Citation: 4A_226/2020 E. 3.2

3.2. Die Differenz zwischen der Klageantwort/Widerklage und den Ansprüchen gemäss Schlussvortrag resultiert allein aus der Position "Ersatzanschaffung Füller/Rinser". In der Klageantwort machte die Beschwerdegegnerin einen Minderwert von EUR 350'000.-- geltend, entsprechend dem auf den mangelhaften Füller/Rinser entfallenden Vergütungsanspruch. In der Widerklage führte die Beschwerdegegnerin dann einfach alle Schadenposten auf und errechnete unter dem Titel "Ersatzanschaffung Füller/Rinser" insgesamt Mehrkosten von Fr. 148'042.53 und EUR 523'952.40; letzterer Betrag enthielt die Position "Minderwert Füller/Rinser (E.________) EUR 350'000.--". Die insgesamten "Mehrkosten" von EUR 523'952.40 und Fr. 148'042.53 für die "Ersatzanschaffung Füller/Rinser" machte die Beschwerdegegnerin im Rahmen ihrer Ausführungen zum Rechtlichen (Widerklage S. 34) als Ersatz des Mangelfolgeschadens geltend. Im Schlussvortrag (S. 7) subsumierte die Beschwerdegegnerin dann weitere der im Gesamtbetrag von EUR 523'952.40 gemäss Widerklage enthaltenen Positionen unter den Minderungsanspruch, nämlich die Kosten für die Ersatzanschaffung eines neuen Füller/Rinser im Betrag von EUR 582'000.-- abzüglich des Verkaufserlöses für den von der Beschwerdeführerin gelieferten nicht brauchbaren Füller/Rinser im Betrag von EUR 140'000.--. Dies unter Hinweis auf bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 116 II 305 E. 4a S. 313 f.; 111 II 162 E. 3c S. 164), wonach eine Vermutung bestehe, dass der Minderwert eines Werkes den Verbesserungskosten entspreche. Unter Berücksichtigung der offenen Schlusszahlung von EUR 298'047.60 errechnete sie eine Minderungsforderung (Verbesserungskosten) von EUR 493'952.40. Als Mangelfolgeschäden aus der ursprünglichen Schadenzusammenstellung gemäss Widerklage verblieben EUR 30'000.-- und Fr. 148'042.53. Schliesslich verlangte sie aber nicht den so ermittelten Minderungsbetrag gestützt auf die von ihr ursprünglich substanziierten Verbesserungskosten, sondern errechnete die nunmehr beantragte Minderungsforderung gestützt auf die relative Methode unter Zugrundelegung eines objektiven Marktwerts eines mängelfrei gedachten Werkes von Fr. 2'650'000.-- sowie dem Wert des mangelhaften Werks von Fr. 800'000.--, woraus ein Minderwert von 69.8113 % resultiere. Dies gestützt auf die Wertangaben im gerichtlichen Ergänzungsgutachten vom 10. Oktober 2018. Unter Berücksichtigung einer tatsächlichen Vergütung von Fr. 900'000.-- ermittelte sie einen Herabsetzungsbetrag von Fr. 628'301.-- (69,8113 % von Fr. 900'000.--) und unter Abzug des noch ausstehenden Werklohns von Fr. 365'466.-- (bzw. EUR 298'047.60) eine Rückerstattungsforderung von Fr. 262'835.--.