Citation: U 158/03 26.11.2003 E. 2

Streitig ist der Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung. Die Vorinstanz lehnt die Ausrichtung einer Rente ab, da der Minderverdienst nicht auf die Berufskrankheit, sondern auf die (während der Umschulung durch die Invalidenversicherung) getroffene Berufswahl oder die aktuelle Anstellung zurückzuführen sei. Der Beschwerdeführer ist demgegenüber der Auffassung, dass er trotz der erfolgreichen Eingliederung durch die Invalidenversicherung eine berufskrankheitsbedingte Erwerbseinbusse erleide und damit Anspruch auf eine Rente habe. 2.1 Nach Art. 18 Abs. 1 UVG setzt der Rentenanspruch der Unfallversicherung eine Invalidität von mindestens 10 % voraus, wobei nach Art. 18 Abs. 2 Satz 1 UVG invalid ist, wer voraussichtlich bleibend oder für längere Zeit in seiner Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist. Aufgrund des grundsätzlich einheitlichen Invaliditätsbegriffs in der Invaliden- und obligatorischen Unfallversicherung (BGE 126 V 291 Erw. 2a), muss die Erwerbsunfähigkeit nicht nur in der Invalidenversicherung (Art. 4 Abs. 1 IG), sondern auch in der obligatorischen Unfallversicherung durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden verursacht worden sein. Damit setzt die Invalidität eine Erwerbseinbusse infolge eines Gesundheitsschadens voraus, der seinerseits Folge eines Unfalls oder einer Berufskrankheit ist (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG). Daher muss zunächst geprüft werden, ob ein Gesundheitsschaden infolge einer Berufskrankheit besteht und ob sich dieser erwerblich auswirkt. 2.2 Die medizinische Abklärung durch die SUVA hat ergeben, dass eine toxisch-irritative Schleimhautentzündung durch Arbeitsplatzsubstanzen vorliegt, sodass der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Maler vollständig arbeitsunfähig ist, während für andere Arbeiten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit besteht. Da keine Exposition gegenüber Spritzlacken mehr stattfindet, ist die Schleimhautentzündung mittlerweile geheilt; in den Akten finden sich denn auch keinerlei gegenteilige Hinweise. Damit liegt aber auch kein - für den Rentenanspruch jedoch vorausgesetzter - eigentlicher Gesundheitsschaden infolge einer Berufskrankheit mehr vor; es besteht vielmehr nur (aber immerhin) eine Überempfindlichkeit gegenüber gewissen Stoffen. Die Frage, ob diese Überempfindlichkeit als Disposition (d.h. Anfälligkeit) zu einer Krankheit bezeichnet werden muss und somit nicht als Berufskrankheit gelten kann (vgl. Alexandra Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Auflage, Zürich 2003, S. 84), oder ob die Sensibilisierung selber eine Berufskrankheit ist, weil die Antikörper eine zurückbleibende gesundheitliche Veränderung nach einem Antigenkontakt darstellen (so Peter Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, Freiburg 1995, S. 54), kann hier jedoch offen gelassen werden (vgl. Urteil B. vom 29. Januar 1999, U 145/97, teilweise publiziert in plädoyer 1/2000, S. 54 Erw. 5 in fine); auch bei Annahme eines Gesundheitsschadens ist der Versicherte nämlich nicht gezwungen, seine bisherige Berufstätigkeit aufzugeben und zu einer andern Tätigkeit überzugehen, in der er geringere Erwerbsaussichten hat (vgl. EVGE 1967 S. 203 Erw. 2). Der Beschwerdeführer ist unbestrittenermassen in allen Tätigkeiten, die keine Exposition zu Spritzlacken erfordern, ohne Einschränkungen arbeitsfähig; somit sind auf dem für die Bemessung der Erwerbsunfähigkeit gemäss Art. 18 Abs. 2 Satz 2 UVG in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu BGE 