Citation: U 425/04 14.09.2005 E. 2

2.1 Anlässlich des Unfalls vom 13. Juli 1999 hat der Beschwerdeführer eine Knieverletzung mit Meniskusläsion links erlitten, welche am 2. September 1999 und am 3. März 2000 zu arthroskopischen Eingriffen mit Teilmeniskektomien Anlass gab. Am 22. März 2000 berichtete die Orthopädische Klinik Y.________ über einen problemlosen postoperativen Verlauf. Der Patient sei schmerzfrei, könne voll belasten und es sei mit der physiotherapeutischen Mobilisation zu beginnen. Nach einem gescheiterten Arbeitsversuch im April 2000 stellte die Klinik Y.________ laut Bericht vom 2. Mai 2000 einen Kniegelenkserguss links fest, welchen sie mit einer zunehmenden medialen Gonarthrose erklärte. Der Kreisarzt der SUVA, Dr. med. J.________, fand am 12. Juli 2000 ein reizloses stabiles Knie ohne Erguss. Es bestand jedoch eine deutliche Atrophie der Oberschenkelmuskulatur links, weshalb ein intensives Quadrizepstraining als indiziert betrachtet und der Versicherte zur stationären Rehabilitation nach Z.________ überwiesen wurde. Die dortigen Ärzte stellten eine leichte Degeneration des lateralen Meniskushinterhorns sowie eine Knorpelläsion femorotibial medial und retropatellär medial fest und gelangten zum Schluss, die nachgewiesenen Läsionen vermöchten zwar die Art der geklagten Beschwerden, nicht aber deren Ausmass zu erklären. In der beruflichen Leistungsfähigkeit sei der Versicherte insofern eingeschränkt, als er keine Arbeit auf unebenem und steilem Gelände, auf Baugerüsten oder Leitern, mit repetitivem Tragen von Gewichten über 20 kg sowie in kniender oder kauernder Stellung zu verrichten vermöge. Eine Tätigkeit als Bauarbeiter sei nicht mehr zumutbar; in einer den bestehenden Behinderungen angepassten Tätigkeit sei der Versicherte ab 23. Oktober 2000 hingegen voll arbeitsfähig. Dieser Beurteilung schloss sich Kreisarzt Dr. med. J.________ bei der ärztlichen Abschlussuntersuchung vom 7. November 2000 mit der Feststellung an, dass am linken Knie ein blander Befund ohne jegliche Schonungszeichen festzustellen sei. Zur Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten leichteren Tätigkeit gelangte auch die Klinik Y.________ in einem Bericht an die Invalidenversicherung vom 12. Dezember 2000. Der behandelnde Arzt Dr. med. M.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, stellte am 4. April 2001 eine Diskrepanz zwischen dem objektiven Befund und den geklagten Beschwerden fest und schlug der SUVA im Hinblick auf einen Fallabschluss eine Szintigraphie sowie eine erneute Arthroskopie vor. Der Beschwerdeführer begab sich in der Folge zu Dr. med. V.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, welcher einen Gelenkserguss im linken Knie fand und am 29. Oktober 2001 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestätigte. Im Rahmen einer Untersuchung in der Klinik Y.________ vom 23. Oktober 2001 konnte indessen weder ein Gelenkserguss noch eine Bandinstabilität festgestellt werden. Es zeigte sich jedoch eine Varusgonarthrose links, welche nach Auffassung der Klinikärzte mit einer Valgisationsosteotomie angegangen werden sollte. Zur Arbeitsfähigkeit wurde im Bericht vom 6. November 2001 ausgeführt, als Maurer werde der Versicherte nicht mehr voll arbeitsfähig sein und auch eine Teilzeitbeschäftigung in diesem Beruf sei nicht angezeigt. Weil der Versicherte mit einer knieschonenden Tätigkeit sicher eine Teilarbeitsfähigkeit, wenn nicht sogar eine volle Arbeitsfähigkeit erlangen könne, dränge sich eine Umschulung auf. Dabei sei darauf zu achten, dass regelmässige Positionswechsel möglich sind und das Tragen schwerer Lasten insbesondere repetitiv nicht in Frage kommt. Die Klinik W.________ schloss in ihrer Stellungnahme vom 9. November 2001 auf eine Schmerzchronifizierung und erachtete eine chirurgische Behandlung als nicht indiziert. Eine szintigraphische Untersuchung im Spital U.________ vom 6. Dezember 2001 zeigte laut Bericht vom folgenden Tag eine vermehrte Knochenaktivität retropatellär links mit etwas Hyperämie, gut vereinbar mit einer etwas aktivierten Retropatellar-Arthrose. Dr. med. V.________ schloss daraus auf einen mittel- bis schwerwiegenden posttraumatischen Dauerschaden und gelangte erneut an die Klinik W.________ mit der Frage nach einer operativen Behandlung. Im Bericht dieser Klinik vom 11. Januar 2002 wurde die Diagnose einer Retropatellar-Arthrose röntgenologisch bestätigt, von einer weiteren Operation jedoch abgeraten und die Fortsetzung der konservativen Massnahmen (Physiotherapie) empfohlen. Im Februar 2002 wurde der Versicherte in die "Schmerzsprechstunde" zu Prof. Dr. med. R.