Citation: 9C_471/2019 E. 3.4

3.4. Nach dem klaren Wortlaut, der in erster Linie für die Auslegung einer Bestimmung massgebend ist (BGE 144 V 327 E. 3 S. 331), hat der Empfänger einer Leistung, so auch ein Dritter, diese zurückzuerstatten, wenn deren Bezug unrechtmässig erfolgte. Die anderslautende Begründung des kantonalen Gerichts, die anhand einer Verordnungsbestimmung, Gegenteiliges darlegt, geht fehl. Mit Art. 71 ter Abs. 3 AHVV, der am 1. Januar 2011 in Kraft trat, wurde eine Verbesserung der Stellung des Kindes bezweckt (vgl. zum Ganzen BGE 143 V 305 E. 5 S. 311 f.), indem das mündige Kind die Auszahlung der Kinderrente an sich selber verlangen kann. Im Übrigen fügt sich diese Regelung jedoch in die bisherige gesetzliche Ordnung ein. Die neue Bestimmung gibt insbesondere keine Antwort darauf, wer im Fall eines unrechtmässigen Leistungsbezugs zur Rückerstattung verpflichtet ist. Dies wird weiterhin durch Art. 25 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 2 ATSV geregelt. Das diesbezüglich klare Gesetz lässt keinen Raum für eine vom Wortlaut abweichende behelfsweise Auslegung anhand von zivilrechtlichen Bestimmungen (ungerechtfertigte Bereicherung [Art. 62 OR] sowie Anweisung [Art. 466 ff. OR]).