Citation: I 677/05 23.07.2007 E. 5.3

5.3.1 In medizinischer Hinsicht stellte die IV-Stelle zum Einen auf die Berichte des Hausarztes Dr. med. G.________ vom 17. September und 30. November 2004 sowie 1. Februar 2005 ab. Dieser diagnostizierte am 30. November 2004 eine Zwangsneurose. Am 1. Februar 2005 legte er dar, der Umstand, dass es keine lebenspraktische Begleitung in einem erziehenden, fördernden Sinne gebe, heisse nicht, dass der Versicherte ohne jegliche lebenspraktische Begleitung auskommen könne. Der Zustand, dass er die Haushaltsarbeiten selber erledigen könnte, sei ein Fernziel. Im Moment sei es aber noch so, dass er den Haushalt nicht allein schaffen würde. Das Auto ermögliche es ihm, regelmässig die nötigen Einkäufe für sich und die Mutter zu erledigen sowie hie und da einmal Kontakte ausserhalb des Hauses zu haben. Für das Erlernen des Autofahrens habe er wegen seiner psychischen Behinderung 2 Jahre mit 100 Fahrstunden gebraucht, wobei er auf einen Fahrlehrer mit viel Geduld angewiesen gewesen sei. Zu beachten ist indessen, dass die psychische Krankheit des Versicherten in Frage steht. Dem Allgemeinmediziner Dr. med. G.________ fehlt diesbezüglich die Fachkompetenz, weshalb auf seine Berichte nicht abgestellt werden kann (vgl. auch Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts I 692/05 vom 10. März 2006, E. 5.3.4, und erwähntes Urteil I 296/05 E. 5.1.1). Die letzten psychiatrischen Berichte, die auf Untersuchungen des Versicherten beruhen (vgl. auch E. 5.3.2 hienach), datieren vom 30. November und 26. Mai 1981. Damals wurde eine schwere Zwangsneurose diagnostiziert. Diese Berichte sind ebenfalls keine rechtsgenügliche Beurteilungsgrundlage, da sie zu weit zurückliegen. 5.3.2 Das BSV beruft sich sodann auf den Bericht des RAD-Arztes Dr. med. R.________ vom 7. Januar 2005. Dieser legte dar, die Voraussetzungen für die lebenspraktische Begleitung seien seiner Meinung nach nicht ausgewiesen. Aus den Akten gehe hervor, dass der Versicherte sehr wohl spärliche ausserhäusliche Kontakte selber pflegen könne. Im Wohnen habe sich leider ein recht fixierter sekundärer Krankheitsgewinn (= Verwöhnung) festgesetzt, was als IV-fremd gelte und im Rahmen der Schadenminderungspflicht dem Versicherten anzulasten sei. Die notwendigen Anstrengungen zu vermehrter Selbstständigkeit seien ihm durchaus zuzumuten (Bsp. Waschmaschine). Gemäss dem FMH-Index besitzt Dr. med. R.________ zwar den Facharzttitel in Allgemeinmedizin und Fähigkeitsausweise in Psychosomatischer und Psychosozialer Medizin (APPM). Sein Bericht vermag jedoch die erwähnten Abklärungsmängel in medizinischer Hinsicht nicht aus der Welt zu schaffen. Zudem sind die Stellungnahmen der RAD-Ärzte handschriftlich zu unterzeichnen bzw. zu visieren (vgl. Rz. 8144 KSIH), was vorliegend nicht geschah. 5.4 Nach dem Gesagten genügen die von der IV-Stelle bisher durchgeführten Abklärungen nicht, um die Hilflosigkeit rechtsgenüglich zu beurteilen. Die Sache ist demnach an sie zurückzuweisen, damit sie den Versicherten psychiatrisch untersuchen lasse und gestützt darauf eine neue Abklärung an Ort und Stelle durchführe, in deren Rahmen auch der Versicherte zu befragen ist. Danach wird die IV-Stelle über das Leistungsbegehren neu zu befinden haben (vgl. auch erwähntes Urteil I 296/05 Erw. 5.2). Gestützt auf die ergänzende medizinische Abklärung wird sie zum Beginn eines allfälligen Leistungsanspruchs auch im Lichte von Art. 42 Abs. 4 Satz 2 in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 IVG Stellung zu nehmen haben (vgl. hiezu Rz. 8096 ff. KSIH).