Citation: 8C_261/2022 E. 3.2.2

3.2.2. Das von der IV-Stelle eingeholte polydisziplinäre Gutachten der medexperts AG vom 6. Juli 2017 sei für die Frage nach Brückensymptomen bzw. einem beschwerdefreien Intervall sodann nicht beweiskräftig. Weder würden darin die in den Jahren 1994/1995 gestellten Diagnosen mit denjenigen von 2018 verglichen, noch sei die natürliche Kausalität beurteilt worden. Die ursprünglich diagnostizierte Dysfunktion des Gelenks C1/2 hätten die Experten nicht festgestellt. Die Integritätsschadenrente sei 2001 zugesprochen worden, weil gemäss Dr. med. G.________, Leiter Wirbelsäulenchirurgie, theoretisch eine Verletzung des Gelenks C1/2 resultiert haben könnte (Gutachten der Orthopädischen Klinik D.________ vom 31. Dezember 1998. Eine Verletzung desselben sei aber nie objektiviert worden. Die Gutachter der medexperts AG hätten überdies ausdrücklich festgehalten, dass sich der Beginn der aktuell attestierten Arbeitsunfähigkeit von 20 % nicht klar datieren lasse, weshalb der von ihnen gewählte Zeitpunkt (vgl. Sachverhalt lit. A.b und vorstehende E. 3.1.1) spekulativ sei. Auf abweichende Arbeitsunfähigkeitsschätzungen seien die Experten nicht eingegangen und sie hätten auch nicht berücksichtigt, dass der Beschwerdegegner über Jahre hinweg bis zur Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen im Jahr 2013 ein Pensum von 100 % (nach seinen Angaben sogar darüber hinausgehend) geleistet habe. Es liege kein objektivierbarer, organischer Gesundheitsschaden vor. Im Zusammenhang mit dem Militärunfall sei einzig ein HWS-Trauma und ein Verdacht auf eine Commotio cerebri festgehalten worden. Dr. med. H.________, Rheumatologie und Innere Medizin, habe den Beschwerdegegner im Rahmen der nach dem Stellenverlust 2013 veranlassten Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) untersucht. Er sei zum Schluss gelangt, dass die muskulären Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich sowie die kernspintomografisch belegten degenerativen Veränderungen C3 bis C7 für die anhaltenden Nackenschmerzen verantwortlich seien. In der MRI-Untersuchung vom 29. Dezember 2011 (mit festgestellter Osteochondrose der gesamten HWS) hätten sich keine posttraumatischen Läsionen (mehr) nachweisen lassen (Bericht vom 12. Juni 2013). Der Radiologe Dr. med. I.________ habe ferner bereits im Jahr 2003, mithin neun Jahre nach dem Unfall, eine unauffällige, altersentsprechende kraniozerebrale Kernspintomographie ohne pathologische Veränderungen und ohne Hinweis auf posttraumatische Veränderungen festgehalten. Der bildgebende Befund der HWS des Dr. med. I.________ vom 10. Oktober 1995 (abgeflachte Halslordose mit dynamischer Blockade C5/C6 und mit Hinweis auf beginnende Unkovertebralarthrose in diesem Segment) sei im Übrigen gemäss MV-Kreisarzt eine vorbestehende Gesundheitsschädigung (Aktennotiz vom 16. Januar 1997). Eine Dysfunktion auf Höhe der HWS C1/2 habe Dr. med. I.________ anlässlich seiner Untersuchung am 10. Oktober 1995 nicht nachgewiesen.