Citation: 5A_739/2014 E. 4.4.3

4.4.3. Nach Art. 213 Abs. 1 ZGB kann der Anrechnungswert angemessen erhöht werden, wenn besondere Umstände es rechtfertigen. Als besondere Umstände gelten insbesondere die Unterhaltsbedürfnisse des Ehegatten, der Ankaufspreis des landwirtschaftlichen Gewerbes einschliesslich der Investitionen oder die Vermögensverhältnisse des Ehegatten, dem das landwirtschaftliche Gewerbe gehört (Art. 213 Abs. 2 ZGB). Die Kontrollrechnung nach Art. 212 Abs. 2 ZGB hat ergeben, dass die Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner keine güterrechtliche Ausgleichszahlung schuldet, während der Beschwerdegegner nach Art. 212 Abs. 1 ZGB von der Beschwerdeführerin Fr. 108'611.-- hätte fordern können. Die Beschwerdeführerin tut keine besonderen Umstände dar, aufgrund derer es sich rechtfertigen würde, dieses Ergebnis in einem weiteren Schritt nach Art. 213 ZGB durch eine (erneute) Erhöhung des Anrechnungswerts dergestalt zu korrigieren, dass ihr eine güterrechtliche Ausgleichszahlung in der geforderten Höhe zustünde. Um der Vorinstanz erfolgreich eine Verletzung von Bundesrecht vorzuwerfen, genügt es nicht, wenn die Beschwerdeführerin auf den Ausnahmecharakter von Art. 212 Abs. 1 ZGB hinweist, der durch eine grosszügige Handhabung der Gegenausnahme von Art. 212 Abs. 2 ZGB in möglichst engen Grenzen gehalten werden soll. Sodann übersieht die Beschwerdeführerin, dass die Investitionen, die sie als Grund für die geforderte Erhöhung des Anrechnungswertes ins Feld führt, einer Entwertung unterliegen und entsprechend amortisiert werden müssten, weshalb es von vornherein nicht darum gehen kann, einfach den Nettobetrag der getätigten Investitionen aufzurechnen, sondern höchstens noch den Restwert. Hierzu macht die Beschwerdeführerin in ihrem Schriftsatz keinerlei Ausführungen. Darüber hinaus steht der These der Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Feststellung entgegen, dass die Investitionen von Fr. 423'368.-- im Umfang von Fr. 372'100.-- fremdfinanziert wurden und nur der Betrag von Fr. 51'268.-- aus Mitteln der Errungenschaft des Beschwerdegegners stammt. Inwiefern diese tatsächlichen Feststellungen des Obergerichts im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG offensichtlich unrichtig sind, tut die Beschwerdeführerin nicht dar. Ebenso wenig zeigt sie auf, inwiefern ihr allein die Erhöhung des Anrechnungswerts um den zuletzt erwähnten Betrag sowie um allfällige Amortisationen des F.________-Kredits einen güterrechtlichen Anspruch verschaffen würde. Nach alledem erweist sich die Beschwerde in dieser Hinsicht als unbegründet. Damit kann für den Ausgang des vorliegenden Streits offenbleiben, ob die Art. 213 ZGB vorgesehene Erhöhung des Anrechnungswerts überhaupt zum Zuge kommen könnte, wenn eine Korrektur bereits aufgrund der Vergleichsrechnung nach Art. 212 Abs. 2 ZGB stattgefunden hat, wie dies namhafte Stimmen aus der Lehre verneinen (so PAUL-HENRI STEINAUER, a.a.O., N 3 zu Art. 213 ZGB; DANIEL STECK, a.a.O., N 3 zu Art. 213 ZGB; Heinz Hausheer/Ruth Reusser/Thomas Geiser, a.a.O., N 68 zu Art. 212 und 213 ZGB; HEINZ HAUSHEER/REGINA AEBI-MÜLLER, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Aufl. 2014, N 10 zu Art. 213 ZGB; anders HENRI DESCHENAUX/PAUL-HENRI STEINAUER/MARGARETA BADDELEY, a.a.O., Rz. 1433, wonach Art. 213 ZGB als Härteklausel "en plus du correctif de l'art. 212 al. 2 [CC]" zum Zuge kommt).