Citation: 6B_38/2018 E. 4.1

4.1. Nach der Anklageschrift seien die angeblichen Straftaten vor dem 18. Januar 2016 dadurch erwiesen, dass der Beschwerdegegner den Lebensunterhalt für sich und seine Ehefrau im Zeitraum von Juli 2015 bis November 2016 bestritten haben soll, ohne Geldbezüge ab seinen Konten zu tätigen. Der Beschwerdegegner habe in dieser Zeit seinen Unterhalt allein durch die von Juli 2015 bis März 2016 entwendeten IBRS-Sendungen bestritten. Zusätzlich habe er vom 17. September 2015 bis am 9. November 2016 in fünf Malen insgesamt Fr. 79'000.-- auf seine Konten eingezahlt; er habe auf diese Weise sein Vermögen von Juli bis November 2016 um Fr. 179'442.-- von Fr. 8'649.55 auf Fr. 188'091.55 angehäuft. Die Vorinstanz erwägt hierzu, dass der Beschwerdegegner und dessen Ehefrau nicht bloss über das monatliche Nettoeinkommen als Angestellte der Post von gesamthaft Fr. 8'000.-- bzw. ab März 2016 über Einkünfte von Fr. 7'000.-- verfügt hätten. Bis 2014 habe der Beschwerdegegner zusätzlich einen Kebab-Stand geführt, im letzten Betriebsjahr als eigentliches Restaurant mit fünf Angestellten. Er habe dabei einen monatlichen Gewinn von Fr. 10'000.-- bis Fr. 20'000.-- erzielt, den er zuhause aufbewahrt habe. Aus dem Verkauf dieses Kebab-Standes im Jahr 2014 habe er Fr. 30'000.-- erhalten. Dass der Beschwerdegegner weder den Verkaufserlös noch die Einnahmen in der Steuererklärung deklariert habe, mache seine Aussagen nicht unglaubhaft. Es sei unzweifelhaft, dass der Beschwerdegegner und seine Ehefrau einen relativ bescheidenen Lebenswandel geführt hätten. Seit Sommer 2015 würden sie bei ihrem Sohn leben, womit die Mietkosten entfallen würden. Es sei in diesem Lichte nachvollziehbar, dass der Beschwerdegegner vor dem und im Anklagezeitraum wiederholt grössere Geldbeträge (von Fr. 10'000.-- bis Fr. 30'000.--) an Freunde und Verwandte ausgeliehen und von Darlehensrückzahlungen bzw. solche auf seine Konten einbezahlt habe. Zudem würden unterschriftliche Bestätigungen von drei Darlehensnehmern vorliegen. Auch habe der Beschwerdegegner erklärt, dass er zwei Darlehensnehmer habe betreiben müssen. In Bezug auf eine Person liege eine Gutschrift des Betreibungsamtes in der Höhe von Fr. 46.70 vor. Damit sei eine Betreibung erstellt, obwohl der Beschwerdegegner - offenbar aufgrund psychischer Beschwerden - nicht habe erklären können, in welchem Zusammenhang diese stehe. Dafür, dass der Beschwerdegegner bereits ab dem 3. August 2015 IBRS-Sendungen gestohlen haben soll, bestehe demnach nur ein Indiz, jedoch kein schlüssiger Beweis. Es würden keine weiteren Beweismittel vorliegen, welche diesen Standpunkt zu stützen vermöchten. Im Polizeibericht vom 1. Juli 2016 werde zwar ausgeführt, dass der Beschwerdegegner bereits in der Videoaufnahme vom 18. Januar 2016 "abgeklärt und routiniert" vorgehe, was darauf hindeute, dass er schon seit längerer Zeit so handle. Diese Interpretation beruhe aber auf einer Vermutung und sei kein Beweis (Urteil, S. 44 f.).