Citation: 4C.256/2006 12.10.2006 E. 5

Der Beklagte bestreitet sodann das Vorliegen eines Schadens und den Kausalzusammenhang zwischen der vorgeworfenen Sorgfaltspflichtverletzung und dem angenommenen Schaden. 5.1 Schaden ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts die ungewollte Verminderung des Reinvermögens. Er kann in einer Verminderung der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder in entgangenem Gewinn bestehen und entspricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 132 III 321 E. 2.2.1 S. 323 f.; 129 III 331 E. 2.1, je mit Hinweisen). Im Berufungsverfahren wird als Rechtsfrage geprüft, ob das Sachgericht seinem Urteil einen zutreffenden Schadensbegriff zugrunde gelegt und den Schaden nach zutreffenden Rechtsgrundsätzen berechnet hat. Hingegen ist das Bundesgericht an die Feststellungen des Sachgerichts betreffend den tatsächlichen Bestand und den Umfang des Schadens sowie den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem schädigenden Verhalten und dem Schaden gebunden (BGE 130 III 145 E. 6.2 S. 167, 591 E. 5.3; 128 III 22 E. 2d/e S. 26, je mit Hinweisen). Ebenso liegt eine nur im staatsrechtlichen Verfahren zu prüfende Tatfrage vor, wenn zu entscheiden ist, ob der Schaden nach dem hypothetischen Geschehensablauf auch bei Vornahme der pflichtwidrig unterlassenen Handlung eingetreten wäre (sogenannter hypothetischer Kausalzusammenhang), sofern die entsprechende Schlussfolgerung auf dem Weg der Beweiswürdigung aus konkreten Anhaltspunkten getroffen wurde und nicht ausschliesslich auf allgemeiner Lebenserfahrung beruht (BGE 127 III 453 E. 5d; 115 II 440 E. 5a/b, je mit Hinweisen). Die Frage nach der Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem schädigenden Verhalten und dem Schaden ist dagegen rechtlicher Natur und unterliegt der Prüfung im Verfahren der Berufung (BGE 116 II 519 E. 4a S. 524). 5.2 Die Vorinstanz ging davon aus, dass die Kläger mit einer Minderungsklage gegen die C.________ AG voll durchgedrungen wären und auch im Falle einer Ersatzvornahme durch eine Drittfirma mit der Verrechnung der Ersatzvornahmekosten obsiegt hätten. In beiden Fällen wären die gerichtlichen Kosten voll der C.________ AG auferlegt worden und es hätten dieser keine aussergerichtlichen Kosten entschädigt werden müssen. Demgegenüber seien die Kläger durch die unsorgfältige Mandatsführung des Beklagten mit Gerichts- und Anwaltskosten belastet worden, die sie bei richtigem Vorgehen des Beklagten nicht hätten übernehmen müssen. Sie anerkannte daher als Schadenspositionen die von den Klägern aufgrund des kantonsgerichtlichen Vergleichs zu tragenden Kostenanteile des Bezirksgerichts Prättigau/Davos und des Kantonsgerichts von Fr. 6'738.45 und Fr. 750.-- sowie die von ihnen zu leistende aussergerichtliche Entschädigung an die C.________ AG von Fr. 9'037.25. Ferner schützte sie auch die geforderten Schadensbeträge für die eigenen Anwaltskosten der Kläger mit der Begründung, dass die Kläger bei korrekter Mandatsführung ihrerseits mit einer aussergerichtlichen Entschädigung von mindestens den geltend gemachten Fr. 13'467.-- hätten rechnen dürfen. 5.3 Der Beklagte wendet zunächst ein, da er keinen Fehler begangen habe, könne bereits deshalb kein Schaden entstanden sein. Diese Argumentation verfängt von vornherein nicht, da von einem sorgfaltswidrigen Verhalten des Beklagten auszugehen ist. Für den Fall, dass von einer Sorgfaltspflichtverletzung des Beklagten auszugehen ist, wendet er ein, entgegen der Vorinstanz müsse angenommen werden, dass eine Minderungsklage gestützt auf die dannzumal vorgelegene Expertise nicht vollumfänglich, sondern nur zu 50% durchgedrungen wäre. Die hälftigen Verfahrenskosten des Bezirksgerichts Prättigau/Davos und des Kantonsgerichts wären somit auch bei Ergreifen einer Minderungsklage angefallen. Ebenso hätten die Kläger ihre Anwaltskosten selber tragen müssen. Einzig die ausseramtliche Entschädigung an die C.