Citation: 4A_194/2024 E. 4.3.5

4.3.5. Der Beschwerdegegner wendet ein, dass die von der Beschwerdeführerin zu verantwortende Arbeitszeiterfassung durch die Wochenrapporte beweisuntauglich sei. Soweit er damit sinngemäss vorbringt, die Beschwerdeführerin habe ihre im GAV verankerte Pflicht zur Erfassung, Kontrolle und Erstellung von Aufzeichnungen über die geleisteten Arbeitsstunden vernachlässigt und dadurch den Beweis des Beschwerdegegners erschwert, kann dies zwar eine Beweiserleichterung rechtfertigen und zu einer richterlichen Schätzung der Arbeitsstunden in analoger Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR führen (vgl. Urteile 4A_28/2018 vom 12. September 2018 E. 3; 4A_392/2018 vom 27. März 2019 E. 3; 4A_611/2012 vom 19. Februar 2013 E. 2.2). Es befreit den Beschwerdegegner aber nicht davon, alle Umstände, die die Abschätzung der geleisteten Arbeitsstunden erlauben, soweit möglich und zumutbar zu substanziieren (zit. Urteile 4A_138/2023 E. 4.2; 4A_28/2018 E. 3; Urteil 4A_285/2019 vom 18. November 2019 E. 6.2.3). Der Beschwerdegegner zeigt mit dem Hinweis auf die Abweichung zwischen GAV und Arbeitsvertrag und der behaupteten mangelhaften Zeiterfassung nicht hinreichend auf, inwiefern die Voraussetzungen einer Schätzung der behaupteten Arbeitsstunden nach Art. 42 Abs. 2 OR erfüllt wären. Die Vorbringen des Beschwerdegegners zielen vielmehr darauf ab, ihm den Beweis insoweit zu erleichtern, als dass eine Abweichung zwischen einem günstigeren GAV und einem ungünstigeren Arbeitsvertrag zusammen mit der blossen Behauptung der Erfüllung des Arbeitsvertrages ausreichen soll, um die tatsächliche Arbeitsleistung zu beweisen und im Umkehrschluss von der Beschwerdeführerin den Beweis der Nichtleistung zu verlangen. Eine solche weitgehende Erleichterung der Substanziierungs- und Beweisführungslast lässt sich entgegen den Erwägungen der Vorinstanz nicht mit Verweis auf die Fürsorgepflichten des Arbeitgebers zur Einhaltung des GAV oder auf das redliche Verhalten eines kaufmännischen Unternehmens rechtfertigen. Sie widerspricht dem Zweck der analogen Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR, die Beweisschwierigkeiten begegnen, nicht aber dem Arbeitnehmer die Beweislast generell abnehmen will (zit Urteil 4A_285/2019 E. 6.2.3; Urteil 4C.307/2006 vom 26. März 2007 E. 3.2).