Citation: 6B_729/2019 E. 2.2.2

2.2.2. Nach dem vorstehend Gesagten kommt gemäss Einschätzung des forensischen Experten als Ursache für die von der Beschwerdeführerin beschriebenen Symptome - wollte das Gericht diesen folgen - am ehesten ein Sauerstoffmangel aufgrund eines Carotis-Sinus-Reflexes in Frage. Dieser kann in Einzelfällen einen reflektorischen Herzstillstand und folglich einen Reflextod auslösen. Ein Todeseintritt der Beschwerdeführerin war somit unter den gegebenen Umständen zwar grundsätzlich möglich, aber augenscheinlich sehr unwahrscheinlich. Es ist daher - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz gestützt auf das forensische Gutachten die Inkaufnahme des Todes durch den Beschuldigten verneint und den von der Beschwerdeführerin primär erhobenen Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung nicht weiterverfolgt. Dies gilt unbesehen der Frage, ob von einer Lebensgefahr auszugehen ist. Angesichts des wilkürfrei erstellten Tatgeschehens - eines zweimaligen Würgens während maximal sechs Sekunden, welches nachweislich zu keinen grösseren oder länger dauernden Verletzungen führte, mithin von geringer Vehemenz geprägt war - kann nicht gesagt werden, dass sich der Tod der Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner 2 als so wahrscheinlich aufgedrängt hätte, dass sein Verhalten nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs ausgelegt werden kann (oben E. 2.1.2). Ebenso ist nachvollziehbar, dass die Vorinstanz einen direkten Vorsatz des Beschwerdegegners 2 betreffend Gefährdung des Lebens verneint. Demnach habe er die Beschwerdeführerin zwar wissentlich und willentlich gewürgt, dies aber nicht im Bewusstsein um eine mögliche Lebensgefahr. Gegenteiliges drängt sich aus dem oben beschriebenen Tatgeschehen zumindest nicht auf, sodass der vorinstanzliche Schluss nicht willkürlich ist. Da, wie die Vorinstanz zutreffend erwägt, für den Vorwurf der Gefährdung des Lebens ein Eventualvorsatz hinsichtlich der Lebensgefahr nicht genügt (vgl. BGE 133 IV 1 E. 5.1; Urteil 6B_758/2018 vom 24. Oktober 2019 E. 2.1), kann insoweit zudem offen bleiben, ob der Beschwerdegegner 2 um eine mögliche Lebensgefahr aufgrund des Würgens hätte wissen müssen. Mit Blick auf dessen Strafbarkeit nach Art. 129 StGB ist ebenfalls nicht entscheidend, ob, gestützt auf die subjektiven Schilderungen der Beschwerdeführerin, von einer konkreten Lebensgefahr ausgegangen werden muss, wie sie argumentiert. Selbst wenn eine konkrete Lebensgefahr zu bejahen wäre, würde es gemäss nachvollziehbaren Ausführungen der Vorinstanz an einem diesbezüglich direkten Vorsatz des Beschwerdegegners 2 fehlen. Ohnehin verneint sie eine konkrete Lebensgefahr gestützt auf die objektiven Zeichen resp. deren Fehlen nachvollziehbar, mithin ohne Willkür. Die Beschwerdeführerin behauptet denn auch zu Recht nicht, dass es aufgrund des Würgens zu Stauungsblutungen gekommen wäre, was unabhängig von ihren Schilderungen objektiv eindeutig als Indiz für eine Lebensgefahr interpretiert werden könnte. Auch die Schlussfolgerung bloss geringer objektiver Verletzungen ist aufgrund des Gutachtens plausibel. Nicht ersichtlich ist nach dem Gesagten schliesslich, dass die Vorinstanz ihre Begründungspflicht verletzt oder eine willkürliche antizipierte Beweiswürdigung vorgenommen hat. Die wesentlichen Überlegungen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt, sind dem angefochtenen Urteil zu entnehmen. Hingegen kann keine Rede davon sein, dass eine sachgerechte Anfechtung nicht möglich gewesen wäre. Der Beschwerdeführerin war es denn auch ohne Weiteres möglich, die Tragweite des Entscheids zu erfassen und diesen in voller Kenntnis der antizipierten Beweiswürdigung an die höhere Instanz weiterzuziehen (BGE 141 III 28 E. 3.2.4; 139 IV 179 E. 2.2; 138 IV 81 E. 2.2; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz war auch nicht gehalten, weitere Beweise abzunehmen, etwa dem Gutachter ergänzende Fragen zur Lebensgefahr zu stellen. Angesichts des willkürfrei verneinten direkten Vorsatzes ist nicht ersichtlich, was damit gewonnen wäre. Ein Verzicht auf weitere Abklärungen ist jedenfalls in casu nicht willkürlich (zur antizipierten Beweiswürdigung vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 138 V 125 E. 2.1; 136 I 229 E. 5.3).