Citation: I 635/02 20.06.2003 E. 3

3.1 Die Vorinstanz hat ohne konkrete Prüfung aller Faktoren alleine aufgrund der Anzahl Kinder und deren Alter sowie des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin geschlossen, diese würde auch ohne Gesundheitsschädigung ausschliesslich im innerhäuslichen Bereich tätig sein. Es fragt sich, ob diese Beurteilung durch das kantonale Gericht nicht als geschlechterdiskriminierend im Sinne der Europäischen Menschenrechtskonvention (Art. 14 in Verbindung mit Art. 6 Ziff. 1 EMRK) zu qualifizieren ist. Danach liegt eine Ungleichbehandlung der Geschlechter vor, wenn eine Versicherte, die vor Eintritt der Invalidität erwerbstätig war, nach der Geburt des ersten (oder eines weiteren) Kindes neu als Hausfrau beurteilt wird mit der einzigen Begründung, dass nach der allgemeinen Lebenserfahrung zahlreiche Ehefrauen die Erwerbstätigkeit unterbrechen solange die Kinder der vollständigen Pflege und Erziehung bedürfen (vgl. Urteil S. g. die Schweiz vom 24. Juni 1993; PCour EDH, Série A, vol. 263). Vorliegend wird ausgeführt, die Beschwerdeführerin hätte mit der Geburt des dritten Kindes "erfahrungsgemäss" jegliche Erwerbstätigkeit eingestellt oder aus rechtlicher Sicht einstellen müssen. Jede weitere Tätigkeit hätte eine Überforderung dargestellt und wäre gesundheitsschädigend und aus rechtlicher Sicht unzumutbar gewesen. Da einem erwerbstätigen Mann mit drei Kindern kaum je nahegelegt wird, seine Erwerbstätigkeit zu reduzieren oder gar aufzugeben, damit er seine Kinder und seinen Haushalt nicht "im Stiche lässt", sind die vorinstanzlichen Erwägungen insoweit diskriminierend. 3.2 Die Vorinstanz hat aufgrund der Akten befunden, der medizinische Sachverhalt sei nicht genügend abgeklärt, worin ihr die Beschwerdeführerin zustimmt. Wenn deren Gesundheitszustand als krankhafte Überlastung zu qualifizieren ist - was gerade noch festgestellt werden muss - kann die Tatsache der Reduktion (per September 1998) und späteren Aufgabe der Erwerbstätigkeit (ab 1. Januar 1999) nur beim Invalideneinkommen und darf nicht bei der Entscheidung über die Statusfrage berücksichtigt werden. Da noch gar nicht feststeht, ob die gesundheitliche Problematik allein auf eine Überlastung zurückzuführen ist, kann auch nicht gesagt werden, eine Erwerbstätigkeit (im Gesundheitsfall) wäre rechtlich unzumutbar. Auch wenn von einer Überbeanspruchung der Beschwerdeführerin ausgegangen werden müsste, wäre es unzulässig, eine Entlastung einzig in der Reduktion oder gar Sistierung der Erwerbstätigkeit zu sehen. Eine solche könnte auch im Haushaltsbereich erfolgen, sei es, dass der Ehemann oder eine Drittperson vermehrt Betreuungsaufgaben übernähmen oder dass andere Lösungen (Kinderhort) getroffen würden. 3.3 Weder Verwaltung noch Vorinstanz haben Abklärungen in Bezug auf die Statusfrage getroffen. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin überhaupt arbeiten wollte. So ist unbekannt, ob die Reduktion der Erwerbstätigkeit auf 50 % im September 1998 - also nach der Geburt des dritten Kindes im Juni 1998 - unabhängig vom Gesundheitszustand vorgesehen war, oder ob tatsächlich einzig gesundheitliche Gründe dafür sprachen, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebracht wird. Die Sache ist demnach an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie neben den medizinischen Abklärungen, wie sie bereits im angefochtenen Entscheid festgelegt worden sind, auch in Bezug auf die Frage nach einer Erwerbstätigkeit und damit der Methode zur Bestimmung des Invaliditätsgrades genaue Sachverhaltsfeststellungen treffe. Die Beschwerdeführerin wird zu schildern haben, wie sie sich den Alltag als Gesunde vorstellte, welche Personen allenfalls zur Hilfe hätten beigezogen werden können, ob etwa ein Stellenwechsel (eventuell ohne Schichtarbeit etc.) oder andere Anpassung, ins Auge gefasst worden sind. Die Verwaltung wird unter anderem abzuklären haben, ob mit der Arbeitgeberin schon über eine Reduktion des Arbeitspensums gesprochen worden war, wie diese im September 1998 begründet wurde und ob der Ehemann der Beschwerdeführerin, welcher im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. med. C.________ offenbar arbeitslos war, wieder eine Arbeit gefunden hat. Es wäre wenig wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin ihre Erwerbstätigkeit aufgegeben hätte, wenn nicht mehr mit einem sicheren Familieneinkommen seitens des Ehemannes hätte gerechnet werden können. Die IV-Stelle wird je nach Resultat der Ermittlungen einen korrekten Einkommensvergleich und/oder eine Haushaltsabklärung durchführen, den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin berechnen und neu darüber zu verfügen haben.