Citation: 6B_812/2018 E. 1.2

1.2. Der Beschwerdeführer rügt eine Bundesrechtswidrigkeit auch, was die vorinstanzliche Ablehnung des Antrages auf erneute Befragung der Belastungszeugin C.________ angeht. Als einziges direktes Beweismittel seien ihre Aussagen entscheidend für ein Urteil, mit dem eine lebenslängliche Freiheitsstrafe ausgesprochen werde. Das Gericht müsse sich daher einen persönlichen Eindruck von der Zeugin machen. Der Beschwerdeführer begründet die aus seiner Sicht bestehende Notwendigkeit, die Zeugin vor den Schranken des Gerichts erneut zu befragen, zudem mit der Interpretationsbedürftigkeit einzelner Aussagen und mit dem Bekanntwerden zusätzlicher Tatsachen nach den Befragungen im Untersuchungsverfahren. Diese Tatsachen tangierten die Glaubwürdigkeit der Zeugin an sich und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Im Hinblick auf die Glaubhaftigkeit der Zeugin C.________ hält die Vorinstanz fest, nach zwei ordnungsgemässen, unter Beachtung der Mitwirkungsrechte des Beschwerdeführers erfolgten Einvernahmen der Zeugin in Italien und in der Schweiz bestehe kein Anlass, sie neun Jahre nach dem Vorfall ein drittes Mal anzuhören. Ihre Aussagen seien kohärent. Die Video- und Audioaufnahmen von den Befragungen ermöglichten dem Gericht, sich einen eigenen Eindruck über die Art und Weise, wie die Zeugin ausgesagt hat, zu verschaffen. Dass von der ersten Befragung in Italien lediglich eine Audioaufnahme existiere, schade nichts. Art. 343 Abs. 3 StPO verpflichtet das (in der Regel erstinstanzliche) Gericht, im Vorverfahren ordnungsgemäss erhobene Beweise nochmals zu erheben, sofern die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig erscheint. Im Rechtsmittelverfahren erfolgt eine unmittelbare Beweisabnahme unter anderem dann, wenn sie im erstinstanzlichen Verfahren unterblieben ist oder unvollständig war (vgl. Art. 405 Abs. 1 StPO; BGE 140 IV 196 E. 4.4.1 S. 198). So kann es in einer "Aussage gegen Aussage"-Situation entscheidend auf den unmittelbaren Eindruck ankommen, wenn die Aussage das einzige direkte Beweismittel ist. Das beschränkte Unmittelbarkeitsprinzip zielt freilich nicht auf den Inhalt der Aussage. Massgebend ist, ob das Urteil entscheidend vom Aussageverhalten (Mimik, Gestik, Redefluss, Emotionen etc.) abhängt. Soweit der Beschwerdeführer zur Untermauerung seines Beweisantrags auf erneute Zeugenbefragung geltend macht, die Aussagen seien in Punkten wie der Position des Autos auf der Strasse interpretationsbedürftig, sind inhaltliche Aspekte strittig. Insoweit hat die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen bundesrechtskonform genutzt, wenn sie zum Schluss gekommen ist, die unmittelbare Wahrnehmung der Aussage erscheine für die Urteilsfällung nicht notwendig (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2 S. 199; in BGE 143 IV 434 nicht publ. E. 3.3 des Urteils 6B_888/2017 vom 25. Oktober 2017). Inhaltlich begründet der Beschwerdeführer den Antrag damit, die Aussagen der Zeugin stimmten nicht mit Feststellungen des FOR überein. Diesbezüglich kann auf das in E. 1.1 Gesagte verwiesen werden. Nachdem sich die vermeintlichen Widersprüche unter anderem bezüglich der Position des Autos auf der Strasse und der Frage, ob es sich zum Zeitpunkt der Schussabgabe noch bewegt hat, aufgelöst haben, bestand im erst- resp. im vorinstanzlichen Prozess auch unter diesem Aspekt kein Grund für eine erneute Zeugeneinvernahme. Weiter begründet der Beschwerdeführer die Notwendigkeit einer erneuten Zeugenbefragung im Gerichtsverfahren damit, nach zwei Befragungen in Italien (20. Mai 2011) und bei der Staatsanwaltschaft in Zürich (31. Oktober 2012) seien neue Tatsachen