Citation: U 16/00 13.10.2000 E. 4

4.- a) Wie auch die Vorinstanz richtig festhält, ist das neurologische Gutachten vom 31. Juli 1999 sorgfältig und verständlich abgefasst. Der Experte, welcher die Beschwerdeführerin dreimal persönlich befragt und untersucht hat, legt die für die Kausalitätsbeurteilung massgebenden medizinischen Gesichtspunkte dar, und die seiner Meinung nach daraus sich ergebenden Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei. Eine den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen der ophthalmischen Migräne und dem Unfall vom 21. März 1994 verneinende Aussage eines anderen neurologischen Facharztes steht nicht im Raum. Der SUVA-eigene Arzt Dr. med. B.________, welcher zu den verschiedenen Berichten des Prof. Dr. med. M.________ Stellung genommen hat, bezeichnet sich in seiner Beurteilung vom 4. Oktober 1999 selber denn auch als neurologisch fachfremden Arzt. b) Bei dieser Aktenlage erscheint es im Lichte der Rechtsprechung zum Beweiswert von Gerichtsgutachten (vgl. Erw. 2) in grundsätzlich Hinsicht fraglich, wenn das kantonale Gericht, weil es von den Schlussfolgerungen des Experten zu wenig oder überhaupt nicht überzeugt ist, auf der Basis der gleichen medizinischen Unterlagen davon abweicht. Die vorinstanzliche Begründung hiefür besteht und erschöpft sich denn auch weitgehend darin darzutun, dass auch andere Ursachen als der Unfall vom 21. März 1994 für die Migräne in Betracht fallen können. Dies kann indessen nicht genügen, um den vom Gutachter als überwiegend wahrscheinlich bezeichneten natürlichen Kausalzusammenhang als blosse Möglichkeit erscheinen zu lassen, zumal wenn (und soweit) der Experte auch begründet, weshalb er eine aus medizinischer Sicht in Frage kommende Erklärung für die Entstehung des Gesundheitsschadens aufgrund seiner Erfahrung und der Fachliteratur für plausibler hält als eine andere. aa) So kann aus der Tatsache, dass die Mutter der 1968 geborenen Beschwerdeführerin an Migräne leidet und auch der einzige Bruder gelegentlich Kopfschmerzen hat, nicht gefolgert werden, die Versicherte wäre rein veranlagungsbedingt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch ohne das Unfallereignis spätestens Anfang 1997 an Migräne erkrankt, zumal es gemäss Gutachter eher ungewöhnlich ist, dass eine anlagemässige Migräne nach dem zweiten Lebensjahrzehnt auftritt. Die vom Experten in diesem Zusammenhang genannte statistische Zahl von rund 25 % bestätigt diesen Sachverhalt. Allerdings ist diese Angabe insofern zu wenig aussagekräftig, als sie nicht nach der Ursache differenziert und auch nicht danach, ob der Erkrankung zunächst ein diffuser (Spannungstyp)Kopfschmerz voranging. Was sodann den erstmals im Bericht der Neurologischen Klinik des Universitätsspital Zürich vom 13. Dezember 1994 erwähnten MedikamentenÜberkonsum anbetrifft, scheidet nach zutreffender Feststellung der Vorinstanz die Migräne als Ursache hiefür ohne weiteres aus. Anderseits kann gemäss Gutachten die übermässige Einnahme von Analgetika zwar zu diffusem Spannungskopfweh führen, nicht aber eine Migräne verursachen. bb) Von den Argumenten der Vorinstanz gegen den Kausalzusammenhang zwischen der Migräne und dem Unfall vom 21. März 1994 das Gewichtigste ist die auch vom Gerichtsexperten als unüblich bezeichnete lange Latenzzeit von mehr als einem halben Jahr bezogen auf die ersten Anzeichen für eine Modifikation der initialen diffusen Kopfschmerzen - «migraine-accompagnée-Attacken» werden erstmals im Bericht des Dr. med. Z.________ vom 29. November 1996 erwähnt. Daraus lässt sich indessen auch unter Berücksichtigung der erwähnten, im Übrigen nicht näher umschriebenen Veranlagung, an Migräne zu erkranken, nicht auf die blosse Möglichkeit des Zusammenhanges schliessen, was für die Begründung der Leistungspflicht des Unfallversicherers nicht genügte (vgl. BGE 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen), zumal hier nicht eine direkte Verursachung dieser Schmerzkrankheit zur Diskussion steht. Vielmehr geht es um eine gemäss Fragenkatalog an den Experten vom 1. Juni 1999 «sekundäre Modifikation ursprünglich posttraumatischer chronischer Kopfschmerzen in eine Migräne». Allerdings und gerade auch mit Blick darauf, dass es zu dieser Frage offenbar keine aussagekräftigen statistischen Daten gibt, kann nicht ohne weiteres auf die für die Beurteilung der Kausalitätsfrage entscheidende Aussage im Gutachten abgestellt werden, es spreche nichts dagegen, die empirische Tatsache, dass sich aus einem diffusen Kopfweh im Kindes- oder Jugendalter später eine echte Migräne entwickeln oder eine solche hinzutreten kann, auch auf Fälle wie den vorliegenden zu übertragen. Vielmehr ist zur Klärung der Frage, ob eine Kopfverletzung, wie sie die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 21. März 1994 erlitten hat, und gegebenenfalls unter welchen Bedingungen eine Migräne in der im Gutachten vom 31. Juli 1999 beschriebenen Weise verursachen kann, eine zweite fachärztliche Meinungsäusserung einzuholen. Zu diesem Zwecke ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dass von einer solchen Massnahme keine verwertbaren Erkenntnisse zu erwarten sind, kann entgegen kantonalem Gericht aufgrund der vorstehenden Ausführungen nicht gesagt werden, und zwar umso weniger, als es in diesem Zusammenhang auch an Präjudizien fehlt. Bei ihrem neuen Entscheid wird die Vorinstanz im Übrigen nochmals zu prüfen haben, inwiefern psychische Unfallfolgen bestehen.