Citation: 9C_696/2022 E. 2.4.1

2.4.1. Es fragt sich, welchem Elternteil der Kinderabzug bei getrennter Besteuerung zusteht. Am 1. Januar 2011 ist das Bundesgesetz vom 25. September 2009 über die steuerliche Entlastung von Familien mit Kindern (AS 2010 455) in Kraft getreten. Seit dieser Gesetzesänderung können getrennt besteuerte Elternteile je die Hälfte des Kinderabzugs geltend machen, wenn sie die gemeinsame elterliche Sorge innehaben und keine Unterhaltsbeiträge nach Art. 33 Аbs. 1 lit. c DBG für das (minderjährige) Kind geltend gemacht werden (Art. 35 Abs. 1 lit. a DBG; vgl. BGE 141 II 338 E. 5.1, 5.2, 6.3.2 u. 6.4; 133 II 305 E. 6.6 u. 6.8; Urteile 2C_533/2021 vom 23. Juni 2022 E. 6.1; 2C_380/2020 vom 19. November 2020 E. 4.3.2 u. 4.6). Um zu vermeiden, dass der Kinderabzug und der Abzug von Alimentenzahlungen kumuliert werden, hat der Gesetzgeber die Gewährung des hälftigen Abzugs also unter die Voraussetzung gestellt, dass keine Unterhaltsbeiträge nach Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG geltend gemacht werden. Die einschränkende Voraussetzung, dass keine Unterhaltsbeiträge geltend gemacht werden dürfen, dient dazu, der systemwidrigen doppelten Entlastung einer steuerpflichtigen Person durch Kinderabzug und Abzug von Unterhaltsleistungen vorzubeugen (sog. Kumulationsverbot; vgl. u.a. BGE 133 II 305 E. 6.8; Urteile 2C_533/2021 vom 23. Juni 2022 E. 6.3.1; 2C_905/2017 vom 11. März 2019 E. 2.1.2).