Citation: 1C_22/2020 E. 5.3

5.3. Es trifft zu, dass gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts mit einem Sondernutzungsplan zwar von der Grundordnung abgewichen werden darf, diese Abweichungen jedoch nicht dazu führen dürfen, die planerisch und demokratisch abgestützte Grundordnung ihres Sinngehalts zu entleeren (BGE 135 II 209 E. 5.2 S. 219 mit Hinweisen). Indessen hat das Bundesgericht ebenfalls betont, dass sich die Zulässigkeit von Abweichungen aus dem kantonalen Recht ergibt und sich seine Überprüfung deshalb auf Willkür beschränkt (so zuletzt das Urteil 1C_222/2019 vom 4. September 2020 E. 5.1 mit Hinweisen; s. auch BGE 135 II 209 E. 5.6 i.f. S. 222). Die betreffenden Regeln unterscheiden sich ebenso von Kanton zu Kanton wie die Terminologie (Gestaltungsplan, Quartierplan, Überbauungsplan, Bebauungsplan) : So durften beispielsweise nach dem im Urteil 1P.270/2005 vom 26. September 2005 anwendbaren thurgauischen Recht ausserhalb des Gestaltungsplangebiets gelegene Grundstücke nicht anders als nach den für die Zone des Gestaltungsplanareals geltenden Vorschriften der Regelbauweise betroffen werden (a.a.O., E. 3.1.). Gemäss der im Urteil 1C_800/2013 vom 29. April 2014 dargelegten Auslegung des Raumplanungsgesetzes des Kantons Neuenburg durch das kantonale Verwaltungsgericht war ein Rückgriff auf das Instrument des Sondernutzungsplans gar nur dann möglich, wenn das fragliche Projekt für den Grundnutzungsplan "nicht vorhersehbar" war oder das Gesetz den Erlass eines Sondernutzungsplans zwingend vorsah (a.a.O., E. 2.2.1.). Das in Urteil 1C_416/2007 vom 3. Oktober 2008 massgebende luzernische Recht wiederum verlangt allgemein, dass der Zonencharakter gewahrt bleibt, listet eine Reihe von Voraussetzungen auf und sieht für die maximal zulässige Abweichung bei der Gesamthöhe und bei der Überbauungsziffer eine prozentuale Grenze vor (a.a.O., E. 3.1.1.). Im Kanton Glarus setzt die Abweichung von der Regelbauweise voraus, dass dadurch gesamthaft ein ortsbaulich und architektonisch besseres Ergebnis verwirklicht wird und dies im öffentlichen Interesse liegt (Art. 23 Abs. 4 RBG). In ähnlicher Weise sieht die kommunale Bauordnung in Art. 9 Abs. 1 vor, dass mit dem Überbauungsplan von ihren Vorschriften abgewichen werden kann, wenn damit besonders gute Lösungen erzielt werden, wobei sich die Beurteilung nach folgenden Kriterien zu richten hat: Erschliessung und Parkierung; hygienisch und baulich einwandfreie Lösung; Beachtung der Beziehung zu den Nachbargrundstücken; harmonische Einordnung der Bauten ins Gesamtbild der Umgebung; grosszügige und zweckmässige Anlage von Freiflächen und Kinderspielplätzen. Diese Kriterien sind im vorliegenden Fall vor dem Hintergrund von Art. 8 Abs. 1 BO Näfels zu lesen, wonach der Überbauungsplan eine ausgewogene Lösung zwischen der haushälterischen Nutzung des Bodens und der Sicherstellung einer qualitativ hochstehenden Bebauung mit einer architektonisch und städtebaulich guten Gestaltung bezweckt. Ob das Verwaltungsgericht im Ergebnis willkürfrei davon ausgehen durfte, die genannten Voraussetzungen seien erfüllt, ist im Folgenden zu prüfen. Entscheidend ist in dieser Hinsicht eine Gesamtbetrachtung (Art. 23 Abs. 4 RBG, wonach "gesamthaft" ein besseres Ergebnis verwirklicht werden soll; vgl. auch Urteile 1C_466/2019 vom 31. August 2020 E. 6.4;1C_429/2012 vom 15. April 2013 E. 6.2.1). Dies verkennt die Beschwerdeführerin, wenn sie eine punktuelle Prüfung verlangt und etwa fordert, es sei aufzuzeigen, dass allein mit der Reduktion der Gebäudeabstände ein besonders gutes Ergebnis erzielt werde. In die Interessenabwägung miteinzubeziehen sind allfällige Schutzanliegen des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) und solche, die sich aus dem Raumentwicklungs- und Baugesetz oder der Bauordnung ergeben (vgl. BGE 135 II 209 E. 5.6 S. 221 f. betreffend das im ISOS eingetragene Dorf Rüti: Berücksichtigung der Inventarisierung im ISOS und der für die betreffende Kernzone geltenden kantonalen und kommunalen Schutzvorschriften). Im vorliegenden Fall kommen gemäss den Ausführungen im angefochtenen Entscheid und der Beschwerdeschrift allerdings keine derartigen besonderen Schutzanliegen zum Tragen.