Citation: 5A_740/2014 E. 8.1

8.1. Der obergerichtliche Rechtsmissbrauchsvorwurf an die Beklagte betrifft das Beharren auf der Ausübung des Wegrechts. Der Vorwurf müsste sich gegen jedes Mitglied der Beklagten richten, da in der Regel nicht die Beklagte als Stockwerkeigentümergemeinschaft das Wegrecht ausüben kann, sondern die Stockwerkeigentümer zur Ausübung befugt sind (Urteil 5A_657/2014 vom 27. April 2015 E. 2.2), mag die Beklagte auch - wie es das Obergericht unwidersprochen angenommen hat (E. II/4.6 S. 5 f.) - im vorliegenden Streit um den Bestand des Wegrechts prozessfähig sein (so wohl: VALENTIN PICCININ, La propriété par étages en procès, 2015, S. 126 Rz. 259; eher ablehnend: WERMELINGER, Zürcher Kommentar, 2010, N. 149 zu Art. 712l ZGB). Die Frage, wen der praktisch wörtlich auf LIVER (a.a.O., N. 40 zu Art. 736 ZGB) gestützte Rechtsmissbrauchsvorwurf treffen müsste, kann indessen dahingestellt bleiben, ist er doch nicht geeignet, die obergerichtlich angeordnete Löschung des Wegrechts im Grundbuch zu begründen. Denn aus Art. 2 ZGB ergibt sich allenfalls das Verbot der rechtsmissbräuchlichen Ausübung, aber kein Anspruch auf Löschung eines Rechts (LIVER, a.a.O., N. 42 zu Art. 736 ZGB).