Citation: 2C_884/2016 E. 3.3.1

3.3.1. Mit Bezug auf das Qualifikationsmerkmal der Verletzung besonders hochwertiger Rechtsgüter (oben, E. 3.1) ist vorab festzuhalten, dass das erste, im Jahr 2000 begangene schwere Betäubungsmitteldelikt abstrakt die Gesundheit einer unbestimmten Vielzahl von Menschen gefährdete und im Sinne der ständigen bundesgerichtlichen Praxis, die in diesem Punkt mit derjenigen des EGMR übereinstimmt, als eine schwere Rechtsgutsverletzung einzustufen ist (BGE 139 I 31 E. 2.3.2 S. 34). Die zwei weiteren, drei Jahre bzw. fünf Jahre später begangenen Delikte der Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch und der Hehlerei betreffen weder Betäubungsmittel noch die körperliche, psychische oder sexuelle Integrität eines Menschen, sondern das Vermögen (zur Hehlerei PHILIPPE WEISSENBERGER, Basler Kommentar zum Strafrecht, 3. Aufl. 2013, N. 5 zu Art. 160 StGB; STRATENWERTH/WOHLERS, Handkommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 3. Aufl. 2013, N. 1 zu Art. 160 StGB) und wiegen hinsichtlich der begangenen Rechtsgutsverletzung bedeutend weniger schwer als das erste. Rund dreizehn Jahre nach seinem ersten Betäubungsmitteldelikt beging der Beschwerdeführer zwischen September 2013 und Januar 2014 erneut eine solche Rechtsgutsverletzung, indem er - ohne selbst Verkaufsabsichten zu hegen - beim Aufbau von zwei Hanf-Indooranlagen mithalf. Ohne die Delikte des Beschwerdeführers herunterspielen zu wollen, ist im vorliegenden bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren ein Verhalten zu beurteilen, welches nur punktuell als strafrechtlich relevant in Erscheinung trat und sich hinsichtlich der begangenen Rechtsgutverletzungen im Laufe der Zeit abschwächte; der Beschwerdeführer hat sich aktenkundig nach der Begehung seines schweren Betäubungsmitteldelikts im Jahr 2000 nicht mehr zu einem Kokainhandel hinreissen lassen. Angesichts dessen, dass die schwere Rechtsgutverletzung in Form eines Kokainhandels im grossen Stil im Zeitpunkt des angefochtenen Urteils über fünfzehn Jahre zurücklag und die drei weiteren, innerhalb eines Zeitraums von über zehn Jahren begangenen Delikte weit unterhalb dieser Schwelle liegen, war der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG im Sinne einer Verletzung besonders hochwertiger Rechtsgüter (vgl. oben, E. 3.1) im Zeitpunkt des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers nicht (mehr) erfüllt.