Citation: 8C_318/2024 E. 4.6

4.6. Ferner erachtet der Beschwerdeführer die retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. C.________ als nicht nachvollziehbar. Dieser habe die von den behandelnden Arztpersonen diagnostizierten depressiven Episoden grundsätzlich als befundbasiert und plausibel beurteilt. Es sei deshalb widersprüchlich, wenn er im Mai 2022 bei angenommener Remission der depressiven Störung die gleiche 70%ige Arbeitsfähigkeit annehme wie rückwirkend seit Dezember 2019, als aktenkundig eine mittelgradige bis schwere depressive Episode vorgelegen habe. Eine retrospektive Beurteilung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit ist naturgemäss mit gewissen Unsicherheiten behaftet (vgl. Urteil 8C_279/2023 vom 30. April 2024 E. 5.4 mit Hinweis). Zudem ist zu beachten, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) rechtsprechungsgemäss nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten (zu deren Beweiswert: BGE 137 V 210 E. 1.3.4; 135 V 465 E. 4.4) stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (BGE 135 V 465 E. 4.5; 125 V 351 E. 3b/cc; SVR 2017 IV Nr. 7 S. 19, 9C_793/2015 E. 4.1; Urteil 9C_586/2023 vom 6. November 2023 E. 9.2). Der psychiatrische Gutachter erachtete zwar die in den Vorakten diagnostizierten depressiven Episoden grösstenteils auch hinsichtlich des Schweregrades als plausibel. Er konnte aber die von den behandelnden Arztpersonen teilweise diagnostizierte Persönlichkeitsstörung nicht bestätigen. Wenn er die Arbeitsfähigkeit rückblickend anders einschätzte als die behandelnden Arztpersonen, so ist darin kein Widerspruch zu erkennen, der der Beweiskraft des Gutachtens abträglich wäre. Auch aus den Stellungnahmen der RAD-Ärzte kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. So verneinte zwar Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Bericht vom 25. März 2021 die Frage der Sachbearbeitung, ob in absehbarer Zeit damit zu rechnen sei, dass durch geeignete Eingliederungsmassnahmen eine stabile 50%ige Arbeitsfähigkeit im 1. Arbeitsmarkt erreicht werden könne. Die nicht weiter begründete Antwort bezog sich demnach auf die Eingliederungsfähigkeit. Dementsprechend empfahl der RAD-Arzt eine Begutachtung. Dr. med. H.________, Facharzt für Arbeitsmedizin, hielt seinerseits fest, es könne vollständig auf das ABI-Gutachten abgestellt werden (vgl. Stellungnahmen vom 28. Juli 2022 und 12. Januar 2023).