Citation: 1C_157/2023 E. 4.1

4.1. Seit der Revision des Administrativmassnahmenrechts per 1. Januar 2005 kommt die Unterschreitung der Mindestentzugsdauer wegen einer Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK) nicht mehr in Frage (BGE 135 II 334 E. 2.2). Das Bundesgericht trägt damit dem Umstand Rechnung, dass mit der damaligen Revision Art. 16 Abs. 3 Satz 2 ins SVG aufgenommen wurde, wonach die Mindestentzugsdauer - von einer später eingefügten, hier nicht interessierenden Ausnahme abgesehen - nicht unterschritten werden darf. Diese Gesetzesänderung richtete sich ausdrücklich gegen die mit BGE 120 Ib 504 begründete frühere bundesgerichtliche Rechtsprechung, nach der unter gewissen Umständen eine Unterschreitung der Mindestentzugsdauer und gegebenenfalls sogar ein Verzicht auf den Entzug zulässig bzw. geboten war (BBl 1999 4485). Das Bundesgericht hat allerdings offen gelassen, ob - nach Massgabe des früheren Rechts - bei einer schweren Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist, der nicht in anderer Weise Rechnung getragen werden kann, ausnahmsweise gänzlich auf eine Massnahme verzichtet werden darf (BGE 135 II 334 E. 2.3; ebenfalls offengelassen in Urteil 1C_190/2018 vom 21. August 2018 E. 5.2). In den bislang ergangenen Urteilen wurde eine derartige Verletzung jeweils verneint. Obwohl die Verletzung des Beschleunigungsgrundsatzes mehrfach festgestellt wurde, wurde dennoch festgehalten, dass selbst bei einer Dauer, die diesem Grundsatz widerspricht - im damals zu beurteilenden Fall neun Jahre und drei Monate -, diese nicht so schwer wiegt, dass es gerechtfertigt wäre, ausnahmsweise auf den Führerausweisentzug zu verzichten (Urteil 1C_190/2018 vom 21. August 2018 E. 5.2). Ausserdem wurde davon ausgegangen, dass der jeweils zur Diskussion stehende Ausweisentzug durch den Zeitablauf nicht seiner erzieherischen Wirkung beraubt wurde (nebst zahlreichen weiteren Urteilen 1C_630/2022 vom 25. Juli 2023 E. 6.2 [Zeitspanne zwischen Widerhandlung und Urteil: rund sieben Jahre], 1C_150/2021 vom 3. November 2021 E. 4.2 [über sechs Jahre und fünf Monate]; 1C_190/2018 vom 21. August 2018 E. 5.2 [neun Jahre und drei Monate]). Dies galt auch dann, wenn es im massgeblichen Zeitraum zu keinem weiteren Strassenverkehrsdelikt gekommen ist (Urteil 1C_190/2018 vom 21. August 2018 E. 4.2).