Citation: 6B_977/2023 E. 1.5.4

1.5.4. Der Beschwerdeführer ist verheiratet und hat mit seiner Ehefrau drei bereits volljährige Kinder. Der älteste Sohn und dessen Ehefrau wohnen zusammen mit den beiden in U.________. Die Tochter lebt ebenfalls in der Schweiz, der jüngere Sohn in England. Bei dieser Ausgangslage prüft die Vorinstanz zu Recht, inwieweit das Recht des Beschwerdeführers auf Familienleben i.S.v. Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK im Falle einer Landesverweisung betroffen ist. Wie sie zutreffend erwägt, würde das Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und seinem volljährigen Sohn nur dann unter das geschützte Recht auf Familienleben fallen, wenn ein über die normalen familiären Bindungen hinausgehendes, besonderes Abhängigkeitsverhältnis bestünde (vgl. oben E. 1.4.3). Die Vorinstanz bestreitet nicht, dass zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Sohn eine emotionale Bindung besteht. Dass diese über das normale Mass hinaus geht, wird jedoch nicht bereits durch das - wie der Beschwerdeführer es ausdrückt - unüblicherweise Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt begründet. Vielmehr ist ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis mit Bezug auf seinen volljährigen, gemäss den verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen berufstätigen und wirtschaftlich selbständigen, Sohn weder begründet geltend gemacht noch ersichtlich. Der Beschwerdeführer belässt es denn auch dabei, die vorinstanzlichen Ausführungen als "schlicht nicht richtig" zu bezeichnen, ohne dabei eine begründete Willkürrüge zu erheben. Ähnliches gilt mit Bezug auf die Enkeltochter des Beschwerdeführers. Er behauptet, die enge Beziehung zu seiner Enkeltochter liege auf der Hand, würde diese doch mit ihren Eltern - dem ältesten Sohn und dessen Ehefrau - gemeinsam mit dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau in einer Wohnung leben. Vorab sei erwähnt, dass die Enkeltochter in den vorinstanzlichen Erwägungen nicht auftaucht und der Beschwerdeführer diesbezüglich keine Willkür in der Sachverhaltsfeststellung geltend macht. Die Vorinstanz erwägt mit Bezug auf den gemeinsamen Haushalt lediglich, der älteste Sohn und dessen Ehefrau würden zusammen mit dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau leben; von einer Enkeltochter ist nicht die Rede. Soweit es sich dabei um ein Novum handelt, so ist dies vor Bundesgericht unbeachtlich (Art. 99 Abs. 1 BGG; vgl. Urteil 6B_1005/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 1.3.2 mit Hinweis). Aber selbst wenn von der vom Beschwerdeführer präsentierten Ausgangslage auszugehen wäre, wird durch das blosse Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt nicht automatisch ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der Rechtsprechung bzw. das Vorliegen einer "de facto" Familie begründet. Zwar würde die teilweise Betreuung der Enkeltochter wohl ein enges Verhältnis zu ihr begründen; inwieweit dieses dadurch jedoch über das übliche Mass familiärer Beziehungen hinausgehen soll, ist weder begründet dargetan noch ersichtlich. Es reicht nicht aus, vor Bundesgericht lediglich die eigene Sicht der Dinge vorzubringen, sich dabei aber nicht mit den vorinstanzlichen Erwägungen zum Familienleben auseinanderzusetzen. Überdies rügt der Beschwerdeführer auch nicht, die Vorinstanz habe seine familiäre Situation ungenügend bzw. falsch abgeklärt und damit ihre Begründungspflicht verletzt (vgl. Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG). Die Frage, ob der Sohn bzw. die Enkeltochter den Beschwerdeführer in den Kosovo begleiten würden, stellt sich vorliegend mangels Vorliegens eines besonderen Abhängigkeitsverhältnisses im Sinne der Rechtsprechung nicht. Hinzu kommt, dass der Kontakt zum Sohn und zur Enkeltochter für die Dauer der Landesverweisung auch durch Kurz- und Ferienbesuche sowie durch die modernen Kommunikationsmittel aufrechterhalten werden kann (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.3). Entsprechend geht seine Rüge mit Bezug auf den Schutzbereich von Art. 8 EMRK auch in dieser Hinsicht fehl. Zu prüfen gilt indes, inwieweit es der Ehefrau des Beschwerdeführers zumutbar wäre, ihn für die Dauer der Landesverweisung in den Kosovo zu begleiten (vgl. oben E. 1.4.3). Gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz ist die Ehefrau des Beschwerdeführers ebenfalls im heutigen Kosovo geboren und verfügt über die kosovarische Staatsbürgerschaft. Sie reiste im Jahr 1993 zum Beschwerdeführer in die Schweiz, wo sie über eine Niederlassungsbewilligung verfügt. Nachvollziehbar erwägt die Vorinstanz, die Ehefrau sei demnach mit der Kultur und den Gepflogenheiten im Kosovo vertraut, zumal regelmässige Ferienbesuche dort erstellt sind und sie auch die albanische Sprache beherrscht. Die Vorinstanz bejaht zu Recht einen genügend starken Bezug zum gemeinsamen Heimatland und bejaht die Möglichkeit einer Wiedereingliederung auch in beruflicher Hinsicht, weshalb es der Ehefrau des Beschwerdeführers, die hier etwa 50 % in einer Reinigungsgesellschaft arbeitet, zumutbar ist, ihn für die Dauer der Landesverweisung in den Kosovo zu begleiten. Dies gilt selbst dann, wenn seine Ehefrau in der Schweiz gewisse Kinderbetreuungsaufgaben wahrnimmt, zumal weder begründet geltend gemacht noch ersichtlich ist, inwieweit diese über das normale Mass familiärer Bindung hinausgeht. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist die Zumutbarkeit der Ehefrau, ihn in den Kosovo zu begleiten, nicht bereits aufgrund von allfälligen ausländerrechtlichen Konsequenzen zu verneinen. Soweit überhaupt rechtsgenüglich begründet, überzeugt die Rüge des Beschwerdeführers nicht.