Citation: 6B_460/2021 E. 3

Die Vorinstanz stützt sich bei ihrer Beurteilung auf die Richtlinie der Konkordatskonferenz des Strafvollzugskonkordats der Nordwest- und Innerschweizer Kantone betreffend die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug vom 26. Oktober 2018, die Vollzugsberichte der JVA Bostadel vom 26. Juni 2019 und vom 19. August 2020, die Beurteilung der Konkordatlichen Fachkommission zur Beurteilung der Gemeingefährlichkeit von Straftätern ("KoFaKo") vom 24. September 2020, den Therapiebericht der C.________ AG vom 4. Juli 2019 sowie das bereits erwähnte Gutachten von Dr. B.________. Zum Vorleben erwägt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer sei wegen dreifacher leichter Widerhandlungen gegen das BetmG sowie einem Delikt gegen das WG vorbestraft. Mit der jüngsten Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung habe sich die Deliktsschwere erheblich gesteigert, womit der Leumund negativ ins Gewicht falle. Im Vollzug sei dem Beschwerdeführer grundsätzlich ein korrektes Verhalten zu attestieren. Nichtsdestotrotz könne dieses nicht durchwegs als lobenswert angesehen werden, da fünf von sechs Urinproben positiv auf THC getestet worden seien. Der nicht tolerierbare Cannabiskonsum trübe auch die Prognose über das künftige Wohlverhalten, zumal die Anlasstaten im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen gestanden seien. Wie die Vergangenheit gezeigt habe, habe das soziale Umfeld des Beschwerdeführers grossen Einfluss auf sein Konsumverhalten. Nach den Einschätzungen der Gutachterin, der KoFaKo und auch der C.________ AG bleibe fraglich, ob er bereits hinreichende Strategien entwickelt habe, um ausserhalb des kontrollierten Settings des Strafvollzugs auf Drogen zu verzichten. Ebenso unklar bleibe, wie ihm die Emotionsregulierung ohne Substanzkonsum gelingen solle. Da laut übereinstimmender Beurteilung von Dr. B.________ und der KoFaKo der Substanzkonsum in Verbindung mit einer psychosozialen Destabilisierung resp. inneren und äusseren Belastungsfaktoren zum Delikt geführt habe, sei der Konsum als Ganzes problematisch, auch wenn die Alkohol- und Kokainabhängigkeit im Vordergrund stehen würde. Nicht entscheidend sei deshalb, ob der Cannabiskonsum als deliktsrelevant angesehen werden müsse. Nebst dem müsse der soziale Empfangsraum, der beim Entscheid über die bedingte Entlassung eine wichtige Rolle spiele, als instabil bezeichnet werden. Viele soziale Kontakte, namentlich der zu seinem Sohn würden bei der Rückkehr nach Gambia wegfallen resp. stark eingeschränkt werden. Die berufliche Etablierung auf dem dortigen Arbeitsmarkt, das Zurechtfinden in der Kultur und die Rückkehr zur Familie nach rund zwanzigjähriger Abwesenheit seien schwierig. Welche konkreten Strategien der Beschwerdeführer zu Bewältigung dieser Situation erarbeitet habe, sei nicht ersichtlich. Es bestehe die Gefahr, dass er unter dem sozialen Druck in alte Verhaltensmuster, insbesondere in den Drogenkonsum zurückfalle, was das Risiko erneuter schwerer Gewaltdelikte erhöhe. Es könne derzeit nicht davon ausgegangen werden, dass er von seinen Bezugspersonen hinreichend vor solchen Entwicklungen beschützt werden könnte. Da aufgrund der ausgesprochenen Landesverweisung keine Auflagen und keine Bewährungshilfe angeordnet werden könnten, mutiere die bedingte Entlassung faktisch zu einer definitiven, ohne dass dem Beschwerdeführer vorher Vollzuglockerungen gewährt worden seien. Zusammenfassend könne ihm derzeit keine rechtsgenügliche positive Legalprognose gestellt werden. Angesichts der nicht überwundenen Rückfallgefahr und den äusserst ungünstigen Verhältnissen im Umfeld des Beschwerdeführers nach einer allfälligen Entlassung sei zudem davon auszugehen, dass die Legalprognose nach Vollzug der vollen Strafe besser ausfallen werde. Eine weitere günstige Beeinflussung des Beschwerdeführers sei zu erwarten. Auch die Vornahme der Differenzialprognose ändere deshalb nichts am Prozessergebnis.