Citation: 5C.102/2001 22.06.2001 E. 4

4.- Die Beklagte bestreitet eine besondere Schutzbedürftigkeit (Entmündigungsvoraussetzung). Gemäss den eingeholten Gutachten bestehen die Auswirkungen des geistigen Zustands bei der Beklagten in einem weitgehend unselbstständigen, von Drittpersonen abhängigen Lebensvollzug; das Ausmass der Erkrankung verunmöglicht es der Beklagten, wesentliche Anteile ihrer eigenen Angelegenheiten selbst zu besorgen (act. 63). Im Einzelnen hat das Obergericht festgestellt, ihre Furcht vor Schmutz hindere die Beklagte daran, das Haus ihrer Eltern, bei denen sie wohnt, zu verlassen, um lebensnotwendige Besorgungen zu verrichten. Auch sei es ihr unmöglich, gewisse Tätigkeiten innerhalb des Hauses selbst zu erledigen, da sie sich unter anderem vor der Waschmaschine ekle. Sie sei in ihrer Lebensführung beständig auf fremde Hilfe angewiesen, und es sei ihr bis anhin auch nie gelungen, einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachzugehen (E. 6c S. 14 des obergerichtlichen Urteils). Nach Auffassung des Obergerichts hat die Beklagte also - entgegen ihrer Darstellung - durchwegs aktuelle Probleme. Das Obergericht hat dazu Feststellungen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG getroffen und nicht bloss Vermutungen angestellt, die unverbindlich wären (Schnyder/Murer, N. 92 zu Art. 369 ZGB). Soweit die Beklagte diese Tatsachenfeststellungen ergänzt oder den Sachverhalt abweichend schildert, kann auf ihre Berufung nicht eingetreten werden, nachdem sie diesbezüglich keine Sachverhaltsrügen erhebt, geschweige denn begründet (E. 2 Abs. 2 hiervor); davon abgesehen, sind für die Frage der vormundschaftlichen Schutzbedürftigkeit die Verhältnisse im Zeitpunkt des letzten kantonalen Entscheids massgebend (Schnyder/Murer, N. 228 zu Art. 373 ZGB), so dass die unbelegten "Aktualisierungen" der Beklagten vor Bundesgericht nicht berücksichtigt werden können. Die Ängste der Beklagten und die Zwänge, denen sie unterliegt, schränken sie in ihrer freien Willensbetätigung nachhaltig ein und verunmöglichen ihr ein selbstverantwortliches Leben. Gestützt auf die festgestellten Auswirkungen ihres geistigen Zustands durfte angenommen werden, sie benötige dauernd Schutz, der für sie quantitativ und qualitativ entscheidend ins Gewicht fällt, mithin von existenzieller Bedeutung ist (vgl. dazu Langenegger, N. 27 zu Art. 369 ZGB).