Citation: 6B_230/2022 E. 3.4.3

3.4.3. Ob der objektive Tatbestand erfüllt ist, kann mit Blick auf den subjektiven Tatbestand offenbleiben: Erstellt ist, dass der Beschwerdeführer um die Gefahr der Verjährung wusste und diese mit fortschreitender Verfahrensdauer immer grösser wurde. Das Wissen darum, dass die Verjährung erst mit dem Ergehen eines erstinstanzlichen Urteils nicht mehr eintritt (vgl. Art. 97 Abs. 3 StGB; so bereits in der Fassung vor dem 1. Januar 2014), ist dem Beschwerdeführer aufgrund seiner juristischen Kenntnis (langjährige Erfahrung als Staats- und Rechtsanwalt, insbesondere als Strafverteidiger) anzurechnen. Zudem geht dieses Wissen aus seinem Schreiben vom 22. September 2015 an den Rechtsvertreter der Opferfamilie unter Bezugnahme auf Art. 97 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 97 Abs. 3 StGB (in der Fassung vor dem 1. Januar 2014) und sinngemäss aus seinem Schreiben vom 3. Juli 2017 an das Bezirksgericht in den Basisverfahren hervor. Jedoch ist - selbst wenn dem Beschwerdeführer eine zurechenbare Pflichtverletzung vorzuwerfen wäre - ins Feld zu führen, dass er über die Pendenzen Rechenschaft ablegte und die Falllast sehr hoch war. Per 31. August 2016 verzeichnete die Staatsanwaltschaft 192 pendente Fälle, darunter solche, die bis ins Jahr 2005 zurückreichten. Ausserdem wurde der Beschwerdeführer zu einer deutlichen Pendenzenreduktion (auf unter 100 Fälle) bis Ende 2016 angehalten. Seine gesetzten Prioritäten können ihm im Rahmen des Tatbestands der Begünstigung nicht (undifferenziert) vorgeworfen werden. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer die Anstellung eines ausserordentlichen Staatsanwaltes vorschlug. Sodann konzentrierte er sich gemäss dem Bericht H.________ ab Januar 2017 auf die Basisverfahren. Er versuchte in zwei Basisverfahren zumindest, diese mittels Strafbefehl am 1. April 2017 abzuschliessen. Durch seine Vorkehrungen manifestierte er ein ernsthaftes Vertrauen, die Verfahren rechtzeitig zum Abschluss zu bringen. Im Übrigen wurde eine Absicht, die beschuldigten Personen von der Strafverfolgung entziehen zu wollen, nicht festgestellt. Insgesamt spricht das Verhalten des Beschwerdeführers für bewusste Fahrlässigkeit.