Citation: 6B_57/2024 E. 1.2.2

1.2.2. Die Vorinstanz fasst die Aussagen und das Aussageverhalten des Beschwerdegegners wie folgt zusammen: Der Beschwerdegegner habe am 7. Januar 2019 um ca. 20.20 Uhr, mithin weniger als sechs Stunden nach dem Ereignis sowie unmittelbar nach der Notoperation und wohl noch unter dem Einfluss der Narkose, gegenüber dem Polizisten H.________ gesagt, E.B.________ habe ihm die Verletzungen zugefügt und der Beschwerdeführer habe ihn gehalten (Urteil E. II. Ziff. 22 S. 26 mit Verweis auf die kantonalen Akten, pagina 0392). Anlässlich der ersten Einvernahme vom 9. Januar 2019 im Spital habe der Beschwerdegegner zu Beginn die Mehrzahl verwendet: Sie hätten ihn umbringen wollen. Hernach habe er geschildert, wie er in seinem neuen Geschäft gewesen sei und E.B.________ ihn dort aufgesucht habe. Er (Beschwerdegegner) habe jedoch nicht mit diesem sprechen wollen. Er habe seinen Sohn angerufen und angewiesen, die Polizei zu rufen sowie herzukommen. Danach sei F.B.________ dazu gestossen. Er selbst sei zu seinem Auto gerannt und schon mit einem Bein im Auto gewesen, als der Beschwerdeführer dazu bzw. angerannt gekommen sei. E.B.________ habe ihn (Beschwerdegegner) am Arm gehalten und ihm einen (ersten) Stich versetzt. Als er sich umgedreht habe, habe er auf der Seite einen Messerstich in den Bauch gekriegt. Der Vater von E.B.________ (F.B.________) habe gesagt: "bringt ihn um", dann hätten sie noch zweimal zugestochen. Noch am Boden liegend, habe er seinen Sohn angerufen und ihm gesagt, er sei verletzt. Der Beschwerdeführer habe ihn festgehalten, E.B.________ habe zugestochen und der Vater (F.B.________) habe die Autotüre gehalten und gesagt, er (Beschwerdegegner) solle umgebracht werden. Das Messer habe er nicht gesehen. Er schliesse aus den Verletzungen, dass ein solches verwendet worden sei (Urteil E. II. Ziff. 22 S. 26). Die Vorinstanz folgert, die Aussagen des Beschwerdegegners anlässlich der ersten Einvernahme seien in sich stimmig und würden u.a. durch die ausgewerteten Mobiltelefondaten - es wurden um 14.45 Uhr und 14.50 Uhr zwei Gespräche mit seinem Sohn I.D.________ registriert (vgl. Urteil E. II. Ziff. 18 S. 24) - bestätigt. Aufgrund der Videoaufzeichnungen im Restaurant J.________ werde klar, dass F.B.________ - auch dies in Übereinstimmung mit den Aussagen des Beschwerdegegners - nach E.B.________ am Tatort aufgetaucht sei. Im Weiteren habe der Beschwerdegegner einen Teil des Gespräches mit E.B.________ am Tatort aufgezeichnet. Diese Aufnahme bestätige, dass E.B.________ den Beschwerdegegner aufgesucht und Letzterer diesem mitgeteilt habe, er solle verschwinden, er habe nichts mit ihm zu besprechen. Der Beschwerdegegner habe hinsichtlich der verschiedenen Handlungen des Vaters und der beiden Söhne B.________ differenzierte Aussagen gemacht. Obschon er offensichtliche Erschöpfungserscheinungen gezeigt habe, seien seine Aussagen klar gewesen. Er habe die Tatbeiträge des Beschwerdeführers sowie jene von E.B.________ und F.B.________ eindrücklich zu- bzw. eingeordnet. Trotz der verständlichen Aufregung bzw. Frustration aufgrund der vielen, sich häufig wiederholenden und sehr detaillierten Fragen, die er nur kurze Zeit nach der Auseinandersetzung sowie Notoperation habe beantworten müssen, habe er nicht aggraviert. So schone er den Beschwerdeführer, wenn er sage, dieser habe ihn lediglich gehalten. Zudem habe er ausgeführt, er habe den Stich in die Seite zunächst nicht gespürt und erst bemerkt, als die Sanitäter seine Kleidung aufgeschnitten hätten. Es sei nicht anzunehmen, dass er - kaum aus der Narkose erwacht - im Spital zu Unrecht sagen würde, E.B.________ habe ihn gestochen und der Beschwerdeführer habe ihn gehalten (Urteil E. II. Ziff. 22 S. 26-29). Die Vorinstanz stellt weiter fest, anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 1. April 2019 habe der Beschwerdegegner seine bisherigen Aussagen grossmehrheitlich bestätigt. Insbesondere habe er unverändert geschildert, wie der Beschwerdeführer "ausser Halten" nichts gemacht habe. Allerdings wolle er nun das Messer gesehen und eine Klingenlänge von ca. 10 cm festgestellt haben. Neu sei ebenso, dass der Beschwerdegegner erwähne, sich mit Schlägen verteidigt zu haben. An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung habe er neu zu Protokoll gegeben, er glaube sich daran zu erinnern, dass das von E.B.________ verwendete Messer braun gewesen sei. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, in einer Gesamtschau seien die Aussagen des Beschwerdegegners als glaubhaft zu werten. Die vorgängig genannten Widersprüche seien erst anlässlich der später erfolgten Einvernahmen aufgekommen. Der Beschwerdegegner habe den Geschehensablauf für sich selbst rekonstruieren wollen, um Antworten zu finden und Schlüsse aus den Akten bzw. den verfügbaren Informationen zu ziehen. Hinsichtlich der Rollenverteilung seien seine Aussagen indessen gleich geblieben (Urteil E. II. Ziff. 22 S. 28 f.).