Citation: 9C_300/2022 E. 4.2

4.2. Streitig ist der Anspruch des Versicherten auf eine Psychotherapie. Als Therapieziel wurde von den Fachpersonen formuliert, dass der Versicherte für einen Alltag ausserhalb der Klinik befähigt werden solle, um eine gelingende psychische, schulische und soziale Entwicklung zu ermöglichen. Gemäss den grundsätzlich verbindlichen Feststellungen des kantonalen Gerichts ist die Therapie nicht ausschliesslich auf die Behandlung des Leidens des noch in Ausbildung befindlichen minderjährigen Versicherten gerichtet, sondern dient in erheblichen Umfang der beruflichen Eingliederung. Gemäss Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die Zwangsstörung unbehandelt zumindest zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden pathologischen Zustand führen würde. Was die beschwerdeführende IV-Stelle gegen diese vorinstanzliche Erwägung vorbringt, vermag sie nicht als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen. Der Umstand, dass es während der Behandlung zu kurzzeitigen Kriseninterventionen kam, in denen nicht die berufliche Eingliederung, sondern das Überleben des Versicherten im Vordergrund stand, ändert nichts daran, dass bei einer Gesamtbetrachtung die Therapie in erheblichen Umfang der beruflichen Eingliederung diente.