Citation: 5A_243/2018 E. 2.2

2.2. Unbestritten ist in jedem Fall, dass die für die fürsorgerische Unterbringung einer erwachsenen Person geltenden Verfahrensbestimmungen sinngemäss auch bei der Platzierung Minderjähriger durch die KESB in einer geschlossenen Einrichtung oder in einer psychiatrischen Klinik zur Anwendung gelangen (Art. 314b Abs. 1 ZGB). Damit gilt - wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführt - auch, dass gemäss Art. 450e Abs. 3 ZGB bei psychischen Störungen gestützt auf das Gutachten einer sachverständigen Person entschieden werden muss. Der Gutachter muss sich insbesondere über den Gesundheitszustand der betroffenen Person, aber auch darüber äussern, wie sich allfällige gesundheitliche Störungen hinsichtlich der Gefahr einer Selbst- bzw. Drittgefährdung oder einer Verwahrlosung auswirken können und ob sich daraus ein Handlungsbedarf ergibt. In diesem Zusammenhang interessiert insbesondere, ob ein Bedarf an der Behandlung einer festgestellten psychischen Erkrankung bzw. an Betreuung der betroffenen Person besteht. Wird ein Behandlungs- bzw. Betreuungsbedarf bejaht, hat das Gutachten weiter darüber Auskunft zu geben, mit welcher konkreten Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der betroffenen Person bzw. von Dritten zu rechnen ist, wenn die Behandlung der gutachterlich festgestellten Krankheit bzw. die Betreuung unterbleibt (BGE 143 III 189 E. 3.3 mit Hinweis; zum Erfordernis der konkreten Gefahr: Urteile 5A_288/2011 vom 19. Mai 2011 E. 5.3; 5A_312/2007 vom 10. Juli 2007 E. 2.3). Das Gutachten hat Ausführungen zur Wirksamkeit der Behandlung und deren Nebenwirkungen zu enthalten. Im Weiteren ist durch den Gutachter zu beantworten, ob auf Grund des festgestellten Handlungsbedarfs eine stationäre Behandlung bzw. Betreuung unerlässlich ist. Dabei hat der Experte auch darüber Auskunft zu geben, ob die betroffene Person über glaubwürdige Krankheits- und Behandlungseinsicht verfügt. Schliesslich muss sich das Gutachten auch zur Frage äussern, ob eine Einrichtung zur Verfügung steht und wenn ja, warum die vorgeschlagene Einrichtung infrage kommt (BGE 143 III 189 E. 3.3; 140 III 101 E. 6.2.2 mit Hinweisen). Wird eine Unterbringung aus einem anderen Grund als einer psychischen Störung angeordnet, ist Art. 450e Abs. 3 ZGB indessen nicht anwendbar (DANIEL STECK, in: FamKomm Erwachsenenschutz, 2013, N. 14 zu Art. 450e ZGB). Damit besteht auch keine formelle Notwendigkeit eines Gutachtens einer Fachperson. Materiell kann sich allerdings auch bei anderen Einweisungsgründen ein Gutachten als sinnvoll oder gar auf Grund der Besonderheiten des Einzelfalls als notwendig erweisen. Das Gericht hat im Rahmen der Sachverhaltsabklärung festzustellen, ob ein Gutachten erforderlich ist oder nicht (GEISER/ ETZENSBERGER, a.a.O., N. 18 zu Art. 450e ZGB). Der Beizug eines Gutachtens durch eine Fachperson drängt sich namentlich auf, wenn unklar ist, ob eine psychische Störung vorliegt, die betroffene Person aber aus einem anderen Grund in einer Einrichtung untergebracht werden muss. Diesfalls ist Art. 450e ZGB nicht anwendbar, weil die Unterbringung aus einem anderen Grund erfolgt; die notwendige persönliche Fürsorge bzw. die Abwendung der Gefährdung des Kindeswohls erfordert möglicherweise eine weitergehende medizinische Massnahme. Der Unterschied zu den Fällen nach Art. 450e Abs. 3 ZGB ist aber insofern entscheidend, als das Gericht nicht auf ein eigentliches Gutachten einer sachverständigen Person angewiesen ist, sondern die fallspezifischen medizinischen Informationen auch aus anderen Quellen, wie blossen Abklärungen und Auskünften oder auch Gutachten aus früheren Verfahren, gewinnen kann.