Citation: 6B_1310/2023 E. 1.5.3

1.5.3. Aus dem Ausgeführten folgt, dass eine Exploration durch die sachverständige Person zwecks Beurteilung der Persönlichkeit und der intellektuellen Fähigkeiten (Kompetenzanalyse) derjenigen Person, deren Aussagen zu analysieren sind, zur aussagenpsychologischen Begutachtung von Erwachsenen gehört (wie es sich bei Kindern verhält, kann vorliegend offenbleiben [vgl. hierzu PIERRE-ANDRÉ CHARVET, L'expertise de crédibilité, in: Jusletter 31. März 2014, S. 8 Rz. 41]), jedoch damit aus den bereits im Rückweisungsentscheid erläuterten strafprozessualen Gründen keine Ermittlung des Sachverhalts verbunden sein darf. Ob das vorhandene Aussagematerial genügt, um eine rechtsgenügliche Aussagenanalyse vornehmen zu können, hat vor der Auftragserteilung das Gericht (allenfalls in Absprache mit der sachverständigen Person) oder später die sachverständige Person zu beurteilen. Gelangt diese zur Ansicht, dass das vorhandene Aussagematerial nicht genügt, jedoch eine weitere Einvernahme zur Sache bzw. zum Sachverhalt diese Unzulänglichkeit beheben könnte, hat sie dies der Verfahrensleitung mitzuteilen, damit diese die Einvernahme in einem justizförmigen Verfahren, allenfalls unter Gewährung des Fragerechts der sachverständigen Person durchführen kann (vgl. hierzu auch Urteil 6B_595/2021 vom 24. Juni 2022 E. 5.4.2).