Citation: 2C_620/2023 E. 4.4

4.4. Der Unterhaltsbedarf ist grundsätzlich - wie die tatsächliche Gewährung von Unterhaltsleistungen - durch die Person nachzuweisen, die sich auf Art. 3 Abs. 2 lit. b Anhang I FZA beruft (vgl. vorne E. 3.3). Allerdings muss es der befassten Behörde freistehen, einen geltend gemachten Unterhaltsbedarf in Bezug auf die Lebenshaltungskosten am Herkunftsort des nachzuziehenden Familienangehörigen - unter Rückgriff auf amtliche Statistiken oder andere belastbare Informationsquellen zu Lebenshaltungskosten und Einkommensverhältnissen im Herkunftsland - auf dessen Plausibilität hin zu überprüfen. Andernfalls bestünde kein einheitlicher Massstab für die Feststellung des Unterhaltsbedarfs und liesse sich eine rechtsgleiche Handhabe kaum gewährleisten. Dies setzt naturgemäss voraus, dass die Statistiken und Informationsquellen als zuverlässig erachtet werden können, wobei es insbesondere bei amtlichen Statistiken grundsätzlich den Antragstellern obliegt, aufzuzeigen, weshalb entsprechende Angaben nicht zutreffen, respektive die Angaben nicht belastbar sein sollen. Dabei ist es selbstverständlich möglich und von den zuständigen Behörden zu berücksichtigen, dass im Einzelfall zwingende Ausgaben vorliegen, denen im Rahmen einer allgemeinen Statistik oder Informationsquelle naturgemäss nicht Rechnung getragen wird, wie dies beispielsweise bei personenspezifischen krankheits- oder behinderungsbedingten Kosten der Fall sein kann (vgl. etwa die Konstellationen in den Urteilen 2C_643/2022 vom 29. Februar 2024 E. 4; 2C_771/2021 vom 15. September 2022 E. 5.1). Auch der Nachweis, dass im jeweiligen Einzelfall solche zusätzlichen Kosten bestehen, obliegt der gesuchstellenden Person.