Citation: U 64/05 28.10.2005 E. 4

4.1 Vor- wie letztinstanzlich wurde nicht nur der Umstand gerügt, dass der Unfallversicherer die nach Juni 2003 bestehenden Beschwerden nicht mehr als unfallkausal betrachtet, sondern auch die mit Verfügung (vom 28. Januar 2004) und Einspracheentscheid (vom 21. Juni 2004) in Aussicht gestellte Vorgehensweise, vorab das Fortbestehen der Unfallkausalität und hernach - gleichsam in einem zweiten Schritt - das Vorliegen einer Berufskrankheit abzuklären. 4.2 Die von der Versicherten geklagten Beschwerden (Nackenschmerzen rechts, Migräneanfälle) lassen als Ursache, wie schon Dr. med. M.________ zutreffend erkannt hat, sowohl das Unfallereignis vom 9. Dezember 2001 wie auch den - seit 1. Januar 2003 noch intensiver ausgeübten - Beruf als Geigenspielerin zu. Das kantonale Gericht und die Beschwerdegegnerin haben im Rahmen ihrer bisherigen Abklärungen indessen übersehen, dass diese Faktoren sich nicht nur im Sinne eines Entweder-oder gegenüberstehen können, sondern angesichts der vorliegenden speziellen Konstellation von beruflicher Belastungssituation und unfallbedingtem Verletzungsbild möglicherweise auch teilursächlich in dem Sinne zusammengewirkt haben, dass nur beide Elemente gemeinsam die Beschwerden auszulösen oder zu unterhalten vermögen, zumal rechtsprechungsgemäss für die Annahme der natürlichen Kausalität eine Teilursächlichkeit des Unfallgeschehens genügt (BGE 121 V 329 Erw. 2a mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79 f.). Soweit Dr. med. M.________ davon ausgeht, rund 1 ½ Jahre nach dem Unfallereignis könne dieses nicht mehr als Beschwerde verursachend angesehen werden, sondern stünden andere Ursachen wie die Tätigkeit als Geigenspielerin im Vordergrund, so lässt sich ebenso überzeugend annehmen, dass der Unfall als auslösendes Moment deshalb nicht weggefallen ist, weil die daraus resultierenden gesundheitlichen Beschwerden durch die berufliche Belastung aufrechterhalten werden und nicht genesen können. Die Besonderheit des hier zu beurteilenden Sachverhaltes liegt, wie bereits erwähnt, gerade darin, dass Unfall und berufliche Belastung zu identischen oder annähernd gleichen Beschwerden bei der Versicherten führen (können), was Dr. med. L.________ am 22. April 2003 mit der Aussage bekräftigt hat, eine genaue Abgrenzung von Unfallfolgen und eventuell berufsbedingter Krankheit sei ihm nicht möglich. Diesem Zusammenwirken von unfallkausalen und durch die berufliche Betätigung ausgelösten Beschwerdeursachen muss - auch im Sinne einer Wechselwirkung - durch die begutachtende Person Rechnung getragen und in die Beurteilung miteinbezogen werden, damit eine beweistaugliche ärztliche Entscheidungsgrundlage bejaht werden kann (zu den Kriterien: vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). Ob der Unfall als Ursache oder Teilursache der Beschwerden weggefallen ist, lässt sich erst mit der erforderlichen Sicherheit medizinisch feststellen, wenn auch die durch das Geigen hervorgerufene Belastung als möglicher mitwirkender Beschwerdefaktor im Rahmen der Abklärungen berücksichtigt wird. Diesen Anforderungen genügen weder das Gutachten des Dr. med. M.________ vom 20. Juli 2003, welches sich nicht näher zur im Raum stehenden Frage der gegenseitigen Beeinflussung von Unfallfolgen und beruflicher Tätigkeit äussert, noch die Ausführungen des Dr. med. E.________ vom 21. Juni 2004, der zwar jeglichen Zusammenhang zwischen beruflicher Betätigung und dem Auftreten der geklagten Nacken- und Kopfschmerzen verneint, im Ergebnis jedoch eine Insertionstendinose und damit auf chronische Überbelastung zurückzuführende degenerative Veränderungen an Sehnenursprüngen und -ansätzen diagnostiziert. Die Sache ist folglich an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie - unter Einbeizug von Auskünften des die Versicherte seit dem 14. August 2003 behandelnden Dr. med. T.________ (vgl. dessen Bericht vom 25. Januar 2005) - die entsprechenden Abklärungen vornimmt. Sollte die begutachtende Fachperson auch unter diesem Blickwinkel erneut zum Schluss gelangen, dass nurmehr rein unfallfremde Faktoren für das nach dem 31. Mai 2003 bestehende Beschwerdebild verantwortlich zeichnen, wäre in einem nächsten Schritt das Vorliegen einer arbeitsbedingten Erkrankung im Sinne einer so genannten Sehnenscheidenentzündung (Peritendinitis crepitans) nach Art. 9 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 14 UVV sowie Ziff. 2 lit. a des Anhangs 1 zur UVV oder einer ausschliesslich oder stark überwiegend durch die Tätigkeit als Musikerin verursachten Berufskrankheit gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG zu prüfen (vgl. zu Letzterem namentlich BGE 126 V 186 Erw. 2b mit Hinweisen).