Citation: I 343/04 03.12.2004 E. 2

2.1 Im vorliegenden Fall stellen die medizinischen Vorkehren eindeutig eine Behandlung des Leidens an sich dar. Über eine damit allenfalls erreichbare Stabilisierung des Leidens lässt sich keine zuverlässige Prognose stellen. Gemäss Bericht der dipl. Ärztin S.________ vom 11. Juli 2002 leidet die Versicherte seit mehreren Jahren an einer schweren depressiven Entwicklung schwankender Intensität mit familiärer Vorbelastung endogener psychischer Störungen. Nach Frau Dr. med. G.________ trat im Herbst 2001 nach der Diagnose einer operationsbedürftigen Skoliose eine Exazerbation und psychische Dekompensation ein mit massiven Ängsten und Depression bis zur Suizidalität (Bericht vom 1. März 2002). Für die Hausärztin bestanden zum damaligen Zeitpunkt indessen keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische Erkrankung, welche eine Dauerbehandlung erforderlich machen würde (vgl. Bericht vom 13. Juni 2002). Die behandelnde Psychotherapeutin ging dagegen aufgrund der Vorgeschichte von einer langen Therapiedauer aus (Bericht vom 11. Juli 2002). Von August 2001 bis Januar 2002 und von Mai bis Dezember 2002 erfolgte eine ambulante psychotherapeutische Behandlung in der Klinik X.________ Vom 2. Dezember 2002 bis 29. Januar 2003 und ab 11. April 2003 wurde die Behandlung stationär durchgeführt, wobei wegen der Zuspitzung der posttraumatischen Symptomatik im Sommer 2003 die vorübergehende Verlegung in die geschlossene Abteilung notwendig wurde. Die Diagnose lautete gemäss Bericht vom 9. September 2003 auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und schwere depressive Störung ohne psychotische Symptome (ICD 10: F32.2). Wegen akustischen Halluzinationen, Insuffizienz- und Schuldgefühlen sowie Aggressionshemmung verbunden mit einer hohen Anspannung wurde die Diagnose ab November 2003 auf eine schwere depressive Störung mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3) abgeändert. Wie dem Schreiben der Klinik X.________ an den Vertrauensarzt der Concordia vom 16. Dezember 2003 zu entnehmen ist, haben sich die akustischen Halluzinationen in der Folge zurückgebildet, doch tauchte die Erinnerung an die im Herbst 2001 durchlebte traumatische Erfahrung immer wieder auf und löste Suizidgedanken aus. Den Gesundheitszustand bezeichneten die Ärzte als besserungsfähig, während sie die Frage der IV-Stelle, ob durch medizinische Massnahmen die Möglichkeit einer späteren Eingliederung ins Erwerbsleben wesentlich verbessert werden könne verneinten. Nach der Entlassung aus der Klinik am 27. Februar 2004 führten am 13. März 2004, trotz weiterer Behandlung, nach dem Versuch, den Schulbesuch in einem Internat aufzunehmen, Suizidgedanken und Angstzustände mit akustischen Halluzinationen erneut zum Klinikeintritt. Der Gesundheitszustand konnte in der Folge wieder stabilisiert werden. Prognostisch wurde der Zustand jedoch als labil eingestuft. Mit Rückfällen selbst bei verminderten Anforderungen muss nach den Ausführungen der Ärzte im Bericht an den Vertrauensarzt der Concordia vom 14. April 2004 gerechnet werden. Im Bericht an die IV-Stelle vom 15. April 2004 gingen die Mediziner der Klinik X.________ davon aus, dass eine langjährige psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung notwendig sein werde. 2.2 Aus dem bisherigen Krankheitsverlauf und der ärztlichen Prognose ist zu schliessen, dass die Versicherte an einem Gesundheitsschaden leidet, der auf unbestimmte Zeit der ärztlichen Behandlung bedarf, wobei die Art der durchzuführenden Massnahmen vom weiteren Verlauf der Krankheit abhängt. Zwar wurden in der Behandlung Fortschritte verzeichnet. Diese konnten in der Folge jedoch nur dank psychotherapeutischen und medikamentösen Massnahmen einigermassen im Gleichgewicht gehalten werden. Während die Klinikärzte im Bericht vom 16. Dezember 2003 noch von einer Behandlungsdauer von mindestens drei Monaten ausgingen, revidierten sie diese Auffassung im Bericht vom April 2004, indem sie nunmehr eine langjährige Behandlungsdauer eines weiterhin labilen Gesundheitszustandes prognostizierten. Damit fehlt es bei der medizinischen Massnahme jedoch am von Art. 12 Abs. 1 IVG geforderten überwiegenden Eingliederungscharakter. Zwar fällt bei Minderjährigen die Übernahme von Psychotherapie als medizinische Massnahme nicht schon deshalb ausser Betracht, weil es um die Fortsetzung einer bereits mehrere Jahre andauernden Behandlung geht oder weil die psychischen Beschwerden schon seit längerem bestehen (Urteil M. vom 6. Mai 2003, I 16/03). Der bisherige Krankheitsverlauf lässt aber durchaus Schlüsse auf den zu erwartenden Behandlungserfolg und die zu stellende Prognose zu, weshalb er nicht unbeachtet bleiben kann. Mit Bezug auf die Versicherte fällt in diesem Zusammenhang ins Gewicht, dass nicht erst seit dem schweren traumatischen Erlebnis im Jahre 2001 psychische Probleme bestehen, sondern bei ihr bereits im Jahre 1996 die Diagnose einer schweren depressiven Entwicklung gestellt wurde. Die posttraumatische Belastungsstörung hat sich somit vor dem Hintergrund einer vorbestandenen depressiven Symptomatik entwickelt. Selbst wenn die posttraumatische Belastungsstörung gemäss den Ausführungen der Concordia nach medizinischer Beurteilung behandlungsfähig und heilbar ist, muss das Krankheitsbild als ganzes betrachtet und auch die schwere depressive Störung in die Beurteilung miteinbezogen werden. Die Eingliederungswirksamkeit der medizinischen Massnahme ist auch bei Jugendlichen zu verneinen, wenn ein auch auf längere Sicht labiles pathologisches Geschehen vorliegt und dem drohenden Defekt somit in absehbarer Zeit nicht eingliederungswirksam vorgebeugt werden kann. Daran ändert nichts, dass die medizinische Behandlung auch der Ausbildung zugute kommt, indem gleichzeitig mit den medizinischen Massnahmen Schritte im Hinblick auf eine schulische Wiedereingliederung unternommen werden können. Insbesondere kann aus diesem Umstand nicht auf eine zeitlich begrenzte Dauer der medizinischen Vorkehr geschlossen werden. Selbst wenn keine stationäre Behandlung mehr notwendig sein dürfte, wird die Versicherte aufgrund der Ausführungen der Ärzte der Klinik X.________ im Bericht an die IV-Stelle vom 15. April 2004 weiterhin auf eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung angewiesen sein. Während die Klinikärzte in diesem Bericht festhielten, an der bisherigen Diagnosestellung habe sich nichts geändert, erwähnten sie im Bericht an den Vertrauensarzt der Concordia vom 14. April 2004 einen Status nach paranoider Depression (IDC-10: F32.2), eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und eine akute Belastungsreaktion (ICD-10: F43.0). Daraus kann indessen nicht geschlossen werden, die schwere depressive Störung mit psychotischen Symptomen sei als geheilt zu betrachten, wurde doch die Versicherte am 13. März 2004 erneut wegen Suizidgedanken, Angstzuständen und akustischen Halluzinationen in die Klinik eingewiesen.