Citation: 4C.431/1999 14.07.2000 E. 3

3.- a) Das Obergericht wirft dem Kläger vor, seine Treuepflicht verletzt zu haben, indem er das Schreiben nicht an die zuständigen Vorgesetzten, sondern unter Umgehung des Dienstweges an die Delegierten der Mitgliederkrankenkassen gerichtet habe. Die massgebenden Organe hätten erst unmittelbar vor der Delegiertenversammlung vom Schreiben Kenntnis erhalten und nicht mehr darauf reagieren können. Entscheidend könne nicht sein, "dass der Dienstweg nichts gebracht hätte". Ausschlaggebend sei vielmehr, dass das Schreiben schwere Vorwürfe gegen den Vorgesetzten des Klägers und den Verwaltungsrat enthalte. Von Bedeutung sei, dass die Vorwürfe bestritten seien. Aber selbst wenn die Vorwürfe objektiv zuträfen, hätte der Kläger sie nicht hinter dem Rücken der Vorgesetzten an die Öffentlichkeit bringen dürfen, um damit eigene Interessen zu verfolgen. b) Der Kläger erhebt zunächst eine Versehensrüge, indem er anführt, das Schreiben sei nur an die Delegierten der Krankenkassen gerichtet gewesen und nicht an die Öffentlichkeit. Nach den Feststellungen des Kassationsgerichts versteht indes auch das Obergericht unter "Öffentlichkeit" die Delegierten der Genossenschafter, was sich mit der Darstellung des Klägers deckt. Damit liegt kein offensichtliches Versehen vor. Sofern die Beklagte in der Berufungsantwort geltend machen möchte, das Obergericht habe mit "Öffentlichkeit" auch andere Personen neben den Delegierten der Mitgliederkrankenkassen bezeichnet, weicht sie von den Feststellungen des Kassationsgerichts ab und ist damit in der Berufung nicht zu hören.