Citation: 6B_375/2015 E. 2.4

2.4. Der Beschwerdeführer erhebt Willkürvorwürfe bezüglich der Würdigung von Aussagen des Zeugen C.________ (Ziff. 24 ff.). Dieser Mitarbeiter in der Firma hatte unmittelbar nach der Tat den Tatort betreten und sagte aus, dass sich ein Inbusschlüssel neben kreisförmig angeordneten Bluttropfen am Boden befand, und verneinte, dass an der vom Privatkläger bei der Tatrekonstruktion angegebenen Stelle eine Palette stand. Es handelt sich um eine wesentliche Aussage. In nicht haltbarer Weise geht die Vorinstanz von einer Beeinflussung dieses Zeugen aus, weil er vorladungsgemäss den fraglichen Hammer und den Inbusschlüssel zur Zeugeneinvernahme mitgebracht und erklärt hatte, er habe den Inbusschlüssel mitgebracht, der "sicher" auf dem Boden am Tatort lag; den Hammer habe er am Tatort nicht gesehen, er habe ihn auf Beschreibung des Beschwerdeführers mitgebracht. Entgegen der Vorinstanz erscheint es nicht sonderbar, dass der Beschwerdeführer den Hammer beschreiben musste, denn er hatte infolge seiner Entlassung selber keinen Zugang zu den Räumlichkeiten der Firma. Nach der Vorinstanz deuten aber "derartige Unplausibilitäten" darauf hin, dass der Beschwerdeführer den Hammer im Hinblick auf die Einvernahme beschrieben bzw. eine diesbezügliche Beeinflussung stattgefunden habe (Urteil S. 21 f.). Es war indessen aktenkundig und von allem Anfang an unbestritten, dass der Beschwerdeführer den Privatkläger mit einem Hammer verletzt hatte. Dass der Zeuge der eigenartigen Aufforderung der Vorladung nur nachkommen konnte, indem er den Beschwerdeführer fragte, welcher Hammer es denn gewesen sei, kann ohne ernstliche Anhaltspunkte für eine Befangenheit nicht zum Ausschluss der Zeugenaussage führen. Für die Vorinstanz ist auch auffällig, dass der Zeuge spontan betone, der Inbusschlüssel habe "sicher" am Tatort gelegen. Da der Zeuge bei der Tatrekonstruktion zugegen gewesen sei, seien seine Aussagen ohnehin nur mit Zurückhaltung zu würdigen, zumal seine Befragung erst ein Jahr nach der Tat erfolgte. Es bestehe die Gefahr, dass der Zeuge Tatrekonstruktion und Erinnerung verwechsle. Dass sich am Tatort "sicher" ein Inbusschlüssel befunden habe, erweise sich nicht als verlässlich bzw. unglaubhaft. Ebenfalls als unglaubhaft erweise sich die Schilderung zum Blut am Boden. Dass sich ein Zeuge nach Jahr und Tag an die genaue Form der Bluttropfen am Boden erinnere, sei gedächtnispsychologisch schwer nachvollziehbar (Urteil S. 22). Einem Zeugen lässt sich nicht wegen Teilnahme an einer Tatrekonstruktion, zu welcher er amtlich vorgeladen wurde, die Zeugenqualität absprechen. Der Beschwerdeführer wendet im Übrigen zutreffend ein, bei der Tatrekonstruktion sei kein Blut verspritzt worden, so dass nicht nachvollziehbar sei, wie das Gedächtnis des Zeugen dies nach zwei Monaten verwechselt haben sollte. Ob Vergessensprozesse schneller oder langsamer verliefen, komme auf die jeweiligen Gedächtnisinhalte an. Bei wichtigen autobiographischen Ereignissen könne grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sich Zeugen noch nach längerer Verfahrensdauer an den überwiegenden Teil (ca. 80%) des Kerngeschehens erinnern können ( LUDEWIG/TAVOR/BAUMER, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: AJP 11/2011 1415 S. 1419 f.). Hier habe es sich um ein besonderes Ereignis zwischen den dem Zeugen bekannten Arbeitskollegen gehandelt. Der Beschwerdeführer wendet ferner zu Recht ein, dass es sich nicht nur darum handle, dass der Privatkläger an einer Palette irgendwie hätte "vorbeistürzen können" (Urteil S. 24). Fehlte nämlich eine (beladene) Palette, konnte der Privatkläger auch nicht damit beschäftigt sein, diese zusammenzubinden und dabei dem Beschwerdeführer den Rücken zuzukehren. Diese Palette ist in der Darstellung des Privatklägers entscheidend. Die Vorinstanz weist dieses Argument lediglich mit der Annahme zurück, gedächtnispsychologisch sei schwer nachvollziehbar, dass sich der Zeuge tatsächlich noch daran erinnern könne, ob am besagten Ort ein Jahr zuvor eine Palette stand oder nicht. Der Zeuge sei erst zum Geschehen hinzugekommen, als der verletzte Privatkläger den Raum bereits schon wieder verlassen hatte, so dass sein (angeblich noch ein Jahr später vorhandenes) Wissen um allfällige Standorte von Paletten zusätzlich unplausibel erscheine (Urteil S. 24). Diese indizienfreie Beurteilung lässt sich nicht halten.