Citation: 9C_437/2015 E. 2.4

2.4. Soweit sich die Vorinstanz in ihrer im letztinstanzlichen Verfahren eingereichten Stellungnahme dahingehend geäussert hat, dass im Falle psychisch beeinträchtigter Arbeitnehmer wegen der indirekten Nachteile generell ein Abzug von 15 % gewährt werde, widerspricht dies der Rechtsprechung, gemäss welcher der Abzug nicht automatisch erfolgen soll, sondern stets unter Würdigung der Umstände des Einzelfalles festzusetzen ist (vgl. dazu E. 2.2 hiervor). Nach den verbindlichen, sich im Wesentlichen auf das bidisziplinäre Gutachten vom 19. November 2011 stützenden Feststellungen im angefochtenen Entscheid ist die Versicherte seit Februar 2009 zu 40 % (für die Dauer der Hospitalisationen [Juni/Juli 2009 und Oktober bis Februar 2010] zu 100 %) arbeitsunfähig, dies aufgrund einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode, einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-abhängigen, histrionischen, selbstunsicheren und emotional instabilen Anteilen, einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und einer Cervicobrachialgie rechts bei kleiner Diskushernie C5/C6 rechts (wobei gemäss Gutachten die somatoforme Schmerzstörung ohne Einfluss auf Arbeitsfähigkeit ist). Da die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung sämtliche gesundheitlichen Beeinträchtigungen in ihrer Gesamtheit miteinschliesst, darf der Polymorbidität - entgegen dem angefochtenen Entscheid - nicht (zusätzlich) mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung getragen werden, weil sie sonst doppelt berücksichtigt würde (vgl. auch Urteile 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.1; 9C_191/2015 vom 1. Juni 2015 E. 3.2; 8C_283/2011 vom 26. Mai 2011 E. 4). Nicht beigepflichtet werden kann der Vorinstanz auch, soweit sie den gewährten Abzug des Weitern darauf stützt, dass die psychisch beeinträchtigte Versicherte ein grosses Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen habe und deshalb mit einem unterdurchschnittlichen Lohn rechnen müsse. Denn rechtsprechungsgemäss stellt dies bei Versicherten, deren verminderte psychische Belastbarkeit - wie hier - bereits im Rahmen der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt ist, kein anerkanntes, eigenständiges Abzugskriterium dar (Urteil 8C_283/2011 vom 26. Mai 2011 E. 4; SVR 2010 IV Nr. 28 S. 87, 9C_708/2009 E. 2.3.2). Auch in Bezug auf die Abzugsrelevanz des erhöhten Betreuungsaufwandes kann der Vorinstanz nicht gefolgt werden. Nach der Rechtsprechung (Urteil 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.1) bildet Gegenstand des Abzugs die Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen. Wenn von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen ist, können unter dem Titel des leidensbedingten Abzuges grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind (Urteil 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.1). Aus diesem Grund wurde die Notwendigkeit einer psychisch bedingt verstärkten Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen in der Gerichtspraxis nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt (Urteil 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.1 mit Hinweis auf SVR 2010 IV Nr. 28 S. 87, 9C_708/2009 E. 2.3.2; Urteile 8C_283/2011 vom 26. Mai 2011 E. 4 und 9C_474/2010 vom 11. April 2011 E. 3.4). Gleiches hat hinsichtlich des der verstärkten Rücksichtnahme sehr nahe kommenden, hier zur Diskussion stehenden erhöhten Betreuungsaufwandes zu gelten. Denn angesichts des Zumutbarkeitsprofils (möglichst selbständig auszuübende, körperlich leichte Tätigkeit in einem wohlwollenden Umfeld mit der Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, ohne Zwangspositionen oder repetitive Bewegungen der Wirbelsäule, ohne Absolvieren längerer Gehstrecken und ohne Überwinden von Höhendifferenzen) ist im Falle der Beschwerdegegnerin von einem breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen; da ein erhöhter Betreuungsaufwand auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keinen ausserordentlichen Faktor darstellt, rechtfertigt er keinen Abzug.