Citation: 4A_388/2021 E. 5.1

5.1. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz hätte die AVP nicht berücksichtigen dürfen. Die ALV-Akten einschliesslich der AVP habe ursprünglich sie als Beweismittel offeriert um zu belegen, dass ihre Suchbemühungen im Sinne der Mitwirkungspflicht in der ALV ausreichend gewesen seien. Zu den AVP habe sie sich nicht geäussert und auch die Beschwerdegegnerin habe diese nie thematisiert. Vielmehr habe die Vorinstanz diese bei der Durchsicht der ALV-Akten entdeckt und aufgenommen. Die Vorinstanz habe damit die Tragweite der sozialen Untersuchungsmaxime von Art. 247 Abs. 2 ZPO verkannt. Der Gesetzgeber habe mit dieser die schwächere Partei schützen wollen. Die Beschwerdegegnerin sei keine solche. Sie sei vor der Vorinstanz durch Anwälte ihres Rechtsdienstes vertreten worden. Entsprechend gelte für sie die volle, strenge zivilprozessuale Behauptungslast. Die Rüge der Verletzung von Art. 247 Abs. 2 ZPO verfängt nicht. Zwar trifft es zu, dass die ALV-Akten nur von der Beschwerdeführerin als Beweismittel offeriert wurden und die Beschwerdegegnerin die darin enthaltenen AVP nicht thematisierte. Allerdings ist es dem Gericht unter der Geltung der sozialen Untersuchungsmaxime gemäss Art. 247 Abs. 2 ZPO nicht verwehrt, seinem Entscheid auch Tatsachen zugrunde zu legen, die von den Parteien zwar nicht behauptet wurden, dem Gericht im Laufe des Verfahrens aber bekannt geworden sind (CHRISTIAN FRAEFEL, in: Kurzkommentar ZPO, 3. Aufl. 2021, N. 11 zu Art. 247 ZPO; FABIENNE HOHL, Procédure civile, Bd. II, 2. Aufl. 2010, S. 255 Rz. 1407; LAURENT KILLIAS, in: Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 2012, N. 32 zu Art. 247 ZPO; LAZOPOULOS/ LEIMGRUBER, in: ZPO Kommentar, Gehri/Jent-Sørensen/Sarbach [Hrsg.], 2. Aufl. 2015, N. 4 zu Art. 247 ZPO; CLAUDIA M. MORDASINI-ROHRER, Gerichtliche Fragepflicht und Untersuchungsmaxime nach der Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2013, S. 155 Rz. 424; DENIS TAPPY, in: Commentaire Romand, Code de procédure civile, 2. Aufl. 2019, N. 23 zu Art. 247 ZPO; zu Art. 243 Abs. 4 aOR, der ebenfalls eine soziale Untersuchungsmaxime vorsah: BGE 107 II 233 E. 2b; Urteil 4C.36/2006 vom 29. März 2006 E. 3.2). Diese Tatsachen können sich - wie vorliegend - beispielsweise aus den angerufenen Beweismitteln ergeben (BERND HAUCK, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl. 2016, N. 34 zu Art. 247 ZPO; vgl. auch Urteil 4A_135/2013 vom 6. Juni 2013 E. 2.3).