Citation: 6B_1019/2019 E. 2.3

2.3. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind zutreffend. Art. 54 SDÜ statuiert ein Doppelbestrafungsverbot (Grundsatz "ne bis in idem") im internationalen Verhältnis. Gemäss der genannten Bestimmung darf, wer durch eine Vertragspartei rechtskräftig abgeurteilt worden ist, durch eine andere Vertragspartei wegen derselben Tat nicht verfolgt werden, vorausgesetzt, dass im Fall einer Verurteilung die Sanktion bereits vollstreckt worden ist, gerade vollstreckt wird oder nach dem Recht des Urteilsstaats nicht mehr vollstreckt werden kann. Der Grundsatz "ne bis in idem" verbietet nicht nur die Doppelbestrafung, sondern schon die mehrfache Strafverfolgung. Das Vollstreckungselement des Art. 54 SDÜ dient dazu, den Schutz des "ne bis in idem"-Grundsatzes jenem zu verweigern, der sich der Strafvollstreckung durch Flucht in einen Mitgliedstaat entzieht (vgl. Urteil 6B_482/2017 vom 17. Mai 2017 E. 4.1 ff. mit Hinweisen). Art. 54 SDÜ schützt die Betroffenen davor, in verschiedenen Staaten mehrmals für dieselbe Tat bestraft zu werden. Das Gegenteil - ein Anspruch auf doppelte Bestrafung also, um ein potentiell milderes Urteil an einem anderen Gerichtsstand zu erwirken - kann aus der genannten Bestimmung hingegen nicht abgeleitet werden. Noch weniger kann der Beschwerdeführer einen Strafaufschub bezüglich des rechtskräftigen Urteils vom 10. Oktober 2013 respektive vom 29. N ovember 2013 mit der Begründung verlangen, ein noch nicht ergangenes ausländisches Urteil in der gleichen Sache könnte allenfalls milder ausfallen, was eine Revision im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. b StPO zur Folge haben könnte. Damit verkennt der Beschwerdeführer, dass das Urteil des Bundesstrafgerichts in Rechtskraft erwachsen und vollstreckbar ist. Die im Grunde in jedem Strafverfahren bestehende theoretische Möglichkeit einer späteren Revision führt nicht zu einem Anspruch auf Strafaufschub. Ein Anspruch auf Strafaufschub lässt sich vorliegend sodann weder aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK noch aus Art. 29a BV ableiten. Für die Einhaltung der in den nationalen Erlassen sowie den völkerrechtlichen Verträgen enthaltenen Verfahrensgarantien ist die Schweizer Justiz lediglich in den von ihr geführten Strafverfahren verantwortlich. Gleiches gilt für die Tschechische Republik bezüglich der von ihr geführten Verfahren. Die Teilnahme des Beschwerdeführers am in der Tschechischen Republik hängigen Strafverfahren bzw. der Zugang zu den tschechischen Gerichten ist somit durch die dortigen Behörden, allenfalls unter Beschreitung des Rechtshilfewegs, sicherzustellen. Hingegen liegt es nicht in der Verantwortung der Schweizer Behörden, die Einhaltung von EMRK-Bestimmungen durch einen anderen Staat zu gewährleisten. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass dem Beschwerdeführer bereits einmal ein Strafaufschub gewährt wurde. Unterdessen sind im tschechischen Verfahren allerdings Verzögerungen von nicht absehbarer Dauer eingetreten. Es ist damit nicht ersichtlich, weshalb die Vorinstanz Überlegungen der vom Beschwerdeführer vorgetragenen Art bei der von ihr vorgenommenen Interessenabwägung stärker gewichten bzw. überhaupt hätte berücksichtigen sollen. Damit erübrigt sich auch eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen des Beschwerdeführers zur Normhierarchie und der angeblichen Verletzung von übergeordnetem Recht. Eine solche ist nicht ersichtlich. Auch die übrige, vom Beschwerdeführer vorgetragene Kritik am vorinstanzlichen Entscheid, ist nicht stichhaltig. Zunächst kann der Beschwerdeführer aus dem Einwand, es mache einen erheblichen Unterschied, ob das Verfahren in seinem Heimatland in einer für ihn verständlichen Sprache geführt werde oder ob er wie in dem in der Schweiz geführten Verfahren vollständig auf seinen Verteidiger angewiesen sei, nichts für sich ableiten. Dies mag zwar aus der subjektiven Perspektive des Beschwerdeführers zutreffen. Der entsprechende Einwand, er habe sich zufolge mangelnder Sprachkenntnisse bzw. unzureichender Übersetzung nicht wirkungsvoll verteidigen können, hätte er jedoch, wie von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt, auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg geltend machen müssen. Im vorliegenden Verfahren betreffend Strafaufschub kann dieser Einwand nicht beurteilt werden. Offenbleiben kann schliesslich, ob die mit Schreiben vom 13. Juni 2019 vor Vorinstanz eingereichten Unterlagen (aktuelle Informationen zum Strafverfahren in der Tschechischen Republik bzw. zu den Folgen der Inhaftierung eines Mitbeschuldigten) unzul ässige Noven darstellen, denn inwiefern diese Auswirkungen auf den Ausgang des vorliegenden Verfahren zeitigen könnten, ist nicht ersichtlich. Dass die Vorinstanz das erst nach dem Datum des vorinstanzlichen Entscheids eingereichte Schreiben vom 13. Juni 2019 der Vollständigkeit halber in der Prozessgeschichte erwähnt, lässt sodann nicht, wie vom Beschwerdeführer behauptet, darauf schliessen, dass die Vorinstanz das Entscheiddatum willkürlich auf den 12. Juni 2019 festgesetzt hat. Auf diesen Vorwurf des Beschwerdeführers ist nicht weiter einzugehen. Zusammengefasst hat die Vorinstanz weder Bundesrecht noch Völkerrecht missachtet. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet.