Citation: 2C_114/2019 E. 5.1.2

5.1.2. Die vom Beschwerdeführer begangene sexuelle Nötigung erscheint sodann im vorliegenden Zusammenhang als schwer und verwerflich: Zum einen hat der Beschwerdeführer die sexuelle Integrität bzw. die sexuelle Freiheit eines Menschen verletzt, welche als hochwertiges Rechtsgut zu betrachten ist (vgl. BGE 139 II 121 E. 6.3 S. 131; 124 IV 154 E. 3a S. 158; Urteile 2C_231/2019 vom 23. Mai 2019 E. 2.2.1; 2C_138/2018 vom 16. Januar 2019 E. 2.3). Zum anderen zählt die sexuelle Nötigung (Art. 189 StGB) zu denjenigen strafbaren Verhaltensweisen, welche unter Vorbehalt der Anwendung der strafrechtlichen Härtefallklausel (Art. 66a Abs. 2 StGB) heute eine obligatorische Landesverweisung nach sich ziehen (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). Zwar sind die entsprechenden Bestimmungen nicht auf Taten anwendbar, die - wie die vorliegende sexuelle Nötigung - vor dem 1. Oktober 2016 begangen wurden, doch trägt das Bundesgericht der damit durch den Verfassungs- und Gesetzgeber zum Ausdruck gebrachten besonderen Verwerflichkeit der bereits in Art. 121 Abs. 3 lit. a BV aufgeführten Taten in der Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK insofern Rechnung, als es dadurch zu keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht - insbesondere der BV und der EMRK - kommt (BGE 139 I 16 E. 5 S. 28 ff.; Urteil 2C_231/2019 vom 23. Mai 2019 E. 2.2.2). Wie im Folgenden ersichtlich wird, ist dies hier aufgrund der konkreten Umstände nicht der Fall. Es kann im Übrigen entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers keine Rede davon sein, dass die Vorinstanz vorliegend Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB in einer Art und Weise herangezogen hat, welche über eine blosse Berücksichtigung der vom Gesetzgeber zum Ausdruck gebrachten Wertung im Rahmen der Interessenabwägung hinausginge. Gemäss dem Urteil des Obergerichts des Kantons Solothurn vom 13. September 2016 hat der Beschwerdeführer sein Opfer zu Oralverkehr genötigt, indem er mit dem Penis in dessen Mund eindrang (vgl. dazu E. 4.2 des Einspracheentscheids des Amtes für Migration und Integration des Kantons Aargau vom 14. Juni 2018). Die Nötigung zur Duldung eines solchen Oralverkehr ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts, auf die das Obergericht des Kantons Solothurn Bezug nahm, in ihrem Unrechtgehalt einer Vergewaltigung (Art. 190 StGB) ähnlich, weshalb die Strafe im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht wesentlich niedriger sein darf als die Strafe, welche das Strafgericht unter denselben Umständen für eine Vergewaltigung ausgesprochen hätte (BGE 132 IV 120 E. 2.5 S. 126). Schon deshalb greift der Beschwerdeführer ins Leere, soweit er die Schwere seiner gegen die sexuelle Integrität gerichteten Tat allein mit dem Hinweis zu relativieren sucht, es sei nicht zu einer Verurteilung wegen Vergewaltigung gekommen.