Citation: 5A_467/2023 E. 4.3.2

4.3.2. Nach dem Gesagten kann keine Rede davon sein, dass die Vorinstanz den Sinn von Art. 56 ZPO verkennt, wenn sie erklärt, dass der Beschwerdeführer seine Berufungsanträge ungeachtet des Hinweises in der Kostenvorschussverfügung (s. Sachverhalt Bst. C.a) gar nicht mehr rechtzeitig habe verbessern können, da er die Berufung am letzten Tag der Berufungsfrist eingereicht hatte. Von daher erscheint das Vorgehen der Instruktionsrichterin im konkreten Fall letztlich als irreführend. Ob eine Prozesspartei allenfalls gestützt auf Treu und Glauben (Art. 9 BV; Art. 52 ZPO) Anspruch auf einen solchen richterlichen Hinweis hätte, wenn eine Verbesserung des Mangels noch rechtzeitig vor Ablauf der gesetzlichen Rechtsmittelfrist möglich erscheint (so PETER REETZ/STEFANIE THEILER, in Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., 2016, N 12 zu Art. 311 ZPO), braucht hier nicht erörtert zu werden. Nichts auszurichten vermag der Beschwerdeführer mit der weiteren Behauptung, wonach das Obergericht hätte erkennen müssen, dass er den Unterhaltsbeitrag für die Phasen 4 bis 12 gar nicht habe beziffern können. Soweit er dieses angebliche Unvermögen mit fehlenden Angaben zur Überschussverteilung an seine zwei ehelichen Kinder erklären will, sticht ins Auge, dass die tatsächlich gestellten Berufungsanträge die Unterhaltspflicht betreffen, während der sein erstes eheliches Kind bereits geboren war (vgl. Sachverhalt Bst. A.b und C.a). Weshalb er für die Zeit bis zum 1. Januar 2021 bezifferte Berufungsbegehren stellen konnte, bezüglich der weiteren Dauer der Unterhaltspflicht jedoch ausserstande dazu war, mag der Beschwerdeführer nicht erklären. Ins Leere laufen auch die Überlegungen, wonach das Obergericht wenigstens die Berechnungsgrundlagen für die Unterhaltsphasen 4 bis 12 hätte "bestätigen" müssen und eine Bezifferung der Anträge gar nicht erforderlich gewesen sei, da der Beschwerdegegner sich mit dem erstinstanzlichen Entscheid abgefunden hatte. Soweit keine Berufungsanträge gestellt wurden, ist der erstinstanzliche Entscheid gar nicht Gegenstand der berufungsweisen Überprüfung (Art. 315 Abs. 1 ZPO; zur hier nicht gegebenen Ausnahme von Art. 282 Abs. 2 ZPO s. Urteil 5A_532/2020 vom 22. Juli 2020 E. 2). Eine Bestätigung allein der Berechnungsgrundlagen ist ausgeschlossen. Der Rechtsschutzanspruch setzt sich aus dem Klage- oder Rechtsbegehren und dem behaupteten Tatsachenfundament zusammen, auf das sich das Begehren stützt (BGE 139 III 126 E. 3.2.3). Das Tatsachenfundament allein ist nicht Gegenstand der gerichtlichen Beurteilung. Schliesslich setzt auch das Erfordernis bezifferter Anträge voraus, dass der erstinstanzliche Entscheid im fraglichen Punkt überhaupt angefochten ist. Dass der Beschwerdeführer erst nach Ablauf der Berufungsfrist einen Antrag für die Phasen 4 bis 12 formulierte, kann den Beschwerdegegner durchaus dazu bewogen haben, sich mit dem erstinstanzlichen Entscheid einverstanden zu erklären und auf eine Beschwerdeantwort zu verzichten. Auch von daher kann der Behauptung des Beschwerdeführers, dass die Bezifferung der für die Phasen 4 bis 12 zugestandenen Unterhaltsbeiträge für den Beschwerdegegner keine Rolle spiele, nicht gefolgt werden.