Citation: 8C_65/2022 E. 5

Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, neuester Rechtsprechung gemäss könne ein Valideneinkommen, das dem Mindestlohn gemäss GAV entspreche, nicht als unterdurchschnittlich bezeichnet werden, auch wenn es erheblich unter dem LSE-Lohnniveau liege, weshalb für die Parallelisierung der Vergleichseinkommen kein Anlass bestehe. Dies werde damit begründet, dass der Mindestverdienst gemäss GAV das branchenübliche Einkommen präziser abbilde als der entsprechende LSE-Lohn. Für Mitarbeiter ohne Berufslehre habe der Mindestlohn gemäss Landesgesamtarbeitsvertrag [LGAV] des Gastgewerbes im Jahr 2015 Fr. 3407.- monatlich betragen. Die Beschwerdegegnerin habe bei einer Hochrechnung auf ein Vollzeitpensum Fr. 3450.- im Jahr 2015 erzielt, weshalb es nicht als unterdurchschnittlich zu bezeichnen sei. Der angefochtene Entscheid verletze diesbezüglich Bundesrecht. Zudem werde bestritten, dass sich die Beschwerdegegnerin nicht aus freien Stücke mit ihrem tiefen Einkommen begnügt habe. Soweit sich die "Suchtpersönlichkeit" leistungsmindernd ausgewirkt habe, stehe dies nicht im Zusammenhang mit den Unfallereignissen und sei daher für die Invaliditätsbemessung unbeachtlich. Die aufgrund der Epilepsie und der Polytoxikomanie notwendige medikamentöse Einstellung der Beschwerdegegnerin bewirke eine erhebliche Einschränkung der unfallbedingten Arbeitsfähigkeit von 50 %. Daher könne Art. 28 Abs. 3 UVV als Sonderfall für die Bestimmung des Invaliditätsgrads herangezogen werden, der bei dauernd herabgesetzter Leistungsfähigkeit aufgrund einer nicht versicherten Gesundheitsschädigung vor dem Unfall zur Anwendung gelange. Die Erhöhung dieses Valideneinkommens oder die Anwendung der Parallelisierungspraxis würde dazu führen, dass Art. 28 Abs. 3 UVV praktisch "toter Buchstabe" bliebe.