Citation: 5A_228/2016 E. 4.3.3

4.3.3. In Bezug auf die Notwendigkeit der Massnahme ist vorab in Erinnerung zu rufen, dass die Tatsache, dass der Beschwerdeführer gegen Ende der jugendstrafrechtlichen Massnahme nicht rechtzeitig bzw. nicht genügend auf seine Freilassung vorbereitet worden ist, nicht entscheidrelevant ist. Weder der Beschwerdeführer noch die Vorinstanz können etwas aus ihren diesbezüglich im Übrigen deckungsgleichen Vorwürfen an die Vollzugsbehörden ableiten. Damit der Beschwerdeführer fürsorgerisch untergebracht werden kann, bedarf es - unabhängig von der Vorgeschichte - einer aktuellen Selbst- bzw. Fremdgefährdung, der nur mit diesem stärksten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Beschwerdeführers begegnet werden kann (E. 3). In diesem Zusammenhang kommt der fehlenden Krankheitseinsicht des Beschwerdeführers eine entscheidende Rolle zu. Der Beschwerdeführer scheint der Ansicht zu sein, dass er seine Freilassung bewirken kann, indem er in geschlossenem Rahmen eine Therapie ablehnt, sich aber für eine ambulante Therapie zugänglich zeigt. Allerdings ist nicht glaubhaft, dass er nach einer Entlassung mehr Einsicht zeigen würde als jetzt. Dabei ist namentlich auf die unwiderlegt gebliebene Feststellung der Vorinstanz zu verweisen, dass der Beschwerdeführer bis heute die begangene Tötung banalisiert und kein echtes Bedauern zeigt. Die Botschaft zum neuen Erwachsenenschutzrecht (Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, BBl 2006 7001 ff. S. 7063) verdeutlicht unter dem Titel von Art. 426 Abs. 3 ZGB, dass das neue Recht in Bezug auf die Entlassung etwas zurückhaltender ist als der frühere Art. 397a Abs. 3 ZGB, welcher die Entlassung vorsah, sobald es der Zustand erlaubte. Die neue Zurückhaltung gründete auf der Kritik des alten Systems, dass die Patienten die Klinik verlassen konnten, sobald die akute Krise vorüber war, die zur Einweisung geführt hatte, und so nicht die Zeit für eine gewisse Stabilisierung des Gesundheitszustands oder für die Organisation der notwendigen Betreuung ausserhalb der Einrichtung liess. Es kam daher relativ rasch wieder zu Klinikeinweisungen. Mit anderen Worten muss für die Entlassung eine genügende Stabilisierung eingetreten und die notwendige ambulante Nachbetreuung geregelt sein. Damit soll namentlich verhindert werden, dass nach einer Entlassung unmittelbar eine Wiedereinweisung notwendig wird (vgl. Philippe Meier/ Suzana Lukic, Introduction au nouveau droit de la protection de l'adulte, S. 321, Fn. 881 zu Rz. 705 mit weiteren Hinweisen; Eugen Spirig, in: Zürcher Kommentar zum ZGB, Band II, Familienrecht, 3. Aufl. 1995, N. 303 zu Art. 397a ZGB). Zusammengefasst steht fest, dass der Beschwerdeführer an einer qualifizierten Persönlichkeitsstörung leidet, welche zwar grundsätzlich therapierbar ist, infolge der fehlenden Krankheitseinsicht und Kooperation des Beschwerdeführers aber noch nicht angegangen werden konnte. Eine stationäre Therapie ist insofern unabdingbar, als gemäss Gutachten beim gegenwärtig noch unbehandelten Krankheitsbild und vor dem Hintergrund der bereits begangenen Tat weiterhin eine konkrete Gefahr für Leib und Leben Dritter besteht. Von einer genügenden Stabilisierung im Sinne der Botschaft kann erst gesprochen werden, wenn die Krankheitseinsicht des Beschwerdeführers noch während der stationären Unterbringung zur Einlassung auf eine Therapie geführt hat und der Therapeut bestätigt, dass sich der Beschwerdeführer soweit stabilisiert hat, dass er in ein - noch während der stationären Behandlung einzurichtendes - strukturiertes offenes Setting entlassen und die Therapie ambulant weitergeführt werden kann. Wie weit die Fortschritte des Beschwerdeführers gediehen sind, ist jeweils bei den periodischen Prüfungen zu ermitteln. Der Vorinstanz kann daher keine Bundesrechtsverletzung vorgeworfen werden, wenn sie die fürsorgerische Unterbringung nach wie vor für angezeigt und verhältnismässig hielt.