Citation: 4A_260/2014 E. 5.3

5.3. Auch die Beschwerdegegnerin geht davon aus, die Beschwerdeführerin hätte zunächst zu 100 % gearbeitet. Sie begründet die von ihr angenommene Reduktion mit der auch in die von der Vorinstanz verwendeten Statistiken zur Erwerbstätigkeit und zum Erwerbsgrad eingeflossen allgemeinen statistischen Wahrscheinlichkeit einer Reduktion der Erwerbstätigkeit eines Ehegatten wegen Heirat oder Kinderbetreuung. Die Frage, ob diese Wahrscheinlichkeit zu berücksichtigen ist, auch wenn (anders als im Urteil des Bundesgerichts I 708/06 vom 23. November 2006 E. 3) keine konkreten Hinweise auf eine dadurch bedingte Reduktion der Erwerbstätigkeit bestehen, stellt sich aber nicht, da die Beschwerdegegnerin nicht behauptet, die Beschwerdeführerin könne trotz der durch den Unfall erlittenen Beeinträchtigung tatsächlich heiraten. Dass aus familiären Gründen die Arbeitszeit reduziert wird, liegt häufig daran, dass der Unterhalt der Familie nicht allein aus dem Einkommen des die Arbeitszeit reduzierenden Ehegatten bestritten werden muss, also am Beitrag des anderen Ehegatten zum Unterhalt, der eine Reduktion der Arbeitstätigkeit erlaubt, ohne dass dadurch die Bedürfnisse des die Arbeit reduzierenden Ehegatten ungedeckt blieben. Die Beschwerdeführerin weist diesbezüglich zu Recht darauf hin, dass sie bei einer Reduktion der Erwerbstätigkeit infolge Heirat Anspruch auf Unterhalt gehabt hätte. Würde bei der Festsetzung des Verdienstes, den die verletzte Person ohne Unfall erzielen würde, die Wahrscheinlichkeit einer Arbeitsreduktion berücksichtigt, die ihren Grund in den Geldmitteln hat, die ein Dritter in dieser Situation zu Gunsten des Geschädigten aufbringt (hier die Beiträge an den Unterhalt der Familie des anderen Ehegatten), obwohl feststeht, dass infolge des Unfalls keine derartigen Geldmittel Dritter zur Verfügung stehen werden (da keine Heirat erfolgen wird), müsste sich die geschädigte Person für ihren Lebensunterhalt mit weniger begnügen, als ihr ohne Unfall zur Verfügung gestanden hätte. Insoweit würde eine Unterentschädigung erfolgen.