Citation: 6B_474/2010 29.07.2010 E. 2

2.1.1 Die Vorinstanz erwägt, sie habe dem Umstand, dass sich der erstbegutachtende Arzt nicht abschliessend mit der Frage befasst hatte, ob eine Luftembolie Ursache für das Herzversagen bildete, Rechnung getragen, indem sie in Gutheissung des ersten Rekurses des Beschwerdeführers weitere Sachverhaltsabklärungen angeordnet habe. Namentlich habe sie den Beizug eines Neurochirurgen angeordnet. Die Staatsanwaltschaft habe dieser Aufforderung nicht Folge geleistet, sondern die Akten erneut dem IRM zugestellt zur Abklärung, ob sich die noch offenen Fragen aus einer anderen gutachterlichen Sicht beantworten liessen bzw. welche Ermittlungen allenfalls noch erforderlich wären. Dieses Vorgehen erstaune angesichts der eindeutigen Formulierung im Rekursentscheid. Die Staatsanwaltschaft habe den Vertreter des Beschwerdeführers über diesen Schritt informiert, wobei dieser keine grundsätzlichen Einwände erhoben und namentlich nicht den Beizug eines Neurochirurgen zur Sprache gebracht habe. Er habe lediglich die Einvernahme des zuständigen Pflegepersonals verlangt und diesen Standpunkt auch nach Erhalt des ergänzenden IRM-Gutachtens beibehalten. Erst im Rekurs habe er die Beurteilung der CT-Bilder durch einen Experten beantragt (angefochtenes Urteil, S. 4 f.). 2.1.2 Die Vorinstanz führt weiter aus, der neue Gutachter des IRM habe die Möglichkeit bejaht, die noch offenen Fragen im Rahmen eines ergänzenden Gutachtens beantworten zu können. Er habe dargelegt, dass eine Luftembolie, die über längere Zeit überlebt werde, im Gehirn nachweisbare Defekte verursachen müsse, die auf den anhaltenden Sauerstoffmangel zurückzuführen seien. Charakteristische mikroskopische Veränderungen seien kleinere Blutungen in der Umgebung von Blutgefässen sowie Zeichen hypoxischer Nervenzellenschäden, die bereits wenige Stunden nach beginnenden Durchblutungsstörungen histologisch sichtbar würden. Vorliegend wären somit bei einer aktenkundigen Überlebenszeit von 22 Stunden nach dem medizinischen Eingriff solche Veränderungen im Hirn zu erwarten gewesen, wenn tatsächlich eine tödliche Luftembolie vorgelegen hätte. Ein derartiger Befund sei jedoch weder klinisch-radiologisch noch anhand der postmortalen Untersuchungsergebnisse belegt. Zwar seien als Luftansammlungen interpretierbare Veränderungen beschrieben worden, doch seien diese Befunde unklar geblieben (angefochtenes Urteil, S. 5 f.). 2.1.3 Die Vorinstanz erachtet aufgrund der klaren Erkenntnisse des neuen IRM-Gutachtens den Beizug eines Neurochirurgen als entbehrlich. Die Aussagen des Gutachters seien nachvollziehbar, klar und dezidiert. Eine Fehlmanipulation am Gerät anlässlich der Blutentnahme seien wohl ebensowenig auszuschliessen wie ein Defekt am Gerät selbst. Auch ein plötzlicher Herz-Kreislaufstillstand aufgrund belegter ausgeprägter Folgeschäden des angeborenen Herzfehlers (Fallot'sche Tetralogie) sei jederzeit möglich gewesen. Bei diesen Hinweisen - so die Vorinstanz - handle es sich nicht um eindeutige Befunde, was aus dem Gutachten hervorgehe. Erwägungen hierzu müssten spekulativ bleiben, was jedoch nicht entscheidend sei. Massgeblich sei vielmehr, dass eine Luftembolie als Todesursache nicht in Frage komme, während sich ein Todeseintritt durch die vorbestehenden Schädigungen ohne weiteres erklären liesse. Sie habe denn auch bereits im ersten Entscheid vom 8. April 2008 festgehalten, dass zusätzliche Ermittlungen und Befragen nur nötig seien, wenn eine Luftembolie als Todesursache tatsächlich in Betracht komme, was vorliegend nicht der Fall sei. Bezüglich Funktion des IRM als begutachtende Institution habe sich der Beschwerdeführer mit dessen erneuten Befassung einverstanden erklärt. Jetzt, da das Resultat nicht in seinem Sinn ausgefallen sei, könne er dessen Neutralität nicht mehr in Frage stellen (angefochtenes Urteil, S. 6 ff.). Bei der bestehenden Beweislage sei mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Freispruch zu erwarten. Zudem sei nicht ersichtlich, wie durch zusätzliche Ermittlungen wesentliche neue Erkenntnisse gewonnen werden könnten. Der Einstellungsbeschluss sei nicht zu beanstanden (angefochtenes Urteil, S. 8).