Citation: 7B_356/2023 E. 3.3.1

3.3.1. Die Interessen der Allgemeinheit an einer Aufrechterhaltung der Verwahrung ergeben sich aus folgenden, auf das Gutachten von med. pract. B.________ gestützten und weitgehend unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanz: Neben einer schwach ausgeprägten Intelligenz (IQ von 65) sind beim Beschwerdeführer eine organische Persönlichkeitsstörung mit alkoholbedinger Fetopathie und ferner ein Abhängigkeitssyndrom von Alkohol (derzeit abstinent in beschützender Umgebung) diagnostiziert worden. Laut Gutachten ist der Beschwerdeführer nicht in der Lage, sich in das Erleben anderer Personen einzufühlen und die Konsequenzen eigener Verhaltensweisen abzusehen, was auf seine limitierten kognitiven Fähigkeiten zurückzuführen ist. Er weist eine reduzierte Frustrationstoleranz auf, verbunden mit der Unfähigkeit, die Befriedigung von Bedürfnissen aufzuschieben. Über die frühere Delinquenz hinaus hat sich in seinem Leben bis heute dissoziales Verhalten manifestiert und es ist emotional labiles, impulsives Verhalten belegt. Nachdem am 25. September 2020 die vorerst letzte Therapiesitzung stattgefunden hatte, wurde die Therapie auf Wunsch des Beschwerdeführers Anfang Mai 2022 wieder aufgenommen, in gegenseitigem Einverständnis Mitte Juli 2022 jedoch wieder eingestellt, da er damit überfordert gewesen ist. Die deliktpräventiven Therapieeffekte sind bis heute minimal, eine relevante Senkung des Risikos konnte nicht erreicht werden. Insbesondere hat zufolge kognitiver Defizite und fehlender Bereitschaft des Beschwerdeführers keine Auseinandersetzung mit den delitksrelevanten Persönlichkeitsanteilen stattgefunden. Das Risiko für Tötungsdelikte in Freiheit ist als moderat bis deutlich einzustufen. Der Beschwerdeführer zweifelt aufgrund seines Alters die Erforderlichkeit und damit auch die öffentlichen Interessen an einer Verwahrung an. Zwar kann das Alter, wie das Bundesgericht bei anderer Gelegenheit unter Hinweis auf eine psychiatrische Lehrmeinung festgehalten hat, als protektiver Faktor gewertet werden, der etwa ab dem 50. Lebensjahr zunehmend bedeutsamer wird (Urteil 6B_424/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 3.7). Die Frage nach den Auswirkungen des Alters des Beschwerdeführers auf die Legalprognose hat das Bundesgericht im Urteil 6B_168/2021 vom 21. April 2021 E. 1.4.2 jedoch bereits abgehandelt und kam dabei für den konkreten Fall zu einem anderen Ergebnis. Demnach vermögen die risikosenkenden Effekte des Alters oder die Dauer des Freiheitsentzugs in seinem Fall bei verfestigter Diagnose einer organischen Persönlichkeitsstörung und geminderten Intelligenz die Legalprognose nicht signifikant zu beeinflussen (auch wenn der Gutachter wegen der Abnahme der emotionalen Labilität bezüglich situativ getriggerten Aggressionen eine leichte Verbesserung des Risikopotentials erkennt). An dieser Einschätzung, die erst etwas mehr als zwei Jahre alt ist, hat sich zwischenzeitlich nichts Wesentliches geändert. Insbesondere weist die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass eine Strangulation eines weiblichen Opfers mit einem Stoffgurt wie bei der Anlasstat oder ein ähnliches Tatvorgehen nicht zwingend einen hohen Kraftaufwand benötigt und auch in fortgeschrittenem Alter denkbar ist. Ferner misst die Vorinstanz der Unselbstständigkeit des Beschwerdeführers und seinem hohen Strukturierungsbedarf bei der Gefährlichkeitsbeurteilung (zu Recht) nur nebensächliche Bedeutung bei. Gleichzeitig lässt sich daraus, anders als er - letztlich rein appellatorisch - meint, nicht schliessen, "dass bei ihm nicht von einem die öffentliche Sicherheit gefährdenden Menschen ausgegangen werden kann". Mit dem "moderaten bis deutlichen" Risiko von erneuten schweren Gewaltstraftaten bis hin zu Tötungsdelikten ist das öffentliche Sicherungsinteresse als hoch einzustufen.