Citation: U 423/05 06.10.2006 E. 2.3

2.3.1 Es trifft zu, dass die ärztlichen Einschätzungen bezüglich der Arbeitsfähigkeit stark divergieren. Während Hausarzt Dr. med. S.________ eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit 22. Juni 2001 (Bericht vom 18. Oktober 2001) bzw. 1. Mai 2002 (Bericht vom 21. Januar 2003) attestierte und auch die Ärzte am Spital Z.________ - wo der Versicherte vom 25. bis 28. März 2003 wegen zunehmenden Nacken- und immobilisierenden Rückenschmerzen hospitalisiert war - am 28. März 2002 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 25. März 2002 bis auf Weiteres bescheinigten, erachteten sowohl Kreisarzt Dr. med. J.________ (Einschätzung vom 14. Mai 2002) als auch die Ärzte an der Rehaklinik X.________ (Bericht vom 28. Januar 2002; Gutachten vom 1. Mai 2003) den Beschwerdegegner als im Rahmen des Zumutbaren arbeitsfähig. Anlässlich der Abklärung in der Klinik Y.________ vom 16. Januar 2004 kam Dr. med. L.________ zum Schluss, der Versicherte sei für leichte Tätigkeiten versuchsweise zu 50 % arbeitsfähig. 2.3.2 Die Gutachter der Rehaklinik X.________ verfügten aufgrund der mehrwöchigen Hospitalisation des Versicherten und umfangreicher Untersuchungen über genaue Kenntnis der gesundheitlichen Einschränkungen. Sie beschrieben die noch möglichen (leichten wechselbelastenden, vorwiegend sitzenden) Tätigkeiten (mit [deutlichen] Einschränkungen für Verrichtungen wie Besteigen von Leitern, Gerüsten oder Treppensteigen) denn auch sehr präzise und begründeten ihre Einschätzungen einleuchtend. Demgegenüber veranschlagte Dr. med. L.________ die Arbeitsfähigkeit ohne weitere Konkretisierungen auf versuchsweise 50 % für leichte Tätigkeiten, was umso weniger nachvollziehbar ist, als er sowohl in der neurologischen Untersuchung wie auch anhand der Röntgenbilder der HWS und aus dem ihm vorliegenden MRI der Klinik I.________, vom 9. Oktober 2003 nur diskrete Befunde erhob. Hingegen berücksichtigte er - wie im Übrigen auch die Ärzte am Spital Z.________ (Bericht vom 28. März 2002) - nebst den schwierigen sozialen Umständen bzw. der Symptomausweitung insbesondere auch die Rückenschmerzen im Lumbalbereich, welche indessen als unbestrittenermassen unfallfremd ausser Acht bleiben müssen. Die Beurteilung des Dr. med. L.________ ist schliesslich umso kritischer zu würdigen, als er - was vom Beschwerdegegner letztlich nicht bestritten wird - nicht über sämtliche Akten verfügte. 2.3.3 Das nicht näher begründete Kurzattest des Dr. med. S.________ vom 21. Januar 2003 vermag das Gutachten vom 1. Mai 2003 ebenfalls nicht in Frage zu stellen. Daran ändert nichts, dass der Hausarzt in früheren Berichten (ärztliches Zeugnis zuhanden des Sozialamtes vom 23. Mai 2002; Schreiben an die Rehaklinik X.________ vom 30. Januar 2003) die vollständige Arbeitsunfähigkeit näher begründet (und auf Kopfschmerzen, Schwindel sowie Schulter/ Nacken- und Armbeschwerden bei zervikocephalem und zervikobrachialem Schmerzsyndrom links zurückführt). Zum einen fehlt es auch in den angeführten Berichten an einer nachvollziehbaren Begründung und insbesondere an dokumentierten Befunden, welche die Arbeitsunfähigkeit erklären könnten. Zum anderen fällt ins Gewicht, dass die Einschätzungen des Dr. med. S.________ mit Blick auf seine auftragsrechtliche Vertrauensstellung mit Vorbehalt zu würdigen sind (Urteil S. vom 20. März 2006, I 655/05, Erw. 5.4 mit Hinweisen) und ihnen nicht der gleiche Beweiswert zukommt wie beispielsweise den Berichten von Ärzten, die von der Verwaltung mit der Erstattung einer neutralen Expertise beauftragt werden (SVR 2005 UV Nr. 16 [U 192/03] S. 54 Erw. 2.2; Urteil P. vom 2. August 2006, U 58/06). 2.4 Zu prüfen ist der weitere Einwand, die Berichte der Rehaklinik enthielten nicht dieselben Diagnosen. Eine Gegenüberstellung der Hauptdiagnosen ergibt folgendes Bild: Bericht vom 28. Januar 2002 Gutachten vom 1. Mai 2003