Citation: 6B_690/2020 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz erwägt zunächst zum Sachverhalt, die Beschwerdeführerin habe das Opfer mit einem grösseren Küchenmesser angegriffen. Sie habe ihm insgesamt 15 Stich- und Schnittverletzungen im Bereich des Brustkorbs und am Oberbauch, an den Oberarmen, an der linken Hand und im Gesicht sowie zwei kombinierte Schnitt- und Stichverletzungen an der linken Schulter und am rechten Knie zugefügt. Mehrere Stichverletzungen seien unmittelbar über lebenswichtigen Strukturen wie Lunge, Herz, Halsgefäss links, Leber und der Halsschlagader gelegen. Die Lunge sei verletzt worden. Der Angriff der Beschwerdeführerin sei eindeutig gegen den Oberkörper des Opfers erfolgt, wobei sie gemäss ihren eigenen Aussagen gewusst habe, dass Messerstiche in den Oberkörper tödlich sein können. Das Opfer habe sich heftig mit Armen und Beinen gewehrt. Die Beschwerdeführerin habe ihren Angriff jedoch fortgesetzt und zwar auch dann noch, als es ihm ein erstes Mal gelungen sei, sie von sich weg an die Wand zu schubsen. Sie habe erst von ihm abgelassen, nachdem das Opfer es geschafft habe, sie auf den Boden zu werfen, wo sie sich den Kopf gestossen habe. Dieses Vorgehen der Beschwerdeführerin könne nicht anders interpretiert werden, als dass sie den Tod des Opfers gewollt habe. Sie habe in ihrem zweiten anonymen Schreiben an die Polizei denn auch von einer Tötung des Opfers geschrieben und in der polizeilichen Hafteinvernahme geäussert, wäre die Türe zur Wohnung der Familie B.________ verschlossen gewesen, hätte sie nicht geklingelt und gesagt "ich bin da um dich umzubringen" (angefochtenes Urteil, E. II. [recte: III.] A. 3.2 S. 33 f.). Anlässlich ihrer rechtlichen Würdigung führt die Vorinstanz aus, die erste Instanz habe das Verhalten der Beschwerdeführerin zutreffend als mit direktem Tötungsvorsatz begangenen versuchten Mord gewürdigt. Zum direkten Tötungsvorsatz könne auf die vorstehenden Ausführungen (zum Sachverhalt) verwiesen werden (angefochtenes Urteil, E. II. [recte: III.] A. 5.1 S. 39). Die Beschwerdeführerin, so die Vorinstanz weiter, habe sich namentlich innerhalb der Familie sozial isoliert und abgewertet gefühlt. Der aus dem Hass gegenüber deren Schwiegervater geborene Tötungsversuch am Opfer sei in jedem Fall Ausdruck extremsten Egoismus resp. extremster Geringschätzung des Lebens. Die psychischen Verletzungen der Beschwerdeführerin seien schon als Anlass für einen Tötungsversuch zulasten des Schwiegervaters kaum nachvollziehbar. Für einen solchen an einem fremden Jungen, der mit den innerfamiliären Spannungen nicht das Geringste zu tun habe, gelte das umso mehr. Mit ihrer Tat habe die Beschwerdeführerin ein Zufallsopfer zum Werkzeug ihrer primitiven Rache gemacht. Ein Handeln in einem irgendwie gearteten Affekt habe bereits die erste Instanz mit zutreffender Begründung verneint. Auch in der Tatausführung zeige sich eine erschreckende Gefühlskälte, indem die Beschwerdeführerin trotz heftiger Gegenwehr des Opfers nicht von ihrem absolut verwerflichen Plan abgerückt sei. Erst als es dem Opfer ein zweites Mal gelungen sei, sie wegzuschubsen und sie sich dabei den Kopf gestossen habe, habe sie von ihm abgelassen. Ihr Handeln sei insgesamt besonders skrupellos. Das gelte unabhängig von Intensität und Detaillierungsgrad der Planung. Die Beschwerdeführerin sei folglich in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils des versuchten Mordes schuldig zu sprechen (angefochtenes Urteil, E. II. [recte: III.] A. 5.1 S. 39 f.).