Citation: U 116/98 02.03.2001 E. 6

6.- Auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs und der dabei erlittenen Gesundheitsschädigung ist der Unfall vom 19. April 1991, bei dem der Versicherte versuchte, einen umfallenden, 200 kg schweren Torrahmen allein aufzufangen und sich Rückenbeschwerden zuzog, im Rahmen der nach der Rechtsprechung vorzunehmenden Einteilung (BGE 115 V 138 Erw. 6), anders als die von der Beschwerdeführerin genannten Schadensereignisse (nicht veröffentlichte Urteile H. vom 17. September 1996, U 154/95, M. vom 16. Oktober 1995, U 60/95, B. vom 8. April 1991, U 47/90, und N. vom 6. Mai 1991, U 52/90), welche vom Eidgenössischen Versicherungsgericht als leicht qualifiziert wurden, dem mittleren Bereich, allerdings im Grenzbereich zu den leichten Unfällen, zuzuordnen. Die Adäquanz wäre deshalb nur zu bejahen, wenn eines der massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt wären (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). So verhält es sich jedoch nicht. Der Unfall war weder besonders eindrücklich noch hat er sich unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet. Von einer schweren oder besonderen Art der Verletzungen, die erfahrungsgemäss geeignet ist, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, kann nicht gesprochen werden. Der Unfallversicherer hat die Kosten einer Psychotherapie nur dann zu übernehmen, wenn das psychische Leiden adäquat unfallkausal ist. Aus deren Unterlassung darf aber, entgegen der Meinung der Vorinstanz, weder auf eine ärztliche Fehlbehandlung geschlossen werden, noch geht es an, gestützt auf dieses Kriterium die Adäquanzfrage zu beurteilen. Es verhält sich diesbezüglich nicht anders als mit der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit, die weder in Bezug auf Dauer noch Ausmass in die Adäquanzprüfung einbezogen werden darf (RKUV 1993 Nr. U 166 S. 94 Erw. 2c mit Hinweisen). Wie dem Bericht der SUVA-Rehabilitationsklinik X.________ vom 3. Dezember 1992 entnommen werden kann, liessen sich klinisch keine radikulären Symptome eruieren und es bestanden auch keine Hinweise für Diskopathien und Affektionen der Intervertebralgelenke. Ein radiologisches Korrelat zu den vom Versicherten geschilderten Beschwerden fehlte somit. In ihrem Bericht vom 19. Oktober 1994 gab die Klinik an, dass sich in Bezug auf den Rücken radiologisch erstaunlich wenig Instabilitätszeichen feststellen liessen. Auch die Rheumaklinik kam in ihrem Gerichtsgutachten vom 21. Mai 1997 zum Schluss, dass die geklagten massiven Beschwerden in ihrer Ausgestaltung mit den erhobenen, nur mässig ausgeprägten objektiven radiologischen Befunden kontrastierten. Zufolge psychischer Überlagerung der somatischen Leiden ist das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen daher ebenfalls nicht erfüllt. Schliesslich liegt auch keine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung somatischer Unfallfolgen vor. Der Versicherte kann zwar der vor dem Unfall vom 19. April 1991 ausgeübten Tätigkeit als Monteur nicht mehr nachgehen. Auf Grund seiner körperlichen Verfassung wäre ihm aber gemäss Bericht der SUVA-Rehabilitationsklinik X.________ vom 3. Dezember 1992 eine leichte Tätigkeit ohne Heben von Lasten über 10 bis 15 kg wieder zumutbar. Demgegenüber gab Dr. med. H.________ in seinem ärztlichen Zwischenbericht vom 30. Juni 1993 eine seit 27. Juni 1991 unverändert bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit an. Dr. med. S.________ ging von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit ab 14. September 1993 aus (Angaben des Kreisarztes vom 15. September 1993). Inwieweit diese im Jahr 1993 schon auf die psychischen Beschwerden zurückzuführen war und deshalb im Rahmen der Adäquanzbeurteilung unberücksichtigt zu bleiben hätte, kann offen gelassen werden, denn selbst wenn die lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit gegeben wäre, könnte die Adäquanz der psychischen Fehlentwicklung nicht bejaht werden, wie sich zeigen wird. Der Versicherte hielt sich vom 10. Juli bis 9. August 1991 sowie vom 24. November bis 1. Dezember 1992 in der SUVA-Rehabilitationsklinik X.________, vom 27. April bis 8. Juni 1992 zu einer Badekur im ehemaligen Jugoslawien und vom 21. September bis 19. Oktober 1994 zur Abklärung der Rückenbeschwerden und Behandlung einer Fersenbeinverletzung in der Klinik Y.________ auf. Nach der perkutanen Nukleotomie vom 18. Oktober 1991 war eine zweite in Aussicht genommene Operation schliesslich nicht durchgeführt worden. Das Vorliegen eines schwierigen Heilungsverlaufs ist auf Grund dieser Umstände zu bejahen. Insgesamt ist jedoch weder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise gegeben, noch sind die massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt, weshalb die Adäquanz der psychischen Beeinträchtigungen zu verneinen ist. Die SUVA hat folglich die Kosten für die Behandlung der psychischen Fehlentwicklung nicht zu tragen, was zur Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde führt.