Citation: 2C_1009/2019 E. 2.2.3

2.2.3. Die Hypothese 2, die vorliegend im Brennpunkt steht, erfuhr mithin eine abschliessende Regelung, hielt das Bundesgericht doch fest: "... In einem solchen Fall rechtfertigt sich eine Gleichstellung mit Schuldzinsen nicht, da der Darlehensgeber nicht mehr derselbe ist und deshalb nicht gesagt werden kann, die Entschädigung habe innerhalb des weiter bestehenden, gleichen Schuldverhältnisses primär Entgelt-Charakter" (BGE 143 II 382 E. 5.3.2 S. 394). Die gegenteilige Ansicht der Steuerpflichtigen erweist sich als grundlos. Missverständlich kann immerhin erscheinen, dass BGE 143 II 396 E. 2.3 S. 399 sich auf eine Anmerkung von RAPHAËL GANI zum Urteil CDP.2011.99 des Kantonsgerichts des Kantons Neuenburg vom 17. August 2011 bezieht, die in RDAF 2012 II S. 92 ff. erschienen war. Darin entwarf dieser ein bipolares Modell, das darin besteht, in allen Fällen der Erneuerung eines bestehenden Vertrags zu günstigeren Konditionen, sei es bei der bisherigen oder einer neuen Bank, von abzugsfähigen (Quasi-) Schuldzinsen auszugehen, in den übrigen Fällen, namentlich bei der Veräusserung des Objekts, aber Anlagekosten anzunehmen (a.a.O., S. 98). Das Bundesgericht zitiert dies (BGE 143 II 396 E. 2.3 S. 400 oben), um später aber die Klammerbemerkung "contrat conclu avec le même créancier à un taux plus avantageux" (Auszeichnung durch das Bundesgericht) anzubringen (BGE 143 II 396 E. 2.3 S. 400 Mitte). In BGE 143 II 396 E. 3 S. 401 unten legt das Bundesgericht dann den Fokus auf den Umstand, dass "il ne s'agit pas non plus de la situation dans laquelle un nouveau contrat de prêt est conclu avec un créancier différent " (Auszeichnung wiederum durch das Bundesgericht). GANI folgend, könnte angenommen werden, die Vorfälligkeitsentschädigung sei mit Schuldzinsen gleichzusetzen, wenn der bestehende Vertrag beim bisherigen Gläubiger aufgelöst und zu günstigeren Konditionen ein Darlehensverhältnis mit einem neuen Gläubiger eingegangen werde (Hypothese 2). Dies entspricht dem Sinn der umfassenden Beurteilung, wie sie das Bundesgericht in den beiden Leitentscheiden getroffen hat, aber nicht. Dem insofern detaillierteren Entscheid zur Grundstückgewinnsteuer lässt sich entnehmen, dass die erste und die zweite Hypothese gerade nicht in derselben Weise zu entscheiden seien (vorne E. 2.2.1). Die teils in der Doktrin geäusserte inhaltliche Kritik an Hypothese 2 rechtfertigt kein Zurückkommen auf die amtlich publizierte Praxis (siehe etwa RAPHAËL GANI, Analyse de la jurisprudence du Tribunal fédéral en matière de droit fiscal intercantonal à partir de l'année 2017 et du premier semestre 2018, in: ASA 87 S. 356 f.; PETER LOCHER, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2. Aufl. 2019, N. 23 zu Art. 33 DBG; so wohl auch SILVIA HUNZIKER/JSABELLE MAYER-KNOBEL, in: Basler Kommentar, DBG, 3. Aufl. 2017, N. 9a zu Art. 33 DBG, welchen die beiden Leitentscheide noch nicht vorlagen).