Citation: 7B_267/2022 E. 5.2

5.2. Der Sachentziehung gemäss Art. 141 StGB macht sich strafbar, wer der Berechtigten ohne Aneignungsabsicht eine bewegliche Sache entzieht und ihr dadurch einen erheblichen Nachteil zufügt. Die Täterin muss durch ihr Verhalten klar den Willen zu erkennen geben, die dinglich Berechtigte an der Ausübung ihres Verfügungsrechts über die Sache jedenfalls in wesentlichem Masse zu hindern. Mit dem Erfordernis der Erheblichkeit des erlittenen Nachteils sollen Bagatellfälle ausgeschlossen werden (Urteil 6B_729/2020 vom 3. Februar 2021 E. 2.4.2 mit Hinweis). Art. 141 StGB erfasst auch Nachteile, die keinen bzw. keinen bezifferbaren Vermögensschaden darstellen. Als Beispiele für Personen, die einen solchen erheblichen immateriellen Nachteil erleiden, werden in der Literatur genannt: die Braut, der am Hochzeitstag das Brautkleid, der Musiker, dem kurz vor dem Auftritt das Instrument oder die behinderte Person, der Prothesen oder notwendige Fortbewegungsmittel entzogen werden (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 28 und 30 zu Art. 141 StGB).