Citation: 1P.818/2005 23.12.2005 E. 3

Der Beschwerdeführer bestreitet überdies das Vorliegen von Kollusionsgefahr. Es sei schlicht unerfindlich, inwiefern der Untersuchungszweck durch die Entlassung des Beschwerdeführers aus der Untersuchungshaft gefährdet werde, wenn doch der Inhalt der Telefonate objektiv ohne weiteres ermittelt werden könne. 3.1 Der besondere Haftgrund der Kollusionsgefahr ist gegeben, wenn "aufgrund bestimmter Anhaltspunkte ernsthaft befürchtet werden muss", der Angeschuldigte werde "Spuren oder Beweismittel beseitigen, Dritte zu falschen Aussagen zu verleiten suchen oder die Abklärung des Sachverhalts auf andere Weise gefährden" (§ 58 Abs. 1 Ziff. 2 StPO/ZH). Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswi1drigen Aussagen veranlasst, oder dass er Spuren und Beweismittel beseitigt. Die strafprozessuale Haft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Angeschuldigte die Freiheit oder einen Urlaub dazu missbrauchen würde, die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhaltes zu vereiteln oder zu gefährden. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes genügt indessen die theoretische Möglichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren könnte, nicht, um die Fortsetzung der Haft oder die Nichtgewährung von Urlauben unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Indizien für die Annahme von Verdunkelungsgefahr sprechen. Das Vorliegen des Haftgrundes ist nach Massgabe der Umstände des Einzelfalles zu prüfen (BGE 123 I 31 E. 3c S. 35; 117 Ia 257 E. 4b S. 261, je mit Hinweisen). Konkrete Anhaltspunkte für Kollusionsgefahr können sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes namentlich ergeben aus dem bisherigen Verhalten des Angeschuldigten im Strafprozess (Aussageverhalten, Kooperationsbereitschaft, Neigung zu Kollusion usw.), aus seinen persönlichen Merkmalen (Leumund, allfällige Vorstrafen usw.), aus seiner Stellung und seinen Tatbeiträgen im Rahmen des untersuchten Sachverhaltes sowie aus den persönlichen Beziehungen zwischen ihm und den ihn belastenden Personen (Art der beruflichen, freundschaftlichen, familiären oder sozialen Kontakte). Bei der Frage, ob im konkreten Fall eine massgebliche Beeinträchtigung der Strafuntersuchung wegen Verdunkelung droht, ist auch der Art und Bedeutung der von Beeinflussung bedrohten Aussagen bzw. Beweismittel, der Schwere der untersuchten Straftaten sowie dem Stand des Verfahrens Rechnung zu tragen (vgl. BGE 123 I 31 E. 3c S. 35; 117 Ia 257 E. 4b S. 261, je mit Hinweisen). 3.2 Der Haftrichter verweist bezüglich der Kollusionsgefahr auf seinen ersten Entscheid vom 28. November 2005. Damals hatte er ausgeführt, zwischen den Aussagen der vier Geschädigten und des Beschwerdeführers beständen gewichtige Widersprüche. Der Beschwerdeführer gebe zwar zu, Gespräche mit den Geschädigten geführt zu haben; hinsichtlich des Inhalts dieser Anrufe wichen die Aussagen des Beschwerdeführers jedoch von jenen der Geschädigten stark ab. Zur Abklärung des Sachverhalts seien staatsanwaltschaftliche Zeugeneinvernahmen unter Ausschluss einer möglichen Beeinflussung des Beschwerdeführers durchzuführen. Die alleinige Auswertung der Telefonate reiche dazu nicht aus. Bei den Geschädigten handle es sich um Minderjährige, welche erfahrungsgemäss leichter zu beeinflussen seien als Erwachsene. Weiter sei bei diesen Einvernahmen unter dem Aspekt des Opferschutzes ein besonderes Vorgehen unter speziellen Vorsichtsmassnahmen notwendig. Der Beschwerdeführer kenne zudem die Adressen von mindestens zwei Geschädigten. Ergänzend führt der Haftrichter in der angefochtenen Verfügung auf entsprechende Rüge des Beschwerdeführers aus, es könnten nicht alle Differenzen zwischen seinen Aussagen und jenen der Mädchen aufgelistet werden. Die Unterschiede beständen unter anderem in der verwendeten Wortwahl, welche gemäss den Schilderungen der Geschädigten um einiges eindeutiger gewesen sei, als dies der Beschwerdeführer darstelle. Weiter bestreite der Beschwerdeführer beispielsweise, den Geschädigten Geld angeboten zu haben. Bevor keine staatsanwaltschaftliche Zeugeneinvernahme stattgefunden habe, bestehe insbesondere aufgrund des jugendlichen Alters der Geschädigten Kollusionsgefahr. 3.3 Mit Blick auf die zitierte Rechtsprechung (E. 3.1 hiervor) ist nicht zu beanstanden, wenn der Haftrichter im vorliegenden Fall die Kollusionsgefahr bejaht hat. Für die Annahme von Kollusionsgefahr genügt es bereits, dass - wie hier - konkret befürchtet werden muss, der Beschwerdeführer werde in Freiheit auf Opfer und Zeugen einwirken, um den Ausgang des Verfahrens zu beeinflussen. Ob dieses Unterfangen mehr oder weniger aussichtsreich ist, ist nicht entscheidend, da auch eine Gefährdung der Wahrheitsfindung genügt. Eine solche ist hier aufgrund der wegen Verdachts auf versuchte sexuelle Handlungen mit Kindern bestehenden besonderen Beziehung zwischen Täter und Opfer zu bejahen, auch wenn es sich bei den Geschädigten nicht um Kleinkinder handelt, sondern um Mädchen im Teenageralter. Hinzu kommen das Aussageverhalten des Beschwerdeführers und dessen Kenntnis zweier Adressen der Geschädigten, weshalb der Haftrichter von Kollusionsgefahr ausgehen durfte.