Citation: 4A_415/2023 E. 5.3

5.3. Das Obergericht gelangte zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin keine primäre, sondern eine sekundäre Perforation erlitten habe. Dies ergebe sich "eindeutig" aus dem Umstand, dass die Perforation nicht am Ort der Polypabtragung ("Sigma" im Unterbauch) aufgetreten sei, sondern an einer deutlich davon entfernten Stelle des Dickdarms ("linke Flexur" im Oberbauch). Dieser Umstand (unterschiedliche Lokalisation von medizinischem Eingriff einerseits und Perforation andererseits) sei allen Gutachtern (FMH-Gutachter und Gerichtsgutachter) "entgangen". Diese hätten sich "offensichtlich" und "zu Unrecht" darauf gestützt, dass am Ort der Perforation auch der Polyp abgetragen worden sei. Dieser Unterscheidung komme aber Bedeutung zu. Denn es sei "nicht nachvollziehbar", inwiefern es bei der Abtragung eines Polypen in einem Darmabschnitt zu einer primären Perforation in einem davon deutlich entfernten anderen Darmabschnitt kommen können solle. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass sich eine primäre Perforation bei einer Polypabtragung "stets" an der Stelle ereigne, an welcher der Polyp entfernt worden sei. Ausserdem habe die Beschwerdeführerin anfänglich Schmerzen im Unterbauch gehabt. Es wäre - so erläutert das Obergericht weiter - "nicht einsichtig", weshalb eine primäre Perforation des Darms in der im Oberbauch befindlichen Flexur dort selber keine Schmerzen auslöse, wohl aber im Unterbauch. "[Z]umindest nach einem Laienverständnis" müsse erwartet werden, dass bei einer primären Perforation der Schmerz an der Perforationsstelle auftrete und allenfalls von dort ausstrahle. Aufgrund dieser Unstimmigkeiten müsse die im FMH-Gutachten postulierte primäre Perforation "praktisch ausgeschlossen" werden. Da die Perforation in der deutlich von der Stelle der Polypabtragung entfernten linken Flexur im Oberbauch eingetreten sei und die Beschwerdeführerin frühestens am 9. Juli 2010 über gewanderte Oberbauchschmerzen gelitten habe, erscheine vielmehr "überzeugend", dass es am 9. Juli 2010 zu einer sekundären Darmwandperforation gekommen sei.