Citation: 2C_933/2018 E. 5.2.1

5.2.1. Der Rechtsanwalt soll sein Mandat vorbehaltlos, einzig und allein im Interesse seines Klienten führen. Er kann seine Interessenwahrungspflicht gegenüber seinem Mandanten nicht erfüllen, wenn ihm gleichzeitig abweichende Loyalitätspflichten abverlangt werden bzw. er auf Dritte Rücksicht nehmen muss (KASPAR SCHILLER, Anwaltliche Unabhängigkeit - Wozu? Wie weit? Wovon?, in: Anwaltsrevue 10/2011 S. 422 f.). Obschon im Gesetzestext nicht ausdrücklich erwähnt, erfasst Art. 12 lit. c BGFA auch allfällige Konflikte zwischen eigenen Interessen des Rechtsanwalts und solchen seiner Klientschaft (vgl. Urteil 2P.318/2006 vom 27. Juli 2007 E. 11.1; vgl. auch BOHNET/ MARTENET, a.a.O., N. 1449; MATHIEU CHÂTELAIN, L'indépendance de l'avocat et les modes d'exercice de la profession, Diss. Lausanne 2017, N. 691 ff.; FELLMANN, Kommentar, a.a.O., N. 92). Ein verbotener Interessenkonflikt liegt folglich vor, wenn der Anwalt die Wahrung der Interessen eines Klienten übernommen hat und dabei Entscheidungen zu treffen hat, mit denen er sich potenziell in Konflikt zu eigenen oder anderen ihm übertragenen Interessen begibt. Interessenkonflikte können sich auch aus Interessenlagen ergeben, die nicht nur anwaltlich begründet sind. Vorausgesetzt werden Bindungen, die nahe legen, dass der Anwalt bei seiner Berufstätigkeit auf Interessen Dritter Rücksicht nehmen muss, sodass die vorbehaltlose Interessenwahrung für den Klienten beeinträchtigt wird (vgl. FELLMANN, Anwaltsrecht, a.a.O., N. 346 ff.). Dabei liegt auf der Hand, dass die Unabhängigkeit des Rechtsanwalts auch gegenüber dem Rechtsgegner sowie den anderen Verfahrensbeteiligten gewahrt sein muss (vgl. CHÂTELAIN, a.a.O., N. 749; SCHILLER, a.a.O., S. 426). Ein persönlicher Interessenkonflikt liegt vor, wenn der Rechtsanwalt die Wahrung fremder Interessen übernimmt, welche seinen eigenen Interessen zuwiderlaufen, was zum Beispiel der Fall ist, wenn er ein direktes oder indirektes Eigeninteresse am Ausgang der Sache hat (vgl. CHRISTOF BERNHART, Die professionellen Standards des Rechtsanwalts, 2. Aufl. 2011, S. 105).