Citation: 5A_333/2024 E. 5.4

5.4. Ob sich aus Art. 6 Abs. 1 AdoV ein Anspruch auf Erteilung einer Eignungsbescheinigung ergibt, wenn die Voraussetzungen nach Art. 5 AdoV erfüllt sind, kann offenbleiben. Ebenso wenig braucht entschieden zu werden, ob das Bundesamt für Justiz gestützt auf sein Weisungsrecht gemäss Art. 2 Abs. 2 lit. d BG-HAÜ (Weisungen über den Vollzug des HAÜ) i.V.m. Art. 2 Abs. 1 lit. c AdoV (Weisungen zum Schutz der Kinder und zur Verhinderung von Missbräuchen bei internationalen Adoptionen) einen solchen Anspruch übersteuern könnte. Wie jede andere Rechtsvorkehr erfordert auch das Gesuch um Erteilung der Eignungsbescheinigung den Nachweis eines Rechtsschutzinteresses, wobei sich dieses für bundesrechtliche Ansprüche nach Bundesrecht beurteilt (BGE 122 III 279 E. 3a mit Hinweis). Es fehlt im Allgemeinen, wenn der Anspruch, der mit dem Antrag verfolgt wird, nicht erlangt werden kann (BGE 122 III 279 a.a.O.). Wie dargelegt (s. E. 5.1), stellt die Eignungsbescheinigung nur einen von mehreren Schritten zur Erlangung der Adoptionsbewilligung dar. Sie verfolgt keinen Selbstzweck, sondern dient der Vorbereitung der Adoption. Steht von vornherein fest, dass eine Adoption nicht bewilligt werden kann, ist die Erneuerung der Eignungsbescheinigung für die Beschwerdeführer nutzlos. Dies trifft hier zu. Die Vorinstanz hat kein Bundesrecht verletzt, wenn sie aufgrund des willkürfrei festgestellten Sachverhalts (s. E. 4) zum Schluss kam, dass Adoptionsverfahren aus Haiti (derzeit) nicht mehr mit dem Wohl haitianischer Kinder vereinbar sind. Daraus folgt, dass Adoptionen aus diesem Herkunftsland zurzeit nicht bewilligt werden können, selbst wenn die Eignung der künftigen Adoptionseltern feststeht. Dass sich an dieser Situation in nächster Zeit etwas ändern könnte, ist bis auf Weiteres nicht anzunehmen. An der Erteilung der Eignungsbescheinigung fehlt den Beschwerdeführern daher ein aktuelles und praktisches Interesse, sodass auf ihr Begehren schon aus diesem Grund nicht einzutreten gewesen wäre. Indem die Vorinstanz das Gesuch abgewiesen hat, statt darauf nicht einzutreten, erleiden die Beschwerdeführer keinen Rechtsnachteil, können sie doch ihr Gesuch bei veränderten Verhältnissen jederzeit neu stellen. Inwiefern sie sonst ein Interesse daran hätten, das Adoptionsverfahren "nicht abbrechen zu müssen", erklären sie nicht. Ein solches ist auch nicht ersichtlich. Dass bei einem späterem Gesuch nicht auf die bisherigen Abklärungen der Behörden über die Adoptionseignung abgestellt werden könnte, behaupten die Beschwerdeführer nicht. Solches ist auch nicht anzunehmen. Im Ergebnis ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Eignungsbescheinigung nicht erneuert hat. Die Beschwerde ist insoweit abzuweisen.