Citation: 5P.445/2002 23.12.2002 E. 2

Das Obergericht geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin die beiden Kinder unter Verletzung des ihr und dem Beschwerdegegner gemeinsam zustehenden Sorgerechts und in Widerhandlung zu einem richterlichen Befehl vom 16. Juni 2000 - und damit widerrechtlich im Sinne von Art. 1 lit. a HEntfÜ - von Australien in die Schweiz verbracht habe. Sodann setzt es sich eingehend mit dem Verweigerungsgrund von Art. 13 Abs. 1 lit. b HEntfÜ auseinander, wonach keine Rückführungsverpflichtung besteht, wenn die Rückgabe mit der schwerwiegenden Gefahr eines körperlichen oder seelischen Schadens für das Kind verbunden ist oder das Kind auf andere Weise in eine unzumutbare Lage bringt. Die kantonale Beschwerdeinstanz weist darauf hin, dass vor dem zuständigen Familiengericht in Australien das Verfahren, in welchem die seit 22. April 2000 getrennt lebenden Parteien beide die Zuweisung der Obhut über die Kinder beantragt hätten, noch hängig sei. In einem Zwischenentscheid vom 1. Juli 2002 sei die australische Familienrichterin zum Schluss gelangt, der gegenüber dem Beschwerdegegner erhobene Vorwurf, die Tochter sexuell missbraucht zu haben, habe sich nicht erhärten lassen. Für eine abweichende Beurteilung durch den Rückführungsrichter bestehe kein Raum. Daran ändere nichts, dass die Psychologin, die T.________ betreue, bei einem Telefongespräch mit der Gerichtspräsidentin 4 von Baden einen sexuellen Missbrauch auf Grund der Angstbekundungen und des sexualisierten Verhaltens des Mädchens als möglich bezeichnet habe. Die bei der genannten Fachperson bloss telefonisch eingeholte Einschätzung habe aus formeller Sicht ohnehin keine Beweiskraft. Für das Einholen einer Sachverständigenmeinung habe in Anbetracht des in Australien hängigen Verfahrens vor dem Familiengericht zudem kein Anlass bestanden. Ebenso wenig bedürften die Folgen einer allfälligen Trennung von Mutter und Kind der Klärung durch eine Fachperson, gehe es doch nicht an, dass der entführende Elternteil durch die Ablehnung einer Rückkehr in den bisherigen Aufenthaltsstaat den Ausnahmetatbestand von Art. 13 Abs. 1 lit. b HEntfÜ erzwinge. Andere einer Rückführung der Kinder entgegenstehende Gründe würden nicht geltend gemacht. Abschliessend weist das Obergericht auf Art. 12 Abs. 1 HEntfÜ hin, wonach bei einem innert Jahresfrist gestellten Gesuch die Rückführung - unter Vorbehalt der Verweigerungsgründe von Art. 13 - ohne weiteres anzuordnen sei.