Citation: B 1/07 04.09.2007 E. 3.3

3.3.1 Die Klinik B.________, wo sich der Beschwerdegegner vom 30. Oktober bis 3. November 2000 auf der psychosomatischen Abteilung zur stationären Abklärung aufhielt, diagnostiziert im Gutachten vom 5. Februar 2001 chronische Leistenschmerzen beidseits nach mehrfachen operativen Eingriffen im Inguinalbereich beidseits, Urogenital- und Analbereich mit ausgeprägter Symptomausweitung (ICD10 F54/R10.3) und ein leichtes Thorakolumbovertebralsyndrom (ICD10 M54.9). Medizinisch-theoretisch sei ihm eine leichte, wechselbelastete, überwiegend sitzende Arbeit ganztags zu 80 % zumutbar. Wegen invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten sozialen Faktoren (ausgeprägte Selbstlimitierung) sei es unwahrscheinlich, dass er die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit ausschöpfen werde. Beim Beschwerdegegner liege eine ausgesprochene Symptomausweitung mit Selbstlimitierung vor, indem er alle Aktivitäten weit vor Erreichen seiner Leistungsgrenze abbreche. Diese Symptomatik werde mit dem Begriff der Symptomausweitung umschrieben. Sie werde in den meisten Fällen und überwiegend durch soziale Risikofaktoren begünstigt (Emigration, mangelhafte berufliche Integration in der Schweiz, Scheidung nach zweijähriger Ehe im Jahr 1996) und sei nicht Ausdruck eines Krankheitsgeschehens im invalidenversicherungsrechtlichen Sinne. Es sei ihm medizinisch-theoretisch eine 80%ige Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar. Im Nachgutachten vom 20. August 2002 hielt die Klinik B.________ fest, zusammenfassend lägen aus psychosomatischer Sicht erhebliche krankheitsfremde Faktoren vor (sexuelle Problematik, Selbstwertproblematik, Eheproblematik, Stellenverlust), die zur Entwicklung einer Schmerzverarbeitungsstörung nach der Leistenhernienoperation 1994 beigetragen hätten. Beim Beschwerdegegner sei es zweifellos sehr schwierig, psychosoziale und soziokulturelle Belastungssituationen und Krankheitssymptome voneinander abzugrenzen, insbesondere da er ein ausschliesslich körperorientiertes Krankheitskonzept habe und ausschliesslich lokal, vor allem durch Operationen behandelt worden sei, während den psychosozialen Belastungen (sexuelle Problematik, Ehekonflikt, Scheidungssituation) keine Beachtung geschenkt worden sei. Es sei anzunehmen, dass die ausschliesslich am Ort der Schmerzhaftigkeit und überwiegend durch chirurgische Eingriffe erfolgte Behandlung zur Chronifizierung und Fixierung beigetragen habe, die mittlerweile erfolgt sei. Dieser krankheitsbedingte Anteil der Arbeitsunfähigkeit sei im Gutachten vom 5. Februar 2001 mit 20 % eingeschätzt worden. Wenn bei der Beurteilung mehr Gewicht darauf gelegt werde, dass die Folgen der diversen Eingriffe, das ausschliesslich körperorientierte Krankheitskonzept des Patienten bestätigt und verfestigt hätten, könnte die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit höher, z.B. 40 % oder 50 % eingeschätzt werden, sodass medizinisch-theoretisch eine Restarbeitsfähigkeit von 50 % bis 60 % (halbtags) für leichte Arbeit bestehe. Wegen der oben beschriebenen psychosozialen Faktoren sei es jedoch unwahrscheinlich, dass der Versicherte die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit realisieren werde. Als weiterer invaliditätsfremder Grund sei diesbezüglich zu benennen, dass er beruflich ausser in der Landwirtschaft, wo er bis 1994 gearbeitet habe, nie sozialisiert gewesen und im Baugewerbe insgesamt nur 1 ½ Jahre und in der Metallindustrie nur sechs Monate tätig gewesen sei. 3.3.2 Im Bericht vom 29. Juli 1998 an den Hausarzt Dr. med. H.________ erklärte das Spital X._________, Rheumatologie und Institut für physikalische Therapie, den Beschwerdegegner aus rheumatologischer Sicht für eine geeignete Tätigkeit voll arbeitsfähig mit dem Vermerk, er solle sich beim Arbeitsamt melden. Der Psychiatrische Dienst des Kantons Z.________ führt im Bericht vom 4. Dezember 1998 an den Hausarzt aus, beim Beschwerdegegner habe keine psychiatrische Diagnose eruiert werden können. Er sei psychopathologisch unauffällig. Am 16. März 1999 hält Dr. med. H.________ fest, der Beschwerdegegner arbeite seit dem 18. März 1998 nicht mehr. Eine bleibende Arbeitsunfähigkeit habe nie attestiert werden können. Er arbeite einfach nicht. In psychiatrischer Hinsicht liege noch keine relevante Diagnose vor. Es bestehe Verdacht auf Münchhausensyndrom und Konversionsneurose. Im Bericht vom 6. März 2002 gelangt der Psychiatrische Dienst zur Beurteilung, der Beschwerdegegner leide seit Jahren unter stärksten Schmerzen, welche als Konsequenz einige Bauchoperationen zur Folge hatten. Nach wie vor habe er ein auf Somatik ausgerichtetes Krankheitsbild und ohne Einsicht, dass es sich um eine psychische Erkrankung handeln könnte. Die Befunde seien mit einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen Symptomen vereinbar (ICD-10 F32.11). Eine medikamentöse Behandlung der Depression werde empfohlen. Im Weiteren sprächen die Befunde und der Verlauf für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Der Beschwerdegegner sei darüber informiert worden, dass er mit den Schmerzen leben lernen müsse und dass ein nochmaliger Arbeitsversuch gemacht werden sollte, womit auch der Hausarzt voll einverstanden sei. Die Stiftung A.________, wo der Beschwerdegegner vom 17. September bis 21. Dezember 2001 eine Abklärung in der geschützten Werkstätte absolvierte, hält im Bericht vom 20. Dezember 2001 fest, während der effektiven Präsenzzeit, sei seine Arbeitsleistung gemessen an einer Normalleistung von 100 % bei 30 % einzustufen. Er weise einen sehr hohen Anteil entschuldigter, krankheitsbedingter Absenzen auf. Seine gesundheitliche Verfassung mache eine Wiedereingliederung zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich. Auch ein allfälliges Arbeitstraining würde zu einer Überforderung führen. Um die Fähigkeiten und das effektive Leistungsvermögen weiter abzuklären und/oder zu trainieren, sollte sich die gesundheitliche Situation drastisch verbessern.