Citation: 2A.194/2003 03.09.2003 E. 4

4.1 Das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau hat zutreffend erwogen, der Beschwerdeführer habe seine tatsächlichen Familienverhältnisse verschwiegen und die Behörde mit falschen Angaben bedient, als er die Erteilung der Niederlassungsbewilligung beantragte. Am 15. Juni 1999 ersuchte er mit einem für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung vorgesehenem Formular, wie aus dem handschriftlichen Zusatz "Antrag C?" zu schliessen ist, um Erteilung der Niederlassungsbewilligung, wobei er auf seine Ehe mit einer Schweizer Bürgerin hinwies. Als Adresse der Ehefrau gab er seine eigene an, obwohl die Ehefrau bereits an einem anderen Ort mit einem anderen Mann zusammenwohnte. Hierin liegt, wie die Vorinstanz zulässigerweise annehmen durfte, eine (bewusste) Falschangabe über eine wesentliche Tatsache. Dreieinhalb Monate nach der Erteilung der Niederlassungsbewilligung wurde die Ehe mit der Schweizer Bürgerin geschieden, und nicht ganz eineinhalb Monate später heiratete der Beschwerdeführer seine frühere mazedonische Ehefrau, mit der er bis kurz vor der Heirat mit der Schweizer Bürgerin im Jahr 1993 verheiratet gewesen war und mit der er zwei gemeinsame Kinder (geboren 1987 bzw. 1990) hat. Bei Erfüllung seiner Informationspflicht wäre die Niederlassungsbewilligung mit hoher Wahrscheinlichkeit verweigert worden, weil die Berufung auf die nur noch auf dem Papier bestehende Ehe als rechtsmissbräuchlich einzustufen gewesen wäre. Selbst wenn die Ehe mit der Schweizer Bürgerin nicht von Anfang an als Scheinehe zu betrachten war, durfte die Vorinstanz aufgrund der Umstände davon ausgehen, dass sie nur noch formell aufrecht erhalten wurde, um den Beschwerdeführer in den Genuss der Niederlassungsbewilligung kommen zu lassen, was nach der Rechtsprechung einen Rechtsmissbrauch darstellt. Dass fremdenpolizeiliche Motive eine Rolle spielten, geht im Übrigen auch aus den Aussagen der schweizerischen Ehefrau gegenüber den thurgauischen Behörden hervor. Die weitere Entwicklung nach Erwirkung der Niederlassungsbewilligung (kurzfristige Scheidung, Wiederheirat der früheren Ehefrau, Familiennachzugsgesuch für diese und die gemeinsamen Kinder) bestätigt diese Annahme. Dass sich der Beschwerdeführer, nachdem der Familiennachzug gescheitert und zudem seine Niederlassungsbewilligung widerrufen worden ist, von seiner mazedonischen Ehefrau bereits wieder hat scheiden lassen, widerlegt die dargestellte Würdigung des Sachverhaltes keineswegs. Im Gegenteil zeigt das Vorgehen des Beschwerdeführers, dass er zu allem bereit ist, um sich den Verbleib in der Schweiz zu sichern. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer, wie die Vorinstanz ohne Verletzung von Bundesrecht annehmen durfte, die ihm erteilte Niederlassungsbewilligung durch wissentliches Verschweigen wesentlicher Tatsachen erschlichen hat, womit die Voraussetzungen für einen Widerruf der Niederlassungsbewilligung gemäss Art. 9 Abs. 4 ANAG erfüllt sind. 4.2 Die Niederlassungsbewilligung ist nicht in jedem Fall zu widerrufen, wenn die Voraussetzungen von Art. 9 Abs. 4 ANAG erfüllt sind. Die Behörde hat vielmehr nach pflichtgemässem Ermessen zu entscheiden, ob die Massnahme verhältnismässig ist (BGE 112 Ib 473 E. 4 S. 477 ff.). Im vorliegenden Fall sind keine Gründe ersichtlich, die für einen Verzicht auf den Bewilligungswiderruf sprechen würden. Der Beschwerdeführer ist erst im Alter von 28 Jahren in die Schweiz gekommen und hat somit seine Kindheit und die prägenden Jugendjahre in seinem Heimatland verbracht. Er hat sich zwar beruflich in der Schweiz bewährt, ist aber seit Februar 2003 krankheitshalber (psychiatrische Behandlung) nicht arbeitsfähig, was seine berufliche Integration in Frage stellt. Nach seinen eigenen Angaben hat er seine Kontakte zu seinen Kindern und deren Mutter in Mazedonien nie abgebrochen und die Familienbeziehung, soweit dies aufgrund der örtlichen Trennung möglich war, gelebt. Die Rückkehr des Beschwerdeführers in sein Heimatland, wo ausser seinen Kindern und deren Mutter auch sein Bruder und sein Vater wohnen, ist folglich zumutbar.