Citation: U 299/05 28.05.2007 E. 6

Es ist unklar, nach welchen Grundsätzen die Vorinstanz die Adäquanz beurteilt. Sie äussert sich dazu im angefochtenen Gerichtsentscheid nicht explizit. Selbst wenn aber offen bleibt, ob eine HWS-Distorsion vorliegt (E. 5.2 hiervor), und der Frage, ob allenfalls eine psychische Überlagerung der Beschwerden angenommen werden muss, nicht weiter nachgegangen wird, bestünde kein Anlass für weitere Abklärungen, weil unbeantwortet bleiben kann, ob die Kriterien gemäss BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 oder BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 anzuwenden sind. Denn die Adäquanz wäre auch nach der Schleudertraumapraxis gemäss BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 zu verneinen, und zwar auch dann, wenn mit der Beschwerdeführerin ein mittelschwerer Unfall angenommen würde: 6.1 Bei dieser Ausgangslage wäre der adäquate Kausalzusammenhang praxisgemäss zu bejahen, wenn mehrere der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien erfüllt wären oder ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise gegeben wäre (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367, 115 V 133 E. 6c/bb S. 141). 6.2 Dass sich der Unfall unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet hat oder von besonderer Eindrücklichkeit war, wurde von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht geltend gemacht. Eine besondere Eindrücklichkeit liegt - objektiv betrachtet (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 248/98 vom 31. Mai 2000, auszugsweise publ. in: RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313) - nicht vor. Der Unfall hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung und insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf dazu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 380/04 vom 15. März 2005, auszugsweise publ. in: RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3 S. 238). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 193/01 vom 24. Juni 2003, auszugsweise publ. in: RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357 E. 4.3 S. 361). Solche Umstände sind hier nicht ausgewiesen. Im Unterschied zum in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde angeführten und soeben zitierten Urteil U 193/01 vom 24. Juni 2003 ist vorliegend nicht schon kurz nach dem Unfall eine Häufung der für ein HWS-Schleudertrauma charakteristischen Symptome aufgetreten und insbesondere zogen die in casu später aufgetretenen Symptome nicht solch schwerwiegende Auswirkungen nach sich wie im Fall, welcher dem Urteil U 193/01 zu Grunde lag. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Eine Behandlungsbedürftigkeit von zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS ist im Allgemeinen noch als im üblichen Rahmen liegend zu betrachten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 380/04 vom 15. März 2005, auszugsweise publ. in: RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4 S. 239). Hier aber musste sich die Versicherte gar nicht in Spitalpflege begeben. Die Behandlung beschränkte sich neben sporadischen Konsultationen der Hausärztin weitgehend auf chiropraktorische Massnahmen, Kraniosakral- und Kräftigungstherapie, Lymphdrainage und Gymnastikkurse. Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, oder für einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen liegen nicht vor. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kann ein schwieriger Heilungsverlauf auch nicht mit Hinweis darauf angenommen werden, dass die gesundheitlichen Beschwerden zu einer zeitweiligen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt hätten. Dieser Umstand ist unter dem Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit zu prüfen. Die Beschwerdeführerin war in der ersten Zeit nach dem Unfall nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Erst für die Dauer vom 9. Juli bis Dezember 2002 attestierte die Hausärztin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (bezogen auf das 60%ige Arbeitspensum als Gemeindekrankenpflegerin). Im Unfallschein UVG hat Frau Dr. med. F.________ alsdann ab 1. Dezember 2002 eine 25%ige, ab 14. Februar 2003 eine 50%ige, und ab 14. Juli 2003 sowie ab 15. Oktober 2003 eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit angegeben. Dazwischen war die Versicherte vom 1. September bis 14. Oktober 2003 zu 100 % arbeitsfähig. Volle Arbeitsfähigkeit wird auch wieder ab 1. Januar 2004 angegeben. Nicht alle involvierten Ärzte sind allerdings der Auffassung, dass sich die gesundheitlichen Beschwerden in diesem Ausmass auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt haben. So geht Dr. med. H.________, Facharzt Neurologie FMH, bereits in seinem Bericht vom 14. November 2002 davon aus, dass keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Von einer ausgeprägten oder langdauernden Arbeitsunfähigkeit kann aber auch dann nicht gesprochen werden, wenn auf die Angaben der Hausärztin abgestellt wird. Ob Frau Dr. med. F.________ ihrer Einschätzung das 60%ige Arbeitspensum als Gemeindekrankenpflegerin, eine 90%ige Beschäftigung (unter Berücksichtigung der für S.________ ausgeübten 30%igen Tätigkeit als Masseurin) oder eine 100%ige Erwerbstätigkeit zu Grunde gelegt hat, führt bei diesem Verlauf nicht zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dasselbe dürfte auch auf das Kriterium der Dauerbeschwerden zutreffen. Jedenfalls ist es nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Da somit weder ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen, weshalb sich die Leistungseinstellung nicht beanstanden lässt.