Citation: 6B_779/2016 E. 2.3.1

2.3.1. Aus den Akten ergibt sich die vom Beschwerdeführer bestrittene Zustellung des Strafbefehls per Einschreiben nicht. Erstellt ist einzig dessen Versand per B-Post zusammen mit der Mahnung am 22. Juli 2013. Der Beschwerdeführer macht zudem zu Recht geltend, dass er mangels Kenntnis der Busse - das Gegenteil ist nicht erwiesen - mit der Zustellung des Strafbefehls per Einschreiben nicht rechnen musste, da er sich nicht in einem Verfahrensverhältnis mit den Strafbehörden befand (vgl. oben E. 2.2.1). Er wäre daher nicht verpflichtet gewesen, das Einschreiben, sofern es erfolgte, abzuholen. Die Einsprachefrist gegen den Strafbefehl konnte somit frühestens am Tag nach der Zustellung der Sendung vom 22. Juli 2013 zu laufen beginnen. Der im beiliegenden Merkblatt enthaltene Hinweis, wonach eine "Einsprache gegen den Strafbefehl nicht mehr erhoben werden [kann]", erweist sich somit als unzutreffend. Aus dem von der Rechtsprechung aus dem Prinzip von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV, Art. 9 BV und Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO) abgeleiteten Recht auf Vertrauensschutz ergibt sich jedoch, dass den Parteien aus einer unrichtigen Rechtsmittelbelehrung grundsätzlich keine Nachteile erwachsen dürfen, wenn sie sich auf die fehlerhafte Rechtsmittelbelehrung verlassen durften. Dies gilt nicht für die Partei, welche die Unrichtigkeit erkannte oder bei gebührender Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen. Allerdings vermag nur eine grobe prozessuale Unsorgfalt der betroffenen Partei oder ihres Anwalts eine unrichtige Rechtsmittelbelehrung aufzuwiegen (vgl. BGE 135 III 374 E. 1.2.2.1 S. 376 mit Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt nicht nur für das Verfahren vor Bundesgericht (Art. 49 BGG), sondern auch für das kantonale Verfahren. Ob der Prozesspartei eine als grob zu wertende Unsorgfalt vorzuwerfen ist, beurteilt sich nach den konkreten Umständen und ihren Rechtskenntnissen. Ist sie rechtsunkundig und auch nicht rechtskundig vertreten, darf sie nicht der anwaltlich vertretenen Partei gleichgestellt werden, es sei denn sie verfüge namentlich aus früheren Verfahren über entsprechende Erfahrungen. Eine Überprüfung der in der Rechtsmittelbelehrung enthaltenen Angaben kann von einer Prozesspartei im Übrigen nur verlangt werden, wenn diese über die Kenntnisse verfügt, die es ihr überhaupt ermöglichen, die massgebende Gesetzesbestimmung ausfindig zu machen und gegebenenfalls auszulegen (vgl. zum Ganzen: Urteil 6B_149/2013 vom 27. August 2013 E. 1.3.2 mit Hinweisen auf BGE 138 I 49 E. 8.3.2 S. 53 f.; 135 III 374 E. 1.2.2.2 S. 376 f.; je mit Hinweisen).