Citation: 6B_1118/2023 E. 2.6

2.6. Die überproportional häufige Umschichtung des Anlagekontos ist ein objektives Merkmal von Churning (vgl. BGE 142 IV 346 E. 3.3). Das übermässige Umschichten des Anlagekontos bildet dabei ein entscheidendes Indiz für das Vorliegen von Kommissionsschinderei, mit dem der Vorwurf der Spesenschinderei stehen und fallen kann (MANUEL LORENZ, Churning, Das Phänomen der kapitalmarkt- und börsenrechtlichen Spesenschinderei und die Sanktionierung im Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht, Heidelberg 2015, Rn. 71 S. 41). Aufgrund der vielen Fälle von Churning in den USA entwickelte die US-amerikanische Rechtsprechung über einen längeren Zeitraum detaillierte Indizien zur Beurteilung, ob Kommissionsschinderei vorliegt. Die schweizerische Rechtsprechung scheint sich teilweise an diese Indizien anzulehnen (vgl. MATTHIAS KUSTER, Wann liegt Churning [Spesenschinderei] vor?, GesKR 2019, S. 466 ff., S. 471; BGE 142 IV 346 E. 4.2 S. 354; Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 27. August 2014, Geschäfts-Nr. SB130028, E. 2.1.4.3; hingegen Urteil 6B_967/2013 vom 21. Februar 2014 E. 3.2.1 mit Hinweis auf DANIEL STOLL, Le mandat de l'introducing broker: un contrat "pénalement répréhensible"?, Mélanges en l'honneur de François Dessemontet, 2009, S. 351 ff., S. 361; MANUEL LORENZ, a.a.O., Rn. 63 ff. S. 38 ff.; NINA NESTLER, Churning, Frankfurt a.M. 2009, S. 9 und S. 28 ff.). Der Umsatzquotient, die sog. turn-over-Rate gibt Aufschluss darüber, ob mit dem Kapital eines Anlegers zum Zweck der Spesenschinderei exzessiv gehandelt wurde (siehe NINA NESTLER, a.a.O., S. 37). Die turn-over-Rate bezeichnet die Umsatzhäufigkeit im Verhältnis zum Anlagevermögen (MANUEL LORENZ, a.a.O., Rn. 84 S. 45). Abgestellt wird also nicht auf die angefallenen Kommissionen, sondern auf die Umschlagsrate (MATTHIAS KUSTER, a.a.O., S. 472). Betrachtet werden kann dabei in aller Regel ein Zeitraum von etwa einem Jahr (NINA NESTLER, a.a.O., S. 37).