Citation: 8C_441/2022 E. 4.2.5

4.2.5. 4.2.5.1. Wie der Beschwerdeführer zutreffend anmerkt, verneinte das Bundesgericht in BGE 140 V 514 E. 3.5 die in BGE 97 V 144 aufgeworfene Frage der Befristung einer Wiedererwägung. Es stellte klar, dass die Wiedererwägung nicht nur innerhalb der für das Revisionsbegehren im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG geltenden Fristen (Art. 67 Abs. 1 und 2 VwVG) zulässig ist. Es erkannte, dass die Verwaltung auch mehr als zehn Jahre nach Erlass einer zweifellos unrichtigen Verfügung zu einem wiedererwägungsweisen Rückkommen auf diese befugt ist ohne sich explizit zur Frage zu äussern, wie es sich mit längeren Zeitspannen von 15 Jahren und mehr verhält. In SVR 2018 IV Nr. 59 S. 190, 8C_680/2017 E. 4.1 verneinte das Bundesgericht die Notwendigkeit einer Präzisierung der Rechtsprechung und wiederholte, dass eine Wiedererwägung der Rentenzusprache trotz langer Dauer des Leistungsbezugs möglich ist, weil es schwierig zu rechtfertigen wäre, wenn einer versicherten Person für die Zukunft eine zweifellos nicht geschuldete Leistung weiterhin ausbezahlt würde, nur weil der Fehler der Verwaltung schon Jahre zurückliegt. Fallbezogen bejahte es die Zulässigkeit einer Wiedererwägung bei einer Bezugsdauer von mehr als zwanzig Jahren. Im bereits zitierten Urteil 8C_616/2022 wurde in der zur Veröffentlichung vorgesehenen E. 7.1 bekräftigt, dass nach der Rechtsprechung keine zeitliche Befristung der Wiedererwägungsmöglichkeit besteht. 4.2.5.2. Wie die Vorinstanz bereits darlegte schliessen auch die Grundsätze des Vertrauensschutzes, der Rechtsbeständigkeit und der Rechtssicherheit eine Wiedererwägung der Rentenzusprache trotz langer Bezugsdauer nicht aus (vgl. BGE 140 V 514 E. 3.5 und SVR 2018 IV Nr. 59 S. 190, 8C_680/2017 E. 4.1; Urteil 8C_552/2022 vom 9. Mai 2023 E. 4.3.1). Eine Güterabwägung und Verhältnismässigkeitsprüfung im Einzelfall erfolgt damit nicht. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer das AHV-Rentenalter bereits erreicht hat, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise. Vorbehalten bleiben jene Situationen, in denen sämtliche Voraussetzungen für eine - gestützt auf den Vertrauensschutz - vom Gesetz abweichende Behandlung gegeben sind (BGE 116 V 298 und seitherige Rechtsprechung; zum Ganzen vgl. Urteile U 378/05 vom 10. Mai 2006 E. 4.5 und 9C_29/2022 vom 6. Dezember 2022 E. 4.2). Dass diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt wären, legt der Beschwerdeführer nicht dar.