Citation: 4C.143/2002 31.03.2003 E. 3

Die sozialpolitisch begründete Untersuchungsmaxime gemäss Art. 343 Abs. 4 OR soll den Parteien die persönliche Prozessführung ohne Beizug von Anwälten mit entsprechendem Kostenrisiko ermöglichen (Staehelin/Sutter, Zivilprozessrecht, S. 109, Rz. 26; Staehelin/Vischer, Zürcher Kommentar, N 30f. zu Art. 343 OR). Sie entbindet die Parteien aber nicht von der aktiven Mitwirkung im Prozess und von der Verantwortung dafür, das in Betracht fallende Tatsachenmaterial dem Gericht prozesskonform zu unterbreiten und die Beweismittel zu bezeichnen (BGE 107 II 233 E. 2c S. 236; vgl. auch BGE 125 III 231 E. 4a S. 238f.; Rehbinder, Berner Kommentar, N 22f. zu Art. 343 OR). Nur wenn der Richter sachliche Gründe zur Annahme hat, die Beweisangebote seien unvollständig, hat er dies durch eine Befragung der Parteien nachzuprüfen und diese zu einer Vervollständigung der Akten anzuhalten (BGE 107 II 233 E. 2c S. 236). Ist eine Partei anwaltlich vertreten, darf das Gericht in aller Regel auf die Sachkunde des Rechtsvertreters vertrauen und sich darauf verlassen, dass ihm der Prozessstoff sowohl behauptungs- als auch beweismässig vollständig vorliegt. Diesfalls wird bei Zurückhaltung des Sachgerichts gegenüber amtswegiger Anordnung von Beweismassnahmen schon im Hinblick auf den erwähnten Regelungszweck nur in krassen Fällen eine Verletzung von Art. 343 Abs. 4 OR anzunehmen sein. Ohnehin verbietet die Untersuchungsmaxime dem kantonalen Gericht nicht, sich bereits aufgrund der vorliegenden Beweise mit Bezug auf das streitige Vorbringen eine Überzeugung zu bilden, denn Bundesrecht schreibt nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären und wie das Ergebnis zu würdigen ist. Insoweit liegt Beweiswürdigung vor, welche von Art. 343 Abs. 4 OR nicht geregelt wird und die der Überprüfung im Verfahren der eidgenössischen Berufung entzogen ist (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 126 III 388 E. 8a S. 389; 122 III 219 E. 3c S. 223, je mit Hinweisen).