Citation: 4A_588/2021 E. 2

Die Beschwerdeführerin stützt ihre Klage auf Art. 754 OR. Sie macht geltend, der Beschwerdegegner hafte als ihr Organ aus aktienrechtlicher Verantwortlichkeit, weil er nicht durch rechtzeitige Fristerstreckung bei der GVG dafür gesorgt habe, dass der zweite Teil des Versicherungsanspruchs, der mit dem Wiederaufbau des abgebrannten Gebäudes fällig geworden wäre, nicht durch Verwirkung unterging. Das Regionalgericht wies die Klage mit der Begründung ab, aufgrund einer feststehenden Praxis der GVG sei der Versicherungsanspruch bei der zweiten Handänderung (Absorptionsfusion der D.________ AG mit der Beschwerdeführerin) verwirkt gewesen, weshalb es der Beschwerdeführerin an der Aktivlegitimation fehle. Die Vorinstanz stellte zunächst richtig, dass es nicht um eine Klage gegen die GVG über den Versicherungsanspruch gehe, sondern um einen Verantwortlichkeitsanspruch wegen unterlassener Verhinderung der Verwirkung, weshalb es nicht an der Aktivlegitimation fehlen würde, selbst wenn die Begründung des Regionalgerichts zuträfe. Dies sei aber nicht der Fall, vielmehr bestehe unter der Geltung des vorliegend anwendbaren alten GebVG/1970 (im Gegensatz zum GebVG) keine Grundlage für die Annahme einer Verwirkung mit der zweiten Handänderung. Insofern folgte sie der Berufung der Beschwerdeführerin. Indessen wies sie die Klage in Motivsubstitution aus einem anderen Grund ab: Im Zeitraum, während dem der Beschwerdegegner nach dem Vorwurf der Beschwerdeführerin bei der GVG um eine Fristerstreckung hätte ersuchen sollen, sei die Beschwerdeführerin gar nicht mehr Inhaberin des Versicherungsanspruchs gewesen, da dieser mit dem Kaufvertrag vom 12. Oktober 2007 an das Ehepaar F.________ abgetreten worden sei. Diese Abtretung sei bis zur Rück-Zession im Aufhebungsvertrag vom Dezember 2009 gültig gewesen. Die vorgeworfene Unterlassung des Beschwerdegegners hätte die Beschwerdeführerin daher gar nicht schädigen können. Die Vorinstanz erkannte vorab, dass eine solche Zession schon bei der ersten Handänderung erfolgt sei, als die später mit der Beschwerdeführerin fusionierte D.________ AG von der ursprünglich durch den Brand geschädigten E.________ SA das Grundstück erworben hatte, und zwar zu 50%. Der Beschwerdegegner hätte also ohnehin nur 50% des Versicherungsanspruchs durch rechtzeitige Vorkehren für die Beschwerdeführerin wahren können.