Citation: 8C_174/2022 E. 4.1

4.1. Nicht stichhaltig ist die Rüge der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und ihrer Begründungspflicht (als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV: vgl. BGE 142 III 433 E. 4.3.2) den Zusammenhang zwischen den bereits im Juni 2013 geltend gemachten Beschwerden (rasche Ermüdbarkeit sowie Schlafstörungen infolge der Schmerzen) und der Pensumsreduktion ignoriert. Die Vorinstanz legte in ihrem Urteil dar, weshalb keine Dokumente vorliegen, die hinreichend schlüssig auf eine gesundheitsbedingte Reduktion des Arbeitspensums seit Juni 2013 schliessen lassen. Sie verwies auf die eingereichten Lohnabrechnungen, woraus zwar hervorgehe, dass die Beschwerdeführerin in den Zeiträumen von Oktober 2010 bis April 2011, März bis August 2013 sowie Juni bis Oktober 2014 Krankentaggelder in unterschiedlicher Höhe bezogen habe. Der medizinische Hintergrund hierfür sei jedoch nicht ersichtlich, wobei die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung im ZMB angegeben habe, im Jahr 2010 wegen einer Überforderungssituation im Zusammenhang mit der Arbeit und einer Weiterbildung für längere Zeit krank geschrieben worden zu sein. Überdies stellte die Vorinstanz fest, es treffe zu, dass die betreuende Neurologin, dipl. Ärztin C.________, in ihrem Schreiben vom 12. April 2021 das reduzierte Arbeitspensum von 80 % als medizinisch begründet angesehen und bestätigt habe, dass die Beschwerdeführerin bereits bei initialer Vorstellung unter dem chronischen Schmerzsyndrom im Rücken und im linken Fuss gelitten habe. Die Vorinstanz wies diesbezüglich aber zu Recht darauf hin, dass die Neurologin die Beschwerdeführerin erst seit Juli 2017 betreue und kein echtzeitlicher Arztbericht diese (nicht näher begründete) Einschätzung stütze. Wenn die Vorinstanz hierauf nicht abstellte, verletzt sie daher keine bundesrechtlichen Beweiswürdigungsregeln. Dies gilt umso mehr, als die Neurologin gemäss Bericht vom 10. August 2017 erstmals wegen dannzumal seit rund einem Jahr bestehenden Kopfschmerzen aufgesucht wurde und angab, die chronischen Rückenschmerzen bestünden seit dem selbstverursachten Sturz aus dem Fenster mit dem erlittenen Polytrauma vor ca. 20 Jahren. Erst im Rahmen der nachfolgend diagnostizierten schubförmigen MS hielt die dipl. Ärztin im Bericht vom 22. September 2017 fest, bis zum 13. September 2017 habe sich die Beschwerdeführerin in stationärer Abklärung/Therapie bezüglich der MS in der Klinik D.________ aufgehalten. Nach der Entlassung habe sie über vermehrte Schmerzen in verschiedenen Gelenken und aktuell Schmerzen im Bereich der Nackenmuskulatur geklagt. Dadurch könne sie nicht schlafen. Ausserdem fühle sie sich sehr müde und erschöpft. Die Ärztin wies mit Blick auf den neurologischen Befund auf die neu sehr verspannte Nackenmuskulatur hin. Im Bericht vom 30. Oktober 2017 stellte sie wiederum Muskelverspannungen und Schmerzen im Nacken-/Schulterbereich und eine ausgeprägte Fatigue-Problematik fest. Wie die Vorinstanz festhielt,ergab der im ZMB-Gutachten erhobene somatisch-neurologische Status mit einem EDSS von 2,0 keine relevanten funktionellen Einschränkungen. Solche ergaben sich aber durch die im Rahmen der MS gutachterlicherseits plausibel erklärbare Fatigue und bis zu einem gewissen Grad auch durch die Schmerzproblematik. Die Schmerzen im Nacken-/Schulterbereich beurteilten die Gutachter als schwerpunktmässig neuropathisch bedingt, passend zu den Herden im Bereich der Hinterstränge auf der Höhe HWK3 beidseits gemäss MRI. Die Experten führten demnach die Fatigue und die Schmerzen auf die MS zurück und bezeichneten sie als Folgen dieser Erkrankung, was im Einklang steht mit dem soeben skizzierten zeitlichen Verlauf der in den Berichten von dipl. Ärztin C.________ aufgeführten Beschwerden. Die Müdigkeit wurde von den Gutachtern als Hauptursache für die Arbeitsunfähigkeit angesehen, wie die Vorinstanz feststellte. Die Beschwerdeführerin bestreitet die vorinstanzliche Feststellung nicht, sie könne sich zur Untermauerung ihres Standpunkts auf keinerlei echtzeitliche Arztberichte stützen. Wie soeben dargelegt, lassen auch die übrigen Berichte den vorinstanzlichen Schluss, es lasse sich keine relevante somatische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor der Erstmanifestation der MS begründen, weshalb eine 100%ige Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle nicht überwiegend wahrscheinlich sei, weder als willkürlich noch anderweitig bundesrechtswidrig erscheinen. Die Festlegung des Status beruhte, anders als die Beschwerdeführerin anzunehmen scheint, auf einer Gesamtwürdigung der konkreten Umstände, indem sie namentlich auch die Erwerbsbiografie der Beschwerdeführerin, ihre aktenkundigen Aussagen sowie die ins Recht gelegten Krankentaggeldabrechnungen berücksichtigte.