Citation: 6B_976/2015 E. 4.2.3

4.2.3. Ob eine qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz eine schwere Straftat im Sinne von Art. 307 Abs.1 StPO darstellt, kann - ebenso wie die allfälligen Konsequenzen einer Verletzung der staatsanwaltlichen Einvernahmepflicht - indes offenbleiben. Denn zum Zeitpunkt der fraglichen Einvernahmen war das polizeiliche Ermittlungsverfahren bereits abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat schon am 29. September 2011, also rund zwei Jahre vor der ersten Einvernahme des Beschwerdeführers, gestützt auf Art. 309 StPO eine Strafuntersuchung gegen den Beschwerdeführer unter anderem wegen des Verdachts auf qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz eröffnet. Gleichentags erliess sie in Anwendung von Art. 312 Abs. 1 StPO einen "delegierten Ermittlungsauftrag an die Polizei". Art. 307 StPO gelangte demnach grundsätzlich gar nicht mehr zur Anwendung, da die Staatsanwaltschaft bereits über die Straftaten informiert war, derer der Beschwerdeführer verdächtigt wurde. Dem kommt indes insofern keine weitergehende Bedeutung zu, als dass auch im Rahmen der staatsanwaltlichen Untersuchung vorgesehen ist, dass die Staatsanwaltschaft die Beweiserhebungen selber durchführt (vgl. Art. 311 Abs. 1 StPO) und die Polizei lediglich mit ergänzenden Ermittlungen beauftragt werden kann (vgl. Art. 312 Abs. 1 StPO). Die vor Inkrafttreten der StPO gelegentlich anzutreffenden generellen Ermittlungsaufträge an die Polizei sind damit nicht mehr zulässig (BBI 2006 1265 Ziff. 2.6.3.2).