Citation: 5C.88/2005 11.07.2005 E. 4

Gemäss Art. 694 Abs. 2 ZGB richtet sich der Anspruch in erster Linie gegen den Nachbarn, dem die Gewährung des Notweges wegen den früheren Eigentums- und Wegeverhältnissen am ehesten zugemutet werden darf, und im weitern gegen denjenigen, für den der Notweg am wenigsten schädlich ist. Nach dieser Bestimmung ist also in erster Linie auf die früheren Eigentums- und Wegeverhältnisse abzustellen. Namentlich wenn die Wegenot eines Grundstücks durch Parzellierung entstanden ist, richtet sich der Anspruch zuerst gegen die übrigen aus der Teilung hervorgegangen Parzellen, soweit diese noch Zugang zur öffentlichen Strasse haben. Bei den früheren Wegeverhältnissen sind bereits bestehende Berechtigungen zu berücksichtigen, nicht aber bloss tatsächliche Benutzungen auf Zusehen hin (Urteil des Bundesgerichts 5C.246/2004 vom 2. März 2005, E. 2; Heinz Rey, Basler Kommentar, N. 15 zu Art. 694 ZGB; Karin Caroni-Rudolf, Der Notweg, Diss. Bern 1968, S. 95 f.; Arthur Meier-Hayoz, Berner Kommentar, N. 30 f. zu Art. 694 ZGB; Paul-Henri Steinauer, Les droits réels, Bd. II, 3. Aufl. 2002, § 49 N. 1865a). Im vorliegenden Fall ist das Grundstück der Klägerin erst durch die Abparzellierung vom Grundstück des Beklagten von der öffentlichen Strasse abgeschnitten worden. Bereits aus diesem Grund richtet sich der Anspruch auf ein Notwegrecht in erster Linie gegen letztere Parzelle. Zu Lasten des beklagtischen Grundstücks besteht zudem bereits ein Wegrecht, welches, um den Bedürfnissen gerecht zu werden, bloss um eine Fläche von 8,5 m2 vergrössert werden muss. Daraus ergibt sich für den Beklagten im Übrigen auch keine unverhältnismässige Belastung, da gemäss für das Bundesgericht verbindlicher Feststellung des Kantonsgerichts (vgl. E. 2) durch den zugesprochenen Notweg kein Parkplatz verloren geht.