Citation: I 486/05 10.10.2005 E. 3

3.1 Dem Bericht des die Versicherte am 11. September 2002 im Auftrag der Dr. med. J.________ psychiatrisch explorierenden Dr. med. F.________ vom 16. September 2002 ist unter anderem zur "Vorgeschichte" zu entnehmen: "Etwa 1990 habe die Patientin bei der Ausgleichskasse Basel-Stadt als Sachbearbeiterin zu arbeiten begonnen, vorgängig habe sie jeweils nur kurze Arbeitseinsätze geleistet. Sie habe sich beruflich intensiv weitergebildet und sich eine gute Stelle schaffen können, wo sie vor allem selbständig gearbeitet habe. 1993 sei eine Hysterektomie erfolgt. 1995 habe sie begonnen, unter dem Pfeiffer'schen Drüsenfieber zu leiden, welches sich in den folgenden Jahren jeweils wiederholt habe. 1996 sei aus unbekannten Gründen eine Pankreatitis hinzugetreten. Aufgrund der dauernden krankheitsbedingten Ausfälle und der zunehmenden Mühe, die Leistungen zu erbringen, habe sie die Arbeit auf 60% reduziert. 1998 verstarb die Mutter, die Patientin habe in der Folge Geld geerbt, weshalb sie 1999 die Arbeit niedergelegt habe. Im gleichen Jahr: Meningitis in Sri Lanka mit notfallmässigem Rücktransport in die Schweiz. Sie sei drei Monate krank zu Hause gelegen. Im 2000 sei dann noch der Vater verstorben. Das Geld habe sie aus verschiedenen Gründen alles aufgebraucht, weshalb sie sich beim Arbeitsamt gemeldet habe. Aufgrund des starken Druckes beim Arbeitsamt habe sie im November 2001 einen 'Totalzusammenbruch' erlitten. Es sei dann einfach nichts mehr gegangen. Sie werde seither vom Sozialamt unterstützt." Vom 8. bis 20. April 2002 weilte die Beschwerdeführerin zur stationären Behandlung ihres Erschöpfungszustandes in der Klinik Y.________. Gemäss Entlassungsbericht vom 7. Juni 2002 zuhanden der Dr. med. J.________ war die Versicherte im Zeitpunkt des Klinikeintritts untergewichtig (Body-Mass-Index von 18.2), schwach und erschöpft. Die klinische Untersuchung ergab dem Habitus entsprechende Normalbefunde. Breite laborchemische Untersuchungen fielen ebenso normal aus wie eine Sonographie des Abdomens. Die Symptomatik wurde als chronischer Erschöpfungszustand beurteilt. Die Behandlung zeigte "im Verlauf eine rasche Besserung des Allgemeinzustandes mit Normalisierung der Verdauung". Die Heileurythmie habe sie als sehr wohltuend empfunden. Trotz dieser positiven Behandlungsergebnisse berichtete Dr. med. J.________ der IV-Stelle am 4. November 2002, dass die Beschwerdeführerin als Primarlehrerin höchstens zwei- bis dreimal pro Woche während zwei Stunden Nachhilfeunterricht erteilen könne. Weitere Tätigkeiten seien ihr nicht zumutbar, weil sie physisch und psychisch nicht belastbar sei. Dr. med. J.________ begründete mit keinem Wort, weshalb nicht auf die Beurteilung der von ihr veranlassten Exploration des Psychiaters Dr. med. F.________ abzustellen sei. Letzterer hielt dafür, dass es der Versicherten trotz des festgestellten neurasthenischen Syndroms und des Verdachts auf eine versteckte depressive Störung zumutbar sie, ihr neurotisches Fehlverhalten zu überwinden. Ihre eigenwilligen Vorstellungen von einer Lehrtätigkeit, welche sie kompromisslos umzusetzen versuche, erschwere natürlich die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit erheblich. Gestützt auf diese Beurteilung schätzte Dr. med. F.________ die Arbeitsunfähigkeit auf 30 %. Die fachärztliche Empfehlung, sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen, lehnte die Beschwerdeführerin mit der Begründung ab, sie befürchte einerseits, dekompensieren zu müssen, und beschäftige sich andererseits bereits intensiv mit sich selbst, weshalb sie eine solche Therapie erst zu einem späteren Zeitpunkt ins Auge fassen könne. Der Magen-Darm-Spezialist Dr. med. G.________ fand anlässlich einer Gastroduodenoskopie vom 10. Dezember 1998 unauffällige Verhältnisse. Derselbe Facharzt erhob auch bei einer Sonographie des Oberbauches am 6. Januar 1999 keine Pathologien. Im Rahmen der Hospitalisierung in der Medizinischen Klinik des Spitals Z.________ vom 19. bis 23. Dezember 1999 (im Anschluss an einen Aufenthalt in einer Naturheilklinik in Sri Lanka) wurde als Ursache für den Infekt mit starken Kopfschmerzen zwar eine leichte Meningitis als "theoretisch denkbar" diskutiert, obwohl der Verlauf mit "spontaner" Besserung dagegen spreche. Unter Mitberücksichtigung dieser Ausgangslage ist mit Verwaltung und Vorinstanz auf die Ergebnisse des MUP-Gutachtens vom 26. Mai 2003 abzustellen. