Citation: 6S.128/2005 11.07.2006 E. 1

Streitgegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet einzig die Frage, ob die Vorinstanz den Qualifikationsgrund der Grausamkeit im Sinne von Art. 184 Abs. 3 StGB zu Recht verneint hat. Die Vorinstanz hat den Beschwerdegegner vom Vorwurf der qualifizierten Entführung nach Art. 183 Ziff. 2 StGB in Verbindung mit Art. 184 Abs. 3 StGB zum Nachteil von A.________ freigesprochen. Sie hat dabei namentlich erwogen, dass dem Kind während der Entführung zwar Leiden zugefügt worden seien, die Merkmal gleich mehrerer anderer Deliktstatbestände bildeten (Art. 189 Abs. 1 StGB, Art. 187 Ziff. 1 und 3 StGB, Art. 181 StGB und Art. 136 StGB). Sowohl die Fesselung als auch die Betäubung des Kinds hätten jedoch bezweckt, dessen Widerstand gegen die beabsichtigten sexuellen Übergriffe zu verhindern. Die Drohung, es werde seine Mutter nicht mehr wieder sehen, sei als Nötigungsmittel für die erzwungene Schlaftabletteneinnahme anzusehen und habe damit mittelbar ebenfalls der Erzwingung der sexuellen Handlungen gedient. Das durch die anderweitigen kriminellen Handlungen gesetzte Unrecht sei folglich von den erwähnten Sexualdelikten vollständig erfasst und mit diesen weitgehend abgegolten. Eine zusätzliche Grausamkeit, welche über das Unrecht der Verschleppung und die relativ kurze Freiheitsbeschränkung sowie die Nötigungshandlung im Hinblick auf die sexuellen Handlungen hinausginge, sei mithin nicht erkennbar. Der Beschwerdegegner habe sich daher lediglich des Grundtatbestands der Entführung gemäss Art. 183 Ziff. 2 StGB schuldig gemacht. Die Beschwerdeführerin hält diese Auffassung für bundesrechtswidrig. Nach ihrer Ansicht führen die Drohung, nicht mehr nach Hause gelassen zu werden, sowie das Fesseln der Hände mittels Kabelbindern gerade im Hinblick auf das kindliche Alter des Opfers zu erheblichen physischen und vor allem psychischen Qualen, welche nicht notwendige Begleiterscheinung der weiteren Straftatbestände bildeten. Die dem Kind zugefügten Leiden erfüllten daher das Qualifikationsmerkmal der Grausamkeit im Sinne von Art. 184 Abs. 3 StGB.