Citation: I 558/02 24.07.2003 E. 4

4.1 Streitig und zu prüfen sind einzig berufliche Eingliederungsmassnahmen und in diesem Zusammenhang lediglich der Anspruch auf Umschulung. Die Vorinstanz geht mit der IV-Stelle davon aus, der Versicherten sei die Tätigkeit als Siebdruckerin an einer geeigneten Arbeitsstelle vollumfänglich zumutbar, weshalb sie keinen Anspruch auf Umschulung habe. Die Beschwerdeführerin hingegen macht im Wesentlichen geltend, die Verhältnisse am Arbeitsplatz seien ungenügend abgeklärt worden. Zudem gehe es nicht an, bei der Beurteilung der Invalidität allein auf teilweise widersprüchliche Arbeitgeberauskünfte abzustellen, nachdem zahlreiche Ärzte bestätigt hätten, dass die diagnostizierten Leiden berufsbedingt seien und eine Umschulung deshalb angezeigt wäre. 4.2 In ihrem ersten Gesuch um Gewährung beruflicher Massnahmen vom 30. April 1996 hatte die Versicherte eine chronische Handgelenksentzündung sowie Migräne als Behinderungen angegeben. Die IV-Stelle tätigte medizinische und berufliche Abklärungen und wies gestützt darauf den Anspruch auf Umschulung rechtskräftig ab. Rückenbeschwerden wurden in diesem Verfahren weder geltend gemacht noch abgeklärt, weshalb die medizinischen Unterlagen diesbezüglich keine sachdienlichen Auskünfte enthalten. Das zweite Umschulungsgesuch vom 9. Juli 2001 wurde mit einer Übergangsanomalie L5/S1, die seit Dezember 2000 zu Rückenschmerzen führe, begründet. In dem von der IV-Stelle daraufhin bei Dr. med. J.________ eingeholten Bericht vom 11. September 2001 erhob dieser als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine seit Geburt bestehende Übergangsanomalie mit Sakralisierung S1 links sowie als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Tendinitis/Tendovaginitis rechtes Handgelenk und rechter Ellbogen. Er erwähnte zunehmende Rückenbeschwerden bei rückenbelastender Tätigkeit als Siebdruckerin sowie Beschwerden tieflumbal, zum Teil mit Ausstrahlung ins Bein; die Prognose im angestammten Beruf sei eher schlecht. Weiter bestätigte er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 25. Juni 2001 für zwei Tage sowie ab 20. Juli 2001 für vier Wochen und führte im Beiblatt zum Arztbericht hinsichtlich der Eingliederungsfähigkeit aus, die gesundheitliche Störung habe Auswirkungen auf die bisherige Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin sei bei schweren rückenbelastenden Tätigkeiten, wie sie als Siebdruckerin ausgeführt würden, limitiert; die jetzige Tätigkeit sei eigentlich nur noch im Umfang von knapp 50% zumutbar. Am bisherigen Arbeitsplatz könne die Arbeitsfähigkeit nicht verbessert werden. Die Frage nach der Zumutbarkeit einer anderen Tätigkeit bejahte Dr. med. J.________, wobei eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit wechselnden Positionen ohne Rückenbelastung anzustreben wäre; eine solche Tätigkeit könne der Beschwerdeführerin zeitlich voll zugemutet werden. Der Bericht von Dr. med. W.________, Arzt für orthopädische Chirurgie FMH, vom 7. Juni 2002, den die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren ins Recht legte, stand der IV-Stelle bei ihrem Entscheid nicht zur Verfügung. Soweit er sich auf die Verhältnisse im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung bezieht, ist er aber zu beachten und in die Beurteilung einzubeziehen (Erw. 3.3 hievor). Dr. med. W.