Citation: 1B_606/2020 E. 4.3.3

4.3.3. Die Vorinstanz hat bei der Beurteilung des Vorfalls gegen Ende Juni 2020 als mögliche einfache Körperverletzung - und nicht als mögliche Tätlichkeit - auf das Kriterium der verursachten Schmerzen abgestellt und auf den erwähnten Ermessensspielraum des Sachgerichts bei der Abgrenzung der beiden Tatbestände hingewiesen. Sie ist dabei gestützt auf die Aussagen des betroffenen Stiefsohns von mehreren Faustschlägen gegen die Brust und einem Faustschlag in den Magen sowie davon ausgegangen, dass dem Stiefsohn durch die Schläge starke Schmerzen zugefügt wurden und er in der Folge noch während mehrerer Tage Schmerzen hatte. Der Beschwerdeführer bestreitet zwar namentlich diese Schmerzen und bringt vor, es bestehe eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation betreffend ein Vier-Augen-Delikt. Solche Konstellationen müssen jedoch nicht zwingend oder auch nur höchstwahrscheinlich gestützt auf den Grundsatz "in dubio pro reo" zu einem Freispruch führen. Dass die Vorinstanz gestützt auf eine vertretbare summarische Beweiswürdigung die Aussagen des Stiefsohns als glaubhafter beurteilt hat als jene des Beschwerdeführers und gestützt darauf implizit zum Schluss gekommen ist, eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung erscheine wahrscheinlich, verletzt daher kein Bundesrecht (vgl. BGE 137 IV 122 E. 3.3 S. 127; Urteil 1B_171/2015 vom 27. Mai 2015 E. 5.4.1). Daran ändert nichts, dass der Stiefsohn - soweit es um die strittigen Faustschläge geht - unspezifische Schmerzen geltend gemacht und keine sichtbaren Spuren wie Hämatome erwähnt hat. Insbesondere da sich die mutmasslichen Schläge gegen einen Minderjährigen richteten, ist es unter Berücksichtigung des Ermessensspielraums des Sachgerichts bei der Tatbestandsabgrenzung bundesrechtlich vertretbar, dass die Vorinstanz einen dringenden Tatverdacht auf einfache Körperverletzung bejaht hat. Dasselbe gilt für die gleichlautende Beurteilung des Zwangsmassnahmengerichts im Haftverlängerungsentscheid.