Citation: 4A_395/2021 E. 3.1

3.1. Gemäss Art. 224 Abs. 1 ZPO kann die beklagte Partei in der Klageantwort Widerklage erheben, wenn der geltend gemachte Anspruch nach der gleichen Verfahrensart wie die Hauptklage zu beurteilen ist. Es ist daher grundsätzlich nicht zulässig, im vereinfachten Verfahren eine Widerklage zu erheben, die wegen ihres Streitwerts in den Geltungsbereich des ordentlichen Verfahrens fällt. Abweichendes gilt jedoch für sogenannte negative Feststellungswiderklagen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung steht Art. 224 Abs. 1 ZPO der in Reaktion auf eine Teilklage erhobenen negativen Feststellungswiderklage nicht entgegen, auch wenn deren Streitwert die Anwendbarkeit des ordentlichen Verfahrens zur Folge hat. Haupt- und Widerklage sind diesfalls zusammen im ordentlichen Verfahren zu beurteilen (BGE 143 III 506 E. 3 und 4). Diese Ausnahme vom Erfordernis der gleichen Verfahrensart ist dabei nicht auf den Fall einer sogenannten echten Teilklage beschränkt, sondern gilt allgemein dann, wenn die Teilklage eine Ungewissheit zur Folge hat, die es rechtfertigt, die Feststellung des Nichtbestands einer Forderung oder eines Rechtsverhältnisses zu verlangen; die Unterscheidung zwischen echter und unechter Teilklage entfällt in diesem Zusammenhang (BGE 147 III 172 E. 2.3; 145 III 299 E. 2.3). Dies hat das Bundesgericht ausdrücklich auch mit Blick auf die bundesrätlichen Anpassungsvorschläge im Rahmen der aktuellen Revision der Zivilprozessordnung festgehalten (BGE 147 III 172 E. 2.3).