________ bestätigt die Diagnose einer lumbosacralen Übergangsstörung, Teillumbalisation S1 und führt aus, die Beschwerdeführerin leide zunehmend an lästigen, seit März invalidisierenden und seit 6. Mai 2002 zur Arbeitsniederlegung führenden Kreuzschmerzen mit Radiierung in OS links bis GZ links. Die Untersuchung der Lendenwirbelsäule habe eine nur linksseitige, ausgeprägte Teilsacralisation L5 mit Vollkontakt sowie ein durchgehendes, aber rudimentäres Segment L5/S1 ergeben. Magnetresonanztomographisch seien keine degenerativen Weiterungen nachgewiesen worden, was aber nichts daran ändere, dass eine schwierige und schwergradige lumbosacrale Funktionsstörung vorliege; eine Tendenz zur Schmerzhaftigkeit sei aufgrund der anatomischen Vorlage ausgewiesen. Eine körperlich belastende Tätigkeit könne auf die Dauer nicht zugemutet werden, die Berufswahl als Siebdruckerin sei eindeutig ungünstig gewesen und eine Umschulung sei zwecks Vermeidung zukünftiger Invalidität zu befürworten. Eine neue Tätigkeit müsse Rücksicht nehmen auf die vorliegende Situation, dürfe keine Arbeiten ausserhalb der Körperachsen beinhalten, das Tragen und Heben von Lasten sei zu vermeiden und es solle sich um eine wechselnd stehend-sitzend-gehende Beschäftigung handeln. Die weiteren sich in den Akten befindlichen Arztberichte haben keine entscheidwesentliche Bedeutung. In dem an die Krankenkasse der Beschwerdeführerin gerichteten Bericht vom 13. August 2002 weist Frau Dr. med. A.________ auf den Bericht von Dr. med. W.________ vom 7. Juni 2002 hin, ohne eine eigene Diagnose zu stellen. Der Bericht enthält auch keine Anhaltspunkte zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Verfügung, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Dass der erst nach Abschluss des Schriftenwechsels nachgereichte Bericht vom Prof. Dr. med. B.________ unbeachtet bleiben muss, wurde bereits erwähnt (Erw. 2 hievor). 4.3 Die Vorinstanz hat aus den Berichten der Fachärzte Dr. med. J.________ und Dr. med. W.________ geschlossen, dass das Rückenleiden der Beschwerdeführerin nicht habe verifiziert werden können. Dem kann nicht gefolgt werden. Beide Ärzte haben bei der Beschwerdeführerin eine Sakralisation S1 links diagnostiziert und damit ein organisches Substrat für die Rückenbeschwerden erhoben. Dass magnetresonanztomographisch keine degenerativen Weiterungen nachgewiesen werden konnten, ändert daran nichts, umso weniger, als nach Einschätzung zweier Fachärzte eine angeborene lumbosacrale Übergangsstörung ursächlich für die Rückenbeschwerden ist. Entgegen den Erwägungen des kantonalen Gerichts besteht kein Anlass, diese Diagnose in Zweifel zu ziehen. 4.4 Damit stellt sich die Frage, wie sich die gesundheitliche Beeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. 4.4.1 In der schriftlichen Beweisaussage vom 28. April 2002 äussert sich Frau X.________ von der Firma X.________ detailliert zum Tragen von leichten Lasten und führt aus, die Beschwerdeführerin müsse bei ihrer Arbeit keine schweren Rahmen tragen. Diese Aussage ist insofern etwas widersprüchlich, als im früheren Bericht vom 17. Juli 2001 angeführt wurde, die Beschwerdeführerin könne so eingesetzt werden, dass sie keine schweren Rahmen und Papier mehr heben müsse, was vermuten lässt, dass sie früher schwerere Lasten zu tragen hatte. Zu den weiteren rückenbelastenden Anforderungen, wie sie die Versicherte geltend macht, äussert sich Frau X.________ nicht näher, bestätigt aber grundsätzlich, dass die Arbeit in verschiedenen Körperhaltungen und mit differenzierten Belastungen der Wirbelsäule ausgeführt werde. Ob und inwiefern sich diese anderen rückenbelastenden Tätigkeiten auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken, ist aber von den Ärzten und nicht von der Arbeitgeberin zu beurteilen (Erw. 3.2 hievor). Entgegen der Vorinstanz kann deshalb nicht entscheidend auf die schriftliche Beweisauskunft der Arbeitgeberin vom 28. April 2002 abgestellt und daraus geschlossen werden, die Tätigkeit als Siebdruckerin sei der Beschwerdeführerin gesundheitlich zumutbar. Die Arbeitgeberauskunft kann lediglich eine Grundlage für die ärztliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bilden. 