Citation: 1P.631/1999 26.01.2000 E. 3

3.-a) Der Beschwerdeführer vertritt den Standpunkt, gestützt auf das technische Unfallgutachten des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich vom 23. März 1998 sei "wissenschaftlich erstellt, dass sich das Fahrzeug B.________ 49 m vom Fussgängerstreifen entfernt" befunden habe, "als der Beschwerdeführer den Fussgängerstreifen betrat". Den Akten ist Folgendes zu entnehmen: Aus technischen Erfahrungsdaten ermittelte der Unfallexperte Dr. Rolf Halonbrenner, dass sich der Beschwerdeführer zwischen dem Betreten des Fussgängerstreifens und der Kollision während "ca. 2,7 bis 3,7 Sekunden, möglicherweise auch nur mindestens 2,2 Sekunden" auf dem Fussgängerstreifen fortbewegt habe. Aus der Länge der vorgefundenen Bremsspur errechnete der Experte eine Fahrzeuggeschwindigkeit von "ca. 42 - 48 km/h". Ein mit dieser Geschwindigkeit sich fortbewegendes Fahrzeug lege im errechneten Zeitraum (zwischen Betreten des Fussgängerstreifens und Kollision) "ca. 26 - 49 m" zurück. Der Gutachter hat die fragliche Distanz somit nicht auf mindestens 49 m berechnet. Vielmehr war es lediglich möglich, die Entfernung in einer Bandbreite zwischen (minimal) ca. 26 m und (maximal) ca. 49 m festzulegen. Der Beschwerdeführer macht geltend, die kantonalen Instanzen hätten den Grundsatz "in dubio pro reo" verletzt, indem sie nicht von der für ihn günstigsten Variante ausgegangen seien, nämlich einer Entfernung von 49 m. b) Als Beweiswürdigungsregel verlangt die Maxime "in dubio pro reo", dass der Richter nach Berücksichtigung sämtlicher entscheidrelevanter Beweisergebnisse von der für den Angeschuldigten günstigeren Sachverhaltsvariante ausgeht, sofern sich erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel an der ungünstigeren Variante aufdrängen (BGE 120 Ia 31 E. 2d S. 38 mit Hinweisen). Die Maxime verlangt hingegen nicht, dass der Richter jeweils zum Vornherein nur jene Beweismittel berücksichtigen dürfte, welche zu Gunsten der für den Angeschuldigten günstigeren Sachverhaltshypothese sprechen. Falls weitere Beweisergebnisse vorliegen, welche sachlich vertretbare Rückschlüsse auf einen ungünstigeren Sachverhalt erlauben, darf der Richter vielmehr auch diese Beweisergebnisse mitberücksichtigen. c) Um die massgebliche Entfernung - innerhalb der vom Experten berechneten Toleranzbreite zwischen ca. 26 und ca. 49 m - noch präziser zu ermitteln, haben die kantonalen Instanzen auf weitere Beweisresultate abgestellt. Der Beschwerdeführer hat vor dem Einzelrichter wie folgt ausgesagt: Er habe unter dem Vordach des Hotels "Baur au Lac" darauf gewartet, den Fussgängerstreifen überqueren zu können. Auf der näherliegenden Fahrbahnhälfte (Richtung See) habe sich eine Kolonne gebildet, da die Ampel für die Fahrzeuge auf rot gestanden sei. Nach etwa einer Minute habe der Fahrzeuglenker, der in der Kolonne vor dem Fussgängerstreifen gewartet habe, dem Beschwerdeführer ein Zeichen zum Überqueren der Strasse gegeben. Der Beschwerdeführer habe - unter dem Vordach stehend - zuerst nach rechts und dann nach links geschaut. Links habe ihm der Lenker des stehenden Fahrzeuges das erwähnte Zeichen gegeben. Daraufhin habe er nochmals nach rechts geschaut. Rechts habe er in einer Entfernung von "an die 40 Meter" das von B.