Citation: 8C_112/2024 E. 5.5.1

5.5.1. Das kantonale Gericht stufte das Doktorat als Grundausbildung ein. Zur Begründung führte es - zusammengefasst - aus, das allgemeine Verständnis von Grundausbildung bzw. primärem Ausbildungsziel beziehe sich auf das Universitätsstudium bis zum Masterabschluss, während ein anschliessendes Doktorat in der Regel der beruflichen Weiterbildung zuzuordnen sei. Eine Ausnahme bestehe jedoch dann, wenn das primäre Ausbildungsziel erst mit dem Abschluss des Doktorats erreicht werden könne. Prof. Dr. D.________ von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität E.________ habe mit Schreiben vom 9. September 2022 dargelegt, dass das Doktorat in Ökonomie an vielen Schweizer Universitäten als eine allgemeine Weiterbildung oder Zusatzqualifikation ohne Bezug zu einem konkreten Berufsziel absolviert werden könne. Der von der Beschwerdegegnerin gewählte Weg mit dem Master an der Universität F.________ in V.________ und dem Doktorat an der GSE sei damit jedoch nicht vergleichbar. Denn diese Programme seien konkret auf die berufliche Ausbildung zur Ökonomin mit Forschungsbezug ausgerichtet, für die ein Doktorat unerlässlich sei. Darauf aufbauend ging das kantonale Gericht davon aus, dass die gesamte Ausbildung der Beschwerdegegnerin nach dem Bachelorstudium in U.________ und dem Masterstudium in V.________ auf eine forschungsbasierte Tätigkeit ausgerichtet gewesen sei. Der Master in Economics and Finance in V.________ gelte international als eines der besten Programme zur Vorbereitung auf das spezifische Doktorat an der GSE und eine anschliessende berufliche Forschungstätigkeit. Das spezifische Doktorat an der GSE sei daher ein notwendiger Bestandteil, um eine forschungsbasierte Tätigkeit als Ökonomin ausüben zu können. Dies sei vergleichbar mit dem Anwaltspraktikum nach dem Studium zur Erlangung des Anwaltspatents. Auch das juristische Studium solle nicht als primäres Ausbildungsziel verstanden werden, da der Anwaltsberuf als selbstständiger Beruf aufgefasst werde und das Anwaltsvolontariat zur Grundausbildung gehöre. Im vorliegenden Fall sei das spezifische Doktoratsprogramm an der GSE als Teil der primären Ausbildung zur Ökonomin im Forschungsbereich zu qualifizieren. Erst mit dem Abschluss des Doktorats hätte die Beschwerdegegnerin ihre volle Leistungsfähigkeit in ihrer Berufsart erreicht gehabt. Darüber hinaus sei die berufliche Ausbildung auch ursächlich für den kleineren, berufsunüblichen Lohn während des Doktorats und stehe im Zusammenhang mit der zukünftigen Erwerbstätigkeit. Ab dem Zeitpunkt, in dem die Beschwerdegegnerin das Doktoratsprogramm mit der Dissertation abgeschlossen hätte, sei daher in Anwendung von Art. 24 Abs. 3 UVV der versicherte Verdienst nach dem Einkommen festzusetzen, das sie im Jahr vor dem Unfall als voll Leistungsfähige bzw. voll Ausgebildete erzielt hätte.