Citation: B 26/04 03.12.2004 E. 3

3.1 Die Auslegung des Reglements als vorformulierter Inhalt des Vorsorgevertrages geschieht nach dem Vertrauensprinzip. Dabei sind jedoch die den Allgemeinen Versicherungsbedingungen innewohnenden Besonderheiten zu beachten, namentlich die so genannten Unklarheits- und Ungewöhnlichkeitsregeln. Nach diesen Auslegungsgrundsätzen gilt es ausgehend vom Wortlaut und unter Berücksichtigung des Zusammenhanges, in dem eine streitige Bestimmung innerhalb des Reglements als Ganzes steht, den objektiven Vertragswillen zu ermitteln, den die Parteien mutmasslich gehabt haben. Dabei hat das Gericht zu berücksichtigen, was sachgerecht ist, weil nicht angenommen werden kann, dass die Parteien eine unvernünftige Lösung gewollt haben. Sodann sind nach konstanter Rechtsprechung mehrdeutige Wendungen in vorformulierten Vertragsbedingungen im Zweifel zu Lasten ihres Verfassers auszulegen. Steht demgegenüber eine im Einzelfall getroffene vorsorgevertragliche Abrede in Frage, ist nach den gewöhnlichen Regeln der Vertragsauslegung zunächst nach dem übereinstimmenden wirklichen (subjektiven) Parteiwillen (Art. 18 Abs. 1 OR) zu suchen. Lässt sich ein übereinstimmender Wille der Parteien nicht feststellen, so sind deren Erklärungen ebenfalls nach dem Vertrauensprinzip auszulegen. Danach sind Willenserklärungen so zu deuten, wie sie vom Empfänger in guten Treuen verstanden werden durften und mussten (BGE 122 V 146 Erw. 4c mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; vgl. auch Erw. 4.1 des Urteils W. vom 22. August 2003, B 101/02). 3.2 Mit Blick darauf, dass vorliegend nicht eine im Einzelfall getroffene vorsorgevertragliche Abrede, sondern eine Reglementsbestimmung zur Diskussion steht, wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zwar zu Recht geltend gemacht, dass die Vorinstanz nicht nach dem übereinstimmenden (subjektiven) Willen der Parteien hätte forschen sollen, sondern direkt eine Auslegung nach dem Vertrauensprinzip vorzunehmen gewesen wäre. Wie zu zeigen ist, ändert dies indessen nichts an der Richtigkeit der im angefochtenen Entscheid schliesslich in Anwendung des Vertrauensprinzips entwickelten Lösung. Vorab ist festzuhalten, dass die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Auffassung, nach welcher Art. 90 einzig bezweckte, die den versicherten Personen bei Erreichen des ordentlichen Rentenalters zustehende Altersleistung zu garantieren, womit Frühpensionierungen, die zur Fristwahrung noch unter altem Recht angekündigt werden mussten und in der Folge unter altem Recht verbindlich vereinbart worden waren, von der Leistungsgarantie ausgenommen wären, im Wortlaut keinen Niederschlag gefunden hat. Sodann besteht bezüglich der streitigen Rechtsfrage auch keine Lücke im Reglement, welche vom Gericht nach Massgabe dessen zu füllen wäre, was die Parteien nach dem Grundsatz von Treu und Glauben vereinbart hätten, wenn sie den nicht geregelten Punkt in Betracht gezogen hätten (BGE 120 V 317; SZS 1995 S. 51 Erw. 3b; nicht veröffentlichtes Urteil D. vom 10. April 1992, B 40/90). Auch die Argumentation in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ändert nichts daran, dass der Stiftungsrat, hätte er unter altem Recht erfolgte Frühpensionierungen von der Regelung des Art. 90 wirksam ausschliessen wollen, dies im Reglement ausdrücklich hätte festhalten müssen. Solange es an einer solchen Bestimmung fehlt, verbietet das Vertrauensprinzip eine Auslegung des Reglementes in dem von der Beschwerdeführerin vertretenen Sinne. Keine Rolle spielt dabei, dass die Vorsorgeeinrichtung an den Informationsveranstaltungen vom 25. Oktober und 5. November 2001 - an welchen die zu dieser Zeit Ferien oder unbezahlten Urlaub beziehende Beschwerdegegnerin, was unbestritten ist, nicht teilgenommen hat - den Inhalt der Bestimmung in dem von ihr vertretenen Sinne erläutert haben will. Mit der Vorinstanz ist somit festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin sich auf die in Art. 90 des neuen Reglementes enthaltene Leistungsgarantie berufen kann.