Citation: 4A_203/2023 E. 3.1

3.1. Die Beschwerdeführerin rügt zunächst eine falsche Verteilung der Beweislast und damit eine Verletzung von Art. 8 ZGB, weil die Vorinstanz der Beschwerdeführerin auch für die dritte Anspruchsvoraussetzung die Beweislast auferlegt habe. Konkret rügt sie den Satz im angefochtenen Urteil, S. 47: "Aus diesen Gründen hat die Klägerin ebenfalls nachzuweisen, dass die fraglichen Kreditverträge mindestens sechs Monate lang Bestand hatten." Sie meint unter Hinweis auf Passagen in den vorinstanzlichen Schriftsätzen, der sechsmonatige Bestand des Kreditvertrags sei nach der übereinstimmenden Auffassung der Parteien eine resolutive Bedingung des Anspruchs und somit von der Beschwerdegegnerin zu beweisen. Indem die Vorinstanz sich nicht dazu geäussert habe, weshalb nicht die Beschwerdegegnerin den Eintritt der resolutiven Bedingung hätte beweisen müssen, habe sie überdies ihr rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) verletzt. Die Rüge geht fehl. Die Qualifikation der in Ziffer 8 des Kreditvermittlungsvertrags vorgesehenen Voraussetzung für den Provisionsanspruch, dass der vermittelte Kreditvertrag sechs Monate Bestand hat, als Voraussetzung für das Entstehen des Anspruchs oder als Resolutivbedingung, welche bei Eintritt den entstandenen Anspruch wieder entfallen lässt, ist eine Rechtsfrage und also der Parteidisposition entzogen. Es hilft der Beschwerdeführerin mithin nichts, wenn sie auf eine Stelle in der Duplik der Beschwerdegegnerin verweist, in der sie das Vorliegen einer resolutiven Bedingung angeblich "anerkannt" haben soll. Sie müsste aufzeigen, dass die Auslegung der Vorinstanz, die auch im Erfordernis, dass der Kreditvertrag sechs Monate lang Bestand hat, eine Voraussetzung für die Entstehung des Anspruchs erblickte, bundesrechtswidrig ist. Dies tut die Beschwerdeführerin jedoch nicht und solches ist auch nicht ersichtlich. Damit entfällt von vornherein eine falsche Beweislastverteilung, da offensichtlich ist, dass die Beschwerdeführerin, welche den Provisionsanspruch geltend macht, dessen Anspruchsvoraussetzungen behaupten und beweisen muss. Auch eine Gehörsverletzung liegt nicht vor. Der Gehörsanspruch verpflichtet das Gericht nicht, sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinanderzusetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich zu widerlegen (BGE 148 III 30 E. 3.1; 141 III 28 E. 3.2.4). Indem die Vorinstanz jenes Erfordernis als Anspruchsvoraussetzung qualifizierte, verwarf sie zumindest implizit die Qualifikation als resolutive Bedingung. Damit genügte sie ihrer Begründungspflicht und hatte sich zur abweichenden Auffassung der Beschwerdeführerin nicht im Einzelnen zu äussern.