Citation: 6B_644/2014 E. 2.2.2

2.2.2. In Bezug auf den Antrag auf Einholung eines Gutachtens zur Wirkung von Anabolika führt die Vorinstanz aus, das Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie, Dresden, habe auf Antrag des psychiatrischen Gutachters eine Hormonmessung in der asservierten Haaprobe durchgeführt, nachdem der Beschwerdeführer von der Einnahme eines Testosteronpräparates im Rahmen von Bodybuilding ab Sommer 2007 berichtet habe. Im Prüfbericht einer Haaranalyse vom 11. Oktober 2010 sei einzig die synthetische anabole Substanz Stanozolol nachgewiesen worden. Dabei handle es sich um einen anabolen Wirkstoff, der zu Zwecken des Muskelaufbaus missbraucht werde. Die Analyse des körpereigenen Steroids Testosteron habe keinen auffälligen Befund ergeben. Der Nachweis der Haarprobe belege die Anwendung des Dopingmittels innerhalb eines Zeitraumes von etwa drei Monaten vor der Entnahme der Probe. Anhand des Befundes könne nicht konkret auf eine Häufigkeit geschlossen werden, jedoch weise die semi-quantitativ ermittelte Konzentration auf eine wiederholte Applikation hin. Eine dauerhafte Anwendung der übrigen vom Beschwerdeführer angegebenen Anabolika sei aufgrund der negativen Analyse für den untersuchten Zeitraum unwahrscheinlich. Da der Missbrauch anaboler Steroide im Regelfall nicht kontinuierlich, sondern meist in zeitlicher Aufeinanderfolge ("cycling") von Kombinationen ("stacking") einzelner Wirkstoffe erfolge, spreche das Fehlen eines Wirkstoffes in einem Haarsegment grundsätzlich nicht gegen dessen vorherige Anwendung. Die nachgewiesene Konzentration des Wirkstoffs liege jedenfalls aber eher in einem tieferen Bereich. Insgesamt sei nicht zu erkennen, dass der vom Beschwerdeführer gegen Ende der Befragungen geltend gemachte Missbrauch von Anabolika bei ihm zu einer psychisch bedeutsamen Störung geführt habe (angefochtenes Urteil S. 29 ff., 172 f.). Die Vorinstanz nimmt weiter an, es sei unbestritten, dass der Konsum von Anabolika grundsätzlich eine erhöhte Reizbarkeit oder eine erhöhte Gewaltbereitschaft zur Folge haben könne. Das Gutachten verneine beim Beschwerdeführer aber aus nachvollziehbaren Gründen Hinweise auf eine durch Anabolika bedingte erhöhte aggressive Verstimmbarkeit und Reizbarkeit. Schliesslich führt die Vorinstanz in Bezug auf die bestrittene Fachkompetenz des Gutachters aus, es treffe nicht zu, dass dieser jeden Einfluss von Dopingmitteln auf die Aggressivität bestritten habe. Im Gutachten werde ausgeführt, dass der Einfluss von Testosteron (und künstlich hergestellter Steroide) auf die Aggressivität des Menschen unklar sei und die Forschungsergebnisse diesbezüglich nicht einheitlich seien. Nach wissenschaftlicher Erkenntnis seien genetische Faktoren, aber auch Sozialisations-, Kultur- sowie Umwelteinflüsse und auch kognitive Prozesse für das Zustandekommen von erhöhter Aggressivität sehr viel entscheidender als hormonelle Faktoren. Das Gutachten halte aber ausdrücklich fest, dass im Einzelfall eine erhöhte aggressive Verstimmbarkeit im Zusammenhang mit der Einnahme solcher Substanzen durchaus möglich sei. Auch anlässlich der Befragung in der erstinstanzlichen Verhandlung habe der Experte einen Zusammenhang zwischen Anabolikakonsum und Aggressivitätssteigerung nicht kategorisch ausgeschlossen. Er sei aber in Bezug auf den Beschwerdeführer zum Schluss gelangt, aus psychiatrischer Sicht sei nicht zu erkennen, dass die für den Tatzeitraum angegebene Einnahme von Anabolika beim Beschwerdeführer zu einer bedeutsamen psychischen Störung geführt habe. Zuletzt treffe nicht zu, dass der Gutachter angegeben habe, in der Literatur noch nie darüber gelesen zu haben, dass die Einnahme von Testosteron zu einer Aggressivitätssteigerung führen könne. Der Gutachter habe im Rahmen der Befragung in Bezug auf die Fachterminologie explizit zwischen dem Begriff der Persönlichkeitsveränderung einerseits und dem weniger weit gehenden Begriff der Aggressivitätssteigerung andererseits unterschieden und lediglich zu Protokoll gegeben, ihm sei aus der Literatur eine durch Anabolika bewirkte Persönlichkeitsveränderung nicht bekannt (angefochtenes Urteil S. 31 f., 174 ff.; vgl. auch erstinstanzliches Urteil S. 79 ff., 199).