Citation: 9C_21/2021 E. 3.3

3.3. Rechtsmissbrauch im Kontext der Verjährung liegt nicht nur vor, wenn der Schuldner den Gläubiger arglistig dazu verleitet, nicht innert nützlicher Frist zu handeln, sondern auch dann, wenn er - ohne Arglist - ein Verhalten gezeigt hat, das einerseits den Gläubiger bewogen hat, rechtliche Schritte während der Verjährungsfrist zu unterlassen, und andererseits die Säumnis des Gläubigers auch bei objektiver Betrachtungsweise als verständlich erscheinen lässt. Das Verhalten des Schuldners muss für das verspätete Handeln des Gläubigers kausal sein (BGE 131 III 430 E. 2; 128 V 236 E. 4a; Urteil 4A_487/2007 vom 19. Juni 2009 E. 4.1). Auch der bösgläubige Schuldner kann sich auf die Verjährung berufen, ohne dass ihm Rechtsmissbrauch entgegengehalten werden kann. Die Verjährungseinrede ist insbesondere nicht schon deshalb rechtsmissbräuchlich, weil der Schuldner weiss, dass der eingeklagte Anspruch zu Recht besteht (BGE 141 V 127 E. 2). Nur die positive Verursachung der Fristversäumnis durch entsprechendes Verhalten des Schuldners vermag die Gegeneinrede des Rechtsmissbrauchs zu rechtfertigen (zum Ganzen: Urteil 4A_532/2009 vom 5. März 2010 E. 3.1 mit Hinweisen).