Citation: U 103/00 27.09.2000 E. 2

2.- a) Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdegegner an wechselnden Schmerzen teilweise unklarer Genese leidet. Anlässlich des letzten Aufenthaltes in der Rehabilitationsklinik vom 15. Oktober bis 17. Dezember 1997 standen Beschwerden im linken Kniegelenk im Vordergrund, welche im Laufe der stationären Behandlung zurückgingen; kurz vor Ende des Klinikaufenthaltes kam es jedoch zu einem Kniegelenkserguss mit entsprechender Bewegungseinschränkung. Als Ursache des Ergusses wurde eine chronische Polyarthritis in Betracht gezogen, wogegen eine (posttraumatische) Algodystrophie (Sudeck) nicht als wahrscheinlich erachtet wurde (Austrittsbericht vom 21. Januar 1998 und Rheumatologisches Konsilium vom 17. Dezember 1997). Am 6. Februar 1998 meldete der stellvertretende behandelnde Arzt Dr. med. K.________ neben Knieschmerzen insbesondere bei längerer Belastung (Stehen, Laufen) eine Schwellung am Handgelenk links, welche mit einer Handschiene behandelt wurde. In einem Bericht an den behandelnden Arzt Dr. med. G.________ vom 5. Mai 1998 deutete PD Dr. med. V.________, Leitender Arzt Rheumatologie und Rehabilitation am Spital Y.________, den Befund vom Dezember 1997 als Gonarthritis und schloss eine rheumatoide Arthritis sowie die Entwicklung einer chronischen Polyarthritis nicht aus. Am 18. August 1998 berichtete Dr. med. G.________ der SUVA, der Versicherte sei seit 1. Mai 1998 arbeitsunfähig wegen Gelenkbeschwerden in beiden Schultern, den Knie- und Fussgelenken sowie in beiden Händen. Die vorhandenen Beschwerden sprächen für das Vorliegen einer mässig aktiven Polyarthritis. Neu sei ein leichter Altersdiabetes Typ II diagnostiziert worden. Der Versicherte gab gegenüber dem Aussendienstmitarbeiter der SUVA am 19. August 1998 an, die belastungsabhängigen Schmerzen in beiden Kniegelenken und im rechten Fussgelenk hätten sich verstärkt; zudem leide er seit April 1998 wegen eines leichten Traumas an Schmerzen in der linken Schulter. Am 17. Dezember 1998 machte er eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend. Sowohl im linken Knie als auch im rechten Fuss bestünden Dauerschmerzen, welche sich beim Gehen und bei Belastung verstärkten; die Beweglichkeit in den Gelenken sei eingeschränkt; seitens der Hände, Schultern und Arme bestünden keine Schwierigkeiten. Gleichentags erstattete Dr. med. G.________ der SUVA einen weiteren Bericht, in welchem er unklare Arthralgien erwähnte und feststellte, am gegenwärtigen Zustand sei möglicherweise eine entzündliche Komponente beteiligt, welche sich jedoch nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke; die Arbeitsunfähigkeit sei auf die im Anschluss an die Unfälle von 1995 und 1997 durchgemachte Algodystrophie zurückzuführen. Gegenüber dem Kreisarzt gab der Versicherte am 29. Januar 1999 an, er habe nach wie vor Schmerzen in beiden Knien und im rechten Fuss, wobei kaum mehr Schwellungen aufgetreten seien; häufig habe er Krämpfe in den Beinen, gelegentlich auch Schmerzen im Bereich der Hüfte; mit den oberen Extremitäten (Hände, Ellbogen, Schulter) habe er in letzter Zeit keine Schwierigkeiten mehr. Bei der Untersuchung konnte der Kreisarzt weder in den Kniegelenken noch an den Füssen erhebliche Befunde und insbesondere keine Anzeichen für eine rheumatische Arthritis finden. Die bestehende atypische Arthritis und die durchgemachte Algodystrophie seien zur Zeit eindeutig inaktiv. Klar im Vordergrund der bestehenden Beeinträchtigung stehe eine arterielle Verschlusskrankheit, welche keine Unfallfolge darstelle. b) Die anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung und Beurteilung vom 29. Januar 1999 festgestellte Verschlusskrankheit stellt einen neuen Befund dar, welcher bisher nicht zur Diskussion stand, durch die in der Folge angeordneten zusätzlichen Abklärungen jedoch bestätigt wurde. Bei der im Spital X.________ durchgeführten Becken-Bein-Angiographie vom 22. Februar 1999 zeigte sich, dass der Versicherte an hochgradigen Stenosen der Nieren- und Beckenarterien und leichten Einengungen der Beinarterien litt. Anderseits ergab eine röntgenologische Untersuchung durch Dr. med. A.________ vom 29. Januar 1999 lediglich leichte Veränderungen in Form einer minimalen Gelenkspaltveränderung an den Kniegelenken beidseits und angedeuteten Dystrophiezeichen rechts, etwas verstärkten Dysplasiezeichen rechts bei initialer Arthrose im Oberschenkelgelenk beidseits sowie leichte arthrotische Veränderungen in den Fussgelenken beidseits nach durchgemachter Dystrophie ohne Hinweis für einen aktiven Prozess. Die Untersuchungsergebnisse lassen zwar darauf schliessen, dass die festgestellte Verschlusskrankheit am bestehenden Beschwerdebild mitbeteiligt ist. Der Bericht des Spitals X.________ Münsterlingen enthält jedoch keine Beurteilung der erhobenen Befunde und insbesondere keine Angaben darüber, in welchem Umfang sie für die geltend gemachten Beschwerden als ursächlich zu betrachten sind. Die vom Kreisarzt getroffene Annahme, wonach die bestehenden Beschwerden lediglich zu einem Viertel auf die Unfälle vom 30. Juni 1995 und 5. Juli 1997 zurückzuführen sind, wird nicht näher begründet und ist als blosse Schätzung nicht nachvollziehbar. Unter Berücksichtigung der bisherigen kontroversen Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und der neuen Befunde wäre die Anordnung einer umfassenden gutachtlichen Untersuchung und Beurteilung angezeigt gewesen. Dies umso mehr, als der Beschwerdegegner in der Einsprache vom 10. Mai 1999 darauf hingewiesen hatte, dass er sich wegen der arteriellen Verschlusskrankheit einer Operation unterzogen habe. Es lag damit vor Erlass des Einspracheentscheids vom 18. Juni 1999 ein neuer medizinischer Sachverhalt vor, welcher in die Beurteilung hätte einbezogen werden müssen. Die Sache ist unter diesen Umständen an die SUVA zurückzuweisen, damit sie eine umfassende Begutachtung anordne und hierauf über die Unfallkausalität der Beschwerden, die unfallbedingte Arbeits- und Erwerbsfähigkeit und alsdann über den Rentenanspruch neu befinde.