Citation: I 29/02 24.07.2003 E. 5

5.1 Nach Auffassung der Vorinstanz gibt es keine allgemeinen Richtlinien, die Auskunft darüber geben, für welche Berufe Binokularsehen vorausgesetzt ist; es sei im Einzelfall zu entscheiden. Es erscheine klar, dass ein Zahnarzt, der sehr präzis arbeiten müsse, zur Ausübung seiner Tätigkeit auf binokulares Sehen angewiesen sei. Die Aussage des BSV in seiner Stellungnahme zuhanden der IV-Stelle, wonach etliche Personen als Zahnärzte arbeiten dürften, ohne über Binokularsehen zu verfügen, sei weder begründet noch nachvollziehbar. Es könne den Patienten nicht zugemutet werden, sich von einem Zahnarzt behandeln zu lassen, welcher nicht über binokuläres Sehen verfüge. Auf die Einholung eines Sachverständigengutachtens könne verzichtet werden. 5.2 Das BSV macht in grundsätzlicher Hinsicht geltend, eine einseitige Sehschwäche bzw. monokulares Sehen durch Geburtsgebrechen, Unfall oder Krankheit sei weit verbreiteter, als dies allgemein angenommen werde. Eine normale Sehfähigkeit an beiden Augen bedeute zudem nicht, dass Binokularsehen oder stereoskopisches Sehen bestehe. Beim alternierenden Schielen z.B. werde der Sehakt abwechselnd, nämlich vom jeweils besser positionierten Auge ausgeübt; stereoskope Seheindrücke entstünden in diesen Fällen durch Erfahrung. - Bei einer Katarakt trete die Visusverschlechterung schleichend ein. Die ophtalmologische Erfahrung zeige, dass bei funktionellem Verlust eines Auges die Beeinträchtigung des Tiefensehens durch Angewöhnung und Anpassung weitgehend korrigiert werden könne. Der einseitige Sehausfall wirke sich weit weniger einschneidend und benachteiligend aus, als allgemein angenommen werde. Die Erwerbsfähigkeit werde durch den Verlust eines Auges selten beeinträchtigt. Die Furcht, das gesunde Auge durch Überanstrengung zu schädigen, sei unbegründet und der Ermüdungsfaktor spiele eine geringe Rolle. - Bei einer einseitigen oder beidseitigen Katarakt sei es medizinisch sinnvoll, die sich eintrübende Linse zu entfernen. Die Invalidenversicherung habe medizinische Massnahmen indessen nur zu erbringen, wenn eine Invalidität bestehe oder unmittelbar drohe. Nicht in deren Bereich würden Massnahmen fallen, die der Wiederherstellung der körperlichen Integrität bzw. der "Kommodität" dienten und ohne Einfluss auf die Erwerbstätigkeit seien. - Indem die Invalidenversicherung im vorliegenden Fall die Staroperation am ersten Auge übernommen habe, sei beim Versicherten eine drohende Invalidität (wegen einer beginnenden Katarakt auch am anderen Auge) abgewendet worden. Der Eingriff am zweiten Auge gehöre daher in den Bereich der Krankenversicherung.