Citation: 1C_147/2021 E. 6.4.4

6.4.4. Die mit dem Entscheid der Vorinstanz verbundene Einschränkung der Ausübung des Stimm- und Wahlrechts der Stimmberechtigten ist nicht bedeutungslos. Die Möglichkeiten, an der Landsgemeinde selber Wahlvorschläge zu machen, sich über Sachfragen unmittelbar vor der Abstimmung auszusprechen und Rückweisungsanträge zu stellen, haben im Kanton Tradition und sind für die politische Kultur von Bedeutung. Andererseits ist darauf hinzuweisen, dass auf kantonaler Ebene Volkswahlen und -abstimmungen an der Urne in der Schweiz den Regelfall darstellen und für die Stimmbürger im Kanton Appenzell Innerrhoden das Wählen und Abstimmen an der Urne auch nicht fremd sind, zumal die eidgenössischen Abstimmungen und die Wahl des Nationalrats an der Urne vorgenommen werden (vgl. Art. 1 Abs. 2 der kantonalen Verordnung über die Urnenabstimmungen vom 23. Oktober 2017 [VUA/AI; GS 160.010]). Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass die Durchführung der Landsgemeinde 2021 unter den gegebenen Umständen nicht im Interesse derjenigen Personen gewesen wäre, welche sich dem Risiko einer Ansteckung mit dem Covid-19-Virus an der Versammlung nicht hätten aussetzen wollen. Diese Personen hätten im Falle einer Durchführung der Landsgemeinde keine Möglichkeit gehabt, ihre politischen Rechte wahrzunehmen, während sie am stattdessen durchgeführten Urnengang teilnehmen konnten. In diesem Zusammenhang ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass die Stimmberechtigten zur Teilnahme an der Landsgemeinde nicht bloss berechtigt, sondern gemäss dem Wortlaut von Art. 17 KV/AI auch verpflichtet sind, womit diejenigen Stimmberechtigten, welche wegen des Gesundheitsrisikos von der Landsgemeinde 2021 ferngeblieben wären, eine Pflichtverletzung im Sinne der erwähnten Bestimmung begangen hätten, was ihnen unter den gegebenen Umständen nicht zuzumuten war.