Citation: 5A_3/2024 E. 5.1

5.1. Unter Hinweis auf einschlägige Literatur und Rechtsprechung erwog das Obergericht, dass die Anordnung einer psychiatrischen Begutachtung eines Elternteils im Kindesschutzverfahren grundsätzlich zulässig sei, wenn das Kindeswohl dies erfordere und genügend konkrete Anhaltspunkte für die Notwendigkeit einer Schutzmassnahme vorlägen. Im Einzelfall sei unter Berücksichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips zu entscheiden. Im vorliegenden Fall habe die KESB, welche die Verhältnisse aus der dokumentierten Vorgeschichte eingehend kenne, von der vorgeschlagenen Massnahme abgesehen. Sie habe dies auch damit begründet, dass sich eine Kindeswohlgefährdung nur mittelbar aus dem Verhalten des Vaters ergebe. Die Problematik liege vorliegend nicht vorrangig in einer allfälligen psychischen Krankheit des Vaters, sondern in der Konfliktbewältigungskultur der Eltern bzw. innerhalb der erweiterten Familie (inkl. Grosseltern der Kinder). Dies stelle die Ausgangslage dar, zu deren Verbesserung die Behörden zwar Hilfestellungen anbieten könnten, an welcher sie aber bei Unwilligkeit der Eltern nichts ändern könnten. Die Behörden müssten vielmehr an jener Ausgangslage anknüpfen, welche sich ihnen darstelle, auch wenn andere Umstände wünschbar seien. Eine Begutachtung des Vaters vermöge an dieser Ausgangslage nichts zu ändern und es lägen weder konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass ein solches Gutachten die Grundlage für weitergehende Kindesschutzmassnahmen bilden würde bzw. welchen Inhalts solche konkret sein könnten, noch sei zu erwarten, dass eine behördlich angeordnete Begutachtung des Vaters dessen Bereitschaft zu einer an sich erwünschten Selbstreflexion erhöhen könnte. Darüber hinaus könne die Belastung der Kinder, die sich aus der mangelhaften Kommunikation der Eltern sowie der innerhalb der Familie bestehenden Konflikte ergebe, mit den bereits errichteten und weitgehenden Massnahmen, der detaillierten behördlichen Besuchsrechtsregelung sowie des seit Erstattung des Gutachtens erfolgten Umzugs der Beschwerdeführerin und der damit einhergehenden Beruhigung der Situation bereits bedeutend gemildert werden. Aus diesem Grund und da Erforderlichkeit sowie Inhalt einer konkreten Schutzmassnahme fraglich seien, habe die KESB die Verpflichtung des Beschwerdegegners zur psychiatrischen Abklärung im Ergebnis zu Recht als unverhältnismässig beurteilt und von dieser zusätzlichen Massnahme abgesehen.