Citation: 6B_645/2023 E. 3.4.4

3.4.4. Der Beschwerdeführer wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Bereits bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr ("Zweijahresregel") bedarf es ausserordentlicher Umstände, damit das private Interesse des Betroffenen an einem Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an einer Ausweisung überwiegt. Dies gilt grundsätzlich selbst bei bestehender Ehe mit einer Schweizerin und gemeinsamen Kindern ("Reneja-Praxis", BGE 135 II 377 E. 4.4; Urteile 6B_47/2022 vom 5. Juni 2023 E. 2.4.2; 6B_992/2022 vom 17. Februar 2023 E. 3.4; je mit Hinweisen). Solche ausserordentlichen Umstände liegen nicht vor. Der Beschwerdeführer beging mit der versuchten (eventual-) vorsätzlichen Tötung ein schwerwiegendes Delikt gegen die körperliche Integrität. Im Rahmen dieser schweren Straftat wurde sein Verschulden als mittelschwer beurteilt. Auf diese Qualifikation wie auch die vorinstanzlichen Erwägungen im Rahmen der Strafzumessung ist nicht weiter einzugehen. Die Strafzumessung wurde vorliegend zwar angefochten, indes mangelt es an einer Begründung dazu. Ins Gewicht fällt, dass der Beschwerdeführer gemäss erstelltem Sachverhalt ohne Motiv auf den Privatkläger mit einem Taschenmesser mit einer Klingenlänge von 7 cm losging. In der darauffolgenden dynamischen Auseinandersetzung stach der Beschwerdeführer absichtlich mehrfach in Richtung des Oberkörpers des Privatklägers, wobei der Privatkläger neben zahlreichen oberflächlichen Schürfungen fünf Schnitt- und Stichverletzungen im Bereich des Oberkörpers erlitt. Die Vorinstanz stuft das Verhalten des Beschwerdeführers nachvollziebar als Manifestation hoher krimineller Energie und von Unberechenbarkeit ein. Nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz angesichts der durch den Beschwerdeführer manifestierten hohen kriminellen Energie und Unberechenbarkeit auf eine zumindest geringe Rückfallgefahr, und damit auf eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, schliesst. Der Beschwerdeführer argumentiert selbst damit, dass in seiner Altersgruppe die Rückfallsquote statistisch gesehen 14.8 % betrage. Dies relativiert die vorliegend schwer ins Gewicht fallenden öffentlichen Interessen nicht. Kein Widerspruch ist in der vorinstanzlichen Argumentation zwischen der anlässlich der Tat durch den Beschwerdeführer manifestierten hohen kriminellen Energie sowie Unberechenbarkeit und dem fehlenden direkten Tötungsvorsatz, dem spontanen Handeln sowie der leicht positiv ins Gewicht fallenden Täterkomponente auszumachen. Sodann erwähnt die Vorinstanz zwar die beiden sehr lange zurückliegenden Vorstrafen, verwendet diese jedoch nicht zu Lasten des Beschwerdeführers. Eine neue Beurteilung einzig deswegen drängt sich somit nicht auf.