Citation: 6B_1115/2022 E. 3.3.1

3.3.1. Ein Raufhandel gemäss Art. 133 StGB ist nach der Rechtsprechung eine wechselseitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen (BGE 139 IV 168 E. 1.1.1; 137 IV 1 E. 4.2.2; Urteil 1B_633/2022 vom 10. Januar 2023 E. 4.5; je mit weiteren Hinweisen). Demgegenüber stellt ein Angriff im Sinne von Art. 134 StGB eine einseitige, von feindseligen Absichten getragene, gewaltsame Einwirkung von mindestens zwei Personen auf den Körper eines oder mehrerer Menschen dar. Der Angegriffene verhält sich dabei passiv oder beschränkt sich auf den Schutz vor dem Angriff. Überschreitet seine Reaktion hinsichtlich ihrer Intensität und Dauer die Grenzen der erforderlichen Verteidigung, kann aus dem Angriff ein Raufhandel werden (zum Ganzen mit diversen Hinweisen: Urteil 6B_454/2022 vom 29. Juni 2022 E. 2 und 3.2). Nicht mehr ein Angriff, sondern ein Raufhandel liegt demnach grundsätzlich vor, wenn die angegriffene Person in Reaktion auf den Angriff selbst tätlich wird, sei dies auch nur abwehrend, wobei ihr Verhalten dann gemäss Art. 133 Abs. 2 StGB straffrei sein kann (vgl. Urteil 6B_745/2017 vom 12. März 2018 E. 2.3; MAEDER, in: Basler Kommentar Strafrecht, Bd. I, 4. Aufl. 2019, N. 7 zu Art. 134 StGB).