Citation: U 416/06 30.10.2007 E. 5

5.1 Gemäss Familienanamnese bezieht der Vater des Beschwerdeführers wegen Asthma seit 1996 eine Rente der Invalidenversicherung. Nach unbestrittener Einschätzung des Dr. med. R.________, Arbeitsmediziner der SUVA, leidet der Versicherte an einer chronisch rezidivierenden Rhinosinusitis, welche mit einer schwer behinderten Nasenatmung und einer schweren Geruchssinnstörung einhergeht bei zusätzlich bestehenden Nasenpolypen, wobei die eigentliche Ursache dieser Erkrankung letztlich unklar ist. Dr. med. R.________ hielt jedoch ebenso deutlich fest, dass sich auf diese - teils vorbestehende - Erkrankung "wiederholte und richtungsweisende akute Schübe" aufgepfropft haben, welche "in überwiegendem Masse durch inhalative Belastungen von Seiten des Arbeitsplatzes als Maler verursacht worden sind". Weiter führte Dr. med. R.________ in seinem Bericht vom 9. Januar 2004 (S. 5) aus, die durch diese vorbestehende "Pathologie erheblich behinderte Nasenatmung [sei] durch ungünstige berufliche Einflüsse [...] zusätzlich und richtungsweisend verschlimmert" worden. 5.2 Aktenkundig fehlen Anhaltspunkte dafür, dass der Versicherte vor Antritt der Malerlehre an einer Geruchssinnstörung litt, was zu Recht von keiner Seite geltend gemacht wird. Die Anosmie trat nach den medizinischen Unterlagen vielmehr erst im Laufe der berufsbedingten Exposition als Maler (-Lehrling) gegenüber den in der Nichteignungsverfügung genannten Substanzen auf. Diese sind im Wesentlichen auf der Liste der schädigenden Stoffe im Anhang 1 UVV aufgeführt. Dass die Aussage des Dr. med. R.________ betreffend Eintritt einer "richtungsweisenden" Verschlimmerung durch berufsbedingte Inhalation der Stäube und Dämpfe (insbesondere mit Blick auf die Listenstoffe gemäss Nichteignungsverfügung) nur im Sinne einer Verschlimmerung "in Richtung Rhinosinusitis" zu verstehen sei, wie die SUVA im vorinstanzlichen Verfahren mit Beschwerdeantwort ausführte, findet in den Akten keine nachvollziehbare Grundlage. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer auch nach Aufgabe seines erlernten Berufes als Maler unter der darüber hinaus anhaltenden Geruchssinnstörung leidet, spricht entgegen der von der SUVA vertretenen Auffassung nicht gegen einen Kausalzusammenhang mit der früheren berufsbedingten Exposition gegenüber den Listenstoffen, soweit nach arbeitsmedizinischer Beurteilung die berufsbedingte Inhalation dieser Stäube und Dämpfe zu einer richtungsweisenden Verschlimmerung der vorbestehenden Nasenschleimhauterkrankung geführt hat. 5.3 Zudem steht nach abschliessender Aussage des Dr. med. G.________ in dessen Beurteilung vom 3. November 2004 fest, "dass die Geruchssinnstörung bei Polyposis nasi je nach therapeutischem Vorgehen variabel sein kann und das Postulat eines stabilen Endzustandes in keiner Weise vorliegt." Lag kein stabiler Endzustand vor und war ungewiss, ob die Anosmie durch geeignete und zumutbare Behandlungsmassnahmen noch heilbar sei, erfolgte die Beurteilung eines (allfälligen) Integritätsschadens durch Dr. med. G.________ am 3. November 2004 zu früh, weil erst nach Abschluss der ärztlichen Behandlung (Art. 24 Abs. 2 UVG) zuverlässig beurteilbar ist, ob ein dauernder - voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang bestehender - Integritätsschaden eingetreten ist (vgl. Thomas Frei, Die Integritätsentschädigung nach Art. 24 und 25 nach dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1997, S. 62 f.). Die Sache ist deshalb zur erneuten medizinischen Beurteilung des Integritätsschadens an die SUVA zurückzuweisen. Dabei wird aus fachärztlicher Sicht - nach Einholung eines aktuellen Berichtes des behandelnden Arztes zu den zwischenzeitlich durchgeführten therapeutischen Massnahmen - vorweg die Frage zu beantworten sein, ob nun von einem stabilen Endzustand auszugehen ist. 5.4 Wie der Beschwerdeführer zu Recht rügt, haben weder die SUVA noch das kantonale Gericht berücksichtigt, dass nach BGE 117 V 354 (vgl. RKUV 2006 Nr. U 578 S. 174 E. 3.2 in fine [U 245/05] mit Hinweisen) die Verschlimmerung einer vorbestandenen Krankheit durch Listenstoffe/Listenarbeiten (Art. 9 Abs. 1 UVG) oder durch die berufliche Tätigkeit (Art. 9 Abs. 2 UVG; Generalklausel) der dadurch bewirkten Verursachung gleichgestellt ist. Den medizinischen Unterlagen lassen sich diesbezüglich keine schlüssigen und nachvollziehbaren Angaben entnehmen. Die SUVA wird die genannte Rechtsprechung bei den erneuten Abklärungen zu beachten haben. Ist ein stabiler Endzustand feststellbar (vgl. hievor E. 5.3 in fine), bleibt aus medizinischer Sicht die Frage zu beantworten, ob die vorbestehende Nasenschleimhauterkrankung mit Polyposis nasi unter Berücksichtigung der richtungsweisenden Verschlimmerung durch die berufsbedingte Exposition gegenüber den Listenstoffen gemäss Nichteignungsverfügung vom 19. Januar 2004 während der Ausübung der Malertätigkeit mindestens "vorwiegend" im Sinne von Erwägung Ziffer 2 hievor den Eintritt (und gegebenenfalls dauerhaften Verbleib) der Anosmie verursacht haben. Gestützt auf die im Sinne der Erwägungen ergänzte medizinische Aktenlage wird die SUVA hernach über den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung neu verfügen.