Citation: 1P.708/2000 08.12.2000 E. 4

4.- a) Die kantonalen Behörden stützen die Untersuchungshaft sodann auf den besonderen Haftgrund der Kollusionsgefahr. Sie räumen zwar ein, dass mit der Durchführung der Konfrontationseinvernahme zwischen dem Beschwerdeführer und den Hauptangeschuldigten N.________ und R.________ diesbezüglich Verdunkelungsgefahr auszuschliessen sei. Aufgrund seines Aussageverhaltens und des aufgezeichneten Telefongesprächs sei der Beschwerdeführer jedoch offenbar tiefer in die Geschichte involviert und kenne mehr darin verwickelte Leute, als er den Anschein erwecke. Es bestehe nach wie vor Kollusionsgefahr zu verschiedenen Mittätern, nicht nur zu den in der Schweiz inhaftierten, sondern auch zu solchen in Jugoslawien sowie zu möglichen weiteren Beteiligten, die sich noch auf freiem Fuss befänden. Aus den bisherigen Untersuchungen ergebe sich, dass noch mindestens eine Person, welche am Tag der Entführung insbesondere mit N.________ und einem weiteren Beteiligten Kontakt hatte und welche einen wichtigen Tatbeitrag geleistet haben dürfte, noch nicht ermittelt werden konnte. Es bestehe die ernsthafte Gefahr, dass sich der Beschwerdeführer im Falle einer Freilassung mit dieser Person oder mit Beteiligten in Jugoslawien in Verbindung setzen könnte. Trotz Rechtshilfeersuchen sei die Untersuchungsbehörde bis heute über die Ermittlungsergebnisse der jugoslawischen Behörden nicht informiert worden. Es sei nicht bekannt, ob alle Beteiligten in Jugoslawien ermittelt werden konnten und ob sich diese noch in Haft befänden oder nicht. b) Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe anfänglich zwar jegliches Wissen bestritten, namentlich am 16. August 2000 aber ausführlich und detailliert Auskunft gegeben und seine Aussagen anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 25. Oktober 2000 bestätigt. Er habe dabei die mutmasslichen Haupttäter belastet, es gäbe überhaupt keinen Anhaltspunkt dafür, dass er beabsichtige, irgendjemanden zu decken oder jemandem zu helfen. Die Behauptung, es liege eine ernsthafte Gefahr vor, dass sich der Angeschuldigte im Falle einer Freilassung mit einer angeblich noch auf freiem Fuss befindlichen Person oder mit anderen Beteiligten in Jugoslawien in Verbindung setzen würde, sei nicht mit dem hiefür notwendigen Wahrscheinlichkeitsgrad belegt. Nach Ansicht des Beschwerdeführers genügt die blosse Möglichkeit, dass sich noch Mittäter auf freiem Fuss befinden und sich möglicherweise in Jugoslawien aufhalten nicht um eine Kollusionsgefahr zu begründen. Es lägen keine Anhaltspunkte vor, dass noch ernsthaft mit der Verhaftung weiterer Mittäter oder Gehilfen gerechnet werden könnte. Es sei auch kein Verdachtsmoment vorhanden, dass er sich mit dem angeblichen unbekannten Dritten in Verbindung setzen sollte. c) Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst. Die Untersuchungshaft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Angeschuldigte die Freiheit oder einen Urlaub dazu missbrauchen würde, die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts zu vereiteln oder zu gefährden. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt indessen die theoretische Möglichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren könnte, nicht, um die Fortsetzung der Haft oder die Nichtgewährung von Urlauben unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Indizien für die Annahme von Verdunkelungsgefahr sprechen (BGE 123 I 31 E. 3c S. 35 mit Hinweisen). d) Die Vermutung der Untersuchungsbehörde, dass sich noch mindestens ein Täter, der einen massgeblichen Tatbeitrag geleistet haben dürfte, auf freiem Fuss befindet, ist nicht aus der Luft gegriffen. Nach den Ermittlungen der Untersuchungsbehörde hatte dieser am Tag der Entführung offenbar mit dem mutmasslichen Haupttäter N.________ und einem anderen Beteiligten Kontakt. Aus dem aufgezeichneten Telefongespräch geht hervor, dass der Beschwerdeführer von N.________ ziemlich ausführlich über den Stand der Dinge informiert wurde. Es bestehen daher konkrete Indizien, dass der Beschwerdeführer von weiteren Beteiligten Kenntnis haben könnte. Auch die konkrete Gefahr, dass er in Jugoslawien Beteiligte beeinflussen könnte, ist zu bejahen. Die Lösegeldforderungen wurden aus Serbien gestellt. Die Schweizer Untersuchungsbehörde ist über die Ermittlungsergebnisse dort (noch) nicht orientiert. Namentlich ist nicht bekannt, ob sich die mutmasslichen Täter noch in Haft befinden. Wie aus dem Telefonprotokoll hervorgeht, wollte der Beschwerdeführer nach Belgrad fliegen. Er scheint dort über Kontakte zu verfügen. Aus diesen Gründen haben die kantonalen Behörden Kollusionsgefahr zu Recht angenommen. Das Vorliegen von Fluchtgefahr braucht unter diesen Umständen nicht geprüft zu werden.