Citation: U 154/06 26.04.2007 E. 4

4.1 Für die Beurteilung des Kausalzusammenhanges der Gesundheitsschädigung mit dem Unfallereignis liegt ein Gutachten des Psychiaters K.________ vom 30. September 2004 vor. Das MEDAS-Gutachten vom 15. Februar 2001 wurde demgegenüber nicht im Rahmen des Verfahrens der Unfall-, sondern der Invalidenversicherung eingeholt und hatte sich somit nicht spezifisch mit der Kausalitätsfrage auseinanderzusetzen. Dasselbe gilt auch für das bei Dr. med. A.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ebenfalls von der IV-Stelle eingeholte psychiatrische Gutachten vom 28. September 1999. Bei der psychiatrisch-psychotraumatologischen Beurteilung durch Dr. med. H.________ handelt es sich um ein vom Beschwerdeführer bei der Vorinstanz eingereichtes Privatgutachten und bei den Berichten von Dr. med. S.________ vom 10. Juli 2000 und vom 18. Mai 2005 um Berichte des behandelnden Psychiaters. Es ist zu ermitteln, ob das durch Psychiater K.________ erstellte Gutachten, das sich auch explizit zur Frage der natürlichen Kausalität der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Unfallereignis auseinandersetzt, zusammen mit den übrigen medizinischen Akten eine hinreichende Grundlage abgibt, um über die natürliche Kausalität zu befinden. 4.2 Der Versicherte macht geltend, er habe ein Schädelhirntrauma erlitten, was die SUVA mit Verweis auf das des Psychiaters K.________ erstellte Gutachten und die medizinischen Akten bestreitet. Im Austrittsbericht der Klinik Z.________ vom 23. Oktober 1997 wird vermerkt, der Versicherte sei neurologisch unauffällig. Frau Dr. med. V.________ kam in ihrem neurologischen Konsilium vom 28. Oktober 1997 zum Schluss, eine Sensibilitätsstörung sei an allen vier Extremitäten und perioral bei wahrscheinlich vorbestehender - am ehesten hereditärer sensomotorischer Polyneuropathie - gegeben. Im Rahmen der Differenzialdiagnose betrachtete sie eine posttraumatische Hirnstammläsion mit latent aufgetretener Symptomatik, die spontan regredient sei, wegen klinisch fehlender Zeichen für Läsion der langen Bahnen als eher unwahrscheinlich. Der Versicherte gibt in seiner Verwaltungsgerichtsbeschwerde an, für den Vorfall bestehe bei ihm eine Amnesie. Aus den von ihm letztinstanzlich eingereichten Strafakten lassen sich keine Rückschlüsse auf eine Amnesie ziehen. Die Auskunftsperson D.________ führte gegenüber der Polizei an, dass er beim Unfallplatz einen Mann schreien gehört habe. Der Versicherte selber gab in seiner polizeilichen Befragung vom 7. Oktober 1997 an, dass er verletzt auf der Wiese am Mittelstreifen gelegen habe und zwei junge Männer zu ihm gekommen seien. In der untersuchungsrichterlichen Befragung vermochte er sich wieder an den Hergang des Unfalls erinnern. Auf den Vorhalt des Bezirksanwaltes, ob er dies schon gewusst habe, als er vom Polizisten im Spital befragt worden sei oder ob ihm dies erst später in den Sinn gekommen sei, gab er zur Antwort, dass er sich damals bei der Befragung durch den Polizisten noch nicht so gut habe erinnern können. Er gab damit indirekt zum Ausdruck, dass sich sein Erinnerungsvermögen mit dem Zeitverlauf verbessert habe. Der als Auskunftsperson befragte R.________ erwähnte, dass er den Versicherten gefragt habe, ob er auf der Fahrbahn liege, was dieser verneint habe. Mit diesen Aussagen wird jedoch die Annahme einer Bewusstlosigkeit auf Grund des Unfallereignisses widerlegt. Gerade aber die ärztlichen Berichte und das Privatgutachten, auf welche sich der Beschwerdeführer abstützt, basieren auf der Annahme, es habe eine Bewusstlosigkeit nach dem Unfallereignis vorgelegen und er habe ein Schädelhirntrauma erlitten. So schildert Dr. med. H.________, der Versicherte habe ihm angegeben, zum Unfallablauf habe er nur noch in Erinnerung, dass er mit dem Kopf nach vorne geprallt sei. Das gegenüber Dr. med. H.________ angegebene mangelnde Erinnerungsvermögen entspricht aber nicht dem im Rahmen der Strafuntersuchung ermittelten Sachverhalt, wo er sich zu erinnern vermochte. Unzutreffend sind auch seine Angaben über seinen Kokainkonsum. Mit dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Klinik Z.