Citation: I 536/03 20.09.2004 E. 4

Für den streitigen Rentenanspruch entscheidend sind zunächst die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitsbedingten Beeinträchtigung des Leistungsvermögens. Konkret zu prüfen ist das Ausmass der bei zumutbarer Verwertung der Restarbeitsfähigkeit resultierenden Erwerbseinbusse. 4.1 Bezüglich der trotz Behinderung zumutbarerweise realisierbaren Einkünfte (Invalideneinkommen) stellt sich die Verwaltung auf den Standpunkt, nachdem der Versicherte weiterhin in seinem angestammten Beruf als Schreiner tätig sein könnte, sei auch die Verdiensteinbusse entsprechend der ärztlicherseits bescheinigten Verminderung der Arbeitsfähigkeit auf 30 % des ohne Gesundheitsschaden hypothetisch erzielbaren Lohnes (Valideneinkommen) anzusetzen. Damit setzt sie im Ergebnis die medizinisch-theoretische Schätzung der Arbeitsunfähigkeit ohne Bezugnahme auf die realen Verhältnisse auf dem für den Betroffenen in Betracht fallenden Arbeitsmarkt dem Invaliditätsgrad gleich, was grundsätzlich nicht angeht. Ein solches Vorgehen liesse sich allenfalls nur rechtfertigen, wenn die versicherte Person nach Eintritt eines Gesundheitsschadens vom bisherigen Arbeitgeber in der selben Position weiterbeschäftigt würde und die Lohnreduktion exakt der gesundheitsbedingten Minderleistung entspräche. Solche Verhältnisse liegen indessen nicht vor. Offenbar kann der frühere Arbeitgeber keine leidensangepasste Einsatzmöglichkeit mehr anbieten, weshalb der Versicherte zur Verwertung seines verbliebenen Leistungsvermögens auf die Stellenangebote des allgemeinen Arbeitsmarktes angewiesen ist. Scheidet die Fortsetzung eines langjährigen Arbeitsverhältnisses aber aus und ist ein beruflicher Neueinstieg unausweichlich geworden, kann die Entlöhnung vor dem Auftreten der gesundheitsbedingten Einschränkungen entgegen der Meinung der Verwaltung nicht mehr als realitätsbezogene Ausgangslage für die Bestimmung des Invalideneinkommens betrachtet werden. Zu Recht ist daher das kantonale Gericht auf die durch die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ausgewiesenen Lohndaten ausgewichen. Das Beharren der Beschwerde führenden Verwaltungsstelle auf ihrer ursprünglichen Position ist offensichtlich unbegründet. 4.2 Weiter wendet sich die IV-Stelle gegen die vorinstanzliche Annahme, für den Versicherten kämen lediglich Stellen in Frage, welche dem Anforderungsniveau 4 der in der LSE erfassten Tätigkeiten entsprächen. Sie möchte stattdessen die höher entlöhnten Arbeitsplätze mit Anforderungsprofil 3 oder gar mit Anforderungsprofil 2 berücksichtigt haben. In die Kategorie der Betätigungen mit Anforderungsniveau 2 fällt gemäss LSE das 'Verrichten selbstständiger und qualifizierter Arbeiten', während für das Anforderungsniveau 3 'Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt' sind und zum Anforderungsniveau 4 'einfache und repetitive Tätigkeiten' zählen (LSE 1998 S. 25 unten). Zutreffend mag sein, dass sich der Versicherte an seiner früheren Stelle bei den Diensten X.