Citation: 1C_95/2023 E. 4.3

4.3. Die tatsächliche Vermutung wird durch eine gegenteilige schriftliche Erklärung des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau nicht entkräftet, insbesondere wenn die Trennung schon sehr kurz nach der erleichterten Einbürgerung begründet und seither auch, abgesehen von einigen Monaten zwischen Mai 2018 und Oktober 2018, wie die Vorinstanz willkürfrei und somit für das Bundesgericht verbindlich feststellte, beibehalten wurde. Ebensowenig ist die Berufung auf die mittlerweile zwanzigjährige Dauer der Ehe geeignet, das Vorliegen der tatsächlichen Vermutung zu entkräften, wenn bereits seit mehr als acht Jahren ein richterlich bestätigtes Getrenntleben vorliegt. Angesichts dieser langen Zeitdauer kann auch nicht mehr von einer vorübergehenden, kurzen Trennungsdauer ausgegangen werden. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass er und seine Ehefrau trotz getrennter Wohnsitze die eheliche Gemeinschaft weitergeführt hätten und die Vorinstanz diesen Umstand schlichtweg verkenne, so liegen vom Beschwerdeführer keine hinreichend geltend gemachten Gründe vor, die diese Angabe belegen soll. Vielmehr hat sich die Vorinstanz eingehend mit den vom Beschwerdeführer bei ihr vorgebrachten Gründen auseinandergesetzt. Dabei hat sie mit überzeugender Argumentation darauf hingewiesen, dass die Trennung nicht mit der Wohnsituation, beruflichen oder gesundheitlichen Gründen erforderlich gewesen sei. Es ist nicht ersichtlich, warum ein gemeinsamer Wohnsitz des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau aufgrund der Sozialhilfeunterstützung nicht in Frage kommen sollte. Ein ausserordentliches Ereignis in der Ehe des Beschwerdeführers nach seiner erleichterten Einbürgerung auszumachen, die deren Scheitern bewirkt hätte, ist ebenfalls nicht auszumachen (Urteil 1C_563/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4). Schliesslich wird die natürliche Vermutung des Scheiterns der Ehe nebst dem schon lange Zeit andauernden Vorliegens getrennter Wohnsitze auch mit der bei der Ehefrau des Beschwerdeführers gegebenen temporären Fremdbeziehung mit einer Drittperson belegt. Auch wenn das Vorliegen einer solchen nicht stets gegen das Vorliegen einer intakten Ehe spricht, insbesondere wenn ein gemeinsamer Wohnsitz vorliegt (Urteil 1C_618/2020 vom 19. Mai 2021 E. 3.4), sind solche Umstände beim Beschwerdeführer und seiner Ehefrau nicht auszumachen. Aus den dargelegten Gründen ist der Standpunkt der Vorinstanz, es sei erwiesen, dass der Beschwerdeführer im Verfahren der erleichterten Einbürgerung bewusst wahrheitswidrig bestätigte, in einer intakten ehelichen Gemeinschaft mit der Schweizer Ehefrau zu leben, nicht zu beanstanden.