Citation: I 3/05 17.06.2005 E. 4.1

4.1.1 In tatsächlicher Hinsicht ist davon auszugehen, dass die Verwaltung auf die Neuanmeldung im Februar 2001 eingetreten ist, um mit Verfügung vom 17. Juni 2003, bestätigt durch den Einspracheentscheid vom 12. Januar 2004, einen Anspruch auf eine Invalidenrente mangels leistungsbegründender Invalidität zu verneinen. Die IV-Stelle begründete die Verfügung vom 17. Juni 2003 damit, laut Gutachten der MEDAS des Spitals Q.________ (vom 10. April 2003) sei dem Versicherten eine leidensangepasste Tätigkeit im Umfang von 80 % zumutbar, was ihm ermögliche, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Seit Erlass der letzten rentenablehnenden Verfügung sei keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten. 4.1.2 Der Beschwerdegegner rügte einspracheweise, die Verwaltungsverfügung sei in Verletzung der Begründungspflicht ergangen; insbesondere sei nicht nachvollziehbar, wie die IV-Stelle angesichts der zahlreichen Arztberichte zum Schluss gelangt sei, es bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von 80 %. Das Ausserachtlassen anderer Beweismittel stelle eine willkürliche Beweiswürdigung dar. Der Umstand, dass ihm das Administrativgutachten erst nach Erlass der Verfügung vom 17. Juni 2003 eröffnet worden sei und er keine Gelegenheit gehabt habe, seinerseits Fragen an die Gutachter zu stellen, missachte den Anspruch auf rechtliches Gehör. Das Administrativgutachten wurde vom Beschwerdegegner als unvollständig beanstandet, weil die aktenkundige Diagnose einer Fibromyalgie nicht berücksichtigt worden sei; schliesslich wurde unter dem Titel "Falsche Würdigung des MEDAS-Gutachtens" geltend gemacht, es bestehe aktuell nurmehr eine Arbeitsfähigkeit von maximal 33 1/3 %. 4.1.3 Im Einspracheentscheid fasste die Beschwerdeführerin den Sachverhalt kurz zusammen (Ziff. 1), gab die Grundsätze zum Beweiswert ärztlicher Berichte wieder (Ziff. 2) und erwog, gemäss Gutachten der MEDAS habe sich der Gesundheitszustand inzwischen nicht verschlechtert; eine der Behinderung angepasste Tätigkeit sei zu 80 % und während acht Stunden täglich zumutbar. Das Gutachten der MEDAS erfülle die von der Rechtsprechung formulierten Voraussetzungen und es seien keine Indizien ersichtlich, die gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen würden. Dass die bisherige Tätigkeit nicht derart angepasst werden könne, sei im Rahmen der Invalidenversicherung nicht beachtlich. Nach Ausführungen zu den er-werblichen Auswirkungen der erhobenen Restarbeitsfähigkeit wurde abschliessend erneut festgehalten, der Gesundheitszustand habe sich seit der letzten Abweisungsverfügung nicht verändert, womit sich auch betreffend Invaliditätsgrad keine nennenswerten Veränderungen ergeben hätten. Die angefochtene Verfügung sei somit genügend begründet. Die Einsprache sei abzuweisen, es bestehe kein Anspruch auf eine Rente (Ziff. 3). 4.2 Die polydisziplinäre Expertise der MEDAS (vom 10. April 2003) gliedert sich in drei Teile ("A. Klinische Grundlagen", "B. Beurteilung und Prognose" und "C. Fragen"), beruht auf allseitigen Untersuchungen und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden. Sie umfasst ein psychiatrisches sowie ein rheumatologisches Teilgutachten. Laut psychiatrischer Teilexpertise (vom 18. Februar 2003) leidet der Beschwerdegegner an einer Somatisierungsstörung (ICD-10 F 45.0), weswegen er in seiner Arbeitsfähigkeit als Radio-TV-Fachmann leicht eingeschränkt sei. Es könne aus psychiatrischer Sicht zwar von einem zumutbaren vollen Arbeitspensum