Citation: 2C_159/2024 E. 5.1

5.1. Art. 64 Abs. 1 VwVG und das VGKE definieren den rechtlichen Rahmen für die Ermessensbetätigung. Im Grundsatz steht der obsiegenden Partei ein zwingender Anspruch auf Parteientschädigung zu (E. 3.1 hiervor). Als obsiegend gilt, wer mit seinen Rechtsbegehren im Beschwerdeverfahren durchgedrungen ist. Das Ausmass von Obsiegen und Unterliegen zeigt sich durch einen Vergleich von Anträgen und Urteils-Dispositiv (BGE 128 II 90 E. 2b; Urteil 2C_816/2020 vom 18. Mai 2021 E. 3.3; Jean-Maurice FRÉSARD, in: Commentaire romand, Loi fédérale sur la procédure administrative, 2024, N. 20 zu Art. 63 VwVG; Lukas MÜLLER, in: Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz [VwVG], 3. Aufl. 2023, N. 15 zu Art. 63 VwVG; vgl. Michael BEUSCH, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2019, N. 13 zu Art. 63 VwVG). In verschiedenen Konstellationen wird diese prozessuale Betrachtungsweise aber durchbrochen. So gilt die Rückweisung zur Neubeurteilung im Prinzip als vollständiges Obsiegen (BGE 141 V 281 E. 11.1; 137 V 210 E. 7.1; Urteile 1C_113/2022 vom 13. April 2023 E. 7; 2C_247/2020 vom 18. Juni 2020 E. 5), obschon die beschwerdeführende Partei mit ihren Anträgen in der Sache nicht (gänzlich) durchdringt. Passt eine Partei im Verlauf des Verfahrens ihre Anträge an, kann sie nicht mehr als vollständig obsiegend gelten, auch wenn sie formell mit all ihren angepassten Begehren erfolgreich ist (BEUSCH, a.a.O., N. 13 zu Art. 63 VwVG Fn. 28; vgl. MÜLLER, a.a.O., N. 15 zu Art. 63 VwVG). Analog zu beurteilen ist eine Veränderung des Streitgegenstands während dem Verfahren, die nicht zur Gegenstandslosigkeit führt. Wenn sich die Sachlage während des Beschwerdeverfahrens im Sinn der beschwerdeführenden Partei verändert, kann sich trotz formellen Obsiegens die Ausgangslage im Zeitpunkt der Beschwerdeanhebung auf die Entschädigung auswirken (vgl. Urteil 2C_476/2023 vom 13. September 2024 E. 5.4-5.5.3). Vor diesem Hintergrund kann die Frage, ob eine Partei obsiegt oder unterliegt, nicht in jedem Fall anhand eines letztlich formellen Vergleichs von Anträgen und Urteils-Dispositiv beantwortet werden. Unter Umständen müssen die materielle Rechtslage und der Verfahrenslauf in die Würdigung einbezogen werden (FRÉSARD, a.a.O., N. 21 zu Art. 63 VwVG; BEUSCH, a.a.O., N. 13 zu Art. 63 VwVG [Fn. 28]). Überdies kann sich aus dem Verfassungsrecht ein Anspruch auf Entschädigung ableiten, der sich im Dispositiv des Beschwerdeentscheids nicht spiegelt. Nach der Rechtsprechung ist z.B. einer im Beschwerdeverfahren geheilten Gehörsverletzung im Kosten- und Entschädigungspunkt Rechnung zu tragen (BGE 147 IV 340 E. 4.11.4 S. 359; 126 II 111 E. 7b; Urteil 1P.140/2000 vom 22. Mai 2000 E. 5, nicht publ. in: BGE 126 I 68; vgl. auch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu falschen Rechtsmittelbelehrungen: Urteile D-4696/2021 vom 22. Dezember 2021 E. 6; B-6203/2007 vom 31. Januar 2008 E. 4.2).