Citation: 5A_319/2021 E. 3.1

3.1. Das Obergericht äussert sich zuerst zur Eigentumsfreiheitsklage (Art. 641 Abs. 2 ZGB). Diese Klage richte sich gegen den Störer. Als solcher gelte nicht nur derjenige, der den Eingriff in das geschützte Eigentum selbst vornehme, sondern auch jede andere Person, die einen Eingriff in das geschützte Eigentum zu verantworten hat, indem sie etwa die Störung durch Dritte duldet oder veranlasst. Die Einwirkung müsse dem als Störer Beklagten zuzurechnen sein und als Folge seines Verhaltens - eines Tuns oder Unterlassens - erscheinen. Schuldhaftes Verhalten sei dabei nicht verlangt; es genüge vielmehr die dem Verursacher nach Kausalitätsgesichtspunkten zuzurechnende Einwirkung. In der Folge erläutert die Vorinstanz die Voraussetzungen der Verantwortlichkeit des Grundeigentümers nach Art. 679 ZGB. Nach Massgabe dieser Bestimmung hafte der Grundeigentümer verschuldensunabhängig für Schäden, die aus Überschreitungen des Grundeigentumsrechts resultieren. Diese Haftung des Grundeigentümers bestehe beispielsweise auch für den von ihm beauftragten Bauunternehmer, ohne dass die Voraussetzungen der Geschäftsherrenhaftung im Sinne von Art. 55 OR erfüllt sein müssen. Art. 679 ZGB regle in Präzisierung von Art. 641 Abs. 2 ZGB, unter welchen Bedingungen der störende Eigentümer eines Grundstücks in die Verantwortung genommen werden kann. Entsprechend gehe im Falle eines Konflikts zwischen zwei Grundeigentümern die Klage nach Art. 679 ZGB der Eigentumsfreiheitsklage (Art. 641 Abs. 2 ZGB) vor, jedenfalls soweit es nicht - wie im hier streitigen Fall - um die Abwehr von unmittelbaren Einwirkungen auf die Substanz des ("gestörten") Grundstücks geht, die Gegenstand von Art. 641 Abs. 2 ZGB sein können. Gehe die Störung vom Eigentümer eines benachbarten Grundstücks aus, gelte dieser als Störer und sei er für die entsprechenden Klagen passivlegitimiert, auch wenn der Eingriff von einer in seinem Auftrag handelnden Person ausgehe, ohne dass diese als Hilfsperson im Sinn von Art. 55 OR zu qualifizieren sein müsse. Was den konkreten Fall angeht, konstatiert das Obergericht, dass der Beschwerdeführer die E.________ AG am 6. Dezember 2011 mit der Planung, Submission und Bauleitung der Baugrubensicherung (vgl. Sachverhalt Bst.) beauftragte, dass die F.________ AG in der Folge bis am 27. April 2012 die Spritzbetonnagelwand mit den Ankern erstellte und dass die Anker zwischen 2.1 und 4.5 Meter weit über die Grenze des beklagtischen Grundstücks hinaus in das angrenzende klägerische Grundstück reichen. Selbst wenn dem Beklagten und heutigen Beschwerdeführer vor seiner Abreise zu seinem Aufenthalt in Hamburg (11. Januar bis 4. Mai 2012) und vor Baubeginn nicht im Einzelnen bekannt gewesen sein sollte, dass und in welchem Umfang die besagten Anker der Nagelwand ins Nachbargrundstück vorgetrieben würden, bzw. er sich um diese Frage nicht gekümmert hat, habe er als Grundeigentümer die Planung und Erstellung der Nagelwand mit den Ankern tatsächlich in Auftrag gegeben. Entsprechend müsse er auch für die beschriebene Einbringung der Erdanker in das klägerische Grundstück einstehen, die durch die E.________ AG und die F.________ AG in Erfüllung der mit ihm abgeschlossenen Verträge erfolgte. Im Ergebnis sei die Passivlegitimation des Beschwerdeführers für die von den Beschwerdegegnern erhobene Klage daher zu bejahen.