Citation: 6B_43/2024 E. 4.5

4.5. Insgesamt und damit angesichts der Schwere der begangenen Straftat, der sich darin manifestierenden Gefährlichkeit des Beschwerdegegners und der gegebenen Rückfallgefahr muss auch künftig von einem erheblichen Risiko für die öffentliche Sicherheit ausgegangen werden. Daran vermag nichts zu ändern, dass er sich seit der Anlasstat wohl verhalten hat, zumal bei schweren Gewaltdelikten, wie dem vorliegenden, ein bereits relativ geringes Rückfallrisiko ausreicht, um das für eine Landesverweisung erforderliche öffentliche Interesse zu bejahen. Diesem öffentlichen Interesse stehen die (zum Teil) gewichtigen privaten Interessen des Beschwerdegegners an einem Verbleib in der Schweiz gegenüber. Mithin geht die Vorinstanz "aufgrund von starken Bindungen zur Schweiz" von einem schweren persönlichen Härtefall aus. Konkret berücksichtigt die Vorinstanz, dass der Beschwerdegegner die besonders prägenden Kindheits- und Jugendjahre in der Schweiz verbracht und hier sämtliche obligatorischen Schulen durchlaufen hat; damit einhergehend, dass sein gesamtes persönliches Umfeld, mithin auch seine Eltern und vier Geschwister hier lebten. Indes ergibt sich weder aus den erst- noch den zweitinstanzlichen Feststellungen, dass der Beschwerdegegner in der Schweiz familiäre Beziehungen pflegt, die in den Schutzbereich des in Art. 8 Ziff. 1 EMRK verkankerten Rechts auf Achtung des Familienlebens fallen, er namentlich (finanziell) von seinen Eltern abhängig wäre (vgl. hierzu Urteil 6B_1050/2022 vom 12. Juni 2024 E. 1.5) oder aber sonst speziell enge familiäre Bande bestehen (vgl. oben E. 3.3.2); dasselbe gilt für in der Schweiz gepflegte und über eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur. Entsprechend ergibt sich sein gewichtiges privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz weitestgehend aus seinem langen Aufenthalt respektive seiner in der Schweiz erfolgten Sozialisation. Bei der vorzunehmenden Interessenabwägung ist überdies zu berücksichtigen, dass der kinderlose Beschwerdegegner nebst (Schweizer-) Deutsch auch die albanische Sprache in Wort und Schrift fliessend beherrscht und Verwandte in seinem Heimatort Z.________ leben (vgl. oben E. 4.2.1 f.). Aus dem vorinstanzlichen Protokoll ergibt sich überdies, dass sein Vater dort ein Haus besitzt, er "aus dem Umkreis des Dorfes ein paar Leute" kennt und dort bzw. im Kosovo regelmässig mit seiner Familie die Ferien verbringt (Prot. S. 26 f.). Damit scheint eine soziale Integration in seinem Heimatland möglich und zumutbar, auch wenn dies wegen allenfalls kaum vorhandener (naher) sozialer Bindungen mit einigen Herausforderungen verbunden sein sollte. Nichts anderes gilt für eine (stabile) berufliche und wirtschaftliche Integration im Kosovo. An einer solchen mangelt es bis dato, weshalb die diesbezüglichen Erfolgsaussichten zumindest nicht schlechter sind als in der Schweiz. Im Ergebnis vermag die Gesamtwürdigung der Umstände, die das private Interesse des Beschwerdegegners an einem Verbleib in der Schweiz betreffen, das von ihm ausgehende, erhebliche Risiko für die öffentliche Sicherheit und damit das öffentliche Interesse an seiner Landesverweisung nicht aufzuwiegen. Vielmehr überwiegt das öffentliche Interesse. Folglich fällt die Interessenabwägung der Vorinstanz zu Unrecht zu seinen Gunsten aus und verletzt Bundesrecht. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als begründet.