Citation: 1C_287/2017 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz stützt sich auf Art. 1 A Ziff. 2 Satz 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; SR 0.142.30). Diese Bestimmung lautet: Wenn jemand mehr als eine Staatsangehörigkeit besitzt, wird als Heimatstaat jedes Land betrachtet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt. Wer nicht aus einem stichhaltigen, auf begründeter Furcht beruhenden Grunde den Schutz eines der Staaten, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, ablehnt, gilt nicht als des Schutzes seines Heimatstaates beraubt. Nach dieser Bestimmung gilt der Beschwerdeführer nicht als des Schutzes Grossbritanniens beraubt. Die Inanspruchnahme dieses Schutzes geht der Asylgewährung durch die Schweiz vor (Subsidiarität des Asylrechtsschutzes). Die Vorinstanz weist sodann zutreffend darauf hin, dass die Asylgewährung in einem Fall wie hier zu einem befremdlichen Ergebnis führen würde. Infolge der Asylgewährung müsste die Auslieferung abgelehnt werden. Der Betroffene könnte damit in seinen zweiten Heimatstaat (hier: Grossbritannien) zurückkehren, wo er Schutz geniesst. Da er folglich nicht mehr auf den Schutz der Schweiz angewiesen wäre, wäre das Asyl sogleich wieder zu widerrufen und die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen (Art. 63 Abs. 1 lit. b AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 1 C Ziff. 3 FK). Die Vorinstanz legt sodann dar, zwar könne der Beschwerdeführer aufgrund der Schriftensperre im Auslieferungsverfahren nicht nach Grossbritannien zurückkehren. Seine Wegweisung sei somit unmöglich. Dies stelle lediglich ein Vollzughindernis dar, das gemäss Art. 83 Abs. 1 f. des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (SR 142.20) zur vorläufigen Aufnahme in der Schweiz führen könne. Diese Argumentation ist nachvollziehbar. Zu berücksichtigen ist sodann, dass der Beschwerdeführer erst in der Schweiz um Asyl ersuchte, nachdem hier ein Auslieferungsverfahren gegen ihn eröffnet worden war und er das Land aufgrund der Schriftensperre nicht mehr verlassen durfte. Er bezweckte mit seinem Asylgesuch somit nicht, in der Schweiz ein entsprechendes Aufenthaltsrecht zu erlangen, sondern einzig, seine Auslieferung nach Russland zu verhindern. Insoweit standen ihm jedoch die Rechtsschutzmöglichkeiten im Auslieferungsverfahren zur Verfügung, von denen er auch mit Erfolg Gebrauch gemacht hat.