Citation: 6B_1129/2021 E. 1.4.2

1.4.2. Die Kritik der Beschwerdeführerin an der vorinstanzlichen Interpretation des bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheids erweist sich als begründet. Entgegen der Annahme der Vorinstanz ist diesem nicht die Vorgabe zu entnehmen, eine unmittelbare Einvernahme der Geschädigten wäre für eine Verurteilung des Beschwerdegegners wegen Förderung der Prostitution notwendig (vgl. Urteil S. 10). Vielmehr trug das Bundesgericht der Vorinstanz unter anderem (neben der Durchführung eines mündlichen Berufungsverfahrens und der gerichtlichen Befragung des Beschwerdegegners) auf, die Geschädigte gerichtlich einzuvernehmen. Zwar hielt es im Rückweisungsentscheid in Anlehnung an den Wortlaut von Art. 343 Abs. 3 StPO abschliessend fest, die unmittelbare Beweisabnahme (in casu die Einvernahme der Geschädigten und des Beschwerdegegners) durch die Vorinstanz erscheine für die Urteilsfällung als notwendig. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Beschwerdegegner ohne Weiteres freizusprechen ist, wenn die Geschädigte gerichtlich nicht einvernommen werden kann. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend vorbringt, äusserte sich das Bundesgericht im Rückweisungsentscheid nicht dazu, wie in dieser Situation vorzugehen ist (vgl. Beschwerde S. 7). Jedoch ergibt sich aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass die Unmöglichkeit einer gerichtlichen Befragung eines zuvor korrekt konfrontierten Belastungszeugen nicht zur Unverwertbarkeit der Aussagen des Belastungszeugen führt (BGE 147 IV 534 E. 2.4; 140 IV 196 E. 4.4.5; Urteil 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 7.3.2, nicht publ. in: BGE 143 IV 214; je mit Hinweisen). Das Gericht hat die Aussagen lediglich besonders vorsichtig und zurückhaltend zu würdigen (BGE 140 IV 196 E. 4.4.5; Urteil 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 7.3.2 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 143 IV 214). Dies steht im Einklang mit dem Zweck der unmittelbaren gerichtlichen Befragung gemäss Art. 343 Abs. 3 StPO, die dem Gericht die Beweiswürdigung erleichtern soll durch den unmittelbaren Eindruck, den es etwa durch die Mimik und die nonverbale Kommunikation vom Zeugen erhält (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteil 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 7.3.2, nicht publ. in: BGE 143 IV 214). Art. 343 Abs. 3 StPO betrifft die Beweiswürdigung und nicht die Verwertbarkeit von Beweisen. Ziel ist es, eine korrekte Beweiswürdigung sicherzustellen. Dabei bleibt es, auch wenn das Gericht die Unmöglichkeit der unmittelbaren Befragung durch sein wenig effizientes Vorgehen möglicherweise mitzuverantworten hat und bei einer früheren Vorladung des Zeugen zur Gerichtsverhandlung eine Befragung unter Umständen noch möglich gewesen wäre (Urteil 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 7.3.2, nicht publ. in: BGE 143 IV 214).