Citation: 5A_187/2021 E. 2.5

2.5. Selbst wenn auf die Berufung der Beschwerdeführer in diesem Punkt einzugehen wäre, so hat das Obergericht weiter ausgeführt, wäre sie unbegründet (E. 2.4 S. 14). Widersprochen hat das Obergericht vorweg der bezirksgerichtlichen Rechtsauffassung, dass ein Erbe über die Pflichtteilsverletzung stets frühestens im Zeitpunkt der Eröffnung der Verfügungen von Todes wegen Kenntnis erlangen könne, weil der Erblasser ja allfällige lebzeitige Schenkungen in einer Verfügung von Todes wegen berücksichtigt und ausgeglichen haben könnte. Im Gegenteil sei es vielmehr so, dass die Frist gemäss Art. 533 Abs. 1 ZGB bereits im Todeszeitpunkt zu laufen begonnen hätte, wenn dem Beschwerdegegner das ungefähre Ausmass der lebzeitigen Zuwendungen und die Vermögenssituation seiner Eltern bereits im Todeszeitpunkt des Erblassers in etwa bekannt gewesen wären. Die spätere Eröffnung der Verfügungen von Todes wegen hätte diesfalls eine (vorliegend jedoch gerade nicht vorhandene) Kenntnis des Beschwerdegegners über die Verletzung seines Pflichtteils einzig bestätigt (E. 2.4.1 S. 15). Das Obergericht hat festgestellt, am 28. (recte: 24.) Januar 2010 (Todeszeitpunkt) habe der Beschwerdegegner von den lebzeitigen Zuwendungen nicht einmal eine rudimentäre Kenntnis gehabt. Er habe einzig gewusst, dass seine Eltern einen Teil der Liegenschaften an seine Geschwister verkauft hätten. Nicht gewusst habe er, dass seine Eltern die Liegenschaften teilweise geschenkt und dem Beschwerdeführer 1 ein Darlehen erlassen hätten. Kenntnis von der Pflichtteilsverletzung habe der Beschwerdegegner erst aufgrund des Steuerinventars vom 28. Juni 2010 erlangt, das ein elterliches Vermögen im Todeszeitpunkt des Erblassers von lediglich Fr. 237'738.00 ausgewiesen habe und dem Beschwerdegegner am 28. Juni 2010 zugestellt worden sei. In der Folge habe der Beschwerdegegner seiner Mutter am 12. Juli 2010 geschrieben, aufgrund des ihm Ende Juni 2010 zugestellten Steuerinventars müsse der Grossteil des Familienvermögens bereits vor dem Tod des Erblassers an seine Geschwister übergeben worden sein. Er habe deshalb seine Mutter und den Beschwerdeführer 1 ersucht, ihn über die Vorbezüge zu informieren. Die einjährige Verwirkungsfrist habe somit erst mit der Zustellung des Steuerinventars im Juni 2010 zu laufen begonnen. Damit sei die Frist vorliegend ohne Weiteres eingehalten. Daran ändere das von den Beschwerdeführern aufgeführte Schreiben der L.________ AG vom 21. Januar (recte: November) 1990 nichts, enthalte es doch allgemeine Hinweise betreffend Gleichbehandlung der Erben. Eine Pflichtteilsverletzung sei dazumal nicht ersichtlich gewesen, zumal gemäss Schreiben der L.________ AG das dem Beschwerdeführer 1 gewährte Darlehen zu verzinsen und zu amortisieren war. Das Obergericht hat geschlossen, nach dem Gesagten wäre die Berufung der Beschwerdeführer in Bezug auf die Einwendung der Verjährung (recte: Verwirkung) abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könnte (E. 2.4.2 S. 16 des angefochtenen Entscheids).