Citation: 5C.288/2005 15.03.2006 E. 4

Der Beklagte macht geltend, B.________ werde gegenüber seiner Schwester benachteiligt, wenn er als sein Betreuer mehr auswärts arbeiten gehen müsse als die über wesentlich mehr Betreuungszeit verfügende Klägerin, um damit deren Haushalt zu unterstützen. 4.1 Unterhaltsberechtigte Kinder sind im Verhältnis zu ihren objektiven Bedürfnissen finanziell gleich zu behandeln. Unterschiedlichen Erziehungs-, Gesundheits- und Ausbildungsbedürfnissen darf somit Rechnung getragen werden, so dass ungleiche Unterhaltsbeiträge nicht von vornherein ausgeschlossen sind, jedoch einer Rechtfertigung bedürfen (BGE 126 III 353 E. 2b S. 358 f. mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 III 68 E. 2c S. 71). Kinder unter sich haben mit anderen Worten nicht Anspruch auf nominell gleichen Unterhalt, aber auf Gleichachtung ihrer individuellen Bedürfnisse (Peter Breitschmid, Basler Kommentar, 2. Auflage, N. 19 zu Art. 276 ZGB). 4.2 Unter Hinweis auf das Gutachten der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen vom 17. Juni 2003 hält das Obergericht fest, dass A.________ psychisch weniger stabil sei als ihr Bruder und psychologisch betreut werde, auch wenn gemäss ihrer Ärztin momentan kein akuter Behandlungsbedarf bestehe. Im angerufenen Gutachten wird ausgeführt, dass bei A.________, die durch den elterlichen Konflikt stark belastet werde, eine Anpassungsstörung mit Beeinträchtigung verschiedener affektiver Qualitäten bestehe, was die soziale Funktion und Leistung behindere. B.________ habe sich demgegenüber altersgemäss entwickelt und der durch die Trennung der Eltern entstandenen Situation in zufriedenstellender Weise angepasst (S. 15 f.). Die psychische Befindlichkeit der beiden Kinder ist mithin unterschiedlich. Da A.________'s Betreuungsbedürfnisse grösser sind, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz der sie betreuenden Klägerin ein kleineres Arbeitspensum zugestanden hat. Von einer bundesrechtswidrigen Ungleichbehandlung der beiden Kinder kann daher nicht gesprochen werden.