Citation: 6B_1326/2023 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt, die korrekte Eröffnung der Verfügungen beurteile sich nach dem Verwaltungsverfahrensrecht, da es sich beim Führerausweisentzug um ein Administrativverfahren handle. Gemäss dem einschlägigen kantonalen Verwaltungsverfahrensrecht sei es den Behörden im Einklang mit der Rechtsprechung erlaubt, Verfügungen mit A-Post Plus zu versenden (Urteil S. 17 E. III.5.b). Die Verfügungen seien dem Beschwerdeführer gemäss Bestätigung der Post am 14. August 2020 bzw. am 12. September 2020 in den Briefkasten an seinen Wohnort gelegt worden. Es sei unwahrscheinlich, dass gerade zwei Verfügungen im Abstand von knapp einem Monat in einen falschen Briefkasten gelegt worden seien. Gleiches gelte für das Vorbringen des Beschwerdeführers, vielleicht habe jemand die Sendungen aus dem Briefkasten entfernt. Nach dem Gesagten sei davon auszugehen, dass ihm zumindest eine der Verfügungen korrekt eröffnet worden sei (Urteil S. 17 f. E. III.5.c). Da er aber trotz der darin enthaltenen Aufforderung zur Abgabe, seinen Führerausweis - unbestrittenermassen - nicht abgegeben habe, sei der objektive Tatbestand von Art. 97 Abs. 2 lit. b SVG erfüllt. Dem Beschwerdeführer sei zumindest Eventualvorsatz vorzuwerfen, weil er angesichts des gegen ihn laufenden Strafverfahrens wegen Geschwindigkeitsüberschreitung habe damit rechnen müssen, dass die Sendung einen Führerausweisentzug zum Inhalt habe; der Absender, das Strassenverkehrsamt, sei durch das Sichtfenster des Couverts erkennbar gewesen. Hinzu komme, dass dem Beschwerdeführer bereits dreimal der Führerausweis entzogen worden sei (zweimal wegen Geschwindigkeitsüberschreitung), weshalb er habe wissen müssen, dass bei grober Verkehrsregelverletzung ein vom Strassenverkehrsamt verfügter Führerausweisentzug drohe. Im Übrigen bringe der Beschwerdeführer nicht vor, er habe wegen einer längeren Abwesenheit keine Kenntnis vom Inhalt der Sendungen erlangen können. Vielmehr verbringe er den Sommer nach eigenen Angaben hauptsächlich an seinem Wohnort (Urteil S. 18 E. III.5.d).