Citation: 4A_257/2007 08.11.2007 E. 3

In rechtlicher Hinsicht stellt der Beschwerdeführer nurmehr die Schadensberechnung nach der abstrakten Methode durch die Vorinstanz in Frage und beruft sich dabei auf eine Verletzung von Art. 191 Abs. 3 OR. Zunächst bringt der Beschwerdeführer vor, Art. 191 Abs. 3 OR sei im vorliegenden Fall nicht anwendbar, weil kein Kauf im kaufmännischen Verkehr vorliege. Die Vorinstanz stellte in ihrem Entscheid fest, dass B._______ die Absicht hatte, die Aktien nach Erhalt weiterzuverkaufen; dabei sei für den Beschwerdeführer erkennbar gewesen, dass das Geschäft zum Zweck des Weiterverkaufs getätigt worden sei. Gestützt darauf bejahte die Vorinstanz das Vorliegen des kaufmännischen Verkehrs. Der Beschwerdeführer rügt in diesem Zusammenhang die Verwendung eines falschen Begriffs des "kaufmännischen Verkehrs" und damit die unzulässige Anwendung von Art. 191 Abs. 2 und Abs. 3 OR bzw. die fälschlicherweise unterlassene Anwendung von Art. 191 Abs. 1 OR. Vorab ist festzuhalten, dass Art. 191 Abs. 3 OR im vorliegenden Fall ohnehin nicht unmittelbar anwendbar ist, da die Beschwerdegegnerin ihren Schadenersatzanspruch infolge ausgebliebener Leistung der 20'000 Inhaberaktien auf einen Treuhandvertrag stützt, mit dem sich der Beschwerdeführer als Treuhänder zum Erwerb der Aktien in eigenem Namen, jedoch auf Rechnung des Treugebers B._______ verpflichtete. Somit stünde gegebenenfalls eine analoge Anwendung der genannten Bestimmung zur Diskussion. Die Frage der Anwendbarkeit von Art. 191 Abs. 3 OR kann im vorliegenden Fall jedoch offen bleiben. Selbst wenn die Bestimmung nämlich tatsächlich unanwendbar sein sollte und der Schaden der Beschwerdegegnerin nach den allgemeinen Grundsätzen zu berechnen wäre, wie dies der Beschwerdeführer vorbringt, so würde dies am Entscheid der Vorinstanz - wie sich nachfolgend zeigt - im Ergebnis nichts ändern. Der besondere Rechtsbehelf des Käufers gemäss Art. 191 Abs. 3 OR schliesst einen Schadensnachweis nach den allgemeinen Regeln nicht aus (BGE 105 II 87 E. I.2 S. 88 f.). Ebenso wenig hindert die genannte Bestimmung das Gericht daran, im Rahmen der Beurteilung des eingetretenen Schadens nach Art. 97 ff. OR in Verbindung mit Art. 42 OR auch Gedanken zu berücksichtigen, die ihr zugrunde liegen (BGE 120 II 296 E. 3b S. 299; 104 II 198 E. b). Demnach geht es nicht an, jede abstrakte Schadensberechnung ausserhalb des Anwendungsbereichs von Art. 191 Abs. 3 OR als unzulässig zu betrachten. Der Schaden kann daher unabhängig von einem konkreten Weiterverkaufsgeschäft berechnet werden als Differenz zwischen dem von den Parteien vereinbarten Preis und dem hypothetischen Preis, zu dem der Gegenstand bei gehöriger Leistung - bestimmt nach Ermessen mit Rücksicht auf den üblichen Lauf der Dinge (Art. 42 Abs. 2 OR) - hätte verkauft werden können (BGE 120 II 296 E. 3b S. 300; 105 II 87 E. I.3 S. 90). Vorliegend hat die Vorinstanz aufgrund der tatsächlichen Feststellung, die fraglichen Inhaberaktien seien zu einem Preis von Fr. 54.-- verkäuflich gewesen, in Anwendung von Art. 191 Abs. 3 OR einen Schadenersatzanspruch der Beschwerdegegnerin von Fr. 880'000.-- (20'000 Aktien zu je Fr. 54.-- abzüglich Kaufpreis von Fr. 200'000.--) geschützt. Ein Schadenersatzanspruch in dieser Höhe wegen Nichterfüllung (Art. 107 Abs. 2 OR) hätte jedoch nach der oben zitierten Rechtsprechung auf Grundlage des von der Vorinstanz nach objektiven Kriterien festgestellten Verkaufswerts im massgeblichen Zeitpunkt der Abgabe der Verzichtserklärung (BGE 120 II 296 E. 3b S. 300) - wie dies die Erstinstanz zutreffend erwog - auch unter Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR zugesprochen werden können. Somit ist der Vorinstanz im Ergebnis keine Bundesrechtsverletzung vorzuwerfen, soweit sie die Klage der Beschwerdegegnerin schützte und die Appellation abwies.