Citation: 1B_131/2021 E. 2.2

2.2. Im angefochtenen Entscheid wird zu den Verdachtsgründen Folgendes erwogen: Der Beschwerdeführer sei dringend verdächtig, zwischen ca. Januar 2014 und Ende 2018 als Geschäftsführer einer privaten Hilfsorganisation (nachfolgend: Stiftung) die eingenommenen Spenden vorwiegend zur Deckung seiner eigenen Lebenshaltungskosten zweckwidrig verwendet zu haben. Gegenüber potenziellen Spenderinnen und Spendern habe er Einzelschicksale hilfsbedürftiger, in der Ukraine wohnhafter Personen inszeniert und vorgegeben, die Spendengelder würden für gemeinnützige Zwecke eingesetzt. Die als Bitt- und Dankesbriefe von Begünstigten dargestellten und stets sehr ähnlichen Schreiben, die der Spenderschaft vorgelegt worden seien, hätten nicht von Hilfsbedürftigen gestammt, und die Spenden seien auf ein Sammelkonto transferiert worden, von wo aus Zahlungen auf das Privatkonto des Beschwerdeführers geflossen bzw. sonstwie zweckwidrig eingesetzt worden seien. Die Spenderschaft habe laut den verwendeten Einzahlungsscheinen zwar ein "genaues Spendenziel wählen" können, sämtliche Zahlungen seien dann aber auf dem Sammelkonto vermischt worden. Nur ein kleiner Teil der Spendengelder sei tatsächlich in die Ukraine überwiesen worden und dort vorwiegend einer privaten Partner-Organisation zugekommen, wovon (auch dort) primär deren Mitarbeiter profitiert hätten. Auf diese Weise habe der Beschwerdeführer sich und dritten Personen ein regelmässiges Einkommen erwirtschaften und die Finanzierung seines Lebensunterhaltes sicherstellen wollen. Auf der Homepage der Stiftung sei seine Tätigkeit als Geschäftsführer als "ehrenamtlich" bezeichnet worden, wogegen er sich ein Jahres-Nettoeinkommen von Fr. 90'000.-- bis Fr. 110'000.-- habe auszahlen lassen. Die von 2014 bis 2018 für die Stiftung gesammelten Spenden von jährlich ca. Fr. 700'000.-- bis Fr. 1 Mio. seien - wenn überhaupt - nur "rudimentär" karitativen Zwecken zugeführt worden. Die tatsächliche Verwendung sei für die Spenderschaft nicht überprüfbar gewesen. Zwar habe der Beschuldigte grosse Teile des Stiftungsvermögens für ein aufwändiges Fundraising eingesetzt; das Verhältnis zwischen Aufwand und erzielten Mitteln für konkrete karitative Zwecke sei aber nicht mehr angemessen gewesen und habe im Widerspruch zum statutarischen Stiftungszweck gestanden. Diesbezüglich lägen konkrete Anhaltspunkte vor für gewerbsmässigen Spenden-Betrug bzw. ungetreue Geschäftsbesorgung. Der von der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht eingesetzte Stiftungs-Sachwalter habe am 5. März 2020 Strafanzeige gegen den Beschwerdeführer eingereicht. Ab Juni 2019 sei der Beschwerdeführer auch noch als Präsident und Mitgründer eines privaten gemeinnützigen Vereins aktiv geworden, indem er auf analoge Weise, nun für diesen Verein, Spenden für angeblich karitative Zwecke gesammelt und teilweise zweckwidrig verwendet habe. Auch bestehe der Verdacht, dass er sich der Geldwäscherei strafbar gemacht haben könnte, indem er die Herkunft von deliktisch erlangten bzw. verwendeten Spenden über diverse Transaktionen zu verschleiern versucht habe, was geeignet gewesen sei, deren Auffindung und Einziehung zu vereiteln. Diesbezüglich sei eine Geldwäscherei-Verdachtsmeldung an die Meldestelle des Bundes (MROS) erfolgt. Ausserdem habe der Beschuldigte mehrere ukrainische Staatsangehörige ohne die nötige Arbeitsbewilligung entgeltlich angestellt. Die genannten Anhaltspunkte für Vermögensdelikte und Geldwäscherei ergäben sich insbesondere aus der Strafanzeige vom 5. März 2020 des Stiftungs-Sachwalters, den von der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht