Citation: 6B_979/2023 E. 3.3

3.3. Die Vorinstanz erwägt bezüglich der Beschwerdegegnerin 2 zusammengefasst, bis zum 2. März 2014 habe die Mutter des Beschwerdeführers das Studio geführt, weshalb er den Tatbestand in dieser ersten Phase nicht erfüllt habe. In einer zweiten Phase habe der Beschwerdeführer die Arbeit der Beschwerdegegnerin 2 überwacht, insbesondere die Zeit, während der die Kunden bedient worden seien. Damit habe er verhindern wollen, dass die Freier über die ursprüngliche Abmachung hinaus bedient worden seien und die Beschwerdegegnerin 2 einen allfälligen Mehrverdienst für sich behalten würde. Der Beschwerdeführer habe die Finanzen geregelt und der Beschwerdegegnerin 2 jeweils ihren Anteil ausbezahlt. Er habe im Studio eine massgebende Stellung eingenommen und sei für die Situation, in der sich die Beschwerdegegnerin 2 dort befunden habe, verantwortlich gewesen. Neben den im Milieu üblichen, der Beschwerdegegnerin 2 aufgrund ihrer Arbeit in anderen Studios in der Schweiz bereits bekannten Einschränkungen (keine Einflussnahme auf die Höhe des an den Beschwerdeführer abzugebenden Anteils ihres Einkommens von 50 % und die weiteren Abzüge für Verpflegung sowie Internetwerbung) sei auch zu berücksichtigen, dass sie habe fragen müssen, wenn sie das Studio habe verlassen wollen. Dabei sei die Bewilligungspraxis des Beschwerdeführers sehr restriktiv gewesen, denn sie habe nicht "einfach so" rausgehen können. Zudem sei die Beschwerdegegnerin 2 verpflichtet gewesen, zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung zu stehen und auch bei Krankheit sowie während ihrer Menstruation zu arbeiten. Weiter sei es ihr nicht erlaubt gewesen, einen Kunden, eine sexuelle Praktik oder ungeschützten Geschlechtsverkehr abzulehnen, denn die Beschwerdegegnerin 2 habe bei einer allfälligen Beschwerde eines Kunden befürchtet, Probleme mit dem Beschwerdeführer oder der Polizei zu bekommen. Ferner habe sie harte Drogen konsumiert, um ihre Arbeit überhaupt auszuhalten, die sie beim Beschwerdeführer bezogen habe. Dies habe eine zusätzliche Abhängigkeit geschaffen. Wenn sie bei ihm zu viele Schulden gehabt habe, habe er ihr keine Drogen verkauft. Mit dieser Weigerung habe der Beschwerdeführer weiteren Druck auf die Beschwerdegegnerin 2 ausgeübt, zu arbeiten und mehr Umsatz zu erzielen. Wegen seiner Machtposition gegenüber der Beschwerdegegnerin 2 habe er gegen ihren Willen Arbeitsbedingungen erzwingen können, die ihre Handlungsfreiheit stark eingeschränkt hätten. Damit sei der Tatbestand in objektiver Hinsicht erfüllt. Ausserdem habe der Beschwerdeführer mit direktem Vorsatz gehandelt (Urteil S. 24 f. E. 4.3.8). Die Vorinstanz verletzt kein Bundesrecht, wenn sie gestützt auf ihre tatsächlichen Feststellungen zum Schluss gelangt, dem Beschwerdeführer sei gegenüber der Beschwerdegegnerin 2 eine Machtposition zugekommen, die er ausgenutzt habe, um ihre Handlungsfreiheit und ihr sexuelles Selbstbestimmungsrecht im Sinne von Art. 195 lit. c StGB zu beeinträchtigen. Im Lichte der konkreten Umstände beruhte die Machtstellung des Beschwerdeführers aus seiner Position als (Mit-) Verantwortlicher des Studios heraus, wobei aufgrund des auf der Beschwerdegegnerin 2 lastenden wirtschaftlichen Drucks und ihres illegalen Aufenthaltsstatus ihre Lage ausgesprochen schwierig war. Sie war auf die Einnahmen aus der Prostitution angewiesen. Angesichts der erstellten Drogensucht der Beschwerdegegnerin 2 und der Tatsache, dass sie die Betäubungsmittel, die sie insbesondere deshalb konsumierte, um ihre Tätigkeit als Prostituierte durchzustehen, ausschliesslich beim Beschwerdeführer bezog, machte er sich nicht nur ihre diesbezügliche Abhängigkeit zunutze, sondern beschränkte damit weiter ihre Entscheidungsfreiheit. Mithin erweist sich auch der Einwand des Beschwerdeführers, seine gelegentliche Weigerung der Beschwerdegegnerin 2 Drogen zu verkaufen, wenn er ihren übermässigen Konsum festgestellt habe, könne ihm nicht als Ausnutzung seiner Machtposition vorgeworfen werden (Beschwerde S. 14 f.), als unbehelflich. Seine weiteren Argumente, die Beschwerdegegnerinnen 2-4 hätten nicht behauptet, dass im Studio irgendeine Form von Gewalt vorgekommen wäre, dass sie mittels Videokamera überwacht worden wären (Beschwerde S. 7) oder, dass sie keine Möglichkeit gehabt hätten, das Studio zu verlassen (Beschwerde S. 12), gehen ebenfalls an der Sache vorbei, zumal sie nicht die Tatbestandsmerkmale von Art. 195 lit. c StGB betreffen (vgl. BGE 125 IV 269 E. 2b zu Art. 195 Abs. 3 aStGB). Zwar blieb die Beschwerdegegnerin 2 gewissermassen "freiwillig" im Studio des Beschwerdeführers; um aber keine Probleme mit ihm oder mit der Polizei zu bekommen, liess sie nicht nur die Überwachung ihrer Arbeit durch den Beschwerdeführer zu, die er in seinem Interesse vornahm, da sie zur Einhaltung der mit den Kunden abgemachten Zeiten und Preise erfolgte, sondern fügte sich auch den von ihm bestimmten, massiv einschränkenden Arbeitsmodalitäten. Dabei war sie weder betreffend die Auswahl der Freier, die angebotenen Dienstleistungen, deren Preise noch den Ablauf des Kundenkontakts frei. Die Beschwerdegegnerin 2 war in ihrer Entscheidung, ob und wie sie der Prostitution nachgehen wollte, somit objektiv nicht mehr frei, auch wenn ihr kein Mindestumsatz vorgeschrieben wurde (Beschwerde S. 18). Dass die Beschränkung ihrer Handlungsfreiheit nicht ihrem Willen oder zumindest nicht ihren Bedürfnissen entsprach, zeigt sich beispielweise an der ständigen Präsenzzeit oder der Pflicht zur Ausübung bzw. Erduldung von sexuellen Dienstleistungen auch im Krankheitsfall und steht vorliegend ausser Zweifel.