Citation: 1C_405/2021 E. 3.4.1

3.4.1. Art. 16cbis Abs. 2 Satz 1 und 2 SVG bezwecken die Vermeidung einer Doppelbestrafung. Die im Ausland und in der Schweiz ausgesprochenen Massnahmen müssen in ihrer Gesamtheit schuldangemessen sein. Daher sind gemäss Art. 16cbis Abs. 2 Satz 1 SVG bei der Festlegung der Entzugsdauer die Auswirkungen des ausländischen Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen. Mit dem Wort "angemessen" trägt das Gesetz dem Umstand Rechnung, dass das ausländische Fahrverbot die fehlbare Person unterschiedlich stark oder gar nicht treffen kann. So gibt es Fahrzeuglenker, die im Tatortstaat oft unterwegs sind, weshalb sie das dortige Fahrverbot erheblich belastet. Umgekehrt gibt es Personen, die praktisch nie im Tatortstaat ein Fahrzeug lenken, weshalb sie das ihnen dort auferlegte Fahrverbot kaum oder überhaupt nicht trifft (BGE 141 II 256 E. 2.3). Gemäss Botschaft ist beispielsweise darauf zu achten, für welche Dauer das Fahrverbot angeordnet wurde, ob und wie lange die Massnahme im Ausland beim Verfügen der inländischen Massnahme noch andauert, ob sich die beiden Massnahmen im Vollzug zeitlich überlappen oder ob die betroffene Person auf das Führen von Motorfahrzeugen im Ausland angewiesen ist (Botschaft vom 28. September 2007 zur Änderung der Strassenverkehrsgesetzes [Führerausweisentzug nach Widerhandlung im Ausland], BBl 2007 7622). Massgeblich sind somit die Umstände des Einzelfalls (BGE 141 II 256 E. 2.3). Der Botschaft ist weiter zu entnehmen, dass es "darum möglich sein [wird], bei der Anordnung der inländischen Massnahme die in den Art. 16b und 16c SVG vorgeschriebenen Mindestentzugsdauern zu unterschreiten" (BBl 2007 7622), was Art. 16cbis Abs. 2 Satz 2 SVG ausdrücklich zulässt (vgl. auch Votum Amherd, AB 2008 N 172 f. und Voten Bieri, AB 2008 S 126 f.; zum Ganzen: BGE 141 II 256; Urteil 1C_316/2010 vom 7. Dezember 2010 E. 2.1; je mit Hinweisen).