Citation: 8C_804/2021 E. 4.1.4

4.1.4. Die Gutachter der Klinik C.________ schätzten die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Datatypistin in Zusammenschau des bisherigen Verlaufs im Umfang von 50 % als leistungsfähig bezogen auf ein 100%-Pensum. Zum zeitlichen Ablauf dieser Entwicklung hielten sie fest, der Aufwand zur Erlangung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % scheine im Bereich mehrerer Monate bis Jahre zu liegen und einer intensiven psychotherapeutischen Vorbereitung und Begleitung zu bedürfen. Auf Rückfrage des RAD hin stellten die Gutachter in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 13. Februar 2019 zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit klar, dass sie die tatsächliche Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit aktuell 50 % beurteilten. Wenn die Vorinstanz auf diese präzisierende Angabe abstellte, ist dies nicht offensichtlich unrichtig bzw. willkürlich, zumal bereits die Experten der medexperts ag am 20. April 2017 aus polydisziplinärer Sicht im Gutachtenszeitpunkt von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie in einer anderen leidensangepassten Tätigkeit ausgingen. Die geltend gemachte zwischenzeitliche Verschlechterung des Gesundheitszustands ist nach den willkürfreien vorinstanzlichen Feststellungen nicht auszumachen. Soweit gerügt wird, dass die Vorinstanz die Standardindikatorenprüfung im Sinne von BGE 141 V 281 im Gutachten der Klinik C.________ hinsichtlich der massgeblichen Beweisthemen nicht abgehandelt habe (BGE 145 V 361 E. 4.1.1 mit Hinweisen), ist festzuhalten, dass mit einer Indikatorenprüfung die ärztlicherseits aus einer diagnostizierten psychischen Erkrankung abgeleiteten Arbeitsunfähigkeit validiert wird. So obliegt es den rechtsanwendenden Stellen im Rahmen der Beweiswürdigung zu überprüfen, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE 145 V 361 E. 4.1.1 mit Hinweisen; SVR 2021 IV Nr. 47 S. 151, 8C_407/2020 E. 4.1). Eine grössere rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit als die im Gutachten attestierte kann unmittelbar hieraus nicht resultieren (vgl. Urteile 8C_153/2021 vom 10. August 2021 E. 5.4.2; 8C_52/2020 vom 22. April 2020 E. 4.2.2; 8C_783/2019 vom 14. April 2020 E. 4.1.4 und 8C_629/2019 vom 8. November 2019 E. 4.2.4; je mit Hinweisen). Dass die Vorinstanz ohne strukturierte Prüfung nach BGE 141 V 281 zugunsten der Beschwerdeführerin das gutachterlich geschätzte funktionale Leistungsvermögen von 50 % bezogen auf ein (zumutbares) Vollzeitpensum übernahm, ist daher unter den gegebenen Umständen nicht zu beanstanden. Gleichwohl hätte sich hier mit Blick auf die gutachterliche Einschätzung einer 50%-igen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Akzentuierung von Persönlichkeitszügen und der leichten depressiven Episode (vorstehende E. 3) eine Überprüfung der ärztlichen Folgeabschätzung durch den Rechtsanwender im Sinne von BGE 141 V 281 aufgedrängt (vgl. BGE 148 V 49 E. 6.2.1).