Citation: I 718/04 27.03.2006 E. 4

4.1 Verwaltung und Vorinstanz haben das Leistungsbegehren im Wesentlichen gestützt auf das Gutachten der MEDAS vom 8. Juli 2003 abgewiesen, welches auf internistischen, rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen und umfangreichen medizinischen Vorakten beruht. Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Gutachten sei mangelhaft, weil es nicht einen im vorliegenden Fall wesentlichen Lungenfunktionstest umfasse. Bezüglich des psychiatrischen Teilgutachtens wird bemängelt, dieses sei durch einen Assistenzarzt aufgrund einer einmaligen Exploration erstellt worden. Mit dem Gutachtensauftrag vom 16. September 2002 hat die IV-Stelle die MEDAS beauftragt, insbesondere zur Arbeitsfähigkeit und zu den Möglichkeiten einer Verbesserung der Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiten durch medizinische Massnahmen Stellung zu nehmen. Eine spezifische Fragestellung oder Angaben dazu, unter welchen medizinischen Fachrichtungen ein Gutachten zu erstellen war, erfolgten nicht. Es blieb daher der Abklärungsstelle überlassen, darüber zu befinden, unter welchen Aspekten zusätzliche Untersuchungen und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorzunehmen waren. Die MEDAS hat zwar am 18. Juni 2003 eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt. Wegen starker Hyperventilation musste diese indessen abgebrochen werden und war somit nicht verwertbar. Wenn die MEDAS unter den gegebenen Umständen auf eine erneute Druchführung verzichtet hat, lässt sich dies nicht beanstanden, hätte es sich dabei doch nur um eine Ergänzung zu den übrigen umfassenden Untersuchungen und medizinischen Vorakten gehandelt. Dem psychiatrischen Fachgutachten ist nicht deshalb der Beweiswert abzusprechen, weil es von einem Assistenzarzt gestützt auf eine einmalige Untersuchung verfasst wurde. Das Teilgutachten basiert auf einer umfassenden Untersuchung und berücksichtigt auch die beigezogenen Vorakten. Es wurde von einem Oberarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik visiert und am 3. Juli 2003 an einer interdisziplinären Konsenskonferenz der beteiligten Ärzte besprochen. Dabei obliegt es insbesondere den medizinischen Sachverständigen zu entscheiden, ob eine einmalige Exploration eine zuverlässige Beurteilung zulässt, oder ob ergänzende Untersuchungen erforderlich sind. 4.2 Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin die Schlussfolgerungen der Gutachter. In der gutachterlichen Gesamtbeurteilung wird ausgeführt, die Versicherte leide an Bronchiektasen, infolge derer es zu rezidivierenden Pneumonien gekommen sei. Am 21. April 1999 sei daher eine Unterlappenresektion und Lingularesektion links durchgeführt worden. In der Folge habe sich ein chronisches, zunächst auf die linke Thoraxseite begrenztes Schmerzsyndrom gebildet. Das MRI des Thorax vom 30. November 2000 habe einen regelrechten postoperativen Befund gezeigt. Aus rheumatologischer Sicht wurde die Diagnose eines chronischen Ganzkörper-Schmerzsyndroms, betont im linken oberen Quadranten mit möglicher neuropathischer oder thorakospondylogener Schmerzkomponente, verstärkt durch ausgeprägte Wirbelsäulenfehlhaltung bei morbider Adipositas und schwerer Dekonditionierung infolge totaler Inaktivität im Alltag gestellt. Die Ursache der massiven Symptomausweitung sehen die Gutachter in der Schwierigkeit des kognitiven Begreifens des Geschehenen, indem die Operationsindikation nicht verstehbar bleibe und die Versicherte sich als durch die Operation Geschädigte erlebe. Das Operationsgebiet werde als extrem schmerzhaft geschildert. Inspektorisch und palpatorisch liessen sich indessen keine Pathologien erheben und auch bildgebend konnten solche ausgeschlossen werden. Es wird auch ein nicht unerheblicher sekundärer Krankheitsgewinn vermutet. Aus psychiatrischer Sicht lautet die Diagnose auf leichte, vorwiegend reaktiv bedingte Depression. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung wurde von den Psychologen unter der Annahme einer genügenden somatischen Schmerzerklärung eher ausgeschlossen. Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Versicherte aufgrund der depressiven Symptomatik, insbesondere der Schlafstörungen mit Tagesmüdigkeit, Anhedonie und verminderter emotionaler Belastbarkeit für eine den somatischen Beschwerden angepasste Tätigkeit zu 30 % bis 40 % eingeschränkt. Aus rheumatologischer Sicht sei wegen der Adipositas und allgemeinen Fehlhaltung sowie der Dekonditionierung die Belastbarkeit generell vermindert, doch erreiche diese bei einer teilzeitlich ausgeübten Tätigkeit mit Sicherheit kein rentenrelevantes Ausmass. Ungünstig seien Beschäftigungen in länger dauernden Körperpositionen rein sitzend, stehend, kniend, in vornübergeneigten Körperhaltungen oder mit repetitiv rumpfrotierenden Stereotypien. Auch eine Überlastung des linken Armes bezüglich Heben und Tragen sowie in Tätigkeiten über Schulterhöhe sei zu beachten. Eine diesen Einschränkungen gerecht werdende, körperlich leicht belastende Tätigkeit in rückenadaptierten Wechselpositionen sei aus rheumatologischer Sicht, bezogen auf ein 100%iges Pensum, zu 50 % zumutbar, so dass gegenüber der Erfüllung des früheren 38%igen Wochenpensums keine Vorbehalte bestünden. In der Konsensfindung gingen die Gutachter davon aus, dass für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % zumutbar wäre und ein Pensum von 38 % somit vollumfänglich erledigt werden könne. Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und mit Bezug auf die Folgerungen schlüssig. Wenn in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ohne nähere Bezugnahme auf die konkreten Verhältnisse am bisherigen Arbeitsplatz ausgeführt wird, bei der Reinigungstätigkeit handle es sich in aller Regel nicht um eine körperlich leichte Tätigkeit, vermag die Beschwerdeführerin aus dieser allgemeinen Aussage nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Insbesondere wird nicht behauptet, bisher hätten schwere Arbeiten verrichtet werden müssen. Gemäss Haushaltbericht vom 24. August 2001 arbeitete die Versicherte jeweils am Mittwoch und Freitag Nachmittag, wobei sie sich die am Freitag anfallende Arbeit über das Wochenende hinweg selber einteilen konnte. Festzuhalten bleibt, dass eine Tätigkeit im Reinigungsdienst oder in einem Verweisungsberuf nur dann zumutbar ist, wenn sie die von den Gutachtern umschriebenen leidensangepassten Anforderungen erfüllt. Sodann besteht der Sinn einer multidisziplinären Abklärung gerade darin, die kombinierten Auswirkungen verschiedener Symptomkreise zu ermitteln, so dass nicht auf einzelne Arbeitsunfähigkeitsbeurteilungen, sondern auf die Gesamtbeurteilung der interdisziplinären Konsenskonferenz abzustellen ist. 4.3 Die Beschwerdeführerin rügt des Weitern, die Vorinstanz habe einseitig auf das MEDAS-Gutachten abgestellt und die weiteren medizinischen Unterlagen, namentlich die Berichte des ehemaligen Hausarztes Dr. med. P.________, des Vertrauensarztes der ELVIA, Dr. med. G.________, und der Ärzte des Zentrums Z.________ zu Unrecht als nicht aussagekräftig abgetan. Aus diesen würde sich jedoch ein Anspruch auf eine Invalidenrente ergeben. Allenfalls sei der medizinische Sachverhalt durch ein ergänzendes arbeitsmedizinisches Gutachten und einen Bericht der neuen Hausärztin Dr. med. O.________ näher abzuklären. Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde hat die Vorinstanz in Würdigung der medizinischen Unterlagen überzeugend und mit einlässlicher Begründung dargetan, dass und weshalb die Stellungnahmen weiterer mit der Beschwerdeführerin befasster Ärzte das umfassende, auf allseitigen Untersuchungen beruhende, die geklagten Beschwerden berücksichtigende, in Kenntnis der Vorakten abgegebene und in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtende und zu begründeten Schlussfolgerungen kommende (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a) MEDAS-Gutachten nicht in Frage zu stellen vermögen. So haben die Ärzte des Schweizerischen Paraplegikerzentrums die Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit im angestammten Umfang von 38 % grundsätzlich bejaht, für eine abschliessende Beurteilung aber die Einholung eines fachärztlichen Gutachtens empfohlen (Bericht vom 18. Juni 2002). Dr. med. P.________ hat zur Arbeitsfähigkeit unterschiedliche Aussagen gemacht, weshalb seine Beurteilung nicht nachvollziehbar ist, wie das kantonale Gericht zu Recht festgestellt hat. Dr. med. G.________ schliesslich hielt im Bericht vom 8. März 2002 fest, anlässlich der Kontrolluntersuchung hätten aus internistischer Sicht, abgesehen von einer Adipositas, keine pathologischen Befunde erhoben werden können. Für eine körperlich nicht belastende Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Indessen sei es der Wunsch der Patientin, sich möglichst wenig zu bewegen, keine Spaziergänge zu machen und die Wohnung nicht zu verlassen. Zum Vornherein nicht abgestellt werden kann auf die Aussagen von Frau Dr. med. O.________, da die Versicherte erst seit März 2004 bei ihr in Behandlung steht, und die Ärztin für den hier massgebenden Zeitraum bis zum Erlass des Einspracheentscheids vom 26. November 2003 somit keine Beurteilung aufgrund eigener Feststellungen vornehmen konnte. Bei diesen Gegebenheiten kann von den beantragten ergänzenden Abklärungen abgesehen werden, da die bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen eine abschliessende Beurteilung zulassen und von weiteren Stellungnahmen keine neuen entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten sind. 4.4 Schliesslich bringt die Beschwerdeführerin vor, das MEDAS-Gutachten äussere sich nicht zur Beeinträchtigung im Haushalt. Der Bericht über die Beeinträchtigung im Haushalt vom 24. August 2001 beziehe sich zudem nicht auf die seit April 2003 geänderte Wohnsituation und sei somit veraltet. Der Umzug habe zu einer weitergehenden Einschränkung der Haushalttätigkeit geführt, als in der bisherigen Beurteilung angenommen. Worin diese zusätzlichen Beeinträchtigungen bestehen, wird allerdings nicht präzisiert. Im MEDAS-Gutachten wird festgehalten, die Versicherte lebe zusammen mit dem Ehemann, dem ältesten Sohn sowie dessen Ehefrau und deren zwei Kinder sowie dem jüngsten Sohn in einem 5 ½-Zimmerhaus. Der jüngste Sohn werde allerdings demnächst ausziehen. Die gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 24. August 2001 festgestellte Einschränkung von 30.25 % wird von den Gutachtern als realistisch bestätigt. Der detaillierten Abklärung der konkreten Verhältnisse an Ort und Stelle ist bei der Bestimmung des Invaliditätsgrades einer Hausfrau in der Regel mehr Bedeutung beizumessen als der bloss auf einer pauschalen Einschätzung beruhenden Beurteilung durch den Arzt. Im Zeitpunkt der Haushaltabklärung bewohnte die Versicherte mit dem Ehemann, den beiden Söhnen, der Schwiegertochter und den beiden Enkelkindern eine 4 ½-Zimmerwohnung, wobei die Schwiegertochter praktisch den gesamten Haushalt besorgte. Dies dürfte weiterhin so sein. Auch ist nicht anzunehmen, dass sich an den einzelnen Positionen des Betätigungsvergleichs substantiell etwas entscheidrelevantes geändert hat. Jedenfalls wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde auf keine konkrete zusätzliche Verschlechterung hingewiesen. Weil eine Invalidität im erwerblichen Bereich nach dem in Erwägung 4.2 Gesagten gänzlich zu verneinen ist, erübrigt sich eine zusätzliche Haushaltabklärung. Denn aufgrund der Akten ist nicht anzunehmen, dass im nichterwerblichen Bereich eine zur Erreichung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades erforderliche Einschränkung von insgesamt rund 65 % (0.62 x 65 % = 40 %) vorliegt.