Citation: 6B_381/2024 E. 1.6

1.6. Zu prüfen ist ferner, ob die Beweismassnahme ausserhalb einer abzuklärenden Straftat getätigt wurde (vgl. BGE 137 I 218 E. 2.3.2). Wie bereits dargelegt, erfolgt die Wiederaufnahme auf Anordnung der Staatsanwaltschaft nach einer vorläufigen, summarischen Prüfung, die sich als rechtswidrig erweisen kann. Dass sich die Wiederaufnahme als rechtswidrig herausstellte, führt nicht ohne Weiteres zur Nichtigkeit des Verfahrens. Angesichts des Grundsatzes der Gültigkeit von Verfahrenshandlungen gelten nur krass fehlerhafte Verfahrenshandlungen als nichtig. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind fehlerhafte Entscheide im Sinne der Evidenztheorie nichtig, wenn sie mit einem tiefgreifenden und wesentlichen Mangel behaftet sind, wenn dieser schwerwiegende Mangel offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Inhaltliche Mängel einer Entscheidung führen nur ausnahmsweise zur Nichtigkeit. Als Nichtigkeitsgründe fallen vorab die funktionelle und sachliche Unzuständigkeit der entscheidenden Behörde sowie krasse Verfahrensfehler in Betracht (BGE 148 IV 445 E. 1.4.2; 147 IV 93 E. 1.4.4; 145 IV 197 E. 1.3.2; je mit Hinweisen). Wie bereits dargelegt, hat sich die Wiederaufnahme nachträglich als rechtswidrig erwiesen, ohne dass dermassen schwerwiegende Rechtsverletzungen ersichtlich wären, die zu einer Nichtigkeit des Verfahrens führen könnten. Rechtsfolge der nicht erfüllten Voraussetzungen für die Wiederaufnahme ist grundsätzlich die erneute Verfahrenseinstellung hinsichtlich des bereits verfolgten Tatvorwurfs (vgl. Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO; Art. 329 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 4 StPO) und nicht die Feststellung der Nichtigkeit des Verfahrens. Massgebend ist vorliegend schliesslich, dass mit der Tötung eine bekannte Straftat vorlag (vgl. Urteile 6B_897/2019 vom 9. Januar 2020 E. 1.3.1 f.; 1B_26/2016 vom 29. November 2016 E. 4.3 f.) und ein laufendes Verfahren gegen Unbekannt in Gang war. In Fällen, in denen zwar die Straftat, nicht aber der Straftäter bekannt ist, ist nicht ohne Weiteres von einer Beweisausforschung auszugehen (JOSITSCH/SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2023, Rz. 973 Fn. 6). Unter den dargelegten Umständen kann nicht gesagt werden, dass die Beweismassnahme ausserhalb einer abzuklärenden Straftat getätigt wurde.