Citation: 8C_124/2008 17.10.2008 E. 10

10.1 Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vom 22. November 2002 gegeben sind, beurteilt sich objektiv und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der Versicherten (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc; erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 8.1 Hinweis). Dieses Kriterium ist nicht erfüllt. 10.2 Ein erlittenes HWS-Distorsionstrauma fällt bei der Adäquanzbeurteilung einer psychischen Fehlentwicklung im Rahmen des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der Verletzung ausser Betracht (erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 8.2; Urteile U 88/06 vom 18. Juli 2007, E. 7.2.2, und U 66/04 vom 14. Oktober 2004, E. 6.3). Die erlittenen Verletzungen der Zähne 11 und 21 (kontusioniert) sowie 44 (Kronenfraktur ohne Pulpabeteiligung) führen nicht zu einer Bejahung dieses Kriteriums (vgl. E. 3.2.2 hievor). 10.3 Zu prüfen ist weiter das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Erforderlich ist eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung des somatischen Leidens (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4; erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 8.3.1). 10.3.1 Nach dem Unfall vom 22. November 2002 wurde die Versicherte gleichentags und am 29. November 2002 im Spital M.________ ambulant behandelt. Verordnet wurden Medikamente, ein Halskragen und bei Bedarf Physiotherapie. Am 29. Januar 2003 gab die Versicherte dem Kreisarzt an, sie absolviere eine Behandlung mit Lymphdrainagen und mache während 2 bis 2 ½ Stunden täglich ihre Übungen nach Infrarotanwendung und Einreibungen mit Wiehwohl; gegen die Depressionen nehme sie Jarsin. Am 6. Juni 2003 rechnete die SUVA die erfolgte Zahnbehandlung (Zähne 11, 21 und 44) der Versicherten bei Dr. med. dent. R.________ mit Fr. 554.90 ab. Vom 20. Mai bis 7. Juni 2003 war die Versicherte in der Klinik V.________, Rheumatologie und Rehabilitation des Bewegungsapparates, hospitalisiert, wo Physio- und Ergotherapie durchgeführt wurden. Gemäss Bericht des Dr. med. Y.________ vom 11. August 2003 wurde medizinische Kräftigungstherapie versucht. Am 15. August 2003 gab Dr. med. A.________ an, er habe Atarax 2 am Abend verordnet. Am 10. November 2003 gab die Versicherte der SUVA an, zur Zeit laufe ärztliche Akupunktur; auch werde sie Tai Chi lernen. Sie mache immer ihre Übungen mit dehnen und strecken. Im SUVA-Bericht vom 1. Dezember 2003 wurde angegeben, die Versicherte werde zur Zeit mit Akupunktur und Akupressur behandelt und lerne Tai Chi. Die Therapie bei Dr. med. Y.________ und die Kraniosacraltherapie fänden nicht mehr statt. Die Versicherte mache regelmässig zu Hause Übungen und behandle die schmerzenden Stellen mit Infrarotlampe. Gemäss Berichten des Dr. med. I.________ vom 12. Februar, 2. März und 24. August 2004 wurde die Versicherte von der Physiotherapeutin Frau G.________ und medikamentös behandelt. Im Bericht vom 8. Juni 2004 führte Dr. med. I.________ zudem Kraniosacraltherapie an. Im Rahmen der Besprechung vom 17. Juni 2004 gab die Versicherte der SUVA an, die Therapie bei Frau G.________ erfolge einmal pro Woche, wobei die Übungen täglich zu Hause trainiert würden; zudem stehe sie bei einem Homöopathen in Behandlung. Im Bericht vom 3. September 2004 empfahl Dr. med. A.________ die Weiterführung der Physiotherapie und medikamentöse Unterstützung mit Analgetika und Myotonolytika. Im Bericht vom 20. Januar 2006 gab Dr. med. I.________ an, es seien einige Monate ohne die Behandlung bei Frau G.________ bzw. ohne vernünftige Therapie verstrichen, da die Versicherte sich überfordert gefühlt habe; sie sei bereit, die Therapie erneut aufzunehmen, was er sehr begrüsse. Am 2. Februar 2006 leistete die SUVA Kostengutsprache für zehn Behandlungen bei Frau G.