Citation: 5A_86/2021 E. 3.2.2

3.2.2. Die Beschwerdeführerin hält daran fest, dass ihre Arbeiten als abgenommen gelten müssen und sie daher von sämtlichen Mangelhaftungsansprüchen des Beschwerdegegners befreit sei. Wie sie schon vor der Vorinstanz ausgeführt habe, sei mit der Anerkennung der Schlussrechnung durch den Bauleiter sowohl eine Abnahme als auch eine Genehmigung der Arbeiten erfolgt. Die Beschwerdeführerin bestreitet, die Erwägung des Bezirksgerichts, wonach die Abnahme nach Massgabe von Art. 161 Abs. 1 der SIA-Norm 118 zurückgestellt worden sei, im Berufungsverfahren nicht als unzutreffend gerügt zu haben. Sie habe ausführlich dargetan, dass anlässlich der vom Bauleiter bestätigten Abnahme keine wesentlichen Mängel besprochen oder gerügt wurden; mithin gelte auch die Schlussfolgerung der Rückstellung der Abnahme nach Art. 161 Abs. 1 der SIA-Norm 118 als bestritten. Die Beschwerdeführerin verweist auf ihre Berufungsschrift, der zufolge anlässlich der Abnahme durch den Bauleiter höchstens unklare, unwesentliche Mängel besprochen worden seien. All diese Ausführungen würden von der Vorinstanz willkürlich und zu Unrecht ignoriert. Die Vorwürfe laufen ins Leere. Laut dem angefochtenen Entscheid ging die Beschwerdeführerin nicht ansatzweise auf die erstinstanzlichen Erwägungen ein, wonach der (ästhetische) Mangel wesentlich sei, weil bewusst die höchste Qualitätsstufe bestellt wurde. Gegen diese Feststellung über den Prozesssachverhalt kommt die Beschwerdeführerin nicht auf. Hierzu genügt es nicht, auf die Berufungsschrift zu verweisen und der Vorinstanz Willkür vorzuwerfen (s. E. 2). Weiter rügt die Beschwerdeführerin Willkür in der Beweiswürdigung. Sie besteht darauf, dass der Gerichtsgutachter die Gipserarbeiten als "knapp genügend" eingestuft habe und sich selbst widerspreche, wenn er sie gleich danach als mangelhaft taxiere. Entgegen der Beschwerdeführerin kann allein daraus nicht gefolgert werden, dass sich der Gutachter zur Frage der Mangelhaftigkeit nicht hätte festlegen können. Dem angefochtenen Entscheid zufolge erklärte der Gutachter, die Weissputzarbeiten der Beschwerdeführerin entsprächen "nicht oder nur teilweise" dem vereinbarten Qualitätsstandard "Q4". Inwiefern die Arbeiten auch unter Anwendung dieses Qualitätsstandards als "knapp genügend" gelten müssen, tut die Beschwerdeführerin nicht dar. In der Folge klagt die Beschwerdeführerin, das Obergericht übergehe, dass sich der gerichtliche Experte von der Qualität ihrer Arbeiten gar nicht selbst habe überzeugen können, weil zum Zeitpunkt seines Augenscheins so gut wie keine Flächen mehr übrig gewesen seien, was die Klageantwort mit detaillierten Ausführungen zur Ersatzvornahme belege. Das gerichtliche Gutachten sei erst Jahre nach der erfolgten Ersatzvornahme, mithin zu spät erfolgt und stütze sich hauptsächlich auf die Parteigutachten, die als blosse Parteibehauptungen nicht zum Beweis taugen würden. Die vorinstanzliche Beurteilung, ihre Argumentation sei allzu weit von der allgemeinen Lebenserfahrung entfernt, tadelt sie als willkürlich. Dass ein Handwerker seine Arbeit nur auf einzelnen Flächen mangelhaft ausführe und gerade bei delikaten Ausführungsvarianten den bestellten Standard lediglich an vereinzelten Stellen verfehle, sei notorisch. Entsprechend dürfe ein Gutachter nicht von solchen Kleinflächen auf das Gesamtprojekt schliessen. Die Beschwerdeführerin gibt sich abermals damit zufrieden, dem angefochtenen Entscheid ihre eigene Beurteilung der Sach- und Rechtslage gegenüberzustellen. Allein damit ist nichts gewonnen. Im selben Zusammenhang bemängelt die Beschwerdeführerin, dass das Gutachten keine Mängelauflistung enthalte, sondern bloss pauschal feststelle, dass der Qualitätsstandard "Q4" nicht erreicht worden sei. Auch damit sei belegt, dass sich der Gutachter zu keinem Zeitpunkt aufgrund der eigenen Wahrnehmung eine Meinung bilden konnte. Die vorinstanzliche Erkenntnis, wonach die Bezeichnung der Mängel nicht im Gutachten, sondern in den prozesskonform aufgestellten Parteibehauptungen zu erfolgen habe, stellt die Beschwerdeführerin indessen nicht in Frage. Bloss zu behaupten, die vorinstanzliche Argumentation gehe fehl, genügt nicht. Unbehelflich