Citation: I 318/00 29.01.2002 E. 5

5.- a) Verwaltung und Vorinstanz haben einen Anspruch auf Übernahme der Kosten des Jus-Studiums mit der Begründung verneint, die Beschwerdeführerin habe bereits ein Studium in Deutsch und Geographie, einen Kaderkurs des Kaufmännischen Lehrinstituts C.________ sowie Methodik- und Didaktik-Kurse absolviert und sei in der Lage, durch die Ausübung einer Erwerbstätigkeit in diesem Bereich auch mit den gesundheitlichen Einschränkungen ein Einkommen zu erzielen, welches die für den Umschulungsanspruch erforderliche Invalidität ausschliesse. Die Beschwerdeführerin bestreitet dies. b) aa) Bei der Ermittlung des Einkommens, welches die versicherte Person ohne Invalidität erzielen könnte, ist entscheidend, was sie im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 Erw. 3b mit Hinweis). Die Einkommensermittlung hat möglichst konkret zu erfolgen. Es ist daher in der Regel vom letzten Lohn auszugehen, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt hat. Dabei ist grundsätzlich das durchschnittliche Lohnniveau in der betreffenden Branche und in der konkreten beruflichen Situation massgebend. Ein Spitzenlohn darf nur angenommen werden, wenn ganz besondere Umstände eindeutig hiefür sprechen (ZAK 1980 S. 593 mit Hinweisen). Zukünftige Veränderungen des Valideneinkommens müssen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. Erw. 3b mit Hinweisen; vgl. auch SVR 2000 UV Nr. 5 Erw. 4b mit Hinweisen). bb) Die Beschwerdeführerin war von 1981 bis 1986 teilzeitlich als Blockflötenlehrerin an der Musikschule Y.________ angestellt. Nach dem Abschluss des Hochschulstudium (Deutsch und Geographie) im Dezember 1987 arbeitete sie ab April 1988 als Musiklehrerin bei der Musikschule A.________ und der Kantonsschule A.________. Im Oktober 1991 bestand sie die Aufnahmeprüfung für das Musikstudium (Lehrdiplom) beim Schweizerischen Musikpädagogischen Verband (SMPV) und nahm dieses in der Folge auf, konnte es jedoch nach dem Unfall aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr abschliessen. Es ist davon auszugehen, dass die Versicherte, hätte sich der Unfall vom 11. Juni 1994 nicht ereignet, das Studium beim SMPV abgeschlossen hätte und anschliessend als Musiklehrerin mit Lehrdiplom tätig gewesen wäre. Gemäss den Feststellungen der Berufsberaterin der IV-Stelle (Bericht vom 12. März 1996) hätte sie im Herbst 1995 die theoretische Ausbildung abschliessen und anschliessend vollzeitlich erwerbstätig sein können. Das Valideneinkommen entspricht somit demjenigen Verdienst, welchen die Versicherte durch die anschliessend mutmasslich ausgeübte Tätigkeit erzielt hätte. Dabei ist nach dem Gesagten (Erw. 4b/aa hievor) davon auszugehen, dass sie ihre bisherige Tätigkeit auch nach dem Erwerb des Lehrdiploms fortgesetzt hätte, sofern ein Wechsel der Anstellungsstätte nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist. cc) In der vorinstanzlichen Beschwerdeschrift wird das Valideneinkommen auf Fr. 90'000.- beziffert, dies entsprechend dem Verdienst aus der Tätigkeit als Blockflötenlehrerin an der Musikschule A.________ und Lehrbeauftragte für Blockflöte an der Kantonsschule A.________ im Jahr 1997. Die Beschwerdeführerin hatte ihren Lohn als diplomierte Musiklehrerin mit einem Vollpensum, welches sich aus Einsätzen an der Musikschule A.________ (82, 1 %) und der Kantonsschule A.________ (17, 9 %) zusammensetzt, in einer zusammen mit einem Schreiben vom 16. April 1997 eingereichten Aufstellung detailliert berechnet und einen Bruttojahreslohn von Fr. 88'532. 40 ermittelt. Wird berücksichtigt, dass der Anteil der Kantonsschüler in der Folge nach Angaben der Beschwerdeführerin noch etwas gestiegen wäre, und deshalb von einem Pensum von 80 % an der Musikschule und 20 % an der Kantonsschule ausgegangen, resultiert ein Wert von Fr. 89'054. 40 (0,8 x Fr. 84'078.- plus 0,2 x Fr. 108'960.-). Ausgehend von der Annahme, dass sich die Teuerungszulage für die Tätigkeit bei der Musikschule noch etwas erhöht hätte, erscheint der in der vorinstanzlichen Beschwerdeschrift genannte Betrag von Fr. 90'000.