Citation: I 835/02 18.11.2003 E. 4

Bei der Statusfrage wurde in der Verfügung vom 3. Juli 2001 davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 33 % im Haushalt und zu 67 % als Selbstständigerwerbende tätig wäre. Im vorinstanzlichen Verfahren bezeichnete die Verwaltung die Annahme eines Anteils Erwerbstätigkeit von zwei Dritteln als an der obersten Grenze des vertretbaren Rahmens liegend. Im gleichen Sinne äussert sich das kantonale Gericht im angefochtenen Entscheid, wenn es die besagte Einschätzung als wohlwollend, jedoch noch vertretbar erachtet. Die der streitigen Verfügung zugrunde gelegte und von der Vorinstanz bestätigte Aufteilung zwischen Haushalt und Erwerbstätigkeit findet indessen in den Akten keine hinreichende Stütze. 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Für die Beurteilung und Festlegung des im Gesundheitsfall mutmasslich ausgeübten Aufgabenbereiches ist zu prüfen, ob die Versicherte ohne Invalidität mit Rücksicht auf die gesamten Umstände (dazu gehören die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse) vorwiegend erwerbstätig oder im Haushalt beschäftigt wäre. Zu berücksichtigen sind ausser der finanziellen Notwendigkeit, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder auszudehnen, auch allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen. Bei verheirateten Versicherten ist überdies die eherechtliche Aufgaben- und Rollenverteilung im Rahmen der ehelichen Gemeinschaft zu beachten (BGE 125 V 150 Erw. 2c, 117 V 94 f. Erw. 3b und 4, je mit Hinweisen; AHI 1997 S. 289, 1996 S. 197 f. Erw. 1c). 4.2 Die Beschwerdeführerin war gemäss Eintragungen im Individuellen Konto nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Coiffeuse nur bis im Jahre 1982 in grösserem Umfang erwerbstätig (Einkommen 1982: Fr. 22'027.-); ab 1983 (Geburt des ersten Kindes) war sie nur noch in geringem Ausmass teilerwerbstätig, wobei das jeweilige Arbeitspensum und der damit realisierte Verdienst aus den Akten nicht ersichtlich sind. In den Jahren 1993 und 1994 vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Jahr 1995 wurde praktisch kein Erwerbseinkommen mehr erzielt (Einkommen 1993: Fr. 180.-; 1994: Fr. 480.-). Gegenüber dem Abklärungsdienst (Bericht vom 23. März 2001) gaben die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann an, die Versicherte habe im April 1998 die selbstständige Erwerbstätigkeit aufgenommen wegen drohender Arbeitslosigkeit des Ehegatten und weil sie aus therapeutischen Gründen wieder etwas arbeiten wollte. Es habe die Absicht bestanden, mit einem Arbeitspensum von 50 % Reinigungen auf eigene Rechnung vorzunehmen und je nach Bedarf etwa 6-7 Stunden pro Tag zu arbeiten. Ein höheres Pensum habe sie nicht angestrebt, um den Haushalt ordnungsgemäss führen zu können. Sobald das Geschäft erfolgreich gelaufen wäre, wäre auch der Ehemann in dieses eingetreten, um seine unsichere Stelle (ebenfalls in der Reinigungsbranche) aufgeben zu können. Gestützt auf diese Angaben setzte der Abklärungsdienst den Anteil der selbstständigen Erwerbstätigkeit auf 66 2/3 % (6-7 Stunden von rund 10 Stunden pro Tag als Selbstständigerwerbende) fest, was ohne nähere Begründung der Verfügung vom 3. Juli 2001 zu Grunde gelegt wurde. Bei der Festlegung der Aufgabenbereiche ist die Verwaltung indessen weder darauf eingegangen, dass die Versicherte nach ihrer bestimmten Angabe nur ein Arbeitspensum von 50 % anstrebte, was in klärungsbedürftigem Widerspruch zur eher unbestimmten Angabe steht, sie hätte je nach Bedarf 6-7 Stunden gearbeitet, noch wurden die finanziellen, persönlichen und familiären Verhältnisse näher abgeklärt und in die Würdigung miteinbezogen. Aus den Akten ergibt sich hiezu im Wesentlichen nur, dass die Beschwerdeführerin nach neun Jahren Primarschule zur Coiffeuse ausgebildet wurde, über wenig Berufspraxis verfügt und vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Jahr 1995 in geringem, zuletzt weiter abnehmendem Umfang erwerbstätig war. Weiter ist bekannt, dass im Jahr 2000 ein Einfamilienhaus erworben wurde. Entgegen Verwaltung und Vorinstanz kann nicht allein gestützt auf diese Gegebenheiten und die teils widersprüchlichen Angaben der Versicherten, die sich weitgehend auf die erst nach Eintritt des Gesundheitsschadens aufgenommene Erwerbstätigkeit bezogen, davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführerin hätte im Gesundheitsfall im Umfang von 67 % eine selbstständige Erwerbstätigkeit in der Reinigungsbranche durch Aufbau eines eigenen Unternehmens mit Angestellten aufgenommen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Versicherte im April 1998 angeblich selbstständig erwerbstätig wurde, obwohl sie aufgrund ihres Gesundheitszustandes dazu kaum in der Lage war und insbesondere keine Leitungsfunktionen ausüben konnte. Insofern stellt sich die Frage, ob die Betriebsaufnahme im Namen der Versicherten nicht lediglich pro forma erfolgte und der Ehemann von Beginn weg die Geschäftsführung inne hatte. Die Einzelfirma wurde denn auch am 24. Januar 2001, also vor Verfügungserlass, in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt, an der die Beschwerdeführerin einen Anteil von Fr. 1'000.- und der Ehemann einen Anteil von Fr. 19'000.- halten (Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vom 23. März 2001). Zu beachten ist sodann der Umstand, dass die selbstständige Erwerbstätigkeit nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch aus therapeutischen Gründen aufgenommen wurde. Dies ist insofern von Belang, als die Statusfrage - was Verwaltung und Vorinstanz nicht berücksichtigt haben - gerade ohne Berücksichtigung der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu beurteilen wäre. 4.3 Gestützt auf die gegebene unvollständige und widersprüchliche Aktenlage lässt sich die Statusfrage nicht zuverlässig beantworten. Die IV-Stelle hat die hiefür notwendigen ergänzenden Abklärungen vorzunehmen. Nach deren Ergebnis bestimmt sich, ob an der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung festzuhalten ist, und falls ja, welche Aufteilung der Tätigkeitsbereiche die Grundlage hiefür zu bilden hat.