Citation: U 40/00 08.02.2001 E. 7

7.- a) Zwar ist mit den Beschwerdeführern der Unfallhergang, wie er in den Polizeiakten beschrieben ist, durchaus als geeignet zu bezeichnen, zu einem derartigen Verletzungsmechanismus zu führen. Allein diese Möglichkeit genügt nicht. Es bilden zuallererst die medizinischen Akten, wie die fachärztlichen Erhebungen über die Anamnese, objektiver Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand usw. die massgeblichen Grundlagen für die Kausalitätsbeurteilung durch Verwaltung und Gerichtsinstanzen. Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen müssen somit durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein (BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa). b) Die ersten den Versicherten untersuchenden und behandelnden Ärzte haben keinen derartigen Verletzungsmechanismus diagnostiziert. Das Spital Z.________, wo er nach dem Unfall eingeliefert worden ist, stellte lediglich eine LWK2-Kompressionsfraktur ohne neurologische Ausfälle sowie eine parietale mediane Schnittwunde mit noch steckender Glasscherbe fest. Ossäre Läsionen konnten keine diagnostiziert werden. Bei der Entlassung aus dem Spital am 21. Oktober 1994 betrachteten ihn die Ärzte als wieder voll mobilisiert (Bericht vom 27. Oktober 1994). Der den Versicherten anschliessend betreuende Hausarzt Dr. S.________ schloss sich in seinen ersten Stellungnahmen (vom 2. Januar, 27. Februar und 23. Mai 1995) der Einschätzung der Spitalärzte an. Es war vielmehr Dr. F.________, der in seinem Überweisungsbericht vom 5. Mai 1995, rund 6 ½ Monate nach dem Unfallereignis, eher beiläufig die Diagnose eines HWS-Distorsionstraumas stellte, ohne dies indessen näher zu begründen. Dies obwohl der Beschwerdeführer 1 in den ersten Tagen nach dem Unfallereignis nicht etwa über für eines dieser Traumen typische Symptome wie Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindelanfälle, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, Visusstörungen sowie Müdigkeit (vgl. BGE 117 V 360 Erw. 4b) geklagt hatte. Hätte er dies getan, wäre dies zweifellos in die Berichte des Spitals Z.________ oder des Hausarztes eingeflossen. Von entsprechenden Beschwerden war indessen keine Rede. Es ist einzig der Schwindel, der neben dem Tinnitus vor der Diagnosenstellung durch Dr. F.________ vom Hausarzt Dr. S.________ rund 3 Monate nach dem Unfallereignis am 17. Januar 1995 in die Krankengeschichte aufgenommen wurde. Auch wenn mit der Zeit weitere Symptome wie Konzentrations- und Schlafstörungen (Dr. W.________ am 24. Mai 1995), Kopfschmerzen (Schadensinspektor der Winterthur am 5. September 1995) sowie Nackenbeschwerden (IMB am 21. März 1997) Eingang in die Akten fanden, und die ein neurologisch/neuropsychologisches Gutachten erstellende Frau Dr. P.________ am 28. Juni 1998 die Diagnose des Dr. F.________ bestätigte, vermag diese Einschätzung nicht zu überzeugen. Denn einerseits entspricht es einer gesicherten medizinischen Erkenntnis, dass bei einem bedeutenden HWS-Schleudertrauma die Beschwerden und medizinischen Befunde im Bereich des Halses oder der HWS notwendigerweise innerhalb einer kurzen Zeitspanne nach dem Unfall auftreten müssen (RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29 Erw. 5e-g mit Hinweisen). Andererseits hat zuletzt Dr. M.________, welcher den neurologischen Befund für die MEDAS aufgenommen hat, die aktuell geklagten Beschwerden als für das Vorliegen eines HWS-Distorsionstraumas (oder auch Schädel-Hirntraumas) als zum Teil uncharakteristisch bezeichnet und vor dem Hintergrund völlig normaler klinisch neurologischer Untersuchungsbefunde einen entsprechenden Vorfall als bloss möglich bezeichnet und anderslautende Diagnosen damit in Frage gestellt (Expertise vom 13. September 1999). Weiter konnte auch Frau Dr. P.________ kein ihrer Diagnose entsprechendes neurologisches Korrelat finden, und nach derzeitigem Wissensstand ist die Neuropsychologie allein nicht in der Lage, selbstständig eine abschliessende Beurteilung der Genese festgestellter Störungen vorzunehmen (BGE 119 V 341). Endlich ist nicht entscheidend, ob der Versicherte nach dem Aufprall auf dem Boden für einige Zeit sein Bewusstsein verloren hat, wie von ihm erstmals im kantonalen Beschwerdeverfahren behauptet wird. Denn will man zu Gunsten des Versicherten von einer Bewusstlosigkeit ausgehen, so kann es sich dabei aber nur um eine von kurzer Dauer und ohne besondere Folgen gehandelt haben, widrigenfalls dies in den detaillierten Polizeiakten oder späteren Arztberichten seine Erwähnung gefunden hätte.