________ eine gewisse Spezialisierung aneignen konnte, indem er einen grossen Teil seiner Arbeitszeit der Restaurierung und Konservierung von Leder-, Haut- und Pelzobjekten widmete. Dies darf indessen für die Belange des im Rahmen der Invaliditätsbemessung vorzunehmenden Einkommensvergleichs nicht überbewertet werden, muss doch beachtet werden, dass grundsätzlich nur Fähigkeiten ins Gewicht fallen können, nach welchen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auch eine gewisse Nachfrage besteht, was bei den genannten Qualifikationen nur beschränkt zutreffen dürfte. Unabhängig davon verfügt der Versicherte aber über zwei Ausbildungen als Kürschner und als Möbelschreiner mit entsprechender langjähriger Berufserfahrung. Schon von dieser Ausgangslage her kann er sich über einschlägige Berufs- und Fachkenntnisse ausweisen, weshalb der IV-Stelle darin beizupflichten ist, dass es sich bei der Bestimmung des Invalideneinkommens rechtfertigt, auf die in der LSE für Tätigkeiten mit Anforderungsniveau 3 ausgewiesenen Tabellenlöhne abzustellen. Eine noch höhere Einstufung liesse sich hingegen nicht begründen. Die Vorinstanz hat die Tabelle TA3 (monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht, privater und öffentlicher Sektor [Bund] zusammen) der LSE beigezogen, wogegen auch die IV-Stelle nichts einwendet. Nicht beizupflichten ist dem Einwand der Verwaltung, wonach das Abstellen auf die hier im Sektor 2/20 (Be- und Verarbeitung von Holz) erzielbaren Einkommen angesichts der 'ausgeprägten Spezialisierung' des Versicherten nicht korrekt sein soll. Die besonderen Kenntnisse könnten auch hier nur als lohnwirksamer Faktor berücksichtigt werden, wenn sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt überhaupt gefragt wären. 4.3 Zutreffend ist der Einwand der IV-Stelle, dass Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben sind, was keiner weiteren Erläuterung bedarf (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174). 4.4 Den Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs hat das kantonale Gericht beim vorgenommenen Einkommensvergleich mit der Begründung nicht genauer festgelegt, dass sich im Ergebnis sowohl bei Anwendung der LSE 1998 wie auch derjenigen der LSE 2000 nichts ändere. 4.4.1 Laut Tabelle TA3 der LSE 1998 (und nachstehend jeweils in Klammern der LSE 2000) verdienten Männer bei Tätigkeiten aus dem Sektor 2 (Produktion) im Bereich 2/20 'Be- und Verarbeitung von Holz' mit Anforderungsniveau 3 bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden monatlich Fr. 4767.- (Fr. 4850.-) oder jährlich Fr. 57'204.- (Fr. 58'200.-) resp. hochgerechnet auf das 1998 übliche Wochenpensum von 41,9 Stunden (2000: 41,8 Stunden; Die Volkswirtschaft 2003, Heft 7, S. 90 Tabelle B 9.2) Fr. 59'921.19 (Fr. 60'819.-). Bei einer gesundheitsbedingt um 30 % reduzierten Leistung verblieben Fr. 41'944.83 (Fr. 42'573.30). 4.4.2 Zum Valideneinkommen hat der ehemalige Arbeitgeber in dem am 16. Februar 2000 ausgefüllten Fragebogen klare Lohnangaben geliefert. Danach hätte dem Versicherten 1998 ein Jahreslohn von Fr. 67'335.45 und im Jahr 2000 ein solcher von Fr. 68'355.30 zugestanden, dies bei einem Wochenpensum von (gemäss Arbeitsvertrag) 85,714 % oder 36 Wochenstunden. Hochgerechnet auf ein Vollpensum (x 100 : 85,714) ergäbe dies für 1998 ein Jahreseinkommen von Fr. 78'558.28 und für das Jahr 2000 ein solches von Fr. 79'748.11. 4.4.3 Bei einer Gegenüberstellung der so ermittelten Validen- und Invalideneinkommen würde sowohl für 1998 als auch für das Jahr 2000 ein Invaliditätsgrad von 46,6 % resp. aufgerundet (vgl. BGE 130 V 121) 47 % resultieren. Dies würde nach Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine Viertelsrente und nach Art. 28 Abs. 1bis IVG - bei Vorliegen eines so genannten Härtefalles - auf eine halbe Invalidenrente verschaffen.