Citation: 4A_254/2020 E. 4.5

4.5. Die Vorinstanz äusserte sich auch zu der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Drucksituation und dem Gesundheitszustand, dies unter dem Titel der Notlage. Entgegen dem, was die Vorinstanz offenbar annimmt, handelt es sich dabei nicht um Aspekte der Notlage als solche. Die überwiegende Lehre geht aber davon aus, die gesetzliche Aufzählung der Notlage, der Unerfahrenheit und des Leichtsinns sei nur exemplarisch. Die Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit könne auch durch den Einfluss von Alkohol, durch Erschöpfungszustände oder Überraschungsmomente, durch Abhängigkeiten oder allgemein innere Geisteszustände ausgelöst sein. Insofern grenze der Übervorteilungstatbestand funktional an das Erfordernis der Urteilsfähigkeit (EUGEN BUCHER, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, 2. Aufl. ttt8, S. 233; KRAMER, a.a.O., N. 45 zu Art. 21 OR; MEISE/HUGUENIN, a.a.O., N 10 zu Art. 21 OR; BRUNO SCHMIDLIN, in: Commentaire romand, Code des obligations, Bd. I, 2. Aufl. 2012, N. 6 zu Art. 21 OR; GAUCH/SCHLUEP/SCHMID/EMMENEGGER, a.a.O., S. 167 f. Rz 738). Inwieweit solche Zustände unter dem Art. 21 OR zu berücksichtigen sind, muss nicht näher erörtert werden, aus nachfolgenden Gründen.