Citation: U 383/06 20.06.2007 E. 4

Uneinigkeit besteht sodann hinsichtlich der Frage, nach welchen Kriterien die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu prüfen ist. Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin vertreten die Auffassung, massgebend sei die Schleudertraumapraxis (BGE 117 V 359). Demgegenüber vertritt der Unfallversicherer den Standpunkt, die prätraumatische psychische Pathologie sei von Anfang an wirksam gewesen und habe zusammen mit der posttraumatischen psychischen Fehlentwicklung schon kurz nach dem Unfall dominiert, was zur Anwendung der Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 führe. 4.1 Hat die versicherte Person bei einem Unfall ein Schleudertrauma der HWS oder eine diesem äquivalente Verletzung erlitten, ohne dass wie vorliegend mit Bezug auf die Beschwerdegegnerin organisch nachweisbare Funktionsausfälle vorliegen, hat die Adäquanzbeurteilung grundsätzlich nach der in BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 dargelegten Rechtsprechung zu erfolgen. Dabei wird im Gegensatz zu der bei psychischen Unfallfolgen geltenden Praxis (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140) auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da nicht entscheidend ist, ob die Beschwerden medizinisch eher als organischer oder psychischer Natur zu bezeichnen sind (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366). Von diesem Grundsatz ist abzuweichen, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber unmittelbar nach dem Unfall ganz in den Hintergrund treten oder wenn die physischen Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Diesfalls ist die Beurteilung der adäquaten Kausalität praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall gemäss BGE 115 V 133 vorzunehmen (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99). 4.2 Dass das für ein Schleudertrauma der HWS typische Beschwerdebild ganz in den Hintergrund gerückt wäre, ist im hier zu beurteilenden Fall nicht ohne weiteres erstellt, bestehen doch nachweislich weiterhin auch die Arbeitsfähigkeit tangierende somatische Befunde. So führte Dr. med. A.________ im Bericht vom 5. März 2002 an, die Beweglichkeit des Kopfes und der Halswirbelsäule habe sich zwar wesentlich gebessert. Eine endphasige Bewegungseinschränkung bleibe jedoch bestehen. Dr. med. M.________ fand gemäss Bericht vom 19. Juni 2005 keine Anhaltspunkte für eine somatoforme Schmerzkrankheit oder eine Fibromyalgie. Hingegen bestätigte er das Vorliegen eines zervikovertebralen- und zervikozephalen Syndroms. Auch Dr. med. W.________ ging im Bericht vom 16. Juli 2004 ausschliesslich von somatischen, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Beschwerden aus. Die neuropsychologischen Funktionsstörungen bezeichnete Dr. med. O.________ im Gutachten vom 31. Oktober 2005 als minim bis leicht. Die psychische Dimension hat sich laut Bericht des Dr. med. H.________ vom 16. April 2001 aufgrund der durchgeführten Therapie verbessert. Mit der Vorinstanz ist die Prüfung der Adäquanz daher anhand der für Schleudertraumata der HWS geltenden Rechtsprechung vorzunehmen.