Citation: 8C_951/2008 03.06.2009 E. 6

6.1 Die Vorinstanz hat den Unfall vom 24. November 2000 als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen eingestuft. Das ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs im Lichte der Rechtsprechung zur Unfallschwere bei einfachen Auffahrunfällen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04) richtig. Auch die Beschwerdeführerin ging in der Verfügung vom 24. August 2005 von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen aus, während sie im Einspracheentscheid vom 12. Juni 2007 von einem "höchstens" mittelschweren Ereignis sprach. In der Beschwerdeschrift will sie mit Blick auf die gemäss verkehrstechnischem Gutachten vom 18. November 2004 auf den Opel Vectra eingewirkte kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) von 9 km/h bis 10 km/h nunmehr einen leichten Unfall angenommen haben. Zwar ist die Rechtsprechung in einzelnen Fällen bei Auffahrkollisionen mit niedriger kollisionsbedingter Geschwindigkeitsveränderung (Delta-v unter 10 km/h) und weitgehendem Fehlen von unmittelbar im Anschluss an den Unfall aufgetretenen Beschwerden von einem leichten Unfall ausgegangen. Indessen ist auch bei einem als leicht zu qualifizierenden Unfall der adäquate Kausalzusammenhang - als Ausnahme zur Regel - zu prüfen, wenn er unmittelbare Unfallfolgen zeitigt, die sich nicht offensichtlich als unfallunabhängig erweisen. Dabei sind die Kriterien, die für Unfälle in mittleren Bereich gelten, heranzuziehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357, U 193/01). Da im vorliegenden Fall die Voraussetzungen nicht gegeben sind, unter denen der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem nicht ohne weiteres als leicht einzustufenden Unfall und den aufgetretenen Gesundheitsstörungen allein aufgrund der Unfallschwere zu verneinen wäre, ist mit der Vorinstanz zu prüfen, ob von den weiteren in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffälliger Weise erfüllt sind (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f.; 117 V 359 E. 6a S. 367). 6.2 Das kantonale Gericht hat die vier Kriterien "besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles" (BGE 134 V 109 E. 10.2.1 S. 127), "ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat" (BGE 134 V 109 E. 10.2.5 S. 129), "schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen" (BGE 134 V 109 E. 10.2.6 S. 129) sowie "Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen" (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 f.) verneint, was in der Beschwerdeschrift ausdrücklich anerkannt wird. 6.3 Bejaht hat das kantonale Gericht hingegen die drei Kriterien "fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung", "erhebliche Beschwerden" und "erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen". Im Rahmen einer Gesamtwürdigung des Unfallgeschehens und der unfallbezogenen Kriterien bejahte es die Adäquanz des Kausalzusammenhangs. Die Beschwerdeführerin vertritt demgegenüber die Auffassung, es sei keines dieser drei Kriterien erfüllt oder zumindest nicht in gehäufter oder auffallender Weise. Die Gesamtwürdigung von Unfallgeschehen und unfallbezogenen Kriterien führe daher zur Verneinung der Adäquanz. 6.3.1 Was die "fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung" (BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128) anbelangt, ist festzuhalten, dass die Konsultationen und Verlaufskontrollen beim Hausarzt Dr. med. K.________, - welcher laut Bericht vom 22. Februar 2001 zunächst Schonung, warme Bäder, Massagen und später Elektrotherapie, Fussreflexzonentherapie und Kraniosakraltherapie verordnete - und die auf dessen Veranlassung durchgeführten spezialärztlichen Abklärungen nicht als belastend im Sinne der Rechtsprechung zu bezeichnen sind. Dasselbe gilt für die stationären Abklärungs- und Behandlungsaufenthalte in den Kliniken Y.________ und Z.________ und die vom 28. März 2003 bis 29. Juni 2004 von Dr. med. S.