Citation: 1C_368/2019 E. 9.5

9.5. Das streitbetroffene Haus weist im Hochparterre je zwei Küchen und zwei Stuben mit einem gemeinsamem Mittelgang zur Erschliessung und im Obergeschoss je zwei zugeordnete Kammern auf, was gemäss der von den kantonalen Instanzen angerufenen Fachliteratur der typischen Konzeption eines helvetischen Doppelwohnhauses entspricht (vgl. BEAT FREI, Die Bauernhäuser des Kantons Zürich, Bd. 2, Zürcher Oberland, 2002, S. 310 f.). Zwar wird gemäss dieser Literatur die bescheidenere Variante des Doppelwohnhauses aufgrund der praktisch nie fehlenden Webkeller auch als "Heimarbeiterhaus" bezeichnet (FREI, a.a.O., S. 41). Dies zeigt jedoch, dass im 19. Jahrhundert teilweise auch Doppelwohnhäuser ohne Heimarbeitsräume errichtet wurden, was damit erklärt werden kann, dass ihre Bauherren nicht nur Heimarbeiter, sondern namentlich auch Gewerbetreibende wie Inhaber von Tavernen, Mühlen, Gerbereien oder Schmieden waren (vgl. FREI, a.a.O., S. 41 und 311). Damit übereinstimmend geht die Amtsgutachterin davon aus, im frühen 19. Jahrhundert habe der Eigentümer des streitbetroffenen Grundstücks eine Ziegelei betrieben (vgl. E. 8.3 hievor).Demnach schliesst das Fehlen von Fensterbändern die Qualifikation als helvetisches Doppelwohnhaus nicht aus. Gleiches gilt für den Umstand, dass das streitbetroffene Gebäude zu einem Doppelwohnhaus umgebaut wurde, da der Ursprung des symmetrischen Doppelwohnhauses auf die im 17. Jahrhundert einsetzenden Hofteilungen zurückzuführen ist und die symmetrische Aufteilung bestehender Bauten durch entsprechende bauliche Massnahmen ihre prägende Ausbreitung im Zeitalter der Helvetik fand (Entscheid des Baurekursgerichts vom 6. Juni 2018, E. 3.8; vgl. auch FREI, a.a.O., S. 7, der angibt, im Zürcher Oberland stehe kaum ein älteres Bauernhaus, das nicht nachträgliche Veränderungen erfahren hätte; auch das mehrteilige Flarzhaus, die Zürcher Oberländer Hausform schlechthin, sei nicht als solches gebaut, sondern vielmehr zu einem solchen umgebaut worden). Demnach ist das streitbetroffene Gebäude aufgrund seiner Raumstruktur Zeuge einer zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbreiteten Bauweise, auch wenn gemäss der Amtsgutachterin für die ursprüngliche Gebäudeerschliessung zwei Varianten angenommen werden können (vgl. Amtsgutachten, S. 21). Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin wird der historische Eigenwert des Doppelwohnhauses auch dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt, dass Teile der Innenausstattung, der Aussenmauern und der Tragstruktur nachträglich erneuert bzw. ersetzt wurden, da gemäss den für das Bundesgericht verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen die doppelte Anlage des Wohnteils mit den Wänden zwischen Küchen und Stuben sowie der zweifachen Ausstattung im Wesentlichen auf das frühe 19. Jahrhundert zurückgeht. Zudem durften die kantonalen Instanzen im Rahmen des ihnen zustehenden Ermessens davon ausgehen, dass die Vollständigkeit der stilistisch beinahe identisch ausgeführten und positionierten Sparherde und Öfen bzw. die gleichwertig konzipierten Wohneinheiten mit je einer Küche, Stube und je einem Rauchabzug die Konzeption des helvetischen Doppelwohnhauses in besonders anschaulicher Weise zeigten (vgl. Entscheid des Baurekursgerichts vom 6. Juni 2018 E. 3.9). Unter diesen Umständen verletzte die Vorinstanz das massgebende kantonale Recht nicht, wenn sie das streitbetroffene Doppelwohnhaus als wichtigen Zeugen einer wirtschaftlichen und sozialen Epoche im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG qualifizierte. Daran vermögen nachträglich eingebrachte Bauelemente, wie beispielsweise der eingefügte Fussboden oder die Kacheln des östlichen Sparherds, nichts zu ändern, weil sie ermessensweise als qualitätsvolle Restaurierungen qualifiziert werden konnten, welche die Raumausstattung des Doppelwohnhauses nicht beeinträchtigen.