Citation: 5P.347/2004 11.01.2005 E. 3

Ein weiteres Indiz für eine (wenigstens eventuelle) Umgehungsabsicht hat das Obergericht darin gesehen, dass sich der Erblasser gemäss Aussagen von Bankangestellten seinerzeit für den Ehevertrag von der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) habe beraten lassen (E. 2.2 S. 12). Das Kassationsgericht ist davon ausgegangen, gestützt auf die Zeugenaussagen erweise sich die Annahme nicht als willkürlich, dass der Erblasser sich "auch anderweitig" habe beraten lassen und dass im Vorfeld des Ehevertragsschlusses über eine mögliche Schmälerung des Pflichtteils der Beschwerdegegnerin gesprochen worden sei (E. 2.2c S. 11 f.). Der Beschwerdeführer will nicht mehr ausschliessen, dass die Zeugenaussagen die Beratung durch die Bank bestätigen könnten, und erhebt diesbezüglich keine Willkürrügen. Er wendet hingegen ein, es sei weder "plausibel" noch "naheliegend", dass dabei eine mögliche Pflichtteilsverletzung zur Sprache gekommen sei. Zur Begründung verweist er auf seine Ausführungen zur Aufklärung durch den Notar (Ziff. 10 S. 14 ff. der Beschwerdeschrift). Der Einwand ist nicht begründet. Die meisten Schweizer Banken hatten seit jeher und auch im massgebenden Zeitraum Abteilungen für Erbschaftssachen, in denen ausgewiesene Juristen tätig waren. Ratgeber und Broschüren zeugen davon und von der Kenntnis des Pflichtteilsrechts, wie sie auch von einem Notar erwartet wird (z.B. für die frühere Kreditanstalt: Hardmeier, Ehegüter- und Erbrecht, 3.A. Februar 1990; für die Zürcher Kantonalbank: Frei, Ehevertrag, Testament und Erbschaft, März 1986). Fachwissen zeigt sich etwa in Erläuterungen dazu, welche Auswirkungen die Vorschlagszuweisung je nach Güterstand auf das Pflichtteilsrecht der Nachkommen hat (Hardmeier, a.a.O., S. 36) oder wie sich das bisherige Pflichtteilsrecht der Geschwister hat ausschliessen lassen (Frei, a.a.O., S. 35). Darf insoweit vom Vorhandensein des erforderlichen Fachwissens auf Seiten der Bankberater ausgegangen werden, kann auf das zur Beratung durch den Notar Gesagte verwiesen werden (E. 2.2 hiervor). Das Kassationsgericht hat deshalb Willkür zu Recht verneint, indem es die Beratung des Erblassers durch seine Bank als Indiz dafür zugelassen hat, dass sich der Erblasser beim Abschluss des Ehevertrags der Möglichkeit einer Pflichtteilsverletzung bewusst war.