Citation: U 241/06 26.07.2007 E. 4.1

4.1.1 Im ersten Gutachten vom 6. Oktober 2001 diagnostizierte Dr. med. S.________ einen Sturz beim Velofahren in ein Schlagloch mit traumatischer Diskushernie L5/S1 links, konservativ therapieresistent; Operationsindikation. Die Befunde stünden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in natürlichem Zusammenhang zum Unfall vom 28. April 2001. Es sei von früheren Lumbalgien die Rede, allerdings stets ohne Ausstrahlungen. Durch das Ereignis sei dieser geringe Vorzustand richtunggebend verschlimmert worden. Der Zustand quo sine werde nie mehr erreicht werden können. Die bisher attestierte Arbeitsunfähigkeit sei medizinisch voll und ganz ausgewiesen. In der bisherigen Tätigkeit als Direktor bestehe eine geringe Restarbeitsfähigkeit von sechs Stunden an drei Tagen, verbunden mit einem Reiseaufwand per Bahn von dreimal vier Stunden. In jeder anderen Tätigkeit bestehe heute praktisch keine verwertbare Arbeitsfähigkeit. Eine weitere Anpassung/Angewöhnung an die Unfallfolgen sei nicht zu erwarten. Er könne sich der Meinung des zugezogenen Neurochirurgen nur voll und ganz anschliessen, dass nämlich eine klare Indikation zur operativen Revision dieser traumatisch ausgelösten Diskushernie bestehe. 4.1.2 Das Medizinische Zentrum D.________ diagnostizierte im Bericht vom 26. November 2001 ein lumboradikuläres Syndrom S1 links bei nachgewiesener Diskushernie L5/S1 links; arterielle Hypertonie, behandelt. Die Unfallkausalität werde bejaht. Es sei Physio- und Wassertherapie mit Neurotension und Mobilisation in Extension (McKenzie) veranlasst worden; die Physiotherapie solle weitergeführt werden. Seit dem Unfall bestehe 100%ige Arbeitsunfähigkeit. 4.1.3 Der Neurochirurg Dr. med. L.________ stellte im Bericht vom 10. Dezember 2001 folgende Diagnose: Lumboradikuläres Syndrom nach links nach Schlagloch beim Radfahren. Es bestehe eine diskrete degenerative Veränderung L4/L5 und L5/S1 mit leichten Osteochondrosen sowie links exzentrisch eine flachbasige Diskusprotrusion ohne Kompressionszeichen am Duralsack oder an abgehender Nervenwurzel (MRI in der Klinik P.________ vom 26. November 2001). Es lägen ausschliesslich Unfallfolgen vor. Er habe peridurale Infiltration veranlasst, die erste am 3. Dezember 2001. Er habe keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Im Bericht vom 21. Februar 2002 führte er aus, unfallfremde Faktoren spielten im Heilungsverlauf keine Rolle. Die gegenwärtige Behandlung bestehe in periodischen Infiltrationen (zuletzt am 11. Januar 2002) sowie Antirheumatika-Therapie. Während der Konsultation bei ihm sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. 4.1.4 Die Klinik Y.________ (Hospitalisation vom 5. bis 25. Mai 2002) führte im Bericht vom 30. Mai 2002 aus, das protrahierte radikuläre Reiz- und Schmerzsyndrom S1 links bei nach kaudal und rezessal luxierter Diskushernie L5/S1 habe sich nach Nervenwurzelblock S1 links am 27. März 2002 (in der Klinik B.________) gebessert. Bei Eintritt sei der Versicherte lumbal weitgehend schmerzfrei gewesen. Weiterhin hätten jedoch Schmerzen gluteal links mit dorsaler Schmerzausstrahlung bis in die OS-Region, Dauerschmerzen links im Achillessehnenbereich und Hypästhesie am ganzen linken Fussrücken sowie intermittierende Wadenkrämpfe bestanden. Unter kombiniert aktiven und passiven Behandlungsmassnahmen sei eine leichte Besserung der Beschwerden erreicht worden. Allerdings hätten starke Schmerzen lumbal bei geringen Rumpfrotationen sowie der Schmerz im linken Achillessehnenbereich persistiert. Ein peroraler Steroidstoss habe nur eine geringe Beschwerdebesserung erbracht. Da der Versicherte die konservativen Therapieoptionen habe ausschöpfen wollen, sei ihm ein weiteres Physiotherapierezept mitgegeben worden. Empfehlenswert wäre ein Ausbau der medikamentösen Schmerztherapie. 4.1.5 Im zweiten Gutachten vom 2. September 2002 stellte Dr. med. S.________ folgende Diagnosen: bei einer Velotour in Schlagloch geraten mit Kontusion/Distorsion von Lendenwirbelsäule (LWS) und Sacrum; vorübergehende Traumatisierung einer Diskushernie L5/S1 links; schwerste Depression und Schmerzverarbeitungsstörung. Die objektiven Befunde stünden heute noch knapp mit überwiegender Wahrscheinlichkeit natürlich kausal zum Unfall vom 28. April 2001. Vorbestehend sei eine Lumbalgie mit Diskushernie gewesen. Durch das Ereignis sei zunächst eine massive vorübergehende Verschlimmerung mit langsamer Besserung des gesamten Zustandsbildes erfolgt. Der Vorzustand sei in etwa zur Hälfte am Gesamtverlauf mitbeteiligt gewesen. Der Status quo sine werde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit spätestens 1 1/2 Jahre nach dem Unfall, mithin am 30. September 2002, erreicht sein. Die früher attestierte Arbeitsunfähigkeit sei wohl medizinisch ausgewiesen gewesen. Aber bereits Dr. med. L.