Citation: U 162/03 24.03.2004 E. 4.1

4.1.1 Am 1. November 1999 ist der Versicherte beim Treppenlaufen auf Laub ausgerutscht und fiel auf Rücken und Schulter. Die Klinik Y.________ ging am 13. Juli 2000 von einer Schulterkontusion links mit Rückenkontusion aus. Diagnostiziert wurde Folgendes: 1. Zervikovertebrales Syndrom mit Einschränkung der HWS-Beweglichkeit nach links, wahrscheinlich multikausaler Schmerzausstrahlung in den linken Arm, Begleitmyosen und Ansatztendinosen ohne Zeichen einer akuten radikulären, plexusbedingten oder myelopathischen Problematik bei Status nach Unfall vom 1. November 1999, Fehlhaltung (cervikothorakale Kyphose) und leichten degenerativen HWS-Veränderungen. 2. Multikausale, linksseitige Armschmerzen (neuerdings auch rechts beginnend) mit unklarer (alter) linksseitiger Trizepsatrophie, Dysästhesien vor allem dem Dermatom C6 links entsprechend, ohne neurographisch verifizierbare Nervensystemläsionen bei Status nach Unfall vom 1. November 1999 und Diagnose 1, Status nach Ulnarisvolarverlagerung links ca. 1993. 3. Langjähriger, eventuell phasenweise schwankender Alkoholmissbrauch. Die arbeitsrelevanten Problembereiche beträfen den linksseitigen Schulter-/Nackenbereich und den linken Arm. Das Stehen, Sitzen und Gehen sei nicht eingeschränkt. Arbeiten über Brusthöhe und in vorgeneigter Haltung seien limitiert. Das Heben und Tragen sei vorwiegend linksseitig auf maximal 10 kg repetitiv, vereinzelt 15 kg, eingeschränkt. Feinmotorische Tätigkeiten seien linksbetont leicht erschwert. Unter Berücksichtigung dieser Behinderungen sei eine leichte bis knapp mittelschwere Arbeit ganztags zumutbar. 4.1.2 Am 13. September 2000 legte der Kreisarzt Dr. med. I.________ dar, der Versicherte klage über zunehmende Beschwerden vor allem am linken Arm, neu auch am rechten Arm bei chronisch vorhandenen Nackenschmerzen. Er fühle sich auch allgemein nervös, wenn ihm etwas wegen der Handprobleme nicht gelinge. Er rege sich stark auf und könne in diesem Moment auch nur schlecht sehen. Die HWS-Beweglichkeit habe sich gegenüber der Untersuchung vom 4. April 2000 etwas verschlechtert. Der Zustand des Versicherten sei jetzt eindeutig schlechter als nach dem Austritt aus der Klinik Y.________. Es sei eine nochmalige neurologische Untersuchung bei Dr. med. M.________ notwendig. 4.1.3 Dr. med. M.________ führte im Bericht vom 1. November 2000 aus, es liege ein cervikoradikuläres Syndrom links vor. Ursache sei wahrscheinlich eine Diskushernie, trotz fehlender MR-tomografischer Darstellung. Für eine Diskushernie sprächen der Beginn nach einem Trauma (unklar inwieweit im November 1999 oder im Jahre 1993), die deutliche Belastungsabhängigkeit, Nachtschmerzen sowie die Verschlechterung nach den HWS-Manövern im Juni 2000. Da eine ausgeprägte Symptomatik mit invalidisierenden Schmerzen, Muskelatrophien, Faszikulationen, Gefühlsstörung ohne radiologisch dokumentierte Ursache vorliege, empfehle er eine Hospitalisation zur cervikalen Myelographie mit Funktionsaufnahmen. Bis zur Hospitalisation Schonung, kein Krafttraining, kein Lastenheben und häufiges Liegen mit gering inkliniertem Kopf. 4.1.4 Das Spital P.