Citation: 6S.186/2003 22.01.2004 E. 5

Weiter ist zu prüfen, ob die streitige Parteivereinbarung zu einer bundesrechtswidrigen Strafzumessung geführt hat. 5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe die Parteivereinbarung zwischen dem Zivilkläger und den Angeklagten "akzeptiert", ohne zu "hinterfragen, welche Tatbeiträge die einzelnen Angeklagten damit anerkennen und welches Tatverschulden sie sich damit konkret zurechnen lassen müssen". "Mit dem konkreten Verschulden der einzelnen Täter", welches "für die Strafzumessung wesentlich" sei, setze sich die Strafkammer im angefochtenen Urteil "nicht auseinander". "Selbst wenn man die durch das Kantonsgericht vorgenommenen rechtlichen Qualifikationen des Verhaltens der Angeklagten anerkennen würde", werde im Strafurteil gegen Art. 63 StGB verstossen, "da die ausgefällten Strafen unbegründet mild und willkürlich tief" seien. Als Verstoss gegen Art. 64 al. 4 StGB beanstandet die Staatsanwaltschaft die Annahme des strafmildernden Umstandes der Betätigung von "aufrichtiger Reue" bzw. der Leistung von Schadenersatz. Da die Parteivereinbarung bezüglich der zivilrechtlichen Ansprüche "vom Opfer und nicht von den Tätern" initiiert worden sei, könne "nur bedingt davon ausgegangen werden, dass sich die Täter aktiv um einen Ausgleich mit dem Opfer bemüht haben". Auch das Schuldeingeständnis der Angeklagten beruhe nicht auf echter Einsicht, sondern auf prozesstaktischen Überlegungen. Ausserdem sei es bundesrechtswidrig bzw. "willkürlich", dass die Vorinstanz "die Strafmilderungsgründe von Art. 185 Ziff. 4 StGB und Art. 64 al. 4 StGB kumulativ" angewendet habe. 5.2 Der Richter misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu; er berücksichtigt die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen (Art. 63 StGB). Nach der Praxis des Bundesgerichtes bezieht sich der Begriff des Verschuldens im Sinne von Art. 63 StGB auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat. Im Rahmen der so genannten "Tatkomponente" sind insbesondere folgende Faktoren zu beachten: das Ausmass des verschuldeten Unrechtes, die Art und Weise der Deliktsbegehung, die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Verurteilten. Die "Täterkomponente" umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren. Einerseits hat sich der Strafrichter an diese gesetzlichen Vorgaben zu halten. Anderseits steht ihm bei der Gewichtung der einzelnen Strafzumessungskomponenten innerhalb des jeweiligen Strafrahmens ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Der Kassationshof des Bundesgerichtes kann daher auf Nichtigkeitsbeschwerde hin in das Ermessen des Sachrichters nur eingreifen, wenn die kantonale Vorinstanz den gesetzlichen Strafrahmen über- oder unterschritten hat, wenn sie von rechtlich nicht massgebenden Kriterien ausgegangen ist oder wenn sie wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen bzw. (in Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermessens) falsch gewichtet hat (BGE 129 IV 6 E. 6.1 S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Im angefochtenen Urteil werden zunächst die Tatbeiträge der Verurteilten unterschieden und die anwendbaren Strafrahmen erwähnt (Art. 185 Ziff. 1 StGB für die privaten Beschwerdegegner 1-4 bzw. Art. 183 Ziff. 1 i.V.m. Art. 25 StGB für den privaten Beschwerdegegner 5). Bezüglich der privaten Beschwerdegegner 1-4 wurde (angesichts der Tatschwere und der konkreten Tatumstände) eine Einsatzstrafe von 30 Monaten Zuchthaus als angemessen angesehen. Sodann erfolgte gestützt auf Art. 185 Ziff. 4 StGB (Rücktritt) eine Strafmilderung mit