Citation: 5A_40/2024 E. 5

In rechtlicher Hinsicht geht es um die in BGE 141 III 472 begründete Rechtsprechung zu den Voraussetzungen für die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge: Die gemeinsame elterliche Sorge von Vater und Mutter bildet unabhängig von der spezifischen familienrechtlichen Konstellation (gemeinsames oder getrenntes Leben der Eltern; verheiratete oder geschiedene oder unverheiratete Eltern) den Grundsatz. Von diesem soll nur dann abgewichen werden, wenn eine andere Lösung die Interessen des Kindes ausnahmsweise besser wahrt (BGE 143 III 361 E. 7.3.2); die Zuteilung der elterlichen Sorge an einen Elternteil muss eine eng begrenzte Ausnahme bleiben (BGE 143 III 361 E. 7.3.2). Sie fällt insbesondere in Betracht, wenn Eltern in einem schwerwiegenden Dauerkonflikt stehen oder bezüglich der Kindesbelange anhaltend kommunikationsunfähig sind, sich dieser Mangel negativ auf das Kindeswohl auswirkt und eine Alleinzuteilung der elterlichen Sorge diesem besser gerecht wird (BGE 141 III 472 E. 4.6; 142 III 1 E. 3.3; 142 III 197 E. 3.5 und 3.7); in Bezug auf die grundsätzlichen Kindesbelange ist ein bestimmtes Mindestmass an Übereinstimmung erforderlich und es liegt nicht im Kindeswohl, wenn für jede Einzelfrage ein Verfahren zu eröffnen wäre, in welches das Kind mit zunehmendem Alter hineingezogen würde, weil sich die Eltern chronisch nicht einigen können oder der eine Elternteil kaum erreichbar ist (BGE 142 III 197 E. 3.6). Das Obergericht hat diese Kriterien ausgehend von seinen Sachverhaltsfeststellungen als erfüllt betrachtet. Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, der Elternkonflikt beziehe sich nur auf das Besuchsrecht und wirke sich noch gar nicht auf das Sorgerecht aus; für dessen Entzug sei aber erforderlich, dass sich der Mangel (schwerwiegender Dauerkonflikt oder anhaltende Kommunikationsunfähigkeit) negativ auf das Kindeswohl auswirke und von einer Alleinzuteilung eine Verbesserung erwartet werden könne. Dies sei vorliegend nach den klaren Aussagen des Obergerichtes bislang nicht der Fall und es sei versäumt worden, mildere Massnahmen zu ergreifen. Der angefochtene Entscheid hält - unter Berücksichtigung des den kantonalen Gerichten bei allen Kindesbelangen zukommenden Ermessens (Art. 4 ZGB) - vor Bundesrecht stand: Es ist aktenkundig, dass die Eltern einen heftigen und chronischen Konflikt haben. Dieser bezieht sich zwar momentan primär auf das Besuchsrecht. Indes ist der Beschwerdeführer für die Mutter oft über lange Zeit kaum oder gar nicht erreichbar, was gemeinsame Entscheide betreffend die Lebensplanung des Kindes, welche den Kern der elterlichen Sorge ausmachen, weitgehend verunmöglicht. Einzig die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge vermag diesem nicht im Kindeswohl liegenden Missstand Abhilfe zu verschaffen. Dabei darf entgegen dem sinngemässen Vorbringen des Beschwerdeführers auch die zukünftige Entwicklung in die Gesamtbetrachtung miteinbezogen werden, ist doch in Bezug auf die Auswirkungen des Dauerkonfliktes und der Kommunikationsunfähigkeit auf das Kind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zwangsläufig eine sachverhaltsbasierte Prognose anzustellen (Urteile 5A_186/2016 vom 2. Mai 2016 E. 4; 5A_903/2016 vom 17. Mai 2017 E. 4.1; 5A_809/2018 vom 18. Dezember 2019 E. 4.2.2; 5A_248/2023 vom 17. August 2023 E. 5.1). Vor diesem Hintergrund ist die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge im vorliegenden Fall nicht bundesrechtswidrig.