Citation: 4A_298/2019 E. 6.4.1

6.4.1. Die Vorinstanz hat, wie erwähnt, den Vertrag normativ ausgelegt. Mit ihrer Auslegung, wonach Vollendungstermin der letzte Tag der Vor-Abnahme-Probephase gewesen sei, kam sie zu einem Vertragsverständnis, welches von keiner der Parteien behauptet wurde. Denn die Beschwerdegegnerin machte geltend, es sei kein bestimmtes Vollendungsdatum vereinbart worden, weil alles von den Tests in der Vor-Abnahme-Probephase abgehangen habe, und die Beschwerdeführerin erachtete den ersten und nicht den letzten Tag der Vor-Abnahme-Probephase als Vollendungszeitpunkt. Darauf, dass der Vertragspartner eine Vereinbarung nach Treu und Glauben in einem gewissen Sinne hätte verstehen müssen, darf sich die Gegenpartei aber nur berufen, soweit sie selbst die Bestimmung tatsächlich so verstanden hat. Die Auslegung nach dem Vertrauensprinzip kann nicht zu einem normativen Konsens führen, der so von keiner der Parteien gewollt ist (Urteile des Bundesgerichts 4A_441/2019 vom 9. Dezember 2019 E. 2.6.1; 4A_577/2018 vom 15. Mai 2019 E. 4.2; 4A_311/2017 vom 15. Dezember 2017 E. 7; 4A_187/2015 vom 29. September 2015 E. 4.1, nicht publ. in: BGE 141 III 489; 4A_538/2011 vom 9. März 2012 E. 2.2; je mit Hinweisen). Bereits aus diesem Grund ist der vorinstanzlichen Vertragsauslegung nicht zu folgen.