Citation: C 288/03 28.05.2004 E. 2

Streitig ist die Berechtigung der Einstellung in der Anspruchsberechtigung. 2.1 Das kantonale Gericht geht davon aus, dass der Versicherte durch die Nichtinformation über die gegen ihn gerichtete Strafanzeige seine Treuepflicht als Arbeitnehmer verletzt habe; diese Verletzung habe zusammen mit den Folgen des Presseartikels von Januar 2003 zur Kündigung geführt. Damit liege eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit vor, wobei das Verschulden jedoch nur leicht wiege. Der Beschwerdeführer ist demgegenüber der Ansicht, dass er die Arbeitslosigkeit nicht selbst verschuldet habe: So habe er durch die Nichtinformation über die Strafanzeige keine arbeitsvertragliche Pflicht verletzt, da das Strafverfahren nicht die Tätigkeit bei der Arbeitgeberin betraf, und er habe im Herbst 2002 in Anbetracht der Umstände davon ausgehen können, dass weder die Strafverfolgungsbehörden noch die Anzeiger weitere Schritte gegen ihn unternehmen würden; bis heute seien denn auch keine Weiterungen erfolgt. Der tatsächliche Grund für die Entlassung liege vielmehr darin, dass die Arbeitgeberin Angst davor hatte, dass sich die - durch ihre namentliche Erwähnung im Presseartikel geschaffene - negative Publizität ausweiten könnte. 2.2 Mit Schreiben vom 3. März 2003 hat die ehemalige Arbeitgeberin die Gründe, welche zur Kündigung geführt haben, zusammengefasst: Einerseits wird dem Beschwerdeführer vorgeworfen, er habe nicht über die Strafanzeige informiert, obwohl die innerbetrieblichen Vorschriften vorsähen, dass die Vorgesetzten über Probleme zu informieren seien. Andererseits sei nicht absehbar, wie sich das gegen den Versicherten angestrengte Strafverfahren weiterentwickeln werde, und es habe die Gefahr bestanden, "dass die bereits entstandene negative Publizität durch weitere Neuigkeiten noch verstärkt würde"; Auswirkungen auf die Bank könnten bis heute nicht ausgeschlossen werden. Schliesslich habe eine Person in seiner Stellung auch eine wichtige Vorbildfunktion für die Mitarbeiter; eine absolute Vertrauenswürdigkeit sei eine unabdingbare Voraussetzung. Obwohl die ehemalige Arbeitgeberin in diesem Schreiben diverse Gründe für die Kündigung anführt, erfolgte die Entlassung jedoch letztlich allein deswegen, weil - wegen der im Presseartikel (unnötigerweise) erfolgten Nennung der neuen Arbeitgeberin - die Bank in die Nähe eines (behaupteten) Betruges gesetzt worden ist und deshalb fürchten musste, negativ in die Schlagzeilen zu geraten. Es ist in diesem Zusammenhang notorisch, dass Banken sehr auf ihren guten Ruf bedacht sind und einen Zusammenhang mit negativen Nachrichten möglichst verhindern oder gegebenenfalls schnellstmöglich unterbrechen wollen. So bedauert die ehemalige Arbeitgeberin im Schreiben vom 3. März 2003 denn auch "diesen Vorfall", womit nur das Erscheinen des Presseartikels und die damit verbundene negative Publizität gemeint sein kann; hätte sie sich dagegen auf die unterlassene Information bezogen, wäre nicht von "Vorfall" die Rede gewesen. Dass die Beendigung des Arbeitsverhältnisses wegen der Sorge der Bank um ihren Ruf erfolgt ist, ergibt sich auch aus einem (in den Akten liegenden) Schreiben eines vom Versicherten beauftragten "Career Coach", wonach der Beschwerdeführer wegen der namentlichen Nennung im Presseartikel nicht einmal dann eine Anstellung bei einer Bank erhielte, wenn er "gratis" arbeiten würde. Damit kann letztlich offen bleiben, ob die Nichtinformation über die sistierte Anzeige eine Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellt oder ob dies allenfalls als Verhalten zu qualifizieren ist, welches der ehemaligen Arbeitgeberin Anlass zur Kündigung gab (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV), denn der Beschwerdeführer wäre nach Erscheinen des Presseartikels so oder so entlassen worden, damit für die Bank nicht noch mehr negative Folgen entstehen können. Da das Verhalten des Versicherten keinen Einfluss auf die Kündigung hatte, kann er in der Folge die Arbeitslosigkeit auch nicht selber verschuldet haben (Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG), so dass er zu Unrecht in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist.