Citation: 2C_170/2024 E. B

B.a. Bei den schweizweit eingesetzten Debitkarten führte das Sekretariat der Wettbewerbskommission (Sekretariat) ab 2006 Vorabklärungen zu sogenannten Domestic Multilateral Interchange Fees (DMIF) durch. Im Jahr 2009 liess es für das Debitprodukt V PAY von Visa eine Interchange Fee zu, um den Markteintritt von Visa zu ermöglichen, bis Visa einen Marktanteil von 15 % erreicht habe (im Rahmen einer sog. Safe Harbor-Regelung; vgl. RPW 2009/2 S. 122 ff.). Vor dem Auslaufen der Safe-Harbor-Regelung eröffnete das Sekretariat am 29. September 2022 eine erneute Vorabklärung zu den Debitkarten-Systemen von Visa und Mastercard. Ziel des Sekretariats war es, mit Visa und Mastercard eine an die Safe-Harbor-Regelung anschliessende, einvernehmliche Lösung für eine künftige, auf tiefem Niveau liegenden, dauerhafte Interchange Fee zu finden. In diesem Rahmen unterbreitete das Sekretariat einen Vorschlag für eine einvernehmliche Lösung betreffend Interchange Fee, wobei Visa mit einer Interchange Fee von unter 0.20 % für Konsumentendebitkarten nicht einverstanden war und höhere Sätze forderte. Am 9. Mai 2023 teilte das Sekretariat Visa mit, die Interchange Fee müsse deutlich unter den Werten liegen, die bisher zur Ermöglichung des Markteintritts wirtschaftlich effizient und daher gerechtfertigt gewesen seien. Mastercard hat den Vorschlag des Sekretariats bezüglich Interchange Fees für Schweizer Debitkarten mittlerweile im Rahmen einer einvernehmlichen Regelung angenommen. Die Sätze betragen für sogenannte Card Present Transaktionen (vgl. E. 1.3 unten) - für Konsumenten- und Firmenkarten - bis zu einem Transaktionsbetrag von Fr. 300.-- 0.12 % und bei Transaktionen über Fr. 300.-- maximal Fr. 0.30 (vgl. Genehmigungsverfügung der WEKO vom 6. Mai 2024 betreffend Interchange Fees für Debitkarten von Mastercard, Dispositiv S. 55; zugänglich unter: <http://www.weko.admin.ch/Praxis/Entscheide>). B.b. Am 22. Mai 2023 reichte Visa zu den von ihr geforderten höheren Sätzen eine Meldung nach Art. 49a Abs. 3 lit. a KG (Bundesgesetz vom 6. Oktober 1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen; SR 251) ein und beantragte, dass für die Dauer eines allfälligen Verfahrens eine Übergangslösung zu vereinbaren oder eine solche eventualiter als vorsorgliche Massnahme anzuordnen sei. In diesem Rahmen gab Visa bekannt, dass ab dem 1. Juli 2023 ein Card Present (CP) -Satz von 0.20 % anwendbar sein und freiwillig ein tieferer Satz von 0.12 % eingeführt werde (einschliesslich einer Obergrenze bei einem Transaktionsbetrag von Fr. 300.-- für Ausgaben des täglichen Bedarfs sowie für V PAY-Transaktionen). B.c. Am 27. Juni 2023 wurde gegen Visa eine Untersuchung (Nr. 22-0523) gemäss Art. 27 KG eröffnet, beschränkt auf das Präsenzgeschäft mit Visa Debit für Konsumenten- und Firmenkarten. Bezüglich der beantragten Übergangslösung erklärte das Sekretariat seine Bereitschaft, eine solche zu den in der Vorabklärung angebotenen Sätzen abzuschliessen. B.d. Am 28. Juni 2023 reichte Visa eine weitere Meldung im Sinne von Art. 49a Abs. 3 lit. a KG ein. Am 1. Juli 2023 publizierte Visa auf ihrer Homepage die für Transaktionen mit Debitkarten in der Schweiz massgeblichen Interchange Fee-Sätze: Diese belaufen sich unter anderem bei Card Present Transaktionen für Konsumentenkarten auf 0.20 %, wobei für sogenannte "Everyday Spend" (alltägliche Ausgaben) ein Satz von 0.12 % mit einer Obergrenze von Fr. 0.36 zur Anwendung kommt. Bei Firmenkarten ist der Satz nach Transaktionsbetrag abgestuft und beträgt beispielsweise Fr. 0.55 für Transaktionsbeträge über Fr. 100.-- (vgl. Tabelle unter Bst. A.f vorinstanzliches Urteil). B.e. Am 3. Juli 2023 beantragte Visa bei der Wettbewerbskommission (WEKO), es sei durch die WEKO im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen anzuordnen, dass die Interchange Fee-Regelung von Visa zu den Sätzen, wie sie in der Meldung vom 22. Mai 2023 gemeldet und per 1. Juli 2023 in Kraft gesetzt wurden, als Übergangslösung in Fortführung der ausgelaufenen Safe Harbor Vereinbarung bis zum Abschluss der Untersuchung der WEKO als zulässig gelten. Am 4. August 2023 reichte Visa bei der WEKO ein verbessertes Gesuch mit im Wesentlichen demselben Hauptbegehren ein. Dieses wurde mit Verfügung der WEKO vom 25. September 2023 abgewiesen. B.f. Gegen die vorgenannte Verfügung erhob Visa Europe Ltd. am 30. Oktober 2023 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit folgendem Hauptbegehren: "1. Die Verfügung der Vorinstanz vom 25. September 2023 sei aufzuheben und die vorsorglichen Massnahmen seien wie von der Beschwerdeführerin im Verfahren vor der Vorinstanz [WEKO] beantragt anzuordnen: «Es sei im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen anzuordnen, dass die Interchange Fee-Regelung von Visa zu den Sätzen, wie sie der Vorinstanz am 22. Mai 2023 gemeldet und per 1. Juli 2023 in Kraft gesetzt wurden, bis zum Abschluss der Untersuchung der WEKO als zulässig gelten.» B.g. Am 20. Dezember 2023 reichten die Mastercard Europe sowie die Mastercard Europe SA ein Gesuch mit folgendem Hauptantrag ein: " (1) Mastercard sei als Gegenpartei (Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 57 Abs. 1 VwVG) in das Beschwerdeverfahren von Visa miteinzubeziehen, die Verwaltungsgerichtsbeschwerde von Visa einschliesslich Beilagen seien ihr zur Kenntnis zu bringen und es sei ihr Frist zur Vernehmlassung anzusetzen." Im Rahmen der Begründung ihres Gesuch führte Mastercard aus, die angefochtene Verfügung der WEKO sei aufrechtzuerhalten. B.h. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde von Visa mit Urteil vom 28. Februar 2024 ab. Bezüglich des vorgenannten Gesuchs von Mastercard führte es in der Urteilsbegründung im Wesentlichen aus, da Mastercard implizit die Abweisung der Beschwerde gefordert und das Bundesverwaltungsgericht damit im Sinne von Mastercard entschieden habe, könne die Frage, ob Mastercard als Partei gemäss Art. 6 VwVG ins Beschwerdeverfahren aufzunehmen sei, offen gelassen werden. Jedoch wurde Mastercard das Urteil vom 28. Februar 2024 vom Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG zugestellt.