Citation: 6P.114/2004 05.11.2004 E. 3

Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, das Obergericht habe in willkürlicher Würdigung des Gutachtens von Dr. med. F.________ vom 5. Oktober 1999 eine Verminderung der Zurechnungsfähigkeit ver-neint. Das Gutachten weise zahlreiche Mängel auf und sei nicht schlüssig. Zudem habe das Obergericht das Gutachten falsch gewür-digt. Der angefochtene Entscheid verletze deshalb auch den Grund-satz "in dubio pro reo". 3.1 Das Sachgericht würdigt ein Gutachten grundsätzlich frei, auch wenn es mangels eigener Fachkenntnisse einen Sachverständigen beizieht (vgl. Art. 249 BStP). Doch darf es in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe seine Meinung anstelle derjenigen des Experten setzen; weicht es von der Expertenmeinung ab, muss es dies begründen. Verlangt das Gesetz den Beizug eines Gutachters, darf der Richter von dessen Folgerungen abweichen, wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien deren Überzeugungskraft ernstlich erschüttern. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise kann gegen das Willkürverbot (Art. 9 BV) verstossen (BGE 118 Ia 144 E. 1c mit Hinweisen). Willkürlich ist ein Entscheid aber nicht schon, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 127 I 54 E. 2b mit Hinweisen). 3.2 Das Obergericht hat sich hinsichtlich der Zurechnungsfähigkeit des Beschwerdeführers auf das Gutachten von Dr. med. F.________ vom 5. Oktober 1999 abgestützt. Es schloss, dass die Zurechnungs-fähigkeit des Beschwerdeführers zu den Tatzeiten grundsätzlich nicht eingeschränkt gewesen sei. Das Gutachten von Dr. med. F.________ erscheint ausführlich und sorgfältig abgefasst. Es hält fest, dass die beim Beschwerdeführer diagnostizierte Persönlichkeitsstörung nicht zu einer verminderten Steuerungsfähigkeit während den Straftaten geführt habe. Auch habe beim Beschwerdeführer keine Drogensucht vorgelegen, welche eine verminderte Zurechnungsfähigkeit im Tatzeit-raum indizieren würde. Die - mittels Wiedergabe des vor Obergericht gehaltenen Plädoyers - vorgebrachte Kritik des Beschwerdeführers ist appellatorisch, weswegen nicht darauf eingetreten werden kann (vgl. E. 1). Die Ausführung, es könne nicht festgestellt werden, ob der Beschwerdeführer vor den Taten die behauptete Menge Drogen und Alkohol konsumiert habe oder nicht, lässt - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - das Gutachten nicht unschlüssig erscheinen. Ein strikter Nachweis, dass eine Person zu einem gewissen Zeitpunkt unter starkem Drogen- oder Alkoholeinfluss gestanden ist oder nicht, kann regelmässig nur mittels entsprechenden Blut- und Urintests innerhalb eines gewissen Zeitraums erbracht werden. Dass das Gutachten diese Frage nicht abschliessend beantwortet, stellt daher keinen Mangel dar. 3.3 Auch soweit der Beschwerdeführer die Würdigung des Gutachtens kritisiert, vermag er keine Willkür aufzuzeigen. Es trifft - wie oben ausgeführt - zu, dass das Gutachten die Frage nicht beantwortet, ob der Beschwerdeführer aufgrund des behaupteten Drogenkonsums vermindert zurechnungsfähig gewesen ist. Der Gutachter hielt aber fest, dass die vom Beschwerdeführer angeblich konsumierten Drogen kaum die von ihm beschriebene pharmakologische Wirkung hätten. Das Obergericht berücksichtigte zudem, dass sich bei der Arretierung des Beschwerdeführers weder Anzeichen für eine starke Ange-trunkenheit noch für einen Drogenrausch bestanden haben. Es hat somit neben dem Gutachten noch weitere Umstände in Betracht gezogen. Der Einwand des Beschwerdeführers, das Obergericht hätte das Gutachten lediglich als Indiz betrachten dürfen, stösst damit ins Leere. Die vorgebrachte Tatsache, dass er in diesem Zeitraum Alkohol und Drogen konsumiert habe, ist unbestritten. Entgegen der Auffas-sung des Beschwerdeführers können daraus aber keine Schlüsse hinsichtlich seines Zustands anlässlich der Taten gezogen werden. Im Übrigen zog das Obergericht bei der Strafzumessung zugunsten des Beschwerdeführers in Betracht, dass er einen Teil der Straftaten unter dem Einfluss von Alkohol bzw. Drogen verübt hat. 3.4 Der Beschwerdeführer vermag keine gewichtigen Tatsachen oder Umstände darzutun, welche die Überzeugungskraft des Gutachtens in Frage stellen. Ebenso wenig erscheint die Würdigung des Gutachtens durch das Obergericht willkürlich im Sinne von Art. 9 BV. Eine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" fällt daher ebenfalls ausser Betracht (vgl. E. 2.1). Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.