Citation: 1B_120/2023 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz erwägt zum dringenden Tatverdacht Folgendes: Der Beschwerdeführer habe grösstenteils Rügen vorgebracht, auf die das Obergericht bereits mehrfach ausführlich eingegangen sei. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, könne vorab auf die betreffenden Urteile vom 3. und 30. September 2021 sowie 26. April 2022 verwiesen werden. Er bringe nichts vor, was gegen die Aktualität dieser Erwägungen sprechen würde. Der dringende Tatverdacht ergebe sich zunächst aus den am 15. August 2021 im Krankenhaus fotografisch festgehaltenen Verletzungen der Privatklägerin (schwere Blutergüsse im Gesicht, Würgemale am Hals etc.) und den Ausführungen des rechtsmedizinischen Gutachtens vom 17. März 2022 des Instituts für Rechtsmedizin Aarau. Danach bestünden keine begründeten Zweifel, dass die mit den Würge- und Drosselmarken zu vereinbarenden Befunde am Hals von einer wiederholten stumpfen Gewalteinwirkung durch die Täterschaft herrührten. Weiter lägen Schilderungen von Symptomen einer durch Sauerstoffmangel bedingten Hirnfunktionsstörung vor, die auf eine konkrete Lebensgefahr zum Zeitpunkt des Würgens bzw. Drosselns schliessen liessen. Stauungsblutungen im Gesichtsbereich seien dafür nicht notwendigerweise vorauszusetzen. Die bandförmigen Läsionen mit auffallend scharfer Begrenzung liessen auf die Einwirkung eines entsprechend geformten Gegenstandes schliessen. Sie seien mit einem Drosseln bzw. mit der Aussage der Privatklägerin (vom 11. Januar 2023) vereinbar, wonach der Beschwerdeführer ihr eine Kordel um den Hals gewickelt und zugezogen habe. Aus rechtsmedizinischer Sicht nicht plausibel sei demgegenüber die Vermutung des Beschwerdeführers, die Verletzungen an ihrem Hals könnten mit einer "Gurtmarke" (von einem Sicherheitsgurt bei einem Autounfall vom 15. August 2021) erklärt werden. Ferner ergebe sich der Tatverdacht gegen ihn aus den weiteren Ermittlungsergebnissen. Gestützt werde er insbesondere durch das Bewegungsbild seines Mobiltelefons für die Zeit vom 12. bis 15. August 2021, welches vollumfänglich zu den Aussagen der Privatklägerin passe. Mit diesen Bewegungsdaten sei der Beschwerdeführer am 26. April 2022 anlässlich einer delegierten Einvernahme durch die Kantonspolizei konfrontiert worden. Die Privatklägerin habe ausgesagt, nach den erlittenen Verletzungen keinen Arzt aufgesucht zu haben, weil sie "Angst vor den Folgen" gehabt habe. Vielmehr habe sie versucht, die Verletzungen zu kaschieren und erzählt, sie sei eine Treppe hinunter gefallen. Dieses Verhalten komme bei Opfern von häuslicher Gewalt typischerweise vor, weshalb der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten könne. Ebenso wenig lasse die Tatsache, dass die Privatklägerin nach dem Vorfall vom 12./13. August 2021 keine Schmerzmittel eingenommen habe, ihre Aussagen als unglaubwürdig erscheinen, zumal ein Schmerzempfinden subjektiv sei. Was die untersuchten Sexualdelikte angeht, treffe es zu, dass die Privatklägerin nach den fraglichen Vorfällen eine forensisch-gynäkologische Untersuchung verweigert habe. Im Gutachten des IRM vom 17. März 2022 werde festgehalten, bei den fingerförmigen Blutergüssen an der rechten Oberschenkelinnenseite könne es sich um eine Griffverletzung durch eine Drittperson handeln, die der Privatklägerin möglicherweise im Rahmen eines sexuellen Übergriffs zugefügt worden sei. