Citation: I 333/04 23.12.2004 E. 4

4.1 Das Gutachten des Dr. med. R.________ vom 18. Mai 2002 enthält bezüglich des Gesundheitszustandes (Erw. 4.1.1) und Stellungnahme zur Arbeitsunfähigkeit (Erw. 4.1.2) Aussagen, welche seine Beweiskraft erheblich schmälern: 4.1.1 So fällt zunächst auf, dass der Experte im Abschnitt "Beurteilung" im Wesentlichen die davor erhobene Anamnese wiederholt, hingegen keinen nachvollziehbaren Zusammenhang zu seinen Schlussfolgerungen herstellt. Inwiefern das klinische Beschwerdebild den diagnostischen Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nach ICD-10 F45.4 sowie Angst und depressiven Reaktion gemischt nach ICD-10 F43.22 entspricht, wird nicht dargelegt. Ungeklärt bleibt, worin im Falle der Beschwerdeführerin das für die Diagnose gemäss ICD-10 F45.4 (Weltgesundheitsorganisation [WHO], Internationale Klassifikation psychischer Sörungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 4. Aufl., Bern/Göttingen/Toronto/ Seattle 2000, S. 191) erforderliche Kriterium eines andauernden, schweren und quälenden Schmerzes besteht. Gleiches gilt für die depressive Seite des Beschwerdebildes, indem der Experte nicht erörtert, warum die festgestellten Symptome und Persönlichkeitsmerkmale (erhöhtes Schlafbedürfnis, Freudlosigkeit, Interessenverlust, gedankliche Verlangsamung, Angst, "klagsam-jammeriges" Auftreten, psychisch leicht beeindruckbare und einfach strukturierte Persönlichkeit) zur Annahme einer Depression - ohne Durchführung testpsychologischer Untersuchungen - nicht ausreichen sollen. Nicht nachvollziehbar ist, dass der Gutachter in Anbetracht dieser doch eindeutig limitierenden Symptomatik eine Antriebsverminderung ausschliesst. Auch die Aussage, dass die Explorandin bei einer Körpergrösse von 156 cm und einem Gewicht von 80 kg als "leicht" adipös bezeichnet wird, erscheint unzutreffend (BMI 33). 4.1.2 Was die Stellungnahme zur Arbeitsunfähigkeit anbelangt, hält Dr. med. R.________ im Abschnitt "Beurteilung" fest, der Auffassung der behandelnden Therapeutin, welche eine Arbeitsunfähigkeit von 80% (recte: 70%) angegeben habe, könne nicht beigepflichtet werden; aus rein psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführerin ein "stundenweiser Einsatz in ihrer zuletzt ausgeübten leichten Tätigkeit zumutbar". Im folgenden Abschnitt ("Grad der Arbeitsfähigkeit") hält der Experte der Beschwerdeführerin dann eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von "weiterhin ca. 4 Stunden" täglich ausgewiesen, was eindeutig über ein stundenweises Leistungsvermögen hinausgeht. Problematisch ist es ferner, wenn Dr. med. R.________ die zuletzt ausgeübte Erwerbstätigkeit als "leicht" bezeichnet, obwohl sich aus dem Bericht der Sozialarbeiterin der Firma E.________ vom 9. November 2002 an die Vorinstanz ergibt, dass es sich um anspruchsvolle Aufgaben gehandelt hat (Bearbeiten von Werkteilchen mit einer erforderlichen Präzision von +/- 1 Tausendstelmillimeter unter dem Mikroskop bei Reinraumbedingungen im Zwei-Schichten-Betrieb). Aus diesen Gründen bietet die Stellungnahme des Administrativexperten keine genügende Grundlage zur Ermittlung des Invalideneinkommens. 4.2 Auf der anderen Seite kann auch nicht abschliessend auf das Privatgutachten des Dr. med. C.________ vom 13. April 2004 abgestellt werden, der sich ausserstande erklärte, retrospektiv zur Arbeitsunfähigkeit in dem für die gerichtliche Beurteilung massgebenden Zeitraum bis Verfügungserlass Stellung zu nehmen. Bei dieser medizinischen Aktenlage hat die IV-Stelle zum psychisch relevanten Sachverhalt ergänzende Abklärungen vorzunehmen.