Citation: U 501/00 29.06.2001 E. 2

2.- Soweit ein krankhafter Vorzustand an der Wirbelsäule überhaupt ausreichend belegt ist, steht fest, dass die Versicherte diesbezüglich bis zum Unfall vom 19. März 1996 beschwerdefrei war, dass sich der Heilungsverlauf danach als langwierig gestaltete und dass schliesslich die Rückenbeschwerden über die von der ELVIA per Ende Februar 1998 verfügte Leistungseinstellung hinaus zu Behandlungsbedürftigkeit und Arbeitsunfähigkeit führten. Zu prüfen ist, ob die über Ende Februar 1998 hinaus fortbestehenden Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr in einem ursächlichen Verhältnis zum Unfall vom 19. März 1996 stehen. a) Zuhanden der ELVIA diagnostizierte Dr. med. M.________, Spezialarzt FMH für Chirurgie, im Bericht vom 4. September 1996 eine "schmerzhafte Lumbal- und Glutaeus medius- Muskulatur linksbetont nach Sturz aufs Gesäss" sowie "Ansatztendinosen und Muskelverkürzungen bei schmerzbedingter Schonhaltung des Rumpfes". Dr. med. V.________, Rheumatologe am Spital A.________, vertrat die Auffassung, als objektivierbar und klinisch relevant erscheine ihm derzeit die Irritation des linken ISG; es sei denkbar, dass durch die vorbestehende Fehlhaltung/Fehlform (Beckentiefstand rechts) die Schmerzproblematik ungünstig beeinflusst worden sei und sich der Versuch einer Korrektur der Beinlängendifferenz lohne. Dr. M.________ empfahl gemäss Bericht vom 25. August 1997 gegenüber der ELVIA eine Begutachtung der Versicherten durch Dr. B.________ am Spital A.________ zur Abklärung der Unfallkausalität der fortbestehenden Beschwerden und deren Behandlungsbedürftigkeit. Im Gutachten vom 18. Juni 1998 gelangte Dr. med. B.________, Leitender Arzt Wirbelsäulenchirurgie am Spital A.________, entgegen der Meinung des Dr. M.________ zur Auffassung, dass bei den geklagten Beschwerden der Versicherten weder eine psychische Überlastung noch eine Aggravationstendenz mitspiele, sondern diese Beschwerden mit den objektiven Befunden in Einklang stünden. Die Frage, ob der Endzustand der Heilung erreicht sei, verneinte er; eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes hielt er für erreichbar durch eine stationäre Rehabilitation mit intensivem Muskelaufbautraining. Eine vorbestehende Körperschädigung konnte nicht gefunden werden, weshalb das Unfallereignis als sicher geeignet bezeichnet wurde, die Schmerzen auszulösen und durch schmerzbedingte Schonung die Dekonditionierung zu initialisieren. Schliesslich hielt Dr. S.________ im Gutachten vom 28. Dezember 1998 fest, der Status quo sine sei spätestens ein Jahr nach dem Unfall, also bereits im März 1997, erreicht worden. Die leichten Schmerzen an der unteren Brustwirbelsäule, die Irritations- und Tendinosezonen D4 bis D6 und D10 beidseits, die links lumbal vermehrten Bewegungsschmerzen sowie die im Stehen deutlich feststellbare Druck- und Klopfdolenz des lumbosacralen Übergangs, des Sacrums und des linken ISG sieht der Orthopäde Dr. S.________ allesamt nicht in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 19. März 1996. b) Wie im Einspracheverfahren zu Recht gerügt worden war, hatte die ELVIA bei der Beauftragung des Gutachters Dr. B.________ den Anspruch auf rechtliches Gehör (BGE 126 V 130 Erw. 2 mit Hinweisen) der Versicherten insofern verletzt, als ihr nicht ausdrücklich Gelegenheit geboten worden war, zum Auftrag als solchem und zum Fragenkatalog der ELVIA Stellung zu nehmen und gegebenenfalls eigene Ergänzungsfragen durch den Experten beantworten zu lassen. Ebenso zutreffend hat die Vorinstanz jedoch erkannt, dass die Ergebnisse dieser Begutachtung im Rahmen der freien Beweiswürdigung aller medizinischen Unterlagen mitberücksichtigt werden können. Wie bereits dargelegt (Erw. 2a) vertrat Dr. B.________ gemäss Gutachten vom 18. Juni 1998 nach umfassender Würdigung sämtlicher medizinischen Unterlagen sowie nach zweimaliger Untersuchung der Versicherten mit ausführlicher Begründung die Auffassung, der Endzustand sei noch nicht erreicht, und eine vorbestehende Körperschädigung habe er nicht feststellen können. Wie Dr. B.________ nach diesen Ausführungen zum Schluss gelangt, er denke, der Status quo sine sei erreicht, ist hingegen nicht nachvollziehbar. Es kann in diesem Punkt demzufolge auch nicht aus dem Gutachten des Dr. B.________ abgeleitet werden, die anhaltenden Beschwerden der Versicherten stünden mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht mehr in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Unfallereignis. Ohne ausdrücklich zur Kausalität der fortbestehenden Beschwerden Stellung zu nehmen, schliesst andererseits auch Dr. C.________ im Austrittsbericht der Klinik Z.________ vom 12. Mai 1998 die Möglichkeit nicht aus, dass die vorgeschlagenen therapeutischen Massnahmen im Rahmen der wenigstens teilweise unfallbedingten Behandlung während mindestens sechs Monaten fortzusetzen seien. Zudem sind dem Austrittsbericht keinerlei Hinweise auf eine psychische Fehlentwicklung zu entnehmen, wie dies übereinstimmend auch Dr. B.________ festgestellt hatte.