Citation: 5A_892/2021 E. 5.2.2

5.2.2. Hat jemand, ohne dazu ermächtigt zu sein, als Stellvertreter einen Vertrag abgeschlossen, so wird der Vertretene nur dann Gläubiger oder Schuldner, wenn er den Vertrag genehmigt (Art. 38 Abs. 1 OR). Die nachträgliche Genehmigung ersetzt die fehlende Vollmacht (Urteile 9C_495/2015 vom 17. Juni 2016 E. 5.2.2; 2C_662/2013 vom 2. Dezember 2013 E. 3.3, in: StR 69/2014 S. 231; 4A_107/2010 vom 3. Mai 2010 E. 2.3). Art. 38 Abs. 1 OR ist nach der Rechtsprechung analog auf Organe juristischer Personen anwendbar (BGE 128 III 129 E. 2b; Urteile 5A_701/2016 vom 6. April 2017 E. 6.4; 4A_87/2011 vom 16. Mai 2011 E. 2.1). Die Genehmigung ist ein einseitiges, empfangsbedürftiges Rechtsgeschäft. Sie ist grundsätzlich an keine Form gebunden und kann insbesondere auch durch prozessuale und vollstreckungsrechtliche Mittel (Klage auf Leistung, Einleitung einer Betreibung usw.) zum Ausdruck gebracht werden (vgl. BGE 101 II 222 E. 6b/bb; ZÄCH/KÜNZLER, Berner Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 49 zu Art. 38 OR; KLEIN, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2020, N. 101 zu Art. 38 OR; WATTER, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 7. Aufl. 2020, N. 6 zu Art. 38 OR). Mit der Genehmigung kommt das Geschäft - eine anderslautende Parteivereinbarung vorbehalten - rückwirkend auf den Zeitpunkt seines Abschlusses zustande (Urteil 4A_107/2010 vom 3. Mai 2010 E. 2.3; CHAPPUIS, in: Commentaire romand, Code des obligations I, 3. Aufl. 2021, N. 9 zu Art. 38 OR; KLEIN, a.a.O., N. 92 zu Art. 38 OR; ZÄCH/KÜNZLER, a.a.O., N. 73 zu Art. 38 OR; WATTER, a.a.O., N. 8 zu Art. 38 OR).