Citation: 8C_345/2021 E. 6.3

6.3. Unter den im vorinstanzlichen Verfahren neu eingereichten Stellungnahmen der behandelnden Ärzte befindet sich ein Bericht der Universitätsklinik D.________ vom 23. Juli 2020. Danach hätten zwischenzeitlich mehrere Sitzungen im Schmerzzentrum des Universitätsspitals C.________ stattgefunden mit therapeutischer Blockade des Nervus saphenus. Der Beschwerdeführer habe darauf deutlich angesprochen, während frühere intraartikuläre Infiltrationen sowie auch die letzte Operation im Februar 2020 wirkungslos gewesen seien. Es sei daraus auf ein neuropathisches Schmerzgeschehen zu schliessen. Die Stellungnahme vom 23. Juli 2020 wurde erstattet, nachdem die Ärzte während mehrerer Monate (seit September 2019) Massnahmen zu therapeutischen und diagnostischen Zwecken durchgeführt hatten. Nach den erfolglosen früheren Ansätzen mit Infiltrationen sowie einer weiteren Arthroskopie zeigte erst die Nervenblockade eine schmerzlindernde Wirkung. Gestützt darauf erhoben die Ärzte nunmehr neu den Befund eines neuropathischen Schmerzsyndroms. Zudem gingen sie davon aus, dass dieser neu entdeckte Befund eine beträchtliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verursache (Bericht vom 10. August 2020). Es ergeben sich daraus hinreichende Indizien, die gegen die Einschätzung durch die ABI-Gutachter sprechen. Daran kann nichts ändern, dass anlässlich der Begutachtung, die rund ein Jahr vor Beginn der Abklärungen im Universitätsspital C.________ und in der Universitätsklinik D.________ (ohne Beizug eines Neurologen) erfolgte, noch keine entsprechenden neurologischen Anhaltspunkte bestanden. Das schliesst keineswegs aus, dass die Nervenschädigung, wenn auch erst später entdeckt, bereits seit längerem die vom Beschwerdeführer geklagten Einschränkungen bewirkte. Dass die fraglichen Berichte erst nach dem Verfügungserlass vom 19. September 2019 datieren, spricht daher nicht gegen deren Berücksichtigung im vorinstanzlichen Verfahren. Gleiches gilt angesichts der erhobenen Befunde und der dazu abgegebenen Beurteilung insoweit, als die behandelnden Ärzte im Zuge der weiterhin laufenden Abklärungen zunächst lediglich von einer Verdachtsdiagnose sprachen. Schliesslich wird die Beweiskraft der betreffenden jüngeren Berichte wenigstens im Sinne eines Indizes gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens auch nicht dadurch geschmälert, dass die darin enthaltene Bescheinigung der mit der Nervenschädigung verbundenen Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise die vom ABI-Gutachten abweichende Einschätzung zunächst nicht eingehender begründet wurde. Was sodann den im angefochtenen Urteil erwähnten RAD-Bericht vom 14. August 2020 anbelangt, finden sich die genannten Berichte darin wohl erwähnt, hinsichtlich des neuropathischen Geschehens und der zwischenzeitlichen Therapiebemühungen aber nicht spezifisch gewürdigt. Indem das kantonale Gericht dennoch ohne Weiteres auf das ABI-Gutachten abstellte, verletzte es die praxisgemäss massgeblichen Beweiswürdigungsregeln. Es bedurfte vielmehr einer Klärung hinsichtlich der widersprüchlichen Einschätzungen durch die Gutachter und die behandelnden Ärzte. Der Fall ist zu diesem Zweck an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie sich der Sache dementsprechend annehme und - allenfalls nach Einholung eines Gerichtsgutachtens - neu entscheide. Dies betrifft insbesondere auch die Frage, ob eine Invalidität bereits vor dem vorinstanzlich auf 1. August 2016 festgesetzten Rentenbeginn eingetreten sei.