Citation: 2C_882/2020 E. 3.4.3

3.4.3. In Bezug auf die Schulden ergibt sich in sachverhaltlicher Hinsicht Folgendes (Art. 105 Abs. 2 BGG) : Am 20. März 2017 wurde der Beschwerdeführer verwarnt. In diesem Zeitpunkt wies er 54 Verlustscheine in der Höhe von rund Fr. 688'024.65, knapp eineinhalb Jahre später, am 13. August 2018, demgegenüber 58 Verlustscheine in der Höhe von rund Fr. 805'385.50 auf. Innerhalb von 17 Monaten sind die Schulden um Fr. 117'360.85 gewachsen. Während sich die Summe von Fr. 688'024.65 während mehreren Jahren aufsummierte, hat der Beschwerdeführer während eineinhalb Jahren die Schulden um rund ein Viertel erhöht. Primär obliegt es der Behörde abzuklären, ob Mutwilligkeit vorliegt. Die Ausländerinnen und Ausländer sind allerdings nach Art. 90 AIG verpflichtet, an der Feststellung des für die Anwendung dieses Gesetzes massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. Insbesondere erstreckt sich dabei die Mitwirkungspflicht auf Tatsachen, die eine Partei besser kennt als die Behörden und die diese ohne Mitwirkung der Betroffenen gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben können (BGE 143 II 425 E. 5.1 S. 439). Anwendbar ist dieser Grundsatz auch dann, wenn aufgrund der gesamten Sachlage sich die Hinweise für einen ausländerrechtlichen Tatbestand so verdichtet haben, dass ohne Not davon ausgegangen werden kann, dass der strittige Tatbestand vorliegt (Urteil 2C_138/2018 vom 16. Januar 2019 E. 3.2). Insofern besteht quasi eine Tatsachenvermutung. In solchen Konstellationen obliegt es deshalb dem Ausländer, den Gegenbeweis zu erbringen (vgl. Urteil 2C_138/2018 vom 16. Januar 2019 E. 3.2; 2C_673/2020 vom 20. November 2020 E. 3.3). Nicht anders verhält es sich hier: Während mehreren Jahren sind die Schulden auf Fr. 688'024.65 angestiegen. Innerhalb von 17 Monaten sind diese um ein Viertel angewachsen. Angesichts dieses Umstands liegen deshalb so gewichtige Hinweise vor, dass ohne Weiteres davon auszugehen ist, dass das massive Auflaufen der Schulden selbst verschuldet und qualifiziert vorwerfbar ist. Eine andere Erklärung als Mutwilligkeit liegt nicht auf der Hand und ist nicht nachvollziehbar und erkennbar. Insofern hat deshalb der Beschwerdeführer darzulegen, dass das explosionsartige Auflaufen der Schulden nicht auf Mutwilligkeit beruht. Dabei genügt das Anerbieten einer persönlicher Befragung oder gegenteilige Behauptungen in der Beschwerde nicht. Der Beschwerdeführer erbringt insofern den Gegenbeweis nicht, weshalb der Tatbestand erfüllt ist und die Schulden als mutwillig gemacht gelten müssen.