Citation: 4A_348/2024 E. 2.6.2

2.6.2. Ganz wesentlich kommt aber ein anderer Punkt hinzu: Hätte die Beschwerdeführerin das Intermediary Agreement übernommen und wäre es nach ihrer Auffassung für sämtliche Leistungen massgebend, stünde zu erwarten, dass sie ihren Rechnungen die im Intermediary Agreement festgelegten Ansätze zugrundelegt. Zwar ist theoretisch denkbar, dass die Beschwerdeführerin während Diskussionen über eine mögliche Senkung des vertraglichen Provisionssatzes von 4.5 % im Gegenzug zu einer Verlängerung des Agenturvertrags eine Rechnung über einen Teilbetrag als Anzahlung erstellt. Es wäre aber unbedingt zu erwarten, dass sie dies auf der Rechnung deutlich zum Ausdruck bringt, um zu verhindern, dass die Rechnung als Annahme der tieferen Ansätze verstanden werden kann. In diesem Punkt ist die Erklärung der Beschwerdeführerin zwar nicht völlig ausgeschlossen, die Beschwerdeführerin zeigt aber nicht auf, woraus sich ergeben sollte, dass sie tatsächlich zutrifft. Damit erscheint sie äusserst unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher erscheint, dass die Beschwerdeführerin die tatsächlich vereinbarten Ansätze in Rechnung gestellt hat, woraus folgt, dass die im Intermediary Agreement genannten, sollten sie je gegolten haben, jedenfalls auch nach Ansicht der Beschwerdeführerin nicht mehr aktuell waren (soweit die Parteien konkludent auf den Formvorbehalt verzichtet haben sollten, wäre auch eine konkludente Anpassung der Provisionssätze denkbar). Damit erscheint wahrscheinlicher, dass die Beschwerdeführerin selbst die im Intermediary Agreement genannten Ansätze nicht (mehr) für verbindlich erachtete.