Citation: 5A_1038/2020 E. 4.1

4.1. Das Kantonsgericht erinnert an den Bescheid vom 24. September 2013, mit dem das Bezirksgericht die Einrede der fehlenden Zuständigkeit nach Massgabe von Art. 152 Abs. 1 des innerrhodischen Gesetzes über die Zivilprozessordnung vom 24. April 1949 (aZPO/AI) beurteilte und verwarf (s. Sachverhalt Bst. B.b). Dieser Bescheid sei "formell in Rechtskraft erwachsen" und seit dessen Ergehen bis zum angefochtenen Endentscheid vom 23. Mai 2017 (s. Sachverhalt Bst. B.d) seien keine erheblichen neuen Tatsachen bezüglich der internationalen Zuständigkeit geltend gemacht worden. Das private Rechtsgutachten von Prof. Dr. W.________ vom 19. Mai 2017, das der Beschwerdeführer anlässlich der erstinstanzlichen Schlussverhandlung eingereicht habe, gelte nicht als neues Beweismittel. Auch im Lichte des "Perpetuatio-Fori-Grundsatzes" habe das Bezirksgericht keinen Grund gehabt, auf den Bescheid vom 24. September 2013 zurückzukommen. Daraus folgert das Kantonsgericht, dass das Bezirksgericht die separat entschiedene Vorfrage der örtlichen Zuständigkeit im Rahmen der Hauptverhandlung vom Verhandlungsstoff ausklammern durfte. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs könne darin nicht gesehen werden, zumal der Berufungskläger auch nicht konkret darlege, welche Vorbringen er in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung eingeführt hätte und inwiefern diese für den Entscheid erheblich gewesen wären. Eine Erheblichkeit erscheine auch nicht ersichtlich; zudem gälte eine Gehörsverletzung durch das Berufungsverfahren als geheilt. Nicht gelten lässt das Kantonsgericht den Einwand des Beschwerdeführers, wonach der Bescheid vom 24. September 2013 rechtsfehlerhaft sei und auf einer willensmangelbehafteten Einlassung basiere. Dem angefochtenen Entscheid zufolge hätten allfällige Einwände im Rahmen des ordentlichen Rechtsmittelweges gegen diesen Zwischenentscheid vorgebracht werden müssen. Dies habe der Beschwerdeführer versäumt. Er habe den Bescheid in Rechtskraft erwachsen lassen, indem er weder den Vorschuss für die Begründungskosten leistete noch die Sicherheitsleistung bezahlte. Für das Kantonsgericht widerspräche es dem "Sinn eines Zwischenentscheids", wenn dasselbe Gericht bei im Wesentlichen unveränderter Sachlage im Endentscheid auf seinen Zwischenentscheid zurückkommen könnte; ein solches Ergebnis lasse sich mit dem Gebot der Rechtssicherheit und der im Zwischenentscheid angelegten prozessökonomischen Zielsetzung nicht vereinbaren. Das Bezirksgericht habe die internationale Zuständigkeit in seinem Endentscheid daher zu Recht bejaht. In der Folge erklärt das Kantonsgericht, weshalb auch im Berufungsverfahren gegen den Endentscheid "neben formellen Gesichtspunkten (Art. 237 Abs. 2 ZPO) " kein Grund bestehe, auf den erstinstanzlichen Eintretensbeschluss zurückzukommen. Aus den Beilagen zur Klageschrift vom 30. Juni 2010 sei ersichtlich, dass sich der Erblasser in den letzten Lebensjahren in Norwegen bzw. auf den Kanarischen Inseln aufhielt. Nach eigenen Angaben habe der Beschwerdeführer den Erblasser in diesem Zeitraum mehrmals besucht. Mithin hätten bereits zum Zeitpunkt der Anhängigmachung der Klage Anhaltspunkte bestanden, um den geltend gemachten letzten Wohnsitz in XXX.________ (AI) zumindest in Frage zu stellen. Der Beschwerdeführer habe die internationale Zuständigkeit trotz dieser Anhaltspunkte in seiner Klageantwort ausdrücklich anerkannt und auch in seiner Duplik trotz Kenntnis des Aufenthalts auf den Kanarischen Inseln gegen die Zuständigkeit des Bezirksgerichts keinerlei Einwände erhoben. Damit, so die Folgerung des Kantonsgerichts, habe sich der Beschwerdeführer "in objektiver Hinsicht klarerweise vorbehaltslos, d.h. ausdrücklich, auf das Verfahren eingelassen". Ein rechtlich relevanter Willensmangel sei nicht zu erkennen; im Übrigen wäre ein solcher in Bezug auf die Wirksamkeit der Einlassung irrelevant. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sei eine Einlassung nach Massgabe von Art. 6 IPRG (SR 291) auch zulässig. Schliesslich befasst sich die Vorinstanz mit Art. 86 Abs. 1 IPRG, wonach für das Nachlassverfahren und die erbrechtlichen Streitigkeiten die schweizerischen Gerichte oder Behörden am letzten Wohnsitz des Erblassers zuständig sind. Sie erinnert daran, dass eine natürliche Person ihren Wohnsitz gemäss Art. 20 Abs. 1 Bst. a IPRG in dem Staat habe, in dem sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Bezogen auf den konkreten Fall stellt das Kantonsgericht als unbestritten fest, dass der Erblasser im Jahr 1994 in UUU (NW) Wohnsitz genommen habe und zudem - trotz streitiger physischer Präsenz in XXX.________ (AI) - hinreichende Indizien bestünden, dass der schweizerische Wohnsitz auch nach dem Umzug nach XXX.________ (AI) im Jahr 2001 aufrechterhalten wurde. Dafür sprächen insbesondere der schriftenpolizeiliche und steuerliche Wohnsitz des Ehepaars R.________ in XXX.________ (AI) seit 2001, das Eigentum an der 4½-Zimmer-Wohnung in XXX.________ (AI) und mehrere Indizien, die darauf hinwiesen, dass das Ehepaar R.________ die Wohnung auch tatsächlich bezogen und zumindest teilweise bewohnt hat. Die neu eingereichten Berufungsbeilagen 3 bis 10 vermöchten daran nichts zu ändern; zudem sei weder genügend dargetan noch ersichtlich, inwiefern diese Unterlagen aus den Jahren 2002 bis 2013 nicht schon vor erster Instanz hätten vorgebracht werden können. Weiter erklärt das Kantonsgericht, auch ein mehrheitlicher Aufenthalt des Erblassers in Spanien (insbesondere zu Pflegezwecken aufgrund seiner fortgeschrittenen Demenz) und/oder Norwegen in der letzten Lebensphase spräche nicht für eine Wohnsitzverlegung ins Ausland bzw. gegen die Fortdauer des Wohnsitzes in der Schweiz im Sinne von Art. 86 IPRG. Einem zuständigkeitsbegründenden Wohnsitz in der Schweiz stehe schliesslich auch nicht entgegen, dass die Wohnsitznahme des Erblassers in der Schweiz auch steuerlich motiviert war. Wesentlich sei, dass die Wohnsitznahme in XXX.________ (AI) unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalles und der ausgesprochenen Internationalität der geschäftlichen und privaten Lebensinteressen des Erblassers in objektiver und subjektiver Hinsicht als hinreichend gegeben zu betrachten sei. Im Ergebnis bestehe ein hinreichender internationaler Bezug zum Kanton Appenzell I.Rh., um eine Wohnsitzzuständigkeit im Sinne von Art. 86 IPRG zu begründen.