Citation: 9C_680/2018 E. 5.2

5.2. Im Rahmen der weiteren Abklärungen (nach vollendetem 5. Altersjahr) wurde der Versicherte unter anderem auch auf das Asperger-Syndrom hin untersucht. In ihrem Bericht vom 29. August/ 1. September 2011 gelangten Dr. med. H.________, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, und lic. phil. I.________, Fachpsychologe FSP, zum Ergebnis, ein Asperger-Syndrom könne "klar ausgeschlossen werden". Sie diagnostizierten ein ADHS (ICD-10 F90.0). In einem Standortbericht vom 22. Juni 2012 verwies lic. phil. I.________ erneut auf diese Abklärung. Nachdem Dr. med. J.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und lic. phil. K.________, Psychologin, in einer "Abklärungsbilanz vom 5. Februar 2015" empfohlen hatten, die Differenzialdiagnose einer Autismus-Spektrum-Störung durch eine Fachstelle prüfen zu lassen, wurde der Versicherte im Rahmen der Interdisziplinären Autismus Sprechstunde (IAS) der Psychiatrischen Dienste L.________ untersucht. Dabei ergab sich gestützt auf die anamnestischen Angaben, die erhobenen Befunde (diagnostisches Interview für Autismus - Revidiert [ADI-R] sowie diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen [ADOS]) sowie Auskünfte des Schulpsychologischen Dienstes und zweier Lehrpersonen, dass die beim Versicherten vorliegenden Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion von der Ausprägung und Intensität her nicht ausreichten für eine Diagnose im Autismus-Spektrum; am ehesten leide er an einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F90.1). Im Bereich Kommunikation würden sich die Auffälligkeiten grösstenteils auf die Sprachentwicklungsproblematik beschränken und auch im Bereich "eingeschränkte Interessen bzw. repetitive Verhaltensweisen" lägen keine autismusrelevanten Auffälligkeiten vor (Bericht der Psychiatrischen Dienste L.________ vom 1. Juni 2015). Im folgenden Jahr hielt der Leitende Psychologe D.________, Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP), fest, entgegen dem Bericht der Psychiatrischen Dienste L.________ vom 1. Juni 2015 erkenne er in der aktuellen Abklärung "deutliche Hinweise auf ein Asperger-Syndrom" (Bericht vom 28. Juli 2016 betreffend eine fokussierte Ergänzungsabklärung). Die wesentlichen klinischen Kriterien einer Autismus-Spektrum-Störung seien erfüllt, auch wenn im von der IAS durchgeführten autismusspezifischen Elterninterview nicht alle Cut-off-Werte erreicht worden seien. So hätten sich unter anderem ein erheblicher Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit, eine von klein auf deutlich reduzierte Fähigkeit, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzunehmen, eine geringe Flexibilität bei Abweichen von erwarteten Ereignissen (Rigidität) und ungewöhnlich intensive und einseitige Interessen gezeigt. Der Versicherte wirke im persönlichen Kontakt überwiegend unangemessen. Seine Einfühlung sowie die Perspektiven- und Rollenübernahme seien deutlich beeinträchtigt. Auf diese Abklärung verwies auch der behandelnde Kinder- und Jugendpsychiater Dr. med. B.________ in seinem Bericht vom 11. August 2017; der Verdacht auf Asperger-Autismus habe sich bestätigt.