Citation: 6P.17/2001 30.05.2001 E. 7

7.-a) Der Beschwerdeführer wendet gegen den Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung einerseits ein, er habe nicht damit gerechnet und es auch nicht gewollt, dass das Opfer verletzt werde (Beschwerde S. 23), und anderseits, er habe stets nur eine Verletzungsabsicht, nie aber eine Tötungsabsicht gehabt (Beschwerde S. 25); nach dem Grundsatz in dubio pro reo sei von einem Vorsatz auf Körperverletzung auszugehen (Beschwerde S. 23 - 25). Die Vorinstanz nimmt an, der Beschwerdeführer habe "zumindest eventualvorsätzlich" gehandelt (angefochtenes Urteil S. 47); sie nimmt mithin keine Tötungsabsicht an. Der Beschwerdeführer bestreitet in widersprüchlicher Weise den subjektiven Tatbestand in tatsächlicher Hinsicht. Was der Täter weiss, will oder in Kauf nimmt, ist Tatfrage. Die entsprechenden Feststellungen der Vorinstanz sind für das Bundesgericht im Verfahren der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde deshalb verbindlich (Art. 277bis BStP; BGE 122 IV 156 E. 2b). Der Grundsatz in dubio pro reo betrifft ebenfalls die Beweiswürdigung. Darauf ist nicht einzutreten. b) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe bundesrechtswidrig angenommen, "es liege der Tatbestand des Totschlages nicht vor". Es könne "in der heutigen Zeit durchaus angemessen sein, eine Waffe zum Selbstschutz zu tragen". Er sei in eine entschuldbare heftige Gemütsbewegung geraten. Er habe in der Strafuntersuchung immer wieder gesagt, er habe sich bedroht gefühlt und habe die Voraussetzungen von Art. 113 StGB glaubhaft gemacht. Es sei "der Anklagebehörde und den Vorinstanzen nicht mittels zweifelsfreier Beweisführung gelungen, das Gegenteil zu beweisen, weshalb [er] nach dem Grundsatz in dubio pro reo allenfalls wegen Totschlags zu verurteilen" sei (Beschwerde S. 25 - 27). Das Opfer wurde nicht getötet; eine Verurteilung "wegen Totschlags" kommt schon deshalb nicht in Betracht. Die Vorinstanz verneint eine Anwendung von Art. 113 StGB zu Recht. Der Beschwerdeführer hatte zum vornherein einen Waffeneinsatz in Erwägung gezogen und diese Waffe schliesslich eingesetzt; er hatte dies bewusst und nicht aus einer spontan ausgelösten Gefühlserregung heraus getan. Er hatte sich beim ersten und zweiten Vorfall rücksichtslos verhalten (angefochtenes Urteil S. 49, 56). Der Beschwerdeführer richtet sich damit in unzulässiger Weise gegen die Beweiswürdigung. c) Die Vorinstanz verneint eine Notwehrsituation. Das Opfer habe den Beschwerdeführer weder angegriffen noch provoziert. Vielmehr habe der Beschwerdeführer aus nichtigem Anlass bereits beim ersten Vorfall unangemessen reagiert und sei beim zweiten Vorfall zunächst zu körperlichen Angriffen geschritten und habe schliesslich zur Schusswaffe gegriffen, als ihn das Opfer - überdies zu Recht - wegen seines Verhaltens beim ersten Vorfall und wegen seiner erneut rücksichtslosen Fahrweise zur Rede gestellt habe. Einzig der Beschwerdeführer sei Angreifer gewesen. Er habe das Opfer in einer ersten Phase am Kragen gepackt. Dass ihn das Opfer weggestossen habe, stelle keinen eine Notwehrlage begründenden rechtswidrigen Angriff dar, sondern lediglich eine zulässige Abwehrhandlung. Danach habe D.________ schlichtend eingegriffen und sich nicht etwa einzig auf die Seite des Opfers gestellt. Dass der Beschwerdeführer keineswegs in Angst und Schrecken versetzt worden sei bzw. Angst vor Angriffen gehabt hätte, zeige auch der Umstand, dass er, nachdem er die Warnschüsse abgegeben habe und in sein Fahrzeug zurückgekehrt sei, dieses umgehend wieder verlassen habe und wiederum auf das Opfer losgegangen sei. Auch in dieser zweiten Phase sei der Angriff vom Beschwerdeführer ausgegangen, zumal er immer noch seine Waffe, mit der er zuvor geschossen habe, in der rechten Hand getragen habe (angefochtenes Urteil S. 50/51). Das Opfer habe den Beschwerdeführer lediglich zur Rede gestellt; zu einer Berührung seinerseits sei es erst gekommen, nachdem es vom Beschwerdeführer am Kragen gepackt worden sei, und es ihn zurückgestossen habe. Unter diesen Umständen könne der Beschwerdeführer auch nicht irrtümlich angenommen haben, er werde angegriffen. Auch bei der Phase nach Abgabe der Warnschüsse sei der Angriff vom Beschwerdeführer aus gegangen, und es sei für ihn ohne weiteres erkennbar gewesen, dass sich das Opfer beim Gerangel und insbesondere beim Versuch, ihn zu entwaffnen, lediglich selbst habe schützen wollen. Auch ein Notwehrexzess könne nicht vorliegen. Der Waffeneinsatz wäre auch absolut unangemessen gewesen (angefochtenes Urteil S. 51/52). Der Beschwerdeführer macht Notwehr, Putativnotwehr und einen Notwehrexzess geltend (Beschwerde S. 27 - 33). Er begründet dies mit Ausführungen, die sich einzig und ausschliesslich gegen tatsächliche Feststellungen der Vorinstanz richten, so dass darauf nicht einzutreten ist. d) Die Vorinstanz spricht den Beschwerdeführer zusätzlich der Gefährdung des Lebens schuldig. Er habe aus nächster Nähe Warnschüsse vor die Füsse des Opfers abgegeben, wobei D.________ in unmittelbarer Nähe gestanden sei, in einer Distanz von etwa zwei Meter zum Beschwerdeführer. Dieser habe als geübter Sportschütze gewusst, dass er mit Warnschüssen in den Boden den in nächster Nähe stehenden D.________ durch die Gefahr von Querschlägern in unmittelbare Lebensgefahr bringe. Er habe trotzdem geschossen und deshalb mit direktem Vorsatz gehandelt (angefochtenes Urteil S. 52/53). Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, die Annahme, D.________ sei in zwei Meter Entfernung gestanden, verletze den Grundsatz "in dubio pro reo". Die Gefahr eines Querschlägers habe nicht bestanden, da die Schüsse primär ins nahe liegende Maisfeld gegangen seien. Er habe keinen Gefährdungsvorsatz gehabt, denn er habe nicht A.________ oder umstehende Personen gefährden, sondern sich in Notwehr verteidigen wollen. Auch das Merkmal der Skrupellosigkeit sei nicht erfüllt, denn es liege keine besondere Hemmungslosigkeit oder Rücksichtslosigkeit vor (Beschwerde S. 33/34). Diese Vorbringen richten sich gegen die Beweiswürdigung. Die Vorinstanz nimmt zu Recht eine Gefährdung des Lebens an. e) Die angefochtenen Schuldsprüche verletzen kein Bundesrecht.