Citation: 6B_511/2020 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz nimmt zunächst an, beide Parteien hätten sich über die finanzielle Lage bzw. das wirtschaftliche Substrat der anderen Vertragspartei nicht erkundigt. So habe J.I.________ offenbar nichts von der fehlenden wirtschaftlichen Substanz der E.________ Holding AG gewusst und sich vom frisch - per Verrechnungsliberierung - auf Fr. 3 Mio. erhöhten Aktienkapital ohne Liquiditätszufluss, dem Geschäftswagen Mercedes 500 des Beschwerdegegners 1, dessen Umgangsformen und seinem wortgewandten Auftreten beeindrucken lassen. Inwieweit dabei unwahre verbale Beeinflussungen, wie etwa das angebliche Eigentum einer Türenfabrik in Slowenien eine zusätzliche Rolle gespielt hätten, sei umstritten. J.I.________ habe denn auch eingeräumt, keinerlei Nachforschungen zur Finanzlage und zur Leistungsfähigkeit der E.________-Holding AG angestellt und sich auch nicht für den mehr als getrübten persönlichen Leumund der Beschwerdegegner interessiert zu haben. Jedenfalls habe er keinerlei Erkundigungen bezüglich Seriosität der Beschwerdegegner eingezogen und weder einen Strafregister- noch einen Betreibungsregisterauszug, der die miserable finanzielle Lage der beiden Beschwerdegegner ohne Weiteres offenbart hätte, eingeholt. Die Vorinstanz gelangt im Rahmen der Würdigung des Verhaltens von J.I.________ unter dem Gesichtspunkt der Opfermitverantwortung zum Schluss, angesichts der aus den gesamten Umständen ableitbaren Leichtfertigkeit seiner Handlungsweise trete im konkreten Fall das - wohl arglistige - betrügerische Verhalten der Beschwerdegegner in den Hintergrund. Im Einzelnen erwägt sie, J.I.________ sei als langjähriger Verwaltungsratspräsident der H.________ AG und ehemaliger Direktor des Luzerner Zentralgefängnisses am Ende seiner beruflichen Karriere nicht nur in geschäftlichen, sondern auch in menschlichen Belangen keineswegs unerfahren gewesen. Er sei insbesondere weder dumm oder schwach noch dem Gewinnstreben normaler Leute erlegen gewesen. Seine geschäftliche Erfahrenheit habe sich denn auch darin gezeigt, dass er den Beschwerdegegnern die H.________ AG zu einem für ihn vorteilhaften Preis habe verkaufen wollen, obwohl er dies aufgrund der Verpfändung der Aktien der V.________ SA gar nicht habe tun dürfen. Im Übrigen habe er sich offenbar auch weder bei seinem Interimsmanager Z.________ und seinem Revisor W.________, mit dem er jahrzehntelang persönlich befreundet gewesen sei, über die Beschwerdegegner informiert oder diese mit entsprechenden Abklärungen beauftragt. Dass J.I.________ die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet habe, zeige sich auch in der Schlussphase der Vertragsverhandlungen. Denn J.I.________ habe es unterlassen, die endgültige, vom Beschwerdegegner 1 am Vortag in Bezug auf die Zahlungsmodalitäten zu dessen Nachteil abgeänderte Fassung des Vertrages durchzulesen, und diesen sozusagen blindlings unterschrieben. Aus diesen Gründen gelangt die Vorinstanz zum Schluss, wer einen Kaufvertrag im Umfang von Fr. 3,5 Mio., mit welchem das eigene, seit Jahrzehnten geführte Unternehmen verkauft werde, vor der Unterzeichnung weder durchlese noch irgendwie geartete Erkundigungen über die Käuferschaft einhole, werde vom Strafrecht nicht geschützt (angefochtenes Urteil S. 174 ff.; vgl. auch Vernehmlassung des Obergerichts S. 5 ff.; Vernehmlassung des Beschwerdegegners 1 S. 5 ff.).