Citation: 4A_256/2017 E. 3.2

3.2. Die Beschwerdeführerin erachtet das vom Gericht eingeholte Gutachten primär deshalb als unvollständig, unschlüssig und nicht nachvollziehbar, weil darin eine ausdrückliche Stellungnahme zur Diagnose im RAD-Gutachten fehle. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, der gerichtliche Gutachter habe das RAD-Gutachten nicht berücksichtigt, widerspricht dies den verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen. Wie die Beschwerdeführerin nämlich selber festhält, stellte die Vorinstanz fest, der Gutachter habe Kenntnis vom RAD-Gutachten genommen, was die Beschwerdeführerin nicht als willkürlich rügt. Dass der Gutachter bei der Auftragserteilung instruiert worden wäre, generell oder zumindest bei einer abweichenden Beurteilung ausdrücklich zum RAD-Gutachten Stellung zu nehmen, behauptet die Beschwerdeführerin selber nicht. Solches ist auch nicht ersichtlich, zumindest nicht aus dem Gutachten, das die unterbreiteten Fragen aufführt. Aufgabe des Gutachters war vielmehr, selber eine Diagnose zu stellen und diese zu begründen, was er denn auch getan hat. Das Gutachten ist insofern nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin macht allerdings geltend, sie habe dem Gutachter nachträglich eine Ergänzungsfrage gestellt, die ihm die Möglichkeit gegeben hätte, die Diskrepanz zwischen seiner Einschätzung und derjenigen im RAD-Gutachten zu begründen. Dennoch habe er dies nicht getan, weshalb das Gutachten an einem Mangel leide. Aus dem vorinstanzlichen Urteil ergibt sich zwar, dass die Beschwerdeführerin eine Zusatzfrage stellte, nicht aber, wie diese lautete. Die Beschwerdeführerin hält in ihrer Beschwerde ebenso wenig fest, wie ihre Frage gelautet haben soll. Sie unterlässt zudem die notwendigen Aktenhinweise auf die entsprechenden Fundstellen. Ob eine Gutheissung dieser Rüge ohne genaue Kenntnis der gestellten Frage überhaupt möglich wäre, kann offenbleiben, da ihr bereits gestützt auf die vorhandenen Angaben ohnehin kein Erfolg beschieden sein kann. Die Beschwerdeführerin hält in ihrer Beschwerde fest, der Gutachter habe in seiner Antwort seine eigene Diagnose bestätigt. Weiter habe er festgehalten, er könne seinen Unterlagen nicht mehr entnehmen, ob im RAD-Gutachten die Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf die damalige Tätigkeit oder generell beurteilt worden sei - diese Aussage des Gutachters hielt die Vorinstanz in ihrem Urteil ebenfalls fest. Zur Diskrepanz scheint sich der Gutachter sodann mangels diesbezüglich bei ihm noch vorhandener Informationen nicht weiter geäussert zu haben. Allein deshalb ist sein Gutachten nun aber nicht in einem Sinne unvollständig (vgl. dazu auch nachfolgend), dass es willkürlich wäre, wenn darauf abgestellt würde, zumal es Aufgabe des Gerichts bleibt, sich im Rahmen der Beweiswürdigung mit sich widersprechenden Beweismitteln auseinanderzusetzen - diese Aufgabe kann nicht an einen Gutachter delegiert werden. Die Vorinstanz stellte sodann fest, vom gerichtlichen Gutachter habe mangels ausführlicher Begründung des RAD-Gutachtens auch nicht erwartet werden können, dass er sich eingehend damit auseinandersetze. Indem er seine eigenen Schlüsse einlässlich begründet habe, sei er aber immerhin indirekt darauf eingegangen. Die Beschwerdeführerin hält an ihrer Ansicht fest, dass eine explizite Auseinandersetzung erforderlich gewesen wäre, und zwar selbst dann, wenn die Begründung des RAD-Gutachtens - entgegen ihrer Meinung - nur unzureichend gewesen sein sollte. Die Folgerung der Vorinstanz, wonach der gerichtliche Gutachter die Einschätzung des RAD-Gutachtens nicht geteilt haben soll, sei nicht nachvollziehbar und daher willkürlich - dies sei eine reine Spekulation, die sich durch keine konkreten Anhaltspunkte erhärten liesse. Dass die Vorinstanz bei der gegebenen Ausgangslage vom gerichtlichen Gutachter nicht erwartete, ausdrücklich auf das RAD-Gutachten einzugehen, ist nicht willkürlich. Zutreffend ist sodann ihre Ansicht, dass er immerhin indirekt darauf einging, indem er seine eigenen Schlüsse ausführlich begründete. Seine Begründung impliziert, dass er die abweichende Einschätzung im RAD-Gutachten und insbesondere die dortige Diagnose einer bloss leichten depressiven Episode nicht teilte. Inwiefern es sich bei diesem logischen Schluss um Spekulation handeln soll, erschliesst sich dem Bundesgericht nicht. Weshalb sie dem gerichtlichen Gutachten und nicht dem RAD-Gutachten folgte bzw. wieso sie Zweites als weniger überzeugend erachtete, hat die Vorinstanz begründet; u.a. durch Wiedergabe der diesbezüglichen Ausführungen der Erstinstanz, denen sie nicht widersprochen hat. An einer Begründung fehlt es somit - entgegen der Beschwerdeführerin - nicht. Die Beschwerdeführerin mag die Beweiskraft des RAD-Gutachtens anders einschätzen als die kantonalen Instanzen. Als unhaltbar erweist sich die vorinstanzliche Begründung, weshalb sie dem gerichtlichen Gutachten folgte, dadurch aber nicht. Die Vorinstanz hat somit willkürfrei eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdegegners von 100 % vom 2. Februar 2012 bis 7. März 2013 und eine solche von mindestens 50 % ab dem 8. März 2013 festgestellt.