Citation: 6B_199/2022 E. 4.3.2

4.3.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihr Recht auf ein faires Verfahren nach Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 EMRK verletzt worden sei. Zudem rügt sie eine Verletzung von Art. 140 Abs. 1 StPO, wonach Versprechungen bei der Beweiserhebung untersagt sind. Man habe ihr im Untersuchungsverfahren mitgeteilt, dass die urteilenden Gerichte bei der Strafzumessung das Modell EUGSTER/FRISCHKNECHT anwenden würden "mit untergeordneter Bedeutung der Mengen der transportierten Betäubungsmittel". Trotzdem sei bei der Strafzumessung die Menge der transportierten Betäubungsmittel "massgebend und zentral". Die Beschwerdeführerin sei bei ihren Einvernahmen durch die Polizei und Staatsanwaltschaft darauf hingewiesen worden, dass es in Anwendung des Modells von EUGSTER/FRISCHKNECHT grundsätzlich nicht auf die Menge der Betäubungsmittel ankomme, sondern auf ihre Einordnung in der Hierarchie. Entsprechend habe sie bereitwillig Angaben dazu gemacht. Vor diesem Hintergrund erstaune es, dass ein Grossteil der vorinstanzlichen Ausführungen die transportierten Drogenmengen betreffen. Die Rüge ist unbegründet. Die Beschwerdeführerin verweist auf Frage 144 ihrer polizeilichen Einvernahme vom 19. Juni 2019. Dort erklärt ihr der einvernehmende Polizist, bei der Strafzumessung werde "unter anderem das Strafmodell EUGSTER/FRISCHKNECHT angewendet". Dabei werde vorwiegend auf die Rolle einer Person abgestützt. Der Staatsanwalt oder die Rechtsvertretung könne der Beschwerdeführerin dazu detaillierte Auskunft erteilen. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse gehe der einvernehmende Polizist davon aus, dass die Beschwerdeführerin auf der Hierarchiestufe 3 mit einer Einsatzstrafe von 5 bis 8 Jahren stehe. Der einvernehmende Polizist erwähnte ausdrücklich, dies sei nur seine Einschätzung, wobei es dem fallführenden Staatsanwalt obliege, die konkrete Strafe zu beantragen. Von einer Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren kann keine Rede sein. Im von der Beschwerdeführerin angerufenen Protokoll wird ausdrücklich erwähnt, dass sich Organisationsmitglieder mittlerer Hierarchiestufen zum Beispiel durch den "Transport grosser Mengen" auszeichnen. Die Beschwerdeführerin legt nicht im Ansatz dar, wer ihr wann welche Versprechung gemacht haben soll. Gemäss Protokoll machte der einvernehmende Polizist keine falschen Angaben zum Modell von EUGSTER/FRISCHKNECHT. Selbst wenn er dies getan hätte, wären die angerufenen Garantien nicht verletzt. Denn die Beschwerdeführerin war bereits bei der polizeilichen Einvernahme vom 19. Juni 2019 durch ihre heutige Rechtsanwältin vertreten. Von dieser darf erwartet werden, dass sie weiss, welche Rolle die Drogenmenge bei der Strafzumessung spielt.