Citation: 6B_1124/2021 E. 3.1.6

3.1.6. Im Lichte obiger Ausführungen kann letztlich offen gelassen werden, ob die Beziehung zu seiner Freundin von Art. 8 EMRK erfasst wird. Die gegenteilige Ansicht der Vorinstanz ist zumindest zweifelhaft. Der Familienbegriff gemäss Art. 8 EMRK setzt den Bestand naher, echter, tatsächlich gelebter Beziehungen voraus. Weniger wichtig sind rechtliche Verbindungen (zum Ganzen: BGE 144 I 266 E. 3.3; 144 II 1 E. 6.1; Urteil 6B_255/2021 vom 3. Oktober 2022 E. 1.3.4; je mit weiteren Hinweisen). Der Beschwerdeführer und seine Partnerin, welche um eine Scheidung von ihrem Ehemann bemüht sei, seien seit zwei Jahren liiert und wohnten zusammen in X.________. Beide strebten die Gründung einer Familie an. Damit liegen zumindest gewichtige Anhaltspunkte für eine echte und tatsächlich gelebte Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK vor. Nicht massgeblich ist derweil, ob das Paar (bald) zu heiraten gedenkt oder die Voraussetzungen für ein sogenanntes "qualifiziertes Konkubinat" gegeben sind. Ob es sich bei der geltend gemachten Familienplanung um ein taktisches Manöver handelt, ist unbekannt. Dies kann mangels entsprechender Hinweise aber nicht leichthin angenommen werden. Beizupflichten ist der Vorinstanz, wenn sie eine gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit verneint. Dass dem Beschwerdeführer und seiner Partnerin die Bestreitung ihrer aktuellen Lebenskosten nur gemeinsam möglich sei, reicht dafür nicht aus. Vielmehr müssten sie diese bei einer Landesverweisung (wie auch im Falle einer Trennung) anpassen. Die Weigerung der (über die italienische Staatsbürgerschaft verfügenden) Freundin, den Beschwerdeführer im Falle der Ausweisung zu begleiten, lässt derweil keinen Schluss auf die Qualität der Beziehung zu. So ist unbekannt, ob sie nur schon der Landessprache mächtig ist. Betreffend ihren sonstigen Bezug zu Italien sowie ihre berufliche Situation ist dem angefochtenen Urteil - bis auf ihre aktuelle Arbeitslosigkeit - nichts zu entnehmen. Ihre Familie befinde sich dem Beschwerdeführer zufolge jedenfalls in der Schweiz. Entsprechend kann nicht ohne Weiteres auf die Möglichkeit und Zumutbarkeit der Weiterführung der Beziehung im Ausland geschlossen werden.