Citation: 5A_93/2023 E. 5.5.2

5.5.2. Hier ist nun der Zweck, zu dem das Durchfahrtsrecht begründet wurde (dazu E. 5.4.3), in die Auslegung einzubeziehen. Daraus ergibt sich das klare Bestreben, das Durchfahrtsrecht nur für den topografisch tiefer gelegenen Teil der Parzelle Nr. xxx (also für das damalige Haus Nr. qqq) zu gewähren. Aus der Begrenzung auf das "Haus Nr. qqq" folgt aber nicht, dass das Durchfahrtsrecht, weil dieses Haus inzwischen durch einen Neubau ersetzt wurde, nicht mehr gälte oder jedes Interesse verloren hätte. Die Umschreibung des Hauses anhand seiner Nummer diente - in Abgrenzung zum höher gelegenen Teil der Parzelle und immer im Lichte des Zweckes des Durchfahrtsrechts - der Verdeutlichung, wonach eben nicht die gesamte Parzelle Nr. xxx vom Durchfahrtsrecht profitieren sollte. Diese Auslegung wird gestützt vom Umstand, dass die Bereinigungskommission selbst von "Parzellen" oder "Häusern" spricht (siehe E. 5.3), damit aber offensichtlich keine Einschränkung auf ein bestimmtes "Haus", sondern das Grundstück bzw. die Parzelle (oder, im Fall der Parzelle Nr. xxx, der höher- bzw. tiefer gelegene Teil) an sich angesprochen ist, worauf die Beschwerdeführerin zutreffend hinweist. Eine Beschränkung auf das damalige bauliche Ausmass des Hauses Nr. qqq ergibt sich auch nicht aus dem Erwerbsgrund, der auf das Ausmass des Hauses Nr. qqq überhaupt keinen Bezug nimmt. Dies lässt sich denn auch nicht aus dem Wort "Häuschen" ableiten, das die damalige Eigentümerin des Grundstücks Nr. yyy benutzt hat und worauf sich die Beschwerdegegner wohl sinngemäss berufen. Klar ergibt sich daraus jedoch wiederum die Beschränkung auf den tiefer gelegenen Teil der Parzelle. Dies bestätigt auch die Passage aus dem Schreiben des Grundbuchamts vom 22. Dezember 2022, wonach ein Durchfahrsrecht zugunsten des Hauses Nr. zzz - also dem höher gelegenen Teil der Parzelle - nicht anerkannt werden könne. Der von der Beschwerdeführerin vertretene Schluss liegt deshalb nahe, wonach mit dem Zusatz "wie es heute gebaut ist" auf die topografischen Gegebenheiten Bezug genommen wird. Mit anderen Worten durfte und musste die Einschränkung diesbezüglich verstanden werden, wonach, solange sich die topografischen bzw. baulichen Gegebenheiten (das heisst: fehlende ebenerdige Zufahrt zum auf dem tiefer gelegenen Teil der Parzelle gelegenen Wohnhaus) nicht ändern, ein Durchfahrtsrecht für eben dieses Wohnhaus besteht. Eine Einschränkung im Sinne eines Ausschlusses der künftigen baulichen Entwicklung müsste sich aus dem Grundbucheintrag bzw. dem Erwerbsgrund jedenfalls klar ergeben (vgl. Urteil 5A_602/2012 vom 21. Dezember 2012 E. 3.4.3), was aber vorliegend gerade nicht der Fall ist. Im Zweifel ist denn auch von einer ungemessenen Dienstbarkeit auszugehen (LIVER, a.a.O., N. 20 zu Art. 737 ZGB).