Citation: 7B_250/2022 E. 2.2.1

2.2.1. Seine Eingabe ist zuerst vom Bemühen geprägt, sämtliche Aussagen der im Befragungszeitpunkt neunjährigen Beschwerdegegnerin 2 als durch Suggestion kontaminiert und damit unbrauchbar abzutun. Entgegen seinen Ausführungen setzt sich die Vorinstanz mit der Aussagegeschichte und der Problematik möglicher Suggestionen (vgl. Urteil 6B_655/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 2.4.4 mit Hinweisen) - die entsprechenden theoretischen Grundlagen eingeschlossen - jedoch einlässlich auseinander und sie gelangt dabei zu einem differenzierten Ergebnis. So erachtet sie für die späteren Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 anlässlich der Erstbefragung vom 16. August 2018 durch die Polizei eine suggestive Beeinflussung als nicht ausgeschlossen und damit den Anklagesachverhalt "Eindringen mit Finger in Vagina und Anfassen des Penis" als nicht erstellt. Für den ersten Teil der Einvernahme hält sie solche Einflüsse jedoch mit überzeugender Begründung für ausgeschlossen: Die in diesem Teil von der Beschwerdegegnerin 2 deponierten Elemente, aus denen sich ergibt, dass der Beschwerdeführer ihr öfters unter der Unterhose ans Gefäss gefasst haben soll, wobei er ihr dafür einmal Fr. 50.-- versprochen habe, fänden sich bereits in der Erstbekundung gegenüber der Mutter am gleichen Morgen wieder. Ferner hält die Vorinstanz auch ein "Suggestionsgeschehen" innerhalb der Familie C.________ und namentlich im Zusammenhang mit der Schwester der Beschwerdegegnerin 2 in nachvollziehbarer Weise für ausgeschlossen. Aussageelemente, deren Entstehung unklar ist, lässt sie bei der Sachverhaltsfeststellung dagegen weg. Was der Beschwerdeführer diesem sorgfältigen Vorgehen der Vorinstanz entgegenzusetzen hat, bleibt ohne Erfolg: Dass bereits zu Beginn der umstrittenen Befragung suggestiv auf die Beschwerdegegnerin 2 eingewirkt worden wäre, vermag der Beschwerdeführer mit der Wiedergabe diverser Zitate von D.C.________, welche ihre Tochter zur Einvernahme begleitete, nicht darzutun. Aus diesen ergibt sich - wie auch von der Vorinstanz festgestellt - nur, dass die Mutter die Beschwerdegegnerin 2 dazu ermuntern wollte, die Fragen der Polizistin zu beantworten, nicht aber, dass sie Letztere in irgendeiner Form unter Druck gesetzt hätte, Aussagen in eine bestimmte Richtung zu machen bzw. dass sie ihr den Inhalt der Aussagen vorgegeben hätte. Mit der Vorinstanz ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die Mutter ein persönliches Interesse am Inhalt der Aussagen gehabt haben sollte oder weshalb die Beschwerdegegnerin 2 aufgrund deren Anwesenheit nicht wahrheitsgetreu hätte aussagen können. Ein Ausschluss von D.C.________ als Vertrauensperson (Art. 152 Abs. 2 StPO) gestützt auf Art. 154 Abs. 3 StPO war damit entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht angezeigt (vgl. STEFAN WEHRENBERG, in: Basler Kommentar Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 12 zu Art. 152 StPO). Ebenso unbehelflich ist der Hinweis des Beschwerdeführers auf den Umstand, dass die Beschwerdegegnerin 2 die ihr gestellten Fragen anlässlich der Erstbefragung oftmals durch Kopfnicken oder Kopfschütteln beantwortete. Hierbei ist zunächst von Relevanz, dass die von der Vorinstanz herangezogenen Fragen und Antworten auf den Depositionen von D.C.________ und dem, was die Beschwerdegegnerin 2 ihr am Morgen erzählt hatte, gründeten. Dieses Vorgehen ermöglichte es der Beschwerdegegnerin 2 nach zutreffender Einschätzung der Vorinstanz, überhaupt Aussagen zu machen. Zusätzliche Inhalte, welche in dieser Erstbekundung gegenüber der Mutter nicht auftauchen, verwertet die Vorinstanz wie bereits gesehen grundsätzlich nicht. Nebst dem tätigte die Beschwerdegegnerin 2 damals auch wesentliche eigenständige Aussagen, distanzierte sich teilweise (zugunsten des Beschwerdeführers) von denjenigen ihrer Mutter und sie wiederholte anlässlich der Einvernahme vom 16. September 2018 ihre Aussagen aktiv.