Citation: 6B_1407/2019 E. 1.2.2

1.2.2. Sodann bestreite der Beschwerdeführer nicht, am 17. September 2016 den Geschlechtsverkehr mit der Beschwerdegegnerin 2 vollzogen zu haben. Es widerspreche indes jeder Lebenserfahrung, dass eine Person, die soeben Opfer einer versuchten Tötung geworden sei, unmittelbar nach dieser Tat das Bedürfnis hätte, mit dem Täter (freiwillig) Geschlechtsverkehr zu haben. Auch habe es sich nicht um einen gewöhnlichen Konflikt gehandelt, nach dem es gemäss Darstellung des Beschwerdeführers in der Beziehung der Beteiligten zur Normalität gehört habe, sich auf diese Weise, d.h. mit Koitus, zu versöhnen. Ohnehin sei von einem einseitigen Würgen des Beschwerdeführers, nicht von einem zweiseitigen Konflikt auszugehen. Die Beschwerdegegnerin 2 sei infolge des Würgens weder abwehr- noch einwilligungsfähig gewesen, was auch erkläre, dass in ihrem Vaginalbereich keine Verletzungen festgestellt worden seien. Aufgrund ihres soziokulturellen Hintergrundes erstaune es auch nicht, dass die Beschwerdegegnerin 2 erst bei der polizeilichen Einvernahme in Anwesenheit einer Frau vom erzwungenen Koitus gesprochen habe. Der Tatvorwurf sei erstellt. Die Vergewaltigung einer im neunten Monat schwangeren Frau kurz nach dem Versuch diese zu töten, zeuge zudem von einer besonderen Rücksichtslosigkeit resp. Rohheit und offenbare eine unbarmherzige Gesinnung bzw. Gefühllosigkeit gegen fremdes Leid. Dies, zumal die Tat nicht primär dem Lustgewinn gedient, sondern bezweckt habe, die durch die Würgeattacke wehrlos gewordene Beschwerdegegnerin 2 zu brechen. Es liege deshalb eine besondere Demütigung und Zufügung unnötigen psychischen Leids vor. Dies würde selbst dann gelten, wenn der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin 2 nicht noch den Mund zugehalten und gesagt hätte, sie solle ruhig bleiben, und wenn er sie das nächste Mal am Hals packe, werde er nicht mehr loslassen. Den Vorwurf der mehrfachen Drohung - einmal während der Vergewaltigung, ein weiteres mal kurz danach - bestreite der Beschwerdeführer ebenfalls nur pauschal, indem er vorbringe, die Beschwerdegegnerin 2 habe sich selbst widersprochen resp. sich bei einer späteren Einvernahme nicht daran erinnert. Dies sei indes angesichts des Zeitablaufs, der Menge an Vorwürfen und der Intensität der Tathandlungen verständlich. Der Anklagesachverhalt sei erstellt.