Citation: 6B_322/2022 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz hält fest, die Ehefrau des Beschwerdegegners leide an einer Herzerkrankung und nehme Herzmedikamente. Auf der Heimfahrt habe sie entsprechende Symptome verspürt. Der Beschwerdegegner habe sich ernsthaft gesorgt, seine Ehefrau könnte einen Herzinfarkt erleiden. Deshalb sei er zu schnell gefahren. Irritierend mutet gemäss Vorinstanz die Aussage des Beschwerdegegners an, er habe sich, nachdem er geblitzt worden sei, für den Rest der Fahrt an das Tempolimit gehalten. Dieser Umstand würde dafür sprechen, dass er die Dringlichkeit der Situation doch nicht als derart gross eingeschätzt habe, dass er den einzigen Ausweg zur Rettung des Lebens seiner Ehefrau in einer massiven Geschwindigkeitsüberschreitung sah. Der Beschwerdegegner habe ausgesagt, er habe nicht mit 200 km/h fahren wollen. Diese massive Geschwindigkeitsüberschreitung sei auf den leistungsstarken Sportwagen mit fast 600 PS und 6.1 Liter Hubraum zurückzuführen. Er beschleunige selbst bei kurzer Betätigung des Gaspedals stark. Die Vorinstanz nimmt zugunsten des Beschwerdegegners an, dass er mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr, um schnellstmöglich nach Hause zu den rettenden Medikamenten zu gelangen. Ebenfalls zu seinen Gunsten wertet die Vorinstanz, dass er nur kurzzeitig mit 200 km/h fuhr. Dies sei der Aufregung des Beschwerdegegners und der Angst vor einem akuten Herzversagen geschuldet. Er habe den Tacho nicht laufend überwacht. Zudem sei er an den übermotorisierten Sportwagen seines Sohnes nicht gewöhnt gewesen. Gemäss Vorinstanz lässt sich nicht objektiv überprüfen, ob die Ehefrau tatsächlich in Lebensgefahr schwebte. Die Zweifel legt sie jedoch abermals zugunsten des Beschwerdegegners aus. Die Staatsanwaltschaft argumentierte im kantonalen Verfahren, auf dem Radarfoto weise nichts auf den angeblich schlechten Zustand der Ehefrau hin. Diesen Einwand verwirft die Vorinstanz mit der Begründung, das Radarfoto, auf dem die beiden Insassen zu sehen sind, sei nur eine Momentaufnahme. Sie geht "in dubio pro reo" von einer Notstandssituation aus, welche zur Abwendung eines drohenden tödlichen Herzinfarkts eine rasche medikamentöse Behandlung erfordert habe. Die Vorinstanz nimmt an, dass das Leben der Ehefrau in Gefahr war. Zu ihrer Rettung habe der Beschwerdegegner in die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer eingegriffen. Bei einem Unfall mit übersetzter Geschwindigkeit hätten zwar Menschen verletzt oder getötet werden können. Im Gegensatz zur konkret und unmittelbar drohenden Gefahr eines Herzinfarkts bestand gemäss Vorinstanz für die anderen Verkehrsteilnehmer nur eine abstrakte Gefahr. Der Beschwerdegegner habe mit seiner Fahrt also höherwertige Interessen geschützt. Weiter erwägt die Vorinstanz, der Beschwerdegegner sei auf der Autobahn gefahren, also auf einer gut ausgebauten Strasse, wo weder mit Gegenverkehr noch mit Fussgängern zu rechnen sei. Die Akten enthielten keine Hinweise, dass der Beschwerdegegner andere Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet hätte. Eine Fahrt mit 200 km/h berge jedoch bereits aufgrund der hohen kinetischen Energie und des langen Bremswegs eine erhebliche abstrakte Unfallgefahr. Für das Ausmass der abstrakten Gefährdung seien jedoch auch die konkreten Umstände relevant. Mangels anderer Hinweise sei zugunsten des Beschwerdegegners von einem geringen Verkehrsaufkommen auszugehen. Auf dem Radarfoto seien keine anderen Verkehrsteilnehmer zu sehen. Der Beschwerdegegner sei auf der Normalspur gefahren. Dies wäre selbst bei mittlerem Verkehrsaufkommen bei dieser Geschwindigkeit kaum denkbar. Zwar sei es bereits dunkel gewesen, was die Sichtweite verringert und die Unfallgefahr in Kombination mit dem langen Bremsweg erhöht habe. Es sei jedoch im Übrigen von guten Sicht- und Strassenverhältnissen bei schöner Witterung, trockenem Asphalt und schwachem Verkehrsaufkommen auszugehen. Ein derart hochmotorisierter Sportwagen verfüge üblicherweise über leistungsstärkere Bremsen und hochwertige Reifen, die auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt und einem gewöhnlichen Auto überlegen seien. Der Beschwerdegegner sei ein routinierter Fahrer, wenngleich er mit dem Sportwagen, der üblicherweise von seinem Sohn gelenkt werde, nur wenig vertraut gewesen sei.