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist von einer Neurasthenie sowie von Untergewicht (bei den Differentialdiagnosen Mangelernährung und Colon irritabile) auszugehen, welche in der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin ab März 1999 zu einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit von 50 % führten. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb nicht auf die schlüssigen, nachvollziehbaren und auf allseitigen Untersuchungen des Beschwerdeführers beruhenden Ergebnisse des MUP-Gutachtens abgestellt werden könnte. Bei dieser Ausgangslage durften Verwaltung und Vorinstanz zu Recht und ohne das rechtliche Gehör zu verletzen in antizipierter Beweiswürdigung (SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b mit Hinweis auf BGE 124 V 94 Erw. 4b und 122 V 162 Erw. 1d) auf die Abnahme weiterer Beweise verzichten. 3.2 Dr. med. C.________ hielt am 18. Oktober 2004 zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ausdrücklich fest, er selber sei von einer synonymen Verwendung der Begriffe "Neurasthenie" und "Chronic fatigue syndrome" (CFS) ausgegangen. Dennoch wandte er sich in seinem Schreiben an die IV-Stelle vom 14. August 2003 gegen die nach ICD-10 von Seiten der MUP gestellte Diagnose einer Neurasthenie (F48.0). Er "möge" diesen Ausdruck nicht besonders. Der Katalog gemäss ICD-10 sei mit Blick auf eine adäquate Erfassung des CFS lückenhaft. Die bisherige Forschung habe dieses Syndrom nicht als psychiatrische Erkrankung einordnen können. Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, wozu bei angeblich synonymer Verwendung der Begriffe "Neurasthenie" (F48.0 nach ICD-10) und "Chronic fatigue syndrome" auch die mit letzterer Bezeichnung umschriebene Befindlichkeitsstörung zählt, setzt jedoch zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 Erw. 1.2, 130 V 398 ff. Erw. 5.3 und Erw. 6). Angesichts dieser Unklarheiten in den Ausführungen des Dr. med. C.________ und unter Berücksichtigung der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte und behandelnde Spezialärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc und Urteile S. vom 15. Februar 2005 [I 513/04] Erw. 3.4, R. vom 26. Juni 2003 [I 460/02] Erw. 2.2.3; vgl. auch Urteil K. vom 12. Juli 2004 [I 80/04] Erw. 3.3 mit Hinweis), kommt seinen Ausführungen im Gegensatz zum MUP-Gutachten nicht volle Beweiskraft zu. Dr. med. C.________ nahm mit Blick auf die der Versicherten trotz ihrer Beschwerden verbleibenden Leistungsfähigkeit keine eigenständige Zumutbarkeitsbeurteilung vor, sondern schätzte die Restarbeitsfähigkeit auf höchstens 30 %, indem der auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin gemäss Anamnese im Bericht der Abteilung für Psychosomatik des Spitals Z.________ vom 2. Mai 2003 abstellte. Das subjektive Empfinden der versicherten Person kann demgegenüber, insbesondere wenn es sich nicht mit der Auffassung der medizinischen Fachleute deckt, für sich allein nicht massgebend sein (Urteile G. vom 18. März 2005 [I 579/04] Erw. 4.1, T. vom 28. Mai 2004, I 677/03, Erw. 2.3.1). Entscheidend ist vielmehr, dass der Beschwerdeführerin bei Aufbietung allen guten Willens (BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b mit Hinweisen) und in Nachachtung des im Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Grundsatzes der Schadenminderungspflicht (BGE 123 V 233 Erw. 3c, 117 V 278 Erw. 2b, 400, je mit Hinweisen; AHI 2001 S. 282 f. Erw. 5a/aa) die erwerbliche Verwertung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % trotz ihres Gesundheitsschadens unter anderem in der angestammten Tätigkeit als Sachbearbeiterin zumutbar ist, wobei wegen der erhöhten Ermüdbarkeit eine tägliche Arbeitseinteilung von je einem etwa zweistündigen Einsatz vormittags und nachmittags zu empfehlen sei. Die MUP-Gutachter anerkannten somit durchaus den Einfluss der neurasthenischen Symptomatik auf die Leistungsfähigkeit, schätzten aber nach Würdigung der vorhandenen Akten und unter Berücksichtigung der in genügendem Ausmass festgestellten Ressourcen der Versicherten die Arbeitsfähigkeit auf 50 %. Nach dem Gesagten ist folglich entgegen der Beschwerdeführerin mit Verwaltung und Vorinstanz auf die Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit gemäss MUP-Gutachten abzustellen.