Citation: 6B_1377/2022 E. 2.4.1

2.4.1. Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, es sei unbegreiflich, dass sich B.________ erst über zwei Jahre später bei der Polizei gemeldet habe. Soweit er die Glaubhaftigkeit der Aussagen von B.________ deswegen in Frage stellt, ist darauf hinzuweisen, dass sich Betroffene nach einer Vergewaltigung nicht selten in einem Zustand des Schocks und der Erstarrung befinden, in dem es zu Verdrängungs- resp. Verleugnungsbestrebungen kommt, die dazu führen, dass sich das Opfer (in einer ersten Phase) niemandem anvertraut. Wenn überhaupt teilen sich deshalb viele Betroffene erst später - nach Tagen, Monaten oder gar Jahren - über das Vorgefallene mit und zeigen bis dahin kaum äusserlich wahrnehmbare Reaktionen auf das Erlebte (BGE 147 IV 409 E. 5.4.1; Urteil 6B_1176/2021 vom 26. April 2023 E. 3.3.2; mit Hinweis[en]). Gemäss der vorinstanzlichen Würdigung des Verhaltens und der Aussagen von B.________ sowie der Zeugin C.________ hat B.________ ein Schamgefühl empfunden und zunächst versucht, das Geschehene zu verdrängen. Erst nach dem Therapiebeginn in den USA habe sie die Vorwürfe der Penetration erhoben, wobei sich an ihrem geringen Belastungseifer nichts geändert habe. Wie von der Vorinstanz dargelegt, entspricht das Aussageverhalten von B.________ insofern dem von Betroffenen von Vergewaltigungen bekannten Verhalten und der Zeitablauf zwischen dem Vorfall und der ersten Aussage ist entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers nicht als geradezu unbegreiflich zu würdigen. Der Zeitablauf vermag sich vorliegend auf das Erinnerungsvermögen der Beteiligten auszuwirken, ohne per se die Glaubhaftigkeit der Aussagen von B.________ zu mindern.