Citation: U 367/00 20.07.2001 E. 4

4.- a) aa) Nach den übereinstimmenden ärztlichen Feststellungen hat die Beschwerdeführerin beim ersten Unfall vom 6. Dezember 1995 ein HWS-Schleudertrauma erlitten (Berichte des Dr. med. M.________ vom 16. Januar 1996, des Kantonsspitals X.________ vom 19. Februar 1996, der Klinik Z.________ vom 3. März 1997, des Dr. med. F.________ vom 11. März 1997, des Dr. med. O.________ vom 1. Dezember 1997, des Dr. med. C.________ vom 14. April 1998 und der Rehabilitationsklinik R._________ vom 16. April 1999). Die SUVA bestreitet dies unter Hinweis auf die Ausführungen des Dr. med. B.________. Diese Streitfrage ist indessen im vorliegenden Zusammenhang nicht entscheidend. Dass die SUVA den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen diesem Unfall und den Beschwerden bejaht hat, hat sie nämlich durch die Erbringung ihrer Leistungen zum Ausdruck gebracht. bb) Am 12. Februar 1996, also rund zwei Monate später, hat sich der zweite Unfall (Auffahrkollision eines Lieferwagens) ereignet. Auch in diesem Fall haben die Ärzte ein Schleudertrauma der HWS diagnostiziert. Diesbezüglich kann auf die in Erw. 4a/aa hievor zitierten Arztberichte verwiesen werden. Die anschliessenden Beschwerden der Versicherten während rund 2 1/4 Jahren bis zur Einstellung der Leistungen durch die SUVA waren unbestrittenermassen schwergewichtig durch diesen zweiten Unfall geprägt; die Vorinstanz bejaht denn auch zutreffend das Vorliegen des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen diesem Unfall und den Beschwerden der Versicherten. Ob die Beschwerden nach dem ersten Unfall durch ein Schleudertrauma der HWS oder durch andere Verletzungen hervorgerufen wurden, ist deshalb nur bei der Beurteilung der Adäquanzkriterien von Interesse (vgl. Erw. 4b hiernach). Ebenfalls nicht entscheidend ist die von der SUVA verneinte Frage, ob bei der Beschwerdeführerin beim zweiten Unfall eine kurze Bewusstlosigkeit vorlag oder nicht. Unabhängig auch davon, ob die Beschwerdeführerin (entsprechend der Annahme der Rehabilitationsklinik R._________) eine leichte traumatische Hirnverletzung erlitten hat, ist - wie gesagt - danach zu fragen, ob sie im Zeitpunkt der Leistungseinstellung den status quo ante oder den status quo sine erreicht hat. Ein solcher Beweis ist der SUVA jedoch in keiner Weise gelungen. Vielmehr leidet die Beschwerdeführerin - wie auch die Vorinstanz festgestellt hat - weiterhin an Kopf- und Nackenschmerzen, Sehstörungen (Augenflimmern), Lärmempfindlichkeit, häufig auftretendem Schwindel, selten an Übelkeit, Ein- und Durchschlafstörungen sowie an Konzentrationsproblemen und Gedächtnisstörungen (Berichte der Rehabilitationsklinik R._________ vom 16. April 1999, des Dr. med. C.________ vom 14. April 1998 sowie des Dr. med. O.________ vom 26. Februar 1998 und 1. Dezember 1997). Dr. med. O.________ und Dr. med. B.________ erwähnen in ihren Berichten vom 1. Dezember 1997 bzw. 9. Dezember 1998 beiläufig einen Treppensturz, den die Beschwerdeführerin am 5. September 1994, als sie noch nicht bei der SUVA versichert war, erlitten hat. Zusätzlich wird im Bericht der Rehabilitationsklinik R._________ vom 16. April 1999 ein Motorradunfall mit ausgedehnter Weichteilverletzung am linken Bein festgehalten, allerdings ohne Angabe eines Datums. Es wird jedoch nicht behauptet, die Beschwerden der Versicherten seien auf diese beiden Unfälle bzw. auf einen von ihnen zurückzuführen. Dr. med. O.________ legte im Bericht vom 1. Dezember 1997 vielmehr dar, die nach dem Unfall vom 5. September 1994 aufgetretenen Nackenbeschwerden seien relativ prompt zurückgegangen. Er bejaht denn auch den Kausalzusammenhang zwischen den beiden HWS-Distorsionen vom 6. Dezember 1995 und 12. Februar 1996 und den anhaltenden Beschwerden. Die Distorsionen hätten zwar ein bezüglich Haltung/Form pathologisch vorverändertes Achsenorgan und eine haltungsmässig pathologisch vorveränderte HWS getroffen. Diese vorbestehende, kombinierte Fehlform und Fehlhaltung des Achsenorgans sowie die damit assoziierte Haltungsinsuffizienz Grad II seien vor den besagten Unfallereignissen jedoch asymptomatisch gewesen und hätten nie Anlass zu diagnostischen und/oder therapeutischen Interventionen gegeben. Die bei den streitigen Unfallereignissen stattgehabten Traumatisierungen dürften vor allem den Kapselbandapparat im Bereich der oberen HWS sowie die gesamte Schultergürtelmuskulatur in Mitleidenschaft gezogen haben. cc) Die Diagnose des Dr. med. F.