Citation: 8C_252/2007 16.05.2008 E. 7.3

7.3.1 Für das Kriterium der ärztlichen Behandlung entscheidwesentlich ist, ob nach dem Unfall bis zum Fallabschluss eine fortgesetzt spezifische, die versicherte Person belastende Behandlung notwendig war (BGE U 394/06 E. 10.2.3). 7.3.2 Der Unfall ereignete sich am 19. Januar 2002. Seither war die Versicherte beim Hausarzt Dr. med. Z.________ in ambulanter Behandlung, der einen Halskragen, analgetische Medikamente und Physiotherapie verordnete (Berichte vom 6. und 17. März 2002). Am 17. Juli 2002 wurde die Versicherte (infolge Abwesenheit des Dr. med. Z.________) notfallmässig durch Dr. E.________, prakt. Arzt, wegen einer massiven Schmerzexazerbation im Nacken-/Schulterbereich mit Ausstrahlung bis Finger II-IV/Brust rechts sowie Dermatom S1 behandelt. Es musste von hinten grossflächig Procain infiltriert sowie Tramal i.m. verabreicht werden. Zudem wurde der Kragen wieder verordnet. Das Angebot zur Hospitalisierung lehnte die Versicherte wegen Haustieren ab (Bericht vom 22. Juli 2002). Gemäss Bericht der Management C.________ AG welche die Versicherte im Auftrag der SUVA betreute, sagte die Versicherte einen zweiten Termin für Mitte August 2002 bei der Psychotherapeutin Frau Dr. med. F.________ ab. Vom 2. September bis 22. Oktober 2002 befand sich die Versicherte in einem ambulanten Coping-Programm der Klinik B.________, wo sie auch psychiatrisch/psychologisch abgeklärt und betreut wurde. Seit 21. November 2002 führte sie regelmässig Craniosacraltherapie bei Frau L.________ durch. Seit 29. Januar 2003 nahm die Versicherte einmal monatlich an der Gesprächstherapie mit Dr. med. I.________ in der Schmerzgruppe im Dienst D.________ teil. Gemäss dem Bericht des Neurologen Dr. med. H.________ vom 11. März 2003 absolvierte sie die psychiatrische Therapie bei Dr. med. I.________ und Craniosacraltherapie; das Problem sei, dass sie diese Therapien nicht als nützlich empfinde. Der Chiropraktor Dr. G.________ gab im Bericht vom 12. März 2003 an, sie sei bei ihnen erstmals am 3. März 2003 untersucht worden; empfohlen werde eine Manipulation unter Anästhesie, womit bei Einverständnis der SUVA Anfang April begonnen werde. Dr. med. Z.________ führte im Bericht vom 23. März 2003 aus, bisher sei es trotz physio- und psychotherapeutischer sowie medikamentöser Behandlung nicht gelungen, die Versicherte zu stabilisieren und arbeitsfähig zu machen. Der Dienst D.________ legte im Bericht vom 12. Mai 2003 dar, sie habe sich bis heute in integrierter psychiatrischer Behandlung befunden. Sie sei zu regelmässigen lösungsorientierten stützenden Gesprächen gekommen und habe an einer Gesprächsgruppe von Schmerzpatienten teilgenommen. Vom 4. bis 26. September 2003 war sie in der Klinik K.________ hospitalisiert, wo einerseits eine kombinierte physiotherapeutische Behandlung mit entspannenden und versuchsweise aktivierenden Therapien durchgeführt und anderseits mit Procain-Infiltrationen versucht wurde, die vegetative Stresssituation etwas zu beheben. Ein Versuch mit Akupunktur sei gut ertragen worden. Seit 13. Oktober 2003 war die Versicherte beim Psychiater Dr. med. S.________ in ambulanter Behandlung. Laut dem ZMB-Gutachten vom 16. Dezember 2004 war Dr. med. J.________, Allgemeinpraktiker, behandelnder Hausarzt. Die Versicherte suche ihn nur sporadisch auf. Er verschreibe Physiotherapie, die sie in Wettingen dreimal wöchentlich absolviere. Sie erhalte Magnetresonanzbehandlung, Massage und Thermalbäder. Behandelnder Neurologe sei Dr. med. H.________. Sie suche ihn einmal im Monat auf und erhalte Medikamente sowie Schmerzpflaster. Behandelnder Psychiater sei Dr. med. S.________, den sie zwei- bis dreimal im Monat für Gespräche aufsuche; von ihm erhalte sie Surmontil, eine Vierteltablette abends. Wegen Hämorrhoiden, die stark geblutet hätten, habe Dr. med. S.________ das vorher verabreichte Deanxit abgesetzt. An Medikamenten konsumiere sie eine Tablette Migpriv pro Tag, Aspégic 1000 mg, von denen sie in letzter Zeit mehr eingenommen habe, sowie Voltaren 50 mg 1 bis 2 Dragees pro Tag. Im Bericht vom 3. Mai 2005 gab Dr. med. S.