Citation: I 622/03 30.03.2004 E. 5

Das kantonale Gericht hat die Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten (vorwiegend sitzend auszuführende, leichte manuelle Arbeiten ohne Heben von Lasten) wie folgt festgelegt (Erw. 4.6 des angefochtenen Entscheides): 0 % 17. März 1996 bis 31. März 1997, 50 % 1. April 1997 bis 28. Mai 1998, 0 % 29. Mai 1998 bis 30. September 1998, 50 % 1. Oktober 1998 bis 9. Januar 2000, 0 % 10. Januar 2000 bis 27. September 2000, 50 % ab 28. September 2000. Gemäss dem im UV-Verfahren erstellten Gutachten des Dr. med. K.________, Spezialarzt FMH für orthopädische Chirurgie, vom 13. Juni 2001, ist die Einschränkung hauptsächlich auf Beschwerden im Bereich des rechten Rückfusses mit Anlauf-, Belastungs- und Ruheschmerz bei deutlich verminderter Beweglichkeit zurückzuführen. Die vorinstanzliche Beurteilung von Art und Ausmass der zumutbaren Arbeitsfähigkeit für die Zeit bis zum Erlass der Rentenverfügungen am 13. Februar 2002 ist in zweifacher Hinsicht nicht schlüssig. 5.1 Das kantonale Gericht geht für die Zeit vom 25. Januar bis 28. Mai 1998 von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in leidensangepassten Tätigkeiten aus. 5.1.1 Ab 25. Januar 1998 war die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen der Arbeit als Zimmermädchen ferngeblieben. Diese angestammte Tätigkeit hatte sie am 1. August 1997 im hälftigen Umfang wieder aufgenommen, nachdem ein erster Versuch im März des Jahres gescheitert war. Am 29. Mai 1998 wurde im Spital X.________ eine Arthrodese des rechten unteren Sprunggelenkes (USG) durchgeführt. 5.1.2 Die Vorinstanz begründet die 50%ige Arbeitsfähigkeit für die fragliche Zeitspanne mit dem Hinweis auf den Bericht des Dr. med. S.________ vom 11. August 1998. Darin widerspricht der chirurgische Orthopäde der Beurteilung des damaligen Hausarztes Dr. med. I.________, welcher für die Zeit vom 24. Januar bis 27. Mai 1998 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte. Es hätten sich, so Dr. med. S.________, keine neuen objektiven Gesichtspunkte (seit seinem Bericht vom 29. Oktober 1997) ergeben. 5.1.3 Aufgrund der Akten steht fest und ist unbestritten, dass die am 1. August 1997 im Umfang von 50 % wieder aufgenommene Tätigkeit als Zimmermädchen an sich unzumutbar war. Davon geht ausdrücklich auch das kantonale Gericht aus. Die Vorinstanz erachtet daher die nach gut fünf Monaten im Januar 1998 aufgetretenen verstärkten Schmerzen am verletzten rechten Fuss als durchaus nachvollziehbar. Es kann nicht angenommen werden, dass die Ausübung der unzumutbaren Tätigkeit als Zimmermädchen ab 1. August 1997 zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führte, auf die Arbeitsfähigkeit indessen keine Auswirkungen hatte. Das stützt die Einschätzung des Dr. med. I.________, wonach ab 25. Januar 1998 vollständige Arbeitsunfähigkeit bestand. Die davon abweichende Beurteilung des Dr. med. S.________ ist schon deshalb nicht schlüssig, weil nicht gesagt werden kann, es hätten sich seit seinem Bericht vom 29. Oktober 1997 keine neuen objektiven Gesichtspunkte ergeben. Im Gegenteil war die ab 1. August 1997 wieder ausgeübte Tätigkeit als Zimmermädchen offensichtlich ungeeignet und hatte zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes geführt. 5.1.4 Bei dieser Sachlage ist aufgrund der grösseren Nähe des Hausarztes zum Geschehen auf dessen Einschätzung abzustellen. Somit bestand schon ab 25. Januar 1998 wieder vollständige Arbeitsunfähigkeit und nicht erst ab 29. Mai 1998. 5.2 Im Weitern können Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit ab 28. September 2000 nicht als rechtsgenüglich abgeklärt gelten. Entgegen dem kantonalen Gericht ist das Gutachten des Dr. med. K.