Citation: 2C_907/2018 E. 6.2

6.2. Der zur Anordnung einer Disziplinarmassnahme notwendige Tatbestand unterscheidet sich vom Tatbestand, der für den Entzug der Berufsausübungsbewilligung erfüllt sein muss (vgl. Art. 43 Abs. 1 MedBG im Unterschied zu Art. 38 Abs. 1 MedBG i.V.m. Art. 36 Abs. 1 MedBG). Sind die Bewilligungsvoraussetzungen nach Art. 36 Abs. 1 lit. a-c MedBG nicht mehr erfüllt, kann die Aufsichtsbehörde keine Disziplinarmassnahme anordnen. Im Gegenzug reicht eine Verletzung der Berufspflichten oder der Vorschriften der Medizinalberufegesetzgebung nach Art. 43 Abs. 1 MedBG für sich alleine nicht aus, um eine Berufsausübungsbewilligung zu entziehen. Dass sich der Inhalt der Berufspflichten teilweise mit den Voraussetzungen der Berufsausübungsbewilligung überschneidet, ergibt sich bereits daraus, dass beide auf den Schutz der öffentlichen Gesundheit abzielen. Damit jedoch die Verletzung von Berufspflichten für den Bewilligungsentzug ausreichen, muss der Tatbestand der fehlenden Vertrauenswürdigkeit im Sinne von Art. 36 Abs. 1 lit. b MedBG erfüllt werden. Daraus wird wiederum ersichtlich, dass die Disziplinarmassnahmen und der Bewilligungsentzug an einem anderen zu erfüllenden Tatbestand anknüpfen. Gestützt auf diese Erwägung verstösst es nicht gegen den Grundsatz der Gesetzmässigkeit (vgl. Art. 5 Abs. 1 BV), wenn die kumulative Anordnung einer Disziplinarmassnahme und des Bewilligungsentzugs gesetzlich nicht explizit vorgesehen ist. Werden die jeweiligen Tatbestände für sich alleine erfüllt, genügt die bestehende gesetzliche Grundlage, um beide verwaltungsrechtlichen Massnahmen kumulativ anzuordnen. Dabei ist es unerheblich, ob die Anordnungen zeitgleich oder mit einem zeitlichen Abstand erfolgen, zumal die Tragweite einer Berufspflichtverletzung auch erst im Verlaufe der Zeit zum Vorschein kommen und die Vertrauenswürdigkeit damit zeitlich verzögert entfallen kann.