Citation: U 243/06 23.11.2006 E. 3

Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den von den beteiligten Ärzten übereinstimmend erhobenen somatischen Befunden und dem Unfall ist unbestritten und steht fest. Streitig und zu prüfen ist, inwieweit die Arbeitsfähigkeit dadurch eingeschränkt ist. Im Zentrum steht dabei die Beurteilung der von den Ärzten diagnostizierten orthopädischen Beschwerden (insbesondere die Berichte der Frau Dr. med. R.________, Leitende Ärztin Orthopädische Chirurgie FMH, Spital X.________, vom 17. Oktober 2005, vom 3. September, vom 20. Juli, vom 17. März und vom 2. Februar 2004, den Bericht der Dres. med. B.________, Assistenzarzt, und H.________, Leitender Arzt FMH plastische und Wiederherstellungschirurgie, Rehaklinik Y.________, vom 14. Februar 2005 sowie die Berichte des Dr. med. W.________, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, vom 21. Mai 2005, vom 27. Oktober und vom 27. April 2004). 3.1 Laut angefochtenem Entscheid erweisen sich die Unfallrestfolgen am verletzten linken Arm und Handgelenk als gering, es seien weder Schwellungen, Durchblutungsstörungen, gravierende Funktionsdefizite noch sonstige Auffälligkeiten oder Umfangdifferenzen vorhanden. Hingegen sei die Annahme der SUVA hinsichtlich einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit zu weitgehend, weshalb sich die Vorinstanz auf die Einschätzung der Frau Dr. med. R.________, welche aus orthopädischer Sicht die zumutbare Arbeitsfähigkeit auf 75 % veranschlagt, abstützt. 3.2 Die Beschwerde führende Versicherte behauptet, dass der Bericht der Frau Dr. med. R.________ unbegründet und undifferenziert sei, weshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt sei, dass die orthopädische Beeinträchtigung nicht mindestens eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bewirke. Die Ausführungen des Dr. med. W.________ zur Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber logisch und widerspruchsfrei. So liege eine Ausweitung der Symptomatik vor, welche maximal eine 50%ige Arbeitsfähigkeit begründe, wobei die psychischen Faktoren unberücksichtigt geblieben seien. Hinsichtlich der neurologischen und vaskulären Defizite sei eine versicherungsexterne Begutachtung angezeigt. 3.3 Die SUVA bringt vor, dass nach dem Aufenthalt vom 5. Januar bis 2. Februar 2005 in der Rehaklinik Y.________ die Dres. med. H.________, Leitender Arzt und Spezialist für Handchirurgie, und B.________, Assistenzarzt, im Austrittsbericht vom 14. Februar 2005 der Versicherten eine leichte bis mittelschwere Arbeit ganztags zumuten. Ferner erachte auch der Kreisarzt Dr. med. E.________ eine leichte bis mittelschwere Arbeit ganztags als zumutbar. Diese Einschätzungen seien nach einlässlicher Abklärung ergangen, fundiert und übereinstimmend, weshalb darauf abzustellen sei. 3.4 Frau Dr. med. R.________ hielt in ihrem Bericht vom 17. Oktober 2005 fest, dass die Hautverhältnisse an der linken Hand praktisch normal seien, keine Schwellung oder ausgeprägte Muskelathropie an Hand oder Vorderarm bestehe und die Narbe schmal und strichförmig verheilt sei. Die Muskulatur sei links zwar etwas schwächer und die Pro-/Supination und Dorsal-/Volarflexion endgradig leicht eingeschränkt. Auf Grund dieses orthopädischen Befundes ging sie von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit aus. Bereits im Bericht vom 3. September 2004 hatte Frau Dr. med. R.________ einen optimalen Heilungsprozess festgestellt, welcher durch Dr. med. W.________ anlässlich einer Kontrolle am 12. Oktober 2004 in einem Verlaufsbericht vom 27. Oktober 2004 bestätigt wurde: "Gute Heilung und gutes Operationsresultat, reizlose Verhältnisse an der Wunde, keine Dystrophiezeichen der Hand." Obwohl Dr. med. W.