Citation: 5A_391/2018 E. 2.4.3

2.4.3. Wie aus den Tatsachenfeststellungen hervorgeht, hatte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer indirekt - d.h. für die GmbH - Geld überlassen, ohne dass sie direkt Einfluss auf den Umgang mit ihrem Geld nehmen konnte (Beschwerdeführer alleiniger Zeichnungsberechtigter und Geschäftsführer; Beschwerdegegnerin ohne Zeichnungsberechtigung). Vor diesem Hintergrund ist zu prüfen, ob ein Vermögensverwaltungsauftrag angenommen werden könnte. Überlässt ein Ehegatte dem andern ausdrücklich oder stillschweigend die Verwaltung seines Vermögens, so gelten die Bestimmungen über den Auftrag, sofern nichts anderes vereinbart ist (Art. 195 Abs. 1 ZGB). Die Vermögensverwaltung i.S.v. Art. 195 Abs. 1 ZGB setzt einen obligationenrechtlichen Vertrag zwischen den Ehegatten voraus, wobei sie vom Auftragsrecht abweichen können, indem sie beispielsweise einen Gesellschaftsvertrag abschliessen (vgl. Urteil 5A_531/2011 vom 6. Dezember 2011 E. 5.1.1, in: FamPra.ch 2012 S. 422, mit diversen Hinweisen auf die Literatur; Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Komment ar, Aufl. 1992, N. 18 f. zu Art. 195 ZGB, wonach sich der Vorbehalt einer anderen vertraglichen Regelung in erster Linie auf Änderungen innerhalb des Auftragsrechts bezieht, aber auch die Wahl einer anderen Vertragsart möglich bleibt). Genau dies haben die Ehegatten mit der Gründung der GmbH vorliegend getan. Auf den strittigen Hausverkauf sind mithin weder die Vorschriften zum ehelichen Güterrecht, noch Auftragsrecht, sondern die gesellschaftsrechtlichen Bestimmungen zur GmbH anwendbar. Hätte die Beschwerdegegnerin die Veräusserung der im Vermögen der GmbH stehenden Liegenschaft verhindern oder nachträglich Schadenersatz geltend machen wollen, hätte sie dies in ihrer Funktion als Gesellschafterin, nötigenfalls im Konkursverfahren tun müssen. Da gemäss vorliegender Ausführungen im Zusammenhang mit Forderungen aus dem strittigen Wohnungsverkauf Gesellschaftsrecht zur Anwendung kommt, braucht nicht weiter auf die Voraussetzungen für eine Vermögensverwaltung im Sinne von Art. 195 Abs. 1 ZGB eingegangen zu werden. Umstände, die einen Durchgriff rechtfertigen würden (sei es auf der Basis von güterrechtlichen oder anderen im Rahmen der Scheidung anwendbaren Bestimmungen), lassen sich weder dem angefochtenen Urteil entnehmen, noch macht die Beschwerdeführerin solche geltend. So wird beispielsweise nirgends ausgeführt, dass sie ihre Auskunfts- und Kontrollrechte als Gesellschafterin in der gesetzlich vorgesehenen Form versucht hätte wahrzunehmen, vom Beschwerdeführer aber daran gehindert worden wäre. Deshalb kann nicht geprüft werden, ob eine Durchgriffssituation vorgelegen hätte.