Citation: U 77/03 02.09.2003 E. 3

3.1 Nach Auffassung der Beschwerdeführerin ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den erneut geltend gemachten Rückenbeschwerden und dem Unfall vom 3. April 1998 gestützt auf die bestehende Aktenlage klar zu verneinen, weshalb sich die Einholung eines medizinischen Gutachtens als unnötig erweist. Der Untersuchungsgrundsatz verpflichte sie nur in den Grundfällen, für die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts besorgt zu sein, während es bei Rückfällen primär an der versicherten Person liege, ihren Anspruch rechtsgenüglich zu beweisen. Da die Versicherte den Beweis für den natürlichen Kausalzusammenhang nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit habe erbringen können, müsse sie die Folgen der Beweislosigkeit tragen. 3.2 Dem kann indessen nicht beigepflichtet werden. Die erheblich voneinander abweichenden ärztlichen Stellungnahmen, wie sie im angefochtenen Entscheid wiedergegeben werden, gestatten keine zuverlässige Beurteilung der streitigen Frage, ob die im November 2001 geltend gemachten Rückenschmerzen auf den seinerzeitigen Unfall zurückzuführen sind. Dr. med. M.________ beantwortete die Frage im Arztzeugnis vom 21. November 2001, ob ausschliesslich Unfallfolgen vorlägen, mit ja, nachdem er in den ärztlichen Zeugnissen vom 30. März, 9. April und 23. April 2001 noch angegeben hatte, die Behandlung erfolge wegen Krankheit. Im Beiblatt zum Arztzeugnis vom 5. Dezember 2001 beantwortete der behandelnde Arzt die Frage, ob die aktuellen Beschwerden noch im Kausalzusammenhang zum Unfallereignis stünden, erneut mit ja (Wirbelfraktur); die Begründung fehlt jedoch. Es habe immer eine Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die Frage, ob unfallfremde Faktoren vorhanden seien, beantwortete er dahingehend, dass anlässlich des Unfalles zufällig eine ausgeprägte Osteoporose festgestellt worden sei. Weshalb den ersten drei Zeugnissen grössere Beweiskraft zukommen soll, als den späteren Angaben - wie die Beschwerdeführerin meint -, leuchtet nicht ein. Vielmehr vermögen die vagen und auf den ersten Blick widersprüchlichen Angaben mangels schlüssig nachvollziehbarer Begründung den beweismässigen Anforderungen zum Vornherein nicht zu genügen (vgl. Erwägung 2.4). Gestützt darauf können Unfallfolgen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weder bejaht noch verneint werden. Die Ärzte des Spitals X.________ äussern im Bericht vom 16. Januar 2002 die Auffassung, die Frage der Unfallkausalität müsse Gegenstand eines fachärztlichen Gutachtens bilden. Damit bringen sie die Komplexität der Rückenproblematik der Beschwerdegegnerin zum Ausdruck. Immerhin wurden die Befunde einer Diskushernie L5/S2, einer Osteopenie/Osteoporose, einer Adipositas permagna und einer durchgemachten Brustwirbelfraktur BWK 12 erhoben. Angesichts der schwierig einzustufenden Beschwerdesituation war es ihnen im Rahmen einer kurzen Stellungnahme nicht möglich, sich zur Unfallkausalität der aktuellen Beschwerden zu äussern. Allein daraus, dass sie im Bericht vom 16. August 2001 eine Fortführung der Physiotherapie in einer Osteoporosegruppe vorschlugen und neu die Diagnose einer Diskushernie stellten, lässt sich jedenfalls nicht schliessen, es seien nur unfallfremde Ursachen gegeben. Zur Frage des Vorliegens oder Nichtvorliegens eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom 3. April 1998 und den Rückenbeschwerden hat am 13. März 2002 zudem der Vertrauensarzt der Allianz, Dr. med. G.________, im Rahmen eines ihm unterbreiteten Fragenkatalogs Stellung genommen. Unter Bemerkungen verwies er auf die Abklärungen im Spital X.________ vom 16. Januar 2002 und die dort neu gestellte Diagnose eines lumbospondylogenen Syndroms bei Diskushernie L5/S1 mit der vorbestandenen Nebendiagnose einer Osteoporose. Zur Frage der Kausalität kreuzte er die Rubrik "möglich" an, ohne dies zu begründen und ohne im Übrigen die weiteren Fragen zu beantworten. Damit fehlt es auch mit Bezug auf diesen Bericht an einer nachprüf- und nachvollziehbaren Stellungnahme. Eine abschliessende Beurteilung des medizinischen Sachverhalts ist aus den dargelegten Gründen nicht möglich, ohne dass dies als (sich zulasten der Versicherten auswirkende) Beweislosigkeit betrachtet werden kann, da mit Blick auf die bisherigen ärztlichen Stellungnahmen - und namentlich den Hinweis der Ärzte des Spitals X.________ auf die Durchführung einer medizinischen Begutachtung - nicht ausgeschlossen ist, dass weitere Untersuchungen eine Klärung herbeizuführen vermöchten (BGE 121 V 208 Erw. 6a, 117 V 264 Erw. 3b). Zwar obliegt es dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b). Den Parteien obliegt jedoch in dem vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten Sozialversicherungsprozess keine subjektive Beweisführungslast im Sinne von Art. 8 ZGB. Eine Beweislast besteht nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (RKUV 1996 Nr. U 247 S. 172 Erw. 2a). Nicht nur im Grundfall, sondern auch bei Geltendmachung eines Rückfalls oder von Spätfolgen hat die versicherte Person Anspruch darauf, dass der relevante medizinische Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Unfall und den gesundheitlichen Folgen fachärztlich abgeklärt und nachvollziehbar begründet wird. Verzichten Unfallversicherer und Gericht darauf, verletzen sie einerseits die ihnen durch den Untersuchungsgrundsatz auferlegte Pflicht zur vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und anderseits den Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Dass die Vorinstanz die Sache zur Durchführung weiterer medizinischer Untersuchungen an die Beschwerdeführerin zurückgewiesen hat, ist somit nicht zu beanstanden.