Citation: I 597/00 22.03.2001 E. 3

3.- a) Das MEDAS-Gutachten vom 2. September 1998 bildete die Grundlage für den ablehnenden Rentenvorbescheid der IV-Stelle vom 22. September 1998. Es beruht auf sämtlichen Akten zum umfangreich dokumentierten Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sowie auf den eigenen Untersuchungsergebnissen des Spezialarztes Dr. med. M.________, Innere Medizin/Rheumatologie FMH, und einem psychiatrischen Konsilium des Dr. med. S.________. Aufgrund der umfassenden und sorgfältigen Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin gelangten die Experten zur Auffassung, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten werde bestimmt durch ein wenig objektivierbares generalisiertes Schmerzsyndrom. Es liege eine enge Verflechtung von somatisch wenig objektivierbaren funktionellen Beschwerden und psychischen Faktoren vor. Unter Berücksichtigung aller Aspekte werde die Minderung für eine bisher ausgeübte, körperlich eher leichte, wechselbelastende Tätigkeit auf 30 % geschätzt. Die bereits mit Stellungnahme zum MEDAS-Gutachten am 3. Dezember 1998 geäusserte Kritik der Beschwerdeführerin zielt ins Leere. Unzutreffend ist insbesondere die Auffassung, eine bezifferte Arbeitsunfähigkeit aufgrund somatischer Beschwerden sei stets zusätzlich zu einer allenfalls aufgrund psychischer Gesundheitsbeeinträchtigungen eingeschätzten Arbeitsunfähigkeit aufzuaddieren. Vielmehr kann oft gerade eine aus psychiatrischer Sicht festgesetzte Arbeitsunfähigkeit gleichzeitig und im gleichen oder ähnlichen Umfang auch die somatisch bedingte Beeinträchtigung mitumfassen. Weiter erweist sich die Kritik der Beschwerdeführerin am psychiatrischen Konsilium durch Dr. med. S.________, der letztere sei durch sein Vorverständnis über das Zusammenleben in einer türkischen Familie einer Fehlbeurteilung erlegen, als haltlos. Wenn die Beschwerdeführerin während der gut 17-jährigen vollzeitlichen Erwerbstätigkeit auch noch drei Kinder zur Welt brachte und diese mindestens im gleichen Ausmass betreute wie ihr Ehemann, der in dieser Zeit ebenfalls vollzeitlich arbeitete (in der Gegenschicht zur Schicht der Beschwerdeführerin), dann zeugt es nur vom umsichtigen Verständnis des Dr. S.________, diese Situation als "Mehrfachbelastung" zu bezeichnen. Schliesslich verweist die Versicherte immer wieder auf die abweichenden Beurteilungen ihres Hausarztes, Dr. med. H.________, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin. Insbesondere dessen Kritik am MEDAS-Gutachten gemäss Schreiben vom 25. September 1998 vermag nicht zu überzeugen, zumal er nicht die Feststellungen der Experten an sich bestreitet, sondern lediglich deren Schlussfolgerungen pauschal als zu "harte" Haltung kritisiert. Während Dr. S.________ zur abschliessenden Überzeugung gelangt, eine Rente, ein Attest für Arbeitsunfähigkeit, Operationen und andere medizinische Massnahmen bestärkten die Explorandin bloss in der Annahme, schwer krank zu sein, und förderten damit die Chronifizierung, vertritt Dr. H.________ die Auffassung, die harte Haltung der MEDAS zwinge die Beschwerdeführerin dazu, jetzt erst recht beweisen zu müssen, dass sie krank sei. Dabei gilt es indessen zu beachten, dass der behandelnde Hausarzt Dr. H.________ in einer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zur Beschwerdeführerin steht, weshalb seinen Aussagen nicht der gleiche Beweiswert zuerkannt werden kann wie denjenigen der zur neutralen Begutachtung durch die Verwaltung beauftragten Spezialärzte (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc). Die Administrativgutachter haben die Beschwerdeführerin persönlich untersucht und auch die von Dr. H.