Citation: 5A_474/2023 E. 3.2.1

3.2.1. Die Vorinstanz verwies für ihren Entscheid zunächst auf die Erwägungen des Amtsgerichtspräsidenten. Diesem zufolge seien grundsätzlich beide Parteien geeignet, die Obhut über den gemeinsamen Sohn auszuüben. Die Stabilität der örtlichen und familiären Verhältnisse spreche für eine Obhutszuteilung an die Beschwerdegegnerin, denn der Sohn lebe seit der Geburt zusammen mit seinem älteren Halbbruder bei ihr. Um selber einen eindeutigen Wunsch zu kommunizieren, sei der Sohn noch zu jung. Zugunsten der Beschwerdegegnerin falle ins Gewicht, dass sie ihn zu einem grösseren Teil persönlich betreuen könne, als dies beim Beschwerdeführer der Fall sei. Auch die Tatsache, dass bei einer Obhutszuteilung an sie die beiden Halbbrüder zusammen aufwachsen könnten, stelle einen Pluspunkt auf ihrer Seite dar. Der Beschwerdeführer befürchte gestützt auf das im Rahmen des gegen die Beschwerdegegnerin geführten Strafverfahrens erstellte Gutachten, dass der Sohn in ihrer Obhut in seiner geistigen und körperlichen Unversehrtheit gefährdet wäre. Das Gutachten sei indessen nicht erstellt worden, um abzuklären, ob die Beschwerdegegnerin geeignet sei, die Obhut über ihre Kinder auszuüben. Es mache daher keine Aussagen zu den Kindern der Beschwerdegegnerin und deren Fähigkeit, diese zu betreuen. Im Gutachten sei nirgends die Rede davon, dass die älteren Kinder der Beschwerdegegnerin aufgrund eines bestimmten Verhaltens von dieser traumatischen Erlebnissen ausgesetzt oder durch ihr Verhalten gefährdet gewesen wären. In Auseinandersetzung mit dem Inhalt der beigezogenen KESB-Akten und verschiedenen Berichten neueren Datums (der Erziehungsbeiständinnen, der Familienbegleiterin und betreffend Aussagen der Hebamme) seien ebenfalls keine Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen. Zusammenfassend würden deshalb die Argumente für eine Obhutszuteilung an die Beschwerdegegnerin überwiegen.