Citation: 1C_138/2007 17.07.2007 E. A

Die Staatsanwaltschaft Bonn führt ein Ermittlungsverfahren gegen X.________ und Y.________ wegen des Verdachts des Betrugs sowie des Verstosses gegen das Arzneimittelgesetz. Am 24. August 2006 ersuchte sie die Schweiz um Rechtshilfe; dies gestützt auf folgenden Sachverhalt: X.________ sei Profisportler im Strassenradfahren. Y.________ sei sein persönlicher Betreuer. X.________ sei aufgrund von Verträgen mit Laufzeit vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2005 als Rennfahrer für die G.________ GmbH mit Sitz in H.________ und ab dem 1. Januar 2006 für die O.________ GmbH mit Sitz in S.________ tätig gewesen. Die Kündigung der Verträge sei im Juli 2006 erfolgt. Bei der G.________ GmbH und der O.________ GmbH handle es sich um Profiradsportteams, die im Tatzeitraum in der Öffentlichkeit unter dem Namen "Team Z.________" aufgetreten seien. Aufgrund dieser Verträge habe X.________ nach entsprechender Rechnungsstellung Zahlungen, die sich auf ... Euro pro Jahr zuzüglich eine unbekannte Summe von Prämienzahlungen belaufen hätten, erhalten. Die Firma Z.________ mit Sitz in N.________ habe bis Ende des Jahres 2005 die G.________ GmbH mit etwa ... und ab Anfang 2006 die O.________ GmbH mit etwa ... Euro gesponsert. Daneben habe es einen im Dezember 2003 abgeschlossenen Marketingvertrag mit der Firma Z.________ gegeben, der X.________ zu Werbeauftritten verpflichtet habe. Hierfür habe er in den Jahren 2004 und 2005 einen Betrag von ... Euro erhalten. In sämtlichen Verträgen sei hinreichend deutlich aufgeführt, dass sowohl die Firmen G.________ GmbH und O.________ GmbH als auch Firma die Z.________ den Einsatz verbotener leistungssteigernder Mittel strengstens ablehnten und Verstösse mit Vertragskündigungen geahndet würden. Insbesondere im Vertragsverhältnis von X.________ mit der Firma Z.________ sei die Bedeutung des Themas Doping vertraglich durch verschiedene Klauseln eindeutig niedergelegt. So heisse es unter anderem bezüglich der möglichen Kündigungsgründe im erwähnten Marketingvertrag in Ziffer 7.2: "Zur Kündigung aus wichtigem Grund ist die Firma Z.________ insbesondere berechtigt, wenn (...) X.________ - während der Laufzeit der Vereinbarung und während der Saisonvorbereitungszeit ab 1.11.2003 - einen Dopingverstoss begeht oder einen Dopingverstoss und/oder eine Dopingprobe verschleiert oder zu verschleiern versucht. Dopingverstoss bedeutet Verstoss gegen die in der 'Vereinbarung dopingfreier Sport' festgelegten Verpflichtungen und Verhaltensweisen. Die 'Vereinbarung dopingfreier Sport' ist dieser Vereinbarung als Anlage 1 beigefügt und soll hiermit ausdrücklich als wesentlicher Bestandteil dieser Vereinbarung gelten." Die Staatsanwaltschaft Bonn führt aus, die in der Kündigungsklausel bezeichnete Anlage 1 enthalte ausführliche Erklärungen der Vertragspartner zur Missbilligung jeder Art von Doping und eine ausdrückliche Verpflichtung von X.________, jegliches Doping zu unterlassen. Entsprechende Klauseln enthielten auch die Fahrerverträge mit den Firmen G.________ GmbH und O.________ GmbH. In einer Ziffer des Vertrages würden Kündigungsrechte für die Firma G.________ GmbH aus wichtigem Grund bei einem Dopingverstoss sowie einer versuchten oder erfolgten Verschleierung von Dopingproben begründet. Auch im Rahmen dieses Vertrages habe X.________ die oben genannte Erklärung zum dopingfreien Sport abgegeben. Y.________ sei der persönliche Vertraute von X.________ in Sportdingen und seit langen Jahren umfassend für diesen tätig. Nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis bestünden Hinweise darauf, dass X.________ ab Sommer 2003 in engem Kontakt mit den in Spanien gesondert verfolgten Ärzten A.________, B.________, C.________ und D.________ gestanden habe und diese dem Beschuldigten ab 2003 geholfen hätten, verschiedene im Radsport verbotene leistungssteigernde Arzneimittel und Methoden anzuwenden. Es bestehe ausserdem der Verdacht, dass Y.________ X.________ hierbei unterstützt und insbesondere Medikamente bei den genannten spanischen Ärzten besorgt und an X.________ zwecks Einnahme übergeben habe. Über den Einsatz dieser Mittel seien die Verantwortlichen der Firmen G.________ GmbH bzw. O.________ GmbH und Z.________ als persönlicher Sponsor nicht informiert worden. X.________ wäre sowohl bei Abschluss der Verträge als auch während der Laufzeit verpflichtet gewesen, den Einsatz verbotener leistungssteigernder Mittel seinen Vertragspartnern mitzuteilen. Die Firmen G.________ GmbH, O.________ GmbH und Z.________ hätten in Kenntnis des Einsatzes verbotener Dopingmittel weder die Verträge abgeschlossen noch in der Folgezeit Zahlungen aus den Verträgen geleistet. Den Firmen G.________ GmbH, O.________ GmbH und Z.________ sei hierdurch ein Schaden in Höhe von mindestens ... Millionen Euro entstanden. Es bestehe der Verdacht, dass sich X.________ des Betruges in einem besonders schweren Fall nach deutschem Strafgesetzbuch und Y.________ der Beihilfe dazu strafbar gemacht habe. Durch die Übergabe der Arzneimittel an X.________ bestehe weiterhin ein Verdacht des Verstosses gegen das deutsche Arzneimittelgesetz. Die Staatsanwaltschaft Bonn ersuchte die schweizerischen Behörden insbesondere um Durchsuchung des Wohnhauses von X.________ in F.________. Mit Nachtragsersuchen vom 23. November 2006 bat die Staatsanwaltschaft Bonn um weitere Ermittlungshandlungen. Nach Erkenntnissen der deutschen Behörden unterhalte X.________ bei der Bank E.________ in I.________ ein Konto. Die Staatsanwaltschaft Bonn ersuchte um Übersendung der Kontounterlagen für den Zeitraum vom 1. Januar 2003 bis 30. Juni 2006. Sie führte aus, es sei zu vermuten, dass über dieses Konto Überweisungen an den spanischen Arzt A.________ und andere abgewickelt worden seien, um Behandlungen zu bezahlen, welche die Verabreichung verbotener leistungsfördernder Dopingmittel beinhaltet hätten.