Citation: 6B_164/2020 E. 3.5

3.5. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich grundsätzlich auf die weiteren Rügen der Beschwerdeführerin einzugehen. Aus prozessökonomischen Gründen bleibt jedoch zu bemerken, dass die vorinstanzlichen Erwägungen, wonach das Verhalten des Beschwerdegegners aufgrund der konkreten Umstände in einem milderen Licht erscheine, ebenfalls nicht schlüssig sind. So setzt sich die Vorinstanz in Widerspruch, wenn sie zunächst die Argumentation des Beschwerdegegners, er sei durch das ihm nachfolgende Polizeifahrzeug geradezu gedrängt worden, als Schutzbehauptung wertet (vgl. angefochtenes Urteil S. 7), ihm dann aber später zugesteht, er habe sich bedrängt gefühlt (vgl. angefochtenes Urteil S. 14). Auch ihre im Zusammenhang mit der Verkehrslage erfolgten Ausführungen vermögen nicht zu überzeugen. Nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz herrschte zwar dichter Verkehr. Die Vorinstanz stellt aber nicht fest, dass das Verkehrsaufkommen verkürzte Abstände notwendig gemacht hätte. Dass die Mindestabstände im parallelen Kolonnenverkehr auf Autobahnen oftmals nicht eingehalten werden (vgl. BGE 142 IV 93 E. 4.2.1), kann nicht bedeuten, dass die Abstandsregel bei dichtem Verkehr auf Autobahnen ihre Gültigkeit verliert. Der Vorschrift kommt auch bei hohem Verkehrsaufkommen auf Autobahnen wesentliche Bedeutung zu (vgl. Urteil 6B_502/2016 vom 13. September 2016 E. 3), zumal die Gefahr von unvorhersehbaren Bremsmanövern und Auffahrunfällen sowie das Risiko von Folgeunfälle bei einer Kollision unter diesen Umständen als erhöht zu bewerten ist. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt, ist bei einem hohen Verkehrsaufkommen daher besondere Aufmerksamkeit gefordert und nicht ersichtlich, inwiefern eine allfällige Gedankenlosigkeit des Beschwerdegegners aufgrund der Verkehrssituation als weniger vorwerfbar erscheinen sollte. Schliesslich ist nicht verständlich, weshalb die Vorinstanz weitere, für die geforderte Aufmerksamkeit und die Beurteilung der subjektiven Rücksichtslosigkeit massgebliche Umstände - wie etwa die von ihr selbst festgestellten Witterungs- und Sichtverhältnisse und die vom Beschwerdegegner gefahrene Geschwindigkeit von 118 km/h - nicht in ihre Beurteilung miteinbezogen hat.