Citation: 6B_197/2021 E. 3.5.4

3.5.4. Die Beschwerde erweist sich hinsichtlich der Einwände betreffend Adäquanz bzw. Vorhersehbarkeit ebenfalls als unbegründet, sofern darauf überhaupt eingetreten werden kann. Zunächst ist anzumerken, dass es im vorliegenden Strafverfahren nicht um ein allfälliges Fehlverhalten der Mitarbeitenden des Beschwerdeführers, das ihm zugerechnet werden soll, geht, sondern um sein eigenes Verhalten. Gemäss den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz wusste der Beschwerdeführer, dass sich im Unfallzeitpunkt auf dem Areal weiterhin nicht-ableitfähige IBC befanden. Auch die verheerenden Folgen einer fälschlicherweisen Verwendung eines derartigen IBC waren für ihn absehbar (Urteil S. 48 E. 6.2.3). Der Beschwerdeführer stellt sich aber auf den Standpunkt, es sei für ihn weder vorhersehbar gewesen, dass jemand vergessen könnte, das Erdungskabel zu kontrollieren, noch dass sich F.B.________ nicht nur an seinem Schonarbeitsplatz aufhalten könnte. Soweit er damit geltend machen will, aufgrund des Fehlers seines Mitarbeiters bzw. des weisungswidrigen Verhaltens des späteren Opfers treffe ihn keine strafrechtliche Verantwortung, ist sein Vorbringen unbegründet. Das Strafrecht kennt keine Schuldkompensation (BGE 106 IV 58 E. 1; Urteile 6B_47/2021 vom 22. März 2023 E. 5.3; 6B_735/2020 vom 18. August 2021 E. 3.6; 6B_958/2020 vom 22. März 2021 E. 3.4). Ausserdem vermag das Verhalten eines Dritten den Kausalzusammenhang nur zu unterbrechen, wenn diese Zusatzursache derart ausserhalb des normalen Geschehens liegt, derart unsinnig ist, dass damit nicht zu rechnen war (BGE 142 IV 237 E. 1.5.2; 116 II 519 E. 4b; Urteil 6B_120/2019 / 6B_122/2019 vom 17. September 2019 E. 4.4; je mit Hinweisen). Davon kann vorliegend nicht die Rede sein. Die Rechtserheblichkeit einer äquivalenten Ursache beurteilt sich nach der Adäquanztheorie (Urteil 6B_174/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.4.2). Zusammengefasst stützt sich die Argumentation des Beschwerdeführers hauptsächlich darauf, dass dem betreffenden Mitarbeiter die Kontrollvorschrift bekannt gewesen und dass nicht damit zu rechnen gewesen sei, dass diesem erfahrenen Mitarbeiter ein solcher Fehler unterlaufe. Es ist unbestritten, dass G.________ wusste, dass er das fragliche Erdungskabel hätte prüfen müssen und dass er es vorliegend unterliess, vor dem Befüllen des Ereignis-IBCs diesen in der Herstellvorschrift vorgesehenen Kontrollschritt vorzunehmen. Dies vermag indessen nichts daran zu ändern, dass ein solch vergleichsweise leicht zu übersehender Kontrollschritt nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens bei Routinearbeiten mit solch teilweise repetitiven Arbeitsschritten auch einmal vergessen gehen kann. Derart ausserhalb des normalen Geschehens liegende, als Mitursachen hinzutretende Umstände, die das Verhalten des Beschwerdeführers so in den Hintergrund drängen würden, dass die Adäquanz verneint werden müsste, liegen offensichtlich nicht vor. Der Beschwerdeführer weist im Weiteren sodann zwar zutreffend darauf hin, dass sich im Urteil der Vorinstanz weder tatsächliche Feststellungen noch Erwägungen in Bezug auf das Verhalten von F.B.________ finden. Es war vorliegend jedoch nicht erforderlich, dass sich die Vorinstanz ausdrücklich dazu äussert. Sie konnte sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE 143 III 65 E. 5.2 mit Hinweisen). Eine unvollständige Feststellung des Sachverhalts oder eine Verletzung der Begründungspflicht liegt nicht vor. Denn auch ein allfälliges weisungswidriges Verhalten von F.B.________, der sich gemäss Ausführungen des Beschwerdeführers nicht beim Ereignis-IBC hätte aufhalten dürfen, sondern aufgrund einer vorbestehenden Verletzung einem anderen Arbeitsplatz zugewiesen gewesen war, würde nicht dazu reichen, das Verhalten des Beschwerdeführers so in den Hintergrund zu drängen, dass die Adäquanz verneint werden müsste. Es ist gerichtsnotorisch, dass sich Mitarbeitende nicht immer nur an den ihnen zugewiesenen Arbeitsplätzen aufhalten und sich aus den verschiedensten Gründen auf dem Arbeitsgelände bewegen, wie zum Beispiel um einem Kameraden zu helfen oder um sich mit jemandem auszutauschen. Soweit der Beschwerdeführer weiter ausführt, er dürfe darauf vertrauen, dass sich seine Mitarbeitenden grundsätzlich an seine Weisungen und Vorschriften halten würden, ansonsten eine arbeitsteilige Wirtschaft nicht denkbar sei, beruft er sich (zumindest sinngemäss) auf den Vertrauensgrundsatz. Dieses Vorbringen ist unbehelflich. Dem Vertrauensgrundsatz kommt dann die Funktion einer Begrenzung der Vorsichtspflicht insofern zu, als jeder Beteiligte grundsätzlich darauf vertrauen darf, dass jeder andere sich pflichtgemäss verhalten wird, sofern nicht besondere Umstände das Gegenteil erkennen lassen. Wer - wie der Beschwerdeführer - jedoch eine spezifische Kontrollverantwortung innehat, muss mit Fehlern rechnen; was vorliegend klar der Fall war. Der Vertrauensgrundsatz greift denn auch von vornherein nicht, wenn die fraglichen Sorgfaltspflichten gerade auf die Überwachung, Kontrolle oder Beaufsichtigung des Verhaltens anderer Personen gerichtet sind, mithin gerade deren Fehlverhalten entgegenwirken sollen (vgl. Urteile 6B_47/2021 vom 22. März 2023 E. 5.1.3; 6B_217/2022 vom 15. August 2022 E. 2.5.3; je mit Hinweisen).