Citation: 1P.501/2000 22.12.2000 E. 2

2.- Das Obergericht hat den erstinstanzlichen Freispruch betreffend Vergewaltigung aufgehoben, ohne S.________ selber gehört zu haben. Der Beschwerdeführer rügt in der staatsrechtlichen Beschwerde dieses Vorgehen als willkürlich. Ferner weist er - ohne rechtliche Wertung - darauf hin, dass zwischen dem Beschwerdeführer und S.________ nie eine Konfrontation stattgefunden habe. a) Der Beschwerdeführer hat im Verfahren vor Obergericht auf Beweisanträge und damit auch auf eine neuerliche Einvernahme von S.________ und eine Konfrontation mit ihr verzichtet. Er muss sich auf diesem, in Kenntnis der Appellation der Staatsanwaltschaft und damit des Risikos der Aufhebung des erstinstanzlichen Freispruchs erklärten Verzicht nach Treu und Glauben behaften lassen. Die Interessenlage ist im Ergebnis dieselbe wie bei einem Beschwerdeführer, der von Rechtsbehelfen, die ihm im kantonalen Verfahren zustanden, nicht Gebrauch macht, und bei dem deshalb nach Treu und Glauben auf Verzicht geschlossen wird (vgl. etwa BGE 125 I 127 E. 6c/bb S. 134, 123 I 87 E. 2b und 2c S. 89, 120 Ia 19 E. 2c/aa und 2c/bb S. 24 ff., mit Hinweisen). Auf die erst vor Bundesgericht geltend gemachten Vorbringen betreffend Konfrontation mit S.________ und deren Anhörung vor Obergericht ist schon aus diesem Grund nicht einzutreten. b) Im Übrigen wären diese Vorbringen aus weiteren Gründen unbehelflich. Der Hinweis, der Beschwerdeführer und die sich als geschädigt bezeichnende S.________ seien nie gegenübergestellt worden, ist rein appellatorisch. In der Beschwerdeschrift wird nicht dargelegt, worin in Anbetracht der konkreten Prozesslage eine Verfassungsverletzung liegen soll. Auf dieses Vorbringen kann daher nicht eingetreten werden. Aus dem Willkürverbot, den - nicht explizit angerufenen - Verfahrensgarantien der (neuen) Bundesverfassung sowie aus Art. 6 EMRK folgt sodann keine voraussetzungslose Pflicht der Appellationsinstanz auf Durchführung eigener Beweismassnahmen und namentlich kein genereller Anspruch auf Konfrontation in zweiter Instanz (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte i.S. Tierce vom 25. Juli 2000; BGE 119 Ia 316; Mark E. Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. A. 1999, Rz. 477, je mit Hinweisen). Dies gilt umso mehr, wenn weder begründete Rügen gegen das erstinstanzliche Beweisverfahren erhoben noch ergänzende Beweisanträge gestellt worden sind. In gleicher Weise sieht Art. 350 des Bernischen Strafverfahrens vor, dass die Appellationsinstanz sich grundsätzlich auf die Beweisaufnahme der Vorinstanz stützt, aber von Amtes wegen oder auf Antrag Beweisergänzungen anordnen kann. Der Beschwerdeführer tut nicht dar, aus welchen spezifischen Gründen im konkreten Fall eine neuerliche Einvernahme von S.________ geboten gewesen wäre. Er macht weder Mängel des Beweisverfahrens früherer Verfahrensstufen noch zusätzlichen Abklärungsbedarf geltend und hat im Verfahren vor Obergericht nichts Entsprechendes dargetan. Soweit die Vorbringen des Beschwerdeführers im Licht des Art. 90 Abs. 1 lit. b OG überhaupt als hinreichend substantiiert angesehen werden könnten, wären sie daher ohne weiteres unbegründet.