Citation: 9C_557/2022 E. 4.1

4.1. Der Beschwerdeführer hat richtig erkannt, dass Art. 21 Abs. 5 ATSG als "Kann-Vorschrift" formuliert ist. Sofern er indessen eine Ermessensunterschreitung rügt mit der Begründung, der Sozialversicherung stehe aufgrund bundesgerichtlicher Vorgaben gar kein Ermessen für einen adäquaten Einzelfallentscheid mehr zu, kann ihm nicht gefolgt werden. So erlaubt die Ausgestaltung von Art. 21 Abs. 5 ATSG als "Kann-Vorschrift" wohl, den besonderen Umständen Rechnung zu tragen, wenn eine gesunde Person trotz Straf- oder Massnahmevollzug einer Erwerbstätigkeit nachgehen könnte. Anders als die Einwände in der Beschwerde suggerieren, steht der Entscheid über einen Verzicht auf eine Leistungssistierung aber nicht im freien Ermessen des Versicherers. Vielmehr sind die Leistungen aus Gründen der Rechtsgleichheit (vgl. dazu Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 409) jeweils dann einzustellen, wenn der im Gesetz genannte Tatbestand gegeben ist (BGE 141 V 466 E. 4.3; 138 V 140 E. 5.3.6; vgl. auch Jürg Maeschi, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung [MVG] vom 19. Juni 1992, Bern 2000, Rz. 8 zu Art. 13). Immerhin räumt der Beschwerdeführer ein, dass im Lichte des Gleichbehandlungsgebots eine Rentensistierung im Straf- oder Massnahmevollzug wohl in jenen Fällen einleuchte, in denen die strafrechtliche Tat keinen Zusammenhang mit der rentenbegründenden Invalidität habe.