Citation: U 49/05 30.06.2005 E. 3

3.1 Mit Bezug auf die Invaliditätsbemessung hat die Vorinstanz erwogen, diese müsse derjenigen durch die Organe der Eidgenössischen Invalidenversicherung entsprechen, welche für die Zeit ab 1. April 2000 einen Invaliditätsgrad von 30 % ermittelten (Verfügung vom 24. Juli 2001). Dieser Auffassung kann nicht zugestimmt werden. Denn der obligatorische Unfallversicherer hatte jedenfalls zum damaligen Zeitpunkt nicht die Möglichkeit, einen Rentenentscheid der Invalidenversicherung anzufechten, weshalb ihm dieser auch nicht entgegengehalten werden kann (AHI 2004 S. 185 ff. Erw. 4 und S. 188 Erw. 5.2). Zudem ist die genaue Bestimmung des Invaliditätsgrades für die Invalidenversicherung nicht relevant, sofern 40 % unterschritten werden, was ebenfalls dagegen spricht, einer diesbezüglichen Feststellung für die Anspruchsbeurteilung in anderen Versicherungszweigen verbindliche Wirkung beizumessen (zu diesem Aspekt im Verhältnis zwischen Invalidenversicherung und beruflicher Vorsorge: Urteil M. vom 14. August 2000, B 50/99, Erw. 2b). Der für die unfallversicherungsrechtliche Beurteilung massgebende Invaliditätsgrad ist daher selbstständig zu bestimmen. 3.2 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdegegner am 22. November 1997 eine schwere Verletzung des linken Auges erlitt, welche sich in der Folge nach eher langwierigem Heilungsverlauf insofern stabilisierte, als bei sehr starker Reduktion der Sehfähigkeit an diesem Auge der Druck reguliert und die Netzhaut fixiert werden konnten. Am 4. Mai 1998 nahm der Versicherte die bisherige Tätigkeit als Sachbearbeiter wieder mit einem Pensum von 50 % auf. Die Behandlung im Spital X.________ wurde in der Folge abgeschlossen, wobei Prof. Dr. med. M.________ für die Zeit ab 6. Juli 1998 von voller Arbeitsfähigkeit ausging. Der nachbehandelnde Spezialarzt Dr. med. H.________ stimmte dieser Einschätzung mit Bezug auf den rein augenmedizinischen Aspekt zu, wies jedoch in seinem Bericht vom 7. November 1998 erstmals auf sehr starkes Kopfweh hin, welches bei visueller Anstrengung, parallel zum Arbeitsaufwand, auftrete. Obwohl keine strenge ophthalmologische Indikation für eine verminderte Arbeitsfähigkeit vorliege, habe er sich "die Freiheit genommen", dem Patienten verminderte Leistungsfähigkeit (um 50 %) zu attestieren. Am 18. Januar 1999 erklärte der Arzt gegenüber der Invalidenversicherung, der Versicherte fühle sich zu 50 % arbeitsfähig. Ähnlich äusserte sich Dr. med. O.________, Allgemeine Medizin FMH, am 23. Dezember 1998 und 12. April 1999. Neurologische Abklärungen am Spital X.________ bestätigten das Vorliegen belastungsabhängiger Kopfschmerzen vom Spannungstyp, welchen ein gegebener, aber bloss vorübergehender Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugeschrieben wurde (Berichte vom 13. Januar, 14. Juni und 5. Oktober 1999). Dr. med. B.________ gelangte am 29. März 1999 zum Ergebnis, es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, im Wesentlichen hervorgerufen durch Spannungskopfschmerzen und Konzentrationsstörungen, welche der Arzt als sekundäre funktionelle Störungen bezeichnet. Die knapp zweistündige neuropsychologische Untersuchung an der Neurologischen Klinik des Spitals X.________ vom 28. Oktober 1999, welche der Beantwortung der Frage diente, ob der erlittene Schlag über die augenmedizinischen Folgen hinaus zu einer Schädigung des Gehirns geführt habe, ergab keine Einbussen der höheren Hirnfunktionen, insbesondere keine Konzentrationsstörungen. Auf Anfrage des Vertrauensarztes der SKBH erklärte die Neurologische Klinik des Spitals X.________ am 12. Februar 2001, die Behandlung sei am 8. August 2000 vorläufig abgeschlossen worden. Die belastungsabhängigen chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp, welche "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bis Gewissheit" in natürlichem Kausalzusammenhang zum Unfall vom 22. November 1997 stünden, bewirkten eine Arbeitsunfähigkeit von noch 30 % seit 1. Mai 2000, wobei bis auf weiteres nicht mit einer Besserung gerechnet werden könne. Dr. med. H.________ äusserte sich am 5. Februar 2001 in ähnlichem Sinn. In einem der IV-Stelle des Kantons Zürich erstatteten Bericht vom 3. Oktober 2000 gelangte die Neurologische Klinik des Spitals X.