Citation: 5C.102/2001 22.06.2001 E. 3

3.- Die Gutachten, von denen abzuweichen die kantonalen Gerichte keinen triftigen Grund gesehen haben, halten fest, dass bei der Beklagten eine infantil-abhängige Persönlichkeitsstörung von schwerem Ausmass mit einer Zwangsstörung von wahnhaft-psychotischem Ausmass sowie erheblichen Problemen in der Lebensbewältigung und in der Beziehung zu den Eltern vorliege; ihre Unselbstständigkeit und Abhängigkeit hätten sich im Vergleich zur Voruntersuchung vor einem Jahr noch gefestigt. Gestützt darauf hat das Obergericht angenommen, die Beklagte leide an einer langjährigen Persönlichkeits- und Zwangsstörung und nicht bloss - wie sie behaupte - an einer vorübergehenden "neurotischen Problematik". Zwar werde im ersten Gutachten in der Tat darauf hingewiesen, dass die Symptomatik im Verlaufe einer stationären Behandlung im Jahre 1988 sowie einer Hospitalisation vom 25. November bis 27. November 1995 nicht beobachtet worden sei. Da es sich aber jeweils um Aufenthalte von nur kurzer Dauer gehandelt habe, könne daraus nicht geschlossen werden, dass Umgebungsänderungen die Waschsymptomatik definitiv beeinflussen oder gar beseitigen könnten; das Krankheitsbild habe sich nach der Entlassung denn auch wieder in unverändertem Ausmass gezeigt (E. 5c S. 9 des obergerichtlichen Urteils). In tatsächlicher Hinsicht ergänzt die Beklagte, dass ihre persönlichen Erklärungen betreffend Toilettenbenützung und häufigem Duschen deutlich machten, dass die Waschsymptomatik bei ihr graduell verschieden sein könne und dass sie dieses Problem zur Zeit nicht habe. Die Sachverhaltsrüge ist unzulässig: Was sich aus den Gutachten ergibt und wie Parteiaussagen beweismässig zu bewerten sind, bilden Fragen der Beweiswürdigung, die nur mit staatsrechtlicher Beschwerde angefochten werden kann (Schnyder/Murer, N. 137 zu Art. 374 ZGB). Weiter erblickt die Beklagte ein offensichtliches Versehen darin, dass das Obergericht die von ihr angegebene Aktenstelle nicht zitiert habe, wonach gemäss Gutachten durch testpsychologische Untersuchungen eine psychotische Störung nicht eruiert werden konnte (act. 24). Das behauptete Versehen ist unerheblich: Die erwähnte Stelle im Gutachten betrifft den (medizinischen) Befund (Ziffer 2) und damit weder die für das Obergericht massgebende gutachterliche Beurteilung (Ziffer 3) noch die entscheidwesentlichen Antworten der Gutachter auf die vom Gericht gestellten Fragen (Ziffer 4); sie ist für die obergerichtlichen Tatsachenfeststellungen ohne Bedeutung und beeinflusst damit die Rechtsanwendung nicht (BGE 61 II 114 E. 2 S. 117; 118 IV 88 E. 2b S. 89; Urteil des Bundesgerichts vom 5. Dezember 1995, E. 3b, SJ 1996 353). Geisteskrankheit im Gesetzessinne liegt vor, wenn bei einem Menschen auf die Dauer psychische Störungen bzw. psychische Symptome und Verlaufsweisen auftreten, die einen stark auffallenden Charakter haben und die einem besonnenen Laien den Eindruck uneinfühlbarer, qualitativ tiefgehend abwegiger, grob befremdender und daher prinzipieller Störungszeichen machen (Langenegger, N. 21 zu Art. 369 ZGB; Geiser, Basler Kommentar, N. 7 zu Art. 397a ZGB). Dass der abnorme Geisteszustand "dauernder Natur" sein muss (BGE 118 II 254 E. 4a S. 261), schliesst entgegen der Annahme der Beklagten schubweise verlaufende Krankheiten begrifflich nicht aus (Deschenaux/Steinauer, Personnes physiques et tutelle, 4.A. Bern 2001, N. 122c S. 38; BGE 96 II 369 E. 1a-c S. 371 f.: paranoid-halluzinatorische Schizophrenie in Schüben mit Remissionszeiten); diesfalls kann sich allerdings fragen, ob die Auswirkungen einer solchen Geisteskrankheit eine Entmündigung erfordern oder ob eine weniger weit gehende Massnahme genügt (E. 6b hiernach; BGE 96 II 369 E. 1d-f S. 373 ff.: Verbeiratung). Dass angesichts des gutachterlich festgestellten Krankheitsbildes von einer Geisteskrankheit im gezeigten Sinne ausgegangen werden durfte, steht ausser Zweifel. Die bedrängenden Ängste der Beklagten, nach draussen zu gehen, gewisse Dinge anzufassen u.a.m., wie auch ihr schwer zu unterdrückendes Bedürfnis, sich täglich mehrmals zu waschen, manifestieren ein dermassen auffälliges Verhalten, das dem Durchschnittsmenschen völlig fremd bleiben muss und von ihm gefühlsmässig nicht mehr nachvollzogen werden kann (für Abgrenzungen: Schnyder/Murer, N. 30-41 zu Art. 369 ZGB; Spirig, Zürcher Kommentar, N. 25 ff. zu Art. 397a ZGB).