Citation: I 175/00 02.07.2003 E. 3

3.1 Wie aus den Akten hervorgeht, ist J.________ erstmals im September 1997 auffällig geworden, nachdem sie im August 1997 von der Rudolf Steiner-Schule in ein öffentliches Gymnasium gewechselt hatte. Von den verschiedenen Berichten der behandelnden Ärztin Dr. med. C.________ enthält nur derjenige vom 17. Dezember 1998 eine Diagnose, die eine "Borderline-Persönlichkeitsstörung sehr wahrscheinlich auf dem Boden eines frühkindlichen POS mit Impulsdurchbrüchen und zeitweise selbstschädigendem Verhalten" festhält. Mit dem Hinweis, dass ein frühkindliches POS heute ein anerkanntes Geburtsgebrechen gemäss GgV sei, geht die Vorinstanz ohne weiteres davon aus, dass die Versicherte an einem Geburtsgebrechen leide und dass ihr Verhalten auf ein klar diagnostiziertes Krankheitsbild zurückzuführen sei. Ein POS ist als Geburtsgebrechen jedoch nur anerkannt, wenn es mit bereits gestellter Diagnose als solches vor Vollendung des 9. Altersjahres behandelt worden ist (Ziff. 404 GgV-Anhang). Dass bei der Versicherten damals ein POS diagnostiziert und behandelt worden wäre, ist jedoch nirgends ausgewiesen und wird auch nicht behauptet, erfolgte die IV-Anmeldung doch erstmals im November 1998. 3.2 Zur Borderline-Diagnose macht der Beschwerdeführer geltend, die Bezeichnung dieser Gesundheitsstörung werde uneinheitlich gebraucht. Insbesondere im Jugendalter sollte bei der Diagnosestellung Zurückhaltung geübt werden, dies weil einerseits die Abgrenzung gegenüber noch normalen Variationen der Entwicklung in der Adoleszenz schwierig sei und andererseits definitorische Überlappungen mit Teilelementen anderer Persönlichkeitsstörungen vorliegen würden. Hinsichtlich dieses Leidens liegen in den Akten nur Unterlagen der behandelnden Ärztin vor, wobei Dr. med. C.________ im Bericht vom 17. Dezember 1998 eine Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert hat. Grundsätzlich verlangt die in Art. 16 IVG vorausgesetzte Invalidität nicht, dass das hier geltend gemachte Borderline-Syndrom die Folge eines Geburtsgebrechens sein muss (vgl. Art. 4 IVG in der bis Ende 2002 gültig gewesenen Fassung), weshalb nicht entscheidend sein kann, dass bei J.________ vor Vollendung des 9. Altersjahrs kein POS im Sinne von Ziff. 404 GgV-Anhang diagnostiziert und behandelt wurde. Angesichts der vom BSV geäusserten Bedenken bezüglich der Bezeichnung der Borderline-Persönlichkeitsstörung und der Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber anderen Entwicklungen sowie im Hinblick auf die Rechtsprechung zum Beweiswert von Hausarztberichten (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen) ist die Frage, ob bei J.________ ein IV-relevanter Gesundheitsschaden vorlag, jedoch nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Daher erweist sich die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur Vornahme einer neutralen medizinischen Begutachtung, welche sich hauptsächlich mit der Frage der Borderline-Persönlichkeitsstörung zu befassen haben wird, als unerlässlich. 3.3 Bei ihrem neuen Entscheid wird sich die IV-Stelle zudem zur Frage zu äussern haben, ob der Besuch am Gymnasiums Y.________ dem Gebot der Einfachheit, Zweckmässigkeit und Geeignetheit einer beruflichen Massnahme nach Art. 16 IVG entspricht (BGE 124 V 110 Erw. 2a mit Hinweisen).