Citation: 6B_1206/2016 E. 1.3.2

1.3.2. Die Vorinstanz verfällt auch nicht in Willkür, wenn sie annimmt, der Beschwerdeführer habe ausser der direkt beabsichtigten Verstümmelung eines Ohrs auch eine lebensgefährliche Verletzung des Beschwerdegegners 2 in Kauf genommen. Es ist unbestritten und erstellt, dass er das grosse und augenscheinlich scharfe Messer am Ohr des Beschwerdegegners 2 und somit in unmittelbarer Nähe zum Hals, mithin in einer besonders verletztlichen Körperregion angesetzt hat. Daher bestand die reale Gefahr einer lebensgefährlichen Verletzung. Diese Annahme ist auch dann nicht unhaltbar, wenn der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt nicht mehr von seinem Kollegen festgehalten worden sein sollte und der Beschwerdegegner 2 bewusstlos war. Er war unstreitig weiterhin schwer erregt und stand unter Einfluss von Testosteron, Alkohol und Cannabis. Es ist deshalb plausibel anzunehmen, er habe unter diesen Umständen keinen derart präzisen Schnitt ausführen können, dass er mit einer Lebensgefahr für den Beschwerdegegner 2 nicht hätte rechnen müssen. Er behauptet auch nicht, über besondere Erfahrung mit Messern zu verfügen. Dass der Schnitt nicht präzise war, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelang, das Ohr ganz abzutrennen. Es ist daher nachvollziehbar, wenn die Vorinstanz daraus schliesst, es habe sich um ein kaum kontrollierbares Geschehen mit entsprechender Gefahr für den Beschwerdegegner 2 gehandelt. Hätte der Beschwerdeführer das Messer so gezielt zum Einsatz bringen können, wie er behauptet, wäre die erlittene Verletzung ausgehend von der erstellten Absicht, das Ohr abzutrennen, nicht nachvollziehbar. Dies müsste erst Recht unter Zugrundelegung des von ihm behaupteten Sachverhalts gelten. Im Übrigen sagt auch der Beschwerdeführer, dass alles sehr schnell gegangen sei, was ebenfalls auf ein dynamisches Geschehen schliessen lässt. Von einer willkürlichen Beweiswürdigung kann keine Rede sein. Ebenso wenig davon, dass das medizinische Gutachten auf einer irrigen Annahme beruhen würde. Der darin gezogene Schluss, wonach sich die Schnitt- oder Stichführung im Rahmen einer dynamischen Auseinandersetzung nur ungenau steuern lasse und daher eine lebensgefährliche Verletzung gedroht habe, ist nachvollziehbar. Ein dynamisches Geschehen steht auch weder im Widerspruch zur Feststellung, dass der Beschwerdeführer nach dem ersten Schnitt freiwillig von einer Weiterverfolgung seines Ziels abgesehen hat, noch verletzt die Annahme die Unschuldsvermutung als Beweislast- oder Beweiswürdigungsregel. Wenn der Beschwerdeführer vorbringt, er habe nie die Absicht gehabt, den Beschwerdegegner 2umzubringen, so verkennt er, dass ihm dies die Vorinstanz gar nicht vorwirft. Hingegen ist es angesichts der Dynamik des Geschehens, der Grösse des Messers und des Orts des Schnitts nicht zu beanstanden, dass sie annimmt, er habe eine lebensgefährliche Verletzung mindestens in Kauf genommen. Abgesehen davon ist dies für die Qualifikation als versuchte schwere Körperverletzung ohne Bedeutung, nachdem unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer beabsichtigte, das Ohr des Beschwerdegegners 2abzutrennen und dies ebenfalls eine (versuchte) schwere Körperverletzung darstellt (dazu unten E. 2). Schliesslich leuchtet nicht ein, inwiefern es für den Vorsatz relevant sein soll, dass es effektiv zu keiner lebensgefährlichen Verletzung kam, der in Kauf genommene Erfolg mithin nicht eintrat.