Citation: 8C_3/2019 E. 5.2

5.2. Die Vorinstanz würdigte die ärztlichen Feststellungen anhand der Indikatoren nach BGE 141 V 281, wobei die Versicherte bislang nicht begutachtet wurde. Abgesehen vom RAD-Untersuchungsbericht vom 27. Juni 2016, der vor den beiden Grundsatzurteilen BGE 143 V 409 und 143 V 418 datiert und sich demnach noch nicht mit den seither in der Regel bei allen psychischen Beschwerden zu beachtenden Standardindikatoren befasste, liegen zahlreiche Berichte der ambulant und stationär behandelnden Ärzte vor. Die Einschätzungen dieser psychiatrischen Fachpersonen stimmen mit derjenigen des dipl. med. D.________ insoweit überein, als diese von einer mindestens um 50 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten ausgingen (vgl. namentlich die Berichte des med. pract. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. Oktober 2014 und 29. Oktober 2015 sowie der Frau med. pract. F.________, Klinik G.________, vom 26. Februar und 18. März 2016). Dipl. med. D.________ stellte gestützt auf eine Überprüfung der funktionellen Leistungsfähigkeit in Anlehnung an das Mini-ICF-APP (Ratings für Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigungen bei psychischen Erkrankungen) insbesondere mittlere Einschränkungen bei der Durchhalte- und Anpassungsfähigkeit, bei der Weggehfähigkeit und bei ausserberuflichen und beruflichen Aktivitäten fest. Angesichts dieser funktionellen Einbussen, die laut dipl. med. D.________ die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit um 50 % einschränkten, und des Umstands, dass gemäss seiner Einschätzung die verschiedenen ambulanten sowie stationären Behandlungen nicht zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden geführt hätten, sondern vielmehr zusätzlich ein sozialer Rückzug und ein Vermeidungsverhalten eingetreten seien, kann der vorinstanzlichen Beurteilung nicht gefolgt werden. Sie lässt sich mit BGE 143 V 409 und 418 nicht vereinbaren, liegt doch eine rechtliche Indikatorenprüfung vor, die auf keiner ausreichenden medizinischen Grundlage basiert. Die medizinischen Dokumente erlauben hier keine zuverlässige Einschätzung des verbliebenen Leistungsvermögens in einer leidensangepassten Beschäftigung anhand der rechtserheblichen Indikatoren, zumal dipl. med. D.________ mittlere Einschränkungen auch bei beruflichen Aktivitäten feststellte und die Vorinstanz nicht überzeugend darlegte, weshalb sie dementgegen keine bedeutenden funktionellen Beeinträchtigungen mit Blick auf die Arbeitsfähigkeit annahm. Es kann daher einerseits nicht ohne Weiteres von einer gänzlich fehlenden invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit über den gesamten zur Beurteilung stehenden Zeitraum ausgegangen werden. Andererseits ist gestützt auf die vorhandenen Unterlagen eine Leistungszusprache ebenso wenig möglich. Es fehlt eine vertiefte Auseinandersetzung ärztlicherseits mit den gemäss BGE 143 V 409 und 418 massgeblichen Gesichtspunkten, nachdem auch der Bericht des RAD eher knapp ausgefallen ist. Der angefochtene Entscheid ist daher aufzuheben und die Sache antragsgemäss an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht unter Berücksichtigung der Grundsätze von BGE 141 V 281 und der neuen Rechtsprechung gemäss BGE 143 V 409 sowie 418 gutachterlich kläre und in der Folge über den Rentenanspruch neu verfüge.