Citation: 8C_713/2022 E. 5.1

5.1. Die Vorinstanz stellte fest, die Beschwerdeführerin habe bei Eintritt der invalidisierenden gesundheitlichen Beeinträchtigung im Jahr 2003 ein Vollzeitpensum ausgeübt, was bei sonst unveränderten Verhältnissen grundsätzlich ein Indiz für eine Qualifikation als Vollerwerbstätige im zu beurteilenden Zeitpunkt sei. Ebenso habe sie sowohl gegenüber den Gutachtern der estimed AG als auch der Abklärungsperson angegeben, im Gesundheitsfall vollerwerbstätig zu sein. Ihr Verhalten nach Eingang des Gutachtens des ZMB vom 28. November 2006 und Erlass der rentenverneinenden Verfügung vom 21. März 2007 lege jedoch einen anderen Schluss nahe. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihr laut den Gutachtern des ZMB zumutbares Arbeitspensum von 80 % in der angestammten (Reinigungs-) Tätigkeit oder von 100 % in einer leichteren angepassten Tätigkeit zumindest annähernd ausgeschöpft hätte, wäre ihr daran gelegen gewesen, möglichst viel zu arbeiten, zumal der Aufwand für die Kinderbetreuung fortlaufend abgenommen habe. Eine finanzielle Notwendigkeit hierzu habe offensichtlich nicht bestanden. Es entspreche einer rein subjektiven Einschätzung und stehe nicht fest, dass das nach der ersten Rentenablehnung effektiv ausgeübte 30%-ige Arbeitspensum als Reinigungskraft den tatsächlichen Arbeitsmarktchancen entsprochen habe. Die Beschwerdeführerin habe trotz voller Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit respektive einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in der angestammten Tätigkeit über die Jahre hinweg keinerlei Anstrengungen zur zeitlichen Ausdehnung ihrer Erwerbstätigkeit unternommen. Dass sie im Gesundheitsfall einer Vollzeittätigkeit nachgegangen wäre, sei insgesamt nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Die Vorinstanz stützte sich für die Bestimmung des hypothetischen Erwerbspensums im Gesundheitsfall auf den effektiv ausgeübten Umfang der Erwerbstätigkeit in den letzten Jahren von 30 % und qualifizierte die Beschwerdeführerin zudem mit der Beschwerdegegnerin als zu 70 % im Haushalt tätig.