Citation: U 105/00 15.12.2000 E. 3

3.- a) Laut Gutachten der Klinik B.________ vom 14. Oktober 1997 konnte als einziger objektivierbarer Befund ein ausgeprägtes tendomyotisches Zervikobrachialsyndrom ohne Hinweise auf sensomotorische radikuläre Ausfälle mit wahrscheinlich schmerzbedingter Einschränkung der HWS-Beweglichkeit festgestellt werden. Es liessen sich weder erhebliche neurologische oder rheumatologische Befunde erheben noch ergaben die radiologischen, computertomographischen und MRI-Untersuchungen im Bereich der HWS und des Kopfes Hinweise auf posttraumatische Läsionen. Nach Auffassung der Gutachter steht beim vorliegenden Beschwerdebild nicht der klinische Befund, sondern die Schmerzsymptomatik im Vordergrund, wobei eine Chronifizierung und teilweise auch psychische Fixierung der Beschwerden anzunehmen ist. Aufgrund der vorgenommenen interdisziplinären Untersuchungen sei von einer ausgeprägten dysfunktionalen Traumaverarbeitung mit teilweise sekundärer Somatisierung der Beschwerden auszugehen, wobei nicht mehr die Schwere des Unfallereignisses, sondern die über die Jahre verstärkte psychogene Fixierung und Chronifizierung des gesamten Beschwerdekomplexes im Vordergrund stehe. Es liege möglicherweise eine somatoforme Schmerzstörung und posttraumatische Belastungsstörung vor. Ein "gewisser" kausaler Zusammenhang des jetzigen Beschwerdebildes mit den Unfällen sei als wahrscheinlich zu erachten. Der heutige Zustand und die damit verbundene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beruhe aber vorwiegend auf psychopathologischen Phänomenen, die sich vor allem in einer möglichen somatoformen Schmerzstörung sowie psychosozialen und beruflichen Problemen äusserten. b) Das Gutachten der Klinik B.________ erfüllt die nach der Rechtsprechung für den Beweiswert von Arztberichten geltenden Anforderungen (BGE 122 V 160 Erw. 1c mit Hinweisen). Es wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben, beruht auf umfassenden Untersuchungen, ist eingehend begründet und vermag in der medizinischen Beurteilung und den Schlussfolgerungen zu überzeugen, weshalb darauf abgestellt werden kann. Auf Grund des Gutachtens ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass im Zeitpunkt, ab welchem der Unfallversicherer die Leistungen eingestellt hat (1. Juli 1998), keine behandlungsbedürftigen und die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit erheblich beeinträchtigenden organischen Unfallfolgen mehr bestanden haben und die weiter vorhandenen Leiden und Beeinträchtigungen im Wesentlichen psychisch bedingt waren. Zu einer andern Beurteilung besteht auch im Lichte der in den Akten enthaltenen weiteren Arztberichte - soweit diese wegen der unwahren bzw. unvollständigen Angaben des Beschwerdegegners überhaupt auf einer umfassenden Kenntnis des Sachverhalts beruhen - kein Anlass. Im psychiatrischen Bericht vom 6. April 1998 bestätigt Dr. med. H.________ die Annahme der Klinik B.________, dass (behandlungsbedürftige) psychische Beeinträchtigungen bestehen, wobei seiner Auffassung nach allerdings eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und nicht eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) im Vordergrund steht. Demgegenüber hält Dr. med. F.________, Arzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Psychotherapie, in dem zu Handen des deutschen Haftpflichtversicherers verfassten Gutachten vom 16. Februar 1998 dafür, dass die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nach den Kriterien der ICD-10 nicht gegeben und von einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) auszugehen sei, welche in der Regel nicht zu anhaltenden Folgen führe. Des Weitern bestätigt er, dass die bestehenden Leiden, allenfalls mit Ausnahme der HWS-Beschwerden, als ausschliesslich psychogen zu betrachten seien. Im Übrigen geht aus den Arztberichten hervor, dass am bestehenden Beschwerdebild psychosoziale und berufliche Faktoren beteiligt sind. Damit bleibt fraglich, inwieweit die psychischen Störungen noch in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 18. Oktober 1993 stehen. Weitere Abklärungen erübrigen sich indessen, weil jedenfalls die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen ist, wie sich aus dem Folgenden ergibt.