Citation: M 14/05 20.03.2006 E. 2

2.1 Der Standpunkt des Beschwerdeführers beruht im Grunde genommen nicht auf materiellrechtlichen Überlegungen, sondern auf dem öffentlichrechtlichen Vertrauensschutz (Art. 9 BV). Der Beschwerdeführer verlangt gestützt auf Treu und Glauben als einem die Rechtsbeziehungen zwischen Administration und Versicherten prägenden Verfassungsgrundsatz abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Erste Voraussetzung hiefür ist eine vertrauensbildende Auskunft oder Zusicherung der zuständigen Behörde oder sonst ein Verhalten, das bei objektivierter Betrachtungsweise seitens des Versicherten eine Vertrauensgrundlage schafft (BGE 127 I 36 Erw. 3a). In diesem Zusammenhang beruft sich der Beschwerdeführer insbesondere auf das Schreiben des BAMV vom 30. Oktober 1992: "Handgelenk rechts Sehr geehrter Herr S.________ Sie wurden durch Herrn Dr. med. H.________, bei der Berner Versicherung angemeldet und an uns verwiesen. Nachdem unsere Erhebungen abgeschlossen sind - diese gestalteten sich zeitaufwendig, was unsere verzögerte Stellungnahme begründet - anerkennen wir für die durchgeführte Behandlung die volle Bundeshaftung bis zum Abheilen der direkten Operationsfolgen. Danach erachten wir die dienstlichen Einwirkungen jedoch als behoben (UOS/Abverdienen 1992). Sie haben Anspruch auf Hospitalisation in der allgemeinen Abteilung. Alle durch einen allfälligen Klassenwechsel bedingten Mehrkosten gehen nicht zu Lasten der Militärversicherung. Wir bitten Sie um Kenntnisnahme." Daraus und aus den erbrachten vollen Taggeldzahlungen schliesst der Beschwerdeführer auf eine Leistungszusicherung in Form einer Bundeshaftung von 100 %, was allein ihn bewogen habe, bei seinem Bruder zwecks Erwerbs eines Automobils ein (ungesichertes) Darlehen von Fr. 25'000.- aufzunehmen (Darlehensvertrag vom 30. September 2002). 2.2 Mit dieser Auffassung dringt der Beschwerdeführer nicht durch. Zunächst hat das BAMV im Schreiben vom 30. Oktober 1992 die Anerkennung der vollen Bundeshaftung klar auf "die durchgeführte Behandlung (...) bis zum Abheilen der direkten Operationsfolgen" beschränkt. Im Schreiben vom 9. Juli 2001 wird ausdrücklich auf die erst vorzunehmende Prüfung des Anspruchs auf Integritätsschadenrente hingewiesen und die Taggeld- und Abrechnungsanzeige vom 19. November 2001 bezieht sich einzig auf die Taggelder. Es findet sich in den gesamten Akten kein Schriftstück, in welchem das BAMV eine voraussetzungslose und zeitlich unbeschränkte vollständige Bundeshaftung ausgesprochen hätte. Das wäre auch gar nicht sachgerecht, weil die kausalen Anteile einer sicher vordienstlichen Gesundheitsschädigung einerseits, einer oder mehreren dienstlichen Verschlimmerungen andererseits (Art. 5 Abs. 2 lit. a und b in Verbindung mit Abs. 3), wechseln können. So erklärt es sich, dass das BAMV am 7. März 1994 für die erneuten dienstlichen Einwirkungen einschliesslich einer allfälligen Metallentfernung sinngemäss die volle Bundeshaftung anerkannte. Aber auch in diesem Schreiben behielt sich das Bundesamt eine Neubeurteilung der Haftungsverhältnisse vor. Konnte der Beschwerdeführer aber für einen allfälligen bleibenden dienstlich bedingten Gesundheitsschaden, der integritätsmässig von erheblicher Bedeutung war - was anfangs der Neunzigerjahre noch offen war -, nicht mit einer vollen Bundeshaftung rechnen, ist die Anrufung von Treu und Glauben unbegründet.