Citation: U 9/02 17.05.2002 E. 3

3.- a) Während die Vorinstanz die Adäquanzbeurteilung unter Hinweis auf BGE 123 V 99 Erw. 3 nach der für psychische Unfallfolgen geltenden Rechtsprechung vorgenommen hat mit der Begründung, dass die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen durch die psychische Problematik in den Hintergrund gedrängt worden seien, vertritt der Beschwerdeführer die Auffassung, dass die Adäquanz des Kausalzusammenhangs in Anwendung von BGE 117 V 359 zu beurteilen sei. b) Die Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der HWS, nach welcher nicht unterschieden wird, ob die Beschwerden mehr organischer und/oder psychischer Natur sind, geht davon aus, dass diese Beschwerden miteinander eng verwoben sind und eine "Differenzierung angesichts des komplexen und vielschichtigen Beschwerdebildes in heiklen Fällen gelegentlich grosse Schwierigkeiten bereitet" (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa). Voraussetzung für die Anwendung dieser Praxis ist aber, dass die psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 Erw. 3b). c) Beim Versicherten haben schon vor dem Unfall vom 3. Mai 1995 psychische Beschwerden bestanden. In der Expertise des Zentrums für Medizinische Begutachtung (ZMB) vom 2. Dezember 1992 wurde u.a. folgende Diagnose gestellt: neurotische Persönlichkeitsstruktur mit vorwiegend depressiven Anteilen, psychosomatische Entwicklung. Dr. med. E.________, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Gutachten vom 6. Mai 1994 eine psychosomatische Entwicklung auf der Grundlage einer neurotischen Persönlichkeitsstruktur mit vorwiegend depressiven Anteilen. Dr. med. M.________ legte im Gutachten vom 2. August 1998 dar, ein Teil der Leiden sei gemischter Natur, da der depressive Vorzustand auf die nach dem Unfall vom 3. Mai 1995 aufgetretenen Beschwerden abfärbe. Das Unfallereignis habe jedoch die vorbestehenden kognitiven und seelischen Störungen ungünstig beeinflusst und verstärkt. Nach dem Gesagten hat der Unfall die psychische Situation verschlimmert, weshalb der natürliche Kausalzusammenhang auch hinsichtlich der psychischen Gesundheitsschädigung zu bejahen ist; der Unfall hat in diesem Sinne als Teilursache für die Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes zu gelten. Indessen zeigt sich diese Verschlimmerung des psychischen Krankheitsbildes nicht als mit dem organisch-psychischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma der HWS eng verflochtene Entwicklung, sondern als ein durch den Unfall verschlechterter Vorzustand. Aus diesem Grund, und nicht weil die psychische Problematik ganz im Vordergrund steht, ist der adäquate Kausalzusammenhang nach der für psychische Fehlentwicklungen massgebenden Rechtsprechung (BGE 115 V 133) zu beurteilen. Bei dieser Sachlage sind die Voraussetzungen für die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der HWS (BGE 117 V 359) nicht erfüllt (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 Erw. 3c). Unbehelflich ist damit auch die Argumentation des Versicherten, der Vorzustand sei gleichsam abzutrennen und die nach dem Unfall vom 3. Mai 1995 eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der Erwerbsfähigkeit sei gesondert nach der Schleudertraumapraxis zu behandeln.