Citation: 6S.295/2005 22.12.2005 E. 3

Die Beschwerdeführerin legt weiter dar, die Tat sei ebenfalls mit Blick auf den damit verfolgten Zweck als Mord anzusehen. So habe der Beschwerdegegner aus krass egoistischen Beweggründen gehandelt, denn es sei ihm darum gegangen, seinen unangenehmsten Gläubiger zu eliminieren, um seine Überschuldung verheimlichen zu können und um sein Notariatspatent nicht zu verlieren. Der Vorinstanz ist nicht entgangen, dass das Tatmotiv zum Teil auf eine besondere Skrupellosigkeit hindeutet, zumal der Beschwerdegegner nicht gezögert habe, das ihn bedrängende Opfer kurzerhand durch einen Kopfschuss zu liquidieren. Doch liegt nach ihrer Ansicht kein typischer Fall einer Eliminationstötung vor. Der Beschwerdegegner habe sich in der Tiefgarage plötzlich in die Enge getrieben gefühlt und aus Verzweiflung über die für ihn nun ausweglose Situation ohne längere Überlegung gehandelt. Er habe die Tat nach der Verübung auch sofort bereut und - wenn auch ohne Aussicht auf Erfolg - rückgängig zu machen versucht. Nach der Rechtsprechung ist das Verhalten nach der Tat bei der Beurteilung der Frage, ob Mord vorliegt, nur zu berücksichtigen, soweit es Rückschlüsse auf die Tat erlaubt und ein Bild der Täterpersönlichkeit gibt (BGE 127 IV 10 E. 1a). Der angefochtene Entscheid setzt sich eingehend mit der Reaktion des Beschwerdegegners auseinander, nachdem sein Opfer infolge der Schussabgabe zu Boden gefallen war. Das Verhalten wird als wenig kohärent, als merkwürdig beschrieben. Dabei findet auch Beachtung, dass der Beschwerdegegner seine Tat zunächst bestritten und behauptet hat, das Opfer habe Selbstmord begangen. Die Beschwerdeführerin weist zu Recht darauf hin, dass dies gegen das Vorliegen von Reue spricht. Demgegenüber zeigen indessen die Beatmung des Opfers, die Benachrichtigung von Polizei und Ambulanz sowie der Beizug der Hilfe der Nachbarin, dass dem Beschwerdegegner das Schicksal des Opfers nicht einfach gleichgültig war. Es geht jedenfalls zu weit, in den beschriebenen Handlungen lediglich Massnahmen zur Schadensbegrenzung zu sehen, wie dies die Beschwerdeführerin geltend macht. Vielmehr erscheint die Folgerung der Vorinstanz plausibel, das wenig kohärente und unbeholfen wirkende Nachtatverhalten sei eher Ausdruck von Panik und Verwirrtheit als des Plans, die Leiche nach der Schussabgabe zu beseitigen. Ob darin auch Reue zu erblicken ist, erscheint nicht entscheidend. Es genügt, dass die vom Beschwerdegegner verübte Tat bei ihm selber grosse Betroffenheit, ja Panik und Verwirrung auslöste. Diese nachträgliche Reaktion erlaubt den Rückschluss, dass die Tötung vorwiegend aus Verzweiflung erfolgte und der Beschwerdegegner nicht als besonders skrupelloser, gemütskalter, krass und primitiv egoistischer Täter bezeichnet werden kann. Die Qualifikation der Tat als vorsätzliche Tötung verstösst unter diesen Umständen nicht gegen Bundesrecht.