Citation: U 276/05 01.02.2006 E. 3

Streitig ist zunächst der Anspruch auf eine Invalidenrente. 3.1 Das kantonale Gericht stellt auf die Einschätzung des SUVA-Arztes Dr. med. W.________ ab und geht in somatischer Hinsicht davon aus, dass einzig die Kniebeschwerden links teilweise unfallkausal seien, diese aber eine vollständige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten zuliessen. Betreffend psychische Beschwerden wendet die Vorinstanz die Praxis gemäss BGE 115 V 133 an, geht von einem mittelschweren Unfall aus und erachtet die für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs notwendigen Kriterien als nicht erfüllt, weshalb die SUVA für die Folgen dieser Leiden nicht aufkommen müsse. Der Versicherte ist demgegenüber im Wesentlichen der Auffassung, es sei die Gesamtheit der Beschwerden zu beachten: Die Kniebeschwerden hätten eine Dysbalance verursacht, welche die "bis anhin einigermassen unauffälligen, regredienten Rückenbeschwerden" verschlimmert hätten, was wegen der damit verbundenen Schmerzen wiederum zu Depressionen geführt habe. Weiter handle es sich beim Unfall von Juli 1999 um einen schweren Unfall. 3.2 Der SUVA-Arzt Dr. med. W.________ geht in seinem Bericht vom 6. Februar 2004 von einem stabilen Befund aus und verweist auf seine früheren Ausführungen vom 15. Januar 2002. In diesem Bericht erachtet der Arzt allein die leichte Funktionseinbusse sowie die eingeschränkte Belastbarkeit des linken Knies als reine Unfallfolgen. Die Lumbalgien führt er ausschliesslich auf die statische Insuffizienz sowie den lumbosakralen Übergangswirbel zurück und schliesst Nebenwirkungen der Kniebeschwerden aus, während er allfällige zervikale Restbeschwerden als funktionell überlagert ansieht. Da die Ausführungen des SUVA-Arztes überzeugend und schlüssig sind (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a), hat das kantonale Gericht zu Recht auf dessen Einschätzungen abgestellt und eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer dem Knieleiden angepassten Tätigkeit angenommen; es wird auf die ausführlichen und überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen. 3.3 Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den geklagten psychischen Beschwerden und dem Unfall von Juli 1999 ist anhand der Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 zu prüfen: Das Spital X.________ hat zwar am 17. August 1999 ein Schleudertrauma der HWS diagnostiziert, jedoch liegt das für diese Verletzung typische Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. (BGE 117 V 360 Erw. 4b), nicht vor. Die behandelnden oder begutachtenden Ärzte machen in dieser Hinsicht denn auch keine Ausführungen: So erwähnt z.B. der Bericht des Hausarztes Dr. med. D.________ vom 25. November 2002 - dreieindrittel Jahre nach dem Unfall - einen mittelschweren depressiven Zustand und geklagte Schmerzen "trotz dem orthopädisch zufriedenstellenden Befund am linken Knie", nicht aber Probleme im Bereich der HWS oder gar das typische Beschwerdebild nach Traumen der HWS. Der Arzt hatte bereits vorher gegenüber dem Untersuchungsrichter im Strafverfahren betreffend Ehefrau des Versicherten mit Bericht vom 1. Februar 2000 als Verletzung einzig aufgeführt, dass nach dem Anschlagen des Knies am Armaturenbrett Schmerzen aufgetreten seien und eine MRI-Untersuchung eine retropatelläre Chondropathie ergeben habe, was als leichte Verletzung zu sehen sei. Das kantonale Gericht hat den Unfall von Juli 1999 zu Recht den mittelschweren Ereignissen zugeordnet; auf die überzeugende Begründung wird verwiesen. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird ein Beispiel erwähnt, in dem zwei Fahrzeuge kollidierten, wobei einer der Insassen aus dem Auto herausgeschleudert wurde, aber mit dem rechten Bein bis zur Leiste im umgestürzten Auto eingeklemmt blieb (nicht veröffentlichtes Urteil A. vom 29. Oktober 1999, U 62/90; vgl. RKUV 1999 Nr. U 330 S. 123 sowie RKUV 2003 Nr. U 481 S. 204 f. [= Urteil T. vom 25. Februar 2003, U 161/01, Erw. 3.3.2] mit weiteren Beispielen): Entgegen der Auffassung des Versicherten erachtete das Eidgenössische Versicherungsgericht diesen Unfall nicht als schweren Unfall, sondern als schwereren Unfall im mittleren Bereich. Da es sich damals klar um einen gravierenderen Unfall als hier handelte, ist gegen die Einstufung des am 10. Juli 1999 Geschehenen als mittlerer Unfall auch in dieser Hinsicht nichts einzuwenden. Die bei psychischen Beeinträchtigungen nach einem mittleren Unfall gemäss Rechtsprechung notwendigen weiteren Kriterien zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges (BGE 115 V 140 Erw. 6c) liegen nicht vor; es kann vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Es kann in dieser Hinsicht allein beigefügt werden, dass dem Unfall - wie das kantonale Gericht zu Recht erkannt hat - zwar eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen ist, aber dennoch keine besonders dramatischen Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit vorliegt. Dabei beurteilt sich das Kriterium der besonderen Eindrücklichkeit nach einer objektiven Betrachtungsweise: Nicht was im Betroffenen psychisch vorgeht, ist entscheidend, sondern die objektive Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen (vgl. RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc); es spielt im Rahmen der Adäquanzbeurteilung deshalb keine Rolle, wie der Versicherte den Unfall subjektiv erlebt hat. Weitere Abklärungen über den Unfallverlauf sind nicht notwendig, da die bisherigen Aussagen der Betroffenen klar und nicht widersprüchlich sind (antizipierte Beweiswürdigung; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b). Daran ändert das in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erwähnte Recht auf den Beweis nichts (vgl. BGE 129 III 25 oben betreffend Art. 8 ZGB). Zur beantragten Befragung der Ehefrau ist zudem anzumerken, dass dies sinnlos wäre, da die Ehegattin gemäss den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nach dem Unfall auf der linken Spur herumirrte und wegen dieser damaligen Verwirrtheit offensichtlich nicht in der Lage ist, eine beweistaugliche Aussage über den Unfallablauf zu machen. Aus dem Öffentlichkeitsgrundsatz gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist im Übrigen kein Anspruch des Rechtsuchenden auf persönliche Anhörung durch das urteilende Gericht abzuleiten (RKUV 1996 Nr. U 246 S. 166 Erw. 6b in fine). 3.4 Da der Versicherte in einer leidensangepassten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig ist (Erw. 3.2 f. hievor) und die Bemessung der Invalidität zu Recht nicht bestritten ist, ist die von der SUVA aufgrund eines Invaliditätsgrades von 19 % zugesprochene Rente rechtens und auch im Rahmen der Ermessenskontrolle nicht zu beanstanden.