Citation: 6B_511/2020 E. 2.1.2

2.1.2. Die Vorinstanz stellt fest, die 20'000 Namenaktien der E.________.ch AG hätten im Zeitpunkt ihres Erwerbs mit Blick auf die drohende oder bereits feststehende Überschuldung der Gesellschaft im Frühjahr 2004 keinen tatsächlichen Wert aufgewiesen. Diese Finanzlage sei dem Beschwerdeführer in seiner Funktion als Geschäftsführer der E.________.ch AG bekannt gewesen. Entsprechend habe es an einer Grundlage für die Transaktionen von Fr. 142'209.10 sowie für die Abtretung der Debitorenforderungen von Fr. 122'447.40 an die L.________ AG gefehlt. Die Vorinstanz nimmt in rechtlicher Hinsicht an, die Handlungsweise des Beschwerdegegners 1 falle nicht unter den Tatbestand der Veruntreuung. Zwar seien die Merkmale der fremden Vermögenswerte und der unrechtmässigen Bereicherung gemäss Art. 138 Ziff. 1 StGB ohne Weiteres gegeben. Doch sei fraglich, ob es dem Beschwerdegegner 1 als Gesellschaftsorgan einzig darum gegangen sei, sich Vermögenswerte der Gesellschaft zwecks persönlicher Bereicherung anzueignen. Wenn der einzige Zweck des Aktienkaufs in der persönlichen Bereicherungsabsicht gelegen hätte, leuchte nicht ein, weshalb der Beschwerdegegner 1 sich nicht einfach - wie bei anderen Sachverhaltskomplexen - mit den Bargeldbezügen direkt bereichert, sondern den Umweg über die wertlose Beteiligung an der E.________.ch AG genommen habe. Die persönliche Bereicherungsabsicht sei daher zwar sehr wahrscheinlich, stehe aber nicht mit dem notwendigen Beweismass ohne jeden Zweifel fest, zumal eine - wenn auch sehr geringe - Möglichkeit der Wertvermehrung der Aktien bestanden haben dürfte. Vor diesem Hintergrund sei der Beschwerdegegner 1 in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" von der Anklage der Veruntreuung freizusprechen (angefochtenes Urteil S. 94 ff.; vgl. auch Vernehmlassung des Obergerichts S. 2 f.). In Bezug auf die Würdigung des Sachverhalts unter dem Gesichtspunkt der ungetreuen Geschäftsbesorgung bejaht die Vorinstanz zunächst die Pflichtverletzung des Beschwerdegegners 1. Diese erblickt sie zum Einen darin, dass er die X.________ GmbH in Verletzung seiner Pflichten als Geschäftsführer trotz der äusserst angespannten Finanzlage wertlose Aktien der E.________.ch AG habe kaufen lassen und der Gesellschaft, statt ihr finanzielle Mittel zuzuführen, im Gegenteil Liquidität entzogen, indem mit Vertrag vom 3. März 2004 sämtliche Debitoren an die L.________ AG verpfändet worden seien, bis der Kaufpreis für die Aktien von Fr. 300'000.-- abbezahlt gewesen sei. Die so entstandene Verrechnungsposition habe der Beschwerdegegner 1 dazu benutzt, um zulasten der X.________ GmbH Zahlungen im Umfang von mindestens Fr. 142'209.10 an die L.________ AG vorzunehmen. Die Vorinstanz gelangt jedoch auch bei der Würdigung des Sachverhalts unter dem Gesichtspunkt der ungetreuen Geschäftsbesorgung zum Schluss, es fehle an der Bereicherungsabsicht, so dass der Tatbestand der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB nicht erfüllt sei. Es sei nicht in dem im Strafrecht anzuwendenden Beweismass nachgewiesen, dass die Tathandlung aus dem alleinigen Grund erfolgt sei, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, auch wenn die Bereicherungsabsicht eine "angenehme Nebenfolge des Aktienkaufs" gewesen sein möge. Auch wenn die vom Beschwerdegegner 1 geltend gemachten Sanierungsbemühungen zugunsten der Gesellschaft nur vorgeschoben sein dürften, lasse sich das Gegenteil aufgrund der Aktenlage nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beweisen. Der Beschwerdegegner 1 wäre daher in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" lediglich des Grundtatbestandes der ungetreuen Geschäftsbesorgung Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu verurteilen; die im Jahre 2004 begangenen Tathandlungen seien allerdings bereits im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Urteils verjährt gewesen (angefochtenes Urteil S. 97 ff.; vgl. auch Vernehmlassung des Obergerichts S. 4 f.).