Citation: I 609/00 18.12.2002 E. 4

4.1 Eine prozessuale Revision setzt die Entdeckung neuer Tatsachen oder neuer Beweismittel voraus, die geeignet sind, zu einer von der ursprünglichen Verfügung abweichenden rechtlichen Beurteilung zu führen (BGE 127 V 469 Erw. 2c). Der Beschwerdeführer sieht in den Steuerveranlagungen einen Revisionsgrund. Gestützt auf diese sei nun im Gegensatz zur im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 1. Oktober 1996 gegebenen Situation ein Einkommensvergleich möglich. 4.2 Zwar ist bei Erwerbstätigen für die Bemessung des Invaliditätsgrades in der Regel ein Einkommensvergleich durchzuführen. Doch wird stattdessen ein erwerblich gewichteter Betätigungsvergleich (ausserordentliches Bemessungsverfahren) vorgenommen, wenn sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG) - oder eines davon (Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 205) - nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen lassen (BGE 128 V 30 Erw. 1; Erw. 5.3.1. hienach). 4.3 Gemäss Schlussbericht der IV-Berufsberatung vom 15. Februar 1996 hatte der Versicherte gegenüber der Berufsberaterin erklärt, er hoffe, nach der Geschäftsübernahme die Schuhmacherei seines Vaters wieder mehr zum blühen bringen zu können. Jedenfalls wolle er sich ein Jahr dafür Zeit geben. Wenn es bis dann nicht besser sei, müsste er sich eine Stelle suchen. In Anbetracht dieser Aussagen ist davon auszugehen, dass das bescheidene Geschäftsergebnis - laut den zuhanden der Steuerverwaltung ausgefüllten Fragebogen für Selbstständigerwerbende ohne kaufmännische Buchhaltung belief sich der Jahresumsatz 1996 auf Fr. 38'800.-, 1997 auf Fr. 38'900.- und 1998 auf Fr. 39'300.-, wohingegen der Versicherte gemäss Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vom 11. September 1996 bei noch fehlenden Ertragszahlen den monatlichen Umsatz auf ca. Fr. 5'000.- geschätzt hatte - nicht unwesentlich von invaliditätsfremden Faktoren beeinflusst ist. Unter diesen Umständen lassen die Steuerveranlagungen keine zuverlässige Ermittlung oder Schätzung des trotz des Gesundheitsschadens erzielbaren Einkommens zu, weshalb sie als Vergleichsbasis zur Durchführung eines Einkommensvergleichs untauglich sind. Sie vermögen somit nicht zu bewirken, dass anstelle des erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs ein Einkommensvergleich durchzuführen wäre. Demnach fehlt es an deren Geeignetheit, zu einer von der ursprünglichen Verfügung abweichenden rechtlichen Beurteilung zu führen, sodass Verwaltung und Vorinstanz die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision im Ergebnis zu Recht verneint haben.