Citation: 6B_844/2023 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwägt, der Kindsmutter sei es weiterhin verwehrt, die ihr zustehende alleinige elterliche Sorge über die Kinder auszuüben. Der Beschwerdeführer habe angesichts der ersten Verurteilung erkennen müssen, dass er aufgrund seiner gesetzlichen Garantenstellung gegenüber seinen minderjährigen Söhnen verpflichtet sei, sich aktiv an deren Rückkehr in die Schweiz zur Kindsmutter zu beteiligen. Dennoch habe der Beschwerdeführer seit seiner Verurteilung im Oktober 2015 nichts unternommen, um eine Rückführung der Kinder zu ihrer Mutter als alleinige Inhaberin der elterlichen Sorge herbeizuführen. Dies obwohl er auch während des laufenden Strafvollzugs die faktische Möglichkeit dazu gehabt habe. Folglich sei die objektive Tatbestandsmässigkeit sowohl in Bezug auf die Entführungsstrafnorm nach Art. 183 Ziff. 2 StGB wie auch hinsichtlich des Entziehens von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB jeweils bezüglich beider Kinder und folglich in Mehrfachbegehung erfüllt. Nachdem der Beschwerdeführer den rechtswidrigen Zustand über mehrere Jahre (vom 21. Oktober 2015 bis zum 8. März 2022) hinweg aufrecht erhalten habe, sei zudem zweifellos auch der Qualifikationsgrund von Art. 184 Abs. 4 StGB gegeben. In subjektiver Hinsicht hält die Vorinstanz fest, sein widersprüchliches Aussageverhalten zu dem Aufenthaltsort der Kinder bzw. der Frage, wer darüber bestimme, sei ein klares Anzeichen dafür, dass der Beschwerdeführer sein Wissen über die Situation der Kinder nicht preisgeben möchte und insbesondere auch deren wahren Aufenthaltsort zu verschleiern versuche. Auf diese Weise bewirke er natürlich, dass eine Rückführung der Kinder in die Schweiz von vornherein verunmöglicht werde. Bereits daraus lasse sich schliessen, dass der Beschwerdeführer nicht gewillt sei, dazu beizutragen, dass die gemeinsamen Söhne zur allein sorgeberechtigten Kindsmutter zurückkehren könnten. Es treffe zwar zu, dass der Beschwerdeführer im Verlaufe des jetzigen Strafverfahrens mehrmals beteuert habe, er habe die Absicht, die Kinder zurück in die Schweiz zu bringen, falls man ihm die Erlaubnis gebe, nach Nigeria zu reisen. Dabei sei ihm natürlich bewusst, dass die von ihm gestellten Forderungen unerfüllbar seien, solange er im Strafvollzug sei. Entsprechend belege dies, dass er an einer Lösung der Kinderbelange nicht im Geringsten interessiert sei. Soweit der Beschwerdeführer vorgebe, er sei gewillt, an der Rückführung seiner Söhne zu deren Mutter mitzuwirken, handle es sich daher um eine reine Schutzbehauptung. Aus seinen Aussage erhelle mit aller Deutlichkeit, dass der Beschwerdeführer keineswegs bereit sei, dafür zu sorgen, dass die Kinder zu ihrer Mutter zurückkehren können, wie dies der rechtsgültig getroffenen Anordnung der schweizerischen Behörden über die Zuteilung der alleinigen elterlichen Sorge auf die Kindsmutter entspräche. Vielmehr sei aufgrund seines Aussageverhaltens unweigerlich darauf zu schliessen, dass er nach wie vor davon überzeugt sei, er sei befugt, die gemeinsamen Söhne dauerhaft ihrer Mutter vorzuenthalten. Insgesamt gehe es dem Beschwerdeführer keineswegs darum, den anhaltenden rechtswidrigen Zustand zu beheben, sondern er bezwecke nach wie vor einzig, die Kinder von deren Mutter weiterhin fernzuhalten und so die rechtmässige Alleininhaberin der elterlichen Sorge an der Ausübung ihrer Rechte zu hindern. Deshalb sei beim Beschwerdeführer ohne Weiteres ein tatbestandsmässiger Vorsatz zu bejahen (Urteil S. 13 ff.).