Citation: U 208/05 18.01.2006 E. 4

Während der erfolgte Kontakt mit dem Borreliose-Erreger mittels serologischen Untersuchungen belegt werden kann, genügen diese für den Schluss auf eine daraus entstandene Lyme-Borreliose nicht. Vielmehr setzt die Diagnose dieser Krankheit - gleich welchen Stadiums - ein entsprechendes klinisches Beschwerdebild und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach Krankheitsstadium ein pathologischer laborchemischer Test die Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhöhen kann (Urteil F. vom 15. April 2004, U 217/03, Erw. 4 mit Hinweis auf: Norbert Satz, Klinik der Lyme-Borreliose, 2. Auflage, Bern 2002, S. 70). 4.1 Dass der Borrelienkontakt beim Versicherten zu einer Neuroborreliose - als allfällige Erklärung für die aufgetretene Symptomatik - geführt hat, wird in den verschiedenen Arztberichten mehrheitlich verneint. Begründet wird dies damit, dass eine Neuroborreliose weder mit klinischen und paraklinischen Untersuchungen noch mit mehreren Liquorpunktionen nachgewiesen werden konnte. Eine anderslautende Auffassung vertritt zunächst Dr. med. S.________, Facharzt für Innere Medizin FMH. Er führt mit Bericht vom 13. Juli 2004 aus, es habe eine Neuroborreliose bestanden, begründet dies aber nur damit, dass ein normaler Liquor eine Lyme-Neuroborreliose nicht ausschliesse, da eine solche nur zu Beginn der Erkrankung im Liquor nachgewiesen werden könne. Diese Aussage vermag die Annahme einer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aufgetretenen Neuroborreliose nicht entscheidend zu stützen. Dies räumt der Internist auch selber ein, indem er weiter festhält, man könne aus dem normalen Liquor höchstens schliessen, dass eine Neuroborreliose nicht beweisbar sei. Der Versicherte legt zur Stützung seines Standpunktes, wonach eine Neuroborreliose aufgetreten ist, sodann neu ein Privatgutachten des Dr. med. C.________, MPH, Innere Medizin FMH, Infektiologie FMH, vom 11. Mai 2005 auf. Darin wird indessen, wie im früheren Bericht dieses Arztes vom 12. März 2004, ausdrücklich bestätigt, dass bei den durchgeführten Untersuchungen keine Neuroborreliose nachgewiesen wurde. Soweit der Arzt in seinen weiteren Ausführungen dennoch von einer solchen Erkrankung ausgeht, stützt er sich auf Vermutungen und den vom Versicherten angegebenen Umstand, wonach die Therapie mit bestimmten Medikamenten jeweils mit Verzögerung zu einer Besserung der Symptomatik geführt habe. Dies genügt indessen ebenso wenig wie die Aussage im Bericht der Klinik und des Institutes für Nuklearmedizin, Spital Y.________, vom 11. Februar 2003, wonach die mittels einer SPECT-Untersuchung des Cerebrums festgestellte fronto-temporal betonte generalisierte Verminderung der Stoffwechselaktivität zum Befund einer Neuroborreliose passe, um entgegen der einhelligen Beurteilung fast aller berichterstattenden Ärzte verschiedener Fachrichtung, den Schluss auf eine durchstandene oder noch bestehende Neuroborreliose zu gestatten. 4.2 Dr. med. S.________ ging im Bericht vom 13. Juli 2004 davon aus, dass die Folgen einer durchstandenen Lyme-Borreliose vorliegen. Er verwies dabei auf Prof. Dr. med. Z.________, Chefarzt Medizinische Klinik, Spital X.________, welcher an der Diagnose einer Lyme-Borreliose keinen Zweifel gelassen habe. Dies trifft indessen nicht zu. Prof. Dr. med. Z.________ äusserte sich im Bericht vom 30. Januar 2002 dahingehend, die geklagten Beschwerden seien zwar möglicherweise Symptome einer Lyme-Borreliose im Stadium 2. Da die Symptome aber ganz unspezifisch seien, fehle der Beweis für diesen Zusammenhang. Im Bericht an den beratenden Arzt der La Suisse vom 24. März 2003 machte Prof. Dr. med. Z.________ sodann einen Zusammenhang zwischen der Borrelieninfektion und den geklagten Symptomen davon abhängig, ob die ab Januar 2002 durchgeführte antibiotische Borrelientherapie angesprochen habe. Dass die besagte Medikation zu einer nachhaltigen Besserung führte, findet in den Akten keine Stütze: Der Versicherte nahm weiterhin medizinische Behandlung im In- und Ausland in Anspruch und blieb, bis auf einen fehlgeschlagenen Arbeitsversuch im Frühjahr 2002, arbeitsunfähig. Gegen die Annahme einer Lyme-Borreliose spricht auch der am 10. Juni 2002 erstattete Bericht der Neurologischen Klinik, Spital Y.