Citation: 2C_324/2018 E. 3.2.2

3.2.2. Auch bei Vorliegen häuslicher Gewalt erlischt das Aufenthaltsrecht gemäss Art. 43 AuG (Familiennachzug von Personen mit Niederlassungsbewilligung) bzw. Art. 50 AuG, wenn der Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängigkeit vorliegt (Art. 51 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 62 lit. e AuG [Da die Verfügung des Migrationsamtes, mit welcher die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert wurde, vom 4. August 2016 datiert, ist vorliegend Art. 62 lit. e AuG in der bis am 30. September 2016 gültigen Fassung anwendbar. Der Wortlaut des ab 1. Oktober 2016 geltenden Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG stimmt allerdings mit Art. 62 lit. e AuG überein. Vgl. AS 2007 5437 ff., 5455; AS 2016 2329 ff., 2339]). Erfahrene häusliche Gewalt ist jedoch in dem Sinne entscheidwesentlich, als sie bei der Verhältnismässigkeitsprüfung zu berücksichtigen ist (Urteil 2C_1228/2012 vom 20. Juni 2013 E. 5.3). Die Beschwerdeführerin beruft sich bezüglich der tatsächlichen Feststellung der behaupteten häuslichen Gewalt unter anderem auf einen undatierten Bericht der Beratungsstelle Frauen-Nottelefon aus Winterthur, welcher vor Bundesgericht erstmals vorgelegt wird. Gemäss Art. 99 Abs. 1 BGG können vor Bundesgericht keine neuen Tatsachen oder Beweismittel vorgebracht werden, ausser wenn der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt. Dabei geht es um Tatsachen, die erstmals durch den vorinstanzlichen Entscheid rechtserheblich geworden sind. Tatsachen, welche die Beschwerdeführerin vor den kantonalen Behörden vorzubringen versäumt hat und die demzufolge von der Vorinstanz nicht geprüft werden konnten, können jedoch vor Bundesgericht nicht mehr vorgebracht werden (BGE 136 III 123 E. 4.4.3 S. 128 f.; Urteil 5A_291/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.2). Die häusliche Gewalt war bereits in der Verfügung des Migrationsamtes vom 4. August 2016, vor der Rekursinstanz und ebenso vor dem kantonalen Verwaltungsgericht ein Thema (auch wenn letzteres diesen Aspekt nur am Rande behandelt hat). Der (undatierte) Bericht der Beratungsstelle Frauen-Nottelefon hätte deshalb bereits im kantonalen Verfahren eingebracht werden können und ist demnach als (unechtes) Novum vor Bundesgericht unbeachtlich. Sollte der genannte Bericht erst nach dem vorinstanzlichen Urteil erstellt worden sein, wäre er als echtes Novum in jedem Fall unzulässig (Urteil 2C_202/2018 vom 19. Juli 2019 E. 2.3). Das Zwangsmassnahmengericht Bülach hat mit Verfügung vom 17. Dezember 2015 das am 7. Dezember 2015 zulasten des Ehemannes polizeilich angeordneten Rayon- und Kontaktverbots im Verhältnis zur Beschwerdeführerin und den Kindern bis zum 21. März 2016 verlängert. Allerdings wurde diese Verlängerung aufgrund einer Einsprache des Ehemannes gegenüber der Beschwerdeführerin auf den 21. Januar 2016 verkürzt und gegenüber den Kindern aufgehoben (Verfügung Zwangsmassnahmengericht Bülach vom 23. Dezember 2015). Aufgrund der Akten zur häuslichen Gewalt ist davon auszugehen, dass der Ehemann die Beschwerdeführerin nicht zuletzt vor dem Hintergrund der anstehenden Eheschutzverhandlung (vom 12. Januar 2016) am 7. Dezember 2015 bedroht hat und handgreiflich wurde. Demnach war das Eingreifen nach kantonalem Gewaltschutzgesetz (Gewaltschutzgesetz des Kantons Zürich vom 19. Juni 2006 [GSG]; LS 351) geboten. Jedoch ist ebenso davon auszugehen, dass es zwischen den Ehegatten zu wechselseitigem "Geschubse" und Beleidigungen gekommen ist. Schon vor dem 7. Dezember 2015 hat sich das Ehepaar zudem wiederholt gestritten. Die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz erweist sich in diesem Sinne als unvollständig und ist entsprechend zu ergänzen (Art. 105 Abs. 2 BGG). Insgesamt kann aber offen bleiben, ob eheliche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG vorliegt und demzufolge ein Aufenthaltsanspruch aufgrund dieser Bestimmung besteht. Denn auch wenn dies zu bejahen wäre, erweist sich der angefochtene Entscheid jedenfalls im Ergebnis als rechtmässig, wie sich aus dem Folgenden ergibt.