Citation: 5A_604/2024 E. 5.1.4

5.1.4. Aufgrund des Gesagten begründet für sich genommen weder das vorliegend mehr als zehnjährige eheliche Zusammenleben noch das gemeinsame Kind noch die Herkunft aus einem anderen Land eine lebensprägende Ehe. Indes hat das Kantonsgericht eine solche aufgrund der gesamten Lebensumstände zu Recht bejaht: Nach den kantonalen Feststellungen ging die neu gegründete Familie wegen eines Jobangebots des Arbeitgebers des Ehemannes nach China, zuerst für ein Jahr und dann verlängert auf über vier Jahre. Die eben erst in der Schweiz eingetroffene und Mutter des gemeinsamen Sohnes gewordene Ehefrau trug dieses Vorhaben offenkundig mit und nahm es auf sich, mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Kind nach China zu ziehen, um ihm die Fortsetzung seiner beruflichen Karriere zu ermöglichen, für welche ein dortiger Aufenthalt offenbar förderlich war. Sie hatte nach den (umstrittenen, aber nicht mit Willkürrügen angefochtenen und damit für das Bundesgericht verbindlichen) kantonalen Sachverhaltsfeststellungen in China keine Arbeitsbewilligung und konnte dort keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Damit verunmöglichte bzw. verzögerte sich der (bestrittene, aber vom Ehemann stets als Eckpunkt behauptete) Lebensplan, dass die Ehefrau (angeblich) weiterhin und ungeachtet des gemeinsamen Kindes in der Reisebranche tätig sein sollte. Auch zurück in der Schweiz war sie nach den (nicht mit Willkürrügen angefochtenen) Feststellungen im angefochtenen Entscheid nur in untergeordneter Weise arbeitstätig. Ob diesbezüglich für die letzten Jahre vor der Trennung von einer Zuverdienstehe (Standpunkt des Ehemannes) oder einer klassischen Hausgattenehe (Standpunkt der Ehefrau) zu sprechen wäre, ist für die Charakterisierung der Ehe nicht zentral, ging doch der Zuverdienst nicht wesentlich über den "Sackgeldbereich" bzw. das hinaus, was der Ehemann ihr angesichts der insgesamt gehobenen Verhältnisse als Betrag zur freien Verfügung im Sinn von Art. 164 ZGB hätte überlassen müssen. In erster Linie kümmerte sich die Ehefrau auch nach der Rückkehr in die Schweiz während des gesamten ehelichen Zusammenlebens um den Haushalt und die Erziehung des gemeinsamen Kindes. Sie konnte nach der Trennung, auch wenn angesichts ihrer vor dem Hintergrund der ursprünglichen akademischen Ausbildung offenkundigen Kapazitäten und der im Zusammenhang mit der Ehe an der Tag gelegten Flexibilität und Mobilität bei zumutbaren Anstrengungen und unter Ausschöpfung der nach den kantonalen Feststellungen vom Ehemann bezahlten Aus- und Weiterbildungen andere Tätigkeiten im Bereich der Reisebranche als bloss Stadtführungen denkbar gewesen sein mögen, jedenfalls nicht mehr an ihrer offenbar erfolgreichen vorehelichen Berufskarriere in Russland anknüpfen. Vor diesem und insbesondere vor dem erwähnten Hintergrund, dass sie sich während des ehelichen Zusammenlebens in erster Linie um die Betreuung des gemeinsamen Kindes gekümmert und die Karriere ihres Ehemannes unterstützt und gefördert hat, ist von einer lebensprägenden Ehe auszugehen.