Citation: I 11/03 04.03.2004 E. 5

5.1 Vorliegend ist der Versicherte unstreitig in die Indikationsstufe 3 einzureihen, dies entsprechend dem Ergebnis des regel- und verfahrenskonform erfolgten Abklärungsverfahrens. Jedoch erachtete die Vorinstanz ein spezifisches Eingliederungsbedürfnis, das einer ausnahmsweise über die tarifarisch vorgesehenen Preislimiten hinausgehenden Versorgung bedürfe, als ausgewiesen. Sie verwies zunächst auf die bei der Hörmittelzentrale eingeholte Auskunft darüber, ob und mit welcher Hörgerätevorsorgung es möglich sei, mit einem Mobiltelefon zu telefonieren. Die Hörmittelzentrale habe im Schreiben vom 2. Mai 2002 ausgeführt, der Versicherte benutze seit 1995 das Hörgerätesystem Widex Quattro 9 mit Fernbedienung und vier ansteuerbaren Programmen. Insbesondere die Fernbedienung sei ein unverzichtbares Accessoire für den Versicherten, welches insbesondere für seine beruflichen Anforderungen (wechselnde akustische Situationen) unabdingbar sei. Nicht nur die Lautstärke, sondern auch die vier Programme ermöglichten ihm, bei wechselnden akustischen Situationen diskret, unauffällig und effizient die Hörsituation zu optimieren. Diese Technik sei allerdings analog. Zu beachten sei, dass eine Digitalisierung der Arbeitsplätze besonders bei der Kommunikation (ISDN, Nadel D) stattgefunden habe, die das folgende Problem mit sich gebracht hätte: Digitale Signale und Übertragungen könnten mit analogen Empfängern und Verstärkern nicht kommunizieren. Im Rahmen der Beantwortung der durch das Gericht gestellten Fragen sei durch den Hörgeräteakustiker nochmals ausgeführt worden, dass es demnach nur mit digitalen Hörgeräten möglich sei, digitale Signale - sei es über Natel oder ISDN - zu empfangen. Bei analogen Verstärkern entstehe nur undefinierbares Sprachrauschen. Es könne grundsätzlich mit jedem digitalen Hörgerät mobil telefoniert werden. Das Phonak Claro sei dank der Fernbedienung umschaltbar auf eine spezielle konfigurierte Telefoneinstellung (Rückkopplungsprobleme) und geräuschadaptierte Programme. Kostengünstigere Hörgeräte mit Digitaltechnik seien in der Zwischenzeit von verschiedenen Lieferanten erhältlich. Der Preisunterschied liege in der Qualität der Technik. Im Weiteren biete kein anderer Lieferant ausser der Firma Phonak Modelle mit Fernbedienung an. Das ausnahmsweise Abweichen von der tarifarischen Preislimite begründete die Vorinstanz damit, es sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdegegner in seiner Erwerbstätigkeit eher komplexen akustischen Situationen (Notwendigkeit der Benützung von Mobiltelefonen und Abhalten von Meetings und Schulungen) ausgesetzt sei. Gleichzeitig sei aber auch festzuhalten, dass heute in ganz verschiedenen Tätigkeiten vorausgesetzt werde, dass das Telefonieren mit einem Mobiltelefon möglich sei, so beispielsweise bei allen Aussendienstmitarbeitern und -mitarbeiterinnen. Als Besonderheit müsse daher für den vorliegenden Fall anerkannt werden, dass der Versicherte darüber hinaus in seinem beruflichen Umfeld darauf angewiesen sei, ein Hörgerät benutzen zu können, das nicht nur mobiltelefontauglich sei, sondern auch mit einer Fernbedienung kombiniert werden könne. Dass er gerade diese Fernbedienung als Accessoire brauche, werde ihm sowohl von der Hörmittelzentrale wie auch durch Dr. med. M.________, Spezialärztin FMH Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten in ihrer Expertise 2 vom 12. Mai 1995 attestiert. Es zeige sich nach den Ausführungen der Hörmittelzentrale, dass das angepasste Hörgerät Phonak Claro 21 dAZ in Ermangelung von Alternativen auch das einfachste und zweckmässigste sei. Ferner sei nicht zu vernachlässigen, dass das gewählte Gerät durch dessen technische Möglichkeiten auch zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit des Versicherten notwendig sei. 5.2 Dieser Auffassung ist beizupflichten. Die von der Vorinstanz ausführlich dargelegten Umstände, welche im Einklang mit der Aktenlage stehen, machen in schlüssiger Weise deutlich, dass beim Beschwerdegegner eine Versorgung mit den beantragten Hörgeräten insofern als geboten und notwendig erscheint, als nur diese den besonderen beruflichen Anforderungen des Versicherten genügen und dass nur damit der Eingliederungserfolg einer hinreichenden Verständigung im beruflichen Umfeld gewährleistet werden kann. Was das BSV in seiner Verwaltungsgerichtsbeschwerde dagegen vorbringt, ist nicht stichhaltig. Soweit es sich in allgemeiner, grundsätzlicher Weise gegen die Möglichkeit eines ausnahmsweisen Abweichens vom Tarifvertrag wendet und eine gerichtliche Prüfung, ob die tarifarisch vergüteten Höchstpreise dem invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnis im konkreten Einzelfall Rechnung tragen, ausschliesst, wurde mit Verweis auf die Erwägungen im zitierten Urteil L. bereits ausführlich dargelegt, dass diese Auffassung rechtlich nicht Stand hält. Aber auch die fallbezogenen Einwände des BSV, wonach im Vergleich zu anderen Berufen wie Lehrer und Bankfachmann kaum von einer überdurchschnittlich hohen kommunikativen Anforderung der Erwerbstätigkeit des Versicherten ausgegangen werden könne, die Notwendigkeit der Benutzung eines Natels in der heutigen Zeit nicht mehr als etwas Ausserordentliches zu bezeichnen und die Unabdingbarkeit der Fernbedienung für die beruflichen Anforderungen zu relativieren sei, überzeugen nicht. Sie vermögen die schlüssigen Darlegungen der Vorinstanz nicht zu entkräften, zumal dem Versicherten von der IV-Stelle bereits anlässlich der Hörgeräteversorgung im Jahre 1995 eine Fernbedienung zugesprochen worden war und überdies der Vergleich mit dem Lehrerberuf auch insofern nicht verfängt, als der Versicherte gerade auch als Fachreferent für Steuerrecht an verschiedenen Institutionen tätig ist.