Citation: 2C_201/2023 E. 4.1

4.1. Gemäss dem - von der Vorinstanz für das Bundesgericht verbindlich festgestellten (vorne E. 2.2 f.; Art. 105 Abs. 1 BGG) - Sachverhalt ersuchte das Amt für Migration des Kantons Luzern das Staatssekretariat für Migration mit Schreiben vom 4. November 2020 gestützt auf Art. 50 AIG und Art. 32 lit. d VZAE um Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Das kantonale Migrationsamt scheint dabei die anwendbaren Rechtsgrundlagen vermischt zu haben, zumal Art. 32 Abs. 1 lit. d VZAE - der vorsieht, dass bei der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zur Wahrung wichtiger öffentlicher Interessen die Notwendigkeit der Anwesenheit einer Ausländerin oder eines Ausländers im Rahmen eines Strafverfahrens zu berücksichtigen ist - nicht Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG sondern Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG konkretisiert (vgl. dazu auch UEBERSAX/SCHLEGEL, in: Ausländerrecht, 3. Aufl. 2022, Rz. 9.347; CARONI UND ANDERE, Migrationsrecht, 5. Aufl. 2022, S. 229 ff.). Gemäss dieser Bestimmung kann von den Zulassungsvoraussetzungen unter anderem abgewichen werden, um wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen. Es handelt sich dabei - anders als im Fall von Art. 50 Abs. 1 lit. a und b AIG - um eine Bewilligung, die im Ermessen der zuständigen Behörden erteilt wird (vgl. BGE 145 I 308 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Nachdem die Vorinstanz im angefochtenen Urteil für das bundesgerichtliche Verfahren verbindlich festgestellt hat, dass die kantonalen Behörden einzig im Zusammenhang mit dem gegen die Beschwerdeführerin eröffneten Strafverfahren um Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ersuchten, ist von einem Antrag auf Zustimmung zu einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG i.V.m. Art. 32 lit. d VZAE auszugehen.