Citation: 1C_100/2019 E. 6.2

6.2. Dieser Grundsatz gilt grundsätzlich unabhängig vom kantonalen Recht, gestützt auf das auch die Privaten verpflichtende Prinzip von Treu und Glauben nach Art. 5 Abs. 3 BV (Urteil 1C_582/2016 vom 5. Juli 2017 E. 2.4). Allerdings hat das Bundesgericht in BGE 118 Ia 271 E. 1e S. 275 (betreffend Mängel im Vorfeld einer Abstimmung) ausgeführt, dass die Kantone gestützt auf ihre Organisationsautonomie frei seien, anderen Erwägungen, wie namentlich einem leicht zugänglichen Rechtsschutz im Bereich der politischen Rechte, einen höheren Stellenwert zuzumessen. Die Verwirkung wurde daher vom Bundesgericht nur in Fällen geprüft, in denen die letzte kantonale Instanz auf die Beschwerde bzw. die entsprechende Rüge nicht eingetreten war oder aber direkt Beschwerde ans Bundesgericht erhoben werden konnte (vgl. Urteil 1C_2017/2008 vom 3. Dezember 2008 E. 1.2 mit Hinweisen). Auch die oben zitierten Entscheide zur Verwirkung von Rügen gegen Gemeinderatsbeschlüsse betreffen kantonale Nichteintretensentscheide. Vorliegend sind Regierungsrat und Verwaltungsgericht auf die Stimmrechtsbeschwerde eingetreten, ohne allerdings das Antragsrecht zu behandeln, dessen Verletzung im kantonalen Verfahren nicht geltend gemacht wurde. Die Verwirkung muss indessen erst recht greifen, wenn ein Mangel, dessen Geltendmachung bereits in der Gemeindeversammlung hätte erwartet werden können und müssen, weder in der Gemeindeversammlung noch in den nachfolgenden kantonalen Rechtsmittelverfahren geltend gemacht wird, sondern erstmals im bundesgerichtlichen Verfahren. Der Grundsatz, wonach die Kantone einen grosszügigeren Rechtsschutz gewähren können, setzt mit anderen Worten voraus, dass die entsprechenden Mängel spätestens im kantonalen Rechtsmittelverfahren beanstandet werden.