Citation: 4F_22/2024 E. 4.2.3

4.2.3. Dieser Einwand ist unbegründet. Die Gesuchsteller machen zu Recht geltend, die von ihnen begehrte Forderung (Genugtuungsanspruch unter Nachklagevorbehalt) gegen die Gesuchsgegner 1-4 sei bis anhin noch nicht materiell gerichtlich überprüft worden. Der EGMR hätte somit diesen Anspruch nicht im Rahmen der gerechten Entschädigung nach Art. 41 EMRK beurteilen können. Vielmehr ist - wie die Gesuchsteller zu Recht geltend machen - die materielle Beurteilung der Forderung auf Genugtuung gestützt auf innerstaatliches Recht notwendig. Entsprechend kann den Gesuchstellern nicht vorgeworfen werden, dass sie im Verfahren vor dem EGMR keine Entschädigung betreffend Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche aufgrund der Asbesterkrankung von A.A.________ sel. erhoben haben. Entsprechend fehl geht der Einwand des Gesuchsgegners 2, das Vorgehen der Gesuchsteller entspreche nicht den Anforderungen von BGE 142 I 42 E. 2.2.4. Wie die Gesuchsteller zu Recht geltend machen, spricht der EGMR Prozessgewinne grundsätzlich nur dann als gerechte Entschädigung im Sinne von Art. 41 EMRK zu, wenn er zur Auffassung gelangt, der innerstaatliche Prozess wäre ohne die Konventionsverletzung zumindest teilweise gewonnen worden. Eine derartige Beurteilung hätte der EGMR aber vorliegend ohnehin nicht vornehmen können, da die Voraussetzungen des geltend gemachten Genugtuungsanspruchs nach schweizerischem Obligationenrecht noch gar nicht beurteilt worden sind.