Citation: I 67/03 04.08.2003 E. 2

2.1 Nach den Angaben des Dr. med. S.________, Neurologie, Klinik A.________, vom 20. November 1998 leidet die Beschwerdegegnerin an einem linksseitigen Thoracic-outlet-Syndrom und an einer Schmerzverarbeitungsstörung mit wahrscheinlich depressiven Anteilen. Dr. med. R.________, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, Klinik A.________, geht - mit Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit - von einem chronisch linksbetonten Zerviko-Brachialsyndrom bei zerviko-spondylogenem Syndrom, Epikondylopathia humeri radialis und ulnaris links, geringer medialer Diskusprotrusion C4/5 und mediolateral links C6/7, einem chronischen Aethylabusus mit labormässig wechselnder Hepatopathie und einer Depression/depressiven Entwicklung aus. Ohne Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die chronische Bronchitis bei chronischem Nikotinabusus, die Hypercholesterinämie und ein Status nach Klebsiellenzystitis. Die Beschwerdegegnerin sei seit 30. April 1996 nicht mehr in ihrem angestammten Beruf als Hochbauzeichnerin tätig und ein Arbeitsversuch als Beifahrerin von Tixi-Behinderten-Transporten sei bereits nach wenigen Tagen auf Grund subjektiver Armbeschwerden gescheitert. Die Versicherte sei seither wieder als 100 % arbeitsunfähig zu bezeichnen. Als Zeichnerin "dürfte" sie nicht mehr einsatzfähig sein und alternativ seien höchstens leichte bis mittelschwere, wechselnd belastende Tätigkeiten in Gewerbe und Administration unter Vermeidung von Überkopfarbeiten und stereotypen Bewegungsabläufen zumutbar. Sowohl im angestammten Beruf als auch in leichten alternativen Beschäftigungen bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (Beurteilung vom 8. Februar 1999). Im Bericht der Psychiatrischen Klinik X.________ vom 30. November/7. Dezember 1999 wird eine depressive Entwicklung im Rahmen eines chronischen Schmerzsyndroms (ICD-10 F32.1), schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1) sowie ein chronisches Schulter-Armsyndrom diagnostiziert und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit ungefähr November 1999 als Technische Zeichnerin und Taxifahrerin attestiert. Gemäss dem Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) vom 4. September 2000 wirken sich ein zervikobrachiales Schmerzsyndrom links bei Wirbelsäulenfehlhaltung/-form und muskulärer Dysbalance sowie eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) auf die Arbeitsfähigkeit aus. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei der Alkoholmissbrauch (ICD-10 F10.25). Aus internistischer und rheumatologischer Sicht bestehe keine "rentenrelevante" Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Das zervikobrachiale Schmerzsyndrom links führe bei adäquater Therapie und Compliance bezüglich Rehabilitation des Bewegungsapparates sowie Coping-Techniken zum Umgang mit den chronischen Schmerzen zu keiner dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Im angestammten Beruf sei die Versicherte aber auf Grund der leichtgradig eingestuften depressiven Störung gegenwärtig zu 20 %, maximal zu 30 %, in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. In anderen Berufen bestehe bei leichten bis mittelschweren Beschäftigungen (ohne Überkopfarbeiten, repetitive Stereotypien des linken Armes sowie ohne Arbeiten in Zwangspositionen, vornübergebeugt oder nur sitzend) eine volle Arbeitsfähigkeit. Wegen der langdauernden Arbeitsunfähigkeit sei allerdings - um Frustrationen durch eine Überlastung zu Integrationsbeginn vorzubeugen - vorerst mit einem 50%igen Pensum anzufangen und nach längerer Aethylentzugs- und Entwöhnungsbehandlung eine Reevaluation vorzunehmen. Die Steigerung auf ein volles Pensum sei denkbar. Dr. med. R.