Citation: 4A_553/2021 E. 4.4.2

4.4.2. Die Beschwerdeführerinnen verkennen die Tragweite der Rechtsanwendung von Amtes wegen und des Verhandlungsgrundsatzes. Dieser gilt für Tatsachen, aber nicht für die Rechtsanwendung. Dass das Rechtsmittelgericht den angefochtenen Entscheid, soweit der Prozessgegenstand der Disposition der Parteien unterliegt, in der Regel nur in Punkten überprüft, die beanstandet werden, bedeutet nicht, dass es in den anderen Punkten an eine als unzutreffend erkannte Rechtsanwendung gebunden wäre. Und selbst in Bezug auf Tatsachen und unter Geltung des Verhandlungsgrundsatzes, wo sich das Gericht grundsätzlich mit der formellen Wahrheit begnügen und darauf abstellen kann, was die Parteien übereinstimmend behaupten, hat der Gesetzgeber die Möglichkeit der Parteien, das Gericht zu einem Entscheid zu zwingen, der mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht im Einklang steht, eingeschränkt: Auch in Verfahren, die ganz von der Verhandlungsmaxime beherrscht werden, erlaubt Art. 153 Abs. 2 ZPO eine Beweisabnahme von Amtes wegen, wenn es den Vorbringen der Parteien an Glaubhaftigkeit mangelt (vgl. Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], BBl 2006 7313, Ziff. 5.10.1 zu Art. 151 E-ZPO). Kommt die Vorinstanz zum Schluss, der Amtschef habe den Beschwerdegegner nicht ohne Weiteres gültig vertreten können, kann sie diesen Punkt prüfen, auch wenn die Vertretungsmacht von den Parteien nicht aufgeworfen wurde.