Citation: 8C_219/2008 04.09.2008 E. 4.2

4.2.1 Weiter beruft sich der Beschwerdeführer auf die Kausalitätsbeurteilung von Frau PD Dr. B.________ gemäss Bericht vom 10. März 2008. Danach habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die traumatische Fraktur des BWK 11 und insbesondere die dadurch bedingte Immobilisation und Minderbeweglichkeit einen Demineralisierungsprozess des Knochens, namentlich der Wirbelsäule iniziiert und damit die Voraussetzung für weitere Frakturen auch unter niedrigen Traumabedingungen geschaffen. Da der Versicherte ohne diese Fraktur keine Osteopenie entwickelt hätte, stünden die chronischen invalidisierenden Rückenschmerzen als Spätfolgen der traumatischen Kompressionsfraktur in kausalem Zusammenhang mit dem Unfall von 1986. Ohne diese Fraktur hätte sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nie eine Osteopenie entwickelt, und es wäre somit im Anschluss an eine Sternotomie keine zusätzliche Wirbelkörperfraktur entstanden. 4.2.2 Dr. S.________ hält dem entgegen, radiologisch seien die bekannten Unfallfolgen bezüglich des Brustwirbelkörpers Th 11 von 1986 unverändert, es sei wegen dieser Fraktur keine ungewöhnlich lange Ruhigstellung notwendig gewesen und der Versicherte habe anschliessend wieder viele Jahre lang voll gearbeitet. Zudem entsprächen Osteopenien und Osteoporosen einem eigenständigen metabolischen Leiden meist unbekannter Aetiologie, weshalb nicht von einer indirekten Spätfolge des Unfalles von 1986 ausgegangen werden könne. 4.2.3 Aufgrund der Untersuchungen vom 15. Februar 2007 weist der Beschwerdeführer einen deutlich erniedrigten Mineralisierungsgehalt auf, wobei die Knochendichte im Osteopeniebereich, noch knapp oberhalb der Osteoporosegrenze lag. Im Bereich der Wirbelsäule wurden T-Werte zwischen minus 1.7 und minus 1.9 (L1 bis L4) gemessen, während die Z-Werte im Bereich der LWS mit minus 2.5 angegeben wurden. Dabei liegt nach der Densitometrischen Klassifikation der WHO eine Abweichung von 1 SD (Standardabweichung) vom Mittelwert der durchschnittlichen maximalen Knochendichte junger Erwachsener (entspricht 10 %) noch innerhalb der Norm, während ein Defizit von 10 % bis 25 % (1 bis 2.5 SD) als Osteopenie bezeichnet wird. Da die Knochenmasse im Alter abnimmt, sind für die Beurteilung der Zeitwert und die Abnahmerate pro Jahr (normal: ca. 1 %) massgebend (Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., S. 484). Während die Abweichungen laut Beurteilung des Dr. R.________ vom 15. Februar 2007 im Lendenwirbelbereich ausgeprägter waren als in der proximalen Femora, liegen für die von den Frakturen betroffenen Brustwirbelkörper BWK 6 und 8 keine konkreten Messresultate vor. Ebenso fehlen Anhaltspunkte über die Knochendichte im Jahre 2003 und somit für den Zeitpunkt, als diese Brustwirbelfrakturen erstmals festgestellt wurden. Wenn Frau PD Dr. B.________ davon ausgeht, aufgrund einer längeren "Ruhigstellung" nach dem Erstunfall seien infolge einer Inaktivitätsathrophie die Voraussetzungen für Wirbelbrüche auch unter niedrigeren Traumabedingungen geschaffen worden, gilt es diese Aussage insofern zu relativieren, als es jedenfalls nach dem Sturz von der Treppe vom 20. Februar 2002 zu keiner frischen Fraktur gekommen war. Dass dieser Belastungsfaktor zu annähernd gleicher Zeit keine solche Gesundheitsschädigung bewirkte, spricht eher gegen eine allenfalls auf den Unfall von 1989 zurückzuführende Osteopenie als signifikant kausale Ursache der Brustwirbelfraktur. 4.2.4 Zwar kann nach medizinischer Erkenntnis eine andauernde Immobilisation zu einem Verlust an Knochenmasse führen. Obwohl der Versicherte laut Frau PD Dr. B.________ aufgrund von Geschlecht, Alter, Ernährungs- und Gesundheitszustand (keine Schilddrüsendysfunktion, keine Steroide, kein Nikotin und kein übermässiger Aethylkonsum) nicht zur Risikogruppe der Osteoporose-Patienten gehört, erscheint die Bewegungseinschränkung als Folge des ersten Wirbelbruchs (BWK 11) angesichts der multiplen Faktoren, die das Ausmass der Knochenmasse beeinflussen können und der weitgehend ungeklärten Aethiologie des Knochenabbaus (vgl. dazu Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch; Marius E. Kraenzlin/Markus J. Seibel/Christian Meier, Diagnostik und Therapie der Osteoporose, in: Schweizerisches Medizin-Forum, 2006, S. 712 ff.; F. Schröter, Gutachterliche Problemstellungen bei Osteoporose, in: Der Medizinische Sachverständige, 2006, S. 212 ff.) indessen lediglich als eine blosse Möglichkeit für die Entstehung des Krankheitsbildes, was für die Bejahung einer Unfallkausalität nicht genügt (vgl. E. 2.1). 4.3 Die geltend gemachte Unfallkausalität ist daher zu verneinen, ohne dass es dazu ergänzender medizinischer Abklärungen bedarf. Damit kann offen bleiben, ob der Bericht von Frau PD Dr. B.________ vom 10. März 2008 im Rahmen der Kognition nach Art. 97 Abs. 2 BGG als unzulässiges Novum im Sinne von Art. 99 Abs. 1 BGG zu gelten hat.