Citation: 5A_85/2021 E. 3.2

3.2. Im Zivilprozess umschreibt Art. 47 ZPO in Konkretisierung der Garantien von Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 30 Abs. 1 BV auf Gesetzesebene, wann eine Gerichtsperson in Ausstand tritt (BGE 140 III 221 E. 4). Eine Partei, die eine Gerichtsperson ablehnen will, hat dem Gericht unverzüglich ein entsprechendes Gesuch zu stellen (Art. 49 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Gemäss Art. 29 Abs. 1 BV hat die Partei Anspruch auf Beurteilung ihres Gesuchs innert angemessener Frist (vgl. BGE 144 II 184 E. 3.1). Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass das Gericht die Vorbringen der vom Entscheid in ihrer Rechtsstellung betroffenen Person tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung des Gerichts, ihren Entscheid zu begründen (BGE 143 III 65 E. 5.2). Fehlerhafte Verfügungen und Verfahrenshandlungen begründen für sich allein den Anschein der Befangenheit nicht. Nur besonders schwere oder wiederholte Fehler, die auf eine Pflichtverletzung schliessen lassen, vermögen einen Ausstandsgrund zu bilden (BGE 143 IV 69 E. 3.2; 141 IV 178 E. 3.2.3; Urteil 4A_304/2020 vom 16. Juli 2020 E. 5). Ein Ausstandsgrund kann sich auch aufgrund einer Gesamtwürdigung ungewöhnlich häufiger Fehlleistungen der Verfahrensleitung ergeben. Selbst wenn das Ausstandsgesuch unverzüglich gestellt werden muss, ist es mit Blick auf die Gesamtsituation dabei nicht nötig, jedes problematische Verhalten umgehend zu rügen. Dadurch verwirkt zwar die Möglichkeit, das Gesuch allein mit diesem einen Ereignis zu begründen; nicht ausgeschlossen wird aber, darauf zusammen mit neu hinzugekommenen Umständen zurückzukommen, sofern nicht missbräuchlich ein bloss vorgeschobener neuer Grund angerufen wird, der nicht ernstlich für die Begründung eines Ausstands geeignet ist (Urteil 1B_246/2020 und 1B_248/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 5.2.2 [zum Strafverfahren]).