Citation: I 569/01 01.02.2002 E. 2

2.- Streitig ist, ob ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung besteht. a) Die Vorinstanz zieht aus den beiden Berichten der Frau Dr. med. S.________ den Schluss, dass der Beschwerdeführerin eine behinderungsangepasste, körperlich leichte Arbeit, mit der Möglichkeit ständig wechselnder Positionierung, unter Vermeidung von Inklination und Reklination der Halswirbelsäule, in vollem zeitlichem Pensum zumutbar sei. Demnach könne sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen. Dagegen lässt die Beschwerdeführerin einwenden, aus den beiden Berichten der Frau Dr. med. S.________ gehe hervor, dass sie lediglich im zeitlichen Rahmen von vier Stunden pro Tag einsatzfähig sei. b) Dr. med. R.________ diagnostizierte in seinem Bericht vom 23. Juni 1998 ein chronisches thoraco- und cervicospondyolgenes Syndrom nach Thoraxkontusion mit Sternumfraktur und Rippenfrakturen sowie Kontusion des Sternoclaviculargelenks bei persistierenden segmentalen Dysfunktionen und Triggerpunkten im Bereich des cervicothoracalen Übergangs und der mittleren Halswirbelsäule, eine sekundäre Periarthropathie der rechten Schulter mit Irritation der Supraspinatussehne und ein Hämangiom des Brustwirbelkörpers. Zur Arbeitsfähigkeit nahm er nicht Stellung, hielt hingegen in einem früheren Schreiben (vom 6. März 1998) an die SUVA fest, aktuell sei die Beschwerdeführerin in der Lage, vier Stunden am Tag zu arbeiten; ob sie fünf Stunden zu leisten vermöge, sei er sich nicht sicher. Frau Dr. med. S.________ setzte in ihrem Bericht vom 12. Juli 1998 die Leistungsfähigkeit für leichtere Reinigungsarbeiten auf vier Stunden täglich fest mit Beginn ab dem 6. Mai 1997. Der Beschwerdeführerin seien körperlich leichte Tätigkeiten zumutbar, mit der Möglichkeit, die Körperposition ständig zu wechseln, wobei sie In- und Reklination der Halswirbelsäule vermeiden müsse. Im Bericht vom 30. Juli 1999 wiederholte Frau Dr. med. S.________ ihre Beurteilung. Sie ergänzte, dass die Beschwerdeführerin in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit im zeitlichen Umfang von 50 % oder von vier Stunden am Tag ab dem 6. Mai 1997 arbeitsfähig sei. Demgegenüber setzte Dr. med. L.________, Kreisarzt der SUVA, in seinem Bericht vom 29. Mai 1998 die Arbeitsfähigkeit als Raumpflegerin auf mindestens sechs Stunden am Tag fest, und der von der SUVA als Gutachter beauftragte Dr. med. M.________ hielt in seiner Expertise vom 17. August 1998 eine Leistungssteigerung auf sechs Stunden am Tag als möglich. Die Beschwerdeführerin liess im vorinstanzlichen Verfahren einen gestützt auf eine Exploration vom 16. März 2001 verfassten Bericht des Spitals Y.________ zu den Akten reichen. Darin wird die Diagnose ergänzt mit einer mittelschweren depressiven Episode; die Arbeitsfähigkeit wird mittelfristig auf vier Stunden am Tag festgelegt. Die Beschwerdeführerin wurde von den Ärzten des Spitals Y.________ zwar erst nach dem für die richterliche Beurteilung massgeblichen Zeitpunkt des Verfügungserlasses (BGE 121 V 366 Erw. 1b) untersucht; in Anbetracht der Aktenlage muss aber davon ausgegangen werden, dass sich der Gesundheitszustand in der Zwischenzeit nicht massgeblich verändert hatte. Insoweit ist der Bericht des Spitals Y.________ in die Beurteilung einzubeziehen. c) Die Schlussfolgerung der Vorinstanz aus den Berichten der Frau Dr. med. S.________ ist unzutreffend. Die Einschätzungen der Ärzte bezüglich der Arbeitsfähigkeit divergieren erheblich. Mit Ausnahme von Frau Dr. med. S.________ beschreibt ausserdem kein Arzt die Tätigkeiten, die zu verrichten die Beschwerdeführerin mit Rücksicht auf den Gesundheitsschaden in der Lage wäre. Ferner finden sich in den Akten mehrere Hinweise für eine psychogene Störung. Dr. med. R.________ beschreibt diagnostisch in einem Bericht vom 20. Mai 1997 an Frau Dr. med. S.________ ein komplexes Schmerzsyndrom und erwähnt unter anderem eine Schmerzverarbeitungsstörung im Sinne eines posttraumatischen Stresssyndroms. Dr. med. L.________ spricht im bereits zitierten Bericht von einer allfälligen posttraumatischen Anpassungsstörung; Dr. med. M.________ bemerkt ohne klinischen Befund eine gewisse Überforderung der Versicherten. Das Spital Y.________ schliesslich diagnostiziert ohne zeitliche Angabe eine mittelschwere depressive Episode. Angesichts dieser Unklarheiten und Widersprüche ist die Sache demnach zur Abklärung der Fragen, ob ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter psychischer Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Versicherten vorliege und in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten sie arbeitsunfähig ist, an die Verwaltung zurückzuweisen. Diese wird gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den Rentenanspruch neu verfügen.