Citation: 6P.181/1999 07.03.2000 E. 9

9.- a) Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von Art. 18 StGB sowie des aus Art. 6 der Verordnung über die Verkehrsregeln für Luftfahrzeuge fliessenden Vertrauensprinzipes. Er sieht das Verschulden an der Kollision allein beim tödlich verunfallten P.Z.________ (Beschwerde, S. 14 f. sowie S. 8 Abs. 2 und 4). Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe nicht damit rechnen müssen, dass ihn die Libelle ca. 10 bis 15 Sekunden nach dem Kreuzen mit hoher Geschwindigkeit schräg von oben links nach unten rechts unterfliegen würde. Das Verhalten des P.Z.________ sei nicht eine Lage- und Richtungsänderung, wie sie gemäss Urteil beim Zentrieren öfters vorkommen könne, sondern ein absolut unübliches, unerwartetes und unkontrolliertes Flugmanöver, weshalb der rechtserhebliche Kausalzusammenhang zwischen seinem eigenen Verhalten und dem Unfall fehle. Die Vorinstanz gehe jedoch auf ein mögliches Fehlverhalten des Kollisionsgegners überhaupt nicht ein. Sie halte schlicht fest, er selber hätte durch pflichtgemässes Verhalten den Unfall vermeiden können. b) Der Beschwerdeführer ist nicht zu hören, soweit er in tatsächlicher Hinsicht vom angefochtenen Entscheid abweicht. Das gilt etwa für die Behauptung, die Libelle sei mit einer Geschwindigkeit von über 160 km/h aus dem sichttoten Bereich gekommen (Beschwerde, S. 16 oben). Die Frage, wie sich der Unfall ereignet hat (Beschwerde, S. 16 Abs. 3), kann im eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerdeverfahren ebenso wenig überprüft werden wie die tatsächlichen Feststellungen zum natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers und dem Tod des Piloten P.Z.________ (Beschwerde, S. 8 Abs. 2). Im Übrigen ist die Beschwerde aus nachfolgenden Gründen abzuweisen. c) aa) Gemäss Art. 117 StGB wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft, wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht. Fahrlässigkeit liegt vor, wenn die Tat darauf zurückzuführen ist, dass der Täter die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat (Art. 8 Abs. 3 Satz 1 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung setzt damit voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat als Grund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 2 StGB; BGE 122 IV 17 E. 2b; 133 E. 2a; 145 E. 3b sowie 225 E. 2a; 121 IV E. 3e je mit Hinweisen). Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Das schliesst nicht aus, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden kann (BGE 122 IV 17 E. 2b/aa mit Hinweisen). bb) Segelflugzeuge gehören zu den Luftfahrzeugen gemäss Art. 2 Abs. 1 der Luftfahrtverordnung (LFV; SR 748. 01). Für alle in der Schweiz verkehrenden Luftfahrzeuge gelten die Verkehrsregeln der einschlägigen Verordnung (Art. 2 Abs. 1 VVR; SR 748. 121.11). Art. 6 VVR umschreibt den Grundsatz, dass ein Luftfahrzeug nicht in unvorsichtiger oder nachlässiger Weise geführt werden darf, welche das Leben oder die Sachen Dritter gefährden könnte. Die Verordnung enthält verschiedene Vorschriften zur Verhütung von Zusammenstössen. So schreibt Art. 14 Abs. 1 VVR vor, dass ein Luftfahrzeug nicht so nahe an ein anderes herangeführt werden darf, dass die Gefahr eines Zusammenstosses entsteht. Art. 19 VVR regelt das Kreisen mit Segelflugzeugen. Ein Segelflugzeug hat einem im Aufwind kreisenden anderen Segelflugzeug nach rechts auszuweichen (Abs. 1). Fliegt ein Segelflugzeug in einem Aufwindschlauch, in dem schon ein anderes kreist, hat es die Drehrichtung des ersten einzuhalten (Abs. 2). Die Flugschule Grenchen hat die einschlägigen Bestimmungen der Verordnung über die Verkehrsregel für Luftfahrzeuge im Hinblick auf die komplexen Probleme des Thermikfliegens konkretisiert (kt. act. 999 ff.). d) Ausgehend von den hier zur Anwendung gelangenden besonderen Normen, die den Luftfahrzeugen, im Speziellen den Segelfliegern, bestimmte Verhaltensweisen gebieten, erwägt die Vorinstanz, dass allgemein grossräumiges Ausweichen oder grösstmögliche Vor- und Rücksicht geboten ist, und dass vor allem kreisenden Segelfliegern gegenüber dem sich im Aufwindgebiet einordnenden oder durchfliegenden Segelfliegern der "absolute" Vortritt zusteht (Urteil OG, S. 17 f. Ziff. 2). Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer vor, er habe bereits beim Anflug zum Aufwindschlauch hin nicht die nötige Aufmerksamkeit walten lassen. Durch das Missachten des Vortrittsrechtes von P.Z.________ und des Gebotes des Abstandhaltens habe er fliegerische Verhaltensregeln missachtet. Die Gefahr des Erfolgseintritts sei für den Beschwerdeführer erkennbar und voraussehbar gewesen. Der Weiterflug unter Missachtung der Regeln für einen Transitflug oder jener für das Einfügen in den Aufwindschlauch seien geeignet gewesen, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Der Erfolg wäre durch pflichtgemässes Verhalten vermeidbar gewesen. Bezüglich der Bemerkung des Zeugen F.________, P.Z.________ habe eine abrupte Rechtsdrehung gemacht, sei festzuhalten, dass der Vortrittsbelastete mit allfälligen Windturbulenzen und angesichts der ihm bekannten besonderen Flugeigenschaften der Libelle mit solchen Manövern hätte rechnen und entsprechend Abstand wahren müssen. Die Bewegung der Libelle sei keineswegs dermassen aussergewöhnlich gewesen, dass sie zur Unterbrechung des Kausalzusammenhangs hätte führen müssen (Urteil OG, S. 18 ff. Ziff. 3 - 5).