Citation: 1P.459/2000 16.08.2000 E. 5

5.- a) Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung des Beschleunigungsgebots gelten, indem er vorbringt, er befände sich nun schon seit mehr als drei Monaten in Untersuchungshaft, obwohl noch keine ihn belastenden Erkenntnisse vorlägen. Als er sein zweites Haftentlassungsgesuch gestellt habe, sei er schon während rund eines Monats vom Untersuchungsrichter nicht mehr einvernommen worden. Dieser Umstand ergebe, dass versucht werde, ihn mit einer unzulässigen Beugehaft zu den erhofften Aussagen zu zwingen. b) Gemäss den Art. 31 Abs. 3 BV und 5 Ziff. 3 EMRK hat eine in strafprozessualer Haft gehaltene Person Anspruch auf Beurteilung ihrer Sache innerhalb einer angemessenen Frist, ansonsten sie während des Verfahrens aus der Haft entlassen werden muss. Eine übermässige Haftdauer stellt eine unverhältnismässige Beschränkung dieses Grundrechts dar. Sie liegt dann vor, wenn die Haft die mutmassliche Dauer der zu erwartenden Freiheitsstrafe übersteigt. Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Haftdauer ist namentlich der Schwere der untersuchten Straftaten Rechnung zu tragen. Der Haftrichter darf die Haft nur so lange erstrecken, als ihre Dauer nicht in grosse Nähe der konkret zu erwartenden Freiheitsstrafe rückt. Im Weiteren kann eine Haft die zulässige Dauer auch dann überschreiten, wenn die Strafuntersuchung nicht genügend vorangetrieben wird, wobei sowohl das Verhalten der Justizbehörden als auch dasjenige des Inhaftierten in Betracht gezogen werden müssen. Nach der Rechtsprechung der Organe der Europäischen Menschenrechtskonvention sowie des Bundesgerichts ist die Frage, ob eine Haftdauer als übermässig bezeichnet werden muss, aufgrund der konkreten Verhältnisse des einzelnen Falles zu beurteilen (BGE 124 I 208 E. 6 S. 215; 123 I 268 E. 3a S. 273, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 107 Ia 256 E. 2b mit Hinweisen auf Entscheide der Strassburger Organe; Mark E. Villiger, Handbuch der EMRK, Zürich 1993, S. 211 f.). c) Der Beschwerdeführer befindet sich seit dem 11. April 2000 in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt, durch Irreführung zahlreicher Kreditsuchender in den unrechtmässigen Genuss von Provisionsgeldern gekommen zu sein. Die in Art. 146 StGB vorgesehene Strafandrohung bei Betrug beträgt Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder Gefängnis (Abs. 1), bei gewerbsmässigem Handeln Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder Gefängnis nicht unter drei Monaten (Abs. 2). In Anbetracht der in Frage stehenden deliktischen Vorwürfe und des erhärteten Tatverdachts (s. vorne E. 4a) erreicht die bisher ausgestandene Untersuchungshaft von rund vier Monaten die mutmassliche Dauer einer allenfalls zu erwartenden Strafe noch nicht. Schliesslich erweist sich auch der Vorwurf als unbegründet, die Ermittlungsbehörden hätten das Untersuchungsverfahren nicht ausreichend vorangetrieben. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer vor dem zweiten Haftentlassungsverfahren während mehr als eines Monats nicht mehr einvernommen worden war, stellt schon deshalb keine verfassungswidrige Verschleppung des Verfahrens dar, weil die Behörden, wie aus den Akten hervorgeht, während dieser Zeit anderweitige, mit derselben Strafsache zusammenhängende Untersuchungshandlungen vornahmen.