Citation: 8C_599/2017 E. 3.3

3.3. In den Berichten des RAD werden triftige Gründe genannt, die die Schlüssigkeit und Beweiskraft des Gerichtsgutachtens des Dr. med. C.________ in Frage zu stellen vermögen, indem der Psychiater med. pract. E.________ im Bericht vom 26. August 2016 zusammenfassend ausführte, dass sich das Gutachten in der versicherungspsychatrischen Gesamtschau in der Bewertung der biografischen Fakten unausgewogen, in der Darstellung des positiven Funktionsbildes als unvollständig und bei den psychosozialen Belastungen als undifferenziert erweise. Die daraufhin gerichtlich gestellten Ergänzungsfragen beantwortete der Experte am 14. Februar 2017, ohne dass er die bestehenden Unklarheiten ausräumen konnte, wie sich aus den Feststellungen der Vorinstanz ergibt. Sie erwog, der Gutachter habe offensichtlich die Lebensgeschichte und Fakten selektiv, mit Blick auf deren Eignung, die gestellte Diagnose zu belegen, angeführt. Die vom RAD-Arzt vorgenommene entgegengesetzte Würdigung sei von mindestens ebenbürtiger Plausibilität. Gleiches gelte für die Frage, ob die nach dem Arbeitskonflikt unternommenen Reisen als Fluchtreaktion und pathologisches Vermeidungsverhalten die Beurteilung des Gutachters bestätigten, oder ob sie nicht eher auf ein ausserhalb des Erwerbsbereichs unter Beweis gestelltes beachtliches positives Funktionsniveau schliessen liessen. Auch sei die ärztliche Kritik des RAD zutreffend, es würden im Gutachten detaillierte Angaben zum Tagesverlauf fehlen, wobei bemerkenswert sei, dass die Versicherte selbst nicht auf das später die Diagnose beherrschende Thema Angst zu sprechen gekommen sei, die auch vorgängig in den medizinischen Berichten und Gutachten nicht erwähnt worden sei. Angaben bezüglich Familienanamnese, Beziehungsfrage, Freizeit/Hobbies sowie medizinische Massnahmen fänden sich verstreut und unter anderen Titeln oder als beiläufige Bemerkung und seien in diesem Sinne nur indirekt abgehandelt worden. Mit der RAD-Ärztin Dr. med. F.________ fehlten Aussagen über Wohn- und finanzielle Verhältnisse, Beziehungsnetz/-gestaltung, Ressourcen/Stärken, krankheitsspezifische Faktoren (Aggravation, Selbstlimitierung) und über das Belastungsprofil. Des Weiteren ergibt sich aus den vorinstanzlichen Erwägungen, dass auch die diagnostischen Überlegungen des Dr. med. C.________ zumindest insoweit nicht nachvollziehbar sind, als er zum Schluss gelangte, dass aufgrund des hohen Funktionsniveaus vor der Dekompensation keine Persönlichkeitsstörung vorgelegen haben könne, es sich aber de facto um eine Störung aus dem Persönlichkeitsbereich handle, was aber gemäss ICD-10-Klassifikationssystem "nicht direkt" kodiert werden könne, weshalb "gleichsam eine Übersetzung" der Diagnose notwendig sei. Dass dieser Argumentation nicht gefolgt werden kann, legte Frau Dr. med. F.________ schlüssig dar, da das ICD-10-Klassifikationssystem entweder eine Persönlichkeitsstörung oder aber akzentuierte Persönlichkeitszüge kenne. Diese in wesentlichen Teilen nicht nachvollziehbaren Feststellungen im Gerichtsgutachten sind bedeutsam für die rechtliche Würdigung der fachärztlichen Einschätzung einer psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von 100 % nach Massgabe von BGE 141 V 281. Auf ein nicht schlüssiges Gerichtsgutachten darf das Gericht in seiner Beweiswürdigung nicht abstellen. Hier liegen gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien vor, die die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern. Es ist willkürlich, wenn das Gericht der Expertise weder in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt noch hinsichtlich der daraus abgeleiteten Arbeitsunfähigkeit folgt, aber einzelne Feststellungen im Gutachten heranzieht, um hieraus eigene Schlussfolgerungen zu ziehen und sich somit dennoch in rechtserheblicher Weise auf die Darlegungen im Gutachten abstützt, um einen invalidisierenden Gesundheitsschaden zu verneinen (vgl. BGE 129 I 49 E. 4 S. 57 f.). Die Expertise erlaubt es aufgrund der aufgezeigten Mängel nicht, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der Versicherten aus rechtlicher Sicht einzuschätzen. Bei dieser Sach- und Rechtslage wäre das kantonale Gericht vielmehr gehalten gewesen, in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes, ein neues psychiatrisches Gerichtsgutachten einzuholen, das sich zu den psychischen Leiden der Versicherten und deren funktionellen Auswirkungen nach den Vorgaben von BGE 141 V 281 äussert (vgl. dazu die erwähnten Urteile 8C_130/2017 und 8C_841/2016 vom 30. November 2017). Beweislosigkeit liegt namentlich erst dann vor, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes anhand einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221; 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweis). Bei der gegebenen Aktenlage kann nicht gesagt werden, es seien bereits alle Möglichkeiten fachgerechter Exploration ausgeschöpft worden (vgl. BGE 140 V 290 E. 4.1 S. 296). Die Sache ist demnach zur Ergänzung des Sachverhalts im Sinne des soeben Dargelegten und zu neuem Entscheid über die Beschwerde an die Vorinstanz zurückzuweisen.