Citation: 2C_44/2022 E. 5.3.4

5.3.4. Nichts ableiten kann der Beschwerdeführer ferner aus dem Umstand, dass die Strafgerichte die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt haben. Straf- und Ausländerrecht verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen: Ausländerrechtlich steht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund, strafrechtlich die verschuldensabhängige Sanktionierung verpönten Verhaltens und die Reintegration des Täters. Die Ausländerbehörden sind nicht an die Einschätzung der Strafbehörden hinsichtlich der Rückfallgefahr gebunden, auch wenn sie diese sinnvollerweise mitberücksichtigen werden. Ihre Beurteilung kann sich deshalb als strenger erweisen als diejenige der Strafbehörden (BGE 140 I 145 E. 4.3; 137 II 233 E. 5.2.2; Urteil 2C_367/2021 vom 30. September 2021 E. 4.3.2). Vor diesem Hintergrund ist darauf hinzuweisen, dass das erstinstanzliche Strafgericht dem Beschwerdeführer ausdrücklich keine günstige Prognose gestellt hat, sondern erwogen hat, nach neuem Recht genüge es bereits, wenn keine ungünstige Prognose gestellt werden könne (vgl. E. 8.1 des Urteils des Regionalgerichts Viamala vom 21. Februar 2017 bzw. E. 4.5 des angefochtenen Urteils). Von einer "diametral entgegengesetzten Auffassung" zwischen Straf- und Migrationsbehörden kann deshalb bei Annahme einer geringen - wenn auch ausländerrechtlich wesentlichen - Rückfallgefahr keine Rede sein. Bei dieser Sachlage durfte die Vorinstanz darauf verzichten, ein Gutachten zur Abklärung der Rückfallgefahr einzuholen oder die Therapieberichte beizuziehen (vgl. Urteil 2C_1008/2016 vom 14. November 2017 E. 3.2). Neue rechtserhebliche Erkenntnisse sind davon nicht zu erwarten. Anzufügen ist zudem, dass der Beschwerdeführer die Therapieberichte jederzeit im kantonalen Verfahren hätte einreichen können (vgl. auch Art. 90 lit. b AIG zur Mitwirkungspflicht im ausländerrechtlichen Verfahren).