Citation: U 180/05 17.08.2005 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin wurde am 31. Januar 2003 an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Spitals X.________ untersucht. Während im Blut eine positive Borrelien-Serologie (IgG EIA und IgM EIA) sowie ein positiver Westernblot für IgG und IgM gefunden wurden, zeigte sich im Liquor als einziger abnormer Befund das Vorhandensein oligoklonaler IgG-Banden. Bei normaler Zellzahl und normalem Proteinprofil (keine Schrankenstörung) war keine entzündliche Reaktion festzustellen und es liessen sich keine Borrelien-Antikörper nachweisen. Prof. Dr. med. S.________ bezeichnete den isolierten Befund nachweisbarer oligoklonaler Banden als unspezifisch für eine abgelaufene entzündliche Reaktion sowie ungewöhnlich für eine borrelienbedingte Meningitis oder Meningoenzephalitis und gelangte zum Schluss, das Vorliegen einer Neuroborreliose sei als eher unwahrscheinlich zu betrachten. Im Hinblick auf die positive Blutserologie und das Fehlen anderweitiger Ursachen für das bestehende Beschwerdebild erachtete er eine probatorische Therapie mit Rocephine indessen als vertretbar. Nach den Angaben von Dr. med. L.________ brachte die in der Zeit vom 24. Februar bis 9. März 2003 im Spital Y.________ durchgeführte ambulante Therapie mit Rocephine nur einen kurzfristigen Erfolg. Die von Dr. med. L.________ beigezogene Frau Dr. med. E.________ führte in einem Bericht vom 7. September 2003 aus, die serologische Abklärung habe einen positiven IgG- und IgM-Westernblot sowie eine positive IgG/IFAT-Reaktion ergeben; auch sei ein in den USA vorgenommener Lyme IgG/IgM (Recombinant Antigen)-Test positiv ausgefallen. Ferner bestehe ein positiver PCR/Mycoplasma fermentans-Befund. Dabei handle es sich um einen zunehmend häufigeren, ebenfalls von Zecken übertragenen Co-Infekt der Borreliose. Die Serologie spreche stark für eine persistierende aktive Borrelien-Infektion. Als Ursache der zentralnervösen Symptomatik zog die Ärztin verschiedene pathophysiologische Mechanismen wie eine unspezifische Zytokinreaktion, Vaskulitiden oder einen persistierenden Infekt im ZNS (Zentralnervensystem) in Betracht. Dr. med. C.________ von der Abteilung Arbeitsmedizin der SUVA führte in seiner Stellungnahme vom 18. Mai 2004 aus, eine positive Borrelienserologie sei häufig, eine chronische Meningoenzephalitis als Ausdruck einer Neuroborreliose aber sehr selten. Deshalb würden von den Neurologen übereinstimmend sowohl typische klinische Befunde als auch typische Laborbefunde verlangt, wie sie beispielsweise in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie für die Diagnose der Neuroborreliose vorausgesetzt seien. Gestützt auf diese auch von den Neurologen der schweizerischen Universitätskliniken angewandten Kriterien sei Prof. Dr. med. S.________ richtigerweise zum Schluss gelangt, dass eine Neuroborreliose unwahrscheinlich sei. Weil eine neurologische Problematik zur Diskussion stehe, sei der Fachmeinung der Neurologischen Universitätsklinik und nicht der Auffassung der Allgemeinmedizinerin Dr. med. E.________ zu folgen. Daran hielt Dr. med. C.________ in der im kantonalen Beschwerdeverfahren eingereichten erneuten Stellungnahme vom 14. Januar 2005 fest. 3.2 Die Vorinstanz hat erwogen, es sei auf die fachärztliche Stellungnahme von Prof. Dr. med. S.________ abzustellen, welche in sich schlüssig und widerspruchsfrei sei und die von der Rechtsprechung für den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten aufgestellten Anforderungen erfülle. Dass Frau Dr. med. E.________ weitgehende Erfahrungen in der Behandlung von Borreliose-Patienten habe, ändere nichts daran, dass sie nicht über eine Fachausbildung im hier massgebenden Bereich der Neurologie verfüge. Dazu komme, dass das Vorliegen einer Neuroborreliose auch aus statistischer Sicht nicht überwiegend wahrscheinlich sei, wie sich aus den Angaben von Dr. med. C.________ ergebe. Danach liege das Risiko von Personen mit positiver Borrelien-Serologie, an einer Neuroborreliose zu erkranken, bei 0,5 %; lediglich bei rund 0,2 Promille liege das Risiko, an einer chronischen Meningoenzephalitis zu erkranken. Zu beachten sei schliesslich, dass die Beschwerdeführerin auf die Rocephine-Therapie nur kurzfristig angesprochen und auf die seither angeordneten antibiotischen Behandlungen eher negativ reagiert habe. Unter diesen Umständen sei der geltend gemachte Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Beschwerden und der seinerzeitigen Borrelien-Infektion nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, entgegen den Ausführungen von Dr. med. C.________ habe Prof. Dr. med. S.________ eine Borrelien-Infektion keineswegs ausgeschlossen und denn auch eine zweiwöchige Therapie mit Rocephine empfohlen. Diese habe anfänglich Wirkung gezeigt, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn keine Borrelien-Infektion vorgelegen hätte. Sowohl Dr. med. L.________ als auch Frau Dr. med. E.________ seien der Auffassung, dass eine Borrelien-Infektion vorliege, wobei die Ärztin einen Mischinfekt Borrelien/Mycoplasmen annehme. Diese, durch eindeutige Ergebnisse der Laboruntersuchungen gestützten Angaben würden weder in der ärztlichen Beurteilung von Dr. med. C.________ noch im Entscheid der SUVA berücksichtigt. Bei Frau Dr. med. E.________ handle es sich um eine ausgewiesene Spezialistin auf dem Gebiet der Borreliose, weshalb ihre Auffassung mindestens als gleichwertig mit derjenigen der Neurologischen Klinik des Spitals X.________ zu bewerten sei. Dass die Unfallversicherer Borreliose-Fälle oft durch Neurologen beurteilen liessen, werde der Krankheit, welche sehr unterschiedliche Symptome und Verläufe aufweise, nicht gerecht. Die Diagnose einer Lyme-Borreliose habe in erster Linie anhand des Beschwerdebildes und nicht aufgrund von Richtlinien zu erfolgen, welche von Neurologen aufgestellt worden seien.