Citation: 5A_414/2024 E. 2.4

2.4. Die Beschwerdeführerin wendet sich zunächst gegen die Annahme der Vorinstanz, dass die Erstinstanz den Zeitpunkt der Kenntnis der Nichtvaterschaft sogar noch zu ihren Gunsten festgelegt habe. Wenn der Gesetzgeber den Geburtstermin als massgeblichen Zeitpunkt hätte erachten wollen, hätte er dies so bezeichnet. Offensichtlich liege eine unrichtige Anwendung von Art. 260c ZGB vor. Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, die Vorinstanz verletze jegliche Rechtsgrundsätze, indem sie willkürlich den Beginn der Frist von Art. 260c Abs. 1 ZGB an der Zustellung des Urteils des Bezirksgerichts Luzern festmachen wolle, jedoch Mutmassungen darüber anstelle, wann genau ihr das Urteil zugestellt worden sein könnte. Die Auffassung, dass die relative Frist von Art. 260c Abs. 1 ZGB mit Zustellung eines Urteils zu laufen beginne, sei weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung verankert. Dass der Fristbeginn aufgrund eines hängigen Verfahrens "hinausgeschoben" werden könne, sei ebenfalls weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung irgendwo erwähnt. Sodann gehe es nicht an, dass das Obergericht Annahmen treffe, was sie zum Zeitpunkt der Klageeinreichung vom 21. Dezember 2020 gewusst haben soll und sich dabei auf einen Entscheid stütze, welcher sich mit keinem Wort dazu äussere. Das Obergericht gehe zu Unrecht davon aus, sie habe zum Zeitpunkt der Klageeinreichung vom 21. Dezember 2020 bereits sichere, prozessual verwertbare Kenntnis über die Nichtvaterschaft des Beschwerdegegners 1 gehabt. Eine solche Kenntnis habe sie erst mit der Zustellung des Resultats der DNA-Analyse (14. September 2021) erhalten. Aus den Ausführungen in der Klageschrift vom 21. Dezember 2020 dürfe nichts zu ihren Ungunsten abgeleitet werden, weil die Klage vom 21. Dezember 2020 nie inhaltlich behandelt worden sei. Selbst wenn die Klage vom 14. September 2022 verspätet wäre, würden aufgrund der Verfahrensfehler des Bezirksgerichts Luzern wichtige Gründe für die verspätete Anfechtungsklage vorliegen. Sie hätte nur dann eine neue Klage einreichen können, wenn die Einzelrichterin des Bezirksgerichts Luzern einen Nichteintretensentscheid gefällt hätte, wie es auch richtigerweise hätte gemacht werden müssen. Es sei nicht ersichtlich, wie sie hätte wissen können, dass der Entscheid formell falsch gewesen sei, und sie jetzt eine neue Klage einreichen müsse. Durch den Verfahrensfehler habe sie sich im Glauben befunden, sie müsse zunächst eine DNA-Analyse erlangen, damit sie mit ihrem Anliegen durchdringen könne. Dies habe im Übrigen auch dem Rat entsprochen, den ihr damaliger Rechtsvertreter ihr gegeben habe. Die Vorinstanz verletze auch Art. 13 und Art. 14 BV, weil es ihr verwehrt werde, mit ihrer Tochter eine Familieneinheit zu bilden.