Citation: U 444/05 06.11.2006 E. 7

7.1 Der Unfall vom 23. September 1996 ist nicht näher dokumentiert. Ein polizeilicher Unfallrapport fehlt. Gemäss dem von den Beteiligten unterzeichneten Unfall-Protokoll stiess der Unfallverursacher auf einer Strassenkreuzung in die hintere linke Seite des vom Beschwerdeführer gesteuerten Personenwagens. Dieser wurde am Kotflügel hinten links, an der Hinterachse und an der Hecktüre beschädigt, während das andere Fahrzeug Schäden an der Stossstange aufwies. Nach den Angaben des Beschwerdeführers hat sich sein Wagen beim Unfall mehrmals gedreht und es soll sich - versicherungstechnisch - um einen Totalschaden gehandelt haben. Beim Unfall zog sich der Beschwerdeführer eine Prellung am Kopf zu und es traten heftige Kopfschmerzen sowie Übelkeit, später auch Schwindelbeschwerden auf. Er wurde vom gleichentags aufgesuchten Hausarzt ins Regionalspital X.________ eingewiesen, dort aber - offenbar auf eigenen Wunsch - nach ambulanter Untersuchung zur Weiterbehandlung durch den Hausarzt entlassen. Auf Grund des Geschehensablaufs, wie er sich aus den Akten ergibt, der erlittenen Verletzungen und unter Berücksichtigung der Fahrzeugschäden ist der Unfall als mittelschwer zu qualifizieren. Ein mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen oder gar ein schwerer Unfall liegt nicht vor (vgl. die in SZS 45/2001 S. 431 ff. erwähnte Rechtsprechung). Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (BGE 115 V 140 f. Erw. 6c/bb und 117 V 367 f. Erw. 6b). 7.2 Der Unfall hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. Auch hat der Beschwerdeführer keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art erlitten. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besondern Schwere der für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 Erw. 5.2.3 [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]). Solche Umstände sind hier nicht gegeben. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Im Anschluss an den Unfall verordnete der behandelnde Arzt das Tragen eines Halskragens und physiotherapeutische Massnahmen, zunächst zweimal und nach deutlicher Besserung noch einmal wöchentlich. Die von der SUVA vorgesehene stationäre Behandlung in der Rehaklinik E.________ lehnte der Beschwerdeführer aus persönlichen Gründen ab. Nach weiterer Besserung beschränkten sich die ärztlichen Vorkehrungen ab Anfang 1998 auf periodische Kontrollen und die Verschreibung von Schmerzmitteln. Eine weitere Behandlung fand weder im Zeitpunkt der Rückfallmeldung im November 2000 noch in demjenigen der Begutachtung durch Dr. med. M.________ Ende 2001 statt. Dieser erachtete weitere physiotherapeutische Massnahmen bei Beschwerdeexazerbationen unter Umständen als notwendig und schätzte den Bedarf auf höchstens zweimal neun Sitzungen pro Jahr. Entsprechende Vorkehren scheinen in der Folge nicht durchgeführt worden zu sein. Im zweiten Gutachten vom 30. Dezember 2004 hielt Dr. med. M.________ jedenfalls erneut fest, dass zurzeit keine Therapie durchgeführt werde. Eine psychiatrische Behandlung, von der sowohl Dr. med. W.________ als auch Dr. med. O.________ keine namhafte Besserung des psychischen Zustandes erwarteten, unterblieb. Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist daher weder für die somatischen Befunde noch insgesamt erfüllt. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann nicht gesprochen werden, ebenso wenig von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteil S. vom 10. Februar 2006, U 79/05, Erw. 4.2 mit Hinweisen). Solche Gründe sind hier nicht ersichtlich. Zum Kriterium von Dauer und Schwere der Arbeitsunfähigkeit ist bezüglich der somatischen Befunde festzustellen, dass der Beschwerdeführer kreisärztlich ab 8. August 1997 zu 30 % und ab 1. September 1997 zu 50 % arbeitsfähig erklärt wurde. Der behandelnde Arzt Dr. med. A.________ attestierte eine volle Arbeitsfähigkeit ab 2. Januar 1998. Den Angaben in der erstinstanzlichen Beschwerde zufolge hatte sich der Beschwerdeführer nach der auf Ende Juni 1997 erfolgten Kündigung des Arbeitsverhältnisses auf der Basis einer vollen Vermittlungsfähigkeit zum Leistungsbezug bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet. Für die Zeit nach der Rückfallmeldung von Ende 2000 verneinen die Gutachter des ZMB eine unfallbedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sowohl unter somatischen als auch unter psychischen Gesichtspunkten. In den Expertisen vom 22. November 2001 und 30. Dezember 2004 schätzte Dr. med. M.________ die organisch bedingte Arbeitsunfähigkeit auf 30 % und schloss unter Berücksichtigung der psychischen Faktoren auf eine Beeinträchtigung von insgesamt 50 %, wobei er darauf hinwies, dass er sich dabei auf seine Erfahrung mit einer grossen Anzahl anderer Patienten mit ähnlichen Defiziten und Beeinträchtigungen stütze. Dr. med. O.________ bestätigte in seinem Gutachten vom 30. August 2004 aus psychiatrischer Sicht ein Arbeitsunfähigkeit von 30 % ohne nähere Angaben hinsichtlich des Beginns der psychisch bedingten Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit. Bezüglich der Gesamtbeurteilung schloss er sich der von Dr. med. M.________ angenommenen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % an. Selbst wenn auf die Angaben in den Privatgutachten abgestellt wird, kann das Kriterium von Dauer und Schwere der Arbeitsunfähigkeit weder für die somatische noch für die Gesamteeinträchtigung bejaht werden (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff. [Urteil L. vom 30. August 2001, U 56/00]). Das Gleiche gilt für das Kriterium der Dauerbeschwerden. Die medizinischen Akten lassen darauf schliessen, dass es sich um intermittierende Beschwerden wechselnder Intensität handelt und auch Perioden weitgehender Beschwerdefreiheit bestehen. Jedenfalls ist das Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, noch mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien zu bejahen sind, ist die Unfalladäquanz der bestehenden Beeinträchtigungen zu verneinen.