Citation: 1P.504/2005 02.02.2006 E. 5

Das Verwaltungsgericht bestätigte die Auffassung der Baurekurskommission, dass den streitbetroffenen Gebäuden keine ortsbildprägende Wirkung zukomme. Die dörfliche Überbauung beginne erst mit dem Gebäude an der Albisriederstrasse 377, während die streitbetroffenen Gebäude an der Altstetterstrasse 336 etwas abseits stehen würden. Wie indessen der Kernzonenplan zeigt, liegen die streitbetroffenen Gebäude zwar am Anfang der Kernzone, jedoch nicht eigentlich abseits. Das Verwaltungsgericht räumt denn auch selbst ein, dass die Bezeichnung der Gebäude als Anfangspunkt (Stadt Zürich) oder als Vorposten (Baurekurskommission) nur eine verbale Nuance darstelle. Jedenfalls ist der Standpunkt der Gemeinde, dass das Bauernhaus mit Wagenschopf und mit der charakteristischen bäuerlichen Umgebung zum kompakten ländlichen Dorfkern von Albisrieden gehört, vertretbar. Dies ergibt sich auch aus dem Bericht des Amtes für Städtebau (S. 8), wonach das streitbetroffene Bauernhaus zusammen mit den umliegenden Gebäuden einen typischen Ausschnitt einer dörflichen Siedlung mit dem vielfältigen Spiel von Gebäudevolumina und -ebenen, Firsthöhen, geneigten Flächen, Vor- und Rücksprüngen, Baukörpern und umbauten offenen Räumen, Verbretterungen und Verputzflächen, Bauwerken und Vegetation darstellt. Ebenso wenig vermag der Standpunkt des Verwaltungsgerichts, dass die betroffenen Gebäude keine denkmalschützenden Massnahmen verdienen würden, weil das äussere Erscheinungsbild durch im 20. Jahrhundert vorgenommene Umbauten geprägt sei, den gegenteiligen Standpunkt der Gemeinde als unhaltbar erscheinen zu lassen. Mit Recht wendet die Stadt Zürich ein, die kantonalen Behörden hätten sich nur mit dem Dach und den Fassaden befasst, die weiteren Gebäudeoberflächen (Fensterwagen, Scheunentor, Vordachkonstruktion, Stallbereich, Speicher, Verbretterung, Vorgarten und Obstwiese), welche älter seien, aber nicht beachtet. Unter diesen Umständen ist nachvollziehbar, wenn die Stadt Zürich die Vorschriften der Bau- und Zonenordnung von Albisrieden, welche nur den Kubus und das wesentliche äussere Erscheinungsbild erfassen, als zum Schutz des ortsprägenden Erscheinungsbildes dieser Gebäudeteile nicht ausreichend betrachtet. Sodann schützte das Verwaltungsgericht die Auffassung der Baurekurskommission, dass die streitbetroffenen Gebäude kein wesentliches Zeugnis einer baugeschichtlichen Epoche abgeben, obwohl einzuräumen sei, dass deren Eigenschaft als "Übergangsbauten" (Kombination des älteren Mehrreihenständerbaus mit dem jüngeren Bohlenständerbau) von einigem Interesse sei. Damit setzte das Verwaltungsgericht sein eigenes Ermessen aber an die Stelle des Ermessens der Gemeinde. Mit Recht weist die Stadt Zürich auf das hohe Alter und damit den Seltenheitswert des Bauernhauses (Baujahr 1539) hin sowie auf die Bedeutung der Erhaltung von Übergangstypen als Zeugnis einer baugeschichtlichen Entwicklung. Selbst wenn mit der Baurekurskommission davon ausgegangen würde, dass die Kombination der Konstruktionsweisen eher zufällig erfolgt war, wäre der Standpunkt der Stadt Zürich, dass eine solche Verbindung Seltenheitswert hat und einen baugeschichtlichen Entwicklungsschritt aufzeigt, nicht unhaltbar. Bezüglich der siedlungsgeschichtlichen Bedeutung der Gebäude hob das Verwaltungsgericht hervor, dass bei einem Umbau, der im Inneren des Gebäudes selbst bei einer Unterschutzstellung zulässig bliebe, die typische Aufteilung der Zimmer nicht mehr erkennbar wäre und die im westlichen Wohnteil gelegenen Elemente nicht besonders schützenswert seien. Diese Argumente sprechen zwar gegen denkmalschützende Massnahmen. Dennoch ist der Standpunkt der Gemeinde vertretbar, dass die betroffenen Bauten, bei denen es sich um landwirtschaftliche Mehrzweckgebäude handelt, Bestandteile einer grösseren Häusereinheit sind, die zusammen einen hohen Zeugniswert für die einstigen landwirtschaftlichen Verhältnisse in Albisrieden darstellen. Erweist sich demnach die von der Baubehörde vorgenommene denkmalschützende Würdigung der Gebäude als vertretbar, hat das Verwaltungsgericht mit seiner eigenen Würdigung und der Bestätigung des Entscheids der Baurekurskommission zu Unrecht in das Ermessen der kommunalen Behörde eingegriffen. Damit hat das Verwaltungsgericht mit der Ausdehnung seiner im Gesetz vorgesehenen Prüfungsbefugnis die Gemeindeautonomie verletzt. Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben.