Citation: 8C_48/2024 E. 5.4.1

5.4.1. Weiter wendet der Beschwerdeführer verfahrensrechtlich ein, die vorinstanzliche Argumentation gehe an der geäusserten Kritik vorbei. Es sei ja eben gerade erwartbar gewesen, dass die SMAB-Zweitgutachter die MEDAS-Erstgutachter vollumfänglich bestätigen würden. Dies habe zur Folge, dass er sich mit gleich zwei Gutachten konfrontiert sehe, die scheinbar völlig unabhängig - abgesehen vom Einschränkungsgrad - zum gleichen Ergebnis kämen. Obwohl das MEDAS-Gutachten unvollständig und widersprüchlich sei, habe die IV-Stelle den SMAB-Gutachtern aber die Richtigkeit des MEDAS-Gutachtens überdeutlich vermittelt. Darin sei auch eine Verletzung des Fairnessprinzips zu erblicken. Die IV-Stelle habe statt einem einwandfreien Gutachten gleich zwei mangelhafte produziert, die sich gegenseitig stützten. Sodann habe sich die Vorinstanz nicht mit der Kritik auseinandergesetzt, dass das MEDAS-Gutachten bzw. sein psychiatrisch-neuropsychologischer Teil den SMAB-Gutachtern nicht hätte vorgelegt werden dürfen, um eben ein schablonenhaftes Vorgehen der Zweitgutachter zu vermeiden. Die Vorinstanz argumentiere soweit zutreffend, dass ein Gutachten nur dann Beweiswert habe, wenn es auf vollständiger Aktenkenntnis fusse. Es sei aber gerade widersinnig, ein Vorgutachten, das in Teilen nicht überzeuge und/oder bei dem ein zentraler Teil fehle, dem Zweitgutachter vorzulegen, noch dazu mit dem Hinweis, dass alles bis auf die fehlende Schätzung der Einschränkung bestens sei. Zudem sei die Einschätzung des psychiatrischen SMAB-Gutachters insofern widersprüchlich, als er zwar eine massive Aggravation bzw. sogar Simulation des Beschwerdeführers festgestellt habe, aber dennoch von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen sei. Dies müsse dazu führen, dass sich ein psychiatrischer Experte unvoreingenommen von Grund auf, inkl. Aktenstudium (jedoch ohne das kritische MEDAS-Vorgutachten), an die Arbeit mache und nicht gewissermassen seine Beurteilung auf derjenigen des Vorgutachters aufbaue, wie dies von der IV-Stelle intendiert oder mindestens billigend in Kauf genommen worden sei. In der (strafrechtlichen) Literatur (DONATSCH/SCHMID, Kommentar zur Zürcher StPO, § 115 N 7; MATTHIAS BRUNNER, Psychiatrische Begutachtung - Aspekte der Verteidigung, Sonderdruck SWR/Band 6, Bern 2005) bestehe Konsens darüber, dass Vorgutachten aus den Akten zu entfernen seien, wenn ein Sachverständiger beauftragt werde, es sei denn die Beurteilung des Vorgutachtens sei Auftrag des Sachverständigen. Es sei kein Grund ersichtlich, weshalb dies nicht bei der Begutachtung in der Sozialversicherung bzw. in dieser speziellen Konstellation Geltung haben sollte.