Citation: 6B_913/2019 E. 5.3.4

5.3.4. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die Vorinstanz habe sich mit keinem einzigen Wort mit der sagenhaften Rendite in der "traumhaften" Höhe von 60-72% pro Jahr auseinandergesetzt und stattdessen offenkundige Schutzbehauptungen aus unerfindlichen Gründen als plausibel taxiert. Derartige Gewinnversprechen stellten einen klaren Hinweis auf das Vorliegen eines Anlagebetruges dar (Beschwerde S. 9, 12, 56). In dieser Hinsicht ist zunächst einzuräumen, dass für sich allein betrachtet nur schwer nachvollziehbar erscheint, wie die Beschwerdegegner bei derartigen unrealistischen Gewinnversprechen von einer seriösen Geschäftstätigkeit ausgehen konnten. In Übereinstimmung mit der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass bei zugesicherten Renditen in dieser Höhe durchaus Anlass für erhöhte Vorsicht besteht (Beschwerde S. 9 f.). Dies gilt im zu beurteilenden Fall, wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt (Beschwerde S. 12), im Besonderen für den Beschwerdegegner 3 [C.________], der nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz über Fachkenntnisse im Bankwesen und berufliche Erfahrungen im Bereich der Bankenaufsicht verfügte (angefochtenes Urteil S. 60). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 59) wird dieser Aspekt indes auch von der Vorinstanz nicht verkannt, zumal sie in diesem Kontext auch auf die Aussage von D.________ verweist, wonach er es als schwer nachvollziehbar erachte, dass man bis zum Schluss an sein Anlagesystem habe glauben können (angefochtenes Urteil S. 22). Doch wird dieser Punkt durch die weiteren Umstände, welche die Beschwerdegegner ihrerseits als Täuschungsopfer erscheinen lassen, erheblich relativiert. Zunächst ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass sich nach dem gegen D.________ erlassenen Strafbefehl unter den äusserst zahlreichen Anlegern auch geschäftserfahrene Kunden befunden haben, die auf das Lügengebäude hereingefallen sind (angefochtenes Urteil S. 60; ferner Strafbefehl S. 18 f. BA 19 4 0018 f.). In Bezug auf den Beschwerdegegner 3 [C.________] mag zwar befremdlich erscheinen, dass er die Renditenhöhe angesichts seines beruflichen Hintergrundes nicht in stärkerem Masse kritisch hinterfragte, doch erscheint der Schluss der Vorinstanz als nachvollziehbar, er sei glaubhaft davon überzeugt gewesen, die zwei renommierten, staatlich beaufsichtigten Banken M.________ und N.________ seien ihren gesetzlichen Pflichten mit Bezug auf Gelder von D.________ nachgekommen und hätten ein allfälliges Schneeballsystem in dieser Grösse erkannt bzw. unterbunden (angefochtenes Urteil S. 61). Was die Beschwerdeführerin hiegegen einwendet (Beschwerde S. 43 f.), geht nicht über eine appellatorische Kritik hinaus. In diesem Kontext ist im Weiteren bedeutsam, dass das Bundesgericht in verschiedenen Entscheiden zum Anlagebetrug, in denen sich die Täuschungsopfer von der Versprechung risikoloser Anlagen und unrealistischer Renditen blenden liessen, wiederholt erwogen hat, der Umstand, dass sich das Handeln der Geschädigten durch ein erhebliches Mass an Naivität oder augenfälligen Leichtsinn auszeichne, für sich allein nicht dazu führen könne, dass das Tatbestandsmerkmal der Arglist verneint werde und der Täter straflos ausgehe, zumal das Strafrecht auch unerfahrene, vertrauensselige oder von übersteigertem Gewinnstreben motivierte Personen vor betrügerischen Machenschaften schütze (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2; 135 IV 76 E. 5.3; Urteile 6B_150/2017 vom 11. Januar 2018 E. 3.3, nicht publ. in BGE 144 IV 52; 6B_480/2018 vom 13. September 2019 E. 1.1.1; 6B_1172/2013 vom 18. November 2014 E. 3.4; 6B_1076/2009 vom 22. März 2010 E. 6.4 a.E.; je mit Hinweisen). Dies muss konsequenterweise im zu beurteilenden Fall auch für die Beschwerdegegner gelten, soweit sie ebenfalls den täuschenden Machenschaften des Haupttäters erlegen sind und diese nicht durchschaut haben. Es ist bei betrügerischen Anlagesystemen regelmässig zu beobachten und für derartige Geschäftsmodelle geradezu typisch, dass auf Vermittlerstufe involvierte Personen ebenfalls den von der Haupttäterschaft mit erheblicher Raffinesse praktizierten betrügerischen Machenschaften erliegen und sich von der Verlässlichkeit und Funktionstüchtigkeit der vorgespiegelten Geschäftstätigkeit überzeugen lassen. Dies gilt jedenfalls solange, als sich ihnen aufgrund äusserer Umstände nicht die Erkenntnis aufdrängt, dass es sich um ein betrügerisches Geschäftsmodell handelt. Dass dem im vorliegenden Fall so gewesen wäre, ist indes gerade nicht erstellt. Hiefür spricht auch, wie die Vorinstanz zu Recht annimmt, dass die Beschwerdegegner allesamt selber - teils mit erheblichen Beträgen - in das Anlagesystem investiert haben (angefochtenes Urteil S. 18 ff., 25, 26, 36, 55, 59, 60) und dass die Renditezahlungen bis zum September 2007, als sich D.________ bereits auf der Flucht befand, regelmässig und pünktlich erfolgt seien (angefochtenes Urteil S. 26, 28, 54, 59; Beschwerde S. 57). Dabei kommt dem Umstand, dass die eigenen Anlagen der Beschwerdegegner zu einem guten Teil aus den Provisionen stammten, die sie sich nicht auszahlen liessen, wie die Vorinstanz zu Recht annimmt (angefochtenes Urteil S. 56, 59, 60), keine Bedeutung zu. Zwar spricht der Umstand, dass die Beschwerdegegner selbst Investitionen tätigten, nicht zwingend für deren Unkenntnis von D.________s Machenschaften. Es mag zutreffen, dass die Beschwerdegegner diese eigenen Investitionen als Vermittler auch eingegangen sein könnten, um den Eindruck zu erwecken, sie seien vom Anlagesystem überzeugt, und um sie als vertrauensbildendes Verkaufsargument zu verwenden (Beschwerde S. 47, 61, 66, vgl. auch S. 68; angefochtenes Urteil S. 26; Anklageschrift S. 15). Doch lassen sich die eigenen Investments mit gutem Grund auch so verstehen, dass die Beschwerdegegner auf das Anlagemodell vertraut und ihre Abklärungen keine negativen Erkenntnisse zum Vorschein gebracht haben (angefochtenes Urteil S. 25 ad Beschwerdegegnerin 1 [A.________]). Die Vorinstanz nimmt jedenfalls mit nachvollziehbaren Gründen an, es sei nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdegegner, wenn sie um die betrügerische Geschäftstätigkeit von D.________ gewusst haben sollten, nicht rechtzeitig vor dem Zusammenbruch des Systems aus ihren Investitionen ausgestiegen seien und ihre Einlagen samt Gewinn in Sicherheit gebracht hätten (angefochtenes Urteil S. 56; vgl. Beschwerde S. 61, 66, 68). Dass dieser Schluss schlechterdings unhaltbar wäre, ergibt sich jedenfalls nicht.