Citation: 4C.38/2000 19.04.2000 E. 4

4.- Schliesslich macht die Klägerin geltend, das Kantonsgericht habe verkannt, dass der Beklagte kein schutzwürdiges Interesse habe, die Legalzession zu bestreiten, weil Konrad Gadient den Forderungsübergang mit Schreiben vom 25. April 1997 notifiziert habe und die Beklagte daher durch die Leistung an die Klägerin auch befreit würde, wenn sich herausstellen würde, dass gar keine Legalzession vorlag. a) Die Leistungspflicht an den Zessionar entsteht erst, wenn er seine Gläubigerstellung durch Nachweis der Abtretung bewiesen hat (Gauch/Schluep/Schmid/Rey, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil ohne ausservertragliches Haftpflichtrecht, 7. Aufl. 1998 nachgeführt von Heinz Rey, Bd. II. S. 312 Rz. 3617 mit weiteren Hinweisen). Dies kann unter Umständen auch dadurch erfolgen, dass der Zessionar die schriftliche Anzeige bzw. Notifikation einer Forderungsabtretung durch den Zedenten nachweist (vgl. Spirig, Zürcher Kommentar, N. 10 und 19 zu Art. 167 OR). Eine solche Notifikation setzt - gleich wie die Abtretungserklärung gegenüber dem Zessionar - voraus, dass die abzutretende Forderung ausreichend umschrieben wird und der Wille des Zedenten ersichtlich ist, dass die Forderung mit der Unterzeichnung und Übergabe der Urkunde auf die darin bezeichnete Person übergehe (vgl. BGE 105 II 83 E. 2; 90 II 179 E. 6; 88 II 21 E. 1; Spirig, Zürcher Kommentar, N. 13 zu Art. 167 OR). Die schriftliche Mitteilung des Gläubigers an den Schuldner, er solle an eine Drittperson leisten, stellt daher nur eine Abtretungserklärung dar, wenn daraus hervorgeht, dass diese Person nicht bloss Zahlstelle sondern Gläubigerin wird (BGE 105 II 83 E. 6). b) Das von der Klägerin angerufene Schreiben Konrad Gadients vom 25. April 1997 erfüllt die Anforderungen an die Notifikation einer Forderungsabtretung nicht, weil die Klägerin darin gar nicht erwähnt wird und aus der blossen Beilage einer Rechnung der Klägerin nicht erkennbar wird, weshalb die Zahlung an sie erfolgen soll. Damit bleibt unklar, ob Konrad Gadient die Klägerin als Zahlstelle oder als Zessionarin bezeichnen wollte. Der Beklagte handelte demnach nicht rechtsmissbräuchlich, wenn er mangels einer eindeutigen Notifikation des Forderungsübergangs den Nachweis der Voraussetzungen einer Legalzession verlangte. Dass er wohl mit befreiender Wirkung an die Klägerin hätte leisten können, ändert daran nichts, weil es ihr ohne weiteres zumutbar gewesen wäre, sich zum Nachweis ihrer Gläubigerstellung eine Abtretungserklärung ausstellen zu lassen.