Citation: 9C_367/2015 E. 3.3.2

3.3.2. Der psychiatrische Gutachter stellte die Existenz der beschriebenen Schmerzen grundsätzlich nicht in Frage. Allerdings legte er das Hauptaugenmerk bei der Diagnosestellung auf den Umstand, dass die Schmerzangaben der Versicherten gemäss der beweiskräftigen rheumatologischen Einschätzung des Dr. med. C.________ (E. 2.3.2) nicht organisch objektivierbar sind (psychiatrisches Gutachten, S. 11). In Bezug auf die Schwere der Beeinträchtigung attestierte Dr. med. D.________ der Versicherten, die auf Nachfrage hin immer neue Schmerzen und Beeinträchtigungen bestätigt habe, eine starke Selbstlimitierung, eine inadäquate und übertriebene Schmerzschilderung und ein ausgesprochen suggestibles Schmerzverhalten (psychiatrisches Gutachten, S. 12). Der psychiatrische Experte wies ausdrücklich darauf hin, dass die Beschwerdeführerin in der Lage sei, ein reges Familienleben zu pflegen. In der Tat gab diese an, es sei nicht selten, dass nach dem gemeinsamen Abendessen im Familienkreis bis zehn Uhr abends oder noch länger diskutiert werde (psychiatrisches Gutachten, S. 7). Auch ausserhalb der Familie ist die Beschwerdeführerin gut sozialisiert, pflegt gemäss eigenen Angaben Kontakt zu Nachbarn und Arbeitskollegen und geht zahlreichen Aktivitäten nach (berufliche Tätigkeit an zwei Halbtagen pro Woche; Besuche in der Heimat; Spaziergänge). Dem psychiatrischen Gutachten ist ausserdem zu entnehmen, dass die Versicherte im Rahmen eines normalen Tagesablaufes sowohl am Morgen als auch am Nachmittag alleine Zeit verbringt und das Haus ohne Begleitung verlassen kann (psychiatrisches Gutachten, S. 6 f.). Hinweise auf einen krankheitsbedingten Autonomieverlust bestehen - entgegen der Ansicht der Versicherten - demnach nicht. Das recht aktive Leben der Beschwerdeführerin und ihre zahlreichen sozialen Kontakte deuten insgesamt auf in weiten Teilen erhaltene Alltagsfunktionen hin, zumal der psychiatrische Gutachter festhielt, die Sozialisierung scheine auch vor dem Krankheitsbeginn kaum anders gewesen zu sein (psychiatrisches Gutachten, S. 14). Dies ist mit den Schmerzangaben (Schmerzen höchster Intensität mit starken Einschränkungen im Alltag und erheblicher Hilfsbedürftigkeit; vgl. E. 3.3.1), nicht vereinbar. E ine schwere Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298 f.) fällt vor diesem Hintergrund ausser Betracht. Damit kann dahingestellt bleiben, ob eine versicherte Gesundheitsschädigung aufgrund von Aggravationstendenzen oder anderen Ausschlussgründen zu verneinen ist (BGE 141 V 281 E. 2.2.2 S. 288); ebenso erübrigt sich eine Diskussion darüber, ob und inwieweit die diagnostischen Voraussetzungen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung überhaupt gegeben sind (vgl. dazu BGE 141 V 281 E. 2.2.1 S. 286 mit Hinweis).