Citation: 1C_493/2020 E. 3.3

3.3. Damit Beratung und Soforthilfe sowie längerfristige Hilfe nach dem OHG ihren Zweck erfüllen können, müssen sie gewährt werden, bevor endgültig feststeht, ob ein tatbestandsmässiges und rechtswidriges Verhalten vorliegt. Bei Beratung und Soforthilfe genügt es deshalb, wenn eine die Opferstellung begründende Straftat in Betracht fällt (vgl. BGE 143 IV 154 E. 2.3.3; 125 II 265 E. 4c/aa; 122 II 211 E. 3c). Der zu erfüllende Beweisgrad ist somit jener des Glaubhaftmachens (vgl. Urteil 1C_521/2020 vom 4. Oktober 2021 E. 4.2; DOMINIK ZEHNTNER, in: Gomm/Zehntner [Hrsg.], Opferhilferecht, Stämpflis Handkommentar, 4. Aufl. 2020, N. 43 zu Art. 1; auch BGE 143 IV 154 E. 2.3.3). Glaubhaft gemacht ist eine Straftat, wenn für ihr Vorhandensein aufgrund objektiver Anhaltspunkte eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (vgl. BGE 144 II 65 E. 4.2.2; 142 II 49 E. 6.2; 140 III 610 E. 4.1; Urteil 1C_521/2020 vom 4. Oktober 2021 E. 4.2). Ob für die Gewährung längerfristiger Hilfe eine opferhilferechtlich relevante Straftat wahrscheinlicher sein muss als ihr Nichtvorliegen oder es ebenfalls genügt, dass sie in Betracht fällt, hat das Bundesgericht bisher offen gelassen (vgl. Urteile 1C_521/ 2020 vom 4. Oktober 2021 E. 4.2; 1C_9/2017 vom 4. April 2017 E. 2). Die Frage kann auch im vorliegenden Fall offen bleiben (vgl. hinten E. 4.3.3).