Citation: I 358/06 05.02.2007 E. 3

Streitig und zu prüfen ist zunächst die gesundheitliche Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin und dabei insbesondere die Frage der zumutbarerweise verwertbaren Restarbeitsfähigkeit. 3.1 Verwaltung und Vorinstanz erachteten das Gutachten der MEDAS vom 28. Oktober 2004 als voll beweiskräftig und gingen gestützt darauf davon aus, es bestehe eine noch zumutbare Arbeitsfähigkeit von 70 % für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Anlageberaterin/ Prokuristin einer Bank und von 75 % für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit. 3.2 Die Beschwerdeführerin wendet hiegegen ein, das MEDAS-Gutachten leuchte weder in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge noch in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und vermöge mit seinen Schlussfolgerungen bezüglich Arbeitsfähigkeit nicht zu überzeugen. Sie stützt sich bei ihrer Kritik im Wesentlichen auf einen von ihr eingeholten Bericht des Dr. med. M.________ vom 10. April 2006, welcher der Versicherten in der angestammten Berufstätigkeit höchstens noch eine 40%ige Arbeitsfähigkeit attestiert, und beantragt die Einholung einer Ergänzungsabklärung zum Gutachten der MEDAS. 3.3 Wie das kantonale Gericht zutreffend erkannt hat, erfüllt die Expertise der MEDAS die rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien (BGE 125 V 352 E. 3 mit Hinweisen). Sie ist in Kenntnis der Vorakten erfolgt und umfasst eine allseitige Abklärung der Beschwerden durch ein neurologisches, psychiatrisches, rheumatologisches und neuropsychologisches Konsilium sowie eine interdisziplinäre Synthesediskussion durch einen Internisten und einen Rheumatologen. Die Vorinstanz hat in einlässlicher und sorgfältiger Würdigung der medizinischen Aktenlage dargelegt, dass bezüglich Diagnose und Befunderhebungen im Wesentlichen Übereinstimmung besteht. Dies wird weder in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde noch im Bericht des Dr. med. M.________ grundsätzlich in Frage gestellt, sodass von der Diagnose gemäss MEDAS-Gutachten ausgegangen werden kann. Sie lautet auf Residuen nach zwei HWS-Distorsionsunfällen (Heckauffahr-Unfällen) vom 16. Januar respektive 6. Dezember 2001 mit einem chronischen zerviko-zephalen Schmerzsyndrom beidseits, rechtsbetont, mit/bei ausgeprägter myofaszialer Irritation der Nacken- und Schulterpartie beidseits, rechtsbetont, mit leichtem Thoracic-outlet-Syndrom beidseits, rechtsbetont, mit nach kranial zunehmender Fehlrotation der Halswirbelsäule, insbesondere C2 und C3 nach rechts, bei beginnenden degenerativen Veränderungen der HWS und kleiner Diskushernie C3/4 links, mit gewissen Hinweisen auf eine Schmerzverarbeitungsstörung respektive Übergang in eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, auf ein chronisches tendomyotisches lumbales Schmerzsyndrom mit pelvitrochantärem Reizzustand beidseits bei abgeflachter Lendenlordose und auf Hyperlaxitätstendenz. Die meisten Einwendungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde und im Bericht des Dr. med. M.________ betreffen die Frage der Unfallkausalität gewisser Beschwerden oder der Zuordnung einzelner Beeinträchtigungen auf einen der beiden Unfälle, was infolge des Finalcharakters der Invalidenversicherung (vgl. BGE 124 V 178 E. 3b mit Hinweisen) vorliegend jedoch nicht relevant ist. Massgebend ist vielmehr, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen im massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides insgesamt vorhanden waren und welche Auswirkungen sie auf die Arbeitsfähigkeit hatten. Nicht relevant ist in diesem Zusammenhang, wenn Dr. med. M.________ in seinem Bericht festhält, er würde nicht von einer somatoformen Schmerzstörung, sondern von somatischen, psychischen und seelischen Folgen nach zweimaligem HWS-Beschleunigungstrauma sprechen. Entscheidend ist - wie das kantonale Gericht überzeugend dargelegt hat - das Gesamtbild der Beschwerden und dabei die weitgehend übereinstimmend festgestellte Diskrepanz zwischen objektiven Befunden und subjektiv angegebenen Beschwerden, welche im Rahmen der psychiatrischen Abklärung nachvollziehbar erklärt wurde. Auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz kann verwiesen werden. 3.4 Abweichungen zwischen den verschiedenen Berichten bestehen insbesondere in der Beurteilung der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit. Während der Beschwerdeführerin durch die MEDAS eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten und eine 75%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit attestiert wurde, gingen Dr. med. M.________ von einer höchstens 40%igen Arbeitsfähigkeit und der Hausarzt Dr. med. F.________ von einer nach wie vor bestehenden gänzlichen Arbeitsunfähigkeit aus. Auch diesbezüglich hat das kantonale Gericht mit sorgfältiger und überzeugender Begründung, auf welche verwiesen wird, dargelegt, dass auf das Gutachten der MEDAS abgestellt werden kann. Entgegen den mehrheitlich bereits im vorinstanzlichen Verfahren vorgebrachten Einwendungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde hat sich jeder der beigezogenen Experten mit der Frage der Arbeitsfähigkeit auseinandergesetzt und sich dazu geäussert. Die Synthese wurde im Rahmen einer interdisziplinären Diskussion zweier weiterer Spezialisten unter Berücksichtigung der Vorakten, der Anamnese sowie der geklagten Schmerzen gefunden und nachvollziehbar dargelegt. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Bezüglich der abweichenden Beurteilungen durch Dr. med. M.________ und Dr. med. F.________ ist mit der Vorinstanz der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte und behandelnde Spezialärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc mit Hinweisen; Urteil H. vom 21. Februar 2005, I 570/04, E. 5.1), was vorliegend namentlich bei den subjektiven Schmerzangaben zu berücksichtigen ist. Zudem ist bezüglich des Berichts des Dr. med. M.________ vom 10. April 2006 nochmals festzuhalten, dass er sich weitgehend mit invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Fragen auseinandersetzt. Schliesslich hat das kantonale Gericht festgestellt, dass die Ausführungen des R.________ im Abschlussbericht vom 3. März 2005 über das von der Versicherten bei der E.________ AG vom 1. November 2002 bis 31. Dezember 2003 durchgeführte Arbeitstraining keine Zweifel an der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die MEDAS zu wecken vermögen, ist doch die Beurteilung des Gesundheitszustandes sowie der Arbeitsfähigkeit Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten. 3.5 Zusammenfassend ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass IV-Stelle und Vorinstanz gestützt auf das Gutachten der MEDAS vom 28. Oktober 2004 von einer Arbeitsfähigkeit von 75 % in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen sind. Von der Einholung eines medizinischen Ergänzungsgutachtens kann abgesehen werden.