Citation: I 48/05 14.09.2005 E. 2

Die Meinungen der Verfahrensbeteiligten gehen in der Beantwortung der Frage auseinander, ob die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige einzustufen ist, was je nachdem ein anderes Vorgehen zur Bestimmung des Invaliditätsgrades (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs oder gemischte Methode) zur Folge hat. Während Vorinstanz und Verwaltung davon ausgehen, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen zu 60% erwerbstätig und zu 40% für den Haushalt besorgt wäre, macht die Versicherte geltend, diesfalls vollzeitig einer Beschäftigung nachzugehen. 2.1 Auf Grund der medizinischen Unterlagen steht fest, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer psychischen/psychosomatischen Leiden (erhöhte Ermüdbarkeit, Schmerzzustände, Schlafstörungen), welche Dr. med. K.________ diagnostisch als Neurasthenie ICD-10 F48.0 (auch Chronic Fatigue Syndrom) umschrieb, im Erwerbsbereich zu 50% arbeitsunfähig ist. Unbestritten ist weiter, dass die Versicherte seit Juni 1988 mit Ausnahme eines temporären vollzeitlichen Einsatzes im Spital X.________ von März bis August 1996 stets zu 50%, in der Firma V.________ anfänglich zu 60% und auf eigenen Wunsch ab November 1997 bis zur Beendigung dieses Arbeitsverhältnisses Ende April 2003 halbtags arbeitete. 2.2 Die Vorinstanz erwog, die gesundheitlich bedingte Arbeitsunfähigkeit bestehe gemäss Gutachten des Dr. med. K.________ seit Mai 2000. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie habe ihr Arbeitspensum 1988 aus gesundheitlichen Gründen reduziert, sei medizinisch nicht ausgewiesen. Allein aus dem subjektiven Empfinden, nicht mehr leisten zu können, sei nicht zu schliessen, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden vollzeitlich arbeiten würde. Anders verhielte es sich, wenn die Leistungsfähigkeit objektivierbar und medizinisch dokumentiert bereits seit längerer Zeit eingeschränkt gewesen wäre und es Anhaltspunkte dafür gäbe, dass die Versicherte beim Versuch, zu einem höheren Pensum zu arbeiten, scheiterte. Seit dem Entschluss, nur noch teilzeitig zu arbeiten, seien weder im persönlichen Umfeld (Wohngemeinschaft mit Lebenspartner) noch in finanzieller Hinsicht Änderungen eingetreten. Demgegenüber bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, zur Beurteilung der Statusfrage sei nicht entscheidend, ob der Gesundheitszustand vor dem Jahre 2000 medizinisch dokumentiert sei. Ausschlaggebend sei einzig, dass sie sich nicht in der Lage fühlte, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Auf Grund ihrer wiederholten und übereinstimmenden Angaben im Verwaltungsverfahren gegenüber der IV-Stelle und den Ärzten sei glaubhaft, dass sie ohne Invalidität vollzeitig erwerbstätig wäre. Zu berücksichtigen sei zudem, dass sie als unverheiratete und kinderlose Frau keine Betreuungs- und Erziehungsaufgaben wahrzunehmen habe. Sie sei auch zu keinem Zeitpunkt einer anderen Beschäftigung nachgegangen. 2.3 Nach der Rechtsprechung sind für die Beurteilung und Festlegung des von Versicherten im Gesundheitsfall mutmasslich ausgeübten Aufgabenbereichs ausser der finanziellen Notwendigkeit, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder auszudehnen, auch allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, bei verheirateten Versicherten überdies die eherechtliche Aufgaben- und Rollenverteilung im Rahmen der ehelichen Gemeinschaft, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen der Versicherten nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Denn Tatfragen, über die sich gemäss der Natur der Dinge nur Hypothesen aufstellen lassen, beurteilen sich nach Erfahrungssätzen. Es gibt Tatsachen, mit deren Vorhandensein nach den Erfahrungen des Lebens so sehr zu rechnen ist, dass ihr Vorhandensein so lange vorausgesetzt werden darf, als nicht Umstände nachgewiesen sind, welche es unwahrscheinlich machen, dass sie sich verwirklicht haben. Es sind dies Tatsachen, für welche die natürliche Vermutung streitet. Sie dürfen dem Urteil zugrunde gelegt werden, auch wenn sie nicht durch Beweismittel nachgewiesen sind (BGE 117 V 194 Erw. 3b und 4 Ingress mit Hinweisen). 