Citation: 6S.70/2004 28.01.2005 E. 4

Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, die Vorinstanz habe die Verschleppung B.________s zu Unrecht als Geiselnahme nach Art. 185 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB gewertet. Die Tat sei vielmehr als Entführung im Sinne von Art. 183 f. StGB zu qualifizieren. B.________ sei nicht ein beliebiger Dritter, wie man das von Geiselnahmen bei Flugpassagieren usw. kenne, die sozusagen als Pfand gehalten würden. Der Fall, dass ein Verwandter desjenigen entführt werde, der ein Lösegeld zu zahlen habe, sei als Entführung und nicht als Geiselnahme zu werten. 4.1 Gemäss Art. 185 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird mit Zuchthaus bestraft, wer jemanden der Freiheit beraubt, entführt oder sich seiner sonst wie bemächtigt, um einen Dritten zu einer Handlung, Unterlassung oder Duldung zu nötigen. Die Strafe ist Zuchthaus nicht unter drei Jahren, wenn der Täter droht, das Opfer zu töten, körperlich schwer zu verletzen oder grausam zu behandeln (Art. 185 Ziff. 2 StGB). Umstritten ist, wie der Tatbestand der Geiselnahme nach Art. 185 abzugrenzen ist von Art. 184 Abs. 2 StGB, wonach Freiheitsberaubung und Entführung mit Zuchthaus bestraft werden, wenn der Täter ein Lösegeld zu erlangen sucht. Es geht dabei insbesondere um die Frage, wer Dritter im Sinne von Art. 185 Ziff. 1 StGB ist. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Dritter im Sinne von Art. 185 Ziff. 1 Abs. 1 StGB jede mit dem Täter und der Geisel nicht identische Person, einschliesslich Angehörige der Geisel, und es ist als Geiselnehmer auch der Täter strafbar, der sich der Geisel in der Absicht bemächtigt, einen Dritten zur Leistung eines Lösegeldes zu nötigen (BGE 121 IV 162 E. 1c mit Hinweisen). Eine abweichende Lehrmeinung vertritt demgegenüber die Auffassung, das Spezielle der Geiselnahme liege darin, dass das Opfer in keiner Weise in Beziehung zu der Person stehe, von der man etwas verlange, also ein Lösegeld fordere (Günter Stratenwerth/Guido Jenny, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 6. Aufl., Bern 2003, § 5 N 54). 4.2 An der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichts ist festzuhalten. Es kann diesbezüglich auf BGE 121 IV 162 E. 1c verwiesen werden, in welchem sich der Kassationshof ausführlich mit der angeführten Kritik auseinandergesetzt und aufgezeigt hat, weswegen Art. 185 Ziff. 1 StGB auf sämtliche Entführungen etc. zur Nötigung von Dritten anzuwenden ist. Zudem führt die äussere Nähe zwischen der entführten und der zu nötigenden Person nicht zwangsläufig zu einer inneren Nähe, weshalb auch aus diesem Grund die von der abweichenden Lehrmeinung geforderte Einengung des Geiselbegriffs anhand familiärer Kriterien abzulehnen ist (Vera Delnon/Bernhard Rüdy, Basler Kommentar, Basel 2003, N 14 zu Art. 185 StGB). Die Nichtigkeitsbeschwerde ist somit in diesem Punkt abzuweisen.