Citation: 4C.193/2000 26.09.2001 E. 5

5.- Das Handelsgericht hat somit zu Recht eine Haftung der Beklagten unter dem Gesichtspunkt des widerrechtlichen Verhaltens (Art. 41 OR) bejaht. Die weitere, von der Beklagten ebenfalls angefochtene Herleitung der Haftung aus den Grundsätzen der Vertrauenshaftung braucht lediglich noch in jenen Punkten überprüft zu werden, in welchen sie sich von der Haftung wegen widerrechtlichen Verhaltens unterscheidet. Wie bereits dargelegt, besteht im Fall unrichtiger Rat- und Auskunftserteilung eine enge Verwandtschaft zwischen den beiden Haftungsgründen (vgl. vorne E. 4a). Im Übrigen ist auch die Haftung aus culpa in contrahendo, auf welche die Beklagte in der Berufung ebenfalls Bezug nimmt, als Anwendungsfall der Haftung aus erwecktem Vertrauen zu betrachten (BGE 120 II 331 E. 5a S. 335; Kramer, Berner Kommentar, Allgemeine Einleitung in das schweizerische OR, N. 150 f.; Baumann, Zürcher Kommentar, N. 144 zu Art. 2 ZGB). Die Haftung aus erwecktem und enttäuschtem Vertrauen setzt das Bestehen einer rechtlichen Sonderverbindung zwischen den Beteiligten voraus. Diese Sonderverbindung unterscheidet sich von der deliktsrechtlichen Konstellation des zufälligen und ungewollten Zusammenpralls beliebiger Personen dadurch, dass die Beteiligten - ausserhalb eines schon oder noch bestehenden Vertragsverhältnisses - rechtlich in besonderer Nähe zueinander stehen, wobei sie einander gegenseitig Vertrauen gewähren und Vertrauen in Anspruch nehmen. Aus dieser rechtlichen Sonderverbindung ergeben sich aus Treu und Glauben (Art. 2 ZGB) hergeleitete Schutz- und Aufklärungspflichten (BGE 120 II 331 E. 5a S. 336). Eine derartige Sonderverbindung entsteht allerdings nur aus bewusstem oder normativ zurechenbarem Verhalten der in Anspruch genommenen Person (BGE vom 28. Januar 2000 E. 3a, abgedruckt, in SJ 2000 I 549 ff., 554). Schutzwürdiges Vertrauen setzt zudem ein Verhalten des Schädigers voraus, das geeignet ist, hinreichend konkrete und bestimmte Erwartungen des Geschädigten zu wecken (BGE 124 III 297 E. 6a S. 304). In der Lehre wird auch eine Eigenhaftung des Stellvertreters oder anderer Personen, die fremde Vertragsverhandlungen mitbeeinflussen, aus culpa in contrahendo anerkannt (Zäch, Berner Kommentar, N. 153 ff. zu Art. 32 OR; Wiegand/Berger, Zur rechtssystematischen Einordnung von Art. 11 BEHG, ZBJV 1999, S. 740 ff.; Hans Peter Walter, Die Vertrauenshaftung: Unkraut oder Blume im Garten des Rechts?, ZSR 2001 I S. 88 mit Hinweisen). Für das Vertragsverhältnis zwischen dem Kläger und der Firma Y.________ war die Beklagte als Zahlstelle eingesetzt, bei welcher das auf den Namen der Treuhänder lautende Konto geführt wurde. Für sich allein vermöchte dieser Umstand noch keine rechtliche Sonderverbindung im dargelegten Sinne zu begründen. Darüber hinaus fand jedoch am 16. November 1993 in den Räumlichkeiten der Beklagten in Anwesenheit des Direktors der Niederlassung eine Besprechung zwischen dem Anleger und den Vertretern der Anlagegesellschaft statt, bei welcher der Kläger schliesslich seinen Anlageentscheid fällte und die Verträge unterzeichnete. An diesem Entscheid hatte die Beklagte insoweit ein eigenes Interesse, als G.________ hoffen konnte, der Kläger werde die ihm aus dem Geschäft mit der Firma Y.________ zufliessenden Erträge bei der Bank anlegen, und er werde ihn so als Kunden für die Beklagte gewinnen können. In dieser besonderen Konstellation hat deshalb das Handelsgericht zu Recht das Vorliegen einer rechtlichen Sonderverbindung bejaht, kraft welcher nach Treu und Glauben spezifische Schutz- und Aufklärungspflichten bestanden. Was G.________ unter dem Gesichtspunkt der Haftung für unrichtige Auskunft- und Raterteilung als Fehlverhalten angelastet wird, ist auch als Erweckung und Enttäuschung von Vertrauen in dieser rechtlichen Sonderbeziehung relevant. Er erweckte Vertrauen, indem er sich gegenüber dem Kläger zu den Geschäftsbeziehungen von C.________ und Dr. D.________ mit der Beklagten äusserte und dabei den Eindruck machte, dass er deren Geschäfte kenne und dass sie seriös seien. Ebenso hat er Vertrauen erweckt, indem er zu den in seiner Gegenwart gemachten Ausführungen über die Sicherheit des Geldes, die Art der Anlagen und die Überwachung der Bank schwieg und diese sogar nickend bestätigte. Die so hervorgerufenen Erwartungen des Klägers wurden indessen von ihm bzw. der Beklagten enttäuscht, indem sie ohne weiteres - entsprechend dem vom Kläger selbst eingeräumten Verfügungsrecht der Treuhänder - den umgehenden Abzug des Gelds im Widerspruch zu den dazu gemachten Äusserungen zuliess bzw. zulassen musste. Für den Schaden, welcher dem Kläger daraus erwachsen ist, hat die Beklagte deshalb auch nach den Grundsätzen der Vertrauenshaftung einzustehen. Das Verschulden von G.________ und die Adäquanz des Kausalzusammenhanges sind unter diesem Gesichtspunkt in gleicher Weise zu bejahen wie bei der Haftung für unrichtige Auskunft- und Raterteilung. Die Berufung der Beklagten erweist sich demnach als unbegründet und ist abzuweisen.