Citation: U 402/06 09.01.2007 E. 4

4.1 Aufgrund der medizinischen Unterlagen liegt kein klar fassbares organisches Korrelat für die geltend gemachten Beschwerden vor. Die im Anschluss an den Unfall durchgeführten bildgebenden Untersuchungen ergaben unauffällige Befunde. Auch die neurologischen Befunde waren laut Dr. med. R.________ unspezifisch (Berichte vom 19. August und 4. November 2004). Anlässlich der otoneurologischen Untersuchung ergaben sich keine Hinweise auf eine zentrale oder vestibuläre Funktionsstörung, wie dem Bericht des Dr. med. G.________ vom 5. Januar 2005 entnommen werden kann. Laut Austrittsbericht der Rehaklinik Y.________ vom 5. Januar 2005 waren die Untersuchungsergebnisse an der HWS bescheiden und bestanden in einer leicht eingeschränkten aktiven HWS-Beweglichkeit mit mässigem paravertebralem Muskelhartspann und Druckdolenzen vor allem im Bereich der Linea nuchae. Die kernspintomographischen Befunde erwiesen sich ebenfalls als unauffällig und zeigten eine unspezifische Streckhaltung der HWS (Bericht der Uniklinik C.________ vom 21. Februar 2005). 4.2 Bei einem Schleudertrauma der HWS kann die Leistungspflicht des Unfallversicherers unter Umständen auch ohne organisch direkt nachweisbare Schädigung gegeben sein (BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa). Den medizinischen Unterlagen ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall wohl über Kopf-, nicht aber über Nackenschmerzen geklagt hat. Erstmals erwähnt werden solche im Bericht des Dr. med. R.________ vom 19. August 2004, wonach laut Angaben des Versicherten kurze Zeit nach dem Unfallereignis zu den Kopf- auch Nackenschmerzen gekommen seien, welche sich in beide Schultern ausgedehnt hätten. Der Neurologe nahm daher ein beim Unfall erlittenes Beschleunigungstrauma der HWS mit Kopfanprall an. Von einer HWS-Distorsion gingen auch die Ärzte der Rehaklinik Y.________ aus, wobei die Beschwerden insgesamt als diffus und wenig lokalisierbar umschrieben werden (vgl. Austrittsbericht vom 5. Januar 2005). Laut Kreisarzt Dr. med. F.________ handelt es sich bei den von den Ärzten der Rehaklinik erhobenen klinischen Befunden an der HWS um weitgehend kooperationsabhängige Befunde und solche, die sich auch bei harmlosen Befindlichkeitsstörungen anderer Ursache an der HWS erheben lassen und einen posttraumatischen Schaden somit nicht zu beweisen vermögen. Hinzu kommt, dass es einem allgemein anerkannten medizinischen Erfahrungsgrundsatz entspricht, dass Nackenbeschwerden innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten müssen, um diesem zugerechnet werden zu können (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29). Zu welchem Zeitpunkt die Nackenbeschwerden nach dem Unfall erstmals aufgetreten sind, lässt sich den medizinischen Akten nicht entnehmen. Es findet sich einzig die von Dr. med. R.________ im Bericht vom 19. August 2004 festgehaltene Aussage des Versicherten. Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen einer Schleuderverletzung der HWS ohne organisch nachweisbare Beschwerden und den eingetretenen Gesundheitsschädigungen besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht herrschenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Für die Leistungsberechtigung gegenüber dem Unfallversicherer müssen die geklagten Beschwerden medizinisch einer fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und diese Gesundheitsschädigung muss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfall stehen (BGE 119 V 341 Erw. 2b/bb). Ob die Nackenbeschwerden des Beschwerdeführers auch nur im Sinne einer Teilkausalität noch auf das Unfallereignis vom 8. August 2004 zurückzuführen sind, erscheint fraglich. Sowohl die Ärzte der Rehaklinik Y.________ wie auch Kreisarzt Dr. med. F.________ erklären die fortbestehenden Beschwerden vielmehr durch eine Tendenz zu maladaptivem Umgang im Zusammenhang mit Schmerzen und einer Selbstlimitierung. Weitere Abklärungen erübrigen sich indessen, wie sich aus dem Folgenden ergibt. 