Citation: 2C_634/2018 E. 6.3.2

6.3.2. Der Sache nach beruft sich der Beschwerdeführer auf diese Rechtsprechung, wenn er ausführt, ihm sei es nach Absolvierung einer (weiteren) stationären Massnahme nunmehr gelungen, beruflich und privat Fuss zu fassen und es bestehe deshalb bei ihm eine sehr gute Legalprognose, während im Fall seiner Rückkehr nach Italien das Risiko, dass er wieder einen Rückfall in die Drogensucht erleide und damit verbunden (zur Drogenbeschaffung) wiederum deliktisch tätig werden könnte, als ungleich höher einzuschätzen sei. Das Bundesgericht hat das Vorliegen einer biographischen Kehrtwende zwar in seiner jüngsten Rechtsprechung verschiedentlich geprüft und in einzelnen Fällen auch bejaht (siehe oben E. 6.3.1 i.f.). In diesen Verfahren ging es indessen jeweils um erheblich jüngere Ausländer, die anders als der Beschwerdeführer nicht schon mehrfache Versuche unternommen hatten, ihren Lebenswandel grundlegend zu verändern. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer im Verhältnis zu den Sachverhalten, die in den angeführten Entscheiden zu beurteilen waren, eine erheblich längere Deliktskarriere hinter sich hat und es sich bei den von ihm verübten Delikten (Raubüberfälle mit dem angedrohtem Einsatz gefährlicher Waffen), auch wenn er dabei niemanden schwerwiegend körperlich verletzte, um schwerwiegende Taten handelte; es ist notorisch, dass die konkrete Androhung von Waffengewalt für die Betroffenen tiefgehende traumatische Folgen hat. Für derart schwerwiegende Taten ist aus migrationsrechtlicher Sicht höchstens ein sehr geringes Rückfallrisiko in Kauf zu nehmen. Das bedeutet aber auch, dass an den Nachweis einer biographischen Kehrtwende sehr hohe Anforderungen zu stellen sind. Für den Fall des Beschwerdeführers bedeutet dies, dass bei ihm zwar durchaus Indizien dafür bestehen, dass er eine grundlegende Änderung in seinem Lebenswandel vollzogen hat (bzw. noch vollzieht). Es ist für ihn zu hoffen, dass ihm diese Wende in seinem Leben gelingt und er in Zukunft deliktfrei leben kann. Zurzeit kann jedoch angesichts des Gewichts der bisherigen deliktischen Tätigkeit des Beschwerdeführers sowie des Umstands, dass viele dieser Delikte Rückfälle nach scheinbar gelungener Drogenentwöhnung waren, (noch) nicht angenommen werden, dass ihm die definitive Abkehr von seiner bisherigen Lebensführung gelungen ist und von ihm keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung mehr ausgeht. Zurzeit überwiegt angesichts der Schwere und Vielzahl seiner Taten auch angesichts seiner Bemühungen, seinen Lebenswandel grundlegend zu verändern, (noch) das Interesse an der Beendigung seines Aufenthalts in der Schweiz. Immerhin scheint vor diesem Hintergrund auch eine spätere Rückkehr des Beschwerdeführers in die Schweiz, wenn ihm denn die definitive Abkehr von Drogensucht und deliktischer Tätigkeit gelingt, gestützt auf den ihm als EU/EFTA-Bürger zustehenden Anspruch auf Freizügigkeit nicht ausgeschlossen. Darüber ist hier freilich nicht zu befinden.