Citation: U 431/99 01.03.2001 E. 6

6.- a) Die Vorinstanz hat die Adäquanzbeurteilung nach der für psychische Unfallfolgen in BGE 115 V 138 ff. Erw. 6 entwickelten und seither ständig angewandten Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vorgenommen (vgl. BGE 124 V 44 Erw. 5c/bb und 213 f. Erw. 4b; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 Erw. 2). Dies ist angesichts des Umstands, dass die psychische Auffälligkeit und die Persönlichkeitsstruktur der Versicherten - selbst bei Vorliegen von Beschwerden eines Schleudertraumas der HWS - klar im Vordergrund stehen, grundsätzlich korrekt (vgl. Erw. 3b in fine hievor). Nicht gefolgt werden kann dem kantonalen Gericht insoweit, als es die Auffassung vertreten sollte, falls lediglich noch psychische Beeinträchtigungen nach einem Schleudertrauma der HWS vorlägen, sei für die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang stets nach der in BGE 115 V 138 ff. Erw. 6 festgehaltenen Rechtsprechung vorzugehen. Vielmehr geht die Praxis zur Adäquanzbeurteilung bei Schleudertraumen der HWS, nach welcher eben gerade nicht unterschieden wird, ob die Beschwerden mehr organischer und/oder psychischer Natur sind, davon aus, dass diese gesundheitlichen Störungen eng miteinander verwoben sind und eine Differenzierung angesichts des komplexen und vielschichtigen Beschwerdebildes in heiklen Fällen gelegentlich grosse Schwierigkeiten bereitet (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa). Damit deshalb die für psychische Unfallfolgen geltende Rechtsprechung Anwendung findet, muss eine psychische Besonderheit und Auffälligkeit vorliegen, welche die auf Grund des Schleudertraumas der HWS erlittenen Beschwerden in den Hintergrund drängt. b) Ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf hat das kantonale Gericht den Unfall vom 6. Januar 1994 im Rahmen der Einteilung, wie sie für die Belange der Adäquanzbeurteilung bei psychischen Unfallfolgen vorzunehmen ist (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa), angesichts der Rechtsprechung (dargestellt in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff. Erw. 4b/bb sowie RKUV 1995 Nr. U 215 S. 91 Erw. b) zu Recht dem mittleren Bereich zugeordnet. Ob der adäquate Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich mithin anhand der in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa aufgelisteten Kriterien. Im Lichte der genannten Rechtsprechung ist das besagte Unfallereignis auf Grund des Hergangs und der Verletzungen nicht als schwerer Fall im mittleren Bereich zu bezeichnen, sondern eher im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen anzusiedeln. Der adäquate Kausalzusammenhang könnte daher nur bejaht werden, wenn ein einzelnes der einschlägigen Beurteilungskriterien in besonders ausgeprägter Form vorläge oder diese in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären (BGE 117 V 368 Erw. 6b, 115 V 140 f. Erw. 6c/bb). Die Versicherte erlitt anlässlich des Unfalles vom 6. Januar 1994 keine schweren oder in ihrer Art besonderen Verletzungen, welche erfahrungsgemäss geeignet gewesen wären, psychische Fehlentwicklungen in invalidisierendem Ausmasse auszulösen. Was die ärztliche Behandlung anbelangt, welche hauptsächlich in der Verabreichung von homöopathischen Heilmitteln sowie in der Durchführung von Hydrotherapien bestand, lagen laut Zwischenbericht des Dr. med. A.________ vom 21. Juni 1994 bereits im damaligen Zeitpunkt keine objektivierbaren Beschwerden mehr vor. Eine "eigentliche Behandlung" fand nach seinen Angaben nicht mehr statt, vielmehr führte die Versicherte eine Selbstmedikation mit Mantra-Badekuren sowie homöopathischen Medikamenten durch. Eine ungewöhnliche lange Dauer der ärztlichen Behandlung ist gemäss ärztlichen Zwischenberichten des Dr. med. T.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 21. Februar, 19. Juni und 30. September 1995 lediglich insofern zu bejahen, als die subjektiv geklagten Beschwerden mit energetischen Aufbaubehandlungen (Prana-Katinka etc.) therapiert wurden. Es kann im Weiteren weder von einem schwierigen Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen noch von einer ärztlichen Fehlbehandlung die Rede sein, welche die Unfallfolgen beträchtlich verschlimmert hätte. Auch das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist angesichts des Umstands, dass das Beschwerdebild schon nach ungefähr fünf Monaten mehrheitlich durch das psychische Leiden bestimmt war, zu verneinen. Bezüglich der geklagten körperlichen Dauerschmerzen sind sodann Vorbehalte anzubringen, nachdem eine erhebliche Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben und den objektiven Befunden sowie eine Verselbstständigung des Schmerzbildes festgestellt wurden. Was schliesslich das Unfallereignis selbst betrifft, kann einer frontalen Kollision eines Busses mit einem anderen Bus eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden. Selbst wenn indes von besonders dramatischen Begleitumständen auszugehen wäre, käme dem Unfall vom 6. Januar 1994 mangels - auffälligen - Vorliegens der weiteren Kriterien keine massgebende Bedeutung für die Entstehung der psychisch bedingten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu. Ob die Vorinstanz - wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht - in Bezug auf die genauen Umstände des Unfallverlaufs zu Unrecht auf die Abnahme weiterer Beweise (Einvernahme offerierter Zeugen, Übersetzung des Polizeirapportes) verzichtet hat, kann angesichts dieses Ergebnisses offen bleiben.