Citation: U 243/03 17.08.2004 E. 4

4.1 Zur Leistungspflicht aus dem Unfall vom 31. Januar 2001 hat das kantonale Gericht erwogen, aufgrund der Akten könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei der Auffahrkollision im Bereich der HWS ein Beschleunigungsmechanismus stattgefunden habe. Spätestens ab dem Zeitpunkt der Leistungseinstellung auf den 1. Mai 2001 seien indessen die geklagten Beschwerden lediglich noch der degenerativ bedingten Diskushernie zuzuordnen. Insbesondere bestünden keine Anhaltspunkte für eine richtungweisende Schädigung der Halswirbelsäule als Folge des Unfalles. Rein vom Zeitpunkt ihres Auftretens unmittelbar nach der Kollision bzw. im Rahmen der Erstbehandlung durch Dr. med. F.________ am 1. Februar 2001 seien die Nacken- und Kopfschmerzen als Traumafolge zwar möglich. Gemäss Dr. med. H.________ stünden diese Beschwerden indessen nicht ursächlich mit dem Unfallereignis vom 31. Januar 2001 in Verbindung. Die diagnostizierte Cervikobrachialgie rechts sei auf einen degenerativ bedingten Bandscheibenvorfall C3/4 zurückzuführen. Sie habe keine traumatische Ursache. Die degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS seien auch nicht als teilweise Folge eines Unfallgeschehens zu werten. Der Bericht des Dr. med. W.________ vom 13. Juni 2001 vermöge die Schlüssigkeit des Berichts des Dr. med. H.________ vom 9. Juli 2001 nicht in Frage zu stellen. Aufgrund der vom erstbehandelnden Arzt Dr. med. F.________ erhobenen Befunde könne lediglich von einem leichten Schädel-Hirn-Trauma oder einem leichten Trauma der HWS ausgegangen werden. Nach der Erkenntnis der medizinischen Forschung könne somit mit einer Erholung innert sechs bis zwölf Wochen gerechnet werden. Angesichts des Vorzustandes erscheine daher die Feststellung des Dr. med. H.________, die über den 1. Mai 2001 hinaus geklagten Nacken- und Kopfschmerzen seien nicht mehr traumatisch, sondern nur noch degenerativ bedingt, durchaus schlüssig und überzeugend. Weitere ebenfalls geklagte Beschwerden (erhöhte Müdigkeit, Übelkeit, Schulterschmerzen mit Ausstrahlung in den Oberarm, gelegentlich in den Unterarm) fielen als mögliche Traumafolgen ausser Betracht. Im Weitern stehe auch das von Dr. med. W.________ diagnostizierte leichte bis mittelschwere neuropsychologische Defizit mit einer ausgeprägten Konzentrationsminderung sowie einer Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung eindeutig nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 31. Januar 2001. Das neuropsychologische Grundmuster wäre laut diesem Facharzt zwar mit dem Mechanismus eines HWS-Beschleunigungstraumas vereinbar. Indessen sei nicht auszuschliessen, dass eine unfallunabhängige, z.B. neurodegenerative, Erkrankung mit eine Rolle spiele. Entscheidend sei, dass gemäss der Beurteilung des Psychiaters Dr. med. S.________ vom 3. März 2003 die Störungen der Gedächtnisleistungen mit Sicherheit nicht eine organische, sondern eine psychodynamische Ursache hätten. Laut diesem Facharzt bestehe eine psychische Problematik im Sinne einer ängstlich betonten Reaktion nach Distorsionstrauma (ICD-10 F43.22) sowie einer sekundären Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.1). Im Sinne eines circulus vitiosus führe die Depression zu Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, die wiederum eine psychologische Belastung darstellten. Auch Dr. med. W.________ erwähne die neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse wiederholt im Zusammenhang mit einer Wesensveränderung bzw. einer depressiven Grundstimmung. Aufgrund des Berichts des Dr. med. S.