Citation: U 351/01 22.10.2002 E. 2.3

2.3.1 Was sodann den Beweiswert von neuropsychologischen Gutachten für den Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs nach einem Schädel-Hirntrauma im Speziellen betrifft, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht in BGE 117 V 381 f. Erw. 3f ausgeführt, medizinisch werde den neuropsychologischen Testergebnissen von der SUVA (Mitteilungen der Medizinischen Abteilung 59, November 1986 S. 7) die Bedeutung eines wertvollen Mosaiksteins in der Gesamtbeurteilung bleibender Defizite nach Hirnverletzungen beigemessen, die sich auf neurologische, neuroradiologische, neuropsychologische und eventuelle otoneurologische Daten stütze. Es bestehe deshalb kein Grund, die neuropsychologische Diagnostik bei der Kausalitätsbeurteilung grundsätzlich unbeachtet zu lassen. 2.3.2 Im Zusammenhang mit dem Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen einer Schleuderverletzung der Halswirbelsäule ohne organisch nachweisbare Beschwerden und eingetretenen Gesundheitsschädigungen mittels neuropsychologischer Untersuchungsergebnisse hat das Eidgenössische Versicherungsgericht in BGE 119 V 341 Erw. 2b/bb überdies Folgendes ausgeführt: Auch in diesem Bereich bedarf es somit für die Leistungsberechtigung gegenüber dem Unfallversicherer, dass die geklagten Beschwerden medizinisch einer fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und dass diese Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfall steht. Dafür ist unter Umständen ein interdisziplinäres Zusammenwirken der verschiedenen medizinischen Fachrichtungen, nötigenfalls unter Einschluss der Neuropsychologie, erforderlich. Zu beachten sind hier die Schwierigkeiten, die sich aus dem Umstand ergeben, dass der im Zusammenhang mit HWS-Verletzungen sich manifestierende Beschwerdekomplex mitunter noch andere Ursachen haben kann, was aber nicht von vornherein zur Verneinung der natürlichen Kausalität führen darf, da der Unfall als eine Teilursache für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhanges genügt (...). Anderseits vermag auch die Neuropsychologie, nach derzeitigem Wissensstand, es nicht, selbständig die Beurteilung der Genese abschliessend vorzunehmen. Spricht nach der Aktenlage medizinisch vieles für Unfallkausalität der ausgewiesenen Beschwerden, ohne dass aber vom unfallärztlichen Standpunkt aus der Zusammenhang direkt mit Wahrscheinlichkeit zu bejahen wäre, können die neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse im Rahmen der gesamthaften Beweisführung bedeutsam sein. Das setzt aber voraus, dass der Neuropsychologe - im Einzelfall - in der Lage ist, überprüf- und nachvollziehbare, mithin überzeugende Aussagen zur Unfallkausalität zu machen, die sich in die anderen (interdisziplinären) Abklärungsergebnisse schlüssig einfügen. Blosse Klagen über diffuse Beschwerden genügen somit keineswegs für den Beweis der Unfallkausalität. Diese für den Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhanges bei Schleudertraumata der Halswirbelsäule mittels neuropsychologischer Abklärungen formulierten Anforderungen gelten in gleicher Weise für Schädel-Hirntraumata und deren gesundheitliche Folgen. Den von Fachleuten der Neuropsychologie erstellten Gutachten kommt hier dieselbe beweisrechtliche Bedeutung zu wie bei der Beurteilung der Unfallkausalität der nach einem Schleudertrauma aufgetretenen Gesundheitsstörungen.