Citation: U 517/06 09.10.2007 E. 3

Streitig und zu prüfen ist, ob die im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Winterthur (31. Mai 2004) noch geklagten Beschwerden als Folgen des Unfalls vom 10. Mai 2003 zu betrachten sind und - in diesem Zusammenhang - ob der massgebliche Sachverhalt hinreichend abgeklärt ist. 3.1 Auf Grund der medizinischen Akten, welche über den Sachverhalt im Anschluss des Ereignisses erstellt wurden, steht fest, dass die Beschwerdeführerin am 10. Mai 2003 ein Beschleunigungstrauma der HWS erlitten hat. Daran kann auch eine nachträgliche Beurteilung auf der Basis rein theoretischer technischer Analysen nichts ändern. Innerhalb der von der Rechtsprechung anerkannten Latenzzeiten trat das für diese Verletzung typische Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden auf (Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den rechten Arm und die Hand, mit Kribbeln im rechten Arm und Kältegefühl eine Stunde nach dem Ereignis [Bericht Dr. med. R.________ vom 8. Juli 2003]; Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Gedankenabrissen, cervicospondylogenen Ausstrahlungen [Berichte des Dr. med. G.________, vom 4. Juni und 9. September 2003] ; BGE 117 V 360 E. 4b; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; Urteil W. vom 1. März 2006 E. 6.1, U 153/05). Die gleiche Diagnose wurde auch an der Rehaklinik Y.________ gestellt (Bericht Prof. Dr. med. E.________ vom 31. Dezember 2003), wo persistierende Zervikozephalgien rechts, persistierende Kribbelparästhesien am rechten Arm und vegetative Dysregulation mit schlechtem Schlaf, verstärkter Müdigkeit und schlechter Darmmotilität festgestellt wurden. 3.2 Die Unfallversicherung begründet die Ablehnung ihrer Leistungspflicht ab 1. Juni 2004 unter anderem mit einem erheblichen medizinischen Vorzustand und schwierigen psychosozialen Verhältnissen. Dies wird mit Aktenberichten ihrer Vertrauensärzte untermauert. Darin wird ausgeführt, dass eine neuropsychologische Beurteilung schon wenige Wochen nach dem Unfallereignis stattgefunden habe, was darauf hindeute, dass entsprechende Beschwerden schon vor dem Unfall bestanden hätten. Ohne mit der Beschwerdeführerin in irgend einem Kontakt gestanden zu haben und ohne dass ein psychiatrischer Bericht oder sogar ein Gutachten bei den Akten liegt, kommt der die Winterthur beratende Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. S.________, zur Erkenntnis, die Versicherte leide unter einer Befindlichkeitsstörung, welche nicht durch den Unfallmechanismus, sondern durch eine Ehescheidung, ihre Persönlichkeit und erhebliche materielle Sorgen begründet seien. Das überzeugt nicht. Die medizinischen Akten, auf welche sich die Winterthur beruft, beruhen alle auf rein theoretischen Annahmen und damit weder auf persönlichen Untersuchungen und/oder Gesprächen, noch auf Erkenntnissen, die sich auf entsprechende Arztberichte stützen könnten. Die Sache ist daher an die Unfallversicherung zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin polydisziplinär (Neurologie, Rheumatologie und Psychiatrie) abklären lässt und dabei insbesondere auch der Frage, nach dem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den beim Unfall erlittenen Schädigungen und den gestellten Diagnosen nachgeht.