Citation: U 135/06 15.12.2006 E. 3

3.1 Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen gestützt auf die Einschätzungen des Prof. Dr. med. A.________, die Modalitäten der operativen Plazentaentfernung seien nicht un- bzw. aussergewöhnlich gewesen. Selbst wenn bezüglich des Blutverlustes auf die Berechnung des Dr. med. M.________ abgestellt werde, fehle es an einer erheblichen Abweichung vom medizinisch Üblichen, weshalb der Unfallbegriff nicht erfüllt sei. Dagegen wendet die Versicherte ein, es liege eine Mehrzahl gravierender ärztlicher Fehlleistungen vor, die jede für sich das Merkmal der Aussergewöhnlichkeit erfüllten. Zum einen hätten die Ärzte den Blutverlust unterschätzt und nicht ausreichend sowie schnell genug therapiert. Zum anderen sei die Dosis der verabreichten Medikamente nicht dem verminderten Blutvolumen angepasst worden. Als Folge des mehrfach vorschriftswidrig applizierten vasokonstriktiven Medikamentencocktails habe sie einen Hirnschlag erlitten. 3.2 In den Akten finden sich keine Hinweise auf einen vermehrten Blutverlust bei der Geburt des Kindes oder während der Phase der Plazentaretention (Austrittsbericht des Dr. med. E.________, Kantonales Spital X.________, vom 31. August 1998). Dass 15 bis 25 Minuten nach der Geburt des Kindes die Indikation zur manuellen Plazentalösung gestellt wurde (vgl. Gutachten des Prof. Dr. med. A.________ vom 28. April 2004), war nicht auf eine starke Blutung der Versicherten, sondern darauf zurückzuführen, dass die konservativen Mittel ausgeschöpft waren (so blieb etwa das mehrmals versuchte Herausreissen der Plazenta durch Dr. med. E.________ erfolglos; vgl. hiezu auch die Ausführungen der Versicherten in der Verantwortlichkeitsklage vom 17. November 2003, S. 9). Hingegen ist dem Verlaufsbericht vom 13. Juli 1998 zu entnehmen, dass die Versicherte im Rahmen der operativen (manuellen) Plazentalösung einen massiven Blutverlust von etwa 1000 ml erlitt. Prof. Dr. med. A.________ kam zum Schluss, die Versicherte habe insgesamt (d.h. während der Geburt des Kindes, der Plazentaretention und der manuellen Plazentalösung) eine Blutmenge von 1000-1500 ml bzw. 1200-1800 ml verloren (Gutachten vom 28. April 2004, Zusatzbericht vom 27. September 2004). Demgegenüber errechnete Dr. med. M.________ einen markant höheren Blutverlust von total zirka 3000 ml (Gutachten vom 3. August 2004), wobei hämodynamisch wirksam ein solcher von über 2000 ml gewesen sei (Stellungnahme vom 20. Oktober 2004). Beide Gutachter stimmen indessen darin überein, dass es retrospektiv sehr schwierig, wenn nicht praktisch ausgeschlossen ist, den Blutverlust exakt zu ermitteln. 3.3 Soweit die Versicherte auch im letztinstanzlichen Verfahren rügt, sie sei zum Geburtsvorgang (inklusive postpartaler Phase bis zur Narkose) nicht befragt worden, ist ihr - entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen - insoweit zu folgen, als entsprechende Angaben in der Tat relevant sein können. Denn der umstrittene präoperative Blutverlust als mögliche im Verbund mit den verabreichten Medikamenten negativ wirkende Ursache ist durchaus rechtserheblich für die Beurteilung ihrer Ansprüche. Indessen kann in antizipierter Beweiswürdigung ausgeschlossen werden, dass die Befragung der Beschwerdeführerin verwertbare Angaben über die Menge des bis zur Narkose verlorenen Blutes an den Tag brächte. Ein solches Unterfangen ist schon deshalb nicht beweistauglich, weil es sich um eine Wassergeburt handelte und im Wasser bereits wenig Blut imponierend wirkt.