Citation: 9C_15/2022 E. 6.2

6.2. Demnach gilt bei der Umschulung nach Art. 17 IVG, anders als beim Anspruch auf eine Invalidenrente (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG), keine absolute Erheblichkeitsgrenze. Der in diesem Zusammenhang verwendete Begriff "Richtwert" oder "Richtschnur" ist so zu verstehen, dass ein Leistungsanspruch grundsätzlich auch dann bejaht werden kann, wenn der Invaliditätsgrad geringfügig unter 20 % liegt (vgl. dazu: SVR 2021 IV Nr. 72 S. 240, 9C_623/2021 E. 4.1 [rund ein Prozentpunkt]; Urteil I 665/99 vom 18. Oktober 2000 E. 4b [anderthalb Prozentpunkte]). Mit anderen Worten ist in solchen Fällen nicht die reine Vermögenseinbusse massgeblich. Vielmehr hat anhand des konkreten Einzelfalles eine prognostische Abwägung zu erfolgen. Dabei ist zu beurteilen, ob ein Anspruch auf Umschulungsmassnahmen mittel- und langfristig insgesamt als verhältnismässig angesehen werden kann oder nicht. Denn angesichts eines nicht nennenswert unterschrittenen Schwellenwerts darf nicht zum Vornherein davon ausgegangen werden, es liege ein wirtschaftliches Ungleichgewicht zwischen den Eingliederungskosten und der Eingliederungswirksamkeit vor, sodass eine Umschulung zu Lasten der Invalidenversicherung keiner genaueren Prüfung bedarf. Vorliegend wird jedoch der Richtwert überaus deutlich, nämlich um rund 12 Prozentpunkte, unterschritten. Ob bereits deshalb ein Umschulungsanspruch zu verneinen ist, worauf die Beschwerdeführerin letztlich hinaus will, kann dahingestellt bleiben, wie sich aus dem Folgenden ergibt: