Citation: I 807/05 27.04.2006 E. 2

Unter den Verfahrensbeteiligten umstritten ist vorab die Statusfrage. 2.1 Während die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin davon ausgehen, letztere wäre ohne gesundheitliche Beeinträchtigung vollzeitlich erwerbstätig, bestreitet dies die IV-Stelle für die Zeit nach der Geburt des zweiten Kindes v.a. aufgrund des dadurch entstehenden intensiveren Betreuungsaufwandes. 2.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer andern Methode der Invaliditätsbemessung führt -, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Diese Frage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass des Einspracheentscheides entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 Erw. 2c, 117 V 194 Erw. 3b, je mit Hinweisen; in BGE 130 V 393 nicht publizierte Erwägung 4.1 des Urteils Z. vom 15. Juni 2004, I 634/03). 2.3 Aus den Akten ersichtlich und unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin ab Januar 1991 bis 30. Juni 1999 vollzeitlich als Hausangestellte beim Pflegezentrum E.________ angestellt war. In diese Zeit fielen die Geburten der beiden Söhne (13. Dezember 1993 und 23. April 1998), wobei seit November 1997 im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt mehrere krankheitsbedingte Absenzen ausgewiesen sind. Ab anfangs Juli 1999 war die Versicherte arbeitslos gemeldet. Von Januar bis August 2000 arbeitete sie im Zwischenverdienst im Kantinedienst des Kollegiums S.________ in einem Pensum von wöchentlich 5x2 Stunden morgens und 3x2 Stunden abends. Der Versuch, das Pensum auf 100% zu steigern, führte zu einer starken Zunahme der Schmerzen, woraufhin die Beschwerdegegnerin aus organisatorischen Gründen nicht weiterbeschäftigt werden konnte. Die Familie hatte sich über Jahre hinweg auf ein zweites Einkommen eingerichtet, was in diesen Bevölkerungskreisen neben Kindern nichts Ungewöhnliches ist. Die Betreuung der Kinder während der Arbeitszeit der Versicherten ist durch ihren Ehemann, der Schicht arbeitet, und durch ihre Mutter, die in unmittelbarer Nähe wohnt, sichergestellt. Angesichts dieser konkreten Umstände ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt annahm, die Beschwerdegegnerin wäre ohne gesundheitliche Beeinträchtigung nach wie vor 100% erwerbstätig. Daran vermögen die Einwendungen der IV-Stelle nichts zu ändern. Wenn sich die Verwaltung auf die Aussage des Dr. med. M.________ im Rahmen der MEDAS-Begutachtung vom 12. September 2004 beruft, wonach die Versicherte von der Gesamtkonstitution her auch bei intakter Gesundheit kaum fähig erscheine, eine Doppelbelastung als Hausfrau, Mutter und Berufsfrau über längere Zeit durchzustehen, ist dem entgegenzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin diese Doppelfunktion nach der Geburt des ersten Kindes über mehrere Jahre hinweg praktiziert hat. Eine problemlose Schwangerschaft und Geburt eines zweiten Kindes bringt in der Regel nicht eine derart grosse Veränderung mit sich, dass dies nicht mehr möglich wäre. Zutreffend ist, dass in der Einsprache vom 15. Mai 2003 seitens der kurzfristig eingesetzten Rechtsvertreterin ausgeführt worden war, die Versicherte habe in der Vergangenheit als Mutter zweier Kinder immer nur Teilzeit gearbeitet, weshalb für die Invaliditätsbemessung die gemischte Methode anwendbar sei. Diese Aussage widerspricht jedoch klar der Aktenlage und wurde in der Stellungnahme zum MEDAS-Gutachten vom 21. Januar 2005 korrigiert, weshalb daraus nichts zu Ungunsten der Versicherten abgeleitet werden kann. 2.4 Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Invaliditätsgrad bei der als vollzeitlich erwerbstätig zu betrachtenden Versicherten anhand der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu ermitteln ist.