Citation: 6B_478/2022 E. 2.2.2

2.2.2. Angesichts der beschleunigten Ausbreitung des Coronavirus stufte der Bundesrat am 16. März 2020 die Situation in der Schweiz neu als "ausserordentliche Lage" gemäss Epidemiengesetz ein (siehe Art. 7 EpG) und verschärfte die schweizweiten Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung weiter (vgl. Medienmitteilung des Bundesrats vom 16. März 2020; FRÉDÉRIC BERNARD, La répartition des compétences entre la Confédération et les cantons en situation de pandémie, in: Pandemie und Recht, Sondernummer ZSR 2020, S. 55 ff., S. 62 bemerkt in diesem Zusammenhang, der Bundesrat habe mit der Ausrufung der ausserordentlichen Lage nicht nur der rasanten Verschlechterung der epidemiologischen Situation in der Schweiz Rechnung getragen, sondern damit auch der Forderung der Bevölkerung und mehrerer Kantone entsprochen, Bern solle die Kontrolle über den Kampf gegen die Pandemie übernehmen). Die Bestimmungen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie wurden wegen der äusserst dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens fortlaufend geändert (Urteil 1B_618/2021 vom 15. Februar 2022 E. 4.4.1). Dies war auch bei der COVID-19-Verordnung 2 der Fall, die sehr häufig revidiert wurde (vgl. Sachverhalt A. im Urteil 1C_524/2020 vom 12. August 2021; FRÉDÉRIC BERNARD, a.a.O., S. 62). Die realpolitisch breite Akzeptanz des Notverordnungsrechts des Bundesrates zur unmittelbaren, dringlichen Bekämpfung der Covid-19-Pandemie (hierzu IOLE FARGNOLI/MARIA LAPADULA, Nicht mehr als fünf, in: Jusletter vom 25. Mai 2020, Rz. 8 ff., welche die Informationen von mehreren Kantonen betreffend Umsetzung des Ansammlungsverbots gemäss der COVID-19-Verordnung 2 gesammelt haben) hat mit der Verabschiedung des Bundesgesetzes über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie vom 25. September 2020 (Covid-19-Gesetz; SR 818.102) durch die Eidgenössischen Räte eine neue, grundsätzlich unterstützende Dimension erhalten (SUSANNE KUSTER, Navigieren auf Sicht, in: Jusletter vom 15. Februar 2021, Rz. 7 und Rz. 30).