Citation: 9C_48/2022 E. 3.2

3.2. Diesbezüglich hat die Vorinstanz erwogen, die gesetzlichen Kriterien der Einfachheit und Zweckmässigkeit ständen der Abgabe eines dem aktuellen Stand der Technik entsprechenden Hilfsmittels nicht entgegen, wenn dieses den Versorgungszweck besser als ein anderes erfülle. Im Vergleich zum Gelenk "C-Leg 4" koste das "Genium" in der Anschaffung (mit einem Preis von Fr. 32'500.-) rund Fr. 15'000.- und im Unterhalt jährlich etwa Fr. 2'000.- mehr. Es erfülle seine Funktion wesentlich präziser und "natürlicher", weshalb es den angestrebten Zweck - die Kompensation der nicht mehr vorhandenen Körperfunktion - deutlich besser erreiche, obwohl sich die beiden Typen vom Funktionsumfang her nicht wesentlich unterscheiden würden. Der Hersteller preise das "Genium" als Weiterentwicklung des "C-Leg 4" an. Die verbesserte, ausgebaute Sensortechnologie ermögliche - auch beim Rückwärts- und Treppengehen - intuitive und natürliche Bewegungsabläufe, einen Wechsel zwischen verschiedenen Gehgeschwindigkeiten sowie Schrittlängen und damit insgesamt mehr Sicherheit sowie eine Entlastung des anderen Beines. Vor diesem Hintergrund sei das "Genium" nicht als besonderer "Luxus" zu qualifizieren. Die Ärzte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; Stellungnahmen vom 19. Januar und 21. Juli 2021) hätten überzeugend dargelegt, dass der Versicherte mit dem "Genium" in allen Lebensbereichen wesentlich mobiler sei als mit dem "C-Leg". Die Versorgung mit dem "Genium" dürfte eher geeignet sein, eine allfällige Verschlechterung des Zustands des linken Beines, das beim Unfall ebenfalls schwer verletzt worden sei, zu verlangsamen. Der Versicherte müsse in seinem Beruf ausgesprochen mobil sein und sich regelmässig in unebenem Gelände bewegen. Dabei habe er zufolge seiner Konzentrationsstörung nach dem beim Unfall ebenfalls erlittenen Schädelhirntrauma keine Kapazitäten, sich während der Berufsausübung im Freien auch noch auf den eigentlichen Gehvorgang zu konzentrieren. Entgegen der Vorgabe in BGE 143 V 190 spiele es keine Rolle, ob der Versicherte aus beruflichen Gründen auf ein "Genium" angewiesen sei. Hier liege aber ohnehin ein Sachverhalt vor, der mit jenem des BGE 143 V 190 vergleichbar sei. Folglich hat das kantonale Gericht den Anspruch auf ein Kniegelenk des Typs "Genium" bejaht.