Citation: I 678/02 16.06.2003 E. 3.3

3.3.1 Während die Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. med. M.________ vom 7. Januar 2002 und von Dr. med. S.________ vom 20. April 2002 nicht begründet sind, und damit den Beweisanforderungen (Erwägung 3.1) nicht zu genügen vermögen, sind die Berichte von Dr. med. H.________ und Dr. med. R.________ grundsätzlich zu berücksichtigen. Dr. med. R.________ hält am 23. September 2002 fest, bei der Beschwerdeführerin sei eine deutliche Progredienz der Rückenschmerzen mit Zunahme der radikulären Reizerscheinungen sowohl cervical wie auch lumbal festzustellen. Infolge der Fehl- und Schonhaltung der HWS träten zudem ausgedehnte muskuläre Verspannungen bis zur lumbalen Region auf, welche zur Aktivierung der Lumboischialgien führten. Die radiologisch verifizierten multiplen Diskushernien würden die Beschwerden hinreichend erklären. Insbesondere im cervicalen Bereich beständen auf beiden betroffenen Segmenten Kompressionen auf dem Rückenmark, die für die Therapieresistenz verantwortlich seien. Aus rheumatologischer Sicht beständen deutliche radikuläre Reizerscheinungen sowohl cervical als auch lumbal, die ihre 100%ige Arbeitsunfähigkeit hinreichend erklärten. Auch der Diabetes mellitus habe sich verschlechtert und sei seit Oktober 2001 insulinpflichtig. Es bestehe bereits ein Sekundärschaden mit Polyneuropathie an den unteren Extremitäten. Die Reflexe seien an beiden Beinen nicht auslösbar. Diesen Ausführungen lässt sich nicht entnehmen, ob die festgestellten Gesundheitsschäden - mit Ausnahme des Diabetes - und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit schon im Oktober 2001 vorhanden waren. Der Bericht ist knapp ein Jahr nach Verfügungserlass verfasst worden. Insbesondere die Aussage, wonach eine deutliche Progedienz festzustellen sei, lässt keine Rückschlüsse über den Zustand im hier zu beurteilenden Zeitpunkt zu. 3.3.2 Anders verhält es sich mit dem Untersuchungsbericht von Dr. med. H.________ vom 17. Dezember 2001. Die Erstkonsultation bei diesem Arzt fand am 22. Oktober 2001, also wenige Tage nach Verfügungserlass statt. Er sah sich veranlasst, eine MRI-Untersuchung der HWS durchführen zu lassen, welche am 29. November 2001 durchgeführt wurde und den Befund einer grossen Diskushernie C5/6 und einer mässigen mit Osteophyt auf Höhe C4/5 jeweils mit Kompression des Myelons ergab. Bis zu jenem Zeitpunkt war lediglich die lumbale Wirbelsäule mittels MRI untersucht worden. Es ist davon auszugehen, dass dieser massive Befund schon im Zeitpunkt des Verfügungserlasses, das heisst einen Monat vorher, vorhanden war. Das würde auch die Diskrepanz zwischen den Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber Dr. med. J.________ und dessen Beurteilung erklären, welcher - wie sich nunmehr gezeigt hat fälschlicherweise - die Klagen der Versicherten als "nicht-arbeiten-wollen" interpretierte. Wichtig erscheint indessen, dass sowohl Dr. med. J.________, als auch Dr. med. X.________ der IV-Stelle empfahlen die Beschwerdeführerin in medizinischer Hinsicht weiter abklären zu lassen (Dr. J.________ am 31. Juli 2001: "Ich schlage eine Begutachtung durch einen Rheumatologen vor."; Dr. X.________ am 23. August 2001: "Eine stationäre Abklärung, bez. weiterer Arbeitsfähigkeit scheint mir angezeigt".). Dies hat die Verwaltung nicht für nötig erachtet und insofern auf nicht genügend gesicherter Grundlage die Verfügung vom 17. Oktober 2001 erlassen. Die Sache wird demnach an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit diese den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin umfassend (neurologisch, rheumatologisch, psychiatrisch) abklärt und neu über den Anspruch auf eine Invalidenrente verfügt.