Citation: 8C_142/2023 E. 6.2

6.2. Die Medas-Gutachter stellten ihre interdisziplinäre Konsensbeurteilung unter den Vorbehalt, "retrospektiv [sei ihnen] eine abschliessende Überprüfung der echtzeitlich erhobenen Befunde und [der] gestützt darauf vorgenommenen Diagnosen und Arbeitsfähigkeitseinschätzungen nicht möglich. Möglich [sei ihnen] hingegen eine Würdigung aus heutiger Sicht." Gestützt darauf stellte die Vorinstanz fest, ab dem Zeitpunkt der Medas-Exploration vom 15. Juli 2019 sei infolge einer "Remission des hirnorganischen Psychosyndroms" nur noch von einer Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten von 20% auszugehen. Diese vorinstanzliche Tatsachenfeststellung steht in direktem und unauflösbarem Widerspruch zur interdisziplinären Konsensbeurteilung der Medas-Gutachter, wonach einzig eine chronische Migräne ohne Aura bei Verstärkung durch Analgetika-Überkonsum Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe. Obwohl die Medas-Gutachter nicht in der Lage waren, sich gestützt auf die medizinische Aktenlage retrospektiv zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit und zu den echtzeitlich erhobenen Befunden seit 2017 zu äussern, vermochte das Bundesverwaltungsgericht demgegenüber die entsprechenden medizinischen Tatsachenfeststellungen zu treffen. Dies jedoch ohne den von der Beschwerdeführerin gerügten inneren Widerspruch des Medas-Gutachtens aufzulösen. Denn im Gegensatz zu dem von den Medas-Gutachtern geäusserten Unvermögen, retrospektive Einschätzungen zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit abzugeben, hielten sie in Bezug auf die 2017 gestellte Diagnose eines "diskreten hirnorganischen Psychosyndroms" unmissverständlich fest, der damals am Bein lokalisierte Infekt sei nicht geeignet gewesen, durch eine zu postulierende Bakteriämie zu persistierenden Konzentrationsstörungen zu führen. Diese kausale Interpretation und Begründung der Konzentrationsstörungen sei "befremdend", zumal damals keine Hinweise vorgelegen hätten und auch aktuell nicht vorlägen, um eine hirnorganische Störung zu begründen. In abweichender Würdigung der medizinischen Aktenlage, im Widerspruch zur rückwirkenden Beurteilung des Gesundheitszustandes gemäss Medas-Gutachten und im Gegensatz zur IVSTA stellte das Bundesverwaltungsgericht demgegenüber fest, aufgrund der damals erstellten Berichte müsse für den Zeitraum von 2017 bis Anfang 2019 davon ausgegangen werden, dass bei der Beschwerdeführerin tatsächlich ein hirnorganisches Psychosyndrom vorgelegen habe. Darauf ist mangels einer den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens genügenden Beweisgrundlage (vgl. E. 1.2 mit Hinweisen) nicht abzustellen.