Citation: I 358/02 05.12.2003 E. 3

Das kantonale Gericht gelangte unter Abweisung der vorinstanzlichen Beschwerde zum Schluss, bei einem korrigierten Fernvisus von 0,9 auf dem rechten Auge und einem im Vergleich zur gesamthaften Berufstätigkeit als selbständig erwerbende Advokatin bekannten Anteil von 30 % Bildschirmarbeit liege weder eine unmittelbar drohende Invalidität noch eine dauernde Erwerbsunfähigkeit vor, so dass kein Anspruch auf Übernahme der Staroperation durch die Invalidenversicherung bestehe, sondern der Eingriff in den Aufgabenbereich der Krankenversicherung gehöre. Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, am rechten Auge könne bei einer "Fehlsichtigkeit von mehr als sieben Dioptrien" nicht von einem normalsichtigen Visus gesprochen werden. Die starke Korrektur dieser Kurzsichtigkeit führe zu einer Verkleinerung der betrachteten Gegenstände. Zudem sei von einem tendenziell über 30 % ansteigenden Anteil der Bildschirmarbeit an der gesamthaften Erwerbstätigkeit auszugehen und bei dieser Arbeit sei die Versicherte vor der Kataraktoperation infolge der Beeinträchtigung durch den grauen Star rascher ermüdet, "was wiederum eine Invalidität bedeutet" habe. Zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdeführerin auf dem rechten Auge über einen normalen Visus verfügt und, falls ja, ob gestützt auf die vorliegenden Akten die Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit der Versicherten beantwortet werden kann. 3.1 In seinem Bericht vom 31. Juli 2001 bezeichnete der behandelnde Augenarzt Dr. med. B.________, den Wert des "Fernvisus rechts in bester Korrektur" mit 0,9. Entgegen der beschwerdeweise vorgetragenen Argumentation liegt von Seiten der Sehfähigkeit auf dem rechten Auge kein "Störfaktor für die Binokularität" vor. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass ein einseitig erblindeter Mensch die medizinischen Voraussetzungen zum Erwerb eines Führerausweises in der Kategorie B (für Personenwagen) in Bezug auf die Sehfähigkeit mit einem korrigierten Visus von bloss 0,8 erfüllen kann (vgl. Anhang 1 zur Verordnung vom 27. Oktober 1976 über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr [VZV; SR 741.51]). Massgebend ist somit der korrigierte Visuswert. Demnach sind Verwaltung und Vorinstanz gestützt auf den mit Kontaktlinsen korrigierten Visus von 0,9 zu Recht davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin über ein normalsichtiges rechtes Auge verfüge. 3.2 Das Eidgenössische Versicherungsgericht präzisierte seine Rechtsprechung zur Übernahme der Kataraktoperation durch die Invalidenversicherung (vgl. AHI 2000 S. 294) im Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02) dahingehend, dass dieser Eingriff am zweiten Auge bei (durch Staroperation) erhaltener Sehfähigkeit am andern Auge - unter Erfüllung der übrigen Voraussetzungen nach Art. 12 Abs. 1 IVG - nur dann als medizinische Eingliederungsmassnahme zu übernehmen ist, wenn aufgrund detaillierter Ermittlung der Tätigkeiten im Rahmen des ausgeübten Berufes für die visuell anspruchvollste dieser Tätigkeiten die Notwendigkeit des Binokularsehens aus augenärztlicher Sicht bejaht wird. In denjenigen Berufen, in welchen besondere medizinische Mindestanforderungen an die Sehfähigkeit ausdrücklich normiert sind, ist auf diese Visusgrenzwerte abzustellen, so dass sich in erwerblicher Hinsicht eine detaillierte Ermittlung der verschiedenen Tätigkeitsanteile erübrigt. 3.3 Vorliegend ist gestützt auf den Bericht des Augenarztes Dr. med. B.________ vom 31. Juli 2001 davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nur auf dem linken Auge an grauem Star litt. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat im Urteil R. vom 30. September 2003 (I 694/01) entschieden, dass die Präzisierungen zur Übernahme der Kataraktoperation am zweiten Auge bei (nach Staroperation) erhaltener Sehfähigkeit am andern Auge gemäss Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02; vgl. Erw. 3.1 hievor) sinngemäss auch auf diejenigen Fälle anwendbar sind, in welchen nur ein Auge vom grauen Star betroffen und fraglich ist, ob die versicherte Person dadurch im Sinne von Art. 8 Abs. 1 IVG invalid geworden oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist.