Citation: I 862/02 27.05.2003 E. 4

Zu prüfen ist im Weiteren, ob der festgestellte geistige Gesundheitsschaden mit Krankheitswert zu einer in eingliederungsrechtlicher Hinsicht massgeblichen Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit geführt hat. 4.1 Nach Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Das IVG beruht somit auf dem Konzept des leistungsspezifischen Invaliditätsfalles. Dies bedeu-tet im Bereich der beruflichen Eingliederungsmassnahmen (Art. 15 ff. IVG) u.a., dass beispielsweise ein Anspruch auf Beiträge an die erst-malige berufliche Ausbildung besteht, wenn der versicherten Person aus Gründen eines bleibenden oder längere Zeit dauernden Gesund-heitsschadens, somit invaliditätsbedingt, in wesentlichem Umfange zu-sätzliche Kosten entstehen (Art. 16 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVV; BGE 126 V 461 Erw. 1 mit Hinweis). 4.2 Mit Blick auf eine leistungsspezifische Invalidität ist vorliegend be-deutsam, ob die Beschwerdeführerin aus Gründen, die in der diag-nostizierten Persönlichkeitsstörung liegen, nach Beendigung der obli-gatorischen Schulzeit im Jahre 1984 daran gehindert worden ist, im üblichen Rahmen die erstmalige berufliche Ausbildung zu absolvieren. Unerheblich ist demgegenüber, ob die Versicherte bei Erlass der Verwaltungsverfügung vom 28. März 2002 noch an einem invalidisieren-den psychischen Gesundheitsschaden gelitten hat, kommt es invali-denversicherungsrechtlich doch nicht auf die Gleichzeitigkeit (Kontem-poralität), sondern auf die Kausalität von Gesundheitsschaden und Er-werbsunfähigkeit an (BGE 126 V 462 Erw. 2 mit Hinweisen). 4.3 Nach den Angaben der Beschwerdeführerin im IV-Anmeldeformular sowie den IK-Einträgen hat die Versicherte nach Schulabschluss erstmals im Januar 1986 - und somit bereits mit 17 Jahren - eine kurzzeitige Beschäftigung im Gasthof Y.________ aufgenommen, ohne gemäss eigenen Aussagen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eine "ordentliche Ausbildung" genossen zu haben. In der Folge ist sie in verschiedenen Branchen temporär tätig gewesen. Auf Grund der Aktenlage erscheint es somit erwiesen, dass die Beschwerdeführerin keine ihren Fähigkeiten entsprechende Berufsausbildung absolvieren konnte, was - vgl. Erw. 3.2 hievor - zumindest teilweise auf die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung mit Krankheitswert zurückzuführen ist. Der Umstand, dass die Versicherte bis Ende 1999 mehr oder weniger regelmässig verschiedenen Temporärbeschäftigungen nachgegangen ist und dabei ein bescheidenes Einkommen erzielt hat, verdeutlicht zudem, dass diese nach Beendigung der Schulzeit getätigten, zumeist kurzzeitigen Einsätze - 16-maliger Stellenwechsel mit Phasen der wiederholten Arbeitslosigkeit - keine geeignete und auf die Dauer zumutbare Erwerbstätigkeit darstellten. Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin von August 1988 bis August 1990 konstant als Behindertenbetreuerin sowie von Ende 1994 bis Ende 1997 während drei Jahren als Küchenangestellte tätig war, handelte es sich dabei in ihrem Fall doch wohl eher um einfachere Hilfsbeschäftigungen, die sie denn auch wieder aufgab. Damit ist der Tatbestand einer invaliditätsbedingt verzögerten erstma-ligen Ausbildung erfüllt, den auch die Verwaltungspraxis anerkennt (vgl. Rz 3007 und 3011 des Kreisschreibens des BSV über die Einglie-derungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE]; nicht publizierte Erw. 3 des in BGE 126 V 461 veröffentlichten Urteils N. vom 22. Dezember 2000, I 360/99; Urteil P. vom 19. Juni 2002, I 390/01, Erw. 3c). Die Beschwerdeführerin hat demnach Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen, deren Art und Umfang die IV-Stelle, an welche die Sache zurückzuweisen ist, festzulegen haben wird.