Citation: 5A_671/2019 E. 2.2

2.2. Alle behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes unterstehen den Maximen der Subsidiarität und der Verhältnismässigkeit (Art. 389 ZGB). Subsidiarität (Art. 389 Abs. 1 ZGB) bedeutet, dass behördliche Massnahmen nur anzuordnen sind, wenn die Betreuung der hilfsbedürftigen Person auf andere Weise nicht angemessen sichergestellt ist (Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht], BBl 2006 7042 Ziff. 2.2.1). Ist die gebotene Unterstützung der hilfsbedürftigen Person auf andere Art - durch die Familie, andere nahestehende Personen (vgl. dazu Urteil 5A_663/2013 vom 5. November 2013 E. 3) oder private oder öffentliche Dienste - schon gewährleistet, so ordnet die Erwachsenenschutzbehörde keine Massnahme an (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Dass das Alter des Beschwerdeführers einer effizienten Betreuung seiner Schwester als Vorsorgebeauftragter nicht entgegensteht, hat das Kantonsgericht (abweichend von der KESB) bereits zu Recht festgehalten. Es ist aber auch nicht zu sehen, inwiefern der Umstand, dass der Beschwerdeführer im Kanton Bern lebt und die Betroffene im Kanton Graubünden, gegen die Inkraftsetzung des Vorsorgeauftrages sprechen soll, wenn für diese ein Umzug in ein Heim zur Diskussion stand. Inwiefern eine Vertretungsbeiständin die verbleibende administrative Betreuung besser erbringen können sollte als ein von der betroffenen Person selber bezeichneter Vorsorgebeauftragter, ist nicht ersichtlich. Die tägliche persönliche Betreuung wird nicht von der Beiständin wahrgenommen und ist im Entscheid der KESB auch nicht als Aufgabe der Beiständin aufgeführt. Die Organisation der physischen Betreuung wie auch die verschiedenen administrativen Aufgaben lassen sich mit den heutigen Kommunikationsmitteln ebenso gut vom Wohnsitz des Beschwerdeführers wie vom Büro der Beiständin aus bewältigen. Das gilt auch für Entscheide in medizinischen Angelegenheiten. Müssen für die nicht mehr urteilsfähige betroffene Person entsprechende Entscheide gefällt werden, stehen dafür wiederum die üblichen Kommunikationsmittel zur Verfügung. Nicht die örtliche Nähe, sondern die Erreichbarkeit und die Kenntnis der Wünsche und Vorstellungen der Betroffenen sind für einen schnellen und richtigen Entscheid wichtig. Beides ist aber beim Beschwerdeführer als Bruder der Betroffenen eher gegeben als bei der Beiständin. Auch für die administrativen Abklärungen betreffend Übertritt in ein Alters- oder Pflegeheim ist eine dauernde Anwesenheit in der Region nicht notwendig. Im Übrigen war der Beschwerdeführer offenbar auch in der Vergangenheit bereit, wenn nötig vor Ort zu erscheinen, um gewisse Abklärungen zu treffen. Es erweist sich somit, dass die nötige Vermögens- und Personenfürsorge sehr wohl durch einen Vorsorgebeauftragten im Rahmen des von B.A.________ errichteten Vorsorgeauftrages hätte wahrgenommen werden können. Die Beschwerde wäre folglich gutzuheissen gewesen.