Citation: U 245/06 14.02.2007 E. 4

Wie der Beschwerdeführer unter Hinweis auf BGE 122 V 157 E. 1d S. 162 zutreffend vorbringt, kann das Sozialversicherungsgericht abschliessend gestützt auf Beweisgrundlagen urteilen, die im wesentlichen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem Sozialversicherungsträger stammen. In solchen Fällen sind jedoch an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Ein solcher Bedarf ist hier aus den folgenden Gründen gegeben. 4.1 Der kreisärztliche Bericht vom 14. September 2004 (über die am Vortag erfolgte Untersuchung) ist ohne Vorlage von Röntgenbildern verfasst worden ("1.7. - 27.8.04 erfolglose Suche nach Röntgenbildern"; "Röntgenaufnahmen liegen keine vor"; gemeint waren wohl Aufnahmen bildgebender röntgendiagnostischer Verfahren generell), obwohl solche verschiedentlich erstellt worden waren (vgl. Berichte IMAMED Radiologie Nordwest vom 3. März 2003 [MR-Arthrographie am 3. März 2003] und 16. Mai 2003 [Sonographie am 16. Mai 2003] sowie Bericht Allgemeine Röntgendiagnostik Universitätsklinik Spital X.________ vom 31. Oktober 2003 [Sonographie am 30. Oktober 2003]). Eventuell hatte Kreisarzt Dr. med. W.________ mit diesem Vermerk aktuelle Röntgen gemeint, was aber nichts ändert. Zwar sind nach Würgler-Hauri/Sheikh/Jost/Gerber (Periarthropathia humeroscapularis ...?, Diagnostik und Therapie, in: Schweiz Med Forum 2007, 7, S. 81-86) bei Erkrankungen der Schulter im klinischen Alltag die Anamnese und die klinische Untersuchung von unveränderter Bedeutung. Sie erlauben in den meisten Fällen eine Diagnosestellung. Die konventionelle Radiologie hat als Standardabklärung aber nach wie vor ihren Stellenwert; so lassen sich beispielsweise nur so erste degenerative Gelenkveränderungen erkennen. Die heute häufig angewendeten diagnostischen Mittel wie CT und MRI gehören nicht zur Primärabklärung, tragen aber unbestritten zur Diagnosesicherung bei. Die Interpretation der Befunde ist nur im Kontext von Anamnese und klinischer Untersuchung möglich. Diese nach den Autoren "durchaus wichtigen Zusatzuntersuchungen" dienen meist erst sekundär der Beurteilung des Ausmasses einer Erkrankung (a.a.O., Quintessenz S. 81). Gerade um die Beurteilung des Ausmasses der Schulterbefunde ging es aber bei der kreisärztlichen Untersuchung. Dass dabei auf Aufnahmen bildgebender röntgendiagnostischer Verfahren verzichtet worden ist, weckt allein schon Zweifel an der Zuverlässigkeit der kreisärztlichen Feststellungen. 4.2 Der Hinweis zum objektiven Befund, die linke Hand werde "bis Brusthöhe ziemlich normal eingesetzt", wirft Fragen auf. Es bleibt dabei unklar, ob nur der Unter- oder auch der Oberarm bewegt und ob dabei Gewicht gehoben wurde. Die Angabe "ziemlich normal" ist nicht aussagekräftig und ersetzt die üblichen Messangaben zur Beschreibung der aktiven und passiven Beweglichkeit nicht. 4.3 Ungeklärt geblieben ist der Einfluss des Diabetes auf die Schulterbeschwerden. Während der Kreisarzt ihn bejaht, bezeichnet der behandelnde Arzt den Diabetes als mögliche, nicht aber als wahrscheinliche oder überwiegend wahrscheinliche Mitursache. Beide begründen ihre Aussage nicht näher. Aus den Akten sind keine früheren Schulterprobleme des auf dem Bau arbeitenden Beschwerdeführers bekannt. Der Versicherte soll nach Dr. med. S.________ vor dem Unfall in beiden Schultern vollständig beschwerdefrei und arbeitsfähig gewesen sein. Zudem scheint die rechte Schulter immer noch nicht betroffen zu sein. Wie sich dies medizinisch verhält, ist unbeantwortet geblieben. Der Kreisarzt begründet in der Beurteilung des Integritätsschadens auch nicht, warum am Befund "Schulterbeschwerden links" bei einer Integritätseinbusse von 15 % der Diabetes mellitus zu einem Drittel mitbeteiligt sein soll. Im Untersuchungsbericht führt er in diesem Zusammenhang lediglich aus, bekanntlich könnten gerade bei Diabetikern auch spontane Schultersteifen auftreten. Der Sinn dieses Hinweises ist deshalb nicht klar, weil nach den Akten unumstritten ist, dass die Schultersteife beim Beschwerdeführer gerade nicht spontan aufgetreten ist, sondern sich erst ab dem Moment des Extensions-Drehtraumas der linken Schulter am 7. Februar 2003 entwickelt hat. Es kann somit nicht beantwortet werden, ob Art. 36 Abs. 2 Satz 2 UVG Anwendung findet oder nicht.