Citation: 5A_333/2024 E. 3.1

3.1. Im internationalen Verhältnis richtet sich das Verfahren zur Adoption eines Kindes mit gewöhnlichem Aufenthalt im Ausland nach dem Haager Übereinkommen vom 29. Mai 1993 über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Internationalen Adoption (HAÜ; SR 0.211.221.311). Für die Schweiz ist dieses am 1. Januar 2003, für Haiti am 1. April 2014 in Kraft getreten (vgl. Anhang zum HAÜ). Auf dieser Grundlage hat der schweizerische Gesetzgeber im Bundesgesetz vom 22. Juni 2001 zum Haager Adoptionsübereinkommen und über Massnahmen zum Schutz des Kindes bei internationalen Adoptionen (BG-HAÜ; SR 211.221.31) Ausführungsbestimmungen erlassen. Diese regeln das Verfahren zur Aufnahme eines Kindes (Art. 1 Abs. 1 BG-HAÜ) und sehen Massnahmen zum Schutz des Kindes bei internationalen Adoptionen vor (Art. 1 Abs. 2 BG-HAÜ). In Art. 2 Abs. 2 lit. d BG-HAÜ wird der Zentralen Behörde des Bundes insbesondere die Aufgabe übertragen, allgemeine Weisungen über den Vollzug des Haager Adoptionsübereinkommens zu erlassen. Damit soll eine einheitliche schweizerische Praxis im Bereich internationaler Adoptionen sichergestellt werden, indem insbesondere Fragen angesprochen werden, die weder auf Gesetzes- noch Verordnungsstufe geregelt, aber nicht offengelassen werden können (Botschaft vom 19. Mai 1999 betreffend das Haager Adoptionsübereinkommen sowie das Bundesgesetz zum Haager Adoptionsübereinkommen, BBl 1999 5823 Ziff. 222.1). Weitere Ausführungsbestimmungen ergeben sich schliesslich aus der Verordnung vom 29. Juni 2011 über die Adoption (Adoptionsverordnung [AdoV]; SR 211.221.36), welche der Bundesrat gestützt auf Art. 26 HAÜ erlassen hat. Als Zentrale Behörde des Bundes wird das Bundesamt für Justiz bezeichnet (Art. 2 Abs. 1 lit. a AdoV). Am 1. Juni 2022 hat das Bundesamt für Justiz die "Weisung der Zentralen Behörde des Bundes im Bereich internationale Adoptionen zu Adoptionsverfahren von Kindern aus Haiti" erlassen. Diese enthält eine Schilderung der Sicherheitslage in Haiti und gestützt darauf die Empfehlung an die kantonalen Zentralbehörden, bis auf Weiteres keine Eignungsbescheinigungen (Art. 6 AdoV) auszustellen und keine neuen Kindervorschläge anzunehmen. Angesichts der Ungewissheit über die weitere Entwicklung werden die kantonalen Zentralbehörden zudem gebeten, abgelaufene Eignungsbescheinigungen nicht mehr zu erneuern.