Citation: I 200/03 26.07.2004 E. 3

3.1 Die Vorinstanz gelangte nach Würdigung der Umstände zur Auffassung, dass die Beschwerdegegnerin ab 1996 als zu je 50% erwerbstätig und im Haushalt tätig und ab August 2000 als voll erwerbstätig zu betrachten sei. Die Beschwerdeführerin erachtet diese Auffassung als willkürlich. Die Rechtsprechung in Scheidungs- und Trennungsfällen gehe davon aus, dass der erziehungsberechtigten Person erst ab dem erreichten 16. Altersjahr des jüngsten Kindes wieder eine volle ausserhäusliche Erwerbstätigkeit zugemutet werden könne. Es gebe im vorliegenden Fall, in dem das jüngste Kind ein Problemkind gewesen sei, keinen Anlass, von dieser Alterslimite nach unten abzuweichen, zumal die Beschwerdegegnerin gemäss Scheidungsurteil bis Ende August 2001 Anspruch auf persönliche Unterhaltsbeiträge des geschiedenen Ehemannes gehabt habe. 3.2 Die Beschwerdeführerin bezieht sich auf die Rechtsprechung zu dem seit 1. Januar 2000 gültigen Art. 125 ZGB, der zum Zeitpunkt des die Versicherte betreffenden Scheidungsurteils noch nicht in Kraft war. Ist einem Ehegatten nicht zuzumuten, dass er für den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufkommt, hat ihm der andere einen angemessenen Betrag zu leisten (Art. 125 Abs. 1 ZGB). Beim Entscheid, ob ein solcher geschuldet sei, und gegebenenfalls in welcher Höhe und wie lange, sind insbesondere die Kriterien nach Art. 125 Abs. 2 Ziff. 1 - 6 ZGB zu berücksichtigen. Diese entstammen weitgehend der Rechtsprechung des Bundesgerichts zum alten Recht (Ingeborg Schwenzer [Hrsg.], Praxis Kommentar zum Scheidungsrecht, Helbing & Lichtenhahn, Basel, Genf, München 2000, N 40 zu Art. 125 ZGB). In der Tat stellte das Bundesgericht in dieser Rechtsprechung zur Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit neben der Kinderbetreuung den Grundsatz auf, dass eine Vollzeiterwerbstätigkeit erst zumutbar sei, wenn das jüngste Kind das 16. Altersjahrs vollendet hat (vgl. BGE 115 II 6, 10; 109 II 286, 289 f.; Schwenzer, a.a.O., N 59 zu Art. 125 ZGB). Indessen ist der entsprechende Einwand der IV-Stelle im vorliegenden Zusammenhang unbeachtlich. Im Scheidungsrecht beschlägt die Frage der Zumutbarkeit einer Vollzeiterwerbstätigkeit für den die Kinder betreuenden Elternteil einen in der Zukunft liegenden Sachverhalt. Die Frage der Zumutbarkeit muss zwangsläufig für den Regelfall normativ beantwortet werden, wobei sich die Frage nach der künftigen Zumutbarkeit der Vollzeiterwerbstätigkeit und weniger nach den tatsächlichen, künftigen Verhältnissen im Einzelfall stellt. Bei der Rentenbemessung nach IVG hingegen ist für die Frage, ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig zu betrachten sei, der Sachverhalt konkret im individuellen Fall zu beurteilen. So kann das Verhalten der versicherten Person vor und nach der Scheidung sowie vor und nach der gesundheitlichen Beeinträchtigung mitberücksichtigt werden, was der beurteilenden Instanz eine vertiefte Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Verhältnissen abverlangt und damit eine präzisere Annäherung an die wahrscheinlichen Verhältnisse im Einzelfall erlaubt. 3.3 Nachdem die Beschwerdegegnerin in ihrer Jugend zuerst aus gesundheitlichen Gründen eine Lehre als Sarner-Schwester abbrach, absolvierte sie im Anschluss daran 1981 mit Erfolg eine Hotelfachassistentinnen-Schule. Im selben Jahr gebar sie ihren ersten Sohn. Wegen knapper finanzieller Verhältnisse arbeitete die Versicherte während der Ehe an Wochenenden im Service, später als Hauswartin. Seit 1989 war sie für das Firma Z.________ als Heimarbeiterin tätig. 1994 versuchte sie trotz ihrer gesundheitlichen Leiden und den betreuungsbedürftigen Kindern, ihre Arbeitstätigkeit auszubauen. Diesen Versuch wiederholte sie 1999 als Raumpflegerin für die Gemeinde X.________. Die Beschwerdegegnerin hat damit unter allen Umständen vor, während und nach der Ehe mit und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen den Tatbeweis erbracht, dass sie willens und fähig gewesen wäre, sich und ihre Familie so zu organisieren, dass sie zum für sie frühest möglichen Zeitpunkt ihre Arbeitskraft wiederum voll realisiert hätte. Auf der andern Seite sind jedoch die Eindrücke der schlimmen Ereignisse in der Ehe und des Mordes im Frauenhaus auf die Psyche der Kinder und deren daraus resultierende, erhöhte Betreuungsbedürftigkeit nicht zu unterschätzen. Daher erscheint eine Vollzeiterwerbstätigkeit bereits im Jahre 1998, wie sie die Beschwerdegegnerin geltend macht, als unrealistisch. Es finden sich keine Gründe, von der Auffassung der Vorinstanz abzuweichen, wonach davon auszugehen ist, dass die Beschwerdegegnerin ohne ihre gesundheitlichen Probleme ab 1996 als zu je 50% erwerbs- und im Haushalt tätig und ab August 2000 voll erwerbstätig gewesen wäre.