Citation: U 596/06 21.12.2007 E. 5

5.1 Dr. med. O.________ hält im Arztzeugnis UVG vom 12. Februar 1996 fest, die Versicherte habe beim Unfall vom 29. Januar 1996 ein Schleudertrauma der HWS erlitten. Nach ca. einer Stunde hätten Nacken- und Kopfschmerzen, verbunden mit Nausea, eingesetzt. Der Neurologe Dr. med. E.________ führt im Gutachten vom 18. Juni 1996 aus, die Beschwerdeführerin habe in der Folge das für einen derartigen Verletzungsmechanismus typische Beschwerdebild (vgl. BGE 119 V 335 E. 1 S. 338 oben) aufgewiesen. Konkret erwähnt werden neben Übelkeit sowie Kopf- und Nackenschmerzen insbesondere Konzentrationsstörungen und Schwindel. Dagegen ist eine erhebliche psychisch begründete Symptomatik nach Lage der Akten nicht ausgewiesen. Dr. med. O.________ erwähnt zwar am 16. April 1997 eine "seit längerer Zeit depressive Entwicklung als Folge zwischenehelicher Probleme", hält jedoch keine entsprechende Diagnose fest. Die späteren Abklärungen (insbesondere jene durch den Spezialarzt Dr. med. U.________ vom 31. Dezember 2001 im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS) ergaben kein krankheitswertiges psychisches Leiden. Unter diesen Umständen ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nach der mit BGE 117 V 359 ff. begründeten Rechtsprechung zu beurteilen. 5.2 Zum Hergang des Unfalls vom 29. Januar 1996 ist den Akten zu entnehmen, dass ein Geländefahrzeug mit Anhänger auf den an zweiter Stelle vor einem Lichtsignal stehenden Personenwagen der Versicherten auffuhr und diesen in das davor stehende Fahrzeug schob. Dieses Ereignis ist im Rahmen der für die Belange der Adäquanzprüfung vorzunehmenden Einteilung (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366) den mittelschweren Unfällen zuzuordnen. Die Beurteilung hängt somit davon ab, inwieweit die bei dieser Kategorie massgebenden Kriterien (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367) erfüllt sind. 5.2.1 Der Unfall vom 29. Januar 1996 ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen, noch ist er als besonders eindrücklich zu bezeichnen. Die Versicherte sagte gegenüber der Polizei aus, sie habe den auffahrenden Personenwagen im Rückspiegel auf sich zukommen sehen und sei auf die Kollision gefasst gewesen. 5.2.2 Bei der durch den Unfall verursachten HWS-Verletzung wie auch den überdies erlittenen Prellungen handelt es sich nicht um Verletzungen besonderer Art oder Schwere. 5.2.3 Es bestehen keine Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte. 5.2.4 Eine lange Dauer der ärztlichen Behandlung liegt, wie die Vorinstanz mit Recht darlegt, grundsätzlich vor, wobei die medizinische Versorgung allerdings zu einem beachtlichen Teil die Folgen der nachfolgenden Unfälle betraf. Das Kriterium hat daher als in vergleichsweise geringer Ausprägung erfüllt zu gelten. 5.2.5 Nach dem Unfall war die Versicherte bis 24. März 1996, also während knapp zwei Monaten, arbeitsunfähig. Anschliessend nahm sie ihre frühere Tätigkeit im Restaurant A.________ mit dem bisherigen Pensum von 50 % wieder auf. Die Arbeitgeberin hält im Bericht vom 25. Februar 1997 fest, ein höheres Pensum hätte aus gesundheitlichen Gründen nicht bewältigt werden können. Den Akten ist allerdings zu entnehmen, dass neben der unfallkausalen Symptomatik auch erhebliche Fussbeschwerden vorlagen. Im Rahmen des am 1. Oktober 1997 angetretenen Arbeitsverhältnisses beim Café B.________ war die Versicherte sogar vollzeitlich erwerbstätig. Die Arbeitgeberin hielt allerdings fest, der Lohn habe nicht der Leistung entsprochen (Bericht vom 31. März 1999). Die neue Anstellung als Verkäuferin ab April 1999 mit einem Pensum von 50% erfolgte im Hinblick auf die Invalidenrente von 50 % respektive die Arbeitsunfähigkeit gleichen Ausmasses gemäss dem Gutachten des Spitals X.