Citation: 4C.284/2006 07.11.2006 E. 4

4.1 Das Handelsgericht sah eine Vertragsverletzung darin, dass die Beklagte auf weitere Baugrunduntersuchungen verzichtete, obwohl die mit den Voruntersuchungen betraute Firma dies vorgeschlagen hatte. Zur Begründung führte es aus, der Bauingenieur, der als Spezialist für die Baugrubensicherung herangezogen werde, habe die Bodenbeschaffenheit zu prüfen. Die vom Geotechniker empfohlenen Abklärungen wären notwendig gewesen, um das Projekt der Beklagten auf seine Tauglichkeit hin zu prüfen. Den Kausalzusammenhang zwischen dieser Unterlassung und dem Schaden verneinte das Handelsgericht jedoch mit der Begründung, die Rutschung hätte trotz fehlender Abklärung bei einer aufmerksamen Bauleitung vor Ort noch verhindert werden können. Da die Beklagte nicht mehr zur Bauleitung verpflichtet gewesen sei, könne man ihr eine allenfalls mangelhafte oder fehlende Bauleitung nicht als Vertragsverletzung vorwerfen. Es fehle damit ein Glied in der Kausalkette. 4.2 Die Klägerin wirft dem Handelsgericht vor, damit das Wesen der Adäquanz zu verkennen, gemäss welcher auch entferntere Teilursachen zur Bejahung der Adäquanz führten. Das Wesen der Solidarität bestehe darin, dass all diejenigen, die auch nur eine Teilursache gesetzt hätten, haftpflichtrechtlich zur Verantwortung gezogen würden. Nur ein grobes Drittverschulden wäre kausalitätsunterbrechend, und ein solches habe die Vorinstanz nicht dargetan und sei von der Beklagten auch nicht behauptet worden. 4.3 Die Beklagte bestreitet, dass sie eine Vertragsverletzung beging, indem sie keine weiteren Baugrunduntersuchungen durchführte. Derartige Untersuchungen seien nicht Bestandteil des Ingenieurvertrags gewesen. Hätte die Beklagte für ihre eigenen Arbeiten weitere Untersuchungen benötigt, was klar nicht der Fall gewesen sei, hätte die Bauherrschaft diese bei einem Geologen in Auftrag geben müssen. Die Beklagte wäre dazu gar nicht kompetent gewesen. 4.4 Gemäss Art. 4.2.1 der SIA-Ordnung 103 ist der als Spezialist herangezogene Ingenieur im Rahmen der Vorstudien unter anderem verpflichtet, die Grundlagen zu beschaffen. Hat er sich zur Projektierung der Baugrube und der Baugrubensicherung verpflichtet, muss er - soweit für die korrekte Erfüllung dieser Aufgaben erforderlich - die Bodenbeschaffenheit prüfen. Stellt er fest, dass er nicht in der Lage ist, die notwendigen Abklärungen selber durchzuführen, hat er der Bauherrschaft den Beizug weiterer Fachleute (z.B. eines Geologen) nahezulegen und im Weigerungsfall abzumahnen (Rainer Schumacher, Die Haftung des Architekten aus Vertrag, in: Gauch Peter/Tercier Pierre (Hrsg.), Das Architektenrecht/Le droit de l'architecte, 3. Aufl. 1986, S. 152, Nr. 484). Nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz wären die vom Geotechniker empfohlenen Abklärungen für eine sorgfältige Tauglichkeitsprüfung des Projekts der Beklagten erforderlich gewesen. Die Beklagte bestreitet nicht, dass sie diese Abklärungen unterlassen hat. Sie behauptet auch nicht, dass sie von der Bauherrschaft den Beizug eines Geologen verlangt hätte. Demnach hat die Vorinstanz das Vorliegen einer Vertragsverletzung zu Recht bejaht. Eine Schadenersatzpflicht aus Vertrag setzt voraus, dass zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Auch das Unterlassen einer vertraglich geschuldeten Handlung kann kausal für den Schaden sein. Die Rechtsprechung unterscheidet grundsätzlich auch bei Unterlassungen zwischen natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang. Während bei Handlungen die wertenden Gesichtspunkte erst bei der Beurteilung der Adäquanz zum Tragen kommen, spielen diese Gesichtspunkte bei Unterlassungen in der Regel jedoch schon bei der Feststellung des hypothetischen Kausalverlaufs eine Rolle. Es ist daher bei Unterlassungen in der Regel nicht sinnvoll, den festgestellten oder angenommenen hypothetischen Geschehensablauf auch noch auf seine Adäquanz zu prüfen. Die Feststellungen des Sachrichters im Zusammenhang mit Unterlassungen sind deshalb entsprechend der allgemeinen Regel über die Verbindlichkeit der Feststellungen zum natürlichen Kausalzusammenhang für das Bundesgericht grundsätzlich bindend. Nur wenn der hypothetische Kausalzusammenhang ausschliesslich gestützt auf die allgemeine Lebenserfahrung - und nicht gestützt auf Beweismittel - festgestellt wird, unterliegt sie der Überprüfung im Berufungsverfahren (BGE 132 III 305 E. 3.5 S. 311; 115 II 440 E. 5a S. 447 f., je mit Hinweisen). Das Handelsgericht hat den hypothetischen Kausalzusammenhang zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden gestützt auf eine Beweiswürdigung verneint. Soweit die Beklagte ihm vorwirft, das Wesen der Adäquanz zu verkennen, kann deshalb auf die Berufung nicht eingetreten werden. Sollte das Handelsgericht bei der erneuten Entscheidung über die Sache allerdings zum Schluss kommen, die Beklagte sei zur Bauleitung verpflichtet gewesen (vgl. E. 3), wäre der Kausalzusammenhang zu bejahen.