Citation: 8C_875/2008 06.03.2009 E. 5

5.1 Für die Adäquanzbeurteilung ist an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis anzuknüpfen, wobei zwischen banalen bzw. leichten Unfällen einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wird. Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht kürzlich bestätigt (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126). Trotz des Hinweises in der Beschwerdeschrift auf aktuelle Forschungsergebnisse besteht für das Gericht kein Anlass, davon abzuweichen. Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (SVR 2008 UV Nr. 36 S. 137, 8C_637/2007 E. 2.5.1). Auffahrkollisionen auf ein (haltendes) Fahrzeug werden dabei in der Regel als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen betrachtet (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04 E. 5.1.2). Der Unfall vom 30. Juni 2004 ereignete sich bei dichtem Kolonnenverkehr auf der Hauptstrasse. Weil der Lenker des Militärfahrzeugs Bucher Duro nach rechts in die Autobahnausfahrt blickte, bemerkte er zu spät, dass das vom Beschwerdeführer gelenkte Fahrzeug vor ihm zum Stillstand gekommen war. Trotz Vollbremsung konnte er das schwere Armeefahrzeug nicht mehr rechtzeitig anhalten und prallte in den Personenwagen des Beschwerdeführers. Das kantonale Gericht hat den Unfall, insbesondere in Berücksichtigung des Umstandes, dass ein Geländewagen der Armee ins Heck des Fahrzeugs des Beschwerdeführers fuhr und mit Blick auf die in der Biomechanischen Kurzbeurteilung des Prof. Dr. med. W.________ und des Dr. sc. techn. U.________ vom 29. April 2005 ermittelte kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) im Bereich oberhalb von 10-15 km/h, als mittelschweres, eher im mittleren als im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegendes Ereignis eingestuft. Nach den durch die Rechtsprechung entwickelten Massstäben (vgl. u.a. die Urteile 8C_508/2008 vom 22. Oktober 2008 E. 5.2, 8C_ 623/2007 vom 22. August 2008 E. 7, U 587/06 vom 8. Februar 2008 E. 3.3, 3.3.1 und 3.3.2, U 515/06 vom 9. August 2007 E. 4.2.3, U 365/05 vom 11. Juli 2007 E. 5.1 und U 330/03 vom 19. Mai 2004 E. 2.3) scheidet eine Einordnung im Grenzbereich zu den schweren Unfällen klarerweise aus. Daran vermag auch die in der Beschwerdeschrift vorgebrachte Kritik an der bundesgerichtlichen Adäquanzpraxis nichts zu ändern. 5.2 Damit die Adäquanz bejaht werden könnte, müssten somit von den weiteren in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffälliger Weise erfüllt sein (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f., 117 V 359 E. 6a S. 367). Das Bundesgericht hat die Adäquanzkriterien in BGE 134 V 109 teilweise modifiziert. An dieser Rechtsprechung ist trotz der in der Beschwerdeschrift vorgebrachten Kritik festzuhalten. Die Vorinstanz hat die Kriterien in dieser neuen Fassung geprüft und ist zum Schluss gelangt, es seien deren zwei, nämlich erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen und erhebliche Beschwerden erfüllt, jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise, weshalb die Adäquanz zu verneinen sei. 5.2.1 Der durch ein schweres Militärfahrzeug verursachten Heckkollision kann eine gewisse Eindrücklichkeit zwar nicht abgesprochen werden. Doch hat sie sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war sie - objektiv betrachtet - von besonderer Eindrücklichkeit. Dieses Kriterium wurde etwa bejaht bei Verkehrsunfällen, welche sich auf der Autobahn bei hoher gefahrener Geschwindigkeit ereigneten, bei welchen sich das Fahrzeug überschlug oder von einem Sattelschlepper gerammt und vor diesem hergeschoben wurde (vgl. Urteile 8C_508/2008 vom 22. Oktober 2008, 8C_623/2007 vom 22. August 2008, U 492/06 vom 16. Mai 2006). Derartige oder auch nur vergleichbare Umstände sind hier nicht gegeben. Die Vorinstanz hat das diesbezügliche Kriterium (BGE 134 V 109 E. 10.2 S. 127) daher zu Recht verneint. 5.2.2 Das vom Bundesgericht in BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 präzisierte, von der Vorinstanz als nicht erfüllt betrachtete Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen ist nach Ansicht des Beschwerdeführers mit Blick auf die komplizierten Vorzustände gegeben. Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits durch einen früheren Unfall erheblich vorgeschädigte HWS betrifft, ist speziell geeignet, die "typischen" Symptome hervorzurufen und deshalb als Verletzung besonderer Art qualifiziert zu werden (vgl. SVR 2007 UV Nr. 1, U 39/04 E. 3.4.2). Darauf weist auch die Biomechanische Kurzbeurteilung vom 29. April 2005 hin. Im Gegensatz zum erwähnten Fall ist das Ausmass der Vorschädigung vorliegend nicht durch die Zusprechung einer entsprechenden Rente ausgewiesen (vgl. auch die Urteile 8C_508/2008 vom 22. Oktober 2008 E. 5.4 und 8C_785/2007 vom 11. Juni 2008 E. 4.4). Vor dem Unfall vom 30. Juni 2004 war der Beschwerdeführer laut eigenen Angaben infolge der degenerativen Veränderungen an der HWS in keiner Weise eingeschränkt, krank oder arbeitsunfähig. Er habe ein beschwerdefreies Leben mit aktiver sportlicher Betätigung geführt. An seiner langjährigen Arbeitsstelle habe er oft ein Pensum von mehr als 100 Prozent erledigt und sich in der Firma eine gute Position erarbeiten können. Somit ist nicht davon auszugehen, dass die Wirbelsäule in einem Ausmass vorgeschädigt war, dass die beim hier zur Diskussion stehenden Verkehrsunfall erlittene Distorsion als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren wäre. Das Kriterium ist daher nicht erfüllt. 