Citation: 6B_608/2023 E. 2.2.1

2.2.1. Die Vorinstanz prüft das Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls. Sie erwägt, die Beschwerdeführerin sei selbständig erwerbstätig und führe einen Massagesalon in V.________, was ihr zugutezuhalten sei. Vorher sei sie während Jahren keiner legalen Erwerbstätigkeit nachgegangen, sondern handelte mit Kokain oder musste für sich und ihre Tochter wirtschaftliche Sozialhilfe beziehen, was negativ ins Gewicht falle. In letzter - wenn auch erst seit kurzer - Zeit sei es ihr aber gelungen, ihre Erwerbstätigkeit und ihre elterlichen Pflichten miteinander zu koordinieren. Die Integration in wirtschaftlicher Hinsicht sei als durchzogen zu bezeichnen. Die Vorinstanz führt aus, sie lebe nach wie vor in prekären finanziellen Verhältnissen und habe hohe Schulden. Bisher habe sie lediglich einen kleinen Teil der bezogenen wirtschaftlichen Sozialhilfe von Fr. 145'412.-- zurückbezahlen können. Seit ihrer Einreise in die Schweiz seien insgesamt 31 nicht getilgte Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 45'719.30 verzeichnet; dieser Gesamtbetrag sei gegenüber dem vorinstanzlichen Verfahren sogar noch um rund Fr. 3'000.-- gestiegen. Eine finanzielle Integration sei nicht gelungen. Weiter setzt sich die Vorinstanz mit den Deutschkenntnissen der Beschwerdeführerin auseinander, die sie als höchstens mässig einstuft. Bezüglich der familiären Situation der Beschwerdeführerin führt die Vorinstanz aus, sie sei geschieden und lebe in keiner gefestigten Beziehung. Sie habe eine minderjährige schulpflichtige Tochter, die im Jahr 2008 geboren sei und die schweizerische Staatsbürgerschaft besitze. Im Jahr 2016 sei der Beschwerdeführerin das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Tochter entzogen worden; diese sei zur weiteren Pflege und Erziehung in einer Kinder- und Jugendsiedlung untergebracht worden. Seither sei sie eine konstante und zuverlässige Bezugsperson für ihre Tochter. Seit 2021 halte sich die Tochter jeweils wöchentlich am Mittwochnachmittag sowie wöchentlich am Wochenende von Freitagabend bis Montagmorgen bei der Beschwerdeführerin auf. Zudem verbringe sie auch Ferien bei der Beschwerdeführerin. Die Tochter habe überdies den Wunsch geäussert, wieder bei der Beschwerdeführerin leben zu dürfen. Damit sei gegenwärtig von einer nahen, echten und tatsächlich gelebten Beziehung zwischen den beiden auszugehen, wodurch das in Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens grundsätzlich berührt sei. Jedoch sei zu beachten, dass der Beschwerdeführerin die Obhut über ihre Tochter entzogen und die elterliche Sorge eingeschränkt worden sei, was in diesem Zusammenhang relativierend zu berücksichtigen sei. Die beiden lebten nicht in einem gemeinsamen Haushalt. Weiter sei zu erkennen, dass die Tochter kürzlich 15 Jahre alt geworden sei. Die Landesverweisung werde erst nach Verbüssung der Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten vollzogen; folglich komme es voraussichtlich erst zum Vollzug der Landesverweisung, wenn die Tochter bereits 18 Jahre alt und somit volljährig sei. Damit werde die Beziehung zum Zeitpunkt des Vollzugs nicht mehr die Kernfamilie betreffen. Selbst wenn die Beschwerdeführerin nach zwei Drittel der Strafe bedingt entlassen werden würde, wäre die Tochter bereits 17 Jahre alt und würde nur noch wenige Monate vor der Volljährigkeit stehen; zu diesem Zeitpunkt könnte sich die Beschwerdeführerin nicht mehr auf Art. 8 EMRK berufen. Im Übrigen sei nicht ersichtlich, dass ein über die üblichen familiären Beziehungen hinausgehendes besonderes Abhängigkeitsverhältnis vorliege. Ausserdem würde die Landesverweisung nicht zwingend zu einer Trennung der Tochter führen; dieser stehe es frei, die Beschwerdeführerin in die Dominikanische Republik zu begleiten. Sie beherrsche die spanische Sprache und habe bereits einmal mit ihrem Vater für über ein Jahr in der Dominikanischen Republik gelebt, wo sie auch den Kindergarten besucht habe. Zudem stehe sie in Kontakt zu ihrer dort lebenden Grossmutter. Es sei ihr zuzumuten, der Beschwerdeführerin in die Dominikanische Republik zu folgen. Insgesamt stelle die Landesverweisung damit aufgrund der Beziehung zwischen Mutter und Tochter eine gewisse Härte dar; dennoch erweise sie sich diesbezüglich als verfassungs- und konventionskonform. Mit Blick auf die Aufenthaltsdauer hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin sei vor rund 14.5 Jahren im Alter von 35 Jahren in die Schweiz gekommen. In ihrem Heimatland habe sie die prägenden Kindheits- und Jugendjahre verbracht. Sie beherrsche die Landessprache der Dominikanischen Republik und es sei davon auszugehen, dass ihr die dortige Kultur nach wie vor vertraut sei; sie könne sich in ihrem Heimatland wiedereingliedern.