Citation: 5A_219/2017 E. 3.2.3

3.2.3. Das Obergericht hat sodann untersucht, welcher Rechtsgrund - anstelle der soeben verworfenen Verwaltungstreuhand und anderen Rechtsgeschäften mit Anspruch auf Rückübertragung - der Aktienübertragung zugrunde liegt. Die Beschwerdegegnerin berief sich auf Schenkung, was das Obergericht ebenfalls verworfen hat. Im Einzelnen hat das Obergericht erwogen, die Beschwerdegegnerin habe nicht nur die blanko zedierten Aktien erhalten, sondern auch den Betrag von Fr. 100'000.-- auf den beiden Geschäftskonten der E.________ AG. Während die Beschwerdegegnerin diesbezüglich von Sacheinlage gesprochen habe, bezeichne der Beschwerdeführer diesen Betrag sinngemäss als Darlehen (welches der Vater der Beschwerdegegnerin nicht ohne Bedingungen habe gewähren wollen) bzw. als Investition. Die Aktien und der Betrag von Fr. 100'000.-- seien rechtlich gesehen zwar nicht trennbar. Die Parteien hätten sie aber nicht als Gesamtheit betrachtet. Für sie habe das Geld nicht das Schicksal der Aktien geteilt. Ansonsten hätte der Beschwerdeführer nach der Aktienübertragung keine Transaktionen auf den Geschäftskonten mehr vornehmen dürfen. Die Verfügungsmacht über die Konten sei dem Beschwerdeführer jedoch noch solange erhalten geblieben, wie die Beschwerdegegnerin Alleinaktionärin war. Der Beschwerdeführer sei offensichtlich der Meinung gewesen, das Geld gehöre noch weitgehend ihm. Diese Meinung sei von der Beschwerdegegnerin anscheinend geteilt worden, denn sie sei mit den Transaktionen einverstanden gewesen. Zwischen den Parteien sei abgesprochen gewesen, dass die Konten "glattgestellt" und Fr. 100'000.-- stehen gelassen werden sollten, wobei dies die Hälfte der Einlage der Beschwerdegegnerin darstellen würde. Diese Sichtweise der Parteien erkläre sich anhand der Umstände: Die Guthaben auf den Konten der E.________ AG stammten aus der Arbeit des Beschwerdeführers. Mit dem liegen gelassenen Betrag habe er den Grundstock der Einlage der Beschwerdegegnerin finanziert und somit das Darlehen ersetzt, das ihr Vater nur zu Bedingungen habe geben wollen, die sie nicht habe annehmen können. Wie unter Eheleuten üblich bzw. aufgrund der ehelichen Solidarität habe der Beschwerdeführer dieses Darlehen unentgeltlich gewährt. Es sei nicht nötig gewesen, das Geld aus der Firma zu nehmen und der Beschwerdegegnerin zu übergeben, damit sie es wieder in die Firma einbringe. Der Beschwerdeführer habe damit seine erklärte Absicht verwirklicht, eine Investition zu tätigen, denn er habe seiner Ehefrau und ihren Kollegen ermöglicht, die L.________ AG zur Blüte zu führen. Als Ehemann partizipiere er an der Zunahme ihrer Errungenschaft. Die Eheleute hätten ihre Finanzen auch kaum getrennt und eine allfällige Scheidung sicherlich nicht bedacht. Aus diesen Umständen gehe hervor, dass der Beschwerdeführer die Aktien nicht unentgeltlich habe übertragen wollen. Der Blankozession liege somit keine Schenkung zugrunde, sondern ein Kaufvertrag, wobei der Kaufpreis Fr. 100'000.-- betrage. Die Parteien seien sich einig gewesen, dass die Beschwerdegegnerin diesen Preis nicht (sofort) bezahlen müsse. Der Kaufpreis sei stehen gelassen worden. Der Beschwerdeführer habe der Beschwerdegegnerin den Betrag von Fr. 100'000.-- unentgeltlich zur Verfügung gestellt, was ein zinsloses Darlehen im Sinne von Art. 312 OR darstelle. Die causa für die Übertragung der Aktien liege im Kaufvertrag. Später habe die Beschwerdegegnerin weitere Aktien (Kapitalerhöhung vom 17. April 2000, Rückerwerb von 200 Aktien von der J.________ und Erwerb von 633 Aktien von I.________) zu Alleineigentum erworben. Ein Auftrag bzw. eine Weisung des Beschwerdeführers zum Erwerb dieser Aktien liege nicht vor. Damit habe die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 641 Abs. 2 ZGB Anspruch auf Herausgabe des im Tresor des Beschwerdeführers befindlichen Aktienzertifikats Nr. 3. Umgekehrt sei der Antrag des Beschwerdeführers auf Übertragung von Namenaktien der C.________ Holding AG abzuweisen. Die weiteren Ansprüche des Beschwerdeführers hat das Obergericht in der Folge abgewiesen bzw. nicht behandelt (Herausgabe von Erträgnissen, Schadenersatz).