Citation: 5A_236/2023 E. 3.3

3.3. Nach Art. 59 Abs. 2 Bst. a ZPO, der auch die in der ZPO geregelten Rechtsmittelverfahren erfasst, zählt zu den Prozessvoraussetzungen das schutzwürdige Interesse. Im Berufungsverfahren muss der Berufungskläger ein schutzwürdiges Interesse daran haben, dass die Berufungsinstanz den erstinstanzlichen Entscheid abändert (Urteil 5A_9/2015 vom 10. August 2015 E. 4.3 mit Hinweis). Erforderlich ist in der Regel ein persönliches Interesse, das in dem Sinn rechtlicher Natur ist, als die verlangte Leistung, Feststellung oder Gestaltung einer Rechtslage der rechtsuchenden Partei einen Nutzen eintragen muss (BGE 133 III 453 E. 7; 122 III 279 E. 3a; Urteile 4A_127/2019 vom 7. Juni 2019 E. 4; 4A_630/2012 vom 19. März 2013 E. 3.1; 4A_404/2011 vom 7. November 2011 E. 5.1). Als schutzwürdiges Interesse, das einen solchen praktischen Nutzen einbringt, kann nicht jedes irgendwie geartete Interesse bzw. jede entfernte Möglichkeit gelten, dass ein anderer Verfahrensausgang dereinst noch irgendwo eine Rolle spielen könnte. Vielmehr ist erforderlich, dass die tatsächliche oder rechtliche Situation der rechtsuchenden Partei durch den Ausgang des Verfahrens mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit beeinflusst werden könnte (Urteil 5A_2/2019 vom 1. Juli 2019 E. 3.2 mit Hinweis). Sind die gesetzlichen Voraussetzungen für eine ungeteilte Zuweisung eines im Miteigentum der Ehegatten stehenden Vermögenswerts im Sinne von Art. 205 Abs. 2 ZGB nicht erfüllt, ist nach Art. 651 Abs. 2 ZGB vorzugehen. Dieser Vorschrift zufolge wird die Sache nach Anordnung des Gerichts körperlich geteilt oder, wenn dies ohne wesentliche Verminderung ihres Wertes nicht möglich ist, öffentlich oder unter den Miteigentümern versteigert. Nach der Rechtsprechung darf die ungeteilte Zuweisung an den einen Ehegatten den andern Ehegatten im Grundsatz nicht schlechter stellen als die körperliche Teilung der Sache oder deren Versteigerung. Der Zuweisungsanspruch kann daher nur gegen volle, das heisst - landwirtschaftliche Grundstücke vorbehalten - auf dem Verkehrswert beruhende Entschädigung des andern Ehegatten gutgeheissen werden. Entsprechend ist im Rahmen der Interessenabwägung auch ein Interesse rein finanzieller Art einzubeziehen. Kann der übernahmewillige Ehegatte die Entschädigung nicht leisten, muss die Interessenabwägung zu Gunsten des anderen Ehegatten lauten, der die öffentliche Versteigerung fordert (s. Urteile 5A_24/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.2; 5A_478/2016 vom 10. März 2017 E. 6.1.2 mit Hinweisen; 5C.325/2001 vom 4. März 2002 E. 3 und 4). Das finanzielle Interesse an der öffentlichen Versteigerung besteht nicht in einem Barerlös, sondern in der Entlassung aus der Solidarhaft für die auf dem Grundstück lastenden Grundpfandschulden (s. zit. Urteil 5C.325/2001 E. 4).