Citation: 4A_614/2014 E. 5.7

5.7. Die Vorinstanz nahm weiter grundsätzlich an, mit der verspäteten Andienung der Akkreditivdokumente habe die Beschwerdegegnerin diese "geliefert". Es liege also keine "Nichtlieferung" i.S.v. Art. 49 Abs. 1 lit. b CISG vor. Selbst wenn aber Nichtlieferung anzunehmen wäre, hätte die Beschwerdeführerin gestützt auf diese Bestimmung kein Vertragsaufhebungsrecht, da sie keine Nachfrist angesetzt habe. Die Beschwerdeführerin behaupte lediglich, die Beschwerdegegnerin mit E-Mail vom 22. August 2008 auf die fehlenden Akkreditivdokumente hingewiesen zu haben. Sollte sie damit eine Nachfristansetzung behaupten wollen, wäre eine solche als nicht ordnungsgemäss zu qualifizieren. Eine solche setze nämlich eine Fristbestimmung voraus. Habe sie aber keine Nachfrist angesetzt, könne sie auch nicht den Vertrag gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. b CISG aufheben. Dies rechtfertige sich umso mehr, als der Beschwerdegegnerin aufgrund der Rückweisung der Dokumente in jenem Zeitpunkt nicht abschliessend klar sein konnte, ob die Beschwerdeführerin den Walzdraht annehmen wolle oder nicht.