Citation: C 94/00 17.04.2001 E. 2

2.- Es ist einzig in Frage gestellt, ob der Beschwerdeführer, nachdem er die altersabhängigen Taggelder gemäss Art. 27 Abs. 2 lit. a AVIG ausgeschöpft und das im Dezember 1996 angetretene Beschäftigungsprogramm nach wenigen Tagen vorzeitig abgebrochen hatte, gestützt auf Art. 72a Abs. 3 AVIG ab dem 1. Januar 1997 ersatzweise Anspruch auf besonderes Taggeld zuzüglich Zins hat. Die Vorinstanz hat dies verneint, weil es dem Versicherten an der Bereitschaft, überhaupt an einer arbeitsmarktlichen Massnahme teilzunehmen, gefehlt habe. a) Die angesprochene Beschäftigungsmassnahme im Durchgangsheim für Asylbewerber hatte der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben abgebrochen, weil sie ihm aus gesundheitlichen Gründen (Allergie) nicht zuzumuten gewesen sei. Zur näheren Begründung beruft er sich u.a. auf das Zeugnis des Dr. M.________ vom 17. Januar 1997, wonach er an einer Allergie auf Staubmilben, die sich in vermehrtem Husten zeige, leide und daher Arbeitsplätze mit Staubexpositionen vermieden werden sollten. Inwieweit diese Allergie ein Arbeiten im Durchgangsheim verunmöglicht - gegebenenfalls unter Vornahme geeigneter Massnahmen oder im beschränkten Umfang -, darüber schweigt sich Dr. M.________ indessen gänzlich aus. Dagegen spricht Frau Dr. Z.________ im ebenfalls ins Recht gelegten Arztzeugnis vom 20. Januar 1997 von einer auf die Tätigkeiten im Durchgangsheim beschränkten, krankheitsbedingt vollständigen Arbeitsunfähigkeit seit 9. Januar 1997 bis auf weiteres, ohne die Krankheitsursache zu bezeichnen. Dass die Spezialärztin für Psychiatrie und Psychotherapie damit die nur drei Tage früher vom Allgemeinmediziner Dr. M.________ attestierte Allergie, welche nicht ihr Sachgebiet berührt, gemeint haben könnte, erscheint fraglich. Eine attestierte Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht ist dagegen wenig wahrscheinlich, da diesfalls nicht nachvollziehbar wäre, weshalb sich diese ausschliesslich auf die angesprochene Tätigkeit beschränken sollte. Eine psychische Beeinträchtigung wird vom Beschwerdeführer denn auch gar nicht behauptet. Somit sind die beiden Arztzeugnisse alles andere als ein schlüssiger Nachweis für die behauptete fehlende Möglichkeit, im Rahmen der angeordneten Beschäftigungsmassnahme tätig zu sein. Auf der anderen Seite fällt auf, dass die die näheren Umstände des Falles besser kennende Arbeitslosenversicherung den vorzeitigen Abbruch des Beschäftigungsprogramms aus gesundheitlichen Gründen damals akzeptierte und auf weitere Abklärungen in diese Richtung, insbesondere eine vertrauensärztliche Untersuchung, verzichtet hat. Will man also mit der Vorinstanz und der Verwaltung dem Beschwerdeführer den vorzeitigen Abbruch des Beschäftigungsprogramms als Indiz für den fehlenden Willen, an einer arbeitsmarktlichen Massnahme teilzunehmen, entgegen halten, so bedürfte es hiefür weiterer Beweismassnahmen. Auf alle Fälle genügt die von Frau P.________, Stiftung X.________, gegenüber dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldete Beobachtung eines vollen Terminkalenders des Versicherten für sich allein gesehen nicht, um ihm bereits per 1. Januar 1997 jegliches Interesse an einer arbeitsmarktlichen Massnahme abzusprechen. b) Die kantonale Rekurskommission hat in ihren Erwägungen primär das Verhalten des Versicherten im April 1997 näher untersucht. In dieser Zeit wurden ihm u.a. zwei Hilfsarbeitertätigkeiten bei den Firmen C.________ AG und Hotel S.