Citation: 9C_765/2019 E. 4.4.2

4.4.2. Was den Indikator Komorbidität (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 ff.) betrifft, stand das Schmerzsyndrom laut der Gutachterin im Unterschied zu ihrer eigenen Vorbegutachtung vom November 2016 zwar nicht mehr im Vordergrund des klinischen Beschwerdebildes. Indes wies Dr. med. B.________ klar darauf hin, es handle sich lediglich um Veränderungen im Beschwerdefokus (bei der Vorbegutachtung Schmerzsyndrom im Vordergrund, bei der aktuellen Begutachtung depressive Symptomatik im Vordergrund); die Schmerzsymptomatik als solche bestehe weiterhin (vgl. psychiatrisches Verlaufsgutachten, S. 13). Bezeichnete die psychiatrische Expertin die Schmerzstörung weiter ausdrücklich als komorbid, so ist eine ressourcenhemmende Wirkung zu bejahen. In Bezug auf die Komplexe Persönlichkeit (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 302) und sozialer Kontext (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303) stellte Dr. med. B.________ eine deutlich reduzierte bis aufgehobene Schwingungsfähigkeit, einen deutlich verminderten Antrieb, eine leichte psychomotorische Hemmung sowie ein Morgentief fest. Es bestehe ein sozialer Rückzug und eine latente Suizidalität. Dass vornehmlich psychosoziale Belastungsfaktoren das Beschwerdebild prägten, ist nicht nachvollziehbar. Vielmehr wirkt nach Aussage der psychiatrischen Expertin die Trennung von Bezugspersonen - wie der wahrscheinliche Auszug des Sohnes aus der gemeinsamen Wohnung - aufgrund der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin mit dependenten und ängstlich-vermeidenden Anteilen als Triggerfaktor bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Exazerbation der psychischen Symptomatik. Die Ressourcen lägen demgegenüber in der Unterstützung durch die drei Kinder und die Mutter der Beschwerdeführerin (psychiatrisches Verlaufsgutachten, S. 12).