________ an, die Versicherte sei seit 13. Oktober 2003 regelmässig zu den psychotherapeutischen Gesprächen gekommen; er habe Antidepressiva und Anxiolytika verordnet. Im Bericht vom 10. April 2006 gab Dr. med. U.________, FMH Rheumatologie Sport Innere Medizin, an, seit März 2005 stehe die Versicherte bei ihm in ambulanter Behandlung. Folgende Medikamente würden verabreicht: Migpriv, Novadiol, Voltaren und Dafalgan i.R., Zaldiar, Effexor Stop, Sedativa, Stilnox, Temesta i.R. Das Prozedere bestehe in Mg hochdosiert und TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation). Im Bericht vom 25. April 2006 führte Dr. med. H.________ aus, er habe die Versicherte am 22. März 2006 untersucht. Zuletzt sei sie am 4. März 2005 bei ihnen gewesen. In der Zwischenzeit sei sie beim Rheumatologen Dr. med. U.________ in Behandlung gewesen. Die Behandlung bei Dr. med. U.________ sei fortzusetzen. Medikamentös werde die Versicherte mit Truxal (Dr. med. S.________), Symfona und Mydoclam behandelt. Heute habe er ein Rezept für zwei Packungen Migpriv abgegeben. 7.3.3 Vorab ist festzuhalten, dass die Verhältnisse bis zum Fallabschluss auf den 31. Januar 2005 zu beurteilen sind (vgl. auch erwähntes Urteil 8C_402/2007, E. 5.2.3). Die nachfolgenden Behandlungen, insbesondere die im März 2005 bei Dr. med. U.________ begonnene, sind somit nicht relevant. Insgesamt ist das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung erfüllt, aber weder auffallend noch besonders ausgeprägt. Dies ergibt sich aus den unbestrittenen Feststellungen im ZMB-Gutachten vom 16. Dezember 2004, wonach die Versicherte den behandelnden Hausarzt nur sporadisch, den Neurologen Dr. med. H.________ einmal im Monat und den behandelnden Psychiater Dr. med. S.________ zwei- bis dreimal im Monat aufsuchte. An dieser Einschätzung ändert nichts, dass die Versicherte Medikamente einnehmen und dreimal wöchentlich Physiotherapie absolvieren musste. 7.4 Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE U 394/06, E. 10.2.4). Dieses Kriterium kann in Anbetracht der andauernden Beschwerden der Versicherten (E. 4.1 hievor) als grundsätzlich erfüllt angesehen werden. Dies aber weder auffallend noch in besonders ausgeprägter Form, da es ihr immer noch möglich ist, gewisse Aktivitäten auszuüben. Aufgrund der Akten hielt sie sich im Dezember 2003 in Serbien auf, um einen Anwalt zwecks Ehescheidung zu suchen. Laut der ZMB-Expertise vom 16. Dezember 2004 verbrachte sie den Tag, indem sie nach dem Aufstehen um 07.30 Uhr laufen gegangen sei. Weiter sei sie in der Lage gewesen, zusammen mit dem bei ihr wohnenden 1985 geborenen Sohn den Haushalt zu führen. Nicht übernehmen können habe sie Arbeiten wie Bügeln, Staubsaugen und Wäsche aufhängen. Gemäss dem Bericht des Psychiaters Dr. med. S.________ vom 3. Mai 2005 war sie im Haushalt zu 50 % einsatzfähig. Zudem könnte sie - in einem therapeutischen Sinn gesehen (Verstärkung der Selbstwertgefühle, Resozialisierung der isolierten Person) - in einem geschützten Rahmen ohne Zeit- und Leistungsdruck eine Tätigkeit an zwei bis drei Halbtagen wöchentlich erbringen (vgl. auch erwähntes Urteil 8C_402/2007, E. 5.2.5). 7.5 Das nicht geänderte Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat (BGE U 394/06, E. 10.2.5), ist unbestrittenermassen nicht erfüllt. 7.6 Unverändert beibehalten wird das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen (BGE U 394/06, E. 10.2.6) Diese beiden Teilaspekte müssen nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V 359 E. 7b S. 369). Aus der ärztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (E. 7.3 f. hievor) zu berücksichtigen sind - darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (erwähntes Urteil U 56/07, E. 6.6, Urteil U 11/07 vom 27. Februar 2008, E. 5.6, je mit Hinweisen). Im Vergleich mit anderen Fällen von HWS-Distorsionstraumen und äquivalenten Verletzungen kann vorliegend bis zum Fallabschluss nicht von erheblichen Komplikationen ausgegangen werden. Hingegen ist insgesamt das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs zu bejahen, aber weder auffallend noch besonders ausgeprägt.