Citation: I 836/04 19.08.2005 E. 2.2

2.2.1 Die Versicherte macht geltend, angesichts ihrer familiären Situation - sie lebt seit September 2002 von ihrem Ehemann getrennt, die beiden erwachsenen Kinder sind aus dem Elternhaus ausgezogen - wäre sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigung vollumfänglich erwerbstätig, weil sie sich spätestens seit der Trennung gezwungen gesehen hätte, überwiegend selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen. Nach der Trennungsvereinbarung vom 7./10. November 2002 ist der Ehemann der Beschwerdeführerin verpflichtet, dieser monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 3659.- zu bezahlen. Dieser Betrag wird, entsprechend der geltenden Rechtslage (Art. 179 Abs. 1 ZGB), bei Änderung der Verhältnisse jeweils angepasst. Im Gegensatz zur Regelung des nachehelichen Unterhalts (Art. 125 ZGB) bleibt es im Rahmen der Regelung des Getrenntlebens grundsätzlich zwar bei der bisherigen Aufgabenteilung, wenn mit dem Erwerbseinkommen der Ehegatten nach der bisherigen Ordnung die Kosten beider Haushalte gedeckt werden können; es soll nicht bereits auf der Stufe des Getrenntlebens eine neue Aufgabenteilung präjudiziert werden (Ivo Schwander, Basler Kommentar zum ZGB, 2. Aufl. 2002, Art. 176 Rz 3 f.). Im vorliegenden Fall besteht aber Einigkeit, dass die Versicherte zwecks Erhaltung des Lebensstandards eine Erwerbstätigkeit mit erheblichem Umfang aufgenommen hätte. Auch unter dem Aspekt der absehbaren Möglichkeit einer Scheidung erscheint es nachvollziehbar, dass sie im Gesundheitsfall versucht hätte, sich im Hinblick auf die dannzumal im Rahmen des Zumutbaren einforderbare Ausschöpfung der Eigenversorgungskapazität (vgl. Art. 125 ZGB) - dies nicht zuletzt in Anbetracht ihres Alters von 50 Jahren - rechtzeitig im Arbeitsmarkt zu etablieren; dabei entsprechen die angebotenen Stellen mehrheitlich einer Vollzeitbeschäftigung. Die Annahme, dass die Beschwerdeführerin das grösstmögliche Arbeitspensum versehen würde, erscheint auch mit Blick auf den verhältnismässig tiefen Lohnansatz plausibel; das kantonale Gericht hat, umgerechnet auf einen Erwerbsgrad von 100 Prozent, ein Valideneinkommen von lediglich rund Fr. 3900.- ermittelt. Nach dem Gesagten besteht vorliegend eine andere Ausgangslage als im Urteil S. vom 13. Juni 2005 (I 200/05), wo ausgeführt wurde, für eine Ausdehnung der Erwerbstätigkeit nach der Trennung hätte auch im Gesundheitsfall keine wirtschaftliche Notwendigkeit vorgelegen, während für eine unabhängig davon gegebene diesbezügliche Absicht keine hinreichenden Anhaltspunkte bestünden (Erw. 2.2). 2.2.2 Zu prüfen bleibt, ob die weiteren Lebensumstände eine abweichende Annahme rechtfertigen. Die Vorinstanzen unterstellten, die Versicherte hätte die Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zugunsten einer Tätigkeit im Haushalt auf 80 Prozent beschränkt. Einschlägige Indizien finden sich indes nicht: Die Beschwerdeführerin bewohnt nach der Trennung eine Zweizimmerwohnung. Sie pflegt nur Hobbies, die auch im Rahmen der üblichen Freizeit ausgeübt werden könnten, also keinen zusätzlichen Zeitbedarf bedingen. Der Umstand, dass ihr das Erwachsenwerden und die damit verbundene Ablösung der beiden Kinder etwelche Mühe bereitete (vgl. den Bericht des Psychiatriezentrums X.________ vom 24. April 2002), spricht im Übrigen eher gegen die Wahl eines reduzierten Arbeitspensums, ebenso das Fehlen anderweitiger Betreuungspflichten oder etwa von ehrenamtlichen Tätigkeiten. Nachdem die Beschwerdeführerin aus der gemeinsamen Eigentumswohnung ausgezogen ist, bildet auch die seit 1996 wahrgenommene Verwaltung der Stockwerkeigentümergemeinschaft kein Indiz für eine - hypothetisch - reduzierte Erwerbstätigkeit mehr. 2.2.3 Die Vorinstanzen stellen massgeblich auf - divergierende - Aussagen der Versicherten zum hier strittigen Punkt ab. Diese vermögen die aus den objektiven Gegebenheiten fliessende Schlussfolgerung, die Beschwerdeführerin sei ohne gesundheitliche Beeinträchtigung vollumfänglich erwerbstätig, nicht zu entkräften. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe bei der Befragung durch die Abklärungspersonen der IV am 11. März 2004 zunächst davon gesprochen, sie würde bei guter Gesundheit zu 100 Prozent arbeiten und erst danach, quasi auf entsprechende Suggestivfrage hin, einen hypothetischen Beschäftigungsgrad von 80 Prozent angegeben. Diese Darstellung bleibt als solche unwidersprochen; in einem internen Papier vom 18. Mai 2004 führt der Abklärungsdienst lediglich in allgemeiner Weise aus, angesichts der persönlichen, wirtschaftlichen und familiären Umstände sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Versicherte ohne gesundheitliche Einschränkung ein volles Arbeitspensum versehen würde. Davon kann, wie die vorstehenden Erwägungen zeigen, gerade nicht ausgegangen werden. Zudem gewinnt die Darstellung an Glaubwürdigkeit, weil sie bereits in der Einsprache der (damals ohne Rechtsbeistand handelnden) Versicherten zum Ausdruck kam. Das kantonale Gericht wiederum verweist auf eine Auskunft der Versicherten, welche die schriftliche Frage der IV-Stelle, wie viele Wochenstunden sie bei guter Gesundheit einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen würde, im Februar 2003 mit "Voraussetzung: 'ruhige Stelle 50 %'" beantwortet hatte. Diese Formulierung zeigt, dass die Beschwerdeführerin die hypothetische Frage entweder nicht richtig er-fasst hatte oder nicht genügend von ihrer tatsächlichen und aktuellen Befindlichkeit abstrahieren konnte. Insgesamt legen es die Äusserungen der Versicherten nicht nahe, von der Schlussfolgerung abzugehen, wie sie sich aus den objektiven Umständen ergibt (Erw. 2.2.2 hievor).