Citation: U 48/06 10.04.2006 E. 4.2

4.2.1 Im Bericht der Stiftung Y.________ vom 18. Juni 2003, in welcher der Versicherte im Auftrag der Invalidenversicherung vom 24. März bis 20. Juni 2003 hinsichtlich Belastbarkeit, Interessen und Fähigkeiten sowie Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht und Möglichkeit einer Tätigkeit im Bereich feine technische Berufe abgeklärt wurde, wird einleitend ausgeführt, von Anbeginn sei die starke Beeinträchtigung durch die Rückenschmerzen aufgefallen. Der Versicherte habe nicht über längere Zeit in sitzender Position bleiben können und oft kürzere Pausen benötigt, um einige Schritte zu gehen. Viele Arbeiten habe er deshalb im Stehen erledigt, was für die Verrichtung von solch feinen Aufgaben nicht von Vorteil sei. Im Verlauf der Abklärung habe sich gezeigt, dass dem Versicherten sowohl die Feinarbeit wie auch sein Denkvermögen Schwierigkeiten bereiteten. Er habe 12 Wochen im Bereich Elektronikmontage gearbeitet (Biegen, Verkabeln, Löten, Crimpen, Kabelbäume herstellen, Widerstände berechnen, gedruckte Schaltungen garnieren und löten, Schaltungen und Apparate montieren, technisch Zeichen, CAD Basis, Kundenaufträge, Kontrollarbeiten usw.). Auf Grund der Schwierigkeiten des Versicherten und der damit verbundenen Verlangsamung habe das Programm nicht vollständig durchgeführt werden können. Die beruflichen Fähigkeiten des Versicherten seien weder im Praktischen noch im Verständnis genügend, weshalb eine Lehre oder eine Tätigkeit im Bereich feine technische Berufe nicht denkbar sei. Zudem verfüge er über ungenügende Schulkenntnisse. Da die sitzende Arbeitsposition grosse Probleme bereite, könne aus gesundheitlicher Sicht auch ein Beruf in eine ähnliche Richtung nicht in Erwägung gezogen werden. Gestützt auf ihre Beobachtungen könnten sie ihm in ihrer Institution keine beruflichen Massnahmen anbieten. Seine gesundheitlichen Probleme hätten sie trotz schonender Massnahmen am Arbeitsplatz (verminderte Arbeitszeit, viel Stehen bei der Arbeit, regelmässige Pausen, Tragen eines Korsetts, Spezialstuhl, besondere Rücksichtnahmeihrerseits) nicht in den Griff bekommen, sodass sie es als nahezu unmöglich erachteten, für ihn eine passende Arbeit zu finden. Im Teilbericht des Gesundheits- und Sozialdienstes wurde zudem zur persönlichen Situation ausgeführt, trotz seiner Probleme sei der Versicherte stets sehr motiviert gewesen, etwas zu leisten. Bald habe sich aber herausgestellt, dass seine Rückenprobleme das Sitzen am Arbeitplatz verunmöglichten. So sei er meistens gestanden und habe ein Korsett getragen. Diese Körperhaltung habe es ihm wiederum verunmöglicht, präzise zu arbeiten. Es müsse dringend abgeklärt werden, ob eine Besserung der Rückenprobleme in nützlicher Frist eintreten könne. Sein Sehvermögen auf die Nähe sei ebenfalls für so feine Arbeiten nicht genügend. Zusammenfassend wurde festgehalten, dass an eine verwertbare Arbeit nicht zu denken sei, wenn sich sein Zustand nicht drastisch verbessere. 4.2.2 In ihrem Schlussbericht vom 23. Juni 2003 führte die Berufsberaterin der IV-Stelle zum Abklärungsergebnis der Stiftung Y.