Citation: 1C_401/2020 E. 4.4

4.4. Im Konzessions- und Genehmigungsentscheid wurde die Mindestrestwassermenge gestützt auf Art. 32 lit. b GSchG auf 19 l/s, d.h. auf 35 %, der Abflussmenge Q347, reduziert. Die so ermittelte Restwassermenge wurde aufgrund der Interessenabwägung gemäss Art. 33 GSchG in den Monaten September und Oktober auf 50 l/s erhöht, um die negativen Auswirkungen auf das Landschaftserlebnis und die Gewässerdynamik zu minimieren. Das Kantonsgericht führte dazu aus, die Restwasserstrecke werde nicht fischereilich genutzt; aufgrund der geringen Abflussmenge resp. der geringen Wassertiefe im Winter, der ungünstigen Morphologie und der Lawinenereignisse handle es sich nicht um ein Fischgewässer. Die Voraussetzungen gemäss Art. 32 lit. b GSchG seien damit erfüllt und es liege im Ermessen der Behörde, die Mindestrestwassermenge auf 35 % des Q347 herabzusetzen. Der Beschwerdeführer hält die Reduktion der Mindestrestwassermenge für unzulässig; die Mindestrestwassermenge müsse vielmehr nach Art. 31 Abs. 2 lit. a (zur Einhaltung der Wasserqualität) und lit. c (zur Erhaltung seltener Lebensräume und -gemeinschaften) erhöht werden. Auch das BAFU ist der Auffassung, es müsse geprüft werden, ob, in welchem Umfang und in welcher Form eine Erhöhung der Restwassermenge nach Art. 31 Abs. 2 lit. c GSchG erforderlich sei, um den Färdabach als seltenen Lebensraum zu erhalten. Dazu seien weitere Abklärungen erforderlich. Eine Reduktion der Mindestrestwassermenge von 50 l/s gestützt auf Art. 32 lit. b GSchG sei unzulässig, weil eine Beeinträchtigung der seltenen Lebensgemeinschaft der Leuctra schmidi nicht ausgeschlossen werden könne. Die Beschwerdegegnerin macht dagegen geltend, das Wasserkraftprojekt gefährde weder die Wasserqualität noch den seltenen Lebensraum.