Citation: 1A.235/2000 21.02.2001 E. 3

3. A., Zürich 1999, Zeitraum 1990-1994, VIII/7 Nr. 20, VIII/8 Nr. 22; Zeitraum 1995-1997, VIII/8 Nr. 8), oder wenn Angstneurosen zu einer eigentlichen Wesensveränderungen führen (Hütte/Ducksch, a.a.O., Zeitraum 1990-1994, VIII/10 Nr. 28). Ebenso wirkt eine jahrelange Todesangst, die beispielsweise mit einer HIV-Infektion einhergeht und gravierende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der infizierten Person hat, genugtuungserhöhend (BGE 125 III 412 E. 2b S. 418 f.; vgl. auch Hütte/Ducksch, a.a.O., Zeitraum 1995-1997, VIII/11 Nr. 8d). Hingegen ist eine bloss wenige Minuten dauernde Todesangst soweit ersichtlich für sich allein noch nie als Grund für eine Genugtuung betrachtet worden. Dies ist auch nicht angebracht: Eine kurze Angstsituation führt in der Regel nicht zu einer schweren Betroffenheit im Sinne von Art. 12 Abs. 2 OHG. Demzufolge müssen solche Angstsituationen in der Regel auch nicht genugtuungserhöhend wirken, wenn sie mit einem tatsächlich eingetretenen Unfall einhergehen. Straftaten im Sinne des Opferhilfegesetzes sind sehr häufig mit Angst für die Opfer verbunden. Dies ist gewissermassen der opferhilferechtliche Normalfall und bei der Bemessung der Genugtuung nicht besonders zu berücksichtigen. d) Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe das erhebliche Verschulden des verantwortlichen Piloten nicht berücksichtigt. Die Genugtuung bezweckt, die erlittene Persönlichkeitsverletzung oder Schmerzzufügung auszugleichen (BGE 123 III 10 E. 4c/bb S. 15; 116 II 733 E. 4f S. 734; Brehm, a.a.O., N. 9 zu Art. 47; Sidler, a.a.O., Rz. 10.25 S. 455 f.), nicht aber eine Bestrafung des Täters (BGE 115 II 156 E. 2 S. 158; Brehm, a.a.O., N. 44 ff. zu Art. 47; Sidler, a.a.O., Rz. 10.25 S. 455 f.). Ihre Höhe bemisst sich daher in erster Linie nach der Schwere der Beeinträchtigung und der Möglichkeit, diese durch eine Genugtuungszahlung auszugleichen (BGE 123 III 306 E. 9b S. 315; 118 II 410 E. 2a S. 413; 117 II 50 E. 4a/aa S. 60; 116 II 733 E. 4f S. 734). In der älteren Rechtsprechung wurde der Höhe des Verschuldens erhebliches Gewicht beigemessen (BGE 112 II 131 E. 2 S. 133; 108 II 422 E. 5 S. 432; 95 II 306 E. 4 S. 308; vgl. Brehm, a.a.O., N. 33 zu Art. 47). Diese Rechtsprechung basierte wesentlich auf der alten, bis 30. Juni 1984 geltenden Version von Art. 49 OR, wonach die Genugtuung vom Verschulden abhing. Mit der Streichung dieser Voraussetzung in der seit 1. Juli 1985 geltenden Fassung hat diese ältere Rechtsprechung ihre Rechtfertigung verloren (BGE 116 II 733 E. 4 f S. 735). Das Verschulden des Täters ist - abgesehen von der Abwägung gegenüber einem Mitverschulden des Geschädigten - hauptsächlich dann als genugtuungserhöhend zu berücksichtigen, wenn der Geschädigte dadurch eine zusätzliche Beeinträchtigung erlitten hat (BGE 116 II 733 E. 4h S. 736 f.; Brehm, a.a.O., N. 35 und 74 zu Art. 47; Sidler, a.a.O., Rz. 10.25 S. 455 f.), im Übrigen aber nur bei schwerem Verschulden wie besonderer Rücksichtslosigkeit oder Verwerflichkeit (Hütte/Ducksch, a.a.O., S. I/39 f, 71 f.). Bei der Genugtuung nach Opferhilfegesetz ist zudem die Besonderheit dieses Gesetzes zu beachten (vorne E. 3a). Der Umfang der Genugtuung richtet sich hier nicht nach dem Unrecht der Tat, sondern nach dem Leid der Betroffenen (Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 1999, BVR 1999 S. 486, E. 3c/cc). Das Sozialversicherungsgericht hat daher mit Recht das Verschulden des verantwortlichen Piloten nicht besonders gewürdigt. Zudem wäre dessen Verhalten wohl als fahrlässig, nicht aber als vorsätzlich und schon gar nicht als besonders rücksichtslos oder verwerflich zu beurteilen. e) Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, seine belastende versicherungsrechtliche Situation hätte genugtuungserhöhend