Citation: 2A.311/2004 08.09.2004 E. 4

4.1 Besondere stichhaltige Gründe, welche den nachträglichen Familiennachzug rechtfertigen würden (vgl. E. 2.2), liegen, wie das Verwaltungsgericht zulässigerweise annehmen durfte, nicht vor. Dass das Gericht den Umstand der ungewollten Trennung von Mutter und Kind im Jahre 1996 (unabhängig davon, wo und wie sich diese zugetragen hat) für sich allein nicht als ausreichend betrachtete, um mehr als sechs Jahre später den Nachzug des betroffenen Kindes zu rechtfertigen, ist insofern vertretbar, als es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, darzulegen, dass sie in der Zwischenzeit alles Zumutbare unternommen hat, um den Sohn wieder in ihre Obhut zu bringen. Insbesondere ist nicht ersichtlich, inwiefern es der Beschwerdeführerin in der Zeit von 1999 bis 2002, als sich der Sohn im Internat der Klosterschule M.________ befand, verwehrt gewesen sein sollte, ein Nachzugsgesuch zu stellen. Die Umstände sprechen in der Tat vielmehr dafür, dass die Beschwerdeführerin ihren Sohn erst in die Schweiz nachziehen wollte, nachdem er seine Schulausbildung in der Heimat abgeschlossen hatte. Die Beschwerdeführerin führt selber aus, dass sie "zu Recht den Abschluss der Internatsbeschulung im Interesse ihres Sohnes abgewartet und anschliessend umgehend das Familiennachzugsgesuch eingereicht" habe. Damit aber, insbesondere mit Blick auf das Schreiben des Zentrums für Sozialarbeit von Z.________ vom 10. September 2002 (wonach der Grossvater B.________s seinen Enkel nicht aus persönlichen Gründen, sondern zur Ausbildung in die Schweiz schicke), ist der Schluss des Verwaltungsgerichtes nicht zu beanstanden, dass B.________ mit der Übersiedlung nach J.________ in erster Linie eine bessere Zukunftsperspektive verschafft werden sollte. Der Abschluss der Zeit im Internat bildet für sich allein - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - keinen zwingenden Grund für eine Änderung der Betreuungsverhältnisse, zumal die Grosseltern väterlicherseits nach wie vor in der Heimat wohnhaft sind. Dabei durfte das Verwaltungsgericht auch berücksichtigen, dass die Grosseltern ihren Enkel jahrelang betreut haben, auch wenn dies angeblich gegen den Willen der Mutter geschah. Wie das Verwaltungsgericht zutreffend ausführt, ist die Beziehung B.________s zu seinen Grosseltern heute zwar naturgemäss nicht mehr so eng wie vor seinem Eintritt in die Klosterschule. Dies bedeutet indessen nicht, dass nunmehr eine Übersiedlung in die Schweiz notwendig würde, zumal die Beschwerdeführerin nicht dargetan hat und sich in den Akten auch keine Anhaltspunkte finden, dass die Grosseltern in ihrer Gesundheit derart beeinträchtigt wären, dass sie die notwendige Betreuungsarbeit nicht mehr leisten könnten, sofern eine solche beim kurz vor der Volljährigkeit stehenden Sohn der Beschwerdeführerin überhaupt noch erforderlich ist. Dass nach zweijähriger Anwesenheit in der Schweiz die Rückkehr in die Heimat mit Nachteilen verbunden ist, lässt den angefochtenen Entscheid nicht als unverhältnismässig erscheinen. Der jetzige Aufenthalt des Sohnes der Beschwerdeführerin in der Schweiz beruht einerseits auf der zweckwidrigen Ausnützung eines Besuchervisums, das ihm die Einreise ermöglichte, sowie auf der "aufschiebenden Wirkung" der in der Folge eingeleiteten Bewilligungs- bzw. Rechtsmittelverfahren. Den auf einer solchen Grundlage begründeten sozialen Bindungen zur Schweiz kann aus nahe liegenden Gründen nur eine beschränkte Bedeutung zukommen (Urteile 2A.471/2001 vom 29. Januar 2002, E. 2b/cc, sowie 2A.105/2001 vom 26. Juni 2001, E. 3c). Der Einwand, ein (nochmaliger) Wegzug B.________s stelle für seinen Halbbruder eine unzumutbare belastende Erfahrung dar, dringt damit, wie das Verwaltungsgericht zulässigerweise annehmen durfte, unter dem Gesichtswinkel der Verhältnismässigkeit ebenfalls nicht durch. 4.2 Nach dem Gesagten lässt sich der vom Verwaltungsgericht gezogene Schluss, es sei keine vorrangige familiäre Beziehung zur Beschwerdeführerin bzw. keine Notwendigkeit des Familiennachzuges ersichtlich, weder sachverhaltsmässig noch in Bezug auf die rechtliche Würdigung beanstanden. 4.3 Aus Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV lassen sich vorliegend keine weitergehenden Ansprüche ableiten (vgl. BGE 129 II 249 E. 2.4 S. 256; 125 II 585 E. 2e S. 591, 633 E. 3a S. 640). Die Verweigerung der anbegehrten Bewilligung zum Nachzug des Sohnes verstösst daher weder gegen Bundesrecht noch gegen die fragliche Konventionsnorm.