Citation: U 418/05 16.11.2006 E. 4

4.1 Die "Zürich" ordnete die Auffahrkollision vom 14. Dezember 1996 zunächst den Unfällen im mittleren Bereich und innerhalb dieses Bereiches eher an der Grenze zu den leichten Fällen liegend zu. Bei der Beurteilung der Schwere des Unfalles liess sich der Unfallversicherer von einigen, in der Verfügung vom 17. November 2003 nur unvollständig zusammengefassten Urteilen des Eidgenössischen Versicherungsgerichts leiten, wobei sich die Auswahl als nicht repräsentativ erweist, da es sich bei den zum Vergleich herangezogenen, gerichtlich beurteilten Unfällen nur teilweise um Auffahrkollisionen handelt. Mit dem genauen Hergang des von der Beschwerdeführerin konkret erlittenen Unfallereignisses hat sich die Beschwerdegegnerin nicht näher auseinandergesetzt. Insbesondere blieb namentlich die Frage unbeantwortet, mit welcher Wucht das Fahrzeug der Versicherten beim Zusammenprall erfasst wurde. Die Schwere einer Auffahrkollision hängt in erster Linie von der Geschwindigkeitsänderung der beteiligten Fahrzeuge ab. Das Eidgenössische Versicherungsgericht stuft beispielsweise Auffahrkollisionen vor einem Fussgängerstreifen oder einem Lichtsignal in der Regel als mittelschweres, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegendes Ereignis ein, ging jedoch bei Vorliegen einer niedrigen kollisionsbedingten Geschwindigkeitsveränderung (Delta-v unter 10 km/h) wiederholt von einem leichten Unfall aus (vgl. RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2). Im Einspracheentscheid vom 27. Dezember 2004 begnügte sich die Beschwerdegegnerin bei der Sachverhaltsfeststellung mit einem Verweis auf die (korrekte) Darlegung des Unfallhergangs in der Verfügung. Das Ereignis ordnete sie dem mittleren Schwerebereich zu, ohne es dort in der Nähe der schweren oder der leichten Unfälle anzusiedeln. Zur Begründung verwies sie auf die in der Verfügung erwähnten Beispiele aus der Rechtsprechung und die Unfallschilderung im Polizeirapport. Zudem berief sie sich auf die Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts zu den Auffahrkollisionen vor einem Fussgängerstreifen oder einer Lichtsignalanlage. Dabei wird jedoch übersehen, dass sich der zur Diskussion stehende Unfall auf der Autobahn und somit unter damit nicht ohne weiteres vergleichbaren Umständen ereignet hat. 4.2 Gemäss Sachverhaltsdarstellung des kantonalen Gerichts hat sich das Unfallereignis wie folgt ereignet: "Am 14. Dezember 1996 erlitt sie [die Versicherte] auf der Autobahn Z.________ vor M.________ einen Autounfall, als sie wegen eines Staus bremsen musste und der nachfolgende Wagen mit ca. 80 km/h von hinten in ihr Auto auffuhr, wobei die Versicherte das nahende Unheil kommen sah und ihren Wagen nach rechts lenkte, um einen Aufprall auf den vorderen Wagen zu vermeiden". Die Vorinstanz bezog sich dabei auf die Unfallmeldung vom 18. Dezember 1996. Sodann hat sie erwogen, in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin sei das Ereignis vom 14. Dezember 1996 als Unfall im mittleren Bereich zu qualifizieren, was von der Beschwerdeführerin denn auch nicht bestritten werde. Die Versicherte habe das von hinten herannahende Fahrzeug kommen sehen und versucht, auszuweichen. Beim Aufprall hätten sich weder sie selbst noch zwei der Mitfahrer Knochenbrüche oder andere schwere somatische Verletzungen zugezogen. Allerdings habe eine Mitfahrerin einen Wirbelbruch erlitten und operiert werden müssen. Dennoch sei der Unfall nicht als