Citation: 1A.252/2004 25.02.2005 E. 4

4.1 Nach dem angefochtenen Urteil des Sozialversicherungsgerichts steht fest, dass der Beschwerdeführer nach den von Mitte 1994 bis März 1995 erfolgten sexuellen Übergriffen unter Angstzuständen, Panikattacken und Konzentrationsstörungen litt. Streitig ist hingegen, ob die verspätete Anmeldung zur Aufnahmeprüfung in die öffentliche Mittelschule auf die sexuellen Übergriffe zurückzuführen ist. Das Sozialversicherungsgericht geht davon aus, dass kein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen der Straftat und der schulischen Verzögerung besteht. Den gegenteiligen Bericht des behandelnden Psychologen erachtet es als nicht überzeugend. Sodann kommt es zum Schluss, dass selbst wenn das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs bejaht werden müsste, dieser nicht rechtserheblich wäre. Der Beschwerdeführer vertritt dagegen den Standpunkt, dass die schulische Verzögerung mit den erlebten sexuellen Übergriffen in einem direkten Zusammenhang steht. Er habe auf männliche Lehrkräfte "allergisch" reagiert und unter psychischer Instabilität und fehlendem Selbstvertrauen gelitten. Die schulische Verzögerung sei auf diese beiden Faktoren, welche direkte Folge der Straftat seien, zurückzuführen. 4.2 Nach Art. 12 Abs. 1 OHG hat das Opfer Anspruch auf eine Entschädigung für den durch die Straftat erlittenen Schaden, wenn sein Einkommen die im Gesetz vorgesehene Grenze nicht übersteigt. Zwischen der Straftat und dem erlittenen Schaden muss ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang vorliegen. Der natürliche Kausalzusammenhang setzt keinen absolut wissenschaftlichen Beweis voraus. Wenn sich das Gericht nur auf eine Hypothese stützen kann, gilt der natürliche Kausalzusammenhang als bewiesen, wenn dessen Wahrscheinlichkeit als überzeugend nachgewiesen worden ist (BGE 126 V 319 E. 5a S. 322; 121 III 358 E. 5 S. 363, je mit Hinweisen). Die Frage, ob zwischen der Straftat und dem erlittenen Schaden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage (BGE 128 III 22 E. 2d S. 25 mit Hinweisen; betreffend das OHG BGE 129 II 312 E. 3.3 S. 318). Das Bundesgericht ist an die entsprechenden Tatsachenfeststellungen der Vorinstanz gebunden, wenn sie nicht offensichtlich unrichtig, unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt worden sind (Art. 105 Abs. 2 OG). 4.3 Dem Bericht des Psychologen vom 27. April 2004, bei dem der Beschwerdeführer von Februar 1996 bis Sommer 1998 in Behandlung war, ist zu entnehmen, dass sich die Symptomatik im Verlauf der Therapie deutlich vermindert hatte und der Beschwerdeführer sich in seinen schulischen Leistungen auffangen konnte. Gegen Ende des sechsten Primarschuljahres sei die Therapie auf Wunsch des Beschwerdeführers eingestellt worden. Aus diesem Befund ergibt sich, dass bis zur Beendigung der Primarschule keine Leistungsschwierigkeiten zu verzeichnen waren. Auch aus dem Bericht des Schulleiters der Primarschule und der damaligen Klassenlehrerin vom 14. Mai 1998 geht hervor, dass der Beschwerdeführer in der Primarschule keine Leistungsschwierigkeiten hatte. Wie das Sozialversicherungsgericht zu Recht feststellte, hatte sich eine schulische Verzögerung in dem der Straftat unmittelbar folgenden Zeitabschnitt somit nicht eingestellt. Das erste Schuljahr der Oberstufe begann der Beschwerdeführer in der A._______-Schule. Nach dem Bericht des Psychologen brach der Beschwerdeführer den Besuch dieser Schule aber ab, weil er leistungsmässig unterfordert war und auf die Art des Hauptlehrers "allergisch" reagierte. Um nicht das Risiko einzugehen, wegen des verpassten Lernstoffs den Anschluss in der Sekundarschule zu verfehlen, beendete der Beschwerdeführer sein erstes Oberstufenjahr in der Realschule. Aus den Angaben des Berichts geht somit hervor, dass diese erste schulische Verzögerung nicht einzig auf "allergische" Reaktionen auf eine männliche Lehrkraft, sondern zumindest auch auf die schulische Unterforderung in der A._______-Schule zurückzuführen war. Während den folgenden drei Jahren besuchte der Beschwerdeführer die öffentliche Sekundarschule. Aus dem Bericht des Psychologen geht hervor, dass der Beschwerdeführer bei Spannungen mit Lehrern mit Verunsicherung reagierte. Der Bericht enthält aber keinerlei Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer während der Sekundarschulzeit schulische Leistungsschwierigkeiten gehabt hätte. In diesem Zeitabschnitt kam es zu keiner schulischen Verzögerung. Nach der Sekundarschule besuchte der Beschwerdeführer während eines Jahres die Vorbereitungsklasse für die Mittelschule der B._______-Schule. Dem Bericht des Psychologen ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen eigenen Angaben am Ende des dritten Sekundarschuljahres noch nicht so recht wusste, was er wollte, und sich noch nicht zutraute, die Aufnahmeprüfung für die öffentliche Mittelschule zu bestehen. Dem Bericht zufolge war das fehlende Selbstvertrauen somit zumindest nicht der einzige Grund, weshalb sich der Beschwerdeführer nicht unmittelbar im Anschluss an die Sekundarschule zur Aufnahmeprüfung an die Mittelschule anmeldete. Aufgrund des Gesagten ist es nachvollziehbar, wenn das Sozialversicherungsgericht den natürlichen Kausalzusammenhang als nicht gegeben betrachtet. Die "allergischen" Reaktionen des Beschwerdeführers auf männliche Autoritätspersonen waren höchstens mitursächlich für den Abbruch der A._______-Schule, nicht aber für die zweite Verzögerung durch den Besuch der B._______-Schule. Dass der Beschwerdeführer sich nach Abschluss der Sekundarschule nicht rechtzeitig zur Aufnahmeprüfung in die öffentliche Mittelschule anmeldete, ist nicht a priori auf fehlendes Selbstvertrauen infolge des sexuellen Missbrauchs zurückzuführen. Der Besuch der B._______-Schule lässt sich durchaus mit der damaligen Unschlüssigkeit des Beschwerdeführers erklären, zumal sich seine psychische Instabilität auf die schulischen Leistungen insgesamt nicht ausgewirkt hatte. Die entgegen dem Bericht des Psychologen getroffene Schlussfolgerung des Sozialversicherungsgerichts, dass die acht Jahre zuvor erlebten Übergriffe für die schulische Verzögerung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht kausal waren, ist jedenfalls nicht offensichtlich falsch. Wie das Sozialversicherungsgericht zutreffend feststellt, ist bei der Würdigung des Berichts zu berücksichtigen, dass der Psychologe sich betreffend seiner Einschätzung über den Verlauf der Oberstufenschuljahre nicht auf eigene Beobachtungen, sondern lediglich auf die Angaben der Mutter des Beschwerdeführers stützen konnte. Die Einholung eines zweiten Gutachtens würde über die natürliche Kausalität nicht mehr Aufschluss bringen, da auch ein zweiter Experte den Beschwerdeführer nur ex post beurteilen könnte. Da für das Bundesgericht somit verbindlich festgestellt worden ist, dass kein natürlicher Kausalzusammenhang vorliegt, erübrigt sich die Prüfung, ob ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen Straftat und Schaden gegeben ist.