Citation: I 611/01 03.04.2003 E. 3

3.1 Die von 1987 bis Ende 1994 bezogenen Löhne könnten im Gastgewerbe durchaus einem 100%-Pensum entsprechen. Für die Zeit ab 1995 spricht zunächst einiges für die Annahme der Vorinstanz. Zum einen enthalten die Akten, wie aus einem Vergleich zwischen den Angaben im Fragebogen für den Arbeitgeber, den individuellen Kontoauszügen der betroffenen Ausgleichskassen und der Quellensteuerübersicht erhellt und wie schon das kantonale Gericht festgestellt hat, widersprüchliche Angaben zum Einkommen der Versicherten. Zum andern ist der Vorinstanz, die erwähnt, der Arbeitgeberbetrieb sei seit 1995 nur noch in der Hochsaison geöffnet, darin zuzustimmen, dass insbesondere erstaunt, dass die Versicherte, die in der IV-Anmeldung selbst eine saisonale Beschäftigung angab, gemäss Zusammenstellung im Arbeitgeberfragebogen in den Jahren 1995 bis 1998 in den Monaten April bis Juni und August bis November immer voll arbeitsunfähig, in den Monaten Januar 1995, Dezember 1995 bis März 1996, Juli 1996, Dezember 1996 bis Januar 1997, Dezember 1997 bis März 1998 sowie Juli 1998 hingegen voll oder zu 50 % (teils einen Monat lang voll zwischen zwei Monaten mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit) arbeitsfähig war; das Gleiche gilt für den Umstand, dass am 5. Juni 1998, als die Versicherte gemäss Arbeitgeberfragebogen 100 % arbeitsunfähig war und schon in den vorangegangenen zwei Monaten voll arbeitsunfähig gewesen war, ein auf drei Monate befristeter Arbeitsvertrag mit Wirkung ab 1. Juli 1998 bei einer Wochenarbeitszeit von 45 Stunden und einem auf Fr. 7000.- erhöhten Bruttolohn abgeschlossen wurde. 3.2 Indessen fällt auf, dass die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie sei bis anfangs Januar 1995 voll erwerbstätig gewesen und das zeitweise Fehlen einer Erwerbstätigkeit seit diesem Zeitpunkt sei auf ihre gesundheitlichen Probleme zurückzuführen, weitestgehend durch den Arbeitgeberfragebogen, ausgefüllt am 1. August 1999, gedeckt ist, wobei der Arbeitgeber im Formular auf die Wahrheitspflicht gemäss Art. 71 Abs. 2 IVV aufmerksam gemacht wird. Darin wird ausgeführt, die Versicherte sei seit 1987 bei einer 45-Stundenwoche angestellt, und die für die Jahre 1995 bis 1998 angegebenen Arbeitsunfähigkeiten korrelieren grösstenteils mit den angeführten Löhnen. Sodann scheinen die Akten in medizinischer Hinsicht unvollständig zu sein. Für die Zeit vom 1. April 1995 bis zum 19. November 1995, als die Versicherte Unfalltaggelder bezog, und für den Zeitraum vom 5. August 1996 bis zum 30. September 1996, während dessen Krankentaggelder ausgerichtet wurden, sind nämlich im Dossier keine Arztzeugnisse zu finden, wobei die entsprechenden Versicherungsträger schwerlich ohne ärztliche Atteste Leistungen bei Unfall bzw. Krankheit ausbezahlt haben dürften und die Krankentaggeldabrechnung sogar ausdrücklich auf Arztzeugnisse Bezug nimmt. Aufgrund der Akten erscheint ferner nicht ausgeschlossen, dass eine (Teil-) Arbeitsunfähigkeit, wie vom Arbeitgeber angegeben, schon ab Januar 1995 bestand, als das die Beschwerden auslösende Verhebetrauma stattfand. Dass schliesslich nach einem späteren Wiederaufflammen der Beschwerden nur vom 5. August 1996 bis zum 30. September 1996, vom 17. Februar 1997 bis zum 1. Juli 1997 und ab 31. Juli 1998 Krankentaggelder bezogen wurden, wobei für die letzten beiden Zeiträume eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigende Arztzeugnisse vorliegen (Bericht des Dr. med. E.