Citation: 2C_880/2018 E. 4.5.6

4.5.6. Auch die finanziellen Anreize, welche die Derivatverträge für die Beschwerdeführerin und ihre Gegenparteien setzten, legen einen solchen Konsens nahe. Für die Gegenparteien der Beschwerdeführerin war es weitaus lukrativer, wenn die Beschwerdeführerin ihre Ausgleichungspflicht mittels Aktienerwerbs absichern würde, durften sie doch nur in diesem Fall mit einer zusätzlichen Zahlung von 15% der Bruttodividenden rechnen. Dasselbe galt für die Beschwerdeführerin: Nur wenn sie die Schweizer Aktien tatsächlich erwarb und in der Folge die Verrechnungssteuer zurückerstattet erhielt, durfte sie 5% der Bruttodividende für sich einbehalten. Die Höhe der streitbetroffenen Dividende dürfte zwar zum Zeitpunkt des Abschlusses jedenfalls der ältesten Derivatverträge noch nicht bekannt gewesen sein. Jedoch war bereits zu jenem Zeitpunkt aufgrund des Volumens des Aktienkorbes offensichtlich, dass - selbst unter Berücksichtigung des Risikos der Verweigerung der Verrechnungssteuerrückerstattung - der Rückbehalt von 5% der Bruttodividende den zusätzlichen Aufwand, den der Aktienerwerb zusammen mit den Bemühungen um die Verrechnungssteuerrückerstattung im Vergleich zu einer Absicherung mit derivativen Instrumenten generieren mochte, bei Weitem übersteigen würde. Als gewinnstrebiger, nach kaufmännischen Prinzipien geführter Gesellschaft blieb der Beschwerdeführerin angesichts dieses finanziellen Anreizes gar nichts anderes übrig, als die Aktien zu erwerben. Die Feststellung der Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin zum Erwerb der Aktien nicht rechtlich verpflichtet, sondern (bloss) faktisch gezwungen gewesen sei, und die Behauptung der Beschwerdeführerin, weder zum Erwerb der Aktien noch zur Absicherung insgesamt verpflichtet gewesen zu sein, sind vor diesem Hintergrund zu relativieren. Zwar mögen die Gegenparteien keine Möglichkeit gehabt haben, die Beschwerdeführerin mittels rechtlicher Durchsetzung zum Erwerb der Aktien zu zwingen. Der Rückbehalt von 5% der Bruttodividende stand aber als Rabatt, den die Gegenparteien der Beschwerdeführerin auf der Ausgleichungspflicht gewährten, in einem Austauschverhältnis mit der Weiterleitung der zurückerstatteten Verrechnungssteuer. Von dieser Rabattpflicht wurden die Gegenparteien frei, wenn die Beschwerdeführerin die Aktien nicht erwarb und die Verrechnungssteuer nicht zurückerstattet erhielt. Drohte der Beschwerdeführerin der Verlust ihres Anspruchs auf 5% der Bruttodividende, wenn sie es unterliess, die Aktien zu erwerben, war sie zumindest im Sinne einer Obliegenheit vertraglich zum Erwerb der Aktien verpflichtet.