Citation: 5C.257/2003 30.06.2006 E. 2

Strittig ist zur Hauptsache, ob die Erblasserin zur Zeit der Errichtung des Ehe- und Erbvertrages vom 9. Oktober 2000 urteilsfähig gewesen ist. Der Kläger verlangt zunächst eine Ergänzung des Sachverhaltes im Sinne von Art. 64 OG in Bezug auf den Bewusstseinszustand der Erblasserin im Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung sowie in den Tagen unmittelbar danach. 2.1 Die Beurteilung der Urteilsfähigkeit einer Person umfasst sowohl die Feststellung von Tatsachen als auch die Anwendung von Bundesrecht: Bezüglich ersterem stellt der Sachrichter den geistigen Zustand einer Person im fraglichen Zeitraum sowie Art und Tragweite möglicher störender Einwirkungen fest; dazu gehört insbesondere, ob und inwieweit die Erblasserin zur Beurteilung der Folgen ihres Handelns und zur Leistung von Widerstand gegenüber Versuchen der Willensbeeinflussung befähigt war (BGE 117 II 231 E. 2c S. 235; 124 III 5 E. 4 S. 13). Diese tatsächlichen Feststellungen können vom Bundesgericht im Berufungsverfahren grundsätzlich nicht überprüft werden (Art. 63 Abs. 2 OG). Ausnahmen bestehen für Tatsachenfeststellungen, die offensichtlich auf Versehen beruhen, unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen (Art. 63 Abs. 2 OG) oder zu ergänzen sind (Art. 64 OG). Wer ein Verfahren nach Art. 64 OG verlangt, hat aufzuzeigen und mit genauen Hinweisen auf die Akten zu belegen, dass er im kantonalen Verfahren die Tatsachen, die zu Unrecht für unerheblich erklärt worden sind, wirklich vorgebracht und zu deren Beweis form- und fristgerecht Anträge gestellt hat (BGE 119 II 353 E. 5c/aa S. 357; 130 III 102 E. 2.2 S. 106). Einwände gegen die Ermittlung und Feststellung des Sachverhalts, die diesen formellen Anforderungen nicht genügen, haben als eine blosse Kritik an der Beweiswürdigung oder als eine Ergänzung des Sachverhalts zu gelten und sind in der Berufung unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 117 II 256 E. 2b S. 258; 130 III 136 E. 1.4 S. 140). 2.2 Der Kläger macht zwar eine Ausnahme nach Art. 64 OG geltend, indes zeigt er nicht auf, welche rechtserheblichen Tatsachen das Kantonsgericht nicht abgeklärt haben soll. Die vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen weisen denn auch keine Lücken auf, welche im Sinne von Art. 64 OG einer Ergänzung bedürften. Im Grunde kritisiert der Kläger unter dem Titel der lückenhaften Sachverhaltsfeststellung die Beweiswürdigung, indem er Ausführungen zur Krankeit der Erblasserin macht und die Zeugenaussagen und weitere Beweismittel frei würdigt. Darauf kann nicht eingetreten werden. Die Rüge, das Kantonsgericht habe den bei Eintritt der Erblasserin ins Spital erstellten Bericht nicht ediert, wird nachfolgend in Zusammenhang mit Art. 8 ZGB behandelt (vgl. E. 3).