Citation: 5A_625/2023 E. 3.4.1

3.4.1. Nach dem Wortlaut von Art. 298 Abs. 1 ZPO stehen die Anhörung durch das Gericht und diejenige durch eine beauftragte Drittperson auf gleicher Stufe. Der Entscheid darüber, von wem das Kind angehört wird, steht daher grundsätzlich im Ermessen (Art. 4 ZGB) des Gerichts (BGE 127 III 295 E. 2a). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung soll zwar der Richter die Anhörung in der Regel selbst vornehmen und sie jedenfalls nicht systematisch an Dritte delegieren; ebenso wenig sollen aber die vom Gesetz gewährten Spielräume unnötig beschränkt werden: Während der Anhörung durch den urteilenden Richter der Vorzug der Unmittelbarkeit innewohnt, wird dieser oft weniger an spezifischer Ausbildung und Erfahrung aufweisen als eine Fachperson (BGE 133 III 553 E. 4; 127 III 295 E. 2a und 2b). Die Pflicht, ein Kind anzuhören, besteht in der Regel nur einmal im Verfahren, und zwar grundsätzlich nicht nur auf die einzelne Instanz gesehen, sondern einschliesslich des Instanzenzugs. Ein Verzicht auf eine erneute Anhörung setzt allerdings voraus, dass das Kind zu den entscheidrelevanten Punkten befragt worden und das Ergebnis der Anhörung noch aktuell ist (BGE 146 III 203 E. 3.3.2).