Citation: U 228/02 12.03.2004 E. 3

Streitig und zu prüfen ist zunächst die Unfallkausalität der geklagten Beschwerden. 3.1 Der Beschwerdegegner hat sich bei den Unfällen vom 23. August 1985 und 13. Oktober 1998 am linken Knie verletzt. Auch wenn bereits anlässlich der ersten Unfallmeldung vom 2. April 1987 eine Gonarthrose festgestellt worden war (Bericht des Dr. med. L.________ vom 4. April 1987) und nunmehr eine Pangonarthrose links sowie eine beginnende Gonarthrose rechts bestehen (Gutachten der Frau Dr. med. H.________ vom 23. Januar 2000), ist die Unfallkausalität der vorhandenen Beschwerden und der damit verbundenen Beeinträchtigung in der Gehfähigkeit aufgrund der medizinischen Akten zu bejahen, was unbestritten ist. 3.2 Beim Unfall vom 29. Februar 1972 hat sich der Beschwerdegegner nebst einer Rissquetschwunde an der Oberlippe Rippenfrakturen rechts sowie Prellungen und Schürfungen über dem rechten Schlüsselbein zugezogen. Laut Bericht der Chirurgischen Klinik des Spitals G.________ vom 13. April 1972 klagte er über Druckschmerzen im Thorax, insbesondere hinten rechts, und an der Halswirbelsäule (HWS). Röntgenologische Untersuchungen zeigten dort keine Frakturen. In der Folge hat der Beschwerdegegner wieder voll als Bauarbeiter gearbeitet und nach den Akten nie über Rückenbeschwerden geklagt. Auch anlässlich des Unfalls von 1985, der Rückfallmeldung vom 16. Mai 1995 und des Unfalls von 1998 war nie von Schmerzen an der Wirbelsäule die Rede. Ebenso wenig machte der Beschwerdegegner anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 29. April 1999 und in der Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung vom 2. März 1999 Angaben über Rückenbeschwerden. Erst Ende 1999 gab er gegenüber dem Aussendienst der SUVA an, seit dem Unfall von 1972 dauernd an Rückenschmerzen zu leiden. Das ausgesprochen lange Zeitintervall zwischen dem Unfall und der Meldung der Beschwerden sowie der Umstand, dass der Beschwerdegegner zwischen den einzelnen Unfällen jeweils voll in der rückenbelastenden Beschäftigung als Bauarbeiter tätig war, spricht gegen eine Unfallkausalität der geltend gemachten Beschwerden. Zum gleichen Schluss führen die in den Akten enthaltenen medizinischen Berichte. Laut dem von der Invalidenversicherung angeordneten Gutachten der Orthopädin Dr. med. H.________ konnten keine unfallbedingten Läsionen feststellt werden; dagegen fanden sich degenerative Veränderungen insbesondere im Bereich der LWS, welche nach Auffassung der Gutachterin auf eine mögliche Hyperostose im Sinne eines Morbus Forestier (mit ausgeprägter Spangenbildung einhergehende hyperostotische Spondylose) schliessen lassen. Kreisarzt Dr. med. S.________ gelangt aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse zum Schluss, dass die Nacken- und Rückenbeschwerden mit grösster Wahrscheinlichkeit keine Unfallfolge darstellten, dies auch insofern nicht, als sie sich nicht als Folge einer durch das Knieleiden bewirkten Fehlbelastung der Wirbelsäule erklären lassen. In der von der SUVA im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Stellungnahme des Ärzteteams Unfallmedizin vom 10. Januar 2001 teilt Dr. med. M.________ diese Auffassung und stellt fest, zu einer andern Beurteilung der Kausalitätsfrage bestünde höchstens dann Anlass, wenn Befunde an der Wirbelsäule erhoben worden wären, welche zumindest differentialdiagnostisch als Unfallfolgen in Frage kämen, was nicht der Fall sei. Entgegen dem Antrag des Beschwerdegegners besteht kein Anlass, diesen von der SUVA im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Bericht aus dem Recht zu weisen, weil ihm weder in diesem noch in andern Punkten entscheidwesentliche Bedeutung zukommt und sich der Beschwerdegegner hiezu im kantonalen Verfahren äussern konnte (vgl. BGE 127 V 233). Aufgrund der vorhandenen medizinischen Berichte und der übrigen Akten ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass der Kausalzusammenhang zwischen den vom Beschwerdegegner erlittenen Unfällen, insbesondere demjenigen vom 29. Februar 1972, und den bestehenden Rückenbeschwerden, auch im Sinne einer blossen Teilkausalität nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist. Es besteht auch kein Anlass zu weiteren Abklärungen, weil der Beschwerdegegner umfassend spezialärztlich untersucht worden ist, hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts Klarheit besteht und von zusätzlichen Erhebungen keine wesentlichen neuen Ergebnisse zu erwarten wären (zur antizipierten Beweiswürdigung vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d; RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50). 