Citation: 9C_577/2020 E. 3.3.1

3.3.1. Entgegen deren Auffassung ist - und war bereits im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache - rechtsprechungsgemäss bei unklaren Verhältnissen bzw. sich widersprechenden ärztlichen Berichten grundsätzlich nicht allein gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte zu entscheiden, sondern als objektive Beurteilungsgrundlage i.d.R. ein medizinisches Gutachten einzuholen (vgl. bereits BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 und E. 3 b) /cc), bestätigt etwa in BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470 f.). In casu hatte die Verwaltung trotz Vorliegens eines ausführlichen Berichts des SUVA-Kreisarztes, der eine posttraumatische Belastungsstörung verneinte und Selbstlimitation berichtete, keine weiteren Abklärungen getroffen, womit sie den Untersuchungsgrundsatz verletzte (etwa: Urteil 9C_391/2020 vom 25. August 2020 E. 4.2.2). Dies gilt umso mehr, als - worauf auch die psychiatrische Gutachterin hinwies - die behandelnden Ärzte die Diagnosekriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht prüften und die mannigfaltigen psychosozialen Belastungsfaktoren nicht ausklammerten. An der mangelhaften Sachverhaltsabklärung ändert nichts, dass die psychiatrische Gutachterin retrospektiv nicht ausschliessen konnte, dass allenfalls vorübergehend ein depressives Geschehen bestanden habe. Vielmehr bekräftigt die Unmöglichkeit der zuverlässigen rückwirkenden Beurteilung gerade, dass aus dem Zeitpunkt der Rentenzusprache auch hierzu keine beweiswertigen medizinischen Berichte vorlagen.