Citation: 5A_336/2015 E. 5.3

5.3. Die Befürchtung des Beschwerdeführers, das Obergericht ermittle aus den resümierten Gründen die Leistungsfähigkeit der Kindsmutter falsch und verletze deshalb Art. 285 Abs. 1 ZGB, ist unbegründet. Das Gesetz schweigt sich darüber aus, ob und gegebenenfalls unter welchen Voraussetzungen bei unverheirateten Eltern auch der obhutsberechtigte Elternteil zur Leistung von Barunterhalt verpflichtet werden kann und ob ihm in diesem Zusammenhang allenfalls auch ein hypothetisches Einkommen anzurechnen ist. Im vorliegenden Fall orientiert sich das Obergericht an der Rechtsprechung, wonach auch unter heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen dem betreuenden Elternteil die (Wieder-) Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 50 % erst zumutbar ist, wenn das jüngste Kind 10-jährig ist, und zu 100 % erst dann, wenn das jüngste Kind das 16. Altersjahr erreicht hat (BGE 137 III 102 E. 4.2.2.2 S. 109). Diese Rechtsprechung ist zwar im Zusammenhang mit dem nachehelichen Unterhalt gemäss Art. 125 ZGB ergangen. Entgegen dem, was der Beschwerdeführer glauben machen will, findet die beschriebene "10/16"-Regel ihre sachliche Rechtfertigung aber nicht im Schutz des Vertrauens des "Hausgatten" auf den Fortbestand seiner lebensprägenden Ehe. Vielmehr fusst sie auf der Überlegung, dass die unmittelbare persönliche Betreuung und Pflege auch bereits im obligatorischen Schulalter stehender Kinder deren Interesse diene (BGE a.a.O.). Der Einwand, dass die "10/16"-Regel nur für die Befristung des nachehelichen Unterhalts nach Art. 125 ZGB gelten und hier nicht Platz greifen könne, geht deshalb an der Sache vorbei. Wurzelt die "10/16"-Regel von der Sache her im Kindeswohl, so fällt auch der weitere Vorwurf des Beschwerdeführers in sich zusammen, wonach die Vorinstanz das Gleichbehandlungsgebot (Art. 8 BV) verletze, weil sie ausser Acht lasse, dass ein in einer Ehe gezeugtes Kind einem anderen Lebensplan entspricht als ein in einer Silvesternacht gezeugtes Kind von Eltern, die damals und danach nicht miteinander zusammenlebten und auch keine Familie gründen wollten. Um eine bundesrechtswidrige Ermessensausübung (s. E. 2) zu begründen, genügt es im Übrigen auch nicht, wenn der Beschwerdeführer dem angefochtenen Entscheid vage Mutmassungen über die angebliche Praxis nicht näher bezeichneter Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden gegenüberstellt. Ebenso wenig taugt dazu der Hinweis, dass die Kindsmutter im konkreten Fall bereits vor dem 10. Altersjahr des Beschwerdegegners wieder gearbeitet hat. Der Beschwerdeführer äussert sich nicht dazu, weshalb sich die vorinstanzliche Einschätzung, wonach der Beschwerdegegner innerhalb der Familie einzig die Mutter als Bezugsperson habe und deshalb auch im fortgeschrittenen Kindesalter auf deren Anwesenheit angewiesen sei, als offensichtlich unbillig und in stossender Weise ungerecht erweist.