Citation: 6B_1437/2020 E. 1.4.2

1.4.2. Das nach dem (selbständigen) Wiedereintreten von C.________ erfolgte Verlassen des Zimmers und Fernbleiben durch den Beschwerdeführer vermag ebenfalls noch keine Täterschaft oder Teilnahme an den von C.________ verübten Sexualdelikten zu begründen, selbst unter der (vom Beschwerdeführer kritisierten) vorinstanzlichen Annahme, der Beschwerdeführer habe in diesem Zeitpunkt von der Möglichkeit einer sexuellen Nötigung bzw. Vergewaltigung durch C.________ gewusst. 1.4.2.1. Das Bundesgericht bejahte Mittäterschaft als Begehungsdelikt bei der Vergewaltigung in Fällen, in denen der Mittäter zwar selber nicht Hand anlegte, aber etwa während der gesamten Vergewaltigungshandlung anwesend war und den unmittelbaren Haupttäter durch Bedrohen des Opfers, Widersetzen seiner Freilassung und Abschliessen der Tür unterstützte sowie mittels gegenüber dem Haupttäter ausgeführten Zärtlichkeiten bei der Ausführung ermutigte (BGE 125 IV 134), während dreier Stunden im selben Raum war und dem Haupttäter Ratschläge erteilte (Urteil 6B_875/2009 vom 22. März 2010) oder unmittelbar am Tatort (im Auto, in dem die Vergewaltigung stattfand, und um dieses herum) anwesend war, durch seine Anwesenheit zur Aufrechterhaltung der Zwangssituation beitrug und den Haupttäter mit Anfeuerungsrufen und Filmen ermutigte (Urteil 6B_95/2015 vom 25. Januar 2015). Eine solche aktive Verhaltensweise liegt hinsichtlich des Verlassens des Zimmers und Fernbleibens durch den Beschwerdeführer nicht vor. Obschon das Entfernen an sich eine aktive Handlung darstellt, erweist es sich zusammen mit dem anschliessenden Fernbleiben mit Bezug auf die von C.________ im Zimmer verübten Sexualdelikte als ein passives Verhalten und damit als eine Unterlassung und kein aktives Tun. Der Beschwerdeführer verliess den (späteren) Tatort und griff nicht ein, um die Straftaten zu verhindern (vgl. auch Urteil 6B_72/2009 vom 20. Mai 2009 E. 2.3). Ein mittäterschaftliches Handeln, aber ebenso eine Gehilfenschaft, in der Form des Begehungsdelikts fällt insoweit ausser Betracht. 1.4.2.2. Eine Unterlassung ist nur strafbar, wenn die nicht handelnde Person eine Garantenstellung trifft (vgl. E. 1.2.4 oben). Fehlt es an einer solchen, liegt in Vergewaltigungsfällen laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch dann kein strafbares Verhalten vor, wenn die beschuldigte Person das fehlende Einverständnis des Opfers zu den sexuellen Handlungen optisch und/oder akustisch wahrnehmen konnte und dennoch passiv bleibt. So erkannte das Bundesgericht, dass das Verhalten einer beschuldigten Person nicht in den Anwendungsbereich des Strafrechts fällt, welche trotz Schreie und Hilferufe des Opfers das Schlafzimmer, in dem sich die strafbaren Handlungen abspielten, verliess und sich während der Vergewaltigung im Wohnzimmer aufhielt (Urteil 6B_72/2009 vom 20. Mai 2009) oder welche trotz Erblicken und Hören der sich im Gang befindlichen, durch mehrere Männer verübten sexuellen Handlungen nicht eingriff (Urteil 6B_190/2014 vom 25. September 2014). Sowohl im erstgenannten Fall, in welchem die beschuldigte Person und das Opfer in einem freundschaftlichen Verhältnis standen, als auch im zweitgenannten Fall, in welchem die fraglichen Personen überdies teilweise ein sexuelles Verhältnis unterhielten, verneinte das Bundesgericht eine Garantenstellung (Urteile 6B_72/2009 vom 20. Mai 2009 E. 2.3; 6B_190/2014 vom 25. September 2014 E. 4.4.2). Im letztgenannten Fall verwarf das Bundesgericht auch die Argumentation