Citation: 6B_1061/2020 E. 1.7.4

1.7.4. In der Lehre wird die Frage nach der Verwertbarkeit polizeilich-präventiv erhobener Beweise nicht einheitlich beantwortet. Ein Teil der Autoren spricht sich dafür aus, dass gestützt auf kantonales Polizeirecht rechtmässig erlangte Beweise in Strafverfahren ohne weitere Voraussetzungen verwertet werden dürfen (LUKAS BÜRGE, Polizeiliche Ermittlung und Untersuchung, 2018, S. 83; HANSJAKOB/PAJAROLA, a.a.O., N. 4 zu Art. 280 und N. 5 zu Art. 282; SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 2 zu Art. 282 StPO; TIEFENTHAL, a.a.O., S. 382, Fn. 29; ZIMMERLIN/GALELLA, a.a.O., S. 378 f.). Nach einer anderen Lehrmeinung sollen solche polizeilichen Erkenntnisse ausschliesslich dann verwertbar sein dürfen, wenn diese hypothetisch betrachtet auch im Rahmen repressiver Aktivität hätten legal gewonnen werden können (DONATSCH/SCHWARZENEGGER/WOHLERS, Strafprozessrecht, 2014, S. 126; PHILIPP KARNUSIAN, Der Tatverdacht und seine Quellen, forumpoenale 6/2016, S. 354; WOHLERS, Verwertbarkeit, a.a.O., S. 62; ders. ZK-StPO3, N. 9 zu Art. 141 StPO; differenzierend MÜLLER, a.a.O., S. 29, Fn. 167 sowie S. 195 f.; vgl. SABINE GLESS, Basler Kommentar zur Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 38 zu Art. 141 StPO, die zutreffend darauf hinweist, dass die präventiv-polizeiliche Sammlung von Informationen nicht dazu missbraucht werden darf, die strafprozessualen Schranken der Beweissammlung zu umgehen).