Citation: 9C_82/2023 E. 3.2

3.2. Eine weitere Rüge bezieht sich auf das Bundesgesetz vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (BGFA; SR 935.61). Der Steuerpflichtige lässt vortragen, im BGFA sei die Rechtsregel statuiert, wonach ein im Anwaltsregister eingetragener Rechtsanwalt, der gegenüber Dritten, Gerichten und Behörden auftritt, "darauf vertrauen darf, als solcher erkannt und anerkannt zu werden". Die Aussage ist insofern zutreffend, als das Bundesanwaltsgesetz die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte gewährleistet und die Grundsätze für die Ausübung des Anwaltsberufs in der Schweiz festlegt (Art. 1 BGFA). Es kennt insbesondere den Grundsatz der interkantonalen Freizügigkeit (Art. 4 BGFA). Dementsprechend können Anwältinnen und Anwälte, die in einem kantonalen Anwaltsregister eingetragen sind, in der Schweiz ohne weitere Bewilligung Parteien vor Gerichtsbehörden vertreten. Damit geht vielerorts die ungeschriebene Praxis einher, dass Anwälte und Anwältinnen sich in einer frühen Phase eines Verfahrens durch blossen Aktenbesitz legitimieren dürfen, ohne bereits eine Vollmacht vorlegen zu müssen. Dass eine Vollmacht bei erster Gelegenheit nachgereicht wird, versteht sich indes von selbst. Umso mehr entspricht es sorgfältigem Prozessieren, die ausstehende Vollmacht zu den Akten zu geben, falls und sobald die Gerichtsbehörde ausdrücklich darum ersucht. Dies alles entspricht der gesetzlich normierten Berufsregel, wonach Anwältinnen und Anwälte ihren Beruf "sorgfältig und gewissenhaft" auszuüben haben (Art. 12 lit. a BGFA; dazu etwa Urteil 2C_985/2021 vom 16. November 2021 E. 4.2 bezüglich des heutigen Rechtsvertreters). Aus dem Bundesanwaltsgesetz vermag der Steuerpflichtige nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.