Citation: 6B_610/2024 E. 1.2.4

1.2.4. Mit Bezug auf die Täterkomponente verweist die Vorinstanz wiederum auf das Bezirksgericht. Der im Urteilszeitpunkt 86-jährige Beschwerdeführer wirke gebrechlich und gesundheitlich beeinträchtigt, sodass ihm, wenn auch nur in geringem Masse, eine erhöhte Strafempfindlichkeit zu attestieren und dieser mit 3 Monaten strafmindernd Rechnung zu tragen sei. Im Übrigen sei die Behandlung und Heilung kranker oder altersgebrechlicher Gefangener im Rahmen des Strafvollzugs sicherzustellen, bei Bedarf auch im Rahmen einer abweichenden Vollzugsform. Angesichts der seit den Taten vergangenen Zeitdauer rechtfertige sich sodann eine Strafreduktion um 3 Monate, namentlich in Anwendung von Art. 48 lit. e aStGB. Mit 6 Monaten merklich Rechnung zu tragen sei ferner der Verletzung des Beschleunigungsgebots, indem trotz andauernder Inhaftierung des Beschwerdeführers zwischen Anklageerhebung und erstinstanzlicher Hauptverhandlung rund 11 Monate und seit der Strafanzeige des Geschädigten mehr als vier Jahre vergangen seien. Demgegenüber sei die Vorstrafenlosigkeit des Beschwerdeführers ebenso neutral zu werten wie seine fehlende Einsicht oder Reue. Insgesamt sei die Strafe aufgrund der Täterkomponente um 12 Monate auf wiederum 5 Jahre zu reduzieren. Daran sei die Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 731 Tagen anzurechnen. Gleiches gelte grundsätzlich für die Ersatzmassnahmen, ein seit der Entlassung aus der Sicherheitshaft, d.h. seit 21 Monaten, geltendes Ausreiseverbot verbunden mit einer Ausweis- und Schriftensperre sowie einer täglichen Meldepflicht. Bei der Anrechnung dieser Ersatzmassnahmen sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bei deren Anordnung bereits knapp 85-jährig und seit jeher gesundheitlich stark angeschlagen und deshalb in seiner Mobilität ohnehin erheblich eingeschränkt gewesen sei. Nach eigenen Angaben gehe er nicht mehr ausser Haus, ausser wenn er zum Arzt müsse; Reisen ausserhalb der Schweiz sei nicht mehr möglich. Vor diesem Hintergrund dürfte ihn auch die telefonische Meldepflicht nicht allzu stark belastet haben. Ausser Acht zu lassen sei das bis zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung geltende Kontaktverbot zum Geschädigten und zu einer Zeugin, was den Beschwerdeführer nach eigener Aussage nicht nennenswert eingeschränkt habe. Insgesamt rechtfertige sich eine Anrechnung der Ersatzmassnahmen an die Gesamtstrafe im Umfang von ungefähr einem Zehntel und damit von 60 Tagen. Die Ersatzmassnahmen hätten eine wesentlich geringere Belastung dargestellt als die Untersuchungshaft und, in Anbetracht der persönlichen Situation, kaum grundrechtsbeschränkende Auswirkungen gehabt.