Citation: 6B_419/2023 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 25. April 1997 in der Schweiz geboren und in Biel aufgewachsen sei. Er sei im Besitz einer bis zum 14. Juni 2025 gültigen Niederlassungsbewilligung C. Er habe sein ganzes Leben, mithin die prägenden Jahre seiner Kinder- und Jugendzeit und darüber hinaus auch sein bisheriges Erwachsenenleben, in der Schweiz verbracht. In der Schulzeit habe der Beschwerdeführer ein auffälliges Verhalten an den Tag gelegt, als er in der 7. Klasse aufgrund schlechten Benehmens in ein dreimonatiges "Timeout" geschickt worden sei. Es handle sich dabei um eine "ultima ratio". Weiter habe er die 4. Klasse wiederholen müssen und habe gemäss eigenen Aussagen auch wiederholt den Unterricht geschwänzt. Nach der obligatorischen Schulzeit Anfang Juli 2013 habe er keine Ausbildung absolviert und sei bis zum September 2018 mehrheitlich arbeitslos gewesen. In dieser Zeit sei er von der Abteilung Soziales der Stadt Biel finanziell unterstützt worden. Seinen Angaben zufolge habe er "gechillt" und "gefaulenzt", bis er mit seiner damaligen Freundin zusammenkommen sei. Mit deren Hilfe habe er eine Arbeitsstelle bei C.________ gefunden, wo er ab September 2018 für rund eineinhalb Jahre angestellt gewesen sei. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von durchschnittlich rund 12 bis 23 Stunden habe er pro Monat demnach zwischen Fr. 1'000.-- und Fr. 2'000.-- verdient. Ab März 2020 bis zur Anlasstat am 15. August 2020 habe er Arbeitslosentaggeld bezogen. Den von seiner Schwester organisierten Arbeitsvertrag mit der D.________ SARL (E.________ AG) mit Arbeitsbeginn am 16. Januar 2023 werde er aufgrund der laufenden Haftstrafe nicht antreten können. Er habe Schulden und sei finanziell stets von seiner Mutter abhängig gewesen, die ihn auch derzeit bei der Bezahlung der Krankenkassenprämien unterstütze. Er spreche und verstehe Schweizerdeutsch. Daneben spreche er gemäss eigenen Angaben Englisch und Albanisch und habe im Gefängnis zusätzlich Französisch gelernt. Er sei mithin mehrfach und wegen Gewaltanwendungen gegen Personen einschlägig vorbestraft und habe sich in keiner Art und Weise bewährt. Gestützt auf das forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. Hiersemenzel vom 4. November 2021 stellt die Vorinstanz fest, im Bereich der Affektivität gebe es deutliche Hinweise auf Probleme in der Stimmungsregulation des Beschwerdeführers. Erkennbar liege hier auch eine der Ursachen für seine erhöhte Affinität zum Konsum psychotroper Substanzen. Insbesondere zeige er Probleme in der Wutregulation. In Konflikt- und Frustrationssituationen neige er zu grosser Wut und habe sich nicht gut unter Kontrolle. In der Vergangenheit habe er aggressive Verhaltensweisen auch bejaht und entsprechend gehandelt (z.B. abgesprochenes Raubdelikt, sich fotografieren mit Waffen). Die gezeigten Auffälligkeiten würden jedoch nicht einer schweren psychischen Störung, wie einer Persönlichkeitsstörung, sondern einer Persönlichkeitsakzentuierung mit erhöht aggressionsbereiten (dissozialen) und emotional instabilen Anteilen entsprechen. Er zeige sich wenig gewillt oder in der Lage, sich vertieft selbstkritisch mit seiner Stimmungsinstabilität und seiner Aggressionsbereitschaft auseinanderzusetzen. Das Rückfallrisiko für Gewaltdelikte sei deswegen in einem hohen Bereich anzusiedeln. Zudem zeige sich ein erhöhtes Risiko für erneute Eigentumsdelinquenz sowie ein deutlich erhöhtes Risiko für Drogendeliquenz, insbesondere mit Blick auf Besitz und Konsum verbotener psychotroper Substanzen. Seine Eltern seien aufgrund des Krieges aus dem Kosovo in die Schweiz eingereist und hätten sich im Jahr 2010 getrennt. Er sei gemeinsam mit seiner Schwester bei seiner Mutter in Biel aufgewachsen. Sein Vater sei im Jahr 2012 wegen eines schweren Delikts ausgewiesen worden und lebe zurzeit in Deutschland. Zurzeit habe er wieder telefonischen Kontakt zu seinem Vater, durch den er gemäss eigenen Aussagen im Kindesalter Gewalt erfahren habe. Er sei weder verheiratet noch habe er eigene Kinder und habe vor der Verhaftung in einer eigenen Wohnung gelebt. Die Vorinstanz äussert ihre Zweifel, ob die Beziehung zu seiner Verlobten von Konstanz geprägt sein werde, nachdem er nach eigenen Angaben im April 2022 noch mit seiner Ex-Partnerin eine Familie gründen habe wollen und diese Beziehung offenbar auch noch im Juli 2022 Bestand gehabt habe. Der Beschwerdeführer verfüge dank der Hilfe seiner Familie und seines Umfelds sowohl über einen Mietvertrag für eine Wohnung in Pristina (monatlicher Mietzins von EUR 300.--) als auch über einen Arbeitsvertrag als Telefonleitungsmanager/Telefonverkäufer mit einem monatlichen Grundgehalt von EUR 400.--, mit Provision von EUR 1'000.--. Ferner werde ihn seine Freundin in den Kosovo begleiten. Eine dauerhafte Gefahr an Leib und Leben des Beschwerdeführers aufgrund der Blutrache ("Kanun") verneint die Vorinstanz. Sie weist darauf hin, dass diejenigen Personen, die ihn während seiner Ferien im Kosovo tätlich angegriffen haben sollen, ebenfalls in der Schweiz wohnhaft seien und die Blutrache sich primär gegen den in Deutschland wohnenden Vater richten dürfte. Die Vorinstanz kommt damit zum Schluss, es liege kein Härtefall vor. Sie erwägt im Sinne einer Eventualbegründung dennoch, dass selbst bei knapper Bejahung eines Härtefalls die Interessenabwägung zuungunsten des Beschwerdeführers ausfallen würde. Die Vorinstanz stellt dabei das gewichtige Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz seinen zahlreichen Vorstrafen, der verwerflichen Anlasstat, seinen schlechten finanziellen Verhältnissen und seiner mangelnden beruflichen Integration gegenüber.