Citation: 1C_550/2022 E. 2.6

2.6. Die Verwaltungsrekurskommission führte in ihrem Entscheid vom 24. Februar 2022 zusammengefasst aus, der Gesetzgeber habe die besonders gefährliche Minderheit von rückfälligen Fahrzeuglenkern hart anpacken wollen und drohe daher in einem Kaskadensystem für jeden Wiederholungsfall während bestimmten Probezeiten stufenweise verschärfte Mindestmassnahmen an. Die gegenüber dem Beschwerdegegner bisher verfügten Warnentzüge hätten die erste Stufe des Kaskadensystems betroffen und abgesehen von einem Entzug für 1,5 Monate dem gesetzlich festgelegten Minimum von einem Monat entsprochen. Die Führerausweisentzüge seien somit nicht stufenweise verlängert worden, weshalb sie nicht zunehmend abschreckend hätten wirken können. Zudem habe der am 9. Juni 2016 verfügte Entzug nur die Spezialkategorien F, G und M betroffen und dem Beschwerdegegner weiterhin erlaubt, namentlich Personenwagen der Kategorie B zu lenken. Dies habe für ihn die Schwere der Widerhandlungen zusätzlich relativiert. Dass er in Bezug auf die Dauer der drei bisherigen Führerausweisentzüge wegen mittelschweren Widerhandlungen jeweils als Ersttäter behandelt werde und ihm aufgrund einer weiteren mittelschweren Widerhandlung direkt die charakterliche Fahreignung gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. e SVG abgesprochen werde, widerspreche den Überlegungen des Gesetzgebers und dem Sinn und Zweck der Norm. So sei angesichts der früher sanktionierten mittelschweren Widerhandlungen (Geschwindigkeitsüberschreitung, Verursachung einer Auffahrkollision, Transport ungesicherter Siloballen über 200 m) die Fahreignung des Beschwerdegegners aus charakterlichen Gründen nicht zu verneinen, zumal er sich nach den beiden Widerhandlungen im Jahr 2014 während mehr als fünf Jahren nichts habe zu Schulden kommen lassen. Auch die jüngste, im Jahr 2019 begangene Widerhandlung deute nicht auf schwerwiegende charakterliche Defizite hin.