Citation: U 548/06 20.09.2007 E. 3

3.1 Das kantonale Gericht hat mit Blick auf die verschiedenen bei den Akten liegenden Sachverhaltsschilderungen zu den Geschehnissen vom 26. Dezember 2004 erwogen, es sei davon auszugehen, dass die Versicherte an jenem Tag etwa um 10 Uhr unterwegs zum Strand gewesen sei, ihre Sicht auf diesen jedoch durch einen Hügel verdeckt war, weshalb sie die erste Flutwelle nicht miterlebt habe. Als sie das viele ansteigende Wasser auf sich habe zukommen sehen, habe sie sich auf dem Hügel, auf den ein Weg geführt habe, in Sicherheit gebracht. Von diesem aus habe sie die weiteren Wellen und die grosse Zerstörung und Verwüstung wahrgenommen. Ihre Reaktion habe sie als Flucht vor dem Wasser, Hochrennen, Hinaufsteigen oder rasches Hochgehen auf den Hügel umschrieben. Aufgrund der bei den Akten liegenden Darstellungen sei nach Auffassung der Vorinstanz nicht zu schliessen, dass die Versicherte um ihr Leben gerannt wäre. Als sie plötzlich ansteigendes Wasser bemerkt habe, habe sie von den todbringenden Fluten noch keine Kenntnis gehabt. Da sie unmittelbar vor dem sie am Blick auf das Meer und damit auf das Ausmass der Naturkatastrophe hindernden Hügel gestanden sei, sei sie den Wassermassen nicht ohnmächtig ausgeliefert gewesen, sondern habe sich trockenen Fusses rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Dass der Hügel im Falle einer weiteren Tsunami-Welle nicht hoch genug sein könnte und ihr demnach nur kurzfristig Schutz bieten würde, habe sie erst zu befürchten gehabt, als sie bereits dessen Höhe erreicht und Sicht auf den Strand sowie die Ursache der Überschwemmung gehabt habe. In den Darstellungen der Geschehnisse würden zudem die Eindrücke ab dem Zeitpunkt, als die Versicherte auf dem Hügel gestanden und Sicht auf den Strand gehabt habe, weit dramatischer und bedrohlicher geschildert als der Anblick der ins Landesinnere strömenden Wassermassen und der Aufstieg auf den Hügel. Das kantonale Gericht bezeichnete daher das Vorliegen eines ausserordentlichen und qualifizierten Schreckereignisses als fraglich. Insbesondere hegte es Zweifel an der erforderlichen überraschenden Heftigkeit und Bedrohlichkeit der gewaltsamen äusseren Einwirkung, welche geeignet wäre, einen aussergewöhnlichen Schock auszulösen. 3.2 Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, der vorinstanzliche Entscheid beruhe auf einer unrichtigen und unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts. An jenem Tag habe sie sich auf dem Weg vom Hotel zum Strand noch rund 20 Meter vom Wasser entfernt befunden, als dieses plötzlich innert weniger Sekunden stark angestiegen sei und eine enorme Kraft entwickelt habe. Dabei habe sie sich gerade noch rechtzeitig auf einen Weg retten können, der einen Hügel hinaufgeführt habe. Sie habe rasch hochgehen müssen, weil das Wasser immer stärker gestiegen sei und sie befürchtet habe, es könne sie mitreissen. Dabei habe sie sich den rechten Fuss angeschlagen. Oben angekommen habe sie beobachten können, wie gewaltige Wellen den gesamten Strand mit Häusern, Booten und Menschen zerstört habe. Sie habe Angst gehabt, die Wassermassen könnten sie vereinnahmen. Entsprechende Furcht habe sie anschliessend auch auf dem Weg zurück zum Hotel gehabt. Da sie die Insel nicht habe verlassen können, habe sie die Zeit bis zur Evakuierung sodann in der Ungewissheit darüber verbringen müssen, dass eine weitere Flutwelle diese nochmals in Mitleidenschaft ziehen könnte. 3.3 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die Versicherte sei den Wassermassen nicht ohnmächtig ausgeliefert gewesen, sondern habe sich auf einem Hügel in Sicherheit bringen können. Die Naturkatastrophe selber habe sie nicht unmittelbar, sondern aus sicherer Distanz miterlebt, wobei sie das ganze Ausmass des Seebebens erst im Hotel über das Fernsehen wahrgenommen habe. Von einem aussergewöhnlichen Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock und einer seelischen Einwirkung durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart sich abspielenden Vorfall sowie einer überraschenden Heftigkeit könne daher nicht gesprochen werden.