Citation: 5A_13/2024 E. 4.2

4.2. Das Obergericht erinnert vorab an die Betreuungsregelung, welche die KESB für die Zeit ab Eintritt der Beschwerdeführerin 2 in den Kindergarten traf (s. Sachverhalt Bst. A.b). Die KESB habe erwogen, dass eine hälftige Teilung der Betreuung unter der Woche mit dem Beginn der Schule nicht mehr möglich sei und sich der gegenseitige Anspruch von Eltern und Kind auf möglichst gleichwertige Betreuungszeiten deshalb nur realisieren lasse, wenn mehr Betreuungszeit des Vaters auf die Wochenenden und die übrige schulfreie Zeit verschoben wird. Aufgrund der aktuellen Wohndistanz der Eltern sei die Beschwerdeführerin 2 daher jeweils von Montagmorgen (Beginn der Schule) bis Freitag (Schulschluss) sowie an jedem ersten Wochenende des Monats und während fünf der dreizehn Schulferienwochen von der Mutter und in der übrigen Zeit vom Vater zu betreuen. Damit betrage der Betreuungsanteil des Vaters neu 45 %. Mit Blick auf die Frage, ob eine neue Tatsache aufgetaucht ist, die eine Abänderung des Entscheids der KESB rechtfertigt, betont das Kantonsgericht, dass Änderungen in der Betreuungsregelung angesichts des augenscheinlich ausgeprägten Elternkonflikts im konkreten Fall nur zurückhaltend und insbesondere nur dann anzuordnen seien, wenn sie zur Wahrung des Kindeswohls klar indiziert und ausreichend begründet sind. Für die Beschwerdeführerin 2 dürfte nicht die Ausweitung der Betreuung durch den einen oder andern Elternteil an einzelnen Wochentagen oder während einzelner Stunden im Vordergrund stehen, sondern die Möglichkeit, zu beiden Eltern eine enge Beziehung zu leben, ohne ständig dem tiefgreifenden Elternkonflikt ausgesetzt zu sein. Die vom Kreisgericht vorgenommene Reduktion der Wochenendbetreuung durch den Vater auf einen vierzehntäglichen Rhythmus unter Beibehaltung der bisherigen Feiertags- und Ferienregelung erscheint dem Kantonsgericht nicht geeignet, die Kommunikation zwischen den Eltern im Vergleich zur bestehenden Regelung zu verbessern, konfliktmindernd zu wirken und damit auch die Situation für die Beschwerdeführerin 2 leichter zu machen. Dem angefochtenen Entscheid zufolge resultiert ein Abänderungsgrund auch nicht allein aus dem Wunsch der Tochter, mit den Eltern an den Wochenenden gleich viel Zeit zu verbringen. Diese Äusserungen (vgl. vorne E. 3.4) dürften im Wesentlichen in dem bei ihr bestehenden Loyalitätskonflikt bzw. im Wunsch begründet sei, es beiden Eltern "recht" zu machen. Allein die vom Kreisgericht vorgesehene Neuregelung der Betreuungsanteile vermöchte diesen Loyalitätskonflikt nicht zu mildern; vielmehr stände eine Neuregelung dem kindlichen Bedürfnis nach Konstanz und Verlässlichkeit entgegen. Auf das Argument der Beschwerdeführerinnen, dass sich die schulischen Verpflichtungen im Zeitverlauf erhöhen würden, erwidert das Kantonsgericht, dass schulvorbereitende Arbeiten bzw. Prüfungsvorbereitungen am Wochenende auch am Wohnort des Vaters erledigt werden können. Ein mit dem Wohl der Beschwerdeführerin 2 begründeter Anlass, die grundsätzliche Betreuungsregelung zu ändern und die Übergabe anstatt am Montagmorgen am Sonntagabend vorzusehen, lasse sich daraus nicht ableiten. Auch das frühe Aufstehen am Montagmorgen bewirke keine Erschwerung im schulischen Fortkommen der Tochter. Das Kantonsgericht greift die Feststellung des Beistands auf, wonach die Betreuungsregelung der KESB längerfristig nicht mehr im Interesse der Beschwerdeführerin 2 liege. Nachdem die Übergaberegelung am Montagmorgen bislang unbestrittenermassen für alle Beteiligten gangbar gewesen und auch von Seiten der Beistandschaft kein im Kindeswohl liegender konkreter Änderungsgrund belegt sei, bleibe es bei der entsprechenden Regelung der KESB. Die Wohnsitze der Eltern lägen gut 87 km auseinander; die Autofahrt dauere rund 75 Minuten. Die Belastungen, die sich aus der Betreuungsregelung der KESB und dem Pendeln zwischen V.