Citation: 6B_27/2010 16.03.2010 E. 5

5.1 Das Kantonsgericht stützt die Schuldsprüche im Sinne von Art. 188 und 193 StGB im Wesentlichen auf die als glaubhaft beurteilten Aussagen der Beschwerdegegnerin 1. Es würdigt bei seiner Entscheidfindung allerdings nicht nur deren Aussagen, sondern entgegen einem Einwand in der Beschwerde auch diejenigen des Beschwerdeführers und zieht in die Gesamtwürdigung auch die weiteren massgeblichen Beweismittel (SMS, Briefe, insbesondere den Weihnachtsbrief 2005, sowie die Aussagen einer früheren Praxismitarbeiterin) mit ein. Von einer einseitigen und damit willkürlichen Beweiswürdigung kann mithin ebenso wenig gesprochen werden wie davon, dass das Kantonsgericht in Verletzung von Art. 63 Abs. 2 StPO/SG nur die belastenden, nicht aber die entlastenden Momente berücksichtigt. Vielmehr erweist sich die Beweiswürdigung insgesamt und im Ergebnis als ausgewogen und vertretbar. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, erschöpft sich in rein appellatorischer Kritik am angefochtenen Entscheid oder geht an der Sache vorbei und ist nicht geeignet, Willkür darzutun. Ebenso wenig liegt eine unrichtige Anwendung von Bundesrecht vor. 5.2 Der Beschwerdeführer wirft dem Kantonsgericht vor, dieses schliesse in willkürlicher Weise alleine aufgrund der Angst der Beschwerdegegnerin 1, sie werde die Lehrabschlussprüfung (LAP) ohne den Beistand des Beschwerdeführers nicht bestehen, auf ein Abhängigkeitsverhältnis (Beschwerde, S. 6/7). Die Rüge geht fehl. Dem angefochtenen Entscheid ist zu entnehmen, dass sich das Kantonsgericht diesbezüglich auf ein Reihe verschiedener Faktoren stützt, namentlich auf das Lehrverhältnis als solches und das sich daraus ergebende Machtgefälle zwischen dem Beschwerdeführer und der Beschwerdegegnerin 1, deren erkennbare psychische Labilität und Schutzbedürftigkeit, deren problematischen familiären und persönlichen Umstände, die der Beschwerdeführer kannte, deren schwachen schulischen Leistungen, um die der Beschwerdeführer wusste, die Angst der Beschwerdegegnerin 1, die LAP ohne die seitens des Beschwerdeführers gewährte schulische Unterstützung nicht zu bestehen und den Umstand, dass er sie in dieser Einschätzung bestärkte, seine zusätzlichen Hilfestellungen im privaten Bereich, die Gewährung von finanziellen Vorteilen, die für ihn erkennbare emotionale Bindung der Beschwerdegegnerin 1 an ihn sowie die als glaubhaft eingestuften Aussagen der Beschwerdegegnerin 1, wonach sie sich aufgrund seiner intensiven Unterstützung gezwungen gesehen habe, ihm etwas zurückgeben zu müssen, (vgl. angefochtenen Entscheid, S. 5). Vor diesem Hintergrund durfte die Vorinstanz die tatsächlichen Voraussetzungen eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischen dem Beschwerdeführer und der Beschwerdegegnerin 1 als erfüllt erachten. Die in der Beschwerde dagegen erhobenen Einwendungen, beispielsweise gegen die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdegegnerin 1, sind gesucht und rein appellatorischer Natur. Das gilt auch für das Vorbringen, das Kantonsgericht weise willkürlich nicht nach, dass die Beschwerdegegnerin 1 durch das Abhängigkeitsverhältnis in ihrer Entscheidung, sexuelle Handlungen vorzunehmen oder zuzulassen, nicht mehr frei gewesen sei. Darauf ist nicht weiter einzugehen. Soweit der Beschwerdeführer beanstandet, das Kantonsgericht verkehre seine guten Absichten, der Beschwerdegegnerin 1 zu mehr Selbständigkeit zu verhelfen, mit der Annahme, er habe Abhängigkeiten geschaffen, willkürlich ins Gegenteil, geht seine Rüge an der Sache vorbei. Er verkennt, dass es für die Begründung des Abhängigkeitsverhältnisses nicht darauf ankommt, aus welchen Motiven er die Beschwerdegegnerin 1 unterstützte. Schliesslich ist weder dargetan noch ersichtlich, dass und inwieweit das Kantonsgericht von einem bundesrechtswidrigen Begriff der Abhängigkeit ausgegangen sein könnte. 