Citation: 6B_642/2015 E. 1.3.2

1.3.2. Was der Beschwerdeführer vorbringt, erschöpft sich in appellatorischer Kritik an der Beweiswürdigung, die zur Begründung der Willkürrüge nicht genügt, und ist, soweit Rechtsfragen betreffend, unbegründet. Der Vorsatz der Gefährdung des Lebens unterscheidet sich vom Eventualvorsatz auf Tötung oder Körperverletzung darin, dass der Täter darauf vertraut, der Tötungs- oder Verletzungserfolg werde nicht eintreten, die Gefahr werde sich mithin nicht verwirklichen. Sicheres Wissen um die nahe Möglichkeit des Todes ist nicht identisch mit sicherem Wissen um den Eintritt des Erfolgs. Sicheres Wissen um die Gefahr für das Leben kann sowohl mit Eventualvorsatz als auch mit bewusster Fahrlässigkeit bezüglich der Todesfolge einhergehen ( STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, 7. Aufl. 2010, § 4 N. 12). Aus dem direkten Vorsatz der Gefährdung des Lebens kann nach den zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid (S. 31) nicht kurzerhand auf Eventualvorsatz der Verletzung oder Tötung geschlossen werden. Wollte man anders entscheiden, wäre Art. 129 StGB betreffend Gefährdung des Lebens weitgehend überflüssig. Der Beschwerdegegner schuf dadurch, dass er die Waffe in die linke Hand nahm, den Zeigefinger am Abzug hielt und die Waffe auch nicht losliess, als der Beschwerdeführer sie ihm zu entwinden suchte, zweifellos mit Wissen und Willen die Gefahr, dass sich im Gerangel um die Waffe daraus Schüsse lösen konnten, welche den einen oder andern Polizeibeamten oder den Beschwerdegegner selbst verletzten oder töteten. In der Zeit, in welcher die drei Schüsse fielen, war die Pistole nicht gegen den Beschwerdeführer, sondern, offenbar zufolge von dessen Intervention, nach unten gerichtet. Daher konnte der Beschwerdegegner im Zeitpunkt der Schussabgaben nicht den Eventualvorsatz auf Verletzung oder Tötung des Beschwerdeführers gehabt haben, selbst wenn er den einen oder anderen Schuss willentlich abgegeben haben sollte.