Citation: 9C_59/2016 E. 6.2

6.2. Was den im Rahmen der Begutachtung erhobenen psychopathologischen Befund betrifft, so fiel dieser durchgehend unauffällig aus: Die Beschwerdegegnerin sei allseits orientiert und bewusstseinsklar gewesen, habe psychomotorisch keinerlei Auffälligkeiten gezeigt sowie eine unauffällige Auffassungsgabe, unauffällige kognitive und intellektuelle Ressourcen, sprachmotorisch seien überhaupt keine Auffälligkeiten zu verzeichnen gewesen, das formale und das inhaltliche Denken seien in der Untersuchung jederzeit unauffällig gewesen, die affektive Schwingungsfähigkeit und der affektive Rapport seien gut gewesen, die Grundstimmung sei euthym bis subdepressiv, aber nie wirklich depressiv gewesen. Bezüglich der (erwerblichen) Auswirkungen der diagnostizierten Störung bzw. Verdachtsdiagnose fällt auf, dass der Experte die Arbeitsfähigkeit von 30 % ab März 2009 bzw. von 40 % ab September 2014 explizit mit den zu diesen Zeitpunkten bestehenden Anstellungen in ebendiesen Pensen begründete (" Arbeitsfähigkeit von 40 %, weil die Expl. seither eine 40 % Stelle belegt"). Mithin scheint es sich damit weniger um eine medizinisch-theoretische Schätzung der Arbeitsfähigkeit zu handeln, als vielmehr um die Annahme, die effektiv ausgeübten Pensen entsprächen gleichsam der maximal zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Diese Annahme einer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit (Arbeiten ohne viel Verantwortung und ohne leitende Funktion, bei wohlwollender und angenehmer Interaktion mit Vorgesetzten und Mitarbeitern, ohne nennenswerte Spannungsfelder) von 30 % bzw. 40 % wird vom Gutachter denn auch nicht hinreichend substanziell begründet (vgl. dazu BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 196). Soweit er als Begründung für die Unzumutbarkeit eines höheren Pensums auf das Scheitern der Beschwerdegegnerin in der 50 %igen bzw. alsdann 60 %igen Anstellung bei der D.________ verweist - wobei die Beschwerdegegnerin gemäss eigenen Angaben nach der Kündigung des Geschäftsleiters im Grunde ein 80 %-Pensum ausgeübt habe - vermag dies nicht zu überzeugen. Nach den gegenüber dem Sachverständigen gemachten Ausführungen scheiterte die Beschwerdegegnerin nicht an der pensenmässig zu hohen Arbeitsbelastung, sondern explizit an der zu grossen Verantwortung: Seit dem Weggang des Geschäftsleiters per Ende 2010 hätten ihr Leitungsfunktionen oblegen - Leitung der Buchhaltung und des Sekretariats, Leitung von vielen abendlichen Sitzungen -, in welchen sie Sparmassnahmen habe durchsetzen müssen und daher von verschiedenen Berufsgruppen immer wieder "unter Beschuss genommen" bzw. "gemobbt" worden sei. Diese anhaltenden Spannungen hätten sie mit der Zeit derart belastet, dass sie ein weiteres Mal nervlich zusammengebrochen sei. Diese im Rahmen der Exploration gemachten, vom Experten durchgehend als glaubhaft bzw. authentisch qualifizierten Angaben deuten in keiner Weise darauf hin, dass die Beschwerdegegnerin die zunächst 50 %ige bzw. in der Folge 60 %ige Anstellung ohne die Leitungsfunktion bzw. die daraus resultierenden schwer belastenden zwischenmenschlichen Interaktionen, welche ihr gemäss Gutachten aufgrund des psychischen Leidens bzw. dem damit einhergehenden Mangel an robusten innerpsychischen Ressourcen unzumutbar sind, nicht prästiert hätte. Dasselbe gilt im Übrigen für das im November 2011 begonnene 50 % Praktikum bei der integrierten Psychiatrie Bülach. Dieses habe sie nach drei Monaten abgebrochen, weil sie die schizophrenen Patienten als sehr belastend erlebt habe. Alsdann ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Experte den halben Tag, an welchem die Beschwerdegegnerin einen Raum mietete und dort Entspannungs- und Bewegungstherapien anbot, im Rahmen der zumutbaren Arbeitsfähigkeit gänzlich ausser Acht liess. Dass die Beschwerdegegnerin de facto sehr selten Kunden gehabt habe, vermag dies nicht schlüssig zu erklären. Wie Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zu Handen der Unfallversicherung überzeugend darlegte, brachte sie mit diesem Angebot eine Kapazität der psychophysischen Leistungsfähigkeit von 10 % zum Ausdruck, welche bezüglich des krankheitsbedingten Ausmasses der Arbeitsunfähigkeit zu berücksichtigen wäre. Der Umstand, dass dieses Arbeitsangebot mangels Nachfrage zumeist als unbenutzte Zeit offen blieb, ist kein medizinisch-theoretisch ausgewiesener Grund, welcher die Postulierung einer krankheitsbedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zulässt. Schliesslich kommt hinzu, dass die Beschwerdegegnerin trotz ihren psychischen Beschwerden unbestrittenermassen in der Lage war, zahlreiche familiäre, soziale und politische Aktivitäten offenbar ohne Einschränkungen auszuüben. Dies auch ab September 2014, als sie eine 40 %-Stelle innehatte. Selbst wenn mit Gutachter und Vorinstanz hinsichtlich der einzelnen Aktivitäten von lediglich punktuellen Einsätzen ausgegangen würde, was gerade in Bezug auf das politische Engagement fraglich erscheint, letztlich aber offen blieben kann, so spricht doch die Gesamtheit der ausgeübten Aktivitäten für das Vorhandensein von hinreichenden Ressourcen, die das Ausüben einer vollumfänglichen Erwerbstätigkeit erlauben.