Citation: 1P.262/2000 19.07.2000 E. 1

1.- a) Der angefochtene Entscheid des Obergerichts ist in Anwendung von § 230 Ziff. 1 der Strafprozessordnung des Kantons Aargau (StPO) ergangen. Danach kann die Wiederaufnahme des Verfahrens verlangt werden, wenn erhebliche Tatsachen oder Beweismittel vorliegen, die dem Gericht zur Zeit des früheren Verfahrens nicht bekannt waren und die allein oder zusammen mit den früher festgestellten Tatsachen geeignet sind, die Freisprechung des Verurteilten oder eine erheblich geringere Bestrafung herbeizuführen. Im vorliegenden Fall beanstandet der Beschwerdeführer nicht die Abweisung des Wiederaufnahmegesuches als solche. Er rügt einzig als Verfassungsverletzung, dass Dr. Etzensberger und Dr. Luzi Stamm, damaliger Bezirksgerichtspräsident, im Beweisverfahren nicht befragt worden sind und beantragt aus diesem Grund die Aufhebung des obergerichtlichen Entscheides. Hierfür ist die staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung verfassungsmässiger Rechte das zulässige Rechtsmittel. Es ist daher nicht zu prüfen, ob der angefochtene Entscheid in materieller Hinsicht vor der Verfassung standhält; eine (mit eidg. Nichtigkeitsbeschwerde vorzubringende) Verletzung von Art. 397 StGB wird nicht gerügt (vgl. BGE 122 IV 66 E. 2a S. 67, 116 IV 253 E. 2b S. 256). b) Der Beschwerdeführer erachtet den angefochtenen Entscheid wegen der Nichtanhörung der Zeugen bzw. Sachverständigen als willkürlich. Er beruft sich hierfür auf Art. 8 BV, doch kann angenommen werden, dass er Art. 9 BV anrufen wollte, welcher den Schutz vor Willkür und die Wahrung von Treu und Glauben garantiert. Die Frage, ob die Abweisung eines beantragten Beweises vor der Verfassung standhält, beurteilt sich indessen nach Art. 29 Abs. 2 BV: Unter der Herrschaft von Art. 4 aBV umfasste die Garantie des rechtlichen Gehörs u.a. den Anspruch auf Abnahme von erheblichen und formgerecht verlangten Beweisen, auf Teilnahme an der Beweiserhebung und auf Stellungnahme zu den Beweisergebnissen (vgl. BGE 126 I 15 E. 2a/aa S. 16, mit Hinweisen). Derselbe Anspruch ergibt sich nach der neuen Bundesverfassung aus der Garantie des rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV. Der Bundesrat äusserte sich in der Botschaft zur neuen Bundesverfassung ausdrücklich in diesem Sinne (vgl. BBl 1997 I 182 zu Art. 25 Abs. 2 VE). Demnach ist die vorliegende Beschwerde unter dem Gesichtswinkel von Art. 29 Abs. 2 BV zu prüfen. Der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer anstatt auf Art. 29 Abs. 2 BV auf das Willkürverbot beruft, schadet nicht, da er klar die Nichtbefragung der beiden Zeugen bzw. Sachverständigen als verfassungswidrig rügt. Das Bundesgericht prüft die Verfassungsmässigkeit des kantonalen Beweisverfahrens auch unter der Herrschaft der neuen Bundesverfassung lediglich unter dem Gesichtswinkel des Willkürverbots. c) Im Übrigen geben die Eintretensvoraussetzungen zu keinen weitern Bemerkungen Anlass.