Citation: 7B_309/2023 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz begründet die Aufhebung der Massnahme in erster Linie mit dem bisherigen Vollzugsverhalten des Beschwerdeführers. Dieses zeige klar, dass er nicht in der Lage sei, sich einer Massnahme für junge Erwachsene zu unterziehen. Er sei zweimal aus der Massnahme entwichen, jeweils kurz nachdem ihm eine Vollzugsöffnung im Hinblick auf ein Landwirtschaftstraining und einen damit zusammenhängenden Antritt einer Lehrstelle gewährt worden sei. Die zweite Flucht sei einen Tag nach der Standortsitzung erfolgt, als ihm für diesen Fall ausdrücklich der Abbruch der Massnahme in Aussicht gestellt worden sei. Beide Male sei er auf der Flucht sowohl hinsichtlich seines Suchtverhaltens (Drogen- und Alkoholkonsum) als auch seines deliktischen Verhaltens rückfällig geworden. Es handle sich nicht nur um eine vorübergehende Krise in der Massnahme, sondern vielmehr um typisches Verweigerungsverhalten. Während der Zeit im Massnahmenzentrum hätten keine spürbaren therapeutischen Erfolge erzielt werden können. Das forensisch-psychiatrische Gutachten vom 3. Dezember 2020 attestiere dem Beschwerdeführer eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und dissozialen Zügen, einen schädlichen Gebrauch multipler Substanzen (Alkohol, Cannabis, Kokain und Sedativa) sowie eine Nikotinabhängigkeit. Der Beschwerdeführer habe weder Krankheitseinsicht noch Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich seines problematischen und deliktrelevanten Verhaltens gezeigt. In seiner schriftlichen Stellungnahme vom 25. November 2022 habe er sogar selbst angegeben, dass er glaube, eine Gefängnisstrafe würde ihn weiterbringen als die Massnahme. Dort habe er mehr Zeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und sich auf sozialer und menschlicher Ebene weiterzuentwickeln; mit den beiden erfolgreichen Fluchtversuchen habe er nach eigenen Angaben einen Abbruch der Massnahme provozieren wollen. Es sei deshalb - so die Vorinstanz - auch von einer fehlenden Massnahmewilligkeit auszugehen. Insgesamt könne daher der schweren Persönlichkeitsstörung des Beschwerdeführers mit sozialpädagogischen Ansätzen nicht genügend begegnet werden. Der Beschwerdeführer benötige über einen längeren Zeitraum eine geschlossene Umgebung, um ein ausreichendes Therapiebündnis zu etablieren und sich auf eine Massnahme einzulassen. Ausserdem reiche die verbleibende Dauer der Massnahme (bis im Mai 2025) nicht aus, um die tiefgreifenden Persönlichkeits- und Entwicklungsdefizite im erforderlichen Mass zu behandeln. Die Vorinstanz lässt offen, ob unter diesen Umständen überhaupt eine geeignete Einrichtung im Sinne von Art. 62c Abs. 1 lit. c StGB für eine Massnahme für junge Erwachsene existiert.