Citation: 6B_1403/2016 E. A

Am 22. Mai 2007, um ca. 23.40 Uhr, kam es in Solothurn bei der Kreuzackerbrücke (nordseitig, Klosterplatz) zu einer Auseinandersetzung, bei welcher A.________, der sich im Rahmen einer Abschlussreise der Gewerbe- bzw. Berufsschule B.________ in Solothurn aufhielt, vier Stichverletzungen im Schulter-/Rückenbereich, linksseitig, erlitt. Als die alarmierte Polizei vor Ort eintraf, befand sich C.________, ihrerseits Gewerbeschülerin auf Abschlussreise, beim Verletzten. Im Befragungsprotokoll vom 23. Mai 2007 von C.________ steht unter anderem: "Wir sind zusammen in einer Gruppe über die Kreuzackerbrücke in Richtung Gewerbeschulhaus gegangen. Am Ende der Kreuzackerbrücke haben uns drei Jugendliche angesprochen. Es waren Ausländer zw. 18-24 Jahre alt. Sie wollten uns Marihuana verkaufen. Wir lehnten jedoch ab. Anschliessend ist es aus unbekannten Gründen zu Streitigkeiten zwischen uns und den 3 Albanern gekommen. Wir liefen zurück zum Klosterplatz. Sie liefen uns jedoch nach und so kam es beim Klosterplatz zu einer Schlägerei. Es gesellten sich immer mehr Ausländer dazu. Auf einmal sah ich, wie ein Typ mit Glatze, einer Militärhose und einem schwarzen T-Shirt ein Sackmesser zückte und auf A.________ einstoch. Er stach zweimal zu. Danach bin ich dazwischen und habe beide getrennt. Ich sagte dem Täter, dass er abhauen soll und habe mich um den Verletzten gekümmert. Danach habe ich die Polizei angerufen. Eigentlich kann ich nur den Messerstecher genauer beschreiben." Signalement: ca. 180-185 cm gross, schlank, sportliche Statur, schwarze/kurze Haare (Milimeterschnitt), beide Ohrläppchen gepearct, schwarzes T-Shirt, Militärhosen, Ausländertyp (Albaner), gebräunte Haut, sprach Solothurnerdialekt mit jugoslawischem Akzent." Im Verlauf der Ermittlungen fiel der Tatverdacht zunächst auf D.________. In dem gegen ihn wegen des fraglichen Vorfalls und weiterer Straftaten geführten Verfahren wurde er mehrfach befragt. In den ersten Einvernahmen gestand er, den ihm unbekannten A.________, mit dem er zuvor in eine handgreifliche Auseinandersetzung geraten sei, mit einem Messer verletzt zu haben. Er habe sich verteidigt und könne sich aufgrund seiner damaligen Verfassung (insbesondere Alkohol- und Drogeneinfluss sowie Schlafmanko und psychische Probleme) nicht allzu gut erinnern. In der vierten Einvernahme anlässlich einer Verhandlung vor dem Gerichtspräsidenten von Bern-Laupen am 18. Juni 2008 begann D.________ - nachdem die unmittelbar davor befragte C.________ nicht ihn, sondern den ebenfalls anwesenden X.________, der als Zeuge aufgeboten worden war, als Messerstecher identifiziert hatte - seine früheren Angaben abzuschwächen. Im Verlaufe der weiteren Einvernahmen relativierte D.________ seine früheren Aussagen weiter bzw. machte geltend, er könne sich nicht mehr erinnern. Mit Urteil des Amtsgerichts von Bucheggberg-Wasseramt vom 5./6. Juli 2010 wurde er schliesslich - angesichts der Aussagen von C.________ - in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" vom Vorhalt der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand freigesprochen. In der Folge wurde eine Strafuntersuchung gegen X.________ eröffnet.