Citation: 6B_787/2022 E. 3.2.3

3.2.3. Bereits die ersten Kommentatoren ordneten den Tatbestand von Art. 258 StGB unter die echten Friedensstörungen ein, der beispielsweise durch die Drohung mit der Verbreitung von Seuchen erfüllt werden konnte (vgl. ERNST HAFTER, Schweizerisches Strafrecht, BT/2, 1943, S. 447 f.). Das Bundesgericht beurteilte das durch Art. 258 StGB geschützte Rechtsgut und kam zum Ergebnis, dieser Tatbestand ziele in erster Linie auf den Schutz kollektiver Rechtsgüter. Allfällige Individualinteressen würden bloss mittelbar beeinträchtigt. Da die Beschwerdeführerin nicht als geschädigt im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO anzusehen sei, sei ihr die Stellung als Privatklägerin (Art. 118 Abs. 1 StPO) verwehrt. Sie zähle nicht zu den Parteien nach Art. 104 StPO, weshalb sie nicht nach Art. 382 Abs. 1 StPO zur Beschwerde legitimiert sei (BGE 145 IV 433 E. 3.6 S. 437 f.). Dieser Interpretation folgen die neueren, seit BGE 145 IV 433 vorgelegten Kommentierungen (vgl. ULRICH WEDER, in: StGB/JStG, Kommentar, 21. Aufl. 2022, N. 1a zu Art. 258 StGB; TRECHSEL/VEST, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, N. 1 Vor Art. 258 StGB mit Hinweisen; PATRICK UHRMEISTER, in: StGB, Annotierter Kommentar, 2020, N. 5 zu Art. 258 StGB; CHRISTIAN NÄPFLIN, in: ius.focus, 10/2019, S. 27).