einer Strafreduktion von sechs Monaten. In Anwendung von Art. 65 StGB wurde ausserdem auf Gefängnis (anstatt Zuchthaus) erkannt. Eine weitere Strafreduktion von sechs Monaten stützte die Vorinstanz auf den Strafmilderungsgrund der Betätigung "aufrichtiger Reue" (Art. 64 al. 4 StGB). Die Angeklagten hätten "den von ihnen angerichteten Schaden, soweit es ihnen zumutbar war, ersetzt". Schliesslich erkannte die Strafkammer (im Rahmen von Art. 63 StGB) auf einen Strafminderungsgrund. Die privaten Beschwerdegegner 1-4 hätten "im Berufungsverfahren den Grundtatbestand der Geiselnahme anerkannt und damit Einsicht gezeigt", was eine Strafminderung von zwei Monaten erlaube. Daraus berechnete die Vorinstanz eine Ausgangsstrafe von 16 Monaten Gefängnis. In der Folge differenzierte die Vorinstanz die Strafzumessung hinsichtlich der individuellen Täterkomponenten. Sie liess sich dabei von folgenden Erwägungen leiten. 5.3.1 Der Beschwerdegegner 1 habe bei der Entführung eine Gasdruckpistole eingesetzt, was sich straferhöhend auswirke. Nachteilig seien auch sein Verhalten nach der Tat (gegenüber der Gläubigerin der angeblichen Geldschuld) sowie seine Vorstrafe anzurechnen, leicht strafvermindernd seine Arbeitsbemühungen und sein Wohlverhalten nach der Tat. Insgesamt erscheine beim Beschwerdegegner 1 eine Strafe von 18 Monaten Gefängnis angemessen. 5.3.2 Der Beschwerdegegner 2 sei "bei der Tatausführung nicht besonders in Szene getreten". Straferhöhend seien die Vorstrafe und die weiteren Delikte (Raufhandel, Widerhandlung gegen das Waffengesetz) zu berücksichtigen. Beim Raufhandel sei er jedoch (im Sinne von Art. 64 al. 2 StGB) provoziert worden. Strafmindernd wirkten sich sein kooperatives Aussageverhalten aus "sowie die Umstände, dass er sich wieder gefangen" habe "und in einem festen Arbeitsverhältnis" stehe. Daher erscheine auch beim Beschwerdegegner 2 eine Strafe von 18 Monaten Gefängnis angemessen. 5.3.3 Beim Beschwerdegegner 3 sei ebenso wegen Gesetzeskonkurrenz mit weiteren Delikten eine Strafschärfung vorzunehmen. Beim Raufhandel und bei der Körperverletzung sei er allerdings ebenfalls provoziert worden, im Falle der Begünstigung sei es beim Versuch geblieben. "Wesentlich strafmindernd" wirke sich aus, dass er "zur Beruhigung der ganzen Situation beigetragen" habe, "sein guter Leumund", sein kooperatives Aussageverhalten, "seine Erwerbstätigkeit sowie sein Vorleben (Flüchtling und Integration)". Auch beim Beschwerdegegner 3 rechtfertige sich daher bei einer Gesamtwürdigung eine Strafe von 18 Monaten Gefängnis. 5.3.4 Dem Beschwerdegegner 4 sei zwar "eine nicht unwesentliche Täterrolle" zugekommen. Strafmindernd wirkten sich jedoch der gute Leumund aus, "das Vorleben (mehrfacher Wechsel Schweiz-Türkei), die Arbeitsbemühungen sowie das Wohlverhalten nach der Tat". Angemessen erscheine bei ihm eine Strafe von 16 Monaten Gefängnis. 5.3.5 Beim Beschwerdegegner 5, der sich der Gehilfenschaft zu Freiheitsberaubung und Entführung schuldig gemacht habe, umfasse der Strafrahmen Gefängnis (Art. 183 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 25 und Art. 65 StGB). Bei der Strafzumessung sei zu beachten, dass sein Tatbeitrag "nur von untergeordneter Bedeutung" gewesen sei und er sich "vorzeitig" von den Geiselnehmern "entfernt" habe. Auch beim Beschwerdegegner 5 seien (angesichts seiner Beteiligung an der Schadensregelung) der Strafmilderungsgrund der "aufrichtigen Reue" sowie (angesichts seines Geständnisses im Berufungsverfahren) der Strafminderungsgrund der "Einsicht" gegeben. Abgesehen von zwei SVG-Delikten sei er nicht vorbestraft. Seit der Straftat habe er sich wohlverhalten. Insgesamt rechtfertige sich bei ihm eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. 