2.4 Die Beschwerdeführerin wohnt seit Jahren mit ihrem Partner in einem Zweipersonenhaushalt. Gemäss Angaben im Abklärungsbericht Haushalt vom 6. Juni 2003 leidet sie seit langer Zeit an dauernder Müdigkeit, weshalb sie 1987 zusammen mit ihrem Lebenspartner beschlossen habe, das Arbeitspensum aus gesundheitlichen Gründen auf 50% zu reduzieren, in der Hoffnung, zu einem späteren Zeitpunkt wieder einer Vollbeschäftigung nachgehen zu können. Es ist nicht ohne weiteres einzusehen, weshalb die Beschwerdeführerin bei ihrem Entschluss, teilzeitig erwerbstätig zu sein, nicht vorerst ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hat, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten oder zu steigern. Aus dem Gutachten des Dr. med. K.________ vom 26. März 2002, worin die Angaben der Versicherten zu den einzelnen Beschwerden, deren Beginn und Ausmass detailliert wiedergegeben und in die psychiatrische Beurteilung einbezogen werden, ergibt sich, dass die Versicherte bis zum 32. Lebensjahr durchaus in der Lage gewesen ist, vollzeitig zu arbeiten sowie ihre Ferien und Freizeit zu geniessen. Die gesundheitlichen Beschwerden verstärkten sich danach und beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit massgeblich ungefähr zwei bis drei Jahre vor der psychiatrischen Exploration vom 25. März 2002. Damit übereinstimmend vermerkte die Beschwerdeführerin in der Anmeldung zum Bezug von Rentenleistungen vom 2. Oktober 2000, die Behinderung bestehe seit der Operation, welcher sie sich wegen eines pleomorphen Adenoms der Parotis links (Tumor an der linken Halsseite) am 11. Mai 2000 im Spital X.________ unterzogen hatte (Bericht des Spitals X.________ vom 31. Oktober 2000). Erst nach Erlass des Vorbescheids vom 26. April 2002 machte die Versicherte geltend, der Gesundheitsschaden beeinträchtige die Arbeitsfähigkeit massgeblich schon seit dem Jahre 1988 (Schreiben des Rechtsvertreters an die IV-Stelle vom 4. Oktober 2002; Abklärungsbericht Haushalt vom 6. Juni 2003). Unter solchen Umständen ist davon auszugehen, dass diese späteren Vorbringen von Überlegungen sozialversicherungsrechtlicher Natur beeinflusst sind (vgl. AHI 2000 S. 197 Erw. 2d; Erw. 3 des in RKUV 2001 Nr. U 437 S. 342 ff. auszugsweise publizierten Urteils C. vom 18. Juli 2001, U 430/00), weshalb darauf nicht abzustellen ist. Auf Grund der ursprünglichen Aussagen der Beschwerdeführerin ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie jedenfalls bis ins Jahr 1996 (dem 32. Altersjahr) vollständig arbeitsfähig war und ihr gemeinsam mit dem Lebenspartner im Jahre 1987 getroffener Entschluss, künftig einer Teilerwerbstätigkeit nachzugehen, weniger aus gesundheitlichen Erwägungen, als vielmehr im Rahmen einer Einigung über die Rollenverteilung in der eheähnlichen Gemeinschaft bezüglich der Haushaltführung erfolgte. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, sind die persönlichen und finanziellen Verhältnisse seit dem Entschluss im Jahre 1987, nur noch teilerwerbstätig zu sein, bis zum Erlass des Einspracheentscheids vom 7. Januar 2004 gleich geblieben. Auf Grund des Gesagten ist daher als erstellt zu betrachten, dass die Beschwerdeführerin auch ohne gesundheitliche Einschränkung im zeitlichen Umfang von 60%, welcher dem ursprünglichen Beschäftigungsgrad bei der Firma V.________ ab Oktober 1996 entspricht, teilzeiterwerbstätig wäre.