Citation: 8C_368/2020 E. 5.1

5.1. Zum umstrittenen Kriterium der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors erwog die Vorinstanz, dass in einer Warteschlange vor einem Club nicht mit einem Trillerpfeifenpfiff in unmittelbarer Nähe des Ohres gerechnet werden müsse. Ein solches Ereignis sei weder alltäglich noch üblich. Die bisherige bundesgerichtliche Rechtsprechung habe sich vorwiegend mit Knalltraumata, welche durch eine sehr kurze Schalleinwirkung (< 2 oder 3 ms) mit hohem Schalldruck auf das Ohr definiert seien, und chronischen Lärmtraumata (als häufige Berufskrankheit) auseinandergesetzt. Für diejenigen akustischen Traumata, welche in zeitlicher Hinsicht dazwischen lägen, gebe es weder klare Grenzwerte noch eine gefestigte Rechtsprechung. Ein Trillerpfeifenpfiff befinde sich erfahrungsgemäss von seiner zeitlichen Dauer her im Sekundenbereich, womit kein derart kurzzeitiges Schallereignis wie beim Knall- oder wohl auch beim Explosionstrauma (Schalleinwirkung von > 2 oder 3 ms) gegeben sei, aber auch die Dauer eines akuten Lärmtraumas (Schalleinwirkung während Minuten bis Stunden) deutlich unterschritten werde. Folglich könne nicht unbesehen auf die Grenzwerte für ein Knalltrauma oder lärmbelastete Arbeitsplätze abgestellt werden. Die Vorinstanz erwog weiter, laut Internetquellen könnten Trillerpfeifen Pegel von 120 dB (A) bis zu 140 dB (A) erzeugen und dadurch zu einer Gehörschädigung führen. Es sei demnach mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass beim vom Versicherten beschriebenen Ereignis vom 21. April 2017 ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf das Gehör eingewirkt habe und somit der Unfallbegriff im Sinne von Art. 4 ATSG erfüllt sei. Daran ändere auch der Umstand nichts, dass sich der Beschwerdegegner erstmals am 7. Juni 2017 und damit rund sieben Wochen nach dem Ereignis vom 21. April 2017 in ärztliche Behandlung begeben habe.