Citation: 5A_827/2023 E. 8.4.2

8.4.2. Indes ist bei der Anwendung des Dispositionsgrundsatzes im Zusammenhang mit der Festsetzung des Ehegattenunterhalts in dieser Konstellation der gegebenen Streitlage, dem prozessualen Umfeld und der zwischen dem Ehegatten- und dem Kindesunterhalt bestehenden Interdependenz, die sich aus der Anwendung der zweistufigen Berechnungsmethode mit Überschussverteilung ergibt, Rechnung zu tragen (BGE 149 III 172 E. 3.4.1; Urteil 5A_773/2022 vom 5. Oktober 2023 E. 5.2.2). Ein Abweichen vom Dispositionsgrundsatz ist dabei dann angezeigt, wenn der betroffene Ehegatte aufgrund der prozessualen Lage keine Möglichkeit hat, zum Ehegattenunterhalt präventive Anträge für den Fall einer möglichen Reduktion oder gar Aufhebung des Betreuungsunterhalts zu stellen. Dies ist der Fall, wenn der Ehegatte kein schutzwürdiges Interesse an einer eigenen Berufung geltend zu machen vermag (Art. 59 Abs. 2 Bst. a ZPO) und die Anschlussberufung ausgeschlossen ist (Art. 314 Abs. 2 i.V.m. Art. 271 Bst. a ZPO; vgl. Urteil 5A_776/2021, 5A_777/2021 vom 21. Juni 2022 E. 6.3.2). Gleiches gilt dort, wo es dem Elternteil deshalb objektiv nicht möglich ist, für den Fall, dass das Gericht in Anwendung des Offizial- und Untersuchungsgrundsatzes höheren Kindesunterhalt zuspricht, ein entsprechend tiefer beziffertes Eventualbegehren für den Ehegattenunterhalt zu stellen, weil er die Höhe des Kindesunterhalts nicht vorhersehen kann (vgl. Urteil 5A_112/2020 vom 28. März 2022 E. 2.2, in: FamPra.ch 2022 S. 659). Auch in diesen Fällen bleibt das Gericht im Sinne einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise aber daran gebunden, was der betroffene Ehegatte insgesamt zum Ehegatten- und Betreuungsunterhalt beantragt bzw., falls entsprechende Anträge aufgrund der prozessualen Lage nicht gestellt werden konnten, die erste Instanz unter diesen Titeln zugesprochen hat (vgl. Urteil 5A_144/2023 vom 26. Mai 2023 E. 7.2.1; vgl. auch Urteile 5A_274/2023, 5A_300/2023 vom 15. November 2023 E. 5.3.6, in: FamPra.ch 2024 S. 230; 5A_112/2020 vom 28. März 2022 E. 2, in: FamPra.ch 2022 S. 659).