Citation: U 6/02 18.12.2002 E. 3

Streitig und zu prüfen ist, ob es sich beim Ereignis vom 4. Februar 2000 um einen Unfall im Sinne von Art. 9 UVV gehandelt hat. 3.1 Der Versicherte macht diesbezüglich geltend, dass er an jenem Tag auf der Baustelle "Schulhaus O.________l" auf dem Dach eingesetzt worden sei, wo er in unmittelbarer Nähe des Dachrandes Betonklötze mit einem Gewicht von ca. 30 bis 40 kg vom Boden in eine Karrette und von dieser in den Trichter einer Abbruchröhre habe heben müssen. Dabei sei er beim Anheben eines Betonblocks in den Trichter ausgerutscht und auf den Rücken gefallen. Er habe starke Schmerzen verspürt, die es ihm verunmöglicht hätten, sich wieder zu erheben. Er habe mit dem Kran zu Boden transportiert und mit der Ambulanz in die chirurgische Notfallstation überstellt werden müssen. 3.2 Aus den Akten ergibt sich folgendes: 3.2.1 Laut Unfallmeldung der Arbeitgeberin vom 7. Februar 2000 hat sich der Versicherte beim Heben eines Betonblocks von ca. 25 kg am Rücken verletzt, wobei diese Schilderung gemäss nachträglich mit Bleistift angebrachter Bemerkung auf Angaben des Bauführers beruht. 3.2.2 In der mit Kugelschreiber ausgefüllten Ergänzung der Unfallmeldung vom 16. Februar 2000 erwähnte der Versicherte bei der Schilderung des Vorfalles (Ziffer 1) "Sturz bei der Arbeit", und bei der Frage, ob etwas Besonderes passiert sei (Ziffer 4), unterstrich er die Worte "Ausgleiten, Sturz". 3.2.3 Im Bericht des Spitals A.________ vom 8. Februar 2000 wird bei der Anamnese festgehalten, dass der Patient seit ca. 3 Jahren an rezidivierenden Lumbalgien leidet. Am 4. Februar 2000 habe er ein ca. 40 kg schweres Gewicht gehoben; dabei seien akute tief lumbale Rückenschmerzen aufgetreten. Der Schmerz habe in beide Beine ausgestrahlt, rechts stärker als links. 3.2.4 Im Bericht des Spitals B.________ vom 9. März 2000 wird bei der Anamnese das "Heben eines Betonblocks und Fall auf die rechte Seite" ausgeführt. Es wird auf wiederholte Dolmetscher-unterstützte Gespräche hingewiesen. 3.2.5 Im Bericht der SUVA über die Befragung des Versicherten vom 2. Juni 2000 wird zunächst die schwierige Verständigung festgehalten. Zum Sachverhalt führte der Versicherte aus, dass er beim Heben eines ca. 30 bis 40 kg schweren Betonklotzes aus gebeugter Haltung nach vorne weggerutscht und rückwärts zu Boden gestürzt sei. Beim Aufprall mit Gesäss/Kreuz habe er sogleich Schmerzen in der unteren Rückenpartie verspürt. Es sei nicht so gewesen, dass er den Klotz nur angehoben und dann einen Schmerz verspürt hätte. Als Zeuge des Vorfalls nannte er M.________. 3.2.6 Der von der SUVA befragte M.________ führte am 7. Juni 2000 aus, dass er den Vorfall und das Ausrutschen des Versicherten nicht unmittelbar gesehen habe. Der Versicherte sei plötzlich neben einem Betonklotz mit dem Rücken auf dem Boden gelegen und habe über Schmerzen geklagt. Der Versicherte habe gesagt, er sei ausgerutscht. 3.2.7 Der von der SUVA am 7. Juni 2000 befragte Bauführer L.________ hatte den Vorfall nicht gesehen. Er hatte vom Maschinisten erfahren, dass der Versicherte beim Anheben eines Klotzes einen Schmerz verspürt habe. Der Versicherte habe den Klotz fallen gelassen und sei zu Boden gesackt. 3.2.8 Der Maschinist Y.________ gab gegenüber der SUVA am 8. Juni 2000 folgendes zu Protokoll: "An den Vorfall vom 4. Februar 2000, Baustelle H.________, kann ich mich erinnern. Herr K.________ ergriff einen Betonklotz von 20 bis 30 kg mit beiden Händen aus der Karrette und wollte diesen in den Trichter werfen. Beim Anheben des Steines schoss es dem Arbeitskollegen eine in den Rücken. Er liess den Stein auf den Boden fallen und sackte zu Boden. Er fiel gegen die Trichteröffnung. Das Ganze hatte sich auf dem Dach des Schulhauses abgespielt. Beim Anheben des Steins war Herr K.________ nicht ausgerutscht. Nach dem Schmerzauftritt sackte er zu Boden gegen die Trichteröffnung. Nach dem Vorfall sagte Herr K.________, dass ihm dies schon öfters passiert sei. Als der Schmerz nicht nachliess, rief ich den Krankenwagen. Der Schmerz war klar beim Anheben des Klotzes aufgetreten." Das Protokoll wurde von einem SUVA-Mitarbeiter aufgenommen und von Y.________ unterzeichnet. 3.3 Die Vorinstanz hat bei der Würdigung dieser Akten die Aussage des Maschinisten Y.________, wonach der Beschwerdeführer nicht ausgerutscht sei, als glaubwürdig und mit der medizinischen Diagnose im Einklang erachtet. Weil die Aussage des Zeugen Y.