Citation: 6B_1208/2022 E. 1.3.1

1.3.1. Zunächst erachtet die Vorinstanz mit Bezug auf die versuchte Vergewaltigung den qualifizierten Tatbestand aufgrund des Einsatzes einer Schere durch den Beschwerdeführer überzeugend als erfüllt. Der Beschwerdeführer hat die Geschädigte unstreitig mit der Schere bedroht und diese somit im Sinne des Gesetzes verwendet, auch wenn er die Geschädigte nicht tatsächlich damit verletzt hat. Zudem steht willkürfrei fest, dass sich die Geschädigte körperlich gegen die Übergriffe wehrte und den Beschwerdeführer immer wieder von sich stiess, wobei es zu kräftigen und ruckartigen Bewegungen kam. Ferner ist unbestritten, dass beide Beteiligten alkoholisiert waren. Wie sich schliesslich aus der Anklageschrift ergibt, lag die Geschädigte rücklings auf dem Bett, während der Beschwerdeführer zwischen ihren Beinen stand und - offensichtlich mit der Schere in der einen Hand - versuchte, vaginal in die Geschädigte einzudringen. Unter diesen Umständen bejaht die Vorinstanz eine konkrete Gefahr erheblicher Schnitt- oder Stichverletzungen im Kopf-, Hals- und Brustbereich zu Recht. Dies gilt selbst dann, wenn mit dem Beschwerdeführer davon ausgegangen wird, dass zwischen der Schere und dem Kopf der Geschädigten gemäss ihren Angaben ein Abstand von 60 bis 90 Zentimeter bestand und wozu sich die Vorinstanz nicht äussert. So war es angesichts des dynamischen Geschehens und der Gegenwehr der Geschädigten ohne Weiteres denkbar, dass der Beschwerdeführer etwa das Gleichgewicht verloren und die Geschädigte mit der drohend über ihrem Kopf gehaltenen Schere verletzt hätte. Dabei hätte es gerade angesichts der Distanz der Schere zum Körper der Geschädigten und des Gewichts des Beschwerdeführers zu schweren Verletzungen kommen können. Im Übrigen kann den Aussagen der Geschädigten mit Bezug auf den Abstand der Schere zu ihrem Kopf nicht die vom Beschwerdeführer postulierte Exaktheit beigemessen werden, zumal es sich dabei um eine bloss subjektive Einschätzung handelt. Soweit er in Anlehnung an die Erstinstanz, welche von ca. 4 Lineallängen spricht, einen Abstand von 80 bis 120 Zentimetern behauptet, geht er von einem für das Bundesgericht nicht verbindlichen Sachverhalt aus, ohne Willkür darzutun. Dies gilt ebenso, wenn der Beschwerdeführer einen besonders vorsichtigen Einsatz der Schere sowie eine mangelnde Verletzungsabsicht behauptet und das Fehlen einer konkreten Gefahr damit begründet. Die Vorinstanz bejaht eine konkrete Gefahr für die Geschädigte umso mehr zu Recht, als sie ohne Willkür annimmt, dass die Schere im Rahmen der Drohungen geöffnet war, die Schneiden somit offen lagen. Entgegen seinem Vorbringen musste der Beschwerdeführer zudem mit weiterer Gegenwehr der Geschädigten rechnen, was sich gerade daran zeigt, dass er sie augenscheinlich mehrmals mit der Schere bedrohte, und sie sich danach jeweils eine Zeit lang ruhig verhielt. Die Verletzungsgefahr wurde dadurch mithin nicht massgeblich verringert. Für die Qualifikation gleichfalls nicht entscheidend ist, dass der Beschwerdeführer die Geschädigte tatsächlich nicht verletzte, genügt hierfür doch die Verwendung des gefährlichen Gegenstands (oben E. 1.1.1). Auch von einer willkürlichen Beweiswürdigung kann keine Rede sein. Der Beschwerdeführer beschränkt sich darauf, der vorinstanzlichen Beweiswürdigung seine eigene Darstellung des Sachverhalts sowie seiner angeblichen Absichten entgegenzuhalten. Damit begründet er keine Willkür. Dies gilt ebenso, wenn er vorbringt, es hätten keine erhebliche Stich- und Schnittverletzungen, sondern bloss harmlose Verletzungen an Armen, Händen und Füssen gedroht. Die Gefahr erheblicher, auch schwerer oder entstellender Verletzungen ergibt sich ohne Weiteres aus den vorinstanzlichen Erwägungen zum bedrohten Körperbereich der Geschädigten an Hals, Brust und Gesicht. Im Übrigen scheint der Beschwerdeführer zu verkennen, dass sich das Qualifikationsmerkmal der Grausamkeit nach den gesamten Tatumständen beurteilt. Die Vorinstanz verletzt kein Bundesrecht, wenn sie dieses Merkmal bejaht. In tatsächlicher Hinsicht steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer die ihm völlig unbekannte Geschädigte zunächst nach Hause verfolgte, in die Wohnung eindrang und mehrmals versuchte sie zu vergewaltigen. Dabei hat er sie wiederholt an der Flucht aus ihrer Wohnung gehindert resp. sie aus dem Treppenhaus wieder in die Wohnung zurückgezerrt und sie hat vergebens versucht, ihre Nachbarn auf sich aufmerksam zu machen. Zudem hat der Beschwerdeführer trotz der steten Gegenwehr der Geschädigten und unter Zuhilfenahme einer grossen Schere gleich zweimal versucht, in sie einzudringen, wobei die Vorinstanz aufgrund der natürlichen Handlungseinheit rechtlich von einer einzigen Tat ausgeht. Gleichwohl liegt darin eine besondere, namentlich psychische Qual für das sich zusehends verzweifelt wehrende Opfer. Unter den gegebenen, unbestrittenen Tatumständen ist auch insgesamt von einem besonders grausamen weil rohen, gefühllosen und quälerischen Verhalten des Beschwerdeführers bzw. von Brutalität und Gefühllosigkeit den Qualen der Geschädigten gegenüber auszugehen. Dass der Beschwerdeführer nicht aus sadistischen, wohl aber niederen Gründen gehandelt haben mag, ändert an der Qualifikation nichts. Der Vorinstanz ist zudem zuzustimmen, dass er mit dem Einsatz einer Schere als zusätzliches Drohungsmittel über das für eine Vergewaltigung notwendige Mass von Gewalt klar hinausgegangen ist. Die Verurteilung wegen versuchter qualifizierter Vergewaltigung hält vor Bundesrecht stand. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt ebenfalls nicht vor.