Citation: 9C_151/2014 E. 5.4.2

5.4.2. Für die hier vorliegende Konstellation, in welcher für einen Witwer und für Waisen grundsätzlich eine gemeinsame Berechnung stattfindet, postuliert ein Teil der Lehre - da es an einer Regelung fehle - eine analoge Anwendung des Art. 8 Abs. 2 Satz 1 ELV für die Witwe bzw. den Witwer, um den Anspruch der Waisen materiell nicht zu beeinflussen. Der Einnahmenüberschuss der Witwe bzw. des Witwers würde den Waisen nämlich im Ergebnis als Einnahme angerechnet. Die Frage, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe die Witwe bzw. der Witwer einen Beitrag an den Unterhalt der Waisen zu leisten habe, der dann in der Anspruchsberechnung der Waisen als Einnahme zu berücksichtigen sei, bestimme sich allein nach familienrechtlichen Grundsätzen (Ralph Jöhl, a.a.O., S. 1691 Rz. 79 [zu Art. 4 Abs. 1 lit. a ELV). Indes verbietet sich die Annahme einer echten Lücke: Der Gesetzgeber war sich bewusst, dass der Anspruch auf Ergänzungsleistungen durch die Zusammenrechnung beeinträchtigt werden kann. Indem er in Art. 9 Abs. 4 ELG für die Berechnung nur "Kinder" ausnahm, deren anrechenbare Einnahmen die anerkannten Ausgaben übersteigen, ist hinsichtlich der Witwen und Witwer mit einem Einkommensüberschuss von einem qualifizierten Schweigen auszugehen.