Citation: 9C_527/2007 25.10.2007 E. 2

2.1 Es steht fest, dass der Einspracheentscheid dem Beschwerdeführer am 26. Juni 2006 zugestellt wurde. Die 30-tägige Beschwerdefrist begann demnach am 27. Juni 2006 zu laufen. In Anwendung von Bundesrecht stand die Frist vom 15. Juli bis 15. August 2006 still (Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG) und endete am Montag, dem 28. August 2006, so dass die am 11. September 2006 der Post übergebene Beschwerde verspätet eingereicht wurde. Diese Beurteilung wird vom Beschwerdeführer nicht in Zweifel gezogen, soweit ihr Bundesrecht zu Grunde liegt. Hingegen macht er geltend, nach dem Grundsatz von Treu und Glauben sei das kantonale Prozessrecht massgebend, laut dessen Bestimmungen zum Fristenstillstand die Beschwerdefrist gewahrt worden sei. 2.2 Das kantonale Gericht hat geprüft, ob die Beschwerdefrist abweichend vom anwendbaren Bundesrecht als gewahrt zu betrachten sei, weil der Beschwerdeführer sich erfolgreich auf den Vertrauensschutz berufen kann. Nach Wiedergabe der zu Art. 9 BV ergangenen Rechtsprechung mit den praxisgemäss erforderlichen Voraussetzungen, unter denen eine falsche Auskunft bindend ist (BGE 127 I 31 E. 3a S. 36; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 113/06 vom 8. Mai 2006; vgl. BGE 127 I 31 E. 3a S. 36), hat es festgestellt, dass der Einspracheentscheid vom 21. Juni 2006 mit einer korrekten Rechtsmittelbelehrung unter ausdrücklicher Wiedergabe der ATSG-Bestimmungen zum Fristenstillstand versehen worden sei. Um seiner Sorgfaltspflicht zu genügen, hätte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers somit weitere Abklärungen betreffend Fristenstillstand bei den zuständigen Behörden treffen oder dann die kürzere Frist gemäss Rechtsmittelbelehrung im Einspracheentscheid einhalten müssen. Da er dies unterlassen und sich stattdessen auf kantonales Recht gestützt habe, entfalle eine Berufung auf Treu und Glauben. 2.3 Der Beschwerdeführer wendet im Wesentlichen ein, dass sich das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit einem Schreiben vom 30. Januar 2006 an den Aargauischen Anwaltsverband gewandt und diesem unter Hinweis auf drei amtlich publizierte Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 26. August 2005 mitgeteilt habe, dass die kantonalen Fristenstillstandsregeln bis zur Anpassung des kantonalen Rechts an die ATSG-Vorschriften weiterhin Geltung beanspruchen, somit bis Ende 2007 die Fristenstillstandsbestimmungen gemäss § 89 f. der Aargauischen ZPO zu beachten sind. Wie bereits mit einem früheren Schreiben des Versicherungsgerichts vom 22. Oktober 2003 sei auch mit dem neuerlichen Schreiben vom 30. Januar 2006 eine Vertrauensgrundlage geschaffen worden, auf welche sich die Rechtsuchenden hätten verlassen dürfen. Denn das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 8. März 2006 (BGE 132 V 361), mit welchem die Rechtsprechung geändert wurde, sei zum Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde am 11. September 2006 noch nicht bekannt bzw. amtlich publiziert gewesen. Unter diesen Umständen hätte das Versicherungsgericht des Kantons Aargau ein weiteres Infoschreiben erlassen müssen.