Citation: B 68/04 14.06.2005 E. 3.1

Die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums A.________ (wo der Beschwerdeführer vom 14. Februar 1995 bis 28. April 1995 erstmals hospitalisiert war) diagnostizierten eine anhaltend wahnhafte Störung und legten den Zeitpunkt des Eintritts der (vollständigen) Arbeitsunfähigkeit auf Februar 1994 fest. Sie führten aus, dass die Krankheit vermutlich 1993 schleichend begonnen habe, sichere Hinweise auf die Krankheit seit Herbst 1993 bestünden und eine Verschlechterung im Herbst 1994 (mit Verschuldung, Verwahrlosung etc.) eingetreten sei (Bericht vom 15. November 1995; vgl. auch Gutachten zuhanden des Untersuchungsrichteramtes Chur vom 6. Oktober 1995). Prof. Dr. med. F.________, Direktor der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals B.________, kritisierte, dass die Festlegung des Zeitpunktes des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit durch die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums A.________ nicht begründet worden sei. Seiner Auffassung nach finden sich vor dem Zeitpunkt der Dekompensation im Herbst 1994 keine Hinweise auf das manifeste Vorliegen einer schweren psychiatrischen Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Aktengutachten vom 29. August 2002 und Ergänzungsgutachten vom 6. April 2003). Dr. med. R.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, setzte sich in seinem Bericht vom 9. Oktober 2002 mit der von Prof. Dr. med. F.________ geäusserten Kritik auseinander und begründete eingehend, weshalb diese die Richtigkeit der Auffassung der Ärzte des Psychiatrie-Zentrums A.________ nicht zu erschüttern vermöge. Die Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals C.________ (wo der Beschwerdeführer seit Januar 2000 in Behandlung ist) diagnostizierten eine chronische paranoide Schizophrenie (ICD-10: F 20.0) und gelangten zum Ergebnis, dass es retrospektiv - aufgrund des in der Literatur beschriebenen und beim Beschwerdeführer beobachteten Krankheitsverlaufs - wahrscheinlich sei, dass bereits vor Ende Mai 1994 eine relevante Verminderung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe. 3.2 Das kantonale Gericht gelangte im Wesentlichen gestützt auf die Aussagen des Prof. Dr. med. F.________ zum Ergebnis, es sei nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Versicherte bis zum Ablauf der Nachdeckungsfrist bei der Vorsorgeeinrichtung (31. Mai 1994) in relevantem Ausmass arbeitsunfähig geworden ist. Zur Begründung führte es an, dass das Auftreten des Beschwerdeführers als Z.________ nicht vor Sommer 1994 stattgefunden habe, weshalb nicht ersichtlich sei, weshalb die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums A.________ auf eine Arbeitsunfähigkeit ab Februar 1994 hätten schliessen können. Für die massgebende Frage der Arbeitsfähigkeit sei die von Dr. med. R.________ (rückwirkend) für die Zeit ab Mitte 1993 festgestellte Wahnbereitschaft ebenso irrelevant wie die Auseinandersetzung am Arbeitsplatz vom Januar 1994, wenn das damalige Verhalten des Beschwerdeführers auch recht auffällig erscheine. Die Einschätzung der Ärzte des Spitals C.________, wonach von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ab Herbst 1993 auszugehen sei, widerspreche sodann der aktenkundigen Tatsache, dass der Beschwerdeführer bis Januar 1994 anstandslos seine Arbeit verrichtet habe. Auf die Einholung einer weiteren psychiatrischen Expertise sei zu verzichten, da die Sachlage hinlänglich klar und angesichts des Zeitablaufs davon auszugehen sei, dass keine sicheren Angaben zu einer allfälligen vor dem 31. Mai 1994 bestehenden Arbeitsunfähigkeit mehr gemacht werden könnten (antizipierte Beweiswürdigung). Die Folgen dieser Sachlage habe der Versicherte zu tragen, der aus dem nicht nachgewiesenen Umstand Rechte ableiten wollte. 3.3 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird vorgebracht, die Vorinstanz sei zu Unrecht von der Diagnose einer anhaltenden wahnhaften Störung (ICD-10: F 22.0) ausgegangen, leide der Beschwerdeführer doch an einer chronischen paranoiden Schizophrenie (ICD-10: F 20.0), bei welcher der "Eintritt der Behinderung" nur wenige Monate vor der ersten Hospitalisation im Februar 1995 ausgeschlossen sei. Zur Begründung wird auf den (zuhanden der Bezirksanwaltschaft D.________ erstellten) Bericht des Dr. med. T.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 4. Februar 1997 und den Bericht der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals C.________ vom 22. August 2003 verwiesen. In Letzterem wird ausdrücklich erwähnt, dass die von den Ärzten des Psychiatrie-Zentrums A.