Citation: 1B_389/2022 E. 1

Angefochten ist ein kantonal letztinstanzlicher Entscheid über die Anordnung von Sicherheitshaft nach erstinstanzlicher Verurteilung (Art. 80 BGG i.V.m. Art. 222 und Art. 231 Abs. 1 StPO). Der Beschwerdeführer macht geltend, die vom Regionalgericht ausgefällte Freiheitsstrafe sei deutlich zu hoch ausgefallen, weshalb sie nicht als erhebliches Fluchtindiz gewertet werden dürfe. Er stellt sich auf den Standpunkt, das Bundesgericht prüfe "grundsätzlich frei", ob die ausgesprochene Sanktion bundesrechtskonform sei. Dabei verkennt er, dass nicht das Bundesgericht im vorliegenden Haftprüfungsverfahren die erstinstanzlich ausgefällte Sanktion bzw. die Strafzumessung mit freier Kognition zu prüfen hat, sondern dass dies die Aufgabe des mit dem Fall materiell befassten Berufungsgerichtes sein wird (Art. 47-50 StGB i.V.m. Art. 398 Abs. 2 StPO). Eine freie materielle Prüfung der erstinstanzlich ausgefällten Sanktion bildete auch nicht Gegenstand des angefochtenen Haftprüfungsentscheides der bernischen Beschwerdekammer in Strafsachen (vgl. Art. 80 BGG i.V.m. Art. 222 und Art. 231 Abs. 1 StPO). Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, prüft das Bundesgericht im Haftprüfungsverfahren, ob die Vorinstanz Bundesrecht verletzte, indem sie ausreichend konkrete Indizien für Fluchtgefahr (Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO) bejahte. Die diesbezüglichen Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz prüft das Bundesgericht nur unter Willkürkognition (vgl. unten, E. 2.4). Soweit der Beschwerdeführer darüber hinaus ausführliche appellatorische Vorbringen zur materiellen Strafzumessung vortragen lässt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen von Art. 78 ff. BGG sind grundsätzlich erfüllt und geben zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass.