Citation: I 584/04 28.12.2004 E. 3

3.1 Der Versicherte rügt im Wesentlichen, die sich bei den Akten befindlichen medizinischen Berichte seien nicht mehr aktuell, sein Gesundheitszustand im Allgemeinen und insbesondere in psychischer Hinsicht habe sich weiter verschlechtert. Soweit die BEFAS eine Beurteilung der aus psychischen Gründen eingeschränkten Arbeitsfähigkeit vornehme, überschreite sie ihre Kompetenzen; daran ändere auch die Mitwirkung eines Arztes nichts. Es sei ein aktuelles multidisziplinäres Gutachten einzuholen. Der Beschwerdeführer stützt sich dabei massgeblich auf ein Schreiben des Dr. med. R.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 15. Juni 2004, an seinen Rechtsvertreter, worin der Arzt ausführte, der Versicherte sei sehr undiszipliniert und halte sich nicht an Abmachungen; er sei vergesslich und schlafe tagsüber stundenlang. Die Bluthochdruck- und cholesterinsenkende Therapie habe er vernachlässigt, Sport betreibe er nicht. Es erscheine dringlich, die psychischen Hemmungen und Probleme psychiatrisch erneut abklären zu lassen um beurteilen zu können, inwieweit die Arbeitsfähigkeit dadurch dauernd beeinträchtigt sei. Das Gutachten des Dr. med. U.________ aus dem Jahre 2000 sei überholt. 3.2 Der damalige Hausarzt Dr. med. I.________ führte am 7. Oktober 1999 aus, die somatischen Beschwerden stünden einer angepassten Tätigkeit nicht im Wege. Hingegen seien die psychischen Auffälligkeiten limitierend. Eine gewisse Einsichts- und Disziplinlosigkeit sei sicher vorhanden. Der Psychiater Dr. med. U.________ hielt in seinem Gutachten vom 15. Februar 2000 fest, die schwere narzisstische Störung sowie die depressive Verstimmung schränkten die Arbeitsfähigkeit seit unbestimmter Zeit "im Ausmass von etwa 50 %" ein. Auch in einer leichten manuellen Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit kaum mehr als 50 %. Dr. med. D.________, bei dem sich der Versicherte ab 23. Mai 2001 in Behandlung befand, führte mit Arztbericht vom 19. September 2001 aus, der Gesundheitszustand sei stationär. Für die Tätigkeit als Gipser bestehe seit November 1998 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit; seit November 2000 sei der Versicherte unter Berücksichtigung der physischen Einschränkungen (koronare Herzkrankheit, chronische Bronchitis) sowie der schwierigen sozialen Situation (Alkoholkrankheit der Ehefrau, häufige Übernahme von Elternpflichten für den 1997 geborenen Sohn) als Gipser oder in einer anderen Tätigkeit (z.B. als Hilfsmaler, wobei darauf zu achten sei, dass es sich um körperlich leichte Arbeiten handle) wahrscheinlich wieder zu 50 % arbeitsfähig. Während der vom 27. Januar bis 21. Februar 2003 dauernden beruflichen Abklärung in der BEFAS gab der Versicherte an, er habe zwar Rückenprobleme, diese seien aber im Alltag, sofern er sich etwas vorsichtig bewege, nicht schlimm. Auch mit den Einschränkungen durch die Herzprobleme komme er gut zurecht, lediglich Treppensteigen sei mühsam. Viel mehr zu schaffen mache ihm die psychische Belastung. Er werde rasch nervös und es wachse ihm alles über den Kopf. Zudem leide er an Schuppenflechte an den Fingern, die gewisse manuelle Tätigkeiten erschwere, und an Gehörproblemen, die sich aber in normalen Gesprächssituationen nicht auswirkten. Sodann erklärte er, mit seinem Alter, den gesundheitlichen Problemen und seiner Vergangenheit (Fremdenlegion, Straffälligkeit) rechne er nicht damit, beruflich noch eine Chance zu haben. Die Gutachter der BEFAS kamen zum Schluss, in einer körperlich wenig belastenden Tätigkeit sei bei ganztägigem Einsatz eine 50%ige Leistung zumutbar. Aus invaliditätsfremden Gründen (Vergangenheit mit Fremdenlegion und Straffälligkeit; längere Abwesenheit vom Erwerbsleben) bestünden wenig Chancen auf eine Anstellung. Die gesundheitlichen Probleme spielten dabei kaum eine entscheidende Rolle. Der Versicherte sei aber interessiert an einem Einsatz in einer geschützten Werkstätte. 3.3 Es trifft zu, dass die Begutachtung durch Dr. med. U.________ im Zeitpunkt des Einspracheentscheides (10. Mai 2004) mehr als vier Jahre zurück lag. Zu prüfen ist, ob Hinweise auf eine seither eingetretene Veränderung des (psychischen) Gesundheitszustandes bestehen. Aus den medizinischen Berichten und den weiteren Unterlagen geht deutlich hervor, dass der Beschwerdeführer den an ihn gerichteten Aufforderungen schon im Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung oft nicht oder mit grosser Verzögerung nachkam. Soweit Dr. med. R.________ am 15. Juni 2004 darauf hinwies, der Versicherte sei sehr undiszipliniert und halte Abmachungen nicht ein, sind dies keine neuen Tatsachen, die auf eine Verschlimmerung der (psychischen) Leiden hindeuten. Ebenso wenig ist die berufliche Perspektivelosigkeit erst unlängst aufgetreten, diese machte sich bereits anlässlich der Begutachtung durch Dr. med. U.________ bemerkbar. Schliesslich erlaubt auch der Umstand, dass die Bluthochdruck- und cholesterinsenkende Therapie vernachlässigt wurde und der Beschwerdeführer keinen Sport treibt, keinen Schluss auf eine Zunahme der psychischen Probleme. Aus dem Schreiben des Dr. med. R.________ geht somit keine überwiegend wahrscheinliche Verschlechterung aus psychischer Sicht hervor. Entgegen den Vorbringen des Versicherten kann auch dem Situationsbericht der Stelle für Soziale Dienstleistungen vom 14. Oktober 2003 kein Hinweis auf eine Verschlimmerung der Leiden oder gar auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit entnommen werden. Vielmehr erachtete der zuständige Sozialarbeiter berufliche Eingliederungsmöglichkeiten als valable Alternative zur vollständigen Berentung. Auf die beantragte neuerliche Abklärung ist daher zu verzichten. 3.4 Soweit der Versicherte vorbringt, wenn bereits aus psychischer Hinsicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, müsse sich die somatisch attestierte Arbeitsunfähigkeit erhöhend auf die gesamte Arbeitsunfähigkeit auswirken, kann ihm nicht gefolgt werden. Denn mehrere, auf verschiedenen Krankheitsfaktoren beruhende Beschwerden können in ihrer Kumulation im Rahmen einer Gesamtbeurteilung einen höheren, aber auch einen niedrigeren Grad an Behinderung ergeben, als dies bei separater Beurteilung (und anschliessender Addition) zutreffen würde, worauf schon die Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat (vgl. auch Urteil P. vom 5. März 1986, U 47/84). Es fehlt an Anhaltspunkten, die darauf hindeuten, dass die - unbestrittenerweise vornehmlich aus psychischen Gründen - um 50 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der somatischen Beeinträchtigungen zusätzlich vermindert wäre. Den Einschätzungen des Dr. med. I.________ und des Dr. med. U.________, insbesondere aber auch den aktuelleren Berichten des Dr. med. D.________ und der Gutachter der BEFAS ist zu entnehmen, dass unter Berücksichtigung aller gesundheitlichen Einschränkungen eine 50%ige leichte Tätigkeit zumutbar ist.