Citation: U 10/00 26.06.2000 E. 2

2.- a) Aufgrund der Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 31. Oktober 1996 eine Abknickverletzung der HWS erlitten hat, welche ein Zervikalsyndrom mit Nacken-, Kopf- und Schulterschmerzen sowie Schwindelbeschwerden und Schlafstörungen zur Folge hatte. Zudem bestehen kognitive Störungen in Form verminderter Gedächtnis- und Konzentrationsleistungen. Neurologisch wurde eine milde traumatische Hirnverletzung diagnostiziert. Eine neuropsychologische Funktionsstörung konnte von der Rehabilitationsklinik X.________ nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden; im Vordergrund standen eine reaktiv-psychische Störung und die Schmerzproblematik. Die neurootologische Untersuchung durch Dr. med. B.________ ergab eine zervikogene zentrale vestibuläre Funktionsstörung im Sinne einer mittelschweren bis schweren Störung des Gleichgewichtsfunktionssystems. Kreisarzt Dr. med. S.________ und der behandelnde Arzt Dr. med. A.________ erwähnen zudem eine depressive Komponente. Der mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichte Bericht des Dr. med. C.________ vom 20. Oktober 1999 enthält keine grundlegend neuen oder andern Diagnosen. Bestätigt wird, dass der Beschwerdeführer an einer schwerwiegenden Störung des Gleichgewichtssystems (in Form einer visuo-okulomotorischen Funktionsstörung und einer visuo-vestibulären Integrationsstörung) leidet. Zu unterschiedlichen Schlüssen gelangen die mit dem Fall befassten Ärzte hinsichtlich der daraus resultierenden Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. b) Im Bericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 29. August 1997 wird zur Arbeitsfähigkeit ausgeführt, eine dem bisherigen Beruf (Elektriker mit Arbeitseinsätzen auch auf Kränen) entsprechende Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. Eine endgültige Beurteilung sei erst nach Abschluss der otoneurologischen Untersuchung möglich. Eine mindestens sechsstündige, leichte und wechselbelastende Arbeit, beispielsweise drei Stunden vormittags und drei Stunden nachmittags, mit dazwischenliegender längerer Pause dürfte aus heutiger Sicht allerdings zumutbar sein. Die Zumutbarkeit sei nach Vorliegen des otoneurologischen Befundes durch den Kreisarzt zu beurteilen. Dr. med. B.________, welcher die neurootologische Untersuchung vornahm, stellte eine mittelschwere bis schwere Störung des Gleichgewichtsfunktionssystems fest und bestätigte aus neurootologischer Sicht eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit insofern, als dem Beschwerdeführer keine mit einer Sturzggefahr verbundenen Tätigkeiten zumutbar sind. Bei der abschliessenden kreisärztlichen Untersuchung vom 8. Januar 1998 gelangte Dr. med. S.________ zum Schluss, dem Versicherten seien aufgrund der verbleibenden Unfallrestfolgen "leichte Männerarbeiten unterhalb der Horizontalen" in Industrie, Gewerbe und Administration zumutbar. Nicht mehr zumutbar seien Arbeiten auf Leitern und Gerüsten oder in sonstigen sturzgefährdenden Positionen, ebenso Überkopfarbeit; ferner bestehe eine Traglimite von 15 kg. In Frage kämen Kontroll- und Überwachungsfunktionen, leichte handwerkliche Tätigkeiten ebenerdig, z.B. in einer Werkstatt, Portierdienste, Archiv- oder Magazinarbeiten, hausinterne Botengänge oder administrative Tätigkeiten. An einem geeigneten Arbeitsplatz wäre ein ganztägiger Einsatz zumutbar, unter Einräumung einer um eine Stunde verlängerten Mittagspause zur Muskelentspannung. Demgegenüber gab Dr. med. A.________ in einem Bericht zuhanden der Invalidenversicherung vom 4. Mai 1998 eine Restarbeitsfähigkeit von lediglich 20 bis 30 % an, die auf dem freien Arbeitsmarkt kaum verwertbar sei, weil der Versicherte nur eine Tätigkeit ausüben könne, welche keine besondern Geschicklichkeiten verlange, ihm eine wechselnde Körperhaltung erlaube und keine Belastung der Oberarmmuskulatur sowie keine Höhenexposition mit sich bringe. In einer Stellungnahme zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 11. Januar 1999 führte der behandelnde Arzt Dr. med. T.