Citation: 4A_255/2022 E. 5.5.1

5.5.1. Die Vorinstanz erwog, wie sich dem Urteil der Erstinstanz entnehmen lasse, habe sich diese nicht nur mit dem Aspekt der Vertragsdauer auseinandergesetzt, sondern auch mit der Frage, ob in Bezug auf den Darlehensvertrag vom 1. September 2017 eine übermässige Intensität der vertraglichen Bindung vorliege. Dabei habe sie im Wesentlichen erwogen, dass die Beschwerdeführerin nicht geltend mache, sich bereits beim Abschluss des Darlehensvertrags vom 16. April 2013 in einer Notlage befunden zu haben und die Differenz zum Darlehensvertrag vom 1. September 2017 hauptsächlich in einem höheren Darlehenszins im Umfang von 1.25 % sowie einem zusätzlichen Zinsbonus von Fr. 50'000.-- bestehe. Es stimme somit nicht, dass die Erstinstanz bei der Beurteilung der Frage des Übermasses der vertraglichen Bindung nur auf den Aspekt der Vertragsdauer abgestellt habe. Im Weiteren habe sich die Erstinstanz sehr wohl auch mit dem von der Beschwerdeführerin behaupteten - vom Beschwerdegegner aber bestrittenen - Umstand der finanziellen Notlage befasst. Sie sei dabei jedoch zum Schluss gelangt, dass eine finanzielle Notlage nicht per se zu einer Rechts- oder Sittenwidrigkeit des Darlehensvertrags führe. Ein Liquiditätsengpass sei in der Praxis vielmehr gerade ein Grund für eine Darlehensaufnahme. Schliesslich habe die Erstinstanz auch die Zulässigkeit der vertraglich vereinbarten Zinsen (Darlehenszinsen, Zinsbonus, Verzugszinsen) und den zusätzlichen Garantieverträgen (dabei geht es um zwei Garantieverträge der D.________ GmbH und der E.________ AG) eingehend geprüft und dabei nichts Rechts- oder Sittenwidriges festgestellt. Alle von der Beschwerdeführerin genannten Umstände seien daraufhin untersucht worden, ob sie gegen das allgemeine Anstandsgefühl oder gegen die der Rechtsordnung immanenten ethischen Prinzipien und Wertmassstäbe verstiessen. Eine Verletzung von Art. 20 OR sei nicht ersichtlich.