Citation: 5A_56/2024 E. 4.3

4.3. Die ausführlichen vorinstanzlichen Erklärungen, weshalb die Allgemeinheit grundsätzlich ein erhöhtes Interesse daran habe zu erfahren, welche Kinderkrippen von gravierenden Missständen betroffen seien, stellt die Beschwerdeführerin nicht in Frage. Soweit sie im Zusammenhang mit der Zulässigkeit der Namensnennung die Glaubwürdigkeit der Quellen ins Spiel bringt, übersieht sie, dass damit nicht das von der Vorinstanz ausgemachte öffentliche Interesse an der Namensnennung als solches, sondern die Frage angesprochen ist, ob auf die Veröffentlichung eines blossen Verdachts unter Namensnennung angesichts der Schwere der daraus resultierenden Persönlichkeitsverletzung verzichtet werden muss (s. vorne E. 3.2). Das Gesagte gilt gleichermassen für die in der Beschwerde enthaltenen Ausführungen, weshalb die Veröffentlichung blosser Verdachtsmeldungen unter Namensnennung angesichts des erheblichen Schädigungspotenzials auch unter dem Blickwinkel des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes nicht zulässig gewesen sei und das Obergericht in der Folge der Vorwurf des Ermessensmissbrauchs treffe. Auf diese Elemente der Interessenabwägung und der Verhältnismässigkeit wird zurückzukommen sein (s. hinten E. 6). Was die vorinstanzliche Überlegung angeht, dass die identifizierende Berichterstattung einen Generalverdacht gegen sämtliche vereinsbetriebenen Krippen im Raum Zürich verhindere, bestreitet die Beschwerdeführerin nicht, sich im kantonalen Verfahren mit dem pauschalen Hinweis auf die beiden Titel des Artikels begnügt zu haben. Ebenso wenig legt sie dar, inwiefern sich das Obergericht dem Vorwurf einer Bundesrechtsverletzung aussetzt, wenn es diesen pauschalen Hinweis als ungenügend erachtet, um das besagte Argument zu entkräften. Stattdessen erörtert sie die Frage, weshalb der Artikel unabhängig von der Namensnennung schon wegen des behandelten "Oberthemas" einen Generalverdacht gegen alle Zürcher Krippen aufkommen lasse. Allein aus ihrer Lesart des Zeitungsberichts, dass die Zürcher Krippenaufsicht wegen Personalmangels die Missstände in den ihr unterstellten Kitas nicht erkennen könne, folgt denklogisch jedoch keineswegs zwingend auch eine mitverstandene Unterstellung, dass alle privat betriebenen Krippen im Raum Zürich unter einem "Generalverdacht" ständen. Dies verkennt die Beschwerdeführerin, wenn sie von Problemen bei der Aufsichtsbehörde auf Probleme bei allen beaufsichtigten Kitas schliesst. In der Folge kann entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin auch nicht die Rede davon sein, dass der streitgegenständliche Artikel die Beschwerdeführerin als einzelne Anbieterin von Kita-Dienstleistungen beispielhaft auf unzulässige Weise anprangert, um vor möglichen Risiken oder negativen Aspekten der Kinderbetreuung in Krippen generell zu warnen, wie dies für eine - gegebenenfalls irreführende (vgl. BGE 124 III 72 zu Art. 3 Bst. a UWG) - exemplifizierende Berichterstattung typisch wäre. Die diesbezüglichen Befürchtungen der Beschwerdeführerin sind somit unbegründet. Die (von der Vorinstanz als notorisch bezeichnete) Tatsache, dass im Raum Zürich ein Mangel an Kitaplätzen bestehe, will die Beschwerdeführerin mit einem F.________-Artikel vom 22. Januar 2021 als offensichtlich unrichtig ausweisen. Ob dieses Beweismittel und das entsprechende Vorbringen im Sinne von Art. 99 Abs. 1 BGG zulässig sind, kann dahingestellt bleiben. Denn um mit einer Sachverhaltsrüge durchzudringen, müsste die Beschwerdeführerin auch dartun, inwiefern die Behebung des angeblichen Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG; s. vorne E. 2.3). Allein mit ihrer Behauptung, dass die angeblich tatsachenwidrige vorinstanzliche Feststellung zu einer unvollständigen Interessenabwägung führe und damit Art. 28 ZGB verletze, gelingt ihr dies nicht. Inwiefern die Interessenabwägung und Verhältnismässigkeitsprüfung ohne diesen Fehler zu ihren Gunsten hätte ausfallen müssen, mag die Beschwerdeführerin nicht näher erklären. Auch der vorinstanzlichen Erwägung, wonach sie (bzw. ihr Rechtsvorgänger) ohnehin nicht gewinnorientiert sei, hat sie nichts entgegenzusetzen. Ist dem Vorwurf der falschen Tatsachenannahme aus den dargelegten Gründen der Boden entzogen, so erübrigen sich auch Erörterungen zu den weiteren Rügen, wonach das Obergericht auch das Recht auf Beweis (Art. 152 ZPO) und das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 53 ZPO) verletze. Insbesondere ist auch die formelle Natur des Gehörsanspruchs nicht Selbstzweck (s. Urteil 5A_31/2024 vom 11. Juni 2024 E. 4.4.3 i.f. mit Hinweisen). Nach alledem bleibt es somit dabei, dass die umstrittene identifizierende Berichterstattung über die Beschwerdeführerin grundsätzlich von einem öffentlichen Interesse getragen ist. Soweit die Beschwerdeführerin dies bestreitet, ist ihren diesbezüglichen Anstrengungen nach dem Gesagten kein Erfolg beschieden. Die Beschwerde ist in dieser Hinsicht unbegründet.