Citation: 9C_380/2022 E. 3.3.3

3.3.3. Was die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit angeht, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass eine versicherungsmedizinisch orientierte Begutachtung grundsätzlich bessere Gewähr dafür bietet, dass die einschlägigen (letztlich rechtlich determinierten) Beurteilungsvorgaben (v.a. Gesichtspunkte der Zumutbarkeit, Ausklammerung sog. invaliditätsfremder Faktoren) berücksichtigt sind (zur beweisrechtlichen Einordnung von externen Administrativgutachten vgl. oben E. 3.1). Nicht ersichtlich ist, inwiefern die unterschiedliche diagnostische Beschreibung des Gesundheitszustands aus rheumatologischer Sicht (gemäss Gutachten chronische periarthropathische Schulterbeschwerden mit begleitenden muskulären Dysbalancen, gemäss behandelndem Arzt u.a. frozen shoulder) darauf schliessen lassen sollte, ein Teil der für die Festlegung der Arbeitsunfähigkeit relevanten Gesundheitsschädigung werde gewissermassen übersehen. Die jeweils davon abgeleiteten funktionalen Anforderungsprofile unterscheiden sich nicht wesentlich. So wird denn auch nicht klar, was sich in diesem Zusammenhang aus der Diskussion über die Diagnose einer frozen shoulder Wesentliches ergeben sollte; zu Recht macht die Beschwerdegegnerin geltend, es sei in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit irrelevant, ob die Bewegungseinschränkung im Rahmen eines Residuums bei frozen shoulder oder aber einer Periarthropathie erklärt werde. Die ohnehin nur relativ geringe Differenz von zehn Prozentpunkten in der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit liegt innerhalb des Beurteilungsspielraums, der dem gutachterlichen Ermessen entspricht (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3). Soweit die Beschwerdeführerin sich darauf beruft, das aktuelle Arbeitspensum von 40 Prozent entspreche etwa der Einschätzung des behandelnden Rheumatologen - die verwertbare Restarbeitsfähigkeit sei "langzeitlich am Arbeitsplatz ausgetestet" -, ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass die betreffende Tätigkeit (Spitex-Mitarbeiterin) nicht "ergonomisch angepasst" ist. Der entsprechende Erfahrungswert kann der Einschätzung des rheumatologischen Teilgutachters daher nicht entgegengehalten werden. Im Hinblick auf die interdisziplinär angelegte MEDAS-Begutachtung ist weiter zu berücksichtigen, dass der rheumatologische Experte denjenigen Teil der Schmerzen, der mit den von ihm erhobenen organischen Befunden nicht erklärbar ist, ausklammert und der psychiatrischen Teilbegutachtung überlässt (vgl. auch die "Rehabilitationsdiagnosen" gemäss Austrittsbericht der Klinik F.________ vom 26. Juli 2019: Verdacht auf chronische Schmerzerkrankung mit somatischen und psychischen Faktoren). Soweit die Beschwerdeführerin auf eine abweichende psychiatrische Diagnose der Vertrauensärztin der damaligen Pensionskasse (Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion) verweist, führt dies nicht weiter, weil diese Einschätzung vom November 2019 im damaligen besonderen Kontext eines Arbeitskonflikts und mit Blick auf den damaligen Arbeitsplatz abgegeben worden ist. Hinsichtlich der Rüge, aus einem MRI-Befund der Halswirbelsäule folgende Hinweise auf neurologische Ausfälle hätten eine entsprechende Fachbegutachtung veranlassen müssen - und deren Fehlen bedeute eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes -, bleibt mit der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass der behandelnde Neurologe ausdrücklich festgehalten hat, es bestehe keine neurologische Ausfallsymptomatik; die Arbeitsfähigkeit sei in erster Linie rheumatologisch und psychiatrisch zu beurteilen (Bericht des Dr. C.________ vom 30. November 2020). Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, inwiefern Sehnenläsionen im Schulterbereich verkannt wurden und der vorinstanzliche Schluss, die massgebenden Befunde seien dem Gutachter vorgelegen, willkürlich sein sollte. Nachdem auch die weiteren geltend gemachten Abklärungslücken nicht bestätigt werden können, erweist sich der Vorwurf, die Vorinstanz masse sich an, medizinische Fragen selbst zu interpretieren, als unbegründet. Der angefochtene Entscheid beschränkt sich auf die dem Rechtsanwender obliegende pflichtgemässe Würdigung der (medizinischen) Entscheidungsgrundlagen. Die unter dem Titel einer Verletzung des rechtlichen Gehörs erhobene Rüge, die Vorinstanz setze sich nur sehr oberflächlich und unvollständig mit den medizinischen Akten auseinander, ist nicht nur deshalb zu verwerfen, weil sie nicht näher substantiiert wird. Die dem kantonalen Gericht vorgeworfene Zurückhaltung zeigt gerade, dass es bei der Würdigung der ärztlichen Stellungnahmen seine rechtsanwenderischen Kompetenzen nicht überschreitet.