Citation: U 65/07 14.12.2007 E. 5

5.1 Angesichts der Tatsache, dass nicht vom Vorliegen eines typischen Beschwerdebildes nach einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule auszugehen ist, erfolgt die Adäquanzprüfung nicht nach den für Schleudertraumen bzw. Schleudertrauma ähnlichen Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff) geltenden Regeln. Ob es sich bei der im Falle des Beschwerdeführers einige Zeit nach dem Unfall beginnenden psychischen Fehlentwicklung um einen selbständigen (sekundären) und damit nicht unfallkausalen psychischen Gesundheitsschaden handelt (vgl. RKUV 2001 Nr. U 412 S. 81, U 96/00), was die Vorinstanz bejaht hat, kann bei dieser Sach- und Rechtslage offen bleiben. 5.2 Auffahrunfälle werden nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts regelmässig als mittelschwere, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegende Ereignisse eingestuft (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 E. 5.1.2, U 380/04; 2003 Nr. U 489, S. 360 E. 4.2, U 193/01, je mit Hinweisen). Vorliegend handelt es sich zwar nicht um einen Auffahrunfall vor einem Fussgängerstreifen oder einem Lichtsignal; die zu beurteilende Konstellation ist aber durchaus vergleichbar, weil der Beschwerdeführer sein Fahrzeug wegen eines entgegenkommenden Postautos am rechten Strassenrand anhielt und es in der Folge zur Kollision mit zwei nachfolgenden Fahrzeugen kam. Angesichts der Tatsache, dass gemäss der technischen Unfallanalyse die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsveränderung (Delta-v) beim Aufprall des erstnachfolgenden Fahrzeuges 12 bis 17.5 km/h und beim zweitnachfolgenden Fahrzeug maximal 11 km/h betrug, ist die von der Vorinstanz vorgenommene Einstufung des Unfallereignisses als mittelschwer nicht zu beanstanden. Mit dieser Zuordnung wird dem Geschehensablauf mit der doppelten Kollision genügend Rechnung getragen. 5.3 Bei mittelschweren Unfällen sind für die Beantwortung der Frage nach der adäquaten Kausalität objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 141). Da der Unfall ein mittelschweres Ereignis war, müssen die verschiedenen Kriterien entweder gehäuft oder einzelne von ihnen in besonders eindrücklicher Weise erfüllt sein, damit der adäquate Kausalzusammenhang bejaht werden kann. 5.4 Besonders dramatische Begleitumstände sind nicht ersichtlich. Selbst wenn, was von den Ärzten weitgehend verneint wird, ein Kopfanprall stattgefunden hätte, wäre darin kein besonders dramatisches Ereignis zu erblicken. Ist die Adäquanz einer psychischen Fehlentwicklung nach einem Schleudertrauma - wie hier - allein nach dem erlittenen körperlichen Gesundheitsschaden und dessen Folgen zu beurteilen, fällt das Adäquanzkriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung ausser Betracht. Dies gilt insbesondere für die vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang ins Feld geführte Chronifizierung der Beschwerden und dem Auftreten eines vielfältigen und komplexen Beschwerdebildes; nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass das Schleudertrauma der HWS keine Ursache oder nur eine solche von ganz untergeordneter Bedeutung für die eingetretene psychische Fehlentwicklung darstellt. Gleich verhält es mit den übrigen unfallbezogenen Adäquanzkriterien, insofern als bei diesen ebenfalls davon auszugehen ist, dass deren Vorhandensein nicht auf den Unfall, sondern auf andere, psychische Faktoren zurückzuführen ist. Mit Bezug auf die Adäquanzkriterien der Dauer der unfallbedingten Beschwerden, der ärztlichen Behandlung und der Arbeitsunfähigkeit ist deshalb in Fällen wie dem vorliegenden allein massgebend, wie lange die entsprechenden Unfallfolgen durch den erlittenen körperlichen Gesundheitsschaden in erheblichem Ausmass mitverursacht worden sind. 5.5 Beim Beschwerdeführer wurde gemäss Bericht seines Hausarztes anfangs Januar 1995 die medikamentöse Schmerztherapie abgesetzt; die Behandlung wurde Mitte Februar 1995 beendet (ärztlicher Zwischenbericht Dr. med. S.________ vom 17. Januar 1995). Die vom Beschwerdeführer später geklagten Dauerschmerzen können im Rahmen der Adäquanzprüfung nicht dem beim Unfall erlittenen körperlichen Gesundheitsschaden zugeordnet werden. Das Kriterium der Dauerschmerzen ist deshalb zu verneinen. Ähnlich verhält es sich mit dem Kriterium der Arbeitsunfähigkeit: Bereits weniger als vier Monate nach dem Unfall war die Arbeitsfähigkeit vollständig wieder hergestellt. Die dreieinhalb Jahre nach diesem Zeitpunkt im Dezember 1998 aufgetretene Teilarbeitsunfähigkeit ist nicht auf den anlässlich des Unfalls erlittenen körperlichen Gesundheitsschaden zurückzuführen, weshalb das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt ist. Im Weiteren fehlen für eine ärztliche Fehlbehandlung ernsthafte Anhaltspunkte; aus der von einzelnen Ärzten vertretenen Meinung, der Halskragen sei zu lange getragen worden, lassen sich keine Folgen für den Heilungsverlauf ableiten - dieser war im Übrigen in der initialen Phase günstig - und begründet somit nicht die Annahme einer ärztlichen Fehlbehandlung. Mit der Vorinstanz ist deshalb davon auszugehen, dass keines der massgebenden Kriterien erfüllt ist. Unter diesen Umständen steht der seit dem Jahre 1998 beim Beschwerdeführer bestehende Gesundheitsschaden und die sich daraus ergebene Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit nicht in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 11. November 1994. Die Ablehnung der Leistungspflicht durch die SUVA ist deshalb zu schützen.