Citation: 2C_865/2022 E. 3.4

3.4. Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz verkenne, dass die Interessen der Gesellschaft nicht immer mit denen des Mehrheitsaktionärs übereinstimmten. Dem vorliegenden Fall liege ein Gesellschafterstreit zwischen den Mehrheitsaktionären einerseits und dem Beschwerdeführer andererseits zugrunde. In einer solchen Konstellation sei grundsätzlich von einem konkreten Risiko eines Interessenkonflikts auszugehen. Der verzeigte Rechtsanwalt habe durch sein Verhalten, insbesondere durch die ungerechtfertigte fristlose Kündigung des Beschwerdeführers, das Umsatz- und Gewinnpotential der Gesellschaft erheblich gefährdet und somit einen konkreten Interessenkonflikt bewirkt. Es trifft zwar zu, dass die Interessen der Gesellschaft nicht immer mit den Interessen des Mehrheitsaktionärs übereinzustimmen brauchen. Damit besteht jedoch noch kein Risiko eines konkreten Interessenkonflikts, sondern erst die theoretische Möglichkeit des Auftretens gegensätzlicher Interessenlagen. Daran ändert auch der Hinweis des Beschwerdeführers nichts, die Gesellschaft sei nicht der verlängerte Arm der Mehrheitsaktionäre. Auch ein Gesellschafterstreit mit einem Minderheitsaktionär führt als solcher noch nicht zu einem Risiko eines konkreten Interessenkonflikts zwischen den Mehrheitsaktionären und der Gesellschaft. Bezüglich des Gewinnpotentials der Gesellschaft haben die Mehrheitsaktionäre und die Gesellschaft in der Regel das gleiche Interesse. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, durch seine ungerechtfertigte fristlose Kündigung sei das Umsatz- und Gewinnpotential der Gesellschaft erheblich gefährdet worden, reicht das daher nicht, um das Risiko eines konkreten Interessenkonflikts zwischen den vom verzeigten Rechtsanwalt vertretenen Parteien aufzuzeigen. Ebenso wenig genügt hierfür das Vorbringen, eine Aktiengesellschaft könne (als "société anonyme" bzw. in Abwesenheit jeglicher personalistischer Komponenten) kein Interesse daran haben, wer ihre Aktionäre seien.