Citation: I 319/00 17.11.2000 E. 6

6.- Wie aus der geschilderten Aktenlage - unter Berücksichtigung des im Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahrens aufgelegten Schreibens der Frau Dr. med. F.________ vom 23. Mai 2000 nur, soweit die Arbeitsfähigkeit als Pfarrer im Verfügungszeitpunkt betreffend - hervorgeht, sind sich die beteiligten Ärzte bei unmassgebend voneinander abweichenden Diagnosen über den Gesundheitszustand des Versicherten weitgehend einig, sodass sich diesbezüglich, wie die Vorinstanz zutreffend darlegt, weitere Abklärungen erübrigen. Bezüglich der Frage, in welchem Ausmass und für welche Tätigkeitsbereiche eine Arbeitsunfähigkeit besteht, geben die Gutachten und Arztberichte jedoch kein klares Bild. Selbst wenn bezüglich Beweiswert mit dem kantonalen Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung getragen wird, dass Ärztinnen und Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen und aus diesem Grund die Berichte des Hausarztes Dr. med. N.________ und der behandelnden Psychiaterin Dr. med. F.________ schwächer gewichtet werden, bleiben noch entscheidende Divergenzen bezüglich Grad und Verwertungsmöglichkeit der Arbeitsfähigkeit in den von der IV-Stelle eingeholten Gutachten. Weder das psychiatrische noch das neurologische Gutachten vermögen diese Fragen schlüssig zu beantworten. Der Psychiater Dr. med. I.________ hält als einziger der beteiligten Fachpersonen eine Arbeitsfähigkeit von 50 % als Theologe oder in einer andern, dem Leiden angepassten Tätigkeit als zumutbar, rät jedoch gleichzeitig von jeglicher therapeutischen Tätigkeit ab. Unklar, für die Invaliditätsbemessung aber entscheidend, ist dabei, welche Tätigkeiten als Theologe er als zumutbar erachtet, ob insbesondere auch die früher ausgeübte Arbeit als Pfarrer in Frage kommt. Diesbezüglich ist zu beachten, dass die Seelsorge als eine der Haupttätigkeiten eines Pfarrers - wie Frau Dr. med. F.________ zu Recht ausführt - Berührungspunkte zu therapeutischer Arbeit aufweist. Der Neurologe Dr. med. O.________ führt demgegenüber aus, wahrscheinlich sei dem Versicherten zur Zeit in der Tätigkeit als Theologe auch eine zeitlich beschränkte Arbeit nicht zumutbar. Die nachfolgend geäusserten Bedenken beziehen sich dann auf den Pfarrerberuf, sodass fraglich ist, ob er nur die Tätigkeit als Pfarrer oder aber jegliche theologische Arbeit als unzumutbar erachtet. Angesichts der geschilderten Widersprüchlichkeit und Unbestimmtheit der medizinischen Berichte können die Auswirkungen des unbestrittenen Gesundheitsschadens auf die Erwerbsfähigkeit und somit der Invaliditätsgrad nicht zuverlässig beurteilt werden. Insbesondere muss nach Festlegung der Arbeitsfähigkeit geprüft werden, ob und in welchen Bereichen die dem Versicherten attestierte Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertet werden könnte. Die Akten sind daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit deren Berufsberatungsstelle die Arbeitsmöglichkeiten als Theologe näher abklärt. Sie hat zunächst den Gutachtern Dr. med. I.________ und Dr. med. O.________ unter Vorlage der verschiedenen Tätigkeitsbereiche eines Theologen die Frage der Arbeitsfähigkeit in den konkreten Berufsbildern zu unterbreiten und allenfalls, bei unüberbrückbarer Diskrepanz der Beurteilungen, ein Obergutachten einzuholen. Gestützt auf die Ergebnisse dieser Abklärungen wird über das Vorliegen einer anspruchsrelevanten Invalidität sowie über die Zusprechung einer Rente neu zu befinden sein. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen, die durch äussere Umstände wie Überforderung durch verschiedene Tätigkeiten (Ausbildung, Beruf o.ä.) oder durch zusätzliche Kinderbetreuung hervorgerufen werden, nicht invalidisierend sind. Müsste indessen die Belastung durch Hausarbeit und Kinderbetreuung bei der Festsetzung der Arbeitsfähigkeit mit berücksichtigt werden, wäre der Beschwerdeführer - wie dies die Vorinstanz ausführt - allenfalls nicht mehr als ganztägig, sondern bloss noch als teilzeitlich erwerbstätige Person zu qualifizieren, was die Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode zur Folge hätte.