Citation: I 76/06 19.12.2006 E. 2

2.1 Die vom Beschwerdeführer geklagten Kopf-, Nacken-, Schulter-, Arm- und Rückenbeschwerden liessen sich trotz umfangreicher medizinischer Abklärungen nur teilweise objektivieren. Die vom behandelnden Arzt Dr. med. A.________, Allgemeine Medizin FMH, veranlasste orthopädische Untersuchung durch Dr. med. B.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, ergab ausser geringfügigen Befunden im lumbosakralen Übergangsbereich keine verwertbaren objektiven Befunde, weshalb auf eine funktionelle Überlagerung geschlossen wurde (Bericht vom 29. April 2002). Der mit einer weiteren Untersuchung beauftragte Dr. med. C.________, Facharzt für Innere Medizin, spez. Rheumaerkrankungen, fand ein statisch funktionelles Rückenleiden mit halteinsuffizientem Rundrücken sowie eine atypische Brachialgie links bei Uncovertebralarthrose sowie Spondylarthrose und leichter Bandscheibenprotrusion C5/6 und C6/7, ein mässiges Lumbovertebralsyndrom bei mediolateraler-medialer Diskushernie L4/5 rechts mit subjektiver Ischialgie links. Er äusserte den Verdacht auf ein fixiertes chronisches Schmerzsyndrom, eine reaktive agitierte Depression sowie eine Borderline-Entwicklung. Im Bericht an den Hausarzt vom 31. Mai 2002 gelangte Dr. med. C.________ zum Schluss, es bestehe eine Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und den geklagten Beschwerden; es handle sich vorwiegend um ein statisch funktionelles Rückenleiden mit chronifiziertem Schmerzsyndrom. Ab 12. Juni 2002 stand der Beschwerdeführer bei Dr. med. D.________, Allgemeine Medizin FMH, in Behandlung, welcher weitere fachärztliche Untersuchungen veranlasste. Der Neurologe Dr. med. E.________ fand für die geltend gemachten Nacken-, Schulter- und Armschmerzen keine wesentlichen objektiven Befunde, insbesondere keine klaren Hinweise auf eine radikuläre Schädigung (Bericht vom 31. Juli 2002). Der Orthopäde Dr. med. F.________ gelangte zum Schluss, die vorgebrachten Beschwerden liessen sich nicht mit eindeutigen anamnestischen, klinischen und bildgebenden Daten in Verbindung setzen und es sei eine Somatisierung in einem konfliktbeladenen soziokulturellen Umfeld zu vermuten (Bericht vom 24. September 2002). Dr. med. G.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, stellte in einem Bericht vom 14. Januar 2003 die Diagnose einer mehrsegmentalen degenerativen Veränderung der HWS und führte aus, es ergäben sich keine neurologischen Aspekte, keine Behandlungsbedürftigkeit und auch keine Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätigkeiten. Eine MRI-Untersuchung der HWS im Schweizer Paraplegiker Zentrum vom 21. August 2003 zeigte gegenüber der Voruntersuchung vom 10. Februar 2001 progrediente degenerative Veränderungen, insbesondere eine neu aufgetretene medial betonte Bandscheibenhernie C3/C4. Das MRI des Schädels ergab eine unspezifische gliöse Parenchymläsion im frontalen Grosshirnmarklager rechts und im Übrigen einen kernspintomographischen Normalbefund. In einem Bericht vom 17. September 2003 vertrat Dr. med. H.________, Facharzt für Neurochirurgie, die Auffassung, die beschriebene Beschwerdesymptomatik sei als schwere somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung zu interpretieren; ein eindeutiges morphologisches Korrelat finde sich nicht; eine Therapie könne aus seiner Sicht nicht angeboten werden; die einzige Möglichkeit bestehe in der Überweisung an einen Psychosomatiker. Der mit einer entsprechenden Untersuchung beauftragte Dr. med. I.________, Facharzt für Innere Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie FMH sowie Psychosomatik APPM, bestätigte mit Bericht vom 25. Mai 2004 die Vermutung eines chronischen Schmerzsyndroms. Im Arztbericht an die Invalidenversicherung vom 7. Juli 2004 gelangte Dr. med. D.________ zusammenfassend zum Schluss, der Versicherte leide an degenerativen Veränderungen der HWS, chronischen Spannungskopfschmerzen, chronischen Schulter-Armschmerzen links sowie an einem Lumbovertebralsyndrom. Er sei seit Juni 2002 für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Chauffeur zu 25% arbeitsunfähig, weil er keine schweren Lasten heben dürfe; eine wesentliche Änderung sei nicht eingetreten. Am 2. Juni 2004 bestätigte Dr. med. D.