________ vom 21. November 1997 wurde ein solcher Konsum nachgewiesen und der Versicherte deswegen rechtskräftig verurteilt. Für das Gericht besteht keine Veranlassung, dieses Urteil, das auf einer umfassenden Beweiserhebung der Bezirksanwaltschaft und einer überzeugenden Begründung basiert, in Zweifel zu ziehen. Damit ist aber den gegenteiligen Angaben des Versicherten ebenfalls die Grundlage entzogen. Dasselbe gilt auch für seine lange aufrecht erhaltene Aussage, er sei im Unfallzeitpunkt nicht alkoholisiert gewesen (vgl. wiederum das rechtsmedizinische Gutachten vom 21. November 1997 und das Strafurteil vom 16. April 1998 sowie den ärztlichen Bericht zur Blutalkoholanalyse vom 6. Oktober 1997). 4.3 Da feststeht, dass der Versicherte falsche Angaben einerseits bezüglich einer angeblichen Bewusstlosigkeit nach dem Unfallereignis und andererseits auch bezüglich des Kokain- und Alkoholkonsums machte, kann nicht auf seine Darstellung abgestellt werden, um auf ein angebliches Schädelhirntrauma zu schliessen. Gerade aber auf diesen Angaben basieren die Erkenntnisse des Dr. med. S.________ und des Dr. med. H.________. Dr. med. U.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, schloss sich in seinem psychiatrischen Teilgutachten für die MEDAS den Erkenntnissen des Dr. med. S.________ an. Somit liegt auch bei ihm eine Beurteilung vor, die letztlich auf der unzutreffenden Prämisse, es liege ein Schädelhirntrauma resp. eine Bewusstlosigkeit nach dem Unfall vor, beruht. Ein Schädelhirntrauma kann nach dem Gesagten nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Vielmehr ist gestützt auf die Erkenntnisse im Austrittsbericht der Klinik Z.________ vom 23. Oktober 1997 und der Frau Dr. med. V.________ in ihrem neurologischen Konsilium vom 28. Oktober 1997, die beide relativ kurz nach dem Unfallereignis erstellt wurden, zu schliessen, dass eine solche Diagnose nicht angenommen werden kann. Was die von Dr. med. M.________, Facharzt für Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, in seinem Bericht vom 14. Juni 2001 geschilderten Erkenntnisse betrifft, so gehen diese auch von einer Bewusstlosigkeit und einem posttraumatischen Psychosyndrom aus, obwohl weder das Eine noch das Andere als gegeben betrachtet werden kann. Gleichzeitig hielt Dr. med. M.________ fest, weder anhand der audio-metrischen noch der vestibulometrischen Befunde lägen Anhaltspunkte vor, welche für eine periphere bzw. labyrinthäre Funktionsstörung sowohl im auditiven als auch vestibulären System sprechen würden. 4.4 Im Gegensatz zu den verschiedenen ärztlichen Berichten und gutachterlichen Stellungnahmen, die auf einem erlittenen Schädelhirntrauma basieren, geht Psychiater K.________ davon aus, dass keine Hinweise auf eine hirnorganische Störung gegeben seien. Dieser Befund kann gestützt auf die im Nachgang zum Unfallereignis von der Klinik Z.________ wie auch von Frau Dr. med. V.________ erstellten Berichte und die Strafakten wie dargelegt als zutreffend charakterisiert werden. Die Anforderungen für ein aussagekräftiges Gutachten sind bei der vom Psychiater K.________ abgelieferten Expertise erfüllt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Versicherte hatte Gelegenheit, sich zu der Person des Gutachters vorgängig zu äussern. Sein damaliger Rechtsvertreter hatte telefonisch am 19. Februar 2004 auch sein Einverständnis zur Begutachtung durch Psychiater K.________ gegeben, nachdem der vom Beschwerdeführer selber vorgeschlagenen Experte trotz entsprechender Beauftragung durch die SUVA nicht in der Lage gewesen war, das Gutachten zu verfassen. Ebenso hatte der Versicherte Gelegenheit, eigene Fragen an den Gutachter zu stellen, die von diesem auch beantwortet wurden. Die von Lehre und Praxis verlangten Anforderungen an ein Gutachten sind gegeben (vgl. dazu auch Kieser, a.a.O., Art. 44 Rz 19) und es kann diesbezüglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. 4.5 Nach dem Gesagten ist der Zuzug eines Schädelhirntraumas im Sinne der Rechtsprechung anlässlich des Unfalles vom 29. September 1997 zu verneinen und für die Festsetzung der von der SUVA ab 1. April 2000 geschuldeten Leistungen auf das Gutachten des Psychiaters K.________ vom 30. September 2004, nicht jedoch auf die Berichte und Gutachten des Dr. med. S.________, des Dr. med. M.________, des Dr. med. U.________, des Dr. med. A.________ und des Dr. med. H.________ abzustellen.