Citation: 5A_401/2022 E. 4.2

4.2. Die Vermutung der Urteilsunfähigkeit greift nur, wenn sich eine Person ihrer allgemeinen Verfassung nach zum Zeitpunkt der streitigen Handlung nachweislich in einem dauernden Schwächezustand gemäss Art. 16 ZGB befunden hat, der nach allgemeiner Lebenserfahrung im Normalfall vernunftgemässes Handeln ausschliesst. Kein solcher Schwächezustand ist die (angebliche) Abhängigkeit von einer bestimmten Person. Eine solche kann zwar Ausdruck eines bestehenden Schwächezustands sein und unter Umständen insbesondere die Willensumsetzungsfähigkeit der verfügenden Person einschränken. Sie ist aber kein selbständiges Verdachtsmoment im Hinblick auf eine mögliche Urteilsunfähigkeit (BUCHER/AEBI-MÜLLER, Berner Kommentar, 2. Aufl. 2017, N. 75 zu Art. 16 ZGB) und vermag für sich genommen eine Beweislastumkehr nicht zu begründen (Urteil 5A_748/2008 vom 16. März 2009 E. 5.4.1, ohne nähere Begründung kritisch hierzu ABT, Fälle, die für jeden prima-vista-Betrachter stinken, successio 2010 S. 207). Unter welchen Voraussetzungen eine Abhängigkeit bzw. Einflussnahme einer bestimmten Person die Urteilsfähigkeit im konkreten Fall entfallen lässt, ist mit anderen Worten gesondert zu prüfen. Die Vorinstanz verkennt dies, denn sie begründet die Vermutung der generellen Urteilsfähigkeit unter anderem mit der angeblichen Abhängigkeit von der Beschwerdeführerin.