Citation: 5A_520/2022 E. 2.4.1

2.4.1. Zur Rechtzeitigkeit der beiden Teilzahlungen von EUR 88'360.73 und Fr. 57'711.06 hat die Vorinstanz erwogen, Tilgung der Schuld im Sinne von Art. 174 Abs. 2 Ziff. 1 SchKG verlange, dass die in Betreibung gesetzte Forderung samt Zinsen und Kosten bezahlt werde, d.h. entspreche der Tilgung gemäss Art. 172 Ziff. 3 SchKG. Tilgen im Sinne von Art. 172 SchKG bedeute Tilgung nach den Vorschriften des Obligationenrechts, also gemäss Art. 74 ff. und Art. 85 ff. OR. Geldschulden seien grundsätzlich Bringschulden (Art. 74 Abs. 2 Ziff. 1 OR). Der Schuldner habe die Leistung am Wohnort oder Geschäftssitz des Gläubigers zu erbringen. Entscheidend sei dabei derjenige Zeitpunkt, in welchem der Gläubiger über das Geld verfügen könne. Sei bargeldloser Zahlungsverkehr vereinbart, trete die Erfüllungswirkung ein, wenn der geschuldete Geldbetrag auf dem Konto des Gläubigers gutgeschrieben sei. Dies bedeute, dass derjenige Schuldner, der zur Zahlung Buch- oder Giralgeld verwende, in der Zeitspanne zwischen Zahlungsauftrag und Erfüllung das Verzögerungs- und Verlustrisiko trage. Abweichend von dieser konstanten bundesgerichtlichen Rechtsprechung werde in der Lehre und der kantonalen Rechtsprechung im Rahmen von Art. 172 Ziff. 3 SchKG und Art. 174 Abs. 2 Ziff. 1 SchKG postuliert, dass bei Zahlungen mittels E-Banking das Datum der Belastung des Senderkontos massgebend sein müsse. Vorliegend habe die Beschwerdeführerin innert der Beschwerdefrist blosse Zahlungsaufträge eingereicht, welche als Tilgungsnachweise nicht genügen würden. Ausserdem sei die Zahlung von Fr. 51'711.06 der Beschwerdeführerin gemäss der von ihr nachträglich eingereichten Belastungsanzeige erst am 29. April 2022 belastet worden. Die Beschwerdeführerin habe den urkundlichen Nachweis der Tilgung der Konkursforderung samt Zinsen und Kosten innerhalb der Beschwerdefrist deshalb nicht erbracht, selbst wenn man abweichend von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit einem Teil der Lehre und der kantonalen Rechtsprechung die Einreichung einer Belastungsanzeige als Tilgungsnachweis genügen liesse. Bereits aus diesem Grund seien die Voraussetzungen für die Aufhebung des Konkursdekrets nicht gegeben. Unter diesen Umständen brauche nicht weiter geprüft zu werden, ob die Beschwerdeführerin ihre Zahlungsfähigkeit glaubhaft gemacht habe.