Citation: 6P.78/2005 16.11.2005 E. 8

8.1 Der Beschwerdeführer rügt im Weiteren eine Verletzung der Art. 63 und 68 StGB. Die Vorinstanz sei fälschlicherweise vom Strafrahmen des Raubes als schwerster Tat ausgegangen. Ausserdem hätten die kantonalen Instanzen zu Unrecht straferhöhend gewichtet, dass er die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva abgesetzt habe. Dass die Behandlung und seine Neigung zu Delinquenz in einem Zusammenhang stünden, sei ihm nicht klar gewesen. Grund für die Absetzung der Medikamente sei allein die unerwünschte Gewichtszunahme gewesen. Die Vorinstanz habe sodann angenommen, das Bezirksgericht habe zu Unrecht seine fehlende Geständnisbereitschaft und den Umstand, dass er versucht haben solle, Zeugen einzuschüchtern, als straferhöhend gewertet. Dennoch habe sie die erstinstanzlich ausgesprochene Strafe nicht reduziert. Damit habe sie ihr Ermessen verletzt. 8.2 Die Vorinstanz geht unter Verweisung auf das erstinstanzliche Urteil von einer ausserordentlichen Tatschwere aus. Der Beschwerdeführer sei rücksichtslos, brutal, hinterhältig und kaltblütig vorgegangen. Hintergründe und Tatmotive hätten in keinem Verhältnis zu seinem tatsächlichen Verhalten gestanden. Hinsichtlich der Täterseite nimmt sie an, der Beschwerdeführer sei vorbestraft, habe während der laufenden Strafuntersuchung weiter delinquiert und sei bereits wieder in ein Strafverfahren verwickelt. Nicht genügend erstellt sei einzig die Einschüchterung von Zeugen. Straferhöhend sei aber der Umstand zu würdigen, dass der Beschwerdeführer eigenmächtig die verordneten Medikamente abgesetzt habe. Zwar sei möglich, dass er die Einnahme der Medikamente wegen der Gewichtszunahme unterbrochen habe. Doch habe er genau gewusst, welchem Zweck die Heilmittel gedient hätten. Er habe damit in Kauf genommen, dass seine Aggressionen und seine Gewaltbereitschaft ansteigen würden, und habe daher egoistisch gehandelt. Beim Beschwerdeführer sei auch keine Reue erkennbar. Die fehlende Geständnisbereitschaft dürfe aber nicht straferhöhend gewertet werden. Unter Berücksichtigung der in leichtem bis mittlerem Grad verminderten Zurechnungsfähigkeit sei eine Strafe von zwei Jahren Zuchthaus angemessen. 8.3 Gemäss Art. 63 StGB misst der Richter die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu; er berücksichtigt dabei die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen. Das Gericht hat in seinem Urteil die Überlegungen, die es bei der Bemessung der Strafe angestellt hat, in den Grundzügen darzulegen. Dabei muss es in der Regel die wesentlichen schuldrelevanten Tat- und Täterkomponenten so erörtern, dass festgestellt werden kann, ob alle rechtlich massgeblichen Gesichtspunkte Berücksichtigung fanden und wie sie gewichtet wurden. Insgesamt müssen seine Erwägungen die ausgefällte Strafe rechtfertigen, d.h. das Strafmass muss als plausibel erscheinen. Bei der Gewichtung der zu beachtenden Komponenten steht dem urteilenden Gericht ein erheblicher Spielraum des Ermessens zu, in welches das Bundesgericht auf Nichtigkeitsbeschwerde hin nur eingreift, wenn das vorinstanzliche Gericht den gesetzlichen Strafrahmen über- oder unterschritten hat, wenn es von rechtlich nicht massgebenden Gesichtspunkten ausgegangen ist oder wenn es wesentliche Komponenten ausser Acht gelassen bzw. falsch gewichtet hat oder wenn die Strafe in einem Masse unverhältnismässig streng bzw. mild erscheint, dass von einer Überschreitung oder einem Missbrauch des Ermessens gesprochen werden muss (BGE 127 IV 101 E. 2; 124 IV 286 E. 4a; 123 IV 49 E. 2a; 122 IV 241 E. 1a je mit Hinweisen). 8.4 Soweit der Schuldspruch des räuberischen Diebstahls gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB kein Bundesrecht verletzt, ist auch nicht zu beanstanden, dass die kantonalen Instanzen von einer oberen Grenze des Strafrahmens von 15 Jahren Zuchthaus ausgegangen sind (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 68 Ziff. 1 StGB). Nach dem psychiatrischen Gutachten erlitt der Beschwerdeführer im Jahre 1998 einen Berufsunfall, der zur Arbeitsunfähigkeit führte. In der Folge entwickelte sich bei ihm ein depressives Syndrom, eine Anpassungsstörung und eine anhaltende somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung. Seither wurde der Beschwerdeführer medikamentös behandelt, wobei hauptsächlich Antidepressiva verschrieben worden seien. Aufgrund einer bei Antidepressiva nicht selten zu beobachtenden Gewichtszunahme habe der Beschwerdeführer die medikamentöse Behandlung ausgesetzt. Daraufhin hätten die depressiven Symptome und eine aggressive Impulsbereitschaft zugenommen (Gutachten, Ordner 1 A S. 43). Der Beschwerdeführer wendet in dieser Hinsicht zu Recht ein, dass der Unterbruch der medikamentösen Behandlung vor der Begehung der Straftaten über die Schwere des Tatverschuldens nichts aussagt und daher nicht als Kriterium für die Strafzumessung herangezogen werden kann. Die Medikamente wurden ihm denn auch nicht zum Zweck der Verhinderung künftiger Delikte abgegeben, sondern zur Behandlung seiner psychischen Erkrankung. Soweit die Vorinstanz das Absetzen der Medikamente als straferhöhend wertet, verletzt sie Bundesrecht. Im Weiteren beanstandet der Beschwerdeführer zu Recht, dass die Vorinstanz wohl einräumt, die vom Bezirksgericht als straferhöhend gewertete Einschüchterung der Zeugen sei nicht nachgewiesen, die ausgesprochene Strafe aber dennoch nicht herabsetzt. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als begründet.