Citation: 8C_505/2009 23.02.2010 E. 3.2

3.2.1 Gemäss Gutachten des Spitals Y.________ ergab ein Vergleich der radiologischen Aufnahmen vom 17. Oktober 2000 mit denjenigen vom 14. September 2004 im Bereich der HWS keine in zeitlichem Zusammenhang mit dem Unfall vom 11. September 2000 stehende Zunahme beziehungsweise Ausbildung degenerativer Veränderungen. Es fehlten zudem (in Übereinstimmung mit den klinischen Befunden) Anhaltspunkte für eine Instabilität. Eine Myelon- oder Kompression der abgehenden Nervenwurzeln war auszuschliessen. Diese an sich überzeugenden Ausführungen belegen, dass ein unfallbedingter Gesundheitsschaden zu keinem Zeitpunkt radiologisch verifizierbar war. Entgegen der vorinstanzlichen Auffassung ist daraus aber nicht zu schliessen, dass die erlittene HWS-Distorsion ab September 2002 keine klinisch fassbaren Folgen mehr hatte. Aus dem Abschlussbericht der Psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals A.________ vom 10. Juni 2002, wo die Versicherte ab 31. Juli 2001 neurologisch und neuropsychologisch abgeklärt und mittels Injektionen sowie Schmerzbewältigungstraining therapiert wurde (vgl. Verlaufsberichte vom 2. August und 6. Dezember 2001 sowie 7. Februar 2002), ergibt sich zwar, dass der Zustand aktuell bei Status nach HWS-Distorsion mit belastungsabhängigen zerviko-zephalen Beschwerden nahezu asymptomatisch war; prognostisch war jedoch ungewiss, ob dieser Zustand angesichts der in der Vergangenheit aufgetretenen besseren und schlechteren Phasen von Dauer sein würde; die Arbeitsfähigkeit lag zudem weiterhin bei 50 %, welche laut Verlaufsberichten des Hausarztes Dr. med. W.________ (vom 9. und 26. September 2002 sowie 9. September und 7. Oktober 2003; vgl. auch Bericht des Prof. Dr. med. V.________, Spezialarzt Chirurgie FMH vom 8. April 2003) nicht verbessert werden konnte. Der Umstand, dass die Versicherte im September 2002 nebenberuflich eine Ausbildung zur Heilpädagogin begann, lässt ebenfalls nicht auf ein längerdauerndes beschwerdefreies Intervall mit vollständiger Arbeitsfähigkeit schliessen, wie die Zürich in der kantonalen Beschwerdeantwort vorbrachte und wovon die Vorinstanz auszugehen scheint. Es mag zutreffen, dass diese die Zwischenprüfungen nach einem Jahr auch wegen der vom Universitätsspital A.________ bei den Testsituationen festgestellten phobischen Prüfungsangst (bei anamnestisch bestehenden Prüfungsängsten) nicht bestand. Dieser Umstand stellt jedoch lediglich ein Indiz dar und lässt nicht auf ein beschwerdefreies Intervall schliessen. So ist dem Gutachten des Dr. med. S.________ vom 7. Juli 2005 zu entnehmen, dass mit dem Beginn der Ausbildung und dem damit einhergehenden Verlust des langjährigen Arbeitsorts im vertrauten Spital eine psychodynamische Entwicklung eingesetzt habe, die jedenfalls teilweise zum Abbruch der Ausbildung geführt habe. Weiter stellte die Gutachterin des Spitals Y.________ anlässlich der klinischen Prüfung schmerzbedingt als traumatisierend erlebte erhebliche Beweglichkeitseinschränkungen der HWS und der Schultern fest, begleitet von ausgeprägt verspannter zervikaler Muskulatur sowie Irritationszonen entlang der gesamten HWS ab Halswirbelkörper C2/3. Diese Befunde stimmten laut genannter Expertin mit denjenigen im Bericht des Prof. Dr. med. Z.________ vom 13. Dezember 2004 erwähnten (schwere ligamentär-irritierte und schmerzhaft irritierbare Segmentbewegungsstörung des zerviko-thorakalen Überganges) überein. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auch nach September 2002 ohne Unterbrechung an klinisch überprüfbaren typischen Symptomen des HWS-Schleudertraumas litt. 3.2.2 Zu prüfen ist schliesslich, ob die zum typischen Beschwerdebild des HWS-Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen im Vergleich zu einer davon zu unterscheidenden ausgeprägten psychischen Problematik ganz in den Hintergrund getreten sind, mithin die schleudertraumaspezifischen Beschwerden im Verlauf der Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben (vgl. BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103, 123 V 98; Urteile 8C_957/2008 vom 1. Mai 2009 E. 4.2 [publ. in. SVR 2009 UV Nr. 49 S. 173], 8C_669/2008 vom 25. Februar 2009 E. 4.2 f. [publ. in: SVR 2009 UV Nr. 29 S. 101] und U 238/05 vom 31. Mai 2006 E. 4.1, je mit Hinweisen). Je nach Beantwortung dieser Frage sind die Regeln der Schleudertrauma- (BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.) oder aber diejenigen der Psychopraxis (BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.) anzuwenden. Laut Gutachten des Dr. med. S.________ vom 7. Juli 2005 waren die somatischen Befunde nicht von den aus psychiatrischer Sicht zu diagnostizierenden rezidivierenden depressiven Episoden und neuropsychologischen Beeinträchtigungen zu trennen. Die Expertin des Spitals Y.________ schloss sich dieser Auffassung aufgrund der auch nach wiederholten und umfassenden Besprechungen mit dem psychiatrischen Gutachter schwierig zu beurteilenden Situation an. Damit steht fest, dass ein vielschichtiges somatisch-psychisches Beschwerdebild, mithin ein komplexes Gesamtbild unfallbedingter psychischer und ebenfalls unfallkausaler organischer Störungen vorlag, welches aus medizinischer Sicht einer Differenzierung nicht zugänglich war (vgl. RKUV 2000 Nr. U 397 S. 327 [U 160/99]). Die Vorinstanz übersieht zum einen, dass Dr. med. S.________ explizit eine pathologische Persönlichkeitsstörung, die das Krankheitsgeschehen hätte beeinflussen können, ausschloss, zum anderen, dass depressive Episoden gleichsam zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas gehören. 3.2.3 Insgesamt ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt bei Erlass des Einspracheentscheids vom 1. Oktober 2007 an die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden und medizinisch nicht objektivierbaren, klinisch aber fassbaren natürlich unfallkausalen Beschwerden nach HWS-Schleudertrauma litt, weshalb die weiter zu prüfende Adäquanz des Kausalzusammenhangs nach den in BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. Regeln zu beurteilen ist.