Citation: U 295/06 01.02.2007 E. 7

7.1 Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhanges von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden ist wie folgt zu differenzieren: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die versicherte Person eine der soeben erwähnten Verletzungen erlitten hat, muss beurteilt werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen (BGE 119 V 337 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b) zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze massgebend; andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b festgelegten Kriterien (BGE 123 V 99 Erw. 2a). 7.2 Die Bejahung der Adäquanz im Einzelfall setzt voraus, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt, was zutrifft, wenn er objektiv eine gewissen Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 117 V 366 Erw. 6a mit Hinweis auf BGE 115 V 141 Erw. 7). Für die Qualifikation eines Unfalles als schwer, mittelschwer oder leicht ist vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen (BGE 117 V 366 Erw. 6a). Auffahrkollisionen auf ein (haltendes) Fahrzeug werden regelmässig in die Kategorie der mittelschweren Ereignisse im Grenzbereich zu den leichten Unfällen eingereiht (vgl. die in SZS 2001 S. 432 ff. erwähnten Urteile A. vom 29. Dezember 1998, U 100/97, und V. vom 30. Juni 1997, U 231/96; ferner Urteile M. vom 12. Juli 2002, U 34/02, Erw. 4a sowie T. vom 6. Februar 2002, U 61/00, Erw. 3a, je mit diversen Hinweisen). Hievon abzuweichen besteht vorliegend auch unter Berücksichtigung des unfallanalytischen Gutachtens vom 14. März 2003 keine Veranlassung. Insbesondere rechtfertigt der Umstand, dass der Personenwagen der Beschwerdeführerin durch den Aufprall in das vor ihr stehende Fahrzeug geschoben wurde, bei objektiver Betrachtungsweise und unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse keine andere Beurteilung (vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236). 7.3 Damit der adäquate Kausalzusammenhang bejaht werden könnte, müssten die objektiven Adäquanzkriterien somit in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein. Dabei fällt entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht ins Gewicht, welche Anforderungen die angestammte Tätigkeit an die Beschwerdeführerin stellt; allein massgeblich ist die nach allgemeiner Lebenserfahrung und gewöhnlichem Lauf der Dinge zu beurteilende objektive Eignung des Unfallgeschehens, einen Gesundheitsschaden der eingetretenen Art zu bewirken (BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen). 7.4 Das kantonale Gericht hat lediglich das Adäquanzkriterium der (subjektiv empfundenen) Dauerbeschwerden als erfüllt erachtet. Die Beschwerdeführerin macht geltend, zusätzlich seien auch die Kriterien der besonderen Art und Schwere der Verletzung, der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sowie des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit zu bejahen. 7.4.1 Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteil Z. vom 12. September 2006, U 422/05, Erw. 5.2 mit Hinweisen). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 Erw. 4.3 mit Hinweisen). Solche Umstände sind hier nicht gegeben. Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden vor. 7.4.2 Die Beschwerdeführerin suchte - hauptsächlich weil ihr ebenfalls in den Unfall verwickelter Sohn über Halsschmerzen klagte - am Unfalltag Hausarzt Dr. med. L.________ auf, der eine radiologische Abklärung von Mutter und Sohn veranlasste. In der Folge verordnete Dr. med. L.________ eine Schmerz- und "gelegentliche" Physiotherapie. Im Juni 1998 begab sich die Beschwerdeführerin sowohl wegen Unfallfolgen als auch wegen Krankheit zu Facharzt U.________ in eine Akupunkturbehandlung. Eine zielgerichtete, rehabilitative ärztliche Behandlung der Nacken-, Schulter- und Kopfbeschwerden wurde - erfolglos - einzig während des Aufenthaltes der Beschwerdeführerin in der Klinik H.________ vom 2. bis 12. April 2001 appliziert. Bei dieser Sachlage ist das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht erfüllt (RKUV 2005 Nr. U 236 S. 239 Erw. 5.2.4 mit Hinweisen). 7.4.3 Das Vollpensum einer Lehrerin für textiles Werken umfasst im Kanton Y.________ 30 Lektionen pro Woche. Die Beschwerdeführerin hat im Jahr vor dem Unfall acht Lektionen, nach dem Unfall im Jahre 1998 8,5 Lektionen, in den Jahren 1999 und 2000 9 Lektionen, in den Jahren 2001 und 2002 10 Lektionen und ab 1. August 2002 wieder 8 Lektionen wöchentlich unterrichtet. Ärztlicherseits wurde ihr nach dem Unfall vom 30. Januar 1998 nie eine Arbeitsunfähigkeit für ihre (teilzeitliche) berufliche Tätigkeit als Handarbeitslehrerin bescheinigt. Im Gegenteil hat sie nach dem Unfall vom 30. Januar 1998 bis Mitte 2002 ihr Teilpensum im Vergleich zu vorher noch leicht erhöht. Von einer unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit kann daher nicht die Rede sein; schon gar nicht von einer diesbezüglich langen Dauer. Soweit sich die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang auf die für Teilzeitbeschäftigte massgebende Invaliditätsbemessungsmethode beruft, wonach auf die von ihnen auf der Basis eines Vollzeitpensums erzielbaren hypothetischen Vergleichseinkommen abzustellen ist (BGE 119 V 481 f. Erw. 2b), vermengt sie in unzulässiger Weise die nach einem Unfall effektiv gegebene Arbeitsunfähigkeit mit dem für die Ermittlung des Invaliditätsgrades massgebenden Validen- und Invalideneinkommen (Art. 16 ATSG). Damit hat das Adäquanzkriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit nichts zu tun. 7.5 Zusammenfassend ist somit keines der von der Beschwerdeführerin behaupteten zusätzlichen Adäquanzkriterien erfüllt. Das kantonale Gericht und die Winterthur haben daher den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 30. Januar 1998 und den von der Beschwerdeführerin auch im Zeitpunkt des Einspracheentscheides weiterhin geklagten gesundheitlichen Beschwerden zu Recht verneint.