Citation: I 118/01 23.08.2001 E. 1

1.- Die Beschwerdeführerin beantragt die Durchführung einer öffentlichen und mündlichen Verhandlung. a) aa) Art. 6 Ziff. 1 EMRK verlangt, dass über zivilrechtliche Ansprüche bzw. die Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen Anklage in billiger Weise öffentlich und innerhalb einer angemessenen Frist durch ein unabhängiges und unparteiisches, auf dem Gesetz beruhendes Gericht entschieden wird (vgl. BGE 126 I 230 Erw. 2a/aa). Der Grundsatz der Öffentlichkeit der Gerichtsverhandlung nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK bezieht sich sowohl auf die Partei- als auch auf die Publikums- und Presseöffentlichkeit und bedeutet eine Absage an jede Form geheimer Kabinettsjustiz. Er soll durch die Kontrolle der Öffentlichkeit eine korrekte und gesetzmässige Abwicklung des Prozesses gewährleisten. Darüber hinaus bezweckt er, der allgemeinen Öffentlichkeit zu ermöglichen, Kenntnis davon zu erhalten, wie das Recht verwaltet und die Rechtspflege ausgeführt wird; sie soll die Prozesse unmittelbar verfolgen und dadurch eine Kontrollfunktion wahrnehmen können. Es soll damit Transparenz der Rechtsprechung geschaffen und das Vertrauen in die Gerichtsbarkeit gesichert werden. Die rechtsstaatliche und demokratische Bedeutung des Grundsatzes der Öffentlichkeit verbietet einen Ausschluss dort, wo nicht überwiegende Gründe der staatlichen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung und Sittlichkeit oder schützenswerte Interessen Privater dies vordringlich gebieten (BGE 120 V 7 Erw. 3b, 119 V 380 Erw. 4b/bb, 119 Ia 104 Erw. 4a mit Hinweisen). bb) Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes ist die von Art. 6 Ziff. 1 EMRK garantierte Öffentlichkeit der Verhandlung - in Übereinstimmung mit der Praxis der Konventionsorgane - primär im erstinstanzlichen Rechtsmittelverfahren zu gewährleisten (BGE 122 V 54 Erw. 3, 120 V 7 Erw. 3 a in fine, 119 V 380 Erw. 4b/aa in fine). Die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung setzt im Sozialversicherungsprozess grundsätzlich einen - im erstinstanzlichen Verfahren zu stellenden - Parteiantrag voraus. Fehlt es an einem solchen, lässt sich in der Regel gegen ein ausschliesslich schriftliches Verfahren nichts einwenden, es sei denn, wesentliche öffentliche Interessen würden eine mündliche Verhandlung gebieten. Insbesondere in Verfahren, die nach der Praxis des betroffenen Kantons üblicherweise ausschliesslich in Schriftform durchgeführt werden, muss sich die Partei, die eine öffentliche Verhandlung wünscht, der Notwendigkeit eines entsprechenden Antrages bewusst sein, weshalb dessen Fehlen als Verzicht zu werten ist (BGE 122 V 55 Erw. 3a, 120 V 8 Erw. 3d, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 121 I 38 Erw. 5f und 41 Erw. 6a). Der Antrag auf öffentliche Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK muss klar und unmissverständlich gestellt werden. Verlangt eine Partei lediglich eine persönliche Anhörung oder Befragung, ein Parteiverhör, eine Zeugeneinvernahme oder einen Augenschein, liegt bloss ein Beweisantrag vor, aufgrund dessen noch nicht zu schliessen ist, es werde die Durchführung einer konventionskonformen Verhandlung mit Publikums- und Presseanwesenheit verlangt (BGE 125 V 38 Erw. 2, 122 V 55 Erw. 3a). b) Die Beschwerdeführerin hat im vorinstanzlichen Prozess keinen Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung gestellt. Dass sie das kantonale Beschwerdeverfahren noch selbst, ohne rechtskundige Vertreterin führte, ist unerheblich, umso mehr als ihr aufgrund des im Jahre 1995 vor demselben kantonalen Gericht durchgeführten Verfahrens bewusst sein musste, dass das Verwaltungsgericht des Kantons Zug sozialversicherungsrechtliche Prozesse normalerweise schriftlich abwickelt. Unter diesen Umständen verstösst es gegen den Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV), sich erst im letztinstanzlichen Verfahren auf das Öffentlichkeitsprinzip nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK zu berufen. Die Beschwerdeführerin hat daher ihren Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung verwirkt (BGE 121 I 41 Erw. 6a in fine). Soweit es ihr aber - wie sich aus der Begründung ihres diesbezüglichen Antrages in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ergibt - lediglich um eine persönliche Anhörung und nicht um Durchführung einer konventionskonformen Verhandlung geht, ist ihr Begehren abzuweisen, da, wie nachfolgend zu zeigen ist, der Sachverhalt hinreichend geklärt ist und von einer Anhörung keine neuen Erkenntnisse erwartet werden können.