Citation: 6P.153/2004 10.06.2005 E. 6

Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, die Vorinstanz habe zu Unrecht den qualifizierten Tatbestand von Art. 190 Abs. 3 StGB angenommen. Die Beschwerdegegnerin sei durch den Fusstritt offenbar direkt in Ohnmacht gefallen und habe vom darauffolgenden Vollzug des Geschlechtsverkehrs somit nichts mitbekommen. Sie habe infolge der Ohnmacht weder eine Todesangst noch sonstige unnötige psychische Leiden ausstehen müssen (Beschwerde S. 8). Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, erfüllt den Grundtatbestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB. Eine qualifizierte Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 3 StGB ist gegeben, wenn der Täter grausam handelt, namentlich wenn er eine gefährliche Waffe oder einen andern gefährlichen Gegenstand verwendet. Die Vergewaltigung erfüllt den qualifizierten Tatbestand, wenn der Täter unverhältnismässige oder gefährliche Tatmittel einsetzt und dadurch besondere Leiden zufügt, d.h. andere Leiden, als diejenigen, die die Frau schon deswegen erleidet, weil sie vergewaltigt wird. Dies sind Leiden, die mit der Begehung nicht notwendigerweise verknüpft sind, sondern die durch Sadismus oder zumindest durch die Absicht, Schmerzen zuzufügen, oder durch Rücksichtslosigkeit (Rohheit) und gegen fremde Leiden unbarmherzige Gesinnung (Gefühllosigkeit) bestimmt sind (BGE 119 IV 49 E. 3d). Der mit Anlauf ausgeführte Fusstritt gegen den Kopf der Beschwerdegegnerin (einem Kick-Boxer ähnlich, wie in der Anklageschrift ausgeführt wird) stellt eine massive und gefährliche Gewalteinwirkung dar. Mit dieser brutalen Handlungsweise fügte der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin über das mit einer Vergewaltigung verbundene Leid hinausgehende erhebliche zusätzliche und weiter nachwirkende Schmerzen und Verletzungen zu. Die Vorinstanz qualifiziert die Tat zu Recht gemäss Art. 190 Abs. 3 StGB. Es kann auf ihre Erwägungen verwiesen werden (angefochtenes Urteil S. 36 ff.). Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Bewusstlosigkeit entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers nicht eine vollständige, sondern eine zeitweise war (angefochtenes Urteil S. 25 Ziff. 4 mit Hinweis auf S. 4 der Anklageschrift; oben Bst. A). Seit der Revision des Sexualstrafrechts ist nicht mehr Widerstandsunfähigkeit, sondern die Grau-samkeit objektives qualifizierendes Tatbestandsmerkmal. Eine herab-gesetzte Empfindungsfähigkeit des Opfers (z. B. Halbohnmacht) schliesst daher das Merkmal nicht aus (BGE 119 IV 49 E. 3d). Es wäre auch nicht einzusehen, weshalb der Täter, der sein Opfer derart brutal behandelt, dass es bewusstlos wird, milder bestraft werden sollte. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.