Citation: I 601/99 02.11.2001 E. 3

3.- a) Es ist unbestritten, dass das psychische Leiden der Versicherten nicht chronifiziert ist, sondern ihr Gesundheitszustand durch entsprechende Behandlung verbessert werden kann. Dies allein genügt jedoch nicht, um einen Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG auszuschliessen (Erw. 1b). b) Dr. med. G.________ diagnostiziert in seinem Gutachten vom 7. Oktober 1998 eine reaktiv depressive Symptomatik im Sinne einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion auf der Grundlage einer emotional instabilen, impulsiven Persönlichkeit sowie einer Entwurzelungsproblematik. Auslöser sei die schwerste Verunsicherung der Persönlichkeit der Versicherten gewesen, als ihr Ehemann sie zu Gunsten einer jüngeren Frau verlassen habe und nachdem sie trotz mehrerer Schwangerschaften kein Kind habe bekommen können. Zwar vermag Dr. med. G.________ nicht sicher zu beurteilen, ob das Leiden der Versicherten ausschliesslich kulturbedingt sei oder ob die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung im engeren Sinne erfüllt seien, doch hält er wiederholt fest, dass dem psychischen Leiden der Beschwerdeführerin Krankheitswert zukommt und dieses in nennenswerter Weise Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat. Sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit im Service wie auch in jeglicher anderen Hilfsarbeit attestiert er seit mindestens März 1997 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %; seines Erachtens liegt jedoch bereits seit dem ersten, durch die Trennung vom Ehemann hervorgerufenen psychischen Zusammenbruch im Winter 1990/91 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von mindestens 20 % vor. Auf Grund dieser Einschätzung sowie der Tatsache, dass die Versicherte zum Zeitpunkt der Begutachtung bereits seit zwei Jahren bei Frau Dr. med. A.________ in psychiatrischer Behandlung war, ist von einem verselbstständigten Krankheitsbild auszugehen, bei welchem die psychosozialen und soziokulturellen Faktoren in den Hintergrund getreten sind. Die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit im Service wie auch allgemein bei Hilfsarbeiten ist demnach nicht allein in psychosozialen und soziokulturellen Umständen begründet, sondern vor allem in der seit Jahren andauernden und sich von den auslösenden Faktoren verselbstständigten depressiven Phase. c) Die Sache wird mit der Feststellung, wonach bei der Versicherten ein Leiden vorliegt, welches einen Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG darstellt, an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit diese die übrigen Voraussetzungen prüfe und über das Leistungsbegehren neu entscheide.