5.4 Entgegen der Darlegung der Beschwerdeführerin hat die Vorinstanz unter dem Gesichtspunkt der individuellen Tatschuld der Angeklagten konkrete Strafzumessungen nach den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen (Art. 63-68 StGB i.V.m. Art. 185 Ziff. 1 und Ziff. 4 StGB bzw. Art. 183 Ziff. 1 und Art. 25 StGB) vorgenommen und auch in diesem Zusammenhang nicht einfach die fragliche Parteivereinbarung "akzeptiert". Dass die Vorinstanz den (fakultativen) Strafmilderungsgrund von Art. 185 Ziff. 4 StGB (Rücktritt) ohne Verletzung von Bundesrecht als erfüllt erachten durfte, wurde bereits im Rahmen der Tatbestandsmässigkeit dargelegt (vgl. oben, E. 4.4). 5.5 Die Beschwerdeführerin beanstandet sodann eine unrichtige Anwendung von Art. 64 al. 4 StGB (Strafmilderungsgrund der "aufrichtigen Reue"). 5.5.1 Der Zivilkläger und die Angeklagten schlossen im November 2002, während des hängigen Berufungsverfahrens, eine Parteivereinbarung ab. Diese war (auf Anregung des klägerischen Parteivertreters) vom Referenten des Kantonsgerichtes am 31. Oktober 2002 schriftlich vorgeschlagen worden. Danach verpflichteten sich die Angeklagten, dem Geschädigten eine Pauschalentschädigung von Fr. 10'000.-- (je Fr. 2'000.-- pro Angeklagter) zu bezahlen. Der Zivilkläger erklärte sich damit als abgefunden. 5.5.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin setzt der Strafmilderungsgrund der Betätigung "aufrichtiger Reue" in Form der Schadenersatzleistung nicht voraus, dass die ursprüngliche Initiative zum Schadensausgleich zwischen Opfer und Täter vom Verurteilten selbst ausging (vgl. BGE 107 IV 98 E. 2 S. 100). Der Wortlaut von Art. 64 al. 4 StGB verlangt lediglich die Leistung von Schadenersatz, soweit es dem Verurteilten zuzumuten ist. Entscheidend muss daher sein, ob der Täter auf die Anregung zur Schadensdeckung aus freien Stücken eingeht. Die Frage, ob dem Verurteilten "aufrichtige Reue" zuzubilligen sei, kann nicht einseitig vom Verhalten des Opfers oder von Dritten abhängig sein. Entscheidend ist das Nachtatverhalten des Angeklagten (vgl. Jörg Rehberg, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, Jugendstrafrecht, 7. Aufl., Zürich 2001, S. 58; Stefan Trechsel, Kurzkommentar StGB, 2. Aufl., Zürich 1997, Art. 64 N. 19-23; Hans Wiprächtiger, Basler Kommentar StGB, Bd. I, Basel 2003, Art. 64 N. 25-27). 5.5.3 Der Strafmilderungsgrund kann nach herrschender Lehre und Praxis auch erfüllt sein, wenn die Idee zum Schadensausgleich ursprünglich von einem Parteivertreter, vom Gericht oder vom Opfer selbst ausging. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtes verlangt zwar, dass der Verurteilte "aus eigenem Entschluss etwas tut, das als Ausdruck seines Willens anzusehen ist, geschehenes Unrecht wieder gutzumachen" (BGE 107 IV 98 E. 1 S. 99 mit Hinweis). Die Praxis setzt jedoch nicht voraus, dass die Initiative zur Schadensdeckung zwangsläufig allein vom Angeklagten ausgegangen sein muss. In BGE 107 IV 98 hatte das Bundesgericht einen Fall zu beurteilen, bei dem die Eltern des Angeklagten dessen Verteidiger beauftragt hatten, mit den Geschädigten eine Vergleichsvereinbarung abzuschliessen und den Schaden zu regeln. Obwohl der vereinbarte Schadenersatz durch die vermögenden Eltern bezahlt wurde (unter Anrechnung als Erbvorempfang), billigte die kantonale Vorinstanz dem Angeklagten die Betätigung "aufrichtiger Reue" ("im Zweifel") noch knapp zu. Das Bundesgericht erkannte darin keine Verletzung von Bundesrecht (vgl. BGE 107 IV 98 E. 2 S. 100, E. 3b S. 102 f.). 