Citation: 6B_687/2016 E. 1.5.2

1.5.2. Die Vorinstanz nimmt an, die Beschwerdegegnerin sei mehrheitlich geständig gewesen, habe sich während der Untersuchung bei der Aufklärung der Straftaten kooperativ verhalten, sei einsichtig gewesen und zeige aufrichtige Reue. Die Vorinstanz übergeht damit wesentliche erstinstanzliche Feststellungen. Diese sind insoweit zu berücksichtigen, selbst wenn die Vorinstanz für das Berufungsverfahren ein günstigeres Bild erhalten haben wird. Der von der Beschwerdeführerin erhobene Vorwurf der Aktenwidrigkeit ist auch hier nicht unbegründet. Die Erstinstanz ging davon aus, die Beschwerdegegnerin habe sich von Anfang an geständig und kooperativ gezeigt, um anschliessend erheblich zu relativieren: Das Geständnis kam teils auf Druck der Beweislast zustande, ein Abstreiten wäre sinnlos gewesen; vor dem Abschluss der Strafuntersuchung begann sie, Zugaben zu relativieren; Einsicht und echte Reue seien nur bedingt auszumachen; sie sei bemüht, ihre Rolle zu beschönigen, die eigenen Taten zu bagatellisieren und anderen die Schuld zuzuschieben; sie scheine ihre bescheidene finanzielle Situation als Rechtfertigungsgrund für den Drogenhandel zu betrachten, was den Eindruck mangelnder Einsicht und Reue erwecke; sie kam der Meldepflicht oftmals nicht nach und wurde mehrmals schriftlich verwarnt; strafmindernd wirke sich aus, dass ihr aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation und ihrer beiden Kinder eine erhöhte Strafempfindlichkeit zuzubilligen sei; die relativ lange Verfahrensdauer sei leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Die Erstinstanz reduziert die Strafe um ein Jahr (erstinstanzliches Urteil S. 35). Ein Geständnis kann bei der Beurteilung des Nachtatverhaltens zugunsten der Täterin berücksichtigt werden, wenn es auf Einsicht in das begangene Unrecht oder auf Reue schliessen lässt oder die Täterin zur Tataufdeckung über ihren eigenen Tatanteil hinaus beiträgt. Ob sich bei einem vollumfänglichen Geständnis nach der hypothetischen Formulierung in BGE 121 IV 202 E. 2d/cc die Strafe allenfalls um einen Fünftel bis zu einem Drittel mindern liesse (Urteil 6B_1366/2016 vom 6. Juni 2016 E. 4.6), kann hier offen bleiben (ablehnend Urteile 6B_412/2014 vom 27. Januar 2015 E. 2.6 und 6S.283/2002 vom 26. November 2002 E. 6.2). Hat ein Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert oder ist die beschuldigte Person nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst nach Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils geständig geworden, wird auf eine Strafminderung zu verzichten sein (ablehnend Urteile 6B_582/2013 vom 20. Februar 2014 E. 3.4 und 6B_1222/2016 vom 5. April 2017 E. 7.3 [erst im Berufungsverfahren]; Urteile 6B_1047/2015 vom 28. April 2016 E. 7.4.1, 6B_785/2015 vom 18. November 2015 E. 3, 6B_786/2014 vom 10. April 2015 E. 1.6.3; strafmindernd Urteile 6B_312/2016 vom 23. Juni 2016 E. 1.3.4, 6B_65/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.4).