Citation: 1A.275/2006 23.07.2007 E. 5

5.1 Für die Beurteilung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde steht fest, dass sich das Grundstück, auf dem der Stall errichtet werden soll, und jenes, auf dem das Bauernhaus des Beschwerdeführers steht, in der Landwirtschaftszone befinden. Der einzuhaltende Abstand ist demnach der halbe Mindestabstand gemäss FAT-Bericht (E. 3.2). Gemäss den vorinstanzlichen Messungen beträgt der kleinste Abstand zwischen dem geplanten Stall und dem Ökonomieteil des Bauernhauses rund 21 m. Der Abstand zum Wohnteil des Bauernhauses beträgt rund 37 m. 5.2 Überdies steht fest, dass der geplante Stall eine Kapazität von 99 GVE aufweist und dass überwiegend Festmist produziert werden soll. Die diesbezüglichen Einwände des Beschwerdeführers sind unbegründet: Aus den Akten ergibt sich, dass Bauherr, Vorinstanzen und die Fachbehörde Beco übereinstimmend von 99 GVE ausgehen. Daran äussert das BAFU in der Vernehmlassung keine Zweifel. In der Beschwerdeantwort vom 30. Januar 2007 (Ziff. 5.1, S. 7) sichert der Beschwerdegegner zu, dass eine Vergrösserung des Viehbestandes über 99 GVE nicht vorgesehen sei. 5.3 Gleiches gilt für die Hofdüngerproduktion. Das BAFU erachtet die Argumentation, wonach überwiegend Festmist anfalle, als plausibel. Der Beschwerdegegner sichert in der Beschwerdeantwort (Ziff. 5.3, S. 8/9) zu, er werde Gummilaufmatten verwenden, so dass vorwiegend eingestreut und Festmist produziert werde. Bei dieser Sachlage liegt kein offensichtlich falscher Sachverhalt im Sinne von Art. 105 Abs. 2 OG vor. 5.4 Der Beschwerdeführer bestreitet im Weiteren die Plausibilität der Angaben des Beschwerdegegners betreffend den Weidegang der Tiere. Das Urteil des Verwaltungsgerichts (Ziff. 6) und der Fachbericht des Beco vom 31. Oktober 2005 (Ziff. 3.2), auf dessen Geruchsabstandsberechnung sich die Behörden abstützen, erachten unter der Voraussetzung, dass der Beschwerdegegner seine Tiere mindestens 210 Tage auf der Tagesweide und innerhalb dieser Zeit mindestens 60 Tage auf der Nachtweide (in den Sommermonaten) hält, eine Reduktion des Mindestabstandes für gerechtfertigt, so dass der massgebliche Geruchsrisikoabstand (nach der Reduktion) 21 m beträgt. Diese Annahmen beruhen auf Angaben des Beschwerdegegners. Der Beschwerdegegner bekräftigt in der Beschwerdeantwort vor Bundesgericht (Ziff. 5.2, S. 8) seine Angaben. Das BAFU macht in der Vernehmlassung deutlich, dass der Geruchsrisikoabstand von 21 m nur dann gerechtfertigt ist, wenn die Angaben des Beschwerdegegners zutreffen. Nach dem Gesagten wurde der geplante Stall unter der Voraussetzung dieses Weidegangs - 210 Tage auf der Tagesweide und innerhalb dieser Zeit mindestens 60 Tage auf der Nachtweide - bewilligt. Der Beschwerdegegner ist an seine Angabe nach Treu und Glauben gebunden. Eine Änderung des Weidegangs, der einen höheren Geruchsrisikoabstand zur Folge hätte, ist nach der vorliegenden Bewilligung unzulässig (E. 4). 5.5 Der Beschwerdeführer macht geltend, bei der Berechnung des Geruchsrisikoabstandes seien die vorhandenen und gleichzeitig nutzbaren Stallplätze im bisherigen Stall mitzuberücksichtigen. In der Beschwerdeantwort (Ziff. 5.1 S. 7) führt der Beschwerdegegner aus, es sei rechtlich ausgeschlossen und nicht vorgesehen, den alten Stall mit einer Kapazität von 52 GVE im bisherigen Ausmass für die Tierhaltung weiterzubenutzen. In der Baubewilligung vom 24. Juni 2005, im Fachbericht des Beco vom 31. Oktober 2005 und in den vorinstanzlichen Entscheiden der BVE und des Verwaltungsgerichts wird für die Berechnung des Geruchsrisikoabstandes der geplante Stall isoliert betrachtet und der bestehende Stall nicht berücksichtigt. Aufgrund der isolierten Betrachtung des neuen Stalls im Bewilligungsverfahren ist davon auszugehen, dass der geplante Stall als Ersatz für den alten Stall betrachtet wurde und dass eine kombinierte Nutzung beider Ställe nicht bewilligt wurde. Wie das BAFU in seiner Vernehmlassung aufzeigt, ergäben sich bei einer kombinierten Nutzung andere Mindestabstände. Nutzungen, mit denen der im kantonalen Verfahren bewilligte Geruchsrisikoabstand von 21 m überschritten würde, sind nicht bewilligt. Der Beschwerdegegner ist nach Treu und Glauben verpflichtet, sich an den der Bewilligung zugrunde liegenden Nutzungsrahmen zu halten (E. 4). Die Bewilligung des Freilaufstalles erweist sich, unter den genannten Vorbehalten, als rechtmässig. 5.6 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kann nicht auf das Privatgutachten vom 18. Februar 2005 des Inforama des Amts für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern abgestellt werden. Denn aus dem Fachbericht des Beco vom 31. Oktober 2005 (Ziff. 5.1) ergeben sich Zweifel an dessen Aussagekraft. Nach Ansicht des Beco betrifft das Inforama-Gutachten ein inzwischen verworfenes Bauprojekt, gibt den Sachverhalt nicht vollständig und teilweise nicht richtig wieder und ist nicht praxisbezogen. 5.7 Schliesslich vermag auch die in der Replik vorgebrachte Rüge, das Beco und das BAFU hätte sich zu den Windverhältnissen äussern müssen, keine Rechtswidrigkeit zu begründen. Im ordentlichen Berechnungsverfahren gemäss FAT-Bericht (S. 3) wird die Windsituation nicht berücksichtigt. Die Windeinflüsse sind lediglich "bei Bedarf" und in "Sonderfällen" zu berücksichtigen (FAT-Bericht, S. 6). Eine derartige besondere Situation ist für das Gericht nicht ersichtlich.