Citation: 6P.19/2004 30.08.2004 E. 2

Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, das Obergericht habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 StGB verletzt, indem es hinsichtlich der Voraussetzungen für die Arbeitserziehungsmassnahme kein Obergutachten eingeholt bzw. die mündliche Befragung des Gutachters Dr. med. E.________ abgelehnt habe. 2.1 Gemäss dem in Art. 29 Abs. 2 BV beziehungsweise Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten Anspruch auf rechtliches Gehör hat der Betroffene das Recht, sich vor dem Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 127 I 54 E. 2b, mit Hinweisen). Das Beweisverfahren kann jedoch geschlossen werden, wenn die gestellten Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, oder wenn der Richter, ohne dabei geradezu in Willkür zu verfallen, annehmen darf, die verlangten zusätzlichen Beweisvorkehren würden am relevanten Beweisergebnis voraussichtlich nichts mehr ändern (so genannte antizipierte oder vorweggenommene Beweiswürdigung, vgl. BGE 125 I 127 E 6c/cc, mit Hinweisen). 2.2 Der Beschwerdeführer legt nicht dar, aus welchem Grund ein Obergutachten angezeigt gewesen wäre. Das Obergericht stützte sich - wie oben aufgezeigt - nicht auf das Gutachten von Dr. med. F.________, welches hinsichtlich der Arbeitserziehungsmassnahme unvollständig war, sondern liess von Dr. E.________ ein weiteres Gutachten erstellen, welches zudem zur Klärung von Unklarheiten ergänzt wurde. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2.3 Hinsichtlich der Ablehnung der beantragten mündlichen Befragung von Dr. med. E.________ bemängelt der Beschwerdeführer, dass das Obergericht zunächst Dr. med. E.________ und Dr. med. F.________ als Experten namentlich zur Gegenüberstellung an die Verhandlung geladen und dann infolge der Absage von Letzterem auch auf die Anhörung von Dr. med. E.________ verzichtet habe. Diese Vorgehensweise erscheint tatsächlich problematisch. Es stellt sich nämlich die Frage, weswegen das Obergericht zunächst eine Klärung der bestehenden Widersprüche zwischen beiden Gutachten für notwendig gehalten, dann aber auf die mögliche Befragung von Dr. med. E.________ verzichtet hat. Das Obergericht begründete den ablehnenden Entscheid damit, dass infolge des Nichterscheinens von Dr. med. F.________ die Möglichkeit, Widersprüche zwischen den beiden Gutachten zu klären, ausser Betracht gefallen sei. Das Obergericht würdigte in der Folge zu diesem Punkt lediglich das - für den Beschwerdeführer günstiger ausgefallene - Gutachten von Dr. med. E.________. Damit sind die vom Obergericht angeführten Gründe - die Klärung von Widersprüchen zwischen den beiden Gutachten - für die Anhörung der Experten zur Frage der Arbeitserziehungsmassnahme tatsächlich weggefallen. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das Gutachten von Dr. med. E.________ hätte mündlich erläutert werden müssen. Die vom Beschwerdeführer zur Begründung einer Anhörung angeführten Fragen zum Gutachten waren mittels eines Ergänzungsgutachten beantwortet worden. Unter diesen Umständen durfte das Obergericht ohne Willkür in antizipierter Beweiswürdigung auf die Befragung von Dr. med. E.________ verzichten.