Citation: I 936/05 02.04.2007 E. 3

Die Versicherte leidet mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit unbestrittenermassen an einem chronischen lumbo- und cervicospondylogenen Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5 + M53.0), einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), einer Adipositas per magna (BMI 37 kg/m2; ICD-10 E66.0), einer Coxa saltans rechts wie auch einem Senk-Spreizfuss mit Hallux valgus, links mehr als rechts. Uneinigkeit herrscht über das Ausmass der medizinisch-theoretisch verbliebenen Leistungsfähigkeit. 3.1 Die Vorinstanz hat in Auseinandersetzung mit den Parteivorbringen auf die Abklärungsergebnisse des Instituts X.________ vom 19. Februar 2003 abgestellt. Danach sei die Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Heben, Stossen und Ziehen von Lasten über 10 kg, ohne monotone und repetitive Arbeit in Zwangsposition und ohne wiederholte Überkopfarbeit, zu 80 % der Norm arbeitsfähig. Die Beschwerdeführerin weist auf die Ergebnisse der auf Empfehlung des Instituts X.________ vom 14. April bis 20. Juli 2003 bei der Genossenschaft Y.________ durchgeführten beruflichen Abklärung hin, welche trotz gesteigertem Schmerzmittelkonsum eine weitaus geringere Leistunfähigkeit zu Tage gebracht habe, als von dem Institut X.________ angenommen. 3.2 Tatsächlich sahen sich weder Verwaltung noch Vorinstanz veranlasst, die Ergebnisse der Genossenschaft Y.________ über die berufliche Abklärung des Instituts X.________ oder einer anderen medizinischen Fachstelle nachträglich zur Stellungnahme vorzulegen, obwohl die Berufsfachleute die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf lediglich 17 - 22 % der Norm einschätzten. Richtig ist auch, dass die Versicherte während der laufenden beruflichen Abklärungen den Hausarzt zwecks Verabreichung schmerzstillender Spritzen insgesamt fünf Mal, und damit im Vergleich zur unmittelbar davor und danach liegenden Zeit, in kürzeren Abständen aufgesucht hatte. 3.3 Zu beachten ist zunächst, dass die Frage nach den der Versicherten noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten ist: Die - arbeitsmedizinische - Aufgabe der Ärzte besteht darin, sich dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen oder geistigen Funktionen leidensbedingt eingeschränkt ist. Im Vordergrund stehen dabei vor allem jene Funktionen, welche für die nach der Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder stehend, im Freien oder in geheizten Räumen, arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Fachleute der Berufsberatung dagegen haben sich darüber auszusprechen, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten auf Grund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kommen, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen beim Arzt oder der Ärztin erforderlich sind (SVR 2006 IV Nr. 10 S. 38 E. 4.1 mit Verweis auf BGE 107 V 17 E. 2b S. 20). Gerade bei psychosomatischen Beschwerdebildern wie dem vorliegenden eröffnet sich den begutachtenden Ärzten praktisch immer ein gewisser Ermessenspielraum, der bei medizinischen Administrativ- oder Gerichtsexpertisen hinzunehmen ist, solange die Experten lege artis vorgegangen sind. Es bedarf mit anderen Worten etwa objektiv feststellbarer Gesichtspunkte, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben waren und geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen, um die Beweiskraft der erfolgten Administrativ- oder Gerichtsbegutachtung herabzusetzen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 676/05 vom 13. März 2006, E. 2.4). Allein die Feststellung einer von der medizinisch-theoretisch festgelegten Arbeitsfähigkeit erheblich abweichenden, tatsächlich gezeigten Leistung genügt daher nicht. 3.4 Eine andere Frage ist, inwiefern die des Instituts X.________ verschlossen gebliebene Tatsache des erhöhten Schmerzmittelkonsums während der Abklärungszeit für die Einschätzung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von Belang sein könnte. Zwar ist damit bei der von den Berufsfachleuten bei Beginn einer Arbeit zunächst als sehr einsatzfreudig beschriebenen Beschwerdeführerin ein gesteigertes Schmerzempfinden gewissen Ausmasses ausgewiesen. Allerdings ist die stark übergewichtige Versicherte bereits seit mehreren Jahren nicht mehr einer geregelten (Erwerbs-)Tätigkeit nachgegangen und war fortgeschrittenen dekonditioniert; ebenso litt sie bereits vor Antritt der beruflichen Abklärung selbst in Ruhe zeitweilig an heftigen Exacerbationen, welche jeweils ärztliche Konsultationen nach sich zogen. Bei einer derartigen Ausgangslage sind häufiger auftretende verstärkte Schmerzen erfahrungsgemäss zumindest in der Eingewöhnungsphase keineswegs aussergewöhnlich, viel eher die Regel, wobei sich diese Periode der Eingewöhnung im Einzelfall durchaus über einen längeren Zeitraum erstrecken kann. Die Feststellungen zum Ausmass der gesteigerten intravenösen Schmerzmitteleinnahme sind daher nicht geeignet, die Beweiskraft des Gutachtens dergestalt herabzusetzen, dass eine ergänzende Stellungnahme des Instituts X.________ oder einer anderen medizinischen Fachstelle zwingend angezeigt gewesen wäre bzw. Ist.