Citation: I 404/04 02.11.2004 E. 3

Zu prüfen ist, ob sich der psychische Gesundheitszustand seit den medizinischen Untersuchungen im Oktober 2002 bis zum Erlass des Einspracheentscheides mit überwiegender Wahrscheinlichkeit massgeblich verschlechtert hat, so dass insoweit nicht mehr auf das Gutachten der MEDAS vom 5. November 2002 abgestellt werden könnte. 3.1 Das kantonale Gericht erwog, ausgehend vom Gutachten der MEDAS, auf welches abgestellt werden könne, sei der Versicherte in einer angepassten Tätigkeit 50 % arbeitsfähig. Eine seit der Begutachtung eingetretene gesundheitliche Verschlechterung sei nicht dargetan; sie lasse sich insbesondere auch nicht aus den Einschätzungen des Hausarztes ableiten. Von weiteren medizinischen Abklärungen könne abgesehen werden. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, sein Gesundheitszustand habe sich während des laufenden Verfahrens wesentlich verschlechtert. Die Verwaltung habe es in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes unterlassen, aktuelle Arztberichte einzuholen. 3.2 Der im Sozialversicherungsrecht geltende Untersuchungsgrundsatz gebietet der Invalidenversicherung, nach eingegangener Anmeldung zum Leistungsbezug von sich aus für die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 125 V 195 Erw. 2 mit Hinweis). Dies bedeutet unter anderem, dass Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hiezu auf Grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 Erw. 4a; AHI 1994 S. 212 Erw. 4a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 2c). Von zusätzlichen Untersuchungsmassnahmen kann jedoch - wie von der Vorinstanz dargelegt - abgesehen werden, wenn davon keine weiteren erheblichen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b; SVR 2003 AHV Nr. 4 S. 11 Erw. 4.2). Der Untersuchungsgrundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, sondern findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 Erw. 2, 122 V 158 Erw. 1a, je mit Hinweisen). Diese haben, soweit zumutbar, namentlich jene Tatsachen und Beweismittel zu nennen, die nur ihnen bekannt sind, sowie diejenigen, aus denen sie für sich Rechte oder sonstige Vorteile ableiten. Soweit die Beschaffung von Unterlagen für die Parteien mit erheblichem Aufwand verbunden wäre, diese den Behörden aber ohne weiteres zur Verfügung stehen, genügt eine Partei ihrer Mitwirkungspflicht, wenn sie entsprechende Beweis- oder Editionsanträge stellt (Urteil K. vom 22. September 2004, I 190/04). 3.3 Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit geraumer Zeit und jedenfalls bereits zum Zeitpunkt der MEDAS-Begutachtung im Oktober 2002 an psychischen Problemen litt. So schilderte er gegenüber Dr. med. S.________, die Familie klage über seine Verstimmtheit und Gereiztheit bis zu Aggression, was er selbst jedoch nicht bei sich feststelle. Er sei aber besorgt wegen der Krankheit und manchmal verzweifelt, werde schnell erregt, könne sich jedoch auch bald wieder beruhigen. Dr. med. S.________ diagnostizierte daraufhin atypische depressive Störungen (ICD-10 F32.8) von leichter Ausprägung und führte aus, die psychischen Einschränkungen bewirkten eine leicht (im Umfang von 20 %) verminderte Arbeitsfähigkeit. Eine psychotherapeutische Behandlung sei indessen nicht unbedingt indiziert; die hausärztliche Betreuung reiche, mit Unterstützung von Antidepressiva, aus. Den Akten ist weiter zu entnehmen, dass die psychischen Beeinträchtigungen von wechselhaftem Ausmass sind. So erklärte der Versicherte gegenüber dem Berufsberater der IV am 21. November 2002, sein Allgemeinbefinden sei recht gut, es gehe ihm einiges besser als im vorausgegangenen Jahr. Hausarzt Dr. med. E.________ teilte am 5. Dezember 2003 telefonisch mit, "aufgrund gesundheitlicher Beschwerden" sei der Versicherte ab 26. November 2003 vollständig arbeitsunfähig. Am 3. März 2004 präzisierte er auf entsprechende Frage des Rechtsvertreters des Versicherten, seit März 2003 bestehe eine zunehmende depressive Stimmungslage, die im Mai 2003 die Einleitung einer antidepressiven Therapie erforderlich gemacht habe. Nach Scheitern des Arbeitsversuches im Herbst 2003 habe sich die psychische Situation des Versicherten erneut deutlich verschlechtert. Am 23. April 2004 erklärte der Versicherte, seine gesundheitliche Situation habe sich zwischenzeitlich eher verschlechtert, seine Probleme seien vielfältiger geworden; Untätigkeit und Herumsitzen hätten sich auf seine Nerven ausgewirkt. Er habe nun auch Probleme mit dem Magen. 3.4 Soweit der Versicherte aus den Einschätzungen der zuständigen Personen der Firma R.________, welche die "verwertbare Arbeitsleistung" zunächst auf 20 % und später auf 10 % bezifferten, eine Verschlechterung seiner psychischen Beschwerden ableiten will, kann ihm nicht gefolgt werden. Denn die Arbeitstätigkeit in jenem Betrieb erwies sich im Nachhinein als nicht behinderungsangepasst; auch konnte er aus verschiedenen Gründen (wie etwa Angstzustände beim Arbeiten mit der Hebebühne oder fehlende Aufträge für den Einsatz mit dem Teleskopstapler) bestimmte Arbeiten nicht ausführen. Zwar ist nachvollziehbar, dass die lange dauernde Arbeitslosigkeit und das Scheitern des Arbeitsversuches den Beschwerdeführer zusätzlich belasteten. Er war jedoch trotz der geltend gemachten Verschlimmerung der psychischen Leisten stets ausschliesslich bei Dr. med. E.________ in Behandlung. Wäre der psychische Gesundheitszustand markant schlechter geworden, kann davon ausgegangen werden, dass der Allgemeinpraktiker Dr. med. E.________ als sorgfältiger Arzt einen psychiatrischen Facharzt beigezogen oder eine Überweisung an einen solchen veranlasst hätte (vgl. dazu Fellmann, Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht [Berner Kommentar], Das Obligationenrecht, Band VI, 2. Abteilung, Die einzelnen Vertragsverhältnisse, 4. Teilband, Der einfache Auftrag, N 360 zu Art. 398 OR). Dass der Hausarzt auch nach der geltend gemachten Verschlimmerung der psychischen Situation im Mai 2003 in der Lage war, den Versicherten - unter Einsatz entsprechender Medikamente, wie dies auch von Dr. med. S.________ angeraten worden war - zu behandeln, lässt darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer unverändert an den bereits von den Gutachtern der MEDAS diagnostizierten depressiven Störungen litt. Eine wesentliche Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes ist auch deshalb nicht überwiegend wahrscheinlich, da Dr. med. E.________ lediglich von einer nicht näher begründeten "zunehmende[n] depressive[n] Stimmungslage" spricht und Hausärzte im Hinblick auf ihre Vertrauensstellung erfahrungsgemäss eher bereit sind, zu Gunsten ihrer Patienten auszusagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc). Vor diesem Hintergrund durften Vorinstanz und Verwaltung ohne Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes von der Einholung weiterer Berichte absehen (antizipierte Beweiswürdigung; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b mit Hinweis auf BGE 124 V 94 Erw. 4b und 122 V 162 Erw. 1d) und haben zu Recht auf das Gutachten der MEDAS abgestellt.