Citation: 1A.157/2004 25.02.2005 E. 4

4.1 Die Beschwerdeführerin wurde am 20. Juli 1996 Opfer einer Vergewaltigung. Die physischen (Schnitt im Gesicht) und vor allem auch die hier zur Diskussion stehenden psychischen Tatfolgen (Traumata, massive Angstzustände, Selbstmordgedanken) traten bereits unmittelbar nach dem Übergriff auf. Anders als im in BGE 126 II 348 zu beurteilenden Fall, in welchem erst nach Ablauf der Verwirkungsfrist festgestellt wurde, dass das Vergewaltigungsopfer mit dem HI-Virus angesteckt wurde und an AIDS erkrankte, steht damit ausser Frage, dass die Verwirkungsfrist nach dem klaren Gesetzeswortlaut durch die Straftat am 20. Juli 1996 in Gang gesetzt wurde. 4.2 Die Beschwerdeführerin wurde bereits am Tag nach dem Überfall von einer Mitarbeiterin der Sunestube der Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber beraten und in der psychiatrischen Klinik Schlössli ärztlich betreut. Die Beratung wurde anschliessend von der Beratungsstelle für Frauen (Nottelefon) übernommen. Ab November 1996 begab sie sich in eine psychotherapeutische Behandlung in der psychoanalytischen Praxis von Dr. A.________ und B.________. Damit ist davon auszugehen, dass sie am 21. Oktober 1997, als sie ihr Entschädigungs- und Genugtuungsbegehren stellte, sowohl über ihre opferrechtlichen Ansprüche als auch über die durch Straftat verursachten psychischen Probleme und die dadurch bewirkten und zu erwartenden Schäden ausreichend informiert war. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin war das von ihr ausgefüllte Formular keineswegs irreführend; es enthält zwar in der Rubrik "5. Schaden/Kosten" keinen ausdrücklichen Hinweis darauf, dass auch zukünftig zu erwartende Kosten aufgeführt werden können. Es kann offen bleiben, ob das Formular mit einem derartigen Hinweis ergänzt werden sollte. Der Beschwerdeführerin war dies jedenfalls klar, hat sie doch die Kosten für ihre laufende Therapie nicht beziffert ("Betrag noch offen") und damit zum Ausdruck gebracht, dass sie die ihr verbleibenden Restkosten der Therapie auch für die Zukunft geltend machen will. 4.3 Dem (im Sachverhalt ausschnittweise wiedergegebenen) Gesuch lässt sich weder ausdrücklich noch sinngemäss entnehmen, dass die Beschwerdeführerin Erwerbsausfallentschädigung beanspruchen möchte. Sie machte lediglich nicht gedeckte Therapiekosten und einen Kuraufenthalt als Schaden geltend. Mit keinem Wort legt sie dar oder deutet auch nur an, dass sie in ihrer Fähigkeit, das Studium wie bisher fortzusetzen und damit auch in ihrer zukünftigen Erwerbsfähigkeit eingeschränkt sein könnte, was ausgereicht hätte, um als fristwahrendes Begehren um eine Erwerbsausfallentschädigung entgegengenommen zu werden. Auch wenn an ein die Frist von Art. 16 Abs. 3 OG wahrendes Entschädigungsgesuch keine hohen formellen Anforderungen gestellt werden dürfen, so muss vom Opfer doch verlangt werden, in seinem Gesuch - und sei es auch auf laienhafte Weise - darzutun, was für Schädigungen es durch die Straftat erlitten hat und was für Kosten ihm deswegen angefallen sind und mutmasslich noch anfallen werden. Der im Opferhilfeverfahren geltende Untersuchungsgrundsatz verpflichtet die Opferhilfestelle nur, den Sachverhalt im Rahmen der vom Opfer gestellten Begehren von Amtes wegen abzuklären. Eine Verpflichtung, nach weiteren Schäden zu suchen, die vom Opfer weder geltend gemacht werden noch sich aus seiner Sachverhaltsdarstellung ergeben, trifft sie nicht. 4.4 Die Opferhilfestelle hat im Übrigen die sachdienlichen Sachverhaltsabklärungen durchaus vorgenommen und dazu unter anderem bei Dr. A.________ und B.________ den Therapiebericht vom 10. August 1998 sowie bei B.________ einen weiteren Bericht vom 22. September 2001 eingeholt. Keiner der beiden Berichte bescheinigt der Beschwerdeführerin, dass sie in ihrer Erwerbsfähigkeit eingeschränkt sei oder diese in Zukunft als Spätfolge der Straftat ganz oder teilweise verlieren könnte. 4.5 Das Sozialversicherungsgericht hat somit keineswegs Bundesrecht verletzt, indem es befand, das Entschädigungs- und Genugtuungsgesuch der Beschwerdeführerin vom 21. Oktober 1997 enthalte kein Begehren um Erwerbsausfallentschädigung und sei damit in dieser Hinsicht auf einen derartigen Entschädigungsanspruch nicht fristwahrend im Sinn von Art. 16 Abs. 3 OHG. Es beurteilte somit das am 10. Oktober 2003 gestellte Begehren um Erwerbsausfallentschädigung zu Recht als verspätet. Die Beschwerde ist unbegründet.