Citation: U 27/99 24.01.2000 E. 2

2.- a) In tatsächlicher Hinsicht ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nach den Angaben in der Unfallmeldung (vom 17. Juli 1995) und dem Zeugnis des Dr. med. H.________ (vom 21. August 1995) beim Aussteigen aus dem Motorboot ausgerutscht und auf die am Schiff befestigte Badeplattform gestürzt ist, was zu einer ausgeprägten Lumbalgie und Verletzungen an der linken Kleinzehe sowie am Zeigefinger links geführt hat. Weder gegenüber dem erstuntersuchenden Dr. med. H.________ noch gegenüber dem behandelnden Arzt, Dr. med. E.________, erwähnte die Versicherte ein Anschlagen des Kopfes oder eine Bewusstlosigkeit. Vielmehr sprach sie lediglich von einem Sturz auf das Gesäss, wie Dr. med. E.________ in einem Bericht an die SUVA vom 30. August 1996 bestätigte. Laut diesem Bericht gab die Versicherte erstmals am 6. Oktober 1995 an, mit dem Kopf aufgeprallt zu sein, wobei sie sich auf einen Zeugen berief, welcher sich angeblich rund drei Monate nach dem Unfall bei ihr gemeldet und den Unfallhergang beschrieben hatte. Wie die Abklärungen der SUVA ergeben haben, handelte es sich dabei insofern um eine falsche Aussage, als der angerufene Zeuge den Sturz gar nicht beobachtet hatte. Mit der Vorinstanz muss daher angenommen werden, die entsprechenden Angaben stammten von der Versicherten selbst. Bei sich widersprechenden Aussagen der versicherten Person ist in der Regel aber auf die sogenannten "Aussagen der ersten Stunde" abzustellen (BGE 115 V 143 Erw. 8c). Für die ursprüngliche Darstellung des Unfallgeschehnisses spricht auch der Umstand, dass seitens der behandelnden und untersuchenden Aerzte keine Verletzungen am Kopf oder am Hals festgestellt worden sind und die von Dr. med. E.________ im Anschluss an die Geltendmachung eines Schädeltraumas veranlassten neurologischen Untersuchungen (einschliesslich MRI-Untersuchung) keine pathologischen Befunde ergaben. Es kann daher nicht als überwiegend wahrscheinlich erachtet werden, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 2. Juli 1995 ein Schädeltrauma erlitten hat. Auch aus der letztinstanzlich eingereichten Fotodokumentation ergibt sich nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin beim Sturz vom Schiffsdeck auf die Badeplatte einen Kopfaufprall erlitten hat. Die tatsächlichen Gegebenheiten lassen ebenso gut einen blossen Sturz auf das Gesäss zu, wie die Beschwerdeführerin zunächst selber angegeben hat. Eines Augenscheins bedarf es in diesem Zusammenhang nicht, ebenso wenig des eventualiter beantragten biomechanischen Gutachtens. b) Unter diesen Umständen kann entgegen den Ausführungen in der VGB nicht auf den Bericht der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsspitals Y.________ (vom 15. Februar 1996) abgestellt werden, in welchem Dr. med. I.________ von einem Status nach Commotio cerebri, Contusio capitis und leichter HWS-Distorsion ausgeht und eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit von 100 % im erwerblichen Bereich und von 50 % im Haushalt annimmt. Ebenso wenig kann dem von Dr. med. K.________ verfassten Gutachten der Rehaklinik Q.________ (vom 8. Oktober 1997) gefolgt werden, soweit darin von einem Sturz auf den Hinterkopf und einer traumatischen Hirnverletzung die Rede ist. Immerhin wird in diesem Gutachten trotz Annahme eines Sturzes auf den Kopf die Diagnose einer leichten Hirnverletzung nur als wahrscheinlich bezeichnet und darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse der EEG-Untersuchungen unauffällig gewesen seien. Dass keine relevanten posttraumatischen neurologischen Störungen vorhanden waren, hatte das Kantonsspital X.________ bereits am 11. Dezember 1995 festgestellt. Nichts anderes ergibt sich aus den zahlreichen späteren Arztberichten. Die Klinik S.________, wo die Beschwerdeführerin am 20. Juni 1996 durch PD Dr. med. D.________ untersucht wurde, gelangte trotz Annahme eines Sturzes auf den Hinterkopf zum Schluss, dass die Versicherte keine eigentliche Commotio cerebri erlitten habe und ein Zervikalsyndrom im Vordergrund stehe. In einem Bericht der Klinik D.________ vom 15. August 1996 ist weder anamnestisch noch diagnostisch von einem Schädeltrauma die Rede. Im Uebrigen wird darauf hingewiesen, der Unfallmechanismus sei völlig unklar; es dürfe aber angenommen werden, dass kein schweres HWS-Trauma vorgelegen habe. Eindeutige somatische Befunde, welche die Beschwerden erklärten, liessen sich im Bereich der HWS nicht finden. Andererseits geht aus den medizinischen Akten hervor, dass erhebliche psychische Faktoren am bestehenden Beschwerdebild beteiligt sind. Bereits am 5. August 1995 diagnostizierte Dr. med. E.________ eine reaktive Depression, die er je teilweise auf das Unfallereignis und den Verlust der Arbeitsstelle zurückführte. Die Klinik D.________ wies am 14. November 1996 auf eine psychosoziale Problematik hin und äusserte den Verdacht auf eine Konversionssymptomatik. Aus den Akten geht des Weiteren hervor, dass sich die Beschwerdeführerin seit Anfang 1997 einer psychotherapeutischen Behandlung unterzieht, nachdem bereits zuvor Psychopharmaka zur Anwendung gelangt waren. Im Hinblick darauf, dass lediglich von einem leichten Trauma der HWS auszugehen ist und für die geltend gemachten Beschwerden keine somatischen Befunde, insbesondere auch keine Instabilität der Halswirbelsäule, gefunden werden konnten (Berichte der Klinik S.________ vom 20. Juni 1996 und der Klinik D.________ vom 15. August 1996), muss angenommen werden, dass den psychischen Faktoren überwiegende Bedeutung beizumessen ist. Im Gutachten der Rehaklinik Q.________ vom 8. Oktober 1997 wird die bestehende Arbeitsunfähigkeit - nebst der nicht ausgewiesenen traumatischen Hirnverletzung - denn auch auf eine posttraumatische Anpassungsstörung zurückgeführt, welche ihre Ursache teils im Unfall, teils in der diesem unmittelbar vorangegangenen Kündigung des Arbeitsverhältnisses habe.