Citation: U 146/05 29.08.2005 E. 4.2

4.2.1 Mit Bezug auf das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung macht die "Zürich" im Wesentlichen geltend, die von den Gutachtern des Spitals Y.________ empfohlene physiotherapeutische Behandlung mit dem Ziel der Stabilisation und Muskelkräftigung im Nacken-, Schultergürtel- und Rückenbereich sei rund ein Jahr nach dem Unfall bereits vom Neurologen Dr. med. I.________ vorgeschlagen, von der Beschwerdegegnerin aber abgelehnt worden. Seit Mitte 2002 hätten keine gezielten medizinischen Behandlungen mehr stattgefunden. 4.2.2 Die "Zürich" übersieht dabei, dass in der besagten Expertise vom 20. April 2002 zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdegegnerin nicht nur eine physiotherapeutische Behandlung, sondern eine - stationär in einer hiefür geeigneten Rehabilitationsklinik durchzuführende - umfassende Therapie mit psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung als notwendig erachtet wurde. War aber die Beschwerdegegnerin anlässlich der im Frühjahr 2002 vorgenommenen gutachterlichen Untersuchungen, d.h. rund drei Jahre nach dem Unfall, noch in diesem Sinne behandlungsbedürftig, so liegt selbst dann eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung vor, wenn vorgängig während einer gewissen Zeit keine regelmässige, zielgerichtete ärztliche Behandlung mehr durchgeführt worden wäre. Aus dem Umstand, dass der mit einer vertrauensärztlichen Exploration der Beschwerdegegnerin beauftragte Dr. med. I.________ bereits in seinem Bericht vom 8. Mai 2000 auf Grund der von ihm festgestellten muskulären "Dekonditionierung" ein Kraftaufbautraining empfohlen hatte, dieses in der Folge aber nicht absolviert wurde, vermöchte die "Zürich" für ihre Leistungspflicht lediglich etwas abzuleiten, wenn sie das Mahn- und Bedenkzeitverfahren gemäss altArt. 48 Abs. 2 UVG (in Kraft gestanden bis 31. Dezember 2002) in Verbindung mit altArt. 61 Abs. 1 UVV (in der bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung) bzw. - seit 1. Januar 2003 - Art. 21 Abs. 4 ATSG durchgeführt und der Beschwerdegegnerin die Rechtsnachteile der Verweigerung einer zumutbaren Behandlung ausdrücklich angedroht hätte. 4.3 Das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufes ist im vorliegenden Fall schon deswegen zu bejahen, weil weder die stationäre Behandlung der Beschwerdegegnerin in der Rheuma- und Rehabilitationsklinik X.________ (vom 5. August bis 9. September 1999) noch die seither von mehreren Ärzten durchgeführten oder veranlassten jahrelangen ambulanten Therapien zu einer vollständigen Heilung der körperlichen Beschwerden geführt haben. Vielmehr liegt - gemäss eingeholtem interdisziplinären Gutachten des Spitals Y.________ vom 20. April 2002 - rund drei Jahre nach dem Unfall ein behandlungsbedürftiger Status nach HWS-Distorsionstrauma bei/mit chronischen Nacken-/Kopfschmerzen mit gelegentlicher rechtsbetonter spondylogener Komponente, Fehlhaltung, Fehlform der Wirbelsäule, progredienten degenerativen Veränderungen seit dem Trauma im Segment C 5/6 (Osteochondrose, Spondylose, Spondylarthrose), zeitweiser Anhedonie, Stimmungslabilität, rascher Erschöpfbarkeit, verminderter Belastbarkeit sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung vor. 4.4 Beim Kriterium der Dauerbeschwerden lässt die "Zürich" sodann ausser Acht, dass die Vorinstanz in diesem Zusammenhang zu Recht sowohl die psychisch bedingte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung als auch jene Beschwerden (zeitweise Anhedonie, Stimmungslabilität, rasche Erschöpfbarkeit, verminderte Belastbarkeit), welche die Gutachter weder eindeutig den körperlichen noch den psychischen Unfallfolgen zuordnen konnten, mitberücksichtigt hat. Denn bei der Adäquanzbeurteilung des nach einem Schleudertrauma oder einer äquivalenten Verletzung vorhandenen typischen Beschwerdebildes greift - wie dargelegt (Erw. 2) - im Regelfall keine Differenzierung zwischen psychischen und physischen Unfallfolgen Platz. Der von der "Zürich" angeführte Umstand, dass die Beschwerdegegnerin gegenüber dem psychiatrischen Teilgutachter mit Bezug auf die körperlichen Schmerzen beschwerdefreie Intervalle bis zu mehreren Wochen angegeben hat, ist daher ohne Belang, zumal noch gegenüber dem rheumatologischen Fachspezialisten von beschwerdefreien Intervallen von lediglich "mehrere(n) Tage(n)" die Rede gewesen war. 4.5 Die Beschwerdegegnerin war nach dem Unfall vom 3. Mai 1999 bis Ende Oktober 1999 vollständig, bis Ende Mai 2000 zu 80 % und seither zu 67 % arbeitsunfähig. Die Gutachter der Rheumatologischen Klinik und des Instituts für Physikalische Medizin des Spitals Y.________ schätzten die ihr im angestammten Beruf aktuell zumutbare Arbeitsfähigkeit auf die Hälfte des vormaligen Teilpensums von 60 %. Obgleich ein Steigerungspotential für durchaus realistisch erachtet wurde, empfahlen die Ärzte, die - durch den Neurologen Dr. med. R.________ ebenfalls auf 33 % geschätzte - Arbeitsfähigkeit erst nach Durchführung der vorgeschlagenen stationären rehabilitativen Therapie zu erhöhen. Letztere wurde von der "Zürich" jedoch nicht veranlasst. In dem für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Zeitpunkt des angefochtenen Einspracheentscheides vom 11. April 2003, also rund vier Jahre nach dem Unfall, war die Beschwerdegegnerin somit unfallbedingt noch immer zu zwei Dritteln arbeitsunfähig. Bei einem derart langen, mehr als hälftigen Leistungsunvermögen in der ursprünglichen Tätigkeit ist das Kriterium der langen Dauer der Arbeitsunfähigkeit rechtsprechungsgemäss (vgl. die in RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff. Erw. d/aa aufgeführten Urteile) zweifellos erfüllt. 4.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass das kantonale Gericht vier Adäquanzkriterien - und damit deren Vorliegen in gehäufter Form - zu Recht bejaht hat. Dahingestellt bleiben kann, ob eines oder mehrere dieser Adäquanzkriterien auch in auffallender Weise erfüllt sind und ob die Vorinstanz das weitere Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung richtigerweise verneint hat. Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 3. Mai 1999 und den als Folge davon bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen Gesundheitsstörungen sowie der dadurch über mehrere Jahre limitierten Arbeitsfähigkeit ist bereits auf Grund der vorstehenden Erwägungen gegeben.