Citation: 1C_574/2023 E. B

Auf Ersuchen des damaligen Eigentümers der Bauparzelle, B.________, beschloss die Gemeinde Saas am 24. Oktober 2011 eine Teilrevision ihres Generellen Gestaltungsplans (nachfolgend: GGP). Der revidierte, von der Regierung des Kantons Graubünden am 7. Dezember 2011 genehmigte GGP sah vor, die Eindolung des Wiesenbachs im Bereich der Raschnalstrasse mit einem Winkel von ca. 70 Grad nach Osten zu verschieben und den Bach auf der Bauparzelle (weiterhin) offen zu führen. Am 19. Dezember 2011 bewilligte die Gemeinde Saas B.________ (nachstehend: Bauherr) die Verlegung des Wiesenbachs gemäss dem revidierten GGP. Am 14. Mai 2012 erteilte die Gemeinde Saas dem Bauherrn die Bewilligung, auf der Bauparzelle ein Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen und einer Tiefgarage zu erstellen. Diese Bewilligung verpflichtete den Bauherrn auflageweise, gesamthaft elf Parkplätze zu erstellen, die Baupläne bezüglich eines fehlenden Pflichtparkplatzes anzupassen und der Baubehörde vor Baubeginn die entsprechend korrigierten Baupläne vorzulegen. Im Jahr 2013 wurde die Stammparzelle der Bauparzelle in Stockwerkeigentum aufgeteilt. An der Bauabnahme vom 14. Februar 2015 stellte die Gemeinde Saas verschiedene Abweichungen von den bewilligten Bauplänen fest. So wurde die Eindolung des Wiesenbachs unter der Raschnalstrasse nicht nach Osten verschoben und im Bereich der Bauparzelle verlängert. Zudem wurden gegen Osten an das Haus zwei in den bewilligten Plänen nicht eingetragene Parkplätze 4 und 5 mit Stützmauern errichtet und im Erdgeschoss zwei Wohnungen zusammengelegt. Am 5. April 2016 ersuchte der Bauherr die Gemeinde Saas darum, diese Abweichungen von den bewilligten Plänen nachträglich zu bewilligen. Zur Begründung brachte er insbesondere vor, die im GGP und in der Baubewilligung vorgesehene Verschiebung der Eindolung des Wiesenbachs im Bereich der Raschnalstrasse sei aufgrund der darin verlegten Kanalisations-, Wasser- und Stromleitungen nicht möglich bzw. äusserst aufwändig gewesen. Namentlich zur Überprüfung dieser Angaben holte die Gemeinde Klosters bei L.________ (Ingenieurbüro für Fluss- und Wasserbau, M.________) ein Gutachten ein, das dieser am 27. September 2017 erstattete. Darin wurde die vom Bauherrn ausgeführte Eindolung des Wiesenbachs auf dem Baugrundstück als Variante 1, die in der Baubewilligung vorgesehene neue Eindolung im Bereich der Raschnalstrasse als Variante 2 und eine davon abweichende Eindolung im gleichen Bereich mit einer direkten Linienführung ab den nördlich der Raschnalstrasse gelegenen Parkplätze als Variante 3 bezeichnet. Am 4. Mai 2018 ergänzte L.________sein Gutachten gestützt auf weitere Abklärungen. Mit Schreiben vom 11. September 2018 beantwortete er ihm gestellte Fragen, wobei er ausführte, die heute bestehende Bacheindolung entspreche sowohl ab Eindolung bis zum nordöstlichen Rand der Raschnalstrasse als auch unter dieser Strasse nicht den anerkannten Regeln der Baukunde im Sinne von Art. 79 Abs. 2 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden vom 6. Dezember 2004 (KRG; BR 801.100); beim Einlauf der Eindolung bestehe eine Verstopfungsgefahr und die Abflusskapazität der Eindolung sei mit rund 300 bis 400 Liter pro Sekunde (l/s) deutlich kleiner als der gemäss Gefahrenbeurteilung auf 800 l/s geschätzte Abfluss gemäss dem Regel-Schutzziel für ein hundertjährliches Hochwasserereignis (HQ100). Für die Sanierung der Eindolung ab nordöstlichem Rand der Raschnalstrasse bis zur Ausdolung (gemäss Variante 2 bzw. Baubewilligung) sei mit Kosten von rund Fr. 28'000.-- zu rechnen. Mit der als "Feststellungsverfügung" bezeichneten Verfügung vom 11. Juni 2019 bewilligte die Gemeinde Klosters nachträglich die Zusammenlegung der beiden Wohnungen im Erdgeschoss (Ziff. 1 des Dispositivs), nicht jedoch die abweichend von der Baubewilligung vom 14. Mai 2012 realisierten Stützmauern und Parkplätze 4 und 5 im Gewässerraum sowie die abweichend vom GGP realisierte Bachverlegung und zusätzliche Eindolung (Ziff. 3 des Dispositivs). In der gleichen Verfügung stellte die Gemeinde Klosters unter Berücksichtigung des Gutachtens L.________ eine Wiederherstellungsverfügung in Aussicht und forderte den Bauherrn, die A.________ AG (nachstehend: A.________ AG) als ausführende Bauunternehmung und die Eigentümerinnen und Eigentümer der Bauparzelle auf, dazu Stellung zu nehmen. Gegen diese Verfügung erhoben namentlich der Bauherr und die A.________ AG Beschwerde, die das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit Urteil R 19 57 vom 3. November 2020 abwies. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.