Citation: U 221/01 06.02.2002 E. 3

3.- a) Im Zeitpunkt, in welchem die SUVA den Einspracheentscheid vom 29. Januar 1999 erliess und damit den Invaliditätsgrad auf 25 % veranschlagte, lag bereits eine rechtskräftige (Verfügung vom 22. November 1996) und revisionsweise bestätigte (Mitteilung vom 4. November 1998) Invaliditätsschätzung der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vor. Diese war der SUVA bekannt, da ihr einerseits beide Verwaltungsakte bei Erlass in Kopie zur Orientierung zugestellt worden waren und sie andererseits mit Schreiben vom 19. Januar 1999 die vollständigen IV-Akten einverlangt und am 29. Januar 1999 wiederum retourniert hatte. Die SUVA durfte die Invaliditätsbemessung der IV-Stelle, welche sie - obgleich selber von einer geringeren Invalidität ausgehend - nicht beanstandet hatte, mithin nicht einfach ausser Acht lassen. Sie war verpflichtet, deren allfällige Auswirkungen auf die Invaliditätsschätzung im Unfallversicherungsbereich zu prüfen und in den eigenen Entscheidungsprozess miteinzubeziehen. Diesbezüglich ist dem Einspracheentscheid vom 29. Januar 1999, worin mit keinem Wort auf die erheblich divergierende Invaliditätsbemessung durch die Invalidenversicherung eingegangen wurde, indes nichts zu entnehmen. Im Folgenden beschränkte sich die SUVA auch in ihrer kantonalen Beschwerdeantwort vom 7. Juni 1999 ohne nähere konkrete Begründung auf den - in dieser Form unrichtigen - grundsätzlichen Hinweis auf die "höchstrichterliche Rechtsprechung betreffend der (nicht bestehenden) Bindung des Unfallversicherers an den von der Invalidenversicherung ermittelten Invaliditätsgrad". Indem sie durch dieses Vorgehen die für die Invaliditätsbestimmung wesentlichen Faktoren, namentlich die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sowie das Validen- und Invalideneinkommen, unabhängig von den Erkenntnissen der IV-Stelle selbstständig bestimmt hat und von diesen ohne weitere Erläuterungen insbesondere hinsichtlich des Invalideneinkommens beträchtlich abgewichen ist, wurde der Bedeutung des im Invalidenversicherungsbereich bereits rechtskräftig festgelegten Invaliditätsgrades nicht Rechnung getragen. Hievon hätte die SUVA sich nur lösen dürfen, wenn sie dafür gewichtige Gründe hätte anführen können. b) Im Lichte des in Erw. 2b hievor Gesagten bleibt deshalb zu prüfen, ob triftige Argumente gegen eine Übernahme des von der Invalidenversicherung ermittelten Invaliditätsgrades sprechen. aa) In Bezug auf die dem Beschwerdeführer trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen noch verbleibende Arbeitsfähigkeit führte der Kreisarzt Dr. med. F.________ in seinem Bericht vom 3. Februar 1995 aus, auf Grund der rechten Schulterproblematik seien längerdauernde Überkopfarbeiten, Tätigkeiten, die das Schultergelenk mechanisch repetitiv überdurchschnittlich, d.h. mit über 20 kg, beanspruchten sowie das Heben von schweren Gewichten (über 20 kg) nicht mehr zumutbar. Wenn diesen Einschränkungen Rechnung getragen werde, könne der Patient indes zeitlich und leistungsmässig einer vollzeitigen Beschäftigung nachgehen. Dr. med. W.