Citation: U 423/99 25.07.2000 E. 3

3.- a) Bei der Beschwerdeführerin standen nach dem Unfall subjektiv Kopfschmerzen im Vordergrund. Dazu kamen ausstrahlende Schmerzen im Bereich Halswirbelsäule-Schulter-Lendenwirbelsäule, welche die Versicherte veranlassten, am 29. März 1996 einen Arzt aufzusuchen (SUVA-Rapport vom 5. Juli 1996, Logbuch, Arztzeugnis des Dr. med. B.________ vom 17. Juni 1996). Nach den Darlegungen des Dr. med. V.________ lassen die klinischen Befunde an der HWS isoliert betrachtet keine Rückschlüsse auf eine traumatische Ursache zu. Denn ein schmerzhaftes Cervicalsyndrom trete sehr oft spontan auf. Eine Verletzung der HWS sei bei der Versicherten nicht nachgewiesen worden. Die im CT festgestellte Protrusion der Bandscheibe C4/5 entspreche einer altersentsprechenden degenerativen Veränderung ohne jeglichen Krankheitswert. Für den SUVA-Arzt kommt daher dem Kriterium des erstmaligen Auftretens der Beschwerden entscheidende Bedeutung zu. Denn es sei bekannt, dass eine Weichteilverletzung der HWS nach Beschleunigungsmechanismen um so schwerwiegender und prognostisch ungünstiger sei, je früher nach dem Unfall Symptome einsetzten. Dabei müsse die natürliche Kausalität von Beschwerden verneint werden, wenn diese später als 3 Tage oder 72 Stunden nach dem Unfall aufgetreten seien. Bei einem erstmaligen Auftreten der Kopfschmerzen fünf Tage nach dem Unfall sei der natürliche Kausalzusammenhang als lediglich möglich zu erachten. Gehe man hingegen vom in der Einsprache geschilderten Ablauf aus, wonach die Kopfschmerzen am Tag nach dem Unfall auftraten und sich in den folgenden Tagen zu Schmerzen mit Ausstrahlung in den Nacken, Rücken und beide Schultern sowie eine empfindliche Bewegungseinschränkung des Kopfes steigerten, wäre der natürliche Kausalzusammenhang als wahrscheinlich zu erachten. Dr. med. L.________, welcher die natürliche Kausalität bejaht, setzt sich mit der Problematik des beschwerdefreien Intervalls nicht auseinander (Arztzeugnis vom 11. September 1996). Dr. med. H.________ äussert sich in seinem Bericht vom 16. August 1996 - soweit ersichtlich - nicht zur Unfallkausalität. b) Das Eidgenössische Versicherungsgericht geht in seiner Rechtsprechung ebenfalls davon aus, dass die Beschwerden und medizinischen Befunde in der Halsregion oder an der Halswirbelsäule im Anschluss an ein Schleudertrauma der HWS binnen 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten müssen, damit sie diesem zugerechnet werden können. Aufgrund der medizinischen Erkenntnisse über die Latenzzeit sei somit wichtig, was sich am Unfall- und an den folgenden Tagen zugetragen habe, wie genau Angaben des Verunfallten wiedergegeben würden und was die Ärzte abgeklärt oder sonstwie festgestellt und - auch zeitlich fixiert - festgehalten hätten (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29). Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, geben die Akten diesbezüglich zu Zweifeln Anlass. Unklar ist namentlich, weshalb Dr. med. B.________ den Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf das Datum des Arztbesuches festlegte, obwohl die Beschwerdeführerin über bereits seit einigen Tagen bestehende Kopfschmerzen klagte und weshalb er den Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens der Beschwerden nicht genauer erfragte. Ebensowenig ist ersichtlich, weshalb er gegenüber der Arbeitslosenversicherung am 1. April 1996 angab, die Versicherte sei ab 29. März 1996 bis auf weiteres voll arbeitsunfähig, während er im Arztzeugnis UVG vom 17. Juni 1996 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit von drei Tagen, beginnend ab 29. März 1996 vermerkte. Die Unfallkausalität lässt sich unter diesen Umständen nicht schwergewichtig über die Latenzzeit beurteilen, wie dies Dr. med. V.________ getan hat, sondern es müssen weitere Aspekte - wie der klinische Vorzustand des Rückens und eine allfällige richtunggebende Verschlimmerung dieser Problematik - miteinbezogen werden. Da auch die weiteren - nur fragmentarisch begründeten - ärztlichen Atteste keine abschliessende Beurteilung der Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang zulassen, drängt sich eine differenzierte fachärztliche Untersuchung durch einen unabhängigen Experten auf. Zur Vornahme dieser ergänzenden Abklärung ist die Sache an die SUVA zurückzuweisen, welche gestützt auf die Erkenntnisse des Gutachters über ihre Leistungspflicht neu verfügen wird.