Citation: 5C.7/2001 20.07.2001 E. 3

3.- Das Obergericht hat ein Verschulden der Beklagten aus mehreren Gründen (fehlende Signalisations- und Rückschneidepflicht) verneint. Der Kläger rügt in diesem Zusammenhang in verschiedener Hinsicht eine Verletzung von Bundesrecht. a) Soweit der Kläger die Meinung vertritt, die Beklagte treffe ein Verschulden, weil sie den Bahnübergang nicht signalisiert habe, geht er fehl. Denn eine Signalisationspflicht bestand im konkreten Fall nicht (E. 2a hiervor), weshalb die Beklagte mit Rücksicht auf die konkreten Fallumstände nicht stärker in die Pflicht genommen werden kann. Ob die Verletzung der Signalisationspflicht die adäquate Kausalität zu beeinflussen vermöchte, der Beklagten als Verschulden anzurechnen wäre oder ob von einer entsprechend erhöhten Betriebsgefahr ausgegangen werden müsste, kann bei diesem Ergebnis offen bleiben (BGE 87 II 301 E. 5a S. 312 ff; 71 II 117 E. 3b S. 123 f.; Praxis 85/1996 Nr. 171 S. 631 E. 3d und 4b S. 634 f.). b) Das Obergericht hat festgestellt, dass auch ein Zurückschneiden der Sträucher und Gräser auf der Böschung in Richtung des heranfahrenden Zugs die Sichtverhältnisse nicht so hätte verbessern können, dass ein Aussteigen und Überprüfen des Bahnverkehrs überflüssig würde; dies auch deshalb, weil selbst das gefahrlose Einreihen in den (ebenfalls vortrittsberechtigten) Verkehr auf der Kantonsstrasse das Anhalten auf dem Geleise erforderlich mache. Daher sei nicht ersichtlich, weshalb das Stehenlassen der Pflanzen der Beklagten zum Verschulden gereichen könnte. Der Kläger macht zunächst erfolglos geltend, der Beklagten müsse das Stehenlassen der Bewachsung als Verschulden angerechnet werden. Denn dass damit der Verunfallten bei der Wegfahrt die freie Sicht nach links zusätzlich erschwert wird, hat das Obergericht in seine Begründung miteinbezogen, mit der sich der Kläger insoweit nicht auseinander setzt (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 116 II 745 E. 3 S. 749). Wenn er aus Art. 2 Abs. 3 der Verordnung über den Bau und Betrieb der Eisenbahnen vom 23. November 1983 (EBV; SR 742. 141.1) ableitet, das Zurückschneiden gehöre zum Unterhalt, so begründet er nicht, inwiefern das Obergericht mit der Feststellung Bundesrecht verletzt, auch bei verbesserten Sichtverhältnissen wäre es nötig gewesen, vor der Abfahrt an das Bahngeleise vorzutreten. Auch mit der Bemerkung, bei zurückgeschnittener Bewachsung hätte der Zug bereits 15 Sekunden (= ca. 200 m Wegstrecke) vor dem Erreichen der Kreuzung gesehen werden können, vermag der Kläger nicht gegen die obergerichtliche Feststellung aufzukommen, eine leicht verbesserte Sicht hätte bloss zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl und damit zu einem zusätzlichen Gefahrenpotenzial geführt. Im Übrigen dürfte auch eine maximale Distanz des Zuges von 200 m sehr knapp sein, weil auch die Benutzer der Kantonsstrasse Vortritt haben und somit häufig länger auf dem Bahngeleise gewartet werden muss. Weiter rügt der Kläger, die Beklagte wäre verpflichtet gewesen, die Böschung abzutragen, falls die Sichtverhältnisse anders nicht hinreichend hätten verbessert werden können. Er begründet nicht, weshalb diese Massnahme erforderlich ist, obschon es eine Möglichkeit gibt, gefahrlos in den Verkehr auf der Kantonsstrasse einzubiegen (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Er redet von Verhältnismässigkeit ohne Begründung dafür, dass diese gewahrt wäre, und macht bloss geltend, dass solche Unfälle ausschliessende Sicherheitsvorkehrungen für die Beklagte nicht vollkommen unzumutbar sind. Der vorliegende Fall ist offensichtlich nicht mit dem in BGE 69 II 150 beurteilten zu vergleichen, wo eine Durchgangsstrasse (Verbindung zwischen der Kantonsstrasse und einem Dorf) an unübersichtlicher Stelle eine Regionalbahnlinie kreuzte (vgl. dazu allgemein Oftinger/Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht,