Citation: 2C_683/2022 E. 4.3.1

4.3.1. Nach dem Wortlaut von Art. 321 Ziff. 2 StGB kann nur der "Täter", d.h. der Geheimnisträger selber, das Gesuch um Entbindung stellen (BGE 142 II 256 E. 1.2.2). Dritte können ein Interesse an der Entbindung des Geheimnisträgers und damit an der Teilnahme am Verfahren betreffend Entbindung haben. Gegen eine solche Teilnahme spricht jedoch, dass sie auf diese Weise Zugang zu den Verfahrensakten und damit zu vom Berufsgeheimnis gedeckten Informationen erhielten, bevor über die Entbindung entschieden worden ist (vgl. Benoît Chappuis, Les droits des tiers dans la procédure de levée du secret, Anwaltsrevue 2018 S. 506; Yves Donzallaz, Traité de droit médical, Band II, 2021, S. 3136 Rz. 6702). Nach der neueren Rechtsprechung können Dritte allerdings dann Beschwerde gegen eine abschlägige Entbindungsverfügung erheben, wenn sie ein besonderes, schutzwürdiges Interesse an der Entbindung haben (BGE 142 II 256 E. 1.2.2). In der Literatur wird aus dieser Rechtsprechung abgeleitet, dass Dritte, die ein besonderes, schutzwürdiges Interesse haben, auch am erstinstanzlichen Verfahren teilnehmen können (Chappuis, a.a.O., S. 508; Donzallaz, a.a.O., S. 3136 Rz. 6703).