Citation: 2C_30/2023 E. 5.3

5.3. In der ausländerrechtlichen Interessenabwägung ist das Kindeswohl rechtsprechungsgemäss nicht das allein ausschlaggebende Element (BGE 143 I 21 E. 5.5.1 und 5.5.4 mit Hinweisen). Praxisgemäss bedarf es vielmehr einer Gesamtschau unter Berücksichtigung aller wesentlichen Elemente (Urteile 2C_50/2023 vom 31. Juli 2023 E. 3.3; 2C_571/2021 vom 8. Juni 2022 E. 7.1 je mit Hinweisen). Dabei ist dem Sinn und Zweck der Fristenregelung Rechnung zu tragen. Diese will die Integration der Kinder erleichtern, indem sie durch einen frühzeitigen Nachzug unter anderem eine möglichst umfassende Schulbildung in der Schweiz geniessen sollen. Zudem geht es darum, Nachzugsgesuchen entgegenzuwirken, die rechtsmissbräuchlich erst kurz vor Erreichen des erwerbstätigen Alters gestellt werden und bei denen die erleichterte Zulassung zur Erwerbstätigkeit und nicht (mehr) die Bildung einer echten Familiengemeinschaft im Vordergrund steht. Hingegen beabsichtigte der historische Gesetzgeber nicht, die Nachzugsgründe auf nicht vorhersehbare Ereignisse zu beschränken (BGE 146 I 185 E. 7.1.1 mit Hinweisen; Urteile 2C_692/2021 vom 23. Mai 2022 E. 5.1; Urteile 2C_909/2019 vom 7. April 2020 E. 4.3; 2C_176/2015 vom 27. August 2015 E. 3.1).