Citation: U 251/00 23.01.2003 E. 4

4.1 Der vorerwähnte BGE 123 V 99 Erw. 2a bezieht sich auf den Tatbestand, bei dem sehr bald nach einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder äquivalenten Verletzungen, gleichsam an diesen anschliessend, die psychische Problematik derart überwiegt, dass die mit dem Trauma einhergehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen (buntes Beschwerdebild) völlig in den Hintergrund treten. Stellt sich die Frage der Adäquanz zu einem späteren Zeitpunkt, ist zu prüfen, ob im Verlauf der ganzen Entwicklung seit dem Unfall die körperlichen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit in den Hintergrund getreten sind. Trifft dies nicht zu, gelangt BGE 117 V 351 resp. 369 zur Anwendung (Urteil W. vom 18. Juni 2002 [U 164/01]). 4.2 Auf Grund des in Erw. 3 Gesagten kann vorliegend entgegen dem kantonalen Gericht nicht von einer eindeutigen Dominanz der psychischen Problematik gesprochen werden. Es trifft zwar zu, dass der Hausarzt Dr. med. O.________ im Bericht vom 30. August 1995 eine deutliche Depression erwähnt. Dabei lässt er indessen ausdrücklich offen, ob sie Einfluss auf die geklagten Beschwerden hat oder nur reaktiv ist. Es kann also nicht gesagt werden, wie das kantonale Gericht anzunehmen scheint (vgl. Erw. 2.1 zweiter Abschnitt), die von Dr. med. O.________ als nicht-psychiatrischem Facharzt festgestellten psychischen Probleme hätten zu einer Ausweitung der Beschwerden geführt. Wenn im Übrigen auf die Aussagen des Hausarztes abgestellt wird, ist umgekehrt zu berücksichtigen, dass in den kreisärztlichen Berichten vom 3. November 1995 und 18. Januar 1996 nichts zur psychischen Verfassung und einer allfälligen diesbezüglichen Behandlungsbedürftigkeit gesagt wird. Das lässt den Schluss zu, dass der Versicherte bei den Untersuchungen nicht über psychische Probleme geklagt hatte und sein Verhalten unter diesem Gesichtspunkt unauffällig war. In Bezug auf die Bedeutung der unzweifelhaft bestehenden psychischen Störungen im gesamten Beschwerdebild ist schliesslich zu beachten, dass der Versicherte schon früh auf Grund entsprechender ärztlicher Verordnung Medikamente gegen die geklagten Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen und Schlafstörungen einnahm. Trotz der offenbar zum Teil antidepressiven Wirkung der Arzneimittel wurde der Versicherte laut Dr. med. O.________ noch deutlich depressiver (Bericht vom 15. September 1995). Der ORL-Spezialist Dr. med. G.________ seinerseits schloss nicht aus, dass die Schwindelbeschwerden Ausdruck einer Nebenwirkung der psychotropen Medikamenteneinnahme sind (Bericht vom 12. Juni 1997), was der Versicherte indessen bestreitet. Diese Tatsachen und ärztlichen Aussagen sprechen ebenfalls dagegen, dass das Beschwerdebild von einer ausgeprägten psychischen Problematik im Sinne von BGE 123 V 99 Erw. 2a dominiert wird. Die Adäquanzbeurteilung ist daher nach Massgabe von BGE 117 V 351 resp. 369 vorzunehmen.