Citation: 4C.151/2001 23.10.2001 E. 3

3.-Zunächst ist zu prüfen, welche Aufklärungspflichten die Beklagte anlässlich der Präsentation der Strategievarianten am 11. Februar 1998 zu genügen hatte. Gemäss der Rechtsprechung trifft eine Bank, die im Hinblick auf die Vermögensverwaltung oder in deren Rahmen tätig wird, nebst der Aufklärungspflicht auch eine Beratungs- und Warnpflicht, deren gemeinsame Wurzel in der auftragsrechtlichen Sorgfalts- und Treuepflicht (Art. 398 Abs. 2 OR) liegt. Inhaltlich werden diese Pflichten durch den Wissensstand des Kunden einerseits und die Art des in Frage stehenden Anlagegeschäfts andrerseits konkretisiert (BGE 124 III 155 E. 3a S. 162 f. m.w.H.). a) Die Klägerin wirft der Beklagten vor, sie habe ihre Aufklärungspflicht dadurch verletzt, dass sie ihr die Möglichkeit von artreinen Anlagevarianten "Festverzinslich" oder "Aktien" verschwiegen habe, die auf der Rückseite des Anlageprofils aufgeführt gewesen seien. Sie sei von der Beklagten nur über die Mischvarianten "Einkommensorientiert", "Ausgewogen" und "Kapitalgewinnorientiert" aufgeklärt worden, die auf der Vorderseite verzeichnet gewesen seien. b) Dieser Vorwurf ist unbegründet. Das Handelsgericht hat zum Wissensstand von Herrn B.________, der für die Klägerin gehandelt hatte, ausgeführt, dass dieser mit Aktien bestens vertraut gewesen sei. Er verfüge über einen Abschluss der Universität Bern als Betriebswirtschafter und habe während 17 Jahren eine Unternehmensberatung geführt und dabei namhafte Unternehmen - u.a. auch bezüglich des Anlagegeschäftes - beraten. Wenn er sich selbst als Halbfachmann bezeichne, stelle dies eine offensichtliche Untertreibung dar. Diese tatsächlichen Feststellungen sind für das Bundesgericht verbindlich (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Die Klägerin ist deshalb nicht zu hören mit ihrem Einwand, das Handelsgericht habe zu Unrecht unterstellt, Herr B.________ sei ein Fachmann. Wenn die Person, die für die Klägerin gehandelt hatte, fachkundig war, ist davon auszugehen, dass ihr sehr wohl bekannt war, dass auch eine artreine Strategievariante mit ausschliesslich festverzinslichen Anlagen hätte gewählt werden können. Angesichts des Wissensstandes von Herrn B.________ durfte das Handelsgericht auch die Frage offenlassen, ob anlässlich der Besprechung vom 11. Februar 1998 auf die artreinen Anlagestrategien auf der Rückseite des Anlageprofils hingewiesen worden war. Der Klägerin musste nämlich bekannt gewesen sein, dass ein Vermögensverwalter beauftragt werden kann, ein Vermögen - durch die Wahl eines artreinen Portefeuilles mit festverzinslichen Anlagen bzw. durch eine Beschränkung eines gemischten Portefeuilles - ausschliesslich in Obligationen anzulegen. Wenn die Klägerin dennoch die gemischte Strategievariante "Einkommensorientiert" gewählt hatte, musste sie wissen, dass nebst Nominalwerten - insbesondere Geldmarkt und Obligationen - auch in Sachwerte - insbesondere Aktien - investiert werden kann. Auf dem Formular wird denn auch unter der Rubrik Vermögensaufteilung ausdrücklich vermerkt, dass "Nominalwerte in der Regel gegenüber Sachwerten deutlich übergewichtet" werden. Hinzu kommt, dass die Art des in Frage stehenden Anlagegeschäfts keineswegs kompliziert war und von der Klägerin angesichts der Erfahrung des für sie handelnden Herrn B.________ ohne weiteres überblickt werden konnte. c) Von einer Verletzung der Aufklärungspflicht im Zusammenhang mit der Präsentation der Strategievarianten kann daher keine Rede sein.