________, Orthopädische Universitätsklinik, diagnostizierte am 9. Dezember 2000 ein chronisches radikuläres C6-Syndrom links und chronische linksseitige Ischialgien. Am 11. Januar 2001 diagnostizierte es zusätzlich Osteochondrosen L4/S1. Der Versicherte klage unverändert über Schmerzen im Bereich des linken Arms sowie im linken Bein ausstrahlend bis in den Fuss und zeitweise zur Grosszehe. Mit den Armschmerzen habe er sich etwas abgefunden. Im Vordergrund stünden zur Zeit die Beinbeschwerden. Die Chondrosen der Bandscheiben L4 bis S1 mit leichten diskogenen Foraminalstenosen L4/5, links mehr als rechts, seien möglicherweise für die linksseitigen Ischialgien verantwortlich. Das neurologische Bild sei etwas unklar, weshalb ein neurologisches Konsilium durchzuführen sei. 4.1.5 Das Spital D.________, Neurologische-Neurochirurgische Poliklinik, diagnostizierte am 15. Februar 2001 zusätzlich einen Status nach Commotio cerebri und legte dar, die vom Versicherten geschilderten Beschwerden sowie die anamnestischen Angaben und die klinisch-neurologische Untersuchung würden interpretiert als HWS-Syndrom (posttraumatisch) mit sensibler Ausfallsymptomatik im Bereich C6/C7 links und zusätzlich mit chronischem Lumbovertebralsyndrom mit sensibler Ausfallsymptomatik im Bereich L4/L5/S1 links. Es bestünden keine Anhaltspunkte für eine Algodystrophie und keine motorischen Ausfälle. Empfohlen werde eine intensive Physiotherapie sowie analgetische Behandlung. 4.1.6 Das Spital P.________ führte am 20. März 2001 aus, am 12. März 2001 sei die Wurzel L4 infiltriert worden. Bei der Kontrolle am 16. März 2001 habe der Versicherte insgesamt über eine Besserung der Beinschmerzen berichtet. Im Vordergrund stünden nun wieder die Schmerzen, die vom Nacken in die gesamte linke Körperhälfte bis ins Bein ausstrahlten. Bei der bekannten zervikalen mehrsegmentalen Spinalstenose wäre eine operative Dekompression zu diskutieren. Ob sich allerdings die etwas diffusen Sensibilitätsstörungen am linken Arm und auch am linken Bein dadurch wesentlich bessern würden, könne nicht mit Sicherheit garantiert werden. Unter diesen Umständen sei der Versicherte einer Operation gegenüber eher zurückhaltend eingestellt. Bei einer Verschlechterung der Neurologie sollte er umgehend zur operativen Dekompression zugewiesen werden. 4.1.7 Dr. med. A.________, Arzt für Innere Medizin, diagnostizierte am 25. Mai 2001 ein cervikoradikuläres Syndrom links, eine Spinalstenose LWS über mehrere Etagen sowie einen Bandscheibenprolaps L4 links. Die bisherigen Kontrollen hätten keine Besserung des gravierenden Befundes ergeben. Unfallfremde Faktoren lägen nicht vor. Eine Wiederaufnahme der Arbeit sei nicht abzusehen. Der Versicherte werde permanent physiotherapeutisch behandelt. 4.1.8 Der Kreisarzt Dr. med. I.________ untersuchte den Versicherten am 2. August 2001 und legte im Bericht gleichen Datums dar, es liege ein mässiges Cervicalsyndrom linksbetont mit Irritationszonen C4-C6 linksseitig vor. Die HWS-Beweglichkeit sei nach wie vor ordentlich gut, solange der Versicherte die Bewegungen langsam ausführen könne. Bei ruckartigen Bewegungen komme es sofort zu Schmerzen und Verspannungen. Die Schultergelenksbeweglichkeit sei beidseits oberhalb der Horizontalen leicht eingeschränkt. Nach wie vor bestehe ein deutlicher Kraftverlust auf der linken Seite. Am linken Ellbogen fänden sich reizlose Verhältnisse; die Beweglichkeit im linken Ellbogengelenk sei frei. Die lumbalen Rückenbeschwerden würden nicht näher untersucht, da sie unfallfremd seien. Der Verlauf stagniere seit ca. einem Jahr, weshalb der heutige Zustand als Endzustand gewertet werden könne. Dem Versicherten seien leichte wechselbelastende Tätigkeiten unterhalb der Horizontalen zumutbar. Unzumutbar seien Überkopfarbeiten, Tätigkeiten in Zwangshaltung des Kopfes sowie Arbeiten