Citation: 1B_481/2022 E. 4.3

4.3. Die Vorinstanz verneinte eine begründete Veranlassung, vorliegend vom Grundsatz der Nichtberücksichtigung der Möglichkeit einer nur (teil-) bedingten Strafe abzusehen, zumal unter den konkreten Umständen eine (teil-) bedingte Strafe nicht bereits deshalb sehr wahrscheinlich sei, weil der Beschwerdeführer nicht vorbestraft zu sein scheine. Vielmehr wögen nur schon die Nötigungsvorwürfe schwer und ergebe sich aus dem Gefährlichkeitsgutachten eine ungünstige Prognose, weshalb eine bedingte Strafe im untersten Bereich des möglichen Strafrahmens, der nur schon bei mehrfacher Nötigung Freiheitsstrafen bis zu 4.5 Jahren zulasse, zumindest nicht wahrscheinlich erscheine. Mit Bestätigung der vorliegend umstrittenen Haftverlängerung läge eine viermonatige Untersuchungshaft vor, was keine Gefahr von Überhaft zu begründen vermöge. Mit Blick auf das den Beschwerdeführer betreffende Gefährlichkeitsgutachten vom 21. Juli 2022 führte die Vorinstanz aus, in Bezug auf die ihm vorgeworfenen Todesdrohungen sei von zahlreichen spezifischen Risikofaktoren die Rede, die aktuell auf ein mittleres bis hohes Ausführungsrisiko schliessen liessen (Konsum von Alkohol und Cannabis; Persönlichkeitsproblematik; übertriebenes Misstrauen; intensive Täter-Opfer-Beziehung; Hinweise auf Waffen; indirekte Kommunikation über Dritte; zeitstabiler Konflikt; subjektives Bedrohungsgefühl des Opfers; inadäquate Störungseinsicht), jedoch nur von fehlenden Vorstrafen als protektiver Faktor. Das Wiederholungsrisiko betreffend "Stalking" habe der Gutachter gar als hoch bis sehr hoch eingeschätzt.