Citation: 2A.112/2001 25.05.2001 E. 3

3.- a) Gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG kann ein Ausländer aus der Schweiz ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde. Die Ausweisung darf jedoch nur ausgesprochen werden, wenn sie nach den gesamten Umständen angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 ANAG). Hierbei sind vor allem die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung vom 1. März 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer, ANAV; SR 142. 201). Entscheidend für die Beurteilung der Zulässigkeit einer Ausweisung ist somit stets die Verhältnismässigkeitsprüfung, die gestützt auf die gesamten wesentlichen Umstände des Ein- zelfalls vorzunehmen ist (vgl. BGE 125 II 521 E. 2b S. 524, mit Hinweis). Unbeachtlich sind indessen der im Rahmen eines Strafverfahrens angeordnete Verzicht auf eine Landesverweisung nach Art. 55 StGB oder deren Aufschub. Sie stehen der fremdenpolizeilichen Ausweisung nach Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG nicht entgegen (125 II 105 E. 2b S. 107 f., mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer kann daher für sich aus der Tatsache nichts ableiten, dass im gegen ihn laufenden Verfahren wegen Widerhandlungen nach Art. 19 Ziff. 1 und 2 lit. a bis c BetmG keine unbefristete Landesverweisung beantragt wurde (vgl. Anklageschrift vom 19. Februar 2001 der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern). b) Der Beschwerdeführer ist in der Zeit seines Aufenthalts in der Schweiz mehrere Male strafrechtlich relevant aufgefallen. Allein vom 12. August 1993 bis zum 29. Februar 2000 kam es, darunter auch wegen Verbrechen und Vergehen, zu elf Verfügungen der Jugendanwaltschaft und nach der Volljährigkeit des Beschwerdeführers zu zwei Strafverfügungen des Amtsstatthalteramtes. Damit ist der Ausweisungsgrund von Art. 10 Abs. 1 lit a ANAG, wie der Beschwerdeführer selber ausführt, grundsätzlich gegeben (vgl. BGE 125 II 521 E. 3a S. 524). Hinsichtlich des Verschuldens des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass dieser wegen einer Vielzahl von Delikten verurteilt worden ist. Zwar mögen diese Straftaten bzw. die verhängten Strafen im Einzelfall betrachtet, insbesondere auch auf Grund der Tatsache, dass sie nach Jugendstrafrecht sanktioniert wurden, als nicht sehr gravierend erscheinen. Der Beschwerdeführer hat aber über mehrere Jahre hin immer wieder delinquiert und sich von den jeweils verhängten Strafen und Massnahmen nicht von weiteren Delikten abhalten lassen, darunter auch nicht von Eigentumsdelikten, deren Begehen, wie die Vorinstanz zutreffend festhält, sich nicht mehr mit jugendlichem Leichtsinn oder mit Unreife er- klären lässt. Statt sich zu bessern, fuhr der Beschwerdeführer mit der deliktischen Tätigkeit weiter fort, wobei er sich immer schwerere Straftaten zuschulden kommen liess. Dies vermag gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Ausweisung selbst bei einem Ausländer, der seit längerer Zeit in der Schweiz wohnt, zu rechtfertigen (vgl. AlainWurzburger, La jurisprudence récente du Tribunal fédéral en matière de police des étrangers, in: RDAF 53/1997 I S. 314 ff., mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). c) Wie das auch in der Beschwerdeschrift erwähnte Verfahren wegen Handels von Heroin und Kokain zeigt, hat der Beschwerdeführer sich zudem auch durch die ihm mit Schreiben vom 10. April 2000 angezeigte Landesverweisung nicht von weiteren Delikten abhalten lassen (vgl. Anklageschrift der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern vom 19. Februar 2001). Dass ihm die im Anschluss an dieses Schreiben mit Verfügung vom 17. Mai 2000 ausgesprochene Ausweisung zuvor nicht angedroht worden ist, hat angesichts dessen keine entscheidende Bedeutung. d) Die Betäubungsmitteldelikte bilden, da diesbezüglich keine rechtskräftige gerichtliche Verurteilung vorliegt, zwar keinen Ausweisungsgrund nach Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG (BGE 125 II 521 E. 3 S. 524 ff.), sie dürfen aber, weil sie grundsätzlich nicht bestritten werden, bei der Frage der Angemessenheit der aus den vorerwähnten Gründen (vgl. E. 3b) grundsätzlich anzuordnenden Ausweisung mitberücksichtigt werden. Das Bundesgericht verfolgt im Zusammenhang mit solchen Straftaten im Hinblick auf den Kampf gegen den Drogenhandel sowie auf die mit diesen Delikten zusammenhängende Gefährdung der Gesundheit einer Vielzahl von Menschen eine strenge Praxis (vgl. Alain Wurzburger, a.a.O., S. 308, mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer hat eine Menge Betäubungsmittel umgesetzt, die ungeachtet dessen, ob wie im angefochtenen Entscheid von ca. 6,3 kg Heroin und 112 Gramm Kokain oder wie in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern vom 19. Februar 2001 von mindestens 3,450 kg und 112 Gramm Kokain auszugehen ist, gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Betäubungsmittelgesetz als schwerer Fall zu betrachten ist (vgl. BGE 109 IV 143 E. 3 S. 143 ff.). e) Es besteht somit ein gewichtiges öffentliches Interesse, den Beschwerdeführer von der Schweiz fernzuhalten; dieses überwiegt sein privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz, auch wenn die Trennung von seiner Familie und das Leben in dem im Wiederaufbau befindlichen Kosovo ihm sicher nicht leicht fallen werden.