Citation: 4C.53/2003 25.06.2003 E. 6

Die Vorinstanz erwog insoweit, es wäre dem Verwaltungsratspräsidenten der SLT nach einem Vorbehalt oder Hinweis der Beklagten im Kontrollstellenbericht mit grosser Wahrscheinlichkeit gelungen, die Generalversammlung mit einem Hinweis auf den Inspektoratsbericht Nr. 17/1990 vom 30. März 1990 zu beruhigen, weil dieser festgehalten habe, die vorgängig erhobenen Beanstandungen seien behoben worden. Es sei daher anzunehmen, dass die Generalversammlung damals keine weiteren Schritte unternommen hätte. Im Extremfall hätte sie die Rechnung nicht genehmigt, sondern zurückgewiesen. Die Konsequenz davon wäre eventuell gewesen, dass der Verwaltungsrat den Chef der Kreditabteilung entlassen hätte. Zu einem Schaltersturm, wie die Beklagten geltend machten, wäre es aber nicht gekommen. 6.1 Die Haftung der Revisionsstelle aus Art. 754 aOR setzt voraus, dass sie durch Verletzung ihrer Pflichten den festgestellten Schaden adäquat kausal verursachte. Liegt die Pflichtverletzung wie vorliegend in einer Unterlassung, so setzt dies voraus, dass der Schaden durch pflichtgemässes Verhalten hätte vermieden werden können (Widmer/Banz, a.a.O., N. 19 zu Art. 755 OR und N. 44 zu Art. 754 OR; Forstmoser, Die Verantwortlichkeit des Revisors nach Aktienrecht, Zürich 1997, S. 53 ff., 57). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist auch zwischen der natürlichen und der adäquaten Kausalität zu unterscheiden, wenn die Vertragsverletzung in einer pflichtwidrigen Unterlassung gründet (BGE 115 II 440 E. 5a S. 447). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, beschlägt die tatsächlichen Verhältnisse und bindet das Bundesgericht im Berufungsverfahren grundsätzlich (BGE 128 III 22 E. 2d S. 25, 180 E. 2d S. 184; 127 III 453 E. 5d; 123 III 110 E. 2 S. 111). Die Frage nach der Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist dagegen rechtlicher Natur und unterliegt der Prüfung im Verfahren der Berufung (BGE 116 II 519 E. 4a S. 524). Bei einer Unterlassung beruht der natürliche Kausalzusammenhang auf der hypothetischen Annahme, der Schaden wäre bei pflichtgemässem Verhalten nicht eingetreten. Bei der entsprechenden Feststellung über den hypothetischen Zusammenhang zwischen der unterlassenen Handlung und dem Erfolg berücksichtigt der Richter in der Regel auch die allgemeine Lebenserfahrung und lässt nach dieser Erfahrung unwahrscheinliche Geschehensabläufe von vornherein ausser Betracht. Insoweit gründet seine Entscheidung auch auf einer Wertung. Soweit diese beweiswürdigend, gestützt auf konkrete Anhaltspunkte und nicht - losgelöst vom konkreten Sachverhalt - ausschliesslich nach der allgemeinen Lebenserfahrung vorgenommen wird, ist sie für das Bundesgericht im Berufungsverfahren bindend (vgl. BGE 127 III 453 E. 5d; 126 III 10 E. 2b; 115 II 440 E. 5a und b; Urteile 4C.45/2001 vom 31. August 2001, E. 4c, SJ 2002 I S. 274 und 4C.134/1998 vom 12. Oktober 1998, E. 3a, Pra 1999 Nr. 21 S. 112). 6.2 Die Klägerin macht geltend, die Vorinstanz habe zwar auf den ersten Blick eine tatsächliche Feststellung getroffen, indem sie ausführe, der Verwaltungsratspräsident hätte die Generalversammlung nach einem Vorbehalt der Kontrollstelle höchstwahrscheinlich mit einem Hinweis auf den Inspektoratsbericht Nr. 17/1990 beruhigen können, weshalb anzunehmen sei, dass sie damals keine weiteren Schritte unternommen hätte. Dem widerspreche die Vorinstanz jedoch selber, indem sie weiter ausführe, dass die Generalversammlung die Rechnung im Extremfall zurückgewiesen und eventuell der Verwaltungsrat den Kreditchef entlassen hätte und dass die Behauptung der Beklagten, ein Vorbehalt und ein Hinweis im Kontrollstellenbericht hätte zu einem Schaltersturm geführt, wohl nicht plausibel sei. Damit sei evident, dass die Begründung des angefochtenen Entscheides hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs blosse Vermutungen und keine tatsächlichen Feststellungen enthalte, an die das Bundesgericht gebunden wäre. Dem kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz hat aufgrund der konkreten Umstände des vorliegenden Falles beweiswürdigend geschlossen, dass der Schaden der SLT auch bei Vornahme der als pflichtwidrig unterlassen gerügten Handlung eingetreten wäre. Dass sie diese Folgerung mehrfach begründet hat, macht sie nicht zu einer blossen Vermutung, zumal die Feststellung über den natürlichen Kausalzusammenhang bei einer Unterlassung auf einer hypothetischen Annahme beruht und daher nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit und in zwingender Weise nachgewiesen werden muss (vgl. BGE 115 II 440 E. 5a). Die Vorinstanz hat hinsichtlich des Kausalzusammenhangs eine auf konkrete Anhaltspunkte gestützte, für das Bundesgericht grundsätzlich verbindliche Feststellung getroffen. Das Bundesgericht kann diese nicht auf Übereinstimmung mit allgemeinen Erfahrungssätzen überprüfen (vgl. die vorstehende Erwägung 6.1). 6.3 Für den Fall, dass zum Kausalzusammenhang eine tatsächliche Feststellung der Vorinstanz vorliegen sollte, erhebt die Klägerin eine Versehensrüge. Sie macht geltend, die Vorinstanz habe übersehen, dass sowohl die Klägerin als auch die Beklagten im Verfahren die übereinstimmende Behauptung aufgestellt hätten, ein Vorbehalt oder ein Hinweis im Kontrollstellenbericht zum Geschäftsjahr 1989 hätte zu einer sofortigen Reaktion der Generalversammlung und zu einer um ein Jahr früheren Schliessung der Bank geführt. Damit verkennt die Klägerin den Begriff des offensichtlichen Versehens im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG. Ein solches liegt nach der Rechtsprechung nur vor, wenn die Vorinstanz eine bestimmte Aktenstelle übersehen oder unrichtig, d.h. nicht in ihrer wahren Gestalt, insbesondere nicht mit ihrem wirklichen Wortlaut wahrgenommen hat (BGE 115 II 399 E. 2; 113 II 522 E. 4b; 104 II 68 E. 3b). Etwas Entsprechendes macht die Klägerin nicht geltend. Nach ihren Vorbringen soll die Vorinstanz Annahmen über den nach einem Vorbehalt oder Hinweis im Kontrollstellenbericht wahrscheinlichen Geschehensablauf getroffen haben, die von den angeblich übereinstimmenden Hypothesen der Parteien abweichen. Ob ein Gericht von übereinstimmenden Parteivorbringen abweichen darf, beantwortet sich nach der Verhandlungsmaxime, die dem kantonalen Recht angehört (BGE 127 IV 215 E. 2d S. 218; 106 II 201 E. 3b S. 207). Im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde wurde aufgezeigt, dass die Vorinstanz die Verhandlungsmaxime nicht verletzt hat, indem sie von den angeblich übereinstimmenden Parteiaussagen über den hypothetischen Geschehensablauf abwich. Damit entfällt die Annahme eines Versehens von vornherein.