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers sei die erfolgte Verweigerung einer gynäkologischen Untersuchung eher geeignet, ihn zu entlasten als zu belasten, zumal es mangels Feststellung allfällig vorhandener Verletzungen im Intimbereich nicht mehr möglich sei, zusätzliche medizinische Hinweise für ein mögliches schweres Sexualdelikt zu ermitteln. Es beständen im Übrigen Anhaltspunkte dafür, dass die Privatklägerin zu Beginn der Untersuchung noch alles unternommen habe, damit keine belastenden Beweiselemente gegen den Beschwerdeführer gefunden würden. Der Beschwerdeführer sei am 16. August 2021 im Kantonsspital Aarau untersucht worden. Entgegen seinen Vorbringen seien "relevante Verletzungen" an seinen Händen festgestellt worden. Laut dem medizinischen Gutachten vom 30. August 2021 hätten sich "zwei entzündlich imponierende Hautdurchtrennungen am Ansatz des linken Ringfingers mit benachbarten Verschorfungen" feststellen lassen. Dabei handle es sich am ehesten um die "Folgen einer stumpfen und/oder halbscharfen Gewalteinwirkung". Als mögliche Ursache werde beispielsweise ein aktiver Faustschlag des Beschwerdeführers gegen einen harten, gegebenenfalls kantigen oder scharfkantigen Gegenstand gutachterlich vermutet. Zum Beispiel könne ein Faustschlag gegen die Mundpartie einer anderen Person zum Kontakt mit deren Zähnen und so zur isolierten Verletzung am linken Ringfinger geführt haben. Weiter seien einzelne verschorfte Hautabschürfungen am Kopf und am rechten Bein des Beschwerdeführers festgestellt worden. Dabei handle es sich um die Folgen einer "leichten tangential-schürfenden Gewalteinwirkung". Entsprechende Hautabschürfungen könnten z.B. im Rahmen eines Gerangels mit Einwirkung von Fingernägeln entstanden sein. An seinen beiden Armen und am rechten Knie seien zudem "einzelne Blutergüsse infolge stumpfer Gewalt" aufgefallen. Anlässlich der delegierten Einvernahmen vom 18. November 2021 und 20. Dezember 2021 durch die Kantonspolizei habe die Privatklägerin schwere Gewalttaten des Beschwerdeführers vom 24./25. April 2021, 29./30. Juni 2021 sowie 12./13. und 14./15. August 2021 detailliert geschildert. Soweit der Beschwerdeführer erneut vorbringe, die Privatklägerin sei unglaubwürdig, könne auf die zutreffenden Ausführungen des Bundesgerichts in dessen Urteil 1B_278/2022 verwiesen werden, wonach ihre Aussagen mit den festgestellten Verletzungen vereinbar seien und prima vista nicht unglaubhaft erschienen. Die Aussagen der vom Beschwerdeführer angerufenen "Alibizeugen" vermöchten daran nichts zu ändern, zumal diese nur geäussert hätten, dass es "gut sein könne", dass er am 14./15. August 2021 bei ihnen gewesen sei. Daran hätten sie aber nach eigenen Aussagen konkret keine Erinnerung mehr. Die eingehende Überprüfung der Aussagen der Privatklägerin auf ihre Glaubhaftigkeit werde das Sachgericht vorzunehmen haben. Gestützt darauf lägen hinreichend konkrete Verdachtsmomente vor, wonach das untersuchte Verhalten des Beschwerdeführers mit erheblicher Wahrscheinlichkeit insbesondere die Tatbestandsmerkmale der versuchten Tötung bzw. der versuchten schweren Körperverletzung erfüllen könnte. Die Verdachtsgründe seien im Laufe der Untersuchung weder ausgeräumt noch deutlich abgeschwächt worden. Auf die weiteren dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Verbrechen und Vergehen brauche im Haftbeschwerdeverfahren nicht näher eingegangen zu werden.