Citation: 8C_801/2009 12.03.2010 E. 3

Umstritten ist weiter die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit durch den Beschwerdeführer, wobei für die präzise Erfassung des Ausmasses des verbliebenen Leistungsvermögens wie in E. 2.2 hievor dargelegt vorerst noch weitere Abklärungen zu erfolgen haben. 3.1 Was die Tätigkeit am angestammten Arbeitsplatz anbelangt, ist zunächst festzuhalten, dass der Beschwerdeführer übereinstimmenden medizinischen Beurteilungen zufolge auf Grund seiner gesundheitlichen Situation nicht mehr in der Lage ist, diese weiter auszuüben. Er war dort als angelernter Bauarbeiter tätig und hatte eigenen Angaben zufolge auf der Baustelle "gespitzt", Küchen abgebrochen und Schutt weggetragen, selbst aber keine Maurerarbeiten ausgeführt. Diese Einsatzbereiche sprechen nicht unbedingt für die Fähigkeit zur Erledigung auch komplexerer Aufgaben. In der Stelle B.________ musste denn auch festgestellt werden, dass bei zunehmendem Anspruch an feinmanuelle Erfordernisse die Leistungswerte bei seriellen maschinellen Arbeiten sehr rasch abnehmen. Der Bericht der Stelle B.________ vom 13. April 2007 weist schliesslich auch auf die geringen schulisch-theoretischen Fähigkeiten hin. Ein im Testzentrum W.________ des Kantons Bern vorgenommener Intelligenztest ergab am 24. August 2007 eine Gesamtintelligenz von lediglich 69 Punkten. Das kantonale Gericht behandelte das intellektuell nachgewiesenermassen minime Leistungsvermögen indessen als unfallfremden Faktor und mass ihm entsprechend keine für die Invaliditätsbemessung relevante Bedeutung bei. Dabei vermerkte es immerhin, dass der Beschwerdeführer angesichts seiner langjährigen Tätigkeit am früheren Arbeitsplatz, der Ergebnisse der Abklärungen in der Stelle B.________ und der Beschäftigung in den Werkstätten V.________ in der Lage sei, nach entsprechender Einführung auch komplexe Aufgaben gut und selbstständig zu erledigen. Wie einer Stellungnahme der Firma S.________ AG vom 3. Juni 2009 indessen zu entnehmen ist, soll "die Summe der Fähigkeiten für den ersten Arbeitsmarkt nicht ausreichen". So hielten denn auch die Verantwortlichen der Werkstätten V.________, wo der Beschwerdeführer im Rahmen eines vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) angeordneten Programms zur vorübergehenden Beschäftigung eingesetzt worden war, am 25. Mai 2009 fest, dass dieser selbstständig keine Arbeiten nach Plan ausführen könne. Festgehalten wurde dabei, dass die Arbeiten in den Werkstätten ohne Zeitdruck erledigt werden können. Entgegen der vorinstanzlichen Argumentation kann daher nicht angenommen werden, dass die im Arbeitszeugnis genannten Leistungen jenen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt entsprechen. Die offensichtlich geringe intellektuelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers wirkte sich bei seiner Tätigkeit am angestammten Arbeitsplatz insoweit nicht aus, als er dort Arbeiten verrichten konnte, bei welchen dieses Defizit keine Rolle spielte. So konnte er mehr als zwanzig Jahre im Rahmen von schweren, keine intellektuellen Anforderungen stellenden Hilfsarbeiten tätig sein. 3.2 Nach dem Unfallereignis vom 21. Oktober 2005 präsentiert sich die Situation hingegen völlig verändert. Auch bei einfachen manuellen Tätigkeiten, die der Beschwerdeführer trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung noch ausüben könnte, wird ein gewisses Minimum an intellektuellen Fähigkeiten verlangt, über welche der Beschwerdeführer gerade nicht verfügt. Bezeichnenderweise konnte er von seiner früheren Arbeitgeberin denn auch bloss für das Wegspitzen, den Abbruch und das Wegräumen, nicht aber für das Mauern selbst eingesetzt werden. Die SUVA jedenfalls vermochte den Nachweis für das Vorhandensein von Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, welche dem Beschwerdeführer noch möglich wären, nicht zu erbringen. 3.3 Die SUVA hat die Verwertbarkeit der noch vorhandenen Leistungsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht unter dem Aspekt der intelligenzmässig doch wesentlich beschränkten Fähigkeiten geprüft. Die von ihr angeführten Beispiele aus ihrer Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP-Blätter) jedenfalls enthalten keine Angaben darüber, ob sich die jeweiligen Arbeitsplätze auch für Personen eignen, welche nur über geringe intellektuelle Möglichkeiten verfügen und überdies unfallbedingt gewisse Tätigkeiten überhaupt nicht ausführen können. Der von der SUVA beigezogene Berater der Firma S.________ AG gibt an, dass versucht wurde, Firmen zu finden, welche bereit gewesen wären, dem Beschwerdeführer eine Chance zu bieten; leider sei dies ohne Erfolg geblieben, sodass sie davon ausgehen müssten, dass der Beschwerdeführer in seiner beruflichen Vergangenheit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt doch eher einen geschützten Arbeitsplatz innegehabt habe; die Summe der Fähigkeiten des Beschwerdeführers würde für den ersten Arbeitsmarkt nicht ausreichen. Diese Ausführungen lassen die Annahme kaum zu, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch in der Lage wäre, seine vorhandene Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten. Angesichts der unzureichenden Aktenlage sind bezüglich der noch denkbaren Einsatzbereiche zusätzliche Abklärungen zu treffen, wobei primär die Frage nach konkret in Betracht fallenden Anstellungschancen interessiert, welche unter Mitberücksichtigung der geringen intellektuellen Fähigkeiten und der medizinisch festgestellten funktionellen Beeinträchtigungen zu prüfen ist.