Citation: 4A_211/2023 E. A

A.A.________ (Käuferin/Klägerin) und B.________ (Verkäufer, Beschwerdegegner) waren Aktionäre der C.________ AG, wobei sie nicht die einzigen Aktionäre waren. Diese ist Alleinaktionärin der A.________ + B.________ AG. A.a. Der Verkäufer war Verwaltungsratspräsident und E.________ geschäftsführender Verwaltungsrat der A.________ + B.________ AG. Zudem war der Verkäufer Mitglied des Verwaltungsrates der C.________ AG. A.A.________ war vom 26. Februar 2004 bis 11. Dezember 2012 ebenfalls als Verwaltungsrätin der C.________ AG im Handelsregister eingetragen. Im Einverständnis der Parteien nahm für sie ab 2008 ihr Sohn als ihr Vertreter im Verwaltungsrat der C.________ AG Einsitz. Er war ausserdem ab 2008 Verwaltungsrat der A.________ + B.________ AG, wobei er als sogenannter stiller Verwaltungsrat nicht im Handelsregister der beiden Gesellschaften eingetragen war. A.b. Am 22. Oktober 2012 schlossen die Aktionäre der C.________ AG einen Aktienkaufvertrag (AKV), der am 3. Dezember 2012 vollzogen wurde und mit dem die Käuferin, handelnd durch ihren Sohn, vom Verkäufer 125 Namenaktien der C.________ AG erwarb. Zuvor war eine Pre Due Diligence durchgeführt worden. Der Verkäufer schied aus den Verwaltungsräten der C.________ AG (per 11. Dezember 2012) und der A.________ + B.________ AG (per 12. April 2013) aus, und der Sohn der Käuferin wurde am 11. Dezember 2012 als Verwaltungsrat beider Gesellschaften in das Handelsregister eingetragen. A.c. Der Aktienkaufvertrag hatte unter anderem folgenden Inhalt: Nach Art. 16 Abs. 1 AKV sichern die Verkäufer zu, dass die geprüften Jahresabschlüsse der Gesellschaft per 31. Dezember 2010 und 31. Dezember 2011 Gesetz und stetiger Rechnungslegungspraxis der Gesellschaft entsprächen und zum jeweiligen Bilanzstichtag vollständig und richtig seien. Ferner habe (Art. 17 Abs. 1 AKV) die Gesellschaft ihre Geschäfte seit dem 1. Januar 2012 nach bisheriger Praxis fortgeführt und keine Handlungen vorgenommen, die ausserhalb des bisherigen, gewöhnlichen Geschäftsbetriebs lägen. Seit dem 1. Januar 2012 bis zum Vollzug des Aktienkaufvertrags seien keine wesentlichen Verschlechterungen der Vermögens- und Ertragslage der Gesellschaft eingetreten, die nicht bekannt seien. Art. 18 Abs. 2 AKV hält sodann einerseits fest, die Gesellschaft habe insbesondere keine fälligen Steuer- und Abgabeverbindlichkeiten (inkl. Ertrags- und Kapitalsteuern, Verrechnungssteuern und Stempelabgaben, Mehrwertsteuern, Quellensteuern, etc.), die per Vollzugsdatum noch nicht beglichen seien, und andererseits, die Gesellschaft habe im Jahresabschluss per 31. Dezember 2011 ausreichende spezifische Rückstellungen für alle zukünftigen Steuern und Abgaben gebildet, die nach dem pflichtgemässen Kenntnisstand der Verkäufer und der Gesellschaft auf Bemessungsperioden bis zu diesem Stichtag erhoben würden. Sämtliche Zusicherungen und Garantien stehen allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Käuferinnen als Aktionäre oder durch ihre Vertretung im Verwaltungsrat der Gesellschaft allfällige haftungsbegründete [sic! recte wohl haftungsbegründende] Tatsachen nicht gekannt hätten (Art. 12 Abs. 5 AKV). Zudem enthält Art. 29 AKV eine zusätzliche Haftungsbeschränkung betreffend Zusicherungen. Die Haftung der Verkäufer für Verletzungen von Zusicherungen gemäss Art. 13 ff. AKV oder sonstigen Vertragsverletzungen ist beschränkt, indem der einzelne Anspruch einerseits den Betrag von Fr. 50'000.-- übersteigen muss und der Anspruch der Käuferinnen andererseits aus sämtlichen Fällen von Gewährleistung auf den Betrag von insgesamt Fr. 2'000'000.-- beschränkt wird. Die Ersatzpflicht der Verkäufer reduziert sich um den Betrag, der von Drittpersonen (z.B. haftpflichtigen Drittpersonen oder Versicherungen) an die Gesellschaft zu leisten ist. Die Haftpflicht ist beschränkt bzw. ausgeschlossen, wenn der Käufer bei Anwendung gebotener Sorgfalt den Schaden oder Verlust hätte vermeiden können.