Citation: I 69/03 07.07.2003 E. 4

4.1 In medizinischer Hinsicht stellten Verwaltung und Vorinstanz auf das Gutachten des ABI vom 24. August 2001 ab. Dieses stützt sich auf die Vorakten sowie spezialärztliche (internistische, psychiatrische und rheumatologische) Untersuchungen und eine multidisziplinäre Konsens-Besprechung vom 9. August 2001. Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit werden eine abgelaufene, wahrscheinlich idiopathische adhäsive Capsulitis beider Schultern, ein möglicher Status nach lumboradikulärer Wurzelreizung S1 sowie ein chronisches Asthma bronchiale genannt. Die rheumatologische Untersuchung führte zum Ergebnis, im Vordergrund stünden die Schulterschmerzen. Korrelat der vom Exploranden angegebenen Beschwerden sei die Krankheitsentität einer so genannten adhäsiven Capsulitis. Es handle sich um eine meist idiopathische Schulterkapselentzündung mit Schrumpfungstendenz, die zu einer schmerzhaften Schultereinsteifung führe, jedoch über zwei bis drei Jahre eine günstige Prognose aufweise. Der Endzustand sei meist beschwerdearm, öfters werde eine gewisse residuelle Einsteifung und Beweglichkeitsverminderung gesehen. Beim Exploranden seien erste Symptome im Frühjahr 1999 linksseitig aufgetreten, im Sommer 2000 seien rechtsseitige Symptome gefolgt. Die aktuelle Einschränkung entspreche dem natürlichen Verlauf des Krankheitsbildes. Es finde sich eine deutliche beidseitige Beweglichkeitseinschränkung. Es sei davon auszugehen, dass die Krankheit vor allem rechtsseitig in ein bis zwei Jahren zur Ruhe komme. Bis zu diesem Zeitpunkt sei eine Reintegration in die angestammte schulterbelastende Tätigkeit als Maler undenkbar. Für leichte körperliche Tätigkeit mit bestimmten Eigenschaften sei jedoch von einer weitgehend uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Auf Grund der ausserdem bestehenden Rückenschmerzproblematik sei eine schwere körperliche Tätigkeit bleibend nicht zumutbar. Dasselbe gelte für Tätigkeiten mit häufigem Bücken, Knien oder Heben von Lasten über 5 bis 10 kg. Dagegen könne die angegebene Behinderung im Alltag für sämtliche Tätigkeiten sicherlich nicht nachvollzogen werden. Die psychiatrische Exploration ergab die Diagnosen einer Alkoholabhängigkeit (Intoxikationstrinken), einer leichten depressiven Episode sowie einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit Symptomen aus dem Bereich der abhängigen, der narzisstischen sowie der emotionalen instabilen und dissozialen Persönlichkeitsstörung. Die depressive Episode sowie der Alkoholkonsum beeinträchtigten den Exploranden in der Ausübung seiner privaten, sozialen und beruflichen Aufgaben kaum. Es handle sich wohl um eine Symptomatik, welcher Krankheitswert zukomme; eine allfällige berufliche Tätigkeit werde dadurch aber nicht beeinträchtigt. Die Arbeitsfähigkeit sei aber durch die Persönlichkeitsstörung insofern eingeschränkt, als der Explorand sicherlich grosse Schwierigkeiten habe, sich in einem Team einzugliedern, sich anzupassen, eine Autorität zu akzeptieren. Die Arbeitsbedingungen müssten deshalb sehr spezifisch zugeschnitten sein, sodass sich der Explorand genügend anpassen könne und sie seine Impulskontrolle und die Arbeitsbedingungen stützten. Falls er eine entsprechende Arbeitsstelle finde, könne aus psychiatrischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Ausgehend von diesen spezialärztlichen Beurteilungen gelangen die Gutachter zum Ergebnis, dem Beschwerdeführer sei eine körperlich leichte Tätigkeit mit Heben der Arme bis maximal Schulterhöhe, ohne repetitives Heben, Ziehen oder Greifen von Lasten über 5 kg, ohne wirbelsäulenbelastende Arbeiten und längeres Einnehmen von Zwangshaltungen sowie ohne die Notwendigkeit, sich zu bücken oder zu knien, vollzeitlich zumutbar, wobei die durch den Psychiater festgestellte Persönlichkeitsstörung zusätzlich gewisse Rahmenbedingungen voraussetze. 