Citation: 1A.166/2002 16.12.2002 E. 6

Die Beschwerdeführerin ersuchte sowohl im verwaltungs- als auch im bundesgerichtlichen Verfahren um die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung. 6.1 Das Verwaltungsgericht bejahte die Prozessbedürftigkeit der Beschwerdeführerin, nahm aber an, die Beschwerde sei aussichtslos gewesen, nachdem bereits die sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts und das EVG festgehalten hatten, dass die unfallbedingte Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zwischen 0 und 20% liege. Die Beschwerdeführerin habe keine medizinischen Erkenntnisse ins Verfahren eingebracht, die nicht bereits in den sozialversicherungsrechtlichen Verfahren bekannt und gewürdigt worden seien. 6.1.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des verfassungsmässigen Anspruchs auf unentgeltliche Verbeiständung (Art. 29 Abs. 3 Satz 2 BV): Die Zulässigkeit des von der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion kreierten, besonderen opferhilferechtlichen Adäquanzmasstabs sei eine Grundsatzfrage, über welche das Verwaltungsgericht bisher noch nie entschieden habe. Überdies sei die Beurteilung der Schwere einer Beeinträchtigung der körperlichen oder psychischen Integrität in einem OHG-Verfahren nicht einfach, so dass durchaus die Möglichkeit bestanden habe, dass das Verwaltungsgericht eine von der Vorinstanz abweichende Beurteilung vornehmen würde. 6.1.2 Es trifft zu, dass die Direktion durch ihre ausführliche Wiedergabe der Erwägungen des EVG zur fehlenden Adäquanz (S. 5 f. der Verfügung vom 18. Februar 2002) und ihren Ausführungen zum spezifisch opferhilferechtlichen Adäquanzmassstab (S. 7 und 8) zumindest den Anschein erweckte, die Grundsatzfrage des Adäquanzmassstabs sei für ihren Entscheid massgeblich gewesen. Hinzu kommt, dass das Verwaltungsgericht bei der Gewährung des Vorschusses gemäss Art. 15 OHG eine weit höhere Beeinträchtigung der Erwerbs- und Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin angenommen hatte. Diese Berechnung wurde von der Direktion indirekt bestätigt, indem sie ohne nähere Begründung eine Entschädigung in Höhe des Vorschusses von Fr. 100'000.-- zusprach. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin die weit hinter ihrem Gesuch zurückbleibende Genugtuungssumme als zu gering empfand und darauf vertraute, die verwaltungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts werde, wie in ihrem Entscheid vom 24. April 1998, eine höhere unfallbedingte Beeinträchtigung der Erwerbs- und Arbeitsfähigkeit anerkennen als die sozialversicherungsrechtliche Abteilung desselben Gerichts. Schliesslich hatte die Beschwerdeführerin auch aufgrund der fehlenden Ausscheidung von Zinsen Anlass zur Beschwerde. 6.1.3 Aus den genannten Gründen hätte das Verwaltungsgericht die Beschwerde nicht als von vornherein aussichtslos qualifizieren dürfen. Insofern liegt ein Verstoss gegen Art. 29 Abs. 3 BV vor. 6.2 Nach dem Gesagten ist der Beschwerdeführerin auch im bundesgerichtlichen Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Aufgrund einzelner Erwägungen des Bundesgerichtsentscheids vom 19. Januar 1998 wurde bei ihr die Hoffnung geweckt, das Bundesgericht werde von einer höheren unfallbedingten Beeinträchtigung ausgehen als 0 - 20% und demzufolge eine höhere Genugtuungssumme zusprechen.