Citation: U 321/03 27.05.2004 E. 2

In Verfügung, Einspracheentscheid und vorinstanzlichem Entscheid standen Invalidenrente und Integritätsentschädigung im Streit. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird im Rechtsbegehren zwar allgemein von Versicherungsleistungen gesprochen, jedoch bezieht sich die Begründung allein auf den Rentenanspruch; die Integritätsentschädigung - resp. deren Ablehnung durch das kantonale Gericht und die SUVA - wird mit keinem Wort erwähnt. Daher ist vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht allein der Anspruch auf Invalidenrente Streitgegenstand. 2.1 Das kantonale Gericht stellt auf die Einschätzung des SUVA-Arztes Dr. med. V.________ vom 11. September 2001 ab und geht von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit aus. Für eine allfällige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen sei die Unfallversicherung nicht leistungspflichtig, da der Unfall von Dezember 1999 als leicht einzustufen und in der Folge der adäquate Kausalzusammenhang zu den geklagten psychischen Störungen zu verneinen sei. Unter Herbeiziehung des zuletzt verdienten Lohnes und der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung hat die Vorinstanz anschliessend das Bestehen einer Invalidität und in der Folge auch den Rentenanspruch verneint. 2.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird zunächst eingewendet, dass gemäss Hausarzt Dr. med. K.________ Abklärungen im Heimatland des Versicherten eine somatische Ursache der geklagten Beschwerden ergeben hätten. Weiter lägen divergierende ärztliche Auffassungen vor, so dass sich ein Obergutachten aufdränge. Dieser Argumentation ist nicht zu folgen: Die Vorinstanz hat zu Recht auf den überzeugenden Bericht des SUVA-Arztes Dr. med. V.________ vom 11. September 2001 abgestellt und eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit - d.h. kein längeres Verharren in kauernder oder kniender Stellung, kein Besteigen von Leitern oder Treppen mit Tragen von Gewichten von 15 bis 20 kg - angenommen (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a). Da eine im Rahmen der Invaliditätsbemessung zu berücksichtigende Arbeitsfähigkeit festgestellt worden ist, spielt es - entgegen der Auffassung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde - keine Rolle, ob die SUVA-Ärzte Dres. med. I.________ und V.________ einen vorbestandenen Schaden als bloss wahrscheinlich oder als sicher festgestellt haben; Weiterungen sind in dieser Hinsicht nicht nötig. Die diversen Zeugnisse des Hausarztes Dr. med. K.________ sind weder geeignet, zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu führen, noch vermögen sie Zweifel an der Zuverlässigkeit der Ausführungen des SUVA-Arztes Dr. med. V.________ zu wecken (BGE 125 V 353 Erw. 3b/ee), denn es ist mangels Begründung nicht nachvollziehbar, weshalb die Einschätzung des SUVA-Arztes nicht korrekt sein sollte. Im Weiteren fällt auf, dass Dr. med. K.________ im - während des Einspracheverfahrens eingereichten - Zeugnis vom 11. Februar 2002 die Arbeitsunfähigkeit teilweise auf Krankheit und teilweise auf Unfall zurückgeführt hat, während er in den nachfolgenden Zeugnissen jeweils nur noch eine Arbeitsunfähigkeit wegen Unfall angenommen hat; damit kann - neben der fehlenden Begründung - auch wegen dieses Widerspruches nicht auf die Einschätzung des Hausarztes abgestellt werden. Schliesslich liegen weder Dokumente noch Hinweise dafür vor, dass eine Abklärung im Heimatland des Versicherten eine somatische Grundlage der Beschwerden ergeben hätte; im Rahmen der Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 55 UVV) hätte der Beschwerdeführer diese Unterlagen von sich aus einreichen müssen. In dieser Hinsicht erübrigen sich weitere Abklärungen (BGE 110 V 53 Erw. 4a). Damit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht in einer leidensangepassten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig ist. 2.3 Der Versicherte macht weiter geltend, dass er an psychischen Gesundheitsschäden mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit leide. Ein adäquater Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 16. Dezember 1999 sei gegeben, da es sich um einen mittleren Unfall gehandelt habe und die nach der Rechtsprechung dabei notwendigen Kriterien gegeben seien. Entgegen der Auffassung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde liegt kein