4.4.2 In medizinischer Hinsicht erachten sowohl Dr. med. J.________ als auch Dr. med. W.________ körperlich belastende Tätigkeiten, insbesondere schwere rückenbelastende Tätigkeiten, für die Beschwerdeführerin als nicht geeignet. Was die Zumutbarkeit der Tätigkeit als Siebdruckerin betrifft, ergeben die Akten jedoch kein einheitliches Bild. Während Dr. med. J.________ die Tätigkeit im angestammten Beruf in einem Umfang von knapp 50% für möglich hält, macht Dr. med. W.________ dazu keine prozentualen Angaben, sondern erachtet die Tätigkeit auf Dauer als unzumutbar. Weder der Bericht von Dr. med. J.________ noch derjenige von Dr. med. W.________ setzen sich sodann näher mit den allgemeinen körperlichen Belastungen im Beruf einer Siebdruckerin und mit der konkreten Arbeitsplatzsituation der Beschwerdeführerin auseinander. Ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erweist sich damit als unvollständig, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Dies gilt um so mehr, als angesichts der widersprüchlichen Aussagen von Beschwerdeführerin und Arbeitgeberin über die konkreten Arbeitsplatzverhältnisse unklar ist, ob und inwiefern die ärztlichen Beurteilungen diesbezüglich auf möglicherweise unzutreffenden Annahmen basieren und den Ärzten weder die Arbeitgeberberichte noch die Beweisauskunft der Firma Firma X.________ vom 28. April 2002 bekannt waren. 4.4.3 Angesichts der teilweise widersprüchlichen bzw. unvollständigen ärztlichen Angaben und weil die Arbeitgeberauskünfte nicht allein entscheidend sein können, erweist sich die Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf somit als ungenügend abgeklärt. 4.5 Schliesslich beurteilen Dr. med. J.________ und Dr. med. W.________ auch die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit unterschiedlich und nennen keine konkreten Verweisungstätigkeiten. Während nach Dr. med. J.________ eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit wechselnden Positionen ohne Rückenbelastung anzustreben und vollzeitlich zumutbar ist, darf die neue Tätigkeit nach Dr. med. W.________ keine Arbeiten ausserhalb der Körperachsen beinhalten, es sollten keine Lasten getragen und gehoben werden müssen und überdies habe die Beschäftigung einen wechselnd sitzend-gehenden Charakter aufzuweisen. Zum zumutbaren Umfang einer angepassten Tätigkeit macht Dr. med. W.________ keine Angaben. Mangels näherer Begründung der ärztlichen Beurteilungen lassen sich die unterschiedlichen Schlüsse nicht nachvollziehen, sodass auch auf die diesbezüglichen Ausführungen nicht abgestellt werden kann. Unter diesen Umständen erweist sich auch die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit als ungenügend abgeklärt. 4.6 Nicht abgeklärt haben die Vorinstanz und die IV-Stelle schliesslich die erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens, wie sie zur Ermittlung des Invaliditätsgrads und des Anspruchs auf Umschulung erforderlich sind (Art. 17 IVG; BGE 127 V 133 Erw. 4b/ff, 124 V 110 Erw. 2b). 4.7 Nach dem Gesagten ist die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin nach ergänzenden medizinischen und allenfalls beruflichen Abklärungen die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und in einer leidensangepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung der erwerblichen Auswirkungen neu beurteile und gestützt auf die Ergebnisse über den Anspruch auf Umschulung neu verfüge.