Citation: 6B_844/2023 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz stellt fest, der heute 56-jährige Beschwerdeführer sei in Nigeria geboren worden, wo er die gesamte Kindheit und Jugendzeit verbracht, die Schulen besucht und mehrere Jahre lang als technischer Angestellter in einer Bierbrauerei sowie als Taxifahrer gearbeitet habe. Erst im Jahr 1991 sei der Beschwerdeführer in die Schweiz gezogen, habe vier Jahre in Genf gelebt und sei anschliessend nach Zürich gezogen. Er habe zweimal geheiratet, wobei beide Ehen später geschieden worden seien. In der Folge habe er nach traditionellem nigerianischem Recht die Mutter seiner beiden Söhne geheiratet, welche zu ihm in die Schweiz gezogen sei, ohne dass diese Eheschliessung in der Schweiz habe anerkannt werden können. Mit ihr habe er erneut eine Familie gegründet. Vor seiner Verhaftung am 30. Oktober 2011 habe der Beschwerdeführer in einem Vollzeitpensum als Taxifahrer im Betrieb seines ebenfalls hierzulande wohnhaften Bruders gearbeitet. Seine Einkünfte hätten sich damals auf nur gerade Fr. 2'000.-- im Monat belaufen, weshalb er von seiner Herkunftsfamilie zusätzlich finanziell habe unterstützt werden müssen. Bereits daraus ergebe sich - so die Vorinstanz -, dass beim Beschwerdeführer keineswegs besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Bindungen gesellschaftlicher oder beruflicher Natur ersichtlich seien, wie dies für die Annahme eines persönlichen Härtefalls notwendig wäre. Komme hinzu, dass sich der Beschwerdeführer inzwischen seit über elf Jahren in Haft resp. im Strafvollzug befinde, was nicht nur dessen Aussichten auf eine berufliche Wiedereingliederung beträchtlich schmälere, sondern darüber hinaus schon jetzt eine desolate finanzielle Situation hinterlasse. Ebenso wenig könne gesagt werden, dass er eine der Landessprachen beherrschen würde. Sein sozialer und wirtschaftlicher Integrationsgrad sei inzwischen also noch weiter gesunken. Letztlich spreche nicht einmal für den Beschwerdeführer, dass er nunmehr seit längerer Zeit in der Schweiz weile und über eine Niederlassungsbewilligung C verfüge, da ihm der seit dem 30. Oktober 2011 ununterbrochen andauernde Freiheitsentzug nicht als Anwesenheitsdauer angerechnet werden könne. Mit Blick auf die familiären Verhältnisse sei sodann festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zwar aus zweiter Ehe eine inzwischen volljährige Tochter habe, die ebenfalls in der Schweiz lebe, mit der er jedoch keinerlei Kontakt habe. Im Übrigen falle der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer ein in der Schweiz wohnhaftes Kind im Erwachsenenalter habe, nicht in den Schutzbereich des Anspruchs auf Familienleben nach Art. 13 BV resp. Art. 8 EMRK. Umgang pflege der Beschwerdeführer derzeit somit im Wesentlichen einzig mit seinem hier ansässigen Bruder und dessen Familie sowie zu weiteren Verwandten und Bekannten mit nigerianischem Hintergrund. Dies reiche nicht aus, um einen Härtefall zu begründen. In medizinischer Hinsicht klage der Beschwerdeführer zwar u.a. über ein chronisches Glaukom, das bei ihm beidseitig zu einem erhöhten Augeninnendruck führe, jedoch aufgrund der bestehenden Aktenlage medikamentös behandelt werden könne und zurzeit keiner Operation bedürfe. Auch die gesundheitliche Verfassung begründe deshalb nach heutigem Kenntnisstand noch keinen schweren persönlichen Härtefall. Ferner sei der Beschwerdeführer einschlägig vorbestraft. Dabei handle es sich um schwere Straftaten, für die jeweils mehrjährige, unbedingte Freiheitsstrafen angezeigt seien. Entsprechend befinde er sich seit Ende Oktober 2011 ununterbrochen in Haft bzw. im Strafvollzug. Bereits daraus sei für den Beschwerdeführer klarerweise eine schlechte Legalprognose abzuleiten. Nicht zu verkennen sei dabei, dass er die schweizerische Rechtsordnung offensichtlich geringschätze, hätte er doch sonst nicht weiterhin eine Rückführung der beiden nach Nigeria entführten Kinder zu deren Mutter hartnäckig verhindert, nachdem die zuständigen schweizerischen Behörden der Kindsmutter die alleinige elterliche Sorge zugewiesen hatten und er dafür zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt worden war. Mit Bezug auf die Resozialisierungsmöglichkeiten in seinem Heimatland sei schliesslich zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bis zu seinem 25. Altersjahr in Nigeria gelebt habe, wo er seine gesamte Schulzeit absolviert habe und auch schon beruflich tätig gewesen sei. Er beherrsche die Sprache und sei auch mit der dortigen Kultur bestens vertraut. Er pflege denn auch aus der Justizvollzugsanstalt heraus intensiven telefonischen und brieflichen Kontakt zu Angehörigen seiner Grossfamilie in Nigeria, habe sein Heimatland schon vor seiner Inhaftierung regelmässig besucht und könnte seine zuletzt ausgeübte Erwerbstätigkeit als Taxifahrer ohne Weiteres auch dort wiederaufnehmen. Vor diesem Hintergrund seien die Chancen auf soziale und berufliche Wiedereingliederung in seinem Heimatland im Vergleich zu denjenigen in der Schweiz sicherlich nicht als schlechter einzustufen, wobei der Umstand, dass sich die Wirtschaftslage im Ursprungsland häufig schwieriger als hierzulande präsentiere, praxisgemäss eine strafrechtliche Landesverweisung ohnehin nicht zu hindern vermöge. Im Ergebnis verneint die Vorinstanz beim Beschwerdeführer einen schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB und ergänzt, selbst wenn ein solcher zu bejahen wäre, müsste im Übrigen berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer u.a. eine qualifizierte Entführung begangen habe, was zu den schwersten Delikten gehöre, welche die schweizerische Rechtsordnung kenne. Angesichts des hohen Werts, welcher der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie insbesondere auch dem Schutz des betroffenen Rechtsguts und des Kindeswohls beizumessen sei, überwiege das Fernhalteinteresse der Schweiz gegenüber den privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Absehen von der Landesverweisung ohnehin deutlich. Die Dauer der Landesverweisung setzt die Vorinstanz angesichts des besonders ausgeprägten Fernhaltebedürfnisses auf 15 Jahre fest und ordnet die Ausschreibung im SIS an (Urteil S. 29 ff.).