5.5.4 Im vorliegenden Fall sind die privaten Beschwerdegegner (nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz) aus eigenem Entschluss auf die Anregung des gerichtlichen Referenten zur Schadenersatzzahlung eingegangen. Dass darin ein Ausdruck ihres Willens gesehen werden kann, geschehenes Unrecht wieder gutzumachen, verdeutlicht sich darin, dass die Angeklagten die Schadenersatzzahlung mit einer ausdrücklichen Anerkenntnis strafrechtlicher Schuld verknüpft haben. Dass der Schadensausgleich wohl auch in der Hoffnung auf ein milderes Urteil erfolgt ist, vermag daran nichts zu ändern. Die Praxis des Bundesgerichtes setzt voraus, dass die Schadensregelung "nicht nur unter dem Eindruck eines bevorstehenden Strafverfahrens und aus taktischen Gründen" erfolgt (BGE 107 IV 98 E. 3b S. 102). Dass ein Angeklagter hofft, ein im Gesetz ausdrücklich vorgesehener Strafmilderungsgrund könne vom Richter angewendet werden, ist völlig legitim. Der Gesetzgeber hat offensichtlich nicht gewollt, dass der Strafmilderungsgrund der "aufrichtigen Reue" nur schon deshalb ausscheiden müsste, weil der Angeklagte auf dessen Anwendung hofft. Andernfalls hätte der Gesetzgeber keine Strafmilderungsgründe vorsehen dürfen, die auf das Verhalten des Angeklagten nach der Tat abstellen. Es liegt geradezu im Wesen aller Strafreduktionsgründe, die vom so genannten "Nachtatverhalten" des Täters abhängen, dass dieses Verhalten auch durch die Hoffnung auf ein milderes richterliches Urteil motiviert sein kann. 5.6 Unzutreffend erscheint sodann die (nicht näher begründete) Auffassung der Beschwerdeführerin, die Strafmilderungsgründe von Art. 64 al. 4 StGB und Art. 185 Ziff. 4 StGB (Rücktritt) dürften nicht kumulativ angewendet werden. Die Betätigung von "aufrichtiger Reue" durch Schadensregulierung fällt mit dem separaten (fakultativen) Strafmilderungsgrund des Rücktrittes von der Geiselnahme sachlich nicht zusammen. Das Verbot einer Kumulation wäre weder mit dem Wortlaut der gesetzlichen Bestimmungen noch mit Grundsatz der rechtsgleichen Strafzumessung vereinbar. 5.7 Die Beschwerdeführerin stösst sich weiter daran, dass die Vorinstanz (im Rahmen von Art. 63 StGB) den Strafminderungsgrund der "Einsicht" bejahte und mit zwei Monaten Strafreduktion veranschlagte, weil die Angeklagten im Berufungsverfahren den Vorwurf der Geiselnahme bzw. Freiheitsberaubung und Entführung anerkannt hätten. Als störend und bundesrechtswidrig erachtet die Staatsanwaltschaft dabei den Umstand, dass die Schuldanerkenntnis im Rahmen einer Parteivereinbarung erfolgt sei. Das Geständnis sei nicht Ausdruck von Einsichtigkeit, sondern rein prozesstaktischer Natur. 5.7.1 Im schweizerischen Strafprozessrecht gilt es grundsätzlich als unzulässig, den Angeklagten mit dem Versprechen von Straffreiheit oder milderer Strafe zu einem Geständnis zu bewegen. Entsprechende prozessuale Vereinbarungen zwischen der Strafjustiz und dem Angeklagten (im Sinne eines eigentlichen "plea bargaining" bzw. "guilty plea" nach dem Muster des angloamerikanischen Rechts) sind dem schweizerischen Strafverfahrensrecht jedenfalls de lege lata fremd (vgl. Andreas Donatsch, Vereinbarungen im Strafprozess, in: Gauthier/ Marty/Schmid [Hrsg.], Aktuelle Probleme der Kriminalitätsbekämpfung, Bern 1992, S. 159 ff., 167 f.; Marc Forster, Die Internationalisierung des Strafrechts und der Verteidigungsrechte, in: Festgabe der Juristischen Abteilung der Universität St. Gallen zum Schweizerischen Juristentag 2000, Zürich 2000, S. 309 ff., 320; Niklaus Oberholzer, Informelle