Citation: 6B_321/2021 E. 3.4.4

3.4.4. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, das Gutachten sei nicht ausreichend aktuell, um eine stationäre Massnahme gegen ihn anzuordnen, geht ebenfalls fehl. Zunächst legt das von ihm angeführte Urteil 6B_720/2019 vom 22. August 2019 entgegen seinem Vorbringen keine absolute Gültigkeitsdauer von amtlichen Gutachten fest. Vielmehr wurde in diesem unter Verweis auf die einschlägige Rechtsprechung gerade die Relativität der Aktualität eines Gutachtens unterstrichen (Urteil 6B_720/2019 vom 22. August 2019 E. 1.1.4 und E. 1.4 mit Hinweisen). Zur Beantwortung der Frage, ob ein früheres Gutachten hinreichend aktuell ist, ist nicht primär auf das formelle Kriterium des Alters des Gutachtens abzustellen. Massgeblich ist vielmehr die materielle Frage, ob Gewähr dafür besteht, dass sich die Ausgangslage seit der Erstellung des Gutachtens nicht gewandelt hat. Soweit ein früheres Gutachten mit Ablauf der Zeit und zufolge veränderter Verhältnisse an Aktualität eingebüsst hat, sind neue Abklärungen unabdingbar. Entscheidend ist, ob die vorliegende Beurteilung mutmasslich noch immer zutrifft, oder ob diese aufgrund der seitherigen Entwicklung nicht mehr als aktuell bezeichnet werden kann (BGE 134 IV 246 E. 4.3; 128 IV 241 E. 3.4; Urteil 6B_835/2017 vom 22. März 2018 E. 5.3.2, nicht publ. in: BGE 144 IV 176; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz hatte ursprünglich eine Ergänzung des amtlichen Gutachtens in Auftrag gegeben, da sich der Privatgutachter med. pract. E.________ wegen vermeintlicher zwischenzeitlicher Erreichung der Ziele einer stationären Therapie, insbesondere der Einhaltung des Kontakt- und Rayonverbots während der zwölf Monate vor seiner Begutachtung, für eine ambulante Behandlung ausgesprochen hatte (siehe Sachverhalt lit. B.b oben). Angesichts der Vorfälle im Herbst 2020 widerrief die Vorinstanz den Auftrag zur Ergänzungsbegutachtung, da dessen Grundlage entfallen war bzw. sich die erhoffte Besserung des Zustands des Beschwerdeführers als nicht nachhaltig erwiesen und sich die Einschätzung des amtlichen Gutachters bestätigt hatte (siehe Sachverhalt lit. B.c oben). Die Vorinstanz stützte sich damit entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers auf ein amtliches Gutachten von hoher Aktualität. Da sie ausführlich darlegt, weshalb die Feststellungen des amtlichen Gutachtens im Urteilszeitpunkt aktuell - und insbesondere aktueller als jene des Privatgutachters - sind, verfängt auch die Rüge des Beschwerdeführers nicht, die Vorinstanz setze sich nicht mit seinem diesbezüglichen Vorbringen auseinander.