Citation: 6B_1384/2021 E. 1.2.1

1.2.1. Die Vorinstanz erwägt zur persönlichen Situation der Beschwerdeführerin und zu ihrer gesellschaftlichen Integration in der Schweiz, die im Urteilszeitpunkt 35-jährige, Hochdeutsch sprechende Beschwerdeführerin sei in Deutschland geboren und vor 12½ Jahren am 1. April 2009 mit 23 Jahren in die Schweiz eingereist. Sie habe damit die prägende Jugend- und Adoleszenzphase (zwischen dem vollendeten 10. und dem vollendeten 20. Altersjahr) in ihrer Heimat verbracht, wo sie die Schulen sowie eine dreijährige Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten absolviert habe. Die Vorinstanz betont, aus einer langen Aufenthaltsdauer alleine lasse sich noch kein für die Annahme eines Härtefalls genügendes gewichtiges persönliches Interesse an einem Verbleib in der Schweiz ableiten. Nachdem die Beschwerdeführerin keine Angaben oder nähere Informationen zu angeblichen Freunden oder engen Beziehungen zu Personen in der Schweiz habe machen können, sondern hauptsächlich ihre Kinder erwähnt und auf das Verteidigerplädoyer verwiesen habe, und nachdem auch in der Berufungsbegründung lediglich das Vorhandensein solcher Beziehungen festgehalten werde, sei ein tatsächliches Bestehen entsprechender Beziehungen zumindest sehr zweifelhaft und könne eine eigentliche Verwurzelung in der Schweiz insoweit nicht angenommen werden. Damit spiele sich ihr Leben trotz der längeren Aufenthaltsdauer scheinbar primär mit Familienangehörigen sowie Angehörigen ihres Landes ab, was - auch in Anbetracht der langjährigen Anwesenheit in der Schweiz - gegen eine gute Integration spreche. Daneben führt die Vorinstanz aus, von einer wesentlichen gesundheitlichen Beeinträchtigung oder von notwendigen "Behandlungsmöglichkeiten" der Beschwerdeführerin sei nichts bekannt (angefochtenes Urteil E. 5.3 S. 20). Zum strafrechtlichen Leumund der Beschwerdeführerin hält die Vorinstanz fest, sie habe keine Vorstrafen in der Schweiz. Weiter führt sie an, die Beschwerdeführerin habe zu keinem Zeitpunkt Sozialhilfe bezogen und gegen sie liefen keine Betreibungen. Die Vorinstanz weist daraufhin, dass die Beschwerdeführerin richtigerweise wegen gewerbsmässigen Betrugs anzuklagen und zu verurteilen gewesen wäre, sie (die Vorinstanz) dafür unter Berücksichtigung des Deliktsbetrags von mehr als Fr. 40'000.-- eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr ausgesprochen hätte und die Beschwerdeführerin aus der in Beachtung des Verschlechterungsverbots gegen sie effektiv (bloss) verhängten bedingten Geldstrafe im Rahmen der Landesverweisung nichts zu ihren Gunsten ableiten könne. Für ein künftiges Wohlverhalten ihrerseits lägen nicht unerhebliche Zweifel vor. Von einer gelungenen Integration in die Schweizer Werte- und Rechtsordnung könne nicht gesprochen werden (angefochtenes Urteil E. 5.3 S. 21 oben). In beruflicher Hinsicht stellt die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin habe nach ihrer Einreise in die Schweiz am 1. April 2009 zunächst bei der C.________ GmbH gearbeitet. Sie habe (dannzumal) dem Migrationsamt gegenüber unter Vorlage des Arbeitsvertrags angegeben, dass das Arbeitsverhältnis unbefristet sei, sei danach allerdings bereits ab dem 15. April 2009 bis zum 31. Mai 2009 befristet sowie ab dem 1. Juni 2009 bis zum 24. April 2011 (gekündigt, da keine Teilzeitstelle) als Dentalassistentin angestellt gewesen. Zwischenzeitlich sei am 17. Januar 2011 ihr erster Sohn geboren. Von Mai 2011 bis Oktober 2012 habe sie Arbeitslosenentschädigung bezogen. Angesichts der zahlreichen Kürzungen von Taggeldern (mangelnde Arbeitsbemühungen, Verstoss gegen Weisungen, Nichterscheinen zum Beratungsgespräch) könne entgegen der Verteidigung von "stetigen" Bemühungen keine Rede sein. Nachdem am 1. November 2012 ihr zweiter Sohn auf die Welt gekommen sei, habe sie sich gemäss eigenen Angaben in der Folge um ihre Kinder bis zum 28. Februar 2014 gekümmert. Am 1. März 2014 habe sie einen weiteren Antrag um Arbeitslosenentschädigung gestellt, der mit Verfügung vom 13. März 2014 mangels Mindestbeitragszeit von zwölf Monaten abgelehnt worden sei. Aufgrund der Geburt ihres dritten Sohns am 9. Mai 2015 sei sie schliesslich auch noch bis Dezember 2015 mit der Kinderbetreuung befasst gewesen. Die Zeit ab dem 1. Januar 2016 betreffe alsdann die "vorliegend angeklagte Periode", innert der sie von August 2016 bis Dezember 2016 bei der D.________ GmbH ihres mitbeschuldigten Schwagers angestellt gewesen sei. Seit dem 16. Oktober 2019 sei sie nun auf Abruf als Lagermitarbeiterin tätig, wobei sie fast ein 100 %-Pensum verrichte. Dies liege jedoch ausserhalb ihrer Ausbildung als Dentalassistentin, was sich mittlerweile seit fast zwei Jahren nicht geändert habe. Laut Vorinstanz könne auch gesamthaft nicht von "stetigen" Bemühungen die Rede sein. Während die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit positiv zu bewerten sei, lasse der erfolgte und versuchte Bezug von Arbeitslosenentschädigung angesichts der zumindest steigerbaren Arbeitsbemühungen gewisse Zweifel an ihrem Arbeitswillen aufkommen. Gesamthaft, so folgert die Vorinstanz, spreche unter den dargelegten Aspekten nichts für einen hohen Grad an Integration der Beschwerdeführerin in der Schweiz. Es lägen zumindest keine besonders intensiven, über eine normale Integration hinausgehenden Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur vor. Diese seien vielmehr, wenn überhaupt, maximal als durchschnittlich zu bezeichnen (angefochtenes Urteil E. 5.3 S. 21 f.).