Citation: 1E.17/1999 25.04.2001 E. 3.-

Die Beschwerdeführerin wendet gegen die im Umwelt- verträglichkeitsbericht angestellte Verkehrsprognose ein, dass der Anteil der schweren Nutzfahrzeuge (SNF) am künf- tigen Gesamtverkehr zu niedrig angesetzt worden sei und für den Betriebszustand im Jahr 2015 von 9 % auf 13 % erhöht werden müsse. Insbesondere sei übersehen worden, dass sich ein erheblicher Teil des alpenquerenden Güter-Transitver- kehrs über die Nationalstrasse N 4 abwickeln werde. Infolge der Freigabe der 40 t-Limite müsse aber auch mit einem zu- nehmenden Anstieg des Lastwagenanteils im Binnenverkehr ge- rechnet werden. Die Umweltschutzfachstellen hätten entgegen ihrem gesetzlichen Auftrag keine Überprüfung der im Umwelt- verträglichkeitsbericht enthaltenen Annahmen und Berechnun- gen vorgenommen. Der Sachverhalt sei somit, wie vor Verwal- tungsgericht gerügt, unrichtig und unvollständig festge- stellt worden. Das Verwaltungsgericht habe sich indes auf eine - wenig ergiebige - Auseinandersetzung mit dem Gut- achten Pelli beschränkt. Es sei über die Einwendungen der Beschwerdeführerin hinweggegangen und habe sich mit ihren Argumenten, die insbesondere in der Replik vorgetragen wor- den seien, in keiner Weise befasst. Darin liege eine formel- le Rechtsverweigerung. Ausserdem habe das Verwaltungsgericht den Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin dadurch verletzt, dass es dem Antrag auf Einholung einer Expertise nicht stattgegeben habe, obwohl wie erwähnt eine Begutachtung der im Umweltverträglichkeitsbericht angestellten Prognosen durch die Fachstellen ausgeblieben sei. a) Was die Kritik an der Verkehrsprognose selbst betrifft, ist vorweg festzuhalten, dass das Bundesgericht nach nunmehr ständiger Rechtsprechung bei der Überprüfung von Annahmen über künftige Verkehrsaufkommen - gehe es um Strassen- oder um Luftverkehr - grösste Zurückhaltung übt. Solche Prognosen, die für den Strassenverkehr in der Regel auf Modellberechnungen beruhen, sind zwangsläufig mit be- trächtlichen Unsicherheiten verbunden. Die Verkehrsentwick- lung hängt stark von den demographischen, wirtschafts- und verkehrspolitischen Rahmenbedingungen ab, so dass sich die Prognose für einen längeren Zeitraum je nach dem ihr zu- grunde gelegten Szenario deutlich unterschiedlich gestalten kann. Als einigermassen verlässlich erscheinen daher, wie auch das BUWAL festgestellt hat, lediglich die Angaben über Entwicklungstendenzen (vgl. "Luftschadstoff-Emissionen des Strassenverkehrs 1950-2010", Schriftenreihe Umwelt Nr. 255 Luft, Bern 1995, S. 23 f. und 275 ff., im Folgenden: BUWAL- Bericht 1995). Selbst wenn sich daher ergibt, dass gewisse Annahmen über die Verkehrsentwicklung eher zu niedrig sind oder einzelne Faktoren auch anders bewertet werden könnten, besteht für das Bundesgericht noch kein Anlass, die Sache zu neuer Untersuchung an die Vorinstanz zurückzuweisen oder selbst eine Oberexpertise über die künftige Verkehrsentwick- lung einzuholen. Solche weiteren Abklärungen vermögen kaum je neue, gesicherte Aufschlüsse zu bieten. Insofern entzie- hen sich die Prognosen weitgehend der Kritik, falls sie sich nicht schon im Laufe des Bewilligungsverfahrens als offen- sichtlich und erheblich unrichtig herausstellen. Diese Un- zulänglichkeit, die sich aus der Natur der Prognose