schwerer Fall im mittleren Bereich einzustufen. Das kantonale Gericht verglich das fragliche Unfallereignis überdies mit zwei in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 123 Erw. 4b/bb erwähnten Urteilen des Eidgenössischen Versicherungsgerichts, in welchen das Vorliegen eines schweren Falles bejaht wurde und kam zum Schluss, die Beschwerdeführerin habe sich anders als in den angeführten Beispielen beim Auffahrunfall nicht schwer verletzt. Es liess sich somit bei der Prüfung der Schwere des Unfalles von den weiteren Kriterien leiten, welche für die Beurteilung der Adäquanzfrage bei mittelschweren Unfällen den Ausschlag für die Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs geben (vgl. Erw. 3.3 hievor). Ein Unfallereignis ist jedoch als solches, ausgehend vom äusseren Geschehensablauf, als leicht, im mittleren Bereich liegend, oder als schwer einzustufen. Dabei fallen in erster Linie die zerstörenden und verletzenden Kräfte unter die Begleitumstände, welche die Schwere des Unfalles betreffen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/bb; Urteil K. vom 17. August 2006, U 503/05). Dies schliesst allerdings nicht aus, dass der erlittene Gesundheitsschaden unter Umständen als Indiz für die Schwere des Unfallhergangs herangezogen werden kann (vgl. RKUV 2000 Nr. U 364 S. 87 Erw. 3a). 4.3 Der Schadeninspektor hielt im Besprechungsprotokoll vom 24. September 1997 die Unfallschilderung der Beschwerdeführerin wie folgt fest: "Frau H.________ fuhr mit ihrem Fahrzeug auf der Autobahn Richtung M.________. Im Auto befanden sich zusätzlich 3 Personen (1 Mann und zwei Frauen). Auf Distanz sah Frau H.________ das Signal 'Achtung Stau'. Kurz nach diesem Gefahrensignal soll bereits der Rückstau Tatsache geworden sein. Die Autobahn soll an der Unfallstelle 4 Spuren aufgewiesen haben, da sich der Unfall auf der Höhe einer Verzweigung ereignete. Frau H.________ will bemerkt haben, dass ein zuerst auf der Überholspur, dann auf die Normalspur wechselnder Fahrzeuglenker offensichtlich den Rückstau nicht bemerkte. Sie habe deshalb eine Auffahrkollision befürchtet, die dann kurz darnach harte Tatsache wurde. Mit grosser Geschwindigkeit soll der Kollisionsverursacher auf das Auto H.________ aufgefahren sein. Das Auto H.________ wurde weggeschleudert und um ca. 180 Grad abgedreht. Ich verweise auf die beiliegende Handskizze. Das Auto H.________ kollidierte mit dem hinteren linken Fahrzeugheck noch mit dem Fahrzeug, das beim Stau vor dem Auto H.________ anhalten musste". 4.4 Wie sich den Akten entnehmen lässt, hatte der Unfallversicherer am 16. Januar 1997 von der Verkehrspolizei in F.________ eine Abschrift des Polizeirapports einverlangt. Am 24. Januar 1997 wurde ihm mitgeteilt, der Vorgang sei an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Y.________ überwiesen worden. Nur diese erteile Akteneinsicht. Die Beschwerdegegnerin ist in der Folge offenbar ganz oder teilweise in den Besitz dieser Unterlagen gelangt. Vermutlich stellte sie diese am 11. Februar 1999 auch der Helvetia Patria als Vertreterin der Versicherten in Kopie zu. Nachdem der Rechtsvertreter der Versicherten im Unfallversicherungsverfahren vollumfängliche Akteneinsicht verlangt hatte, teilte sie diesem mit Schreiben vom 8. August 2000 mit, auf die Zustellung der amtlichen Akten (Strafverfahren) und der Regressakten, die separat geführt würden, werde verzichtet. Gleich reagierte sie am 19. März 2003 auf ein erneutes Ersuchen um Aktenzustellung.