Citation: U 129/03 25.05.2004 E. 4.2

4.2.1 Im Gutachten vom 11. März 1998 diagnostizierte Dr. med. H.________ ein neun Monate nach dem Liftunfall persistierendes rechtsseitiges tendomyogelotisches Zervikobrachialsyndrom bei vorbestandenen degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS. Die bildgebenden Untersuchungen zeigten ausser degenerativen Veränderungen keine nachweisbaren Unfallverletzungen. Die Versicherte sei aktuell in ihrer Tätigkeit als Wirtin zu 25 % arbeitsunfähig. Die anhaltenden Beschwerden und die damit verbundene Arbeitsfähigkeit seien initial auf den Unfall zurückzuführen. Es bestehe jedoch eine Dissoziation zwischen den objektiv leichten Beschwerden und der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit. Bei der Entwicklung dieser Arbeitsunfähigkeit würden sozio-professionelle und wahrscheinlich auch psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Zur Rolle des Unfalls vom 12. Juni 1997 bei der Symptomatologie und der Arbeitsunfähigkeit sei anzuerkennen, dass sicher eine natürliche Kausalität zwischen dem Unfall und den aufgetretenen Beschwerden wie auch der anfänglichen Arbeitsunfähigkeit bestehe. Der Unfallablauf mit dem plötzlichen Abbremsen des Lifts sei geeignet gewesen, Nacken- und Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und selbst rechtsseitige Brachialgien auszulösen. Im Gegensatz zum Auftreten der Leiden könne jedoch das Andauern der aktuellen Beschwerden nicht mehr ursächlich auf den Unfall zurückgeführt werden. Die Rolle des Unfalls in Zusammenhang mit diesen müsse auf sechs bis zwölf Monate limitiert werden. Etwas theoretisch sei von einer sich im Verlaufe eines Jahres zurückbildenden Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Nach dem 12. Juni 1998 sei keine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit mehr anzunehmen, sondern sie wäre auf unfallfremde Ursachen zurückzuführen, selbst wenn diese nicht leicht zu umschreiben wären (sozio-professionelle Probleme, wirtschaftliche Schwierigkeiten, eventuell maskierter depressiver Zustand, degenerative Veränderungen). 4.2.2 In seinem zweiten, im Einspracheverfahren erstatteten Gutachten vom 20. April 2000 stellt Dr. med. H.________ einen gegenüber der Untersuchung vom März/April 1999 in subjektiver und objektiver Hinsicht unveränderten Zustand der Versicherten fest und betont, dass sich der Unfall in einem schwierigen psychosozialen Umfeld ereignet habe und vorbestehende psychische und sozio-ökonomische Probleme die Entwicklung beeinflusst hätten. Er halte daran fest, dass die geklagten Beschwerden der Versicherten und die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit nicht mehr in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 12. Juni 1997 stünden. Das Andauern der leichten Nacken- und Kopfschmerzen könnte zwar auf den Unfall zurückgeführt werden, was jedoch die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtige, und deshalb schlage er der Versicherung vor, die Heilbehandlung für die Dauer von fünf Jahren zu übernehmen. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei er im Gutachten vom 11. März 1999 etwas zu optimistisch gewesen. Aktuell bestehe eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von 50 %, die in erster Linie auf psychische Gründe und berufliche Schwierigkeiten der Versicherten und zusätzlich möglicherweise auf vorbestehende degenerative Veränderungen der Wirbelsäule zurückzuführen sei. Es liege eine klassische Situation vor, wo ein kleiner Unfall zur Dekompensation einer vorbestehenden psychisch und wirtschaftlich prekären Situation geführt habe.