Citation: U 274/05 07.11.2005 E. 3

3.1 Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass die Versicherte nach der initialen Behandlung in der Klinik F.________ am 5. März 1999 wegen ihrer HWS-Problematik ihren Hausarzt aufsuchte und am 15. März 1999 zudem den sie wegen der Multiplen Sklerose behandelnden Neurologen wegen der Nackenbeschwerden konsultierte. Dr. med. D._______ fand dabei ein leichtes bis mässiges linksbetontes oberes Zervikalsyndrom mit leichter, schmerzhafter Funktionseinschränkung und diagnostizierte eine HWS-Distorsion mit rezidivierendem Zervikalsyndrom und cervicaler- und cervico-cephaler Symptomatik. Gemäss Bericht zu Handen der IV-Stelle vom 8. November 1999 persistierten diese Beschwerden, wobei der Neurologe nunmehr auch Anhaltspunkte für Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen eher leichter Natur infolge des Autounfalles erwähnt. Die diesbezügliche Prognose sei gut, doch müsse eventuell mit rezidivierenden Beschwerden gerechnet werden. Laut Bericht zu Handen der SUVA vom 17. April 2000 ist seitens der Nackenschmerzen bisher keine wesentliche Besserung eingetreten. Behandelt wurde vorwiegend medikamentös, da die Versicherte infolge Betreuung ihrer Kleinkinder und wechselnden Arbeitszeiten des Ehemannes keiner regelmässigen Physiotherapie zugeführt werden konnte. Auf Ersuchen der SUVA nahm Dr. med. D._______ sodann eine verhaltensneurologische- und neuropsychologische Untersuchung vor. Sein Bericht vom 11. Juli 2000 stützte sich auf die ihm zur Verfügung gestellten Akten, die eigene Krankengeschichte seit dem 25. Januar 1999 und die aktuellen Untersuchungen. Die Testung ergab leichte Defizite im Bereich der Konzentrationsleistungen, insbesondere in qualitativer Hinsicht, vereinzelte Wortfindungsstörungen, Probleme mit dem Rechnen (möglicherweise jedoch aufgrund mangelnder Ausbildung und Übung). Nur knapp im Rahmen der Norm lagen die Umstellfähigkeit und das Erkennen des Wesentlichen. Ansonsten waren die Leistungen gut bis überdurchschnittlich. Die festgestellten Befunde lassen sich nach Ansicht des Mediziners mit den anamnestischen Angaben gut vereinbaren und sind nach dessen Einschätzung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen, während die zu jenem Zeitpunkt nicht aktive MS höchstens eine untergeordnete Rolle spiele. Eine Diagnose konnte der Facharzt indessen nicht stellen, da Hinweise auf eine Hirnbeteiligung anlässlich des Unfallereignisses vom 30. November 1998 fehlten und die feststellbaren leichten kognitiven Störungen eher auf die unfallkausalen Schmerzen zurückzuführen seien. Im Bericht vom 19. Dezember 2001 erwähnt Dr. med. D._______, dass es sich nicht um einen Rückfall, sondern um weiterbestehende Probleme nach der HWS-Distorsion vom 30. November 1998 handle. Objektiv bestehe ein rechtsbetontes unteres Zervikalsyndrom leichter bis mässiger Ausprägung. Die cervicale Problematik sei ausschliesslich durch den Unfall verursacht. Daneben lägen eher diskrete Residuen der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose vor. Die medikamentöse Therapie sei weiterzuführen, während eine physiotherapeutische Behandlung aufgrund der sozialen Situation praktisch nicht organisierbar sei. Zur Arbeitsfähigkeit hält der Neurologe fest, die Versicherte sei nicht mehr in der Lage, eine Tätigkeit als Raumpflegerin aufzunehmen, wobei diesbezüglich die Diagnose einer schubförmig verlaufenden MS eine Rolle spiele. Am 13. Juni 2003 gab Dr. med. D._______ an, die Versicherte leide an vermehrten Nackenschmerzen, welche sie am 1. März 2003 veranlasst hätten, die Notfallstation des Spitals B._________ aufzusuchen. Erneut betont der Neurologe, dass es sich dabei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um Unfallfolgen handle, welche in keinem Zusammenhang mit der seit längerer Zeit inaktiven Multiplen Sklerose stünden. Seit dem Unfallereignis vom 30. November 1998 seien immer wieder wechselnd starke Nackenschmerzen aufgetreten, während eine praktische Beschwerdefreiheit jeweils nur vorübergehend und von kurzer Dauer gewesen sei. Keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse ergeben sich aus der nachträglich eingereichten Stellungnahme des Neurologen vom 15. August 2005. 3.2 Dr. med. R.________ stellt in seiner gestützt auf die Akten vorgenommenen ärztlichen Beurteilung vom 6. Dezember 2000 zunächst in Frage, dass sich beim Unfall vom 30. November 1998 überhaupt ein Schleudertrauma der HWS ereignet hat, geht dann aber doch von einer Distorsion der Halswirbelsäule leichten Charakters aus. Zwei Jahre nach dem fraglichen Ereignis lägen jedoch keine organisch erklärbaren Beschwerden, Befunde und Diagnosen mehr vor, die sich ursächlich wenigstens wahrscheinlich auf die leichte Kollision zurückführen liessen. Wiederholte neurologische Untersuchungen hätten diesbezüglich keine objektiven Befunde aufgedeckt, ausser einer motorischen Spastizität als Folge der Multiplen Sklerose. Die zahlreichen affektiven, kognitiven und vegetativen Beschwerden wären in gleicher Art und Stärke auch dann vorhanden, wenn sich der Unfall nicht ereignet hätte. Insbesondere die von Dr. med. D._______ festgestellten leichten und praktisch kaum ins Gewicht fallenden Störungen des Verhaltens und die kognitiven Beschwerden stünden ursächlich nur möglicherweise mit dem Unfall in Zusammenhang und liessen sich hinreichend durch die Krankheit erklären. Die Versicherte leide nicht an einem für ein Schleudertrauma der HWS typischen Beschwerdebild, sondern an einer Symptomenkonstellation, die sich in Form von vermehrter Müdigkeit, Schwierigkeiten mit Konzentration und Gedächtnis sowie mit der Sprache (Blockade beim Sprechen und Mühe zu formulieren), Schlafstörungen und affektiven Schwankungen auswirkten, während die Aufmerksamkeit gut bis überdurchschnittlich sei. Aufgrund der organischen Unfallfolgen ist nach Ansicht von Dr. med. R.________ keine Behandlung notwendig, und die Versicherte kann in ihrer angestammten Tätigkeit eine volle Leistung ohne zeitliche Schonung erbringen. Im Vordergrund stünden psychische Beschwerden, die möglicherweise auf den Unfall, wahrscheinlich jedoch auf die neurologische Krankheit zurückzuführen seien. Im ärztlichen Bericht vom 29. April 2004 hält Dr. med. R.________ daran fest, dass kein Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten Nackenschmerzen und dem Unfallereignis besteht. Er weist zudem darauf hin, dass spontan auftretende Nackenschmerzen in der Allgemeinbevölkerung sehr häufig sind. Bei der Versicherten seien sodann aus dem Jahr 2002 keine objektivierbaren Brückensymptome bekannt, in dem Sinne, dass sie wegen Beschwerden wie im Grundfall in der Arbeitsleistung reduziert gewesen wäre oder einen Arzt aufgesucht hätte.