Citation: U 80/06 24.01.2007 E. 5

5.1 Es steht aufgrund der Akten fest, dass der Beschwerdegegner beim Auffahrunfall vom 4. Juni 1997 Verletzungen an der Wirbelsäule erlitten hat, die in den medizinischen Unterlagen als Distorsion, Prellung, Kontusion oder ähnlich bezeichnet werden, jedenfalls aber keine bleibenden strukturellen Schädigungen zurückgelassen haben. Damit liegt eine zum Formenkreis der Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule zu zählende oder damit vergleichbare Schädigung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) vor. Hingegen hat sich aufgrund der initial eingeholten, dem Unfallgeschehen zeitlich am nächsten liegenden Berichte (Arztzeugnis des Spitals Y.________ vom 7. Juli 1997; ärztlicher Zwischenbericht des Dr. med. R.________ vom 30. August 1997; Bericht über die kreisärztliche Untersuchung vom 7. Oktober 1997) das von der Rechtsprechung ebenfalls verlangte so genannte "bunte Beschwerdebild" mit einer Häufung von Beschwerden wie diffusen Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depressionen, Wesensveränderung usw. (vgl. SVR 2003 UV Nr. 12 S. 36 E. 3.1.2 [Urteil E. vom 25. Februar 2003, U 78/02]) nicht eingestellt, wie schon aus dem Arztzeugnis des Spitals Y.________ vom 7. Juli 1997 hervorgeht, wo der Beschwerdegegner am Unfalltag (4. Juni 1997) röntgenologisch abgeklärt, analgetisch behandelt und gleichentags wieder entlassen wurde. Entgegen den Vorbringen in der Vernehmlassung lässt sich keinem der nachträglich zu den Akten genommenen Berichte entnehmen, dass sich das im Sinne der Rechtsprechung verlangte spezifische Beschwerdebild jemals eingestellt hätte. Vielmehr war der Verlauf schon initial durch eine Unfallfehlverarbeitung gekennzeichnet, wie sich namentlich aus dem Gutachten des ZMB vom 6. Mai 2003 (wonach beim Versicherten eine lang anhaltende Anpassungsstörung bei längerer depressiver Reaktion mit Angst gemischt vorlag, die dann in eine hypochondrische und anhaltende somatoforme Schmerzstörung umschlug) und dem Zwischenbericht des Dr. med. R.________ vom 18. November 1997 (in welchem von einem "probable syndrome subjectif de traumatisme du rachis" die Rede ist) ergibt. Dabei ist es in der Folgezeit geblieben. 5.2 Bei dieser Sachlage ist das Erfordernis des adäquaten Kausalzusammenhanges nicht nach der Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359 zu prüfen, sondern nach der mit BGE 115 V 133 eingeleiteten Rechtsprechung, gemäss welcher bei der Prüfung der Adäquanzkriterien die psychischen Anteile ausser Acht zu bleiben haben. 5.3 Die Auffahrkollision vom 4. Juni 1997 ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs und der Verletzungen, die sich der Beschwerdeführer dabei zugezogen hat, im Rahmen der Einteilung, wie sie für die Belange der Adäquanzbeurteilung Anwendung findet (BGE 115 V 138 ff. E. 6), als höchstens mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren (vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 E. 5.1.2 mit Hinweisen [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]). 5.3.1 Damit die Adäquanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden könnte, müsste ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein oder die zu berücksichtigenden Kriterien müssten in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 115 V 140 E. 6c/bb, 117 V 367 E. 6b, 384 E. 4c). 5.3.2 Der Unfall vom 4. Juni 1997, bei welchem ein Auto von hinten auf das Fahrzeug des Beschwerdegegners auffuhr, war weder besonders eindrücklich noch ereignete er sich unter besonders dramatischen Begleitumständen. Ebenso wenig erfüllt die HWS-Distorsion oder die Distorsion der Unterarme, welche sich der Versicherte zuzog, das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen (vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 E. 5.2.3 mit Hinweisen [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]). Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, liegen nicht vor. Ebenso wenig kann von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen gesprochen werden. Was schliesslich die geltend gemachten Dauerschmerzen, die lange Dauer der ärztlichen Behandlung sowie die anhaltende Arbeitsunfähigkeit anbelangt, sind diese - wie namentlich aus dem Gutachten des ZMB vom 6. Mai 2003 hervorgeht - auf psychische Ursachen zurückzuführen, welche im Rahmen der Adäquanzbeurteilung nach BGE 115 V 140 E. 6c/aa unberücksichtigt zu bleiben haben. Da somit kein Kriterium in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist und die zu berücksichtigenden Kriterien nicht insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen.