Citation: 8C_618/2019 E. 3.2

3.2. Nach Würdigung der medizinischen Akten erachtete das mit zwei ärztlichen Fachrichtern besetzte kantonale Gericht die Diagnosen einer Partialruptur der Supraspinatussehne sowie einer Pulley-Läsion der langen Bizepssehen als erstellt. Folglich seien Listenverletzungen gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG gegeben und die Suva hierfür leistungspflichtig, sofern ihr nicht der Nachweis gelinge, dass die Listenverletzungen vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen seien. In diesem Zusammenhang führte das kantonale Gericht gestützt auf den vom Versicherten im Rahmen des Einspracheverfahrens eingereichten Bericht des Dr. med. H.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 29. August 2017 sowie einen Artikel der Expertengruppe der Schulter- und Ellbogenchirurgie von Swiss Orthopaedics (PD Dr. med. Lädermann et al., Revidierte Unterscheidungskriterien, Degenerative oder traumatische Läsionen der Rotatorenmanschette, in: Schweizerisches Medizin-Forum 2019 [1516], S. 260 ff.) aus, das Alter des Versicherten sei unbeachtlich und spreche - entgegen der Beurteilung des Versicherungsmediziners der Suva, PD Dr. med. D.________, vom 5. Februar 2019 nicht für überwiegend wahrscheinlich degenerativ bedingte Diagnosen. Auch die klinischen Kriterien resp. die Schilderung des Ereignishergangs sprächen vorliegend nicht ohne Weiteres für eine degenerative Ursache. So werde im zitierten Artikel unter anderem ausgeführt, dass ein starker Zug beim Festhalten, wie dies vorliegend beschrieben worden sei, oder eine heftige passive Traktion auch zu den erwähnten Verletzungen führen könne. Weiter spreche auch der Umstand, dass der Versicherte erst einige Tage nach dem Ereignis einen Arzt aufgesucht habe, nicht für eine degenerative Ursache seiner Beschwerden. Gegen eine krankhafte Genese spreche sodann, dass sich auch im konventionellen Röntgenbild keine nennenswerten degenerativen Zeichen gefunden hätten. Aufgrund der Klarheit des intraoperativen Befunds (anteriore, muskulotendinöse Supraspinatusruptur) vermöge auch der nicht eindeutig abgrenzbare MRI-Befund eine vorwiegend degenerative Genese nicht nachzuweisen. Ferner erachte die Expertengruppe der Schulter- und Ellbogenchirurgie eine erhebliche fettige Infiltration als Anzeichen für eine vorbestehende, nun dekompensierte Läsion oder eine aktute Vergrösserung einer bereits vorbestehenden Läsion, wobei sich eine solche auch nach traumatischer Massenruptur innerhalb weniger Monate entwickeln könne. Gemäss MRI-Befund vom 27. Januar 2017 seien die Muskeln der Rotatorenmanschette beim Versicherten - trotz eines Unfalls im Jahr 2012 mit Beteiligung der rechten Schulter - weder atrophiert noch fettig degeneriert oder ödematös signalverändert. Dieser Befund spreche demnach für eine bis anhin intakte resp. vollständig erhaltene oder erholte Muskulatur und nicht für eine degenerative Ursache der Pulley-Läsion der langen Bizepssehne und der Partialruptur der Supraspinatussehne, was in den aktenkundigen ärztlichen Beurteilungen bisher ausser Acht gelassen worden sei. Die Vorinstanz kam zum Schluss, die Suva vermöge den Nachweis nicht zu erbringen, dass für die Richtigkeit einer degenerativ oder krankhaft begründeten Listendiagnose mehr Indikatoren vorlägen als für die traumatische Pathogenese. Damit gelte die Rechtsvermutung, dass die Suva für die Pulley-Läsion der langen Bizepssehne und die Partialruptur der Supraspinatussehne leistungspflichtig sei.