Citation: 1A.9/2003 22.08.2003 E. A

Die Staatsanwaltschaft von Turin führt ein Strafverfahren wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung im Zusammenhang mit Personen italienischer Staatsangehörigkeit, die bei der X.________ AG mit Sitz in Niederurnen (Kanton Glarus) gearbeitet hatten und in Italien an einem durch Asbest verursachten Tumor (sog. "mesotelioma pleurico oder peritoneale") gestorben waren. Im Rahmen dieses Verfahrens ersuchte sie die Schweiz mit zwei Schreiben vom 26. November 2001 um die Aushändigung von Unterlagen, die von der X.________ AG und der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) zu edieren seien. Das Bundesamt für Justiz (BJ) leitete das Rechtshilfebegehren am 8. Januar 2002 an das Verhöramt des Kantons Glarus weiter und bezeichnete den Kanton Glarus als Leitkanton in dieser Angelegenheit. Das Verhöramt trat am 16. Januar 2002 wegen formeller Mängel nicht auf das Rechtshilfegesuch ein. In der Folge ergänzte die italienische Behörde das Ersuchen. Am 18. März 2002 trat das Verhöramt auf das Rechtshilfebegehren ein und verfügte die Edition von Unterlagen bei der X.________ AG ("Namen und Personaldaten sämtlicher Arbeitnehmer mit italienischer Staatsangehörigkeit, die dort seit Werkseröffnung bis heute gearbeitet haben") und bei der Zentralstelle der SUVA in Luzern (Krankenkassendossiers aller Arbeiter italienischer Staatsangehörigkeit, die "bei der X.________ AG in Niederurnen angestellt sind oder waren"). Mit Eingaben vom 7. Mai und 11. Juni 2002 übermittelte die X.________ AG dem Verhöramt je eine Namenliste von ehemaligen italienischen Mitarbeitern ihrer Werke in Niederurnen und Payerne. Die SUVA reichte dem Verhöramt am 4. Juli 2002 12 Krankendossiers und am 16. August 2002 eine Liste mit den Namen von italienischen Mitarbeitern der X.________ AG ein, die in Italien an einem Mesotheliom verstorben waren. Das Verhöramt ordnete mit Schlussverfügung vom 23. August 2002 an, dass "die Akten, das heisst die zwei Namenlisten der Mitarbeiter mit italienischer Staatsangehörigkeit (Werk in Niederurnen und Werk in Payerne) sowie die Liste der SUVA Luzern bezüglich Personen mit Tumordiagnose" an die ersuchende Behörde übermittelt würden. In einem Schreiben vom 28. Oktober 2002 hielt das Verhöramt in Beantwortung eines Briefes des BJ vom 17. Oktober 2002 fest, mit der Schlussverfügung vom 23. August 2002 sei abschliessend über das italienische Rechtshilfegesuch entschieden worden; das BJ könne die behaupteten Mängel auf dem Beschwerdeweg geltend machen, selbst wenn die Beschwerdefrist bereits abgelaufen sei.