Citation: 4C.107/2005 29.06.2005 E. 4

Die Klägerin beanstandet schliesslich, die Vorinstanz habe dem Entlastungsbeschluss der Generalversammlung vom 25. November 1998 Wirksamkeit für die Zeit nach dem 30. Juni 1998 (Ende des Geschäftsjahres 1997/1998) zugesprochen. Sie rügt eine Verletzung der Art. 32 ff., 695, 698, 700, 701, 703 und 758 OR. 4.1 Die Vorinstanz hat festgestellt, dass der Grund für die hohen Verluste in den Optionskäufen lag, die E.________ zwischen dem 7. April 1998 und 28. August 1998 vorgenommen hatte. Die erste Verwaltungsratssitzung im neuen Geschäftsjahr fand nach den Erwägungen im angefochtenen Urteil am 3. September 1998 statt. In dieser Sitzung wurden die Anlagen in Optionen als zu risikoreich und banklastig kritisiert. Nach dieser Verwaltungsratssitzung wurden keine neuen Optionskäufe mehr getätigt, woraus die Vorinstanz schloss, dass die Grundlage für die Optionsgeschäfte im Geschäftsjahr 1997/1998 gelegt wurde, während die Risiken im neuen Geschäftsjahr an der ersten Sitzung des Verwaltungsrates vom 3. September 1998 erkannt und darauf nur noch Verkäufe bestehender Positionen getätigt wurden. Insofern lag es nach den vorinstanzlichen Erwägungen im Interesse der Klägerin, dass nicht sogleich der Verkauf aller Optionen veranlasst wurde, da zwischen der Generalversammlung vom 25. November 1998 und dem Verkauf der Optionen am 6. Januar 1999 noch eine Verlustminderung eintrat. Im Zusammenhang mit der Déchargeerteilung hielt die Vorinstanz schliesslich für bedeutsam, dass die Verluste aus den von E.________ getätigten Optionskäufen im Zeitpunkt der Generalversammlung vom 25. November 1998 bereits entstanden waren, an der auf diese "beträchtlichen Buchverluste" hingewiesen wurde. 4.2 Der Entlastungsbeschluss vom 25. November 1998 betrifft, wie die Klägerin zutreffend darlegt, allfällige Pflichtverletzungen der Verwaltungsräte der Beklagten im Geschäftsjahr 1997/1998, das bis 30. Juni 1998 dauerte. Die Klägerin bringt vor, die erteilte Décharge könne sich nicht auf die nach Mitte 1998 erfolgten Pflichtverletzungen und die danach entstandenen Verluste erstrecken. Die Vorinstanz legt jedoch im angefochtenen Urteil zutreffend dar, dass es nicht darauf ankommen kann, wann sich die allfälligen Pflichtverletzungen auswirken; vielmehr kommt es auf den Zeitpunkt der Vornahme der pflichtwidrigen Handlungen an (bzw. bei pflichtwidrigen Unterlassungen auf den Zeitpunkt, an dem die sorgfaltswidrig unterbliebenen Handlungen hätten vorgenommen werden müssen). Die Klägerin wirft den Beklagten vor, sie hätten nicht rechtzeitig interveniert und den als Vermögensverwalter bestellten E.________ nicht daran gehindert, durch die Anlage des gesamten liquiden Vermögens in Optionen ein Klumpenrisiko zu bilden. Wenn die Vorinstanz im Ergebnis annimmt, eine allfällige Intervention der Beklagten zur Verhinderung der umstrittenen Käufe hätte im Geschäftsjahr 1997/1998 erfolgen müssen, während im folgenden Geschäftsjahr 1998/1999 die angemessene Intervention bei erster Gelegenheit - nämlich an der ersten Verwaltungsratssitzung im neuen Geschäftsjahr - tatsächlich erfolgt sei, so beruht dieser Schluss auf Beweiswürdigung, der im Verfahren der Berufung nicht zu prüfen ist (BGE 127 III 73 E. 6a mit Hinweisen). Die Klägerin behauptet denn auch nicht, sie habe im Juli und August 1998 erfolgte (angebliche) Pflichtverletzungen, die vom Entlastungsbeschluss für das Geschäftsjahr 1997/1998 nicht erfasst wurden, im kantonalen Verfahren gehörig substanziiert behauptet und zum Beweis verstellt. Nach eigener Darstellung hat sie im vorinstanzlichen Verfahren vielmehr nur behauptet, aus den Optionsgeschäften sei per 30. Juni 1998 ein Gewinn resultiert und die Wertverminderung sei erst in den Monaten Juli und August 1998 eingetreten. Die Vorinstanz hat keine Bundesrechtsnormen verletzt, wenn sie den Umstand nicht als erheblich ansah, dass die starke Wertverminderung der Optionen erst infolge der Asienkrise in den Monaten Juli und August 1998 eintrat, nachdem die Grundlage für die fragliche Anlagepolitik im Geschäftsjahr 1997/1998 gelegt worden war. Die Klägerin wendet sich gegen diese verbindliche Feststellung der Vorinstanz, wenn sie rügt, allfällige Pflichtverletzungen der Beklagten hätten auch im Geschäftsjahr 1998/1999 stattgefunden. Sie weist insofern nicht nach, dass sie insbesondere für die beiden ersten Monate des Geschäftsjahres 1998/1999, d.h. Juli und August 1998 - als keine Verwaltungsratssitzung stattfand - pflichtwidrige Unterlassungen der Beklagten behauptet und zum Beweis verstellt habe. Die Vorinstanz hat festgestellt, dass die im Geschäftsjahr 1997/1998 begründete Anlagepolitik, für welche die Klägerin durch den Generalversammlungsbeschluss vom 25. November 1998 Entlastung erteilte, in den ersten zwei Monaten des Geschäftsjahres 1998/1999 zwar fortgesetzt wurde, dass aber die Beklagten diese Anlagepolitik an ihrer ersten Verwaltungsratssitzung am 3. September 1998 änderten und danach keine Optionskäufe mehr erfolgten. Aufgrund der verbindlichen tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid konnte die Vorinstanz entgegen der Ansicht der Klägerin ohne Verletzung von Bundesrecht schliessen, es seien keine Pflichtverletzungen der Beklagten auszumachen, die vom Entlastungsbeschluss nicht erfasst wären.