Citation: 6B_988/2023 E. 1.7.6

1.7.6. Insgesamt prüft die Vorinstanz das Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls anhand der gängigen Kriterien. Mit ihr sprechen die Aufenthaltsdauer und die damit zusammenhängende soziale Verwurzelung des Beschwerdeführers sowie die anzunehmende schwierige Integration im Heimatland für ihn. Dies wird jedoch mitunter durch die fehlende berufliche und finanzielle Eingliederung trotz Schulbesuchs und Ausbildung in der Schweiz sowie durch die anhaltende Missachtung der hiesigen Rechtsordnung erheblich relativiert. Auch die familiären Verhältnisse stehen einer Landesverweisung nicht entgegen; eine eigene in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallende Familie hat der Beschwerdeführer nicht. Unabhängig davon, ob bei dieser Ausgangslage ein schwerer persönlicher Härtefall i.S.v. Art. 66a Abs. 2 StGB vorliegt, sind ausserordentliche Umstände, damit das private Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen würde, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht vorhanden. Durch seine zahlreichen Vorstrafen im Alter von knapp 30 Jahren zeigt der Beschwerdeführer eine anhaltende Geringschätzung gegenüber der hiesigen Rechtsordnung (vgl. oben E. 1.7.5). Durch seine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung hat er die körperliche Integrität einer anderen Person geschädigt. Dabei scheint er seine Tat geradezu zu verharmlosen, wenn er in diesem Zusammenhang vorbringt, der von ihm begangene Gewaltexzess sei einzigartig gewesen, er habe sich anschliessend um sein Opfer gekümmert und es ins Spital gebracht. Gemäss der aus dem Ausländerrecht stammenden "Zweijahresregel" bedarf es bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr ausserordentlicher Umstände, damit das private Interesse des Betroffenen an einem Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung überwiegt. Dies gilt grundsätzlich sogar bei bestehender Ehe mit einer Schweizerin oder einem Schweizer und gemeinsamen Kindern (Urteile 6B_1248/2023 vom 9. April 2024 E. 3.4; 6B_890/2023 vom 29. Januar 2024 E. 2.2.7; je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer wurde vorliegend zu 57 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, ausmachend über viereinhalb Jahre. Damit ist bereits von einem hohen öffentlichen Interesse auszugehen. Was der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang für sich ableiten will, wenn er ausführt, hinsichtlich der "Zweijahresregel" müsse berücksichtigt werden, dass er nie in organisierte Kriminalität oder dergleichen verwickelt war, ist nicht ersichtlich. Rein appellatorisch stellt er sich auf den Standpunkt, er sei kein Krimineller, der eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle, und schliesst daraus, es könne ihm keine negative Legalprognose ausgestellt werden. Darauf ist nicht einzugehen. Zwar äussert sich die Vorinstanz zur Legalprognose nicht explizit; sie verweist indes auf die Ausführungen der ersten Instanz. Diese erwägt, Gewaltdelikte seien besonders verwerflich und die Tat des Beschwerdeführers sei von heftiger Gewalt gekennzeichnet gewesen. Dem ist zuzustimmen, wird dadurch doch das Rechtsgut der körperlichen Integrität schwer verletzt. Damit sind an die Rückfallgefahr des Beschwerdeführers geringere Anforderungen zu stellen. Gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz bzw. der ersten Instanz liegen überdies keine Hinweise auf Einsicht oder Reue beim Beschwerdeführer vor. Insgesamt ist aufgrund der deliktischen Vergangenheit des Beschwerdeführers, seiner mangelnden Reue und Einsicht, der Schwere seiner Tat und der bestehenden Rückfallgefahr von einer hohen Gefahr der öffentliche Sicherheit und Ordnung auszugehen. Die Interessenabwägung i.S.v. Art. 66a Abs. 2 StGB fällt trotz durchaus erheblichen privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz zu Ungunsten des Beschwerdeführers aus.