Citation: U 313/04 01.02.2005 E. 5

5.1 Nach den unterschriftlich bestätigten Angaben der Beschwerdegegnerin vom 17. November 2002 steht fest, dass sie bei der fraglichen Abfahrt weder ausgeglitten noch gestürzt ist. Als sie auf der unpräparierten Piste nach einem Sprung im hügeligen Gelände in einer Mulde landete, fand eine Kompression statt. Darin lässt sich weder eine sinnfällige Überanstrengung noch etwas Programmwidriges erblicken. Beim Befahren von unpräparierten Pisten in alpinem Gelände muss mit Hügeln, Mulden und Gräben gerechnet werden. Bei solchen Abfahrten wird gerade diese Topographie gesucht. Wie die Beschwerdegegnerin selber festhält, machte das Springen über Gräben und von Hügel zu Hügel Spass und stellte somit die eigentliche Attraktion der gewählten Route dar. Ausserhalb von maschinell präparierten Pisten ist der Verlauf von Geländeunebenheiten oft nicht genau voraussehbar und Schneeansammlungen sind nichts Aussergewöhnliches. Die Skifahrer nehmen daher in Kauf, unerwartet im weichen Schnee hängen zu bleiben oder einzustecken, was zu Bewegungsänderungen und insbesondere zu einem unsanften Abbremsen mit dem entsprechenden Einwirken physikalischer Kräfte auf den Körper führen kann. Auch Sprünge gelingen unter diesen Umständen oftmals nicht optimal. Den Entschluss, die besagte Skiroute am frühen Nachmittag zu befahren, hat die Beschwerdegegnerin mit voller Absicht und im Wissen um die spezielle Konsistenz frühlingshafter Schneeverhältnisse gefasst. Sie hat die Bodenwelle auch bewusst nicht umfahren, sondern übersprungen. Zwar trat bei der Landung in der Mulde eine sinnfällige Veränderung zwischen menschlichem Körper und Aussenwelt ein, indem die Versicherte durch die Bremswirkung in die Hocke nach vorwärts gepresst wurde und die auf Distorsionen besonders anfällige Halswirbelsäule entsprechenden Kräfteeinwirkungen ausgesetzt war. Da die Ursache der HWS-Distorsion jedoch weder durch ein objektiv unvorhersehbares noch sonst wie abnormes Geschehen gesetzt wurde, fehlt es an einer unfallrelevanten Fremdeinwirkung auf die Halswirbelsäule der Versicherten. Ungewöhnlich in unfallversicherungsrechtlicher Hinsicht ist lediglich die durch das abrupte Abbremsen beim Landen in der Mulde verursachte schädigende Einwirkung auf die Halswirbelsäule. Weil sich aber das Merkmal der Ungewöhnlichkeit nur auf den äusseren Faktor selbst, nicht aber auf dessen Wirkung auf den menschlichen Körper bezieht, liegt kein Unfall vor. Wenn die Versicherte die auf ihren Körper wirkenden Kräfte subjektiv als besonders heftige und schmerzhafte Vorwärtsbewegung des Kopfes empfunden hat, vermag diese keine objektive Ungewöhnlichkeit zu begründen. 5.2 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, gemäss RKUV 1999 Nr. U 333 S. 195 sei die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors, dessen Einwirkung auf den menschlichen Körper eine Gesundheitsschädigung verursache, im Regelfall ohne nähere Prüfung zu bejahen. Daraus leitet sie ab, dass auch wenn sie mit dem Nichterreichen der gegenseitigen Anhöhe habe rechnen müssen, die Ungewöhnlichkeit des Vorfalles nicht negiert werden könne. Das Anprallen und Steckenbleiben im Gegenhang stelle einen ungewöhnlichen äusseren Faktor dar. Dem kann nach dem in Erwägung 5.1 Gesagten nicht gefolgt werden. Im von der Beschwerdegegnerin erwähnten Urteil hat das Eidgenössische Versicherungsgericht mit Bezug auf Sportunfälle präzisiert, diese würden infolge mechanischer Einwirkungen eines äusseren Faktors auf den Körper (Sturz, Zusammenstoss etc.) in der Regel den Unfallbegriff erfüllen. Ohne solche Einwirkung komme es auf die Programmwidrigkeit des Bewegungsablaufs sowie die sportliche Erfahrung an (RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 Erw. 3c/dd). Im in der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin ebenfalls angeführten Urteil vom 30. Dezember 2003 (teilweise publiziert in BGE 130 V 117), ging es um einen Eishockeyspieler der sich beim Check gegen eine Bande verletzt hat. Durch diesen Vorgang wurde der natürliche Ablauf der Körperbewegung programmwidrig beeinflusst. Der vom gefoulten Spieler vorgesehene Bewegungsablauf wurde durch die äussere Einwirkung des Gegenspielers gestört (BGE 130 V 120 Erw. 3). Gemäss Stellungnahme vom 28. März 2003 hatte die Versicherte die Situation rechtzeitig erkannt und den Bewegungsablauf den Verhältnissen anpassen können, indem sie sich in Vorlage begeben hat. Ein eigentlicher Aufprall oder eine unkoordinierte Bewegung hat nicht stattgefunden. Es verhält sich somit ähnlich wie beim Autofahrer, der eine Vollbremsung einleiten muss, um eine Kollision zu vermeiden, wobei das starke und völlig unerwartete Abbremsen bei Autofahrten nicht aussergewöhnlich ist. In solchen Situationen, in welchen der Bewegungsablauf möglicherweise stark intensiviert wird, ist nichts Ungewöhnliches zu erblicken, wenn nichts Besonderes, wie zum Beispiel ein Zusammenstoss, hinzutritt (Urteil M. vom 25. März 2004, U 131/03).