Citation: 4A_295/2022 E. 8.1

8.1. Die Vorinstanz erwog, entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin untersuche die Studie von PETR nicht die hier interessierende Frage der langfristigen Erholungschance, sondern diejenige des Behandlungsergebnisses nach drei Monaten. Es sei daher nicht zu beanstanden, dass der Gutachter und mit ihm die Erstinstanz zur Beurteilung der Heilungschancen bei einer sofortigen Operation nicht einzig auf diese Studie abgestellt habe. Zum Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Studie von MARICONDA (MARICONDA und andere, The functional relevance of neurological recovery after lumbar discectomy, J Bone Joint Surg Br. 2008, 90[5], S. 622 ff.) sei nicht beweiskräftig, erwog die Vorinstanz, der Gutachter erachte diese Studie als bedeutsam. Er lege seinem Gutachten die Anmerkung von MARSHALL (MARSHALL, T he functional relevance of neurological recovery 20 years or more after lumbar discectomy, J Bone Joint Surg Br. 2008, 90[5], S. 554 f.) bei. Lese man diese im Original, ergebe sich, dass sich dieser nicht nur auf die Studie von MARICONDA, sondern auch auf zahlreiche weitere Studien stütze, wie folgende Passage ergebe: " In all the quoted studies [...]. Incorporating the current study [gemeint ist die Studie von MARICONDA] into the evidence base, the state of our knowledge about the effects of lumbar disc lesions on nerve function can be summarised as follows [...]: 4.) Marked extensor weakness, including complete footdrop, occurs in 5 % to 10 % of cases, and there is potential for recovery in approximately half, with or without treatment; 5) In those with severe extensor weakness, especially painless footdrop, discectomy does [recte: does not] improve the outcome. " Zutreffend sei schliesslich auch das erstinstanzliche Verständnis der Aussagen des Gutachters, wonach die "Wahrscheinlichkeit einer Besserung/Erholung [...] mit einer zeitgerechten Versorgung deutlich höher gewesen wäre" und dass "keineswegs garantiert [gewesen wäre], dass sich Frau A.________ durch eine zeitnahe Operation von dem Fallfuss gebessert oder erholt hätte." Diese Aussagen würden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine vollständige Erholung bei einer zeitnahen Operation belegen. Es könne in diesem Punkt auf die zutreffenden erstinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (mit Verweis auf S. 30 E. 5.3.1). Dort erwog die Erstinstanz, zwar gehe der Gutachter nun retrospektiv davon aus, dass eine (dringliche) Operationsindikation bestanden habe. Überall dort, wo er die Aussicht auf Erholung durch eine Operation einzuschätzen habe, werde allerdings ersichtlich, dass es an einem klaren wissenschaftlichen Nachweis fehle, dass eine solche Operation überhaupt zu einer statistisch erheblich höheren Erholungschance beigetragen hätte. Wie der Beschwerdegegner zu Recht vorbringe, genüge die bestehende Möglichkeit einer besseren Heilungschance, je früher operiert werde, nicht zur Begründung des erforderlichen Kausalzusammenhangs.