Citation: 5C.146/2000 15.02.2001 E. 3

3. A. Zürich 2000, § 6 N. 27 S. 68). e) Im Ergebnis ist auch das Obergericht davon ausgegangen, dass das blosse Parkieren eines Luxusfahrzeugs in Mailand unter den gezeigten Umständen nicht als grobfahrlässig angesehen werden kann. Es hat A.________ bei seinen früheren Erfahrungen mit einem Luxusfahrzeug in Mailand behaftet, die konkreten Verhältnisse berücksichtigt und deshalb Grobfahrlässigkeit im Sinne von Art. 14 Abs. 2 VVG bejaht. aa) Vom massgebenden Fahrlässigkeitsbegriff her gesehen (E. 3c Abs. 2 soeben) hat das Obergericht zu Recht angenommen, dass die Umstände des Einzelfalls eine Rolle spielen. Ihre rechtliche Bewertung darf aber nicht durch den behaupteten zivilrechtlichen Versicherungsbetrug beeinflusst werden, zumal dieser vom Versicherer nicht bewiesen worden ist (E. 2 hiervor). So unglaublich und nachgerade inszeniert der Fahrzeugdiebstahl auch wirkt und so unwahrscheinlich ein Diebstahlschaden unter den gegebenen Umständen auch anmutet, muss dennoch davon ausgegangen werden, dass er sich nicht mit Wissen und Wollen von A.________ und/oder seiner Begleiter ereignet hat. In diesem Sinne hat nach allgemeinen Grundsätzen zudem ausser Betracht zu bleiben, was sich bloss "möglicherweise" zugetragen hat, wie das von der Beklagten behauptete, aber offenbar nicht bewiesene ordnungswidrige Parkieren durch A.________ (vgl. dagegen E. 3d/dd S. 14 des Urteils vom 26. März 1996). bb) Das Obergericht hat zunächst wesentlich darauf abgestellt, dass A.________ um die Gefahren für parkierte Luxusfahrzeuge in Mailand wusste, nachdem ihm im Jahre 1982 ebenfalls in Mailand ein BMW gestohlen worden war. In der rechtlichen Würdigung darf diese Tatsache nicht überbewertet werden, zumal die grossen Risiken für parkierte Fahrzeuge der Luxusklasse in Mailand - wie erwähnt (E. 3d Abs. 2 soeben) - offenbar allbekannt sind und gemäss der zitierten Besprechung eines kantonalen Urteils (E. 3d Abs. 3 soeben) in Grossstädten Italiens gar als gerichtsnotorisch gelten. Gewiss prägt sich aus eigener Erfahrung Erlebtes tiefer ein als virtuell Bekanntes, doch begründet ein einzelner Vorfall, über dessen Hergang nichts Näheres festgestellt ist, ohnehin kein Indiz für ein grobfahrlässiges Handeln durch A.________ (anders für auf bestimmtes Verhalten zurückzuführende wiederholte Schädigungen: Heinz Rey, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 2.A. Zürich 1998, N. 879 S. 193). cc) Nach den obergerichtlichen Feststellungen hat die Klägerin eingeräumt, dass A.________ nach dem Fahrzeugdiebstahl von 1982 von Seiten der Beklagten darauf aufmerksam gemacht worden sei, die damals getroffenen Sicherheitsmassnahmen würden als unzutreffend eingeschätzt (E. 3d/cc S. 14). Unbeantwortet ist im kantonalen Verfahren die Frage geblieben, weshalb die Ehefrau von A.________ entgegen den ansonsten gepflegten Vorsichtsmassnahmen nicht im abgestellten Fahrzeug wartete (E. 3d/cc S. 14). Das Obergericht hat es ferner als grobfahrlässig gewertet, dass A.________ sein Fahrzeug unbeaufsichtigt stehen liess (E. 3d/dd S. 15 des Urteils vom 26. März 1996). Wo diese besonderen Obliegenheiten oder Sorgfaltspflichten vereinbart worden wären (vgl. Art. 29 VVG), lässt sich dem obergerichtlichen Urteil nicht entnehmen. Kann das Verhalten von A.________ als solches aber nicht als grobfahrlässig bewertet werden (E. 3d soeben), so wird es dies auch nicht durch die Unterlassung allenfalls individueller Vorkehren zur Vermeidung eines Diebstahls. Eine Versicherung wird ja gerade deshalb abgeschlossen, weil der Versicherungsnehmer der ständigen Beunruhigung, der ängstlichen Sorge für die Erhaltung von Leben und Gut enthoben sein möchte; der Versicherungsvertrag schliesst insoweit wesensgemäss eine Verpflichtung des Versicherungsnehmers zu besonderer Sorgfalt grundsätzlich aus (vgl. Roelli/Keller, a.a.O., S. 230). dd) Schliesslich könnte eingewendet werden, A.________ habe sich grobfahrlässig verhalten, indem er ein Fahrzeug unbeaufsichtigt stehen liess, das angeblich mit Material im Werte von mehreren tausend Franken beladen war. Indessen fehlen hierüber entsprechende Tatsachenfeststellungen des Obergerichts, namentlich dazu, dass A.________ wertvolles Material sichtbar und damit gewissermassen als Blickfang im Fahrzeuginnern verstaut haben könnte (vgl. zur einschlägigen kantonalen Rechtsprechung: Benoît Carron, La loi fédérale sur le contrat d'assurance. Exposé systématique de jurisprudence, Fribourg 1997, N. 152 S. 53 und N. 171 S. 59; Olivier Carré, Loi fédérale sur le contrat d'assurance. Edition annotée, Lausanne 2000, S. 186, rechte Spalte). ee) Zusammengefasst kann auch in Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse des zu beurteilenden Falls nicht von Grobfahrlässigkeit ausgegangen werden. Die gegenteilige Würdigung des Obergerichts ist im Ergebnis unhaltbar und eine Kürzung der Versicherungsleistungen damit unzulässig. Der Wert des gestohlenen Fahrzeugs beläuft sich unangefochten auf Fr. 123'290.--. In diesem Umfang nebst Zins zu 5 % seit dem 5. Februar 1988 muss die Klage deshalb gutgeheissen werden.