Citation: 6B_808/2019 E. 3.2.2

3.2.2. Die Vorinstanz scheint davon auszugehen, dass ein Revisionsgesuch gegen einen Strafbefehl nur dann nicht rechtsmissbräuchlich ist, wenn die verurteilte Person hiergegen zuvor form- und fristgerecht Einsprache erhoben hat. Dies widerspricht der von ihr zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung und dem eindeutigen Wortlaut von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO. Würde man der Ansicht der Vorinstanz folgen, wäre eine Revision gegen einen Strafbefehl (faktisch) ausgeschlossen, da dieser bei fristgerechter und formgültiger Einsprache nicht in Rechtskraft erwachsen würde, was aber unabdingbare Voraussetzung für eine Revision ist. Ob der Strafbefehl (oder das Urteil, der nachträgliche richterliche oder der im selbstständigen Massnahmeverfahren ergangene Entscheid) in Rechtskraft erwächst, weil die beschwerte Person die Rechtsmittelfrist unbenützt ablaufen lässt, auf ein Rechtsmittel verzichtet oder dieses zurückzieht oder die Rechtsmittelinstanz auf das Rechtsmittel nicht eintritt oder es abweist, spielt im Hinblick auf die Rechtskraft und die Möglichkeit einer Revision des Entscheids keine Rolle (vgl. Art. 410 Abs. 1 i.V.m. Art. 437 Abs. 1 StPO). Entgegen der Vorinstanz eröffnet die Revision gegen einen Strafbefehl ohne gültige Einsprache der beschuldigten Person (oder wie vorliegend der Staatsanwaltschaft) auch nicht die Möglichkeit, das Revisionsgesuch nach Belieben wegen Tatsachen zu verlangen, die die gesuchstellende Partei bereits im ordentlichen Verfahren hätte vorbringen können. Derartige Vorbringen stellen - wie bei Urteilen oder anderen verfahrensabschliessenden Entscheiden auch - gerade keinen Revisionsgrund dar (vgl. Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO; Urteil 6B_517/2018 vom 24. April 2019 E. 1.1). Soweit die Vorinstanz ausführt, der Beschwerdeführer könne sich nicht auf den Berechnungsfehler und den Rückzug der Strafanzeige durch die A.________ AG berufen, da diese Umstände nicht kausal dafür gewesen seien, dass er den Diebstahlsvorwurf bestritten hat, lässt sich damit das Revisionsgesuch nicht abweisen, sondern stellt den zulässigen Revisionsgrund dar. Nur wenn der Beschwerdeführer von diesen Umständen im Vorverfahren bereits Kenntnis gehabt und seine Täterschaft damit verneint hätte, hätte er sein Revisionsgesuch damit nicht mehr begründen können. Dass er den Diebstahl bestritten und nach seiner "Sichtweise" gewusst hat, diesen nicht begangen zu haben, liegt bei einer zu Unrecht verurteilten Person in der Natur der Sache und konnte im Übrigen den Erlass des Strafbefehls nicht verhindern. Auch begründet die Staatsanwaltschaft das Revisionsgesuch gerade nicht mit der Kenntnis des Beschwerdeführers von dessen Unschuld, sondern mit dem ihr (und ihm) seinerzeit nicht bekannten Rechenfehler, der zum Rückzug der Strafanzeige geführt hat. Insofern ist nicht ersichtlich, inwiefern das Prozessverhalten der Staatsanwaltschaft und des Beschwerdeführers dazu dienen soll, den ordentlichen Rechtsweg zu umgehen.