Citation: 6B_1183/2020 E. 2.3.1

2.3.1. Die völkerrechtliche Immunität soll namentlich verhindern, dass ein Staat die Souveränität eines anderen Staates dadurch schmälert, dass er seine Jurisdiktion auf Hoheitsakte dieses Staates und dessen Organe ausdehnt (vgl. BGE 132 II 81 E. 3.4.2; 130 III 136 E. 2.1; 124 III 382 E. 4a; je mit Hinweisen). Die Immunität für die Vertreter des Staates im Ausland ( ratione personae) beruht auf Völkergewohnheitsrecht hinsichtlich des Staatsoberhauptes und der obersten Repräsentanten, darunter der Regierungsmitglieder, und auf Völkervertragsrecht hinsichtlich der diplomatischen und konsularischen Vertreter im Ausland (vgl. BGE 115 Ib 496; Urteil 1B_258/2017 vom 2. März 2018 E. 9.2; POPP/KESHELAVA, a.a.O., N. 15 Vor Art. 3 StGB). Nach Art. 31 Ziff. 1 Satz 1 des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen vom 18. April 1961 (SR 0.191.01; für die Schweiz in Kraft getreten am 24. April 1964, für U.________ in Kraft getreten am xx.xx.xxxx) geniesst der diplomatische Vertreter Immunität vor der Strafgerichtsbarkeit des Empfangsstaats. Diese Immunität hat einen absoluten Charakter. Sie gilt sowohl für Handlungen, welche der diplomatische Vertreter in Wahrnehmung seiner Aufgaben vorgenommen hat, als auch für seine privaten Handlungen (vgl. MATHIAS KRAFFT, Les privilèges et immunités diplomatiques en droit international - Leurs conséquences pour l'instruction pénale, in: ZStR Nr. 101 [1984], S. 141 ff., S. 147). Es steht im Ermessen des Entsendestaates, auf die Immunität seiner Diplomaten zu verzichten und diese der Strafjustiz des Gastlandes zu unterstellen (Art. 32 Ziff. 1 Wiener Abkommen); seiner eigenen Justiz unterstehen diese ohnehin (vgl. Art. 31 Ziff. 4 Wiener Abkommen; Urteil 6B_51/2007 vom 3. September 2007 E. 2.2). Gemäss Art. 43 Ziff. 1 des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen vom 24. April 1963 (SR 0.191.02; für die Schweiz in Kraft getreten am 19. März 1967, für U.________ in Kraft getreten am yy.yy.yyyy) sind Konsularbeamte und Konsularangestellte für Handlungen, die sie in Wahrnehmung konsularischer Aufgaben vorgenommen haben, nicht der Gerichtsbarkeit der Gerichts- oder Verwaltungsbehörden des Empfangsstaates unterworfen.