Citation: 5A_401/2022 E. 6.3.1

6.3.1. Die Vorinstanz erörterte das Zustandekommen der letztwilligen Verfügung vom 27. Oktober 2008. Hierzu führte sie aus: 6.3.1.1. Im Zeitraum Ende 2005 sei es zu einer Vorbesprechung über die Errichtung eines Testaments im Büro des (neuen) Treuhänders gekommen. Der Treuhänder sei davon ausgegangen, die Besprechung mit der Erblasserin allein geführt zu haben. Allerdings habe er den Testamentsentwurf der Beschwerdeführerin zur Besprechung mit der Erblasserin zugesandt und damit implizit deren Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten in den Angelegenheiten der Erblasserin anerkannt. Dies spreche dafür, dass die Beschwerdeführerin auch in der höchstpersönlichen Angelegenheit der Errichtung des Testaments an der Besprechung mit dem Treuhänder anwesend gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe den Entwurf mit der Erblasserin besprochen. Diese habe es aber nicht geschafft, das Testament niederzuschreiben bzw. Anpassungen vorzunehmen und habe sich gemäss Beschwerdeführerin über die Prozentregelung aufgeregt. Vor diesem Hintergrund sei wenig glaubhaft und realitätsfremd, dass die Erblasserin rund drei Jahre später, ohne Vorlage und Unterstützung, allein, frei und ohne Besprechung, ein klares und kohärentes Testament wie das Angefochtene hätte verfügen können. Hätte die Erblasserin Unterstützung in Anspruch genommen, so wäre dies der Beschwerdeführerin sodann nicht verborgen geblieben. 6.3.1.2. Das Testament vom 27. Oktober 2008 weiche formal und inhaltlich vom Entwurf ab, der die gesetzliche Erbfolge nicht ausser Kraft gesetzt hätte. Er habe nicht als Vorlage gedient. In substanzieller Abweichung vom Entwurf sei der Beschwerdeführer Hauptbegünstigter des Testaments. Es könne nicht davon ausgegangen werden, die Erblasserin habe das Testament ohne Unterstützung von Dritten formulieren können. 6.3.1.3. Die Behauptung der Beschwerdegegner, das Testament stamme gar nicht von der Erblasserin, habe im Verfahren nicht abschliessend geklärt werden können. Jedenfalls könne aber nicht davon ausgegangen werden, die Erblasserin habe das Testament ohne Unterstützung von Dritten formulieren können. 6.3.1.4. Wer das Testament dem Notariat abgegeben und wer es dort entgegen genommen hatte, sei ungeklärt geblieben. Die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Version, wonach die bereits damals von Alter und Gebrechen gezeichnete, als immobil beschriebene und auf Unterstützung Dritter angewiesene Erblasserin in eigener Regie das Testament verfasst und es dann mit dem Mofa der Bank bzw. dem Notariat zur Aufbewahrung überbracht hatte, sei wenig überzeugend. Wenn die Beschwerdeführerin unter diesen Vorzeichen jegliche Kenntnisse über das Testament von sich weise, mache sie sich verdächtig und ihre Darstellung, sie habe nichts gewusst über das Zustandekommen und den Verbleib des Testaments, sei nicht glaubhaft und realitätsfremd. Hinzu komme, dass der Ablauf der Errichtung des Testaments der Beschwerdeführerin aufgefallen wäre. Denn die Errichtung eines schlüssigen und vollständigen Testaments erfordere die Mitteilung des Willens vonseiten der Erblasserin, die Beratung und die Niederschrift der Urkunde. Es bedürfe Denkarbeit, die Niederschlag finde in Entwürfen. Der Ablauf der Errichtung wäre der Beschwerdeführerin daher aufgefallen, weil sie gewusst habe, mit wem die Erblasserin Kontakt hatte. Anders hätte sie beispielsweise die Errichtung des Testaments nicht in einen Zusammenhang mit dem Besuch von N.C.________ (inzwischen verstorbener Kläger), bringen können. Weder die Beschwerdeführer noch die Zeugen hätten eine andere Bezugsperson genannt, der sich die Erblasserin im relevanten Zeitraum, und schon gar nicht im Zuge der Errichtung eines Testaments, hätte anvertrauen können. Die Beschwerdeführerin sei seit dem Tod des Ehemannes der Erblasserin ihre Begleitperson im Alltag und einzige Bezugs- und Ansprechperson gewesen, insbesondere auch, was die Errichtung eines Testaments angehe. Die Beschwerdeführerin habe den Überblick über das Alltagsgeschehen der Erblasserin gehabt und ihre administrativen Angelegenheiten erledigt. Sie verschleiere die Situation rund um die Entstehung des Testaments, was Raum zur Annahme gebe, dass sie mindestens Einfluss auf dessen Inhalt genommen habe. Ob sie dieses darüber hinaus gar diktiert bzw. zur Niederschrift vorlegen lassen habe, könne offenbleiben, eine solche Annahme erscheine aber nicht abwegig.