Citation: 6B_1246/2023 E. 2.4.1

2.4.1. Die Vorinstanz führt aus, soweit die gutachterlichen Einschätzungen voneinander abwichen, sei in freier Würdigung zu prüfen, welcher zu folgen sei. Ein wesentlicher Unterschied ergebe sich zunächst in Bezug auf den Schweregrad der beim Beschwerdeführer zwischen 2011 und 2014 bestehenden Depression. Während das Erstgutachten eine schwere depressive Episode diagnostiziert habe, sei das Zweitgutachten zum Schluss gekommen, dass im genannten Zeitraum zumindest eine leicht- bis mittelgradig ausgeprägte depressive Episode bestanden habe (vgl. Urteil S. 44 und 49). Der Befund im Erstgutachten vermöge indes nicht vollständig zu überzeugen. Mit der ersten Instanz sei festzuhalten, dass keiner der Fachärzte, welche den Beschwerdeführer im Zeitraum von 2011 bis 2014 behandelt hätten, diesem auch nur eine leichte, geschweige denn eine schwere Depression attestiert hätten (vgl. Urteil S. 44 sowie erstinstanzliches Urteil S. 27). So sei insbesondere Dr. med. E.________, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ -psychotherapie FMH, mit einer psychiatrischen Untersuchung des Beschwerdeführers beauftragt gewesen und habe auch ganz gezielt eine Abklärung im Hinblick auf eine allfällige Depression des Beschwerdeführers vorgenommen. Sie sei anlässlich ihrer Abklärung am 29. August 2014 zum Schluss gekommen, es fände sich keine depressive Symptomatik (vgl. Urteil S. 45 f.). Unter diesen Umständen sei die im Erstgutachten gestellte Diagnose einer schweren depressiven Episode im Zeitraum zwischen 2011 und 2014 nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Zwar seien die Erläuterungen, welche die Gutachterin Dr. med. D.________ im Rahmen ihrer Einvernahme als Zeugin zum Widerspruch vorgebracht habe, nachvollziehbar; eine Fehldiagnose von Dr. med. E.________ vermöchten diese jedoch nicht zu begründen (vgl. Urteil S. 46). Überdies liessen sich die Feststellungen im Erstgutachten mit dem erstellten Sachverhalt der Anklageziffer 1 sowie des Schuldspruchs wegen versuchter Pornografie (nachfolgend: Anklageziffer 2) nicht ohne Weiteres in Einklang bringen. Wenn im Gutachten ausgeführt werde, der Beschwerdeführer habe unter "Ziellosigkeit" gelitten und ein Hauptkriterium der Depression sei die Antriebslosigkeit, so widerspreche dies dem jeweiligen Tatvorgehen. Seine Entschlossenheit und Hartnäckigkeit im Zusammenhang mit den zähen Preisverhandlungen mit seiner Chatpartnerin sowie sein beharrliches Vorgehen, um möglichst junge Mädchen für die "Show" zu gewinnen, würden sich weder mit Ziellosigkeit noch mit Antriebslosigkeit vereinbaren lassen (vgl. Urteil S. 47). Insgesamt erscheine ein solcher Schweregrad der depressiven Episode nur wenig plausibel, wenn die den Beschwerdeführer während der massgeblichen Zeit behandelnden Fachärzte gerade keine bzw. nur eine minimale, klinisch nicht relevante Depression erkannt hätten. Zeugin Dr. med. D.________ habe alsdann auch relativiert, dass sie bezüglich der Schwere der depressiven Episode und der möglichen Abweichung von schwer oder mittelschwer keine ganz genauen Aussagen machen könne. Dies sei rückwirkend nicht in absoluter Form möglich (vgl. Urteil S. 48). Die Vorinstanz erwägt, infolgedessen sei der Einschätzung im Zweitgutachten zu folgen, wonach in den Jahren von 2011 bis 2014 zumindest eine leicht- bis mittelgradig ausgeprägte depressive Episode bestanden habe. Die Annahme einer leicht- bis mittelgradigen depressiven Episode lasse sich schliesslich mit den ärztlichen Berichten in Einklang bringen, die zumindest die Anfänge oder leichte Ausprägungen einer depressiven Symptomatik erkannt hätten, den entsprechenden Symptomen neben der bereits damals deutlich ausgeprägten Somatisierungsstörung jedoch keine eigenständige Bedeutung zugemessen hätten (vgl. Urteil S. 49). Ein weiterer Unterschied ergebe sich insofern, als dem Beschwerdeführer im Erstgutachten eine Hypersexualität attestiert werde, das Zweitgutachten ein solches Störungsbild dagegen nicht annehme. Dieser Umstand sei allerdings nicht von grosser Relevanz, da das Erstgutachten ausführe, der Befund einer Hypersexualität diene weniger der diagnostischen Einordnung des Gesamtstörungsbildes des Beschwerdeführers, sondern vielmehr dem besseren Verständnis der Einflussfaktoren auf sein deliktisches Verhalten. Auch im Zweitgutachten sei festgestellt worden, der Beschwerdeführer habe sich zunehmend extensiv dem Pornographiekonsum hingegeben und seinen Alltag hauptsächlich danach ausgerichtet. Bei täglich mehrstündigem Internetkonsum und der Beschäftigung mit Sexualität verschiedener Bereiche lasse sich durchaus eine obsessiv-kompulsive Komponente beschreiben, auch wenn noch nicht gleich von einer eigentlichen Sexsucht oder Hypersexualität auszugehen sei. Im Ergebnis sei davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer im Zeitraum von 2011 bis 2014 exzessiv und zunehmend zwanghaft pornographischen Inhalten zugewandt habe (vgl. Urteil S. 49 f.).