Citation: 4A_2/2020 E. 3.2.3

3.2.3. Mit den Beschwerdeführern sei insofern einig zu gehen, als dass bei pflichtgemässer Rücksprache des Beschwerdegegners mit seiner Klientin an den Tag gekommen wäre, dass diese der Auszahlung nicht zugestimmt hatte. Dies hätte den Beschwerdegegner veranlassen müssen, einen Antrag auf Edition des Antragsformulars zu stellen, was ergeben hätte, dass ihre Unterschrift auf dem Antragsformular gefälscht gewesen sei. Daraufhin hätte der Beschwerdegegner seine Klientin über die sich daraus ergebenden Möglichkeiten informiert. Zum einen hätte der Beschwerdegegner seine Klientin darüber informiert, dass in einem sozialversicherungsrechtlichen Verfahren die Frage geklärt werden könnte, ob die Vorsorgeeinrichtung - mangels Prüfung der Unterschrift der Ehefrau - eine Sorgfaltspflichtverletzung begangen hatte. Die Bejahung dieser Frage hätte gemäss der damaligen Rechtsprechung dazu geführt, dass die an den Ehemann erfolgte Auszahlung der Austrittsleistung gegenüber der Ehefrau keine befreiende Wirkung gehabt hätte (mit Verweis auf BGE 128 V 41 und Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts B 58/01 vom 7. Januar 2004). Die Ehefrau hätte demzufolge im Scheidungsverfahren grundsätzlich Anspruch auf die Hälfte der dem Ehemann bereits ausbezahlten Austrittsleistung gehabt (Art. 122 aZGB). Zum anderen hätte der Beschwerdegegner seine Klientin dahingehend informieren müssen, dass das Scheidungsverfahren bis zum Entscheid im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren zu sistieren wäre. Denn vom Ausgang dieses Verfahrens wäre abhängig gewesen, ob im Rahmen des Vorsorgeausgleichs im Scheidungsverfahren trotz Barbezugs eine hälftige Teilung hätte vorgenommen werden können oder ob (lediglich) ein allfälliger Anspruch der Ehefrau auf eine angemessene Entschädigung gemäss Art. 124 aZGB verblieben wäre.