Citation: 4A_254/2020 E. 4.5.2

4.5.2. Die Vorinstanz ging mit dem Bezirksgericht davon aus, die Beschwerdeführerin habe im Zeitpunkt des Abschlusses der beiden Verträge gesundheitliche Probleme gehabt. Ausserdem sei bekannt gewesen, dass sie im 70. Altersjahr gewesen sei. Hinweise auf gesundheitliche Probleme fänden sich auch im Kaufsrechtsvertrag (vgl. Ziffer I.2: "Aus Alters- und Gesundheitsgründen ist die Kaufrechtsgeberin nicht mehr in der Lage, den Betrieb selbständig weiterzuführen"). Das Bezirksgericht sei aber zum Schluss gekommen, die Beschwerdeführerin sei nicht in einem derart schlechten Gesundheitszustand gewesen, dass sie sich nicht hätte verpflichten können. Damit setze sich die Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich auseinander. Sie wiederhole nur ihre Vorbringen in der Replik. Es trifft zu, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, dass die Anforderungen an eine fehlende Urteilsfähigkeit im Sinne von Art. 16 ZGB höher sind als diejenigen an die Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit nach Art. 21 OR. Entgegen der Beschwerdeführerin haben die kantonalen Gerichte den Gesundheitszustand aber nicht nur im Hinblick auf Art. 16 ZGB beurteilt. Die Vorinstanz verwies auf die Ausführungen des Bezirksgerichts unter E. 2.2.1 lit. a-q. An jener Stelle beurteilte das Bezirksgericht den Tatbestand der Übervorteilung und äusserte sich namentlich auch zum Gesundheitszustand (lit. e-i). Ob es dabei zu hohe Anforderungen stellte, war eine Rechtsfrage und es ist daher fraglich, ob die Vorinstanz einfach auf ungenügende Vorbringen in der Berufung verweisen konnte, zumal sich die Beschwerdeführerin auch im Hinblick auf die Handlungsfähigkeit zum Gesundheitszustand äusserte. Jedoch bleibt festzuhalten - wie bereits hinsichtlich Art. 16ZGB ausgeführt wurde (vgl. E. 3.2.1 hiervor) -, dass die allgemeinen Hinweise auf einen schlechten Gesundheitszustand gestützt auf ein Zeugnis des Hausarztes nicht genügten, um eine rechtlich erhebliche Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit - und zwar sowohl unter dem Titel von Art. 16 ZGB wie auch im Hinblick auf Art. 21 OR - zu beweisen und die entsprechenden Beweisofferten nicht substanziiert waren.