Citation: 1P.475/2000 14.08.2000 E. 2

2.- a) Nach der übereinstimmenden Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) und des Bundesgerichtes gibt Art. 5 Abs. 4 EMRK dem Angeschuldigten im Haftprüfungsverfahren das Recht, zu jeder Vernehmlassung der Strafverfolgungsbehörde zu replizieren, und zwar unbekümmert darum, ob die Behörde neue Tatsachen vorbringt oder nicht (BGE 125 I 113 E. 2a S. 115; 116 Ia 295 E. 4a S. 300; 115 Ia 293 E. 4b S. 301; Urteil des EGMR i.S. Sanchez-Reisse c. Schweiz vom 21. Oktober 1986, Série A, Band 107, Ziff. 51; vgl. auch Urteil des EGMR i.S. Nideröst-Huber c. Schweiz vom 18. Februar 1997, Recueil des arrêts et décisions 1997-I, S. 101 = VPB 61 [1997] Nr. 108, Ziff. 24 ff.; Andreas Donatsch, in: Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 1996/98, § 61 N. 17). § 61 Abs. 1 des Zürcher Gesetzes betreffend den Strafprozess vom 4. Mai 1919 (StPO/ZH, LS 321) schreibt vor, dass der Haftrichter dem Angeschuldigten und seinem Verteidiger Gelegenheit geben muss, sich zu den Vorbringen der Untersuchungsbehörde zu äussern. Im Lichte der erwähnten Praxis zu Art. 5 Ziff. 4 EMRK hat das Bundesgericht entschieden, dass diese Vorschrift nicht nur bei der Haftanordnung, sondern auch im Haftprüfungsverfahren zur Anwendung gelangen muss (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 29. September 1995 i.S. C., E. 2a/aa in EuGRZ 1996 S. 469; Donatsch, a.a.O. § 61 N. 17 und § 64 N. 29 f.). b) Die Haftrichterin hat dem Beschwerdeführer keine Gelegenheit eingeräumt, zur ausführlichen Vernehmlassung der Bezirksanwaltschaft zu seinem Haftentlassungsgesuch Stellung zu nehmen, sondern dieses unmittelbar abgelehnt. Damit hat sie Art. 5 Ziff. 4 EMRK offensichtlich verletzt.