Citation: 4A_633/2020 E. A

Im Jahr 1987 gründete B.________ (Kläger; Beschwerdegegner) die C.________ AG (heute: D.________ AG) mit Sitz in U.________ (nachfolgend: Aktiengesellschaft). Deren Zweck besteht in erster Linie in der Ausübung von Buchhaltungsmandaten, in der Abschlussberatung, der Reorganisation von Finanz- und Rechnungswesen und weiteren Treuhanddienstleistungen. Im Jahr 2003 wurde A.________ (Beklagte; Beschwerdeführerin) Mitarbeiterin der Aktiengesellschaft. Im Jahr 2004 erwarb sie 50 % der Aktien, und die Parteien führten fortan das Unternehmen als gleichberechtigte Partner. Im Jahr 2013 nahmen sie den langjährigen Mitarbeiter E.________ in die Partnerschaft auf und verkauften ihm bzw. einer von ihm gehaltenen GmbH 25 % der Aktien. A.a. Der Beklagten gelang es aufgrund ihrer Kenntnisse im Bereich der Vermittlung von Immobiliengeschäften, im Jahr 2004 eine sehr vermögende Familie, die insbesondere im Immobiliensektor tätig war, als Kunden zu akquirieren. Ab 2012 suchte diese einen Käufer für ihr Immobilienportfolio in der Schweiz. Im Herbst 2015 vermittelte die Beklagte einen potentiellen Käufer, und Ende Oktober 2015 kam es zum Abschluss des Kaufvertrages im Umfang von Fr. 719'000'000.--. Im Anschluss an den Geschäftsabschluss wurde mit der Vereinbarung betreffend Vermittlungsprovisionen vom 15. Februar 2016 zwischen der Aktiengesellschaft, der Beklagten sowie der Familie die mündliche Vereinbarung vom 20. September 2015 betreffend Mäklerprovision schriftlich ausformuliert. Gemäss der Vereinbarung kam die Mäklerprovision von 1 % des Verkaufspreises zu 90 % der Beklagten und zu 10 % der Aktiengesellschaft für deren administrative Unterstützung zu. Die der Beklagten persönlich zustehende Mäklerprovision wurde unter den Parteien gemäss mündlicher Vereinbarung im Verhältnis 60 % zu 40 % aufgeteilt. A.b. Das Mandat mit der vermögenden Familie wurde beendet, nachdem im Frühling 2015 die Akquisition eines neuen Immobilienmandates, das eine Exklusivklausel vorsah, gelungen war. Ein Investor suchte Unterstützung beim Aufbau und der Verwaltung eines Immobilienportfolios. Vermittelt wurde das Mandat durch einen Kunden, der seit dem Eintritt der Beklagten in die Aktiengesellschaft von ihr betreut wurde, nachdem der Kläger dieses Mandat auf sie übertragen hatte. In der Vereinbarung vom 28. Juni 2015 zwischen dem Investor und der Beklagten wurden eine Mäklerprovision von 1 % des Kaufpreises für die Beklagte vereinbart sowie eine Pauschalgebühr für die Verwaltungs- und Buchführungsaufgaben der Aktiengesellschaft. Die erste Transaktion zum Aufbau des Immobilienportfolios des Investors vermittelte die Beklagte im November 2015. Die Parteien kamen überein, dem Kläger stünden 40 % dieser Provision zu. In der Folge wurden weitere Kaufverträge über Liegenschaften für den Investor abgeschlossen, so im Februar 2016 sowie August 2016. Wiederum erhielt der Kläger jeweils 40 % der Provision der Beklagten aus diesen Geschäften ausbezahlt. Zwischen den Parteien ist umstritten, inwieweit der Kläger auch in Bezug auf die danach erfolgten Provisionszahlungen aus diesem Mandat Anspruch auf eine Beteiligung hat. A.c. Im Sommer 2016 fanden zwischen den Aktionären der Aktiengesellschaft Gespräche im Hinblick auf eine Beteiligung des langjährigen Mitarbeiters F.________ als vierter Partner statt. Grundlage dieser Gespräche war unter anderem ein von der Beklagten im Juli 2016 erstellter Neuorientierungsplan. Im August 2016 entwarfen der Kläger und E.________ einen Aktionärbindungsvertrag. Dieser sah in Bezug auf persönliche Zusatzhonorareinnahmen vor, 50 % der Einnahmen stünden dem ertragbringenden Partner zu, die restlichen 50 % würden unter den übrigen drei Partnern aufgeteilt. Mit diesem Vorschlag war die Beklagte nicht einverstanden. Sie erklärte sich aber mit E-Mail vom 11. August 2016 bereit, dem Kläger, E.________ und F.________ gesamthaft 25 % ihrer Provisionen abzugeben. Für das Mandat des Investors war der Kläger mit dieser Provisionsaufteilung nicht einverstanden. Am 2. September 2016 unterbreitete E.________ einen Kompromissvorschlag, wonach die Beklagte 25 % ihres Provisionsanteils den restlichen Partnern zu überlassen habe und diese die Verteilung unter sich selbst regelten. Kurzzeitig sah es danach aus, als würden sich die Parteien einig werden. Am 30. September 2016 kam es zu einem weiteren Immobiliengeschäftsabschluss im Mandat des Investors, wobei die Beklagte 25 % der erhaltenen Provision dem Kläger abgeben wollte. Nachdem der Kläger diese Auszahlung mit E-Mail vom 6. Oktober 2016 unter die mit E.________ und F.________ bereits mündlich besprochene Bedingung stellte, dass vorab zwischen ihm, E.________ und F.________ eine schriftliche Vereinbarung geschlossen werden müsse, wonach ihm die gesamten 25 % der Provisionen zustünden, bis ein Totalbetrag von Fr. 3'200'000.-- erreicht sei, machte auch die Beklagte die Auszahlung von einer schriftlichen Einigung zwischen dem Kläger, E.________ und F.________ abhängig. Eine solche kam nicht zustande. A.d. Am 13. Oktober 2016 kündigte die Beklagte mit sofortiger Wirkung sämtliche allfälligen Vereinbarungen und Verpflichtungen zwischen ihr und dem Kläger sowie der Aktiengesellschaft, gestützt auf die gegen sie Ansprüche auf eine Beteiligung an Provisionen und anderen Einkünften im Zusammenhang mit Immobilientransaktionen und weiteren Geschäften geltend gemacht werden könnten. Der Kläger bestritt die Kündigung vorerst. Am 28. November 2016 kündigte die Beklagte ihr Arbeitsverhältnis mit der Aktiengesellschaft auf den nächstmöglichen Kündigungstermin. Sie einigte sich in der Folge mit der Aktiengesellschaft, das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen per 31. Dezember 2016 aufzulösen. A.e. Zwischen Ende Oktober 2016 und dem 31. Dezember 2016 kam es zu weiteren Immobiliengeschäftsabschlüssen. Die Provisionen aus diesen Geschäften flossen vollständig an die Beklagte. Der Kläger ist der Ansicht, er habe Anspruch auf 40 % dieser Provisionen.