Citation: I 690/01 10.12.2002 E. 2

2.1 In BGE 127 V 129 hat sich das Eidgenössische Versicherungsgericht eingehend zur Prozentgenauigkeit von Invaliditätsgradberechnungen und zur Frage des Auf- oder Abrundens von auf die Kommastelle genau ermittelten Resultaten geäussert. Dabei hat es mit Blick auf die Rechtssicherheit festgehalten, dass die für die Berechnung des Invaliditätsgrades wesentlichen Faktoren (hypothetisches Validen- und Invalideneinkommen, Einschränkungen in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen) sehr sorgfältig festgelegt werden müssen, wobei hier je nach den Umständen des Falles ein Ermessensspielraum vorhanden ist (BGE 127 V 134 Erw. 4c). Das gestützt auf diese Faktoren ermittelte, notwendigerweise auf die Kommastelle genaue mathematische Ergebnis darf grundsätzlich nicht mehr auf- oder abgerundet werden (BGE 127 V 136 Erw. 4f). In der Invalidenversicherung ist dieses Rundungsverbot schon deshalb angezeigt, weil der Gesetzgeber prozentgenaue Eckwerte für den Anspruch auf eine bestimmte Rente festgelegt hat (z.B. 66,66 % für eine ganze Rente), an welche die Gerichte kraft Bundesverfassung gebunden sind (BGE 127 V 131 Erw. 4a/aa und 134 Erw. 4c; AHI 2000 S. 302 f. Erw. 3c). 2.2 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz die massgebenden Bemessungsfaktoren gerundet und im Ergebnis einen Invaliditätsgrad von "insgesamt etwas über 67 %" ermittelt, was von der IV-Stelle in grundsätzlicher Hinsicht zu Recht als Verstoss gegen die Prozentgenauigkeit und das Rundungsverbot gerügt wird. Wie die IV-Stelle in der Beschwerde zutreffend ausführt, ergibt sich bei genauer, ungerundeter Berechnung der Bemessungsfaktoren gemäss den Annahmen der Vorinstanz ein Invaliditätsgrad von 66,8 % (gewichteter IV-Grad im Erwerbsbereich 46,7 % und im Haushaltbereich 20,1 %), der an sich einen Anspruch auf eine ganze Rente begründet. Da nach dem Entscheid der Vorinstanz der Grenzwert für einen ganzen Rentenanspruch nur kapp überschritten wird, müssen die massgebenden Faktoren für die Bestimmung des Invaliditätsgrades sehr sorgfältig ermittelt und prozentgenau festgelegt werden. Denn im Grenzbereich können sich bereits geringfügige Fehler bei der Berechnung der Bemessungsfaktoren auf den Rentenanspruch auswirken. Deshalb sind nachfolgend auch zwischen den Parteien nicht oder nicht mehr strittige Bemessungsfaktoren einer näheren Prüfung zu unterziehen, soweit nach sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkten dafür hinreichender Anlass besteht.