Citation: 5C.102/2001 22.06.2001 E. 2

2.- Nach Art. 369 Abs. 1 ZGB gehört jede mündige Person unter Vormundschaft, die infolge Geisteskrankheit oder Geistesschwäche ihre Angelegenheiten nicht zu besorgen vermag, zu ihrem Schutze dauernd des Beistandes und der Fürsorge bedarf oder die Sicherheit anderer gefährdet. Die Entmündigung wegen Geisteskrankheit oder Geistesschwäche darf gemäss Art. 374 Abs. 2 ZGB nur nach Einholung des Gutachtens von Sachverständigen erfolgen, das sich auch über die Zulässigkeit einer vorgängigen Anhörung des zu Entmündigenden auszusprechen hat. Die persönliche Anhörung gewährleistet nicht nur das Äusserungs- und Mitwirkungsrecht des zu Entmündigenden, sondern ist auch Beweismittel zur Erforschung des Sachverhalts (BGE 109 II 295 Nr. 63; 117 II 132 E. 4a S. 138). Entmündigungsgrund im Gesetzessinne und Entmündigungsvoraussetzung müssen kumulativ gegeben sein, d.h. - entgegen der ungenauen Darstellung in der Berufungsschrift (S. 6 f.) - mindestens ein Entmündigungsgrund (Geisteskrankheit oder Geistesschwäche) muss mit mindestens einer der drei Entmündigungsvoraussetzungen (Unfähigkeit zur Geschäftsbesorgung oder dauernde Beistands- und Fürsorgebedürftigkeit oder Drittgefährdung) zusammentreffen (Schnyder/Murer, Berner Kommentar, N. 94, und Langenegger, Basler Kommentar, N. 25, je zu Art. 369 ZGB). Tatsächlicher Natur sind im Entmündigungsprozess die Feststellungen, die den geistigen Zustand des zu Entmündigenden beschreiben (Entmündigungsgrund im Gesetzessinne) und die aus diesem Zustand für dessen künftige Verhaltensweise zu erwartenden Auswirkungen angeben (Entmündigungsvoraussetzung); ob jener Zustand unter den Begriff der Geisteskrankheit und ob diese Auswirkungen unter den Begriff der Schutz- und Beistandsbedürftigkeit fallen, sind Rechtsfragen (BGE 81 II 259 S. 263). Während das Bundesgericht diese Rechtsfragen auf Berufung hin frei überprüfen darf (Art. 63 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 OG), hat es seiner Entscheidung die Tatsachenfeststellungen der letzten kantonalen Instanz zugrunde zu legen, es wäre denn, dass sie unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen sind, auf offensichtlichem Versehen beruhen (Art. 63 Abs. 2 OG) oder zu ergänzen sind (Art. 64 OG); diese Ausnahmen vorbehalten, ist eine Kritik an den verbindlichen Tatsachenfeststellungen im Berufungsverfahren unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 126 III 59 E. 2a S. 65; vgl. zum interessierenden Bereich ausführlich: Schnyder/Murer, N. 91-93 zu Art. 369, N. 223-228 zu Art. 373 und N. 136-138 zu Art. 374 ZGB, mit vielen Nachweisen). Auf die Abgrenzung von Tat- und Rechtsfragen und die von der Beklagten erhobenen Sachverhaltsrügen wird bei den einzelnen Berufungsgründen zurückzukommen sein. Auf die im Grundsatz zulässige Berufung kann eingetreten werden.