Citation: 2C_1000/2020 E. 5

Was unter periodischer Information im Sinne von Art. 12 lit. i 2. Teilsatz BGFA zu verstehen ist bzw. in welcher Kadenz Informationen über die Höhe des Honorars zu erteilen sind, ist im Gesetz nicht festgelegt. Auch in den erwähnten Standesregeln, welche grundsätzlich zur Auslegung der Berufspflichten herangezogen werden können (vgl. E. 4.3.5 hiervor), ist diese Pflicht nicht näher konkretisiert. Massgebend sind hierfür die Verhältnisse im Einzelfall (FELLMANN, Anwaltsrecht, N. 505 mit Hinweisen). Dabei ist stets die ratio legis im Auge zu behalten: Der Mandant soll davor geschützt werden, plötzlich mit einer unerwarteten Honorarforderung konfrontiert zu werden (vgl. vorne E. 4.3.3). Mit Blick auf diesen Zweck der Regelung sind etwa dann häufigere Informationen über die Höhe des Honorars bzw. Informationen in kürzeren Abständen geboten, wenn der Klient dem Anwalt Kostenvorschüsse bezahlt hat und sich abzeichnet, dass das Honorar die geleisteten Vorschüsse übersteigen wird. Denn eine in einer solchen Konstellation über längere Zeit unterbleibende Information über die Höhe des Honorars hätte regelmässig zur Folge, dass der Klient damit rechnet, dass die Abrechnung in der Höhe der Vorschüsse ausfallen wird, und er in der Folge in dieser Erwartung enttäuscht wird, ohne rechtzeitig (etwa mittels einer Anpassung oder gar eines Entzuges des Mandats) reagieren zu können. Angesichts des Umstands, dass (wie ausgeführt) auf die Verhältnisse im Einzelfall abzustellen ist, kann von einer Verletzung der Pflicht zur periodischen Information von Art. 12 lit. i 2. Teilsatz BGFA, welche Disziplinarmassnahmen rechtfertigt, von vornherein nur ausgegangen werden, wenn die Zeit, welche ein Anwalt bis zu einer unaufgeforderten Information über die Honorarhöhe verstreichen lässt, klarerweise nicht mehr als angemessen erscheint. Andernfalls würde ein Anwalt in unverhältnismässiger Weise jedesmal diszipliniert, wenn ex post gesehen eine etwas häufigere Information als wünschbar erscheint (vgl. dazu auch TESTA, a.a.O., S. 234, wonach es zu weit gehen würde, vom Anwalt in monatlichen oder gar wöchentlichen Abständen eine Information bezüglich des aufgelaufenen Honorars zu verlangen).