Citation: 9C_625/2023 E. 5.1.1

5.1.1. In der steuerrechtlichen Literatur, auf die sich die Beschwerdeführerin teils explizit beruft, wird im Zusammenhang mit der im neuen Rechnungslegungsrecht vorgesehenen Möglichkeit der Bilanzierung von Wertschriften zum Kurs am Bilanzstichtag und der Bildung von Schwankungsreserven von einzelnen Autoren ausgeführt, die Verfolgung des damit intendierten gesetzgeberischen Ziels einer Transparenzerhöhung habe eine steuerliche Kehrseite: Lägen die Marktpreise über den Anschaffungskosten, führe die Marktpreisbewertung grundsätzlich zu zusätzlichem steuerbarem Gewinn. Der Bilanzersteller solle nun nach dem gesetzgeberischen Willen nicht darin gehemmt werden, dem Transparenzgedanken Rechnung zu tragen. Würde die Bildung der entsprechenden Schwankungsreserven steuerlich nicht anerkannt, würde damit das gesetzgeberische Transparenzziel torpediert und die handelsrechtliche Bestimmung faktisch unterlaufen (vgl. in diesem Sinn JÜRG ALTDORFER/FABIAN DUSS/MICHAEL FELBER, Die steuerliche Gewinnermittlung unter neuem Rechnungslegungsrecht, ASA 83 S. 521 ff., S. 527 - 529 sowie ähnlich in: veb.Kommentar, 3. Aufl. 2024, Vorschriften des Gewinnsteuerrechts, N 71; siehe auch MADELEINE SIMONEK, Unternehmenssteuerrecht, 2. Aufl. 2025, § 8 N 187 S. 219). Mit Bezug auf erstgenannte Autoren ist LOCHER - mit Verweis auf die Möglichkeiten in der Finanz- und Versicherungsindustrie und Vorsorgeeinrichtungen - der Auffassung, dass (zumindest) im Rahmen der üblichen Kursschwankungen auch die Bildung einer Schwankungsreserve geschäftsmässig begründet sein soll (PETER LOCHER, a.a.O., N 39 zu Art. 29 DBG). Weiter ist HÜTTCHE in seiner Kommentierung zu Art. 960b Abs. 2 OR der Auffassung, dass wenn bereits die Aufwertung auf den beobachtbaren Marktpreis steuerwirksam sei, auch die Bildung der Schwankungsreserve - sozusagen als Rückabwicklung - ebenfalls steuerlich wirksam sein müsse (HÜTTCHE, a.a.O., N. 27 zu Art. 960b Abs. 2 OR). Dieser Auffassung ist ebenfalls DANON, der in Art. 960b Abs. 2 OR eine Schwankungsreserve versteht, die im neuen Rechnungslegungsrecht geschaffen wurde, um Kursschwankungen Rechnung zu tragen und die zu Lasten der Erfolgsrechnung gebildet werden dürfe und daher auch steuerlich zu berücksichtigen sei (ROBERT DANON, in: Yves Noël/Florence Aubry Girardin [Hrsg.], Commentaire romand Impôt fédéral direct, 2e éd. 2017, N 24 zu Art. 63 LIFD).