Citation: 4A_220/2010 11.10.2010 E. 7

7.1 Die Vorinstanz nahm mit der Erstinstanz an, dass A.________ beim Unfall vom 28. Oktober 1999 schwerste Körperverletzungen erlitten hatte. Es liege damit unbestrittenermassen ein Personenschaden im Sinne von Art. 1 Abs. 1 EHG vor. Dieser Schaden sei durch einen Unfall verursacht worden, der auf den Betrieb einer Eisenbahn zurückzuführen sei. A.________ habe sich als Reisender im Zug Richtung Mailand befunden. Er sei aus dem fahrenden Zug gestürzt und habe (auch) infolge Fortbewegung des Zuges schwerste Verletzungen erlitten. Er sei damit - egal wie sich der Unfall genau zugetragen habe - im Rahmen eines Betriebsvorganges verletzt worden, womit die Gefährdungshaftung nach Art. 1 Abs. 1 EHG zum Tragen komme. Diese Ausgangslage wird von den Beschwerdeführerinnen nicht bestritten. Somit sind die Haftungsvoraussetzungen des Personenschadens und des Verursachens desselben beim Betrieb einer Eisenbahn als gegeben zu betrachten. 7.2 Die Bahnunternehmung kann sich insbesondere dadurch entlasten, dass sie ein den Kausalzusammenhang unterbrechendes Selbstverschulden des Geschädigten beweist (vgl. Erwägung 6). Vorliegend besteht dabei die Besonderheit, dass nach den Feststellungen der Vorinstanz im Rahmen des Beweisverfahrens nicht schlüssig geklärt werden konnte, weshalb A.________ im Tunnel aus dem Bahnwagen fiel. Er selber konnte wegen seiner schweren Verletzungen nicht befragt werden. Der Unfallhergang und namentlich das Verhalten des Geschädigten konnte nicht festgestellt werden. In einer solchen Situation geht es im Rahmen des Entlastungsbeweises eines Selbstverschuldens des Geschädigten vorerst noch nicht darum, ein festgestelltes Verhalten des Geschädigten unter dem Aspekt der Vorwerfbarkeit als Selbstverschulden zu würdigen und zu gewichten. Vielmehr ist in einem ersten Schritt aufzuzeigen, wie sich der Unfall zugetragen und welche Rolle der Geschädigte dabei gespielt hat.