________ vertretene Auffassung gemäss Bericht vom 19. Dezember 1997 mitberücksichtigt (vgl. dazu BGE 125 V 352 f. Erw. 3b mit Hinweisen). Demnach ist nicht zu beanstanden, wenn die IV-Stelle für den Vorbescheid vom 22. September 1998 in medizinischer Hinsicht massgeblich auf das MEDAS-Gutachten abgestellt hatte. b) Wenn die Beschwerdeführerin wegen des ablehnenden Rentenvorbescheides der IV-Stelle vom 22. September 1998 gemäss Überweisungsschreiben des Dr. H.________ vom 25. September 1998 notfallmässig in der psychiatrischen Klinik Y.________ angemeldet werden musste und in der Folge auch auf eigenen Wunsch dort stationär aufgenommen wurde, so handelt es sich dabei um eine Tatsache, die sich noch vor Erlass der Verwaltungsverfügung verwirklicht hat und daher von der IV-Stelle mitzuberücksichtigen war (vgl. Erw. 2b hievor). Mit Stellungnahme vom 3. Dezember 1998 zum Vorbescheid vom 22. September 1998 legte die Beschwerdeführerin auch ein ärztliches Zeugnis auf, womit die Klinik Y.________ eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom 25. September bis 11. November 1998 (Dauer der stationären Behandlung) bescheinigte. Die IV-Stelle hatte somit Kenntnis von dieser neuen Tatsache, als sie mit Verfügung vom 14. Dezember 1998 den Vorbescheid vom 22. September 1998 bestätigte. Dabei unterliess sie es offensichtlich, eigene Abklärungen zu dieser Behandlungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin zu tätigen. Mit Beschwerde vom 29. Januar 1999 liess die Versicherte sodann einen Bericht des Kantonalen Spitals A.________ vom 1. Dezember 1998 auflegen, woraus hervorgeht, dass sie am 16. Oktober 1998 anlässlich einer akuten Tablettenintoxikation habe hospitalisiert und während 48 Stunden überwacht werden müssen, bevor die Rückverlegung in die Psychiatrische Klinik Y.________ erfolgen konnte. Dabei dürfte es sich um einen Suizidversuch gehandelt haben. Gemäss Bericht der Klinik Y.________ vom 22. April 1999 musste die Beschwerdeführerin bereits ab 30. Januar 1999 wiederum für gut zwei Monate in der Psychiatrischen Klinik Y.________ stationär behandelt werden. Obwohl Austrittsberichte der Klinik fehlen, ist doch bereits dem zuletzt genannten Bericht vom 22. April 1999 zu entnehmen, dass die Arbeitsfähigkeitseinschätzung durch diese Ärzte erheblich von den Angaben der MEDAS abweicht. Obwohl sich diese Tatsachen nach Erlass der Verwaltungsverfügung verwirklicht haben, stehen sie in einem engen Sachzusammenhang mit den vorliegend zu beurteilenden Fragen nach dem Gesundheitszustand, dem Ausmass der Arbeitsunfähigkeit und der daraus resultierenden Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit. Die Beantwortung dieser Fragen ist im Ergebnis geeignet, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen, weshalb diese Tatsachen zu berücksichtigen sind (vgl. Erw. 2b hievor). Angesichts dieser Ausgangslage scheint es verfehlt, die Anzeichen für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin aufgrund der jüngsten Entwicklung nicht im vorliegenden Verfahren zu beurteilen, sondern dafür gemäss vorinstanzlichem Entscheid die erneute Anmeldung zum Leistungsbezug zu verlangen. Vielmehr nimmt die psychische Fehlentwicklung jetzt anscheinend denjenigen Verlauf, der bereits im Bericht des sozialpsychiatrischen Dienstes Z.________ vom 20. Oktober 1987 vorgezeichnet worden war: die Beschwerdeführerin scheine an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen und bei einem Fortbestehen dieser Überforderungssituation drohe ihr ein dauernder schwerer Schaden an ihrer Gesundheit in Form einer schweren depressiven Entwicklung mit der Gefahr einer Chronifizierung. Gestützt auf die Ergebnisse einer neuen Begutachtung wird die Vorinstanz die neueste Entwicklung des Gesundheitszustandes soweit zu berücksichtigen haben, als Veränderungen im Vergleich zum MEDAS-Gutachten vom 2. September 1998 festgestellt werden, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit und daraus resultierende Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit haben. Hernach wird sie über die Beschwerde neu entscheiden.