Citation: 6B_63/2020 E. 3.1.2

3.1.2. Neben einer Pflichtverletzung fehle es vorliegend auch am (hypothetischen) Kausalzusammenhang. Die Vorinstanz zeige in Verletzung von Bundesrecht nicht auf, mit welchem Grad an Wahrscheinlichkeit die angeblich pflichtwidrig unterlassene, ihm unspezifisch vorgeworfene Untersuchungshandlung zur Abwendung des Todes von D.E.________ sel. geführt hätte. Zudem sei vorliegend nicht gesichert, dass bei einer um 17.00 Uhr veranlassten Laboruntersuchung Laborwerte aufgetreten wären, die eine sofortige chirurgische Intervention als angezeigt hätten erscheinen lassen. Es sei nicht möglich bzw. zweifelhaft, dass mit einer Reoperation um 18.00 Uhr hätte begonnen werden können. Die Vorinstanz nehme dies in unkritischer Weise an, ohne dass darüber jemals Beweis erhoben worden wäre. Ohnehin hätte die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten bei einer Reoperation um 18.00 Uhr nach gutachterlicher Feststellung nur 80% betragen. Diese Wahrscheinlichkeit reiche nicht aus, um als eine "an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit" zu gelten. Indem ihm die Vorinstanz die hypothetische Kausalität mit einer ungenügenden Wahrscheinlichkeit zur Last lege, verletze sie Bundesrecht. Hätte er D.E.________ sel. gestützt auf das Telefonat um 21.00 Uhr aufgesucht und wäre es im Anschluss daran zu einer Reoperation gekommen, so hätte diese mit Sicherheit nicht vor 21.30 Uhr (gemeint ist wohl 22.30 Uhr) beginnen können, womit die gutachterlich erhobene Überlebenswahrscheinlichkeit von D.E.________ sel. weniger als 60% betragen hätte. Auch hier könne ihm "strafrechtlich keine Pflichtverletzung" vorgeworfen werden. Folglich sei er vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freizusprechen.