Citation: I 277/06 14.12.2006 E. 3

Entgegen der Auffassung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann das ausserordentliche Bemessungsverfahren nicht zur Anwendung gelangen, da die Beschwerdeführerin nach dem Akutwerden ihrer seit Jahren bestehenden Rückenproblematik im Oktober 2000 die als Selbstständigerwerbende betriebene Boutique in Herzogenbuchsee Ende März 2001 eingestellt hat. Es hat daher ein Einkommensvergleich zu erfolgen, welcher auf den allgemeinen, für die Beschwerdeführerin in Betracht fallenden, ausgeglichenen Arbeitsmarkt (der auch beim Valideneinkommen massgeblich ist, vgl. Urteil Ch. vom 16. Februar 2005, I 559/04, Erw. 2.1 mit Hinweisen) zu beziehen ist. Bei den gegebenen Verhältnissen ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin als seinerzeit gelernte Verkäuferin und nachdem sie ihren Mutter- und Erziehungspflichten definitiv entbunden war, ihre Boutique weiterhin betrieben hätte, wenn sie nicht hieran durch ihren Gesundheitsschaden gehindert worden wäre. 3.1 Auf Grund der Abklärungen ist die IV-Stelle zum Schluss gekommen, die Beschwerdeführerin könne sich über ein im Gesundheitsfall erzielbares Einkommen von rund Fr. 29'000.- pro Jahr ausweisen, was den als selbstständigerwerbende Boutique-Inhaberin in den Jahren 1998/99 erzielten Reineinkommen entspricht, welche der Beitragspflicht unterworfen wurden. Diese Betrachtungsweise hält bei der gegebenen Aktenlage einer näheren Überprüfung nicht stand. Die Beschwerdeführerin hat ihre selbstständige Erwerbstätigkeit 1993 begonnen und in den ersten drei Jahren ein beträchtlich höheres Einkommen als Fr. 28'900.- erzielt (eingereichte Erfolgsrechnungen). Wenn nun Verwaltung und Vorinstanz die Beschwerdeführerin auf dem als wirtschaftlich bezeichneten Rückgang dieser Einkünfte behaften wollen, verletzen sie damit nicht nur das ihnen zustehende Ermessen, sondern die bei der Invaliditätsbemessung Selbstständigerwerbender massgebende Regel, dass bei schwankenden Erwerbseinkünften die Bemessung über einen längeren Zeitraum hin zu erfolgen hat (AHI 1999 S. 240 Erw. 3b; ZAK 1985 S. 464; in AJP 1999 S. 484 erwähntes Urteil G. vom 17. Dezember 1998, I 304/98; Urteil K. vom 10. Mai 2006, I 84/06). Wie lange diese Periode ist, hat die Rechtsprechung nie in absoluten Zahlen formuliert. Es kommt immer auf die Umstände des Einzelfalles an. So besehen besteht kein Anlass, nur auf die beiden letzten Jahre 1998/99 abzustellen. Vielmehr bietet sich hier an, die gesamte Periode der ausgeübten selbstständigen Erwerbstätigkeit in die Ermittlung miteinzubeziehen, soweit sich das langjährig bestehende Rückenleiden noch nicht auf die doch anforderungsreiche Tätigkeit als selbstständig erwerbstätige Boutiqueinhaberin ausgewirkt hat. Daher sind der Festlegung des Valideneinkommens die Jahre 1993-97 zugrunde zu legen. 3.2 Wird in dieser Weise verfahren, kann sich die Beschwerdeführerin für die Jahre 1993-97 gemäss den in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde deklarierten Betriebsgewinnen über ein durchschnittliches jährliches Einkommen von Fr. 28'511.- ausweisen. Die Ausführungen der IV-Stelle (Schreiben vom 29. September 2006) geben keinen Anlass, dies in Frage zu stellen. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (1998: 0.7 %, Die Volkswirtschaft 2004 Heft 3 S. 95 Tabelle B 10.2; 1999: 0.3 %, 2000: 1.3 %, 2001: 2.5 %, 2002: 1.8 %, Die Volkswirtschaft 2006 Heft 1/2 S. 95 Tabelle B 10.2) resultiert für das Jahr 2002 ein Valideneinkommen von Fr. 30'438.-. Wird für das hypothetische Einkommen mit Gesundheitsschädigung (Invalideneinkommen) im Jahr 2002 (BGE 129 V 222 Erw. 4.1 und 4.2) auf den Verdienst abgestellt, den die Versicherte (seit 2004) für die Tätigkeit im Betrieb ihres Ehegatten erzielt, resultiert ein Invaliditätsgrad von 41 % (40,86 %, zur Rundung BGE 130 V 121; Valideneinkommen: Fr. 30'437.-, Invalideneinkommen Fr. 18'000.-), was Anspruch auf eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 1 IVG) begründet. Die weitergehend geltend gemachten Ansprüche sind unbegründet.