Citation: M 2/06 17.09.2007 E. 4

Das kantonale Gericht hat die massgebenden gesetzlichen Bestimmungen und Grundsätze zur Haftung der Militärversicherung bei während des Dienstes auftretenden Gesundheitsschäden wie auch bei Rückfällen und Spätfolgen (Art. 4-6 MVG; BGE 111 V 370 E. 1b S. 372, 105 V 225 E. 3a S. 229; Jürg Maeschi, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung [MVG] vom 19. Juni 1992, Bern 2000, N 41 ff. Vorbemerkungen zu Art. 5-7 MVG, N 21 ff. zu Art. 5 MVG, N 12 und 23 f. zu Art. 6 MVG) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. 4.1 Die nachdienstlich gemeldete psychische Erkrankung gehört weder zum Symptomkreis der Hochtoninnenohrschwerhörigkeit rechts und des Tinnitus rechts (Vorfall aus dem Jahr 1987) noch kann sie dem Erlebnis aus dem Jahr 1981 zugeordnet werden. Anwendung finden daher die Haftungs- und Beweisregeln des Art. 6 MVG. Wie das kantonale Gericht in umfassender Würdigung der medizinischen Akten richtig festgestellt hat, kann die Frage, ob es sich bei den heute bestehenden psychischen Gesundheitsstörungen um eine natürliche Folge des Erlebnisses aus dem Jahr 1981 handelt, nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 126 V 353 E. 5b S. 360) beantwortet werden. Eine Rückweisung der Sache zwecks Einholung eines weiteren Gutachtens erübrigt sich aber; selbst wenn auf Grund zusätzlicher Abklärungen der natürliche Kausalzusammenhang zu bejahen wäre, fehlt es - wie im angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegt wird - an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 3c). Die vom Versicherten angeführten Hinweise der involvierten Ärzte auf einen Zusammenhang zwischen den aktuellen psychischen Beschwerden und (neben weiteren Ereignissen) dem Erlebnis aus dem Jahr 1981 ändern daran nichts, weil es sich bei der Frage nach der Adäquanz um eine Rechtsfrage handelt, welche von der Verwaltung, und im Streitfall vom Gericht, zu beantworten ist. 4.2 Die Militärversicherung wendet sich in ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen die vorinstanzlich angeordnete Abklärung von Leistungsansprüchen im Zusammenhang mit dem im Jahr 1987 erlittenen Knalltrauma. Bei der vom kantonalen Gericht beschlossenen Rückweisung an die Verwaltung geht es allerdings nicht primär darum, die seinerzeit für den Tinnitus gewährte und ausgekaufte Integritätsschadenrente zu revidieren oder eine zusätzliche Integritätsschadenrente zuzusprechen. Gegenstand des Verfahrens sind (noch) keine eigentlichen Leistungsansprüche, sondern im Vordergrund steht die Abklärung der Haftung für die psychische Erkrankung. Zu diesem Zweck ist die Frage zu beantworten, ob zwischen dem Knalltrauma im Jahr 1987 und dem psychischen Gesundheitszustand ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Entgegen der Ansicht der Militärversicherung ergibt sich aus dem Umstand, dass sie bereits bei Zusprechung der Integritätsschadenrente im Jahr 1997 von einem schweren Tinnitus ausgegangen sei, nicht bereits eine Erklärung für oder gegen eine unfallbedingte psychische Störung. Die Qualifikation der psychischen Beschwerden als direkte Auswirkungen des Tinnitus, als sekundäre Folge des Tinnitus oder als davon gänzlich unabhängige Erkrankung ist auf Grund der bei den Akten liegenden psychiatrischen Beurteilungen nicht möglich, wie im angefochtenen Gerichtsentscheid zutreffend angegeben wird. So ist auch das im Auftrag der Invalidenversicherung erstellte Gutachten des Dr. med. I.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. September 2002, welches nach Auffassung des Versicherten alle Antworten enthält, in dieser Hinsicht gerade nicht vollständig, weil es die militärversicherungsrechtlich relevanten Fragen zur Ursächlichkeit nicht thematisiert. Die vorinstanzliche Rückweisung der Angelegenheit an die Verwaltung zur Einholung einer interdisziplinären Begutachtung und erneuten Verfügung ist demgemäss rechtens, was insoweit zur Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde der Militärversicherung führt.