________ (SG) und U.________ (ZH) seit Schulbeginn ergäben, würden keine unzumutbaren Belastungen darstellen, seien schon bei Erlass der Regelung der KESB vorhersehbar gewesen und könnten daher keinen Abänderungsgrund bilden. In der Folge befasst sich das Kantonsgericht mit den Aussagen der Beschwerdeführerin 2 an der Anhörung vom 15. September 2020, die sich vor allem um das Kätzchen gedreht hätten. Bei Fragen zu den Eltern habe sich das Kind vage verhalten und verlangt, die Aussage nicht zu protokollieren. Protokolliert worden sei aber der Eindruck der Befragerin bezüglich des Vorliegens eines Loyalitätskonflikts. Eine Kindeswohlgefährdung sei in der bestehenden Wochenendregelung umso weniger zu erblicken, als die Beschwerdeführerin 2 laut den vom Kreisgericht aufgenommenen Aussagen der Lehrerin jeweils zufrieden und pünktlich vom Vater in der Schule eintreffe und keinen übermüdeten Eindruck mache. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin 2 den Weg oder einen Teil davon mit zunehmendem Alter alleine werde bewältigen können. Die nicht weiter substanziierten Vorbringen der Beschwerdeführerin 1, wonach die Beschwerdeführerin 2 an keinem Wochenende ihren sozialen Status bei Gleichaltrigen in V.________ (SG) werde festigen können und nicht mehr eingeladen werde, sind dem angefochtenen Entscheid zufolge negative Mutmassungen über künftige Entwicklungen, welche die Beziehungen, die das Kind am Wohnort des Vaters pflegen und auch künftig knüpfen kann, zu Unrecht ausser Acht lassen würden. Hinsichtlich der Ferienregelung erscheint dem Kantonsgericht ausschlaggebend, dass die im erstinstanzlichen Entscheid vorgesehene Neuregelung der Aufteilung bzw. Fixierung des Ferienbeginns - bei seit Erlass der Regelung der KESB unverändert gebliebenem Sachverhalt - nicht geeignet sei, die Kommunikation zwischen den Eltern zu verbessern und damit auch die Situation der Beschwerdeführerin 2 zu erleichtern. Dies gelte insbesondere auch für die in der Anschlussberufung verlangte, vom Entscheid der KESB abweichende hälftige Aufteilung der Ferienzeit von dreizehn Wochen, zu deren Begründung keine einzige neue Tatsache genannt werde. Von Bedeutung sei auch der in der E-Mail der KESB vom 6. November 2018 bestätigte Umstand, dass die Ferienregelung insofern prioritär ist, als der Bezug von Ferien durch den einen Elternteil grundsätzlich die Aufhebung der normalen Betreuungszeit des andern Elternteils zur Folge hat. Das Kantonsgericht pflichtet dem Kreisgericht darin bei, dass der elterliche Konflikt nicht spurlos an der Beschwerdeführerin 2 vorübergehe, stellt aber klar, dass allein diese Gegebenheiten keine wesentlichen neuen Tatsachen darstellen, die eine Abänderung der Betreuungs- und Ferienregelung zu begründen vermöchten. Dies gelte auch für die im erstinstanzlichen Entscheid als Änderungsgrund angeführten Kommunikationsschwierigkeiten der Eltern, die offenkundig schon bestanden hätten, als die KESB ihre Regelung erliess. Aufgrund der gegebenen Umstände könne daher nicht davon ausgegangen werden, dass die bisherige Regelung und Situation das Kindeswohl stärker beeinträchtigen als eine Änderung der Regelung im Sinne des erstinstanzlichen Entscheids mit dem damit verbundenen Verlust an Kontinuität in den Lebensbedingungen und in der Erziehung.