Citation: 4A_707/2016 E. 5.3

5.3. Die Gutachter hielten selbst fest, die Aussagen des Verunfallten über die Beschwerden und Behandlungen in der von der Beschwerdeführerin beanstandeten Zeitspanne wirkten in vielem sehr vage und unzuverlässig, so dass keine verlässlichen Angaben über ein allfällig vorhandenes Beschwerdebild und über die in Anspruch genommenen Behandlungen gemacht werden könne. Der begutachtende Psychiater kam aber zum Schluss, die psychiatrische Entwicklung könne man sich mit einem Intervall von 1994 bis 2002 nicht vorstellen. Im psychiatrischen Teilgutachten stellt der Gutachter drei Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: - Andauernde Persönlichlichkeitsänderung (ICD-10 F 62.9). - Iatrogen induziertes Opioidabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F 11.24) mit süchtigen Wesensänderungen. - Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4). In Bezug auf die andauernde Persönlichkeitsänderung hat nach Ansicht des Gutachters der Unfall, beziehungsweise die unfallbedingten Schmerzen, einerseits und die (vorbestehende) akzentuierte Persönlichkeit mit selbstunsicheren Zügen andererseits eine Rolle gespielt. Gewisse Vorkommnisse und Verhaltensweisen im Zeitintervall zwischen 1994 und 2002 erklärt der Gutachter (auch) mit dieser Persönlichkeitsänderung, namentlich die Veränderung des Freizeitverhaltens (Rückzug aus Vereinen zur Aufrechterhaltung der Leistungsbereitschaft; eine paniforme Angstattacke während eines Gleitschirmfluges 2000, in deren Folge der Verunfallte das Gleitschirmfliegen aufgegeben und damit das psychische Gleichgewicht weiter labilisiert habe). Der Verunfallte sei bereits im Jahre 2002 in seiner sozialen Beziehungs- und Bezugsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Zu diesem Zeitpunkt habe er sich in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt gefühlt und entsprechend das Freizeitverhalten verändert. Der Gutachter kommt zum Schluss, der Verunfallte sei bereits zum Zeitpunkt des Verhebetraumas an die Grenzen seiner psychophysischen Belastbarkeit belastet gewesen. Die Diskrepanz zwischen dem subjektiven Schmerzerleben und der ausgewiesenen unveränderten Leistungsfähigkeit sei durch Dyslexithymie erklärbar.