Citation: 4A_707/2016 E. 1.2.3

1.2.3. Die Beschwerdeführerin macht sodann selbst geltend, Tat fragen betreffend die natürliche Kausalität seien im Sozialversicherungs- und Haftpflichtrecht gleich zu beurteilen. Auch nach dem zitierten Bundesgerichtsentscheid gelten, wie dargelegt, die Feststellungen des Gerichts, die auf der Würdigung von ärztlichen Angaben und Schlussfolgerungen betreffend Diagnose und Folgenabschätzung beruhen, als Tatsachenfeststellungen (BGE 141 V 281 E. 7 S. 308). Tatfragen können aber vom Bundesgericht nur frei überprüft werden, soweit sie die Funktion von Normen übernehmen, indem die Feststellungen oder Schlüsse nicht auf der beweismässigen Würdigung von vorgebrachten Umständen oder konkreten Anhaltspunkten beruhen, sondern ausschliesslich aufgrund von Erfahrungssätzen getroffen wurden, die sich aus der allgemeinen Lebenserfahrung ableiten (dazu können auch Folgerungen gehören, die sich auf die medizinische Empirie stützen; vgl. MEYER, a.a.O., S. 216) und daher allgemein für gleich gelagerte Fälle Geltung beanspruchen (BGE 140 III 115 E. 2 S. 117; 136 III 486 E. 5 S. 489). Nur in diesem Rahmen könnten Tatfragen als Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung in Betracht kommen. Damit stellt sich die Frage, ob die Anwendung der Indikatoren, soweit ihnen haftpflichtrechtlich für die Frage der Kausalität überhaupt Bedeutung zukommen kann, als Rechtsfrage zu prüfen wäre. Dafür spricht zwar, dass die Indikatoren grundsätzlich in allen Fällen zur Anwendung kommen sollen und allgemeine Bedeutung beanspruchen. Allerdings hat die Anwendung gerade nicht losgelöst von der konkreten Beweiswürdigung zu erfolgen. Das Bundesgericht spricht sich im zitierten Leitentscheid gegen Schematismen aus (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.2 S. 294 und E. 4.3.1.3 S. 302) und bekennt sich, wie auch die Beschwerdeführerin anerkennt, zur freien Beweiswürdigung (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.2 S. 294) und einer ergebnisoffenen Beurteilung (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 295). Es hält ausdrücklich fest, die Handhabung des Katalogs müsse stets den Umständen des Einzelfalls gerecht werden. Es handle sich nicht um eine "abhakbare Checkliste". Der Katalog als solcher sei nicht unverrückbar, sondern grundsätzlich offen gegenüber neu etablierten medizinischen Erkenntnissen (BGE 141 V 281 E. 4.1.1 S. 297). Auch mit diesem Aspekt setzt sich die Beschwerde, die eine schematische Nichtberücksichtigung von Gutachten, die BGE 141 V 281 nicht entsprechen, anzustreben scheint, nicht rechtsgenüglich auseinander.