________ im Bericht vom 11. März 1997, die Kopfschmerzen der Beschwerdeführerin könnten als "Migraine accompagnée" angesehen werden, wird selbst von Dr. med. B.________ verworfen. Aber auch wenn der Auffassung des Dr. med. F.________ zu folgen wäre, könnte die SUVA daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten, da er als Auslöser wahrscheinlich das HWS-Beschleunigungstrauma ansieht. b) aa) Die Vorinstanz legt dar, bei der Beschwerdeführerin seien die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben, träten aber im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik ganz in den Hintergrund. Denn Dr. med. C.________ habe ausgeführt, für die Beschwerden der Versicherten seien vermutlich psychosoziale Gründe ausschlaggebend (Bericht vom 22. Juli 1996) bzw. sie hinterlasse einen weinerlichen, mutlosen, wenn nicht sogar depressiven Eindruck (Bericht vom 14. April 1998). Weiter habe Dr. med. F.________ im Bericht vom 17. Juli 1997 dargelegt, sie drohe gesundheitlich und sozial zu entgleiten, was aus medizinischer Sicht nicht zwingend sei; er habe deshalb eine stationäre psychosomatische Behandlung empfohlen. Auch Dr. O.________ habe sie als leicht deprimiert und resigniert eingestuft (Bericht vom 1. Dezember 1997). Schliesslich habe die Eingliederungsstätte V.________ festgehalten, die Versicherte bedürfe weiterer psychologischer Behandlung, da sie die Unfälle psychisch noch nicht verarbeitet habe (Bericht vom 30. Oktober 1997). Weiter führt die Vorinstanz aus, der Unfall vom 12. Februar 1996 sei gemäss den für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelten Kriterien nicht geeignet, eine psychische Fehlreaktion zu verursachen, weshalb der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen sei. bb) Dieser Auffassung ist nicht beizupflichten. Prof. E.________ legte in der Stellungnahme vom 2. November 2000 dar, bei der Beschwerdeführerin seien alle subjektiven Symptomangaben der körperlichen Beschwerden für einen Zustand nach zweifacher HWS-Distorsion und einer zusätzlichen Hirnerschütterung beim zweiten Unfall typisch. Zusätzlich lägen objektive klinische Befunde am Weichteilsystem des Nackens und des Schultergürtels sowie des oberen Rumpfes vor, die mit den Symptomen korrelierten und diese erklärten. Es handle sich dabei um ein klinisch gut fassbares myofasziales Syndrom mit den umschriebenen Bewegungseinschränkungen an der Halswirbelsäule, Verspannungszuständen an bestimmten Muskeln und Muskelsystemen, wie sie ausführlich und kompetent auch durch Dr. med. O.________ im Bericht an die SUVA vom 1. Dezember 1997 zusammengefasst worden seien. In psychischer Hinsicht hätten sie eine sogenannte Anpassungsstörung diagnostiziert. Damit seien die psychischen Symptome gemeint, die in Reaktion auf die körperlichen Unfallfolgen aufgetreten seien, weil diese trotz aller therapeutischer Bemühungen persistiert und auch die Konsequenz der beruflichen Neuorientierung mit sich gebracht hätten. Auf der psychischen Ebene lägen ängstliche und depressive Stimmungsaspekte vor, die jedoch nicht ein Ausmass hätten, das Anlass zu einer weitergehenden ambulanten psychotherapeutischen Behandlung gegeben habe. Die psychischen Symptome seien also eine Reaktion auf die persistierenden körperlichen Probleme und nicht deren Ursache. Es lägen keine Anhaltspunkte für eine psychische Fehlreaktion vor. Aus diesen Ausführungen des Prof. E.________ in Verbindung mit dem Bericht des Dr. O.________ vom 1. Dezember 1997 (vgl. Erw. 4a/bb hievor) ergibt sich, dass nicht die psychische Problematik, sondern die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen im Vordergrund stehen. Es bestehen keine Gründe, von der Einschätzung des Prof. E.________ abzuweichen, da sie sich auf eine stationäre, einmonatige Beobachtung und Behandlung der Beschwerdeführerin unter Beizug einer Psychologin stützt. Unter diesen Umständen vermögen die von der Vorinstanz angeführten Arztberichte zu keiner anderen Beurteilung zu führen. Der adäquate Kausalzusammenhang ist daher nach Massgabe von BGE 117 V 359 zu beurteilen.