Citation: 6S.487/2001 26.11.2001 E. 3

3.- a) Die Vorinstanz geht zunächst bei der Frage des Eventualvorsatzes davon aus, dass der Beschwerdeführer vor dem Betreten der Pension K.________ um die Möglichkeit gewusst und sie auch in Kauf genommen habe, dass A.________ den B.________ erschiessen könnte. Zum einen habe er als Waffenkenner um das besondere Gefährdungspotential der mit Munition von einer enormen Durchschlagskraft bestückten Pump Action gewusst. Zum zweiten hätten die vorangegangenen Bemerkungen A.________s in Bezug auf B.________ im Zeitpunkt des Ladens der Waffe einen ganz anderen Stellenwert bekommen, so dass der Beschwerdeführer sie nun nicht mehr als "Blabla" oder reines Tischgeschwätz habe abtun können; er habe denn auch nach seiner eigenen Aussage erkannt, dass es A.________ auf B.________ abgesehen gehabt habe. Zum dritten könne sich bei jedem Raubüberfall etwas Ausserplanmässiges ereignen, wobei gerade der Beschwerdeführer bei einem früheren Überfall auf ein Dancing im Jahre 1982 selber erlebt habe, dass ein bewaffnetes Vorgehen ganz anders enden könne als zuvor beabsichtigt. Wer in der vorliegend zu beurteilenden Konstellation zusammen mit einer ihm nicht näher bekannten Person, von der er aber zumindest wisse, dass sie einmal in der Strafanstalt Pöschwies gesessen habe, einen bewaffneten Raubüberfall begehe, wisse um die Möglichkeit einer tödlichen Verletzung des Überfallopfers und nehme diesen Erfolg in Kauf (vgl. angefochtener Entscheid S. 62 - 64). Auch das alles andere als kopflose Verhalten des Beschwerdeführers nach der Tat belege, dass die Schussabgabe A.________s für ihn nicht völlig überraschend erfolgt sei, was ein weiteres Indiz dafür darstelle, dass sich der Beschwerdeführer bereits vor der Abgabe der Schüsse gedanklich mit dieser Möglichkeit befasst gehabt habe (vgl. angefochtener Entscheid S. 66/67). In Bezug auf die Frage der besonderen Skrupellosigkeit führt die Vorinstanz aus, die Aussicht auf materiellen Gewinn sei ausschlaggebend für die Bereitschaft des Beschwerdeführers gewesen, zusammen mit A.________ den Überfall auf die Pension K.________ auszuführen. Indem er sich aufgrund der ihm in Aussicht gestellten Hälfte des Tresorinhaltes mit der Möglichkeit abgefunden habe, dass A.________ den B.________ erschiessen könnte, habe er den besonders verwerflichen Beweggrund der Habgier manifestiert. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer nach den eigenen Angaben mit einer Beute für ihn persönlich von (nur) rund Fr. 1'000.-- gerechnet habe; dieser Umstand lasse seine Tatbeteiligung als noch sinnloser und verwerflicher erscheinen und offenbare eine erschreckende Gleichgültigkeit, Gefühlskälte und Missachtung fremden Lebens, was auf eine Gesinnung von krassestem und primitivstem Egoismus schliessen lasse. Sodann falle ins Gewicht, dass B.________ für den Beschwerdeführer ein Fremder gewesen sei, zu dem er keinerlei Beziehungen gehabt habe, weshalb sich die Inkaufnahme, dass B.________ getötet werden könnte, nicht ansatzweise auf eine Konfliktsituation zurückführen lasse; die Bereitschaft, sich A.________ anzuschliessen, der diffuse Rachegefühle gehegt habe, entbehre aller sozialen Regungen. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass B.________ in der letzten Phase des Geschehens dem mit einer Pump Action und besonders gefährlicher Munition ausgerüsteten A.________ hilf- und wehrlos ausgeliefert gewesen sei, was der Beschwerdeführer mitzuvertreten habe, da er nicht nur an der Vereitelung des Fluchtversuchs von B.