Citation: 9C_154/2023 E. 2.3.5

2.3.5. Nachdem die Bundesverwaltungsbehörde in einer ersten Phase den rechtserheblichen Sachverhalt zusammengetragen hat, ist ihr in einer zweiten Phase aufgetragen, die erhobenen Beweise frei, ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, umfassend und pflichtgemäss von Amtes wegen zu analysieren (BGE 137 II 266 E. 3.2). Die Würdigung der gesammelten Beweise hat die inhaltliche Auswertung der aufgenommenen Beweismittel zum Gegenstand (ausführlich: BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1). Im Verwaltungsverfahren vor den Bundesverwaltungsbehörden gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG in Verbindung mit Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP; SR 273]). Dies trifft auch auf die mehrwertsteuerrechtlichen Verfahren zu, was allgemein aus Art. 81 Abs. 1 Satz 1 und deklaratorisch überdies aus Art. 81 Abs. 3 MWSTG 2009 hervorgeht (Urteil 2C_411/2014 vom 15. September 2014 E. 2.3.3). "Freie" Beweiswürdigung bedeutet, dass die Bundesverwaltungsbehörde einzig nach ihrer Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der gesammelten Beweise darüber entscheiden soll, ob eine Tatsache erwiesen oder nicht erwiesen sei (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1). Sowohl der Verzicht auf die gebotenen Beweiserhebungen als auch die Art und Weise der Beweiserhebung können gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung verstossen (BGE 144 III 264 E. 6.2.3; 138 III 193 E. 4.3.1). Willkürlich im Sinne von Art. 9 BV ist die eigentliche Beweiswürdigung, wenn sie schlechterdings unhaltbar ist, wenn die Behörde mithin in ihrem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen oder auf einem offenkundigen Fehler beruhen (BGE 148 IV 356 E. 2.1).