Citation: 6S.120/2005 09.01.2006 E. 2

Die Vorinstanz sieht darin eine Fahrlässigkeit der Beschwerdeführerin, dass sie nicht rechtzeitig vor dem am Boden liegenden Opfer anzuhalten vermochte. Sie wirft ihr im Unterschied zur ersten Instanz zwar nicht vor, mit einer übersetzten Geschwindigkeit gefahren zu sein. Hingegen gelangt sie zum Schluss, die Beschwerdeführerin habe die gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG geforderte situationsangemessene Aufmerksamkeit nicht aufgebracht. So habe sie sich nach der Blendung durch das Lichthupezeichen eines ersten entgegenkommenden Fahrzeugs nicht auf ihre Fahrbahnhälfte konzentriert, sondern in die Scheinwerfer des zweiten entgegenkommenden Wagens geblickt, der Lichthupezeichen abgegeben habe, und anschliessend auf dem Armaturenbrett nachgesehen, ob sie mit Scheinwerfer fahre. Sie habe wegen dieses Fehlverhaltens das Opfer überhaupt nicht und ihr Fahrrad zu spät erkannt und nicht mehr rechtzeitig anhalten können, obwohl dies bei genügender Aufmerksamkeit - auch bei Einbezug einer Blendung - möglich gewesen wäre. Zwar sei es nicht sicher, dass die Beschwerdeführerin das Opfer rechtzeitig hätte sehen können. Auf jeden Fall sei aber das umgestürzte Fahrrad aufgrund des Abblendlichts und der Strassenbeleuchtung früh genug erkennbar gewesen, um anhalten zu können, und es habe mit einem daneben liegenden Velofahrer gerechnet werden müssen. Schliesslich könne auch nicht gesagt werden, dass das Mitverschulden des Opfers das Verhalten der Beschwerdeführerin als Unfallursache so sehr in den Hintergrund dränge, dass dadurch der Kausalzusammenhang unterbrochen werde. Die Beschwerdeführerin wendet sich zunächst gegen die Bejahung einer Sorgfaltspflichtverletzung durch die Vorinstanz. Es könne ihr nicht vorgeworfen werden, zu einem Fahrzeug hinüberzublicken, das die Lichthupe betätige. Vielmehr sei dies gerade geboten. Dasselbe gelte für den anschliessenden Kontrollblick auf das Armaturenbrett, um sich zu vergewissern, dass nicht die Fernlichter eingeschaltet seien. Diese Kritik übergeht, dass die Beschwerdeführerin schon in einiger Distanz beim Restaurant C.________ ein erstes Mal durch Lichthupezeichen gewarnt worden war und bereits in diesem Zeitpunkt Anlass für einen Kontrollblick auf das Armaturenbrett hatte. Ausserdem verkennt die Beschwerdeführerin, dass ihr vorgeworfen wird, auch noch nach dem ersten Lichthupezeichen in die Lichter des folgenden kreuzenden Fahrzeugs geblickt und eine entsprechende Blendung hervorgerufen zu haben, anstatt sich auf die eigene Fahrbahn zu konzentrieren, wie dies aufgrund der erfolgten Warnung des ersten Lichthupezeichens geboten gewesen wäre. Unbegründet ist auch der Einwand, das Opfer sei wegen seiner schwarzen Kleidung und den misslichen Lichtverhältnissen nicht erkennbar gewesen. Denn die Vorinstanz nimmt eine Sorgfaltspflichtverletzung nicht an, weil das Opfer auf der Fahrbahn erkennbar gewesen wäre, sondern begründet diese damit, dass die Beschwerdeführerin jedenfalls das umgestürzte Velo rechtzeitig hätte erkennen können und mit einem am Boden liegenden Fahrradfahrer habe gerechnet werden müssen. Bei dieser Sachlage geht auch die Berufung der Beschwerdeführerin auf den aus Art. 26 Abs. 1 SVG abgeleiteten Vertrauensgrundsatz fehl. Da sie sich selbst nicht regelkonform verhielt, kann sie sich nach der Rechtsprechung nicht auf dieses Prinzip berufen (BGE 125 IV 83 E. 2b S. 88). Die erhobenen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet. Auch sonst ist nicht ersichtlich, inwiefern der angefochtene Entscheid Bundesrecht verletzen könnte.