Citation: 6B_1380/2023 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz stellt zunächst fest, es könne als gesichert gelten, dass der Beschwerdegegner 2 den Beschwerdeführer im Vorfeld der Auseinandersetzung vom 12. April 2021 am Arbeitsplatz mehrfach provoziert habe; ob und inwieweit der Beschwerdeführer diese Provokationen erwidert habe, stehe nicht fest. Aufgrund der insofern übereinstimmenden Aussagen der Kontrahenten sei sodann erstellt, dass sich diese mit ihren Fahrzeugen auf der U.________strasse in V.________ gekreuzt hätten, der Beschwerdegegner 2 sein Fahrzeug gewendet habe und dem Beschwerdeführer nachgefahren sei, bis schliesslich beide ihre Fahrzeuge angehalten hätten. Der Beschwerdegegner 2 habe dann gegen das Fahrzeugheck des Beschwerdeführers getreten. Nicht feststehe jedoch, dass er dem noch im Fahrzeug sitzenden Beschwerdeführer ins Gesicht geschlagen habe (Urteil S. 15 E. 4). Diese Feststellungen bestreitet der Beschwerdeführer nicht. Die Vorinstanz würdigt die Aussagen der Streitbeteiligten und kommt zum Schluss, die Angaben des Beschwerdegegners 2 seien logisch stimmig sowie weitgehend frei von Widersprüchen (Urteil S. 8 ff. E. 3.4 f.). Zur Erstellung des Sachverhalts stellt sie zunächst auf das Untersuchungsprotokoll und das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) sowie die Ausführungen der Sachverständigen anlässlich der Berufungsverhandlung ab, die sie als schlüssig und nachvollziehbar erachtet (Urteil S. 13 f. E. 3.8.1). Daraus ergebe sich, dass der Beschwerdegegner 2 am 12. April 2021 zahlreiche Verletzungen aufgewiesen habe, nämlich u.a. eine Stichverletzung am linken Oberarm und zwei Schnittverletzungen am rechten Handrücken sowie an der rechten Handgelenkdaumenseite. Diese Verletzungen seien gemäss Gutachten die Folge von scharfer Gewalt, während die Hautabschürfungen und die einzelnen Hautrötungen am Hals sowie an den Armen als Folgen stumpfer Gewalt interpretiert würden. Sie liessen sich zeitlich dem Vorfall vom 12. April 2021 zuordnen (Urteil S. 13 E. 3.8.1). Entsprechend dem Gutachten korrespondiere die Morphologie der Stichverletzung mit der Einwirkung eines handelsüblichen Schweizer Taschenmessers. Die schwalbenschwanzartige Form belege eine Drehung des Messers im Arm während der Stichausführung. Zusammen mit dem quer zur Armlängsachse verlaufenden Textildefekt an der Kleidung könne rekonstruiert werden, dass das Klingenwerkzeug primär quer zur Armlängsachse eingestochen und dann unter Hautniveau gedreht sowie herausgezogen worden sei (Urteil S. 13 E. 3.8.1). Die Wundmorphologie, die Verletzungsschwere und -lokalisation erfüllten zudem nicht die typischen Kriterien einer Selbstverletzung (Urteil S. 13 f. E. 3.8.1). Die Vorinstanz hält weiter fest, die Sachverständige habe anlässlich der Berufungsverhandlung im Wesentlichen ausgeführt, dass es sich bei der Wunde um eine glattrandige Hautdurchtrennung handle, was für ein Klingenwerkzeug ohne Wellenschliff spreche. Dass sich der Beschwerdegegner 2 selbst verletzt haben könnte, habe die Gutachterin zwar nicht zu 100 % ausgeschlossen, jedoch habe sie eine Selbstverletzung als eher untypisch erachtet, zumal der Schwalbenschwanz bzw. die Drehkomponente dagegen spreche, werde bei einer Selbstverletzung doch meist nur oberflächlich gestochen. Ferner würde bei einer Selbstverletzung die Stelle, an der man sich verletzen wolle, anders als vorliegend, entblösst (Urteil S. 14 E. 3.8.1). Alsdann weist die Vorinstanz auf die Bildaufnahmen der Kriminaltechnik der Kantonspolizei von nach dem Vorfall hin, die eine Blutspur am Fahrzeug des Beschwerdegegners 2, auf dem Weg zur Werkstatt, in dieser und an dessen Kleidung zeigten. Ebenfalls werde ein scharfkantiger Textildefekt am Ärmel der Jacke des Beschwerdegegners 2 dokumentiert. Die Kleidung des Beschwerdeführers habe keine Blutspuren aufgewiesen. Am 5. Mai 2021 sei zwar bei dessen Spind ein Messer gefunden worden, dieses habe jedoch weder Blutspuren aufgewiesen, noch habe es sich auf andere Weise der tätlichen Auseinandersetzung zuordnen lassen (Urteil S. 14 E. 3.8.2). Die Vorinstanz gelangt zum Schluss, es stehe zweifelsfrei fest, dass der Beschwerdegegner 2 im Zuge der Rangelei mit dem Beschwerdeführer insbesondere eine Stichverletzung erlitten habe, die von einem (mit einem Schweizer Taschenmesser vergleichbaren) Messer stamme. Hätte diese Verletzung davor schon bestanden, wären grössere Blutspuren im Fahrzeug des Beschwerdegegners 2 zu erwarten gewesen. Nachdem eine Selbstverletzung aufgrund der Wundmorphologie, der Verletzungsschwere und -lokalisation ebenfalls ausscheide, müsse der Beschwerdeführer dem Beschwerdegegner 2 diese Stichverletzung im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung vom 12. April 2021 zugefügt haben. Hierfür spreche nicht nur die Aussage des Beschwerdegegners 2, sondern auch diejenige des Beschwerdeführers, wonach sich jener im Zuge der Rangelei plötzlich an den linken Oberarm gefasst habe. Andere Ursachen für diese Verletzung seien bloss theoretisch denkbar und lägen ausserhalb einer vernünftigen Betrachtungsweise. Aufgrund der Aussagen des Beschwerdegegners 2, der keine gezielten Stichbewegungen des Beschwerdeführers beschreibe, sei davon auszugehen, dass diese Stichverletzung entstanden sei, weil der Beschwerdeführer während der Rangelei mit dem Beschwerdegegner 2 ein Messer in der Hand gehalten bzw. er sich mit einem offenen Messer in der Hand in diese Rangelei begeben habe. Zudem seien zweifellos auch die anderen Verletzungen des Beschwerdegegners 2 im Rahmen dieser Auseinandersetzung entstanden, zumal sie sich zeitlich diesem Ereignis zuordnen liessen (Urteil S. 15 f. E. 4).