Citation: I 699/05 16.03.2006 E. 4.2

4.2.1 Mit Bericht vom 26. September 2001 hatte der Hausarzt Dr. med. E.________ erstmals von im Vordergrund des Beschwerdebildes stehenden Zeichen einer somatoformen Schmerzstörung gesprochen, welche er am 21. Oktober 2001 als Verdachtsdiagnose bestätigte. In ihrem Bericht vom 11. Januar 2002 konstatierten die Ärzte der Rheumatologischen Klinik F.________ eine leichte depressive Entwicklung mit psychosozialen Belastungsfaktoren. Dr. med. E.________ führte am 25. März 2002 aus, dass es neben den somatischen Befunden nun auch deutliche Anzeichen einer somatischen Schmerzstörung gebe, welche eine psychiatrische Evaluation/Begleitung erforderten. In seinem daraufhin erstellten Gutachten vom 30. November 2002 kam der Psychiater Dr. med. A.________ zum Schluss, dass die vorhandenen Befunde am ehesten für das Vorliegen einer Neurasthenie sprechen würden. Aus rein psychiatrischer Sicht erachtete er eine Arbeitsfähigkeit in jeglicher körperlich adaptierten Tätigkeit von 50 %, d.h. halbtags oder während fünf Stunden täglich mit der Möglichkeit, vermehrt Pausen einzulegen, für zumutbar. Am 23. Februar 2004 führte Dr. med. E.________ aus, dass, falls die nochmalige klinische und bildgebende rheumatologische Untersuchung tatsächlich die von der Rheumatologischen Klinik P.________ postulierte, weitgehend unauffällige Situation der rechten Schulter ergeben sollte, angesichts der nunmehr unabweisbaren Schwere der klinischen Behinderung von einer schweren somatoformen Schmerzstörung auszugehen sei. Dr. med. R.________ diagnostizierte in seiner Expertise vom 5. Mai 2004 den Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung mit Generalisierungstendenz, während Dr. med. A.________ anlässlich seiner ergänzenden Begutachtung vom 16. Juni 2004 sowohl an seiner bisherigen Diagnose einer Neurasthenie wie auch einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50 % im Rahmen einer geeigneten Tätigkeit festhielt. Im Bericht der Rheumatologischen Klinik F.________ vom 10./23. August 2004 wurde wiederum der Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung mit Generalisierungstendenz sowie auf ein depressives Geschehen vermerkt. Dr. med. E.________ enthielt sich in seinen Stellungnahmen vom 4. April und 23. Mai 2005 schliesslich einer Diagnose und empfahl - anstelle des bisher zur Anwendung gelangten isolierenden diagnostischen Konzepts - den Versuch einer integrierenden Betrachtungsweise der unbestritten gesamthaften Krankheitsrealität der Patientin. 4.2.2 Aus dieser Aktenlage erhellt, dass die Beschwerdeführerin zwar an psychischen Gesundheitsstörungen leidet, welche aber unterschiedlichen Diagnosen zugeordnet werden. Dieser Umstand ist jedoch insofern von untergeordneter Bedeutung, als eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit in jedem Einzelfall unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein muss. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozialpraktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen). Dabei gilt es zu beachten, dass sämtliche Ärzte, die sich zur Arbeitsfähigkeit äusserten, dies, wie sich aus der jeweiligen Diagnosestellung ergibt, in Kenntnis sowohl der somatischen wie auch der psychischen Befunde getan haben. Obgleich deren Zusammenwirken - insbesondere mit Blick auf die Arbeitsfähigkeit - nicht im Rahmen einer interdisziplinären Begutachtung erfolgt ist, lässt sich aus den Angaben zum verbliebenen Leistungsvermögen mit der Vorinstanz doch der Schluss ziehen, dass es der Beschwerdeführerin bei Aufbietung allen guten Willens möglich und zumutbar wäre, eine geeignete Tätigkeit im Umfang von 50 % auszuüben. So schätzten die Ärzte der Rheumatologischen Klinik F.________ die Arbeitsfähigkeit für leichte, wenig schulterbelastende Arbeiten ohne Heben und Tragen von schweren Lasten zu Beginn noch auf 100 % (Bericht vom 11. Januar 2002), präzisierten aber diese Beurteilung, nachdem zusätzlich eine somatoforme Schmerzstörung sowie ein AHA-Syndrom diagnostiziert worden waren, dahingehend, dass die eingeschränkte Restarbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten nurmehr 50 % betrage (Bericht vom 31. März 2003). Aus streng rheumatologischer Sicht erachteten die gleichen Ärzte in ihrem Bericht vom 10./23. August 2003 eine mindestens 60 %ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Beschäftigungen als zumutbar. Die Experten der Orthopädischen Klinik L.________ hielten am 4. Februar 2002 - unter Berücksichtigung auch des psychischen Beschwerdebildes - ebenfalls dafür, dass der Versicherten versuchsweise eine adaptierte Tätigkeit im Umfang von 50 % zuzumuten sei. Der Rheumatologe Dr. med. R.________ führte in seinem Gutachten vom 5. Mai 2004 aus, dass aus organläsionell fokussierender Sicht des Bewegungsapparates eine mindestens 70 %ige Arbeitsfähigkeit für leichte Verweisungstätigkeiten bestehe. Das Reintegrationspotential müsse indessen psychiatrisch untersucht werden. Dr. med. A.________ hatte in Kenntnis der körperlichen Beeinträchtigungen in seinen Expertisen vom 30. November 2002 und 16. Juni 2004 sodann eine körperlich angepasste 50 %ige Tätigkeit für zumutbar erklärt. In Anbetracht dieser, in ihren Kernaussagen übereinstimmenden ärztlichen Angaben, wonach ohne Berücksichtigung der psychisch begründeten Einschränkungen ein Leistungsvermögen von 60 % und mehr und unter Beachtung auch dieser Beeinträchtigungen ein solches von lediglich noch 50 % besteht, muten die Vorbringen des Dr. med. E.________, die Versicherte sei vollständig (Bericht vom 25. März 2002) oder zumindest im Umfang von 70 % arbeitsunfähig (Bericht vom 23. Februar 2004), widersprüchlich und wenig aussagekräftig an, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Bei Stellungnahmen von Hausärzten ist zudem grundsätzlich der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen). Zusätzliche medizinische Abklärungen erübrigen sich vor diesem Hintergrund.