Citation: 8C_296/2009 10.09.2009 E. 5

5.1 Gemäss Operationsbericht vom 22. Februar 2006 entstand beim Eingriff wegen mehrfacher Probleme mit dem Handbohrer Aufregung und musste zeitweise mit dem Abbruch der Operation wegen unruhigen Bohrverhaltens des Bohrers gerechnet werden. Immer wieder habe der Handbohrer nach Wechsel der Kabel, des Motors oder des Fusspedals für kurze Zeit in Gang gesetzt werden können. Beim Hinunterbohren der Gehörgangswand und dem gleichzeitigen Ausbohren von retrofazialen Zellen sowie des lateralen Bogenganges sei es unglücklicherweise im Bereich des oberen mastoidalen Anteils des Nervus-facialis-Verlaufes zur Schädigung des Fazialishauptstammes gekommen. Dies ist laut Operationsbericht sofort bemerkt worden. Nach mehreren Versuchen mit den insuffizienten Bohrern sei aber beschlossen worden, die Bohrarbeit abzubrechen und keine sofortige Rekonstruktion zu versuchen. 5.2 Die Vorinstanz verneint das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors im Wesentlichen gestützt auf den internen Bericht des Dr. med. G.________ vom 3. September 2007, gemäss welchem die eingetretene Komplikation eher häufig vorkomme, die Verletzung aufgrund der unübersichtlichen Situation des Mittelohrs praktisch vorprogrammiert gewesen und der Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen nicht überschritten worden sei. Das kantonale Gericht erwähnt ausdrücklich, dass die eingetretene Schädigung nicht vom medizinisch Üblichen abweiche und damit keinen ungewöhnlichen äusseren Faktor darstelle. 5.3 Mit dieser Argumentation verkennt die Vorinstanz - wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt -, dass sich die Ungewöhnlichkeit grundsätzlich nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber bezieht, d.h., die ärztliche Behandlung als solche den Charakter des ungewöhnlichen äusseren Faktors aufweisen muss. Der vorliegend zu beurteilende operative Eingriff am Innenohr erfordert höchste Präzision, dies umso mehr, wenn - wie Dr. med. G.________ erwähnt - eine unübersichtliche Situation vorgelegen hat. Dessen Durchführung mit einem insuffizienten Bohrer mit unruhigem Bohrverhalten, der trotz mehrerer Reparaturversuche (Wechsel der Kabel, des Motors oder des Fusspedals) während des Eingriffs immer nur für kurze Zeit wieder in Gang gesetzt werden konnte, weicht vom medizinisch Üblichen erheblich ab und schliesst grosse Risiken in sich. Wenn die Vorinstanz ausführt, es lasse sich den Akten nicht entnehmen, dass der Handbohrer im Zeitpunkt der Schädigung nicht oder nur ruckartig funktioniert habe, kann diese Sichtweise nicht geteilt werden. Im Operationsbericht werden vor der Erwähnung der Verletzung des Fazialishauptstammes anlässlich des Hinunterbohrens die mehrfachen Probleme mit dem Bohrer, das unruhige Bohrverhalten, die dadurch entstandene Aufregung sowie die Instandstellungsversuche und anschliessend der Abbruch der Bohrarbeit nach mehreren Anläufen mit dem insuffizienten Bohrer sowie der Verzicht auf eine sofortige Rekonstruktion geschildert. Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass die Probleme während des gesamten operativen Eingriffs auftraten. Ob sie indessen für die eingetretene Schädigung des Fazialishauptstammes kausal waren oder ob sich diese auch mit einem gut funktionierenden Bohrer eingestellt hätte, lässt sich der Aktenlage nicht entnehmen. Dem Operationsbericht kann zur Frage der Kausalität nichts entnommen werden. Der interne Bericht des Dr. med. G.________ vom 3. September 2007 sodann, auf welchen sich das kantonale Gericht im Wesentlichen abgestützt hat, erwähnt die Probleme mit dem Bohrer überhaupt nicht und äussert sich hauptsächlich zum Risiko dieser Operation im Allgemeinen (ohne die vorliegend aufgetretenen Probleme) sowie zur Häufigkeit der eingetretenen Komplikation, wobei er bei seinen Schlussfolgerungen von den vorinstanzlich eingereichten Internetrecherchen abweicht, welche eine Verletzung des Gesichtsnervs als sehr selten bezeichnen. Die Sache ist daher an die SUVA zurückzuweisen, damit sie nähere Abklärungen zur Kausalitätsfrage trifft. Diesbezüglich ist die Frage der Häufigkeit der Komplikation in dem Sinne mitzuberücksichtigen, als Ungewöhnlichkeit und Kausalität eher zu verneinen wären, wenn die eingetretene Schädigung im Rahmen dieser Heilbehandlung als üblich gelten würde und die versicherte Person damit hätte rechnen müssen (vgl. Urteil 8C_526/2007 vom 29. April 2008 E. 4.2).