Citation: 6B_215/2013 E. 2.5.3

2.5.3. Angesichts der Hochwertigkeit des Rechtsgutes besteht aus generalpräventiven Gründen ein eminentes Interesse der Öffentlichkeit, dass sexueller Kindsmissbrauch grundsätzlich nicht straflos bleibt. Das wäre aber sehr häufig der Fall, wenn bei der Frage der Wiedergutmachung das Interesse der geschädigten Person ins Zentrum der Beurteilung gestellt würde. Denn das Opfer willigt im Anwendungsbereich von Art. 187 StGB regelmässig in die sexuellen Handlungen ein. Aus diesem Grund und weil es die möglicherweise drohenden Langzeitfolgen noch nicht zu erkennen vermag, wird es in einem Strafverfahren oft ohne weiteres Hand zu einer Wiedergutmachung bieten und ein Absehen von Strafe befürworten. Auch der gesetzliche Vertreter wird wie hier in diesem Zeitraum eine Strafverfolgung oft für nicht tunlich erachten, weil negative Folgen (noch) nicht feststellbar sind und allfällig weiter reichende Belastungen für das Opfer aus dem Strafverfahren befürchtet werden (Entscheid, S. 40). Aus diesen Gründen ist bei der Straftat der sexuellen Handlungen mit Kindern, auch wenn eine Strafbefreiung im Einzelfall nicht ausgeschlossen ist, ein geringes Interesse der Öffentlichkeit an der Strafverfolgung im Sinne von Art. 53 lit. b StGB nur mit grosser Zurückhaltung anzunehmen. Es kommt insoweit massgeblich auf die konkreten Umstände des Tatgeschehens an. Dazu gehören u.a. Alter, Altersdifferenz zwischen Täter und Opfer, Art und Umstände der Tathandlungen sowie die Frage, ob allenfalls eine Liebesbeziehung zwischen den Betroffenen besteht.