Citation: 6B_55/2015 E. 3.2

3.2. Die Beschwerdeführerin beanstandet das methodische Vorgehen der Vorinstanz. Das Asperationsprinzip (Art. 49 Abs. 1 StGB) gelange vorliegend nicht zur Anwendung, denn es handle sich nicht um zwei verschiedene Taten. Vielmehr seien die Taten auf denselben Vorsatz und dieselbe Handlung zurückzuführen. Sie bildeten somit einen Deliktskomplex. Die Beschwerdeführerin verweist zur Begründung auf das Urteil 6B_496/2011 vom 19. November 2011. Aus dem zitierten Entscheid kann sie jedoch nichts zu ihren Gunsten ableiten. Im erwähnten Fall fuhr der Täter mit seinem Personenwagen in eine dicht gedrängte Menschenmenge, wobei er in Kauf nahm, Personen auf diese oder jene Art zu erfassen und ihnen tödliche Verletzungen zuzufügen. Das Bundesgericht hielt fest, die Tat bilde zeitlich, sachlich und situativ eine Einheit. Der Taterfolg zum Nachteil von vier Opfern sei durch ein und dieselbe Handlung aufgrund desselben Tatentschlusses verwirklicht worden. Wenn die Vorinstanz die Einsatzstrafe unter diesen Umständen anhand des Deliktskomplexes der mehrfachen versuchten Tötung bilde bzw. diese als Grundlage für die Bildung der Einsatzstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB heranziehe, widerspreche dieses Vorgehen nicht den Regeln der Methodik bei der Strafzumessung. Der vorliegende Fall unterscheidet sich davon insofern, dass die Taten nicht durch eine einzige Handlung verwirklicht wurden. Vielmehr wurden sie nacheinander verübt und richteten sich gezielt gegen zwei unterschiedliche Rechtsgutträger. Es kann daher nicht von einem Deliktskomplex gesprochen werden (vgl. dazu DONATSCH/TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 9. Aufl. 2013, S. 412 f.).