Citation: 1C_231/2023 E. 3.5

3.5. Das Gutachten gibt unter dem Titel "Suchtmittelanamnese" die Angaben des Beschwerdeführers zu seinen Trinkgewohnheiten und zur Motivation des Alkoholkonsums wieder. Diese fliessen auch in die Beurteilung mit ein. Dasselbe gilt für die Trunkenheitsfahrt vom 13. Februar 2022. Worin die vom Beschwerdeführer geforderte, darüber hinausgehende "gründliche Aufarbeitung" bestehen sollte, ist nicht klar. Soweit er sich insofern auf die Möglichkeit einer Reduktion der Zurechnungsfähigkeit bezieht, ist zu betonen, dass es beim Sicherungsentzug - anders als im Strafverfahren - nicht darum geht, ob ein strafrechtlich vorwerfbares Verhalten zu bejahen ist. Eine Auseinandersetzung mit der Frage der Zurechnungsfähigkeit erübrigte sich deshalb. Zu Recht wies das Kantonsgericht in diesem Zusammenhang zudem darauf hin, dass im Administrativverfahren das Führen eines Motorfahrzeugs unter starkem Alkoholeinfluss vielmehr ein Hinweis auf Missbrauchstoleranz oder robuste Alkoholgewöhnung sein kann, was sich beweismässig für den Betroffenen ungünstig auswirkt (vgl. BGE 126 II 361 E. 3b mit Hinweisen). Das Vorbringen, ein übermässiger Alkoholkonsum müsste zwingend in der Krankengeschichte dokumentiert sein, hatte der Beschwerdeführer bereits in seiner Stellungnahme zum Gutachten angeführt. Die Gutachterin hielt dem in ihrem ergänzenden Bericht in überzeugender Weise entgegen, dass nicht bekannt sei, ob der Beschwerdeführer mit den von ihm genannten Ärzten, die offenbar keine suchtspezifische Qualifikationen hätten, überhaupt über das Thema Alkohol gesprochen habe. In der Tat scheint keineswegs zwingend, dass ein Hausarzt Kenntnis vom übermässigen Alkoholkonsum seines Patienten hat. Weiter berücksichtigte die Gutachterin, dass der Beschwerdeführer zwei bis drei Wochen vor der Begutachtung nicht übermässig Alkohol konsumiert hatte, wobei sie diesem Umstand in ihrer Gesamtbetrachtung keine Bedeutung beimass. Auch ging sie auf die psychischen und körperlichen Untersuchungsbefunde ein. Sie beschrieb den Beschwerdeführer dabei als einen 62-jährigen Mann in "erhaltenem Allgemein- und normalem Ernährungszustand". Diesen Befund vermag der Beschwerdeführer durch die Hinweise auf seine berufliche und sportliche Tätigkeit und angeblich ausgezeichnete Verfassung nicht in Frage zu stellen. Ob sich seine Angaben zu seiner Tätigkeit mit der in einem wissenschaftlichen Verfahren erhobenen Werten zum Alkoholkonsum vereinbaren lassen, betrifft eine verkehrsmedizinische Fachfrage. Da auch unter der Annahme, dass diese Angaben vollumfänglich zutreffen, jedenfalls kein offensichtlicher Widerspruch zur Diagnose eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs besteht, gibt es auch insofern keinen triftigen Grund, vom Gutachten abzuweichen (vgl. dazu auch Urteil 1C_131/2022 vom 18. April 2023 E. 4.7.2, wo der damalige Beschwerdeführer ebenfalls erfolglos vorgebracht hatte, ein übermässiger Alkoholkonsum wäre mit seiner beruflichen Tätigkeit als Arzt, seinen Freizeitbeschäftigungen [u.a. Konzertpianist] und seinen politischen Ämtern unvereinbar). Nicht zu folgen ist zudem den Relativierungen der Bedeutung des Vorfalls vom 13. Februar 2022 und der Behauptung, damit bleibe als Grundlage für den Führerausweisentzug nur die Haaranalyse. Vielmehr ist insoweit zusammen mit der Gutachterin davon auszugehen, dass die Trunkenheitsfahrt des Beschwerdeführers die Verkehrsrelevanz seines Alkoholkonsums belegt. Das Kantonsgericht wies zudem zu Recht darauf hin, dass es sich in dieser Hinsicht anders verhalte als im bundesgerichtlichen Urteil 1C_128/2020 vom 29. September 2020, wo es zu einer spontanen Meldung durch einen Arzt gekommen war, ohne dass der damals vom Sicherungsentzug Betroffene durch ein verkehrsrechtliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Alkohol aufgefallen wäre. Unzutreffend ist weiter der Vorwurf des Beschwerdeführers, die Vorinstanz habe die bei ihm bestehenden Hauterscheinungen (Teleangiektasien) in ihrer Gesamtschau berücksichtigt, obwohl die Gutachterin in ihrem ergänzenden Bericht davon Abstand genommen habe. Vielmehr legte das Kantonsgericht dar, dass die Gutachterin die Fehldiagnose im Ergänzungsbericht eingeräumt, jedoch auch darauf hingewiesen habe, dass Teleangiektasien in Bezug auf übermässigen Alkoholkonsum ohnehin lediglich ein hinweisender und nicht ein beweisender Charakter zukomme.