mittlerer, sondern offensichtlich ein leichter Unfall vor, ordnet doch BGE 115 V 139 Erw. 6a Ereignisse wie Übertreten des Fusses, gewöhnliche Stürze oder Ausrutschen den leichten resp. banalen Unfällen zu. Am 16. Dezember 1999 ist der Versicherte nicht gestürzt, sondern mit dem rechten Fuss ausgerutscht, so dass sich sein Körpergewicht auf das linke Bein verlagerte und er einen Schlag im Knie verspürte. Damit ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den geklagten psychischen Beschwerden und dem Ereignis von Dezember 1999 ohne weiteres zu verneinen (BGE 115 V 139 Erw. 6a). Es liegen keine Umstände vor, die eine Abweichung vom Regelfall zulassen würden. 2.4 Was das Einkommen ohne Gesundheitsschaden (Valideneinkommen) betrifft, ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht vom zuletzt verdienten Lohn auszugehen, da dem Versicherten bereits vor dem Ereignis vom 16. Dezember 1999 gekündigt worden ist, und er deshalb auch im Gesundheitsfall nicht mehr am angestammten Arbeitsplatz tätig wäre. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne Eintritt des Ereignisses am 16. Dezember 1999 weiterhin als Hilfsarbeiter auf dem Bau arbeiten würde, so dass auf die entsprechenden Zahlen der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2000 abgestellt werden kann: Gemäss Tabelle A1, Zeile 45, verdient ein Mann im privaten Sektor auf Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden monatlich Fr. 4544.- brutto. Dieser Betrag ist der Lohnentwicklung bis zum Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns 2001 anzupassen (+ 2,8 %; Bundesamt für Statistik, Lohnentwicklung 2002, S. 32 T1.1.93 Zeile F) und auf die in diesem Jahr betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 42 Stunden (Die Volkswirtschaft 1/2004 S. 94 Tabelle B9.2 Zeile F) umzurechnen, was ein massgebendes Valideneinkommen von Fr. 4904.80 monatlich und Fr. 58'857.60 jährlich ergibt. Für das hypothetische Einkommen nach Eintritt des Gesundheitsschadens (Invalideneinkommen) ist - da der Versicherte keine Verweisungstätigkeit aufgenommen hat - praxisgemäss auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung abzustellen (BGE 126 V 76 f. Erw. 3b/bb mit Hinweisen). Da dem Beschwerdeführer aufgrund seines Gesundheitszustandes eine Vielzahl von Arbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 18 Abs. 2 Satz 2 UVG) offen steht, ist der Zentralwert massgebend. Dieser beträgt für bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden beschäftigte Männer mit Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) monatlich Fr. 4437.- brutto (Bundesamt für Statistik, Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2000 S. 31 Tabelle A1). Umgerechnet auf die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr des möglichen Rentenbeginns 2001 (Die Volkswirtschaft 1/2004, S. 94 Tabelle B9.2) und angepasst an die bis zu diesem Zeitpunkt eingetretene Lohnentwicklung (+ 2.5 %; Bundesamt für Statistik, Lohnentwicklung 2002, S. 32 T1.1.93 Zeile "Total") ergibt sich ein Betrag von monatlich Fr. 4741.20 und jährlich Fr. 56'894.40. Aus - hier allein massgebender - somatischer Sicht ist ein volles Pensum zumutbar, jedoch ist kein längeres Verharren in kauernder oder kniender Stellung und kein Besteigen von Leitern oder Treppen mit gleichzeitigem Tragen von Gewichten von 15 bis 20 kg mehr möglich (vgl. Erw. 2.2 hievor). Wegen des dem Versicherten zumutbaren breiten Tätigkeitsbereiches, welcher insbesondere auch leichte Kontroll- und Überwachungstätigkeiten in der Industrie umfasst, kann aufgrund der bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen maximal ein behinderungsbedingter Abzug von 5 % vorgenommen werden (BGE 126 V 78 Erw. 5), so dass von einem Invalideneinkommen von Fr. 54'049.70 auszugehen ist. Bei einem Valideneinkommen von 58'857.60 resultiert somit ein rentenausschliessender (Art. 18 Abs. 1 UVG) Invaliditätsgrad von 8 % (zur Rundung: zur Amtlichen Publikation vorgesehenes Urteil R. vom 19. Dezember 2003, U 27/02), so dass letztlich offen bleiben kann, ob hier überhaupt ein behinderungsbedingter Abzug vorzunehmen ist. Dass die SUVA ursprünglich von einem Invaliditätsgrad von 12 % ausgegangen ist, ändert daran nichts, da das Recht von Amtes wegen anzuwenden ist und der Versicherte im vorinstanzlichen Verfahren auf die Möglichkeit einer reformatio in peius hingewiesen worden ist (vgl. BGE 122 V 167 Erw. 2).