Citation: 6B_621/2015 E. 1.2.1

1.2.1. Die in Art. 86 HMG aufgeführten Vergehenstatbestände sind gemäss den Ausführungen in der Botschaft des Bundesrates zum Heilmittelgesetz als Gefährdungsdelikte zu qualifizieren, und zwar als konkrete Gefährdungsdelikte. Im Gegensatz zum Verletzungsdelikt, bei welchem die Schädigung eines Rechtsgutes vorliegen muss, genügt beim konkreten Gefährdungsdelikt, dass das geschützte Rechtsgut gefährdet, d.h. die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung geschaffen oder erhöht wird. Gemäss den weiteren Ausführungen in der Botschaft bildet also die Gefährdung zusammen mit den einzelnen Tatbestandsvarianten von Art. 86 Abs. 1 lit. a - g HMG den objektiven Tatbestand dieser Bestimmung. Falls eine der in Absatz 1 genannten Tatbestandsvarianten erfüllt ist, ohne dass die Gesundheit von Menschen gefährdet wird, kommt Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG zur Anwendung (Botschaft des Bundesrates zum Heilmittelgesetz, BBl 1999 3453 ff., 3562). Wird durch die Vornahme einer der in Art. 86 Abs. 1 HMG genannten Handlungen nicht die Gesundheit von Menschen gefährdet, dann ist lediglich der objektive Tatbestand einer Übertretung gemäss Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG erfüllt ( BENEDIKT F. SUTER, in: Basler Kommentar, Heilmittelgesetz, 2006, N. 4, 8 zu Art. 86 HMG). Den objektiven Vergehenstatbestand von Art. 86 Abs. 1 HMG erfüllt nicht schon, wer unter Missachtung von Bestimmungen Arzneimittel abgibt, die geeignet sind, Menschen allgemein oder Angehörige von bestimmten Risikogruppen in ihrer Gesundheit zu gefährden. Erforderlich ist vielmehr, dass durch die vorschriftswidrige Abgabe von Arzneimitteln tatsächlich Menschen konkret in ihrer Gesundheit gefährdet werden (BGE 135 IV 37 E. 2.4.1). Zur Erfüllung des Tatbestands von Art. 86 Abs. 1 HMG genügt es mithin nicht, dass die Möglichkeit, Wahrscheinlichkeit oder das Risiko respektive die Gefahr besteht, dass die Gesundheit von Menschen gefährdet wird. Eine abstrakte respektive erhöht abstrakte Gefährdung reicht nicht aus. Es ist eine konkrete Gefährdung erforderlich. Das bedeutet, dass durch das Verhalten tatsächlich Menschen gefährdet worden sein müssen. Durch dieses Erfordernis, das sich aus dem Gesetzeswortlaut ergibt (".... wer die Gesundheit von Menschen gefährdet, indem er ..."), wird der Anwendungsbereich des Vergehenstatbestands im Sinne von Art. 86 HMG erheblich eingeschränkt (Urteil 6B_374/2008 vom 27. November 2008 E. 3.3.2).