Citation: I 506/01 13.09.2002 E. 4.3

4.3.1 Das Eidgenössische Versicherungsgericht hatte im Urteil H. vom 28. Juni 2002 (C 249/01) die Frage zu beantworten, unter welchen Voraussetzungen Personen, welche zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit Arbeit ausserhalb ihrer Wohnortsregion aufgenommen und Anspruch auf einen Pendlerkostenbeitrag gemäss Art. 68 Abs. 1 lit. a AVIG haben, die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen ungünstiger Verkehrsverbindungen unzumutbar sei. Es führte aus, die Beurteilung habe auf Grund der konkreten Umstände im Einzelfall zu erfolgen. Relevante Kriterien seien namentlich die Fahrzeit, die Anzahl Umsteigevorgänge und die damit verbundene Wartezeit, längere Wegstrecken, die zu Fuss zurückzulegen sind, sowie die Zeitersparnis bei Benützung eines privaten Motorfahrzeugs. Diese Kriterien sind auch für die Beurteilung der Zumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel im vorliegenden Zusammenhang zu beachten. Zusätzlich ist - entsprechend der unter Erw. 3.1 hievor wiedergegebenen Praxis - dem Alter der versicherten Person sowie der Art und Schwere der Behinderung Rechnung zu tragen. 4.3.2 Wird mit der Vorinstanz davon ausgegangen, dass sich der Zeitaufwand für die Strecke Domizil - A.________ Station auf 10 bis 20 Minuten verkürzen lässt, verbleibt ein täglicher Zeitaufwand für den Schulweg von rund 80 Minuten am Morgen (10 bis 20 Minuten Fussweg oder Fahrrad; 20 Minuten Zugfahrt mit einmaligem Umsteigen; 45 Minuten Sammeltransport) und rund 120 Minuten am Nachmittag/Abend (45 Minuten Sammeltransport; Wartezeit in H.________ 30 bis 54 Minuten; 20 Minuten Zugfahrt mit einmaligem Umsteigen; rund 20 Minuten für die Reststrecke bis nach Hause). Insgesamt benötigt der Beschwerdeführer für die Bewältigung des täglichen Schulweges mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Sammeltransport rund 3 Stunden und 20 Minuten, wobei darin ein Anteil Fussmarsch oder Fahrradstrecke, zwei Umsteigevorgänge (G.________ und H.________) sowie auf dem Rückweg ein längerer Aufenthalt im Bahnhof H.________ enthalten sind. Der Auffassung des kantonalen Gerichts, dieser Schulweg sei dem bei Antritt des Ausbildungsgangs und Verfügungserlasses 12-jährigen, hörbehinderten Beschwerdeführer zumutbar, kann nicht beigepflichtet werden. Neben dem sehr hohen Zeitaufwand und den notwendigen Umsteigevorgängen fällt namentlich auch der Umstand ins Gewicht, dass auf dem Rückweg eine längere Wartezeit auf dem Bahnhof H.________ in Kauf genommen werden muss. Die Möglichkeit, während dieser Zeit Schularbeiten zu verrichten, muss stark relativiert werden, verfügt doch der Warteraum gemäss der von der Vorinstanz eingeholten Auskunft wohl über genügend Sitzgelegenheiten, aber über keinen Tisch. Unter diesen Umständen ist dem Beschwerdeführer nicht zuzumuten, nach einem Hinweg von rund 80 Minuten und der Absolvierung eines Schultages noch einen Rückweg von rund zwei Stunden zu bewältigen. Die IV-Stelle ist daher verpflichtet, die Kosten des Transportes mit einem anderen Verkehrsmittel zu übernehmen, falls sich dadurch eine erhebliche Verbesserung erreichen lässt. Ausserdem erfordert der Grundsatz der Verhältnismässigkeit, dass die entstehenden zusätzlichen Kosten in einer angemessenen Relation zur erzielten Verbesserung stehen und das vernünftige Verhältnis der Gesamtkosten zum angestrebten Eingliederungserfolg weiterhin gegeben ist (vgl. BGE 107 V 87). 4.3.3 Der Vorinstanz ist darin zuzustimmen, dass der bescheidene Zeitgewinn am Morgen die für den Taxitransport entstehenden Kosten von Fr. 34.-- pro Fahrt (abzüglich eine geringe Einsparung durch den Wegfall des Zugabonnements) nicht rechtfertigt. Die Verhältnismässigkeit zwischen der erzielbaren Verbesserung und den zusätzlichen Kosten ist insoweit nicht gewahrt. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird an diesem Antrag denn auch zu Recht nicht mehr festgehalten. Demgegenüber ermöglicht der Taxitransport am Nachmittag eine Zeitersparnis von nahezu einer Stunde, wobei die lange Wartezeit auf dem Bahnhof H.________ entfällt. Dies sowie die Reduktion des gesamten täglichen Zeitaufwandes für den Schulweg von rund 3 Stunden 20 Minuten auf etwa 2 Stunden 25 Minuten stellt eine erhebliche Verbesserung dar, welche zu den entstehenden zusätzlichen Kosten von Fr. 34.-- pro Tag bzw., bei 170 Schultagen, Fr. 5'780.-- pro Jahr (abzüglich eingesparte Bahnkosten) in einer vernünftigen Relation steht. Die zusätzlichen Ausgaben stellen auch die Verhältnismässigkeit der Gesamtkosten zum angestrebten Eingliederungserfolg nicht in Frage. Der Beschwerdeführer hat daher Anspruch auf Ersatz der Kosten des Transportes mit dem Taxi ab H.________ am Nachmittag.