Absprachen im Strafverfahren, AJP 1992, S. 7 ff.; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1997, Rz. 113). Anlässlich der Totalrevision der kantonalen Strafprozessordnung von 1999 hat denn auch der Gesetzgeber des Kantons St. Gallen auf die Einführung des "plea bargaining" verzichtet (vgl. Botschaft der St. Galler Regierung zur Revision des Strafprozessgesetzes, Amtsblatt SG 196 [1998] Nr. 32a, S. 1472; Robert Hauser/Erhard Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 5. Aufl., Basel 2002, § 50 Rz. 9). Allerdings sieht der Vorentwurf zu einer schweizerischen Strafprozessordnung vom Juni 2001 die Möglichkeit von prozessualen Absprachen (bei Strafmassen bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe) im Rahmen eines "abgekürzten Verfahrens" ausdrücklich vor (Art. 385-387 VE/StPO). 5.7.2 Im vorliegenden Fall stellen sich dem prozessualen Vorgehen der Vorinstanz Bedenken entgegen. Zwar hat weder der gerichtliche Referent noch die erkennende Strafkammer den Angeklagten für den Fall eines Geständnisses Straffreiheit oder Strafreduktion förmlich zugesichert. Vielmehr stellte der Referent - im Rahmen der strafgesetzlichen Bestimmungen - lediglich die Prüfung einer gerichtlichen Erledigung mit bedingten Freiheitsstrafen in Aussicht. Namentlich ist zu berücksichtigen, dass der Referent in seinem Schreiben vom 31. Oktober 2002 klarstellte, dass eine entsprechende Verfahrenserledigung nur möglich sei, "soweit dies mit den Strafzumessungsregeln vereinbar ist". Der gerichtliche Referent ging jedoch sehr weit, indem er in Aussicht stellte, dass "dies" für alle Angeklagten im Ergebnis "ein Strafmass" bedeuten könnte, "das den bedingten Strafvollzug noch zulässt". Ein solches Vorgehen lässt jedenfalls einen hohen Erwartungsdruck entstehen, der auch Fragen hinsichtlich der richterlichen Entscheidungsfreiheit bzw. inneren Unabhängigkeit aufwirft. Diese Problematik wird auch dadurch nicht ausgeräumt, dass das Schreiben des Referenten im angefochtenen Urteil als "unverbindlicher Vorschlag" bezeichnet wird, der lediglich "einen möglichen Prozessausgang" skizziert habe. Hinzu kommt, dass die Staatsanwaltschaft in die in Aussicht genommene "Lösung" mit bedingten Strafen nicht einbezogen wurde. Daraus können weitere Fragen resultieren hinsichtlich der strafprozessalen Offizialmaxime, des Legalitätsprinzipes oder des Opferschutzgedankens. Wie es sich damit in prozessualer Hinsicht genau verhalten würde, muss bzw. kann im vorliegenden Fall nicht vertieft werden. Zum einen ist die Beschwerdeführerin nicht befugt, die Anwendung des kantonalen Verfahrensrechtes durch die Vorinstanz anzufechten (vgl. oben E. 2). Zum andern hat die Berücksichtigung der Schuldeingeständnisse im hier angefochtenen Urteil nicht zu einer unrichtigen Anwendung des materiellen Bundesstrafrechts geführt. 5.7.3 Auch Geständnisse sind nicht immer und ausschliesslich Ausdruck von "Reue". Sie können namentlich (auch) in der Hoffnung auf eine mildere Strafe erfolgen. Die Vorinstanz hat die Schuldanerkenntnisse nicht als (weiteren) Strafmilderungsgrund der "aufrichtige Reue" (im Sinne von Art. 64 al. 4 StGB) anerkannt, sondern lediglich (im Rahmen von Art. 63 StGB) als Strafminderungsgrund der "Einsicht" berücksichtigt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes können Geständnisse (im Rahmen des so genannten "Nachtatverhaltens") grundsätzlich als strafmindernd berücksichtigt werden (BGE 121 IV 202 E. 2d S. 204 ff.; 118 IV 342 E. 2d S. 349; vgl. auch Gunther Arzt, Strafzumessung - Revolution in der Sackgasse, recht 1994, S. 141ff./234 ff., S. 