Citation: 5A_14/2022 E. 3.3.2

3.3.2. Zu prüfen ist weiter der Vorwurf, das Obergericht schütze die Berufung, obwohl sie den Begründungsanforderungen nicht genüge und die ausschlaggebenden Punkte gar nicht vorgebracht worden seien. Um der in Art. 311 Abs. 1 ZPO verankerten Pflicht zur Begründung der Berufung zu genügen, muss der Berufungskläger aufzeigen, inwiefern er den angefochtenen Entscheid als fehlerhaft erachtet. Dieser Anforderung genügt nicht, wer bloss auf die vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen verweist oder sich mit Hinweisen auf frühere Prozesshandlungen zufrieden gibt (BGE 138 III 374 E. 4.3.1). Abgesehen von offensichtlichen Mängeln beschränkt sich die Berufungsinstanz im Übrigen darauf, die von den Parteien erhobenen Beanstandungen zu beurteilen. Inhaltlich ist die Berufungsinstanz weder an die in den Schriftsätzen vorgetragenen Argumente noch an die Erwägungen der ersten Instanz gebunden; sie wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 ZPO) und verfügt über freie Kognition in Tatfragen, weshalb sie die Berufung auch mit einer anderen Argumentation gutheissen oder mit einer Begründung abweisen kann, die von der Argumentation der ersten Instanz abweicht (BGE 147 III 176 E. 4.2.1; 142 III 413 E. 2.2.4 mit weiteren Hinweisen). Hier hielt der Beschwerdegegner in der Berufung daran fest, dass seine Erbverzichtserklärung nur die monegassischen Vermögenswerte erfasste und weitere Teilungshandlungen nicht ausschloss. Zum Beleg erinnerte er an die Teilung der Vermögenswerte bei der Bank W.________ und verwies auf seine Ausführungen vor der Vorinstanz (vgl. E. 3.1). Unter anderem mit dieser Beanstandung wehrte sich der Beschwerdegegner gegen die erstinstanzliche Erkenntnis, dass sich die Erbverzichtserklärung sehr wahrscheinlich auf das gesamte Nachlassvermögen beziehe und sein Erbanspruch demzufolge untergegangen sei. Der Beschwerdeführer legt nun aber nicht dar, inwiefern die Vorinstanz den durch diese Beanstandung vorgegebenen Rahmen durchbricht, wenn sie sich nicht zur Teilung der Vermögenswerte bei der Bank W.________ äussert, sondern die Umstände rund um den Transfer von fünfzig Prozent des auf dem Konto der U.________ AG befindlichen Guthabens an den Beschwerdeführer (s. Sachverhalt Bst. A.b) würdigt und als Indizien dafür wertet, dass die Erbverzichtserklärung dieses Guthaben nicht erfasse. Allein mit dem Einwand, der Beschwerdegegner habe diese Indizien in der Berufung nicht vorgebracht, ist nichts gewonnen. Dass die Vorinstanz in Tatfragen über freie Kognition verfügte und auch nicht an die Argumente des Beschwerdegegners gebunden war, stellt der Beschwerdeführer zu Recht nicht in Abrede. Ebenso wenig macht er geltend, dass der Hergang der besagten Zahlungsinstruktionen, wie er der vorinstanzlichen Beurteilung zugrunde liegt, nicht unbestritten gewesen wäre oder aus einem anderen Grund nicht hätte berücksichtigt werden dürfen. Soweit sich der Beschwerdeführer daran stört, dass der Beschwerdegegner in seiner Berufung auf seine Ausführungen vor der ersten Instanz verweist, legt er nicht dar, inwiefern sich diese Verweisungen auf etwas anderes als auf die Teilung der Vermögenswerte bei der Bank W.________ beziehen und weshalb sie für den Ausgang des Berufungsverfahrens relevant wären, obwohl sich die vorinstanzliche Beurteilung nicht darauf, sondern auf die Zahlungsinstruktionen der Parteien vom 11. April und 10. Mai 2017 stützt. Die Rüge der willkürlichen Anwendung von Art. 311 ZPO ist unbegründet.