________ hat auf Anfrage des Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 3. Juni 2002 ergänzt, seine Beurteilung (vom 8. Februar 1999) habe sich auf das gesamte Zusammenwirken der Gesundheitsbeschwerden bezogen, welche seiner Ansicht nach einen geregelten Arbeitseinsatz zur Zeit wirklich nicht möglich erscheinen liessen. Die MEDAS-Gutachter hätten stattdessen nur die Arbeitsfähigkeit aus ihrem jeweiligen Blickwinkel geschätzt und diese nur in geringem Ausmass eingeschränkt gesehen. Die Schlussfolgerungen der einzelnen Experten seien durchaus nachvollziehbar, würden aber der aktuellen Gesamtsituation nicht gerecht. Solange das Alkoholproblem nicht seriös angegangen werde, müsse dieses auch in Zukunft dafür herhalten, der Versicherten keine höhergradige Arbeitseinschränkung zuzugestehen. 2.2 Es ist dem kantonalen Gericht beizupflichten, dass die medizinischen Fachpersonen im Wesentlichen dieselben Gesundheitseinschränkungen diagnostiziert haben. Über deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit besteht hingegen Uneinigkeit. Während Dr. med. S.________ in seiner Beurteilung vom 20. November 1998 gar keine Angaben zur verbleibenden Arbeitsfähigkeit macht, kann auf den Bericht der Psychiatrischen Klinik X.________ vom 30. November/7. Dezember 1999 schon deshalb nicht abgestellt werden, weil die darin angegebene Arbeitsunfähigkeit von 100 % im angestammten Beruf (und als Taxifahrerin) nicht begründet wird. Wie die Vorinstanz sodann zutreffend erwogen hat, geht auch aus den Aussagen des Dr. med. R.________ vom 8. Februar 1999 und 3. Juni 2002 nicht schlüssig hervor, in welchem Umfang die Versicherte noch arbeitsfähig ist. Zunächst stellt er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit fest, gelangt aber schliesslich auf Grund der "Gesamtsituation" zum Schluss, es bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl im angestammten Beruf als auch für leichte alternative Tätigkeiten. Mit Blick darauf, dass Dr. med. R.________ Facharzt für Innere Medizin ist und insbesondere für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit infolge psychischer Beschwerden seine - im Übrigen sehr kurz begründete - Wertung nicht ohne weiteres nachvollziehbar ist, hat die Verwaltung zu Recht eine polydiszipliniäre Abklärung veranlasst. Allerdings bringt auch das MEDAS-Gutachten vom 4. September 2000 nicht die notwendige Klarheit. Während im angestammten Beruf eine 20 bis maximal 30%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wird, wird in anderen Berufen längerfristig eine volle Arbeitsfähigkeit angegeben, wobei zunächst ein 50%iges Pensum empfohlen und eine Steigerung auf ein volles Pensum als "denkbar" erachtet wird. Diese Einschätzung beschreibt keinen erreichten Zustand, sondern stellt eine ärztliche Prognose dar, sodass - wie die Verwaltung im letztinstanzlichen Verfahren (eventualiter) zu Recht einwendet - auch darauf nicht abgestellt werden kann. Unklar bleibt auf Grund der ärztlichen Angaben zudem, ob geistige oder körperliche Gesundheitsstörungen zum diagnostizierten Alkoholmissbrauch geführt haben oder ob solche Beschwerden als Folge der Sucht eingetreten sind. Deshalb kann auch nicht abschliessend beurteilt werden, ob der übermässige Alkoholkonsum tatsächlich ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleibt, wie dies im MEDAS-Gutachten angegeben wird, oder ob allfällige sich daraus ergebende Leistungseinschränkungen bei der Bemessung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen sind, wovon Dr. med. R.________ und die Psychiatrische Klinik X.________ ausgehen (zur Rechtsprechung, wonach die Sucht [ZAK 1992 S. 171 Erw. 2a mit Hinweisen] nicht für sich allein eine Invalidität gemäss Art. 4 IVG begründen kann: AHI 2002 S. 28, 2001 S. 227).