Citation: 2C_717/2019 E. 3.2.5

3.2.5. Zuzugestehen ist weiter, dass eine Rückkehr in seinen Heimatstaat den erwachsenen Beschwerdeführer, der mit seinen ebenfalls erwachsenen Brüdern noch bei seinen Eltern lebt, sicher empfindlich in seinen persönlichen Beziehungen zu diesen einschränken würde. Den Beziehungen des erwachsenen Beschwerdeführers zu seinen Eltern und seinen ebenfalls erwachsenen Brüdern kommt jedoch nach der Rechtsprechung in der Interessenabwägung nicht derjenige Stellenwert zu wie denjenigen innerhalb einer Kernfamilie, worunter eine Ehefrau und Kinder, nicht jedoch eine nicht als gefestigtes Konkubinat einzustufende Beziehung (Urteil 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.5.3, mit weiteren Hinweisen), zu verstehen wären (oben, E. 3.1 in fine). Die Beziehung des unverheirateten und kinderlosen Beschwerdeführers zu seinen Eltern und Brüdern kann auch über moderne Kommunikationsmittel und Kurzaufenthalte aus dem Kosovo in die Schweiz oder durch Besuche seiner Familie in den Kosovo aufrechterhalten werden (zit. Urteil des EGMR Pormes, § 67; Urteil des EGMR Azerkane vs the Netherlands vom 2. Juni 2020, Nr. 3138/16, § 81). Gesundheitliche Gründe, welche einer Rückkehr des Beschwerdeführers in den Kosovo entgegen stehen würden, liegen nicht vor. Selbst falls der Beschwerdeführer wie vorgetragen an einem kindlichen Trauma als Folge eines sexuellen Übergriffes leiden sollte, wofür er bis anhin noch keine fachärztliche Behandlung in Anspruch genommen hat, wäre eine therapeutische Behandlung gemäss den vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen im Kosovo möglich. Auch unter Berücksichtigung einer solchen gesundheitlichen Beeinträchtigung bliebe dem Beschwerdeführer eine Rückkehr in seinen Heimatstaat zumutbar (zit. Urteil Azerkane, § 81). Ebensowenig wurden konkrete Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr von einer "Blutrache" oder von einer diskriminierenden Behandlung aufgrund seiner Religion betroffen wäre, in das vorinstanzliche Verfahren eingebracht, oder eine in diesem Punkt offensichtlich unrichtige oder rechtsverletzende vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung gerügt (vgl. oben, E. 1.4).