Citation: 6A.13/2003 16.05.2003 E. 2

Hat der zu Zuchthaus oder Gefängnis Verurteilte zwei Drittel der Strafe verbüsst, so kann ihn die zuständige Behörde bedingt entlassen, wenn sein Verhalten während des Strafvollzuges nicht dagegen spricht und anzunehmen ist, er werde sich in der Freiheit bewähren (Art. 38 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Die bedingte Entlassung ist die vierte Stufe des Strafvollzugs und deshalb in der Regel anzuordnen. Beim Prognoseentscheid sind neben dem Vorleben und der Persönlichkeit vor allem die neuere Einstellung, der Grad der Reife einer allfälligen Besserung und die nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnisse des Täters zu prüfen. Auch der Art der gefährdeten Rechtsgüter ist Rechnung zu tragen. Bei Gefährdung weniger hochwertiger Rechtsgüter darf ein höheres prognostisches Risiko eingegangen werden als bei der Gefährdung hochwertiger Rechtsgüter (BGE 125 IV 113 E. 2a S. 115; 124 IV 193 E. 3 S. 194). Wird der Verurteilte gemäss Art. 38 Ziff. 1 StGB bedingt aus dem Strafvollzug entlassen, so entscheidet nach Art. 55 Abs. 2 StGB die zuständige Behörde, ob und unter welchen Bedingungen der Vollzug der Landesverweisung probeweise aufgeschoben werden soll. Beim Entscheid über den probeweisen Aufschub der Landesverweisung ist massgebend, ob in der Schweiz oder im Ausland die besseren Chancen für die Resozialisierung bestehen. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse des Gesuchstellers, seine Beziehungen zur Schweiz und zum Ausland, seine Familienverhältnisse und seine Arbeitsmöglichkeiten zu beurteilen. Wenn der Betroffene über enge Beziehungen im Ausland bzw. zu dort lebenden Personen verfügt, liegt ein Indiz dafür vor, dass die Chancen einer Resozialisierung ausserhalb der Schweiz grundsätzlich gut oder jedenfalls nicht schlechter sind als in der Schweiz. Die erneute Straffälligkeit in der Schweiz stellt hingegen regelmässig ein Indiz dafür dar, dass die Resozialisierungschancen hier nicht gut sind (BGE 122 IV 56 E. 3a S. 60; 116 IV 283 E. 2a S. 285 mit Hinweisen). Das Bundesgericht greift in die Beurteilung der Bewährungsaussichten und der Resozialisierungschancen nur ein bei Ermessensüberschreitung oder -missbrauch (vgl. Art. 104 lit. a OG; BGE 119 IV 5 E. 2 S. 8; 116 IV 283 E. 2a S. 285).