Citation: 6B_443/2007 10.10.2007 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von Art. 31 und Art. 26 SVG. Zu Unrecht gehe die Vorinstanz von einem Grundmass an Aufmerksamkeit aus, das unabhängig vom Vertrauensgrundsatz in jedem Fall geschuldet sei. 2.1 Jedermann muss sich im Verkehr so verhalten, dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung der Strasse weder behindert noch gefährdet (Art. 26 Abs. 1 SVG). Aus dieser Bestimmung leitet die Rechtsprechung den Vertrauensgrundsatz ab, wonach jeder Strassenbenützer, der sich selbst verkehrsgemäss verhält, darauf vertrauen darf, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer ordnungsgemäss verhalten (BGE 129 IV 282 E. 2.2.). Gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG hat der Lenker sein Fahrzeug ständig so zu beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Er muss jederzeit in der Lage sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede Gefahr ohne Zeitverlust zweckmässig zu reagieren. Er muss seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden (Art. 3 Abs. 1 VRV; BGE 127 II 302, E. 3c). 2.2 Die Vorinstanz kommt in tatsächlicher Hinsicht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer seine gesamte Aufmerksamkeit den Fussgängern auf dem rechten Trottoir zuwandte, obwohl keine Anzeichen dafür bestanden, dass diese die Strasse überqueren wollten. Hätte er seine Aufmerksamkeit auch nach vorne gerichtet, so hätte er den leicht links von der Strassenmitte fahrenden Motorradfahrer bemerkt. Es steht somit fest, dass die Aufmerksamkeit des Beschwerdeführers einseitig fokussiert und damit nicht situationsangemessen war. Das Ausserachtlassen der übrigen Verkehrsteilnehmer verunmöglichte ihm eine rechtzeitige Reaktion. Selbst wenn man mit dem Beschwerdeführer davon ausginge, dass er sich nicht nur auf die Fussgänger, sondern vor allem auf seine Fahrbahnhälfte konzentrierte, entlastet ihn dies - wie die Vorinstanz zutreffend hervorhebt - nicht. Der Motorfahrzeugführer hat auch Gefahrenquellen auf der Gegenfahrbahn im Auge zu behalten. Zusammenfassend steht fest, dass der Beschwerdeführer sein Fahrzeug nicht in dem von Art. 31 Abs. 1 SVG vorgeschriebenen Umfang beherrschte. Die Annahme einer Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG verletzt kein Bundesrecht. Weil sich die eingetretenen Verletzungsfolgen im Übrigen zweifelsfrei direkt auf die geschilderte Sorgfaltspflichtverletzung zurückführen lassen, ist die vorinstanzliche Verurteilung wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 StGB nicht zu beanstanden. 2.3 Auch die Mitberücksichtigung des Vertrauensgrundsatzes führt zu keinem anderen Ergebnis. Dieser besagt, dass bei der Bemessung der aufzubringenden Sorgfalt grundsätzlich von verkehrsregelkonformem Verhalten der übrigen Verkehrsteilnehmer ausgegangen werden darf, auch wenn verkehrsregelwidriges Verhalten häufig genug ist, um vorhersehbar zu sein (BGE 129 IV 282 E. 2.2; s.a. Guido Jenny, Basler Kommentar zu Art. 18 StGB N 78 und 89 ff.). Doch auch der Vertrauensgrundsatz erlaubt es einem Verkehrsteilnehmer nicht, sich in Situationen zu manövrieren, in denen er zur adäquaten Erfassung drohender Gefahren nicht mehr in der Lage ist. Insofern verletzt die Vorinstanz mit dem von ihr geforderten 'Grundmass an Aufmerksamkeit' kein Bundesrecht. Die Beschwerde erweist sich insoweit als unbegründet.