Citation: 8C_288/2007 12.03.2008 E. 6

6.1 Nach Art. 6 Abs. 3 UVG erbringt die Versicherung Leistungen für Schädigungen, die dem Verunfallten bei der Heilbehandlung zugeführt werden. Dabei handelt es sich um die Konsequenz des Rechts des Unfallversicherers zur Anordnung von Behandlungsmassnahmen (BGE 128 V 169 E. 1c S. 171). Die Haftung erstreckt sich auf Gesundheitsschädigungen, die auf Behandlungsmassnahmen im Anschluss an einen Unfall zurückzuführen sind. Es muss weder ein Behandlungsfehler vorliegen noch der Unfallbegriff erfüllt noch ein Kunstfehler oder auch nur objektiv eine Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht gegeben sein (BGE 118 V 286 E. 3b S. 292). Bei den Leistungen handelt es sich nicht um Schadenersatz im Sinne des Haftpflichtrechts, sondern um Versicherungsleistungen nach UVG. Angesichts dieser Konzeption hat der Unfallversicherer nur für Schädigungen aufzukommen, die in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit den durch den versicherten Unfall erfolgten Heilbehandlung und medizinischen Untersuchungen stehen (BGE 128 V 169 E. 1c S. 171 mit Hinweisen). Da es nicht um Unfall- sondern um Heilbehandlungsfolgen geht, ist von einer Adäquanzbeurteilung nach Massgabe der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen unter Berücksichtigung unfallbezogener Kriterien (BGE 115 V 133) Abstand zu nehmen. Stattdessen ist auf die allgemeine Adäquanzformel zurückzugreifen. Das heisst es ist zu fragen, ob die allenfalls nicht lege artis durchgeführte Behandlung nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (SVR 2007 UV Nr. 37 S. 125 mit Hinweisen, U 292/05 vom 25. Mai 2007). Nicht unter den Anwendungsbereich von Art. 6 Abs. 3 UVG fallen ärztliche Handlungen oder Unterlassungen im Zusammenhang mit Krankheiten, die ausserhalb der Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 UVG liegen. So haftet der Unfallversicherer nicht für Folgen einer vom versicherten Unfall völlig unabhängigen Gesundheitsschädigung, auch wenn diese Folgen bei rechtzeitiger Diagnosestellung durch den vom Versicherer eingesetzten untersuchenden Arzt vermieden worden wären (BGE 128 V 169 E. 1c S. 172). 6.2 Ob eine verfrühte Bestätigung der Arbeitsfähigkeit durch den behandelnden Arzt überhaupt eine Schädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 3 UVG darstellen kann, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt wird, ist fraglich, braucht im vorliegenden Fall jedoch nicht abschliessend geprüft zu werden. Jedenfalls hatte die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers für diesen keine direkte Gesundheitsschädigung zur Folge, sondern höchstens eine indirekte, durch die als Kränkung empfundene Überforderungssituation am Arbeitsplatz und die Kündigung. Hinzu kommt, dass die unfallbedingten Beschwerden nicht die alleinige Ursache für die Probleme im Betrieb waren. Gegenüber Frau Dr. med. V.________ gab der Versicherte laut Bericht vom 8. Juni 2005 an, als es ihm Anfang August 2004 langsam besser gegangen sei, habe er die Arbeit wieder aufnehmen wollen. Nach zwei Wochen habe er jedoch plötzlich starke Bauchschmerzen bekommen und deswegen nicht auf den Kran steigen können. Die Arbeitgeberin habe ihm daraufhin gekündigt. Für die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und die ausgesprochene Kündigung kommen somit auch ausserhalb der unfallbedingten Arbeitsfähigkeitsbeurteilung liegende Gründe in Frage, welche sich vermutlich sogar überlagert haben. Überdies ist den Akten zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer im Juni 1999 und im Dezember 2001 wegen ungenügenden Leistungen und unentschuldigtem Fernbleiben von der Arbeit schriftlich verwarnt werden musste. Die im September 2004 attestierte unfallbedingte Arbeitsfähigkeit stellt somit höchstens eine mögliche Teilursache für die Probleme mit der Arbeitgeberin dar. Um diese Frage abschliessend zu klären, wären ergänzende Beweismassnahmen nötig. Darauf kann jedoch verzichtet werden. Denn wie SUVA und Vorinstanz zutreffend festhalten, fehlt es an dem für die Leistungspflicht der SUVA nach Art. 6 Abs. 3 UVG erforderlichen adäquaten Kausalzusammenhang. 6.3 Eine allenfalls nicht lege artis durchgeführte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist, selbst wenn sie zu einer vorübergehenden Überforderung führt, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet, eine nicht mehr ohne weiteres überwindbare psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, wie sie vom Versicherten geltend gemacht wird. Dies selbst dann nicht, wenn in der Folge auch noch die Kündigung der langjährigen Arbeitsstelle hinzukommt.