Citation: U 457/04 23.03.2005 E. 5

5.1 Im ersten nach der Zeit des Unfalles stammenden Bericht der Psychiatrischen Klinik des Spitals Z.________ vom 16. Dezember 1999 erhob Dr. med. S.________ verschiedene Verdachtsdiagnosen: Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion nach Trennung vom Ehemann, posttraumatische Belastungsstörung und HWS-Schleudertrauma. Die Konsultation sei wegen ausgeprägten Schlafstörungen mit Alpträumen und Flashbacks erfolgt. Zudem seien seit dem Unfall bestehende Beschwerden in Form von Halbseitenkopfschmerz, Nackenschmerzen, Drehschwindel, Verschwommensehen, starke Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen geltend gemacht worden. Weiter bestehe aufgrund der Trennung vom Ehemann ein depressives Zustandsbild mit Affektlabilität, innerer Unruhe, Tagesmüdigkeit, Lustlosigkeit und Rückzugstendenzen. Die Ärztin leitete eine antidepressive Therapie ein und verwies die Versicherte zur psychiatrischen Weiterbehandlung an Dr. med. R.________. Wegen des Verdachts auf ein HWS-Schleudertrauma überwies sie die Versicherte zudem an die Neurologische Poliklinik. Dort wurden die Diagnosen eines HWS-Distorsionstraumas mit ausgeprägtem Cervicalsyndrom und einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bestätigt (Bericht vom 27. Dezember 1999). Klinisch fand sich ein ausgeprägtes Cervicalsyndrom mit Spannungskopfschmerzen. Im Zusatzfragebogen bei HWS-Verletzungen bestätigte die Klinik am 25. Januar 2000 gegenüber der SWICA das Vorliegen eines bunten Beschwerdebildes, wie es nach einer HWS-Distorsion auftritt. Auch das Cervicalsyndrom ist dem typischen Beschwerdebild einer HWS-Distorsion zuzurechnen. Als Begleitdiagnose wurden eine Tendomyopathie des linken Armes und Konzentrationsstörungen erwähnt. Gemäss Bericht der Klinik Y.________ vom 9. April 2002 hat die anhaltende Schmerzproblematik zusammen mit neuropsychologischen Funktionsstörungen, vegetativen Begleiterscheinungen und ausgeprägten psychoaffektiven Interferenzen (Anhaltspunkte für eine posttraumatische Belastungsstörung, rezidivierende depressive Episoden mit suizidalen Gedanken) die Versicherte in ihrer Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit eingeschränkt und die berufliche Reintegration nach mehreren gescheiterten Wiedereingliederungsversuchen schlussendlich verunmöglicht. Nach der einmonatigen stationären Untersuchung und Betreuung ergab sich aus psychiatrischer Sicht, dass die Versicherte wegen der multiplen psychosozialen Belastungsfaktoren nicht mehr über genügend Bewältigungsressourcen verfüge und depressiv dekompensiert sei. Der geäusserte Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung mit Komponenten einer somatoformen Verarbeitung wurde in der Folge von Dr. med. P.________ im psychiatrischen Teilgutachten vom 31. Dezember 2001 bestätigt. Laut Experte liegen eindeutig körperliche Symptome vor, die nicht auf eine körperliche Krankheit oder einen Unfall zurückzuführen sind. Die somatischen Symptome seien als Somatisierungsstörung aufzufassen, wobei die Verstimmung derart stark ausgeprägt sei, dass von einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatische Symptome gesprochen werden könne. 5.2 Die Akten vermitteln das Bild einer Versicherten, die ein Distorsionstrauma der HWS erleidet und somatische Folgen davonträgt, daneben aber ein ausgeprägtes psychisches Beschwerdebild zeigt. Im Lichte der medizinischen Unterlagen handelt es sich bei den aufgetretenen psychischen Störungen nicht um blosse Symptome des erlittenen Traumas. Eine Prüfung der Entwicklung im Sinne von RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 seit dem Unfall am 10. November 1999 bis zur Einstellung der Versicherungsleistungen durch die SWICA mit Verfügung vom 5. Juni 2003 (bestätigt durch den Einspracheentscheid vom 17. Juli 2003, dem für die richterliche Beurteilung massgebenden Zeitpunkt) zeigt nicht das organisch-psychische Beschwerdebild, wie es nach einem Schleudertrauma der HWS überlicherweise seine Entwicklung nimmt. Im Hinblick auf die dargelegten medizinischen Beurteilungen ist davon auszugehen, dass sich im Anschluss an das beim Unfall erlittene Distorsionstrauma der HWS eine Somatisierungsstörung und eine mittelgradige depressive Episode ohne somatische Symptome entwickelt haben. Bei diesem Prozess wirkten gemäss den Erkenntnissen des Neurologen Dr. med. D.________ und des Psychiaters Dr. med. P.________ insbesondere psychische Faktoren mit. Die geschilderten psychischen Probleme sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass die berufliche Wiedereingliederung bisher scheiterte. Die diagnostizierten psychischen Leiden bilden nicht Teil des typischen Beschwerdebildes nach HWS-Traumen und stellen daher nicht primäre Folgen des Unfalles dar. War das physische Beschwerdebild nach dem Unfall stark psychisch überlagert und gehörte die psychische Entwicklung nicht zum typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der HWS, lässt es sich nicht beanstanden, wenn die Vorinstanz zum Schluss gelangte, dass der adäquate Kausalzusammenhang nach Massgabe der in BGE 115 V 138 Erw. 6 und 407 Erw. 5 entwickelten Rechtsprechung, d.h. mit der Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten der unfallbezogenen Merkmale zu beurteilen ist.