Citation: 1C_105/2022 E. 7.2

7.2. Die Vorinstanz stellte in tatsächlicher Hinsicht auf die Sachverhaltsfeststellungen im Strafbefehl vom 20. Oktober 2020 ab. Danach ist der Beschwerdeführer als Lenker eines Motorrads am 4. Juli 2020 um ca. 21:10 Uhr bei schwachem Verkehrsaufkommen auf der Autobahn hinter einem Personenwagen auf dem Überholstreifen gefahren und hat dann auf den Normalstreifen gewechselt. Nach dem Wechsel der Fahrspur hat er beschleunigt, um den weiterhin auf der Überholspur fahrenden Personenwagen zu überholen. Nach Abschluss des Überholmanövers ist er auf der Normalspur weitergefahren. In Ergänzung des Sachverhalts (vgl. Art. 105 Abs. 2 BGG) kann dem aktenkundigen Anzeigerapport der Kantonspolizei Bern vom 13. Juli 2020 zudem entnommen werden, dass das Überholmanöver bei schönem Wetter, guter Sicht und trockenen Strassenverhältnissen stattfand. Zudem ist in den Akten nirgends vermerkt, dass der Beschwerdeführer beim Rechtsüberholen die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten hätte. Anzeichen für erschwerende Umstände, welche die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefährdung und damit eine Beurteilung des Überholmanövers als schwere Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG rechtfertigten könnten (vgl. vorne E. 6.4), sind bei dieser Ausgangslage nicht ersichtlich. Insbesondere liegen keine Hinweise vor, dass der überholte Lenker des Personenwagens aufgrund des Rechtsüberholens überrascht wurde oder seine Fahrweise anpassen musste. Der hier zu beurteilende Sachverhalt ist somit vergleichbar mit jenem, der dem Leiturteil 1C_626/2021 vom 3. November 2022 zugrunde lag. Das Manöver ist daher als einfaches Rechtsüberholen ohne erschwerende Umstände und damit als Ordnungswidrigkeit im Sinne von Ziff. 314.3 Anhang 1 OBV zu qualifizieren. Diese Schlussfolgerung rechtfertigt sich umso mehr, als die Wetterverhältnisse (bewölkt) im dort zu beurteilenden Fall schlechter waren und der Fahrzeuglenker - anders als der Beschwerdeführer - unmittelbar nach dem Rechtsüberholen wieder auf die Überholspur einbog. Nicht weiter einzugehen ist vor diesem Hintergrund auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er sich aufgrund der Fahrweise der zum Tatzeitpunkt hinter ihm fahrenden zivilen Polizeipatrouille zum Rechtsüberholen gedrängt gefühlt habe.