Citation: 5P.44/2000 30.03.2000 E. 5

5.- Willkürliche Beweiswürdigung erblickt die Beschwerdeführerin in der Gutheissung der beschwerdegegnerischen Widerklage. Soweit sie über die Feststellung der Zerrüttungsursachen hinaus auch und zur Hauptsache die Verschuldensanalyse und ganz allgemein die Anwendung der aArt. 142 Abs. 2 und aArt. 151 f. ZGB anficht, kann auf ihre staatsrechtliche Beschwerde nicht eingetreten werden; auf Berufung hin (Art. 84 Abs. 2 OG) kann das Bundesgericht die Rechtsfragen prüfen, ob und in welchem Masse die als kausal festgestellten Zerrüttungsfaktoren der einen oder andern Partei zum Verschulden angerechnet werden müssen und welche scheidungsrechtlichen Ansprüche infolgedessen den Ehegatten zustehen (BGE 92 II 137 E. 2 S. 140 und BGE 108 II 364 E. 2b S. 367). Aus den Aussagen ihrer beiden Töchter leitet die Beschwerdeführerin ab, dass der Beschwerdegegner nach 1972 zwar keine physische Gewalt mehr gegen sie ausgeübt habe, wohl aber psychische im Sinne eines regelrechten und andauernden Psychoterrors. Bereits das Bezirksgericht hatte festgehalten, dass es sich um Aussagen der "klar gegen ihn eingestellten Töchter" gehandelt habe (E. 4 S. 9). Im Ergebnis ist es deshalb nicht willkürlich (vgl. zum Begriff und zur zulässigen Motivsubstitution: BGE 124 I 208 E. 4a S. 211 mit Hinweisen), dass auch das Kantonsgericht auf jene Aussagen nicht entscheidend abgestellt hat: Für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit eines Zeugen sind unter anderem emotionale Affekte und psychische Einstellungen zu beachten (BGE 118 Ia 28 E. 1c S. 31); ihre offenbar unbestrittene Motivationslage kann insoweit gegen die Glaubwürdigkeit der beiden Töchter angeführt werden (vgl. etwa Zweidler, Die Würdigung von Aussagen, ZBJV 132/1996 S. 105 ff., S. 117 ff. Ziffer 3.3.3; Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81/1985 S. 53 ff., S. 55 f. Ziffer II/2). Einen weiteren Anhaltspunkt dafür, dass die wahre Ursache der Ehezerrüttung die geistig gewaltsame Einstellung des Beschwerdegegners gewesen sei, sieht die Beschwerdeführerin in dessen Bemerkung bezüglich umstrittenen Landes ihr gegenüber: "Wenn sie so scharf auf Boden sei, solle sie sich ein Stücklein auf dem Friedhof besorgen". Die angebliche Äusserung ist unbewiesen geblieben, da der hierfür offerierte Zeugenbeweis (Ziffer 7 S. 4 der Widerklageantwort) offenbar kein Ergebnis gezeitigt hatte und das Kantonsgericht eine erneute Befragung des angerufenen Zeugen auf Grund antizipierter Beweiswürdigung abgelehnt hat (E. 2b S. 9), mit der die Beschwerdeführerin sich nicht befasst (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; BGE 125 I 71 E. 1c S. 76; 122 I 70 E. 1c S. 73 mit Hinweis). Der Beweiswürdigung unbewiesene Parteibehauptungen nicht zugrunde zu legen, hält vor dem Willkürverbot stand. Die Beschwerdeführerin geht mit dem Kantonsgericht darin einig, dass frühen Eheproblemen, die 1972 in einer ersten, in der Folge zurückgezogenen Scheidungsklage ihrerseits mündeten, weitere Spannungen folgten; unbestritten ist etwa, dass der Beschwerdegegner 1985 eine Tochter geschlagen hatte und die Beschwerdeführerin im Jahre 1988 zu einer Eheberatung gegangen war. Ursächlich für diese Spannungen in der Ehe der Parteien, die im Jahre 1997 schliesslich zur Auflösung des ehelichen Haushalts und zum Abbruch der sexuellen Beziehungen geführt hatten, sind nach Ansicht des Kantonsgerichts die Schicksalsschläge gewesen, die der Beschwerdegegner in beruflicher und gesundheitlicher Hinsicht erlitten hatte (grosse finanzielle Schwierigkeiten, Konkurs des eigenen Geschäfts im Jahre 1992, verschiedene Stellenwechsel mit Kündigung, Herzinfarkt, zeitweilige Arbeitslosigkeit, u.a.m.), und die von ihm nicht bewältigte Krankheit und damit verbundene Heimkehr der einen Tochter. Demgegenüber sieht die Beschwerdeführerin die Ursachen der Ehezerrüttung in Alkoholexzessen und Gewalttätigkeiten des Beschwerdegegners. Indem sie der kantonsgerichtlichen Beweiswürdigung mit pauschalen Vorbringen einfach widerspricht und nicht im Einzelnen aufzeigt, inwiefern die Schlüsse aus dem Beweisverfahren willkürlich sein sollen, vermag sie den formellen Anforderungen an die Beschwerdebegründung nicht zu genügen (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; BGE 125 I 492 E. 1b S. 495 mit Hinweisen), und dass ihre tatbeständlichen Folgerungen schlicht von jenen des Sachrichters abweichen, belegt Willkür in der Beweiswürdigung nicht (BGE 116 Ia 85 E. 2b S. 88 mit Hinweisen), und zwar selbst dann nicht, wenn ihre Beweiswürdigung ebenfalls als vertretbar oder gar als zutreffender erschiene (BGE 124 IV 86 E. 2a S. 88 mit Hinweisen). Gegen einen zermürbenden Eheverlauf wegen andauernder Gewalttätigkeit des Beschwerdegegners physischer und psychischer Natur spricht die heute unangefochtene Stellungnahme des Ehetherapeuten, wonach trotz unerfreulicher Eigenschaften des Beschwerdegegners (Gelegenheitstrinker und Aggressionen gegenüber ihren Töchtern) die Beschwerdeführerin selber der Auffassung gewesen sei, er liebe sie irgendwie noch, und wonach es ihr in einem zweiten Beratungsgespräch ausserordentlich gut gegangen sei, habe der Beschwerdegegner sich in seinem Verhalten doch komplett geändert und die Aufmerksamkeit wieder vermehrt ihr zukommen lassen. Darauf hat das Kantonsgericht hingewiesen (E. 2c S. 10/11), so dass zumindest willkürfrei geschlossen werden durfte, aus Sicht der Beschwerdeführerin sei der gemeinsame Ehewille im Jahre 1988 noch nicht unwiederbringlich zerstört gewesen. Die Ursachen für die eigentliche Ehezerrüttung sind offenbar erst danach eingetreten, und damit hätte die Beschwerdeführerin sich heute auseinandersetzen müssen (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG).