Citation: I 252/02 10.10.2002 E. 2.2

2.2.1 Es steht fest, dass der Beschwerdegegner im Jahr 1987 die begonnene Maurerlehre aus gesundheitlichen Gründen (Stauballergie) abbrechen musste. Vor dieser Lehre hatte er keine Erwerbstätigkeit ausgeübt. Daher kommt als berufliche Eingliederungsmassnahme auf Grund dieses Versicherungsfalls nur eine erstmalige berufliche Ausbildung im Sinne von Art. 16 IVG in Frage, welche grundsätzlich zum Bezug eines "kleinen" Taggeldes berechtigt (Art. 24 Abs. 2bis IVG). Die Voraussetzungen des Art. 6 Abs. 2 IVV, wonach eine neue Ausbildung dann der Umschulung gleichgestellt ist - und folglich zu einem "grossen" Taggeld berechtigt -, wenn das während der abgebrochenen erstmaligen beruflichen Ausbildung erzielte Erwerbseinkommen höher war als das nach Art. 24 Abs. 2bis IVG zulässige Höchsttaggeld für Alleinstehende mit den vollen Zuschlägen nach den Art. 24bis und 25 IVG, sind unbestrittenermassen nicht erfüllt. 2.2.2 Der Beschwerdegegner übte nach dem Abbruch der Maurerlehre und damit nach Eintritt der Invalidität verschiedene Hilfsarbeitertätigkeiten aus. Alle diese Einsätze musste er jedoch nach relativ kurzer Zeit wegen chronischer Rückenbeschwerden wieder aufgeben. Angesichts der Arztberichte, welche übereinstimmend das Vorliegen einer chronischen Lumbago bestätigen, des zeitlichen Ablaufs sowie der Angaben in der IV-Anmeldung vom 7. Oktober 1993 ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner bereits bei Eintritt der anspruchsspezifischen Invalidität im Jahr 1987 an Rückenbeschwerden litt, welche seine Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigten. Wegen dieses Gesundheitsschadens musste er auch die ab September 1997 ausgeübte Erwerbstätigkeit als Maschinenbediener aufgeben. Diese Arbeit war somit von Beginn an wegen der bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen ungeeignet. Unter diesen Umständen kann, entgegen der Auffassung der Vorinstanz, nicht von einer neu hinzugetretenen Gesundheitsbeeinträchtigung gesprochen werden, und es liegt kein neuer Versicherungsfall vor (vgl. AHI 2002 S. 98 Erw. 3). Die Zusprechung beruflicher Eingliederungsmassnahmen durch die Verfügung vom 2. Februar 2000 erfolgte somit weiterhin im Rahmen des Versicherungsfalls von 1987. Für die Anwendung von Art. 6 Abs. 1 IVV - mit der Konsequenz, dass von einer Umschulung und nicht von einer erstmaligen beruflichen Ausbildung auszugehen wäre - bleibt kein Raum. 2.2.3 Die am 1. Februar 2000 angetretene berufliche Eingliederungsmassnahme beruht nach dem Gesagten auf dem Versicherungsfall von 1987 und ist deshalb als erstmalige berufliche Ausbildung zu qualifizieren, welche, da die Voraussetzungen des Art. 6 Abs. 2 IVV nicht erfüllt sind, lediglich Anspruch auf ein "kleines" Taggeld im Sinne von Art. 24 Abs. 2bis IVG begründet (vgl. AHI 2002 S. 98 Erw. 3). Für die sich aus Art. 6 Abs. 2 IVV ergebende Unterscheidung zwischen einem hohen Einkommen während der invaliditätsbedingt abgebrochenen Ausbildung - also vor dem Eintritt der Invalidität - einerseits und einem den Grenzbetrag übersteigenden "normalen" Lohn aus einer nach Eintritt der anspruchsspezifischen Invalidität ausgeübten Tätigkeit andererseits lassen sich durchaus sachliche Gründe anführen. Insbesondere hätte es die versicherte Person ansonsten in der Hand, die Eingliederung zu Gunsten einer besser bezahlten, ungeeigneten Arbeit aufzuschieben und auf diese Weise durch ihr eigenes Verhalten nach Eintritt des Versicherungsfalls die Höhe des Taggeldes zu bestimmen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sind daher, wie das Eidgenössische Versicherungsgericht implizit bereits in AHI 2002 S. 98 Erw. 3 entschieden hat, die Voraussetzungen für die Annahme einer gerichtlich auszufüllenden unechten Lücke (BGE 126 V 155 Erw. 5b mit Hinweisen) nicht erfüllt.