Citation: 8C_24/2018 E. 5.2

5.2. Die Vorinstanz sah den psychiatrischen Teil des Gutachtens der MEDAS gestützt auf die Stellungnahme des RAD-Arztes med. pract. D.________ vom 23. März 2016 hierzu, als nicht beweiskräftig an. Ihre diesbezügliche Beweiswürdigung ist damit weder offensichtlich unrichtig noch sonstwie bundesrechtswidrig. Denn der RAD-Psychiater med. pract. D.________ zeigte überzeugend und schlüssig auf, dass zur Validierung der Diagnose einer PTBS eine möglichst umfassende Situationsanalyse mit fremdanamnestischen Angaben aus verschiedenen Informationsquellen zur Symptomerfassung und bezüglich Alltagsfunktionalität gehörten. Die begutachtende Person müsse zudem das traumatisierende Ereignis und das subjektive Erleben desselben wie die peritraumatische Situation genau explorieren. Dies sei hier nicht in hinreichendem Ausmass erfolgt. Eine Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung werde ferner als chronischer Zustand (nach einer PTBS) mit entsprechend geringen Heilungschancen angesehen, weshalb im Gutachten nicht plausibel dargelegt worden sei, weshalb dennoch bei störungsspezifischer Therapie eine gute Prognose gestellt werde. Ferner seien die Erläuterungen und Interpretationen der Gutachterin zu den festgestellten Inkonsistenzen und der genannten Aggravation nicht überzeugend, zumal sie auch einen möglichen sekundären Krankheitsgewinn und psychosomatische Belastungsfaktoren zu wenig diskutiert habe. Insgesamt enthalte das psychiatrische Gutachten diagnostische Unklarheiten, keinen nachvollziehbaren Verlauf der Arbeitsfähigkeitsschätzung, keine Auseinandersetzung mit den Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 sowie keine Kontrolle der Medikamenteneinnahme. Auch wenn der Einwand des Beschwerdeführers zutrifft, dass die Rechtsprechung gemäss BGE 142 V 342, wonach das strukturierte Beweisverfahren mittels Standardindikation nach BGE 141 V 281 auf eine PTBS anwendbar sei (vgl. nunmehr: BGE 143 V 409 und 418), erst nach Gutachtenserstellung erging, ändert dies nichts an den weiteren aufgezeigten Mängeln desselben. Dem psychiatrischen Teilgutachten fehlt ungeachtet des Umstands, dass es nach damals geltender Rechtsprechung ohne Bezugnahme zu BGE 141 V 281 erging, die Überzeugungskraft, weshalb die Vorinstanz es als nicht beweiskräftig ansehen durfte. Ferner ist nicht ersichtlich, inwiefern das kantonale Gericht seine Begründungspflicht verletzt haben soll, wenn es dem psychiatrischen Gutachten des Dr. med. C.________ hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts folgte, jedoch eine rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit nach BGE 141 V 281 nicht als gegeben ansah (E. 5.1 hiervor). Nicht verletzt wird zudem das Recht auf Beweis (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK), indem die Vorinstanz die Feststellungen zur Arbeitsfähigkeit beider psychiatrischen Expertisen in Würdigung der Beweise aus rechtlicher Sicht nicht übernahm. Dies verstösst auch nicht gegen den Grundsatz der Waffengleichheit (Art. 6 EMRK). Vielmehr erkannte das kantonale Gericht in nicht zu beanstandender Weise, dass die Schlussfolgerungen des Dr. med. C.________ hinsichtlich Restarbeitsfähigkeit einer Gesamtbetrachtung gemäss BGE 141 V 281 nicht standhalten, was sich mit den ausführlichen Darlegungen des RAD-Arztes hierzu deckt. Zum Verlauf und Ausgang von Therapien als wichtige Schweregradindikatoren (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 S. 416 f.) stellte die Vorinstanz fest, es habe bisher keine konsequente, psychiatrische, insbesondere traumaspezifische Behandlung samt Psychopharmakotherapie stattgefunden. Diese Schlussfolgerungen stimmen mit den Angaben des Dr. med. C.________ überein, indem dieser festhielt, es gebe keine weiterführenden oder traumaspezifischen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen. Die vom Versicherten angegebene aktuelle Medikation entspreche keiner ausdosierten Psychopharmakotherapie. Dass der Beschwerdeführer bisher auf die Inanspruchnahme von angezeigten therapeutischen Optionen verzichtete, gibt einen Hinweis darauf, wie sich der Leidensdruck effektiv darstellt (BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304). Dementsprechend wies auch der RAD-Arzt in seiner Beurteilung vom 13. Oktober 2016 zutreffend darauf hin, dass dies die Frage nach dem tatsächlich vorhandenen Leidensdruck aufwerfe. Somatische Komorbiditäten bestehen unbestrittenermassen nicht. Auch lässt das Aktivitätsniveau im privaten Kontext die Annahme gewisser Ressourcen zu, wie die Vorinstanz erkannte. Mit Bezug auf den Indikator der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 303) verwiesen beide Gutachtenspersonen übereinstimmend auf zahlreiche Inkonsistenzen und führten Aggravationshinweise auf, wie das kantonale Gericht mit Blick auf die Angaben des med. pract. D.________ festhielt. So wiederholte der Gutachter Dr. med. C.________ in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 17. September 2016, er habe in seiner Expertise ausgeführt, bereits in dem vorangegangenen psychiatrischen Teilgutachten seien Hinweise auf Aggravation und Verdeutlichungstendenzen dokumentiert worden. Ihm sei aufgefallen, dass der Versicherte gelegentlich die auf Hochdeutsch gestellten Fragen zu verstehen schien, allerdings nach Antwortbeginn die Übersetzung des Dolmetschers abgewartet habe. Auffallend sei auch, dass er zwei Jahre nach der diagnostizierten komplexen PTBS und der Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung im Arbeitszeugnis der E.________ AG vom 23. Juli 2013 als freundlicher, pflichtbewusster und hilfsbereiter Mitarbeiter mit guter Auffassungsgabe beschrieben worden sei. Zu einer Differenzialdiagnostik einer Trauma-Folge-Störung gehörten auch die Aggravation, der sekundäre Krankheitsgewinn und das bewusste Vortäuschen bzw. Simulieren einer psychischen Störung (ICD-10 Z76.5). Die vom Versicherten unternommene und ihm gegenüber nicht erwähnte elftägige Reise in die Türkei im April 2016 sei zwar widersprüchlich zu seinen Angaben, türkische Nachrichtensendungen im Fernsehen zu meiden, alleine betrachtet aber nicht unvereinbar mit einer Trauma-Folge-Störung.