Citation: 5C.91/2000 25.05.2000 E. 3

3.- Die Klägerin beruft sich auf Nichtigkeit bzw. Unverbindlichkeit des Erbvertrages wegen Unzulässigkeit des Inhalts (Art. 19 ff. OR). Dass der Pflichtteilsschutz auf sittlicher Grundlage beruht (BGE 116 II 243 E. 4b S. 246 mit Hinweis), bedeutet nicht Sittenwidrigkeit des Erbauskaufvertrages, zumal der Richter an die in Art. 495 ZGB enthaltene - von anderen Rechtsanschauungen abweichende (vgl. Piotet, a.a.O., § 28/I, S. 157) - Wertentscheidung des schweizerischen Gesetzgebers gebunden ist; lässt dieser den Erbauskauf zu (Abs. 1) mit der Folge, dass der Verzichtende und vermutungsweise auch seine Nachkommen beim Erbgang ausser Betracht fallen (Abs. 2 und 3), kann eine Verletzung von Art. 20 Abs. 1 OR nicht angenommen werden (allgemein: BGE 123 III 101 E. 2 S. 102 mit Hinweis). In Betracht fallen könnte zwar ausnahmsweise eine übermässige Bindung durch den Erbvertrag (Druey, a.a.O., § 10 N. 26, S. 125), doch ist nicht ersichtlich, inwiefern die Klägerin der Willkür eines anderen ausgeliefert, ihre wirtschaftliche Freiheit aufgehoben oder in einem Masse eingeschränkt sein könnte, dass die Grundlagen ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet wären, nachdem sie im Gegenzug eine Rente von Fr. 3'500.-- als Zusatzeinkommen zu ihrer finanziellen Sicherstellung erhält (Art. 27 Abs. 2 ZGB; zuletzt: BGE 123 III 337 E. 5 S. 345 mit Hinweisen); nähere Ausführungen in der Berufungsschrift dazu wären erforderlich gewesen (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Das schliesslich behauptete Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung ist nicht ein Problem der guten Sitten, sondern der Übervorteilung (Art. 21 OR; BGE 115 II 232 E. 4c S. 236). Der Einwand der Klägerin kann unter Umständen auch gegen einen Erbvertrag erhoben werden (Druey, a.a.O., § 10 N. 26, S. 125), findet aber in den kantonsgerichtlichen Tatsachenfeststellungen keine Grundlage: Wenn der nachmalige Erblasser allen Angehörigen den gleichen Standard und die Klägerin über den Erbvertrag finanziell sichern wollte, so kann sein Handeln schwerlich als "Ausbeutung" gewertet werden, und wenn die Klägerin über eine Bedenkfrist von rund einem Monat verfügt hat und um den Vertragsgegenstand "Erbverzicht" wusste, so bleibt - nähere Ausführungen in der Berufungsschrift dazu fehlen (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG) - geradezu unverständlich, inwiefern von Notlage, Unerfahrenheit, Leichtsinn oder einem anderen Schwächezustand auf ihrer Seite ausgegangen werden müsste (Art. 21 Abs. 1 OR).