Citation: 8C_484/2007 03.09.2008 E. 6

6.1 Der Beschwerdegegner erlitt am 21. Juli 2000 neben multiplen Verletzungen ein schweres Schädelhirntrauma mit einem GCS-Wert von 4 bis 5 (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 276/04 vom 13. Juli 2005, E. 2.2.2). Obwohl das Schädel-CT unauffällig war und nur eine Commotio, nicht aber eine Contusio cerebri diagnostiziert wurde, besteht angesichts der erlittenen typischen funktionellen Defizite kein Zweifel, dass die Adäquanzprüfung hier praxisgemäss (BGE 134 V 109 E. 6.2.2 S. 117 und E. 9 S. 121 ff.; vgl. auch Urteil U 75/07 vom 23. Oktober 2007, E. 4.2.1 i.f.) analog der für Schleudertraumen der HWS ohne organisch objektiv ausgewiesene Beschwerden entwickelten Rechtsprechung (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367) zu erfolgen hat, welche auch bei entsprechenden Beschwerden nach Schädelhirntraumen (BGE 117 V 369 E. 4b S. 383) anwendbar ist. 6.2 Gemäss BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f. ist auch weiterhin zu prüfen, ob, ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf, ein leichter, mittlerer oder schwerer Unfall vorliegt. Für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften massgebend (Urteil U 2/07 vom 19. November 2007, E. 5.3.1; vgl. auch vgl. RKUV 1998 Nr. U 335 S. 207 E. bb). Das Ereignis vom 21. Juli 2000 ist mit der Vorinstanz praxisgemäss (RKUV 2005 Nr. U 555 S. 324 E. 3.4 [U 458/04], 2005 Nr. U 548 S. 230 E. 3.2.2 [U 306/04], 1999 Nr. U 330 S. 122 ff. E. 4b/aa, je mit Hinweisen) den schweren Unfällen im mittleren Bereich zuzuordnen. Den polizeilichen Akten sind keine Angaben zur Kollisionsgeschwindigkeit des Motorrades beim Zusammenprall mit dem Traktor zu entnehmen. Eingangs des Dorfes O.________ - bei einer signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h - in einer unübersichtlichen Rechtskurve, in welcher der Beschwerdegegner mit seinem Motorrad eine abbremsende Personenwagenkolonne zu überholen versuchte, stand gemäss Unfallbeschreibung dem Motorradfahrer plötzlich der aus der Kolonne heraus nach links abbiegende Traktor mit Heuwagen-Anhänger quer im Weg, weil ein entgegenkommendes Auto diesem Gefährt den Vortritt gewährte. Die Polizei konnte trotz trockener Fahrbahn keine Bremsspuren sicherstellen. Es ist folglich von einer ungebremsten Kollision zwischen dem schweren Motorrad (Ducati 900 SS Desmo) und dem Traktor auszugehen. Am Motorrad wurden die Gabel, der Lenker, die Verschalung und der Tank beschädigt. Die Polizei schätzte den Schaden am Motorrad auf etwa Fr. 10'000.-. Am linken Vorderrad des Traktors hafteten Farbspuren und Benzin aus dem zerborstenen Benzintank des Motorrades. Obwohl der Traktorfahrer vor dem Linksabbiegemanöver noch einen Blick zurück tätigte und dabei noch kein überholendes Fahrzeug wahrnehmen konnte, wurde er sodann unvermittelt nach dem langsamen Anfahren von der seitlichen Frontalkollision mit dem Motorrad überrascht, was auf eine erhebliche Geschwindigkeit des herannahenden Motorrades schliessen lässt. Nur so lässt sich erklären, weshalb es dem Versicherten nicht mehr möglich war, rechtzeitig eine Vollbremsung oder ein Ausweichmanöver einzuleiten. Seine multiplen und gravierenden Verletzungen sowie der Sachschaden am Motorrad lassen auf die Einwirkung erheblicher Kollisionskräfte auf den Körper des Beschwerdegegners schliessen. Hier ist nach dem Gesagten von einem schweren Unfall im mittleren Bereich auszugehen. 6.3 Im Falle eines schwereren Ereignisses im mittleren Bereich bzw. eines solchen im Grenzbereich zu den schweren Unfällen genügt es rechtsprechungsgemäss (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126, 117 V 359 E. 6b S. 367; RKUV 2005 Nr. U 555 S. 326 E. 3.5.1, U 458/04) zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs, dass nur ein einziges der adäquanzrechtlich massgebenden Kriterien im Sinne von BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130 (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche Beschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen) gegeben ist, ohne dass dieses eine Kriterium notwendigerweise in besonders ausgeprägter Weise erfüllt zu sein braucht (Urteil U 2/07 vom 19. November 2007, E. 5.3 mit Hinweis). 