Citation: I 400/06 02.05.2007 E. 5

5.1 Die Versicherte begann nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit (Realschule) im Mai 1988 eine Ausbildung als Spitalgehilfin. Nachdem sie im Oktober 1988 ein Verhebetrauma erlitten hatte, musste sie diese Ausbildung abbrechen und trat im August 1989 eine zweijährige Bürolehre an. Wegen Prüfungsängsten und einer bereits im Kindesalter festgestellten Legasthenie bestand sie die Abschlussprüfung nicht. Eine Stelle als Sekretärin gab sie wegen Schwierigkeiten beim Diktatschreiben auf und begann (nach vorgängigem Praktikum) am 1. April 1993 eine Ausbildung als Kinderpflegerin an der Schule Y.________. Der Abschluss dieser Ausbildung wurde durch die Folgen des Unfalles vom 20. Februar 1994 verzögert; die Beschwerdeführerin erlangte den Fähigkeitsausweis am 29. September 1995. Von November 1995 bis August 1996 war sie vollzeitlich als Kinderkrankenpflegerin auf der Wochenbettabteilung des Spitals Q.________ angestellt. Im November 1996 trat sie eine 80 %-Stelle im Krankenheim Z._________ an. An dieser Arbeitsstelle war sie bis Ende August 2000 tätig. Bereits im Mai 1999 begann sie die Ausbildung zur Krankenschwester DN I, welche sie im Juli 2000 abschloss. Nach einer Tätigkeit im Krankenheim Z._________ (bis August 2000) trat sie im September 2000 eine Vollzeitstelle in der Maternité X.________ an. In der Folge verschlechterte sich die gesundheitliche Situation, weshalb die Versicherte im Februar 2002 ihr Arbeitspensum auf 50 % reduzierte. Am 2. September 2004 wurde sie von ihrer Arbeitgeberin informiert, die Weiterführung des Arbeitsvertrages ab 1. Juli 2005 sei nur möglich, wenn sie "innert nützlicher Frist" das Passerell-Programm und anschliessend die Ausbildung zum DN II absolviere. Andernfalls habe sie eine Rückstufung auf die Ebene der Fachangestellten Pflege (FAGE) zu gewärtigen. 5.2 Die Ausbildungen im Pflegebereich wurden, worauf die Versicherte zutreffend hinweist, in den letzten Jahren verschiedentlich reformiert. Namentlich ersetzte die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) im Jahre 1992 die frühere Vielfalt der Abschlüsse (Allgemeine Krankenpflege AKP, Psychiatrische Krankenpflege PsyKP, Kinder-/Wochen- und Säuglingspflege KWS, praktische Krankenpflege PKP) durch die einheitlichen Bezeichnungen DN I und II (vgl. Standortbestimmung der GDK zum Diplomniveau I Pflege vom 6. Juli 2006, abrufbar unter www.gdk-cds.ch; Website besucht am 30. März 2007; im Folgenden: Standortbestimmung). In den Jahren 1998 und 1999 beschloss und bestätigte der GDK-Vorstand, dass die Diplomausbildungen im Gesundheitswesen auf der Tertiärstufe (Hochschulstufe oder höhere Fachausbildung) angesiedelt sind und verabschiedete im Jahre 2002 die Ausbildungsbestimmungen zur diplomierten Pflegefachfrau bzw. zum diplomierten Pflegefachmann HF (Standortbestimmung S. 1 f.). Auf der Sekundarstufe II (Gymnasiale Maturität, Berufsmaturität, Fachmittelschule oder Berufsausbildung) wurde ebenfalls im Jahre 2002 ein neuer Berufsabschluss "Fachangestellte Gesundheit" (FAGE) eingeführt (Standortbestimmung, S. 2). Die Reform im Jahre 2002 änderte indessen nichts daran, dass bereits das DN I einer vollwertigen Pflege-Berufsausbildung entspricht (vgl. Bestimmungen für die Diplomausbildungen in Gesundheits- und Krankenpflege an den vom Schweizerischen Roten Kreuz anerkannten Schulen; gültig ab 1. Januar 1992). Insbesondere ist das DN I nicht lediglich eine Vorstufe zum DN II, was sich auch darin zeigt, dass im Rahmen der Reform von 2002 Inhaberinnen und Inhabern des DN I - nach Absolvierung der vorgeschriebenen Weiterbildungen, Bestehen einer Prüfung und einer Berufspraxis von zwei Jahren - die Führung des Titels "diplomierte Pflegefachfrau/mann HF" gestattet