Citation: 1P.192/2004 23.06.2004 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, seine Berufung sei keineswegs aussichtslos. Sinngemäss erachtet er die Kausalität zwischen dem Unfall und der behaupteten Verletzung als erstellt. Das Argument, er habe erst drei Wochen nach dem Unfall einen Arzt aufgesucht, hält er für verfehlt. Selbst wenn er gar nicht zum Arzt gegangen wäre, lasse sich im Nachhinein aufgrund der Beweise nachweisen, dass er verletzt worden sein müsse. Demgegenüber stützt sich die Kantonsgerichtsvizepräsidentin in ihrem Entscheid auf das vorinstanzliche Urteil und erachtet aufgrund der Akten eine durch den Vorfall vom 18. Juni 2000 hervorgerufene Körperverletzung als nicht ausgewiesen, zumal sich der Beschwerdeführer erst mehr als drei Wochen nach dem Unfall ärztlich habe untersuchen lassen. Die Forderung nach Schadenersatz und Genugtuung sei nicht beziffert. 3.2 Voraussetzung für einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung ist u.a. der Nachweis des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom 18. Juni 2000 und den vom Beschwerdeführer geltend gemachten körperlichen Beschwerden. Desgleichen ist die Zusprechung von Schadenersatz und/oder Genugtuung von der adäquaten Kausalität zwischen schädigender Handlung und behauptetem Schaden abhängig. 3.2.1 Der Beschwerdeführer hat nicht unmittelbar nach dem Unfall einen Arzt aufgesucht, wie dies zu erwarten gewesen wäre, sondern erst, nachdem er aufgrund der polizeilichen Einvernahme vom 13. Juli 2000 Kenntnis davon erhalten hatte, dass der involvierte Autofahrer gegen ihn eine Strafanzeige wegen Tätlichkeit und Sachbeschädigung eingereicht hatte. Der PW-Lenker warf dem Beschwerdeführer vor, er habe nach der Kollision gewendet, sei zurückgekommen und habe mit den Fäusten auf seinen Kopf eingeschlagen, das Glas seines Seitenspiegels zerstört sowie einen Riss an der Scheibe der rechten Seitentüre verursacht. Einen Tag nach der diesbezüglichen Befragung durch die Zürcher Kantonspolizei konsultierte der Beschwerdeführer einen Arzt, welcher weder Prellmarken, noch Blutergüsse, Schwellungen oder knöcherne Verletzungen feststellen konnte. Der Beschwerdeführer zeigte indes gemäss dem ärztlichen Zeugnis vom 14. Juli 2000 "beim normalen Gehen leichtes Schonhinken mit vermindertem Abrollen rechts" und Druckschmerzen auf der Fussrückenseite über den Mittelfussknochen II bis V. Der "Zehengang" war nicht möglich. Zur Würdigung dieses Zeugnisses hat das Bezirksgericht Gersau zusätzlich das Institut für Rechtsmedizin in Zürich beigezogen. Der angefragte Experte gab an, die erhobenen Befunde seien nicht objektivierbar. Das Schonhinken und der verunmöglichte Zehengang könnten nach Auffassung des Experten auch vorgespielt sein. Dies sei umso eher anzunehmen, als es nicht typisch sei, dass die Schmerzen so lange andauerten, ohne dass eine knöcherne Verletzung vorliege (Urteil des Bezirksgerichts Gersau vom 24. April 2003 E. 2d). 3.2.2 Aufgrund dieser Umstände ist es nicht verfassungswidrig, wenn die Kantonsgerichtsvizepräsidentin davon ausging, dass der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Vorfall vom 18. Juni 2000 und den geltend gemachten Verletzungen auch im Berufungsverfahren nicht erstellt werden könne und die Berufung daher im Voraus aussichtslos sei. Der Beschwerdeführer offerierte denn auch keine neuen Beweise, mit welchen er seine Behauptungen hätte belegen können. 3.2.3 Dem Beschwerdeführer kommt überdies auch keine Opferstellung zu. Opfer i.S.v. Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1991 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG; SR 312.5) ist jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist, unabhängig davon, ob der Täter ermittelt worden ist und ob er sich schuldhaft verhalten hat. Die Beeinträchtigung muss von einem gewissen Gewicht sein: Bagatelldelikte wie zum Beispiel Tätlichkeiten, die nur unerhebliche Beeinträchtigungen bewirken, sind daher vom Anwendungsbereich des OHG grundsätzlich ausgenommen (BGE 125 II 265 E. 2a/aa S. 268 mit zahlreichen Hinweisen). Entscheidend ist, ob die Beeinträchtigung des Geschädigten in seiner körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität das legitime Bedürfnis begründet, die Hilfsangebote und die Schutzrechte des Opferhilfegesetzes - ganz oder zumindest teilweise - in Anspruch zu nehmen (BGE 125 II 265 E. 2a/aa S. 268). Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Beeinträchtigungen erlangen nicht jene Intensität, welche Voraussetzung für einen Anspruch aus OHG ist. Demzufolge waren auch Ansprüchen des Beschwerdeführers als allfälliges Opfer von vornherein keine Erfolgsaussichten beschieden - dies umso weniger, als aus den Akten des Bezirksgerichts nicht auf einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den körperlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers und dem Unfall vom 18. Juni 2000 zu schliessen war.