Citation: U 411/01 07.03.2002 E. 3

3.- a) Nachdem die Beschwerdegegnerin einzig an den Folgen des Unfalls vom 29. Juli 1995 leidet und diesbezüglich eine rechtskräftige IV-Verfügung vom 24. Dezember 1998 vorliegt, hat die Invaliditätsschätzung in casu nach den Kriterien von BGE 126 V 288 ff. zu erfolgen. Danach besteht grundsätzlich eine Bindungswirkung, es sei denn, es lägen für ein Abweichen von der Feststellung der Invalidenversicherung triftige Gründe vor (Rechtsfehler, nicht vertretbare Ermessensausübung, Vergleich zwischen den Parteien, unpräzise Bestimmung des Invaliditätsgrades durch die Invalidenversicherung, äusserst knappe und ungenaue Abklärungen, kaum überzeugende oder nicht sachgerechte Schlussfolgerungen). Eine zwar auch vertretbare - allenfalls sogar gleichwertige - Ermessensausübung genügt nicht (BGE 126 V 292 Erw. 2b, 294 Erw. 2d in fine und 298). b) Die IV-Stelle Zürich hat zur Begründung ihrer Verfügung vom 24. Dezember 1998 festgehalten, aus medizinischer Sicht seien der Versicherten ab Dezember 1997 eine rückenschonende, wechselbelastende Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg im Rahmen von 50 %, d.h. halbtags, zumutbar. Zu denken sei an die Mitarbeit bei der Etikettierung und Verpackung, Hilfsarbeiten in der Glacéfabrikation oder Arbeiten in einem Lager. Die Festsetzung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % erfolgte gestützt auf umfangreiche medizinische Abklärungen in der Klinik Y.________ (Berichte vom 15. April, 2., 17. und 18. Juni sowie 11. Dezember 1997). c) Entgegen der Ansicht der Vorinstanz liegen keine massgeblichen Umstände vor, auf die Beurteilung der IV-Stelle nicht abzustellen: aa) Das Gutachten von Prof. Dr. med. D.________ und Dr. med. M.________ vom 26. April 1999 erweist sich hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit als nicht nachvollziehbar. Es wird ohne nähere Begründung erklärt, dass zwar eine leichte, in aufrechter Haltung ausführbare Haushalttätigkeit (wenn auch mit gewissen Einschränkungen) zumutbar sei, jedoch eine ausserhäusliche körperliche Erwerbsarbeit in wirtschaftlich verwertbarem Umfang nicht mehr realisierbar sei. Diesen Widerspruch hat auch die Vorinstanz festgestellt. Auf das Gutachten von Prof. Dr. med. D.________ und Dr. med. M.________ kann daher bezüglich der Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt werden. bb) Das Gutachten des PD Dr. med. K.________ kommt zum Schluss, es sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdegegnerin in einer geeigneten, rückenadaptierten und wechselnd belastenden Tätigkeit (einfache industrielle Montagearbeiten, Kontrolling-Arbeiten am Fliessband einer Grossmetzgerei, Grossbäckerei, Spitalküche und dergleichen) auszugehen. Dies deckt sich demnach mit den Erkenntnissen der Klinik Y.________ bzw. der IV-Stelle und es besteht keine Veranlassung, gestützt auf dieses Gutachten an den Feststellungen der rechtskräftigen IV-Verfügung etwas zu ändern. cc) Der Standpunkt der Vorinstanz, die IV-Verfügung gründe auf einer "euphemistischen Betrachtungsweise" und berücksichtige die Inkontinenzprobleme der Versicherten nicht, findet in den Akten keine Stütze. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte der Klinik Y.________ euphemistisch, d.h. beschönigend, sein soll. Vielmehr ist nachvollziehbar, dass die Versicherte für leichte, rückenschonende Tätigkeiten halbtags arbeitsfähig ist. Der Hinweis im Gutachten des PD Dr. med. K.________, wonach Querschnittgelähmte, die vollumfänglich auf den Rollstuhl angewiesen sind, von Rehabilitationsmedizinern in der Regel zu 50 % erwerbsfähig bezeichnet werden, kann nicht als beschönigend bezeichnet werden. Vielmehr wollte der Gutachter damit sagen, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdegegnerin, welche immerhin noch eine freie Wegstrecke von einer Stunde zurücklegen kann, im Vergleich zu vollständig Querschnittgelähmten eigentlich höher sein müsste. Diese Beurteilung ist als genereller Hinweis denn auch nachvollziehbar. Sie spricht zudem als Indiz gegen die Annahme von Prof. Dr. med. D.________ und Dr. med. M.________, es sei ausserhäuslich von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. dd) Schliesslich ist entgegen der Annahme der Vorinstanz nicht davon auszugehen, die Invalidenversicherung habe bei der Begutachtung der Arbeitsfähigkeit die Inkontinenzschwierigkeiten der Versicherten unberücksichtigt gelassen. Vielmehr ergibt sich aus den medizinischen Akten der Invalidenversicherung, dass die Darm- und Blasenprobleme seit Beginn der ärztlichen Untersuchungen und Therapien bekannt waren und auch dokumentiert wurden (Berichte der Klinik Y.________ vom 29. November und 18. Dezember 1995 sowie 18. Juni 1997). d) Mithin ist die Vorinstanz ohne triftige Begründung von der Beurteilung des Invaliditätsgrades durch die Invalidenversicherung abgewichen, weshalb sich die dagegen erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde als begründet erweist.