Citation: 5A_199/2022 E. 4.4.5

4.4.5. Selbst wenn für die Aussonderung im Konkurs nach Art. 401 Abs. 3 OR betreffend Forderungen keine Analogie zum Widerspruchsverfahren in der Pfändung nötig wäre, könnte die hier umstrittene Forderung nicht als Aussonderungsobjekt wie eine "unbewegliche Sachen" gelten. Damit die Anwendung von Art. 401 Abs. 3 OR für Forderungen in Frage kommt (E. 4.4.1), gelten jedenfalls strenge Voraussetzungen und eine strikte Individualisierung (Urteil B.116/1990 vom 20. Juli 1990, in: SJ 1990 S. 637, zit. in Urteil 4A_202/2009 vom 23. Juni 2009 E. 2.2.3). Soweit die Beschwerdeführerinnen (wie im kantonalen Verfahren) geltend machen, dass ihren Vertretern eine Kollektivzeichnungsberechtigung eingeräumt worden sei, können sie nichts für ein mögliches Objekt der Aussonderung ableiten. Damit bestätigen sie lediglich, dass sie (bzw. ihre Vertreter) gegenüber der Bank das Recht hatten, für die Kontoinhaberin über das Konto zu disponieren. Soweit die Beschwerdeführerinnen vorbringen, dass die Gemeinschuldnerin gestützt auf eine interne Vereinbarung nur im Einverständnis mit den Beschwerdeführerinnen über das Konto verfügen durfte, ändert dies ebenfalls nichts: Es bleibt bei der Kontoinhaberschaft der Gemeinschuldnerin und ihrer Fähigkeit, gegenüber der Bank über das Konto zu verfügen. Ist allein bereits aufgrund der Vorbringen der Beschwerdeführerinnen ein genügendes Aussonderungsobjekt nicht erkennbar, lässt sich eine behördliche Parteirollenverteilung und Klagefristansetzung mit Verwirkungsfolge (Art. 242 Abs. 2 SchKG) - und damit eine Besserstellung der Konkursmasse gegenüber den Beschwerdeführerinnen (als Forderungsprätendenten) - nicht rechtfertigen (vgl. bereits LEUCH, Die Bedeutung des betreibungsrechtlichen Widerspruchsverfahrens um Forderungen, ZBJV 1940 S. 21).