Citation: 6B_452/2023 E. 3.6

3.6. Die Vorinstanz bejaht Mittäterschaft auch bezüglich des Tötungsdelikts vom 30. Juni 2016. Sie wirft dem Beschwerdeführer vor, er habe bei der Planung der Tat einen sehr hohen Einfluss ausgeübt. Die Tötung sei nur ein - wenn auch wesentlicher - Teil eines grösseren Gesamtplans gewesen, der nicht nur seine Freipressung durch den beurlaubten A.________, sondern explizit auch die Tötung von unbeteiligten Dritten als Druckmittel beinhaltet habe. Anders zu beurteilen wäre die Angelegenheit, wenn der gemeinsame Plan lediglich die Freipressung umfasst hätte und A.________ auf der Flucht sich alleine und situativ für ein geeignetes Druckmittel hätte entscheiden müssen. Dass die Tötung wiederum nicht bis ins letzte Detail geplant worden sei, ändere nichts am Umstand, dass die Idee gemeinsam entwickelt und der Entschluss zur Umsetzung gemeinsam gefasst worden sei. Zu berücksichtigen gelte es, dass der Beschwerdeführer nicht nur die Idee seiner Freipressung mittels Druck von aussen durch A.________, sondern explizit auch die Androhung und Ausführung von Tötungshandlungen eingebracht habe (Urk. 11/15 S. 5), dies im Gegensatz zum blossen Anstifter, welcher in der Planungs- und Ausführungsphase keinen entscheidenden Einfluss mehr auf den Täter nehme. Zwar treffe es zu, dass der Beschwerdeführer, bedingt durch seinen Gefängnisaufenthalt, bei den Tötungsdelikten physisch nicht präsent gewesen sei. A.________ habe aber auch bei der Tötung nicht autonom, sondern immer noch nach dem gemeinsamen Plan und unter dem direkten Einfluss in Form des vom Beschwerdeführer aufgebauten psychischen Drucks gehandelt. Dies ergebe sich klar aus den Aussagen von A.________, wonach er auch in Freiheit nach dem gemeinsamen Plan gehandelt und sich verpflichtet gefühlt habe, diesen zu erfüllen. A.________ habe nicht lediglich aufgrund eines gedanklichen Anstosses, aber von dem Moment an völlig frei und aus eigenem Antrieb gehandelt. Vielmehr habe er bedingungslos den gemeinsam geschmiedeten Plan ausgeführt (angefochtenes Urteil E. 1.2.3 S. 43 f.). Die Vorinstanz führt weiter aus, nicht gefolgt werden könne der erstinstanzlichen Argumentationskette, wonach der Entschluss von A.________ zur Tötung aufgrund einer Beeinflussung oder Willensbildung durch die Lügengeschichten hervorgerufen worden sei, was der Beschwerdeführer beabsichtigt habe. Wohl treffe es zu, dass die Lügengeschichte letztlich die Basis aller Handlungen gewesen sei. Es sei aber keinesfalls so, dass alleine und direkt gestützt darauf der Entschluss zur Tötung gefasst worden sei. Vielmehr habe die Lügengeschichte die Grundlage zum gemeinsam gefassten Entschluss, aus dem Gefängnis zu fliehen, gebildet. Ein Einwirken des Beschwerdeführers in die Entschlussfassung von A.________ sei darin nicht zu erkennen. Hinweise, wonach der Beschwerdeführer dies auf andere Weise versucht habe, gebe es keine. Als sich die Fluchtpläne konkretisiert hätten, hätten der Beschwerdeführer und A.________ gemeinsam verschiedene Varianten abgewogen. Wer letztlich den "Input" für das "Erpresserschreiben" gegeben habe, könne A.________ nicht mehr sagen (Urk. 11/16 S. 16). Hinweise, wonach der Beschwerdeführer die Willensbildung von A.________ zu einer Tötung stark und unmittelbar zu beeinflussen versucht habe, gebe es auch in diesem Stadium keine. Ganz im Gegenteil sei von einer Tötungshandlung damals noch gar nicht die Rede gewesen. Die konkrete Frage, wessen Idee es gewesen sei, wahllos jemanden umzubringen, habe A.________ nicht beantworten können. Er habe jedoch zugegeben, auch an der Entwicklung dieser Idee mitgewirkt zu haben (Urk. 11/16 S. 18). Wohl treffe es zu, dass A.________ auf Befragen angegeben habe, dass die Idee mit der Tötung zwar von "G.________" [womit der Beschwerdeführer gemeint war] gekommen sei, er aber kein willenloses Geschöpf sei und es deshalb schon so sei, dass der Tatentschluss zur Tötung gemeinsam gefasst worden sei (Urk. 11/16 S. 31). Auch hierin sei keine derart starke Einflussnahme auf die Willensbildung zu erkennen, welche den Charakter einer Anstiftung habe. Vielmehr sei es so, dass der Beschwerdeführer, unter anderen Vorschlägen, auch denjenigen der Tötung eingebracht habe, und man gestützt auf diesen Anstoss gemeinsam einen konkreten Entschluss gefasst habe. Hinweise, wonach der Beschwerdeführer von sich aus Handlungen ausgeführt habe, mit denen er A.________ zur Tötung zu motivieren versucht habe, geschweige denn Druck ausgeübt habe, gebe es nicht. Der Entschluss zur Tötung erscheine vielmehr als das Resultat eines längeren Prozesses, indem die beiden Beschuldigten gemeinsam verschiedene Varianten abgewogen und sich schliesslich für die Tötung entschieden hätten. Eine Anstiftung sei darin jedenfalls nicht zu erkennen (angefochtenes Urteil E. 1.2.4 S. 44 f.). Die Vorinstanz erwägt schliesslich, dem Bezirksgericht sei nicht zu folgen, wenn es Mittäterschaft verneine, weil der Beschwerdeführer weder die Bereitschaft zur Übernahme einer wesentlichen Funktion in der Tatausführung manifestiert habe, noch die Möglichkeit gehabt habe, eine solche zu übernehmen. Das Abstellen auf die Tatherrschaft zum Tatzeitpunkt werde den konkreten Umständen nicht gerecht. Bei der Frage, ob ein Tatbeitrag "im Ausführungsstadium" wesentlich gewesen sei, sei nicht auf den Zeitpunkt abzustellen, in dem er geleistet worden sei, sondern alleine darauf, in welcher Weise er bei der Ausführung weiterwirke. So könnten Tatbeiträge im Stadium der Vorbereitungshandlungen, die für die Deliktsausführung unerlässlich seien, Mittäterschaft begründen. Durch Lenkung könne auf das Tatgeschehen Einfluss genommen werden oder auch im Hintergrund durch psychische Unterstützung. Ein Mittäter brauche danach also nicht selbst Ausführungshandlungen vorzunehmen, sondern könne alleine durch seine Beziehung zum Handelnden weiterhin im Hintergrund einen tragenden Einfluss ausüben. Vorliegend seien die beiden Beschuldigten ein eingeschworenes Duo gewesen, welches vor allem auch auf geistiger Ebene derart miteinander verwoben gewesen sei, dass von einer eigentlichen Symbiose gesprochen werden müsse, aus welcher heraus der Beschwerdeführer als Tatbeteiligter mitgewirkt habe. Er sei damit nicht bloss Anstifter, sondern Mittäter (angefochtenes Urteil E. 1.2.5 S. 45 f.).