Citation: 5C.60/2003 07.05.2003 E. 4

Der Beklagte macht weiter geltend, er habe Anspruch auf ein "angemessenes Voraus" des gebrechlichen Kindes (Art. 631 Abs. 2 ZGB), da seine rechte Hand verkümmert und er ausserdem schwer gehbehindert sei. 4.1 Nach Art. 631 Abs. 2 ZGB ist Kindern, die gebrechlich sind, bei der Teilung ein angemessener Vorausbezug einzuräumen. Diese Bestimmung bezweckt, der zufälligen Benachteiligung eines Kindes, verursacht durch natürliche Ereignisse (körperliche Gebrechen, Geistesschwäche), entgegenzuwirken und eine dadurch hervorgerufene Ungleichheit im wirtschaftlichen Fortkommen zu beheben oder zu mildern. Das Alter des Kindes spielt dabei grundsätzlich keine Rolle, insbesondere kommt es nicht darauf an, ob es bereits mündig ist (Tuor/ Picenoni, a.a.O., N. 16 zu Art. 631 ZGB; Heinz Gubler, Die ausgleichungspflichtigen Zuwendungen, Diss. Bern 1941, S. 99; Escher/ Escher, a.a.O., N. 14 zu Art. 631 ZGB). 4.2 Im vorliegenden Fall kann offen bleiben, wie weit der Beklagte durch seine Behinderung in seiner beruflichen Laufbahn beeinträchtigt gewesen war. Es geht beim Vorausbezug nach Art. 631 Abs. 2 ZGB nicht um die Ausgleichung von Erwerbseinbussen, die ein gebrechliches Kind vor dem Tod seiner Eltern erlitten hat, sondern um die Sicherstellung seiner besonderen Bedürfnisse für die Zeit danach, wenn die Unterstützung durch diese weggefallen ist. Die Bestimmung des Vorausbezugs richtet sich unter anderem nach dem Betrag, welchen der Erblasser, hätte er weitergelebt, seinem Kind infolge dessen durch das Gebrechen verkürzten Erwerbstätigkeit hätte gewähren müssen (Heinz Gubler, a.a.O., S. 101; Tuor/Picenoni, a.a.O., N. 19 zu Art. 631 ZGB). Der Beklagte war im Zeitpunkte des Todes der Erblasserin bereits 71 Jahre alt und AHV-Rentner. Dass er zu diesem Zeitpunkt auf Grund seiner Behinderung noch auf die Fürsorge der Erblasserin und ihre Unterstützung beim wirtschaftlichen Fortkommen einen Anspruch hatte oder überhaupt darauf angewiesen war, wird nicht geltend gemacht und ergibt sich auch nicht aus den Akten. Daher ist die Berufung in diesem Punkt abzuweisen.