Citation: 4A_374/2023 E. 4.1

4.1. Die Vorinstanz erwog, die Kündigungsanfechtung eines Untermietvertrags sei eine zivilrechtliche Angelegenheit. Die privatrechtlichen Bestimmungen über die Miete gälten grundsätzlich unabhängig davon, ob ein Privater oder der Staat als Vermieter auftrete. Dies gelte auch, wenn (wie hier) die Vermieterin im Untermietverhältnis zugleich als Sozialbehörde handle und den Mietzins direkt bezahle. Zur Überprüfung einer mit der Kündigung zusammenhängenden möglichen Kürzung der Sozialhilfeleistungen (Umzug in eine kleinere Wohnung) sei sie hingegen nicht zuständig. Weiter gelte eine natürliche Vermutung für die Richtigkeit des Inhalts einer Sendung, wobei dem Empfänger der Nachweis offenstehe, dass deren tatsächliche Inhalt ein anderer gewesen sei (mit Verweis auf das Urteil 5A_338/2017 vom 20. Februar 2018 E. 4.2.3; vgl. zur Sendung des Vermieters an den Mieter auch BGE 142 III 369 E. 4.2). Konkrete Anhaltspunkte, die Zweifel darüber aufkommen liessen, dass das gültige Kündigungsformular tatsächlich im Umschlag vom 19. Mai 2022 gewesen sei, bringe die Beschwerdeführerin nicht vor und gingen auch nicht aus den Akten hervor. Die erstinstanzliche Sachverhaltsfeststellung, dass am 19. Mai 2022 ein Einschreiben der Beschwerdegegnerin versendet und am 20. Mai 2022 an der Abholstelle eingetroffen sei, beanstande die Beschwerdeführerin nicht. Diese Sachverhaltsfeststellung decke sich auch mit den Akten. Mit der Ablage des Abholscheins in ihrem Postfach sei die Sendung in ihren Machtbereich gelangt und sie hätte die Sendung am Schalter abholen können. Damit gelte die Sendung ab diesem Zeitpunkt als zugestellt. Die 30-tägigen Fristen zur Kündigungsanfechtung sowie zur Erstreckung des Mietverhältnisses nach Art. 273 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a OR hätten am folgenden Tag zu laufen begonnen und am 20. Juni 2022 geendet. Da sie erst mit Eingabe vom 3. August 2022 an die Schlichtungsbehörde gelangt sei, seien diese Fristen verwirkt. Es sei irrelevant, ob ihr Sozialberater sie vorhergehend über die Kündigung informiert habe, weshalb ihr Antrag um Beizug der Tonbandaufnahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung abzuweisen sei. Schliesslich sei hinsichtlich des Einwands, das Begleitschreiben zur Kündigung habe keine Rechtsmittelbelehrung enthalten, auf das Kündigungsformular zu verweisen. Darauf seien die Anfechtungsfrist, die sachlich zuständige Schlichtungsbehörde und die massgeblichen Bestimmungen des Obligationenrechts aufgeführt. Weitere mögliche Nichtigkeitsgründe seien nicht geltend gemacht und gingen auch nicht aus den Akten hervor.