Citation: I 272/05 07.11.2005 E. 2

2.1 Dr. med. O.________ stellt in seinem Gutachten vom 10. Mai 2004 die Diagnosen einer Persönlichkeitsstörung im Sinne der charakterneurotischen Fehlentwicklung sowie eines Alkoholabusus. Seiner Auffassung nach hat das psychische Leiden jedoch keinen Krankheitswert. Bei weitgehendem Verzicht auf Alkoholkonsum sei der Beschwerdeführer ohne Einschränkung arbeitsfähig und vermöchte eine seiner kaufmännischen Aus- und Weiterbildung entsprechende Tätigkeit vollumfänglich auszuüben, wenn auch direkter Kundenkontakt eher ungünstig sei. Gestützt darauf ging das kantonale Gericht davon aus, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit dem Erlass der Verfügung vom 9. Februar 1996 nicht verändert habe: Auch Dr. med. E.________ hatte gemäss Gutachten vom 16. März 1995 kein psychisches Leiden mit Krankheitswert diagnostizieren können. 2.2 Die Einschätzung des im vorliegenden Verfahren beigezogenen Gutachters Dr. med. O.________ steht jedoch in Widerspruch zu derjenigen des behandelnden Arztes Dr. med. F.________ (Berichte vom 8. März 2003 und vom 24. Januar 2005). Er betreut den Beschwerdeführer seit seiner Entlassung aus der Klinik W.________ im Mai 2002, wo er zufolge einer suizidalen Krise für zwei Monate hospitalisiert worden war. Dr. med. F.________ konnte die dort gestellte Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstörung mit paranoid-narzisstischen Zügen und Alkoholabhängigkeit im weiteren Verlauf verifizieren. Es handle sich dabei um eine schwere psychiatrische Störung, die eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Beziehungsfähigkeit beschreibe. Nach Auffassung des Psychiaters findet sich in der Lebensgeschichte des Versicherten der typische Verlauf eines Menschen, der trotz guter intellektueller Fähigkeiten erhebliche Schwierigkeiten hat, sich veränderten sozialen Situationen adäquat anzupassen. Äusserlich fänden sich als Folge davon wiederkehrende Stellenwechsel bzw. -verluste, Alkoholabusus und soziale Isolierung. An seiner letzten Arbeitsstelle - wo der Beschwerdeführer nach längerer Arbeitslosigkeit seit 1996 tätig gewesen war - habe er über Jahre eine Nische vorgefunden, in der sein Beziehungsverhalten zwar wahrgenommen und reflektiert, insgesamt aber toleriert worden sei. Durch einen Wechsel auf Vorgesetztenebene sei dem Versicherten diese Nische abhanden gekommen. Der Arbeitsplatzkonflikt habe beim Versicherten eine suizidale Krise hervorgerufen und die Hospitalisierung erforderlich gemacht. Nach der Klinikentlassung sei er wieder zu 50 % in den Arbeitsprozess integriert worden, habe sich jedoch nicht zurecht gefunden, habe sich vom Vorgesetzten unrecht behandelt gefühlt und mit einer ausgeprägten Stresssymptomatik reagiert. Der Arbeitgeber habe nicht in den therapeutischen Prozess eingebunden werden können. Nach den Ausführungen im Gutachten des Dr. med. O.________ hat der Beschwerdeführer im Frühjahr 2003 erneut einen Zusammenbruch erlitten, worauf er zunächst zu 50 % teilpensioniert wurde. Auf Ende 2003 hat der Arbeitgeber die Stelle gekündigt. Seither befindet sich der Versicherte nach Angaben des Dr. med. F.________ (Bericht vom 24. Januar 2005) in engmaschiger hausärztlicher und psychiatrischer Behandlung, ist latent suizidgefährdet, die Leistungsfähigkeit deutlich herabgesetzt. Er habe seinen Alkoholkonsum gesteigert und leide an einer ausgeprägten sozialen Verwahrlosung. Dies deckt sich mit den Ausführungen des Sozialarbeiters P.________, welcher den Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren vertreten hat. Man habe in dessen Wohnung eine Situation angetroffen, die als menschenunwürdig bezeichnet werden müsse. Der Versicherte sei dermassen eingeschränkt, dass er kaum für sich sorgen könne. 2.3 Der Gutachter Dr. med. O.________ hat - bei gleicher Diagnosestellung - die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von höchstens 50 % durch den behandelnden Arzt Dr. med. F.________ (Berichte vom 8. und 10. März 2003) nicht diskutiert. Dr. med. F.________ war damals prognostisch davon ausgegangen, dass der Versicherte bestenfalls auf diesem Niveau stabilisiert werden könne, wobei sich ein Stellenverlust ungünstig auswirken würde. Dieser Fall ist Ende 2003 eingetreten. Seither ist es zu einer Verwahrlosung gekommen. Dr. med. O.________ nimmt an, dass die Probleme am Arbeitsplatz einzig auf den Alkoholkonsum zurückzuführen waren und der Beschwerdeführer nach einer ein- bis zweijährigen Therapie der Alkoholabhängigkeit wieder voll einsatzfähig wäre. Demgegenüber erachtete Dr. med. F.________ die Alkoholprobleme schon in den erwähnten Berichten vom März 2003 als sekundär. Der Versicherte könne sich am Arbeitsort - wo er offenbar praktisch die einzigen sozialen Kontakte pflegt - aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung nicht angepasst verhalten, er trete gegenüber seinen Vorgesetzten reizbar und rechthaberisch auf. Der Alkoholkonsum diene ihm zur Affektregulierung. Dr. med. F.________ war sogar der Ansicht, dass eine Abstinenz keinen Einfluss auf seine Leistungsfähigkeit habe. Angesichts der beträchtlichen, nicht auflösbaren Widersprüche zu der für die Beurteilung des Rentenanspruchs entscheidenden Frage, ob beim Beschwerdeführer ein invalidisierendes psychisches Leiden vorliegt, dürfen die Angaben des behandelnden Arztes Dr. med. F.________ nicht unbeachtet bleiben. Eine ergänzende psychiatrische Abklärung ist damit unumgänglich. Die Sache wird zu diesem Zweck an die Vorinstanz zurückgewiesen.