Citation: 9C_95/2023 E. 5.2.1

5.2.1. Die Beschwerdeführerin bringt zu ihrer Entlastung zunächst vor, dass sie sich infolge der betriebsinternen Strukturen und ihres eingeschränkten Kompetenzprofils nicht in der Lage gesehen habe, die entsprechenden Beitragszahlungen auslösen zu können. Dem ist mit der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass, wer in der Geschäftsführung einer schweizerischen GmbH Einsatz nimmt, dafür besorgt sein muss, die ihr bzw. ihm von Gesetzes wegen obliegenden Pflichten erfüllen zu können. Bei Antritt der entsprechenden Funktion hat er bzw. sie sich zu vergegenwärtigen, worin diese bestehen und und ob resp. auf welche Weise er oder sie diesen angesichts der spezifisch vorhandenen Unternehmensstrukturen nachzukommen vermag. Insbesondere dürfen sich Geschäftsführungsmitglieder einer GmbH nicht in eine Lage bringen, die es ihnen faktisch verunmöglicht, ihre Pflichten zu erfüllen, weil sie daran durch die Gesellschaft wirtschaftlich oder faktisch beherrschende Drittpersonen resp. Unternehmen gehindert werden. Hat sich jemand unter Voraussetzungen auf eine Organstellung eingelassen, die ihr bzw. ihm die gesetzeskonforme Erfüllung dieses Amtes, namentlich die Ausübung von unübertragbaren Aufgaben (so etwa Art. 810 Abs. 2 OR), von vornherein verhindert, rührt der Schuldvorwurf gerade in diesem Umstand (sog. Übernahmeverschulden, vgl. Urteile H 59/04 vom 14. Dezember 2004 E. 5.4, H 11/00 vom 20. März 2001 E. 4b, H 37/00 vom 21. November 2000 E. 3b/bb und H 244/99 vom 18. Februar 2000 E. 5.4 mit Hinweisen). Realisiert die geschäftsführende Person erst in einem späteren Zeitpunkt, dass sie faktisch zumindest teilweise von der Geschäftsführung ausgeschlossen ist und dadurch ihren gesetzlichen Pflichten, wie etwa dem Beitragswesen, nicht gehörig nachkommen kann, muss sie, um der Gefahr einer Haftung zu entgehen, umgehend demissionieren (Urteile H 107/01 vom 23. Juli 2002 E. 4.3, H 210/99 vom 5. Oktober 2000 E. 3a; Reichmuth, a.a.O., Rz. 563). Die erneuten detaillierten Ausführungen in der Beschwerde zur Entwicklung der B.________ GmbH und dabei insbesondere zur auf Anfang 2007 vorgenommenen Umstrukturierung erweisen sich vor diesem Hintergrund als unbehelflich. Im Zeitpunkt, als die Beschwerdeführerin ihre Funktion als Geschäftsführerin antrat (29. August 2007), war die nach ihren eigenen Aussagen damit einhergehende Neuorganisation auch des Zahlungsverkehrs bereits vollzogen und musste ihr daher bekannt sein bzw. hätte ihr bekannt sein müssen. Dass sie sich dennoch, im Wissen um die entsprechenden wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen der ausländischen Muttergesellschaft und der B.________ GmbH für die Anstellung entschied und diese quasi bis zum bitteren Ende beibehielt, obgleich es ihr, wie sie selber einräumt, nicht möglich war, dafür zu sorgen, dass die Beitrags- und Abrechnungspflicht durch die Gesellschaft gehörig wahrgenommen wurde, ist ihr als grob fahrlässiges Verhalten anzulasten.