Citation: 6B_315/2020 E. 6.2

6.2. Die Vorinstanz erwägt, es stehe fest, dass das Betonelement nicht nach den Regeln der Baukunde abgestellt sowie gesichert worden sei. J.________ habe sich nur durch schnelles Wegspringen vor dem umstürzenden Element retten können. Weiter sei unbestritten, dass D.________ zwischen der Fassadenbrüstung und der Hebebühne eingeklemmt worden sei. Er habe sich schwere Verletzungen zugezogen, als das Betonelement gekippt sei. Dass die fahrlässige Körperverletzung und die Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde in objektiver Hinsicht erfüllt seien, stelle der Beschwerdeführer nicht in Frage (Urteil S. 38 E. 8.2.1). Hinsichtlich des subjektiven Tatbestands hält die Vorinstanz fest, die erhobenen Beweise - namentlich das Gutachten - hätten ergeben, dass beim beabsichtigten Transportvorgang mit Hilfe zweier Krane bei der Zwischenlagerung eine liegende (energielose) Lagerung auf der grössten Fläche sowie bei aufrechter Position, die schräg an sog. A-Böcke gelehnte Position geboten gewesen wäre. Die liegende Lagerung wäre ohne erheblichen Zusatzaufwand durchführbar gewesen. Aus den Befragungen von I.________, J.________, D.________ und K.________ gehe schliesslich hervor, dass die Verwendung eines A-Bocks in der Baubranche zu den anerkannten Sicherungsmethoden gehöre. Der Beschwerdeführer bestreite denn auch nicht, dass die Lagerung des Elements auf einem A-Bock im konkreten Fall die Sicherungsmethode der Wahl gewesen wäre. Indem dieser das Betonelement abgestellt und die Ketten des Krans entspannt habe, ohne für die Sicherung der Ladung bei deren Abstellen gesorgt zu haben, habe er eine anerkannte Regel der Baukunde und damit die objektiv gebotene Sorgfalt nicht eingehalten. Das in der Gefährdung immanente Risiko habe sich dergestalt realisiert, dass das Betonelement umgestürzt sei. Dass ein umstürzendes 10 Tonnen schweres Element alle unmittelbar an Leib und Leben gefährde, die sich in dessen Fallrichtung aufhalten würden, ergebe sich ohne Weiteres. Ebenso würden sich die schweren Verletzungen von D.________ als unmittelbare Folge des ungesicherten Abstellens des Betonelements ergeben. Der Risikozusammenhang zwischen der Sorgfaltspflichtverletzung und dem Taterfolg sei klar gegeben. So wäre das Betonelement nicht umgestürzt, wenn der Beschwerdeführer darauf bestanden hätte, dass es entweder flach gelagert oder an einen A-Bock abgestellt werde (Urteil S. 38 f. E. 8.2.2.1). Weiter erwägt die Vorinstanz, es gehöre zum Grundwissen eines ausgebildeten Kranführers, dass Bauteile beim Abstellen vor dem Abhängen zu sichern seien. Der Hebevorgang sei erst abgeschlossen, wenn das Bauteil vom Kran abgehängt sei, weshalb die Sicherung des Ladeguts nach dem Abstellen und noch vor dem Abhängen in den Zuständigkeitsbereich des Kranführers falle. Der Beschwerdeführer verfüge über eine mehr als 20-jährige Berufserfahrung als Kranführer und habe schon kleinere Betonelemente transportiert. Da er auch den Grundkurs zur Erlangung des Kranführerausweises absolviert habe und sich habe weiterbilden können, wisse er, dass das Ladegut sicher abzustellen sei, damit es nicht in Gefahr bringender Weise umstürzen könne. Es gelte auch hier der allgemeine Gefahrensatz. Der Beschwerdeführer hätte sich somit fragen müssen, ob das Betonelement sicher genug dastehe, um die Ketten abhängen zu können. Der zweite Kranführer, I.________, habe denn auch ausgesagt, er habe sofort geahnt, dass es gefährlich sei. Er habe gesagt, man dürfe das Element nicht so abhängen. Er habe sich als Kranführer für die Sicherheit verantwortlich gefühlt. Dieses Mindestmass an Kenntnis und Vorsicht sei auch vom Beschwerdeführer zu erwarten. Die Aussage von I.________ mache deutlich, dass der Kranführer dafür verantwortlich sei, das Ladegut sicher abzustellen, und dies auch wisse. Mithin hätte der Beschwerdeführer erkennen können und müssen, dass es gefährlich sei, das Betonelement auf der nur 20 cm breiten Schmalseite aufrecht stehend abzustellen. Dass er mit so grossen Elementen keine Erfahrung gehabt habe, entlaste ihn nicht; denn grundsätzlich bestehe bei flachen und dünnen Kuben immer die Gefahr, dass sie umkippen, wenn sie hochkant abgestellt werden. J.________ etwa habe ausgesagt, dass es selbstverständlich sei, dass man ein Element nicht so hinstelle. Auch der Bauleiter P.________ habe erklärt, es gehe gar nicht, dass man ein Betonelement ungesichert hochkant hinstelle. Das widerspreche jeglichen Regeln der Baukunde. Es wisse jeder, dass man das nicht machen dürfe. Gestützt darauf sei davon auszugehen, dass es für den Beschwerdeführer erkennbar gewesen sei, dass ein auf der Schmalseite stehendes, flaches Betonelement nicht eigenstandsicher sei (Urteil S. 39 f. E. 8.2.2.2). Die Vorinstanz führt weiter aus, das arbeitsteilige Vorgehen mit C.________ als Gruppenleiter und Anweiser einerseits und dem Beschwerdeführer als Kranführer andererseits vermöge unter den gegebenen Umständen Letzteren nicht zu entlasten. Auch wenn sich dieser in ca. 40 m Entfernung zum Element befunden habe, habe er trotzdem die gesamte Situation überblicken können und gewusst, dass das Element hochkant abgestellt worden sei. Dass es so nicht sicher stehe und damit eine Gefahrenlage geschaffen worden sei, sei derart offensichtlich, dass der Beschwerdeführer nicht vorbehaltlos dem "Chef" habe vertrauen dürfen. Das Vertrauensprinzip komme nicht zum Tragen; denn auf fremde Sorgfalt könne man dort nicht vertrauen, wo konkrete Anzeichen für das Gegenteil bestünden. Dies treffe nach dem Vorstehenden offensichtlich zu (Urteil S. 40 E. 8.2.2.2).