Citation: I 499/05 28.10.2005 E. 2

Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente, insbesondere die Frage der zumutbarerweise verwertbaren Restarbeitsfähigkeit. 2.1 Während Vorinstanz und Verwaltung gestützt auf die Schlussfolgerungen im MEDAS-Gutachten vom 16. Juni 2003 von einer aufgrund einer diagnostizierten Neurasthenie, einem funktionell-mechanischen cervico- und lumbospondylogenen Syndrom und einem unvollständigen Fibromyalgiesyndrom um insgesamt 25 % verminderten Leistungsfähigkeit in mechanisch wenig belastenden, rückenschonenden Tätigkeiten (mit möglichst wenig Zeitdruck und ohne Schichtarbeit) ausgehen, beträgt die Restarbeitsfähigkeit nach Auffassung der Beschwerdeführerin ca. 35 bis 45 %; sollte das Gericht dies im Lichte der verfügbaren medizinischen Unterlagen nicht als hinlänglich erstellt erachten, sei angesichts vorhandener Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten im MEDAS-Gutachten eine neuerliche interdisziplinäre Begutachtung unerlässlich. 2.2 Massgebende Grundlage der MEDAS-Gesamtbeurteilung bilden die fachärztlichen Einschätzungen in den Teilgutachten des Dr. med. S.________ vom 22. März 2003 (Rheumatologie) und des Dr. med. B.________ vom 24. März 2003 (Psychiatrie). 2.2.1 Gemäss Teilgutachten des Dr. med. S.________ vom 22. März 2003 ist die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus körperlich-funktionaler Sicht - "seitens des Bewegungsapparates" - in mechanisch wenig beanspruchenden, rückenschonenden Tätigkeiten um ca. 30 % reduziert. Aus den Aussagen des Arztes ist zu schliessen, dass (organische) Ursache hiefür das diagnostizierte cervico- und lumbospondylogene Syndrom (mit objektivierbarer fortgeschrittener Osteochondrose, welche allerdings nicht alle geklagten Beschwerden zu erklären vermag) ist. Das ebenfalls diagnostizierte unvollständige Fibromyalgie-Syndrom ("Weichteilschmerzsyndrom") als solches führt nach Einschätzung des Rheumatologen zwar zu keiner Einschränkung "der funktionellen Kapazität bezogen auf die Beweglichkeit der Extremitäten oder des Achselskeletts"; als Ausdruck eines psychogenen Geschehens "im Sinne eines schweren psychosomatischen Schmerzsyndroms oder einer sich anbahnenden Somatisierung" schränke es aber zusammen mit einer beginnenden Dekonditionierung die (körperlich) zumutbare Arbeitsleistung von 70 % um 20 bis 30 % ein. Inwieweit die Beeinträchtigungen auf der psychisch-geistigen Ebene "zu einer zusätzlichen Einschränkung" der Leistungsfähigkeit führen, sei im Rahmen einer noch durchzuführenden psychiatrischen Exploration zu klären. 2.2.2 Der Psychiater Dr. med. B.________ hielt im Teilgutachten zuhanden der MEDAS vom 24. März 2003 dafür, dass sich die Probleme der Patientin diagnostisch "am ehesten in dem Störungsbild einer Neurasthenie" zusammenfassen lassen, ohne sich allerdings vorgängig mit den in früheren Berichten - z.T. auch fachärztlicherseits - gestellten Diagnosen der "ausgeprägten, kombinierten" bzw. "anhaltenden somatoformen Störung/anhaltenden Somatisierungsstörung" (ICD-10: F45.4, F45.0; Berichte des Dr. med. U.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. Februar 2000, des Dr. med. H.________, Facharzt FMH für Rheumatologie, vom 22. August 2002 und des Dr. med. R.________, vom 30. Mai 2000), der "längerdauernden chronifizierten depressiven Episode in wechselnder Ausprägung" (Bericht der Frau Dr. med. W.________, FMH Aequivalent für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1. Juni 2002) oder auch mit dem im Austrittsbericht des Spitals Q.________ vom 20. Mai 1999 festgestellten "psychotischen Zustandsbild" bzw. der dort aufgeführten Differentialdiagnose der psychogenen Psychose (vgl. auch Bericht des Dr. med. H.________ vom 22. August 2002: "v.a. Psychose und depressive Symptomatik mit Angstzustand und Dauerunruhe") auseinanderzusetzen. Entgegen anderslautenden Einschätzungen in früheren Berichten (des Dr. med. U.________ vom 28. Februar 2000 [wegen somatoformer Schmerzstörung 60-70 % / 5-6 Stunden täglich], der Frau Dr. med. W.________ vom 1. Juni 2002 und des Dr. med. H.________ vom 22. August 2002 [je: 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten]) attestiert Dr. med. B.________ eine Einsatzfähigkeit von 7 bis 9 Stunden täglich (ohne Schichtarbeit und ohne hohen Zeitdruck), wobei aufgrund der Neurasthenie eine 20-30%ige Leistungseinschränkung bestehe. 2.3 Im Lichte der erwähnten Teilgutachten sowie mit Blick auf die gesamte Aktenlage ist die abschliessende Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit durch die MEDAS (insgesamt 75 %) nicht ohne weiteres nachvollziehbar und überzeugend, sondern in verschiedener Hinsicht mit Unklarheiten und Ungereimtheiten behaftet. 