Citation: 1B_302/2009 11.05.2010 E. 4

Strafprozessuale Zwangsmassnahmen erfordern einen hinreichenden, objektiv begründeten konkreten Tatverdacht (BGE 124 IV 313 E. 4 S. 316). Einschränkungen der Freiheitsrechte, etwa der Privatsphäre (Art. 13 Abs. 1 BV, Art. 8 Ziff. 1 EMRK), müssen ausserdem auf gesetzlicher Grundlage beruhen und verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 1 und 3 BV, Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Gemäss der Kantonsverfassung des Kantons Zug ist das Hausrecht "unverletzlich" (§ 9 Abs. 1 KV/ZG). Zur Hausdurchsuchung bedarf es entweder der Einwilligung des Wohnungsinhabers oder der Ermächtigung durch einen zuständigen Beamten, welch letzterer den Zweck und die Ausdehnung dieser Massregel genau bezeichnen soll (§ 9 Abs. 2 KV/ZG). Ausnahmen von dieser Regel sind nur gestattet, wenn Gefahr im Verzuge ist (§ 9 Abs. 3 KV/ZG). 4.1 Wie sich aus den Akten und den Feststellungen der Vorinstanz ergibt, hatten die Beschwerdeführer sich aus Gefälligkeit mündlich bereit erklärt, dass der private Beschwerdegegner seine Alkoholika noch eine gewisse Zeit lang in ihrem Weinkeller lagern durfte. Unbestrittenermassen wurde diesbezüglich weder ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen, noch ein Wareninventar erstellt. Unbestritten ist auch, dass der Beschwerdegegner (jedenfalls im Oktober 2007) zumindest einen Teil seiner Alkoholika abtransportieren liess. Auch über diesen Abtransport liess er nicht Buch führen. Er machte dazu nur vage (teilweise widersprüchliche) Angaben. In dieser Situation lag das Risiko, dass es zu Verwechslungen oder Schwierigkeiten bei der Abgrenzung der Lagerbestände kommen könnte, primär beim Beschwerdegegner. Dies umso mehr, als grundsätzlich von der Vermutung auszugehen ist, dass der Besitzer von beweglichen Sachen auch deren Eigentümer sei (vgl. Art. 930 Abs. 1 ZGB). Nach den Feststellungen der Vorinstanz steht die Strafklage im Übrigen vor dem Hintergrund zivilrechtlicher Auseinandersetzungen betreffend Sachgewährleistung an der verkauften Liegenschaft. Die zeitliche Konnexität zwischen der Strafklage und den gegenseitigen Vorwürfen ist jedenfalls unübersehbar. 4.2 Der konkrete Tatverdacht eines Vermögensdeliktes wird im angefochtenen Entscheid nur vage begründet. Wie dargelegt, hat es zunächst der Beschwerdegegner zu verantworten, dass Unklarheiten über die Eigentumsverhältnisse an den gelagerten Alkoholika bestehen. Weder im kantonalen Verfahren noch vor Bundesgericht hat er Lieferscheine, Quittungen oder andere Unterlagen eingereicht, die ihn liquide als Eigentümer ausweisen würden. Beweiserhebungen der Staatsanwaltschaft, etwa Zeugenbefragungen, welche die Eigentümerschaft klären könnten, liegen nicht bei den Akten. Die Hausdurchsuchung und Beschlagnahme stützte sich auf die nur kursorisch substanziierte Sachdarstellung des Beschwerdegegners. Der Weinkeller und Hobbyraum der Beschwerdeführer ist seit mehr als einem Jahr versiegelt und nicht benutzbar. Beschlagnahmt wurden laut angefochtenem Entscheid ca. 300 Flaschen Wein und 40 Flaschen Spirituosen. Über diese Alkoholika konnte ein Beschlagnahmeverzeichnis erstellt werden. Es ist nicht ersichtlich und wird auch von den kantonalen Behörden nicht dargelegt, inwiefern der Weinkeller und Hobbyraum der Beschwerdeführer zu Untersuchungszwecken weiterhin versiegelt bleiben müsste. 4.3 Bei Würdigung sämtlicher Umstände liegt kein ausreichend konkreter Tatverdacht vor, der die Weiterdauer der streitigen Zwangsmassnahmen als verhältnismässig erscheinen liesse.