Citation: I 280/04 05.01.2005 E. 2

Streitig ist die Höhe des Invaliditätsgrades und in diesem Zusammenhang vor allem die Frage des Umfangs der zumutbaren Arbeitsfähigkeit. 2.1 Die Vorinstanz geht in Würdigung aller Umstände von einer "Gesamtarbeitsunfähigkeit" von 50 % aus; es ergäbe sich "als Gesamtbild eine psychisch und physisch beeinträchtigte Beschwerdeführerin". In dieser Hinsicht würde sich der Bericht des Dr. med. E.________ von November 2003 "nahtlos in die früheren Berichte anderer Fachstellen und Ärzte" einreihen, obwohl dessen Ausführungen erst Monate nach dem Einspracheentscheid erstellt worden seien und deshalb grundsätzlich nicht mehr in die Beurteilung einfliessen dürften. In der Folge bejaht das kantonale Gericht den Anspruch auf eine halbe Rente. Das Beschwerde führende BSV ist demgegenüber der Ansicht, es sei auf die überzeugende Expertise der MEDAS von Februar 2003 abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit von 75 % auszugehen. Die Beurteilung des Dr. med. E.________ von November 2003 sei dagegen durch die subjektiven Beschwerden und die Untersuchungsbefunde nicht belegt; weiter habe dieser Arzt invaliditätsfremde Merkmale berücksichtigt, nicht alle Vorakten gekannt und sich nicht genügend mit dem Gutachten der MEDAS auseinandergesetzt. Die Beschwerdegegnerin schliesslich lässt unter anderem darauf hinweisen, dass die Ausführungen der MEDAS nicht nachvollzogen werden könnten, würden doch im Ergebnis die somatoformen Schmerzstörungen nicht berücksichtigt, obwohl im Gutachten stehe, dass die Einschränkung bezüglich somatoformer Schmerzstörung in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im rheumatologischen Fachgutachten enthalten sei. 2.2 Die Ärzte der MEDAS diagnostizieren im Gutachten vom 20. Februar 2003 eine depressive Episode, gegenwärtig in Teilremission und gegenwärtig leichten Grades (ICD-10 F32.1), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), ein unspezifisches chronisches lumbovertebral betontes teils wechselnd multilokuläres Schmerzsyndrom mit unspezifischer Schmerzausstrahlung ins linke Bein (ICD-10 M54.4), beginnende Coxarthrosen beidseits sowie eine Thoracic outlet-Symptomatik links. Im Rahmen der multidisziplinären Konsenskonferenz erachteten die Gutachter die Beschwerdegegnerin in der bisherigen wechselbelastenden leichten Arbeit als zu 75 % arbeitsfähig; die Einschränkung von 25 % erfolge aus psychiatrischer Sicht infolge der emotionalen und konzentrativen Minderbelastbarkeit. Das Gutachten der MEDAS vom 20. Februar 2003 ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden; zudem ist es in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und enthält begründete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Somit kommt dieser Expertise grundsätzlich volle Beweiskraft zu. Dagegen vermag der Bericht des Dr. med. E.________ vom 27. November 2003 - welcher den Zustand der Beschwerdegegnerin seit Februar 2001 und damit bis zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides im Juli 2003 (RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101) beschreibt und daher hier anwendbar ist - weder zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu führen, noch Zweifel an der Zuverlässigkeit der Ausführungen zu wecken (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb): Erstens standen dem Arzt nicht alle Vorakten zur Verfügung, sondern nur das Gutachten der MEDAS (in welchem zwar die restlichen medizinischen Akten zusammengefasst sind, was jedoch eine Berücksichtigung der Originalquellen nicht ersetzen kann); schon aus diesem Grund kann im Übrigen nicht entscheidwesentlich auf die Einschätzung dieses Arztes abgestellt werden. Zweitens liefert Dr. med. E.