Citation: 1B_470/2020 E. 3.2.4

3.2.4. Vorliegend kann offenbleiben, ob die Vereinbarung als informelle Absprache zwischen den Kantonen Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri (vgl. WALDMANN/SCHNYDER VON WARTENSEE, in: Basler Kommentar, Bundesverfassung, 2015, N. 18 zu Art. 48 BV; STEPHAN C. BRUNNER, Möglichkeiten und Grenzen regionaler interkantonaler Zusammenarbeit, Untersucht am Beispiel der Ostschweiz, 2000, S. 110 f.) oder als interkantonaler Vertrag zwischen den genannten Kantonen zu qualifizieren ist. Wie sich aus den nachfolgenden Ausführungen ergibt, steht dem Einsatz von Luzerner Rechtspraktikantinnen und Rechtspraktikanten im Kanton Nidwalden auch inhaltlich nichts entgegen. Während in der Vereinbarung von der Vertretung von Parteien "vor Gericht" die Rede ist, regelt Art. 5 des Gesetzes des Kantons Nidwalden vom 4. Februar 2004 über die Ausübung des Anwaltsberufes (Kantonales Anwaltsgesetz, AnwG/NW; NG 267.1) die Vertretung "vor den Gerichten und den Strafuntersuchungsbehörden" (Abs. 1). Jedoch ist nicht ersichtlich und geht auch aus der Argumentation des Beschwerdeführers nicht hervor, weshalb eine Rechtspraktikantin oder ein Rechtspraktikant Parteien zwar vor Gericht, nicht aber vor den Strafverfolgungsbehörden vertreten können sollte. Vielmehr ist eine Person, welche zur Vertretung vor Gericht befugt ist, in maiore minus auch zur Vertretung vor den Strafverfolgungsbehörden berechtigt. Dass bei der Formulierung in der Vereinbarung diesbezüglich von einem qualifizierten Schweigen auszugehen wäre, wie dies der Beschwerdeführer geltend macht, ist nicht nachvollziehbar. Insofern ist zwischen der Vereinbarung und dem Kantonalen Anwaltsgesetz kein Widerspruch erkennbar. Diese Regelung ist bundesrechtlich nicht zu beanstanden. Dies gilt auch mit Blick auf die für die Erteilung der Praktikantenbewilligung vorausgesetzte Praxiserfahrung: Während das Kantonale Anwaltsgesetz in Art. 5 Abs. 2 Ziff. 2 voraussetzt, dass die Gesuchstellerin oder der Gesuchsteller zwei Monate bei der verantwortlichen Anwältin bzw. dem Anwalt oder in der Rechtspflege tätig war, wurde in der Vereinbarung die Regelung getroffen, dass Rechtspraktikantinnen und Rechtspraktikanten im Kanton Nidwalden erst ab dem dritten Praktikumsmonat zur Prozessführung zugelassen sind. Dass diese Praktikumszeit sodann zwingend bei einer Anwältin oder einem Anwalt absolviert worden sein muss, lässt sich daraus nicht ableiten und vermag der Beschwerdeführer mit seinem Verweis auf ein Telefonat mit der kantonalen Anwaltskommission auch nicht (rechtsgenüglich) darzutun. Der Argumentation des Beschwerdeführers, wonach die Formulierung in Art. 5 Abs. 2 Ziff. 2 AnwG/NW "[...] oder in der Rechtspflege tätig war" entgegen der vorinstanzlichen Auffassung so zu verstehen sei, dass die Gesuchstellerin oder der Gesuchsteller zuvor über längere Zeit bei einem Rechtspflegeorgan als fest angestellte Juristin oder fest angestellter Jurist und nicht als Praktikantin oder Praktikant tätig gewesen sein muss, kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz hat sich zu diesem Punkt ausführlich geäussert, worauf verwiesen werden kann.