Citation: 2C_323/2023 E. 6.2.1

6.2.1. Art. 6 Ziff. 1 EMRK eröffnet in seinem Anwendungsbereich die Möglichkeit, eine Streitigkeit zumindest einmal durch ein unabhängiges Gericht überprüfen zu lassen (Urteile des EGMR Golder gegen Vereinigtes Königreich vom 21. Februar 1975 [4451/70] § 30 ff.; Grz eda gegen Polen vom 15. März 2022 [435752/18] § 342 f.). Dieser gerichtliche Rechtsschutz muss praktisch wirksam sein und darf nicht einzig in der Theorie bestehen (Urteile des EGMR Bellet gegen Frankreich vom 4. Dezember 1995 [23805/94] § 36; Zubac gegen Kroatien vom 4. April 2018 [40160/12] § 76 ff.). Art. 6 Ziff. 1 EMRK verpflichtet die Konventionsstaaten jedoch nicht zur Einrichtung eines bestimmten Instanzenzugs bei Streitigkeiten über zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen (vgl. Urteile des EGMR Zubac gegen Kroatien vom 4. April 2018 [40160/12] § 80; Andrejeva gegen Litauen vom 18. Februar 2009 [55707/00] § 97; anders in strafrechtlichen Angelegenheiten, dazu Urteil 6B_1325/2020 vom 18. Mai 2022 E. 2.4). Mit anderen Worten ist in Staatshaftungsverfahren die gerichtliche Nachkontrolle einer gerichtlichen Entscheidung konventionsrechtlich nicht geboten (vgl. auch RETO FELLER, Das Prinzip der Einmaligkeit des Rechtsschutzes im Staatshaftungsrecht, 2007, S. 132).