Citation: I 180/06 06.02.2007 E. 4

4.1 Bei gegebener Aktenlage steht fest, dass die IV-Stelle dem Beschwerdeführer bis Ende November 2004 eine halbe Invalidenrente ausgerichtet hat. Mit der hier strittigen Verfügung vom 5. Oktober 2004 bestimmte die IV-Stelle, dass der Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von 29 % ab 1. Dezember 2004 keinen Anspruch auf eine Invalidenrente mehr hat. Ohne sich im Einzelnen mit dieser Verfügung auseinander zu setzen, führte das kantonale Gericht hiezu einzig aus, dem Hinweis, wonach die IV-Stelle die Rente wiedererwägungsweise aufgehoben habe, komme keine weitere Bedeutung zu. Abgesehen von der terminologisch offensichtlich unzutreffenden Verwendung des Begriffes "wiedererwägungsweise" lässt der Wortlaut der Verfügung vom 5. Oktober 2004 keinen Zweifel daran, dass die IV-Stelle gestützt auf Art. 88a IVV - ungeachtet der rechtlichen Grundlage der bisher ausgerichteten halben Invalidenrente - von einer revisionsweisen Änderung des Rentenanspruchs ausging und deshalb die halbe Invalidenrente mit Wirkung ex nunc et pro futuro ab 1. Dezember 2004 aufhob. Dementsprechend nahm sie auch den Einkommensvergleich basierend auf den damals aktuellsten erwerblichen Verhältnissen vor. Dabei stellte sie darauf ab, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste, körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne Einschränkungen zu 100 % zumutbar sei. Insbesondere lässt nichts daraus schliessen, dass die Beschwerdegegnerin mit der genannten Verfügung die Rechtmässigkeit der bisher erbrachten Rentenleistungen in Frage oder gar deren Rückforderung in Aussicht stellte. 4.2 Demgegenüber hat die IV-Stelle mit Einspracheentscheid vom 1. August 2005 den Verfügungsgegenstand dahingehend ausgeweitet, als sie unter der Dispositiv-Ziffer 1 nicht nur die gegen die strittige Verfügung gerichtete Einsprache abwies (Satz 1), sondern zusätzlich in Satz 2 verfügte: "Der Versicherte hat keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung." Damit wollte die Beschwerdegegnerin einspracheweise den Rentenanspruch über den ursprünglichen - durch die Revisionsverfügung vom 5. Oktober 2004 bestimmten Anfechtungsgegenstand hinaus - auch rückwirkend für die gesamte Dauer ab Anmeldung zum Leistungsbezug verneinen. Daher stellte sie beim Einkommensvergleich - auf Grund des unbestritten korrekt erkannten hypothetischen Rentenbeginns am 1. März 1995 - auf die Lohnverhältnissen des Jahres 1995 ab, wie sie in ihrer Beschwerdeantwort vom 10. Oktober 2005 im vorinstanzlichen Verfahren mit Blick auf den im Einspracheentscheid vom 1. August 2005 vorgenommenen Einkommensvergleich verdeutlichte. 4.2.1 Im Einspracheentscheid vom 1. August 2005 ging die IV-Stelle stillschweigend davon aus, die medizinisch-theoretisch zumutbare Leistungsfähigkeit habe sich seit Eintritt der von Dr. med. S.________ ab 7. März 1994 attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Gerüstmonteur (gemäss Bericht vom 15. März 1994), welche zum Erlass der Nichteignungsverfügung der SUVA vom 13. Mai 1994 geführt hatte, bis zur Verwirklichung der in zeitlicher Hinsicht hier für die Beurteilung massgebenden tatsächlichen Verhältnisse bei Erlass des Einspracheentscheides (BGE 130 V 446 Erw. 1.2 mit Hinweisen) vom 1. August 2005 nicht verändert. Weder in medizinischer noch in erwerblicher Hinsicht sei zwischen 1994 und 2005 eine anspruchsrelevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten. Die verschiedenen beruflichen Abklärungen hätten einzig wegen des fehlenden subjektiven Eingliederungswillens des Versicherten abgebrochen werden müssen. Die Vorinstanz führte "das Scheitern der zwischenzeitlich stattgefundenen Arbeitsversuche [...] auf inkonsequente Schutzmassnahmen sowie ungünstige Umstände" zurück und ging für den gesamten "zu prüfenden Zeitraum", d.h. von 1994 bis 2005, einheitlich davon aus, dass die Ausübung einer angepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung sämtlicher Beschwerden - insbesondere auch aus dermatologischer Sicht - stets ohne Einschränkungen möglich und zumutbar gewesen sei. 4.2.2 Diese Einschätzung steht im Widerspruch zu den Akten. Zum einen ist dem Beschwerdeführer zumindest in den ersten Jahren nach Eintritt der vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht nur von Seiten seines behandelnden Dermatologen, sondern auch von der Genossenschaft für Behindertenarbeit A.