Citation: 1C_260/2016 E. 4.4.3

4.4.3. Die gleiche Rechtsfrage stellt sich im Bereich des Lärmschutzes und des Schutzes gegen nichtionisierende Strahlung. Die Lärmschutz-Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) vor, dass die Belastungsgrenzwerte bei Gebäuden mit lärmempfindlichen Räumen gelten (Art. 41 Abs. 1) und in der Mitte der offenen Fenster lärmempfindlicher Räume ermittelt werden (Art. 39 Abs. 1); ausserdem gelten sie in noch nicht überbauten Bauzonen dort, wo nach dem Bau- und Planungsrecht Gebäude mit lärmempfindlichen Räumen erstellt werden dürfen (Art. 41 Abs. 2 und Art. 39 Abs. 3). Das Bundesgericht folgerte aus dieser Regelung, dass nach Bau- und Planungsrecht mögliche Nutzungsreserven bei bereits überbauten Grundstücken - anders als bei unüberbauten Grundstücken - grundsätzlich nicht berücksichtigt werden (BGE 131 II 626 E. 3.4.2 und 3.4.3 S. 621 ff.). Die gleiche Regelung findet sich in Art. 3 Abs. 3 lit. a und c der Verordnung vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV; SR 814.710) : Bei bereits überbauten Grundstücken sind die (vorsorglichen) Anlagegrenzwerte nur an den tatsächlich vorhandenen Orten mit empfindlicher Nutzung einzuhalten; allerdings muss in der Bewilligung sichergestellt werden, dass die Antennenanlagen angepasst werden, sobald Nutzungsreserven realisiert werden, um sicherzustellen, dass die Anlagegrenzwerte auch an neu entstehenden Orten mit empfindlichen Nutzungen eingehalten werden (vgl. BGE 128 II 340 ff. und Urteil 1A.194/2001 vom 10. September 2002, publ. in URP 2002 S. 780). Nach beiden Regelungen werden Aussenräume (Gärten, Balkone, etc.) nicht erfasst. Dagegen hat die Messung bzw. Beurteilung nach Art. 39 Abs. 1 LSV am offenen Fenster zu erfolgen. Damit soll einerseits sichergestellt werden, dass die Bewohner die Fenster ihrer Wohnungen öffnen können; andererseits wird indirekt ein gewisser Schutz von Aussenräumen bewirkt: Muss der Planungs- bzw. der Immissionsgrenzwert am offenen Fenster eingehalten werden, bedeutet dies, dass der Lärmpegel bzw. die Strahlungsbelastung auch in der Umgebung (Balkone, Vorgärten etc.) nur unwesentlich darüber liegt (BGE 142 II 100 E. 3.7 S. 107 mit Hinweisen).