Citation: 5A_187/2021 E. 4.3

4.3. Die Beschwerdeführer legen dar, die Mutter der Parteien sei viereinhalb Jahre nach dem Erblasser gestorben und im vorliegenden Prozess nicht eingeklagt. Es sei gerichtsnotorisch, dass der Beschwerdegegner im Erbgang der Mutter ebenfalls eine Herabsetzungsklage eingereicht habe. Das Verfahren sei sistiert und nicht mit dem vorliegenden Verfahren vereinigt worden. Trotzdem hätten die kantonalen Gerichte die Herabsetzungsklage so beurteilt, wie wenn die Mutter der Parteien im hier zur Diskussion stehenden Erbgang des Erblassers vorverstorben wäre. Dies sei unzulässig. Es gelte die Regelung im öffentlich beurkundeten Ehevertrag vom 6. September 1991, wonach das gesamte eheliche Vermögen Vorschlag darstelle und sich die Ehegatten diesen Vorschlag gegenseitig zu Eigentum zuwiesen. Die Bestimmungen des Ehevertrags müssten im Erbgang des Erblassers respektiert werden. Damit hätten sich die Vorinstanzen über den bundesrechtlichen Grundsatz, dass der erbrechtlichen Auseinandersetzung die güterrechtliche Auseinandersetzung vorzugehen habe, hinweggesetzt. Da im Todeszeitpunkt des Erblassers der überlebende Ehegatte Anspruch auf die Hälfte des Vorschlages habe, könne nur die übrige Hälfte in den Nachlass fallen, und an dieser Hälfte erbe der überlebende Ehegatte als gesetzlicher Erbe wiederum die Hälfte. In der Pflichtteilsberechnungsmasse hätte demnach höchstens die Hälfte des angenommenen Betrags berücksichtigt werden dürfen. Insgesamt sei vorliegend unberücksichtigt geblieben, dass in den letzten zehn Jahren zwei Erbgänge stattgefunden hätten. Die Vorinstanzen hätten die nötigen Differenzierungen nicht vorgenommen, den Prozessstoff ausgeweitet und sich damit über die Dispositionsmaxime hinweggesetzt. Damit seien sowohl die erbrechtlichen Bestimmungen im ZGB als auch die Prozessvorschriften in der ZPO verletzt worden (S. 13 Rz. 27-31 der Beschwerdeschrift).