Citation: 4A_536/2021 E. 2.6

2.6. Schliesslich führt die Beschwerdeführerin an, der Beschwerdegegner sei einverstanden gewesen, seine Kontrolle bei offener Arbeitsgrube und im Bewusstsein der damit verbundenen Gefahren zu verrichten. Trotz dieses Bewusstseins habe er ununterbrochen zur Decke geblickt und sich seitwärts fortbewegt, ohne sich zu vergewissern, wohin er trete. In Anbetracht dessen, widerspreche der Entscheid des Kantonsgerichts dem Gerechtigkeitsgedanken in stossender Weise (Art. 9 BV). Das Kantonsgericht kam zum Schluss, die Beschwerdeführerin hafte zwar nach Art. 58 OR als Werkeigentümerin. Es reduzierte deren Haftungsquote allerdings um 50 %, da der Beschwerdegegner die Kontrolle durchgeführt habe, obgleich er um die Absturzgefahr gewusst und diese mitverantwortet habe. Die Reduktion der Haftungsquote auf die Hälfte stellt aus der Sicht des Beschwerdegegners ein erheblicher Einschnitt dar. In Anbetracht dessen, dass er sich gemäss den Erwägungen des Kantonsgerichts sorgsam und in kleinen Schritten seitlich bewegte und bloss deshalb in die Grube fiel, weil er - auf die Kontrolle fixiert - während eines Moments unachtsam war, widerspricht das Ergebnis des Kantonsgerichts, auch wenn ein anderes Ergebnis denkbar wäre, keineswegs dem Gerechtigkeitsgedanken in stossender Weise (vgl. E. 2.3.1 hiervor).