Citation: 5C.201/2000 31.10.2000 E. 4

4.- a) Die Klägerin klagt die Vormundschaftsbehörden verschiedener Gemeinden sowie das Bezirksamt bzw. den Bezirksrat Bülach ein. Aus ihrer Eingabe geht hervor, dass die Klägerin mit "Vormundschaftsbehörden" der Gemeinden offensichtlich diese selbst und mit "Bezirksamt/Bezirksrat" den Staat bzw. Kanton Zürich meint. Die Parteibezeichnungen im Rubrum ihrer Eingabe sind in diesem Sinne zu berichtigen. b) Die Verantwortlichkeit vormundschaftlicher Organe ist stufenweise geregelt: Die Mitglieder der vormundschaftlichen Behörden haften für den Schaden, den sie absichtlich oder fahrlässig verschulden und zwar jedes Mitglied nach Massgabe seines persönlichen Verschuldens (Art. 426 und 428 Abs. 1 ZGB). Sind Mitglieder der Aufsichtsbehörde und jene der Vormundschaftsbehörde zugleich haftbar, haften erstere nur für das, was von den letzteren nicht erhältlich ist; lediglich bei Arglist haften alle unmittelbar und solidarisch (Art. 429 Abs. 2 und 3 ZGB). Die Haftung des Gemeinwesens ist subsidiär: Der Kanton kommt nur zum Zuge, falls der Schaden durch die Mitglieder der vormundschaftlichen Behörde nicht gedeckt wird (Art. 427 Abs. 1 ZGB); bevor das Gemeinwesen für den Ausfall belangt werden kann, müssen zuerst alle haftbaren Einzelpersonen belangt worden sein (Kaufmann, Berner Kommentar, N. 6 zu Art. 427 ZGB). Die Kantone können vorerst die beteiligten Gemeinden oder Kreise haften lassen (Art. 427 Abs. 2 ZGB), ausser bei Verantwortlichkeit der Mitglieder der Aufsichtsbehörde; diesbezüglich kann für den Ausfall stets der Kanton belangt werden (Egger, Zürcher Kommentar, N. 10 zu Art. 427 ZGB). c) Im Kanton Zürich haftet für den Schaden, der nicht durch den Vormund oder die Mitglieder der vormundschaftlichen Behörden gedeckt ist, in erster Linie die Gemeinde und nach ihr der Staat (§ 116 EGzZGB/ZH). Dies bedeutet, dass für den Ausfall vorerst die Gemeinde haftet, es sei denn, dass es um die Verantwortlichkeit der Mitglieder der Aufsichtsbehörde, d.h. des Bezirksrates geht; diesbezüglich haftet stets der Kanton Zürich für den Ausfall. Soweit sich die Klage gegen die Gemeinden Glattfelden, Bülach und Wallisellen richtet, ist sie aus verfahrensrechtlichen Gründen von vorneherein unzulässig (vgl. E. 3b). Da der Kanton Zürich nur für den Ausfall einzustehen hat, ist eine durch Anerkennung, Vergleich oder Urteil anerkannte Haftung der primär verantwortlichen Vormundschaftsorgane vorausgesetzt (Gross, a.a.O., N. 6 zu Art. 426-429 ZGB), d.h. deren Mitglieder müssten zuerst belangt, verantwortlich erklärt und zu Schadenersatz verurteilt worden sein. Daran fehlt es aber hier, so dass die Klage auch insoweit scheitert, als die Klägerin den Kanton Zürich ins Recht fassen will. Im Übrigen wäre ohnehin nicht zulässig, die Behördenmitglieder direkt vor Bundesgericht gemäss Art. 42 OG einzuklagen (vgl. E. 3b).