Citation: 4P.113/2000 21.08.2000 E. 4

4.- Die Beschwerdeführerin rügt, das Obergericht habe kantonale Verfahrensvorschriften willkürlich angewendet. a) Gemäss Art. 9 BV hat jede Person einen Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Willkür behandelt zu werden. Willkürlich ist ein Entscheid nach ständiger Rechtsprechung nicht schon dann, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erschiene oder gar vorzuziehen wäre. Das Bundesgericht hebt einen kantonalen Entscheid wegen materieller Rechtsverweigerung vielmehr nur auf, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (BGE 121 I 113 E. 3a S. 114 mit Hinweis). b) Die Beschwerdeführerin reichte im Verfahren vor dem Obergericht neu Kopien eines schriftlichen Auftrages der Raffalt vom 20. April 1995 sowie eines Vertrages der Reinhardt mit der Beschwerdegegnerin zu den Akten. Das Obergericht liess die beiden Urkunden nicht zum Beweis zu, da die Beschwerdeführerin nicht darlege, weshalb sie diese so spät erst einreiche; gemäss § 225 ZPO/NW sei aber die Einreichung unechter Noven nach der Hauptverhandlung vor erster Instanz nicht zulässig, wenn sie infolge groben Verschuldens nicht früher eingebracht wurden. Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Obergericht habe bisher im Hinblick auf Noven eine grosszügige Praxis gepflegt und ein grobes Verschulden im Sinne von § 225 ZPO/NW nur angenommen, wenn durch die verspätete Eingabe die Verfahrensdauer missbräuchlich in die Länge gezogen wurde. Dies treffe vorliegend nicht zu, da mit den beiden Urkunden die zu erstellende Tatsache sofort habe bewiesen werden können. Diese Argumente sind nicht geeignet, die Auffassung des Obergerichts als willkürlich erscheinen zu lassen. Die vor dem Obergericht versäumte Begründung hinsichtlich der Zulässigkeit der Noveneingaben kann im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren nicht nachgeholt werden (BGE 118 Ia 20 E. 5a S. 26 mit Hinweis). Dass das Obergericht bei Fehlen jeglicher Begründung auf das Vorliegen groben Verschuldens im Sinne von § 225 ZPO/NW schloss, erscheint auch in Anbetracht der von der Beschwerdeführerin dargelegten Praxis, die sich auf den erforderlichen Verschuldensgrad und nicht auf die Substanziierungsanforderungen bezieht, nicht als willkürlich. c) Die Beschwerdeführerin rügt sinngemäss, das Obergericht habe § 142 ZPO/NW willkürlich angewendet, indem es die Behauptung der Beschwerdegegnerin, sie sei nicht im Besitz des Originalvertrages vom 22. September 1995, als glaubhaft erachtete und infolgedessen darauf verzichtete, die Behauptungen der Beschwerdeführerin über angebliche in der eingereichten Kopie nicht enthaltene Vermerke auf dem Originalvertrag als erwiesen zu erachten. Nach § 142 Abs. 3 ZPO/NW wird der behauptete Inhalt einer Urkunde als erwiesen angenommen, wenn die Gegenpartei die Edition "der unbestritten sich in ihrem Besitz befindlichen Urkunde" verweigert. Vorliegend hatte die Beschwerdegegnerin den Besitz des fraglichen Originalvertrages bestritten. Damit ist offensichtlich, dass § 142 Abs. 3 ZPO/NW nicht willkürlich angewendet wurde.