Citation: 6S.412/2004 16.12.2005 E. 2

2.1 Ob die Anordnung einer Massnahme zur Ermittlung der Blutalkoholkonzentration nach einem Unfall im Strassenverkehr sehr wahrscheinlich ist, hängt von den Umständen ab. Dazu gehören einerseits der Unfall als solcher (Art, Schwere, Hergang) und andererseits der Zustand und das Verhalten des Fahrzeuglenkers vor und unmittelbar nach dem Unfall (BGE 109 IV 137 E. 2a; 114 IV 148 E. 2). In den Fällen, in denen sich der Fahrzeuglenker pflichtwidrig von der Unfallstelle entfernte und/oder Nachtrunk geltend macht, kann sein Zustand im Zeitpunkt des Ereignisses oft nicht mehr zuverlässig ermittelt werden und ist der Unfall als solcher (Art, Schwere, Hergang) das einzig verbleibende Entscheidungskriterium. 2.2 Im vorliegenden Fall wurde zunächst ein Atemlufttest durchgeführt, der 1 o/oo ergab, und danach eine Blutprobe angeordnet. Daraus folgt allerdings nicht, dass die Anordnung einer Massnahme zur Ermittlung der Blutalkoholkonzentration im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 91 Abs. 3 aSVG sehr wahrscheinlich war. Massgebend ist insoweit die Beurteilung ex ante. Auch eine blosse Möglichkeit der Anordnung einer Blutprobe kann sich im konkreten Einzelfall einmal verwirklichen. 2.3 Der Atemlufttest wurde allem Anschein nach (auch) deshalb durchgeführt, weil der Beschwerdeführer laut Polizeirapport Alkoholmundgeruch aufwies. Damit ist aber gemäss einer insoweit zutreffenden Bemerkung im angefochtenen Entscheid (S. 15/16) nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer auch schon vor dem behaupteten Nachtrunk nach Alkohol roch. Die Vorinstanz nimmt allerdings an, es sei notorisch, dass man es riecht, wenn jemand - wie der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben - ein grosses Bier getrunken hat (angefochtenes Urteil S. 16 oben). Dies ist indessen eine blosse Vermutung. Der Atemlufttest wurde um 01.45 Uhr durchgeführt, und der Beschwerdeführer hatte das Bier nach seinen Aussagen zwischen 23.45 und 00.15 Uhr getrunken. Die Vorinstanz begründet die hohe Wahrscheinlichkeit der Anordnung einer Blutprobe in ihren diesbezüglichen Erwägungen (angefochtenes Urteil S. 16/17) denn auch zu Recht nicht mit dem Argument, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem geltend gemachten Nachtrunk Alkoholgeruch in der Atemluft aufgewiesen habe.