Citation: U 377/01 07.11.2002 E. 3.2

3.2.1 Die Gutachter des ZMB haben als die Arbeitsfähigkeit der Versicherten beeinträchtigende Gesundheitsschäden eine protrahiert verlaufende, posttraumatische Anpassungsstörung bei histrionischer Persönlichkeitsstörung einerseits und ein rezividierendes, anfallsartiges Nacken-/Kopfschmerzsyndrom ohne begleitende, neurologische Symptome im Rahmen der psychiatrischen Diagnosen anderseits festgestellt. Zur Unfallkausalität dieser beiden Krankheiten haben sie in ihren Schlussfolgerungen ausgeführt, es hätten keine relevante, organische Befunde gefunden werden können, welche die von der Versicherten geklagten Beschwerden erklären könnten. Die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung sei wahrscheinlich vorbestehend, aber durch die beiden Unfallereignisse, insbesondere durch den Unfall vom 8. Oktober 1995 "in ihrer Symptomatik deutlich akzentuiert" worden. Die Gutachter des ZMB haben damit eine unfallkausale, somatische Ursache für die von der Beschwerdegegnerin geklagten, vielfältigen Beschwerden vollständig, d.h. auch im Sinne einer blossen Teilkausalität verneint, eine solche hingegen für den diagnostizierten, geistigen Gesundheitsschaden bejaht. Diese Beurteilung der medizinischen Situation und Zusammenhänge ist von den Gutachtern eingehend begründet worden, ist gut nachvollziehbar und leuchtet ohne weiteres ein. Es kommt ihr daher Beweiskraft zu (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). 3.2.2 Die Beschwerdegegnerin hat namentlich in ihrer vorinstanzlichen Beschwerde auf die abweichenden, somatischen Befunde und Diagnosen der von ihr selbst bzw. ihrem Hausarzt beauftragen Privatgutachter Dr. B.________ und Dr. H.________ hingewiesen. Dr. B.________ hat u.a. ein mässig ausgeprägtes, linksbe-tontes, insbesondere auch oberes Cervicalsyndrom diagnostiziert und als dieser Diagnose zu Grunde liegenden, objektiven, pathologischen Befund identische Rotationsumfänge C0/1 nach links im Sinne von "funktionellen Blockwirbeln" festgehalten. Dabei stützte er sich auf das Ergebnis der vom Röntgenologen Dr. G.________, durchgeführten, funktionellen, computertomografischen Untersuchung des craniocervicalen Überganges vom 10. Dezember 1999. Mit derselben Untersuchungstechnik hatte der Neurologe Dr. H.________ am 5. Mai 1997 gerade gegenteilig eine leichte Hypermobilität des ersten Halswirbels nach rechts (3°) und eine erhöhte segmentale Gesamtrotation C1/2 (13°) festgestellt und dies als Indiz für eine Instabilität in diesem Segment gewertet. Die Gutachter des ZMB konnten demgegenüber bei den im September 1998 durchgeführten, umfassenden Untersuchungen weder auf eine Hypermobilität noch auf Blockwirbel hinweisende, klinische und röntgenologische Befunde im Bereich der Kopfgelenke oder dort lokalisierte Schmerzen feststellen. In ihrem Ergänzungsgutachten vom 22. April 1999 haben sie zum gegenteiligen Befund von Dr. H.________ ausgeführt, aufgrund jüngster Untersuchungen bestünden erhebliche Zweifel an der Signifikanz und Präzision funktioneller, computertomografischer Untersuchungen. Jedenfalls müssten dem Ergebnis einer solchen Untersuchung entsprechende klinische Befunde und subjektive Beschwerden vorhanden und objektivierbar sein, was bei der Explorandin nicht der Fall gewesen sei. Diese Relativierung der Ergebnisse einer funktionellen, computertomografischen Untersuchung der Halswirbelsäule gilt auch für die von Dr. B.________ beigezogene, röntgenologische Diagnose. Deren Richtigkeit und Verlässlichkeit ist ebenso fraglich wie die von Dr. H.________ - zwar nur im Sinne eines Indizies - gestellte Verdachtsdiagnose. Abgesehen davon stehen die von den beiden Privatgutachtern gestellten, das oberste und unterste Segment der Halswirbelsäule betreffenden Diagnosen in diametralem Widerspruch und lassen unberücksichtigt, dass die Halswirbelsäule jedenfalls beim Unfall vom 8. Oktober 1995 weder direkt noch indirekt betroffen waren. 3.3 Zusammenfassend vermag deshalb weder das Privatgutachten von Dr. B.________ noch dasjenige von Dr. H.________ die Schlüssigkeit und damit die Beweiskraft des Administrativgutachtens des ZMB in der Frage der (fehlenden) natürlichen Unfallkausalität der von der Beschwerdegegnerin geklagten, somatischen Beschwerden zu erschüttern. Es ist demgemäss davon auszugehen, dass keine körperliche Gesundheitsstörung vorhanden ist, die ursächlich auch nur teilweise auf einen der bei den beiden Unfällen erlittenen Gesundheitsschaden zurückgeführt werden könnte. Hingegen ist ein teilweiser, medizinischer Zusammenhang zwischen der vorbestandenen, psychischen Gesundheitsstörung der Beschwerdegegnerin und den beiden Unfällen, namentlich demjenigen vom 8. Oktober 1995, im Sinne einer Verschlimmerung (Akzentuierung) durch die fachärztlichen Feststellungen im Gutachten des ZMB ausgewiesen, weshalb die diesbezügliche natürliche Unfallkausalität auch aus rechtlicher Sicht als nachgewiesen gelten kann.