Citation: 1B_656/2021 E. 7.1

7.1. Nach der bundesgerichtlichen Praxis trifft die Inhaberin oder den Inhaber von zu Durchsuchungszwecken sichergestellten Aufzeichnungen und Gegenständen die prozessuale Obliegenheit, die im Siegelungsbegehren angerufenen Geheimhaltungsinteressen (im Sinne von Art. 248 Abs. 1 StPO) im Entsiegelungsverfahren ausreichend zu substanziieren. Dies gilt besonders bei grossen Datenmengen. Kommt die betroffene Person ihrer Mitwirkungs- und Substanziierungsobliegenheit nicht nach, ist das Zwangsmassnahmengericht nicht gehalten, von Amtes wegen nach allfälligen materiellen Durchsuchungshindernissen zu forschen. Tangierte Geheimnisinteressen sind wenigstens kurz zu umschreiben und glaubhaft zu machen. Auch sind diejenigen Aufzeichnungen und Dateien zu benennen, die dem Geheimnisschutz unterliegen. Dabei ist die betroffene Person nicht gehalten, die angerufenen Geheimnisrechte bereits inhaltlich offenzulegen (BGE 142 IV 207 E. 7.1.5 und E. 11, Urteil 1B_602/2020 vom 23. Februar 2021 E. 3 mit Hinweisen). Grundsätzlich steht auch der oder dem Siegelungsberechtigten im Entsiegelungsverfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht das Akteneinsichtsrecht zu (vgl. Art. 107 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 248 StPO; vgl. E. 5.2 hiervor). Beantragt die Inhaberin oder der Inhaber der sichergestellten Gegenstände und Aufzeichnungen "Akteneinsicht" in ebendiese gesiegelten Gegenstände und Aufzeichnungen, um auf diesem Wege allfällige tangierte Geheimnisinteressen zu substanziieren, ist dieses Recht jedoch nur zurückhaltend zu gewähren. In der Regel müsste die Inhaberin oder der Inhaber bereits im Zeitpunkt der Sicherstellung und Siegelung wissen, was sich auf ihren bzw. seinen eigenen Geräten und Unterlagen befindet. Nur wenn die betroffene Person nachvollziehbar begründet, weshalb sie ohne nachträgliche Gesamtdurchsicht von Geräten und Aufzeichnungen überhaupt nicht in der Lage wäre, ihre mit Anfangshinweisen bereits plausibel gemachten Geheimnisinteressen ausreichend zu substanziieren, könnte sich eine solche umfassende "Akteneinsicht" von Bundesrechts wegen ausnahmsweise als geboten erweisen (zum Ganzen: Urteil 1B_28/2021 vom 4. November 2021 E. 1.6).