Citation: 5C.152/2006 06.09.2006 E. 4

4.1 Gemäss Art. 369 Abs. 1 ZGB gehört unter Vormundschaft jede mündige Person, die infolge Geisteskrankheit oder Geistesschwäche ihre Angelegenheiten nicht zu besorgen vermag, zu ihrem Schutze dauernd des Beistandes und der Fürsorge bedarf oder die Sicherheit anderer gefährdet. Erforderlich ist demnach das Vorliegen einer Geisteskrankheit oder Geistesschwäche (biologische bzw. medizinische Vorraussetzung) und zusätzlich einer der drei im Gesetz genannten sozialen Gründe (vgl. Schnyder/Murer, Berner Kommentar, N. 9 zu Art. 369 ZGB; Riemer, Grundriss des Vormundschaftsrechts, 2. Aufl. 1997, § 4 N. 10 ff.). 4.2 Vorliegend ist allseits anerkannt, dass von den beiden medizinischen Voraussetzungen nur die Geistesschwäche - als leichtere psychische Störung (vgl. Schnyder/Murer, a.a.O. N. 89 zu Art. 369 ZGB, Riemer, a.a.O. § 4 N. 10) - in Frage steht. Dabei hat die Vorinstanz kein Bundesrecht verletzt, wenn sie aufgrund der gutachterlichen Feststellungen zum Gesundheitszustand (E. 2.1 hiervor), die sie zu den ihrigen gemacht hat und die daher für das Bundesgericht verbindlich sind (Art. 63 Abs. 2 OG; BGE 81 II 263), beim Berufungskläger das Vorliegen einer - grundsätzlich dauernden - Geistesschwäche im Sinne von Art. 369 Abs. 1 ZGB bejaht hat. 4.3 Was die sozialen Voraussetzungen betrifft (wobei diejenige der Gefährdung der Sicherheit anderer vorliegend nicht in Frage steht), so gewähren sie dem behördlichen Ermessen einen breiten Spielraum; dabei greift das Bundesgericht gerade auch hier nur mit Zurückhaltung in das Ermessen der kantonalen Behörden ein (BGE 118 II 50 E. 4 S. 55; 126 III 223 E. 4a S. 227; 127 III 351 E. 4a S. 354). Dieses Ermessen hat die Vorinstanz vorliegend nicht überschritten (und daher auch kein Bundesrecht verletzt), wenn sie aufgrund der übernommenen, für das Bundesgericht verbindlichen gutachterlichen Feststellungen (Art. 63 Abs. 2 OG) das Vorliegen jeder der beiden alternativen sozialen Voraussetzungen bejahte. 4.4 Was den Grundsatz der Verhältnismässigkeit bei der Anwendung der einzelnen vormundschaftsrechtlichen Massnahmen betrifft (vgl. hiezu allgemein Schnyder/Murer, a.a.O. Systematischer Teil N. 278 ff. ; Riemer a.a.O. § 3 N. 6 f.), bedarf der Berufungskläger einerseits gemäss dem erwähnten Bericht, auf den sich die Vorinstanz gestützt hat, einer kontinuierlichen Begleitung, intensiver Pflege, Hilfe bei der Fortbewegung, einer Tagesstruktur und ambulanter Therapien; anderseits ist er nicht in der Lage, die Komplexität seiner Situation und v.a. die Frage nach seiner Zukunft zu überblicken und adäquat zu verarbeiten. Diese Feststellungen sind für das Bundesgericht wiederum verbindlich (Art. 63 Abs. 2 OG) und bedeuten, dass die Vorinstanz das (bundesrechtliche) Verhältnismässigkeitsprinzip nicht verletzt hat, wenn sie eine kombinierte Beiratschaft (Art. 395 ZGB) als ungenügend ansah; denn wie die Vorinstanz zu Recht hervorgehoben hat, ist die Beiratschaft ungeeignet, wenn - wie vorliegend indiziert - dauernde persönliche Fürsorge im Vordergrund steht und nötigenfalls entsprechende Zwangsmassnahmen erforderlich sind (vgl. BGE 97 II 302; 99 II 15 E. 4 S. 20; Schnyder/Murer; a.a.O. N. 24 ff. zu Art. 395 ZGB; Riemer, a.a.O. § 5 N. 4). Da im Übrigen derartige Zwangsmassnahmen auch dem Beistand verwehrt sind, entfällt vorliegend auch die Errichtung einer Beistandschaft im Sinne von Art. 392-394 ZGB. Dass der genannte Bericht "eine Vormundschaft aus rein medizinischer Sicht im aktuellen Zeitpunkt" als "nicht unbedingt notwendig" erachtet, ändert am Gesagten nichts, da die Frage der geeigneten vormundschaftlichen Massnahmen juristischer Natur und daher letztlich allein vom Gericht zu beantworten ist. Im gleichen Zusammenhang weist der Bericht im Übrigen auf die "voraussehbare Konfrontationssteigerung" hin, welche ihrerseits Zwangsmassnahmen indiziert, die eben nur durch den Vormund angeordnet werden können.