Citation: 6B_213/2019 E. 4.4

4.4. Mit der Rüge, es sei unzulässig, von Allgemeinwissen auf sein eigenes Wissen zu schliessen, kann der Beschwerdeführer nichts für sich ableiten. Das Bundesgericht erachtete es schon in früheren Urteilen als zulässig, einer beschuldigten Person allgemein bekannte Tatsachen anzurechnen (vgl. etwa Urteile 6B_675/2018 vom 26. Oktober 2018 E. 2.4.2 und 6B_260/2012 vom 19. November 2012 E. 2.4). Ohnedem ist der Einwand des Beschwerdeführers vorliegend nicht stichhaltig. Er sagte an der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 21. Dezember 2015, mithin einen Tag nach der Tat selber aus, dass eine Person schwer verletzt werden oder noch etwas Schlimmeres passieren könne, wenn man diese in Richtung eines fahrenden Zuges stosse. Mit "noch etwas Schlimmeres" erklärte er auf Nachfrage ausdrücklich, diese Person könne ihr Leben verlieren (kant. Akten, act. 3/1, S. 13). Später im Verfahren führte der Beschwerdeführer vor erster Instanz auf entsprechende Frage ausserdem aus, eine Person könne schwer verletzt werden, wenn sie in den Gleisschacht fällt und von einem Zug erfasst wird (kant. Akten, act. 30, S. 15). Zwar betreffen diese Aussagen abstraktes Wissen und der Beschwerdeführer bestätigte erst im Nachhinein der Tat, dass er darüber verfügt. Dafür, dass er entgegen den willkürfreien Feststellungen der Vorinstanz zum Tatzeitpunkt nicht über die konkrete Todesgefahr seines Stosses in Richtung des fahrenden Zuges wusste, bestehen jedoch keine objektiven Anhaltspunkte. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der von der Vorinstanz erkannten und nachstehend weiter beschriebenen Wucht des Stosses. Demzufolge ist das Wissenselement des Eventualvorsatzes rechtsgenüglich nachgewiesen und die betreffende Feststellung der Vorinstanz (vgl. E. 4.2 hiervor) nicht zu beanstanden. Indem der Beschwerdeführer mit Bezug auf die Willensseite des Eventualvorsatzes argumentiert, er habe lediglich gewollt, dass die Beschwerdegegnerin 2 von ihm ablasse, entfernt er sich, ohne Willkür (Art. 9 BV) darzutun, vom für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhalt der Vorinstanz (Art. 105 Abs. 1 BGG). Laut diesem wollte er einen Zusammenstoss der Beschwerdegegnerin 2, welche er nicht etwa bloss beiseite schubste, sondern heftig in Richtung des Zuges stiess, mit dem fahrenden Zug herbeiführen (vgl. E. 4.2 hiervor). Insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Eine andere Frage ist, ob der Wille des Beschwerdeführers auch auf die mögliche Todesfolge gerichtet war. Seine diesbezügliche Kritik, wonach die Vorinstanz keine hohe Wahrscheinlichkeit tödlicher Folgen belegt habe, verfängt unabhängig des tatsächlichen Ausmasses einer solchen nicht. Im Sinne der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist für Schlussfolgerung von Wissen auf die Inkaufnahme als voluntatives Element nicht erforderlich, dass der Erfolg, vorliegend der Tod der Beschwerdegegnerin 2, sehr wahrscheinlich war. Die Möglichkeit reicht aus, sofern weitere Umstände vorliegen, wie etwa dass der Täter das ihm bekannte Risiko nicht kalkulieren und dosieren kann und das Opfer keine Abwehrchancen hat. Dies ist vorliegend der Fall. Der Todeseintritt war zweifelsohne möglich. Aus rechtsmedizinischer Sicht bestand eine konkrete, akute Lebensgefahr durch Verbluten und ohne medizinische Intervention hätte die Beschwerdegegnerin 2 sterben können (vgl. kant. Akten, act. 8/7, S. 7). Die Vorinstanz zeigt mit Verweis auf die Videoaufzeichnungen sodann überzeugend auf, wie der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 mit derart grosser Wucht in Richtung des in geringer Distanz fahrenden Zuges stiess, dass sie unaufhaltbar gegen diesen schlitterte und seitlich, somit in Ausrichtung des Gleisschachts, mit dem Zug kollidierte. Aus den Videoaufzeichnungen ergibt sich offensichtlich und über die vorinstanzlichen Erwägungen hinaus (Art. 105 Abs. 2 BGG), dass der Beschwerdeführer nicht lediglich in Richtung des fahrenden Zuges schreitend, sondern zusätzlich mit Unterstützung seines nach vorne beugenden Oberkörpers, seiner beiden Arme und seinem anfangs noch an der hinter ihm befindlichen Wand platzierten linken Fuss die Beschwerdegegnerin 2 in Richtung des fahrenden Zuges beförderte. Nach der Tat schritt er sogleich zurück und wieder vom Gleisschacht weg (vgl. kant. Akten, act. 2/4). Der Beschwerdeführer kalkulierte und dosierte seinen Krafteinsatz damit gerade nicht und die ihm auffallend beeinträchtigte Beschwerdegegnerin 2 hatte offensichtlich keine Abwehrchance. Es ist deshalb folgerichtig, wenn die Vorinstanz im Rahmen ihrer Strafzumessung ergänzend erachtet, es sei einzig und allein dem Zufall zu verdanken, dass die Folgen des heftigen Stosses für die Beschwerdegegnerin 2 nicht noch schlimmer ausgefallen seien und sie den Sturz in den Gleisschacht bei fahrendem Zug überlebt habe (vgl. angefochtenes Urteil, E. V. 3.1.3 S. 45 und E. V. 4.1 S. 47). Die Schlussfolgerung der Vorinstanz auf Eventualvorsatz ist aufgrund ihrer Bewertung der Umstände, welche das Bundesgericht nur zurückhaltend überprüft und insbesondere unter Berücksichtigung der Art der Tathandlung nicht zu beanstanden. Der Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung hält folglich vor Bundesrecht stand.