Citation: 2A.101/2002 17.07.2002 E. 2

Zweck des Familiennachzugs gemäss Art. 17 Abs. 2 ANAG ist es, das Leben in der Familiengemeinschaft zu ermöglichen. Der Gesetzeswortlaut verdeutlicht, dass die rechtliche Absicherung des Zusammenlebens der Gesamtfamilie angestrebt wird: Verlangt ist ausdrücklich, dass die Kinder mit ihren Eltern (Plural) zusammenwohnen werden. Auch die innere Systematik von Art. 17 Abs. 2 ANAG geht vom Zusammenleben mit Mutter und Vater aus. Die Nachzugsregelung ist daher auf Familien zugeschnitten, in denen die (leiblichen) Eltern einen gemeinsamen ehelichen Haushalt führen (BGE 126 II 329 E. 2a S. 330; grundlegend: BGE 118 Ib 153 E. 2b S. 159). 2.1 Verlangt ein (vom anderen Elternteil) geschiedener oder getrennt lebender Ausländer allein den Nachzug seiner Kinder, so wird nicht die Zusammenführung der Gesamtfamilie angestrebt. Das Bundesgericht hat es deshalb abgelehnt, insoweit einen bedingungslosen Anspruch auf Nachzug der Kinder anzunehmen; ein solcher entspreche nicht dem Gesetzeszweck (grundlegend: BGE 118 Ib 153 E. 2b S. 159). Für das Bestehen eines Nachzugsrechts wird vielmehr vorausgesetzt, dass der in der Schweiz lebende Elternteil die vorrangige familiäre Beziehung zum betroffenen Kind unterhält (BGE 125 II 633 E. 3a S. 640, mit Hinweisen), wobei zu berücksichtigen ist, bei wem das Kind bisher gelebt hat und welchem Elternteil die elterliche Gewalt zukommt (BGE 125 II 585 E. 2a S. 587). Das Bundesgericht hat in diesem Zusammenhang festgehalten, das Ziel, das familiäre Zusammenleben zu ermöglichen, werde verfehlt, wenn der in der Schweiz niedergelassene Elternteil das Kind erst kurz vor Erreichen des 18. Altersjahres zu sich hole, nachdem er jahrelang von ihm getrennt gelebt habe (vgl. BGE 125 II 633 E. 3a S. 640, mit Hinweisen). Eine Ausnahme kann nur gelten, wenn aus den Umständen des Einzelfalls gute Gründe dafür ersichtlich sind, dass die Familiengemeinschaft in der Schweiz erst nach Jahren hergestellt wird (vgl. BGE 125 II 585 E. 2a S. 587, mit Hinweisen). Die Verweigerung einer Bewilligung lässt sich somit jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung von den Betroffenen ursprünglich selbst freiwillig herbeigeführt worden ist, für die Änderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die Fortführung und Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (BGE 124 II 361 E. 3a S. 366 f., mit Hinweisen). 2.2 Der Beschwerdeführer hat seine Heimat im Jahre 1986 freiwillig verlassen und dabei seine Kinder bei deren Mutter in der Türkei zurückgelassen, von welcher sie bis zur Scheidung der Eltern im Jahre 1990 betreut wurden. Nachdem dem Beschwerdeführer im Scheidungsurteil das Sorgerecht für seine Kinder übertragen worden ist, leben C.________ und D.________ mit ihrem ältesten Bruder zusammen bei ihrer Grossmutter. Auch wenn unbestritten ist, dass die beiden regelmässig telefonischen Kontakt zu ihrem Vater haben, der sie auch finanziell unterstützt und während der Ferien in der Heimat besucht, handelt es sich doch bei der Grossmutter, welche sie nunmehr seit über 11 Jahren betreut, offensichtlich um die nächste Bezugsperson der Jugendlichen; zu ihr haben sie die vorrangige familiäre Beziehung. Voraussetzung dafür, dass der Beschwerdeführer C.________ und D.________ gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ANAG zu sich in die Schweiz holen kann, bildet demnach ein zwingendes Bedürfnis, die bestehenden (selbst gewählten) Betreuungsverhältnisse zu ändern. Ein solches macht der Beschwerdeführer geltend, wenn er vorbringt, der 70-jährigen Grossmutter von C.________ und D.________ sei deren Betreuung nicht mehr möglich. Sie leide seit längerem an Bluthochdruck und starker Diabetes, wobei sich ihr Gesundheitszustand in den letzten Jahren verschlechtert habe. Die beiden Jungen hätten inzwischen die Schule abgeschlossen, seien ohne Arbeit und machten mehr oder weniger, was sie wollten, weshalb ihre Erziehung die Grossmutter überfordere. Gemäss dem angefochtenen Entscheid ist jedoch nicht erstellt, dass die gesundheitliche Verfassung der Grossmutter die weitere Betreuung von C.________ und D.________ ausschliesst. Die Vorinstanz hat erwogen, diesbezüglich fehle es an genaueren Angaben über Art und Schwere der Erkrankung sowie über deren Folgen. Der Sache nach hat sie damit - für das Bundesgericht grundsätzlich verbindlich (vgl. E. 1.3) - festgestellt, dass die bisherige Betreuung der Kinder des Beschwerdeführers in deren Heimat nach wie vor möglich ist. Diese Sachverhaltsfeststellung ist denn unter dem Gesichtswinkel von Art. 105 Abs. 2 OG auch nicht zu beanstanden, nachdem der Beschwerdeführer gemäss den allgemeinen Beweislastregeln die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat: Aus den eingereichten Arztberichten ergibt sich nicht, inwieweit die Grossmutter von C.________ und D.________ durch ihre Erkrankung eingeschränkt wird; auch dem erstmals vor Bundesgericht eingereichten Schreiben des Bürgermeisters von Z.________ ist nichts Schlüssiges zu entnehmen. Die im Verwaltungsverfahren grundsätzlich geltende Untersuchungsmaxime wird durch die Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert, namentlich wenn eine Partei das Verfahren durch eigenes Begehren eingeleitet hat oder darin eigene Rechte geltend macht. In besonderem Masse gilt dies in Fällen wie dem vorliegenden für die persönlichen Umstände in der Heimat, wie sie hier mit dem Gesundheitszustand der Grossmutter in Frage stehen (vgl. BGE 122 II 385 E. 4c/cc S. 394). Deshalb ist es vorab Sache des Beschwerdeführers, die Erkrankung seiner Mutter und deren Konsequenzen für die Betreuung von C.________ und D.________ zu belegen, worauf er im kantonalen Verfahren ausdrücklich hingewiesen worden ist. Wenn ihm das - aus welchen Gründen auch immer - nicht oder nur unzureichend gelingt, so hat er die Folgen zu tragen. Dabei ist unerheblich, ob türkische Ärzte Krankengeschichten ihrer Patienten zu führen pflegen, welche mit den Schweizer Verhältnissen vergleichbar sind. Dies im Übrigen bereits deshalb, weil der Beschwerdeführer vom behandelnden Arzt seiner Mutter so oder anders einen ausführlicheren Bericht hätte erhalten können als das nicht aussagekräftige, nur wenige Zeilen umfassende Zeugnis vom 4. September 2001. 2.3 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz zu Recht entschieden, es bestehe kein hinreichender Grund für die Änderung der Betreuungsverhältnisse. Sie durfte, ohne Bundesrecht zu verletzen, verneinen, dass die Voraussetzungen für den Nachzug von C.________ und D.________ erfüllt sind; dies umso eher, als die Integration der inzwischen 15 und 16-jährigen Jugendlichen aller Voraussicht nach mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden wäre.