Citation: 4A_588/2021 E. 3.4.2

3.4.2. Auch BGE 144 III 394 bietet der Beschwerdeführerin keine Hilfe: Das Bundesgericht hielt dort fest, abgesehen von offensichtlichen Mängeln habe sich das Berufungsgericht grundsätzlich auf die Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort erhobenen Beanstandungen zu beschränken. Die Rügen der Parteien geben mithin das Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz vor. Gleichzeitig betonte das Bundesgericht aber das Prinzip iura novit curia (BGE 144 III 394 E. 4.1.4). In Übereinstimmung mit diesen Grundsätzen prüfte die Vorinstanz zuerst, ob - wie die Beschwerdeführerin in ihrer Berufung rügte - das Regionalgericht die Aktivlegitimation gestützt auf eine Praxis der GVG fälschlicherweise verneint hatte. Dabei kam sie zum Ergebnis, dass diese Rüge begründet sei. Die Vorinstanz war nicht verpflichtet, an diesem Punkt ihre Prüfung zu beenden. Zum einen ersuchte die Beschwerdeführerin lediglich eventualiter um Rückweisung, prinzipaliter aber um Gutheissung der Klage und hielt damit selbst das Prüfungsprogramm auf den ganzen Streitgegenstand offen. Dies gilt unabhängig davon, dass sie in der Berufung (Rz. 88) ausführte, an sich sei eine Rückweisung naheliegend. Zum andern wiederholte der Beschwerdegegner in der Berufungsantwort seine Bestreitungen und Einwände. Namentlich griff er seine Argumente im Zusammenhang mit dem Übergang von bloss 50% des Versicherungsanspruchs von der E.________ SA auf die D.________ AG und der Zession des Versicherungsanspruchs an das Ehepaar F.________ in der Berufungsantwort auf und machte dazu detaillierte Ausführungen (Rz. 148-150). Wenn sich die Vorinstanz bei dieser Ausgangslage nicht auf die Prüfung der die Aktivlegitimation betreffenden Rüge der Beschwerdeführerin beschränkte, sondern auch auf die gegnerischen Vorbringen, namentlich auf dasjenige zur Zession an das Ehepaar F.________ einging, missachtete sie die Grundsätze gemäss BGE 144 III 394 E. 4.1.4 nicht, werden dort doch ausdrücklich auch die in der Berufungsantworterhobenen Beanstandungen zum Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz gezählt.