Citation: 8C_518/2023 E. 4.2.2

4.2.2. 4.2.2.1. Unbestritten ist, dass der Unfall vom 29. August 2008 weder von besonders dramatischen Umständen begleitet noch besonders eindrücklich war. 4.2.2.2. Die Vorinstanz erwog, die erlittenen Verletzungen (dislozierte laterale Malleolarfraktur; dislozierte, isoliert diaphysäre distale Ulnafraktur; dislozierte subkapitale Fraktur Metatarsale II-IV und Metatarsale-V-Köpfchenfraktur mit Gelenkflächenbeteiligung) wiesen zwar eine gewisse Schwere auf, seien jedoch nicht derart besonders, um eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. Insoweit seien psychische Beschwerden denn auch erst Jahre nach dem Unfall aufgetreten. Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin erlitt sie, wie oben dargelegt, kein Schädel-Hirn-Trauma, das gegen die vorinstanzliche Annahme sprechen könnte. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, inwieweit die Beschwerdegegnerin in ihrer Korrespondenz vom 22. August 2017, mithin fast sieben Jahre nach dem Unfall, etwas anderes bestätigt haben soll. Vielmehr ergibt sich aus dem interdisziplinären Gutachten der Klinik F.________ vom 19. Juli 2016, dass dort erstmals die Diagnose einer relevanten Depression gestellt werden konnte. 4.2.2.3. Weiter erachtete das kantonale Gericht das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung als erfüllt, wenn auch nicht in ausgeprägter Weise. Es hielt fest, es seien chirurgische Eingriffe notwendig gewesen, wovon allein sieben am rechten Fuss in zunehmenden zeitlichen Abständen von 2008 bis 2015 erfolgten. Hinsichtlich der Vorbringen der Beschwerdeführerin ist festzuhalten, dass zwar eine länger dauernde, kontinuierliche und zielgerichtete Behandlung somatisch begründbarer Beschwerden vorliegt (BGE 140 V 356 E. 5.6.2 mit Hinweisen), indessen ist dies nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen. Von Bedeutung sind auch Art und Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist (SVR 2020 UV Nr. 27 S. 110, 8C_518/2019 E. 4.4.4). Der behandelnde Chirurg hielt im letzten von der Vorinstanz zitierten Operationsbericht vom 13. November 2014 zur Indikation fest, es liege eine längere Vorgeschichte mit initial erlittener komplexer Vorfussfraktur vor, die primär konservativ und dann mit Spickdraht sowie Osteosynthese behandelt worden sei. Seither seien mehrere Operationen durchgeführt worden bei unbefriedigendem Verlauf mit lokalen Schmerzen und verminderter Belastbarkeit. Die Weichteile seien kritisch mit massiven Vernarbungen dorsal, die Plantarflexion sei in allen betroffenen Zehen nicht mehr möglich. Diese Auskünfte mögen für sich allein betrachtet auf eine besondere Ausprägung des zu diskutierenden unfallbezogenenen Kriteriums hinweisen. Jedoch ist anzunehmen, dass der chirurgische Eingriff vom 13. November 2014 erfolgreich verlaufen und danach aus medizinischer Sicht keine invasiven Massnahmen mehr indiziert gewesen waren, anhand welcher noch eine Besserung des Zustands am rechten Vorfuss hätte erreicht werden können. Der vorinstanzlichen Auffassung ist daher beizupflichten. 4.2.2.4. Zum Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen hielt die Vorinstanz fest, die somatisch nicht hinreichend erklärbaren Beschwerden seien auszuklammern und zwar namentlich auch dann, wenn sie körperlich imponierten. Die Beschwerdeführerin leide seit dem Unfall an Schmerzen im rechten Vorfuss. Die Gutachter der ZMB hätten jedoch darauf hingewiesen, dass das Ausmass der angegebenen Beeinträchtigungen nicht vollumfänglich nachvollziehbar sei. Insbesondere habe die Beschwerdeführerin keine Einlagen oder Spezialschuhe getragen, obwohl damit eine rasche Schmerzminderung zu erwarten gewesen wäre. Zudem habe aufgrund deutlicher Hyperkeratosen angenommen werden müssen, dass sie deutlich mehr als angegeben gehfähig, beziehungsweise aktiv gehend sei. Unter diesen Umständen, so das kantonale Gericht abschliessend, sei das Kriterium der Dauerschmerzen grundsätzlich