Citation: 7B_136/2025 E. 2.3.6

2.3.6. Bestätigt wird diese Betrachtungsweise weiter durch die systematische Einordnung der qualifizierten Wiederholungsgefahr in das Gefüge der besonderen Haftgründe. Sie reiht sich ein zwischen der einfachen Wiederholungsgefahr nach Art. 221 Abs. 1 lit. c StPO, welche mindestens zwei rechtskräftig abgeurteilte Vortaten verlangt (Urteil 7B_1035/2024 vom 19. November 2024 E. 2.11, zur Publikation vorgesehen), und der Ausführungsgefahr nach Art. 221 Abs. 2 StPO. Indem sie in einem separaten Absatz geregelt wurde, soll laut Botschaft ihr Ausnahmecharakter und ihre Nähe zur Ausführungsgefahr verdeutlicht werden (BBl 2019 6743). Da die qualifizierte im Gegensatz zur einfachen Wiederholungsgefahr auf das Vortatenerfordernis verzichtet, sind dafür umso strengere Anforderungen an die mutmasslich begangenen und zu befürchtenden Delikte zu stellen (vgl. BGE 150 IV 360 E. 3.2.2; RUCKSTUHL, a.a.O., S. 331; PALUMBO/PERESSIN/EGOND, a.a.O., S. 161; CONTE, a.a.O., S. 161). Nach der gesetzlichen Konzeption soll mit anderen Worten "das Weniger beim Vortatenerfordernis durch ein Mehr in Bezug auf die vergangenen und die drohenden Straftaten ausgeglichen werden" (CONINX/STUDER, a.a.O., S. 118 Rz. 4.32). Die qualifizierte Wiederholungsgefahr soll deshalb "auf klar definierte Fälle einer Gefährdung unmittelbarer und schwerer Art limitiert werden" (JOSITSCH/RÖTHLISBERGER, a.a.O., S. 26).