Citation: 6B_55/2015 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz hat die Hintergründe der Tat und deren Ausführung eingehend beleuchtet und zieht zutreffende Schlussfolgerungen. Darauf kann grundsätzlich verwiesen werden. Fraglich ist einzig, ob der Umstand, dass die Beschwerdeführerin mit dem ihr überlassenen Schlüssel in die Wohnung gelangte, als heimtückisch bezeichnet werden kann. Jedenfalls ist nicht ersichtlich, dass sich die Beschwerdeführerin diesbezüglich das Vertrauen der Eltern erschlichen hätte. Jedoch liegen auch ohne diese Feststellung mehrere Qualifikationsmerkmale von Art. 112 StGB vor. Die Beschwerdeführerin verschaffte sich mitten in der Nacht Zutritt zur elterlichen Wohnung, um ihren seit geraumer Zeit gereiften Plan, die Eltern umzubringen, in die Tat umzusetzen. Unvermittelt stach sie auf den auf dem Sofa schlafenden, ahnungs- und wehrlosen Vater ein. Sie stach ihm zuerst in den Hals, da sie den Eintritt der Todesfolge auf diese Weise als am wahrscheinlichsten einstufte. Auch als der Vater sich wehrte und zu schreien begann, liess sie nicht von ihm ab. Weder während noch nach der Tat zeigte die Beschwerdeführerin Gefühlsregungen. Nachdem sie die Eltern schwer verletzt hatte, begab sie sich ins Badezimmer und legte sich ein Pflaster an den Finger. Danach verliess sie die Wohnung, weil sie nicht mehr hören wollte, was der Bruder und ihre Mutter sagten. Die Vorinstanz bezeichnet dieses Vorgehen zu Recht als heimtückisch und kaltblütig. Zudem sind die Beweggründe der Beschwerdeführerin in keiner Weise nachvollziehbar. Soweit sie in diesem Punkt wiederum vom vorinstanzlichen Sachverhalt abweicht (Beschwerde S. 9 Ziff. 1.4), sei auf die vorherigen Ausführungen (E. 1.1 f.) verwiesen. Die Beschwerdeführerin wollte sich an ihren Eltern rächen, da sie diese für ihre missliche persönliche Situation verantwortlich machte. Soweit die Beschwerdeführerin mit Verweis auf BGE 104 IV 150 geltend macht, wenn der Tat eine Konfliktsituation vorausgegangen sei, handle es sich in der Regel nicht um Mord, sondern um eine vorsätzliche Tötung, kann ihr nicht gefolgt werden. Nicht jede Konfliktsituation lässt die besondere Skrupellosigkeit im Sinne von Art. 112 StGB entfallen (vgl. Urteil 6B_734/2011 vom 3. April 2012 E. 7.3). Wie ausgeführt (E. 1.2), gelangt die Vorinstanz willkürfrei zum Schluss, es habe keine schwerwiegende familiäre Konfliktsituation vorgelegen. Jedenfalls habe diese nicht ein derart gravierendes Ausmass angenommen, dass sie die Tat als einfühlbar erscheinen lasse. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin bereits seit über vier Jahren nicht mehr zu Hause wohnte, weshalb nicht davon auszugehen ist, dass sich die Konfliktsituation auf ihrem Höhepunkt befand. Die Beschwerdeführerin setzte ihre eigenen Interessen über das Leben der Opfer sowie diejenigen ihrer Geschwister. Angesichts der Tatumstände und des Tatmotivs durfte die Vorinstanz in Bezug auf die Tötung des Vaters, ohne Bundesrecht zu verletzen, die Skrupellosigkeit und damit den Tatbestand des Mordes bejahen. Gleiches gilt für die versuchte Tötung der Mutter. Diese konnte nicht ahnen, dass die Beschwerdeführerin, obwohl sie bereits überwältigt worden war, an ihrem Tötungsvorsatz festhalten und erneut zum Messer greifen würde. Die Mutter war auf den überraschenden Angriff nicht vorbereitet und diesem daher schutzlos ausgeliefert. Der Beschwerdeführerin bereitete es sichtlich keine grosse Mühe, dieselbe Tat innert weniger Minuten ein weiteres Mal zu begehen. Auch bezüglich des Tötungsversuchs an der Mutter besteht ein Missverhältnis zwischen Anlass und Tat. Die Beschwerdeführerin wirft ihrer Mutter vor, den Vater all die Jahre geschützt und was die Beleidigungen angehe, mitgemacht zu haben. Dass die familiären Konflikte und die behaupteten Beleidigungen nicht ausserordentlich schwerwiegend waren, wurde bereits mehrfach ausgeführt. Die Beschwerdeführerin wollte die Mutter aus einem nichtigen Grund töten. Jedenfalls ist die Tat unter den erwähnten Umständen sowie unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Mutter versuchte, der Beschwerdeführerin auch nach deren Auszug in verschiedener Hinsicht zu helfen, in keiner Weise nachvollziehbar. Die Verurteilung der Beschwerdeführerin wegen Mordes respektive versuchten Mordes verletzt kein Bundesrecht.