Citation: 6P.31/2005 03.07.2005 E. 2

Das Kantonsgericht geht von folgendem Sachverhalt aus: 2.1 Am Morgen des 2. Januar 2002 fuhr C. X.________ als Mitglied einer neunköpfigen Schülergruppe im Alter von 13 - 16 Jahren unter der Leitung eines patentierten Skilehrers und Jugend- und Sportleiters im Gebiet St. Moritz-Corviglia Ski. Alle Gruppenmitglieder waren gute Skiläufer. Nach der dritten Abfahrt fuhr die Gruppe mit der Sesselbahn Munt da San Murezzan nach oben und fuhr anschliessend die rote Skipiste Corviglia-Run hinunter. Die von der Gruppe befahrene Piste wurde auch für FIS-Weltcup-Rennen benutzt. Für das Damenrennen vom 22. Dezember 2001 wurde in einem Abstand von 21 Metern zu den Sesselliftmasten Nr. 11 und 12 ein Kamerapodest für die Fernsehübertragung errichtet. Mit der Zustimmung der Bergbahnen St. Moritz blieb der Gerüstturm auf der Piste stehen, weil am 2. Februar 2002 auf derselben Piste ein Herrenrennen ausgetragen werden sollte. Der Kameraturm war bergwärts mit einem so genannten B-Netz abgesichert, welches zwei Meter hoch und im Halbkreis in einem Abstand von vier bis fünf Metern zum Hindernis aufgespannt war. Die Piste war zu jener Zeit an dieser Stelle von der Verbindungslinie zwischen den beiden Masten Nr. 11 und 12, nach links gemessen, rund 80 - 85 Meter breit, flachgewalzt, hart, griffig und wies, abgesehen von einigen geländebedingten kleinen Kuppen und Mulden, keine Unebenheiten auf. Die Schülergruppe hielt ca. 150 Meter oberhalb des Mastes Nr. 12 der Sesselbahn an, um anschliessend einen Sprung über einen vom Skilehrer bezeichneten kleinen Buckel auszuführen. Die Schüler hatten die Anweisung erhalten, vom Standort anzufahren, die Piste zu queren und dabei über die ungefähr in der Mitte liegende kleine Kuppe zu springen. Anschliessend sollten sie am linken Pistenrand warten. C. X.________ fuhr als erster los. Er führte an der bezeichneten Stelle einen Sprung aus, fuhr in der Folge jedoch entgegen der Anweisung des Leiters nicht an den Pistenrand, sondern setzte seine Fahrt nach einer leichten Rechtskurve talwärts in Richtung auf das Kamerapodest fort und absolvierte an einer Geländekante einen weiteren Sprung. Dabei kam er zu Fall, verlor einen Ski und rutschte Kopf voran in Richtung Fernsehpodest direkt in das davor aufgestellte Fangnetz. Durch den Aufprall wurde das Netz heruntergedrückt, so dass der Junge in einer Rotation über das Netz hinweggeschleudert wurde. Beim Aufprall wurden drei Pfosten des B-Netzes teilweise aus dem Boden gerissen. Ohne mit dem Gerüst kollidiert zu sein, blieb C. X.________ ca. drei bis vier Meter unterhalb des Fernsehturms regungslos im Schnee liegen. Der herbeigerufene Rega-Arzt konnte nur noch dessen Tod feststellen. 2.2 Das Kantonsgericht nimmt gestützt auf den Obduktionsbericht des Instituts für Rechtsmedizin des Rätischen Kantons- und Regionalspitals Chur vom 11. Februar 2002 an, das Unfallopfer sei an einer schweren Schädelhirnverletzung mit Ringbruch der Schädelbasis und Traumatisierung im Bereich Pons und Medulla oblungata verstorben. Unter Berufung auf die Ergebnisse der von der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik der ETH Zürich durchgeführten biomechanischen Beurteilung vom 21. Mai 2002 kommt das Kantonsgericht weiter zum Schluss, C. X.________ sei mit grösster Wahrscheinlichkeit nach dem Überschlag über das Fangnetz Kopf voran durch die Luft geflogen und mit dem rechten Ski an einer Struktur wie dem Netz oder dem Spannset des Fernsehpodestes hängen geblieben. Durch das abrupte Abbremsen des weitgehend horizontalen Körpers sei der Kopf der Skibindung nach oben aufgebogen, das rechte Bein infolge einer Biegebelastung nach vorne ausbrechend frakturiert worden. Der Zug am Kopf habe durch die Trägheitskräfte des Kopfes einerseits und die Rückhaltung des übrigen Körpers andererseits zu einer Schädelbasis-Ringfraktur und zu einem Riss des Hals-Wirbelsäulen-Längsbandes vorne geführt. Diesen Ergebnissen schloss sich der begutachtende Arzt vom Institut für Rechtsmedizin St. Gallen in seinem Bericht vom 15. September 2003 vollumfänglich an.