Citation: 9C_553/2020 E. 4

Die Beschwerdeführerin macht geltend, da auch die alternativen Behandlungsoptionen (Umdrehplastik bzw. Kings Procedure) in der Schweiz nicht durchführbar gewesen wären, komme nicht Art. 23bis Abs. 3 IVV zur Anwendung (Auslandsbehandlung aus anderen beachtlichen Gründen), sondern dessen Abs. 1 (Auslandsbehandlung bei Unmöglichkeit der Durchführung in der Schweiz). Dieser sehe keine Begrenzung der Kostenübernahme durch den inländischen Kostenumfang vor. Die durchgeführte Superhip 2 Operation sei unbestritten zweckmässig gewesen. In der Gesamtbetrachtung erfülle die Operation auch das Kriterium der Einfachheit: Als erwarteter langfristiger Nutzen für die junge Versicherte sei zu gewichten, dass einzig der Superhip 2 Procedure nachfolgend Beinverlängerungsoperationen erlaube, womit im Idealfall der Patientin ein normales Leben ohne prothetische/orthetische Versorgung ermöglicht werde. Als wirtschaftliche Folge davon entfalle im Erwachsenenalter auch die ansonsten sehr kostspielige lebenslängliche Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln. Zu berücksichtigen sei zudem, dass die Eltern der Beschwerdeführerin im Jahre 2015 keine Kenntnis gehabt hätten von den Jahre später durch den Gerichtsgutachter diskutierten alternativen Operationsmethoden. Dass sie in der komplexen Situation sich für die Möglichkeit entschieden hätten, die ihrer Tochter die grössten Chancen offen halte, könne ihnen nicht vorgeworfen werden. In der Gesamtbetrachtung sei demnach die (in der Schweiz unbestritten nicht durchführbare) Superhip 2 Operation vom 21. Oktober 2015 den beiden Alternativmethoden überlegen gewesen. Daraus folge die vollständige Kostenübernahmepflicht der Invalidenversicherung gestützt auf Art. 13 IVG i.V.m. Art. 23bis Abs. 1 IVV.