Citation: 6B_885/2013 E. 2.6

2.6. Der Argumentation des Beschwerdeführers kann nicht gefolgt werden. Zu Recht bestreitet er nicht, dass ihn als Bauleiter im massgeblichen Zeitpunkt eine Garantenpflicht aus Ingerenz traf (vgl. Beschwerde, S. 8). Wer einen gefährlichen Zustand schafft, ist nach ständiger Rechtsprechung verpflichtet, die durch die Umstände gebotenen Vorsichtsmassnahmen zu treffen (BGE 134 IV 255 E. 4.2.2 mit Hinweisen). Demnach muss ein Bauleiter, der eine Gefahr für Leib und Leben anderer setzt, alle notwendigen Massnahmen zur Verhinderung einer Schädigung vorkehren. Ob die gefährdeten Personen in einem rechtlichen Subordinationsverhältnis zu ihm stehen, spielt dabei keine Rolle. Die gleiche Verpflichtung besteht gegenüber unbeteiligten Dritten (BGE 101 IV 28 E. 2b). Indem der Beschwerdeführer das Notdach am Tag vor der Montage des Balkons entfernen liess, ohne eine geeignete Schutzmassnahme anzuordnen, verletzte er seine Sorgfaltspflicht. Die Gefahr des Erfolgseintritts war für ihn voraussehbar. Entgegen seiner Darstellung (vgl. Beschwerde, S. 6) ist es keineswegs lebensfremd, dass eine Putzfrau einen zusätzlichen Wohnungsschlüssel besitzt, um sich auch in Abwesenheit ihres Arbeitgebers Zutritt zu dessen Wohnung verschaffen und ihre Arbeit verrichten zu können. Jedenfalls ist es nicht derart aussergewöhnlich, dass damit schlechthin nicht gerechnet werden müsste. Insbesondere weil dem Beschwerdeführer bereits drei Personen bekannt waren, die einen Schlüssel zur fraglichen Wohnung besassen, durfte er nicht einfach darauf vertrauen, dass während der Bau- und Sanierungsarbeiten niemand die Wohnung betreten und die Balkontüre öffnen würde - selbst wenn der ungesicherte Zustand nur während relativ kurzer Dauer bestehen sollte. Das Verhalten der Putzfrau wog nicht derart schwer, dass es als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erschiene und das sorgfaltswidrige Verhalten des Beschwerdeführers in den Hintergrund drängte. Das pflichtwidrige Verhalten des Beschwerdeführers bildete (nebst jenem des Arbeitgebers der Putzfrau) eine (Mit-) Ursache des Taterfolgs und war natürlich kausal für die Tatbestandsverwirklichung, auch wenn es nicht die alleinige Ursache dafür war. Für die Bedingungs- oder Äquivalenztheorie sind alle Bedingungen, die überhaupt zum Eintritt des Erfolgs mitwirken, gleichwertig. Massgebend für die objektive Zurechnung ist, dass der Beschwerdeführer durch sein Verhalten eine Bedingung für den konkreten Erfolg gesetzt hat (BGE 135 IV 56 E. 3.1.2; vgl. auch Urteile 6B_461/2012 vom 6. Mai 2013 E. 5.4 und 6B_183/2010 vom 23. April 2010 E. 3; je mit Hinweisen). Der Unfall hätte mittels relativ einfacher Massnahmen (beispielsweise durch Blockieren der Fensterläden von aussen oder Anbringen von Warnschildern und Absperrbändern) aller Wahrscheinlichkeit nach vermieden werden können. Der Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 StGB ist nicht bundesrechtswidrig.