Citation: 6B_26/2017 E. 2.2.3

2.2.3. Sodann bezeichnet die Beschwerdeführerin den Schluss als bundesrechtswidrig, das Notwehrverhalten des Beschuldigten sei erforderlich und verhältnismässig gewesen (vgl. Art. 15 StGB). Gemäss Vorinstanz war das mutmassliche Vorgehen des Beschuldigten erforderlich, um weitere Angriffe auf sein Gesicht abzuwenden. Angesichts gleichwertiger Rechtsgüter (Schutz vor Verletzungen im Gesicht mit Gefahr von Augenverletzungen einerseits, Gefahr einer Bänder- oder Gelenkkapselverletzung an Handgelenk und Arm anderseits) sei auch die Verhältnismässigkeit im engeren Sinn zu bejahen. Die Beschwerdeführerin hält dagegen, der Beschuldigte sei ihr physisch hoch überlegen. Es sei nicht mehr verhältnismässig - und das Notwehrrecht überschritten -, wenn ein stämmiger Mann einer kleinen und zierlichen Dame den Arm verdrehe, bis ihr Handgelenk verstaucht sei, um angeblich rechtswidrige Angriffe abzuwenden, die sich indes im Bereich der Tätlichkeiten oder gerade noch einer einfachen Körperverletzung bewegten. Zur Verteidigung hätte es genügt, ihren Arm einfach festzuhalten. Diese Betrachtungsweise lässt die Dynamik des Geschehens ausser Acht: Einen gegenwärtigen tätlichen Angriff, der sich bereits in (wenn auch geringfügigen) Gesichtsverletzungen manifestiert hat, konnte der Beschuldigte offenkundig nicht mehr rein statisch, durch blosses Festhalten des Armes der Kontrahentin, abwehren. Ein reflexhaftes Abdrehen des Arms erscheint hier nicht als vermeidbare Vergeltung - gegebenenfalls als Notwehrexzess -, sondern als natürlicher Begleitumstand der Abwehrbewegung. In einer solchen Situation besteht auch für einen körperlich überlegenen Angegriffenen kein Spielraum für eine zurückhaltendere Verteidigung. Unter diesen Umständen lassen sich aus der Physis der Beteiligten keine Rückschlüsse auf das notwehrrechtlich Erlaubte ziehen. Die von der Beschwerdeführerin verlangten zusätzlichen Abklärungen, etwa betreffend die Statur der Beteiligten, sind somit entbehrlich.