Citation: 5A_637/2022 E. 3.1

3.1. Das Obergericht stellt vorab klar, dass bei der Beurteilung eines Begehrens um behördliche Zustimmung zum Wechsel des Aufenthaltsorts nach Art. 301a Abs. 2 ZGB auf die Kriterien abzustellen ist, die für die Obhutszuteilung im Trennungsfall entwickelt worden sind. In der Folge äussert sich der angefochtene Entscheid ausführlich und detailreich zu diesen Kriterien, zuerst zur Betreuungssituation. Während des Zusammenlebens sei C.________ etwas mehr von der Beschwerdeführerin betreut worden. Die Parteien hätten aber kein traditionelles Rollenmodell gelebt. C.________ sei schon früh fremdbetreut worden; im Übrigen seien beide Eltern zu Hause präsent gewesen. Mit der Trennung im Frühsommer 2020 hätten sich C.________s Kontakte zum Vater auf jedes zweite Wochenende reduziert; im Dezember 2020 sei der Kontakt abgebrochen und erst Ende Januar 2021 im Rahmen begleiteter Besuche reaktiviert worden. Von Mai 2020 bis zum Wegzug der Beschwerdeführerin nach U.________ im Juni 2021 sei die Mutter somit die Hauptbezugsperson gewesen; seither sei es der Vater. Die Mutter telefoniere zweimal pro Woche mit ihr und komme jedes zweite Wochenende zu Besuch. Die Erziehungsfähigkeit ist dem angefochtenen Entscheid zufolge bei beiden Elternteilen grundsätzlich zu bejahen, bei der Beschwerdeführerin hinsichtlich des ausgeprägten Bedürfnisses von C.________, mit dem Vater Kontakt zu haben, jedoch in Frage gestellt. Die Gründe, mit denen die Beschwerdeführerin die Einschränkung des Kontakts zum Vater rechtfertigt, lässt die Vorinstanz nicht gelten. Das gilt namentlich für die Frage des sexuellen Missbrauchs, betone die Beschwerdeführerin doch selbst sinngemäss, dass es sich dabei nicht um einen konkreten Vorwurf gehandelt habe. Bezüglich der Kommunikationsfähigkeit bzw. des Kommunikationswillens weist die Beschwerdeführerin laut Vorinstanz erheblich grössere Defizite auf als der Beschwerdegegner. Anhaltspunkte für eine Kommunikationsblockade des Beschwerdegegners seien nicht ersichtlich. Im Übrigen sei unbestritten, dass die Parteien seit Erlass des erstinstanzlichen Urteils miteinander kommunizieren; dafür spreche auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin C.________ trotz grosser räumlicher Distanz oft sieht. Sodann erlaube allein die geografische Situation es vorliegend nicht, eine alternierende Obhut anzuordnen. Der Beschwerdegegner biete eher Gewähr dafür, dass C.________ Kontakt zur Beschwerdeführerin hat, als umgekehrt. Angesichts der zahlreichen Kontakte zwischen Mutter und Tochter erachtet es das Obergericht nicht als glaubhaft, dass der Beschwerdegegner versucht bzw. im Falle einer Obhutszuteilung an ihn versuchen wird, die Gesuchstellerin und die Halbgeschwister aus C.________s Leben auszuschliessen. In der Folge kommt das Obergericht auf die Stabilität der Verhältnisse, die familiäre Situation und das soziale Umfeld zu sprechen. C.________ habe ihr ganzes Leben in der Schweiz verbracht. Sie besuche hier den Kindergarten und habe hier daher auch ein soziales Umfeld. Seit Juni 2021 werde sie hauptsächlich vom Beschwerdegegner betreut. Im Falle eines Umzugs nach U.________ käme C.________ in ein neues Umfeld; vertraut wären ihr einzig die Beschwerdeführerin und die beiden Halbgeschwister. Das familiäre Umfeld und der Freundeskreis der Beschwerdeführerin in U.________ und Umgebung seien bei der gegebenen Ausgangslage nicht von Belang. Im Übrigen sei unabhängig vom Ausgang des Obhutsstreits davon auszugehen, dass C.________ denjenigen Elternteil, der sie nicht hauptsächlich betreut, vermissen wird. Was schliesslich die künftige Betreuungssituation angeht, konstatiert das Obergericht, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum auf 80 % reduzieren und C.________ an zwei Nachmittagen betreuen könnte. Ebenso erscheine es glaubhaft, dass auch der Beschwerdegegner seine Tochter unter der Woche zumindest teilweise persönlich betreuen kann. Gleichwohl sähen die Betreuungskonzepte beider Parteien vor, dass C.________ in grossem Umfang fremdbetreut wird. Die Tochter habe bereits ab dem Alter von sechs Monaten die Krippe besucht und spezifische Bedürfnisse, die eine persönliche Betreuung notwendig erscheinen lassen, seien nicht ersichtlich. Entsprechend sei dieser Punkt vorliegend nicht von entscheidender Bedeutung. Das Alter und die Wünsche von C.________ seien neutral zu gewichten. Gestützt auf diese Erwägungen kommt das Obergericht zum Schluss, dass die Gründe, C.________ beim Beschwerdegegner zu belassen, überwögen und folglich dem Beschwerdegegner die alleinige Obhut zuzuteilen sei.