Citation: 6B_788/2010 20.01.2011 E. 3.2

3.2.1 Die Vorinstanz erwägt, die vom Beschwerdegegner gegenüber Dritten geäusserte Behauptung, eine Abklärung bzw. Untersuchung über die Beschwerdeführerin durchgeführt zu haben und über Beweismittel zur Rechtfertigung einer Kündigung zu verfügen, tangiere den Ruf der Beschwerdeführerin, ein ehrbarer Mensch zu sein, nicht. Die Äusserung enthalte keinen konkreten Vorwurf, der die sittliche Ehre betreffe, sondern beziehe sich ausschliesslich auf ihre berufliche Tätigkeit. Dieser Bereich der Ehre sei aber nicht strafrechtlich geschützt. Der Umstand, dass sie ihr Privat- vom Berufsleben nicht mehr habe klar trennen können, vermöge hieran nichts zu ändern. Die Äusserungen in einem überdurchschnittlich "normierten" Umfeld spielten zur Beantwortung der Frage, ob eine Ehrverletzung vorliege, keine Rolle. Massgeblich sei der Sinn der Äusserung, wie sie ein unbefangener Hörer oder Leser verstehe (angefochtenes Urteil, S. 3 f.). 3.2.2 Das vom Beschwerdegegner verfasste Memorandum betreffe den Führungsstil der Beschwerdeführerin, was sie höchstens als Berufsfrau herabsetze. Eine sittliche oder ethische Würdigung sei damit nicht verbunden. Sie werde keiner Eigenschaft bezichtigt, die geeignet sei, sie als Mensch verächtlich zu machen oder ihren Charakter in ein ungünstiges Licht zu rücken. Von "beruflicher Untauglichkeit" oder "Mobbing" sei im Memorandum auch indirekt nicht die Rede. Das Verbot der Bank B.________, das Memorandum zu verbreiten, sei für die strafrechtliche Beurteilung des Inhalts bedeutungslos. Die Ehrverletzungsklage sei mangels strafrechtlicher Relevanz der inkriminierten Äusserungen nicht zuzulassen (angefochtenes Urteil, S. 4 f.). 3.3 Gemäss Art. 173 Ziff. 1 StGB macht sich der üblen Nachrede schuldig, wer jemanden bei einem anderen eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Tatsachen, die geeignet sind, seinen Ruf zu schädigen, beschuldigt oder verdächtigt oder wer eine solche Beschuldigung oder Verdächtigung weiterverbreitet (vgl. auch Art. 174 Ziff. 1 StGB). Nach ständiger Rechtsprechung beschränkt sich der strafrechtliche Schutz von Art. 173 Ziff. 1 StGB auf den menschlich-sittlichen Bereich. Die Bestimmung schützt somit den Ruf, ein ehrbarer Mensch zu sein, d.h. sich so zu benehmen, wie nach allgemeiner Anschauung ein charakterlich anständiger Mensch sich zu verhalten pflegt (sittliche Ehre bzw. ethische Integrität). Den Tatbestand erfüllen nur Behauptungen sittlich vorwerfbaren, unehrenhaften Verhaltens. Äusserungen, die geeignet sind, jemanden in anderer Hinsicht, z.B. als Geschäfts- oder Berufsmann, als Politiker oder Künstler in seiner gesellschaftlichen Geltung oder sozialen Funktion herabzusetzen (gesellschaftliche oder soziale Ehre), sind demgegenüber nicht ehrverletzend, solange die Kritik an den strafrechtlich nicht geschützten Seiten des Ansehens jedenfalls nicht zugleich die Geltung als ehrbarer Mensch trifft. Für die Frage, ob die Äusserung ehrenrührig ist, ist massgeblich, welcher Sinn ihr ein unbefangener Adressat unter den konkreten Umständen beilegt (BGE 128 IV 53 E. 1a mit Hinweisen). Unerheblich ist, ob der Dritte die Beschuldigung oder Verdächtigung für wahr hält oder nicht (Urteil 6B_1058/2009 vom 15. März 2010 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 103 IV 22). Die sittliche Ehre ist namentlich tangiert beim Vorwurf, vorsätzlich eine strafbare Handlung begangen zu haben (FRANZ RIKLIN, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 2. Aufl. 2007, N. 18 vor Art. 173 StGB). 3.4 Massgebend für die Beurteilung einer Ehrverletzung sind weder die Wertmassstäbe der Beschwerdeführerin oder des Beschwerdegegners, sondern der (unbefangenen) Personen, die von der in Frage stehenden "Ehrverletzung" konkret Kenntnis erhalten haben (Urteil 6B_1058/2009 15. März 2010 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 128 IV 53 E. 1a). Entsprechend ist das von zahlreichen juristisch ausgebildeten Mitarbeitern geprägte Umfeld der Beschwerdeführerin, welche die Äusserung des Beschwerdegegners oder sein Memorandum zur Kenntnis genommen haben, bei der Beurteilung der Ehrverletzung zu berücksichtigen. 3.5 Die vorinstanzliche Erwägung, die Äusserung des Beschwerdegegners beziehe sich auf die berufliche Tätigkeit, ist grundsätzlich nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin wendet allerdings mit ebenfalls vertretbarer Argumentation ein, die Äusserung habe sich nicht nur auf ihre berufliche Ehre bezogen, sondern sie auch in ihrem Privatbereich getroffen. Die Abgrenzung der beruflichen zur strafrechtsrelevanten sittlichen Ehre ist im vorliegenden Fall denn auch nur schwer zu ziehen, zumal die Beschwerdeführerin in ihrer leitenden Stellung innerhalb der Rechtsabteilung der Bank B.________ massgeblich mit der Einhaltung und Durchsetzung zahlreicher gesetzlicher und betrieblicher Vorschriften beschäftigt war. In ihrer Position kann eine fristlose Entlassung durchaus mit der Verletzung gesetzlicher oder reglementarischer Vorschriften verknüpft werden. Es scheint daher nicht von vornherein ausgeschlossen, dass der Beschwerdegegner den Eindruck erwecken wollte, sie habe mit grosser Wahrscheinlichkeit gesetzeswidrig gehandelt beziehungsweise in grober Weise gegen bankinterne Reglemente und Weisungen verstossen. Diesfalls wäre neben ihrer beruflichen auch die sittliche Ehre betroffen, da sie einer strafbaren Handlung bezichtigt würde. 3.6 Im Kanton Zürich befindet der Präsident respektive der Einzelrichter des zuständigen Bezirksgerichts bei Ehrverletzungen, die nicht durch die Medien begangen wurden, auf Grundlage der Weisung und der Anklageschrift über die Zulassung der Anklage (§ 313 aStPO/ZH). Der Inhalt der Anklage ist auf ihre formale Ordnungsmässigkeit zu prüfen. Anklagen, bei denen die behaupteten Äusserungen gar nicht ehrenrührig sind, oder klarerweise ein Rechtfertigungsgrund gegeben ist, sind nicht zuzulassen. Es kann jedoch nicht Aufgabe der Zulassungsbehörde sein, in Zweifelsfällen dem Urteil des Sachrichters vorzugreifen (Urteil 6B_1058/2009 vom 15. März 2010 E. 2 mit Hinweisen). Entsprechend sind Ehrverletzungsklagen bei nicht eindeutiger Ehrenrührigkeit der zugrundeliegenden Äusserungen - wie im vorliegenden Fall - als zulässig zu betrachten.