Citation: 8C_272/2022 E. 4.2.1

4.2.1. Die IV-Stelle rügt, im vorliegenden Fall könne nicht von einer dauernden persönlichen Überwachung nach Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV ausgegangen werden. Gemäss Abklärungsbericht vom 18. November 2020 werde die Beschwerdegegnerin jeweils um 7.00, 10.00, 12.30, 16.15, 19.00, 21.00, 6.30 Uhr sondiert (richtig nach besagtem Abklärungsbericht: Sondenernährung jeweils um 7.00, 10.00, 12.30, 16.15 und 19.00 Uhr sowie von 21.00 Uhr abends bis 6.30 Uhr morgens Dauersondierung mittels Sondomat). In der Nacht komme es zwei bis dreimal pro Monat vor, dass die Pumpe einen Alarm gebe, wenn der Durchfluss gestört sei. Zusammen mit den regelmässigen Blutzuckermessungen bei den Sondierungen sowie "ausserhalb der Sondenernährung" sei die Hypoglykämie kein wesentliches Problem, da diese nicht plötzlich und unvorhergesehen zu einer lebensbedrohlichen Situation führe. Unbestritten sei, dass mit den regelmässigen Blutzuckermessungen ein gewisser Aufwand verbunden sei. Die Massnahmen würden jedoch nicht ein Ausmass annehmen, das in der Intensität einer dauernden Überwachung entsprechen würde. Bei dieser Argumentation blendet die IV-Stelle allerdings die Angaben im Bericht des Spitals F.________ vom 8. Januar 2021 ohne weitere Begründung aus, auf den sich das kantonale Gericht - nebst anderem - bei der Beurteilung der Notwendigkeit einer dauernden Überwachung stützt. Darin benannten die medizinischen Fachpersonen die potentiell schwerwiegenden Folgen einer Hypoglykämie (Bewusstseinsverlust, komatöser Zustand, Multiorganversagen, Tod) und hielten fest, für Notfälle müsse rund um die Uhr eine kompetente Betreuungsperson verfügbar sein. Ausserdem wiesen sie darauf hin, dass die Aufrechterhaltung des Blutzuckers zwischen den Nahrungsaufnahmen tagsüber stets eine Gratwanderung zwischen Menge, Zusammensetzung und Zeit der Mahlzeit sowie deren gastrointestinaler Verträglichkeit sei. Vor diesem Hintergrund kann die vorinstanzliche Bejahung einer notwendigen dauernden Überwachung nicht als willkürlich gelten (vgl. E. 2 und 3.4 hiervor). Denn aus den eindeutigen fachärztlichen Vorgaben geht klar hervor, dass die alltägliche engmaschige Begleitung der Beschwerdegegnerin unerlässlich ist, um gefährliche Hypoglykämien zu verhindern. Nur weil die Betreuungspersonen in der Vergangenheit offensichtlich zuverlässige Hilfestellungen geleistet haben, um solche lebensbedrohlichen Zustände zu vermeiden, kann keineswegs mit der IV-Stelle angenommen werden, die Hypoglykämien seien "kein wesentliches Problem".