Citation: 6B_968/2021 E. 2.2.2

2.2.2. Die Jugendstaatsanwaltschaft erwägt, die Beschwerdeführerin habe dem Beschwerdegegner 2 nicht erkennbar zu signalisieren vermocht, dass sie mit dem Analverkehr nicht einverstanden sei. Sie habe sich ausgemalt, dieser könnte auf ihre ablehnende Haltung aggressiv reagieren. Entsprechend habe sie sich ruhig verhalten und sich zu den Handlungen verleiten lassen. Es lägen keine Anhaltspunkte vor, dass der Beschwerdegegner 2 gegenüber seiner Schwester Gewalt angewendet, sie bedroht, eingeschüchtert, dominiert oder unter psychischen Druck gesetzt hätte. Selbst wenn er "Geister- und Kopfwehgeschichten" eingesetzt hätte, hätten diese deren Willensbildung oder -betätigung nicht entscheidend einzuschränken vermocht. Die Beschwerdeführerin sei immer in der Lage gewesen, sich ein Urteil zu bilden und zu entscheiden, ob sie die sexuellen Kontakte wolle oder nicht. Jedenfalls könne daraus, dass sie ihre mit der Zeit ablehnende Haltung nicht deutlich zum Ausdruck gebracht habe, nicht auf eine fehlende Widerstandsunfähigkeit wegen psychischen Drucks geschlossen werden. Zwar sei ihr zu glauben, dass sie für den Fall einer ablehnenden Reaktion Angst vor einer aggressiven Reaktion ihres Bruders gehabt habe. Daraus könne aber nicht geschlossen werden, der Bruder habe diese Angst initiiert oder gezielt eingesetzt. Hinweise, dass er sich je aggressiv verhalten hätte, lägen keine vor. Entsprechend habe er das erstmalige deutliche "Nein" seiner Schwester, welcher zumutbare Selbstschutzmöglichkeiten offen gestanden seien, akzeptiert. Es könne nicht dem Beschwerdegegner 2 angelastet werden, wenn sich die Beschwerdeführerin wegen ihrer "intrinsisch genährten Angst" nicht gegen dessen Ansinnen zur Wehr setze.