Citation: 1P.653/2001 08.11.2001 E. 4

4.-Im angefochtenen Entscheid vom 10. September 2001 wird (unter Dispositiv Ziffer 7) Folgendes erkannt: "Über den Verurteilten wird die Sicherheitshaft verfügt, welche bis zu einer anderslautenden Verfügung aufrecht bleibt". a) Gestützt auf diesen Entscheid wurde der (vorher auf freiem Fuss befindliche) Beschwerdeführer sogleich inhaftiert. Er befindet sich seit ca. zwei Monaten in Sicherheitshaft. Angesichts der noch nicht rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung handelt es sich um strafprozessualen Freiheitsentzug. Der Beschwerdeführer steht namentlich unter dem Schutz der Unschuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV). b) Eine Begründung für die Anordnung der Sicherheitshaft lässt sich dem angefochtenen Entscheid nicht entnehmen. Die kantonalen Behörden legen auch keine weiteren Akten vor, etwa Protokollauszüge über die mündliche Verhandlung vom 10. September 2001, welche dem Beschwerdeführer unverzüglich zugestellt worden wären, und gestützt auf die er seine Rechte hätte wahren bzw. den Haftanordnungsentscheid hätte anfechten können. Dem als "Protokoll Hauptverhandlung - Beratung" bezeichneten zweiseitigen Aktenstück des Kantonsgerichtes lassen sich keine Hinweise auf allfällige Haftgründe oder entsprechende Erwägungen des Gerichts entnehmen. In den Handnotizen der Protokollführerin findet sich (auf Seite 15) folgende Anmerkung: "7. Fortsetzungsgefahr - Sicherheitshaft, Strafe = gewisse Fluchtgefahr". c) Formlose mündliche Ausführungen des Haftrichters ausserhalb des Protokolls können als Basis für eine strafprozessuale Haftanordnung grundsätzlich nicht standhalten. Zum einen wird dem Betroffenen - mangels verbindlicher und nachprüfbarer Entscheidgründe - das wirksame Beschreiten des Rechtsweges erschwert oder gar verunmöglicht (vgl. Art. 31 Abs. 2 BV, Art. 5 Ziff. 4 EMRK). Zum anderen sind an die inhaltliche und formale Begründung von schweren Eingriffen in die persönliche Freiheit besonders hohe Massstäbe zu legen (Art. 29 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 BV). Der angefochtene Haftanordnungsentscheid hält vor dem verfassungsmässigen Begründungsgebot (Art. 29 Abs. 2 i.V.m. Art. 31 Abs. 2 BV) nicht stand. Die vom Kantonsgericht nur mündlich eröffneten Haftgründe der Flucht- und Kollusionsgefahr sind aufgrund der vorliegenden kantonalen Haftakten nicht ausreichend erstellt und begründet.