Citation: 6B_888/2021 E. 10.4.2

10.4.2. Des Weiteren ist festzuhalten, dass sich die Stimmen in der Literatur zur Frage, ob Entschädigungen nach Art. 429 Abs. 1 lit. a und b StPO zu verzinsen sind oder nicht, keineswegs grossmehrheitlich gegen die bundesgerichtliche Rechtsprechung richten (vgl. Beschwerde Ziff. 34 S. 15). Vielmehr finden sich zahlreiche Autoren, welche auf die mit BGE 143 IV 495 eingeführte Praxis verwiesen haben, ohne diese zu kritisieren oder in Frage zu stellen (vgl. JEANNERET/KUHN, Précis de procédure pénale, 2. Aufl. 2018, N. 5064 a.E.; MIZEL/RÉTORNAZ, in: Commentaire romande, Code de procédure pénale suisse, 2. Aufl. 2019, N. 5a [Fn. 27] zu Art. 433 StPO; NIKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, N. 494; SCHNELL/STEFFEN, Schweizerisches Strafprozessrecht in der Praxis, 2019, S. 452). Es liegt also nicht eine (nahezu) einheitliche Kritik in der Doktrin vor, die das Bundesgericht veranlassen müsste, in deren Licht seine Praxis zu überdenken. Im Übrigen sind die Stimmen in der Literatur, die eine Verzinsung der Ansprüche nach Art. 429 Abs. 1 StPO befürworten, nicht neu, sondern standen bereits im Raum, als das Bundesgericht seine Praxis einführte (BGE 143 IV 495 E. 2.2.4 S. 497 f.) und mehrfach bestätigte.