Citation: 6B_1069/2023 E. 1.2.3

1.2.3. Dem Beschwerdeführer sei die Flüchtlingseigenschaft im Asylverfahren nicht zuerkannt worden, da seine diesbezüglichen Depositionen bereits damals zu vage erschienen seien. Auf diesen für das vorliegende Verfahren durchaus wesentlichen Entscheid sei nicht zurückzukommen. Auch wenn es sein möge, dass der Beschwerdeführer im Asylprozess eher zurückhaltend ausgesagt habe, hätten dies die diesbezüglich erfahrenen Behörden entsprechend zu würdigen gewusst. Der Beschwerdeführer vermöge auch im hiesigen Verfahren nicht ansatzweise zu substanziieren, inwiefern ihm bei seiner Rückkehr nach Eritrea tatsächlich eine unmenschliche Behandlung drohe. Vielmehr mache er geltend, seine Situation sei für den Fall einer Rückkehr völlig unklar. Dass derweil die wirtschaftliche und soziale Situation in seinem Heimatland anerkanntermassen schlechter sei, stelle für sich allein noch keinen Non-Refoulement-Grund dar. Auch die Vorbringen der Verteidigung, wonach der Beschwerdeführer illegal ausgereist sei, in Eritrea mit einer gesetzlich verankerten Sanktion infolge Desertion belegt würde oder dass er in den Nationaldienst einberufen und an die Kriegsfront entsandt werden könnte, tangierten nicht das Non-Refoulement-Prinzip (vorinstanzliches Urteil S. 27 mit Verweis auf Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3765/2019 vom 5. August 2019, E. 8.4 zur Abgrenzung von Art. 83 Abs. 4 AIG zum Non-Refoulement-Prinzip in Art. 5 AsylG). Die wiederholte Kritik der Verteidigung, wonach abgewiesenen Asylbewerbern in der Schweiz keine Integrationsschritte ermöglicht würden und eine Landesverweisung auf diese Weise stets unumgänglich sei, übersehe, dass dem jeweils Betroffenen kein hiesiges Aufenthaltsrecht zustehe, weshalb er das Land bereits früher hätte verlassen müssen. Zudem verkenne der Beschwerdeführer, dass grössere sprachliche und soziale Integrationsbemühungen (auch ohne teure Deutschkurse) durchaus möglich und zumutbar gewesen wären. Wenn sich der Verteidiger in diesem Zusammenhang über die ausgebliebene Zwangsausschaffung des Beschwerdeführers wundere, sei er auf die diesbezüglich geltende Sach- und Rechtslage zu verweisen, wonach zwangsweise Rückführungen nach Eritrea mangels Kooperation der dortigen Behörden nach wie vor nicht durchführbar seien. Ohnehin seien die damit zweifellos verbundenen Schwierigkeiten von eritreischen Staatsbürgern jedoch keine Rechtfertigung für ein schweres Gewaltdelikt, wie es vorliegend vom Beschwerdeführer zumindest versucht worden sei. Die schwierige Lage von Eritreern in ihrem Heimatland stehe der Anordnung der Landesverweisung mithin nicht im Sinne eines definitiven Vollzugshindernisses entgegen, zumal in seinem Fall aufgrund seines noch jungen Alters noch nicht einmal genügend gesichert sei, dass er sich mit der Flucht dem Militärdienst entzogen und demnach bei seiner Rückkehr ein Verfahren als Militärdienstverweigerer zu befürchten habe.