________. Laut Bericht des Dr. med. A.________ vom 14. Juni 2006 benötigte die Versicherte gezielte Physiotherapie mit sanfter Mobilisierung, vorsichtigen Dehnübungen, ferner angemessene analgetische und myotonolytische Behandlung. 10.3.2 Letztinstanzlich legte die Versicherte für den massgebenden Zeitraum bis zum Fallabschluss auf den 30. September 2006 bzw. Erlass des Einspracheentscheides am 17. November 2006 folgende zusätzliche Arztberichte auf, aus denen unfallbedingte Behandlungen hervorgehen: Die Behandlung bei Dr. med. Y.________ fand vom 25. Juni bis 2. September 2003 statt; in diesem Rahmen musste die versuchte Kräftigungstherapie nach zwei Sitzungen abgebrochen werden. Dr. med. T.________, Facharzt FMH für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten, führte im Bericht vom 7. Dezember 2005 aus, die Versicherte habe ihn erstmals am 18. Mai 2004 aufgesucht. Es bestehe ein Status nach Schleudertrauma. Sie habe sich bei ihm wegen verschiedenen Beschwerden gemeldet, wegen Schwellung im Gesichtsbereich, einmal wegen Ohrschmerzen. Aktuell bestünden Halsschmerzen im Bereich der vorderen Halsabschnitte entsprechend einer Problematik des Band- und Muskelapparates, ausgehend von der Störung im Bereich der Nackenmuskeln. Die entsprechenden therapeutischen Massnahmen seien eingeleitet worden. Dr. med. N.________, Allgemeine Medizin FMH, legte im Zeugnis vom 30. November 2006 dar, am 9. Juni 2006 habe er die Versicherte zu Hause wegen Schwindelbeschwerden aufgesucht; es sei nicht ausgeschlossen, dass die Beschwerden im Rahmen des erlittenen Schleudertraumas aufgetreten seien. Dr. med. O.________, gab im Zeugnis vom 1. Dezember 2006 an, die Versicherte sei bei ihm seit August 2006 in Akupunkturbehandlung; sie leide an den Folgen eines Schleudertraumas. Dr. med. K.________, Innere Medizin FMH, führte im Bericht vom 11. Dezember 2006 aus, als Notfallarzt habe er die Versicherte am 26. Februar 2006 wegen Schmerzen im HWS- und Schultergürtelbereich links sowie im linken Arm aufsuchen müssen. Er habe ihr Schmerzmedikamente gegeben und ihr geraten, sich wieder in die Hausarztbehandlung zu begeben. Aus den Berichten der Dermatologischen Klinik des Spitals U.________ vom 24. November 2004 (Feststellung einer Urtikaria factitia, DD: Urtikaria-Vaskulitis mit anschliessender medikamentöser Behandlung), des Dr. med. X.________ vom 14. April 2005 (Behandlung einer allergischen Hautreaktion) und 21. November 2006 (Behandlung einer Erkältung) sowie des Dr. med. D.________, Facharzt FMH für Otorhinolaryngologie, vom 2. Dezember 2005 (er habe die Versicherte am 6. Mai 2004 wegen Nasenbluten und am 26. Februar 2005 wegen eines grippalen Infekts behandelt; weitere Kontrollen bzw. Behandlungen hätten diesbezüglich nicht stattgefunden) ergibt sich nicht, dass die Behandlungen mit dem Unfall vom 22. November 2002 zusammenhingen. 10.3.3 Den verschiedenen Abklärungsmassnahmen und blossen ärztlichen Kontrollen kommt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu (erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 8.3.2 mit Hinweisen). Die von Dr. med. dent. H.________ behandelten Zahnschäden sind mit Ausnahme des Zahns 44 mangels Unfallkausalität nicht zu berücksichtigen (vgl. E. 3.2.2 hievor). Insgesamt ist das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung bis zum massgebenden Zeitpunkt des Fallabschlusses auf den 30. September 2006 bzw. des Erlasses des Einspracheentscheides am 17. November 2006 jedenfalls nicht besonders ausgeprägt erfüllt. 