Citation: 8C_554/2007 20.06.2008 E. 6

Bezüglich der Adäquanz eines allfälligen Kausalzusammenhanges ist Folgendes festzuhalten: 6.1 Die Schwere des Unfalles ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu bestimmen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, E. 5.3.1 [U 2/07]). Dabei werden einfache Auffahrkollisionen auf ein haltendes Fahrzeug in der Regel als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen betrachtet (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.1.2 S. 237 [U 380/04]). Die entsprechende Qualifikation des Unfallereignisses vom 2. Dezember 2002 durch Vorinstanz und Verwaltung ist nicht zu beanstanden. Die Adäquanz des Kausalzusammenhanges wäre somit dann zu bejahen, wenn eines der in E. 2.2 hievor aufgezählten Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre, oder wenn mehrere dieser Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt wären. 6.2 Die Vorinstanz bejahte die Adäquanz des Kausalzusammenhanges, da - wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Form - vier der Adäquanzkriterien (Dauerbeschwerden, Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit, Art der erlittenen Verletzung und schwieriger Heilungsverlauf) gemäss der Praxis von BGE 117 V 359 erfüllt seien. Gleichzeitig liess sie offen, ob als fünftes Kriterium auch jenes der Dauer der ärztlichen Behandlung erfüllt wäre. Die Beschwerdeführerin bestreitet die Adäquanz des Kausalzusammenhanges, da weder das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufes, noch jenes der Schwere oder der besonderen Art der Verletzung zu bejahen seien. Einzig aufgrund der Dauerbeschwerden und des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit könne die Adäquanz nicht als gegeben betrachtet werden. Die Versicherte bringt demgegenüber vor, es seien - auch unter Berücksichtigung der durch das Bundesgericht mit Urteil U 394/06 (vgl. E. 2.2 hievor) vorgenommenen Präzisierung der Adäquanzkriterien - neben den vier durch die Vorinstanz bejahten Kriterien auch jenes der belastenden ärztlichen Behandlung erfüllt. 6.3 Der Unfall vom 2. Dezember 2002 ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen, noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. In den Akten finden sich zudem keine Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte. Diese beiden Kriterien sind somit unbestrittenermassen nicht erfüllt. 6.4 Das Bundesgericht hat im erwähnten BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 seine Rechtsprechung bestätigt, wonach die Diagnose einer HWS-Distorsion für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung genügt. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 [U 339/06], E. 5.3; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 [U 380/04] E. 5.2.3 mit Hinweisen). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86 [U 339/06], E. 5.3; RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357 [U 193/01] E. 4.3 mit Hinweisen). Es ist unbestritten, dass beim Unfall vom 2. Dezember 2002 keine besonderen Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können, vorlagen. Vorinstanz und Beschwerdegegnerin sehen das Kriterium mit der Begründung als erfüllt an, dass die für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden in besonderer Schwere vorliegen würden. Gegenüber dem Kreisarzt klagte die Versicherte am 8. Juni 2005 insbesondere über heftige Nacken- und Kopfschmerzen mit Ausstrahlungen in die rechte Schulter bis zum Ellbogen, dazu käme ein Kältegefühl und ein "Einschlafen" der rechten Hand sowie verminderte Kraft. Neu seien auch lumbale Rückenschmerzen aufgetreten. Die Schmerzsensationen seien indessen nicht immer gleich stark vorhanden, es gäbe auch Momente, in denen es ihr für einige Stunden recht gut gehe. Damit schildert die Beschwerdeführerin zweifellos ein für ein Schleudertrauma typisches Beschwerdebild, entgegen der Ansicht der Vorinstanz liegt dieses aber nicht in besonderer Schwere vor; das Kriterium ist somit nicht erfüllt. 6.5 Neu gefasst wurde im erwähnten BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128 das Kriterium der ärztlichen Behandlung. Nunmehr ist zu seiner Bejahung erforderlich, dass nach dem Unfall fortgesetzt eine spezifische, die versicherte Person belastende ärztliche Behandlung bis zum Fallabschluss notwendig war. Von den bei der Beschwerdeführerin durchgeführten Behandlungsmassnahmen war lediglich der knapp einmonatige Aufenthalt in der Klinik A.________ möglicherweise etwas belastend. Damit ist das Kriterium noch nicht erfüllt. 6.6 Das Kriterium des schwierigen Heilverlaufes und der erheblichen Komplikationen hat durch das erwähnte Urteil BGE 134 V 109 keine Änderung erfahren (vgl. E. 10.2.6 des Urteils). Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteil 8C_619/2007 vom 29. Januar 2008, E. 3.2.3 mit Hinweis). Solche Gründe sind vorliegend nicht ersichtlich; insbesondere kann auch aus dem Umstand, dass sich die Beschwerden während des Aufenthaltes in der Klinik A.________ tendenziell verschlimmerten, noch nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf geschlossen werden. 6.7 Das von der Versicherten glaubhaft geklagte Beschwerdebild ist zwar nicht von solch besonderer Schwere, dass das Kriterium der besonderen Schwere der erlittenen Verletzung erfüllt wäre (vgl. E. 6.4 hievor); immerhin sind die Beschwerden jedoch als erheblich anzusehen, so dass das Kriterium der erheblichen Beschwerden erfüllt ist. 6.8 In BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 hat das Bundesgericht präzisiert, dass das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit nur dann erfüllt sein kann, wenn von der versicherten Person ernsthafte Anstrengungen unternommen wurden, diese zu überwinden. Die Ärzte der Klinik A.________ hielten in ihrem Austrittsbericht vom 3. Mai 2004 eine wechselbelastende Arbeit grundsätzlich für zumutbar und regten einen Arbeitsversuch an, mit dem die Versicherte langsam wieder an ein volles Arbeitspensum herangeführt werden könnte. Ein ernsthafter Arbeitsversuch fand indessen in der Folge nicht statt, da sich die Beschwerdeführerin subjektiv nicht in der Lage sah, auch nur eine geringe Arbeitsleistung zu erbringen. Somit ist das Kriterium der "erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesenen Anstrengungen" nicht erfüllt. 6.9 Von den massgeblichen Adäquanzkriterien liegt demnach lediglich eines - jenes der erheblichen Beschwerden - vor. Da es jedoch nicht in besonders ausgeprägtem Masse gegeben ist, führt die Würdigung des Unfalles und der massgeblichen Kriterien zu einer Verneinung der Adäquanz. Die SUVA hat in ihrem Einspracheentscheid vom 21. November 2005 eine Leistungspflicht zu Recht verneint; die Beschwerde ist demnach gutzuheissen.