Citation: 1C_236/2023 E. 3.1.2

3.1.2. Die Erstinstanz stützte sich in der Tat zur Begründung der Berichtigung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers im ZEMIS im Wesentlichen auf das medizinische Altersgutachten des IRM vom 11. November 2020 ab, welches zum Schluss kam, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Untersuchung das 18. Lebensjahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollendet habe und dass das bei Stellung des Asylgesuchs angegebene chronologische Lebensalter von 16 Jahren und einem Monat mit den erhobenen Befunden nicht zu vereinbaren sei (vgl. auch vorne Sachverhalt lit. A). Im Rechtsmittelverfahren würdigte die Vorinstanz jedoch entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers nicht nur dieses Gutachten, sondern auch die eingereichten Dokumente, welche den 25. September 2004 als Geburtsdatum belegen sollten, ausführlich. Darauf ist nachfolgend einzugehen. 3.1.2.1. Im Unterschied zur Beweislage im vom Beschwerdeführer zitierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-429/2015 vom 12. Februar 2015 führte das IRM hier nicht nur eine Handknochenaltersanalyse, welche nur bis zur vollständigen Verknöcherung des Handskeletts - die bei Knaben normalerweise ab einem minimalen Alter von 16.1 Jahren stattfindet - zur Altersschätzung beigezogen werden kann, sondern auch eine praxisgemäss zum Beweis der Minder- bzw. Volljährigkeit geeignete Schlüsselbeinanalyse und eine zahnärztliche Untersuchung durch. Deren Resultate stehen den Aussagen des Beschwerdeführers, den eingereichten Dokumenten und den Feststellungen der kongolesischen Behörden entgegen. Das Gutachten wurde von der Vorinstanz als auf zutreffenden Rechtsgrundlagen beruhend, vollständig, klar sowie als gehörig und widerspruchsfrei begründet erachtet. Diese Einschätzung bleibt seitens des Beschwerdeführers unbeanstandet und ist für das Bundesgericht demnach verbindlich. Das Gutachten geht insbesondere aufgrund der abgeschlossenen Verknöcherung der Schlüsselbein-Brustbein-Gelenke vom nachvollziehbaren Befund aus, dass das Mindestalter des Beschwerdeführers 19 Jahre betrage und erachtet ein Lebensalter zwischen 20 und 24 Jahren als wahrscheinlich. Aus zahnärztlicher Sicht wurde ein wahrscheinliches Alter zwischen 20.6 und 24.6 Jahren ermittelt; der Mittelwert der Weisheitszähne beträgt 23.35 Jahre. Das vom Beschwerdeführer beantragte und mittels nachfolgend thematisierter Dokumente zu belegen versuchte Geburtsdatum liegt weit ausserhalb der medizinisch ermittelten Altersspanne. 3.1.2.2. Die mit Bezug auf die von der Gemeinde Kinshasa ausgestellte "Attestation de Perte des Pièces d'Identité", mit welcher dem Beschwerdeführer der Verlust seiner Schülerkarte bestätigt wurde und welche als Geburtsdatum den 25. September 2004 aufführt, geäusserte vorinstanzliche Rechtsauffassung, wonach ein Schülerausweis kein Identitätsdokument i.S.v. Art. 1a lit. c AslyV 1 darstellt, ist nicht als willkürlich, sondern vielmehr als zutreffend zu qualifizieren. So handelt es sich dabei in der Tat nicht um ein amtliches Dokument, welches zum Zweck des Nachweises der Identität seiner Inhaberin oder seines Inhabers ausgestellt wurde, selbst wenn sich daraus Hinweise auf die Identität der betreffenden Person ergeben. Bezweckt wird mit dem eingereichten Dokument in erster Linie die Bestätigung des Schulbesuchs bzw. -abschlusses. Im Übrigen schwächt die Aussage des Beschwerdeführers anlässlich seiner Erstbefragung, wonach sein sich darauf befindliches Foto 2017 ausgetauscht worden sei, obschon es zusammen mit dem Datum der Ausstellung (10. Oktober 2013) vom Stempel abgedeckt ist, mangels schlüssiger Erklärung dieses Widerspruchs den Beweiswert des Dokuments. Es ist daher nachvollziehbar, dass die Vorinstanz Zweifel an dessen Authentizität hegte. 3.1.2.3. Zum Urteil des "Tribunal pour Enfants de Kinshasa/Gombe", dem "Certificat de Non Appel" und dem "Acte de Signification d'un Jugement" desselben Gerichts erwog das Bundesverwaltungsgericht, dass damit unbesehen der Echtheit dieser Dokumente die erhebliche Unsicherheit über das Geburtsdatum des Beschwerdeführers nicht beseitigt werden könne. Diese Beweiswürdigung lässt keine Willkür erkennen. Dem genannten kongolesischen Urteil lässt sich keine Herleitung des auf den 25. September 2004 festgesetzten Geburtsdatums entnehmen. Es bleibt deshalb insbesondere unklar, ob es zweckdienlich überprüft oder aber lediglich auf die Angaben des Beschwerdeführers abgestellt wurde. 3.1.2.4. Die eingereichten Dokumente "Acte de Naissance" und "Copie intégrale d'Acte de Naissance" stellen nach konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts als Geburtsurkunden ebenso wenig rechtsgenügliche Ausweisdokumente dar (vgl. statt vieler BVGE 2007/7 E. 6). Auch ihnen wird demnach kein erhöhter Beweiswert beigemessen. Es ist nicht zu beanstanden, dass deren Beweiswert im konkreten Fall aufgrund der mangelnden Überprüfbarkeit ihrer Sicherheitsmerkmale (Stempel und Unterschrift) auf ihre Echtheit als gering eingestuft wurde und die Richtigkeit des geltend gemachten Geburtsdatums gestützt darauf nicht als erstellt betrachtet wurde, zumal sie ausdrücklich auf das vorgenannte Gerichtsurteil abstellen, welchem sich - wie soeben erwähnt - die Herleitung des fraglichen Geburtsdatums nicht entnehmen lässt. 3.1.2.5. Anders als im vom Beschwerdeführer erwähnten BVGE 2011/37 E. 5.4.5 haben sich die Erst- und Vorinstanz wie soeben aufgezeigt mit der Authentizität und dem Beweiswert der eingereichten Dokumente auseinandergesetzt und fehlt es vorliegend eben genau an einer originären Identitätskarte bzw. an einem originären amtlichen Ausweisdokument. Der vorliegende Fall ist im Übrigen auch nicht mit dem bundesverwaltungsgerichtlichen Urteil D-5567/2022 vom 8. Februar 2023 (E. 6.3) vergleichbar, in welchem eine Geburtsurkunde und ein inhaltlich damit im Einklang stehender Impfausweis (beide Dokumente im Original vorliegend) trotz ihres verminderten Beweiswerts als Indizien für das geltend gemachte Geburtsdatum erachtet wurden und das im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum als wahrscheinlich nicht korrekt gewertet wurde. In jenem Fall erwies sich nämlich das erstellte rechtsmedizinische Gutachten als nicht geeignet, das vom Beschwerdeführer genannte Geburtsdatum zu widerlegen, da im Unterschied zum vorliegenden Fall aufgrund einer anatomischen Gegebenheit keine Schlüsselbein- bzw. Skelettaltersanalyse durchgeführt werden konnte.