Citation: 1A.239/2003 30.04.2007 E. 6

6.1 Aus den beim Baugesuch liegenden Unterlagen und Plänen geht hervor, dass der Schiessbetrieb auf den Ständen 1 und 2 völlig eingestellt und die Fläche zwischen diesen Ständen und dem Zielgebiet grösstenteils als Weide- und Grasland genutzt werden soll. Auch die Fläche zwischen dem Schiessstand 4 und dem Zielgelände soll ausserhalb der Schiesszeiten als Mähwiese mit Herbstweidung dienen. Die mehr als 300 m lange Lärmschutzwand soll zur Ermöglichung des Viehtriebs und für den Wildwechsel mit zwei Toren versehen werden, die nach einer Forderung des kantonalen Amtes für Raumplanung, Abteilung Natur und Landschaft, ausserhalb der eigentlichen Schiesszeiten dauernd offen stehen müssen. Die wegen übermässiger Bodenbelastung nicht landwirtschaftlich nutzbaren Flächen - vor allem das Zielgelände der ehemaligen 50 m- und 300 m-Anlagen vor den Ständen 1 und 2 - hätten eingezäunt zu bleiben. Wie die Gebäulichkeiten (Stände 1 und 2) künftig genutzt werden sollen, steht offenbar noch nicht fest. Gemäss dem Bericht der Gruner AG vom 29. Oktober 2001 über die "Belastung des Bodens (0-50cm) und Nutzungsmöglichkeiten" liegt die Bleibelastung in drei Bereichen über dem Sanierungswert. Es wird vorgeschlagen, den Boden in diesen Bereichen um 5 cm abzutragen und als Reststoff zu entsorgen. Im Zielgelände der Anlagen 3 und 4 dürfe die Fläche vor der Panzerplatte nicht als Viehweide benutzt werden. Weiter habe eine Frachtabschätzung über die Anzahl der verschossenen Projektile ergeben, dass in den letzten 100 Jahren rund 600 bis 800 Tonnen Blei in den Boden gelangt seien. Die Menge an Blei, die beim periodischen Unterhalt der Kugelfänge entfernt worden sei, liesse sich nicht eruieren. Es sei jedoch davon auszugehen, dass sich noch einige 100 Tonnen vor Ort befänden. Zur Altlasten-Problematik wird ferner ausgeführt, dass zusätzliche Abklärungen über die Flächen- und Tiefenausdehnung der Bodenbelastung vorzunehmen seien und eine Gefährdungsabschätzung im Hinblick auf die künftige Nutzung zu erfolgen habe. Nach dem Aushub der schwerst belasteten Bereiche seien Sicherungsmassnahmen für die verbleibende Restbelastung zu treffen und nach der - zu überwachenden - Bauphase Nachkontrollen durchzuführen. Erst nach Abschluss der Sanierungs- und Sicherungsarbeiten könnten die ökologischen Ersatzmassnahmen (Biotope/Bepflanzung) umgesetzt werden. Schliesslich wird zum zeitlichen Ablauf dargelegt, dass die Lärmschutz- und die Altlastensanierung zu koordinieren seien, weil die Aufrechterhaltung des Schiessbetriebes gewährleistet werden müsse. Im Bericht "Natur/Landschaft" von M. Gubler vom 30. Oktober 2001 wird ebenfalls betont, es sei das Ziel, die Altlasten-Problematik im Zuge der Sanierung der Schiessanlage und nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt zu lösen. 