Citation: 1B_198/2010 05.07.2010 E. 2

2.1 Der Beschwerdeführer rügt, der angefochtene Entscheid verletze sein verfassungsmässiges Recht auf persönliche Freiheit. Bei Beschwerden, die gestützt auf das Recht der persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2, Art. 31 BV) wegen der Ablehnung eines Haftentlassungsgesuchs bzw. Fortsetzung der Untersuchungshaft erhoben werden, prüft das Bundesgericht im Hinblick auf die Schwere des Eingriffes die Auslegung und Anwendung des entsprechenden kantonalen Rechts frei (BGE 135 I 71 E. 2.5 S. 73 f. mit Hinweis). 2.2 Gemäss § 58 Abs. 1 der Strafprozessordnung vom 4. Mai 1919 des Kantons Zürich (StPO/ZH; LS 321) darf Untersuchungshaft angeordnet werden, wenn der Angeschuldigte eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtigt wird und ausserdem aufgrund bestimmter Anhaltspunkte ernsthaft befürchtet werden muss, er werde sich der Strafverfolgung oder der zu erwartenden Strafe durch Flucht entziehen (Ziff. 1); Spuren oder Beweismittel beseitigen, Dritte zu falschen Aussagen zu verleiten suchen oder die Abklärung des Sachverhalts auf andere Weise gefährden (Ziff. 2). Der Beschwerdeführer anerkennt den dringenden Tatverdacht (Beschwerde S. 3 Ziff. 4). Er macht geltend, es bestehe keine Kollusionsgefahr nach § 58 Abs. 1 Ziff. 2 StPO/ZH (Beschwerde S. 3 ff. Ziff. 4). 2.3 Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst. Die strafprozessuale Haft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Angeschuldigte die Freiheit dazu missbrauchen würde, die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts zu vereiteln oder zu gefährden. Die theoretische Möglichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren könnte, genügt indessen nicht, um die Fortsetzung der Haft unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Indizien für die Annahme von Verdunkelungsgefahr sprechen. Das Vorliegen des Haftgrundes ist nach Massgabe der Umstände des jeweiligen Einzelfalles zu prüfen (BGE 132 I 21 E. 3.2 mit Hinweisen). Konkrete Anhaltspunkte für Kollusionsgefahr können sich namentlich ergeben aus den persönlichen Merkmalen des Angeschuldigten, aus seiner Stellung und seinen Tatbeiträgen im Rahmen des untersuchten Sachverhalts sowie aus den persönlichen Beziehungen zwischen ihm und den ihn belastenden Personen. Bei der Frage, ob im konkreten Fall eine massgebliche Beeinträchtigung des Strafverfahrens wegen Verdunkelung droht, ist auch der Art und Bedeutung der von Beeinflussung bedrohten Aussagen bzw. Beweismittel, der Schwere der untersuchten Straftaten sowie dem Stand des Verfahrens Rechnung zu tragen (BGE 132 I 21 E. 3.2.1 mit Hinweisen). 2.4 Der Beschwerdeführer gibt zu, dem Opfer mit dem Messer die Stichverletzung zugefügt zu haben. Er macht jedoch geltend, sich damit gegen Angriffe des Opfers verteidigt, also in Notwehr gehandelt zu haben. Das Opfer bestreitet dies in der Sache. Es räumt zwar ein, den Beschwerdeführer zu Boden gestossen zu haben. Als dieser jedoch das Messer hervorgenommen habe, sei es - das Opfer - sofort vom Beschwerdeführer weg geflüchtet. Dieser sei dem Opfer gefolgt und habe, nachdem er es eingeholt habe, ohne zu zögern zugestochen. Den Beschwerdeführer belasten ebenso die Aussagen verschiedener Zeugen, die bei der Auseinandersetzung im Lokal anwesend waren. Der Beschwerdeführer muss mit einer Anklage beim Geschworenengericht des Kantons Zürich rechnen. Dort gilt das Unmittelbarkeitsprinzip (§§ 232 StPO/ZH ff.; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl. 2004, S. 332 N. 853). Sollte die Anklage nach Inkrafttreten am 1. Januar 2011 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; AS 2010 1881 ff.) beim Bezirksgericht erfolgen, wäre Art. 343 Abs. 3 StPO von Bedeutung. Danach erhebt das Gericht im Vorverfahren ordnungsgemäss erhobene Beweise nochmals, sofern die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig erscheint. Unter den gegebenen Umständen wäre daher - was der Beschwerdeführer (Beschwerde S. 4) anerkennt - anzunehmen, dass auch das Bezirksgericht das Opfer und Tatzeugen in der Hauptverhandlung nochmals befragte. Es besteht damit weiterhin ein erhebliches Interesse, Einflussnahmen auf das Opfer und die Zeugen zu verhindern. Dies gilt umso mehr, als deren Aussagen für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein werden. Der Beschwerdeführer muss aufgrund der dem Opfer zugefügten Verletzung mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Beim gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse kommt auch die Annahme einer schweren Körperverletzung nach Art. 122 StGB in Betracht; dies dann, wenn die Schnittverletzung zu einer Lebensgefahr führte. Wie es sich damit verhält, wird das für August 2010 in Aussicht gestellt Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich zu klären haben. Für eine schwere Körperverletzung droht das Gesetz Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren an. Für den Beschwerdeführer steht daher viel auf dem Spiel. Entsprechend hoch ist der Anreiz für Kollusionshandlungen, zumal - wie gesagt - die Aussagen des Opfers und der Zeugen von entscheidender Bedeutung sein werden. Der Beschwerdeführer kennt ausserdem das Opfer und die Zeugen vom Sehen bzw. vom Türkischen Verein her. Dies erhöht die Gefahr, dass er diese zu Gefälligkeitsaussagen veranlassen könnte. Der Beschwerdeführer hat sodann unstreitig ein Klappmesser auf sich getragen und damit jemanden eine erhebliche Stichverletzung zugefügt. Das zeigt, dass er bereit ist, gegebenenfalls Gewalt auch in schwerem Ausmass anzuwenden. Dies lässt darauf schliessen, dass er bei einer Freilassung versucht sein könnte, Gewalt gegenüber dem Opfer und den Zeugen zumindest anzudrohen, um diese zu einer für ihn günstigen Aussage zu veranlassen. Es geht hier zudem um den Vorwurf eines schwerwiegenden Gewaltdelikts. An der Aufklärung solcher Taten und damit der Verhinderung von Verdunkelungshandlungen besteht ein erhöhtes öffentliches Interesse. Würdigt man diese Umstände gesamthaft, ist es verfassungsrechtlich haltbar, wenn die Vorinstanz Kollusionsgefahr bejaht hat. 2.5 Ob überdies Fluchtgefahr nach § 58 Abs. 1 Ziff. 1 StPO/ZH besteht, kann dahingestellt bleiben, da ein Haftgrund für die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft genügt.