Citation: 1P.80/2007 24.04.2007 E. 4

Im Hinblick auf das vom Beschwerdeführer verlangte Gutachten gilt es vorerst festzuhalten, dass die Prüfung der Glaubhaftigkeit von (Zeugen-)Aussagen sowie die Prüfung der Glaubwürdigkeit von Zeugen primär Sache des erkennenden Gerichts ist. Lediglich bei Vorliegen besonderer Umstände ist eine Begutachtung anzuordnen und auf eine solche - soweit schlüssig - abzustellen (BGE 129 I 49 E. 4 S. 57). Vor diesem Hintergrund ist im vorliegenden Fall zu prüfen, ob die konkreten Umstände eine entsprechende Begutachtung verfassungsrechtlich erfordert hätten. In dieser Hinsicht ist festzuhalten, dass voneinander abweichende Aussagen für sich genommen eine Begutachtung im Sinne des Antrages des Beschwerdeführers nicht zu rechtfertigen vermögen. Insbesondere bildet der Umstand, dass sich die einvernommenen Zeugen anders ausgesprochen haben als die Geschädigte, keinen Anlass für eine Expertise. Es ist diesfalls vielmehr Aufgabe des Gerichts, die einzelnen Aussagen auf ihre Glaubhaftigkeit zu prüfen und einander gegenüber zu stellen. Das Obergericht ist dem - wie bereits das Bezirksgericht - ausführlich nachgekommen und hat insbesondere die Aussagen der Zeugen F.________, P.________ und R.________ sowie diejenigen der Geschädigten sorgfältig gewürdigt. Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass die Geschädigte Drogen konsumiert haben soll, und schliesst daraus - sowie unter Hinweis auf BGE 118 Ia 28 - auf die Erforderlichkeit der Begutachtung des Opfers. Er legt indes nicht dar und es ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass die Geschädigte in bestimmten Zeiträumen - insbesondere der vorgeworfenen Handlungen oder der Einvernahmen - unter Drogeneinfluss gestanden sei und vor diesem Hintergrund eine Begutachtung erforderlich gewesen wäre. Zudem hat der Beschwerdeführer - trotz eines kurzen Hinweises in den Plädoyernotizen auf einen nicht spezifizierten Drogenkonsum - vor dem Obergericht nicht geltend gemacht, die Begutachtung hätte gerade wegen dieses Umstandes vorgenommen werden müssen; insoweit ist das Vorbringen neu und daher nicht zu prüfen. Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, eine Projektion früherer vom Opfer erlebter traumatischer sexueller Erlebnisse auf ihn und die ihm vorgeworfenen Handlungen sei möglich und wahrscheinlich. Das Obergericht hat hierzu ausgeführt, dass keinerlei Hinweise auf eine derartige Projektion vorlägen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat es das Obergericht nicht bei einer blossen Behauptung bewenden lassen. Es hat vielmehr im Einzelnen dargelegt, weshalb es eine solche Projektion ausschloss, und hierfür auf die Unterschiedlichkeit der früheren Ereignisse und der im vorliegenden Fall umstrittenen Vorkommnisse hingewiesen. Es zeigt sich denn auch, dass die vom Beschwerdeführer angenommene Projektion sich nicht auf die früheren Ereignisse und die nunmehr zu prüfenden Vorkommnisse beziehen, sondern vielmehr die Ängste vor Schlägen betreffen, welche die Geschädigte früher wie auch anlässlich der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Vorkommnisse empfand. Diese Ängste bedurften keiner gutachterlichen Abklärung. Das Obergericht hat sie in seine Würdigung einbezogen. Demnach hält die Abweisung des Antrages auf Begutachtung von Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit sowohl vor Art. 29 Abs. 2 BV wie vor Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK stand.