Citation: 1P.807/2000 29.05.2001 E. 5

5.- Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, wenn sie ihre Eltern zur Auskunft über deren finanzielle Verhältnisse anhalten müsse, damit sie den Nachweis der Bedürftigkeit erbringen könne, habe das zur Folge, dass ihr zugemutet werde, zur Finanzierung eines Anwalts ihre Eltern einzuklagen. "Nebst dem belastenden Strafverfahren hätte sie einen Zivilprozess über die Frage der Zumutbarkeit der Kostenübernahme der Eltern zu führen". Diese Zusatzbelastungsei unzumutbar und widerspreche einer "verfassungskonformen Auslegung des Geschädigtenschutzes gemäss Art. 5 OHG". a) Die Vorschrift von Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom 4. Oktober 1991 (OHG; SR 312. 5) enthält den allgemeinen Grundsatz, dass die Behörden die Persönlichkeitsrechte des Opfers in allen Abschnitten des Strafverfahrens zu wahren haben. In Art. 5 Abs. 2-5 OHG wird diese Pflicht der Behörden näher umschrieben. Es handelt sich um den Schutz der Identität des Opfers (Art. 5 Abs. 2 OHG), den Ausschluss der Öffentlichkeit, wenn überwiegende Interessen des Opfers es erfordern (Art. 5 Abs. 3 OHG), die Vermeidung einer Begegnung des Opfers mit dem Beschuldigten, wenn das Opfer dies verlangt (Art. 5 Abs. 4 OHG) sowie um Fragen der Konfrontation zwischen dem Opfer und dem Beschuldigten bei Straftaten gegen die sexuelle Integrität (Art. 5 Abs. 5 OHG). Im hier zu beurteilenden Fall steht keiner dieser Fälle zur Diskussion. Die Berufung der Beschwerdeführerin auf Art. 5 OHG ist deshalb klarerweise verfehlt. b) Unbehelflich ist auch die Argumentation der Beschwerdeführerin, wenn sie ihre Eltern zur Auskunft über deren finanzielle Verhältnisse anhalten müsse, so habe das zur Folge, dass ihr zugemutet werde, zur Finanzierung eines Anwalts ihre Eltern einzuklagen. Es steht dahin, ob den Eltern eine Zahlung zugemutet werden kann und ob sie sich, wenn diese Frage bejaht würde, weigern würden, für die Prozesskosten aufzukommen. Wie im Fall einer Weigerung später vorzugehen wäre, hätte der Richter gegebenenfalls dannzumal zu entscheiden (vgl. das in E. 3e/bb zitierte Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 18. April 1994). Zusammenfassend ergibt sich, dass das Obergericht mit dem angefochtenen Entscheid die Verfassung und die EMRK nicht verletzte. Die staatsrechtliche Beschwerde ist daher abzuweisen.