Citation: 5A_14/2022 E. 3.3.3

3.3.3. Was das angeblich verletzte "Verbot der überraschenden Rechtsanwendung" angeht, bezieht sich der Beschwerdeführer auf den überkommenen Grundsatz, wonach die Parteien keinen Anspruch darauf haben, zur rechtlichen Würdigung der durch sie in den Prozess eingeführten Tatsachen angehört zu werden (BGE 114 Ia 97 E. 2a; 108 Ia 293 E. 4c), und auf die diesbezügliche Ausnahme für den Fall einer Rechtsanwendung, mit der eine Partei nicht gerechnet hat und auch nicht hat rechnen müssen (BGE 124 I 49 E. 3c; 114 Ia 97 E. 2a). Hier hatte die Vorinstanz nach Art. 85a Abs. 2 SchKG im Sinne einer Hauptsacheprognose zu prüfen, ob ihr die Klage des Beschwerdeführers als sehr wahrscheinlich begründet erscheint. Dabei ist Rechtsfrage, welche Umstände bei der Beurteilung der Prozesschancen in Betracht fallen und ob sie für oder gegen hinreichende Erfolgsaussicht sprechen, Tatfrage hingegen, ob und wieweit einzelne Tatumstände erstellt sind (vgl. BGE 124 I 304 E. 2c betreffend die Beurteilung der Prozessaussichten im Zusammenhang mit der unentgeltlichen Rechtspflege). Die vorinstanzliche Einsicht, dass sich seine Klage im Wesentlichen auf die Erbverzichtserklärung des Beschwerdegegners stütze, stellt der Beschwerdeführer nicht in Abrede. Er macht auch nicht geltend, dass die Erfolgsaussichten von etwas anderem als von der Frage abhängen, ob bzw. inwiefern die besagte Erklärung zum Untergang des Erbanspruchs des Beschwerdegegners führt. Soweit er nun reklamiert, er habe sich nicht zu den für die Vorinstanz entscheidenden Argumenten äussern können, ist nicht die Rechtsanwendung, sondern das Tatsachenfundament betroffen, das der vorläufigen Beurteilung der Erbverzichtserklärung (und damit der Prozesschancen) zugrunde liegt: der erwähnte Tatsachenkomplex rund um die Zahlungsinstruktionen betreffend das Bankkonto bei der U.________ AG. Diesbezüglich stellt das Obergericht fest, die fraglichen Anweisungen lägen bei den Akten und die gestützt darauf erfolgte Überweisung der Hälfte der Guthaben an den Beschwerdeführer werde von diesem nicht bestritten; der Beschwerdeführer habe vor erster Instanz jedoch geltend gemacht, dass der Beschwerdegegner mit der Unterzeichnung dieser Zahlungsinstruktionen die Überweisung der Gesamtheit der Vermögenswerte an ihn, den Beschwerdeführer, bestätigt habe (E. 3.1). In dieser Situation kann von einer überraschenden Rechtsanwendung durch die Vorinstanz nicht die Rede sein.