Citation: U 408/05 26.01.2007 E. 4

4.1 Im Rahmen der MEDAS-Begutachtung wurde der Versicherte internistisch, rheumatologisch, psychiatrisch, neurologisch und neuropsychologisch untersucht. Im Gutachten vom 8. Juli 2003 stellte die MEDAS folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Status nach HWS-Distorsionstrauma am 6. Oktober 2000 mit Zervikalsyndrom ohne eindeutige radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik (ICD-10: S13.4) mit zervikozephalem Syndrom, leichten neuropsychologischen Funktionsstörungen; radiomorphologisch keine Auffälligkeiten demonstrierbar, 2. Status nach Contusio capitis (Kopfverletzung durch herabstürzende Gipsplatte am 22. Juni 1996), Sturz vom Gerüst mit möglicher HWS-Distorsion am 9. Juni 1997, Sportunfall mit HWS-Distorsion am 20. August 1999, Skiunfall mit HWS-Distorsion am 12. März 2000, HWS-Distorsion bei Bremsmanöver im Frühjahr 2000, 3. Intermittierende linksbetonte phasische und tonische Bewegungsmuster ohne Anhaltspunkt für eine Erkrankung des peripheren oder zentralen Nervensystems oder der Muskulatur per se, 4. posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) mit ausgeprägter Schreckhaftigkeit und Schlafstörung, 5. dissoziative Bewegungsstörungen (ICD-10: F44.4), 6. beginnende Coxarthrose links (Status nach operativer arthroskopischer Revision einer Meniskus- und Kreuzbandläsion vor Jahren) und 7. chronische periphere Ulnarisneuropathie beidseits nicht auszuschliessen. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien akzentuierte Persönlichkeitszüge mit im Vordergrund stehenden zwanghaften Elementen (ICD-10: Z73.1). Klinisch und radiologisch liessen sich keine Ursachen identifizieren, welche die Nackenschmerzen und die übrigen limitierenden Symptome in Bezug auf den Bewegungsapparat erklären würden. Es müsse allerdings gesagt werden, dass es nach multiplen HWS-Distorsionen im Weichteilbereich zu einer verminderten Belastbarkeit komme; weiter seien eine erhöhte Instabilität und nicht weiter spezifizierbare Strukturlockerungen anzunehmen. Es sei von einer verminderten Belastbarkeit des oberen Achsenskeletts und des Schultergürtelbereichs auszugehen. Eindeutige Hinweise für eine Radikulopathie hätten nicht erhoben werden können. Es habe weder klinisch noch radiologisch ein Hinweis für eine Myelopathie bestanden. Das aktuelle Beschwerdebild sei eine Kombination aus den Folgen mehrerer Schleudertraumata und eines psychiatrischen Krankheitsbildes. Zum erstmaligen Auftreten der posttraumatischen Belastungsstörung könne nicht Stellung genommen werden. Aus den Akten gingen gewisse Hinweise auf diese Erkrankung hervor, das Vollbild werde jedoch nicht beschrieben. Das heutige psychische Zustandsbild weise nicht auf eine so genannte organische Genese hin. Es lasse sich eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur diskutieren; die SCL-Werte in diesem Bereich seien deutlich erhöht gewesen und auch im psychopathologischen Befund imponierten zwanghafte Züge. Für das Zustandekommen bzw. Fortbestehen der posttraumatischen Belastungsstörung spielten am ehesten die wiederholten Unfälle im Sinne einer Triggerung eine Rolle. Psychische Fehlverarbeitungen des Unfalls vom 6. Oktober 2000 lägen nicht vor. Aus psychiatrischer Sicht sei das HWS-Beschwerdebild nicht im Vordergrund gestanden; jedoch sei anzunehmen, dass somatische Symptome (z.B. Kopfschmerzen) geeignet seien, die Beeinträchtigungen durch die posttraumatische Belastungsstörung zu verstärken. Eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit durch ein allfälliges HWS-Distorsionstrauma sei aus psychiatrischer Sicht nicht zu quantifizieren. Aus neurologischer Sicht lägen keine organisch nachweisbaren Funktionsausfälle oder Störungen vor; die festgestellten Störungen seien überwiegend wahrscheinlich Folge des Unfalls vom 6. Oktober 2000. Da es sich um eine Kombination handle, sei es nicht möglich, den Einfluss von neurologischen und psychischen Faktoren einzeln zu gewichten. Aus neurologischer Sicht sei der Endzustand noch nicht erreicht. Aus polydisziplinärer Sicht könne dem Versicherten ein Einsatz im angestammten Beruf nicht mehr zugemutet werden. Auf Grund der Aktenlage gingen sie davon aus, dass sich dies nach dem Unfall vom Oktober 2000 manifestiert habe. In anderen Berufen betrage die Arbeitsunfähigkeit aus polydisziplinärer Sicht aktuell 0 %. Der Grund liege in den vermehrten dissoziativen Bewegungsstörungen unter Belastung. Der heutige Gesundheitszustand stelle eine Summe der beschwerdeverursachenden Faktoren dar. Als solche könnten einzig die erwähnten Unfälle (vom 22. Juni 1996, 9. Juni 1997, 20. August 1999, 23. März sowie 6. Oktober 2000) eruiert werden. Der Unfall vom 6. Oktober 2000 stelle die entscheidende Komponente dar und müsse somit als richtungweisend beurteilt werden. Eine Quantifizierung, welche prozentuale gesundheitliche Einschränkung jeder einzelne Unfall zwischen Juni 1996 und März 2000 sowie der Unfall vom 6. Oktober 2000 bewirkt habe, sei schlicht unmöglich. 4.2 Dieses Gutachten erfüllt die Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidgrundlage (BGE 125 V 352 Erw. 3a, RKUV 2003 Nr. U 487 S. 345 f. Erw. 5.1). Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb darauf nicht abgestellt werden sollte. 4.3 Frau Dr. med. M.________, Assistenzärztin, Chirurgie, Spital S.________, wo der Versicherte am 6. Oktober 2000 in Behandlung war, gab im Zeugnis vom 18. Oktober 2000 an, der Beschwerdeführer habe beim Unfall vom 6. Oktober 2000 ein HWS-Distorsionstrauma erlitten. Der Schmerz strahle nach occipital aus. Es bestünden Parästhesien in Dig. I, II beider Hände. Im Bericht vom 19. Oktober 2000 diagnostizierte das Spital S.________ unter anderem ein Schleudertrauma vom 6. Oktober 2000. Es habe weder eine Kopfverletzung noch eine Schädelfraktur vorgelegen; eine Hirnblutung respektive ischämische Läsionen als Ursache der Symptomatik hätten mittels Schädel-CT ausgeschlossen werden können. Im Zusatzfragebogen bei HWS-Verletzungen diagnostizierte Frau Dr. med. M.________ am 30. Oktober 2000 eine HWS-Distorsion. Nach dem Unfall habe der Versicherte an Schwindel sowie Spontanschmerzen im Kopf okzipital sowie im Nacken rechts/links gelitten. Es habe eine HWS-Bewegungseinschränkung in allen Richtungen sowie eine HWS-Streckhaltung bestanden. Vor dem Unfall sei der Versicherte beschwerdefrei gewesen.