Citation: 5A_726/2021 E. 5.2

5.2. Die gerichtlichen Befugnisse, in ein Miteigentumsverhältnis einzugreifen, sind gesetzlich beschränkt. Das Gericht kann unter bestimmten, hier nicht geltend gemachten Voraussetzungen einen Miteigentümer aus der Gemeinschaft ausschliessen (Art. 649b ZGB) oder anordnen, dass die im Miteigentum stehende Sache körperlich geteilt wird, oder wenn dies ohne wesentliche Verminderung ihres Wertes nicht möglich ist, öffentlich oder unter den Miteigentümern versteigert wird (Art. 651 Abs. 2 ZGB). Die gerichtliche Zuweisung der im Miteigentum stehenden Sache an einen Miteigentümer gestattet das Gesetz nicht. Alle weiteren Entscheidbefugnisse des Gerichts setzen vielmehr eine Vereinbarung oder übereinstimmende Begehren der Miteigentümer voraus. So kann das Gericht die ganze Sache auf einen oder mehrere der Miteigentümer unter Auskauf der übrigen übertragen, wenn sich die Miteigentümer über diese Teilungsart einig sind und nur darüber streiten, wem die Sache zu übertragen ist und wieviel der Auskauf betragen soll (Urteile 5A_936/2020 vom 15. Juli 2021 E. 3.3.1; 5A_337/2015 vom 5. Oktober 2015 E. 2.3.1), oder gerichtlich kann ausnahmsweise der Austritt von einzelnen oder mehreren Miteigentümern angeordnet werden, wenn die übrigen Miteigentümer an der Gemeinschaft festhalten wollen und sich alle Beteiligten auf eine Abfindung des oder der Austretenden einigen (Urteil 5C.164/2001 vom 5. November 2001 E. 2b; vgl. zum Ganzen: MEIER-HAYOZ, Berner Kommentar, 1981, N. 3 zu Art. 650 und N. 21 und N. 23 zu Art. 651 ZGB; SUTTER-SOMM, Eigentum und Besitz, SPR V/1, 2. Aufl. 2014, Rz. 254 S. 118 und Rz. 266 S. 122; BOHNET, Actions civiles, 2. Aufl. 2019, vol. I, § 43 N. 5 und § 44 N. 1a).