Citation: 5A_462/2022 E. 2.2.1

2.2.1. 2.2.1.1. Die Vorinstanz erwog, für die in der Urkunde festgehaltene Selbstlesung durch die Urkundsparteien gelte bis zum Beweis des Gegenteils die erhöhte Beweiskraft gemäss Art. 9 Abs. 1 ZGB bzw. Art. 179 ZPO. Dieser Beweis sei der Beschwerdeführerin nicht gelungen. Es sei erwiesen, dass sowohl die Beschwerdeführerin als auch der Erblasser den Erbvertrag an der Beurkundungssitzung vom 19. Juli 2017 gelesen hätten. Ohnehin sei darauf hinzuweisen, dass der Notar letztlich nicht kontrollieren könne, ob die Vertragsparteien bei der (stillen) Selbstlesung den Text effektiv vollständig Wort für Wort gelesen oder einzelne Passagen übersprungen haben. Entscheidend sei daher ausschliesslich, dass die Beteiligten den Urkundeninhalt aufgrund der äusseren Umstände während des Beurkundungsvorgangs zur Kenntnis nehmen können und sie die Selbstlesung gegenüber dem Notar und den Zeugen bestätigen. 2.2.1.2. Sodann habe die Beschwerdeführerin die Echtheit der öffentlichen Urkunde im erstinstanzlichen Verfahren weder bestritten, noch habe sie Zweifel an der Echtheit der sich bei den Akten befindlichen beglaubigten Kopie des Erbvertrags geäussert. Die verspätet gestellten Beweisanträge zur Echtheit des Erbvertrags könnten mithin nicht mehr berücksichtigt werden. 2.2.1.3. Ausserdem treffe der Einwand der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegner hätten nicht bestritten bzw. anerkannt, dass sowohl der Erblasser wie auch sie selber den Erbvertrag am Beurkundungstermin nicht gelesen hätten, nicht zu. Aus den Ausführungen der Beschwerdegegner 3 und 4 zur Einhaltung der einjährigen Klagefrist gemäss Art. 521 Abs. 1 ZGB lasse sich - entgegen den anderslautenden Behauptungen der Beschwerdeführerin - nicht ableiten, dass jene anerkannt hätten, dass sie den Erbvertrag am Beurkundungstermin nicht gelesen habe. Zum einen sei die Behauptung der Beschwerdegegner 3 und 4 nicht im Zusammenhang mit den Beurkundungsvoraussetzungen, sondern mit der Einhaltung der Frist für die Ungültigkeitsklage erfolgt. Zum anderen hätten sich die Beschwerdegegner 3 und 4 lediglich auf die "eigene Angabe" der Beschwerdeführerin bezogen und hätten gestützt darauf von einer "spätesten" Kenntnis der Beschwerdeführerin gesprochen. Von einer Anerkennung der fehlenden Selbstlesung könne mithin nicht die Rede sein. 2.2.1.4. Ferner sei es der Beschwerdeführerin entgegen ihren Ausführungen möglich gewesen, während der ca. 45-60 Minuten dauernden Sitzung - selbst unter Berücksichtigung der Hypotonie des Erblassers, der Vorbesprechung sowie der Erläuterung und Vertragsabänderung - den Erbvertrag durchzulesen, zumal sie anerkannt habe, dass dafür lediglich ca. 10 Minuten benötigt würden. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich nur die sie betreffenden Textteile durchzulesen gehabt habe. 2.2.1.5. Des Weiteren sei zwar zutreffend, dass nach dem Grundsatz der "Einheit des Aktes" nicht gleichzeitig mehrere Geschäfte beurkundet werden dürften. Die Beschwerdeführerin übersehe jedoch, dass die von ihr behauptete, gleichzeitige Beurkundung des Erbvertrags und des Testaments unbewiesen geblieben sei. Da sie beweisbelastet sei, habe sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Dasselbe gelte auch für die bestrittene Behauptung der Beschwerdeführerin, wonach der Notar (d.h. der Beschwerdegegner 3) während des Hauptverfahrens bzw. beim Lesevorgang der Urkunde nicht durchgehend anwesend gewesen sei. Ohnehin habe die Beschwerdeführerin nicht rechtzeitig vor Aktenschluss, sondern erst verspätet im Berufungsverfahren bestritten, dass der Beschwerdegegner 3 lediglich während der Vorbereitungsgespräche das Sitzungszimmer verlassen habe. 2.2.1.6. Schliesslich seien auch die Rügen gegen die erstinstanzliche Beweiswürdigung unbegründet. Es könne sehr wohl auf die plausiblen, konsistenten und widerspruchsfreien Aussagen des Beschwerdegegners 3 abgestellt werden. Eine sorgfaltswidrige Mandatsführung könne diesem nicht vorgeworfen werden, wobei daraus ohnehin nicht auf eine fehlerhafte Beurkundung geschlossen werden könne. Ebenso wenig gelänge es der Beschwerdeführerin, die glaubhaften Aussagen des Zeugen G.________ in Zweifel zu ziehen. Die Beurkundungszeugen hätten an ihren gerichtlichen Befragungen (nochmals) übereinstimmend erklärt, die Parteien hätten ihnen gegenüber bestätigt, dass sie den Vertrag gelesen hätten und dieser den übereinstimmenden Willen der Parteien enthalte. 2.2.1.7. Nicht hinreichend klar sei, ob die Entschädigung der Beschwerdeführerin für ihre Tätigkeit auf dem Gnadenhof bereits im Urkundenentwurf enthalten war oder nicht bzw. wer die Erhöhung von Fr. 2'000.-- auf Fr. 3'000.-- pro Monat initiiert habe. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Beschwerdeführerin den Vertrag nicht gelesen habe. Mit Bezug auf die weitere Feststellung der Erstinstanz, wonach infolge der Diskussion davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin sich ebenfalls mit den Bestimmungen des Erbvertrags auseinandergesetzt habe und dessen Inhalt im Einzelnen durchgegangen worden sei, behaupte die Beschwerdeführerin lediglich, dies sei nicht richtig. Dieser Einwand vermöge den Anforderungen an die Begründung einer Berufung nicht zu genügen, weshalb darauf nicht einzutreten sei. Dasselbe gelte auch für die Bemerkung, die Vorinstanz sei unrichtigerweise davon ausgegangen, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin "völlig unglaubhaft" seien.