Citation: 1C_172/2022 E. 5.3

5.3. Die Beschwerdeführenden machen geltend, durch die Aufstockung werde stärker vom geltenden Recht abgewichen, weshalb die Bestandesgarantie nach § 72 Abs. 2 aPBG/ZG nicht zur Anwendung gelange. Die BO Cham enthalte keine Übergangsbestimmung, welche bestimme, dass gegenüber altrechtlichen Bauten, welche zu nahe an die Grenze gebaut worden seien, auf Nachbargrundstücken nur der Grenzabstand, nicht aber der Gebäudeabstand eingehalten werden müsse. Ohne eine solche Übergangsbestimmung gelange die zwingende Vorschrift von § 10 aV PBG/ZG zur Anwendung und es sei ein Gebäudeabstand von 14 m (zusammengesetzt aus dem grossen Grenzabstand von 9 m und dem kleinen Grenzabstand von 5 m) einzuhalten. Ein Näher- oder Grenzbaurecht oder eine nachbarliche Zustimmung bestehe im vorliegenden Fall nicht. Das heutige Einfamilienhaus an der U.________strasse xxx habe einzig aufgrund einer Ausnahmebewilligung aus dem Jahr 1959 erstellt werden können. Diese sei damit begründet worden, dass das Einfamilienhaus, welches den Gebäudeabstand verletze, aufgrund der kleinen Bauhöhe und der tiefen Lage den Lichteinfall für das bestehende Gebäude an der U.________strasse yyy nicht beeinträchtige. Die Ausnahmebewilligung beruhe somit auf dem "Fakt", dass der damalige Eigentümer der Gebäude an der U.________strasse xxx und yyy das streitbetroffene Einfamilienhaus in Zukunft nicht aufstocken werde, da er sich selber nicht der Aussicht und des Lichteinfalls für die eigene Liegenschaft an der U.________strasse yyy berauben wolle. Die Vorinstanz blende diese Umstände bzw. Begründung der Ausnahmebewilligung und damit wesentliche Aspekte derselben komplett aus, weshalb der angefochtene Entscheid willkürlich erscheine. Im Übrigen sei durch die Erteilung der Ausnahmebewilligung auch kein allgemeines Näher- oder Grenzbaurecht begründet worden. Vielmehr handle es sich bei der Ausnahmebewilligung um ein projektbezogenes Näherbaurecht zur Unterschreitung des Gebäudeabstands, welches einzig die Erstellung eines Gebäudes mit tiefer Lage und kleiner Bauhöhe zugelassen habe. Zudem erweise sich der angefochtene Entscheid für die Beschwerdeführenden im Ergebnis als unhaltbar, weil damit die durch den Gebäudeabstand eigentlich zu schützende Wohnhygiene in den Wohnräumen ihrer Liegenschaft massiv beeinträchtigt würde. Die Vorinstanz habe somit die kantonalen Bauvorschriften, mithin § 10 aV PBG/ZG sowie § 11 aV PBG/ZG, willkürlich angewendet.