Citation: 5A_237/2020 E. 5.2

5.2. Rechtsprechungsgemäss erscheint ein Richter als befangen, wenn er für eine Partei mehrmals oder kurze Zeit vorher anwaltlich tätig geworden war. Dies gilt unabhängig davon, ob das Mandat in einem Sachzusammenhang mit dem zu beurteilenden Streitgegenstand steht oder nicht (BGE 139 III 433 E. 2.1.4; 135 I 14 E. 4.1-4.3; bestätigt in 138 I 406 E. 5.3 und 5.4; vgl. auch BGE 139 III 120 E. 3.2.1). Freilich ging es in der soeben erwähnten Rechtsprechung hauptsächlich darum, dass der Prozessgegner der Partei, für welche der Richter anwaltlich tätig geworden war, Zweifel an dessen Unbefangenheit hatte. Nichts anderes kann für die ehemals vom Richter vertretene Partei gelten, denn das Anwaltsmandat begründet ein ausgesprochenes Vertrauensverhältnis, im Rahmen dessen der Anwalt alles, was ihm infolge von seiner Klientschaft anvertraut wird, geheim zu halten hat (Art. 13 Abs. 1 BGFA). Die Befürchtung, dass der Richter bewusst oder unbewusst Wissen, das ihm seine seinerzeitige Klientschaft anvertraut hat, in seine Entscheidfindung einfliessen lässt, ist objektiv nachvollziehbar.