Citation: 8C_791/2023 E. 5.2.3

5.2.3. Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass beim Verstorbenen gemäss angefochtenem Urteil - und entgegen der psychiatrischen Kurzbeurteilung des Dr. med. O.________ - sowohl am Vorabend wie auch wenige Stunden vor dem Suizid deutliche Anzeichen psychotischer Symptome bestanden (vgl. E. 5.2.2). Dies dokumentiert auch der im angefochtenen Urteil wiedergegebene Chatverlauf vom 2. März 2021 aus dem Zeitraum von 08.25 bis 09.00 Uhr zwischen der Beschwerdegegnerin und dem Bruder des Verstorbenen. Demnach steht fest, dass auch Letzterem im Wissen um die latente Suizidalität das wiederholte Auftreten wahnhafter Vorstellungen des Verstorbenen ("[...] Das mit de verbrennige isch wieder e ibildig gsi oder hett er sich was atah? [...]") bekannt war. Das kantonale Gericht hat - entgegen der Beschwerdeführerin - auch die Trennungsproblematik bundesrechtkonform gewürdigt. Demnach traten schon im Herbst 2020 Wahnsymptome auf, indem sich der Verstorbene als Marionette in einem Spiel und verfolgt gefühlt habe. Zudem habe er optische Halluzinationen und das Gefühl gehabt, vergiftet zu werden, was er auch der Pflegefachfrau im Spital in D.________ erzählt habe. Nach Angaben der Beschwerdegegnerin habe der Verstorbene jedoch bereits vor der Trennungsankündigung Ende Oktober 2020 ein auffälliges Verhalten gezeigt (z.B. das Auto vor dem Haus beobachte die Familie, das geschenkte Handy sei gehackt, eine neue Jacke sei mit einem Zeichen versehen, weshalb er sie umgehend wieder zurückbringen müsse). Gemäss psychiatrischem Gutachten war ein wesentlicher Inhalt des wahnhaften Erlebens des Verstorbenen, sich in einer Art gesteuertem Spiel zu befinden, in dem er sich bemühte, dessen Regeln zu verstehen. In diesem Zusammenhang habe er auch mitgeteilt, die Lösung des Spiels nun erkannt zu haben, indem er sich töten müsse, damit die Kinder leben könnten. Diese schon in den Berichten der Psychatrie G.________ und der Klinik H.________ dokumentierten wahnhaften Vorstellungen äusserte er in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang zum Suizid auch gegenüber einer Mitarbeiterin auf der Notfallstation kurz vor dem Entweichen aus dem Spital in D.________. Diese Aussagen liessen gemäss psychiatrischem Gutachten auf eine wahnhaft motivierte Suizidabsicht schliessen. Gestützt auf den aktenkundig dokumentierten Verlauf des Auftretens der psychotischen Symptome gelangte der psychiatrische Gutachter zur Beurteilung, die hohe Motivationsintensität in der Umsetzung des Suizids sei eindeutig durch die paranoid-wahnhaft verzerrten Wahrnehmungen und die entsprechend wahnhaften Überzeugungen gespiesen worden. Das Entweichen aus dem Spital in D.________, der steile Aufstieg auf den Berg und der zielgerichtete Sprung in die Tiefe seien Ausdruck dieser hohen Motivationsintensität. Dieser auf seinem wahnhaft verzerrten Erleben beruhenden subjektiven Überzeugung habe es entsprochen, mit dem Sprung in die Tiefe eine unausweichliche Mission zu erfüllen. Eine an vernünftig wahrgenommenen Realitätskriterien orientierte Willensbildung und Willensumsetzung sei unter diesen Umständen nicht mehr möglich gewesen.