Citation: 7B_1049/2023 E. 5.3

5.3. Die Vorinstanz nimmt in ihren Erwägungen zur Landesverweisung in dem Sinne auf die Strafhöhe Bezug, dass sie zwischen überjährigen und unterjährigen Freiheitsstrafen unterscheidet. Wie die Beschwerdeführerin jedoch zu Recht vorbringt, setzt die Anordnung der nicht obligatorischen Landesverweisung nach Art. 66a bis StGB keine Mindeststrafhöhe voraus (Urteil 7B_457/2023 vom 14. März 2024 E. 4.2.2 mit Hinweisen). Demnach ist die nicht obligatorische Landesverweisung einer aufenthaltsberechtigten Person bei einer Verurteilung bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe nicht grundsätzlich als unverhältnismässig zu betrachten, sondern anhand einer Verhältnismässigkeitsprüfung zu beurteilen (Urteil 6B_919/2023 vom 10. Juli 2024 E. 4.3.2). Im Rahmen dieser Prüfung hat die Vorinstanz dem strafrechtlichen Vorleben der Beschwerdegegner Rechnung getragen. Ihre diesbezüglichen Ausführungen fallen zwar äusserst knapp aus. So wird unter dem Titel der Landesverweisung lediglich festgehalten, dass alle drei Beschwerdegegner sich schon mindestens einmal einer Gewalttat schuldig gemacht haben. Die einzelnen Vorstrafen der Beschwerdegegner ergeben sich allerdings aus den Erwägungen zur Strafzumessung (angefochtenes Urteil E. 6.4 ff. S. 30 ff.), sodass die vorinstanzliche Darlegung entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin gerade noch nachvollziehbar erscheint. Der Vollständigkeit halber ist zudem anzumerken, dass hängige, noch nicht rechtskräftig abgeschlossene Strafverfahren, wie etwa jenes gegen den Beschwerdegegner 1 wegen häuslicher Gewalt, nicht in die Interessenabwägung betreffend Landesverweisung einzubeziehen sind (Urteil 6B_919/2023 vom 10. Juli 2024 E. 4.5.2). Der Beschwerdeführerin ist sodann insofern zuzustimmen, dass die Wortwahl der Vorinstanz ("dringender Lernbedarf", "prekär") auf gewisse Zweifel hinsichtlich der Legalbewährung der Beschwerdegegner hinweist. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht vermag dies für sich allein genommen jedoch noch keine fakultative Landesverweisung zu begründen, sondern stellt die Legalprognose nur eines von mehreren Kriterien dar, welches bei der Verhältnismässigkeitsprüfung von Bedeutung ist. Indessen scheint die Vorinstanz bei der Würdigung der öffentlichen Interessen nicht auf die Anlasstat, insbesondere auf Art und Schwere des Verschuldens, einzugehen. Zu der Dauer des Aufenthalts in der Schweiz und zu den persönlichen Verhältnissen der Beschwerdegegner äussert sie sich zudem nicht oder bloss rudimentär. So erwägt sie diesbezüglich einzig, dass den Beschwerdegegnern "gewisse Integrationsleistungen" zugute gehalten werden könnten, alle drei arbeitstätig seien, der Beschwerdegegner 2 gute Deutschkenntnisse aufweise, in der Schweiz in einer ehelichen Beziehung lebe und eine Tochter habe und der Beschwerdegegner 3 Deutschkurse besuche. Damit kommt sie den Anforderungen einer rechtsgenüglichen Interessenabwägung betreffend die Landesverweisung, bei welcher die öffentlichen Fernhalteinteressen und die privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegeneinander abzuwägen sind und es einer Gesamtwürdigung aller massgeblichen Faktoren bedarf, nicht nach. In Bezug auf den Beschwerdegegner 1 fehlt es etwa an Ausführungen zur Aufenthaltsdauer in der Schweiz, zur finanziellen Situation, zu den Sprachkenntnissen, zu den sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zur Schweiz und zu seinem Herkunftsstaat und zu den Wiedereingliederungsmöglichkeiten in seiner Heimat. Betreffend den Beschwerdegegner 2 äussert sich die Vorinstanz zwar insofern zu dessen familiären Situation, als sie festhält, dieser sei verheiratet und habe eine Tochter. Erwägungen zur konkreten Ausgestaltung dieser Beziehungen fehlen jedoch. Ebenso ist nicht erkennbar, dass sie weitere massgebliche Faktoren, wie etwa die Aufenthaltsdauer in der Schweiz, die sozialen und kulturellen Bindungen zur Schweiz und zum Heimatstaat und die Möglichkeiten zur Wiedereingliederung in dessen Heimat in ihre Überlegungen miteinbezogen hätte. Hinsichtlich des Beschwerdegegners 3 bleiben die vorinstanzlichen Erwägungen zur Interessenabwägung ebenfalls äusserst rudimentär, zumal abgesehen von dessen Arbeitstätigkeit und dessen Besuch von Deutschkursen in Bezug auf dessen privaten Interessen keine weiteren Elemente in der Interessenabwägung berücksichtigt werden. Insgesamt fehlt es damit an den zur Überprüfung des angefochtenen Entscheids notwendigen Überlegungen rechtlicher und tatsächlicher Natur. Das angefochtene Urteil genügt den Anforderungen gemäss Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG nicht und verletzt insofern Bundesrecht.