Citation: I 527/01 20.02.2002 E. 3

3.- a) Zu den notwendigen und geeigneten Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zählen alle zur Eingliederung ins Erwerbsleben unmittelbar erforderlichen Vorkehren. Deren Umfang lässt sich nicht in abstrakter Weise festlegen, indem ein Minimum an Wissen und Können vorausgesetzt wird und nur diejenigen Massnahmen als berufsbildend anerkannt werden, die auf dem angenommenen Minimalstand aufbauen. Auszugehen ist vielmehr von den Umständen des konkreten Falles. Der Versicherte, der infolge Invalidität zu einer Umschulung berechtigt ist, hat Anspruch auf die gesamte Ausbildung, die in seinem Fall notwendig ist, damit die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden kann (BGE 124 V 110 Erw. 2a; AHI 1997 S. 85 Erw. 1 mit Hinweis). b) Demgemäss steht einem Versicherten, der zu Lasten der Invalidenversicherung eine Umschulung absolviert hat, unter Umständen auch ein Anspruch auf ergänzende Umschulungsmassnahmen zu; so namentlich dann, wenn die durchgeführte Umschulung dem Versicherten kein angemessenes Einkommen zu verschaffen vermag, und er nur mit ergänzenden Massnahmen in die Lage versetzt werden kann, einen Verdienst zu erzielen, der sich mit demjenigen vergleichen lässt, den er ohne Invalidität bei der früheren Tätigkeit erreichen würde. Dabei hängt der Anspruch auf ergänzende Umschulungsmassnahmen nicht davon ab, ob die für den Umschulungsanspruch als solchen geforderte Erheblichkeitsschwelle (Erwerbseinbusse von 20 % im ursprünglichen Beruf: vgl. BGE 124 V 110 Erw. 2b mit Hinweisen) erreicht ist (AHI 2000 S. 30 Erw. 2 und S. 31 Erw. 3b mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Diss. Bern 1985, S. 187). c) Ein Anspruch auf ergänzende Umschulungsmassnahmen ist aber auch gegeben, wenn die absolvierte Umschulung sich unter den konkreten Umständen als unwirksam erweist, weil die von der Invalidenversicherung zugesprochene Ausbildung mit den sich weiter entwickelnden Ausbildungsanforderungen des Arbeitsmarktes nicht Schritt hält und deshalb eine genügende und erfolgreiche Eingliederung ins Berufsleben nicht möglich ist. Der Beschwerdeführer absolvierte ab dem 4. August 1997 die dreijährige Lehre zum Elektronikmonteur. Es war der letzte Lehrgang zu diesem Beruf, denn am 1. Januar 1998 trat ein neues eidgenössisches Reglement für die Ausbildung zum Elektroniker mitsamt neuem Lehrplan in Kraft. Die novellierte Ausbildung ersetzte nicht nur die bisherige Elektronikerlehre, sondern auch die vom Beschwerdeführer absolvierte Lehre zum Elektronikmonteur. Wie dieser mit Recht vorbringt, wird der Elektroniker im Gegensatz zum Elektronikmonteur, der sich nach den Ausbildungsvorschriften noch mit Montagearbeiten, mit elektrischer Verbindungstechnik und mit Kontroll-, Mess- und Abgleicharbeiten zu befassen hatte, nun zeitgemäss in den Bereichen Mikrochiptechnik, Mikroprozessor und Programmierung ausgebildet und hat unter anderem in Zusammenarbeit mit weiteren Fachleuten elektronische Schaltungen oder Computerprogramme zu entwickeln und zu realisieren. Der Beschwerdeführer verfügte damit bei Abschluss der Lehre als Elektronikmonteur im August 2000 über eine Ausbildung, die den gewandelten Erfordernissen des sich rasch entwickelnden Arbeitsmarktes nicht mehr ausreichend entsprach. Dies zeigte sich gerade daran, dass schon die erste Anstellung nach der Beendigung der Lehre davon abhängig gemacht wurde, dass noch ein zusätzliches Ausbildungsprogramm im Elektronikbereich ("Allgemeine Elektronik und SPS-Steuerungen") zu absolvieren sei. Nach unterbliebenen Kursbesuchen wurde der Arbeitsvertrag bereits auf das Ende des ersten Anstellungsjahres mit der Begründung gekündigt, der Beschwerdeführer verfüge mit seiner Ausbildung nicht über ausreichende elektrische und elektronische Kenntnisse für die zu verrichtende Arbeit (Arbeitszeugnis vom 11. September 2001). Im Unterschied zu der Mehrzahl der anderen Berufsschüler in einer vergleichbaren Ausbildungssituation hat der Beschwerdeführer nach Art. 17 Abs. 1 IVG invaliditätsbedingt einen gesetzlich verankerten Anspruch auf die gesamte Ausbildung, die in seinem Fall notwendig ist, damit die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden kann. Da die ihm zugesprochene Eingliederungsmassnahme sich unter den konkreten Umständen als unwirksam erwiesen hat, hat er Anrecht auf eine Zusatzausbildung, durch welche ihm angesichts der in allen Wirtschafts- und Verwaltungsbereichen rasch fortgeschrittenen Elektronifizierung eine genügende und erfolgreiche Eingliederung ins Berufsleben ermöglicht wird. Die Verwaltung wird diesen Anspruch im Einzelnen noch zu bestimmen haben.