Citation: 5A_677/2024 E. 3.4.3

3.4.3. Auch der Vorwurf, die Vorinstanz habe mit dem Eingreifen in den erstinstanzlichen Ermessensentscheid das Willkürverbot verletzt, geht fehl, sofern er überhaupt in genügender Art und Weise (oben E. 2) begründet ist: 3.4.3.1. Die Berufungsinstanz kann den erstinstanzlichen Entscheid sowohl in Bezug auf die Rechtsanwendung als auch die Sachverhaltsfeststellung überprüfen (Art. 310 ZPO). Zur Rechtskontrolle gehört auch die Frage, ob die Erstinstanz ihr Ermessen über- oder unterschritten oder missbraucht hat (SPÜHLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 4. Aufl. 2024, N. 3 zu Art. 310 ZPO; STERCHI, in: Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Bd. II, 2012, N. 8 f. zu Art. 310 ZPO). 3.4.3.2. Die Vorinstanz hat die Frage, welchem Ehegatten die eheliche Liegenschaft zuzuteilen ist, anhand der bundesgerichtlichen Rechtsprechung überprüft. Im Gegensatz zur Erstinstanz hat sie sich nicht darauf beschränkt, die Argumente der Beschwerdegegnerin zum Nutzen der ehelichen Wohnung (Ausübung des Berufes in der ehelichen Liegenschaft; Gesundheitszustand der Beschwerdegegnerin) und die finanziellen Möglichkeiten der Parteien zur Finanzierung des Eigenheims zu prüfen. Stattdessen hat sie, weil sich aus den Überlegungen zum Nutzen der Liegenschaft für die Ehegatten kein klares Resultat ergab und die finanziellen Verhältnisse nicht relevant waren, geprüft, wem der Auszug eher zugemutet werden kann und welcher Ehegatte über (mehr) Affektionsinteressen an der ehelichen Liegenschaft verfügt. Dies entspricht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (oben E. 3.1). Die Vorinstanz ist folglich (mindestens implizit) zum Schluss gekommen, dass die Erstinstanz von ihrem Ermessen falschen Gebrauch gemacht, also einen Rechtsfehler begangen hat, indem sie das Kriterium der Zumutbarkeit nicht prüfte. Dieser Schluss hält mindestens vor dem Willkürverbot (Art. 9 BV) stand. Die Vorinstanz war daher befugt, in den erstinstanzlichen Entscheid einzugreifen.