Citation: 7B_230/2022 E. 4.3

4.3. Was der Beschwerdeführer vorbringt, lässt den angefochtenen Entscheid nicht als bundesrechtswidrig erscheinen. Die Vorinstanz zeigt nachvollziehbar auf, weshalb sie die Situation im Club als wechselseitige Auseinandersetzung beurteilt und einen subjektiven Abwehrwillen verneint. Sie führt willkürfrei aus, die Involvierten hätten sich in einem Kampfgeschehen befunden, in welchem sich zwei etwa gleich grosse Gruppen gegenüber gestanden seien und auf beiden Seiten Messer im Spiel gewesen seien. Aufgrund der Entwicklung des Streits sei davon auszugehen, dass es den Beteiligten an einem echten Abwehrwillen gefehlt habe. Der Beschwerdeführer könne sich weder auf Notwehr noch auf Notwehrhilfe berufen. Demgegenüber behauptet der Beschwerdeführer, es sei davon auszugehen, dass er tatsächlich angegriffen worden sei. Zudem genüge der reine Glaube, angegriffen zu werden. Er habe sich im Club in einem "wilden Tumult" mit "wild gewordenen Latinos" gegenüber gesehen, "welche mit Messer hantierten und auf seine Kollegen losgingen", weshalb er das Messer "jedenfalls gezielt eingesetzt" habe, um B.________ zumindest versuchsweise davon abzuhalten, die anderen Involvierten zu verletzen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass er nüchtern gewesen sei. Hingegen seien "die Latinos hochgradig alkoholisiert und unberechenbar" gewesen. Die Stimmung sei hochexplosiv gewesen und bereits eskaliert. Wenn der Beschwerdeführer nunmehr geltend macht, er habe das Messer gezielt eingesetzt, um einen Angriff abzuwehren, gleichzeitig aber vorbringt, es sei willkürlich, wenn aufgrund der DNA-Spuren auf dem Messer darauf geschlossen werde, dass er die Messer gegen B.________ eingesetzt habe, argumentiert er widersprüchlich. Die Vorinstanz hält willkürfrei fest, der Beschwerdeführer habe stets bestritten, ein Messer eingesetzt zu haben, zumindest in absichtlicher Begehung. Seine Tathandlungen hätten sich nach seiner eigenen Darstellung nicht konkret gegen einen bestimmten Beteiligten gerichtet. Die Messer hätten ebenso einen der anderen Beteiligten treffen können. Es habe sich somit nicht um eine Situation gehandelt, in der der Beschwerdeführer gezielt das Messer als Abwehrmittel eingesetzt habe, um einen konkreten Angreifer davon abzuhalten, eine Verletzungshandlung durchzuführen oder fortzusetzen. Diese vorinstanzlichen Ausführungen sind nicht zu beanstanden. Die zu beurteilenden Tathandlungen sind alle im Rahmen eines unkontrollierten und unkontrollierbaren, dynamischen Geschehens erfolgt. Inwiefern unter diesen Bedingungen die vom Beschwerdeführer behauptete "gezielte Notwehrhandlung" möglich bzw. sein Notwehr- bzw. Notwehrhilfewille vorgelegen haben soll, ist nicht ersichtlich und vom Beschwerdeführer auch nicht nachvollziehbar aufgezeigt. Handlungen, die nicht zur Abwehr eines Angriffes unternommen werden, sondern blosser Rache oder Vergeltung entspringen, fallen denn auch nicht unter den Begriff der Notwehr bzw. der Notwehrhilfe (vgl. E. 4.2 hiervor). Die vorinstanzliche Feststellung, der Beschwerdeführer habe nicht in Notwehr bzw. Notwehrhilfe gehandelt, sind nach dem Gesagten weder schlechterdings unhaltbar noch bundesrechtswidrig. In der vorinstanzlichen Verneinung einer Notwehr- bzw. Notwehrhilfelage liegt, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers, auch keine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo". Der Grundsatz besagt nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für die beschuldigte Person günstigeren Beweis abzustellen wäre. Die Entscheidregel kommt nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem relevante Zweifel verbleiben (BGE 146 IV 88 E. 1.3.1; Urteil 6B_521/2022 vom 7. November 2022 E. 2.3.2 mit Hinweis). Solche relevanten Zweifel liegen nach dem Gesagten nicht vor. Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verstösst nicht gegen Bundesrecht.