Citation: U 342/02 12.02.2004 E. 5

Zu prüfen bleibt, ob die Knie- und Rückenbeschwerden ausschliesslich oder stark überwiegend (d.h. zu mindestens 75 %; BGE 126 V 186 Erw. 2b mit Hinweisen) durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden sind (Art. 9 Abs. 2 UVG). Dabei ist zu beachten, dass die Anerkennung von Beschwerden im Rahmen dieser von der Rechtsprechung als "Generalklausel" bezeichneten Anspruchsgrundlage an relativ strenge Beweisanforderungen gebunden ist. Sofern der Nachweis des qualifizierten Kausalzusammenhanges nach der medizinischen Empirie allgemein nicht geleistet werden kann (z.B. wegen der weiten Verbreitung einer Krankheit in der Bevölkerung, welche es ausschliesst, dass eine eine bestimmte versicherte Berufstätigkeit ausübende Person zumindest vier Mal häufiger von einem Leiden betroffen ist als die Bevölkerung im Durchschnitt), scheidet die Anerkennung im Einzelfall aus. Für die Beurteilung der Exposition (oder Arbeitsdauer) ist die gesamte, gegebenenfalls auch die schon vor dem 1. Januar 1984 (In-Kraft-Treten des UVG) ausgeübte Berufstätigkeit zu berücksichtigen (BGE 126 V 186 Erw. 2b, 190 Erw. 4c, je mit Hinweisen). 5.1 Die Vorinstanz hat, insbesondere gestützt auf die von der SUVA eingeholten detaillierten Angaben zum beruflichen Werdegang und zur Arbeitsplatzsituation des Beschwerdeführers bei der Q.________ AG sowie die Berichte des Dr. med. M.________ vom 20. Dezember 2000 und 9. März 2001, mit ausführlicher und zutreffender Begründung festgehalten, dass eine stark überwiegende Verursachung durch die langjährige Tätigkeit des Beschwerdeführers auf dem Bau weder für die je einzeln festgestellten Gesundheitsstörungen (Meniskusschädigung, Kniearthrose, lumbale und zervikale Rückenschmerzen, Bandscheibendegeneration C5/C6) noch als gesamthaftes Beschwerdebild dargetan ist. Dr. med. M.________ ist in seinen Beurteilungen zum in allen Teilen überzeugenden und nachvollziehbaren Schluss gelangt, dass die allgemeinen medizinischen Erfahrungswerte einen beruflichen Zusammenhang in dem rechtsprechungsgemäss erforderlichen Ausmass von 75 % ausschliessen. Daran hielt er auch in seinem - von der SUVA im Rahmen des vom Eidgenössischen Versicherungsgericht angeordneten zweiten Schriftenwechsels eingeholten - Bericht vom 18. November 2003 fest, in welchem er das Argument des Beschwerdeführers, gerade im konkreten Gesamtbild von Knie- und Rückenschädigungen, d.h. in der Kombination der gesundheitlichen Beeinträchtigungen liege der berufsbedingte Charakter, erneut verworfen hat. 5.2 Die dagegen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde - wie auch in der letztinstanzlichen Vernehmlassung des Beschwerdeführers vom 5. Januar 2004 - erhobenen Einwendungen sind, sofern sie nicht bereits im vorinstanzlichen Verfahren entkräftet wurden, nicht stichhaltig: 5.2.1 Soweit der Beschwerdeführer in formellrechtlicher Hinsicht vorab rügt, die SUVA habe zu seinem am 7. April 1998 gestellten Begehren um Berichtigung des zum beruflichen Werdegang und zu den gesundheitlichen Verhältnissen aufgenommenen Protokolls vom 23. März 1998 nicht Stellung genommen, ist auf ein Schreiben der SUVA an die Rechtsvertreterin des Versicherten vom 16. April 1998 zu verweisen. Darin hat der Unfallversicherer das Ersuchen ausdrücklich - wenn auch in abschlägigem Sinne - beantwortet, zeigte sich aber dennoch bereit, die vorgebrachten Einwände zu den Akten zu nehmen. 5.2.2 Der Beschwerdeführer macht sodann zur Hauptsache geltend, die Beurteilung der Frage, ob eine Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVG vorliege, habe nicht - wie durch Dr. med. M.