Citation: 2C_771/2017 E. 4.2.3

4.2.3. Die kantonale Vorinstanz liess es nicht bei der rein strafrechtlichen Beurteilung der Vorkommnisse bewenden, sondern nahm am 14. Dezember und 30. Mai 2017 zusätzlich eigene Abklärungen vor: Sie führte gestützt darauf aus, dass der Kurzbericht der Psychiatrischen Klinik vom 29. März 2012 festhalte, dass die Beschwerdeführerin als "relativ starke, psychisch wohl gesunde Persönlichkeit" [...] "mit hohen intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten" zu gelten habe, was willkürfrei den Schluss der Vorinstanz zuliess, dass die Beschwerdeführerin auch "fordernd" auftreten könne, was in einem gewissen Widerspruch zu der von ihr geschilderten Opferrolle stehe. Das Kantonsgericht fasste seine Schlüsse, die sich mit jenen aus dem Strafverfahren deckten, wie folgt zusammen: "Auch nach den heutigen Befragungen der weiteren Auskunftspersonen konnte nicht erhärtet werden, dass die Beschwerdeführerin - entsprechend ihrer Behauptung - quasi als Gefangene ohne jegliche Fluchtmöglichkeit gehalten worden wäre; vielmehr blieben erhebliche Zweifel hinsichtlich der behaupteten häuslichen Gewalt bestehen". Im November 2011 hätten die Schwiegereltern ihr ein Flugticket für eine Reise in die Türkei gekauft, doch habe die Beschwerdeführerin es abgelehnt, hiervon Gebrauch zu machen. Angesichts der Schwere der von ihr erhobenen Vorwürfe - so die Vorinstanz - sei es nicht nachvollziehbar, weshalb sie ihre bereits gebuchte Reise nicht angetreten habe, hätte ihr dies doch erlaubt, dem geschilderten "Martyrium" zu entfliehen. Es erscheine auch wenig glaubhaft, dass sich die Beschwerdeführerin an keinerlei zeitlichen und sachlichen Details ihrer angeblichen Misshandlungen mehr erinnern könne. Die diesbezüglichen Ausführungen an der Einvernahme durch das Kantonsgericht vom 14. Dezember 2016 seien - so die Vorinstanz - widersprüchlich und teilweise nur schwer fassbar gewesen; das entsprechende Protokoll bestätigt dies (dort S. 5 und 6). Die erste Ehefrau von A.C.________ hat über keinerlei Gewalt in der Ehe berichtet, was nach Ansicht der Vorinstanz dagegen sprach, dass dieser in seiner zweiten Ehe "systematisch und derart gravierend", wie von der Beschwerdeführerin geschildert, gewalttätig geworden wäre. Zusammenfassend hielt die Vorinstanz fest, es seien auch nach ihren Befragungen keine objektivierten Hinweise erkennbar, welche auf die Heftigkeit der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten "häusliche Gewalt schliessen" liessen. Vielmehr basierten "die diesbezüglichen Behauptungen allesamt auf den nicht belegten Aussagen der Beschwerdeführerin". Die ehelichen Spannungen und Auseinandersetzungen hätten entgegen ihren Behauptungen somit nicht die im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG erforderliche Intensität erreicht, auch wenn die Ehe unglücklich verlaufen sei und die Beschwerdeführerin sich in ihren Erwartungen getäuscht gesehen habe.