Citation: 5A_763/2018 E. 2.1.1

2.1.1. 2.1.1.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV schliesst als Teilgehalt den Anspruch ein, rechtserhebliche Sachvorbringen in den Prozess einzuführen und zu beweisen. Der damit verbundene Beweisführungsanspruch räumt jeder Partei das Recht ein, dass das Gericht die von ihr form- und fristgerecht angebotenen, tauglichen Beweismittel abnimmt. Wird ein Anspruch des Bundesprivatrechts geltend gemacht, verliert Art. 29 Abs. 2 BV seine Bedeutung. Im Anwendungsbereich der ZPO hat Art. 152 Abs. 1 ZPO die Funktion des Art. 8 ZGB als Grundlage des Beweisführungsanspruchs übernommen. Das Recht auf Beweis setzt Beweisbedarf (Art. 150 Abs. 1 ZPO), Rechtserheblichkeit der zu beweisenden Tatsache (BGE 133 III 189 E. 5.2.2; 129 III 18 E. 2.6 mit Hinweisen), ausreichend substanziierte Behauptungen (Urteile 4A_574/2015 vom 4. April 2016 E. 6.6.4; 4A_487/2015 vom 6. Januar 2016 E. 5.2; vgl. auch 4A_49/2016 vom 9. Juni 2016 E. 4.4 und 4A_617/2013 vom 30. Juni 2014 E. 6.5), prozesskonform gestellte Beweisanträge (BGE 133 III 295 E. 7.1 mit Hinweisen) sowie zulässige (Art. 168 Abs. 1 ZPO) und taugliche (BGE 109 II 26 E. 3b; 106 II 170 E. 6b) Beweismittel voraus (BGE 122 III 219 E. 3c). 2.1.1.2. Das Recht auf Beweis räumt den Parteien kein unbeschränktes Recht auf Zulassung zum Beweis ein (BGE 122 V 157 E. 2c), und die Pflicht des Richters, Beweise abzunehmen, ist nicht absolut. Kommt dieser zum Schluss, ein form- und fristgerecht beantragter und an sich tauglicher Beweis vermöge seine auf Grund der bereits abgenommenen Beweise gewonnene Überzeugung von der Wahrheit oder Unwahrheit einer behaupteten Tatsache nicht zu erschüttern, muss er ihn nicht abnehmen (BGE 140 I 285 E. 6.3.1; 138 III 374 E. 4.3; 131 III 222 E. 4.3; 127 III 519 E. 2a; 126 III 315 E. 4a; 122 III 219 E. 3c; 90 II 219 E. 4b); es liegt echte antizipierte Beweiswürdigung vor. Unzulässig ist hingegen, objektiv taugliche Beweise nicht abzunehmen, solange der Richter das streitige Sachvorbringen weder als erstellt noch als widerlegt betrachtet (Hans Peter Walter, in: Berner Kommentar, 2012, N. 125 zu Art. 8 ZGB; ALEXANDRA JUNGO, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2018, N. 116 zu Art. 8 ZGB). Eine antizipierte Beweiswürdigung verträgt sich im Übrigen mit dem verfassungsmässigen Gehörsanspruch nur dann nicht, wenn der Makel der Willkür an ihr haftet (s. BGE 136 I 229 E. 5.3; 134 I 140 E. 5.3; 131 I 153 E. 3). Daher muss die Partei, die sich darauf beruft, zunächst darlegen, inwiefern das Obergericht den Sachverhalt offensichtlich unrichtig festgestellt hat (Art. 9 BV; BGE 140 I 285 E. 6.3.1; Urteile 5A_113/2018 vom 12. September 2018 E. 4.2.1, nicht publ. in BGE 144 III 541; 4A_487/2016 vom 1. Februar 2017 E. 2.2; 5A_600/2010 vom 5. Januar 2011 E. 4.3.2). Nur wenn die Partei mit ihrer Sachverhaltsrüge durchdringt, ist zu prüfen, ob das Recht auf Beweis verletzt wurde. Unecht aber dennoch gewissermassen antizipiert würdigt das Gericht einen Beweis, wenn es zum Schluss kommt, das beantragte Beweismittel sei von vornherein nicht geeignet, die behauptete Tatsache zu beweisen (vgl. BGE 109 II 26 E. 3b; 106 II 170 E. 6b). Diesfalls hat die Partei, die sich darauf beruft, aufzuzeigen, inwiefern das Beweismittel entgegen der Vorinstanz tauglich ist.