Citation: U 197/02 11.03.2003 E. A

Am Sonntag, 20. September 1998 stiess sich der 1963 geborene L._________ ein Messer in den Bauch. Noch am selben Abend wurde die Stichverletzung im Kantonsspital chirurgisch versorgt und der während der Operation am Dünndarm entdeckte Tumor entfernt. In der am gleichen Tag durchgeführten polizeilichen Befragung gab W.________, die sich im Zeitpunkt des Ereignisses in der gemeinsamen Wohnung aufgehalten hatte, an, L._________ habe ihr gedroht, sie umzubringen. Er habe sich dabei mit erhobenem Messer über den in der Wohnung stehenden Glastisch gebeugt. Es sei ihr danach gelungen zu flüchten. Als sie bereits im Flur gewesen sei, habe ihr L._________ zugerufen, er werde sich selber umbringen. Eine Woche zuvor habe er einen Abschiedsbrief verfasst und unter die Türe gelegt. L.________ führte bei der polizeilichen Einvernahme vom 21. September 1998 aus, dass er infolge der Vollnarkose noch sehr müde sei. Er habe das Messer vor dem Ereignis zum Schneiden von Schnitzel für das Nachtessen benutzt. Anschliessend habe er es gewaschen und auf das Gestell in der Küche gelegt. Er habe vermutet, dass es Streit geben würde. Es sei seine Absicht gewesen, sich allenfalls mit dem Messer das Leben zu nehmen. Da sich W.________ geweigert habe, zusammen mit ihm zu essen, sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen. Nachdem er ihr gedroht habe, sich umzubringen, habe sie entgegnet, er sei ein Feigling und er solle es doch endlich einmal tun, dann hätten sie endlich Ruhe. Dr. med. F.________, Oberarzt am Spital X.________, Psychiatriezentrum Y.________, beurteilte die Selbstverletzung (ICD-10:X78) als Ergebnis eines affektiven Durchbruchs in einem Moment massiver Kränkung bei Verdacht auf narzisstische Störung (Bericht vom 24. September 1998). In der Stellungnahme vom 24. Februar 1999 berichtete Dr. med. G.________, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, E.________, dass seines Wissens in der der fraglichen Handlung unmittelbar vorangegangenen Zeit keine psychische Störung vorgelegen habe. Aufgefallen seien funktionelle Magenbeschwerden, die möglicherweise mit Alkoholabusus zusammenhingen, weswegen er L._________ am 18. März 1996 dem Psychiater Dr. med. F.________ überwiesen habe. Eine Behandlung habe aber nicht stattgefunden, weil L._________ gemäss telefonischer Mitteilung des Psychiaters angeblich das Trinken aufgegeben habe. Mit Verfügung vom 14. April 1999 lehnte die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), bei welcher L._________ obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert war, ihre Leistungspflicht mit der Begründung ab, der Versicherte habe den Gesundheitsschaden absichtlich herbeigeführt. Die dagegen erhobene Einsprache wies die SUVA nach Einholung des Konsiliums des Dr. med. F.________ vom 24. September 1998 und einer mündlichen Stellungnahme der verwaltungsinternen Psychiaterin mit Entscheid vom 3. Februar 2000 ab. Am 3. März 2000 liess der Versicherte durch lic. iur. Z.________, Verwaltungsratspräsident der Rechtsberatung S.________ AG, der SUVA zwei Schreiben von W.________ einreichen, mit welchen die Verfasserin zum Ausdruck brachte, dass sie die Augen von L._________ nie werde vergessen könne. Diese seien so gross, so weit weg, so ganz anders als sonst gewesen. Die SUVA hielt mit Schreiben vom 14. März 2000 an ihrem Einspracheentscheid fest.