5.3 Dass das Kantonsgericht den von der Beschwerdegegnerin 1 verfassten "Weihnachtsbrief 2005" bei der Beweiswürdigung ausser Acht lässt (Beschwerde, S. 13, 16), trifft ebenso wenig zu wie der Vorwurf, es habe die SMS der Beschwerdegegnerin 1 nur selektiv gewürdigt (Beschwerde, S. 13). Das ergibt ein Blick in den angefochtenen Entscheid (vgl. S. 8, 11). Wie das Kantonsgericht sodann zutreffend ausführt, ist nicht zu übersehen, dass die Beschwerdegegnerin 1 in ihren Briefen und SMS an den Beschwerdeführer nicht die (sexuelle) Beziehung mit dem Beschwerdeführer ins Zentrum ihrer Mitteilungen stellte, sondern vielmehr die von seiner Seite gebotene schulische und lebenspraktische Unterstützung und deren überragende Wichtigkeit für sie. Das Gleiche gilt für die Aussagen der Beschwerdegegnerin 1, welche das Kantonsgericht nachvollziehbar als glaubhaft beurteilt (vgl. angefochtenen Entscheid, S. 7). Wenn der Beschwerdeführer in der Folge weitschweifig darlegt, wie besagter Weihnachtsbrief und die SMS richtigerweise zu würdigen gewesen wären bzw. sich daraus ergebe, dass die Beschwerdegegnerin 1 die sexuelle Beziehung mit ihm wollte und er sie deshalb auch nicht habe ausnützen können, legt er ausschliesslich seine Sicht der Dinge dar. Die blosse Darlegung der eigenen Sichtweise ist jedoch nicht geeignet, Willkür darzutun. Denn Willkür liegt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht schon vor, wenn eine andere Lösung bzw. Würdigung auch vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre (BGE 127 I 54), sondern erst, wenn das Beweisergebnis schlechterdings nicht mehr vertretbar ist (BGE 134 I 140 E. 5.4). Das zeigt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde hinsichtlich des kantonsgerichtlichen Beweisergebnisses aber nicht auf, und solches ist auch nicht ersichtlich. Darauf ist nicht einzutreten. Nicht anders verhält es sich mit der Kritik, die der Beschwerdeführer an der Beweiswürdigung des Kantonsgerichts betreffend den Beweggrund zur Beziehungsauflösung durch die Beschwerdegegnerin 1 übt (Beschwerde, S. 18). 5.4 Den Aussagen der Zeugin B.________ lässt sich entgegen der Beschwerde nicht entnehmen, die Beschwerdegegnerin 1 habe die (sexuelle) Beziehung mit dem Beschwerdeführer sehr geschätzt (Beschwerde, S. 16). Vielmehr geht daraus lediglich hervor, dass die Beschwerdegegnerin 1 bei der Zeugin den Eindruck hinterliess, glücklich zu sein (act. D/7, S. 9). Nichts anderes ergibt sich aus der an den Beschwerdeführer gerichteten Weihnachtskarte der Eltern der Beschwerdegegnerin 1, welche diesem für seine Unterstützung danken und auf die Lernfreude ihrer Tochter hinweisen (act. E/2; vgl. aber Beschwerde, S. 22). Damit geben diese Beweismittel aber für die Fragen, ob die Beschwerdegegnerin 1 mit dem Beschwerdeführer sexuell verkehrte und sie solches aus freien Stücken tat, nichts her. Mangels Relevanz musste sich das Kantonsgericht deshalb damit auch nicht ausdrücklich auseinandersetzen. Ebenfalls nicht zu befassen brauchte es sich mit dem anlässlich der Hauptverhandlung vor zweiter Instanz vorgebrachten Einwand des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin 1 habe ihn bei Behandlungen am Zahnarztstuhl anzüglich berührt (Beschwerde, S. 17). Denn dabei handelt es sich um eine blosse Behauptung, die - ähnlich wie die Bemerkung, die Beschwerdegegnerin 1 habe grossen Gefallen an der sexuellen Beziehung gefunden und sei zeitweise "kaum mehr aus dem Bett zu bringen" gewesen (Beschwerde, S. 25) - darauf abzielt, deren Glaubwürdigkeit und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu untergraben. 