Citation: 1P.55/2006 23.05.2006 E. 4.2

4.2.1 Für das Kantonsgericht war entscheidend, dass der Saldierungsvorgang und die beiden Barbezüge an derselben Kasse, in einer Abfolge und innerhalb von sechs Minuten ausgeführt wurden. Die drei Bankgeschäfte seien zeitlich nur nachvollziehbar, wenn der Kundenverkehr und ein Personalwechsel am Kassenschalter entfielen. Dies führe zwingend zur Annahme, dass alle drei Buchungen von ein und derselben Person, d.h. vom Beschwerdeführer, getätigt worden seien. Der Beschwerdeführer wendet ein, um 13.00 Uhr seien innert rund 10 Sekunden zwei Buchungen verzeichnet. Bei einem Abstand von rund vier Minuten sei die Annahme, dass er zwingend die Transaktionen vorgenommen habe, willkürlich. In dieser Zeitspanne hätte die Auszahlung des saldierten Kontos an eine Drittperson am Schalter erfolgen können. Ebenso sei es denkbar, dass C.________ die Saldierung ohne Kundschaft abgeschlossen habe. Er hätte sich den Saldierungsbetrag nicht einmal in jener Zeit herauszählen müssen; dies hätte auch später erfolgen können. 4.2.2 Der vom Beschwerdeführer vergleichsweise genannte Abstand von 10 Sekunden taugt bereits deshalb nicht als Massstab, weil dort beide Buchungen von derselben Person eingegeben worden waren. Demgegenüber liegt die Besonderheit hier darin, dass am Ende der Buchungsabfolge der Beschwerdeführer als (bankinterner) Gast Daten eingab. Vor diesem Hintergrund hatte das Kantonsgericht den zeitlichen Abstand zur vorangehenden Saldierung zu beurteilen. 4.2.3 In der staatsrechtlichen Beschwerde hält der Beschwerdeführer nicht mehr ernsthaft an der von C.________ gemachten Aussage fest, dass bei der Saldierung tatsächlich eine Kundin am Schalter anwesend war (E. 3.1); vom Wegfall des Kundenverkehrs ist auszugehen. Zu prüfen bleibt die zeitliche Möglichkeit eines Personalwechsels. Im Vordergrund steht, ob C.________ genügend Zeit für eine Saldierung ohne Kundenverkehr besass, wenn vier Minuten später der Beschwerdeführer am gleichen Terminal seinen ersten Barbezug eingab. Die Aussage des Kantonsgerichts, Saldierung und Geldbezüge seien zeitlich nur ohne Personalwechsel denkbar, ist auf diese konkrete Situation zurückzubeziehen. Dabei muss der folgende, weitere Umstand berücksichtigt werden: Die vom Beschwerdeführer behauptete Variante, C.________ habe das fragliche Konto für sich selbst saldiert, beruht wesentlich auf der Annahme, dass der Beschwerdeführer den Kassenraum erst danach betreten hätte; er behauptet nicht, C.________ hätte die Buchung auch in seiner Anwesenheit vorgenommen. Dahinter steht die Frage, ob es der Zeitbedarf für die Abläufe zuliess, dass der Beschwerdeführer im Tatzeitpunkt, d.h. um 13.14 Uhr, in der Filiale noch nicht anwesend war. 4.2.4 Für die Beurteilung der Möglichkeit eines Personalwechsels an Kasse 22 innert vier Minuten kommt es wesentlich darauf an, dass der Beschwerdeführer gleichzeitig von aussen in die Filiale hätte eingelassen worden sein müssen. Unter dieser zusätzlichen Bedingung scheint der Wechsel in der vorgegebenen Zeitdifferenz als zeitlich praktisch unmöglich. Diese Einschätzung konnte das Kantonsgericht willkürfrei treffen. Der Beschwerdeführer behauptet zwar das Gegenteil; er blendet dabei aber den Zeitbedarf für seinen Einlass und die Begrüssungsförmlichkeiten vollständig aus. Der Beschwerdeführer macht auch nicht plausibel, weshalb C.________ den Saldobetrag einstweilen in der Kasse hätte belassen sollen, wenn er durch die Ankunft des Beschwerdeführers überrascht worden wäre; die Tat war ja darauf angelegt, dass Kassenstand und Bankbelege übereinstimmten. 4.2.5 Die soeben als haltbar beurteilte Feststellung des Kantonsgerichts lässt nicht nur die vom Beschwerdeführer behauptete Variante einer Tatbegehung durch C.________ ohne Kundenverkehr ausscheiden. Gleichzeitig wird damit ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer erst nach 13.14 Uhr in die Filiale gelangt sein konnte. 4.3 Vor Kantonsgericht hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers es als nicht mehr nachvollziehbar erklärt, weshalb dieser in der Filiale B.________ Fr. 6'050.-- abgehoben und eine halbe Stunde später Fr. 6'000.