Citation: 6S.125/2007 19.06.2007 E. 5

5.1 Soweit die Vorinstanz aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer ortskundig war, ableiten will, er hätte darum wissen müssen, dass auf der Hauptstrasse A5 häufig mit übersetzter Geschwindigkeit gefahren wird (angefochtenes Urteil S.34 f.), so dass er sich nicht auf das Vertrauensprinzip berufen könne, kann ihr nicht gefolgt werden. Denn würde, wie der Beschwerdeführer zu Recht einwendet (Beschwerde S. 11), aus der allgemeinen Lebenserfahrung, wonach auch ganz erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen recht oft vorkommen, oder aus einer statistischen Häufigkeit von erheblichen Geschwindigkeitsüberschreitungen geschlossen, ein Verkehrsteilnehmer habe mit solchen zu rechnen, könnten zahlreiche Einmündungen mit beschränkter Übersichtlichkeit überhaupt nicht oder jedenfalls bei regem Verkehr kaum mehr befahren werden (BGE 118 IV 277 E. 5a). Aufgrund des Umstands, dass auf der Strecke Biel-Neuenburg zuweilen mit übersetzter Geschwindigkeit gefahren wird und an der fraglichen Stelle vor der Einfahrt Wingreis auch verschiedentlich schon verkehrsregelwidrige Überholmanöver beobachtet worden sind, lassen sich somit keine Anzeichen ableiten, die dem Beschwerdeführer bei seinem Einbiegemanöver die Pflicht zu einem erhöhten Vertrauen abverlangt hätten. 5.2 Nach der Rechtsprechung darf dem Verkehrsteilnehmer die Berufung auf den Vertrauensgrundsatz nicht mit der Begründung versagt werden, er habe sich selbst nicht verkehrsregelkonform verhalten, wenn die Beantwortung der Frage, ob er eine Verkehrsregel verletzt hat, gerade davon abhängt, ob und inwieweit er sich auf das verkehrsgerechte Verhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers verlassen durfte (BGE 120 IV 252 E. 2 d/aa; 125 IV 83 E. 2b). Im zu beurteilenden Fall stellt sich zunächst die Frage, ob der Beschwerdeführer beim Einbiegen in die vortrittsberechtigte Hauptstrasse seinen Sorgfaltspflichten nachgekommen ist (vgl. auch erstinstanzliches Urteil S. 53 [Untersuchungsakten act. 457]). Erst wenn dies zu bejahen wäre, ist danach zu fragen, ob er darauf vertrauen durfte, der Vortrittsberechtigte verletze seinerseits die Verkehrsregeln nicht (BGE 120 IV 252 E. 2d/bb), bzw. ob aufgrund besonderer Anzeichen für ein Fehlverhalten des anderen Verkehrsteilnehmers Anlass für erhöhte Vorsicht bestand.