Citation: 8C_41/2021 E. 5.1

5.1. Entgegen der IV-Stelle vertrat die Vorinstanz jedoch den Standpunkt, die Rechtsprechungsänderung nach BGE 145 V 215 bilde entsprechend der kantonalen Praxis einen Neuanmeldungsgrund. Im Gegensatz zu den Praxisänderungen nach BGE 130 V 352 und 141 V 281 sowie nach BGE 143 V 409 und 418, welche in erster Linie eine neue Definition des Beweisverfahrens und dessen Anwendbarkeit zum Gegenstand gehabt hätten, habe das Bundesgericht in Bezug auf diagnostizierte Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzstörungen mit BGE 145 V 215 "eine vollständige Kehrtwende" vollzogen. Aus einem "Nein" sei ein "Ja" geworden. Es würde zu einer nicht hinnehmbaren Rechtsungleichheit führen, wenn Personen, die unter einem primären Abhängigkeitssyndrom litten und deren Leistungsgesuch unter der früheren Praxis abgelehnt wurde, jetzt und für alle Zukunft die Möglichkeit verwehrt bliebe, ihren Anspruch unter der neuen Rechtsprechung überprüfen zulassen.