Citation: 5A_251/2023 E. 4.1.3

4.1.3. 4.1.3.1. Von vornherein unzutreffend ist die Behauptung, das Obergericht habe in E. 3.1 die Mangelhaftigkeit der Berufungsbegründung festgestellt. Vielmehr hat es dort abstrakt die allgemeinen Grundsätze für die Berufungsbegründung wiedergegeben, ohne einen unmittelbaren Bezug zur Berufung des Beschwerdegegners herzustellen. Hingegen trifft zu, dass das Obergericht an anderen Stellen die Berufungsschrift das Beschwerdegegners als ungenügend begründet bezeichnet hat. Diese betrafen indes einzelne Rügen, die nicht im Zusammenhang mit der hier relevanten Frage der Glaubhaftmachung der Mittellosigkeit standen. Folglich kann die Beschwerdeführerin daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. 4.1.3.2. Ausserdem hatte der Beschwerdegegner, wie die Beschwerdeführerin selber ausführt, in seiner Berufung geltend gemacht, die Beschwerdeführerin habe es unterlassen, in ihrem Gesuch und ihren Eingaben alle Vermögenswerte anzugeben; sie habe nicht von Beginn weg ihre Vermögenswerte offen dargelegt, sondern nur angegeben, was scheibchenweise zum Vorschein gekommen sei. Daher seien ihre Angaben zur angeblichen Mittellosigkeit generell nicht glaubhaft. Bei dieser Ausgangslage ist die (zusammenfassende) Schlussfolgerung des Obergerichts, der Beschwerdegegner habe in seiner Berufung gerügt, das Kantonsgericht habe die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin zu Unrecht bejaht, nicht nur nicht offensichtlich unrichtig, sondern zutreffend, denn sollten die Tatsachenbehauptungen der Beschwerdeführerin zur Mittellosigkeit, wie vom Beschwerdegegner gerügt, nicht glaubhaft sein, hätte die beweisbelastete Beschwerdeführerin den Beweis für die behauptete Tatsache nicht erbracht und hätte das Kantonsgericht die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin entsprechend zu Unrecht bejaht. 4.1.3.3. Was die Erwägung des Obergerichts angeht, es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre Liegenschaften im Ausland (anfänglich) absichtlich verschwiegen habe, mag es sein, dass der Beschwerdegegner die Behauptung des absichtlichen Verschweigens in seiner Berufungsschrift nicht aufgestellt hatte. Indes hat das Obergericht diesen Vorhalt nicht frei erfunden, sondern es ist in Würdigung des (unbestrittenen) Prozesssachverhalts zu dieser Erkenntnis gelangt. Nachdem der Beschwerdegegner mit seinem Einwand, die Tatsachenbehauptungen der Beschwerdeführerin seien nicht glaubhaft, zulässigerweise (vgl. Art. 310 lit. b ZPO) eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts gerügt hatte, war es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht des Obergerichts, dieser Frage nachzugehen.