Citation: 5A_427/2022 E. 5.2.2

5.2.2. Sodann vertritt die Beschwerdeführerin die Auffassung, die Anknüpfung an den Todeszeitpunkt der Eltern lasse sich sehr wohl begründen. Zum einen unterbreche der Tod des zweitversterbenden Elternteils die Bande zwischen dem entsprechenden Stamm und der "ausgeheirateten" Person. Indem das Kriterium der direkten Abstammung von einer zwischen dem 1. Januar 2005 und 31. Dezember 2011 während mindestens 365 Tagen im Genossenregister eingetragenen Person eingeführt worden sei, werde gerade diesen Umständen des Zusammenhalts und der ununterbrochenen Bande Rechnung getragen. Stämme, welche in direkter Abstammung seit mehr als zwölf Jahren, d.h. von 2005 bis 2017 nicht mehr mit der Korporation verbunden gewesen seien, hätten ihren Bund zur Korporation endgültig verloren. Je länger diese Bande unterbrochen sei, desto mehr entfernten sich die Beteiligten voneinander. Vor diesem Hintergrund erscheine es sinnvoll, nur Personen (Frauen und Männer) wieder aufzunehmen, deren Bande zur Beschwerdeführerin nicht allzu lange unterbrochen gewesen sei. Dafür sei der Todeszeitpunkt des zweitversterbenden Elternteils (Mutter oder Vater) das ideale Kriterium. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin verharren im Abstrakten. Inwiefern es hinsichtlich der Zugehörigkeit zur Korporation auf besonders nahe oder persönliche Beziehungen zwischen den Genossinnen und Genossen untereinander oder zur Beschwerdeführerin selbst ankommen könnte, zeigt sie nicht auf und ist nicht zu erkennen. Die Beschwerdeführerin ist kein privater Verein, sondern eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie ist verpflichtet, ihre Mitglieder im Rahmen der Rechtsordnung gleich zu behandeln. Zu Recht behauptet sie nicht, bei der Vergabe von Landwirtschaftsland zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung (§ 6 Ziff. 1 der Statuten), der Vergabe von Baurechten zum Bau eines Hauses zur Selbstnutzung (§ 6 Ziff. 2 der Statuten), der Ausschüttung von Korporationsnutzen (§ 6 Ziff. 3 der Statuten) oder der Vergabe von Stipendien (§ 6 Ziff. 4 der Statuten) komme es in irgendwelcher Art auf eine besondere, persönliche Nähe der um die Zuweisung der sog. Nutzungsrechte (Vermögensleistungen) nachsuchenden Genossinnen und Genossen zur Korporation an. Darauf, ob eine Genossin oder ein Genosse über die Abstammung hinaus eine besondere "Bande" zur Beschwerdeführerin hat, kann es nicht ankommen; ein sachliches (Unterscheidungs-) Kriterium liegt nicht vor.