Citation: I 757/06 05.06.2007 E. 5.3

5.3.1 Die Betrachtungsweise der Vorinstanz wäre zutreffend, wenn die Beschwerdegegnerin als Erwerbstätige einzustufen wäre und ihre Invalidität nach Art. 8 Abs. 1 und Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG) beurteilt werden müsste. Der kantonale Entscheid enthält jedoch keine tatsächlichen Feststellungen zur Frage, ob die Beschwerdegegnerin als Erwerbstätige, als Nichterwerbstätige oder als Teilerwerbstätige zu qualifizieren ist. Da zu diesem rechtlich bedeutsamen Aspekt der Invaliditätsbemessung keine Tatsachenfeststellungen vorhanden sind, ist der rechtserhebliche Sachverhalt unvollständig festgestellt worden, weshalb er in diesem Punkt durch das Bundesgericht von Amtes wegen überprüfbar ist (BGE 132 V 393 E. 4.2 S. 401). 5.3.2 Die IV-Stelle hat die Invalidität nach der gemischten Methode abgeklärt. Im Anschluss an den Abklärungsbericht Haushalt vom 28. Juli 2004 hat sie gestützt auf die bis Ende März 2003 ausgeübte Tätigkeit als Raumpflegerin von vier Stunden pro Woche den Anteil der Erwerbstätigkeit auf 12 % und denjenigen im Haushaltbereich auf 88 % festgelegt. Dies ergibt sich auch aus dem Sachverhalt des Einspracheentscheides. Die Begründung der Verfügung und des Einspracheentscheides drehen sich indessen praktisch nur um die Frage, ob die Adipositas invalidisierend und eine Gewichtsreduktion zumutbar ist und ob die Beschwerdegegnerin in der Arbeitsfähigkeit als Raumpflegerin eingeschränkt ist. 5.3.3 Die Aufteilung Erwerbstätigkeit/Haushaltführung hat die Beschwerdegegnerin im bisherigen Verfahren nie beanstandet noch vorgebracht, sie hätte im Alter von rund 60 Jahren ihre bisherige Teilerwerbstätigkeit wesentlich gesteigert oder auf ein Vollpensum erhöht. Es liegen auch keine konkreten Anhaltspunkte und Beweismittel (wie Stellenbewerbungen etc.) vor, wonach sie die Erwerbstätigkeit wesentlich ausdehnen wollte. Zwar wird im Abklärungsbericht Haushalt vom 28. Juli 2004 erwähnt, sie habe schon immer eine Stelle gesucht, um 3 bis vier Stunden pro Tag arbeiten zu können. Beworben habe sie sich jeweils telefonisch. Sie habe aber nie eine Stelle erhalten, da immer schon alles besetzt gewesen sei. Vor der Geburt der Tochter habe sie immer 100 % gearbeitet. Finanziell werde sie und ihre Tochter seit mindestens 20 Jahren vom Lebenspartner unterstützt. Aus den Auszügen aus dem individuellen Konto geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin bis Ende 1986 erwerbstätig war. Am 17. April 1987 wurde sie Mutter einer Tochter. März und April 1987 sowie von Juni 1987 bis April 1988 bezog sie Arbeitslosenentschädigung. Anschliessend war sie bis zur Aufnahme der Tätigkeit als Raumpflegerin am 1. Juni 1995 im Umfang von vier Stunden in der Woche lediglich noch von April bis Juli 1989 mit einem beitragspflichtigen Gesamteinkommen von Fr. 1377.- erwerbstätig. Seit 1989 entrichtete sie die Beiträge als Nichterwerbstätige. Berücksichtigt man ihr Alter (geboren Dezember 1943), die seit der Geburt der Tochter ausgeübte Führung des Haushalts und den Umstand, dass sie und ihre Tochter seither von ihrem ganztags erwerbstätigen Lebenspartner finanziell unterstützt werden, so kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, sie hätte im Alter von gegen 60 Jahren ihre Erwerbstätigkeit erheblich ausgedehnt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie im bisherigen Umfang von rund 12 % teilzeitlich erwerbstätig gewesen wäre und die seit 1. Juni 1995 immer an der gleichen Stelle ausgeübte Tätigkeit als Raumpflegerin fortgeführt hätte. Demnach ist die Invalidität der Beschwerdegegnerin nach der gemischten Methode zu bemessen. 5.4 Im Bericht der Rehaklinik X.________ vom 18. August 2003, wo sich die Beschwerdegegnerin vom 24. Juli bis 14. August 2003 aufhielt, werden chronische lumbospondylogene, cervicospondylogene und thorakovertebrale Syndrome, eine latente Gonarthrose beidseits, eine depressive Verstimmung, eine arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2 und eine Adipositas (BMI 44,5) diagnostiziert. Während des Klinikaufenthaltes bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Ab 15. August 2003 (Tag nach dem Klinikaustritt) wird die Arbeitsunfähigkeit mit 0 % bescheinigt. Der Hausarzt Dr. med. O.________ gibt im Arztbericht vom 23. Dezember 2003 die Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Putzfrau ab 25. Februar 2003 mit 100 % an. Die Frage, ob der Versicherten andere Tätigkeiten zumutbar sind, wird für eine ein- bis zweistündige Tätigkeit pro Tag bejaht und erwähnt, eine wechselnd stehende, sitzende Tätigkeit sei zu versuchen. Die Einschränkung in einer solchen Tätigkeit wird mit 80 % angegeben. Im Bericht vom 3. Dezember 2004 bestätigt er die vollständige Arbeitsunfähigkeit als Raumpflegerin seit 25. Februar 2003. 5.5 Nach dem Abklärungsbericht Haushalt vom 28. Juli 2004 besteht im Bereich Haushalt eine Einschränkung von 10,9 %. In sämtlichen nachfolgenden Eingaben hat sich die Beschwerdegegnerin nie mit diesem Abklärungsbericht auseinandergesetzt. Eine höhere Einschränkung ist denn auch aufgrund der angeführten ärztlichen Unterlagen nicht anzunehmen. Unter Berücksichtigung der darin diagnostizierten Leiden kann namentlich in den Teilbereichen Haushaltführung, Ernährung, Einkauf und weitere Besorgungen, Wäsche und Kleiderpflege sowie Verschiedenes keine andere Einschränkung angenommen werden als im Abklärungsbericht. Selbst wenn man im Teilbereich Wohnungspflege eine vollständige Behinderung annähme, würde eine maximale Einschränkung im Aufgabenbereich Haushalt von 21,4 % resultieren. 5.6 Geht man zugunsten der Beschwerdegegnerin bei der Erwerbstätigkeit von einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit aus, so resultiert eine Teilinvalidität von 12 %. Die Gesamtinvalidität beträgt damit 22 % ([0,12 % x 100 %] + [0,88 % x 10,9 %]) oder 31 % ([0,12 % x 100 %] + [0,88 % x 21,4 %]). Liegt somit - selbst bei Annahme einer invalidisierenden Adipositas im Sinne der Rechtsprechung - kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vor, so bedarf es keiner zusätzlichen Abklärungen.