Citation: 4A_472/2018 E. 2.3

2.3. Der Beschwerdeführer ist im Wesentlichen der Auffassung, der Begriff "Aufgabe" umfasse die Kündigung gerade nicht, sonst hätte die branchenerfahrene Beschwerdegegnerin dies klar zum Ausdruck gebracht. Auch ein Unterbruch gehe von der Sphäre des Betriebsinhabers aus. Die beiden Ausdrücke in Kombination sprächen eindeutig für das Verständnis des Beschwerdeführers. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz bestünden auch keinerlei Schwierigkeiten, eine freiwillige von einer unfreiwilligen Aufgabe abzugrenzen. Die unfreiwillige Aufgabe im obligationenrechtlichen Sinne zeichne sich stets durch eine einseitige Willensäusserung - der Kündigung - durch den Auftraggeber aus. Demgegenüber stehe die Kündigung seitens des Betriebsinhabers, wie etwa die allgemeine Aufgabe der Geschäftstätigkeit oder die einvernehmliche Beendigung. Sie sei im obligationenrechtlichen Sinne stets freiwillig, da die Erklärung in der Sphäre des Agenturinhabers gefällt werde. Es sei demnach davon auszugehen, dass der Fall der Kündigung im Vertrag bewusst nicht analog der Aufgabe geregelt worden sei. Es bestehe keine Lücke, die im Sinne der Beschwerdegegnerin zu füllen wäre. Entscheidend sei zudem, dass bei Erlöschen des Versicherungsvertrages (egal aus welchem Grund, sei es Ablauf, Kündigung, einvernehmliche Aufhebung usw.) gemäss Art. 9 Ziff. 2 Bst. a AVB immer ein Anspruch auf Nachleistung bestehe. Es wäre klar rechtsmissbräuchlich, wenn dieser Schutz für den Versicherungsnehmer durch anderweitige einseitige Willenserklärungen ausgehebelt werden könnte. Der Versuch der Beschwerdegegnerin, ihrer Nachleistungspflicht zu entgehen, indem sie die einseitige Kündigung des Agenturvertrags durch ihre nahestehende Schwestergesellschaft als "Aufgabe" im Sinne der AB verstanden haben wolle, sei rechtsmissbräuchlich und nicht zu schützen. Daran ändere die Möglichkeit des Übertritts in die Einzelversicherung nichts, da dem Arbeitsunfähigen weitere Prämienzahlungen zum Erhalt der geschuldeten Leistung nicht zuzumuten seien. Schliesslich habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen, bei Vertragsschluss auf ihre extensive Auslegung des Begriffs der Aufgabe des Betriebes hinzuweisen. Die dadurch entstehende Unklarheit habe die Beschwerdegegnerin zu vertreten. Es sei nach der Unklarheitsregel von der für den Versicherungsnehmer günstigeren Auslegung auszugehen.