Citation: 5P.211/2000 04.09.2000 E. 3

3.- a) Wird wie hier sowohl eine Verletzung des rechtlichen Gehörs als auch Willkür gleichzeitig gerügt, überschneiden sich die beiden Vorbringen dann, wenn das kantonale Gericht ohne Angabe von sachlichen Gründen entschieden hat (Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Rz 149 S. 213 unten in Fn 43). Die Beschwerdeführerin rügt, das Obergericht habe die Steuerbelastung des Beschwerdegegners willkürlich zu hoch (rentenbedingte Einkommensreduktion von über Fr. 20'000.-- im Jahr) und die der Beschwerdeführerin (rund Fr. 335.-- im Monat) überhaupt nicht berücksichtigt. Weil nicht feststeht, ob der Beschwerdegegner ausserhalb des Kantons Aargau Wohnsitz nehmen wird, und die Einkommenssteuerpflicht bei im gleichen Kanton getrennt lebenden Paaren mit einer Rentenpflicht noch nicht einheitlich gehandhabt werden muss (vgl. dazu BGE 125 II 183 E. 3a, C. Hegnauer, Berner Kommentar, N 108 f. zu Art. 276 ZGB und Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar, N 11 und 64 zu Art. 163 ZGB und N 5a [S. 549 f.] zu Art. 176 ZGB), kann in der Beachtung der (bestrittenen) Steuerpflicht des Beschwerdegegners und im Übergehen derjenigen der Beschwerdeführerin sowohl eine Gehörsverletzung als auch Willkür erblickt werden, weil das Obergericht seinen Entscheid insoweit nicht begründet und für den Fall getrennter Einkommensbesteuerung widersprüchlich und damit willkürlich entschieden hat (BGE 109 Ia 19 E. 5f S. 29), indem es auf Seiten der Beschwerdeführerin keine Steuern berücksichtigt. Schliesslich liegt auch die Rüge der Beschwerdeführerin, ihr sei willkürlich und ohne Angabe von sachlichen Gründen eine Steigerung der Erwerbstätigkeit von bisher 50 % auf fast 80 % zugemutet worden, in diesem Überschneidungsbereich der Grundrechte. Es fällt nämlich auf, dass das Obergericht zwar eine Begründung gibt, jedoch die persönliche Situation der Beschwerdeführerin völlig übergeht (grundsätzlich unkündbares Pensum beim Arbeitsamt, das aber offenbar nicht aufgestockt werden kann; anscheinend keine Berufsausbildung, die einen Stellenwechsel erlauben würde, sowie gesundheitliche Probleme). Davon dürfte aber ganz wesentlich abhängen, ob ihr eine Steigerung der Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann. b) Weil der Gehörsanspruch eine formelle Garantie bietet und vorweg zu prüfen ist, führt eine Verletzung grundsätzlich unabhängig vom Erfolg der Beschwerde in der Sache zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 124 I 48 E. 1; 122 II 464 E. 4a 469), sofern - wie hier - keine Heilung der Gehörsverweigerung erfolgen kann (BGE 121 III 331 E. 3c).