Citation: 4A_234/2021 E. 2.4.4

2.4.4. Die Beschwerdeführerin wendet ein, das Kantonsgericht hätte stärker berücksichtigen müssen, dass die Mutter nicht "unvermittelt" auf die Strasse getreten und sie überdies "nicht ortskundig" gewesen sei. Der einzige Weg vom relativ neuen Supermarkt "Y.________" zur Bushaltestelle habe über diese Strasse geführt. Entgegen der Vorinstanz treffe (zumindest auch) den - ortskundigen - Motorradfahrer ein Verschulden. Dieser sei nämlich nicht in der Lage gewesen, auf Sicht anzuhalten, obwohl er gewusst habe, dass die nächste Bushaltestelle "vom 'Y.________' aus gesehen" über diese Strasse zu erreichen sei. Mit dieser Kritik weist die Beschwerdeführerin keine Willkür aus. Das Kantonsgericht stellte in vertretbarer Weise darauf ab, dass die vortrittsbelastete Mutter die Strasse mit der Beschwerdeführerin - für deren Schutz sie zu sorgen hatte - unter ungünstigen Umständen und zudem an ungeeigneter Stelle hatte überqueren wollen. Daraus folgerte es willkürfrei, dass die Mutter besonders Acht hätte geben müssen (vgl. auch Art. 49 Abs. 2 Satz 1 SVG sowie Art. 47 Abs. 1 und 5 Verkehrsregelverordnung [VRV; SR 741.11]). Der Schluss, sie habe nicht - in diesem Sinn - hinreichend vorsichtig gehandelt, scheint vor dem Hintergrund des vorinstanzlich festgestellten, für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhalts (Art. 118 BGG) nicht offensichtlich unhaltbar. Ins Gewicht fällt dabei die Tatsache, dass die Mutter den Verkehr nur ungenügend beobachtete und, als sie den Motorradfahrer (spät) wahrnahm, für diesen unerwartet die Strasse doch noch zu überqueren versuchte (vgl. auch BGE 115 II 283 E. 2a mit weiteren Hinweisen auf vergleichbare Konstellationen und BGE 95 II 184 E. 3 S. 187 f.; aus der neueren Rechtsprechung etwa Urteil 4A_140/2020 vom 9. Juli 2020 E. 6). Dieses unfallkausale Verhalten mass die Vorinstanz am Begriff des groben Verschuldens nach Art. 59 Abs. 1 SVG, das sie definierte als Verletzung der elementarsten Vorsichtsgebote, deren Beachtung sich jedem verständigen Menschen in derselben Lage hätte aufdrängen müssen. Sie hat dabei zutreffend berücksichtigt, dass an die Entlastung von der Halterhaftung grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen sind, sollen der Schutz und die obligatorische versicherungsrechtliche Absicherung des durch die Betriebsgefahr eines Motorfahrzeugs Geschädigten nicht illusorisch werden, und dass Art. 59 Abs. 1 SVG ein Drittverschulden verlangt, das so sehr überwiegt, dass die Beteiligung des Halterfahrzeugs, also dessen Betriebsgefahr, nicht ins Gewicht fällt und deshalb als adäquate Ursache ausgeschaltet wird (vgl. Urteil 4C.332/2002 vom 8. Juli 2003 E. 3.3). Umgekehrt ist unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden, wenn das Kantonsgericht festhielt, dass grobes Verschulden nicht zwangsläufig ein waghalsiges oder mutwilliges Verhalten oder gar die Inkaufnahme von Unfällen im Strassenverkehr bedeute (siehe auch Urteil 4C.286/2003 vom 18. Februar 2004 E. 3.1). Inwiefern es aber vor diesem Hintergrund im Ergebnis unhaltbar sein soll, ein grobes - die Haftung des Motorfahrzeughalters ausschliessendes - (Dritt-) Verschulden der Mutter zu bejahen, ergibt sich aus der Beschwerdebegründung nicht. Der Einwand der Beschwerdeführerin, dass "Mütter mit fünfjährigen Kindern [...] auf höchst erstaunliche Weise gewohnt und geübt [seien], mit zwei Taschen und einem Kind zu hantieren", tut nichts zur Sache. Auch der von ihr wiederholt betonte Umstand, die nächste Bushaltestelle sei auf diesem Weg zu erreichen gewesen, lässt das vorinstanzliche Urteil nicht in einem geradezu unhaltbaren Licht erscheinen (siehe im Übrigen zur Vorsicht unmittelbar an den Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel: Art. 33 Abs. 3 SVG und Urteil 4A_479/2009 vom 23. Dezember 2009 E. 6.2). Auch was die Beurteilung des Verschuldens des Motorradfahrers betrifft, ist dem Kantonsgericht keine Willkür vorzuwerfen. Es hat namentlich in nachvollziehbarer Weise auf Art. 26 Abs. 1 SVG Bezug genommen und daraus abgeleitet, dass jeder Strassenbenützer, der sich selbst verkehrsgemäss verhalte und sofern nicht besondere Umstände dagegen sprächen, darauf vertrauen dürfe, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer ebenfalls ordnungsgemäss verhielten (siehe dazu auch Urteil 4A_663/2014 vom 9. April 2015 E. 3.3.3). Die Beschwerdeführerin moniert, der Motorradfahrer habe "nicht auf Sicht anhalten" können, vermag die vorinstanzliche Einschätzung damit aber nicht als willkürlich umzustossen.