Citation: 6B_262/2016 E. 3.3.4

3.3.4. Der zweite Kollisionsort befindet sich 3.3 bis 5.6 Meter vor dem Fussgängerstreifen. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, E.________ habe das Vortrittsrecht des Opfers in schwerer Weise missachtet, womit er (der Beschwerdeführer) nicht habe rechnen müssen (Beschwerde S. 18). Diese Argumentation, welche die Voraussehbarkeit und Adäquanz tangiert, dringt nicht durch. Die erste Kollision ist, nachdem das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Halle (D) übernommen wurde, nicht Verfahrensgegenstand. Es kann dahingestellt bleiben, ob die erste Kollision auf eine pflichtwidrig unvorsichtige Fahrweise von E.________ respektive auf eine Sorgfaltspflichtverletzung des Opfers (Art. 49 Abs. 2 SVG und Art. 47 Abs. 2 VRV) zurückzuführen ist. Die zu den tödlichen Verletzungen führenden Geschehensabläufe waren für den Beschwerdeführer so oder anders in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar. Ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers beziehungsweise von E.________, die als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren - namentlich das Verhalten des Beschwerdeführers - in den Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64 f. mit Hinweisen), bestehen nicht. Zum einen ist ein überraschendes und pflichtwidriges Betreten des Fussgängerstreifens nach der Rechtsprechung nicht derart aussergewöhnlich, dass damit schlechthin nicht gerechnet werden muss (BGE 121 IV 286 E. 4b S. 291 f.). Zum andern konnte der Beschwerdeführer, der auch vor Bundesgericht die sehr schlechten Sichtverhältnisse unterstreicht und geltend macht, das Opfer sei für ihn nicht erkennbar gewesen, nicht ausschliessen, dass andere Verkehrsteilnehmer allfällige Fussgänger gleichermassen nur beschränkt erkennen. Objektiv musste er also das Risiko kennen, dass ein anderer Fahrzeuglenker einen Fussgänger zu spät erkennt. Kollisionen mit Fussgängern auf Fussgängerstreifen erfolgen zudem häufig (1'195 im Jahre 2000, 981 im Jahre 2010, 920 im Jahre 2015; Quelle www.bfu.ch). Die Voraussehbarkeit ist zu bejahen.