5.2.3 Bezüglich des Kriteriums der fortgesetzten spezifischen und belastenden ärztlichen Behandlung ist der Zeitraum vom Unfall bis zum Fallabschluss massgebend (BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128), welcher vorliegend auf den 30. September 2006 erfolgte. Nicht berücksichtigt werden können daher der Bericht des Dr. med. C.________ vom 9. Oktober 2008, das Attest über die Atlasprophylaxe vom August 2008 und die Honorarrechnungen des Dr. TCM I.________ für die Zeit von November 2007 bis Februar 2008. Ob sie zulässig seien (vgl. E. 4.2), kann daher auch hier offen bleiben. Der Beschwerdeführer stand zunächst in hausärztlicher Behandlung, begleitet von physiotherapeutischen und chiropraktischen Massnahmen. Nach den spezialärztlichen Abklärungen im Spital X.________ im August 2004 folgte vom 16. November bis 14. Dezember 2004 eine stationäre Behandlung in der Klinik Y.________. Am 27. April 2005 untersuchte der SUVA-Arzt den Versicherten. Die psychotherapeutische Behandlung beschränkte sich laut Bericht des Dr. med. R.________ vom 9. Mai 2005 auf sieben Konsultationen. Vom 21. Februar bis 20. Juli 2006 führte sodann Dr. med. L.________ gemäss Bericht vom 26. September 2006 Akupunkturbehandlungen durch, welche jeweils zu einer deutlichen Besserung geführt hatten. Die Besuche beim Hausarzt reduzierten sich laut Angaben des Versicherten auf die regelmässige Abgabe von Schmerzmitteln. Insgesamt betrachtet ist somit eine fortgesetzt spezifische, nicht aber eine belastende ärztliche Behandlung anzunehmen. Nicht als belastend im Sinne dieses Kriteriums gelten kann der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer die Akupunkturbehandlung finanziell nicht mehr leisten kann. 5.2.4 Die Glaubwürdigkeit der geltend gemachten, erheblichen Beschwerden wird von keiner Seite in Frage gestellt. Das Kriterium ist daher mit der Vorinstanz als erfüllt zu betrachten. Die Beschwerden übersteigen jedoch das bei Schleudertrauma-Verletzungen übliche Mass nicht derart, dass das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise bejaht werden könnte. Immerhin ist der Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht noch zumindest 25 Prozent arbeitsfähig. Zwar ist er laut eigenen Angaben auf die Einnahme von Schmerzmitteln angewiesen, um den Alltag zu bewältigen und ein normales Leben führen zu können. Kann die Beeinträchtigung im Lebensalltag somit gemildert werden, erweist sich das Kriterium nicht als derart ausgeprägt, dass allein deswegen der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen wäre. 5.2.5 Der Versicherte macht zu Recht nicht geltend, das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, sei erfüllt. 5.2.6 Die Vorinstanz hat das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen selbst unter Mitberücksichtigung des Verlusts der langjährigen Arbeitsstelle als nicht ausgewiesen betrachtet. Es bedarf hiezu besondere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Durchführung verschiedener Therapien allein genügt nicht. Der Beschwerdeführer macht unter Hinweis auf einen Bericht des Dr. med. H.________ vom 24. Mai 2007 geltend, der verminderten Handschlussproblematik sei keine Beachtung geschenkt worden. Zudem liege seit dem Unfall ein therapierefraktäres, entzündetes Unterschenkelerythem vor, welches nicht abheile. Dass es hinsichtlich dieser Problematik bis zum Fallabschluss durch die SUVA zu erheblichen Komplikationen gekommen wäre, ist aufgrund der bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen nicht ausgewiesen. Wie dem Untersuchungsbericht des SUVA-Arztes Dr. med. M.________ vom 27. April 2005 zu entnehmen ist, wurden ihm gegenüber vom Versicherten keine entsprechenden Beschwerden erwähnt. Die vorinstanzliche Betrachtungsweise lässt sich daher auch unter Berücksichtigung der vorgebrachten Einwände nicht beanstanden. 5.2.7 Das Kriterium einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen hat die Vorinstanz als erfüllt betrachtet, da sich der Beschwerdeführer ausweislich der Akten auch nach seiner Entlassung um die Wiederaufnahme erwerblicher Aktivitäten redlich bemüht habe. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann indessen nicht von einer besonderen Ausprägung des Merkmals ausgegangen werden. Da es nach der in BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 präzisierten Rechtsprechung wegen des dadurch geschaffenen negativen Anreizes nicht mehr auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ankommt, verfängt der Hinweis des Beschwerdeführers auf die mittlerweile schon Jahre dauernde Arbeitsunfähigkeit nicht, um eine speziell ausgeprägte Form zu begründen. 5.3 Von den massgebenden Kriterien sind somit lediglich zwei - wenn auch nicht in besonders ausgeprägtem Masse - erfüllt. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 30. Juni 2004 und den über den 30. September 2006 hinaus geklagten Beschwerden ist somit zu verneinen, weshalb die Leistungseinstellung der SUVA auf dieses Datum hin rechtens war.