________ sei bei seinen Abklärungen und therapeutischen Sakralblocken der Meinung gewesen, in der Tätigkeit als Direktor und Manager bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Ohne Depression wäre diese Tätigkeit mit einer Arbeitszeit von 55 Stunden pro Woche absolut zumutbar. In jeder anderen, den Unfallfolgen angepassten Tätigkeit bestünde ohnehin volle Arbeitsfähigkeit. Er rechne mit einer weiteren Angewöhnung/Anpassung an die Unfallfolgen mit einer markanten Verbesserung des psychischen Zustandsbildes. Eine weitere Behandlung scheine ihm spätestens bis 30. September 2002 zweckmässig und sinnvoll. Anhaltspunkte für eine Begehrungsneurose oder bewusste Simulation bestünden nicht. In der Stellungnahme vom 22. Oktober 2002 zu den Einwänden des Dr. med. A.________ vom 8. Oktober 2002 legte Dr. med. S.________ dar, zur Auslösung einer Diskushernie bedürfe es einer massivsten Gewalteinwirkung mit sofortigem Auslösen einer dramatischen Symptomatik. Beides sei hier mit dem Fahren in ein Schlagloch nicht der Fall, zumal der Versicherte noch 30 km habe nach Hause fahren können. Gleichgültig, ob die kleine Diskushernie vorhanden gewesen sei oder nicht, traumatisch bedingt sei sie mit Sicherheit nicht. Die radiologische Beurteilung von CT und MRI variiere von Radiologe zu Radiologe und sei auch nicht entscheidend. Wichtig sei die klinische Symptomatik. 4.1.6 Der beratende Arzt der Winterthur, Dr. med. C.________, unterstützte in der Stellungnahme vom 5. November 2002 die Ausführungen des Dr. med. S.________ im zweiten Gutachten vom 2. September 2002. Durch den Unfall mit axialer Stauchung habe eine LWS-Traumatisierung stattgefunden mit vorübergehender Verschlimmerung von degenerativen Vorzuständen. Eine Diskushernie sei durch das Ereignis nicht ausgelöst worden, da keine aussergewöhnliche massive Gewalteinwirkung stattgefunden habe. Nach seiner Meinung und vom orthopädischen Standpunkt aus sei der Status quo sine Ende Mai 2002 erreicht gewesen. 4.1.7 Im Bericht vom 16. Oktober 2003 diagnostizierten Dr. med. R.________ und Frau Dr. med. H.________ ein chronisches Schmerzsyndrom im Bereich L5/S1 links mit/bei nach kaudal und rezessal luxierter Diskushernie L5/S1 links, neuropathischem Syndrom der Wurzeln L5 und S 1 links sowie arterieller Hypertonie. Im Bericht vom 8. April 2004 ging Prof. Dr. med. E.________ von einem chronischen lumbosakralen Schmerzsyndrom aus. Nach der Anamnese und den Röntgenbefunden seien die Beschwerden überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall vom 28. April 2001 zurückzuführen; unfallfremde Ursachen seien nicht zu erkennen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine Arbeitsfähigkeit nicht gegeben. Die ultima ratio wäre der Einbau einer intrathekalen Morphinpumpe, deren Effektivität aber vorgängig mit einem temporären Katheter evaluiert werden müsste. 4.1.8 Der beratende Arzt der Winterthur, Dr. med. U.________, vertrat in der Stellungnahme vom 30. Juni 2004 die Auffassung, der Unfall müsse als auslösendes und nicht als verursachendes Moment einer Diskusherniensymptomatik angesehen werden. Er sei nicht geeignet gewesen, eine Diskushernie zu verursachen. Es sei mit grosser Wahrscheinlichkeit von einer vorbestehenden degenerativen Situation im Bandscheibensegment L5/S1 auszugehen, was durch die Anamnese mit bereits früher immer wieder leichten lumbalgieformen Schmerzen unterstützt werde. Ohne einen solchen Vorzustand sei es aber durchaus denkbar, dass ein Schlag, wie ihn der Versicherte am 28. April 2001 erlitten habe, über 3 bis 6 Monate Beschwerden und Behandlungsbedürftigkeit nach sich ziehen könne. Danach sei erfahrungsgemäss von einem Status quo sine auszugehen. Von einer richtunggebenden Verschlimmerung könne nicht gesprochen werden. Die von Dr. med. S.________ vertretene Auffassung, der Status quo sine sei 1 1/2 Jahre nach dem Ereignis eingetreten, sei äusserst grosszügig. 4.1.9 Am 23. März 2006 wurde der Versicherte im Institut N.________ ambulant neurologisch untersucht, wobei ein CT der LWS durchgeführt wurde. Im Bericht vom 24. März 2006 wurde angegeben, dem Versicherten sei als symptomatische Behandlung der seit dem Unfall vom 28. April 2001 bestehenden Schmerzen die Implantation eines Hinterstrangstimulators empfohlen worden, wozu er zugestimmt habe. Er gebe an, diese Massnahme habe eine Besserung der Schmerzsymptomatik erbracht, jedoch sei die Lebensqualität insgesamt weiter unbefriedigend. Neben den Schmerzen bestehe weiterhin unverändert eine Schwäche und Gefühlsstörungen im linken Bein. Es liege eindeutig ein sensomotorisches S1 Syndrom links mit einem korrelierenden neuroradiologischen Befund (Bandscheibenvorfall L5/S1 links) vor. Es bestehe eine eindeutige Operationsindikation zur mikrochirurgischen Sequesterotomie und Entlastung des S1 Wurzel links. Zur definitiven Abklärung der Operationsindikation in der Höhe L4/5 werde eine Myelographie mit einem Postmyelo-CT empfohlen, da ein MRT auf Grund des Implantats nicht durchgeführt werden könne.