Citation: 7B_212/2022 E. 3.3.3

3.3.3. Selbst wenn die Strafuntersuchung bereits im Zeitpunkt der fraglichen polizeilichen Einvernahmen in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Graubünden eröffnet gewesen wäre, hat die Vorinstanz im Übrigen zu Recht erkannt, dass damals ein Fall notwendiger Verteidigung noch nicht erkennbar gewesen wäre. Vielmehr ermittelten die Strafverfolgungsbehörden zunächst nur hinsichtlich der einzelnen Vorwürfe der Zechprellerei in ihren jeweiligen Kantonen und belief sich die mutmassliche Deliktssumme der einzelnen Tatvorwürfe auf dreistellige bzw. in einzelnen Fällen auf tiefe vierstellige Geldbeträge. Die Frage der potenziell gewerbsmässigen Betrugshandlungen stellte sich nach den verbindlichen und unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanz erstmals nach der Verfahrensvereinigung der verschiedenen kantonalen Strafverfahren durch die Staatsanwaltschaft Gossau am 16. Dezember 2019 und damit erst nach den fraglichen polizeilichen Einvernahmen. Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz ausführt, zum Zeitpunkt der strittigen Einvernahmen sei aufgrund der einzelnen Strafanzeigen wegen Zechprellerei nicht erkennbar gewesen, dass eine Freiheitsstrafe von über einem Jahr drohen könnte und deshalb von einem Fall notwendiger Verteidigung auszugehen wäre. Daran ändert auch der Einwand nichts, im Zeitpunkt der letzten polizeilichen Einvernahme im Kanton Graubünden am 28. November 2019 seien im Strafregister bereits drei hängige Strafverfahren wegen Zechprellerei eingetragen gewesen und die Kantonspolizei St. Gallen habe aufgrund der Übergabe des Beschwerdeführers durch die Kantonspolizei Thurgau Kenntnis von den weiteren Verfahren gehabt. Wie gesagt deutete der damalige Ermittlungsstand auf eine Tatmehrheit von Zechprellerei mit jeweils tiefen Deliktsbeträgen hin und stand der Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs erst nach der Verfahrensvereinigung erstmalig im Raum.