Citation: 6P.163/2004 03.05.2005 E. 12

Der angefochtene Entscheid verletzt Bundesrecht nicht. Gemäss dem Lawinenbulletin vom 20. Februar 2000, 17.00 Uhr, des EISLF herrschte erhebliche Lawinengefahr, und die Gefahrenstellen befanden sich an Steilhängen sämtlicher Expositionen oberhalb von rund 2000 m. Unter anderem hielt das Bulletin fest, dass die Belastung eines Wintersportlers genügen könnte, um eine Lawine auszulösen. Touren und Abfahrten ausserhalb gesicherter Pisten würden Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr voraussetzen und seien zurückhaltend vorzunehmen. Dem Lawinenbulletin konnte insbesondere entnommen werden, dass an Kammlagen umfangreiche Triebschneeansammlungen entstanden waren. Nach der europäischen Lawinengefahrenskala, auf welche sich die Lawinendienste der Alpenländer im April 1993 geeinigt haben, ist bei erheblicher Lawinengefahr Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich, und Steilhänge der angegebenen Exposition und Höhenlage sind möglichst zu vermeiden (vgl. Hans-Kaspar Stiffler, Schweizerisches Schneesportrecht, Bern 2002, S. 101). Der Beschwerdeführer und seine Gruppe konsultierten weder das Lawinenbulletin noch verfügten sie über Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr. Zudem missachteten sie die von den Bergbahnbetreibern mittels Tafeln etc. angebrachten Warnhinweise. Die vom Beschwerdeführer gewählte Abfahrtsroute betraf mit dem Ausgangspunkt auf dem Mittelgrat einen Steilhang von 38 %, der überdies nach Nordosten ausgerichtet war und daher namentlich nach Schneefällen als besonders gefährlich einzustufen ist. Indem der Beschwerdeführer das Lawinenbulletin bzw. die Warnhinweise ignorierte und in diesen Hang hineinfuhr, missachtete er die gestützt auf die massgebenden Verhaltensregeln der Lawinenkunde gebotene Sorgfalt. Wie das Kantonsgericht zutreffend und ausführlich darlegt, wäre für den Beschwerdeführer bei pflichtgemässer Vorsicht die mögliche Folge seines Tuns voraussehbar gewesen. Es kann darauf verwiesen werden. Dadurch hätte sich der Lawinenniedergang mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ereignet und der Tod der Skitouristen wäre vermieden worden. Die Rügen des Beschwerdeführers sind unbegründet. Das Argument, selbst K.________, habe anlässlich der Untersuchung ausgesagt, er sei vom weiten Vordringen der Lawine überrascht gewesen, ändert nichts an der Verletzung der Sorgfaltspflicht. Soweit der Beschwerdeführer damit implizit die Voraussehbarkeit bestreitet, kann er aus den genannten Aussagen nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die entsprechende Einvernahme diente der Abklärung einer allfälligen strafrechtlichen Verantwortlichkeit von K.________ und betraf zudem das ausserordentliche Ausmass der Lawine, die im weiteren Verlauf die Skipiste verschüttete. Auch der Einwand, das Risiko, dass erst der dritte Fahrer eines zuvor unverspurten Hanges eine Lawine auslöst, belaufe sich auf lediglich 10%, hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Bewertung seines Verhaltens. Es ändert weder etwas in Bezug auf die Missachtung der Sorgfaltspflichten noch lässt es eine Lawinenauslösung als derart unwahrscheinlich erscheinen, dass die Vorhersehbarkeit fraglich erschiene. Ähnliches gilt hinsichtlich der angeführten Erwägung aus dem kantonsgerichtlichen Entscheid betreffend Einstellung des Strafverfahrens gegen K.________, wonach es ein Zufall gewesen sei, dass die Lawine gerade bei der Abfahrt des dritten Teilnehmers der Gruppe ausgelöst wurde. Dieser Entscheid betraf die allfällige strafrechtliche Verantwortlichkeit von K.________ und beurteilte die Frage der Vorhersehbarkeit entsprechend aus dessen Perspektive. Das Gericht kam zum Ergebnis, dass es für K.________ nicht vorhersehbar gewesen sei, dass Schneesportler von diesem schwer zugänglichen Ort aus in diesen Hang hineinfahren würden. Dabei hielt es in Klammern fest, es sei ein Zufall gewesen, dass die Lawine gerade bei der Abfahrt des dritten Fahrers ausgelöst worden sei. Aus der gewählten Formulierung geht eindeutig hervor, dass mit "Zufall" lediglich gemeint war, dass genauso gut die übrigen Fahrer die Lawine hätten auslösen können. Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt abzuweisen.