Citation: 8C_569/2017 E. 4.3

4.3. Die Rechtsprechung sieht im Falle des Abweichens von einem Gerichtsgutachten vor, dass eine ergänzende medizinische Abklärung in Form eines Obergutachtens erfolgt, es sei denn, die Sache könne aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen entschieden werden (vgl. oben E. 2.2). Letztere Voraussetzung ist vorliegend angesichts der diskrepanten Einschätzungen nicht nur der Arbeitsfähigkeit, sondern vor allem auch des Gesundheitszustands und des Verhaltens der Versicherten (fragliche Aggravation) nicht gegeben. Das kantonale Gericht durfte bei dieser unklaren Aktenlage aufgrund der widersprüchlichen Gutachten nicht einfach die Expertise der MEDAS als alleinige Entscheidungsgrundlage heranziehen, zumal es sich nicht in einer einlässlichen, überzeugenden Beweiswürdigung zu den divergierenden Einschätzungen der medizinischen Gutachter äusserte und darlegte, weshalb es dem MEDAS-Gutachten schlussendlich Beweiskraft beimass und dem Gerichtsgutachten nicht. Wie die Beschwerdeführerin richtig darlegt, wäre das kantonale Gericht bei dieser Sach- und Rechtslage vielmehr gehalten gewesen, ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen. Indem es dies unterliess und einem zuvor als nicht beweiskräftig erachteten Gutachten ohne einleuchtende Begründung im Entscheid vollen Beweiswert zusprach, missachtete es die bundesrechtlichen Beweiswürdigungsregeln und den Untersuchungsgrundsatz. Das kantonale Gericht wird mittels eines nach den Grundsätzen von BGE 141 V 281 erstellten Obergutachtens den medizinischen Sachverhalt hinsichtlich Art und Ausmass des Gesundheitsschadens, Vorliegen einer allfälligen Aggravation und Arbeitsfähigkeit ergänzend abzuklären und gestützt darauf über den Leistungsanspruch neu zu entscheiden haben. Unter den gegebenen Umständen kann offen bleiben, ob das kantonale Gericht auch das rechtliche Gehör verletzt hat.