Citation: 8C_10/2010 26.05.2010 E. 2.2

2.2.1 Im Gutachten der Klinik Y.________ vom 4. Mai 2005 wurde ein Nacken- Schulter- und Arm-Schmerzsyndrom links mit persistierender partiell inflammatorischer Frozen Shoulder links diagnostiziert. Auf die Frage nach der Einsatzfähigkeit des linken Arms antworteten die Gutachter, die linke obere Extremität habe entsprechend der Integritätsentschädigungstabelle 1 einen Integritätsschaden von 25 %. Aufgrund der bestehenden Schmerzen sei jedoch die Einsatzfähigkeit deutlich geringer. Zumutbar seien dem Versicherten noch leichte Tätigkeiten mit wechselnd stehender und sitzender Position ohne Bewegung der linken Schulter über Brusthöhe. Zudem bestehe ein Traglimit von 5 kg. Zur zeitlichen Einschränkung hielten sie fest, in einer angepassten Tätigkeit sei ein ganztägiger Einsatz möglich, und auf die Frage nach dem Integritätsschaden gaben sie an, dieser betrage für die linke obere Extremität 25 % und für die HWS 5 - 10 %, sodass ein Gesamtintegritätsschaden von 30 - 35 % resultiere. Die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten sei aber deutlich höher, da sich diese einerseits aus dem Integritätsschaden andererseits aber auch aus dem gesamtheitlichen Funktionieren des Organismus ergebe und dies mit einer erheblich grösseren Einbusse verbunden sei. Es resultiere aus ihrer Sicht daher eine Arbeitsunfähigkeit von 50 - 60 %. 2.2.2 Das Gutachten der Klinik Y.________ erweist sich als widersprüchlich. Einerseits wurde eine ganztägige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit und andererseits eine Arbeitsunfähigkeit von 50 - 60 % bescheinigt. Soweit der Versicherte die 50 - 60 %ige Arbeitsfähigkeit als entsprechende Leistungsfähigkeit bei ganztägigem Einsatz interpretiert haben möchte, finden sich hierzu im Gutachten keine Hinweise. Eine entsprechende Interpretation widerspräche auch der Beurteilung der MEDAS-Gutachter, welche eine Tätigkeit in einem zeitlichen Rahmen von viereinhalb Stunden pro Tag für zumutbar erachteten, jedoch Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit verneinten. Aus den Antworten der Gutachter der Klinik Y.________ ist zudem ersichtlich, dass diese von einem falschen Verständnis der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit und des Integritätsschadens ausgingen. Ein Integritätsschaden ist bei gleichem medizinischem Befund für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen. Die Bemessung des Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab wie die Bemessung des Invaliditätsgrades. Es geht bei ihm um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1 S. 147). Zwar kann sowohl der Integritätsschaden als auch eine Arbeitsunfähigkeit auf derselben gesundheitlichen Schädigung beruhen. Der Integritätsschaden hat aber - entgegen der Annahme der Gutachter - weder einen Einfluss auf die Arbeitsunfähigkeit noch lässt sich aus dem Prozentsatz des Integritätsschadens etwas zur prozentualen Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit ableiten. Die Aussage der Gutachter, wonach gestützt auf den Integritätsschaden und in Anbetracht der beruflichen Vorbildung sowie des Alters des Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % resultiere, weist auf eine pauschale Festlegung der Erwerbsunfähigkeit bzw. des Invaliditätsgrades durch die Gutachter hin. Aufgabe des Arztes ist es jedoch, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der Versicherte arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen dem Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99, 115 V 133 E. 2 S. 134). Die Bemessung des Invaliditätsgrades unter Berücksichtigung der arbeitsmarktlichen Faktoren wie Alter oder Ausbildung obliegt hingegen der Verwaltung. Das Gutachten der Klinik Y.________ enthält somit zum einen widersprüchliche Antworten und beruht zum anderem auf einem falschen Verständnis der entscheidenden rechtlichen Begriffe und der Kompetenz der Ärzte bei der Ermittlung der Invalidenrente.