Citation: 1A.115/2004 07.07.2004 E. 2

Zu klären ist, ob der Beschwerdeführer sein Gesuch um Entschädigung und Genugtuung nach dem Opferhilfegesetz rechtzeitig eingereicht hat. 2.1 Das Opfer muss die Gesuche um Entschädigung und Genugtuung innert zwei Jahren nach der Straftat bei der Behörde einreichen; andernfalls verwirkt es seine Ansprüche (Art. 16 Abs. 3 OHG). Mit dieser relativ kurzen Verwirkungsfrist, die grundsätzlich weder unterbrochen noch wiederhergestellt werden kann, wollte der Gesetzgeber die Opfer dazu anhalten, sich rasch zu entscheiden, ob sie entsprechende Ansprüche erheben wollen. Zudem soll damit sichergestellt werden, dass der Entscheid der Opferhilfebehörde möglichst bald erfolgen kann, in einem Zeitpunkt, in dem die genauen Umstände der Straftat noch eruierbar sind (BGE 126 II 97 E. 2c S. 100; 123 II 241 E. 3c S. 243, je mit Hinweisen). Ferner ist auch dem berechtigten Interesse des entschädigungspflichtigen Kantons Rechnung zu tragen, allfällige Regressforderungen gegenüber dem Täter rechtzeitig (vor Ablauf der Verjährung) anzubringen (vgl. Peter Gomm, Einzelfragen bei der Ausrichtung von Entschädigung und Genugtuung nach dem Opferhilfegesetz, in: Festgabe zum Schweizerischen Juristentag 1998, Solothurn 1998, S. 673 ff., 689). 2.2 Unbestritten ist im vorliegenden Fall, dass dem Beschwerdeführer Opferstellung i.S. von Art. 2 Abs. 1 OHG zukommt. Ebenfalls unstreitig ist, dass sich die massgebliche Straftat am 8. April 2001 zugetragen hat. Der Beschwerdeführer hat am 1. Dezember 2003 das ordentliche Gesuch um finanzielle Leistungen nach dem Opferhilfegesetz bei der Opferberatungsstelle eingereicht, welche das Gesuch ans Sozialamt weitergeleitet hat. Klarerweise ist die zweijährige Frist mit Einreichung dieses Antrages nicht gewahrt worden. Der Beschwerdeführer beruft sich darum auf seine Eingaben ans Amtsstatthalteramt Hochdorf vom 26. Juni 2002 und 20. März 2003. Er wirft dem Verwaltungsgericht überspitzten Formalismus vor und macht in erster Linie sinngemäss geltend, mit den erwähnten Schreiben habe er die zweijährige Verwirkungsfrist nach Art. 16 Abs. 3 OHG gewahrt. Es dürfe ihm nicht zum Nachteil gereichen, dass sein Gesuch nicht bei der zuständigen Behörde eingereicht worden sei. Entgegen der Argumentation des Verwaltungsgerichtes stellten diese Schreiben sinngemäss auch ein Leistungsersuchen gegenüber dem Staat im Rahmen der Opferhilfegesetzgebung dar. Wer als Opfer einer Straftat das Opferhilfegesetz zitiere - und sei es auch falsch - beantrage selbstredend staatliche Hilfeleistungen. Überdies rügt er sinngemäss, die kantonalen Instanzen hätten nicht nur seinen Rechtsvertreter, sondern auch den Beschwerdeführer selber umfassend über seine Rechte und Pflichten nach OHG aufklären müssen. Dies sei nicht geschehen, was einen unheilbaren Informationsmangel darstelle. Zu prüfen ist vorab, ob der Beschwerdeführer rechtsgenüglich über seine Rechte und Pflichten in Kenntnis gesetzt worden ist.