Citation: 1P.27/2005 27.04.2005 E. 4

Das Obergericht wies auch den Antrag des Verteidigers auf Anordnung eines medizinischen Gutachtens ab, u.a. zum Beweisthema, dass die von der Privatklägerin geschilderten roten und blauen Flecken später bei einer medizinischen Untersuchung hätten festgestellt werden müssen. Der Beschwerdeführer sieht darin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. 4.1 Das Obergericht hielt es für möglich, dass durch das harte Anfassen der Privatklägerin an den Handgelenken auf deren Haut vorübergehend rötliche und bläuliche Druckstellen entstanden und sichtbar gewesen seien, die bei der medizinischen Untersuchung rund sieben Stunden nach dem Beischlaf nicht mehr festgestellt werden konnten. Die Privatklägerin habe von Anfang an ausgesagt, die von ihr geschilderten Flecken seien nur vorübergehend gewesen, habe also nie behauptet, dass eigentliche Hämatome im medizinischen Sinne entstanden seien. Das Obergericht zog auch in Erwägung, dass die Privatklägerin, die bei ihrer Einvernahme durch den Amtsstatthalter zehn Tage nach dem Vorfall immer noch sehr aufgewühlt gewesen sei, bei der Schilderung der erlittenen Schmerzen leicht übertrieben habe; daraus könne keineswegs zwingend geschlossen werden, dass sie den Angeklagten zu Unrecht habe belasten wollen. Aus den Schilderungen der Privatklägerin gehe hervor, dass sie sich zwar gegen die Vergewaltigung gewehrt habe, dass sie dem Angeklagten aber körperlich weit unterlegen gewesen sei, weshalb dieser kein besonders hohes Mass an Gewalt habe anwenden müssen. Unter diesen Umständen sei es durchaus nachvollziehbar und einleuchtend, dass am Körper des Opfers keine sichtbaren Verletzungen entstanden seien. 4.2 Der Beschwerdeführer hält diese Erwägungen für willkürlich: Er macht geltend, es gebe keine anderen blauen Flecken als solche, welche medizinisch als Hämatome bezeichnet würden; diese hätten auch sieben Stunden nach dem Vorfall bei der Untersuchung im Kantonsspital noch festgestellt werden müssen. Wenn die Privatklägerin hinsichtlich der blauen Flecken die Unwahrheit gesagt habe, müsse zu Gunsten des Beschwerdeführers angenommen werden, dass sie auch in Bezug auf die behauptete Vergewaltigung die Unwahrheit gesagt habe. 4.3 Wie das Obergericht dargelegt hat und der Beschwerdeführer nicht bestreitet, entspricht es einer allgemein bekannten Erfahrungstatsache, dass durch hartes Anfassen Hautrötungen entstehen können, die innerhalb weniger Stunden wieder abklingen. Insofern hätte die vom Beschwerdeführer beantragte Expertise höchstens die Aussage der Privatklägerin widerlegen können, wonach vorübergehend auch blaue Druckstellen entstanden seien. Dieses Detail hat jedoch für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin keine ausschlaggebende Bedeutung, sondern hätte lediglich im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller für und gegen die Glaubhaftigkeit der Aussage der Privatklägerin sprechenden Umstände mitberücksichtigt werden können. Die antizipierte Beweiswürdigung des Obergerichts, wonach es aufgrund der bereits vorliegenden Beweise und Indizien von der Schuld des Angeklagten überzeugt sei und daran auch das allfällige Ergebnis der beantragten medizinischen Expertise nichts ändern werde, kann daher nicht per se als willkürlich betrachtet werden. Inwiefern die Gesamtwürdigung des Beweisergebnisses willkürlich sei, hat der Beschwerdeführer nicht dargelegt.