Citation: 5A_723/2017 E. 6.5.3

6.5.3. Nach überwiegendem Teil der Lehre ist dem Gericht der amtswegige Beizug eines Gutachters nur erlaubt, wenn ihm die nötige Fähigkeit zur Wahrnehmung und Beurteilung erheblicher Tatsachen fehlt. Dies kann z.B. dann geschehen, wenn die beweisbelastete Partei keinen Antrag auf ein gerichtliches Gutachten stellt, weil sie davon ausgehen durfte, es handle sich um eine allgemein bekannte Tatsache, die das Gericht aufgrund seines eigenen Wissens beurteilen könne, das Gericht sich aber dazu nicht in der Lage sieht (LEUENBERGER/UFFER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl. 2016, Rz. 9.106). Zur Vermeidung der Bevorzugung einer Partei wird im Verfahren der Verhandlungsmaxime Zurückhaltung verlangt, denn es ist primär Aufgabe der beweispflichtigen Partei, ausreichende Beweisanträge zu stellen (u.a. STAEHELIN/STAEHELIN/GROLIMUND, a.a.O., § 18 Rz. 119, 111; MÜLLER, a.a.O., N. 5 zu Art. 183; DOLGE, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017, N. 2 zu Art. 183; SCHMID, in: Kurzkommentar ZPO, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 183; LIENHARD, Die materielle Prozessleitung [...], 2013, Rz. 353; SCHWEIZER, in: Commentaire romand, Code de procédure civile, 2. Aufl. 2019, N. 5, 6 zu Art. 183).