Citation: 6B_621/2015 E. 1.3.3

1.3.3. Die Vorinstanz erwägt, nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genüge die blosse, wenn auch stark erhöhte abstrakte Gefährdung nicht. Der Subsumtion der ersten Instanz sei deshalb nicht zu folgen. Es habe wohl eine stark erhöhte abstrakte Gesundheitsgefährdung bestanden, doch habe der Beschwerdegegner keine konkrete Gefahr geschaffen beziehungsweise werde ihm solches weder in der Anklage vorgeworfen noch in den Untersuchungsakten nachgewiesen. Die Anklage führe lediglich aus, dass der Beschwerdegegner die Gesundheit von Menschen deshalb gefährdet habe, weil die Medikamente, welche durch Injizieren konsumiert würden, nicht steril gewesen seien und weil sie diverse gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen zeitigten. Dass die Substanzen gesundheitsgefährdend sein können und der Beschwerdegegner diese an weitere Personen, in casu Bodybuilder, verkauft habe, vermöge noch keine konkrete Gefährdung im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu begründen. Die pauschale Behauptung, dass Bodybuilder zu Überdosierung, Misch- und Langzeitkonsum neigten, sei nicht erwiesen beziehungsweise es sei aus den Akten und der Anklage kein Misch-, Langzeit- oder Überkonsum von Abnehmern des Beschwerdegegners ersichtlich. Es wäre Sache der Anklage gewesen, eine konkrete Gesundheitsgefährdung nachzuweisen, zum Beispiel indem die Substanzen an einen Kunden einer Risikogruppe geliefert worden seien. Dem Beschwerdegegner sei somit keine konkrete Gesundheitsgefährdung von Menschen vorzuwerfen, weshalb Art. 86 HMG nicht anwendbar sei (angefochtener Entscheid S. 22 f.).