Citation: 6P.140/2004 15.12.2004 E. 6

6.1 Der Beschwerdeführer bringt auch in der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde vor, der Geschädigte habe seit längerer Zeit versucht, Schutzgelder von ihm zu erpressen. In diesem Zusammenhang wendet er sich gegen die Annahme der Vorinstanz, er habe mit Eventualvorsatz gehandelt. Er habe den Geschädigten nicht töten, sondern lediglich einen Warnschuss abgeben und ihm Angst machen wollen. Das ergebe sich insbesondere daraus, dass er nicht auf den Geschädigten geschossen habe, als dieser am Boden lag, und dass er, als der Geschädigte die Flucht ergriffen hatte, nur ein einziges Mal auf ihn geschossen habe. 6.2 Die Vorinstanz führt aus, die Schussabgabe sei offensichtlich aus der unmittelbaren Situation heraus erfolgt und sei nicht Ergebnis eines reiflich reflektierten Planes gewesen. Immerhin sei der Beschwerdeführer aber vor Beginn der handgreiflichen Auseinandersetzung vor dem Restaurant in die Küche gegangen und habe dort bewusst seine geladene Waffe behändigt. Er habe auch nicht etwa in die Luft geschossen, was bei einem Warnschuss näher gelegen hätte. Aufgrund dieser Umstände kommt die Vorinstanz zum Schluss, der Beschwerdeführer habe mit Eventualvorsatz gehandelt. Denn wer in der Nacht mit einer geladenen Schusswaffe aus einer Entfernung von ca. drei bis fünf Metern in Richtung eines Menschen schiesse, der nach einer Rangelei wegeile, nehme zweifellos in Kauf, diesen Menschen zu treffen und allenfalls zu töten. 6.3 Gemäss Art. 18 Abs. 2 StGB verübt ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Wollen ausführt. Neben diesem direkten Vorsatz erfasst die Bestimmung auch den Eventualvorsatz. Hier strebt der Täter den Erfolg nicht an, sondern weiss lediglich, dass dieser möglicherweise mit der willentlich vollzogenen Handlung verbunden ist. Die Rechtsprechung bejaht Eventualvorsatz, wenn der Täter den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst nimmt und sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Wer den Erfolg derart in Kauf nimmt, "will" ihn im Sinne von Art. 18 Abs. 2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass der Täter den Erfolg "billigt" (BGE 130 IV 58 E. 8.2 und 8.3 mit Hinweisen). Soweit der Täter nicht geständig ist, kann sich der Richter für den Nachweis des Vorsatzes regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Nach der Rechtsprechung darf er vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter die Verwirklichung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolges ausgelegt werden kann (BGE 130 IV 58 E. 8.4 mit Hinweisen). 6.4 Die Bejahung des Eventualvorsatzes durch die Vorinstanz verletzt kein Bundesrecht. Das ergibt sich ohne weiteres aus dem äusseren Ablauf der Tat. Denn demjenigen, der mit einer Faustfeuerwaffe aus einer kurzen Distanz von lediglich drei bis fünf Metern auf eine Person schiesst, muss sich die die Möglichkeit einer tödlichen Verletzung als derart wahrscheinlich aufdrängen, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs ausgelegt werden kann. Daran ändert nichts, dass das Opfer in unberechenbaren Bewegungen davon gerannt ist, zumal der Geschädigte selbst nach den Worten des Beschwerdeführers auf die kurze Distanz kaum zu verfehlen gewesen ist. An diesem Ergebnis vermöchte auch die geltend gemachte schwere Bedrängnis des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Selbst wenn zutreffen sollte, dass der Geschädigte vom Beschwerdeführer Schutzgelder erpresste, könnte daraus nicht abgeleitet werden, dass der Beschwerdeführer den möglichen Erfolg nicht in Kauf genommen hätte. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet.