Citation: 2C_1050/2016 E. 6.5

6.5. Schliesslich kann auch nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer habe sich hier "tadellos" verhalten: Es ist richtig, dass das Bundesgericht in neueren Entscheiden teilweise davon spricht, dass diesem Kriterium keine eigenständige Bedeutung zukomme (BGE 140 I 145 E. 4.3) und allfällige strafrechtliche Urteile von einer gewissen Relevanz vorliegen müssen, um das öffentliche Interesse dem privaten vorgehen zu lassen, die persönliche Beziehung mit dem hier gefestigt anwesenheitsberechtigten Kind im Land selber leben zu können. Die Praxis, in Bezug auf das Kriterium des tadellosen Verhaltens gewisse "untergeordnete" Vorkommnisse in einer Gesamtbetrachtung etwas weniger stark zu gewichten, kommt indessen nur in spezifischen Fällen bzw. bei besonderen Umständen zur Anwendung; diese müssen es ausnahmsweise rechtfertigen, allfällige (untergeordnete) Verstösse gegen die öffentliche Ordnung (bspw. nicht ins Gewicht fallende ausländer- oder ordnungsrechtliche Delinquenz; kurzer, unverschuldeter Sozialhilfebezug) nicht notwendigerweise so stark zu gewichten, dass sie zum Vornherein die anderen Kriterien (Grad der tatsächlichen affektiven und wirtschaftlichen Intensität der Beziehung zum Kind, zivilrechtliche Regelung der familiären Verhältnisse, Dauer der Beziehung und des Aufenthalts, Grad der Integration aller Beteiligten usw.) aufzuwiegen vermögen (vgl. das Urteil 2C_728/2014 vom 3. Juni 2015 E. 4.1 mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer zwar nie schwer straffällig, doch erstreckte sich seine Delinquenz über mehrere Jahre hinweg, wobei er (teilweise) Sachbeschädigungen zu Lasten seiner (damaligen) Ehegattin beging und diese auch bedrohte. Er wurde wegen gemeinrechtlicher Delikte verurteilt und nicht wegen ausländer- oder ordnungsrechtlicher (untergeordneter) Vorkommnissen. Trotz der fremdenpolizeilichen Verwarnung ist er im November 2015 erneut straffällig geworden: Er gab am 22. Oktober 2014 wissentlich und willentlich dem Betreibungsbeamten gegenüber an, dass er arbeitslos sei, obwohl er in dieser Zeit einer Arbeit nachging. Seine strafrechtlichen Verurteilungen mögen je einzeln von geringer Bedeutung gewesen sein und teilweise schon eine gewisse Zeit zurückliegen; es fällt indessen ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer sich trotz seines langjährigen Aufenthalts wiederholt nicht an die hiesige Rechtsordnung gehalten hat und trotz einer Verwarnung auch jüngst wieder straffällig geworden ist. Bei einer Gesamtsicht kann sein Verhalten nicht mehr als "tadellos" im Sinne der - ausnahmsweise - etwas grosszügigeren, neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung in speziellen Situationen gelten (vgl. BGE 139 I 315 E. 2.4 u. 2.5 gegenüber BGE 140 I 145 E. 3 u. 4).