Citation: 8C_729/2019 E. 5.2

5.2. Das kantonale Gericht hat im angefochtenen Entscheid erwogen, gemäss neurologischem Teilgutachten des Spitals B.________ wirke sich die eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustands seit 2011/2012 erheblich bei vorwiegend stehenden und gehenden Tätigkeiten aus. Auch sitzende Tätigkeiten seien aufgrund der Schwellneigung und der Schmerzen nur in reduziertem Umfang ausführbar. Ein Wechsel der Körperposition, ein Hochlagern des Beines und Pausen zum Umhergehen müssten, den tagesaktuellen Beschwerden angepasst, möglich sein, um die Arbeitsfähigkeit in reduziertem Umfang von 50 % zu ermöglichen. Der neurologische Sachverständige des Spitals B.________ interpretiere das Beschwerdebild als sehr gravierend. Nicht so sehr die Einschränkung der Funktionsfähigkeit des linken Unterschenkels sei massgeblich für die quantitative Bewertung des erlittenen Schadens, sondern die "Plus-Symptome", also die Schmerzen und Missempfindungen. Diese behinderten den Versicherten im beruflichen und privaten Alltag in vergleichbarer Weise wie ein Verlust des Unterschenkels. Im unfallchirurgischen Teilgutachten des Spitals B.________ werde ebenfalls erwähnt, dass wechselbelastende Tätigkeiten in reduziertem Umfang von circa 50 % zumutbar seien, mit vorwiegend sitzender Arbeitsposition und der Möglichkeit, das linke Bein nach Massgabe der Beschwerden zu entlasten und hochzulagern. Insgesamt ist die Vorinstanz zum Schluss gelangt, diese Beschreibungen zeigten, dass ganz erhebliche gesundheitliche Einschränkungen bestünden und ein potentieller Arbeitgeber sich angesichts dessen auf einen Mitarbeiter einzustellen habe, der sich tagesaktuell seinen gesundheitlichen Beschwerden anpassen müsse. Sodann hat das kantonale Gericht erwogen, dem vom Versicherten verfassten Kündigungsschreiben vom 13. Juni 2013 an die letzte Arbeitgeberin sei zu entnehmen, dass er sich für deren soziale Einstellung, ihn ab 2008 als Gerichtsweibel beschäftigt zu haben, bedankt habe. Das in dieser letzten Anstellung erzielte Einkommen enthalte zwar keine Soziallohnkomponente, jedoch sei davon auszugehen, dass der Versicherte bei einem anderen Arbeitgeber angesichts der gesundheitlichen Einschränkungen mit einem erheblich reduzierten Lohn rechnen müsse. Auch vor diesem Hintergrund erscheine der von der Invalidenversicherung gewährte Abzug gemäss BGE 126 V 75 nachvollziehbar. Weiter sei neben den gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu berücksichtigen, dass der Versicherte (geboren am 18. April 1959) im Zeitpunkt des Stellenverlusts per 30. September 2013 54-jährig gewesen sei. Über 50-jährige Personen, die wegen gesundheitlicher Einschränkungen aus der Berufskarriere gerissen würden, seien bei der Verwertung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit mit zahlreichen lohnwirksamen Nachteilen konfrontiert: hohe Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber, längere gesundheitsbedingte Absenzen, schlechtere Anpassungs- und Angewöhnungsfähigkeit, kürzere Aktivitätsdauer, Entwertung des Erfahrungswissens, zu beachtende GAV-Bestimmungen (vorzeitige Pensionierung, längerer Ferienanspruch, längere Kündigungsfristen usw.). Ferner sei zu berücksichtigen, dass ältere Personen diversen Arbeitsanforderungen nicht mehr genügten, was das Spektrum adaptierter Tätigkeiten zusätzlich einschränke. Dem entspreche die Erkenntnis des Staatssekretariats für Wirtschaft, wonach es für ältere Arbeitssuchende - v.a. mit vergleichsweise schlechten Qualifikationen - schwieriger sei, eine neue Anstellung zu finden als für jüngere. In der Regel müssten sie bei einer Wiederanstellung "deutliche" Lohneinbussen in Kauf nehmen. Hinzu komme, dass behindertengerechte Arbeitsplätze von Invaliden in jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark nachgefragt würden (Zitat aus GEERTSEN, a.a.O., S. 143 f. mit Hinweisen). Angesichts dieser Nachteile und der damit einhergehenden Verminderung des zu erwartenden Entgelts werde denn auch in den bundesgerichtlichen Grundsatzurteilen jeweils in Erinnerung gerufen, dass das Alter bei der Bemessung des Tabellenlohnabzugs zu berücksichtigen sei. Gesamthaft hat das kantonale Gericht festgehalten, dass die IV-Stelle im Ergebnis ihr Ermessen nicht missbraucht habe, indem sie einen Abzug gemäss BGE 126 V 75 von 25 % vom hypothetischen Invalideneinkommen gewährt habe. Hätte es die fragliche Verfügung der IV-Stelle im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens prüfen müssen, hätte kein Anlass zur Korrektur bestanden. Im vorliegenden unfallversicherungsrechtlichen Verfahren bestehe daher ebenso wenig Anlass, der Invaliditätsschätzung einen abweichenden leidensbedingten Abzug zu Grunde zu legen.