Citation: 8C_437/2023 E. 8.4.2

8.4.2. Bisher hatte das Bundesgericht - soweit ersichtlich - noch keine Gelegenheit, sich zur vorinstanzlichen Auslegung des Art. 16 ATSG zu äussern, wonach das Valideneinkommen auf der Basis des Erwerbseinkommens festzusetzen sei, das die versicherte Person mit ihren beruflichen Qualifikationen bestenfalls erwirtschaften könnte. Die unterschiedliche Interpretation der Gesetzesbestimmung durch kantonales Gericht und IV-Stelle beschlägt eine Rechtsfrage. Da es offensichtlich verschiedene Auslegungsmöglichkeiten zu Art. 16 ATSG gibt, kann von einer klaren Rechtslage gemäss Art. 18 Abs. 2 OrgR nicht die Rede sein. Somit erweist sich die vorinstanzliche Qualifikation der vorliegenden Streitigkeit als einfacher Fall im Sinne von Art. 17 Abs. 2 GerG und Art. 18 Abs. 2 OrgR als willkürlich. Dem Beschwerdegegner kann sodann nicht gefolgt werden, soweit er geltend macht, das kantonale Gericht habe in konstanter Rechtsprechung entschieden. Nur weil es seine Auslegungsvariante zu Art. 16 ATSG im vorliegend angefochtenen Entscheid offenbar bereits zum wiederholten Mal bestätigt hat, kann nicht schon von einer feststehenden Gerichtspraxis ausgegangen werden, wie sie Art. 18 Abs. 2 OrgR alternativ für die Einstufung einer Streitsache als "einfach" fordert. Davon kann schon deshalb nicht ausgegangen werden, weil das Bundesgericht bislang noch gar keine Gelegenheit hatte, sich zur kantonalgerichtlichen Interpretation dieses Bundesgesetzes zu äussern. Würde man mit dem kantonalen Gericht künftig bei der Bestimmung des Valideneinkommens in jedem Fall kategorisch das höchstmöglich erzielbare Einkommen im Gesundheitsfall als Basis erklären, würde dies nämlich nur mit einer Anpassung der höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. E. 8.4.1 hiervor) zu bewerkstelligen sein. Denn die rechtlichen Überlegungen des kantonalen Gerichts zur Interpretation von Art. 16 ATSG haben bislang keinen Niederschlag in der Rechtsprechung des Bundesgerichts gefunden. Auch aus diesem Grund greift die Argumentation des Beschwerdegegners, wonach eine konstante Rechtsprechung (auf kantonaler Ebene) bestehe, zu kurz.