Citation: U 416/00 31.05.2001 E. 3

3.- a) Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). b) Die Vorinstanz geht zunächst, gestützt auf das Gutachten des Dr. med. T.________ vom 9. Januar 1996, davon aus, als Unfallrestfolge sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit lediglich ein Zervikalsyndrom anzusehen, während eine zusätzlich gegebene psychische Problematik unfallfremd sei. Anschliessend führt sie aus, die zum typischen Beschwerdebild einer Kontusion der HWS gehörenden Beeinträchtigungen lägen teilweise vor - leide der Versicherte doch an Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen und rascher Ermüdbarkeit - und träten im Vergleich zur psychischen Problematik nicht in den Hintergrund, sodass die natürliche Unfallkausalität zu bejahen und die Prüfung der Adäquanz des Kausalzusammenhangs gemäss den in BGE 117 V 359 formulierten Regeln vorzunehmen sei. Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, diese beiden Aussagen liessen sich nicht vereinbaren. c) Die Vorinstanz hat das Vorliegen des typischen Beschwerdebildes eines Schleudertraumas der HWS mit Recht bejaht. Neben den unbestrittenen Nackenbeschwerden und mehrfach dokumentierten, belastungsabhängigen Kopfschmerzen (Bericht des Dr. med. W.________ vom 19. Mai 1992; Austrittsbericht der Rheuma- und Rehabilitationsklinik U.________ vom 27. Februar 1995; Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik A.________ vom 31. August 1995) ergaben die medizinischen und erwerblichen Abklärungen namentlich das Vorliegen von Konzentrationsschwierigkeiten (Berichte über die Abklärung der Eingliederungs- und Abklärungsfähigkeit des Service-Zentrums U.________ vom 6. Juni 1994 und 29. August 1994; Bericht von Frau Dr. phil. B.________ vom 4. August 1995), Gedächtnisstörungen (Bericht von Frau Dr. O.________ vom 14. Januar 1994; Bericht von Frau Dr. phil. B.________ vom 4. August 1995), rascher Ermüdbarkeit (Bericht von Frau Dr. phil. B.________ vom 4. August 1995) sowie einer Wesensveränderung (Bericht von Frau Dr. O.________ vom 14. Januar 1994 und - im Rahmen einer Differenzialdiagnose - Bericht des Dr. med. A.________ vom 18. August 1995). Dr. med. W.________ weist in seinem Bericht vom 19. Mai 1992 ausserdem auf ein depressives Zustandsbild hin, welches entweder direkt durch das Schleudertrauma der HWS verursacht oder die Folge der beruflichen Beeinträchtigung sein könnte, ein Befund, welchen Dr. med. A.________ in seiner Stellungnahme vom 18. August 1995 als Möglichkeit - im Rahmen einer Differenzialdiagnose - in Betracht zieht. Das typische, vielfältige Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS (vgl. BGE 117 V 360 Erw. 4b) bzw. eine ganze Reihe der Symptome eines solchen ist somit gegeben. Unter diesen Umständen kann jedoch der Aussage der Vorinstanz, einzige Unfallrestfolge sei ein Zervikalsyndrom, nicht beigepflichtet werden, gehen doch die erwähnten Beschwerden weit über ein Zervikalsyndrom hinaus. Ist aber das Vorliegen eines typischen Beschwerdebildes nach Schleudertrauma der HWS zu bejahen, ist in Bezug auf die Ursache nicht zwischen physischen und psychischen Störungen zu unterscheiden (vgl. BGE 119 V 337 f. Erw. 1 mit Hinweisen). d) Schlüssige Fakten, aus welchen hervorginge, dass unfallfremde Gründe für die gesundheitlichen Beschwerden des Versicherten verantwortlich sind und diese auch ohne den Unfall eingetreten wären, bestehen nicht. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass der Unfall vom 10. September 1990 mindestens eine Teilursache der Beschwerden darstellt, sodass der natürliche Kausalzusammenhang ohne weiteres zu bejahen ist (BGE 119 V 337 Erw. 1 mit Hinweis, 341). Dies gilt auch für die neuropsychologischen Defizite, welche Frau Dr. phil. O.________ in ihrem Gutachten vom 14. Januar 1994 als Folgen des Unfalls bezeichnet. Die gesundheitlichen Störungen, an welchen der Versicherte leidet, sind somit auf den Unfall zurückzuführen.