Citation: 7B_448/2023 E. 3.5.12

3.5.12. Soweit der Beschwerdeführer die Aktualität des Gutachtens in Abrede stellt (Beschwerde S. 8), kann ihm ebenfalls nicht zugestimmt werden. Zur Beantwortung der Frage, ob ein früheres Gutachten hinreichend aktuell ist, ist nicht primär auf das formelle Kriterium des Alters des Gutachtens abzustellen. Massgeblich ist vielmehr die materielle Frage, ob Gewähr dafür besteht, dass sich die Ausgangslage seit der Erstellung des Gutachtens nicht gewandelt hat. Soweit ein früheres Gutachten mit Ablauf der Zeit und zufolge veränderter Verhältnisse an Aktualität eingebüsst hat, sind neue Abklärungen unabdingbar. Entscheidend ist, ob die vorliegende ärztliche Beurteilung mutmasslich noch immer zutrifft, oder ob sie aufgrund der seitherigen Entwicklung nicht mehr als aktuell bezeichnet werden kann (BGE 134 IV 246 E. 4.3; Urteile 7B_148/2022 vom 19. Juli 2023 E. 2.5.3; 6B_358/2023 vom 16. Juni 2023 E. 2.2.2; je mit Hinweisen). Vorliegend war das psychiatrische Gutachten vom 19. März 2023 zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids (20. Juli 2023) rund vier Monate alt. Der Gutachter äusserte sich im Gutachten zur Dauer der Behandlung (insbesondere der Anfangsphase), indem er ausführte, dass ein stationärer Aufenthalt von zwei Monaten unzureichend sei (Gutachten S. 51 f.). Der Beschwerdeführer befindet sich seit dem 26. April 2023 im vorzeitigen Massnahmenvollzug. Der Gutachter empfiehlt eine stationäre Massnahme, welche mindestens mehrere Monate bzw. gegebenenfalls einige Jahre dauern wird (a.a.O. S. 51). Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er nach der Gutachtenserstellung seit mehr als drei Monaten die psychiatrische Behandlung begonnen und seine Behandlung auf eine Depotmedikation umgestellt habe (Beschwerde S. 8). Aufgrund der kurzen Dauer zwischen der Gutachtenserstellung (19. März 2023) und dem vorinstanzlichen Entscheidzeitpunkt (20. Juli 2023) sowie aufgrund der Dauer der gutachterlich als notwendig erachteten stationären Behandlung ist vorliegend nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz zum Entscheidzeitpunkt die Aktualität des psychiatrischen Gutachtens vom 19. März 2023 - zumindest implizit - bejaht und bei der Beurteilung der Rückfallprognose darauf abstellt (angefochtener Entscheid S. 13, 18). Dass in der Zwischenzeit seitens der Staatsanwaltschaft ein Ergänzungsgutachten betreffend den aktuellen Behandlungsstand des Beschwerdeführers in Auftrag gegeben worden ist (vgl. oben Sachverhalt C), ändert an der Aktualität des Gutachtens vom 19. März 2023 zum Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids (20. Juli 2023) nichts.