Citation: 6B_43/2024 E. 4.4.2

4.4.2. Dem kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz lässt (u.a.) ausser Acht, dass das Urteil 6B_627/2018 zwar ebenfalls einen jungen Erwachsenen betroffen hat, der sich u.a. einer versuchten schweren Körperverletzung schuldig gemacht hatte. Dieser war indes - anders als der Beschwerdegegner - als nicht vorbestrafter Ersttäter in einen Konflikt mit einem Freund (vgl. unten E. 4.4.2.1) geraten und zwar - wiederum anders als der Beschwerdegegner - in einem Zustand deutlich verringerter Zurechnungsfähigkeit (vgl. unten E. 4.4.2.2). 4.4.2.1. Der Beschwerdegegner seinerseits war bereits mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Unterland vom 24. Februar 2020 (wegen harter Pornografie, Fahrens in fahrunfähigem Zustand, mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis, Fahrens ohne Haftpflichtversicherung, missbräuchlicher Verwendung von Ausweisen und/oder Kontrollschildern, vorsätzlicher einfacher Verletzung der Verkehrsregeln, pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall, mehrfacher Übertretung gegen das BetmG und Übertretung des Personenförderungsgesetzes) zu einer bedingt ausgefällten Freiheitsstrafe von 20 Tagen, bei einer Probezeit von 12 Monaten, unter Anrechnung der erstandenen Haft von 2 Tagen verurteilt worden. Damit war sein Leumund bei der Begehung der vorliegend zur Diskussion stehenden (Anlass-) Tat (en) nicht mehr ungetrübt, woran nichts ändert, dass die (nicht einschlägigen) und als Minderjähriger begangenen Taten nicht gleich (schwer) ins Gewicht fallen, wie wenn er diese als (junger) Erwachsener verübt hätte (vgl. Urteile 6B_1234/2023 vom 11. Juli 2024 E. 3.8.1 m.w.H. und 6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.5.3). Als ihn zusätzlich "belastend" erwähnt die Vorinstanz zwar, dass der Beschwerdegegner die vorliegende Anlasstat während der mit dem Urteil vom 24. Februar 2020 angesetzten Probezeit begangen und er seine Delinquenz auch nach Einleitung des neuen Strafverfahrens mehrfach fortgesetzt hat. Damit hat es indes sein Bewenden (vgl. angefochtenes Urteil S. 22). Eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Faktum einer Vorstrafe und der neuerlichen Delinquenz nimmt die Vorinstanz nicht vor (vgl. zu letzterem Urteile 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.5.3 mit Hinweis auf 6B_149/2021 vom 3. Februar 2022 E. 2.3.2; vgl. auch 7B_278/2022 vom 15. Dezember 2023 E. 2.5). Dabei lässt sie insbesondere unberücksichtigt, welcher Sachverhalte bzw. (z.T. einschlägiger) Straftaten sich der Beschwerdegegner im Nachgang an die am 20. August 2020 begangene (Anlass-) Tat erneut schuldig gemacht hat. So hat er einem Sicherheitsangestellten, der von Passanten darauf aufmerksam gemacht worden war, dass er seine Freundin stiess und ohrfeigte, gedroht, ihn "aufzuschlitzen" und wollte sich alsdann durch Flucht einer Arretierung durch die herbeigerufene Polizei entziehen (Vorfall vom November 2020). Nur rund einen Monat später (Vorfall vom 26. Dezember 2020) schlug er (wiederum) einer ihm unbekannten, offensichtlich stark betrunkenen Person nach gegenseitigen visuellen und verbalen Provokationen zweimal mit der Faust derart heftig ins Gesicht, dass diese zu Boden stürzte. Zwar erkennt die Vorinstanz zu seinen Gunsten, dass es das Opfer gewesen war, das zunächst und erfolglos versucht hatte, den Beschwerdegegner zu schlagen, weshalb es ihm eine "reflexartige Notwehrhandlung" zubilligt. Damit einhergehend geht sie aber davon aus, dass der Beschwerdegegner die starke Angetrunkenheit seines nachmaligen Opfers, das sich gemäss seinen eigenen Aussagen hätte beherrschen müssen, um nicht "von alleine" umzufallen, erkannt hatte und würdigt (auch) dieses Verhalten als "massiv überschiessenden Gewaltausbruch" (angefochtenes Urteil S. 14). Unberücksichtigt lässt die Vorinstanz in der Folge auch den Umstand, dass