Citation: 8C_696/2007 04.09.2008 E. 5.5

5.5.1 Das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit wurde in der mit BGE 134 V 109 modifizierten Rechtsprechung neueren Erkenntnissen angepasst. Es ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS (und punkto Adäquanzbeurteilung gleich zu behandelnden Verletzung) ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129). 5.5.2 Rund drei Monate nach dem Unfall war die Beschwerdeführerin wieder zu 50% arbeitsfähig. Verglichen mit der wegen dem unfallfremden Vorzustand auf 80% reduzierten Tätigkeit, ist demnach von einer relevanten 30%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Anzurechnen ist ihr, dass sie sich innert nützlicher Frist nach dem Unfall um die Wiederaufnahme ihrer Erwerbstätigkeit bemühte und auch eine neue, ihrem Gesundheitszustand entsprechend geeignete Stelle suchte und fand. In der Folge versuchte sie aber nicht mehr, diese Arbeitsfähigkeit zu steigern. Am neuen Arbeitsplatz wäre dies auch nicht möglich gewesen. Demnach ist dieses Kriterium bei einer über zwei Jahre dauernden Arbeitsunfähigkeit im Rahmen von 30% nicht ausgeprägt erfüllt. 5.5.3 Ohne den Aspekt der erheblichen Beschwerden (BGE 134 V 109 E. 10.2.4. S. 128) näher zu prüfen, was angesichts des massiven Vorzustandes, welcher auch mit entsprechenden Beschwerden verbunden ist, in der Abgrenzung zu den unfallrelevanten Beschwerden mit grossen Schwierigkeiten verbunden wäre, ist zusammenfassend weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt noch sind die für die Beurteilung geltenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben, da bei allerhöchstens zwei Kriterien nicht von einer Häufung gesprochen werden kann. Die Adäquanz ist zu verneinen. Damit besteht über den 31. August 2006 hinaus keine Leistungspflicht der Zürich mehr im Zusammenhang mit dem Unfall vom 22. Februar 2003.