________ derjenigen des Beschwerdeführers widerspreche, sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass dieser wirklich ausgerutscht sei. Weitere Sachverhaltsabklärungen würden sich erübrigen, da davon keine neuen Erkenntnisse erwartet werden könnten. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass sich die Aussagen des Beschwerdeführers und des Maschinisten Y.________ widersprechen. Werden zunächst die Aussagen des Beschwerdeführers gewürdigt, so ergibt sich, dass dieser von Anfang an ein Ausrutschen bzw. einen Sturz als Ursache des Vorfalls vom 4. Februar 2000 erwähnte. So hat der Beschwerdeführer in der Ergänzung zur Unfallmeldung vom 16. Februar 2000 ein Ausgleiten und einen Sturz angegeben und an dieser Schilderung in der Befragung vom 2. Juni 2000 festgehalten. Diese Sachverhaltsdarstellung wird durch die Aussage von M.________ vom 7. Juni 2000 bestätigt, dem der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Vorfall erklärt hatte, er sei ausgerutscht. Auch wenn M.________ das Ausrutschen nicht selbst gesehen hatte, bestätigt seine Aussage immerhin, dass der Versicherte das Ausrutschen im Sinne einer "Aussage der ersten Stunde" bereits unmittelbar nach dem Vorfall erwähnt hatte. Damit steht fest, dass der Versicherte von Anfang an eine klare und bestimmte Aussage über den Hergang des Ereignisses gemacht und an dieser Schilderung in der Folge widerspruchsfrei festgehalten hat. Diese Sachverhaltsdarstellung darf deshalb nicht ohne triftige Begründung als unglaubwürdig und nicht wahrscheinlich verworfen werden. Der Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers steht die Aussage des Maschinisten Y.________ gegenüber, wonach der Beschwerdeführer nicht ausgerutscht und der Schmerz beim Anheben des Blockes aufgetreten sei. Obwohl die Aussage der Auskunftsperson bestimmt und schlüssig erscheint und sich auch gut mit dem medizinischen Befund (akute Lumbalgie nach Verhebetrauma bzw. Verhebeereignis, vgl. Berichte des Spitals A.________ vom 8. Februar 2000 sowie des Spitals B.________ vom 9. März 2000) vereinbaren lässt, kann darauf nicht ohne weiteres abgestellt werden. Es ist zu beachten, dass die Befragung des Maschinisten Y.________ erst am 8. Juni 2000, also rund vier Monate nach dem Vorfall erfolgte, als das Erinnerungsvermögen - in Bezug auf Details und Einzelheiten - möglicherweise bereits an Konturen verloren hatte. Zudem fand die Befragung nicht in Anwesenheit des Beschwerdeführers statt, der deshalb keine Ergänzungsfragen stellen konnte. Schliesslich ist unklar, ob die Aussagen der Auskunftsperson wörtlich oder sinngemäss aufgenommen wurden (Maschinist Y.________ hat das handschriftliche Protokoll lediglich mitunterzeichnet). Der Beschwerdeführer, der die Richtigkeit der Aussagen bereits im erstinstanzlichen Verfahren bestritten hatte, rügt denn auch zu Recht, dass nicht abgeklärt worden sei, wie nahe Maschinist Y.________ beim Beschwerdeführer gestanden hatte, welche Aufgabe er hatte und wie genau er den Vorfall beobachtet hatte. Unter diesen Umständen kann auf die schriftliche Auskunft, bei der keine Ermahnung zur Wahrheit erfolgte, in dieser Form nicht abgestellt werden. Vielmehr ist hier, wo die Richtigkeit der schriftlichen Auskunft sachlich begründet bestritten wird und in einem unüberbrückbaren Widerspruch zur - für sich betrachtet - an sich glaubwürdigen Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers steht, eine förmliche Zeugenbefragung der Auskunftsperson unerlässlich. Nur eine solche förmliche Befragung ist in diesem Fall beweistauglich. Auf eine Befragung des Zeugen Y.________ kann nicht verzichtet werden, da er offenbar als Einziger den Vorfall beobachtet hat und seine Aussage zum Hergang des Ereignisses nicht in antizipierter Beweiswürdigung als unerheblich betrachtet werden kann. Insofern erweist sich der Sachverhalt als ungenügend abgeklärt und kann das Vorliegen eines Unfallereignisses nach der gegenwärtigen Aktenlage weder bejaht noch verneint werden. Die Sache ist deshalb an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie den Maschinisten Y.________ als Zeugen zum Hergang des Ereignisses vom 4. Februar 2000 befrage. Je nach Ergebnis dieser Befragung wird das Gericht allenfalls weitere sich aufdrängende Abklärungen zu treffen und danach unter umfassender Würdigung des gesamten Beweismaterials neu über die Sache zu befinden haben.