Citation: 6B_409/2021 E. 1.2.2

1.2.2. Das Bundesgericht hat sich zur Situation des Diebstahltatbestands in Selbstbedienungsläden in zwei Urteilen wie folgt geäussert. Zum einen hielt es in BGE 92 IV 89 (S. 91) fest, in Selbstbedienungsläden werde dem Kunden das Behändigen von Waren regelmässig nur unter der Voraussetzung gestattet, dass er die von den Gestellen genommenen Gegenstände in einen dazu bestimmten offenen Drahtkorb lege und er sich vor dem Verlassen des Geschäftes mit den eingesammelten Waren an die Kasse begebe, damit er sie dort zum Zwecke der Kontrolle und Bezahlung vorweise. Dieser gesamte Vorgang wickle sich zudem mehr oder weniger unter den Augen von Geschäftsangestellten ab, denen eigens die Beaufsichtigung der Kunden obliege. Dem Kunden stehe somit über die Waren, solange sie ihm anvertraut seien, nur eine geringe Verfügungsmacht zu, während jene des Geschäftsinhabers nahezu unbeschränkt bestehen bleibe. Der Bruch fremden Gewahrsams übertreffe daher den zugleich begangenen Vertrauensmissbrauch erheblich an Bedeutung und stelle das die Tat kennzeichnende Merkmal dar, sodass diese als Diebstahl oder Entwendung (und nicht als Veruntreuung) zu würdigen sei. Im konkret zu beurteilenden Fall habe die Beschuldigte den Pullover gestohlen, als sie ihn in ihren ausschliesslichen Gewahrsam gebracht habe. Das sei dadurch geschehen, dass sie in der Umkleidekabine den fremden Pullover unter dem eigenen versteckt habe, um ihn sich anzueignen. Da das Delikt vollendet gewesen sei, bevor sie die Kasse passiert habe, falle eine allfällige Bestrafung wegen Betrugs ausser Betracht. In Bestätigung dieser Rechtsprechung wurde in BGE 98 IV 83 (E. 2a und b) erwogen, vorliegend habe sich die Täterin von dem Augenblick an des Diebstahls schuldig gemacht, als sie die zwei Kleidungsstücke in der Plastiktasche in der Absicht versteckt habe, sie sich anzueignen. Zur Beendigung des Delikts gehöre aber auch die unbemerkte Fortschaffung der weggenommenen Ware aus dem Laden ohne Bezahlung. Die Beteiligung des Gehilfen sei dabei - so das Bundesgericht im Weiteren (E. 2c) - so lange möglich, als die Tat noch nicht beendet sei, d.h. als nach einem rechtlich vollendeten Delikt durch das nachfolgende Verhalten des Täters das verletzte Rechtsgut weiterhin beeinträchtigt werde. Im Zeitraum zwischen der rechtlichen Vollendung des Diebstahls und der tatsächlichen Beendigung des Delikts beim Verlassen des Geschäfts sei Gehilfenschaft somit möglich gewesen.