Citation: 5A_986/2021 E. 5.3

5.3. Aus dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin über kurz oder lang in den Genuss des Nachlassvermögens kommen wird, schliesst der Beschwerdeführer weiter, dass diese als wirtschaftlich Berechtigte zu gelten habe. Es führe zu einem stossenden Ergebnis, wenn daran angeknüpft werde, dass die Beschwerdegegnerin derzeit nicht über das Nachlassvermögen verfügen könne. In der Zeit, bis die Ausschüttung möglich werde, profitiere die Beschwerdegegnerin doppelt: Einerseits wachse das Trustvermögen stetig an, andererseits erhalte sie den vollen Unterhaltsanspruch unbesehen darum, dass ihre finanzielle Lage sich stetig verbessere. Sobald es der Beschwerdegegnerin genehm sei, könne sie sich das Nachlassvermögen sodann ausbezahlen lassen. Die zu erwartenden Ausschüttungen seien daher im Sinne eines anrechenbaren Vermögenswerts bereits ab dem Todeszeitpunkt der Erblasserin zu berücksichtigen. Angesichts der sich im Nachlass befindlichen Vermögenswerte, den aus den "Trusts" bereits bezogenen Leistungen, der Rente aus dem "Retirement Funds", dem Einkommen der Beschwerdegegnerin und dem dieser bezahlten Betreuungsunterhalt sei ihr dies zumutbar. Vorab ist nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdegegnerin "doppelt profitieren" und das Urteil deshalb stossend sein sollte: Wie das Obergericht vielmehr willkürfrei festgestellt hat (vgl. vorne E. 4), stehen das Nachlassvermögen und dessen Erträge der Beschwerdegegnerin derzeit nicht zur Verfügung. In Frage steht einzig, ob und wie dem künftigen Vermögensanfall im jetzigen Zeitpunkt Rechnung zu tragen ist. Ein solcher Vermögensanfall, namentlich aber ein nahe bevorstehender Erbanfall, wie er hier in Frage steht, kann bei der (Neu-) Festsetzung des Unterhaltsbeitrags zwar ausnahmsweise Berücksichtigung finden. Notwendig ist aber, dass ein hinreichender Bezug zur Ehe gegeben ist (BGE 114 II 117 Regeste sowie E. 2b und 3; Urteil 5C.27/2005 vom 23. November 2005 E. 2.2, in: FamPra.ch 2006 S. 427; HAUSHEER/SPYCHER, in: Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Aufl. 2010, Rz. 05.67 S. 268). Die Vorinstanz hat einen derartigen Bezug zumindest im Ergebnis verneint und die Ausführungen des Beschwerdeführers sind zu wenig präzise, als dass Anlass bestehen würde, dies zu hinterfragen (vgl. vorne E. 2.1). Ohnehin beruft der Beschwerdeführer sich allein auf ein Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 26. Februar 2019 (LY180053; abrufbar unter: <https://www.gerichte-zh.ch>, Rubriken: "Entscheide", "Entscheide suchen"), gemäss dem eine Anrechnung künftiger Vermögenserträge bei der Unterhaltsfestsetzung ausnahmsweise in Frage kommt, wenn dies im Einzelfall aufgrund einer Gesamtbetrachtung der Umstände als zumutbar erscheint (E. 4.2.9). Unbesehen darum, wie diese Ansicht sich mit der wiedergegebenen Rechtsprechung verträgt, ist es der Beschwerdegegnerin gemäss dem angefochtenen Urteil derzeit nicht möglich, den ihr gebührenden Lebensunterhalt zu decken, ansonsten ihr kein Unterhalt zugesprochen worden wäre (vgl. BGE 147 III 249 E. 3.4.4). Der Beschwerdeführer erhebt nicht die nötigen Rügen, damit von dieser Feststellung abgewichen werden könnte (vgl. vorne E. 2.2), zumal er der Beschwerdegegnerin auch in diesem Zusammenhang unzulässig eine namhafte jährliche Rendite aus der Erbschaft anrechnen will (vgl. E. 5.2 hiervor). Die vom Beschwerdeführer gewünschte Anrechnung der Erbschaft und in der Folge eine Aufhebung der Unterhaltsleistung ist der Beschwerdegegnerin zum jetzigen Zeitpunkt daher gerade nicht zumutbar, da sie diesfalls ihre Lebenshaltung nicht finanzieren könnte.