Citation: I 467/99 12.03.2001 E. 4

4.- Streitig ist zunächst, in welchem Mass und bezüglich welcher Tätigkeiten der Beschwerdeführer noch arbeitsfähig ist. Darüber gehen die Meinungen der Ärzte auseinander: Während der behandelnde Arzt, Dr. R.________, in seinem ersten Bericht vom 24. Juli 1994 an die IV-Stelle sinngemäss noch von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit ausgeht, hält er den Beschwerdeführer am 6. November 1995 bloss noch zu einem Einsatz von 1½ Stunden fähig, da er danach erschöpft sei und zu zittern beginne. Ab dem 30. September 1996 und seither beurteilt er ihn als zu 100 % arbeitsunfähig. Dr. S.________ schätzt demgegenüber die Arbeitsfähigkeit bei einer leidensangepassten Tätigkeit ohne Lärmbelastung auf 100 % (Bericht vom 8. Februar 1995). Gleiches gilt nach Dr. J.________ mit Bezug auf die rein orthopädischen Einschränkungen (Bericht vom 31. Mai 1995). In der polydisziplinären Untersuchung durch die MEDAS (Gutachten vom 11. November 1996) wurde neben dem Tinnitus beidseits mit mittelgradiger Innenohrschwerhörigkeit im Hochtonbereich eine deutlich narzisstisch gestörte Persönlichkeit mit projektiven Abwehrmechanismen und leicht depressiver Grundstimmung diagnostiziert. Diesen Befunden wurde ein wesentlicher Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt, während die rheumatologischen Befunde (ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom beidseits, linksbetont, bei Hyperlordose, rechtskonvexer Torsionsskoliose und thorakolumbalem Überhang, bei degenerativen Veränderungen, lumbosakraler Übergangsstörung mit Megatransversus L5 sowie bei muskulärer Dysbalance, eine manifeste, beginnende Koxarthrose beidseits, linksbetont bei Coxa valga beidseits und schliesslich eine beginnende Pangonarthrose links) höchstens mit Bezug auf körperliche Schwerarbeiten einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Gestützt auf diese Befunde wurde die Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten mit erheblicher Lärmexposition sowie für körperliche Schwerarbeit auf 0 % geschätzt. Bei Tätigkeiten in einem nicht lärmexponierten Bereich, die intellektuell nicht sehr anspruchsvoll sind sowie wenig Teamfähigkeit verlangen, wurde eine Leistungsfähigkeit von 50 % als zumutbar erachtet. An dieser Beurteilung hielten die Ärzte der MEDAS auch auf Nachfrage des behandelnden Arztes sowie auf Vorhalt eines Gutachtens von Prof. K.________ hin fest. Letzterer schätzt die Arbeitsunfähigkeit auf annähernd 100 %. Dabei stützt er sich auf die bisher gemachten praktischen (und durch den Hausarzt bestätigten) Erfahrungen, wonach sämtliche Arbeitsversuche nach 1 bis 2 Stunden abgebrochen werden mussten. Dagegen könne durchaus von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, sofern der Beschwerdeführer eine angemessene Arbeit finde und diese in der Praxis auch wirklich zu 50 % ausüben könne (Gutachten vom 4. Juli 1997). Sämtliche theoretisch zur Verfügung stehenden Tätigkeiten, wie Tankwart, Magaziner, Kioskangestellter, bedürften einer praktischen Erprobung, ohne welche die diesbezügliche Arbeitsfähigkeit nicht abgeschätzt werden könne. Schliesslich bedinge die Kompensation des Tinnitus eine Veränderungswilligkeit des Betroffenen, die zur Zeit aber nicht vorliege. Diese Überlegungen zeigen, dass Prof. K.________ nicht zur theoretischen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bei einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt Stellung nimmt, sondern aufgrund der mangelnden praktischen Erprobung der angegebenen Tätigkeiten und der mangelnden Veränderungswilligkeit des Beschwerdeführers von einer annähernd vollen Arbeitsunfähigkeit ausgeht. Da aber im Rahmen der Invaliditätsbemessung die Arbeitsunfähigkeit unter Zugrundelegung eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes sowie einer zumutbaren Willensanstrengung der versicherten Person beurteilt werden muss (Erw. 3c), spielt es keine Rolle, ob der Beschwerdeführer tatsächlich eine geeignete Stelle findet und ob er veränderungswillig ist. Wesentlich ist vielmehr, dass die Arbeitsfähigkeit auch von diesem Arzt auf 50 % geschätzt wird, wenn tatsächlich eine entsprechende Stelle gefunden wird. Insofern stimmt diese Angabe mit der polydisziplinären Beurteilung der MEDAS überein, welche bei einer Diskrepanz zwischen subjektivem Empfinden und objektiven Befunden vor allem aufgrund der psychopathologischen Befunde von einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit ausgeht.