Citation: 9C_436/2022 E. 3.2.1

3.2.1. Im vorinstanzlichen Urteil wurde die medizinische Aktenlage - unstrittig - lückenlos wiedergegeben. Gemäss dieser diagnostizierte der behandelnde Psychiater Dr. med. C.________ zu Beginn der bei ihm stattfindenden Konsultationen der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die er allerdings mit dem Diagnose-Code ICD-10 F.43.2 versah, was einer Anpassungsstörung entspricht (vgl. Bericht vom 5. Oktober 2020). In seiner Stellungnahme vom 21. Januar 2021 wies der RAD-Arzt Dr. med. D.________, Facharzt für Allgemeine Medizin, denn auch darauf hin, dass sich die Diagnose einer PTBS nicht begründen lasse. So sei es zwar nachvollziehbar, dass der von der Beschwerdeführerin geschilderte Konflikt am ehemaligen Arbeitsplatz sich belastend ausgewirkt habe; es handle sich dabei indes um kein auslösendes Trauma von hinreichender Schwere, wie es zur Herleitung der Diagnose einer PTBS nach ICD-10 F43.1 erforderlich sei (vgl. BGE 142 V 342 E. 5.2.2). Mit Bericht vom 27. Mai 2021 präzisierte Dr. med. C.________ in der Folge, das Krankheitsbild einer anfänglichen PTBS sei zwischenzeitlich in das klinische Bild einer Anpassungsstörung gemäss ICD-10 F43.23 (mit vorherrschender/vorwiegender Störung von anderen Gefühlen) übergegangen mit im Alltagsleben erheblichen kognitiven und exekutiven Beeinträchtigungen. Dem ist entgegenzuhalten, dass, soweit Dr. med. C.________ die ICD-Codierung für eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2 respektive 43.23) verwendet, sich auch diese Diagnose als nicht lege artis anhand der diagnostischen Leitlinien gestellt erweist. So werden nach den Klassifikationskriterien unter F43.2 Störungen erfasst, deren Symptome meist nicht länger als sechs Monate anhalten (vgl. Horst Dilling/Harald J. Freyberger [Hrsg.], Taschenführer zur ICD-10 Klassifikation psychischer Störungen, 9. Aufl. 2019, S. 175 ff., insb. S. 177 unten f.; Horst Dilling/Werner Mombour/Martin H. Schmidt/ Elisabeth Schulte-Markwort [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V [F], Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis, 6. Aufl. 2016, S. 136 ff., insb. S. 138 oben). Die Anpassungsstörung ist also medizinisch gesehen per definitionem ein zeitlich begrenztes Phänomen, weshalb sie als langdauernde und damit potentiell invalidisierende Krankheit ausser Betracht fällt (statt vieler: Urteile 9C_87/2017 vom 16. März 2017 und 8C_551/2015 vom 17. März 2016 E. 5.1). Anders verhält es sich bei den Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion (F43.21; vgl. Dilling/ Freyberger, a.a.O., S. 176 Mitte, 177 oben und 177 unten f.; Dilling/Mombour/Schmidt/Schulte-Markwort, a.a.O., S. 137 oben und 138 oben). Eine solche wurde im vorliegenden Fall aber nicht einmal vom behandelnden Psychiater diagnostiziert. Was schliesslich die von diesem erwähnte Diagnose einer Anpassungsstörung nach ICD-10 F43.23 anbelangt, werden mit den Spezifikationen nach F43.22, F43.23, F43.24 oder F43.25 laut Beschrieb zu den klinisch-diagnostischen Leitlinien Trauerreaktionen jeder Dauer erfasst, die in Art oder Inhalt aus der Norm fallen (vgl. Dilling/Freyberger, a.a.O., S. 176; Urteil 8C_551/2015 vom 17. März 2016 E. 5.1). Allein daraus lassen sich allerdings mangels Anhaltspunkten für eine Chronifizierung des Leidens oder für Komorbiditäten noch keine Rückschlüsse auf eine rechtserhebliche Gesundheitsschädigung ziehen (BGE 143 V 409 E. 4.5.3). Unterstrichen wird dies zusätzlich, worauf im angefochtenen Urteil ebenfalls einlässlich hingewiesen wurde, durch den Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin trotz angeblichem grossem psychischem Leidensdruck weder einer eigentlichen psychotherapeutischen noch einer psychopharmakologischen Behandlung unterzieht, sondern einzig "begleitend-beratend-stützende monatliche Konsultationen" bei Dr. med. C.________ in Anspruch nimmt. Dafür allein die "herkunftsbedingte Introspektionsunfähigkeit" verantwortlich machen zu wollen - so der Facharzt in seinen Stellungnahmen vom 5. Oktober 2020 und 27. Mai 2021 -, vermag insbesondere vor dem Hintergrund des eindrücklichen beruflichen Werdegangs der Beschwerdeführerin und der dabei nachweislich an den Tag gelegten Selbstbestimmung, Tüchtigkeit und Lebensbewährung nicht zu überzeugen.