Citation: 6B_1060/2022 E. 1.3.1

1.3.1. Die Privatklägerin ist die Ex-Freundin des Beschwerdeführers. Was die angeklagte mehrfache vaginale Penetration betrifft, hält die Vorinstanz fest, die Einstellung der Privatklägerin zum Beschwerdeführer sei ambivalent gewesen. Die Privatklägerin habe noch immer Gefühle für den Beschwerdeführer empfunden, obwohl sie eine neue Bekanntschaft gemacht habe. Womöglich sei der erste Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Privatklägerin erfolgt, im späteren Verlauf habe es der Privatklägerin aber gefallen. Ein sekundenweises Zerlegen eines dynamischen Vorgangs wie des Geschlechtsverkehrs wäre gemäss Vorinstanz "allzu akademisch und lebensfremd": Es sei nicht zu erstellen, ab wann die Privatklägerin Gefallen am Geschlechtsverkehr gefunden habe und sogar bis zum eigenen Höhepunkt gekommen sei. Die Privatklägerin habe geschildert, "als es passierte", habe es ihr gefallen. Die Vorinstanz nimmt zugunsten des Beschwerdeführers an, dies sei ab dem Zeitpunkt des ersten Eindringens der Fall gewesen sei. Daher spricht sie ihn vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Zur zeitlich vorangehenden sexuellen Nötigung stellt die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer habe die Privatklägerin geküsst, im Intimbereich ausgegriffen und einen Finger in ihre Vagina eingeführt. Dies, obwohl sie ihm ihren Widerwillen mit Worten und Gesten gezeigt habe. Die Vorinstanz hält die diesbezüglichen Aussagen der Privatklägerin für überzeugend. Der Beschwerdeführer habe die Ablehnung der Privatklägerin verstanden, sich jedoch mit körperlicher Überlegenheit darüber hinweggesetzt und der sexuellen Nötigung schuldig gemacht. In diesen Erwägungen besteht entgegen dem Beschwerdeführer kein stossender Widerspruch. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, dass nicht genau bestimmt werden kann, ob die Privatklägerin vor oder nach der ersten Penetration Gefallen am Geschehen gefunden habe. Folgerichtig spricht sie den Beschwerdeführer vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Demgegenüber stellt die Vorinstanz fest, dass sich der Beschwerdeführer im zeitlich vorgelagerten Geschehen mit physischer und psychischer Gewalt über den Willen der Privatklägerin hinwegsetzte und zu sexuellen Handlungen nötigte. Die Vorinstanz legt dar, dass sich beim Vorwurf der Vergewaltigung nicht genau sagen lässt, ab wann die Privatklägerin einverstanden war. Demgegenüber hält sie bei der vorgehenden sexuellen Nötigung fest, der Beschwerdeführer habe sich über den Willen der Privatklägerin hinweggesetzt und sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen. Darin liegt keine Willkür, auch wenn das Gefühlsempfinden der Privatklägerin erstaunlich sein mag.