Citation: H 37/00 21.11.2000 E. 6

6.- Es bleibt die Frage der Herabsetzung des Schadenersatzes wegen Mitverschuldens der klagenden Ausgleichskasse (BGE 122 V 185 ff.). Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass die Ausgleichskasse erst gegen Ende Dezember 1992 und danach Massnahmen zum Beitragsinkasso einleitete wie Rechnungstellung, Mahnungen und Betreibungen, welche noch zu teilweisen Zahlungen der Firma führten, sodass - wie in A.- c) erwähnt - die Beiträge bis Mai 1992 schlussendlich beglichen waren. Hingegen sind, wiewohl die Firma die Beiträge seit Januar 1992 schuldig blieb, im Verlaufe des Jahres 1992 keine Inkassoschritte der Ausgleichskasse auszumachen. Die Vorinstanz verglich die Sache mit BGE 122 V 185, wo die Kasse den Vollzug des Zahlungsverkehrs während einer ungefähr gleich langen Periode nicht überwacht habe. Daher sei nach der Rechtsprechung ein grobfahrlässiges Verhalten der Kasse anzunehmen, welches als Herabsetzungsgrund zu berücksichtigen sei. Daran schliesst sich die vorinstanzliche Erwägung an: "Andererseits ist zu berücksichtigen, dass die Firma gemäss der Bilanz per Ende 1992 (...) über Debitoren von über 0,5 Mio. Franken verfügte und dass sie von Januar bis Juli 1993 noch eine Lohnsumme von über 2,1 Mio. Franken ausbezahlte (...). Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass die Firma die Beitragsrückstände hätte bezahlen können, wenn sie diesbezüglich ab Ende 1992 rigoros eingeschritten wäre. Dies gilt umso mehr, als sie gemäss Schreiben von Z.________ vom 27. Mai 1993 im damaligen Zeitraum noch Geldmittel von Aktionären und den Geldgebern (wie Banken) der G.________-Firmengruppe beschaffen konnte (...). Es fehlt daher an der erforderlichen Kausalität zwischen dem der Klägerin anzulastenden Verschulden und dem Schadenseintritt. Eine Herabsetzung der Schadenersatzpflicht kann daher nicht in Frage kommen.. " Diese vorinstanzliche Argumentation wird in den Verwaltungsgerichtsbeschwerden zu Recht kritisiert. Gerade der Umstand, dass die Firma, wie die bis Juni 1993 fortgesetzten Lohnzahlungen in Millionenhöhe beweisen, noch über beträchtliche Zahlungsmittel verfügte, lässt die Untätigkeit der Ausgleichskasse im zweiten Semester 1992 in einem bedenklichen Lichte erscheinen. Hätte die Ausgleichskasse ab Juni 1992 das Beitragsinkasso rasch und zielgerichtet vorangetrieben, wären die damals fällig gewordenen Beiträge zumindest teilweise noch einbringlich gewesen. Diese Verhältnisse gebieten es, denjenigen Schadenersatz, zu dem die Beschwerdeführenden in grundsätzlicher und zeitlicher Hinsicht (für bis am 11. Januar 1993 fällig gewordene Beiträge) verpflichtet sind, um die Hälfte herabzusetzen. In diesem Sinne wird die Ausgleichskasse über die Schadenersatzverpflichtungen in masslicher Hinsicht neu zu befinden haben.