Citation: 6B_127/2022 E. 2.3.2

2.3.2. Nach Art. 116 Abs. 1 lit. a des am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG) bzw. der entsprechenden gleichlautenden Bestimmung des bis dahin in Kraft gewesenen Ausländergesetzes (AuG) wird bestraft, wer im In- oder Ausland einer Ausländerin oder einem Ausländer die rechtswidrige Ein- oder Ausreise oder den rechtswidrigen Aufenthalt in der Schweiz erleichtert oder vorbereiten hilft. Der Tatbestand erfasst grundsätzlich alle Handlungen, die den Behörden den Erlass oder Vollzug von Verfügungen gegen Ausländer erschweren oder die Möglichkeit des Zugriffs auf diese einschränken. Wer einen rechtswidrig im Land weilenden Ausländer beherbergt, erschwert die behördliche Intervention jedoch nur dann, wenn die Beherbergung von einer gewissen Dauer ist (vgl. BGE 130 IV 77 E. 2.3; Urteil 6B_426/2014 vom 18. September 2014 E. 4). Die Gewährung von Unterkunft für nur wenige Tage ist nicht als Erleichterungshandlung zu qualifizieren, weil die Intervention der Behörden dadurch nicht erschwert wird, aber auch weil es insoweit am deliktischen Sinnbezug fehlt, da ein Obdach für die menschliche Existenz notwendig und daher nicht nur im Blick auf den rechtswidrigen Aufenthalt sinnvoll ist. Bei längerer Dauer der Unterkunftsgewährung lässt sich demgegenüber sagen, dass der unrechtmässige Aufenthalt in den Vordergrund tritt (vgl. Urteil 6B_128/2009 vom 17. Juli 2009 E. 2.2; ZÜND, in: Kommentar Migrationsrecht, Spescha/Zünd/Bolzli/ Hruschka/de Weck [Hrsg.], 5. Aufl. 2019, N. 2 zu Art. 116 AIG). In subjektiver Hinsicht wird mindestens eventualvorsätzliches Handeln vorausgesetzt (vgl. Urteil 6B_128/2009 vom 17. Juli 2009 E. 2.2).