Citation: 8C_847/2008 29.01.2009 E. 3

Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er an einem sehr schweren Tinnitus leide und gemäss Rechtsprechung in einem solchen Fall ohne weiteres vom Bestehen der Adäquanz zwischen Unfall und Dekompensation auszugehen sei. Für die Unterscheidung, ob ein leichter, ein geringfügiger, ein schwerer oder ein sehr schwerer Tinnitus vorliegt, muss jedoch auf die Angaben des Beschwerdeführers selber abgestellt werden. Es ist nämlich nicht möglich, einen Tinnitus - bis auf seltene Ausnahmen - objektivierbar zu erfassen. Daher ist der Arzt für die Bestimmung des Schweregrades auf die subjektive Mitarbeit des Patienten angewiesen (vgl. Tabelle 13 der SUVA Integritätsschaden bei Tinnitus, 13.2). So ermittelte auch Dr. med. S.________ aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers selber einen dekompensierten Tinnitus Schweregrad 4 (Bericht vom 29. März 2005). Ein organischer Schaden des Ohres konnte jedoch nicht festgestellt werden. Gerade wenn auch die Fragen im "Tinnitus-Fragebogen" (TF) im Anhang zu diesem Bericht konsultiert werden, so ist es doch ohne weiteres möglich, dass ein Patient, wenn er selber sein Leiden allenfalls auch durch psychische Dekompensation als sehr schwer empfindet, auch entsprechende Antworten gibt, die dann auf einen Tinnitus erhöhten Schweregrades hinweisen. Von einer objektivierbaren Auswertung des Fragebogens kann bei solchen Voraussetzungen nicht die Rede sein. Gemäss dem Bericht des SUVA-Kreisarztes Dr. med. M.________ vom 23. Dezember 1999 wie auch gemäss dem Gutachten des Dr. med. I.________ vom 10. Mai 2006 ist kein organischer Ohrschaden ausgewiesen. Dr. med. I.________ wies darauf hin, dass das Audiogramm aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers unglaubwürdig und als Referenz für eine Hörverlust- und Integritäts-Abschätzung ungeeignet sei. Die objektive Audiometrie ergebe beidseits otoakustische Emissionen (cochleäre Echos) von guter Reproduzierbarkeit mit einem Antwortspektrum, das rechts bis über 5 kHz, links bis 4 kHz reiche. Effektiv fand am 8. März 1999 eine kurze Schallbelastung durch das aus drei Meter Höhe herabfallende sechs Meter lange 2''-Metallrohr statt (Bericht des C.________, Maschinen-Ing. HTL, vom 2. Februar 2000). Dabei nahm der Beschwerdeführer das Herabfallen des Rohres nicht einmal selber visuell wahr, da er gemäss den Angaben seines behandelnden Psychiaters Dr. med. F.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. Dezember 2006 mit dem Kopf an der Wand war und das Heizungsrohr beim Herabfallen gar nicht sah. Damit liegen letztlich lediglich subjektive Angaben des Beschwerdeführers über seine Hörbeeinträchtigung vor. Dies entspricht auch der aktuellen Erkenntnis der Medizin, wonach Tinnitus auch mit den modernsten Methoden nicht routinemässig nachweisbar sei (vgl. die Ausführungen von Prof. Dr. med. Kellerhals, Basel, in "Grundprobleme der Tinnitushilfe aus medizinischer Sicht" S. 2, herausgegeben von der Schweizerischen Tinnitus-Liga; www.tinnitus-liga.ch).