Citation: 9C_154/2023 E. 3.5.6

3.5.6. Im vorliegenden Zusammenhang hätte die Steuerpflichtige als Vermutungsgegnerin daher mittels des Beweises des Gegenteils nachzuweisen, dass die generell-abstrakte Vermutungsfolge, trotz unbestrittener Vermutungsbasis, im individuell-konkreten Fall nicht eingetreten sei. Sie hätte zu behaupten und nachzuweisen gehabt, dass und weshalb den von den drei Beraterinnen bezogenen Dienstleistungen tatsächlich ein konkreter Nutzwert "über den Tag hinaus" beizumessen sei, was einen aktivierbaren und abschreibbaren Zeitwert im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Sätze 2 und 3 MWSTG 2009 schaffe. Die vorgebrachten Einwände bleiben aber an der Oberfläche und sind, insbesondere was die Analogie zu den Immaterialgütern bzw. den bei Übernahme eines Unternehmens entrichteten Goodwill angeht, von vornherein nicht zielführend. Die Argumentation wäre, wenn schon, vor dem Hintergrund von Art. 959a Abs. 1 Ziff. 2 lit. b (und nicht d) OR zu führen (vorne E. 3.5.4) und daraus herzuleiten gewesen, dass Art. 72 Abs. 2 Satz 2 MWSTV 2009 auf einen solchen Fall nicht anwendbar sei. Eine eigentliche Auseinandersetzung mit der gesetzlichen Tatsachenvermutung ist freilich nicht ersichtlich, insbesondere auch nicht unter dem Aspekt des Beweises des Gegenteils. Für eine Einlageentsteuerung bleibt daher im vorliegenden Fall kein Raum.