Citation: 6B_125/2009 20.10.2009 E. 1.5

1.5.1 Die Vorinstanz legt die zur Diskussion stehenden Tatmotive anhand der persönlichen Situation von Täter und Opfer im Tatzeitpunkt ausführlich dar. Sie zieht politische (Verrat an den iranischen Geheimdienst) und finanzielle Motive sowie eine Gemütsbewegung aufgrund eines Streits in Betracht. Gestützt auf eine umfangreiche und sorgfältige Beweiswürdigung verwirft sie die ersten beiden Gründe. Die Vorinstanz lässt das Tatmotiv im Ergebnis offen, weil der Beschwerdegegner keine glaubhaften Aussagen zum Grund für die Tat sowie zu deren Ablauf gemacht habe und Augenzeugen fehlen würden. Dennoch geht sie davon aus, Opfer und Täter hätten sich aufgrund des fälligen Darlehens gestritten. Dabei habe das Opfer den Beschwerdegegner äusserst stark provoziert. Dies habe zu einem Aggressionsausbruch des Beschwerdegegners geführt. Er habe die Tat im Affekt, in einer heftigen Gefühlswallung aus Wut und Zorn begangen. 1.5.2 Zwar würdigt die Vorinstanz die möglichen Tatmotive detailliert, im Ergebnis verfällt sie aber in Spekulationen über den wahren Grund für die Tat und präsentiert mehrere mögliche Lösungen. Einerseits lässt sie im Endergebnis das Tatmotiv offen. Andererseits nennt sie innerhalb der Urteilsbegründung als Anlass für die Tat einen Streit, bei welchem Geld mittelbar eine Rolle gespielt hat. Dabei müsse das Opfer den Beschwerdegegner massgeblich provoziert haben, worauf er es im Affekt erschossen habe. Die von der Vorinstanz in der Urteilsbegründung genannten Möglichkeiten können nicht gleichzeitig zutreffen, sie sind widersprüchlich. Das Tatmotiv ist entweder unklar, oder es ist bestimmbar. Indem die Vorinstanz zugleich in der Urteilsbegründung mit dem Streit wegen des Geldes bzw. der Provokation durch das Opfer mögliche Tatmotive angibt, aber im Ergebnis das Tatmotiv offen lässt, leidet der Entscheid an einem unauflösbaren Widerspruch. Willkür ist auch gegeben, wenn der angefochtene Entscheid in sich widersprüchlich ist, wobei sich der Widerspruch aus der Begründung ergeben kann (BGE 109 Ia 19 E. 5f. S. 29, 106 Ia 337 E. 2 S. 339 ; 103 Ia 26 E. 1 S. 27; RtiD 2007 I 93 E. 5.4 S. 100 f.; je mit Hinweisen). Der angefochtene Entscheid ist willkürlich. 1.5.3 Dazu kommt, dass der nicht geständige Beschwerdegegner aus Sicht der Vorinstanz kein glaubhaftes Motiv für die Tat genannt hat. Sein Beweggrund stellt eine innere Tatsache dar, die sich durch die Tathandlung nach aussen manifestiert hat. Bei nicht geständigen Tätern ist das Motiv nur anhand äusserlicher Gegebenheiten zu ergründen. Politische und finanzielle Motive, welche sich aus der persönlichen Situation des Beschwerdegegners ergeben, hat die Vorinstanz verworfen. Den genauen Tatablauf hat sie mangels Augenzeugen und infolge der unglaubhaften Aussagen des einzigen Tatbeteiligten, des Beschwerdegegners, nicht rekonstruieren können. Dass ein Aggressionsausbruch infolge eines Streits bzw. eine Provokation Anlass der Tat war, ist eine reine Mutmassung der Vorinstanz. Diesbezüglich ist den Akten nichts Wesentliches zu entnehmen. Insbesondere haben die als Zeugen befragten Nachbarn keinen Streit wahrgenommen. Das Opfer sass im Zeitpunkt des ersten Schusses noch auf dem Sofa und erhob sich erst danach. Indem die Vorinstanz Annahmen zum Sachverhaltsablauf (Streit) und zum Motiv (Provokation des Opfers) trifft, welche keine wesentliche Stütze in den Akten finden, verfällt sie in Willkür. Die Charaktereigenschaften des Opfers, welches autoritär und verletzend sein konnte, sowie die Tatsache, dass es vor der Tat Probleme mit seinem Partner hatte, können für sich allein nicht Auslöser der Tat sein. Die Rüge des Beschwerdeführers erweist sich als begründet, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist.