Citation: 8C_551/2022 E. 4.3.2

4.3.2. Nachdem die Vorinstanz in ihrem ersten Urteil unter Verweis auf Dr. med. C.________ von einer vorbestehenden erheblichen, wenn auch gut kompensierten (nicht remittierten) Persönlichkeitspathologie ausging, ist ihr nicht zu folgen, soweit sie nunmehr einen massiv beeinträchtigten Vorzustand verneinte. Weshalb diese erhebliche prätraumatische Persönlichkeitspathologie aus adäquanzrechtlicher Sicht rund 15 Monate später nicht mehr zum Tragen kommen und zu einer anderen Einschätzung führen soll, ist nicht ersichtlich. Dies umso weniger, als die Vorinstanz betonte, dass sich an ihrer Würdigung des Vorfalls im Hinblick auf die Summe der Bedrohungselemente, der Intensität des Ereignisses und der unmittelbar erlebten Todesgefahr nichts geändert habe. Wie das Bundesgericht im Urteil 8C_412/2015 vom 15. November 2015 E. 6.2 darlegte, ist nicht die Tat allein entscheidend für die Beurteilung der Adäquanz. Die prätraumatische Persönlichkeitsstruktur der versicherten Person ist ebenfalls insoweit miteinzubeziehen, als auch solche Versicherte Bezugspersonen für die Adäquanzbeurteilung bilden, die im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung eines Unfalls nicht "optimal" reagieren (vorstehende E. 2.2.2). In diesem Sinne ist die konstitutionelle Prädisposition der versicherten Person gleichfalls relevant. Nach der Erfahrung des Lebens reagiert eine Person mit der hier vorliegenden erheblichen Persönlichkeitspathologie unter den gegebenen Umständen im Hinblick auf die Tatverarbeitung nachvollziehbar nicht bestmöglich und kann nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung einen nachhaltigen psychischen Gesundheitsschaden erleiden, was sich mit der Einschätzung des Kreisarztes deckt, welcher bei der Beurteilung der Adäquanz bei Fällen mit psychiatrischem Vorzustand zwangsläufig durch die Anlegung eines realitätsgerechten Massstabs (vgl. zuletzt Urteil 8C_367/2021 vom 10. Januar 2022 E. 4.3.1) wesentliches Gewicht zukommt. Der Beschwerdeführer war, wie dargelegt, vor dem Schreckereignis insoweit psychisch gut kompensiert, als er voll arbeitsfähig war, weshalb nicht gesagt werden kann, er sei aufgrund seiner vorbestehenden Persönlichkeitspathologie ausserhalb der im Rahmen der bei der Adäquanzbeurteilung zu berücksichtigenden weiten Bandbreite von Versicherten. Es liegt somit nicht eine aussergewöhnliche, singuläre Reaktion psychogener Art auf ein erlittenes Schreckereignis vor, bei welcher die adäquate Kausalität zu verneinen wäre.