Citation: 5A_702/2014 E. 3.3.1

3.3.1. Wenn schweizerische Rechtsvorschriften im Sinne von Art. 18 IPRG anzuwenden sind, ist von der Anwendung ausländischen Rechts abzusehen. Das Rechtsmissbrauchsverbot (Art. 2 Abs. 2 ZGB) gehört zu den Bestimmungen des schweizerischen Rechts, die wegen ihres besonderen Zweckes, unabhängig von dem gemäss IPRG bezeichneten Recht, zwingend anzuwenden sind (BGE 128 III 201 E. 1c S. 206 ff.; KREN KOSTKIEWICZ, Grundriss des schweizerischen Internationalen Privatrechts, 2012, § 8 Rz. 964). Zu prüfen ist, ob auf die organschaftliche Vertretungsmacht nicht das saudi-arabische Recht, sondern die Bestimmung über den Rechtsmissbrauch gemäss schweizerischem Recht anzuwenden ist. Ein nach Art. 2 Abs. 2 ZGB zu beurteilender Vollmachtsmissbrauch liegt vor, wenn das Handeln des Vertreters formal von der Vertretungsmacht gedeckt ist, aber den Interessen des Vertretenen in treuwidriger Weise zuwiderläuft und der Vertragspartner dies weiss oder erkennen muss (vgl. HONSELL, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Aufl. 2014, N. 53 zu Art. 2; allgemein WERRO, in: Commentaire romand, Code Civil I, 2010, N. 14 zu Art. 2).