Citation: 4A_605/2019 E. 5.8.2

5.8.2. Es steht fest, dass der Beschwerdegegner ohne Behandlung überlebt hat. Fürs Überleben war er auf eine Behandlung nicht angewiesen. Massgebend ist die Wahrscheinlichkeit einer Verbesserung gegenüber dieser tatsächlich eingetretenen Entwicklung seines Gesundheitszustandes. Eine Berechnung, die abstrakt die Risiken mit und ohne Behandlung vergleicht, beantwortet die Frage, wie die Chancen des Beschwerdegegners ex ante mit und ohne Behandlung gestanden hätten. Sie vergleicht nicht die tatsächliche Entwicklung ohne Behandlung (der Beschwerdegegner ist nicht gestorben, sondern weist gemäss dem angefochtenen Entscheid einen mRS-Wert 5 auf) mit der zu erwartenden Entwicklung, wenn eine Behandlung erfolgt wäre. Inwieweit in diesem Zusammenhang ein Todesfallrisiko zu berücksichtigen ist, kann ohne medizinisches Fachwissen nicht beurteilt werden. Dafür ist entscheidend, ob auch Behandlungsrisiken bestehen, also die Möglichkeit, dass die Behandlung im ungünstigsten Fall nicht zu einer Verbesserung sondern zu einer Verschlimmerung führt. Die Frage, ob der Beschwerdeführer die Unzulänglichkeit des Gutachtens in Bezug auf den rechtlich entscheidenden Punkt hätte erkennen können, ist von der Frage, ob der entscheidwesentliche Punkt ohne Fachwissen aus den vorhandenen Unterlagen hätte abgeleitet werden können, zu trennen. Gerade deswegen kann den diesbezüglichen Fragen an die Gutachter, die über das entsprechende Fachwissen verfügen, entscheidende Bedeutung zukommen.