Citation: U 546/06 29.08.2007 E. 3

3.1 Die Parteien und die Vorinstanz sind sich - nach Lage der Akten zu Recht - darin einig, dass die noch bestehenden gesundheitlichen Beschwerden zumindest teilweise (zum Genügen einer Teilursächlichkeit für die Leistungspflicht des Unfallversicherers: BGE 123 V 43 E. 2b S. 45 mit Hinweis, 121 V 326 E. 2 S. 329 mit Hinweisen) natürlich kausal auf das beim Unfall erlittene HWS-Distorsionstrauma zurückzuführen sind. Unbestritten und zutreffend ist auch, dass mangels einer organisch (hinreichend) nachweisbaren Ursache der Beschwerden eine spezifische Adäquanzprüfung zu erfolgen hat, wobei die Schleudertrauma-Praxis (BGE 117 V 359) anzuwenden ist. Letzteres ist insofern relevant, weil demnach, anders als im Falle einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall (BGE 115 V 133), bei der Prüfung der unfallbezogenen Adäquanzkriterien auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367). 3.2 Für die Adäquanzbeurteilung ist an das (objektiv erfassbare) Unfallereignis anzuknüpfen (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 f.). Das kantonale Gericht hat die Auffahrkollision vom 21. September 2002 als mittelschwer an der Grenze zu den leichten Unfällen eingeordnet. Diese Beurteilung ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs und im Lichte der Rechtsprechung richtig und auch nicht umstritten. Von den weiteren, objektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umständen, welche als massgebende Kriterien in die Gesamtwürdigung einzubeziehen sind (BGE 117 V 359 E. 6a s. 367), müssten demnach für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367 f.). 3.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es seien die drei Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, der Dauerbeschwerden sowie des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit gegeben, die letztgenannten beiden Kriterien sogar in besonders ausgeprägter Weise. Demgegenüber erachten Vorinstanz und Unfallversicherer nur, und nicht als besonders ausgeprägt, die Kriterien der Dauerbeschwerden und der Arbeitsunfähigkeit für erfüllt. Das kantonale Gericht hat zum letztgenannten Kriterium namentlich erwogen, dieses sei nicht besonders ausgeprägt gegeben, da die Versicherte auch längere Abschnitte zwischen 20 und 50 % gearbeitet habe. Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Arbeitsunfähigkeit sei wesentlich ausgedehnter und mit dem Sachverhalt, welcher dem Urteil U 346/03 vom 13. Mai 2004 zugrunde gelegen habe, zu vergleichen. 3.4 Im Urteil U 346/03 vom 13. Mai 2004 (zusammengefasst in: AJP 2005 S. 338; auszugsweise wiedergegeben in: Plädoyer 4/2004 S. 70) entschied das (damalige) Eidgenössische Versicherungsgericht bei einer Versicherten, welche ein Schleudertrauma der HWS zugezogen hatte, dass bei der gegebenen vollen Arbeitsunfähigkeit von praktisch ununterbrochen 22 Monaten und einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit als besonders ausgeprägt erfüllt zu bezeichnen sei. Im vorliegenden Fall ergibt sich aus den Akten, dass die Versicherte gleich nach dem Unfall vom 21. September 2002 einen Monat voll arbeitsunfähig war. Ab 21. Oktober 2002 arbeitete sie wieder zu 20 %, wobei es in der Folge wiederholt zu medizinisch bedingten kurzfristigen vollständigen Ausfällen kam. Nachdem Statusgespräche mit der Arbeitgeberin stattgefunden hatten, war die Versicherte von September bis November 2003 zu ca. 50 - 60 % tätig. Anschliessend bestand wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit. Auf den 1. Januar 2004 wurde die Versicherte vom gleichen Arbeitgeber in einem Pensum von nunmehr 50 % und mit einem schonenderen Anforderungsprofil angestellt. Schon unmittelbar nach Arbeitsantritt wurde aber ab 5. Januar bis 30. September 2004 wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Ein auf Oktober 2004 vorgesehener Arbeitsversuch im Rahmen eines Pensums von anfänglich 25 % fand mangels einer relevanten gesundheitlichen Verbesserung nicht statt. Am 4. Januar 2005 äusserte sich der Kreisarzt im Bericht über die Ärztliche Abschlussuntersuchung dahingehend, dass sich der Zustand zunehmend verschlechtert habe und eine nach dem Unfall vom 21. September 2002 primär noch tolerierte Arbeitsfähigkeit von 50 % in der jetzigen Situation nicht mehr zumutbar sei. Die Prognose bezeichnete der Kreisarzt als ungewiss, wobei er einen späteren Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess nicht ausschloss. Der Kreisarzt bestätigte weiter, dass keine Anhaltspunkte für eine Aggravation bestünden. 3.5 Die zuvor zu 100 % erwerbstätig gewesene Versicherte war mithin in den knapp 3 Jahren zwischen dem Unfall vom 21. September 2002 und dem - die zeitliche Grenze der gerichtlichen Überprüfung bildenden (BGE 130 V 445 E. 1.2 S. 446 mit Hinweisen) - Erlass des Einspracheentscheids vom 22. August 2005 lediglich während rund 10 Monaten (mit Unterbrüchen) zu 20 % sowie während rund drei Monaten zu 50 - 60 % arbeitsfähig und im Übrigen, mithin während fast zwei Jahren sowie noch im Zeitpunkt des Einspracheentscheides und ohne Aussicht auf eine baldige Veränderung, voll arbeitsunfähig. Das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist damit, im Lichte auch des im Urteil U 346/03 vom 13. Mai 2004 Gesagten, in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Kantonales Gericht und SUVA haben demnach dem Unfall vom 21. September 2002 zu Unrecht eine massgebliche Bedeutung für die fortbestehenden Beschwerden abgesprochen, weshalb die Verwaltungsgerichtsbeschwerde, ohne dass noch weiter zu prüfen ist, ob und in welcher Weise weitere Adäquanzkriterien erfüllt wären, gutzuheissen ist.