Citation: I 224/99 05.05.2000 E. 3

3.- In medizinischer Hinsicht steht fest und ist un- bestritten, dass der Beschwerdeführer für körperlich leich- te Arbeiten zu 50 % arbeitsfähig ist. Gemäss den überein- stimmenden Arztberichten sollte er körperlich anstrengende Arbeiten sowie längeres Stehen vermeiden und keine schweren Lasten heben oder tragen. Streitig und zu prüfen ist, wie sich diese festgestellte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erwerblich auswirkt. a) Vorinstanz und Verwaltung gingen bei der Invalidi- tätsbemessung hinsichtlich des hypothetischen Einkommens ohne Invalidität (Valideneinkommen) von einem Jahresein- kommen des Beschwerdeführers aus selbstständiger Erwerbs- tätigkeit als Händler und Scherenschleifer von Fr. 18'900.- aus. Sie stützten sich dabei auf die in der Steuerperiode 1995/96 erfolgte Bemessung nach Aufwand, nachdem der letzte Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) aus dem Jahr 1995 stammte (Fr. 17'800.-) und gemäss der IK-Zusammenstellung von Beginn weg immer nur niedrige Beiträge abgerechnet worden waren. Hinsichtlich des Invalideneinkommens stellten sie sich auf den Standpunkt, dass es dem Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung möglich und zumutbar wäre, körperlich leichte Montagearbeiten zu 50 % zu verrichten, wofür er beispielsweise in der Band- Genossenschaft unter Berücksichtigung eines Abzugs von 20 % einen Jahreslohn von Fr. 14'560.- erzielen könnte. Aus der Gegenüberstellung dieser beiden Einkommen resultierte eine Erwerbseinbusse von 23 %, weshalb der Anspruch auf eine Invalidenrente verneint wurde. b) Vorab gilt es Folgendes zu bemerken: Steht fest, dass ein Versicherter bereits als Valider aus invaliditäts- fremden Gründen (wie vorliegend beispielsweise die Tat- sache, dass der Beschwerdeführer ein Fahrender ist) nur ein erheblich unterdurchschnittliches Erwerbseinkommen erziel- te, so ist diesem Umstand im Rahmen der Invaliditätsbemes- sung entweder überhaupt nicht oder bei beiden Vergleichs- einkommen Rechnung zu tragen (ZAK 1989 S. 458 Erw. 3b; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 104 Erw. 5b). Wird diesfalls beim Invali- deneinkommen die der verbliebenen Leistungsfähigkeit ent- sprechende übliche Entlöhnung herangezogen, so darf deshalb das Valideneinkommen nicht nach Massgabe des vor Eintritt der Invalidität effektiv erzielten Lohnes ermittelt werden. Es wäre vielmehr für die Ermittlung des Valideneinkommens allenfalls auf die entsprechenden statistischen Tabellen- löhne und nicht auf das letzte Einkommen abzustellen. Vor- instanz und Verwaltung haben beim Einkommensvergleich die- sem Umstand nicht Rechnung getragen. Dies Nachzuholen kann jedoch unterbleiben, da - wie nachfolgend ausgeführt wird - zur Ermittlung des Invaliditätsgrades vorliegend nicht die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs, sondern das ausserordentliche Bemessungsverfahren zur Anwendung ge- langt. c) Es steht fest und wird nicht bestritten, dass der Beschwerdeführer ein Mitglied des fahrenden Volkes ist und sich seinen Lebensunterhalt als selbstständiger Messer- und Scherenschleifer verdient hat. Daneben übt er ehrenamtlich die Funktion des Präsidenten des Kulturzentrums der Fahren- den aus. Für den Fall einer regelmässigen Tätigkeit in einer Fabrik, wie bei der Ermittlung des Invalideneinkom- mens angenommen wurde, müsste er sesshaft werden. Dies würde für den Beschwerdeführer, wie zu Recht eingewendet wird, einen weitgehenden Verlust der familiären und kultu- rellen Beziehungen, und damit einhergehend die Gefahr der Entwurzelung zur Folge haben. Diese Umstellung ist dem Ver- sicherten nicht zuzumuten, umso weniger als er heute be- reits 60 Jahre alt ist und auch von medizinischer Seite eine Belassung in den bekannten sozialen Verhältnissen empfohlen wird. Entgegen der Vorinstanz ist es dem Be- schwerdeführer unter diesen Umständen nicht zuzumuten, den Beruf zu wechseln und eine Tätigkeit als Fabrikarbeiter auszuüben. Zudem ist die Lebenssituation des Beschwerde- führers bzw. dessen Betroffenheit in der Lebensgestaltung mit derjenigen eines über 50jährigen Bauern - dem ein Be- rufswechsel zugemutet wurde - nicht zu vergleichen. Da bei dieser Ausgangslage ein zuverlässiger Einkom- mensvergleich nicht möglich ist, gilt es den Invaliditäts- grad in Anwendung des ausserordentlichen Bemessungsver- fahrens zu bestimmen (vgl. Erw. 2 hiervor). Dazu ist zu- nächst ein Betätigungsvergleich vorzunehmen, bei dem zu prüfen ist, welche bisherigen Arbeiten der Versicherte wegen seines Gesundheitsschadens nicht mehr ausführen kann. Die noch vorhandene Arbeitsfähigkeit im bisherigen Auf- gabenbereich ist mit dem Leistungsvermögen im Gesundheits- fall zu vergleichen. Diese Differenz entspricht dann dem Grad der Arbeitsunfähigkeit und ist in erwerblicher Hin- sicht zu gewichten. Die Tätigkeit als Präsident des Kultur- zentrums ist, obwohl ehrenamtlich ausgeübt, ebenfalls zu berücksichtigen. Entgegen der Auffassung des Beschwerde- führers lässt sich nicht einfach von der medizinisch-theo- retischen Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit auf eine entsprechende Beeinträchtigung in der Erwerbsfähigkeit schliessen und ein Invaliditätsgrad von 50 % annehmen. Es erweist sich mithin als unumgänglich, die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie in Anwendung des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens den Invaliditäts- grad neu bestimme.