selbst ergibt, ist hinzunehmen (BGE 126 II 522 E. 14, 124 II 293 E. 12 S. 322, 122 II 165 nicht publ. E. 11 und E. 15 b S. 173 f., 119 Ib 458 E. 8d S. 460). b) Dem Verwaltungsgericht lagen bei der Überprüfung der beanstandeten Verkehrsprognose das ursprünglich von der Beschwerdeführerin eingereichte Gutachten Dr. Pelli + Co. vom 10. Januar 1998 sowie verschiedene spätere Stellungnah- men dieses Büros vor, ferner mehrere Berichte und Stellung- nahmen der Ingenieurbüros Jenni + Gottardi AG und Urs Stei- nemann, welche den Umweltverträglichkeitsbericht verfassten. Weiter hat sich das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Ener- gie und Luft (AWEL) am 5. Juni 1998 zu den Beschwerden ge- äussert. Schliesslich hat das Verwaltungsgericht auch noch eine ergänzende Stellungnahme des BUWAL zum Gutachten Pelli eingeholt. Gestützt auf all diese Unterlagen hat das Ver- waltungsgericht im Wesentlichen festgestellt, dass das Gut- achten Pelli bei der Ermittlung des voraussichtlichen Tran- sit-Schwerverkehrs in verschiedenen Punkten von anderen An- nahmen ausgehe als die Bearbeiter des Umweltverträglich- keitsberichts. Das Gutachten basiere unter anderem darauf, dass das Nachtfahrverbot für Lastwagen ersatzlos aufgehoben und ein zweiter Strassentunnel durch den Gotthard erstellt werde. Ferner werde angenommen, dass sich der überwiegende Teil (60 %) des europäischen Nord-Süd-Verkehrs auf die Alpenübergänge der Schweiz verlagere, wovon 91 % über den Gotthard und davon wiederum 35 % über die N 4 abgewickelt würden. Der Gutachter bezeichne dies selbst als ein "worst- case"-Szenario und gehe davon aus, dass der Beurteilung des Projekts die im schlechtesten Fall zu erwartende Entwicklung zugrunde gelegt werden müsse. Die gesamthafte Verwirklichung der ungünstigen Annahmen erscheine indes - was das Verwal- tungsgericht näher ausführt - als nicht wahrscheinlich. Das BUWAL mache denn auch in seiner Stellungnahme vom 16. Dezem- ber 1998 geltend, dass die Wahl durchwegs verkehrstreibender Annahmen den Anforderungen an eine Prognose im Sinne des Um- weltschutzgesetzes nicht entspreche. Insgesamt ergäben sich jedoch aus den Überlegungen des Gutachters Pelli durchaus Anhaltspunkte für eine gewisse Erhöhung der im Umweltver- träglichkeitsbericht enthaltenen Zahlen des Schwerverkehrs. Eine genaue Voraussage dieser Verkehrsbelastung sei jedoch auch gestützt auf die Annahmen des Gutachtens nicht möglich. Unbestreitbar gebe es heute keine Gewissheit über die bei der voraussichtlichen Inbetriebnahme der strittigen Natio- nalstrassenabschnitte im Jahr 2015 bestehende Situation mit Bezug auf die Verkehrsströme und die rechtlichen Randbedin- gungen in der Schweiz und im europäischen Umfeld. Die Be- rechnungsgrundlagen des Umweltverträglichkeitsberichts zur Verkehrsentwicklung erschienen als zweckmässig und konsi- stent und würden durch das Gutachten Pelli nur in einem Punkt in Frage gestellt. Einzuräumen sei allerdings, dass im ursprünglichen Umweltverträglichkeitsbericht nur unzurei- chend aufgezeigt worden sei, auf welchen einzelnen Annahmen dieser beruhe. Im Rahmen der gegenseitigen Stellungnahmen seien jedoch die unterschiedlichen Annahmen und Auffassungen ausführlich erörtert und die gegebenen Unsicherheiten er- kannt worden. Insofern bestehe kein Bedarf an zusätzlichen Abklärungen.