________ (Bericht vom 15. November 1995) gestellte Diagnose einer wahnhaften Störung (ICD-10: F 22.0) bereits zum Zeitpunkt der Hospitalisation vermutlich - nach einer retrospektiven Gesamtbetrachtung des Krankheitsverlaufs - nicht zutreffend gewesen sei. Wie es sich damit verhält, kann indessen vorliegend offen gelassen werden, weil letztlich einzig die Auswirkungen der psychischen Beeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit entscheidend sind und für deren Beurteilung - entgegen der Verwaltungsgerichtsbeschwerde - nicht (allein) auf in der medizinischen Literatur für ein bestimmtes Krankheitsbild dokumentierte Durchschnittszahlen abgestellt werden darf. Hinzu kommt, dass es sich bei der chronischen paranoiden Schizophrenie und der wahnhaften Störung um miteinander verwandte Krankheitsbilder handelt, namentlich die paranoide Schizophrenie - wenn auch nicht typischerweise - mit einem positiven Symptom wie Wahn beginnen kann (vgl. Stellungnahme des Prof. Dr. med. F.________ vom 16. August 2004 mit Hinweisen auf die medizinische Literatur) und bei Patienten, die - wie dies beim Beschwerdeführer der Fall war - nach dem 40. Lebensjahr in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen werden, die Unterscheidung zwischen Schizophrenie und wahnhafter Störung nach neuesten medizinischen Erkenntnissen offenbar ohnehin auf wenig solidem Grund steht (vgl. Stellungnahme des Prof. Dr. med. F.________ vom 20. August 2004 mit Hinweis auf die medizinische Literatur). 3.4 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit vor Sommer 1994 nicht mit der Begründung ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer nicht vor Sommer 1994 als Z.________ aufgetreten sei (bzw. erst im Herbst 1994 nach aussen sichtbar auffällig geworden sei), fallen doch nach den medizinischen Akten diese Ereignisse nicht zwingend zusammen. Vielmehr führten die Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals C.________ in ihrem Bericht vom 22. August 2003 aus, dass die Arbeitsfähigkeit durch die Parameter Konzentration, Gedächtnis, Stresstoleranz und Realitätswahrnehmung deutlicher beeinträchtigt werden könne als durch Wahnsymptome, im vorliegenden Fall durch die feste Überzeugung des Beschwerdeführers,Z.________ zu sein. Zu Unrecht hat die Vorinstanz sodann ausgeführt, dass im Bericht der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals C.________ von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ab Herbst 1993 ausgegangen werde, was der aktenkundigen Tatsache widerspreche, dass der Beschwerdeführer bis im Januar 1994 seine Arbeit anstandslos verrichtet habe. Zwar trifft es zu, dass im genannten Bericht ausgeführt wird, es sei bereits für viele Monate, in der typischen Grössenordnung von einem Jahr vor Beginn der sichtbaren, akuten Symptomatik von einer deutlichen Beeinträchtigung der Funktions- und somit auch der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Dabei wurde unter der "sichtbaren akuten Symptomatik" offenbar die Hospitalisation vom Februar 1995 betrachtet, wird doch an anderer Stelle von einem "Erkrankungsbeginn [...] typischerweise schon ca. ein Jahr vor der ersten Hospitalisation" und von einer relevanten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor Ende Mai 1994 gesprochen, wobei diese Zeitangabe fett hervorgehoben wurde. Für das Jahr 1993 wurde demgegenüber einzig unspezifisch festgehalten, dass die berichteten "Beeinträchtigungen" (wie Schreibschübe, die Verfassung des Büchleins "Der Sinn des Lebens", die übermässige Beschäftigung mit religiösen Themen, die zunehmende Reizbarkeit am Arbeitsplatz, die zunehmende soziale Isolation, Konzentrationsstörungen und die Idee, Z._______ zu sein) glaubhaft seien. Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz auch insoweit, als sie die Auseinandersetzung vom 27. Januar 1994 nicht im Zusammenhang mit der Krankheitsentwicklung sehen will. Denn die Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals C.________ legten in nachvollziehbarer Weise dar, dass die Krankheitssymptome die bei der Arbeit als Verkaufsleiter nötige Konzentrationsfähigkeit, das planmässige Handeln, die soziale Kompetenz und das Verhandlungsgeschick im Verkauf deutlich beeinträchtigten. Überzeugend hielten sie fest, dass das Unterlassen der Weiterleitung eines bedeutenden Auftrages durch den Beschwerdeführer (im Januar 1994), seine brüske Reaktion auf die diesbezügliche Kritik und die Fehlinterpretation der Entgegnung des Vorgesetzten als fristlose Entlassung (Vorfall vom 27. Januar 1994) gut mit der (sich oft schon Jahre vor Beginn der eigentlichen, sichtbaren, sogenannten Positivsymptomatik [Wahnideen, Halluzinationen und bizarres Verhalten] zeigenden) Negativsymptomatik der schizophrenen Erkrankung - bestehend in Konzentrations- und Auffassungsstörungen, vermehrter Reizbarkeit, Rückzugstendenz und Misstrauen - erklärt werden könne. In diesem Sinne geht es im Gesamtkontext nicht an, die Ereignisse von Januar 1994 mit Prof. Dr. med. F.________ (Gutachten vom 29. August 2002) als normalpsychologisch erklärbar zu betrachten. Vielmehr wurde zum damaligen Zeitpunkt manifest, dass der Beschwerdeführer in seinem funktionellen Leistungsvermögen im bisherigen Beruf bereits in relevantem Umfang krankheitsbedingt beeinträchtigt war, so dass nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine relevante Arbeitsunfähigkeit ab Februar 1994 erstellt ist.