Citation: 5A_201/2015 E. 4.2

4.2. Was die Vorsorgebedürfnisse anbelangt, so ändern diese je nach Lebenslage der Parteien. Steht der entschädigungsberechtigte Ehegatte noch im Erwerbsleben, kann die Entschädigung in gewissen Fällen an dessen Vorsorgeeinrichtung übertragen werden (vgl. Art. 22b FZG; BGE 129 III 481 E. 3.5.2 S. 489 f.); diesfalls steht regelmässig eine Kapitalleistung zur Debatte. Die Entschädigung dient hier dem Vorsorgezweck; ein gewisser funktionaler Bezug zum Güterrecht besteht aber insofern, als der Empfänger in der Regel auch mit einer entsprechenden Summe aus ungebundenem Vermögen einen Einkauf in seine Vorsorgeeinrichtung tätigen und auf diese Weise eine vergleichbare Erhöhung seiner Vorsorgeanwartschaft herbeiführen könnte. Soweit die (aus freiem Vermögen stammende) Entschädigung nicht direkt in die Vorsorgeeinrichtung des anderen Ehegatten eingebracht werden kann, was den Normalfall darstellt, wirkt sie unmittelbar vermögensbildend; der Vorsorgezweck wird hier virtuell und die Nähe zum Güterrecht ist unverkennbar. Hingegen kommt der Entschädigung nur noch Unterhaltscharakter zu, wenn beim berechtigten Ehegatten der Vorsorgefall eingetreten ist. Hier deckt sich der Vorsorgeausgleich von der Funktion her mit dem nachehelichen Unterhalt. Dies zeigt sich exemplarisch im vorliegenden Fall: Das Obergericht konnte von einer Unterhaltsrente absehen, weil die Ehegatten bereits aufgrund des Vorsorgeausgleichs je eine vergleichbare Lebenshaltung bestreiten können (vgl. dazu nachfolgend). Soweit die Entschädigung dem Unterhalt dient, rückt nach der vorstehend zitierten Rechtsprechung die Rentenform stärker in den Vordergrund, jedenfalls soweit der Verpflichtete seine Vorsorge ebenfalls in Rentenform bezieht und er die Entschädigung nicht ohne weiteres aus Barmitteln aufbringen kann.