Citation: 1C_173/2020 E. 6.5

6.5. Dass das Verwaltungsgericht nicht von Gutgläubigkeit ausging, ist nicht zu beanstanden. Der Beschwerdegegner kannte die Gestaltungsrichtlinien und reichte ein Baugesuch ein, dessen Fenster ihnen entsprach. Er hätte wissen müssen, dass er ohne neues Baugesuch nicht von den bewilligten Plänen hätte abweichen dürfen (Urteil 1C_204/2019 vom 8. April 2020 E. 4.3 mit Hinweis). Selbst wenn zutreffen sollte, dass der damalige Landammann eine Auskunft gab, wonach Fenster mit ortsüblichen "Detaillösungen" und Grössen kein Problem darstellen würden, musste der Beschwerdegegner die Fehlerhaftigkeit dieser Auskunft erkennen. Zudem soll der Landammann auch nach der Darstellung des Beschwerdegegners die Erforderlichkeit eines weiteren Gesuchs bzw. einer Revisionseingabe erwähnt haben. Ein öffentliches Interesse an der Wiederherstellung und die Eignung der Wiederherstellungsanordnung bejaht im Grundsatz auch das Verwaltungsgericht. Allerdings verneint es die Erforderlichkeit und Zumutbarkeit der Anordnung, indem es erwägt, dass eine Wiederherstellung bereits aus ästhetischer Hinsicht nicht notwendig sei. Wenn es sich dafür unter anderem auf einen Vergleich mit den alten Alphütten stützt, lässt es jedoch das Konzept, das den Gestaltungsrichtlinien zugrunde liegt, ausser Acht. Gemäss diesem Konzept sollten die Maiensässe (Alphütten) zum Teil neu ausgerichtet und mit vorgeschriebenen Gestaltungselementen sollte ein Kontrast zwischen neu und alt geschaffen werden. Der Gemeindevertreter legte dies im Übrigen auch am Augenschein dar. Bezweckten die Gestaltungsrichtlinien einen erkennbaren Unterschied zu den älteren, vom Brand verschonten Alphütten, kann eine Abweichung von den Gestaltungsrichtlinien jedoch nicht damit gerechtfertigt werden, die betreffenden Gestaltungselemente bestünden bereits bei diesen alten Alphütten. Angesichts der Bösgläubigkeit des Beschwerdegegners ist der Durchsetzung der Gestaltungsrichtlinien ein erhöhtes Gewicht beizumessen. Diesen Umstand hat das Verwaltungsgericht im Rahmen der Beurteilung der Zumutbarkeit der Wiederherstellung unberücksichtigt gelassen. Die finanziellen Einbussen, die der Beschwerdegegner dadurch erleidet, dass er die Fensteröffnungen an das zulässige Mass anpassen muss, fallen dadurch weniger ins Gewicht. Ist es dem Beschwerdegegner zudem erlaubt, die Öffnungen durch den Einbau eines Balkens (statt etwa eine Ergänzung der einzelnen Kanthölzer) anzupassen, so ist ihm die Wiederherstellung umso eher zumutbar, auch wenn diese Variante weniger ästhetisch ist. Die Gemeinde misst der Beachtung der Vorschriften der Gestaltungsrichtlinien zu den Fenstern insofern ein grösseres Gewicht bei. Die Einschätzung der gestalterischen Einordnung gehört zum durch die Gemeindeautonomie gewährleisteten Beurteilungsspielraums und ist von der Rechtsmittelbehörde deshalb grundsätzlich zu respektieren (BGE 145 I 52 E. 3.6 S. 57 ff.; Urteil 1C_231/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 2.5; je mit Hinweisen). Zutreffend ist weiter die Kritik, dass der angefochtene Entscheid betreffend die Sprossen, die Eingangstür und den Keller keine Interessenabwägung enthält. Auch ist nicht erkennbar, weshalb ausschlaggebend sein sollte, dass der Keller keinen sehr grossen Komfortgewinn zur Folge habe. Dieses Argument spricht vielmehr dafür, dass das Interesse des Beschwerdegegners an der Nutzung des zusätzlich geschaffenen Raums gering ist. Schliesslich weist die Gemeinde zu Recht auch darauf hin, dass der Keller nicht vor dem Hintergrund der Gestaltungsrichtlinien, die dazu keine Vorschriften enthielten, sondern von Art. 31 Abs. 3 KRG zu beurteilen sei. Auch darauf geht das Verwaltungsgericht nicht ein. Die Begründung des angefochtenen Entscheids ist somit auch in Bezug auf die Frage der Vereinbarkeit der Wiederherstellungsanordnung mit der Eigentumsgarantie unzureichend begründet.