Citation: U 528/06 29.10.2007 E. 4

4.1 Laut Unfallmeldung vom 18. September 2001 zog sich der Beschwerdegegner Mitte Juli 2001 beim Sprung von einem Tisch ein Distorsionstrauma am rechten Knie zu. Auf Frage der Beschwerdeführerin nach dem genauen Unfallhergang gab der Versicherte am 9. Oktober 2001 an, beim Sprung von der Leiter bzw. beim Aufprall sofort einen heftigen Schmerz im rechten Knie verspürt zu haben. In der zweiten Unfallmeldung vom 15. Januar 2003 war wieder von den Folgen des Sprungs vom Arbeitstisch die Rede, während im Bericht der Klinik A.________ vom 17. Februar 2003 von einem Status nach Sturz vom Tisch gesprochen wurde. Auf erneute Nachfrage des Unfallversicherers hin schrieb der Versicherte am 24. Mai 2003, er sei zum Holen eines auf einem Kasten liegenden Messgeräts über eine Leiter auf den vor dem Kasten stehenden Tisch gestiegen. Beim Zurückgehen habe er den Staub vom Messgerät abgewischt und sich nicht auf den Tisch geachtet. So habe er nicht bemerkt, dass er bereits an der Tischkante angelangt gewesen sei. Erst als er über die Kante zur Leiter hingetreten sei, sei er beinahe zu Fall gekommen und habe sich mit einem Sprung vor dem Sturz retten können. Da er reflexartig gesprungen sei, könne er nicht sagen, ob er sich letztlich vom Tisch oder von der davorstehenden Leiter abgestossen habe. Es sei kein kontrollierter Sprung möglich gewesen, sodass er sich nicht habe auf die Landung vorbereiten und abfedern können. Zudem habe er das Messgerät in der Hand gehalten und sich deshalb nicht abstützen können. 4.2 Die Beschwerdeführerin hat im Einspracheentscheid vom 4. Mai 2004 primär auf die Schilderung vom 9. Oktober 2001 abgestellt, welche als "Aussage der ersten Stunde" zu berücksichtigen sei, und den Unfallcharakter des "Sprungs von der Leiter" verneint. Zur von ihr als "zweite Unfallschilderung" bezeichneten Eingabe vom 24. Mai 2003 führte sie aus, die Landung sei normal auf beiden Füssen erfolgt, weshalb ein ungewöhnlicher äusserer Faktor fehle. Im vorinstanzlichen sowie im vorliegenden Verfahren stellt sich die "Winterthur" in erster Linie auf den Standpunkt, obschon der Abgang vom Tisch nicht ganz planmässig erfolgt sei, seien die Schmerzen erst nach dem Auftreffen mit beiden Füssen auf dem Boden verspürt worden. Vor der Landung auf dem Boden hätten auf das Knie - so der Unfallversicherer - keine als ungewöhnlich zu bezeichnenden Kräfte eingewirkt. Die Beurteilung des ungewöhnlichen äusseren Faktors habe deshalb einzig hinsichtlich der Landung zu erfolgen. Eine aus einer Höhe von 70-80 cm erfolgte Landung mit beiden Füssen auf dem Boden stelle keine ungewöhnliche äussere Einwirkung dar, selbst dann nicht, wenn der Versicherte beim nicht ganz planmässigen Absprung noch etwas in den Händen gehalten habe. 4.3 Mit der Vorinstanz ist bezüglich des Verlaufs des Ereignisses vom 15. Juli 2001 zunächst festzuhalten, dass die ursprünglichen und die später erfolgten Angaben des Versicherten nicht widersprüchlich sind. Der Beschwerdegegner hat in der auf Nachfrage des Unfallversicherers hin erfolgten Stellungnahme vom 24. Mai 2003 das Geschehen erstmals detailliert geschildert. Dass der Versicherte für das Besteigen des Tisches eine kleine Leiter benutzt und bei der Rückkehr über den Tisch infolge Unaufmerksamkeit nicht bemerkt hat, dass er am Tischende und bei der Leiter angelangt war, dass er sich mit einem reflexartigen Sprung vor dem drohenden Sturz rettete und dass ihm nicht klar ist, ob er letztlich vom Tisch oder von der Leiter abgesprungen ist, erscheint - wie dies bereits das kantonale Gericht ausgeführt hat - nachvollziehbar, ist mit den Umschreibungen "Sprung vom Tisch/Leiter" sowie "Sturz vom Tisch" vereinbar und wird auch vom Unfallversicherer nicht mehr in Frage gestellt. Entscheidend für die umstrittene Qualifikation als Unfallereignis ist nun aber, ob zur Beurteilung des ungewöhnlichen äusseren Faktors der ganze Ablauf oder lediglich die Landung zu betrachten ist. Diesbezüglich ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass Fehltritt, reflexartiger unkontrollierter Absprung sowie Landung in engem Zusammenhang zu sehen sind und nicht - wie dies die Beschwerdeführerin geltend macht - in verschiedene, voneinander unabhängige Teilphasen zerlegt werden können. Der natürliche Ablauf der Körperbewegung wurde durch den Fehltritt programmwidrig gestört, weshalb der Versicherte, um einen Sturz zu vermeiden, reflexartig und unkontrolliert abgesprungen ist. Aus dem Umstand, dass er trotzdem (zufälligerweise) auf beiden Füssen gelandet ist, kann nicht abgeleitet werden, es liege keine Programmwidrigkeit und damit kein ungewöhnlicher äusserer Faktor im Sinne einer unkoordinierten Bewegung vor. Das Ereignis vom 15. Juli 2001 ist damit als Unfall im Sinne des Gesetzes zu qualifizieren.