Citation: U 299/05 28.05.2007 E. 5

Das kantonale Gericht nimmt an, die Versicherte habe anlässlich des Unfalls vom 12. April 2002 ein Schleudertrauma der HWS erlitten und der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den ab Oktober 2002 geklagten, für ein Schleudertrauma typischen Symptomen und dem Unfall stehe fest. 5.1 Die Beschwerdeführerin hat sich zwei Wochen nach dem Unfall, am 30. April 2002, erstmals in ärztliche Behandlung gegeben. Frau Dr. med. F.________ hat sowohl im Arztschein zur Bagatellunfallmeldung UVG vom 30. April 2002 als auch im ersten Arztzeugnis vom 17. Mai 2002 ein HWS-Distorsionstrauma diagnostiziert; eine Arbeitsunfähigkeit bestand zu jener Zeit nicht. Erst mit ärztlichem Zwischenbericht vom 13. Juli 2002 attestierte die Hausärztin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit im damals aktuellen 60%-Pensum (damit ist nach Präzisierung von Frau Dr. med. F.________ eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von drei halben Tagen pro Woche gemeint) vom 9. Juli bis voraussichtlich 17. August 2002 und wies auf ausgeprägte Verspannungen nuchal mit zephaler Ausstrahlung sowie auf eine Einschlafstörung hin. Zu den unmittelbar nach dem Unfall aufgetretenen Beschwerden wird im Fragebogen bei HWS-Verletzungen vom 17. Mai 2002 ausgeführt, innert einer Latenzzeit von fünf Stunden nach dem Unfall hätten sich ein Spontanschmerz im Nacken und innert eines Tages nach dem Unfall ein Spontanschmerz im Kopf frontal und okzipital manifestiert. Im Bericht vom 1. Oktober 2002 gibt Frau Dr. med. F.________ an, die deutliche Verspannung nuchal mit Bewegungseinschränkung nach links persistiere, ausserdem bestehe Nausea bei Extension der HWS und seit einem Monat leide die Versicherte unter Kopfschmerzen, Ermüdbarkeit, Schlafstörungen und Schwitzen (allmählich regredient); die 50%ige Arbeitsunfähigkeit dauere voraussichtlich bis Dezember 2002. 5.2 Nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft treten Beschwerden und Befunde in der Halsregion oder an der HWS erfahrungsgemäss kurze Zeit nach dem Unfallereignis auf. Gemäss vorherrschender Lehrmeinung müssen sich Nackenbeschwerden innert einer Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall manifestieren, damit der natürliche Kausalzusammenhang mit dem Unfallgeschehen bejaht werden kann (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 264/97 vom 12. August 1999, auszugsweise publ. in: RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29, U 328/99 vom 19. Mai 2000, auszugsweise publ. in: RKUV 2000 Nr. U 391 S. 307, U 238/05 vom 31. Mai 2006, E. 3.2, und U 205/02 vom 18. März 2003, E. 2.3.1). Unter den gegebenen Umständen ist daher fraglich, ob die erst einige Zeit nach dem Unfall erstellten medizinischen Aufzeichnungen, wonach die Versicherte ein HWS-Distorsionstrauma erlitten habe und bereits fünf Stunden nach dem Unfall Nackenschmerzen sowie einen Tag später Kopfschmerzen aufgetreten seien, als zuverlässige ärztliche Angaben genügen, damit eine Schleuderverletzung als gesichert angenommen werden darf (BGE 119 V 335 E. 2b/aa S. 340). Wie es sich damit verhält, muss hier nicht weiter abgeklärt werden. Denn selbst wenn auf Grund zusätzlicher Untersuchungen der natürliche Kausalzusammenhang zwischen Unfall und im Zeitpunkt des strittigen Fallabschlusses (Ende Januar 2003) persistierenden psychischen Leiden zu bejahen wäre (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 183/93 vom 12. September 1994, publ. in: SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 3c S. 68), mangelt es vorliegend jedenfalls am Erfordernis des adäquaten Kausalzusammenhanges, wie sich nachfolgend zeigt.