Citation: 8C_290/2023 E. 4.4.2

4.4.2. Soweit sich die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Standpunktes auf die Einschätzung ihrer behandelnden Ärztin, Dr. med. C.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Februar 2022 stützt, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass diese in ihrer Stellungnahme vom 22. Februar 2022 zwar von einer komplexen Traumafolgestörung sprach. Sie begründete dies aber nicht mit den Erlebnissen der Beschwerdeführerin anlässlich von medizinischen Eingriffen. Vielmehr wies sie auf die Alkoholabhängigkeit des Vaters der Beschwerdeführerin und deren dissoziativen Momente hin, was auf eine Traumatisierung hindeute. Eine genauere Herleitung der Diagnose fehlt aber ebenso wie eine nachvollziehbare Begründung anhand eines anerkannten Klassifikationssystems. Freilich erwähnte Dr. med. C.________ die belastenden Erfahrungen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit Spitalaufenthalten. Diese führen aber offenbar in erster Linie zu einem Vermeidungsverhalten betreffend das Betreten eines Spitals oder hinsichtlich einer möglichen Operation. Damit geht gemäss der behandelnden Ärztin die Gefahr einer erneuten psychischen Dekompensation einher. Sie erachtet bariatrische Massnahmen deshalb aktuell als nicht zumutbar. Ein solcher Eingriff ist gemäss Dr. med. B.________ aber auch nicht Voraussetzung für die Realisierung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit. Wie die Vorinstanz zudem verbindlich (vgl. E. 1.1 hiervor) feststellte, sind dem Bericht der Dr. med. C.________ ansonsten keine Erkenntnisse zu entnehmen, die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben wären. Der Gutachter hatte vollständige Kenntnis der medizinischen Akten und wusste vom hämorrhagischen und septischen Schock nach der Nephrektomie links. Er subsumierte die Angstsymptomatik der Beschwerdeführerin nachvollziehbar begründet unter die Diagnose einer Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10 F40.01), was denn auch im Einklang stand mit der früheren Beurteilung der Dr. med. C.________ vom 3. Juni 2020. Im Übrigen bestätigte die behandelnde Psychiaterin in ihrer Stellungnahme vom 22. Februar 2022 die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters, wonach die Beschwerdeführerin in der Tätigkeit als Pflegefachfrau sieben bis acht Stunden anwesend sein könne. Sie wies lediglich darauf hin, dass die Ausübung dieser körperlich herausfordernden Tätigkeit illusorisch sei. Dabei dürfte sie übersehen haben, dass auch die ABI-Gutachter aus somatischer Sicht die Tätigkeit als Pflegefachfrau als nicht mehr zumutbar erachteten.