Citation: U 192/01 17.01.2002 E. 2

2.- a) Beim Unfall vom 20. April 1999 erlitt der Be- schwerdeführer eine Schädelkontusion, eine Thoraxkontusion mit Fraktur der Rippe IV links ohne Dislokation, eine LWS-Kontusion sowie eine Abrissfraktur der Basis Phalangis medialis Dig. IV links. Er leidet seither unbestrittener- massen an Rückenschmerzen, die im MEDAS-Gutachten vom 12. September 2001 als schwer bezeichnet werden. Streitig ist als Erstes, ob die Rückenschmerzen auf den Unfall zu- rückzuführen sind. b) aa) Das Spital führte im Bericht vom 26. Januar 2000 aus, obschon das mangelnde Ansprechen auf Analgetika und auch die relativ wenigen übrigen lindernden Faktoren auf eine beginnende Chronifizierung hinwiesen, sprächen doch der bewegungs- und positionsabhängige Schmerzcharakter mit unterschiedlicher Schmerzintensität, die umschriebene Schmerzlokalisation und die Schmerzschilderung inkl. Inter- viewerreaktion für eine vorwiegend organische Genese der Lumbalgie, welche u.a. durch den ungünstigen Lumbosakral- winkel, die Tendenz zum Baastrup und die auch infolge Adi- positas bestehende Fehlbelastung erklärt werden könne. Ins- besondere seien mehrere klinische Untersuchungsbefunde (vermehrte lokalisierte Lumbalgie bei Beinabduktion rechts, Schmerzverstärkung bei Wirbelsäulenreklination, Schmerzlin- derung beim sich nach vorne Beugen) typisch. Ausser einem positiven umgekehrten Lasègue rechts bestünden keine Hin- weise für eine radikuläre Reizung oder sensomotorische Aus- fälle, insbesondere auch keine Hinweise für ein cauda equina-Syndrom (normaler analer Sphinctertonus, normale perianale Sensibilität). Angesichts der verfahrenen Gesamt- situation mit drohender Chronifizierung werde eine inter- disziplinäre Schmerzbehandlung empfohlen. Im Bericht vom 25. April 2000 stellte das Spital fest, die Rückenbeschwerden seien im Zusammenhang mit einer Fa- cettengelenksarthrose, einem Sacrum acutum sowie einem Baastrup-Syndrom zu interpretieren. Einen ungünstigen Ein- fluss habe sicherlich der Arbeitsunfall vom 20. April 1999 gehabt, da es durch körperliche Schonung zu einer Verstär- kung der muskulären Dysbalance mit Abschwächung der phasi- schen Muskulatur und Verkürzung der tonischen Muskulatur gekommen sei. Aufgrund des komplexen Beschwerdebildes mit mittelgradiger depressiver Entwicklung bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Am 9. Juni 2000 legte das Spital schliesslich dar, die aktuellen Beschwerden seien nach Angaben des Beschwerdefüh- rers erst seit dem Unfall vom 20. April 1999 aufgetreten. Wahrscheinlich hätten die radiologisch erkennbaren degene- rativen Veränderungen bereits vorher begonnen; ein Zeit- punkt könne aber nicht angegeben werden. bb) Der vom Beschwerdeführer angerufene Dr. med. S.________ führte in den Berichten vom 5. September 2000 und 10. Mai 2001 aus, die aktuellen persistierenden, inva- lidisierenden Schmerzen paravertebral lumbal rechts seien somatisch bedingt und stünden in unmittelbarem Kausalzusam- menhang mit dem Unfall vom 20. April 1999. Der Versicherte, den er seit längerer Zeit kenne und von dem er nie den Ein- druck eines Simulanten gehabt habe, sei vor dem Unfall be- schwerdefrei gewesen. Das Polytrauma könne ohne Weiteres - ähnlich einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule - chro- nische Schmerzen hinterlassen, obwohl in den aktuellen bildgebenden Verfahren keine strukturellen Veränderungen feststellbar seien. cc) Das MEDAS-Gutachten vom 12. September 2001 äusser- te sich zwar nicht explizit zur Frage, ob die Beschwerden auf den Unfall vom 20. April 1999 zurückzuführen sind. Es wurde darin jedoch dargelegt, dass seit diesem Trauma star- ke Schmerzen rechts paravertebral lumbal mit Ausstrahlung im Bereich der Oberschenkelhinter- und -aussenseite sowie im Bereich der Aussenseite des Knies bei fehlendem motori- schen Defizit bestünden. Anamnestisch hätten die Schmerzen seit dem Trauma zugenommen und erstreckten sich nun bis in den Thorakalbereich. Aufgrund der Anamnese müsse eine Schmerzenausweitung angenommen werden. Radiologisch fänden sich geringe degenerative Veränderungen im Bereich der LWS, die als Ursprung der Beschwerden angenommen werden, jedoch deren derzeitiges Ausmass nicht erklären könnten. Weiter wurde im MEDAS-Gutachten auf einen (bei den Akten nicht vorhandenen) Bericht der Schmerzklinik P.________ (nachfol- gend Klinik) vom 28. November 2000 verwiesen und ausge- führt, darin werde die Auffassung des Hausarztes geteilt, dass ein "somatischer" Leidensdruck bestehe. dd) Aufgrund dieser medizinischen Unterlagen ist er- stellt, dass somatisch bedingte Rückenschmerzen vorliegen. Soweit diesbezüglich ein krankhafter, degenerativer Vorzu- stand festgestellt wurde, ist gemäss den medizinischen An- gaben davon auszugehen, dass der Versicherte diesbezüglich bis zum Unfall vom 20. April 1999 beschwerdefrei war. Wenn insbesondere das Spital darlegte, der Unfall habe auf die Rückenbeschwerden sicherlich einen ungünstigen Einfluss ge- habt, da es durch körperliche Schonung zu einer Verstärkung der muskulären Dysbalance mit Abschwächung der phasischen Muskulatur und Verkürzung der tonischen Muskulatur gekommen sei, so steht mit der vorausgesetzten überwiegenden Wahr- scheinlichkeit fest, dass der Unfall zumindest eine Teilur- sache der bestehenden Beschwerden ist, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs praxisgemäss genügt (BGE 123 V 45 Erw. 2a; RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79 f.). Unbehelflich ist das Argument von SUVA und Vorinstanz, der Unfall habe nur insoweit zu einer Verschlimmerung bei- getragen, als die körperliche Schonung die muskuläre Dysba- lance verstärkt habe, was aber keinen invalidisierenden Ge- sundheitsschaden darstelle. Der Umstand, dass Dr. med. S.________ am 5. September 2000 angeführt hat, er könne sich vorstellen, dass eine psychologische/psychiatrische Abklärung sinnvoll sein könnte, um dem Versicherten die aktuelle Situation überstehen zu helfen, schliesst - entgegen der Argumentation der Vorinstanz - das Bestehen somatischer Leiden nicht aus. Nach dem Gesagten steht fest, dass der Unfall vom 20. April 1999 eine Teilursache der Rückenbeschwerden bil- det.