________ vom 3. März 2003 sei nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, dass es sich bei den heute vorliegenden psychischen Gesundheitsstörungen um eine natürliche Folge des versicherten Unfalles handeln könnte. Die Frage der natürlichen Kausalität könne jedoch offen gelassen werden. Selbst wenn sie zu bejahen wäre, fehlte es an der Unfalladäquanz der psychischen Beschwerden. Das kantonale Gericht hat den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 31. Januar 2001 und den psychischen Störungen nach Massgabe von BGE 115 V 133 geprüft und verneint. 4.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird vorab die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung als unrichtig oder unvollständig gerügt. Es wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe beim Auffahrunfall vom 31. Januar 2001 nicht bloss ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma resp. ein leichtes Trauma der HWS erlitten. Der Aufprall sei sehr heftig und die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung Delta-v des Fahrzeugs des Versicherten erheblich gewesen. Zumindest sei eine unfallanalytische und eine biomechanische Expertise einzuholen. Im Weiteren könne aufgrund der Berichte des Dr. med. H.________ sowie des Dr. med. W.________ nicht ausgeschlossen werden, dass die Nacken- und Kopfschmerzen teilweise auch unfallkausal und nicht bloss degenerativ bedingt seien. Zu dieser Frage sei ein Gerichtsgutachten notwendig, zumal sich die beiden Fachärzte teilweise widersprächen. Schliesslich könne die Beurteilung der Adäquanz der anerkanntermassen unfallbedingten psychischen Beeinträchtigungen (Depression, Vergesslichkeit) durch die Vorinstanz nicht geteilt werden. 4.2.1 Das Vorliegen eines Schädel-Hirntraumas oder eines Schleudertraumas der HWS wie seine Folgen müssen durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein. Trifft dies zu und ist die natürliche Kausalität - aufgrund fachärztlicher Feststellungen in einem konkreten Fall - unbestritten, kann der natürliche Kausalzusammenhang ebenso aus rechtlicher Sicht als erstellt gelten (BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa, 117 V 379 f. Erw. 3e; RKUV 2003 Nr. U 489 S. 358 Erw. 3.2). Aufgrund der medizinischen Akten kann weder ein Schleudertrauma noch ein Schädel-Hirntrauma als Folge des Unfalles vom 31. Januar 2001 mit hinreichender Sicherheit angenommen werden. Dr. med. W.________ stellte zwar die Diagnose eines HWS-Beschleunigungstraumas mit Verdacht auf Commotio cerebri. Dabei ging er indessen davon aus, der Beschwerdeführer sei «überrascht von nachfolgendem Fahrzeug von hinten (...) angefahren» worden. Der Versicherte schliesse eine Kopfkontusion nicht sicher aus (Bericht vom 13. Juni 2001). Diese Darstellung des Unfallhergangs steht im Widerspruch zum Polizeirapport vom 9. Februar 2001. Der Beschwerdeführer sagte am Unfallort aus, «als ich stillstand sah ich im Rückspiegel, wie der mir nachfolgende PW nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte und mir frontal ins Heck fuhr». Er wurde somit vom Aufprall nicht überrascht, wie Dr. med. F.________ im Zusatzfragebogen bei HWS-Verletzungen vom 21. Mai 2001 festhielt. Sodann fehlen im Polizeirapport Hinweise darauf, dass der Versicherte bei der Befragung schockiert oder sonstwie durcheinander gewesen war. Schon aus diesen Gründen ist hinter die Diagnose eines HWS-Beschleunigungstraumas ein Fragezeichen zu setzen. Damit verliert aber auch die ohnehin nur als möglich bezeichnete Erklärung des Dr. med. W.