Citation: 2C_474/2018 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt, das kantonale Sicherheits- und Justizdepartement wie auch die Vorinstanz hätten ihre Entscheide auf das im Zeitpunkt der Entscheidfällung nicht rechtskräftige Urteil des Richteramtes Thal-Gäu vom 24. August 2016 abgestützt. Vor diesem Hintergrund sei anzunehmen, dass sich die Vorinstanz, wie bereits die Rekursinstanz, bei ihrer Beurteilung und insbesondere bei der Verhältnismässigkeitsprüfung des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers zu Unrecht von der nicht rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung durch das Richteramt Thal-Gäu beeinflussen liess. Der vorinstanzliche Entscheid verletze somit den allgemeinen Grundsatz der Unschuldsvermutung nach Art. 10 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0), Art. 6 Abs. 2 EMRK und verstosse insoweit gegen das Willkürverbot von Art. 9 BV, weswegen die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung willkürlich sei. Angesichts dessen, dass die Vorinstanz bemerkt habe, dass ein Entscheid über die strafrechtliche Berufung nicht aktenkundig sei, wäre es an der Vorinstanz gewesen, antragsgemäss die Akten des Strafverfahrens vor Obergericht Solothurn und die gegen dessen Urteil erhobene Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht beizuziehen. Durch den unterlassenen Aktenbeizug habe die Vorinstanz das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) verletzt und dadurch den Sachverhalt willkürlich erhoben. Gestützt auf den willkürlich erhobenen Sachverhalt habe die Vorinstanz bei der Verhältnismässigkeitsprüfung übersehen, dass die begangene sexuelle Nötigung das einzige schwer wiegende und damit ausländerrechtlich relevante Delikt sei, welches der Beschwerdeführer als volljährige Person begangen habe. Bei den vom Beschwerdeführer vor Mai 2003 begangenen Delikten handle es sich um jugendliche Delinquenz, die vorliegend höchstens von untergeordneter Bedeutung sein könne. Anstatt von einer kriminellen Tendenz sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer angesichts seines jungen Alters noch reife und sein Verhalten ändere. Im Übrigen habe die Vorinstanz bei der Verhältnismässigkeitsprüfung der aufenthaltsbeendenden Massnahme die anwendbaren Kriterien falsch gewichtet: Der Beschwerdeführer sei in der Schweiz geboren und habe sein gesamtes Leben hier verbracht, weshalb ihm als Angehörigen der zweiten Generation die Niederlassungsbewilligung nur mit besonderer Zurückhaltung widerrufen werden könne. Die Vorinstanz habe der langen Aufenthaltsdauer und dem Familienzusammenhalt zu wenig Bedeutung zugemessen sowie unberücksichtigt gelassen, dass der Beschwerdeführer die türkische Sprache nur mangelhaft beherrsche und sein Verhalten in Zukunft ändern möchte. Zusammenfassend lasse sich feststellen, dass die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz die öffentlichen Interessen am Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung überwiegen würden und eine aufenthaltsbeendende Massnahme somit unverhältnismässig sei, weshalb das angefochtene Urteil Art. 8 EMRK, Art. 13 BV, Art. 96 AuG und Art. 5 Abs. 2 BV verletzen würde.