Citation: 8C_249/2023 E. 4.1

4.1. Das kantonale Gericht stellte fest, die Beschwerdeführerin habe im Herkunftsland (Kosovo) eine Ausbildung zur Verkäuferin absolviert, ohne anschliessend in diesem Beruf erwerbstätig zu sein. Stattdessen habe sie eine Beschäftigung in einer Fabrik aufgenommen. Nach ihrer Einreise in die Schweiz im Alter von 21 Jahren habe sie sich der Erziehung der Kinder gewidmet. Ab 1997 habe sie während zehn Jahren in einer Fabrik gearbeitet, bevor sie am 1. Oktober 2007 von der römisch-katholischen Kirchgemeinde C.________ als Reinigungskraft, Haushälterin und Sakristanin teilzeitlich, seit 1. Januar 2014 zu einem Pensum von 60 % angestellt worden sei. Aus dieser Erwerbsbiographie, namentlich aus dem beruflichen Wiedereinstieg bereits im Kleinkindalter der beiden älteren Kinder und der Ausübung eines 60 %igen Pensums ab 2014, als das jüngste Kind 11 Jahre alt gewesen sei, gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Erkrankung belastbar und leistungsbereit gewesen sei. Im Vergleich zum familienrechtlichen "Schulstufenmodell" gemäss BGE 147 III 308 E. 5.2 wäre ihr vor dem Übertritt des jüngsten Kindes in die Sekundarstufe I lediglich eine Erwerbstätigkeit von 50 % zuzumuten gewesen. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass die beiden älteren Kinder im Zeitpunkt der Erkrankung (Diagnose eines invasiven Mammakarzinoms im März 2017) bereits 25 und 22 Jahre alt gewesen seien. Die jüngste Tochter sei 14 Jahre alt gewesen, habe die Sekundarstufe I besucht und damit nur am Mittwochnachmittag schulfrei gehabt. Eine Betreuung der gesunden Tochter an diesem Nachmittag sei daher nicht notwendig gewesen. Der Wunsch der Beschwerdeführerin, über Mittag für sie da zu sein, wäre auch mit einem höheren Erwerbspensum vereinbar gewesen. Zudem wäre der Beschwerdeführerin gemäss dem zitierten Schulstufenmodell mit dem Übertritt der jüngsten Tochter in die Sekundarstufe I ein 80 %iges Pensum zuzumuten gewesen. Zwar könne darauf im Sozialversicherungsrecht nicht unbesehen abgestellt werden. Indessen sei angesichts der Umstände nicht mehr von einem sehr grossen beruflichen Engagement der Beschwerdeführerin auszugehen, das die Aufnahme einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit ab dem Lehreintritt der Tochter nahe legen würde. Die Beschwerdeführerin bringe selbst vor, sie habe vor der Erkrankung keinerlei Vorkehren getroffen, ihr Arbeitspensum zu erhöhen. Dieser Ausgangslage komme ein starker Indizwert zu. Aus den Akten ergebe sich sodann, so die Vorinstanz weiter, dass die Beschwerdeführerin nebst viel Lesen, Handarbeiten, Kochen und TV-Schauen auch viele ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeübt habe, gerne unter Leuten gewesen sei und viele Freunde gehabt habe. Weiter sei in Bezug auf die mit dem Ehemann angestrebte Abzahlung der auf dem Eigenheim lastenden Hypothek festzuhalten, dass mit der zunehmenden finanziellen Unabhängigkeit der Kinder und dem Lehreintritt der jüngsten Tochter im Jahr 2018 die Belastung des Familienbudgets abgenommen habe. Insgesamt betrachtet erscheine angesichts der Lebenssituation (Eigenheim mit mittelgrossem Garten; hoher Stellenwert des Familienlebens; langjährige Deckung des gesamten Familienbedarfs mit dem Einkommen des vollzeitlich erwerbstätigen Ehemannes und mit der 60 %igen Beschäftigung der Beschwerdeführerin) sowie der vielseitigen Freizeitgestaltung vor der Erkrankung (insbesondere viele ehrenamtliche Tätigkeiten) die Steigerung auf ein Vollzeitpensum, wie die Beschwerdeführerin dies am 10. Dezember 2020, mithin mehr als drei Jahre nach der IV-Anmeldung vom 28. August 2017 erstmals angegeben habe, nicht überwiegend wahrscheinlich.