________ durchgeführte Behandlung einer depressiven Episode, einschliesslich einer kognitiven Verhaltenstherapie. Ebenso wenig sind die durchgeführten ambulanten Massnahmen wie Physiotherapie, Osteopathie, Akupunktur und medikamentösen Behandlung als erhebliche Mehrbelastung zu bezeichnen. Auch waren die getroffenen Vorkehren nicht mit der durch das hier zur Diskussion stehende Kriterium anvisierten, erheblichen zusätzlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität verbunden. Das Kriterium "fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung" kann demnach zwar als erfüllt gelten, jedoch nicht in ausgeprägter Weise. 6.3.2 Zum Aspekt "erhebliche Beschwerden" (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128) ist festzuhalten, dass aufgrund der medizinischen Unterlagen zwar glaubhaft Schmerzen vorliegen, welche zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität geführt haben. Insgesamt kann dieses Kriterium aber zumindest nicht als in auffallender oder besonders ausgeprägter Weise erfüllt qualifiziert werden. Der Versicherten wurde vom Hausarzt ab dem 14. Dezember 2000 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 attestiert. Wie dem Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 7. Februar 2002 zu entnehmen ist, absolvierte sie von Februar bis November 2001 eine Schule und bestand die Zwischenprüfung. Im Gutachten vom 9. Juli 2007 wird ergänzend darauf hingewiesen, dass in den Jahren 2001 bis 2002 eine berufsbegleitende Ausbildung in der Webseitengestaltung absolviert worden sei und die Versicherte zuletzt in diesem Beruf als Redaktorin und Projektkoordinatorin Extranet/Intranet gearbeitet habe. Am 19. Dezember 2002 begab sie sich laut Bericht des Hausarztes vom 10. Dezember 2002 auf eine zweimonatige Australienreise. Nach der Rückkehr arbeitete sie von Mitte Februar 2003 bis 26. März 2003 wieder zu 50 Prozent. Im Bericht vom 24. Mai 2005 hält Dr. med. K.________ fest, die während der Schwangerschaft zurückgegangenen Kopfschmerzen würden seit der Geburt des ersten Kindes am 21. Januar 2005 erneut vermehrt auftreten. Unter migräniformen Kopfschmerzen litt die Beschwerdegegnerin allerdings bereits vor dem versicherten Unfall (Bericht des Dr. med. K.________ vom 22. Februar 2001). 6.3.3 Als grundsätzlich, aber nicht in ausgeprägter Weise erfüllt zu be-trachten ist auch das Kriterium einer "erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen" (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 f.). Mit dem kantonalen Gericht ist der Beschwerdegegnerin zugute zu halten, dass sie nach dem Unfall ihre bisherige Tätigkeit in reduziertem Umfang wieder aufnahm, sich im Jahre 2004 beruflichen Massnahmen der Invalidenversicherung mit einem dreimonatigen Arbeitsversuch unterzog und kooperativ an verschiedenen Therapien teilgenahm. Aus den Akten geht jedoch nicht hervor, dass sie nach der Kündigung der Arbeitsstelle im März 2003 selber aktiv geworden wäre, um die von den Ärzten der MEDAS im Gutachten vom 30. März 2004 seit dem Unfall vom November 2000 attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent umzusetzen und beispielsweise - wie im Austrittsbericht der Klinik Z.________ vom 25. November 2003 empfohlen - eine PC-Arbeit von zu Hause aus aufzunehmen. Laut Gutachten vom 9. Juli 2007 ist nicht nachvollziehbar, dass sie zwar die alltäglichen Erfordernisse der Kinderbetreuung und der damit verbundenen Haushaltbelange bewältigen kann, jedoch nicht bereit ist, auch nur für einige Stunden täglich Heimarbeit am Bildschirm auszuführen, die sie sich selbstständig organisieren könnte, oder leichtere Büroarbeiten zu übernehmen. 6.4 Zusammenfassend ergibt sich somit, dass von den sieben relevanten Kriterien drei erfüllt sind, keines davon jedoch in ausgeprägter Weise. Zur Bejahung der Adäquanz allfälliger noch vorhandener unfallbedingter Beschwerden genügt dies bei einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen nicht. 6.5 Die in der Beschwerdeschrift eventualiter beantragte Rückweisung der Sache zur Einholung eines interdisziplinären Gutachtens zielt auf die Prüfung der natürlichen Unfallkausalität ab, welche sich nach dem Gesagten erübrigt. 6.6 Waren die über den 31. Mai 2005 hinaus geklagten Beschwerden nicht mehr adäquat kausal durch das Unfallereignis vom 24. November 2000 verursacht, so war die Leistungseinstellung der Beschwerdeführerin spätestens auf dieses Datum hin rechtens. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben.