Citation: 2C_235/2008 16.10.2008 E. 2

2.1 Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung setzt voraus, dass der Betroffene wissentlich falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen verschwiegen hat, in der Absicht, gestützt darauf den Aufenthalt oder die Niederlassung bewilligt zu erhalten (Urteil 2A.423/2006 vom 26. Oktober 2006, E. 2.1). Nach Art. 3 Abs. 2 ANAG ist der Ausländer verpflichtet, der Behörde wahrheitsgetreu über alles Auskunft zu geben, was für den Bewilligungsentscheid massgebend sein kann. Hievon ist er selbst dann nicht befreit, wenn die Fremdenpolizeibehörde die fragliche Tatsache bei gebotener Sorgfalt selbst hätte ermitteln können. Wesentlich sind dabei nicht nur Umstände, nach denen die Fremdenpolizei ausdrücklich fragt, sondern auch solche, von denen der Gesuchsteller wissen muss, dass sie für den Bewilligungsentscheid massgeblich sind (Urteile 2A. 595/2006 vom 6. Februar 2007, E. 4.3, 2A.511/2001 vom 10. Juni 2002, publ. in: Pra 2002 Nr. 163, E. 3.2; 2A.57/2002 vom 20. Juni 2002, publ. in: Pra 2002 Nr. 165, E. 2.2, je mit Hinweisen). Dazu gehört etwa die Absicht der Nichtfortsetzung der bisherigen bzw. der Begründung einer neuen Ehe (vgl. Urteil 2A.551/2003 vom 21. November 2003, E. 2.1). Ein Erschleichen der Niederlassungsbewilligung kann nach der Praxis auch darin liegen, dass die Angaben, auf die sich die Behörden bei der seinerzeitigen Erteilung der Aufenthaltsbewilligung gestützt hatten oder die bei späteren Verlängerungen der Aufenthaltsbewilligung oder bei der Erteilung der Niederlassungsbewilligung mangels anderer Angaben immer noch als massgebend betrachtet werden durften, falsch oder unvollständig waren. Es ist nicht erforderlich, dass die Bewilligung bei richtigen und vollständigen Angaben notwendigerweise zu verweigern gewesen wäre (Urteil 2A.432/2002 vom 5. Februar 2003, E. 3.5, mit Hinweisen). Immerhin ist die kantonale Behörde ihrerseits verpflichtet, vor Erteilung der Niederlassungsbewilligung "das bisherige Verhalten des Ausländers nochmals eingehend zu prüfen" (Art. 11 Abs. 1 ANAV; SR 142.201). 2.2 Nachdem der Beschwerdeführer und seine damalige schweizerische Ehefrau am 28. Juli 1998 gerichtlich getrennt worden waren, äusserte letztere - in Beantwortung von Fragen der Fremdenpolizeibehörde nach den Umständen und Gründen der Trennung sowie der Aussicht auf Wiedervereinigung - mit Schreiben vom 20. Oktober 1998 unter anderem die Vermutung, dass der Beschwerdeführer im Kosovo "noch Frau und Kind" habe. Die Ausländerbehörde ging diesem Hinweis, soweit ersichtlich, nie weiter nach. Sie beschränkte sich in einem weiteren Schreiben an die Eheleute vom 11. Oktober 2000 im Wesentlichen auf die Frage, ob bzw. wann mit einer Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft bzw. mit einer Scheidung zu rechnen sei. Nachdem beide Partner die Frage nach der Möglichkeit einer Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft mit "vielleicht" beantwortet hatten, erhielt der Beschwerdeführer - der gemäss Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister vom 27. November 2000 bis dahin sechs Mal zu kurzen Freiheitsstrafen verurteilt und mehrmals fremdenpolizeilich verwarnt worden war - am 11. Dezember 2000 die Niederlassungsbewilligung. In den einschlägigen Formularen war nie nach der allfälligen Existenz von Kindern gefragt worden. 2.3 In der Beschwerdeschrift wird mit Grund hervorgehoben, dass die kantonale Ausländerbehörde vorliegend bei der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen und insbesondere bei der Erteilung der Niederlassungsbewilligung ihrer Prüfungspflicht gemäss Art. 11 Abs. 1 ANAV nicht hinreichend nachgekommen ist. Der Vorwurf, der Beschwerdeführer habe sich durch wissentliches Verschweigen wesentlicher Tatsachen die Niederlassungsbewilligung erschlichen, ist damit aber nicht entkräftet: Nach der Rechtsprechung ist der Ausländer auch zur Offenlegung von Tatsachen verpflichtet, nach denen nicht ausdrücklich gefragt wird, sofern er wissen muss, dass sie für den geltend gemachten Bewilligungsanspruch von Belang sein können (vgl. vorne E. 2.1). Dies ist bei einem gestützt auf Art. 7 oder 17 ANAG anwesenheitsberechtigten Ausländer, der in einer eheähnlichen Parallelbeziehung Kinder zeugt, für welche bei Erteilung einer Niederlassungsbewilligung im Grundsatz ein Nachzugsrecht entsteht (vgl. Art. 17 Abs. 2 ANAG), der Fall. Der Hinweis des Beschwerdeführers auf den im Urteil 2A.46/2002 vom 23. Mai 2002 beurteilten Sachverhalt ist unbehelflich: In jenem Fall war die Ausländerbehörde über die familiären Verhältnisse des Betroffenen bereits bei Erteilung der Niederlassungsbewilligung umfassend im Bilde, weshalb die fraglichen Umstände, auch wenn die Erteilung der Niederlassungsbewilligung auf einer fehlerhaften Beurteilung derselben beruhte ("Betriebsunfall"), den Widerruf dieser Bewilligung nicht rechtfertigen konnten. Vorliegend aber hatte die Ausländerbehörde von der Existenz der Parallelfamilie keine Kenntnis. Bei Offenlegung der Verhältnisse durch den Beschwerdeführer wäre diesem die Niederlassungsbewilligung, wie ohne weiteres angenommen werden darf und was auch dem Beschwerdeführer klar sein musste, nicht erteilt worden. Der Beschwerdeführer hat sich diese Bewilligung durch Verschweigung seiner besonderen Familienverhältnisse und seiner wahren Absichten im Sinne von Art. 9 Abs. 4 lit. a ANAG erschlichen, womit ein Widerrufsgrund gegeben ist. 2.4 Der ausgesprochene Widerruf der Niederlassungsbewilligung erscheint aufgrund der konkreten Umstände auch nicht unverhältnismässig: Der Beschwerdeführer lebt zwar schon längere Zeit in der Schweiz. Sein hiesiges Verhalten gab aber immer wieder zu Klagen Anlass (vorne E. 2.2). Es kann sodann angenommen werden, dass er zu seinem Heimatland, wo seine heutige Ehefrau und die mit ihr gezeugten Kinder leben, noch eine lebendige Beziehung hat. Eine Rückkehr dorthin ist ihm zumutbar.