Citation: I 24/06 10.04.2006 E. 2

Strittig und zu prüfen ist, ob der rechtserhebliche Sachverhalt im Lichte des im Sozialversicherungsrecht geltenden Untersuchungsgrundsatzes (BGE 125 V 195 Erw. 2) und der bundesrechtlichen Grundsätze über den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten sowie die Beweiswürdigung (BGE 125 V 352 ff. Erw. 3, 122 V 160 f. Erw. 1c und d, je mit Hinweisen) hinreichend abgeklärt wurde. 2.1 Vorinstanz und Verwaltung stützen ihren Entscheid auf das als beweistauglich und mit Blick auf die gesamte Aktenlage als ausschlaggebend erachtete Gutachten des Rheumatologen Dr. med. M.________ vom 14. Juni 2004. Danach leidet die Versicherte an einer chronifizierten Epicondylitis humeri radialis rechts (bei im MRI nachgewiesenen geringen Zeichen einer radialen Epicondylitis), einer beginnenden Femuropatellararthrose bds. (bei leicht verschmälertem medialem Gelenkspalt rechts und radiologisch nachgewiesenem kleinem Ostephyten kranial rechts der Patella und leichten diskreten Zeichen der femuropatellären Arthrose), sodann an einem chronischem zervikovertebralen Syndrom (bei geringer Degeneration C5/6 rechts ohne Nervenwurzelkompression), einer Spondylosis deformans der mittleren und unteren Lendenwirbelsäule und unter anderem an einer leichten depressiven Grundverstimmung. Hinsichtlich des in früheren Berichten (des Rheumatologen Dr. med. R.________ vom 14. August und 27. Oktober 2003 und des Internisten Dr. med. F.________ vom 5. März 2004 [Beiblatt vom 27. Februar 2004]) diagnostizierten Fibromyalgiesyndroms führte Dr. med. M.________ aus, dieses könne er, zumindest heute, nicht verifizieren und nachweisen. Aus rheumatologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit zu höchstens 40 % eingeschränkt, "und zwar aus subjektiver Sicht der Schmerzen"; objektiv gebe es wenige Anhaltspunkte. Eine andere Tätigkeit falle aus gesundheitsfremden Gründen (IQ) wohl ausser Betracht. 2.2 Im Lichte der gesamten Aktenlage ist - entgegen der Auffassung von Vorinstanz und Beschwerdegegnerin - weder die Diagnosestellung noch die Einschätzung der (Rest-)Arbeitsfähigkeit des Dr. med. M.________ hinreichend klar, nachvollziehbar und überzeugend, um die rechtliche Beurteilung darauf abstützen zu können. Namentlich fehlt es an einer schlüssigen Begründung, weshalb die früher ebenfalls von einem Facharzt der Rheumatologie (Dr. med. R.________) wiederholt - und unter Hinweis darauf, es handle sich hier um einen klassischen Fall - gestellte Diagnose einer Fibromyalgie unzutreffend ist. Die alleinige Feststellung des Dr. med. M.________, er habe das betreffende Syndrom - zumindest heute - nicht verifizieren und nachweisen können, genügt in Würdigung der übrigen ärztlichen Stellungnahmen nicht, um es mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auszuschliessen. So kann dem Bericht insbesondere nicht entnommen werden, ob eine eigentliche Prüfung der 14 sogenannten Tenderpoints, von denen definitionsgemäss sieben für die Diagnose einer Fibromyalgie druckschmerzhaft sein müssen (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, Berlin/New York, 260. Aufl., Berlin/New York 2004, S. 568 f. zu "Fibromyalgie"), stattgefunden hat; dies im Unterschied zum Bericht des Dr. med. F.________ vom 27. Februar 2004 (= Beiblatt zum Bericht vom 5. März 2004], worin eine deutliche Dolenz praktisch sämtlicher "klassischen Fibromyalgie-Punkte" festgestellt wird. Im Übrigen fällt auf, dass Dr. med. M.________ den subjektiven Aspekt der Schmerzen (bei gleichzeitigem Hinweis auf die geringen objektiven Befunde) hervorhebt, was aber tendenziell eher für die Annahme eines Fibromyalgiesyndroms, allenfalls in Kombination mit der auch von Dr. med. F.