Citation: 5A_36/2022 E. 4.4.3

4.4.3. Die Vorinstanz hat vor diesem Hintergrund die Voraussetzung der Neuentdeckung zu Recht im Lichte von Art. 230 Abs. 2 SchKG ausgelegt: Die Verfügung der Einstellung des Konkurses mangels Aktiven ist suspensiv bedingt. Die Bedingung besteht im Einverständnis sämtlicher Gläubiger, dass keiner innerhalb der zehntätigen Frist seit der Publikation beim Konkursamt das Durchführungsbegehren unter gleichzeitiger Leistung der publizierten Kautionssumme stellt (BGE 141 III 590 E. 3.4.1, mit Hinweisen). Ein solches Begehren findet seine Begründung namentlich darin, dass der betreffende Gläubiger sich einen vom Konkursamt als im Inventar aufgenommenen bestrittenen Anspruch nach Art. 260 SchKG abtreten lassen möchte, Eigentumsansprüche Dritter für unbegründet hält und sie bestreiten will oder von einem Pfandgegenstand einen namhaften Übererlös erwartet (BGE 141 III 590 E. 3.4.1). Zum einen kann jeder Gläubiger die Entscheidung zur Leistung der Kaution gestützt auf besondere Kenntnisse zur Lage des Schuldners treffen (vgl. FRITZSCHE/WALDER, a.a.O., § 45 Rz. 19). Zum anderen bietet die Frist von Art. 230 Abs. 2 SchKG jedem Gläubiger die Möglichkeit, sich beim Konkursamt ein Bild über die Lage des Schuldners zu machen. Dem Zweck entsprechend dient auch einem Gläubiger das Konkursinventar als Grundlage für diesen Entscheid (vgl. BGE 93 III 4 E. 1; Urteil 5A_469/2011 vom 25. Oktober 2011 E. 4.2.1; hinsichtlich der Dauer der Frist, Bundesamt für Justiz, Erläuternder Bericht vom 22. April 2015, Änderung des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs [Missbrauch des Konkursverfahrens verhindern], S. 10).