Citation: 5A_464/2021 E. 3.2

3.2. Gemäss Art. 265 Abs. 2 SchKG kann gestützt auf einen Konkursverlustschein nur eine neue Betreibung eingeleitet werden, wenn der Schuldner zu neuem Vermögen gekommen ist. Art. 265 Abs. 2 SchKG bezweckt, dass der Schuldner sich von seinem Konkurs finanziell erholen und sich eine neue Existenz aufbauen, d.h. sich in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht erholen kann, ohne ständig den Betreibungen von Gläubigern, die im Konkurs zu Verlust gekommen sind, ausgesetzt zu sein (BGE 136 III 51 E. 3.1; 135 III 424 E. 2.1). Die finanzielle Erholung wird dadurch erreicht, dass das Zugriffsrecht von Verlustscheingläubigern davon abhängig gemacht wird, dass der Schuldner zu neuem Vermögen gekommen ist. Solches liegt nicht schon vor, wenn der Schuldner über pfändbare Vermögenswerte verfügt, d.h. sein betreibungsrechtliches Existenzminimum decken kann, sondern erst, wenn überdies ausreichend Vermögen vorhanden ist, um ein standesgemässes Leben zu führen (BGE 135 III 424 E. 2.1; Urteil 5A_21/2010 vom 19. April 2010 E. 4.1; HUBER/SOGO, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, 3. Aufl. 2021, N. 13 zu Art. 265 SchKG; JAEGER/WALDER/KULL/KOTTMANN, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Bd. II, 4. Aufl. 1997/1999, N. 16 zu Art. 265 SchKG; MARCHAND/HARI, Précis de droit des poursuites, 3. Aufl. 2022, Rz. 735). Als "neues Vermögen" kann auch das vom Schuldner erzielte Einkommen betrachtet werden, wenn es den Betrag übersteigt, der zur standesgemässen Lebensführung notwendig ist, und erlaubt, Ersparnisse zu bilden. Das neue Vermögen kann somit durchaus eine fiktive Grösse sein. Gerechtfertigt ist dies deshalb, weil es der Schuldner ansonsten in der Hand hätte, trotz neuen grossen Einkommens nichts auf die Seite zu legen und im Bestreben, seine alten Gläubiger leer ausgehen zu lassen, seinen ganzen Verdienst zu verschwenden (BGE 136 III 51 E. 3.1; 135 III 424 E. 2.1; zit. Urteil 5A_21/2010 E. 4.1; FRITZSCHE/WALDER, Schuldbetreibung und Konkurs nach schweizerischem Recht, Bd. II, 1993, § 53 Rz. 16; GILLIÉRON, Poursuite pour dettes, faillite et concordat, 5. Aufl. 2012, Rz. 2107; JAEGER/WALDER/KULL/KOTTMANN, a.a.O, N. 17 zu Art. 265 SchKG). Massgebend sind die Einkommens- und Vermögensverhältnisse im Zeitpunkt der Anhebung der Betreibung, wobei nach gängiger Praxis das neue Vermögen grundsätzlich aufgrund der Einkünfte und Ausgaben des Jahres, welches der Anhebung der Betreibung vorausgeht, berechnet wird (vgl. Urteile 5D_194/2016 vom 5. April 2017 E. 2.1; 5D_170/2014 vom 17. Dezember 2014 E. 5.2; zit. Urteil 5A_21/2010 E. 4.1 und 5; Urteil des Kantonsgerichts Wallis vom 30. Januar 2015, in: Zeitschrift für Walliser Rechtsprechung [ZWR] 2015 S. 294 ff.; Urteil des Obergerichts des Kantons Basel-Landschaft vom 16. Mai 2000, in: BlSchK 2001 S. 181 ff.).