Citation: 6B_788/2009 27.11.2009 E. 2

Die Beschwerdeführerin rügt eine falsche Anwendung von Art. 90 Ziff. 2 SVG. 2.1 Sie geht mit der Vorinstanz zutreffend davon aus, dass objektiv eine grobe Verkehrsregelverletzung vorliegt. Sie wendet ein, daraus dürfe nicht auf subjektive Grobfahrlässigkeit geschlossen werden. Die "Touchierung" sei auf eine momentane kurze Unachtsamkeit zurückzuführen. Ihre Aussage vor der Vorinstanz, "dass möglicherweise die breite A-Säule den kurzen Blick auf den Fussgänger verstellt habe", sei kein Rechtfertigungsversuch, sondern eine simple Erklärung, weshalb es zu dem Unfall gekommen sein könnte. Auch aus der vorinstanzlichen Annahme, sie sei möglicherweise wegen eines Termins zu sehr in Eile gewesen, lasse sich keine grobe Sorgfaltspflichtverletzung konstruieren. 2.2 Vor Fussgängerstreifen hat der Fahrzeugführer besonders vorsichtig zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgängern den Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Streifen befinden oder im Begriffe sind, ihn zu betreten (Art. 33 Abs. 2 SVG). Dies ist eine zentrale Verkehrsregel, deren Missachtung regelmässig zu schweren Unfällen führt (Urteil 6S.265/2005 vom 1. Dezember 2005 E. 2.3). 2.3 Den Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG erfüllt, wer eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet (BGE 131 IV 133 E. 3.2). Subjektiv ist rücksichtsloses Verhalten erforderlich, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit. Diese ist bei unbewusst fahrlässigem Verhalten zu bejahen, wenn das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht. Diese kann auch in einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen (BGE 131 IV 133 E. 3.2). Dabei darf nicht einfach aus dem objektiven Tatbestand auf die Erfüllung des subjektiven geschlossen werden. Dies ist aufgrund der gesamten Umständen zu ermitteln. Je schwerer die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto eher ist Rücksichtslosigkeit anzunehmen (Urteil 6S.11/2002 vom 20. März 2002 E. 3a; Urteil 6S.228/1994 vom 6. Juni 1994 E. 2). Das rücksichtslose Verhalten liegt in diesem Fall nicht in einem "Sich-Hinwegsetzen" über fremde Interessen, sondern im blossen Nichtbedenken fremder Interessen (Urteil 6S.56/1994 vom 11. April 1994 E. 2b). 2.4 Auch die Beschwerdeführerin geht von einer "momentanen kurzen Unachtsamkeit" aus. Sie weist zudem darauf hin, dass die verdeckte Sicht die "simple Erklärung" für den Unfall sein könnte. Dieser Bau des Fahrzeugs ("breite A-Säule") musste ihr bewusst sein. Sie hatte sich so zu verhalten, dass ihre Sicht dennoch gewährleistet war. Jedes andere Verhalten erschiene als grobfahrlässig, weil elementare Sorgfaltspflichten vernachlässigt würden. Genau dieser Sachverhalt liegt vor. Wegen Unachtsamkeit vergewisserte sie sich nicht, ob sich im verdeckten Blickwinkel ein Fussgänger näherte. Sie fuhr insoweit blind los, obwohl Fussgänger passierten. Sie übersah den sich korrekt verhaltenden Fussgänger (vgl. Urteil 6S.387/2005 vom 13. Januar 2006 E. 3.3). Diese elementare Vorsichtswidrigkeit ist als grobfahrlässig zu qualifizieren. Die Beschwerde ist unbegründet.