Citation: 9C_527/2007 25.10.2007 E. 3

Dem Beschwerdeführer ist darin beizupflichten, dass der Vertrauensschutz auch und erst recht gilt, wenn eine richterliche Behörde eine unrichtige Auskunft erteilt (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 113/06 vom 8. Mai 2006). Eine derartige falsche Auskunft könnte im vorliegenden Fall im Brief des kantonales Versicherungsgerichts vom 30. Januar 2006 an den Aargauischen Anwaltsverband erblickt werden, worin auf drei Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 26. August 2005 (BGE 131 V 305, 314, 325) betr. vorläufige Weitergeltung der kantonalen Fristenstillstandsregeln sowie darauf hingewiesen wurde, dass bis Ende 2007 demzufolge weiterhin die Fristenstillstandsbestimmungen gemäss § 89 f. der kantonalen Zivilprozessordnung zu beachten seien. Anders als in dem, dem Urteil U 113/06 des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 8. Mai 2006 zu Grund liegenden Sachverhalt, wo die massgebenden Grundsatzentscheide vom 26. August 2005 erst mehrere Monate nach Aufgabe der Beschwerde am 10. Mai 2005 ergangen waren, lag das im vorliegenden Fall bedeutsame Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 8. März 2006 (BGE 132 V 361) längst vor, als der Versicherte am 11. September 2006 seine Beschwerde einreichte. Auch wenn der Entscheid bis zu jenem Zeitpunkt noch nicht in der Amtlichen Sammlung (BGE 132 V) publiziert worden war, ändert dies nichts daran, dass sich der Rechtsvertreter des Versicherten beispielsweise durch Konsultation der auf Internet zugänglichen Bundesgerichtsentscheide Kenntnis von der Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts hätte verschaffen können, wenn er der Rechtsmittelbelehrung der IV-Stelle Aargau misstraute, welche im Einspracheentscheid vom 21. Juni 2006 korrekt auf die bundesrechtlichen Fristenstillstandsbestimmungen gemäss Art. 38 ATSG hinwies. Davon abzuweichen bestand im Übrigen umso weniger Anlass, als gemäss einem aus dem Prinzip von Treu und Glauben (Art. 9 BV) fliessenden, in Art. 49 BGG ausdrücklich verankerten Grundsatz des öffentlichen Prozessrechts den Parteien aus einer fehlerhaften behördlichen Rechtsmittelbelehrung kein Nachteil erwachsen darf (BGE 131 I 153 E. 4 S. 158, 124 I 255 E. 1a/aa S. 258). Mit Blick auf die zutreffende Rechtsmittelbelehrung im Einspracheentscheid und den zeitlichen Ablauf (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 8. März 2006; Beschwerde vom 11. September 2006) kann im Schreiben der Vorinstanz an den kantonalen Anwaltsverband vom 30. Januar 2006 keine Grundlage für eine erfolgreiche Berufung auf den Vertrauensschutz erblickt werden, woran die übrigen Ausführungen in der Beschwerde nichts zu ändern vermögen.