Citation: 6B_954/2015 E. 1.1.4

1.1.4. Die Vorinstanz fährt fort, der Therapeut gehe in Bezug auf eine therapeutische Behandlung im Gefängnis von einer schlechten Prognose aus, währenddessen der Gutachter eine vollzugsbegleitende Behandlung als möglich erachte, auch wenn dies den Behandlungserfolg etwas erschweren würde. Letztlich überlasse es der Gutachter dem Gericht, die Güterabwägung durchzuführen. Die Vorinstanz erwägt in diesem Zusammenhang, dass sich der Beschwerdegegner im Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens nicht in regelmässiger psychiatrischer Behandlung befand. Der Gutachter halte auch fest, dass eine Intensivierung der Behandlung angezeigt sei. Mittlerweile sei der Beschwerdegegner seit fast einem Jahr in psychotherapeutischer Behandlung. Dem Bericht vom 26. Juni 2015 sei zu entnehmen, dass er die Termine regelmässig wahrnehme und bereits 40 Sitzungen absolviert habe. Im Ergebnis sei anzunehmen, dass es dem Beschwerdegegner seit der Erstellung des psychiatrischen Gutachtens gelungen sei, eine stabile therapeutische Beziehung aufzubauen. Entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft würden die vom Beschwerdegegner anfangs 2015 begangenen Betäubungsmitteldelikte (unter anderem leichter Fall von Herstellung und Besitz von Betäubungsmitteln und Konsum von Betäubungsmitteln) die Wirksamkeit der Therapie nicht in Frage stellen. Es handle sich dabei nicht um Gewaltdelikte und deren Schwere sei nicht vergleichbar mit derjenigen, die Anlass zur Anordnung der ambulanten Massnahme bildete. Ausserdem sei der Erfolg einer therapeutischen Behandlung langfristig zu beurteilen und vereinzelte Rückfälle würden nicht zwangsläufig deren Erfolgslosigkeit indizieren. Im Weiteren sei zu berücksichtigen, dass auch in den persönlichen Verhältnissen des Beschwerdegegners eine Stabilisierung eingetreten sei. Der Vollzug der Freiheitsstrafe würde den seit einem Jahr günstigen Verlauf der Therapie ernstlich gefährden und die beim Beschwerdegegner vorhandene traumatische Symptomatik verstärken. Zudem würde der Strafvollzug die mittlerweile eingetretene Stabilität in den persönlichen Verhältnissen des Beschwerdegegners beeinträchtigen. Es sei notorisch, dass die soziale Integration in sehr vielen Fällen eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer ambulanten Behandlung darstelle und die Legalbewährung fördere. Dies gelte vorliegend umso mehr, als es dem Beschwerdegegner nach längerer Zeit endlich gelungen sei, neben einer stabilen therapeutischen Beziehung auch gefestigte soziale Strukturen aufzubauen. Auch der Öffentlichkeit sei letztlich mehr gedient, wenn der Beschwerdegegner optimal therapeutisch behandelt werde. Der Gutachter überlasse es dem Gericht, die Interessenabwägung zwischen Strafanspruch und Inkaufnahme von Nachteilen einer Strafe zu bewerten. Bei dieser Interessenabwägung seien auch die seit der Erstellung des Gutachtens im Leben des Beschwerdegegners eingetretenen stabilisierenden Entwicklungen mit zu berücksichtigen. Der Aufschub der Freiheitsstrafe erweise sich als gerechtfertigt.