Citation: 6B_449/2023 E. 2.2.1

2.2.1. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen (Art. 105 Abs. 1 BGG), dass der Beschwerdeführer eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung zu seiner Ehefrau, einer Schweizer Bürgerin, und damit einer in der Schweiz gefestigt aufenthaltsberechtigten Person führt. Insoweit die Vorinstanz es dann aber als massgeblich erachtet, dass die Ehefrau im Zeitpunkt der Heirat im Jahr 2021 um die drohende Landesverweisung wusste, weshalb ihr der Nachzug nach Italien ohne Weiteres zumutbar sei, kann ihr nicht gefolgt werden. Der Familienbegriff gemäss Art. 8 EMRK setzt den Bestand naher, echter und tatsächlich gelebter Beziehungen voraus. Weniger wichtig sind rechtliche Verbindungen (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.3; 144 II 1 E. 6.1; Urteile 6B_1124/2021 vom 16. Dezember 2022 E. 3.1.6; 6B_255/2021 vom 3. Oktober 2022 E. 1.3.4; je mit weiteren Hinweisen). Gemäss den unangefochten gebliebenen vorinstanzlichen Feststellungen führen die jetzigen Ehegatten seit der Wiedereinreise des Beschwerdeführers in die Schweiz eine Beziehung; seit dem 1. September 2016 leben sie in einem gemeinsamen Haushalt. Damit kann der Beginn einer nahen, echten und tatsächlich gelebten Beziehung nicht unbesehen erst in der im Jahr 2021 erfolgten Heirat erkannt werden. Stattdessen liegen gewichtige Anhaltspunkte dafür vor, dass diese bereits Bestand hatte, als sich die fraglichen Vorfälle Ende Dezember 2018 ereigneten, mithin die heutige Ehefrau des Beschwerdeführers zu Beginn der familiären Bindung weder Kenntnis von der Straftat noch einer drohenden Landesverweisung hatte. Indes verneint die Vorinstanz zu Recht deren wirtschaftliche Abhängigkeit bzw. ist nicht zu beanstanden, wenn sie ihr zumutet, ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten. Daran vermag weder ihre derzeit "nur" in einem Teilzeitpensum ausgeübte Erwerbstätigkeit noch der Umstand etwas zu ändern, dass sie sich aktuell mit einer Lohnpfändung konfrontiert sieht. Dass ihr und dem Beschwerdeführer die Bestreitung der aktuellen Lebenskosten derzeit nur gemeinsam möglich ist, reicht nicht für die Annahme einer wirtschaftlichen Abhängigkeit. Abgesehen davon, dass im Falle einer Verweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums der Ehefrau voraussichtlich Anpassungen erfährt, müssten diesfalls (wie auch im Falle einer Trennung) die Lebenshaltungskosten angepasst werden (vgl. wiederum Urteil 6B_1124/2021 vom 16. Dezember 2022 E. 3.1.6). Im Übrigen äussert sich die Vorinstanz nicht zu den Vorbringen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers kein Italienisch spreche, sie Italien nur von den Ferien kenne und in der Schweiz einer Erwerbstätigkeit nachgehe, weshalb es für sie ausgeschlossen sei, dorthin zu gehen (vgl. angefochtenes Urteil S. 52). Mit Blick auf ihre persönlichen Verhältnisse erwähnt die Vorinstanz lediglich, dass sie Mutter eines 19 Jahre alten Sohnes aus einer früheren Beziehung ist; weitere Feststellungen trifft sie nicht. Damit erscheint zumindest zweifelhaft, ob der Ehefrau des Beschwerdeführers die Ausreise nach Italien ohne Weiteres zumutbar ist. Dies ergibt sich nicht allein daraus, dass Italien im selben Kulturkreis liegt wie die Schweiz. Letztlich muss nicht abschliessend beurteilt werden, ob aufgrund des Ausgeführten, insbesondere unter dem Aspekt von Art. 8 Ziff. 1 EMRK ein Härtefall vorliegt. Selbst wenn ein persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB aufgrund der möglichen Trennung des Beschwerdeführers von seiner Ehefrau zu bejahen wäre, würde die kumulativ erforderliche Interessenabwägung zu seinen Ungunsten ausfallen (vgl. nachfolgend E. 2.2.2).