Citation: 5A_452/2022 E. 4.2.2

4.2.2. Die Berufungsinstanz ist nicht gehalten, den erstinstanzlichen Entscheid losgelöst von konkreten Anhaltspunkten in der Berufungsbegründung von sich aus in jede Richtung hin auf mögliche Mängel zu untersuchen, die eine Gutheissung des Rechtsmittels ermöglichen könnten. Abgesehen von offensichtlichen Mängeln beschränkt sie sich darauf, die Beanstandungen zu beurteilen, welche die Parteien gegen das erstinstanzliche Urteil erheben (BGE 147 III 176 E. 4.2.1 mit Hinweisen). Insofern gilt auch im Berufungsverfahren die für das bundesgerichtliche Beschwerdeverfahren entwickelte Rechtsprechung, wonach bei zwei selbständigen, voneinander unabhängigen Begründungen, die jede für sich allein den Entscheid zu tragen vermögen, unter Nichteintretensfolge beide Begründungslinien angefochten werden müssen (BGE 142 III 364 E. 2.4 in fine mit Hinweisen). Kann auf die gegen die eine der beiden Begründungen erhobenen Rügen nicht eingetreten werden oder erweist sich die eine der beiden Begründungen als bundesrechtskonform, so ist es der angefochtene Entscheid selbst und auf die andere Begründung nicht mehr einzugehen (BGE 133 III 221 E. 7 mit Hinweisen; 130 III 321 E. 6; Urteil 5A_188/2022 vom 4. Juli 2022 E. 1.2).