Citation: 2A.519/2000 16.02.2001 E. 2

2.- a) Auch wenn Art. 17 Abs. 2 dritter Satz ANAG unter anderem die familiäre Beziehung getrennt lebender Eltern zu ihren Kindern schützt, räumt diese Bestimmung grundsätzlich nicht demjenigen Elternteil ein Recht auf Nachzug eines Kindes ein, der freiwillig ins Ausland verreist ist, der ein weniger enges Verhältnis zum Kind hat als der andere Elternteil oder sonstige Verwandte, die für das Kind sorgen, und der seine bisherigen Beziehungen zum Kinde weiterhin pflegen kann. In solchen Fällen gibt es keinen bedingungslosen Anspruch auf Nachzug des Kindes durch den in der Schweiz lebenden Elternteil. Ein entsprechendes Recht setzt vielmehr voraus, dass das Kind zum hier ansässigen Elternteil die vorrangige familiäre Beziehung unterhält und sich der Nachzug als notwendig erweist. Dabei kommt es zwar nicht nur auf die bisherigen Verhältnisse an, sondern es können auch nachträglich eingetretene oder künftige Umstände wesentlich werden. In der Regel ist dafür aber zunächst der privatrechtliche Weg zu beschreiten, d.h. es ist die rechtlich verbindliche Zuteilung des Sorgerechts anzustreben. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen klare Anhaltspunkte für neue familiäre Abhängigkeiten oder für eine wesentliche Verlagerung der Beziehungsintensitäten bestehen, wie etwa beim Hinschied desjenigen Elternteils, der das Kind bisher betreut hat. Die Verweigerung einer Bewilligung lässt sich somit jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung von den Betroffenen ursprünglich selbst freiwillig herbeigeführt worden ist, für die Änderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die Fortführung und Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (BGE 124 II 361 E. 3a S. 366 f., mit Hinweisen). b) Die Beschwerdeführerin reiste Ende 1993 in die Schweiz, als der Sohn B.________ zwölfeinhalb und die Tochter D.________ sieben Jahre alt waren. Die beiden Kinder, die bei der Scheidung unter die Obhut des Vaters gestellt worden waren, liess sie in Polen zurück. Sie wurden in der Folge von der Grossmutter väterlicherseits betreut. Erst als die Beschwerdeführerin im Besitz der Niederlassungsbewilligung war, ersuchte sie für D.________ sowie B.________ für sich selbst um Familiennachzug. aa) Die Beschwerdeführerin macht dazu geltend, sie habe sich jedes Jahr bei der Fremdenpolizei erkundigt, ob sie nun die Kinder zu sich nehmen könne; sie habe stets die Antwort erhalten, dies sei nur nach Erhalt der Niederlassungsbewilligung möglich. Die Vorinstanz hat dazu angemerkt, diese Behauptungen habe die Beschwerdeführerin auch auf ausdrückliches Befragen im Rekursverfahren nicht belegt, sie seien daher nicht glaubhaft. Diese Sachverhaltsfeststellung ist jedenfalls nicht offensichtlich unrichtig (vgl. Art. 105 Abs. 2 OG). bb) Im Rekursverfahren vor dem Regierungsrat hat die Beschwerdeführerin ausgeführt, sie habe vorerst nur den Sohn zu sich nehmen wollen, da die Tochter die Grundschule noch nicht beendet habe. Beamte der Fremdenpolizei hätten ihr daraufhin gesagt, solange sie nur über eine blosse Aufenthaltsbewilligung verfüge, könne sie entweder beide Kinder zu sich nehmen oder keines. Falls die Beschwerdeführerin tatsächlich eine solche Auskunft erhalten haben sollte, erstaunt umso mehr, dass sie daraufhin nicht ein Nachzugsgesuch für beide Kinder stellte; dass die Tochter D.________ dabei die Grundschule nicht hätte beenden können, hätte angesichts einer Übersiedelung in die Schweiz mit einem ohnehin völlig anderen Schulsystem kein Hinderungsgrund sein dürfen. Spätestens aber im Herbst 1998, als ihr das Sorgerecht über beide Kinder übertragen worden war, hätte die Beschwerdeführerin ein solches Gesuch stellen müssen. Dass ihr Sohn erst, nachdem die Beschwerdeführerin die Niederlassungsbewilligung erworben hatte, und kurz vor seinem achtzehnten Geburtstag ein Nachzugsgesuch für sich stellte, lässt darauf schliessen, dass es ihm bzw. der Beschwerdeführerin nicht primär um den Zusammenschluss der Familie, sondern um bessere wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten in der Schweiz geht. Im Zeitpunkt der Gesuchstellung stand der Beschwerdeführer zudem unmittelbar vor der Volljährigkeit und bedurfte somit keiner Betreuung mehr; der Gesundheitszustand seines Grossvaters ist daher für den vorliegenden Fall nicht von Bedeutung, ebenso wenig die Frage, ob und in welchem Masse sich der Beschwerdeführer während des Verfahrens um Familiennachzug in der Schweiz integriert hat. Kontakte mit seiner Mutter sowie der nun in der Schweiz lebenden Schwester kann der Beschwerdeführer im Rahmen von bewilligungsfreien Besuchsaufenthalten wahrnehmen. c) Dass dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung verweigert worden ist, verstösst damit nicht gegen Bundesrecht. Die Beschwerdeführer berufen sich im Übrigen zu Recht nicht auf Art. 8 EMRK, war B.________ doch im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung an das Bundesgericht schon über 19 Jahre alt (vgl. BGE 120 Ib 257 E. 1f S. 262 f.), und ist ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Mutter nicht ersichtlich.