Citation: 6B_1493/2022 E. 3.3.2

3.3.2. Wenngleich dies nach dem Gesagten offenbleiben kann, hält auch die von der Vorinstanz eventualiter vorgenommene Interessenabwägung vor Bundes- und Völkerrecht stand. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung angesichts der mehreren schweren Straftaten resp. Vorstrafen, der negativen Legal- und Zukunftsprognose sowie der höchstens durchschnittlichen persönlichen und beruflichen Integration des Beschwerdeführers besonders schwer wiegt. Gerade bei Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz hat sich das Bundesgericht hinsichtlich der Ausweisung zwecks Verhinderung neuer Straftaten zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit stets besonders streng gezeigt; diese Strenge bekräftigte der Gesetzgeber mit Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB. "Drogenhandel" führt von Verfassungs wegen in der Regel zur Landesverweisung (Art. 121 Abs. 3 lit. a BV; Urteil 6B_994/2020 vom 11. Januar 2021 E. 2.1.1). Die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib vermögen die öffentlichen Interessen nicht aufzuwiegen, jedenfalls aber nicht zu überwiegen. Dies gilt insbesondere für die lange Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers in der Schweiz, zumal die Vorinstanz überzeugend darlegt, dass auch eine Reintegration in Sri Lanka angesichts der familiären Beziehungen möglich und zumutbar ist. Mit Bezug auf die vom Beschwerdeführer angeführte frühere Tätigkeit für die Organisation B.________ steht zudem jedenfalls fest, dass dieser Umstand nicht zur Anerkennung als Flüchtling führte. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die diesbezüglichen Feststellungen des SEM und des Bundesverwaltungsgerichts übernimmt und keine eigenen, neueren Abklärungen vornimmt. Der Beschwerdeführer hat im Verfahren nichts vorgebracht, was dazu Anlass gäbe. Im Übrigen wäre die Landesverweisung selbst bei Annahme eines Flüchtlingsstatus nicht per se versagt (oben E. 3.1.3) und vorliegend zulässig. Dies muss erst recht für den bloss vorläufig aufgenommenen Beschwerdeführer gelten. Er hat wiederholt in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Ordnung verstossen und, zumindest abstrakt, Leben und Gesundheit vieler Menschen gefährdet. Zudem hat er sich selbst durch eine erhebliche Vorstrafe nicht von weiterer Delinquenz abhalten lassen und damit nicht willens oder fähig gezeigt, sich in die hier geltende Ordnung einzufügen. Einen Grund für ein absolutes Rückschiebungsverbot im Sinne von Art. 66d Abs. 1 lit. b StGB macht der Beschwerdeführer nicht geltend und ein solcher ist nicht ersichtlich. Soweit der Beschwerdeführer in der gleichzeitigen Aussprache einer Freiheitsstrafe und der Landesverweisung eine Verletzung des Diskriminierungsverbots sowie des Anspruchs auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 und 14 EMRK erblickt, kann ihm nicht gefolgt werden. Der EGMR anerkennt das Recht der Staaten, die Einwanderung und den Aufenthalt von Nicht-Staatsangehörigen auf ihrem Territorium zu regeln (oben E. 3.1.2). Aus dem von ihm angeführten Entscheid des EGMR in Sachen Gurguchiani c. Spanien vom 15. Dezember 2009 (Req. 16012/06, § 32, 47) kann der Beschwerdeführer nichts für sich ableiten. Jedenfalls begründet er solches nicht hinlänglich (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG). Dies gilt ebenso für den Entscheid in Sachen Rangelov c. Deutschland vom 22. März 2012 (Req. 5123/07). Anders als der Beschwerdeführer zu insinuieren scheint, basiert die Landesverweisung im Übrigen auf einer genügenden formellgesetzlichen Grundlage, sodass auch ein Verstoss gegen Art. 7 EMRK (keine Strafe ohne Gesetz) nicht dargetan ist.