Citation: 6B_549/2023 E. 4.3

4.3. Die Rügen des Beschwerdeführers erweisen sich als unbegründet, soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann. Der Beschwerdeführer kritisiert zunächst, die vorinstanzliche Feststellung, wonach er mit einem Strafaufschub gegenüber einem gesunden Täter besser gestellt wäre, sei falsch; denn ein Täter, der nicht an einer psychischen Störung leide wie er, wäre mit einer Bewährungsstrafe sanktioniert worden (Beschwerde S. 23). Dieser Einwand ist unbehelflich. Zum einen ist die Frage, ob die Voraussetzungen des bedingten Strafvollzugs nach Art. 42 StGB erfüllt gewesen wären, wenn die Anordnung einer ambulanten Massnahme nicht erforderlich gewesen wäre, nicht Verfahrensgegenstand (vgl. auch Beschwerde S. 27). Der Beschwerdeführer wendet sich weder gegen die Anordnung einer ambulanten Massnahme noch gegen den Verzicht der Vorinstanz, die ausgesprochene Freiheitsstrafe bedingt zu vollziehen (Urteil S. 75 und S. 83 ff.; Beschwerde S. 22). Zum anderen scheint er zu übersehen, dass die Vorinstanz im Rahmen ihrer Erwägungen einzig die Ausführungen eines Entscheids des Bundesgerichts wiederholt (Urteil S. 85 f. E. B. 1. f.; Urteil 6B_1388/2021 vom 3. März 2022 E. 3.3 mit Hinweisen). Darauf ist nicht zurückzukommen. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz einen Aufschub gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB ausschliesst und zum Schluss gelangt, die ambulante Behandlung könne auch im Strafvollzug erfolgen. Sie stellt zutreffend fest, gemäss den Ausführungen des Gutachters sei der Erfolg der ambulanten Massnahme durch den gleichzeitigen Vollzug der Strafe nicht gefährdet. Vielmehr könnten die Erfolgsaussichten einer ambulanten Therapie durch einen vorgängigen Strafvollzug verbessert werden (Urteil S. 87). Wenn der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang geltend macht (Beschwerde S. 24 ff.), die Aussagen des Sachverständigen anlässlich der Berufungsverhandlung seien nicht schlüssig sowie nachvollziehbar und würden zudem seinem (schriftlichen) Gutachten widersprechen, reisst er die Schlussfolgerungen des Experten auseinander bzw. missdeutet er diese. Im schriftlichen Gutachten hielt der Sachverständige betreffend Risikoeinschätzung u.a. fest, die gemäss Angaben des Beschwerdeführers seit 2016 bestehende, relativ stabile und konfliktarme Partnerschaft deute darauf hin, dass sich seine psychische Stabilität zwischenzeitlich verbessert habe und er heute offenbar über etwas mehr innere Ressourcen verfüge [...] (Gutachten vom 1. März 2022, kantonale Akten S. 95). Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers erklärt der Gutachter damit aber keineswegs, dass er sich seit den Delikten stabilisiert hat (Beschwerde S. 24). Die Vorinstanz hält weiter zutreffend fest, gemäss Gutachter weise der Beschwerdeführer Beeinträchtigungen auf, die in einem Behandlungsrahmen, wie insbesondere einem bestenfalls (offenen) Strafvollzug, anzugehen seien, der Gewähr für die erforderliche Struktur biete. Die beim Beschwerdeführer aufgrund seiner Störung fehlende Struktur würde von aussen her substituiert. In einem entsprechenden Setting mit institutionell klaren Strukturen und Regeln würden Menschen, die wie der Beschwerdeführer eine strukturell defizitäre Persönlichkeit aufweisen würden, mit einiger Wahrscheinlichkeit und anders als in Freiheit lernen, eigene innere Strukturen aufzubauen. Eine Vollzugsinstitution schaffe einen Rahmen, in dem der therapeutische Veränderungsprozess unterstützt werde (Urteil S. 87). Mit seinem Einwand, auch in Freiheit seien pro Woche mehrere Therapiesitzungen möglich (Beschwerde S. 25), vermag der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen, dass der Strafvollzug den Erfolg der Therapie vereiteln oder zumindest erheblich beeinträchtigen würde. Dass er aus seinem bisherigen Umfeld gerissen wird (Beschwerde S. 26 und S. 29), trifft im Übrigen in gleichem Ausmass auf nicht behandlungsbedürftige Straftäter zu. Dies ist die gesetzliche Folge der Delinquenz und der mit dem Strafvollzug einhergehenden Einschränkungen.