Citation: 2P.3/2003 24.04.2003 E. 2

2.1 Ist das gegen den angefochtenen Entscheid zur Verfügung stehende Rechtsmittel, wovon die Beschwerdeführer ausgehen, die staatsrechtliche Beschwerde, so stellt sich zunächst die Frage, ob der kantonale Instanzenzug erschöpft ist. Mit staatsrechtlicher Beschwerde sind grundsätzlich nur kantonal letztinstanzliche Entscheide anfechtbar (vgl. Art. 86 Abs. 1 OG). Entgegen der Rechtsmittelbelehrung im angefochtenen Entscheid ist dieser - unter Vorbehalt der erwähnten Regelung von Art. 76 Abs. 2 VRPG - kantonal letztinstanzlich. Zwar kann der disziplinierte Rechtsanwalt selbst in einem grossen Teil der Fälle an das kantonale Verwaltungsgericht gelangen (vgl. Art. 26a Abs. 1 FG). Sein "Auftraggeber" kann Entscheide der Berner Anwaltskammer indessen nur in Moderationsverfahren weiterziehen (Art. 26a Abs. 2 FG); in allen übrigen Fällen entscheidet die Anwaltskammer für ihn "endgültig" (Art. 26a Abs. 3 FG). Mithin ist vorliegend die staatsrechtliche Beschwerde nicht, wie Anwaltskammer und Beschwerdegegner geltend machen, bereits mangels Ausschöpfung des kantonalen Instanzenzugs unzulässig. 2.2 Für das Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde richtet sich die Legitimation nach Art. 88 OG. Danach ist zu diesem Rechtsmittel befugt, wer durch den angefochtenen Hoheitsakt in seinen eigenen rechtlich geschützten Interessen beeinträchtigt ist; allgemeine öffentliche Interessen können mit der staatsrechtlichen Beschwerde nicht verfolgt werden. Nun dient aber die Disziplinaraufsicht über die Rechtsanwälte öffentlichen und nicht etwa privaten Interessen allfälliger Geschädigter. Verzichtet die zuständige Behörde auf eine Disziplinierung, so spricht deshalb das Bundesgericht dem Anzeiger die Legitimation nach Art. 88 OG in konstanter Rechtsprechung ab; diesem kommt kein rechtlich geschützter Anspruch auf Disziplinierung des Anwalts zu (BGE 109 Ia 90; 94 I 67 f.; vgl. auch BGE 119 Ib 241 E. 1c S. 244). Soweit sich die Eingabe der Beschwerdeführer gegen den Entscheid in der Sache richtet, ist deshalb nicht darauf einzutreten. 2.3 Die Beschwerdeführer gehen davon aus, sie seien zum Bezahlen der Parteientschädigung von Fr. 1'200.-- verpflichtet worden, welche die Anwaltskammer dem Beschwerdegegner zugesprochen hat. In dieser Hinsicht würde der angefochtene Entscheid gegebenenfalls in ihre rechtlich geschützten Interessen eingreifen, weshalb sie insoweit legitimiert wären, staatsrechtliche Beschwerde zu führen (BGE 109 Ia 90). Nun ergibt sich jedoch aus der Stellungnahme der Anwaltskammer, dass die streitige Entschädigung aus der Staatskasse bezahlt wird. Die einschlägige Passage der Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie Ziff. 4 des Dispositivs waren insoweit missverständlich bzw. unklar formuliert. Die Beschwerdeführer sind damit durch den Kostenspruch nicht beschwert; es ist auch insoweit auf ihre Beschwerde nicht einzutreten. 2.4 Praxisgemäss kann - trotz fehlender Legitimation in der Sache selbst - die Verletzung von Verfahrensvorschriften gerügt werden, deren Missachtung eine formelle Rechtsverweigerung darstellt. Das nach Art. 88 OG erforderliche, rechtlich geschützte Interesse ergibt sich diesfalls nicht aus der Berechtigung in der Sache, sondern aus jener, am Verfahren teilzunehmen; insoweit kann mit staatsrechtlicher Beschwerde die Verletzung von jenen Parteirechten gerügt werden, die sich aus dem kantonalen Verfahrensrecht oder unmittelbar aus der Verfassung (bisher Art. 4 aBV, heute Art. 29 BV) ergeben (BGE 121 I 218 E. 4a S. 223; 120 Ia 157 E. 2a/aa S. 160, je mit Hinweisen). Soweit der Anzeiger eines angeblichen Disziplinarverstosses entsprechende Rügen erhebt, ist grundsätzlich auf seine staatsrechtliche Beschwerde einzutreten, sofern er - wie die Beschwerdeführer - Partei des kantonalen Aufsichtsverfahrens war. 2.4.1 Dem Bundesgericht können jedoch nicht auf dem Umweg über die Rüge der Verletzung von Verfahrensvorschriften materielle Fragen zur Prüfung vorgelegt werden. Die Rüge eines in der Sache nicht legitimierten Beschwerdeführers, die Begründungsdichte oder Beweiswürdigung der kantonalen Instanz sei verfassungswidrig, ist deshalb unzulässig; die Behandlung solcher Fragen lässt sich nicht von der Prüfung in der Sache selber trennen (vgl. BGE 118 Ia 232 E. 1a S. 235; 117 Ia 90 E. 4a S. 95, je mit Hinweisen). In verfahrensrechtlicher Hinsicht beanstanden die Beschwerdeführer vor allem die Beweiswürdigung der Anwaltskammer; nach dem Gesagten ist insoweit auf ihre Beschwerde nicht einzutreten. 2.4.2 Nicht einzutreten ist auch auf die Rüge, das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; vgl. BGE 126 I 97 E. 2b 102 f.) sei verletzt: Die staatsrechtliche Beschwerde muss die wesentlichen Tatsachen und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze inwiefern durch den angefochtenen Entscheid verletzt worden sind (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). Das Bundesgericht untersucht nicht von Amtes wegen, ob ein kantonaler Hoheitsakt verfassungsmässig ist, sondern prüft nur rechtsgenügend vorgebrachte, klar erhobene und, soweit möglich, belegte Rügen (BGE 110 Ia 1 E. 2 S. 3 f.; 119 Ia 197 E. 1d S. 201, mit Hinweisen). Die Beschwerdeführer beschränken sich weitgehend darauf, in allgemeiner Form eine Verweigerung des rechtlichen Gehörs geltend zu machen, ohne darzutun, inwiefern die Anwaltskammer verfassungsmässige Ansprüche verletzt haben soll. Soweit sie rügen, dass sie nicht in einem zweiten Schriftenwechsel zur Vernehmlassung des Beschwerdegegners Stellung nehmen konnten, tun sie nicht dar, dass sie einen solchen beantragt hätten oder dass gemäss kantonalem Verfahrensrecht von Amtes wegen ein solcher hätte durchgeführt werden müssen. 2.5 Ist die staatsrechtliche Beschwerde das zu ergreifende Rechtsmittel, so ist auf sie nach dem Gesagten - mangels Legitimation der Beschwerdeführer bzw. mangels zulässiger Rügen - nicht einzutreten.