________ AG zugewiesen. Der Beschwerdeführer unterliess es indessen, mit den Firmen überhaupt in Kontakt zu treten. Wenn er in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde etwas anderes behauptet, so erscheint dies angesichts der unmissverständlichen Meldungen der Firmen an das RAV vom 24. und 28. April 1997 wenig glaubwürdig. In den beiden über die Ergebnisse der Bewerbungen berichtenden Formularen hielt der Beschwerdeführer fest, er habe sich für die Stellen nicht beworben, weil sie nicht angemessen Rücksicht auf seine bisherigen Tätigkeiten, Fähigkeiten und persönlichen Verhältnisse Rücksicht nehmen würden; er habe mit der Planung eines PR-Konzeptes zur Ausweitung seiner bisher teilzeitlich ausgeübten selbstständigen Erwerbstätigkeit begonnen, wofür er am 9. April 1997 beim AWA ein Gesuch um Gewährung besonderer Taggelder anhängig gemacht hatte. Die erstgenannten Gründe überzeugen nicht, setzt doch eine abschliessende Einschätzung der zugewiesenen Tätigkeiten das Vorsprechen bei den potenziellen Arbeitgebern oder zumindest eine telefonische Anfrage voraus. Der letzte der angeführten Gründe hat demgegenüber allgemein gültigen Charakter. Er kann nur dergestalt verstanden werden, dass sich der Versicherte spätestens mit der Gesuchseinreichung am 9. April 1997 dazu entschlossen hatte, seine seit bereits etwa 2 ½ Jahren als selbstständig Erwerbender ausgeübte Beratertätigkeit im Gesundheitsbereich auszuweiten, weshalb kein echtes Interesse mehr an anderen Arbeitsstellen bestand und es somit auch an der Bereitschaft, inskünftig an arbeitsmarktlichen Massnahmen teilzunehmen, fehlte. Diesen Eindruck vermittelte der Beschwerdeführer auch dem Personalberater des RAV anlässlich des Beratungs- und Kontrollgesprächs vom 11. April 1997. In der Stellungnahme vom 25. April 1997 an das AWA hielt dieser fest, dass der Versicherte beim Gespräch klar zu erkennen gegeben habe, sich auf die selbstständige Erwerbstätigkeit konzentrieren und darüber hinaus keiner Arbeit nachgehen zu wollen, zumal er auf die Nennung einiger zumutbarer Stellen sämtliche Ausreden genannt habe und auf entsprechenden Vorhalt hin keine Arbeiten nennen wollte/konnte, die er (ausser der bereits ausgeübten selbstständigen Tätigkeit) aus seiner Sicht verrichten könne. Wenn der Versicherte dennoch weiterhin die Formulare über den Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen ausfüllte, so ist dies als (untauglicher) Versuch zu werten, weiterhin Leistungen der Arbeitslosenkasse zu erwirken, zumal darin ausnahmslos telefonische Anfragen bei Unternehmen aufgezählt sind, welche darüber hinaus zum ganz überwiegenden Teil nicht auf eine entsprechende Stellenauschreibung hin erfolgt sind (sog. Blindbewerbungen). c) Angesichts dieser Umstände ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer spätestens am 6. April 1997 kein echtes Interesse mehr an einer arbeitsmarktlichen Massnahme hatte, somit der ersatzweise Anspruch auf besondere Taggelder gemäss Art. 72a Abs. 3 AVIG spätestens auf diesen Zeitpunkt hin erloschen ist. Demgegenüber lassen die im Recht liegenden Beweismittel für die davor liegende Zeit ab 1. Januar 1997 keine abschliessende Beurteilung zu, sind doch nicht nur die Gründe für den vorzeitigen Abbruch des im Dezember 1996 angetretenen Beschäftigungsprogramms nicht ausreichend geklärt (Erw. 2a hievor), sondern auch für die Zeit danach finden sich in den Akten wenig Aussagen, ausser dass der Versicherte vom 10. Februar bis 3. März 1997 noch an einem vom AWA genehmigten Kurs namens "Der Sprung in die Selbstständigkeit" teilgenommen hatte. Es wird daher am AWA liegen, an welches die Angelegenheit in diesem Punkt zurückzuweisen ist, entsprechende Abklärungen vorzunehmen. Je nachdem, welches Ergebnis diese zeitigen, wird sie dem Versicherten den Anspruch auf ersatzweise besondere Taggelder auch für die Zeit ab frühestens 1. Januar 1997 verfügungsweise absprechen.