Citation: U 291/01 28.11.2001 E. 3

3.- Streitig ist weiter, ob der Versicherte im Zeitpunkt des Suizids urteilsunfähig war. a) Nach der Rechtsprechung muss bei Suizid die Urteilsunfähigkeit nach Art. 16 ZGB mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 1996 Nr. U 247 S. 171 Erw. 2a mit Hinweis). Dieser Nachweis liegt vorliegend nicht vor. Auf Grund des Gutachtens des Dr. med. E.________ vom 27. März 2000 und des Berichts des behandelnden Arztes Dr. med. B.________ vom 16. August 1999 steht fest, dass W.________ an einer Borderline-Erkrankung litt. Auch steht fest, dass er vor der Selbsttötung erhebliche Mengen Alkohol zu sich genommen hat. Dennoch kann nicht davon ausgegangen werden, seine Fähigkeit, vernunftgemäss zu handeln, sei aufgehoben gewesen. Er war den übermässigen Konsum von Alkohol gewohnt. Diesbezüglich führte Dr. med. B.________ in seinem Bericht aus, Trennung und Umzug in eine eigene Wohnung hätten schnell eine schwere depressive Krise mit starken suizidalen und autodestruktiven Neigungen (übermässiger abendlicher Alkoholkonsum und Dormicum) bewirkt. Die zum Todeszeitpunkt festgestellte Blutalkoholkonzentration von 2,07 Promille war zwar hoch, hat indessen gemäss dem Gutachten des Dr. med. E.________ nicht zur Urteilsunfähigkeit im Sinne von Art. 48 UVV geführt. b) Die Rüge der unrichtigen und unvollständigen Feststellung des Sachverhalts ist unbehelflich. Insbesondere das Gutachten des Dr. med. E.________ erfüllt die von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien an einen Expertenbericht (BGE 125 V 352 Erw. 3a): Dem Gutachter war der Umstand, dass der Verstorbene vor dem Suizid grössere Mengen Alkohol zu sich genommen hatte, auf Grund des Berichtes des Dr. R.________, Gerichtschemiker, Institut für Rechtsmedizin U.________, vom 2. Februar 1999 bekannt. Im Weiteren wusste Dr. med. E.________ auch um die Borderline-Störung des Versicherten, weshalb der Einwand der Beschwerdeführer, der Gutachter habe diese Krankheit bei seiner Beurteilung nicht schlüssig berücksichtigt, ins Leere stösst. Insgesamt hat der Gutachter die psychopathologische Verfassung des Versicherten im Zeitpunkt der Tat unter Berücksichtigung aller medizinisch relevanten Fakten ausführlich beschrieben und überdies festgehalten, die Frage, ob und in welchem Ausmass eine Bewusstseinseinschränkung vorgelegen habe, könne wissenschaftlich nicht beantwortet werden. Dass der Gutachter damit auch auf die Schwierigkeiten einer ex-post-Beurteilung hingewiesen hat, spricht gerade für und nicht gegen die Richtigkeit seiner psychopathologischen Erkenntnisse und der daraus gezogenen Schlussfolgerung (Urteil A. vom 4. April 2000, U 313/99). Der Sachverhalt ist nach dem Gesagten umfassend abgeklärt und von weiteren Beweiserhebungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann (BGE 124 V 94 Erw. 4b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27).