Citation: 8C_311/2007 07.08.2008 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin schloss in ihrem Einspracheentscheid vom 23. März 2005 zwar nicht aus, dass die heutige Beschwerdegegnerin I anlässlich ihres Sturzes auf einer Treppe eine Commotio cerebri erlitten und sich in der Folge eine zervicozephale Problematik entwickelt hat. Sie ging jedoch davon aus, dass die somatischen Beschwerden schon in den ersten drei Monaten nach dem Unfallereignis von der psychischen Entwicklung in den Hintergrund gedrängt worden seien. Die Prüfung der Adäquanzfrage nahm sie angesichts der Dominanz des psychischen Beschwerdebildes - ohne abschliessende Beantwortung der Frage nach der natürlichen Kausalität - nach den für rein psychische Gesundheitsschäden geltenden Kriterien vor, wie sie in BGE 115 V 133 umschrieben sind. Dabei gelangte sie zunächst zum Schluss, dass die Adäquanz schon deshalb ohne weiteres zu verneinen sei, weil lediglich eine leichter Unfall vorliege, prüfte dann aber dennoch die Adäquanzfrage auch noch für den Fall, dass ein mittelschweres, aber im Grenzbereich zu den leichteren Fällen liegendes Ereignis angenommen werden könnte. Auch unter dieser Voraussetzung erachtete sie die Adäquanz als nicht gegeben, weil von den in die Prüfung mit einzubeziehenden weiteren objektiv fassbaren Kriterien, welche mit dem Unfall unmittelbar in Zusammenhang stehen oder als Folgen davon erscheinen, kein einziges erfüllt sei. 3.2 Das kantonale Gericht nahm demgegenüber eine differenziertere Betrachtung der einzelnen gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor. 3.2.1 In einem ersten Schritt setzte es sich mit dem psychischen Aspekt des Beschwerdebildes auseinander. Dabei befand es, eine abschliessende Prüfung der natürlichen Unfallkausalität des psychischen Leidensbildes, das als posttraumatische Belastungsstörung interpretierte schwere Depressions- und Angstsymptomatik mit teilweise wahnhaften Zügen umschrieben wird, erübrige sich, weil jedenfalls die adäquate Kausalität des Sturzes auf einer Treppe für die doch schweren psychischen Symptome selbst dann verneint werden müsse, wenn man das versicherte Ereignis als mittelschwer, an der Grenze zu den leichten Unfällen qualifizieren wollte; die verschiedenen von der Rechtsprechung aufgestellten Adäquanzkriterien seien - wie im angefochtenen Einspracheentscheid eingehend ausgeführt - weder in gehäufter Form gegeben noch sei eines davon in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Damit gelangte die Vorinstanz zum Schluss, die rein psychischen Symptome führten nicht zu einer Leistungspflicht des Unfallversicherers. 3.2.2 Weiter erwog das kantonale Gericht, auch nach dem 17. Oktober 2002 hätten somatische Befunde vorgelegen, welche sich von der psychischen Problematik klar abgrenzen liessen und insofern bei der Beurteilung der Unfallkausalität gesondert zu betrachten seien. Im Einzelnen nannte es - als direkte oder indirekte Folgen der am 3. Juli 2002 erlittenen Wirbelsäulenkontusion - einen deutlichen Muskelhartspann mit Myogelosen im Nacken- und Schultermuskulaturbereich, lumbale Schmerzen, welche durch eine muskuläre Verkürzung infolge Schonhaltung bewirkt würden, sowie Steiss- und Sitzbeinschmerzen. Die Vorinstanz ging davon aus, dass das Unfallereignis vom 3. Juli 2002 für diese somatischen Beschwerden natürlich und adäquat kausal sei, sodass der Unfallversicherer auf jeden Fall auch für die Zeit nach dem 17. Oktober 2002 für die Kosten der ärztlich empfohlenen, auf die Behandlung rein somatischer Befunde abzielenden Physiotherapie aufzukommen habe. 3.2.3 Was die nach der Entlassung aus dem nach dem Unfall vom 3. Juli 2002 notfallmässig angetretenen Spitalaufenthalt persistierenden Kopf- und Nackenschmerzen, die in der Folge aufgetretenen Schwindelgefühle und Konzentrationsstörungen sowie die von der behandelnden Psychotherapeutin Dr. med. S.________ erwähnte enorme Müdigkeit und Erschöpfung, die Übelkeit, die gedrückte Stimmungslage sowie die Lärmempfindlichkeit und innere Unruhe anbelangt, warf das Gericht die Frage auf, ob dieser vielfältige, an das für ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule typische Beschwerdebild erinnernde Symptomenkomplex als - im Sinne der natürlichen Kausalität - direkte Folge der erlittenen Commotio cerebri anzusehen sei. Da bei der gegenwärtigen Aktenlage eine zufriedenstellende Anwort nicht möglich sei, erachtete das Gericht zusätzliche fachärztliche Untersuchungen mit dem Ziel einer genaueren diagnostischen Zuordnung der vorhandenen Symptome als unumgänglich. Zu deren Veranlassung wies es die Sache an den Unfallversicherer zurück. 3.2.4 Abschliessend äusserte sich das kantonale Gericht zum Zeitpunkt, in welchem eine Adäquanzprüfung vorgenommen werden dürfe, und gelangte auch diesbezüglich zum Schluss, für eine zuverlässige Beantwortung der Frage nach der Zulässigkeit der streitigen Leistungseinstellung seien weitere ärztliche Auskünfte einzuholen. Zu bedenken gab es, dass die verfügte und im Einspracheverfahren bestätigte Leistungseinstellung bereits drei Monate nach dem Unfall angesichts der in solchen Fällen üblichen Behandlungsdauer als eher zu knapp bemessen erscheine.