Citation: 1C_478/2022 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz kam zum Ergebnis, der Beschwerdeführer habe am 6. September 2021 entgegen seiner Meinung keine leichte, sondern eine mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften begangen. Zur Begründung führte sie zusammengefasst aus, da der Strafbefehl vom 11. November 2021 in Rechtskraft erwachsen sei, dürfe im Massnahmeverfahren auf die im Strafverfahren getroffenen tatsächlichen Feststellungen abgestellt werden, die sich auf den Anzeigerapport der Luzerner Polizei vom 7. September 2021 stützten. Gemäss diesem Rapport sei der Personenwagen des Beschwerdeführers auf der Autobahn A2 mit ca. 110 km/h im Tunnel Mariazell vom Normalstreifen in Fahrtrichtung Norden immer mehr nach rechts auf den Pannenstreifen gelangt und nach dem Tunnel mit einem auf diesem Streifen abgestellten mobilen Anpralldämpfer kollidiert. Anschliessend habe sich das Fahrzeug im Uhrzeigersinn gedreht und sei mit einer hinter dem Anpralldämpfer abgestellten Hebebühne zusammengeprallt, bevor es auf dem Überholstreifen zum Stillstand gekommen sei. Beim Eintreffen der Polizei sei die gesamte Fahrbahn mit Fahrzeugteilen übersät, mit Motorenöl verunreinigt und nicht mehr befahrbar gewesen. Im Zeitpunkt des Unfalls sei die Fahrbahn trocken und das Wetter sonnig gewesen, es habe nur mässiger Verkehr geherrscht. Die vom Beschwerdeführer verursachte Kollision habe namentlich an seinem Fahrzeug, einem Anpralldämpfer und Hebebühnen Sachschäden verursacht. Zwar sei es zu keiner direkten oder indirekten Beteiligung von Drittpersonen gekommen. Dies schliesse jedoch eine erhöht abstrakte Gefährdung solcher Personen nicht aus. So führe ein nicht beherrschtes Fahrzeug auf Autobahnen, auf denen mit hohen Geschwindigkeiten gefahren werde, immer zu ernstlichen Gefahren für andere Verkehrsteilnehmern, wenn das Risiko von Auffahrunfällen bestehe. Dies habe vorliegend zugetroffen, da sich das Fahrzeug des Beschwerdeführers über die beiden regulären Fahrstreifen gedreht habe und es erst auf der Überholspur quer zur Fahrtrichtung zum Stillstand gekommen sei. Unter diesen Umständen sei eine konkrete Gefährdung oder gar Verletzung Dritter durch eine Auffahrkollision mit nachfolgenden Fahrzeugen jederzeit denkbar gewesen. Eine solche Kollision sei nur durch den glücklichen Zufall verhindert worden, dass das Abdriften des Fahrzeugs des Beschwerdeführers auf den Pannenstreifen im nachfolgenden Personenwagen von einem Fahrlehrer erkannt worden sei, der seinen Fahrschüler in vorausschauender Art bereits im Tunnel Mariazell angewiesen habe, Abstand zu halten und das Tempo zu drosseln. Insgesamt sei mindestens eine erhöhte abstrakte Gefährdung zu bejahen, was eine nur geringe Gefahr im Sinne von Art. 16a SVG ausschliesse. Damit falle eine leichte Widerhandlung ausser Betracht.