Citation: 6B_1019/2023 E. 2.1.2

2.1.2. Mit Blick auf eine "freiwillige" Publikation ergibt sich hieraus Folgendes: Die Rückzugsfiktion gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO greift, wenn die Partei, welche die Berufung erklärt hat, nicht vorgeladen werden kann. Dies ist (bereits) dann der Fall, wenn der Aufenthalt der Adressatin oder des Adressaten unbekannt ist und trotz zumutbarer Nachforschungen nicht ermittelt werden kann. Mit dem durch Fiktion erfolgten Rückzug der Berufung wird das Verfahren vor der Berufungsinstanz unmittelbar beendet (BGE 141 IV 269 E. 2.2.3; Urteil 6B_963/2021 vom 26. September 2022 E. 3.2). Die Zustellung durch Veröffentlichung gemäss Art. 88 Abs. 1 StPO als Zustellungssurrogat erfolgt indes im Nachgang an erfolglos gebliebene Nachforschungen. Damit kann sie nicht zur Anwendung gelangen, wenn bereits die für das Berufungsverfahren vorgesehene (vorgelagerte) Rückzugsfiktion gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO gegriffen und das Berufungsverfahren beendet hat. Folglich ist ausgeschlossen, dass im Berufungsverfahren einer im Nachgang an alle erfolglos gebliebenen zumutbaren Massnahmen vorgenommenen ("freiwilligen") amtlichen Publikation einer Vorladung die Wirkung einer rechtsgenüglichen Zustellung zukommen kann.