Citation: 2A.620/2002 07.08.2003 E. 4

Sollte das Verwaltungsgericht nach erneuter Prüfung zum Schluss kommen, dass der Ausweisungsgrund von Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG bei den Beschwerdeführern nach wie vor zu bejahen ist, wird im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung der langen Anwesenheitsdauer der Eltern in der Schweiz sowie insbesondere der Situation der beiden Töchter Rechnung zu tragen sein: 4.1 Der Beschwerdeführer ist im Alter von 15 Jahren im Jahre 1982, also vor mehr als zwanzig Jahren, in die Schweiz gekommen, seine Ehefrau Ende 1985 im Alter von 17 Jahren. Beide haben damit die Hälfte (Ehefrau) bzw. mehr als die Hälfte ihres Lebens (Ehemann) in der Schweiz verbracht. Die ältere Tochter kam im Alter von wenigen Wochen in die Schweiz, die jüngere ist hier geboren. Schon für die beiden Eltern, die nur ihre Kindheit und einen Teil ihres Jugendalters in Jugoslawien verbracht haben, würde eine Rückkehr in ihr Heimatland eine schwierige Umstellung bedeuten. Dies gilt umso stärker für die beiden Mädchen, die das Heimatland ihrer Eltern nur von Ferienaufenthalten kennen. Entscheiden sie sich im Fall einer Ausweisung ihrer Eltern, diesen nach Jugoslawien zu folgen, so werden sie sich neu auf völlig andere kulturelle und wirtschaftliche Gegebenheiten einstellen müssen. Dazu kommt, dass die Mädchen in einem Alter, wo die Eltern zwar die wichtigsten Bezugspersonen bleiben, aber mehr und mehr auch ausserfamiliäre Kontakte wichtig werden, je ihren gesamten Bekanntenkreis verlieren werden. Ein Leben in Jugoslawien wäre daher für die beiden Mädchen kaum zumutbar. Es fragt sich daher, ob ein Verbleib der Töchter in der Schweiz realistisch wäre. 4.2 Zu diesem Punkt - den Betreungsmöglichkeiten in der Schweiz - finden sich im angefochtenen Entscheid nur wenige Anhaltspunkte: der Hinweis darauf, dass die jüngere Tochter, die im Dezember dieses Jahres volljährig wird, teilweise die Betreuung der jüngeren, 14-jährigen Schwester übernehmen könnte sowie der Hinweis auf die Verpflichtung der Vormundschaftsbehörden, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Wie diese Betreuung konkret aussehen soll, ob sich allenfalls eine Heimeinweisung der jüngeren Tochter aufdrängt, oder ob Verwandte oder Bekannte in der Schweiz wohnen, die die Töchter bei sich aufnehmen könnten, geht aus dem angefochtenen Entscheid nicht hervor. Ebenso wenig ist bekannt, ob die Eltern von Jugoslawien aus finanziell für die Töchter aufkommen könnten oder ob diese fürsorgeabhängig würden. Diese beiden Problemkreise - Betreuungsmöglichkeit und finanzieller Unterhalt - sind abzuklären und anschliessend im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung in die Interessenabwägung einzubeziehen.