Citation: 6B_647/2023 E. 2.4.3

2.4.3. Dr. med. G.________ begründet ausführlich sowie einleuchtend, weshalb er eine (offen geführte) stationäre Massnahme für angezeigt hält. Er weist plausibel auf den strukturierten Rahmen als entscheidendes Element für die Stabilität hin und erklärt überzeugend, weshalb eine wegfallende institutionelle Anbindung bzw. alleiniges Wohnen sowie eine berufliche Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt - gerade vor dem Hintergrund der langjährigen Vorgeschichte - das Rückfallrisiko sowie die Gefahr einer psychischen Dekompensation des Beschwerdeführers erhöhten und deshalb koordiniert werden sollten. Sodann befasst er sich sowohl mit den Ausführungen bzw. Therapieberichten von Dr. med. E.________ sowie von F.________ als auch der ambulanten Massnahme eingehend. Dabei lässt er die positive Entwicklung des Beschwerdeführers nicht aussen vor. Dr. med. G.________ wurde anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 2. Juni 2022 (im Anschluss an Dr. med. E.________) und der Berufungsverhandlung vom 14. März 2023 einvernommen. Dabei wurde er ausgiebig zu seiner Einschätzung sowie jener von Dr. med. E.________ bzw. den Therapieberichten der PDAG befragt. Er beantwortete sämtliche Fragen und begründete seine Schlussfolgerung einer (offen geführten) stationären Massnahme nachvollziehbar. Insoweit der Beschwerdeführer Dr. med. E.________ sowie F.________ de facto als Gegensachverständige benutzt, misst er ihren Ausführungen zu grosses Gewicht bei. Die Vorinstanz weist zutreffend auf deren Funktion als Ärztin und Psychotherapeuten hin, weshalb beide bereits aus diesem Grund nicht als sachverständige Personen zur Erstattung eines Gutachtens hätten beigezogen werden können (vgl. Art. 56 Abs. 4 StGB; Art. 183 Abs. 3 StPO). Die Ausführungen bzw. Therapieberichte der PDAG von Dr. med. E.________ wie auch von F.________ sind bei der Gesamtbeurteilung im Rahmen der freien richterlichen Beweiswürdigung zwar miteinzubeziehen. Sie können jedoch nicht den Stellenwert eines Gegengutachtens erlangen, das die Aussagekraft des Gutachtens von Dr. med. G.________ erschüttern könnte. Wesentlich ist, dass sich der Gutachter mit einer allfälligen anderen Meinung auseinandersetzt (Urteile 6B_766/2022 vom 17. Mai 2023 E. 5.3.5.1; 6B_828/2019 vom 5. November 2019 E. 1.4; je mit Hinweisen) und die Strafbehörden die Beweismittel auf ihren konkreten Beweiswert überprüfen (Urwyler/ Endrass/Hachtel/Graf, a.a.O., N. 74). Die s ist vorliegend mit der Vorinstanz der Fall. Die Vorinstanz vernahm den Gutachter Dr. med. G.________ ein und befragte ihn auch zur Einschätzung von Dr. med. E.________ und den von ihr sowie F.________ verfassten Therapieberichten der PDAG. Bereits die Erstinstanz befragte Dr. med. G.________. Auch Dr. med. E.________ vernahm sie als sachverständige Zeugin. Die Vorinstanz bezieht alle Standpunkte in ihre Würdigung mit ein. Sie schlussfolgert, Dr. med. E.________ empfehle kein rein ambulantes Setting, sondern dieses sei vorläufig noch mit Rahmenbedingungen abzustützen. Gemäss dem Therapiebericht der PDAG vom 20. Februar 2023 seien aufgrund der Entwicklung weitere Lockerungen im Sinne von vergrösserten Abständen der Therapieeinheiten, mehr Autonomie innerhalb des Wohn- und Arbeitssettings aus forensischer Sicht vertretbar. Allerdings weist auch Dr. med. E.________ in ihrer Befragung darauf hin, dass hinsichtlich des sozialen Umfelds wie auch der beruflichen Integration Unklarheiten bestünden. Diesbezüglich argumentiert der Beschwerdeführer, er erhalte in diesen Punkten Unters tützung, wobei allfällige Probleme dem Therapiebericht der PDAG vom 20. Februar 2023 zu entnehmen wären, würde es denn solche geben. Der Beschwerdeführer zeigt jedoch nicht auf, dass ein solches soziales Umfeld vorhanden wäre. Es ist auf die umfassende Würdigung der Vorinstanz abzustellen. Sie begründet ausführlich und nachvollziehbar, weshalb sie sich auf die gutachterlichen Feststellungen stützt und zum Schluss kommt, die Anordnung einer (offen geführten) stationären Massnahme nach Art. 59 StGB stelle die geeignete, erforderliche und verhältnismässige Massnahme dar. Zudem begründet sie schlüssig, weshalb eine ambulante Massnahme im vorliegenden Fall als nicht zweckmässig erscheint. Die Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB verletzt kein Bundesrecht.