3.3 Bezüglich der im Gutachten der Frau Dr. med. H.________ erwähnten chronischen Schmerzen im oberen Sprunggelenk (OSG) lässt sich ein Kausalzusammenhang allenfalls aus dem Unfall vom 23. August 1985 (Sturz von einer Leiter) herleiten. In einem Bericht der Klinik für orthopädische Chirurgie des Spitals G.________ vom 4. Mai 1987 wird anamnestisch ein Distorsionstrauma im Bereich des rechten OSG erwähnt, welches zu einer damals ausgeprägten Schwellung insbesondere medialseits geführt habe und vom Hausarzt mit Gipsruhigstellung während einer Woche behandelt worden sei. Eine Unfallmeldung ist anscheinend jedoch nicht erfolgt, und es ist anzunehmen, dass das Trauma folgenlos abgeheilt ist. Jedenfalls finden sich in den späteren Arztberichten keine Hinweise auf OSG-Beschwerden, noch hat der Beschwerdegegner gegenüber dem Aussendienstmitarbeiter der SUVA oder anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchungen vom 8. Juni 1989 und 29. April 1999 entsprechende Angaben gemacht. Es fehlen sodann jegliche Anhaltspunkte dafür, dass der Unfall vom 13. Oktober 1998 zu erneuten Beschwerden im Sprunggelenk geführt hat. In den Berichten des behandelnden Arztes Dr. med. K.________ werden keine OSG-Beschwerden erwähnt. Auch hat der Beschwerdegegner weder anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 29. April 1999 noch bei der Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung diesbezügliche Angaben gemacht. Es erscheint daher als fraglich, ob die im IV-Gutachten vom 23. Januar 2000 gestellte Diagnose eines chronischen anamnestisch posttraumatischen OSG-Schmerzes rechts zu Recht besteht. Bei der Untersuchung wurden lediglich eine diffuse Palpationsdolenz über allen Gelenkskompartimenten sowie eine geringgradige Einschränkung der Beweglichkeit festgestellt. Zu beachten ist indessen, dass von weiteren Abklärungen (röntgenologische Untersuchung) abgesehen wurde, weil den OSG-Beschwerden für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit keine selbstständige Bedeutung beigemessen wurde. Zudem schloss auch Dr. med. M.________ nicht aus, dass es sich um Unfallfolgen handelt, und wies darauf hin, dass mangels einer röntgenologischen Untersuchung keine sicheren Angaben zur Kausalität gemacht werden könnten. Die Notwendigkeit entsprechender Abklärungen lässt sich nicht schon damit verneinen, dass die OSG-Beschwerden keinen Einfluss auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit haben. Zum einen geht auch die Gutachterin der Invalidenversicherung davon aus, dass sich daraus spezifische Beeinträchtigungen ergeben, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (Erw. 4.2 hienach). Zum andern kann den Beschwerden bei der Arbeitsfähigkeit eine andere Bedeutung zukommen, wenn die Rückenbeschwerden nicht als unfallkausal zu betrachten und daher in der Gesamtbeurteilung nicht zu berücksichtigen sind. Die Sache ist daher an die SUVA zurückzuweisen, damit sie zur Unfallkausalität der OSG-Beschwerden nähere Abklärungen treffe. 3.4 Was schliesslich die Unfallkausalität der geltend gemachten Beschwerden im linken Handgelenk betrifft, ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass sich den Unfallakten diesbezüglich keine objektiven Befunde entnehmen lassen und der Beschwerdegegner nie über solche Schmerzen geklagt hat. Es liegen auch keine Angaben über entsprechende Behandlungen vor. Die im Gutachten erhobene Diagnose eines chronischen anamnestisch posttraumatischen Handgelenksschmerzes links stützt sich offenbar allein auf die subjektiven Angaben des Beschwerdegegners, welche angesichts des jahrelangen Stillschweigens kaum zu überzeugen vermögen. Bei der gutachterlichen Untersuchung konnten keine eindeutig traumatischen Befunde erhoben werden und es zeigte sich lediglich eine diffuse Palpationsdolenz bei symmetrischer Beweglichkeit links und rechts. Eine unfallbedingte Ursache im Sinne einer posttraumatischen Arthrose wird denn auch nur als möglich (denkbar) bezeichnet. Allerdings unterblieb auch in diesem Punkt eine nähere Abklärung, weil sich nach Meinung der Gutachterin seitens der Handgelenksschmerzen keine zusätzliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Aus den genannten Gründen rechtfertigt es sich, die Sache auch in diesem Punkt an die SUVA zurückzuweisen, damit sie ergänzende Abklärungen zur Unfallkausalität der geklagten Beschwerden vornehme.