Citation: 7B_280/2023 E. 2.4.1

2.4.1. Die Vorinstanz geht davon aus, dass die ersten zwei Voraussetzungen der bedingten Entlassung (die Mindestdauer der Strafverbüssung und das Verhalten des Strafgefangenen im Vollzug) erfüllt seien. Die bedingte Entlassung verweigert sie indessen, weil dem Beschwerdeführer keine günstige Prognose für künftiges Wohlverhalten gestellt werden könne, zumal sich seine Einstellung zu seinen Taten nicht geändert habe, keine Besserung feststellbar sei und daher Rückfallgefahr bestehe. Die Vorinstanz berücksichtigt bei ihrer Würdigung den Vollzugsbericht der Strafanstalt Zug vom 16. April 2021, die Risikoabklärung der Abteilung forensisch psychologische Abklärungen des Strafvollzugskonkordats der Nordwest- und Innerschweiz (AFA NWI) vom 18. Februar 2022 sowie den bewerteten Verlauf der Zusammenarbeit mit dem VBD im bisherigen ambulanten Vollzugssetting gemäss Verfügung vom 12. Juli 2022. Der Beschwerdeführer habe sich gemäss dem Vollzugsbericht der Strafanstalt Zug vom 16. April 2021 anständig verhalten und an die Regeln der Strafanstalt gehalten. Es sei zu keinen besonderen Vorkommnissen oder gar Sanktionierungen gekommen. Am Angebot der Vollzugsabteilung, insbesondere der Arbeit, habe der Beschwerdeführer aber nur marginal teilgenommen. Einblicke in sein Leben habe er kaum zugelassen. Eine Entwicklung auf persönlicher oder organisatorischer Ebene habe sich von aussen nur schwer erkennen lassen. Im Rahmen des bisherigen ambulanten Vollzugssettings habe sich indes der Verlauf der Zusammenarbeit mit dem Beschwerdeführer als problematisch erwiesen. Laut dem VBD habe deshalb keine Zusammenarbeit im engeren Sinne installiert werden können. Der Beschwerdeführer habe sich seit Ende Mai 2021 geweigert, die vom VBD vorbereiteten Formulare "Erklärung betreffend Einhaltung von Ersatzmassnahmen" bzw. "Erklärung betreffend Einhaltung des Tätigkeitsverbots gemäss Art. 67 StGB" zu unterzeichnen. Im Rahmen der bisherigen Termine habe der Beschwerdeführer bezüglich der Einhaltung der Auflagen oder anderer deliktsrelevanter Themen auf Nachfrage stets geäussert, dass er von seinem "Aussageverweigerungsrecht" Gebrauch mache. Auch habe der Beschwerdeführer durchgehend geäussert, sich nicht auf eine ambulante Behandlung einzulassen. Mit Verfügung vom 4. Mai 2022 habe die gerichtlich angeordnete ambulante Behandlung nach Art. 63 StGB schliesslich wegen Aussichtslosigkeit aufgehoben werden müssen (vgl. Art. 63a Abs. 2 lit. b und Art. 63b Abs. 2 StGB). Die Prüfung einer stationären therapeutischen Massnahme, anstelle der ambulanten Behandlung (Art. 63b Abs. 5 StGB), sei noch ausstehend. Zudem habe die Risikoabklärung der AFA NWI vom 18. Februar 2022 im Wesentlichen ergeben, dass beim Beschwerdeführer das Delinquenzrisiko für Sexualdelikte ohne physischen Opferkontakt sowie leichtgradige Hands-on-Delikte als hoch zu bewerten sei. Als ungünstiger Aspekt für die risikorelevante Beeinflussbarkeit sei das defizitäre Problembewusstsein des Beschwerdeführers anzuführen. Die fehlenden Hinweise auf eine risikorelevante Veränderungsbereitschaft und Massnahmewilligkeit würden ebenfalls ungünstige Aspekte bilden. Der Beschwerdeführer leugne bis anhin seine Delikte sowie seine pädosexuelle Neigung und übernehme, ausgehend davon, keine Verantwortung. Weiter sei strategisch motiviertes Aussageverhalten sowie wenig Kooperation mit den involvierten Stellen (bspw. Bewährungshilfe, Therapie) und bezüglich der gerichtlich angeordneten Weisungen zu finden. Problembewusstsein für das Tatverhalten oder Opferempathie seien nicht ersichtlich. Entsprechend sei auch keine Veränderungsbereitschaft oder Offenheit für Interventionen vorhanden.