auf Leitern und Gerüsten. Es bestehe ein Traglimit von 10 kg. In Frage kämen Kontroll- und Überwachungsfunktionen, leichte industrielle Produktions- und Montagetätigkeiten unterhalb der Horizontalen mit der Möglichkeit, die Arbeitsposition zu wechseln, hausinterne Botengänge, Portierdienste, Tätigkeiten in einem Kleinteilersatzlager sowie einfache administrative Tätigkeiten. Hiefür sei er ganztägig einsatzfähig, wobei ihm zweimal eine zusätzliche Pause von je 15 Minuten ohne Einfluss auf die Gesamtarbeitsdauer zugestanden werden müsse. 4.2 SUVA und Vorinstanz stellten auf den letztgenannten Bericht des Dr. med. I.________ vom 2. August 2001 ab. Dieser Bericht steht im Widerspruch zu demjenigen des Dr. med. A.________ vom 25. Mai 2001, der unter Berücksichtigung der LWS-Problematik von einem nicht gebesserten gravierenden Befund ohne Vorliegen unfallfremder Faktoren sprach und eine Wiederaufnahme der Arbeit als nicht absehbar bezeichnete. Dr. med. I.________ untersuchte die lumbalen Rückenbeschwerden nicht näher, da sie unfallfremd seien. Er wies diesbezüglich auf den Bericht des Spitals D.________ vom 15. Februar 2001 betreffend die Untersuchung vom 29. Januar 2001 hin (Erw. 4.1.5). In diesem Bericht wurde indessen zur Frage der Unfallkausalität des Lumbovertebralsyndroms nicht ausdrücklich Stellung genommen. Aus dem Umstand allein, dass das HWS-Syndrom in einer Klammerbemerkung als posttraumatisch bezeichnet wurde, und dass beim diagnostizierten Lumbovertebralsyndrom ein entsprechender Vermerk fehlte, kann nicht geschlossen werden, das Spital D.________ habe die Unfallkausalität des Letzteren verneint. Diese Frage bedarf mithin weiterer Abklärung, zumal der Versicherte beim Sturz vom 1. November 1999 eine Rückenkontusion erlitten hat. Nicht gefolgt kann der Aussage des Dr. med. I.________, die Infiltration der Wurzel L4 links im Spital P.________ vom 12. März 2001 habe zu einer Besserung der Beschwerden geführt. Zwar führte das Spital P.________ am 20. März 2001 aus, nach dieser Massnahme hätten sich die Beinschmerzen insgesamt gebessert. Doch wurde gleichzeitig eine Verschlechterung der Schmerzen der gesamten linken Körperhälfte vom Nacken bis ins Bein festgestellt und eine Operation zur Diskussion gestellt bzw. bei einer Verschlechterung der Neurologie als indiziert erachtet. Im Weiteren führte das Spital D.________ am 15. Februar 2001 aus, seit dem Aufenthalt in der Klinik Y.________ vom 3. Mai bis 5. Juli 2000 klage der Versicherte über starke Schmerzen in der Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung ins linke Bein (lateral) bis zum Knöchel und gleichzeitig über diverse Missempfindungen wie Kribbeln und Brennen. Der von der Klinik Y.________ konsiliarisch beigezogene Dr. med. M.________ gab am 1. November 2000 an, der Versicherte führe einen Teil seiner Symptomatik auf die von ihm im Juni 2000 durchgeführte Nadelelektromyographie und die HWS-Manöver (Kopfinklination und -reklination) zurück. Diesbezüglich ist zu prüfen, ob allenfalls während der Heilbehandlung ein Schaden entstanden ist, für den die SUVA einzustehen hat (Art. 6 Abs. 3, Art. 10 Abs. 1 UVG; Art. 10 UVV; BGE 128 V 171 f. Erw. 1 mit Hinweisen). Angesichts dieser Unklarheiten und Widersprüche ist eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und des Integritätsschadens nicht möglich. Eine neue Gesamtbeurteilung der medizinischen Situation unter Einbezug aller relevanten medizinischen Unterlagen erweist sich demnach als unumgänglich.