Citation: 6B_63/2020 E. 3.4.1

3.4.1. Dies gilt zunächst, soweit er eine Pflichtverletzung bestreitet: Nach den unbestritten gebliebenen vorinstanzlichen Erwägungen ist erstellt, dass die angewandte Operationsmethode sich weder dem Operationsbericht noch den übrigen Patientenakten des Spitals entnehmen lässt. Unbestritten ist zudem, dass der Beschwerdeführer die AirSeal-Methode erstmals anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erwähnt hat. Obgleich ihm während des Untersuchungsverfahrens mehrfach die Möglichkeit eingeräumt wurde, zu den drei von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Gutachten, welche das Ausmass der Luft im Bauch als indirekten Hinweis für eine Anastomoseninsuffizienz sahen, Stellung zu nehmen, hat er diese Methode nach den zutreffenden, nicht beanstandeten Erwägungen der Vorinstanz nie zur Sprache gebracht oder geltend gemacht, die in den Gutachten aufgrund der freien Luft gezogenen Schlüsse seien wegen der angewandten Operationsmethode zu relativieren. Selbst in seinem Fragekatalog an Prof. Dr. med. H.________ zur Erstellung seines Parteigutachtens sei die AirSeal-Methode vom Beschwerdeführer bzw. von seinem Verteidiger mit keinem Wort erwähnt worden, obschon die Frage nach der freien Luft sehr prominent thematisiert wurde (vgl. angefochtenes Urteil S. 39 und S. 48 f.). Wenn die Vorinstanz im Lichte dieser Umstände zum Schluss gelangt, dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zur AirSeal-Methode als mögliche Erklärung des Ausmasses an freier Luft im Bauchraum von D.E.________ sel. als nachgeschoben und nicht glaubhaft erscheinen, und der Operationsmethode - anders als von ihm erstmals in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung behauptet - keine entscheidende Bedeutung zukomme, ist sie weder in Willkür verfallen noch hat sie Bundesrecht verletzt. Die von der Vorinstanz diesbezüglich vorgenommene Beweiswürdigung lag ohne Weiteres in ihrer Kompetenz und setzte keine medizinische Sachkenntnis voraus. Entsprechend dem Ergebnis ihrer willkürfreien Beweiswürdigung bestand für sie auch kein Anlass, die Operationstechnik zu bestimmen. Die Vorinstanz durfte vielmehr davon ausgehen, dass in den Akten alle für die Beurteilung des Todesfalles nötigen Informationen vorhanden seien. Sie durfte die drei von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Gutachten vom 11. Februar 2011, vom 26. Februar 2013 und vom 23. Januar 2014 im Hinblick auf die Feststellung, wonach sich im Bauchraum von D.E.________ sel. zu viel Luft befunden habe, als schlüssig und nachvollziehbar erachten und auf diese abstellen. Dies gilt umso mehr, als dass der Beschwerdeführer zu Beginn des Verfahrens selber angab, dass die Menge an freier Luft ihn störte (kant. Akten pag. 62). Dass sich die Verfasser des Gutachtens vom 26. Februar 2013 auf Fachliteratur aus den Jahren 1991, 1993 und 2000 stützen, vermag die darin getroffenen Erwägungen zum Ausmass der freien Luft für sich allein nicht derart in Zweifel zu ziehen, als dass ein Abstellen der Vorinstanz auf dieses Gutachten als schlechterdings unhaltbar zu werten wäre. Dasselbe gilt in Bezug auf den beschwerdeführerischen Einwand, die Gutachter hätten in Kenntnis des letalen Ausgangs, aber ohne persönliche klinische Erfassung des Patienten geurteilt. Damit lässt sich keine Willkür in der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung belegen. Entsprechend zielt auch der sinngemässe Vorwurf, die Vorinstanz habe bei der Würdigung der Gutachten den Grundsatz "in dubio pro reo" verletzt, ins Leere. Inwiefern die Erwägung, dass "ungewöhnlich viel freie Luft vorhanden" bzw. "das Ausmass der freien Luft viel zu gross" gewesen sei, in sich widersprüchlich bzw. willkürlich sein sollte, ist sodann nicht ersichtlich. Aufgrund der vorhandenen Beweismittel (insbesondere gestützt auf die drei Gutachten vom 11. Februar 2011, vom 26. Februar 2013 und vom 23. Januar 2014) durfte die Vorinstanz willkürfrei davon ausgehen, dass die festgestellte Menge an freier intraperitonealer Luft 48 Stunden nach einer laparoskopischen Sigmaresektion nicht mehr alleine mit postoperativen Veränderungen erklärbar gewesen sei und einen indirekten Hinweis für das Vorliegen einer Anastomoseninsuffizienz bilde, ohne sich dabei auf ein Mass festlegen zu müssen. Ihre Feststellung, dass der Beschwerdeführer die CT-Bilder zusammen mit F.________ falsch interpretiert bzw. er die festgestellte Luft unterschätzt und den bestehenden Handlungsbedarf verkannt habe, gibt zu keiner Kritik Anlass. Soweit der Beschwerdeführer Diskrepanzen zwischen der vorinstanzlichen Erwägung, wonach die Entzündung mindestens 24 Stunden vor Eintritt des Todes von D.E.________ sel. ihren Anfang genommen habe, und der am 18. August 2010 um 9.35 Uhr abgenommenen Laborprobe einerseits sowie der um 21.00 Uhr desselben Tages gemessenen Körpertemperatur andererseits ortet, und dabei vorbringt, dass die gesamten Umstände zu seinen Gunsten zwanglos auch als völlig atypisch verlaufende Peritonitis eingeschätzt werden könnten, übersieht er, dass es zum Nachweis von Willkür nicht ausreicht, wenn eine andere Würdigung der Beweise ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erscheint (vgl. BGE 145 IV 154 E. 1.1; 143 IV 500 E. 1.1; 141 IV 305 E. 1.2; je mit Hinweisen). Auf sein Vorbringen ist insoweit nicht einzugehen. Ebensowenig ist ersichtlich, inwiefern die Erwägung der Vorinstanz, D.E.________ sel. habe eine Erhöhung der Körpertemperatur mit ansteigender Tendenz aufgewiesen unzutreffend sein sollte. Für den Zeitpunkt kurz nach der CT-Untersuchung trifft dies durchaus zu. So ist unbestritten, dass die gemessene Temperatur von D.E.________ sel. am 18. August 2010 um 9.30 Uhr 38.0 C°, um 11.30 Uhr 38.2 C° und um 14.45 Uhr 38.3 C° betrug. Die Messung um 21.00 Uhr, welche eine Temperatur von 37.7 C° ergab (zwischen 14.45 Uhr und 21.00 Uhr sind gemäss vorinstanzlichem Urteil keine Messungen mehr dokumentiert), vermag daran nichts zu ändern, zumal diese in einen Zeitraum fällt, für welchen - wie nachfolgend noch aufgezeigt wird - grundsätzlich offenbleiben kann, ob sich der Beschwerdeführer eine Sorgfaltspflichtverletzung zu Schulden habe kommen lassen. Im Übrigen setzt sich der Beschwerdeführer mit der vorinstanzlichen Erwägung, wonach er im Wissen um die bis zu diesem Zeitpunkt bestehenden Symptome sowie um die weiteren Entzündungswerte auch bei einer Messung von 37.7 C° hätte reagieren und D.E.________ sel. reoperieren müssen, nicht auseinander. Unzutreffend ist im Weiteren die Behauptung, wonach die Vorinstanz nicht dargelegt hätte, welche Handlungen nach der CT-Untersuchung erforderlich gewesen wären. Dem angefochtenen Urteil lässt sich entnehmen, dass nach der CT-Untersuchung eine Laboranalyse geboten gewesen wäre und die Vitalwerte (Blutdruck-, Puls- und Temperaturmessung) hätten überprüft werden müssen (vgl. angefochtenes Urteil S. 55 und 63). Damit hätte eruiert werden können, ob weitere medizinische Massnahmen bis hin zur Revision notwendig gewesen wären. Dass der Beschwerdeführer nach seiner Visite um 18.00 Uhr das Einlegen einer Magensonde veranlasst hat, wurde von der Vorinstanz berücksichtigt (vgl. etwa angefochtenes Urteil S. 50 f. und S. 62). Dessen ungeachtet hat sie erwogen, dass er damit nicht alle Handlungen vorgenommen habe, zu welchen er als behandelnder Arzt verpflichtet gewesen wäre. Dass sie aufgrund des Einlegens der Magensonde zu einer anderen Sachverhaltsfeststellung und Beurteilung der Sorgfaltspflichtverletzung als der Getroffenen hätte kommen müssen, ist weder hinreichend dargetan noch ersichtlich. Indem der Beschwerdeführer dem Bundesgericht in diesem Zusammenhang lediglich eine eigene Version des Sachverhalts unterbreitet, vermag er keine Willkür in der vorinstanzlichen Beweiswürdigung und Sachverhaltsfeststellung aufzuzeigen.