Citation: I 454/01 23.07.2002 E. 3

3.- a) Es stellt sich zunächst die Frage, ob auf Grund der ärztlichen Berichte und Gutachten feststeht, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin trotz Gesundheitsschaden arbeits- bzw. erwerbsfähig ist und welche Arbeitsleistungen ihr noch zugemutet werden können. Die Vorinstanz ist der Auffassung, es sei "nach überwiegender Wahrscheinlichkeit" davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab Oktober 1994 bis zum Verfügungszeitpunkt (24. Februar 1999) für eine leichte bzw. angepasste Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig war. Die Beschwerdeführerin lässt im Eventualstandpunkt eine Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung beantragen. Sie macht geltend, der medizinische Sachverhalt sei nicht genügend abgeklärt worden. Insbesondere sei unklar, in welchem Umfang ihr eine leichte angepasste Tätigkeit zumutbar sei. b) aa) Die Beschwerdeführerin stand schon seit 1989 und also vor dem Unfallereignis vom 8. Oktober 1993 bei Dr. med. T.________, Spezialarzt FMH für Neurologie, wegen Epilepsieanfällen (Oligo-Epilepsie) in Behandlung. Nach Auskunft dieses Arztes begründet die Epilepsie aber keine Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom 18. Juni 1997). bb) Im Bericht des Departements Chirurgie des Spitals X.________ vom 28. März 1995 wird die Diagnose einer posttraumatischen Früharthrose im Femorotibialgelenk bei Status nach Tibiatrümmerfraktur sowie Status nach metatarsaler V-Spiralfraktur rechts und Status nach multiplen Rissquetschwunden, Kontusionen und Prellungen gestellt. Es wird die Notwendigkeit einer beruflichen Umstellung insofern bejaht, als eine Aufgabe der Aussendiensttätigkeit empfohlen wird. Die Ärzte erachten eine sitzende Tätigkeit ohne Aussendienstfunktion als optimal und der Beschwerdeführerin zu 100 % zumutbar, wobei allerdings auf eine tendenzielle Verschlechterung des Zustandes durch die Arthrose hingewiesen wird. cc) Im Bericht der Rheumaklinik des Spitals X.________, in der die Beschwerdeführerin vom 21. November bis 22. Dezember 1995 hospitalisiert war, wurde am 11. Januar 1996 folgende Diagnose gestellt: -Lumbospondylogenes Syndrom rechts und cervico-thoracospondylogenes Syndrom rechts bei-muskulärer Dysbalance und Fehlhaltung-posttraumatische Knieinstabilität rechts mit Fehlbelastung und rezidivierenden Reizergüssen-Diskushernie L5/S1 rechts (CT)-Sekundäre, posttraumatische Gonarthrose rechts-Rupturierte Epidermoid-Zyste gluteal rechts-Epilepsie Für die Zeit bis zum 7. Januar 1996 wird eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, anschliessend wird die Wiederaufnahme der Arbeit im Rahmen einer 50 %igen Tätigkeit empfohlen bzw. als geplant bezeichnet. Dem zuhanden der IV-Stelle verfassten Beilageblatt zum Arztbericht lässt sich entnehmen, dass die Ärzte eine Weiterbeschäftigung im bisherigen Beruf, aber ohne Heben von Gegenständen als möglich erachten. Ob die empfohlene 50 %ige Arbeitstätigkeit in einem späteren Zeitpunkt angehoben werden könnte, lässt sich dem Bericht nicht entnehmen. dd) Dr. med. C.________, Spezialarzt FMH für Rheumatologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 22. Juli 1997 gegenüber der IV-Stelle sekundäre posttraumatische Gonarthrose rechts mit leichter Knieinstabilität, lumbospondylogenes Syndrom rechts und cervicospondylogenes Syndrom rechts bei degenerativen Veränderungen der HWS und der LWS (Status nach Diskushernie L5/S1 rechts). Die Frage nach der Arbeitsfähigkeit beantwortete er mit: "Die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit beträgt sicher 50 %." Er bejahte die Notwendigkeit einer beruflichen Umschulung und bezeichnete als geeignete Tätigkeiten "Büro, Administration, Reception zu 40 - 50 %". ee) In dem zuhanden des UVG-Versicherers Z.________ erstellten Gutachten der Klinik Y.________ vom 30. Dezember 1996 finden sich folgende Diagnosen: -Posttraumatische Gonarthrose rechts mit leichter Instabilität bei Status nach osteosynthetisch versorgter Tibiakopf-Trümmerfraktur 1993-Status nach Osteosynthese einer MT-V-Fraktur rechts 1993-Status nach Commotio cerebri-Lumbovertebrales Syndrom mit deutlicher Osteochondrose L4/5 und massiver Osteochondrose mit rechtsseitiger, deutlicher Diskushernie L5/S1 Die Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf als Verkaufssachbearbeiterin mit Aussendiensttätigkeit wird mit 50 % angegeben. