Citation: 6B_207/2022 E. 1.6.3

1.6.3. Die Vorinstanz prüft zwar im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die verschuldensmässige Natur und Schwere der Tatbegehung, die Gefährlichkeit des Täters für die öffentliche Sicherheit sowie die Legalprognose (vgl. E. 1.2.2 oben); ihre Interessenabwägung fällt aber zu Unrecht zugunsten des Beschwerdegegners aus. Die Taten des Beschwerdegegners stehen in Zusammenhang mit einem Vorfall, der sich am 22. November 2016 in der Moschee B.________ in U.________ ereignet hat. Dabei kam es grob zusammengefasst zu Übergriffen auf zwei Geschädigte durch mehrere, insgesamt zehn, Mitbeschuldigte, darunter auch durch den Beschwerdegegner. Der erste Sachverhaltsteil hat sich zu Beginn des Vorfalls und örtlich im Eingangsbereich der Moschee abgespielt. Der diesem chronologisch nachgelagerte Sachverhaltsteil umfasst das darauffolgende Geschehen im Gebetsraum. Und schliesslich beinhaltet der letzte Sachverhaltsteil die letzte Phase des Vorfalls, welche sich im Büro des Vorstands abgespielt hat. Für die Sachverhaltsfeststellungen ist auf das vorinstanzliche Urteil zu verweisen (vgl. angefochtenes Urteil S. 12 ff.). Der Vorinstanz ist insoweit zuzustimmen, als es sich bei den Taten des Beschwerdegegners (er wurde der mehrfachen Freiheitsberaubung, der mehrfachen Nötigung, der Drohung und der Beschimpfung schuldig gesprochen) nicht um körperliche Gewalttaten handelt; jedoch tangieren sie, wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt, die Rechte anderer massiv. Als nachvollziehbar erweist sich diesbezüglich auch der beschwerdeführerische Einwand, wonach immerhin zwei Personen gegen deren Willen über mehrere Stunden festgehalten worden seien, sich die Täter in zahlenmässiger Übermacht befunden hätten und sie die Geschädigten durch Drohungen und tätliche Übergriffe daran gehindert hätten, die Moschee zu verlassen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdegegners verhielt es sich zudem gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz nicht so, als hätte er sich lediglich passiv verhalten, als hätte er weder gewusst noch irgendeine Entscheidungsgewalt darüber gehabt, was mit den Geschädigten passieren solle und als sei es letztlich verwunderlich, warum er überhaupt wegen Freiheitsberaubung verurteilt worden sei. Soweit dieser Einwand nicht ohnehin lediglich appellatorischer Natur ist, bleibt einerseits festzuhalten, dass der Schuldspruch wegen Freiheitsberaubung rechtskräftig ist. Und andererseits war er gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen zwar in einer ersten Phase im Eingangsbereich noch nicht beteiligt, hat aber ab dem Platzieren eines der Geschädigten am Boden des Gebetsraums mitgewirkt. Wie die Beschwerdeführerin zudem begründet darlegt, war der Beschwerdegegner an vorderster Front präsent und nahm eine tragende Rolle ein. Die Vorinstanz führt aus, der Beschwerdegegner habe durch sein Tun an diesem Abend massgeblich zu der Gesamtsituation beigetragen. Dadurch relativieren sich die - ohnehin bezüglich des öffentlichen Interesses dürftig begründeten - Ausführungen der Vorinstanz betreffend das leichte Verschulden des Beschwerdegegners und des Umstands, dass sich der vorliegende Vorfall unter "sehr singulären Umständen" ereignete. Hinzu kommt, dass vorliegend eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten - und damit nicht mehr eine geringe Strafe - ausgesprochen wurde. Die fehlenden Vorstrafen und der Umstand, dass sich der Beschwerdegegner seit dem Vorfall nichts mehr zuschulden hat kommen lassen, vermögen die öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung zwar nicht zu erhöhen; jedoch werden dadurch die soeben dargelegten öffentliche Interessen auch nicht abgeschwächt. Mit der Beschwerdeführerin erscheint das öffentliche Interesse - entgegen der Auffassung der Vorinstanz und des Beschwerdegegners - durchaus erheblich und überwiegt vorliegend die doch beschränkten privaten Interessen des Beschwerdegegners.