Citation: 5C.249/2006 08.12.2006 E. 3.2

3.2.1 Der Beklagte bestreitet seine Unterhaltspflicht damit, sein Sohn habe eine abgeschlossene Berufsbildung und bei seinem Studium handle es sich eindeutig um eine Weiterbildung. Es gebe viele Firmen, welche Leute einstellten, die die gleiche Berufsausbildung wie der Kläger aufwiesen. 3.2.2 Der Mündigenunterhalt steht in engem Zusammenhang mit der elterlichen Erziehungspflicht, zu der gemäss Art. 302 Abs. 2 ZGB insbesondere gehört, dem Kind eine seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechende, allgemeine und berufliche Ausbildung zu verschaffen. Die Ausbildung muss praxisgemäss einem - zumindest in seinen Grundzügen - bereits vor der Mündigkeit angelegten Lebensplan entsprechen (BGE 127 I 202 E. 3e S. 207 mit Hinweis auf BGE 118 II 97 E. 4a S. 98/99), wobei ein Universitätsstudium, das vor Erreichen der Mündigkeit (allenfalls mit dem Besuch des Gymnasiums) begonnen und erst als Erwachsener abgeschlossen wird, als ein Ganzes gilt (Peter Breitschmid/Alexandra Rumo-Jungo, Ausbildungsunterhalt für mündige Kinder - Bemerkungen zur jüngeren Rechtsprechung des Bundesgerichts und Thesen, in: 3. Schweizerfamilienrecht§Tage vom 23./24. Februar 2006 in Basel, [Hrsg.] Ingeborg Schwenzer, Bern 2006, S. 96). Die Ausbildung muss es dem Kind erlauben, seine vollen Fähigkeiten zum Erlangen der finanziellen Unabhängigkeit zu nutzen. Auch ein Lehrabschluss ist nicht immer eine angemessene Ausbildung, namentlich dann nicht, wenn im Rahmen eines Ausbildungskonzepts zusätzliche Ausbildung erforderlich ist, die nicht selbst finanziert werden kann (Peter Breitschmid/Alexandra Rumo-Jungo, a.a.O., S. 96). 3.2.3 Gestützt auf die soeben zitierten Lehrmeinungen und die bundesgerichtliche Praxis ist dem Kläger gestützt auf den derzeitigen Ausbildungsstand seine Weiterbildung an der Fachhochschule B.________ zu ermöglichen. Denn die Vorinstanz hat zu Recht befunden, es handle sich hier nicht um eine Weiterbildung im Sinne einer Zweitausbildung, sondern um eine die Grundausbildung erweiternde und vertiefende Ausbildung. Fehl geht somit der Einwand des Beklagten, der Kläger habe sich mit der bisherigen Berufsausbildung zu begnügen. Das Bundesgericht hat im BGE 107 II 465 E. 5 S. 469 befunden: Es dürfte allgemein bekannt sein, dass es gerade für Jugendliche ohne Lehrabschluss ausserordentlich schwierig ist, überhaupt eine Arbeit und geschweige denn eine Arbeit zu finden, die ihren individuellen Neigungen und Fähigkeiten entspricht. Pflicht der Eltern aber ist es, dem Kind eine Ausbildung zu verschaffen, die auf seine Fähigkeiten und Neigungen Rücksicht nimmt, und ihm so lange beizustehen, als es diese Ausbildung erfordert. Diese Grundsätze lagen der Rechtsprechung zum bisherigen Recht in Art. 276 Abs. 2 aZGB zugrunde (BGE 86 II 217) und wurden in das neue Recht in Art. 302 ZGB ausdrücklich aufgenommen. Dass eine gute Ausbildung der Jugendlichen nicht nur für deren Persönlichkeitsentwicklung eminent wichtig ist, sondern in der heutigen Zeit auch ein Garant für gesellschaftliche Stabilität darstellt, ist dem Beklagten angesichts der grossen Probleme von (arbeitslosen) Jugendlichen ohne genügende Ausbildung in Erinnerung zu rufen. Die Absolvierung der Sekundar- und der Handelsmittelschule sowie das einjährige Praktikum und das Bestehen der kaufmännischen Berufsmatura bilden keinen Ausbildungsabschluss, wie das Obergericht zutreffend ausgeführt hat; denn wie die Maturität an einem Gymnasium bildet die Berufsmatura erst die erforderliche Grundlage für eine weiterführende - normalerweise universitäre - Ausbildung (vgl. BGE 117 II 127 E. 3b S. 129; Peter Breitschmid/Alexandra Rumo-Jungo, a.a.O.; Stephan Wullschleger, in: FamKommentar Scheidung, [Hrsg.] Ingeborg Schwenzer, Bern 2005, Allgemeine Bemerkungen zu Art. 276-293 ZGB, N. 25 S. 919). Der Kläger hat sich für Letzteres entschlossen. Da seine Eignung für das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule B.________ nicht in Frage gestellt ist, hat der Beklagte seinen Sohn bei der Erreichung dieses Zieles angemessen zu unterstützen. 3.2.4 Schliesslich macht der Beklagte geltend, sein Sohn habe das Studium ohne seine Zustimmung begonnen und dieser habe seinen Rat ignoriert, das Studium berufsbegleitend durchzuführen oder zuerst die Aufwendungen für das Studium zu ersparen. Von vornherein nicht eingetreten werden kann auf das Vorbringen, in beiden Urteilen werde davon ausgegangen, dass er ein echtes Mitspracherecht beim beruflichen Werdegang des Klägers gehabt habe, was jedoch in keiner Weise zutreffe. Diese Kritik ist im Berufungsverfahren unzulässig (E. 2.1 hiervor). Verbindlich fest steht für das Bundesgericht dagegen, dass der Beklagte von den Zukunftsplänen seines Sohnes Kenntnis hatte (E. 3.1.2 hiervor). Im Übrigen darf die Verpflichtung zu Unterhaltsbeiträgen nach der Mündigkeit nicht von der Zustimmung der Eltern zur betreffenden Ausbildung abhängig gemacht werden (Cyril Hegnauer, Berner Kommentar, 4. Aufl. 1996, N. 39 zu Art. 277 ZGB, S. 248). Der Einwand ist somit unbegründet.