4.2 Das zitierte Gutachten ist nach den von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen (BGE 125 V 352 Erw. 3a) grundsätzlich geeignet, für den medizinischen Sachverhalt vollen Beweis zu erbringen, wurde es doch gestützt auf die Vorakten und in Kenntnis der Anamnese sowie nach Vornahme zusätzlicher spezialärztlicher Untersuchungen erstattet. Ausgehend von dieser Grundlage werden plausible, nachvollziehbare Schlussfolgerungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gezogen. Von diesen Ergebnissen wäre nur dann abzuweichen, wenn die Zuverlässigkeit des Gutachtens durch andere Stellungnahmen und Informationen in Frage gestellt würde. Dr. med. P.________ erachtete in seinem Bericht vom 18. April 2000 einen ganztägigen Einsatz in einer der Behinderung (Beschwerden im Bereich der linken Schulter) angepassten Tätigkeit als wahrscheinlich möglich. Er führte aus, auch körperlich belastende Tätigkeiten ohne Über-Kopf-Aktivitäten seien dem Patienten voll zumutbar, wobei dieser auch motiviert erscheine. Am 24. Juli 2000 berichtete der Arzt über eine zwischenzeitlich eingetretene massive Verschlechterung, sei doch seit Juni 2000 auch die rechte Schulter stark schmerzhaft. Es sei schwer abzuschätzen, ob längerfristig ein Wiedereinstieg in eine behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei. Im Bericht vom 15. September 2000 erklärt Dr. med. P.________, auf Grund der erheblichen, beidseitigen Schulterfunktionseinschränkung seien dem Patienten körperlich schwerere Tätigkeiten, insbesondere Arbeiten über Kopf, nicht mehr zumutbar, während leichte körperliche Arbeiten höchstens auf Bauchhöhe sicher mindestens teilweise ausgeübt werden könnten. Dr. med. M.________ führt in seiner Stellungnahme vom 4. Juni 2000 aus, auf Grund der Beschwerden seien Arbeiten über Kopf ausgeschlossen. Die Tätigkeit als Maler könne höchstens während vier Stunden pro Tag ausgeübt werden. Eine berufliche Umstellung erscheine aus psychischen Gründen als kaum sinnvoll. Am 30. Oktober 2000 wies Dr. med. M.________ auf die neu hinzugetretenen massiven Schulterprobleme links (gemeint wohl: rechts) hin. Die Arbeit als Maler sei nicht mehr möglich. Er halte eine ergänzende medizinische Abklärung für angezeigt, zumal auch eine ausgeprägte psychische Problematik gegeben sei. Die Fachstelle für Alkoholprobleme gelangt in ihrem Bericht vom 6. Juni 2000 zum Ergebnis, die frühere Suchtmittelabhängigkeit führe voraussichtlich nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Damit wird deutlich, dass die Stellungnahmen der Fachstelle sowie des Dr. med. M.________, der eine zusätzliche Abklärung ausdrücklich befürwortete, mit den Ergebnissen des ABI-Gutachtens vereinbar sind. Auf die ungünstigere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. P.________ - wobei auch dieser Arzt eine leichtere körperliche Tätigkeit ohne Arbeiten über Kopf als "sicher mindestens teilweise zumutbar" erachtet - kann angesichts der im Gutachten gestellten Diagnose und der diesbezüglichen Erläuterungen nicht abgestellt werden. Mit der Vorinstanz ist daher gestützt auf das Gutachten des ABI vom 24. August 2001 davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer behinderungsangepassten Tätigkeit vollzeitlich zumutbar ist.