Citation: 6B_824/2022 E. 2.2

2.2. Die Oberstaatsanwaltschaft führt in ihrer Stellungnahme zusammengefasst aus, beim Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Strafbefehl vom 9. Juli 2019 habe es sich nicht um das erste Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer gehandelt. Deshalb, und weil er mit strafrechtlichen Sanktionen wegen rechtswidrigen Aufenthalts habe rechnen müssen, sei er gehalten gewesen, sich nach dem Inhalt bzw. der Bedeutung des am 19. Juli 2019 entgegengenommenen, mit eingeschriebener Post zugestellten Dokuments zu erkundigen. Dies, wie auch in der Folge die Erhebung einer Einsprache, habe er unterlassen, obschon er spätestens nach der Aushändigung des Strafbefehls vom 16. September 2019 gewusst habe, was ein Strafbefehl sei, wie dagegen vorgegangen werden können und ihm habe bewusst sein müssen, dass er ein ähnliches Dokument bereits zwei Monate zuvor erhalten habe. Die Oberstaatsanwaltschaft geht von einer umfassenden Aufklärung über den Strafbefehl und dessen Tragweite durch die damalige Rechtsvertretung aus, zumal eine Einsprache dagegen nur mit Kenntnis sowie Willen der beschuldigten Person erfolge. Nachdem der Beschwerdeführer danach weitere rund eineinhalb Jahre mit einer Einsprache zugewartet habe, sei ihm eine grobe prozessuale Unsorgfalt vorzuwerfen.