Citation: 4A_391/2022 E. 3.3.3

3.3.3. Die Vorinstanz lehnte schliesslich eine Vertrauenshaftung der Beschwerdegegnerin ab. Aufgrund der umfassenden Vermittlertätigkeit der Beschwerdegegnerin sei zwischen dieser und der Beschwerdeführerin zwar ein besonderes Vertrauensverhältnis entstanden und eine rechtliche Sonderverbindung daher grundsätzlich zu bejahen. Jedoch sei das in die Beschwerdegegnerin gesetzte Vertrauen nicht schutzwürdig. Vielmehr habe der professionellen, weltweit agierenden Beschwerdeführerin die Gefahr, dass im Rahmen der Vertragsausarbeitung und/oder -vermittlung Fehler mit für sie weitreichenden finanziellen Konsequenzen auftreten könnten, bewusst sein müssen. Insofern seien die beim Vertragsschluss aufgetretenen Mängel ein allgemeines Geschäftsrisiko, wogegen sich die Beschwerdeführerin vertraglich hätte absichern können. Dass ihr dies nicht möglich oder unzumutbar gewesen wäre, zeige sie nicht auf. Entgegen ihrer Darstellung stehe nicht fest, dass die Beschwerdegegnerin mit ihr keinen Vertrag eingegangen wäre, wenn sie darum ersucht hätte. Auch habe weder ein Ma chtgefälle zugunsten der Beschwerdegegnerin noch eine anderweitige Abhängigkeit der Beschwerdeführerin bestanden, welche einen Vertragsschluss verhindert hätte. Ebenso wenig sei deren wirtschaftliche Existenz von einer Beteiligung am C.________ SA Versicherungsprogramm abhängig gewesen oder habe die Beschwerdeführerin aufgezeigt, weshalb ihr ein Verzicht auf das Geschäft nicht zumutbar gewesen wäre. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin habe die Beschwerdegegnerin das in sie gesetzte Vertrauen auch nicht treuwidrig enttäuscht. Solches erblickt die Beschwerdeführerin darin, dass ihr die Beschwerdegegnerin mit dem Fronting-Angebot vom 3. Mai 2010 und der Vertragsbestätigung vom Folgetag die E.________ Conditions zugesandt habe, ohne die D.________ Ltd. hierüber zu informieren. Damit habe sie bei der Beschwerdeführerin den Eindruck erweckt, dass die E.________ Conditions Bestandteil des Rückversicherungsvertrags bilden würden. Die Vorinstanz hielt dem entgegen, es sei für die Beschwerdeführerin leicht zu erkennen gewesen, dass die D.________ Ltd. zwar den Insurance Slip angepasst, neu auf den 4. Mai 2010 datiert und unterzeichnet habe, nicht aber die E.________ Conditions. Diese seien nach wie vor auf jeder Seite mit 29. April 2010 datiert gewesen. Zudem habe der Insurance Slip nach der Anpassung angesichts des Vermerks "Reinsured: A.________ AG" eindeutig das Rückversicherungsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und der D.________ Ltd. betroffen, während sich die E.________ Conditions nach wie vor auf das Verhältnis zwischen der E.________ und ihren Rückversicherern ("between E.________ Company and Reinsur ers") bezogen habe. Damit sei die Problematik des allenfalls fehlenden Konsenses für die Beschwerdeführerin gleichermassen sichtbar gewesen wie für die Beschwerdegegnerin. Diese habe Ersterer gegenüber auch nie erklärt, dass die D.________ Ltd. der Geltung der E.________ Conditions im Verhältnis zur Beschwerdeführerin explizit zugestimmt hätte. Der Beschwerdegegnerin sei daher insoweit kein treuwidriges Verhalten vorzuwerfen. Ferner sei unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen sei, die D.________ Ltd. würde die E.________ Conditions auch im Verhältnis zur Beschwerdeführerin gelten lassen wollen. Daher habe für die Beschwerdegegnerin auch anlässlich eines weiteren Nachtrags im Juni 2010 kein Anlass bestanden, bei der D.________ Ltd. um eine (erneute) Genehmigung der E.________ Conditions zu ersuchen. Die Beschwerdeführerin vermöge nicht aufzuzeigen, weshalb die Beschwerdegegnerin zu jenem Zeitpunkt besonders auf die fehlende Geltung der E.________ Conditions hätte aufmerksam werden müssen und infolge dessen eine Aufklärungspflicht verletzt oder sich treuwidrig verhalten hätte. Soweit die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit der Vertragsdokumentation des Rückversicherungsvertrags erhebliche Fehler resp. Mängel vorwerfe, habe die Beschwerdegegnerin überzeugend dargelegt, weshalb die Vertragsdokumentation in concreto anders ausgestaltet worden sei als üblich. Die Beschwerdeführerin habe das Vorgehen der Beschwerdegegnerin denn auch selbst als marktüblich bezeichnet. Im Übrigen seien die geltend gemachten "Vertragsmängel" der Beschwerdeführerin bekannt gewesen. Auch insoweit sei der Beschwerdegegnerin mithin kein treuwidriges Verhalten vorzuwerfen.