Citation: 6B_645/2020 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz prüft die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 zunächst unter dem Aspekt einer allfälligen Suggestion und gelangt zum Schluss, dass keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen. Sodann nimmt sie eine Analyse der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie eine Motivationsanalyse vor. Die Beschwerdegegnerin 2 habe glaubhaft dargetan, warum sie nicht früher eine Anzeige erstattet habe. Sie habe trotz allem ihre Familie bewahren wollen. Erst als die Ehe 2015 definitiv zerrüttet gewesen sei und ihr der Psychologe in der Klinik geraten habe, sich an die Polizei zu wenden, habe sie dies getan. Sie sei zur Polizei gegangen, um den Sachverhalt dort zu ''deponieren" und sich zu informieren für den Fall, dass es wieder passiere. Sie sei erschrocken, als der Beschwerdeführer verhaftet worden sei. Sie habe nicht gewusst, dass die Sache von Amtes wegen verfolgt würde. Bereits im Jahr 2013 oder 2014 habe die Beschwerdegegnerin 2 einer Vertrauten gegenüber eine Vergewaltigung durch den Beschwerdeführer thematisiert. Dass sie sich nicht früher an die Polizei gewendet habe, sondern erst als ihre Ehe definitiv gescheitert sei, sei nachvollziehbar, da das Hauptmotiv für ihr Schweigen, nämlich der Erhalt ihrer Familie, weggebrochen und ihr dazu geraten worden sei. Weiter nimmt die Vorinstanz eine Inhaltsanalyse der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 vor und gelangt zum Schluss, dass ihre Angaben zahlreiche Realkennzeichen enthielten. In den Befragungen, die sich über drei Jahre hingezogen hätten, habe sie konsistent und in wesentlichen Zügen ohne Widersprüche ausgesagt. So habe sie stets übereinstimmend ihre erfolglosen Versuche, sich wegzudrehen, den Beschwerdeführer wegzustossen, ihre verbale Gegenwehr sowie ihre Atemnot wegen des Körpergewichts des Beschwerdeführers geschildert. Doch nicht nur das Kerngeschehen habe sie widerspruchsfrei geschildert. Obwohl die Vorfälle rund acht Jahre zurück liegen würden, habe sich die Beschwerdegegnerin 2 auch an zahlreiche Details erinnern können und habe diese ohne Widersprüche geschildert. Die Art der Schilderung der Vorfälle durch die Beschwerdegegnerin 2 erwecke den Eindruck, dass sie ein tatsächlich erlebtes traumatisierendes Ereignis schildere. Dass sie das Aufschlagen des Kopfes auf dem Boden bei der Befragung vor der Vorinstanz nicht mehr erwähnt habe, relativiere diese Schlussfolgerung nicht. Diese werde zusätzlich dadurch gestützt, dass die Beschwerdegegnerin 2 stets darauf bedacht gewesen sei, den Beschwerdeführer nicht übermässig zu belasten. Die Frage, ob sie den fraglichen Eintrag in ihrem ''Vergissmeinnicht-Büchlein" unmittelbar nach dem Vorfall gemacht habe, hätte die Beschwerdegegnerin 2 ohne weiteres bejahen können; sie habe aber ausgeführt, sie wisse es nicht mehr. Weiter habe sie erklärt, der eheliche Geschlechtsverkehr sei immer wieder ohne ihren Willen vollzogen worden. Sie habe den Beschwerdeführer dem Frieden zuliebe gewähren lassen, ohne ihm zu sagen, dass sie es eigentlich nicht wolle. Doch bei den angeklagten Vorfällen sei er wirklich zu weit gegangen, was sie ihm auch gesagt und wogegen sie sich auch körperlich gewehrt habe. Sie glaube aber weniger, dass er sein Vorgehen als Vergewaltigung empfunden habe. Auch die bei den Vorfällen erlittenen blauen Flecken habe die Beschwerdegegnerin 2 nicht überbewertet wissen wollen und habe erklärt, sie bekomme eben schnell blaue Flecken. Sie habe ebenso stets betont, dass sie der Beschwerdeführer bei den beiden Übergriffen nicht geschlagen habe. Er habe sie einfach festgehalten. Derartige relativierende Aussagen zugunsten des Täters seien bei einer Falschanschuldigung nicht zu erwarten. Demgegenüber würden die Aussagen des Beschwerdeführers zahlreiche Widersprüche aufweisen. So habe er in den ersten Befragungen ausgeführt, er sei eifersüchtig gewesen, denn die Beschwerdegegnerin 2 habe sich ihm sexuell verweigert, weil sie seiner Ansicht nach fremd gegangen sei. Dass er sich mit erigiertem Glied auf die damals 13-jährige Nichte gelegt habe, sei geschehen, weil er eifersüchtig und verzweifelt gewesen sei. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Dezember 2015 habe der Beschwerdeführer demgegenüber bestritten, eifersüchtig gewesen zu sein und erklärt, seine angebliche Eifersucht habe die Beschwerdegegnerin 2 erfunden. Sodann habe er anfangs ausgesagt diese habe sich ihm wiederholt sexuell verweigert, sie habe sich über zweihundertmal abgewandt, weil sie keinen Geschlechtsverkehr gewollt habe. In der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft habe er demgegenüber ausgeführt, er habe sich regelrecht überwinden müssen, um mit der Beschwerdegegnerin 2 Geschlechtsverkehr zu haben, weil sie fremd gegangen sei und er sich nicht mit einer Geschlechtskrankheit habe anstecken wollen. Vor der ersten Instanz sei der Beschwerdeführer noch weiter gegangen und habe behauptet, die Initiative sei meistens von der Beschwerdegegnerin 2 ausgegangen, und zwar seit den Anfängen der Ehe. Die Vorinstanz hält fest, diese Aussagen des Beschwerdeführers würden sich nur schwer miteinander in Einklang bringen lassen. Sodann habe er in der polizeilichen Einvernahme die Vornahme sexueller Handlungen an der (zunächst) schlafenden Beschwerdegegnerin 2 eingestanden, wobei er laut seiner ursprünglichen Darstellung seinen Penis bis zum Orgasmus an ihrem Körper gerieben habe. In der späteren Einvernahme habe er davon nichts mehr wissen wollen und gesagt, er habe nur seine schlafende Ehefrau in der Schamgegend zu massieren versucht und als sie erwacht sei, habe er erschrocken die Hand zurückgezogen, das sei alles gewesen. Betreffend den Vorfall in der Küche habe sich der Beschwerdeführer von Anfang an auf den Standpunkt gestellt, der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich erfolgt. Zunächst habe er erklärt, die Beschwerdegegnerin 2 habe genug Zeit für Geschlechtsverkehr gehabt. Später habe er aber einräumen müssen, dass die Beschwerdegegnerin 2 vor dem Fest C.________ unter Zeitdruck gestanden habe, sie habe gerade gehen wollen und den Sex mit ihm lieber nicht gewollt. Nach einer Gesamtbeweiswürdigung gelangt die Vorinstanz zum Schluss, dass auf die Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdegegnerin 2 abzustellen ist, während jener des Beschwerdeführers nicht gefolgt werden könne.