Citation: 5A_479/2022 E. 4.5.2

4.5.2. Was hingegen die Anwendung von Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO angeht, trifft der Willkürvorwurf zu. Im Unterhaltsstreit vergleicht die Vorinstanz das Ergebnis des Berufungsverfahrens nicht mit den vom Beschwerdegegner gestellten Berufungsanträgen, sondern nur mit dem erstinstanzlichen Entscheid. Damit lässt sie unberücksichtigt, worauf es beim Unterliegerprinzip gerade ankommt: in welchem Umfang der Beschwerdegegner - gemessen an den gestellten Begehren - durchgedrungen ist (E. 4.4). Im Obhutsstreit erinnert das Obergericht zwar an die Berufungsanträge und stellt fest, dass antragsgemäss die alternierende Obhut angeordnet, hinsichtlich des Betreuungsanteils den Begehren des Beschwerdegegners jedoch nicht entsprochen wurde. Dass der Beschwerdegegner im Streit um die Betreuungsanteile vor Obergericht grösstenteils durchgedrungen wäre, ist dem angefochtenen Entscheid allerdings nicht zu entnehmen und auch nicht ersichtlich. Insgesamt bleibt somit unklar, inwiefern der Beschwerdegegner im Berufungsverfahren zu 5/6 und damit fast vollumfänglich obsiegt haben soll. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend bemerkt, kann auch die Gutheissung des Antrags um Anordnung der alternierenden Obhut jedenfalls nicht derart schwer ins Gewicht fallen, dass die einseitige Verteilung der Prozesskosten zu Lasten der Beschwerdeführerin selbst losgelöst von den festgestellten Ungereimtheiten noch einzuleuchten vermöchte. Es bleibt dabei, dass die vorinstanzliche Handhabung von Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO schlechterdings nicht nachvollziehbar und damit willkürlich ist.