Citation: U 214/99 30.08.2001 E. 2

2.- a) Die somatischen Beschwerden sind unbestrittenermassen insoweit auf den Unfall zurückzuführen, als die vorbestehenden degenerativen Veränderungen der HWS, wie sie im Bericht des Röntgen-Instituts A.________ vom 15. Juli 1988 näher umschrieben sind (Discarthrose C6/7 mit Hinweis für eine Diskopathie auch zwischen C3/4 und C4/5, Einengung der Intervertebralräume C6/7, Randostheophyten C6/7, weniger C5/6), im Sinne einer Triggerung mit anschliessender Akzeleration beeinflusst wurden. Darüber hinaus bezeichnet der Beschwerdeführer den Unfall als ursächlich für die Diskushernien C5/6 und C6/Th1 mit radikulärer Symptomatik. Dabei stützt er sich in erster Linie auf die Stellungnahme des Neurochirurgen Dr. H.________ vom 21. Februar 1995, wonach die Herniation höchstwahrscheinlich mit dem Unfallereignis in Verbindung zu bringen sei. b) Wie von der SUVA in der Stellungnahme vom 6. September 1999 zutreffend dargelegt, entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann ein Bandscheibenvorfall betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber (weitgehend) verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (statt vieler: Urteil S. vom 12. April 2001, U 243/98, mit zahlreichen Hinweisen; vgl. auch Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 54 ff., insbesondere S. 56; Baur/ Nigst, Versicherungsmedizin, 2. Aufl., Bern 1985, S. 162 ff.; Mollowitz, Der Unfallmann, 11. Aufl., Berlin 1993, S. 164 ff.). Insbesondere mit dem letztgenannten Kriterium werden auch jene Fälle aufgefangen, bei denen der Unfall neben weiteren Faktoren lediglich eine Teilursache für die im Anschluss an das Ereignis aufgetretenen Rückenbeschwerden darstellt. Vorausgesetzt ist indessen auch dort, dass die Symptome einer Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unmittelbar nach dem Unfall auftreten (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 Erw. 2a; erwähntes Urteil S. vom 12. April 2001; vgl. auch Debrunner/Ramseier, a.a.O., S. 55 oben). c) Nicht nur, dass es an einem Unfallereignis von besonderer Schwere fehlt, sondern darüber hinaus traten die Symptome der Diskushernie erst mehrere Monate nach dem Unfall vom 1. Juli 1988 auf, erwähnte doch erstmals der den Versicherten seit dem 12. Juni 1990 betreuende Dr. H.________ mediane Diskushernien C5/6 und C7/Th1 als (mit-)ursächlich für das zervikobrachiale Syndrom. Dagegen finden sich in den bis zum erstmaligen Behandlungsabschluss erstellten Berichten des Hausarztes Dr. C.________ vom 19. Oktober 1988 und 6. Januar 1989, des Röntgen-Instituts A.________ vom 15. Juli 1988 und des Spitals L.________ vom 3. November 1988 - das allerdings nur die Segmente C3 bis C5 untersucht hatte - keine entsprechenden Hinweise. Das Unfallereignis ist somit in Nachachtung der in Erw. 2b dargelegten Rechtsprechung zum natürlichen Kausalzusammenhang bei Diskushernien nicht geeignet, Diskushernienrezidive zu verursachen. An diesem Ergebnis vermag auch die nicht näher begründete Einschätzung des Dr. H.________ vom 21. Februar 1995 nichts zu ändern.