Citation: I 229/02 17.12.2002 E. 3

Die Beschwerdeführerin beruft sich auf die Rechtsprechung gemäss BGE 126 V 461, wonach für invaliditätsbedingte Ausbildungsabbrüche und -verzögerungen die Invalidenversicherung aufzukommen hat, selbst wenn im späteren Zeitpunkt der neu gewonnenen Eingliederungsfähigkeit kein invalidisierender Gesundheitsschaden mehr besteht. 3.1 Das IVG beruht auf dem Konzept des leistungsspezifischen Invaliditätsfalles. Dies bedeutet im Bereich der beruflichen Eingliederungsmassnahmen (Art. 15 ff. IVG) u.a., dass ein Anspruch auf Beiträge an die erstmalige berufliche Ausbildung besteht, wenn dem Versicherten aus Gründen eines bleibenden oder längere Zeit dauernden Gesundheitsschadens, somit invaliditätsbedingt, in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen (Art. 16 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVV; BGE 126 V 461 Erw. 1 mit Hinweis). 3.2 Mit Blick auf eine leistungsspezifische Invalidität ist in Bezug auf die geltend gemachte erstmalige berufliche Ausbildung bedeutsam, ob die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen in der Zeit seit Abbruch ihrer Verkäuferinnenlehre im Jahre 1978 bis zur IV-Anmeldung daran gehindert worden ist, im üblichen Rahmen die erstmalige berufliche Ausbildung zu absolvieren. Wird diese Frage verneint, liegt keine Invalidität vor, und die Beschwerdeführerin kann folglich für eine berufliche Ausbildung, der sie sich nunmehr unterziehen will, keine Ansprüche gegen die Invalidenversicherung erheben. Wird die Frage bejaht, hätte dies zur Folge, dass die nunmehr nachzuholende erstmalige berufliche Ausbildung - mit Abschluss - als invaliditätsbedingt verspätet zu qualifizieren und der damit verbundene Erwerbsausfall als invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse gestützt auf Art. 22 Abs. 1 Satz 2 IVG taggeldmässig zu entschädigen ist. 3.3 Die einzige wesentliche gesundheitliche Einschränkung, mit welcher die heranwachsende Beschwerdeführerin als Schülerin und sich der beruflichen Ausbildung unterziehende Person auseinander zu setzen hatte, bildete der kongenitale Klumpfuss. Ein solches Gebrechen schränkt wohl die Berufswahl etwas ein, erlaubt aber noch den Besuch eines weiten Spektrums von üblichen Ausbildungs- und Lehrgängen. Eine solche Versicherte vermag sich daher, ohne invaliditätsbedingte Erschwernisse, berufliche Kenntnisse anzueignen, deren spätere Verwertung auf dem Arbeitsmarkt eine Invalidität regelmässig ausschliessen dürften. Selbst wenn der seinerzeitige Lehrabbruch (1977/78) gesundheitlich bedingt gewesen sein sollte - was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde behauptet, nach der Aktenlage aber nicht anzunehmen ist -, hätte sie damals ohne weiteres eine andere Lehre oder Ausbildung machen können. Das hat die Beschwerdeführerin jedoch nicht getan, wofür keine gesundheitlichen Gründe verantwortlich gemacht werden können. Vielmehr steht aktenmässig fest, dass sie danach während mehr als zehn Jahren in den verschiedensten Berufen erwerbstätig war, bevor sie sich im Alter von rund 34 Jahren erstmals an die Invalidenversicherung wandte. Die erst im Erwachsenenalter aufgetretenen Drogenprobleme können daher, abgesehen von der Frage ihres invalidisierenden Charakters (Art. 4 Abs. 1 IVG; vgl. zuletzt Urteil T. vom 8. Oktober 2002, I 168/02), beim hier eingetretenen Ablauf der Dinge nicht kausal für das Fehlen einer abgeschlossenen Berufsausbildung gewesen sein. Darin liegt der massgebliche Unterschied zu BGE 126 V 461. 3.4 Auch der Hinweis auf die Frühinvaliditätsregelung gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geht fehl, weil die Beschwerdeführerin nach dem Gesagten im Hinblick auf die Vielzahl der ihr offen stehenden Berufsausbildungsmöglichkeiten sich nicht darauf berufen kann, sie hätte wegen ihres Gesundheitsschadens (Klumpfuss) keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben können. Demnach kann sie auch nicht als Frühinvalide gelten.