Citation: 4A_211/2023 E. 5.3

5.3. Mit ihrer Vertragsauslegung gemäss dem Wortlaut, der Systematik, dem Vertragszweck und der Entstehungsgeschichte sowie nach den Verkehrssitten und der Usanz im Geschäftsverkehr haben sich die kantonalen Instanzen auf die Umstände gestützt, die bei der Auslegung nach dem Vertrauensprinzip zu berücksichtigen sind. Die Vorinstanz geht von einem tatsächlich übereinstimmenden Parteiwillen aus. Darauf kann zwar auch allein aus den für eine Vertragsauslegung nach dem Vertrauensprinzip massgebenden Umständen geschlossen werden. Es genügt aber nicht, dass die Auslegung zu einem eindeutigen Ergebnis führt (sonst wäre die Irrtumsanfechtung bei normativem Konsens regelmässig ausgeschlossen, was nicht der Fall ist; vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_428/2022 vom 25. September 2023 E. 3.3.8; C HRISTOPH MÜLLER, Berner Kommentar, 2018, N. 212 zu Art. 1 OR). Auf einen tatsächlich übereinstimmenden Parteiwillen lässt sich vielmehr erst schliessen, wenn die Behauptung einer Partei, sie habe den Vertrag tatsächlich anders verstanden, unglaubwürdig erscheint, weil die zu berücksichtigenden Umstände ein Missverständnis ausschliessen (zit. Urteil 4A_428/2022 E. 3.3.5). Zu dieser Voraussetzung äussert sich weder die Vor- noch die Erstinstanz. Dies führte, falls die Erstinstanz wirklich einen übereinstimmenden tatsächlichen Willen festgestellt haben sollte, dazu, dass die Parteien dies nicht bemerkt haben. Insoweit fragt sich, ob die kantonalen Entscheide den Begründungsanforderungen genügen. Die Frage kann offenbleiben.