Citation: 6B_217/2020 E. 3.4.1

3.4.1. Unter Verweis auf die erstinstanzlichen Erwägungen führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe behauptet, die Beschwerdegegnerin 2 habe ihn anlässlich der Sitzung vom 23. Dezember 2014 nicht über eine Verschlechterung ihres Zustandes informiert. Diese Behauptung treffe nicht zu, was sich bereits dem undatierten Schreiben des Beschwerdeführers an die Patientenstelle entnehmen lasse. Darin habe er ausgeführt, die Beschwerdegegnerin 2 habe am 23. Dezember 2014 geschildert, sie habe Kopfschmerzen, ein Gefühl von Müdigkeit und sie habe Mühe bekundet, den Kopf aufrecht zu halten. Weiter erwägt die Vorinstanz, die Beschwerdegegnerin 2 habe ausgeführt, der Beschwerdeführer habe überhaupt keine Tests mit ihr durchgeführt, sondern nur gefragt, wie es ihr gehe und ihren Bauch abgetastet. Es gebe keine Hinweise auf eine Falschaussage oder einen Erinnerungsfehler seitens der Beschwerdegegnerin 2. Hingegen erschienen die Aussagen des Beschwerdeführers kategorisch und lehrbuchmässig, namentlich der Hinweis auf den "De Kleyn-Nieuwenhuyse-Nystagmus-Test". Mit seinen Aussagen beweise der Beschwerdeführer lediglich, dass er wisse, dass ein solcher und andere Tests angebracht gewesen wären. Dass er den Test in der konkreten Situation durchgeführt habe, sei aus seinen Aussagen nicht erkennbar. Ob er - wie er beteuere - "immer" eine ausführliche Zwischenanamnese durchführe, sei unbekannt, und selbst wenn dies so wäre, könne daraus nicht geschlossen werden, dass er eine solche auch im vorliegenden Fall vorgenommen habe. Der Beschwerdeführer habe ferner auch keine Patientenakte oder eine Krankengeschichte vorgelegt, wo die Befunde eingetragen worden wären. Dass keine ausführliche Anamnese und keine Tests gemacht worden seien, gehe schliesslich auch aus dem zeitlichen Ablauf der Geschehnisse hervor. Die Beschwerdegegnerin 2 habe um 12.00 Uhr mittags einen Termin gehabt, wobei ihr der Beschwerdeführer gesagt habe, er habe nur eine halbe Stunde Zeit. Er habe sie um 12.15 Uhr ins Behandlungszimmer geholt. Der erste Anruf des Beschwerdeführers an den Ehemann der Beschwerdegegnerin 2 sei um 12.40 Uhr erfolgt. Damit habe die Konsultation vom Beginn der Behandlung bis zum Anruf rund 25 Minuten gedauert. In dieser Zeit habe der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 nach ihrem Befinden gefragt. Daraufhin habe er sie behandelt und nachdem die gravierenden Symptome des Hirnschlags sichtbar geworden seien, habe er noch einige Zeit abgewartet, bis er den Ehemann der Beschwerdegegnerin 2 angerufen habe. Der Beschwerdeführer könne somit die für eine Zwischenanamnese erforderliche Zeit gar nicht aufgewendet haben. Dass er die behaupteten Tests ausgeführt habe, könne aufgrund der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 und der soeben genannten Umstände ausgeschlossen werden. Der Beschwerdeführer habe auch anlässlich der Berufungsverhandlung nicht konkret anzugeben vermocht, was Inhalt der Zwischenanamnese gewesen sein soll und wie der von ihm erwähnte "Safety-Test" vonstatten gegangen sein soll. Stattdessen habe er ausweichend geantwortet, indem er ausgeführt habe, was er bei einer Anamnese jeweils frage und indem er angegeben habe, welchen Test er bei der Beschwerdegegnerin 2 am 17. Dezember 2014 angeblich durchgeführt habe.