Citation: 4A_430/2019 E. 2.4

2.4. Bei der Frage, inwiefern die vorbestehenden Beschwerden des ersten Unfalls, den eingetretenen Schaden des zweiten, streitgegenständlichen Unfalls beeinflussten, geht es um die Thematik der sog. konstitutionellen Prädisposition. Die konstitutionelle Prädisposition der geschädigten Person kann nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung als mitwirkender Zufall zu einer Kürzung des Ersatzanspruchs führen und insofern die Schadensberechnung (Art. 42 OR) oder die Bemessung des Schadenersatzes (Art. 43/44 OR) beeinflussen. Wäre der Schaden ohne den Vorfall voraussichtlich überhaupt nicht eingetreten, so bleibt die Haftpflichtige dafür voll verantwortlich, wenn der krankhafte Vorzustand den Eintritt des Schadens begünstigt oder dessen Ausmass vergrössert hat. Dem Anteil der Prädisposition kann in diesem Fall im Rahmen von Art. 44 OR Rechnung getragen werden. Demgegenüber sind die vermögensrechtlichen Folgen vorbestehender Schwächen, die sich mit Sicherheit oder doch mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne das schädigende Ereignis (z.B. in einer verkürzten Lebens- oder Aktivitätsdauer) ausgewirkt hätten, in der Schadensberechnung anteilsmässig auszuscheiden (vgl. zum Ganzen BGE 131 III 12 E. 4 S. 13 f.; 113 II 86 E. 1b S. 90 und E. 3b S. 93 f.; Urteile 6B_531/2017 vom 11. Juli 2017 E. 3.3.1; 6B_640/2013 vom 4. November 2013 E. 2.4.2; 6B_628/2012 vom 18. Juli 2013 E. 2.4.3; je mit Hinweisen). Da sich die vorbestehende Gesundheitsschädigung der Beschwerdegegnerin zufolge des ersten Unfalls unbestrittenermassen auch ohne das schädigende Ereignis ausgewirkt hätte, ist sie bei der Schadensberechnung gemäss Art. 42 OR und nicht i.S.v. Art. 44 OR bei der Schadensbemessung zu berücksichtigen. Dies führt zwar dazu, dass in vorliegender spezieller Konstellation, in der die Geschädigte zwei Unfälle erlitt, die Validenleistung vor dem zweiten, streitgegenständlichen Unfall mit der Invalidenleistung nach dem ersten Unfall zusammenfällt. Doch beruhen die SAKE-Werte zum Arbeitspensum entgegen der These, die der Argumentation der Beschwerdeführerin zugrunde liegt, nicht nur auf Daten von Personen ohne jegliche körperliche Einschränkungen; erfasst wird nur nicht, wer eine IV-Rente erhält. Dass die SAKE-Tabellen nicht anwendbar wären, weil die Beschwerdegegnerin aufgrund ihres ersten Unfalls in ihrer Berufstätigkeit weiterhin leicht eingeschränkt war, behauptet die Beschwerdeführerin denn auch selbst nicht, zumindest nicht hinreichend konkret. Entgegen dem Vorwurf der Beschwerdeführerin ging die Vorinstanz zu Recht davon aus, dass als Grundlage zur Bemessung der Validenleistung im Haushalt nicht das Arbeitspensum vor dem ersten Unfall dienen kann, welches die Beschwerdegegnerin ja gerade nicht mehr aufwies. Vielmehr ist das gestützt auf das asim-Gutachten bestimmte Arbeitspensum von 80 % massgebend, welches die Beschwerdegegnerin auch mit den Einschränkungen des ersten Unfalls bestreiten konnte. Von dem damit berechneten Wert der Validenleistung zog die Vorinstanz zufolge der seit dem ersten Unfall bestehenden konstitutionellen Prädisposition 15 % ab, womit sie den ersten Unfall zutreffend bei der Schadensberechnung berücksichtigte. Insoweit die Beschwerdeführerin im Ergebnis einen weiteren Abzug bei der Schadenersatzbemessung fordert, kann ihr nicht gefolgt werden, würde dies doch zu einer unzulässigen doppelten Berücksichtigung der Prädisposition führen. Indem die Vorinstanz die Invalidenleistung nach dem zweiten Unfall - dem Gutachten gemäss - mit 70 % bezifferte, stellte sie sich entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin auch nicht in Widerspruch mit ihren eigenen Erwägungen. Denn wenn die Validenhaushaltsleistung aufgrund der konstitutionellen Prädisposition um 15 % gekürzt wird und nach dem zweiten Unfall eine Invalidenleistung von 70 % bzw. eine Einschränkung von insgesamt 30 % festgestellt ist, stehen die Auswirkungen beider Unfallfolgen in dem vom asim-Gutachten erstellten Verhältnis von 50 % / 50 % zueinander.