________ stellte in seinem Gutachten vom 9. Juli 1996 zuhanden der Invalidenversicherung alsdann die Diagnose einer mässigen Funktionsbehinderung des rechten Schultergelenkes nach operativer Versorgung einer ausgedehnten Defektbildung der Rotatorenmanschette, einer leichten biventrikulären Herzinsuffizienz nach zweimaligem Myokardinfarkt bei essentieller Hypertonie sowie einer Schallleitungsschwerhörigkeit rechts. Diese Schädigungen verunmöglichten die Ausübung kraftunterstützter längerdauernder Überkopfarbeiten mit dem dominanten - rechten - Arm sowie die Erbringung körperlicher Schwerarbeit, wobei die angestammte Arbeit als Chefmonteur nicht mehr, die vom 1. Juli 1994 bis 30. Juni 1995 ausgeübte Tätigkeit als Sachbearbeiter im Offertbüro der ehemaligen Arbeitgeberin jedoch zu mindestens 80 % zuzumuten sei. Für beide Ärzte steht mithin übereinstimmend fest, dass der Beschwerdeführer in der Ausübung von Überkopfarbeiten sowie allgemein körperlich schweren Tätigkeiten eingeschränkt, in anderen, physisch weniger anspruchsvollen Beschäftigungen indessen zu 80 bis 100 % leistungsfähig ist. Auf Grund der Angaben des Dr. med. W.________ kann zudem davon ausgegangen werden, dass sich das unfallfremde Herzleiden des Versicherten nicht zusätzlich arbeitsleistungsvermindernd auswirkt, da bereits zufolge der Schulterbeschwerden keine körperlich belastenden Arbeiten mehr indiziert sind. bb) Gestützt auf Auskünfte der ehemaligen Arbeitgeberin vom 25. Januar 1995, wonach der Beschwerdeführer ohne Unfallfolgen im Jahre 1995 Fr. 75'400.- (Fr. 5'800.- x 13) verdient hätte, legte die SUVA den ohne gesundheitliche Beeinträchtigung mutmasslich erzielten Verdienst (Valideneinkommen) unter Aufwertung um die gemäss Landesindex der Konsumentenpreise von 1995 bis 1998 eingetretene Teuerung auf Fr. 76'462.- fest. Die IV-Stelle ging demgegenüber zwar ebenfalls von einem Basisverdienst im Jahre 1995 von Fr. 75'400.- aus, ermittelte indes in Berücksichtigung einer Lohnentwicklung von 1,9 % für das Jahr 1996 ein Valideneinkommen von Fr. 76'900.-. Praxisgemäss ist der Basislohn - hier Fr. 75'400.- für das Jahr 1995 - an die allgemeine Nominallohnentwicklung anzupassen. Diese belief sich im Jahre 1996 auf 1,3 %, 1997 auf 0,5 % und 1998 auf 0,7 % (vgl. Die Volkswirtschaft 2001, Heft 10, S. 101, Tabelle B 10.2), woraus ein für das vorliegende Verfahren massgebliches Valideneinkommen von Fr. 77'299.- resultiert. cc) Bei der Bestimmung des unter zumutbarem Einsatz trotz Gesundheitsschädigung zu erwartenden Lohnes (Invalideneinkommen) ist die IV-Stelle in ihrer Rentenverfügung vom 22. November 1996 davon ausgegangen, dass es dem Versicherten ab 19. Januar 1995 zumutbar gewesen wäre, in einer Tätigkeit als Sachbearbeiter im Verkauf bei vollem Pensum aber einer infolge seiner Leiden reduzierten Leistungsfähigkeit pro Jahr Fr. 37'700.- (Fr. 2'900.- x 13) zu verdienen. Die SUVA hat dagegen auf Erfassungsblätter ihrer internen Dokumentation über Arbeitsplätze (DAP) abgestellt und gestützt hierauf für das Jahr 1998 - unter Zugrundelegung eines zumutbaren Arbeitspensums von 100 % - ein Invalideneinkommen von Fr. 62'923.- errechnet. Mit diesem Vorgehen hat sich die SUVA ohne nähere Begründung von den im Verfügungsverfahren der IV-Stelle geschaffenen Vorgaben entfernt, was - nach dem in Erw. 2b hievor Gesagten - nicht genügt, um von den der rechtskräftigen Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung zu Grunde liegenden Annahmen abzuweichen. Tatsächlich lassen sich keine Umstände anführen, welche gegen ein Abstellen auf das von der IV-Stelle ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 37'700.