Citation: 2C_406/2014 E. 3.3

3.3. Der Beschwerdeführer hat nach absolvierter Schulzeit im Jahr 2006 eine Lehre als Gipser begonnen. Nach fristloser Auflösung des Lehrvertrags durch seinen Arbeitgeber wegen seiner Raserfahrt Ende 2008 absolvierte er die Abschlussprüfung als Gipser im Jahr 2010 in einem neuen Lehrbetrieb. Nach den Feststellungen des rechtskräftigen strafrechtlichen Urteils des Obergerichts vom 22. März 2012arbeitete der Beschwerdeführer vor dem Strafantritt in temporären Anstellungen als Gipser und war zwischendurch arbeitslos. Der Beschwerdeführer stand somit zeitweise in einem weisungsgebundenen Abhängigkeitsverhältnis, wobei er eine (tatsächliche und echte) Tätigkeit für einen anderen für eine bestimmte Zeit verrichtete und dafür ein Entgelt bezog, womit er als Arbeitnehmer im Sinne des FZA zu qualifizieren ist (BGE 141 II 1 E. 2.2 S. 4 ff.; 140 II 460 E.4.1.1 S. 466 f.; 131 II 339 E.3.1 S.345; MERZ, a.a.O., S.270; BORGHI, a.a.O., S.68 f.). Weder unfreiwillige Arbeitslosigkeit noch der Umstand, dass der Beschwerdeführer Temporärarbeit leistete, lassen seine Arbeitnehmereigenschaft entfallen (Art. 4 FZA in Verbindung mit Art. 6 Ziff. 1 Anhang I FZA; BGE 141 II 1 E. 3.2 S. 7 f.; 131 II 339 E. 3.3 S. 346; MERZ, a.a.O., S. 269; BORGHI, a.a.O., S. 68 f.; KADDOUS/ GRISEL, a.a.O., S. 893; zur angesichts von Art. 17 FZA nur im Umfang einer Nachführung der im FZA als anwendbar erklärten Richtlinien zu berücksichtigenden Richtlinie 2004/38/EG BORGHI, a.a.O., S. 338 f.). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer während seiner Haft dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht, bedeutet nicht grundsätzlich, dass er während dieser Zeit nicht weiterhin in den schweizerischen Arbeitsmarkt eingegliedert ist, sofern zu erwarten ist, dass er innerhalb eines angemessenen Zeitraums nach seiner Haftentlassung wieder eine Beschäftigung findet (vgl. Urteile des EuGH vom 29. April 2004 C-482/01 Orfanopoulos und Oliveri, Slg. 2004 I-5257 Randnr. 50; vom 10. Februar 2000 C-340/97 Nazli, Slg. 2000 I-957 Randnr. 40; BGE 141 II 1 E. 2.2.3 S. 5 f.; 137 II 233 E. 5.3 S. 239).