Citation: 1C_302/2022 E. 3.1

3.1. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass bei einer Gesamtbetrachtung keine Hinweise für eine Umgehungsabsicht bzw. einen offensichtlichen Rechtsmissbrauch vorliegen würden. Die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner bewohnten das bereits bestehende Chalet G.________ I und hätten angegeben, dass das streitbetroffene Chalet G.________ II dereinst von ihrer Tochter mit deren Familie bezogen und als neuer Erstwohnsitz benutzt werden soll. Die Vorinstanz verweist hierfür auf das bei den Akten liegende Bestätigungsschreiben der Tochter. Sie erachtet es als realistisch, dass der Wohnortwechsel der Tochter aus familiären Gründen erfolgen soll. Für die Annahme, dass die Umzugsabsichten nicht ernst gemeint seien, bestehe kein konkreter Anlass, zumal das geplante Chalet als Erstwohnsitz geeignet erscheine: Es liege in einem Wohngebiet in der Bauzone unweit des Zentrums von Gstaad und sei problemlos ganzjährig erreichbar. Da allgemein bekannt sei, dass in der Einwohnergemeinde Saanen auch vermögende Personen ihren Wohnsitz hätten, liessen die Grösse der geplanten Wohnung (Bruttogeschossfläche von ca. 850 m2) und die im Baugesuch angegebenen Baukosten (Fr. 6,3 Mio.) nicht auf eine Umgehungsabsicht schliessen. Dass die Raumaufteilung möglicherweise nicht derjenigen einer typischen Erstwohnung entspreche, schliesse die Nutzung des Chalets als Erstwohnung nicht aus, zumal es der Bauherrschaft grundsätzlich freigestellt sei, welchen Standard sie sich leisten wolle und wie sie die Raumaufteilung und -nutzung nach ihren eigenen Bedürfnissen vornehmen möchte.