Citation: 9C_637/2022 E. 2.3.1

2.3.1. Art. 24 lit. a DBG knüpft grundsätzlich an die zivilrechtlichen Begriffe des Vermächtnisses (Art. 484 ff. ZGB) und der Schenkung (Art. 239 ff. OR) an. Dem zivilrechtlichen und dem steuerrechtlichen Schenkungsbegriff sind die Merkmale der Vermögenszuwendung, der Unentgeltlichkeit und des Zuwendungswillens gemeinsam (zum Verhältnis zwischen dem zivilrechtlichen und dem steuerrechtlichen Schenkungsbegriff: vgl. u.a. BGE 146 II 6 E. 7.1; 118 Ia 497 E. 2b/aa; Urteile 2C_799/2021 vom 9. Mai 2022 E. 4.4; 2C_148/2020 vom 19. Januar 2021 E. 7.1; 2C_703/2017 vom 15. März 2019 E. 3.3.1; 2C_597/2017 vom 27. März 2018 E. 3.1.2; 5A_404/2018 vom 6. November 2018 E. 3.2; m.H.). Die Vermögenszuwendung besteht nicht notwendigerweise in einer einzigen Leistung. Auch periodische Zuwendungen können Schenkungen darstellen (vgl. BGE 146 II 6 E. 7.1; 118 Ia 497 E. 2b/aa; Urteile 2C_148/2020 vom 19. Januar 2021 E. 7.2 u. 7.4; 2C_703/2017 vom 15. März 2019 E. 3.3.1) Das objektive Merkmal der Unentgeltlichkeit der Vermögenszuwendung liegt vor, wenn der Zuwendungsempfänger für seinen Vermögenserwerb keine Gegenleistung erbracht hat; dabei ist weder der wirtschaftliche Wert noch die Art der Gegenleistung massgeblich (vgl. BGE 146 II 6 E. 7.1; 118 Ia 497 E. 2b/aa; Urteile 2C_154/2021 vom 6. Juli 2022 E. 9.1; 2C_148/2020 vom 19. Januar 2021 E. 7.3 u. 7.4; 2C_379/2019 vom 1. Mai 2020 E. 2.1; 2C_703/2017 vom 15. März 2019 E. 3.3.1; 2C_597/2017 vom 27. März 2018 E. 3.1.2) Die subjektive Voraussetzung der Schenkungsabsicht ist gegeben, wenn die Zuwendung nicht mit dem Willen, eine Gegenleistung zu erbringen, ausgerichtet wird. Der Zuwendende muss Wissen und Wollen bezüglich der Vermögenszuwendung und der Unentgeltlichkeit haben. Ein Schenkungswille kann bei nahestehenden Personen vermutet werden, wenn die übrigen Voraussetzungen einer Schenkung gegeben sind. Die Schenkungsabsicht fehlt, wenn eine Gegenleistung erwartet wird oder die Leistung nicht freiwillig, sondern in Erfüllung einer rechtlichen Pflicht erbracht wird. Diese Rechtspflicht kann gesetzlicher, statutarischer oder vertraglicher Natur sein. Dagegen entspricht die Schenkung einer freien Verfügung über das eigene Vermögen: Der Schenker gibt, was, wem und wann er will (vgl. zum Ganzen BGE 146 II 6 E. 7.1; 118 Ia 497 E. 2b/aa; 2C_154/2021 vom 6. Juli 2022 E. 9.1; Urteile 2C_148/2020 vom 19. Januar 2021 E. 7.1, 7.2 u. 7.4; 2C_32/2020 vom 8. Juni 2020 E. 3.3; 2C_379/2019 vom 1. Mai 2020 E. 2.1; 2C_703/2017 vom 15. März 2019 E. 3.3.1; 2C_294/2018 vom 26. Juni 2018 E. 4.3; 2C_597/2017 vom 27. März 2018 E. 3.1.2).