Citation: I 138/03 15.12.2003 E. 4

4.1 Gemäss Bericht der Poliklinik für Viszerale und Transplantationschirurgie des Spitals X.________ vom 18. Januar 1999 liegt eine mehrjährige Leidensgeschichte mit persistierenden Leistenschmerzen vor. Das psychosomatische Konsilium zeige einen durchaus glaubhaften somatischen Ursprung der Beschwerden, die vor allem bei der Arbeit, beim Bücken und beim Versuch, Lasten zu heben, auftreten würden. Der arbeitswillige Versicherte sei deswegen in seiner Tätigkeit als Gärtner stark eingeschränkt. Die Medizinische Abteilung O.________ des Spitals X.________ gab im Bericht vom 18. Februar 2000 an, die umschriebene Schmerzlokalisation, das adäquate Schmerzverhalten während der klinischen Untersuchung und die starke Abhängigkeit der Beschwerden von Willkürmotorik und Körperposition würden für eine wesentliche organische Ursache der auch nach den operativen Eingriffen persistierenden Leistenschmerzen sprechen. Die fehlende intermittierende völlige Beschwerdefreiheit und das pharmakologisch nur wenig plausible Reagieren auf Analgetika wiesen indessen auf eine zusätzliche nichtorganische Komponente hin. Die derzeit sehr unsichere Situation bezüglich Beruf und Aufenthaltsbewilligung mit deutlicher depressiver Verstimmung und starken Schlafstörungen sei ein wichtiger Chronifizierungsfaktor. Im Bericht vom 5. April 2000 wiesen die Ärzte erneut auf eine wesentliche organische Ursache der nach wie vor persistierenden Leistenschmerzen hin, wobei allerdings die nichtorganische Schmerzkomponente zugenommen habe. Der Versicherte habe keine berufliche Perspektive mehr. Laut Bericht vom 25. September 2000 war die Chronifizierung der Leistenschmerzen weit fortgeschritten mit deutlicher depressiver Entwicklung und fehlender Vermittelbarkeit. Wegen der deutlich depressiven Verstimmung mit latenter Suizidalität wurde eine regelmässige ambulante Gesprächstherapie bei einem Psychiater als dringend indiziert erachtet. Die Arbeitsfähigkeit wurde auf knapp 50 % veranschlagt. 4.2 Aus den erwähnten medizinischen Unterlagen ergibt sich, dass die chronifizierten Schmerzen zu einem wesentlichen Teil auf eine organische Ursache zurückzuführen sind. Auch die Vorinstanz geht von einem organischen Ursprung der Beschwerden aus. Sie hält aber dafür, dass in psychischer Hinsicht die invaliditätsfremden Komponenten überwiegen würden und es an einer Depression im fachmedizinischen Sinne fehle. In den bei den Akten liegenden Stellungnahmen der Medizinischen Abteilung O.________ des Spitals X.________ wird die Depression jeweils als separate Diagnose aufgeführt, während die psychosoziale Belastungssituation den chronifizierten Leistenschmerzen zugeordnet wird. Dies spricht für das Vorliegen einer von invaliditätsfremden Belastungsstörungen zu unterscheidende und in diesem Sinne selbstständige psychische Störung. Je mehr psychosoziale und somit invaliditätsfremde Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden psychosozialen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat (vgl. BGE 127 V 299 Erw. 5a). In der medizinischen Beurteilung des Spitals X.________ wird die Chronifizierung der Schmerzen praktisch immer gleichzeitig mit der Depression und den psychosozialen Komponenten erwähnt (vgl. Berichte vom 25. September 2000, 5. April 2000). Dass das Beschwerdebild des Versicherten zum Teil durch invaliditätsfremde Umstände mitgeprägt wird, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine organische Problematik wesentlicher Ausprägung am Ursprung des Schmerzsyndroms liegt. Aufgrund der medizinischen Unterlagen ist diese mit dem Hinzutreten von psychosozialen Komponenten keineswegs verschwunden oder gar völlig verdrängt worden. Sie hat sich vielmehr chronifiziert, wobei die Berichte den Schluss nicht zulassen, für diesen Prozess seien vorwiegend invaliditätsfremde Faktoren verantwortlich und der Depression komme kein Krankheitswert zu. Die psychosoziale Belastungssituation ist - auch wenn sie nach der Auflösung der Arbeitsstelle zugenommen hat - lediglich eine Teilkomponente, welche für sich allein das klinische Beschwerdebild jedoch nicht zu begründen vermag. Im Bericht der BEFAS vom 24. Januar 2002 wird die medizinische Situation mit diffusen rechtsseitigen Schmerzen und hilflosem, passiv erduldetem Leiden umschrieben, welche keine organische Ursache mehr erkennen lasse; es bestehe keine eigentliche Depression mehr, sondern eine fatalistische, perspektivelose Ergebenheit bei einer wenig durchsetzungsfähigen Persönlichkeit, wobei die Schmerzfehlentwicklung überwiegend durch invaliditätsfremde, soziokulturelle Faktoren entstanden und chronifiziert sei. Diese Beurteilung klammert die Feststellungen der Ärzte des Spitals X.