Citation: 4A_482/2013 E. 3.2.2

3.2.2. Werke sind, unabhängig von ihrem Wert oder Zweck, geistige Schöpfungen der Literatur und Kunst, die individuellen Charakter haben (Art. 2 Abs. 1 URG). Nach der Legaldefinition ist Originalität im Sinne einer persönlichen Prägung durch den Urheber nicht erforderlich. Vorausgesetzt wird, dass der individuelle Charakter im Werk selbst zum Ausdruck kommt. Massgebend ist die Werk-Individualität und nicht die Urheber-Individualität (BGE 136 III 225 E. 4.2 S. 228 f.; 134 III 166 E. 2.1 S. 169 f.; 130 III 168 E. 4.4 S. 172, 714 E. 2.1). Es ist unbestritten, dass den einzelnen im Rahmen der Basel Tattoos 2007 und 2009 dargebotenen Nummern jeweils als choreographische Werke nach Art. 2 Abs. 2 lit. h URG urheberrechtlicher Schutz zukommen kann, sofern diese im konkreten Fall die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Dies hat auch die Vorinstanz nicht verkannt, sondern hat etwa den aufgeführten Akt zur schweizerischen Militärgeschichte im Jahre 2007 als urheberrechtlich geschütztes theatralisches Werk anerkannt. Die Beschwerdeführerin bringt verschiedene Darbietungen Dritter im Rahmen ihrer jährlichen Veranstaltung in eine abwechslungsreiche Reihenfolge. Abgesehen von der Verbindung der einzelnen Darbietungen wird aufgrund der Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht klar, inwiefern der Gesamtproduktion - über die einzelnen Nummern hinaus - selbst Werkcharakter zukommen soll. Der durch die Reihenfolge der Darbietung angestrebte Spannungsbogen wie auch der von der Beschwerdeführerin ins Feld geführte Umstand, dass die Abfolge der ersten drei Nummern im Rahmen des "Begrüssungsbouquets" nicht anders denkbar wäre bzw. das "Top Secret Drum Corps" als Publikumsmagnet erst zum Schluss aufspielt, entspricht einem Rezept, nach dem sich Publikumsveranstaltungen allgemein ausrichten (vgl. etwa Adrian Steiner, Urheberrechtliche Schutzfähigkeit der Zirkus- und Varietékunst, 1998, S. 153). Eine geistige Schöpfung der Kunst, die individuellen Charakter hat, ist darin nicht zu erblicken. Ebenso wenig führen die weitgehend fehlenden Pausen zwischen den einzelnen Nummern zu einem urheberrechtlich geschützten Gesamtwerk; durch die Moderation, die jeweils die einzelnen Nummern einführt und begleitet, wird der Eindruck einer Abfolge eigenständiger Darbietungen zudem eher noch verstärkt. Inwiefern die verschiedenen Einzelnummern "miteinander verwoben" sein sollen, legt die Beschwerdeführerin nicht dar; ein gestalteter Übergang, geschweige denn eine durchgehende Dramaturgie oder Choreographie ist nicht ersichtlich. Der blosse Umstand, dass die einzelnen Nummern "sowohl durch das militärische Genre der Formationen als auch verwandte Themen" zusammengehalten werden sollen, vermag der Gesamtveranstaltung kein individuelles Gepräge zu verleihen. Die Beschwerdeführerin behauptet lediglich pauschal, die jährlichen Tattoo-Produktionen zeichneten sich dadurch aus, "dass die Auftritte der einzelnen Formationen hinsichtlich Kostümauswahl, Choreographie, Musikauswahl, Einmarsch und Ausmarsch, Länge/Gesamtdauer der gesamten Präsentation einer Formation, Länge/Gesamtdauer der einzelnen Musikstücke, Gesamteindruck und Spezial-Effekte aufeinander abgestimmt" seien, ohne dies jedoch näher zu begründen. Damit vermag sie nicht aufzuzeigen, inwiefern im konkreten Fall als Ganzes eine geistige Schöpfung der Kunst mit individuellem Charakter zum Ausdruck gebracht werden soll, die als Gesamtwerk die einzelnen Nummern überlagert.