Citation: 1P.222/2006 27.09.2006 E. 4

Der Beschwerdeführer rügt ferner Widersprüche in den Aussagen der Zivilklägerin, womit er deren Glaubwürdigkeit in Frage stellen will. 4.1 Es trifft zu, dass die Zivilklägerin anlässlich ihrer ersten Einvernahme vom 6. November 2002 auf der Kantonspolizei Aargau behauptet hatte, der Übergriff habe vor ca. 1 1/2 Jahren stattgefunden (act. 379); gleich zu Beginn ihrer Einvernahme vom 16. November vor dem Bezirksamt Rheinfelden stellte sie dies jedoch richtig, indem sie erklärte, der Vorfall müsse sich vor 2 1/2 Jahren ereignet haben, da sie vor 1 1/2 Jahren gar nicht in Rheinfelden gewesen sei (act. 388). Vor dem Bezirksgericht Rheinfelden sagte die Zivilklägerin dann aus, sie könne sich an das Datum der Tat nicht mehr erinnern. Es sei möglich, dass es im Mai oder Juni 2000 gewesen sei (Ga [Prot.] S. 55). Angesichts der langen Zeitspanne zwischen dem Vorfall und der ersten Befragung der Zivilklägerin, die anfangs überhaupt nicht hatte aussagen wollen, ist dieser anfängliche Irrtum in Bezug auf den Zeitpunkt der Tat nicht geeignet, die Glaubwürdigkeit der Zivilklägerin zu beeinträchtigen. Der Beschwerdeführer legt denn auch nicht dar, inwiefern eine absichtliche anfängliche Falschaussage und nachträgliche Korrektur derselben der Zivilklägerin hätte zum Vorteil gereichen können. 4.2 Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, die Zivilklägerin habe mehrfach zu Protokoll gegeben, seine Hose habe einen Reissverschluss aufgewiesen, während er selbst ausgesagt habe, er trage beinahe ausschliesslich geknöpfte Hosen. Aus den Akten geht hervor, dass die Zivilklägerin nicht ausdrücklich nach der diesbezüglichen Beschaffenheit der Hose des Beschwerdeführers gefragt worden ist, sondern dass sie bei der Beschreibung des gesamten Vorfalls von sich aus erklärt hat, er habe mit der einen Hand ihren Kopf gehalten. Mit der anderen Hand habe er die Knöpfe ihrer Jeans geöffnet. Danach habe er mit einer Hand seinen Reissverschluss geöffnet (act. 381). Etwas später erklärte die Zivilklägerin, sie habe nur hören können, dass er seinen Knopf an der Hose und den Reissverschluss geöffnet habe (act. 384). Nicht nur ist keineswegs erwiesen, dass der Beschwerdeführer damals keine Hose mit Reissverschluss trug; ein diesbezüglicher Irrtum oder eine Erinnerungslücke der Zivilklägerin wären angesichts ihrer damaligen Verängstigung und der seit dem Vorfall verstrichenen Zeit auch ohne weiteres erklärlich. Jedenfalls ist diese Unstimmigkeit nicht geeignet, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zivilklägerin zu begründen. 4.3 Die Zivilklägerin hat anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Rheinfelden ausgesagt, sie habe ihrer Freundin Z.________ sofort nach dem Vorfall davon erzählt. A.________ habe sie es erst später gesagt. Ihrem damaligen Freund habe sie es erzählt, als es zur Anzeige gekommen war (GA [Prot.] S. 60). C.________ gab zu Protokoll, die Zivilklägerin habe ihm im Sommer 2002 von der Vergewaltigung erzählt (act. 393 j). Die Leiterin des Jugendzentrums Rheinfelden, D.________, erklärte, sie habe die Zivilklägerin am 8. November 2002 das letzte Mal gesehen. Bei diesem Treffen habe sie ihr gesagt, dass sie von X.________ vergewaltigt worden sei (act. 393 m). Wesentlich ist dabei, dass die Zivilklägerin nachgewiesenermassen unmittelbar nach dem Vorfall nur mit ihrer Freundin Z.________ und etwas später auch mit A.________ darüber geredet hat. Dies lässt sich ohne Weiteres mit Drohungen seitens des Beschwerdeführers erklären, auf Grund deren sich die Zivilklägerin zunächst nur ihren beiden nächsten Bezugspersonen anvertraute. Der Umstand, dass sie dann über zwei Jahre danach noch zwei weitere Personen aus ihrem nächsten Umfeld ins Vertrauen gezogen hat, spricht nicht gegen solche Drohungen und ist nicht geeignet, die Glaubwürdigkeit der Zivilklägerin in Frage zu stellen. 4.4 Dasselbe gilt für den Umstand, dass die Zivilklägerin sich nach dem Vorfall ein zweites Mal mit dem Beschwerdeführer getroffen hat, was im Nachhinein wohl als nicht unbedingt verständlich erscheinen mag. Es ist jedoch bekannt, dass sich Opfer von sexuellen oder gewalttätigen Übergriffen unter dem Einfluss von Drohungen aus Angst bereit finden, sich erneut mit dem Täter zu treffen, wenn dieser es verlangt. Da davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer ihr bereits nach der Tat auf der Rückfahrt ins Jugendzentrum Rheinfelden gedroht hat (vgl. oben E. 3.1), lässt der Umstand, dass sich die Zivilklägerin am Tage danach erneut mit ihm getroffen hat, keine ernsthaften Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Schilderung aufkommen.