Citation: I 351/06 25.10.2006 E. 3

Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz aus triftigen Gründen in das Ermessen der Verwaltung eingriff. 3.1 Die IV-Stelle ging ohne nähere Begründung davon aus, der Tabellenlohn sei um 15 % zu kürzen. Das kantonale Gericht erkannte, die Verwaltung habe nicht alle lohnsenkenden Merkmale des Einzelfalls berücksichtigt. Dem Beschwerdegegner stehe aufgrund der leidensbedingten Beeinträchtigung lediglich ein eingeschränktes Segment des Arbeitsmarkts offen. Seine Eingliederung habe sich denn auch als schwierig erwiesen; dies könne nur, aber immerhin als Indiz dafür gewertet werden, dass das zu erwartende Einkommen unter dem durchschnittlichen Tabellenlohn zu liegen komme. Ausserdem sei der Beschwerdegegner, der früher gut bezahlte Schwerarbeit geleistet habe, mit Blick auf die ärztlich formulierten funktionellen Vorgaben selbst im Rahmen der jetzt noch zumutbaren leichten, hüftschonenden Arbeiten nur begrenzt einsetzbar. Umgekehrt hätten die Aspekte der Dienstjahre und des Alters keine positiven Auswirkungen (mehr) auf den anrechenbaren Lohn. Insgesamt rechtfertige es sich, den leidensbedingten Abzug auf 20 % festzusetzen. 3.2 Nach Einschätzung des Allgemeinmediziners Dr. Beltramini, Emmenbrücke, ist der Beschwerdegegner nur noch in leichten und hüftschonenden Tätigkeiten arbeitsfähig, wobei die Arbeit "wenig stehend bzw. laufend (also v.a. sitzend) und ohne Heben und Tragen von Lasten sein sollte, sowie ohne Extrembewegungen (Beugen)" (Bericht vom 17. Dezember 2003). Gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, sind im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt und müssen deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Gehaltsansätzen rechnen (BGE 124 V 323 Erw. 3b/bb mit Hinweisen). Die Verwaltung hat den funktionellen Beeinträchtigungen, welche die möglichen Einsätze auch im Bereich der grundsätzlich zumutbaren leichteren Tätigkeiten einschränken und daher lohnwirksam sind, mit einer Kürzung des Tabellenlohns um 15 % Rechnung getragen. Es fragt sich, ob die Auswirkungen der Leistungseinschränkungen auf den (im Rahmen der grundsätzlich zumutbaren Verrichtungen) zu erwartenden Lohn angemessen berücksichtigt wurden bzw. ob mit dem kantonalen Gericht weitere einkommensmindernde Verumständungen anzuerkennen sind, die einen höheren Abzug bedingen. 3.3 Zwar kann der (im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens) 47-jährige Versicherte nach dem invaliditätsbedingt notwendigen Wechsel des Betätigungsfelds nur mehr einen Neueinsteigerlohn erwarten. Es ist aber zu beachten, dass die Bedeutung der Dienstjahre im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil (hier der Verweisungstätigkeiten) ist (BGE 126 V 79 Erw. 5a/cc mit Hinweis). Der beschwerdeführenden Verwaltung kann beigepflichtet werden, dass es sich vorliegend im Zusammenhang mit dem Kriterium des Lebens- und Dienstalters nicht rechtfertigt, den Abzug zu erhöhen. Das kantonale Gericht hat denn auch lediglich festgehalten, der Aspekt wirke sich bei einer neuen Tätigkeit nicht positiv auf den Lohn aus. Damit bleibt zu untersuchen, ob Art und Umfang des Gesundheitsschadens und der damit verbundenen funktionellen Einschränkungen einen Abzug rechtfertigen, der in der Nähe des von der Rechtsprechung zugelassenen Höchstansatzes liegt. Das Leiden des Beschwerdegegners beschränkt sich auf das Hüftgelenk; bei der Wahl der noch zumutbaren Tätigkeiten ist dementsprechend im Wesentlichen nur darauf zu achten, dass er wenig stehen und keine wesentlichen Lasten heben und tragen muss. Weitere Einschränkungen, namentlich bezüglich der Belastbarkeit des übrigen Bewegungsapparats, sind nicht ausgewiesen. Es drängt sich mithin nicht auf, stärker vom statistisch erhobenen Durchschnittslohn für leichte und einfache Tätigkeiten abzuweichen, als dies die Verwaltung bereits getan hat. Hinzu kommt, dass der Versicherte als ehemaliger Vorarbeiter berufliche Qualifikationen vorzuweisen vermag, welche die bestehenden funktionellen Einschränkungen bis zu einem gewissen Grad aufwiegen; insoweit ist nicht zu befürchten, dass ein potentieller Arbeitgeber den Versicherten nur um den Preis eines ausserordentlich tiefen Entgelts beschäftigen würde. Aus dem Gesagten folgt, dass keine triftigen Gründe bestehen, um den Ermessensentscheid der IV-Stelle zu korrigieren.