Citation: 2C_882/2020 E. 3.2

3.2. Der Beschwerdeführer war im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung, welche keinen Anspruch auf Verlängerung beinhaltet (Art. 33 Abs. 3 AIG). Die Vorinstanz ist allerdings ohne Weiteres davon ausgegangen, dass dem Beschwerdeführer ein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zusteht. Wie bereits dargelegt, bildet Art. 43 AIG keine geeignete gesetzliche Grundlage. In Frage käme allenfalls zum einen Art. 8 EMRK in seinem Aspekt "Familienleben", da der Beschwerdeführer in einem langfristigen Konkubinatsverhältnis mit seiner Exfrau und mit seinen Kindern zusammen lebt, wovon eines offenbar das Schweizer Bürgerrecht besitzt, und zum anderen Art. 8 EMRK in seinem Aspekt "Recht auf Achtung des Privatlebens", da er sich seit rund 40 Jahren in der Schweiz aufhält (BGE 144 I 266). Ob Art. 8 EMRK anwendbar ist, kann offengelassen werden, da die Beschwerde ohnehin abzuweisen ist. Ist Art. 8 EMRK anwendbar, kommt die Verweigerung der Verlängerung der Anwesenheitsberechtigung einem Eingriff in den darin gewährleisteten Anspruch auf Achtung des Familienlebens gleich. Dieser Anspruch ist jedoch nicht absolut. Vielmehr ist nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ein Eingriff in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut statthaft, soweit er eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutze der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Pflichten anderer notwendig ist. Die Konvention verlangt insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden Interessen an der Erteilung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. Urteile des EGMR M.M. gegen die Schweiz vom 8. Dezember 2020 [Nr. 59006/18] § 52; vom 8. November 2016 El Ghatet gegen die Schweiz [Nr. 56971/10] § 53; BGE 139 I 145 E. 2.2. S. 148; 135 I 143 E. 2.1 S. 147). Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass Ausländer, welche in der Schweiz geboren und/oder (sehr) lange in der Schweiz gelebt haben, keine weitere Aufenthaltsberechtigung mehr erhalten (vgl. Urteil des EGMR Z. gegen die Schweiz vom 22. Dezember 2020 [Nr. 6325/15] § 59). Insgesamt berücksichtigt der EGMR die gleichen Kriterien wie das Bundesgericht bei seiner Prüfung der Verhältnismässigkeit der aufenthaltsbeendenden Massnahme nach Art. 96 AIG (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.3 S. 34 f. mit Hinweisen, 145 E. 2.4 S. 149).