Citation: 6B_63/2020 E. 2.3.3

2.3.3. Im Weiteren legt die Anklageschrift hinreichend dar, inwieweit das Verhalten bzw. das Unterlassen des Beschwerdeführers (hypothetisch) kausal für den Erfolg war und dieser voraussehbar und vermeidbar gewesen sei. So wird darin ausgeführt, dass das Verkennen der potentiellen Anzeichen einer Anastomoseninsuffizienz bei der Beurteilung der CT-Bilder sowie nachfolgend das Unterlassen ergänzender ärztlicher Untersuchungen zur Folge hatte, dass kotige Flüssigkeit weiterhin unerkannt in die Bauchhöhle des Patienten austrat, zu einer Entzündung der Bauchhöhle führte und schliesslich den Tod des Patienten verursachte. Der Beschwerdeführer habe im Zeitpunkt der Beurteilung der CT-Bilder und danach die Gefahr eines entsprechenden Verlaufs zumindest in den wesentlichen Zügen erkennen können und müssen. Hätte er pflichtgemäss die indirekten Anzeichen erkannt oder hätte er nach der CT-Untersuchung zumindest in einem ersten Schritt weitere ärztliche Untersuchungen durchgeführt oder veranlasst und gestützt darauf die Anastomoseninsuffizienz festgestellt, hätte eine notfallmässige Reoperation der Darmnaht vorgenommen werden können, womit der Tod des Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit abgewendet worden wäre (vgl. kant. Akten pag. 679). Mit diesen Ausführungen wird die Anklage der Umgrenzungs- und Informationsfunktion des Anklagegrundsatzes gerecht. Eine detailliertere Umschreibung der Kausalität - etwa mittels genauer Angabe des Wahrscheinlichkeitsgrades, mit welchem der Erfolg bei pflichtgemässem Handeln abgewendet worden wäre - ist zur Wahrung der Verteidigungsrechte nicht notwendig. Die Beschwerde ist insoweit unbegründet.