Citation: I 356/05 16.08.2005 E. 2

2.1 Die Abklärung im Haushalt bildet grundsätzlich auch mit Bezug auf Personen, welche an einem psychischen Gesundheitsschaden leiden, ein geeignetes Mittel der Invaliditätsbemessung im Aufgabenbereich. Im Falle eines Widerspruchs zwischen den Ergebnissen der Abklärung vor Ort und den fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist jedoch den ärztlichen Stellungnahmen in der Regel mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltabklärung (AHI 2004 S. 139 Erw. 5.3). Diese prinzipielle Rangordnung ist darin begründet, dass es für die Abklärungsperson im Allgemeinen nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen. Hinzu kommt, dass die dem Bericht zugrunde liegende Abklärung in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten ist (AHI 2001 S. 162 Erw. 3d; Urteil P. vom 6. April 2004, I 733/03, Erw. 5.1.2 und 5.1.3 mit zahlreichen Hinweisen). 2.2 Der Abklärungsbericht vom 20. November 2003 erfüllt die von der Rechtsprechung aufgestellten inhaltlichen und formalen Anforderungen (dazu die in der amtlichen Sammlung nicht veröffentlichte, aber in AHI 2003 S. 218 publizierte Erw. 2.3.2 der BGE 129 V 67; vgl. BGE 128 V 93). Jedoch vermittelt das Dokument, wie die Vorinstanz richtig festgehalten hat, kein vollständiges Bild der für die Tätigkeit einer Hausfrau bedeutsamen Folgen der psychischen Beeinträchtigung. Dr. E.________ führte in seinem Gutachten vom 23. August 2000 aus, neben dem chronischen Lumbovertebralsyndrom, einer neurotischen Fehlentwicklung und der verdachtsweise gegebenen somatoformen Schmerzstörung bestehe eine depressive Symptomatik, welche mit Antidepressiva behandelt werde, was zu einer leichten Besserung des Zustandes führe. Hinsichtlich der Tätigkeit als Hausfrau bestehe eine "etwas grössere als 50%-ige Arbeitsfähigkeit". Aus der Expertise vom 23. August 2000 geht hervor, dass Dr. E.________ Kenntnis vom früheren Abklärungsbericht vom 4. Januar 1999 hatte. In einer weiteren Stellungnahme vom 17. Mai 2004 schilderte der Psychiater rezidivierend depressive Störungen, die aus der neurotischen Grundproblematik und den chronischen Schmerzen resultierten. Diese Beschwerden drückten sich in Grübelzwang, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und chronischer Müdigkeit aus. Die depressive Verstimmung nehme phasenweise ein mittelschweres bis schweres Ausmass an; tageweise sei an Arbeiten gar nicht zu denken. Diese Beschreibung zeigt, dass unter den einzelnen Bestandteilen des komplexen Krankheitsgeschehens (neurotische Entwicklung, somatoforme Schmerzstörung und depressive Verstimmung) insbesondere die Depression die Leistungsfähigkeit im Haushalt beeinträchtigt. Diese entspricht hier nach den fachärztlichen Darlegungen einem selbständigen Leiden; ihre Auswirkungen sind nicht bloss eine Randerscheinung der somatoformen Schmerzstörung. Die Auswirkungen der Schmerzstörung treten bei den soeben zitierten Einzelsymptomen deutlich in den Hintergrund. Aus diesem Grund ist das Vorbringen der Verwaltung unbehelflich, die psychiatrischen Feststellungen seien - aufgrund einer Zumutbarkeitsprüfung anhand der Kriterien gemäss BGE 131 V 49 - für den Leistungsanspruch gegenüber der Invalidenversicherung nicht massgeblich. 2.3 Es bleibt zu prüfen, ob die Einschätzung einer "zirka 40%igen Einschränkung als Hausfrau" schlüssig erscheint. Der Psychiater stellt fest, bei der anhand einer Abklärung vor Ort festgehaltenen Behinderung von 24,3 Prozent im Haushalt sei nicht berücksichtigt, dass die entsprechende Leistungsfähigkeit während "schlechterer Phasen" wesentlich tiefer liege; seine eigene Schätzung bezeichnete er zudem als "optimistisch". Die Belastung einer Hausfrau, zumal mit Kindern, liegt in der Tat - wenn überhaupt - nicht wesentlich unter derjenigen, wie sie sich aus einer leidensangepassten Erwerbstätigkeit ergibt; dies gilt auch unter Berücksichtigung der Möglichkeiten, die Arbeiten in zeitlicher und organisatorischer Hinsicht leidensgerecht auszugestalten und andere schadenmindernde Vorkehren zu ergreifen (vgl. Urteil P. vom 30. Juli 2004, I 595/03, Erw. 3.2). Der Wortlaut des Abklärungsberichts bezieht sich wesensgemäss nur auf physisch-funktionelle Beeinträchtigungen und setzt sich nicht mit den Einschränkungen auseinander, die sich aus der Depression ergeben. Letztere sind denn auch kaum mittels einer praktischen Bestandesaufnahme, sondern vorzugsweise aufgrund einer medizinischen Stellungnahme erfassbar; da einer solchen zwangsläufig eine gewisse Abstraktheit anhaftet, verfängt das Argument der Beschwerdeführerin, die psychiatrische Einschätzung der Behinderung im Haushalt sei medizinisch-theoretischer Natur und deshalb nicht beweiskräftig, insofern nicht. Von einer rein theoretischen Beurteilung kann schon deshalb nicht gesprochen werden, weil der psychiatrische Begutachter die vor Ort gemachten Feststellungen zur Kenntnis genommen und gewürdigt hat. Unter diesen Umständen ist es angezeigt, der fachmedizinischen Stellungnahme gegenüber dem Abklärungsbericht den Vorrang einzuräumen (vgl. Erw. 2.1 hievor). Der kantonale Beschwerdeentscheid erweist sich als rechtens.