Citation: 6B_1077/2020 E. 1.5.1

1.5.1. Bei der Interessenabwägung fallen die Schwere der Straftaten und die anhaltende Delinquenz zuungunsten des Beschwerdeführers ins Gewicht. Der Beschwerdeführer verübte gewerbs- und bandenmässig insgesamt neun vollendete oder versuchte Einbruchdiebstähle. Er stiegt unter anderem in Einfamilienhäuser ein, verursachte durch sein Handeln Sachschaden von über Fr. 25'000.-- und erbeutete Gegenstände im Wert von mehr als Fr. 70'000.-- (vgl. den umfassend eingestandenen Sachverhalt in der Anklageschrift gemäss erstinstanzlichem Entscheid E. III S. 8). Diese Deliktssummen sind hoch und der Eingriff in die Eigentumsrechte wiegt schwer, wie dies die Vorinstanz zutreffend festhält (angefochtener Entscheid E. 4.27 S. 34). Hinzu kommt, dass sein deliktisches Verhalten eine Fortsetzung von bereits ab seinem 16. Altersjahr verübten Einbruchdiebstählen darstellt. Die hier beurteilten Delikte begann der Beschwerdeführer nur gerade vier Monate nach seiner ersten Verurteilung und noch während laufender Probezeit. Nicht nur aber schreckte ihn diese erste Verurteilung nicht vor weiteren Straftaten ab, sondern liessen ihn selbst das vorliegende (zweite) Strafverfahren und die in diesem verbüssten 83 Tage Untersuchungshaft nicht vor zusätzlicher Delinquenz abhalten. Noch nach der erstinstanzlichen Hauptverhandlung machte er sich der Irreführung der Rechtspflege und der Drohung schuldig, indem er in einem Schreiben falsche Angaben über seine Beteiligung an einem Einbruchdiebstahl machte und angab, einen bestimmten Polizisten mit einer gestohlenen Pistole töten zu wollen (vgl. angefochtener Entscheid E. 4.21 S. 29 f. und den ebenfalls umfassend eingestandenen Sachverhalt in der Zusatzanklageschrift gemäss erstinstanzlichem Entscheid E. III S. 8). Zu beachten ist zwar, dass der Beschwerdeführer die Gegenstand seiner ersten Verurteilung bildenden Einbruchdiebstähle als Minderjähriger begangen hat und diese daher nicht im gleichen Ausmass in Anschlag zu bringen sind wie im Fall der Verübung als Erwachsener. Nichtsdestotrotz lässt die hartnäckige Delinquenz des Beschwerdeführers und die ihm im Gutachten attestierte hohe Rückfallwahrscheinlichkeit für die beurteilten Delikte willkürfrei den vorinstanzlichen Schluss einer exemplarischen Unbelehrbarkeit des Beschwerdeführers und einer ausgesprochen getrübten Legalprognose zu (angefochtener Entscheid E. 4.27 S. 34). Die Vorinstanz führt zudem überzeugend aus, weshalb entgegen der beschwerdeführerischen Auffassung die gutachterlich festgestellte hohe Rückfallgefahr auch nach drei Jahren nicht als relativiert erachtet werden muss. Sie erwägt, für eine gegenteilige Annahme müssten Umstände vorliegen, die auf klare Fortschritte beim Beschwerdeführer hinweisen würden. Solche Umstände sind angesichts der Weigerung des Beschwerdeführers, die ihm angebotenen Therapie- und Ausbildungsmöglichkeiten wahrzunehmen und sich insoweit auch beruflich zu integrieren (vgl. dazu E. 1.5.3 unten), in Übereinstimmung mit der Vorinstanz nicht ersichtlich. Das blosse Wohlverhalten in der relativ kurzen Zeitspanne von rund drei Jahren genügt hierfür nicht; auch der Hinweis auf einen aktuellen (ambulanten) Therapieplatz samt Bestätigungsbeleg vom 16. September 2020 (Beschwerdebeilage 2) bzw. der zuletzt eingereichte diesbezügliche Entlassungsbericht vom 25. Januar 2021 (der aus sozialmedizinischer Sicht sowohl prognostisch günstige als auch ungünstige Elemente feststellt und eine weitere Behandlung als notwendig erachtet; vgl. act. 9 S. 5) vermögen einen solchen Fortschritt noch nicht zu begründen. Nachdem diese Dokumente nach dem vorinstanzlichen Entscheid datieren, sind sie als unzulässige echte Noven jedoch ohnehin nicht zu berücksichtigen (Art. 99 Abs. 1 BGG; vgl. BGE 143 V 19 E. 1.2; Urteil 6B_309/2020 vom 23. November 2020 E. 1.5; je mit Hinweisen). Mit dem Beschwerdeführer ist zwar festzuhalten, dass er mit seinen Delikten keine Menschenleben gefährdete. Dies ändert allerdings weder an den verübten Taten noch an der wiederholten Delinquenz etwas Grundlegendes und lässt diese nicht als minder gravierend erscheinen. Immerhin offenbarte der Beschwerdeführer mit der nach der ersten Hauptverhandlung gegen eine konkrete Person ausgesprochenen Todesdrohung ein erhebliches Gewaltpotential. Der Gutachter stellt beim Beschwerdeführer denn auch (zusätzlich zur hohen Rückfallgefahr) ein mittleres bis hohes Risiko für künftige Gewaltdelikte fest, was im Rahmen der Gesamtwürdigung nicht ausser Acht gelassen werden kann (angefochtener Entscheid E. 4.2.7 S. 34). Aufgrund der Schwere der wiederholt verübten Straftaten, der hohen Rückfallgefahr und des Gewaltpotentials ist das öffentliche Fernhalteinteresse in Übereinstimmung mit der Vorinstanz grundsätzlich als hoch zu bewerten.