Citation: 1C_180/2023 E. 1.1.2

1.1.2. Überdies beruft sich der Beschwerdeführer vor Bundesgericht erstmals auf das Diskriminierungsverbot gemäss Art. 2 des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen [FZA; 0.142.112.681]). Nach der Rechtsprechung des EuGH dürfe die Auslieferung eines Unionsbürgers an einen Drittstaat nicht bewilligt werden, ohne zuvor dem Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit die betroffene Person habe, Gelegenheit gegeben zu haben, um Auslieferung zwecks stellvertretender Strafverfolgung bzw. -vollstreckung zu ersuchen. Vorliegend habe der Beschwerdeführer auch die bulgarische Staatsangehörigkeit, weshalb die bulgarischen Behörden hätten informiert werden müssen. Neue rechtliche Begründungen sind vor Bundesgericht im Rahmen des Streitgegenstands grundsätzlich zulässig (Art. 95 lit. a und Art. 106 Abs. 1 BGG); dies gilt jedenfalls, wenn sie sich auf aktenkundige Tatsachen stützen (BGE 136 V 362 E. 4.1 S. 366 mit Hinweisen). Die aufgeworfene Rechtsfrage hatte das Bundesgericht noch nie zu beantworten, weshalb ihr grundsätzliche Bedeutung zukommt (vgl. dazu unten, E. 5).