Citation: U 207/06 29.11.2006 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob die SUVA für die Beschwerden der Versicherten über den 31. Juli 2004 hinaus leistungspflichtig ist. Dabei besteht letztinstanzlich unter den Parteien einzig hinsichtlich der Unfallkausalität der fortbestehenden Rückenschmerzen Uneinigkeit. Demgegenüber wird - nach Lage der Akten zu Recht - von keiner Seite mehr behauptet, eine beim Unfall vom 3. April 2003 allfällig erlittene HWS-Distorsion (Schleudertrauma) habe über Juli 2004 hinaus hierfür typische Beschwerden (praxisgemäss: diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, Depression, Wesensveränderung, usw.; vgl. BGE 117 V 360 Erw. 4b, ferner auch HAVE 2003 S. 339) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verursacht, sodass darauf nicht zurückzukommen ist. 2.1 Aufgrund der verfügbaren medizinischen Unterlagen lässt sich nicht abschliessend beurteilen, ob die Beschwerdeführerin bei der Auffahrkollision vom 3. April 2003 - obwohl angegurtet und in ihrem stillstehenden VW-Bus in sitzender Haltung - eine Rückenkontusion (Prellung, Quetschung) erlitten hat (bejahend: Kurznotiz des SUVA-Arztes Dr. med. J.________ vom 20. Juli 2004; eher verneinend: Stellungnahme des SUVA-Arztes Dr. med. S.________, Facharzt FMH für Chirurgie, vom 30. September 2004). Mit Blick auf die nachfolgenden Erwägungen kann die Frage jedoch offen bleiben. Tatsache ist, dass im Zeitpunkt der von der SUVA verfügten Leistungseinstellung nach den insoweit übereinstimmenden Arztberichten kein objektivierbares, organisches Substrat nachgewiesen werden konnte, welches die nach dem 3. April 2003 (erstmals) aufgetretenen, anhaltenden thorako-lumbalen Beschwerden medizinisch zu erklären vermag. Bereits am 7. Juni 2003 und erneut am 11. Dezember 2003 hatten radiologische Untersuchungen einen - abgesehen von einer vorbestehenden linkskonvexen Thorsionsskoliose thorako-lumbal an der Lendenwirbelsäule und einer linkskonvexen Kyphoskoliose thorako-lumbal an der Brustwirbelsäule - unauffälligen Befund ergeben; namentlich fanden sich radiologisch weder posttraumatische ossäre Strukturveränderungen an der Brust- und Lendenwirbelsäule noch degenerative Veränderungen (Bericht des Medizinisch-Radiologischen Instituts Y.________ vom 11. Dezember 2003; Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 28. März 2004). Auch der Neurostatus wurde von den Ärzten stets als normal beschrieben. 2.2 Fehlt es nebst der vorbestehenden, leichten Skoliosen an einem organisch nachweisbaren Substrat im Bereich der Wirbelsäule, ist eine unfallbedingte somatische Ursache der fortbestehenden Rückenbeschwerden, wenn nicht - wie im Bericht des SUVA-Arztes Dr. med. S.________ vom 30. September 2004 - gänzlich auszuschliessen, so für den hier massgebenden Zeitraum ab August 2004 zumindest sehr unwahrscheinlich. In diesem Zusammenhang ist, wie vorinstanzlich beweisrechtlich zulässig geschehen (BGE 117 V 195 f. Erw. 3b; vgl. auch BGE 126 V 189 f. Erw. 4c, 123 V 334 Erw. 1c), auf den medizinischen Erfahrungssatz abzustellen, wonach der organische Zustand des Rückens nach Verletzungen wie Prellung, Verstauchung oder Zerrung in der Regel sechs Monate bzw. spätestens ein Jahr (bei degenerativen Veränderungen) nach dem Unfall wieder soweit hergestellt ist, wie er auch dann wäre, wenn sich der Unfall niemals ereignet hätte (status quo sine), und in Fällen, da die Beschwerden nach einer einfachen Kontusion länger dauern, oftmals eine psychische Anpassungsstörung oder Fehlentwicklung dahinter steht (vgl. Urteile B. vom 25. Mai 2004 [U 129/03] Erw. 5.5, H. vom 18. September 2002, U 60/02, Erw. 3. 2, je mit Hinweisen auf die medizinische Literatur). Der Umstand, dass SUVA und kantonales Gericht sich diesbezüglich auf eine versicherungsinterne, aus dem Jahre 1994 stammende Zusammenfassung des medizinischen Forschungsstandes gestützt haben, mindert den Beweiswert des genannten Erfahrungssatzes entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht (vgl. BGE 122 V 157 ff.), zumal keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der dort wiedergegebene Kenntnisstand der medizinischen Wissenschaft aufgrund neuerer empirischer Untersuchungen und Erkenntnisse heute überholt ist. 2.3 Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass eine beim Unfall vom 3. April 2003 allenfalls erlittene Rückenkontusion im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per Ende Juli 2004 ausgeheilt und in organischer Hinsicht der status quo sine erreicht war. Was die Beschwerdeführerin dagegen einwendet, vermag kein abweichendes Ergebnis zu begründen. Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen einer unfallbedingten Wirbelsäulenkontusion und den aktuellen thorako-lumbalen Beschwerden kann namentlich nicht - wie im Bericht des Dr. med. B.________ vom 2. September 2004 offenkundig geschehen - aus dem Umstand abgeleitet werden, dass die Versicherte nach eigenen, als glaubwürdig eingestuften Angaben vor dem Unfall nie ernsthaft an Rückenschmerzen gelitten hat. Damit würde nach der beweisrechtlich unzureichenden Formel "post hoc, ergo propter hoc" verfahren, nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung bereits deshalb als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 f. Erw. 2b/bb). Die natürliche Kausalität (über Juli 2004 hinaus) ergibt sich ebenso wenig aus der - im Bericht vom 17. Dezember 2003 unter dem Titel "Anamnese" (= Erhebung der Vorgeschichte) gemachten - Feststellung des Dr. med. B.________, die Rückenbeschwerden im thorako-lumbalen Bereich seien "infolge einer Auffahrkollision" vom 3. April 2003 aufgetreten; es handelt sich hierbei entgegen der Interpretation der Beschwerdeführerin nicht um eine Aussage zum (natürlichen) Ursache-Wirkungs-Zusammenhang, für dessen Beurteilung Dr. med. B.________ ausdrücklich einen stationären Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik X.________ empfohlen hatte, sondern um eine bloss deskriptive Aussage zur zeitlichen Abfolge der Leidensgeschichte. Schliesslich wird die unter Erw. 2.2 genannte medizinische Erfahrungstatsache auch nicht durch den Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 28. März 2004 umgestossen; dieser beschränkt sich darauf, die Eintritts- und (unveränderten) Austrittsbefunde darzulegen, die stationär durchgeführten Behandlungsmassnahmen zu erläutern sowie eine Einschätzung der aktuell und künftig zumutbaren Arbeitsfähigkeit abzugeben. Von zusätzlichen medizinischen Abklärungen zur körperlichen Genese der aktuellen Rückenbeschwerden und zur natürlichen Ursächlichkeit des Unfallgeschehens sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b, 162 Erw. I/1d, mit Hinweisen; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4 [= Urteil S. vom 8. Februar 2000, I 362/99]).