Citation: 6P.6/2005 08.06.2005 E. 2.2

2.2.1 Im Weiteren beanstandet der Beschwerdeführer, er sei im Ermittlungs- und Untersuchungsverfahren nicht ordentlich anwaltlich vertreten gewesen. Die Thurgauer Praxis, welche eine Offizialverteidigung erst vor den gerichtlichen Instanzen vorsehe, sei mit dem verfassungsmässig anerkannten Anspruch auf umfassende Verteidigung nicht zu vereinbaren. Er sei wegen seiner angeschlagenen Gesundheit leicht zu beeinflussen und einer polizeilichen Befragung in keiner Art und Weise gewachsen gewesen. Er hätte daher anwaltlichen Beistand schon im Untersuchungsverfahren benötigt, um nicht wieder gutzumachende Nachteile zu vermeiden. Auch aus diesen Gründen seien seine Aussagen aus denjenigen Einvernahmen, welche vor der Bestellung des notwendigen Verteidigers durchgeführt worden seien, nicht verwertbar. 2.2.2 Auch in Bezug auf die Rüge der mangelnden anwaltlichen Verbeiständung im Untersuchungsverfahren ergibt sich nichts anderes als hinsichtlich der Rüge der fehlenden Vernehmungsfähigkeit. Aufgrund der eingereichten Zeugnisse und Berichte ergeben sich keine hinreichenden Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen wäre, seine Interessen selbst zu wahren. Die Rüge erweist sich daher ebenfalls als unbegründet. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer nie ein Gesuch um amtliche Verteidigung gestellt, obwohl nach der Strafprozessordnung des Kantons Thurgau der Untersuchungsrichter den Angeschuldigten rechtzeitig darauf hinzuweisen hat (§ 51 Abs. 1 StPO/TG) und dies auch geschehen ist (Untersuchungsakten, act. 174).