aufgetaucht, welche die Glaubwürdigkeit der Zeugin an sich, vor allem aber auch die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen massiv untergraben. Die Zeugin habe dem Beschwerdeführer nach dessen Verhaftung in Italien nämlich Liebesbriefe zugesandt, denen in keiner Art und Weise zu entnehmen sei, dass sie wegen seiner angeblichen Schreckenstat erschüttert, schockiert und angeekelt gewesen wäre. Die Zeugin müsse zwingend mit diesen Briefen konfrontiert und einlässlich dazu befragt werden. Die Vorinstanz verliere sich stattdessen in Spekulationen, weshalb die Zeugin dem Beschwerdeführer Liebesbriefe ins Gefängnis geschickt und darin zum Ausdruck gebracht habe, dass sie ihn für unschuldig halte. Unerfindlich sei etwa, woher die Vorinstanz die Gewissheit nehme, dass C.________ die Briefe nur aus einem "Unsicherheitsgefühl" heraus geschrieben habe. Zu befragen gewesen wäre die Zeugin auch zum Umstand, dass entsprechende Briefe nur für die ersten Monate nach der Verhaftung dokumentiert seien. Die Vorinstanz sieht das Motiv für die Briefe im Umstand, dass der Beschwerdeführer bereits drei Wochen nach der Tat in Anwesenheit der Zeugin verhaftet worden ist. Das habe sie (aus ihrer eigenen Sicht) in den Augen des Beschwerdeführers unweigerlich dem Verdacht ausgesetzt, sie könnte etwas mit der schnellen Festnahme zu tun haben. Vor diesem Hintergrund sei nachvollziehbar, dass sie - die nach eigenen Angaben in der Zeit vor der Tat selbst gewaltsamen Übergriffen des Beschwerdeführers ausgesetzt war - aus Angst "gute Miene zum bösen Spiel" gemacht habe. Erst mit der Zeit, nachdem ihr nichts passiert und der Beschwerdeführer in die Schweiz überstellt worden sei, er mithin weit weg und auch nicht mehr mit seiner baldigen Freilassung zu rechnen war, habe C.________ offenbar die Selbstsicherheit und Kraft gefunden, gegen ihn auszusagen. Mithin sei weder ein (scheinbarer) Wandel "von der leidenschaftlichen Liebhaberin zur grossen Belastungszeugin" noch der Umstand, dass sie gut zwei Jahre nach der Tat bei einer richterlichen Befragung in Italien aussagen wollte, zwangsläufig auf massiven äusseren Druck, ausgeübt von der eigentlichen Täterschaft (vgl. unten E. 3.2), zurückzuführen. Der Wille zur Aussage erkläre sich nicht zuletzt auch aus dem Bestreben, sich selbst aus der Strafverfolgung herauszuhalten. Die Vorinstanz hat auch die anfängliche Beteuerung gegenüber dem Beschwerdeführer, sie wisse um seine Unschuld, anhand des damaligen persönlichen Verhältnisses zwischen den beiden überzeugend eingeordnet. Wenig bedeutsam sind die Motive, aus denen sich die Zeugin später zur Aussage entschlossen hat. Dass die Vorinstanz diesbezüglich keine abschliessenden Feststellungen trifft, macht ihren Entscheid, den Beweisantrag abzuweisen, nicht unrechtmässig. Die Vorinstanz ist zudem berechtigterweise nicht auf den Antrag auf eine vollständige Übersetzung der Liebesbriefee ingegangen, welche die Zeugin C.________ dem Beschwerdeführer in das italienische Gefängnis geschickt hat. Der Tenor der Briefe geht aus der von der Verteidigung veranlassten teilweisen Übersetzung klar hervor. Die Vorinstanz hat Anlass und Bedeutung der Briefe schlüssig gedeutet. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, dass bei einer Übersetzung von weiteren Zuschriften allenfalls entlastender Inhalt zutage gefördert würde. Somit genügen die übersetzten Passagen pars pro toto. Dem Beschwerdeführer wird kein Entlastungsbeweis verwehrt. Die antizipierte Beweiswürdigung (vgl. Art. 139 Abs. 2 StPO; Urteil 6B_582/2017 vom 19. Juni 2018 E. 2.1.1 m.H.; vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 S. 64) der Vorinstanz ist jedenfalls haltbar.