Citation: 8C_883/2014 E. 4.3.2

4.3.2. In der Kategorie "funktioneller Schweregrad" sind zum Komplex "Gesundheitsschädigung" im Gutachten kaum relevante Einschränkungen auszumachen. Massgeblich sind dabei die Ausprägung diagnoserelevanter Befunde, der Behandlungs- und Eingliederungserfolg resp. -resistenz und allfällige Komorbiditäten (BGE 141 V 281 E. 4.3.1 S. 298 ff.). Zwar mögen die im Gutachten erwähnten Umstände, wie die wegen den Observationsergebnissen durchgeführten untersuchungsrichterlichen Massnahmen, die Beschwerdeführerin weiter belastet haben. Dass dies zu einer länger dauernden, deutlichen Beeinträchtigung im Alltag geführt hat, ist aber kaum nachvollziehbar, weshalb die Schwere des Krankheitsgeschehens aus der diagnoserelevanten Ätiologie und Pathogenese kaum zu plausibilisieren ist. Demnach ist die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome zu gering (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298 f.). Bezüglich des Indikators Behandlungserfolg oder -resistenz ist mit dem Gutachten von einer guten Compliance der Beschwerdeführerin auszugehen, welche regelmässig verschiedene Therapien in Anspruch nimmt, wobei der Gutachter eine Intensivierung einer psychotherapeutischen Behandlung als indiziert erachtete. Dies zumal sie bereits dank ihrem erfahrenen Psychotherapeuten gelernt habe, ihre Schmerzen besser zu akzeptieren, und wieder in einem kleineren Pensum zu arbeiten begonnen habe. Hieraus lässt sich auf keine invalidisierend schwere psychische Störung, welche therapeutisch nicht angehbar ist, schliessen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.). Bezüglich des Komplexes "Persönlichkeit" und "Soziales" (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.2 und 4.3.3 S. 302 f.) lässt das Gutachten ein zuverlässiges Bild der Versicherten zu. Während die leistungsorientierten und perfektionistischen Persönlichkeitszüge ihr wertvolle Ressourcen rauben, beeinflusst das intakte glückliche Familien- wie Eheleben das Geschehen positiv. Jedenfalls lässt sich hieraus ableiten, dass Ressourcen, einer Arbeit nachgehen zu können, bestehen. Beweisrechtlich entscheidend und vorliegend zielführend ist der Aspekt in der Kategorie "Konsistenz", insbesondere in Bezug auf den Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 S. 303 f.). Dem vom MEDAS-Psychiater ausgefüllten Ratingbogen nach Mini-ICD-APP lässt sich entnehmen, dass in den Bereichen Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit, familiäre bzw. intime Beziehungen, Selbstpflege und Verkehrsfähigkeit höchstens leichte Beeinträchtigungen bestehen. Gemäss dem psychiatrischen Gutachten fährt die Versicherte auch weiterhin selber Auto und führt im Alltag ein weitgehend normales Leben. So beabsichtige sie, nach der Pensionierung ihres Mannes, wieder vermehrt zwischen ihrem Haus in Kroatien und der Schweiz zu pendeln. Das rheumatologische Gutachten verdeutlicht das Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin in der Schilderung ihres Tagesablaufs. Täglich stehe sie zwischen 6.00 und 6.30 Uhr auf, um am Vormittag Hausarbeiten, kleinere Einkäufe und die Vorbereitung des Mittagessen zu verrichten. Gemäss Dr. med. C.________, Facharzt für physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, bestünden im Haushalt keine Einschränkungen, weder in Bezug auf das Kochen, Putzen, Staubsaugen noch beim Einkaufen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen kümmere sie sich wieder um den Haushalt und nehme Termine wahr. Vielleicht ruhe sie sich mal eine 1 /2 Stunde aus, bevor sie das Abendessen vorbereite und den Abend gemeinsam mit ihrem Mann mit Fernsehen oder Reden verbringe. Weiter geht aus dem rheumatologischen Gutachten hervor, dass die Beschwerdeführerin einmal in der Woche einer Tätigkeit als Raumpflegerin nachgehe, zudem helfe sie dann und wann ihrem Mann bei seiner Arbeit an Samstagabenden. Dieses ausgeprägte und belegte Aktivitätenniveau vermag eine rechtliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nicht zu begründen. Wegen den fehlenden Beeinträchtigungen im Komplex "Gesundheitsschädigung" und des überdurchschnittlichen Aktivitätenniveaus in der Kategorie Konsistenz ist ein rechtsgenüglicher Bezug zwischen der Diagnosestellung und deren funktionellen Auswirkung im Sinne einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit nicht gegeben. Bei gesamthafter Betrachtung über alle massgeblichen Indikatoren hinweg ist jedenfalls eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung einer Arbeitsunfähigkeit führt, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Die Folgen der Beweislosigkeit hat die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6 S. 308 f.).