Citation: 6B_238/2013 E. 8.3

8.3. Die kriminellen Organisationen Camorra und SCU waren am Zigarettenschwarzhandel in Süditalien ab 1995 allerdings dergestalt beteiligt, dass sie auf den gesamten in den montenegrinischen Adriahäfen umgesetzten und für Süditalien bestimmten Zigaretten eine Zwangsabgabe von zunächst ITL 5'000, später ITL 10'000 pro Mastercase (50 Stangen respektive 500 Packungen beziehungsweise 10'000 Zigaretten) verlangten, womit sie im Zeitraum 1995 bis 2000 bei einem Umsatz von rund 4 Mio. Mastercases Einnahmen von rund ITL 40 Mrd. erzielten. Die Zwangsabgabe wurde den italienischen Geschäftspartnern der Beschuldigten abverlangt, welche die Zigaretten ab den montenegrinischen Häfen auf Schnellbooten über die Adria nach Süditalien transportieren liessen. Auch diejenigen Geschäftspartner, welche Mitglieder der kriminellen Organisationen Camorra und SCU waren, mussten die Zwangsabgabe bezahlen. Da die Abgabe vom Umsatz abhing, wurde dieser von Repräsentanten der kriminellen Organisationen Camorra und SCU in den montenegrinischen Adriahäfen kontrolliert. Die kriminellen Organisationen beherrschten nicht den Zigarettenschwarzhandel als solchen, da sie darauf keinen Einfluss nahmen, sondern sie kontrollierten den Umsatz, weil sie auf diesem die Zwangsabgabe erhoben. Nach den Feststellungen der Vorinstanz handelt es sich beim inkriminierten Zigarettengeschäft um die horizontale Organisation eines Handelssystems mit einer Vielzahl unabhängiger Akteure, die auf eigene Rechnung handelten und von individuell wirksamen finanziellen Anreizen geleitet wurden, wobei der Warenumsatz unter Kontrolle von Repräsentanten krimineller Organisationen stand, die ihren Anteil am Geschäftsertrag mittels erzwungener Abgaben von den einzelnen Akteuren erhältlich machten (zusammenfassend Urteil E. 2.13.7 S. 314 ff.).