Citation: I 107/04 13.09.2004 E. 3

Das Bundesamt vertritt die Auffassung, der Versicherte sei zweimal wöchentlich auf heilpädagogische Frühförderung, Physiotherapie sowie Esstherapie und Seh-Frühförderung angewiesen. Der grösste Teil des Mehraufwandes betreffe die Essenseinnahme, welche eine Erzieherin mittels Mundmassage gewährleiste. Dies begründe keinen stationären Aufenthalt. Die Eltern könnten eine Hilfskraft zu Hause anstellen, welche diesen Mehraufwand abdecke. 3.1 Zwar ist dem BSV insoweit beizupflichten, als die je zwei wöchentlichen Termine für Physiotherapie und heilpädagogische Frühförderung sowie die Seh-Frühförderung mit Kontrolle für sich allein keinen stationären Aufenthalt rechtfertigen würden. Indessen verkennt das Bundesamt die gesamte Situation des Versicherten. Es ist zu beachten, dass seine Entwicklung gemäss Fröhlichbogen in vielen Bereichen derjenigen eines schwer behinderten Säuglings entspricht. Deshalb benötigt der Versicherte nicht nur die erwähnten Therapien, sondern eine ganztägige Betreuung. Dabei wird jede Gelegenheit genutzt, seine Bewegungen zu stimulieren. Die Förderung findet nicht nur in den erwähnten Physiotherapie- und heilpädagogischen Stunden statt, sondern im gesamten Alltag. Dementsprechend steht denn auch an neun Stunden im Tag eine Person ausschliesslich für ihn zur Verfügung. Besonders zeitaufwändig sind Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Neben der dem Essen vorangehenden Mundtherapie ist eine langdauernde Verabreichungsphase notwendig. Die Flüssigkeitsaufnahme ist ungenügend und hat mehrmals täglich in bis zu vierzigminütigen Sitzungen zu erfolgen. Die Epilepsieanfälle haben sich zwar gebessert, doch sind die häufigen Fieberschübe mit den möglichen Folgen weiterhin problematisch. Damit kann auch die nächtliche Kontrolle nicht gänzlich unterbleiben. 3.2 Bei der Entscheidung, ob medizinische und pädagogisch-therapeutische Massnahmen ambulant oder im Rahmen einer entsprechenden Institution stationär durchgeführt werden sollen, sind die persönlichen Verhältnisse des Versicherten in billiger Weise zu berücksichtigen (Urteil U. vom 10. April 2002, I 284/01; vgl. Art. 14 Abs. 3 IVG). Vorliegend fällt ins Gewicht, dass die Mutter des Versicherten, die neben ihm zwei weitere Kinder betreuen muss, wegen Rückenproblemen nicht voll leistungsfähig ist. Es kann von ihr auf Dauer nicht verlangt werden, dass sie ähnlich der für den Versicherten allein eingesetzten Betreuerin im Heim W.________ rund neun Stunden am Tag bei allen Gelegenheiten darauf achtet, Bewegungen zu stimulieren, mehrmals täglich die vierzig Minuten dauernde Getränkeeinnahme sowie die ebenfalls zeitraubende Essenseingabe vorzunehmen und den Versicherten auch sonst nahezu rund um die Uhr zu betreuen. Das Kinderspital Z.________ befürwortet denn auch eine stationäre Behandlung. Unter Berücksichtigung aller Umstände erscheint eine solche in der Tat weiterhin angezeigt.