Citation: 4A_211/2023 E. 5.7.5

5.7.5. Die Auslegung der Vorinstanz führt schliesslich auch zu einem Ungleichgewicht zwischen den Parteien. Wenn der Sohn als stiller Verwaltungsrat etwas hätte wissen müssen, muss dies umso mehr auch für den Beschwerdegegner gelten, der kein "stiller" Verwaltungsrat war. Wenn man dem Sohn den Einwand, er habe Dinge, die er zwingend hätte wissen müssen, unter Hinweis auf Art. 716a OR abschneidet, dann müsste dies analog für den Beschwerdegegner gelten und man müsste nach dieser Logik davon ausgehen, er habe bewusst falsche Angaben gemacht. Während dies dem Beschwerdegegner nach der Auslegung der Vorinstanz nichts schadet (obwohl die Wegbedingung der Haftung für eine bewusste Täuschung nicht zulässig wäre), schliesst die gleiche Wissenszurechnung beim Sohn der Käuferin jegliche Ansprüche aus. Zudem bleibt die in Art. 12 Abs. 5 AKV vorgesehene Wissenszurechnung von ihrem Sohn an die Käuferin in Bezug auf Tatsachen, von denen er tatsächlich Kenntnis hat, überschaubar. Die Käuferin muss nur darauf vertrauen, dass ihr Sohn reagiert, wenn er tatsächlich weiss, dass eine Zusicherung nicht stimmt. Dagegen ist für sie kaum abschätzbar, welche Informationen er hätte kennen müssen und ob er diese tatsächlich kennt. Weshalb sie sich mit einer Zusicherung begnügen sollte, auf die sie sich nicht verlassen und deren Tragweite sie daher kaum abschätzen kann, zeigt der angefochtene Entscheid nicht ansatzweise auf. Auch der Zweck der Vereinbarung spricht nicht für das Auslegungsergebnis der Vorinstanz.