Citation: I 516/02 04.03.2004 E. 5.3

Die Beschwerdegegnerin hat als Gründe für eine die Tariflimiten übersteigende Hörgeräteversorgung unter anderen angeführt, die Geräte in Preislagen um Fr. 5'000.- verunmöglichten es ihr angesichts der ausgewiesenen Schwerhörigkeit, ihren Beruf als Lehrerin auch nur annähernd zufrieden stellend auszuüben. Das sei nur möglich, wenn ihre Hörfähigkeit dank genügend leistungsstarken, den Umständen im Schulbetrieb anpassbaren Hörgeräten dem einer normal hörenden Person entspreche. Als Lehrerin unterrichte sie nicht nur, sondern führe auch Elterngespräche, leite Elternabende und nehme an Sitzungen teil. Betreffend die Richtlinien erscheine es ihr fraglich, ob die im modernen Schulunterricht gegebenen akustischen Verhältnisse wirklich erfasst worden seien. Nebst der althergebrachten Form, dass ein Schüler etwas berichte und alle anderen zuhörten, werde immer häufiger in Gruppen oder im Team gearbeitet. Da müssten die Schüler miteinander besprechen, wie die geforderte Aufgabe zu erledigen sei. Es seien also 3-5 Gruppen im gleichen Schulzimmer, überall werde beraten, es herrsche auch bei sachbezogener und eindeutig disziplinierter Arbeit ständig eine Geräuschkulisse. Hier müsse die Lehrperson zuhören, Ratschläge erteilen, Fragen beantworten. Bevor sie sich definitiv für die Phonak-Geräte entschieden habe, habe sie auch andere ihr empfohlenen Geräte ausprobiert, könne aber nurmit den jetzt gewählten den dargelegten Höranforderungen genügen. Mit den Geräten der neuesten Generation, welche innerhalb der Kostenlimite lägen, habe sie etwa so gut gehört wie eine nicht gehörgeschädigte Person mit Watte oder Wasser in den Ohren, sodass sie im Klassenzimmer ihre Schüler viel häufiger zum lauteren Sprechen habe auffordern müssen als ihre normalhörende Kollegin bei der Arbeit mit derselben Klasse. Richtig beschwerlich sei die Arbeit für sie aber bei den erwähnten modernen Unterrichtsformen geworden. Mit den als "überpreisig" bezeichneten Phonak Claro Geräten sei dies nicht mehr der Fall gewesen. Es sei somit keineswegs so, dass sie, wie vom BSV vorgebracht, das Ungenügen der kostengünstigeren Geräte erst nach den Erfahrungen mit den besseren festgestellt habe. Schliesslich treffe es nicht zu, dass sie beim H.________ von Anbeginn an zwei moderne hochwertige Hinterohrgeräte, also das Bestmögliche, gewünscht habe, vielmehr bloss eine Versorgung, mit welcher sie ihren Beruf unter den gegebenen akustischen Rahmenbedingungen bestmöglich ausführen könne, was erst mit den Phonak Claro Geräten ermöglicht worden sei. Damit bringt die Versicherte namhafte Gründe vor, die grundsätzlich für ein erhöhtes invaliditätsbedingtes Eingliederungsbedürfnis sprechen. So erscheint es glaubhaft und nachvollziehbar, dass auf Grund der im Schulzimmer herrschenden schwierigen akustischen Verhältnisse gerade bei einer Sprachlehrerin erhöhte Anforderungen an das Hörverständnis bestehen, denen mit Blick auf eine ausreichende Verständigung eine der Indikationsstufe 3 entsprechende Hörgeräteversorgung allenfalls nicht genügen könnte. Hingegen gibt Dr. med. P.________ in seinem Expertenbericht 1 lediglich an: «neue Hörgeräte bds. (Stufe 3) - binaurale Versorgung mit digitalen Hörgeräten beidseits ist wegen beruflicher Tätigkeit als Lehrerin indiziert». Daraus geht nicht klar hervor, ob nur eine die tarifvertraglichen Höchstansätze übersteigende Hörgeräteversorgung den beruflichen Anforderungen der Versicherten entspricht und damit mit Blick auf das Eingliederungsziel einfach und zweckmässig ist oder ob zur genügenden Verständigung im beruflichen Umfeld auch ein Modell ausgereicht hätte, welches den tariflichen Kostenrahmen der Indikationsstufe 3 wahrt. Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz die Sache zur abschliessenden Beantwortung dieser Frage an die IV-Stelle zurückgewiesen hat.