Citation: I 288/04 13.04.2006 E. 4

4.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 Erw. 4, 115 V 134 Erw. 2, 114 V 314 Erw. 3c, 105 V 158 Erw. 1). 4.2 Das IMB-Gutachten setzt sich aus einem somatisch-medizinischen Bericht des Dr. med. W.________, Facharzt für Chirurgie FMH, vom 21. August 2002 und aus einer psychiatrischen Expertise des Dr. med. T.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 14. Oktober 2002 zusammen. Beide Ärzte konnten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Die Versicherte leide an massivem Übergewicht und an einer medikamentösen behandelten arteriellen Hypertonie. Diese Gesundheitsbeschwerden wirkten sich nicht einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus. Nach Ansicht des Dr. med. T.________ ist von einer über 70 %igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, falls man "äusserst grosszügig die leichte Verstimmung, die definitionsgemäss nicht den Grad einer leichten oder gar mittelgradigen depressiven Episode erreicht, miteinbezieht". 4.3 Im Bericht vom 18. Mai 2001 gibt Dr. med. B.________, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, an, die Beschwerdegegnerin leide an einem Panvertebralsyndrom bei Hohl-/Rundrücken, falschem HWS-/BWS-Schultergürtel und LWS-Beckenstereotypen mit durchgehender Muskeldysbalance, ausgeprägter muskulärer Dekonditionierung, Adipositas und generalisierter Fibromyalgie sowie an einer chronisch-venösen Insuffizienz beider unterer Extremitäten, nach Angabe der Versicherten im Rahmen einer vor drei Jahren erlittenen venösen Thrombose mit anschliessender Antikoagulation. Zur Arbeitsfähigkeit äussert sich der Rheumatologe nicht. Auf seine Veranlassung wurde eine angiologische Untersuchung durchgeführt, anlässlich welcher gemäss Schreiben des Dr. med. D.________, Innere Medizin/Angiologie FMH, vom 4. Juli 2001 ein intaktes oberflächliches und tiefes Leitvenensystem beidseits, eine symptomatische Lipomatose beider Beine bei Adipositas, Besenreiser, kleinere retikuläre Varizen beidseits und ein leichtes Lymphödem der Füsse beidseits festgestellt worden sind. Aus angiologischer Sicht seien keine therapeutischen Massnahmen zu ergreifen. Die geklagten Beschwerden seien wahrscheinlich muskuloskelettaler oder lumbovertebraler Genese, allenfalls verbunden mit einer psychosomatischen Komponente. 4.4 Vom 24. Juli bis 9. August 2001 hielt sich die Versicherte in der Rehaklinik R.________ auf. Dort wurde gemäss Bericht vom 5. September 2001 eine schwere generalisierte Fibromyalgie mit lumbaler Akzentuierung, eine chronisch venöse Insuffizienz ersten Grades (Status nach Thrombose beidseits) und Adipositas diagnostiziert. Bei Eintritt sei die Beschwerdegegnerin depressiv verstimmt gewesen und habe auf jede Berührung mit Schmerzen reagiert. Über allfällige Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit wurden keine Angaben gemacht. 4.5 Die behandelnde Frau Dr. med. G.________, Allgemeine Medizin FMH, attestiert für die bisherige Tätigkeit eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit ab 30. März 2001 bis auf weiteres und gibt an, leichte Hilfsarbeiten seien im Rahmen von zwei bis drei Stunden täglich zumutbar, sie könne sich allerdings "real keine Tätigkeit vorstellen, bei der die Pat. mitmachen würde". Sie stellt die Diagnose einer schweren generalisierten Fibromyalgie mit lumbaler Akzentuierung, einer chronisch venösen Insuffizienz ersten Grades, dicker schmerzhafter Unterschenkel, einer Adipositas und - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - einer Hypertonie (Bericht vom 4. Dezember 2001). Mit ärztlichem Zeugnis vom 21. Februar 2003 bestätigt Frau Dr. med. G.________ eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit als Hilfsarbeiterin und gibt an, im Haushalt bestehe eine 70 %ige Einschränkung. Frau Dr. med. A.________, Stellvertreterin während der Ferienabwesenheit der Hausärztin, gelangt zu denselben Schlüssen und führt zudem aus, es liege eine schwere Chronifizierung des jahrelang dauernden Schmerzsyndroms bei einer Persönlichkeitsstörung mit limitierter Verarbeitungsmöglichkeit und einer Anpassungsstörung vor (Bericht vom 31. Juli 2003). 4.6 Dr. med. V.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei welchem die Versicherte seit 2. September 2003 in Behandlung ist, diagnostiziert in seinem Bericht vom 15. November 2003 eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2), bestehend seit ungefähr zwei bis drei Jahren im Rahmen einer generalisierten Fibromyalgie und anderer somatischer Erkrankungen. Als organische Beschwerden nennt er Übergewicht mit entsprechenden Konsequenzen (Plattfüsse mit Oedemen beidseits, Varizen, Thrombose an den Unterschenkeln seit drei Jahren). Er schätzt die Arbeitsunfähigkeit auf 100 % und gibt an, der abweichenden Beurteilung des Dr. med. T.________ könne er nicht folgen, weil sie den bestehenden somatischen und psychischen Leiden nicht Rechnung trage. 4.7 Der im letztinstanzlichen Verfahren beigebrachten "Carte maladie pour l'assurance collective maladie" lässt sich - ohne weitere Begründung - entnehmen, dass die behandelnden Ärzte weiterhin eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestieren.