Citation: 4A_321/2015 E. 2.6

2.6. Die Beschwerdeführerin beruft sich sodann auf den Grundsatz, wonach hohe Anforderungen an den Nachweis zu stellen sind, dass der Unfall auch bei Einhaltung aller Sorgfalt eingetreten wäre. Sie vertritt die Ansicht, dieser Nachweis könne nur bei Unterbrechung des Kausalzusammenhangs durch eine andere Ursache als das Verhalten des Tieres erbracht werden. Sie ist der Ansicht, ein Unfall, der wie hier durch das Tier verursacht worden sei, müsse stets die Haftung des Halters begründen; denn es könne nicht der Sinn der Tierhalterhaftung sein, dass sich der Halter trotz Verletzung von Sorgfaltspflichten durch Nachweis der besonderen Gefährlichkeit oder Eigenart seines Tieres befreien könne. Sie verkennt damit, dass der besonderen Gefährlichkeit und Eigenart eines Tieres bei der Definition der gebotenen Massnahmen Rechnung zu tragen ist. Soweit jedoch die objektiv gebotene Sorgfalt eingehalten ist oder auch bei deren Einhaltung der Schaden nicht hätte verhindert werden können, haftet der Halter nicht für unvorhersehbares Verhalten des Tieres (Roland Brehm, in: Berner Kommentar, 4. Auflage, 2013, N. 34, 86 zu Art. 56 OR, Heierli/Schnyder, in: Basler Kommentar, 5. Auflage, 2012, N. 17 zu Art. 56 OR). Denn dass der Entlastungsbeweis überhaupt erbracht werden kann, zeigt gerade, dass die Tierhalterhaftung keine strenge Kausalhaftung ist, sondern - unabhängig von der dogmatischen Qualifikation (BGE 131 III 115 E. 2.1) - die Verletzung einer objektiven Sorgfaltspflicht voraussetzt. Zur Erfüllung der objektiven Sorgfaltspflicht ist aber erforderlich und auch hinreichend, dass geeignete Massnahmen zur Verhinderung voraussehbarer konkreter Gefährdungen ergriffen werden.