Citation: 8C_81/2007 19.02.2008 E. 3

3.1 Es ist unbestritten und steht fest, dass der Beschwerdeführer an einer beidseitigen schwergradigen pancochleären Hochtoninnenohrschwerhörigkeit leidet. Streitig ist, ob das Ohrenleiden ausschliesslich oder vorwiegend auf die Tätigkeit bei der Bahn X.________ im Sinne einer Berufskrankheit zurückzuführen ist. 3.2 Laut Arbeitszeugnis vom 19. Juni 2002 arbeitete der Versicherte seit 1989 vorwiegend als Wagenreiniger im Depot der Bahn X.________. Sein Tätigkeitsgebiet umfasste hauptsächlich Reinigungs- und Hygienearbeiten im Innern des Reisezugwagens, einschliesslich Auffüllen von WC-Artikeln und Auffüllen des Wassers, Reinigung der Frontscheiben an Lokomotiven, spezielle, wiederkehrende Reinigungsarbeiten wie Shampoonieren von Teppich und Polster mit den dafür vorgesehenen Maschinen und Entfernen von Graffiti im Wageninnern. Der Personalleiter Service am Zug gab der SUVA gemäss Besprechungsprotokoll vom 14. Oktober 2005 an, der Versicherte sei anfänglich für die Wagenreinigung im Gleisfeld zuständig gewesen, wobei die Reinigungen teilweise auch ausserhalb des Zuges stattgefunden hätten. Zudem habe er im Bahnhof Routentafeln gekehrt und Wasser aufgefüllt. Dabei sei er dem Lärm der ein- und ausfahrenden Züge ausgesetzt gewesen. Als er wegen der Gehörprobleme aus Sicherheitsgründen nicht mehr im Gleisfeld habe arbeiten können, sei er in der Werkstatt eingesetzt worden. Dies entspricht im Wesentlichen den vom Beschwerdeführer anlässlich der Befragung vom 13. Oktober 2005 gemachten Aussagen. Vor der Tätigkeit bei der Bahn X.________ arbeitete der Beschwerdeführer in der Landwirtschaft, in einer Bäckerei und in der Kanalreinigung. 3.3 Nach dem Bericht des Dr. med. J.________, Spezialarzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten und Facharzt für Kieferchirurgie an den ärztlichen Dienst der Bahn X.________ vom 21. März 1997 musste sich der Beschwerdeführer 1989 wegen eines hartnäckigen Tubenkatarrhs beidseits behandeln lassen. Im Jahre 1997 habe er sich wegen einer von ihm kaum realisierten Hörstörung erneut in fachärztliche Untersuchung begeben. Dabei sei eine möglicherweise auf Schalltraumatisierung zurückzuführende Perceptionsschwerhörigkeit festgestellt worden. In den weiteren Berichten ging Dr. med. J.________ von Geleisearbeiten, bei welchen die Beschäftigten den Hochfrequenztönen der Warnsignale ausgesetzt seien (vgl. Bericht vom 22. Juli 1998) und von einer akustisch sehr exponierten Arbeitssituation (Bericht vom 31. Mai 1999) aus und interpretierte den audiometrischen Befund mit hoher Wahrscheinlichkeit als chronische Schalltraumatisierung. Laut dem vom Versicherten aufgelegten Bericht des Dr. med. M.________, Facharzt FMH Oto-Rhino-Laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie vom 29. Mai 2006, zeigt der in den Audiogrammen von 1999 bis 2002 dokumentierte Gehörsverlauf eine zunehmende primär hochtoninnenohrbedingte Schwerhörigkeit, welche durchaus den Kriterien der chronischen Berufslärmschwerhörigkeit entsprechen könne. Aufgrund einer isolierten Analyse des Audiogramms vom 17. November 2005 komme man indessen nicht auf diesen Schluss. Dr. med. G.________ von der SUVA-Abteilung Arbeitsmedizin hält im Bericht vom 29. August 2006 in Präzisierung seiner früheren Beurteilung fest, der reintonaudiometrische Kurvenverlauf des Versicherten betreffe alle Frequenzen, was mit einer typischen Berufslärmschwerhörigkeit a priori nicht vereinbar sei. Die Berufslärmschwerhörigkeit würde primär eine Schädigung bei 4000 Hz verursachen und in einer weiteren Phase die Hörzellen der Hörfrequenzen schädigen. Bereits im Reintonaudiogramm vom 27. April 2000 sei im Kurvenverlauf eine breite Senke zwischen 1000 und 6000 Hz erkennbar, wobei der maximale Hörverlust schon damals bei 2000 Hz gelegen habe, was nicht zu einer Berufslärmschwerhörigkeit passe. Ebenso zeigten auch die Audiogramme vom 8. April 1998 und 6. Februar 1997 einen maximalen Hörverlust zwischen 2000 und 3000 Hz. Zudem weist Dr. med. G.________ darauf hin, dass der Versicherte vom 23. Oktober 2000 bis 31. Oktober 2001 unfallbedingt zu 100 % arbeitsunfähig war. Das Reintonaudiogramm vom 27. April 2000 zeige einen Hörschaden von 80,2 % (das intakte Gesamtgehör mit 200 % veranschlagt) und jenes vom 23. März 2005 einen solchen von 104,7 %, obwohl der Versicherte nicht mehr gehörgefährdendem Lärm exponiert gewesen sei. Dies lasse darauf schliessen, dass endodegenerative Innenohrprozesse bei der Genese der Schädigung klinisch die Hauptrolle spielten. 3.4 Die auf der Lärmquellendatenbank, den allgemeinen Lärmtabellen und der Berufsanamnese beruhende technische Beurteilung der beruflichen Lärmbelastung der SUVA vom 5. Mai 2006 ergab für die gesamte Berufstätigkeit von 32 Jahren eine Lärmbelastung von weniger als 85 dB, wobei die Belastung in der Wagenreinigung bei der Bahn X.________ (Grundpegel von Bahnhof und Zugsdurchfahrten) mit 80 dB und damit unter dem Grenzbereich der Gehörgefährdung (85 bis 87 dB) liegend, veranschlagt wurde. Die Tätigkeit als Bauer wurde mit 80 bis 83 dB, jene als Bäcker mit 80 dB und jene als Kanalreiniger mit 83 dB angegeben. Es handelt sich dabei um auf konkret erhobenen Daten ermittelte Durchschnittswerte.