Citation: I 707/99 09.08.2000 E. 5

5.- a) In somatischer Hinsicht ist davon auszugehen, dass der zuletzt vor der Rentenverfügung vom 2. Februar 1988 von der Beschwerdeführerin konsultierte (rheumatologische) Spezialarzt Dr. med. N.________ bei ihr ein panvertebrales Syndrom (vorwiegend im Cervical- und Lumbalbereich) bei Rundrücken und Skoliose der Brustwirbelsäule diagnostiziert und aus rheumatologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bejaht hatte. Die streitige Revisionsverfügung vom 7. März 1997 beruht auf dem Formularbericht des Orthopädischen Spezialarztes Dr. med. U.________ vom 29. Januar 1997, der chronisch rezidivierende Lumbalgien und Lumboischialgien, eine Iliosakralgelenksblockierung rechts und einen Status nach Halswirbelsäulendistorsion und Schädelkontusion diagnostizierte. Zwar ist in den Vorakten nicht dokumentiert, dass die Versicherte beim Unfall vom 24. August 1980 oder später auch eine Schädelkontusion erlitten hat, doch ist ohne Belang, dass Dr. med. U.________ wohl zu Unrecht einen entsprechenden posttraumatischen Zustand angenommen hat. Entscheidend ist vielmehr, dass er im Ergebnis gleich wie Dr. med. N.________ im Jahre 1987 die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als Büroangestellte nach wie vor "in der Grössenordnung" von 50 % eingeschätzt hat. Somit ist während der revisionsrechtlich relevanten Zeitspanne keine so erhebliche Verschlimmerung oder Veränderung des körperlichen Gesundheitszustandes der Versicherten eingetreten, dass als Folge davon eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit und eine für den Rentenanspruch massgebliche Erhöhung des Invaliditätsgrades angenommen werden könnte. In somatischer Hinsicht liegt folglich keine revisionsrechtlich erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse vor. b) aa) Was den psychischen Gesundheitszustand betrifft, ist vorab darauf hinzuweisen, dass unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten auch eine Chronifizierung psychischer Störungen, die durch keine weiteren therapeutischen oder rehabilitativen Massnahmen verbessert werden können, von Bedeutung sein kann (ZAK 1989 S. 267 f. Erw. 3). Dabei ist jedoch eine deutliche Wandlung der tatsächlichen Verhältnisse in dem Sinne erforderlich, dass der Versicherte durch eine medizinisch fassbare Verschlechterung oder Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes nunmehr an der Verwertung seiner Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt gehindert ist. Lediglich eine neue Würdigung des medizinischen Sachverhaltes (BGE 115 V 313 Erw. 4a/bb, 110 V 292 Erw. 2a; SVR 1996 IV Nr. 70 S. 204 Erw. 4a, je mit Hinweisen) oder der blosse Zeitablauf (BGE 106 V 90) genügen auch in diesem Zusammenhang nicht. Diese Revisionsgrundsätze gelten nicht nur bezüglich krankhafter psychischer Störungen, deren invalidisierende Wirkungen anlässlich der ursprünglichen Rentenverfügung verneint wurden, sondern auch für Störungen, welchen beim Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung kein Krankheitswert im Rechtssinne beigemessen wurde. bb) Es steht fest, dass die Beschwerdeführerin nach dem Unfall vom 24. August 1980 ab 15. Juni 1981 vom Psychiater Dr. med. M.________ psychotherapeutisch behandelt wurde. Dieser Arzt hat zunächst ein traumatisch ausgelöstes, typisch depressives Syndrom bei prätraumatischer Disposition zu depressiven Entwicklungen und Reaktionen diagnostiziert (Gutachten vom 14. September 1981). Später, nachdem der neurologische und psychiatrische Spezialarzt Dr. med. X.