Citation: 1C_317/2022 E. 4.5

4.5. Der Beschwerdeführerin ist einzuräumen, dass die Berücksichtigung des Einsprache- und Prozessrisikos heikel erscheint: Zwar besteht unabhängig von gesetzlichen Sanierungsfristen ein öffentliches Interesse daran, die Strassenentwässerung durch die Erstellung einer SABA möglichst rasch zu sanieren, um das in die Sitter eingeleitete Abwasser besser zu reinigen. Dagegen hängt das Prozessrisiko nicht einzig von den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern ab, wie der vorliegende Fall zeigt (Beschwerde der Stiftung WWF bis vor Bundesgericht). Zudem darf dieses Kriterium nicht dazu führen, aus Sicht von Umwelt und Landschaft klar schlechteren Varianten zum Durchbruch zu verhelfen. Insofern durfte der angekündigte Widerstand der Grundstückeigentümerinnen und das dadurch erhöhte Prozessrisiko allenfalls den Ausschlag zwischen annähernd gleichwertigen Varianten geben. Selbst wenn vollständig der Bewertung der Beschwerdeführerin zu folgen wäre, lägen die beiden Varianten (mit 2.72 und 2.77) nicht weit auseinander. Zudem erscheint eine Korrektur des Kriteriums "Landschaft und Ortsbild" nicht zwingend: Zwar ist die Variante Sitterviadukt aus landschaftlicher Sicht klar besser, weshalb sie zu Recht mit 4 Punkten bewertet wurde. Der Eingriff in die Landschaft am Standort Grafenau wird jedoch durch die naturnahe Ausgestaltung der SABA als Sandfilter mit artenreicher Bepflanzung (vgl. Umweltnotiz S. 18 NL 5), die Minimierung der Erdverschiebungen (Umweltnotiz S. 17 Ziff. 4) und die Gestaltung der Böschungen als Magerwiesen (Umweltnotiz S. 18 NL 5) relativiert. Eine Bewertung mit 2 Punkten (statt mit nur einem Punkt) erscheint daher vertretbar, selbst wenn das Kehrichtheizkraftwerk auf der gegenüberliegenden Seite der Sitter nicht berücksichtigt wird. Bleibt es insoweit bei der Bewertung mit 2 Punkten, nähern sich die Punktzahlen der beiden Varianten noch weiter an, so dass sie annähernd als gleichwertig erscheinen (auch unter Berücksichtigung der Kritik der Beschwerdeführerin an der Gewichtung und Bewertung des Kriteriums "Wald" und ohne Berücksichtigung des Prozessrisikos). Insofern lag es im Ermessen des UVEK, dem Standort Grafenau den Vorzug zu geben.