Citation: 6B_638/2022 E. 1.3.2

1.3.2. Hinsichtlich des subjektiven Tatbestandes erwägt die Vorinstanz, dass der Beschwerdegegner Kenntnis vom Darlehensvertrag zwischen C.________ und der B.________ AG in Gründung gehabt habe, da er diesen nicht nur verfasst, sondern auch als Verwaltungsrat der B.________ AG in Gründung unterzeichnet habe. Fraglich sei, ob dem Beschwerdegegner bei der Gründung bzw. Beurkundung bewusst gewesen sei, dass die B.________ AG aufgrund des Darlehensvertrages kein freies Aktienkapital erhalte. Ein überstürztes Handeln habe nicht vorgelegen und eine Schenkung könne ausgeschlossen werden. Der Beschwerdegegner habe jedoch kein wirkliches persönliches Interesse daran gehabt, die Gründung der Gesellschaft trotz des derart gestalteten Darlehensvertrages zu beurkunden. Wirtschaftlich habe der Beschwerdegegner zwar durch die Gebühren für die Gründung und anschliessend der Gebühr für das Domizil und das Honorar für die Tätigkeit als Verwaltungsrat profitiert, aber die Gründung in dieser Art sei nicht zwingend gewesen. Aus den Aussagen von C.________ gehe hervor, dass sie den Darlehensvertrag auch mit D.________ abgeschlossen hätte, wenn der Beschwerdegegner ihr erklärt hätte, dass ein Vertrag mit der B.________ AG in Gründung aufgrund der Gründungsvoraussetzungen nicht möglich sei. Der Beschwerdegegner habe D.________ vorher nicht gekannt und dieser sei auch kein Stammklient gewesen, für den der Beschwerdegegner hätte geneigt sein können, das Risiko einer möglichen Falschbeurkundung einzugehen. Es habe ein offensichtliches Missverhältnis zwischen dem wirtschaftlichen Profit durch dieses Geschäft und dem Risiko für die berufliche Existenz des Beschwerdegegners bestanden. Weiter sei zu berücksichtigen, dass sich der Beschwerdegegner in sämtlichen Einvernahmen gleich geäussert habe und seine Aussagen als grundsätzlich glaubhaft zu beurteilen seien. Der Beschwerdegegner habe ausgesagt, er habe im gewählten Vorgehen nichts Ungewöhnliches gesehen. Die Vorinstanz hält fest, dass dem Beschwerdegegner aufgrund seiner Ausbildung und Zulassung als Notar zwar habe klar sein müssen, dass keine korrekte Liberierung des Aktienkapitals erfolgt sei. Aus seiner Bezeichnung einer "0815-Gründung" sei aber zu schliessen, dass ihm die spezielle Konstellation offenbar nicht bewusst gewesen sei und er das Risiko einer falschen Beurkundung nicht erkannt habe. Der Beschwerdegegner habe nicht klar zwischen D.________ und der B.________ AG unterschieden und habe D.________ als eigentlichen Darlehensnehmer betrachtet, weswegen nicht auszuschliessen sei, dass ihm die mangelhafte Liberierung des Aktienkapitals nicht bewusst gewesen sei. Dies gelte, auch wenn von einem erfahrenen Rechtsanwalt und Notar zweifellos zu erwarten sei, dass er klar zwischen zwei unabhängigen Rechtssubjekten unterscheiden könne. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdegegner habe seine Sorgfaltspflicht als Notar verletzt. Aufgrund der Beweislage sei jedoch nicht zweifelsfrei erstellt, dass dem Beschwerdegegner sein Fehler bewusst gewesen sei. Vielmehr sei davon auszugehen, dass er aufgrund des von ihm unkritisch erstellten und abgeschlossenen Darlehensvertrages und der anschliessenden Gründung der B.________ AG mit den bereits vorbereiteten Urkunden, ohne diese bzw. die Gründungsvoraussetzungen nochmals sorgfältig zu prüfen, die Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung nicht erkannt habe. Der Beschwerdegegner habe bereits 100-150 Gesellschaftsgründungen gemacht und gerade in der Routine würden Fehler passieren. Der Beschwerdegegner habe in der vorliegenden Konstellation darauf vertraut, alles richtig zu machen. Auch wenn der Beschwerdegegner eine Fachperson und grundsätzlich leicht erkennbar gewesen sei, dass die Gesellschaft kein frei verfügbares Kapital erhalte, müsse dem Beschwerdegegner zugestanden werden, den Fehler nicht erkannt zu haben. Dem Beschwerdegegner könne nicht vorgeworfen werden, dass er die Tatbestandsverwirklichung für möglich gehalten habe, womit in dubio pro reo auf unbewusste Fahrlässigkeit zu erkennen sei. Die fahrlässige Erschleichung einer falschen Beurkundung sei nicht strafbar und die fahrlässige Urkundenfälschung im Amt sei verjährt, weswegen das Verfahren diesbezüglich einzustellen sei.