Citation: 2C_851/2017 E. 6.2

6.2. Gemäss der Praxis des EGMR sind in Fällen, in denen die Verteidigung plausible Anhaltspunkte für eine Tatprovokation liefert, die Strafverfolgungsbehörden gehalten, zu beweisen, dass sie nur passiv und nicht aktiv (in Anstiftung auf die Angeklagten einwirkend) an der vorgeworfenen Tat beteiligt waren. Bestehen Anhaltspunkte, die für eine Tatprovokation sprechen, ist der Staat verpflichtet, den Sachverhalt gründlich zu untersuchen, wozu unter anderem die Einvernahme der zentralen Zeugen gehört, was die amerikanischen Behörden hier vereitelt haben. Ist dies nicht möglich, müssen die sich hieraus ergebenden Konsequenzen gezogen werden (vgl. hierzu BGE 124 IV 34 ff.), da das Verfahren nicht mehr als fair im Sinne von Art. 6 EMRK gelten kann (vgl. statt vieler das EGMR-Urteil der Grossen Kammer i.S. Ramanauskas gegen Litauen vom 5. Februar 2008 [Nr. 74420/1] §§ 60 f.; 69 ff. sowie das Urteil S. gegen Deutschland vom 18. Dezember 2014 [Nr. 14212/10] §§ 77 ff.).