Citation: 7B_1022/2024 E. 5.5.1

5.5.1. Der Beschwerdeführer macht zu Recht geltend, dass der Vollzug der Landesverweisung sein Recht auf Familienleben gemäss Art. 8 Abs. 1 EMRK tangiert. Die echte und nahe Beziehung zu seiner Mutter ist konventionsrechtlich geschützt. Selbst wenn der Beschwerdeführer volljährig ist, besteht ein ausserordentliches Abhängigkeitsverhältnis zur Mutter (vgl. die betreffenden Kriterien im Emonet et al. gegen Schweiz, a.a.O., §§ 35 ff.). Diese gewährt ihm die aufgrund seiner psychischen Erkrankung erforderliche physische und psychische Unterstützung. Nur dank der fortwährenden Hilfe seiner Mutter ist der an Schizophrenie verbunden mit Wahnvorstellungen erkrankte Beschwerdeführer in der Lage, zu Hause zu wohnen und seine Therapie ambulant wahrzunehmen. Ohne diese Hilfe müsste er sein Leben stationär in einer psychiatrischen Klinik verbringen, wovon auch die Vorinstanz ausgeht. Für sich alleine begründen die Vorteile, die aus einer familiären Betreuung für die Selbstständigkeit des Beschwerdeführers resultieren, zwar noch keine besondere Abhängigkeit im Sinne der oben dargelegten Rechtsprechung (vgl. oben E. 5.3). Die Mutter des Beschwerdeführers stellt aber auch eine wichtige emotionale Stütze für ihn dar und trägt mit ihrer Anwesenheit, Betreuung und Unterstützung zur Stabilisierung seiner psychischen Erkrankung bei, die sich seit dem Austritt aus dem Strafvollzug akzentuiert und erheblich auf sein Leben ausgewirkt hat. Zu berücksichtigen ist nämlich, dass der Beschwerdeführer die Fähigkeit, selbstständig zu leben und für sich zu sorgen, durch seine Erkrankung vollständig eingebüsst hat. Wie diese spezifische psychische Unterstützung, unabhängig von der laufenden psychiatrischen Behandlung, von einer Drittperson erbracht werden könnte, ist vorliegend nicht ersichtlich (vgl. Urteil 2C_779/2021 vom 9. Mai 2022 E. 6.2 ff.). Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer zu seinen in der Türkei lebenden Verwandten seit mehreren Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Nichts am besonderen Abhängigkeitsverhältnis ändert der Umstand, dass dieses erst seit Entlassung aus dem dreijährigen Strafvollzug bzw. der im Anschluss daran angeordneten fürsorgerischen Unterbringung besteht. Der Beschwerdeführer hat die zwischenzeitlich abgebrochene Beziehung zu seiner Mutter aus einer sachlichen Notwendigkeit heraus, nämlich aufgrund seiner Erkrankung, und nicht bloss im Hinblick auf den Vollzug der Landesverweisung wieder aufgenommen. In diesem Zusammenhang hält die Vorinstanz selbst fest, dass sich der Beschwerdeführer aus krankheitsbedingten Gründen von seiner Familie zurückgezogen hatte.