Citation: 4C.222/2004 14.09.2004 E. 3

Ein Ereignis gilt als adäquate Ursache eines Erfolgs, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs also durch das Ereignis als allgemein begünstigt erscheint. Rechtspolitischer Zweck der Adäquanz bildet die Begrenzung der Haftung; es soll aufgrund sämtlicher Umstände im Einzelfall (Art. 4 ZGB) entschieden werden, ob eine Schädigung billigerweise noch dem Haftpflichtigen zugerechnet werden kann (BGE 123 III 110 E. 3a, mit Verweisen). Während der natürliche Kausalverlauf als Tatfrage grundsätzlich - unter Vorbehalt der in Art. 63 Abs. 2 OG genannten Ausnahmen - im Berufungsverfahren nicht zu überprüfen ist, handelt es sich bei der Adäquanz um eine Rechtsfrage (BGE 123 III 110 E. 2). Nach der Rechtsprechung unterbricht eine vom Geschädigten gesetzte Ursache den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der vom Schädiger gesetzten Ursache und dem Schaden nur, wenn sie einen derart hohen Wirkungsgrad aufweist, dass die vom Schädiger gesetzte Ursache nach wertender Betrachtungsweise als rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint (BGE 116 II 519 E. 4b; vgl. auch BGE 130 III 182 E. 5.4, mit Verweisen). Die Beklagte hält dafür, die Schwere des Unfallereignisses sei im Rahmen der Adäquanz in dem Sinne zu würdigen, dass auch die tatsächlich feststehenden unmittelbaren Unfallfolgen dem Schädiger überhaupt nicht zuzurechnen seien, wenn es sich wie hier bloss um eine geringfügige, bagatelläre Kollision handle. Sie verkennt dabei nicht, dass die Rechtsprechung die Haftung für tatsächlich feststehende unmittelbare Unfallfolgen unter dem Gesichtspunkt der Adäquanz in der Regel bejaht (BGE 123 III 110 E. 3c; Urteil 4C.79/2001 vom 21. Juni 2001 E. 3a; vgl. auch Urteil 4C.59/1994 vom 13. Dezember 1994 E. 1d, Pra 1995 Nr. 172 S. 548; JdT 1996 I 728). Es besteht denn auch für die von der Beklagten befürwortete Begrenzung der Haftung kein ersichtlicher Grund. Die konstitutionelle Prädisposition bildet zudem, wie erwähnt, nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz entgegen der Ansicht der Beklagten tatsächlich nicht die eigentliche Ursache des aktuellen Gesundheitszustandes der Klägerin. Die gesundheitliche Schädigung ist vielmehr durch die - leichte - Auffahrkollision zum Teil verursacht, jedenfalls teilweise ausgelöst worden, indem vorbestehende Schäden reaktiviert worden sind.