6.2 Gemäss den im Baubewilligungsverfahren eingereichten Stellungnahmen der basellandschaftlichen Ämter ist offenbar mit der Bauherrschaft vereinbart worden, die Lärmsanierung zeitlich vorzuziehen und die Altlasten-Sanierung vorerst weiter zu bearbeiten. In der Stellungnahme des Amtes für Raumplanung vom 27. September 2001 wird festgehalten, aufgrund des engen Zeitplanes für die lärmtechnische Sanierung sei die Erarbeitung eines seriösen Nutzungs- und Sanierungskonzeptes für die Gesamtanlage bis zur geplanten Baueingabe nicht möglich. Im Rahmen des Baugesuches für die Lärmsanierung seien jedoch auch konkrete Massnahmen für den belasteten Boden und die Entfrachtung des Kugelfanges im betroffenen Bereich aufzuzeigen. Zudem müsse dargelegt werden, dass die für den Stand 4 beantragten Baumassnahmen keine Verschlechterung der Altlast-Situation mit sich brächten und eine spätere Sanierung nicht gefährdeten. Anhand dieser Unterlagen könnten dann verbindliche Auflagen in der Baubewilligung formuliert werden. Das Amt für Umweltschutz und Energie hat sich in seiner Stellungnahme vom 9. Januar 2002 einer Vorwegnahme der lärmtechnischen Sanierung nicht grundsätzlich widersetzt, aber ebenfalls verlangt, es müsse sichergestellt werden, dass keine negativen Präjudizien für die noch anstehende Sanierung der stark belasteten Bereiche und die künftige Nutzung der frei werdenden Areale geschaffen würden. Das Amt verlangte deshalb, dass die Baubewilligung mit einer Reihe von Auflagen verbunden werde; beispielsweise seien eine Baubegleitung durch einen Sachverständigen, weitere Untersuchungen des Boden- und Untergrundmaterials und eine fachgerechte Entsorgung des belasteten Materials vorzuschreiben. Ausserdem empfahl es, die gesamte Anlage vorerst nicht landwirtschaftlich zu nutzen und die bestehende Umzäunung der gesamten - auch der stillgelegten - Anlage bis zum Entscheid über das Sanierungskonzept und die Folgenutzung beizubehalten. In einem gleichzeitig an die Bauherrschaft gerichteten Schreiben hat das Amt für Umweltschutz und Energie betont, dass die Sanierung der stark belasteten Bereiche im Rahmen eines Verfahrens gemäss der Altlasten-Verordnung parallel zur lärmtechnischen Sanierung weiter bearbeitet werden müsse. Insbesondere könne es hinsichtlich der Art der Sanierung der Kugelfänge nicht einfach bei der im Bericht der Gruner AG vorgeschlagenen Umlagerung und Sicherung von stark belastetem Material bleiben. Vielmehr sei in absehbarer Zeit zwingend eine eigentliche Sanierung vorzunehmen, welche die Gefährdung ohne langfristige Unterhalts- und Überwachungsmassnahmen auf ein Minimum reduziere. Aufgrund der noch vorzunehmenden Untersuchungen und deren Ergebnisse sowie der Gefährdungsabschätzung seien - ausgerichtet auf die künftigen Nutzungen - die Sanierungsziele zu definieren und sei ein Sanierungsprojekt auszuarbeiten, das dem Amt zur Prüfung vorzulegen sei. 6.3 Im Einsprache-Entscheid des Bauinspektorates vom 21. März 2002 wird schliesslich zur Altlasten-Sanierung ausgeführt, diese werde parallel zur laufenden lärmtechnischen Sanierung angegangen. Das Gutachten der Gruner AG zeige den Weg zur Sanierung auf und das Amt für Umweltschutz und Energie werde die notwendigen Bedingungen zur Sicherung der Sanierung festsetzen. Die basellandschaftliche Baurekurskommission hat die Rügen der Anwohner betreffend die Altlasten-Sanierung in ihrem Entscheid vom 17. September 2002 mit dem Hinweis darauf abgewiesen, dass die Sanierung kontaminierter Erde Gegenstand eines weiteren, eventuell zeitgleich zu realisierenden Projektes bilde. Dass die Bauherrschaft bereits ein Gutachten beigezogen habe, drücke ihre Bereitschaft aus, mit dieser Altlast sachgerecht zu verfahren, und es sei hievon Vormerk zu nehmen.