Citation: I 605/99 19.01.2000 E. 4

4.- Das kantonale Gericht hat unter materiell revi- sionsrechtlichem Gesichtswinkel richtig auch geprüft, ob "durch das zunehmende Alter" der Grad der Hilflosigkeit anders als ursprünglich zu beurteilen ist. Denn nach der Rechtsprechung ist für die Bemessung der Hilflosigkeit in erster Linie der Mehraufwand an Hilfeleistung und persön- licher Überwachung im Vergleich zu einem nicht invaliden Minderjährigen gleichen Alters massgebend. Dabei ist der Grad der Hilflosigkeit nicht nur rein quantitativ nach dem notwendigen Zeitaufwand der Pflege und Überwachung zu er- mitteln, sondern es sind auch die Art der Betreuung sowie der Umfang der Mehrkosten gebührend zu würdigen (BGE 113 V 19 Erw. a und ZAK 1989 S. 172 Erw. 2b). a) Die Vorinstanz hat den Revisionsgrund der relati- ven, an der Entwicklung eines gleichaltrigen gesunden Kin- des gemessenen Änderung im Sinne der Erhöhung und/oder In- tensivierung des Pflege-, Betreuungs- und Überwachungsauf- wandes im vorliegenden Fall verneint. Zwar mache ein sol- ches Kind im Alter zwischen drei und dreieinhalb Jahren in seiner Entwicklung einige massgebliche Fortschritte. Diese seien aber nicht derart, dass es bereits in sämtlichen all- täglichen Lebensverrichtungen nicht mehr auf regelmässige und erhebliche Hilfe Dritter angewiesen wäre. Jedenfalls aber benötige auch ein durchschnittlich entwickeltes gesun- des dreieinhalbjähriges Kind noch der dauernden persönli- chen Überwachung. Darin unterscheide es sich nicht von einem behinderten Kind, auch wenn die Art der Überwachung bei gesunden und bei behinderten Kindern mitunter verschie- den ausgestattet sein möge. Allein aus diesem Grund könne der Versicherte auch im Revisionszeitpunkt nicht als schwergradig hilflos betrachtet werden. b) Es kann offen gelassen werden, ob der von der IV- Stelle ursprünglich (noch) nicht als rechtserheblich ein- gestufte Mehraufwand in den Bereichen Körperpflege und Not- durftverrichtung ein halbes Jahr später anders zu würdigen ist. Dabei wird nicht verkannt, dass, wie in der Verwal- tungsgerichtsbeschwerde insoweit richtig ausgeführt wird, "sich die Schere zwischen einem schwerstbehinderten Kind und einem gesunden Kind in diesem Alter jeden Monat sicht- bar mehr öffnet". Selbst wenn R.________ (spätestens) bei Erlass der Verfügung vom 28. Oktober 1997, mit dreieinhalb Jahren also, in Bezug auf die erwähnten beiden alltäglichen Lebensverrichtungen im Vergleich mit einem gleichaltrigen gesunden Kind als invaliditätsbedingt hilflos zu betrachten wäre, genügte dies für die Bejahung schwerer Hilflosigkeit im Sinne von Art. 36 Abs. 1 IVV nicht. Denn entgegen der offenbaren Auffassung des Dr. med. G.________ und auch im Unterschied zur Rechtslage bei volljährigen Versicherten (vgl. BGE 107 V 145 und ZAK 1990 S. 46 Erw. 2c) kommt dem Gesichtspunkt der Überwachungsbedürftigkeit für die Bemes- sung des Hilflosigkeitsgrades bei Minderjährigen eine grös- sere Bedeutung zu (vgl. Erw. 4 Ingress hievor). In diesem Sinne führte das Eidgenössische Versicherungsgericht im Falle eines schwer gelähmten, epileptischen und erblindeten Buben anknüpfend an die Tatsache, dass dieser "meistens apathisch im Bett" liegt, aus (vgl. ZAK 1970 S. 490 f. Erw. 2a) : "Daher ist ständige persönliche Überwachung des Knaben nicht notwendig, sondern es sind periodische Kon- trollen angezeigt. Bei dieser Bewegungsarmut und Apathie dürfte der zur Zeit des Erlasses der angefochtenen Verfü- gung fünfjährige Knabe die Mutter unter dem Gesichtspunkt der blossen Überwachung weniger beanspruchen als ein gesun- des Kind im gleichen Alter. Dagegen