Citation: 2C_241/2018 E. 6.3

6.3. Im Rahmen von Art. 3 EMRK kann vorliegend dahingestellt bleiben, ob betreffend die Beschwerdeführerin eine akute Suizidgefahr besteht, denn die eine solche Gefahr auslösende Depression oder posttraumatische Belastungsstörung kann in der Türkei behandelt werden, da entsprechende Therapien und Medikamente verfügbar sind (Vgl. E. 5.4). Demzufolge besteht keine konkrete Gefahr, dass die Beschwerdeführerin aufgrund fehlender, angemessener Behandlungsmöglichkeit einer ernsthaften, rapiden und irreversiblen Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgesetzt ist. Auf die Gefahr eines Ehrenmordes ist nicht weiter einzugehen, da diese gemäss korrekter, vorinstanzlicher Sachverhaltsfeststellung ungenügend substanziiert wurde (Vgl. E. 5.4). Ein Verstoss gegen Art. 2 oder 3 EMRK liegt deshalb nicht vor. Die von der Beschwerdeführerin zitierte Rechtsprechung des EGMR ändert nichts an diesem Resultat. Im Fall Einhorn gegen Frankreich hat der EGMR die Auslieferung des Beschwerdeführers an die USA als mit Art. 3 EMRK vereinbar qualifiziert, da die amerikanischen Behörden eine Garantie abgegeben hatten, dass der Beschwerdeführer nicht dem Risiko einer Verurteilung zur Todesstrafe ausgesetzt ist und gemäss Rechtslage die Umwandlung einer allfälligen lebenslänglichen Strafe ohne Aussicht auf Entlassung in eine Strafe mit der Chance auf Entlassung auf Bewährung möglich war (Entscheid des EGMR Einhorn gegen Frankreich vom 16. Oktober 2001, Nr. 71555/01, § 10 und 26 f.). Im Fall A. D. gegen die Schweiz hat der EGMR keinen materiellen Entscheid bezüglich der Verletzung von Art. 2 und 3 EMRK gefällt, sondern die Beschwerde gemäss Art. 37 Ziff. 1 EMRK nicht weiter verfolgt und aus dem Register gestrichen, da das Wegweisungsverfahren in der Schweiz nach wie vor hängig war (Entscheid des EGMR A. D. gegen die Schweiz vom 30. August 2016, Nr. 30639/15). Der Fall Tarakhel ist mit dem vorliegenden Fall bezüglich Sachverhalt nicht vergleichbar, handelte es sich doch um die Prüfung der Überstellung einer afghanischen Familie mit sechs Kindern nach Italien im Rahmen eines Asyl- bzw. Dublinverfahrens. Der EGMR kam zum Schluss, dass die Überstellung der Familie nach Italien angesichts der erschöpften Aufnahmestrukturen und der realen Gefahr, dass die Familie dort keine Unterkunft erhält, der Gewalt und Gesundheitsgefährdung ausgesetzt ist und getrennt wird, gegen Art. 3 EMRK verstösst, solange die schweizerischen Behörden nicht eine Zusicherung der italienischen Behörden haben, wonach eine dem Alter der Kinder angemessene Aufnahme und die Einheit der Familie sichergestellt ist (Urteil des EGMR Tarakhel gegen die Schweiz vom 4. November 2014, Nr. 29217/12, § 122). Vorliegend geht es dagegen um die Rückführung einer Einzelperson in ihr Heimatland, welche in der Lage ist, dort wieder Fuss zu fassen (Vgl. E. 5.5).