Citation: 9C_50/2023 E. 5.3

5.3. Die Versicherte verneinte im Gesundheitsfragebogen vom 22. April 2015 nicht nur die Frage 10c, sondern auch die Frage 9a ("Wurden Sie in den letzten 5 Jahren wegen gesundheitlicher Probleme/Störungen beraten, untersucht oder behandelt? [z.B. durch einen Arzt, Psychiater, Psychologen, Chiropraktiker, oder andere]). Gleichzeitig bejahte sie die Frage 8 ("Waren Sie in den letzten 5 Jahren jemals länger als 4 Wochen ohne Unterbruch ganz oder teilweise arbeitsunfähig?"), wobei sie anmerkte, im Jahre 2012 für circa zwei Monate von ihrem Hausarzt wegen "Überarbeitung" als zu 50 % arbeitsunfähig qualifiziert worden zu sein. Aus diesem Antwortverhalten ergibt sich klar, dass die Versicherte die in der Vergangenheit verschiedentlich aufgetretenen Überarbeitungssituationen nicht verschweigen wollte, sondern diese nicht als gesundheitliches Problem/Störung im Sinne der ihr gestellten Fragen erkannte. Dass die Beschwerdeführerin die ihr vorgelegten Fragen missverstanden hat, hätte die Beschwerdegegnerin bei einer aufmerksamen und sorgfältigen Prüfung der Antworten auffallen müssen. Entsprechend wäre die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, die Beschwerdeführerin auf dieses Missverständnis aufmerksam zu machen und um Klärung des Sachverhaltes zu bitten. Indem sie dies unterliess, hat sie ihr Recht, sich im Schadenfall in gutem Glauben auf eine Anzeigepflichtverletzung berufen zu können, verwirkt (vgl. auch Urteil 4A_376/2014 vom 27. April 2015 E. 2.4.1).