Citation: 2C_880/2018 E. 4.5.1

4.5.1. Unbestritten ist zunächst, dass die Beschwerdeführerin vertraglich verpflichtet war, den Gegenparteien die Dividenden auf den im notionalen Aktienkorb befindlichen Titeln auszugleichen. Zwar trifft es zu, dass solche Ausgleichszahlungen in Bezug auf die Nettodividende nach dem Wortlaut der Derivatverträge selbst dann zu leisten waren, wenn die Beschwerdeführerin die zugrundeliegenden Aktien nicht gehalten und selbst keine Dividende empfangen hatte. Anders verhielt es sich unter den Derivatverträgen aber mit den Beträgen, die von der Bruttodividende zur Begleichung der Verrechnungssteuer (bzw. ausländischer Dividendenquellensteuern) abgezogen wurden. Dergestalt zurückbehaltene Quellensteuern musste die Beschwerdeführerin nur ausgleichen, soweit sie ihr zurückerstattet wurden und die Nettodividende zuzüglich der zurückerstatteten Quellensteuern 80% der Bruttodividende nicht überstieg. Um Aussicht auf die Rückerstattung der Verrechnungssteuer zu haben, musste die Beschwerdeführerin die betreffenden Aktien im Zeitpunkt der Ausschüttung selbst halten. Hinsichtlich der Dividenden auf den Schweizer Aktien im notionalen Aktienkorb hingen die Zahlungspflichten der Beschwerdeführerin unter den Derivatverträgen folglich im Umfang von 15% der Bruttodividende direkt davon ab, dass sie die Aktien erwarb. Es ergibt sich also unmittelbar aus dem Text der Vertragsdokumente, dass die Beschwerdeführerin zur Weiterleitung jedenfalls eines Teils der Dividende verpflichtet war. Vor diesem Hintergrund kann keine Rede davon sein, dass die Ausgleichungspflicht insgesamt - d.h. einschliesslich der zusätzlichen Zahlung bei Rückerstattung der Verrechnungssteuer - vom Zufluss der Dividende bei der Beschwerdeführerin unabhängig war (vgl. zu diesem Kriterium Kommentar der OECD zum OECD-MA, N. 12.4 zu Art. 10 OECD-MA i.d.F. vom 15. Juli 2014).