Citation: 6B_1115/2022 E. 2.2.4

2.2.4. Die Vorinstanz spricht den Beschwerdeführer wegen versuchter Tatbegehung schuldig, weil die konkreten Tatfolgen unklar blieben. Dass das Tatvorgehen des Beschwerdeführers, wie es verbindlich festgestellt ist, geeignet war, beim Opfer eine schwere Körperverletzung im Sinne einer lebensgefährlichen Schädigung gemäss Art. 122 StGB zu begründen, namentlich eine potentiell tödliche oder zu schwerwiegenden Lähmungen führende Gehirnblutung oder eine entsprechende Folgen zeitigende Verletzung an der Halswirbelsäule, bejaht die Vorinstanz unter Verweis auf die erstinstanzlichen Ausführungen überzeugend und stellt der Beschwerdeführer nicht in Abrede (vgl. angefochtenes Urteil E. IV.2.2 S. 14 f.). Hiervon ist entsprechend auszugehen. Nicht nur nimmt die Vorinstanz bei dieser Ausgangslage zu Recht (implizit) an, dass dem Beschwerdeführer das Risiko einer Verwirklichung des genannten Straftatbestands bekannt sein musste. Auch ist ihr unter Hinweis auf die erstinstanzlichen Erwägungen gezogener Schluss vertretbar, angesichts des konkreten Tatvorgehens sei sein Verhalten vernünftigerweise nicht anders zu interpretieren, als dass er zumindest in Kauf genommen habe, dem Opfer lebensgefährliche oder anderweitig schwere Verletzungen im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und 3 StGB zuzufügen (vgl. angefochtenes Urteil a.a.O.). Der Beschwerdeführer ist laut dem verbindlichen Sachverhalt auf das regungslos am Boden liegende Opfer zugerannt, hat diesem aus seinem Lauf abbremsend einen heftigen "stampfenden" Tritt gegen die Hals- bzw. Kopfpartie verpasst und unmittelbar danach erneut in diesen Körperbereich des wehrlosen Opfers nachgetreten, obwohl er nach seinem ersten Tritt keine Reaktion des Opfers hatte erkennen können. Angesichts der mit diesem Verhalten einhergehenden massiven Pflichtverletzung und des damit geschaffenen hohen Risikos einer Tatbestandsverwirklichung verstösst die Annahme, der Beschwerdeführer habe eine Tatbestandsverwirklichung als Folge seines Tuns zumindest bereitwillig hingenommen, nicht gegen Bundesrecht. Dass das primäre Ziel des Handelns des Beschwerdeführers nicht eine lebensgefährliche Schädigung des Opfers gewesen sein mag, sondern - wie er in seiner Beschwerde betont und schon in seinen Befragungen angegeben hat - es ihm darum gegangen sei, zu verhindern, dass dieses wieder aufstehe und sich gegen seine Gruppe wende, ändert hieran nichts, bezieht sich der Eventualvorsatz doch typischerweise auf Nebenfolgen eines Handelns (vgl. dazu etwa DONATSCH/GODENZI/TAG, Strafrecht I, 10. Aufl. 2022, S. 123 mit Beispiel). Soweit der Beschwerdeführer eine bei ihm mindestens vorgelegene "vollkommene Gleichgültigkeit" hinsichtlich der Tatbestandsverwirklichung und damit eine Inkaufnahme des Taterfolgs mit Verweis auf den zeitlichen Aspekt des Geschehens und auf seine physische und psychische Verfassung ablehnt, kann ihm nicht gefolgt werden. Er macht geltend, mangels Zeit und wegen seines Erregungszustands "voller Adrenalin" sowie des Einflusses von Alkohol und Kokain sei er zu einer sorgfältigen Abwägung dessen, was er wolle oder in Kauf zu nehmen bereit sei, nicht in der Lage gewesen. Damit hält er einerseits an seinem schon vor der Vorinstanz angeführten Einwand fest, er habe keine bewussten Überlegungen über die Folgen seines Handelns getroffen; andererseits bringt er konkrete Gründe vor, weshalb er zur Vornahme solcher Überlegungen ausserstande gewesen sein soll. Den Einwand fehlender bewusster Überlegungen entkräftet die Vorinstanz indes zutreffend mit der Begründung, dass es für ein Wissen als Bestandteil des Vorsatzes genügt, wenn dem Beschwerdeführer die wesentlichen Umstände im Sinne eines Begleitwissens mitbewusst waren (vgl. angefochtenes Urteil E. IV.2.2 in fine S. 15 mit Hinweis auf BGE 125 IV 242 E. 3d [recte: 3e]). Bei den geltend gemachten Gründen der anlassbedingten Erregung und des Alkohol- und Kokainkonsums handelt es sich sodann um Umstände, die allenfalls eine fehlende bzw. verminderte Schuldfähigkeit gemäss Art. 19 StGB zu begründen geeignet sind (vgl. dazu BOMMER/DITTMANN, in: Basler Kommentar Strafrecht, Bd. I, 4. Aufl. 2019, N. 35 und 69 ff. zu Art. 19 StGB), sich aber nicht ohne Weiteres auf den Vorsatz auswirken. Die Frage der Schuldfähigkeit ist von jener des Vorsatzes grundsätzlich unabhängig (vgl. BGE 115 IV 221 E. 1; Urteil 6B_204/2016 vom 8. Dezember 2016 E. 2.4.2; mit ausführlicher Erklärung zudem: BOMMER/DITTMANN, a.a.O., N. 19 f. zu Art. 19 StGB). Das beschwerdeführerische Vorbringen ist insofern unbehelflich, um einen fehlenden Eventualvorsatz zu begründen. Was den angeführten zeitlichen Aspekt anbelangt, bleibt festzuhalten, dass sich die Tatsituation nicht als eine solche darstellt, in welcher der Beschwerdeführer aus einem blossen (unüberlegten) Reflex gehandelt hätte; vielmehr kam ihm, der auf das regungslos am Boden liegende Opfer zurannte, bevor er dieses trat, genügend Zeit zu, um über sein Handeln bewusst zu entscheiden. Auch insoweit läuft sein Einwand ins Leere.