ist zweifellos die Betreuung und Pflege dieses gebrechlichen Kindes hinsicht- lich der notwendigen Lebensverrichtungen, namentlich bei der Körperpflege, der Nahrungsaufnahme und der Besorgung der Notdurft, bedeutend zeitraubender als bei einem gesun- den gleichaltrigen Kind. Dabei ist besonders auch an den Zeitaufwand für das tägliche Turnen, für die Arztbesuche und die Pflegeberatung zu denken." Mit der weiteren Begrün- dung, dass die Betreuungskosten nicht als ausserordentlich hoch anzusehen seien und auch keine Aufwendungen für stän- diges Pflegepersonal entstünden, widersprach das Eidgenös- sische Versicherungsgericht der damaligen Vorinstanz, wel- che eine Hilflosigkeit schweren Grades bejaht hatte, und anerkannte, wie zuvor die Verwaltung, lediglich eine mit- telschwere Hilflosigkeit. Hinzuweisen ist sodann auf den in ZAK 1989 S. 170 beurteilten Fall der C.H., eines (im Verfü- gungszeitpunkt) zweieinhalbjährigen Mädchens mit schwersten auf eine Hirnschädigung zurückzuführenden Behinderungen (spastische Tetraparese mit Rumpfhypotonie, psychomotori- scher Entwicklungsrückstand und zerebrale Bewegungsstörung sowie Epilepsie). Hier bejahte das Eidgenössische Versiche- rungsgericht bei feststehender Hilfsbedürftigkeit in allen sechs alltäglichen Lebensverrichtungen auch die Notwendig- keit einer im Vergleich zu einem gleichaltrigen gesunden Kind verstärkten Überwachung, weil sich "C.H. (...) durch ihre starke Reflextätigkeit in eine Zwangsstellung manöv- rieren kann, welche den Schluckvorgang blockiert, was zum Erbrechen und damit zu einer Erstickungsgefahr führen kann" (ZAK 1989 S. 174 Erw. 3b). Vorliegend ist ein derartiger erhöhter Überwachungs- aufwand nicht aktenkundig. Wenn in diesem Zusammenhang in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erstmals vorgebracht wird, R.________ habe, wenn er nicht dauernd beschäftigt werde, eine grosse Tendenz, sich in seine rechte Hand zu beissen, was schon zu blutigen, zum Teil eitrigen Wunden geführt habe, finden sich weder in den ärztlichen Berich- ten, insbesondere nicht in demjenigen von Dr. med. G.________ vom 25. September 1997, noch in den Berichten des Abklärungsdienstes der IV-Stelle vom 18. Februar und 25. April 1997 entsprechende Hinweise. Es ist daher be- weisrechtlich davon auszugehen, dass diese neue Tatsachen- behauptung die Zeit nach Verfügungserlass betrifft und somit hier nicht zu berücksichtigen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen). c) Die vorstehenden Ausführungen zeigen, dass nicht ein für allemal, auch nicht im Sinne einer Regel, abstrakt gesagt werden kann, ab welchem Alter ein schwer (st) behin- dertes Kind spätestens als in schwerem Grade hilflos zu betrachten ist. Die gegenteilige offenbar von Dr. med. G.________ geteilte Auffassung liefe auf eine im Gesetz nicht vorgesehene und auch grundsätzlich unzulässige antizipierte Festlegung des Hilflosigkeitsgrades hinaus (vgl. BGE 119 V 471 Erw. 2b; vgl. auch ZAK 1989 S. 173 Erw. 3a). Vielmehr hat die Beurteilung der Hilflosigkeit - im Vergleich mit einem gleichaltrigen gesunden Kind - immer auf Grund der konkreten Umstände des Einzelfalles, insbesondere unter Berücksichtigung des invaliditätsbe- dingten, objektiv notwendigen Aufwands für die Überwachung des behinderten Kindes (in diesem Sinne schon ZAK 1970 S. 286 unten und S. 490 Erw. 1c) zu erfolgen. Damit ist schliesslich auch der auf rechtsgleiche Behandlung zielende Einwand entkräftet, dass zwei ebenso schwer handicapierten Kindern ein Pflegebeitrag für schwere Hilflosigkeit zuge- sprochen worden sei. d) Nach dem Gesagten ist der angefochtene Entscheid rechtens.