Citation: 4A_544/2019 E. 6

6. Im Juni 2016 habe die behandelnde Psychiaterin - Dr. med. D.________ - erklärt, dass sie aufgrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (narzisstische und dissoziale Anteile) sowie eines ADHS eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis zum 1. Mai 2016 attestiert habe und die weitergehende Arbeitsunfähigkeit wegen der körperlichen Einschränkungen bestehe. Dies habe sie auch im August 2016 bestätigt. Im Oktober 2016 habe sie sodann erklärt, dass die bisherige Tätigkeit prinzipiell noch zumutbar sei, es jedoch bei den üblichen Arbeitsbedingungen mit grosser Regelmässigkeit zu gravierenden Konflikten mit den Vorgesetzten kommen könne. Daher erachte sie ein Teilzeitpensum von 50 bis 60 % zur intrapsychischen Entlastung als Voraussetzung für eine funktionierende berufliche Integration. Die Vorinstanz erwog, eine seit der letztmaligen Beurteilung eingetretene Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands, mit welcher sich eine nun reduzierte Arbeitsfähigkeit allenfalls rechtfertigen lassen würde, lasse sich diesem Bericht allerdings nicht entnehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt lägen folglich keine zuverlässigen medizinischen Berichte vor, die eine über den 1. Mai 2016 andauernde psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit bescheinigen würden. Erstmals im März 2017 habe Dr. med. D.________ schliesslich über eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers aufgrund einer erheblichen Zunahme verschiedener psychosozialer Belastungsfaktoren berichtet und habe zusätzlich eine rezidivierende depressive Störung sowie eine Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen, welche derzeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bedingen würden, diagnostiziert. Dabei habe sie allerdings nicht angegeben, wann die Verschlechterung eingetreten sei und ab welchem Zeitpunkt die von ihr attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit gelte. Die festgestellte Schmerzstörung könne überdies nicht nachvollzogen werden, sei doch einzig auf einen nicht aktenkundigen Bericht von Dr. med. G.________ verwiesen worden, wonach organische Ursachen für die Schmerzsymptomatik ausgeschlossen seien. Im Juli 2017 (Bericht vom 27. Juli 2017) habe Dr. med. D.________ schliesslich rückwirkend eine seit dem 14. Oktober 2016 bestehende Arbeitsunfähigkeit von 100 % diagnostiziert, wobei sie nun eine sonstige depressive Störung ohne dauerhaften Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert habe. Diese Einschätzung widerspreche allerdings ihrer damaligen echtzeitlichen Beurteilung. Auf die durch Dr. med. D.________ im massgebenden Zeitraum getätigten Angaben könne demzufolge nicht abgestellt werden. Dies gelte umso mehr angesichts der Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen würden.