Citation: 6B_1412/2021 E. 2.4.3

2.4.3. Die Vorinstanz bejaht einen schweren persönlichen Härtefall. Sie stützt sich unter Verweis auf die erstinstanzlichen Erwägungen zusammengefasst auf die lange Anwesenheitsdauer der Beschwerdeführerin, ihren schlechten Gesundheitszustand, das Verhältnis zu ihren engsten Bezugspersonen, den beiden erwachsenen Söhnen sowie deren Familien, und die Situation im Heimatland Kosovo. Ergänzend bzw. aktualisierend berücksichtigt die Vorinstanz die Wohnsituation der Beschwerdeführerin wie auch ihre aktuelle Therapie. Die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung gewichtet die Vorinstanz jedoch höher als die privaten Interessen der Beschwerdeführerin am Verbleib in der Schweiz. Unter dem Titel Interessenabwägung erwägt die Vorinstanz unter anderem, gemäss den Ausführungen von Dr. med. F.________ vom 16. Januar 2020 liege bei der Beschwerdeführerin eine demenzielle Entwicklung vor und sie sei zwischenzeitlich zur Einsicht gelangt, sie sei nicht mehr in der Lage, ein selbständiges Leben zu führen. Gemäss seinem Schreiben vom 3. März 2020 seien zu einer kognitiven Einschränkung bzw. Intelligenzminderung ab Frühling 2018 zunehmend Gedächtnisstörungen mit häufigem Vergessen von Namen oder nicht wieder Abrufbarkeit des Tagesablaufes beobachtet worden. Das Vorhandensein einer Einsicht sieht die Vorinstanz deshalb als widerlegt an, da die Beschwerdeführerin zwischen dem 26. Mai 2020 und dem 8. August 2020 erneut mehrfach und in relativ dichter Abfolge einschlägig delinquierte. Zudem sei von einer demenziellen Entwicklung im sehr ausführlichen und schlüssigen psychiatrischen Gutachten vom 5. September 2019 von Dr. med. G.________ nirgends die Rede. Laut Gutachten habe die Beschwerdeführerin einerseits bezüglich früherer Delikte und Tathandlungen sowie auch bezüglich der neu angelasteten Delikte angegeben, nichts mehr zu wissen und sich nicht mehr erinnern zu können. Andererseits habe sie dann, wenn sie dazu bestrebt gewesen sei, Verständnis für ihre Situation zu erreichen, auch Details von einigen Tatabläufen schildern können. Gemäss Gutachten habe sich kein Hinweis auf eine tatsächliche schwere Störung der Gedächtnisleistung im Sinne einer authentischen kognitiven Beeinträchtigung des Gedächtnisses für wesentliche Geschehnisse und Lebensereignisse ergeben. Gestützt auf die Umstände und das Tatvorgehen erscheine eine die Gedächtnisleistung erheblich beeinflussende, einsetzende Demenz der im Tatzeitraum erst rund 50-jährigen Beschwerdeführerin zumindest als sehr fraglich. Ansonsten müsse wohl praktisch jeder Täterschaft schon etwas fortgeschrittenen Alters bei der Begehung vieler gleichartiger Taten bzw. bei gewerbsmässigem Handeln eine beginnende demenzielle Entwicklung attestiert werden, wenn sie sich auf fehlende Erinnerung berufe. Mittlerweile befinde sich die Beschwerdeführerin in einer betreuten Wohneinrichtung, wo auch die ambulanten unterstützenden Gespräche mit ihrem langjährigen Therapeuten weiterhin stattfinden könnten. Ihre chronifizierte langjährige Persönlichkeitsproblematik dauere indessen fort. Die kombinierte Persönlichkeitsstörung liesse sich laut dem Gutachten nur durch sehr intensive, über einige Jahre angewandte psychotherapeutische Verfahren wirksam angehen, wobei aber bei der Beschwerdeführerin eine Therapieunfähigkeit bestehe. Infolgedessen gebe es aus heutiger Sicht nach wie vor kaum Aussicht, dass sich das betreute Wohnen allein positiv und auch nachhaltig auf ihre zukünftige Bewährung auswirken werde. Die Legalprognose der Beschwerdeführerin sei getrübt. Insbesondere bestehe laut Gutachten ein sehr hohes Risiko, dass die Beschwerdeführerin in Freiheit erneut Diebstahlshandlungen begehe, zumal ihre kombinierte Persönlichkeitsstörung in unveränderter Ausprägung andauere. Dass die Beschwerdeführerin im Heim D.________ Fuss gefasst zu haben scheine und ihr Zustand von ihrem Therapeuten als stabil auf niedrigem bis mittlerem Niveau beschrieben werde, vermöge keine Veränderung der Prognose herbeizuführen. Der Kontakt mit den zwei Söhnen und deren Familien könne durch Kommunikationsmittel, etwa per Telefon, durch Übermittlung von Fotografien und auch durch gelegentliche Besuche bei der Beschwerdeführerin im Kosovo aufrecht erhalten werden.