Citation: U 176/00 05.11.2003 E. 2.2.2

2.2.2.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und der bestehenden Beeinträchtigung ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Für die Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen hat das Eidgenössische Versicherungsgericht besondere Regeln aufgestellt. Bei leichten Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und nachfolgenden Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Folgen in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, entsprechende Gesundheitsschäden zu bewirken. Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht auf Grund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, sind in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat die für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien näher umschrieben und von der Schwere des Unfalls abhängige Regeln zur Adäquanzbeurteilung aufgestellt (BGE 129 V 183 Erw. 4.1, 127 V 103 Erw. 5b/bb, je mit Hinweisen). 2.2.2.2 Der Unfall vom 28. Juni 1990, bei welchem der Beschwerdeführer als Radfahrer von hinten angefahren und gegen die Frontscheibe des auffahrenden Fahrzeuges geworfen wurde und anschliessend zu Boden fiel, wobei er sich am rechten Bein und am Kopf verletzte, ist dem mittleren Bereich zuzuordnen. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz handelt es sich nicht um einen Unfall im unteren Bereich der mittelschweren Unfälle, sondern um einen mittleren Unfall, welcher an der Grenze zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich liegt. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der massgebenden Beurteilungskriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder wenn mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 2.2.2.3 Dem Unfall ist eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen. Von besonders dramatischen Begleitumständen oder einer besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls kann jedoch nicht gesprochen werden. Der Beschwerdeführer hat keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art erlitten, die erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen herbeizuführen. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Für die Annahme eines schwierigen Heilungsverlaufs genügt eine lange Dauer der ärztlichen Behandlung nicht; es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche die Heilung beeinträchtigt oder verzögert haben. Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Der Beschwerdeführer musste sich am verletzten Bein zwar zweimal operieren lassen; der postoperative Verlauf war jedoch beide Male komplikationsfrei. Was die Dauer der ärztlichen Behandlung betrifft, ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer nach der primären Unfallbehandlung (vom 28./29. Juni 1990) am 18. Juni 1991 und 23. September 1992 operativen Eingriffen unterziehen musste, welche mit kurzfristigen Spitalaufenthalten und anschliessender Gehgips-Behandlung während sechs Wochen sowie nachfolgender ambulanter Physiotherapie verbunden waren. Im Jahre 1993 wurde erneut eine mehrwöchige Gehgips-Behandlung durchgeführt. Eine 1994 vorgeschlagene weitere operative Korrektur sowie eine thymoleptische Therapie wurden vom Versicherten abgelehnt. Die ambulante Physiotherapie wurde auf einmal wöchentlich reduziert und nach den Akten spätestens 1996 eingestellt. Selbst wenn in der Folge weitere physiotherapeutische Massnahmen durchgeführt worden wären, kann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung mangels anhaltender und regelmässiger therapeutischer Massnahmen nicht als erfüllt gelten. Der Beschwerdeführer war nach Abschluss der primären Unfallbehandlung voll erwerbstätig und ab 23. November 1990 erneut arbeitsunfähig. In der Folge war er mit Ausnahme behandlungsbedingter Perioden voller Arbeitsunfähigkeit zu 50 % arbeitsfähig im bisherigen Beruf. Ab 25. Oktober 1994 setzte die SUVA die für den Taggeldanspruch massgebende Arbeitsunfähigkeit auf 64,2 % fest (Verfügung vom 31. Januar 1996). Am 13. September 1996 bestätigte Kreisarzt Dr. med. S.________ eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Unter diesen Umständen ist das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit als erfüllt zu betrachten, wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Weise. Was schliesslich das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen betrifft, ergibt sich aus den anamnestischen Angaben, dass der Beschwerdeführer zwar häufig an Schmerzen im rechten Bein leidet. Es handelt sich jedoch um belastungsabhängige Schmerzen, welche vor allem abends nach langem Stehen auftreten; in der Nacht und bei Ruhe besteht Schmerzfreiheit. Wird zusätzlich berücksichtigt, dass das bestehende Beschwerdebild durch psychische Faktoren beeinflusst ist, kann das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen nicht als erfüllt gelten. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch mehrere der für die Beurteilung geltenden Kriterien gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der bestehenden psychischen Beeinträchtigungen zu verneinen.