Citation: 6B_217/2022 E. 2.4

2.4. Die Vorinstanz hält zusammengefasst für erstellt, dass der Beschwerdeführer durch Nichtbeachtung seiner Sorgfaltspflichten als verantwortlicher Bauführer und Sicherheitsverantwortlicher fahrlässig die schweren Verletzungen des Beschwerdegegners 2 verursacht habe. Er sei nicht für eine genügende Sicherung der Baustelle an der U.________strasse xxx besorgt gewesen, obwohl er aufgrund seiner Stellung als Sicherheitsbeauftragter der D.________ AG und für die Baustelle zuständiger Bauführer gewusst habe, dass das am 13. Mai 2014 abzubauende Fassadengerüst auf einem nicht durchbruchsicheren Glasdach platziert gewesen sei und beim Abbau auch der gegenüber dem Glasdach nicht abgeschrankte Laufsteg bzw. die Gerüstabstellbasis auf der nicht durchbruchsicheren Glasfläche hätten entfernt werden müssen. Er habe es weiter unterlassen, bei den Arbeiten auf dem nicht durchbruchsicheren Glasdach für kollektive Schutzmassnahmen oder den Einsatz einer Hebebühne zu sorgen. Sofern dies nicht möglich gewesen sein sollte, - so die Vorinstanz - hätte er den Einsatz individueller Schutzmassnahmen, namentlich der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz PSAgA (Seilsicherung), anordnen müssen und auf der Baustelle lediglich Arbeiter einsetzen dürfen, welche im Umgang mit individuellen Schutzmassnahmen geschult und geübt gewesen seien. In der rechtlichen Würdigung erwägt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe unbestreitbar eine Garantenstellung innegehabt, womit er die nach den Umständen gebotenen Sicherheitsvorkehren hätte anordnen und sich in zumutbarer Weise vergewissern müssen, dass diese tatsächlich ausgeführt und eingehalten würden. Nach dem massgebenden Sachverhalt sei klar, dass der Beschwerdeführer keine Sicherheitsvorkehrungen gemäss dem einschlägigen Recht und der augenscheinlichen örtlichen Notwendigkeit angeordnet und durchgesetzt habe. Zwar sei davon auszugehen, dass er in Anwendung von Art. 5 Abs. 1 VUV persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt und dafür gesorgt habe, dass diese jederzeit bestimmungsgemäss verwendet werden könnten. Allerdings habe er es versäumt, gemäss Art. 6 Abs. 1 VUV dafür zu sorgen, dass alle in seinem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren sowie über die Massnahmen der Arbeitssicherheit ausreichend und angemessen informiert und angeleitet würden. Zudem habe er es insbesondere gestützt auf Art. 6 Abs. 3 VUV verpasst, dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer die Massnahmen der Arbeitssicherheit auch einhielten. Weiter habe der Beschwerdeführer die Norm von Art. 7 VUV nicht beachtet. Vor allem aber habe es der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 8 Abs. 2 lit. a, Art. 19 Abs. 1, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 aBauAV versäumt, angesichts einer Absturzhöhe von mehr als drei Metern zur Gewährleistung der Sicherheit des Arbeitsplatzes gegen ein Durchbrechen durch das nicht durchbruchsichere Glasdach die hierfür erforderliche Absturzsicherung in Form eines Anseilschutzes anzubringen, deren tatsächliche Verwendung anzuordnen und mittels geeigneter Massnahmen zu überwachen. Im Ergebnis sei damit festzustellen, dass der Beschwerdeführer als im vorstehenden Fall verantwortlicher Bauführer sowie als Sicherheitsverantwortlicher gegen seine Sorgfaltspflichten verstossen habe. Im Weiteren bejaht die Vorinstanz auch die Voraussehbarkeit der zum Erfolg führenden Geschehensabläufe und die Vermeidbarkeit des Erfolgs.