Citation: 2C_573/2018 E. 3.3.2

3.3.2. Die ausländerrechtliche Verschuldensbeurteilung knüpft zwar an die Einschätzung im Strafurteil an (BGE 134 II 10 E. 4.2 S. 23; 129 II 215 E. 3.1), doch verfolgen Straf- und Ausländerrecht unterschiedliche Zielsetzungen: Ausländerrechtlich steht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund, strafrechtlich die verschuldensabhängige Sanktionierung verpönten Verhaltens und die Reintegration des Täters oder der Täterin. Die Anforderungen an die Rückfallgefahr und das Sicherheitsrisiko, das ausländerrechtlich noch hingenommen werden kann, sind umso niedriger anzusetzen, je schwerer die zur Diskussion stehende Rechtsgüterverletzung und die Umstände der Tat wiegen (betreffend gewerbsmässigen Betrug vgl. Urteil 2C_724/2017 vom 18. Juli 2018 E. 4.3). Die Ausländerbehörden sind nicht an die Einschätzung der Strafbehörden hinsichtlich der Rückfallgefahr gebunden - auch wenn sie diese sinnvollerweise in ihre Beurteilung miteinbeziehen werden -, da das Ausländerrecht zum Schutz der Gesellschaft hinsichtlich des noch hinzunehmenden Risikos strengere Anforderungen stellt als das Strafrecht (BGE 140 I 145 E. 4.3 S. 150; 137 II 233 E. 5.2.2 S. 536 f.). Hier wurde im Strafurteil trotz des bei der Beschwerdeführerin diagnostizierten psychiatrisch krankheitswertigen Befunds (dissoziale Persönlichkeitsstörung, ergänzt durch histrionische und abhängige Persönlichkeitszüge) keine Einbusse in der Einsichtsfähigkeit und nur eine leichte Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit festgestellt. Das Strafgericht ist insgesamt von einem erheblichen Verschulden der Beschwerdeführerin an den von ihr verübten Delikten ausgegangen und hat gestützt auf das psychiatrische Gutachten eine stationäre Massnahme angeordnet, wobei es hervorgehoben hat, dass das Rückfallrisiko gemäss Gutachten hoch sei. Die Feststellung der Vorinstanz, wonach sich daran bis zu deren Entscheid nichts geändert hat, ist für das Bundesgericht massgeblich, da die Beschwerdeführerin nicht ausreichend substanziiert dartut, inwiefern sie unzutreffend wäre (vgl. E. 1.2). Aus migrationsrechtlicher Perspektive besteht damit ein grosses Interesse an der Beendigung des Aufenthalts in der Schweiz, namentlich mit Blick auf die Schwere der von der Beschwerdeführerin begangenen Taten und das als erheblich einzustufende Rückfallrisiko. Keine Rolle spielt dabei, dass es sich bei den Taten, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, im Wesentlichen um einen einzigen Tatkomplex handeln soll; aus dem angefochtenen Entscheid geht klar hervor, dass zwar nur wenige Personen Opfer des von ihr verübten gewerbsmässigen Betrugs und der gewerbsmässigen Erpressung wurden, sich die deliktische Tätigkeit jedoch über vier Jahre und damit über einen langen Zeitraum erstreckte und sie diese sogar nach Einleitung des Strafverfahrens gegen sie noch fortsetzte. Ebenso kann es aus migrationsrechtlicher Perspektive nicht darauf ankommen, dass die Hauptgeschädigte inzwischen auf Rückzahlungen verzichten soll. Es ist notorisch, dass solches Verhalten der Geschädigten bei Delikten im engen Familien- und/oder Bekanntenkreis häufig vorkommt; dies hat jedenfalls keine Auswirkungen auf die migrationsrechtlich relevante Gewichtung des deliktischen Verhaltens der Beschwerdeführerin und die Abschätzung der von ihr weiterhin ausgehenden Gefahr.