Citation: 1C_678/2020 E. 2.3

2.3. Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Anhaltung durch die Polizei am 12. September 2019 noch im physischen Besitz seines unbefristeten Führerausweises der Kategorie B war. Entgegen seiner Auffassung berechtigte ihn indessen einzig dieser physische Führerausweis nicht mehr zum Führen eines Motorfahrzeuges. Wie den unbestrittenen vorinstanzlichen Erwägungen entnommen werden kann, entzog das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 28. Juni 2019 den Führerausweis der Kategorie B sowie seinen Lernfahrausweis der Kategorie A für drei Monate. Dabei ist in Dispositiv-Ziffer 3 der Verfügung ausdrücklich festgehalten, dass "der Führerausweis und allfällige weitere Fahrbewilligungen zu einem frei wählbaren Zeitpunkt (Datum Poststempel gilt), aber bis spätestens 3 Monate ab Erhalt dieser Verfügung (...) einzusenden sind" und "sobald Sie den Ausweis oder die Ausweise der Post abgeben, sind Sie nicht mehr fahrberechtigt". In Dispositiv-Ziffer 4 wurde weiter festgehalten was folgt: "Ihr unbefristeter Führerausweis, ausgestellt am 14. März 2019, wird gestützt auf Art. 16 Abs. 1 SVG eingezogen". Indem der Beschwerdeführer in der Folge am 9. Juli 2019 einerseits den abgelaufenen Führerausweis auf Probe der Kategorie B und andererseits den Lernfahrausweis für die Kategorie A dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zur Hinterlegung eingereicht hatte, löste er den Vollzug des Ausweisentzugs von drei Monaten aus. Ab diesem Zeitpunkt war er folglich nicht mehr fahrberechtigt. Daran ändert nichts, dass er den unbefristeten Führerausweis der Kategorie B zurückhielt. Wie die Vorinstanz berechtigterweise erwog, musste sich der Beschwerdeführer aufgrund der unzweideutigen Formulierung der Verfügung vom 28. Juni 2019 bewusst sein, dass die Entzugsdauer bzw. die daraus resultierende fehlende Fahrberechtigung für alle Führerausweise gilt (vgl. auch Art. 33 Abs. 1 VZV; BGE 128 II 173 E. 3b in fine; Urteil 1C_6/2019 vom 23. April 2019 E. 3.2 mit Hinweis; BUSSY/RUSCONI/JEANNERET/KUHN/MIZEL/MÜLLER, Code suisse de la circulation routière, 4. Aufl. 2015, N. 3.7 zu Art. 16d SVG sowie N. 3 zu Art. 33 VZV). Wenn die Vorinstanz erwog, der Beschwerdeführer habe daher nicht im guten Glauben davon ausgehen können, weiterhin Motorfahrzeuge lenken zu dürfen, ist dies angesichts des Wortlauts der Entzugsverfügung nicht zu beanstanden. Der vom Beschwerdeführer dagegen vorgebrachte Einwand, die dreimonatige Frist zur Abgabe des Ausweises sei noch nicht abgelaufen gewesen und er habe selber bestimmen können, wann er den unbefristeten Führerausweis der Kategorie B innerhalb der Frist, also bis zum 29. September 2019, der zuständigen Behörde abgeben wolle, ist nicht geeignet, dies in Frage zu stellen. Denn durch das Einsenden der übrigen Führerausweise am 9. Juli 2019 hat der Beschwerdeführer bereits von seinem "dreimonatigen Wahlrecht" Gebrauch gemacht und damit die für alle Führerausweise gleichzeitig geltende Entzugsdauer ausgelöst. Folglich nützt es dem Beschwerdeführer auch nichts, dass er noch im Besitz des physischen Ausweises war. Entgegen seiner Auffassung entfaltet ein Führerausweisentzug nicht erst mit der physischen Abgabe des Ausweises an das Strassenverkehrsamt seine Rechtswirkung. Vielmehr gilt der Führerausweis ab dem von der Administrativmassnahmenbehörde verfügten Entzugsdatum an als entzogen (Urteil 1C_560/2020 vom 18. Februar 2021 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Für die Zulässigkeit des Führens von Motorfahrzeugen ist demnach nicht die Urkunde (der physische Ausweis) massgebend, sondern die dem Ausweis zugrunde liegende Verfügung. Mit der Vorinstanz ist sodann davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer bei Unklarheiten beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt über seine Fahrberechtigung hätte informieren können und müssen. Ein allfälliger Irrtum wäre jedenfalls leicht vermeidbar gewesen. Es ist daher ebenfalls nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz zumindest von einer fahrlässigen Begehung einer schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG ausgegangen ist. Daran ändert im Übrigen auch der Umstand nichts, dass das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zunächst nicht bemerkt hat, dass der Beschwerdeführer den unbefristeten Führerausweis der Kategorie B nicht abgegeben hatte. Nach dem Gesagten stellt es weder eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts noch eine Bundesrechtsverletzung dar, dass die Vorinstanz erwog, der Beschwerdeführer sei anlässlich seiner Anhaltung am 12. September 2019 nicht mehr im Besitz eines gültigen Führerausweises gewesen und habe eine schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG begangen.