Citation: 2C_45/2021 E. 4.2.1

4.2.1. Das Bundesgericht kann die Beweiswürdigung der Vorinstanz nur auf eine Verletzung des Willkürverbots hin prüfen (Art. 9 BV; vgl. vorstehende E. 2.2). Eine solche liegt hier - anders als in der Beschwerde geltend gemacht wird - nicht vor: Zwar machte die Beschwerdeführerin gemäss den Ausführungen im angefochtenen Urteil bei Erstattung ihrer Strafanzeige am 7. Oktober 2017 auf die diensthabende Polizistin einen eingeschüchterten, verängstigten, bleichen sowie abgemagerten Eindruck und ist der Ehemann nach Angaben der Polizei bereits im Jahr 2014 in einem Polizeibericht zu mutmasslicher häuslicher Gewalt als möglicher Agressor gegenüber seiner damaligen, ersten Ehefrau aufgeführt worden. Wie die Vorinstanz in vertretbarer Weise ausgeführt hat, ist aber offen, ob der angeschlagene Eindruck, der bei der Polizistin entstanden ist, auf psychischen Druck von Seiten des Ehemannes zurückzuführen oder aber dem Umstand geschuldet war, dass der Ehemann gerade die Beziehung beendet hatte. Damit kann der Schluss der Vorinstanz, dieser Eindruck könne für sich allein nicht als Beleg für die geltend gemachte psychische Oppression betrachtet werden, nicht beanstandet werden. Gleiches gilt für den Umstand, dass der Ehemann im Zusammenhang mit einer früheren ehelichen Beziehung der häuslichen Gewalt beschuldigt worden ist bzw. als entsprechender Tatverdächtiger verzeichnet wurde. Selbst wenn letzterer Umstand mit der Vorinstanz als Indiz für eine Neigung des Ehemannes zur Gewaltandrohung oder gar Gewaltanwendung zu werten wäre, fehlt es vorliegend insgesamt an genügenden Anhaltspunkten für ausländerrechtlich relevante eheliche Gewalt: Zwar setzt die Anwendung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG praxisgemäss keine strafrechtliche Verurteilung voraus (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.3.3; Urteile 2C_221/2011 vom 30. Juli 2011 E. 2; 2C_586/2011 vom 21. Juli 2011 E. 3.2), doch schliesst dies nicht aus, einen strafrechtlichen Freispruch als Indiz gegen eheliche Gewalt zu berücksichtigen (Urteil 2C_770/2019 vom 14. September 2020 E. 5.3). Der Ausgang des Strafverfahrens und der in diesem ermittelte Sachverhalt (namentlich das jeweilige Aussageverhalten der Beteiligten im Strafverfahren) dürfen in die umfassend vorzunehmende ausländerrechtliche Beurteilung des Vorliegens eines nachehelichen Härtefalls miteinbezogen werden (Urteil 2C_958/2017 vom 21. Februar 2018 E. 4.2.1). Immerhin ist zu beachten, dass anders als im Strafrecht, wo ein strengeres Beweismass gilt (Unschuldsvermutung; vgl. Art. 32 Abs. 1 BV), nicht der direkte Beweis für das Vorliegen anspruchsbegründender ehelicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG verlangt werden kann (Urteile 2C_770/2019 vom 14. September 2020 E. 5.3; 2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 4.3). Vielmehr genügt es, wenn die ausländische Person diese in geeigneter Weise glaubhaft macht (vgl. E. 3.3 hiervor; siehe ferner BGE 138 II 229 E. 3.3.3).