Citation: 6S.667/2001 10.09.2003 E. 3.4

3.4.1 Soweit sich die Vorbringen der Beschwerdeführerin 2 gegen tatsächliche Feststellungen der Vorinstanz richten (zum Beispiel mit ihrem Hinweis auf die Bewertungen der Psychoanalytikerin, Beschwerdeschrift S. 7), ist darauf nicht einzutreten (Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP). 3.4.2 Die Vorinstanz bezeichnet die Handlungen des Beschwerdegegners zutreffend als gravierend und weist darauf hin, dass unsicher sei, ob die Beschwerdeführerin 2 das Geschehene erfolgreich verarbeiten könne. Damit berücksichtigt sie die Schwere der Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin. Sie führt sodann das Verschulden des Beschwerdegegners an. Den Vertrauensbruch des Beschwerdegegners übersieht die Vorinstanz - wie die Beschwerdeführerin selber einräumt - nicht, sie weist darauf allerdings nur unter den allgemeinen Ausführungen zur Genugtuung hin. Mit diesem Hinweis trägt sie der Vaterstellung des Beschwerdegegners Rechnung (angefochtenes Urteil S. 33). 3.4.3 Die Beschwerdeführerin beruft sich ausführlich auf die Übergriffe gemäss Anklagepunkt Ziff. 3 zweiter Absatz (Misshandlungen im Kinderzimmer), die sie "am schlimmsten" getroffen hätten. Nachdem in diesem Punkt ein Freispruch erfolgt, ist sie damit nicht zu hören. Einzuräumen ist der Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz den Freispruch vom Vorwurf der sexuellen Nötigung in Anklageziffer 3 zweiter Absatz (Vorfälle im Zimmer der Töchter) bei der Bemessung der Genugtuung nicht erwähnt. Die Beschwerdeführerin macht in diesem Punkt aber zu Recht keine Bundesrechtsverletzung geltend. Die mit dem Teilfreispruch einhergehende Reduktion der Genugtuung ergibt sich aus dem Umstand, dass eine Genugtuung nur für Tathandlungen auferlegt wird, derentwegen der Beschwerdegegner schuldig gesprochen worden ist. Dies konnte die Beschwerdeführerin dem angefochtenen Urteil denn auch ohne explizite Erwähnung entnehmen, weshalb die Begründung der Genugtuung nicht als ungenügend erscheint. 3.4.4 Wenn auch die Verfehlungen des Beschwerdegegners gravierend sind, erreichen sie, wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht die in BGE 125 III 269 geschilderte Schwere. In diesem Fall wurde dem Opfer eine Genugtuungssumme von Fr. 100'000.-- zugesprochen, weil es als unmündiges Mädchen von seinem leiblichen Vater während 10 Jahren auf äusserst schwere und grässliche Weise regelmässig und äusserst heftig (fast täglich) sexuell missbraucht worden war und dadurch sehr wahrscheinlich irreversible psychische Dauerschäden (Depressionen und Suizidätgefährdung) erlitten hatte (vgl. zustimmende Urteilsanmerkung von Dominik Zehntner in AJP 2000 S. 114 ff.). Es bleibt anzumerken, dass sich für den Zeitraum ab 1995 in Fällen von Verletzung der sexuellen Integrität eines Kindes Präjudizien finden, die Summen zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 50'000.-- zusprechen (vgl. ausführlich dazu Urteil 6P.6/2002 und 6S.727/2001 vom 16. April 2002 E. 3d mit Verweis auf Hütte/Ducksch, Die Genugtuung, Eine tabellarische Übersicht über Gerichtsentscheide aus den Jahren 1990 - 2003, 3. Aufl. Stand März 2003, Genugtuung bei Sexualdelikten: Zeitraum 1995-1997 Nr. 8c, 10c, 13c, 14, 17 [= BGE 124 IV 154], 17a, 22, 24, 25, 27; Zeitraum 1998 - 2000 Nr. 18, 21, 23, 25c, 25d, 25e, 29a, 30; Zeitraum ab 2001 Nr. 26, 27). 3.5 Insgesamt kann nicht gesagt werden, dass die Vorinstanz bei der Festsetzung der Genugtuung nicht allen wesentlichen Kriterien Rechnung getragen hätte. Die Genugtuung in der Höhe von Fr. 35'000.--, die der Beschwerdeführerin 2 zugesprochen wird, ist in Anbetracht von Art und Schwere der Verletzungen und vor dem Hintergrund der genannten Präjudizien aus Sicht des Bundesrechts nicht zu beanstanden. Genugtuungsforderung für die Beschwerdeführerin 1 (Beschwerdeschrift S. 10 und 11).