Citation: K 131/02 04.01.2005 E. 5

5.1 Der behandelnde Arzt diagnostizierte pericoronale Infekte und Zysten bei dystopen Weisheitszähnen im Ober- und Unterkiefer beidseits. In einem ärztlichen Gutachten zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 18. November 2002 beschrieb er den Krankheitswert als rezidivierende Schmerzen bei pericoronalen Infekten, follikuläre Zysten mit derzeitig geringgradiger entzündlicher Aktivität, Denudierung von Zahnhals und Wurzeln der angrenzenden Zähne, im Oberkiefer ausgeprägter als im Unterkiefer, Parodontaltasche mit Verbindung zur Mundhöhle im Unterkiefer beidseits sowie unmittelbar drohende Behinderung einer geordneten Gebissentwicklung durch Druck der impaktierten Weisheitszähne mit Verdrängung der Nachbarzähne und Beeinträchtigung der durchgeführten kieferorthopädischen Behandlung. 5.2 Nach Beizug ihres Vertrauenszahnarztes lehnte die KPT die Übernahme der Behandlungskosten ab mit der Begründung, die vier Zähne seien nicht verlagert und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei davon auszugehen, dass nicht sämtliche Zähne einen Krankheitswert aufgewiesen hätten. 5.3 Die Vorinstanz würdigte die verschiedenen medizinischen Berichte und kam ebenfalls zum Schluss, dass das Bestehen einer Verlagerung für keinen der vier Weisheitszähne mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei, sodass die Frage des qualifizierten Krankheitswertes offen gelassen werden könne. 5.4 Im vorliegenden Verfahren räumt die KPT nach Beizug des Dr. med. dent. Z.________ sowie des Dr. med. Dr. med. dent. C.________ ein, dass die beiden unteren Weisheitszähne als verlagert zu betrachten seien, da sie eingekeilt im Kieferwinkel gelegen hätten und kaum mit einem normalen Durchbruch habe gerechnet werden können. Sie erklärte sich daher bereit, die Kosten für die Extraktion der Zähne 38 und 48 unter Abzug der Kosten bezüglich Assistenz, Spitalaufenthalt und Zystenoperation zu übernehmen, wobei zu berücksichtigen sei, dass sie schon Leistungen erbracht habe. Bei den Weisheitszähnen 18 und 28 fehle, so die Krankenkasse, jedoch bereits die Verlagerung als erste Voraussetzung der Leistungspflicht. Ebenso seien die Gutachterkosten des Dr. med. Dr. med. dent. S.________ nicht ihr aufzuerlegen. 5.5 Was zunächst die Verlagerung der Weisheitszähne anbelangt, sind sich Dr. med. Dr. med. dent. S.________ einerseits und Dr. med. dent. Z.________ sowie Dr. med. Dr. med. dent. C.________ andrerseits über deren Vorhandensein bei den unteren Weisheitszähnen 38 und 48 einig, nicht jedoch bei den oberen Weisheitszähnen 18 und 28. Die Frage der Verlagerung dieser beiden Weisheitszähne kann indessen offen bleiben, weil deren Pathologie und die notwendigen Massnahmen zur Beseitigung oder Verringerung für das Vorliegen des erforderlichen qualifizierten Krankheitswertes nicht ausreichen. Die Behandlung bestand im Wesentlichen in der Entfernung der Weisheitszähne. Zudem fanden eine Konsultation vor dem Eingriff und drei Konsultationen nach dem Eingriff statt. Selbst wenn die vom behandelnden Arzt geltend gemachte Pathologie vorhanden war, konnte sie durch die Entfernung der Weisheitszähne 18 und 28 behoben werden, ohne dass ein Ersatz der entfernten Zähne oder andere aufwändige Massnahmen notwendig geworden wären. Auch fehlen jegliche Anhaltspunkte für irgendwelche Schwierigkeiten oder besondere Komplikationen, sodass in Anbetracht der Rechtsprechung die Voraussetzungen für eine diesbezügliche Leistungspflicht der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nicht erfüllt sind. Anders präsentiert sich die Situation bezüglich der Weisheitszähne 38 und 48. Diese Zähne lagen unbestrittenermassen eingekeilt im Kieferwinkel. Durch ihren Druck gefährdeten sie eine geordnete Gebissentwicklung bei der Versicherten, die im Zeitpunkt der Behandlung rund 16 ½ Jahre alt war und deren Dentition sich noch in Entwicklung befand. Erschwerend ist der Umstand, dass die reguläre Entwicklung der Dentition besonders anfällig war, da die Beschwerdeführerin bereits kieferorthopädisch behandelt worden war und über den unteren Frontzähnen eine Schiene trug. Damit ist - wie in Erwägung 3.2 dargelegt - das Erfordernis des qualifizierten Krankheitswertes in Form der Behinderung einer geordneten Gebissentwicklung trotz des sich im Rahmen haltenden Behandlungsaufwandes erfüllt. Nicht nachgewiesen ist die Notwendigkeit der Vornahme des Eingriffs in einem Spital sowie des Beizugs eines Assistenten, bestehen doch auch bezüglich der unteren Weisheitszähne keine Anhaltspunkte für irgendwelche Schwierigkeiten oder besondere Komplikationen. Die Behandlungskosten für die Zähne 38 und 48 sind demzufolge unter Abzug der Kosten bezüglich Assistenz und Spitalaufenthalt sowie unter Berücksichtigung der bereits erbrachten Leistungen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu übernehmen. Die Sache wird an die KPT zurückgewiesen, damit sie abklärt, welcher Anteil der gestellten Rechnungen (inkl. Rechnung des Dr. med. dent. T.________ vom 26. Juni 1997 über den Betrag von Fr. 424.70) auf die Behandlung der Zähne 38 und 48, soweit der Leistungspflicht unterliegend, entfällt, und anschliessend über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Übernahme der Kosten der zahnärztlichen Behandlung neu verfügt.