Citation: 6B_149/2019 E. 1.3.2

1.3.2. Nach Art. 135 StGB macht sich u.a. strafbar, wer Bildaufnahmen herstellt, die, ohne schutzwürdigen kulturellen oder wissenschaftlichen Wert zu haben, grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder Tiere eindringlich darstellen und dabei die elementare Würde des Menschen in schwerer Weise verletzen. Dieser Straftatbestand erfasst nur Darstellungen exzessiver Gewalt (Botschaft vom 26. Juni 1985 über die Änderung des StGB und des MStGB, BBl 1985 II 1045 ["Brutalitäten im engsten Sinn"]; Amtl. Bull 1989 N 720 [Votum Cotti], 722 [Votum BR Koller; "grausame, extreme Formen der Gewaltdarstellung"]; JEAN-CHRISTOPHE CALMES, La pornographie et les représentations de la violence en droit pénal, 1997, S. 114). Er wird entsprechend restriktiv angewandt (NADINE HAGENSTEIN, Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N 3 zu Art. 135 StGB mit Hinweisen). Die Artikel 135 und 197 (Abs. 4 und 5) bezwecken im Wesentlichen einerseits den Schutz Jugendlicher und Erwachsener vor ungewollter Konfrontation mit entsprechenden Erzeugnissen. Anderseits richten sie sich gegen die abstumpfende (korrumpierende) Wirkung von Gewaltdarstellungen, die geeignet sind, beim Betrachter die Bereitschaft zu erhöhen, selbst gewalttätig zu agieren oder die Gewalttätigkeit anderer gleichgültig hinzunehmen (BGE 124 IV 106 E. 3c/aa S. 111; vgl. auch BGE 131 IV 16 E. 1.2 S. 19; URSULA CASSANI, Les représentations illicites du sexe et de la violence, in: ZStrR 1993, S. 437 f.; zu den durch Art. 135 StGB geschützten Rechtsgütern: HAGENSTEIN, a.a.O., N 4 ff. zu Art. 135 StGB; DUPUIS ET AL., Code pénal, 2. Aufl. 2017, N 2 zu Art. 135 StGB; TRECHSEL/MONA, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Trechsel/Pieth [Hrsg.], 3. Aufl. 2018, N 2 ff. zu Art. 135 StGB; DANIEL KOLLER, Cybersex: Die strafrechtliche Beurteilung von weicher und harter Pornographie im Internet unter Berücksichtigung der Gewaltdarstellungen, 2007, S. 369 f.; DANIEL GERNY, Zweckmässigkeit und Problematik eines Gewaltdarstellungsverbotes im schweizerischen Strafrecht, 1994, S. 76 ff.). Im sensiblen Lebensbereich der Sexualität ist das Korrumpierungspotential von Gewaltdarstellungen grundsätzlich grösser als in anderen Zusammenhängen. Durch die Verbindung von Sexualität und Gewalt ist die Schwelle, ab welcher die Menschenwürde angegriffen wird, offenkundig nicht erst dann erreicht, wenn die Gewalt das in Art. 135 StGB geforderte exzessive Mass erreicht. Jedenfalls dann, wenn die im pornografischen Erzeugnis gezeigte Gewalttätigkeit nicht im offenkundigen gegenseitigen Einvernehmen der Protagonisten ausgeübt wird, ist die Tatbestandsmässigkeit nach Art. 197 Abs. 4 und 5 StGB weniger nach der Schwere der Gewalt als vielmehr nach ihrer erniedrigenden Wirkung zu beurteilen (Urteil 6B_875/2008 vom 12. November 2008 E. 2; BERNHARD ISENRING/MARTIN A. KESSLER, Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N 26 zu Art. 197 StGB; ALESSANDRA CAMBI FAVRE-BULLE, Commentaire romand, Code pénal II, 2017, N 60 zu Art. 197 StGB). Dies gilt unabhängig davon, ob das Tatbestandselement der "sexuellen Handlung mit Gewalttätigkeiten" in Form einer gewalttätig ausgeführten sexuellen Handlung (namentlich einer Vergewaltigung; KOLLER, a.a.O., S. 231) verwirklicht ist, oder ob je eigenständige (sexuelle und gewalttätige) Handlungselemente szenisch verbunden dargestellt werden.