Citation: U 51/05 21.04.2006 E. 3

Beim Unfallereignis vom 5. Mai 1997 handelte es sich um einen Auffahrunfall. Die Beschwerdeführerin war jedoch nicht Opfer eines Heckaufpralls, sondern Lenkerin des auffahrenden Personenwagens. Sie hat beim Unfall kein eigentliches Schleudertrauma (Peitschenhiebverletzung, Whiplash-Injury), aber eine schleudertraumaähnliche Verletzung der HWS erlitten. Im Anschluss an den Unfall ist denn auch zumindest teilweise das typische Beschwerdebild nach solchen Verletzungen aufgetreten (vgl. BGE 117 V 360 Erw. 4b). Streitig und zu prüfen ist, ob in der Zeit ab 1. März 2003 weiterhin behandlungsbedürftige und die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Beschwerden vorhanden waren, welche in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 5. Mai 1997 standen. 3.1 Im Einspracheentscheid vom 5. März 2004 hat die SUVA eine weitere Leistungspflicht vorab mit der Begründung verneint, dass spätestens ab dem verfügten Datum keine unfallbedingten körperlichen oder psychischen Gesundheitsschädigungen mehr bestanden hätten, welche behandlungsbedürftig gewesen wären oder sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit ausgewirkt hätten. Sie stützte sich dabei auf die bei Dr. med. W.________ und Dr. med. D.________ eingeholten Expertisen. Im Gutachten vom 13. November 2002 gelangt Dr. med. W.________ zum Schluss, die von der Versicherten geklagten Symptome stünden nicht in Zusammenhang mit der mehr als fünf Jahre zurückliegenden leichten HWS-Distorsion. Sie liessen sich zwanglos durch eine chronifizierte Fehlhaltung der Wirbelsäule mit reaktiver muskulärer Verspannung erklären. Dazu komme ein psychosozialer Hintergrund des Beschwerdebildes, welcher durch die völlige Therapieresistenz bestätigt werde. Für die Nichtorganizität der Beschwerden sprächen auch die nicht konsistenten Schmerzangaben der Versicherten. Klinisch sei das Beschwerdebild einer sog. Fibromyalgie erfüllt, welche als sekundärer somatischer Ausdruck einer Somatisierungsstörung zu betrachten sei. Aus unfallmedizinischer Sicht könne seit dem 9. September 1997 (Zeitpunkt des Abschlusses des Grundfalles mit Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit) nicht mehr von einem überwiegend wahrscheinlichen natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 5. Mai 1997 ausgegangen werden. Im psychiatrischen Gutachten vom 4. Dezember 2002 führt Dr. med. D.________ aus, eine im eigentlichen Sinne störungsrelevante psychiatrische Diagnose gemäss ICD-10 oder DSM-IV lasse sich nicht stellen. Es liege kein psychisches Leiden mit Krankheitswert vor. Die vorgebrachten Beschwerden wiesen vor allem auf eine ungünstige psychogene Entwicklung bei Wunsch nach Satisfaktion bzw. nach Rentenleistungen hin. Es bestehe ein ausgeprägtes Kausalitätsbedürfnis in dem Sinne, dass die Versicherte die bestehenden gesundheitlichen Störungen ausschliesslich als Folge des Unfallereignisses betrachte. Im Vordergrund der psychogenen Entwicklung stünden Persönlichkeitsfaktoren. Die heute geklagten Beschwerden seien mit äusserst geringgradiger Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 5. Mai 1997 zurückzuführen. Eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit bestehe nicht. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherten jede ihren körperlichen und mentalen Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit uneingeschränkt und voll zumutbar. 3.2 Die ärztlichen Gutachten sprechen dafür, dass in der fraglichen Zeit keine die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende körperliche oder psychische Unfallfolgen mehr bestanden haben. Die geklagten Nacken- und Hinterkopfschmerzen, welche laut Expertise des Dr. med. W.________ auf die chronifizierte Fehlhaltung mit sekundärer muskulöser Verspannung zurückzuführen sind, stehen höchstens möglicherweise in einem (teilweisen) Zusammenhang mit dem Unfall. Sie führen jedoch zu keiner Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit und vermögen das vorhandene Beschwerdebild nicht zu erklären. Dieses ist zur Hauptsache von psychischen Faktoren bestimmt, ohne dass ein psychisches Leiden mit Krankheitswert vorliegt. Ausschlaggebend sind nach der eingehend begründeten psychiatrischen Beurteilung vor allem Persönlichkeitsfaktoren (narzisstische Züge, emotional partielle Retardiertheit, Neigung zu trotzigen Verhaltensweisen etc.) sowie eine Begehrungshaltung im Sinne eines Wunsches nach Satisfaktion. Aus den Akten ergeben sich zudem klare Hinweise darauf, dass die wiederholten Beschwerdeschübe und die daraus resultierende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in Zusammenhang mit psychosozialen Faktoren und einer übermässigen Arbeitsbelastung standen. Diese ergab sich daraus, dass die Beschwerdeführerin vorübergehend Überzeit zu leisten hatte, des Weiteren auch daraus, dass sie neben der Tätigkeit als kaufmännische Angestellte teilzeitlich als Bardame arbeitete. Es fällt denn auch auf, dass die Rückfallmeldungen zeitlich wiederholt mit Arbeitsplatzwechseln und Perioden beruflicher Doppelbelastung zusammenfielen. Die Annahme liegt daher nahe, dass die als Rückfall gemeldeten Beschwerden im Wesentlichen unfallfremde Ursachen hatten. In diesem Sinn hatten sich bereits die Ärzte des Spitals A.________ im Bericht vom 25. Februar 1999 ausgesprochen und festgestellt, dass bei adäquater Belastung grundsätzlich eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Ob, wie die Vorinstanz annimmt, der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den weiter bestehenden Beschwerden und dem Unfall zu bejahen ist, erscheint unter diesen Umständen als fraglich. Weitere Abklärungen erübrigen sich indessen, weil jedenfalls die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu verneinen ist, wie sich aus dem Folgenden ergibt.