________ vom 6. November 1998. Für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit war der Unfall vom 29. Januar 1996 nach Lage der Akten - einschliesslich der später erstellten Gutachten - weiterhin im Sinne einer Teilursache verantwortlich. Ab dem erneuten Unfall vom 29. Januar 2002 bestand zunächst volle Arbeitsunfähigkeit, wobei die zusätzliche Einschränkung vor allem auf die dabei erlittene Augenverletzung zurückging. In der Folge verbesserte sich der Zustand, und im Gutachten des Spitals Y.________ vom 27. August 2003 wird die Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf 50 % beziffert, wobei die Einschränkung zu je 50 % unfall- und krankheitsbedingt sei. Der Expertise desselben Spitals (korrigierte Fassung) vom 14. Februar 2006 ist zu entnehmen, dass die unfallbedingte Komponente dem Ereignis vom 29. Januar 1996 zuzuordnen ist, während bezüglich desjenigen vom 29. Januar 2002 der status quo sine erreicht wurde. Nach neuerer Rechtsprechung (SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 8.6.1, U 479/05) beurteilt sich im Falle von Teilzeitarbeit das Adäquanzkriterium "Arbeitsunfähigkeit" auf Grund des Teilzeitpensums und nicht bezogen auf ein Vollpensum. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn davon auszugehen ist, dass das Pensum im Gesundheitsfall erhöht worden wäre. Die Versicherte hält in einem Schreiben an die IV-Stelle vom 22. Juni 1999 fest, sie habe im Restaurant A.________ wegen ihrer Mutterpflichten (sie hat zwei Kinder mit den Jahrgängen 1973 und 1977) nur zu 50 % gearbeitet. Nach der Trennung vom Ehemann im Jahr 1997 habe sie eine vollzeitliche Anstellung benötigt, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass der Unfall vom 29. Januar 1996 und seine Folgen zu einer erheblichen und bleibenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf geführt haben, während die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nur in relativ geringem Ausmass, aber langfristig reduziert wurde. Mit Blick auf die dazu entwickelte Praxis (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 f., U 56/00) hat das Kriterium der nach Grad und Dauer erheblichen Arbeitsunfähigkeit als knapp erfüllt zu gelten. Dies entspricht auch der Beurteilung im Einspracheentscheid vom 4. Mai 2006. 5.2.6 Ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen können nach der neueren Rechtsprechung nicht bereits aus dem Fortbestehen bestimmter Symptome abgeleitet werden, sondern setzen voraus, dass besondere Gründe gegeben sind (SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 ff. E. 8.5, U 479/05). Dies trifft hier insofern zu, als der zunächst nicht ungewöhnliche Heilungsverlauf durch die weiteren Unfälle mit Kopf- oder HWS-Beteiligung in erheblicher Weise negativ beeinflusst wurde. Daher ist auch dieses Kriterium als erfüllt zu betrachten. Die Ausprägung ist überdurchschnittlich, aber nicht derart intensiv, dass die Adäquanz allein aus diesem Grund zu bejahen wäre. 5.2.7 Das kantonale Gericht ist - wie bereits die Zürich im Einspracheentscheid - mit Recht zum Ergebnis gelangt, das Adäquanzkriterium der Dauerschmerzen sei gegeben. 5.3 Zusammenfassend haben vier der relevanten Adäquanzkriterien als erfüllt zu gelten, wobei ein Kriterium in überdurchschnittlicher und zwei in eher geringer Ausprägung vorliegen. Dies genügt für die Bejahung der Adäquanz. Die Zürich hat somit ihre Leistungen zu Unrecht mit dem 24. April 1998 eingestellt. Die Sache ist an den Versicherer zurückzuweisen, damit er den Leistungsanspruch auf der Basis des gegebenen Kausalzusammenhangs prüfe und darüber neu entscheide.