Citation: 6S.70/2004 28.01.2005 E. 5

Weiter ist der Beschwerdeführer der Ansicht, die Vorinstanz habe ihn zu Unrecht wegen versuchter Erpressung verurteilt. Soweit der Beschwerdeführer diesbezüglich bestreitet, dass er einen Beitrag bei der entsprechenden Tatplanung geleistet hat, richtet er sich gegen die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz. Auf diese Rüge ist nicht einzutreten (vgl. E. 2). 5.1 Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, Erpressung (Art. 156 StGB) werde durch Geiselnahme (Art. 185 StGB) konsumiert. Dass die Geisel dazu diene, dem Dritten etwas abzuverlangen, sei im Tatbestand der Geiselnahme enthalten. 5.1.1 Das Bundesgericht sah sich bisher noch nicht dazu veranlasst, die Konkurrenz zwischen der Geiselnahme und der Erpressung zu klären (in BGE 111 IV 144, hat sich diese Frage aus prozessualen Gründen nicht gestellt). Im Schrifttum ist das Konkurrenzverhältnis dieser Tatbestände umstritten. Die herrschende Lehre nimmt unechte Konkurrenz an und erachtet beim Vorliegen beider Tatbestände die Erpressung als durch die Geiselnahme konsumiert (Martin Schubarth, Kommentar zum schweizerischen Strafrecht, Bes. Teil, Band 3, Bern 1984, N 18 zu Art. 185 StGB, Stratenwerth/Jenny, a.a.O., § 5 N 58, Stefan Trechsel, Kurzkommentar, 2. Aufl. Zürich 1997, N 11 zu Art. 185; Andreas Koch, Zur Abgrenzung von Raub, Erpressung und Geiselnahme, Diss. Zürich 1994, S. 152). Demgegenüber nimmt eine abweichende Lehrmeinung echte Konkurrenz zwischen den beiden Tatbeständen an (Gunther Arzt, Zur Revision des Strafgesetzbuches im Bereich der Gewaltverbrechen, ZStR 1983, S. 260 FN 8, Jörg Rehberg/Niklaus Schmid/Andreas Donatsch, Strafrecht III, 8. Aufl., Zürich 2003, S. 388; Delnon/Rüdy, a.a.O., N 53 zu Art. 185 StGB; Philippe Weissenberger, Basler Kommentar, Basel 2003, N 35 zu Art. 156 StGB). 5.1.2 Die herrschende Lehre verneint echte Konkurrenz mit der Begründung, der Tatbestand der Geiselnahme bezwecke auch den Schutz des Rechtsguts "Vermögen" (Günter Stratenwerth, Raub und Geiselnahme, recht 1988, S. 102; Koch, a.a.O.). Die abweichende Lehre weist darauf hin, dass der Tatbestand von Art. 185 StGB nicht voraussetzt, dass der Dritte neben der Willensfreiheit in anderen Rechtsgütern tangiert wird (Rehberg/Schmid/Donatsch, a.a.O.; Weissenberger, a.a.O.). Ist Letzteres der Fall, bestehe daher echte Konkurrenz zwischen Geiselnahme und dem weiteren Tatbestand - selbst wenn dieser auch eine Nötigung enthalte (Rehberg/Schmid/Donatsch, a.a.O.). 5.1.3 Im Wortlaut von Art. 185 StGB besteht im Unterschied zu Art. 184 StGB kein Hinweis darauf, dass diese Bestimmung den Schutz des Vermögens oder anderer Rechtsgüter einschliesst. In diesem Sinne hat das Bundesgericht echte Konkurrenz zwischen Raub und Geiselnahme angenommen (BGE 113 IV 64 E. 3). Dabei hat es aufgezeigt, dass der Raub nicht den Angriff auf die Geisel und die Geiselnahme nicht jenen auf fremdes Vermögen und fremden Gewahrsam erfasst. Der Tatbestand der Geiselnahme schützt einerseits die persönliche Freiheit von Geiseln und andererseits die Willensfreiheit des zu nötigenden Dritten (vgl. Trechsel, a.a.O., N 2 zu Art. 185 StGB mit Hinweisen). Der Tatbestand der Erpressung schützt demgegenüber die Rechtsgüter der persönlichen Freiheit und des Vermögens (vgl. Weissenberger, a.a.O., N 1 zu Art. 156 StGB). Damit überschneiden sich bei einer Geiselnahme zum Zwecke der Erpressung die von beiden Tatbeständen geschützte Willensfreiheit des genötigten Dritten. Sein Vermögen wird demgegenüber lediglich vom Tatbestand von Art. 156 StGB geschützt. Da die entsprechende Rechtsgutgefährdung von Art. 185 StGB nicht erfasst wird, stehen die beiden Tatbestände - wie von der Vorinstanz angenommen - in echter Konkurrenz zueinander. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.