________, wonach das Schmerzsyndrom des Versicherten eine organische Ursache habe, praktisch vollständig aus und fokussiert sich sehr einseitig auf die psychosozialen Komponenten. Diese können indessen - wie bereits dargelegt - nicht für das gesamte Beschwerdebild verantwortlich gemacht werden. Die Auffassung der BEFAS deckt sich denn auch nicht mit den übrigen medizinischen Unterlagen. Dr. med. S.________ führte am 8. März 2002, gestützt auf seine Untersuchung vom 26. Februar 2002 aus, die Einschränkungen bestünden in Schmerzen im Bereich der rechten Leiste, in einer massiven Dekonditionierung und in einer fehlenden Motivation im Rahmen einer depressiven Entwicklung. Den Gesundheitszustand bezeichnete er als stationär. Dass sich die Situation seit den Erhebungen im Spital X.________ massgeblich in Richtung invaliditätsfremde Faktoren verändert hätte und somatische und krankhafte psychische Faktoren praktisch keine Rolle mehr spielen würden, wird somit nicht postuliert. In einem Schreiben an die IV-Stelle vom 4. Juni 2002 hielt der Hausarzt denn auch fest, es stehe ausser Zweifel, dass beim Versicherten eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von mehr als 50 % vorliege. 4.3 Gemäss den Feststellungen der BEFAS im Rahmen der vierwöchigen Abklärungen, in denen der Versicherte ganztägig im Einsatz stand, war bei den körperlich wenig belastenden Arbeiten, die meistens in sitzender Position zu verrichten waren, eine Leistung von zwischen 20 % und 50 % zu verzeichnen. Eine Leistung von rund 50 % sei beim Zuschneiden an der Fräse und bei sehr feinen Auslegearbeiten erreicht worden. Wegen einer erdrückenden Ansammlung von invaliditätsfremden Faktoren sei der Versicherte jedoch beruflich nicht eingliederbar. Die BEFAS verzichtete daher auf eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (vgl. Abklärungsbericht vom 24. Januar 2002). Im Bericht vom 8. März 2002 hielt Dr. med. S.________ dafür, der Versicherte könne keine körperlich belastende Arbeit mehr verrichten. Leichtere Hilfsarbeiten im geschützten Rahmen seien indessen möglich, allerdings höchstens halbtags. Im Bericht vom 29. August 2000 hatte Dr. med. S.________ allerdings noch eine ganztägige Arbeitsfähigkeit für leichte, sitzend auszuführende Arbeiten attestiert. Im Schreiben an die Arbeitslosenkasse vom 11. April 2001 führte er aus, der Versicherte sei seit dem 27. Juli 1998 zu mindestens 50 % arbeitsunfähig. Eine Steigerung sei nur möglich, wenn eine leichte, im Sitzen auszuführende Arbeit gefunden werden könne. Die Ärzte der Medizinischen Abteilung O.________ des Spitals X.________ befürworteten laut Bericht vom 18. Februar 2000, nach Rücksprache mit dem Hausarzt, die Suche einer vollen Arbeitsstelle (beispielsweise als Kochgehilfe). Die Vorinstanz hat auf diese Einschätzungen abgestellt und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine leidensangepasste Tätigkeit angenommen. Die späteren davon abweichenden Beurteilungen gründen ihrer Ansicht nach auf invaliditätsfremden Faktoren, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne. Dem kann indessen nicht beigepflichtet werden. Weil die invaliditätsfremden Belastungssituationen nur teilweise für die Behinderung in der Leistungserbringung verantwortlich sind (vgl. Erw. 4.2 oben), erscheint die vom Hausarzt - in Kenntnis des Ergebnisses der Abklärungen der BEFAS - vorgenommene Einschätzung vom 8. März 2002 als realistisch, weshalb von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten, leidensangepassten Tätigkeit auszugehen ist. 4.4 Der medizinische Sachverhalt ist umfassend dokumentiert worden. Von ergänzenden medizinischen Abklärungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann (vgl. BGE 122 II 469 Erw. 4a, 122 III 223 Erw. 3c, 120 Ib 229 Erw. 2b, 119 V 344 Erw. 3c mit Hinweisen; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b). Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, es seien die Berichte über die Hospitalisation vom Dezember 2002 beizuziehen, gilt es festzuhalten, dass das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung nach ständiger Rechtsprechung in der Regel nach dem Sachverhalt beurteilt, der zur Zeit des Verfügungserlasses (hier: 17. Mai 2002) gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweis). Ob sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der geltend gemachten Leistenoperation verändert hat, kann daher nicht Gegenstand dieses Verfahrens bilden.