________ gesteuerte herannahende Fahrzeug erblickt. "Gleichzeitig" als er "nach rechts schaute", sei er Richtung Fussgängerstreifen "gestartet". Beim Überqueren des Fussgängerstreifens habe er "den Aktenkoffer in die Höhe gehalten", damit die rechts nahende Fahrzeuglenkerin ihn sehe. Bei der Demonstration wie er den Aktenkoffer während des Überquerens des Fussgängerstreifens gehalten habe, hob der Beschwerdeführer den Aktenkoffer laut Gerichtsprotokoll rechts auf Kopfhöhe, marschierte dabei schnellen Schrittes und schaute geradeaus. Die Frage des Gerichtspräsidenten, ob er den Koffer nicht eher über dem Kopf anstatt rechts neben dem Kopf getragen habe, verneinte er ausdrücklich. d) Es verstösst nicht gegen den Grundsatz "in dubio pro reo", wenn die kantonalen Instanzen zur Klärung des Sachverhalts neben dem Gutachten auch noch die eigenen Aussagen des Beschwerdeführers (sowie diejenigen von Zeugen) mitberücksichtigt haben. Auch die richterliche Würdigung der Beweisaussagen erweist sich als willkürfrei. aa) Der Einzelrichter des Bezirksgerichtes erwog, der Standort des den Verkehr beobachtenden Beschwerdeführers habe sich "nicht direkt am Trottoirrand auf der Höhe des Fussgängerstreifens" befunden, sondern "zurückversetzt" unter dem Hotelvordach. Dies ergebe sich sowohl aus den - oben zusammengefassten - Aussagen des Beschwerdeführers, als auch aus denjenigen mehrerer Zeugen. Die "Distanz vom Startort" des Beschwerdeführers "bis zum Beginn der Fahrbahn" habe gemäss den örtlichen Verhältnissen mindestens "ca. 2 Meter" betragen. "Erst als er ohne anzuhalten den Trottoirrand beim Fussgängerstreifen betrat", habe "ein entgegenkommender Fahrzeuglenker sein Vorhaben erkennen" können. "Aufgrund der nicht widerlegbaren Aussagen" des Beschwerdeführers sei davon auszugehen, "dass er beim Abmarsch Richtung Fussgängerstreifen seinen Aktenkoffer mit der rechten Hand in die Höhe" gehalten habe, "womit er sich die Sicht nach rechts vollständig verdeckte, und in einem Zug raschen Schrittes das Trottoir und den Fussgängerstreifen überquerte". Zugunsten des Beschwerdeführers sei von dessen Darstellung auszugehen, dass die Distanz von seinem Wartestandort bis zum Unfallfahrzeug "ca. 40 Meter" betragen habe. Allerdings habe er von seinem Wartestandort unter dem Vordach aus bis zum Fussgängerstreifen noch zwei Meter zurückzulegen gehabt. Laut Gutachten habe er dafür etwa eine Sekunde benötigt. Der Beschwerdeführer habe daher erwarten müssen, "dass das entgegenkommende Fahrzeug" in dieser Zeit "weitere 13,88 Meter zurücklegen" und "demnach nur noch rund 26 Meter vom Fussgängerstreifen entfernt sein würde" (Urteil Bezirksgericht, S. 26 - 34). bb) Das Obergericht erwog, die vom Einzelrichter ermittelte Entfernung des Fahrzeuges von "rund 26 Metern" beim Betreten des Fussgängerstreifens sei "folgerichtig" und stehe auch in Übereinstimmung "mit dem Minimalabstand, welcher im Gutachten errechnet wurde" (angefochtener Entscheid, S. 6). In diesen Erwägungen der kantonalen Instanzen ist keine Willkür ersichtlich. Dass der Beschwerdeführer seine anlässlich der Hauptverhandlung abgegebene Schätzung ("an die 40 Meter" von seinem Standort unter dem Vordach aus) als "nur sehr grob" bezeichnet, lässt die Beweiswürdigung der kantonalen Instanzen nicht als schlechterdings unhaltbar erscheinen. e) Nach dem Gesagten hält die Sachverhaltsannahme der kantonalen Instanzen bezüglich Entfernung des Unfallfahrzeuges vor dem Grundsatz "in dubio pro reo" und dem Willkürverbot stand.