Citation: 1C_257/2022 E. 6.3

6.3. Die Beschwerdeführerin bringt sodann vor, die Ausführungen der Vorinstanz seien sehr vage und beruhten weitgehend auf Vermutungen und pauschalen Annahmen. So spekuliere die Vorinstanz etwa darüber, dass ein Bekanntwerden weiterer Details "unter Umständen" auch Rückschlüsse auf den heutigen Modus Operandi der Geheimdienste zulasse, erkläre aber nicht genau, was sie damit meine. Auch der generelle Hinweis, wonach es sich um Akten mit erheblichem nachrichtendienstlichem Charakter handle, genüge nicht. Dazu ist vorab zu bemerken, dass es in der Natur der Sache liegt, die Ausführungen zu den Gründen, wieso in gewisse (geheime) Akten keine Einsicht gewährt werden soll, eher vage zu halten. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die geheim zu haltende Gegebenheit mit der Begründung des Rechtsmittelentscheides publik gemacht würde. Der abliefernden Stelle gemäss Art. 13 BGA bzw. den gerichtlichen Instanzen, die den erstinstanzlichen Entscheid überprüfen, obliegt insofern eine Gratwanderung: Bei zu vielen Details besteht das Risiko der indirekten Veröffentlichung der (geheim zu bleibenden) Akten; bei zu wenigen Details besteht das Risiko einer Verletzung der Begründungspflicht. Angesichts dieser Ausgangslage und des relativ dicht begründeten Entscheids der Vorinstanz ist dieser nicht vorzuwerfen, ihre Ausführungen seien zu vage. In einem Urteil zum Öffentlichkeitsprinzip hielt das Bundesgericht sodann fest, den Behörden komme zwangsläufig ein grosser Interpretationsspielraum zu bei der Beantwortung der Frage, ob eine Bekanntgabe von Informationen die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz gefährden oder die aussenpolitischen Interessen oder die internationalen Beziehungen der Schweiz beeinträchtigen kann. Dies sei aufgrund der heiklen Zusammenhänge auch durchaus so gewollt. Als Leitlinie für die Interessenabwägung diene das Kriterium, wie weit es verantwortbar sei, dass über die Bekanntgabe von Informationen an die Öffentlichkeit andere Staaten, natürliche oder juristische Personen oder sonstige Organisationen Zugang zu Wissen erhalten würden, das sich in unerwünschter bzw. für die Schweiz nachteiliger Weise nutzen liesse (Urteil 1C_122/2015 vom 18. Mai 2016 E. 3.2.1). Diese Überlegungen sind auch auf das vorliegende Einsichtsgesuch nach Archivierungsgesetz anwendbar. In gleicher Weise bedarf es auch hier gewisser Hypothesen bzw. der Annahme unerwünschter Szenarien, die als Folge der Veröffentlichung bestimmter Informationen eintreten könnten, um solche Gefahren zu beurteilen (Urteil 1C_122/2015 vom 18. Mai 2016 E. 3.2.2). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin handelt es sich bei den vorinstanzlichen Ausführungen nicht um Spekulationen, das heisst um auf blossen Mutmassungen beruhende Erwartungen. Vielmehr evaluiert die Vorinstanz - in Kenntnis der streitgegenständlichen Akten - die Gefahr, dass das Bekanntwerden weiterer Informationen zur Crypto-Affäre Rückschlüsse auf den heutigen Modus Operandi der Geheimdienste zulassen könnte. In dieser Hinsicht verweist die Vorinstanz nicht nur generell auf den nachrichtendienstlichen Charakter der Akten, sondern legt soweit möglich dar, welche Art von Informationen in den Akten zu finden sind. So enthalten diese nicht nur die Namen und weitere Daten der befragten (Auskunfts-) Personen, sondern auch Abklärungen, die auf Informationen von ausländischen Partnerdiensten beruhen, sowie Informationen darüber, welche Länder in welchem Umfang Chiffriergeräte von der Crypto AG bezogen haben. Es ist nicht von der Hand zu weisen - und die Beschwerdeführerin bestreitet dies denn auch nicht substanziiert -, dass bei Veröffentlichung dieser Informationen das Risiko eines Vertrauensverlustes seitens der Partnerdienste, aber auch seitens der Länder, welche Chiffriergeräte von der Crypto AG bezogen haben, erheblich wäre. Die Vorinstanz hat zu Recht ausgeführt, dass eine Bekanntgabe der Informationen zu einer Beeinträchtigung der internationalen Beziehungen der Schweiz führen und Auswirkungen auf die Sicherheit der Schweiz haben würde, wenn diese von ausländischen Nachrichtendiensten als unsichere Partnerin betrachtet würde. Es besteht zweifellos ein erhebliches öffentliches Interesse an der Minimierung dieser Risiken und so an der Verhinderung der genannten Auswirkungen.