Citation: 5P.47/2003 04.09.2003 E. 3

3.1 Für die Beschwerdeführerin von entscheidender Bedeutung ist der Umstand, dass das Aargauer Obergericht sich mit dem ersten bezirksgerichtlichen Urteil vom 13. Dezember 1994 "in keiner Art und Weise" auseinander gesetzt habe. Das Obergericht habe deshalb irrtümlich angenommen, das Bezirksgericht hätte den Zeitungsbericht vom 2. Juli 1992 als Ganzes als persönlichkeitsverletztend gewürdigt, wogegen nur der Titel beanstandet worden sei. Daraus habe es im Hinblick auf den angefochtenen Entscheid wiederum irrtümlich den Schluss gezogen, besagter Bericht stelle eine Teilursache für die Absage der V.________ AG und somit für den eingeklagten Schaden dar. Diese unterbliebene Auseinandersetzung mit dem bezirksgerichtlichen Urteil hat nach Meinung der Beschwerdeführerin einerseits zur Folge, dass aus dem angefochtenen Entscheid nicht ersichtlich wird, warum der fragliche Zeitungsbericht eine natürliche - geschweige denn eine adäquate - Ursache für den geltend gemachten Schaden sei; dies verstosse aber gegen die Begründungspflicht und somit letztlich gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör. Andererseits widerspreche die Annahme des Obergerichtes, das Bezirksgericht hätte den Zeitungsbericht vom 2. Juli 1992 als Ganzes als persönlichkeitsverletztend gewürdigt, klar der Wirklichkeit, weshalb Willkür vorliege. 3.2 Ob mit der Beschwerdeführerin gesagt werden kann, dass der angefochtene Entscheid auf der willkürlichen Annahme beruhe, das Bezirksgericht hätte seinerzeit den Zeitungsbericht vom 2. Juli 1992 als Ganzes als persönlichkeitsverletztend gewürdigt, scheint zweifelhaft. Wenn man das bezirksgerichtliche Urteil vom 13. Dezember 1994 liest, stellt man zunächst fest, dass die Dispositiv-Ziffer 1 keine Unterscheidung zwischen Titel und Inhalt macht. Aufgrund der einschlägigen Begründung wird jedoch ersichtlich, dass das erstinstanzliche Gericht den Titel an sich als reisserisch gewürdigt hat: Seiner Meinung nach beeinträchtige "ein solcher Titel die Objektivität des Durchschnittslesers beim Lesen des nachfolgenden Textes [...]. Diese Titelwahl, auch wenn sie in Anführungszeichen steht und wenn sie vom Kläger selbst stammt, verletzt nicht für sich alleine, aber im Zusammenhang mit dem nachfolgenden Text und insbesondere den Aussagen der Zitierten die Persönlichkeit des Klägers. Der Durchschnittsleser wird nämlich den Text der Geschichte und die Aussagen der Zitierten immer in Verbindung mit dem 'Schweinehund' setzen. Damit ist klar, dass dem Leser von Beginn weg die Möglichkeit genommen wird, objektiv zu urteilen." 3.3 Obwohl diese Begründung viel mehr Fragen aufwirft, als sie solche beantwortet, ist sie in Bezug auf den Titel insofern klar, als sie nicht lediglich denselben für widerrechtlich erklärt: Vielmehr werden darin Titel und Text dergestalt zusammenhängend betrachtet (vgl. auch die Überschrift der entsprechenden Erwägung 1.2.: "Problematik der Gesamtbetrachtung, insbesondere Titelwahl"), dass der Titel als Schlüssel für die Lektüre des nachfolgenden Textes, als Brille für die Würdigung der im Text wiedergegebenen - und als solchen nicht rechtswidrigen - Äusserungen erscheint. Dem Erstrichter zufolge kann der Titel eben gerade nicht für sich genommen, aus dem Kontext gerissen, gelesen werden. Mithin erscheint vertretbar, wenn das Aargauer Obergericht davon ausgegangen ist, dass die Frage der Rechtswidrigkeit des Zeitungsberichtes vom 2. Juli 1992 durch das bezirksgerichtliche Urteil vom 13. Dezember 1994 im von ihm angenommenen Sinne definitiv entschieden worden war. Freilich wäre auch eine andere Auslegung möglich gewesen: Zwar nicht die extreme, die die Beschwerdeführerin vorschlägt, wohl aber eine solche, welche den einzelnen Textpassagen ein grösseres, differenzierteres Gewicht beigemessen hätte. Aber auch das Bezirksgericht Baden war in seinem - seitens der hiesigen Beschwerdeführerin nicht weitergezogenen - Urteil vom 25. November 1999 ausdrücklich davon ausgegangen, dass der X._______-Artikel vom 2. Juli 1992 gemäss verbindlichem Entscheid vom 13. Dezember 1994 widerrechtlich war; und dies spricht weiter dafür, dass der Schluss des Obergerichts nicht unhaltbar war. Die zweite erhobene Rüge, also jene der willkürlichen Tatsachenfeststellung hinsichtlich der Tragweite des bezirksgerichtlichen Urteils vom 13. Dezember 1994, kann im Ergebnis als solche nicht geschützt werden. 3.4 Eine ganz andere Frage ist hingegen, ob das Aargauer Obergericht in nachvollziehbarer, dem Anspruch auf rechtliches Gehör genügender Weise dargelegt hat, welche tatsächlichen Feststellungen und rechtlichen Überlegungen es aus dem bezirksgerichtlichen Entscheid in sein Urteil übernommen hat, und warum diese Feststellungen und Überlegungen zur (teilweisen) Gutheissung der Klage führen mussten.