Citation: 6B_63/2020 E. A

A.a. D.E.________ sel. litt an einer bekannten Divertikelerkrankung des Colon sigmoideum. Infolgedessen wurde ihm eine laparoskopische Sigmaresektion (Entfernung eines Stückes des Dickdarms mittels Schlüssellochchirurgie) im entzündungsfreien Intervall empfohlen, wobei die Behandlung im Fast-Track-Schema erfolgen sollte. Die geplante Operation wurde am 16. August 2010 vom Chirurgen A.________ durchgeführt, erfolgte lege artis und verlief problemlos. A.b. Im postoperativen Verlauf klagte D.E.________ sel. jedoch trotz wiederholter Verabreichung von Schmerzmitteln mehrfach über heftige abdominelle Schmerzen, woraufhin A.________ am 18. August 2010 eine notfallmässige Laborkontrolluntersuchung anordnete. Diese wurde um 9.35 Uhr durchgeführt und zeigte normale Werte. Da die Schmerzproblematik abdominell unklar blieb, veranlasste A.________ zudem eine notfallmässige Computertomographie ("CT") des Abdomens/Beckens, welche gleichentags um 16.58 Uhr unter der Leitung des Radiologen F.________ durchgeführt wurde. Unmittelbar im Anschluss an die CT-Untersuchung beurteilten A.________ und F.________ die CT-Bilder von D.E.________ sel. gemeinsam. Dabei kamen sie zum Schluss, dass keine Hinweise für eine Anastomoseninsuffizienz (Mangelhaftigkeit der Darmnaht) bestehen würden. Entsprechend informierte A.________ seinen Patienten und dessen Angehörige bei der Visite um ca. 18.00 Uhr dahingehend, dass die durchgeführten Laboruntersuchungen und die CT-Untersuchung aIs "normal im postoperativen Verlauf" zu interpretieren seien und im aktuellen Zeitpunkt absolut kein Handlungsbedarf für eine weitere Intervention (chirurgische Revision) bestehe. In der Folge veranlasste er bei D.E.________ sel. das Einlegen einer Magensonde, die Erhöhung der Dosierung der Periduralanästhesie sowie die Abgabe von zusätzlichen Schmerz- und Beruhigungsmitteln. A.c. Gegen 21.00 Uhr desselben Tages wurde A.________ von der Pflege telefonisch darüber informiert, das D.E.________ sel. erneut über heftige Schmerzen im Unterbauch klage. Hierauf sprach A.________ mit diesem persönlich am Telefon, beruhigte ihn und erklärte ihm erneut, dass aufgrund der durchgeführten Untersuchung aus chirurgischer Sicht kein Handlungsbedarf bestehe. Nach weiterer Abgabe von Schmerzmitteln (Morphium und Temesta) ging es D.E.________ sel. deutlich besser, so dass dieser um 24.00 Uhr einschlafen konnte. Um 1.00 Uhr des 19. August 2010 klagte er jedoch wiederum über Schmerzen abdominal und zum Teil mit Ausstrahlung in die Schulter. Auf erneute Gabe von Schmerzmitteln (Morphium und Temesta) schlief er wieder ein. A.d. Um 5.30 Uhr fand das Pflegepersonal D.E.________ sel. regungslos im Bett vor. Nach erfolglosen Reanimationsversuchen wurde um 6.25 Uhr sein Tod festgestellt. Als Todesursache steht fest, dass ein kleines Leck mit 0.5 cm Durchmesser im Bereich der Anastomose (gemeint ist hier die Darmnaht) des Dickdarms bestand, aus welchem ca. 450 ml kotige Flüssigkeit in die Bauchhöhle ausgetreten war. Diese kotige Flüssigkeit führte zu einer Bauchfellentzündung des gesamten Bauchraums, an welcher D.E.________ sel. schliesslich verstarb.