________ gegenüber der Arbeitslosenversicherung eine Arbeitsunfähigkeit von 25% auch für die Zeit ab 1. Juni 2004. In einem weiteren Zeugnis vom 30. November 2004 sah er von einer eigenen Beurteilung ab und verwies auf den Bericht des Dr. med. I.________ vom 25. Mai 2004, wonach sich das chronische Schmerzsyndrom nach einer bald zweijährigen Arbeitsunfähigkeit erfahrungsgemäss kaum mehr beeinflussen lasse. 2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Gesundheitszustand habe sich ab Sommer 2004 und bis zu dem für die Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom 17. Januar 2005 in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert. Er beruft sich dabei auf Stellungnahmen der Dres. I.________ und D.________ vom 15. Februar 2005 sowie Berichte des vom behandelnden Arzt konsiliarisch beigezogenen Prof. Dr. med. J.________ vom 12. April und 13. Dezember 2005. Die genannten Berichte stammen aus der Zeit nach Erlass des Einspracheentscheids und sind für die Beurteilung des streitigen Leistungsanspruchs nur insoweit relevant, als sie die tatsächlichen Verhältnisse in der vorangegangenen Zeit zum Gegenstand haben. Diesbezüglich führt Dr. med. I.________ im Schreiben an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aus, er kenne den Patienten seit April 2004 und sehe ihn in regelmässigen Abständen. Spätestens seit jenem Zeitpunkt, wahrscheinlich aber schon früher, sei er (vollständig) arbeitsunfähig. Er leide unter dauernden Schmerzen im Kopf, im Nacken, in den Schultern und Armen sowie im gesamten Rücken. Die Schmerzen steigerten sich gelegentlich in einer Art und Weise, dass er nicht wisse, wie er sich verhalten solle. Er habe keinen normalen Tagesablauf und Schlafrhythmus mehr, sei verzweifelt und sorge sich um die Familie mit seinen vier schulpflichtigen Kindern. Der Versicherte sei arbeitswillig, schildere aber verständlich, dass eine Erwerbstätigkeit unter den gegebenen Umständen nicht möglich sei. Im ärztlichen Zeugnis vom 15. Februar 2005 erwähnt Dr. med. D.________ eine im Herbst 2004 eingetretene starke Zunahme des Lumbovertebralsyndroms, welches invalidisierenden Charakter erreicht habe. Der mit einer konsiliarischen Untersuchung beauftragte Prof. Dr. med. J.________ fand eine leichtgradige Lordose der LWS, eine Druckschmerzhaftigkeit L5/S1 sowie eine Klopfdolenz über dem Os sacrum und innerhalb der LWS. Die Befunde werden indessen als leichtgradig beschrieben und es wird auf eine Diskrepanz zwischen den geltend gemachten Schmerzen und dem Verhalten des Versicherten hingewiesen. Im Vordergrund stehe eine psychisch-neurotische Verhaltensstörung, zu deren Symptomenkomplex der Kopfschmerz, die Bewegungsunruhe, die Hypochondrie, das Morgentief sowie die deutlich zum Ausdruck gebrachte Konzeptionslosigkeit zur Strukturierung des Alltages sowie zur Verbesserung des Gesundheitszustandes und die vollständig fehlende Perspektive gehörten. Eine eigentliche depressive Verstimmung habe nicht festgestellt werden können. Auf der körperlich-strukturellen Seite dominierten die Probleme des Nackens einschliesslich der ersten Rippe links, wobei es zusätzlich zu den auch manualdiagnostisch erfassbaren Nackenbefunden unter Einschluss der oberen BWS zu einer Engpass-Symptomatik der oberen Thoraxapertur gekommen sei, die zum derzeitigen linksseitigen (im Gegensatz zum früheren rechtsseitigen) Armschmerz führe. Zu dieser eher strukturellen Ebene gehöre auch die mässig ausgeprägte Fehlhaltung mit deutlicher Haltungsinsuffizienz sowie die bestehende BWS-Kyphose Th 5-8. Die Schmerzhaftigkeit der ligamentären Strukturen und das (im Vordergrund stehende) auffällige Verhalten, führten zeitweise zu Bewegungsblockierungen. Mit Ausnahme von Hypersensibilitäten, teilweise aber auch Hyposensibilitäten der linken Hand, zeige sich auf der linken Seite neurologisch lediglich eine etwas auffällige Oberarmatrophie, die jedoch mit keinem Kraftverlust verbunden sei; auch der Armhalteversuch sei nicht auffällig. Abschliessend wird festgestellt, der primäre und wesentliche therapeutische Zugang müsse mit grösster Wahrscheinlichkeit auf einer psychiatrischen bzw. psychotherapeutischen Ebene gesucht werden.