Citation: 5A_1038/2020 E. 5.1.1

5.1.1. In seiner letztwilligen Verfügung vom 8. Oktober 1999 hatte der Erblasser verfügt, dass sein Nachlass dem norwegischen Recht untersteht (s. Sachverhalt Bst. A). Dass damit auch die vorliegende Streitsache nach norwegischem Sachrecht zu beurteilen ist, stellt der Beschwerdeführer vor Bundesgericht nicht in Abrede. In der Übersetzung gemäss dem erstinstanzlich eingeholten Gutachten des Schweizerischen Instituts für Rechtsvergleichung vom 4. März 2015 (nachfolgend "SIR-Gutachten"), die auch dem angefochtenen Entscheid zugrunde liegt, lautet § 57 Abs. 2 NEG wie folgt: "So eine testamentarische Disposition 'ohne Bestätigung' widerrufen werden kann, so fällt die Disposition ausserdem fort, wenn das Dokument zerstört oder so überstrichen wurde, dass es wahrscheinlich ist, dass die Disposition nicht gelten soll. Ausserdem fällt eine testamentarische Disposition fort, wenn es aufgrund von später eingetretenen Umständen unzweifelhaft ist, dass sie nicht gelten soll." Gemäss dem erwähnten Gutachten, dessen Erkenntnisse sich die Vorinstanz zu eigen macht, ist § 57 Abs. 2 Satz 2 NEG für Fälle vorgesehen, in denen sich die Verhältnisse nach Errichtung des Testaments so radikal ändern, dass es offensichtlich ist, dass man den Willen des Erblassers nicht realisieren würde, wenn das Testament aufrechterhalten bliebe. Bei der Anwendung von § 57 Abs. 2 Satz 2 NEG sei von entscheidender Bedeutung, ob der Testator die neuen Umstände nach Testamentserrichtung kannte oder nicht. Kannte er sie und hatte er die tatsächliche Möglichkeit, das Testament zu ändern, unterliess er dies aber, so werde in den meisten Fällen die volle Aufrechterhaltung des Testaments dem Willen des Erblassers am ehesten entsprechen. Dem Gutachten zufolge sind an den Beweis dieser "Umstände" gemäss § 57 Abs. 2 Satz 2 NEG strenge Massstäbe anzulegen. Die Norm stelle innerhalb der norwegischen Rechtsordnung in Bezug auf das Beweismass eine Ausnahmenorm dar. Das Vorliegen von Umständen sei "unzweifelhaft" bzw. "mit annähernder Sicherheit" zu beweisen, was nach einem Teil der Lehre einem Beweisgrad von rund 80 % entspreche. Ein strenges Beweismass gelte insbesondere bei behauptetem Fehlverhalten des Begünstigten gegen den Erblasser; aufgrund eines blossen Verdachts soll nach norwegischer Rechtsauffassung eine testamentarische Begünstigung nicht wegfallen. Mit Blick auf den konkreten Fall folgert das Kantonsgericht, in einem ersten Schritt sei zu prüfen, ob in tatsächlicher Hinsicht zweifellos bzw. mit annähernder Sicherheit feststeht, dass der mit letztwilliger Verfügung vom 14. März 2002 bedachte Berufungskläger nach der Errichtung des Testaments "Umstände" im Sinne von § 57 Abs. 2 Satz 2 NEG gesetzt hat, indem er sich gegenüber dem Erblasser fehlerhaft verhielt. In einem zweiten Schritt sei gegebenenfalls zu prüfen, ob dieser festgestellte Umstand unter objektiven Gesichtspunkten eine Abänderung des Testaments nach dem hypothetischen Willen des Erblassers zu rechtfertigen vermag; dabei sei vor allem auch der Umstand zu berücksichtigen, ob der Erblasser den Umstand kannte oder nicht.