Citation: U 412/01 09.09.2002 E. 3

Gemäss ausdrücklicher Feststellung des Vertrauensarztes der Beschwerdeführerin (Bericht des Dr. med. N.________ vom 29. März 2000) ist unbestritten, dass die Versicherte "an Schmerzen im Bereich der Cervicalregion leidet". Dr. med. M.________ fand gemäss Bericht vom 25. Juni 1999 "objektiv eine Bewegungseinschränkung vor allem bei Seitenneigung und Rotation sowie eine hypertone und verspannte Muskulatur im cranialen Trapeziusbereich". Er beurteilte diese Beschwerden im Zusammenhang mit dem diagnostizierten Distorsionstrauma der HWS als Unfallfolgen. Strittig ist, ob die im Bereich der HWS anhaltenden Beschwerden über den 21. Februar 2000 hinaus in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Unfall vom 4. Juni 1998 stehen. Dabei ist vorweg zu prüfen, ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (Erw. 2.2 hievor) beurteilt werden kann. 3.1 Die Vorinstanz gelangte nach umfassender Würdigung der vorhandenen Akten zutreffend zur Auffassung, angesichts der die Unfallkausalität bejahenden Beurteilung des Dr. med. M.________ könne insbesondere einzig gestützt auf die Berichte des Vertrauensarztes der MOBILIAR vom 9. Januar und 29. März 2000 nicht schlüssig beurteilt werden, ob die anhaltenden Beschwerden der Versicherten noch in einem leistungsanspruchsbegründenden ursächlichen Zusammenhang mit dem Unfall vom 4. Juni 1998 stünden. Immerhin habe bereits der behandelnde Notfallarzt Dr. med. B.________ den Verdacht auf ein HWS-Distorsionstrauma erhoben und eine entsprechende Therapie verordnet. Auch der Hausarzt habe anlässlich der Erstbehandlung vom 4. Juni 1998 eine "Zwangshaltung des Kopfes" festgestellt und ein "Schleudertrauma der HWS" diagnostiziert. Die Sache sei deshalb an die Beschwerdeführerin zur rechtsgenüglichen Abklärung des Kausalzusammenhanges durch Einholung eines interdisziplinären Gutachtens sowie zur anschliessenden Neubeurteilung zurückzuweisen. 3.2 Demgegenüber argumentiert die MOBILIAR sinngemäss und ohne sich zu den aktuell geklagten Beschwerden zu äussern, die über die Leistungseinstellung per 21. Februar 2000 hinaus vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen würden nicht in einem anspruchsbegründenden natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis stehen. Gemäss Aktengutachten des Dr. med. N.________ vom 9. Januar 2000 habe Dr. med. M.________ erst zwei Wochen nach dem Unfall (am "19.6.98", recte wohl: am 16. Juni 1998 gemäss Arzteugnis UVG) eine "Zwangshaltung des Kopfes" festgestellt. Für ein HWS-Distorsionstrauma typische Beschwerden müssten praxisgemäss innert 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Weil erst am 16. Juni 1998 und somit nach rechtsprechnungsgemäss zu langer Latenzzeit über eine Zwangshaltung des Kopfes berichtet worden sei, könne der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den anhaltenden Beschwerden und dem Unfall auch ohne interdisziplinäre Begutachtung ausgeschlossen werden. Zudem fehle es am adäquaten Kausalzusammenhang. 3.3 Bei der Berufung auf die Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts zur Frage der Latenz verkennt die Beschwerdeführerin, dass es zur Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ausreicht, wenn innert weniger Tage nach dem Unfall vorerst Nackenbeschwerden auftreten und weitere typische, zum Bild dieser Verletzung gehörende Beschwerden erst später diagnostiziert werden. Vorliegend wurden Nackenbeschwerden bereits in der Erstbehandlung im Kantonsspital X.________ festgestellt, bevor der Hausarzt den Befund einer Zwangshaltung des Kopfes erhob und mit Bericht vom 12. August 1998 auch auf Kopfschmerzen hinwies. Der natürliche Kausalzusammenhang kann somit nicht wegen zu langer Latenzzeit ausgeschlossen werden. 3.4 Ob die geklagten Beschwerden zum Unfallereignis adäquat kausal sind, ist erst nach Abschluss des normalen, unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses zu prüfen (Urteil A. vom 6. November 2001, U 8/00, mit Hinweisen). Ob dieser Zeitpunkt bei Verfügungserlass erreicht war, lässt sich erst in Kenntis des vom kantonalen Gericht angeordneten Gutachtens entscheiden. Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz mit angefochtenem Entscheid - ohne Prüfung der Adäquanz - den Einspracheentscheid der MOBILIAR vom 23. September 2000 aufhob und die Sache zur Durchführung einer interdisziplinären Begutachtung und anschliessenden Neubeurteilung an die Beschwerdeführerin zurückwies.