Citation: 8C_391/2017 E. 4.1

4.1. Die Vorinstanz erwog, es liege mit der festgestellten Sehschwäche unstrittig ein Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG) nach Ziff. 425 GgV-Anhang vor, weshalb die Invalidenversicherung die Kosten einer Brille als Behandlungsgerät übernehme. Nach Rz. 425.4 des Kreisschreibens des BSV über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (KSME) könnten Kontaktlinsen als Behandlungsgerät nur abgegeben werden, wenn eine Anisometropie von mindestens 4 Dioptrien vorliege oder mit Kontaktlinsen eine um mindestens zwei Zehntel bessere Sehschärfe erzielt werde als mit Brillengläsern. Die Parteien seien sich darüber einig, dass diese Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Zu bejahen sei aber der Anspruch auf eine Reservebrille als Hilfsmittel nach Art. 21 Abs. 1 Satz 1 IVG. Gemäss der Verwaltungsweisung Rz. 2071 KHMI seien Brillen und Kontaktlinsen zwar grundsätzlich nur in einem Exemplar (keine Reservebrille) abzugeben. Hingegen könnten Brillen bzw. Kontaktlinsen Versicherten, die ohne Brille weitgehend hilflos seien, in doppelter Ausführung abgegeben werden. Dies sei z.B. bei Vorliegen eines unkorrigierten Visus von beidseits weniger als 0,2 oder bei Kataraktoperationen ohne Linsenimplantation der Fall. Bei einem korrigierten Visus von 0,2 beidseits im Jahr 2010 sei die Voraussetzung eines unkorrigierten Visus von beidseits weniger als 0,2 vorliegend gegeben. Es bestehe ein substitutionsfähiger aktueller Leistungsanspruch. Das Motiv zur Anschaffung von Kontaktlinsen sei schützenswert. Da die Kontaktlinsen die Funktion der Brille übernehmen würden, stehe ihm in Austauschbefugnis zu einer zweiten Brille die Kostenübernahme in der Höhe einer Brille zu.