Citation: I 690/00 31.05.2001 E. 2

2.- Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Dies hängt zunächst davon ab, ob ein körperlicher oder geistiger Gesundheitsschaden vorliegt, der voraussichtlich eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit verursacht. Dabei ist zu prüfen, ob der Sachverhalt mit Blick auf die Beantwortung der Frage nach dem Gesundheitsschaden in medizinischer Hinsicht hinreichend abgeklärt ist. a) Das Gutachten des ZMB vom 28. April 1998 stellt die Hauptdiagnose (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit): "Kraftverlust und eine Schmerzhaftigkeit des rechten Handgelenks und der gesamten oberen Extremität nach Handgelenksdistorsion mit nachfolgendem Hand-Schultersyndrom" sowie eine "mässige Epicondylitis radialis et ulnaris humeri rechts". Gestützt auf diese Feststellungen und objektivierbaren Befunde gelangten die ZMB-Gutachter zur Auffassung, dass die Beschwerdegegnerin in ihrem bisherigen Aufgabenbereich als Reinemacherin zufolge der "Einschränkung durch eine etwas verminderte Belastbarkeit des rechten Armes bei bestimmten Tätigkeiten" zu ca. 25 % in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Die Frage nach den Möglichkeiten zur allfälligen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit durch medizinische Massnahmen, Hilfsmittel oder berufliche Umstellung beantworteten die Spezialärzte des ZMB abschliessend dahin, dass die objektivierbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Versicherten durchaus noch der Behandlung zugänglich sein sollten. In Frage kämen wohl in erster Linie gezielte Dehnungsübungen, kombiniert mit lokalen physikalischen Anwendungen zur Behandlung der Tendoperiostosen, respektive der Epicondylitis und auch der Schulterperiarthropathie. Dadurch könne die Versicherte "wieder eine normale Leistungsfähigkeit erlangen". b) Der Hausarzt Dr. med. P.________, der die Versicherte (und deren Familie) seit 1980 kennt und behandelt, konnte in dieser Zeit nie eine Begehrlichkeit und bisher keinerlei Aggravationstendenzen feststellen. Vielmehr gelangte er aufgrund seiner Kenntnisse der medizinischen Sachlage zu einer gegenüber der ZMB-Begutachtung abweichenden Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin. Er hält sie unter Berücksichtigung verschiedener Funktionseinschränkungen für 50 % arbeitsunfähig. Weiter führt Dr. P.________ in seinem Bericht vom 1. September 1998 aus, die Versicherte sei durch die falsche Diagnose (Fraktur statt Distorsion anlässlich des Unfalles vom 2. Dezember 1996) traumatisiert worden. Dabei habe sich ein Schulterarmsyndrom, das bereits früher gelegentlich aufgetreten sei, entwickelt und zudem sei ein tendomyotisches Schultergürtelsyndrom aktiviert worden. Dem Bericht des Dr. med. P.________ vom 26. April 1999 ist schliesslich zu entnehmen, dass er - aus Kostengründen und um die Versicherte dadurch nicht zusätzlich zu traumatisieren - auf umfangreiche technische Abklärungen (EMG, CT etc.) verzichtet habe. c) Angesichts dieser Aussagen des Hausarztes und der Ergebnisse der MRI-Untersuchung vom 9. April 1997, bei welcher immerhin eine zystische Läsion im Bereich der distalen Ulna mit Kontakt zum Gelenkspalt gefunden wurde, erweisen sich die Schlussfolgerungen gemäss ZMB-Gutachten in verschiedener Hinsicht als nicht schlüssig. So beurteilte Professor P.________ den handchirurgischen Status anlässlich der ZMB-Begutachtung wie folgt: "Die Ursache der geklagten Schmerzen und Funktionsstörungen ist nicht ganz eindeutig. Sicher ist die Zyste oder das intraossäre Ganglion im Ulnaköpfchen dafür nicht verantwortlich. Hinweise für eine signifikante Bandläsion, etwa des SL-Bandes an der dominanten rechten Hand, sind weder klinisch noch radiologisch vorhanden. Es dürfte sich weitgehend um psychisch mitbeeinflusste Residuen eines Schulter-Handsyndromes handeln. " Dr. R.________ beurteilte den rheumatologischen Status folgendermassen: "Schmerzsyndrom rechts bei Status nach Sturz auf den rechten Arm im Dezember 1996" sowie "unklare rechtsseitige Kreuz- und Beinschmerzen". Obwohl die ZMB-Gutachter keine eindeutigen Ursachen für die geklagten Beschwerden ermitteln konnten, schätzten sie die Arbeitsunfähigkeit zuhanden der Invalidenversicherung in Bezug auf die bisher angestammte Tätigkeit der Versicherten als Reinemacherin abschliessend auf 25 %. Zudem werden gemäss ZMB-Gutachten allfälligen psychogenen Beschwerden keinerlei Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen. Den vorliegenden Akten ist sodann zu entnehmen, dass bisher auch noch nicht alle in Frage kommenden spezialmedizinischen Untersuchungsmethoden, insbesondere keine neurologische Untersuchung, zur genaueren Abklärung der geklagten Beschwerden durchgeführt worden sind. Schliesslich fehlt es auch - mangels einer einschlägigen Fragestellung durch die IV-Stelle - an einer allgemeinen Zumutbarkeitsbeurteilung in Bezug auf die für die Beschwerdegegnerin in Betracht fallenden angepassten Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Gestützt auf diese unsicheren, teils fehlenden und sich teils widersprechenden Angaben zum Gesundheitszustand der Versicherten und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit kann über die Frage nach dem Gesundheitsschaden nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 125 V 195 Erw. 2 mit Hinweisen) entschieden werden. Die Sache ist daher zu weiteren Abklärungen in der Form einer neuen umfassenden polydisziplinären Begutachtung, z.B. am Spital X.________, an die IV-Stelle zurückzuweisen. Diese wird gestützt auf die Ergebnisse der neuen Begutachtung gegebenenfalls unter Berücksichtigung der Stellenlosigkeit der Versicherten nebst der Rentenfrage nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" auch Eingliederungsmassnahmen in Betracht zu ziehen haben.