Citation: 7B_322/2024 E. 4.2

4.2. Sofort zu vollziehen sind rechtskräftige Freiheitsstrafen bei Fluchtgefahr oder erheblicher Gefährdung der Öffentlichkeit (Art. 439 Abs. 3 StPO). Ansonsten sind Freiheitsstrafen nach der hier massgebenden bernischen Verordnung vom 22. August 2018 über den Justizvollzug (JVV/BE; BSG 341.11) in der Regel spätestens innert sechs Monaten nach Eintritt der Rechtskraft des Strafurteils anzutreten (Art. 23 Abs. 1 JVV/BE). Gemäss dem bernischen Gesetz vom 23. Januar 2018 über den Justizvollzug (JVG/BE; BSG 341.1) kann der Vollzug einer Freiheitsstrafe aus wichtigen Gründen aufgeschoben oder unterbrochen werden (Art. 17 Abs. 1 JVG/BE). Als wichtige Gründe gelten gemäss Art. 17 Abs. 2 JVG/BE namentlich ausserordentliche persönliche, familiäre oder berufliche Verhältnisse (lit. a) oder die vollständige Hafterstehungsunfähigkeit (lit. b). Beim Entscheid über einen Vollzugsaufschub oder Vollzugsunterbruch sind die voraussichtliche Vollzugsdauer, die Entweichungs- und Wiederholungsgefahr sowie allfällige Beurteilungen von Sachverständigen zu berücksichtigen (Art. 17 Abs. 3 JVG/BE). Die Vollzugsbehörde kann erwachsene Eingewiesene im Strafvollzug in eine andere Vollzugseinrichtung verlegen, wenn ihr Zustand dies notwendig macht oder ihre Behandlung dies erfordert (Art. 18 Abs. 1 lit. a-b JVG/BE). Der Vollzug ist so auszugestalten, dass er den allgemeinen Lebensverhältnissen so weit als möglich entspricht, die Betreuung der Eingewiesenen gewährleistet und schädlichen Folgen des Freiheitsentzugs entgegenwirkt (Art. 22 Abs. 1 lit. a-c JVG/BE). Zu den "weiteren Vollzugseinrichtungen" gehört im Kanton Bern die Bewachungsstation am Berner Inselspital. Diese dient der Unterbringung und Versorgung von somatisch oder psychisch kranken Eingewiesenen, die aus Sicherheitsgründen nicht in ein anderes Spital eingewiesen werden können (Art. 13 Abs. 1 JVV/BE). Die ärztliche Leitung der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin des Inselspitals ist für die medizinische Versorgung der Eingewiesenen und die Koordination der Zusammenarbeit mit anderen Stellen im medizinischen Bereich zuständig (Art. 13 Abs. 2 JVV/BE). Die Vollzugseinrichtungen sorgen mit einer ausreichenden medizinischen Versorgung für die körperliche und geistige Gesundheit der Eingewiesenen (Art. 61 Abs. 1 JVV/BE). Die medizinische Versorgung wird durch den Gesundheitsdienst der jeweiligen Vollzugseinrichtung und die dort zuständigen Ärztinnen und Ärzte sichergestellt, die an das Berufsgeheimnis gebunden sind (Art. 61 Abs. 2 JVV/BE). Der Standard der medizinischen Versorgung hat dem Standard ausserhalb der Vollzugseinrichtung zu entsprechen (Art. 61 Abs. 3 JVV/BE). Für die Eingewiesenen besteht keine freie Arztwahl (Art. 61 Abs. 4 JVV/BE). Sie haben die notwendigen Massnahmen zum Gesundheitsschutz und zur Hygiene zu unterstützen und den Anordnungen der Ärztin oder des Arztes, des Gesundheitsdienstes und des Personals der Vollzugseinrichtung Folge zu leisten (Art. 62 JVV/BE). Rezeptpflichtige Arzneimittel werden gestützt auf eine Verordnung der Ärztin oder des Arztes der Vollzugseinrichtung abgegeben (Art. 63 VV/BE). Die Leitung der Vollzugseinrichtung sorgt für die Durchführung von Präventionsmassnahmen zum Schutz vor übertragbaren Krankheiten (Art. 64 Abs. 1 JVV/BE).