Citation: 6B_549/2024 E. 3.7.2

3.7.2. Hinsichtlich des öffentlichen Interesses an der Landesverweisung misst die Vorinstanz der Liste der bestehenden Vortaten bedeutendes Gewicht zu. Besonders zu betonen ist, dass Probezeiten und hängige Verfahren den Beschwerdeführer nicht an weiteren Rechtsverletzungen hinderten, die begangenen Delikte tendenziell in ihrer Intensität zunahmen, und sich insbesondere gegen die körperliche Integrität von Personen wendeten. Dies spricht in der Tat für die Notwendigkeit einer Landesverweisung zur Wahrung der inneren Sicherheit. Es ist hier zu berücksichtigen dass der Beschwerdeführer die Taten in jugendlichem Alter beging (vgl. E. 3.5.2), und dass der Übergang von Schul- zu Berufsleben für junge Erwachsene mit Migrationshintergrund zusätzliche Hindernisse bergen kann (vgl. OECD, Young People with Migrant Parents, 2021, S. 56 <https://doi.org/10.1787/25227726> [besucht am 30. Oktober 2024]). Es bestehen jedoch vorliegend allein Anhaltspunkte, die auf eine zunehmende Intensität der Taten schliessen lassen. Dass es sich um sich auswachsende Jugendsünden handeln würde, ist nicht ersichtlich. Die punktuellen Ausführungen des Beschwerdeführers, die begangene Nötigung lasse sich auf ein inzwischen gelöstes Missverständnis zurückführen, vermögen diesbezüglich nicht zu überzeugen, liegen doch den Erwägungen der Vorinstanz insbesondere auch die versuchte schwere Körperverletzung, der Angriff sowie der Hausfriedensbruch zu Grunde, die der Beschwerdeführer noch in der wegen der vorhergehenden Verurteilung (wegen Angriff, Begünstigung, versuchter Erpressung, Beschimpfung und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz) bestehenden Probezeit beging, und für die er am 9. Mai 2022 verurteilt wurde. Somit liegt bereits eine Verurteilung hinsichtlich einer Katalogtat vor und eine Landesverweisung stand damit bereits schon einmal im Raum. Zu einer Zeit in der ihm die Möglichkeit einer Landesverweisung bereits bekannt war, beging der Beschwerdeführer weitere Rechtsverletzungen. Damit zeigt der Beschwerdeführer eine ausgeprägte Einsichtlosigkeit hinsichtlich der herrschenden Rechtsordnung. Ausserdem spricht das jeweils nicht geringe Verschulden für ein öffentliches Interesse an der Landesverweisung (vgl. E. 3.4.1). Dass der Beschwerdeführer seit den hier zu beurteilenden Taten "nur noch" eine Nötigung versucht hat, relativiert diese Tendenz - unabhängig von den Hintergründen der versuchten Nötigung - nicht ausreichend. Damit ist der Vorinstanz in der starken Gewichtung des Interesses an einer Landesverweisung zu folgen. Damit fallen bei der Interessenabwägung letztlich einzig die lange Anwesenheitsdauer des Beschwerdeführers in der Schweiz sowie die persönlichen Schwierigkeiten, die er im Kosovo mangels näherem Bezug zu gewärtigen hätte, zu seinen Gunsten ins Gewicht. Wie ein Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zeigt, reichen solche Umstände (auch unter Berücksichtigung des eher jungen Erwachsenenalters des Beschwerdeführers) nicht aus, um seine privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen zu lassen (vgl. E. 3.5). Dies gilt jedenfalls in einem Fall wie hier, in dem einem solchen Verbleib eine wiederholte, teilweise gegen die körperliche Integrität von Personen gerichtete und in ihrer Intensität tendenziell eher zunehmende Delinquenz entgegensteht (vgl. Urteil 6B_771/2022 vom 25. Januar 2023 E. 1.6).