Citation: 2C_860/2022 E. 9.1

9.1. Eine aufenthaltsbeendende Massnahme muss verhältnismässig sein (vgl. Art. 96 AIG; Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Beim Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG sind dabei namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie allgemein die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (BGE 139 I 16 E. 2.2.1; 135 II 377 E. 4.3; Urteil 2C_609/2020 vom 1. Februar 2021 E. 3.3 mit Hinweisen). Keines dieser Elemente ist für sich allein ausschlaggebend; erforderlich ist eine Würdigung der gesamten Umstände im Einzelfall (BGE 139 I 31 E. 2.3.3; 2C_609/2020 vom 1. Februar 2021 E. 3.3 mit Hinweisen). Die Niederlassungsbewilligung einer ausländischen Person, die sich - wie der Beschwerdeführer - schon seit langer Zeit im Land aufhält, soll praxisgemäss nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit ist dies jedoch selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat (vgl. auch jüngst das Urteil 2C_738/2022 vom 6. Februar 2023 E. 6 [Widerruf der Niederlassungsbewilligung eines 1986 im Alter von sechzehn Jahren in die Schweiz gekommenen ecuadorianischen Staatsangehörigen] und die Entscheide des EGMR i.S. Loukili gegen die Niederlande vom 11. April 2023 [Nr. 57766/19] §§ 51 ff. [Anwesenheit von 40 Jahren und wiederholte Straffälligkeit], Saljia gegen Schweiz vom 10. Januar 2017 [Nr. 55470/10] §§ 36 ff. [Anwesenheit von 20 Jahren und Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung] sowie Trabelsi gegen Deutschland vom 13. Oktober 2011 [Nr. 41548/06] §§ 53 ff. [Ausweisung eines in Deutschland geborenen, wiederholt straffällig gewordenen tunesischen Staatsangehörigen]).