________, die Progredienz C3/4 könnte mit dem Unfallereignis in Zusammenhang stehen, noch weiter an Aussagekraft. Schliesslich genügt das Auftreten von zum typischen Beschwerdebild bei einem Schleudertrauma der HWS oder einem Schädel-Hirntrauma gehörenden Symptomen wie Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, erhöhte Müdigkeit, Depression (BGE 119 V 338 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b, 382 Erw. 4b) nach dem Unfall vom 31. Januar 2001 allein nicht für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359 unten). Von weiteren Abklärungen sind keine neuen verwertbaren Erkenntnisse zu erwarten. Davon ist daher abzusehen (BGE 124 I 211 Erw. 4a, 124 V 94 Erw. 4b). Insbesondere erübrigt sich die Einholung eines unfallanalytischen und eines biomechanischen Gutachtens. Die Schwere des Unfalles vom 31. Januar 2001 ist im Übrigen ohnehin lediglich im Hinblick auf die Adäquanzprüfung von Bedeutung (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359 Erw. 3.2 mit Hinweis). Im Sinne des Vorstehenden ist der vorinstanzliche Schluss, es könne lediglich von einem leichten Schädel-Hirn-Trauma oder einem leichten Trauma der HWS ausgegangen werden, nicht zu beanstanden. 4.2.2 Im Weitern divergieren die Aussagen des Dr. med. H.________ und des Dr. med. W.________ nicht derart, dass ein Gerichtsgutachten Klärung bringen müsste. Dr. med. H.________ verneint klar und nachvollziehbar eine richtunggebende Verschlimmerung der vorbestandenen degenerativ bedingten Beeinträchtigungen der Halswirbelsäule als Folge des Unfalles vom 31. Januar 2001. Dieser Beurteilung widerspricht nicht, dass Dr. med. W.________ eine unfallbedingte Progredienz C3/4 für möglich hält. 4.2.3 Das kantonale Gericht hat die Adäquanzprüfung nach Massgabe von BGE 115 V 133 vorgenommen. Das ist richtig und steht nach Verneinung eines Schleudertraumas der HWS oder einer äquivalenten Verletzung und eines Schädel-Hirntraumas ausser Frage. Die neuropsychologischen Defizite sind lediglich im Rahmen einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall von Bedeutung. Zum einen ist gemäss Dr. med. W.________ eine (neurodegenerative) Erkrankung als Ursache der Konzentrations- und Gedächtnisstörungen nicht auszuschliessen. Zum andern sind aufgrund des Berichts des Dr. med. S.________ vom 3. März 2003 die psychischen Störungen als eine conditio sine qua non für die neuropsychologischen Defizite zu betrachten. Das Umgekehrte lässt sich nicht sagen. Die vorinstanzliche Adäquanzbeurteilung ist nicht zu beanstanden. Es kann darauf verwiesen werden. Die Einwendungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde sind nicht stichhaltig. Insbesondere kann beim Ereignis vom 31. Januar 2001 nicht von einem schweren Unfall gesprochen werden. Diese Feststellung bedarf nicht der Bestätigung durch eine unfallanalytische und biomechanische Expertise. Zum einen kommt solchen Unterlagen beweisrechtlich nicht erhöhtes Gewicht zu in dem Sinne, dass allein gestützt darauf die Einstufung eines Unfalles als leicht, mittelschwer oder schwer vorzunehmen wäre (Urteile S. vom 16. Juni 2004 [U 133/03], D. vom 4. September 2003 [U 371/02], Z. vom 18. März 2003 [U 205/02] und P. vom 14. März 2001 [U 137/00]; vgl. auch Jürg Senn, HWS/-Hirnverletzungen und Biomechanik in: AJP 1999 S. 625 ff., insbesondere S. 633 f.). Zum anderen sprechen verschiedene Umstände (u.a. verhältnismässig geringer Sachschaden, Fahrtüchtigkeit der am Unfall beteiligten Personenwagen, keine Verletzten, kein Anschlagen des Kopfes am Steuer oder an der Frontscheibe) gegen eine heftige Kollision. 4.3 Der angefochtene Entscheid ist somit rechtens.