Citation: U 58/06 02.08.2006 E. 5

5.1 Für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Unfallfolgen ist zunächst entscheidend, ob es sich ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf und den zugezogenen Verletzungen (in SVR 2003 UV Nr. 12 S. 35 nicht abgedruckte Erw. 5.3 des Urteils U 78/02) um einen banalen oder leichten Unfall einerseits, um einen schweren Unfall andererseits oder um einen dem dazwischenliegenden mittleren Bereich zuzuordnenden Unfall handelt. Während der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen bei banalen und leichten Unfällen in der Regel ohne weiteres verneint werden kann, ist er bei schweren Unfällen in der Regel zu bejahen. Im mittleren Bereich sind weitere objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Wichtigste Kriterien bilden besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls, die Schwere oder besondere Art der erlittenen (somatischen) Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, körperliche Dauerschmerzen, eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Dabei sind je nach Schwere des Unfalls unterschiedliche Anforderungen an diese weiteren Beurteilungskriterien zu stellen (BGE 129 V 183 Erw. 4.1, 407 Erw. 4.4, 115 V 138 Erw. 6). Bei der Prüfung der Kriterien der Dauer der ärztlichen Behandlung, der Dauerschmerzen, der Schwierigkeit des Heilungsverlaufs sowie des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit sind anders als grundsätzlich (vgl. BGE 123 V 99 Erw. 2a; RKUV 2002 Nr. U 470 S. 532 Erw. 4a) bei Vorliegen eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule, einer einem solchen äquivalenten Verletzung oder eines Schädelhirntraumas nur die physischen Komponenten zu berücksichtigen, die psychischen Anteile hingegen ausser Acht zu lassen (BGE 117 V 367 Erw. 6a, 382 Erw. 4b; SVR 2003 UV Nr. 12 [U 78/02] S. 36 Erw. 3.2.3). 5.2 Der von der Beschwerdeführerin erlittene Unfall wird in der von der Arbeitgeberin am 26. Oktober 1998 ausgefüllten Unfallmeldung UVG wie folgt beschrieben: "Frau P.________ stand auf eine Spanplatte die das Gewicht nicht halten konnte und zerbrach. Sie fiel dadurch um und schlug an der Kante der Spanplatte an." Im von Dr. med. G.________ am 7. November 1998 ausgestellten Arztzeugnis UVG wird der Unfallhergang folgendermassen beschrieben: "Patientin stand auf unsicherer Unterlage, diese brach. Beim Sturz verletzte sich die Patientin in der Flanke rechts". Unter dem Befund wurde ausgeführt: "Contusionsmarke lumbal rechts mit Hartspann der paravertebralen Muskulatur rechts. Keine Hinweise auf segmentale Problematik. Keine Hinweise auf Fraktur". Diagnostiziert wurde eine "Contusion lumbal rechts mit Verdacht auf Hämatombildung". Aus der im Gutachten des Dr. med. Z.________ vom 31. Dezember 2005 enthaltenen Schilderung des Unfallhergangs ist ersichtlich, dass es sich nicht um einen Sturz aus grosser Höhe gehandelt haben kann. Danach war die 157 cm grosse Patientin zu klein, um ein auf einem erhöhten Tablar liegendes Paket herunterzuholen; neben dem Tablar stand eine Palette mit Brettern, wobei zuoberst eine Spanplatte lag, welche die anderen Hölzer seitlich überragte, was die Versicherte nicht bemerkte; diese stand auf den ungesicherten Teil der Spanplatte, welche in der Folge brach, sodass die Versicherte rückwärts auf die übrigen Bretter stürzte. 5.3 Selbst wenn man dieses Ereignis aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs und der zugezogenen Verletzungen nicht den leichten Unfällen (vgl. die in SVR 2003 UV Nr. 12 S. 35 nicht abgedruckte Erw. 5.3 des Urteils U 78/02, worin das Eidgenössische Versicherungsgericht ein Ereignis, bei dem die betroffene Person auf einer Eisfläche ausrutschte, auf den Rücken stürzte sowie mit dem Kopf auf den Boden prallte und sich dabei gemäss Arztzeugnis UVG eine Commotio cerebri sowie eine Contusio/Distorsio im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens/der Hüftgelenke zuzog, noch als leichten Unfall qualifizierte), sondern den leichteren Fällen im mittleren Bereich zuordnen will, setzt die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs voraus, dass eines der für die Adäquanzprüfung heranzuziehenden objektiven unfallbezogenen Kriterien (Erw. 5.1 hievor) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder solche Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (RKUV 2005 Nr. U 548 [U 306/04] S. 232 Erw. 3.2.3). 5.4 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist weder das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung noch jenes des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit erfüllt, nachdem bei deren Prüfung nur die physischen Unfallfolgen zu beachten sind. Diesbezüglich (Erw. 4.8 hievor) endete die ärztliche Behandlung weniger als zwei Monate nach dem Unfall und war die Beschwerdeführerin nur während rund dreier Wochen ganz und danach noch während dreieinhalb Wochen zur Hälfte arbeitsunfähig. Gleiches gilt für das Kriterium der Dauerschmerzen. Auch andere für die Adäquanzbeurteilung massgebende Kriterien sind offensichtlich nicht erfüllt. Die Beschwerdeführerin macht denn auch nicht geltend, es könnte ein anderes Kriterium gegeben sein. Ein adäquater Kausalzusammenhang ist deshalb zu verneinen. 5.5 Da es jedenfalls an der adäquaten Kausalität fehlt, kann dahingestellt bleiben, welches - somatoforme Schmerzstörung, depressive Störung und/oder Fibromyalgie - die richtige Diagnose ist und ob diesbezüglich die natürliche Kausalität gegeben ist. Dementsprechend erübrigen sich von vornherein Sachverhaltsabklärungen zu diesen Fragen, und es braucht insbesondere nicht auf den Beweiswert des psychiatrischen Gutachtens des Dr. med. S.________ eingegangen zu werden.