Citation: 6B_630/2018 E. 1.5.3

1.5.3. Die Erwägungen der Vorinstanz geben zu keiner Kritik Anlass. Dass der Beschwerdeführer sich nach dem Match freiwillig mit den Visper Ultras besammelte und auch bewusst und gewollt bei dieser Gruppe verblieb, als sie sich zum Fanmarsch in Bewegung setzte, wird nicht bestritten. Anders als der Beschwerdeführer meint, wäre es bereits in diesem Zeitpunkt geboten gewesen, sich von der Gruppe zu distanzieren, zumal die Versammlung von einer friedenstörenden Grundstimmung getragen wurde (vgl. vorstehend E. 1.3.2). Gemäss vorinstanzlicher Sachverhaltsfeststellung erkannte der Beschwerdeführer, dass es zu Zwischenfällen kommen könnte. Wenn er Gegenteiliges behauptet und ausführt, als erstmaliger Hockeyspielbesucher und Nicht-Szene-Kenner habe er nicht ahnen können, was passieren würde, weicht er von dem für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhalt der Vorinstanz (Art. 105 Abs. 1 BGG) ab, ohne Willkür darzutun. Er verkennt, dass das Bundesgericht keine Appellationsinstanz ist, welche eine freie Prüfung in tatsächlicher Hinsicht vornimmt. Seine Rüge genügt den qualifizierten Begründungsanforderungen an die Willkürrüge (Art. 106 Abs. 2 BGG) nicht, weshalb darauf nicht einzutreten ist. Der Beschwerdeführer geriet damit nicht zufällig und ohne sein Wissen oder gegen seinen Willen in die Zusammenrottung. Der friedensbedrohende Charakter war für ihn erkennbar. Er aktualisierte dieses Wissen während des Marsches und solidarisierte sich mit der gewalttätigen Menge durch sein Mitmarschieren. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, es sei ihm nach Beginn der Konfrontation beim "Schoren-Pintli" nicht mehr möglich gewesen, sich von der Zusammenrottung zu distanzieren, und die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung in diesem Zusammenhang als unvollständig und willkürlich rügt, kann ihm nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz hat sich mit den relevanten Beweismitteln eingehend auseinandergesetzt. Dabei hat sie insbesondere auch jene Zeugenaussagen berücksichtigt, von denen der Beschwerdeführer behauptet, sie hätte sie ausser Acht gelassen. So führt sie gestützt auf die Schilderungen von A.________ (kantonale Akten, act. 611 Z. 25 ff.) und B.________ (kantonale Akten, act. 621 Z. 19) aus, dass es in dieser Phase vorübergehend tatsächlich etwas schwieriger geworden sein dürfte, Abstand zu nehmen und mit der Polizei zu reden. Auch der Polizist C.________ habe ausgesagt, es würden (erfahrungsgemäss) die Spielchen beginnen, Fans würden abzuschleichen versuchen, um Unfug zu treiben. Sie würden von der Polizei begleitet, damit dies nicht passiere. Zeuge C.________ habe aber ebenso deutlich ausgesagt, wenn jemand komme und klar sage, dass er gehen müsse und dies begründe, dann würde man die Person auch gehen lassen. Es sei nicht so, dass sie die Fans regelrecht an den Bahnhof getrieben hätten (kantonale Akten, act. 641 Z. 34 ff., act. 643 Z. 9 ff.) (angefochtenes Urteil S. 25). Dass die Vorinstanz in Würdigung dieser Aussagen zum Schluss kommt, der Beschwerdeführer hätte sich nach Verlassen des Stadions, zu Beginn des Fanmarsches und auch bei bzw. nach den Ausschreitungen beim "Schoren-Pintli" - wenngleich dort auch nur unter erschwerten Bedingungen - von der Visper Gruppe distanzieren können und ihm dies von der Polizei nicht verunmöglicht worden wäre, ist dies nicht schlechterdings unhaltbar. Der blosse Umstand, dass die Vorinstanz die Aussagen anders würdigt, als es der Beschwerdeführer offenbar gerne hätte, begründet noch keine Willkür. Ihre Schlussfolgerungen sind nach der Aktenlage weder offensichtlich unrichtig, noch ist darin eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung oder ein willkürliche Beweiswürdigung zu erblicken. Weitere Gründe, die dem Beschwerdeführer, ein Weggehen verunmöglicht hätten, sind mit der Vorinstanz nicht ersichtlich. Insbesondere ist es nicht spekulativ, sondern vielmehr naheliegend, wenn diese angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer keine Fankleidung trug, zum Schluss gelangt, dass dieser sich selbstständig bzw. ohne den Schutz der Zusammenrottung zum Bahnhof hätte begeben können. Dies ergibt sich bereits daraus, dass es sich bei den Personen der gewaltbereiten Gruppe nicht um die einzigen Anhänger des EHC Visp gehandelt hat, die das Spiel im Stadion Schoren in Langenthal verfolgt hatten und sich nach dem Match eine Vielzahl von Visper Fans normal zum Bahnhof begaben, ohne Teil der Zusammenrottung zu sein (vgl. angefochtenes Urteil S. 24). Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, war der angeblich erhoffte Polizeischutz schliesslich dann kein Argument mehr, bei der Visper Gruppe zu bleiben, als diese kurz nach dem "Schoren-Pintli" begann, Bierflaschen und Steine gegen die Ordnungshüter zu werfen. Vor diesem Hintergrund und entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers erscheint er damit nicht als ein von der Ansammlung distanzierter Zuschauer, sondern solidarisierte sich mit der provokativ und gewaltbereit auftretenden Personenansammlung, indem er sich dieser freiwillig, bewusst und gewollt anschloss und den ganzen Weg vom Stadion bis zum Bahnhof mit der Gruppe mitmarschierte, obschon er die Möglichkeit gehabt hätte, die Zusammenrottung zu verlassen. Dass der Beschwerdeführer sich bei den gewalttätigen Konfrontationen mit den Langenthaler Fans etwas zur Seite stellte bzw. die Strassenseite wechselte, kann mit der Vorinstanz nicht als ernsthafte Distanzierung gewertet werden. Es kann diesbezüglich auf die überzeugenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (vgl. angefochtenes Urteil S. 25 f.). Auch wenn er die Visper Ultras beim Fanmarsch nicht mit Gesten und Parolen unterstützte, erschien er kraft des Mitmarschierens in der Visper Gruppe für einen unbeteiligten Beobachter klar als Bestandteil der Zusammenrottung. Dass er selber keine Gewalttätigkeiten beging ist unerheblich, da sich die Tathandlung beim Tatbestand des Landfriedensbruchs in der Teilnahme an der mit Gewalttätigkeiten verbundenen Zusammenrottung erschöpft. Ebenso wenig ist zu beanstanden, wenn die Vorinstanz auch aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers vor und während des Spiels und gestützt auf dessen Aussagen ("unsere Gruppe", "wir", "einige von uns" etc.) auf eine Solidarisierung mit der besagten Visper Gruppe schliesst und zum Schluss gelangt, dass der Beschwerdeführer sich zum Tatzeitpunkt selber als Teil der Gruppe verstanden habe. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist es der Vorinstanz nicht verwehrt, Erkenntnisse aus der Zeit vor dem Fanmarsch in ihre Würdigung einfliessen zu lassen. Weiter kann der Beschwerdeführer auch aus der Rechtsprechung des Obergerichts Zürich bzw. aus dem Urteil des Zürcher Obergerichts vom 19. Juni 2012, SB120128, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Der jenem Urteil zugrunde liegende Sachverhalt ist mit der vorliegenden Situation nicht vergleichbar. Der vom Obergericht Zürich freigesprochene Beschuldigte geriet kurz vor der Verhaftung unbeabsichtigt in eine Zusammenrottung. Er verliess diese, sobald ihm dies möglich war und schloss sich ihr auch nicht an, da er die Gewalt nicht richtig und die Sachbeschädigungen nicht in Ordnung fand (Urteil SB120196 S. 9 f.). Infolgedessen erschien seine Teilnahme an einer Zusammenrottung nicht als erwiesen. Demgegenüber war der Beschwerdeführer ein Teil der Zusammenrottung, indem er sich aus freien Stücken der gewaltbereiten Gruppierung anschloss, sich während des Fanmarsches freiwillig innerhalb der besagten Gruppe Visper Fans aufhielt, keine ernsthaften Anstalten machte, sich von dieser zu distanzieren und diese damit mit seine physischen Anwesenheit unterstützte. Schliesslich vermag auch das Vorbringen, dass es dem Beschwerdeführer einzig darum gegangen sei zum Bahnhof bzw. sicher zum Bahnhof zu gelangen, die Verurteilung wegen Landfriedensbruch nicht als bundesrechtswidrig auszuweisen. Das Motiv für eine Tat spielt keine Rolle für den Vorsatz, sondern stellt einen allenfalls bei der Strafzumessung zu berücksichtigenden Faktor dar (Urteile 6B_675/2018 vom 26. Oktober 2018 E. 2.4.5; 6B_776/2016 vom 8. November 2016 E. 2.5.2; je mit Hinweisen).