Citation: 6B_1234/2023 E. 3.8.6

3.8.6. Die Landesverweisung hält auch einer Prüfung der Eingriffsvoraussetzungen nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK stand: Der qualifizierte Drogenhandel aus rein pekuniären Motiven gilt als schwere Straftat, von welcher eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Ordnung ausgeht. Bei Straftaten von Ausländern gegen das Betäubungsmittelgesetz zeigt sich das Bundesgericht hinsichtlich der Landesverweisung zwecks Verhinderung neuer Straftaten zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit daher rigoros (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.5; Urteile 6B_228/2023 vom 8. Februar 2024 E. 2.6.2; 6B_1124/2021 vom 16. Dezember 2022 E. 3.2.1; je mit Hinweisen). "Drogenhandel" führt von Verfassung wegen in der Regel zur Landesverweisung (Art. 121 Abs. 3 lit. a BV; Urteile 6B_854/2023 vom 20. November 2023 E. 3.3.2; 6B_25/2023 vom 20. September 2023 E. 3.3.5; 6B_1493/2022 vom 22. Juni 2023 E. 3.3.2; je mit Hinweisen). Auch der EGMR akzeptiert ausdrücklich, dass bei Betäubungsmitteldelinquenz von einer gewissen Schwere angesichts der damit einhergehenden schweren Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und des Schutzes der Gesundheit anderer ein strenger Massstab angelegt wird (siehe etwa Urteile des EGMR Kissiwa Koffi gegen Schweiz vom 15. November 2012, Nr. 38005/07, § 65; Maslov gegen Österreich vom 23. Juni 2008, Nr. 1638/03, § 80). Der Beschwerdeführer hat aufgrund seiner aus rein pekuniären Motiven ausgeübten Tätigkeit als Kokaindealer über einen Zeitraum von rund sechs Wochen (20. August 2021 bis 30. September 2021) in qualifizierter Weise gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen. Diese Delinquenz verübte er zwar als noch junger Erwachsener, jedoch nach einmonatiger Untersuchungshaft und während laufender Probezeit der Jugendstrafe, was für seine besondere Unbelehrbarkeit spricht. Mit der Vorinstanz wird das gewichtige öffentliche Wegweisungsinteresse durch das sich in der Jugenddelinquenz manifestierende breite Tatspektrum (Delikte gegen das Vermögen, gegen die sexuelle Integrität, gegen Leib und Leben sowie gegen die Freiheit) bzw. die kriminelle Vielseitigkeit des Beschwerdeführers weiter untermauert. Die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz sind ohne Zweifel hoch: Er ist zusammengefasst in der Schweiz geboren und aufgewachsen und lebt mit seinen wichtigsten familiären Bezugspersonen nun seit zwanzig Jahren hier. Beruflich ist er ebenfalls gut integriert. Die Schwierigkeiten, mit denen er sich im Falle einer Landesverweisung konfrontiert sieht, erweisen sich jedoch als überwindbar. Die Vorinstanz legt diesbezüglich überzeugend dar (vgl. Urteil S. 12 f. E. II.4.2, 4.3 und 4.5), dass der Beschwerdeführer mit der kosovarischen Kultur und der Mehrheitsreligion bestens vertraut ist, den gegischen Dialekt der albanischen Sprache beherrscht und im Heimatstaat über einen zumindest rudimentären sozialen Empfangsraum verfügt. Auch seine dortigen beruflichen Chancen sind aufgrund des erlernten Berufs als Automechaniker durchaus intakt. Als unverheirateter, kinderloser und junger Mann ohne jegliche gesundheitliche Einschränkungen befindet er sich zudem in einer Lebensphase, die mit einer hohen Anpassungsfähigkeit einhergeht. Die Vorinstanz durfte bei dieser Ausgangslage von einem überwiegenden öffentlichen Interesse an einer Landesverweisung ausgehen.