Citation: 6B_1394/2017 E. 1.2

1.2. Auf die Rüge ist nicht einzutreten. Die erste Instanz verurteilte die Beschwerdeführerin bereits gestützt auf die erste Version der Anklageschrift wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Im vorinstanzlichen Verfahren wurde die Beschwerdeführerin in Abweichung des erstinstanzlichen Entscheids wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt. Inwiefern die Beschwerdeführerin durch die fehlende Kassation des erstinstanzlichen Entscheids beschwert sein sollte, legt sie vor Bundesgericht nicht dar. Zudem ist eine Änderung der Anklage in Anwendung von Art. 379 StPO auch noch an der Berufungsverhandlung möglich (Urteile 6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 E. 1.4.1; 6B_428/2013 vom 15. April 2014 E. 3.3; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz konnte in der Folge ein neues Urteil fällen und brauchte eine kassatorische Erledigung nicht vorzunehmen. Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, fällt es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO). Nach Art. 409 Abs. 1 StPO hebt das Berufungsgericht bei wesentlichen, im Berufungsverfahren nicht heilbaren Mängeln das angefochtene Urteil ausnahmsweise auf und weist die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und Fällung eines neuen Urteils an die Vorinstanz zurück. Dabei bestimmt das Berufungsgericht, welche Verfahrenshandlungen zu wiederholen oder nachzuholen sind (Abs. 2). Die kassatorische Erledigung durch Rückweisung ist aufgrund des reformatorischen Charakters des Berufungsverfahrens die Ausnahme und kommt nur bei derart schwerwiegenden, nicht heilbaren Mängeln des erstinstanzlichen Verfahrens in Betracht, in denen die Rückweisung zur Wahrung der Parteirechte, in erster Linie zur Vermeidung eines Instanzverlusts, unumgänglich ist (BGE 143 IV 408 E. 6.1 S. 413 mit Hinweisen). Nachdem die Vorinstanz in Abweichung der ersten Instanz den in der Anklage umschriebenen Tötungsvorsatz als nicht erstellt beurteilt (Entscheid S. 55 f.), wird von der Beschwerdeführerin nicht dargetan und ist auch nicht ersichtlich, inwiefern hier ein kassatorischer Entscheid der Vorinstanz zur Wahrung der Parteirechte unumgänglich und damit angezeigt gewesen wäre. Vielmehr hätte er einen formalistischen Leerlauf bedeutet, weshalb die Vorinstanz ohne Verletzung von Bundesrecht davon absehen konnte.