Citation: 8C_724/2022 E. 5.2

5.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Beurteilung der Abklärungsperson stehe in erheblichem Widerspruch zur Einschätzung ihres behandelnden Psychiaters. So halte Dr. med. B.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in seiner Stellungnahme vom 23. Juli 2021 fest, nur dank der erhaltenen Hilfe in lebenspraktischen Angelegenheiten habe bislang eine Einweisung in eine Institution mit ganztägiger Betreuung verhindert werden können. Sie sei - aufgrund sexuellen Missbrauchs unter Gewaltandrohung in der Vergangenheit - schwer traumatisiert und leide unter einer chronischen posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) mit ausgeprägten Ängsten und Zwängen. Ferner komme es immer wieder zu Dissoziationen. Dabei gerate sie in einen ausgesprochenen Spannungszustand, verliere schliesslich das Bewusstsein, stürze und steigere sich in eine extreme körperliche Spannung hinein mit Atembeschwerden, bis sich der Zustand spontan wieder löse und sie danach meist in einen tiefen Erschöpfungsschlaf falle oder auf die Notfallstation des Spitals gebracht werde. Aufgrund des anhaltenden Gefühls der Verunreinigung bestehe der Zwang, übermässig zu putzen, die Kleider und das Bettzeug übermässig häufig zu wechseln und den eigenen Körper übermässig häufig zu waschen. Immer wieder werde sie von Angstzuständen überwältigt und rufe die "dargebotene Hand" an oder in ihrer Not ihren Sohn und bitte ihn, bei ihr zu übernachten. Etwa zweimal im Monat müsse der Sohn die Nacht bei ihr verbringen. Da sie in Panik gerate, wenn sie die akustische Kontrolle verliere, könne sie nicht ohne eine vertraute Person in ihrer Wohnung duschen und auch nicht die Haare föhnen. Die Waschküche im Keller könne sie aus Angst, von Fremden angegriffen zu werden, nicht benutzen und das Einkaufen sei ihr nur in äusserst eingeschränktem Mass möglich. Sobald sie grössere Läden/Einkaufszentren betrete, leide sie unter der Angst, von jemandem angegriffen zu werden. Ein solches Geschäft könne sie nur mit einer schützenden Begleitperson betreten. Aufgrund ihrer Agoraphobie könne sie sich nicht länger im Freien aufhalten und Spaziergänge nur mit einer Begleitperson unternehmen. Aus Angst attackiert zu werden oder zu dissoziieren könne sie auch keine öffentlichen Verkehrsmittel benützen. Auch Fahrten alleine mit ihrem eigenen Auto könne sie nur in der nächsten Umgebung unternehmen. Aus sozialen Ängsten unterhalte sie auch kaum Kontakt zu ihren Freundinnen und sei vereinsamt. Zur Kontakteinschränkung würden auch die körperlichen Beeinträchtigungen beitragen. Diese verunmöglichten ihr zudem, den Müll zu entsorgen, Papier zu bündeln, das Bett neu zu beziehen, die Matratze zu drehen, mehr als für kurze Zeit oder in kleinerem Rahmen Staub zu saugen, schwere Einkaufstaschen zu tragen oder diese die Treppe hinauf zu tragen. Sodann bestätige auch die betreuende Person der Psychiatrie-Spitex, C.________, es seien zwei volle Stunden Betreuung notwendig, damit die Beschwerdeführerin im Alltag einigermassen bestehen könne. Er habe darauf hingewiesen, dass sie viele schlechte Tage habe, an denen sie dissoziiere und in Angst- und Panikattacken verfalle. Diese Situationen müssten immer wieder nachbesprochen werden. Weiter sei der Aufwand der Haushalts-Spitex von zwei Stunden zu berücksichtigen, welche sie nicht nur aus körperlichen Gründen benötige, sondern auch aufgrund ihres mangelnden Antriebs. Ihr Sohn beziffere seinen Aufwand mit ca. 4,5 Stunden pro Woche. Das umfasse die Anreisezeit (3 Besuche pro Woche), die Hilfe beim Duschen, Föhnen und Rückenwaschen, wie auch administrative Arbeiten, Einkäufe, Reinigung des Katzenklos sowie Übernachtungen bei ihr.