________ zum Ergebnis, wegen der vier bis fünf Mal pro Woche auftretenden Spannungskopfschmerzen, welche sich bei starker Anstrengung steigerten, und der damit verbundenen Konzentrationsschwierigkeiten könne die bisherige Tätigkeit nur eingeschränkt (aber immerhin mindestens sechs Stunden pro Tag) ausgeübt werden, wobei für die Zukunft eine langsame Steigerung bis zu voller Arbeitsfähigkeit als möglich erscheine. Die Lloyd's als für die Langfristleistungen zuständiger Versicherer holte lediglich eine auf die Akten gestützte Stellungnahme des beratenden Arztes Dr. med. W.________, Chirurgie FMH, vom 14. Juni 2002 ein. Gemäss dem darüber verfassten Kurzprotokoll besteht keine unfallbedingte, dauerhafte Arbeitsunfähigkeit. 3.3 Zusammenfassend geht aus den ärztlichen Berichten und Stellungnahmen hervor, dass der Beschwerdegegner seine bisherige Tätigkeit, welche Bildschirmarbeit, Aktenstudium und mündliche sowie telefonische Besprechungen beinhaltet, nicht während eines vollen Tagespensums ausüben kann, weil nach längerer Arbeit starke Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten. Diese Symptome sind mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die anlässlich des Unfalls vom 22. November 1997 erlittene Augenverletzung zurückzuführen, während eine zusätzliche Schädigung des Gehirns nicht vorliegt. Im Bericht der Neurologischen Klinik des Spitals X.________ vom 12. Februar 2001, welcher offenbar auf einer letzten Untersuchung vom 8. August 2000 basiert, wird die Arbeitsunfähigkeit auf 30 % beziffert, wobei bis auf weiteres nicht mit einer Besserung gerechnet werden könne, während dem Beschwerdegegner laut der Stellungnahme derselben Institution vom 3. Oktober 2000, welche mit einer Kontrolluntersuchung verbunden war, die Ausübung der bisherigen Tätigkeit während mindestens sechs Stunden pro Tag zumutbar ist (was bei einer Arbeitszeit von acht Stunden eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 25 % ergibt) und eine langsame Steigerung bis zu voller Arbeitsfähigkeit als möglich erscheint. Da die Stellungnahmen zum Ausmass der Zumutbarkeit der bisherigen Arbeit, aber auch die Einschätzungen der zukünftigen Entwicklung divergieren, ist es auf dieser Grundlage nicht möglich, die Arbeitsfähigkeit während des zu prüfenden Zeitraums vom 1. Januar 2002 (Rentenbeginn; BGE 129 V 223 Erw. 4.1, 128 V 174 Erw. 4a) bis 7. August 2003 (Einspracheentscheid; vgl. BGE 131 V 11 Erw. 1 mit Hinweis) mit hinreichender Zuverlässigkeit zu beurteilen. In Anbetracht der unterschiedlichen Akzentsetzung in den beiden Berichten derselben Klinik kann auch nicht ohne weiteres vorausgesetzt werden, dass der Bericht vom 12. Februar 2001 in Kenntnis der am 28. Oktober 1999 gleichenorts an einer anderen Abteilung durchgeführten neuropsychologischen Tests abgefasst wurde. Hinzu kommt, dass die Akten keine Grundlagen zur Beantwortung der Frage enthalten, ob der Versicherte eine andere, beispielsweise mit einem geringeren Anteil an Bildschirmarbeit verbundene Erwerbstätigkeit in höherem Umfang ausüben und dadurch allenfalls ein Einkommen erzielen könnte, welches das aktuelle übersteigt (vgl. dazu BGE 130 V 99 Erw. 3.2, 113 V 28 Erw. 4a mit Hinweisen). Dies kann angesichts der nach Lage der Akten sehr guten beruflichen Kenntnisse des Beschwerdegegners sowie mit Blick auf die Rechtsprechung, wonach der Verlust des Sehvermögens an einem Auge nur selten zu einer Erwerbsunfähigkeit führt (RKUV 1986 Nr. U 3 S. 258 ff.; vgl. auch SVR 2004 IV Nr. 13 S. 38 Erw. 4.2 und S. 39 Erw. 6.4), nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Die zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades im vorliegend relevanten Zeitraum erfordert demnach weitere Abklärungen. Diese hätte die Lloyd's von Amtes wegen vornehmen müssen (bis 31. Dezember 2002: Art. 47 Abs. 1 UVG; seit 1. Januar 2003: Art. 43 Abs. 1 ATSG). 3.4 Nach dem Gesagten kann der Vorinstanz darin nicht zugestimmt werden, dass die für die Beurteilung des Invaliditätsgrades relevanten medizinischen Tatsachen hinreichend geklärt sind. Das kantonale Gericht hätte deshalb den Einspracheentscheid vom 7. August 2003 im Rentenpunkt aufheben und die Sache zur Ergänzung der diesbezüglichen Abklärungen an die Lloyd's zurückweisen müssen.