Citation: 5A_835/2012 E. 5.1

5.1. Die Rechtsfrage (E. 4.1), ob der im Sinne von Art. 288 SchKG Begünstigte die finanzielle Situation und die Absichten seines Kontrahenten erkennen konnte oder musste, lässt sich zunächst einmal anhand einer Würdigung der konkreten Umstände beantworten. Dazu zählt auch die Lebenserfahrung, wenn sich der Sachrichter nur zum Zweck darauf stützt, aus den Gesamtumständen des konkreten Falles oder den bewiesenen Indizien auf einen bestimmten Sachverhalt zu schliessen (vgl. BGE 127 III 453 E. 5d S. 456; 123 III 241 E. 3a S. ; Hans Schmid/Flavio Lardelli, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch, 4. Aufl. 2010, N 99 zu Art. 8 ZGB). Stellt der Richter hingegen ausschliesslich auf die Lebenserfahrung ab, so haben Erfahrungssätze eine über den konkreten Sachverhalt hinaus gehende Bedeutung. Diesfalls übernehmen sie die Funktion von Normen und werden daher den Rechtssätzen in dem Sinne gleichgestellt, dass ihre Anwendung vom Bundesgericht frei überprüft wird (BGE 130 III 182 E. 5.5.2 S. 192; 111 II 72 E. 3a S. 74; 107 II 269 E. 2b S. 274 f.; 69 II 421 E. 4 S. 425; Hans Schmid/Flavio Lardelli, a.a.O., N 100 zu Art. 8 ZGB). Erfahrungssätze brauchen nicht behauptet zu werden (Max Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl. 1979 S. 161 f.), ebensowenig allgemein bekannte Tatsachen (Hans Ulrich Walder-Richli/Béatrice Grob-Andermacher, Zivilprozessrecht, 5. Aufl. 2009, § 17 Rz. 11a) : Der Richter darf sie selbständig, aus eigener Erfahrung schöpfend, anwenden (Max Kummer, in: Berner Kommentar, 1962, N 98 zu Art. 8 ZGB). Im Übrigen darf der Richter ebenfalls jene Tatsachen berücksichtigen, welche sich aus dem Beweisverfahren ergeben, selbst wenn sie nicht gesondert behauptet wurden (Walder-Richli/Grob-Andermacher, a.a.O., § 17 Rz. 11e und Anm. 28).