________ ein pseudoneurasthenisches Zustandsbild, das durch den Unfall vom 24. August 1980 ausgelöst worden sei und bei dem der Verlauf zu einer Dekompensation des schon vorher labilen psychischen Gleichgewichts geführt habe, festgestellt hatte (Gutachten vom 25. Februar 1983), hat er eine chronifiziert verlaufende depressive Entwicklung bei deutlich unfallneurotischer Fixierung (Bericht vom 30. April 1984) bzw. eine depressiv gefärbte Neurose und ein chronifiziertes und psychisch fixiertes Schmerzsyndrom (Cervicalsyndrom HWS) mit Dekompensation des schon prätraumatisch labilen psychischen Gleichgewichts diagnostiziert (Formularberichte vom 26. Juli 1984 und 22. Juni 1987). Diesem psychischen Gesundheitsschaden mit Krankheitswert hat die Invalidenversicherungskommission in Übereinstimmung mit den vorstehend (Erw. 2b) dargelegten Rechtsgrundsätzen auch noch im Rahmen der ursprünglichen Rentenverfügung vom 2. Februar 1988 invalidisierende Wirkungen abgesprochen. Denn der ärztliche Dienst des BSV hatte in seiner Stellungnahme vom 13. März 1985 festgehalten, die Ausrichtung einer ganzen Rente würde für die Motivation der Versicherten wohl den "Todesstoss" bedeuten, was vorerst zur Verneinung einer Invalidität und eines Rentenanspruchs (mit Verfügung vom 11. Oktober 1985) führte, weil der von der Invalidenversicherungskommission konsultierte Neurologe Dr. med. S.________ in seinem Gutachten vom 16. September 1985 zum Schluss gelangt war, die Beschwerdeführerin sei als Büroangestellte voll arbeitsfähig (vgl. Sitzungsprotokoll vom 15. August 1985). Dass die Invalidenversicherungskommission rund zwei Jahre später dann doch einen Invaliditätsgrad von 50 % ermittelte, war nicht etwa darauf zurückzuführen, dass nun die Verwertung der vorhandenen Arbeitsfähigkeit als für die Versicherte oder die Gesellschaft unzumutbar erachtet wurde, sondern darauf, dass der rheumatologische Spezialarzt Dr. med. N.________ und übereinstimmend der Psychiater Dr. med. M.________ in ihren Berichten vom 2. März und 22. Juni 1987 ausgeführt hatten, an einer Arbeitsfähigkeit von 50 %, die auch als "Therapie zu werten" sei, müsse unbedingt festgehalten werden. Die ursprüngliche Rentenverfügung vom 2. Februar 1988 beruhte somit weiterhin auf der Annahme, durch die Verweigerung einer ganzen Rente würden die eigenen Anstrengungen der Versicherten zur Verwertung wenigstens ihrer hälftigen Arbeitsfähigkeit unterstützt. Die Beschwerdeführerin war dann in der Tat von Oktober 1987 bis Ende Dezember 1988 nochmals als kaufmännische Hilfsangestellte zu 50 % erwerbstätig und hat erst seit 1989 nie mehr eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. cc) Im Zuge der der steitigen Revisionsverfügung vom 7. März 1997 vorausgegangenen Abklärungen hat es die IV-Stelle ausdrücklich abgelehnt, die Entwicklung der psychischen Krankheit der Versicherten seit der ursprünglichen Rentenverfügung vom 2. Februar 1988 durch einen psychiatrischen Spezialarzt beurteilen zu lassen. Für den Rentenanspruch ist es aber - wie oben in Erw. 5b/aa dargelegt - von ausschlaggebender Bedeutung, ob seither bezüglich des depressiv gefärbten neurotischen Gesundheitsschadens mit psychisch fixiertem Schmerzsyndrom eine deutliche Wandlung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne einer medizinisch fassbaren Veränderung oder Verschlechterung eingetreten ist, so dass der Beschwerdeführerin die Verwertung ihrer hälftigen Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr zumutbar wäre. Die Unterlassung entsprechender Abklärungen stellt eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (oben Erw. 3) und damit des Bundesrechts dar. Der angefochtene Entscheid vom 29. Oktober 1999 und die streitige Verfügung vom 7. März 1997 sind daher aufzuheben und die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie die revisonsrechtlich erhebliche Entwicklung/Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes der Versicherten und der daraus resultierenden zumutbaren Arbeitsfähigkeit durch Einholung eines psychiatrischen Gutachtens abkläre.