- als plausibel. Das ursprünglich genannte Berufsziel "Musikschulleiterin" führt nicht zu einem höheren Betrag, da diesfalls der (wesentlich besser bezahlte) Anteil der Unterrichtstätigkeit an der Kantonsschule wegfiele. Der Umstand, dass Stellen existieren, welche durch eine Tätigkeit an einer Musikschule die Erzielung eines wesentlich höheren Verdienstes ermöglichen (wie die Beschwerdeführerin in ihrem Schreiben an die Vorinstanz vom 25. April 1999 darlegt), rechtfertigt für sich allein eine Bestimmung des Valideneinkommens auf dieser Grundlage nicht, da nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die Versicherte eine entsprechende Anstellung gesucht und gefunden hätte. c) Im Rahmen der allgemeinen Schadenminderungspflicht (BGE 113 V 28 Erw. 4a mit Hinweisen; AHI 1997 S. 39 Erw. 4a) kann der Beschwerdeführerin zugemutet werden, zur Selbsteingliederung eine Anstellung mit vorwiegend intellektueller Tätigkeit zu suchen, welche den aus medizinischer Sicht formulierten Anforderungen (Erw. 3 hievor) gerecht wird. Das absolvierte Studium in Deutsch und Geographie bietet eine Grundlage für entsprechende Tätigkeiten, und die Verwertung der entsprechenden Arbeitsfähigkeit wird durch die zusätzlich absolvierten Ausbildungen - Kaderkurs am Kaufmännischen Lehrinstitut C.________ sowie Methodik- und Didaktikkurse - erleichtert. Zudem verfügt die Versicherte auf Grund ihrer Tätigkeit bei der Schweizerischen Stiftung für Orts- und Flurnamenforschung über eine gewisse relevante Berufserfahrung. Auf dem ausgeglichen gedachten Arbeitsmarkt liesse sich die verbliebene Arbeitsfähigkeit durch eine geeignete Bürotätigkeit verwerten. In Frage käme - neben den von der Vorinstanz erwähnten Bereichen des Journalismus, der Medienarbeit sowie wissenschaftlicher Tätigkeiten - etwa eine Anstellung bei einem privaten oder öffentlichen Arbeitgeber im Bereich des Personalwesens (wo die Versicherte auf Grund der Tätigkeit bei der Z.________ AG in den Jahren 1988 und 1989, welche sie als freie Mitarbeiterin bis 1992 fortsetzte, ebenfalls über eine gewisse Berufserfahrung verfügt) oder geeigneter, selbstständig auszuführender Sekretariats- und Kanzleiarbeiten. Denkbar wäre auch eine Tätigkeit im Bereich "Kultur, Information, Unterhaltung, Sport und Freizeit". Die Beschwerdeführerin könnte demnach auf Grund der absolvierten Ausbildungen auch mit den gesundheitlichen Einschränkungen eine Vielzahl qualifizierter Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich ausüben. Gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 1998 betrug der Zentralwert des standardisierten monatlichen Bruttolohns der im Bereich "Dienstleistungen" mit höchst anspruchsvollen und schwierigsten (Anforderungsniveau 1) oder selbstständigen und qualifizierten Arbeiten (Anforderungsniveau 2) bei einem privaten oder öffentlichen Arbeitgeber (Bund) beschäftigten Frauen Fr. 5956.- (LSE 1998, S. 31 Tabelle A7). Wird dieser auf 40 Wochenstunden beruhende Wert auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit des Jahres 1998 von 41,9 Stunden hochgerechnet, ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 74'867.-. Angesichts der absolvierten Ausbildungen ist davon auszugehen, dass die Versicherte im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 20. Januar 1998 (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) einen entsprechenden Verdienst erreicht hätte. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 90'000.- resultiert ein Invaliditätsgrad von 16,8 %, sodass die für die anspruchsspezifische Invalidität vorausgesetzte Erwerbseinbusse von rund 20 % nicht erreicht wird. Ein Anspruch auf Umschulung besteht nach dem Gesagten nicht. Als Leistung der Invalidenversicherung kommt unter den gegebenen Umständen allenfalls eine Berufsberatung zum Thema der Möglichkeiten zur Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit in Frage.