Citation: 6B_399/2014 E. 3.2

3.2. Nachdem der ersuchte Staat über das Auslieferungsersuchen entschieden hat, kann er die Übergabe des bereits verurteilten Verfolgten aufschieben, damit dieser in seinem Hoheitsgebiet eine Strafe verbüssen kann, die er wegen einer anderen Handlung als derjenigen verwirkt hat, derentwegen um Auslieferung ersucht worden ist (Art. 19 EAUe). Solange sich der Verfolgte in Untersuchungs- oder Strafhaft befindet, ist der Auslieferungshaftbefehl nicht vollstreckbar (Art. 49 Abs. 2 IRSG). Infolge der engen Verbindung von Strafen und Massnahmen (Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 StGB) sowie angesichts der staatsvertraglichen Gleichstellung von Strafen und sichernden Massnahmen (Art. 1 in Verbindung mit Art. 25 EAUe) gilt diese Regelung über die Wirksamkeit des Auslieferungshaftbefehls (vgl. BGE 119 Ib 74) ohne Weiteres auch während der Dauer einer stationären therapeutischen Massnahme nach Art. 59 ff. StGB, zumal wenn zugunsten dieser eine Freiheitsstrafe aufgeschoben wurde. Die Regel, wonach Hafterleichterungen (hier: Lockerungen des Massnahmevollzugs) nur mit vorgängiger Zustimmung des Bundesamtes gewährt werden dürfen (Art. 20 Abs. 1 dritter Satz der Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen [IRSV], SR 351.11), ist insoweit (ungeachtet Art. 20 Abs. 3 IRSV) nicht anwendbar. Ebensowenig kommt hier die - im Hinblick auf die staatsvertragliche Verpflichtung - strenge Rechtsprechung zur Freilassung aus der Auslieferungshaft (BGE 136 IV 20 E. 2 S. 23) zum Tragen.