Citation: 6B_502/2016 E. 3

Bei der Abstandsregel von Art. 34 Abs. 4 SVG handelt es sich um eine wichtige Verkehrsregel von grundlegender Bedeutung. Sie soll gewährleisten, dass das nachfolgende Fahrzeug bei überraschendem Bremsen des Vordermanns rechtzeitig zum Stillstand gebracht werden kann. Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer im zu beurteilenden Fall mit seinem Personenwagen nicht rechtzeitig anhalten konnte. Dass der Fahrzeuglenker bei einem unerwarteteten Bremsmanöver des voranfahrenden Personenwagen rechtzeitig halten kann, gilt auch für die Fahrt bei dichtem Verkehrsaufkommen innerorts. Daran hat die von der Rechtsprechung anerkannte Einschränkung der Faustregel "halber Tacho" bei dichtem Stadtverkehr nichts geändert. Die Einschränkung wird von der Rechtsprechung nur zugelassen, wenn die dadurch erhöhte Gefahr von Auffahrunfällen durch ein bestmögliches Reaktionsvermögen und durch eine erhöhte Bremsbereitschaft ausgeglichen wird (Urteil 6B_1030/2010 vom 22. März 2011 E. 3.3.3). Dies steht ersichtlich in Zusammenhang mit den innerorts - gerade bei dichtem Stossverkehr - tieferen gefahrenen Geschwindigkeiten. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lässt sich diese Einschränkung der Faustregel schon allein wegen der deutlich höheren Geschwindigkeiten nicht unbesehen auf den Werkverkehr auf Autobahnen übertragen. Dies gilt auch, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht ausgefahren werden kann. Die vom Beschwerdeführer gefahrene Geschwindigkeit war im zu beurteilenden Fall mit mindestens 80 km/h jedenfalls immer noch erheblich. Wohl herrschte nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz dichter Verkehr; die Vorinstanz stellt aber nicht fest, dass das Verkehrsaufkommen - wie etwa bei stockendem oder zeitweise stillstehendem Verkehr - verkürzte Abstände notwendig gemacht hätte. Dass die Mindestabstände im parallelen Kolonnenverkehr auf Autobahnen oftmals nicht eingehalten werden (vgl. BGE 142 IV 93, S. 99/100), kann nicht bedeuten, dass die Abstandsregel bei dichtem Verkehr auf Autobahnen ihre Gültigkeit verliert. Gerade der vorliegende Sachverhalt unterstreicht eindrücklich, dass die Vorschrift auch bei hohem Verkehrsaufkommen auf Autobahnen von wesentlicher Bedeutung ist, zumal sich hier die Gefahr eines Auffahrunfalls verwirklicht hat. Die Vorinstanz verweist zu Recht auf eine Auffassung in der Lehre, nach welcher die Faustregel "halber Tacho" auf Autobahnen unverzichtbar sei (angefochtenes Urteil S. 7 mit Hinweis auf RENÉ SCHAFFHAUSER, Grundriss des Schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Bd. I, 2. Aufl. 2002, N 695). Das angefochtene Urteil ist auch nicht zu beanstanden, soweit die Vorinstanz annimmt, der Umstand, dass der vor dem Beschwerdeführer fahrende Fahrzeuglenker seine Fahrt brüsk und unerwartet voll abgebremst habe, könne jenen nicht entlasten. Es kann hiefür auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (angefochtenes Urteil S. 7). Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang Willkür geltend macht (Beschwerde S. 10), genügt seine Beschwerde den Begründungsanforderungen nicht (Art. 106 Abs. 2 BGG). Dass A.________ seinen Personenwagen gänzlich grundlos abgebremst und die Verkehrslage offensichtlich falsch eingeschätzt hat (Beschwerde S. 10 f.), scheint im Übrigen angesichts des Umstands, dass er seinerseits auf das vor ihm fahrende Auto aufgefahren ist, nicht nachvollziehbar. Das angefochtene Urteil verletzt kein Bundesrecht. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet, soweit auf sie eingetreten werden kann.