Citation: 9C_124/2015 E. 3.1

3.1. Die Vorinstanz erwog, die Austrittsleistung des Verstorbenen könne nicht als Barauszahlung nach Art. 5 Freizügigkeitsgesetz vom 17. Dezember 1993 (FZG; SR 831.42) qualifiziert werden. Eine Barauszahlung vor Eintritt eines Vorsorgefalles setze die Erfüllung der in Art. 5 FZG abschliessend aufgezählten Tatbestände voraus. Daran fehle es, nachdem der Verstorbene keine selbstständige Erwerbstätigkeit aufgenommen habe. Etwas anderes lasse sich auch nicht dem bundesgerichtlichen Urteil 9C_65/2008 vom 29. Oktober 2008 entnehmen. Namentlich seien die drei im Gesetz abschliessend normierten Barauszahlungsgründe nicht durch Richterrecht um einen vierten Tatbestand erweiterbar. Beim Austritt des Versicherten aus der Pensionskasse am 31. Mai 2003 sei der Vorsorgefall noch nicht eingetreten gewesen, weil eine Invalidität nachweislich gefehlt und sich der Tod erst nach dem Austritt ereignet habe. Der verstorbene Versicherte habe damit einen Anspruch auf Austrittsleistung erworben (Art. 2 Abs. 1 FZG). Da die Austrittsleistung beim Fehlen eines Barauszahlungsgrundes den Vorsorgekreislauf der zweiten Säule nicht verlassen würden und die in Art. 15 der Freizügigkeitsverordnung vom 3. Oktober 1994 (FZV; SR 831.425) genannten Begünstigten, auf welche sich der Vorsorgeschutz ebenfalls beziehe, auch bei Ausschlagen der Erbschaft Anspruch auf das Freizügigkeitsguthaben hätten, habe die Beschwerdegegnerin einen eigenen und direkten Anspruch auf die Austrittsleistung erworben. Der unrechtmässige Leistungsbezug des Verstorbenen ändere daran nichts. Anders als in der mit Urteil 9C_65/2008 beurteilten Konstellation stehe es nicht in der Befugnis der Beschwerdegegnerin, über die Verwendung des Freizügigkeitsguthabens im Sinne von Art. 3 oder 4 FZG zu entscheiden und dieses dem Vorsorgekreislauf zu entziehen. Für eine Schmälerung der prioritären Bedeutung der Erhaltung des Vorsorgeschutzes gegenüber Rückforderungsansprüchen einer Vorsorgeeinrichtung aus Rechtsschutzgründen bestehe keine Veranlassung. Schliesslich sei die von der Beschwerdeführerin vorgenommene Verrechnung unzulässig. Nicht nur bestehe für fällige Freizügigkeitsleistungen grundsätzlich ein Verrechnungsverbot, ausser es seien die Voraussetzungen für eine Barauszahlung erfüllt. Selbst wenn die streitige Freizügigkeitsleistung nicht vom Verrechnungsverbot umfasst wäre, seien die Verrechnungsvoraussetzungen nicht erfüllt. Schuldner der Verrechnungsforderung sei infolge Erbausschlagung der Verstorbene (bzw. dessen Nachlass), weshalb es an der Gegenseitigkeit der Forderungen fehle.