Citation: 4A_518/2015 E. 3.2.1

3.2.1. Nach den insoweit unangefochtenen Feststellungen war die F.________ AG regelmässig mit ungesicherten Darlehen mit Rangrücktritt finanziert worden, obwohl sich die Gesellschaft spätestens seit dem Jahr 2006 in einem finanziell sehr bedenklichen Zustand befand. Die Fondazione E.________ stellte das notwendige Geld jeweils der Beschwerdeführerin zur Verfügung, welche es an die F.________ AG "durchreichen" sollte. So wurde auch noch in einem Zeitpunkt verfahren, als der Beschluss zur Darlehensgewährung vom 15. Oktober 2009 bereits gefasst worden war. Im Zeitpunkt der Beschlussfassungentsprach damit die Darlehensgewährung trotz der schlechten finanziellen Lage der F.________ AG immer noch dem Geschäftsmodell der Fondazione E.________. Diese war zu diesem Zeitpunkt, obwohl sie um die finanzielle Situation wusste, noch damit einverstanden, dass der F.________ AG Geldmittel zur Verfügung gestellt wurden. Vor diesem Hintergrund kann eine allfällige Pflichtverletzung nicht in der fehlenden Abklärung oder Berücksichtigung der finanziellen Situation der F.________ AG liegen, denn die Gewährung von Darlehen trotz der schlechten Situation wurde von der Alleinaktionärin der Beschwerdeführerin toleriert. Insoweit kommt der von der Beschwerdeführerin thematisierten Frage, ob der Fondazione E.________ das Wissen ihrer bei der Beschlussfassung über das Darlehen anwesenden Organe zuzurechnen ist, keine massgebende Bedeutung zu. Indem sie diesbezüglich eine Analogie zur Décharge-Erteilung zieht, verkennt sie, dass in der Lehre, auf die sie sich beruft, für eine Genehmigung des Geschäftes zwar ein "informed consent" verlangt wird (ANTON K. SCHNYDER, "Volenti non fit iniuria" im Verantwortlichkeitsrecht, in: Verantwortlichkeit im Unternehmensrecht V, Rolf H. Weber/Peter R. Isler [Hrsg.], 2010, S. 43 ff., 51), das Verbot widersprüchlichen Verhaltens aber über die Annahme der Genehmigung eines konkret bekannten Geschäfts hinausgeht. Wenn der Alleinaktionär bestimmte Geschäftspraktiken kennt und generell duldet, dann kann er sich insoweit nicht nachträglich auf eine Pflichtverletzung berufen, unabhängig davon, ob er vom konkreten Geschäft Kenntnis hatte. Sorgte die Fondazione E.________ selbst dafür, dass die F.________ AG trotz ihrer finanziellen Situation durch Darlehen mit Rangrücktritt mit Liquidität versorgt wurde, kann sie eine entsprechende Darlehensvergabe nicht mit Blick auf die finanzielle Situation der F.________ AG als pflichtwidrig beanstanden, denn dies stünde zu ihrer eigenen Handlung im Widerspruch (Art. 2 Abs. 2 ZGB; BGE 131 III 640 E. 4.2.3 S. 645 mit Hinweis).