- sprechen würden. Namentlich bestehen auf Grund der IV-Akten keine Anhaltspunkte, dass die Invaliditätsermittlung der IV-Stelle auf zu knappen oder ungenauen Abklärungen beruht bzw. gestützt auf kaum überzeugende oder nicht sachgerechte Schlussfolgerungen zu Stande gekommen ist. Ferner ist ferner davon auszugehen, dass die Erwerbsunfähigkeit im Invalidenversicherungsbereich für den gleichen Gesundheitsschaden festgestellt wurde, wie er auch im Unfallversicherungsbereich als Unfallfolge massgebend ist bzw. keine die Arbeitsfähigkeit einschränkenden unfallfremden Leiden bestehen. Wie in Erw. 3b/aa hievor ausgeführt, kann auf Grund der gutachtlichen Ausführungen des Dr. med. W.________ vom 9. Juli 1996 als erstellt gelten, dass das nicht unfallkausale Herzleiden (wie auch die Schallleitungsschwerhörigkeit) sich nicht zusätzlich leistungsvermindernd auswirken, da bereits allein wegen der Schulterbeschwerden körperlich schwere Tätigkeiten als nicht mehr zumutbar ausgeschlossen werden (im gleichen Sinne auch der Abschlussuntersuchungsbericht des Dr. med. F.________ vom 3. Februar 1995). Diesem Umstand trug die IV-Stelle im Rahmen ihrer Invaliditätsbemessung Rechnung, indem sie in ihrer Verfügung vom 22. November 1996 festhielt, unter Berücksichtigung der (auf Grund der Schulterschädigung) verbliebenen Arbeitsfähigkeit sei es dem Versicherten ab 1. Januar 1994 zumutbar gewesen, beispielsweise als Sachbearbeiter im Verkauf bei vollem Pensum und reduzierter Leistungsfähigkeit erwerbstätig zu sein. Ab 22. September 1994 habe jedoch eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit infolge eines Herzleidens bestanden, welches sich indes gebessert habe, sodass ab 19. Januar 1995 aus gesundheitlichen Gründen wiederum die vormalige Sachbearbeitertätigkeit im beschriebenen Umfange möglich gewesen wäre. Würde im Übrigen für die Bestimmung des Invalideneinkommens im Sinne einer Plausibilitätsprüfung auf die vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Tabellenlöhne (Die Schweizerische Lohnstrukturerhebung [LSE]) zurückgegriffen, was sich auf Grund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer seit Oktober 1998 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, nicht beanstanden liesse (BGE 126 V 76 f. Erw. 3b/bb mit Hinweisen), wäre von einem tabellarischen jährlichen Einkommen von Fr. 53'649.- (LSE 1998 S. 25, Anforderungsniveau 4, Männer, aufgerechnet auf 41,9 Wochenstunden) auszugehen, woraus sich in Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit im Ausmass von rund 90 % (vgl. Erw. 3b/aa hievor) sowie eines - in Beachtung aller einkommensbeeinflussenden Merkmale gerechtfertigt erscheinenden - behinderungsbedingten Abzugs vom statistischen Lohn von maximal 20 % (vgl. BGE 126 V 78 f. Erw. 5a und b) ein relevantes, den Angaben der IV-Stelle weitgehend entsprechendes Invalideneinkommen von Fr. 37'554.- ergäbe. Aus der Gegenüberstellung mit dem massgeblichen Valideneinkommen (Fr. 77'299.-) resultierte ein Invaliditätsgrad von 51,4 %. c) Unter diesen Umständen vermag der von der SUVA (und der Vorinstanz) eingenommene Standpunkt die Bindungswirkung der rechtskräftigen Invaliditätsschätzung durch die IV-Stelle nicht zu entkräften, weshalb auch im Unfallversicherungsbereich auf diese abzustellen ist.