________ aus, der Versicherte habe massiv unter gesundheitlichen Problemen gelitten. Obwohl er sich sehr angestrengt und Mühe gegeben habe, habe er keine in der freien Wirtschaft verwertbare Leistung gezeigt. Er habe nur stehend arbeiten können und hätte jede Stunde 10 Minuten umher gehen müssen. Probleme hätten sich nebst den gesundheitlichen Einschränkungen im Ausüben von feinsten Arbeiten gezeigt, die Geduld und Präzision verlangten, sowie beim Erlernen von Neuem. In beiden Bereichen habe der Versicherte Mühe gehabt und unterdurchschnittliche Leistungen gezeigt. Ausserdem habe er Mühe mit der visuellen Wahrnehmung von kleinen Sachen. Er brauche eine Arbeit, die er stehend oder in Bewegung ausüben könne, die körperlich aber nicht belastend sei, er also keine Gewichte heben und sich nicht in unergonomische Körperhaltungen begeben müsse, die aber auch keine hohen Anforderungen an die Feinmotorik und das Sehvermögen stelle. In Frage kämen zum Beispiel die Mitarbeit in einem Behinderten-Fahrdienst oder die Mitarbeit in einem Kleinteillager mit Verkaufsservice, wobei das Verräumen von schwereren Kisten oder Gegenständen bereits nicht mehr in Frage komme. Als Fazit schätzte die Berufsberaterin auf Grund der gezeigten Leistungen in den Bereichen Sprache, Erlernen von Neuem, Umsetzen von Erklärtem, Auffassungsgabe, Beobachtungsgabe, schulische Kenntnisse usw. die Erfolgschancen bei einer Umschulung als äusserst gering ein. Für eine erfolgreiche Umorientierung brauche es eine längere Einarbeitungszeit an einem konkreten Arbeitsplatz, wo sich der Versicherte mittels "learning by doing" die nötigen Fähigkeiten aneignen könne. Auf Grund der gezeigten Leistungen im praktischen Arbeitsalltag scheine der Versicherte momentan nicht in der Lage zu sein, eine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsleistung zu erbringen. Eine Stelle in der freien Wirtschaft zu suchen, mit dem Ziel, den Lebensunterhalt verdienen zu können, habe deshalb wenig Sinn. 4.2.3 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 28. August 2003 hielt der Kreisarzt mit Bezug auf die Abklärungsergebnisse der Invalidenversicherung fest, dass einzig die Rückenproblematik die Unfallversicherung betreffe. Ungenügende Schulkenntnisse und die Schwierigkeit, eine passende Stelle zu finden, hätten mit Invalidität, wie sie im Gesetz definiert sei, nichts zu tun, nämlich Beeinträchtigung der erwerblichen Fähigkeiten aus gesundheitlichen Gründen. Auf Grund der Angaben des Patienten und der objektiven Befunde könne zum aktuellen Zeitpunkt, einzig die Unfallfolgen vom 24. Mai 2002 berücksichtigend, folgendes Zumutbarkeitsprofil definiert werden: Ganztägiger Einsatz für leichte körperliche Aktivitäten in stehender oder gehender Position, maximale Gehstrecke ununterbrochen wenige hundert Meter, kein repetiertes Heben von Lasten über 5 kg. Im Rahmen des anlässlich der Untersuchung im Januar 2003 formulierten Zumutbarkeitsprofils sei man von einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ausgegangen. Nach den heute gemachten Angaben des Versicherten sei Sitzen über 15 Min. nur schwerlich möglich, im Stehen und Gehen sei er jedoch beschwerdefrei, sodass das Zumutbarkeitsprofil entsprechend zu modifizieren sei. 4.2.4 Im Austrittsbericht der Klinik Z.________ vom 28. April 2004 wurde zusammenfassend festgehalten, die Situation sei unverändert zur Abklärung in der Stiftung Y.________ sowie dem Schlussbericht der IV-Stelle. Aus ihrer Sicht bestehe weniger die Möglichkeit einer Umschulung, als der Unterstützung bei der Stellensuche sowie bei einer allfälligen Einarbeitungszeit. Auf Grund der unveränderten Schmerzproblematik, der Selbsteinschätzung eines Pensums von 30-40 % für eine leichte Tätigkeit sowie der bisher "frustran" verlaufenden Stellensuche schätzten sie die Erfolgsaussichten für eine berufliche Wiedereingliederung für gering ein. 4.2.5 Dr. med. M.