Citation: U 274/04 17.03.2005 E. 4.2

4.2.1 Während des Aufenthaltes in der Rehabilitationsklinik Z.________ vom 26. Mai bis 6. Juni 1997 klagte die Beschwerdeführerin einen Dauerschmerz paravertebral lumbal links. Unter Belastung, wie längeres Stehen oder Sitzen käme es zu einer Schmerzzunahme mit Ausstrahlung gegen die Mittellinie sowie den thorakolumbalen Übergang hin. Der Schmerz werde auch in den linken Knöchel fortgeleitet. Der Schmerz im linken Bein sei nachts zwischen 2 und 4 Uhr am stärksten, frühmorgens jeweils am wenigsten ausgeprägt; auch die Fussheberparese sei dann jeweils deutlich weniger vorhanden. Oft bestehe auch ein Ziehen im Bereich des Nackens, der sich als Spannungsschmerz zeige. Husten und Pressen führten zu Schmerzen lumbal ohne Ausstrahlung. Im Alltag gebrauche die Versicherte stets zwei Gehstöcke und könne auch damit nur wenige hundert Meter gehen. Ohne Gehstöcke könne sie sich nur wenige Meter in der eigenen Wohnung bewegen. Erschwerend komme ein Gefühl hinzu, dass sie kaum alleine stehen könne und dass sie auf die linke Seite gezogen werde. Bei der Untersuchung knickte die Versicherte beim Belasten des linken Beines mit dem Oberkörper nach links flektiert in der Hüfte und Knie. Gleichzeitig kam es zu einem starken Schlenkern des gesamten Körpers sowie des linken Armes. Der Gang war stark verlangsamt und schwankend. Beim Gehen ohne Stöcke konnte die Versicherte nur zaghaft den linken Fuss aufsetzen. Dabei knickte sie sofort nach links ein und stützte sich mit der linken Hand ab. Freies Gehen war nicht möglich. Laut Dr. med. K.________ konnte die linke Hand den Griff der Krücke mit einer prompten und kräftigen Pronationsbewegung halten und entsprechend beim Gehakt eingesetzt werden. Intentionale Bewegungsversuche, beispielsweise auf Aufforderung, ihm die linke Hand zu geben oder damit einen Fingernasenversuch zu machen, dagegen misslangen. Wenn sich die Versicherte anstrengte, der Aufforderung nachzukommen, setzte ein relativ grobes Schlenkern des linken Unterarms ein. Rechts gelangen willkürliche Bewegungen auf Verlangen prompt und sicher. Bei Aufforderung, mit der rechten Hand einen Stift in die linke zu geben, hingegen begann auch die rechte Hand unsicher zu schlenkern, als sie in die Gegend der linken Hand kam, die supiniert und praktisch bewegungslos im Sitzen auf dem linken Knie lag. 4.2.2 Aufgrund von Anamnese und Befundung wurden folgende Diagnosen gestellt: Chronisches Lumbovertebralsyndrom, Status nach Dekompression L5/S1 links mit Fenestration am 3. November 1995 und nach Spondylodese L3 bis S1 am 16. Mai 1994, sowie gemischte Konversionsstörung (ICD-10: F44.7). Zur natürlichen Kausalität führten die Gutacher der Rehabilitationsklinik Z.________ u.a. aus, der Unfall vom 26. Oktober 1994 habe eine deutliche Verschlimmerung des Zustandes mit Rückkehr des vorbestehenden starken Schmerzes sowie auch neurologische Störungen leichterer Natur (passagere Blasenlähmung, sensible radikuläre Symptome) herbeigeführt. Es dürfe daher nicht davon ausgegangen werden, der bestehende Vorzustand hätte sich schicksalsmässig in der selben Weise ausgewirkt und es wäre zu den in der Anamnese erwähnten Hospitalisationen sowie Operationen gekommen. Demgegenüber sei in Bezug auf das Konversionssymptom der Status quo sine erreicht. Die gemischte Konversionsstörung stehe in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 26. Oktober 1994 und beschreibe den heutigen Gesundheitszustand massgebend. Diesen Aussagen widerspricht die Beurteilung, aufgrund der somatischen Unfallverletzungen sei es nicht zu einer wesentlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gekommen. Es fehlt denn auch eine Begründung für diese Einschätzung. Im Gegenteil ist nicht nachvollziehbar, weshalb im Zusammenhang darauf hingewiesen wird, die Versicherte sei im Unfallzeitpunkt auch nicht arbeitsfähig gewesen. Abgesehen davon schliesst eine (rein) psychisch bedingte volle Arbeitsunfähigkeit eine Arbeitsunfähigkeit (auch) aus somatischen Gründen nicht aus. Dass laut Gutachter die Untersuchung und Beurteilung der somatischen Befunde durch den psychischen Zustand erschwert war, ist ebenfalls kein Grund, eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund körperlicher Unfallfolgen zu verneinen. 4.3 Entgegen der Vorinstanz kann aus den medizinischen Akten nicht gefolgert werden, spätestens am 4. Februar 1998 sei der Status quo ante vel sine bezüglich der somatischen Verletzungen erreicht gewesen. Daran ändert nichts, dass die auch nach den Aufenthalten in den Kliniken X.________ und Z.________ ambulant weitergeführte Physiotherapie der Erhaltung der Stabilisierung des Zustandes des Bewegungsapparates (Kräftigung und Koordinationsverbesserung der Muskulatur) diente. Daraus kann nicht auf das Fehlen somatischer Unfallfolgen geschlossen werden. In diesem Zusammenhang bestehen keine Anhaltspunkte in den Akten, dass die Spondylodese L3 bis S1 vom 16. Mai 1994 zu bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen ohne den Unfall vom 26. Oktober 1994 geführt hätte. Insbesondere fehlen Hinweise auf Komplikationen während des postoperativen Verlaufs. Zu keiner andern Betrachtungsweise Anlass geben die Ausführungen des Dr. med. K.________ im Gutachten vom 10. Juni 2002. Darin bezeichnet es der psychiatrische Facharzt lediglich als allenfalls denkbar, dass sich das Rückenleiden, wenngleich operiert, im Verbund mit suboptimalen Bewältigungsstrategien längerfristig doch auf die Arbeitsfähigkeit als Sekretärin ausgewirkt hätte. Zeitpunkt und Umfang dieser denkbaren Minderung der Arbeitsfähigkeit kann er nicht angeben. Lassen sich somatische Unfallfolgen auch nach dem 4. Februar 1998 nicht mit hinreichender Sicherheit ausschliessen, erscheint eine einigermassen genaue Quantifizierung der dadurch verursachten Arbeitsunfähigkeit aufgrund des komplexen Beschwerdebildes praktisch nicht möglich. Von diesbezüglichen weiteren Abklärungen sind zumindest für den massgebenden Prüfungszeitraum bis zum Einspracheentscheid vom 13. Februar 2003 (Urteil G. vom 25. November 2004 [H 53/04] Erw. 1.1.3 und BGE 116 V 248 Erw. 1a) keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, und es ist daher davon abzusehen.