Citation: 9C_258/2021 E. 3.2

3.2. Auf ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gutachten ist rechtsprechungsgemäss abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4). Die Vorinstanz nennt keine solche Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens des Dr. med. B.________ vom 2. Oktober 2019 sprechen würden; solche sind denn auch keine ersichtlich, woran insbesondere auch die von der Beschwerdegegnerin angesprochene Gesamtwürdigung nichts zu ändern vermag. Soweit die Vorinstanz unter Hinweis auf psychosoziale Belastungsfaktoren von den Einschätzungen des Gutachters abgewichen ist, ist ihr zwar insoweit beizupflichten, als das Vorliegen solcher psychosozialer Belastungsfaktoren einen invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Gesundheitsschaden nicht in jedem Fall ausschliesst. Soweit solche Faktoren indessen direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, haben diese bei der Invaliditätsbemessung ausgeklammert zu bleiben (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.3). Wenn somit ein psychiatrischer Gutachter aufgrund seines Fachwissens in einer beweiswertigen Expertise (vgl. BGE 125 V 351) zum Schluss kommt, es liege keine psychiatrische Krankheit mit Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit vor, so bleibt entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen kein Raum für eine ermessensweise Schätzung eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Gesundheitsschadens durch den Rechtsanwender. Insbesondere erübrigt sich bei einer solchen Ausgangslage die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3 mit weiteren Hinweisen). Wie die beschwerdeführernde IV-Stelle zutreffend geltend macht, verletzte das kantonale Gericht demnach Bundesrecht, als es entgegen den nachvollziehbar begründeten Erörterungen dieses Experten, wonach keine eigenständige depressive Störung nach ICD-10 vorliege, aufgrund der von den behandelnden Ärzten beschriebenen depressiven Symptomatik und unter Hinweis auf psychosoziale Belastungsfaktoren eine wesentliche Veränderung des psychiatrischen Gesundheitszustandes bejahte.