Citation: 6B_194/2023 E. 2.3

2.3. Den vorstehenden Erwägungen der Vorinstanz ist zuzustimmen. Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben und dem Verbot des Rechtsmissbrauchs (Art. 5 Abs. 3 BV) ist es nicht zulässig, formelle Rügen, die in einem früheren Prozessstadium hätten geltend gemacht werden können, bei ungünstigem Ausgang später vorzubringen (BGE 143 V 66 E. 4.3 mit Hinweisen). Die Parteien haben (echte oder vermeintliche) formelle Mängel so früh wie möglich, d.h. bei der ersten Gelegenheit, geltend zu machen, und können diese Rügen nicht für das Rechtsmittelverfahren im Falle eines für sie ungünstigen Ausgangs des Verfahrens "aufsparen" (Urteil 6B_1395/2021 vom 9. Dezember 2022 E. 6.3.2 mit Hinweisen). Ebenso widerspricht es dem Grundsatz von Treu und Glauben, die Verletzung formeller Rechte zu rügen, auf die eine frühere Verteidigung gültig verzichtet hat. Dies jedenfalls so lange, als kein eklatanter Verstoss gegen allgemein anerkannte Verteidigerpflichten vorliegt, welche das Gericht aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet, das zur Gewährleistung einer genügenden Verteidigung Erforderliche vorzukehren (BGE 143 IV 397 E. 3.4.2 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin setzt sich mit der vorinstanzlichen Erwägung, wonach ihre Rüge gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstosse, mit keinem Wort auseinander. Sie beschränkt sich darauf, neuerlich auf die Unvollständigkeit der Akten sowie deren mögliche Relevanz für die Verurteilung hinzuweisen, wobei sie auch dies nicht substanziiert begründet. Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, weshalb die vorinstanzliche Würdigung bundesrechtswidrig sein soll. Sie zeigt auch nicht auf, dass es ihr unmöglich gewesen wäre, die im Berufungsverfahren erhobenen Rügen bereits vor der Erstinstanz oder im Untersuchungsverfahren zu erheben. Einen eklatanten Verstoss gegen allgemein anerkannte Verteidigerpflichten macht sie ebenfalls nicht geltend. Die formellen Rügen der Beschwerdeführerin sind demnach verwirkt (vgl. Urteil 6B_85/2021 vom 26. November 2021 E. 3.5). Soweit sie die Feststellung beanstandet, wonach ihr Verzicht auf Einsicht in diverse Datenträger mit ihrem früheren Verteidiger abgesprochen war, zeigt sie zudem nicht auf, dass diese, mit einem Aktenverweis belegte, Feststellung willkürlich wäre. Damit genügt die Beschwerdeführerin ihrer Begründungspflicht nicht (oben E. 2.1.2). Im Übrigen ist auch den Ausführungen der Beschwerdeführerin zu entnehmen, dass seitens der Staatsanwaltschaft ein präzises und detailliertes Aktendossier in elektronischer Form erstellt wurde, welches zwar die Beschlagnahmeakten nicht enthalte. Diese sind aber in einem Register der Beschlagnahme zu finden, worauf auch die Vorinstanz hinweist. Dass die Akten nicht lege artis geführt wurden, ist unbestritten. Hingegen ist nicht ersichtlich, dass die Sachgerichte auf Basis unvollständiger Akten entschieden hätten und dass die Feststellung der materiellen Wahrheit daher nicht möglich gewesen wäre, wie die Beschwerdeführerin moniert.