Citation: 1P.708/2000 08.12.2000 E. 3

3.- a) Die kantonalen Behörden verdächtigen den Beschwerdeführer der Gehilfenschaft zur Entführung bzw. zur Geiselnahme, wobei der genaue Tatbeitrag gemäss Ausführungen der Bezirksanwaltschaft noch nicht vollständig ermittelt werden konnte. Der Beschwerdeführer hatte den mutmasslichen Haupttätern N.________ und R.________ sein Einfamilienhaus in Hellbühl, in welchem der Knabe festgehalten worden war, am 12. Mai 2000 für zehn Tage zu einem Zins von Fr. 1'000.-- vermietet. Die kantonalen Behörden begründen den dringenden Tatverdacht damit, dass der Beschwerdeführer nach längerem Bestreiten zugegeben habe, von der Anwesenheit eines entführten Kindes im vermieteten Haus gewusst und dies auch geduldet zu haben. Ausserdem habe er kurz vor der Konfrontationseinvernahme mit den mutmasslichen Haupttätern vom 25. Oktober 2000 zugegeben, dass diese ihm einen Anteil in Aussicht gestellt haben. Aus dem aufgezeichneten Telefongespräch zwischen dem Beschwerdeführer und dem mutmasslichen Haupttäter N.________ vom 20. Mai 2000 gehe hervor, dass diesbezüglich offensichtlich ganz konkrete Abmachungen erfolgt seien. Der Beschwerdeführer habe seinen Anteil offenbar in Jugoslawien übernehmen und für die Reise dorthin das Visum besorgen wollen. Des Weiteren spreche die Tatsache, dass die beiden Hauptangeschuldigten den Beschwerdeführer anlässlich der Konfrontationseinvernahme nicht belasteten, nicht für dessen Unschuld. R.________ habe bis heute bestritten, etwas mit der Entführung zu tun zu haben. N.________ habe im gesamten bisherigen Verfahren keine anderen Personen belastet, ausser dass er anfänglich R.________ als Mittäter bezeichnete. Wie die Ermittlungen zeigten, hätten mehrere Personen zumindest als Gehilfen mitgewirkt, was von diesen teilweise auch eingestanden wurde. N.________ bestreite deren Tatbeitrag. Durch eine Belastung des Beschwerdeführers hätten sich die beiden Hauptangeschuldigten nur selber belastet. b) Der Beschwerdeführer bringt vor, seine Rolle im Entführungsfall beschränke sich darauf, den mutmasslichen Haupttätern ein Haus vermietet zu haben, in welchem das entführte Kind festgehalten wurde. Es sei erstellt, dass er zunächst nicht um die kriminellen Absichten der beiden Hauptangeschuldigten wusste. Er habe zu Beginn der Untersuchungshaft zwar zunächst bestritten, überhaupt etwas vom Kind wahrgenommen zu haben. Er habe dies jedoch in der Hoffnung getan, sich aus dem Strafverfahren heraushalten zu können, nachdem er zunächst ohne sein Wissen in die Sache hineingeschlittert sei. Er habe sich auch in einer Zwangslage befunden, nachdem er Handgranaten und Waffen im Haus festgestellt hatte. Er sei völlig verängstigt und der Meinung gewesen, "mitspielen" zu müssen, um sich gegenüber den Hauptangeschuldigten nicht als "Verräter" verdächtig zu machen. Es werde Sache des Strafrichters sein, zu klären, ob sich der Beschwerdeführer tatsächlich ernsthaft einen Anteil versprechen liess. Es sei auch kaum denkbar, dass die von ihm massiv belasteten Hauptangeschuldigten N.________ und R.________ ihn anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 25. Oktober 2000 in diesem Masse entlastet hätten, wenn er tiefer in das Verbrechen verstrickt gewesen wäre. c) Im Gegensatz zum erkennenden Sachrichter hat das Bundesgericht bei der Überprüfung des allgemeinen Haftgrundes des dringenden Tatverdachts keine erschöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender Beweisergebnisse vorzunehmen. Macht ein Inhaftierter geltend, er befinde sich ohne ausreichenden Tatverdacht in strafprozessualer Haft, ist vielmehr allein zu prüfen, ob genügend konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Beschwerdeführer eine Straftat begangen hat, die kantonalen Behörden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejahen durften (BGE 116 Ia 143 E. 3c S. 146). Mit fortschreitendem Untersuchungsverfahren muss ein immer strengerer Massstab an die Erheblichkeit und Konkretheit des Tatverdachts gestellt werden. Dabei dürfen jedoch die Schwierigkeiten der konkreten Strafuntersuchung berücksichtigt werden. d) Der Beschwerdeführer gab in seinem Brief vom 23. Oktober 2000 und anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 25. Oktober zu, dass ihm von den mutmasslichen Haupttätern ein Anteil in Aussicht gestellt worden war, auch wenn er dies nur nebenbei gehört und dem keine Beachtung geschenkt haben will. Im aufgezeichneten Telefongespräch zwischen dem Beschwerdeführer und dem mutmasslichen Haupttäter N.________ (unter falschem Namen X.________) vom 20. Mai 2000 ist davon die Rede, dass jener sich um ein Visum bzw. um eine Bewilligung kümmern wolle, um nach Belgrad zu fliegen, und dass N.________ "es" ihm ansonsten wie vereinbart über den Autobus schicken werde. Die Aussagen des Beschwerdeführers liefern zusammen mit dem Telefonprotokoll genügend konkrete Anhaltspunkte für den dringenden Verdacht, dass sich der Beitrag des Beschwerdeführers nicht bloss auf die Vermietung des Hauses beschränkte, sondern dass dieser in der Hoffnung auf einen Anteil Hilfe bei der Entführung geleistet haben könnte. Das aufgezeichnete Telefongespräch kann ausserdem als Hinweis auf eine gewisse Komplizenhaftigkeit zwischen den Gesprächsteilnehmern verstanden werden. So erteilte N.________ dem Beschwerdeführer grosszügig Auskunft über den (vermeintlichen) Stand der Dinge ("Es wurde heute morgen um sechs Uhr beendet, es gab Probleme. Es gab eine grosse Begleitung. Zwei Autos voll Leute und von oben auch. Unsere mussten durch den Wald um die anderen abzuschütteln. Fast hätten sie es nicht geschafft. Aber am Schluss haben sie es doch beendet. "). Der Beschwerdeführer erklärte sich auch bereit, sich um die von den Hauptangeschuldigten im Haus zurückgelassenen Taschen zu kümmern, welche von einem jungen Mann abgeholt werden sollten. Ob der Beschwerdeführer dabei nur aus einer Zwangslage heraus mitgespielt hat, wie er behauptet, ist vom Sachrichter zu beurteilen. Die Tatsache, dass die Hauptangeschuldigten den Beschwerdeführer anlässlich der Konfrontationseinvernahme entlasteten, vermag angesichts des aufgezeichneten Telefongesprächs den dringenden Tatverdacht nicht zu entkräften.