Citation: 6B_933/2023 E. 12.4.2

12.4.2. Die Vorinstanz hält die angewandte Methodik zur Erstellung des Gutachtens für korrekt. Indem der Beschwerdeführer pauschal das basierend auf der durch die Gutachterin verwendeten VRAG-R ausgerechnete prozentuale (hohe) Rückfallrisiko einzig aus dem Grund aus dem Recht gewiesen haben will, weil zurzeit fraglich sei, ob dies für den deutschen Sprachraum ausreichend kalibriert sei, ist ihm nicht zu folgen. Diskutiert wird zwar, ob das Rückfallrisiko älterer Straftäter mit denselben Parametern und derselben Gewichtung dieser Kriterien eingeschätzt werden kann, wie dasjenige jüngerer Delinquenten. Hierbei handelt es sich um die Frage der korrekten Validierung des Instruments für die betreffende Population (vgl. BGE 149 IV 325 E. 4.6.2 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer war bei den Begutachtungszeitpunkten 34 Jahre alt, und damit nicht ein älterer Straftäter. Ohnehin verwendet das Gutachten als legalprognostische Intrumente neben dem Violence Risk Appraisal Guide-Revised (VRAG-R) die Psychopathy-Checkliste Revised nach Hare (PCL-R) sowie den STATIC-2002R von Hanson & Thornton. Standardisierte Prognoseinstrumente (wie PCL-R, Static-99, FOTRES etc.) beruhen auf verallgemeinerten statistisch-empirischen Befunden. Die Rechtsprechung beschränkt deren Rolle auf diejenige eines Bestandteils der klinischen Einschätzung der Sachverständigen. Jedes Prognoseinstrument kann nur ein Hilfsmittel sein, eines von mehreren Werkzeugen, mit dem ein Gutachter die Prognosebeurteilung bearbeitet. Da standardisierte Prognoseinstrumente auf einer Verallgemeinerung von empirischen Befunden beruhen, können sie für die Prognose zwar Anhaltspunkte über die Ausprägung eines strukturellen Grundrisikos eines Betroffenen liefern ("Verortung des Einzelfalles im kriminologischen Erfahrungsraum"), sind indes allein nicht geeignet, eine fundierte individuelle Gefährlichkeitsprognose tragfähig zu begründen. Hierfür bedarf es immer einer differenzierten Einzelfallanalyse. Es sind die im konkreten Fall am besten geeigneten Verfahren anzuwenden. Die Auswahl der Instrumente richtet sich danach, was konkret prognostiziert werden soll und ob das einzelne Instrument in Bezug auf den zu beurteilenden Täter grundsätzlich taugt (BGE 149 IV 325 E. 4.4.1 mit Hinweisen). Entsprechend steht eine hohe Rückfallgefahr für schwerwiegende Delikte (insbesondere Sexual- sowie Gewaltdelikte zum Nachteil von Kindern wie auch Erwachsenen, Konsum etc. von illegaler Pornografie sowie Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz) fest.