Citation: I 364/06 21.06.2007 E. 5

In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab 1. März 2002 geltend gemacht. Es ist zu prüfen, ob zu jenem Zeitpunkt während eines Jahres eine mindestens 40%ige durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als kaufmännische Angestellte und gleichzeitig eine künftige Erwerbsunfähigkeit in demselben Ausmass vorgelegen hatte (Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG). 5.1 Die Beschwerdeführerin befand sich in Behandlung bei zahlreichen Ärztinnen und Ärzten. Dr. med. V.________ attestierte am 15. April 2003 wegen einer seit Juni 2002 bestehenden schweren Depression und massiven Miktionsstörungen bei einem Status nach Hysterektomie im Juli 2002 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Büroangestellte seit dem 1. März 2002. Dr. med. K,________, Fachärztin für Arbeitsmedizin und Psychosomatik FMH, stellte im Bericht vom 12. Juli 2003 die Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.11) bei psychosozialer Belastungssituation. Auch sie attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit ab März 2002. Dr. med. M.________, Oberärztin am Psychiatrischen Zentum I.________ führte in ihrem Bericht vom 13. November 2003 eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.21) in bedeutend psychosozialer Belastungssituation auf. Sie hielt ihre Patientin seit dem 6. Februar 2003 für vollständig arbeitsunfähig. Vom 29. April bis 3. Juni 2003 war die Beschwerdeführerin in der Klinik X.________ hospitalisiert. Im Abschlussbericht vom 3. Juni 2003 finden sich die Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung (F 45.4), einer psychosozialen Belastungssituation (Z63), von Panikattacken mit retrosternalen Schmerzen und Dyspnoe (F41.0) und einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.11). Über die Arbeitsfähigkeit werden keine Angaben gemacht. Im Gutachten des Y.________ vom 20. August 2004 über eine im Mai 2004 stattgefundene Untersuchung werden schliesslich die Diagnosen einer leichten depressiven Episode (ICD-10: F32.0), einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), einer Agoraphobie ICD-10: F40.0) und einer Hyperventilation (ICD-10: F45.33) gestellt. Weitere zahlreiche Diagnosen seien ohne Einfluss auf die Arbeitsunfähigkeit. Diese wird allein wegen der psychiatrischen Diagnosen auf 20 % festgesetzt. Im Bericht über einen stationären Aufenthalt in der Clinic U.________ vom 8. April bis 5. Mai 2004 werden als Diagnosen insbesondere ein Fibromyalgiesyndrom (18 von 18 positive Druckpunkte), ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom und chronische Kopfschmerzen sowie ein depressives Zustandsbild mit Angststörung genannt. Ab September 2004 war die Beschwerdeführerin in psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. N.________, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie. Auch diese stellte die Diagnosen einer schweren depressiven Episode bei Verdacht auf rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33.2), einer somatoformen Schmerzstörung und einer Panikstörung (ICD-10: F41.0). Schliesslich wird im kantonalen Beschwerdeverfahren ein weiterer Bericht über einen stationären Aufenthalt in der Klinik X.________ vom 18. April bis 17. Mai 2005 aufgelegt, wo unter anderem die Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung, einer somatoformen autonomen Funktionsstörung und einer rezidivierenden depressiven Störung, derzeit mittelschwere Episode, aufgeführt werden. 5.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird insbesondere gerügt, Verwaltung und Vorinstanz hätten ihre Entscheide zu Unrecht einzig auf die medizinische Beurteilung im Y.________-Gutachten vom 20. August 2004 abgestellt. Die psychische Problematik sei in Wirklichkeit viel gravierender. Die Beschwerdeführerin lässt weitere Berichte über Aufenthalte in der privaten Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Z.________ vom 30. August bis 20. Oktober 2005 und vom 13. Januar bis 25. April 2006 sowie einer akuten Hospitalisation während eines Ferienaufenthaltes in Bosnien wegen einer schweren depressiven Störung mit psychotischen Symptomen und Suizidalität im August 2005 auflegen. Da diese allesamt den Sachverhalt nach Erlass des Einspracheentscheides am 2. Februar 2005 beschreiben, sind sie für die hier zu beurteilende Frage indessen nicht relevant (Erwägung 2). Zusammenfassend leidet die Beschwerdeführerin seit der erstmals attestierten Arbeitsunfähigkeit im März 2002 insbesondere an einer somatoformen Schmerzstörung. Diese ist, wie das kantonale Gericht ausführlich dargelegt hat, in der Regel nicht invalidisierend, da rechtsprechungsgemäss davon auszugehen wird, dass sie willentlich überwindbar ist (BGE 130 V 352). Vorliegend wird in den Arztzeugnissen als eigenständige Diagnosen zusätzlich eine psychosoziale Belastungssituation und eine mittelgradige depressive Episode angeführt. Davon abweichend stellten die Gutachter am Y.________ im Mai 2004 eine leichte depressive Episode und die behandelnde Psychiaterin Dr. N.________ im September 2004 eine schwere depressive Episode fest. Da depressive Episoden definitionsgemäss veränderlich sind, handelt es sich bei den differierenden Diagnosen nicht zwingend um Widersprüche. Im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d) steht jedenfalls fest, dass eine erneute psychiatrische Begutachtung keine neuen Erkenntnisse über den Grad der depressiven Episoden im hier zu beurteilenden Zeitraum vom März 2002 bis Januar 2005 bringen würde. 5.3 Sowohl die Schmerzstörung als auch die Angststörungen mit depressiven Episoden entstanden gemäss Gutachter einzig wegen einer ausserordentlich schwierigen psychosozialen Belastung. Den psychiatrischen Zusatzdiagnosen kommen somit keine eigene selbstständige Bedeutung im Sinne einer Komorbidität zur somatoformen Schmerzstörung zu. Die Invalidenversicherung versichert zu Erwerbsunfähigkeit führende Gesundheitsschäden, worunter soziokulturelle Umstände und/oder psychosoziale Belastungssituationen nicht zu begreifen sind. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden psychosozialen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 299 Erw. 5a mit Hinweisen). 5.4 Zusammenfassend steht fest, dass es der Beschwerdeführerin mindestens bis im Februar 2005 zumutbar war, ihre angestammte Erwerbstätigkeit als kaufmännische Sachbearbeiterin in einem Ausmass von 80 % auszuführen. Dies, weil neben der somatoformen Schmerzstörung beziehungsweise der Fibromyalgie, welche in rechtlicher Hinsicht gleich behandelt wird (BGE 132 V 65 Erw. 4 S. 70 ff.), keine verselbstständigte psychische Komorbidität in der erforderlichen Intensität vorgelegen hatte. Damit war sie nicht in einem rentenrelevanten Ausmass erwerbsunfähig. Nicht zu beurteilen ist dabei, ob sie die ihr von ihrer Familie zudem auferlegten Aufgaben als Ehefrau, Mutter und Erzieherin, Hausfrau für eine fünfköpfige Familie und Pflegerin der betagten Mutter und Schwiegermutter zusätzlich zu erledigen vermochte. Da die Beschwerdeführerin invalidenversicherungsrechtlich als voll Berufstätige gilt, sind die aufgezählten weiteren Tätigkeiten nicht mitversichert.