Citation: 5C.237/2005 09.11.2005 E. 2

2.1 Der Beklagte stellte die gemäss seinerzeitigem Unterhaltsvertrag bis zur Mündigkeit geschuldeten Unterhaltszahlungen an den Kläger ein, als dieser im Jahre 2002 das zwanzigste Altersjahr erreicht hatte (Art. 13c SchlT ZGB). Gemäss Art. 277 Abs. 2 ZGB ist er zur Leistung von Unterhalt an sein nunmehr mündiges Kind weiterhin verpflichtet, wenn sie ihm nach den gesamten Umständen zugemutet werden kann. Unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit sind nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eltern, sondern auch die persönliche Beziehung zwischen ihnen und ihrem Kind zu beachten (BGE 129 III 375 E. 3; 120 II 177 E. 3c mit Hinweisen). Strittig ist im vorliegenden Fall einzig, ob auf Grund der fehlenden Beziehung zwischen Vater und Sohn dem Pflichtigen die Leistung von Unterhaltsbeiträgen zumutbar ist. 2.2 Die bis zur Herabsetzung des Mündigkeitsalters am 1. Januar 1996 geltende Regel, dass dem Mündigenunterhalt Ausnahmecharakter zukomme, wurde vom Bundesgericht insofern als realitätsfremd eingestuft, als dass die meisten Jugendlichen auch nach Erreichen des 18. Altersjahrs sich noch in Ausbildung befinden und auf Unterhalt angewiesen sind. Andererseits verfügten doch ein grosser Teil der Jugendlichen mit ungefähr 20 Jahren über eine angemessene Ausbildung. Damit - so das Bundesgericht - trage im konkreten Einzelfall die Differenzierung zwischen Regel und Ausnahme kaum zur Entscheidfindung bei. Wichtiger sei hingegen bei der Beurteilung der Zumutbarkeit das Alter des Jugendlichen. Davon hänge nicht nur der Fortgang seiner Ausbildung, sondern auch seine Fähigkeit ab, sich mit zunehmender Reife von belastenden Ereignissen im Elternhaus zu lösen (BGE 129 III 375 E. 3.2 - 3.4).