Citation: 4A_707/2016 E. 5.4.4

5.4.4. Auch mit dem Zusammenspiel der drei diagnostizierten Aspekte setzt sich die Beschwerdeführerin nicht hinreichend auseinander. Das Bundesgericht hat im von der Beschwerdeführerin angerufenen BGE 141 V 281 festgehalten, erforderlich sei eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störungen (E. 4.3.1.3 S. 301). Mit dem stärkeren Einbezug der Ressourcenseite gewinne der Komplex der Persönlichkeit (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen) an Bedeutung (E. 4.3.2). Auch ein Autor, auf den sich die Beschwerdeführerin für die Übernahme der Rechtsprechung von BGE 141 V 281 selbst beruft und der für sie arbeitet (LUCIANO R. MARTELOZZO, Die Validierung psychischer Störungen im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in: Personen-Schaden-Forum 2016, S. 51 unten), zieht den Beweiswert von Gutachten in Zweifel, die das Kriterium der "Beschreibung der Persönlichkeit" nicht erfüllen (vgl. MARTELOZZO, a.a.O., S. 76). Indem sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf die somatoforme Schmerzstörung als "Hauptdiagnose" fokussiert und dabei nicht hinreichend auf die andauernde Persönlichlichkeitsänderung und das iatrogen induzierte Opioidabhängigkeitssyndrom mit süchtigen Wesensänderungen eingeht, gelingt es ihr nicht, das Abstellen auf das E.________-Gutachten, das diese Punkte berücksichtigt, als offensichtlich unhaltbar auszuweisen. 5.4.4.1. Auf das Zusammenspiel der drei diagnostizierten Aspekte geht die Beschwerdeführerin erst in der Beschwerdereplik vertieft ein, und auch dies nur teilweise. Sie will die Beschwerdegegnerinnen auf Äusserungen in der Beschwerdeantwort behaften, wonach der Verunfallte zwischen 1993 und 2002 keine Opiate eingenommen habe. Sodann versucht sie aufzuzeigen, dass im psychiatrischen Teilgutachten der langjährige Opioidkonsum zwischen 1993 und 2002 eine wichtige Rolle gespielt habe, weshalb auf das Gutachten bei Fehlen dieses Konsums nicht abzustellen sei. In Bezug auf die generelle Berücksichtigung des Zusammenspiels der drei diagnostizierten Aspekte, sind diese Vorbringen aber verspätet. Die Begründung hat in der Beschwerdeschrift selbst zu erfolgen. Die beschwerdeführende Partei darf eine allfällige Replik nicht dazu verwenden, ihre Beschwerde zu ergänzen oder zu verbessern. Zulässig sind nur Vorbringen, zu denen erst die Ausführungen in der Vernehmlassung eines anderen Verfahrensbeteiligten Anlass geben (vgl. BGE 135 I 19 E. 2.2 S. 21; 132 I 42 E. 3.3.4 S. 47; Urteile des Bundesgerichts 4A_279/2013 vom 12. November 2013 E. 2; 4A_146/2012 vom 10. Januar 2013 E. 2.7). Zu einer Berücksichtigung sämtlicher im Gutachten diagnostizierter Einschränkungen hätte aber schon in der Berufung Anlass bestanden. 5.4.4.2. Aber auch soweit die Beschwerdeführerin mit Blick auf die Ausführungen der Beschwerdegegnerinnen versucht aufzuzeigen, die im Gutachten gestellten Diagnosen beruhten auf der unzutreffenden Annahme eines bereits vor dem Verhebetrauma bestehenden langjährigen Opioidkonsums, setzt sie sich wieder nicht hinreichend mit dem Gutachten auseinander. Zwar trifft zu, dass der Gutachter im psychiatrischen Teilgutachten festhält, bereits zum Zeitpunkt des Verhebetraumas sei der Verunfallte unter einer opioidhaltigen Medikation gestanden. An anderer Stelle gibt der Gutachter aber an, aus der medizinischen Aktenlage sei bekannt, dass der Verunfallte seit 2003 ununterbrochen Opiate respektive parallel noch ein Opioid einnehme. Zudem führt er auf S. 27 aus, es seien keine sicheren Angaben möglich, inwieweit schon vor dem Unfallereignis 2002 ein Schmerzmittelabusus bestanden habe. So berichte der Verunfallte, er habe Tabletten über einen Kollegen bezogen. An den Namen des Medikamentes erinnere er sich nicht mehr. Und auf S. 28 hält der Gutachter fest, es sei nicht ausschliessbar, dass bereits im Zeitraum 1994 - 2002 ein Schmerzmittelabusus bestanden habe. Auf diese Abschnitte geht die Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich ein. Aus ihnen folgt, dass ein Medikamentenmissbrauch im Zeitraum 1994 - 2002 nach Auffassung des Gutachters zwar zu den von ihm diagnostizierten Beschwerden passen würde. Ein Medikamentenmissbrauch vor 2002 war offensichtlich aber nicht ausschlaggebend für seine Einschätzung, dass die Folgen des Unfallereignisses 1993 (Schmerzen) bei der Genese des aktuellen psychophysischen Zustandbildes nicht wegzudenken seien (S. 28, 3.4). Vor diesem Hintergrund ist es im Ergebnis nicht offensichtlich unhaltbar, auf das Gutachten abzustellen, auch wenn der Verunfallte zum Zeitpunkt des Verhebetraumas nicht unter einer opioidhaltigen Medikation gestanden haben sollte. Soweit die Beschwerdeführerin das Gutachten insoweit als widersprüchlich ansieht, hätte sie diesbezüglich durch Zusatzfragen im kantonalen Verfahren für Klarheit sorgen können. Das sie dies getan hat, zeigt sie nicht auf. Aus den Ausführungen des Gutachters und der Gegenpartei zum Opiatkonsum kann die Beschwerdeführerin daher nichts ableiten.