Citation: 1C_58/2023 E. 6.2

6.2. Sowohl der Gemeinderat der Stadt Rheinfelden als auch die beiden Vorinstanzen vertreten die Ansicht, dass beim zu beurteilenden Umbau der ehemaligen Scheune auf Fenstersprossen verzichtet werden könne. Anders als der Gemeinderat und das BVU sieht die Vorinstanz die rechtliche Grundlage für eine Abweichung vom Sprossenfenstererfordernis gemäss Art. 19 Abs. 4 der Spezialbauvorschriften nicht in Art. 18 der Spezialbauvorschriften i.V.m. Art. 7 Abs. 1 der Gestaltungsrichtlinien der Altstadt Rheinfelden vom 14. Januar 2019 (SRS 7.1-2.1; nachfolgend: Gestaltungsrichtlinien), sondern in Art. 21 Abs. 3 der Spezialbauvorschriften. Gemäss dieser Bestimmung kann der Gemeinderat im Interesse einer guten Gestaltung, einer sinnvollen Nutzung von Bauten und Freiräumen oder bei Härtefällen Ausnahmen gemäss § 155 des alten Baugesetzes des Kantons Aargau vom 2. Februar 1971 (aBauG/AG) von den Spezialbauvorschriften bewilligen oder verfügen. Bei § 155 aBauG/AG handelt es sich um die Vorgängernorm von § 67 des Gesetzes des Kantons Aargau über Raumentwicklung und Bauwesen vom 19. Januar 1993 (Baugesetz, BauG/AG; SAR 713.100). Nach § 67 Abs. 1 BauG/AG kann der Gemeinderat bei der Bewilligung von Bauten und Anlagen, unter billiger Abwägung der beteiligten privaten Interessen, Ausnahmen von kommunalen Nutzungsplänen gestatten, wenn es mit dem öffentlichen Wohl sowie mit Sinn und Zweck der Rechtssätze vereinbar ist (lit. a) und ausserordentliche Verhältnisse vorliegen oder die Anwendung der Pläne zu hart wäre (lit. b).