erfüllt, jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise. Die Beschwerdeführerin bringt keine substanziierten Einwände vor, die dieses Ergebnis als unrichtig erscheinen liessen, zumal keine Hinweise auf falsche Feststellungen zum Sachverhalt oder eine fehlerhafte Rechtsanwendung ersichtlich sind. 4.2.2.5. Sodann stellte das kantonale Gericht fest, es fänden sich in den Akten keine Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert habe. Darauf könne entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin allein aus dem Umstand, dass sie wiederholt am rechten Fuss operiert worden sei, nicht geschlossen werden. An diesem Ergebnis ändern die Vorbringen der Beschwerdeführerin nichts. Aus ihrer Zusammenfassung der medizinischen Akten zu den jeweils notwendig gewordenen chirurgischen Eingriffen ergibt sich, dass die Ärzte nach bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards vorgegangen waren. 4.2.2.6. In Bezug auf den geltend gemachten schwierigen Heilungsverlauf und die erheblichen Komplikationen, erwog das kantonale Gericht, dass keine besonderen Gründe vorlägen, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert hätten. Insbesondere gehe aus den Akten nicht hervor, dass die diversen Operationen vorwiegend wegen erheblicher Komplikationen notwendig geworden seien. Die Beschwerdeführerin beruft sich unter anderem auf das interdisziplinäre Gutachten der Klinik F.________ vom 19. Juli 2016. Danach bestehe aus orthopädisch-unfallchirurgischer Sicht weiterhin ein unbefriedigender, korrekturbedürftiger, schmerzhafter Befund bei den Zehen. Mit einem erneuten Eingriff solle erreicht werden, dass die Beschwerdeführerin den Fuss wieder einigermassen korrekt aufsetzen könne. Auch in diesem Zusammenhang ist auf die Expertise des ZMB vom 20. Oktober 2020 hinzuweisen. Danach stellten die Sachverständigen somatischer Fachrichtung eine deutliche Beschwielung der Sohle am rechten Vorfuss fest. Dies konnte einzig damit erklärt werden, dass die Beschwerdeführerin regelmässig längere Zeit ging und/oder stand, beziehungsweise beim Abrollen in wesentlichem Mass den Vorfuss belastete. Gegen einen hohen Leidensdruck sprach zudem die fehlende Fussbettung durch eine adäquate Schuheinlage. Damit liegen die Voraussetzungen des fraglichen Kriteriums nicht vor. 4.2.2.7. Weiter erwog das kantonale Gericht, bereits in den Berichten des Spitals B.________ vom 11. Dezember 2008 und 10. Februar 2009 sei eine möglichst rasche Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag empfohlen und ein Arbeitsversuch von zwei Stunden täglich im angestammten Beruf als möglich erachtet worden. Im späteren Verlauf hätten die Experten der gutso im Gutachten vom 21. Februar 2011, mithin rund zweieinhalb Jahre nach dem Unfall, angegeben, die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit zu 50 % und in einer angepassten, zu zwei Dritteln sitzend und zu einem Drittel gehend und stehend ausübbaren Erwerbsbeschäftigung uneingeschränkt arbeitsfähig. Selbst wenn das Kriterum des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit gegeben wäre, träfe dies jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise zu, zumal sich dieses nicht allein auf das Leistungsvermögen im angestammten Beruf beziehe (Urteil 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 5.2.2.3 mit Hinweisen). Was die Beschwerdeführerin hiegegen vorbringt, trifft den entscheidenden Punkt nicht. Wohl mag zutreffen, dass die Beschwerdegegnerin bis zum 31. August 2020 Taggeldleistungen gestützt auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ausrichtete. Daraus kann jedoch nicht ohne weiteres auf die tatsächlich bestehende Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden. Taggeldleistungen bezwecken, den konkreten Erwerbsausfall auszugleichen, den die versicherte Person durch den Unfall während der Heilungsphase erleidet (BGE 135 V 287 E. 4.2). Auch unter diesem Aspekt betrachtet ist die vorinstanzliche Auffassung nicht zu beanstanden.