Citation: 4A_15/2024 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz stellte fest, dass kein subjektiv übereinstimmender Wille der Parteien betreffend das anwendbare Recht bestanden habe. In Anwendung des Vertrauensprinzips unterstellte die Vorinstanz das Rechtsverhältnis auch in Bezug auf die Sicherungsklausel nach Ziffer 6.2 VKV zufolge gültiger Rechtswahl gemäss Ziffer 8.3 VKV dem liechtensteinischen Recht. Es sei gestützt auf den Wortlaut und die Systematik von einer objektiv hinreichend schlüssigen, mindestens konkludent übereinstimmenden Willenserklärung der Parteien auszugehen. Gemäss Wortlaut beziehe sich die Rechtswahlklausel generell auf die VKV und enthalte - anders als die Gerichtsstandsvereinbarung - keine Beschränkung auf die Beschwerdegegnerin und die C.________ GmbH als "Parteien" der VKV. Dass die Unterschrift der Beschwerdeführerin in eigenem Namen lediglich auf Ziffer 6.2 VKV Bezug nimmt, habe nicht zur Folge, dass sich die Rechtswahlklausel nicht auch auf den Schuldbeitritt erstrecke, da es sich dabei um die Hauptverpflichtung der Beschwerdeführerin handle. Es sei nachvollziehbar, dass sich diesbezüglich lediglich ein kurzer Vermerk bei der Unterschrift der Beschwerdeführerin finde. Dies schliesse die Geltung weiterer Bestimmungen nicht von vornherein aus. Die Regelung von Ziffer 6.2 VKV sei gemäss Systematik und Nummerierung integraler Bestandteil der VKV. Die Ziffern betreffend das anwendbare Recht und die Gerichtsstandsvereinbarung folgten erst am Schluss der VKV. Darüber hinaus habe die Beschwerdeführerin für die C.________ GmbH und für sich persönlich gleichzeitig am 7. Januar 2019 unterschrieben. All dies spreche dafür, dass es sich bei der VKV als Ganzes um ein einheitliches Vertragskonstrukt mit drei Rechtssubjekten und teilweise verschiedenen Rechten und Pflichten handle. Die Beschwerdeführerin sei auch nicht bloss eine aussenstehende, unbeteiligte Drittperson, die einen Schuldbeitritt unterzeichnete, sondern das einzige Organ der C.________ GmbH. Es bestehe folglich eine sehr enge Verbindung zwischen dem Vertragsverhältnis der Beschwerdegegnerin mit der C.________ GmbH einerseits, sowie der Verpflichtung der Beschwerdeführerin andererseits. Die Parteien führten nicht aus, dass einzelne Punkte der VKV mündlich oder schriftlich besprochen worden seien oder dass die Beschwerdeführerin bzw. ihr an den Vertragsverhandlungen beteiligter Sohn bezüglich Rechtswahl bei der Beschwerdegegnerin nachgefragt hätten. Die Beschwerdegegnerin habe daher in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass hinsichtlich der einzelnen Bestimmungen der VKV keine Unklarheiten bestanden hätten. Die Beschwerdeführerin sei auf den durch objektive Auslegung ermittelten Sinn ihrer Willenserklärung zu behaften und die Beschwerdegegnerin in ihrem diesbezüglichen Vertrauen zu schützen.