Citation: 1C_98/2022 E. 3.1

3.1. Der Bautyp des Baumeisterhauses wird von den städtischen Behörden wie folgt beschrieben: Wie der Begriff veranschaulicht, haben die Baumeisterhäuser keinen akademisch geschulten Architekten als Urheber, sondern wurden in den überwiegenden Fällen von einem Baumeister entworfen. Ab den 1830er-Jahren entstanden Tausende Wohn- und Handwerkerhäuser (heute bestehend ca. 700, davon 164 im Inventar), die sich dem gleichen Bautyp mit folgenden Merkmalen zuordnen lassen: freistehender Kubus, rechteckiger Grundriss, regelmässig befensterte Fassaden, Satteldach, oft mit Zwerchdach, rundes Giebelfenster, eine Wohnung pro Geschoss. Der Bauschmuck ist meist zurückhaltend eingesetzt, je nach Mittel und Absichten der Bauherrschaft kam es auch zu aufwendigeren Fassadengestaltungen. Das Erdgeschoss (sei es gewerblich oder als Wohnung genutzt) verfügt gewöhnlich über mehr Dekor (Lagerfugen, Gurtgesims, Fensterformen). Die Grundrisse sind in der Regel in zwei Raumschichten mit Mittelkorridor angelegt. Die kluge und zweckmässige Raumorganisation ist sehr flexibel, was die Verwendung der in etwa gleich grossen Wohn- oder Schlafräume angeht. Stilistisch orientieren sich die Häuser am vorherrschenden Klassizismus bürgerlicher Villenbauten, denen sie mit bescheideneren Mitteln nachkommen (symmetrische Gliederung, dezenter Bauschmuck, Risalite). Die Ausstattung besteht häufig aus vorfabrizierten Elementen und zeugt von der damals aufkommenden Baumittelindustrie: Parkett, Fliesen, Backsteine, Bauschmuck. Die frühen Industrieprodukte wurden fachgerecht vom Handwerker eingebaut und sind häufig von so hoher Qualität, dass sie bis heute erhalten sind (Amt für Städtebau des Kantons Zürich, Baumeisterhäuser, Stadt Zürich, Inventarergänzung, Oktober 2014, S. 3 f. [nachfolgend: AfS, Inventarergänzung]; Amt für Städtebau der Stadt Zürich, Zürcher Baumeisterhäuser, Zeugen einer wachsenden Stadt, Verkannte Architektur aus dem 19. Jahrhundert, Zürich 2011, S. 13-18). Im 19. Jahrhundert erlebte Zürich mit dem Abbruch der barocken Schanzenanlage um die Stadt (1834-1842) eine grosse räumliche Veränderung. Da die Verbindungsstrassen aus der Stadt hinaus und die stadtnahen Gebiete mit den alten Dorfkernen eine neue Bedeutung erhielten, entstanden im Zuge des einsetzenden grossen Wachstums der Stadt zahlreiche neue Baumeisterhäuser (AfS, Inventarergänzung, S. 3).