Citation: 9C_595/2023 E. 2.2.1

2.2.1. Eine erneute rechtliche Beurteilung auf der Ebene der Anteilsinhaber ist notwendig, weil es sich bei der Gesellschaft und der an ihr beteiligten Person - trotz gesellschaftsrechtlicher Verbundenheit - um zwei voneinander unabhängige Rechts- und Steuersubjekte handelt (vgl. das Urteil 9C_5/2023 vom 14. März 2024 E. 5.2.2.1). Auch kann die Tragweite dieser (allfälligen) Vermutung nur dann korrekt eingeschätzt werden, wenn im Rahmen des Zumutbaren geklärt wurde, welche Überlegungen für die Aufrechnung geldwerter Leistungen bei der Gesellschaft ausschlaggebend waren. Dabei ist zu verlangen, dass die Veranlagungsbehörde nach erfolgter Beweiswürdigung und aufgrund objektiver Gesichtspunkte davon überzeugt ist, dass die Kapitalgesellschaft dem Anteilsinhaber eine geldwerte Leistung erbracht hat. Die erforderliche Überzeugung kann auf Indizien beruhen und bedingt keinen direkten Beweis. Insofern entfalten die rechtskräftigen Veranlagungen der Gesellschaft keine Bindungswirkung für die Veranlagung der Anteilsinhaber und lässt sich die Frage des Vorliegens von geldwerten Leistungen auf der Ebene der Anteilsinhaber somit nicht allein unter Verweisung auf diese Veranlagungen der Kapitalgesellschaft beantworten. Die Veranlagungen der Gesellschaft sind jedoch für die Veranlagung der Anteilsinhaber dahingehend von Belang, dass sie rechtsprechungsgemäss die Vermutung begründen können, dass diesen Anteilsinhabern über den ihnen nahestehenden Beschwerdegegner eine geldwerte Leistung zugeflossen ist (vgl. zum Ganzen das dieselben Parteien betreffende Urteil 2C_750/2019 vom 7. Juli 2020 E. 5.1).