Citation: 4A_623/2017 E. 4.2

4.2. Es ist zutreffend, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich ihren individuellen, direkten Schaden einklagen kann: Wenn der durch die Organe verursachte Schaden nicht im Vermögen der Gesellschaft, sondern unmittelbar und einzig im Vermögen der Aktionäre oder Gesellschaftsgläubiger eingetreten ist, können diese direkt gegenüber den verantwortlichen Organen die Leistung von Schadenersatz einklagen. Diese Klagemöglichkeit ist keiner Beschränkung unterworfen, solange kein Konkurs über die Gesellschaft eröffnet ist. Das Gleiche gilt grundsätzlich auch nach der Eröffnung des Konkurses, wenn ausschliesslich Aktionäre bzw. Gesellschaftsgläubiger geschädigt worden sind (BGE 142 III 23 E. 4.2.2 S. 31 f. und E. 4.3 S. 33; 132 III 564 E. 3.2.1 S. 596; 131 III 306 E. 3.1.2). Hierfür hat die Beschwerdeführerin aber die Haftungsvoraussetzungen substanziiert zu behaupten und beweisen, also vorab ihren individuellen, direkten Schaden (vgl. dazu: Urteil 4C.292/2003 vom 25. Mai 2004 E. 4), die widerrechtliche Handlung und den Kausalzusammenhang. Die Vorinstanz prüfte, ob die Voraussetzungen für eine individuelle Gläubigerklage gegeben sind, welche die Beschwerdeführerin vor erster Instanz auf Art. 41 OR i.V.m. Art. 164 und Art. 167 StGB stützte. Sie verneinte dies. Die Vorinstanz kam gestützt auf BGE 141 III 527 zum Schluss, dass die Konkurs- und Betreibungsdelikte von Art. 163 ff. StGB keine Schutznormen im Sinne von Art. 41 OR seien. Im Lichte dieser Rechtsprechung sei der Forderung, welche die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 41 OR geltend machen wolle, die Grundlage entzogen. Im Übrigen habe die Beschwerdeführerin nicht substanziiert oder gar bewiesen, inwiefern die behaupteten Pflichtverletzungen des Beschwerdegegners widerrechtlich gewesen seien und bei der Beschwerdeführerin unmittelbar zu einem Schaden geführt haben sollen.