Citation: I 621/01 17.11.2003 E. 3.2

3.2.1 Mit den streitigen Verfügungen hat die IV-Stelle das hypothetische Einkommen ohne die Invalidität (Valideneinkommen) auf Fr. 52'148.- festgesetzt, indem sie von dem vom Beschwerdegegner ab 1. März 1998 bezogenen Monatslohn von Fr. 4'000.- (x 13) ausgegangen ist und dieses Einkommen entsprechend der Nominallohnentwicklung auf das Jahr 2000 umgerechnet hat. Die Vorinstanz nimmt auf Grund der Lohnbezüge des Beschwerdegegners in den Jahren 1995 bis 1998 eine krankheitsbedingte Einkommensreduktion an und setzt das Valideneinkommen auf Grund lohnstatistischer Angaben auf Fr. 75'396.- fest, indem sie vom monatlichen Bruttolohn (Zentralwert) im graphischen Gewerbe für Tätigkeiten, welche Berufs- und Fachkenntnisse voraussetzen (Anforderungsniveau 3) von Fr. 6'283.- ausgeht. Das kantonale Gericht stellt des Weiteren fest, der Anspruch auf eine ganze Rente sei - bei einem Invalideneinkommen von Fr. 18'723.- - selbst dann gegeben, wenn auf den Tabellenlohn für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) abgestellt würde. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde macht die IV-Stelle geltend, die Einkommenseinbusse sei auf invaliditätsfremde Gründe (Restrukturierungsmassnahmen im Betrieb) zurückzuführen und es bestehe kein Grund, nicht vom tatsächlich erzielten Verdienst auszugehen. Zudem sei es bei einem Tabellenlohnvergleich nicht gerechtfertigt, auf das Anforderungsniveau 3 abzustellen, weil der Beschwerdegegner über keine Berufsausbildung verfüge. 3.2.2 Im Fragebogen für den Arbeitgeber vom 26. Januar 1999 wird ausgeführt, der Beschwerdegegner habe eine verantwortungsvolle Tätigkeit in der Plattenkopie verrichtet. Wegen Einführung neuer Technologien habe das Personal reduziert werden müssen. Dem Versicherten habe eine neue Arbeit im Bilderlager angeboten werden können. Mit der Versetzung habe der Lohn ab März 1998 angepasst werden müssen. Diese Feststellungen sprechen eindeutig dafür, dass für den Arbeitsplatzwechsel und die damit verbundene Einkommensreduktion nicht invaliditätsbedingte Gründe ausschlaggebend waren. Hierauf deutet auch der Umstand, dass die Änderung auf anfangs März 1998 erfolgte, eine Arbeitsunfähigkeit jedoch erst Mitte März und erneut Mai 1998 eingetreten ist. Selbst wenn der Beschwerdegegner bereits zuvor an zunehmenden Rückenbeschwerden gelitten haben sollte, fehlen konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er aus gesundheitlichen Gründen gezwungen war, die ihm angebotene, wesentlich schlechter entlöhnte Stelle anzutreten. Soweit er es aber aus invaliditätsfremden Gründen vorgezogen hat, eine schlechter entlöhnte Stelle im bisherigen Betrieb zu übernehmen als anderweitig eine besser bezahlte Stelle zu suchen, hat hiefür nicht die Invalidenversicherung einzustehen. Unter den gegebenen Umständen besteht daher kein Anlass, vom Grundsatz abzugehen, wonach bei der Festsetzung des Valideneinkommens in der Regel vom letzten Lohn auszugehen ist, welchen der Versicherte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt hat (BGE 129 V 224 Erw. 4.3.1). Nach den Angaben des Arbeitgebers belief sich der Lohn ab 1. März 1998 auf Fr. 4'000.- monatlich. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 0,3 % bis zu dem für den Einkommensvergleich massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns (BGE 129 V 222 ff.) ergibt sich ein Valideneinkommen von Fr. 52'156.- und im Vergleich zum Invalideneinkommen von Fr. 21'472.- ein Invaliditätsgrad von 59 %. Die Zusprechung einer halben Invalidenrente besteht folglich zu Recht. Im Übrigen wäre der Anspruch auf eine ganze Rente selbst dann zu verneinen, wenn das Valideneinkommen mit der Vorinstanz auf Grund von Tabellenlöhnen festgesetzt würde, weil auf den Bruttolohn für das Anforderungsniveau 4 abzustellen wäre. Zwar hat der Beschwerdegegner am früheren Arbeitsplatz eine qualifizierte Tätigkeit ausgeübt. Er verfügt jedoch über keine Berufsausbildung und offenbar auch nicht über spezifische Berufskenntnisse im graphischen Gewerbe. Andernfalls wäre nicht verständlich, weshalb er nicht an einem gleichwertigen andern Arbeitsplatz eingesetzt werden konnte oder, falls dies vom Betrieb her ausgeschlossen war, sich nicht um eine vergleichbare andere Stelle bemüht hat. Es wäre daher von einem Monatslohn von Fr. 4'732.- auszugehen (LSE 1998, S. 25 TA1 Ziff. 22), was umgerechnet auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 41,8 Stunden und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung 1999 von 0,3 % zu einem Valideneinkommen von Fr. 59'517.- und einem Invaliditätsgrad von 64 % führen würde.