Citation: 2C_891/2022 E. 6.3

6.3. Die Aufenthaltsregelung für Personen, die keine Erwerbstätigkeit ausüben (Art. 24 Anhang I FZA), ist der Richtlinie 90/364/EWG des Rates vom 28. Juni 1990 über das Aufenthaltsrecht (ABl. L 180 vom 13. Juli 1990 S. 26) nachgebildet (vgl. auch BGE 142 II 35 E. 5.1; 135 II 265 E. 3.3). Der Zweck der ökonomischen Aufenthaltsvoraussetzungen von Art. 24 Abs. 1 Anhang I FZA liegt darin, zu vermeiden, dass die öffentlichen Finanzen des Aufnahmestaates über Gebühr belastet werden ("indûment"; vgl. BGE 142 II 35 E. 5.1; 135 II 265 E. 3.4; sowie die Urteile 2C_975/2022 vom 20. April 2023 E. 7.2; 2C_52/2014 vom 23. Oktober 2014 E. 4.3; vgl. auch die Urteile des EuGH vom 23. März 2006 C-408/03 Kommission gegen Belgien, Randnr. 37; vom 20. September 2001 C-184/99 Grzelczyk, Randnr. 44; beide unter Bezugnahme auf die entsprechende Formulierung in der Präambel der Richtlinie 90/364/EWG). Ob die Person die erforderlichen finanziellen Mittel selbst verdient oder sie ihr von einem Dritten verschafft werden, spielt rechtsprechungsgemäss keine Rolle (BGE 144 II 113 E. 4.1 und 4.3; 142 II 35 E. 5.1; 135 II 265 E. 3.3; jeweils mit Hinweisen auf die Rechtsprechung des EuGH; Urteile 2C_975/2022 vom 20. April 2023 E. 7.2; 2C_121/2022 vom 24. November 2021 E. 4.1), solange diese Mittel tatsächlich verfügbar sind und glaubhaft ist, dass sie - auch längerfristig (vgl. ZÜND/HUGI YAR, Staatliche Leistungen und Aufenthaltsbeendigung unter dem FZA, in: Personenfreizügigkeit und Zugang zu staatlichen Leistungen, 2015, S. 204) - ausgerichtet werden (vgl. BGE 135 II 265 E. 3.4; Urteile 2C_975/2022 vom 20. April 2023 E. 7.2 und 7.4; 2C_433/2021 vom 21. Oktober 2021 E. 5.4; je mit Hinweisen). Die Behörden dürfen dabei einen geeigneten Nachweis über die Solvenz der Drittperson verlangen (vgl. insbesondere zu Fällen von verschuldeten Drittpersonen: 2C_433/2021 vom 21. Oktober 2021 E. 5.4; 2C_470/2014 vom 29. Januar 2015 E. 3.4). Schliesslich geht das Freizügigkeitsabkommen - unabhängig davon, ob es sich um Eigen- oder Drittmittel handelt - davon aus, dass stets ein latentes Risiko des Wegfalls ausreichender finanzieller Mittel besteht, weshalb das Aufenthaltsrecht ausdrücklich auch nur so lange besteht, als die Berechtigten die entsprechenden Bedingungen einhalten; diese Regelung erlaubt dem Aufenthaltsstaat während des gesamten Aufenthalts nachzuprüfen, ob die Bedingungen (noch) eingehalten werden (Art. 24 Abs. 8 Anhang I FZA; vgl. auch Art. 3 Richtlinie 90/364/EWG zur vormaligen Rechtslage in der EU; BGE 135 II 265 E. 3.3; Urteil 2C_52/2014 vom 23. Oktober 2014 E. 4.3).