Citation: 6P.62/2006 14.11.2006 E. 2

Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, am 3. Dezember 1989 in Brusio/GR den Grenzwächter A.________ mit mindestens 3 Schüssen aus einem Revolver erschossen zu haben. Der Beschwerdeführer hat die Tat stets bestritten. Wesentliche Bedeutung für den Schuldspruch messen die kantonalen Instanzen den sichergestellten, auf das Mordopfer abgefeuerten Projektilen zu. 2.1 In diesem Zusammenhang stellen die kantonalen Instanzen zunächst folgendes fest: Bei der Spurensicherung am Tatort vom 3. Dezember 1989 wurde vom kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Graubünden (KTD/GR) ein Projektil unter dem rechten Ellbogen des Opfers aufgefunden. Zwei weitere Projektile fanden sich bei der Obduktion des Opfers im Schädel ("Schädel-Steckschuss") und in den muskulären Weichteilen des Rückens ("Steckschuss"). Ferner wurde ein Projektilteil sichergestellt, von welchem der genaue Fundort nicht festgestellt werden konnte. Diese drei Projektile und das Projektilteil werden vom Kassationsgericht als "Tatprojektile" bezeichnet. Vom KTD/GR gelangten die drei in Plastiksäcklein verpackten Projektile und das Projektilteil am 5. Dezember 1989 zum wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich (WD/ZH), wo sie vom Sachbearbeiter B.________ in einer Tabelle aufgeführt und gewogen wurden. Vom WD/ZH wurden die Projektile im Dezember 1989 zurück an den KTD/GR und von dort am 20. Dezember 1989 nach Italien (Interpol Rom) geschickt . Zu einem späteren, nicht mehr genau eruierbaren Zeitpunkt - gemäss dem Geschworenengericht zusammen mit der Zustellung eines schriftlichen Gutachtens von Isp. C.________ von der italienischen Staatspolizei, Servizio Polizia scientifica, vom 21. März 1990, nach Auffassung des Beschwerdeführers möglicherweise wesentlich später - gelangten die Projektile und das Projektilteil an den KTD/GR zurück, wo sie unter der Nummer 89-940 gelagert wurden. Am 22./23. Mai 2002 wurden diese beim KTD/GR gelagerten Projektile und das Projektilteil erneut dem WD/ZH zur Verfügung gestellt. Nach der Rücksendung an den KTD/GR stellte dieser die Projektile am 16. Dezember 2002 ein weiteres Mal dem WD/ZH zu, der sie nunmehr einer ballistischen Untersuchung unterzog. Diese Projektile bezeichnet das Kassationsgericht als "Aktenprojektile". Im Gutachten vom 20. März 2003 verglich der WD/ZH die ihm zugestellten "Aktenprojektile" (Projektile A - C und Projektilteil D) mit dem beim Beschwerdeführer anlässlich seiner Verhaftung am 5. November 1991 in Italien sichergestellten Revolver "Renato Gamba" und gelangte zum Ergebnis, dass die Projektile A - C aus diesem Revolver verschossen worden waren. Gestützt auf dieses Gutachten stellte das Geschworenengericht fest, dass der Revolver "Renato Gamba" zweifelsfrei die Tatwaffe vom 3. Dezember 1989 sei. Dabei ging das Geschworenengericht von der Identität von "Tatprojektilen" und "Aktenprojektilen" aus (angefochtener Beschluss S. 2-5; Urteil des Geschworenengerichts S. 25, 37 ff., 50). 2.2 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass der vom WD/ZH für das Gutachten vom 20. März 2003 untersuchte Revolver "Renato Gamba" ihm gehört hat. Er macht auch nicht geltend, er sei nicht schon am 3. Dezember 1989 im Besitze dieses Revolvers gewesen. Schliesslich wendet er sich auch nicht gegen die Feststellung, die vom WD/ZH untersuchten Projektile ("Aktenprojektile") seien aus diesem Revolver verschossen worden. Hingegen rügt er den Schluss als willkürlich, die vom WD/ZH untersuchten "Aktenprojektile" seien mit den am 3. Dezember 1989 auf den Grenzbeamten abgefeuerten "Tatprojektilen" identisch. Er stellt sich auf den Standpunkt, in Italien seien mit dem anlässlich seiner Verhaftung sichergestellten Revolver "Renato Gamba" Schussversuche angestellt worden und es stehe nicht fest, dass die im Dezember 1989 nach Italien gesandten und in Rom im März 1990 untersuchten Projektile je wieder in die Schweiz zurückgekommen und nicht absichtlich oder unabsichtlich mit Projektilen aus der Beschiessung der Waffe ausgetauscht worden seien (staatsrechtliche Beschwerde S. 8 ff., 14 f., 17 f.; angefochtener Beschluss des Kassationsgerichts S. 5, 25 f.).