Citation: H 69/01 03.12.2001 E. 4

4.- a) Nach der Rechtsprechung ist die Schadenersatzpflicht nach Art. 52 AHVG im konkreten Fall nur begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 186 Erw. 1b). So kann es sein, dass ein Arbeitgeber, der sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch Nichtbezahlung der Beiträge versucht, die Existenz des Unternehmens zu bewahren. Ein solches Vorgehen führt allerdings nur dann nicht zu einer Haftung gemäss Art. 52 AHVG, wenn der Arbeitgeber zunächst für das Überleben des Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere der Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, gleichzeitig aber auf Grund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen darf, die geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen zu können (BGE 108 V 188; ZAK 1992 S. 248 Erw. 4b, 1985 S. 577 Erw. 3a). b) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Liquiditätsprobleme der B.________ AG seien durch die Konkurse zweier Grosskunden, der X.________ AG im Sommer 1996 und der Y.________ GmbH im April 1997, entstanden. Trotz dem im Konkurs der X.________ AG erlittenen Debitorenverlust von Fr. 136'642. 10 sei die "Hoffnung ... finanziell über die Runden zu kommen" sachlich begründet gewesen und mit dem Konkurs der Y.________ GmbH habe er nicht rechnen müssen. Es steht fest, dass die B.________ AG bereits 1996 in erheblichen finanziellen Nöten stand und das nicht geschäftsführende Mitglied des Verwaltungsrates, Advokat C.________, deswegen im Januar 1997 aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten ist. Zwischen ihm und dem Beschwerdeführer bestanden Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die Firma wirtschaftlich überlebensfähig sei oder nicht. Advokat C.________ erachtete selbst die Gründung einer Auffanggesellschaft als sinnlos, da die B.________ AG über keinerlei Reserven verfügte und das laufende Geschäft kaum mehr kostendeckend geführt werden konnte. Dies bedeutet aber nichts anderes, als dass die Firma in den Augen des dem Verwaltungsrat angehörenden Wirtschaftsanwaltes bereits anfangs 1997 konkursreif war und der Verwaltungsrat gestützt auf Art. 725 Abs. 2 OR wohl bereits damals verpflichtet gewesen wäre, den Richter zu benachrichtigen. Der Beschwerdeführer substanziiert denn auch keinerlei objektive Gründe, welche anfangs 1997 und auch noch nach dem Konkurs der Y.________ GmbH im April 1997 eine Sanierung und wirtschaftliche Erholung begründet hätten. Ebenso wenig macht er, ausser der Überweisung von Fr. 80'000.- aus privaten Mitteln an die Ausgleichskasse im Februar 1997, irgendwelche Massnahmen geltend, die er zu diesem Zweck ergriffen hätte. Die Vorinstanz ist aus diesen Gründen zu Recht zum Schluss gelangt, dass keinerlei Rechtfertigungs- und Exkulpationsgründe im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 52 AHVG dargetan sind, welche den der Ausgleichskasse zufolge Zahlungsunfähigkeit der B.________ AG praktisch ausschliesslich im Jahre 1997 entstandenen Schaden als gerechtfertigt oder unverschuldet erscheinen lassen würden.