und damit unterstrichen wird, dass es sich auch bei Absolventen des DN I um Inhaberinnen und Inhaber eines vollwertigen Berufsdiploms handelt (vgl. die bereits erwähnte Standortbestimmung der GDK vom 6. Juli 2006). Aus dem Umstand, dass weitaus mehr Personen ihre Ausbildung mit dem DN II als mit dem DN I abschliessen (hiezu die von der Versicherten letztinstanzlich aufgelegte Statistik des Schweizerischen Roten Kreuzes zu den Ausbildungsverhältnissen in den Pflegeberufen 2005), kann entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht abgeleitet werden, dass es sich beim Abschluss DN I lediglich um eine Vorstufe zum DN II handelt. 5.3 Aus den Akten geht nichts hervor, was darauf hindeutet, dass die Versicherte bereits vor dem Unfall vom 20. Februar 1994 beabsichtigte, sich nach Abschluss der Ausbildung zur Kinderpflegerin weiterzubilden und insbesondere einen Abschluss als Krankenschwester DN II anzustreben. Indessen stand die Beschwerdeführerin im Unfallzeitpunkt noch in Ausbildung, weshalb das Erlangen des Fähigkeitsausweises als Kinderpflegerin Priorität hatte, umso mehr, als sie zuvor weder die Ausbildung zur Spitalgehilfin noch die Bürolehre abschliessen konnte. Auch im Zeitpunkt, als die gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine dauernde Leistungseinschränkung bewirkten (ab 15. Juli 2000; Gutachten des ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH vom 18. Mai 2004) und die Versicherte bereits die Ausbildung zur Krankenschwester DN I erfolgreich abgeschlossen hatte, war sie sich noch nicht im Klaren, ob sie eine Weiterbildung zum DN II anstreben sollte oder nicht. So erklärte sie anlässlich der neurologischen Begutachtung im Universitätsspital Z.________ vom 21. Dezember 2000, noch nicht zu wissen, ob sie die Weiterausbildung zum DN II in Angriff nehmen solle. Davon abgesehen, dass selbst die erklärte Absicht, eine Krankenschwesternausbildung mit Diplomniveau II anzustreben, nicht als konkreter Schritt im Sinne der Rechtsprechung anzusehen wäre, ist angesichts der aktenkundigen schulischen Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin auch nicht ohne weiteres klar, ob sie - trotz gut durchschnittlichem neuropsychologischem Leistungsprofil (vgl. Bericht der Frau Dr. phil. J.________ vom 27. November 2001) und bestandener Aufnahmeprüfung zur Ausbildung als Krankenschwester DN II (mit zweimonatiger Probezeit) - die relativ hohen ausbildungsmässigen Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss dieser Ausbildung (hiezu Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes I 472/02 vom 10. Februar 2003, E. 2.2) hätte erfüllen können. Dass die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses nach dem 1. Juli 2005 von der Vorgabe abhängig gemacht wurde, die Beschwerdeführerin müsse "innert nützlicher Frist" das DN II erreichen und ansonsten eine Rückstufung drohte (Schreiben der Maternité X.________ vom 2. September 2004), ändert nichts daran, dass unter Würdigung aller Umstände hinreichende Anhaltspunkte darauf fehlen, sie hätte ohne Unfall effektiv eine Ausbildung zur Krankenschwester DN II angetreten und erfolgreich abgeschlossen. Dies gilt umso mehr, als die berufliche Weiterentwicklung vom DN I zum DN II nach dem Gesagten (E. 5.2 hievor) nicht als normaler Karriereschritt bei der Festsetzung des hypothetischen Valideneinkommens mitberücksichtigt werden kann (wie dies das Eidgenössische Versicherungsgericht beispielsweise mit Urteil M 7/96 vom 20. Dezember 1996 E. 4a hinsichtlich des Aufstiegs eines Gleismonteurs zum Vorarbeiter des Bahndienstes bejahte). Es muss daher bei der Feststellung bleiben, dass das Valideneinkommen ausgehend von den durchschnittlichen Einkünften einer Krankenschwester mit DN I festzusetzen ist.