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (abwechselnd sitzende und stehende Tätigkeit mit kurzen Gehphasen) wird zu 50 % (4 Stunden täglich) als "angemessen" bezeichnet. ff) In dem ebenfalls zuhanden des UVG-Versicherers Z.________ erstellten Gutachten der Neurochirurgischen Abteilung des Spitals X.________ vom 20. April 1998 werden folgende Diagnosen angegeben: -Chronifiziertes Cervicalsyndrom bei degenerativen Veränderungen der HWS-Chronifiziertes Lumbovertebralsyndrom bei Status nach konservativ abgeheilter Diskushernie L5/S1 und degenerativen Veränderungen der LWS, akzentuiert durch eine muskuläre Dysbalance bei hinkendem Gang infolge posttraumatischer Gonarthrose In der Beurteilung wird ein kausaler Zusammenhang zwischen der Diskushernie und dem Unfall verneint, ein solcher zwischen dem hinkenden Gang und den Kreuz- und Rückenbeschwerden hingegen angenommen und deshalb eine Teilkausalität zwischen Unfall und aktuellem Leiden bejaht. Zur Arbeitsfähigkeit ist angegeben, das Rückenleiden als Ganzes bewirke eine ungefähr 50 %ige Arbeitsunfähigkeit. Eine körperlich leichte Arbeit könnte ganztags zu 100 % ausgeführt werden. Diese 50 %ige Arbeitsunfähigkeit sei zu 20 % unfallkausal. Bei der Beantwortung des Fragenkatalogs des Unfallversicherers äussert sich der Gutachter in ähnlicher Weise, indem er angibt, wegen des Tragens von schweren Koffern und wegen langer Autofahrten komme die berufliche Tätigkeit als Verkaufssachbearbeiterin mit Aussendiensttätigkeit nicht mehr in Frage. Körperlich leichtere Arbeiten könnten jedoch zu 100 % ausgeführt werden. Dies entspreche einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit wegen der Rückenbeschwerden. Im Weiteren weist er darauf hin, dass die Beschwerdeführerin nicht längere Zeit sitzen kann und nur körperlich leichtere Arbeiten mit wechselnder Positionen zu 100 % zumutbar wären. Unter "Bemerkungen" wird angeführt, die von Dr. med. M.________ von der Klinik Y.________ im Gutachten vom 30. Dezember 1996 attestierte 40 %ige Arbeitsunfähigkeit und die im nun vorgelegten Gutachten der Neurochirurgischen Abteilung des Spitals X.________ wegen des Rückens angenommene 10 %ige unfallkausale Arbeitsunfähigkeit sei zu einer gesamthaft 50 %igen Arbeitsunfähigkeit zusammenzuzählen. c) Auf Grund der vorstehend dargestellten ärztlichen Berichte und Gutachten ist im Folgenden zu prüfen, ob - und wenn ja, in welchem Umfang - bei der Beschwerdeführerin eine Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit vorliegt. aa) Zunächst steht fest, dass die von der Beschwerdeführerin in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde aufgestellte Behauptung, sie habe wegen der Epilepsieerkrankung ihre Arbeitstätigkeit gesundheitsbedingt von 100 % auf 80 % reduziert, in den ärztlichen Berichten, insbesondere im Arztbericht von Dr. med. T.________ vom 18. Juni 1997, keine Stütze findet. Die Epilepsie hat keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. bb) Anderseits kommen die IV-Stelle in der Verfügung vom 24. Februar 1999 und die Vorinstanz im Wesentlichen gestützt auf das Gutachten des Spitals X.________ vom 20. April 1998 zum Schluss, der Beschwerdeführerin sei eine körperlich leichte Tätigkeit zu 100 % zumutbar. Auch dieser Auffassung kann letztlich aus verschiedenen Gründen nicht gefolgt werden. cc) In allen dargestellten Arztberichten wird grundsätzlich von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Mit dem Begriff "Arbeitsfähigkeit" wird allerdings ein Bezug zur angestammten Tätigkeit geschaffen. Entsprechend äussern sich die Ärzte und Gutachter jeweils auch zur Frage, ob und weshalb die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Arbeitstätigkeit als technische Kauffrau im Aussendienst eingeschränkt ist. Inwiefern auch eine "Erwerbsunfähigkeit" im Sinne einer Einschränkung in einer angepassten Tätigkeit anzunehmen ist, lässt sich den Arztberichten und Gutachten nicht mit gleicher Eindeutigkeit entnehmen. Immerhin äussert sich Dr. med. C.________ in seinem Bericht vom 21. bzw. 22. Juli 1997 ausdrücklich zur Frage der Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit und beziffert diese mit "sicher 50 %". Im Gutachten der Klinik Y.