Citation: 5A_343/2021 E. 5.3

5.3. Wie bereits beschrieben wurde (vgl. E. 3.1, E. 4.1.1 hiervor), knüpfte die Vorinstanz vorab an der Erziehungsfähigkeit beider Eltern an. Die Vorinstanz schätzte die Erziehungsfähigkeit des Beschwerdegegners als besser ein als diejenige der Beschwerdeführerin. Bei der Beschwerdeführerin wurde insbesondere die (nicht ausreichende) Bindungstoleranz als einschränkend wahrgenommen. Die Beschwerdeführerin vermag vor Bundesgericht nicht darzulegen, dass diese Einschätzung der Vorinstanz willkürlich wäre (E. 4.1.1). Ist beim Beschwerdegegner eine höhere Erziehungsfähigkeit gegeben, kann der Vorinstanz bereits aus diesem Grund keine Willkür vorgeworfen werden, wenn sie die Obhut für die Tochter bei diesem beliess. Zusätzlich betonte die Vorinstanz, dass die Tochter Stabilität und Konstanz brauche, was wiederum für den Beschwerdegegner sprach, da die Tochter bereits seit über zwei Jahren hauptsächlich bei diesem wohnt. Zu erwähnen ist, dass die Beschwerdeführerin das Kind mehr selbst und in ruhigerem Umfeld betreuen könnte, ohne die vielen Ortswechsel, die das Kind offenbar schon heute belasten. Die Vorinstanz folgt aber der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wenn sie die Erziehungsfähigkeit stärker gewichtete. Weiter wurde zwar festgestellt, dass die Tochter sich dahin gehend geäussert hatte, lieber bei der Mutter wohnen zu wollen, vorliegend aber nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese Aussagen zumindest teilweise von der Beschwerdeführerin induziert waren oder aber aus dem Loyalitätskonflikt herrührten, wobei angesichts des Alters der Tochter in jedem Fall nicht allein auf ihren Willen abgestellt werden könnte. Die von der Beschwerdeführerin gegen den Beschwerdegegner erhobenen Vorwürfe betreffend häuslicher Gewalt und Grenzüberschreitungen blieben im bundesgerichtlichen Verfahren schliesslich unsubstanziiert. Vor diesem Hintergrund ist zusammengefasst keine Willkür ersichtlich, wenn die Vorinstanz die Obhut einstweilen beim Vater beliess. Sollten sich im Strafverfahren Erkenntnisse ergeben, die eine Kindeswohlgefährdung vermuten lassen, oder wenn das Wohl des Kindes aus anderen Gründen einen Obhutswechsel rechtfertigt, ist eine Änderung der Obhutsregelung jederzeit möglich.