Citation: I 642/05 10.03.2006 E. 2

2.1 In somatischer Hinsicht bestehen Rückenbeschwerden (vor allem Lumbalgien, Nackenschmerzen) wegen einer schwerwiegenden Fehlform der Wirbelsäule (Skoliose) mit Degeneration der Lendenwirbelsäule sowie, hiemit zusammenhängend, rezidivierende pulmonale Infekte, die ihrerseits zu Asthma bronchiale führten (vgl. die ärztlichen Berichte des Orthopäden Dr. V.________ vom 2. Mai 2005, des Internisten Dr. G.________ vom 5. Februar 2003 sowie der Internistin und Pneumologin Dr. L.________ vom 16. Februar 2003). Insgesamt ergibt sich aus den medizinischen Akten, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Beschäftigung als Hauspflegerin aufgrund der körperlichen Beschwerden vollständig arbeitsunfähig ist. Leichte Tätigkeiten ohne einseitige Belastungen sind ihr dagegen nach ärztlicher Einschätzung in vollem Umfang zumutbar (Berichte des Dr. G.________ vom 5. Februar und 4. März 2003, der Frau Dr. L.________ vom 16. Februar 2003 sowie der Rheumaklinik am Spital X.________ vom 23. Oktober 2002; etwas abweichend: Bericht der orthopädischen Klinik Y.________ vom 9. Dezember 2002). Die Beweiswürdigung hinsichtlich dieses Teils der gesundheitlichen Beeinträchtigung gibt keine Probleme auf und liegt denn auch nicht im Streit. 2.2 Was hingegen den psychiatrischen Status der Beschwerdeführerin anbelangt, so reicht die Aktenlage für einen abschliessenden Entscheid nicht aus. Die Verwaltung stellte diesbezüglich massgebend auf das Gutachten des Dr. H.________ vom 5. März 2004 ab, wonach die Versicherte bezogen auf eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ganztags arbeitsfähig sei. Der Sachverständige schildert Verhaltensauffälligkeiten und unzureichende Problembewältigungskapazitäten, welche rasch in eine Überforderungssituation mit Insuffizienzgefühlen mündeten. Diese Feststellungen stellten indes keine psychischen Störungen im eigentlichen Sinn dar. Die gutachterlich erhobenen Befunde lassen auf eine auffällige Persönlichkeitsstruktur schliessen, scheinen aber in dieser Form nicht einem Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 IVG (in Verbindung mit den Art. 3, 6 und 7 ATSG) zu entsprechen. Eine in der geschilderten Weise eintretende Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit beruht in der Tat nicht notwendigerweise auf einem - im Rechtssinne - krankheitswertigen Geschehen. Die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen wird aber im Kontext der übrigen Akten stark in Frage gestellt: Aus dem - von einer Diplom-Psychologin verfassten - Bericht des BTZ vom 8. Januar 2004 geht hervor, dass die vom 29. September bis zum 17. November 2003 dauernden Bemühungen um eine berufliche Eingliederung - trotz Betreuung und schonender Rahmenbedingungen - an ausgeprägten Angst- und Überforderungsreaktionen der stets um Anpassung bemühten, pflicht- und leistungsbewussten Versicherten scheiterten ("beobachtbare Zustandsverschlechterung bis hin zur Dekompensationsgrenze im Rahmen der Workshopwoche"); hinsichtlich des sozialen Umgangs werden Isolations- und Aggressionstendenzen beschrieben. Dies veranlasste die Verantwortlichen des BTZ, einerseits eine Beurteilung des Konsiliarpsychiaters Dr. E.________ einzuholen, und anderseits die Versicherte "auf die Dringlichkeit einer stützenden psychotherapeutischen Massnahme" hinzuweisen. Das für den vorinstanzlichen Entscheid massgebliche Gutachten verweist zwar auf den Umstand, dass die berufliche Abklärung nach vier Wochen wegen Überforderung habe abgebrochen werden müssen. Eine Auseinandersetzung mit den Einschätzungen des BTZ fehlt aber. Angesichts der beim Arbeitsversuch gemachten Erfahrungen drängt sich die Frage auf, ob an der - anlässlich eines einzigen Untersuchungstermins zustandegekommenen - psychiatrischen Beurteilung, es liege kein krankheitswertiges Geschehen vor, festgehalten werden kann. Die im Bericht über den Verlauf der beruflichen Massnahme erwähnte Stellungnahme des Konsiliararztes fand keinen Eingang in die Akten der IV-Stelle und lag damit dem psychiatrischen Sachverständigen ebenfalls nicht vor. Es blieben damit ausgerechnet diejenigen Vorakten unberücksichtigt, die für den engeren Gegenstand der Begutachtung einschlägig sind. Doch können auch die - immerhin über eine längere Zeit hinweg und unter Mitwirkung einer Fachperson gemachten - Feststellungen des BTZ nicht als abschliessende Entscheidungsgrundlage herangezogen werden. Vielmehr bedürfen sie noch der fachärztlichen Einordnung. Eine erneute Beurteilung drängt sich schliesslich mit Blick auf das Schreiben des behandelnden Psychotherapeuten Dr. S.________ vom 14. September 2005 auf, der eine ängstlich-depressive Entwicklung mit Panikattacken, Agoraphobie, "Beziehungsideen (psychotischer Hintergrund)", mit einer Rückzugstendenz sowie einer latenten - in Belastungssituationen zeitweise akuten - Suizidalität diagnostiziert. Dieses Schriftstück datiert zwar nach dem Einspracheentscheid, lässt indessen Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens herrschende Situation zu und ist daher in die richterliche Beurteilung miteinzubeziehen (vgl. BGE 121 V 366 Erw. 1b, 99 V 102). 2.3 Kann eine invalidisierende Wirkung des psychischen Zustandsbildes aufgrund der bisherigen Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, ist die Sache zu einer umfassenden psychiatrischen Abklärung bzw. zur Ergänzung des bestehenden Gutachtens unter Einbezug der vollständigen Anamnese an die Verwaltung zurückzuweisen. Die Expertise wird sich auch zu den Möglichkeiten äussern, auf psychotherapeutischem Weg günstigere Voraussetzungen für eine allfällige berufliche Eingliederung zu schaffen. Gestützt auf die gewonnenen Erkenntnisse ist alsdann über den Anspruch auf eine Invalidenrente neu zu verfügen.