Citation: I 337/01 16.09.2002 E. 8

8.1 Angesichts der Tatsache, dass dem Versicherten - wie dargelegt - verschiedene Erwerbsmöglichkeiten offen stehen, bei welchen den beruflichen Kenntnissen und Erfahrungen Rechnung getragen wird, ist fraglich, ob überhaupt eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit vorliegt. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang, dass die verlangten beruflichen Massnahmen in der Regel nicht dazu führen, dass der versicherten Person wieder alle beruflichen Optionen offen stehen, sondern lediglich - aber immer hin - dazu, dass eine den eingeschränkten Möglichkeiten angepasste berufliche Tätigkeit ausgeübt werden kann. Der Unfall und die sich daraus ergebende gesundheitliche Beeinträchtigung mögen bewirkt oder dazu beigetragen haben, dass sich die berufliche Entwicklung anders ergeben hat, als dies vor dem Unfall geplant gewesen ist. Es steht aber nicht fest, dass der Beschwerdeführer heute über schlechtere Erwerbsmöglichkeiten verfügt. Immerhin hat schon das kurz nach dem Unfall erworbene Wirtepatent eine zusätzliche Qualifikation geschaffen, was sich im Übrigen gegenüber der früheren Beschäftigung als Kellner lohnmässig bereits beträchtlich ausgewirkt hat, wie der Versicherte letztinstanzlich selber ausführen lässt. Noch mehr gilt dies für die langjährige und mit einem guten Arbeitszeugnis abgeschlossene Tätigkeit als Betreuer von Asylsuchenden. Wenn sich eine versicherte Person durch eigene Anstrengungen beruflich so eingegliedert hat, dass die Erwerbs- und Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt ist, ist deshalb keine Invalidität im Sinne von Art. 17 IVG mehr anzunehmen. In einem solchen Falle erscheint es weder nötig noch sinnvoll, unter Bezugnahme auf das vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkommen auszurechnen, ob allenfalls eine gesundheitlich bedingte Verdiensteinbusse vorliegt. 8.2 Selbst wenn aber ein Vergleich zwischen dem hypothetischen Einkommen, welches der Versicherte trotz des unfallbedingten Gesundheitsschadens durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage noch erzielen könnte (Invalideneinkommen) und dem Erwerbseinkommen vor Eintritt des Geundheitsschadens (Valideneinkommen) vorgenommen wird, ergibt sich - wie die Vorinstanz richtig berechnet hat - keine erhebliche Beeinträchtigung der Verdienstmöglichkeiten. Die Einwände des Beschwerdeführers gegenüber dem von der Vorinstanz angestellten Einkommensvergleich sind unbehelflich. So kann insbesondere beim Valideneinkommen nicht auf den Lohn als Betreuer von Asylsuchenden abgestellt werden; diese Tätigkeit wurde nach Eintritt des Gesundheitsschadens aufgenommen und ausgeübt. Wäre dieses Einkommen zu berücksichtigen, müsste es als Invalideneinkommen gewertet werden, was allerdings von vornherein eine Invalidität ausschliessen würde. Soweit der Versicherte geltend macht, beim Valideneinkommen dürfe nicht einfach der der Teuerung angepasste Lohn als Kellner eingesetzt werden, vielmehr müsse der Lohn für eine Kaderposition im Hotelfach Berücksichtigung finden, weil er die Absolvierung der Hotelfachschule geplant habe, ist dieser Argumentation entgegenzuhalten, dass berufliche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten nur dann zu beachten sind, wenn konkrete Anhaltspunkte für deren Realisierung vorhanden sind. Zudem ist davon auszugehen, dass eine Tätigkeit in einer Kaderfunktion im Hotelfach trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbar ist (vgl. vorstehende Erw. 7.2). Die Berechnung des Invalideneinkommens durch die Vorinstanz ist auch insofern begründet, als sie bei den statistischen Durchschnittslöhnen von einem Mittelwert zwischen Anforderungsniveau 2 und 3 ausgegangen ist, weil der Beschwerdeführer über Berufserfahrung und -kenntnis verfügt, welche ihm in den verschiedenen ihm offen stehenden Berufen - allerdings in unterschiedlichem Masse - angerechnet werden. Zutreffend - aber ohne Einfluss auf das Ergebnis - ist einzig, dass beim Valideneinkommen die Eckdaten der Indexberechnung nicht angegeben sind. Gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen "Lohnentwicklung 2000", Tabelle 1P.39, stieg der Lohn für Männer in der Zeit von 1989 bis 1999 um nominal 29,4 %. Die Vorinstanz hat bei ihrer Berechnung das ursprüngliche Einkommen als Kellner korrekterweise um diesen Faktor erhöht.