ist auch der weitere Einwand der Beschwerdeführerin, sie habe in Randziffer 69 ihrer Berufung jedenfalls implizit behauptet, die genügend detaillierte Mängelrüge bereits vor erster Instanz bestritten zu haben; dies ergebe sich daraus, dass sie die Beweisbedürftigkeit der genügenden Mängelrüge angesprochen habe. Allein aus dem im Berufungsverfahren erhobenen Vorwurf, dass das Bezirksgericht das Vorliegen einer korrekten Mängelrüge nicht geprüft habe, folgt nicht zwingend auch die (implizite) Behauptung, eine hinreichend detaillierte Mängelrüge schon vor erster Instanz bestritten zu haben. Dass die Prüfung einer hinreichenden Mängelrüge vor erster Instanz (angeblich) unterblieb, könnte genauso gut darauf hindeuten, dass eine entsprechende Bestreitung in jenem Verfahren eben unterblieb. Entsprechend läuft auch der Vorwurf ins Leere, das Obergericht befasse sich nicht mit den Rechtsschriften. Im Zusammenhang mit ihrem Standpunkt, dass ihr allfällige Mängel wegen des Selbstverschuldens des Beschwerdegegners nicht anzulasten seien, verwahrt sich die Beschwerdeführerin dagegen, die erstinstanzliche Schlussfolgerung, wonach ihre Vorgehensweise laut Gutachter zur vertragsgemässen Erfüllung untauglich gewesen sei und die Frage des Selbstverschuldens daher offenbleiben könne, im Berufungsverfahren nicht angefochten zu haben. Sie verweist auf Randziffer 70 ihrer Berufungsschrift. Dort sei die Behauptung des Gutachters erwähnt, der zufolge die Bedingungen für das Erreichen des Qualitätsstandards "Q4" "von der Ausschreibung über das Verarbeiten bis zur Abnahme zu wenig beachtet worden seien". Damit habe der Gutachter die besagte Ausführung betreffend die Tauglichkeit ihrer Vorgehensweise "ergänzt", und diese Ergänzung beinhalte das Selbstverschulden des Beschwerdegegners. Auch damit vermag die Beschwerdeführerin nichts auszurichten. Wie sich aus der besagten Stelle in ihrer Berufungsschrift ergibt, fusst ihre Argumentation auf der Überlegung, dass die Ausschreibung "definitiv Sache der Bauherrschaft und nicht des Handwerkers" sei. Ob diese (angeblichen) Aussagen des Gutachters tatsächlich in diesem Sinne zu verstehen sind, erscheint fraglich, kann aber offenbleiben. Denn so oder anders sagt allein der Umstand, dass in der Berufung die erwähnten Aussagen des Gutachters zur Sprache kommen, nichts darüber aus, ob die Beschwerdeführerin die erstinstanzliche Würdigung der gutachterlichen Einschätzung ihrer Bemühungen um den Qualitätsstandard "Q4" vor der Vorinstanz auch selbst hinreichend bestritt. Die Beschwerde ist auch in dieser Hinsicht unbegründet. Schliesslich verweist die Beschwerdeführerin auf Randziffer 74 ihrer Berufung, wo sie geltend gemacht habe, dass die Notwendigkeit und Angemessenheit der Ersatzvornahmekosten nicht erstellt sei und die gegnerische Verrechnungsforderung auch daran scheitere. Dem Obergericht wirft sie vor, sich mit dieser Rüge "ohne Grundangabe nicht im Geringsten auseinandergesetzt" zu haben. Schon deswegen sei "der gesamte Entscheid aufzuheben". Der Vorwurf trifft nicht zu. Der angefochtene Entscheid äussert sich zu Randziffer 74 der Berufung. Die dortigen Erörterungen der Beschwerdeführerin münden in ihre Behauptung, der Experte gelange zum Schluss, dass das Werk ausgehend von den angeblichen Mängeln einen Minderwert von Fr. 5'359.90 (Gutachten) bzw. Fr. 6'800.-- (Befragung) aufweise, und in ihre Schlussfolgerung, Ersatzvornahmekosten im höheren fünfstelligen Bereich seien bei einem solch niedrigen Minderwert nicht gerechtfertigt. Das Obergericht widerspricht der Beschwerdeführerin und stellt klar, dass es sich bei den erwähnten Beträgen um den verbleibenden (endgültigen) Minderwert nach erfolgter Ersatzvornahme handelt. Mit dieser Erkenntnis setzt sich die Beschwerdeführerin nicht auseinander. Im Übrigen zeigt sie auch nicht auf, inwiefern sie nach Massgabe der vertraglichen Regeln berechtigt wäre, sich dem gegnerischen Anspruch auf Ersatz der Kosten für die Herbeiführung des mängelfreien Zustands mit dem Einwand zu widersetzen, der vom Beschwerdegegner veranlasste Aufwand sei nicht notwendig bzw. nicht angemessen gewesen, diesbezügliche Feststellungen die Vorinstanz mithin überhaupt erforderlich waren.