Citation: 8C_391/2023 E. 8.2

8.2. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass im Verfahren vor der IV-Stelle sehr wohl eine anwaltliche Vertretung erforderlich gewesen sei. Mit ihren Einwänden vermag sie jedoch nicht durchzudringen. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, ging es im Verwaltungsverfahren betreffend die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin im Wesentlichen um die rechtliche Würdigung der medizinischen Akten, namentlich zunächst der Berichte des behandelnden Dr. med. E.________ und später des Gutachtens der ABI sowie der beiden Berichte der Psychiatrischen Klinik F.________. Hierfür sind zwar in der Regel medizinische Kenntnisse und juristischer Sachverstand erforderlich, über die die versicherten Personen gemeinhin nicht verfügen. Gleichwohl kann allein deswegen nicht von einer komplexen Fragestellung gesprochen werden, die eine anwaltliche Vertretung gebieten würde. Die gegenteilige Auffassung liefe darauf hinaus, dass in praktisch allen Verwaltungsverfahren, in denen medizinische Unterlagen zur Diskussion stehen, der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung bejaht werden müsste, was der Konzeption von Art. 37 Abs. 4 ATSG als Ausnahmeregelung widerspräche (zum Ganzen vgl. Urteil 8C_149/2021 vom 18. Mai 2021 E. 5.2 mit Hinweisen). Es müssten demnach weitere Umstände hinzutreten, welche die Sache vorliegend als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche Vertretung als notwendig bzw. sachlich geboten erscheinen lassen. Dabei ist ein strenger Massstab anzulegen (BGE 132 V 200 E. 5.1.3). Entgegen der Beschwerde ergeben sich solche Umstände nicht daraus, dass die IV-Stelle eine Verschlechterung des Gesundheitszustands mit Vorbescheid vom 21. April 2021 zunächst als nicht glaubhaft erachtete. Von schwierigen rechtlichen oder tatsächlichen Fragen, die ausnahmsweise den Beizug eines Anwalts erfordert hätten, kann vorliegend daher nicht gesprochen werden. In einem solchen Fall haben sich unterstützungsbedürftige Rechtsuchende mit dem Beizug von Fach- und Vertrauensleuten sozialer Institutionen bzw. unentgeltlicher Rechtsberatungen zu behelfen (vgl. vorne E. 3.2.3; SVR 2018 IV Nr. 32 S. 103, 9C_436/2017 E. 3.6.3 am Ende; SVR 2017 IV Nr. 57 S. 177, 8C_669/2016 E. 3.3.3). Weshalb eine gehörige Vertretung durch den Sozialdienst G._______, welcher die Beschwerdeführerin seit Jahren unterstützt, vorliegend objektiv ausser Betracht gefallen sein soll, wird in der Beschwerde nicht hinreichend dargelegt. Die pauschale und unbelegt gebliebene Behauptung, der Sozialdienst habe ihr keine Unterstützung angeboten, weil er eine Neuanmeldung bei der Invalidenversicherung als unnötig erachtet habe, reicht hierfür nicht aus. War eine Vertretung durch den Sozialdienst G._______ somit nicht objektiv ausgeschlossen, zielt letztlich auch der Einwand der Beschwerdeführerin ins Leere, sie sei gesundheitlich bedingt nicht in der Lage gewesen, ihre rechtlichen Interessen im Verfahren alleine zu wahren.