Citation: 4C.103/2005 01.06.2005 E. 6

Nach dem Gesagten bleibt es ausschliesslich beim pflichtwidrigen Fehlverhalten mit Bezug auf die Bearbeitung der eingehenden Post, wobei auch diesbezüglich einzig feststeht, dass ein bestimmter Brief ungeöffnet liegen blieb. Weitere Fälle oder ein generelles Fehlverhalten mit Bezug auf die Erledigung der Post sind dem angefochtenen Urteil nicht zu entnehmen. Diese einmalige Nachlässigkeit vermag aber die Qualifikation des Verschuldens als grobfahrlässig offensichtlich nicht zu rechtfertigen. Das Verschulden liegt vielmehr im Bereich mittlerer Fahrlässigkeit. Davon ging auch das vom Beklagten anerkannte erstinstanzliche Urteil aus, worin demgemäss mit Recht auf die prekären finanziellen Verhältnisse des Beklagten hingewiesen wurde. Die Vorinstanz hat zwar diesbezüglich keine explizite Feststellung getroffen, aber immerhin angenommen, der Beklagte sei derart bedürftig, dass er die Prozesskosten zu tragen nicht in der Lage ist. Daraus ergibt sich klar, dass der Beklagte in eine Notlage geriete, sollte er Schadenersatz im verlangten Umfang von Fr. 35'000.-- bezahlen müssen. Dass die Klägerin durch eine weitere Kürzung der Ersatzleistung des Beklagten besonders hart getroffen würde, geht aus dem angefochtenen Urteil nicht hervor. Einer Reduktion der Ersatzpflicht nach Art. 44 Abs. 2 OR steht daher nichts im Wege (Schnyder, Basler Kommentar, 3. Aufl., N. 17 zu Art. 44 OR, mit Hinweisen). In Abwägung sämtlicher Umstände erweist sich eine Reduktion der Haftung des Beklagten auf Fr. 14'000.--, entsprechend zwei Monatslöhnen oder gut 15 % des Schadens, als gerechtfertigt. Diese Summe ist entsprechend dem angefochtenen Urteil zu verzinsen, zumal der Beklagte insoweit keine Rügen anbringt. Die Berufung erweist sich mithin als begründet.