Citation: 4A_350/2023 E. 6

Die Vorinstanz erwog, beim Fonds 1 handle es sich um einen Dachfonds schweizerischen Rechts, der das Fondsvermögen hauptsächlich in verschiedene Zielfonds angelegt habe. Dieser sei im Jahr 2003 für die C.________ AG, die damalige Vermögensverwalterin der Beschwerdegegnerin, aufgelegt worden. Fondsleiterin des Fonds 1 sei zunächst die D.________ AG, später die E.________ AG gewesen. Als Depotbank habe die Bank F.________ Ltd. fungiert. Die Anlageentscheide des Fonds 1 habe die Fondsleitung von Beginn an mittels Vermögensverwaltungsvertrags an die Beschwerdeführerin delegiert. Bereits kurz nach der Lancierung des Fonds 1 habe die C.________ AG Gelder der Beschwerdegegnerin in den Fonds 1 investiert. Per Juni 2009 habe die C.________ AG ihr Vermögensverwaltungsmandat für die Beschwerdegegnerin gekündigt, woraufhin die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit der Vermögensverwaltung beauftragt habe. Im Zeitpunkt der Übernahme des Mandats per 1. Juli 2009 hätten sich im Portfolio der Beschwerdegegnerin 68'820 Anteile am Fonds 1 im Gesamtwert von Fr. 8'848'000.-- befunden. Während ihres Mandats habe die Beschwerdeführerin weitere Anteile am Fonds 1 dazu gekauft. Aufgrund dieser Zukäufe sowie erfolgten Rücknahmen von Anteilen anderer Anleger sei der Anteil der Beschwerdegegnerin am Fonds 1 von rund 37 % am 31. Dezember 2008 auf über 76 % am 31. Dezember 2013 angestiegen. Die Beschwerdeführerin habe sich - so die Vorinstanz weiter - ab Juli 2009 aufgrund ihrer Doppelrolle bei der Investition der Gelder der Beschwerdegegnerin in den Fonds 1 in einem Interessenkonflikt befunden. Sie habe sowohl von der Beschwerdegegnerin als auch von der Fondsleitung des Fonds 1 ein Vermögensverwaltungshonorar erhalten. Daraus habe sich ein Anreiz ergeben, die Gelder der Beschwerdegegnerin in den Fonds 1 zu investieren bzw. darin zu belassen, womit die Gefahr bestanden habe, sich beim Anlageentscheid nicht mehr allein an den Interessen der Beschwerdegegnerin zu orientieren. Über diesen Interessenkonflikt habe sie die Beschwerdegegnerin nicht aufgeklärt. Auch sei nicht nachgewiesen, dass die Beschwerdegegnerin darüber Bescheid wusste oder hätte wissen müssen. Weiter stehe fest, dass auch direkt in die Zielfonds hätte investiert werden können und durch die indirekte Investition über den Fonds 1 hohe Kosten angefallen seien. Es gelinge der Beschwerdeführerin nicht, einen die Mehrkosten rechtfertigenden Nutzen des Fonds 1 aufzuzeigen. Die Investition der Vermögenswerte der Beschwerdegegnerin in den Fonds 1 sei pflichtwidrig gewesen, die Gelder hätten direkt in die Zielfonds investiert werden müssen.