Citation: 2C_71/2020 E. 5.2.1

5.2.1. Das Bundesgericht anerkennt in seiner Rechtsprechung, dass aus einer sicherheitspolizeilichen Warte bei straffälligen jungen Erwachsenen, selbst wenn diese schwere Delikte begangen haben, der Tatsache Rechnung zu tragen ist, dass sich ihre Delinquenz nach dem Eintritt ins Erwachsenenalter verlieren kann, wodurch das öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts herabgesetzt wird (vgl. Urteile 2C_385/2018 vom 29. November 2018 E. 5.4 f.; 2C_94/2016 vom 2. November 2016 E. 5.4 [sog. "biographische Kehrtwende" bejaht bei Drittstaatsangehörigen mit schwerer Delinquenz]). In derartigen Konstellationen kommt dem Kriterium des Zeitablaufs seit der Tatbegehung und einem Wohlverhalten während dieser Zeitspanne im Hinblick auf die Beurteilung des Rückfallrisikos eine erhöhte Tragweite zu (Urteile 2C_1121/2018 vom 3. Oktober 2019 E. 2.5.2; 2C_55/2018 vom 6. Februar 2019 E. 3.1.4). Wenn es um die Wegweisung von langjährig anwesenden - oder wie vorliegend hier geborenen - ausländischen Personen geht, ist für das Bundesgericht zudem die Frage von zentraler Bedeutung, welche Zukunftsaussichten für den Betroffenen bei einem Verbleib in der Schweiz konkret bestehen, d.h. ob und gegebenenfalls inwiefern er aus den strafrechtlichen Sanktionen Lehren gezogen hat und hinsichtlich seines Lebensplans und seines künftigen Verhaltens eine deutliche Änderung glaubhaft und nachvollziehbar dartun kann (vgl. Urteile 2C_877/2017 vom 26. September 2018 E. 3.4.1; 2C_50/2018 vom 14. August 2018 E. 5.1).