Citation: U 450/04 09.06.2005 E. 4

4.1 Entgegen dem kantonalen Gericht erlaubt das Gutachten des Prof. S.________ vom 7. Oktober 2002 nicht die abschliessende Beurteilung der Rechtsfrage, ob in der Vorgehensweise des med. dent. O.________ beim Aufbau des Zahns 24 mit einer Compositfüllung eine unfallversicherungsrechtlich bedeutsame, ganz erhebliche Abweichung vom medizinisch Üblichen zu erblicken und in Bezug auf diesen Eingriff daher die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors zu bejahen ist. Insbesondere kann aus der für die Vorinstanz entscheidenden Aussage des Experten, es sei ein Ereignis eingetreten, welches in diesem Ausmass nicht vorhersehbar gewesen sei, nicht gefolgert werden, die Zahnbehandlung ohne Verwendung des Kofferdamms habe, objektiv betrachtet, nicht entsprechend grosse Risiken in sich geschlossen. Die Nichtvorhersehbarkeit bezieht sich auf das Ausmass und die Irreversibilität der Verletzung und nicht bloss auf den Zahnfleischschwund als solchen. Dass die Gewebeschädigung offenbar auch für den Gutachter sehr stark war, ist nicht von Belang. Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bezieht sich definitionsgemäss nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber (BGE 129 V 180 Erw. 2.1 in fine, 121 V 38 Erw. 2b; RKUV 2003 Nr. U 492 S. 372 Erw. 2.2). Ob das Nichtanlegen eines Kofferdamms notwendigerweise zu einer Schädigung des Zahnfleisches der vorliegenden Art führt, ist im Übrigen nicht entscheidend dafür, dass im Einzelfall die Unterlassung dieser Vorkehr einen ungewöhnlichen äusseren Faktor darstellt oder nicht. 4.2 Es stellen sich u.a. etwa folgende Fragen: - Entspricht die Verwendung eines Kofferdamms beim Legen einer Compositfüllung im Sinne des Aufbaues eines Zahnes allgemein anerkannter und auch angewendeter Praxis? Welche Bedeutung kommt den von Prof. S.________ erwähnten SSO-Qualitätsrichtlinien und Empfehlungen der Universitätsinstitute der Schweiz zu? Stellt die Nichtverwendung eines Kofferdamms im Allgemeinen eine erhebliche Abweichung vom medizinisch Üblichen dar? Besteht erfahrungsgemäss ein Risiko des irreversiblen Zahnfleischschwundes ohne das Anlegen eines Kofferdammes beim Legen einer Compositfüllung im Sinne des Zahnaufbaus? - War im konkreten Fall die Verwendung eines Kofferdamms beim Legen der Compositfüllung für den Aufbau von Zahn 24 möglich gewesen? Wenn ja, wäre bei Anlegen eines Kofferdamms sicher, wahrscheinlich oder möglicherweise das Zahnfleisch nicht verletzt oder zumindest nicht irreversibel geschädigt worden? Sind Umstände gegeben, welche die Gefahr einer solchen Gewebeschädigung erhöhten? - Inwiefern begünstigte oder ermöglichte die von Prof. S.________ als unüblich bezeichnete Anästhesie eine irreversible Schädigung des Zahnfleisches der eingetretenen Art? Wozu genau diente die Anästhesie? Stellt eine Anästhesie beim Legen einer Compositfüllung im Sinne des Aufbaues eines Zahnes eine erhebliche Abweichung vom medizinisch Üblichen dar? - Was war die Ursache dafür, dass das Zahnfleisch sich weiss verfärbte? Stellte die sofortige Spülung mit einer Kochsalzlösung die üblicherweise angewendete Methode zur Verhinderung eines allfälligen Zahnfleischschwundes dar oder wich diese Massnahme erheblich von der medizinischen Praxis ab? - Weicht die Vorgehensweise des med. dent. O.________ beim Legen der Compositfüllung für den Aufbau von Zahn 24 unter den gegebenen Umständen erheblich vom medizinisch Üblichen ab? 4.3 Der Unfallversicherer wird einem anerkannten Zahnmediziner, allenfalls Prof. Dr. med. dent. S.________, die vorstehenden Fragen zur gutachterlichen Klärung vorzulegen haben und danach erneut darüber verfügen, ob in Bezug auf den am 18. August 2000 durchgeführten Eingriff am Zahn 24 das Merkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors gegeben ist. In diesem Sinne ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde begründet und verletzt der angefochtene Entscheid Bundesrecht.