Citation: 8C_193/2024 E. 6.1.1

6.1.1. Soweit das kantonale Gericht zur Auffassung gelangte, für die Rentenzusprache sei ein ausgeprägtes hirnorganisches Psychosyndrom ausschlaggebend gewesen, weshalb eine Besserung der neuropsychologischen Beeinträchtigungen als Revisionsgrund von vornherein nicht in Betracht komme, stützte es sich auf eine Telefonnotiz des RAD vom 24. August 2010 und einen Bericht des Kantonsspitals E.________ vom 30. Januar 2009. Dem kann nicht gefolgt werden. Aus der Telefonnotiz geht zwar hervor, dass der behandelnde Psychiater von einem hirnorganischen Psychosyndrom ausging und sich der RAD dieser Auffassung anschloss. Dieses Krankheitsbild besteht jedoch, wie sich aus der Fachliteratur ergibt, aus einer Reihe von verschiedenartigen Symptomen im Sinne von Kopfschmerzen, Schwindel, Erschöpfung und Reizbarkeit, Schwierigkeiten bei der Konzentration und bei geistigen Leistungen sowie Gedächtnisstörungen (HORST DILLING/HARALD J. FREYBERGER [Hrsg.], Taschenführer zur ICD-10 Klassifikation psychischer Störungen, 9. Aufl. 2019, S. 58), wobei gerade die kognitiven Leistungseinbussen im Vordergrund stehen (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 269. Aufl. 2023, S. 1446). Entgegen der offensichtlich unhaltbaren Auffassung der Vorinstanz lässt sich aus der Diagnose eines organischen Psychosyndroms somit nicht herleiten, die u.a. im Bericht der B.________ AG vom 20. April 2010 beschriebenen neuropsychologischen Beeinträchtigungen (vgl. vorne E. 4.1) seien für die Rentenzusprache gänzlich unerheblich gewesen. Dasselbe gilt für den vom kantonalen Gericht zitierten Bericht des Kantonsspitals E.________. Denn die von der Vorinstanz zitierte Passage, wonach die Kopfschmerzproblematik, die verminderte Belastbarkeit und der eingeschränkte Antrieb des Beschwerdegegners bei der Arbeitseingliederung "deutlicher" ins Gewicht fielen als die kognitiven Einschränkungen, lässt offenkundig ebensowenig den Schluss zu, dass die neuropsychologischen Beeinträchtigungen für die Rentenzusprache völlig unerheblich waren. Dies gilt umso mehr, als auf derselben Seite des Berichts wenige Zeilen zuvor festgehalten wurde, dass der Beschwerdegegner unter anderem aufgrund der neuropsychologischen Einschränkungen bei jeglichen Routinearbeiten und der Alltagsbewältigung "deutlich limitiert" sei. Weitere Anhaltspunkte, die für ihre Sicht sprechen würden, nennt die Vorinstanz nicht. Diesbezüglich lässt sich der von ihr offensichtlich unrichtig festgestellte Sachverhalt jedoch ohne Weiteres ergänzen (Art. 105 Abs. 2 BGG; BGE 143 V 19 E. 6.1.3 in fine), weisen doch auch die übrigen Verfahrensakten aus der Zeit vor der Rentenzusprache auf die Relevanz der neuropsychologischen Beeinträchtigungen hin. Exemplarisch sei hier lediglich auf den letzten ärztlichen Bericht vor der Rentenzusprache, nämlich denjenigen der B.________ AG vom 20. Dezember 2010 verwiesen, welcher festhielt, dass die volle Arbeitsunfähigkeit auf den "weiterhin bestehenden neuropsychologischen Funktionsstörungen beruhe". Entgegen der willkürlichen Feststellung der Vorinstanz kommt eine Besserung der neuropsychologischen Beeinträchtigungen daher sehr wohl als Revisionsgrund in Betracht.