Citation: 9C_226/2023 E. 4

Die Vorinstanz ist der Beschwerdeführerin dahingehend gefolgt, dass der Beschwerdegegner bereits bei Antritt des Arbeitsverhältnisses mit der D.________ AG (und damit bei Eintritt in das Vorsorgeverhältnis mit der Beschwerdeführerin) in einem Umfang von 28 % invalid und damit mehr als 20 % arbeitsunfähig gewesen ist. Sie ist jedoch mit dem Beschwerdegegner von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes ab dem 1. September 2011 mit Erhöhung des Pensums bei der D.________ AG auf 100 % ausgegangen. Hierzu hat sie ausgeführt, zwar habe der Beschwerdegegner aufgrund der perinatalen Hirnschädigung seit jeher unter Einschränkungen gelitten (leichte Konzentrationsstörungen, leichte Verlangsamung, leichte Auffassungsschwierigkeiten, leichte Lernbehinderung, Affektlabilität). Sodann sei im neuropsychologischen Teilgutachten der asim vom 25. November 2014 das intellektuelle Leistungsvermögen - nur, aber immerhin - als "grenzwertig" eingeordnet worden. Entscheidend falle jedoch ins Gewicht, dass der Beschwerdegegner gemäss Arbeitsvertrag vom 29. August 2011 ab 1. September 2011 bis zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 25. Juni 2012 bei der D.________ AG in einem Vollzeitpensum tätig gewesen sei. Dabei sei von Bedeutung, dass aufgrund der vorliegenden Akten vor dem Eintritt der ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit am 25. Juni 2012 weder echtzeitlich attestierte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen noch eine prozentmässige zeitliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit noch ein Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnungen des Arbeitgebers noch gehäufte aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle ausgewiesen seien, die den Schluss hätten nahelegen lassen, dass objektiv betrachtet bereits vor dem 25. Juni 2012 gesundheitliche Gründe für eine arbeitsrechtlich in Erscheinung getretene (sinnfällige) Leistungseinbusse zu bejahen gewesen wären. Sodann sei aufgrund der Tatsache, dass die Kündigung der Arbeitsstelle durch die Arbeitgeberin (erst) im Juni 2012 erfolgt sei, davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner zunächst die von ihm erwartete Leistung erbracht habe. Andernfalls hätte die D.________ AG das Arbeitsverhältnis überwiegend wahrscheinlich schon früher aufgelöst. Auch im Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherpie, vom 14. März 2014 sei zu entnehmen, dass der Beschwerdegegner im Vollzeitpensum den Anforderungen "zunächst gut gewachsen" gewesen sei, seine Leistungen dann aber "mit der Zeit" den Arbeitgeber nicht mehr zufrieden gestellt hätten. Ab welchem Zeitpunkt der Arbeitgeber mit den Leistungen des Beschwerdegegners nicht mehr zufrieden gewesen sei, respektive ob bereits vor dem 25. Juni 2012 gesundheitliche Gründe arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten seien, ergebe sich aus den vorliegenden Akten nicht. Auf diesbezügliche Abklärungen könne in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden. Demnach habe gestützt auf die vorliegenden Akten vor dem 25. Juni 2012 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden. Selbst wenn aufgrund der Angaben im asim-Gutachten vom 31. Dezember 2014 davon ausgegangen würde, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdegegners bereits ab Januar 2012 zunehmend verschlechtert habe und sich die Einbussen in der Leistungsfähigkeit manifestiert hätten, habe der Beschwerdegegner überwiegend wahrscheinlich spätestens seit dem 1. September 2011 bis am 31. Dezember 2011 und damit jedenfalls während mehr als drei Monaten über eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 80 % verfügt. Im Weiteren werde weder behauptet noch sei ersichtlich, dass es sich beim Lohn, den der Beschwerdegegner für seine Arbeit bei der D.________ AG erhalten habe, um einen Soziallohn gehandelt habe. Gesicherte Anhaltspunkte dafür, dass die Tätigkeit für die D.________ AG ein blosser Arbeitsversuch gewesen sei, seien ebenfalls nicht erkennbar. Selbst wenn aufgrund der Berufsbiographie des Beschwerdegegners der Charakter eines Arbeitsversuchs zu bejahen wäre, würde dies nichts daran ändern, dass der Beschwerdegegner spätestens ab dem 1. September 2011 während mehrerer Monate über eine höher als 80 % liegende Arbeitsfähigkeit verfügt habe und deren Verwertung nicht zum Vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Denn hätten bezüglich der Arbeitsfähigkeit von Beginn weg Zweifel bestanden, wäre die D.________ AG kaum zur Anstellung des Beschwerdegegners in einem Vollzeitpensum mit einem fixen Monatssalär bereit gewesen. Nach dem Gesagten sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der enge zeitliche Konnex zwischen der vorbestehenden Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und der Arbeitsunfähigkeit, die zur Invalidität geführt habe, unterbrochen worden sei.