Citation: 4A_234/2021 E. 2.4.3

2.4.3. Die Vorinstanz bejahte mit eingehender Begründung das Vorliegen einer solchen Ausnahme beziehungsweise des Entlastungsbeweises im Sinne von Art. 59 Abs. 1 SVG, da der Mutter - die gegenüber der Beschwerdeführerin (also ihrer Tochter) eine Garantenstellung innegehabt habe - ein grobes, kausalitätsunterbrechendes Verschulden anzulasten sei. Sie (die Mutter) habe mit der Beschwerdeführerin die Strasse überquert, obwohl sie nicht vortrittsberechtigt gewesen seien. Sie habe mit sich schnell nähernden Fahrzeugen rechnen müssen, zumal am betreffenden Ort (ausserorts) eine Geschwindigkeitsgrenze von 80 km/h gelte. Ihre Sichtverhältnisse seien eingeschränkt gewesen, da erstens die Strasse vor dem Unfallort eine (leichte) Rechtskurve mit einem Gefälle von 6 % aufweise und sie zweitens wegen der tiefstehenden Sonne durch das Abendlicht geblendet worden sei. Zudem habe sich der Unfall im Feierabendverkehr ereignet, mithin habe ein reges Verkehrsaufkommen geherrscht. Die Mutter hätte daher - so folgert das Kantonsgericht - besondere Vorsicht walten lassen müssen. Dem sei sie indes offensichtlich nicht nachgekommen. Sie habe es namentlich unterlassen, während des Überquerens der Strasse auf herannahende Fahrzeuge von links zu achten. Mit zwei Taschen "beladen", sei ihre Fähigkeit, bei plötzlich auftretenden Gefahren rasch und adäquat zu reagieren, massiv eingeschränkt gewesen. Als sie das Motorrad dann wahrgenommen habe, sei sie - nach einem kurzen Zögern - weiter über das vor ihr liegende, weitaus längere Strassenstück geeilt, statt sich zurück an den viel näherliegenden Strassenrand zu begeben. Ihr Verhalten sei "schlicht unverständlich und hoch riskant". Es liege ein grobes Drittverschulden im Sinne von Art. 59 Abs. 1 SVG vor. Den Motorradfahrer seinerseits treffe kein Verschulden; dieser sei in angepasster Geschwindigkeit gefahren und habe davon ausgehen dürfen, dass sich die übrigen Verkehrsteilnehmer korrekt verhielten. Deshalb - und weil auch keine fehlerhafte Beschaffenheit des Motorrads zum Unfall beigetragen habe - scheide eine auf Art. 58 SVG gestützte Haftung des Halters aus. Entsprechend bestehe auch kein Forderungsrecht gegen dessen Versicherer.