Citation: 1P.351/2004 17.08.2004 E. 3.1

3.1.1 Vorab macht der Beschwerdeführer geltend, die Beschwerdegegnerin habe zahlreiche Ereignisse vom Zusammentreffen mit ihm bis zum Verlassen seiner Wohnung weder detailgetreu noch konstant geschildert. Die Tatsache, dass sie nach der angeblichen Tat mit ihm vor seinem Haus noch gewartet und gesprochen habe sowie ihre Aussage, sie sei davon ausgegangen, die ihr unbekannten Kollegen des Beschwerdeführers würden ihr in Biel Kokain holen, strapazierten ihre Glaubwürdigkeit enorm. Demgegenüber sei das Aussageverhalten des Beschwerdeführers durch den Umstand, dass er sich in einer Fremdsprache ausdrücken müsse, entgegen der Meinung des Obergerichtes hinreichend erklärt. Es verstehe sich von selbst, dass sich jemand in einer Sprache, die er nicht allzu gut beherrsche, nicht ausschweifend und ausführlich ausdrücke. Das Obergericht stütze sich bei der Glaubwürdigkeitsprüfung auf Seiten der Beschwerdegegnerin einzig auf ihre Aussagen zum Kerngeschehen. Dass ihre sonstigen Aussagen über das Geschehene widersprüchlich und zum Teil unglaubwürdig seien, berücksichtige das Obergericht nicht. Eine willkürfreie Beweiswürdigung hätte nach Meinung des Beschwerdeführers dazu führen müssen, dass die Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin nicht grösser sei als seine, mit der Folge, dass das Obergericht für das Urteil auf diejenigen Annahmen hätte abstellen müssen, die für den Angeklagten günstiger seien. 3.1.2 Das Obergericht hält in seinem Urteil dagegen, die Beschwerdegegnerin habe wiederholt spontane, ausführliche und präzise Angaben gemacht, die zahlreiche "originelle" Details enthielten (zum Beispiel, dass ihr das Herunterreissen der Hose wehgetan habe, weil die Hosen eng gewesen seien und vom Tanzen und Schwitzen an ihr geklebt hätten, oder dass sie während des Geschlechtsverkehrs eine komische Stellung inne gehabt hätten, act. 90 u. 91). Zumindest im Kerngeschehen seien ihre Schilderungen konstant und in sich logisch. Sie gäben auch auf nachvollziehbare Weise die Gefühle und Empfindungen der Beschwerdegegnerin wieder (beispielsweise, dass sie sich geschämt hatte wegen der Binde in ihrem Slip oder dass es ihr fast "obsi cho" sei, als der Angeschuldigte ihr in den Mund ejakuliert habe, act. 90). Überhaupt habe die Beschwerdegegnerin im Verlauf der Einvernahme wiederholt starke Emotionen gezeigt. Demgegenüber seien die Aussagen des Beschwerdeführers viel zurückhaltender ausgefallen. Er habe von sich aus kaum weiterführende Angaben oder spontane Ergänzungen gemacht. Seine Schilderungen hätten sich zudem auf die groben Züge des äusseren Geschehens beschränkt und kaum Hinweise auf seine subjektiven Eindrücke und Empfindungen enthalten. Insgesamt wirkten seine Ausführungen eher monoton, da er das Geschehene wiederholt mit den gleichen (knappen) Worten beschreibe, ohne dabei andere Aspekte zu betonen oder zu ergänzen. Nicht zu übersehen sei, dass die Aussagen des Beschwerdeführers von gewisser Dreistigkeit zeugten. So bezeichne er die Beschwerdegegnerin wiederholt als Hure, obwohl keinerlei Anzeichen dafür bestünden, dass sie als (Drogen-)Prostituierte arbeite. Ausserdem solle sie nach seinen Angaben nach dem Geschlechtsverkehr gefragt haben, warum er schon fertig sei, sie habe noch länger gewollt. Diese Aussage sei unglaubwürdig, stehe doch aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung fest, dass eine (angebliche) Dirne ihre preislich bereits abgesprochenen Dienste nicht länger als vom Freier gewünscht anzubieten pflege. Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin zunächst bestritten hatte, dem Beschwerdeführer ihre Telefonnummer gegeben zu haben und später diesbezüglich doch nicht mehr sicher war, stellt nach Auffassung des Obergerichts deren Glaubwürdigkeit hinsichtlich des gesamten Tatvorganges nicht in Frage. Da offensichtlich gewesen sei, dass der Beschwerdeführer die Nummer nur von ihr erhalten haben könne, habe sie ihre frühere Aussage in Zweifel gezogen. Im entscheidenden Punkt seien ihre Angaben überdies konstant geblieben: Sie sei sich sicher, dem Beschwerdeführer die Telefonnummer - wenn überhaupt - vor dem Geschlechtsverkehr gegeben zu haben. Daraus könne aber nicht der Schluss gezogen werden, sie sei zu entgeltlichem Sex mit dem Beschwerdeführer und seinen Kollegen bereit gewesen. 3.1.3 Zwar ist hinsichtlich des Aussageverhaltens zu berücksichtigen, dass beim Beschwerdeführer als Ausländer gewisse sprachliche Schwierigkeiten bestehen mögen. Das Obergericht hat diesen Aspekt denn auch nicht ausser Acht gelassen. Wie es jedoch richtig festhält, scheint er der deutschen Sprache immerhin so weit mächtig, dass er für die Gerichtsverhandlungen keinen Übersetzer benötigte. Das Obergericht hat überdies zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit auch auf die Aussagen der drei Zeugen, welche bei der Fahrt von N.________ nach U.________ im Auto dabei waren, abgestellt. Aufgrund deren Schilderungen durfte das Obergericht durchaus davon ausgehen, dass die Beschwerdegegnerin mit den sexuellen Handlungen nicht einverstanden war: So hat sie gleich zu Beginn der Fahrt deutlich gemacht, dass sie ein Messer dabei habe und gefragt, ob sie "böse Giele" seien. Weiter haben die Zeugen bestätigt, dass sie bei ihrer Wohnung habe aussteigen wollen, der Beschwerdeführer den Fahrer jedoch dazu angehalten habe, bis zu seiner Wohnung weiterzufahren. In Bezug auf die Frage, wer während der Fahrt nach U.________ das Thema Kokain ins Spiel gebracht hat, räumt das Obergericht dem Beschwerdeführer und den Zeugen grössere Glaubwürdigkeit ein. Es hält aber zu Recht fest, dass selbst wenn die Beschwerdegegnerin zuerst nach Kokain gefragt habe, daraus nicht der Schluss gezogen werden könne, sie sei zu entgeltlichem Sex bereit gewesen. Überdies gaben die Mitfahrer erst bei der Hauptverhandlung an, es sei allen klar gewesen, dass die Beschwerdegegnerin zu entgeltlichem Sex bereit gewesen sei. Das Obergericht durfte die anfänglichen und damit tatnäheren Aussagen der Zeugen für glaubwürdiger halten, wonach während der Autofahrt nach U.________ nicht über Sex gesprochen worden sei - dies zumal zwei der Zeugen auch an der Hauptverhandlung nicht behaupteten, es sei ausdrücklich von Sex die Rede gewesen. Auch die übrigen vom Beschwerdeführer geltend gemachten Widersprüche hat das Obergericht sorgfältig geprüft. Verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden ist, dass das Obergericht es als für den Tatvorwurf irrelevant erachtet hat, ob die Beschwerdegegnerin die Fr. 50.- als Beweismittel oder als Entschädigung entgegengenommen hat. Selbst wenn sie das Geld als nachträgliche Entschädigung angenommen habe, sei dies kein Indiz für ein vorgängiges Einverständnis mit den sexuellen Handlungen. Zum Umstand, dass die Beschwerdegegnerin die Wohnung nach dem Vorfall nicht fluchtartig verlassen hat, zieht es in Erwägung, dass es keine allgemein gültigen Erkenntnisse über das typische Verhalten von Vergewaltigungsopfern gebe. Da die Beschwerdegegnerin eine Frau sei, die Wert auf ein "schön gestyltes" Äusseres lege (act. 103), sei ihre damalige Reaktion durchaus verständlich gewesen. Insgesamt ist das Obergericht nicht in Willkür verfallen, wenn es die Aussagen der Beschwerdegegnerin als glaubwürdiger gewertet hat.