Citation: U 321/06 25.04.2007 E. 4

Im kantonalen Entscheid hat die Vorinstanz zur Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs die Schleudertraumapraxis angewendet, während die SUVA in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde davon ausgeht, diese Prüfung sei in Anwendung der Praxis zu psychischen Unfallfolgen vorzunehmen. Umstritten ist dabei, ob im Fall der Versicherten von einer psychischen Überlagerung im Sinne von BGE 123 V 98 gesprochen werden kann. 4.1 Ein organisch objektivierbarer Befund für die beklagten Beschwerden liegt aufgrund der medizinischen Akten nicht vor. Die theoretische Möglichkeit, dass durch neue Untersuchungsmethoden die bisher bereits festgestellte Diskusprotrusion anders beurteilt werden könnte, ändert daran nichts. Zwar weist die Versicherte leichte neuropsychologische Funktionsstörungen auf; doch hat die Rechtsprechung neuropsychologische Defizite ohne organische Befunde den psychischen Problemen gleichgesetzt mit der Folge, dass sie bei Dominanz auch als psychische Überlagerung betrachtet werden, wobei die Adäquanzprüfung unter diesen Umständen nach der Praxis gemäss BGE 115 V 133 zu erfolgen hat (Urteile C. vom 19. September 2006, U 60/06, E. 4.2.2; B. vom 15. März 2006, U 213/04, E. 4; N. vom 16. Februar 2006, U 466/04, lit. A und E. 2.2; D. vom 25. Januar 2006, U 244/05, E. 4; N. vom 20. Dezember 2005, U 452/04, E. 3; O. vom 14. Dezember 2005, U 341/04, E. 2.3; vgl. auch [ausserhalb Schleudertrauma] A. vom 24. Oktober 2005, U 292/04, E. 6). Eine eigentliche psychische Krankheit liegt hier ebenfalls nicht vor, und auch eine bewusste Aggravation wird verneint. Dies ist allerdings unerheblich, denn neuropsychologisch festgestellte Defizite können auf eine psychische Überlagerung schliessen lassen, auch wenn keine psychiatrische Diagnose gestellt ist (Urteile C. vom 19. September 2006, U 60/06, E. 4.2.2; T. vom 22 März 2006, U 285/05, E. 3.2.1). 4.2 Für eine psychische Überlagerung sprechen im vorliegenden Fall die gemäss den Berichten der Rehaklinik X.________ vom 20. Februar 2004 und des Dr. med. K.________ vom 13. Juli 2004 attestierten Anpassungsstörung und depressive Reaktion. Dass das Gesamtbild durch die psychiatrische Problematik überlagert ist, ergibt sich auch aus dem Bericht von Dr. med. L.________ vom 4. Oktober 2004, in welchem dieser Arzt eine psychiatrische Behandlung vorschlägt, während physiotherapeutische Massnahmen nach seinem Dafürhalten nichts mehr bringen würden. In einem von Dr. med. K.________ am 5. Dezember 2004 erwähnten Bericht von Frau Dr. med. H.________, Klinik Z.________, Psychosomatik, vom 30. August 2004, werden die im Anschluss an den Unfall aufgetretene depressive Entwicklung mit Angst-Symptomatik sowie die leichtgradige neuropsychologische Funktionsstörung bestätigt. Nach Hospitalisationsbericht des Kantonsspitals Y.________ vom 8. März 2005 standen bei der Patientin die psychosoziale Problematik, die Anpassungsstörung, die erschwerte Schmerzverarbeitung und die depressive Symptomatik im Vordergrund. Schliesslich geht aus einer diesem Bericht angehängten Stellungnahme von Frau lic. phil. O.________ hervor, dass die Versicherte an chronischen Schmerzen, ängstlich/posttraumatischen Symptomen sowie an mit juristischen und ökonomischen Problemen verbundenem psychosozialem Stress leidet. 4.3 Anhand der gesamten medizinischen Aktenlage ist das Vorliegen einer psychischen Überlagerung somit zu bejahen. Unter diesen Umständen hat die SUVA die Prüfung der adäquaten Kausalität zu Recht unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall gemäss BGE 115 V 133 vorgenommen, wobei - wie aus dem Folgenden hervorgeht - auch eine Beurteilung nach der Schleudertraumapraxis am Ergebnis nichts ändern würde.