Citation: C 360/01 27.05.2002 E. 2

2.- a) Nach der Rechtsprechung gelten Versicherte, die auf Grund berufs- und arbeitsmarktspezifischer Umstände nicht in der Lage sind, eine Dauerstelle anzunehmen, nicht mehr grundsätzlich als vermittlungsunfähig. Es betrifft dies namentlich Berufe mit häufig wechselnden oder befristeten Anstellungen, wie beispielsweise Musiker, Schauspieler und Artisten (Art. 8 AVIV in Verbindung mit Art. 11 Abs. 2 AVIG). Dem bei dieser Kategorie von Versicherten bestehenden erhöhten Risiko von Beschäftigungslücken wird durch die Nichtanrechnung des Arbeitsausfalles während einer bestimmten Wartezeit Rechnung getragen (Art. 6 AVIV in Verbindung mit Art. 11 Abs. 2 AVIG). Das Eidgenössische Versicherungsgericht stellte jedoch schon unter der Herrschaft des bis Ende 1983 gültig gewesenen Rechts klar, dass die Vermittlungsfähigkeit dann zu verneinen ist, wenn die versicherte Person die Möglichkeit hätte, ein Arbeitsverhältnis von voraussichtlich längerer Dauer einzugehen, sie dies aber nicht wollte (BGE 120 V 390 Erw. 4c/bb, ARV 2000 Nr. 29 S. 152 Erw. 1c, je mit Hinweisen). b) Die Beschwerdegegnerin erhob Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, nachdem ein für Juli 2000 vorgesehenes Engagement für einen Meisterkurs von 11 bis 12 Tagen vom Arbeitgeber kurzfristig abgesagt wurde. Im Hinblick darauf, dass sie bis zum 8. Juni 2000 gearbeitet und auf den 16. August 2000 ein neues Engagement hatte, stand sie der Arbeitsvermittlung für rund neun Wochen zur Verfügung. Entgegen der Auffassung des seco schliesst dies eine Vermittlungsfähigkeit nicht von vornherein aus. Zwar ist kaum anzunehmen, dass sie als Musikerin oder Musiklehrerin kurzfristig eine andere lückenfüllende Anstellung gefunden hätte, wie die Beschwerdegegnerin selbst feststellt. Sie war jedoch von Anfang bereit, auch andere Beschäftigungen anzunehmen, und hat sich um Stellen in den bereits früher ausgeübten Tätigkeiten als Englischlehrerin, als Übersetzerin sowie als kaufmännische Angestellte in verschiedenen Bereichen beworben. Insbesondere mit Bezug auf eine kaufmännische Tätigkeit kann aber nicht gesagt werden, dass die Chancen für eine auf rund neun Wochen begrenzte Anstellung dermassen gering waren, dass die Vermittlungsfähigkeit zu verneinen wäre. Der vorliegende Sachverhalt unterscheidet sich diesbezüglich von dem im nicht publizierten Urteil U. vom 16. Januar 1995, C 182/94, beurteilten Fall einer Harfenistin, welche dem Arbeitsmarkt jeweils nur während einzelner Wochen im Jahr zur Verfügung stand und zudem ausschliesslich Stellen als Harfenistin oder Harfenlehrerin suchte. Wesentliche Unterschiede bestehen auch gegenüber dem in ARV 2000 Nr. 29 S. 150 ff. veröffentlichten Urteil I. vom 3. Januar 2000, C 24/98, wo es um die Vermittlungsfähigkeit eines Barpianisten ging, welcher seine Arbeitsbemühungen stets auf (befristete) Stellen im angestammten Beruf beschränkt hatte und es am Willen fehlen liess, während der Beschäftigungslücke (von zwei Monaten) eine andere Stelle (allenfalls ausserhalb dieses Berufes) anzunehmen. Gegen die Annahme der Vermittlungsfähigkeit spricht auch der Umstand nicht, dass die von der Beschwerdegegnerin ausgeübte Tätigkeit als Orchestermusikerin und Musiklehrerin in Form einzelner Engagements (Projekte) erfolgt und üblicherweise mit kürzeren Beschäftigungslücken verbunden ist. Anders als im bereits erwähnten Urteil C 24/98 (ARV 2000 Nr. 29 S. 150) hat die Beschwerdegegnerin nicht aus freien Stücken lediglich kurzfristige Arbeitseinsätze geleistet, sondern war ihren glaubhaften und unbestrittenen Angaben zufolge praktisch vollberuflich beschäftigt. Zudem bestanden trotz Anstellung in Form einzelner Engagements weitgehend stabile Arbeitsverhältnisse, indem die Beschwerdegegnerin seit Jahren für die gleichen Arbeitgeber tätig ist. Von einer bloss sporadischen Erwerbstätigkeit kann unter diesen Umständen nicht die Rede sein. Auch kann die Beschäftigungslosigkeit von mehr als zwei Monaten in der Zeit vom 9. Juni bis 15. August 2000 nicht als normale Fortsetzung der berufsüblichen Folge von Arbeitseinsätzen und Beschäftigungslücken von jeweils unterschiedlicher Dauer betrachtet werden. Vielmehr kam es auf Grund des offenbar kurzfristig abgesagten Meisterkurses zu einer ausserordentlichen Beschäftigungslücke, welche grundsätzlich einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu begründen vermag. Mit der Vorinstanz ist daher festzustellen, dass die streitige Verfügung der kantonalen Amtsstelle vom 12. April 2001, mit welcher die Vermittlungsfähigkeit für die Zeit vom 9. Juni bis 16. August 2000 unter der Voraussetzung genügender Arbeitsbemühungen bejaht wurde, zu Recht besteht.