Citation: 5A_992/2022 E. 4

Das Obergericht hat festgestellt, dass der Vorfall vom 23. September 2022 (Streit bei der Kindesübergabe), den die Beschwerdeführerin zum Anlass für ihr erneutes Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege genommen habe, sich in erster Linie zwischen ihr und dem Vater abgespielt habe. C.________ sei insofern involviert gewesen, als er nach den Angaben der Beschwerdeführerin vom Vater an den Armen gepackt worden sei und er die Nacht bei der Mutter verbracht habe. Am nächsten Tag habe er den Wunsch geäussert, mit dem Vater nach Hause gehen zu können. Obwohl die Beschwerdeführerin noch verschiedentlich interveniert und die Behörden auf eine angebliche Gefährdung des Kindes hingewiesen habe, hätte eine solche nicht ergründet werden können. Vielmehr habe C.________ bestätigt, dass er die Ferien mit seinem Vater antreten wolle, was er denn auch getan habe. Der Beschwerdeführerin habe diese Entwicklung nicht gepasst und sie habe darauf bestanden, dass weiter gegen den Vater vorgegangen werden müsse. Dies sei so weit gegangen, dass sie schliesslich unter Protest und Handgreiflichkeiten aus dem Polizeirevier habe begleitet werden müssen. Anlässlich der Kindesanhörung am 19. Oktober 2022 habe C.________ dem Gerichtspräsidenten bestätigt, dass es bisweilen zu Streit mit dem Vater komme, dass dieser aber nett sei und sie die Differenzen bereinigt hätten. Die gemeinsamen Ferien habe er genossen. Er sei zufrieden mit der momentanen Betreuungsregelung. Im Anschluss an diese Aussage habe er sogar spontan den Wunsch geäussert, einen Tag länger beim Vater bleiben zu können. Wie sich aus dem Protokoll ergebe, seien nur C.________, der Gerichtspräsident und die Gerichtsschreiberin anwesend gewesen, weshalb die Behauptung der Beschwerdeführerin, C.________ sei durch die Anwesenheit des Vaters beeinflusst worden, nicht zutreffe. Im Übrigen habe C.________ bei der Anhörung durchaus auch Elemente erwähnt, welche die Beziehung zum Vater belasten würden, diese aber in der Folge nachvollziehbar eingeordnet. Sodann befinde sich in den Akten ein aktueller Bericht der Beiständin vom 15. Oktober 2022 dahingehend, dass sich der Elternkonflikt seit August 2022 verschärft habe; beide Elternteile würden sich gegenseitig vorwerfen, C.________ zu manipulieren und psychisch unter Druck zu setzen; gleichzeitig werde dieser vermehrt traurig und nachdenklich, er gerate zunehmend zwischen die Fronten und sei einem Loyalitätskonflikt ausgesetzt. Die daraus resultierende Gefährdung sei aber nicht so akut, dass sich eine Änderung der alternierenden Obhut aufdrängen würde. Aus all diesen Tatsachen hat das Obergericht geschlossen, dass eine Gefährdung des Kindeswohles nicht aufgrund einer eingeschränkten Erziehungsfähigkeit des Vaters, sondern aufgrund des sich stetig zuspitzenden elterlichen Konfliktes drohe. Im Ergebnis vermöge der Vorfall vom 23. September 2022 keine Neuregelung zu rechtfertigen und sei die Interventionsschwelle für eine Obhutsumteilung nicht erreicht, da es an einer wesentlichen oder dauerhaften Veränderung der Verhältnisse fehle und zudem bereits gestützt auf die Akten nicht davon auszugehen sei, dass die latente Gefährdung des Kindeswohls durch eine Umteilung der Obhut an die Beschwerdeführerin behoben oder verbessert werden könnte, denn die Gefährdung ergebe sich nicht aus der tatsächlich gelebten alternierenden Obhut, sondern die Ursache liege auf der Elternebene. Insofern sei das Regionalgericht bei der Beurteilung des zweiten Gesuches um unentgeltliche Rechtspflege zu Recht von einer Aussichtslosigkeit des Abänderungsverfahrens ausgegangen.