________ vom 30. Dezember 1996 wird ebenfalls Stellung genommen zur Arbeitsfähigkeit in einer abwechselnd sitzend und stehend ausgeübten Tätigkeit mit kurzen Gehphasen: eine solche Tätigkeit wird zu 50 %, das heisst während vier Stunden pro Tag, als zumutbar erachtet. In einem gewissen Gegensatz dazu scheint das Gutachten des Spitals X.________ vom 20. April 1998 zu stehen, wonach körperlich leichte Tätigkeiten zu 100 % ausgeführt werden können. Gemäss Umschreibung des Gutachterauftrages wird in diesem zuletzt genannten Gutachten aber nur - als Ergänzung zum Gutachten der Klinik Y.________ - die Problematik der Rückenbeschwerden - unter dem Aspekt der Unfallkausalität - beurteilt. Die auch nach Meinung dieses Gutachters "im Vordergrund stehende Knieproblematik" wird ausdrücklich ausgeklammert. Entsprechend empfiehlt er unter "Bemerkungen" dann auch, den von ihm auf Grund der Rückenbeschwerden festgestellten Grad der Arbeitsunfähigkeit mit dem von Dr. M.________ (Klinik Y.________) wegen der Kniebeschwerden festgesetzten Grad zusammenzuzählen. Die Aussage des Gutachters, körperlich leichte Tätigkeiten könnten zu 100 % ausgeführt werden, bezieht sich also nur auf Beeinträchtigungen, die sich aus den Rückenbeschwerden ergeben. Der Gutachter äussert sich nicht zur Frage, in welchem Umfang der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit unter Berücksichtigung beider Beschwerdenkomplexe - sowohl der Rückenbeschwerden wie auch der Kniebeschwerden - zumutbar ist. Den erwähnten "Bemerkungen" muss man entnehmen, dass sich dieser Gutachter den Schlussfolgerungen des Gutachtens der Klinik Y.________ anschliesst und ebenfalls davon ausgeht, die Beschwerdeführerin könne auch in einer angepassten Tätigkeit nur vier Stunden pro Tag arbeiten. Das Gutachten des Spitals X.________ ergänzt das Gutachten der Klinik Y.________ also insofern, als festgestellt wird, dass die Rückenproblematik zu keiner (zusätzlichen) Einschränkung der bereits wegen der Knieproblematik beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit führt. dd) Auf Grund der vorliegenden Arztberichte und Gutachten verbietet sich die Annahme, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine 100 %ige Arbeits- und somit auch Erwerbsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Man kann sich eher fragen, ob die Annahme einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit als genügend ausgewiesen erscheint, sodass darauf - ohne weitere Abklärungen - zur Beurteilung des Leistungsanspruchs abgestellt werden könnte. Diese Frage ist aber doch eher zu verneinen. Einerseits muss ganz einfach festgestellt werden, dass bis anhin keinem Gutachter die Frage der verbleibenden Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung aller Leiden der Beschwerdeführerin unterbreitet wurde. Den Gutachtern der Klinik Y.________ und des Spitals X.________ wurde diese Frage nicht nur nicht gestellt, vielmehr muss auch beachtet werden, dass bei beiden Gutachten die Frage der Unfallkausalität im Vordergrund stand. Im Weiteren geht aus dem Gutachten der Klinik Y.________ nicht eindeutig hervor, weshalb eine angepasste Tätigkeit nur während vier Stunden pro Tag ausgeübt werden kann. Inhaltlich wie sprachlich wird deutlich, dass sich die Gutachter der Klinik Y.________ nicht eindeutig und abschliessend zur Frage der zumutbaren Erwerbstätigkeit geäussert haben; sie bezeichnen einerseits eine angepasste Tätigkeit im Umfange von 50 % als "angemessen", empfehlen aber anderseits eine zusätzliche Abklärung durch einen Wirbelsäulenchirurgen. Auch Dr. med. C.________ äussert sich in seinem Arztbericht zu der ihm von der IV-Stelle ausdrücklich gestellten Frage nach dem Umfang der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sprachlich nicht eindeutig, indem er eine solche mit "sicher 50 %" beziffert. "Sicher 50 %" könnte an sich auch mehr als 50 % sein, anderseits liefert der gleiche Arzt in Bezug auf angepasste Tätigkeiten ("Büro, Administration, Reception") eine Ziffernangabe von 40 - 50 %. Auf Grund dieser unterschiedlichen und zum Teil widersprüchlichen Angaben kommt man nicht umhin, die Frage des Umfangs der verbleibenden Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung des gesamten Beschwerdebildes ergänzend medizinisch abzuklären. Der angefochtene Entscheid ist deshalb aufzuheben und die Sache ist im Sinne des Eventualantrages an die IV-Stelle zur ergänzenden Abklärung zurückzuweisen.