Citation: 5A_366/2022 E. 2.2.3

2.2.3. Zu Recht bemängeln die Beschwerdeführer, die Ablehnung der Ausrichtung einer Parteientschädigung lasse sich unter Willkürgesichtspunkten nicht rechtfertigen: Korrekt weisen sie darauf hin, dass die Vorinstanz in ihrer publizierten Praxis selbst davon ausgeht, der Entzug der aufschiebenden Wirkung in Bezug auf einen Entscheid über die Fremdplatzierung eines Kindes, obschon keine Dringlichkeit vorliegt, stelle einen groben Verfahrensfehler im Sinne von § 201 Abs. 2 VRG/LU dar, denn den vom Entscheid Betroffenen müsse die Möglichkeit offen stehen, den Entscheid über die Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts vor der Rechtsmittelinstanz anzufechten und nur in dringlichen Fällen sei es angezeigt, das Kind zeitgleich mit dem Entscheid über den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts zu platzieren (LGVE 2020 II Nr. 7). Wie die oben wiedergegebenen Erwägungen des angefochtenen Entscheids zeigen, ging die Vorinstanz davon aus, dass es für den vorsorglich angeordneten Obhutsentzug keinen zwingenden Grund gegeben hat und insbesondere der Entzug der Parteirechte der Eltern grundsätzlich nicht berechtigt war. Wenn die Vorinstanz nun bereits beim Entzug der aufschiebenden Wirkung ohne Dringlichkeit von einem groben Verfahrensfehler im Sinne von § 201 Abs. 2 VRG/LU ausgeht, so muss das umso mehr für den Fall gelten, in dem ohne Grund der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts und die Fremdplatzierung eines Kindes superprovisorisch angeordnet, die Eltern also nicht einmal vor dem entsprechenden Entscheid und der Fremdplatzierung ihres Kindes angehört wurden. Ohne nähere Begründung (siehe E. 2.2.2; diesbezüglich anders Urteil 5A_1000/2015 vom 19. Februar 2016 E. 5.1) auszuführen, der Erstinstanz könne kein grober Verfahrensfehler vorgeworfen werden und damit ohne ersichtlichen Grund von der eigenen, publizierten Rechtsprechung abzuweichen, hält dem Willkürverbot (Art. 9 BV) nicht stand (vgl. auch BGE 135 III 232 E. 2.4; Urteil 4A_75/2011 vom 26. Mai 2011 E. 2.4).