Citation: 4A_78/2020 E. 4.8.1

4.8.1. Im zit. Urteil 4C.258/2001 hielt das Bundesgericht fest, allein der Umstand, dass die Nachbesserungskosten den Werklohn übersteigen würden, lasse nicht auf übermässige Kosten schliessen; das Verhältnis der Nachbesserungskosten zu den Baukosten bzw. zum Werklohn sei nicht massgebend (zit. Urteil 4C.258/2001 E. 4.1.3). Im zit. Urteil 4C.130/2006 erwog es sodann, das arithmetische Verhältnis der Nachbesserungskosten zum vereinbarten Werklohn sei - Extremfälle vorbehalten - nicht massgebend. Anschliessend hielt es mit Verweis auf BÜHLER (THEODOR BÜHLER, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 1998, N. 146 zu Art. 368 OR) fest, als extremer Fall könne zum Beispiel gelten, wenn die Nachbesserungskosten doppelt so hoch seien wie der Werkpreis ("Il est question de situation extrême lorsque, par exemple, les coûts de réfection sont deux fois supérieurs au prix de l'ouvrage", zit. Urteil 4C.130/2006 E. 5.1). Im zit. Urteil 4A_307/2010 hielt das Bundesgericht den Grundsatz fest, wonach die Nachbesserungsforderung abzuweisen sei, wenn der Nutzen, den die Nachbesserung für den Besteller habe, die Ausgaben des Unternehmers vernünftigerweise nicht rechtfertige (Kosten-Nutzen-Abwägung). Nach dieser Rechtsprechung sei das Verhältnis zwischen den Nachbesserungskosten einerseits und den Kosten des Werkes bzw. dem Werkpreis nicht massgebend zur Beurteilung, ob die Nachbesserungskosten unverhältnismässig seien (mit Verweis auf BGE 111 II 173 E. 5; zit. Urteil 4C.258/2001 E. 4.1.3). BÜHLER habe - Bezug nehmend auf einen kantonalen Entscheid - die Meinung geäussert, der Unternehmer müsse sich nicht damit abfinden, dass er auf jeglichen Gewinn zu verzichten, ja sogar noch etwas zuzuzahlen habe; er müsse keine Nachbesserung vornehmen, falls deren Kosten doppelt so hoch seien wie der Werkpreis (BÜHLER, a.a.O., N. 146 zu Art. 368 OR). Dieses Beispiel hätten CHAIX und T ERCIER/FAVRE übernommen (FRANÇOIS CHAIX, in : Commentaire romand, Code des Obligations, Bd. I, 2003, N. 42 zu Art. 368 OR; TERCIER/FAVRE, Les contrats spéciaux, 4. Aufl. 2009, S. 689 Rz. 4573) und es sei auch im zit. Urteil 4C.130/2006 E. 5.1 wiedergegeben worden. GAUTSCHI sei seinerseits der Ansicht, bereits Kosten, welche dem vereinbarten Werkpreis entsprächen, seien übermässig (GEORG GAUTSCHI, in: Berner Kommentar, 2. Aufl. 1967, N. 13b zu Art. 368 OR). Es erwog sodann, im zu beurteilenden Fall könne die Frage nach der Richtigkeit eines rein mathematischen Vergleichs zwischen den Nachbesserungskosten und dem Werkpreis offenbleiben (zit. Urteil 4A_307/2010 E. 2). Damit wurde im zit. Urteil 4A_307/2010 die Frage überhaupt offengelassen, ob in Ausnahmefällen auf das Verhältnis zwischen den Nachbesserungskosten und dem vereinbarten Werklohn abgestellt werden darf.