Citation: U 194/03 14.06.2004 E. 5

Strittig und zu prüfen ist weiter, ob der Beschwerdeführer gegenüber der SUVA vom 1. Mai 1999 bis 28. Februar 2000 Anspruch auf ein ganzes Taggeld hat. 5.1 Der Anspruch auf Taggelder der Unfallversicherung setzt eine zumindest teilweise Arbeitsfähigkeit voraus (Art. 16 Abs. 1 UVG), deren Grad für die Bemessung des Taggeldes von Bedeutung ist (Art. 17 Abs. 1 UVG; Art. 25 Abs. 3 UVV; vgl. Art. 5 Abs. 4 UVAL [Verordnung über die Unfallversicherung von arbeitslosen Personen, SR 837.171]). 5.2 Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter unfallbedingt vollständig arbeitsunfähig und ab Anfang Februar 1999 in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig sei. Daher sei ihm unter Einräumung einer dreimonatigen Anpassungsfrist bis zum 30. April 1999 ein volles Taggeld und ab dem 1. Mai 1999 ein herabgesetztes Taggeld auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszurichten. Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, dass für die Bemessung des Taggeldanspruchs nicht auf die unbestrittene Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer leidensangepassten neuen Tätigkeit, sondern auf den Erwerbsausfall abzustellen sei, der mehr als 50 % betrage und gemäss Art. 25 Abs. 3 UVV Anspruch auf ein ganzes Taggeld begründe. Allenfalls müsse ihm zudem eine Anpassungszeit von mindestens sechs Monaten eingeräumt werden. 5.3 Eine Person gilt als arbeitsunfähig, wenn sie infolge eines Gesundheitsschadens ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr, nur noch beschränkt oder nur unter der Gefahr, ihren Gesundheitszustand zu verschlimmern, ausüben kann (BGE 129 V 53 Erw. 1.1, 114 V 283 Erw. 1c). Massgebend ist grundsätzlich die aufgrund ärztlicher Feststellungen ermittelte tatsächliche Unfähigkeit, am angestammten Arbeitsplatz nutzbringend tätig zu sein (BGE 114 V 283 Erw. 1c; RKUV 2001 Nr. KV 174 S. 292 Erw. 2a, 1987 Nr. U 27 S. 394 Erw. 2b). Der Grad der Arbeitsunfähigkeit ist indessen bei langdauernder (Teil-)Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Tätigkeitsgebiet nur so lange unter Berücksichtigung des bisherigen Berufs festzusetzen, als von der versicherten Person vernünftigerweise nicht verlangt werden kann, ihre restliche Arbeitsfähigkeit unter Verminderung des Schadens in einem andern Berufszweig zu verwerten (BGE 115 V 133 Erw. 2 und 404 Erw. 2, 114 V 283 Erw. 1d; RKUV 2000 Nr. U 366 S. 92 Erw. 4, 1987 Nr. U 27 S. 394 Erw. 2b; Urteil S. vom 23. Oktober 2003, I 392/02, Erw. 4.2.2). Steht fest, dass die versicherte Person unter dem Blickwinkel der Schadenminderungspflicht einen Berufswechsel vorzunehmen hat, so ist ihr zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse sowie zur Stellensuche eine angemessene Übergangsfrist - in der Regel von drei bis fünf Monaten - einzuräumen, während welcher das bisherige Taggeld geschuldet bleibt (BGE 114 V 289 Erw. 5b). Nach deren Ablauf entspricht der für die Bemessung des Taggeldes massgebende Arbeitsunfähigkeitsgrad (vgl. RKUV 1987 Nr. U 27 S. 394 Erw. 2b) der Differenz zwischen dem Einkommen, das ohne Unfall im bisherigen Beruf verdient werden könnte, und dem Einkommen, das in der neuen Tätigkeit zumutbarerweise zu erzielen wäre (BGE 114 V 286 Erw. 3c; RKUV 1994 Nr. K 935 S. 115 Erw. 1). Diese Grundsätze gelten (unter Vorbehalt der Bestimmungen über die Koordination mit den Taggeldern der Arbeitslosenversicherung) auch für arbeitslose Versicherte (vgl. RKUV 2000 Nr. U 366 S. 92 Erw. 4; SJ 2000 II S. 440). 5.4 Es ist unbestritten und nach der medizinischen Aktenlage ausgewiesen, dass der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter im hier interessierenden Zeitraum arbeitsunfähig war. Unbestritten ist auch die von SUVA und kantonalem Gericht gestützt auf den im Zeitpunkt des Einspracheentscheides vom 29. Juni 1999 aktuellen Arztbericht des Dr. B.________ vom 20. April 1999 als zumutbar erachtete 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweisungstätigkeit. Von dieser Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer neuen Tätigkeit ist für die hier interessierende Taggeldphase deshalb auszugehen. 5.5 Da ein Berufswechsel unter dem Titel der Schadenminderungspflicht unbestrittenermassen geboten ist, richtet sich der Taggeldanspruch nach der Höhe des Restschadens (Erw. 5.3 hievor). Für den hier interessierenden Zeitraum ist nicht auf den Grad der Arbeitsunfähigkeit im neuen Beruf, sondern auf die auf Grund des gebotenen Berufswechsels resultierende Einkommensdifferenz abzustellen. Die Vorinstanz hat zu Unrecht keinen Einkommensvergleich durchgeführt und ausschliesslich auf den Grad der Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit abgestellt. 5.6 Auf eine Rückweisung der Sache zur Durchführung eines Einkommensvergleichs kann vorliegend verzichtet werden. Auf Grund des Einkommensvergleichs im Rentenverfahren (vgl. Erw. 4.4 hievor) ergibt sich ohne weiteres, dass der Beschwerdeführer bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer neuen Tätigkeit einen Erwerbsausfall bzw. Restschaden von mehr als 50 % erleidet und demgemäss seit dem 8. Februar 1999 als während einer unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit arbeitslos gewordener Versicherter nach Art. 25 Abs. 3 UVV Anspruch auf ein ganzes Taggeld hat (Urteil M. vom 28. August 2003, U 213/00, Erw. 4). Somit erstreckt sich der Anspruch des Beschwerdeführers auf ein ganzes Taggeld bereits auf Grund seiner Arbeitsunfähigkeit von über 50 % auf den Zeitraum vom 8. Februar 1999 bis zum 28. Februar 2000 und nicht nur - wie die Vorinstanz erwog - für die Dauer einer Anpassungsfrist bis zum 30. April 1999. Unter diesen Umständen kann die Frage der vorliegend angemessenen Anpassungsfrist offen bleiben. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist hinsichtlich der Taggeldleistungen im Ergebnis gutzuheissen.