Citation: I 234/02 24.12.2002 E. 2

2.1 Es ist somit die Frage zu beantworten, ob beim Beschwerdeführer eine leistungsspezifische Invalidität in dem Sinne vorliegt, dass er bis zu seiner Anmeldung für berufliche Eingliederungsmassnahmen aus psychischen Gründen daran gehindert worden ist, die übliche erstmalige berufliche Ausbildung zu absolvieren. Wird diese Frage verneint, liegt keine Invalidität vor, und der Beschwerdeführer kann folglich für die berufliche Ausbildung, der er sich unterziehen will, keine Ansprüche gegen die Invalidenversicherung erheben. Wird die Frage bejaht, hätte dies zur Folge, dass die nunmehr nachzuholende erstmalige berufliche Ausbildung als invaliditätsbedingt verspätet zu qualifizieren, allfällig daraus entstehende Mehrkosten von der Invalidenversicherung zu vergüten und der damit verbundene Erwerbsausfall als invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse gestützt auf Art. 22 Abs. 1 Satz 2 IVG von der Invalidenversicherung taggeldmässig zu entschädigen wäre. 2.2 Nach der Aktenlage ist der Beschwerdeführer nicht als Folge einer psychischen Fehlentwicklung von Krankheitswert daran gehindert worden, die übliche erstmalige berufliche Ausbildung zu absolvieren. Wie die Vorinstanz richtig erwogen hat, lagen letztendlich beim Beschwerdeführer für das Scheitern der erstmaligen Ausbildung zum Krankenpfleger keine wesentlich anderen Gründe vor, als sie sonst bei inadäquater Berufswahl zum Abbruch der Ausbildung führen können. Der Gutachter Dr. med. H.________ (Expertise vom 21. Mai 2001) und der Psychiater Dr. med. S.________ (Bericht vom 17. Februar 1999) halten im Falle des Beschwerdeführers bei adäquater Berufswahl ein zeitlich und leistungsmässig volles Arbeitspensum für zumutbar. Dr. med. H.________ bezeichnet, gestützt auf die medizinischen Vorakten und nach dreimaliger persönlicher Untersuchung, als fraglich, ob die attestierten Depressionen überhaupt Depressionen im psychiatrischen Sinne waren oder ob es sich dabei um blosse reaktiv-depressive Verstimmungen handelt, die nicht zur Invalidität führen (BGE 127 V 298 Erw. 4c). Mit dem kantonalen Gericht ist zwar nicht zu verkennen, dass beim Beschwerdeführer auf Grund seiner Persönlichkeitsstörung ein Scheitern in der Ausbildung wahrscheinlicher war als bei anderen Jugendlichen; doch sind den ärztlichen Beurteilungen keine Hinweise auf einen geistigen Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 IVG (BGE 102 V 165, 127 V 294) zu entnehmen. Geringes Durchhaltevermögen und die reduzierte Fähigkeit, Verantwortung übernehmen zu können, sind keine medizinischen Defizite und vermögen daher keinen bleibenden oder längere Zeit dauernden und somit invalidisierenden Gesundheitsschaden zu begründen. Dem Beschwerdeführer wären trotz dieser Einschränkungen und zeitweiligen (sub)depressiven Zustände eine Vielzahl von Ausbildungswegen offen gestanden. Mit der vom Gutachter Dr. med. H.________ diagnostizierten Persönlichkeitsstörung war ihm lediglich der Zugang zu bestimmten belastenden Berufen - teils sogar nur zu gewissen (Führungs) Positionen - erschwert, ohne dass im Übrigen die freie Berufswahl wesentlich behindert worden ist. Damit war die auf den allgemeinen Arbeitsmarkt bezogene Erwerbsfähigkeit nicht wesentlich beeinträchtigt (vgl. Erw. 1.3 und 1.4 hiervor). Die Kausalität zwischen einem Gesundheitsschaden (mit dem erforderlichen Krankheitswert) und dem Abbruch der Berufsausbildung, und damit der Tatbestand einer invaliditätsbedingt verzögerten erstmaligen beruflichen Ausbildung sind somit vorliegend nicht gegeben. Daher hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen.