Citation: 2C_940/2020 E. 3.5

3.5. Wie gesehen, gelten bei erkrankten Personen im Zusammenhang mit Art. 3 EMRK relativ hohe Schwellen, da es dabei nicht unmittelbar um Handlungen oder Unterlassungen staatlicher oder privater Akteure geht, sondern ein natürlicher Prozess (Krankheit) zu den entsprechenden Konsequenzen (Tod, Verschlechterung des Gesundheitszustands usw.) führt. Die schweizerischen Behörden sind gehalten, im Rahmen der konkreten Rückkehrmassnahmen alles ihnen Zumutbare vorzukehren, um medizinisch bzw. betreuungsmässig sicherzustellen, dass das Leben und die Gesundheit der betroffenen Person nicht beeinträchtigt wird; sie sind verfassungsrechtlich jedoch nicht verpflichtet, im Hinblick auf eine psychisch kritische Situation in Abweichung von den gesetzlichen Vorgaben dem Ansinnen auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (und den damit verbundenen weiteren Fürsorgeleistungen) zu entsprechen (vgl. BGE 139 II 393 E. 5.2.2; Urteil 2C_401/2017 vom 26. März 2018 E. 5.5). Eine weitere Behandlung in der Schweiz wäre für den Beschwerdeführer sicher von Vorteil, es gibt jedoch keine konkreten Hinweise darauf, dass die Aufenthaltsbeendigung eine ernsthafte, rapide und irreversible Verschlechterung seines Gesundheitszustandes nach sich ziehen würde (vgl. vorne E. 3.1). Der Beschwerdeführer führt bloss aus, es sei gerichtsnotorisch, dass eine Wegweisung nach Bosnien und Herzegowina an den Ort der traumatisierenden Ereignisse, eine hohe Wahrscheinlichkeit der Retraumatisierung nach sich ziehen würde, in deren Folge sich auch die Frage der Suizidalität stellen würde. Diese pauschale Behauptung ist allerdings durch die Akten nicht unterlegt. Abgesehen davon hat bereits die Vorinstanz darauf hingewiesen, dass diese Gefahr den Beschwerdeführer in der Vergangenheit nicht davon abgehalten hat, wiederholt zu Ferienzwecken in seine Heimat zurückzukehren. Folglich ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz den rechtsprechungsgemäss erforderlichen hohen Grad gesundheitlicher Beeinträchtigung bzw. eine konkrete Lebensgefährdung verneint hat (vgl. Urteil 2C_401/2017 vom 26. März 2018 E. 5.5).