Citation: 5A_604/2024 E. 5.2.3

5.2.3. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der nacheheliche Unterhalt aufgrund des expliziten Wortlautes von Art. 125 Abs. 1 ZGB zeitlich angemessen zu begrenzen, wobei sich die Angemessenheit zur Vermeidung von "Kippschalter-Effekten" an den Besonderheiten des Einzelfalls und dem auszurichten hat, was die konkrete Ehe ausgemacht hat (BGE 147 III 249 E. 3.4.5 und 3.4.6 und Regeste; 148 III 358 E. 5; zur Publ. best. Urteil 5A_801/2022 vom 10. Mai 2024 E. 5.4.2 und 5.7; zur Publ. best. Urteil 5A_987/2023 vom 7. August 2024 E. 3.3). Relevant sind für den vorliegenden Fall praktisch alle in Art. 125 Abs. 2 ZGB genannten Faktoren, nämlich die gelebte Aufgabenverteilung während der Ehe (Ziff. 1), die Dauer des ehelichen Zusammenlebens (Ziff. 2), die Lebensstellung während der Ehe (Ziff. 3), das Alter und die Gesundheit der Ehegatten (Ziff. 4), das Einkommen und Vermögen der Ehegatten (Ziff. 5) und die berufliche Ausbildung und die Erwerbsaussichten (Ziff. 7); im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Scheidungsurteils war auch noch die Kinderbetreuung zu regeln (Ziff. 6), was nunmehr hinfällig ist. Bei der zeitlichen Begrenzung des nachehelichen Unterhaltes ist insbesondere zu berücksichtigen, dass mit der Auflösung des gemeinsamen Haushaltes die auf Art. 163 ZGB basierende eheliche Aufgabenteilung faktisch ihr Ende findet und mithin, soweit keine gemeinsamen Kinder zu betreuen sind, der finanziellen Unterhaltsleistung des einen Ehegatten keine Gegenleistung des anderen in Form von Naturalunterhalt mehr gegenübersteht, wie sie sich bei traditioneller Rollenteilung nebst der Kinderbetreuung namentlich auch durch die zugunsten der Gemeinschaft erfolgende Besorgung des gemeinsamen Haushaltes ergibt (BGE 147 III 249 E. 3.4.5; zur Publ. best. Urteil 5A_801/2022 vom 10. Mai 2024 E. 5.7.1). Weiter besteht der Grundsatz, dass die Pflicht zur Leistung nachehelichen Unterhaltes längstens bis zum ordentlichen Pensionierungsalter des Unterhaltspflichtigen dauern soll (BGE 141 III 465 E. 3.2.1 und 3.2.3; 147 III 249 E. 3.4.5; zur Publ. best. Urteil 5A_987/2023 vom 7. August 2024 E. 3.2), wobei Ausnahmen nicht von vornherein ausgeschlossen sind und der Grundsatz selbstredend keine Anwendung finden kann, wenn beide Ehegatten bereits im Pensionsalter sind (zur Publ. best. Urteil 5A_987/2023 vom 7. August 2024 E. 3.2 m.w.H.). Vor dem Hintergrund der vorstehend zusammengefassten Grundsätze geht das Bundesgericht davon aus, dass der nacheheliche Unterhalt nicht auf Schadenersatzgedanken, sondern auf der nachehelichen Solidarität basiert, welche legitimiert, dass die Ehe für eine bestimmte Zeit und in gewissem Umfang über die Auflösung des Ehebandes hinaus Wirkungen entfalten kann (dazu ausführlich BGE 147 III 249 E. 3.4.1; sodann BGE 147 III 293 E. 4.4).