Citation: 6B_217/2020 E. 4.3.1

4.3.1. Zur Frage der Sorgfaltspflichtverletzung erwägt die Vorinstanz, die Beschwerdegegnerin 2 habe über Kopfschmerzen, Schwindel und Probleme, den Kopf aufrecht zu halten, geklagt. Diese Symptome hätten auf eine Durchblutungsstörung hingewiesen, die durch einen Thrombus hervorgerufen worden sein könnte. Zwar habe der Beschwerdeführer anerkannt, dass ihm das Risiko eines Schlaganfalls bei einer osteopathischen Behandlung bekannt gewesen sei. Weiter habe er behauptet, die Symptome ernst genommen zu haben. Daran müsse jedoch gezweifelt werden. Aufgrund der geschilderten Symptomatik hätte eine weitere Behandlung unterbleiben müssen und es wären medizinische Abklärungen vorzunehmen gewesen. Dass der Beschwerdeführer diese Konsequenzen nicht gezogen habe, sei darauf zurückzuführen, dass ihm offenbar das erforderliche Fachwissen gefehlt habe. Im Gutachten von Dr. med. E.________ werde ihm denn auch die Fähigkeit abgesprochen, die Symptome richtig zu deuten sowie eine Dissektion und die Gefahr eines Schlaganfalls richtig zu erkennen. Der Gutachter stütze sich dabei auf die Prüfungsunterlagen der Interkantonalen Prüfungskommission in Osteopathie. Der Beschwerdeführer habe, obwohl er über ein Diplom in Osteopathie der "The International Academy of Osteopathy" in Gent (Belgien) verfügt habe, die interkantonale Prüfung in Osteopathie dreimal nicht bestanden und sei deshalb definitiv von dieser Prüfung ausgeschlossen worden. Gemäss den Prüfungsunterlagen seien beim Beschwerdeführer grosse Lücken bei der Anamnese, beim klinischen Test und bei der medizinischen und osteopathischen Synthese sowie in der Darstellung der therapeutischen Vorgehensweise festgestellt worden. Dass der Beschwerdeführer einzig aufgrund sprachlicher Defizite an der interkantonalen Osteopathieprüfung dreimal und damit definitiv gescheitert sei, erscheine ausgeschlossen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die fachlichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers für eine selbständige osteopathische Behandlungsfähigkeit, insbesondere für Halswirbelsäulenbehandlungen, den Anforderungen der interkantonalen Prüfungskommission und somit den geltenden Diagnostik- und Behandlungsrichtlinien nicht entsprächen. Der Beschwerdeführer habe daher nicht erkannt, dass seine Handlungsweise bei der bestehenden Symptomatik zu einer möglichen respektive zunehmenden Dissektion und einem nachfolgenden Hirninfarkt führen könnte. Eine solche Beurteilung hätte eine höhere fachliche Qualifikation bedingt. Daraus ergebe sich, dass der Beschwerdeführer die Behandlung der Beschwerdegegnerin 2 im Halswirbelsäulenbereich nicht hätte übernehmen bzw. durchführen dürfen. Er hätte die Beschwerdegegnerin 2 nach den gebotenen Abklärungen vielmehr umgehend einem Facharzt zuweisen müssen. Es habe ihm bewusst sein müssen, dass ihm in derart heiklen Fällen das erforderliche Fachwissen fehle. Ihn treffe daher ein Übernahmeverschulden.