Citation: 1C_208/2016 E. 3.3

3.3. Das BAFU äussert in seiner Stellungnahme die Auffassung, das aktuelle Bejagungsmodell des Kantons Graubünden (Hochjagd mit anschliessender Sonderjagd) ermögliche eine fachgerechte und den regionalen Bedingungen angepasste Regulierung der Wildbestände. Ein Verzicht auf die Sonderjagd würde zwar die bewährte Jagdplanung massiv erschweren, doch sei nicht auszuschliessen, dass sich die Ziele der Wildbestandsregulierung auch mit einem anderen Massnahmenmix erreichen liessen. Dies würde nebst Anpassungen der Privatjagd in jedem Fall aber auch Spezialabschüsse bedingen, sei es in Form der Regiejagd oder von Einzelabschüssen zur Wildschadenabwehr durch den Kanton. Hinsichtlich der möglichen Anpassungen der kantonalen Jagdorganisation verweist das BAFU auf den Kanton Glarus, wo die gezielte Bejagung der Rotwildbestände in den Jagdbanngebieten wesentlich zur Regulation beigetragen habe, sowie auf den Kanton Wallis, wo eine Freigabe des Kahlwildes (Kuh und Kälber) es erlaube, den Abschussplan zu rund 90 % bereits im Rahmen der Hochjagd zu erfüllen. Es könne jedoch nicht vorausgesagt werden, ob sich im Kanton Graubünden ähnliche Ergebnisse erzielen liessen, wenn diese Massnahmen übernommen würden. Weiter hält das BAFU fest, eine Intensivierung der Jagd führe meist nicht zu mehr Jagdstrecke (erlegtes Wild) und die Aufhebung der kantonalen Wildschutzgebiete wäre der Jagdeffizienz abträglich. Die Einführung weiterer Jagdintervalle bzw. Jagdunterbrüche zur Steigerung der Jagdeffizienz sei denkbar, doch lasse die Sonderjagdinitiative dafür wenig Raum, zumal die Hochjagdzeit auf nur 25 Tage verlängert werde. Zur umstrittenen Frage, ob die Migration von Tieren aus dem Schweizerischen Nationalpark, anderen Kantonen oder dem Ausland zu den Wintereinständen im Kanton Graubünden eine nach Abschluss der Migration erfolgende Sonderjagd erfordere, hält das BAFU fest, es sei ihm nicht bekannt, inwiefern die Jagdplanung grenzüberschreitend vorgenommen werde, eine Regulation des Rotwilds sei jedoch aktuell nur ausserhalb des Nationalparks denkbar. Im Ergebnis kommt das BAFU zum Schluss, dass bei einem Einbezug der Regiejagd eine hinreichende Bejagung sowohl des hier im Vordergrund stehenden Rotwildes, aber auch des Reh- und Schwarzwilds (Wildschweine) möglich bleibe.