Citation: 1P.208/2002 19.07.2002 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer hält dafür, die Anklagekammer habe ihren Entscheid ungenügend begründet und ihm dadurch das rechtliche Gehör verweigert. So habe er dargelegt, dass der Übergriff am 17. März 2000 stattgefunden haben müsse. Da er an diesem Tag lückenlos vom Beschwerdegegner betreut worden sei, komme nur dieser als Täter in Frage. Auf diese Ausführungen sei die Anklagekammer nicht eingegangen. 3.2 Der durch Art. 29 Abs. 2 BV garantierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs verlangt, dass die urteilende Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen. Der Bürger soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat. Die Begründung eines Entscheids muss deshalb so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Die Behörde hat demnach wenigstens kurz die Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Das bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand im Detail auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und hat demnach in der Begründung ihres Entscheids diejenigen Argumente aufzuführen, die tatsächlich ihrem Entscheid zugrunde liegen. Diejenigen Elemente, welche nicht bewiesen, unerheblich oder von untergeordneter Bedeutung erscheinen, dürfen stillschweigend übergangen werden (BGE 126 I 97 E. 2 S. 102; 116 IV 288 E. 2c S. 291, je mit Hinweisen). 3.3 Die Anklagekammer hat zur möglichen Täterschaft des Beschwerdegegners erwogen, es lägen einige effektive Verdachtsmomente für seine Täterschaft vor. Für das konkrete Spurenbild seien jedoch verschiedene Täter, sowohl im inner-, wie auch ausserschulischen Bereich denkbar. Der Beschwerdegegner komme als ein möglicher Täter in Frage. Die Intensität des Verdachts reiche jedoch für eine rechtsgenügliche Verurteilung nicht aus. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift seien zwar nicht von der Hand zu weisen; sie lägen jedoch die Täterschaft des Beschwerdegegners nicht derart nahe, dass eine andere Ursache als mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden müsste. Die teilweise als Schutzbehauptungen dargestellten Äusserungen des Beschwerdegegners seien nicht geeignet, den Nachweis für dessen Täterschaft zu erbringen. Auch die Zeugenaussagen brächten keine echten und handfesten Indizien. Dementsprechend reiche die Aktenlage nicht aus, um mit genügender Sicherheit für die Täterschaft des Beschwerdegegners Anklage erheben zu können. 3.4 Die Anklagekammer hat in ihrem Urteil ausgeführt, verschiedene Täter kämen in Frage und der Kreis der Tatverdächtigen sei zu gross, als dass gegen den Beschwerdegegner Anklage erhoben werden könnte. Jedoch hat sie nicht dargelegt, wie sie auf diesen Schluss gekommen ist. Auch hat sie erwähnt, unter den vorhandenen objektiven Verdachtsgegebenheiten stellten nur einige effektiv Verdachtsmomente für die Täterschaft des Beschwerdegegners dar. Welches diese Verdachtsgegebenheiten bzw. -momente sind, hat sie jedoch nicht dargelegt. Es ist auch nicht ersichtlich, wie sie die einzelnen Argumente des Beschwerdeführers für die Tatzeit des 17. März 2000 gewichtet hat und welches die für die Einstellungsverfügung respektive den Entscheid vom 18. Dezember 2001 wesentlichen Gesichtspunkte waren. In Anbetracht der pauschalen Ausführungen der Anklagekammer war es dem Beschwerdeführer nicht möglich, im Detail zu erkennen, weshalb die Anklagekammer entgegen seinen Anträgen entschieden hat. Die Begründung des Entscheids ist nicht so abgefasst, dass eine sachgerechte Anfechtung möglich wäre bzw. dass die Beweiswürdigung nachvollzogen werden könnte. Entsprechend der formellen Natur des Gehörsanspruchs (BGE 127 V 431 E. 3d S. 437 mit Hinweisen) ist der Entscheid der Anklagekammer aufzuheben. 3.5 Für die Eingrenzung des Täterkreises ist insbesondere die Tatzeit wesentlich. So soll sich der Beschwerdeführer nach den Aussagen der Eltern am Nachmittag des 17. März 2000 nach der Schule über Schmerzen beim Stuhlgang beklagt haben. Zudem wollen die Eltern an diesem Tag am Hals des Beschwerdeführers einen Flecken entdeckt haben, der gemäss den Aussagen des Hausarztes ein "Knutschfleck" sein könne. Ferner hätten die Kleider des Beschwerdeführers nach Rasierwasser gerochen, obwohl er am Morgen das Haus mit frischen Kleidern verlassen habe. Am 18. März 2000 habe die Mutter des Beschwerdeführers Risse an dessen After festgestellt, und der Beschwerdeführer habe sich über Schmerzen beklagt. Diese Aussage der Mutter ist nie durch deren persönliche Einvernahme verifiziert worden; es liegen diesbezüglich nur die Aussagen des Vaters des Beschwerdeführers vor. Der auf diese Feststellungen hin erfolgte ärztliche Untersuch vom 20. März 2000 gab jedenfalls Anlass zu weiteren Abklärungen, anlässlich derer festgehalten wurde, die Lokalisation der mehrere Tage bis Wochen alten Verletzungen spräche dafür, dass diese durch ein anales Penetrationstrauma hervorgerufen worden seien. Frau D.________, Betreuerin im B.________, gab hinsichtlich des Verhaltens des Beschwerdeführers am 17. März 2000 die Auskunft, er sei "angeschlagen" gewesen, das heisst, "X.________ war so blass liess den Mund hängen und die Nase lief und er blickte [sie] so leer an." Frau E.________, eine andere Betreuerin im B.________, meinte, es sei durchaus möglich, dass die Tat am Morgen stattgefunden habe. Schliesslich versichert auch der Beschwerdegegner, in der Betreuung des Beschwerdeführers gebe es keine Lücken. 3.6 Die Aussagen und Feststellungen der vorerwähnten Zeugen hat die Anklagekammer möglicherweise berücksichtigt; es ist jedoch nicht ersichtlich, welches diejenigen Aussagen und Argumente sind, die tatsächlich dem Entscheid zugrunde liegen und welche Elemente die Anklagekammer als nicht bewiesen, unerheblich oder von untergeordneter Bedeutung stillschweigend übergangen hat. Wie bereits dargelegt, führt dieser formelle Mangel zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides.