Citation: 1P.155/2005 29.06.2005 E. 2

Für die Beurteilung der streitigen Vorfälle, in deren Verlauf Frau M.________ die Beschwerdeführerin zugegebenermassen bespuckt und die Beschwerdeführerin ihrerseits Frau M.________ nach deren Aussagen als "puttana" bezeichnet haben soll, ist mit den kantonalen Instanzen davon auszugehen, dass in dieser Phase der Auseinandersetzung keine Zeugen vorhanden waren und demnach auf die Aussagen der beiden Frauen sowie das Umfeld abzustellen ist. Bei dieser Ausgangslage sind Zweifel am tatsächlichen Geschehen von vornherein immer möglich, indessen nach der Rechtsprechung für sich alleine nicht massgeblich. Dabei hielten die kantonalen Instanzen fest, dass zu den Aussagen von Frau M.________ und insbesondere zu den Angaben zur genauen Örtlichkeit des Vorfalls gewisse Fragezeichen angebracht seien, dass aber auch die Aussagen der Beschwerdeführerin zu den genauen Örtlichkeiten teils widersprüchlich seien. Mit dem Obergericht kann davon ausgegangen werden, dass nicht in erster Linie auf die allgemeine Glaubwürdigkeit von Frau M.________, sondern vielmehr auf die Glaubhaftigkeit hinsichtlich des konkreten Vorfalls abzustellen sei. Diesbezüglich darf in Betracht gezogen werden, dass der Ausdruck "puttana" in allen Aussagen von Frau M.________ verwendet worden ist. Es ist nicht entscheidend, dass dafür auch die Wendung "Saumore" auftaucht. Der Umstand, dass das Zerwürfnis der beiden Frauen in der Vergangenheit durchwegs in Aggressionen und Sticheleien von Seiten von Frau M.________ seinen Ausdruck gefunden haben soll, vermag nicht auszuschliessen, dass der streitige Vorfall von der Beschwerdeführerin ausgelöst worden ist. Das - längst bekannte - intime Verhältnis zwischen dem Ehegatten der Beschwerdeführerin und Frau M.________ kann durchaus Anlass zur Bezeichnung "puttana" sein, ohne dass es auf eine nähere Qualifizierung dieses Ausdrucks ankommen würde. Bei dieser Sachlage kann ohne Willkür angenommen werden, dass die konkrete Streitigkeit zwischen den beiden Frauen nicht durch ein unvermitteltes Bespucken durch Frau M.________ ausgelöst worden ist, sondern durch eine Beschimpfung von Seiten der Beschwerdeführerin ihren Anfang genommen hat. Bei Würdigung des gesamten Beweisergebnisses drängen sich - trotz der wortreichen Vorbringen der Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift - auch keine erheblichen und schlechterdings nicht zu unterdrückenden Zweifel auf, welche den von den beiden kantonalen Instanzen angenommenen Sachverhalt und die bejahte Schuld der Beschwerdeführerin als verfassungs- und konventionswidrig erscheinen liessen. Damit erweisen sich die Rügen der Verletzung von Art. 9 BV wegen willkürlicher Beweiswürdigung und der Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" gemäss Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK als unbegründet.