Citation: 2C_605/2023 E. 3.3.3

3.3.3. Im Gegensatz zur dem vorgenannten Urteil 2C_95/2021 vom 27. August 2021 zugrunde liegenden Konstellation ist C.________ kein Assistenzarzt, sondern Oberarzt. Dies wirft die Frage auf, ob die Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung auch eine Aufsichtspflicht gegenüber einem Oberarzt beinhaltet. Ob die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Fall eine Aufsichtspflicht gegenüber C.________ traf, ist auf der Grundlage der Aufgaben, welche ihr konkret oblagen (vgl. RUMETSCH, a.a.O., S. 197 Rz. 493), und anhand der Organisationsstruktur der B.________ AG zu eruieren (vgl. in diesem Sinne auch das EDI auf S. 2 seiner Stellungnahme vom 22. April 2024). Die Vorinstanz hat sich dazu bislang nur ansatzweise geäussert; eine abschliessende Klärung blieb aus (vgl. E. 3.4.4 des angefochtenen Urteils). In der Regel dürfte jedoch ein Oberarzt der Chefärztin bzw. der ärztlichen Direktorin sowohl fachlich als auch organisatorisch untergeordnet sein (vgl. Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften [SAMW] / Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte [FMH], Rechtliche Grundlagen im medizinischen Alltag, 3. Aufl. 2020, S. 177), was klar für den Bestand einer Aufsichtspflicht sprechen würde. Ausgeschlossen ist das Vorhandensein einer solchen jedenfalls nicht. Besteht eine Aufsichtspflicht, fällt deren pflichtgemässe Wahrnehmung ohne Weiteres unter die Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung. So liegt doch eine funktionierende und sichere Spital-, Klinik- und Praxisorganisation, wozu auch eine interne Aufsichtskaskade gehört, im Interesse der öffentlichen Gesundheit (vgl. RUMETSCH, a.a.O., S. 198 Rz. 495; TANJA IVANOVIC, Die Sorgfalt der Medizinalpersonen nach Art. 40 lit. a MedBG: Generalklausel und Konkretisierung, in: ZBJV 157/2021 S. 134).