Citation: U 377/01 07.11.2002 E. 4

4.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen). 4.2 Bei der Beurteilung der Adäquanz von psychischen Unfallfolgen ist wie folgt zu differenzieren: Zunächst ist festzustellen, ob der Versicherte beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder einen äquivalenten Verletzungsmechanismus (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 382 Erw. 4a), oder ob es sich um einen Unfall mit anderen somatischen Verletzungen und gesundheitlichen Folgen handelt. Im letzteren Fall erfolgt die Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien. Bei Unfällen mit Schleudertrauma oder mit einer diesem gleichgestellten Verletzung der HWS oder einem Schädel-Hirntrauma ist hingegen die Adäquanz gemäss BGE 117 V 359 ff. zu beurteilen. Der Unterschied besteht darin, dass bei Unfällen mit Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (BGE 117 V 367 Erw. 6a in fine), währenddem bei den übrigen Unfällen für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen massgebend sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Als Ausnahme von diesen Regeln greift allerdings die auf die objektiven, physischen Unfallfolgen beschränkte Adäquanzbeurteilung auch bei Unfällen mit Schleudertrauma oder einer äquivalenten Verletzung Platz, wenn die zum hiefür typischen Beschwerdebild gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden, ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen). Dieselbe Ausnahme von der Regel gilt, wenn es sich bei der nach einem Unfall aufgetretenen, psychischen Fehlentwicklung nicht um eine mit dem organisch-psychischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma oder schleudertraumaähnlicher Verletzung eng verflochtene Entwicklung handelt, sondern um einen selbstständigen (sekundären), psychischen Gesundheitsschaden (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80) oder um einen durch den Unfall verschlimmerten Vorzustand (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 Erw. 3c). 4.3 Bei der Beurteilung der Adäquanz von psychischen Unfallfolgen ist wie folgt zu differenzieren: Zunächst ist festzustellen, ob der Versicherte beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder einen äquivalenten Verletzungsmechanismus (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 382 Erw. 4a), oder ob es sich um einen Unfall mit anderen somatischen Verletzungen und gesundheitlichen Folgen handelt. Im letzteren Fall erfolgt die Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien. Bei Unfällen mit Schleudertrauma oder mit einer diesem gleichgestellten Verletzung der HWS oder einem Schädel-Hirntrauma ist hingegen die Adäquanz gemäss BGE 117 V 359 ff. zu beurteilen. Der Unterschied besteht darin, dass bei Unfällen mit Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (BGE 117 V 367 Erw. 6a in fine), währenddem bei den übrigen Unfällen für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen massgebend sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Als Ausnahme von diesen Regeln greift allerdings die auf die objektiven, physischen Unfallfolgen beschränkte Adäquanzbeurteilung auch bei Unfällen mit Schleudertrauma oder einer äquivalenten Verletzung Platz, wenn die zum hiefür typischen Beschwerdebild gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden, ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen). Dieselbe Ausnahme von der Regel gilt, wenn es sich bei der nach einem Unfall aufgetretenen, psychischen Fehlentwicklung nicht um eine mit dem organisch-psychischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma oder schleudertraumaähnlicher Verletzung eng verflochtene Entwicklung handelt, sondern um einen selbstständigen (sekundären), psychischen Gesundheitsschaden (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80) oder um einen durch den Unfall verschlimmerten Vorzustand (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 Erw. 3c). 4.4 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, sie haben bei beiden Unfällen ein Schleudertrauma der HWS oder eine diesem gleichzustellende Verletzung erlitten, weshalb die Adäquanzbeurteilung unter Einbezug der psychischen Unfallfolgen gemäss BGE 117 V 359 ff. erfolgen müsse. 