Citation: 7B_808/2023 E. A

A.a. Mit Urteil vom 17. Juni 2020 sprach das Bezirksgericht Affoltern A.________ der eventualvorsätzlichen Tötung (Art. 111 StGB) seiner Ehefrau D.________ schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren. Dieses Urteil fochten A.________ und die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich mit Berufung beim Obergericht des Kantons Zürich an, Letztere lediglich hinsichtlich der Strafzumessung. A.b. Das Obergericht holte im Rahmen einer Beweisergänzung zusätzlich zu den bereits bestehenden Expertisen des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich (nachfolgend: IRM Zürich) ein rechtsmedizinisches Gutachten beim Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern (IRM Bern) ein. Mit Beschluss vom 13. September 2023 gab es der Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 329 Abs. 2 StPO Gelegenheit, innert 20 Tagen die Anklage im Sinne der Erwägungen anzupassen. Bei Säumnis werde angenommen, dass die Staatsanwaltschaft darauf verzichte, die Anklage anzupassen (Dispositiv-Ziffer 1). Das Verfahren bleibe an den Registern der II. Strafkammer des Obergerichtes rechtshängig (Dispositiv-Ziffer 2). Das Obergericht begründet diesen Beschluss damit, A.________ werde in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 3. Juli 2019 mit Blick auf das objektive Tatgeschehen vorgeworfen, zu einem nicht mehr eruierbaren Zeitpunkt, vermutlich zwischen Mittwochmorgen, 25. Oktober 2017, und Donnerstagmorgen, 26. Oktober 2017, D.________ im Rahmen einer oder mehrerer tätlichen Auseinandersetzungen in deren Familienwohnung an der U.________strasse xxx in V.________ mehrere Faustschläge sowie mehrere heftige Fusstritte gegen deren gesamten Körper versetzt zu haben, insbesondere auch in den Bauchbereich. Dadurch habe D.________ mehrere (in der Anklageschrift einzeln aufgelistete) Verletzungen erlitten, wobei das Verbluten nach innen durch insgesamt vier zugefügte Leberrisse unmittelbar todesursächlich gewesen sei. In subjektiver Hinsicht habe A.________ gewusst, dass die zahlreichen Schläge und Fusstritte, welche mit grosser Wucht insbesondere gegen den Bauchraum ausgeführt worden seien, möglicherweise zum Tod von D.________ führen könnten, was er zumindest in Kauf genommen habe. Das Gutachten des IRM Bern vom 4. April 2023 - so das Obergericht weiter - gebe insbesondere in zwei Punkten Anlass zu Weiterungen: Zum einen komme das IRM Bern zum Schluss, dass - entgegen der bisherigen gutachterlichen Einschätzung des IRM Zürich und der entsprechenden, soeben dargelegten Formulierung des Anklagevorwurfs - nicht inneres Verbluten aufgrund der Leberrisse (alleinige) Todesursache gewesen sei, sondern der Blutverlust in die Bauchhöhle vielmehr durch eine andere Todesursache entweder gänzlich überholt worden sei, noch bevor dies ein alleinig todesursächliches Ausmass habe erreichen können, oder dass zumindest eine oder mehrere weitere Verletzungen gemeinsam in Kombination mit dem besagten Blutverlust nach innen den Tod von D.________ verursacht hätten. Die möglicherweise todesursächlich relevante Befundkonstellation bestehe gemäss IRM Bern aus frischen Unterblutungen der Rumpfweichteile rechts, mehreren frischen dislozierten Rippenbrüchen rechts, je zwei Rissen an der Vorder- und Rückseite der Leber, Einblutungen im zentralen Lebergewebe, traumatischen Pneumatozelen (luftgefüllte Hohlräume) der Lunge rechts sowie Blutungen im Retroperitoneum (hinterer Bauchraum) und in die Nierenkapsel (rechts stärker als links). Die tatsächliche (letztlich unmittelbare) Todesursache lasse sich indessen nicht mehr sicher benennen. Als unmittelbare Todesursache wäre höchstens ein zerebraler Krampfanfall in Betracht zu ziehen, wobei dieser seinerseits durch eine der schweren inneren Verletzungen (z.B. durch die Pneumatozelen) verursacht worden sein könnte. Zum anderen seien aus diesem Verletzungsbild dem Gutachten des IRM Bern zufolge auch Erkenntnisse hinsichtlich der Art und Weise der Entstehung der letztlich tödlichen Verletzungen bei D.________ zu entnehmen, aus denen sich auf den möglichen, wiederum im Widerspruch zur bisherigen Einschätzung des IRM Zürich und der daraus folgenden Formulierung in der Anklageschrift stehenden Tatablauf schliessen lasse. Denn die beschriebenen Verletzungen seien - so das IRM Bern - die Folge einer äusserst heftigen stumpfen Gewalt auf die betreffende Körperregion, namentlich den Oberbauch rechts respektive den Brustkorb vorne rechts, wobei die stumpfe Gewalt derart tief in den Körper eingedrungen sei, dass sie die Leber hinten gegen das Widerlager der Wirbelsäule habe prallen lassen, was zu Rissen an der Leberrückseite und Verletzungen mitten in der Leber geführt habe. Derartige Verletzungen liessen sich nicht mehr mit einfachen Schlägen mit der Hand oder mit Fusstritten nach Art eines "Gerangels" erklären. Vielmehr wären dazu ein oder allenfalls mehrere kräftige Tritte auf das in Rücken- oder leicht linksseitiger Rückenlage am Boden liegende Opfer in der Art eines "Zusammentretens" des am Boden liegenden Opfers geeignet. Demnach - so das Obergericht - sei die Staatsanwaltschaft einzuladen, den Anklagesachverhalt im Sinne der vorstehenden Erwägungen an das neue Beweisergebnis anzupassen.