Citation: 8C_163/2024 E. 3.1

3.1. Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, der Ehemann der Beschwerdeführerin habe seit 2. November 2015 für rund zwei Monate von ihr und den Kindern getrennt gelebt. Im Bericht vom 14. Dezember 2015 habe Dr. med. H.________ festgehalten, sie habe sich von ihm getrennt, weil sie die Auswirkungen seiner psychischen Störungen nicht mehr habe ertragen können, vor allem die soziale Isolation, den Rückzug zu Hause und die Ängste. Seitdem habe sich sein Zustand etwas verschlechtert. Aus dem Bericht vom 23. August 2016 betreffend die zwischen Juni und August 2016 erfolgte Observation des Ehemanns der Beschwerdeführerin gehe hervor, dass er mit ihr und den Kindern innerhalb des Stadtgebiets mit dem Auto unterwegs gewesen sei und Einkäufe getätigt habe. Im Gespräch bei der IV-Stelle vom 4. November 2016 habe er angegeben, er könne selbst Kleinigkeiten nicht selbständig entscheiden und müsse die Beschwerdeführerin um Rat fragen. Nach seiner Rückkehr zu ihr habe sich sein Gesundheitszustand stabilisiert. Im Rahmen des MEDAS-Gutachtens vom 11. Dezember 2017 habe er dargelegt, die Beschwerdeführerin gebe ihm Halt. Es sei damit von einem zur Zeit des Bezugs der nunmehr zurückgeforderten Renten intakten ehelichen Verhältnis auszugehen. Die Observation habe gezeigt, dass die Beschwerdeführerin gewusst habe, welche Aktivitäten ihrem Ehemann (wieder) möglich gewesen seien. Mitbekommen habe sie insbesondere auch seinen Umgang mit den Kindern (vgl. Stellungnahme der Dr. med. I.________, Regionaler Ärztlicher Dienst [RAD] der IV-Stelle, vom 19. Oktober 2016). Die Beschwerdeführerin habe am 7. November 2016 um Einsicht in die Observations-Videos ersucht. Somit habe sie um die Überprüfung des Rentenanspruchs durch die IV-Stelle und die Gefährdung des Rentenanspruchs ihres Ehemanns wissen müssen. Daran vermöge nichts zu ändern, dass die Datenträger nicht ihr, sondern ihrem Ehemann zugestellt worden seien. Sie hätte somit bei gebotener Aufmerksamkeit die Veränderung bzw. Verbesserung des Gesundheitszustands ihres Ehemanns bemerken müssen. Zumindest habe ihr bekannt sein müssen, dass ein Verfahren betreffend seine Rente am Laufen und der Rentenanspruch daher nicht gesichert gewesen sei. Grundsätzlich wäre auch die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 31 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 77 IVV aufgrund des verbesserten Gesundheitszustandes ihres Ehemanns meldepflichtig gewesen. Da sie aber nicht auf ihre Meldepflicht hingewiesen worden sei, könne ihr bezüglich deren Verletzung keine grobe Fahrlässigkeit vorgehalten werden. Es reiche aber aus, dass sie um die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs ihres Ehemanns gewusst habe oder hätte wissen müssen. Sie hätte ohne Weiteres realisieren können und müssen, dass sein augenscheinlich verändertes Funktions-, Ressourcen- und Aktivitätsniveau auf seine Invalidenrente bzw. auf die akzessorischen Kinderrenten einen Einfluss gehabt haben könne. Auch wenn er (noch) keine wesentlichen Aufgaben in der Haushaltsführung oder der Kinderbetreuung habe übernehmen können und die Familie weiterhin auf Fremdbetreuung angewiesen gewesen sei, habe sich sein Funktionsniveau von "ausgeprägte soziale Isolation", "enorme Reizbarkeit" und "Selbstverletzung, wenn er alleine sei", zur Fähigkeit verändert, "alleine... ein Auto zu lenken", "bei betriebsarmen Strassen- und Personenverhältnissen Einkäufe zu erledigen" sowie "mit Drittpersonen in Kontakt zu treten und ein Gespräch zu führen". Da die Beschwerdeführerin über das laufende IV-Verfahren (inkl. die Observation) informiert gewesen sei, habe sie damit rechnen müssen, dass die Rente überprüft werde und nicht gesichert sei. Wenn sie dies nicht erkannt habe, sei dies grobfahrlässig pflichtwidrig. Somit müsse ihr der gute Glaube abgesprochen werden.