Citation: U 211/01 22.10.2001 E. 4

4.- a) Die Vorinstanz dagegen hat gestützt auf BGE 123 V 98 ff. die Beurteilung der Adäquanz unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung vorgenommen, da gemäss allen medizinischen Berichten eine "Verarbeitungsstörung" unzweifelhaft im Vordergrund stehe. Sie hat nach dieser Rechtsprechung unter Annahme eines Unfalls mittlerer Schwere im Grenzbereich zu den leichten die Adäquanzkriterien ebenfalls als nicht erfüllt angesehen. b) Dieser Beurteilung der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden. "Ganz in den Hintergrund" treten die zum Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS und eines Schädelhirntraumas gehörenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorliegend nicht. Die Vorinstanz verkennt den Kern dieser Rechtsprechung. Es kommt zwar in den medizinischen Berichten durchaus zum Ausdruck, dass das Fortbestehen der Beschwerden der Versicherten zum Teil in ihrer Persönlichkeit begründet ist. So wurde im Gutachten der Klinik B.________ vom 9. Februar 1999 ausgeführt, die von myofascialen Befunden an der HWS stammenden Kopfschmerzen machten nur den kleineren Teil der insgesamt vorhandenen Kopfschmerzproblematik aus. Die ausgeprägte Spannungskopfschmerzkomponente, die bei psycho-physischer Belastung exazerbiere und mit vegetativen und kognitiven Störungen einhergehe, sei auf die (nicht unfallbedingte) psychische Verarbeitungsstörung bezüglich Schmerzen und Gefühl der Überforderung zurückzuführen. Diese Verarbeitungsstörung sei der wesentliche, nicht unfallbedingte Faktor, der das Beschwerdebild aufrecht erhalte. Die nicht unfallbedingten, leistungsorientierten, narzisstischen Persönlichkeitszüge der Versicherten entwickelten ungünstige Unfall- und Schmerzbewältigungsstrategien und seien dazu geeignet, den Rehabilitationsverlauf zu verzögern und die Anpassung an die Beschwerden zu erschweren. Dr. med. K.________, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik B.________, legte im Psychosomatischen Konsilium vom 19. August 1998 dar, dass keine gröbere Psychopathologie bzw. keine sog. depressive Episode oder "major depression" vorliege. Es seien zwar testpsychologisch depressive Elemente eruiert worden, der minimale Schweregrad für ein eigentliches psychiatrisches Depressionskonzept werde aber in keiner Weise erreicht. Die Versicherte habe jedoch zweifellos Persönlichkeitszüge, die eine Ursache für ihre Art der Krankheitsbewältigung seien; der Schweregrad für eine Persönlichkeitsstörung werde indessen nicht erreicht. Im Schreiben an den Vertreter der Beschwerdeführerin vom 28. Mai 2001 präzisierte Dr. K.________, er sei im Teilgutachten vom 19. August 1998 aufgrund der psychiatrischen Befundlage nicht von einem primär psychischen Beschwerdebild ausgegangen. Das bedeute, dass das Beschwerdebild nicht klar von einer psychischen Störung dominiert werde. Gewisse psychische Auffälligkeiten in der Art der Bewältigungsmuster und der Emotionalität bildeten wahrscheinlich lediglich einen Teilfaktor. Auch dieser psychische Teilfaktor, der sich aus problematischen Bewältigungsmustern und einer auffälligen emotionalen Reaktion zusammensetze, stehe in direktem und indirektem Zusammenhang mit dem Unfall, teils im Sinne eines psychosomatischen Zusammenhangs. Mit anderen Worten wäre dieser psychische Teilfaktor heute in Art und Intensität der Ausprägung ohne Einwirkung des Unfalls nicht denkbar. Aufgrund dieser Ausführungen des Dr. med. K.________ wird die Auffassung der Vorinstanz, dass die "Verarbeitungsstörung" unzweifelhaft im Vordergrund stehe, in Frage gestellt. Aber selbst wenn die Beschwerdeführerin eine Persönlichkeitsstruktur mit Neigung zu einer Verarbeitungsstörung aufweist, sind ihre psychischen Beeinträchtigungen nicht als im Vordergrund stehend zu qualifizieren. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin noch in der weiten Bandbreite der Versicherten liegt, bei denen die einen ein Unfallereignis seelisch besser verkraften als andere, wobei die Letzteren des Versicherungsschutzes ebenfalls teilhaftig seien sollen. Denn im Rahmen der erwähnten weiten Bandbreite bilden auch solche Versicherte Bezugspersonen für die Adäquanzbeurteilung, welche im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung eines Unfalls zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus unfallversicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 117 V 362 Erw. 5b mit Hinweis; RKUV 1998 Nr. U 297 S. 245). Die Beschwerdeführerin leidet in erster Linie an Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, vegetativen Beschwerden, Schwindel, Sehstörungen, Beschwerden der HWS, Konzentrationsstörungen und rascher Ermüdbarkeit. Diese Leiden werden von den Ärzten nicht in Abrede gestellt und die natürliche Kausalität zum Unfall ist zumindest als Teilursache unbestritten. Im Gutachten der Klinik B.________ vom 9. Februar 1999 wird diesbezüglich dargelegt, dass das Unfallereignis für die Kopf- und Nackenschmerzen und damit indirekt für den Schwindel und die subjektiv empfundenen kognitiven Störungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Teilursache darstelle. Wenn diese zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS und eines Schädel-Hirntraumas gehörenden Beeinträchtigungen bei einer seelisch robusten Persönlichkeit abgenommen hätten oder sogar verschwunden wären, bedeutet dies nicht, dass sie bei der Versicherten, die sie weniger zu verkraften weiss, zu psychischen Beschwerden "mutiert" haben. Abgesehen davon, dass bei Vorliegen eines Unfalles mit Schleudertrauma der HWS und Schädel-Hirntrauma sowie des entsprechenden bunten Beschwerdebildes, was - wie dargelegt - unbestritten und ärztlich ausgewiesen ist, nicht zwischen physischen und/oder psychischen Beschwerden zu unterscheiden ist. Der adäquate Kausalzusammenhang ist deshalb nach Massgabe von BGE 117 V 359 ff. zu beurteilen.