Citation: 2C_652/2023 E. 6.2

6.2. Aus dem Rechtsgleichheitsgebot wird für das Prüfungsrecht der Grundsatz der Chancengleichheit abgeleitet. Für die Prüfungsgestaltung ist die Chancengleichheit insofern wegleitend, als für alle Prüfungskandidaten im Sinne formaler Gleichheit möglichst gleiche Bedingungen hergestellt werden sollen. Gleiche Bedingungen ermöglichen es allen Kandidatinnen und Kandidaten, einen ihren tatsächlichen Fähigkeiten entsprechenden Leistungsnachweis abzulegen; ungleiche Bedingungen verletzen dagegen grundsätzlich das Gleichbehandlungsgebot (vgl. BGE 147 I 73 E. 6.2; Urteile 2D_6/2023 vom 22. Februar 2024 E. 7.3; 2C_890/2022 vom 6. Juni 2023 E. 4.1). Vom Grundsatz der Herstellung formaler Gleichheit muss indes unter Umständen abgewichen werden, um Nachteile auszugleichen, die einzelne Studierende - insbesondere aufgrund einer Behinderung, aber auch aufgrund von Fremdsprachigkeit - zu gewärtigen haben (vgl. BGE 147 I 73 E. 6.2 und 6.5.2). Zu beachten ist dabei, dass die Herstellung einer gleichen Ausgangslage nicht zur Folge haben darf, dass der Zweck der jeweiligen Prüfung vereitelt wird. Chancengleichheit bedeutet mithin nicht, dass auch solche Nachteile eines Kandidaten auszugleichen wären, welche just jene Fähigkeiten beeinträchtigen, deren Vorliegen mit dem betreffenden Examen abgeprüft werden soll (vgl. BGE 147 I 73 E. 6.4.1 mit Hinweisen; Urteil 2D_13/2021 vom 11. März 2022 E. 5.2.4). Ferner darf die ausgleichende Massnahme nicht zu einer Überkompensation und damit zu einer Verletzung der Chancengleichheit der anderen Prüfungsteilnehmer führen (BGE 147 I 73 E. 6.6).