Citation: 4A_614/2014 E. 6.5.2

6.5.2. Die Beschwerdeführerin stützt sich auf Art. 51 Abs. 2 CISG. Damit verkennt sie Sinn und Zweck dieser Bestimmung. Bei dieser geht es um die Frage, inwiefern eine bloss teilweise vertragswidrige Erfüllung den Vertrag als Ganzes berührt. Art. 51 Abs. 1 CISG beschränkt die Rechte des Käufers bei teilweiser Nicht- oder Schlechterfüllung auf den fehlenden oder vertragswidrigen Teil. Der Abs. 2 dieser Bestimmung erlaubt in Abweichung davon die Aufhebung des ganzen Vertrages, wenn die nicht vertragsgemässe Lieferung eine wesentliche Vertragsverletzung darstellt im Hinblick auf den Vertrag als Ganzes. Für die Wesentlichkeit gilt wiederum Art. 25 CISG (Staudinger/Magnus, a.a.O., N. 18 zu Art. 51 CISG; Müller-Chen, a.a.O., N. 9 zu Art. 51 CISG; Peter Huber, in: Münchener Kommentar, a.a.O., N. 18 zu Art. 51 CISG). Daher setzt eine Auflösung des ganzen Vertrages bei gleichartigen (grundsätzlich teilbaren) Sachen voraus, dass diese sich praktisch überhaupt nicht unterscheiden bzw. nicht - oder nur mit grossem Aufwand - aussortieren lassen (Müller-Chen, a.a.O., N. 11 zu Art. 51 CISG; vgl. zur insoweit vergleichbaren Frage des Aussortierens fehlerhafter Ware im Hinblick auf Art. 209 OR: Urteil des Bundesgerichts 4C.152/2003 vom 29. August 2003 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin könnte sich somit nur dann auf Art. 51 Abs. 2 CISG stützen, wenn davon ausgegangen werden könnte, die vertragswidrige Teillieferung - vorliegend die rund 80 % Walzdraht mit einer Mindestzugfestigkeit unter MPA 400 - erfülle für sich die Voraussetzungen der Wesentlichkeit gemäss Art. 25 CISG (was wie dargelegt nicht der Fall ist) oder wenn die sinnvolle Weiterverwendung der mangelhaften und der mangelfreien Ware für die Beschwerdegegnerin erkennbar eine Aussortierung bedingt. Dass die Beschwerdeführerin letzteres substanziiert behauptet hätte, zeigt sie nicht rechtsgenüglich auf (die behauptete, sich aus ihrem Produktionsprozess ergebende Unbrauchbarkeit des Walzdrahtes mit einer Mindestzugfestigkeit unter MPA 400 genügt dazu mangels Erkennbarkeit für die Beschwerdegegnerin nicht). Aber selbst wenn man mit Blick auf die unbestrittene Tatsache, dass zumindest vereinzelte Nutzungen von Stahl eine Mindestzugfestigkeit bedingen, annimmt, für eine sinnvolle Weiterverarbeitung sei die Sortierung nach der Zugfestigkeit zwingend nötig und dies sei für die Beschwerdegegnerin erkennbar gewesen, würde dies der Beschwerdeführerin nichts nützen. Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, das Aussortieren wäre möglich und der Beschwerdeführerin zumutbar gewesen. Die Beschwerdeführerin stellt dies in Abrede. Der Aufwand, der für eine Aussortierung notwendig wäre, betrifft aber die tatsächlichen Verhältnisse. Soweit die Beschwerdeführerin den notwendigen Aufwand darstellt und behauptet, es sei ohne weiteres davon auszugehen, dass ein Aussortieren erheblich länger gedauert hätte als das Ausladen (das acht Tage gedauert habe), sowie auf die hohen Personalkosten verweist, betrifft dies die tatsächlichen Grundlagen, aufgrund derer die Vorinstanz die Frage der Zumutbarkeit beurteilte. Den Begründungsanforderungen an eine Rüge der tatsächlichen Feststellungen genügen diese Ausführungen aber nicht. Darauf ist nicht einzutreten. Die Vorinstanz hat in tatsächlicher Hinsicht keinen Sortierungsaufwand festgestellt, der ihren Schluss auf die Zumutbarkeit als Rechtsverletzung erscheinen liesse.