Citation: 1C_317/2022 E. 4.4

4.4. Die Beschwerdeführerin erachtet die Standortevaluation in verschiedenen Punkten als bundesrechtswidrig: Das Einsprache- und Prozessrisiko, das mit 10 % sehr stark gewichtet worden sei, sei sachfremd und unzulässig. Das Argument der Sanierungsfrist überzeuge nicht: Zum einen gebe es für die Behandlung von Strassenabwasser keine gesetzliche Sanierungsfrist; zum anderen könne auch der nahende Ablauf einer Frist nicht dazu führen, dass bisher unzulässige Eingriffe in Schutzobjekte zulässig würden. Die Umweltkriterien seien zu undifferenziert bewertet worden: Das Kriterium "Wald" wiege mit 4 % genauso viel wie die Kriterien "Landschaft und Ortsbild" und "Raumplanung", obwohl es sich nur um die temporäre Rodung einer kleinen Waldfläche handle (80 m2 bei der Variante 1A Grafenau, 370 m2 bei der Variante 2C Sitterviadukt), während das geschützte Landschaftsbild auf der Halbinsel Grafenau dauerhaft und erheblich beeinträchtigt werde. Das Interesse an der Walderhaltung werde erst bei Rodungen von mehr als 700 m2 erheblich berührt, d.h. wenn Freilandverhältnisse geschaffen würden. Hierfür verweist die Beschwerdeführerin auf eine von ihr ins Recht gelegte Stellungnahme des Forstingenieurs A.________ (ehem. Oberförster des Kantons Appenzell Ausserrhoden). Dies sei bei beiden Varianten nicht der Fall. Sodann hätte die Variante 1A Grafenau hinsichtlich des Landschaftsschutzes nur mit 1 ("schlecht") bewertet werden dürfen: Die SABA komme in ein kommunales Landschaftsschutzgebiet (Sitter- und Wattbachlandschaft; SWL) zu liegen, im Anwendungsbereich der dafür geltenden Schutzverordnung der Stadt St. Gallen (SvSWL). Zudem müsse der Hang abgeschürft und ca. 5'000 m3 Aushub abtransportiert werden. Die landwirtschaftliche Nutzung und die Präsenz des Kehrichtheizkraftwerks St. Gallen auf der anderen Seite der Sitter ändere nichts daran, dass es sich um einen weitgehend intakten und störungsfreien Landschaftsraum handle. Das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei habe daher den Standort Grafenau abgelehnt und den Standort Sitterviadukt als viel verträglicher bezeichnet. Setze man das Kriterium "Risiko Einsprache" auf Null, gewichte man das Kriterium "Wald" nur mit 2 % statt 4 %, bewerte man das Kriterium "Wald" bei der Variante Sitterviadukt mit 3 statt nur 2 Punkten und das Kriterium "Landschaft und Ortsbild" bei der Variante 1A Grafenau mit 1 statt mit 2 Punkten, so ergebe sich für die Variante 2C Sitterviadukt ein Punktetotal von 2.77, für die Variante 1A Grafenau dagegen ein tieferes Punktetotal von 2.72.