Citation: 6B_645/2023 E. 2.4

2.4. Die Vorinstanz verletzt kein Bundesgericht, wenn sie erkennt, dass der Beschwerdeführer den Tatbestand der versuchten (eventual-) vorsätzlichen Tötung erfüllt. Die relevanten, von ihr willkürfrei festgestellten Sachverhaltsumstände legt sie dar und lassen diesen Schluss bundesrechtskonform zu. Es ist nicht zu beanstanden, dass sie aus diesen auf ein hohes Risiko der Tatbestandsverwirklichung bzw. des Todes des Opfers schliesst. Gemäss dem willkürfreien und damit verbindlichen Sachverhalt ging der Beschwerdeführer auf den Privatkläger mit einem Taschenmesser mit einer Klingenlänge von 7 cm los. Darauffolgend entstand eine dynamische Auseinandersetzung. Dabei stach der Beschwerdeführer absichtlich mehrfach in Richtung des Oberkörpers des Privatklägers, wobei der Privatkläger neben zahlreichen oberflächlichen Schürfungen fünf Schnitt- und Stichverletzungen im Bereich des Oberkörpers erlitt und der Beschwerdeführer die genauen Einstichstellen sowie die T iefe der Stiche nicht kontrollieren konnte. Letztlich hing es vom Zufall ab, welche Verletzungen der Privatkläger tatsächlich erlitt bzw. hätte erleiden können. Soweit der Beschwerdeführer bei der rechtlichen Würdigung diese tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz in Abrede stellt bzw. diesen seine davon abweichende Sichtweise zugrunde legt, ist darauf nicht näher einzugehen. Stichverletzungen im Bereich des Oberkörpers können tödliche Folgen haben. Unerheblich ist, dass vorliegend der tiefste Stich in den Rücken erfolgte. Bei einem Stich in den Rücken können ohne Weiteres die Lunge oder wichtige Blutgefässe tangiert werden. Da es sich um einen Versuch handelt, spielt namentlich keine Rolle, dass tatsächlich keine Lebensgefahr bestand und dass die Verletzungen - selbst innert kurzer Zeit - folgenlos abheilten (vgl. Urteile 6B_927/2019 vom 20. November 2019 E. 3.2; 6B_1239/2021 vom 5. Juni 2023 E. 3.4 mit Hinweisen). Ein Versuch kann in einer früheren oder fortgeschrittenen Phase enden. Ein Schuldspruch wegen versuchter Tötung sagt daher noch nichts über das Stadium der Ausführung aus und auch nicht darüber, weshalb es beim Versuch blieb (vgl. Urteil 6B_925/2010 vom 18. April 2011 E. 1.4.2). Demnach kann in diesem Zusammenhang ein allfälliges rechtsmedizinisches Gutachten zu den Verletzungsfolgen grundsätzlich keine ausschlaggebende Bedeutung erlangen. Ohnehin ist für die Frage der Inkaufnahme des Todes respektive des Vorsatzes auf den Zeitpunkt der Beibringung der Verletzungen abzustellen (vgl. Urteil 6B_1239/2021 vom 5. Juni 2023 E. 3.4 mit Hinweisen). Die Vorinstanz erachtet gestützt auf die konkreten Umstände die Schwelle des Versuchs der (eventual-) vorsätzlichen Tötung zu Recht als überschritten. Dagegen wendet der Beschwerdeführer nichts ein (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG). Der Vorinstanz kann deshalb nicht vorgeworfen werden, sie grenze nicht vom Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung ab. Insbesondere drängt sich eine solche Abgrenzung auch nicht wegen einer Eventualanklage auf. Darin ist auch keine Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör zu erblicken. Ebenso wenig ist Letzteres hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Abgrenzung zur Fahrlässigkeit auszumachen. Die Begründung ist vorliegend so abgefasst, dass sich der Beschwerdeführer über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen konnte (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer bringt selbst vor, beabsichtigt zu haben, den Privatkläger mit dem Taschenmesser im Oberkörperbereich zu treffen, und in Kauf genommen zu haben, ihn schwer zu verletzen. Dies steht der Erkennung auf Eventualvorsatz nicht entgegen, sondern spricht vielmehr dafür, zumal der Beschwerdeführer in Anbetracht der Dynamik der Situation weder die Einstichstellen noch deren Tiefe genau bestimmen bzw. kontrollieren konnte, sodass es letztlich vom Zufall abhing, welche Verletzungen der Privatkläger davon trug. Der Beschwerdegegner liess es offensichtlich "drauf ankommen". Es war dem Zufall überlassen, ob sich die Gefahr verwirklicht oder nicht. Die blosse Hoffnung auf das Ausbleiben des tatbestandsmässigen Erfolgs schliesst eine Inkaufnahme im Sinne eventualvorsätzlicher Tatbegehung anders als das - auch bloss leichtsinnige - Vertrauen jedoch nicht aus. Es bedeutet lediglich, dass der Erfolgseintritt als solcher unerwünscht ist (vgl. BGE 130 IV 58 E. 9.1 mit Hinweisen). Daneben ist mit der Vorinstanz von einem deutlichen Kraftaufwand - zumindest in Bezug auf einen Teil - der ausgeführten Stichbewegungen auszugehen, ist doch die 5 cm tiefe sowie 2.5 cm lange Wunde am Rücken auf der rechten Seite neben der Wirbelsäule mit darunterliegender Einblutung in den Weichteilen nicht anders zu erklären, zumal sich der Privatkläger die Stichverletzungen während des Angriffs zuzog. Dem steht ein bereits kurze Zeit nach dem Vorfall stabiler Zustand nicht entgegen. Kein anderer Schluss ergibt sich aus dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten Umstand, wonach das Taschenmesser in gebrauchtem Zustand war und sich bei allfälligem Widerstand schnell zusammenklappe. Die Stich- und Schnittverletzungen wurden mit dem Taschenmesser zugefügt, womit dessen Eignung nicht in Frage steht. Im Übrigen ist ein Motiv nicht erforderlich und schliesst ein fehlendes Motiv nicht per se ein eventualvorsätzliches Handeln aus. Der Schuldspruch wegen versuchter (eventual-) vorsätzlicher Tötung verletzt kein Bundesrecht.