Citation: 2C_339/2019 E. 3.3

3.3. Dieser Auffassung ist nicht zu folgen: Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid vom 28. Mai 2018 seine ständige Rechtsprechung bestätigt, gemäss welcher das Alter des Kindes im Zeitpunkt massgebend ist, in dem über den mutmasslichen Aufenthaltsanspruch nach Art. 8 EMRK entschieden wird (BGE 145 I 227 E. 3.1 S. 231; BGE 136 II 497 E. 3.2). Demzufolge tritt das Bundesgericht auf Beschwerden, die von einem volljährigen Kind oder seinen Eltern eingereicht werden, in aller Regel nicht ein, es sei denn, es bestehe ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis. Es ist insofern nur folgerichtig, dass auch bei der materiellrechtlichen Beurteilung, im Gegensatz zu Ansprüchen, die auf Art. 42 und 43 AIG beruhen (BGE 136 II 497 E. 3 S. 500), das Nachzugsalter im Zeitpunkt des Bundesgerichtsentscheids ausschlaggebend ist (anders Marc Spescha, Kommentar Migrationsrecht, 5. Auflage, 2019, N. 2 zu Art. 47 AIG). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerinnen ist diese Auslegung auch nicht unvereinbar mit der Rechtsprechung des EGMR, dessen Praxis uneinheitlich geblieben ist. So bezog sich der EGMR in der Angelegenheit Berisha auf das Alter der Kinder im Zeitpunkt des eigenen Urteils (Urteil des EGMR vom 30. Juli 2013 Berisha gegen Schweiz [Nr. 948/12], N. 60); Philip Czech, Das Recht auf Familienzusammenführung nach Art. 8 EMRK in der Rechtsprechung des EGMR, EuGRZ 2017, S. 229 ff. mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Da die Beschwerdeführerin 2 im Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde beim Bundesgericht volljährig war, finden die bundesrechtlichen Bestimmungen für den Nachzug von minderjährigen Kindern keine Anwendung. Das Nachzugsrecht der Beschwerdeführerin 2 ist infolgedessen ausschliesslich im Lichte der Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK zu prüfen.