4.4.1 Nach dem Unfall vom 8. Oktober 1995 hat der Hausarzt der Beschwerdegegnerin eine schwere commotio cerebri, somit eine Schädel-Hirnverletzung diagnostiziert, weshalb die Adäquanzbeurteilung nach der zum Schleudertrauma entwickelten Rechtsprechung erfolgen müsste, falls die aufgetretenen Unfallfolgen mit denjenigen nach einem Schleudertrauma vergleichbar wären (BGE 117 V 382 Erw. 4b). Indessen handelt es sich bei der von den Gutachtern des ZMB diagnostizierten histrionischen Persönlichkeitsstörung um einen vorbestehenden Gesundheitsschaden, der durch den zweiten Unfall lediglich verschlimmert worden ist ("... Symptomatik deutlich akzentuiert"). An der Richtigkeit und Schlüssigkeit dieser psychiatrischen Beurteilung vermag nichts zu ändern, dass die anstaltseigene Psychiaterin, Dr. A.________, in ihrem Bericht vom 7. Januar 2000 die Zulässigkeit der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung in Frage gestellt und eine somatoforme Schmerzstörung (F 45.4 nach ICD-10) diagnostiziert hat. Die Fachärztin der SUVA hat dabei nicht oder zu wenig beachtet, dass die Versicherte - wie noch darzulegen ist - bereits nach dem ersten Unfall psychisch auffällig reagierte und bei der mehrtägigen Untersuchung im ZMB Basel gegenüber mehreren Untersuchern ein Verhalten an den Tag legte, das durchaus mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung korrelliert. Ist aber durch den Unfall vom 8. Oktober 1995 eine vorbestandene, psychische Gesundheitsstörung lediglich verschlimmert worden, hat die diesbezügliche Adäquanzbeurteilung nach den Kriterien gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa zu erfolgen. 4.4.2 Nach dem ersten Unfall vom 1. Oktober 1975 hat der damalige Hausarzt der Versicherten anlässlich der Erstuntersuchung vom 3. Oktober 1975 eine commotio cerebri und eine Distorsion der HWS diagnostiziert sowie die Verdachtsdiagnose einer Subluxation C5/6 gestellt. Diese Verdachtsdiagnose ist in der Folge durch die im Spital F.________ durchgeführte, röntgenologische Untersuchung bestätigt worden. Es kann somit auch für diesen Unfall von einer schleudertraumaähnlichen Verletzung ausgegangen werden. Indessen trat bereits nach dem ersten Unfall rasch eine auffällige Diskrepanz zwischen den guten klinischen Befunden und einem bunten Beschwerdebild ohne objektivierbare, pathologische Grundlage ein. Bereits im Austrittsbericht des Spitals F.________, wo die Beschwerdegegnerin vom 10. Oktober bis 25. November 1975 stationär behandelt wurde, wurde festgehalten, dass sich hinsichtlich der Subluxation in der unteren HWS ein komplikationsloser Verlauf ergeben habe, die Versicherte aber dennoch über verschiedenste Beschwerden am ganzen Körper geklagt habe. Dieses bunte Beschwerdebild wurde einer Carcinophobie einerseits und einer vegetativen Dystonie anderseits zugeschrieben. In gleicher Weise kam auch der Neurologe PD Dr. G.________ in seinem Bericht vom 23. Juni 1976 zum Schluss, gewisse Restbeschwerden im Bereich des Seg-mentes C7 seien durch eine wahrscheinliche Kompressionsschädigung der dortigen Nervenwurzel beim Unfall erklärbar, doch imponiere die Versicherte durch ein sehr auffälliges Verhalten sowie eine erhebliche Überbewertung ihrer Beschwerden. Dementsprechend empfahl er eine psychopharmazeutische Behandlung und eine "geschickte psychotherapeutische Führung". Im Rahmen der nach der ersten Rückfallmeldung durchgeführten Nachuntersuchung konnte er erneut keine klinisch-neurologischen, pathologischen Befunde erheben und empfahl den Fallabschluss. Selbst wenn angenommen wird, nach dem ersten Unfall seien die zum typischen Beschwerdebild einer schleudertraumaähnlichen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen teilweise vorhanden gewesen, traten diese somit im Vergleich zur dargestellten, psychischen Problematik im Anschluss an das Unfallereignis vom 1. Oktober 1975 rasch derart in den Hintergrund, dass die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhanges praxisgemäss ebenfalls nach den Kriterien zu erfolgen hat, wie sie in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa entwickelt worden sind.