6.3.1 Hinsichtlich des schweren Schädelhirntraumas mit einem GCS-Wert von 4-5 (vgl. E. 6.1 hievor) sowie angesichts der zahlreichen weiteren erheblichen Verletzungen (mehrere Mittelgesichtsfrakturen, eine AC-Gelenksluxation Tossy III rechts, ein schweres stumpfes Thoraxtrauma mit Spannungspneumo-/Hämatothorax beidseits, Lungenkontusionen beidseits und Rippenfrakturen rechts [5-7], einer Leberruptur mit intrahepatischem Hämatom [Segmente 7 und 8], einer Fraktur des Processus transversus LWK 1 links sowie einer Rissquetschwunde suprapatellar am linken Knie mit Eröffnung des Kniegelenkes) ist das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 E. 5.3, U 339/06; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3 mit Hinweisen, U 380/04) eindeutig zu bejahen. Diese kann sich in erheblichen Verletzungen zeigen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten HWS-Verletzung oder dem Schädelhirntrauma beim Unfall zugezogen hat (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 mit Hinweisen). Die entsprechenden Voraussetzungen sind mit Blick auf die hier eingangs beschriebenen Unfallfolgen in Verbindung mit dem schweren Schädelhirntrauma erfüllt. 6.3.2 Auch das präzisierte Kriterium der erheblichen Beschwerden ist - wenn auch nicht in ausgeprägter Weise - als erfüllt zu betrachten. Es beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128). Nach anfänglicher Hospitalisierung im Spital Y.________ vom Unfalltag (21. Juli 2000) bis 14. August 2000 folgte ein stationärer Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Z.________ bis zum 25. August 2000. Zwar konnte die Nachbehandlung im Spital Y.________ im November 2000 trotz anhaltender Beschwerden in der rechten Schulter bei gewissen Überkopf-Bewegungen einstweilen abgeschlossen werden. Neben den seit Oktober 2001 geklagten psychogenen Beeinträchtigungen erforderten die zunehmenden Schulterbeschwerden im Sommer 2002 erneut zwei operative Eingriffe mit je gut einwöchigen stationären Spitalaufenthalten. Die Refixation des coraco-acromialen Ligaments mit Drahtschlinge an Clavicula vom 13. August 2002 zeigte anlässlich der Röntgenkontrolle vom 15. Oktober 2002, dass die Drahtschlinge gebrochen war, ohne dass es zu einem erheblichen Hochstand der rechten Schulter kam. Der Beschwerdegegner wünschte in jenem Zeitpunkt keinen weiteren operativen Eingriff. Bei einer seit September 2003 intensivierten ambulanten Behandlung der psychogenen Beeinträchtigungen und einem chronisch persistierenden Schmerzsyndrom in der rechten Schulter kam es zwischen 20. Januar und 6. Februar 2004 unter anderem wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung mit akuter Suizidalität bei einem depressiven Zustandsbild sowie situationsgebundenen Flashbacks und Panikattacken zu einer stationären Behandlung in der Klinik P.________. Am 29. März 2005 erfolgte angesichts der wahrscheinlich sekundären Entwicklung einer Coracoidpseudarthrose seit Sommer 2002 eine weitere operative Schulterrevision rechts. Zudem litt der Versicherte unter hypertrophen Narben an der Flanke/Thorax seitlich. Obwohl er schon vier Tage nach Entlassung aus der Hospitalisierung auf der Intensivstation anlässlich des psychiatrischen Konsiliums vom 7. August 2000 die - aus medizinischer Sicht offensichtlich unhaltbare - Auffassung vertrat, er sei jetzt schon in der Lage, zwanzig Kilometer weit zu marschieren, und verschiedene weitere Anhaltspunkte aktenkundig auf eine Selbstüberschätzung seiner Leistungsfähigkeit hinweisen, steht nach den medizinischen Unterlagen fest, dass der Beschwerdegegner seit dem Unfall anhaltend zumindest an unterschiedlich starken, mehrfach operativ behandlungsbedürftigen rechtsseitigen Schulterschmerzen litt. 6.4 Nach dem Gesagten ist nicht nur eines, sondern sind sogar mindestens zwei Adäquanzkriterien erfüllt, was angesichts des schweren Unfalles im mittleren Bereich zur Bejahung der Adäquanz des Kausalzusammenhanges (vgl. E. 6.3 hievor) zwischen den in der Folge des Unfalles vom 21. Juli 2000 aufgetretenen, natürlich kausalen (vgl. E. 5.3 hievor) psychogenen Beschwerden und dem genannten Ereignis führt. Die Mobiliar hat diesbezüglich folglich - insbesondere auch hinsichtlich der stationären Behandlungsbedürftigkeit zwischen 20. Januar und 6. Februar 2004 sowie der damit zusammenhängenden Arbeitsunfähigkeit - nach Massgabe des angefochtenen Entscheids die gesetzlichen Leistungen im Sinne des UVG zu erbringen. Die Vorinstanz hat somit die Adäquanz des Kausalzusammenhanges im Ergebnis zu Recht bejaht.