Citation: U 460/06 18.07.2007 E. 3

3.1 Es steht fest, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 18. Juni 2004 eine HWS-Distorsion ohne Kopfanprall und Bewusstlosigkeit erlitt und seither über persistierende Nacken- und Kopfschmerzen mit Ausstrahlung in die Schultern klagt. Im Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 14. Dezember 2004 wurde ausgeführt, es zeige sich fünfeinhalb Monate nach einem Auffahrunfall mit HWS-Distorsion bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen im atlantodentalen Bereich ein zervikozephales Syndrom, wobei der Versicherte ab 1. Januar 2005 wieder voll als Betonmischer arbeitsfähig sei. 3.2 Fraglich ist, ob die in der Zeit ab 1. April 2005 vorhandenen Beschwerden noch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 18. Juni 2004 stehen. Weil es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Dieser hat nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen zu erbringen, sondern nur, dass die unfallbedingten Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2, U 355/98 mit Hinweis). Die medizinischen Akten belegen den Wegfall der natürlichen Kausalität nicht hinreichend, sodass dieser Nachweis nicht erbracht ist. Letztlich braucht aber, wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt, die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht abschliessend beantwortet zu werden. 3.3 Die Vorinstanz hat mit der Begründung, die Leistungspflicht des Unfallversicherers scheitere jedenfalls am fehlenden adäquaten Kausalzusammenhang, nicht abschliessend geklärt, ob die geklagten Beschwerden über März 2004 hinaus (Leistungseinstellung) eine natürlich kausale Folge der am 18. Juni 2004 erlittenen HWS-Distorsion darstellen. Den adäquaten Kausalzusammenhang (vgl. E. 2.2 hievor) prüfte das kantonale Gericht nach der Rechtsprechung zu psychischen Fehlentwicklungen nach Unfällen gemäss BGE 115 V 133 ff., da weder das Bestehen eines Schleudertraumas noch eines Schädel-Hirntraumas mit dem entsprechenden Beschwerdebild erstellt sei; für die Schleudertrauma-Praxis bleibe daher kein Raum. Ausgehend von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen erwog das kantonale Gericht im Weiteren, mit Blick auf den massgebenden Zeitraum ab April 2004 sei keines der für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs sprechenden Kriterien gemäss BGE 115 V 133 ff. erfüllt, sodass die SUVA ihre Leistungspflicht ab jenem Zeitpunkt zu verneinen habe. 3.4 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz lassen die verfügbaren medizinischen Akten den Schluss nicht zu, dass eine psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eine eindeutige Dominanz aufgewiesen hätte. Vielmehr finden sich in den Akten keinerlei Hinweise auf ein psychisches Leiden - aus kreisärztlicher Sicht des Dr. med. C.________ wurde eine psychische Krankheit sogar explizit verneint (Bericht vom 30. Dezember 2004) - und die Ärzte der Klinik Y.________ (vom 14. Dezember 2004) vermerkten lediglich eine psychosoziale Belastungssituation. Damit hat die Adäquanzbeurteilung bei vorliegender Sachlage (vgl. E 3.1) nicht nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133) geltenden Regeln zu erfolgen. 3.5 Der Beschwerdeführer behauptet das Vorliegen eines Schleudertraumas. Initial verspürte er einzig Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Hinterkopf (Bericht des Spitals Z.________ vom 1. Juli 2004) und später finden sich in den medizinischen Akten nur subjektive Klagen über Schwindel und Konzentrationsstörungen (Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 14. Dezember 2004), was aber für das für solche Verletzungen typische bunte Beschwerdebild (mit einer Häufung von Beschwerden wie diffusen Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depressionen, Wesensveränderung usw. [vgl. SVR 2003 UV Nr. 12 S. 36 E. 3.1.2, U 78/02]) nicht ausreicht. Selbst wenn im Sinne der Rechtsprechung ein Schleudertrauma bejaht würde, wäre der adäquate Kausalzusammenhang ohnehin nicht gegeben. 3.6 Rechtsprechungsgemäss werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237 E. 5.1.2 mit Hinweisen, U 380/04). Nach den Aussagen des Versicherten gegenüber der Polizei fuhr er mit einer Geschwindigkeit von 45 - 50 km/h, als er wegen eines vor ihm abbremsenden Autos ebenfalls stark bremsen musste, was wiederum die nachfolgende Lenkerin zu spät bemerkte, auf sein Fahrzeug auffuhr und durch die Kollision den beschwerdeführerischen Personenwagen in den vor ihm stehenden schob. Gemäss Polizeirapport des Kantons Aargau vom 14. Juli 2004 entstand dem Versicherten ein Sachschaden von rund Fr. 3'000.-. Am Unfallort gab er einzig Nackenbeschwerden an und suchte gleichentags seinen Hausarzt auf. Die weiteren beteiligten Personen blieben unverletzt. In Anbetracht des aufgezeichneten Unfallhergangs, der vermutlichen Fahrzeugschäden und der erlittenen Verletzungen ist die vorinstanzliche Qualifizierung des Unfalls als mittelschwer, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegend, nicht zu beanstanden. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher nur zu bejahen, wenn ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367). Dies trifft, wie die Vorinstanz zu Recht erkannte, auf den vorliegenden Fall nicht zu. 3.7 Der Unfall vom 18. Juni 2004 ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313; Urteil U 248/98 vom 31. Mai 2000, je mit Hinweisen) - von besonderer Eindrücklichkeit. Eindeutig nicht erfüllt sind auch die Kriterien der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, sowie des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen. Ferner vermag die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer HWS-Distorsion das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 E. 5.2.3 mit Hinweisen, U 380/04). Aggravierende Faktoren wie ossäre Läsionen oder neurologische Defizite konnten aufgrund der durchgeführten Untersuchungen nicht festgestellt werden (Bericht des Spitals Z.________ vom 21. Juni 2004). Auch wenn seit dem Unfall - ohne wesentlichen Erfolg - eine gewisse medikamentöse, allenfalls physiotherapeutische Behandlung durchgeführt wurde, ist nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung zu sprechen, woran auch der vom 8. November bis 3. Dezember 2004 dauernde (und wegen fehlender Motivation und Leistungsbereitschaft abgebrochene) Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Y.________ nichts zu ändern vermag. Was das Kriterium der Dauerbeschwerden anbelangt, decken sich die Berichte insofern, als darauf hingewiesen wurde, dass die angegebenen Schmerzen nicht mit einer somatischen Pathologie korrelieren (Kreisärztlicher Untersuchungsbericht des Dr. med. C.________ vom 30. Dezember 2004; Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 14. Dezember 2004). Die geltend gemachten Dauerschmerzen (Kopf/Nackenschmerzen) würden schliesslich für sich allein nicht ausreichen, um die Adäquanz zu bejahen, denn den Schluss auf eine besondere Ausprägung lassen die Akten nicht zu. Damit wäre weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt noch wären mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben.