Citation: I 706/99 26.09.2000 E. 3

3.- a) Das kantonale Gericht hat gestützt auf die Angaben der letzten Arbeitgeberin das Valideneinkommen für das Jahr 1997 mit der IV-Stelle auf Fr. 35'230. - festgesetzt. Diese Feststellung steht im Einklang mit den Akten und wird von der Beschwerdeführerin wie auch der Beschwerdegegnerin anerkannt. b) Streitig ist hingegen das Invalideneinkommen, insbesondere die Höhe des Abzuges vom Tabellenlohn. aa) Im noch nicht veröffentlichten Urteil A. vom 9. Mai 2000, I 482/99 (vgl. dazu die Urteilsbesprechung in ZBJV 2000 S. 429), hat sich das Eidgenössische Versicherungsgericht eingehend zur Problematik des streitigen Abzugs von den Tabellenlöhnen geäussert. Dabei hat es zunächst die bisherige Rechtsprechung dargestellt, namentlich diejenige zu den Abzügen für Versicherte, die bisher körperliche Schwerarbeit verrichtet hatten und nach Eintritt eines Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur noch beschränkt einsatzfähig waren (vgl. dazu die nicht publ. Erw. 4b des Urteils BGE 114 V 310). Sodann hat das Gericht auf die Abzüge wegen anderer Faktoren wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad (vgl. dazu AHI 1999 S. 181, 237 und 243 Erw. 4c) hingewiesen und zusammenfassend festgehalten, dass die betreffenden Abzüge nicht schematisch, sondern unter Berücksichtigung der gesamten Umstände des Einzelfalles vorzunehmen sind, damit sich, ausgehend von statistischen Werten, ein Einkommen ermitteln lässt, welches der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Verwertung der noch möglichen Verrichtungen im Rahmen der (Rest-)Arbeitsfähigkeit am besten entspricht. Dieser Gesichtspunkt verdient auch hinsichtlich der übrigen in Betracht fallenden einkommensbeeinflussenden Merkmale, des Lebensalters, der Anzahl Dienstjahre, der Nationalität oder Aufenthaltskategorie und des Beschäftigungsgrades den Vorzug. Der Abzug erfolgt nicht automatisch, sondern dann, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Versicherte wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale seine gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Es rechtfertigt sich dabei nicht, für jedes zur Anwendung gelangende Merkmal separat quantifizierte Abzüge vorzunehmen und diese zu addieren, da damit Wechselwirkungen ausgeblendet würden. Der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft nach pflichtgemässem Ermessen zu schätzen. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen. Die Verwaltung und - im Beschwerdefall - der Richter haben das verfassungsrechtliche Gebot der Begründungspflicht (Art. 8 Abs. 1 BV) zu beachten, müssen daher wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sie sich leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt (BGE 124 V 181 Erw. 1a mit Hinweisen). Dies soll verhindern, dass die Behörden auf unsachliche Motive zurückgreifen, und dem Betroffenen ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. bb) Das kantonale Gericht ging bei der Ermittlung des Invalideneinkommens von der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) für das Jahr 1994 aus. Es stellte dabei auf die Teilbereiche Textil sowie Bekleidungen und Wäsche ab und ermittelte hochgerechnet für das Jahr 1997 einen jährlichen Bruttolohn von Fr. 38'423. - (Textilien) und Fr. 34'962. - (Bekleidungen und Wäsche). Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin der Auffassung, es sei die Tabelle TA 1 des gesamten privaten Sektors für einfache und repetitive Tätigkeiten der LSE 1996 anzuwenden, was bei einem Durchschnittslohn von Fr. 3455. - monatlich im Jahre 1996 hochgerechnet auf das Jahr 1997 ein Jahreseinkommen von Fr. 41'460. - ergebe. Welche Auffassung zutrifft, kann letztlich offen bleiben. An und für sich wendet die Beschwerdeführerin zu Recht ein, dass Hilfstätigkeiten sowohl im Produktions- als auch im Dienstleistungssektor zu finden sind, was für den Durchschnittswert im privaten Sektor für einfache und repetitive Tätigkeiten spricht. Anderseits hätte die Anwendung des Zentralwertes des gesamten privaten Sektors zur Folge, dass das Invalideneinkommen höher zu liegen käme als das Valideneinkommen. Sodann entspricht das von der Vorinstanz ermittelte Invalideneinkommen den früheren Tätigkeitsbereichen der Beschwerdegegnerin. Selbst wenn man mit der Vorinstanz vom tiefsten Invalideneinkommen von Fr. 34'962. - ausgeht, so resultiert kein Invaliditätsgrad von mindestens zwei Dritteln, wie nachstehend zu zeigen ist. cc) Das kantonale Gericht hat die gesamten Abzüge auf rund 33 % festgesetzt. Es liess sich dabei von der Überlegung leiten, dass ein Arbeitgeber die Beschwerdegegnerin selbst bei körperlich leichter Arbeit angesichts ihres somatischen und psychischen Leidens in einem erheblich tieferen Lohnniveau einstufe als eine gesunde Arbeitnehmerin, was einen leidensbedingten Abzug von 20 % vom Tabellenlohn als angemessen erscheinen lasse. Schliesslich sei anzunehmen, dass die Beschwerdegegnerin ihre verbleibende Arbeitsfähigkeit von 40 % in einer Teilzeitbeschäftigung ausnützen werde, weshalb zusätzlich ein Abzug von 12,3 % infolge Teilzeitarbeit gerechtfertigt sei, weil Teilzeitarbeit durchschnittlich proportional geringer entschädigt werde als Vollzeitbeschäftigung. Der vom kantonalen Gericht vorgenommene Abzug liegt damit bereits erheblich über dem nach der erwähnten Rechtsprechung zulässigen Höchstabzug von 25 %, sodass das Eidgenössische Versicherungsgericht nicht an die vorinstanzliche Ermessensausübung gebunden ist. Ein Abzug soll überdies nicht automatisch, sondern dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Die Beschwerdegegnerin kann Arbeiten wie die früher ausgeübte Tätigkeit als Näherin, als Kontrolleurin oder in der Montage zu 40 % ausüben. Da sie bereits vor dem Eintritt der Invalidität leichtere Arbeiten verrichtet hat, entfällt ein diesbezüglicher Abzug. Dafür, dass die seit 1979 in der Schweiz lebende Versicherte wegen ihrer ausländischen Nationalität auf dem Arbeitsmarkt eine Lohneinbusse hinnehmen müsste, sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, entsprach doch ihr Einkommen vor Eintritt der Invalidität den branchenüblichen Ansätzen, die auch für Schweizerinnen Geltung hatten (vgl. RKUV 1993 Nr. U 168 S. 104 Erw. 5b; ZAK 1989 S. 458 Erw. 3b). Ebenso wenig rechtfertigt sich ein Abzug für das fortgeschrittene Alter der Beschwerdegegnerin und für die Bedeutung der Dienstjahre. Durch die Herabsetzung des Invalideneinkommens auf den Bereich Bekleidungen und Wäsche ist auch dem unterdurchschnittlichen Lohnniveau bereits Rechnung getragen. In Würdigung aller Umstände rechtfertigt sich lediglich für die Teilzeitarbeit und für die Tatsache, dass gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte, die selbst im Rahmen leichter Hilfsarbeiterinnentätigkeiten nicht mehr voll leistungsfähig sind, oft überproportional weniger verdienen als ihre gesunden Kolleginnen (vgl. BGE 124 V 323 Erw. 3b/aa), ein Abzug von 10 %. c) Mit der Gewährung eines Abzugs von 10 % vom Invalideneinkommen von Fr. 13'984. - verbleibt ein hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 12'586. -, was im Vergleich zum Einkommen als Gesunde von Fr. 35'230. - einem Invaliditätsgrad von weniger als zwei Dritteln entspricht. Selbst wenn der Abzug grosszügig bemessen auf 15% festgesetzt und ein Invalideneinkommen von Fr. 11'887. - angenommen würde, bliebe der Invaliditätsgrad knapp unter der Schwelle von zwei Dritteln. Demnach ist für die Beschwerdegegnerin auch im günstigsten Fall kein Anspruch auf eine ganze Rente ausgewiesen, weshalb die Verfügung der Beschwerdeführerin vom 24. September 1997 rechtens ist.