Citation: U 118/05 07.06.2005 E. 2

Nach dem Unfall vom 9. Dezember 2001 litt der Beschwerdeführer an starken Nacken- und Kopfschmerzen und Schwindel, muskulärer Verspannung und Bewegungseinschränkung im Bereich der Halswirbelsäule. Dagegen liess sich kein neurologisches Defizit nachweisen. Die Darbietung dieser Befunde war nach ärztlicher Feststellung bereits früh appellatorisch geprägt, was sich aus einem problembeladenen soziofamiliären Hintergrund erkläre (Bericht des Internisten Dr. R.________ vom 8. Januar 2002). Diagnostische Untersuchungen förderten kein organisches Substrat der geklagten Beschwerden zutage: Eine Computertomographie der Halswirbelsäule vom 11. Dezember 2001 zeigte degenerative Veränderungen der Segmente C3/4-C5/6, hingegen keine posttraumatischen ossären Läsionen (Bericht des Instituts für Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin am Spital X.________ vom 12. Dezember 2001). Im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in der Rehabilitationsklinik Y.________ wurden ein therapierefraktäres zervikozephales und -thorakales Schmerzsyndrom (im Wesentlichen mit den eingangs erwähnten einzelnen Befunden) sowie eine Anpassungsstörung mit gemischter Symptomatik (ICD-10 F43.25) diagnostiziert. Dem psychosomatischen Konsilium ist zu entnehmen, dass der Versicherte schon in der Frühphase der Behandlung deutliche Chronifizierungsmerkmale und Zeichen einer Symptomausweitung gezeigt habe; möglich sei zudem die Entwicklung weiterer dissoziativer Symptome im Sinne einer Konversionsstörung (Austrittsbericht vom 14. Mai 2002). Der behandelnde Internist stellte in der Folge eine schlechte Prognose bezüglich der Aussichten auf eine berufliche Rehabilitation, da es wegen der Verarbeitungs- und Anpassungsstörung bereits zu einer vollständigen Fixierung auf ein körperliches Leiden gekommen sei. Eine (neuro-)psychiatrische Beurteilung und Behandlung sei angezeigt (Schreiben des Dr. R.________ vom 13. Mai 2002). Neurologische Abklärungen bestätigten die bisherigen medizinischen Feststellungen und ergaben zusätzlich ein funktionelles Hemisyndrom; auch das während des Aufenthalts in der Rehabilitationsklinik erstmals beobachtete Zittern (Tremor) des rechten Arms sei "im Rahmen der funktionellen Ausgestaltung zu sehen" (Bericht des Dr. A.________ vom 27. Januar 2003). In psychiatrischer Hinsicht wurde eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert und festgestellt, dass es vor der aktuellen Erkrankung trotz der früheren - von aussen betrachtet - stabilen beruflichen und familiären Verfassung eine Reihe von schwerwiegenden Ereignissen und Lebensumständen gegeben habe, welche die Störung vermutlich mitbegünstigt hätten und die schnelle Chronifizierung erklären könnten (Bericht des Externen Psychiatrischen Dienstes vom 31. März 2003). In einer weiteren psychiatrischen Beurteilung gelangte Dr. S.________ zum Schluss, es liege eine Anpassungsstörung, begleitet von dissoziativen Phänomenen (ICD-10 F43.25), und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) vor. Bei den geklagten - therapieresistenten - Beschwerden handle es sich teilweise um Unfallfolgen. Hinzu komme unabhängig vom versicherten Ereignis eine psychische Störung, deren Wurzel in der Persönlichkeitsstruktur, im kulturellen Hintergrund und dem sozialen Umfeld liege. Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Gutachten zuhanden der Invalidenversicherung bzw. SUVA vom 16. und 27. August 2003).