Citation: I 384/02 09.07.2003 E. 3

Unter Berufung auf den von ihr am 9. März 2001 eingereichten Bericht des Psychiaters Dr. med. R.________ vom 21. Februar 2001 macht die Beschwerdeführerin eine massive psychische Überlagerung der somatischen Leiden geltend. Dr. med. R.________ hatte in jenem Attest einen schweren psychophysischen depressiven Erschöpfungszustand, der durch die somatische und psychosoziale Notlage bedingt sei und unterhalten werde, diagnostiziert und eine Arbeitsunfähigkeit von 75 % bis 80 % angenommen. 3.1 Wie erwähnt (Erw. 1.1 hievor), bildet nach ständiger Rechtsprechung der Zeitpunkt des Erlasses der beanstandeten Verwaltungsverfügung die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 121 V 366 Erw. 1b). Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Einschränkung der Leistungsfähigkeit durch blosse Aggravation als invaliditätsfremder Faktor bei der invalidenversicherungsrechtlichen Beurteilung der Leistungsfähigkeit unberücksichtigt bleiben muss (SVR 2003 IV Nr. 1 S. 2 Erw. 3b/bb). Für die Annahme eines im Rahmen der Invaliditätsbemessung relevanten geistigen Gesundheitsschadens mit Krankheitswert darf das klinische Beschwerdebild auch nicht einzig aus Beeinträchtigungen bestehen, die ursächlich auf belastende soziale Faktoren zurückzuführen sind, sondern es hat davon zu unterscheidende psychiatrische Befunde zu umfassen, etwa eine von depressiven Verstimmungszuständen klar abgrenzbare anhaltende Depression im fachmedizinischen Sinne oder aber einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Andernfalls kann kein im Rahmen von Art. 4 Abs. 1 IVG zur Erwerbsunfähigkeit führender Gesundheitsschaden angenommen werden (BGE 127 V 299 Erw. 5a). 3.2 Weder in den Berichten des Spitals X.________ vom 8. September und 16. Oktober 1998 noch im Schreiben des Dr. med. I.________ von der Klinik Y.________ vom 9. Dezember 1999 finden sich Anhaltspunkte für eine psychische Überlagerung des somatischen Beschwerdebildes. Auch im Zwischenbericht des Hausarztes Dr. med. M.________ vom 31. März 2000 ist von einer solchen nicht die Rede. Auf Grund der im Verfügungszeitpunkt gegebenen Aktenlage kann deshalb nicht von einer bereits damals vorhanden gewesenen psychischen Überlagerung ausgegangen werden. Auch in der der Vorinstanz eingereichten Beschwerde deutet nichts auf eine psychisch bedingte Beeinträchtigung des Leistungsvermögens hin. Psychische Probleme, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken könnten, werden erstmals in der im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Replik geltend gemacht. Hätten solche aber bereits im Verfügungszeitpunkt vorgelegen, hätte die bereits damals anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin, welche während der Rechtsmittelfrist auch Einsicht in die Akten der beschwerdegegnerischen IV-Stelle nehmen konnte, dies mit Sicherheit schon in der der Vorinstanz eingereichten Beschwerde vorgebracht. Bei dieser Sachlage kann deshalb nicht angenommen werden, bereits im Verfügungszeitpunkt sei eine depressive Erkrankung in Erscheinung getreten. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist überdies anzumerken, dass Dr. med. R.________ in seinem Bericht vom 21. Februar 2001 ohnehin nur eine Beurteilung des damaligen Zustandes, nämlich für den Zeitraum ab 13. bis 21. Februar 2001 abgeben konnte. Dass tatsächlich eine dauerhafte psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hätte, lässt sich aus diesem Bericht nicht ableiten. 3.3 Die Anordnung weiterer Beweismassnahmen, insbesondere eines Gutachtens, wie dies die Beschwerdeführerin verlangt, ist bei dieser Sachlage nicht angezeigt. Zumindest für den Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verwaltungsverfügung vom 11. Oktober 2000 kann, entgegen der Argumentation in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, eine massive psychische Überlagerung der somatischen Beschwerden nicht als ausgewiesen gelten. Angesichts der insoweit klaren Aktenlage sind diesbezüglich auch von zusätzlichen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, die sich auf das Ergebnis auswirken könnten. Sollten sich die Verhältnisse seit Erlass der Rentenverfügung vom 11. Oktober 2000 wesentlich verändert haben, steht es der Beschwerdeführerin frei, die Verwaltung um eine Rentenrevision im Sinne von Art. 41 IVG zu ersuchen. 3.4 Am 31. März 2000 veranschlagte Dr. med. M.________ als Hausarzt der Beschwerdeführerin die Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte Tätigkeit auf 50 %. Im Schreiben desselben Arztes vom 3. Februar 2001 wurde diese Schätzung nicht in Frage gestellt, sondern lediglich festgehalten, dass in Anbetracht der - zufolge Arbeitsaufgabe resp. Stellenverlusts - neuen Situation eine Revision vorgenommen werden sollte. Für den Zeitpunkt des Erlasses der Verwaltungsverfügung vom 11. Oktober 2000 ist demnach für den erwerblichen Bereich von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit bei leichteren Tätigkeiten auszugehen. Diese Annahme lässt sich auch mit der Einschätzung des Dr. med. I.________ von der Klinik Y.________ vereinbaren, welcher in seinem Bericht vom 9. Dezember 1999 sogar für die Tätigkeit als Putzfrau/Küchenangestellte - also nicht nur für körperlich leichte Betätigungen wie sie von Dr. med. M.________ in Betracht gezogen wurden - eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit attestiert hat.