________ AG wäre nicht angefallen, weshalb - wenn überhaupt - höchstens ein Betrag von Fr. 9'037.25 als Schaden qualifiziert werden könne. Es kann offen bleiben, wie weit die konkret umstrittene vorinstanzliche Feststellung, dass die Kläger mit einer Minderungsklage voll durchgedrungen wären, im vorliegenden Verfahren überprüft werden kann (vgl. dazu BGE 87 II 364 E. 2 S. 373 f. sowie die vorstehende Erwägung 5.1; vgl. auch das Urteil 4C.213/1990 vom 21. Mai 1991 E. 3b). Der Beklagte legt jedenfalls nicht in einer den Anforderung von Art. 55 Abs. 1 lit. c OG genügenden Weise dar, inwiefern die Vorinstanz mit dem entsprechenden Schluss Bundesrecht verletzt haben soll, wenn er pauschal auf die Expertise und auf die Erwägungen des Bezirksgerichts Prättigau im Entscheid vom 14. November 2002 verweist, ohne darzulegen, inwiefern sich daraus ergeben soll, dass eine Minderungsklage aus bundesrechtlicher Sicht nur zu 50% gutgeheissen worden wäre. Auf seine entsprechenden Vorbringen ist daher nicht einzutreten (vgl. dazu BGE 126 III 198 E. 1d; 121 III 397 E. 2a S. 400; 116 II 745 E. 3 S. 749; 115 II 83 E. 3 S. 85; 105 II 308 E. 6). Dass die Vorinstanz den Schadensbegriff oder die Berechnungsgrundsätze verkannt hätte, macht der Beklagte nicht geltend. 5.4 Gegen die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs durch die Vorinstanz bringt der Beklagte vor, der Kausalzusammenhang sei unterbrochen worden, weil der neue Rechtsvertreter das Beweisergebnis noch massgeblich hätte beeinflussen und eine Anpassung der Rechtsbegehren hätte beantragen können oder noch vor der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos einen Vergleich hätte herbeiführen können, der ja dann vor dem Kantonsgericht "plötzlich" möglich geworden sei. Dadurch hätten sämtliche Kosten minimiert werden können. Der adäquate Kausalzusammenhang wird unterbrochen, wenn zu einer an sich adäquaten Ursache eine andere Ursache hinzutritt, die einen derart hohen Wirkungsgrad aufweist, dass erstere nach wertender Betrachtungsweise als rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint. Entscheidend ist die Intensität der beiden Ursachen (BGE 130 III 182 E. 5.4; 116 II 519 E. 4b S. 524). Das Verhalten eines Dritten vermag den Kausalzusammenhang nur zu unterbrechen, wenn diese Zusatzursache derart ausserhalb des normalen Geschehens liegt, derart unsinnig ist, dass damit nicht zu rechnen war (BGE 116 II 519 E. 4b S. 524 mit Hinweisen). Die Vorinstanz kam zum Schluss, der Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des Beklagten und dem Schadenseintritt sei durch den nach Abschluss des Beweisverfahrens erfolgten Anwaltswechsel nicht unterbrochen worden. Dabei traf sie die hypothetische Annahme, dass ein Klagerückzug oder eine Klagereduktion am negativen Ergebnis für die Kläger nichts hätte ändern können, im Gegenteil. Die Weiterverfolgung des ursprünglich gewählten Verfahrens im Berufungsverfahren hätte aller Voraussicht nach bestenfalls zu einer Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Prättigau/Davos geführt. Es wäre aber auch sehr wohl denkbar gewesen, dass der als Schadenersatzklage geführte Prozess angesichts der Tatsache, dass die Klage eingereicht worden sei, bevor überhaupt ein Schaden entstanden sei und ein solcher folglich auch nicht hätte bewiesen werden können, mit einer völligen Niederlage der Kläger unter entsprechend ungünstiger Kostenfolge geendet hätte. Die Vorinstanz hat insoweit Feststellungen darüber getroffen, welche hypothetischen Auswirkungen die Handlungen, deren Unterlassung der Beklagte dem neuen Rechtsvertreter vorwirft, auf den Prozessausgang gehabt hätten. Es braucht hier nicht geklärt zu werden, wie weit diese Feststellungen vom Bundesgericht im vorliegenden Verfahren überhaupt geprüft werden können (vgl. dazu die Hinweise in der vorstehenden Erwägung 5.3). Denn der Beklagte stellt ihnen bloss eigene Hypothesen gegenüber, ohne darzulegen, inwiefern die Vorinstanz mit ihren abweichenden Schlüssen eine bundesrechtswidrige Beurteilung vorgenommen haben soll, so dass nicht weiter auf seine Vorbringen einzugehen ist (vgl. Art. 55 Abs. 1 lit. c OG und die in Erwägung 5.3 zitierten Entscheide). Überdies erweitert er den vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt, wenn er geltend macht, der Mandatswechsel sei vor Abschluss des Beweisverfahrens erfolgt. Da er dazu keine Ausnahme von der bundesgerichtlichen Bindung an die Feststellungen der Vorinstanz im Sinne von Art. 63 Abs. 2 und 64 OG anruft, ist auf die entsprechenden Ausführungen auch aus diesem Grund nicht einzutreten (Erwägung 2 vorne). Eine falsche rechtliche Beurteilung der Adäquanz und der Frage einer Unterbrechung des adäquaten Kausalzusammenhangs macht der Beklagte nicht geltend und ist nicht ersichtlich.