2.3.1 Bereits die von Dr. med. S.________ angegebene Einschränkung von 30 % "seitens des Bewegungsapparates" geht über die in der MEDAS-Gesamtbeurteilung angenommene und vorinstanzlich als massgebende Entscheidungsgrundlage erachtete Leistungsverminderung von gesamthaft 25 % hinaus. Zusätzlich setzt sich die Annahme einer 25%igen Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten augenfällig in gewissen Widerspruch zur Aussage des Rheumatologen, wonach die zumutbare Arbeitsfähigkeit von 70 % aufgrund des psychogenen Geschehens (chronifiziertes Schmerzsyndrom/unvollständige Fibromyalgie) und der beginnenden Dekonditionierung um 20 bis 30 % eingeschränkt sei. 2.3.2 Wie sich die gemäss Dr. med. S.________ im Wesentlichen durch die Fibromyalgie - im Sinne eines schweren psychosomatischen (chronifizierten) Schmerzsyndroms" - bedingte Leistungseinbusse von 20 bis 30 % (bei körperlich zumutbarem Einsatz von 70 %) zu der vom Psychiater angegebenen Arbeitsunfähigkeit von ebenfalls 20 bis 30 % verhält, bleibt in den abschliessenden Beurteilungen der MEDAS unklar. Die - implizite - Annahme jedenfalls, dass die leistungsbeeinflussenden psychischen Komponenten die vom Rheumatologen attestierten Einschränkungen vollständig überlagern und insoweit keinerlei autonome Auswirkungen oder Verstärkungseffekt haben, lässt sich durch die Aussagen in den Teilgutachten nicht hinlänglich stützen. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass das Beschwerdebild der Versicherten durch ein enges Zusammenwirken von psychischen und körperlichen Faktoren verursacht ist, sind hinsichtlich einer Gleichsetzung der von den beiden Fachärzten auf 20-30 % bezifferten Leistungseinschränkung erhebliche Zweifel angebracht, nachdem im rheumatologischen Teilgutachten festgehalten wurde, "zusätzliche" Einschränkungen" auf geistig-psychischer Ebene seien von psychiatrischer Seite zu beurteilen und der Psychiater seinerseits die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 bis 30 % nicht etwa auf eine - mit Blick auf die Symptomatik der rheumatologischen Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms durchaus verwandte - anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), sondern auf die anderslautende Diagnose einer Neurasthenie (ICD-10: F48.0; ) zurückführte. 2.3.3 Hinsichtlich des Teilgutachtens des Dr. med. B.________ vom 24. März 2004 im Besonderen fällt auf, dass der Facharzt offenkundig Mühe hatte, das psychische Beschwerdebild der Versicherten diagnostisch klar zu orten. Seine Aussage, es sei "am ehesten [dem] Störungsbild der Neurasthenie" zuzuordnen, fällt entsprechend vage aus und ist - da jegliche Auseinandersetzung mit abweichenden Diagnosen in früheren Berichten (siehe Erw. 2.2.2 hievor) fehlt - nur beschränkt nachvollziehbar. Entsprechendes gilt hinsichtlich der Einschätzung der psychisch bedingten Leistungseinschränkung von 20-30 %, die ebenfalls erheblich von andern, auch fachärztlichen Stellungnahmen abweicht (siehe Erw. 2.2.2 hievor), ohne dass der Psychiater darauf Bezug nimmt. Dass die diagnostizierte Neurasthenie und die gemäss Dr. med. B.________ daraus resultierende 20-30%ige Leistungseinschränkung den psychischen Leiden der Beschwerdeführerin vollumfänglich Rechnung trägt, ist wohl möglich, in Würdigung der gesamten Aktenlage indessen nicht hinreichend erstellt. Die genannten Diskrepanzen können im Rahmen der Beweiswürdigung namentlich auch deshalb nicht ausser Acht gelassen werden, als im MEDAS-Gutachten ausdrücklich darauf hingewiesen wird, der Grad der Arbeitsunfähigkeit (in der bisherigen und in leidensangepassten) Tätigkeiten habe sich seit 1999 nicht verändert, und die IV-Stelle noch in ihrem Vorbescheid vom 22. Oktober 2002 von einer Restarbeitsfähigkeit von insgesamt nur 65 % ausging. 2.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die ärztlichen Stellungnahmen im Rahmen der MEDAS-Abklärung keine hinreichend verlässliche Grundlage für eine abschliessende Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit sowie der - aus rechtlicher Sicht zentralen - Frage bieten, ob und inwieweit der Beschwerdeführerin bei Aufbietung allen guten Willens eine Vermeidung/Überwindung ihrer psychisch bedingten Leistungsbeeinträchtigungen zuzumuten ist (BGE 131 V 50 ff., 130 V 353 ff.). Dass die jeweiligen Teilgutachter die Schlussbeurteilung der Gutachtensärztin Frau Dr. med. E.________ unterzeichnet haben, vermag die Ungereimtheiten und Mängel in den jeweiligen Teilgutachten sowie die - in Würdigung sämtlicher Akten - fehlende Überzeugungskraft der Gesamteinschätzung der MEDAS nicht zu beseitigen, weshalb zusätzliche Abklärungen zur zumutbarerweise verwertbaren (Rest-)Arbeitsfähigkeit angezeigt sind.