Citation: 1B_482/2021 E. 2.4

2.4. Die Privatklägerin gibt an, der Beschwerdeführer habe den Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen vollzogen. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Geschlechtsverkehr habe einvernehmlich stattgefunden. Ausser der Privatklägerin und dem Beschwerdeführer war im massgeblichen Zeitpunkt niemand anwesend. Den Aussagen der Privatklägerin kommt deshalb entscheidende Bedeutung zu. Damit besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse, die Privatklägerin vor Kollusionshandlungen abzuschirmen. Die Staatsanwaltschaft beantragt in der Anklageschrift eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und eine Landesverweisung von zehn Jahren. Dem Beschwerdeführer droht somit eine empfindliche Strafe. Entsprechend hoch ist für ihn der Anreiz für Kollusionshandlungen. Es geht um zwei Vergewaltigungen einer Minderjährigen und damit schwerwiegende Straftaten. An deren Aufklärung und folglich an der Verhinderung von Verdunkelungshandlungen besteht daher ein erhebliches Interesse. Nach der Anklage stand die Privatklägerin unter dem starken und bestimmenden Einfluss ihres damaligen Freundes und war sie ausserstande, sich dessen zahlreichen in verschiedener Hinsicht unzumutbaren Forderungen an sie zu widersetzen. Dies spricht für ihre Beeinflussbarkeit. Sie ist kürzlich 16 Jahre alt geworden und damit immer noch sehr jung. Dies lässt darauf schliessen, dass sie Beeinflussungsversuchen durch den heute 28-jährigen und somit wesentlich älteren Beschwerdeführer schwer widerstehen könnte. Der bezirksgerichtliche Verfahrensleiter verfügte am 16. Juni 2021, die Privatklägerin werde im Rahmen der Hauptverhandlung voraussichtlich noch einmal kurz einvernommen. Das Bezirksgericht will sich somit, was im Lichte der Rechtsprechung (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2) nahe liegt, von der Privatklägerin einen persönlichen Eindruck machen. Die Verhinderung von Kollusionshandlungen ist daher, auch wenn die Strafuntersuchung abgeschlossen ist, weiterhin von erheblicher Bedeutung. Aus dem Umstand, dass die Privatklägerin nach der Verfügung des bezirksgerichtlichen Verfahrensleiters "kurz" einvernommen werden soll, ergibt sich nichts zugunsten des Beschwerdeführers. Auch wenn das Bezirksgericht die Privatklägerin nicht lange einvernehmen sollte, liegt doch auf der Hand, dass es sie jedenfalls fragen wird, ob sie die belastenden Aussagen gegen den Beschwerdeführer aufrechterhält. Zumindest hätte die Privatklägerin Gelegenheit, dem Bezirksgericht mitzuteilen, dass sie ihre belastenden Aussagen zurückziehe. Personen aus dem Umfeld des Beschwerdeführers haben sodann die Privatklägerin unstreitig bereits angegangen und versucht, sie zum Rückzug ihrer belastenden Aussagen zu veranlassen. Dass der Beschwerdeführer diese in seinem Interesse erfolgten Kontaktnahmen - wie er geltend macht - verurteilt, erscheint zweifelhaft, kann jedoch offen bleiben, da die oben genannten weiteren Gesichtspunkte für die Bejahung von Kollusionsgefahr für sich bereits genügen. Wenn die Vorinstanz diesen Haftgrund bejaht, verletzt das deshalb kein Bundesrecht.