Citation: 1C_620/2023 E. 3.4

3.4. Aus den kantonalen Akten geht hervor, dass der für das Bauamt verantwortliche Gemeinderat E.________ die Beschwerdeführenden im Zuge des Baubewilligungsverfahrens mit mehreren Schreiben bedient hat. Auf diesen Schreiben ist klar erkennbar, dass der betreffende Gemeinderat für das Baudossier zuständig war und somit beim Bauverfahren mitwirkte. Unter diesen Umständen hätten die Beschwerdeführenden nach Treu und Glauben ihr Ausstandsbegehren bereits in diesem Stadium des Bauverfahrens stellen müssen. Soweit sie vorbringen, es sei ihnen bis zum Entscheid des Gemeinderats nicht bekannt gewesen, wie sich der Spruchkörper der Gemeinde zusammensetzen würde, vermögen sie daraus nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Aufgrund der ihnen zugestellten Schreiben war für sie ohne Weiteres erkennbar, dass E.________ beim Baubewilligungsverfahren mitwirkt und musste davon ausgegangen werden, dass dieser auch beim späteren Entscheid beteiligt sein würde. Indem die Beschwerdeführenden im Wissen um die Mitwirkung von E.________ ihr Ausstandsbegehren dennoch erst vor dem Verwaltungsgericht gestellt haben, wurde dieses verspätet gestellt. Die Umstände, die die Beschwerdeführenden für den Anschein der Befangenheit vorbringen, sind auch nicht derart offensichtlich, dass der betroffene Gemeinderat von sich aus hätte in den Ausstand treten müssen. Der Gemeinderat E.________ und der Rechtsvertreter der Bauherrschaft sind zwar in derselben Anwaltskanzlei als Partner tätig. Die Anwaltskanzlei ist jedoch als Unkostengemeinschaft organisiert und die Anwälte insofern wirtschaftlich unabhängig voneinander. E.________ profitiert somit in wirtschaftlicher Hinsicht nicht von einer Ereilung der Baubewilligung für die Beschwerdegegnerschaft. Die Beschwerdeführenden vermögen auch nicht zu überzeugen, wenn sie geltend machen, E.________ ziehe in allgemeiner Weise einen Vorteil aus dem Erfolg der Kanzlei. Die Tätigkeit in derselben Anwaltskanzlei vermag für sich alleine ebenso wenig eine besondere Freundschaft zu begründen, die ausstandsrechtlich relevant wäre. Soweit sie mit Verweis auf das Urteil 5A_738/2017 vom 25. Oktober 2018 eine gravierende Verletzung der Ausstandsvorschriften ableiten, dringen sie ebenfalls nicht durch. Das zitierte Urteil ist mit der vorliegenden Konstellation nicht vergleichbar: Zum einen stand dort der Ausstand eines Oberrichters und nicht - wie vorliegend - eines Mitglieds einer Verwaltungsbehörde in Frage. Zum anderen war für den Anschein der Befangenheit insbesondere das verwandtschaftliche Verhältnis entscheidend, das dieser Oberrichter zu einem Partner einer Anwaltskanzlei hatte, dessen angestellte Anwältin eine Verfahrenspartei vertrat. Folglich erweist sich die Rüge der Verletzung der Ausstandsvorschriften nach Art. 29 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK als unbegründet.