________, in welcher der Versicherte vom 29. bis 31. Mai 2002 zur Abklärung einer möglichen - und in der Folge ausgeschlossenen - Neuroborreliose hospitalisiert war. Danach sind positive Borrelienserologien bekannt, hingegen keine borrelienspezifischen Krankheitsbilder, wie Erythema chronicum migrans, Lymphocytosis cutis benigna, Arthritiden und weitere. Es wird sodann von einer nur allfällig gegebenen Borreliose gesprochen, bei positiven Antikörpern im Serum, aber fehlenden typischen klinischen Manifestationen. Die geklagten, weitgehend als unspezifisch betrachteten Symptome werden mit einem chronischen Lumbovertebralsyndrom erklärt. Dr. med. S.________ wendet in der letztinstanzlich aufgelegten Stellungnahme vom 6. Mai 2005 ein, die Diagnose einer Lyme-Borreliose bestimme sich nicht danach, ob eine medikamentöse Therapie angesprochen habe. Ob diese Auffassung zutrifft, kann offen bleiben. Denn auch bejahendenfalls stützt dies den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen Beschwerden und Unfallereignis nicht. Auf eine Lyme-Borreliose als Grund für die Beschwerden schliessen nebst Dr. med. S.________ auch Dr. med. C.________ und der jeweilige Hausarzt, allerdings ebenfalls ohne eine überzeugende Begründung hiefür abzugeben. Namentlich wird die Feststellung in den vorgenannten Berichten, wonach das für diese Krankheit typische klinische Bild fehle, nicht entkräftet. Wenn sodann Dr. med. I.________, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie für Erwachsene, gemäss dem zuhanden der Invalidenversicherung erstatteten Gutachten vom 30. Oktober 2004 2005 die festgestellte neuropsychologische Funktionsstörung "am ehesten im Zusammenhang mit der Borreliosenkrankheit" sieht, ist dies mit dem Vorbehalt zu versehen, dass eine Lyme-Borreliose mangels der hiefür typischen klinischen Manifestationen eben nicht nachgewiesen werden konnte. Dr. med. I.________ erwähnt sodann ein neurologisches Fachgutachten der Neurologisch-Neurochirurgischen Poliklinik des Spitals Y.________ vom 28. Juni 2004. Danach besteht aufgrund des aktuellen Beschwerdebildes mit persistierender Fatigue der Verdacht auf eine hypochondrische Störung bei Status nach Infektion mit Borrelia burgdorferi. Dass eine Lyme-Krankheit aufgetreten ist, wird damit nicht bestätigt. Ein Zusammenhang zwischen den lumbalen Rückenschmerzen und der Borrelia-Infektion wird sodann ausdrücklich verneint. Zusammenfassend ergibt sich, dass eine Infektion mit Borrelia burgdorferi stattfand, aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Lyme-Erkrankung geführt hat, welche für die ab Herbst 2001 aufgetretene, mit Behandlungsbedürftigkeit und Arbeitsunfähigkeit verbundenen, somatisch begründeten Beschwerden verantwortlich gemacht werden könnte. Hieran vermögen die weiteren Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts zu ändern. Namentlich ist mit dem kantonalen Gericht die Notwendigkeit weiterer medizinischer Abklärungen zu verneinen, da davon kein entscheidrelevanter neuer Aufschluss zu erwarten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b; RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50 Erw. 3.4, 2002 Nr. U 469 S. 527 Erw. 2c). 4.3 Es bestehen sodann unterschiedliche Auffassungen darüber, ob eine psychische Störung vorliegt, welche die Beschwerden ganz oder teilweise zu erklären vermöchte, und bejahendenfalls, ob sie als Folge des Zeckenstiches zu betrachten wäre. Ob ein natürlich kausal auf den Zeckenstich zurückzuführendes psychisches Leiden vorliegt, kann indessen offen bleiben. Denn bejahendenfalls handelt es sich jedenfalls um eine selbstständige sekundäre Gesundheitsschädigung. Der kumulativ zum natürlichen erforderliche adäquate Kausalzusammenhang wäre demzufolge (vgl. RKUV 2001 Nr. U 432 S. 322 Erw. 4 [Urteil A. vom 17. Mai 2001, U 245/99]) gemäss den bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfällen geltenden Grundsätzen (BGE 115 V 133) zu prüfen und mit Blick auf den Umstand, dass ein Zeckenstich als banales oder leichtes Unfallereignis gilt (Urteile M. vom 5. Dezember 2003, U 235/03, Erw. 4, und P. vom 9. Juli 2001, U 17/00, Erw. 3b) ohne weiteres zu verneinen (BGE 115 V 139 Erw. 6a). Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde des Versicherten ist somit in allen Teilen unbegründet.