berücksichtigt werden sollen. Er sei im Zeitpunkt des Unfalls nicht gegen Nichtbetriebsunfall versichert gewesen und die Haftpflichtversicherung der Flugzeughalterin lehne jede Haftung ab. Die Leistungen nach Opferhilfegesetz sind subsidiär zu anderen Leistungen (Art. 14 OHG). Sie kommen grundsätzlich erst dann zum Tragen, wenn sonst niemand Entschädigung oder Genugtuung erbringt. Das Fehlen einer anderweitigen (Versicherungs-)deckung ist somit im Rahmen von opferhilferechtlichen Ansprüchen der Normalfall und kann nicht für sich allein genugtuungserhöhend wirken. f) Schliesslich wirft der Beschwerdeführer der Vorinstanz vor, sie habe seine durch den Unfall verpasste berufliche Karriere als Pilot und Flugunternehmer nicht berücksichtigt, ebensowenig die krankheitsbedingte Aufgabe der nach dem Unfall begonnenen Tätigkeit als Finanz- und Wirtschaftsberater. aa) Der Verdienstausfall, der durch eine unfallbedingt verhinderte berufliche Möglichkeit entsteht, ist grundsätzlich nicht durch Genugtuung, sondern durch Schadenersatz für wirtschaftlichen Schaden (Art. 46 OR) bzw. Entschädigung (Art. 12 Abs. 1 OHG) auszugleichen. Darüber hinaus kann die durch den Unfall erzwungene Aufgabe des bisherigen Berufs einen schweren Eingriff in die persönlichen Verhältnisse darstellen und zu Genugtuung Anlass geben (BGE 124 II 8 E. 5 S. 16 ff.; Brehm, a.a.O., N. 168 zu Art. 47; Hütte/Ducksch, a.a.O., S. I/76). Die Genugtuung hat jedoch nicht den Zweck, die verpassten Verdienstmöglichkeiten kumulativ zur Entschädigung auszugleichen, sondern sie soll der immateriellen Beeinträchtigung Rechnung tragen, welche sich durch den Berufswechsel ergibt. In Lehre und Praxis finden sich wenig Hinweise auf die Höhe der Genugtuung, die infolge Berufswechsels zu bezahlen ist. Sidler (a.a.O., Rz. 10.58 S. 472) setzt dafür einen Zuschlag von bis zu 20% ein. bb) Die Rüge, die Vorinstanzen hätten dem Berufswechsel nicht Rechnung getragen, ist insofern aktenwidrig, als die Justizdirektion wie auch das Sozialversicherungsgericht bei der Festsetzung der Genugtuung berücksichtigt haben, dass der Beschwerdeführer nicht mehr auf seinem Beruf als Pilot arbeiten kann. Sie haben damit den Aspekt der beruflichen Einschränkung in die Beurteilung und Festlegung der Genugtuung einbezogen. Das Sozialversicherungsgericht hat bloss ausgeführt, bezüglich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten bevorstehenden Karriere als Pilot bzw. der entsprechenden Verdienstmöglichkeiten sei zu bemerken, dass dies vorliegend nicht genugtuungserhöhend berücksichtigt werden könne. Es hat damit eine besondere Berücksichtigung der entgangenen Verdienstmöglichkeiten abgelehnt, was nach dem Ausgeführten nicht zu beanstanden ist. cc) Nach der verbindlichen Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz waren dem Beschwerdeführer seit Oktober 1997 beispielsweise Büroberufe zu 100% zumutbar. Der Abbruch der Tätigkeit als Finanz- und Wirtschaftsberater ist demzufolge nicht krankheitsbedingt. Gemäss dem vom Beschwerdeführer selber eingereichten Bericht von Dr. A. Gonser vom 29. Januar 1999 hat er diese Tätigkeit deshalb aufgegeben, weil er sie nicht mit seiner persönlichen Einstellung habe vereinbaren können. Die Vorinstanz hat deshalb mit Recht den Abbruch dieser Tätigkeit nicht berücksichtigt, ebensowenig die sachverhaltsmässig nicht erstellte angebliche Fürsorgeabhängigkeit. g) Insgesamt ergibt sich, dass die von den kantonalen Instanzen ausgesprochene Genugtuung den von Lehre und Rechtsprechung aufgestellten Bemessungsgrundzügen Rechnung trägt. Sie berücksichtigt in bundesrechtskonformer Weise die Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigungen und den durch den Unfall erzwungenen Berufswechsel, während die übrigen vom Beschwerdeführer geltend gemachten Umstände nicht genugtuungserhöhend wirken.