________ Arbeitswille und grosses Engagement bei der Abklärung von Eingliederungsmöglichkeiten zugebilligt worden. Kein anderes Bild des Versicherten ergibt sich aus den beschwerdegegnerischen Berichten der Abteilung Berufliche Eingliederung vom 27. Februar, 17. August und 3. Oktober 1995, worin unter anderem zum Ausdruck gebracht wurde: "Wir dürfen füglich schreiben, dass wir - leider erfolglos - alle erdenklichen Möglichkeiten in Betracht gezogen haben, um diesen arbeitswilligen und in jeder Beziehung integeren Mann in die Arbeitswelt einzugliedern." Zum anderen hat sich der Gesundheitszustand in den elf Jahren zwischen der Anmeldung zum Leistungsbezug 1994 und dem Erlass des Einspracheentscheides vom 1. August 2005 erheblich verändert. Ursprünglich stand das dermatologische Leiden mit dem allergischen Kontaktekzem bei einer "ausserordentlich hochgradigen Sensibilisierung auf Kaliumdichromat bzw. Kobaltchlorid" (Bericht des Dr. med. S.________ vom 30. Mai 1995) im Vordergrund. Zusätzlich litt der Versicherte schon 1993 an Rückenbeschwerden, welche er durch seinen Hausarzt Dr. med. H.________ behandeln liess. Hinsichtlich der Kontaktallergie war eine Verselbstständigung des Chromatekzems zu befürchten. Zahlreiche Verweisungstätigkeiten kamen wegen drohender allergischer Reaktionen nicht in Frage (Bericht der Berufsberaterin der IV-Stelle vom 27. Februar 1995). Schon der Kontakt mit Papier und Plastik führte zu einem erneuten Rezidiv des Ekzems. Während der Facharzt FMH für Dermatologie der SUVA, Dr. med. R.________, in seinem Bericht vom 22. April 1996 noch weitere medizinische Behandlungsmassnahmen zur Vorbeugung gegen rezidivierende Handekzeme vorschlug, stand die in Bezug auf einzelne Verweisungstätigkeiten "aus rein allergologischer Sicht theoretisch mögliche" Verwertung einer vollen Arbeitsfähigkeit unter dem ausdrücklichen Vorbehalt eines mehrwöchigen erfolgreichen Arbeitsversuches unter polydisziplinärer Aufsicht. Die 1994/95 bei atopischer Diathese auftretenden, an Intensität anfänglich zunehmenden Kontaktekzemschübe klangen angesichts der vollen Arbeitsunfähigkeit unter anhaltender Vermeidung von allergiebedingt problematischen Expositionen nach den gescheiterten Eingliederungsversuchen allmählich bis auf einen Restbefund (leichte Schwielen oder Hauttrockenheit, wie sie bei manuell tätigen Arbeitnehmern üblicherweise feststellbar sind) ab, so dass sich der behandelnde Dr. med. S.________ gemäss Bericht vom 27. Mai 2003 aus dermatologischer Sicht rückblickend der Beurteilung des Dr. med. R.________ auch in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen anschliessen konnte. Der Gesundheitszustand verbesserte sich hinsichtlich der Hautirritationen bis etwa im Jahr 2000 derart erheblich, dass der den Beschwerdeführer seit 1993 dermatologisch behandelnde Dr. med. S.________ in seinem Bericht vom 27. Mai 2003 bestätigte, der Versicherte sei ab diesem Zeitpunkt von Seiten des Ekzems - abgesehen von der zurückbleibenden Empfindlichkeit auf die bekannten Allergene sowie einer Trockenheit, einer leichten Pulpitis sicca bzw. einer Schwielenbildung - beschwerdefrei. 4.2.3 Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Einspracheentscheid vom 17. Dezember 2003 sprach die SUVA dem Beschwerdeführer unter ausschliesslicher Berücksichtigung des Handekzems bei konstitutionell erhöhter Ekzemneigung (atopische Diathese) eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 18 % mit Wirkung ab 1. Oktober 1998 zu, nachdem sie ihm bis 30. September 1998 eine Übergangsentschädigung ausgerichtet hatte. Wegen der berufsbedingt entwickelten Sensibilisierung auf Nickel, Kobalt und Chrom empfahl der SUVA-Arzt Dr. med. C.________ das Meiden dieser Allergene sowie zahlreicher Risikotätigkeiten infolge damit verbundener erhöhter Exposition gegenüber den gefährdenden Substanzen. Unter Einhaltung dieser Bedingungen sowie ohne längeres Arbeiten mit Schutzhandschuhen seien dem Versicherten aus rein dermatologischer Sicht aber trockene, saubere Arbeiten (wie z.B. Verpackungsarbeiten, Botengänge, Auslieferdienst, Montage von Kunststoffteilen oder Überwachungs- und Kontrolltätigkeiten) ohne Limitierung zumutbar. Im Gegensatz dazu ging die IV-Stelle unter zusätzlicher Mitberücksichtigung des Rückenleidens und der Hautpflegemassnahmen bei der Invaliditätsbemessung von einer Leistungsverminderung im Umfang von 30 % aus (Vorbescheid vom 27. September 1999) und gelangte so zu einem Invaliditätsgrad von 51 %. Ob daran im Falle von Weiterungen festzuhalten wäre, kann hier offen bleiben. 4.3 Bildet die Revisionsverfügung vom 5. Oktober 2004 den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand (BGE 131 V 164 Erw. 2.1 mit Hinweis), und haben sich nach dem Gesagten die tatsächlichen Verhältnisse hinsichtlich des Gesundheitszustandes seit Rentenbeginn erheblich verändert, so ist die im Folgenden zu prüfende Frage - entgegen der im Einspracheentscheid sowie im angefochtenen Gerichtsentscheid vertretenen Auffassung - darauf zu beschränken, ob die am 5. Oktober 2004 revisionsweise verfügte ersatzlose Aufhebung der halben Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Dezember 2004 rechtens ist.