Citation: 9C_548/2022 E. 3.2

3.2. Soweit die Beschwerdeführerin davon ausgeht, dass der psychiatrische Gutachter in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 29. August 2021 entgegen seiner ursprünglichen Einschätzung darauf schloss, dass entweder eine Persönlichkeitsstörung oder eine Minderintelligenz vorliege, geht sie fehl. Vielmehr ging er von diesbezüglichen Differenzialdiagnosen aus, die für sich möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich seien (ergänzende Stellungnahme S. 2). Der Sachverständige hat somit weder seine ursprüngliche Einschätzung korrigiert noch sich in Widerspruch dazu gesetzt. Es wird nicht dargetan, dass der psychiatrische Experte (insbesondere hinsichtlich der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung) wesentliche - etwa aus der Einschätzung des behandelnden Psychiaters hervorgehende - Aspekte unberücksichtigt gelassen hätte. Die Würdigung der Grundlagen für eine Diagnosestellung sowie die Diagnosestellung selbst sind nicht Aufgaben des Gerichts, sondern des medizinischen Sachverständigen. Die Beschwerdeführerin substanziiert nicht, inwiefern der Bericht des behandelnden Psychiaters vom 5. März 2021 Zweifel am psychiatrischen Teilgutachten zu erwecken vermag. Eine von der Expertise abweichende Einschätzung genügt hierfür nicht (vgl. Urteil 9C_276/2016 vom 19. August 2016 E. 3.1.1 mit Hinweisen). Auf ergänzende Abklärungen durfte die Vorinstanz in zulässiger antizipierter Beweiswürdigung und ohne Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) sowie des Untersuchungsgrundsatzes verzichten. So kann gemäss dem psychiatrischen Experten auch durch eine (weitere) Begutachtung nicht klärend aufgelöst werden, ob die Beschwerdeführerin im Rahmen einer passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung in Verweigerungshaltung gewesen ist bei den neuropsychologischen Tests und deswegen derart massiv übersteigert pathologisch geantwortet hat, dass daraus auffällige IQ-, aber auch Symptomvalidierungstestwerte resultierten (ergänzende Stellungnahme vom 29. August 2021 S. 2). Im Zusammenhang mit dem Verzicht auf eine praxisbezogene Arbeitsabklärung hat die Vorinstanz sodann zu Recht erwogen, dass die Beurteilung, ob die Verweigerungshaltung der Beschwerdeführerin krankheitsbedingt sei oder nicht, einer psychiatrischen Fachperson obliege (vorinstanzliche Erwägung 4.6 S. 17). Eine Einschränkung in der Leistungsfähigkeit kann schliesslich nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (Urteil 9C_862/2014 vom 17. September 2015 E. 3.1 mit Hinweis). Daran fehlt es vorliegend. Die Schlussfolgerung des kantonalen Gerichts, wonach keine psychiatrische Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich sei (vorinstanzliche Erwägung 4.4 in fine S. 16), beruht somit weder auf einer Verletzung von Bundesrecht noch auf einer einseitigen und damit willkürlichen Beweiswürdigung.