Citation: I 319/00 17.11.2000 E. 5

5.- Für die Beantwortung der vorliegend streitigen Frage, ob dem Beschwerdeführer eine halbe oder eine ganze Invalidenrente zusteht, sind zunächst der Gesundheitszustand und die funktionelle Leistungsfähigkeit des Versicherten massgebend. a) Im psychiatrischen Gutachten vom 27. April 1998, auf welches sich Verwaltung und Vorinstanz im Wesentlichen stützen, diagnostizierte Dr. med. I.________ einen neurasthenischen (psychophysischen Erschöpfungs-)Zustand F48. 0 mit dysthymen Aspekten bei neurotisch (anal-sadistisch) bedingter gemischter Persönlichkeitsentwicklungsstörung F61 [histrionisch, hypochondrisch (mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung F45. 4), schizoid, anankastisch, versteckt abhängig], überhohem Leistungs-Anspruch bei sthenischen Persönlichkeits-Grundzügen und künstlerischer Begabung auf dem Hintergrund einer narzisstischen Problematik sowie positive Immunserologie auf Epstein-Barr-Virus. Er bezeichnete das Problem als unabhängig von der Art der beruflichen Tätigkeit und konnte demzufolge keine die Arbeitsfähigkeit verbessernde Umschulungsmassnahme empfehlen. Sowohl als Theologe wie auch in einer anderen, dem Leiden angepassten Tätigkeit bezifferte er die Arbeitsfähigkeit mit 50 %, riet aber von jeder Art therapeutischer Tätigkeit ab, solange der Versicherte seine eigenen Probleme nicht weitgehend gelöst habe. b) Der beigezogene Neurologe Dr. med. O.________ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 12. Juni 1998 chronische Gefässkopfschmerzen, Hypertonie und Erschöpfungszustand. Die Arbeitsfähigkeit bezifferte er mit höchstens 50 % und führte aus, wahrscheinlich sei dem Versicherten zur Zeit in der Tätigkeit als Theologe auch eine zeitlich beschränkte Arbeit nicht zumutbar. c) Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. F.________ hatte den Beschwerdeführer in ihrem Bericht vom 7. August 1997 ab 24. April 1997 als 100 % arbeitsunfähig bezeichnet. Sie stellte die Diagnose chronische multiple Schmerzsyndrome, Schleudertrauma, Dauerkopfschmerz, chron. Cervicalsyndrom und Schulter-Nackensyndrom, chronisches Erschöpfungssyndrom CFS und neurotisch-depressive Entwicklung mit hohem Angstanteil. Im Schreiben vom 1. Juli 1998 nahm sie zu den von der IV-Stelle eingeholten psychiatrischen und neurologischen Gutachten Stellung und bezeichnete eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit als wesentlich zu hoch, diese schwanke ihres Erachtens zwischen 10 % und 30 %. Am 14. November 1998 bestätigte sie diese Einschätzung. Im Schreiben vom 23. Mai 2000 führte Frau Dr. med. F.________ im Rahmen einer Stellungnahme zum vorinstanzlichen Urteil sodann aus, der Beschwerdeführer leide nach wie vor unter einer erheblichen Erschöpfungsdepression mit starken neurovegetativen Störungen. Ein 50 %iges Arbeitspensum sei ihm nicht zumutbar, erst recht nicht im angestammten Beruf als Pfarrer, sei dies doch essenziell eine therapeutische Tätigkeit (Seelsorge), wovon das Gutachten Imboden abrate. d) Der Hausarzt Dr. med. N.________ schliesslich hatte den Beschwerdeführer in seinem Bericht vom 10. November 1997 bereits ab November 1996 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben und eine Erschöpfungsdepression, chronische Kopfschmerzen sowie chronische Müdigkeit nach Epstein-Barr-Virus-Infektion diagnostiziert. Er hielt weder die bisherige noch eine andere Tätigkeit als zumutbar. Am 18. November 1998 sah der Arzt noch keine Besserung des Erschöpfungszustandes und bezifferte die effektive Arbeitsfähigkeit (unter Berücksichtigung der Kinderbetreuung) mit 20 % bis 30 %.