5.5 Der Beschwerdeführer rügt weiter die Annahme eventualvorsätzlichen Handelns. Er habe nicht erkennen können, dass die Beschwerdegegnerin 1 die sexuellen Handlungen nicht wollte bzw. Anhaltspunkte hierfür hätten keine bestanden. Nach den Feststellungen des Kantonsgerichts war sich der Beschwerdeführer der strafrechtlichen Problematik der Beziehung zur Beschwerdegegnerin 1 bewusst. Er habe auch um das Abhängigkeitsverhältnis und das offensichtliche Machtgefälle gewusst ebenso wie um die persönlichen und familiären Probleme der Beschwerdegegnerin 1, welche diese zu einer besonders schutzbedürftigen Person machten. Mit seinem Verhalten habe er diese auch im privaten Bereich in eine Abhängigkeit gebracht und Situationen geschaffen (zusammen lernen bei ihm zu Hause), in welchen es der Beschwerdegegnerin 1 nicht mehr möglich gewesen sei, sich zu widersetzen. Der Beschwerdeführer hätte als Möglichkeit erkennen können, dass sich die Beschwerdegegnerin 1 nur aufgrund ihrer Abhängigkeit und unter dem Eindruck seiner Überlegenheit in die sexuellen Handlungen fügte und nicht aus partnerschaftlicher Liebe. So habe sie namentlich in ihren Briefen und SMS-Mitteilungen stets betont, dass für sie die "väterliche" Unterstützung des Beschwerdeführers im schulischen und privaten Bereich im Vordergrund stehe, und habe die private Beziehung stets mit der beruflichen Zusammenarbeit in Verbindung gebracht, so etwa ..."das i mega glücklich bi ä person wie dich skenne wel du immer so guet zu mir bisch u voralem das du mir so viel hilfsch und auch das du mit mir so viel gedult häsch [..]". Jedenfalls aber hätte der Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund mit dieser Möglichkeit rechnen müssen und habe dies in Kauf genommen. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, ist nicht stichhaltig. Mit seinen Einwendungen in tatsächlicher Hinsicht nimmt er erneut lediglich eine eigene Beweiswürdigung vor und setzt sich über die Feststellungen im angefochtenen Entscheid zum inneren Sachverhalt hinweg, ohne nachzuweisen, dass die gegenteilige Auffassung des Kantonsgerichts unhaltbar ist (Beschwerde, S. 19 f.). Ein solches Vorgehen ist nicht geeignet, Willkür oder eine Verletzung des "in dubio pro reo"-Grundsatzes darzutun. Ebenso wenig ist der Schluss des Kantonsgerichts auf Eventualvorsatz bundesrechtswidrig. Dieses durfte vielmehr ohne Bundesrechtsverletzung vom nachvollziehbar festgestellten Wissen um die Möglichkeit, dass die Beschwerdegegnerin 1 die sexuellen Handlungen innerlich ablehnte, aus den im angefochtenen Entscheid aufgeführten Gründen auf das Wollen des Beschwerdeführers im Sinne der Inkaufnahme des Erfolgs schliessen. 5.6 Das Kantonsgericht lehnt die im Berufungsverfahren gestellten Beweisanträge des Beschwerdeführers auf Befragung einiger seiner Freunde und seiner ehemaligen Freundin mangels Relevanz ab. Dieser erblickt darin zu Unrecht eine willkürliche antizipierte Beweiswürdigung (Beschwerde, S. 22 f.). Er verkennt, dass der Umstand, ob sich die Beschwerdegegnerin 1 mit ihm in der Öffentlichkeit bzw. bei seinen Freunden zeigte, nichts darüber auszusagen vermag, ob jene nur unter dem Eindruck seiner Überlegenheit und ob des Machtgefälles oder aus partnerschaftlicher Liebe in die sexuellen Handlungen eingewilligt hatte. Aus dem gleichen Grund erweist sich auch die Befragung der früheren Partnerin des Beschwerdeführers als nicht relevant. Auch wenn diese aussagte, der Beschwerdeführer habe sie wegen der Beschwerdegegnerin 1 verlassen, liessen sich daraus keine sachdienlichen Erkenntnisse in Bezug auf die Art des Verhältnisses zwischen dem Beschwerdeführer und der Beschwerdegegnerin 1 ableiten.