Citation: 1B_367/2017 E. 2.3

2.3. Vorliegend bestreitet der Beschwerdeführer einzig, dass eine Rückfallgefahr besteht, die die Anordnung von Sicherheitshaft rechtfertigen könnte. Der Beschwerdeführer wurde u.a. deshalb verurteilt, weil er am 12. April 2009 und am 18. November 2009 seine jeweiligen Freundinnen angriff und schwer verletzte: eine erblindete auf einem Auge, die andere erlitt eine Gehirnblutung mit bleibenden Folgeschäden. Laut einem psychiatrischen Gutachten aus dem Jahr 2014 leidet der Beschwerdeführer an einer Abhängigkeitserkrankung in Bezug auf mehrere Substanzen (ICD 10: F 19.2), einer Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, dissozialen und paranoiden Anteilen (ICD 10: F 61) sowie an einer hirnorganisch bedingten Persönlichkeitsstörung im Rahmen der schweren Suchterkrankung (ICD 10: F 19.71) mit differentialdiagnostisch bestimmter substanztoxisch bedingter Demenz (ICD 10: F19.73). Das Rückfallrisiko wurde als mittel bis hoch beurteilt, wobei als Risikofaktoren der Konsum psychotroper Substanzen, überfordernde Partnerschaften und ein unstrukturierter Alltag genannt wurden. Dem Beschwerdeführer gewährte Vollzugslockerungen haben sich nicht bewährt: er konsumierte in Freiheit Kokain, liierte sich mit einer drogenabhängigen Frau und erschien zehnmal unentschuldigt nicht zur Arbeit, sodass er schliesslich am 12. Mai 2017 wieder in Gefangenschaft genommen wurde. Er war damit trotz engmaschiger Begleitung nicht willens oder in der Lage, abstinent zu leben, einer geregelten Arbeit nachzugehen und das Eingehen einer potentiell konfliktträchtigen Beziehung zu vermeiden. Es lagen somit nach kurzer Zeit in Freiheit alle drei Risikofaktoren vor, welche die bereits mittlere bis hohe Rückfallgefahr in Bezug auf schwere Gewaltdelikte steigern. Es verhält sich entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers keineswegs so, dass das Obergericht eine "Hochrisikosituation" konstruiert hätte: nach dem Gesagten liegt es durchaus nahe, dass der Beschwerdeführer bei Spannungen mit seiner neuen Freundin unter Drogeneinfluss erneut die Kontrolle verlieren und gewalttätig werden könnte. Inwiefern dieses Risiko nicht bestehen bzw. vernachlässigbar sein soll, nur weil die Beiden keinen gemeinsamen Wohnsitz haben, ist unerfindlich. Das Obergericht hat kein Bundesrecht verletzt, indem es Wiederholungsgefahr bejahte, und die Anordnung der Sicherheitshaft für die Dauer von sechs Monaten ist auch ohne Weiteres verhältnismässig.