Citation: C 462/99 04.12.2000 E. 2

2.- Daran vermögen auch die übrigen Einwände der Beschwerdeführerin nichts zu ändern: a) Überspitzter Formalismus ist eine besondere Form der Rechtsverweigerung. Eine solche liegt rechtsprechungsgemäss vor, wenn für ein Verfahren rigorose Formvorschriften aufgestellt werden, ohne dass die Strenge sachlich gerechtfertigt wäre, wenn die Behörde formelle Vorschriften mit übertriebener Schärfe handhabt oder an Rechtsschriften überspannte Anforderungen stellt und den Bürgern und Bürgerinnen den Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrt (BGE 120 V 417 Erw. 4b). Der Umstand, dass ein Anspruch innert einer bestimmten Frist geltend gemacht sowie genau beziffert und belegt werden muss, stellt keine rigorose Vorschrift dar, welche die Verwirklichung des materiellen Rechts in unhaltbarer Weise erschwert oder gar verunmöglicht (vgl. ARV 1993/94 Nr. 20 S. 152 Erw. 2a mit Hinweisen). Da der Entschädigungsanspruch entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin nicht deshalb verneint wurde, weil er nicht auf dem amtlichen Formular geltend gemacht wurde, ist die Rüge des überspitzten Formalismus gegenstandslos. b) Der Grundsatz von Treu und Glauben schützt den Bürger und die Bürgerin in ihrem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten und bedeutet u.a., dass falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung der Rechtsuchenden gebieten (BGE 121 V 66 Erw. 2a mit Hinweisen). Diese zu Art. 4 Abs. 1 der bis zum 31. Dezember 1999 in Kraft gewesenen Bundesverfassung ergangene Rechtsprechung gilt auch unter der Herrschaft von Art. 9 der seit 1. Januar 2000 in Kraft getretenen Bundesverfassung (RKUV 2000 KV Nr. 126 S. 223). Der Beschwerdeführerin wurden keine falschen Auskünfte erteilt und die Arbeitslosenkasse wie auch das AWA waren nicht zu weitergehenden Informationen als den auf dem Melde- und Antragsformular bereits aufgeführten Angaben gehalten (ARV 1993/94 Nr. 4 S. 32 Erw. 3b). Insbesondere bestand seitens der Arbeitslosenkasse keine Pflicht zur Ansetzung einer Nachfrist (unveröffentlichtes Urteil M. vom 27. November 1997 [C 38/97]). Der Grundsatz von Treu und Glauben ist demnach nicht verletzt.