Citation: I 704/02 17.04.2003 E. 3.3

3.3.1 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird zunächst beanstandet, dass die Beurteilung durch IV-Stelle und Verwaltungsgericht die körperlichen Beschwerden unberücksichtigt lasse. Den Akten könne nicht entnommen werden, wie sich die psychische und physische Komponente auf den Invaliditätsgrad auswirkten und wie diese zu gewichten seien, weshalb eine Vergleichsbetrachtung naturgemäss schwierig sei. Nach Auffassung des behandelnden Hausarztes Dr. med. C.________ müsse bereits auf Grund der körperlichen Beschwerden die Arbeitsfähigkeit in einer leichten, nicht belastenden Tätigkeit auf 50% veranschlagt werden. Auch wenn die Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen und diejenige aus somatischen Gründen nicht einfach zusammengezählt werden könnten, müssten bei einer Gesamtbeurteilung doch beide Komponenten berücksichtigt werden. Andernfalls sei eine vergleichende Betrachtung mit dem Zustand im Jahre 1995 nicht zuverlässig möglich; der Sachverhalt sei somit ungenügend abgeklärt. 3.3.2 Es ist durchaus einzuräumen, dass der körperliche und psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Vergleichszeitraum nicht gleich geblieben ist. Dafür spricht allein schon der aktenkundige Umstand, dass sie sich wegen der Rückenproblematik am 13. Juli 2000 in der Klinik St. Anna einer in Spinalanästhesie erfolgten Dekompression und Spondylodese L5/S1 unter distraktivem semirigidem Mitfassen L4/5 unterzogen hatte (Bericht des Dr. med. W.________ vom 25. Juli 2000). In der Folge hielt sich die Versicherte vom 19. Oktober bis 9. November 2000 zur orthopädisch-rheumatologischen Rehabilitation bei muskulärem Panvertebralsyndrom und begleitender Depression in der Klinik X.________ auf (Bericht vom 9. November 2000). Es bestehen aber keine, eine nähere Abklärung rechtfertigende Anhaltspunkte für die Annahme, die Beschwerdeführerin sei nach erfolgter Rückenoperation und Rehabilitation wegen der Rückenproblematik an der Ausübung einer angepassten, leichten, den Rücken nicht belastenden Tätigkeit im Umfange von mehr als 50% verhindert. Dagegen spricht der unbestrittene Erfolg des durchgeführten Eingriffs, konnte die Beschwerdeführerin doch - nach zunächst verhaltenem postoperativen Verlauf - mobilisiert und einem Alltäglichkeitstraining zugeführt werden, bei dem sie mit der Zeit rasch aufholte (Bericht Dr. med. W.________ vom 25. Juli 2000). Die Klinik X.________ schrieb im Bericht vom 9. November 2000, dass es unter physiotherapeutischen Massnahmen mit Rückenschule und Wassertherapie zu einer Regredienz der invalidisierenden Schmerzen gekommen sei; es seien zwar immer noch Schmerzen im Bereich des Schultergürtels und lumbal angegeben worden; es sei aber zu einer deutlichen Mobilitätssteigerung gekommen. Nach dem gleichen Bericht führte die antidepressive Therapie zu einer Stimmungsaufhellung und sogar zu einer leichten Schmerzdistanzierung. Bei dieser Aktenlage durften Verwaltung und Vorinstanz auf weitere Abklärungen in orthopädisch-rheumatologischer Hinsicht verzichten. 3.4 Prozessentscheidend ist vielmehr allein die Frage, ob sich der psychische Gesundheitszustand im Vergleichszeitraum dermassen verschlechtert hat, dass die Beschwerdeführerin ihr körperliches Leistungsvermögen auf dem ihr offen stehenden allgemeinen Arbeitsmarkt nicht mehr in einer Weise verwerten könnte, dass sie noch etwas mehr als einen Drittel der im Gesundheitsfall erreichbaren Einkünfte zu erzielen vermöchte (Art. 28 Abs. 2 IVG; BGE 104 V 136 Erw. 2b [Prozentvergleich]). Der in diesem Zusammenhang vorgebrachte Einwand, es sei beim Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug von 15% angebracht, ist unbehelflich, weil er keine revisionsrechtlich relevante Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen belegt. Die Auffassung, die Beschwerdeführerin sei überhaupt nicht mehr vermittelbar, weil sie nach Einschätzung des Dr. med. C.