Citation: 8C_771/2018 E. 3.3.2

3.3.2. Trotz dieser ärztlichen Aussagen forderte die IV-Stelle die Versicherte in keinem Zeitpunkt auf, sich den für eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erforderlichen stationär und ambulant durchzuführenden Therapiemassnahmen zu unterziehen. Gemäss Urteil 9C_889/2009 vom 2. Februar 2010 (publiziert in: SVR 2010 BVG Nr. 34 S. 129) ist unabdingbare Voraussetzung für einen Entscheid in der Sache aufgrund der Akten trotz ungenügend abgeklärtem Sachverhalt, dass sich die Leistungsansprecherin in Kenntnis der rechtlichen Konsequenzen, nach Durchführung eines schriftlichen Mahn- und Bedenkzeitverfahrens, einer Anordnung widersetzt. Wohl absolvierte die Beschwerdeführerin von sich aus jedenfalls bis zum Erlass der leistungsablehnenden Verfügung vom 3. Mai 2017 keine adäquate, stationär durchzuführende Therapie. Dazu hätte sie die Verwaltung indessen aufgrund der psychiatrischen Befunde, welche die Versicherte im Alltagsleben seit längerer Zeit erheblich beeinträchtigt hatten, auffordern müssen. Insgesamt bleibt daher unklar, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Verfügung vom 3. Mai 2017 aus psychiatrischer Sicht arbeitsfähig gewesen war. Zusammengefasst übersah die IV-Stelle, dass gemäss Art. 21 Abs. 4 Satz 1 ATSG der versicherten Person die Leistungen nur dann vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden können, wenn sie sich namentlich einer zumutbaren Behandlung widersetzt. Gemäss Satz 2 der angesprochenen Bestimmung muss die versicherte Person vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (vgl. auch Art. 43 Abs. 3 ATSG). Dieses Verfahren hat die IV-Stelle nachzuholen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.