Citation: 6B_1079/2022 E. 5.3.2

5.3.2. Die Verletzungen des Beschwerdegegners 2 sind durch den bei den Akten liegenden Arztbericht dokumentiert. Die Staatsanwaltschaft befragte den behandelnden Arzt mit Schreiben vom 16. April 2018 schriftlich zur erfolgten Behandlung und den vom Beschwerdegegner 2 erlittenen Verletzungen, wobei sie den Arzt auf die Wahrheitspflicht und die Straffolgen von Art. 307 StGB hinwies (kant. Akten, UA Reg. 6 Bel. 11). Gemäss dem angefochtenen Entscheid bestand für den Beschwerdegegner 2 aufgrund der Messerstiche keine akute Lebensgefahr (angefochtenes Urteil S. 38). Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer jedoch vor, er habe gemäss eigenen Angaben die Kontrolle über sich verloren. Er habe im Verlaufe eines dynamischen Geschehens mehrfach auf den Oberkörper des Beschwerdegegners 2 eingestochen und in Anbetracht der Dynamik der Situation weder die genauen Einstichstellen noch die Tiefe der Stiche genau bestimmen bzw. kontrollieren können, sodass es letztlich vom Zufall abhängig gewesen sei, welche Verletzungen der Beschwerdegegner 2 davontragen würde. Der Beschwerdeführer habe in Kauf genommen, diesen bei seinem Übergriff zu töten (angefochtenes Urteil S. 41 f.). Es sei nur vom Zufall abhängig gewesen, ob das Opfer tatsächlich getötet werde (angefochtenes Urteil S. 53). Es sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer gezielt so zugestochen habe, dass der Beschwerdegegner 2 keine schwereren Verletzungen davongetragen habe (angefochtenes Urteil S. 55). Weder rechtsgenügend dargetan noch ersichtlich ist, was die Durchführung einer Tatrekonstruktion oder die zusätzliche Einholung eines rechtsmedizinischen Gutachtens bei dieser Sachlage zur Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts hätte beitragen können. Der Beschwerdeführer zeigt insbesondere nicht auf, weshalb sich zusätzlich Erkenntnisse zum dynamischen Geschehen zu seinen Gunsten hätten auswirken müssen, obschon er mangels einer Notwehrsituation nicht berechtigt war, das Messer gegen den Beschwerdegegner 2 einzusetzen und er die potentiell tödlichen Messerstiche im dynamischen Geschehen gemäss den willkürfreien Erwägungen der Vorinstanz auch nicht kontrollieren konnte.