Citation: 6B_452/2023 E. 1.4.1

1.4.1. Die Vorinstanz führt aus, der Grund für die notwendige Verteidigung bei andauernder Untersuchungshaft gemäss Art. 130 lit. a StPO sei die besondere Situation, in welcher sich die festgenommene beschuldigte Person in der Anfangsphase der Untersuchungshaft befinde. Im Lichte dieser ratio legis dürfe es mit Bezug auf die Frage der notwendigen Verteidigung keine Rolle spielen, unter welchem Titel der Freiheitsentzug stehe. Nachdem beim Beschwerdeführer seit dem 30. Mai 2012 unter verschiedenen Titeln ein ununterbrochener Freiheitsentzug bestehe, sei diese Voraussetzung der notwendigen Verteidigung vom ersten Tag an gegeben gewesen. Es erübrige sich somit auf die Frage einzugehen, ob auch unter dem Aspekt von Art. 130 lit. b StPO ein Fall von notwendiger Verteidigung gegeben gewesen sei, weil von Anfang an - wenn auch nicht formell, so doch faktisch - die Untersuchung auch wegen Beteiligung an einem Mord geführt worden sei (angefochtenes Urteil E. 3.2 S. 20 f.). Als Folge davon seien die Beweise, welche ohne notwendige Verteidigung erhoben worden seien, ungültig und nicht verwertbar (Art. 131 StPO). Die notwendige Verteidigung sei erst ab der Einvernahme des Beschwerdeführers vom 27. April 2017 sichergestellt gewesen. Die zuvor erhobenen Einvernahmen, welche zwischen dem 19. Januar und dem 28. März 2017 stattgefunden hätten, seien nicht verwertbar (angefochtenes Urteil E. 3.3 S. 21).