Citation: 5A_154/2022 E. 4.4.1

4.4.1. Die Beschwerdeführerin rügt auch eine Verletzung des Verhältnismässigkeitsprinzips nach Art. 36 Abs. 3 BV. Die zitierte Norm verlange, dass die Erforderlichkeit des in Frage stehenden staatlichen Eingriffs im jeweiligen Einzelfall im aktuellen Zeitpunkt geprüft werden müsse. Indem sie diesbezüglich nicht von Fachspezialisten überprüfen lasse, ob z.B. ein Antikörpertest, Medikamente gegen die COVID-19-Erkrankung, Komplementärmedizin etc. als "mildere Mittel" zur Verfügung stehen, masse sich die Vorinstanz zulasten von C.________s Gesundheit eine Abwägung an, die ihr nicht zustehe. In der Folge erklärt die Beschwerdeführerin, weshalb ein Antikörpertest ein geeignetes Mittel wäre, um im Rahmen der Verhältnismässigkeit zu prüfen, "ob es ein milderes Mittel als die COVID-19-Impfung gibt". Wäre C.________ positiv auf Antikörper getestet worden, so hätte festgestellt werden können, dass der Verlauf der COVID-19-Erkrankung für ihn nicht gefährlich ist. Was die Einnahme von Vitamin D und des Wirkstoffs Ivermectin angeht, verkenne das Obergericht seine Aufgabe, "als Justiz die Anordnungen/Behauptungen der Exekutive zu überprüfen". Die Beschwerdeführerin zitiert internationale Medienberichte, wonach Studien Ivermectin "sehr wohl als gutes - aber billiges - Medikament gegen die COVID-19-Erkrankung proklamieren" würden und dieser Wirkstoff andernorts erfolgreich angewendet werde. Weiteren zitierten Berichten zufolge werde Vitamin D zur COVID-Prävention empfohlen; laut internationalen Studien seien Menschen mit ausgewogenem Vitamin-D3-Spiegel weniger anfällig, schwer an COVID-19 zu erkranken. Überdies habe die Swissmedic am 16. April 2021, im Dezember 2021 und im Januar 2022 drei Arzneimittel gegen COVID-19 zugelassen. Was die Abweisung ihres Antrags angeht, die komplementärmedizinischen Möglichkeiten zur Behandlung einer COVID-19-Erkrankung gutachterlich abklären zu lassen, hält sie dem angefochtenen Entscheid Art. 118a BV entgegen, wonach Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin sorgen. Diese Vorschrift gelte auch für die Vorinstanz. Deren Behauptung, dass die Komplementärmedizin in die Empfehlungen des BAG und/oder der EKIF einbezogen worden sei, geisselt die Beschwerdeführerin als tatsachenwidrig; deshalb hätte das Obergericht im Rahmen der Verhältnismässigkeit zwingend ein Zusatzgutachten in Auftrag geben müssen, um seinen gesetzlichen Aufgaben und Pflichten "ordnungsgemäss nachzukommen". Die Vorinstanz habe es versäumt, die möglichen Nebenwirkungen jeder neuen COVID-19-Impfdosis gegenüber den erwähnten Alternativen (Antikörpertest, Medikamente, Komplementärmedizin) unter Berücksichtigung des jeweils aktuellsten internationalen Stands abzuwägen bzw. diese Abwägung der Verhältnismässigkeit "zwingend" mittels eines Gutachtens vornehmen zu lassen.