damit ein Unfall im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVV vorliegt. 2.3 Die Vorinstanz hat namentlich erwogen, dass bei einer mit Schalen servierten Meeresfrüchte-Pizza nicht alles essbar sei, sondern harte Teile beachtet und insbesondere das Muschelfleisch von der Muschelschale getrennt werden müsse, weshalb beim Essen eine erhöhte Aufmerksamkeit verlangt sei. Die Beschwerdeführerin habe sich daher auch nach der Trennung des Muschelfleischs von der Schale nicht sicher sein können, dass keine Schalenteilchen mehr vorhanden seien. Diese Ausführungen sind zutreffend, und auch im Übrigen kann vollumfänglich auf die Erwägungen des kantonalen Gerichts verwiesen werden. Wie es richtig erkannt hat, ist ein Muschelschalenstück auf oder in einer solchen Pizza so wenig ungewöhnlich wie Dekorationsperlen auf oder in einem Kuchen, ein Stein in einer gedörrten Zwetschge im "Tuttifrutti", die mit Zunge und Zähnen bewusst gesuchte Figur im Dreikönigskuchen oder der Stein im Kirschenkuchen, der bewusst mit nicht entsteinten Früchten zubereitet wurde (vgl. BGE 112 V 205 Erw. 3b). In all diesen Fällen ist nicht der jeweilige harte Gegenstand ungewöhnlich, sondern lediglich die durch das Beissen darauf verursachte schädigende Einwirkung auf den betroffenen Zahn. Weil sich das Merkmal der Ungewöhnlichkeit nur auf den äusseren Faktor selbst, nicht aber auf dessen Wirkungen auf den menschlichen Körper bezieht (BGE 122 V 233 Erw. 1), liegt kein Unfall vor.