Citation: U 608/06 25.10.2007 E. 5

5.1 Fehlte es demnach im Zeitpunkt der Leistungseinstellung an organisch nachweisbaren Gesundheitsschäden, welche mit dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall standen, bleibt zu prüfen, ob die ab 1. März 2003 anhaltend geklagten, organisch nicht nachweisbaren Befindlichkeitsstörungen dem Ereignis vom 11. November 1998 adäquat kausal zugerechnet werden können. Während die Beschwerdeführerin geltend macht, die Adäquanz sei nach der Praxis im Sinne von BGE 117 V 359 zu prüfen und entsprechend zu bejahen, haben Vorinstanz und Beschwerdegegnerin die Adäquanz des Kausalzusammenhangs mit der Begründung, die ausgeprägte psychogene Problematik sei im Laufe der Entwicklung eindeutig im Vordergrund gestanden, nach den in BGE 115 V 133 aufgestellten Kriterien geprüft. Da der Unfall als mittelschwer zu qualifizieren sei und weder eines der Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter Weise oder mehrere der Kriterien in gehäufter und auffallender Weise erfüllt seien, fehle es an der Adäquanz des Kausalzusammenhanges. 5.2 Zur Frage der anwendbaren Praxis ist Folgendes festzuhalten: 5.2.1 Der am Tag nach dem Unfall konsultierte Hausarzt Dr. med. K.________ diagnostizierte bereits am 4. Dezember 1998 eine posttraumatische Rückenproblematik mit HWS-Stauchung und eine reaktive psychische Dekompensation. Der Arzt verzichtete zwar darauf, einen Psychiater zuzuziehen, verordnete aber eine Therapie mit dem Antidepressivum Efexor. Im Januar 1999 trat die Beschwerdeführerin eine neue Stelle an, worauf sie - obwohl vom Hausarzt nur zu 50 % arbeitsfähig geschrieben - öfters bis zu vierzehn Stunden am Tag arbeitete. Während dieser Zeit exazerbierten die Schmerzen, weshalb sie im Mai nur noch 50 % arbeitete. Der Druck des Arbeitgebers war jedoch so hoch, dass sie auch nach diesem Zeitpunkt mehr leistete. Im Oktober 1999 liess sich die Versicherte schmerzbedingt voll arbeitsunfähig schreiben. Aus der Abklärung des Dr. phil. V.________ vom 10. Mai 2000 (Untersuchungsdatum: 11. Oktober 1999) geht hervor, dass diese Störungen neuropsychologischer Natur waren. Nach dem Gesagten steht angesichts des Fehlens eines hirnorganischen Schadens (E. 4 hievor) fest (vgl. Urteil U 339/01 vom 22. Mai 2002 E. 4a), dass bereits kurze Zeit nach dem Unfall die psychogenen Beschwerden im Vordergrund standen. 5.2.2 Soweit sich die Beschwerdeführerin auf das Schreiben des Dr. med. K.________ vom 3. Juli 2006 beruft, in welchem dieser die psychische Verarbeitungsproblematik seit Eintritt der Schwangerschaft im Jahre 2002 als rückläufig und seit der Geburt ihres Sohnes am 21. Oktober 2002 als sicher nicht mehr vorhanden beschreibt, ist festzuhalten, dass Dr. med. K.________ diese schriftliche Bestätigung nach telefonischer Vorbesprechung mit dem Rechtsvertreter der Versicherten verfasste und sich der Hausarzt nur auf die von ihm diagnostizierte depressive Problematik, nicht aber auf die übrigen psychogenen Störungen bezieht. Selbst wenn der Heilungsverlauf der Depression sehr erfreulich war, ändert dies nichts daran, dass die weiterhin vorhandenen Beschwerden überwiegend wahrscheinlich psychogener Natur im Sinne der Rechtsprechung waren. 5.2.3 Da die ausgeprägte psychogene Problematik bereits kurze Zeit nach dem Unfall im Vordergrund stand, hat die Vorinstanz die Prüfung der Adäquanz zu Recht nach den für psychische Folgeschäden entwickelten Kriterien (BGE 115 V 133) vorgenommen. 5.3 Aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs ist das Ereignis vom 11. November 1998, bei dem die Versicherte von ihrem Pferd stürzte und auf einen mit einer ungefähr drei bis fünf Zentimeter dicken Sägemehlschicht bedeckten Betonboden fiel, vom kantonalen Gericht zu Recht als mittelschweren Unfall qualifiziert worden. 5.4 Bezüglich der bei mittelschweren Unfällen zu prüfenden Adäquanzkriterien ist Folgendes festzuhalten: 5.4.1 Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles liegen - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc S. 209 [U 287/97]) - nicht vor. 5.4.2 Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung und insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma bzw. für die schleudertraumaähnlichen Verletzung typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteil U 422/05 vom 12. September 2006, E. 5.2 mit weiteren Hinweisen). Solche Umstände sind hier nicht gegeben. 5.4.3 Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung: Die primäre Unfallbehandlung bestand in der Verordnung eines Halskragens, in Physiotherapie und in Schmerzmedikation. Zudem besserten die Beschwerden im Bereich der HWS relativ schnell. Die nach Mai 1999 erfolgten Behandlungen standen in Zusammenhang mit dem entgegen der ärztlichen Anordnung geleisteten vierzehnstündigen Tagesarbeitspensum. Auch wenn nach dem Zusammenbruch im Mai 1999 erneut physiotherapeutische Massnahmen und Schmerzmedikationen durchgeführt wurden, handelte es sich insgesamt nicht um eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer (Urteil U 575/06 vom 6. September 2007, E. 4). 5.4.4 Da die anhaltend geklagten Beschwerden psychogener Natur sind, fehlt es an körperlichen Dauerschmerzen. 5.4.5 Die Beschwerdeführerin macht eine ärztliche Fehlbehandlung geltend, weil dokumentiert sei, dass die psychischen Beschwerden über Jahre unbehandelt geblieben seien. Diese Behauptung ist aktenwidrig. Der Hausarzt der Versicherten gab bereits in seinem Bericht vom 15. Januar 1999 an, die psychischen Beschwerden mit Efexor angegangen und dabei erste Erfolge erzielt zu haben. 5.4.6 Im Weiteren kann der Heilungsverlauf nicht als besonders schwierig bezeichnet werden; es traten keine erheblichen Komplikationen auf. Zur Bejahung dieses Kriteriums braucht es besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteil U 79/05 vom 10. Februar 2006, E. 4.2). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. 5.4.7 Aus dem Gutachten der orthopädischen Klinik X.________ ergibt sich schliesslich, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit psychisch begründet war. Deshalb ist sie vorliegend für die Prüfung der Adäquanz im Rahmen von BGE 115 V 133 nicht zu berücksichtigen. 5.5 Da keines der Adäquanzkriterien erfüllt ist, hat das kantonale Gericht die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Sturz vom Pferd am 11. November 1998 und den am 28. Februar 2003 noch bestehenden Beschwerden zu Recht verneint. Die Leistungseinstellung auf diesen Tag ist daher nicht zu beanstanden.