Citation: I 361/03 18.11.2003 E. 2.3

2.3.1 Im Rahmen der Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen für die Umschulung nach Art. 17 IVG (vgl. Erw. 1.2 hievor) fällt auf, dass Vorinstanz und Verwaltung von einem nicht korrekten Einkommen ohne Gesundheitsschaden (Valideneinkommen) ausgegangen sind. Es ist in dieser Hinsicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer ohne Gesundheitsschaden weiterhin als Bauarbeiter tätig wäre, wobei sich das Entgelt gemäss den Abklärungen des Berufsberaters der IV-Stelle nach dem Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe richtet. Gemäss den Angaben des Arbeitgebers vom 3. Februar 2000 erzielte der Beschwerdeführer im Jahr 2000 einen Stundenlohn von Fr. 24.55; wie das kantonale Gericht zu Recht erkannt hat, ist nicht klar, ob in diesem Betrag ein Zuschlag von 8,3 % für den 13. Monatslohn und ein Zuschlag von 10,6 % Ferienanteil bereits enthalten ist. Diese Frage kann letztlich aber offen bleiben, da sich auch bei der Addition der Zuschläge am Ergebnis nichts ändert (vgl. Erw. 2.3.2 in fine hienach). Damit kann zur Bestimmung des Valideneinkommens von einem Grundbetrag und Zuschlägen ausgegangen werden; der Lohn ist anhand dieses Betrages und der zu leistenden Arbeitszeit zu bestimmen (Urteil H. vom 4. April 2002, I 446/01). Bei der Jahresarbeitszeit von 2112 Stunden handelt es sich - entgegen der Auffassung von Vorinstanz und IV-Stelle - jedoch um die Bruttoarbeitszeit vor Abzug von Ferien und Feiertagen, da in Art. 24 Abs. 1 des Landesmantelvertrages die jährliche Arbeitszeit explizit als "Brutto-Sollarbeitszeit ... vor Abzug der allgemeinen Nichtleistungsstunden, wie bezahlte Feiertage und ... Ferien" definiert wird (Urteil H. vom 4. April 2002, I 446/01). Somit sind die Ferien (5 Wochen à 40,5 Stunden = 202,5 Stunden; vgl. Art. 34 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 24 Abs. 2 Landesmantelvertrag) von der Bruttoarbeitszeit abzuziehen, während die acht Feiertage gemäss Art. 38 Abs. 1 Landesmantelvertrag ausser Betracht fallen, da sie wie normale Arbeitstage zu entschädigen sind (vgl. Art. 38 Abs. 2 Landesmantelvertrag). Der Versicherte hat also effektiv 1909,5 Jahresstunden zu arbeiten, wofür er pro Stunde Fr. 24.55 erhält, was jährlich Fr. 46'878.20 ausmacht. Unter Berücksichtigung der Ferienentschädigung von 10,6 % (Fr. 4969.10; vgl. Art. 50 Abs. 3 Landesmantelvertrag) sowie des 13. Monatslohnes von 8,3 % (Fr. 3890.90; Art. 50 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang 8 Ziff. 201 Landesmantelvertrag) ergibt dies - für das Jahr des möglichen Rentenbeginns 2000 (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG sowie BGE 129 V 222) - ein massgebendes Valideneinkommen von Fr. 55'738.20. 2.3.2 Da der Beschwerdeführer keine Verweisungstätigkeit aufgenommen hat, ist das nach Eintritt des Gesundheitsschadens zumutbarerweise realisierbare Einkommen (Invalideneinkommen) anhand der Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung zu bestimmen (BGE 126 V 76 Erw. 3b/bb). Gemäss Tabelle A1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2000 beträgt der Zentralwert für bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden beschäftigte Männer mit Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) monatlich Fr. 4437.- brutto. Umgerechnet auf die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41,8 Stunden im Jahr 2000 (Die Volkswirtschaft 7/2003, S. 90 Tabelle B9.2) ergibt sich ein Betrag von monatlich Fr. 4636.65 und jährlich Fr. 55'639.80, was bei einer Arbeitsfähigkeit von 90 % ein Jahreseinkommen von Fr. 50'075.80 ergibt. Gemäss Rechtsprechung können persönliche und berufliche Merkmale des Versicherten wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben (BGE 126 V 78 Erw. 5a/cc mit Hinweis). Der deswegen vom Tabellenlohn vorzunehmende behinderungsbedingte Abzug beträgt jedoch nicht generell und in jedem Fall 25 %; es ist vielmehr anhand der gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu prüfen, ob und in welchem Masse das hypothetische Invalideneinkommen gekürzt werden kann (BGE 126 V 79 f. Erw. 5b). Dieser gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Bei der Unangemessenheit gemäss Art. 132 lit. a OG geht es um die Frage, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Allerdings darf das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 126 V 81 Erw. 6 mit Hinweis). In Anbetracht der Umstände kann nicht davon gesprochen werden, dass der Entscheid der Vorinstanz über die Höhe des behinderungsbedingten Abzuges zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen, da das kantonale Gericht die hier einzig (statistisch) lohnmindernde Komponente - die Aufenthaltkategorie - im Umfang eines Abzuges von 5 % berücksichtigt hat. Damit beträgt das massgebende Invalideneinkommen Fr. 47'572.-, was bei einem Valideneinkommen von Fr. 55'738.20 zu einem Invaliditätsgrad von 14,65 % führt. Damit ist die von der Rechtsprechung für den Umschulungsanspruch vorausgesetzte Mindestinvalidität von 20 % (vgl. Erw. 1.2 hievor) nicht erreicht, womit offen bleiben kann, ob für die Umschulung von Hilfsarbeitern eine höhere Mindestinvalidität notwendig ist. 2.4 Den in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde angesprochenen Problemen bei der Wahl einer geeigneten Arbeitsstelle kann durch die Arbeitsvermittlung (und dort allenfalls im Rahmen einer Einarbeitungszeit [Art. 18 Abs. 1 Satz 1 IVG in Verbindung mit Art. 20 IVV]) begegnet werden, nachdem die Vorinstanz - in schematischer Anwendung der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts - diesen Anspruch im Grundsatz bejaht hat. Damit entfällt auch die Notwendigkeit einer Berufsberatung nach Art. 15 IVG.