155; Wiprächtiger, a.a.O., Art. 63 N. 107 f.). Die blosse Befürchtung, die Anerkennung von Geständnissen als Strafminderungsgrund könnte sich indirekt auf die freie Wahl der Verteidigungstaktik auswirken (vgl. Trechsel, a.a.O., Art. 63 N. 14b), rechtfertigt keine Praxisänderung. Die Geständnisbereitschaft kann selbst dann strafmindernd berücksichtigt werden, wenn der Angeklagte die Möglichkeit einer allfälligen Strafreduktion einkalkuliert hat. Die Hoffnung, der Richter könne bei der Strafzumessung - gestützt auf Art. 63 StGB - auch dem Verhalten des Angeklagten nach der Tat Beachtung schenken, ist durchaus legitim. Gewissen prozesstaktischen bzw. "opportunistischen" Motiven kann bei der Festlegung der Höhe der Strafminderung ausreichend Rechnung getragen werden (vgl. Arzt, a.a.O., S. 155; Hans-Jürgen Bruns, Das Recht der Strafzumessung: Eine systematische Darstellung für die Praxis, 2. Aufl., Köln 1985, S. 233; Gerhard Schäfer, Praxis der Strafzumessung, 3. Aufl., München 2001, Rz. 384; Wiprächtiger, a.a.O., Art. 63 N. 108). Die Berücksichtigung von Geständnissen im Rahmen der Strafzumessung beruht hauptsächlich auf zwei Gründen. Zum einen kann das Geständnis (vorbehältlich seiner kritischen Prüfung im Rahmen der freien richterlichen Beweiswürdigung) zur Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen. Zum andern kann das Opfer bzw. die geschädigte Partei durch die Schuldanerkenntnis des Täters bereits eine gewisse immaterielle Genugtuung erfahren. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich allenfalls aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, weil die Täterschaft ohnehin bereits überführt gewesen wäre. Bei umfangreichen und prozessentscheidenden Geständnissen kann die Strafreduktion nach der bundesgerichtlichen Praxis hingegen bis zu einem Drittel betragen (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc S. 205). Der prozessuale Umstand, ob das Geständnis im Rahmen einer richterlichen Befragung protokolliert wird oder aber im Rahmen einer vom Gericht vorgeschlagenen Parteivereinbarung über streitige Zivilansprüche, ändert am Gesagten nichts. 5.7.4 Eine verbindliche Zusicherung einer Strafreduktion liegt hier nicht vor. Eine solche wäre prozessual unzulässig, und es könnte in diesem Zusammenhang auch nicht mehr von strafmindernder "Einsicht" der Angeklagten gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin behauptet nicht, dass die Schuldanerkenntnis im vorliegenden Fall die Wahrheitsfindung nicht erleichtert hätte. Ebenso wenig legt sie dar, wieso ein Geständnis, das in einer Parteivereinbarung auf Anregung des Gerichtes erfolgt, unter dem Gesichtspunkt des Strafminderungsgrundes der "Einsicht" anders zu beurteilen wäre als andere Formen des Geständnisses, die alle der freien richterlichen Beweiswürdigung unterliegen (Art. 249 BStP). Der blosse Umstand, dass die Schuldanerkenntnis auch in der Hoffnung auf eine mildere Strafe erfolgte, lässt die Annahme eines Strafminderungsgrundes nicht als bundesrechtswidrig erscheinen. Allerdings kann sich das Geständnis im vorliegenden Fall nur in beschränktem Umfang strafmindernd auswirken. Mit einer Strafreduktion von zwei Monaten (also einem Fünfzehntel der Einsatzstrafe bzw. einem Achtel der Ausgangsstrafe) bewegt sich die Vorinstanz im Rahmen des ihr zustehenden Ermessens (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc S. 205). 5.8 Zusammenfassend ergibt sich, dass auch die richterliche Strafzumessung, welche im Ergebnis zu Strafmassen zwischen sechs und 18 Monaten Gefängnis geführt hat, den Vorschriften des Bundesstrafrechts entspricht.