Citation: 6B_43/2024 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz bejaht das Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalles. Der im Urteilszeitpunkt 21-jährige Beschwerdegegner sei zwar nicht in der Schweiz geboren, lebe jedoch hier, seit er eineinhalb Jahre alt sei. Er könne daher ohne Weiteres als "Secondo" bezeichnet werden. Zwar habe die erste Instanz auf seine mangelnde bisherige berufliche und wirtschaftliche Integration hingewiesen. Zu berücksichtigen sei aber, dass er praktisch sein ganzes Leben, namentlich die besonders prägenden Kindheits- und Jugendjahre in der Schweiz verbracht und hier auch sämtliche obligatorischen Schulen durchlaufen habe. Insofern erstaune es auch nicht, dass er fliessend Schweizerdeutsch spreche und sein gesamtes persönliches Umfeld, namentlich auch seine Familie (Eltern und vier Geschwister) hier lebten. Zu seinem Heimatland Kosovo weise er hingegen keinen näheren Bezug auf und lebten dort auch keine eigentlichen Bezugspersonen. Aufgrund der starken Bindungen des Beschwerdegegners zur Schweiz sei daher klarerweise vom Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalles auszugehen. Bei der vorzunehmenden Interessenabwägung dürfe nicht unbeachtet bleiben, dass der Beschwerdegegner bei der Katalogtat der versuchten schweren Körperverletzung die Gefahr einer gravierenden Beeinträchtigung der körperlichen Integrität seines Opfers geschaffen habe. Zusätzlich belastend wirke, dass er die Tat während der mit dem jugendstrafrechtlichem Urteil vom 24. Februar 2020 festgesetzten Probezeit begangen und seine Delinquenz auch nach Einleitung des neuen Strafverfahrens mehrfach fortgesetzt habe. Gleichwohl sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdegegner sämtliche heute zu beurteilenden Delikte als junger Erwachsener in einem durch Alkoholkonsum getrübten Gemütszustand verübt habe, was praxisgemäss im Rahmen der Interessenabwägung mitzuberücksichtigen sei. Zudem sei ihm anzurechnen, dass er nicht nur Reue für die begangene Tat zeige, sondern inzwischen auch insoweit einsichtig sei, als er sich bereit erklärt habe, sein problematisches Trinkverhalten aufzugeben. Nach heutiger Aktenlage lasse sich das strafbare Verhalten des Beschwerdegegners demnach nicht auf einen notorischen Hang zur Straffälligkeit zurückführen, sondern müsse angenommen werden, dass die erstmalige Verurteilung zu einer empfindlichen Sanktion gemäss Erwachsenenstrafrecht ihn dazu bringen werde, sich künftig wohl zu verhalten. Daran ändere auch nichts, dass es dem Beschwerdegegner nach wie vor nicht gelungen sei, sich beruflich zu etablieren und diesbezüglich stabile Verhältnisse zu schaffen. Immerhin habe er per 1. Oktober 2023 im Unternehmen seines Vaters, der G.________ AG, eine Anstellung in einem 100 %-Pensum als Gipser/Maler gefunden und arbeite an seiner Unpünktlichkeit. Entsprechend bestehe die berechtigte Erwartung, dass er sich in Zukunft durchaus auch in die Arbeitswelt zu integrieren vermöge, was die Gefahr einer erneuten Delinquenz zusätzlich bannen werde. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz überwögen demnach die privaten Interessen des in der Schweiz aufgewachsenen und folgerichtig hier sozialisierten Beschwerdegegners am Verbleib im Land die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung. Die Voraussetzungen für ein ausnahmsweises Absehen von einer Landesverweisung nach Massgabe von Art. 66a Abs. 2 StGB seien erfüllt. Von selbst verstehe sich, dass bei einer erneuten Verurteilung der Spielraum verschwindend klein wäre, um die Ausnahmeregelung von Art. 66a Abs. 2 StGB nochmals zur Anwendung zu bringen.