Citation: 8C_344/2016 E. 5.2.2

5.2.2. Soweit das kantonale Gericht aber davon ausgeht, dass bereits das Aktivitätsniveau und das familiäre Engagement der Beschwerdeführerin gegen eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Leistungseinbusse aufgrund der mittelschweren depressiven Episode sprechen, muss von einer offensichtlich unrichtigen Sachverhaltsfeststellung ausgegangen werden. Im angefochtenen Entscheid wird unter Verweis auf die MEDAS-Expertise eine Alltagsfunktionalität beschrieben, welche zur Zeit der Begutachtung (Ende September 2014; die für den Beurteilungszeitpunkt relevante rentenablehnende Verfügung datiert vom 20. Februar 2015) nicht mehr Gültigkeit hatte. Die Vorinstanz zitiert nämlich dazu die im MEDAS-Gutachten wiedergegebenen Passagen aus dem psychiatrischen Gutachten des Dr. med. E._________ vom 30. November 2012 (aufgrund der Exploration vom 2. November 2012), während sie auf den vom psychiatrischen MEDAS-Gutachter geschilderten, erheblich eingeschränkteren Tagesablauf nicht eingeht. Dort wird jedoch im Wesentlichen eine erschöpfte Versicherte beschrieben, welche die Hausarbeiten mit der Hilfe von Ehemann und Tochter in Etappen verrichtet und "sofern es geht" täglich zirka 30 bis 60 Minuten mit ihnen spazieren geht. Von Körperübungen am Gerät, Gartenarbeiten, Kinobesuchen, sozialen Kontakten ausserhalb der Familie und Reisen etc. ist keine Rede mehr. Zwar fallen depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 197 mit Hinweis; Urteile 9C_841/2016 vom 8. Februar 2017 E. 3.1; 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2; 9C_539/2015 vom 21. März 2016 E. 4.1.3.1; 8C_104/2014 vom 26. Juni 2014 E. 3.3.4). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut angehbar sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (BGE 141 V 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3 S. 295 f.). Dennoch kann das kantonale Gericht eine Validitätseinbusse nicht ohne weitere Abklärungen verneinen. Denn es berücksichtigt nicht, dass die Beschwerdeführerin einerseits wegen ihrer Herzerkrankung keine Antidepressiva einnehmen kann (ausser Temesta in limitiertem Ausmass), andererseits aber bisher die ambulanten und stationären Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise stets nachhaltig ausgeschöpft hat. Ob aber bereits von einer Therapieresistenz ausgegangen werden muss, lässt sich den medizinischen Unterlagen nicht entnehmen. Deshalb kann auch insoweit nicht ohne weiteres auf das MEDAS-Gutachten abgestellt werden, in welchem allein schon aufgrund der depressiven Erkrankung eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert wird. Die Sache wird zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens (die Auswirkungen des Herzleidens sind umfassend abgeklärt und führen zu keiner Einschränkung in einer leidensangepassten Tätigkeit) an die Vorinstanz zurückgewiesen. Denn weder aus dem MEDAS-Gutachten noch aus den weiteren medizinischen Unterlagen lassen sich unmittelbare Rückschlüsse auf den Schweregrad der psychischen Erkrankung und allfällige funktionelle Folgen ziehen. Je nach Diagnosestellung wird allenfalls die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den anhaltenden somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen Leiden gemäss BGE 141 V 281 zu berücksichtigen sein (E. 3.2 hiervor; vgl. auch BGE 142 V 342 zur posttraumatischen Belastungsstörung), damit eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren möglich wird (BGE 141 V 281 E. 8 S. 309). Hernach wird das kantonale Gericht neu zu entscheiden haben.