Citation: 5A_72/2009 14.05.2009 E. 5.2

5.2.1 Die Anwendung von Art. 195 Abs. 1 ZGB bzw. des Auftragsrechts setzt zunächst voraus, dass der eine Ehegatte dem anderen die Verwaltung eigenen Vermögens überlässt. Darunter ist auch der Fall zu subsumieren, dass der Eigentümer-Ehegatte die Vermögensverwaltung durch rein passives Verhalten dem anderen überlässt, vorausgesetzt, der Duldungswille ist für den anderen erkennbar (Marco Barbatti, Verwaltung des Vermögens eines Ehegatten durch den andern [Art. 195 ZGB], 1991, S. 40 Ziff. 2.4.2.2; Henri Deschenaux und andere, Les effets du mariage, 2000, S. 381 Rz. 944; Hausheer/Aebi-Müller, a.a.O., N. 11 zu Art. 195 ZGB). Art. 195 Abs. 1 ZGB gilt für alle Güterstände (Barbatti, a.a.O., S. 27 Ziff. 2.2.3.2; Deschenaux und andere, a.a.O., S. 381 Rz. 943; Hausheer/Aebi-Müller, a.a.O., N. 3 zu Art. 195 ZGB). Allerdings sind bei gemeinschaftlichem Eigentum und bei Treuhandverhältnissen Besonderheiten zu berücksichtigen: Übergibt namentlich ein Ehegatte dem anderen sein eigenes Vermögen zu treuhänderischem Eigentum und übernimmt der Treuhänder die Verwaltung, bleibt Art. 195 Abs. 1 ZGB anwendbar (Barbatti, a.a.O., S. 29 Ziff. 2.2.3.3). 5.2.2 Offensichtlich - wenn auch bar jeder Begründung - nimmt das Obergericht des Kantons Zug vorliegend eine stillschweigende Beauftragung des Beschwerdegegners seitens der Beschwerdeführerin zur Vermögensverwaltung im Sinne von Art. 195 Abs. 1 ZGB an. 5.2.3 Der Beschwerdegegner verweist demgegenüber auf den über das fragliche Depot seit dem 15. November 2001 bis zu dessen Auflösung und Teilung im zweiten Halbjahr 2006 herrschenden Transaktionsstopp und leitet daraus ab, dass ihm die Beschwerdeführerin entgegen der obergerichtlichen Auffassung nicht die Verwaltung ihres Vermögens im Sinne von Art. 195 Abs. 1 ZGB überlassen habe, habe er doch wegen des Transaktionsstopps gar keine Verwaltungshandlungen tätigen können. Ausserdem sei der Transaktionsstopp als gemeinsamer Verwaltungsauftrag an die Bank Y.________ in A.________ zu betrachten. 5.2.4 Die stillschweigende Erteilung eines Vermögensverwaltungsauftrages im Sinne von Art. 195 Abs. 1 ZGB ist vorliegend von der Beschwerdeführerin behauptet und an und für sich nicht bestritten worden. Der zwischen den Parteien vereinbarte Transaktionsstopp mag gewisse Investitionen und Tätigkeiten verhindert haben, hat jedoch die Rechtsstellung des Beschwerdegegners als des formell einzigen Inhabers der fraglichen Vermögenswerte und folglich als des verantwortlichen Verwalters nicht ändern können. Aus der Luft gegriffen ist übrigens die Hypothese des Beschwerdegegners, mit dem Transaktionsstopp sei ein neues gemeinsames Vermögensverwaltungsmandat an die Bank Y.________ erteilt worden: Abgesehen davon, dass er keinen Beweis dafür offeriert - wie namentlich einen dahingehenden, von beiden Ehegatten unterschriebenen Vertrag -, wird nirgends ausgeführt, gleichzeitig sei das fragliche Depot auf die Namen beider Eheleute überschrieben worden. Die entsprechenden Rügen des Beschwerdegegners zur vorinstanzlichen Sachverhaltsermittlung sind, soweit nicht rein appellatorischer Natur, neu und folglich gleich doppelt unzulässig (vorne E. 1.2), offensichtlich unbegründet.