Citation: K 226/05 27.03.2007 E. 5

5.1 Die medizinische Aktenlage stellt sich im Hinblick auf die zu prüfende Frage wie folgt dar: 5.1.1 Mit Schreiben vom 15. Mai 1998 hielt Dr. med. dent. T.________ dafür, es bestehe sicherlich ein direkter Zusammenhang zwischen der Parodontitis und der Strahlenexposition, welcher die Beschwerdegegnerin vor zwanzig Jahren ausgesetzt worden sei, kombiniert mit der reduzierten Infektabwehr nach erfolgter Splenektomie. 5.1.2 Dr. med. W.________ führte in seinem Zeugnis vom 8. Juni 1998 aus, auf Grund eigener Erfahrungen sowie von Literaturangaben könne angenommen werden, dass die aktuell ausgedehnte Parodontitis wie auch der massive Knochenabbau im Molarenbereich beidseits eindeutig Spätfolgen der durchgeführten Strahlentherapie darstellten. 5.1.3 Der durch die Beschwerdeführerin beigezogene Vertrauenszahnarzt Dr. med. dent. O.________ kam mit Berichten vom 23. Juli 1998 und 7. Januar 2002 zum Schluss, die Auswirkungen der im Jahre 1975 diagnostizierten Lymphogranulomatose (Morbus Hodgkin) seien 23 Jahre später nicht mehr messbar. Im Übrigen handle es sich bei den festgestellten Entzündungen am Zahnhalteapparat um eine durchaus altersentsprechende Erscheinung. 5.1.4 In seinem Aktengutachten vom 31. Januar 2005 gab Prof. Dr. med. dent. M.________ sodann an, die Ätiologie der Parodontitis lasse sich nicht klar als Folge der spezifischen medizinischen Vorgeschichte belegen. Anderseits sei dieser Zusammenhang aber auch nicht auszuschliessen; gewisse lokale Gewebeveränderungen seien durch die seinerzeitige Strahlentherapie sicher aufgetreten. Anhand der Unterlagen und der ihm zugänglichen wissenschaftlichen Quellen sei es nicht möglich, einen Prozentsatz für die Beteiligung des Hodgkin-Lymphoms und seiner Behandlung an der aktuellen Parodontaldestruktion zu schätzen. 5.1.5 Schliesslich gab der ehemalige behandelnde Zahnarzt Dr. med. dent. Z.________ in seinem Bericht vom 7. September 2005 an, bald nach der Bestrahlung der Beschwerdegegnerin seien Schäden am Parodont aufgetreten. Das Zahnfleisch habe sich akut entzündet, woraus eine chronische Parodontitis entstanden sei. Bereits in den Jahren 1978/79 habe ein gravierender Knochenschwund korrigiert werden müssen. Der aktuelle pitoyable Zustand der parodontalen Verhältnisse stehe daher mit der seinerzeitigen Erkrankung und Behandlung im Zusammenhang. 5.2 Daraus erhellt, dass einzig Dr. med. dent. O.________ einen Zusammenhang zwischen der Strahlentherapie und dem Auftreten der Parodontitis ausdrücklich verneint. Prof. Dr. med. dent. M.________ äussert sich zu dieser Frage nicht abschliessend, zumal er, worauf bereits durch das kantonale Gericht und die Beschwerdegegnerin (vgl. für Letztere: letztinstanzliche Vernehmlassung vom 17. Januar 2006) zutreffend hingewiesen wurde, die Anamnese nur lückenhaft erhoben hat. Ob dessen Kurzgutachten vom 31. Januar 2005 den rechtsprechungsgemäss für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen erforderlichen Kriterien (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) genügt, erscheint somit zumindest als fraglich. Unmissverständlich hat indessen auch er - im Gegensatz zur Dr. med. dent. O.________ - festgehalten, dass der Abbau im Sinne der diagnostizierten aggressiven Parodontitis nicht dem normalen Alterungsprozess entspreche. Die übrigen involvierten Zahnärzte bzw. Ärzte erachten den Kausalcharakter der Strahlentherapie demgegenüber übereinstimmend klar als erstellt, wobei Dr. med. dent. Z.________, welcher die Versicherte als Einziger zum massgeblichen Zeitpunkt kurz nach der Strahlentherapie zahnärztlich behandelt und daher ihr Gebiss auch untersucht hat, diesen, wie die Vorinstanz richtig erkannt hat, am Überzeugendsten belegt. An diesem Ergebnis vermag im Übrigen auch der Umstand, dass nach Aussage des Dr. med. dent. T.________ die als Folge einer Splenektomie reduzierte Infektabwehr die Entstehung der Parodontitis zusätzlich begünstigt habe, nichts zu ändern, wurde dadurch doch einzig die Anfälligkeit auf entsprechende entzündliche Vorgänge erhöht, die Erkrankung aber nicht im eigentlichen Sinne ausgelöst. Die zu beurteilenden Schäden an Zähnen, Zahnfleisch und Kieferknochen sind demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Strahlentherapie zurückzuführen, sodass die Leistungspflicht der Beschwerdeführerin zu bejahen ist.