Citation: 5C.178/2006 16.11.2006 E. 4

Weiter macht der Berufungskläger geltend, es sei bundesrechtswidrig, wenn ihm das Kantonsgericht lediglich das Recht gewährt habe, das Kind am ersten Wochenende im Monat von Freitag- bis Sonntagabend zu sich zu nehmen. Die Auffassung der Vorinstanz, wonach sich ein Besuchsrecht von zwei Wochenenden zum heutigen Zeitpunkt nicht mit dem Kindeswohl vereinbaren lasse, sei nicht haltbar, weil keine Anhaltspunkte für die Gefährdung des Kindes vorlägen. 4.1 Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und das unmündige Kind haben gemäss Art. 133 Abs. 1 i.V.m. Art. 273 Abs. 1 ZGB Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr (vgl. BGE 130 III 585 E. 2.1 S. 587). 4.1.1 Die Vorstellungen darüber, was in durchschnittlichen Verhältnissen als angemessenes Besuchsrecht zu gelten habe, gehen in der Lehre und der Praxis auseinander, wobei auch regionale Unterschiede festzustellen sind: Während das Besuchsrecht in der Westschweiz üblicherweise jedes zweite Wochenende, die Hälfte der Schulferien und alternierend die Doppelfeiertage umfasst, wird in der Deutschschweiz - im Streitfall - das Besuchsrecht üblicherweise für Kinder im Vorschulalter auf ein bis zwei Halbtage monatlich, für Schulkinder auf ein Wochenende und zwei bis drei Wochen Ferien jährlich festgesetzt; ist das Besuchsrecht nicht umstritten, gelten inzwischen ähnliche Prinzipien wie in der Westschweiz. Auch wenn solchen Übungen bei der Bemessung des Besuchsrechts eine gewisse Bedeutung zukommt, kann im Einzelfall nicht einfach darauf abgestellt werden (BGE 123 III 445 E. 3a S. 450; Schwenzer, in: Basler Kommentar, 3. Aufl. 2006, N. 15 zu Art. 273 ZGB). 4.1.2 Für den Aufbau einer tragfähigen Kind-Elternbeziehung ist ausschlaggebend, ob es den Eltern gelingt, ihre eigenen Konflikte von den Kindern fernzuhalten (vgl. Art. 274 Abs. 1 ZGB). Bei einem - wie vorliegend - strittigen Besuchsrecht ist zwischen den Belastungen, die dieses mit sich bringt, und den Vorteilen für das Kind abzuwägen. Die Belastungen entstehen für die Kinder durch individuelles Fehlverhalten eines oder beider Eltern, meist aber viel deutlicher durch das Spannungsfeld, das die Eltern gemeinsam erzeugen. Einschränkungen des persönlichen Verkehrs haben im Kindeswohl zu erfolgen, das für die Bemessen des Besuchsrechts in erster Linie ausschlaggebend ist und hinter das - beidseitig - die Interessen der Eltern zurückzustehen haben (BGE 130 III 585 E. 2.2.1 S. 588 mit Hinweisen). 4.2 Das Kantonsgericht scheint sich an der erwähnten Praxis orientiert zu haben, wenn es vor dem Hintergrund, dass die Eltern einen fortwährenden Kampf auf Elternebene führen (E. 3.4) und sich (auch) um das Besuchsrecht streiten, für das zehnjährige Kind ein Besuchsrecht von zwei Wochenenden als verfrüht, indessen von einem Wochenende pro Monat und ab dem Jahre 2007 ein Ferienbesuchsrecht von zwei Wochen als angemessen erachtet hat. Das Kantonsgericht hat das gute Verhältnis des Vaters zum Kind gewürdigt und weiter erwogen, dass das Kind - nach den bisherigen begleiteten Besuchstagen - zunächst Gelegenheit haben soll, einmal pro Monat Erfahrungen während eines ganzen Wochenendes (d.h. von Freitag- bis Sonntagabend) im Umfeld des Vaters zu sammeln. Es kann nicht gesagt werden, das Kantonsgericht habe dabei die dargelegten bundesrechtlichen Grundsätze bei der Besuchsregelung verletzt. Zum einen liegt keine wesentliche Einschränkung des im Streitfall üblichen Besuchsrechts vor. Zum anderen hat die Vorinstanz im Interesse des Kindes berücksichtigt, dass dieses mit dem Vater bis anhin erst begleitete Besuchstage verbracht hat und deshalb - im Sinne eines behutsamen Überganges - ein zurückhaltenderes Besuchsrecht zum Aufbau der Beziehung mit dem Vater und dessen Umfeld angemessen sei. Unter diesen Umständen kann nicht von einer gesetzwidrigen Ermessensausübung des kantonalen Gerichts gesprochen werden, wenn es dem Vater ein Besuchsrecht von einem ganzen (am Freitagabend beginnenden) Wochenende pro Monat gewährt sowie das vom Kreisgericht angeordnete Ferienbesuchsrecht von zwei Wochen pro Jahr bestätigt hat. Insoweit ist die Berufung unbegründet.