Citation: 1P.642/2003 06.01.2004 E. 3.3

3.3.1 Nach Art. 9 Abs. 1 VO ABG darf die Ausübung eines bewilligungspflichtigen Berufes nur ankündigen, wer die zur Berufsausübung erforderliche Bewilligung besitzt. Die Ankündigung hat auf den Bewilligungsinhaber zu lauten. Abs. 2 der zitierten Bestimmung sieht vor, dass bei der Ankündigung der Tätigkeit die in der VO ABG enthaltenen Berufsbezeichnungen zu verwenden sind. Die Ankündigung hat sich auf das berufsspezifische Tätigkeitsgebiet zu beschränken und darf nicht aufdringlich sein. Der medizinische Masseur führt nach ärztlicher Anordnung passive physikalische Therapien durch (Art. 30 VO ABG). 3.3.2 Das Kantonsgericht erwog, dadurch, dass der Beschwerdeführer im Internet im Naturheiler-Verzeichnis erscheine, werde der Eindruck erweckt, er betätige sich ganz allgemein auf dem Gebiet der Naturheilkunde und führe nicht ausschliesslich medizinische Massagen durch. Als Beispiel nennt das Gericht die Craniosacral-Therapie, welche der Beschwerdeführer anbietet. Ob sich die Craniosacral-Therapie unter die medizinische Massage - für welche der Beschwerdeführer über eine Berufsausübungsbewilligung verfügt - subsumieren lässt, wie der Beschwerdeführer geltend macht, kann dabei offen bleiben. Im Ergebnis ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Kantonsgericht aufgrund der übrigen Behandlungsmethoden, für die sich der Beschwerdeführer unter www.gesund.ch empfiehlt (dazu sogleich, E. 3.3.3), zum Schluss kommt, es werde der Eindruck erweckt, der Beschwerdeführer praktiziere allgemein auf dem Gebiet der Naturheilkunde. 3.3.3 Der Beschwerdeführer hat denn in seinem Schreiben ans JPSD vom 5. März 2002 auch zugestanden, er arbeite mit Akupunktmassage (in der Liste der Naturärztevereinigung der Schweiz (NVS) unter dem Oberbegriff Akupunktur aufgeführt), Gentle Touch, Kinesiologie (gemäss NVS-Liste unter den Oberbegriff Chiropraktik fallend), Lebensberatung (unter dem Oberbegriff Psychologie auf der NVS-Liste verzeichnet), Bachblüten (dem Oberbegriff Homöopathie auf der NVS-Liste zugeordnet), der Colon-Hydro-Behandlung (unter dem Oberbegriff Ausleitungsverfahren in die NVS-Liste aufgenommen) und der Behandlung mit Aromastoffen (in der NVS-Liste unter dem Oberbegriff Phytotherapie erscheinend). Gemäss Art. 40 VO ABG berechtigt die Bewilligung als Naturheilpraktiker im Kanton Graubünden unter anderem zur Beratung und Behandlung auf der Basis der Phytotherapie (beschränkt auf nicht apothekenpflichtige Heilpflanzen), zur Beratung und Behandlung mit physikalischen Anwendungen der Naturheilpraktik unter Ausschluss der Elektrotherapien, zur homöopathischen Beratung und Behandlung, beschränkt auf nicht apothekenpflichtige Präparate, zur unblutigen Akupunktur und Akupressur sowie zur Durchführung von Ableiteverfahren. Wenn die kantonalen Instanzen also zum Schluss kommen, der Beschwerdeführer wecke beim potentiellen Kunden den Eindruck, er sei allgemein auf dem Gebiet der Naturheilkunde tätig, ist dies nicht willkürlich. Zwar bietet er gemäss dem Interneteintrag im Heilpraktikerverzeichnis unter www.gesund.ch "Kinesiologie, Craniosacral-Therapie, LEAP, Medizinische Massage FA SRK, Darmbad" an, aber auch daraus können Interessierte schliessen, der Beschwerdeführer wende verschiedene Methoden der Naturheilkunde an und sei nicht lediglich als medizinischer Masseur tätig. Die Auffassung des Kantonsgerichtes, darin sei ein Verstoss gegen Art. 9 Abs. 2 VO ABG zu erblicken, weil sich die Ankündigung der ausgeübten Tätigkeit nicht auf das berufsspezifische Tätigkeitsgebiet beschränke, ist nicht unhaltbar. 3.3.4 Der Vollständigkeit halber sei festgehalten, dass das Kantonsgericht bei der rechtlichen Beurteilung der Angelegenheit einzig darauf abgestellt hat, ob der Beschwerdeführer sich für Tätigkeiten empfiehlt, für die er über keine Berufsausübungsbewilligung verfügt. Ob er tatsächlich neben der medizinischen Massage weitere bewilligungspflichtige Therapien ausübt, war nicht Gegenstand der Strafverfügung, wie das Kantonsgericht im angefochtenen Urteil S. 6 richtig ausführt. Dass das Gericht dennoch die Annahme geäussert hat, der Beschwerdeführer übe tatsächlich Therapien ohne die dazu nötige Bewilligung aus, war für den Entscheid nicht relevant.