Citation: U 15/01 04.12.2001 E. 5

5.- Zu prüfen ist schliesslich die Leistungspflicht der Elvia in der Zeit vom 1. März 1993 bis 31. März 1997, d.h. zwischen Leistungseinstellung und Reoperation. a) Die Vorinstanz erwog, dass die anwaltlich vertretene Versicherte nach Einstellung der Taggeldleistungen keine weiteren Schritte gegen den Unfallversicherer unternommen habe, lasse darauf schliessen, dass sie diese hingenommen habe. Nicht nur sei sie mit Schreiben vom 4. März 1993 ausführlich und detailliert über die in Aussicht gestellte Erledigungsart informiert worden, sondern es sei ihr am 29. März (recte: Juli) 1993 auch eine Akontozahlung ausgerichtet worden. Es wäre der Versicherten, auch wenn sie das Angebot der Elvia nicht annehmen wollte, zumutbar gewesen, im Zeitraum der Vergleichsverhandlungen zumindest gegen die Einstellung der Taggeldleistungen zu intervenieren, was sie indessen unterlassen habe. Ihr neuer Rechtsvertreter habe sich erstmals am 1. November 1996 gemeldet. Bei dieser Sachlage könne nicht von einer Anfechtung innert vernünftiger Frist gesprochen werden. Demnach sei die Leistungseinstellung per 1. März 1993 in Rechtskraft erwachsen. Es sei weder ersichtlich noch werde von der Versicherten geltend gemacht, dass die Rückkommensvoraussetzungen der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision vor der Operation am 1. April 1997 erfüllt gewesen seien. Da die Einstellung der Leistungen per 28. Februar 1993 im vorliegenden Verfahren nicht angefochten werden könne, sei auf die Beschwerde, soweit es um Taggelder für die Zeit vom 1. März 1993 bis 31. März 1997 gehe, nicht einzutreten. b) Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden. Die Vorinstanz geht zwar zutreffend davon aus, dass die Elvia und die Versicherte in Vergleichsverhandlungen standen, stellt den Sachverhalt aber unvollständig dar. Nach Ausrichtung einer ersten Akontozahlung Ende Juli 1993 ersuchte nämlich der damalige Rechtsvertreter der Versicherten die Elvia mit Schreiben vom 20. Januar 1994 um Herausgabe der Röntgenbilder, um zum Vergleich Stellung nehmen zu können. Was in der Folgezeit geschah, lässt sich den Unterlagen nicht entnehmen; nach Darstellung der Versicherten bemühte sich ihr damaliger Rechtsvertreter um verschiedene medizinische Abklärungen, ohne sich allerdings je zum Vergleichsvorschlag zu äussern. Dokumentiert ist hingegen, dass die Elvia, als sie im November 1996 darüber informiert wurde, dass ein neuer Rechtsvertreter das Mandat übernommen hatte, diesen mit Schreiben vom 15. November 1996 über den Verfahrensstand orientierte, wobei sie namentlich die zur späteren Verrechnung unter allen anfallenden Titeln erfolgte Akontozahlung von Fr. 12'000.- erwähnte. Auf Ersuchen des neuen Rechtsvertreters leistete die Elvia sodann zu Beginn des Jahres 1997 eine weitere Akontozahlung von Fr. 10'000.-. Nachdem sie verschiedene neuere Berichte, darunter auch das Gutachten des Prof. Dr. med. L.________ vom 26. November 1998, zu den Akten genommen hatte, hielt sie in einem Schreiben vom 6. Januar 1999 fest, dass das am 4. März 1993 vergleichsweise und unpräjudiziell unterbreitete Erledigungsangebot zwar "allerspätestens nach heutigem Wissensstand eigentlich zurückgezogen werden müsste", sie jedoch bereit sei, "im Sinne eines wirklich ausserordentlichen Entgegenkommens, ohne jegliches Präjudiz, ohne Anerkennung einer Rechts- oder Leistungspflicht sowie ausdrücklich nur für den Vergleichsfall [...], diesen Vorschlag vom 04.03.1993 vorderhand noch aufrechtzuerhalten". Nachdem der Rechtsvertreter der Versicherten mit Telefon vom 11. März 1999 erklärt hatte, das Vergleichsangebot nicht akzeptieren zu können, erging schliesslich die Verfügung vom 9. April 1999. Unter diesen Umständen - namentlich mit Blick darauf, dass die Elvia selbst zu Beginn des Jahres 1999 noch vom Weiterbestand des Vergleichsangebotes, welches sie sodann ausdrücklich aufrechterhielt, ausging (andernfalls hätte die von ihr angesprochene Möglichkeit, dieses zurückzuziehen, gar nicht bestanden) - steht fest, dass sich die Vergleichsverhandlungen, anders als die Sachverhaltsdarstellung im angefochtenen Entscheid vermuten lässt - über einen sehr weiten Zeitraum (März 1993 bis März 1999) erstreckten. Solange die Parteien aber in Bezug auf die weitere Leistungspflicht in Verhandlung standen und somit noch mit einer einvernehmlichen Lösung rechneten, gab es für die Versicherte keinen Grund, sich - wie bei faktischem Verwaltungshandeln zur Verhinderung des Eintritts der Rechtsbeständigkeit praxisgemäss grundsätzlich vorausgesetzt - gegen die Leistungseinstellung zu verwahren. Unter den gegebenen Umständen stand nämlich für die Elvia klar fest, dass die Versicherte die Einstellung nicht akzeptierte, andernfalls die sich unter anderem gerade auf das Taggeld beziehenden Vergleichsverhandlungen überflüssig gewesen wären. Damit war den in Erwägung 2b dargelegten, Grundlage der Rechtsprechung bildenden Prinzipien der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes Genüge getan. Entgegen der im angefochtenen Entscheid vertretenen Auffassung rechtfertigt es sich bei dieser Sachlage nicht, von der Versicherten darüber hinaus zu verlangen, dass sie ausdrücklich opponiere. Verbietet sich nach dem Gesagten die Annahme, dass die Versicherte die Leistungseinstellung stillschweigend akzeptierte, braucht nicht geprüft zu werden, ob diesem Ergebnis bereits im Wege stünde, dass ein Verzicht - wie die Versicherte geltend machen lässt - mit Blick auf Art. 65 UVV ohnehin nur in schriftlicher Form gültig erklärt werden könnte (zu den strengen Voraussetzungen für die Annahme eines Verzichts: BGE 124 V 176 Erw. 3a, 101 V 265 Erw. 2) und es gegebenenfalls einer entsprechenden, vom Unfallversicherer zu erlassenden Verfügung bedürfte (Art. 99 Abs. 1 UVG; zum Ganzen: Maurer, a.a.O., S. 450 ff.). Was die Leistungspflicht der Elvia in der Zeit vom 1. März 1993 bis 31. März 1997 betrifft, ist die Vorinstanz somit zu Unrecht auf die von der Versicherten erhobene Beschwerde nicht eingetreten. Die Sache ist zur Festsetzung der der Versicherten in diesem Zeitraum zustehenden Leistungen an die Elvia zurückzuweisen.