Citation: 1P.42/2000 15.02.2000 E. 5

5. Altersjahr zurückgehenden Drohungen ernstgenommen und dementsprechend auch jahrelang geschwiegen hat. Die Vizepräsidentin des Verfahrensgerichtes ging somit aufgrund der Aussage von R.W.________ zu Recht davon aus, dass sie von ihrem Vater - was in Fällen von Kindsmissbrauch durch Verwandte geradezu typisch ist - mit "kindgerechten" Drohungen zum Schweigen angehalten wurde. Dieses (mutmassliche) Verhalten des Beschwerdeführers vor seiner Verhaftung konnte die Präsidentin des Verfahrensgerichtes daher ohne Verfassungsverletzung als konkretes Indiz dafür auffassen, dass er in Freiheit versuchen könnte, seine Tochter erneut unter Druck zu setzen, um sie zum Schweigen bzw. zum Rückzug ihrer Belastungen zu veranlassen. b) Der Beschwerdeführer macht geltend, er hätte objektiv gar keine Möglichkeit, auf das Beweisverfahren einzuwirken. Seine Tochter habe bereits ausgesagt. Diese Aussage sei auf Video aufgenommen worden, womit deren Beweiswert bereits im jetzigen Zeitpunkt sichergestellt sei. Ziehe seine Tochter später von sich aus oder auf Druck einer Drittperson ihre Aussagen zurück, so müsste auch diese zweite Aussage auf ihre Glaubhaftigkeit überprüft werden. Dadurch werde das Verfahren keineswegs erschwert oder vereitelt. Eine Kollusion sei im Übrigen auch deswegen ausgeschlossen, weil ein unmittelbarer Kontakt des Beschwerdeführers zu seiner Tochter in der jetzigen Situation gar nicht vorstellbar sei. Falls die Untersuchungsbehörden trotzdem eine gewisse Erschwerung des Verfahrens durch seine Entlassung befürchteten, könnten sie ihm als Ersatzmassnahme im Sinne von § 79 StPO generell die Weisung erteilen, auf jeden Kontakt mit seiner Tochter zu verzichten. c) Der Beschwerdeführer wird im jetzigen Stadium des Verfahrens einzig durch die Aussage seiner Tochter belastet, welche auf Video festgehalten ist und über die zur Zeit ein Glaubwürdigkeitsgutachten erstellt wird. Nach der Auffassung der Vizepräsidentin des Verfahrensgerichts kann der Beweiswert dieses Beweismittels erst als gesichert gelten, wenn das Gutachten vorliegt und, falls sich das als notwendig herausstellen sollte, R.W.________ ein zweites Mal zur Sache einvernommen worden ist. Diese Einschätzung ist nicht zu beanstanden. Es ist keineswegs von vornherein ausgeschlossen, dass R.W.________ den Beweiswert ihrer ersten Aussage selber in Frage stellen könnte, indem sie sie zurücknimmt und erklärt, wieso sie ihren Vater zu Unrecht belastet habe. Solange die Aussage von R.W.________ noch nicht als gesichert gelten kann, besteht auch objektiv die Gefahr, dass der Beschwerdeführer versuchen könnte, sie in Freiheit unter Druck zu setzen. Auch wenn es für den Beschwerdeführer, wie er geltend macht, schwierig sein dürfte, sich unbemerkt mit seiner Tochter in Verbindung zu setzen, so lässt sich diese Möglichkeit nur durch seine Inhaftierung zuverlässig ausschliessen. Und R.W.________, für die das auf ihren Aussagen beruhende Strafverfahren gegen ihren Vater naturgemäss sehr belastend ist, käme durch die Haftentlassung des Beschwerdeführers zusätzlich unter Druck, selbst wenn sie von diesem gut abgeschirmt würde. Es erscheint daher in dieser noch frühen Phase des Verfahrens nicht verfassungswidrig, ihrem Schutz vor allfälligen Druckversuchen des Beschwerdeführers Priorität einzuräumen und solche durch dessen Inhaftierung auszuschliessen. Die Vizepräsidentin des Verfahrensgerichts konnte daher ohne Verfassungsverletzung annehmen, es bestehe Kollusionsgefahr. Die Rüge ist unbegründet. d) Die Vizepräsidentin des Verfahrensgerichts stellt indessen mit Recht fest, dass das "in Kürze" erwartete Glaubwürdigkeitsgutachten des IRM für die weitere Beurteilung der Kollusionsgefahr entscheidend sein werde: bringt die Untersuchung nicht völlig neue, unerwartete Gesichtspunkte zu Tage, lässt sich Kollusionsgefahr nach dem Eintreffen des Gutachtens höchstens noch bis zu einer möglicherweise notwendigen zweiten Befragung von R.W.________ aufrechterhalten.