Citation: 1P.714/1999 13.06.2000 E. 7

7.- a) Das Kriminalgericht stellte fest, dass der Beschwerdeführer über kein Alibi verfüge, das seine Täterschaft ausschliessen würde. Der Täter habe die Bank um 11.45 Uhr verlassen. Der Beschwerdeführer sei zwischen 11.55 und 12.00 Uhr an seinem Wohnort in Wangen an der Aare eingetroffen. Er hätte damit als Täter inzwischen genug Zeit gehabt, die in neun Minuten zu bewältigende Strecke von Aeschi nach Wangen an der Aare zurückzulegen, die Nummernschilder zu wechseln und sich der Verkleidung zu entledigen. Der Beschwerdeführer rügt, das Kriminalgericht sei in Willkür verfallen und habe die Unschuldsvermutung verletzt, weil es nicht gemäss den auf seine Befragung hin gemachten Angaben der Zeuginnen W.________ und R.________ davon ausgegangen sei, dass er bereits um 11.50 Uhr zu Hause gewesen sei, was erhebliche Zweifel am Tathergang und an seiner Täterschaft hätte wecken müssen. b) Das Urteil des Kriminalgerichts stützt sich bezüglich der Ankunftszeit bzw. der Zeit, wann der Beschwerdeführer in seiner Wohnung in Wangen an der Aare gewesen sein soll, auf die ersten, in den Monaten Mai/Juni 1997 gemachten Aussagen von W.________, der Freundin des Beschwerdeführers, und ihrer Mutter, R.________. Erstere habe am 22. Mai 1997 erklärt, ihre Mutter sei kurz vor 12.00 Uhr bei ihr gewesen, und da habe sich der Beschwerdeführer bereits in der Wohnung befunden. Am 6. Juni 1997 habe sie präzisiert, dass der Beschwerdeführer erst ganz kurz vor 12.00 Uhr nach Hause gekommen sei. R.________ habe am 27. Mai 1997 erklärt, sie sei zwischen 11.50 und 12.00 Uhr vom Städtchen Wangen zum Wohnort von Sandra gefahren und so zwischen 11.55 und 12.05 Uhr dort gewesen; sie habe nicht auf die Uhr geschaut; sie wisse einfach, dass es bereits Mittag war. Sie habe damals im Autounterstand vor dem Haus einen weissen Personenwagen gesehen. Das Kriminalgericht erwog, diesen nur wenige Wochen nach der Tat gemachten Angaben komme, da die Erinnerung damals noch frisch gewesen sei, ein grösseres Gewicht zu als späteren, davon abweichenden Angaben bei der Befragung in der Hauptverhandlung. Für die Korrektur der Aussagen hätten die Zeuginnen als Erklärung angegeben, man habe dazumal noch nicht gewusst, um was es gehe und welche Bedeutung der genauen Zeitangabe zukomme. Darin könne indessen kein triftiger Grund für die Änderung der Aussagen gesehen werden, sei doch offensichtlich gewesen, aus welchem Grund die Polizei nach dem genauen Zeitpunkt der Rückkehr des Beschwerdeführers fragte. Bei R.________ sei es offenkundig im Lauf der Zeit zu einer Verwischung der Erinnerung gekommen, indem sie nachträglich angenommen habe, sie sei bereits zur Zeit der Abfahrt in Wangen bei ihrer Tochter gewesen. Bei W.________ falle ins Gewicht, dass sie gegenüber der Polizei nicht nur einmal erklärt habe, der Beschwerdeführer sei erst kurz vor 12.00 Uhr nach Hause gekommen, sondern zweimal im Abstand von mehreren Tagen. Der Beschwerdeführer macht dagegen im Wesentlichen einzig geltend, das Kriminalgericht sei in Willkür verfallen, indem es die Erklärungen der Zeuginnen für die Korrektur ihrer Aussagen nicht habe gelten lassen. Es sei allgemein bekannt, dass die Polizei die einzuvernehmenden Personen über den Zweck der Einvernahme im Unklaren lasse. Die Annahme des Gerichts, man habe gewusst, dass der Zeitangabe eine derart grosse Bedeutung zukomme, überzeuge nicht und sei willkürlich. c) Es leuchtet schon grundsätzlich nicht ein, weshalb Aussagen, die ein Zeuge im Wissen darum gemacht hat, welche Bedeutung ihnen im Zusammenhang einer Indizienkette zukommt, einen höheren Wahrheitsgehalt oder Beweiswert aufweisen sollten als andere Aussagen, und deshalb höher gewichtet werden müssten. Die Gefahr einer unrichtigen Aussage erscheint grundsätzlich am geringsten, wenn sie aus relativ frischer Erinnerung des Zeugen und vor einer möglichen Kollusion mit dem Tatverdächtigen erfolgt, zu dem der Zeuge eine persönliche Beziehung hat (vgl. Richard Rebmann, Die Prüfung der Glaubwürdigkeit des Zeugen im schweizerischen Strafprozess, Diss. Basel 1981, S. 124 f.). Dem Wissen der Zeuginnen um die Bedeutung der Zeitangabe kann demnach schon grundsätzlich nicht die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Bedeutung zugemessen werden. Seine Vorbringen lassen die Würdigung des Kriminalgerichts, worin dieses mit sachlichen Gründen dargelegt hat, weshalb es die ersten Aussagen der Zeuginnen als glaubwürdiger betrachtete, schon deshalb nicht als willkürlich erscheinen. Davon abgesehen erscheint auch die Erwägung des Kriminalgerichts, es sei für die Zeuginnen offensichtlich gewesen, weshalb nach dem genauen Zeitpunkt der Rückkehr des Beschwerdeführers gefragt wurde, nicht als willkürlich. So wurde den Zeuginnen jedenfalls bekannt gegeben, dass sie im Zusammenhang mit einem am Morgen des 10. April 1997 erfolgten Raubüberfall befragt wurden. R.________ wurde laut Polizeiprotokoll sogar ausdrücklich darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie befragt wurde, um bezüglich eines Alibis Angaben zu machen.