Citation: 2C_699/2020 E. 3.4

3.4. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Rechtmässigkeit von Verwaltungsakten mangels einer anderslautenden übergangsrechtlichen Regelung grundsätzlich nach der Rechtslage im Zeitpunkt ihres Ergehens zu beurteilen (vgl. BGE 139 II 243 E. 11.1 S. 259; 127 II 306 E. 7c S. 315 f.; 126 III 431 E. 2a S. 434; Urteil 2C_1134/2018 vom 11. Juni 2019 E. 2.1). Beim Widerruf einer ausländerrechtlichen Bewilligung ist der Zeitpunkt der Eröffnung des Widerrufsverfahrens massgebend (vgl. Urteil 2C_655/2012 vom 13. Februar 2013 E. 6.2). Vorliegend geschah dies mit der Gewährung des rechtlichen Gehörs am 28. August 2018 und damit nach Inkrafttreten der fraglichen Bestimmungen. Deshalb ist die Beschwerde nach Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG zu beurteilen. Für die Frage des intertemporalen Rechts im vorliegenden Zusammenhang ist weder das Datum der verfahrensauslösenden Verurteilung noch jenes der ihr zugrunde liegenden Delikte von Belang. Aus der Unanwendbarkeit von Art. 63 Abs. 3 AIG lässt sich nichts in Bezug auf die Anwendbarkeit von Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG ableiten: Zwar ist Art. 63 Abs. 3 AIG im Zeitpunkt der Einleitung des Widerrufsverfahrens im Jahr 2018 bereits in Kraft getreten und bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde grundsätzlich zu beachten. Indessen kann Art. 63 Abs. 3 AIG für Delikte, die - wie vorliegend - ausschliesslich vor dem 1. Oktober 2016 begangen wurden, nicht zur Anwendung kommen, da in dieser Konstellation von vornherein keine strafrechtliche Landesverweisung möglich ist (vgl. zur intertemporalrechtlichen Anwendbarkeit von Art. 66a ff. des Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB; SR 311.0] Urteile 6B_1043/2017 vom 14. August 2018 E. 3.1.2 und 3.2.1; 2C_573/2018 vom 1. Februar 2019 E. 3.1). Das Strafgericht konnte daher gar nicht in die Lage kommen, von einer Landesverweisung abzusehen; dies wäre aber namentlich vorausgesetzt, damit ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung unzulässig ist (Art. 63 Abs. 3 AIG; vgl. BGE 146 II 1 E. 2.1.2 S. 4; Urteile 2C_305/2018 vom 18. November 2019 E. 4.2 f.; 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 3.3).