Citation: 9C_517/2023 E. 5.3

5.3. Der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung liegen insbesondere die folgenden gutachterlichen Einschätzungen zugrunde: Die medexperts-Gutachter äusserten sich dahingehend, dass beim Versicherten die Beeinträchtigungen seitens des Bewegungsapparats im Vordergrund ständen und eine Einschränkung um 20 % aus allgemeinmedizinischen und psychischen Gründen (anhaltende somatoforme Schmerzstörung) auch in einer rückengerechten, seinem Leistungsbild angepassten Tätigkeit bestehe. Sie hielten ausdrücklich fest, dass die Teilarbeitsunfähigkeiten nicht zu addieren seien; sie würden polydisziplinär in der Gesamtheit ihrer funktionellen Auswirkungen beurteilt und ergäben zusammen 20 % (medexperts-Gutachten vom 30. Januar 2019). Nachdem die Rehaklinik C.________ in ihrem Austrittsbericht vom 6. August 2020 (Aufenthalt des Versicherten vom 30. Juni 2020 bis 15. Juli 2020) für die dauerhafte Leistungsbeurteilung eine erneute interdisziplinäre Begutachtung empfohlen hatte, veranlasste die IV-Stelle eine entsprechende weitere Expertise bei der estimed AG. Am 20. April 2021 wurden die einzelnen Teilgutachten (in den Gebieten Neurologie, Allgemeine Innere Medizin und Psychiatrie) erstattet, dies ohne Konsensbeurteilung, weil die Begutachtung aufgrund des aggressiven Verhaltens des Beschwerdeführers nach der psychiatrischen Exploration abgebrochen worden war. Die Psychiaterin sah sich nicht in der Lage, eine Arbeitsunfähigkeitsschätzung abzugeben (psychiatrisches Teilgutachten vom 15. Januar 2021). Alleine aus internistischer Sicht - wegen der vermehrten Toilettengänge aufgrund der Pollakisurie - wurde eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % festgehalten (Teilgutachten der Dr. med. D.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom 31. Dezember 2020). Und schliesslich diagnostizierte Prof. Dr. med. B.________ in seinem Gerichtsgutachten vom 24. Februar 2023 eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (F45.0) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit unreifen und narzisstischen Anteilen (Z73.1; differentialdiagnostisch: kombinierte Persönlichkeitsstörung [F61.0]); weiter äusserte er den Verdacht auf Opiatabhängigkeit (F11.2; Cannabisgebrauch). In einer den körperlichen Beschwerden angepassten Tätigkeit ergebe sich aufgrund der krankheitswerten funktionellen Einschränkungen eine Arbeitsunfähigkeit von etwa 25 %. Grundsätzlich seien aufgrund der somatoformen Störung auch aus psychiatrischen Gründen schwere körperliche Tätigkeiten, insbesondere bei der somatischen Vorgeschichte, zu vermeiden. Bei der Annahme einer Wochenstundenzahl von 40 sei eine tägliche Arbeit von 6 Stunden möglich.