Citation: 1C_691/2023 E. 3.3.4

3.3.4. Ob, wie der Beschwerdeführer vorbringt, sein Verschulden gestützt auf das unbegründete strafgerichtliche Urteil lediglich als leicht zu beurteilen gewesen wäre, kann demnach offenbleiben. Die Annahme der Vorinstanz, sein Verschulden wiege mittelschwer, steht jedenfalls nicht - wie dargetan - in einem massiven Widerspruch zum Dispositiv des unbegründet gebliebenen einschlägigen Strafurteils, wonach von einer leichten Verkehrsregelverletzung in unbewusst fahrlässiger Tatbegehung ausgegangen wurde: Das geltend gemachte Übersehen der signalisierten Höchstgeschwindigkeit schliesst vorsätzliches Handeln des Beschwerdeführers zwar aus. Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich um den ersten Tag der temporären Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit handelt, sind Verkehrssignale jedoch jedenfalls zu befolgen (Art. 27 Abs. 1 Satz 1 SVG). Weder aus dem unbegründeten Entscheid des Strafgerichts bzw. dessen Dispositiv noch aus den verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen des vorinstanzlichen Urteils ist ein Umstand ersichtlich, wonach es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen sein soll, die Signalisation zu erkennen und einzuhalten. Sein Verhalten hat deshalb als pflichtwidrig unachtsam bzw. fahrlässig zu gelten. Trotz objektiv grundsätzlich als massiv einzustufender Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit hat die Vorinstanz in subjektiver Hinsicht ein rücksichtsloses Verhalten des Beschwerdeführers und damit eine Grobfahrlässigkeit übereinstimmend mit der strafgerichtlichen Würdigung ausnahmsweise aufgrund besonderer Umstände, die sein Verhalten subjektiv in einem milderen Licht erscheinen lassen, verneint. Dies, obschon nach sorgfältiger Prüfung eine grobe Fahrlässigkeit grundsätzlich auch angenommen werden kann, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmender pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt (vgl. dazu BGE 131 IV 133 E. 3.2 mit Hinweis; Urteile 6B_55/2024 vom 11. März 2024 E. 2.2 und 3; 6B_85/2023 vom 8. November 2023 E. 1.2.1). Die Vorinstanz durfte den Tatsachen Rechnung tragen, dass der Beschwerdeführer die neu signalisierte und bloss während einiger Tage geltende und örtlich begrenzte Geschwindigkeitsreduktion übersehen hat und nicht erstellt war, ob im Zeitpunkt seiner Durchfahrt tatsächlich Unterhaltsarbeiten stattfanden. Darin ist zwar ein strassenverkehrsrechtliches Fehlverhalten zu erblicken, diese Unachtsamkeit zeugt jedoch weder von Rücksichtslosigkeit noch offenbart sie ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern (vgl. dazu auch Urteil 6B_109/2008 vom 13. Juni 2008 E. 3.2).