Citation: 5A_637/2022 E. 3.2.1

3.2.1. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, vollständig auszublenden, dass die Halbgeschwister ein "absolut wesentlicher Bestandteil des Lebens und der weiteren Entwicklung von C.________" sind. Das Obergericht sei sich bewusst, dass Geschwister durch die Obhutsregelung nicht getrennt werden sollen, setze sich mit diesem Umstand aber nicht auseinander. Auf diese Weise beurteile es die Frage der Obhutszuteilung willkürlich. C.________ sei seit ihrer Geburt mit ihren Halbgeschwistern aufgewachsen und von ihnen "mitbetreut" worden. Sie habe ein spezifisches Bedürfnis, durch ihre Mutter betreut zu werden, denn damit wachse sie auch weiterhin mit ihren Halbgeschwistern auf. In der Folge sei es willkürlich, wenn die Vorinstanz behaupte, dass keine spezifischen Bedürfnisse ersichtlich seien, die eine persönliche Betreuung notwendig erscheinen lassen. Nach überkommener Rechtsprechung zählt zu den Kriterien, nach denen im Streitfall über die Zuteilung der Obhut zu entscheiden ist, auch der Grundsatz, dass Geschwister nach Möglichkeit nicht zu trennen sind. Dieser Grundsatz bezweckt, für (volle) Geschwister unterschiedliche Obhutsregelungen zu vermeiden (Urteil 5A_629/2019 vom 13. November 2020 E. 8.8). Er kennt freilich Ausnahmen und Differenzierungen: Ist bei Geschwistern, etwa wegen eines Altersunterschiedes, von unterschiedlichen Bedürfnissen und insbesondere von verschiedenen emotionalen Bindungen und Wünschen auszugehen, kann auch eine Trennung der Geschwister im Kindeswohl sein (Urteile 5A_589/2021 vom 23. Juni 2022 E. 3.1.2; 5A_236/2016 vom 15. Januar 2018 E. 4.1). Bei Halbgeschwistern liegt es sodann in der Natur der Sache, dass verschiedene Obhutsregelungen unter Umständen unvermeidbar sind, da die Halbgeschwister nicht beide Eltern teilen und jeder Elternteil aus anderen Verbindungen weitere Kinder haben kann (5A_629/2019 vom 13. November 2020 E. 8.8). Entsprechend genügt die Beschwerdeführerin den eingangs erwähnten Rügeanforderungen (E. 2) nicht, wenn sie sich pauschal auf den erwähnten Grundsatz beruft und der Vorinstanz vorhält, ohne weitere Erörterungen auf die gegenwärtige Trennung der Halbgeschwister hinzuweisen. Einen konkreten Grund, weshalb dem Zusammenleben mit den Halbgeschwistern gegenüber dem Verbleib im angestammten Umfeld der Vorrang gebühre, vermag die Beschwerdeführerin nicht darzutun. Insbesondere hilft der Beschwerdeführerin auch ihre Behauptung nicht weiter, dass der Aspekt bezüglich der Geschwister ein "zentrales Element" sei, das "nicht nur zu berücksichtigen, sondern stark zu gewichten ist". Dass (Halb- oder Stief-) Geschwister das Leben und die Entwicklung eines Kindes beeinflussen, mag wohl zutreffen. Allein dies ändert nichts daran, dass die Geschwistersituation nur eines von vielen Kriterien ist, dem bei der Obhutszuteilung Rechnung getragen werden muss. Soweit die Beschwerdeführerin die persönliche Betreuung (auch) durch die Halbgeschwister als "spezifisches Bedürfnis" von C.________ verstanden wissen will, verkennt sie die diesbezügliche Rechtsprechung. Danach ist die persönliche Betreuung durch die Eltern das Gegenstück zur Fremdbetreuung. Dabei gilt als Grundregel, dass Eigen- und Fremdbetreuung gleichwertig sind. Ausnahmsweise kann sich eine persönliche Betreuung mit Blick auf das Kindeswohl aufdrängen, insbesondere aufgrund spezifischer Bedürfnisse des Kindes, zum Beispiel bei physischen oder psychischen Gebrechen (BGE 144 III 481 E. 4.7). Indem die Beschwerdeführerin ihr Anliegen, dass C.________ mit den Halbgeschwistern zusammenleben und aufwachsen soll, gewissermassen als Funktion von C.________s persönlicher Betreuung durch sie als Mutter ins Spiel bringt, vermengt sie zwei Kriterien zur Obhutszuteilung, die nichts miteinander zu tun haben. An alledem ändert auch die Rüge einer Verletzung von Art. 11 und 14 BV sowie von Art. 8 EMRK nichts. Sie scheitert schon daran, dass die Beschwerdeführerin sich mit einem allgemeinen Hinweis auf die Grundrechtsnormen zufrieden gibt und insbesondere auch nicht darlegt, inwiefern diese verfassungsmässigen Rechte gegenüber den hier in Frage stehenden Normen des Bundeszivilrechts eine eigenständige Tragweite haben bzw. mit der entsprechenden Rüge etwas anderes als die willkürliche Anwendung dieser Normen geltend gemacht werden soll.