Citation: 6B_657/2013 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz hält fest, zur Frage, ob die Schläge und Tritte namentlich gegen den Kopf- und Halsbereich des Opfers kausal für die Karotisdissektion und den dadurch verursachten Hirninfarkt waren, sei ein Gutachten beim Institut für Rechtsmedizin Bern (IRM) eingeholt worden. Gemäss diesem Gutachten könnten Dissektionen der Halsschlagader sowohl spontan (aus natürlicher innerer Ursache) als auch traumatisch (aufgrund einer Einwirkung) entstehen. Als traumatischer Entstehungsmechanismus würden starke Streckungen und schnelle Seitwärts- sowie Drehbewegungen des Halses, aber auch direkte Traumen gegen den Hals wie Schläge gegen oder ein Sturz auf den Hals diskutiert. Aus rechtsmedizinischer Sicht lägen vorliegend keine Befunde vor, die auf eine direkte Gewalt gegen den Hals als Ursache für die Dissektion hinweisen würden. Eine Dissektion wegen einer Überstreckung und schnellen Seitwärts- sowie Drehbewegungen des Halses im Rahmen einer Auseinandersetzung mit Schlägen gegen den Hals sei denkbar, lasse sich morphologisch aber nicht beweisen (Urteil S. 33 f. E. 4). Die Vorinstanz stellt fest, Prof. Dr. med. E.________, sei als Sachverständiger im Verfahren der Mittäter des Beschwerdeführers bei der Gefässverletzung des Opfers klar von einer traumatischen Ursache ausgegangen, weil eine spontane Dissektion sehr selten sei, mehrheitlich erst bei über 50 Jahre alten Personen auftrete und zudem in der Regel auch mit einer Gefässvorschädigung einhergehe, was beim Opfer nicht der Fall gewesen sei. Aus seiner Sicht handle es sich vorliegend um ein sehr typisches Beispiel einer traumatisch bedingten Dissektion, ohne dass sich das Trauma aufgrund der Akten sicher nachweisen lasse. Die zeitliche Koinzidenz zwischen dem wie auch immer gearteten Trauma im Kopf- und Halsbereich sowie dem Auftreten der Gefässschädigung und das eher jüngere Alter des Betroffenen liessen die traumatische Genese deutlich wahrscheinlicher erscheinen. An der vorinstanzlichen Einvernahme habe Prof. Dr. med. E.________ bestätigend bzw. präzisierend ausgeführt, seines Erachtens sei ein Nachweis der Ursache der Dissektion nicht möglich. Einerseits seien die Schläge und Tritte gegen den Hals sehr gut geeignet, eine solche auszulösen, andererseits könne er nicht ausschliessen, dass weniger geeignete Ereignisse, z.B. ein Sturz, verantwortlich sein könnten. Der nahe zeitliche Zusammenhang einer direkten stumpfen Gewalt gegen den Halsbereich mit dem Symptombeginn weise jedoch klar auf einen Zusammenhang hin. Er habe in den Unterlagen keine Hinweise gefunden, die ihn daran hätten zweifeln lassen, dass es eine traumatisch ausgelöste Dissektion sei. Er halte eine spontane Dissektion als weitestgehend ausgeschlossen. Weder die Abwesenheit von sichtbaren Befunden am Hals noch dass das Opfer den Heimweg geschafft habe, spreche für ihn gegen ein traumatisches Geschehen. Ein Schlag gegen den Hals müsse keine sichtbaren Spuren hinterlassen (Urteil S. 34 f. E. 4). Die Vorinstanz erwägt, das IRM-Gutachten äussere sich nicht zur Frage, wie wahrscheinlich eine spontane Dissektion im Verhältnis zu einer aufgrund einer traumatischen Einwirkung sei. Laut Dr. med. F.