Citation: 2C_495/2020 E. 6.1

6.1. Erreicht die aufgelöste eheliche Gemeinschaft der ausländischen Person die Anforderungen von Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG nicht, weil sie entweder nicht lange genug dauerte oder die ausländische Person nicht hinreichend integriert ist, hat die ausländische Person nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG Anspruch auf weiteren Aufenthalt, wenn "wichtige persönliche Gründe" ihn "erforderlich machen". Nach Art. 50 Abs. 2 AIG kann dies unter anderem der Fall sein, wenn die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint. Bei der Beurteilung der wichtigen persönlichen Gründe sind sämtliche Aspekte des Einzelfalles mit zu berücksichtigen (vgl. Art. 31 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201]). Bedeutsam kann ferner sein, wie lange der Ausländer in der Schweiz gelebt hat, unter Umständen auch ausserhalb der Ehe, um welche es geht. Entscheidend ist, ob die persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark gefährdet zu gelten hat und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre (BGE 139 II 393 E. 6 S. 403; 138 II 229 E. 3.1 S. 232; 137 II 345 E. 3.2.3 S. 349 f.; Urteil 2C_335/2020 vom 18. August 2020 E. 3.2). Ein persönlicher, nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der konkreten Umstände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben der ausländischen Person voraus, die mit ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfallen der gestützt auf Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AIG abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sind (BGE 139 II 393 E. 6 S. 403; 138 II 229 E. 3.1 S. 232; 137 II 345 E. 3.2.3 S. 349 f.; Urteil 2C_335/2020 vom 18. August 2020 E. 3.2). Der Härtefall muss sich auf die Ehe und den damit einhergehenden Aufenthalt beziehen (vgl. zum Ganzen: BGE 140 II 129 E. 3.5 S. 132 f.; 139 II 393 E. 6 S. 403; 138 II 229 E. 3.1 S. 232; 137 II 345 E. 3.2.3 S. 349 f.). Insofern hat eine gewisse Kontinuität bzw. Kausalität mit bzw. zur gescheiterten ehelichen und familiären Gemeinschaft zu bestehen (BGE 140 II 129 E. 3.5 S. 132 f.; Urteile 2C_335/2020 vom 18. August 2020 E. 3.2; 2C_837/2016 vom 23. Dezember 2016 E. 4.3.1; 2C_1151/2015 vom 5. September 2016 E. 3.2).