Citation: 4A_92/2022 E. 4

In der Sache erwog die Vorinstanz, die Parteien seien sich einig, dass zur relevanten Zeit in der Zweigstelle U.________ der Beschwerdeführerin zur Aufbereitung von Altpneus drei Maschinen im Einsatz gestanden seien: Eine relativ moderne zur Trennung der Laufflächen von den Flanken sowie zwei ältere Maschinen für die weiteren Arbeitsschritte: Eine grüne hydraulische Schneidpresse (Fabrikat Fritz Müller Pressenfabrik, Baujahr 1957) und eine gelbe hydraulische Schneidpresse (Fabrikat Normstahlwerke, Baujahr 1978). Die Parteien seien sich uneinig, ob der Unfall des Beschwerdegegners bei der Arbeit an der gelben oder der grünen Schneidpresse geschehen sei. Ebenso streitig sei, ob die gelbe Schneidpresse im Unfallzeitpunkt so mit einer Verbindungsstange manipuliert bzw. überbrückt worden sei, dass das Schneidmesser anstatt mit zwei Händen mit nur einer Hand gesenkt werden konnte. Einigkeit scheine aber darin zu bestehen, dass sich der Unfall beim Zuschneiden von Pneustreifen auf die gewünschte Länge ("Ablängen") ereignete, mithin anlässlich eines Arbeitsschrittes, der im Betrieb der Beschwerdeführerin zur relevanten Zeit nach der Darstellung des Beschwerdegegners an der gelben, nach jener der Beschwerdeführerin hingegen an der grünen Presse ausgeführt worden sei. Ob die Beschwerdeführerin den Beschwerdegegner am Unfalltag an der gelben oder an der grünen Schneidpresse zum Ablängen von Pneustreifen eingesetzt habe und ob erstere Presse manipuliert worden sei, so die Vorinstanz weiter, sei gleichgültig. Es bestünden keine Zweifel daran, dass die grüne wie auch die gelbe Schneidpresse den sicherheitstechnischen Anforderungen nicht einmal in Ansätzen genügten und insbesondere beide Maschinen Sicherheitsmängel aufgewiesen haben, die geeignet gewesen seien, Unfällen wie dem vorliegenden zusätzlich Vorschub zu leisten, d.h. über die den hydraulischen Schneidpressen ohnehin schon latent innewohnende hohe Gefährdung hinaus. Daraus folge, dass schon aufgrund der vorhandenen Akten- und Beweislage und entgegen der Ansicht der Erstinstanz eine Verletzung der Schutzpflicht durch die Beschwerdeführerin nachgewiesen sei. Dabei bedürfe es keiner weitergehenden Erörterungen, dass diese Pflichtverletzung für eine allfällige verletzungsbedingte Erwerbsunfähigkeit des Beschwerdegegners und einen entsprechenden Erwerbsausfalls sowie für die immaterielle Unbill, welche der Beschwerdegegner erleide, ursächlich sei.