________ schliesslich führte in seinem Bericht vom 20. Oktober 2004 an, der Versicherte sei motiviert, seine Situation zu verbessern. Die Suche nach alternativer Beschäftigung z.B. im Magazin des bisherigen Arbeitgebers, als Hauswart usw. seien ohne Erfolg gewesen. Es mache sich eine gewisse Resignation breit, da medizinisch die Verhältnisse kaum besserten und die bisherigen Eigenbemühungen und die Bemühungen der SUVA ohne konkretes Ergebnis verlaufen seien. Die allgemeine Arbeitslosigkeit, besonders im Raum A.________, sei jedenfalls nicht gerade ermutigend. Mit zunehmend erfolgloser Bemühung um Arbeit werde eine progressive Somatisierung der Beschwerden zu erwarten sein. 4.3 Die Vorinstanz hat sich zu den unterschiedlichen Einschätzungen der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht geäussert. Die SUVA war in ihrem Einspracheentscheid davon ausgegangen, der ausgeglichene Arbeitsmarkt biete Tätigkeiten an, welche dem erhobenen Zumutbarkeitsprofil angepasst seien, also nicht längeres Sitzen erforderten, sondern durchsetzt seien mit stehenden und gehenden Intervallen und welche keine eigentliche Umschulung erforderten. 4.4 Im Bericht der Stiftung Y.________ vom 18. Juni 2003 wird die Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit durch den Versicherten zwar skeptisch beurteilt. Indessen ist zu berücksichtigen, dass die Abklärung und ihre Ergebnisse auf eine allfällige Umschulung wie eine Lehre abzielten und sehr fachspezifisch erfolgten (12 Wochen in der Elektronikmontage, vor allem bezüglich "feine technische Berufe"). Die Aussage, wonach die Abklärungspersonen es als nahezu unmöglich erachteten, für den Versicherten eine passende Arbeit zu suchen, ist deshalb eingeschränkt auf eine bestimmte fachliche Richtung der Tätigkeit zu verstehen. Zudem dürften sie dabei weniger den ausgeglichenen als vielmehr den aktuell zur Verfügung stehenden Arbeitsmarkt vor Augen gehabt haben. Dies gilt auch für die Einschätzungen des Dr. med. M.________, der sich auf die Situation in der Umgebung der Stadt A.________ bezog (ganz abgesehen davon, dass dem Versicherten im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht ein Wohnsitzwechsel zumutbar wäre, wenn dies zu einer besseren Eingliederung führte, BGE 113 V 28 Erw. 4; Urteil 5. vom 5. November 2003, U 332/01). Bei der Invaliditätsbemessung ist jedoch nicht darauf abzustellen, ob ein Versicherter unter den konkret herrschenden Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob er die ihm verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 291 Erw. 3b mit Hinweisen). Der für die Invaliditätsbemessung ausschlaggebende ausgeglichene Arbeitsmarkt kennt genügend Stellen mit solchen leichteren Tätigkeiten, welche auch vom Beschwerdeführer, trotz seiner Behinderungen, noch ausgeübt werden könnten. Die Berufsberaterin der IV-Stelle nannte denn auch mögliche Tätigkeiten (Behinderten-Fahrdienst, Mitarbeit in einem Kleinteillager mit Verkaufsservice). Es ist denn auch mit der Klinik Z.________ davon auszugehen, dass die Ausübung einer Verweisungstätigkeit nicht auf dem Weg der Umschulung, sondern im Rahmen einer unterstützten Stellensuche oder Einarbeitungszeit anzustreben ist. 4.5 Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die SUVA die Erwerbsunfähigkeit und damit den Invaliditätsgrad von 25 % ausgehend von der Beurteilung im Austrittsbericht der Klinik Z.________ vom 28. April 2004 gestützt auf Auskünfte des früheren Arbeitgebers vom 23. Juni 2004 und den Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) sowie unter Berücksichtigung eines Abzuges von 10 % vom Tabellenlohn ermittelt hat. Dies wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde denn auch nicht konkret bemängelt und nach Lage der Akten besteht kein Anlass, darauf näher einzugehen.