Citation: 9C_475/2022 E. 4.3

4.3. Aus den vorinstanzlichen Feststellungen betreffend die medizinische Aktenlage geht klar hervor, dass der Beschwerdeführer insbesondere an (Fuss-) Schmerzen und einer depressiven Symptomatik leidet und deswegen resp. aufgrund eines erheblichen Leidensdrucks über einen längeren Zeitraum verschiedene Fachärzte konsultierte. Anders als die Vorinstanz anzunehmen scheint, gab der Hausarzt stets - namentlich auch mit seiner Antwort "???? nur sitzend?" - klar zu verstehen, dass er eine Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers nicht resp. nur in sehr geringem Ausmass für zumutbar hielt. Damit bestehen konkrete Anhaltspunkte für eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorangehende E. 2.2.2). Fraglich ist, ob die ärztlichen Unterlagen eine solche zuverlässig ausschliessen lassen. Das kantonale Gericht hat zutreffend erkannt, dass die RAD-Ärzte lediglich Stellungnahmen im Sinne von Art. 59 Abs. 2bis IVG (in der bis Ende 2021 geltenden Fassung; vgl. Art. 54a Abs. 2 IVG in der aktuellen Fassung) und Art. 49 Abs.1 IVV (SR 831.201) abgegeben hatten. Solche beruhen, anders als Berichte gemäss Art. 49 Abs. 2 IVV, nicht auf eigenen Untersuchungen. Zudem enthalten die Stellungnahmen der RAD-Ärzte (zuletzt vom 5. Januar und 9. Februar 2021) keine koordinierten, sondern nur auf das jeweilige Fachgebiet beschränkte Einschätzungen. Sodann fällt auf, dass der behandelnde Psychiater davon ausging, dass die Schmerzen des Versicherten somatisch erklärbar seien und "unbedingt berücksichtigt bleiben müssten", zumal er die diagnostizierte rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, als "stark abhängig" von den Fussschmerzen bezeichnete. Demgegenüber erkannte der Hausarzt in den Beeinträchtigungen auch eine erhebliche psychische Komponente. Beide Ärzte gingen somit davon aus, dass somatische und psychische Faktoren zusammenspielen resp. sich gegenseitig beeinflussen, was grundsätzlich nachvollziehbar ist. Auch wenn radiologisch "kein eindeutiger, die Klinik erklärender pathologischer Befund" erhoben und hinsichtlich der Schmerzen in somatischer Hinsicht (noch) keine "gefestigte Diagnose" gestellt werden konnte, diagnostizierten die neurologischen Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen ein chronisches Schmerzsyndrom. Damit bestehen mehr als nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen (vgl. dazu BGE 145 V 97 E. 8.5; SVR 2023 UV 26 85, 8C_427/2022 E. 3.3). Weiter ist kein Anhaltspunkt dafür ersichtlich, dass das vom Beschwerdeführer geltend gemachte (Schmerz-) Leiden auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation gründen und daher ein Ausschlussgrund im Sinne von BGE 141 V 281 E. 2.2 vorliegen soll. Schliesslich kann - auch wenn nicht alle konsultierten Ärzte eine Arbeitsunfähigkeit attestierten - nicht gesagt werden, dass mit einem beweiswertigen fachärztlichen Bericht eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wurde und deshalb von einem strukturierten Beweisverfahren im Sinne von BGE 141 V 281 abgesehen werden konnte (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.3). Solches ergibt sich insbesondere nicht daraus, dass Dr. med. F.________ die Prognose der Arbeitsfähigkeit als "unbestimmt" bezeichnete oder dass die Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen "beginnende positive Auswirkungen der Physiotherapie hinsichtlich Muskelaufbau und Stimmung" feststellten.