Citation: 9C_666/2018 E. 4.2

4.2. Das kantonale Gericht erwog im Rückweisungsentscheid vom 22. September 2015 im Wesentlichen, Dr. med. B.________ habe in seinem Gutachten vom 29. Januar 2013, das grundsätzlich den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidgrundlage gerecht werde, folgende Diagnosen gestellt, die seit Sommer 2011 ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gewesen seien: Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine depressive Episode, seit Sommer 2011 remittiert (ICD-10 F32.4), sowie einen Status nach psychosozialer Belastungssituation (Z63). Mit Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 (publiziert in BGE 141 V 281) habe das Bundesgericht seine Praxis zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und zu vergleichbaren unklaren Beschwerdebildern geändert. Diese neue Rechtsprechung sei grundsätzlich auf alle hängigen Fälle anwendbar. Allerdings würden nach altem Verfahrensstand eingeholte Gutachten ihren Beweiswert nicht verlieren, sofern das abschliessende Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhalte. Wolle man aus beweisrechtlicher Sicht weiterhin auf die gutachtlichen Schlussfolgerungen des Dr. med. B.________ abstützen, müssten diese auch den Anforderungen der neuen Rechtsprechung genügen oder sich zumindest punktuell ergänzen lassen, damit sie den Vorgaben der neuen Schmerzrechtsprechung entsprächen. Wie THOMAS GÄCHTER und MICHAEL E. MEIER im Artikel "Schmerzrechtsprechung 2.0" (in: Jusletter vom 29. Juni 2015) zu Recht festgehalten hätten, werde es vielen Administrativgutachten an der nun gebotenen Optik und der Berücksichtigung aller relevanten Umstände fehlen. Der Fokus sei, wie das Bundesgericht deutlich mache, häufig stark auf die medizinische Komponente und die Zumutbarkeits- bzw. Foerster-Kriterien gelegt worden; positive Ressourcen in der Persönlichkeit und im sozialen Umfeld der Exploranden seien bisher nicht im neu geforderten Ausmass Gegenstand der Abklärungen gewesen. Dies gelte auch für die Expertise des Dr. med. B.________, die zwar durchaus ausführlich gehalten sei und sich eingehend mit den persönlichen Angaben der Versicherten zu ihren Aktivitäten und ihrem Umfeld befasse. Jedoch fehle es auch hier an der Betrachtungsweise, welche die aktuelle Rechtsprechung zur Beurteilung der massgebenden Indikatoren voraussetze. Eine punktuelle Ergänzung sei in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht zielführend.