Citation: U 365/05 11.07.2007 E. 4

4.1 Anlässlich der Erstbehandlung am 10. Juni 2000 im Spital A.________ wurde ein Hartspann paravertebral über der ganzen HWS, keine neurologischen Auffälligkeiten an der oberen Extremität und eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung der HWS festgehalten. Radiologisch seien keine ossären Läsionen nachgewiesen. Die HWS Funktionsaufnahme vom 13. Juni 2000 ergab eine leicht reduzierte Beweglichkeit im Segment C4 bis C7 mit im Übrigen normaler Beweglichkeit der oberen HWS ohne Luxation oder Subluxation. 4.2 Dr. med. G.________, Facharzt für Neurologie, hielt am 19. Juni 2001 fest, er habe den Versicherten erstmals am 3. Juli 2000 untersucht, und diagnostizierte ein unkompliziertes craniocervicales Akzelerations-/Dezelerationstrauma ohne ossäre Verletzungen oder Beeinträchtigung neuraler Strukturen. Am 5. Juli 2000 kam er zum Schluss, vorerst könne auf weitere neuroradiologische und neuropsychologische Untersuchungen verzichtet werden. Der Versicherte verneine einen wesentlichen oder längeren Bewusstseinsverlust sowie eine Erinnerungslücke. Er habe zudem ein stumpfes Knietrauma ohne äussere Verletzung erlitten. Es werde ein stabilisierender Kragen verordnet, welcher vor allem nachts zu tragen sei. Vorerst sei die volle Arbeitsfähigkeit beizubehalten. Am 21. November 2000 berichtete Dr. med. G.________, ossäre Verletzungen seien vom Spital A.________ und Verletzungen des Gewebes des Gehirns, des Rückenmarks sowie der dort austretenden Nervenwurzeln von ihm ausgeschlossen worden. Es bestünden übliche Beschwerden, welche medikamentös und physiotherapeutisch angegangen würden. 4.3 Dr. med. H.________, Oberarzt, Klinik R.________, hielt am 24. Juli 2001 einen Status nach Verkehrsunfall am 23. Mai 2000 mit HWS-Distorsion bei persistierendem zervikozephalem Symptomkomplex, vegetativer Dysregulation und leichten neuropsychologischen Funktionsstörungen fest. Der Versicherte habe möglicherweise beim Unfall den Kopf mehrfach angeschlagen, mit Sicherheit am Lenkrad mit Prellmarke rechts frontal. Er habe keine Bewusstseinsstörung gehabt. Von weiteren Abklärungen seien keine wesentlichen, therapierelevanten und abweichenden Erkenntnisse zu erwarten. Er empfahl die Wiederaufnahme der Physiotherapie, den Versuch mit Akkupunktur und Ergotherapie sowie eine psychologische Betreuung, eigenständige lokale Wärmeapplikation und nochmaligen Versuch mit einem SSRI. 4.4 Dr. phil. S.________, Fachpsychologe für Psychotherapie und Neuropsychologie, Psychiatrische Poliklinik, Universitätsspital X.________, welcher den Versicherten im Rahmen einer Schleudertraumastudie betreute, berichtete am 20. März 2002, die bisherige Physiotherapie habe keine Besserung, eher eine Verschlechterung gebracht. Seit mehreren Monaten habe er keine Therapie mehr. Er habe stets voll gearbeitet, sei aber weniger leistungsfähig und nach erhaltener Kündigung wegen internen Umstrukturierungen auf Stellensuche. Dr. phil. S.________ diagnostizierte einen Status nach HWS-Distorsion mit zervikozephalen und vegetativen Beschwerden sowie leichten Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit. Im Bericht vom 1. Juli 2002 hielt er fest, die Beweglichkeit habe sich gebessert. Der Versicherte sei nach eigenen Angaben arbeitslos und auf Stellensuche bei voller Arbeitsfähigkeit. Neuropsychologisch zeige er in allen Aufmerksamkeitstests schlechtere Ergebnisse als beim ersten Mal. Möglicherweise handle es sich dabei um ein funktionelles Korrelat der aktuellen somatischen Beschwerden. Auf Grund der normalen Befunde der ersten Untersuchung sei eine zerebrale Ätiologie unwahrscheinlich. 4.5 Die neurologisch-neurochirurgische Poliklinik der Universität X.________ hielt am 4. Juli 2002 gestützt auf ihre Untersuchungen im Rahmen der Schleudertraumastudie eine leichte Verbesserung der Nackenbeweglichkeit bei unveränderten Beschwerden fest. Das MRI der HWS habe - abgesehen von einer kleinen, nicht behandlungsbedürftigen medianen Diskushernie auf der Höhe HWK3/4 ohne Beeinträchtigung der neuronalen Strukturen - einen normalen Befund ergeben. 4.6 Dr. med. T.________, Facharzt für Ohren, Nasen, Hals, diagnostizierte am 9. August 2002 einen posttraumatischen chronischen Tinnitus beidseits ohne nachweisbare cochleäre Schädigung. 4.7 Dr. phil. S.________ hielt am 12. August 2002 fest, der Versicherte gebe an, er sei weiterhin auf Stellensuche bei voller Arbeitsfähigkeit. Im Vergleich zum letzten Test gebe es weiterhin Beeinträchtigungen, nachdem die Erstuntersuchung normal ausgefallen sei. Er vermute ein funktionelles Korrelat der aktuellen somatischen Beschwerden. 4.8 Am 14. Oktober 2002 diagnostizierte Dr. med. C._______, Augenarzt FMH, einen Status nach Schleudertrauma im Mai 2000 mit unklaren Sehstörungen sowie eine okuläre Hypertension und berichtete, wegen des leicht erhöhten Augendrucks werde demnächst eine computerisierte Gesichtsfelduntersuchung durchgeführt. 