Citation: 6B_1363/2019 E. 1.8.4

1.8.4. Der Beschwerdeführer macht geltend, gestützt auf das Gutachten von Dr. G.________ sei von einer alkoholinduzierten akuten vorübergehenden schizophrenieformen psychotischen Störung auszugehen (Beschwerde S. 29). Prof. Dr. H.________ legt im Ergänzungsgutachten vom 11. September 2018 dar, weshalb dem nicht gefolgt werden kann. Er begründet dies namentlich damit, dass für die Diagnose einer alkoholinduzierten psychotischen Störung nach den Vorgaben der ICD-10 [WHO 2004] eine Dauer der psychotischen Symptomatik über mehr als 48 Stunden hinweg gefordert sei, was beim Beschwerdeführer nicht der Fall gewesen sei. Dieser habe schon kurze Zeit nach dem Delikt Distanz zu den Ereignissen eingenommen und nach seiner Verhaftung keine Ängste oder akuten Bedrohungsgefühle mehr gehabt. Eine wahnhafte Genese bzw. die Interpretation der Angaben des Beschwerdeführers über seine Wahrnehmung des Opfers in der Tatnacht als Ausdruck einer unkorrigierbaren und wahnhaft verfestigten Überzeugung sei zudem nicht zwingend. Bei den Ausführungen des Beschwerdeführers gehe es entscheidend um Aspekte der Tatverarbeitung bzw. der Legitimation eigenen Handelns anhand seiner aufgrund der Alkoholintoxikation unstrittig verzerrten Wahrnehmung der Situation (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. H.________ vom 11. September 2018, S. 3 ff.). Prof. Dr. H.________ stellt hierfür auf die tatnahen Umstände und seine eigene gutachterliche Untersuchung in der Zeit von Juli bis August 2014 ab, wobei der Beschwerdeführer auch anlässlich der Begutachtung durch Dr. C.________ vom 15. Oktober 2015 angab, er habe nach seiner Verhaftung keine Ängste oder akuten Bedrohungsgefühle mehr gehabt (Gutachten Dr. C.________, S. 24; Stellungnahme Prof. Dr. H.________ vom 11. September 2018, S. 4). Der Diagnose von Dr. G.________ liegt demgegenüber die Annahme zugrunde, dass der Beschwerdeführer noch ein halbes Jahr nach der Tat von einer existentiellen, überbordend starken Angst geprägt war (Gutachten Dr. G.________ vom 18. Juni 2017, S. 56; vgl. auch Ergänzungsgutachten Dr. G.________ vom 16. Februar 2018 S. 40, 41, 47). Ihrem Gutachten folgend zieht die Zweitgutachterin für diese Feststellung einzig die vom Beschwerdeführer ihr gegenüber anlässlich des Explorationsgesprächs vom 28. März 2017, d.h. mehr als drei Jahre nach der Tat getätigten Aussagen heran (Gutachten, a.a.O., S. 37 f. und 56). Dies greift zu kurz, da die früheren gegenteiligen Aussagen des Beschwerdeführers sowie die tatnahen Wahrnehmungen Dritter damit zu Unrecht vollständig ausgeblendet werden. Insofern ist es Aufgabe des Gerichts, korrigierend einzugreifen. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen gehört grundsätzlich zum Aufgabenbereich des Gerichts. Eine Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen durch eine sachverständige Person drängt sich nur bei Vorliegen besonderer Umstände auf, was etwa bei Anzeichen für die Aussageehrlichkeit beeinträchtigende ernsthafte geistige Störungen der Fall ist (BGE 129 IV 179 E. 2.4 S. 184; 128 I 81 E. 2 S. 84 ff.; Urteil 6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 2.2.1). Vorliegend geht auch der amtliche Erstgutachter davon aus, der Beschwerdeführer habe nach seiner Verhaftung keine Ängste oder akuten Bedrohungsgefühle mehr gehabt, auch wenn dieser zunächst weiterhin glaubte, es mit einem Drogenhändler zu tun gehabt zu haben, und die Situationsverkennung insofern fortdauerte. Gemäss den Darlegungen beider Gutachter sind die diagnostischen Differenzen für die Beurteilung der Schuldfähigkeit zwar nicht von Belang, worauf die Vorinstanz verweist (angefochtenes Urteil S. 23). Dennoch bleibt es dabei, dass die beiden Gutachter mit ihrer Diagnose Krankheitsbilder von unterschiedlicher Intensität zum Ausdruck bringen. Dr. G.________ betont mit ihrer Diagnose gemäss eigenen Angaben das hochgradig psychotische Ereignis, wobei sie das Störungsbild klinisch-psychopathologisch mit dem Vollbild einer akuten Schizophrenie vergleicht (Ergänzungsgutachten Dr. G.________ vom 24. Juli 2018, S. 49). Prof. Dr. H.________ geht demgegenüber davon aus, die beim Beschwerdeführer diagnostizierten Wahrnehmungsstörungen als Folge einer hochgradigen Alkoholintoxikation könnten nicht mit einer schizophrenen Erkrankung gleichgesetzt werden, bei welcher die Schuldfähigkeit angesichts des psychotischen Handlungsmotivs in der Regel aufgehoben sei (vgl. Stellungnahme Prof. Dr. H.________ vom 5. November 2015, S. 5). Die Vorinstanz knüpft auch insofern zu Recht an das Gutachten von Prof. Dr. H.________ an, dem eine nachvollziehbare, auf den tatnahen Aussagen des Beschwerdeführers basierende Diagnose zugrunde liegt. Die Vorinstanz verstösst daher nicht gegen Bundesrecht, wenn sie zwar von einer schweren Verminderung der Schuldfähigkeit, nicht jedoch von Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB ausgeht.