Citation: 5A_691/2023 E. 5.5.3

5.5.3. Das teleologische Auslegungselement besteht darin, nach dem Ziel zu fragen, das die Bestimmung verfolgt, und nach dem Zweck zu forschen, dem sie dient. 5.5.3.1. Sinn und Zweck von Art. 142 Abs. 1 und 2 ZPO ist die Regelung des Beginns und der Berechnung der Fristen und zwar in einer Weise, dass die entsprechenden Fristen den Betroffenen effektiv für die Vornahme der erforderlichen Prozesshandlungen zur Verfügung stehen. Dies ergibt sich aus Art. 142 Abs. 1 ZPO, der sicherstellt, dass der Tag des fristauslösenden Ereignisses nicht in die Berechnung der Frist bzw. gar nicht erst in den Fristenlauf einbezogen wird. Art. 142 ZPO setzt die Fristberechnung nach Kalendertagen, also Zeiträumen zwischen Mitternacht und Mitternacht (sogenannte Zivilkomputation), um, womit einhergeht, dass nur Tage mitgezählt werden, die voll zur Verfügung stehen (BGE 144 III 152 E. 4.4.2). 5.5.3.2. Im Unterschied zu einer nach Tagen bestimmten Frist steht eine Frist von einem Monat vollständig zur Verfügung, wenn für die Berechnung des Fristendes auf den Tag des fristauslösenden Ereignisses abgestellt wird. Stellt man bei der Berechnung des Fristendes einer nach Monaten bestimmten Frist auf den diesem folgenden Tag ab, verlängert sich die Frist jeweils um einen Tag. Dies würde eine unterschiedliche Behandlung von Tages- und Monatsfristen bedeuten und entspräche nicht dem Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung, wonach eben eine "volle" Frist und nicht eine "volle" Frist plus ein Tag zur Verfügung stehen soll.