Citation: 6B_441/2015 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwägt, es möge sein, dass der Beschwerdeführer als Boxtrainer in bestimmten Situationen in Bezug auf spezifische Handlungsweisen, wie etwa bei Abwehrreaktionen auf einen Angriff, über eine bessere Reaktionsfähigkeit verfüge als ein "ungeschulter Durchschnittsmensch". Dies lasse sich aber nicht unbesehen auf den Strassenverkehr übertragen, wo die Aufmerksamkeit auf verschiedene Dinge zu legen sei. Die Vorinstanz legt unter Verweis auf die Lehre dar, es sei auch bei reaktionsschnellen Personen von einer Reaktionszeit von mindestens 0,6 Sekunden auszugehen. Entgegen seinem Vorbringen könne dem Beschwerdeführer daher nicht eine Reaktionszeit von 0,25 Sekunden zugebilligt werden. Die Vorinstanz erläutert, praxisgemäss werde bei Einhaltung einer Distanz von einem halben Tacho zwischen zwei Fahrzeugen ein genügender Abstand angenommen und bei Unterschreitung eines Abstands von einem Sechstel der gefahrenen Geschwindigkeit respektive von 0,6 Sekunden von einer groben Verkehrsregelverletzung ausgegangen. Im Zwischenbereich liege eine einfache Verkehrsregelverletzung vor. Vorliegend sei das Risiko einer Auffahrkollision in Anwendung der "1/6-Tacho"-Regel selbst bei trockener Fahrbahn, mittlerem Verkehrsaufkommen, guten Bremsen und einem reaktionsschnellen Lenker stark erhöht gewesen. In Bezug auf den ersten Sachverhaltsabschnitt führt die Vorinstanz aus, auch eine Plausibilitätsprüfung der Bremswege des Fahrzeugs des Beschwerdeführers sowie des vorausfahrenden Lieferwagens ergebe, dass es im Falle einer Vollbremsung beim minimalen Abstand von 8 Metern zu einer Kollision gekommen wäre. Unter Berücksichtigung eines Abstands von 10 bis 12 Metern wäre es laut Vorinstanz zwar knapp nicht zu einem Zusammenprall gekommen, allerdings hätte der Abstand zwischen den Fahrzeugen im ersten Fall nur gerade 0,34 Meter betragen. Eine Sicherheitsmarge hätte es praktisch nicht mehr gegeben, sodass eine leicht verzögerte Reaktion des Beschwerdeführers oder der Bremsanlage eine Kollision zur Folge gehabt hätte. Für die Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung sei zudem in objektiver Hinsicht nicht vorausgesetzt, dass es mit Sicherheit zu einer Auffahrkollision gekommen wäre. Es genüge eine erhöhte abstrakte Gefahr. Von mindestens einer solchen sei auszugehen. Hinsichtlich des zweiten Sachverhaltsabschnitts erwägt die Vorinstanz, dass es im Falle einer Vollbremsung des vorausfahrenden Personenwagens selbst beim maximalen Abstand von 14 Metern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem Zusammenprall gekommen wäre. In subjektiver Hinsicht führt sie unter Verweis auf das erstinstanzliche Urteil aus, der Beschwerdeführer habe um die Gefährlichkeit des zu nahen Auffahrens gewusst. Nicht zu entlasten vermöge ihn, dass er auf seine schnelle Reaktionszeit und sein überlegenes Bremssystem vertraut habe. Entgegen seinem Vorbringen sei der Beschwerdeführer gerade nicht in der Lage gewesen, Distanzen einigermassen zuverlässig zu schätzen und einen genügenden Abstand einzuhalten. Er habe sich zumindest bedenken-, wenn nicht sogar rücksichtslos gegenüber fremden Rechtsgütern verhalten.