einer Garantenstellung kraft Schaffung einer Gefahrensituation, obwohl die beschuldigte Person die Täter an den Tatort eingeladen hatte und zumindest damit rechnete, es werde allenfalls zu einvernehmlichen sexuellen Kontakten zwischen diesen und dem Opfer kommen, da die betreffenden Umstände für die Entschlussfassung der Täter nicht ausschlaggebend waren (Urteil 6B_190/2014 vom 25. September 2014 E. 4.2.2 und 4.4.2). Im vorliegenden Fall ist nicht anders zu entscheiden. Eine qualifizierte Rechtspflicht, aufgrund derer dem Beschwerdeführer eine ihn zum Handeln verpflichtende Garantenstellung zukäme, ist nicht auszumachen. Aus dem Verhältnis des Beschwerdeführers zur Beschwerdegegnerin 2, welche sich erst in der Nacht zuvor im Ausgang kennengelernt hatten, lässt sich eine entsprechende Handlungspflicht nicht ableiten (zu einer solchen Handlungspflicht vgl. auch BGE 125 IV 64 E. 1a; Urteil 6B_1220/2020 vom 1. Juli 2021 E. 1.2; je mit Hinweisen). Aufgrund der übrigen Umstände kann ebenfalls nicht auf eine Handlungspflicht geschlossen werden. Zwar ist festzustellen, dass einzig der Beschwerdeführer in der Asylunterkunft gemeldet war, in deren Zimmer sich das Geschehen abspielte, die Beschwerdegegnerin 2 und C.________ mithin Gäste des Beschwerdeführers waren und Letzterem insoweit eine gewisse "Hausherrschaft" zukam. Zu bemerken ist ferner, dass der Beschwerdeführer eine besondere Situation schuf, als er C.________ ins Zimmer rief, in welchem sich die Beschwerdegegnerin 2 nackt im Bett unter der Decke befand. Dass und inwieweit die "Hausherrschaft" des Beschwerdeführers massgebend für den Tatentschluss und die Tatausführung von C.________ gewesen wäre, ist indes weder ersichtlich noch dargetan. Gleiches gilt hinsichtlich des Hereinrufens von C.________. Wie erwähnt nahm der Beschwerdeführer dies noch ohne Kenntnis des Risikos vor, C.________ werde gegebenenfalls den Willen der Beschwerdegegnerin 2 missachten; das Wiedereintreten von C.________, in dessen Anschluss er die sexuellen Handlungen schliesslich (erst) vollzog, erfolgte sodann, nachdem der Beschwerdeführer C.________ aus dem Zimmer verwiesen hatte, und ohne Zutun des Beschwerdeführers (vgl. E. 1.4.1 oben). Eine über eine moralische oder sittliche Pflicht hinausgehende qualifizierte Rechtspflicht und damit eine Garantenstellung des Beschwerdeführers lässt sich aus diesen weiteren Gegebenheiten nicht ableiten. Auch die Voraussetzungen für eine Mittäterschaft oder Gehilfenschaft durch Unterlassen liegen daher nicht vor. 1.4.2.3. Allein aus dem passiven Verhalten des Beschwerdeführers kann im Weiteren nicht rechtsgenüglich auf einen Tatherrschaftswillen bzw. konkludenten Anschluss an den Tatentschluss von C.________ oder auf einen Willen, dessen Taten zumindest gehilfenschaftlich zu unterstützen, mithin auf das Vorliegen der subjektiven Voraussetzung der Mittäterschaft oder Gehilfenschaft, geschlossen werden. Andere Anhaltspunkte, die Rückschlüsse auf einen entsprechenden Willen des Beschwerdeführers zuliessen, sodass das Verlassen und Fernbleiben als Ausdruck eines solchen Willens zu werten wären, liegen nicht vor. Die blosse Billigung der Taten von C.________, welche der Beschwerdeführer mit seinem Verhalten bei der gegebenen Sachlage (höchstens) zum Ausdruck gebracht haben kann, sofern er wie von der Vorinstanz angenommen mit der Vornahme strafbarer sexueller Handlungen durch C.________ rechnen musste, genügt weder für die Annahme von Mittäterschaft noch Gehilfenschaft (vgl. E. 1.2.2 f. oben).