________ in seinem Schreiben vom 21. Mai 2005 an den Rechtsvertreter der Versicherten von einer maximalen 50%igen Arbeitsfähigkeit ausging, hielt er wiederum fest, dass die Verheilung optimal verlief und der heutige Zustand objektiv sehr gut aussehe. Entgegen den Vorbringen der Beschwerde führenden Versicherten sind die Ausführungen der Dres. med. R.________ und W.________ bezüglich der somatischen Befunde im Wesentlichen übereinstimmend. Die unterschiedliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit resultiert daraus, dass die beiden Ärzte in ihrer Evaluierung verschiedene Aspekte berücksichtigen. Während Frau Dr. med. R.________ objektiv orthopädisch eine Arbeitsfähigkeit von 75 % annimmt ohne dies näher zu begründen, berücksichtigt Dr. med. W.________ auch subjektiv geklagte Schmerzen. Beide lassen jedoch in ihrer Beurteilung die geklagten psychosomatischen Beschwerden nicht unberücksichtigt. So zieht die Orthopädin in Betracht, das bei der Operation implantierte Plättchen zu entfernen, um so der Versicherten Erleichterung zu verschaffen, was darauf hindeutet, dass bei der festgestellten Arbeitsfähigkeit von 75 % die subjektiven Leiden nicht ausgeblendet wurden. Die vom Hausarzt festgestellte 50%ige Arbeitsunfähigkeit wird mit der Tatsache begründet, dass die Versicherte in ihrer Arbeit im Haushalt beeinträchtigt sei. Dabei handelt es sich um eine Einschränkung, die auf Angaben der Versicherten beruht und in Bezug auf eine leidensangepasste Tätigkeit nicht aussagekräftig ist, zumal die Einschätzung des behandelnden Hausarztes tendenziell eher zu Gunsten der Versicherten erfolgt (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc). Bei beiden Ärzten resultiert die Schätzung der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung der subjektiv geklagten nicht objektivierbaren Beschwerden, wodurch die Schlussfolgerungen widersprüchlich sind und den Berichten kein Beweiswert zukommt. Die SUVA hält hingegen fest, dass im Austrittsbericht der Rehaklinik Y.________ vom 14. Februar 2005 eine ganztägige Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei. Unter dem Titel "Zumutbarkeit für den allgemeinen Arbeitsmarkt" führen die Ärzte aus, eine leichte bis mittelschwere Arbeit mit maximal zu hebenden Lasten mit beiden Händen von 10-15 kg sei zumutbar, dabei seien Tätigkeiten mit Vibrationen oder Schlägen auf die linke Hand ungeeignet. Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit beruht auf den zum damaligen Zeitpunkt ausbezahlten Taggeldern und den Angaben des behandelnden Arztes sowie des Arbeitgebers. Demnach beziehen sich die attestierte Arbeitsfähigkeit auf die bisher ausgeübte Beschäftigung und die umschriebene Zumutbarkeit auf eine leidensangepasste Tätigkeit. Entsprechend verweist Dr. med. E.________ anlässlich der ärztlichen Abschlussuntersuchung vom 21. April 2005 nicht auf die Schätzung der Arbeitsfähigkeit, sondern auf die der Zumutbarkeit. Die Beurteilung der Ärzte im Austrittsbericht der Rehaklinik Y.________ nach einmonatigen Untersuchungen und Abklärungen (u.a. Basistest der funktionellen Leistungsfähigkeit und psychosomatisches Konsilium) hat erhöhten Beweiswert für die noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten und die Leistungsfähigkeit. Die Einschätzungen sind fundiert und schlüssig, weshalb von weiteren medizinischen Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung abgesehen werden kann (BGE 122 V 162 Erw. 1d; SVR 2005 MV Nr. 1 S. 2 Erw. 2.3 mit Hinweisen) und mit der SUVA von einer leidensangepassten leichten bis mittelschweren Tätigkeit ganztags auszugehen ist.