Citation: 4A_412/2019 E. 6.3.2

6.3.2. Anders sieht die Lage aus bei den übrigen gerügten Mängeln. 6.3.2.1. Die vorinstanzlichen Ausführungen zu den Schwedenschnitten sind teilweise widersprüchlich. Einerseits erwog das Handelsgericht, es sei unbestritten, dass die Schwedenschnitte - wie auch die Gleitlager - zu den allgemeinen Regeln der Baukunde zu zählen seien. Andererseits warf es der Beschwerdeführerin vor, die Behauptung der Beschwerdegegnerin, das Anbringen von Schwedenschnitten sei nicht erforderlich gewesen, nicht substanziiert bestritten zu haben. Im Übrigen weist die Beschwerdeführerin nach, dass sie in der Replik die Behauptung der Beschwerdegegnerin zur angeblichen Nichterforderlichkeit des Anbringens von Schwedenschnitten bestritten hat. Unter den Rz. 184-185 der Replik führte sie aus, Schwedenschnitte würden "der Trennung von Verputzarbeiten beim Wand-Decken-Anschluss" dienen. Ohne Schwedenschnitte könnten "infolge der Bewegung der Bauteile gegeneinander Risse sowie Putzablösungen an den Wänden auftreten". Dabei verwies sie im Übrigen auf ihre Ausführungen in Rz. 115 der Klage, bei welchen sie unter expliziter Bezugnahme auf das Gutachten D.________ auf die Notwendigkeit der Anordnung und Ausführungen von Gleitlagern und Schwedenschnitten hinwies, und beantragte die Befragung der beiden Privatgutachter sowie die Anordnung einer Expertise. Nichts anderes gilt in Bezug auf die Gleitlager. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz wurde in der Replik die Behauptung der Beschwerdegegnerin, für sämtliche Filialen seien Gleitlager ausgeschrieben und ausgeführt worden, rechtsgenüglich bestritten. Die Beschwerdeführerin zitierte insbesondere Auszüge aus dem Gutachten von D.________, wonach davon ausgegangen werden könne, dass stellenweise keine bzw. zu schmale Gleitlager verlegt worden seien und dass die Bauleiterin auf eine mangelhafte Ausführung von Gleitlagern hätte hinweisen müssen. Sie brachte vor, dass es sich bei den Gleitlagern um einen wichtigen Arbeitsschritt handle, weshalb die Beschwerdegegnerin hätte prüfen müssen, dass die Gleitlager korrekt eingebaut worden seien, und belegte ihre Ausführungen mit Beweisofferten. Dass sich ihre Ausführungen auf alle sieben Filialen bezogen, präzisierte sie dabei ausdrücklich. Dass D.________ in seinem Gutachten ausführte, je nach beauftragtem Leistungsumfang hätte anstelle des Bauleiters der Bauingenieur die korrekte Verlegung der Gleitlager auf den Mauerwerkswänden kontrollieren müssen, ist für die Frage der Substanziierung nicht massgebend. Die Vorinstanz durfte sich der Prüfung der Planung und Ausführung der Gleitlager in Übereinstimmung mit den Regeln der Baukunde nicht mit dem Hinweis auf die Substanziierungsanforderungen entziehen. Die für die Prüfung dieser Fragen relevanten rechtserheblichen, streitigen Tatsachen sind von den Parteien hinreichend substanziiert vorgetragen worden. 6.3.2.2. Auch hinsichtlich des Gefälles waren die Behauptungen der Beschwerdeführerin hinreichend substanziiert. In Bezug auf einen allfälligen Planungsfehler der Beschwerdegegnerin ergibt sich aus dem angefochtenen Entscheid nicht klar, inwiefern die Beschwerdegegnerin die Leitpläne der Beschwerdeführerin übernommen hat. Einerseits weist die Vorinstanz darauf hin, dass sich das Gutachten D.________ auf die Leitpläne bezieht, in welchen ein Bodengefälle von nur 1 % vorgesehen worden sei. Andererseits stellt sie fest, die Beschwerdegegnerin habe sich auf den Standpunkt gestellt, die verbindliche Vorgabe der Beschwerdeführerin für das Gefälle habe bei 2.1 % gelegen. Jedenfalls brachte die Beschwerdeführerin vor, das ausgeführte Bodengefälle betrage teils "weniger als 1 %" bzw. "zwischen 0 und 1 %" obwohl ein derartiges Gefälle im Aussenbereich gemäss dem Privatgutachter D.________ mindestens 2 % oder gar mindestens 2.5 % betragen müsste. Damit behauptete sie unmissverständlicherweise, dass das ausgeführte Bodengefälle nicht den Regeln der Baukunde entsprach. Zwar führte der Privatgutachter D.________ in dem in der Klage wiedergegebenen Auszug aus, das Gefälle betrage nur "stellenweise" auch weniger als 1 %. Das führt entgegen der Ansicht der Vorinstanz jedoch nicht dazu, dass die Behauptung der Beschwerdeführerin als nicht hinreichend substanziiert zu gelten habe. In der Tat bezogen sich die Erläuterungen des Gutachters ausdrücklich auf das "Bodengefälle auf der Bodenplatte vor der Eingangstüre nach aussen", wobei dieser an einer anderen - von der Beschwerdeführerin ebenfalls zitierten - Stelle präzisierte, dass "[d]as Gefälle der Platten zur Wasserableitung nach aussen, weg von der Fassade" ungenügend sei. Worin der Mangel bestehen soll, ist folglich klar vorgebracht worden. Es ist folglich zu prüfen, ob das von der Beschwerdegegnerin ausgeführte Bodengefälle den Regeln der Baukunde entspricht. Ist dies nicht der Fall, ist in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin einen allfälligen Mangel zu verantworten hat. Entspricht das ausgeführte Gefälle den von der Beschwerdeführerin gelieferten Leitplänen, ist dabei lediglich zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zur Abmahnung der Beschwerdeführerin verpflichtet war und ob sie gegebenenfalls dieser Verpflichtung nachgekommen ist. Falls eine Diskrepanz zwischen dem ausgeführten Bodengefälle und den Vorgaben der Beschwerdeführerin besteht, ist zu untersuchen, ob der Beschwerdegegnerin ein Planungsfehler unterlaufen ist oder ob das Gefälle nicht plankonform gebaut wurde. Im letzteren Fall ist zu prüfen, ob aus allfälligen Fehlern auf eine mangelhafte Bauleitung der Beschwerdegegnerin geschlossen werden kann, wobei die Beantwortung dieser Frage technische Aspekte erfasst, die ohne Fachkenntnisse kaum zu bewältigen sein dürften.