Citation: U 494/05 21.04.2006 E. 2.4

2.4.1 Medizinische Erfahrungssätze können, zumindest soweit sie der herrschenden Lehrmeinung entsprechen, im Rahmen des Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt werden. Dies gilt auch für den Erfahrungssatz, wonach traumatische Verschlimmerungen degenerativer Erkrankungen der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten sind und in Fällen, da die Beschwerden nach einer einfachen Kontusion länger dauern, oftmals eine psychische Anpassungsstörung oder Fehlentwicklung dahinter steht (Urteil H. vom 18. September 2002, U 60/02, Erw. 3. 2, mit Hinweisen auf die medizinische Literatur). 2.4.2 Sowohl Dr. med. S.________ als auch Dr. med. H.________ sind der Ansicht, dass der Unfall vom 30. Januar 2003 zu einer Traumatisierung der vorgeschädigten HWS geführt hat und die vorbestehenden degenerativen Veränderungen eine verzögerte Rückbildung der Beschwerden erklären könnten (Bericht vom 7. Januar 2004; Beurteilungen vom 29. Januar und 27. Februar 2004). Dass es sich bei Dr. med. H.________ um einen beratenden Arzt der Beschwerdegegnerin handelt, ist im Übrigen kein Grund, auf mangelnde Objektivität seiner Ausführungen zu schliessen (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/ee mit Hinweis). Zwar darf auch bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen, zumindest wenn eine HWS-Distorsion rechtsgenüglich nachgewiesen ist, nicht unbesehen angenommen werden, der Status quo sine werde automatisch innert einiger Monate erreicht (Urteil A. vom 17. März 2005, U 287/04). Indessen waren im Falle der Beschwerdeführerin - davon abgesehen, dass eine Schleuderverletzung fraglich bleibt (Erw. 2.2.2 hievor) - nach ärztlicher Einschätzung die degenerativen Veränderungen allein in der Lage, ein dem heutigen vergleichbares Beschwerdebild hervorzurufen (Einschätzungen des Dr. med. H.________ vom 29. Januar 2004). Wenn die Winterthur vor diesem Hintergrund angenommen hat, der status quo ante vel sine sei Ende Januar 2004 erreicht worden und ihre Leistungen ab diesem Datum eingestellt hat, ist dies umso weniger zu beanstanden, als unfallbedingte strukturelle Läsionen nicht nachgewiesen werden konnten, hingegen das Beschwerdebild zunehmend psychisch beeinflusst war (weshalb sich die Versicherte im weiteren Verlauf zu Frau R.________, in psychologische Behandlung begab) und die somatoforme Schmerzstörung zur Chronifizierung des Beschwerdebildes beitrug (vgl. Berichte des Zentrums B.________ vom 5. November 2003, Einschätzung des Dr. med. C.________, Innere Medizin FMH, vom 24. November 2003, Bericht des Dr. med. S.________ vom 7. Januar 2004).