Citation: 4A_297/2019 E. 6.4.2

6.4.2. Die Beschwerdeführerin muss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darlegen können, dass sie bei richtiger Beratung die X.________-Fondsanteile nicht gekauft und auch keine alternative Anlage getätigt hätte (zit. Urteil 4A_202/2019 E. 6.5.1). Die Vorinstanz stellte im Rahmen ihrer Ausführungen zum Kausalzusammenhang hinsichtlich der Täuschung fest, der klare Wille der Beschwerdeführerin, eine risikoarme Investition wahrzunehmen, sei erstellt. Es sei daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in Kenntnis der Tatsachen das Geschäft nicht getätigt hätte. Dem ist zu folgen. Es bleibt zu prüfen, ob aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass die Beschwerdeführerin bei einer Nicht-Investition auch keine andere Anlage getätigt hätte. 6.4.2.1. Die Art der hypothetischen Vermögensanlage, die der Beschwerdeführer bei gehöriger Beratung getätigt hätte, lässt sich nicht nach allgemeiner Lebenserfahrung generell für alle Anleger bestimmen. Vielmehr hängt die Art, wie eine Person ihr Vermögen anlegt, von den Umständen und insbesondere auch von ihrem Willen ab, der naturgemäss nicht direkt feststellbar ist. Geht es um einen in der Vergangenheit liegenden Anlageentscheid, ist zu berücksichtigen, dass die Entwicklung der Werte für damals in Betracht fallende Anlagen bekannt ist und es daher nicht angehen kann, dem Geschädigten zu überlassen, die für ihn aus heutiger Sicht in Kenntnis dieser Entwicklung bestmögliche Anlage auszusuchen (Urteil 4A_539/2014 vom 7. Mai 2015 E. 3.5). Die oben (E. 7.2) dargestellte Rechtsprechung beruht darauf, dass zwischen den Parteien ein Anlageberatungsvertrag besteht. Im Rahmen dieses Vertrages will der Kunde Investitionen tätigen und die Bank verpflichtet sich, ihn bei diesen zu beraten. Es entspricht deshalb diesem Vertragsverhältnis, dass der Kunde bei pflichtgemässer Anlageberatung nicht in die empfohlene, aber in eine andere Anlage investiert hätte (zit. Urteil 4A_202/2019 E. 6.5.1 und Urteil 4A_449/2018 vom 25. März 2019 E. 6.2.2). Daher setzt die Geltendmachung des Schadens im Sinn des Erfüllungsinteresses voraus, dass der Kunde darlegt, welche alternative Anlage er bei pflichtgemässer Beratung getätigt hätte und es kann im Rahmen eines solchen Vertragsverhältnisses die sog. Passivhypothese - dass also überhaupt auf eine Investition verzichtet worden wäre - nicht leichthin angenommen werden (zit. Urteile 4A_202/2019 E. 6.5.1 und 4A_449/2018 E. 6.2.2). Dass es durchaus einen Unterschied ausmachen kann, ob ein Kunde im Laufe eines vorbestehenden Anlageberatungsvertrages Transaktionen bestreitet oder im Rahmen einer erstmaligen bzw. einmaligen Beratung, zeigt auch der von der Beschwerdeführerin erwähnte BGE 124 III 155. Dieser Entscheid betrifft einen Fall, wo wie vorliegend keine vorbestehende Geschäftsbeziehung existierte; der Kläger hatte auf erstmalige Beratung die streitgegenständlichen Optionen erworben und einen Beratungsvertrag unterzeichnet. Das Bundesgericht erwog, es gehe um einen hypothetischen Kausalverlauf zufolge ungenügender Aufklärung. Im konkreten Fall sei anzunehmen, dass sich der Kläger nicht auf die Optionsgeschäfte eingelassen hätte, wenn er ausreichend aufgeklärt worden wäre. Entsprechend diesen Überlegungen zur Kausalität sei er schadenersatzmässig so zu stellen, als ob er sich nicht darauf eingelassen hätte, weshalb er Anspruch auf den gesamten Anlagebetrag habe (BGE 124 III 155 E. 2d s. 165f.). In der Literatur stiess der Entscheid grundsätzlich auf Zustimmung, wobei einschränkend gesagt wurde, er lasse sich nicht auf alle Fälle nicht gehöriger Erfüllung eines Auftrages übertragen (THOMAS KOLLER, Bundesgerichtsentscheide zum Allgemeinen Teil des OR und zum Kaufrecht, 2015, S. 349 ff., S. 361) bzw., zwar habe das Bundesgericht das negative Interesse zugesprochen, doch seien die Besonderheiten des Falls in Rechnung zu stellen (CHRISTOPH GUTZWILLER, a.a.O., S. 362). 6.4.2.2. Vorliegend bedeutet das was folgt: In der bereits erwähnten E-Mail vom 31. März 2011 hatte E.________ ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe gemäss ihren Angaben bisher zwar nur in Steine (sprich Immobilien) investiert, denke aber aktuell über den Aufbau von Aktienpositionen nach. Gleichzeitig betonte er, dass die Beschwerdegegnerin Herrn D.________ gerne zu ihren Kunden zählen würde und die Anlage in den X.________-Fonds "ein guter erster Schritt (sei), um für Sie zu sehen dass wir unsere Versprechen einhalten". Ausserdem verwies er darauf, dass die Anlage eine kurze Laufzeit habe. Die Vorinstanz stellte denn auch fest, die Beschwerdeführerin sei deshalb in der irrigen Annahme gewesen, eine Investition mit kurzer Laufzeit zu tätigen. Mit andern Worten bestand zwar - jedenfalls gemäss der Darstellung von E.________ in der E-Mail vom 31. März 2011 - eine vage Bereitschaft der Beschwerdeführerin, nicht mehr nur in Immobilien, sondern auch in Aktien zu investieren. Daraus ergibt sich jedoch nicht, dass sie deshalb statt der streitgegenständlichen Anlage im relevanten Zeitraum eine alternative Anlage getätigt hätte. Vielmehr betrachteten sowohl sie wie die Beschwerdegegnerin den Kauf der X.________-Fondsanteile offenbar als eine Art Testlauf ("guter erster Schritt") mit kurzer Laufzeit, nach deren Ablauf man sich aufgrund der gemachten Erfahrungen allenfalls zu weiteren Anlagen entscheiden könnte. Die Beschwerdeführerin hat deshalb überwiegend wahrscheinlich gemacht, dass sie im Zeitpunkt ihres Kaufs der X.________-Fondsanteile und bis zu deren (kurzfristigem) Ablauf keine alternative Anlage getätigt hätte. Die Beschwerdegegnerin muss sich auch ihre eigenen Behauptungen entgegenhalten lassen, wonach das Treffen zwischen E.________ und C.________ vom 28. März 2011 auf Initiative der Beschwerdeführerin stattgefunden habe, welche zuvor von einem Dritten auf den X.________-Fonds aufmerksam gemacht worden sei. Damit bestätigt sie, dass es der Beschwerdeführerin spezifisch um den Erwerb dieser Fondsanteile gegangen ist. Die Beschwerdeführerin ist deshalb entsprechend ihrem Eventualantrag so zu stellen, wie wenn sie die Vertragsbeziehung mit der Beschwerdegegnerin nie eingegangen wäre.