Citation: U 485/06 19.07.2007 E. 3.2

3.2.1 Im Zeitpunkt des Verfügungseröffnung war der Vater nicht (mehr) gesetzlicher Vertreter des mündigen Beschwerdegegners (Art. 14, Art. 296 Abs. 1 und Art. 304 ZGB). 3.2.2 Weiter ist nicht erstellt, dass der Beschwerdegegner vor Eintritt der Urteilsunfähigkeit seinen Vater schriftlich, mündlich oder stillschweigend bevollmächtigt hätte, ihn zu vertreten. Aus den Schreiben der Eltern an die SUVA vom 7. April und 4. August 2004 geht dies nicht hervor. Ebenso wenig kann aus dem Bericht des SUVA-Case Managers R.________ vom 4. August 2004 ein solches Vertretungsverhältnis abgeleitet werden, zumal dieser Bericht nicht vom Vater des Beschwerdegegners, sondern vom Case Manager selbst verfasst wurde. Überdies ist auch unklar, welcher der beiden Elternteile denn überhaupt gemäss Auffassung des Case Managers R.________ als Vertreter des Beschwerdegegners fungiert hätte. Hier einfach auf den Vater des Beschwerdegegners zu schliessen, verbietet sich wohl bereits unter Verweis auf Art. 8 Abs. 3 der Bundesverfassung. Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob nach dem Verlust der Urteils- bzw. Handlungsfähigkeit eine davor erteilte Vertretungsvollmacht überhaupt weiter Bestand gehabt hätte (vgl. Art. 35 Abs. 1 OR; BGE 132 III 222 E. 2.1 S. 224). Nach dem Eintritt der Urteilsunfähigkeit, welcher vor Eröffnung der Verfügungen vom 11. August und 10. September 2004 erfolgt war (E. 2 hievor), konnte der Beschwerdegegner seinem Vater keine rechtskonforme Vertretungsermächtigung mehr erteilen. 3.3 Im Weiteren ist zu beachten, dass die Beschwerdeführerin die Verfügungen vom 11. August und 10. September 2004 dem Beschwerdegegner direkt eröffnet hat. Sie tragen bei der Adresse die Bezeichnung "Herr jun. L.________" resp. "Herr L.________ jun.". Von der Verfügung vom 11. August 2004 wurde gemäss Verteiler eine Kopie an "Herrn L.________ sen." zugestellt, währenddem etwas Derartiges auf dem Verteiler der Verfügung vom 10. September 2004 nicht vermerkt ist. Wenn aber die SUVA der Auffassung gewesen wäre, der Vater des Beschwerdegegners sei dessen Vertreter, dann hätte sie auch klar die Verfügungen an ihn adressieren müssen, was jedoch nicht stattfand. Das blosse Überlassen einer Orientierungskopie, wie es zumindest gemäss dem Verteiler der Verfügung vom 11. August 2004 an den Vater passierte, genügt nicht, um dann später ihm gegenüber ein stillschweigendes Vertretungsverhältnis oder eine Geschäftsführung ohne Auftrag zu behaupten. Gerade um Missverständnisse über die Notwendigkeit, Schritte in den Wege zu leiten, zu vermeiden, ist von Bedeutung, dass vermerkt wird, die Vertretung habe das Original der Mitteilung erhalten (Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 37 Rz. 13). Die SUVA ging mithin bereits durch die Art der Eröffnung der beiden Verfügungen effektiv gar nicht von einer stillschweigenden Vertretung oder einer Geschäftsführung ohne Auftrag seitens des Vaters für den Beschwerdegegner aus. Die nachträgliche Annahme eines solchen Rechtsverhältnisses rechtfertigt sich auch angesichts der Tragweite der Verfügungen für den Beschwerdegegner (vgl. BGE 132 V 412) nicht. 3.4 Nach dem Gesagten kann nicht von einer rechtsgültigen Eröffnung der Verfügungen vom 11. August und 10. September 2004 an den Vater des Beschwerdegegners als dessen Vertreter ausgegangen werden.