Citation: U 298/01 24.06.2003 E. 2

Obwohl vom erstbehandelnden Spital B.________ (das hauptsächlich mit der Primärversorgung der Armfraktur links befasst war) im Bericht vom 24. September 1993 nicht dokumentiert, ist im Sinne von BGE 119 V 340 Erw. 2b aa durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert, dass die Beschwerdegegnerin beim Unfall vom 1. September 1993 eine mit einem Schleudertrauma vergleichbare Distorsionsverletzung der HWS erlitten hat. Wie dem Gutachten des ZMB vom 3. März 1997 zu entnehmen ist, traten rund eine Woche nach dem Unfall Nacken-Schulterschmerzen rechts auf, weshalb die Versicherte am 9. September 1993 erstmals Dr. med. G.________ aufsuchte, der ein Distorsionstrauma der HWS und ein posttraumatisches Cervico-Cephalsyndrom diagnostizierte (Bericht vom 13. Juli 1994). In den Gutachten des ZMB findet sich die Diagnose eines wahrscheinlichen Distorsionstraumas der HWS mit residuellem Cervicalsyndrom leichten Grades. Im ersten ZMB-Gutachten wird dies dahin erläutert, dass zwar kein typischer Unfallmechanismus vorliege, die Diagnose indessen auf Grund der Beschwerden abzuleiten sei; das Intervall sei durchaus möglich angesichts der zu Beginn im Vordergrund stehenden Verletzungen. Ebenso ausgewiesen sind auf Grund der ärztlichen Angaben die Folgen der HWS-Distorsion, indem bei der Versicherten das typische Beschwerdebild nach einer solchen Verletzung (vgl. BGE 119 V 338 oben) vorliegt. Gemäss Gutachten des ZMB vom 3. März 1997 bestehen Nacken- und Kopfschmerzen. Damit einher gehen Konzentrationsstörungen, gelegentliche Schwindelerscheinungen sowie Einschlafstörungen. In der zweiten Expertise des ZMB (vom 8. September 1998) werden ähnliche Beschwerden festgehalten; zusätzlich wird eine raschere Ermüdbarkeit erwähnt. Dabei besteht seitens der Gutachter Einigkeit darüber, dass die geklagten Beschwerden zumindest teilweise auf den Unfall zurückzuführen sind, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs praxisgemäss genügt (BGE 119 V 338, 117 V 360 Erw. 4b). Ob die Beschwerdegegnerin zusätzlich zur Distorsion der HWS ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat, wie dies namentlich der Privatgutachter Dr. R.________ postuliert, der mehr als fünf Jahre nach dem Ereignis "eine milde traumatische Gehirnverletzung" diagnostizierte (Bericht vom 14. Dezember 1998), kann offen bleiben, zumal ein direkter wissenschaftlicher Beweis nicht geführt werden kann (BGE 117 V 380). Denn die Beurteilung der Adäquanz des Kausalzusammenhangs nach der hier anwendbaren, zu Schleudertraumen der HWS entwickelten Rechtsprechung (BGE 117 V 359) deckt sich mit der für Schädel-Hirntraumen geltenden Praxis gemäss BGE 117 V 369. Der Umstand, dass im ZMB-Gutachten vom 8. September 1998 des Weiteren eine protrahiert verlaufende Anpassungsstörung diagnostiziert wird und sich schon sehr bald nach dem Unfall eine reaktive Depression manifestiert hat, ist mit Bezug auf die Adäquanzbeurteilung nicht ausschlaggebend. Zwar ist nicht zu verkennen, dass die Beschwerdegegnerin auf die nicht von ihr verschuldete und sie unvorbereitet treffende Verletzung ihrer körperlichen Integrität (Vorderarmfraktur) kurze Zeit nach dem Ereignis auffälligerweise mit einer psychischen Störung reagiert hat und diese über die Jahre mehr oder weniger stark erhalten geblieben ist; indessen kann unter Berücksichtigung des gesamten Verlaufs vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 439 Erw. 3b) nicht gesagt werden, die übrigen Komponenten des typischen Beschwerdebildes nach Distorsionstrauma der HWS seien durch die psychische Reaktion auf den Unfall derart in den Hintergrund gedrängt worden, dass die Adäquanzbeurteilung im Sinne von BGE 123 V 99 Erw. 2a nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) vorzunehmen wäre.