________ einem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar sei, ist nicht ausgewiesen. Es kommt nicht darauf an, wie sich eine versicherte Person ihrem behandelnden Arzt gegenüber präsentiert, sondern was sie bei Aufbringung allen guten Willens und insofern bei objektivierter Betrachtungsweise noch zu leisten im Stande ist (BGE 102 V 166 f.). Wenn in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde in diesem Kontext Anstoss an der abschliessenden Bemerkung des Administrativexperten Dr. med. F.________ im Bericht vom 14. September 2001 genommen wird, wonach er aus der wahrscheinlich fehlenden künftigen Arbeitsleistung der Explorandin (unabhängig von der Höhe der Rente) nicht ableiten wolle, "dass die Sozialversicherungen in jedem Falle vollständig dafür aufzukommen haben", ist ebenfalls einzuräumen, dass eine solche Meinungsäusserung nicht Sache des medizinischen Gutachters ist. Diese Bemerkung des Dr. med. F.________ deutet jedoch, im Gesamtzusammenhang gelesen, weder auf Voreingenommenheit hin noch ist sie geeignet, die Beweiskraft des inhaltlich überzeugenden Berichtes zu schmälern. Wenn der Administrativexperte auf Grund des Eindruckes, welchen er aus seinen Untersuchungen der Beschwerdeführerin gewonnen hatte, eine praktisch vollständig aufgehobene Arbeitsfähigkeit in Erwägung zog, diese jedoch unter Hinweis auf ein erhebliches voluntatives Element im Erleben und im Umgang mit der Krankheit letztlich verneinte, so ist darin weder ein Widerspruch noch eine blosse Vermutung zu erblicken. Entscheidend ist, dass auf Grund der einzig diagnostizierten Somatisierungsstörung (ICD-10 F 45.0) und einer Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend histrionischen Zügen (ICD-10 F 60.4) weder die Willensbildung noch die Handlungsfreiheit in einem Masse eingeschränkt waren, dass von der Explorandin nicht mindestens ein ernsthaftes Bemühen erwartet werden konnte. Denn immerhin liess sich die gesundheitliche Entwicklung jeweils kurzfristig während Kur- und Rehabilitationsaufenthalten durch Mobilisierung eigener Ressourcen verbessern. An einer solchen zumutbaren Willensanstrengung lässt es die Beschwerdeführerin im Übrigen bei ihrer Inaktivität - Schlafen und Rauchen während des Tages als praktisch einzige Beschäftigungen, verbunden mit gelegentlichen Spaziergängen und häufigen Arztbesuchen - gänzlich fehlen. Schliesslich dringen auch die weiteren Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht durch. Aus dem Umstand, dass bei der Rentenzusprechung und auch noch während der akuten Beziehungsstörung im Jahre 1999 die depressive Komponente im Vordergrund stand, lässt sich nicht auf eine erhebliche Verschlimmerung des Invaliditätsgrades schliessen, so wenig sich eine solche aus dem Umstand ergibt, dass in den früheren Berichten von einer Anpassungs- und im Konsiliarbericht des Dr. med. F.________ von einer Somatisierungsstörung gesprochen wird. Entscheidend ist allein, dass auf Grund der Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der angefochtenen, vorinstanzlich bestätigten Verfügung (vom 22. Januar 2002) entwickelt haben, keine voll invalidisierende psychische Krankheitswertigkeit auszumachen ist. 3.5 Nach dem Gesagten steht fest, dass Verwaltung und Vorinstanz gestützt auf die Ergebnisse der umfassenden medizinischen Abklärungen im Ergebnis zu Recht die Auffassung vertraten, dass seit der Zusprechung einer halben Invalidenrente (mit Verfügung vom 26. Januar 1995) gesamthaft in psychischer und physischer Hinsicht keine anspruchsrelevante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist, weshalb das revisionsweise Festhalten an der Ausrichtung einer halben Invalidenrente gemäss der mit angefochtenem Entscheid bestätigten Verwaltungsverfügung vom 22. Januar 2002 nicht zu beanstanden ist.