Citation: 1P.775/2006 15.12.2006 E. 4

Der kantonale Haftrichter befürchtet, der Beschwerdeführer könnte im Falle einer Haftentlassung versuchen, "Dritte zu falschen Aussagen zu verleiten oder die Abklärung des Sachverhaltes auf andere Weise gefährden". Gemäss den vorliegenden Akten wird zahlreichen Verdächtigen vorgeworfen, sie hätten bei mehreren Gelegenheiten eine 13-jährige Schülerin sexuell missbraucht und genötigt bzw. vergewaltigt. Die Straftaten seien teilweise gefilmt worden. Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, er habe an zwei verschiedenen Tagen sexuelle Handlungen zum Nachteil der Geschädigten verübt bzw. gegen ihren Willen den Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen. Gemäss den vorläufigen Ermittlungsergebnissen handelt es sich bei den verschiedenen Tatverdächtigen um die - abgesehen vom mutmasslichen Opfer - wichtigsten bzw. einzigen Tatzeugen. Unbeeinflusste Aussagen der Beteiligten sind daher für die Wahrheitsfindung von hoher Bedeutung. Nach Darlegung der kantonalen Behörden gibt es teilweise erhebliche Differenzen und Widersprüche zwischen den einzelnen Aussagen hinsichtlich der massgeblichen Umstände und Zeitpunkte der sexuellen Handlungen. Es bestünden auch grosse Unterschiede in der Sachdarstellung des Beschwerdeführers und der Geschädigten, die insbesondere ausgesagt habe, die sexuellen Übergriffe seien gegen ihren ausdrücklichen Willen erfolgt. Zudem handelt es sich nach den bisherigen Ermittlungen um einen schwerwiegenden Fall mutmasslicher Sexualdelikte zum Nachteil eines Kindes durch eine grössere Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener. Umso schwerer wiegt hier das öffentliche Interesse an einer ungestörten Aufklärung des Sachverhaltes. Zu beachten ist sodann, dass sich die Strafuntersuchung noch in einem frühen Verfahrensstadium befindet. Insbesondere sind noch keine Konfrontationseinvernahmen mit der Geschädigten und zwischen den Angeschuldigten erfolgt. Schliesslich ist auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass gemäss diversen Medienberichten sowie Mitteilungen der kantonalen Jugendanwaltschaft bereits konkrete Kollusionsversuche aus dem Umfeld der Tatverdächtigen erfolgt seien. Insbesondere sei ein 16-Jähriger vorübergehend verhaftet worden, der massive und ernst zu nehmende Drohungen gegen das mutmassliche Opfer ausgesprochen habe. Gegen den Betreffenden sei ein Jugendstrafverfahren wegen Drohung eingeleitet worden. Die 13-jährige Geschädigte habe bei einer Befragung auch mehrmals zum Ausdruck gebracht, dass sie sich vor etwaigen Folgen ihrer Aussagen fürchte. Daran ändert auch das Vorbringen des Beschwerdeführers nichts, er sei "vorübergehend mit drei weiteren Mitanschuldigten in der gleichen Zelle untergebracht" gewesen, weshalb es "auf der Hand" liege, "dass zu diesen Personen keine Kollusionsgefahr mehr gegeben" sei. Der Hinweis, es habe für den Beschwerdeführer bereits früher Gelegenheit bestanden, sich mit drei Mitangeschuldigten abzusprechen, schliesst weder die Möglichkeit einer weiteren (oder auch einer erstmaligen) Beeinflussung dieser drei Mitangeschuldigten aus, noch die Gefahr kolludierender Einflussnahme auf andere Mitangeschuldigte, Zeugen und Auskunftspersonen. In diesem Zusammenhang überzeugt auch der Einwand nicht, "solange der Aufenthaltsort der Geschädigten" an einem "geheimen" Betreuungsplatz "in der Innerschweiz" nicht bekannt sei, falle auch jegliche Gefahr einer Beeinflussung des mutmasslichen Opfers dahin. Selbst wenn der Aufenthaltsort dieser sehr wichtigen Zeugin für den Beschwerdeführer und dessen Umfeld unbekannt bliebe, erschienen zumindest indirekte Einflussnahmen nicht zum Vornherein ausgeschlossen. Dies zeigt sich gerade am Beispiel des vorübergehend verhafteten 16-Jährigen, der nach Angaben der Jugendanwaltschaft in einem Zeitungsinterview massive Drohungen gegenüber der Geschädigten ausgestossen habe. Aus der Medienberichterstattung über den "Fall Seebach", die den gesetzlichen Anforderungen des Jugendstrafprozesses (vgl. §§ 367 ff. StPO/ZH, inbes. §§ 369, 372 und 379; s. auch §§ 19 und 34) zu wenig Rechnung trägt, kann der Beschwerdeführer im vorliegenden Zusammenhang jedenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Bei Würdigung sämtlicher Umstände des Falles bestehen im jetzigen Verfahrensstadium ausreichend konkrete Anhaltspunkte für Verdunkelungsgefahr. Dass die kantonalen Behörden diesen besonderen Haftgrund bejaht haben, hält vor der Bundesverfassung stand.