Citation: 6P.26/2005 24.09.2005 E. 6

Nach Art. 63 StGB misst der Richter die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Er berücksichtigt die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen. Hierzu gehören auch das Verhalten im Strafverfahren, die Straftatfolgen und die Strafempfindlichkeit des Täters (BGE 129 IV 6 E. 6.1.; Hans Wiprächtiger, Basler Kommentar StGB I, Basel 2003, Art. 63 N. 91 ff.; Matthias Härri, Folgeberücksichtigung bei der Strafzumessung, ZStrR 116/1998, S. 221). Der Umfang der Berücksichtigung verschiedener Strafzumessungsfaktoren liegt im Ermessen der kantonalen Behörde (BGE 127 IV 101 E. 2; 124 IV 286 E. 4a, je mit Hinweisen). Der Kassationshof kann im Verfahren der Nichtigkeitsbeschwerde in die Strafzumessung nur eingreifen, wenn die Vorinstanz den gesetzlichen Strafrahmen über- oder unterschritten hat, wenn sie von rechtlich nicht massgebenden Kriterien ausgegangen ist oder wenn sie wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen bzw. (in Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermessens) falsch gewichtet hat (BGE 129 IV 6 E. 6.1.). 6.1 Zum Medieninteresse führt die Vorinstanz aus, dass dieses den Beschwerdeführer nicht übermässig zu belasten scheine (Urteil S. 31). Der Beschwerdeführer kritisiert die Verwendung des Modalverbs 'scheinen' (Beschwerde S. 3 f.). Diese mache deutlich, dass die Vorinstanz hinsichtlich der Auswirkungen der Medienberichterstattung lediglich Vermutungen hege. Vermutungen seien jedoch eine ungenügende Urteilsgrundlage, weil es an einer tatsächlichen Feststellung fehle. Der Beschwerdeführer macht zu Recht geltend, dass die Formulierung der Vorinstanz auf eine blosse Vermutung der Belastung hindeute. Entgegen seinen Ausführungen führt dies jedoch nicht zwingend zur Kassation. Vermutungen sind für den Kassationshof lediglich nicht im gleichen Sinne verbindlich wie Tatsachenfeststellungen nach Art. 277bis Abs. 1 BStP (BGE 76 IV 191; Erhard Schweri, Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde in Strafsachen, Bern 1993, N. 638). Sie stehen somit einer Überprüfung offen. Allerdings auferlegt sich das Bundesgericht auch hierbei Zurückhaltung und schreitet nur ein, wenn die sachrichterliche Einschätzung vollkommen unhaltbar ist. Aus dem angefochtenen Urteil geht hervor, dass sich die Vorinstanz bei der Einschätzung der Belastungssituation auf den persönlichen Eindruck vom Beschwerdeführer stützt. In Würdigung aller Umstände kommt sie zum Schluss, dass die Belastung durch die Berichterstattung kein Übermass erreicht habe. Die blosse Tatsache, dass die Vorinstanz ihre Wahrnehmungen mit Verben wie 'scheinen' zum Ausdruck bringt, ändert nichts an der Nachvollziehbarkeit ihrer Schlussfolgerung. 6.2 Hinsichtlich der Berichterstattung in der Presse rügt der Beschwerdeführer weiter, dass die damit zusammenhängenden Belastungen bei der Strafzumessung nicht hinreichend berücksichtigt worden seien. Überdies sei es in Leserbriefen und anlässlich einer Gemeindeversammlung zu Vorverurteilungen gekommen (Beschwerde S. 5 f.). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann ein ausserordentliches Medieninteresse als Strafzumessungsgrund im Rahmen von Art. 63 StGB strafmindernd gewichtet werden, insbesondere wenn es hierbei zu einer Vorverurteilung von Tatverdächtigen kommt (BGE 128 IV 97, E. 3 b). In Bezug auf die behaupteten Vorverurteilungen legt der Beschwerdeführer nicht dar, inwiefern sich diese konkret zu seinen Ungunsten ausgewirkt haben sollen. Hinsichtlich des Medieninteresses hält die Vorinstanz fest, dass der Fall zwar in der Presse sehr ausführlich thematisiert wurde, dies den Beschwerdeführer aber nicht in einem Masse beeinträchtigt habe, welches eine strafmindernde Berücksichtigung im geforderten Umfang rechtfertigen würde (Urteil S. 31). Wie im Rahmen der staatsrechtlichen Beschwerde bereits ausgeführt wurde, hat die Vorinstanz die Übermässigkeit der Belastung durch die Medien ohne Willkür verneint. Entsprechend ist die nur marginale Berücksichtigung der Medienbelastung bei der Strafzumessung auch nicht zu beanstanden. 6.3 Als weitere belastende Straftatfolgen macht der Beschwerdeführer die fristlose Kündigung sowie seine seitherige Arbeitslosigkeit geltend. Zudem werde er angesichts engmaschiger Sozialstrukturen 'im Talkessel Schwyz' zeitlebens das Stigma 'des kriminell gewordenen Gemeindekassiers' tragen müssen (Beschwerde S. 7 ff.). Die Aufdeckung strafbarer Handlungen geht für den Straftäter meist mit dem Verlust seines guten Rufes und seiner Vertrauenswürdigkeit einher. Oft verliert er dabei auch seine Arbeitsstelle. Diese Straftatfolgen sind unter dem Blickwinkel der Strafempfindlichkeit zu würdigen. Jedes Strafverfahren bringt - neben Schuldspruch und Sanktion - zusätzliche Belastungen mit sich, die aber nur strafmindernd zu berücksichtigen sind, wenn sie das durchschnittliche Mass übersteigen (vgl. Entscheid des Bundesstrafgerichts vom 29. Oktober 1999, 9X.1/1998; weiter Matthias Härri, a.a.O., S. 221; Hans Wiprächtiger, a.a.O., Art. 63 N 100). In Bezug auf die fristlose Entlassung und die seitherige Arbeitslosigkeit ist der Vorinstanz insofern zuzustimmen, als es sich hierbei um unmittelbar mit den strafbaren Handlungen zusammenhängende Belastungsfaktoren handelt. Das gleiche gilt für den Verlust des guten Rufes. Weil der Beschwerdeführer in einem öffentlichen Amt delinquiert hat, liess sich das Bekanntwerden seiner Identität nicht verhindern. Die Vorinstanz hat sich mit den verschiedenen Belastungsfaktoren eingehend auseinandergesetzt und diese nicht als überdurchschnittlich bewertet. Ausserdem fehle es beim Beschwerdeführer auch an einer besonderen Strafempfindlichkeit (Urteil S. 30 f.). Diese Einschätzungen halten sich im Rahmen des dem Sachrichter zustehenden Ermessens. 6.4 Abschliessend ist noch darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz das Verschulden des Beschwerdeführers im Gegensatz zur ersten Instanz zurecht als schwer einstuft. Die Deliktsdauer von 10 Jahren, der Deliktsbetrag von rund Fr. 450'000.-, die Unverfrorenheit des Tatvorgehens sowie die Tatsache, dass er weder finanziell noch persönlich in Bedrängnis war, zeugten von einem erheblichen Mass an krimineller Energie. Er habe die mit seinem Amt einhergehende Vertrauensposition schamlos ausgenützt (Urteil S.32). In Würdigung all dieser Umstände sei die von der ersten Instanz ausgefällte 18-monatige Zuchthausstrafe zu milde. 24 Monate Zuchthaus seien eine seinem Verschulden angemessene Strafe. Unterschiedliche Gewichtungen der für die Strafzumessung massgebenden Faktoren sind eine Folge der Unabhängigkeit des Richters, der weiten Strafrahmen, der freien Beweiswürdigung sowie des erheblichen Ermessens des Sachrichters (vgl. BGE 123 IV 150 E. 2a).