Citation: 5A_800/2022 E. 5.4.2

5.4.2. Auch in rechtlicher Hinsicht ist das angefochtene Urteil nicht zu beanstanden. Anders als dies bei der gemeinsamen elterlichen Sorge der Fall ist (Art. 296 Abs. 2, 298 Abs. 1, 298b Abs. 2 ZGB), handelt es sich bei der alternierenden Obhut nicht um den vom Gesetz vorgegebenen Regelfall. Vielmehr verpflichtet das Gesetz das Gericht bloss dazu, die Möglichkeit dieser Form der Betreuung zu prüfen, wenn ein Elternteil oder das Kind dies verlangt (Art. 298 Abs. 2ter ZGB). Das Gericht hat dabei eine sachverhaltsbasierte Prognose abzugeben und gestützt auf diese die zum Wohl des Kindes beste Obhuts- und Betreuungsregelung zu treffen (BGE 142 III 612 E. 4.2 und 4.3). Der Entscheid über die alternierende Obhut liegt im Ermessen des Sachgerichts (Art. 4 ZGB). Darauf kommt das Bundesgericht nur unter bestimmten Voraussetzungen zurück (E. 2.3). Im konkreten Fall ist weder dargetan noch ersichtlich, inwiefern sich die Vorinstanz über die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den nötigen Voraussetzungen für die Anordnung der alternierenden Obhut (E. 5.1) hinweggesetzt und dabei insbesondere auch Umstände ausser Acht gelassen hätte, die für eine alternierende Obhut sprechen. Die Vorinstanz ist zur Auffassung gelangt, dass das Wohl des Beschwerdegegners 1 in erster Linie Stabilität erfordert und die Aussicht darauf am grössten ist, wenn der Beschwerdegegner 1 in der alleinigen Obhut seiner Mutter bleibt und dem Vater ein Besuchsrecht eingeräumt wird. Daran vermögen die in der Beschwerde erhobenen Beanstandungen nichts zu ändern. Dies gilt insbesondere für den vom Beschwerdeführer verfochtenen Standpunkt, wonach die Vorinstanz hätte zum Schluss kommen müssen, dass die geographische Distanz zwischen U.________ (LU) und V.________ (LU) nicht gegen die alternierende Obhut als Betreuungsform spreche. Nachdem er zeitlich flexibel sei und über ein Auto verfüge, hätte die Vorinstanz die ausdrückliche Vorgabe machen können, dass die Fahrwege durch ihn, den Beschwerdeführer, zu meistern sind. Bei alledem legt der Beschwerdeführer aber nicht dar, inwiefern die Entfernung zwischen den Wohnorten der Eltern oder der Reiseweg ausschlaggebend dafür war, die Möglichkeit einer alternierenden Obhut zu verwerfen. Solches ist auch nicht ersichtlich. Das zeigt schon die Ausdrucksweise im angefochtenen Entscheid, wonach es sich in dieser Hinsicht um einen "Grenzfall" handele. Das Gesagte gilt sinngemäss für die Argumentation, wonach die Vorinstanz dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin 2 das Kind seit der Trennung primär betreute, keine wesentliche Bedeutung hätte zugestehen dürfen und das Kriterium der Hauptbezugsperson neutral hätte beurteilen müssen. Die vorinstanzliche Schlussfolgerung, dass er und die Beschwerdegegnerin 2 bisher eine klassische Rollenteilung gelebt hätten, stellt er nicht in Abrede. Allein die Behauptung, er habe den Beschwerdegegner 1 nach der Trennung wesentlich mehr betreut als im Rahmen eines üblichen Besuchsrechts, genügt nicht. Soweit der Beschwerdeführer beteuert, mit den von ihm allein grossgezogenen Töchtern den Tatbeweis erbracht zu haben, "dass er es kann", übersieht er, dass der angefochtene Entscheid seine Erziehungsfähigkeit nicht in Frage stellt. Schliesslich legt der Beschwerdeführer auch nicht dar, inwiefern die Vorinstanz ihr Ermessen bundesrechtswidrig ausübt, wenn sie der Aussicht auf Stabilität im Ergebnis mehr Gewicht beimisst als den Kontakten zu den Halbschwestern und sonstigen Entfaltungsmöglichkeiten, von denen der Beschwerdegegner 1 laut der Beschwerde im Falle einer alternierenden Obhut (in grösserem Ausmass) profitieren würde. Eine bundesrechtswidrige Ermessensausübung ist auch in dieser Hinsicht nicht auszumachen. Soweit der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Obhutsentscheid Verletzungen der Verfassung und des Völkerrechts rügt, beschränkt er sich darauf, die bereits erwähnten Vorwürfe zu wiederholen und die angeblichen Verfehlungen der Vorinstanz als verfassungs- und völkerrechtswidrig zu tadeln. Allein damit genügt er den strengen Begründungsanforderungen nicht (E. 2.1). Insbesondere legt er nicht dar, inwiefern sich aus den angerufenen Bestimmungen der EMRK und der Kinderrechtskonvention ein Schutz ergibt, der über das hinaus geht, was nach Massgabe der hier in Frage stehenden Normen des Bundeszivilrechts gilt. Soweit sich der Beschwerdeführer schliesslich ungleich behandelt bzw. diskriminiert fühlt, ist er daran zu erinnern, dass sich das verfassungsmässige Gleichbehandlungsgebot und Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 1 und 2 BV) an den Staat richtet und in Verhältnissen zwischen Privatpersonen keine direkte Drittwirkung entfaltet. Es kann im vorliegenden Verfahren nicht angerufen werden (BGE 147 III 49 E. 9.4; 137 III 59 E. 4.1; 136 I 178 E. 5.1; jüngst etwa die Urteile 5A_64/2022 vom 15. Dezember 2022 E. 2.2; 5A_929/2019 vom 20. April 2020 E. 6).