________ beteiligt gewesen sei, sondern diesen überdies an den Händen gefesselt und mit einer Decke zugedeckt habe (vgl. angefochtener Entscheid S. 75 - 77). Bei der Strafzumessung stellt die Vorinstanz schliesslich fest, die Bereitschaft, nur drei Tage nach Verbüssung einer mehrjährigen Zuchthausstrafe an einem bewaffneten Raubüberfall mitzuwirken und sich mit dem Tod des Überfallopfers abzufinden, sei gerade in Anbetracht der relativ geringen in Aussicht stehenden Beute Ausdruck einer enormen Rücksichtslosigkeit und Zeichen der beim Beschwerdeführer in ausgesprochen hohem Masse vorhandenen kriminellen Energie (angefochtener Entscheid S. 85 unten in Verbindung mit S. 91 oben). b) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe verschiedene Tatumstände, die ein besonders skrupelloses Handeln ausschliessen würden, nicht berücksichtigt (Beschwerde S. 4 Ziff. 5). Zum einen habe er unmittelbar vor den Schüssen die Fenster des Raumes öffnen wollen, in dem die Opfer lagen, um ihnen nach der Flucht der Täter das "Umhilfeschreien" zu erleichtern, und durch dieses Verhalten habe er eine Gefühlsregung in dem Sinne gezeigt, dass er die Situation der Opfer habe erleichtern wollen (vgl. Beschwerde S. 6/7 Ziff. 5b). Zum anderen habe die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid auf S. 87 bei der Strafzumessung gestützt auf die psychiatrische Expertise festgestellt, dass bei ihm eine erhöhte Suggestibilität vorliege; sei aber davon auszugehen, dass er von A.________ beeinflusst gewesen sei, stelle dies einen weiteren Umstand dar, der gegen eine besondere Skrupellosigkeit spreche (vgl. Beschwerde S. 7/8 Ziff. 5d). Die Vorinstanz berufe sich im Übrigen zu Unrecht darauf, dass zwischen ihm und B.________ keine Konfliktsituation vorgelegen habe, denn dieser Umstand spreche nicht für die Qualifikation der Tat als Mord (vgl. Beschwerde S. 10 Ziff. 6b). Und schliesslich könne auch die von der Vorinstanz ins Feld geführte Hilf- und Wehrlosigkeit der Opfer die besondere Skrupellosigkeit nicht begründen, weil das Fesseln und Zudecken der Opfer nur dazu gedient habe, den Tätern einen Fluchtvorsprung zu sichern (vgl. Beschwerde S. 10 Ziff. 6c). c) Der Schuldspruch wegen versuchten Mordes ist bundesrechtlich nicht zu beanstanden. Nur drei Tage, nachdem der Beschwerdeführer eine lange Strafe verbüsst hatte, schloss er sich einem früheren Mithäftling an, um gemeinsam einen Raubüberfall zu begehen. Dabei wusste er, dass der Mithäftling das vorgesehene Überfallopfer "wie die Pest hasste", mit diesem noch eine Rechnung begleichen wollte und es "wegblasen" würde, wenn es Schwierigkeiten gäbe. Er fand sich ohne Weiteres damit ab, dass die ihm unbekannte Person getötet werden könnte, obwohl er für sich persönlich nur mit einer geringen Beute rechnete. Dass der Beschwerdeführer sich unter den gegebenen Umständen am Vorhaben seines Komplizen beteiligte, zeugt von einer äussersten Geringschätzung fremden Lebens und von einer besonderen Skrupellosigkeit. Von allem Anfang an konnte er nicht damit rechnen, dass der schwer bewaffnete A.________ das ihm äusserst verhasste Opfer am Leben lassen würde, zumal das Opfer seinen Komplizen ja kannte und wohl nach dem Überfall angezeigt hätte. Entsprechend halbherzig fiel der Vorschlag des Beschwerdeführers aus, das Fenster zu öffnen, damit die beiden Gefesselten später um Hilfe schreien könnten. Jedenfalls beharrte er nicht auf seinem Vorschlag, sondern liess den Komplizen gewähren, nachdem dieser angekündigt hatte, jetzt würden die beiden Gefesselten "kalt gemacht". Aus seinem Verhalten am Tatort kann der Beschwerdeführer deshalb nichts für sich herleiten. Dasselbe gilt für den Umstand, dass der Beschwerdeführer das Opfer persönlich nicht kannte. Daraus ist nur abzuleiten, dass er ohne Weiteres in die Tötung irgendeiner Person einwilligte, deren Schicksal ihm offenbar völlig gleichgültig war. Die Suggestibilität des Beschwerdeführers schliesslich hat die Vorinstanz zu Recht insoweit berücksichtigt, als sie bei der Strafzumessung von einer in leichtem Grade verminderten Steuerungsfähigkeit ausgegangen ist (angefochtener Entscheid S. 88 unten). Sie ändert jedoch nichts daran, dass das Verhalten des Beschwerdeführers besonders skrupellos war. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet. Sie ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.