Citation: K 3/04 27.09.2004 E. 3

3.1 Die umfangreiche medizinische Aktenlage zum Vorliegen einer Osteomyelitis präsentiert sich widersprüchlich und uneinheitlich. Die Diagnose einer diskreten unspezifischen Osteomyelitis stellte Prof. Dr. med. M.________ anlässlich der histopathologischen Untersuchung am 4. Februar 2000. Gestützt darauf ersuchte der behandelnde Kiefer- und Gesichtschirurge die Krankenkasse um Übernahme der Kosten für die Therapie einer Osteomyelitis des Kiefers. Prof. Dr. med. M.________ definierte in der vorinstanzlich eingeholten Beweisauskunft vom 20. Juni 2002 die Osteomyelitis als Knochenentzündung und nicht ausschliesslich als Knochenmarkentzündung, wobei jede Knochenentzündung primär im Markbereich beginne. Der Terminus Ostitis werde von Radiologen und klinisch tätigen Ärzten für bestimmte Formen der Osteomyelitis verwendet. Im vom kantonalen Gericht eingeholten Gutachten vom 26. November 2002 und Ergänzungsgutachten vom 24. Juli 2003 wurde festgehalten, dass auf Grund der Analyse der Resultate sämtlicher durchgeführter klinischer und radiologischer Untersuchungen die Diagnose einer Osteomyelitis gestellt werden konnte. Demgegenüber verneinen der Vertrauenszahnarzt und der Vertrauensarzt der Beschwerdeführerin in ihren Berichten vom 26. Oktober 2000, 15. Februar 2001 und 10. Dezember 2002 das Vorliegen einer Osteomyelitis. Der Vertrauenszahnarzt hält fest, es liege ein vermeidbarer, rein odontogener infektiöser Prozess vor, ausgehend von wurzelbehandelten infiszierten Zähnen, der mit den histologischen Merkmalen einer Osteomyelitis identisch sei, aber keine solche beinhalte. Der von der Beschwerdeführerin nach Erhalt des vorinstanzlichen Entscheids beigezogene Dr. med. O.________ verneint in seinem Gutachten vom 5. Januar 2004 entschieden das Vorliegen einer Osteomyelitis und hält fest, dass sich auch im Behandlungsvorgang nicht geringste Hinweise und Ansätze schulmässiger Behandlung dieser Erkrankung fänden. Er weist darauf hin, dass der Kliniker aus reinen Praktikabilitätsgründen gezwungen sei, zwischen den Krankheitsbildern der Osteomyelitis und der Ostitis klar zu differenzieren. Wäre dies nicht der Fall, müssten seiner Ansicht nach alle apicalen Zahngranulome und deren Folgeerscheinungen einer klinischen Osteomyelitis entsprechen, was zu unvorstellbaren finanziellen Belastungen des Gesundheitswesens führen würde und nicht der Absicht des Gesetzgebers entsprechen könne. 3.2 Das kantonale Gericht stützt seinen Entscheid auf das Gutachten des Prof. Dr. Dr. med. G.________ und Dr. Dr. med. Z.________ vom 26. November 2002 mit Ergänzung vom 24. Juli 2003. Die Krankenversicherung hat schon im kantonalen Verfahren die Frage aufgeworfen, ob der mit der Erstellung des Gutachtens beauftragte Prof. Dr. Dr. med. G.________ die Aufgabe an den Oberarzt Dr. Dr. med. Z.________ delegieren durfte. Nicht relevant ist diesbezüglich die Aussage des Prof. Dr. Dr. med. G.________ im Ergänzungsteil vom 24. Juli 2003, wonach die Delegation "im Rahmen einer normalen Arbeitsaufteilung innerhalb des Kaders der Klinik" erfolgt sei. Die Frage kann indes offen bleiben, weil das Gutachten inhaltlich nicht genügend zu überzeugen vermag. Wohl präsentiert es sich bei der Anamnese, bei den Lokal- und Röntgenbefunden sowie bei der Abhandlung der allgemeinen Fragen breit und ausführlich. Bei der Beantwortung der entscheidenden Frage, ob die verstorbene Versicherte an einer Osteomyelitis gelitten hat, ist die Antwort jedoch sehr knapp. Es widerspricht sich diesbezüglich auch insoweit, als es zur Feststellung einer Osteomyelitis verschiedene diagnostische Abklärungen empfiehlt, wohingegen es sich bei der Beantwortung der entscheidenden Frage mit der histopathologischen Untersuchung begnügen will. Unter einer Osteomyelitis sodann versteht das klinische Wörterbuch Pschyrembel eine Knochenmarkentzündung, meist mit Knochenentzündung, während es eine Ostitis als Knochenentzündung definiert. Auch in dieser Frage nach dem Unterschied zwischen Osteomyelitis und Ostitis antwortet das Ergänzungsgutachten vom 24. Juli 2003 ausweichend. Es wird lediglich ausgeführt, der Entstehungsort einer Osteomyelitis sei identisch mit dem Entstehungsort einer sogenannt radiologischen periapikalen Ostitis, nämlich der Markraum. Die Antwort auf die gestellte Frage nach dem Unterschied bleibt aus. In der Beweisauskunft des Prof. Dr. med. M.________ vom 20. Juni 2002, an welche sich das Gutachten stark anlehnt, hatte der Experte die Auffassung vertreten, Osteomyelitis heisse Knochenentzündung und nicht ausschliesslich Knochenmarkentzündung, womit er sich im Gegensatz zum klinischen Wörterbuch stellt. Auch er geht davon aus, dass jede Knochenentzündung "primär im Markbereich" beginne. Selbst wenn Osteomyelitis und Ostitis beide im Markbereich beginnen sollten, heisst dies nicht, dass beides die gleiche Erkrankung ist. In der Praxis würde dies nämlich bedeuten, dass bei jeder Knochenentzündung mit gleichem histopathologischem Untersuchungsergebnis wie vorliegend von einer Osteomyelitis auszugehen wäre. Wohl mag das pathologische Untersuchungsergebnis mit einer Osteomyelitis vereinbar sein, was jedoch auch nach Auffassung des Dr. med. O.________ nicht zwingend bedeutet, dass es sich nur um eine Osteomyelitis und nicht um eine Ostitis handeln kann. 3.3 Nachdem die Aktenlage zur entscheidenden Frage des Vorliegens einer Osteomyelitis zu widersprüchlich ist, um darauf abstellen zu können, ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie ein Obergutachten einhole und anschliessend neu entscheide.