________ diagnostizierten - in den MRI des Ellbogens vom 25. August 2003 indessen höchstens ansatzweise nachweisbar gewesenen - Epicondylitis radialis humeris rechts [sog. Tennisellenbogen] und der beginnenden femoropatellaren Arthrose, spricht; namentlich auch mit Blick darauf, dass die "Fibromyalgie" in der Medizin kontrovers diskutiert wird (vgl. hierzu Erw. 3.3 des zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteils S. vom 8. Februar 2006 [I 336/04]), hätte eingehender dargelegt werden müssen, weshalb das früher diagnostizierte Syndrom, welches oft mit andern, überwiegend psychosomatisch bedingten Schmerzphänomenen, insbesondere somatoformen Schmerzstörungen in Verbindung gebracht wird, trotz der nur geringen objektiven Befunde auszuschliessen ist. Dies gilt umso mehr, als im Bericht Klinik C.________ vom 25. August 2003 (PD Dr. med. S.________ und Frau Dr. med. E.________) davon die Rede war, bei der Untersuchung sei der Eindruck eines "somatisierten Schmerzes" entstanden. Des Weitern erscheint die vom Rheumatologen gestellte Diagnose einer leichten depressiven Grundverstimmung nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, nachdem unter den objektiven Befunden festgestellt wurde, die Versicherte mache einen "deutlich depressiven Eindruck". Im Lichte der Tatsache, dass Dr. med. M.________ die in früheren Berichten diagnostizierte Fibromyalgie verneint, leuchtet schliesslich auch die praktisch ausschliesslich mit dem subjektiven Schmerzempfinden der Versicherten begründete Einschätzung der Arbeitsfähigkeit äuf höchstens 40 % in der bisherigen Tätigkeit nicht ein, zumal offen bleibt, ob die subjektiven Schmerzen allenfalls Ausdruck eines die Leistungsfähigkeit beeinträchtigenden psychosomatischen Krankheitsgeschehens sind oder aber eine Aggravation oder gar Simulation zu vermuten ist. Angesichts der erwähnten Unklarheiten ist der Bericht des Dr. med. M.________ allein nicht geeignet, die Divergenzen oder gar Widersprüche zu den abweichenden - allein ebenfalls nicht als voll beweiskräftig einzustufenden - Berichten des Hausarztes Dr. med. F.________ (100 % Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit/medizinische und berufliche Massnahmen angezeigt [Bericht vom 5. März 2004]), des Rheumatologen Dr. med. R.________ (100 % Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und einer anderen, leidensangepassten Tätigkeit [Bericht vom 27. Oktober 2003 mit Beilage vom 26. Oktober 2003]) sowie der Klinik C.________ (vom 29. Oktober 2003: keine Arbeitsunfähigkeit "aus orthopädischer Sicht") aufzulösen und ein hinreichend verlässliches Bild über die krankheitswertigen Gesundheitsbeeinträchtigungen und die (Rest-)Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu vermitteln. Die Akten liefern auch keine hinreichende Grundlage, um in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 124 V 94 Erw. 4b, Hinweis; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b [= Urteil S. vom 8. Februar 2000, I 362/99]; vgl. auch BGE 122 II 469 Erw. 4a, 122 III 223 Erw. 3c, 120 Ib 229 Erw. 2b, 119 V 344 Erw. 3c mit Hinweis) die - im Falle von kaum objektivierbaren, subjektiv aber als (relativ) stark empfundenen Schmerzsyndromen aus rechtlicher Sicht zentrale - Frage zu beantworten, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass der Versicherten in Würdigung der Umstände und bei entsprechender Willensanstrengung eine Überwindung ihrer Schmerzen in der bisherigen oder einer leidensangepassten leichteren Tätigkeit möglich und zumutbar ist (vgl. auch Urteil S. vom 30. Januar 2006 [I 89/05] Erw. 3). Hiezu bedarf es der Einholung eines interdisziplinären, insbesondere einen psychiatrischen Expertenbericht einschliessenden Gutachtens, das sich bei allfällig diagnostizierter Fibromyalgie oder somatoformen Schmerzstörung auch zu den von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien der (zumutbaren) Schmerzbewältigung äussert (vgl. dazu im Einzelnen BGE 131 V 49 ff. und 130 V 352 ff.; vgl. auch BGE 130 V 396; zum Ganzen auch Erw. 3.4 und 4 [insb. 4.2.2 und 4.3] des zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteils S. vom 8. Februar 2006 [I 336/04]).