Citation: 6B_1250/2013 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer habe um die lebensgefährliche Wirkung seines Vorgehens bzw. die Gefahr des Todes gewusst (Urteil E. 4 d/cc S. 38), woraus jedoch nicht auf versuchte Tötung geschlossen werden dürfe. Denn auch der Tatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB setze eine lebensgefährliche Verletzung voraus. Zudem bestehe das Wissen um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung auch beim bewusst fahrlässig Handelnden, weshalb die Unterscheidung auf der Wollensseite erfolge (Urteil E. 3 e/ff und gg S. 21 f.; BGE 130 IV 58 E. 8.4). Es müssten weitere Umstände vorhanden sein, um einen Eventualvorsatz auf Tötung anzunehmen, die jedoch aufgrund des Tatbestandsmerkmals der lebensgefährlichen Verletzung nicht ohne weiteres in der Gewaltbereitschaft des Beschwerdeführers erblickt werden könnten. Allerdings würde es den Bogen überspannen, wenn zusätzlich noch weitere Umstände im Sinn von Fakten bezüglich der Tat oder des Täters bewiesen werden müssten, denn es liege in der Natur der Sache, dass es in "solchen Fällen" an zusätzlichen Elementen wie der Verwendung von Waffen oder gefährlichen Werkzeugen ebenso fehle wie an erkennbaren Beweggründen (Urteil E. 4 d/aa S. 36 f.). Der Beschwerdeführer - so die Vorinstanz - habe aufgrund der verhältnismässig grossen Anzahl und der ärztlich bestätigten äussersten Heftigkeit der auf den wohl empfindlichsten Körperbereich gerichteten Tritte, gegen deren Wirkung sich der Beschwerdegegner 2 nur beschränkt habe wehren können, eine nahe Lebensgefahr geschaffen. Unabhängig davon, ob es dem Beschwerdeführer vor oder während der Tat in den Sinn gekommen sei, er könne den Beschwerdegegner 2 töten, habe sich ihm ein möglicher Todeseintritt aufgrund der Tritte gegen den Oberkörper und den Kopf des Beschwerdegegners 2 während des Angriffs als so wahrscheinlich aufdrängen müssen, dass sein Verhalten nur als Inkaufnahme des Tods ausgelegt werden könne. Daran ändere nichts, dass er keinen direkten Tötungsvorsatz hatte und es an einem erkennbaren Beweggrund für eine Tötung fehlt. Eine eventuelle innere Einstellung, den Tod des Opfers nicht zu wollen, habe nur in einer derart vagen Hoffnung bestehen können, die kein Vertrauen im Sinne bewusster Fahrlässigkeit darstellen könne. Der Beschwerdeführer habe den Ausgang vernünftigerweise gar nicht in der Weise beeinflussen können, dass "nur" eine einfache oder schwere Körperverletzung resultieren werde. Dass es dem Beschwerdegegner 2 über weite Strecken gelungen sei, den Kopf mit den Armen zu schützen, ändere an der geschaffenen Lebensgefahr nur wenig. Der Beschwerdeführer habe keinen Einfluss darauf gehabt und auch nicht einschätzen können, wie effizient sich der Beschwerdegegner 2 zu schützen vermochte. Auch könnten die bei Fusstritten gegen den Kopf entstehenden Beschleunigungswerte durch Abwehrhaltung nur teilweise verhindert werden (Urteil E. 4 d/oo S. 45). Es könne als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass trotz lebensgefährlicher oder tödlicher Verletzungen innerer Organe äussere Verletzungen vollständig fehlen könnten und damit auch nicht erkennbar seien, weshalb gleichgültig sei, dass der Beschwerdegegner 2 keine augenscheinlichen Verletzungen aufgewiesen habe. Der Beschwerdeführer habe bei seiner hochgradig brutalen Gewalttat mit einer gedankenlosen, dumpfen Misshandlungs- und Verletzungsabsicht gehandelt. Auch dass er (und die anderen) den Beschwerdegegner 2, von dem sie nicht haben wissen können, ob er bewusstlos gewesen sei und medizinischer Hilfe bedurft habe, liegen liessen, spreche für einen eventualvorsätzlichen Tötungsversuch.