Citation: I 21/01 07.05.2001 E. 2

2.- Zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente. a) Im rheumatologischen Gutachten des Kantonsspitals X.________ vom 18. Juli 1997 (PD Dr. med. V.________ und Dr. med. W.________) wird ein chronifiziertes, rechtsbetontes Schmerzsyndrom diagnostiziert mit/bei lumbal und cervical betontem Panvertebralsyndrom, erheblicher Dekonditionierung und Haltungsinsuffizienz, ventraler Spondylodese C5/6 und Diskushernien-Operation L5/S1 (10/95) sowie wahrscheinlich Schmerzverarbeitungsstörung. Auf Grund der rheumatologischen Befunde sei der Beschwerdegegnerin eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit zu 100 % zumutbar. Voraussetzung sei, dass die Arbeit in Wechselbelastung und ohne Tätigkeiten in dauernd derselben Körperposition sowie ohne repetitive Tätigkeiten ausgeführt werden könne. Der Psychiater Dr. med. S.________ diagnostiziert im Gutachten vom 21. Januar 1998 eine Schmerzverarbeitungsstörung. Die Beschwerdegegnerin sei auf Grund dieser Störung und der somatischen Befunde zu 40 % arbeitsunfähig. b) aa) Die Vorinstanz legt dar, zu den Operationen der Beschwerdegegnerin vom 18. Oktober 1995 fänden sich in den Akten keine näheren Angaben und auch keine Operationsberichte. Es stelle sich deshalb die Frage, ob diese Unterlagen der Klinik für Rheumatologie überhaupt zur Verfügung gestanden hätten. Wenn nicht, wäre dies als schwerer Mangel einzustufen; denn die genaue Kenntnis der Vor- und Nachgeschichte der operativen Eingriffe sei für die Schätzung der Arbeitsfähigkeit von grosser Bedeutung. Die Prüfung der Rentenfrage sei nicht möglich, solange über die Auswirkungen der Gesundheitsschädigung keine Klarheit bestehe. Vorliegend sei nicht bekannt, was die Operationen bewirkt hätten. Es sei auch nicht ohne weiteres nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin nach zwei schweren Rückenoperationen aus rheumatologischer bzw. orthopädischer Sicht für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig sein solle. Unter diesen Umständen reichten eine rheumatologische und eine psychiatrische Begutachtung zur Abklärung des Gesundheitszustandes nicht aus. Die IV-Stelle habe den medizinisch relevanten Sachverhalt umfassend zu ermitteln, wozu eine neurochirurgische und eventuell auch noch eine neurologische Begutachtung erforderlich seien. Vorliegend könne auf eine polydisziplinäre Begutachtung durch eine MEDAS nicht verzichtet werden. bb) Die IV-Stelle bringt vor, im Rahmen der rheumatologischen Begutachtung seien bei der Beschwerdegegnerin u.a. die Wirbelsäule und die Gelenke klinisch untersucht worden. Zudem sei der Neurostatus erhoben worden. Im Weiteren hätten den Gutachtern Röntgenbilder vom 10. Februar bzw. 9. Juli 1997 vorgelegen. Der zuständige Rheumatologe (Dr. med. V.________), ein Facharzt auf dem Gebiet der Gelenk- und Muskelerkrankungen, habe somit die Ergebnisse der ihm bekannten, im Oktober 1995 vorgenommenen Rückenoperation sowohl unter klinischen als auch radiologischen Gesichtspunkten würdigen können. Gemäss dem Gutachten hätten sich bei der klinischen Untersuchung keine pathologischen Befunde erheben lassen. Die Vorinstanz bleibe die Erklärung schuldig, inwiefern sich dies ändern könnte, wenn der Rheumatologe über die Operationsberichte verfügt hätte. Weiter sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz angesichts der erwähnten fehlenden pathologischen Befunde dem rheumatologischen Gutachten in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht folgen könne. Sie übersehe, dass Dr. med. V.________ auf Grund seiner fachärztlichen Kompetenz diese beiden Operationsarten, die im Rückenbereich häufig vorgenommen würden, bestens vertraut seien. Auf Grund der klinischen Untersuchung und der Röntgenbilder sei dieser in der Lage gewesen, die letztlich massgebenden Auswirkungen dieses und der anderen erhobenen Befunde auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdegegnerin festzulegen. c) Es ergibt sich aus den Akten der Invalidenversicherung und ist nach dem Gesagten unbestritten, dass den Gutachtern PD Dr. med. V.________ und Dr. med. W.________ die Berichte über die Operationen vom 18. Oktober 1995 (ventrale Spondylodese C5/6 nach Gloward und Diskushernien-Operation L5/S1) nicht zur Verfügung standen. Die Expertise wurde damit ohne Kenntnis von Vorakten (Anamnese) erstellt, die im Verlauf der langjährigen Krankengeschichte sehr wichtig sind. Dieser Schluss rechtfertigt sich umso mehr, als der Hausarzt Dr. med. U.________ im Bericht vom 5. Mai 1997 ausführt, der Gesundheitszustand der Beschwerdegegnerin habe sich seit dem operativen Eingriff vom 18. Oktober 1995, den man rückblickend wohl nicht mehr vorgenommen hätte, kontinuierlich verschlechtert. Zwar ist bei der Würdigung von Arztberichten unter Umständen ein Augenmerk darauf zu richten, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen). Trotzdem ist nicht ausser Acht zu lassen, dass gerade bei einer längerdauernden Behandlung, wie sie vorliegend offenbar durchgeführt wurde, die Berichte des Hausarztes für eine umfassende Beurteilung nicht ohne Bedeutung sind. Unter diesen Umständen kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse des Gutachtens vom 18. Juli 1997 auf der medizinischen Gesamtsituation basieren, weshalb es den Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberichtes nicht genügt (Erw. 1b hievor). d) Nach dem Gesagten lässt die Aktenlage - wie die Vorinstanz zu Recht ausführt - eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und damit des Invaliditätsgrades nicht zu. Eine neue Gesamtbeurteilung der medizinischen Situation unter Einbezug aller relevanten medizinischen Unterlagen im Rahmen einer interdisziplinären Begutachtung erweist sich deshalb als unumgänglich.