Citation: 4A_660/2020 E. 3.3.1

3.3.1. Die Beschwerdeführerin rügt eventualiter, die Auslegung von Artikel 16 des Arbeitsvertrags vom 19. November 2015 im angefochtenen Entscheid verstosse gegen den materiellen Ordre public, weil eine rückwirkende Anwendung der 45-tägigen Frist eine übermässige Vertragsbindung im Sinne von Art. 27 Abs. 2 ZGB begründe. Der angefochtene Entscheid halte lediglich in einem Absatz fest, dass der Beschwerdegegner am 25. November 2016 die Bezahlung von Schadenersatz in der Höhe eines Jahressalärs innerhalb von 45 Tagen verlangt habe und die Beschwerdeführerin dieser Forderung nicht nachgekommen sei, weshalb sie nach Artikel 16 Schadenersatz für die gesamte Restlaufzeit des Vertrags schulde. Der Schiedsentscheid setze sich jedoch nicht damit auseinander, dass die 45-tägige Frist erst zu laufen anfangen könne, wenn auch eine ungerechtfertigte Kündigung entweder durch die verletzende Partei anerkannt oder durch ein Gericht festgestellt worden sei. Jede andere Auslegung von Artikel 16 des Arbeitsvertrags würde die wirtschaftliche Freiheit der Beschwerdeführerin aufheben. Sie hätte ansonsten keine Möglichkeit gehabt, sich juristisch gegen den Vorwurf der ungerechtfertigten Kündigung zur Wehr zu setzen, wenn die 45-tägige Frist ungeachtet einer Feststellung der ungerechtfertigten Kündigung zu laufen beginnen würde, zumal ein Schiedsverfahren mehr Zeit in Anspruch nehme. Die Auswirkung der schiedsgerichtlichen Auslegung der fraglichen Vertragsklausel sei wirtschaftlich eklatant, da die Bezahlung eines Jahressalärs USD 60'000.-- betrage, die Restlaufzeit des ganzen Vertrags hingegen USD 246'000.-- ausmache.