Citation: 6S.465/2006 02.12.2006 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe eine sehr kurze Strecke (3 - 4 Meter) in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur letzten durchgeführten Sichtkontrolle (20 - 30 Sekunden) zurückgelegt, weshalb beim Manöver jede Gefahr im Sinne von Art. 17 Abs. 1 VRV ausgeschlossen gewesen sei. Der Argumentation des Beschwerdeführers, wonach die Gefahr eines Unfalls sinke, je kürzer die gefahrene Strecke und die seit der letzten Kontrolle verstrichene Zeit seien, kann zwar durchaus gefolgt werden. Dieser Aspekt betrifft jedoch die Frage des Ausmasses des Verschuldens, nicht aber der Strafbarkeit als solcher. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, es habe keinerlei Gefahr bestanden, verkennt er, dass sein Verhalten ursächlich im Sinne eines natürlichen Kausalzuammenhangs für den Tod des Opfers war. Der eingetretene Erfolg belegt, dass vorliegend nicht nur eine konkrete Gefahr bestand, sondern dass sich diese sogar realisiert hat. Beim verwendeten Lastwagen handelt es sich offensichtlich um ein Fahrzeug mit beschränkter Sicht nach hinten. Der Beschwerdeführer wäre deshalb in der konkreten Situation gestützt auf die Bestimmung von Art. 17 Abs. 1 VRV gehalten gewesen, zum Rückwärtsfahren eine Hilfsperson beizuziehen. An dieser Verpflichtung vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass eine solche Zuhilfenahme Dritter in Belgien angeblich nicht üblich ist. Anwendung findet vorliegend ausschliesslich schweizerisches Recht, dessen Bestimmungen als dem Beschwerdeführer bekannt vorauszusetzen sind. Ebenso wenig fällt entscheidend ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer, wie er geltend macht, das Opfer auch bei vollständiger Beleuchtung der Verladehalle nicht hätte sehen können. Vorgeworfen wird dem Beschwerdeführer der unterlassene Beizug einer Hilfsperson aufgrund der selbst bei guten Lichtverhältnissen stark eingeschränkten Sicht nach hinten. Die mangelhafte Sicht wie auch der beträchtliche Lärm - verursacht namentlich durch das Kühlaggregat des Wagens - liessen vorliegend den Einsatz einer das Manöver überwachenden Person als umso dringlicher geboten erscheinen. Wer, wie der Beschwerdeführer, unter den gegebenen Umständen beim Rückwärtsfahren darauf verzichtet, eine Hilfsperson beizuziehen, verletzt demnach die ihm obliegende Sorgfaltspflicht. 3.2 Das Verhalten des Beschwerdeführers war nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung auch geeignet, einen Erfolg von der Art des eingetretenen zu bewirken. Allerdings stellt sich der Beschwerdeführer, wie dargelegt, auf den Standpunkt, er habe nicht mit dem unvernünftigen Verhalten des Verunfallten rechnen müssen, weshalb ihm der Erfolg auch nicht zugerechnet werden könne. Dieser Einwand ist unbegründet. Die Verladehalle war, wenn auch vorwiegend von Berufsleuten frequentiert, so doch öffentlich zugänglich, weshalb der Aufenthalt eines Dritten unterhalb des Rampenbereichs nicht derart ungewöhnlich war, dass damit schlechterdings nicht hätte gerechnet werden müssen. Im Lichte der Bestimmung von Art. 17 Abs. 1 VRV durften Dritte zudem davon ausgehen, dass zum Rückwärtsfahren eine Hilfsperson beigezogen würde. Selbst wenn dem Opfer jedoch ein Mitverschulden anzulasten sein sollte, so wäre dieses jedenfalls nicht derart schwerwiegend, dass es die strafrechtliche Haftung des Beschwerdeführers aufzuheben vermöchte. Das Verhalten des Verunfallten rückt mit anderen Worten die Handlung des Beschwerdeführers nicht in einem Mass in den Hintergrund, dass diese nicht mehr als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen würde. Die Voraussehbarkeit des Erfolgseintritts ist demnach zu bejahen, zumal dem Beschwerdeführer, wie die Vorinstanz mit Recht anführt, als Lastwagenchauffeur mit rund 20-jähriger Berufserfahrung die Gefahren solcher Rückwärtsfahrmanöver hätten bewusst sein müssen. 3.3 Durch den Beizug einer Hilfsperson - welcher problemlos möglich und auch zumutbar gewesen wäre - hätte zudem der Eintritt des Erfolgs mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert werden können.