Citation: 6B_954/2015 E. 1.2

1.2. Die Beschwerdeführerin rügt, die Voraussetzungen für einen Aufschub des Vollzugs seien nicht erfüllt. Sie macht geltend, dass der Beschwerdegegner über keine Arbeitsstelle verfüge. Er sei daher im Vergleich zu einer beruflich integrierten Person von einem Freiheitsentzug weniger tangiert. Der Therapeut habe seine Berichte verfasst, ohne von den Strafbehörden zu seinen Rechten und Pflichten belehrt worden zu sein; er sei weder unparteiisch noch unabhängig. Seine Berichte seien daher nicht stichhaltig. Soweit die Vorinstanz erwäge, dass die Berichte im Rahmen der freien Beweiswürdigung in das Urteil einfliessen können, sei darauf hinzuweisen, dass Privatgutachten berücksichtigt werden können, um Zweifel an einem Gutachten zu schüren, nicht aber um das Resultat einer sachkundigen Begutachtung zu entkräften. Nach den Ausführungen des Gutachters PD Dr. med. A.________ gebe es keine absolute Indikation für den Strafaufschub aus psychiatrischer Sicht. Aufgrund des schlüssigen Gutachtens sei somit erstellt, dass die Behandlungsmöglichkeiten durch einen Vollzug der Sanktion weder klar vereitelt, noch erheblich vermindert würden. Eine gewisse Erschwerung des Behandlungserfolges rechtfertige alleine noch keinen Aufschub der Strafe. Es sei zwar durchaus anzunehmen, dass der Strafvollzug die Therapie und Resozialisierung des Beschwerdegegners unter verschiedenen Gesichtspunkten, z.B. aufgrund des Abbruchs von gefestigten familiären Strukturen, erschweren könne. Dieser Einwand sei aber allgemeiner Natur und könne in vielen Fällen geltend gemacht werden. Würde dies ausreichen, um einen Strafaufschub zugunsten einer ambulanten Behandlung zu gewähren, könnte der Strafvollzug kaum je noch angeordnet werden. Obwohl der Therapeut betone, dass der Beschwerdegegner sich gut an der Therapie beteilige und Fortschritte mache, sei dieser während der Behandlung rückfällig geworden. Am 5. Januar 2015 habe er in seiner Wohnung Hanf für den Eigenkonsum angebaut. Die Plantage sei von der Polizei entdeckt worden, als diese wegen eines Brandes zur Wohnung des Beschwerdegegners gerufen worden sei. Es habe sich herausgestellt, dass der Beschwerdegegner die Wohnung in Brand setzte, als er mit Flüssiggas Harz aus dem Hanfkraut extrahierte. Auf die Frage, weshalb er Hanf anbaue, habe er anlässlich der polizeilichen Befragung erklärt, dass jedes Mal, wenn er auf die Strasse gegangen sei, er sich kriminalisiert und mit der Polizei Probleme bekommen habe. Sein Therapeut habe ihm daher geraten, selber Hanf anzubauen, um sich nicht dem Risiko auszusetzen, mit anderen Drogen in Kontakt zu kommen. Es stelle sich somit die Frage, ob mit der Therapie tatsächlich eine deliktsfreie Lebensführung angestrebt oder vielmehr alte negative Verhaltensmuster verfestigt würden. Der Vorfall vom 5. Januar 2015 zeige, dass der Beschwerdegegner trotz seiner Therapie nicht fähig oder willens sei, sich an die Rechtsordnung zu halten. Es sei auch unter dem Aspekt der Gleichbehandlung stossend, den Strafvollzug aufzuschieben. Ein Vollzug der Freiheitsstrafe sei zwingend nötig, um dem Beschwerdegegner den Ernst der Lage vor Augen zu führen und die Öffentlichkeit vor weiteren Delikten zu schützen.