Citation: 4P.146/2002 24.10.2002 E. 2.3

2.3.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, das Arztzeugnis vom 28. November 1998 bestätige, dass die behaupteten Belästigungen am Arbeitsplatz als Ursache ihres damaligen Gesundheitszustandes in Frage kamen. Zudem habe die ärztliche Behandlung zeitlich in unmittelbarem Zusammenhang mit den Vorkommnissen am Arbeitsplatz gestanden. Dies sei ein Beleg dafür, dass die psychischen Störungen auf die Belästigungen am Arbeitsplatz zurückgehen. Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, dass ihre Therapeutin in dem im Strafverfahren gegen D.________ erstellten Bericht vom 13. Februar 1999 ebenfalls davon ausgehe, dass die psychischen Störungen auf die Belästigungen am Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin hat das Kantonsgericht den Beweiswert des Arztzeugnisses und des Therapieberichts willkürlich verneint. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts darf das Gericht in Fachfragen nicht ohne triftigen Grund von einem Gutachten abweichen und muss Abweichungen begründen. Zu beachten ist aber, dass das Abstellen auf nicht schlüssige Gutachten gegen Art. 9 BV verstossen kann, so wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern (BGE 128 I 81 E. 2 S. 86, mit Hinweisen). Bei Ärzten und Therapeuten, die einen Bericht über einen eigenen Patienten erstellen, darf das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihres Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353, mit Hinweisen). Das Kantonsgericht schloss sich der Auffassung des Arbeitsgerichts Unterrheintal an, wonach die angeblichen Belästigungen am Arbeitsplatz geeignet waren, die im Arztzeugnis und im Therapiebericht beschriebenen psychischen Störungen bei der Beschwerdeführerin hervorzurufen. Nach Auffassung des Kantonsgerichts enthalten die Berichte aber keinen Beweis für die Vorkommnisse am Arbeitsplatz. Das Kantonsgericht begründet seine Zurückhaltung damit, dass für den Arzt und die Therapeutin der Behandlungserfolg der Patientin im Vordergrund stehe und die Berichte deshalb möglicherweise nicht mit der nötigen Objektivität erstellt worden seien. Zudem würden die Berichte ausschliesslich auf den Aussagen der Beschwerdeführerin beruhen. Der Therapiebericht enthalte überdies Widersprüche zu den Akten. Damit macht das Kantonsgericht plausible Gründe geltend, welche die Überzeugungskraft der Berichte abzuschwächen vermögen. Mit Blick auf die erwähnte Rechtsprechung hat das Kantonsgericht den Beweiswert des Arztzeugnisses und des Therapieberichts somit nicht willkürlich in Frage gestellt. 2.3.2 Sodann macht die Beschwerdeführerin geltend, das Kantonsgericht habe die Loyalitätskonflikte der Zeugen im Verhältnis zur Beschwerdegegnerin und die daraus hervorgehende Befangenheit ausser Acht gelassen. Die Zeugenaussagen seien stereotyp und gehemmt. So würden die Zeugen ihren Aussagen zum Streit zwischen der Beschwerdeführerin und D.________ geflissentlich die Bemerkung beifügen, dass die Spannungen nur wegen der Arbeit entstanden seien. Aussagen zu den behaupteten sexuellen Belästigungen würden nur auf beharrliche Nachfrage und mit Zurückhaltung gemacht und die Brisanz der Vorfälle heruntergespielt. Sämtliche Zeugen hätten zudem verschwiegen, dass am 16. Oktober 1998 eine Belegschaftssitzung stattfand, an der B.________ die Mitarbeiter zur heimlichen Beschädigung des Autos von D.________ befragte. Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Widersprüche in ihren eigenen Aussagen hätten nicht den Kern, sondern nur unwesentliche Nebenpunkte der Ereignisse betroffen. Ihre Glaubwürdigkeit würde dadurch nicht in Frage gestellt. Das Kantonsgericht habe zudem ausser Acht gelassen, dass sie keine Motive für eine Falschaussage gehabt hätte. Das Kantonsgericht habe ihren Aussagen und auch denjenigen ihres Ehemannes zu Unrecht nur geringe Bedeutung beigemessen, und es habe sie nicht gegen die Zeugenaussagen abgewogen. Was die Zeugenaussagen anbelangt, so trifft es zu, dass darin eine gewisse Gehemmtheit ausgemacht werden kann. Auch das Verschweigen der Belegschaftssitzung vom 16. Oktober 1998 erweckt gewisse Zweifel an der völligen Unbefangenheit der Zeugen. Den Akten lässt sich hingegen nichts entnehmen, woraus auf ein schlechtes Verhältnis der Zeugen zur Beschwerdeführerin und auf ein diesbezügliches Motiv für eine Falschaussage geschlossen werden könnte. Ebenso wenig sind konkrete Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass B.________ seine Angestellten unter Druck gesetzt und zu einer Falschaussage bewogen hat. Aus der vor der Zeugeneinvernahme abgegebenen Bemerkung B.________s, dass er mit seiner Mannschaft ankomme, kann jedenfalls nichts abgeleitet werden. Das Kantonsgericht schliesst, dass nicht festgestellt werden kann, ob einer der Zeugen die sexuelle Belästigung unmittelbar wahrgenommen und ob die Belegschaft bereits vor dem Vorfall am 8.Oktober 1998 über die behaupteten Belästigungen unter sich gesprochen hat. Dafür, dass dieser Schluss des Kantonsgerichts unhaltbar wäre, bieten die Akten keine Anhaltspunkte. Gemäss dem angefochtenen Urteil berücksichtigt das Kantonsgericht die Aussagen der Beschwerdeführerin wegen deren eigenen Interessen am Verfahrensausgang mit Zurückhaltung. Es hält fest, dass die Aussagen recht detailliert und von daher glaubwürdig seien, dass sie aber auch einige Widersprüche und Übertreibungen enthielten. Mit ebensolcher Zurückhaltung würdigt das Kantonsgericht aber auch die Aussagen von B.________ und D.________. B.________ habe nur vage Aussagen gemacht und sich an vieles nicht erinnert. Die Aussagen von D.________ seien karg und widersprüchlich. Das Kantonsgericht hat deshalb auch den Aussagen von B.________ und D.________ wenig Bedeutung beigemessen. Die Aussagen der Beschwerdeführerin sind daher nicht einseitig abgewertet worden. 2.3.3 Das Kantonsgericht kommt zum Schluss, es sei erwiesen, dass zwischen der Beschwerdeführerin und D.________ ein Streit geherrscht habe. Sodann sei erwiesen, dass die Beschwerdeführerin psychische Probleme hatte und sich deswegen in ärztliche und therapeutische Behandlung begab. Nicht erwiesen sei aber, dass die Beschwerdeführerin sexuell belästigt worden sei und die psychischen Probleme auf die behaupteten Belästigungen zurückgeführt werden müssten. Zu diesem Ergebnis kommt das Kantonsgericht, indem es dem Arztzeugnis und dem Bericht der Therapeutin aus plausiblen Gründen nur beschränkte Beweiskraft beimisst, den Aussagen aller Betroffenen mit berechtigter Zurückhaltung begegnet und mit den sorgfältig geprüften Zeugenaussagen vergleicht. Selbst wenn aufgrund der Abhängigkeit von der Beschwerdegegnerin gewisse Zweifel an der völligen Unbefangenheit der Zeugen nicht in Abrede gestellt werden können, kann das Beweisergebnis des Kantonsgerichts nicht als unhaltbar und somit willkürlich im Sinne von Art. 9 BV betrachtet werden. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.