Citation: U 83/05 01.06.2006 E. 3.2

3.2.1 Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden ist wie folgt zu differenzieren (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb): Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3 [Urteil Z. vom 2. Juni 2000, U 160/98]; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa zur Anwendung. 3.2.2 Ob sich die versicherte Person ein Schleudertrauma der HWS, eine äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma zugezogen hat, ist gemäss Rechtsprechung ausgehend von den medizinischen Befunden zu beantworten. Grundlage für die gerichtliche Kausalitätsbeurteilung bilden die fachärztlichen Erhebungen über Anamnese, objektiven Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand usw. Gemäss der Gerichtspraxis setzt die Annahme eines Schleudertraumas der HWS oder einer gleichgestellten Verletzung, welche die Anwendung der dazu entwickelten besonderen Regeln zur Adäquanzbeurteilung rechtfertigt, unter anderem voraus, dass innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne nach dem Unfall Beschwerden in der Hals- und Kopfregion auftreten (vgl. RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29 ff. Erw. 5e, f und g]; Urteile S. vom 2. März 2005, U 309/03, Erw. 4.2 und B. vom 23. November 2004, U 109/04, Erw. 2.2). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers kann bei einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung wie einer Distorsion der HWS unter Umständen zwar auch ohne organisch nachweisbare Schädigung gegeben sein. Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung können bei solchen Verletzungen auch ohne klar ausgewiesene pathologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten (BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa mit Hinweisen). Auch in diesem Bereich ist aber für die Leistungspflicht des Unfallversicherers unerlässlich, dass die geklagten Beschwerden medizinisch einer fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können, wobei das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein müssen (BGE 119 340 Erw. 5b/aa) und diese Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfallereignis steht (BGE 119 V 340 Erw. 2b/bb; Urteil A. vom 24. Oktober 2005, U 292/04, Erw. 6.2.1). 3.2.3 Beim zweiten Unfallereignis vom 31. Mai 2002 hat der Versicherte unbestrittenermassen kein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung erlitten. Für den ersten Unfall vom 7. Dezember 2000 ergibt sich diesbezüglich aus den Akten Folgendes: Im Bericht vom 7. Dezember 2000 gab der erstbehandelnde Dr. med. Z.________, an: "Heute bei raschem Aufsteigen auf Bagger Kopf an Türrahmen angeschlagen. Zu Boden gestürzt, Sterne gesehen, aber nicht bewusstlos. Seither Kopfweh und Übelkeit". Den Befund einer "Druckdolenz oben auf Kopf, ohne Hautläsion" sowie "Druckdolenz der HWS C2 bis C4, Rechts-Rotation schmerzbedingt eingeschränkt" beurteilte er als Schädelkontusion mit leichter Commotio cerebri und HWS-Distorsion. In der Unfallmeldung vom 12. Dezember 2000 war als Unfallhergang erwähnt: "Beim Aussteigen aus dem Bagger den Kopf angeschlagen". Als betroffener Körperteil wurde "Kopf/Nacken" angegeben und als Art der Schädigung eine Hirnerschütterung. Im Arztzeugnis UVG vom 30. Dezember 2000 diagnostizierte Dr. med. Z.________ eine Schädelkontusion mit leichter Commotio cerebri mit einer voraussichtlichen Arbeitsunfähigkeit von 3 Tagen; Dr. med. K.________ nannte am 17. Januar 2001 und 22. Februar 2001 schliesslich ein Schleudertrauma und eine HWS-Distorsion. Dabei fällt auf, dass einerseits eine HWS-Distorsion wie auch ein Schleudertrauma diagnostiziert wurden und mit Kopfschmerzen und Übelkeit teilweise auch Beschwerden vorhanden waren, die zum für solche Verletzung typischen "bunten" Beschwerdebild gehören (wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung; BGE 117 V 360 Erw. 4b; vgl. BGE 119 V 338 Erw. 2). Andererseits ist mangels näherer Angaben zum Unfallhergang nicht ersichtlich, inwiefern ein typischer Beschleunigungsmechanismus oder eine HWS-Distorsion tatsächlich erfolgt ist, wobei in den nicht immer köhärenten Schilderungen der anfangs vorhanden gewesenen Beschwerden und des Unfallhergangs mit zunehmendem Zeitablauf eine Verschlimmerung festzustellen ist (so war beispielsweise im Bericht des Kantonsspitals Y.________ vom 6. Dezember 2002 plötzlich von einer Schulterkontusion und seit dem ersten Unfall anhaltenden Schulterbeschwerden die Rede; im Bericht vom 18. März 2003 wurde dann wie bereits im zweiten Austrittsbericht der Rehaklinik X.________ vom 25. Oktober 2001 der erste Unfall als Sturz aus dem Bagger beschrieben mit Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Kopf und in die rechte Schulter). Weitere Beschwerden, wie sie nach HWS-Distorsionsverletzungen und ähnlichen Unfallschädigungen häufig auftreten, wurden erst später beschrieben: Erstmals im Bericht des Dr. med. K.________ vom 22. Februar 2001 bzw. im neuropsychologischen Bericht vom 22. März 2001 wurden Schwindel und Vergesslichkeit erwähnt (wobei sich der Schwindel bei näherer Abklärung als ein Schwarzwerden vor den Augen mit Gefühl von Schwanken, nicht aber von Drehen darstellte; vgl. Berichte des Dr. med. P.________ vom 13. Juli 2002 und des Dr. med. M.________ vom 10. Dezember 2002); die später angegebene, mit einer Brille korrigierbare Visusverschlechterung wurde von Dr. med. J.________ am 23. Oktober 2001 als altersbedingt beurteilt. Schliesslich ist die Pathogenese der beklagten typischen Beschwerden nicht eindeutig einem Schleudertrauma zurechenbar. Vielmehr finden sich in den Arztberichten Hinweise dafür, dass die Kopfschmerzen eher durch die Kopfkontusion und die dadurch bewirkte diagnostizierte milde traumatische Hirnschädigung (Commotio cerebri) als durch einen typischen (Beschleunigungs-)Mechanismus bedingt sind (unter anderem neuropsychologischer Bericht sowie zweiter Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 22. März 2001 bzw. 25. Oktober 2001, in welchem fälschlicherweise beim ersten Unfall von einem Sturz aus dem Bagger auf den Kopf ausgegangen wird, sowie Bericht des Dr. med. M.________ vom 10. Dezember 2002). Soweit Dr. med. K.________ mit Dr. med. N.________ in seinem Bericht vom 10. Februar 2003 eine Contusio cerebri diagnostizierte, muss dies als offensichtlicher Verschrieb (anstatt der nachweislich erfolgten und in früheren Berichten festgestellten Contusio capitis) gewertet werden.