Citation: 2C_789/2017 E. 1.2.2

1.2.2. Der Beschwerdeführer beruft sich zusätzlich auf den Schutz seines Privatlebens (Art. 8 EMRK) : Er macht geltend, seit 30 Jahren hier zu leben und seine Kinder in der Schweiz grossgezogen zu haben. Er sei hier integriert und habe keine Beziehungen mehr zu seiner Heimat. Es handle sich bei ihm um eine an seinem Wohnsitz und in der näheren Umgebung bekannte und beliebte Persönlichkeit mit vielen Bekanntschaften - auch mit Schweizer Bürgern. Ein Bewilligungsanspruch aus dem kombinierten Schutzbereich des Familien- und Privatlebens ist unter diesen Umständen nicht zum Vornherein auszuschliessen (vgl. die Urteile des EGMR Hasanbasic gegen Schweiz vom 11. Juni 2013 [Nr. 52166/09], § 48, in: Plädoyer 2013 4 S. 58 und Gezginci gegen Schweiz vom 9. Dezember 2010 [Nr. 16327/05], § 56 f., in: Plädoyer 2011 1 S. 65). Das Bundesgericht hat es bisher zwar abgelehnt, ausgehend von einer bestimmten Aufenthaltsdauer schematisierend eine Anspruch auf die Erteilung eines Anwesenheitsrechts begründende Verwurzelung in den hiesigen Verhältnissen anzunehmen (BGE 130 II 281 E. 3.2.1 S. 286 mit Hinweis auf das Urteil 2A.471/2001 vom 29. Januar 2002 E. 2b/ee). Bei der Frage, ob der bisherige Aufenthalt in der Schweiz in den Schutzbereich des Privatlebens im Sinn von Art. 8 Ziff. 1 EMRK fällt, ist vielmehr bei Ausländern, die im Erwachsenenalter in die Schweiz gekommen sind, ausschlaggebend, ob und wie die betroffene Person hier qualitativ integriert erscheint (Urteile 2C_136/2017 vom 20. November 2017 E. 1.1 und 1.3 sowie 2C_42/2011 vom 23. August 2012 E. 1). Praxisgemäss bedarf es dabei besonders intensiver, über eine normale Integration hinausgehender privater Bindungen gesellschaftlicher oder beruflicher Natur bzw. entsprechender vertiefter sozialer Beziehungen zum ausserfamiliären bzw. ausserhäuslichen Bereich (BGE 130 II 281 E. 3.2.1 S. 286 mit Hinweis auf BGE 126 II 425 E. 4c/aa S. 432). Eine solche Verwurzelung ist vorliegend aufgrund der langjährigen Anwesenheit des Beschwerdeführers sowie des Umstands nicht auszuschliessen, dass seine drei Kinder hier aufgewachsen sind (vgl. BGE 131 II 339 E. 5 S. 350; 129 II 11 E. 2 S. 14; BESSON/KLEBER, in: Nguyen/Amarelle [Hrsg.], Code annoté de droit des migrations, Volume I: Droits humains, Bern 2014, N. 23 zu Art. 8 EMRK). Es liegt somit ein Anwesenheitsrecht vor, welches gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK potentiell auf einem Bewilligungsanspruch beruht. Ob durch die angefochtene aufenthaltsbeendende Massnahme der entsprechende Anspruch verletzt wird, ist keine Frage des Eintretens, sondern eine solche der materiellen Beurteilung (BGE 136 II 177 E. 1.1 S. 179).