Citation: I 91/01 15.11.2001 E. 3

3.- Zur Entwicklung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten während der Zeit bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung vom 29. August 2000, der praxisgemäss die zeitliche Grenze der gerichtlichen Prüfung festlegt (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen), enthalten die Akten insbesondere die folgenden ärztlichen Stellungnahmen: a) Im Bericht der Psychiatrischen Dienste X.________ vom 31. März 2000 werden eine schwere depressive Episode, remittiert, bei rezidivierend depressiver Störung (ICD 10 F 33.2), eine vor allem psychogene Gangstörung (ICD 10 F 44.4; Differenzialdiagnose: simulierte Gangstörung, ICD 10 Z 76.5) sowie histrionische Persönlichkeitszüge diagnostiziert. Weiter wird ausgeführt, retrospektiv könnten keine sicheren Angaben über die zeitlichen Räume der jeweiligen Arbeitsunfähigkeit gemacht werden. Nach sukzessiver Remission des depressiven Zustandsbildes könne ab Januar 2000 von einer Teilarbeitsfähigkeit zwischen 25 % und 50 % ausgegangen werden, welche sich bis März 2000 auf 100 % gesteigert habe. Die Arbeitsfähigkeit könne durch regelmässige psychiatrische/psychotherapeutische Begleitung verbessert werden. Verschiedene neurologische Abklärungen (zuletzt im Februar 2000) hätten keine relevanten, sicher pathologischen Befunde ergeben. Nachdem mit der Patientin zuvor vereinbart worden sei, nach den somatischen Abklärungen eine stationäre psychiatrische Behandlung durchzuführen, lehne sie eine solche nunmehr vehement ab und äussere, dass sie auch eine ambulante Behandlung nicht mehr benötige, da sie ihre Krankheit nun akzeptiert habe und damit leben könne. b) Der mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichte Bericht der Psychiatrischen Klinik Z.________ vom 2. Mai 2000 enthält unter anderem die Diagnosen einer seit November 1998 bestehenden dissoziativen Bewegungsstörung (ICD-10: F 44.4) sowie eines Status nach Commotio cerebri nach Arbeitsunfall 1993 und nach rezidivierenden Synkopen 1993/94, wobei kein Anhalt für eine neurologische Grunderkrankung bestehe. Die Ärzte empfehlen "dringend" die ambulante Begleitung der Versicherten durch regelmässige therapeutische Gespräche und erachten zudem einen erneuten medikamentösen antidepressiven Behandlungsversuch für angezeigt. Eine ausdrückliche Aussage zur Arbeitsfähigkeit lässt sich dem Bericht nicht entnehmen. c) Dr. med. B.________ führt in seiner Stellungnahme vom 26. Juli 2000 aus, er teile die klinische Einschätzung der Psychiatrischen Dienste X.________ gemäss Bericht vom 31. März 2000 hinsichtlich Art und Ausmass der Störung. Nach seiner Beurteilung bestehe aktuell "eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit von 25 % bis 30 % aus versicherungspsychiatrischer formal-juristischer Sicht". Die Prognose sei schlecht. d) Gemäss Bericht der Neurologischen Poliklinik des Spitals Y.________ vom 4. Oktober 2000 besteht auf Grund der neurologischen Abklärungen der Verdacht, dass die schweren Gangstörungen im Rahmen eines ausgeprägten Konversionssyndroms zu interpretieren sind. Vorgesehene Abklärungen (MEP und SEP) würden diese Verdachtsdiagnose möglicherweise unterstützen. Eine psychiatrische Hospitalisation erscheine als indiziert. Die Versicherte sei momentan als zu 100 % arbeitsunfähig zu betrachten. Im ergänzenden Schreiben vom 16. November 2000 wird ausgeführt, die mittlerweile durchgeführten Abklärungen (MEP, SEP) hätten keine Pathologie im Bereich der motorischen und sensiblen Bahnen im Nervensystem nachweisen können. Dadurch werde die Verdachtsdiagnose eines ausgeprägten Konversionssyndroms erhärtet. e) Der IV-Arzt Dr. med. S.________ führt in seiner Stellungnahme vom 21. November 2000 Bezug nehmend auf den Bericht der Neurologischen Poliklinik des Spitals Y.________ vom 4. Oktober 2000 aus, die Konversionssymptomatik habe bereits im Jahr 1993 bestanden, was aus dem Bericht der Psychiatrischen Dienste X.________ hervorgehe. Auch die Gangstörung habe bereits im Zeitpunkt der Untersuchung durch die Psychiatrischen Dienste X.________ vorgelegen. Der Bericht der Neurologie bestätige, dass gerade kein neurologisches Leiden vorhanden sei, sondern ein psychisches. Deshalb sei am Bericht und der Beurteilung durch die Psychiatrischen Dienste X.________ festzuhalten. f) Laut Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des Dr. med. R.________ mit Eintragungen vom 29. September 1999 und 10. Januar 2000 war die Versicherte ab 30. November 1998 zu 100 % arbeitsunfähig. Dr. med. W.________ attestiert ihr in einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit Eintragungen vom 21. Januar bis 23. Mai 2000 ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %.