Citation: U 555/06 10.12.2007 E. 4.1

4.1.1 Die Beschwerdegegnerin erlitt anlässlich der Auffahrkollision vom 5. Dezember 1998 eine Knieverletzung (Patellaluxation, Kreuzband- und Meniskusläsion) links, welche u.a. durch operative Eingriffe behandelt wurde. Am 8. November 2001 ersuchte der damalige Hausarzt Dr. med. O.________ um Kostengutsprache für eine Craniosakraltherapie. Er führte aus, die Patientin habe sich bei ihm gemeldet wegen eines Panvertebralsyndroms, zervikal betont, und behaupte nun, dieses sei auf den Unfall zurückzuführen. Er habe ihr mitgeteilt, dass ein Zusammenhang durch die Fehlbelastung in Folge des Knies möglich, aber eher als unwahrscheinlich zu taxieren sei. 4.1.2 Im Bericht vom 14. Februar 2002 hielt Dr. med. M.________, FMH Innere Medizin/Rheumatologie, fest, die invalidisierende Schmerzsymptomatik im linken Bein sei durch die Knieproblematik nicht erklärt. Klinisch finde sich bei eigentlich nicht wesentlicher Funktionsstörung der LWS das Bild einer lumboradikulären Reizsymptomatik L5 links, einer sensorischen Ausfallsymptomatik L5 links und einer motorischen Ausfallsymptomatik S1 links. Aufgrund der radiologischen Befunde mit nur diskreten Discopathien aber eindrucksmässig eher anlagemässig engem Spinalkanal - so der Arzt - denke er an eine vertebrale Genese der Beschwerden, traumatisch ausgelöst. Zur Weiterabklärung seien bildgebende Methoden veranlasst worden. Mittels MRI der LWS wurden am 6. März 2002 degenerative Dehydrationen und dorsale Protrusionen der Bandscheiben L3/L4 und L4/L5 festgestellt, welche zu mässiger foraminaler Beeinträchtigung auf der linken Seite führten. 4.1.3 In einer Stellungnahme vom 10. April 2002 hielt der beratende Arzt der Winterthur, Dr. med. K.________, fest, die Rückenproblematik dürfte mit dem Unfall vom 5. Dezember 1998 keinen Zusammenhang haben, d.h., wäre nur möglicherweise als Folge des Unfalles zu betrachten. Demgegenüber schrieb der seit 9. Januar 2002 zuständige Hausarzt Dr. med. W.________ im Bericht vom 26. März 2003 an den Rechtsvertreter der Patientin, das normale Funktionieren der Beine sei für den ganzen Körper von grosser Wichtigkeit, da Asymmetrien immer Folgeerscheinungen am übrigen Bewegungsapparat auslösten und der Rücken besonders betroffen sei. Bestehe über längere Zeit eine Dysbalance durch Fehlbelastung oder Schmerzen, wie bei der Versicherten über Jahre, hätten mit grosser Wahrscheinlichkeit Folgeschäden befürchtet werden müssen. Nur dem kooperativen und unermüdlichen Einsatz, konsequent Bewegungstherapie durchzuführen, sei es zu verdanken, dass die Rückenschmerzen nicht schon früher aufgetreten seien. Die im MRI der LWS vom 6. März 2002 erhobenen Befunde seien zwar zweifellos degenerativer und nicht traumatischer Natur, doch ermöglichten sie durch eine permanente Fehlbelastung vorzeitige Krankheitssymptome. Seiner Auffassung nach seien die Rückenschmerzen nicht im Sinne eines einzigen Traumas, sondern in Form tausendfacher kleiner Traumatas beim Bewegen und Gehen durch die schmerzhafte Fehlbelastung des linken Beines ausgelöst worden. Als Schlussfolgerung hielt Dr. med. W.________ fest, die durch die als Unfallfolge unbestrittene Knieverletzung verursachten chronischen Schmerzen mit permanenter, teils mehr oder weniger starker Behinderung hätten zur Gewichtszunahme, dadurch zusätzlich zur Mehrbelastung des Gelenks und auch zu den durch die Fehlhaltungen bedingten Rückenschmerzen geführt. Die Rückenproblematik stehe daher seines Erachtens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 5. Dezember 1998. 4.1.4 Nach einer Untersuchung der Patientin am 28. Mai 2003 hielt Dr. med. K.________ fest, die Versicherte sei durch die Knieschmerzen links und die anterolaterale Instabilität deutlich eingeschränkt und behindert. Wohl bestehe zwischen der Knieverletzung und den diagnostizierten Rückenbeschwerden ein zeitlicher Zusammenhang, doch sei der ursächliche Zusammenhang nicht eindeutig und offensichtlich. Die festgestellten Wirbelsäulenveränderungen seien ein krankhafter Vorzustand, welcher durch den Unfall bzw. die Unfallfolgen keine bleibende richtungsweisende Verschlimmerung erlitten habe. Wenn man bei der Versicherten Ursachen für eine frühzeitige oder aussergewöhnliche Wirbelsäulenabnützung suche, käme nicht nur das linke Knie in Betracht, sondern müssten auch das früher wiederholt operierte rechte Knie sowie die Adipositas berücksichtigt werden. Der kausale Zusammenhang der Rückenproblematik zum linken Knie wäre deutlich unter 50 % anzusetzen, d.h. nur als möglich zu betrachten. Zur selben Schlussfolgerung kamen Dr. med. S.________ und Dr. med. C.________, Orthopädische Klinik am Spital B.________, wo am 10. Februar 2004 ein operativer Eingriff am linken Knie vorgenommen worden war. Sie hielten fest, nach Überprüfung sämtlicher Unterlagen seien ihrer Auffassung nach die Rückenbeschwerden zu sicher weniger als 50 % auf den Unfall zurückzuführen. 4.1.5 Dr. med. L.________ vom Röntgeninstitut Z.________ stellte anlässlich einer Multilice-Computertomographie LWS vom 28. Januar 2005 eine breitbasige medio-links laterale Diskushernie L4/L5 mit links rezessaler Einengung und Kompromittierung der abgehenden Nervenwurzel L5 links rezessal , kleinvolumige nicht komprimierende Diskusprotrusionen auch L3/L4, weniger ausgeprägt auch L2/L3 sowie mässige Spondylarthrosen vor allem L3 bis S1 bei normalem übrigen CT fest. 4.1.6 Dr. med. U.________ überprüfte die medizinischen Akten als beratender Arzt der Beschwerdeführerin und bezeichnete die seit dem Jahr 2000 geklagten Rückenbeschwerden als vollumfänglich krankhaft degenerativer Art mit Dehydration der Bandscheiben L3/L4 und L4/L5 und dadurch bedingter Diskusprotrusion mit foraminaler Stenose. Ein Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 5. Dezember 1998 sei äusserst unwahrscheinlich, da aus biomechanischer Sicht die lumbale Wirbelsäule bei einer Auffahrkollision keiner besonderen Belastung ausgesetzt sei. Die Dehydration der Bandscheibe sei vielmehr eine altersbedingte degenerative Erscheinung, welche bekanntermassen zu Diskusprotrusionen bis hin zu Diskushernien führen könne. Diese krankhaften Veränderungen würden die Rückenbeschwerden vollständig erklären, weshalb er einen Zusammenhang zwischen Beschwerden am linken Knie und Rückenbeschwerden nicht als überwiegend wahrscheinlich erachte. 4.1.7 Der Neurologe Dr. med. E.________ sodann stellte nach drei Untersuchungen im Januar und Februar 2005 die Diagnose Diskushernie L4/L5 links mit Läsion der Nervenwurzel L5 links, claudicatio radicularis L5 links; Dezember 1998 Autounfall mit Verletzung des linken Knies, mehrere Operationen; Kniearthrose rechts nach Unfall und mehreren Operationen sowie primär biliäre Leberzirrhose. Die Beschwerden des linken Unterschenkels und Fusses, insbesondere die durch Gehen ausgelösten Gefühlsstörungen und Schwäche des linken Unterschenkels und Fusses seien - so der Neurologe - durch die Diskushernie L4/L5 links mit claudicatio radicularis bedingt. 4.1.8 Im vorinstanzlichen Verfahren gab die Winterthur schliesslich das Orthopädische Gutachten des Dr. med. D.________ vom 31. August 2006 zu den Akten. Auf Grund der bisherigen medizinischen Akten sowie einer Anamnese- und Befunderhebung diagnostizierte der Arzt neben dem chronischen Knieschmerz links und den Knieschmerzen rechts im Wesentlichen ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit Wurzelkompressionssyndrom L5 links bei Mehretagenpathologie mit Diskusprotrusionen L2/L3 , L3/L4 sowie grösserer breitbasiger Diskushernie L4/L5 links mit Kompression der Nervenwurzel L5 links im Recessus sowie Spondylarthrosen auf Höhe L4/L5 und L5/S1. Als überwiegend wahrscheinliche Unfallfolgen qualifizierte er lediglich die Beschwerden im linken Kniegelenk. Bezüglich Rückenbeschwerden führte er aus, das Unfallgeschehen an sich sei gar nicht geeignet gewesen, die nachgewiesenen Mehretagenpathologien hervorzurufen, da die Wirbelsäule beim Unfall durch den Autositz gut geschützt gewesen sei. Die geklagten Beschwerden der LWS seien auf das degenerative Leiden zurückzuführen, wobei Hauptbefund eine grössere Diskushernie L4/L5 mit Kompression der Nervenwurzel L5 sei. Bei der degenerativen Wirbelsäulenveränderung handle es sich um einen krankhaften Vorzustand und um ein vom Unfall unabhängiges Leiden, welches sehr häufig auftrete und im Verlaufe des Alterungsprozesses zunehme. Derartige degenerative Veränderungen mit Diskusprotrusionen könnten - so der Gutachter - nicht durch eine Fehlbelastung der Wirbelsäule wegen eines Knieschmerzes auftreten. Das Rückenleiden müsse somit als unfallfremd angesehen werden.