Citation: 6B_375/2023 E. 2.3

2.3. Zum Vorwurf der versuchten Nötigung hält die Vorinstanz fest, am 29. Juni 2020 hätten die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner am Telefon über die Finanzierung der Zahnspange für eines ihrer Kinder gestritten. Die Beschwerdeführerin behaupte, der Beschwerdegegner habe ihr gesagt, dass er sie umbringen werde, wenn sie ihn nochmals nach Geld frage, und dass er nur "über die Leichen seiner Kinder" mehr bezahle, als im Scheidungsurteil festgelegt sei. Der Beschwerdegegner bestreite diese Aussagen, weshalb die Anschuldigungen der Beschwerdeführerin das einzige Beweismittel seien. Die Vorinstanz erwägt mit der Erstinstanz, dass die Aussagen des Beschwerdegegners beschönigend und nur bedingt glaubhaft wirken. Dies allein genüge indessen nicht zur Erstellung des Anklagesachverhalts. Denn auch die Aussagen der Beschwerdeführerin seien zweifelhaft. Die angeblichen Drohungen des Beschwerdegegners habe sie nur in der ersten polizeilichen Einvernahme behauptet. Bei der Befragung durch die Staatsanwaltschaft habe sie mit keinem Wort erwähnt, dass der Beschwerdegegner ihr am Telefon mit dem Tod gedroht habe. Erst auf konkrete Nachfrage der Staatsanwältin habe sie eine solche Drohung bejaht. Die Vorinstanz betont, dass die Beschwerdeführerin diese schwere Drohung, die sie in Angst versetzt haben solle, nicht von Anfang an und von sich aus erwähnt habe. Dies spreche gegen die Glaubhaftigkeit der Anschuldigung. Zudem habe die Beschwerdeführerin ihre Aussagen angepasst. Sie habe nämlich zuerst behauptet, die Äusserung "über die Leichen meiner Kinder" sei auf Albanisch erfolgt, später nur auf Deutsch und schliesslich auf Albanisch und Deutsch. Auch bei ihrer Einvernahme an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung habe die Beschwerdeführerin nicht erwähnt, dass der Beschwerdegegner ihr mit dem Tod gedroht habe, wenn sie ihn nochmals nach Geld frage. Auf die Nachfragen der Verfahrensleitung, in welcher Sprache der Beschwerdegegner ihr mit "über die Leichen der Kinder" gedroht habe, habe die Beschwerdeführerin ausweichend, unsicher und widersprüchlich geantwortet. Die Vorinstanz verweist darauf, dass die Beschwerdeführerin als Albanisch-Dolmetscherin tätig sei. Vor diesem Hintergrund hält sie es für erstaunlich, dass die Beschwerdeführerin den albanischen Wortlaut der angeblich "so oft" ausgestossenen und sie in Angst versetzenden Drohung nicht mehr habe wiedergeben können. Dies nähre zudem den Einwand des Beschwerdegegners, wonach die Beschwerdeführerin sein Albanisch sinnwidrig ins Deutsche übersetzt habe. Da sich die Beschwerdeführerin nicht mehr an den albanischen Wortlaut erinnern könne, lasse sich die Bedeutung des angeblich Gesagten nicht objektiv überprüfen. Nach alledem gelangt die Vorinstanz zum Schluss, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin nicht zuverlässig genug sind, um den Anklagesachverhalt zu erstellen. Sie spricht den Beschwerdegegner daher vom Vorwurf der versuchten Nötigung frei.