________ indiziert - gesondert für jedes seiner Knie- und Rückenleiden zu erfolgen, sondern sei in Berücksichtigung des Gesamtbeschwerdebildes vorzunehmen, welches in der hier aufgetretenen Art und Kombination wohl nicht sehr häufig in der Bevölkerung vorkomme und gerade in seiner Gesamtheit eine eigenständige Erkrankung in der Berufskategorie der Bodenleger darstelle. Dieser Auffassung ist entgegenzuhalten, dass sich die vom Beschwerdeführer geklagten Gesundheitsstörungen einerseits zu unterschiedlichen Zeitpunkten manifestiert haben und anderseits, was Dr. med. M.________ in seinem Bericht vom 18. November 2003 denn auch erneut bekräftigte, als einzige Gemeinsamkeit eine bei allen Beschwerden festgestellte degenerative Genese aufweisen. Da namentlich eine Wechselwirkung zwischen den einzelnen Gebrechen weder geltend gemacht wird, noch auf Grund der Akten auszumachen ist - Dr. med. M.________ hält eine solche gemäss seinen Ausführungen vom 18. November 2003 denn auch allgemein für eher unwahrscheinlich -, erweist sich das Anliegen des Beschwerdeführers, die Ursächlichkeit der Beeinträchtigungen im Rahmen einer Gesamtschau - quasi pauschal - prüfen zu wollen, nicht als sachgerecht. Ist der Nachweis eines stark überwiegenden Kausalzusammenhanges zwischen der beruflichen Tätigkeit und gesondert, ohne erkennbaren wechselseitigen Zusammenhang entstandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht zu erbringen, kann ein solcher auch nicht mit der Begründung, die Leiden seien - wie vom Beschwerdeführer in seiner Vernehmlassung vom 5. Januar 2004 erneut beteuert - nicht auf Grund ihrer "Ursache-Wirkung-Beziehung" sondern allein zufolge ihrer Kombination nur sehr selten anzutreffen, erfolgreich geführt werden. 5.2.3 Was der Beschwerdeführer ferner im Hinblick auf die Ursächlichkeit der einzelnen Gesundheitsschäden vorbringt, ist nicht geeignet, die durch Dr. med. M.________ ausführlich dargelegten allgemeinen medizinischen Erfahrungswerte zu erschüttern. In medizinischen Sachverhalten, in denen ein direkter Beweis ausscheidet, braucht es zufolge der empirischen Natur den Vergleich mit anderen Krankheitsfällen - und damit die Induktion oder die induktive Beweisführung. Hierbei spielt es für den Beweis im Einzelfall eine entscheidende Rolle, ob und inwieweit die Medizin, je nach ihrem Wissensstand in der fraglichen Disziplin, über die Genese einer Krankheit im Allgemeinen Auskunft zu geben oder (noch) nicht zu geben vermag. Wenn aber - und dies verkennt der Beschwerdeführer - auf Grund medizinischer Forschungsergebnisse ein Erfahrungswert dafür besteht, dass eine berufsbedingte Entstehung eines bestimmten Leidens von seiner Natur her nicht nachgewiesen werden kann, dann schliesst dies den (positiven) Beweis auf qualifizierte Ursächlichkeit im Einzelfall eben gerade aus (BGE 126 V 189 Erw. 4c). Da Dr. med. M.________ in seinen Berichten vom 20. Dezember 2000 und 9. März 2001 bereits auf Grund epidemiologischer Studien zum Schluss gelangt, dass keine der festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei der hier in Frage stehenden altersmässigen Bevölkerungsgruppe (40 - 50jährige Männer in körperlich belastenden Tätigkeiten) mindestens 4mal häufiger vorkommt als in der Gesamtpopulation, ist der Beweis ausschliesslicher oder hinreichend stark überwiegender Ursächlichkeit, wie ihn der Beschwerdeführer zu führen versucht, im vorliegend zu beurteilenden Einzelfall von vornherein ausgeschlossen. Dennoch hat das kantonale Gericht - wiederum gestützt auf die entsprechenden Angaben des Dr. med. M.________ - eine Prüfung des Kausalzusammenhanges auch anhand der konkreten Befunde vorgenommen und ist hierbei ebenfalls zum Ergebnis gekommen, dass der geforderte Anteil der berufsbedingten Verursachung von mindestens 75 % nicht gegeben ist. Weitere medizinische Abklärungen, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt, erweisen sich vor diesem Hintergrund als unnötig (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b).