Citation: U 324/03 30.07.2004 E. 5

5.1 Das für die Invaliditätsbemessung nach der Methode des Einkommensvergleichs (Art. 18 Abs. 2 UVG in der bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung) massgebende Einkommen, welches der Beschwerdeführer durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen) ist von SUVA und Vorinstanz anhand von acht Arbeitsplatzbeschreibungen aus der internen Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) auf Fr. 59'099.- festgesetzt worden. Der Beschwerdeführer bestreitet die Repräsentativität der aufgelegten DAP-Profile und die Zumutbarkeit der genannten Arbeitsplätze. 5.1.1 In BGE 129 V 472 ff. hat sich das Eidgenössische Versicherungsgericht mit der Invaliditätsbemessung auf Grund von Arbeitsplatzbeschreibungen aus der von der SUVA geschaffenen und teilweise auch in der Invalidenversicherung zur Anwendung gelangenden Dokumentation von Arbeitsplätzen näher befasst und festgestellt, dass die für die Invaliditätsbemessung herangezogenen DAP-Profile im konkreten Einzelfall repräsentativ sein müssen, was voraussetzt, dass im Regelfall mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze beigezogen werden. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der auf Grund der gegebenen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den Tiefstlohn sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Gruppe. Das rechtliche Gehör ist dadurch zu wahren, dass der Versicherer die für die Invaliditätsbemessung im konkreten Fall herangezogenen DAP-Profile mit den erwähnten zusätzlichen Angaben auflegt und die versicherte Person Gelegenheit hat, sich hiezu zu äussern (vgl. Art. 122 lit. a UVV, gültig gewesen bis 31. Dezember 2000 [AS 2000 2913] und Art. 26 Abs. 1 lit. b VwVG; BGE 115 V 297 ff.). Allfällige Einwendungen der versicherten Person bezüglich des Auswahlermessens und der Repräsentativität der DAP-Blätter im Einzelfall sind grundsätzlich im Einspracheverfahren zu erheben. Ist der Versicherer nicht in der Lage, den erwähnten Anforderungen zu genügen, kann im Bestreitungsfall nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt werden und ist die Invalidität aufgrund von Tabellenlöhnen der vom Bundesamt für Statistik (BFS) periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) zu ermitteln. Im Beschwerdeverfahren ist es Aufgabe des angerufenen Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs einen Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzunehmen (BGE 129 V 478 Erw. 4.2.2). 5.1.2 Weil sich das Auswahlermessen der SUVA mangels der erforderlichen zusätzlichen Angaben und entsprechenden Unterlagen nicht überprüfen lässt, ist das Invalideneinkommen im vorliegenden Fall gestützt auf die LSE zu ermitteln (BGE 129 V 483 Erw. 4.3.2). Auszugehen ist dabei vom monatlichen Bruttolohn für Männer mit Tätigkeiten im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) im privaten Sektor von Fr. 4'437.- (einschliesslich 13. Monatslohn bei einer standardisierten Wochenarbeitszeit von 40 Stunden), was einem Jahreseinkommen von Fr. 53'244.- entspricht (LSE 2000, S. 31 TA1). Der Beschwerdeführer verfügt zwar über Berufs- und Fachkenntnisse. Es besteht jedoch kein Anlass, auf den Tabellenlohn für das Anforderungsniveau 3 abzustellen, weil nicht anzunehmen ist, dass er diese Kenntnisse in einer dem Gesundheitsschaden angepassten Tätigkeit zu verwerten vermöchte. Die von der SUVA zum Einkommensvergleich herangezogenen Arbeitsplätze umfassen denn auch ausschliesslich Tätigkeiten, welche keine besondere Ausbildung erfordern und auch keine Leitungsfunktionen umfassen. Umgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr 2001 (Die Volkswirtschaft, 7/2004, S. 90 Tabelle B 9.2) und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für Männer im Jahr 2001 von 2,5% (BFS, Lohnentwicklung 2002 S. 32 Tabelle T1.1.93) ergibt sich ein Jahreseinkommen (2001) von Fr. 56'894.54. Nach der Rechtsprechung ist bei der Verwendung statistischer Tabellenlöhne zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität und Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, ist von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängig. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens 25% zu begrenzen ist (BGE 129 V 481 Erw. 4.2.3 mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall ist bezüglich des leidensbedingten Abzuges zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer wegen der unfallbedingten Beeinträchtigungen auch im Rahmen einer geeigneten leichteren Tätigkeit in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, was sich in einer entsprechenden Verdiensteinbusse auswirken kann. Anderseits verfügt er als ehemaliger Maurerpolier über Erfahrungen in organisatorischen und administrativen Belangen, die er teilweise auch in einer geeigneten leichteren Tätigkeit nutzbringend anzuwenden vermag, was zu einem höheren Lohn Anlass geben kann. Hinsichtlich der übrigen Abzugskriterien ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Einspracheentscheids bereits über 60 Jahre alt war. Kein Abzug rechtfertigt sich dagegen unter Berücksichtigung der weiteren Kriterien. Insbesondere entfällt ein solcher wegen Teilzeitarbeit, weil der Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit vollzeitlich ausüben kann. Nach den gesamten Umständen rechtfertigt es sich, den Abzug auf 10% festzusetzen, womit sich ein Invalideneinkommen von Fr. 51'205.- ergibt. 5.2 Beim Valideneinkommen ist von den Angaben des Arbeitgebers auszugehen, wonach der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2001 einen mutmasslichen Lohn von Fr. 7'150.- (x 13) bezogen hätte, was ein Jahreseinkommen von Fr. 92'950.- ergibt. Wird stattdessen der im Jahr 1997 erzielte Verdienst von Fr. 89'635.- (Fr. 6'895.- x 13) zugrunde gelegt und gemäss der Nominallohnentwicklung im Baugewerbe bis ins Jahr 2001 erhöht (Index 1997: 104,7; 2001: 109,4; BFS, Lohnentwicklung 2002, S. 32 Tabelle T1.1.93), so resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 93'659.-. Gemessen am Invalideneinkommen von Fr. 51'205.- ergibt sich in beiden Fällen ein Invaliditätsgrad von (auf- oder abgerundet) 45%. In diesem Umfang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Unfallversicherung ab 1. Februar 2001.