Citation: 1C_208/2016 E. 5.2

5.2. Gemäss Art. 27 Abs. 1 WaG ergreifen die Kantone die forstlichen Massnahmen gegen die Ursachen und Folgen von Schäden, welche die Erhaltung des Waldes gefährden können. In Bezug auf den Wildbestand schreibt Abs. 2 derselben Bestimmung den Kantonen Folgendes vor: "Sie regeln den Wildbestand so, dass die Erhaltung des Waldes, insbesondere seine natürliche Verjüngung mit standortgerechten Baumarten, ohne Schutzmassnahmen gesichert ist. Wo dies nicht möglich ist, treffen sie Massnahmen zur Verhütung von Wildschäden." In der Ausführungsbestimmung von Art. 31 WaV ist zudem Folgendes vorgesehen: " 1 Treten trotz Regulierung der Wildbestände Wildschäden auf, so ist ein Konzept zu ihrer Verhütung zu erstellen. 2 Das Konzept umfasst forstliche Massnahmen, jagdliche Massnahmen, Massnahmen zur Verbesserung und Beruhigung der Lebensräume sowie eine Erfolgskontrolle. [...]" Ähnlich hält Art. 3 Abs. 1 JSG die Grundsätze fest, dass die Kantone die Jagd planen und regeln (Satz 1) und dass die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und die natürliche Verjüngung mit standortgemässen Baumarten sichergestellt sein sollen (Satz 3). Verbiss- und Fegeschäden, verursacht durch zu hohe Bestände unter anderem an Rehen, Gämsen und Rothirschen gefährden oder verunmöglichen das Aufkommen der Verjüngung im Wald (Botschaft vom 29. Juni 1988 zu einem Bundesgesetz über Walderhaltung und Schutz vor Naturereignissen, BBl 1988 III 200). Nach dem klaren Wortlaut von Art. 27 Abs. 2 WaG verhindern die Kantone derartige Schäden in erster Linie durch eine Regelung des Wildbestands. Erst in zweiter Linie ist demnach auf Schutzmassnahmen zurückzugreifen, was gemäss der Gesetzesbotschaft insbesondere in besonders günstigen Wintereinständen notwendig sein kann (a.a.O.) : "In für das Wild besonders günstigen Wintereinständen oder andern günstigen Orten werden jedoch Wildschäden aus Gründen der Konzentration und hohen Dichte nie gänzlich zu vermeiden sein, so dass dort besondere Schutzmassnahmen zu ergreifen sind (Biotop-Hege, Einzäunung, Einzelschutz, Einzelabschuss schadenstiftender Tiere usw.)." Im Einklang hiermit bezeichnet das BAFU in seiner Vollzugshilfe zum Thema die Basisregulierung des Wildes als Grundlage. Im Einzelnen hält es in dieser Hinsicht fest, die Tragekapazität eines Lebensraums für das Wild lasse sich einerseits durch eine Reduktion der Nachfrage (Regulierung der Wildbestände) und andererseits durch eine Erhöhung des Äsungs-Angebots (Biotophege) positiv beeinflussen. Eine Erhöhung des Angebots reduziere aber nur dann den Wildeinfluss auf die Waldverjüngung, wenn nicht gleichzeitig die Wildbestände anwüchsen. Die Basisregulierung des Wildes sei deshalb die Grundlage und die Voraussetzung für weiterführende Massnahmen wie die Biotophege (BAFU, Vollzugshilfe Wald und Wild: Das integrale Management von Reh, Gämse, Rothirsch und ihrem Lebensraum, 2010, S. 11, abrufbar unter «http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation» [besucht am 8. November 2017]). In seiner Stellungnahme führt das BAFU ergänzend aus, dass die natürliche Verjüngung der Wälder jedoch nicht allein durch Bejagung erreicht werden könne, auch wenn die Anpassung der Wildbestände an die örtlichen Verhältnisse durch die jagdliche Regulierung von zentraler Bedeutung sei.