ausgegangen werden; hingegen sei die Leistungsfähigkeit um 20 % vermindert. Im rheumatologischen Teilgutachten (vom 3. Februar 2003) werden als Hauptdiagnosen ein chronisches lumbales Schmerzsyndrom, eine posttraumatische Periarthropathia humeroscapularis rechts sowie ein leichtes rezidivierendes Zervicalsyndrom genannt. Hinsichtlich leidensangepasster, leichter Tätigkeiten (wechselbelastend, insbesondere rückenschonend, ohne Heben und Tragen über 20 Kilogramm schwerer Lasten) bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, falls die vorgeschlagenen Ergänzungsuntersuchungen (MRI-Abklärung der Lendenwirbelsäule und der Iliosakralgelenke mit Kontrastmittel und mit Funktionsaufnahme) keine neue Fakten zutage brächten. Dagegen wir im Hauptgutachten (S. 21) festgehalten: Alle "leichten, wechselbelastenden, ergonomisch günstigen Tätigkeiten können zugemutet werden. Für eine angepasste Tätigkeit besteht eine Arbeitsfähigkeit von 80 % aus rheumatologisch/internistischer Sichtweise. Gleichzeitig ist jedoch die Leistungsfähigkeit aufgrund der Somatisierungsstörung in solchen angepassten Tätigkeiten eingeschränkt. Die Leistungsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten beträgt vor allem aus Gründen der Somatisierungsstörung 80 %." Somit bestehen offenkundig gewisse Unklarheiten darüber, ob und in wieweit die Arbeitsfähigkeit nach Auffassung der involvierten Gutachter aus psychischen und/oder rheumatologisch-internistischen Gründen vermindert ist. Hinzu kommt, dass die Einschätzung des Rheumatologen unter dem Vorbehalt weiterer Untersuchungen erfolgte, die nach Lage der Akten anscheinend nicht durchgeführt wurden. Deswegen ist die gesamtgutachterliche Stellungnahme in der aktuellen Form nicht ohne Weiteres voll beweiskräftig. Bei dieser Sachlage wäre die Verwaltung gehalten gewesen, sich mit den aufgezeigten Ungereimtheiten auseinanderzusetzen und diese im Rahmen einer eingehenden Beweiswürdigung als Teil der Begründung des Einspracheentscheides auszuräumen oder - falls nicht möglich - ergänzende Beweisvorkehren zu treffen, so etwa in Form einer Rückfrage bei der MEDAS. Indem die IV-Stelle stattdessen im Einspracheentscheid bloss festhielt, die Expertise sei voll beweiskräftig und es werde auf die gutachterliche Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit abgestellt, hat sie ihren Entscheid im Lichte des Gesagten (Erw. 3.2.4) nicht rechtsgenüglich begründet. Hinzu tritt, dass sich die Verwaltung mit keinem Wort zur formellen - selbstständigen - Rüge ausgesprochen hat, beim Erlass der strittigen Verwaltungsverfügung vom 17. Juni 2004 sei der Anspruch des Beschwerdegegners auf rechtliches Gehör verletzt worden. Schliesslich ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass die substantiierte Rüge, die Diagnose einer Fibromyalgie sei im polydisziplinären Gutachten der MEDAS unberücksichtigt geblieben, einer Auseinandersetzung im Einspracheentscheid bedurft hätte (vgl. Erw. 3.2.1 hievor). Ob das im Gutachten der MEDAS diagnostizierte psychische Leiden einer Somatisierungsstörung mit der traditionell in den Formenkreis der rheumatologischen Erkrankungen fallenden Diagnose einer Fibromyalgie gleichgesetzt werden kann, wie es die Beschwerdeführerin letztinstanzlich unter Berufung auf das nicht veröffentlichte Urteil P. vom 10. März 2003, I 721/02, geltend macht, kann hier offen bleiben und ändert an der fehlenden genügenden Begründung nichts. 4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der kantonale Rück-weisungsentscheid vor Bundesrecht standhält.