Citation: 1B_232/2022 E. 2.2

2.2. Ergänzend erwägt die Vorinstanz noch Folgendes: Zu prüfen sei, ob die Interessen des Beschwerdeführers und seines Sohnes gleichgerichtet seien und jegliche Interessenkollision aufgrund der Doppelvertretung ausgeschlossen werden könne. Unerheblich sei dabei das Vorbringen des Beschwerdeführers, er und sein Sohn strebten in den sie betreffenden Verfahren je einen Freispruch an und wünschten auch einen Freispruch des anderen in dessen Verfahren. Zwar möge es zutreffen, dass sich die Verteidigerin "schlussendlich an den Instruktionen ihrer beiden Klienten (und damit derer persönlichen, übereinstimmenden Wünschen) zu orientieren" habe "und diese sich dabei auch für ein - für sie selbst - allenfalls nicht optimales Vorgehen entscheiden" dürften. Diese "subjektive Komponente" finde (jedoch) "ihren Ausgleich darin, dass eine gehörige Verteidigung Aufklärungspflichten" umfasse, welche die Verteidigerin verpflichteten, sowohl den Beschwerdeführer als auch dessen Sohn "möglichst objektiv über ihre prozessualen Handlungsmöglichkeiten aufzuklären, d.h. die einzelnen Varianten und deren jeweilige Chancen und Risiken aufzuzeigen". Diese Varianten- und Risikobeurteilung habe dabei "für jedes Verfahren einzeln, in gesonderter Weise zu erfolgen, wobei einzig die Interessen des jeweils beschuldigten Klienten, nicht aber die Interessen des jeweils anderen massgebend" seien. Die "durch das Auftragsverhältnis entsprechend bedingte objektive, unbeeinflusste Aufklärung und Beratung des Beschwerdeführers" durch seine Wahlverteidigerin sei hier "aber kaum möglich". Aufgrund ihrer Stellung als amtliche Verteidigerin seines Sohnes in dessen Strafverfahren befinde sie sich in einem besonderen Vertrauensverhältnis zu diesem. Namentlich werde sie den Sohn bei der Wahl seiner Prozessstrategie zu beraten und aufzuklären haben. Zu berücksichtigen sei sodann, dass sie "aufgrund dieser Stellung über allenfalls nicht im Prozess befindliche Sachverhaltsinformationen" verfüge. Für das Strafverfahren gegen den Sohn von erheblicher Bedeutung sei "die vorläufige Einschätzung respektive Würdigung" der Aussagen des Geschädigten als Belastungszeuge. Auf diese Aussagen habe der Beschwerdeführer mutmasslich Einfluss zu nehmen versucht. Inwieweit die betreffende Kontaktaufnahme strafrechtlich relevant erscheine, sei im Strafverfahren gegen ihn zu klären. Seine allfällige Strafbarkeit hänge massgeblich von seinen damaligen Beweggründen ab. Dies sei bei seiner Verteidigungsstrategie zu berücksichtigen. In seiner schriftlichen Erklärung vom 22. Oktober 2021 habe der Sohn des Beschwerdeführers zwar geäussert, er habe ausdrücklich keine Kontaktaufnahme seines Vaters mit dem Geschädigten gewünscht. Diese Frage sei jedoch unbestrittenermassen ein Thema zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Sohn gewesen. Dieser komme im Verfahren gegen den Beschwerdeführer "als einzuvernehmender Zeuge" oder als Aus-kunftsperson in Frage. Die Wahlverteidigerin des Beschwerdeführers dürfte eine mögliche Gewährsperson "nur unter sehr restriktiven Bedingungen" kontaktieren. Dass sich der Beschwerdeführer und sein Sohn möglicherweise gegenseitig belasten könnten, stelle "ein valables prozesstaktisches Vorgehen" dar. Unter diesen Umständen sei aber eine unbeeinflusste Verteidigungsstrategie und Beratung des Beschwerdeführers "nur schwer vorstellbar".