Citation: 6B_780/2024 E. 2.3.4

2.3.4. Der Beschwerdeführer rügt ferner, er habe weder wissentlich noch willentlich gehandelt. Er habe seinen Eintrag im Anwaltsregister im Jahr 2009, also vor Inkrafttreten der Schweizerischen Strafprozessordnung, löschen lassen. Unter Geltung der kantonalen Strafprozessordnung sei es im Kanton Graubünden zulässig gewesen, sich vor den kantonalen Strafgerichten auch durch einen freigewählten, nicht im Anwaltsregister eingetragenen Verteidiger vertreten zu lassen. Es sei insoweit kein Anwaltsmonopol vorgesehen gewesen. Er habe sich aufgrund der Löschung im Anwaltsregister nicht näher mit den Neuerungen der Schweizerischen Strafprozessordnung auseinandergesetzt, sodass er die Regelung von Art. 127 Abs. 5 StPO nicht gekannt habe. Zudem habe er die Beschwerde einzig zur Fristwahrung eingereicht, ohne Absicht, B.________ vor Gericht zu vertreten. Sofern der Beschwerdeführer moniert, er habe hinsichtlich des im Strafverfahren für die Verteidigung statuierten Anwaltsmonopols in Unkenntnis der strafprozessualen Norm und somit unwissentlich gehandelt, macht er sinngemäss einen Verbotsirrtum nach Art. 21 StGB geltend. Im Unterschied zu dem vom Beschwerdeführer angerufenen Sachverhaltsirrtum nach Art. 13 StGB betrifft der Rechtsirrtum (Verbotsirrtum) die Konstellation, bei welcher der Täter in Kenntnis aller Tatumstände und somit vorsätzlich handelt, aber sein Tun versehentlich für erlaubt hält. Der Irrtum bezieht sich in diesem Fall auf die Rechtswidrigkeit der konkreten Tat (BGE 129 IV 238 E. 3.1 f. mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer beruft sich erstmals vor Bundesgericht auf diesen Einwand. Die rechtsuchende Partei muss sich in der Beschwerde an das Bundesgericht indes grundsätzlich mit den Erwägungen der letzten kantonalen Instanz zu Rügen auseinandersetzen, die sie bereits vor dieser letzten kantonalen Instanz erhoben hat. Sie darf die ihr bekannten rechtserheblichen Einwände der Vorinstanz nicht vorenthalten, um sie erst nach dem Ergehen eines ungünstigen Entscheids im anschliessenden Rechtsmittelverfahren zu erheben (BGE 146 III 203 E. 3.3.4; 143 III 290 E. 1.1; Urteil 6B_682/2024 vom 5. Februar 2024 E. 4.1; je mit Hinweisen). Zulässig im bundesgerichtlichen Verfahren sind (immerhin) neue Rechtsrügen, soweit sie auf den Feststellungen im angefochtenen Entscheid basieren und die Anträge dadurch nicht verändert werden (BGE 142 I 155 E. 4.4.3 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer legt nicht dar, inwieweit er sich bei der Berufung auf den Verbotsirrtum, der an und für sich eine Rechtsfrage ausmacht, im Rahmen des von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalts bewegt bzw. inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt diesbezüglich unvollständig und somit willkürlich festgestellt hätte (Art. 97 Abs. 1 BGG; s. zur Sachverhaltsrüge: BGE 148 IV E. 2.1, 39 E. 2.3.5; 147 IV 73 E. 4.1.2; 146 IV 88 E. 1.3.1). Er wirft der Vorinstanz genauso wenig eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Solches ist auch nicht erkennbar. Das Vorliegen eines Verbotsirrtums und die für die diesbezügliche Beurteilung notwendigen Feststellungen zum Wissen des Beschwerdeführers bilden nicht Gegenstand der vorinstanzlichen Würdigung und mussten es mangels dahingehender Anhaltspunkte bzw. eines entsprechenden Einwands des Beschwerdeführers im kantonalen Verfahren auch nicht sein. Auf die Rüge betreffend den Verbotsirrtum ist aus diesen Gründen nicht einzutreten. Der von der Vorinstanz willkürfrei festgestellte Sachverhalt ist für das Bundesgericht verbindlich (vgl. Art. 105 Abs. 1 BGG). Demnach waren dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich der Anwaltstätigkeit aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Rechtsanwalt bestens bekannt und er setzte sich bewusst über diese hinweg. Wenn der Beschwerdeführer dagegen geltend macht, einzig zur Fristwahrung bzw. Behebung eines Verfahrensmangels gehandelt zu haben, vermag er keine Willkür in der Rechtsanwendung darzulegen. Denn der Beweggrund kann auch ausserhalb des Vorsatzes liegen (BGE 101 IV 62 E. 2c) und schliesst ein vorsätzliches Handeln nicht aus.