Citation: 1B_548/2017 E. 1.1

1.1. Art. 363 Abs. 1 StPO bestimmt, dass das Gericht, welches das erstinstanzliche Urteil gefällt hat, auch die einer gerichtlichen Behörde übertragenen selbstständigen nachträglichen Entscheide trifft, sofern Bund oder Kantone nichts anderes bestimmen. Für nachträgliche Entscheide, die nicht dem Gericht zustehen, bestimmen Bund und Kantone die zuständigen Behörden (Art. 363 Abs. 3 StPO). Die zuständige Behörde leitet das Verfahren auf Erlass eines nachträglichen richterlichen Entscheids von Amtes wegen ein, sofern das Bundesrecht nichts anderes bestimmt. Sie reicht dem Gericht die entsprechenden Akten sowie ihren Antrag ein (Art. 364 Abs. 1 StPO). Die Eidgenössische StPO war bei Erlass von Art. 65 Abs. 2 StGB noch nicht in Kraft. Art. 65 Abs. 2 StGB ist unterdessen auch nicht an die Bestimmungen der StPO angepasst worden (vgl. Ziff. II/8 des Anhanges 1 zur StPO). Insbesondere werden weder die seit 2011 in Kraft getretenen Bestimmungen zur Revision (Art. 410 ff. StPO) noch die Art. 363-365 StPO in Art. 65 Abs. 2 StGB erwähnt. Zuständigkeit und Verfahren der nachträglichen Verwahrung bestimmen sich auch im Lichte von Art. 363 f. StPO grundsätzlich nach den Regeln, die für die altrechtliche Wiederaufnahme bzw. die neurechtliche Revision massgeblich sind (Art. 65 Abs. 2 StGB; Art. 410 ff. StPO). Dies muss umso mehr gelten, als ein selbstständiger nachträglicher Entscheid nach Art. 65 Abs. 2 StGB aufgrund von "neuen Tatsachen oder Beweismitteln" zu treffen ist, die sich während des Vollzuges der Freiheitsstrafe ergeben haben (Art. 65 Abs. 2 StGB; s.a. Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO). Über Revisionsgesuche entscheidet das Berufungsgericht (Art. 21 Abs. 1 lit. b StPO). Nach dem Gesagten ist die Verfahrensleitung der Strafkammer des Obergerichtes auch zuständig für die Anordnung von prozessualer Sicherheitshaft im gerichtlichen Verfahren betreffend nachträgliche Anordnung der Verwahrung (Art. 388 lit. b i.V.m. Art. 232 und Art. 363-365 StPO). Gegen die Haftentscheide des Obergerichtes ist die Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht gegeben (Art. 80 Abs. 2 Satz 2 und Art. 78 ff. BGG i.V.m. Art. 232 Abs. 2 StPO; BGE 139 IV 175 E. 1.4 S. 179).