Citation: 2C_1024/2019 E. 5.3.1

5.3.1. Die Würdigung ist auch insoweit zu beanstanden, als sie eine Vielfalt von Elemente ausser Acht lässt, die gerade bei häuslicher Gewalt, die innerhalb der vier Wände eines Ehepaares stattfindet, eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören insbesondere Aussagen bzw. Handlungen von Personen, die der Beschwerdeführerin nahestehen bzw. denen sich diese anvertraut habe. Wenn diese nicht vor einer gewissen Gefälligkeit gefeit sind, so vermag die Wahrnehmung von Drittpersonen wertvolle Hinweise auf die Realität häuslicher Gewalt zu vermitteln. Besonderes Augenmerk ist auch den Berichten von Fachexperten zu schenken, deren Aussagekraft nicht schon dadurch geschmälert wird, dass diese vorwiegend auf den Aussagen der Opfer beruhen bzw. diese vom mutmasslichen Täter bestritten werden. (vgl. Urteil 2C_915/2019 vom 13. März 2020 E. 5.7). Von Bedeutung schliesslich sind auch die Umstände, die zu einer Anzeige wegen häuslicher Gewalt geführt haben. So blendet die Vorinstanz aus, dass die Benachrichtigung der Polizei auf die Schwester der Beschwerdeführerin zurückgeht, die damit zum Ausdruck brachte, dass letztere in ihren Augen in grosser Gefahr schwebte. Die Handlung der Schwester dokumentiert, dass die ehelichen Auseinandersetzungen eine erhebliche Intensität erreicht hatten. Ferner bezeugt auch der seelische Zusammenbruch der Beschwerdeführerin bei Ankunft der Polizei und ihre Einweisung in das Kantonsspital mit der notwendigen Klarheit, dass sich eine bedeutende psychische Anspannung angestaut hatte. Anders ist nicht erklärbar, weshalb die Beschwerdeführerin sich nach dem ehelichen Streit im Badezimmer eingeschlossen hätte und erst bei Ankunft der Polizei die Tür wieder öffnete. Diese Beurteilung wird auch nicht durch die Tatsache widerlegt, dass der Ehemann das Ganze als "Schauspiel" abtat.