Citation: 1B_315/2020 E. 5.3.1

5.3.1. In dem von der Beschwerdeführerin zitierten Urteil hatte das Bundesgericht zu beurteilen, ob in Bezug auf den verfahrensleitenden Richter eines Berufungsverfahrens und den Anwalt eines Verfahrensbeteiligten der Anschein einer ausstandsbegründenden Freundschaft im Sinne von Art. 56 lit. f StPO bestehe. Es bejahte die Frage gestützt auf eine Gesamtwürdigung aller Umstände, wobei es auch die frühere Bürogemeinschaft zwischen den beiden Betroffenen berücksichtigte. In diesem Zusammenhang führte es - wie von der Beschwerdeführerin richtig zitiert - aus, es könne als gerichtsnotorisch gelten, dass die Verbundenheit unter Anwältinnen und Anwälten in kleineren Bürogemeinschaften relativ eng sei. So sei es bei komplexen Fällen nicht unüblich, dass interne Besprechungen oder Gespräche über die Mandatsführung stattfänden. Zudem verträten sich die Bürokollegen gegenseitig (z.B. bei Ferienabwesenheiten), weshalb sie Zugang zu den Dossiers hätten und sich bei Bedarf auch mit dem Fall vertraut machen müssten (vgl. Urteil 1B_55/2015 vom 17. August 2015 E. 4.5). Aus diesen allgemeinen Erwägungen zur Arbeitsweise in kleineren Bürogemeinschaften kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. Daraus folgt nicht, bei Anwaltskanzleien von der Grösse der vorliegend betroffenen nehme jeder angestellte Mitarbeiter bei sämtlichen komplexen Fällen an allfälligen internen Besprechungen oder Gesprächen über die Mandatsführung teil. Die frühere Tätigkeit in einer solchen Kanzlei begründet daher auch nach dem zitierten Urteil für sich allein nicht den Verdacht, ein ehemaliger Mitarbeiter habe an allfälligen Besprechungen oder Gesprächen über ein bereits damals bestehendes, komplexes Mandatsverhältnis teilgenommen, obschon er - wie im vorliegenden Fall der Beschwerdegegner - die Kenntnis des Mandats und eine Beteiligung daran ausdrücklich bestreitet. Über die frühere Tätigkeit in der Kanzlei hinaus bedarf es vielmehr konkreter Anhaltspunkte dafür, dass er entgegen seinem Vorbringen in die Sache involviert war. Derartige Anhaltspunkte nennt die Beschwerdeführerin bezüglich des Beschwerdegegners nicht. Insbesondere ergibt sich aus der von ihr angeführten Stellungnahme des Beschuldigtenvertreters vom 23. März 2020 (vgl. vorne lit. A) kein entsprechender Hinweis, wird darin doch ausdrücklich festgehalten, der Beschwerdegegner habe nie am zivilrechtlichen Mandat gearbeitet.