Citation: 5A_349/2022 E. 3.3

3.3. Nach Art. 22 Abs. 1 HEsÜ werden die von den Behörden eines Vertragsstaates getroffenen Massnahmen kraft Gesetzes in den anderen Vertragsstaaten anerkannt. Anerkennung kraft Gesetzes bedeutet, dass sie erlangt wird, ohne dass ein Rückgriff auf ein Verfahren erforderlich wäre, zumindest solange, wie derjenige, der sich auf die Massnahme beruft, keine Vollstreckungshandlung dafür beantragt (Art. 25 HEsÜ). Unbeschadet dieser Regelung kann jede betroffene Person bei den zuständigen Behörden eines Vertragsstaates beantragen, dass über die Anerkennung oder Nichtanerkennung einer in einem anderen Vertragsstaat getroffenen Massnahme entschieden wird (Art. 23 Abs. 1 HEsÜ). Angesprochen ist damit die selbständige Anerkennung einer Massnahme (vgl. GUILLAUME, in: FammKomm, Erwachsenenschutz, 2013, N. 116 zum HEsÜ; LAGARDE, Erläuternder Bericht zum HEsÜ, neue Ausgabe 2017 [abrufbar unter: <https://www.hcch.net>, Rubriken: "Publications et Études", "Publications", "Rapports explicatifs"], Rz. 124), wie sie auch hier beantragt ist. Zum Antrag auf selbständige Anerkennung einer Massnahme ist jede "betroffene Person" berechtigt, d.h. jede Person, die ein schutzwürdiges Interesse an der Anerkennung hat (personne intéressée bzw. interested person in der französischen bzw. englischen Fassung des Übereinkommens; dazu Lagarde, a.a.O., Rz. 124). Betroffene Person in diesem Sinne ist nicht nur die von der fraglichen Massnahme betroffene Person selbst, sondern namentlich auch ein behördlich bestellter Beistand (FÜLLEMANN, Das internationale Privat- und Zivilprozessrecht des Erwachsenenschutzes, 2008, S. 245 f. Rz. 378). Nach Feststellung des Obergerichts hat der Beschwerdeführer in seiner Funktion als "Administrator" des Vermögens des Betroffenen um Anerkennung des Entscheids vom 2. März 2021 ersucht. Der Beschwerdeführer gibt an, als Partei am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen zu haben. Er hat das Anerkennungsgesuch folglich in eigenem Namen in Ausübung des ihm von der ausländischen Behörde erteilten Mandats gestellt, wozu er nach dem Ausgeführten berechtigt ist.