Citation: I 343/02 21.03.2003 E. 2

Streitig und zu prüfen ist einzig, ob die Beschwerdeführerin an einem ihre Erwerbsfähigkeit dauernd und erheblich beeinträchtigenden Gesundheitsschaden (Art. 4 Abs. 1 IVG) leidet, der auf Grund der Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Ablehnungsverfügung entwickelt haben (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen), zum Eintritt einer leistungsspezifischen Invalidität, sei es hinsichtlich der Rente (Art. 28 IVG), sei es bezüglich einer Umschulung (Art. 17 IVG), geführt hatte (Art. 4 Abs. 2 IVG). 2.1 Nachdem Dres. med. W.________ und G.________ einen Verdacht auf eine generalisierte Tendofibromyalgie geäussert hatten, entschloss sich die IV-Stelle zur Durchführung einer spezialärztlichen Abklärung, welche vom 20. bis 22. Dezember 2000 in der Klinik V.________ stattfand und deren Ergebnisse in das multidisziplinäre Gutachten vom 13. Februar 2001 Eingang fanden. Darauf beruhen Ablehnungsverfügung und kantonaler Entscheid. Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, das Gutachten der Klinik V.________ trage weder diagnostisch noch hinsichtlich der Auswirkungen dem bestehenden Fibromyalgiesyndrom genügend Rechnung. Daher seien weitere medizinische Abklärungen angezeigt. 2.2 Im umfassenden multidisziplinären (internmedizinischen, rheumatologischen, psychiatrischen, einschliesslich Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit) Gutachten vom 13. Februar 2001 kommen die Aerzte der Klinik V.________ zum Schluss, dass keine Befunde erhoben werden konnten, die eine Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten und leichten Tätigkeit mit wechselbelastenden Verrichtungen im Sitzen und Gehen, bei Heben und Tragen von Gewichten bis maximal 7,5 kg, rechtfertigten. Während der Untersuchungen habe die Beschwerdeführerin über konstante Schmerzen im Schultergürtel (beidseits), im Bereiche des ganzen Rückens und Beckens (beidseits), mit Ausstrahlung in den Nacken und in die Arme geklagt, wobei die Problematik unter Belastung und bei Bewegung deutlich zunehme und sich in Schlafstörungen, Herzklopfen sowie leicht vermehrtem Schwitzen und Kältegefühl in den Händen auswirke. Aufgrund der klinischen Befunde seien der Gelenks- und Muskelstatus sowie die Laborresultate unauffällig. Bei Palpation der Weichteilstrukturen hätten 13 von 18 fibromyalgietypischen Tenderpoints positiv nachgewiesen werden können, wobei aber auch eine deutliche Druckdolenz über den (sogenannten) Kontrollpunkten, z.B. über der Spina scapulae, frontal im Bereich der Stirne oder an der Tibiavorderkante, bestanden habe. Während der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit sei eine allgemein reduzierte Belastbarkeit festgestellt worden, die nicht durch eine somatische Funtionsstörung erklärt werden könne. Der Leistungswille habe sich als unzuverlässig erwiesen bei einer erheblichen körperlichen Dekonditionierung und mangelnder Bereitschaft der Versicherten, sich zu belasten und ein gewisses Mass an unvermeidbar hervorgerufenen Beschwerden bei der Erfüllung der gestellten Aufgaben in Kauf zu nehmen. Auch seien die Leistungen in den durchgeführten Tests nicht konsistent gewesen. Schliesslich seien psychiatrisch keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der kognitiven Basisfunktionen (Aufmerksamkeit, Konzentrationsvermögen, Gedächtnis) während der Untersuchungssituation gefunden worden, noch seien im formalen und inhaltlichen Denken unter Berücksichtigung des sprachlichen Ausdrucksvermögens irgendwelche Auffälligkeiten zu entdecken gewesen. Diagnostisch habe sich das Bild einer Symptomausweitung (entsprechend den Kriterien nach Matheson) gezeigt. Dysfunktional-verhaltensleitende Ueberzeugungen oder eine Affektstörung, die als Erklärung für diese Phänomenologie herangezogen werden könnten, seien nicht nachzuweisen. Die psychopathologische Untersuchung habe allgemein und insbesondere unter Berücksichtigung der für die Beurteilung einer Schmerzstörung relevanten Kategorien keinen bemerkenswerten Befund ergeben. 2.3 Nach der Rechtsprechung ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten (Administrativexperten), welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, im Rahmen der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb; AHI 2001 S. 114 Erw. 3b/bb; je mit Hinweisen). 2.4 Konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der umfassenden und schlüssigen Expertise bestehen nicht. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, die Aerzte der Klinik V.________ seien keine Spezialisten, die über genügend Kenntnisse des Fibromyalgie-Syndroms verfügten, ist nicht stichhaltig und wird durch die Erörterungen im Gutachten selber widerlegt. Wie aus einer Vielzahl von Beschwerdeverfahren bekannt ist, handelt es sich bei der Klinik V.________ um eine Institution, welche gerade für die Abklärung von in den weichteilrheumatischen Formenkreis fallenden unklaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen spezialisiert, erfahren und kompetent ist. Auch im vorliegenden Fall haben die Aerzte alle medizinisch möglichen Untersuchungen durchgeführt. Mehr lässt sich nicht tun. Auf Grund der erhobenen Befunde wurde ein entzündliches Geschehen ausgeschlossen, zudem wurde die Versicherte eingehend befragt und insbesondere wurde die für die Diagnose nach der medizinischen Literatur (Harrisons Innere Medizin 2, 13. Auflage, Deutsche Ausgabe, herausgegeben von Kurt J. G. Schmailzl, Blackwell Wissenschafts-Verlag, S. 1992; Lehrbuch der inneren Medizin, 3. neubearbeitete und erweiterte Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart, S. 651 ff.) unabdingbar notwendige Ueberprüfung der "tender points" (besonders schmerzhafte Druckpunkte) vorgenommen. Obwohl mehr als 11 der für die Diagnosestellung erforderlichen tender points druckempfindlich waren, lag primär keine Fibromyalgie vor, weil auch Druckschmerzen an den Kontrollstellen bestanden (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage, S. 521). Es lässt sich daher nicht beanstanden, dass die Aerzte ein weichtteilrheumatisches Schmerzsyndrom angaben und lediglich differentialdiagnostisch eine beginnende Fibromyalgie annahmen, weshalb von der beantragten Ueberprüfung des Gutachtens der Klinik V.________ durch eine weitere fachärztliche Expertise abzusehen ist. Sodann ist entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit überzeugend. Sie schliesst die Annahme einer leistungsbegründenden Invalidität aus.