________, Leitender Arzt Schmerzzentrum an der Klinik W.________, überwiesen, welcher anlässlich einer ersten Konsultation gemäss Mitteilung vom 27. Februar 2002 "keine Anhaltspunkte für irgendwelche Störungen in der Krankheitsverarbeitung" fand. In weiteren Berichten und Stellungnahmen vom 2. September sowie vom 9. und vom 14. Oktober 2002 schlug er eine funktionelle Prüfung der Leistungsfähigkeit und eine allfällige Umschulung vor, wovon auch eine soziale Stabilisierung zu erwarten wäre, welche sich positiv auf die Schmerzverarbeitung auswirken könne. Dr. med. S.________, Facharzt FMH für Chirurgie, vom Ärzteteam Unfallmedizin der SUVA stellte bei einer spezialärztlichen Untersuchung am 13. März 2002 fest, im Vergleich zu den kreisärztlichen Befunden vom 7. November 2000 ergäben sich keine neuen Erkenntnisse. Eine Operation sei nicht sinnvoll und auch von sonstigen Massnahmen sei keine wesentliche Besserung mehr zu erwarten. Die unspezifischen und diskreten Szintigraphie-Befunde vom 6. Dezember 2001 vermöchten das Ausmass der geklagten Beschwerden nicht zu erklären. Der Versicherte sei im Sinne einer erheblichen psychischen Überlagerung auf die Beschwerden fixiert. Wegen der beginnenden Gonarthrose sei eine Arbeit auf dem Bau nicht mehr sinnvoll. Dagegen wäre eine leichtere wechselbelastende Tätigkeit in der Industrie bei einer Gewichtslimite von 10 kg zu 100 % möglich. Dr. med. V.________ veranlasste am 18. März 2002 ein MRI des linken Kniegelenks, welches eine beginnende Arthrose des Femorotibialgelenkes sowie eine leichte Chondromalazie retropatellär zeigte. Den Befund einer weiteren Szintigraphie vom 5. November 2002 bezeichnete er in einem Bericht vom 8. November 2002 allerdings als "nicht mehr sehr eindrücklich". Die von der Invalidenversicherung angeordnete psychiatrische Untersuchung durch Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und lic. phil. H.________, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, ergab keine ausgeprägten Aufmerksamkeits-, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen und es liessen sich auch keine Anzeichen für eine depressive Störung feststellen; ebenso wenig fanden sich Hinweise auf eine somatoforme Störung oder eine klinisch relevante Depression. Zusammenfassend gelangten die Experten in ihrem Gutachten vom 3. Oktober 2002 zum Schluss, es bestehe keine psychische Störung mit Krankheitswert; der Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig. 2.2 Auf Grund der medizinischen Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer an objektivierbaren organischen Unfallfolgen leidet, welche ihn in der Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen und eine weitere Ausübung zumindest der bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter unzumutbar machen. Die Befunde sind allerdings nicht schwerer Natur und hindern ihn nach ärztlicher Auffassung nicht daran, eine körperlich leichtere und den bestehenden Beeinträchtigungen angepasste Tätigkeit zu verrichten. Dieser Meinung sind nicht nur die SUVA-Ärzte und die Klinik Z.________, sondern auch die Experten der Klinik Y.________. Hinsichtlich der Anforderungen an eine zumutbare Erwerbstätigkeit rechtfertigt es sich, von den auf einer stationären Abklärung beruhenden Angaben der Klinik Z.________ im Austrittsbericht vom 20. Oktober 2000 auszugehen, wonach der Beschwerdeführer keine Tätigkeiten auf unebenem und steilem Gelände, auf Gerüsten und Leitern, mit repetitivem Tragen schwerer Gewichte sowie in kniender oder kauernder Stellung auszuüben vermag, in einer den bestehenden Beeinträchtigungen angepassten Tätigkeit aber zu 100 % arbeitsfähig ist. Damit im Wesentlichen übereinstimmend erachtet die Klinik Y.________ im Bericht vom 6. November 2001 eine wechselbelastende Tätigkeit ohne Tragen schwerer Lasten als zumutbar. Während die SUVA-Ärzte und die Klinik Z.________ eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit bejahen, schliesst die Klinik Y.________ eine solche zumindest nicht aus. Zu einer abweichenden Beurteilung gelangen lediglich Dr. med. V.________, welcher die Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit generell verneint, und teilweise auch die Ärzte der Klinik W.________. Der von Dr. med. V.________ für die Annahme einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit am 12. Dezember 2001 angenommene "mittel- bis schwerwiegende posttraumatische Dauerschaden" findet in den übrigen medizinischen Akten indessen keine Stütze. Vielmehr werden die bestehenden organischen Befunde durchwegs als leichten Grades beschrieben. Selbst Dr. med. V.________ hat schliesslich den Szintigraphie-Befund vom 5. November 2002 als "nicht mehr sehr eindrücklich" bezeichnet. Die Klinik W.________ riet zudem von einem weiteren operativen Eingriff, wie ihn Dr. med. V.________ noch in Betracht gezogen hatte, ab. Im Bericht vom 11. Januar 2002 führten die Klinikärzte zwar aus, so wie sich der Versicherte präsentiere, sei auf lange Sicht keine Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Abgesehen davon, dass offen bleibt, ob sich diese Feststellung auf die bisherige Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers als Bauarbeiter beschränkt, lässt die Formulierung darauf schliessen, dass auch nichtorganische Faktoren in die Beurteilung mit einbezogen wurden. Die Überweisung in die "Schmerzsprechstunde" zu Prof. Dr. med. R.________ erfolgte, nachdem die Orthopäden der Klinik W.________ eine starke Schmerzchronifizierung festgestellt hatten und die chirurgischen und physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft waren. Demzufolge waren auch die Ärzte der Klinik W.________ der Auffassung, dass den geklagten Beschwerden keine äquivalenten somatischen Befunde zugrunde liegen und der Versicherte an einem chronischen Schmerzsyndrom leidet, welches sich mit den bestehenden organischen Befunden nicht hinreichend erklären lässt. 2.3 Die von der Invalidenversicherung angeordnete psychiatrische Begutachtung ergab, dass der Beschwerdeführer nicht an einer psychischen Störung mit Krankheitswert leidet, insbesondere auch keine somatoforme Störung aufweist, und damit aus psychischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig ist. Die Beurteilung ist zwar knapp gehalten, erfüllt jedoch die für den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten geltenden Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c). Zum Einwand des Beschwerdeführers, das Gutachten von Dr. med. E.________ und lic. phil. H.________ vom 3. Oktober 2002 sei ohne umfassende Kenntnis der SUVA-Akten, insbesondere der Berichte der Orthopäden der Klinik W.________ und von Prof. Dr. med. R.________, erstattet worden, ist festzustellen, dass die genannten Berichte teilweise erst nach den gutachtlichen Untersuchungen vom 20. und vom 27. August sowie vom 3. Oktober 2002 ergingen und damit im Zeitpunkt der Ausfertigung der Expertise vom 3. Oktober 2002 noch gar nicht vorlagen. Soweit dies nicht der Fall ist, kann in der fehlenden Kenntnis einzelner medizinischer Dokumente kein wesentlicher Mangel erblickt werden, weil sich daraus keine Anhaltspunkte für eine andere Beurteilung ergeben. So hat insbesondere auch Prof. Dr. med. R.________ in seiner Stellungnahme vom 27. Februar 2002 keine Anzeichen für ein psychopathologisches Syndrom gefunden und auf eine dysphorische Stimmung als Folge einer gestörten persönlichen und ehelichen Situation geschlossen. Es liegt demnach kein leistungsbegründender psychischer Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG und Art. 18 Abs. 2 UVG (bzw. heute: Art. 8 Abs. 1 ATSG) vor. Ein solcher setzt grundsätzlich voraus, dass im psychiatrischen Gutachten eine Diagnose gestellt werden kann, welche auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems (ICD-10, DSM-IV) abgestützt ist (BGE 130 V 396). Zudem vermag auch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken; etwas anderes ist nur ausnahmsweise bei Vorliegen besonderer Voraussetzungen anzunehmen (BGE 130 V 352). Solche sind hier nicht gegeben. Wie die Vorinstanz zu Recht feststellt, ist aus dem Fehlen einer psychischen Störung mit Krankheitswert nicht zwangsläufig zu schliessen, dass für das geltend gemachte Ausmass der Schmerzen entweder doch ein - allenfalls nicht erkannter - organischer Befund oder aber eine Aggravation oder Simulation verantwortlich ist. Schmerzsyndrome können eine Vielzahl von Ursachen haben, wobei neben persönlichkeitsbezogenen Faktoren oft auch psychosoziale Umstände eine wesentliche Rolle spielen (vgl. etwa von Känel/Gander/Egle/Buddeberg, Differenzielle Diagnostik chronischer Schmerzsyndrome am Bewegungsapparat - Codierung nach der ICD-10, in: Schweizerische Rundschau für Medizin PRAXIS 2002, S. 541 ff.). Solche Faktoren liegen in Form der von Prof. Dr. med. R.________ erwähnten persönlichen und familiären Umstände vor. Ohne dass es weiterer Abklärungen, einschliesslich des vom Beschwerdeführer beantragten multidisziplinären Gutachtens oder der von Prof. Dr. med. R.________ empfohlenen Leistungsprüfung bedürfte, muss es daher mit der Feststellung sein Bewenden haben, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer der Gesundheitsschädigung angepassten Tätigkeit zu 100 % zumutbar ist.