Citation: 9C_847/2016 E. 4.3.2

4.3.2. Zentrale Aufgabe der Gutachter war es zu prüfen, in welchem zeitlichen Umfang die Beschwerdeführerin ihrer angestammten Tätigkeit nachzugehen in der Lage ist. Sowohl Dr. med. C.________ wie auch Dr. med. D.________ halten nun aber ausdrücklich fest, dass sie eine Prüfung der Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung unter dem Aspekt der zum Begutachtungszeitpunkt geltenden sogenannten Foersterkriterien nicht vornehmen. Während die Rheumatologin die Diskussion dieser Kriterien dem psychiatrischen Gutachter überlassen wollte, stellt sich dieser auf den Standpunkt, bei fehlenden Hinweisen auf schwerwiegende bewusste oder unbewusste emotionale Konflikte oder eine schwere oder belastende psychosoziale Situation könne keine Störung aus dem somatoformen Formenkreis diagnostiziert werden, weshalb eine Stellungnahme zu den Foersterkriterien entfalle. Der Auffassung des psychiatrischen Gutachters kann insofern gefolgt werden, als bei Fehlen der von ihm genannten Voraussetzungen die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 Ziff.F45.40) nicht gestellt werden kann. Vorliegend geht es aber um eine Schmerzproblematik im Gefolge einer HWS-Distorsion, bei welcher die Schmerzrechtsprechung sinngemäss zur Anwendung kommt (BGE 136 V 279 E. 3.2.3). Diese verlangt eine Prüfung der Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung. Wenn sowohl der Psychiater wie auch die Rheumatologin im Gutachten davon absehen, zu den Foersterkriterien bzw. zu den Indikatoren gemäss der mit BGE 141 V 281 geänderten Rechtsprechung Stellung zu nehmen, bleibt die zentrale Frage, in welchem Ausmass der Beschwerdeführerin eine Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann, aus ärztlicher Sicht unbeantwortet. Es fehlt damit nach wie vor - wie bereits im Rückweisungsentscheid vom 13. August 2014 - eine ärztliche Aussage zu den arbeitsmässigen Auswirkungen des chronifizierten Beschwerdebildes (zur Chronifizierung vgl. Bericht des Muskulo-Skelettal Zentrums, Klinik H.________, vom 10. April 2015) und damit die wichtige Grundlage für die rechtliche Beurteilung der noch zumutbaren Arbeitsleistung (BGE 141 V 281 E.5.2 S. 306). 4.3.2.1. Das rheumatologische Teilgutachten der Dr. med. C.________ lässt weitere Fragen offen. Hinsichtlich der LWS-Problematik legte sie zwar nachvollziehbar dar, es würden nur geringe degenerative Veränderungen vorliegen, welche bei dem Rückenleiden angepassten Tätigkeiten keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Anders verhält es sich bei der Beurteilung des Zervikalsyndroms und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. An der HWS werden mittelschwere bis schwere Befunde erhoben, so insbesondere degenerative Veränderungen mit mittelschwerer bis schwerer Foraminalstenose C3/C4 links mit Irritation der Nervenwurzel C4 links sowie aktivierte Arthrose des linken Facettengelenks C3/C4. Dennoch bejahte die Gutachterin eine volle Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Geschäftsführerin einer Stiftung wie auch für jede andere angepasste Tätigkeit. Anders als bei der LWS-Problematik wird im Gutachten indessen nicht begründet, weshalb sich diese zum Teil doch schweren organischen Befunde nicht auf das Arbeitspensum auswirken sollen. Es wird einzig darauf hingewiesen, dass die Bioimpedanz-Analyse eine erfreulich grosse Muskelmasse zeige. Diese Feststellung bestätigt zwar die Angaben der Beschwerdeführerin, sie führe ein regelmässiges und umfangreiches Therapie- und Gymnastiktraining zur Kräftigung der Rumpf- und Rückenmuskulatur durch, vermag aber nicht ohne Weiteres eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit darzulegen. Dies umso weniger, als die MRI-Untersuchung vom 29. Oktober 2014 eine wenig kräftige Halsmuskulatur mit Teilatrophie und fettiger Degeneration der Muskeln auf Höhe C3/C4 gezeigt hatte. Die Ausführungen in der rheumatologischen Expertise erweisen sich schliesslich auch insofern als fraglich, als Dr. med. C.________ zur Beschreibung der angepassten Tätigkeiten zwar die Empfehlungen der Swiss Insurance Medicine (SIM) betreffend Rückenleiden zitiert, gleichzeitig aber darauf verzichtet aufzuzeigen, welche Einschränkungen bei der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung des konkreten Anforderungsprofils in der angestammten Tätigkeit tatsächlich gegeben sind.