Citation: 8C_391/2023 E. 8.1

8.1. Die Vorinstanz gelangte zur Auffassung, dass eine anwaltliche Vertretung im Neuanmeldungsverfahren vor der IV-Stelle nicht erforderlich gewesen sei, wie dies von Art. 37 Abs. 4 ATSG jedoch verlangt werde. Primär sei es nicht um juristische Fragen, sondern um eine Würdigung der medizinischen Akten - vorab des ABI-Gutachtens - gegangen. In einem solchen Fall könnten die Interessen der versicherten Person durch sie selbst oder aber zumindest durch einen Sozialdienst wahrgenommen werden. Die Beschwerdeführerin werde seit Jahren vom Sozialdienst G._______ unterstützt, weshalb eine Vertretung der analphabetischen Beschwerdeführerin durch diesen genügt hätte. Gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2011 über die öffentliche Sozialhilfe (SHG; BSG 860.1) seien die Gemeinwesen, insbesondere die Sozialdienste, denn auch zur Beratung und Betreuung ihrer Klienten verpflichtet. Mangels Erforderlichkeit einer anwaltlichen Vertretung seien die weiteren Anspruchsvoraussetzungen (Bedürftigkeit, Nichtaussichtslosigkeit der Rechtsbegehren [vgl. BGE 132 V 200 E. 4.1]) nicht zu prüfen; die IV-Stelle habe den Anspruch der Beschwerdeführerin auf unentgeltliche Rechtspflege im Verwaltungsverfahren zu Recht verneint.