Citation: 5A_221/2023 E. 4.2

4.2. Der Beschwerdeführer erachtet das Ergebnis der obergerichtlichen Würdigung (wonach die Vernichtung eines Testaments durch eine Drittperson ohne schriftliche Vollmacht der Erblasserin oder einen anderen Nachweis seitens der Erblasserin derart heikel sei, dass kein gültiger Widerruf im Sinn von Art. 510 Abs. 1 ZGB anzunehmen sei) in verschiedener Hinsicht als gegen die Verfassung verstossend, namentlich als mit dem Willkürverbot nicht vereinbar. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat das Obergericht nicht geprüft, ob der Widerruf des Testaments sowie die Vernichtung des Testaments durch die Erblasserin bzw. den von dieser beauftragten Notar gültig ist oder nicht. Vielmehr hat es erwogen, die Fragen, die im vorliegenden Fall zu beantworten seien (Vereinbarkeit einer Drittvernichtung mit dem Wortlaut von Art. 510 Abs. 1 ZGB; Form und Rahmen einer Anweisung oder eines Auftrags an einen Dritten, wobei keine schriftliche Ermächtigung oder ein anderer Nachweis seitens der Erblasserin vorliege; Art des Vorgehens des Dritten), seien zu heikel, sodass "im Rahmen der Testamentseröffnung" kein Widerruf im Sinn von Art. 510 Abs. 1 ZGB anzunehmen sei. Mit anderen Worten hat das Obergericht dem Bezirksgericht als Eröffnungsbehörde unter den gegebenen Umständen die Kompetenz abgesprochen, im Rahmen der Testamentseröffnung bzw. im Hinblick auf die Ausstellung einer Erbenbescheinigung die Frage der Gültigkeit des Widerrufs durch Vernichtung zu beurteilen bzw. auf eine gültige Vernichtung der öffentlich beurkundeten letztwilligen Verfügung zu schliessen. Dies übersieht der Beschwerdeführer vollständig; er äussert sich mit keinem Wort dazu geschweige denn begründet er, weshalb diese Rechtsauffassung willkürlich sein soll. Im Gegenteil betont er seinerseits mehrfach, dass nicht die Eröffnungsbehörde über die formelle und materielle Gültigkeit einer letztwilligen Verfügung befinde, sondern allein der ordentliche Zivilrichter die materielle Rechtslage zu beurteilen habe. Hingegen wirft er dem Obergericht vor, es hätte sich an das Gesetzmässigkeitsprinzip halten müssen und nicht in Verletzung von Art. 5 Abs. 1 BV in Eigenmacht und in rechtsverletzender Überschreitung seiner Überprüfungsbefugnis im Rahmen einer Testamentseröffnung ohne gesetzliche Grundlage Auslegungen und rechtliche Abklärungen tätigen dürfen. Dieser Einwand grenzt an Kühnheit. Wie der Beschwerdeführer selber zutreffend ausführt, findet die ZPO vorliegend als kantonales Recht Anwendung (§ 125a des zürcherischen Gesetzes vom 10. Mai 2010 über die Gerichts- und Behördenorganisation im Zivil- und Strafprozess [GOG/ZH; LS 211.1]; vgl. auch BGE 139 III 225 E. 2.2). Die Rechtsmittelinstanz verfügt über eine uneingeschränkte Kognition, sowohl in tatsächlicher als auch rechtlicher Hinsicht (Art. 310 ZPO), und wendet das Recht im Übrigen von Amtes wegen an (Art. 57 ZPO). Inwiefern das Obergericht seine Kognition in Verletzung des Gesetzmässigkeitsprinzips oder anderer verfassungsmässiger Rechte (bspw. Art. 9 BV) überschritten haben könnte, ist weder dargetan noch ersichtlich. Bei diesem Ergebnis zielen sämtliche Ausführungen des Beschwerdeführers, mit welchen er das Bundesgericht davon zu überzeugen versucht, dass von einem gültigen Widerrufsakt seitens der Erblasserin auszugehen sei, an der Sache vorbei. Darauf ist nicht einzugehen. Unbegründet ist schliesslich der Vorwurf der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid in ihrer Rechtsstellung betroffenen Person auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (Art. 29 Abs. 2 BV; BGE 143 III 65 E. 5.2 mit Hinweisen). Diesen Voraussetzungen genügt das angefochtene Urteil ohne Zweifel, denn das Obergericht hat - wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt - die Gründe genannt, aus welchen es zu seinem Urteil gekommen ist; die Einwendungen des Beschwerdeführers, die es - zutreffenderweise - als an der Sache vorbei gehend erachtete, musste es weder im Einzelnen erwähnen noch brauchte es im Detail darauf einzugehen.