Citation: 6B_335/2020 E. 3.3.1

3.3.1. Diese Bestreitungen überzeugen nicht. Sie bestehen im Wesentlichen in einer unbehelflichen Bestreitung des Tatverdachts. Nur schon die blossen Feststellungen der EZV zum Schmuggel von Substanzen zur Herstellung von illegalen pharmazeutischen Produkten im grossen Stil begründen bereits für sich genommen einen hinreichenden Tatverdacht (zunächst gegen Unbekannt) für ein zoll- und MWST-rechtliches wie für ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren. Es ist darauf hinzuweisen, dass ein blosser Tatverdacht für die Eröffnung einer Untersuchung genügt und erst im Verlauf des weiteren (dynamischen) Verfahrens sich zeigen wird, ob dieser Verdacht berechtigt war oder nicht; dazu können langwierige Abklärungen mit einstweilen noch offenem Ausgang erforderlich sein (NIKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, Rzz. 24 f., 1802). Während für die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs der dringende Tatverdacht verlangt ist (Art. 269 Abs. 1 lit. a StPO), genügt in der Regel für die übrigen Zwangsmassnahmen ein hinreichender Tatverdacht (a.a.O., Rz. 1125) Hinsichtlich des zweiten wesentlichen Einwands des Beschwerdeführers betreffend eine Fernwirkung im Sinne von Art. 141 Abs. 4 StPO ist von vornherein darauf hinzuweisen, dass eine solche grundsätzlich zu verneinen ist, wenn der Folgebeweis im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufs zumindest mit einer grossen Wahrscheinlichkeit auch ohne den illegalen ersten Beweis erlangt worden wäre; entscheidend sind die konkreten Umstände (Urteil 6B_654/2019 vom 12. März 2020 E. 3.2.3 f.). Bei dieser Rechtsprechung ist zu beachten, dass es nach der Gesetzgebung zur Fernwirkung von Verwertungsverboten im Kern um den angemessenen Ausgleich von divergierenden Interessen und mit der Ausnahme von Art. 140 und 141 Abs. 1 StPO nicht um absolute Festsetzungen geht (BGE 138 IV 169 E. 3.3.2 S. 173; Urteil 6B_902/2019 vom 8. Januar 2010 E. 1.2 betr. durch Private beschaffte Beweise). Je schwerer die Straftat ist, umso eher überwiegt das Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse an der Unverwertbarkeit. Allerdings besteht angesichts der absoluten Unverwertbarkeit nicht genehmigter Zufallsfunde im Rahmen von Art. 278 Abs. 3 StPO für eine Interessenabwägung im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO kein Raum (BGE 144 IV 254 E. 1.4.3 S. 262, in diesem Fall fehlte die Genehmigung; das Kriterium "unverzüglich" von Art. 278 Abs. 3 StPO ist dagegen als Ordnungsvorschrift zu verstehen: Urteil 1B_92/2019 vom 2. Mai 2019 E. 2.4). Der Einsatz von GPS-Ortungssystemen bildet eine technische Überwachungsmassnahme im Sinne von Art. 280 lit. c StPO (zur Publikation bestimmtes Urteil 1C_181/2019 vom 29. April 2020 E. 17.1), die gemäss Art. 281 Abs. 1 StPO nur gegenüber der beschuldigten Person angeordnet werden darf und sich gemäss Art. 281 Abs. 4 StPO nach den Art. 269 ff. StPO zu richten hat, also u.a. den dringenden Tatverdacht voraussetzt (BGE 144 IV 370 E. 2.1 S. 372, E. 2.3 S. 374 und E. 2.4 S. 376). Die Ermittlungen der EZV fokussierten offenkundig erfahrungsbegründet und konkretisiert durch Angaben des "Vertrauensmanns", auf die Bodybuilderszene und führten in der Folge über die Identifikation der Berner Polizei (oben E. 3.2.3) zum Beschwerdeführer. Die Vorinstanz klärt in der Neubeurteilung die Rechtsgrundlagen dieses Vorgehens insgesamt. Sie geht angesichts des von Anfang an festgestellten, augenscheinlich grossen kriminellen Unternehmens zutreffend vom Verdacht schwerer Straftaten aus, ein Kriterium das auch bei Katalogtaten nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip zu berücksichtigen ist (Art. 269 Abs. 1 lit. b StPO). Wesentlich ist vorliegend nach der Natur des den Tatverdacht begründenden Sachverhalts, dass der Verwendungszweck der geschmuggelten Substanzen zunächst ambivalent blieb, jedoch (neben Widerhandlungen gegen das ZG und das MWSTG) zweifellos auf eine illegale pharmazeutische Verwendung hinwies. Die Vorinstanz konnte in antizipierter Beweiswürdigung willkürfrei die Edition der im Strafverfahren nicht weiter relevanten Zollakten ablehnen (oben E. 3.2.4; unten E. 3.4.6, zweiter Absatz).