Citation: 2A.491/2001 01.03.2002 E. 3

3.- Die Beschwerdeführerin hat die ersten fünf Lebensjahre in der Schweiz verbracht; nachdem sie in der Türkei während fünf Jahren die Grundschule besucht hatte, kehrte sie am 1. Juli 1987 als Zehnjährige in die Schweiz zurück, wo sie bis zum März 1995 blieb. Damit hat sie bis zum Erreichen des Erwachsenenalters dreizehn Jahre ihres Lebens in der Schweiz verbracht; darunter auch die Jugend, die als ein soziokulturell stark prägender Abschnitt im Leben eines Menschen gilt (vgl. BGE 123 II 125 E. 4b S. 129 ff.). Die Beschwerdeführerin hat während dieser Zeit eine enge Beziehung zu der Schweiz aufgebaut. Die türkische Kultur ist ihr aber nicht fremd: sie hat während fünf Jahren in der Türkei die Grundschule besucht; dazu kommt die Erziehung durch ihre Eltern, die ihr die türkische Kultur und Mentalität nahe gebracht haben. Die Beschwerdeführerin hat denn auch, wie aus dem Schreiben ihres Cousins vom 19. April 2000 hervorgeht, regelmässig Ferien in der Türkei verbracht, wo sie auch ihren heutigen Ehemann kennen gelernt hat. Die Beschwerdeführerin hat, wie sie geltend macht, die Schweiz verlassen, um dem Druck ihres patriarchalischen Vaters zu entkommen und um ihren Freund zu heiraten. Dass ihr Vater sie unmittelbar darauf bei der Einwohnerkontrolle abmelden würde, erfuhr sie nach eigenen Angaben erst ein paar Wochen später durch einen Cousin, worauf sie am 8. August 1995 ihren Vater vergeblich schriftlich aufforderte, die Angelegenheit mit ihrem Aufenthalt wieder in Ordnung zu bringen. Auch ihre Bitte um Hilfe vom 16. September 1995 an ihre Mutter brachte die Beschwerdeführerin nicht weiter, denn ihr Vater hatte, wie er dies inzwischen mit Schreiben vom 5. August 2000 bestätigte, seine Tochter verstossen und dabei den Verwandten verboten, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Da die Beschwerdeführerin es unterlassen hatte, sich innerhalb von sechs Monaten seit ihrer Abreise direkt an die Fremdenpolizei zu wenden, zu erklären, dass die Abmeldung nicht ihrem Willen entsprochen hatte und um Verlängerung der Frist gemäss Art. 9 Abs. 3 lit. c ANAG auf zwei Jahre zu ersuchen, erlosch ihre Niederlassungsbewilligung. Wie es scheint, resignierte sie hierauf und versuchte, sich in der Türkei zurechtzufinden. Die konkreten Umstände, unter denen die Beschwerdeführerin ihre Niederlassungsbewilligung verloren hat, sind zwar unerfreulich und hätten im Zeitraum unmittelbar nach dem Erlöschen der Niederlassungsbewilligung möglicherweise ein Indiz für einen Härtefall dargestellt. Diese Umstände haben jedoch heute an Bedeutung verloren, nachdem die Beschwerdeführerin mittlerweile fünf Jahre mit ihrem türkischen Ehemann, der in seinem Heimatland verwurzelt ist und mit dem sie seit 1996 einen gemeinsamen Sohn hat, in der Türkei gelebt hat. Die türkische Kultur, mit der sie schon während ihres fünfjährigen Aufenthalts als Kind in Berührung gekommen war und die ihr zudem durch ihre Eltern nahe gebracht worden war, mag ihr weniger liegen als die schweizerische; fremd ist sie ihr jedoch keineswegs. Dass die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Türkei weniger vorteilhaft sind als in der Schweiz, ist für die Härtefallfrage nicht von Bedeutung, unterscheidet sich doch die Situation der Beschwerdeführerin diesbezüglich nicht von der durchschnittlichen Situation ihrer Landsleute, die in der Türkei leben. Es liegt daher kein Härtefall im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor.