Citation: I 541/06 28.03.2007 E. 3

Uneinig sind sich die Parteien bezüglich der noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Während Vorinstanz und Verwaltung diese gestützt auf die in der psychiatrischen Expertise des Dr. med. V._________ vom 28. Juni 2004 enthaltenen Angaben für die Zeit ab Ende Juni 2004 auf 80 % beziffern, schliesst die Versicherte - basierend auf den Gutachten der Dres. med. T._________ (vom 30. Oktober 2003) und H._________ (vom 13. September 2006) sowie den Berichten der Dres. med. C._________ (vom 31. Dezember 2003 und 3. Februar 2005) und D._________ (vom 12. Juni 2006) - eine solche auch nach diesem Zeitpunkt weiterhin vollständig aus. 3.1 Die medizinische Aktenlage stellt sich in diesem Punkt wie folgt dar: 3.1.1 In ihrer Expertise vom 30. Oktober 2003 zuhanden der Zürich Versicherungs-Gesellschaft diagnostizierte Frau Dr. med. T._________ ein schweres depressives Zustandsbild im Rahmen einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt bei schwierigen psychosozialen Bedingungen und multiplen Belastungen. Zudem wurden anamnestisch Anhaltspunkte für eine Frühe-Ich-Störung im Sinne einer emotional instabilen oder narzisstischen Persönlichkeitsstörung bejaht. Die Ärztin attestierte aus psychiatrischer Sicht eine im aktuellen Zeitpunkt vollständige Arbeitsunfähigkeit, beschrieb die Prognose in einem stationären Setting aber als durchaus erfolgversprechend. Es könne erwartet werden, dass die Explorandin innerhalb eines Jahres soweit gefestigt sei, dass zumindest eine Teilarbeitsfähigkeit wiederhergestellt sei und sie sich daneben adäquat um ihren Sohn kümmern könne. Eine komplette Heilung sei sodann zwar realistisch, bedürfe aber sicher eines etwas längeren Prozesses. 3.1.2 Die behandelnde Psychiaterin Frau Dr. med. C._________ diagnostizierte im Rahmen ihrer Berichterstattung vom 31. Dezember 2003 eine seit Jahren chronifizierte neurotische Depression, bescheinigte eine seit April 2001 bestehende Arbeitsunfähigkeit und schloss eine berufliche Wiedereingliederung für den Moment aus. Sie zeigte sich hinsichtlich einer möglichen späteren (Teil-)Arbeitsfähigkeit aber optimistisch. 3.1.3 Der beigezogene RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 22. April 2004 fest, dass es der Versicherten vor dem Hintergrund der beschriebenen Psychodynamik und Psychopathologie zumindest möglich sein sollte, halbtags zu arbeiten. Dadurch könne sie sich auch von der Dependenz der Mutter lösen und selbstständiger werden. 3.1.4 Dr. med. V._________ stellte kurze Zeit später, u.a. gestützt auf persönliche Gespräche mit der Beschwerdeführerin (vom 6., 11. und 26. Mai 2004), in seinem psychiatrischen Gutachten vom 28. Juni 2004 die Diagnose einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22), Anpassungsprobleme bei Veränderung der Lebensumstände (ICD-10: Z60.0) bei früher Ich-Störung/Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.9), einer anamnestisch bulimischen Essstörung (ICD-10: F50.2) sowie eines anamnestischen Abusus von Alkohol, Kokain und Nikotin (ICD-10: F10.0, F14.0, F17.0). Er führte aus, dass auf Grund der Persönlichkeitsstörung eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht höher als 10 % bis 20 % geschätzt werden könne. Ein Wiedereinstig im bisherigen beruflichen Umfeld sei per sofort zumutbar, wobei mit einem Pensum von ca. 30 % begonnen und dieses unter kundiger Führung innerhalb eines Zeitraums von zwei Monaten auf die von der Explorandin gewünschten 80 % gesteigert werden könne. Für die Tätigkeit als Hausfrau und Mutter bestehe seit geraumer Zeit, mindestens aber seit dem Zeitpunkt der Untersuchung Ende Mai 2004, keine Beeinträchtigung des Leistungsvermögens. 3.1.5 In ihrem Bericht vom 3. Februar 2005 bezeichnete Frau Dr. med. C._________ den Krankheitsverlauf als weiterhin ungünstig. Die Patientin sei zeitweise schwer, zeitweise mittelschwer depressiv. Zur rein depressiven Symptomatik habe sich zwischenzeitlich auch eine zunehmende Angstsymptomatik hinzugesellt, welche es der Versicherten nicht mehr erlaube, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Die ungünstige soziale Situation der mit ihrem Sohn bei ihrer Mutter lebenden Patientin habe sich chronifiziert, die depressive Symptomatik trotz Behandlung verschlechtert und das Symptomenspektrum ausgeweitet. Eine - auch berufliche - Rehabilitation erscheine nun nicht mehr realistisch; es bestehe bis auf weiteres eine dauernde Arbeitsunfähigkeit. 3.1.6 Der Psychiater Dr. med. D._________, bei welchem die Beschwerdeführerin seit Mai 2005 in Behandlung steht, hob in seinem Bericht vom 12. Juni 2006 insbesondere die abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.7) hervor, welche, neben einer depressiven Grundhaltung im Rahmen der emotionalen Instabilität sowie Störungen betreffend Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis, die Aufnahme einer regelmässigen erwerblichen Betätigung jedenfalls für den Moment - auch bei antidepressiver Medikation - verunmögliche. Er erachtete indessen einen Versuch des beruflichen Wiedereinstiegs in einer Institution wie beispielsweise einem Bürotrainingszentrum - zu Beginn in einem reduzierten zeitlichen Umfang - im Verlaufe der folgenden Monate für möglich. 