Citation: I 785/06 31.10.2007 E. 7.1

7.1.1 Die Vorinstanz hat im Wesentlichen erwogen, auf Grund des MEDAS-Gutachtens vom 7. September 2001 liege medizinisch-theoretisch keine Arbeitsunfähigkeit vor. Daran vermöge der Bericht des Dr. med. H.________ vom 13. Dezember 2004 nichts zu ändern, da er von einem unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen sei. Eventualiter sei die IV-Stelle von 50%iger Arbeitsunfähigkeit ausgegangen und habe nach der gemischten Methode bei einer Aufteilung von 60 % Erwerbsarbeit und 40 % Haushaltstätigkeit einen Invaliditätsgrad von 25 % errechnet. Dass sie ohne Gesundheitsschaden zu 60 % erwerbstätig wäre, habe die Versicherte im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 11. September 2003 angegeben. Danach sei sie aber Mutter eines zweiten Kindes geworden, weshalb fraglich sei, ob sie ohne Gesundheitsschaden weiterhin zu 60 % erwerbstätig wäre. Müsste von einer Behinderung im Erwerbsbereich und im Haushalt ausgegangen werden, müssten zuerst die Anteile Erwerbstätigkeit/ Haushalt neu bestimmt werden. Da aber keine medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit vorliege, könne diese Untersuchung wie auch jene hinsichtlich der hypothetischen Einkommen und der invaliditätsbedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt unterbleiben. 7.1.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es gehe nicht an, dass die Vorinstanz hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes auf das bald sechs Jahre alte MEDAS-Gutachten und auf ein Kurzzeugnis ihres Hausarztes verweise. Immerhin habe dieser ihre Arbeitsfähigkeit auf 50 % beschränkt. Der rechtserhebliche Sachverhalt sei nicht abgeklärt worden, und die Beweisführung sei ihr willkürlich und unter Verletzung des rechtlichen Gehörs verweigert worden. Es sei unabdingbar, die Arbeitsfähigkeit fachärztlich zu klären, soweit sich die 50%ige Invalidität nicht bereits deutlich aus den Akten ergebe. Ohne Invalidität würde sie einer Erwerbstätigkeit von mindestens 60 % nachgehen. 7.2 Gemäss der MEDAS-Expertise vom 7. September 2002 und den Berichten des Dr. med. H.________ vom 8. November 2002 sowie 13. Dezember 2004 ist die Versicherte in der angestammten Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig. Laut dem erstgenannten Bericht des Dr. med. H.________ ist ihr keine andere Tätigkeit zumutbar. Auf Grund der Berichte des Dr. med. H.________ ist mithin seit dem MEDAS-Gutachten keine Besserung des Gesundheitszustandes bzw. der Arbeitsfähigkeit eingetreten. In diesem Lichte ist es offensichtlich unrichtig, wenn die Vorinstanz gestützt auf diese ärztlichen Unterlagen davon ausging, die Versicherte sei nicht arbeitsunfähig. Die Vorinstanz argumentierte, in somatischer Hinsicht liege kein Leiden vor; psychiatrischerseits bestehe allenfalls eine somatoforme Schmerzstörung, die allerdings mangels psychischer Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer (BGE 131 V 49) zu keiner Arbeitsunfähigkeit führe. Diese vorinstanzliche Auffassung ist ebenfalls offensichtlich falsch, da in keiner der obigen ärztlichen Unterlagen eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert wurde, insbesondere auch nicht im psychiatrischen MEDAS-Teilgutachten vom 2. April 2001. Auf die vorhandenen medizinischen Akten, die von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten ausgehen, kann indessen für sich allein nicht abgestellt werden. Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 7. September 2001 wurde vier Jahre vor dem massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides (1. September 2005; BGE 129 V 167 E. 1 S. 169 mit Hinweisen) erstellt und bildet damit in zeitlicher Hinsicht keine rechtsgenügliche Entscheidgrundlage. Die Berichte des Hausarztes Dr. med. H.________ vom 8. November 2002 und 13. Dezember 2004 sind nicht näher begründet. Diesbezüglich ist auch zu berücksichtigen, dass Hausärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353). Zu beachten ist weiter, dass die Versicherte bereits im Schreiben an die IV-Stelle vom 1. April 2004 darlegte, sie sei beim Hals-/Nasen-/Ohren (HNO)-Facharzt Dr. med. B.________, Klinik Y.________, in Behandlung gewesen, der ihren Schwindel bestätigt und festgestellt habe, dass ihre Augen fibrierten; nach seiner Darstellung liege die Ursache nicht im Ohren-, sondern im Nackenbereich. Letztinstanzlich verweist sie erneut auf diese Behandlung beim HNO-Spezialisten. Einen Bericht dieses Arztes holten indessen weder IV-Stelle noch Vorinstanz ein. Angesichts der in den Akten umschriebenen multiplen Beschwerden (vgl. E. 6 hievor) wären IV-Stelle und kantonales Gericht kraft des Untersuchungsgrundsatzes gehalten gewesen, eine aktuelle polydisziplinäre medizinische Abklärung der Versicherten durchzuführen. Nach dem Gesagten enthält der vorinstanzliche Entscheid nicht für den gesamten relevanten Zeitraum rechtsgenügliche Feststellungen zur Arbeits(un)fähigkeit der Beschwerdeführerin, welchen mit Blick auf Art. 105 Abs. 2 OG Verbindlichkeit beigemessen werden kann. Gleiches gilt betreffend das Leistungsvermögen im Haushalt. Der Sachverhalt lässt sich diesbezüglich auch nicht gestützt auf die Akten vervollständigen. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens zurückzuweisen (vgl. auch erwähntes Urteil I 110/07, E. 4.2). 7.3 Nicht gefolgt werden kann nach dem Gesagten dem letztinstanzlichen Vorbringen der IV-Stelle, der Sachverhalt sei gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 7. September 2001 sowie die Berichte des Dr. med. H.________ vom 8. November 2002 und 13. Dezember 2004 rechtsgenüglich abgeklärt.