Citation: 5C.152/2006 06.09.2006 E. 2

2.1 Die Vorinstanz stützt die Entmündigung wegen Geistesschwäche (Art. 369 ZGB) im Wesentlichen auf den Bericht von Dr. med. D.________ und Dr. med. E.________, Chefarzt bzw. Oberarzt der Klinik K.________ in S.________/BE (wo der Berufungskläger seit 11. Oktober 2004 hospitalisiert war) vom 2. Mai 2006, der seinerseits auf der 18-monatigen Behandlung des Berufungsklägers beruht. Danach sind trotz sehr guter Fortschritte im Alltag noch deutliche Beeinträchtigungen zu beobachten, v.a. im Bereich des verbalen Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der exekutiven Funktionen (z.B. Ideenproduktion, Handlungsplanung, kognitive Flexibilität). Zudem besteht weiterhin eine krankheitsbedingte Unfähigkeit, die eigenen Beschwerden bzw. Schwierigkeiten wahrzunehmen. Bezüglich der näheren Zukunft äussert der Berufungskläger immer noch unrealistische Vorstellungen. Er kann weiterhin nicht verarbeiten, dass eine produktive Tätigkeit in den nächsten Jahren mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht in Frage kommt. Aufgrund dieser Defizite ist er im Moment vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. Es ist mit einer bleibenden signifikanten körperlichen und kognitiven Behinderung zu rechnen. Unter diesen Umständen ist nach der Rechtsauffassung der Vorinstanz eine dauernde geistige Beeinträchtigung im Sinne des Gesetzes zu bejahen. Was die weiteren gesetzlichen Voraussetzungen betrifft, so hat die Vorinstanz aufgrund des genannten Berichts, wonach der Berufungskläger vollständig auf fremde Hilfe angewiesen ist, eine Unfähigkeit, die eigenen finanziellen Angelegenheiten zu regeln und zu besorgen, angenommen, zumal sich eine sofortige Abklärung der - knappen - wirtschaftlichen Verhältnisse und deren Regelung aufdränge. Ebenfalls gestützt auf den genannten Bericht, wonach der Berufungskläger eine kontinuierliche Begleitung, intensive Pflege, Hilfe bei der Fortbewegung, eine Tagesstruktur und ambulante Therapie benötigt, aber nicht in der Lage ist, die Komplexität seiner Situation und v.a. die Frage nach seiner Zukunft zu überblicken und adäquat zu verarbeiten, ist die Vorinstanz zur Auffassung gelangt, dass er zu seinem Schutz auch dauernd des Beistands und der Fürsorge bedürfe. Unter dem Gesichtspunkt des Verhältnismässigkeitsprinzips hat die Vorinstanz auch die Anordnung einer kombinierten Beiratschaft (Art. 395 ZGB) geprüft, diese Möglichkeit aber verworfen, einerseits im Hinblick auf die andauernde Beistands- und Fürsorgebedürftigkeit des Berufungsklägers, andererseits in Hinblick auf die im genannten Bericht hervorgehobene voraussehbare Konfrontationssteigerung und den "nicht homogenen sozialen Hintergrund". Zudem wird darauf hingewiesen, dass gemäss diesem Bericht der Berufungskläger aufgrund seiner kognitiven Defizite seine Situation nicht objektiv einschätzen könne und daher auch die Möglichkeit einer Betreuung durch seine Mutter ablehne, wobei er in seiner Haltung von seinem Vater unterstützt werde; bei dieser Ausgangslage könnte - wiederum gemäss Bericht - die Situation des Berufungsklägers in der näheren Zukunft destabilisiert werden. 2.2 In seiner Berufungsbegründung erwähnt der Berufungskläger vorab die Möglichkeit einer Beistandschaft und macht im Übrigen geltend, dass im fraglichen Bericht die Errichtung einer Vormundschaft aus medizinischer Sicht nicht bejaht und auch auf den zu erwartenden positiven Verlauf des Gesundheitszustandes hingewiesen werde. Im Übrigen wird dem Standpunkt der Vorinstanz, der Berufungskläger mache sich bezüglich seiner näheren Zukunft immer noch unrealistische Vorstellungen, entgegengetreten, ebenso der "Dauerhaftigkeit" der Geistesschwäche. Was die knappen finanziellen Verhältnisse betreffe, so würde die Bevormundung daran nichts ändern; dass er nicht in der Lage sei, mit seinen finanziellen Mitteln umzugehen, sei eine willkürliche Feststellung. Da der Berufungskläger, entgegen der Vorinstanz, nicht auf dauernde Überwachung und persönliche Fürsorge angewiesen sei, wäre eine mildere Form als die Entmündigung ausreichend gewesen. Der Berufungskläger kritisiert sodann, dass die Vorinstanz seinem Antrag auf Abwarten eines zweiten Gutachtens nicht gefolgt sei und auch auf eine detaillierte Überprüfung der Frage, wohin der Berufungskläger nach seinem Austritt aus der Klinik K.________ gehen werde, verzichtet habe. Dabei wäre ersichtlich gewesen, dass der Einzug des Berufungsklägers bei seiner Mutter die einzige Möglichkeit darstelle. Dieser Einzug sei inzwischen auch erfolgt, wodurch die Verhältnisse klar geregelt seien und auch die Gefahr einer Destabilisierung in näherer Zukunft ausgeschlossen werden könne.