4.3 Soweit der Beschwerdeführer bemängelt, es sei nicht geprüft worden, ob er beim Unfall eine leichte traumatische Hirnverletzung erlitten hat, worauf verdachtsweise auch die Ärzte der psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Q.________ im Bericht vom 28. März 2006 hinweisen, ist festzuhalten, dass nach allgemein anerkannter Lehrmeinung die Diagnose einer milden traumatischen Hirnverletzung entweder eine Episode von Bewusstlosigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmittelbar vor oder nach dem Unfall oder eine Bewusstseinstrübung (z.B. Benommenheitsgefühl, Desorientierung) im Zeitpunkt der Verletzung voraussetzt (Adrian M. Siegel, Neurologisches Beschwerdebild nach Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule, in: Die neurologische Begutachtung, Zürich 2004, S. 166, Tabelle 9, mit bibliographischen Hinweisen). Mit Bezug auf den Beschwerdeführer steht fest, dass er beim Unfall den Kopf angeschlagen hat. Eine Bewusstlosigkeit oder Amnesie ist nicht ausgewiesen. Dagegen scheint nach dessen Angaben gegenüber Dr. med. R.________ vom 17. August 2004 eine kurze Bewusstseinstrübung in Form von Benommenheit und Desorientierung aufgetreten zu sein. Während des Spitalaufenthaltes wurde eine Commotio-Überwachung durchgeführt, welche jedoch zu keinen besonderen Massnahmen Anlass gab und zur Diagnose einer Commotio cerebri führte (Bericht des Spitals V.________ vom 9. August 2004). Aufgrund dieser ärztlichen Angaben ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 8. August 2004 keine Hirnkontusion erlitten hat. Vielmehr ist anzunehmen, dass der Unfall eine Hirnerschütterung zur Folge hatte, welche allerdings leichterer Natur gewesen sein dürfte. Weder führte sie zu einem Bewusstseinsverlust, noch ergeben sich aus den Akten Hinweise auf Übelkeit, Brechreiz oder Erbrechen im Anschluss an den Unfall. Die Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Q.________ äusserten laut Bericht vom 28. März 2006 sodann lediglich einen Verdacht auf leichte bis mittelgradige traumatische Hirnverletzung, ohne im Übrigen in der Beurteilung darauf näher einzugehen. 4.4 Was schliesslich die psychische Problematik betrifft, erwähnt Dr. med. P.________, welcher im Bericht an die SUVA vom 15. September 2004 keine psychischen Beschwerden angeführt hatte, im Arztbericht zu Handen der Staatsanwaltschaft Zürich vom 18. August 2005 und im Bericht vom 20. September 2005 eine depressive Stimmungslage. Im Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen habe sich eine Depression entwickelt. Der Heilungsprozess sei negativ verlaufen und die Schmerzverarbeitung habe keine Fortschritte mehr gemacht. Dr. med. I.________, welcher den Versicherten ab 1. Dezember 2005 ambulant-psychiatrisch betreute, führte im Bericht vom 14. März 2006 an, verschiedene Zustandsbilder schienen sich zu überlagern. In zeitlicher Korrelation mit dem Unfallereignis könnten ein organisches Psychosyndrom, eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom und eine posttraumatische Belastungsstörung im Sinne einer Comorbidität sich teiltweise überlappend in Gang gekommen sein. Der Psychiater erhob indessen lediglich Verdachtsdiagnosen und schlug die Durchführung weiterer Abklärungen durch die Psychiatrische Poliklinik des Universitätspitals Q.________ vor. Die dortigen Ärzte diagnostizierten gemäss Bericht vom 28. März 2006 eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1). Zur Unfallkausalität des psychischen Beschwerdebildes nehmen die beteiligten Ärzte nicht ausdrücklich Stellung. Unklar bleibt daher, ob der Unfall als auslösender Faktor zumindest teilursächlich für eine psychische Fehlentwicklung war. Weitere Abklärungen erübrigen sich indessen auch diesbezüglich, weil es jedenfalls an der ebenfalls erforderlichen Adäquanz des Kausalzusammenhangs mangelt, wie nachstehend noch darzutun sein wird.