Citation: 4A_262/2013 E. 5

Da die Vorinstanz im Rahmen der subjektiven Auslegung den Standpunkt des Beschwerdegegners, dass übereinstimmend eine nicht sichtbare Dachkonstruktion gemeint und gewollt war, für bewiesen hielt, erübrigte es sich streng genommen, auch noch eine Auslegung nach dem Vertrauensprinzip vorzunehmen, da eine solche nur und erst zum Zuge kommt, wenn ein übereinstimmender tatsächlicher Parteiwille nicht bewiesen werden kann (Erwägung 3.1). Dementsprechend erweisen sich auch die Rügen der Beschwerdeführerin betreffend die Eventualbegründung der Vorinstanz - wonach ein gleichlautender normativer Konsens anzunehmen wäre - als nicht entscheiderheblich. Ohnehin ist aber die Auslegung der Vorinstanz nach dem Vertrauensprinzip bundesrechtlich nicht zu beanstanden: Die Vorinstanz stellte zur ursprünglichen ersten Offerte (bzw. Auftragsbestätigung zur Unterschrift) vom 22. November 2002 fest, es sei unbestritten, dass der Beschwerdegegner ursprünglich beides offeriert habe, einen Dachstuhl mit Deckenverkleidung und einen Dachstuhl ohne Deckenverkleidung (Rohbau) und separater Deckenverkleidung. In der Folge habe er nur den Auftrag für den Dachstuhl ohne Deckenverkleidung erhalten und die Offerte bzw. Auftragsbestätigung vom 28. November 2002 entsprechend angepasst. Die Beschwerdeführerin habe die offensichtlich irrtümlich im Text verbliebene Gesamtauftragssumme von ca. Fr. 135'000.00 vor der Unterzeichnung noch herausgestrichen. Gemäss Aussage des Architekten sei dies erfolgt, weil man dem Beschwerdegegner nicht den gesamten Auftrag habe erteilen, sondern sich habe vorbehalten wollen, die Deckenverkleidung anderweitig zu vergeben. Selbst wenn die Beschwerdeführerin bereits zu jenem Zeitpunkt keine Deckenverkleidung, sondern einen sichtbaren Dachstuhl gewollt hätte, - was nicht der Fall sei - habe der Beschwerdegegner in guten Treuen davon ausgehen dürfen, die von ihm zu erstellende Dachkonstruktion erhalte noch eine Deckenverkleidung. Die Beschwerdeführerin ihrerseits habe die Offerte des Beschwerdegegners aufgrund der Ausschreibung mit den Plänen nach Treu und Glauben als solche für eine nicht sichtbare Dachkonstruktion mit Verkleidung entgegennehmen müssen (so wie sie vom Beschwerdegegner auch tatsächlich gemeint und gewollt gewesen sei). Der Beschwerdegegner habe die Zustimmung der Beschwerdeführerin zu seiner Offerte, das heisst die Unterzeichnung der Auftragsbestätigung vom 28. November 2002, nach Treu und Glauben so verstehen dürfen. Gemäss der Vorinstanz kann aus der Auftragsvergabe der blossen Dachkonstruktion (das heisst ohne Verkleidung) an den Beschwerdegegner nicht geschlossen werden, es sei eine sichtbare Konstruktion vereinbart worden. Eine solche Argumentation blende die Vorgeschichte (Ausschreibung mit den Plänen und mit der Deckenverkleidung) aus. Vielmehr zeige der Umstand, dass die zweite Offerte ohne die Deckenverkleidung unterzeichnet worden sei ("Auftragsbestätigung"), dass gerade nicht eine sichtbare Dachkonstruktion Vertragsinhalt geworden sei. Dies ergebe sich daraus, dass der Preis der Dachkonstruktion gleich geblieben sei (ursprünglicher Gesamtbetrag abzüglich Deckenverkleidung). Dass eine sichtbare Zimmermannsarbeit mehr koste als eine unsichtbare (verkleidete), sei gerichtsnotorisch. Diesen überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz vermag die Beschwerdeführerin nicht beizukommen, indem sie ihnen lediglich ihre eigene Auffassung gegenüberstellt und - teilweise unter unzulässiger Ergänzung des vorinstanzlich festgestellten Sachverhalts (vgl. Erwägung 2.2) - darlegt, was nach ihrer Sicht der Dinge aus den beiden Offerten (bzw. der Auftragsbestätigung) vom 22. und 28. November 2002 abzuleiten sei. Vielmehr ist der Vorinstanz beizupflichten, dass der Beschwerdegegner mit Blick auf die dargestellte Vorgeschichte und die gestützt auf die Pläne des Architekten (die eine nicht sichtbare Dachkonstruktion enthielten) erfolgte Offerte die unterzeichnete Auftragsbestätigung vom 28. November 2002 nach Treu und Glauben so verstehen durfte, dass er eine nicht sichtbare Dachkonstruktion zu erstellen habe, die Verkleidung demgegenüber anderweitig vergeben würde.