3.1.7 Als Ergebnis seiner psychiatrischen Untersuchungen vom 21. und 28. Juni sowie 23. August 2006 hielt Dr. med. H._________ in seiner Expertise vom 13. September 2006 fest, dass die Explorandin an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F33.11), leide. Sie sei sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit wie auch in jeder anderen beruflichen Beschäftigung dauernd zu 100 % arbeitsunfähig. 3.2 In Anbetracht dieser aus psychiatrischer Sicht ergangenen Feststellungen zur verbliebenen Arbeitsfähigkeit mutet die - von Vorinstanz und Beschwerdegegnerin als massgeblich eingestufte - Annahme des Dr. med. V._________, wonach der Versicherten ab Gutachtensdatum, d.h. ab Ende Juni 2004, der Wiedereinstieg ins Berufsleben und innerhalb der folgenden zwei Monate die Steigerung auf ein 80 %-Pensum möglich und zumutbar (gewesen) sei, eher als optimistische, primär von den Wunschvorstellungen der Beschwerdeführerin selber geprägte Einschätzung der Situation, denn als eine realistische Reflektion der tatsächlich bestehenden gesundheitlichen Verhältnisse an. Wie insbesondere den Ausführungen der Dres. med. C._________, D._________ und H._________ zu entnehmen ist, hat sich die während des Jahres 2003 durch die Dres. med. T._________ und C._________ auch hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit noch als günstig bezeichnete Prognose nicht bewahrheitet und scheint, jedenfalls während des in Frage stehenden Zeitraums der Aufhebung der bisherigen ganzen Rente per Ende September 2004 bis zum Einspracheentscheid vom 29. März 2005, welcher grundsätzlich die zeitliche Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 130 V 445 E. 1.2 [mit Hinweisen] S. 446), keine signifikante Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes und damit des erwerblichen Leistungsvermögens eingetreten zu sein. Wie aus den gutachterlichen Aussagen des Dr. med. V._________ geschlossen werden kann ("Die Explorandin kann in ihrer angestammten Tätigkeit nicht als dauerhaft eingeschränkt betrachtet werden. Sie hatte auch selber nie diese Meinung. Ab sofort ist ihr ein Wiedereinstieg in die angestammte Tätigkeit zumutbar. Die Explorandin möchte mit einer 30%igen Arbeitsfähigkeit beginnen. Ich betrachte diesen Ansatz als realistisch ebenso eine Steigerung unter kundiger Führung innerhalb von 2 Monaten auf die von der Explorandin gewünschten 80 %"; Gutachten, S. 9 unten f.), stellt dessen Beurteilung in erster Linie eine Bestätigung der als sehr leistungsorientiert beschriebenen Beschwerdeführerin in deren Bestreben nach möglichst baldiger finanzieller Unabhängigkeit und Loslösung von der offenbar dominanten Mutter dar. Die Hoffnung auf eine rasche Genesung erfüllte sich, wie die Angaben der in der Folge involvierten Ärzte deutlich zeigen, jedoch nicht. Im Gegenteil verschlechterte sich der psychische Gesundheitszustand der Versicherten im Laufe der Zeit noch trotz antidepressiver Medikation. Die Beweiskraft der Ausführungen des Dr. med. V._________ wird zudem geschmälert durch die Tatsache, dass er zwar eingesteht, auf Grund der kurzen Dauer der Untersuchungen keine präzise Meinung über die Art der festgestellten Persönlichkeitsstörung der Beschwerdeführerin haben zu können, das Gutachten aber anderseits eine vorbehaltlose, konkrete Beurteilung der noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit enthält. Obgleich Frau Dr. med. C._________ der Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab April 2001 (vgl. Bericht vom 31. Dezember 2003) bzw. der Hausarzt Dr. med. R._________ gemäss Bericht der ehemaligen Arbeitgeberin vom 3. Februar 2004, eine solche von 30 % ab 6. Dezember 2001 bis ca. 20. März 2002 attestiert hatten, liegt der Schlussfolgerung des Dr. med. V._________ schliesslich die - somit irrtümliche - Annahme zugrunde, dass der Grad der Persönlichkeitsstörung bis im April 2002 zu keiner Leistungsverminderung geführt habe (Gutachten, S. 8 und 9). Auf Grund der bestehenden Aktenlage kann folglich nicht als überwiegend wahrscheinlich angesehen werden, dass die Beschwerdeführerin in der Lage war, ab Juli bzw. - in Berücksichtigung der Dreimonatsfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 Satz 2 IVV - Oktober 2004 wiederum im Umfang von 80 % einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. An diesem Ergebnis ändert im Übrigen der Umstand nichts, dass es sich bei Frau Dr. med. C._________ und Dr. med. D._________ um die behandelnden psychiatrischen Fachärzte der Versicherten handelt (vgl. dazu BGE 125 V 351 E. 3b/cc [mit Hinweisen] S. 353; Urteil I 655/05 vom 20. März 2006, E. 5.4 mit Hinweisen), waren die begutachtenden Psychiater Frau Dr. med. T._________ und Dr. med. H._________ bezüglich der Arbeitsfähigkeitsschätzung doch zu einem übereinstimmenden Resultat gelangt. Unklar bleibt vor dem Hintergrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen jedoch, ob und bejahendenfalls in welchem Umfang sowie hinsichtlich welcher Art von Tätigkeit ab diesem Zeitpunkt eine zeitlich reduzierte berufliche Beschäftigung zumutbar gewesen wäre. Die Sache wird daher an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie die entsprechenden ergänzenden psychiatrischen Abklärungen vornehme.