________ für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 50 % keine eigentliche Begründung, sondern er hat "keine Zweifel" an einer Einschränkung in diesem Umfang und verweist auf - ihm nicht direkt vorliegende - andere Arztberichte, welche eine Arbeitsfähigkeit in diesem Ausmass annehmen. Drittens erachtet er "Überlegungen, dass ... Arbeitstätigkeiten bis zu 75 % zugemutet werden könnten", als "rein theoretisch und aus medizinisch-praktischer Hinsicht nicht durchführbar". Wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu Recht vorgebracht wird, arbeitete die Versicherte zum Zeitpunkt der Begutachtung durch die MEDAS jeweils vier Stunden am Morgen und erledigte den Haushalt; in dieser Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin dem psychiatrischen Gutachter der MEDAS zwar angegeben, diese Arbeit strenge sie sehr stark an, dennoch gab sie nicht an, sie vermöge diese Belastung nicht durchzustehen (was denn offensichtlich auch nicht der Fall gewesen ist; abgesehen davon, dass nicht allein auf eine solche Aussage abzustellen wäre). Damit kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Arbeitsfähigkeit von 75 % rein theoretisch und praktisch nicht durchführbar sei, auch wenn dafür unter Umständen eine erhebliche Willensanstrengung notwendig ist (vgl. BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin bezweifelt die Schlüssigkeit der Expertise der MEDAS, denn nach ihrer Auffassung widersprechen sich das psychiatrische und das rheumatologische Teilgutachten, da im psychiatrischen Fachgutachten davon ausgegangen werde, dass Einschränkungen bezüglich somatoformer Schmerzstörungen bereits im rheumatologischen Gutachten enthalten seien, obwohl dort nichts Derartiges stehe. Die Versicherte übersieht jedoch, dass im rheumatologischen Teilgutachten nur für nicht rückenbelastende Tätigkeiten eine signifikante Reduktion der Arbeitsfähigkeit verneint wird, während - "wie von den meisten Gutachtern konsensual in derartigen Fällen attestiert" - wegen der geklagten Schmerzen eine deutlich verminderte Belastbarkeit des Bewegungsapparates und insbesondere des Achsenskelettes angenommen wird. Damit ist auf die Einschätzung der Experten der MEDAS abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit von 75 % in leidensangepassten Tätigkeiten (wozu auch die angestammte Arbeit zählt) auszugehen. Das Gutachten der MEDAS vom 20. Februar 2003 war im Zeitpunkt des Einspracheentscheides (7. Juli 2003) knapp fünf Monate alt und deshalb aktuell. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist dagegen schon aus dem Grund nicht anzunehmen, weil Dr. med. E.________ in seinem Bericht vom 27. November 2003 klar festhält, der Zustand der Versicherten sei seit Februar 2001 stationär, was eine - kurzzeitig eingetretene - Verschlechterung ausschliesst. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist genügend abgeklärt und die in der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin eventualiter beantragte psychiatrische Oberbegutachtung in der Folge nicht notwendig. 2.3 Bei der Ermittlung des Einkommens ohne Gesundheitsschaden (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die Versicherte im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen; daher ist in der Regel vom letzten Lohn, den sie vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt hat, auszugehen (RKUV 1993 Nr. 168 S. 100 f. Erw. 3b; Urteil H. vom 4. April 2002, I 446/01). Gemäss dem Bericht der Arbeitgeberin vom 17. September 2001 würde die Versicherte ohne Gesundheitsschaden einen Monatslohn von Fr. 4'000.- erzielen, was ein Jahresgehalt von Fr. 52'000.- ergibt. Die Ärzte der MEDAS erachten die Beschwerdegegnerin nicht in ihrer angestammten Arbeit, sondern in der - für den gleichen Arbeitgeber - zuletzt ausgeübten und dem Leiden angepassten Arbeit als 75 % arbeitsfähig. Für diese (damals vollzeitig ausgeübte) Arbeit hat die Versicherte im Jahr 2001 ein Entgelt von Fr. 3'600.- erhalten, was einem Jahreslohn von Fr. 46'800.- entspricht und als Einkommen nach Eintritt des Gesundheitsschadens (Invalideneinkommen) heranzuziehen ist. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 75 % beträgt das massgebende Invalideneinkommen Fr. 35'100.-, was bei einem Valideneinkommen von Fr. 52'000.- zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 33 % führt. Im Rahmen der Invaliditätsbemessung kann hier auf eine Berücksichtigung der Lohnentwicklung bis zu einem allfälligen Rentenbeginn resp. bis zum Einspracheentscheid (vgl. BGE 129 V 222) verzichtet werden, da sich sowohl Validen- wie Invalideneinkommen nach den Verhältnissen des gleichen Betriebes richten.