Citation: 6B_79/2019 E. 1.3.2

1.3.2. Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Fahrlässigkeitstäter handeln bewusst oder unbewusst sorgfaltswidrig; sie nehmen einen strafrechtlichen Erfolg definitionsgemäss nicht in Kauf. Der Erfolg ist bloss ein nicht gewolltes Resultat ihrer Unsorgfalt (BGE 143 IV 361 E. 4.10 S. 372). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Gefährdung durch Sprengstoffe im Sinne von Art. 225 Abs. 1 StGB setzt voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat (Urteil 6B_604/2012 vom 16. Januar 2014 E. 4.3.2). Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Das Mass der im Einzelfall zu beachtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64; 133 IV 158 E. 5.1 S. 161 f.; je mit Hinweisen). Bei Sprengstoffen richtet sich der Umfang der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 25. März 1977 über explosionsgefährliche Stoffe (Sprengstoffgesetz, SprstG; SR 941.41) und der Verordnung vom 27. November 2000 über explosionsgefährliche Stoffe (Sprengstoffverordnung (SprstV; SR 941.411). Wer mit Sprengmitteln oder pyrotechnischen Gegenständen umgeht, hat nicht bloss die üblichen, sondern alle nach den Umständen notwendigen Massnahmen zum Schutz von Leben und Gut zu treffen (Art. 17 SprstG; Urteil 6B_604/2012 vom 16. Januar 2014 E. 4.4.1 mit Hinweisen). Der Fahrlässigkeitstatbestand von Art. 225 Abs. 1 StGB findet sowohl dann Anwendung, wenn die gefahrbegründende Verhaltensweise (z.B. die Auslösung einer Explosion) unvorsätzlich, d.h. nicht mit Wissen und Willen, erfolgte, wie dann, wenn sich der Täter der Gefahr nicht bewusst ist (STRATENWERTH/BOMMER, a.a.O., § 29 N. 26). Fahrlässig handelt der Täter, der weder will, noch in Kauf nimmt, dass die geschützten Rechtsgüter verletzt werden, der beim Umgang mit Sprengstoff aber Sorgfaltspflichten hätte einhalten müssen, zum Beispiel bei der Vorführung einer geplanten Sprengung zu Ausbildungszwecken (Urteil 6B_604/2012 vom 16. Januar 2014). Von Vorsatz ist demgegenüber auszugehen, wenn der Täter Sprengstoff bewusst zündet und dabei um die Verletzung von elementaren Sorgfaltspflichten und die damit einhergehende konkrete Gefährdung weiss.