Citation: U 361/02 24.09.2003 E. 3

Zu prüfen bleibt, ob auch die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu bejahen ist. 3.1 Nach der Rechtsprechung ist für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Gesundheitsschaden und Unfallereignis nicht entscheidend, ob die im Anschluss an ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS auftretenden Beschwerden medizinisch eher als organischer oder als psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa). Die Unterscheidung ist jedoch insoweit von Belang, als die Adäquanzbeurteilung nicht nach den für Schleudertraumen und äquivalente Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 138 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen hat, wenn die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Diesem Erfordernis ist nicht erst dann Genüge getan, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen vollständig in den Hintergrund getreten sind. Es genügt eine eindeutige Dominanz der psychischen Beeinträchtigungen (BGE 123 V 100, oben; Urteil T. vom 6. Februar 2002, U 61/00). 3.2 Im MEDAS-Gutachten wird die Frage, ob das psychiatrische Beschwerdebild oder die HWS-Problematik im Vordergrund stehe, dahin beantwortet, unter ganzheitlicher Optik könne diese Frage nicht klar beantwortet werden. Die psychischen Beschwerden und die HWS-Problematik stünden in einer untrennbaren engen Wechselwirkung; es könnten keine Schwerpunkte gesetzt werden. Hiezu ist festzustellen, dass sich aus den Akten immerhin klare Anhaltspunkte für eine Dominanz der psychischen Beeinträchtigungen ergeben. Zum einen waren die unmittelbaren Unfallfolgen nicht gravierend und die Versicherte nach verhältnismässig kurzer Zeit praktisch beschwerdefrei. Zum andern waren die neu auftretenden Beschwerden zunehmend psychisch überlagert. Bereits im Jahr 1995 und damit mehrere Jahre vor der Neuanmeldung vom 12. Februar 1998 war die Beschwerdegegnerin wiederholt wegen psychovegetativen Symptomen behandelt worden (Bericht Dr. med. Z.________ vom 26. Mai 1998). Kurz nach der Neuanmeldung begab sie sich zur Psychiaterin Dr. med. L.________ in Behandlung, welche eine depressive Entwicklung gemäss ICD-10 F43.23 bei Arbeitslosigkeit und Trennung vom Ehemann sowie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) mit "Verwahrlosungsstruktur" und extremen Schwankungen zwischen Selbstüberschätzung und Leeregefühl diagnostizierte. Klare Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine posttraumatische Störung der Unfallverarbeitung wurden nicht gefunden. Im psychiatrischen Konsilium der MEDAS gibt Dr. med. K.________ als Diagnosen eine anhaltende ängstlich-depressive Störung mit somatischen Symptomen, eine narzisstische und emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) sowie eine leichte kognitive Störung (anamnestisch Legasthenie und Rechenschwäche) bei einem zerviko-thorako-vertebralen Syndrom vom tendomyotischen Typ und chronischen Kopfschmerzen an. Die Arbeitsfähigkeit wird von Dr. med. K.________ aus psychiatrischer Sicht auf 50 % für jede in Betracht fallende Tätigkeit und von Dr. med. J.________ aus rheumatologischer Sicht auf 80 % geschätzt, während Dr. med. W.________ aus neurologischer Sicht eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit verneint. Auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stehen somit die psychischen Beeinträchtigungen im Vordergrund. Ob eine eindeutige Dominanz der psychischen Störungen anzunehmen ist, kann indessen offen bleiben, weil die Adäquanz des Kausalzusammenhangs auch dann zu verneinen ist, wenn nicht die für psychische Unfallfolgen, sondern die für Schleudertraumen der HWS geltenden Kriterien zur Anwendung gebracht werden, wie sich aus dem Folgenden ergibt. 3.3 Das kantonale Gericht hat das Unfallereignis vom 12. Februar 1991 dem mittleren Bereich im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zugeordnet, was auf Grund der Akten nicht zu beanstanden ist. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat vergleichbare Auffahrkollisionen in der Regel denn auch als mittelschwere Unfälle im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (vgl. die in SZS 2001 S. 431 ff. zitierte Rechtsprechung; ferner die Urteile D. vom 16. August 2001, U 21/01, und T. vom 6. Februar 2002, U 61/00). Damit die Adäquanz bejaht werden könnte, müsste somit ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein oder es müssten die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 117 V 367 Erw. 6a). Der Unfall vom 12. Februar 1991 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. Auch hat die Beschwerdegegnerin keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art erlitten. Entgegen den Ausführungen im kantonalen Entscheid können die Unfallverletzungen nicht als schwer qualifiziert werden, hatten sie doch lediglich eine kurze (ambulante) Behandlung und Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas vermag für sich allein die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände (wie einer ungünstigen Körperhaltung), welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteile T. vom 6. Februar 2002, U 61/00, und D. vom 16. August 2001, U 21/01; vgl. auch SZS 2001 S. 448). So verhält es sich hier jedoch nicht. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Die primäre Unfallbehandlung war bereits kurze Zeit nach dem Unfall abgeschlossen und es wurden in der Folge lediglich kurzfristige Behandlungen und Massnahmen insbesondere komplementärmedizinischer Art durchgeführt. Nach der Rückfallmeldung gaben sowohl Dr. med. U.________ als auch Dr. med. Z.________ an, dass zurzeit keine Behandlung erfolge. Später wurde gelegentlich Physiotherapie durchgeführt; ferner wurde die Beschwerdegegnerin ab Juli 1998 psychiatrisch betreut. Im MEDAS-Gutachten wird lediglich ein nochmaliger Behandlungsversuch mit einem Antidepressivum empfohlen. Dr. med. J.________ erachtet es zudem als sinnvoll, der Versicherten jährlich zwei Serien Physiotherapie à 9 Sitzungen zur Stabilisierung des Zustandes zu gewähren. Mangels anhaltender und regelmässiger therapeutischer Massnahmen kann nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung gesprochen werden (Urteil S. vom 8. April 2002, U 357/01). Wie die Vorinstanz zu Recht feststellt, ist auch das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit nicht gegeben (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544). Die initiale Arbeitsunfähigkeit dauerte nur kurze Zeit und es bestand auch anlässlich der Rückfallmeldung zunächst keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Zudem beschränkt sich die im MEDAS-Gutachten bestätigte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus physischer (rheumatologischer) Sicht auf 20 %. Soweit darüber hinaus eine anhaltende psychisch bedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit besteht, ist sie nach den Arztberichten höchstens teilweise als unfallbedingt zu betrachten. Was schliesslich das Kriterium der Dauerbeschwerden betrifft, ist dieses jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch die für die Beurteilung geltenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden und damit die Leistungspflicht des Unfallversicherers im Zusammenhang mit der Rückfallmeldung vom 26. Februar 1998 zu verneinen.