Citation: I 51/05 14.09.2005 E. 6

6.1 Die Ausführungen des Dr. med. L.________ zeigen die Schwierigkeiten einer rückwirkenden Festsetzung der Arbeitsunfähigkeit für eine Zeit auf, in welcher der Beschwerdeführer nach den Akten nicht bei ihm in psychiatrischer Behandlung stand und von den vorbehandelnden Ärzten der Integrierten Psychiatrie des Zentrums U.________ nur die Eintragungen in der Krankengeschichte zur Verfügung stehen, wobei diese sich zur Arbeitsunfähigkeit nicht ausdrücklich äussern. Dies rührt wohl daher, dass zu jener Zeit gar keine Arbeitsstelle gefunden werden konnte und sich die Frage der Arbeitsfähigkeit ihnen somit gar nicht ausdrücklich stellte. Noch weniger als Dr. med. L.________, welchen der Beschwerdeführer immerhin im Februar 2001 erstmals konsultiert hat, dürfte ein neu mit einer Begutachtung zu beauftragender Psychiater in der Lage sein, zuverlässige Aussagen zum Zeitpunkt des Eintritts und zum Ausmass der Arbeitsunfähigkeit im von 1994 bis 2001 reichenden Zeitraum zu machen. Beginn und Grad der Arbeitsunfähigkeit können nur durch spekulative Annahmen und Überlegungen festgelegt werden, was dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit keinesfalls zu genügen vermöchte (BGE 126 V 360 Erw. 5b mit Hinweisen). Hinzu kommt, dass nach der Rechtsprechung selbst eine feststehende Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung, welche im Falle des Beschwerdeführers lediglich in Form einer Verdachtsdiagnose besteht, noch keine Invalidität begründet, sondern vielmehr eine Vermutung besteht, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind, und lediglich in Ausnahmefällen angenommen wird, dass die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindernde Umstände den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen (vgl. BGE 130 V 352). Was die anderen diagnostizierten Leiden (gemischte Anpassungs- und paranoide Persönlichkeitsstörung) betrifft, ist davon auszugehen, dass auch diese mit der notwendigen Willensanstrengung - und allenfalls mit psychiatrischer Hilfe - überwindbar sind, zumindest solange sie nicht ein schwerwiegendes Ausmass angenommen haben. 6.2 Der Beschwerdeführer reiste unbestreitbar mit einem psychischen Gesundheitsschaden in die Schweiz ein. Das Leiden verläuft fluktuierend mit einer sich offenbar verschlechternden Tendenz. Die psychischen Dekompensationen haben indessen bisher jeweils nicht sehr lange angedauert und der Beschwerdeführer konnte sich immer wieder auffangen. Dass es anlässlich so einschneidender Ereignisse, wie sie der Tod des Bruders, der schwere Unfall der Schwester, die Kriegsereignisse in Kosovo mit anschliessender Einreise in die Schweiz und dem Aufenthalt in einem Durchgangszentrum für Asylbewerber darstellen, zu psychischen Problemen kommen konnte, ist durchaus nachvollziehbar. Es war dem Beschwerdeführer aber dann doch möglich, eine Arbeit aufzunehmen. Da die Tätigkeit im Rahmen der Asylkoordination N.________ jeweils nur kurze Einsätze beinhaltet haben dürfte, welche gemäss den Angaben im Schreiben vom 15. Oktober 2003 aber zur vollsten Zufriedenheit erledigt wurden, lässt sich daraus keine zuverlässige Beurteilung bezüglich der interessierenden Frage der Arbeitsfähigkeit ableiten. Anders verhält es sich bezüglich der in den Jahren 2001 und 2002 ausgeübten Erwerbstätigkeiten. Diese Arbeitseinsätze können nicht einfach als blosse Arbeitsversuche gewertet werden. Es ist davon auszugehen, dass sich der Gesundheitsschaden - abgesehen von der vom 3. bis 13. Juni 2002 dauernden vollen und vom 14. bis 30. Juni 2002 dauernden 40%igen Arbeitsunfähigkeit - während dieser Zeit nicht in invalidisierendem Masse ausgewirkt hat. Eine allenfalls seit der Einreise in die Schweiz bestandene erhebliche Einschränkung (40 % und mehr) in der Arbeitsfähigkeit wurde damit zumindest unterbrochen. Ob seither ein neuer Versicherungsfall eingetreten ist (vgl. BGE 126 V 5), braucht im vorliegenden Verfahren nicht näher geprüft zu werden. Denn mit Bezug auf die von Dr. med. L.________ erstmals ab 14. April 2003 wieder attestierte Arbeitsunfähigkeit gebricht es bereits an der Voraussetzung der einjährigen Wartezeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG, welche im für die Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom 19. Januar 2004 (Art. 52 ATSG; BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) nicht erfüllt war. Mit dieser Begründung ist der vorinstanzliche Entscheid im Ergebnis zu bestätigen.