Citation: 6S.346/2005 02.02.2006 E. 4

4.1 Das dem zu beurteilenden Fall zugrunde liegende Geschehen unterfällt in zwei Abschnitte. Die erste Phase betrifft die Streifkollision zwischen dem Lastwagen des Beschwerdeführers und dem Lieferwagen des Unfallopfers, die zweite den Unfall, bei welchem das Opfer vom Lastwagen des Beschwerdeführers überrollt wurde. Hinsichtlich des ersten Teils mag, wie der Beschwerdeführer vorbringt, zutreffen, dass das Opfer seinen Lieferwagen ohne ersichtlichen Grund auf die Gegenfahrbahn gesteuert hat, so dass der Beschwerdeführer trotz seines Ausweichmanövers nach rechts die Streifkollision nicht vermeiden konnte. Es ist auch ohne weiteres ersichtlich, dass diese Kollision für das nachfolgende Geschehen kausal war, entstand doch die Notwendigkeit, die Unfallstelle abzusichern gerade aus diesen Umständen. Dennoch ist die Frage, ob das Opfer für die Streifkollision verantwortlich war, für die Beurteilung des Verschuldens der Beteiligten in Bezug auf die zweite Phase ohne Bedeutung. Denn es fehlt in diesem Zusammenhang an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs. Nach dem Massstab der Adäquanz muss das fragliche Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder zumindest zu begünstigen (BGE 6P.20/2005 vom 18.05.2005 E. 5.1; 127 IV 34 E. 2a). Das ist hier nicht der Fall. 4.2 In Bezug auf das eigentliche Unfallgeschehen wirft die Vorinstanz dem Beschwerdeführer vor, dass er seinen Lastwagen, als er den Sichtkontakt mit dem Opfer verloren hatte, nicht sofort angehalten und nach dem Opfer gesehen habe. Dazu habe er umso mehr Anlass gehabt, als er aufgrund seiner Erfahrung als Chauffeur habe annehmen müssen, dass die vorangegangene heikle Verkehrssituation den Geschädigten zumindest vorübergehend in seiner Wahrnehmungsfähigkeit hätte beeinträchtigt haben können. Aus diesem Grund habe er auch nicht uneingeschränkt auf das Opfer als Hilfsperson vertrauen dürfen. Der Beschwerdeführer wendet in diesem Zusammenhang einleuchtend ein, dass die Streifkollision auch bei ihm selbst in einem gewissen Mass einen Schock bewirkt habe, welcher seine eigene Fähigkeit zu umsichtigem Denken und Handeln in gleichem Masse beeinträchtigt habe. Diesen Umstand hat die Vorinstanz bei der Gewichtung seines Verschuldens nicht gewürdigt. Wenn man also annehmen will, der Beschwerdeführer hätte nicht uneingeschränkt auf den Geschädigten als Hilfsperson vertrauen dürfen, weil er wegen der ersten Kollision unter Schock gestanden habe, dann müsste aus dem selben Grund der jenem gegenüber erhobene Vorwurf abgeschwächt werden. Ausserdem hat die Vorinstanz dem Umstand, dass das Opfer beim Fahrmanöver des Beschwerdeführers als Hilfsperson gewirkt hat, zu wenig Beachtung geschenkt. Zwar trifft zu, dass jenes nicht ausdrücklich als solche eingesetzt und instruiert worden ist. Doch war aufgrund der Winkzeichen, welche das Opfer dem Beschwerdeführer bei seinem Fahrmanöver gab, für beide Beteiligten hinreichend klar, dass das Opfer als Hilfsperson wirken wollte. Insofern kam der Beschwerdeführer bei der Rückwärtsfahrt seinen Vorsichtspflichten gemäss Art. 17 Abs. 1 VRV nach. In welcher Hinsicht eine besondere Instruktion des Opfers allfällige Unklarheiten hätte ausräumen sollen, ist im Übrigen nicht ersichtlich, zumal die beiden Unfallbeteiligten nach den Feststellungen der Vorinstanz zuvor abgesprochen hatten, dass der Beschwerdeführer mit seinem Lastwagen zur Unfallstelle zurückfahren wollte, um diese abzusichern. Dabei sei dem Geschädigten auch klar gewesen, dass der Beschwerdeführer mit seinem Lastwagen möglichst nahe an das Grasbord heranfahren würde. Der Beschwerdeführer durfte sich somit darauf verlassen, dass das Opfer sich der Gefahren des Manövers bewusst war und sich nicht in den Gefahrenbereich des Lastwagens begeben würde. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, war es die Pflicht des Opfers als Hilfsperson, den Lastwagen nicht aus den Augen zu lassen. Dass er diese Pflicht zur Aufmerksamkeit aus unbekannten Gründen für kurze Zeit verletzt hat, ist ihm objektiv als Selbstverschulden anzulasten. Das Verschulden des Beschwerdeführers beschränkt sich ebenfalls auf eine bloss kurze Unaufmerksamkeit. Denn nach den Feststellungen der Vorinstanz konnte er das Opfer zunächst in seinem rechten Seitenspiegel über einen bestimmten Zeitraum sehen. Er blickte daraufhin kurz in den linken Spiegel und bemerkte erst, als er wieder in den rechten Spiegel schaute, dass das Opfer nicht mehr sichtbar war. Unmittelbar danach nahm er ein Rumpeln war, das er zunächst falsch interpretierte (Untersuchungsakten, Dossier 2, Polizeiakten, act. 11 und 17; Akten des Bezirksgerichts [Verhandlungsprotokoll] act. 19). Daraus ergibt sich, dass die Unfallbeteiligten ihre Pflicht zur Aufmerksamkeit aufgrund einer tragischen Fügung im gleichen Zeitpunkt verletzten, so dass keiner der beiden bemerken konnte, dass sich der andere falsch verhielt. Angesichts dieser Umstände ist die Annahme der Vorinstanz, das Verschulden des Beschwerdeführers überwiege jenes des Opfers bei weitem nicht nachvollziehbar. Es ist vielmehr anzunehmen, dass die beiden Beteiligten mit ihrem Verhalten im selben Ausmass für den Unfall verantwortlich sind. Das Verschulden des Beschwerdeführers und das Selbstverschulden des Opfers halten sich demnach in etwa die Waage, so dass ein Selbstverschuldensanteil des Opfers von 50 % als angemessen erscheint. Dementsprechend ist der Schadenersatzanspruch der Beschwerdegegner infolge Selbstverschuldens des Opfers auf 50 % festzusetzen. Indem die Vorinstanz den Verschuldensanteil des Beschwerdeführers auf 80 % festsetzte, hat sie daher ihr Ermessen verletzt. Die Beschwerde erweist sich daher teilweise als begründet. Soweit der Beschwerdeführer eine Reduktion seines Verschuldensanteils auf 30 % anstrebt, ist sie unbegründet.