Citation: 1C_510/2014 E. 3.1

3.1. Gemäss Art. 41 Abs. 3 BüG erstreckt sich die Nichtigkeit auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürgerrecht auf der nichtigerklärten Einbürgerung beruht, sofern nicht ausdrücklich anders verfügt wird. Der Sinn dieser Vorschrift liegt darin, Einbürgerungen, die auf eine Täuschung der Behörden zurückgehen, den Bestand zu verweigern. Die Nichtigerklärung muss nach der Gesetzesformulierung jedoch nicht zwingend alle eingebürgerten Familienmitglieder erfassen (BGE 135 II 161 E. 5.3 S. 170 mit Hinweis). Das Bundesgericht hat im zitierten Urteil festgehalten, dass allein das Fehlen unredlichen Verhaltens der Familienmitglieder, die in der Regel am täuschenden Verhalten des direkt Betroffenen nicht mitgewirkt haben, nicht ausschlaggebend sein kann. Ansonsten würde das in Art. 41 Abs. 3 BüG angelegte Regel-Ausnahme-Verhältnis in sein Gegenteil verkehrt. Weiter hat es darauf hingewiesen, dass die Behörden im Interesse der Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit Grundsätze entwickeln müssten, anhand denen zu beurteilen ist, in welchen Fällen die Erstreckung der Nichtigkeit der erschlichenen Einbürgerung auf die Familienangehörigen als angemessen bzw. unangemessen zu betrachten sei. Dabei hätten sich die Behörden von der Verfassung sowie von Sinn und Zweck des Bürgerrechtsgesetzes leiten zu lassen. Insbesondere hätten sie die Vorschriften über die Voraussetzungen zur ordentlichen Einbürgerung (Art. 14 f. BüG) im Auge zu behalten. Lägen etwa die Voraussetzungen zur ordentlichen Einbürgerung der betroffenen, selber bereits mündigen Familienmitglieder offensichtlich vor, so wäre es mit Sinn und Zweck des Bürgerrechtsgesetzes kaum vereinbar, die Nichtigkeit der erschlichenen Einbürgerung auf die Familienmitglieder auszudehnen (BGE 135 II 161 E. 5.3 S. 170 f. mit Hinweis). Das BFM hat, diesen Erwägungen entsprechend, zu Art. 41 Abs. 3 BüG Richtlinien formuliert (Handbuch Migration, Ziff. 6.6 S. 10, «http://www.bfm.admin.ch» unter "Weisungen und Kreisschreiben" [besucht am 8. Dezember 2014]). Danach werden Kinder vom Einbezug in die Nichtigerklärung der Einbürgerung ausgenommen, wenn sie a) im Zeitpunkt des Entscheides des BFM über die Nichtigerklärung mindestens 16 Jahre alt sind und zudem die Voraussetzungen für die Erteilung der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung (Eignungsvoraussetzungen nach Art. 14 sowie die Wohnsitzerfordernisse nach Art. 15 BüG) erfüllen; oder b) wenn sie durch die Nichtigerklärung staatenlos würden.