Citation: 6P.107/2005 03.02.2006 E. 9

9.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV umfasst u.a. das Recht des Betroffenen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 126 I 15 E. 2a/aa; 124 I 49 E. 3a und 241 E. 2 je mit Hinweisen). Der Richter muss somit rechtzeitig und formrichtig angebotene erhebliche Beweismittel abnehmen (BGE 122 I 53 E. 4a mit Hinweisen). Dies verwehrt es ihm indes nicht, einen Beweisantrag abzulehnen, wenn er in willkürfreier Würdigung der bereits abgenommenen Beweise zur Überzeugung gelangt, der rechtlich erhebliche Sachverhalt sei genügend abgeklärt, und er überdies in willkürfreier antizipierter Würdigung der zusätzlich beantragten Beweise zur Auffassung gelangen durfte, weitere Beweisvorkehren würden an der Würdigung der bereits abgenommenen Beweise voraussichtlich nichts mehr ändern (BGE 131 I 153 E. 3; 124 I 208 E. 4a, je mit Hinweisen). Aus dem in Art. 29 Abs. 2 BV (Art. 4 aBV) garantierten Anspruch auf rechtliches Gehör folgt die Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen. Der Betroffene muss sich über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und diesen in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Sie darf sich aber auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander setzen (vgl. BGE 126 I 97 E. 2b; 125 II 369 E. 2c; 112 Ia 107 E. 2b). 9.2 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist nicht ersichtlich. Wie das Obergericht zutreffend ausführt, wird dem Beschwerdeführer die Art und Weise, wie die Ausserbilanzgeschäfte in der Rechnungslegung der C.________ AG behandelt wurden, nicht zum Vorwurf gemacht (vgl. oben E. 5.3; angefochtenes Urteil S. 12; Gegenbemerkungen S. 2). Von daher ist für die Beurteilung des vorliegenden Falles auch ohne Bedeutung, ob das entsprechende Vorgehen mit dem Revisor der Gesellschaft abgesprochen war. Der Beschwerdeführer führt denn auch selbst aus, dass weder die Frage, wem die Retrozessionen zustanden, noch die Konti auf den Liechtensteinischen Banken Gegenstand der Gespräche mit der Revisionsstelle war (staatsrechtliche Beschwerde S. 9 Ziff. 22). Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, es habe ihm am Vorsatz gefehlt (staatsrechtliche Beschwerde S. 10), beschränkt er sich auf eine pauschale Behauptung. Im Übrigen ergibt sich aus dem Umstand, wonach er gegenüber B.________ und A.________ Bedenken geäussert, aber dennoch gehandelt hat, dass er eine falsche Verbuchung und damit eine Verfälschung der Jahresrechnung der C.________ AG in Kauf genommen hat. Ferner trifft zwar zu, dass das Obergericht den Eventualantrag ohne Begründung abgewiesen hat. Doch ergibt sich aus seinen Erwägungen, dass es der Auffassung ist, die Beurteilung der Frage, wie die Retrozessionen in der Jahresrechnung der C.________ AG zu erfassen gewesen wären, erfordere keine besondere Fachkenntnis. Dies ist nicht zu beanstanden. Entscheidend für die Erfassung der Gelder in der Finanzbuchhaltung ist die Frage, wem diese zustehen. Insofern nehmen die kantonalen Instanzen einleuchtend an, die Gelder stammten aus Ertrag aus den Anlagegeschäften und seien in der Jahresrechnung der C.________ AG aufzuführen. Dass den Kunden ein Ablieferungsanspruch zustand, ändert daran nichts. Der Beschwerdeführer führt zwar richtig aus, dass die buchhalterische Behandlung der Treuhandverhältnisse nicht einheitlich ist und dass insofern verschiedene Möglichkeiten offen stehen (vgl. Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprüfung, Bd. I, S. 369 f.). Dies bezieht sich aber nicht auf die Konstellation, wie sie hier vorliegt, denn die Retrozessionen stammten nicht aus Kundengeld. Allfällige fachkundige Erläuterungen über die buchhalterische Erfassung der Treuhandverhältnisse vermöchten daher zur Erhellung der wesentlichen Frage nichts beizutragen. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet.