Citation: H 8/06 22.06.2006 E. 5

5.1 Nachdem gemäss konstanter Rechtsprechung von einer Arbeitgeberin bei finanziellen Schwierigkeiten grundsätzlich nur so viel Lohn ausbezahlt werden darf, als die darauf unmittelbar entstehenden Beitragsforderungen gedeckt sind (SVR 1995 AHV Nr. 70 S. 214 Erw.5), ist die Nichtbezahlung der Sozialversicherungsbeiträge nur dann allenfalls gerechtfertigt oder entschuldbar, wenn die Arbeitgeberin, welche zunächst für das Überleben des Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere solche der Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, gleichzeitig auf Grund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen darf, sie werde die geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen können (BGE 108 V 188 Erw. 2, bestätigt in BGE 121 V 243; ZAK 1992 S. 248 Erw. 4b, 1985 S. 577 Erw. 3a), und angesichts der Höhe der bestehenden Verbindlichkeiten und der eingegangenen Risiken von einer vorübergehenden Zurückbehaltung der Sozialversicherungsbeiträge objektiv eine für die Rettung des Unternehmens ausschlaggebende Wirkung zu erwarten ist (Urteil G. vom 2. Februar 2005, H 86/02, mit Hinweisen). 5.2 Nach Lage der Akten konzentrierten sich die Sanierungsbemühungen des Beschwerdeführers neben der Auslagerung des Bereichs Baustellen darauf, mit Y.________ ins Geschäft zu kommen, um letztlich von diesem die dringend benötigten finanziellen Mittel zu erhalten. Der Beschwerdeführer macht denn auch geltend, im damaligen Zeitpunkt und Umfeld hätten sich die vorgenommenen Massnahmen als die einzig möglichen präsentiert. Dabei basierten seine Hoffnungen, die Gesellschaft mit Hilfe von Y.________ zu sanieren, jedoch allein auf mündlichen Versprechungen, wie unter anderem die Vorbringen in der vorinstanzlichen Beschwerde und insbesondere auch die Zeugenbefragungen des Beschwerdeführers und seiner Frau durch die Bezirksanwaltschaft Z.________ vom 20. Oktober 2004 zeigen: Weder gab Y.________ eine rechtsgenügliche Zahlungsgarantie ab, noch ist aus den Akten ersichtlich, ob Y.________ überhaupt je in der Lage war, die versprochenen Gelder beizubringen. Eine schriftliche Vereinbarung über die konkrete Zusammenarbeit zwischen diesem und der Gesellschaft kam nicht zustande. Dies hinderte den Beschwerdeführer allerdings nicht, Y.________ bereits im Hinblick auf die Gegenzeichnung des Vertrages vom 2. Oktober 2002 betreffend Aktienverkauf unbesehen die gesamte Verantwortung an den Gesellschaften zu übertragen, was er anlässlich der erwähnten Zeugenbefragung denn auch als seinen grössten Fehler bezeichnete. Unter solchen Umständen konnte bei einer seriösen Beurteilung der Lage keineswegs davon ausgegangen werden, die schon länger überschuldete Unternehmung könne längerfristig saniert werden. Abgesehen davon, dass gerade für die langfristige Gesundung eines über Jahre in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Unternehmens der Einschuss zusätzlicher Gelder ohne weitere Massnahmen nicht ausreicht, kann in der blossen Hoffnung zusätzlicher Mittel durch einen potentiellen Investor keine begründete Aussicht auf Sanierung der Gesellschaft liegen. Dies gilt umso mehr, als sich der Beschwerdeführer nur mit mündlichen Versprechungen von Y.________ zufrieden gab, obwohl dessen Geschäftsgebahren gerade zu besonderer Vorsicht Anlass geboten hätte. Begründete Aussicht auf Sanierung der Gesellschaft und damit auf Begleichung der offenen Forderungen gegenüber der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist bestand damit nicht, was indes Voraussetzung für die Rechtfertigung eines vorübergehenden Beitragsausstandes bildet (Erw. 5.1 hievor). Weitere Vorkehren macht der Beschwerdeführer nicht geltend; solche sind auch nicht ersichtlich. Zwar legt der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde verschiedenste Unterlagen ins Recht. Auch daraus geht indes nicht hervor, worin weitere erfolgsversprechende Massnahmen zur Sanierung der Gesellschaft hätten bestehen sollen, abgesehen davon, dass es sich bei zahlreichen vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht erstmals eingereichten Unterlagen um unzulässige Noven gemäss Art. 105 Abs. 2 OG handelt (vgl. Erw. 2.2 hievor). 5.3 Schliesslich ist in diesem Zusammenhang auch der Verweis auf eine Garantenstellung der Muttergesellschaft nicht stichhaltig: Es ist nicht ersichtlich, inwiefern eine solche finanzielle Absicherung tatsächlich bestanden haben soll, nachdem die Muttergesellschaft bei den mindestens über mehr als zwei Jahre dauernden Zahlungsschwierigkeiten offenbar keine Mittel zur Bezahlung der ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge zur Verfügung gestellt hat. Sollte, wie der Beschwerdeführer vorbringt, aus dem Verkauf eines Unternehmensteils im August 2002 ein Erlös von Fr. 753'000.- erzielt worden sein, wäre nicht nachvollziehbar, weshalb angesichts der Ausstände gegenüber der Ausgleichskasse während der Amtsdauer des Beschwerdeführers darauf verzichtet wurde, die Muttergesellschaft um finanzielle Unterstützung anzugehen. 5.4 Weitere Gründe, welche zu einer Entlastung des Beschwerdeführers zu führen vermöchten, sind auch aus den mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichten Akten, soweit diese im Sinne von Art. 105 Abs. 2 OG berücksichtigt werden können, nicht erkennbar. Es ist damit von einem haftungsbegründenden qualifizierten Verschulden, wie es Art. 52 AHVG für die Schadenersatzverpflichtung verlangt, auszugehen, weshalb der angefochtene Entscheid rechtens ist.