Citation: 6B_694/2024 E. 1.2.3

1.2.3. Sodann seien keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich, namentlich keine vom Beschwerdegegner 2 geschaffene notstandsähnliche Gefahrenlage oder (Putativ-) Notwehrsituation. Der Beschwerdeführer sei vielmehr dem sich entfernenden Beschwerdegegner 2 nachgeeilt. Eine allfällige Notwehrlage wäre spätestens mit dem letztmaligen Weggehen des Beschwerdegegners 2 beendet worden. Dass er danach zurückgekehrt wäre, um den Beschwerdeführer erneut zu traktieren, sei durch die Videoaufnahmen und glaubhaften Aussagen der Beteiligten widerlegt. Ein gegenwärtiger Angriff habe nicht (mehr) bestanden. Die eigentliche tätliche Auseinandersetzung sei zu Ende gewesen, als sich der Beschwerdeführer entschlossen habe, den Beschwerdegegner 2 zu verfolgen. Eine Notwehrsituation sei vor diesem Hintergrund ausgeschlossen. Zudem habe der Beschwerdeführer die Ursache für die tätliche Auseinandersetzung selbst gesetzt, indem er den ersten Faustschlag an den Kopf des Beschwerdegegners 2 ausgeführt habe. Ebenso wenig bestünden Anhaltspunkte für eine Verminderung oder den Ausschluss der Schuldfähigkeit des Beschwerdeführers. Mit dem forensisch-psychiatrischen Gutachter sei davon auszugehen, dass die Komplexität des mutmasslichen Handlungsablaufs, der in mehreren Schritten erfolgt sei und die dafür erforderlichen kognitiven und koordinativen Fähigkeiten eine schwere Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit ausschliessen würden. Der Experte habe ausgeführt, unter der Annahme, dass der erste Schlag durch den Beschwerdeführer erfolgt sei, habe aus forensisch-psychiatrischer Sicht keine Verminderung der Schuldfähigkeit in Bezug auf die vorgeworfenen Tathandlungen vorgelegen. Die mutmassliche Nachtatphase, in der sich der Beschwerdeführer gefasst auf den Nachhauseweg gemacht habe, veranschauliche seine weitestgehend erhaltenen Fähigkeiten zur Selbststeuerung. Die von der Verteidigung unter Verweis auf das Gutachten postulierte verminderte Schuldfähigkeit verkenne das Beweisergebnis, wonach davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer den ersten Schlag ausgeführt habe. Bei dieser Tathypothese sei nach Einschätzung des Experten aus forensisch-psychiatrischer Sicht keine Verminderung der Schuldfähigkeit anzunehmen. Schliesslich seien angesichts des erstellten Geschehensablaufs die Voraussetzungen eines Totschlags (Art. 113 StGB) nicht erfüllt. Es sei der Beschwerdeführer gewesen, der den sich entfernenden Beschwerdegegner 2 verfolgt habe. Hierauf sei es zum letztmaligen Aufeinandertreffen und den erstellten Stich- und Schnittverletzungen gekommen. Gestützt auf das Beweisergebnis sei nicht von einer heftigen Gemütsbewegung im Sinne des Tatbestands des Totschlags beim Beschwerdeführer auszugehen. Hätte er Todesangst gehabt und an einer Panikattacke gelitten, hätte er den Beschwerdegegner 2 nicht verfolgt. Selbst wenn eine heftige Gemütsbewegung bestanden hätte, wäre diese mindestens überwiegend selbst verschuldet bzw. vorwiegend durch eigenes Verhalten schuldhaft herbeigeführt worden, was gestützt auf das Beweisergebnis erstellt sei.