Citation: 9C_112/2023 E. 5.4.2

5.4.2. Das Argument, wonach die blosse Nichtbezahlung von AHV-Beiträgen mangels Liquidität nicht einem qualifizierten Verschulden gleichgesetzt werden dürfe, weil dies auf eine gesetzeswidrige Kausalhaftung hinauslaufe, ist nicht stichhaltig, hat die Vorinstanz dies doch nicht getan. Gemäss unbestrittenen und damit für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz hatte die C.________ AG bereits kurz nach Aufnahme ihrer Tätigkeit respektive lange vor dem Anschluss bei der Beschwerdegegnerin mit erheblichen Liquiditätsproblemen zu kämpfen und wies ab dem Anschluss vom 1. Januar 2017 bei der Beschwerdegegnerin bis zur Konkurseröffnung am xxxx 2018 hohe Ausstände aus, ohne dass je eine längere Phase finanzieller Stabilität eingetreten wäre. Sie musste mehrfach gemahnt werden und der Ausstand betrug ab Juni 2017 mindestens zwei monatliche Akontobeiträge. Zu Recht unbestritten bleibt damit die vorinstanzliche Schlussfolgerung, dass nicht von einem vorübergehenden Liquiditätsengpass respektive einer bloss vorübergehenden Nichtbezahlung der Akontobeiträge gesprochen werden könne (vgl. Urteile 9C_321/2022 vom 29. März 2023 E. 5.3.1 mit Hinweisen, H 242/00 vom 10. August 2001 E. 4a). Dass Löhne bezahlt wurden, ohne die darauf geschuldeten AHV-Beiträge zu decken, ist daher grundsätzlich als grobfahrlässig zu qualifizieren (E. 5.4.1 hiervor). Wenn der Beschwerdeführer vorbringt, er sei darum bemüht gewesen, "die zwingend betriebsnotwendige Liquidität" im Hinblick auf eine Übernahme der Unternehmung sicherzustellen, so rechtfertigte sich dieses Verhalten angesichts des nicht nur vorübergehenden Liquiditätsengpasses nicht (vgl. auch Reichmuth, a.a.O., Rz. 675 und 681 S. 159 f., Rz. 692 und 694 S. 162). Dabei spielt es keine Rolle, ob im Herbst 2017 objektiv mit einer Unternehmensübernahme gerechnet werden durfte oder nicht. Ebensowenig relevant ist bei dieser Sachlage, ob im Sommer 2018 Aussicht auf Sanierung der C.________ AG bestand oder nicht. Da zu diesen Zeitpunkten nicht mehr von einem nur vorübergehenden Liquiditätsengpass respektive von einer vorübergehenden Nichtbezahlung von Sozialversicherungsbeiträgen gesprochen werden konnte, kann sich der Beschwerdeführer damit nicht entlasten. Dass er als Organ der Gesellschaft ohne rechtliche Verpflichtung eigene Mittel zugewendet und auf Lohnansprüche verzichtet hat, stellt sodann nach der Rechtsprechung grundsätzlich keinen Entlastungsgrund dar und schliesst auch im konkreten Fall das in Art. 52 AHVG geforderte qualifizierte Verschulden nicht aus (vgl. Urteil 9C_313/2021 vom 8. November 2021 E. 4.3 mit Hinweis; Reichmuth, a.a.O., Rz. 717 f. S. 168 f.) : Anstatt in ein vielversprechendes Geschäfts- und Nachrichtenmodell zu investieren (Beschwerdeschrift S. 3) respektive noch im Dezember 2017 und März 2018 Mittel in der Höhe von Fr. 260'000.- zwecks Aufrechterhaltung des zwingend nötigen Betriebs zur Verfügung zu stellen (vorinstanzliche Erwägung 5.3.1 S. 12), hätte der Beschwerdeführer vielmehr darum besorgt sein müssen, dass mit dem Geld die auf den bezahlten Löhnen beruhenden Sozialversicherungsabgaben gedeckt wurden. Auf die mit der Beschwerdegegnerin abgeschlossenen Zahlungsvereinbarungen beruft sich der Beschwerdeführer schliesslich vergebens, nachdem diese (beginnend bei den Beiträgen für Februar 2017) überwiegend nicht eingehalten wurden (vgl. die Zahlungsvereinbarungen in den Akten zum Verfahren 9C_88/2023; vgl. Reichmuth, a.a.O., Rz. 653 S. 153). Weitere Gründe für eine Exkulpation werden weder dargetan noch sind solche ersichtlich. Ein qualifiziertes Verschulden wurde mit Blick auf das Gesagte daher zu Recht bejaht. Eine Reduktion des Schadenersatzbetrags fällt ausser Betracht. Weiterungen erübrigen sich. Die Beschwerde ist unbegründet.