Citation: 8C_663/2022 E. 7.3.4

7.3.4. Es steht somit fest, dass die beiden Unfälle vorgeschädigte Schultern betrafen. Welche Bedeutung die unfallfremden Ursachen für die Anspruch auf eine Integritätsentschädigung begründenden Gesundheitsschädigungen haben, kann dem Gerichtsgutachten des Dr. med. G.________ jedoch nicht entnommen werden. Zwar führte der Sachverständige unter Ziffer 7.1 seiner Expertise in allgemeiner Weise aus, unfallfremde Erkrankungen würden bei der Beurteilung der unfallrelevanten Situation konsequent ausgeklammert, da sie nicht Gegenstand des Gutachtens seien. Die konkrete Frage nach einer Beeinträchtigung der Integrität beantwortete er aber lediglich mittels Angabe von Prozentzahlen (rechter Arm: 10 %; linker Arm: 15 %), so dass unklar bleibt, ob er die Vorschädigungen der beiden Schultern tatsächlich ausgeklammert oder ob er nicht doch die gesamte Beeinträchtigung beziffert hat. Da es dem Mediziner obliegt, vorbestehende oder andere nicht unfallbedingte Schäden beziehungsweise Anteile am Gesamtschaden festzustellen und zu bewerten (Urteil U 344/01 vom 11. September 2002 E. 6), lässt sich vorliegend nicht beurteilen, ob und in welchem Umfang die Integritätsentschädigung zu kürzen ist. Indem die Vorinstanz auf weitere Abklärungen in diesem Zusammenhang verzichtete, verletzte sie den Untersuchungsgrundsatz (Art. 61 lit. c ATSG). Die Sache ist an das kantonale Gericht zurückzuweisen, damit es die offene Frage - allenfalls mittels Rückfrage beim Gerichtsgutachter - klärt. Soweit die Beschwerdegegner geltend machen, das Novenverbot vor Bundesgericht stehe einer Kürzung entgegen, kann auf das unter E. 6.5 hiervor Gesagte verwiesen werden. Der Beschwerdeführerin ist es grundsätzlich unbenommen, erstmals vor Bundesgericht eine Kürzung der Integritätsentschädigung (wie auch der Invalidenrente) gemäss Art. 36 Abs. 2 UVG geltend zu machen (vgl. BGE 136 V 362 E. 3.4.4 und E. 4.1 mit Hinweisen). Da die Beschwerdeführerin aber nicht vor Bundesgericht weniger beantragen kann als das, was sie selber zugesprochen hat - im kantonalen Beschwerdeverfahren beantragte sie die Bestätigung des Einspracheentscheids -, darf die Integritätsentschädigung letztlich nicht tiefer ausfallen als die mit dem Einspracheentscheid festgesetzte (15 %; vgl. BGE 136 V 362 E. 4.2 mit Hinweis).