Citation: 9C_55/2007 18.10.2007 E. 5.3

5.3.1 Für die Zeit nach dem Auftreten der im Gutachten des Prof. Dr. med. G.________ vom 23. Dezember 2003 erwähnten Schulterbeschwerden rechts gilt Folgendes: Im BEFAS-Gutachten vom 5. Mai 1998 wurden dem Versicherten aufgrund der praktischen Abklärungen überwiegend einarmig ausübbare Tätigkeiten, bei denen die linke Hand sporadisch für leichte Hilfsfunktionen eingesetzt werden muss, zu 70 % als zumutbar bezeichnet. Diese Einschätzung beruhte auf der damals richtigen Annahme von intakten, grundsätzlich voll gebrauchsfähigen rechten Schulter, Arm und Hand. Demgegenüber bestanden bei der Begutachtung durch Prof. Dr. med. G.________ im Oktober und November 2003 Beschwerden an der Schulter rechts, welche das funktionelle Leistungsvermögen einschränkten. Der orthopädische Experte hielt diesbezüglich fest, der Versicherte könne mit dem rechten Arm lediglich eine Last von weniger als zwei Kilogramm tragen und dies auch nur, wenn das Gewicht nicht über die Horizontale gehoben werden müsse. Linksseitig sei überhaupt keine Belastung des Armes möglich. Die Arbeitsfähigkeit bezifferte Prof. Dr. med. G.________ auf 70 % (Gutachten vom 23. Dezember 2003). Gemäss kantonalem Gericht lässt sich aus den beiden Expertisen ableiten, dass zwischen 1998 und 2003 für eine adaptierte Tätigkeit die Arbeitsfähigkeit konstant bei 70 % geblieben sei. Diese Beweiswürdigung muss ohne nähere Umschreibung, was unter einer - mit Blick auf den mehrfach funktionell eingeschränkten Versicherten - adaptierten Tätigkeit zu verstehen ist, als willkürlich bezeichnet werden. Die zusätzliche Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen aufgrund der Schulterbeschwerden rechts verbietet jedenfalls den Schluss, dass die im BEFAS-Gutachten vom 5. Mai 1998 als zumutbar genannten Verweisungstätigkeiten, umfassend u.a. Verpackungsarbeiten sowie das Hantieren mit Werkteilen von maximal 5 kg Gewicht, vom Anforderungsprofil her tatsächlich in Betracht fallen. Es stellt sich denn auch die Frage, wie Tätigkeiten in einem industriellen Betrieb mit unbelastetem Einsatz des rechten Armes und ohne belasteten Einsatz des linken Armes aussehen. In diesem Zusammenhang wird in der Beschwerde des Versicherten richtig darauf hingewiesen, dass bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden darf. Insbesondere kann von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von alt Art. 28 Abs. 2 IVG und Art. 16 ATSG dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteile I 269/05 vom 11. Oktober 2005 E. 3.5, I 537/03 vom 16. Dezember 2003 E. 3.1 und I 97/00 vom 29. August 2002 E. 1.3.1 mit Hinweisen). Die - nicht bestrittenen - vorinstanzlichen Erwägungen zum Abzug vom Tabellenlohn (vgl. E. 5.1 hievor) werfen in der Tat die Frage der erwerblichen Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit insbesondere im industriellen Bereich auf. Im Weitern besteht gemäss dem Gutachten des Dr. med. K.________ vom 27. Januar 2005 aus rein psychiatrischer Sicht ohne Berücksichtigung körperlicher Erkrankung in leicht adaptierter Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 70 %. Ob die Einschränkungen aus psychiatrischer und orthopädischer Sicht von je 30 % kumulieren, sagt der Experte nicht. Gemäss der internen Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes der IV-Stelle vom 7. April 2005 gilt die psychisch bedingte Leistungsverminderung zeitlich auch für die orthopädische Problematik und umgekehrt. Dies wird indessen nicht näher begründet. Dass die Vorinstanz bei dieser Aktenlage eine Addition der Arbeitsunfähigkeit aus somatischer und psychiatrischer Sicht verneint hat, stellt eine unhaltbare Beweiswürdigung und damit offensichtlich unrichtige Tatsachenfeststellung im Sinne von Art. 105 Abs. 2 BGG dar. 5.3.2 Im Sinne des Vorstehenden besteht Abklärungsbedarf sowohl in Bezug auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit als auch deren erwerbliche Verwertbarkeit. Erst wenn der rechtserhebliche Sachverhalt insofern richtig und vollständig festgestellt ist, stellt sich beim Invalideneinkommen, sofern es auf tabellarischer Grundlage zu ermitteln ist (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399, 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475 ff.), die Frage des Abzugs vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75. Diesbezüglich macht die IV-Stelle insoweit zu Recht geltend, dass nach der Rechtsprechung der Abzug maximal 25 % betragen kann (BGE 126 V 75 E. 5b/cc S. 80). In diesem Zusammenhang ist immerhin zu beachten, dass einer erschwerten Verwertbarkeit der trotz des Gesundheitsschadens noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit allenfalls dadurch Rechnung getragen werden kann, dass auf einen anderen als auf den durchschnittlichen Lohn in allen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors («Total») abgestellt wird (BGE 129 V 472 E. 4.3.2 S. 483; RKUV 2001 Nr. U 439 S. 47 [U 240/99]). Diese Ausnahmeregelung kommt nur, aber immerhin dann zum Zuge, wenn der Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit derart enge Grenzen gesetzt sind, dass praktisch alle Tätigkeiten eines bestimmten Wirtschaftszweiges ausser Betracht fallen (RKUV a.a.O.; Urteil I 295/06 vom 19. September 2006 E. 3.2.1). 5.4 Die IV-Stelle wird die notwendigen Abklärungen vorzunehmen haben und danach über die Invalidenrente neu verfügen (vgl. zur Frage der Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung der Unfallversicherung für die Invalidenversicherung zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil U 148/06 vom 28. August 2007). Dabei wird sie allenfalls auch den Zeitpunkt festzulegen haben, ab welchem die heraufzusetzen ist (Art. 88a Abs. 2 IVV und BGE 131 V 164 E. 2.2 S. 165). Im Übrigen ist Leistungsbeginn der 1. August 1996, wie auch das kantonale Gericht in E. 1 seines Entscheids richtig festgestellt hat. Dispositiv-Ziffer 2, welche die Sache u.a. zur Festlegung des Rentenbeginns zurückweist, ist insoweit ebenfalls aufzuheben.