Citation: 8C_675/2010 21.10.2010 E. 4

4.1 Ausgangspunkt der Adäquanzprüfung bildet das (objektiv erfassbare) Unfallereignis. Abhängig von der Unfallschwere sind je nachdem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126). Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2, 3 und 4/07 E. 5.2 und 5.3.1). 4.2 Das kantonale Gericht hat den Unfall vom 16. Dezember (recte: 9. Dezember) 2006 aufgrund der Angaben im Polizeirapport, der Dokumentation über die Fahrzeugschäden, der Ergebnisse der biomechanischen Kurzbeurteilung (Triage) der unfallmechanischen Abklärungsstelle L.________ vom 1. Oktober 2007 und der praxisgemässen Einordnung vergleichbarer Vorkommnisse den leichteren Fällen im mittleren Bereich zugeordnet. Diese Beurteilung ist nicht zu beanstanden. Die biomechanische Analyse ergab eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung von 20 bis 30 km/h. Eine vom Beschwerdeführer behauptete höhere Geschwindigkeitsveränderung ist aufgrund der Akten nicht ausgewiesen. Durch die Beschleunigungskräfte bewegte sich der Versicherte nach vorne, vermutlich leicht schräg nach links. Er war angegurtet, und der Airbag hatte sich ausgelöst. Zu berücksichtigen ist, dass frontale Kollisionen auf die HWS grundsätzlich einen günstigeren Bewegungsablauf haben und eine geringere Belastung bewirken als Heckkollisionen, wie die Experten der unfallmedizinischen Abklärungsstelle festhielten. Nach Ansicht der unfallmechanischen Abklärungsstelle L.________ sind bei der Kollision keine Belastungen aufgetreten, die aus biomechanischer Sicht eine relevante Schädigung erwarten liessen. Nicht gefolgt werden kann dem Beschwerdeführer, soweit er einen schweren Unfall postuliert. Als Unfälle mit diesem Schweregrad werden regelmässig nur Ereignisse qualifiziert, die mit markant höheren Krafteinwirkungen verbunden sind. Es wird diesbezüglich auf die in RKUV 2005 Nr. U 555 S. 322, U 458 E. 3.4.1 und RKUV 2005 Nr. U 548 S. 228, U 306/04 E. 3.2.2 erwähnten Unfallhergänge verwiesen. Da sich die für die vorliegende Beurteilung relevanten Faktoren aufgrund der bestehenden Aktenlage zuverlässig beurteilen lassen, ist es entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung nicht erforderlich, noch ein unfallanalytisches Gutachten einzuholen. 4.3 Von den weiteren Kriterien (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.3 S. 130) müssten demnach für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f.; 117 V 359 E. 6 S. 367 f.). 4.3.1 Ohne weiteres zu verneinen sind die Kriterien der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, sowie des schwierigen Heilungsverlaufs und erhebliche Komplikationen. Den Aken lassen sich keine Anhaltspunkte entnehmen, welche für diese Kriterien sprechen könnten. 4.3.2 Der Unfall war auch nicht besonders eindrücklich oder von besonders dramatischen Umständen begleitet. Etwas anderes wird auch vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht. 4.3.3 Anhaltspunkte für eine fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung liegen nicht vor. Im Wesentlichen fand nebst medikamentöser Schmerzbehandlung und ambulanter Physiotherapie eine stationäre Rehabilitation statt. Das genügt nicht zur Bejahung des Kriteriums. 4.3.4 Was das Kriterium der Schwere und besondere Art der erlittenen Verletzungen betrifft, gilt es nach der Rechtsprechung zu beachten, dass die Distorsion einer bereits erheblich vorgeschädigten Wirbelsäule speziell geeignet ist, die nach einem Schleudertrauma typischen Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art qualifiziert werden kann (Urteil 8C_785/2007 vom 11. Juni 2008 E. 4.4 mit Hinweis). Eine erhebliche Vorschädigung ist beim Beschwerdeführer nicht erstellt. In der biomechanischen Kurzbeurteilung werden die degenerativen Veränderungen lediglich als Abweichung vom Normalfall und damit als mögliche Erklärungsgrundlage für die von der HWS ausgehenden Beschwerden erwähnt, während Kreisarzt Dr. med. S.________ in der ärztlichen Beurteilung vom 24. Juli 2007 die Verschlimmerung eines pathologischen Vorzustandes verneint. Mangels einer besonderen Ausprägung des Kriteriums kann offen bleiben, ob dieses überhaupt in der einfachen Form erfüllt ist. 4.3.5 Damit verbleiben die Kriterien "erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen" (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 f.) und "erhebliche Beschwerden" (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128), bei welchen die Vorinstanz bei ihrer Adäquanzprüfung nach der Psycho-Praxis psychisch bedingte Beeinträchtigungen ausgeklammert hat, was bei der Adäquanzprüfung nach der Schleudertrauma-Praxis nicht angeht. Auch wenn indessen unter Mitberücksichtigung psychisch begründeter Aspekte diese beiden Kriterien als erfüllt betrachtet werden könnten, ist nach Lage der Akten keines der beiden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Nach dem Unfallereignis konnte der Beschwerdeführer zunächst wieder voll arbeiten. Nach den im April aufgetretenen Schulterbeschwerden attestierte Dr. med. N.________ am 2. Mai 2007 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit. Auch die Ärzte der Klinik Y.________ gingen im Austrittsbericht vom 20. November 2007 davon aus, dass dem Versicherten die Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit wieder möglich sein sollte. Am 30. Januar und 5. Juni 2008 gab der Versicherte an, er habe die Arbeit zunächst zu 30 Prozent und seit 28. Januar 2008 mit einem Pensum von 50 Prozent aufgenommen. Lic. phil. D.________ empfahl gestützt auf die neuropsychologische Untersuchung vom Mai 2008 eine Steigerung des Arbeitspensums um 10 Prozent alle zwei Monate. Der Neurologe Dr. med. H.________ attestierte am 15. Juli 2008 eine volle Arbeitsfähigkeit ab 1. Juli 2008. 4.4 Da mithin keines der massgeblichen Kriterien besonders ausgeprägt vorliegt und selbst dann, wenn man zugunsten des Versicherten die drei Kriterien der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen, der erheblichen Beschwerden und der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen als knapp erfüllt erachten würde, die Kriterien nicht in gehäufter Weise gegeben sind, ist die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 9. Dezember 2006 und den über den 31. Januar 2009 hinaus geklagten, organisch nicht im Sinne der Rechtsprechung hinreichend nachweisbaren Beschwerden, zu verneinen. Die Leistungseinstellung auf dieses Datum hin war damit rechtens.