Citation: 6B_575/2018 E. 2.2.2

2.2.2. Nach der Rechtsprechung gilt eine Person nicht als verletzt, wenn sie "n'avait subi que des atteintes insignifiantes dont il n'y a pratiquement pas lieu de s'occuper"; hatte das Kind demnach überhaupt keine Verletzung, Schürfung oder selbst leichte Prellung erlitten, ist es nicht als verletzt zu betrachten (BGE 124 IV 79 E. 2c S. 80). Im Rahmen einer Überprüfung der Rechtsprechung hatte das Bundesgericht erwogen, kleine Schürfungen oder geringfügige Prellungen genügten, damit jemand als verletzt im Sinne von Art. 92 Abs. 2 SVG gelte; an dieser Rechtsprechung sei festzuhalten. Der Umstand, dass Art. 55 Abs. 2 Satz 1 VRV "bei kleinen Schürfungen oder Prellungen" eine Benachrichtigung der Polizei nicht vorschreibe, stehe dem nicht entgegen, zumal der Verursacher auch bei solch geringfügigen Verletzungen seinen Namen und seine Adresse anzugeben habe. Es lasse sich nicht annehmen, solche kleinen Verletzungen machten keinerlei Hilfe erforderlich und eine Führerflucht sei nicht möglich. Da Kollisionen oft schwere, nicht immer sichtbare Folgen nach sich ziehen, solle der Verletzer in jedem Fall nach dem Verunfallten sehen und auch bei harmlos scheinenden Verletzungen genau abklären, ob der Verletzte nicht noch grössere Schäden erlitten habe. In diesem Urteil nahm das Bundesgericht an, die festgestellte "leichte Verstauung/Prellung/Schürfung" eines Fingers der rechten Hand erfülle das objektive Tatbestandsmerkmal der Verletzung im Sinne von Art. 92 Abs. 2 SVG (BGE 122 IV 356 E. 3b S. 359), und zwar, wie HANS GIGER anmerkt, "dies ungeachtet, ob eine ärztliche Behandlung nötig ist" (SVG, 8 Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 92 SVG; ebenso PHILIPPE WEISSENBERGER, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015, N. 24 zu Art. 92 SVG).