Citation: 9C_736/2012 E. 3.4

3.4. Die Vorinstanz hat aus dem achtseitigen Bericht des Kinder- und Jugendpsychiaters Dr. med. L.________ vom 27. September 2010, der die verschiedenen Fragen der IV-Stelle ausführlich beantwortet und auch die einzelnen Testungen differenziert wiedergegeben hat, lediglich einen Satz zitiert, wonach es fraglich sei, ob die Beschwerdeführerin auf Grund ihrer eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten den hohen schulischen Anforderungen der von ihr besuchten Berufsfachschule gewachsen sei, da sie deutlich längere Zeit benötige, um den Stoff zu bewältigen. Bei der Würdigung von Arztberichten und Gutachten ist das kantonale Gericht zwar nicht gehalten, in seinem Entscheid alles lückenlos wiederzugeben. Seine Aufgabe ist jedoch, den Sachverhalt insoweit vollständig darzustellen, dass alle entscheidwesentlichen Elemente berücksichtigt werden. Daran mangelt es dem vorinstanzlichen Entscheid: Der erwähnte einzig zitierte Satz wird unvollständig wiedergegeben, da es im Gutachten heisst, es sei fraglich, ob die Beschwerdeführerin ohne externe Unterstützung auf Grund ihrer eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten den hohen schulischen Anforderungen der von ihr besuchten Berufsfachschule gewachsen sei. Diese knappe und in diesem Sinne unrichtige Feststellung der Vorinstanz wird der ausführlichen Beurteilung durch den Gutachter nicht gerecht. Es geht daraus weder hervor, dass sich der Gutachter einlässlich mit den Fähigkeiten der Versicherten befasst hat, noch ist ansatzweise ersichtlich, welche Fragen die IV-Stelle zur Beurteilung des Anspruchs gestellt und der Gutachter dann beantwortet hat. Zudem lässt sich anhand des fraglichen Kurz-Zitats aus dem Gutachten eine differenzierte Würdigung durch das Gericht weder nachvollziehen noch erkennen, abgesehen davon, dass es zur Ablehnung eines Anspruchs mit Blick auf das im Sozialversicherungsprozess erforderliche Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125; Urteil 9C_752/2008 vom 9. April 2009 E. 2.3.1 und 2.3.2) nicht genügt, wenn eine Voraussetzung lediglich "fraglich" ist. Damit ist das Bundesgericht an die Feststellungen des kantonalen Gerichts nicht gebunden (Art. 105 Abs. 2 BGG).