Citation: 4P.188/2003 16.12.2003 E. 3

Zum Anspruch auf rechtliches Gehör gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 127 I 54 E. 2b S. 56; 124 I 241 E. 2 S. 242). Das Recht auf Beweis hindert freilich das Gericht nicht daran, die Beweise antizipiert zu würdigen, wenn es zum Schluss kommt, dass weitere Beweismassnahmen an seinem Urteil nichts zu ändern vermöchten, weil die entsprechenden Beweisanträge offensichtlich untauglich sind oder eine rechtsunerhebliche Tatsache betreffen oder weil das Gericht aufgrund der bereits abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und willkürfrei davon ausgehen darf, diese würde durch weitere Beweiserhebungen nicht erschüttert (BGE 129 I 151 E. 4.2; 124 I 208 E. 4a; 122 II 464 E. 4a S. 469). Willkürlich im Sinne von Art. 9 BV ist dabei ein Entscheid nicht schon dann, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst dann, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt zudem nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 129 I 8 E. 2.1; 127 I 38 E. 2a S. 41, 54 E. 2b S. 56). Eine Beweiswürdigung ist insbesondere dann willkürlich, wenn sie einseitig einzelne Beweise berücksichtigt (BGE 118 Ia 28 E. 1b S. 30) oder auf eine nicht schlüssige Expertise abstellt bzw. auf gebotene zusätzliche Beweismittel verzichtet (BGE 118 Ia 144 E. 1c S. 146). 3.1 Das Obergericht lehnte weitere Beweismassnahmen zur Behauptung der Beschwerdeführerin ab, der Beschwerdegegner habe Geschäftsakten der Gesellschaftsgruppe behändigt und in der Folge nicht mehr zurückgegeben. Es erachtete die Behauptung für die Beurteilung des eingeklagten Schadens wegen Mehraufwands für die Buchhaltung als unerheblich, nachdem insofern ein Schaden nicht nachgewiesen sei. Im Übrigen stellte das Gericht fest, die Zeuginnen U.________ und V.________ hätten die entsprechende Behauptung nicht bestätigt und aus den aufgelegten Urkunden ergebe sich nur die Aufforderung des Hauptaktionärs der Beschwerdeführerin zur Rückgabe. Soweit die Beschwerdeführerin sich überdies auf Akten aus einem in Deutschland gegen ihren Hauptaktionär geführten Strafverfahren berufe, wäre ihr möglich gewesen und daher auch oblegen, diese zu beschaffen und einzulegen. Schliesslich habe das Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug in seiner Einstellungsverfügung nicht festgestellt, dass der Beschwerdegegner noch über Akten verfüge. Die Beschwerdeführerin behauptet zwar, die angebliche Entfernung der Akten sei auch für die Beweisvereitelung hinsichtlich weiterer rechtserheblicher Tatsachen als bloss für den Schaden wegen Mehraufwands bei der Buchhaltung massgebend. Ihrer Begründung ist jedoch nicht zu entnehmen, wofür sonst die behauptete und zum Beweis verstellte Nichtrückgabe bestimmter Akten nach ihren prozesskonformen Vorbringen hätte erheblich sein können und bezüglich welcher Behauptungen diese zu einer Beweislastumkehr hätte führen müssen. Soweit die Erheblichkeit von Vorbringen in der vorliegenden berufungsfähigen Streitsache überhaupt geprüft werden könnte, entbehrt die Rüge von vornherein der gehörigen Begründung (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). 3.2 Das Obergericht erachtete die Aussagen der Zeuginnen U.________ und V.________ als glaubwürdig und zu gewissen Beweisthemen nicht als widersprüchlich. Die Beschwerdeführerin beanstandet den Schluss auf Glaubwürdigkeit der Zeugin U.________, weil diese angeblich widersprüchliche Aussagen in Zusammenhang mit Lohnzahlungen gemacht habe. Gegen die angenommene Glaubwürdigkeit der Zeugin V.________, bringt sie vor, der Beschwerdegegner habe diese - vor Erhalt ihrer Zeugenvorladung - kontaktiert, und die Zeugin habe nur diejenigen Fragen klar beantwortet, die der Verbesserung der Stellung des Beschwerdegegners gedient hätten. Das Obergericht hat sich mit diesen Argumenten entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin nicht nur ausdrücklich auseinander gesetzt, sondern diese auch willkürfrei verworfen. Es kann insofern auf die Erwägungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden. Das Gericht hat dargelegt, beide Zeuginnen hätten ausgesagt, dass der Beschwerdegegner ohne Absprache mit B.________ nichts aus eigener Initiative unternommen habe. Dass das Gericht in der Aussage der Zeugin U.________, wonach der Beschwerdegegner bei der Umsetzung der Projekte auch eigene Ideen eingebracht hatte, keine dazu widersprüchliche Aussage sah, ist sachlich ohne weiteres nachvollziehbar und jedenfalls nicht willkürlich. Dies zumal die Zeugin auch ausdrücklich erklärt hatte, der Beschwerdegegner habe nicht eigenmächtig gehandelt, was zwanglos so zu verstehen ist, dass er nichts ohne Wissen des an den Gesellschaften der Y.________-Gruppe wirtschaftlich Berechtigten tat. Die Aussagen der beiden Zeuginnen lassen sich ohne Willkür als nicht widersprüchlich, sondern bloss als in ihrer Bestimmtheit unterschiedlich interpretieren. Dies gilt auch für die Aussage der Zeugin V.________ zum Zustand der Buchhaltung. Die Beschwerdeführerin verkennt mit ihrer - weitgehend appellatorischen - Rüge die Tragweite des Willkürverbotes. 3.3 Das Obergericht hat die Beweise - insbesondere die Aussagen der Zeuginnen U.________ und V.________ - nicht willkürlich gewürdigt, wenn es daraus die im angefochtenen Entscheid dargestellten Schlüsse zog. Ebenso wenig hat es Beweise willkürlich antizipiert gewürdigt, indem es weitere beantragte Zeugen nicht einvernahm. Soweit die Beschwerde den Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG überhaupt genügt, ist sie unbegründet.