Citation: 6B_1005/2017 E. 4.2.4

4.2.4. Wenn nun im Einzelfall die Prognose - wie hier (oben E. 4.1.4) - zu ungünstig erscheint, um einen vollständigen Aufschub der Freiheitsstrafe (Art. 42 StGB) zu gewähren, so gilt dies nicht notwendigerweise auch im Hinblick auf einen teilweisen Aufschub. Die Beurteilung nach Art. 43 StGB muss auf einer eigenständigen legalprognostischen Grundlage erfolgen. Bei einer Freiheitsstrafe, die teilweise vollzogen und teilweise aufgeschoben wird, kann die Einschätzung der Wiederholungsgefahr in zweifacher Hinsicht günstiger ausfallen als bei einer vollständig bedingten resp. vollständig unbedingten Freiheitsstrafe: Gegenüber dem vollständigen Aufschub erhöht sich bei teilweisem Vollzug die Warnwirkung der Strafe (BGE 134 IV 1 E. 5.5.2 S. 15; SCHNEIDER/GARRÉ, a.a.O., N. 15 zu Art. 43 StGB mit Hinweisen). Komplementär dazu bildet der zum andern Teil ausgesetzte Vollzug einen Anreiz, nicht rückfällig zu werden (vgl. ANDRÉ KUHN, in: Commentaire romand, Code pénal I, 2017, N. 3 zu Art. 43 StGB; GÜNTER STRATENWERTH, in: forumpoenale 2008 S. 25 [Urteilsbesprechung]). Die im Zusammenhang mit der Frage eines vollständigen Aufschubs gestellte ungünstige Legalprognose ist somit nicht ohne Weiteres auf die Prüfung eines teilweisen Aufschubs übertragbar (KUHN, a.a.O., N. 24 zu Art. 43 StGB). Gerade bei Tätern, die noch nie zuvor eine Freiheitsstrafe verbüsst haben, kann ein teilweiser Vollzug der Strafe in Verbindung mit der Drohung eines späteren Vollzugs des aufgeschobenen Teils die Rückfallneigung soweit verändern, dass die Erwartung, der Täter werde sich bewähren, wieder auflebt.