Citation: 4A_27/2018 E. 3.2.4

3.2.4. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, womit seine Verletzung an sich ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt (BGE 141 V 557 E. 3 S. 563 f.; 137 I 195 E. 2.2 S. 197; 135 I 187 E. 2.2 S. 190). Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus - im Sinne einer Heilung des Mangels - selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 142 II 218 E. 2.8.1 S. 226; 137 I 195 E. 2.3.2 S. 197 f.; 133 I 201 E. 2.2 S. 204 f.). Aber auch ohne Heilung der Gehörsverletzung kann zur Verhinderung eines Leerlaufes von einer Rückweisung abgesehen werden, wenn an der Rückweisung kein schützenswertes Interesse besteht. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Partei, deren Gehör verletzt wurde, nicht darlegt, dass sie in den Punkten, in denen ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt wurde, bei Gewährung desselben überhaupt Ausführungen hätte machen können, die zufolge der Verletzung nicht berücksichtigt werden konnten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_283/2013 vom 20. August 2013 E. 3.3). Dasselbe muss gelten, wenn aus prozessualen Gründen die Ausübung des rechtlichen Gehörs von Vornherein nichts am Prozessausgang ändern könnte. So verhält es sich im zu beurteilenden Fall: 3.2.4.1. An der von der Beschwerdeführerin angegebenen Stelle in der Berufungsschrift legt sie zwar in der Tat mit Hinweis auf die Akten dar, wie sie auf den Betrag von PLZ 880'285 gekommen ist. Den durchschnittlichen Nettogewinn hat sie dabei aber wieder gestützt auf den klägerischen Betrieb als ganzes berechnet sowie für den Vertrieb der in "diesem Sinne repräsentativen Produkte" der Beschwerdegegnerin. Die Vorinstanz hat aber bereits im Zusammenhang mit der Schadensberechnung darauf abgestellt, die Beschwerdeführerin habe die Repräsentativität verspätet behauptet. Die Beschwerdeführerin hat diese Argumentation zwar mit Hinweis auf ihre Vorbringen im kantonalen Verfahren und die Gerichtsnotorietät vor Bundesgericht angefochten, ist aber gescheitert (vgl. E. 2.3.2.2 hiervor). 3.2.4.2. Konnte die Vorinstanz, ohne Recht zu verletzen, davon ausgehen, die Beschwerdeführerin habe die Repräsentativität der Produkte nicht rechtzeitig behauptet, muss dies auch für die Berechnung der Kundschaftsentschädigung gelten. Von ihrer diesbezüglichen Einschätzung im Zusammenhang mit der Schadensberechnung kann die Vorinstanz bei der Beurteilung der Kundschaftsentschädigung nicht abweichen, ohne dass dies zu einem inneren Widerspruch im Entscheid führen würde. Auf ihre diesbezügliche Einschätzung könnte sie aber, soweit diese vom Bundesgericht nicht beanstandet wurde, wegen der Bindung an den Rückweisungsentscheid (BGE 135 III 334 E. 2 und 2.1 S. 335 mit Hinweisen) gar nicht zurückkommen. Ein schützenswertes Interesse an einer Rückweisung könnte somit nur bestehen, wenn die Beschwerdeführerin in der Beschwerde aufzeigen könnte, dass sie an der von ihr angegebenen Stelle Ausführungen zur Rechtzeitigkeit der Behauptung der Repräsentativität gemacht hat, die sie im Zusammenhang mit der Schadensberechnung unterlassen hat, so dass die Möglichkeit bestünde, dass die Vorinstanz, wenn sie sich mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin zur Höhe der Kundschaftsentschädigung hinreichend auseinandergesetzt hätte, zu einem abweichenden Ergebnis bezüglich der Rechtzeitigkeit der Behauptung der Repräsentativität gekommen wäre - dass sich mithin die Gehörsverletzung auch auf diesen Punkt bezieht, so dass er von einem allfälligen Rückweisungsentscheid miterfasst wäre. Dass diese Voraussetzung gegeben ist, wird in der Beschwerde nicht rechtsgenüglich aufgezeigt und ist auch nicht ersichtlich. Am angegebenen Ort in der Berufungsschrift setzt die Beschwerdeführerin die Repräsentativität vielmehr voraus. Damit kann sich die Gehörsverletzung nicht auf das Ergebnis auswirken, zumal es der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Schadenschätzung möglich war, den angefochtenen Entscheid in diesem Punkt sachgerecht anzufechten und die Frage dem Bundesgericht zu unterbreiten. Insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Damit kann offenbleiben, ob die Voraussetzung für eine analoge Anwendung von Art. 418u OR gegeben war.