Citation: 5A_17/2013 E. 6.5.2

6.5.2. Weiter berufen sich die Beschwerdeführer auf die rechtsstaatlichen Grundsätze der Verhältnismässigkeit und des Handelns nach Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 2 f. BV), auf das verfassungsmässige Willkürverbot (Art. 9 BV) und auf das "Fairnessgebot" gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Daraus soll derjenige, der durch das Beschleunigungsgebot verletzt wurde, einen "Anspruch auf vorteilhafte Kostenverlegung" haben. Nach der Rechtsprechung besteht die Rechtsfolge einer Verletzung des Beschleunigungsgebots zunächst in der Gutheissung des Rechtsmittels und in der Feststellung der Verletzung im Urteilsspruch; diese stellt eine Form der Wiedergutmachung dar. Daneben gibt es die Möglichkeit, materiellen und immateriellen Schadenersatz vom Gemeinwesen zu verlangen (BGE 130 IV 54 E. 3.3.2 S. 55 f.; Urteil 1P.338/2000 vom 23. Oktober 2000 E. 4d/aa). Weiter hat das Bundesgericht erkannt, dass die Feststellung der Verletzung auch bei der Aufteilung der Gerichts- und Parteikosten eine Rolle spielen kann, dies im Sinne einer moralischen Wiedergutmachung (BGE 130 I 312 E. 5.3 S. 333; 129 V 411 E. 1.3 S. 417 mit Hinweis). Im Urteil 1B_222/2010 vom 19. November 2010, auf das sich die Beschwerdeführer berufen und das eine Beschwerde in Strafsachen betrifft, stellt das Bundesgericht eine Verletzung des Beschleunigungsgebots fest und erkennt, dass die Vorinstanz das Rechtsmittel teilweise hätte gutheissen müssen, was bei der Kostenregelung zu berücksichtigen gewesen wäre; es rechtfertige sich daher, die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens herabzusetzen und dem Beschwerdeführer für das teilweise Obsiegen im Rekursverfahren eine Entschädigung auszurichten. Mit anderen Worten folgt allein aus Art. 29 Abs. 1 BV oder dem in dieser Hinsicht deckungsgleichen Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Urteil 4A_744/2011 vom 12. Juli 2012 E. 11.2) kein unbedingter Anspruch des Verletzten auf eine "vorteilhafte Kostenverlegung", falls das Gericht eine Rechtsverzögerung feststellt. Indessen ergibt sich aus der erwähnten Rechtsprechung, dass das Rechtsmittel desjenigen, der eine Verletzung des Beschleunigungsgebots rügt, im entsprechenden Umfang gutzuheissen ist, wenn die Rechtsmittelinstanz eine Rechtsverzögerung feststellt. Obsiegt der Verletzte in diesem Punkt, so gebietet es das grundsätzlich massgebende Unterliegerprinzip (s. Urteil 4A_521/2008 vom 26. Februar 2009 E. 10.2), dass sich dieser Prozessgewinn in aller Regel in der Liquidation der Gerichts- und Parteikosten des Rechtsmittelverfahrens zugunsten der obsiegenden Partei auswirken muss. Wohl steht dem Richter auch im Rahmen des Unterliegerprinzips ein weites Ermessen bei der Regelung der Kostenfolgen zu. Will er die obsiegende Partei in dieser Hinsicht aber gänzlich leer ausgehen lassen, so muss er die Gründe für diese Abweichung vom Normalfall klar und deutlich offenlegen (vgl. E. 6.2). Dieser Rechtsprechung trägt das Obergericht nur zum Teil Rechnung: Obwohl es eine Verletzung des Beschleunigungsgebots feststellt, weist es die Appellation der Beschwerdeführer als "insgesamt unbegründet" ab, anstatt sie teilweise gutzuheissen, und kommt zum Schluss, "bei diesem Ausgang des Verfahrens" hätten die Beschwerdeführer die Kosten des Appellationsverfahrens zu tragen. Immerhin trägt das Obergericht der Feststellung der Rechtsverzögerung mit einer Reduktion der Gerichtskosten Rechnung. Der Einwand der Beschwerdeführer, der erhobene Betrag von Fr.1'500.-- sei "keinesfalls reduziert", geht fehl, denn er gründet auf der unzutreffenden (E. 6.4) Annahme, das Obergericht sei an den Tarifrahmen für einen Streitwert bis Fr. 30'000.-- gebunden gewesen. Trotz der unterlassenen Gutheissung hält der angefochtene Entscheid mit Bezug auf die Liquidation der Gerichtskosten daher zumindest im Ergebnis vor Bundesrecht stand. Das Gegenteil ist der Fall, was die Regelung der Parteikosten angeht: Nachdem weder die Beschwerdeführer noch die Beschwerdegegner, sondern vielmehr das (damalige) Amtsgericht Luzern-Stadt die Verletzung des Beschleunigungsgebots zu verantworten hat, ist es grundsätzlich der Staat Luzern, der für die Parteikosten der Beschwerdeführer in demjenigen Umfang aufkommen muss, in welchem die Appellation begründet und das Rechtsmittel gutzuheissen war, und der den Beschwerdeführern in demselben Umfang auch gegenüber den Beschwerdegegnern keine Entschädigungspflicht auferlegen darf. Zu Recht rügen die Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang die verfassungswidrige "Nichtanwendung" von § 120 Abs. 3 aZPO/LU, wonach der Staat "in der Regel" die Prozesskosten trägt, die weder eine Partei noch Dritte verursacht haben. Aus der unzutreffenden Überlegung heraus, die Appellation der Beschwerdeführer sei "insgesamt unbegründet", liefert das Obergericht keine nachvollziehbare Erklärung dafür, warum die erwähnte Vorschrift im vorliegenden Fall entgegen der "Regel" nicht anwendbar sei, die Beschwerdeführer trotz des festgestellten groben Verfahrensfehlers also keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung haben und auch für die gesamten Parteikosten der Beschwerdegegner aufkommen sollen. Damit ist das Obergericht in Willkür verfallen. Die Sache ist an das Obergericht zurückzuweisen, damit es in teilweiser Gutheissung der Appellation im beschriebenen Sinne neu über die Liquidation der Parteikosten befinde. Den weiteren Rügen betreffend die Verletzung von Art. 5 BV kommt damit keine eigenständige Bedeutung mehr zu.