Citation: 6P.105/2005 03.02.2006 E. 9

Gemäss Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB hat das Gericht eine Prognose über das zukünftige Verhalten zu stellen. Es ist eine Gesamtwürdigung vorzunehmen. Dabei steht dem Gericht ein erhebliches Ermessen zu. Das Bundesgericht hebt einen Entscheid nur auf, wenn das Gericht nicht von den rechtlich massgebenden Gesichtspunkten ausgegangen ist oder diese in Überschreitung oder Missbrauch seines Ermessens unrichtig gewichtet hat (ausführlich BGE 128 IV 193 E. 3a). Die Vorinstanz verweigert dem Beschwerdeführer den bedingten Strafvollzug (angefochtenes Urteil S. 34 ff.). Er sei nur gut ein Jahr vor seiner Verhaftung im April 2001 wegen einer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu Fr. 8'000.-- Busse verurteilt worden. Unbekümmert darum habe er sich weiter mit Betäubungsmitteln in Hanfform beschäftigt, habe damit gehandelt und sogar eine Indoor-Hanfplantage betrieben. Eine Hausdurchsuchung im Mai 2002 und die anschliessende Untersuchungshaft hätten ihn ebenfalls nicht beeindruckt. Bei einer zweiten Durchsuchung im September 2002 sei er wieder im Besitz einer Indoor-Plantage gewesen. Angesichts seines bisherigen Verhaltens erscheine es wenig glaubhaft, dass er das Canabisrauchen inzwischen wegen einer Hepatitis C stark eingeschränkt habe, zumal diese Erkrankung nicht neu sei. Er zeige sich insgesamt uneinsichtig und unbelehrbar, weshalb ihm keine gute Prognose gestellt werden könne. Der Beschwerdeführer wendet ein, es seien zwei entscheidende Punkte unbeachtet geblieben, nämlich dass er eine Heroinsucht erfolgreich überstanden habe und dass er gesundheitlich stark angeschlagen sei (Beschwerde S. 8). Die Vorinstanz habe die gesundheitlichen Probleme weder näher untersucht noch gewürdigt. Insbesondere bildeten nicht die Hepatitis C, sondern der daraus resultierende Milz- und Niereninfarkt den wesentlichen Grund für ein künftiges Wohlverhalten. Unberücksichtigt geblieben sei auch seine soziale Integration, die durch den Strafvollzug gefährdet sei. Der entscheidende Gesichtspunkt liegt darin begründet, dass der Beschwerdeführer weiter delinquiert hat, obwohl er verurteilt worden war, bei ihm mehrere Hausdurchsuchungen vorgenommen worden waren und er auch bereits in Untersuchungshaft war. Dieses Verhalten indiziert das Gegenteil eines künftigen Wohlverhaltens. Die Vorinstanz stellt zudem eine Uneinsicht und Unbelehrbarkeit fest. Weder die Drogentherapie von 1994 bis 1996 - er war somit mit der Problematik der Betäubungsmitteldelinquenz seit längerer Zeit vertraut - noch die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme vermögen diese Tatsachen aus der Welt zu schaffen. Zu beurteilen ist nicht lediglich ein Eigenkonsum. Das vom Beschwerdeführer beim Bundesgericht eingereichte ärztliche Zeugnis betrifft eine Behandlung vom August 2005 wegen eines zerebrovaskulären Insultes (bzw. einer Insuffizienz nach der Lesart des Beschwerdeführers) am 15. Juli 2005. Diese Tatsache konnte somit im Urteil vom 9. Juni 2005 noch nicht berücksichtigt werden. Sie wäre aber auch nicht geeignet, die Prognosebeurteilung entscheidend zu ändern. Die Vorinstanz nimmt zutreffend an, dass Einsichtslosigkeit gegen eine günstige Prognose spricht (Roland M. Schneider, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Art. 41 N. 98, 100). Eine Verletzung von Art. 41 StGB ist zu verneinen.