Citation: 8C_707/2023 E. 5.2

5.2. Die psychiatrische Gutachterin der PMEDA stellte die Diagnose einer Polytoxikomanie, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F19.20), und einer assoziierten rezidivierenden depressiven Störung. Wie das kantonale Gericht richtig erkannt hat, hat sie nachvollziehbar begründet, weshalb keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden könne. So hielt sie fest, der Beschwerdeführer sei zwar unter schwierigen familiären Umständen aufgewachsen. Der Vater sei alkohol- und medikamentenabhängig gewesen. Es habe jedoch eine gute Beziehung zur Mutter und zu den beiden Brüdern bestanden. Der primär einfach strukturierte Beschwerdeführer sei in der Lage gewesen, mit Unterstützung in einer Sprachheilschule bestehende Probleme der Sprachentwicklung zu überwinden. Er habe eine Kleinklasse besucht, ohne ein Schuljahr wiederholen zu müssen. Zudem habe er nach eigenen Angaben soziale Beziehungen gepflegt und sei sozial integriert gewesen. Weiter sei er beruflich tätig gewesen und habe eine Familie gegründet. Die späteren Probleme im beruflichen Bereich seien Folge eines Drogen- und Medikamentenkonsums und nicht einer Persönlichkeitsstörung gewesen. Auch im aktuellen Untersuchungsbefund hätten sich keine Anhaltspunkte für eine sozial namhaft störende Verhaltensauffälligkeit gezeigt. Die Gutachterin wies weiter darauf hin, dass auch der behandelnde Psychiater Dr. med. C.________ wie auch der Vorgutachter Prof. Dr. med. B.________ das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung verneinten. Die in den Akten gestellte Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung sei nicht plausibel, da die entsprechenden ICD-10-Kriterien fehlten. Namentlich bilde sich eine vom Suchtmittelkonsum abgrenzbare eigenständige Entwicklungsstörung nicht hinreichend ab. Die Sucht sei für sich allein ebenso gut geeignet, die berichteten psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten zu bedingen oder zumindest zu amplifizieren. Die jetzige, nicht namhaft auffällige Verhaltensbeobachtung deute ebenfalls darauf hin, dass unter Abstinenzbedingungen keine eigenständig erhebliche Persönlichkeitsstörung vorliege. Dr. med. D.________ wies im Weiteren darauf hin, dass die Angaben in den Berichten nicht genügten, um eine Persönlichkeitsstörung zu begründen. Bei den zahlreichen Hospitalisationen sei immer die seinerzeit aktive Sucht im Vordergrund gestanden. Im psychiatrischen Befund hätten sich jeweils keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung finden lassen. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Gutachterin habe sich nicht mit der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung auseinandergesetzt, kann ihm nach dem Gesagten nicht gefolgt werden. Im Übrigen fällt im zeitlichen Verlauf auf, dass die behandelnden Ärzte wohl in den Jahren 2001 bis 2005 eine Persönlichkeitsstörung attestiert hatten. Im weiteren Verlauf wird eine solche in den Berichten über die jeweiligen Hospitalisationen weitestgehend lediglich noch als Verdachtsdiagnose und ab 2013 überhaupt nicht mehr genannt. Diese Entwicklung steht im Einklang mit der Feststellung der psychiatrischen Gutachterin, wonach eine vom Suchtmittelkonsum abgrenzbare eigenständige Entwicklungsstörung nicht hinreichend erstellt sei. Auch Dr. med. E.________ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt im Übrigen fest, die Suchterkrankung stehe nach Aktenlage im Vordergrund. Die zeitweise geäusserte Verdachtsdiagnose einer Persönlichkeitsstörung verliere sich im Verlauf. Sie habe damals unter den Auswirkungen des Substanzkonsums nicht eindeutig bestätigt werden können (vgl. Stellungnahmen vom 10. Juli 2017 und 29. März 2018). Der damals behandelnde Dr. med. C.________ sprach von einer problematischen Charakterentwicklung, was gemäss Dr. med. E.________ nach heutiger ICD-Codierung akzentuierten Persönlichkeitszügen entspreche. Der Beschwerdeführer räumt im Übrigen selber ein, dass das langjährige Suchtverhalten als mögliche Erklärung für sein auffälliges Verhaltensmuster diene. Er macht aber geltend, das Suchtverhalten habe sich erst im Alter von 29 Jahren manifestiert und sei daher eher als Folge resp. Symptom der vorbestehenden Auffälligkeiten denn als deren Ursache zu sehen. Dem ist entgegenzuhalten, dass er gegenüber dem Gutachter Prof. Dr. med. B.________ selber angab, seine Alkohol- und Drogenkarriere im Alter von 18 Jahren begonnen zu haben (vgl. psychiatrisches Fachgutachten vom 2. Februar 2019 S. 37; vgl. auch Stellungnahme des Dr. med. F.________ vom 27. September 2022). Insoweit ist seiner Argumentation der Boden entzogen.