110 V 276 Erw. 4b) genügend Tätigkeiten vorhanden, die nicht geringere Erwerbsaussichten als die bisher ausgeübte Arbeit als Maler bieten. Damit ist davon auszugehen, dass der Versicherte, trotz seiner leichten Einschränkung in der Auswahl möglicher Arbeitsplätze und Berufe, in absehbarer Zeit zumutbarerweise eine Tätigkeit hätte finden können, in welcher er gleich viel wie am angestammten Arbeitsplatz verdient hätte (vgl. EVGE 1967 S. 206 Erw. 3). In dieser Hinsicht ist der Beschwerdeführer seiner Schadenminderungspflicht (BGE 117 V 400 mit Hinweisen) somit nur teilweise nachgekommen: Er hat sich zwar mit Hilfe der Invalidenversicherung einer Umschulung unterzogen, jedoch für ein Tätigkeitsgebiet, in dem offensichtlich wesentlich geringere Löhne als in der bisherigen Arbeit auf dem Bau bezahlt werden; dies hätte ihm bewusst sein müssen. Auch wenn positiv zu werten ist, dass der Versicherte die Umschulung zum medizinischen Masseur erfolgreich bestanden hat und nun in diesem Beruf arbeitet, kann die Eingliederung im Sinne der Unfallversicherung nicht als optimal bezeichnet werden: Zwar konnte in der Invalidenversicherung - infolge des mindestens erforderlichen Invaliditätsgrades von 40 % (Art. 28 Abs. 1 IVG) - eine rentenausschliessende Eingliederung erfolgen, durch eine andere zumutbare Umschulung hätte dieses Ziel jedoch in der Unfallversicherung ebenfalls erreicht werden können. Auch wenn auf die Aussage in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde abgestellt wird, wonach die Organe der Invalidenversicherung eine Umschulung zum Physiotherapeuten mangels Gleichwertigkeit zum bisherigen Beruf als Maler abgelehnt haben, muss für das Erreichen eines annähernd gleichen Lohnes wie des bisher erzielten nicht von einem höher qualifizierten Beruf ausgegangen werden, da dafür gleich qualifizierte Tätigkeiten wie die bisherige als Maler ausreichen; insbesondere ist daran zu erinnern, dass der Versicherte für alle Arbeiten ohne Exposition zu Spritzlacken vollständig arbeitsfähig ist, weshalb ihm z.B. auch eine Tätigkeit auf dem Bau oder in einem Büro zumutbar gewesen wäre, wo er - auch unter Berücksichtigung eines allfällig etwas geringeren Lohnes wegen fehlender Berufserfahrung - ein rentenausschliessendes Einkommen hätte erzielen können. Wenn sich der Beschwerdeführer jedoch zur Umschulung in eine schlechter bezahlte Tätigkeit entschlossen hat, obwohl ihm besser entlöhnte Arbeiten gesundheitlich nicht verwehrt gewesen wären, hat er die entsprechenden finanziellen Einbussen selber zu tragen; es trifft ihn insoweit auch wegen der in Frage stehenden Dauerleistung und seines jungen Alters eine weit gehende Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 113 V 32 f.). Im Übrigen kann auch aus dem Urteil B. vom 29. Januar 1999, U 145/97, teilweise publiziert in plädoyer 1/2000, S. 54 Erw. 6, nichts zu Gunsten des Versicherten abgeleitet werden, da dort explizit festgehalten ist, dass das zur Invaliditätsbemessung notwendige Einkommen nach Eintritt des Gesundheitsschadens vom effektiv erzielten Einkommen abweichen könne, wenn dieses nicht demjenigen entspreche, welches auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt erzielbar sei. Entgegen der Meinung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird ein Versicherter durch die hier vertretene Auffassung nicht von einer Umschulung abgehalten; dies trifft schon deswegen nicht zu, weil bei ungerechtfertigter Verweigerung der Eingliederung kein Anspruch auf eine Rente besteht (Art. 10 Abs. 2 IVG bzw. Art. 31 IVG sowie ab dem 1. Januar 2003 Art. 21 Abs. 4 ATSG).