Citation: U 303/00 24.10.2002 E. 3

3.1 Entgegen der Vorinstanz kann vorliegend für die Bestimmung des Invalideneinkommens nicht ohne weiteres auf die von der SUVA als trotz unfallbedingter gesundheitlicher Beeinträchtigung noch zumutbar bezeichneten Tätigkeiten gemäss DAP-Blätter Nr. 708, 957, 1264, 1279 und 1339 abgestellt werden. Vorab trifft zu, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde sinngemäss zu Recht geltend gemacht wird, dass das in diesem Zusammenhang verwendete Standardformular «Zumutbarer Arbeitsplatz» nach den körperlichen Anforderungen (wie Heben und Tragen, Hantieren mit Werkzeugen, Haltung/Beweglichkeit, längerdauernde Haltung und Fortbewegung) einer bestimmten Tätigkeit fragt, so ob beispielsweise Arbeiten über Kopfhöhe nie/selten/manchmal/oft/sehr oft auszuführen sind. Hingegen wird nicht nach den Anforderungen an die Sinnesorgane, insbesondere die Augen, differenziert. Sehbehinderungen werden vom Anforderungsprofil her lediglich insofern erfasst, als nach der Häufigkeit des Gehens auf unebenem Gelände, des Treppensteigens sowie Besteigens von Leitern gefragt wird. Dass insoweit die fraglichen Tätigkeiten zumutbar sind, steht ausser Diskussion. Anderseits ist unklar, ob damit allen wesentlichen arbeitsmässigen Einschränkungen Rechnung getragen wird, welche sich aus dem Augendefekt, insbesondere dem fehlenden stereokopischen Sehen, ergeben. Unter der Rubrik «Arbeitsplatzbeschrieb» auf den dem Einspracheentscheid vom 10. August 1999 beigelegten DAP-Blättern werden lediglich die hauptsächlichen Verrichtungen genannt, welche die betreffende Tätigkeit umfasst. Ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass allfällige Beeinträchtigungen des Sehvermögens sich auf bestimmte dieser Arbeiten, insbesondere wo es um Überwachungsaufgaben geht, auswirken, lässt sich daraus nicht entnehmen. 3.2 Die vom kantonalen Gericht und von der SUVA als zumutbar erachteten Tätigkeiten können auch aus folgendem Grund nicht ohne weiteres für die Ermittlung des Invalideneinkommens herangezogen werden. Dr. med. V._______, welcher den Beschwerdeführer am 3. Mai 1999 ophthalmologisch untersuchte, hat zur Frage, ob es wegen der Unfallfolgen am rechten Auge zu einer Überbeanspruchung des bisher gesunden linken Auges mit entsprechenden Sehstörungen gekommen sei, und wenn ja, in welcher Hinsicht dadurch die Leistungsfähigkeit eingeschränkt werde, Folgendes ausgeführt: «Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten und hängt sehr davon ab, ob das betroffene Auge vor dem Unfall das dominante Auge war oder nicht. Dies konnte ich nicht eruieren. Eine Überbeanspruchung des gesunden Auges (...) bei Monokelsituation ist gut bekannt. Inwieweit dadurch die Leistungsfähigkeit von Herrn L. eingeschränkt ist, hängt vorwiegend von der Art seiner Tätigkeit ab. Von mir aus gesehen sind Tätigkeiten, die das stereoskopische Sehen nicht stark beanspruchen, wie z.B. eine Tätigkeit als Gärtner, ohne Einschränkung durchführbar.» (Bericht vom 6. Mai 1999). Mit diesem Beispiel nahm Dr. V._______ darauf Bezug, dass der Beschwerdeführer in der Eingliederungsstätte X.________ während fünf Wochen im technischen Dienst der Gärtnerei eingesetzt war. Wegen einer vom Hausarzt Dr. O.________, Innere Medizin FMH, erwähnten Empfindlichkeit des linken Auges und einer bei anstrengenden Arbeiten auftretenden Migräne (Bericht vom 22. Mai 1998) habe der Beschwerdeführer dort allerdings nur rund fünf Stunden täglich eingesetzt werden können, wobei er eine Arbeitsleistung von 60 bis 70 % erbracht habe (Bericht vom 21. Juli 1998). Aufgrund der Zumutbarkeitsbeurteilung durch Dr. V._______ und die Feststellungen in der Eingliederungsstätte X.________ ist eine reduzierte Leistungsfähigkeit an den von der SUVA genannten Arbeitsplätzen sowie im technischen Dienst einer Gärtnerei nicht ausgeschlossen, und zwar selbst dann nicht, wenn die betreffenden Tätigkeiten auch unter Berücksichtigung des fehlenden stereoskopischen Sehens grundsätzlich in Betracht fielen. In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass gemäss Bericht des Neurologen Dr. med. C.________ vom 4. Dezember 1998 mässige bis deutliche interokuläre Schmerzen bestehen, welche im Sinne sicherer Kausalität auf die rechtsseitige Augenverletzung zurückzuführen sind. 3.3 Nach dem Gesagten wird die SUVA ein externes Gutachten zur Frage einzuholen haben, inwiefern die Arbeitsfähigkeit unfallbedingt eingeschränkt ist, insbesondere ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass das Leistungsvermögen wegen der Sehbehinderungen, namentlich der geringeren Belastbarkeit des linken Auges reduziert ist. Gestützt darauf wird die Anstalt die zumutbaren Erwerbstätigkeiten zu bezeichnen haben und auf dieser Grundlage das Invalideneinkommen neu ermitteln. In diesem Sinne ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde im Eventualstandpunkt begründet.