Citation: I 138/03 15.12.2003 E. 5

Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit. 5.1 Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts ist für die Vornahme des Einkommensvergleichs grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des (allfälligen) Rentenbeginns abzustellen. Bevor die Verwaltung über einen Leistungsanspruch befindet, muss sie indessen prüfen, ob allenfalls in der dem Rentenbeginn folgenden Zeit eine erhebliche Veränderung der hypothetischen Bezugsgrösse eingetreten ist. Gegebenenfalls hat sie vor ihrem Entscheid einen weiteren Einkommensvergleich durchzuführen (BGE 128 V 174; SVR 2003 IV Nr. 11 S. 31). 5.2 Der Rentenbeginn richtet sich nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG. Im Anwendungsbereich dieser Bestimmung entsteht der Rentenanspruch frühestens zu dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen war. Unter Arbeitsunfähigkeit ist die durch den Gesundheitsschaden bedingte Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen, während die finanziellen Konsequenzen einer solchen Einbusse für deren Beurteilung während der Wartezeit grundsätzlich unerheblich sind (BGE 105 V 159 Erw. 2a; vgl. BGE 104 V 191). Die Rentenhöhe ist sowohl vom Ausmass der nach Ablauf der Wartezeit weiterhin bestehenden Erwerbsunfähigkeit als auch von einem entsprechenden Grad der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des vorangegangenen Jahres abhängig. Somit kommt eine halbe Rente erst in Betracht, wenn der Versicherte während eines Jahres durchschnittlich mindestens zu 50 % arbeitsunfähig gewesen und weiterhin wenigstens zu 50 % invalid im Sinne von Art. 28 Abs. 1 IVG ist (BGE 105 V 160 f. Erw. 2c/d). 5.3 Gemäss Bericht des Dr. med. S.________ vom 29. August 2000 war der Beschwerdeführer seit 27. Juli 1998 in seiner angestammten Tätigkeit als Hilfsgärtner mindestens zu 50 %, zwischenzeitlich auch zu 100 % arbeitsunfähig (vgl. auch Schreiben vom 11. April 2001). Somit ist davon auszugehen, dass die Wartefrist im Juli 1998 zu laufen begonnen hat und der Rentenbeginn somit auf Juli 1999 festzusetzen ist (vgl. Art. 29 Abs. 2 IVG). Die vom 19. November bis 14. Dezember 2001 in der BEFAS getätigten Abklärungen vermögen keinen späteren Zeitpunkt zu begründen. Art. 29 Abs. 2 Satz 2 IVG will lediglich verhindern, dass kein Rentenanspruch entsteht, solange Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden, da diesen gegenüber der Rente Priorität zukommt (vgl. BGE 126 V 243 Erw. 5). 5.4 Zur Bestimmung des hypothetischen Einkommens ohne Invalidität (Valideneinkommen) hat die IV-Stelle, bestätigt durch das kantonale Gericht, auf die bei der ehemaligen Arbeitgeberin eingeholten schriftlichen Auskünfte vom 18. August 2000 abgestellt und für das Jahr 2000 ein Einkommen von Fr. 45'500.- ermittelt. Da jedoch der Rentenbeginn massgebend ist, muss stattdessen von den Lohnangaben für das Jahr 1999 ausgegangen werden. Danach verdiente der Beschwerdeführer im Jahre 1999 Fr. 3450.- im Monat, was einem jährlichen Einkommen von Fr. 44'850.- (Fr. 3450.- x 13) entspricht. 5.5 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person steht. Ist - wie vorliegend - kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne herangezogen werden (BGE 126 V 76 f. Erw. 3b/bb mit Hinweis). Kann die versicherte Person nur noch leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle Arbeiten verrichten, ist in der Regel vom durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn für Männer oder Frauen bei einfachen und repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 4) im privaten Sektor auszugehen (RKUV 2001 Nr. U 439 S. 347). Dieser standardisierte monatliche Bruttolohn beträgt gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) für Männer im Jahr 1998 Fr. 4268.- (LSE 1998, Tabelle TA 1, S. 25). Wird der auf 40 Wochenstunden basierende Betrag auf die durchschnittliche betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 1998 von 41.9 Stunden (Die Volkswirtschaft, 1/2003, Tabelle B9.2 S. 94) hochgerechnet, resultiert ein Verdienst von Fr. 53'648.80. Bezogen auf das Jahr 1999 ergibt dies unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (0.3 %; vgl. Die Volkswirtschaft, 1/2003, Tabelle B10.2, S. 95) ein Jahresgehalt von Fr. 53'809.70. Da der Versicherte nur zu 50 % arbeitsfähig ist, ist dieser Betrag zu halbieren was Fr. 26'904.85 ausmacht. 5.6 Nach der Rechtsprechung ist beim Einkommensvergleich unter Verwendung statistischer Tabellenlöhne zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen (BGE 124 V 323 Erw. 3b/bb mit Hinweisen; vgl. auch BGE 126 V 77 ff. Erw. 4 und 5). Sodann ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (AHI 2000 S. 81 Erw. 2b; vgl auch BGE 124 V 323 Erw. 3b/aa). In BGE 126 V 75 ff. hat das Eidgenössische Versicherungsgericht die bisherige Praxis dahingehend präzisiert, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängig ist. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 126 V 79 Erw. 5b/aa bis cc). Bei einem Abzug von 25 % ergibt sich für den Beschwerdeführer ein Invalideneinkommen von Fr. 20'178.60 (Fr. 26'904.85 ./. 25 %). In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird eingewendet, mit einem auf maximal 25 % begrenzten Abzug werde der Situation der Asylbewerbenden und Billiglohnempfänger nicht gerecht. Bei dem gemäss LSE 1998 Anforderungsniveau 4 ausgewiesenen Verdienst handelt es sich um ein Durchschnittseinkommen. Auch in dieser Kategorie werden auf dem Arbeitsmarkt sowohl tiefere als auch höhere Gehälter ausbezahlt. Zudem werden die statistischen Löhne aufgrund der schweizerischen und der ausländischen Wohnbevölkerung erfasst. Der mit einem maximalen Abzug von 25 % korrigierte Tabellenlohn eignet sich indessen durchaus für den Vergleich mit dem Lohn, den der Versicherte als Gesunder bezog, lag dieser doch mit Fr. 44'850.- deutlich über dem korrigierten Tabellenlohn bei 100%iger Beschäftigung von Fr. 40'357.- (Fr. 53'809.70 ./. 25 %). 5.7 Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % resultiert somit aus dem Vergleich des Valideneinkommens von Fr. 44'850.- mit dem Invalideneinkommen von Fr. 20'178.60 (die Hälfte von Fr. 40'357.-) ein Invaliditätsgrad von 55 %. Damit besteht Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung, wobei der Leistungsbeginn auf den 1. Juli 1999 festzusetzen ist (vgl. Art. 29 Abs. 2 Satz 1 IVG und Erw. 5.3).