Citation: I 574/05 16.12.2005 E. 2

Es steht fest und ist aufgrund der Akten zu Recht unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im erlernten Beruf als Detailhandelsangestellte gesundheitlich bedingt eingeschränkt ist. Gemäss Bericht der Klinik X.________ vom 13. Mai 2003 besteht aufgrund der starken Schmerzen lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Im Bericht derselben Klinik vom 3. Juli 2003 wird mit Bezug auf andere zumutbare Tätigkeiten (mit häufigem Stellungswechsel vom Sitzen zum Stehen oder Laufen, ohne Heben von schwereren Lasten und ohne Arbeiten in vornübergeneigter Haltung über einen längeren Zeitraum oder über Kopfhöhe) eine anzustrebende hundertprozentige Arbeitsfähigkeit postuliert. Im «Protokoll per 13.09.2004» der IV-Stelle wurde unter dem Datum des 3. November 2003 u.a. festgehalten, die Versicherte sei von Seiten der Invalidenversicherung bereits vor Beginn der Lehre als Detailhandelsangestellte darauf hingewiesen worden, die Ausbildung sei ihrer Behinderung nicht angepasst. Bei dieser Sachlage kann nicht offen gelassen werden, ob die für den Umschulungsanspruch geforderte Erheblichkeitsschwelle (bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 %) erreicht ist. Die Begründung der Vorinstanz dazu überzeugt nicht: Einerseits bezeichnet sie das Tätigkeitsfeld einer Detailhandelsangestellten als weit; dazu gehörten auch sitzende (Büro-) Arbeiten. Anderseits bestünden die gleichen gesundheitlich bedingten Einschränkungen auch in einem kaufmännischen Beruf; eine Umschulung sei daher nicht zweckmässig. In diesem Zusammenhang wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu Recht vorgebracht, dass der Anspruch auf Umschulung umfassend und nicht bloss eingeschränkt auf den kaufmännischen Bereich oder sogar auf den Beruf einer kaufmännischen Angestellten zu prüfen ist. Dies gilt namentlich mit Blick auf die lange Arbeitsdauer (Art. 8 Abs. 1 letzter Satz IVG), welcher Gesichtspunkt auch von Bedeutung ist für die Frage der annähernden Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit im angestammten Bereich und in einer neuen Tätigkeit nach der Umschulung (BGE 124 V 108). Abgesehen davon zeigte die Versicherte Interesse für verschiedene Berufe, u.a. Dentalassistentin, Schalterbedienstete und kaufmännische Angestellte. Schliesslich kann, entgegen kantonalem Gericht und IV-Stelle, nicht ohne weiteres gesagt werden, die gesundheitlichen Beeinträchtigungen wirkten sich erwerblich in einem kaufmännischen Beruf gleich aus wie in den als Detailhandelsangestellte in Betracht fallenden Tätigkeiten. Der Sachverhalt ist somit nicht hinreichend abgeklärt. Es betrifft dies vorab die Frage, ob die für den Umschulungsanspruch geforderte bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % besteht. Sodann ist unklar, welche erwerblichen Tätigkeiten der Versicherten trotz ihrer gesundheitlichen Defizite zumutbar sind. In diesem Zusammenhang kann aufgrund der Akten nicht gesagt werden, ob die Beschwerdeführerin als Detailhandelsangestellte im Modebereich unter Berücksichtigung ihres Gesundheitsschadens - bei prognostischer Beurteilung im Zeitpunkt der Anmeldung oder des Beginns einer beruflichen Massnahme (vgl. BGE 124 V 111 unten, 98 V 34 f. Erw. 2) - genügend eingegliedert ist. Die IV-Stelle wird dazu weitere Abklärungen vorzunehmen haben. Im Rahmen dieser Rückweisung wird die Verwaltung auch zu prüfen haben, ob allenfalls Anspruch auf Massnahmen beruflicher Art nach Art. 16 Abs. 2 IVG besteht. Danach wird die IV-Stelle neu verfügen.