________, leitender Arzt am Inselspital, sei die Klinik aber von einer traumatischen Ursache ausgegangen, weil eine solche Gefässverletzung ohne Gewalteinwirkung selten auftrete. Die Vorinstanz gelangt zum Schluss, aus medizinischer Sicht sei eine Dissektion aufgrund einer traumatischen Einwirkung sehr viel wahrscheinlicher. Zusätzlich sinke die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Dissektion, wenn es sich um jüngere Personen ohne Gefässvorschädigungen handle. Das Opfer (Jahrgang 1968) sei deutlich unter dem vom Experten genannten Alter gewesen. Es sei auch auf Gefässvorschädigungen hin untersucht worden. Gemäss Prof. Dr. med. E.________ zeige die MRI-Aufzeichnung keine auf (Urteil S. 35 f.). Die Vorinstanz erachtet eine spontane Dissektion insbesondere gestützt auf die Ausführungen von Prof. Dr. med. E.________ als höchst unwahrscheinlich. Eine spontane Ursache liege einzig im Bereich des theoretisch Möglichen. Demgegenüber habe die Beweiswürdigung gezeigt, dass das Opfer in eine heftige Schlägerei verwickelt war, in deren Verlauf er von letztlich drei jungen Männern Fausthiebe und Tritte, u.a. an den Kopf- sowie Halsbereich, erhalten habe und zu Boden gestürzt sei. Bei der Einlieferung des Opfers ins Spital sei die Diagnose einer Karotisdissektion "aufgrund vorangehender Schlägerei" gestellt worden. Somit sei der Zusammenhang auch für die Spezialisten im Inselspital bereits damals offensichtlich gewesen. Die zeitliche Verzögerung des Auftretens spreche gemäss den Angaben von Dr. med. F.________ und Prof. Dr. med. E.________ nicht gegen eine traumatische Ursache. Zwar lasse sich ein Trauma im Halsbereich aus rechtsmedizinischer Sicht nicht nachweisen. Laut den Aussagen der Vorgenannten, an deren fachlichen Kompetenz keine Zweifel bestünden, könne jedoch vernünftigerweise kein anderer Schluss gezogen werden, als dass die Hiebe und Tritte gegen den Kopf- sowie Halsbereich des Opfers und/oder der durch die Schlägerei verursachte Sturz die Dissektion verursacht habe. Die Härte und Brutalität der Auseinandersetzung sei bei der Wahrscheinlichkeit der Ursache zu berücksichtigen, denn es seien gerade diese Schläge und Tritte, die eine Kausalität als so wahrscheinlich erscheinen lasse, dass die rein theoretisch mögliche, spontane Dissektion völlig in den Hintergrund trete. Dr. med. F.________ habe ausgeführt, eine traumatische Ursache komme klarerweise am ehesten in Frage, und Prof. Dr. med. E.________ habe erklärt, vorliegend handle es sich um ein ausgesprochen typisches Beispiel einer traumatisch bedingten Dissektion. Er habe nach dem Studium der Akten keine Anhaltspunkte gefunden, die ihn an der traumatischen Genese zweifeln liessen. Eine spontane Dissektion halte er als weitestgehend auch ausgeschlossen, weil keine krankhafte Veränderung der Halsschlagader vorliege. Die Vorinstanz erwägt, auch wenn der Zusammenhang zwischen den Schlägen/Tritten und der Dissektion rechtsmedizinisch nicht nachgewiesen werden könne, genüge es, dass das Verhalten des Täters mindestens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache des verpönten Erfolgs gebildet habe. Dies sei vorliegend gegeben. Die Vorbringen der Verteidigung, es gäbe neben der Schlägerei weitere mögliche Ursachen für die Dissektion, würden daran nichts ändern. Eine spontane Dissektion sei aufgrund der medizinischen Erkenntnisse sehr unwahrscheinlich resp. lediglich im Bereich des theoretisch Möglichen, selbst im Lichte des früheren Drogenkonsums des Opfers. Auch ein kleines unbemerktes Trauma oder ein Sturz ausserhalb der Schlägerei erscheine wenig wahrscheinlich, zumal keine diesbezüglichen Hinweise aktenkundig seien (Urteil S. 37 f.).