Citation: 4A_605/2019 E. 7.3

7.3. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist sodann das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit insbesondere von der Glaubhaftmachung ("la simple vraisemblance"; "la semplice verosimiglianza") abzugrenzen. Glaubhaft gemacht ist eine Tatsache schon, wenn für deren Vorhandensein gewisse Elemente sprechen, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte. Demgegenüber sind die Anforderungen beim Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit höher: Die Möglichkeit, dass es sich auch anders verhalten könnte, schliesst die überwiegende Wahrscheinlichkeit zwar nicht aus, darf aber für die betreffende Tatsache weder eine massgebende Rolle spielen noch vernünftigerweise in Betracht fallen (BGE 140 III 610 E. 4.1 S. 612 f.; 130 III 321 E. 3.3 S. 325 mit Hinweisen). Ganz abgesehen davon, dass das kantonale Gericht im Rahmen des kantonalen Haftpflichtgesetzes von der Rechtsprechung des Bundesgerichts abweichen und andere Anforderungen an den Kausalitätsnachweis stellen könnte, zeigt gerade der zu beurteilende Fall, dass ein fixes Abstellen auf einen Prozentsatz nur bedingt zu überzeugenden Ergebnissen führen würde: Die Studie beruht auf 57 Personen. Bei einer derart geringen Anzahl Personen könnten sich bereits geringfügige Änderungen (oder die Berücksichtigung einer geringen Anzahl zusätzlicher Fälle) entscheidend auf das prozentuale Endergebnis auswirken (jeder Einzelfall repräsentiert für sich allein mehr als 1 %). Das Abstellen auf eine exakte Prozentzahl impliziert eine Genauigkeit, die mit Blick auf die Anzahl der betrachteten Fälle aufgrund der Studie gar nicht erreicht werden kann. Allein schon deswegen, liesse sich das sklavische Abstellen auf eine bestimmte Prozentzahl wohl kaum mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung vereinbaren, ganz unabhängig von der Frage, wo diese Grenze genau zu ziehen wäre.