Citation: 1C_161/2023 E. 3.3

3.3. Den Ausführungen des BAFU und der Vorinstanz ist beizupflichten. Massgebend ist, dass mit dem strittigen Wasserbauprojekt insgesamt eine signifikante Verbesserung der Hochwassergefahrensituation im betroffenen Siedlungsgebiet erzielt werden kann, wie sich aus dem entsprechenden Gefahrenbericht und insbesondere den diesem beiliegenden Intensitäts- und Gefahrenkarten ergibt. Bei Vergleich der Intensitätskarten des Ist-Zustands und des mit dem Vorhaben anvisierten Zustands zeigt sich insgesamt eine deutliche Abnahme der Intensitäten sowohl für dreissigjährliche (HQ 30) wie auch für hundertjährliche (HQ 100) Hochwasserereignisse. Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte Verschlechterung betrifft ausserhalb des Bachgerinnes einzig die südlich ihrer Grundstücke gelegene Fadenrainstrasse, wobei erst ab einem hundertjährlichen Hochwasserereignis mit Überflutungen schwacher bis mittlerer Intensität zu rechnen ist. Dafür, dass auch die Fadenrainstrasse selbst - zusätzlich zu den angrenzenden Wohnhäusern - zwingend vor einem hundertjährlichen Hochwasser zu schützen wäre, findet sich weder im Bundes- noch im kantonalen Recht eine Stütze. Eine differenzierte, nutzungs- und objektbezogene Festsetzung der Schutzziele ist zulässig (vgl. die Wegleitung "Hochwasserschutz an Fliessgewässern" des ehemaligen Bundesamts für Wasser und Geologie, 2001, S. 16 sowie die Empfehlung "Raumplanung und Naturgefahren" der Bundesämter für Raumentwicklung, Wasser und Geologie sowie Umwelt, Land und Wirtschaft, 2005, S. 18). Das Vorgehen des Kantons Appenzell Ausserrhoden steht auch nicht im Widerspruch zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wie das BAFU zutreffend vorbringt. Die Feststellung, beim Schutzziel HQ 100 im Siedlungsgebiet handle es sich um einen in der Schweiz vielerorts angewendeten Standard (vgl. Urteil 1C_148/2008 vom 11. Dezember 2008 E. 4.5.1 mit Hinweis; ERWIN HEPPERLE, in: Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und Wasserbaugesetz, 2016, N. 11 zu Art. 3 WBG), bedeutet nicht, dass im Einzelfall keine abweichenden Lösungen getroffen werden könnten.