________ vom 11. Juli 1999; Bericht des Dr. med. L.________ vom 24. August 1999), muss nicht zwingend bedeuten, dass ausserhalb dieser Zeiträume durchwegs keine Arbeitsunfähigkeit bestand. Alle drei Bezugsperioden begannen nämlich im Sommer oder Winter, sodass denkbar ist, dass eine Anmeldung bei der Krankentaggeldversicherung mit vorangehendem Arztbesuch - soweit aus den Akten ersichtlich, suchte die Versicherte Dr. med. E._________ erst im Februar 1997 und Dr. med. L._________ erst 1998 auf - jeweils nur erfolgte, wenn es in Anbetracht der Saison tatsächlich Arbeit zu verrichten gab. Dafür, dass auch ausserhalb der Krankentaggeld-Bezugszeiten eine (zeitweise und/oder teilweise) Arbeitsunfähigkeit bestanden haben könnte, könnte der Umstand sprechen, dass die Beschwerdeführerin lediglich in den Monaten Juni und Juli 1996 Arbeitslosenentschädigung bezog, was eine zumindest teilweise Arbeitsfähigkeit voraussetzt. 3.3 Aufgrund des Gesagten kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden mehr als 50 %, vielleicht sogar 100 % arbeiten würde bzw., nachdem ihre angestammte Tätigkeit (seit 1998 auch nach ihren eigenen Angaben) zu einer saisonalen geworden war, eine entsprechende neue Stelle gesucht hätte. Diese Frage kann aufgrund der vorhandenen Akten nicht beantwortet werden. Zum einen bestehen in Anbetracht der erwähnten Widersprüche Zweifel an der Richtigkeit der Auskunft des Arbeitgebers. Als Beispiel sei diesbezüglich zusätzlich zu den vorinstanzlichen Erwägungen bemerkt, dass der Arbeitgeber im Fragebogen für den Monat Juni 1996 eine volle Arbeitsunfähigkeit und für den Monat Juli 1996 einen Lohn von Fr. 6000.- angibt, wohingegen der diese Zeit betreffende Auszug der zuständigen Ausgleichskasse aus dem individuellen Konto und die Quellensteuerübersicht für diese beiden Monate den Bezug von Arbeitslosenentschädigung erwähnen. Zum andern sind die Angaben des Arbeitgebers zur Arbeitsunfähigkeit medizinisch nur teilweise belegt. Unter diesen Umständen sind weitere Abklärungen vorzunehmen. Zu diesem Zweck ist die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen. Die IV-Stelle wird sowohl beim Arbeitgeber als auch von ärztlicher Seite zusätzliche Informationen einholen. Die medizinischen Auskünfte haben darüber Aufschluss zu geben, während welcher Zeiträume die Beschwerdeführerin seit 1995 in welchem Ausmass arbeitsunfähig war. Dies lässt sich sinnvollerweise durch eine Ergänzung des MEDAS-Gutachtens bewerkstelligen, wobei die MEDAS-Experten mit den in den Akten enthaltenen Auffälligkeiten - insbesondere den saisonalen Schwankungen der Arbeitsfähigkeit und dem teils unvermittelten Wechsel zwischen voller Arbeits- und voller Arbeitsunfähigkeit gemäss Arbeitgeberfragebogen - zu konfrontieren sein und mit den seinerzeit behandelnden Ärzten Rücksprache nehmen werden. Der Arbeitgeber seinerseits wird unter Vorlage der Lohnbuchhaltung und der Einsatzpläne für die Versicherte darüber Auskunft zu geben haben, welches Pensum diese pro Jahr bei welchem Einkommen - Letzteres wird für die Bestimmung des Valideneinkommens von Bedeutung sein - leistete bzw. geleistet hätte, wenn sie nicht (teilweise) arbeitsunfähig gewesen wäre. Nach Vornahme der erforderlichen Aktenergänzungen und Durchführung des Vorbescheidverfahrens wird die IV-Stelle über die Frage des Leistungsanspruchs neu verfügen.