Citation: 5C.102/2001 22.06.2001 E. 5

5.-Eine Entmündigung hält die Beklagte vorab deshalb für bundesrechtswidrig, weil sie von ihren Eltern im Moment lückenlos betreut werde. Sie beruft sich damit auf das Subsidiaritätsprinzip, wonach die Hilfestellung ihrer eigenen Eltern der Anordnung von Massnahmen des Vormundschaftsrechts vorgehen müsse (zu diesem Grundsatz: Langenegger, N. 8 der Vorbem. zu Art. 360-456 ZGB; vgl. Stettler, Représentation et protection de l'adulte, 4.A. Fribourg 1997, N. 85 f. S. 7). Das Obergericht hat diese Maxime nicht verkannt, musste aber gestützt auf die Gutachten davon ausgehen, dass die familiäre Konstellation zu den Ursachen für die psychischen Störungen der Beklagten gehört (E. 6b/bb S. 13). Die Gutachter erwähnen "eine dysfunktionale Familienstruktur", eine "Ablösungsproblematik der Explorandin von den Eltern" und "eine festgefahrene familiäre Situation" (act. 22 f., Ziffer 1.4) und beurteilen "die familiäre Konstellation als schwer krank"; dass die Beklagte in ihren Versuchen, autonom zu leben, bis jetzt immer gescheitert sei, könne nicht nur auf ihre psychische Struktur und Entwicklung zurückgeführt werden, sondern auch auf die Überfürsorglichkeit der Eltern (act. 25). Entgegen der Beklagten ist weder diese Tatsache "nicht relevant", noch ist "nicht relevant", ob die elterliche Betreuung für ihre Zukunft optimal ist (S. 9 der Berufungsschrift). Die Beklagte allein der elterlichen Betreuung zu überlassen, die gewiss von gutem Willen getragen, die Beklagte aber schwer belastet und die Krankheitssymptome verstärkt, widerspricht dem Vormundschaftsrecht, das nicht bloss verletzt wird, wenn vormundschaftliche Massnahmen einen unverhältnismässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht bedeuten (E. 6 hiernach), sondern auch dann, wenn gebotene Handlungspflichten nicht erfüllt werden (vgl. Schnyder, Vormundschaftsrecht für Erwachsene und Menschenwürde, in: L'Image de l'homme en droit - Das Menschenbild im Recht, Festgabe der rechtswissenschaftlichen Fakultät zur Hundertjahrfeier der Universität Freiburg, Fribourg 1990, S. 429 ff., S. 434 f.; vgl. BGE 127 I 6 E. 8 S. 25).