Citation: I 145/03 27.08.2003 E. 5

Die Vorinstanz befand, das MEDAS-Gutachten erfülle sämtliche von der Rechtsprechung (vgl. den Hinweis in Erw. 2) geforderten Kriterien, und mass ihm vollen Beweiswert zu. Den Arztberichten der Dres. med. Z.________, T.________ und M.________ sprach sie denselben ab. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist aus den nachfolgenden Gründen nicht zu schützen. 5.1 So leuchtet nicht ein, warum die Berichte der Dres. med. Z.________ und T.________ vom 20. September 1999, 15. Oktober 1999 und 25. Oktober 1999 weniger aktuell - und darum weniger beweiskräftig - sein sollten als das im August 2001 erstellte MEDAS-Gutachten, war doch über die Frage einer Rentenzusprechung ab dem 1. Dezember 1998 zu entscheiden. Auch wenn das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 121 V 366 Erw. 1b) (vgl. Erw. 1), so ist - wie die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen hat - für die Vornahme des Einkommensvergleichs grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des (hypothetischen) Rentenbeginns abzustellen (128 V 174 Erw. 4a). Zu diesen Gegebenheiten gehören nicht nur die Verdienstmöglichkeiten, sondern auch die gesundheitlich-medizinischen Verhältnisse. 5.2 Zudem haben die beiden Ärzte ihre Schätzung (vollständige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres ab 29. März 1999) näher begründet. Der blosse Hinweis im angefochtenen Entscheid auf die "Erfahrungstatsache der im Hinblick auf die auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten der Patienten ausfallenden Aussagen" ersetzt nicht eine inhaltliche Würdigung der gemachten Angaben. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Berichts ist nach der Rechtsprechung (vgl. Erw. 2) grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten. Nach dem für das Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG) hat das Gericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Bei einander widersprechenden medizinischen Berichten darf es den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. Erw. 2). 5.3 Im MEDAS-Gutachten wurden die neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse als chaotisch umschrieben, weshalb das neuropsychologische Testprofil nicht direkt auszuwerten war. Während sich im Intelligenzbereich eher knapp durchschnittliche Leistungen zeigten, waren viele Testresultate extrem stark unterdurchschnittlich und konnten nicht interpretiert werden. 5.4 Es ist im Zusammenhang mit der Frage der Zumutbarkeit einer Rückkehr der Beschwerdeführerin in den früheren Beruf einer Tiefbauzeichnerin von grosser Relevanz, ob sie über die für eine solche Tätigkeit notwendigen intellektuellen Fähigkeiten vorübergehend oder auf Dauer nicht mehr verfügt. Dr. med. M.________ hat ihr dies in seiner Stellungnahme vom 11. November 2001 zum MEDAS-Gutachten (vgl. Erw. 4.3) abgesprochen und ausdrücklich angeführt, wegen der ausgeprägten gesundheitlichen Einschränkungen, die sich in den neurologischen Tests dargestellt hätten, sei ihr eine Rückkehr in den alten Beruf nicht mehr möglich. Auch in einer leichteren, optimal angepassten Tätigkeit sei sie nur zu 25 % arbeitsfähig. Die Vorinstanz hat keine Gründe dafür angegeben, warum sie auf die These der ZMB-Gutachter abstellte und nicht auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters. Wenn sie dazu lediglich anführte, Dr. med. M.________ bringe medizinisch keine neuen Aspekte ein und äussere sich nur pauschal zur Arbeitsfähigkeit, so genügt dies den im vorliegenden Zusammenhang zu stellenden Anforderungen an eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den gemachten Aussagen nicht, umso mehr, als selbst die ZMB-Gutachter für eine Rückkehr in den angestammten Beruf einschränkende Rahmenbedingungen vorsahen ("Rendement von 50 % bei einer vollschichtigen Tätigkeit in einer psychologisch verständnisvollen Umgebung") und zusätzlich einräumten, der Versicherten sei eine eher ungünstige Prognose zu stellen. 5.5 Im Gutachten wurde zudem klar gemacht, dass bei der Erstellung des psychiatrischen Status Hinweise auf eine bewusste Aggravation oder ein bewusstes demonstratives Verhalten der Beschwerdeführerin gefehlt hätten, und dass eine psychopathologische Störung mit erheblichem Krankheitswert bestehe. Dass hier noch ein zusätzlicher medizinischer Abklärungsbedarf besteht, zeigt sich auf Grund der im Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren eingelegten Stellungnahme von Prof. Dr. F.________, Leiter der Psychologischen Diagnostik des Instituts für Psychologie Q.________, vom 21. Februar 2002, in welcher sich dieser gegenüber Dr. med. M.________ sehr kritisch zu der ihm unterbreiteten neuropsychologischen MEDAS-Begutachtung äusserte.