Citation: 1C_96/2013 E. 4.3.2

4.3.2. Ein Geheimnis offenbart, wer es einer dazu nicht ermächtigten Drittperson zur Kenntnis bringt oder dieser die Kenntnisnahme zumindest ermöglicht. Keine Amtsgeheimnisverletzung liegt hingegen vor, wenn die Offenbarung gegenüber einer ermächtigten Person erfolgt ( STEFAN TRECHSEL/HANS VEST, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 2. Auflage, 2013, N. 8 zu Art. 320). Z.________ ist seit dem 1. März 2012 nicht mehr bei der Oberstaatsanwaltschaft und vom Kanton Zürich angestellt. Er hat das im Hinblick auf die Sitzung vom 7. März 2012 verfasste Memorandum drei Tage vor der Sitzung abgegeben und damit den ihm vom Leitenden Oberstaatsanwalt erteilten Auftrag abgeschlossen. An der Sitzung vom 7. März 2012 hat er nicht (mehr) teilgenommen. Unter diesen Umständen ist - ohne den Strafuntersuchungsbehörden und allenfalls dem Strafrichter vorzugreifen - durchaus denkbar, dass Z.________ hinsichtlich der Information, wonach die an der Sitzung vom 7. März 2012 beteiligten Personen zum Schluss gekommen sind, gegen den Beschwerdeführer werde eine Strafuntersuchung zu eröffnen sein, als nicht ermächtigte Drittperson gilt. An dieser Einschätzung ändert nichts, dass er an der Vorbereitung der Sitzung vom 7. März 2012 insofern beteiligt gewesen ist, als er das erwähnte Memorandum verfasst und die Einleitung einer Strafuntersuchung gegen den Beschwerdeführer empfohlen hat sowie dass er in seiner neuen Funktion in einem anderen Kanton ebenfalls an das Amtsgeheimnis gebunden ist. Unerheblich ist auch, dass Z.________ Geheimnisse, die er in seiner amtlichen Stellung bei der Oberstaatsanwaltschaft wahrgenommen hat, auch nach Beendigung des amtlichen Verhältnisses nicht offenbaren darf (vgl. Art. 320 Ziff. 1 Abs. 2 StGB), zumal er das an der Sitzung vom 7. März 2012 Besprochene möglicherweise eben nicht (mehr) in amtlicher Stellung, sondern als unbefugte Drittperson wahrgenommen hat. Es kann demzufolge nicht gesagt werden, das Versenden der genannten E-Mail an Z.________ durch den Beschwerdegegner erfülle den objektiven Tatbestand von Art. 320 Ziff. 1 Abs. 1 StGB klarerweise nicht. Nicht massgebend ist in dieser Hinsicht, wie sehr das reibungslose Funktionieren der Verwaltung und Rechtspflege sowie die Inte-ressen des Beschwerdeführers im konkreten Fall tatsächlich beeinträchtigt worden sind und ob Z.________ - wovon die Vorinstanz nicht ausging - die dem Amtsgeheimnis unterstehende Information weiterverbreitet hat.