Citation: 4A_594/2020 E. 5.1

5.1. Umstritten ist die Fälligkeit der Rückzahlungsforderung der dem Beschwerdeführer gewährten Darlehen, insbesondere die Berücksichtigung einer Aussage des Beschwerdegegners in der erstinstanzlichen Parteibefragung. Darin sagte der Beschwerdegegner aus, das Rückzahlungsdatum des 31. Dezember 2012 sei - wie bereits frühere Rückzahlungstermine - auf die Initiative des Beschwerdeführers hin festgelegt worden. Schliesslich sei ihm [dem Beschwerdegegner] versprochen worden, dass das Darlehen bis zum Ende des Jahres 2013 zurückbezahlt werde, und er habe keinen anderen Ausweg gehabt, als dies zu akzeptieren. Die Erstinstanz kam zum Schluss, dass diese neue Sachverhaltsvariante zur Fälligkeit der Darlehen verspätet erfolgte und daher unbeachtlich sei. Die Darlehen seien per 31. Dezember 2012 fällig. Dagegen gelangte der Beschwerdeführer an die Vorinstanz und stellte sich auf den Standpunkt, die Erstinstanz hätte die Aussage des Beschwerdegegners in der Parteibefragung, das Darlehen sei bis Ende 2013 zurückzuzahlen gewesen, im Rahmen der Beweiswürdigung zwingend berücksichtigen müssen. Damit habe der Beschwerdegegner nämlich denklogisch bzw. implizit ausgesagt, das Darlehen sei per Ende 2012 noch nicht zur Rückzahlung fällig gewesen. Selbstredend habe der Beschwerdeführer dieses Zugeständnis nicht bestritten, sondern geltend gemacht, dass es aufgrund der Verhandlungsmaxime dem Urteil zugrunde gelegt und daneben auch bei der Beweiswürdigung zwingend berücksichtigt werden müsse. Die Aussage des Beschwerdegegners zum Hauptthema des Prozesses dürfe nicht unbeachtet bleiben, weil dies einem Sich-Verschliessen vor der materiellen Wahrheit gleichkäme, was mit Treu und Glauben und überdies mit der Verhandlungsmaxime nicht vereinbar sei. Die Vorinstanz erwog dazu, aus dieser Argumentation des Beschwerdeführers folge zweierlei: Erstens leite der Beschwerdeführer seine Behauptung, dass das Darlehen nicht bereits am 31. Dezember 2012 zurückzuzahlen gewesen sei, direkt aus der Aussage des Beschwerdegegners ab, das Darlehen hätte per Ende 2013 zurückbezahlt werden müssen. Und zweitens identifiziere sich der Beschwerdeführer in seinem Berufungsvortrag mit der vom Beschwerdegegner gemachten Aussage, das Darlehen sei per Ende 2013 zurückzuzahlen gewesen, und will diese dem Berufungsentscheid zugrunde lege. Denn die vom Beschwerdeführer wiedergegebene Aussage des Beschwerdegegners, die Rückzahlung des Darlehens sei bis zum Ende des Jahres 2013 versprochen worden und er habe keinen anderen Ausweg gehabt, als dies zu akzeptieren, könne von dem daraus gezogenen Schluss, das Darlehen sei jedenfalls nicht per Ende 2012 zur Rückzahlung fällig geworden, nicht abgespalten werden. Die vom Beschwerdeführer in der Berufungsbegründung einleitend eingenommene Position, "dass das Darlehen auch heute noch nicht zur Rückzahlung fällig ist", werde durch die von ihm selbst übernommene "materielle Wahrheit" gleichsam aufgehoben. In dieser Hinsicht gelte nämlich nach wie vor der Grundsatz, dass eine Partei an ihre tatsächlichen Vorbringen gebunden sei, auch soweit sie sich in anderem Zusammenhang ungünstig für sie auswirke. Daran ändere auch nichts, dass sich der Beschwerdeführer in seiner Berufung nachfolgend "aus anwaltlicher Sorgfalt" dennoch mit der Würdigung der von ihm angerufenen "Gegenbeweise" auseinandersetze und sich auf den Standpunkt stelle, diese Würdigung sei unzutreffend erfolgt. Nachdem der Beschwerdeführer zudem die Auffassung vertrete, eine Verschiebung der Fälligkeit per Ende 2013 sei - wie vom Beschwerdegegner in seiner Parteiaussage eingeräumt worden sei - formlos zulässig gewesen, und die entgegenstehende Erwägung [der Erstinstanz] für rechtsfehlerhaft halte, müsse gemäss den eigenen Vorbringen des Beschwerdeführers davon ausgegangen werden, die darlehensweise überlassenen Beträge seien jedenfalls per 31. Dezember 2013 zur Rückzahlung fällig geworden. Im Übrigen lege der Beschwerdeführer mit keinem Wort dar, weshalb auf die Aussagen des Beschwerdegegners zur Rückzahlung des Darlehens im Rahmen der Beweiswürdigung nicht abgestellt werden könne. Die Fälligkeit sei somit vor der Zustellung des Zahlungsbefehls (9. Oktober 2014) eingetreten. Nachdem "der Zeitpunkt und die Fälligkeit der Darlehensrückzahlung" die einzigen Streitpunkte unter den Parteien seien, müsse die Berufung, soweit sie gegen die Hauptforderung gerichtet sei, bereits aus diesem Grund abgewiesen werden.