Citation: U 167/06 31.01.2007 E. 5

5.1 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 Erw. 5.1.2 mit Hinweisen [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]). Im vorliegenden Fall bestehen unter Berücksichtigung insbesondere des Unfallhergangs, der Fahrzeugschäden und der erlittenen Verletzungen keine Umstände, welche zu einer andern Beurteilung Anlass zu geben vermöchten. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären (BGE 117 V 367 Erw. 6b). 5.2 Der Unfall vom 30. Mai 2002 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 [Urteil S. vom 31. Mai 2000, U 248/98]) - von besonderer Eindrücklichkeit. Er hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung und insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 Erw. 5.2.3). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 Erw. 4.3 mit Hinweisen [Urteil A. vom 24. Juni 2003, U 193/01]). Solche Umstände sind hier nicht gegeben. Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden vor. Entgegen den Ausführungen im kantonalen Entscheid nicht erfüllt ist auch das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Im Anschluss an den Unfall wurde vorübergehend das Tragen eines weichen Halskragens verordnet und eine Schmerzbehandlung mit Analgetika durchgeführt. Auf Anordnung des Hausarztes Dr. med. C.________ wurde zunächst während etwa zwei Monaten einmal wöchentlich Massage und Elektrotherapie und in der Folge ein- bis zweimal wöchentlich Physiotherapie durchgeführt. Nach der stationären Behandlung in der Rehaklinik Y.________ vom 4. Juni bis 2. Juli 2003 wurde die ambulante Physiotherapie anscheinend bis Ende 2003 weitergeführt. Die psychiatrische Behandlung wurde vom Beschwerdegegner ebenfalls Ende 2003 abgebrochen. Ab Januar 2004 wurde ausser einer Schmerzbekämpfung mit Analgetika keine Therapie mehr vorgenommen. Auch wenn während des Aufenthaltes in der Rehaklinik W.________ vom 25. Februar bis 31. März 2004 erneut eine stationäre physiotherapeutische Behandlung und anschliessend weitere ambulante Massnahmen durchgeführt wurden, liegt keine ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer vor. Selbst eine Behandlungsbedürftigkeit von zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS ist im Allgemeinen noch als im üblichen Rahmen liegend zu betrachten (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 239 Erw. 5.2.4 mit Hinweisen). Die Fortsetzung der Physiotherapie erfolgte zudem im Sinne einer Erhaltungstherapie (Erw. 4.3 hievor), so dass insgesamt nicht von einer kontinuierlichen, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichteten ärztlichen Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer gesprochen werden kann (vgl. RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 Erw. 5.2.4 mit Hinweisen). Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden, wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteile S. vom 10. Februar 2006, U 79/05, F. vom 25. Oktober 2002, U 343/02, und B. vom 7. August 2002, U 313/01). Solche Gründe sind hier nicht gegeben, woran auch der Umstand nichts ändert, dass zwei mehrwöchige Rehabilitationsaufenthalte durchgeführt wurden. Zum Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist festzustellen, dass der Beschwerdegegner die Arbeit - nach vorangegangenen Ferien - bereits am 12. August 2002 zu 50 % und am 16. Oktober 2002 zu 80 % wieder aufnehmen konnte. Nach einem Arbeitsunterbruch vom 10. Dezember 2002 bis 19. Januar 2003 arbeitete er ab 20. Januar 2003 wieder zu 80 %. Im Anschluss an die stationäre Abklärung und Behandlung vom 4. Juni bis 2. Juli 2003 bestätigten die Ärzte der Rehaklinik Y.________ eine Arbeitsfähigkeit von 50 % mit Steigerungsmöglichkeit in Schritten zu 10 %. Nach einem erneuten Ferienaufenthalt nahm der Beschwerdegegner die Arbeit am 11. August 2003 zu 50 % auf. Der Versuch mit einem Arbeitspensum von 80 % scheiterte. In der Folge kam es offenbar zu Meinungsverschiedenheiten am Arbeitsplatz, welche schliesslich zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses führten. Der behandelnde Arzt bescheinigte eine volle Arbeitsunfähigkeit, was von den Ärzten der Rehaklinik W.________ im Anschluss an den Aufenthalt des Versicherten vom 25. Februar bis 31. März 2004 insbesondere im Hinblick auf die psychische Beeinträchtigung bestätigt wurde. Unter Berücksichtigung auch der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit kann das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit als erfüllt gelten (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff. [Urteil L. vom 30. August 2001, U 56/00]). Es ist jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Das Gleiche gilt für das Kriterium der Dauerbeschwerden. Es sind folglich lediglich zwei der massgebenden Kriterien erfüllt. Da somit weder ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen, was zur Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde führt.