Citation: I 29/06 09.08.2007 E. 4

4.1 In Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung plädiert die Vorinstanz dafür, es genüge grundsätzlich eine natürliche Kausalität, wobei das Geburtsgebrechen lediglich mindestens eine erhebliche Teilursache des Sekundärleidens sein müsse, um die Anwendung von Art. 13 IVG zu rechtfertigen. Ein Folgeleiden lässt ihrer Auffassung nach einen Anspruch auf medizinische Massnahmen der Invalidenversicherung schon entstehen, wenn es eine natürliche Ursache in einem Geburtsgebrechen hat und wenn die Behandlung geeignet ist, die (zukünftige) Erwerbsfähigkeit zu erreichen, erhalten oder zu verbessern. Die Vorinstanz beruft sie dabei auf einen eigenen, noch nicht rechtskräftigen Entschied, welcher ebenfalls beim Bundesgericht hängig ist. 4.2 Das Bundesgericht hat im dazu ergangen Urteil A. vom 9. August 2007 (I 32/06) einlässlich begründet, dass kein Anlass besteht, die langjährige, immer wieder bestätigte Rechtsprechung zum Erfordernis des qualifizierten adäquaten Kausalzusammenhangs, an dessen Erfüllung im Übrigen strenge Anforderungen zu stellen sind, in Frage zu ziehen. Vielmehr ist an der bisherigen Rechtsprechung festzuhalten. Danach erstreckt sich der Anspruch auf medizinische Massnahmen ausnahmsweise - und vorbehältlich der hier nicht zur Diskussion stehenden Haftung für das Eingliederungsrisiko nach Art. 11 IVG - auch auf die Behandlung sekundärer Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die Folge dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsgebrechen und dem sekundären Leiden muss demnach ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nur wenn im Einzelfall dieser qualifizierte ursächliche Zusammenhang zwischen sekundärem Gesundheitsschaden und Geburtsgebrechen gegeben ist und sich die Behandlung überdies als notwendig erweist, hat die Invalidenversicherung im Rahmen des Art. 13 IVG für die medizinischen Massnahmen aufzukommen (BGE 129 V 207 E. 3.3 S. 209, 100 V 41 mit Hinweisen; AHI 2001 S. 79 E. 3a, I 43/98). An die Erfüllung der Voraussetzungen des rechtserheblichen Kausalzusammenhangs sind strenge Anforderungen zu stellen, zumal der Wortlaut des Art. 13 IVG den Anspruch der Versicherten vor vollendetem 20. Altersjahr auf die Behandlung des Geburtsgebrechens an sich beschränkt (AHI 1998 S. 249 E. 2a, I 222/96; vgl. Urteil R. vom 6. Juli 2005, I 801/04, E. 1.3).