Citation: 4A_614/2020 E. 4.2

4.2. Auch der Beschwerdegegner bestreitet nicht, dass der inventarisierte Wert von USD 1'049'689.-- für die 93'210 kg Nüsse auf deren Anschaffungswert basiert. Ebenfalls ist unbestritten, dass per 31. Dezember 2015 offene Warenkontrakte (Verkaufsverträge) für 103'423.64 kg vorlagen. Bestehen Verträge für den Verkauf und ist die zu verkaufende Ware bereits an Lager, wären bei objektiver Betrachtung die Voraussetzungen gegeben, um den aus dem Verkauf resultierenden künftigen Gewinn im Sinn der obigen Ausführungen zu aktivieren. Es handelt sich nicht mehr um blosse Gewinnchancen. Die Vorinstanz lehnte eine derartige Berechnung - wie erwähnt - ab. Einzig bereits ausgelieferte und fakturierte, aber von der Kundschaft noch nicht bezahlte Ware sei ins EPL aufzunehmen. Dieses Vorgehen entspreche gemäss der Erstinstanz dem ursprünglichen Willen der Parteien und der buchhalterischen Handhabung des Begriffs "offene Verträge" (vgl. Position "Inventory and open contracts") in den EPL der früheren Jahre. Damit bezieht sich die Vorinstanz auf die Ausführungen der Erstinstanz unter Randziffer 53. Der Beschwerdegegner hatte gemäss Erstinstanz bereits im Verfahren vor ihr die Auffassung vertreten, "open contracts" meine ausgelieferte und fakturierte Ware, während der Beschwerdeführer davon ausgegangen war, es handle sich um abgeschlossene, aber noch nicht erfüllte Warenkontrakte. Die Erstinstanz hielt dazu fest, der Beschwerdeführer vermöge nicht nachzuweisen, dass die von ihm vertretene (weitergehende) Definition von offenen Verträgen dem ursprünglichen Willen beider Parteien entspreche. Diese Auffassung sei zudem auch aus buchhalterischer Hinsicht zweifelhaft. Schliesslich sei zumindest ein Teil des per 31. Dezember 2015 vorhandenen Lagerbestands zur Erfüllung der per 31. Dezember 2015 "offenen Verträge" verwendet worden. Für eine vollumfängliche kumulative Berücksichtigung des Lagerbestands und der "offenen Verträge" müssten aber bis zum 31. Dezember 2015 die Warenlieferungen für sämtliche zu diesem Zeitpunkt "offenen Verträge" bereits erfolgt sein und lediglich noch die Bezahlung durch die Kunden ausstehen. Mit dieser von der Erstistanz übernommenen Begründung, geht die Vorinstanz davon aus, es habe vertraglich eine Regelung für die Bewertung der schwebenden Verkäufe gegeben, welche die zu aktivierenden Werte restriktiver umschreibt als es nach objektiven Massstäben der Fall wäre.