Citation: I 237/06 05.01.2007 E. 3

Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens nach Ziff. 404 GgV Anhang. Die Vorinstanz verneinte diesen hauptsächlich mit der Begründung, von den in Rz 404.5 KSME genannten Symptomen liege jedenfalls dasjenige der perzeptiven und kognitiven Wahrnehmungsstörung nicht in der hinreichenden Schwere vor. Ob auch die Merkfähigkeitsstörung fehle, liess das kantonale Gericht offen. Ausserdem verneinte es einen Anspruch nach Art. 12 und 5 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 ATSG. 3.1 Gemäss Bericht des Diplompsychologen O.________, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, vom 4. September 2004 sei das Beschwerdebild klar umschrieben und liessen die Testbefunde keinerlei Zweifel am Bestehen von Antriebs-, Wahrnehmungs- und Merkfähigkeitsstörungen aufkommen. Zu den Wahrnehmungsstörungen schrieb der Psychologe, dass der Versicherte komplett überfordert gewesen sei, visuelle und auditive Informationen altersentsprechend parallel zu verarbeiten. Zur Merkfähigkeit führt der Psychologe aus, im Candit-Subtest "Block span" habe der Versicherte eine deutlich von der Norm abweichende Leistung erbracht. Eine "schwere Störung" der figural-konstruktiven Merkspanne habe testmässig objektiviert werden können. Die Störung der verbalen Merkfähigkeit sei im Lern- und Gedächtnistest nachgewiesen worden, in welchem der Versicherte lediglich zwei von fünfzehn Wörtern habe reproduzieren können, was keiner normgerechten Leistung entspreche. Die Voraussetzungen von Ziff. 404 GgV Anhang seien kumulativ erfüllt und belegt. 3.2 Nachdem der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) die Diagnose eines angeborenen POS trotz dieses Berichts als unsicher bezeichnete und die IV-Stelle demzufolge einen ablehnenden Einspracheentscheid fällte, liess der Beschwerdeführer einen Bericht des Dr. med. T.________, Spezialarzt FMH für Kinder und Jugendliche, vom 5. August 2005 nachreichen. Darin spricht der Arzt von nachgewiesenen Wahrnehmungsauffälligkeiten gepaart mit Defiziten der Aufmerksamkeitsleistung und der Exekutivfunkionen. Den grössten Teil der kognitiven Leistungen habe der Knabe im guten Durchschnittsbereich, zum Teil auch im oberen bis überdurchschnittlichen Bereich erfüllt. In Anbetracht seiner intellektuellen Fähigkeiten seien die rein testmässig erfassten Wahrnehmungsdefizite dennoch erheblich. Es sei nicht zulässig, die Wahrnehmung des Kindes als nicht relevant gestört zu bezeichnen. Ferner sei unhaltbar, dass die Diagnose noch nicht gestellt werden könne. Zusammengefasst lägen Störungen vor, die auch heute noch ohne Stimulanzientherapie deutlich, wenn auch nicht mehr so erheblich wie früher, die Kriterien für das GG 404 "frühkindliches POS" kumulativ erfüllten. 3.3 Gestützt auf diesen Bericht kam der Regionale Ärztliche Dienst gemäss der Vernehmlassung der IV-Stelle im kantonalen Prozess zum Schluss, dass das Geburtsgebrechen Nr. 404 nunmehr ausgewiesen sei. Unklar bleibe, ab welchem Zeitpunkt alle entsprechenden Symptome vorgelegen hätten. Die Vorinstanz erwog indessen, dass eine Wahrnehmungsstörung nicht mit rechtsgenüglicher Intensität ausgewiesen sei, gebe doch Dr. med. T.________ an, der Versicherte habe die kognitiven Leistungen im Durchschnitts- und im überdurchschnittlichen Bereich erbracht, weshalb keine schwerwiegende Wahrnehmungsstörung vorliegen könne. Daher könne offen bleiben, ob auch eine erhebliche Merkfähigkeitsstörung fehle. Die Symptome eines angeborenen POS seien nicht alle kumulativ gegeben. 3.4 Die Würdigung der Vorinstanz vermag nicht zu überzeugen. Angesichts der deutlichen, auf Grund von Tests objektivierten Defizite, wie sie in den Berichten des Psychologen O.________ vom 4. September 2004 und des Dr. med. T.________ vom 5. August 2005 beschrieben werden, ist die gesamte POS-Symptomatik gemäss Rz 404.5 KSME nachgewiesen. Wer, wie der Versicherte gemäss dem Psychologen, "komplett überfordert" ist, auditive und visuelle Wahrnehmungen parallel zu verarbeiten, leidet an einer objektivierten und nicht leicht zu nehmenden Wahrnehmungsstörung. Auch bei der Merkfähigkeit haben die vom Psychologen durchgeführten Tests erhebliche Defizite messbar gemacht. Dr. med. T.________ bestätigt diese im Ergebnis, und selbst der RAD hat dem beigepflichtet. Unter solchen Umständen vermögen die vom kantonalen Gericht vorgebrachten Gründe ein Abweichen von den übereinstimmenden ärztlichen Einschätzungen nicht zu rechtfertigen. Die Sache wird daher an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit sie den Beginn der Leistungen festlege und hernach über den Anspruch auf medizinische Massnahmen erneut verfüge.