Citation: 6B_335/2020 E. 3.3.4

3.3.4. Mit dem Schreiben der EZV vom 23. Mai 2014 wurden der Verfolgungszwang (Art. 7 StPO) und damit das Vorverfahren (Art. 299 ff. StPO) in Gang gesetzt. Die Behörden waren aufgrund dieser Anzeige verpflichtet, den relevanten Sachverhalt festzustellen; dazu stand ihnen das gesamte Instrumentarium der StPO und damit auch die Zwangsmassnahmen zur Verfügung (Art. 306 f. StPO; vgl. SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., Rz. 1218). Die Eröffnung einer Strafuntersuchung setzt einen hinreichenden Tatverdacht voraus (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO), gemeint ist ein "mittlerer Verdacht", d.h. erhebliche Gründe, die für das Vorliegen eines Tatverdachts sprechen (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., Rz. 1228). Der Anfangsverdacht muss auf einer plausiblen Tatsachengrundlage beruhen, aus welcher sich die konkrete Möglichkeit der Begehung einer Straftat ergibt (Urteil 6B_553/2019 vom 6. November 2019 E. 3.1). Die Strafverfolgungsbehörden haben "den für eine Straftat relevanten Sachverhalt" (Art. 306 Abs. 1 StPO) festzustellen; sie ermitteln nicht aufs Geratewohl, sondern hypothesengeleitet hinsichtlich einer zunächst präsumtiven Straftat, "damit hernach über das weitere Schicksal des Falls befunden werden kann" (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., Rz. 1232). Es handelt sich um eine verdachtsgeleitete, "dynamische" Sachverhaltsermittlung (oben E. 3.3.1; vgl. dazu auch das Urteil 6B_734/2020 E. 4.3.4 heutigen Datums). Inwiefern schliesslich die Verhaftung am 31. März 2015 nicht rechtmässig gewesen sein sollte, ergibt sich auch aus den Bestreitungen des Beschwerdeführers nicht. Er war zur Verhaftung ausgeschrieben (Art. 217 Abs. 1 lit. b StPO). Für die Anordnung der Untersuchungshaft war allerdings der dringende Tatverdacht erforderlich (Art. 221 Abs. 1 StPO), was erforderte, dass der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt als Täter jedenfalls "ernsthaft infrage" kam (OBERHOLZER, a.a.O., Rz. 1187; SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., Rz. 1019). Dieses Erfordernis war unbestreitbar gegeben. Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei hier in dubio pro reo von geheimen Überwachungsmassnahmen auszugehen. Diese Frage ist einerseits kein Gegenstand des Grundsatzes (oben E. 2.2) und andererseits verweist die Vorinstanz gerade auf solche Massnahmen (oben E. 3.2.4; unten E. 3.4.4). Sodann ist darin keine Rechtsverletzung zu erkennen, dass die Vorinstanz den bei der Verhaftung und Durchsuchung (Art. 241 StPO) sichergestellten USB-Stick entgegen der Beschwerde (oben E. 3.1 in fine) nicht als unverwertbaren Zufallsfund i.S.v. Art. 278 StPO qualifiziert, sondern diesen im Sinne von Art. 243 Abs. 2 StPO behandelt (unten E. 3.4.4)]