Citation: 4A_2/2020 E. 3.2.4

3.2.4. Betreffend das sozialversicherungsrechtliche Verfahren gegen die Vorsorgeeinrichtung erwog die Vorinstanz - entgegen der Erstinstanz - mit Blick auf die damalige Rechtsprechung, insbesondere den publizierten Entscheid BGE 130 V 103, hätte der Beschwerdegegner seine Klientin darüber aufklären müssen, dass der Ausgang eines solchen Verfahrens gegen die Vorsorgeeinrichtung unsicher sei. Auch wenn das Bundesgericht (Eidgenössisches Versicherungsgericht) im Gegensatz zum Leitentscheid BGE 130 V 103 in einzelnen nicht publizierten Entscheiden eine Sorgfaltspflichtverletzung bejaht habe (zit. Urteil B 58/01 und Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht B 45/00 vom 2. Februar 2004), so habe es jeweils betont, die Würdigung sei anhand der konkreten Umstände im Einzelfall vorzunehmen. Entsprechend mute die Rechtsprechung etwas zufällig an (mit Verweis auf FELIX SCHÖBI, Barauszahlung trotz fehlender Zustimmung, recht 4/2005 S. 139 ff., 142). Von guten Prozesschancen hätte gemäss BGE 130 V 103 nur ausgegangen werden können, wenn die Vorsorgeeinrichtung unbesehen auf eine ihr nicht bekannte Unterschrift der Ehefrau abgestellt hätte, nachdem das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in der bundesamtlichen Mitteilung Nr. 51 vom 22. Juni 2000 (nachfolgend: BSV Mitteilung Nr. 51) erstmals auf in der Vergangenheit vorgekommene Missbräuche hingewiesen und zur Vorsicht gemahnt habe. Da die Auszahlung vorliegend bereits im Jahre 1995 erfolgt sei, sei dies nicht der Fall. Dazu komme, dass der Ehemann als Inhaber des I.________, das Vertragspartner der Sammelstiftung J.________ (Vorsorgeeinrichtung G.________) war, den Beratern der Vorsorgeeinrichtung zumindest persönlich bekannt gewesen sei.