Citation: 5A_637/2022 E. 3.2.2

3.2.2. In der Folge stört sich die Beschwerdeführerin daran, dass das Obergericht das Alter und die Wünsche von C.________ neutral gewichte, obschon es diese Wünsche gar nicht festgestellt habe. Damit stelle das Obergericht den Sachverhalt willkürlich fest, verletze bezüglich der Obhutszuteilung das Willkürverbot und verstosse gegen die allgemeinen Verfahrensgarantien gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 BV sowie Art. 6 Abs. 1 EMRK. Unter der Geltung der Untersuchungsmaxime dürfe C.________s Wunsch, mit ihren Halbgeschwistern aufzuwachsen, nicht ausser Acht gelassen oder als "neutral" abgewiesen werden. Im Alter von fünf Jahren sei C.________ fähig zu beurteilen, ob sie allein oder bei ihren Halbgeschwistern aufwachsen möchte. Ihr diesbezüglicher Wunsch sei ein zentrales Element und bei der Obhutszuteilung zu berücksichtigen. Die Vorwürfe laufen ins Leere. Die Gewichtung der fraglichen Tatsachen - C.________s Alter und Wünsche - beschlägt nicht die Feststellung des Sachverhalts, sondern die Ausübung des Ermessens und damit die Rechtsanwendung. Diesbezüglich orientiert sich die Vorinstanz an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach eine Kindesanhörung grundsätzlich erst ab dem vollendeten sechsten Altersjahr möglich ist, wobei es nicht ausgeschlossen ist, je nach den konkreten Umständen auch ein etwas jüngeres Kind anzuhören, etwa wenn bei Geschwistern das jüngere kurz vor dem genannten Schwellenalter steht (BGE 131 III 553 E. 1.2.3). Was den konkreten Fall angeht, macht die Beschwerdeführerin nicht geltend, dass sich C.________s allfällige Wünsche anders als durch eine Kindesanhörung hätten feststellen lassen. Ebenso wenig zeigt sie auf, weshalb sich eine solche Anhörung des erst fünfjährigen Kindes geradezu zwingend aufgedrängt hätte. Allein mit ihrer appellatorischen Behauptung, dass C.________ beurteilen könne, wo bzw. bei wem sie leben möchte, vermag die Beschwerdeführerin nichts auszurichten. Soweit die Beschwerdeführerin auch in diesem Zusammenhang ausserdem eine Verletzung von Art. 11 und 14 BV ausgemacht haben will, kann auf die vorigen Erwägungen verwiesen werden (E. 3.2.1 a.E.).