Citation: 6B_142/2007 05.09.2007 E. 4

Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung seines Anspruchs auf das rechtliche Gehör, da beantragte Beweisergänzungsbegehren nicht abgenommen worden seien (Beschwerde S. 4 Ziff. 1 Abs. 3). Seinem Beweisantrag auf Einholung eines aussagepsychologischen Gutachtens hätte stattgegeben werden müssen, da die generelle Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin angesichts ihrer Lebens- und Asylgeschichte sehr zweifelhaft sei. Im Verlaufe des Verfahrens sei herausgekommen, dass die Beschwerdegegnerin an einer psychischen Störung leide. Die Ärzte der psychiatrischen Klinik könnten dabei keine Aussagen über einen möglichen Zusammenhang zwischen der psychischen Störung und dem inkriminierten sexuellen Übergriff machen (Beschwerde S. 4 Ziff. 4. S. 15 ff.). 4.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV umfasst unter anderem das Recht des Betroffenen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 127 I 54 E. 2b S. 56, mit Hinweis). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör folgt, dass der Richter rechtzeitig und formrichtig angebotene erhebliche Beweismittel abzunehmen hat (BGE 122 I 53 E. 4a S. 55, mit Hinweisen). Dies verwehrt es ihm indessen nicht, einen Beweisantrag abzulehnen, wenn er ohne Willkür in freier, antizipierter Würdigung der beantragten zusätzlichen Beweise zur Auffassung gelangen durfte, dass weitere Beweisvorkehren an der Würdigung der bereits abgenommenen Beweise voraussichtlich nichts mehr ändern würden (BGE 131 I 153 E. 3 S. 157, mit Hinweisen). 4.2 Nach der Rechtsprechung ist es Aufgabe des Richters, Beweise zu würdigen, namentlich die Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen und die Glaubwürdigkeit der aussagenden Person zu beurteilen. Eine Glaubwürdigkeitsbegutachtung durch einen Sachverständigen drängt sich in der Regel sachlich erst auf, wenn der Richter aufgrund besonderer Umstände auf zusätzliches medizinisches oder psychologisches Fachwissen angewiesen ist. Dies ist etwa der Fall, wenn Anzeichen bestehen, dass die betreffende Person wegen einer ernsthaften geistigen Störung, Drogensucht, übermässigen Medikamentenkonsums oder sonstiger Umstände in ihrer Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Wiedergabefähigkeit beeinträchtigt und zur wahrheitsgemässen Aussage nicht fähig oder nicht willens sein könnte. Eine Begutachtung kann auch geboten sein, wenn konkrete Anhaltspunkte für eine Beeinflussung des Zeugen durch Dritte vorliegen oder wenn schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkindes zu beurteilen sind. Dem Richter steht bei der Beantwortung der Frage, ob aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalles der Beizug eines Sachverständigen zur Glaubwürdigkeitsbegutachtung notwendig ist oder nicht, ein Ermessensspielraum zu (BGE 129 I 49 E. 4 S. 57; 129 IV 179 E. 2.4 S. 184, mit Hinweisen; Urteil 1P.636/2006 vom 14. Dezember 2006 E. 3.3, mit Hinweisen). 4.3 Im angefochtenen Urteil führt das Kantonsgericht aus, dass die Aussagen des Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin für die Beweiswürdigung zentral seien. Die Verteidigung mache jedoch keine konkreten Anzeichen dafür geltend, dass die Beschwerdegegnerin in ihrer Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Wiedergabefähigkeit beeinträchtigt sein könnte. Es sei kein zureichender Grund für die Erstellung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens, dass nicht alle Einzelheiten der Lebens- und Asylgeschichte der Beschwerdeführerin bekannt seien (angefochtenes Urteil S. 9 Ziff. 1 b). Das Kantonsgericht hält die Beschwerdegegnerin vielmehr für generell glaubwürdig. Ihre Aussagen erachtet es in hohem Masse als glaubhaft. Die Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdegegnerin lasse sich durch objektive Indizien bestätigen. So seien im Zimmer des Beschwerdeführers Haarbüschel und Blutspuren gesichert worden, welche DNA-analytisch der Beschwerdegegnerin zugeordnet werden konnten. Am Darmausgang der Beschwerdegegnerin sei ein Schleimhautriss festgestellt worden, der mit ihrer Schilderung übereinstimme, dass ihr der anale Verkehr, den sie vorher nie praktiziert hätte, Schmerzen bereitet hätte. Weiter sei erstellt, dass der Reissverschluss der Jeanshose, welche die Beschwerdegegnerin in der fraglichen Nacht getragen habe, kaputt gewesen sei. Die medizinischen Fachberichte über den Gesundheitszustand der Beschwerdegegnerin würden ein tief in ihre psychische Integrität eingreifendes Ereignis bestätigen (angefochtenes Urteil E. 4 a-d S. 22 ff.). 4.4 Das Kantonsgericht hat sich selber ein Urteil über die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdegegnerin gebildet. Es hat ausführlich die Gründe dargelegt, aufgrund welcher es die Aussagen der Beschwerdegegnerin als glaubhaft beurteilt hat. Gemäss der willkürfreien Würdigung des Kantonsgerichtes weisen die Aussagen der Beschwerdegegnerin einen hohen Realitätsgehalt auf, sind konsistent und hinsichtlich ihres Kerngehaltes frei von Widersprüchen. Es bestehen keine Anzeichen, dass die Beschwerdegegnerin wegen einer ernsthaften geistigen Störung, Drogensucht, übermässigen Medikamentenkonsums oder sonstiger Umstände in ihrer Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Wiedergabefähigkeit beeinträchtigt und zur wahrheitsgemässen Aussage nicht fähig oder nicht willens sein könnte. Somit ist der Verzicht auf die Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. Der Anspruch des Beschwerdeführers auf das rechtliche Gehör wurde nicht verletzt.