________ vom 13. Juni 2001 insofern nicht schlüssig. 5.2.1 Dr. med. K.________ stellte die Diagnose einer orthopädisch-psychosomatischen Defektheilung, Status nach multiplen operativen Eingriffen, mit Verdacht auf ein neuropathisches Schmerzsyndrom am rechten Rückfuss. Zur Frage, ob «unfallfremde Zustände» mitwirkten, führte der Experte aus, er könne prozentual nicht abschätzen, inwiefern die Aussagen im Bericht der Neurologischen Klinik des Spitals Y.________ vom 13. Oktober 2000 zur psychiatrisch-psychologischen Unfallverarbeitung den Heilungsverlauf beeinträchtigten. Er dürfte jedoch dem orthopädischen Defektzustand ebenbürtig sein. 5.2.2 Die Diagnose einer orthopädisch-psychosomatischen Defektheilung einerseits sowie die Erwähnung einer psychiatrisch-psychologischen Unfallverarbeitung anderseits werfen die Frage auf, ob die Einschätzung des Dr. med. K.________, wonach eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in leidensangepassten Tätigkeiten besteht, aus rein orthopädischer Sicht gilt. Ist das zu bejahen, kann entgegen der Vorinstanz nicht gesagt werden, der Gutachter habe bei der Beurteilung von Art und Ausmass der gesundheitlich noch in Betracht fallenden Arbeiten der psychischen Belastung durch die Schmerzen Beachtung geschenkt. Weiter kann die Antwort auf die Frage nach mitwirkenden unfallfremden Zuständen einzig im Sinne einer zusätzlichen nicht somatisch bedingten gesundheitlichen Beeinträchtigung verstanden werden. Dabei bleibt offen, ob es sich um ein krankheitswertiges Leiden handelt und inwiefern dadurch die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt wird. Andernfalls stellt sich die Frage, welche anderen Gesundheitsschädigungen neben dem orthopädischen Defekt Dr. med. K.________ bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt hat. Das kantonale Gericht scheint ein psychisches Leiden nicht auszuschliessen, wenn es ausführt, der Gutachter habe die psychische Belastung durch die Schmerzen nicht unbeachtet gelassen. Für diese Annahme bestehen auch Anhaltspunkte in den Akten. Zu erwähnen ist vorab der Bericht der Neurologischen Klinik des Spitals Y.________ vom 13. Oktober 2000 über die anaesthesiologische, neurologische, neuropsychologische und psychiatrische Untersuchung im Rahmen der interdisziplinären Schmerzsprechstunde vom selben Tag. Darin wird zusätzlich zu den bekannten orthopädischen Befunden eine depressive Episode in psychosozialer Belastungssituation diagnostiziert. Die depressive Episode hat nach Meinung der Fachärztinnen und des Facharztes die Fähigkeit der Versicherten zur Schmerzbewältigung entscheidend eingeschränkt. Hinzuweisen ist sodann auf den Bericht des Dr. med. V.________, Arzt und Gesprächspsychotherapeut SSGT, vom 22. Januar 1999. Darin wird die Diagnose einer Anpassungsstörung nach dem Unfall vom 17. März 1996 mit chronischem Schmerz im linken Fuss, Angst, Anspannung, Sorgen und leichten depressiven Verstimmungen ICD 10 F 43.23 gestellt. Aufgrund der familiären und beruflichen Situation sowie des aufenthaltsrechtlichen Status bestehe die recht grosse Gefahr einer Entwicklung zur somatoformen Schmerzstörung. 5.3 Zusammengefasst ergibt sich somit Folgendes: Die Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten beträgt 0 % vom 17. März 1996 bis 31. März 1997, 50 % vom 1. April 1997 bis 24. Januar 1998, 0 % vom 25. Januar bis 30. September 1998, 50 % vom 1. Oktober 1998 bis 9. Januar 2000 und 0 % ab 10. Januar 2000 bis mindestens 27. September 2000. Für die Zeit danach besteht Abklärungsbedarf im Sinne der Ausführungen in Erw. 5.2. Dabei ist eine psychiatrische, allenfalls eine nochmalige orthopädische Begutachtung angezeigt.