Citation: 7B_483/2023 E. 5.3.2

5.3.2. Die Vorinstanz verneint das Vorliegen besonderer Umstände, die das Fahrverhalten der Beschwerdeführerin subjektiv in einem milderen Licht erscheinen liessen. Für diese sei unter Anwendung der gebotenen Aufmerksamkeit und Sorgfalt erkennbar gewesen, dass an besagter Stelle eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gelte und dass sie sich noch nicht ausserorts befunden habe. Nachdem das Fahrgefühl bei 50 km/h deutlich von jenem bei 80 km/h abweiche, kann gemäss der Vorinstanz nicht angenommen werden, dass der Beschwerdeführerin das Mass der Geschwindigkeitsüberschreitung nicht bewusst gewesen sei. Entsprechend sei von grober Fahrlässigkeit auszugehen. Die Beschwerdeführerin habe mehrfach glaubhaft beteuert, dass sie als Ärztin bzw. Anästhesistin nie absichtlich das Wohl anderer Menschen gefährden würde. Ihr dürfe attestiert werden, dass sie nicht direktvorsätzlich gehandelt habe. Betreffend die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit hält die Vorinstanz fest, dass grobe Fahrlässigkeit auch in Betracht komme, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht ziehe und sein Verhalten auf Rücksichtslosigkeit beruhe. Rücksichtslosigkeit könne auch in einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen. Vorliegend kann gemäss der Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin auch aufgrund der fehlenden Signalisation sowie der Richtung ausserorts führenden Strasse unkonzentriert gewesen sei und aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht habe, dass sie sich noch in der "50 km/h-Zone" befunden habe bzw. dass sie pflichtwidrig darauf vertraut habe, bereits ausserorts zu sein, als sie derart schnell gefahren sei. Da keine genügenden Hinweise für die Annahme von Eventualvorsatz bestünden, sei von grober Fahrlässigkeit auszugehen.