-- wieder einbezahlt habe. Zudem lässt der Beschwerdeführer in der staatsrechtlichen Beschwerde vortragen, er habe die Filiale letztlich nur wegen dieser Barbezüge aufgesucht; im Übrigen könne er sich an den Grund seines Aufenthalts nicht mehr erinnern. Entgegen dieser Darstellung dienten die Barbezüge nach der Ansicht des Kantonsgerichts dazu, dass der Beschwerdeführer seinen Besuch und den Griff in die Kasse gegenüber den dort Anwesenden rechtfertigen konnte. Diese Würdigung erweist sich alles andere als willkürlich; es hilft dem Beschwerdeführer nichts, wenn er argumentiert, er hätte zur Ablenkung einen geringeren Betrag abheben können. Ausserdem werden im angefochtenen Entscheid die inzwischen widerrufenen Aussagen des Beschwerdeführers im Strafverfahren zur Erklärung seiner Anwesenheit in der Filiale und seiner Geldbezüge geschildert. Ebenso wird erörtert, inwiefern diese Angaben widerlegt werden konnten. Der Beschwerdeführer hält sich zu Unrecht darüber auf, dass die Prozessgeschichte in diesem Punkt genau nachgezeichnet worden ist. Das Kantonsgericht hat sein diesbezügliches Aussageverhalten im Übrigen nicht als zusätzliches, belastendes Indiz gewertet; der dagegen gerichtete Willkürvorwurf ist unbegründet. 4.4 Die Strafuntersuchungsbehörden stellten bei ihren Ermittlungen fest, dem Beschwerdeführer seien zwischen dem 21. und dem 31. März 1998 Geldmittel in der Höhe von Fr. 11'804.65 zugeflossen, für die keine Belege vorhanden seien. Das Kantonsgericht wertete diesen Umstand als erstaunlich, weil der Beschwerdeführer seine private Buchhaltung äusserst genau geführt habe. Ob diese Einkünfte ohne Belege ein Indiz für die Täterschaft des Beschwerdeführers bilden, kann offen bleiben. Der Schuldspruch gegen den Beschwerdeführer lässt sich begründen, ohne dass wesentlich auf diese Einkünfte abgestellt wird. 4.5 Zusammengefasst: Den Ausführungen des Beschwerdeführers im bundesgerichtlichen Verfahren ist zu entnehmen, dass er selbst davon ausgeht, die Tat sei von einer bankinternen Person verübt worden (E. 3). Dafür kommen grundsätzlich die drei Angestellten infrage, die sich im Tatzeitraum in der Nähe der Kassenterminals aufhielten. Es sind dies C.________, E.________ und der Beschwerdeführer als Gast (E. 4.1/4.2.5). Eine Tatbegehung durch E.________ hat der Beschwerdeführer im Verfahren vor Kantonsgericht noch als unwahrscheinlich bezeichnet, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Im angefochtenen Entscheid wurde die Möglichkeit ihrer Täterschaft mit eingehender Begründung verworfen; dagegen erhebt der Beschwerdeführer keine substantiierten Einwände mehr. Übrig bleiben somit C.________ und der Beschwerdeführer. Im bundesgerichtlichen Verfahren hält der Beschwerdeführer dem angefochtenen Schuldspruch konkret nur noch die Variante entgegen, bei der C.________ die Tat vor der Ankunft des Beschwerdeführers alleine begangen hätte; diese Variante erweist sich als zeitlich unmöglich (E. 4.2.5). Der Tatsache, dass die Saldierung unter dem Kurzzeichen von C.________ erfolgt ist, kommt keine wesentliche Bedeutung zu; der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er um die Möglichkeit von Eingaben unter fremdem Kürzel wusste (E. 4.1). Gleichzeitig belastet es den Beschwerdeführer erheblich, dass er als erster zwei Buchungen am selben Kassenterminal machte, an dem vier Minuten vorher die fragliche Saldierung stattgefunden hatte. Ausserdem vermag der Beschwerdeführer keine nachvollziehbare Begründung für seine Geldbezüge zu liefern; hingegen ergeben diese einen Sinn als Rechtfertigung für die Entnahme des Saldobetrags aus der Kasse (E. 4.3). 4.6 Bei dieser Indizienlage durfte das Kantonsgericht den Schluss ziehen, C.________ scheide in jedem Fall als Täter aus, obwohl seine Aussagen zu einer bankexternen Täterschaft nicht glaubhaft seien (vgl. E. 3). Die Beweiswürdigung, die dem angefochtenen Schuldspruch zugrunde liegt, erscheint insgesamt nicht als willkürlich. Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind auch nicht geeignet, offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an seiner Schuld zu begründen. Verletzungen des Willkürverbots oder der Unschuldsvermutung lassen sich nicht ausmachen.