Citation: I 137/05 26.10.2005 E. 2

2.1 Da nach der Rechtsprechung in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung hatten (BGE 130 V 259 Erw. 3.5, 333 Erw. 2.3, 425 Erw.1.1, 447 Erw. 1.2.1, je mit Hinweisen) sind mit dem kantonalen Gericht zur Beurteilung der vorstehenden materiellrechtlichen Frage die bis 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Bestimmungen des IVG und seiner Ausführungserlasse anwendbar und nicht das seit 1. Januar 2003 in Kraft stehende ATSG. 2.2 Im vorinstanzlichen Entscheid werden die Bestimmungen und Grundsätze über den Anspruch auf Taggelder während der Eingliederung (alt Art. 22 Abs. 1 Satz 1 IVG) sowie auf Taggelder während der Wartezeit (alt Art. 22 Abs. 3 IVG in Verbindung mit alt Art. 18 IVV) zutreffend wiedergegeben. Darauf wird verwiesen. Zu betonen bleibt, dass nach Rz 5042 (bis 31. Dezember 2000; Rz 2027) der bundesamtlichen Wegleitung über die Berechnung und Auszahlung der Taggelder sowie ihre beitragsrechtliche Erfassung (WTG) für die Kürzung des Taggeldes eines Versicherten, der die vom Arzt für die Zeit der Eingliederung als zumutbar erklärte Teilerwerbstätigkeit nicht ausübt, der Lohn massgebend ist, den er erzielen könnte. Diese Verwaltungspraxis hat das Eidgenössische Versicherungsgericht im Urteil G. vom 14. April 2000 (SVR 2001 IV Nr. 28) für zulässig erklärt. Denn es ergibt sich aus dem Rechtsgleichheitsgebot, dass nicht nur der tatsächlich erzielte, sondern auch der aus invaliditätsfremden Gründen nicht erwirtschaftete mögliche Verdienst für die Kürzung heranzuziehen ist. Es wäre mit Art. 8 Abs. 1 BV schlechterdings nicht vereinbar, den teilweise arbeitsunfähigen Versicherten, der in Erfüllung der generell in der Sozialversicherung geltenden Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 117 V 278 Erw. 2b, 400, je mit Hinweisen) während der Umschulung oder Wartezeit eine Erwerbstätigkeit ausübt, schlechter zu stellen, als den im gleichen Ausmass Arbeitsunfähigen, der im selben Zeitraum keiner ihm an sich zumutbaren Arbeit nachgeht (Urteil S. vom 11. August 2003, I 806/02; SVR 2001 IV Nr. 28 Erw. 2b). Mit der Vorinstanz ist eine Anrechnung von hypothetischen Erwerbseinkommen allerdings folgerichtig nur zulässig, wenn und soweit eine Verletzung der generell in der Sozialversicherung geltenden Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 117 V 278 Erw. 2b, 400, je mit Hinweisen) vorliegt. Dabei sind alle objektiven und subjektiven Umstände miteinzubeziehen, welche die Realisierung eines Einkommens verhindern oder erschweren (vgl. Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, § 40, Nr. 34). Die Anrechenbarkeit bestimmt sich unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit aufgrund der konkreten Gegebenheiten, beispielsweise der Lage am Arbeitsmarkt (vgl. Urteil S. vom 11. August 2003, I 806/02) oder allgemein der schwierigen Vermittelbarkeit (BGE 129 V 460 Erw. 4.3). Erzielt die versicherte Person aus Gründen, welche nicht von ihr zu vertreten sind, während der Wartezeit kein Einkommen, so ist in Bestätigung der Rechtsprechung des kantonalen Gerichts (publiziert in SVR 2002 IV Nr. 36 Erw. 3) von der Aufrechnung des hypothetischen Verdienstes abzusehen.