4.9 Am 18. November 2002 berichtete Dr. phil. S.________, der Versicherte sei nach eigenen Angaben weiterhin auf Stellensuche bei voller Arbeitsfähigkeit. Er leide zunehmend an psychischen Schwierigkeiten (Zukunftsängste, Niedergeschlagenheit). Es empfehle sich eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. Die gegenüber der Erstuntersuchung beeinträchtigten Testergebnisse deutete Dr. phil. S.________ als funktionelles Korrelat der somatischen und psychischen Befindlichkeit. Neu diagnostizierte er eine zunehmende depressiv-ängstliche Anpassungsstörung (ICD-10: F 43.22). 4.10 Infolge der sich verstärkenden Schmerzen wurde am 23. Oktober 2002 am Spital A.________ ein MRI des rechten Knies durchgeführt, das geringe degenerative Veränderungen im medialen und lateralen Meniskushinterhorn, eine Chondromalazie des lateralen Tibiaknorpels Grad 0, einen intakten Bandapparat sowie eine Exostose am medialen Femurkondylus dorsal ergab. 4.11 Dr. med. O.________, Chefarzt Orthopädie, Spital A.________, kam am 14. November 2002 zum Schluss, es bestünden klinisch keine sicheren Hinweise für eine Meniskuspathologie, auch im MRI gebe es keine sicheren Meniskuszeichen. Er empfahl, von einer Operation abzusehen, und verordnete Physiotherapie. 4.12 Ab Januar 2003 war der Versicherte bei Dr. med. N.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung. Nach mehreren Monaten Unterbruch setzte er diese ab November 2003 bei Dr. med. I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fort. 4.13 In ihrem polydisziplinären Gutachten vom 27. Oktober 2003 diagnostizierte die MEDAS mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit den Zustand nach HWS-Distorsion am 23. Mai 2000 bei chronischem zervikozephalem Beschwerdekomplex (ICD-10: M 53.0), ängstlich depressiver Anpassungsstörung im Rahmen des Schmerzsyndroms mit ausgeprägtem Krankheitsgefühl und hoch regressiven Copingstrategien (ICD-10: F 43.22), mittelschwerer neuropsychologischer Funktionseinschränkung (ICD-10: 06.7) nicht mit einer hirnorganischen Schädigung vereinbar, chronischen funktionellen Kopfschmerzen im Rahmen von Spannungskopfschmerzen mit intermittierenden Migräneanfällen sowie wahrscheinlich funktionell bedingtem Augenflimmern und Tinnitus (ICD-10: G. 44.8). Zudem wurde ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein Schmerzsyndrom des rechten Knies (ICD-10: M 24.8) sowie eine okuläre Hypertension (ICD-10: H 40.0) festgehalten. Gemäss dem psychiatrischen Konsilium finde sich eine mittelschwere Merkfähigkeitsstörung, die durch das chronische Schmerzsyndrom und die daraus resultierende Disstresssymptomatik erklärbar sei. Es bestünden keine Hinweis auf eine organische Genese. Aus psychiatrischer Sicht betrage die Restarbeitsfähigkeit mindestens 50 % und sei bei geeigneter Therapie deutlich steigerbar. Gemäss dem rheumatologischen Konsilium bestehe aus orthopädisch-rheumatologischer Sicht eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 80 % als Geschäftsführer als auch in einer anderen Tätigkeit. Der Neuropsychologe kam zum Schluss, das Gesamtniveau sei unterdurchschnittlich und entspreche angesichts der Ausbildung nicht den Erwartungen. Es gebe zum Teil deutliche Einbussen. Das Bild sei aber nicht einheitlich und nicht mit einer hirnorganischen Störung erklärbar. Die Testergebnisse würden wahrscheinlich nicht dem tatsächlichen Potenzial entsprechen, sondern mit ungünstigen intermittierenden Faktoren zusammenhängen (psychisch, körperliche Beschwerden, Motivation). Gemäss dem neurologischen Konsilium liege ein altersentsprechend normaler Befund vor. Bei den Kopfschmerzen handle es sich um funktionelle Beschwerden, die nicht direkt auf den Unfall zurückgeführt werden könnten. Das Augenflimmern, das Trümmelgefühl und der Tinnitus seien ebenfalls funktionelle Beschwerden und könnten bei Spannungskopfschmerzen als Begleitsymptome vorkommen. Aus neurologischer Sicht gebe es keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Insgesamt seien vor allem die psychiatrischen, weniger die rheumatologischen Befunde limitierend. Sowohl in der angestammten als auch in jeder anderen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Es sei wahrscheinlich, dass er bereits direkt nach dem Unfall in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei, doch lasse sich dies quantitativ nicht erfassen. Bei der Ausprägung der psychischen Anpassungsstörung hätten auch unfallfremde Faktoren (Verlust des Arbeitsplatzes, vorbestehende Persönlichkeitsstruktur) eine Rolle gespielt. Es gebe lebensgeschichtliche Hinweise dafür, dass er in emotionalen Konfliktsituationen ein dysfunktionales Verhalten aktiviere und ein regressives Coping entwickle. Diese unfallfremden Faktoren hätten ohne den Unfall nicht zu den geklagten Beschwerden führen können. Insbesondere die psychischen Beschwerden seien noch verbesserungsfähig.