________, Spezialarzt für Innere Medizin FMH, aus, er habe den Versicherten das letzte Mal am 22. Dezember 1998 in der Sprechstunde gesehen; er leide immer noch an einem Zervikalsyndrom sowie zervikozephalen Beschwerden mit Kopf- und Nackenschmerzen, Schlafstörungen, Schwindelbeschwerden und einer Ungeschicklichkeit im Sinne einer Ataxie; zudem beklage er sich über kognitive Störungen mit insbesondere Gedächtnis- und Konzentrationsdefiziten. Bei diesem Beschwerdekomplex und den doch recht ausgeprägten Beeinträchtigungen und Einschränkungen sei seines Erachtens eine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr gegeben. Dr. med. C.________ gelangt zum Schluss, aufgrund der schwerwiegenden Störung des Gleichgewichtssystems seien dem Versicherten nicht nur Arbeiten in der Höhe und schwere körperliche Tätigkeiten, sondern auch Arbeiten, die mit Körperbewegung und gleichzeitiger visueller Fixierung zu tun hätten, nicht zumutbar. Bei der gegenwärtigen Situation sei der Versicherte auch bei einfacher Tätigkeit wegen der ausgeprägten Integrationsstörung zwischen dem visuellen und vestibulären System nicht einsetzbar und aus neurootologischer Sicht vollständig arbeitsunfähig. c) Die Feststellung der Rehabilitationsklinik X.________ vom 29. August 1997, wonach dem Versicherten eine leichte wechselbelastende Tätigkeit während mindestens sechs Stunden im Tag zumutbar ist, erfolgte unter dem ausdrücklichen Vorbehalt der Ergebnisse einer neurootologischen Untersuchung; zudem blieb die Frage nach dem Vorliegen einer neuropsychologischen Funktionsstörung mangels hinreichend verwertbarer Testergebnisse offen. Die in der Folge durchgeführte neurootologische Untersuchung ergab, dass der Versicherte an einer mittelschweren bis schweren Störung des Gleichgewichtsfunktionssystems leidet und dadurch zusätzlich in der Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist. Eine okulomotorische Störung als Ursache der vom Versicherten geklagten Sehbeschwerden konnte nicht gefunden werden; zur Abklärung einer allfälligen Refraktion als Ursache der Beschwerden empfahl Dr. med. B.________ eine ophthalmologische Untersuchung, welche jedoch unterblieb, weil es sich nach Auffassung der SUVA nicht um eine unfallbedingte Symptomatik handelte. Die Richtigkeit dieser Annahme wird in Frage gestellt durch die Feststellung im Bericht des Dr. C.________, wonach der Versicherte an einer visuo-okulomotorischen Störung leide, welche ihn stark behindert. Nach Auffassung dieses Arztes bedarf es einer ergänzenden neuroophthalmologischen Untersuchung. Die SUVA äussert Zweifel an der Schlüssigkeit der von Dr. med. C.________ verwendeten Untersuchungsmethoden und spricht sich für eine gutachtliche Überprüfung aus. Zur Anordnung eines entsprechenden Gutachtens besteht im vorliegenden Fall schon deshalb kein Anlass, weil auch Dr. med. B.________ eine mittelschwere bis schwere Störung des Gleichgewichtssystems annimmt. Umstritten ist im Wesentlichen nur, welche Auswirkungen diese Störung auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit hat. Insbesondere fragt sich, ob die Störung einen solchen Grad erreicht, dass dem Beschwerdeführer auch die Ausübung einer leichteren Tätigkeit, welche keine besondern Anforderungen an den Gleichgewichtssinn stellt, nicht zumutbar ist. Wie es sich damit verhält, lässt sich aufgrund der teilweise widersprüchlichen ärztlichen Angaben nicht zuverlässig beurteilen. Neben der von Dr. med. C.________ empfohlenen neuroophthalmologischen Untersuchung bedarf es einer ergänzenden neuropsychologischen Abklärung, nachdem die Untersuchung in der Rehabilitationsklinik X.________ unvollständig geblieben ist. Aufgrund der Ergebnisse der vorzunehmenden Abklärungen wird die SUVA über die unfallbedingte Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit und den Rentenanspruch unter Berücksichtigung der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhobenen Einwendungen zur Invaliditätsbemessung neu zu befinden haben. Neu zu entscheiden wird auch über den Anspruch auf Integritätsentschädigung sein.