Citation: I 862/02 27.05.2003 E. 3

3.1 Gemäss Bericht der Klinik Z.________ vom 14. November 2000 leidet die seit ihrem 17. Lebensjahr Drogen konsumierende Beschwerdeführerin an einer Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und selbstschädigenden Zügen (ICD 10 F 60.7), welche sich in rezidivierenden depressiven Einbrüchen und Erschöpfungszuständen mit Leistungsinsuffizienz, mangelndem Durchhaltevermögen und verminderter Belastbarkeit, Drogenrückfall, Zunahme der körperlichen, psychischen und sozialen Beeinträchtigung sowie Rückzug und weiterer Verstärkung des Drogenkonsums äussere. Die aktuell bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit sei durch eine länger dauernde Drogenentwöhnungstherapie zu korrigieren. Als Entstehungszeitpunkt des psychischen Gesundheitsschadens wurde vor dem Hintergrund einer besonderen familiären Belastung (Verlust des Vaters im zweiten Lebensjahr, Wiederheirat der Mutter, Alkoholerkrankung der Mutter, aggressive tätliche Auseinandersetzung in der Familie durch den Stiefvater, Suchterkrankung auch der Schwester) ebenfalls das 17. Altersjahr ge-nannt. Zur Stellungnahme aufgefordert bestätigte Dr. med. T.________ mit Bericht vom 14. Januar 2002 die durch die Klinik Z.________ gestellten Diagnosen, wobei er den Gesundheitszustand der Versicherten unter der Voraussetzung einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Langzeittherapie für besserungsfähig erachtete. In seinem - letztinstanzlich durch die Beschwerdeführerin neu aufgelegten - Bericht vom 13. Dezember 2002 hielt Dr. K.________, bei welchem die Versicherte von 1999 bis Mitte 2002 im Rahmen einer institutionellen Drogentherapie in psychotherapeutischer Behandlung gestanden hatte, sodann fest, die Patientin leide an einer schweren dissozialen Persönlichkeitsstörung, die sich in einem stark herabgesetzten Spannungsbogen, in einer labilen Beziehungsstruktur und in einer gestörten Identitätsentwicklung manifestiere. Im Sinne einer frühkindlichen Verwahrlosung habe die Patientin keine wirkliche Suchtmittelpräferenz, kenne keine inneren Grenzen und habe einen unstillbaren Hunger nach Geborgenheit und Sicherheit. Da es sich um eine sehr frühe Störung handle, sei die Behandlung und Prognose sehr schwierig. Die Ich-Schwäche zeige sich in einer mangelnden Festigkeit und Verbindlichkeit betreffend ihrer Perspektiven und der Bewältigung ihres Alltags, weshalb die Behandlung langdauernd sein werde und in einer schützenden Institution zu erfolgen habe. Der Focus liege dabei im Aufbau einer tragfähigen Ich-Struktur, eventuell in der Entwicklung eines Stütz-Ichs. Die schon früh erfolgte Störung des Ich-Kerns zwinge dazu, von einer schweren psychischen Erkrankung zu sprechen. 3.2 Nach diesen in ihren diagnostischen Kernaussagen übereinstimmenden und widerspruchsfreien Angaben verschiedener ärztlicher und therapeutischer Fachpersonen ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin an einer psychischen Gesundheitsschädigung leidet, welche eine präzise fachmedizinische ICD-Kategorisierung zulässt (ICD-10 F 60.7: abhängige Persönlichkeitsstörung). Da es sich hier-bei nicht um ein Beschwerdebild handelt, das einzig auf psychosozialen Faktoren beruht, sondern eine schwere, häufig erstmals in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erscheinung tretende und sich end-gültig im Erwachsenenalter manifestierende Störung der charakterlichen Konstitution und des Verhaltens darstellt, die mehrere Bereiche der Persönlichkeit betrifft, kann dem seelischen Leiden der Versicher-ten - entgegen der Auffassung von Vorinstanz und Verwaltung - auch der Krankheitswert nicht abgesprochen werden (Erw. 1.1 in fine hievor). Wie sich insbesondere den Berichten der Klinik Z._______ sowie des Dr. K.________ entnehmen lässt, trat diese, durch die schwierige familiäre Situation im Kindesalter ausgelöste oder doch zumindest verstärkte psychische Grundproblematik nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit offen zutage und wirkte sich einerseits auf die Suchterkrankung, andererseits aber auch auf die allgemeine Lebensbewährung und insbesondere auf den beruflichen Werdegang prädisponierend aus, bestehen doch keine Anhaltspunkte für die Aufnahme einer konkreten Ausbildung nach Beendigung der Schule. Der im Bericht der Klinik Z.________ anschaulich geschilderten Wechselwirkung zwischen Persönlichkeitsstörung, Drogensucht und Arbeitsunfähigkeit (rezidivierende depressive Einbrüche und Erschöpfungszustände mit Leistungsinsuffizienz, mangelndes Durchhaltevermögen und verminderte Belastbarkeit, Drogenrückfall, Zunahme der körperlichen, psychischen und sozialen Beeinträchtigung, Rückzug und weitere Verstärkung des Drogenkonsums) ist, im Sinne einer gesamthaften Würdigung des Ursachen- und Folgespektrums, gebührend Rechnung zu tragen, zumal es rechtsprechungsgemäss zur Annahme einer Invalidität nach Art. 4 Abs. 1 IVG - bei bleibender oder längerer Zeit dauernder Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit - genügt, dass die Sucht zumindest in teilkausaler Weise Folge der Persönlichkeitsstö-rung ist (ZAK 1992 S. 169; Urteile T. vom 5. November 2002, I 758/01, Erw. 3.2 in fine, und P. vom 19. Juni 2002, I 390/01, Erw. 2b; Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 17 mit weiteren Hinweisen).