Citation: 5A_698/2008 24.04.2009 E. 4

Für den Fall, dass dem strittigen Testament die vorstehend dargelegte Bedeutung beigemessen werden sollte, macht die Beschwerdeführerin geltend, die letztwillige Verfügung beruhe auf einem Motivirrtum. Das im Testament angegebene Motiv, dass beispielsweise sie, die Beschwerdeführerin, sich mit dem Erblasser nicht verwandt gefühlt oder ihn nicht einmal gekannt hätte, sei schlicht und einfach nicht zutreffend. 4.1 Verfügungen, die der Erblasser unter dem Einfluss von Irrtum errichtet hat, sind nach Art. 469 Abs. 1 ZGB ungültig. Als Irrtum im Sinne dieser Bestimmung fällt auch ein Motivirrtum in Betracht. Ein solcher ist gegeben, wenn der Entschluss, der in der Verfügung des Erblassers zum Ausdruck kommt, unter dem Einfluss einer unrichtigen Vorstellung von der Wirklichkeit gefasst worden ist (PETER WEIMAR, Berner Kommentar, N. 21 zu Art. 469 ZGB). Das Vorliegen eines Irrtums hat diejenige Partei zu beweisen, die sich auf ihn beruft (ROLANDO FORNI/GIORGIO PIATTI, Basler Kommentar, 3. Auflage, N. 27 zu Art. 519/520 ZGB; PETER TUOR, Berner Kommentar, N. 13 zu Art. 519 ZGB). 4.2 Das Obergericht hat sich eingehend mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin zu den Beziehungen zwischen ihrer Familie und dem Erblasser befasst. Es bemerkt, dass sporadische und - jedenfalls aus der Sicht der Angehörigen - freundschaftliche Kontakte zum Erblasser bestanden haben mögen und insoweit die im Testament für den Erbausschluss angeführte Begründung zu relativieren sei. Indessen ändere dies nichts daran, dass der Erblasser nach den übereinstimmenden Aussagen sämtlicher Zeugen seine verwandtschaftlichen Beziehungen offenbar in Reaktion auf einen Erbstreit der Ehefrau als frustrierend empfunden und in der Folge auch den Kontakt gegenüber den nicht in diesen Streit involvierten Angehörigen weitgehend abgebrochen habe, was seiner von den Zeugen übereinstimmend dargestellten Unversöhnlichkeit und Sturheit entsprochen habe. Zusammenfassend erklärt die Vorinstanz, der Erblasser habe aufgrund seiner besonderen Wesensart eine aufgrund der äusseren Tatsachen möglicherweise nicht gänzlich nachvollziehbare gefestigte negative innere Einstellung zu seiner Verwandtschaft entwickelt, die sich schliesslich in der verfügten "Enterbung" niedergeschlagen habe. Des Weiteren hält sie fest, die Beschwerdeführerin habe nicht nachzuweisen vermocht, dass der Erblasser bei Kenntnis der ihm von seinen Angehörigen angeblich entgegengebrachten verwandtschaftlichen Gefühle und Kontaktversuche seine ablehnende Haltung revidiert und auf die Ausschliessung von der Erbfolge verzichtet hätte, womit die Voraussetzungen für eine Ungültigerklärung der letztwilligen Verfügung nicht erfüllt seien. 4.3 Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, inwiefern die Auffassung des Obergerichts gegen Bundesrecht verstossen soll (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG). Sie begnügt sich damit, den vorinstanzlichen Ausführungen zu widersprechen und ihnen ihre eigene Sicht der Dinge entgegenzuhalten. Hervorzuheben ist im Übrigen, dass kein Pflichtteilsschutz bestand und der Erblasser die gesetzlichen Erben mithin von der Erbfolge ausschliessen konnte, ohne dass er dies mit einer Pflichtverletzung im Sinne von Art. 477 ZGB zu rechtfertigen gehabt hätte. Dass das subjektive Empfinden des Erblassers bezüglich der Beziehungen zu den Verwandten allenfalls nicht mit dem übereinstimmte, was objektiv wahrnehmbar war, ist deshalb ohne Belang.