Citation: 4C.301/2006 23.04.2007 E. 6

Art. 158 OR regelt das Haft- und Reugeld. Ist ein Reugeld verabredet worden, so kann der Geber nach Art. 158 Abs. 3 OR gegen Zurücklassung des bezahlten und der Empfänger gegen Erstattung des doppelten Betrags vom Vertrag zurücktreten. Beim Reugeld handelt es sich um die Vergütung für ein vertraglich eingeräumtes Rücktrittsrecht, das dem Berechtigten im Sinne einer alternativen Ermächtigung die Wahl verschafft, den Vertrag zu erfüllen oder von ihm gegen Erlegung des Reugelds zurückzutreten (BGE 84 II 151 E. 2 S. 155). Das Reugeld verschafft gemäss Art. 158 Abs. 3 OR auch der Gegenpartei unter gleichen Bedingungen (Rückerstattung des empfangenen Betrages und Leistung einer Summe gleicher Höhe) die gleiche Befugnis (BGE 110 II 141 E. 2b S. 145 ff.; Eugen Bucher, Schweizerisches Obligationenrecht, 2. Aufl., Zürich 1988, S. 517 f., 393; Andreas von Thur/Arnold Escher, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts, Bd. II, 3. Aufl., Zürich 1984, S. 288; Pierre Engel, Traité des obligations en droit suisse, 2. Aufl., Bern 1997, S. 861; Felix R. Ehrat, in Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel etc. 2003, N 11 zu Art. 158 OR; Gauch/Schluep/Schmid/Rey, Schweizerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, Bd. II, 8. Aufl., Zürich 2003, N 4082 f.). Das Reugeld ist geschuldet, wenn der Berechtigte aus freiem Willen vom Vertrag zurücktritt oder dessen Erfüllung schuldhaft vereitelt, nicht aber, wenn ein Entscheid Dritter oder andere, ausserhalb seines Willensbereichs liegende Umstände die Vertragserfüllung vereiteln (BGE 84 II 151 E. 2 S. 156; vgl. auch Ehrat, a.a.O., N 12 zu Art. 158 OR; nach Gauch/Schluep/Schmid/Rey, a.a.O., N 4088, erhält das Reugeld die Funktion einer zum voraus entrichteten Konventionalstrafe, wenn der Geber die Erfüllung des Vertrags schuldhaft verhindert).