10.4 Offen bleiben kann, ob körperliche Dauerschmerzen im Sinne von über den gesamten Zeitraum andauernden Beschwerden oder vor allem Bewegungs- und Belastungsschmerzen vorlagen (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 241 E. 5.2.6; erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 8.4). Denn selbst wenn dieses Kriterium als erfüllt betrachtet würde, wäre es aufgrund der medizinischen Akten nicht besonders ausgeprägt gegeben, zumal deutlich eine psychische Überlagerung vorhanden ist, die nicht zu berücksichtigen ist (E. 7.2 hievor). 10.5 Die Beschwerdeführerin macht geltend, Fehlbehandlungen durch ärztlich verordnete Therapien hätten leider zur Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes geführt. Die vielen Therapien, unter anderem diejenige in der Klinik V.________, hätten sich als kontraproduktiv erwiesen. Entgegen dieser Auffassung kann aus den Akten nicht auf eine eigentliche Fehlbehandlung geschlossen werden, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte. 10.6 Die Kriterien des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen müssen nicht kumulativ erfüllt sein. Aus der ärztlichen Behandlung, den anhaltenden Beschwerden sowie der Arbeitsunfähigkeit - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien zu berücksichtigen sind - darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Die Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 8.6 mit Hinweisen). Insgesamt ist das Kriterium vorliegend nicht erfüllt. 10.7 Das Kriterium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit bezieht sich nicht allein auf das Leistungsvermögen im angestammten Beruf (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544, U 56/00; erwähntes Urteil 8C_33/2008, E. 8.7 mit Hinweisen). Die Klinik V.________ führte im Bericht vom 19. Juni 2003 (gestützt auf die Hospitalisation der Versicherten vom 20. Mai bis 7. Juni 2003) zu Handen der SUVA aus, empfohlen werde ein therapeutischer Arbeitsversuch nach ca. 2 bis 3 Wochen in leichter körperlicher Tätigkeit für eine Dauer von zunächst ca. 2 Stunden mit allmählicher Steigerung der Arbeitszeit bei leichter Tätigkeit auf 4 Stunden täglich. Im Bericht zu Handen der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 25. September 2003 gab die Klinik V.________ an, nach therapeutischem Arbeitsversuch poststationär für 2 bis 3 Wochen in leichter körperlicher Tätigkeit von zunächst 2 Stunden pro Tag sei eine Steigerung auf 2 bis 3 Stunden leichter Arbeit mit wechselnder Intensität zumutbar. Gemäss dem MEDAS-Gutachten vom 12. Mai 2006 bestand nach einem bis spätestens zwei Jahren seit dem Unfall eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit körperlicherseits nicht mehr; die 50%ige Arbeitsunfähigkeit sei psychisch bedingt (E. 5.2 hievor). Insgesamt ist das Kriterium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit erfüllt, aber nicht besonders ausgeprägt, zumal deutlich eine psychische Überlagerung vorhanden ist, die nicht zu berücksichtigen ist (E. 7.2 hievor; vgl. auch RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544; Urteil U 503/06 vom 7. November 2007, E. 7.7). 10.8 Nach dem Gesagten sind höchstens drei der sieben Kriterien erfüllt, aber keines besonders ausgeprägt. Eine Gesamtwürdigung mit dem mittelschweren, im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen liegenden Unfall vom 22. November 2002 (E. 9 hievor) ergibt, dass diesem für die über den 30. September 2006 hinaus anhaltende gesundheitliche Beeinträchtigung mit Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit keine massgebende Bedeutung zukommt. Demnach hat die Vorinstanz die adäquate Kausalität zu Recht verneint. Sämtliche Einwendungen des Versicherten vermögen hieran nichts zu ändern.