Citation: 7B_878/2023 E. 3.2.2

3.2.2. Die Voraussetzung der schweren Schädigung des Opfers gilt gleichermassen für Katalogtaten und Straftaten nach der Generalklausel als Anlasstaten als auch für die ernsthaft zu erwartenden Folgetaten (BGE 148 IV 398 E. 4.5; 139 IV 57; Urteile 6B_82/2021 vom 1. April 2021 E. 4.2.2, nicht publ. in: BGE 147 IV 218). Relevante Straftaten und schwere Beeinträchtigung müssen kumulativ vorliegen (Urteil 6B_889/2019 vom 6. November 2019 E. 1.2). Von einer schweren Opferbeeinträchtigung ist unter Zugrundelegung eines objektiven Massstabs auszugehen, wenn aufgrund der zu beurteilenden Tat nach der allgemeinen Lebenserfahrung mit einer Traumatisierung des Opfers zu rechnen ist (BGE 148 IV 398 E. 4.5; Urteile 6B_1076/2021 vom 28. Oktober 2021 E. 2.5.2; 6B_381/2021 vom 17. Juni 2021 E. 4.3.3; je mit Hinweisen). Sexuelle Verfehlungen gegenüber Kindern gehören prinzipiell zu den gravierenden Straftaten (Urteil 6B_1076/2021 vom 28. Oktober 2021 E. 2.5.3 mit Hinweis). Den Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB erfüllen Handlungen, die nach Art und Intensität sehr verschieden sind (Urteil 6B_746/2016 vom 8. Dezember 2016 E. 1.3.2). Nicht jede sexuelle Handlung mit Personen im Schutzalter ist geeignet, die physische und psychische Integrität des Opfers schwerwiegend im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB zu beeinträchtigen. Dabei ist das Alter des Opfers zu berücksichtigen, aber auch die Art der Handlungen und die Intensität der Beeinträchtigung (Urteil 6B_353/2016 vom 30. März 2017 E. 4.1.1; Urteil 6B_109/2013 vom 19. Juli 2013 E. 4.3.2 f.). Bei Sexualdelikten an Kindern ist auch der Gefahr von Spätfolgen Rechnung zu tragen (Urteil 6B_582/2017 vom 19. Juni 2018 E. 4.2.5). Als schwer im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB bezeichnet das Bundesgericht insbesondere das mehrfache, schmerzhafte manuelle Eindringen in die Scheide eines erst sechsjährigen Mädchens (wobei es keine Rolle spielt, dass der Beschwerdeführer mit seinem Finger nur partiell eindrang) oder das mit einem 9-jährigen Knaben ausgeführte gegenseitige Schlagen der nackten Genitalien mit einem Stock (Urteil 6B_109/2013 vom 19. Juli 2013 E. 4.3.2; vgl. Urteil 6B_353/2016 vom 30. März 2017 E. 4.1.1). Orale Praktiken mit Kindern wiegen ebenfalls schwer und vermögen die psychische Integrität des Opfers stark zu beeinträchtigen (vgl. Urteile 6B_1076/2021 vom 28. Oktober 2021 E. 2.5.2; 6B_82/2021 vom 1. April 2021 E. 4.4.2; 6B_513/2017 vom 24. August 2017 E. 2.4.1; 6B_715/2014 vom 27. Januar 2015 E. 8.5). Analer Geschlechtsverkehr mit einem Knaben ist nach der Rechtsprechung ein grundsätzlich gravierendes Delikt, welches aufgrund seiner Eingriffsintensität nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, auf Seiten der Opfer eine schwerwiegende Integritätsbeeinträchtigung zu bewirken (Urteil 6B_746/2016 vom 8. Dezember 2016 E. 1.4.3; vgl. Urteil 6B_889/2019 vom 6. November 2019 E. 1.3). Diese schwere Beeinträchtigung der psychischen Integrität des Opfers ist nicht gleichbedeutend mit der objektiven Tatschwere oder einem "objektiven Verschulden" der beschuldigten Person (vgl. zu diesen Begriffen HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2016, Rz. 59 f.).