Citation: 9C_154/2023 E. 3.5.5

3.5.5. Wie es sich damit im konkreten Fall verhält, ob und in welchem Umfang die Dienstleistungen überhaupt hätten bilanziert werden dürfen, zeigt die Steuerpflichtige nicht auf. Es ist fraglich, ob den bezogenen Beratungsleistungen für sich allein ein Nutzwert zukommt (dazu Handbuch der Wirtschaftsprüfung, a.a.O., Teil III Rz. 291), der als solcher aktiviert werden kann. Den Ausschlag gibt hier aber ohnehin wie gesagt etwas Anderes: Art. 72 Abs. 2 Satz 2 MWSTV 2009 bestimmt, vom Handelsrecht abkoppelnd (Art. 32 Abs. 2 Satz 3 MWSTG 2009), dass Dienstleistungen in den Bereichen Beratung, Buchführung, Personalbeschaffung, Management und Werbung vermutungsweise bereits im Zeitpunkt ihres Bezugs verbraucht und nicht mehr vorhanden seien. Die Verordnungsbestimmung stellt damit eine gesetzliche Vermutung auf (HANS PETER WALTER, in: Berner Kommentar, Band I, Art. 1-9 ZGB, 2012, N. 387 ff. zu Art. 8; "Wenn-dann-Prinzip"). Der Verordnungsgeber schliesst von der Vermutungsbasis (Vorliegen einer bestimmten Art von Dienstleistungen) generell-abstrakt auf die Vermutungsfolge (Verbrauch dieser Dienstleistungen zum Zeitpunkt ihres Bezugs). Mithin liegt eine gesetzliche Tatsachenvermutung vor (WALTER, a.a.O., N. 401 zu Art. 8), die als solche widerlegbar ist. Die Vermutungsbasis unterliegt dem Gegenbeweis, die Vermutungsfolge dem Beweis des Gegenteils (WALTER, a.a.O., N. 415 ff. zu Art. 8; BGE 148 II 285 E. 3.1.2; 147 III 73 E. 3.2; 141 III 241 E. 3.2.3).