Citation: U 241/99 14.04.2000 E. 2

2.- a) Der Beschwerdeführer war, abgesehen von einem gescheiterten teilzeitlichen Arbeitsversuch im Frühjahr 1996, seit dem Unfall vom 2. Juli 1995 nicht mehr erwerbstätig. Mit Blick auf die medizinischen Akten, insbesondere die Berichte der Dres. med. S.________ und W.________, Rehaklinik (vom 18. März 1997) und des Prof. Dr. med. V.________ (vom 10. September 1997) ist erstellt, dass der Versicherte über zwei Jahre nach dem Unfallereignis unter Restbeschwerden mit Schmerzen im rechten Knie litt, welche die angestammte Arbeit, namentlich die damit verbundene Tätigkeit als Chauffeur, im Zeitpunkt des strittigen Einspracheentscheides (vom 5. Dezember 1997) voraussichtlich dauernd als unzumutbar erscheinen liessen. Hingegen war ihm auf Grund der Stellungnahmen der genannten Ärzte zur Arbeitsfähigkeit eine leidensangepasste, in wechselnder, vorwiegend sitzender Position ausgeübte mittelschwere Tätigkeit ganztags möglich. Davon abzuweichen besteht nach den Akten entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kein Anlass. Der Einwand der fehlenden Verwertbarkeit der festgestellten Restarbeitsfähigkeit schliesslich ist unbegründet, da die dem Beschwerdeführer zumutbaren Tätigkeiten einerseits Gegenstand von Angebot und Nachfrage auf dem ihm offen stehenden, ausgeglichenen Arbeitsmarkt sind (vgl. BGE 110 V 276 Erw. 4b; ZAK 1991 S. 320 Erw. 3b) und der Versicherte anderseits in deren Ausübung nicht derart eingeschränkt ist, dass der allgemeine Arbeitsmarkt die entsprechenden Stellen praktisch nicht kennt oder eine Beschäftigung nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines Arbeitgebers möglich wäre (nicht veröffentlichtes Urteil P. vom 9. November 1987, I 289/87). b) Die Rechtsprechung leitet die Pflicht des Versicherten zur beruflichen Neueingliederung vom Gebot der Schadenminderung ab (BGE 114 V 281 Erw. 3a mit Hinweis); der Versicherte soll alles Zumutbare unternehmen, um die erwerblichen Folgen seines Gesundheitsschadens bestmöglich zu mildern; denn die Sozialversicherung soll nicht Schäden ausgleichen müssen, welche die versicherte Person durch geeignete Vorkehren vermeiden oder beheben könnte. Die durch die Schadenminderung gebotene zumutbare Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in einem anderen als dem angestammten Tätigkeitsbereich bildet die Ausnahme von der Regel, wonach auf die tatsächliche Einschränkung im zuletzt ausgeübten Beruf abgestellt wird. Sie setzt voraus, dass der Versicherte in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit voraussichtlich dauernd beeinträchtigt ist und nicht bloss ein labiles Geschehen während einer zeitlich beschränkten Dauer vorliegt, wie das Eidgenössische Versicherungsgericht im nicht publizierten Entscheid S. vom 4. November 1999, U 104/99, entschied, wo die versicherte Person innert sechs Monaten für jegliche Tätigkeit wieder uneingeschränkt arbeitsfähig war. In zeitlicher Hinsicht ist sodann davon auszugehen, dass - wie vorliegend - über einen gewissen Zeitraum Taggelder auf Grund der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgerichtet werden. Sind die sachlichen Voraussetzungen für ein Abstellen auf die Restarbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit gegeben und hat dies eine Herabsetzung (oder Ablehnung) des Taggeldanspruchs zur Folge, ist der versicherten Person regelmässig eine Anpassungszeit zu gewähren, um sich auf die neue Situation einzustellen (durch Suchen einer Stelle etc.). In der Praxis wurden Zeiten von drei bis fünf Monaten als angemessen betrachtet (BGE 111 V 235 Erw. 2a mit Hinweisen). c) Vorliegend hat die Waadt mit Verfügung vom 25. September 1997, bestätigt durch Einspracheentscheid vom 5. Dezember 1997, gestützt auf die Stellungnahme des Prof. Dr. med. V.________ (vom 10. September 1997) für die Beurteilung des Taggeldanspruchs neu auf die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweisungstätigkeit abgestellt. Mit Blick darauf, dass der Versicherte erklärte, es sei ihm aus fremdenrechtlichen Gründen nicht möglich, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, ist es im Ergebnis nicht zu beanstanden, wenn die Unfallversicherung keine Anpassungsfrist einräumte, wobei die Folgen dadurch gemildert wurden, dass die Herabsetzung und die daran anschliessende Einstellung der Taggeldleistungen abgestuft erfolgt sind.