Citation: 1P.544/2003 12.11.2003 E. 7

Schliesslich rügt der Beschwerdeführer die Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie willkürliche Beweiswürdigung und die Verletzung der Unschuldsvermutung im Zusammenhang mit der Untersuchung des Teppichs im Zimmer von Y.________ auf Spermaspuren. Das von der Verteidigung veranlasste private Gutachten der E.________ GmbH vom 26. Januar 2002 widerlege die Aussage der Klägerin, wonach der Angeklagte mehrfach in ihrem Zimmer auf den Teppich ejakuliert habe. Das Gericht hätte deshalb zumindest dem Antrag auf Einholung einer gerichtlichen Expertise stattgeben müssen, um zu klären, ob der Nachweis infolge einer Reinigung, bestimmter Umwelteinflüsse oder Zeitablaufs unmöglich geworden sei. Sollte eine zuverlässige Spurenabklärung wegen des Zeitablaufs tatsächlich nicht mehr möglich sein, so dürfe dies nicht zu Lasten des Beschwerdeführers gehen, denn es sei dem Untersuchungsrichter anzulasten, dass er eine Spurenuntersuchung des Teppichs nicht rechtzeitig veranlasst habe. Die Verteidigung habe schon am 22. September 2000 einen entsprechenden Antrag gestellt, d.h. zu einem Zeitpunkt, in dem die Untersuchung zweifellos noch möglich gewesen wäre. 7.1 Die Strafkammer mass dem Spurengutachten der Verteidigung, wonach auf dem Teppich von Y.________s Zimmer keine Spermaspuren nachgewiesen werden konnten, keine massgebliche Bedeutung zu: Die Gutachter hätten selbst eingeräumt, dass bestimmte Umwelteinflüsse, so etwa eine ständige UV-Licht-Exposition wie beispielsweise starkes Sonnenlicht oder eine feuchtwarme Umgebung, einen Nachweis unmöglich machen könnten. Die Gutachter hätten es unterlassen, sich zu diesen Einflüssen hinsichtlich der konkreten Umgebung zu äussern. Das Gericht verzichtete auf das Einholen weiterer Informationen, weil der Gutachterbefund ohnehin nicht geeignet sei, ernsthafte Zweifel an der Aussage von Y.________ zu begründen, der Angeklagte habe sich vor ihr selber befriedigt und Y.________ habe ihn zu mehreren Malen befriedigen müssen, zumal Y.________ mehrheitlich ausgesagt habe, dass das Ejakulat lediglich beim ersten Vorfall auf den Teppich gespritzt sei. Überdies seien zwischen dem ersten Vorfall im Jahre 1997 bis zum Zeitpunkt der Probenahme am 3. Dezember 2001 bereits vier Jahre vergangen, weshalb fraglich sei, ob Spuren überhaupt noch hätten nachgewiesen werden können; dies gelte um so mehr für allfällige weitere Untersuchungen. 7.2 Art. 29 Abs. 2 BV gewährleistet den Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus ergibt sich der Anspruch der Parteien, mit rechtzeitig und formgültig angebotenen Beweisanträgen gehört zu werden, soweit diese erhebliche Tatsachen betreffen und nicht offensichtlich beweisuntauglich sind (BGE 120 Ib 379 E. 3b S. 383; 106 Ia 161 E. 2b S. 162, je mit Hinweisen). Keine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt vor, wenn ein Gericht auf die Abnahme beantragter Beweismittel verzichtet, weil es aufgrund der bereits abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass seine Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGE 119 Ib 492 E. 5b/bb S. 505 f.; 115 Ia 97 E. 5b S. 101; je mit Hinweisen). 7.3 Im vorliegenden Fall war es unsicher, ob es nach dem langen Zeitablauf und/oder möglicher Umwelteinwirkungen überhaupt noch möglich war, allfällige Spermaspuren durch eine gerichtliche Expertise nachzuweisen. Entscheidend ist aber, dass ein negativer Befund lediglich die Aussage Y.________s widerlegt hätte, wonach der Sperma des Beschwerdeführers, als er das erste Mal vor ihr masturbierte, auf den Teppich gespritzt sei. Dieses Detail ist zwar nicht völlig nebensächlich, hat doch das Gericht die detaillierten und differenzierten Schilderungen des situativen Rahmens, der jeweiligen Körperhaltungen wie auch der Säuberungsszenen und der mit dem Saubermachen verbundenen Demütigung als Hinweise für den Erlebnisbezug der Aussagen Y.________s gewertet (angefochtenes Urteil S. 23 f.). Allerdings handelt es sich nur um eines von zahlreichen Realkennzeichen, die das Gericht in seiner ausführlichen Würdigung der Aussagen Y.________s berücksichtigt hat (vgl. angefochtenes Urteil S. 23 - 38). Berücksichtigt man ferner die übrigen Beweismittel, namentlich die den Beschwerdeführer belastenden Aussagen der Zeuginnen A.________ und B.________ sowie die vom Gericht willkürfrei als "widersprüchlich, unstimmig, wenig objektiv und offensichtlich gesteuert" qualifizierten Aussagen des Beschwerdeführers, so war es nicht willkürlich anzunehmen, die Sachlage sei schon klar erstellt und die Überzeugung des Gerichts könne durch die beantragte gerichtliche Expertise zu allfälligen Spermaspuren nicht mehr geändert werden. 7.4 Der Beschwerdeführer wirft dem Kantonsgericht schliesslich vor, ihm das rechtliche Gehör verweigert zu haben, weil es sich mit dem Argument der Verteidigung nicht auseinandergesetzt habe, wonach ein Beweismittelverlust infolge Zeitablaufs sich nicht zu Lasten des Angeklagten auswirken dürfe. Diese Frage hätte das Kantonsgericht jedoch nur prüfen müssen, wenn es dem Ergebnis eines derartigen Gutachtens entscheiderhebliche Bedeutung beigemessen hätte. Nachdem es willkürfrei entschieden hatte, dass der Gutachterbefund ohnehin nicht geeignet wäre, ernsthafte Zweifel an der Aussage von Y.________ zu begründen, erübrigten sich weitere Ausführungen zur Frage des Beweismittelverlusts.