Citation: H 186/05 24.07.2006 E. 5

5.1 Laut BGE 122 V 185 ist die Schadenersatzpflicht nach Art. 52 AHVG einer Herabsetzung wegen Mitverschuldens der Verwaltung zugänglich, sofern sich diese einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht hat, was namentlich dann der Fall ist, wenn sie elementare Vorschriften der Beitragsveranlagung und des Beitragsbezugs missachtet hat. Zudem muss zwischen dem rechtswidrigen Verhalten und dem Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Eine Herabsetzung kann daher nur erfolgen, wenn und soweit das pflichtwidrige Verhalten der Verwaltung für die Entstehung oder Verschlimmerung des Schadens adäquat kausal gewesen ist (vgl. auch SVR 2000 AHV Nr. 16 S. 50 Erw. 7a). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers bedeutet dies, dass sich bei Vorliegen eines gravierenden Fehlverhaltens der Ausgleichskasse die Ersatzpflicht reduziert, sie aber nicht wegfällt. 5.2 Es ist unbestritten, dass sich die Ausgleichskasse eine Verletzung der Normen zum Beitragsbezug vorwerfen lassen muss, indem sie ab Frühling 1999 keine weiteren Schritte zur Bezahlung der ausstehenden Beiträge (Schlussabrechnung 1996 vom 8. Juli 1997; vgl. auch Verfügung vom 14. Juli 1997) unternahm, sondern gemäss verbindlicher Feststellung der Vorinstanz (Erw. 2) während 3 ½ Jahren (1. März 1999 bis 17. Oktober 2002) untätig blieb. Ebenfalls nicht streitig ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dieser Unterlassung und der Verschlimmerung des eingetretenen Schadens. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Beiträge zwar innert Frist festgesetzt wurden (Art. 16 Abs. 1 AHVG), dass aber Ende 2002 die Vollstreckungsverwirkung eingetreten wäre (Art. 16 Abs. 2 AVHG), wenn nicht bereits im November 2002 der Konkurs über die Arbeitgeberin eröffnet worden wäre. Diese Untätigkeit der Verwaltung wiegt schwer und ist als grob pflichtwidrig zu werten. In vergleichbaren Fällen hat das Eidgenössische Versicherungsgericht den geschuldeten Schadenersatz infolge Mitverschuldens der Ausgleichskasse um rund die Hälfte reduziert (vgl. SVR 2000 AHV Nr. 16 S. 50 Erw. 7c; Pra 1997 Nr. 48 S. 251 Erw. 3b; Urteil A. et al. vom 27. Januar 2004, H 38/03, und Urteil T. vom 21. November 2000, H 37/00). Nach dem Gesagten ist der geschuldete Schadenersatz, soweit er ausgefallene bundesrechtliche Beiträge umfasst (Erw. 1), um die Hälfte zu reduzieren; in diesem Sinne wird die Ausgleichskasse über die Schadenersatzverpflichtung in masslicher Hinsicht neu zu verfügen haben.