Citation: 9C_274/2007 18.02.2008 E. 2

Streitig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Entschädigung für mittelschwere Hilflosigkeit anstelle derjenigen für leichte Hilflosigkeit für den Zeitraum vom 1. August 2005 bis 31. Januar 2006. Dabei steht aufgrund der vorinstanzlichen Feststellungen ausser Frage, dass er beim An-/Auskleiden und bei der Körperpflege regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist. Der Anspruch auf eine Entschädigung für mittelschwere Hilflosigkeit hängt somit einzig davon ab, ob der Versicherte auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist. 2.1 Nach den auf dem Bericht des Abklärungsdienstes vom 5. September 2005 basierenden Feststellungen der Vorinstanz ist der Beschwerdeführer nicht in der Lage, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Seine Mutter handle teilweise für ihn, indem sie die finanziellen Angelegenheiten regle, Termine vereinbare und den Versicherten begleite. Nach Auffassung des kantonalen Gerichts ist es nicht entscheidend, dass der Beschwerdeführer dank der Hilfeleistung seiner Mutter im Stande war, zu Hause zu leben. Massgebend im Rahmen der gesetzlichen Regelung sei vielmehr, dass die lebenspraktische Begleitung im Sinne von Anleitung und Motivation des Betroffenen ein weitgehend selbstständiges Wohnen und Bewältigen des Alltags ermöglichen könnte, was im vorliegenden Fall nicht vorstellbar sei. 2.2 Dieser Ansicht kann nicht beigepflichtet werden. Wie das Bundesgericht im BGE 133 V 450 E. 5 S. 460 erkannt hat, schliesst das Wohnen des Versicherten bei seinen Eltern den Anspruch auf lebenspraktische Begleitung nicht aus. Massgebend ist einzig, dass sich die versicherte Person nicht in einem Heim aufhält; dass sie alleine wohnt, ist nicht vorausgesetzt. Die Umgebung, in welcher sie lebt, ist vorbehältlich eines Heimaufenthalts unerheblich. 2.3 Nach bundesgerichtlich bestätigter Verwaltungspraxis (Rz. 8053 des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit) ist die lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 Abs. 3 Satz 1 IVV regelmässig, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens zwei Stunden pro Wochen benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2 S. 461). Dem angefochtenen Entscheid sind keine Angaben zur Dauer der lebenspraktischen Begleitung zu entnehmen. Es fehlt damit insoweit an einer für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhaltsfeststellung gemäss Art. 105 Abs. 1 BGG, weshalb das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen ergänzen kann, weil die Vorinstanz diesen in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und damit von Bundesrecht unvollständig festgestellt hat (Art. 105 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 95 lit. a BGG). Der Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 5. September 2005 enthält zum Zeitaufwand für die lebenspraktische Begleitung keine Hinweise, weil die Abklärungsperson offensichtlich davon ausging, dass auf diese Leistungsart kein Anspruch bestehe. Aufgrund des Protokolls der Abklärungsperson, welche umfangreiche lebenspraktische Hilfeleistungen der Mutter des Versicherten erwähnt (Organisation von Terminen, Begleitung, Regelung der finanziellen Situation, Planung von Freizeitaktivitäten usw.), ist anzunehmen, dass die lebenspraktische Begleitung im fraglichen Zeitraum während mindestens zweier Stunden wöchentlich und damit regelmässig im Sinne vom Art. 38 Abs. 3 Satz 1 IVV benötigt wurde, sodass sämtliche Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Entschädigung für mittelschwere Hilflosigkeit erfüllt sind.