Citation: 6B_1088/2022 E. 8.1.2

8.1.2. Die Vorinstanz verneint unter Hinweis auf die erstinstanzlichen Ausführungen das Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB (angefochtenes Urteil S. 43-46). 8.1.2.1. Die Vorinstanz erwägt zur persönlichen Situation der Beschwerdeführerin, diese habe zwar ein starkes persönliches Interesse am Verbleib in der Schweiz, zumal ihre vier Kinder hier leben würden. Sie lebe zudem seit bald 30 Jahren in der Schweiz, sei aber nicht hier aufgewachsen, sondern im Alter von 24 Jahren als Asylantin in die Schweiz gekommen. Heute verfüge sie über eine Niederlassungsbewilligung (angefochtenes Urteil S. 43). 8.1.2.2. Zur beruflichen und finanziellen Situation der Beschwerdeführerin hält die Vorinstanz fest, diese sei in der Schweiz zumeist arbeitstätig gewesen und damit in wirtschaftlicher Hinsicht relativ gut integriert (angefochtenes Urteil S. 43). 8.1.2.3. Zu einer möglichen Reintegration der Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland erwägt die Vorinstanz, diese habe stets Beziehungen im Kosovo unterhalten. So habe sie Ferien mit der Familie im Kosovo vor allem bei ihrem Eltern verbracht, sodass ihre Eltern und ihre Geschwister eine Art Vorbilder gewesen seien. Zudem habe sie gemeinsam mit ihrem Ehemann den Erwerb einer Liegenschaft in U.________ - mithin in ihrem Heimatort - angestrebt, um dort die Ferien zu verbringen. Gemäss den eigenen Aussagen der Beschwerdeführerin lebe ihre gesamte Verwandtschaft - mit Ausnahme ihrer volljährigen Kinder und ihres "Noch-Ehemannes" - im Ausland. Die Beschwerdeführerin selbst habe anlässlich der Hauptverhandlung ausgesagt, ihre Mutter lebe seit höchstens zwei Jahren in Deutschland. Auch ihre drei Schwestern und ihr Bruder würden nicht mehr im Kosovo, sondern in Deutschland, Österreich und in der Schweiz leben. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin während den Jahren, in denen sie in der Schweiz gelebt habe, stetig Beziehungen im Kosovo gepflegt habe. Zudem spreche sie immer noch hauptsächlich Kosovo-Albanisch und könne sich somit ohne Weiteres in ihrer Heimat verständigen (angefochtenes Urteil S. 43 f. und 45). 8.1.2.4. Die Vorinstanz hält weiter fest, die Beschwerdeführerin sei weder von einer in der Schweiz ansässigen Person abhängig noch sei eine Person von ihrer Anwesenheit in der Schweiz abhängig. Ihre vier Kinder, die allesamt über die Schweizerische Staatsbürgerschaft verfügen würden, seien mittlerweile volljährig. Von einem erhöhten Betreuungs- oder Pflegebedürfnis im Sinne der bundesgerichtlichen Praxis könne auch betreffend die jüngste Tochter nicht ausgegangen werden. Allein die Tatsache, dass diese in psychiatrischer Behandlung sei und die Beschwerdeführerin als wichtigste Person nenne, die sie vermisse, vermöge bei der Beschwerdeführerin noch keinen Härtefall zu begründen. Sie werde noch mehrere Jahre im Freiheitsentzug verbringen müssen, was die Enge der Beziehung zu ihren Kindern ohnehin negativ tangieren werde. In dieser Zeit werde sich die jüngste Tochter auch ohne einen Beizug ihrer Mutter therapieren lassen und zurechtfinden müssen. Die von ihrer Tochter gegenüber der Psychiaterin gemachten Aussagen würden im Übrigen zu denjenigen passen, welche sie im Strafverfahren als Auskunftsperson gemacht habe. Diese Aussagen seien vor dem Hintergrund des klaren Beweisresultats dahingehend zu qualifizieren, dass die Tochter die Beschwerdeführerin um jeden Preis habe unterstützen wollen und offenbar immer noch wolle (angefochtenes Urteil S. 44 f.). 8.1.2.5. Schliesslich erwägt die Vorinstanz, das Argument der Beschwerdeführerin, sie fürchte sich vor B.A.________, der sie auch vor der Berufungsverhandlung anlässlich eines Besuches im Gefängnis bedroht habe, weshalb sie ihm im Kosovo, wo die rechtsstaatlichen Strukturen schlechter ausgebaut seien als in der Schweiz, schutzlos ausgeliefert sei, verfange nicht. Sollte sich die Beschwerdeführerin tatsächlich vor B.A.________ fürchten, so sei nicht einleuchtend, inwiefern sie durch einen Aufenthalt in der Schweiz vor ihm geschützt werden sollte. Im Übrigen würden auch keine objektiven Hinweise bestehen, dass sie von B.A.________ tatsächlich unmittelbar bedroht worden sei. Weiter könne davon ausgegangen werden, dass zum frühestmöglichen Entlassungszeitpunkt - welcher noch mehrere Jahre in der Zukunft liege - der Beziehungskonflikt zwischen der Beschwerdeführerin und B.A.________ an Aktualität und Emotionalität verloren haben werde, weshalb auch die behaupteten Drohungen zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr akut sein dürften (angefochtenes Urteil S. 45).