Citation: 2C_611/2013 E. 3.2.2

3.2.2. Die italienische Ehegattin des Beschwerdeführers, mit der er einen am 9. Februar 2005 geborenen Sohn hat, ist am 3. Juli 2009 an einer Überdosis Heroin gestorben. Der Beschwerdeführer befand sich damals im Entzug und hat diesen trotz dieses Schicksalsschlags fortgeführt. Über den Sohn besteht eine Beistandschaft. Der Beschwerdeführer verfügt indessen weiterhin über das elterliche Sorgerecht und die Obhut für seinen Sohn, wobei dieser aber seit 2009 in einer Grossfamilie in Neuendorf/SO untergebracht ist. Der Sohn besucht alle zwei Wochen seine Grosseltern väterlicherseits in Gerlafingen/SO, wo er häufig auch den Beschwerdeführer trifft. Bis zum Rückfall im Jahr 2012 und der darauf verfügten Einschränkung des Besuchsrechts besuchte der Beschwerdeführer seinen Sohn wöchentlich. Zudem hat er mehrmals in der Woche telefonischen Kontakt mit ihm. Die Beziehung zu seinem Sohn ist unbestrittenermassen intakt und tatsächlich gelebt, weshalb er sich auch auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK berufen kann. Dass der Beschwerdeführer allenfalls mit seinem Sohn ausreisen könnte, wird von keiner Seite in Betracht gezogen, da der Beschwerdeführer nicht in der Lage ist, umfassend für sein Kind zu sorgen. Sollte er die Schweiz verlassen müssen, würde ihm wohl die Obhut für seinen Sohn entzogen werden, was den Beschwerdeführer bestimmt hart träfe, nachdem er sich stets bemüht hat, seinen Verpflichtungen als Vater so gut wie möglich nachzukommen und sich zum Ziel gesetzt hat, den Sohn später einmal wieder zu sich zu nehmen. Die Vorinstanz geht davon aus, dass sich vorliegend der physische Kontakt zwischen Vater und Sohn - anders als in den Fällen, in denen die Eltern schlagartig den Kontakt zu ihren Kindern verlieren - seit 2009 konstant verringert habe. Dem kann nicht beigepflichtet werden. Es trifft zwar zu, dass der Sohn seit 2009 in einer anderen Familie aufwächst. Gemäss Kurzbericht des Beistandes des Kindes vom 26. April 2013 erfolgte die Platzierung des Kindes in Neuendorf in der Absicht, ihm den Kontakt zu seinem Vater, der sich zu jener Zeit in einer Suchttherapie befand, zu ermöglichen. Der Sohn besuchte den Beschwerdeführer dort regelmässig, verbrachte zum Teil auch die Wochenenden und Ferien mit ihm, wobei der Beschwerdeführer seinen Sohn zusätzlich in der Grossfamilie besuchte. Nach dem Abschluss der Therapie zog der Beschwerdeführer zu seiner neuen Partnerin und sein Sohn besuchte ihn an den Besuchswochenenden in der neuen Wohnung, bis der Beschwerdeführer wieder Drogen konsumierte und die Grossfamilie deshalb eine Gefährdungsmeldung einreichte. Dass er nach diesem Rückfall im Sommer 2012 seinen Sohn weniger besuchte, kann dem Beschwerdeführer sodann nicht vorgehalten werden, beruht dies doch auf der aufgrund des Rückfalls verfügten Einschränkung seines Besuchsrechts. Von einem seit 2009 konstant verringerten Kontakt zwischen Vater und Sohn kann somit nicht die Rede sein. Der Beistand des Kindes bestätigt im Übrigen, dass der Beschwerdeführer sich bemüht, die Rolle als Vater wahrzunehmen, stets kooperativ mit dem Beistand und der Grossfamilie zusammenarbeitete, sich immer an die Anweisungen der Vormundschaftsbehörde sowie des Beistandes hielt und sich betreffend Besprechungen in der Schule, beim Schulpsychologischen Dienst und auch in der Grossfamilie sehr zuverlässig zeigte. Die Vorinstanz anerkennt zwar, dass dem Kind im Fall des Wegzugs des Vaters die Hoffnung einer gemeinsamen Zukunft genommen würde, erachtet aber, dass dadurch eine klare Situation geschaffen würde und der Beschwerdeführer den Kontakt zu seinem Sohn mittels der heutigen Kommunikationsmitteln und Besuchsaufenthalte auch aus Italien aufrecht erhalten könne. Abgesehen davon, dass es sehr zweifelhaft ist, ob dem Beschwerdeführer aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse regelmässige Besuchsaufenthalte in der Schweiz überhaupt möglich wären, hat die Vorinstanz damit dem Kindesinteresse ungenügend Rechnung getragen. Muss ein ausländischer Elternteil die Schweiz verlassen und kommt es dadurch zur Trennung von seinem Kind, verbleibt dieses in der Regel bei seinem andern Elternteil in der Schweiz. Vorliegend verhält es sich anders, weil die Mutter des Kindes gestorben ist, was die Vorinstanz nicht entsprechend berücksichtigt hat. Wie der Beistand ausführt, erhielt die Beziehung zu seinem Vater nach dem Tod der Mutter für den Sohn einen noch höheren Stellenwert als vorher. Der Sohn vergöttere seinen Vater, könne seine Besuche und Telefonate kaum erwarten. Sollte der Beschwerdeführer die Schweiz verlassen müssen und seinen Sohn nicht mehr regelmässig besuchen können, würde der Knabe nach Ansicht des Beistandes sehr darunter leiden. So müsste er nach dem Tode seiner Mutter einen weiteren Beziehungsabbruch zu einer seiner Hauptbezugspersonen hinnehmen, was sich sicher negativ auf die weitere Entwicklung des Knaben, welche durch seine Vorgeschichte schon schwierig genug sei, auswirken würde. Die physische Präsenz des Vaters sei für den Sohn sehr wichtig. Dass diese Ausführungen nicht zutreffen würden, wird im Übrigen auch von der Vorinstanz nicht behauptet. Zusammenfassend ergibt sich demnach, dass aufgrund der besonderen familiären Verhältnisse und dem Interesse des im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils knapp über 8 Jahre alten Kindes, die Beziehung zu seinem einzigen noch lebenden Elternteil fortführen zu können, ein gewichtiges privates Interesse am weiteren Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz besteht.