Citation: H 305/00 06.09.2001 E. 3

3.- Streitig und zu prüfen ist des Weitern, ob dem Beschwerdeführer Organstellung im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 52 AHVG zukam. a) Wie bereits die Vorinstanz festgestellt hat, ist bei der (subsidiären) Haftung der für eine juristische Person handelnden Organe von einem materiellen Organbegriff auszugehen. Die Schadenersatzpflicht erstreckt sich daher nicht nur auf die formellen Organe einer juristischen Person, sondern auch auf Personen, die tatsächlich die Funktion von Organen erfüllen, indem sie den Organen vorbehaltene Entscheide treffen oder die eigentliche Geschäftsführung besorgen und so die Willensbildung der Gesellschaft massgebend mitbestimmen (BGE 114 V 218 Erw. 4e mit Hinweis). Unter diesen Voraussetzungen können neben Delegierten des Verwaltungsrates, Direktoren und Geschäftsführern auch Haupt- oder Alleinaktionäre Organstellung haben (BGE 114 V 214 Erw. 4 mit Hinweisen). b) Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei Haupt- bzw. zeitweise Alleinaktionär der I.________ AG gewesen und habe nebst dem Aktienkapital von Fr. 200'000.- weitere Fr. 850'000.- in die Gesellschaft investiert. Durch die investierten Geldmittel habe er die Geschäftspolitik der I.________ AG beeinflusst, jedoch ausschliesslich auf der strategischen Ebene. In das operative Geschäft habe er sich dagegen nie eingeschaltet; dafür seien der Verwaltungsrat und die mit der Geschäftsführung betrauten Personen zuständig gewesen. Es liege in der Natur der Sache, dass sich ein Haupt- oder Alleinaktionär eher durch eine dauernde und aktive Interessenwahrnehmung bemerkbar mache als ein Minderheits- oder Publikumsaktionär. Eine solche Interessenwahrnehmung sei jedoch solange nicht haftungsbegründend, als sie über eine faktische Einflussnahme, die noch mit einer dezidierten Ausübung der Aktionärsrechte erklärt werden könne, nicht hinausgehe. Diese Grenze habe er nicht überschritten, sei es ihm doch vor allem darum gegangen, dass die von ihm zur Verfügung gestellten Geldmittel zielgerichtet und effizient eingesetzt würden. Die Vorinstanz hat zur Frage der Organstellung des Beschwerdeführers eine Partei- und Zeugeneinvernahme durchgeführt. Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei Geldgeber und Berater der I.________ AG gewesen und habe mit der Geschäftsleitung nichts zu tun gehabt. Geschäftsführer sei zunächst das Verwaltungsratsmitglied R.________ gewesen; nach dessen Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat (im Herbst 1994) habe die Geschäftsleitung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern T.________, U.________, S.________ und N.________ gelegen. Diese Personen seien unterschriftsberechtigt gewesen, wobei für die Administration zunächst T.________ und nach deren Weggang U.________ zuständig gewesen sei. In der Zeugenbefragung gab P.________ an, sie sei Chefsekretärin und bezüglich gewisser Zahlungen unterschriftsberechtigt gewesen; die konkreten Aufträge seien ihr von G.________ erteilt worden; er habe gesagt, was zu bezahlen und was nicht zu bezahlen sei. Er sei der "Boss" gewesen und habe ihres Erachtens die Geschäftsleitung wahrgenommen. Der frühere Verwaltungsrat R.________ gab an, er hätte die Funktion eines Geschäftsleiters übernehmen sollen, sei jedoch entlassen worden, bevor der Betrieb operationell geworden sei. G.________ habe die Verhandlungen mit den Vertragspartnern geführt und sei der eigentliche Geschäftsführer gewesen. Dass G.________ geschäftsleitende Funktionen ausübte, bestätigten auch A.________ und B.________. Während A.________ angab, G.________ habe die Geschäftsleitung alleine inne gehabt, gab B.________ an, nach dem Ausscheiden von R.________ seien - bis zur Einstellung von S.________ - U.________ und N.________ als Geschäftsleiter tätig gewesen; eine wirkliche Geschäftsleitung habe es jedoch nicht gegeben; G.________ sei letztlich derjenige gewesen, welcher bei den anstehenden Entscheiden jeweils zugegen gewesen sei und entsprechend auf die Führung der Geschäfte Einfluss genommen habe. Schliesslich bestätigte auch das ehemalige Verwaltungsratsmitglied C.________, dass G.________ direkten Einfluss auf die Geschäftsleitung genommen hatte. Auf Grund der von der Vorinstanz getroffenen Abklärungen und der Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer nicht formell Geschäftsführer war und wohl auch keine Geschäftsführungskompetenzen wollte, sich auf Grund der personellen und organisatorischen Gegebenheiten sowie seiner Stellung als Geldgeber und Haupt- bzw. Alleinaktionär aber effektiv mit Geschäftsleitungsaufgaben befasst hat. Anders als die Bezeichnung X.________ im Organigramm der I.________ AG (gültig ab 3. April 1995) annehmen lässt, beschränkten sich seine Funktionen nicht auf die Vertretung der Gesellschaft nach aussen. Er hat sich vielmehr auch mit organisatorischen, personellen sowie finanziellen Fragen und zumindest teilweise auch mit dem Zahlungsverkehr befasst. Was die ehemalige Chefsekretärin P.________ als Zeugin diesbezüglich aussagte, ist ohne weiteres glaubhaft, zumal der Beschwerdeführer als Geldgeber insbesondere nach Auftreten der Liquiditätsprobleme ein eigenes Interesse hatte, sich näher mit dem Geschäfts- und Zahlungsverkehr zu befassen. Mit der Vorinstanz ist seine materielle Organstellung daher zu bejahen.