Citation: U 241/01 04.09.2002 E. 2

Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin ab 1. September 1998 Anspruch auf ein halbes Taggeld der Unfallversicherung hat, weil sie ohne den Unfall eine ganztägige Arbeit aufgenommen hätte, wobei zunächst zu prüfen ist, ob die Beschwerdesache zur Abklärung offener Fragen rund um die angebotene Ausweitung des Arbeitspensums an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. 2.1 Gemäss Art. 15 UVG werden Taggelder und Renten nach dem versicherten Verdienst bemessen (Abs. 1). Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Taggelder der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn (Abs. 2). Absatz 3 der Bestimmung erteilt dem Bundesrat u.a. die Kompetenz zum Erlass von Bestimmungen über den versicherten Verdienst in Sonderfällen, insbesondere bei langdauernder Taggeldberechtigung (lit. a). Gestützt hierauf hat der Bundesrat in Art. 23 Abs. 7 UVV angeordnet, dass der für die Festsetzung des Taggeldes massgebende Lohn für die Zukunft neu bestimmt wird, wenn die Taggeldberechtigung wenigstens drei Monate gedauert hat und der Lohn des Versicherten in dieser Zeit um mindestens 10 % erhöht worden wäre. Die Sonderbestimmung von Art. 23 Abs. 7 UVV kann nicht nur bei Lohnerhöhungen, sondern auch bei Erhöhungen der Arbeitszeit zur Anwendung gelangen. Im einen wie im andern Fall ist es im Rahmen der ihnen obliegenden Mitwirkungspflichten (BGE 116 V 26 Erw. 3c mit Hinweis) Sache der Versicherten, mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit darzutun, dass eine solche Erhöhung erfolgt wäre, wenn kein Unfall eingetreten wäre (RKUV 1994 Nr. U 195 S. 210 Erw. 5a und b). 2.2 Die bei den Akten liegenden Urkunden und Auskünfte sind für sich allein genommen zum Teil unklar und unter sich widersprüchlich. Dies betrifft sowohl die Identität der wegen einer Erhöhung des Pensums anfragenden Person und den Zeitpunkt der Anfrage, aber auch die vorläufige Zusage, den Grund für die nachfolgende Absage und die Frage, wem gegenüber diese erfolgte. Die Beschwerdeführerin nennt als Grund für die Absage der ihr per 1. September 1998 vorgeschlagenen Erhöhung des Arbeitspensums die als Folge des Unfalls vom 31. Mai 1998 verbliebenen Schmerzen. Das Angebot soll ihr erst nach dem Unfallereignis Mitte bis Ende Juni 1998 gemacht worden sein, als sie sehr stark unter den Folgen gelitten habe. Sie habe einen Tag nach dessen Annahme gegenüber Direktor D.________, einem Bruder des späteren Ehemannes D.________, und dem für die Neuorganisation des Telefondienstes zuständigen Herrn H.________ telefonisch abgesagt. Direktor D.________ gab an, die ganze Angelegenheit sei über seinen Tisch gelaufen und die Beschwerdeführerin habe das Angebot von ihm erhalten. Sie habe es zunächst angenommen, um dann schliesslich wegen des Unfalles abzusagen (Schreiben an die Secura-Versicherung vom 23. Juni 1999). Der Hausarzt Dr. med. C.________, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, attestierte, die Beschwerdeführerin habe ihm damals angegeben, das Angebot abgelehnt zu haben, weil sie sich infolge auf den Unfall zurückzuführender Schmerzen nicht in der Lage gefühlt habe, "ihre Arbeitsfähigkeit auf 100 %" zu steigern (Arztzeugnis vom 26. Mai 2001). Für den behandelnden Arzt Dr. med. W.________, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, stand fest, dass die Beschwerdeführerin ihr Pensum vor dem Unfall auf 100 % aufstocken wollte, was dann wegen dem Unfall nicht möglich gewesen sei (Arztzeugnis vom 17. Dezember 1999). Laut einer internen Notiz der Arbeitgeberin vom 18. Juni 1998 soll die Beschwerdeführerin von Herrn H.________ für die Besetzung der neu geschaffenen Ganztagesstelle vorgeschlagen worden sein. Auf einer weiteren internen Notiz vom 23. Juni 1998 mit dem Stellen-Anforderungsprofil findet sich ein handschriftlicher Hinweis, wonach am 25. Juni 1998 laut einer Auskunft von Direktor D.________ ein mündlicher Vertrag geschlossen worden sei. Anderseits bestätigte Herr H.________ der damaligen Personalchefin Frau N.________ am 23. September 1998 schriftlich, die Beschwerdeführerin habe das Angebot nicht infolge des Unfalles ausgeschlagen, sondern mit der Begründung, sie sei den Anforderungen nicht gewachsen. Der direkte Vorgesetzte H.________ konnte am 27. April 2000 gegenüber der SUVA keinen Grund für die Absage nennen und auch nicht, wann die Anfrage erfolgt sei; allerdings will die Beschwerdeführerin mit ihm auch nie darüber geredet haben. Die Nachfolgerin der Personalchefin, Frau U.________, gab der SUVA am gleichen Tage an, das Angebot sei der Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall gemacht worden, und sie habe es kurz nach der Annahme "aus rein persönlichen Gründen abgelehnt, die mit dem Unfall in keinem Zusammenhang" gestanden hätten.