Citation: 4A_254/2020 E. 4.4.3

4.4.3. Diese Rüge ist berechtigt. Die Argumentation der Vorinstanz geht an der eigentlichen Frage vorbei, wie Unerfahrenheit gemäss Art. 21 OR rechtlich abzugrenzen ist. Die Beschwerdeführerin begründet eingehend, weshalb in tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen sei, sie habe im relevanten Zeitpunkt keine Kenntnis vom Wegfall der Ergänzungsleistungen gehabt. Darauf ist nicht weiter einzugehen, denn selbst wenn man mit der Beschwerdeführerin von fehlender Kenntnis ausgeht, ist aufgrund einer substituierten Begründung Unerfahrenheit im Sinne von Art. 21 OR zu verneinen. Wie bereits erwähnt, liegt Unerfahrenheit nicht nur dann vor, wenn ganz allgemein Nichtvertrautsein mit den Verhältnissen vorliegt (wie z.B. bei Jugendlichen), sondern auch dann, wenn im konkreten Fall dem einen Vertragskontrahenten die Sachkenntnis fehlt, die zur Beurteilung von Verhältnissen der in Frage stehenden Art im Allgemeinen erforderlich ist (BGE 92 II 168 E. 5a S. 175 f.; 61 II 31 E. 2b). Darauf bezieht sich auch die Beschwerdeführerin, wenn sie von einem " konkreten Mangel an Sachkenntnissen" spricht. Sie verkennt dabei aber die Bedeutung der zitierten Rechtsprechung. Mit dem Hinweis auf die Unerfahrenheit im konkreten Fall in Abgrenzung zu allgemeiner Unerfahrenheit wurde der Begriff der Unerfahrenheit weit gefasst. Demnach kann jemand zwar allgemein in vielerlei Hinsicht erfahren, aber in Bezug auf ein bestimmtes Geschäft eben doch unerfahren sein. In diesem Sinn verweist BGE 92 II 168 E. 5a S. 176 auf die zunehmende Spezialisierung, die dazu führe, dass jemand in Bezug auf ein spezifisches Geschäft (z.B. ein bestimmtes Bankgeschäft) unerfahren sei, allgemein aber nicht (ebenso: KRAMER, a.a.O., N. 40 f. zu Art. 21 OR). Diese spezifische Unerfahrenheit bezieht sich also auf den abgeschlossenen Vertrag, hier also den Verkauf bzw. Kaufsrechtsvertrag eines landwirtschaftlichen Gewerbes. Die Beschwerdeführerin behauptet aber selber nicht, sie sei als Bäuerin hinsichtlich dieses Vertrages unerfahren gewesen und habe deshalb das Missverhältnis zwischen dem tatsächlichen Wert und dem vereinbarten Preis nicht erkannt. Ob sie in sozialversicherungsrechtlichen Angelegenheiten unerfahren war, berührt vorliegend nicht die Voraussetzungen von Art. 21 OR. Das weitere Argument der Vorinstanz, wonach die Unterschrift unter dem Kaufsrechtsvertrag bestätige, dass das Rechtsgeschäft dem Willen der Beschwerdeführerin entsprochen habe, ist daher nicht mehr relevant. Immerhin sei erwähnt, dass diese Begründung nicht haltbar ist, wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht.