Citation: 8C_85/2015 E. 4.3

4.3. Das kantonale Gericht setzt sich im angefochtenen Entscheid mit dem bereits vorinstanzlich erhobenen Einwand des Versicherten gegen die Höhe des Valideneinkommens eingehend auseinander. Es unterzieht das Einkommen und die bis zum Unfallereignis ausgeübten Erwerbstätigkeiten einer umfassenden Analyse und weist namentlich darauf hin, dass der Beschwerdeführer bis im Frühjahr 2001 ein Vollpensum als Oberarzt oder in leitender Funktion an einem Spital ausgeübt und entsprechend für ein Vollpensum entlöhnt worden war. Das Einkommen habe sich dabei im Laufe der Jahre kontinuierlich erhöht. Erst im Unfalljahr sei ein sprunghafter Anstieg des Einkommens um ungefähr 50 % erfolgt, weil der Versicherte in jenem Jahr in verschiedenen Kliniken in verschiedenen Regionen der Schweiz unterschiedliche Teilerwerbstätigkeiten in einem Gesamtpensum von weit über 100 % ausgeübt habe. So sei er unter anderem in der Klinik E.________, tätig gewesen, wo offenbar ein flexibles Pensum zwischen 50 und 100 % vereinbart worden sei. Daneben habe er in vier weiteren Kliniken jeweils tageweise gearbeitet, was dazu geführt habe, dass er bis zu 30 Tage im Monat im Einsatz gewesen sei. Gegenüber den medizinischen Gutachtern habe er denn auch festgehalten, dass er teilweise "24 Stunden täglich an 365 Tagen" in Bereitschaft gewesen sei. Es ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass der Versicherte diese Mehrfachbeschäftigungen weit über ein Vollpensum hinaus nicht über längere Zeit hätte aufrecht erhalten können, nicht zuletzt, weil er bei seiner Tätigkeit als Anästhesist eine grosse Verantwortung zu tragen hat, welche er in völlig übermüdetem Zustand gar nicht mehr zuverlässig wahrnehmen könnte. Daher kann das im Jahr 2002 erzielte Einkommen für die Bemessung des Valideneinkommens nicht allein massgebend sein. Die Durchschnittsberechnung der Beschwerdegegnerin anhand der Verdienste in den Jahren 1997 bis 2002 ist nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer übersieht nämlich, dass die überdurchschnittlichen Löhne der Jahre 2001 (bereits im Laufe dieses Jahres war er zeitweise für drei Kliniken gleichzeitig im Einsatz und erzielte dadurch eine überproportionale Lohnsteigerung) und 2002 in dieser Berechnung vollumfänglich Berücksichtigung fanden. Damit wird das Valideneinkommen nicht einfach auf der Grundlage einer Vollzeitbeschäftigung als Spitalarzt festgelegt und der Teuerung angepasst, sondern es wird gleichzeitig auch dem Umstand Rechnung getragen, dass der Versicherte, wie er sich selber beschreibt, als "extrem fleissiger" und "dynamisch-unternehmerischer Typus" ohne Unfall im Vergleich zu anderen Spitalärzten (welche die durchschnittlichen Arbeitszeiten der Gesamtheit der Erwerbstätigen in der Schweiz ebenfalls schon massiv überschreiten) ein extensives Arbeitspensum beibehalten hätte. Entgegen seiner Ansicht kann angesichts der bereits sehr lukrativen Entlöhnung im Jahr 2002 nicht davon ausgegangen werden, dass er dieses Lohnniveau auch längerfristig hätte sichern können, indem er den Beschäftigungsgrad reduziert und sich auf Tätigkeiten in weniger Spitälern mit höheren Verdienstansätzen konzentriert hätte. Der Versicherte kann zudem keine Anhaltspunkte nennen, welche im Zeitpunkt des Unfallereignisses konkret darauf hingewiesen hätten, dass er sich ohne unfallbedingte Einschränkungen als Anästhesist selbstständig gemacht hätte. Wie er im Übrigen selber ausführt, stand dem damals auch der Umstand entgegen, dass er seine medizinischen Studien in Kroatien absolviert hatte und vor seiner Einbürgerung im Jahr 2008 gar keine entsprechende Berufsausübungsbewilligung in der Schweiz hätte beantragen können. Vom Unfallzeitpunkt her betrachtet ist damit eine Karriere als Spitalarzt mit 100 % übersteigendem Pensum als überwiegend wahrscheinlich zu werten. Das von Verwaltung und Vorinstanz errechnete Valideneinkommen von Fr. 253'011.- entspricht einer solchen Beschäftigung, nachdem Spitalärzte in leitender Funktion ohne Zusatzeinkommen im Jahr 2011 einen durchschnittlichen Jahresverdienst von lediglich Fr. 201'530.- erzielten. Der Einwand des Beschwerdeführers, die Vorinstanz könne den massgebenden Lohn auch gleich "würfeln", wenn sie sinngemäss zum Schluss komme, das von der Beschwerdegegnerin ermittelte Valideneinkommen liege nicht weit weg vom Durchschnittslohn in seiner ehemaligen Beschäftigung in einem Vollpensum in der Klinik F.________, oder von Fachärzten Anästhesie in freier Praxistätigkeit sowie von Spitalärzten mit leitender Funktion, führt ins Leere. Das kantonale Gericht geht klar davon aus, dass der Versicherte ohne unfallbedingte Einschränkungen überwiegend wahrscheinlich als Spitalarzt tätig geblieben wäre und bestätigt das für diese Funktion von der Beschwerdegegnerin errechnete Valideneinkommen. Die von der Vorinstanz diskutierten Löhne als Anästhesist in verschiedenen Funktionen dienen lediglich der Überprüfung der Angemessenheit des im Einspracheentscheid ermittelten Valideneinkommens, ohne dass sie damit die überwiegende Wahrscheinlichkeit einer Berufskarriere als Spitalarzt in Frage stellen würde. An der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einer Karriere als Spitalarzt ändert nichts, dass sich der Beschwerdeführer nach Erlangung des Schweizer Bürgerrechts als Leiter der von ihm gegründeten Klinik im Jahr 2008 in eine "Quasi-Selbstständigkeit" begeben hatte und in dieser Funktion nur noch einen Bruchteil des Lohnes eines Spitalarztes verdiente.