Citation: 6B_521/2022 E. 4.2.1

4.2.1. Die Vorinstanz äussert sich zunächst zur Schuldfähigkeit des Beschwerdeführers und zur Notwendigkeit eines psychiatrischen Obergutachtens. Sie erwägt, der Beschwerdeführer sei durch den gerichtlich beauftragten psychiatrischen Gutachter, Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Co-Chefarzt des forensischen Dienstes der H.________, eingehend psychiatrisch und testpsychologisch untersucht worden. In seinem Gutachten vom 4. Mai 2015, worauf die Vorinstanz abstellt, sei der Experte zum Schluss gekommen, dass zum Tatze itpunkt keine psychische Erkrankung oder Störung vorgelegen habe. Es gebe keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung oder dissoziale Persönlichkeitszüge. Der Beschwerdeführer sei aus forensisch-psychiatrischer Sicht jederzeit in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Handlung einzusehen und sich gemäss dieser Einsicht zu verhalten. Es liege mithin keine Zurechnungsunfähigkeit vor. Zwar könne spekuliert werden, inwiefern die nach der Tat aufgetretene mittelgradige depressive Verstimmung vorher im Rahmen einer Verhaltensauffälligkeit aufgrund einer nicht diagnoserelevanten Impulsproblematik tatsächlich bestanden habe. Dies ändere aber aufgrund der dannzumal nur leichten Intensität nichts an der durchgehenden Schuldfähigkeit des Beschwerdeführers. Auch der sporadische schädliche Gebrauch von Cannabis und Amphetaminen habe keine Einschränkung der Zurechnungsfähigkeit im Tatzeitpunkt zur Folge. Das Gutachten basiere auf einer umfangreichen Exploration sowie sämtlichen Akten bis und mit 18. Februar 2015 und beinhalte die klassischen Anamnesen zu Persönlichkeit und Delikt. Es sei widerspruchsfrei und schlüssig. Dem Einwand der Verteidigung, wonach wesentliche Akten, namentlich Befragungsprotokolle nach dem 18. Februar 2015, unberücksichtigt geblieben seien, sei entgegenzuhalten, dass das Gutachten zeitnah in Auftrag gegeben worden und aktuell sei. Dem Experten seien die relevanten Akten zum Delikt bekannt gewesen. Die im IRM-Gutachten geschilderten Tatabläufe seien für die psychiatrische Begutachtung nicht wesentlich. Soweit der Beschwerdeführer moniere, sein Vater sei zu Unrecht anamnestisch nicht befragt worden, zeige er nicht auf, inwiefern eine Befragung zusätzlich zu Mutter, Schwester und Freundin an der abgebildeten biographischen Anamnese etwas geändert hätte. Es sei auch nicht ersichtlich, dass die Anamnese unvollständig wäre. Ebenso habe sich der Experte zur Diagnose einer ADHS- bzw. ADHD-Problematik, worunter der Beschwerdeführer als Kind gelitten haben soll, in einem Nachtrag zum Gutachten geäussert. Er habe solches verneint und festgestellt, dass es an seiner Einschätzung nichts ändere. Allfällige allgemeine innere Unruhe beim Beschwerdeführer welche in schwierigen Situationen zu einem Verlust von Steuerung und Kontrolle führen könne, verbliebe damit gemäss Gutachter im Rahmen allgemeiner Verhaltensmodalitäten, wie sie bei allen Menschen möglich sei. Die vom behandelnden Psychologen postulierte Impulshemmungsstörung und erhöhte Erregung im Tatzeitpunkt basiere auf Mutmassungen, Hypothesen und allgemeinen Aussagen, ohne konkrete Gültigkeit für den Beschwerdeführer zu zeitigen. Damit vermöge das psychiatrische Gutachten, wonach keine schuldrelevante psychische Störung vorliege, nicht erschüttert zu werden. Ein Obergutachten könne daher unterbleiben. Zusammenfassend stellt die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer sei während der Tat weder schuldunfähig noch vermindert schuldfähig gewesen. Auch ein Irrtum über die Rechtswidrigkeit habe nicht bestanden. Indes habe er unter dem unmittelbaren Eindruck der Konfliktsituation gehandelt, was bei der Würdigung des subjektiven Verschuldens zu berücksichtigen sei.