Citation: 4A_97/2013 E. 5.3

5.3. Nach dem bisher Ausgeführten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei der Darlehensgewährung über DM 420'000.-- im Januar 1994 durch Mitunterzeichnung des Zahlungsauftrags mitwirkte, und bei der Darlehensgewährung über DM 1 Mio. im Oktober 1993 dadurch, dass er davon wusste, dass diese ohne Beratung im zuständigen Verwaltungsratsgremium erfolgen würde, und es dennoch unterliess, die Einberufung einer Verwaltungsratssitzung zu verlangen (Erwägung 3). Sodann wusste er durch die Warnungen der Y.________-Geschäftsführung bereits vor der Darlehensgewährung vom schlechten Ruf der S.________-Gesellschafter F.________ und G.________ als "Gauner und mehrfache Konkursiten" und bestand im Sommer 1993 Anlass zu (erneuten) vertieften Abklärungen, nachdem die S.________ im ersten Halbjahr 1993 erhebliche Verluste erlitten hatte und der dringende Verdacht bestand, dass es bei der S.________ zu Unregelmässigkeiten gekommen war und die Gesellschafter F.________ und G.________ versucht hatten, sich persönlich zu bereichern. Schliesslich blieben die Rügen des Beschwerdeführers gegen die vorinstanzlichen Vorwürfe erfolglos, wonach er neue und vertiefte Abklärungen unterlassen und zugelassen habe, dass die S.________ weiterhin massgeblich durch F.________ und G.________ geführt wurde, wobei wesentlich ist, dass er keine wirksamen Massnahmen ergriff, um zu verhindern, dass F.________ und G.________ die S.________ schädigen konnten (Erwägung 4 vorne). Verschiedene, teils erst nach der Gewährung des ersten Darlehens ergriffene Massnahmen, um den Einfluss von F.________ und G.________ einzuschränken, konnten dieses Ziel nicht erreichen. Soweit der Beschwerdeführer dem Bundesgericht im Zusammenhang mit den hier behandelten Rügen erneut seine eigene Darstellung des Sachverhalts unterbreiten und in Frage stellen will, dass er es unterlassen habe, vertiefte Abklärungen über die Vertrauenswürdigkeit von F.________ und G.________ vorzunehmen und griffigen Massnahmen zu treffen, um den Einfluss von F.________ und G.________ im genannten Sinn einzuschränken, ist nicht mehr darauf einzugehen. Wenn die Vorinstanz die Darlehensgewährungen unter diesen Umständen als sorgfaltswidrig beurteilte, verletzte sie kein Bundesrecht. Die Darlehensgewährung erfolgte nicht in einem formell korrekten Entscheidungsprozess durch das zuständige Verwaltungsratsgremium. Schon aus diesem Grund, ist es unbehelflich, wenn der Beschwerdeführer die Auffassung vertritt, die Darlehensgewährung sei bei Abwägung von Chancen und Risiken im Zeitpunkt der Entscheidung vertretbar gewesen. Denn die Vorinstanz war bei dieser Sachlage nicht gehalten, ihre Prüfung darauf zu beschränken, ob die Entscheide über die Darlehensgewährung bei Berücksichtigung der Chancen derselben vertretbar waren. Dies umso mehr, als Abklärungen über die Vertrauenswürdigkeit von F.________ und G.________ unterlassen worden waren, die sich in der gegebenen Situation (Warnungen des Y.________-Managements vor F.________ und G.________, Verluste der S.________ im ersten Halbjahr 1993, Verdacht auf Unregelmässigkeiten) aufgedrängt hätten, so dass die Entscheide offensichtlich auch nicht auf einer hinreichenden Informationsbasis beruhten. Soweit der Beschwerdeführer das Unterlassen der Abklärungen mit zeitlicher Dringlichkeit der Darlehensgewährung rechtfertigen will, kann er nicht gehört werden. Denn die Vorinstanz traf keine tatsächlichen Feststellungen über eine zeitliche Dringlichkeit. Ihrem Urteil lässt sich einzig entnehmen, dass im kantonalen Verfahren im Zusammenhang mit der Nichteinberufung einer Verwaltungsratssitzung zeitliche Dringlichkeit behauptet wurde. Die Vorinstanz hielt die Vorbringen indessen für unsubstanziiert, weshalb darüber kein Beweis abzunehmen gewesen sei. Da der Beschwerdeführer dazu keine hinreichend begründete Sachverhaltsrüge erhebt, die dem Bundesgericht allenfalls eine Ergänzung des von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalts erlauben könnte, ist er mit seiner Behauptung über die zeitliche Dringlichkeit nicht zuzulassen. Die Vorinstanz konnte es in dieser Situation für die Annahme einer Pflichtverletzung genügen lassen, dass das Vorgehen der handelnden Organe bei den Darlehensgewährungen fehlerbehaftet war, weil Abklärungen nicht vorgenommen wurden, die sich in der gegebenen Situation gebieterisch aufgedrängt hätten. Mit anderen Worten lag in der Unterlassung der sich aufdrängenden Abklärungen eine offensichtliche Unsorgfalt. Die Entscheide wurden auf offensichtlich ungenügender Informationsbasis getroffen. Damit durfte die Vorinstanz eine Pflichtverletzung bejahen, ohne dass sie weiter der Frage nachgehen musste, ob die Darlehensgewährung unter anderen Gesichtspunkten bzw. bei einer Abwägung von Chancen und Risiken aus damaliger Sicht dennoch als richtig erscheint (vgl. in diesem Sinn: Vogt/Bänziger, Das Bundesgericht anerkennt die Business Judgement Rule als Grundsatz des schweizerischen Aktienrechts, GesKR 4/2012 S. 607 ff., 617). Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass ohnehin nicht ersichtlich ist, wie die Alimentierung der S.________ mit zusätzlichen Mitteln ohne Vornahme der sich in der gegebenen Situation aufdrängenden vertieften Abklärungen über die Vertrauenswürdigkeit von F.________ und G.________ zu rechtfertigen sein und damit als richtig erscheinen könnte, wenn nicht eine grosse zeitliche Dringlichkeit der Darlehensgewährung bestand, die solche Abklärungen ausschloss. Dies gilt unabhängig von den Chancen, welche die Darlehensgewährung aus damaliger Sicht für eine "Rettung" und Weiterführung des Deutschlandengagements der Y.________ versprochen haben mag, wie sie vom Beschwerdeführer behauptet werden. Reichen die vorstehend dargestellten Umstände, namentlich die Darlehensgewährungen ohne korrektes Entscheidverfahren durch das zuständige Gesellschaftsorgan und ohne die gebotene vertiefte Abklärung der Vertrauenswürdigkeit von F.________ und G.________ dafür aus, die strittigen Darlehensgewährungen als sorgfaltswidrig zu beurteilen, ist es mangels Erheblichkeit für den Entscheid über die Verletzung der Sorgfaltspflicht von vornherein unbehelflich, wenn der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang erneut die vorinstanzliche Annahme als unhaltbar rügt, dass das kriminelle Verhalten von F.________ und G.________ genau dem entsprochen habe, was im Vorfeld der Investitionen bzw. der Erweiterung derselben habe erwartet werden müssen.