Citation: 1C_454/2022 E. 4.3.2

4.3.2. Diese Begründung der Vorinstanz greift zu kurz. Dabei fällt vorab ins Gewicht, dass den Aufsichtsbehörden über die Erbenvertreter bloss eine beschränkte Überprüfungsbefugnis zusteht (vgl. Urteile 5A_813/2014 vom 24. November 2014 E. 4; 5A_806/2009 vom 26. April 2010 E. 3.1 f.; 5P.107/2004 vom 26. April 2004 E. 2.3). Insbesondere nicht Gegenstand der Aufsichtstätigkeit bildet die Beantwortung materieller Rechtsfragen (vgl. Thomas Weibel, in: Praxiskommentar Erbrecht, 5. Aufl. 2023, N. 78 zu Art. 602 ZGB; Stephan Wolf, in: Berner Kommentar, Die Teilung der Erbschaft, Art. 602-619 ZGB, 2014, N. 169 zu Art. 602 ZGB; Yannick Minnig, in: Basler Kommentar ZGB II, 7. Aufl. 2023, N. 66 zu Art. 602 ZGB). Entsprechend hatte sich weder das Obergericht im Urteil vom 8. Januar 2020 noch das Bezirksgericht Uster im Entscheid vom 22. Dezember 2021 näher mit der Frage zu befassen, ob und inwieweit den Beschwerdegegner in Bezug auf die festgestellten Pflichtverletzungen (zivilrechtlich) in subjektiver Hinsicht ein Verschulden trifft. Erst recht bildete eine mögliche Strafbarkeit des Beschwerdegegners nicht Gegenstand der Aufsichtsverfahren. Gestützt auf die Urteile in den beiden Aufsichtsverfahren gegen den Beschwerdegegner lässt sich dessen Strafbarkeit wegen mangelnder Erfüllung des subjektiven Tatbestands daher nicht klar ausschliessen, was die Verweigerung der Ermächtigung zur Strafverfolgung jedoch voraussetzen würde.