Citation: 4A_441/2019 E. 2.4.1

2.4.1. Entscheidend ist deshalb, ob der Beschwerdeführer einen Sachverhalt behauptet hat, aus dem sich der tatsächliche oder sekundär der normativ zurechenbare Wille (normativer Konsens) zur Vereinbarung einer Rückerstattungspflicht ergibt. Ein rechtlicher Konsens bedeutet nicht zwingend, dass die sich äussernde Partei tatsächlich den inneren Willen hat, sich zu binden. Es reicht, wenn die andere Partei aufgrund der nach dem objektiv verstandenen Sinn einer Erklärung oder dem Verhalten nach Treu und Glauben annehmen konnte, die sich äussernde Partei habe einen entsprechenden Rechtsbindungswillen. Wie bei der Abgrenzung zwischen Schenkung und Darlehen - wo oft auch nur die Geldhingabe als solche feststeht - kann dabei ein Wille auf Darlehenshingabe unter gewissen Umständen einer Partei zugeschrieben werden, selbst wenn dies nicht mit dem tatsächlichen (inneren) Willen der einen oder andern Partei übereinstimmt. Nur wenn dies nicht möglich ist, stellt sich die Frage des Dissenses und der Pflicht zur Rückzahlung des Geldes nach Art. 62 ff. OR (für die Abgrenzung zwischen Schenkung und Darlehen vgl. BGE 144 III 93; SCHMID/PESCHKE, Die privatrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts im Jahre 2018 - Obligationenrecht ZBJV 6/2019 S. 421, 437 ff.). Bei der Prüfung dieser Frage stützt sich das Gericht auf verschiedene Anhaltspunkte. Solche sind nicht nur schriftliche oder mündliche Willenserklärungen, sondern auch der ganze Kontext, alle Umstände, aus denen sich der Wille der Parteien ableiten lässt (BGE 144 III 93 E. 5.2.2 S. 98). Sind lediglich solche Hilfstatsachen genügend substanziiert behauptet worden, hat das Gericht die Schlüssigkeit der Indizienkette für die zu beweisende Haupttatsache zu prüfen. Ist die Indizienkette (in einer Gesamtschau) unschlüssig, liegt eine ungenügende Substanziierung vor und darf das Gericht von einer Beweiserhebung über die behaupteten Hilfstatsachen absehen (ROSENBERG/SCHWAB/ GOTTWALD, Zivilprozessrecht, 18. Aufl. 2018, N. 16 zu § 111 dZPO; ähnlich: HANS PETER WALTER, in: Berner Kommentar, 2012, N. 498 zu Art. 8 ZGB; MAX KUMMER, in: Berner Kommentar, 1962, N. 235 zu Art. 8 ZGB).