Citation: 9C_615/2021 E. 4.1

4.1. Nur schwerwiegende Lücken im Behandlungsangebot ("Versorgungslücken") rechtfertigen eine Abkehr vom Territorialitätsprinzip. Gemeint sind in der Regel Behandlungen, die hochspezialisierte Techniken verlangen oder seltene Krankheiten, für welche - gerade wegen ihrer Seltenheit - in der Schweiz (noch) keine genügende diagnostische oder therapeutische Erfahrung vorhanden ist. Wird hingegen in der Schweiz eine in Fachkreisen breit anerkannte und zweckmässige Behandlungsmethode üblicherweise praktiziert, hat die versicherte Person keinen Anspruch auf Erstattung der Kosten für eine im Ausland vorgenommene therapeutische Vorkehr. Bloss geringfügige, schwer abschätzbare oder gar umstrittene Vorteile einer ausserhalb der Schweiz praktizierten Behandlungsmethode, aber auch der Umstand, dass eine spezialisierte Klinik im Ausland über grössere Erfahrung auf dem betreffenden Fachgebiet verfügt bzw. höhere Fallzahlen ausweist, vermögen für sich allein noch keinen medizinischen Grund im Sinne von Art. 34 Abs. 2 KVG darzustellen (BGE 145 V 170 E. 2.3 mit Hinweisen).