Citation: 6B_808/2019 E. 3.2.1

3.2.1. Die Vorinstanz weist zutreffend darauf hin, dass gemäss gefestigter bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein Revisionsgesuch (der verurteilten Person) grundsätzlich als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren ist, wenn es sich auf Tatsachen stützt, die der verurteilten Person von Anfang an bekannt waren und die sie in einem ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können. Diese Voraussetzungen sind vorliegend jedoch nach den verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen nicht erfüllt, denn weder die Staatsanwaltschaft noch der Beschwerdeführer wussten im Zeitpunkt des Erlasses des Strafbefehls, dass der von der A.________ AG zur Anzeige gebrachte Lebenssachverhalt auf einem Rechenfehler beruhte. Dieser wurde auch erst nach mehrfacher Prüfung durch die Buchhaltung der Anzeigeerstatterin aufgedeckt und mitgeteilt, als der Strafbefehl bereits (unangefochten) in Rechtskraft erwachsen war. Mangels Kenntnis hätte der Beschwerdeführer diese Umstände - wie auch die gesuchstellende Staatsanwaltschaft - nicht im Rahmen eines auf fristgerechte Einsprache hin durchgeführten erstinstanzlichen Verfahrens geltend machen können. Insofern ist auch im Lichte der von der Vorinstanz zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht ersichtlich, inwieweit die Geltendmachung dieser Tatsachen und Beweismittel, insbesondere durch die Staatsanwaltschaft, rechtsmissbräuchlich sein soll. Soweit die Vorinstanz ausführt, dass das erstinstanzliche Gericht auf Einsprache des Beschwerdeführers allfällige Beweise hätte abnehmen und mit freier Kognition darüber hätte entscheiden können, ob der Anklagevorwurf erstellt gewesen wäre, ändert dies nichts daran, dass die Staatsanwaltschaft und der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Eintritts der Rechtskraft des Strafbefehls von den im Revisionsverfahren geltend gemachten neuen Tatsachen und Beweisen keine Kenntnis hatten. Auch wenn das Strafbefehlsverfahren ein besonderes (vereinfachtes) Verfahren ist (vgl. Art. 352 ff. StPO), entbindet dies die Staatsanwaltschaft nicht von ihrer Aufgabe, in der Untersuchung den Sachverhalt tatsächlich und rechtlich so weit abzuklären, dass sie das Vorverfahren abschliessen kann (Art. 308 Abs. 1 StPO). Ein Strafbefehl kann nur erlassen werden, wenn der Sachverhalt eingestanden oder anderweitig ausreichend geklärt ist (Art. 352 Abs. 1 StPO), zumal er - soweit die Staatsanwaltschaft nach Einsprache an ihm festhält - als Anklageschrift dient (Art. 356 Abs. 1 StPO). Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 StPO) gelangt im gesamten Strafverfahren und nicht erst ab dem erstinstanzlichen Gerichtsverfahren zur Anwendung.