Citation: 5C.54/2002 02.05.2002 E. 2

2.1 Die Berufungsklägerin macht geltend, das Obergericht habe Art. 8 ZGB verletzt. Art. 8 ZGB regelt die Verteilung der Beweislast. Durch die Rechtsprechung hat diese Bestimmung darüber hinaus jedoch die Bedeutung einer allgemeinen bundesrechtlichen Beweisvorschrift erhalten. Das Bundesgericht leitet aus Art. 8 ZGB als Korrelat zur Beweislast insbesondere das Recht der beweisbelasteten Partei ab, zum ihr obliegenden Beweis zugelassen zu werden, soweit entsprechende Anträge im kantonalen Verfahren form- und fristgerecht gestellt worden sind. Aus Art. 8 ZGB ergibt sich sodann auch das Recht des Gegners der beweisbelasteten Partei zum Gegenbeweis. Zu beachten ist aber, dass dieser bundesrechtliche Beweisführungsanspruch nur für rechtserhebliche Tatsachen besteht und die vorweggenommene Würdigung von Beweisen nicht ausschliesst (BGE 126 III 315 E. 4a S. 317, mit Hinweisen). 2.2 Die Klägerin wirft dem Obergericht vor, bezüglich der Anzeigepflichtverletzung den Auffassungen von Dr. W.________ und Dr. V.________ nicht gefolgt zu sein, namentlich was die Differenzierung zwischen interner und offizieller Liefersperre betrifft. Dabei steht jedoch nicht eine Tatsachenfeststellung in Frage, für welche die Klägerin nicht zum Beweis zugelassen worden wäre, sondern die Rechtsfrage, ob die Klägerin aufgrund der internen Sperre die Frage nach der Androhung oder Anordnung von Statusänderungen hätte bejahen müssen. 2.3 Verschiedentlich beruft sich die Klägerin auf Art. 63 Abs. 2 OG. Sie übersieht, dass diese Bestimmung eine Korrektur nur erlaubt, wenn eine fehlerhafte Sachverhaltsfeststellung auf offensichtlichem Versehen beruht, was nur zutrifft, wenn die Vorinstanz eine bestimmte Aktenstelle übersehen oder unrichtig (d.h. nicht in ihrer wahren Gestalt, insbesondere nicht mit ihrem wirklichen Wortlaut) wahrgenommen hat (BGE 109 II 159 E. 2b S. 162; 104 II 68 E. 3b S. 74, mit Hinweisen). Die Partei, welche ein offensichtliches Versehen geltend machen will, hat überdies genaue Angaben über die Sachverhaltsfeststellung und die Aktenstelle zu machen, mit der sie in Widerspruch steht (Art. 55 Abs. 1 lit. d OG; BGE 115 II 484 E. 2a S. 485, mit Hinweis). Diesen Anforderungen werden die Rügen der Klägerin nicht gerecht, soweit sie damit anstrebt, die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz zu korrigieren.