Citation: BGE 150 V 410 E. 9.4.3

Im Vergleich zu den bisherigen Korrekturmöglichkeiten (vgl. E. 9.3 oben), die das Bundesgericht in BGE 148 V 174 nochmals eingehend würdigte und in ihrer Bedeutung hervorhob, hat der Verordnungsgeber mit der hier in Rede stehenden Bestimmung einen anderen Weg gewählt. Selbst wenn sich dies aufgrund des Wortlauts nicht ohne Weiteres aufdrängen mag, belässt die bekundete Regelungsabsicht des Verordnungsgebers keine Zweifel (vgl. E. 9.5.3 unten): Anstelle des aufgrund einer Vielzahl verschiedener Kriterien oder Merkmale zu gewährenden Abzugs, der nicht schematisch zu handhaben, nicht nach Massgabe je einzelner Merkmale additiv, sondern gesamthaft festzusetzen und in der Höhe auf 25 % begrenzt BGE 150 V 410 S. 425 war (BGE 148 V 174 E. 6.3, BGE 148 V 419 E. 5.3; BGE 146 V 16 E. 4.1; BGE 134 V 322 E. 5.2; BGE 126 V 75 E. 5b/cc), soll mit dem "Teilzeitabzug" nur mehr ein einzelnes Kriterium verbleiben, das ab einer Leistungsfähigkeit von 50 Prozent und weniger gewährt wird und auf 10 Prozent begrenzt bleibt (vgl. Art. 26bis Abs. 3 IVV). Das bedeutet eine beträchtliche Einschränkung gegenüber dem früher verwendeten, im Wesentlichen seit BGE 126 V 75 E. 5a/cc bestehenden Fächer, dessen im Lauf der Zeit praktizierte Handhabe im Schrifttum freilich auch als ausufernd und inkonsistent kritisiert worden ist (EGLI/FILIPPO/GÄCHTER/MEIER, Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, 2021, S. 236 ff. Rz. 688 ff. haben in der Rechtsprechung 17 Merkmale ausgemacht; vgl. auch DAVID IONTA, Revenu d'invalide selon l'ESS - une mise à jour, Jusletter 21. November 2022 Rz. 104 ff.). Dieser Befund erleichterte die Aufgabe des Verordnungsgebers sicher nicht und beliess ihm auch von der Sache her Gestaltungsspielraum hin zu einer gewissen Schematisierung und Vereinfachung. Bei der nachfolgenden Prüfung muss daher im Sinne einer Gesamtsicht dem beschwerdeweise betonten Umstand Rechnung getragen werden, dass der Bundesrat neben Art. 26bis Abs. 3 IVV weitere "Korrekturfaktoren" verankert hat. Genauso ist jedoch an Art. 16 ATSG zu erinnern, auf dessen Grundlage (bzw. bereits aufgrund der Vorgängernormen in den Spezialgesetzen) sich über die Jahre eine umfangreiche Rechtsprechung zu verschiedenen Teilaspekten entwickelt hat (BGE 148 V 174 E. 9.2 in Verbindung mit E. 6.2-6.5; MARGIT MOSER-SZELESS, in: Commentaire romand, Loi sur la partie générale des assurances sociales, 2018, N. 1 zu Art. 16 ATSG), die dem festen Normgehalt dieser Bestimmung zuzurechnen ist und die durch die hier in Rede stehende Revision jedenfalls nicht in allen Teilen verdrängt worden ist (vgl. MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 1 zu Art. 28a IVG am Ende).