sich der Gewaltexzess des Beschwerdegegners vom 8. August 2020 (und auch jener vom 26. Dezember 2020) im Gegensatz zum von ihr erwähnten Urteil 6B_627/2018 gegen unbekannte Zufallsopfer richtete; ebenso, dass der Beschwerdegegner sich weder durch die mit Urteil vom 24. Februar 2020 (gestützt auf das Jugendstrafrecht) bedingt ausgefällte Freiheitsstrafe, noch durch zwei Tage ausgestandene Haft oder aber die laufende Probezeit vor der Begehung einer weiteren, massiveren Straftat und alsdann auch nicht durch die Einleitung eines neuerlichen Strafverfahrens vor weiterer und z.T. einschlägiger Delinquenz abhalten liess. Zusammenfassend ergibt sich, dass sich die vom bereits vorbestraften Beschwerdegegner begangene - und von der Vorinstanz zu recht als "brachialer Gewaltakt" qualifizierte - Anlasstat gegen eine diesem unbekannte und wehrlose Person richtete, worin sich seine erhebliche Gefährlichkeit für die öffentliche Sicherheit manifestiert hat. Das Risiko, dass erneut dem Beschwerdegegner unbekannte Personen zu Opfern von (exzessiver) Gewalt werden, muss angesichts dessen, dass er sich bereits wiederholt und wegen jeweils nichtiger Anlässe gewaltbereit gezeigt hat, als erheblich eingestuft werden. 4.4.2.2. Insoweit die Vorinstanz eine Rückfallgefahr damit verneinen will, dass der Beschwerdegegner "sämtliche heute zu beurteilenden Delikte als junger Erwachsener in einem durch Alkoholkonsum getrübten Gemütszustand" verübt habe, kann ihr nicht gefolgt werden. Die Anlasstat ereignete sich im August 2020 und damit zu einem Zeitpunkt, als der am 8. Dezember 2001 geborene Beschwerdegegner 18 ¾ Jahre alt war. Es trifft zu, dass sein jugendliches Alter mitzuberücksichtigen ist (vgl. oben E. 3.3). Indes reicht allein der Umstand einer Tatbegehung im jungen Erwachsenenalter nicht aus, um eine Rückfallgefahr zu verneinen und private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen zu lassen. Stattdessen muss im Falle eines jungen Erwachsenen für die Einschätzung, ob resp. wie stark die öffentliche Sicherheit weiterhin gefährdet ist, berücksichtigt werden, ob es sich um ein bloss episodenhaftes Verhalten gehandelt hat, mithin die Persönlichkeitsentwicklung des Täters im Deliktszeitpunkt noch nicht abgeschlossen und er wegen seines jungen Alters noch nicht fähig war, sein Unrecht einzusehen (vgl. Urteile 6B_771/2022 vom 25. Januar 2023 E. 1.6; 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.5.3; 6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.3 ff.; 6B_914/2020 vom 26. April 2021 E. 1.6.3; 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.6.3 und 1.7). Anhaltspunkte, welche vorliegend auf ein bloss episodenhaftes Verhalten und insbesondere auf die Unfähigkeit des im Tatzeitpunkt knapp 19 Jahre alten Beschwerdegegners schliessen liessen, das Unrecht der konkreten Anlasstat (heftige Tritte gegen den Kopf eines wehrlos am Boden liegenden Menschen) zu erkennen, werden von der Vorinstanz nicht festgestellt und sind auch nicht erkennbar. Gemäss den für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen - und wiederum im Gegensatz zum von der Vorinstanz erwähnten Entscheid des Bundesgerichts 6B_627/2018 vom 22. März 2019 - ergeben sich vorliegend Anzeichen für eine verminderte Einsichtsfähigkeit und/oder Steuerungsfähigkeit des Beschwerdegegners auch nicht daraus, dass er im Tatzeitpunkt angetrunken war (so explizit das angefochtene Urteil S. 12). Dementsprechend ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz die (allfällige) Rückfallgefahr als gebannt erachtet, wenn der Beschwerdegegner anlässlich der Berufungsverhandlung eine Änderung der Trinkgewohnheiten in Aussicht gestellt hat. Umso weniger, als sie keine dahingehenden Feststellungen trifft, dass sie die bloss geringe Alkoholisierung des Beschwerdegegners (trotzdem) als (haupt-) ursächlich für einen derartigen Gewaltexzess erachtet.