Citation: 5A_308/2008 19.05.2008 E. 1.3

1.3.1 Die Rekurskommission stellt in ihren Ausführungen nicht klar, ob eine Geisteskrankheit oder Geistesschwäche im Sinn von Art. 397a Abs. 1 ZGB vorliegt. Die Rede ist immerhin von einem präpsychotisch anmutenden Zustandsbild bzw. von psychotischer Erkrankung, wobei auf den Realitätsverlust hingewiesen wird, eine Persönlichkeitsstörung sowie Suizidalität aber verneint werden. Im Aufnahmeprotokoll wird sodann eine Selbst- und Fremdgefährdung im Rahmen einer akuten psychotischen Episode nicht ausgeschlossen, ohne dies zu konkretisieren. Die Feststellungen zum Gesundheitszustand und zur Selbst- und Fremdgefährdung der Beschwerdeführerin stützen sich auf Berichte des einweisenden sowie des behandelnden Arztes, die nicht als unabhängige Gutachter im Sinn von Art. 397e Ziff. 5 ZGB angesehen werden können (BGE 118 II 249; 119 II 319 E. 2b S. 321 f.; 128 III 12 E. 4c S. 17). Ein Art. 397e Ziff. 5 ZGB entsprechendes Gutachten liegt nicht vor. 1.3.2 Sodann weist die Rekurskommission auf die völlige Überforderung der Umgebung hin. Wie sich diese äussert, wird nicht erörtert; aktenmässig bestehen hiefür keine Anhaltspunkte, auch wenn die Mutter der Beschwerdeführerin meinte, die Tochter sei nicht zu entlassen, weil es ihr nicht gut gehe. Auf der anderen Seite war nämlich das Verhalten der Beschwerdeführerin für ihren Bruder nicht problematisch. Im Übrigen ergeben sich aus den ärztlichen Berichten keine Anhaltspunkte für eine konkrete Selbstgefährdung im Fall der Entlassung und auch dem angefochtenen Entscheid lässt sich diesbezüglich nichts Substanzielles entnehmen. 1.3.3 Für eine Lösung der drückenden wirtschaftlichen Probleme, wie sie sich aus den Aussagen der Mutter der Beschwerdeführerin und des Bruders ergeben, aber auch für die Regelung allfälliger Schwierigkeiten mit der Umgebung ist die fürsorgerische Freiheitsentziehung nicht die geeignete Massnahme; diesbezüglich wären allenfalls andere vormundschaftliche Massnahmen (Vormundschaft, Beiratschaft bzw. Beistandschaft) ins Auge zu fassen. 1.3.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für eine weitere Zurückbehaltung der Beschwerdeführerin in der Anstalt im Rahmen von Art. 397a Abs. 1 ZGB nicht erfüllt sind, da eine Geistesschwäche bzw. eine psychische Erkrankung nicht durch ein Art. 397e Ziff. 5 ZGB entsprechendes Gutachten festgestellt und zudem auch nicht rechtsgenüglich dargetan ist, dass die Beschwerdeführerin im Fall der Entlassung der Verwahrlosung anheim fallen bzw. sich oder andere gefährden könnte. Damit lässt sich die weitere Zurückbehaltung auch nicht mit dem Hinweis auf Spirig (Zürcher Kommentar, N. 303 zu Art. 397a ZGB) rechtfertigen, wonach der Betroffene trotz Besserung seines ursprünglichen Zustandes noch weiter zurückbehalten werden darf, wenn die Nachbetreuung und die soziale Wiedereingliederung noch nicht gewährleistet ist. Die weitere Zurückbehaltung kann nur erfolgen, wenn die hier nicht rechtsgenüglich erstellten Voraussetzungen der Geistesschwäche, der drohenden Selbstgefährdung oder Verwahrlosung des Betroffenen bzw. der Fremdgefährdung erfüllt sind.