Citation: 2A.703/2004 15.12.2004 E. 3

3.1 Zweck des Familiennachzugs gemäss Art. 17 Abs. 2 dritter Satz ANAG ist es, das familiäre Zusammenleben zu ermöglichen. Sind die Eltern voneinander getrennt oder geschieden und hält sich der eine Elternteil in der Schweiz, der andere aber im Ausland auf, kann es nicht um eine Zusammenführung der Gesamtfamilie gehen. In solchen Fällen entspricht es dem Gesetzeszweck nicht, einen bedingungslosen Anspruch auf Nachzug der Kinder anzunehmen (BGE 129 II 249 E. 2.1 mit Hinweisen). Der nachträgliche Nachzug eines Kindes setzt diesfalls voraus, dass eine vorrangige Bindung des Kindes zum in der Schweiz lebenden Elternteil nachgewiesen ist und besondere stichhaltige familiäre Gründe, zum Beispiel eine Änderung der Betreuungsmöglichkeiten, dieses Vorgehen rechtfertigen (BGE 129 II 11 E. 3.1.3 und 3.3.1 mit Hinweisen). Die Verweigerung einer Bewilligung lässt sich jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung von den Betroffenen ursprünglich selbst freiwillig herbeigeführt worden ist, für die Änderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die Fortführung und Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (BGE 129 II 249 E. 2.1 mit Hinweisen). Stichhaltige Gründe, die eine Änderung der Betreuungsverhältnisse gebieten, dürfen nicht leichthin bejaht werden. Es gelten hohe Beweisanforderungen; an den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland sind - zumal es aus integrationspolitischer Sicht nicht erwünscht ist, dass Jugendliche erst kurz vor Erreichen der Altersgrenze in die Schweiz geholt werden - umso höhere Anforderungen zu stellen, je älter das Kind ist bzw. je grösser die ihm in der Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten sind (BGE 129 II 11 E. 3.3.2 mit Hinweisen). 3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Beziehung seiner Kinder zu ihm sei mit Sicherheit enger als jene zur Mutter oder Grossmutter. Die Mutter hätte diesbezüglich, d.h. über ihre gelockerte Beziehung zu den Kindern sowie über ihre mangelnde Bereitschaft, die Betreuung ganz oder teilweise zu übernehmen, Auskunft geben können. Ein entsprechender Beweisantrag sei beim Kantonsgericht gestellt worden. Indem die Vorinstanz auf die Beweisabnahme verzichtet habe, habe sie den Sachverhalt offensichtlich unvollständig festgestellt. Dies gelte auch mit Bezug auf den abgelehnten Antrag, die Grossmutter und den Grossvater als Zeugen bzw. Auskunftspersonen einzuvernehmen. Der Gesundheitszustand der Grossmutter verschlechtere sich fortlaufend, weshalb sich der Familiennachzug im Interesse der Kinderbetreuung als notwendig erweise. Das Kantonsgericht anerkenne zwar, dass die 69-jährige Frau unter zahlreichen Beschwerden leide (Knotenkropf, Bindehaut- und Lidentzündung, Migräne, niedriger Blutdruck, Beschwerden nach akutem Gefässverschluss in der Wade, Halswirbelarthrose), wie dies in den entsprechenden Arztzeugnissen belegt sei. Ohne weitere Begründung ziehe das Kantonsgericht jedoch den Schluss, diese Diagnose erbringe den Beweis nicht, dass die Grossmutter die Kinder nicht mehr betreuen könne. 3.3 Die Vorinstanz hat die einschlägige Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Familiennachzug eingehend dargestellt und mit ausführlicher und sorgfältiger Begründung in Berücksichtigung aller nach Gesetz und Rechtsprechung massgeblichen Kriterien sowie in zutreffender Würdigung und Abwägung derselben überzeugend dargelegt, dass vorliegend die Voraussetzungen für den Familiennachzug nicht erfüllt sind. Es kann vollumfänglich auf diese Ausführungen (insbesondere in E. 6 des angefochtenen Entscheides) verwiesen werden (vgl. E. 1.2, am Ende). Das Kantonsgericht durfte aus den bei den Akten liegenden Arztzeugnissen zulässigerweise den Schluss ziehen, die diagnostizierten Krankheiten würden die Grossmutter zwar sicherlich beeinträchtigen, verhinderten eine altersgerechte Betreuung der Jugendlichen aber nicht. Angesichts der schon aufgrund der Akten eindeutigen Sachlage war das Kantonsgericht zur Abnahme der zusätzlich angebotenen Beweise (Zeugeneinvernahmen) nicht verpflichtet. Es durfte bei seinem Entscheid berücksichtigen, dass die älteste Tochter des Beschwerdeführers mittlerweile volljährig geworden ist und die beiden jüngeren Kinder in einem Alter sind, in dem sie nicht mehr ständig einer persönlichen, insbesondere physischen Betreuung bedürfen. Vorliegend sind keine zwingenden Gründe ersichtlich, die Kinder des Beschwerdeführers aus ihrem Heimatland, wo sie ihre gesamte Kindheit verbracht haben und über ein soziales Netz verfügen, in die Schweiz nachzuziehen. Dass dem Beschwerdeführer formell das Sorgerecht über die Töchter und den Sohn übertragen worden ist, kann nicht entscheidend sein, nachdem er die tatsächliche physische Betreuung seiner Kinder nach der Scheidung nicht selber wahrgenommen hat. Die Besuche bei den Kindern, die wöchentlichen Telefonate mit ihnen sowie die "fünf bis sechs SMS pro Tag" an sie ändern nichts. 3.4 Angesichts dieser Umstände ist nicht ersichtlich, inwiefern die kantonalen Behörden durch die Verweigerung des Familiennachzugs Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG bzw. Art. 8 EMRK verletzt haben könnten. Auch aus der UNO-Kinderrechtekonvention (SR 0.107), die für die Schweiz am 26. März 1997 in Kraft getreten ist und auf die sich der Beschwerdeführer ebenfalls beruft, kann er nichts für sich ableiten: Der vorliegend verweigerte Familiennachzug verhindert regelmässige persönliche Beziehungen und unmittelbare Kontakte der Jugendlichen zum in der Schweiz lebenden Vater nicht (vgl. Art. 9 Abs. 3 Kinderrechtekonvention); Besuche und Ferienaufenthalte sind weiterhin möglich.