Citation: 8C_561/2022 E. 4.2.2

4.2.2. 4.2.2.1. Sodann macht die Beschwerdeführerin geltend, der sie behandelnde Dr. med. E.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Forensische Psychiatrie und Psychotherapie FMH, habe in seiner Stellungnahme vom 8. April 2022 erneut dargelegt, dass erhebliche (teilweise mittlere, teilweise schwere und teilweise extreme) Beeinträchtigungen in den verschiedenen Funktionsniveaus der Persönlichkeit zu erkennen seien (Selbstidentität; Selbststeuerung; interpersonelle Beziehungen, Empathie und Nähe). Dies ergebe sich schon aus den Ergebnissen des vom 14. Mai bis 3. Juni 2018 im Institut F.________ der Universität G.________ absolvierten Belastbarkeitstrainings, das trotz Wille und Motivation habe abgebrochen werden müssen. Dem Bericht der H.________ vom 6. Juni 2018 sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin aus Sicht der Durchführungsstelle im ersten Arbeitsmarkt weder arbeits- noch vermittlungsfähig gewesen sei. Dr. med. E.________ habe klar darauf hingewiesen, dass das Zustandsbild durch psychotherapeutische (verhaltenstherapeutische) Interventionen schwer zu beeinflussen sei, wobei auch die antidepressive Medikation kaum Einfluss gehabt habe. Dazu äussere sich der psychiatrische Sachverständige der ABI nicht. Mit seiner nicht näher substanziierten Annahme, die Depression und die Persönlichkeitsstörung verursachten ein geringeres Leistungsvermögen, hätte er auch eine Arbeitsfähigkeit von 40 % im IT-Bereich beziehungsweise von 60 % in einer angepassten Tätigkeit begründen können. Hinzu komme, dass sich dem psychiatrischen Teilgutachten keine Angaben zur effektiven Untersuchungsdauer entnehmen liessen. Es liege daher der Verdacht auf der Hand, dass der psychiatrische Experte die Arbeitsfähigkeit bereits aufgrund der Akten eingeschätzt und die persönliche Untersuchung als überflüssig erachtet habe. 4.2.2.2. Die bundesgerichtliche Überprüfung der vorinstanzlichen Beweiswürdigung hat sich darauf zu beschränken, ob mit Blick auf die vorgebrachten Rügen die Sachverhaltsfeststellung im angefochtenen Urteil offensichtlich unrichtig ist oder eine Rechtsverletzung, namentlich hinsichtlich der Regeln über den Beweiswert von ärztlichen Berichten, vorliegt (vgl. E. 1.2 f. hievor). Bei der Beweiswürdigung ist sodann zu beachten, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater beziehungsweise der begutachtenden Psychiaterin daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteile 8C_28/2021 vom 9. April 2021 E. 4.2; 8C_720/2020 vom 8. Januar 2021 E. 4.2; 8C_107/2020 vom 17. April 2020 E. 4.1.3; je mit Hinweisen). Dem kantonalen Versicherungsgericht steht zudem als Sachgericht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu (vgl. BGE 120 Ia 31 E. 4b; Urteil 8C_28/2021 vom 9. April 2021 E. 4.2 mit Hinweis). Das Bundesgericht greift auf Beschwerde hin nur ein, wenn das Sachgericht diesen missbraucht, insbesondere offensichtlich unhaltbare Schlüsse zieht, erhebliche Beweise übersieht oder solche willkürlich ausser Acht lässt (BGE 132 III 209 E. 2.1; zum Begriff der Willkür BGE 144 II 281 E. 3.6.2 mit Hinweisen). Inwiefern das kantonale Gericht sein Ermessen missbraucht haben soll, ist in der Beschwerde klar und detailliert aufzuzeigen (BGE 130 I 258 E. 1.3). 4.2.2.3. Mit ihren Vorbringen begründet die Beschwerdeführerin nicht, inwieweit die Vorinstanz den Sachverhalt in psychiatrischer Hinsicht bundesrechtswidrig festgestellt haben soll. Das Bundesgericht verweist auch in diesem Zusammenhang auf die nicht zu beanstandenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid. Diesen ist zur Verdeutlichung das Folgende beizufügen: Der Frage, ob die Auffassung des psychiatrischen Sachverständigen, mit der zu beginnenden medikamentösen antidepressiven Therapie sei nach vier bis sechs Wochen mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen, muss nicht weiter nachgegangen werden. Die Vorinstanz ist von einer seit dem frühestmöglichen Rentenbeginn (Mai 2018) bestehenden, dauernden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 20 % ausgegangen. Sie hat mithin die einzig sich stellende Frage, ob für den Zeitraum vor Erlass der Verfügung eine Verbesserung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit hätte erreicht werden können, wenn die Beschwerdeführerin die verordneten Antidepressiva eingenommen hätte, offen gelassen.