Citation: 6B_74/2023 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz beurteilt sowohl die Aussagen des Beschwerdeführers als auch die Aussagen der Beschwerdegegner 2 und 3 als glaubhaft. Sie erwägt, es stehe jedoch fest, dass entweder die Aussagen des Beschwerdeführers oder diejenigen der Beschwerdegegner 2 und 3 betreffend den strittigen Sachverhalt objektiv unrichtig seien. Die Aussagen stünden sich diametral entgegen. Während der Beschwerdeführer behaupte, er habe den Blinker früh genug gesetzt, sagten die Berufungskläger aus, sie hätten keinen Richtungsblinker wahrgenommen. Der Beschwerdegegner 3 habe konstant ausgesagt, er hätte nicht zum Überholen angesetzt, wenn er einen Richtungsblinker gesehen hätte. Wenn der Beschwerdeführer rechtzeitig geblinkt hätte, würde dies bedeuten, der Beschwerdegegner 3 hätte das vorausfahrende Fahrzeug überholt, obwohl der Beschwerdeführer sein Abbiegemanöver ordnungsgemäss angezeigt habe. Vor dem Hintergrund der glaubhaften Aussagen des Beschwerdegegners 3 zu seinem Verhalten im Strassenverkehr als erfahrener Motorradfahrer könne diese Version nicht zutreffen. Auch das Alter des Beschwerdegegners 3 deute darauf hin. Es sei gerichtsnotorisch, dass Motorradfahrer mit 40 Jahren sich der Verantwortung gegenüber einer Sozia sowie den Folgen einer allfälligen unbedachten Handlung im Strassenverkehr stärker bewusst seien als jüngere Motorradfahrer. Ältere Motorradfahrer gäben sich weniger der leichtsinnigen Versuchung eines Geschwindigkeitsrauschs auf dem Motorrad hin. Erstellt sei aufgrund der Auswertung der GPS-Daten, dass das Motorrad unmittelbar vor der Kollision eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h aufgewiesen habe. Allerdings könne aufgrund fehlender Punkte in der Auflistung die Geschwindigkeit des Motorrads vor, während und nach der Kollision nicht abschliessend geklärt werden. Ein verkehrstechnisches Gutachten liege nicht vor. Da sich nicht abschliessend ermitteln lasse, ob, wann und mit welcher Intensität der Beschwerdeführer vor dem Abbiegemanöver abgebremst habe, sei in Anwendung von Art. 10 Abs. 3 StPO davon auszugehen, dass dieser ordnungsgemäss abgebremst oder seine Geschwindigkeit durch Ausrollen angemessen verlangsamt habe, um auf den Wendeplatz abzubiegen. Es könne offenbleiben, ob der Beschwerdeführer einen Seitenblick über die Schulter gemacht habe. Selbst wenn er nämlich einen Seitenblick über die Schulter gemacht hätte, hätte er nicht auf den Wendeplatz abbiegen dürfen. Vielmehr hätte er sich vergewissern müssen, wo sich das Motorrad in diesem Moment befand, da er es bei diesem Seitenblick nicht wahrgenommen hatte. Er habe das Abbiegemanöver ungenügend vorbereitet, indem er entweder keinen Kontrollblick über die Schulter gemacht habe oder sich nach diesem angeblichen Kontrollblick nicht vergewissert habe, wo sich das seit längerer Zeit nachfolgende Motorrad in diesem Zeitpunkt befunden habe. Das der Fotodokumentation entnommene Schadensbild an den Unfallfahrzeugen weise darauf hin, dass der Beschwerdegegner 3 nicht ungebremst seitlich-frontal mit dem Fahrzeug des Beschwerdeführers kollidiert sei, sondern sich das Motorrad bereits neben dem Personenwagen befunden haben müsse, sodass dieser bei der Einleitung des Abbiegevorgangs mit dem Motorrad zusammengestossen sei. Wäre umgekehrt der Beschwerdegegner 3 in den Beschwerdeführer hineingefahren, hätte dessen Fahrzeug vom Aufprall des Motorrads deutlich eingedrückt sein müssen, was vorliegend nicht der Fall sei (Urteil S. 10 ff.).