Citation: 5A_410/2021 E. 3.2

3.2. Die Beschwerdeführer sind durch die blosse Verwendung des Wortes "offensichtlich" in den Erwägungen des angefochtenen Urteils nicht beschwert (Art. 76 Abs. 1 lit. b BGG). Am Dispositiv hätte sich nichts geändert, wenn das Obergericht die Berufung bloss als "unbegründet" (recte: "unzulässig" oder ähnliches; vgl. oben E. 2) bezeichnet hätte. Im Übrigen ist der Einwand unbegründet. Art. 312 Abs. 1 ZPO regelt die Voraussetzungen, unter denen das Berufungsgericht auf das Einholen einer Stellungnahme der Gegenpartei verzichten kann. Die Zustellung der Berufung an die Gegenpartei ist die Regel (BGE 143 III 153 E. 4.5). Sie soll nur in eindeutigen Fällen unterbleiben (vgl. die Beispiele in BGE 143 III 153 E. 4.6). Art. 312 Abs. 1 ZPO untersagt dem Berufungsgericht jedoch nicht, die Berufung auch noch nach Einholen einer Stellungnahme als offensichtlich unzulässig oder offensichtlich unbegründet zu bezeichnen. Dies gilt umso mehr, als die Vernehmlassung von der Präsidentin der I. Zivilkammer des Obergerichts eingeholt und der Endentscheid in Dreierbesetzung gefällt worden ist. Im Übrigen ist nicht bekannt, ob das Obergericht überhaupt ein Vorprüfungsverfahren durchgeführt hat. Dass dies der Fall gewesen sei, wird von den Beschwerdeführern bloss daraus abgeleitet, dass die Berufung der Beschwerdegegnerin zur Stellungnahme zugestellt worden ist. Die Beschwerdeführer behaupten nicht, dass das Obergericht die Berufung im Laufe des Berufungsverfahrens je ausdrücklich als "nicht offensichtlich unbegründet" bezeichnet hätte. Sie legen auch nicht dar, dass das Einholen einer Stellungnahme in ihnen ein schützenswertes Vertrauen im Hinblick auf irgendwelche Dispositionen erweckt hätte.