Citation: 6B_667/2024 E. 2.3.3

2.3.3. Nachdem die Vorinstanz mit der soeben zusammengefassten Begründung eine Notwehrlage bejaht, prüft sie die Angemessenheit der Abwehr. Diesbezüglich verweist sie auf die erstinstanzlichen Erwägungen, wonach der Beschwerdegegner 2 diverse Schritte unternommen habe, um eine Eskalation der emotional belastenden Trennungssituation zu verhindern. Doch weder das gerichtliche Kontakt- und Annäherungsverbot noch das Alarmieren der Polizei hätten den Beschwerdeführer davon abgehalten, abermals am Wohnort des Beschwerdegegners 2 aufzutauchen. Am 13. März 2021 sei der Beschwerdeführer sogar an den Tatort zurückgekehrt, habe sich als Polizist ausgegeben und seine Zerstörungswut ein zweites Mal am Inventar der Wohnung ausgelassen. Als der Beschwerdegegner 2 ihm am 29. März 2021 die Türe trotz Sturmklingeln nicht geöffnet habe, sei er nicht abgezogen, sondern die Fassade hochgeklettert. Selbst als der Beschwerdegegner 2 in die Küche gegangen sei, habe der Beschwerdeführer die Wohnung nicht verlassen, sondern seine Hand gegen den Kopf des Beschwerdegegners 2 bewegt. Daraus zieht die Vorinstanz den Schluss, dass der Beschwerdegegner 2 zahlreiche mildere Massnahmen ergriffen habe, bevor er das Messer eingesetzt habe. Die Vorinstanz übersieht nicht, dass das Bundesgericht bei der Verwendung gefährlicher Gegenstände wie Messern besondere Zurückhaltung verlangt. Doch weist sie darauf hin, dass der Beschwerdeführer auf den Beschwerdegegner 2 zugestürmt sei und seine Hand gegen dessen Kopf bewegt habe, obwohl er das Messer und die Furcht des Beschwerdegegners 2 wahrgenommen habe. Der Beschwerdeführer habe mit dem Einsatz des Messers rechnen müssen. Die Vorinstanz ergänzt, dass der Beschwerdegegner 2 das Messer zurückhaltend verwendet habe. So sei er nicht auf den Beschwerdeführer losgegangen, sondern habe das Messer nur reflexartig zum Arm des Beschwerdeführers bewegt, der in seine Sphäre eingedrungen sei. So sei er nur in Kontakt mit den Extremitäten des Beschwerdeführers gekommen und habe das Risiko gravierender Verletzungen minimiert. Zudem habe er das Messer in seiner schwachen linken Hand gehalten. Damit habe er nicht dieselbe Wucht aufbringen können wie mit der rechten Hand. Die Priorität des Beschwerdegegners 2 sei gewesen, mit der Polizei in Verbindung zu bleiben. Das Messer in seiner schwächeren Hand habe nur der Abschreckung gedient. So hätte er in der Küche auch grössere Messer behändigen können und nicht nur ein Rüstmesser. Nachdem er den Beschwerdeführer verletzt und damit gestoppt habe, seien keine weiteren Abwehrhandlungen dazu gekommen. Im Gegenteil habe er die Polizei gebeten, einen Krankenwagen zu rufen. Die Angemessenheit der Abwehr ist anhand jener Situation zu beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber angestellt werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können (BGE 136 IV 49 E. 3.1 und 3.2; Urteile 7B_13/2021 vom 5. Februar 2024 E. 3.3.3; 6B_1454/2020 vom 7. April 2022 E. 3.3.1; je mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund weist die Vorinstanz darauf hin, dass sich der Vorfall innert kürzester Zeit abgespielt habe, weshalb dem Beschwerdegegner 2 keine Zeit für langes Nachdenken geblieben sei. Er sei aufgrund der Vorgeschichte bereits in einem Angstzustand gewesen, weshalb ihm umso weniger subtile Überlegungen entgegengehalten werden könnten.