Citation: 6B_1363/2019 E. 2.4.3

2.4.3. Nach der Rechtsprechung ist im Rahmen der Strafzumessung indes insbesondere auch die Ursache für die verminderte Schuldfähigkeit zu gewichten (BGE 136 IV 55 E. 5.6 S. 61; Urteil 6B_1092/2009 vom 22. Juni 2010 E. 2.2.2; kritisch dazu FELIX BOMMER, Die strafrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts im Jahr 2010, ZBJV 151/2015, 356). Dies entspricht dem in Art. 47 Abs. 1 und 2 StGB verankerten Grundsatz, wonach für die Beurteilung des Verschuldens die gesamten Tatumstände (sog. Tatkomponenten) zu berücksichtigen sind, namentlich auch die Art und Weise der Herbeiführung des verschuldeten Erfolges (BGE 141 IV 61 E. 6.1.1 S. 66; 129 IV 6 E. 6.1 S. 20; Urteile 6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 7.5.3; 6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 E. 2.4) und die Verwerflichkeit des Handelns (Art. 47 Abs. 2 StGB). Unter der Art der Ausführung ist alles zu verstehen, was die Tat begleitet oder sie sonst prägt wie z. B. die Tatmodalitäten von Ort, Zeit, Dauer und Mitteln (WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N. 107 zu Art. 47 StGB). Verlangt wird jedoch, dass die straferhöhend zu berücksichtigenden Elemente mit der Tat in einem Zusammenhang stehen und deren Berücksichtigung nicht auf eine unzulässige Ungleichbehandlung oder eine allgemeine Lebensführungsschuld hinausläuft. Unzulässig ist es nach der herrschenden Lehre, die Art der Lebensführung als Strafzumessungsfaktor heranzuziehen (WIPRÄCHTIGER/KELLER, a.a.O., N. 123 zu Art. 47 StGB; vgl. auch Urteil 6B_55/2015 vom 7. April 2015 E. 3.6). Auch der Umstand, dass der Täter Ausländer oder Asylbewerber ist oder dass er, sei er Schweizer oder Ausländer, Sozialhilfe erhält, vermag nach der Rechtsprechung keine Straferhöhung zu begründen (BGE 143 IV 145 E. 8.3.2 S. 150). Straferhöhend berücksichtigt werden darf jedoch beispielsweise, dass ein Ausländer allein zum Zwecke der Verübung von Straftaten in die Schweiz eingereist ist (BGE 143 IV 145 E. 8.3.2 S. 150). Offen liess das Bundesgericht, ob einer an einer Persönlichkeitsstörung leidenden Täterin im Rahmen der Strafzumessung wegen Tötungsdelikten zum Vorwurf gemacht werden darf, dass sie sämtliche Hilfsangebote und Therapien ablehnte und sich nicht ernsthaft um eine Praktikumsstelle bemühte (Urteil 6B_55/2015 vom 7. April 2015 E. 3.6). Straferhöhend wirken sich nach ständiger Rechtsprechung auch Vorstrafen aus (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2 S. 2 mit Hinweisen), was keiner unzulässigen Doppelbestrafung gleichkommt (Urteile 6B_1053/2016 vom 18. Mai 2017 E. 6.3.2; 6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.4 und 1.5). Im Lichte dieser Rechtsprechung muss es im Rahmen von Art. 47 StGB auch zulässig sein, einem krass verantwortungslosen Alkoholkonsum Rechnung zu tragen, wenn dieser die Tat begünstigte. Zwar stellt Art. 263 StGB nur die gefährliche Berauschung bis zur Schuldunfähigkeit unter Strafe (BOMMER, a.a.O., N. 38 zu Art. 263 StGB). Art. 263 StGB begründet eine Haftung für den Fall, dass die Voraussetzungen einer strafbaren "actio libera in causa" nicht vorliegen (BOMMER, a.a.O., N. 1 zu Art. 263 StGB). Dies schliesst jedoch nicht aus, dass ein mit der Tat in direktem Zusammenhang stehendes vorwerfbares Trinkverhalten, auch wenn es isoliert betrachtet nicht strafbar ist, bei der Strafzumessung im Rahmen von Art. 47 StGB mitberücksichtigt werden darf.