Citation: 5A_720/2022 E. 5.2.1

5.2.1. Die Beschwerdeführerin besteht darauf, dass das Lugano-Übereinkommen auch wegen des im Vereinigten Königreich angestrengten Berufungsverfahrens nicht anwendbar sei. Zunächst sei das Urteil des EWHC - im Gegensatz zum Berufungsentscheid des EWCA - nicht begründet. Dass ein unbegründetes Urteil in der Schweiz anerkannt werden könne, sei "zweifelhaft". Aus dem Devolutiveffekt der Berufung folgert die Beschwerdeführerin sodann, dass das Urteil des EWHC vom 20. November 2020 gar nicht endgültig und vollstreckbar war. Die Beschwerdegegnerin habe daher nur die Vollstreckbarerklärung des Berufungsentscheids verlangen können. Das Urteil des EWCA sei jedoch erst am 30. November 2021 und damit nach Ablauf des Übergangszeitraums ergangen. Schliesslich erinnert die Beschwerdeführerin daran, dass das Urteil des EWCA beim UKSC angefochten worden sei. Zwar sei der UKSC am 12. August 2022 auf das Rechtsmittel nicht eingetreten. Als die Beschwerdegegnerin am 1. Februar 2022 ihr Begehren um Vollstreckbarerklärung stellte, sei das Verfahren vor dem UKSC aber noch hängig gewesen. Gemäss Art. 33 und 38 LugÜ seien nur Entscheidungen anerkennbar, die im Ursprungsstaat vollstreckbar sind. Der angefochtene Entscheid verletze diese Vorschriften; darüber hinaus liege ein Fall des Ordre public-Vorbehalts im Sinne von Art. 34 Ziff. 1 LugÜ vor. Schliesslich laufe es dem Ordre public zuwider, das Lugano-Übereinkommen anzuwenden, obwohl das Vereinigte Königreich nicht mehr Vertragsstaat war, als der EWCA am 30. November 2021 sein Urteil fällte.