und vom Sachwalter ermittelten Geldflüssen, Aussagen eines Mitbeteiligten sowie aus den Bankunterlagen über ein Konto des Beschwerdeführers. Bei der befragten Person handle es sich vermutlich um einen sogenannten "Destinatär", der angeblich in der Ukraine unterstützt werde. Es erscheine allerdings fraglich, "was dieser junge, sportliche und kräftige Mann, der einzig an Gastritis" leide, "mit einem Schicksal zu tun" haben könnte, wie es der Spenderschaft in den einschlägigen Dokumentationen dargestellt worden sei. Nach dem Bericht des Sachwalters seien den Stiftungsorganen bei der Rechnungslegung für das Geschäftsjahr 2014 erste Zweifel hinsichtlich der zweckkonformen Spendenverwendung gekommen. Die Tätigkeit der Partnerorganisation in der Ukraine sei intransparent erschienen, Geschäftszahlen und Nachweise zu Geldflüssen hätten gefehlt. Erfolgte Stichproben hätten sodann nahe gelegt, dass die Verwendung der Spendengelder nicht mit den Verwendungsversprechen gemäss Bittbriefen übereingestimmt hätten. Die Mittelverwendung habe nicht überprüft werden können. Intransparent seien auch die Bezüge des Stiftungspersonals. Es sei unklar geblieben, welcher Anteil der Spenden bei den Destinatären angekommen und wie hoch der sehr aufwändig betriebene Verwaltungsaufwand ausgefallen bzw. inwieweit dieser gerechtfertigt gewesen sei. Diese Unstimmigkeiten hätten sich im Geschäftsjahr 2018 bestätigt bzw. noch verschärft. Die Geschäftsleitung der Stiftung habe sich täuschender Mittel bedient. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Stiftung überhaupt noch hätte Spendengelder sammeln können, hätte die Spenderschaft gewusst, dass 2018 "weniger als 15% ihrer Spenden bei bedürftigen Destinatären" angekommen seien. Die vom Beschwerdeführer behauptete "gezielte Wirtschaftshilfe in der Ukraine, die er betreibe, indem er dort 15 Personen beschäftige", sei "fadenscheinig und stehe in absolutem Kontrast zu den kommunizierten Sammlungszwecken" (angefochtener Entscheid, S. 3-6, E. B/1-3.2). Schliesslich geht die Vorinstanz noch detailliert auf die einschlägigen Untersuchungsakten ein, insbesondere die erhobenen Bankunterlagen, Übersichten des Sachwalters über die ermittelten Geldtransfers und auf den Begleitbericht zur Geldwäscherei-Verdachtsmeldung an die MROS. Diese stützten und konkretisierten die von der Staatsanwaltschaft dargelegten Verdachtsgründe. Ein plausibler Grund für die Überweisung der Spenden zunächst auf ein Sammelkonto und dann auf weitere Konten, darunter Privatkonten des Beschwerdeführers, sei nicht erkennbar. Die gesammelten Spendengelder stünden in einem offensichtlichen Missverhältnis zu den tatsächlich für karitative Zwecke verwendeten Mitteln, nämlich ca. 16-22% der 2014 eingenommenen ca. Fr. 1 Mio., bzw. 14,9% der Spendeneinnahmen von 2018. Angesichts dieser Zahlen verfange auch der Einwand der Verteidigung nicht, wonach jedes Hilfswerk administrativen Aufwand betreibe und es normal sei, dass nicht 100% der Spenden den Destinatären zufliessen könnten. Das Missverhältnis ergebe sich auch aus einem Vergleich mit den üblichen Verwaltungskosten ähnlicher "Non-Profit"-Organisationen. Entgegen den Leistungsberichten der Stiftung, in denen von einer "ehrenamtlichen Tätigkeit" des Geschäftsführers und seinen Mitarbeitenden die Rede sei, habe der Beschuldigte sich und seiner Halbschwester Löhne ausbezahlt. Die Netto-Lohnkosten hätten für ihn jährlich zwischen Fr. 90'000 und Fr. 110'000.-- betragen. Für das Jahr 2018 hätten diese Lohnkosten die Zahlungen an hilfsbedürftige Destinatäre um ca. 30% überstiegen (vgl. angefochtener Entscheid, S. 6-10, E. B/3.3-4).