Citation: 2C_571/2022 E. B

B.a. Gegen das vorgenannte Reglement erhoben A.________ und 17 weitere an der Universität Basel immatrikulierte Personen im Rahmen der abstrakten Normenkontrolle mit Eingaben vom 5. respektive 25. November 2021 Verfassungsbeschwerde beim Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt als Verfassungsgericht. Sie beantragten die Aufhebung von § 4 Abs. 1 bis 4 des genannten Reglements. Die Covid-Zertifikatspflicht an der Universität Basel sei aufgrund klarer Nichtigkeit ihrer Anordnung durch das Rektorat der Universität Basel umgehend aufzuheben. Eventualiter (für den Fall, dass das Urteil erst nach Ablauf der Gültigkeitsdauer des angefochtenen Erlasses ergehe) sei die genannte Bestimmung des Reglements für rechtswidrig zu erklären. Ausserdem sei der Verfassungsbeschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Mit Verfügung vom 29. November 2021 wies der kantonale Instruktionsrichter das Gesuch um aufschiebende Wirkung der Verfassungsbeschwerde ab. B.b. Am 17. Dezember 2021 revidierte der Bundesrat mit Wirkung ab 20. Dezember 2021 Art. 19a der Covid-19-Verordnung besondere Lage 2021. Fortan galt für Lehr- und Forschungsaktivitäten des Bachelor- und Masterstudiums sowie Prüfungen an Institutionen des Hochschulbereichs eine Beschränkung des Zugangs auf Personen mit Impf-, Genesungs- oder Testzertifikat. Die Alternative der reduzierten Personenbelegung durch begrenzte Ausnützung der Raumkapazitäten war dagegen nicht mehr zulässig (AS 2021 882). Daraufhin passten die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 11. Februar 2022 ihre Anträge vor Appellationsgericht an, indem sie beantragten, es sei (1.) auch nach der Änderung von Art. 19a der Covid-19-Verordnung besondere Lage 2021, gültig in der geänderten Fassung ab 20. Dezember 2021, auf die Verfassungsbeschwerde vom 25. November 2021 einzutreten. Weiter sei (2.) die Covid-Zertifikatspflicht nach § 4 Abs. 1 bis Abs. 4 des Reglements über besondere Massnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie (Änderung vom 26. Oktober 2021) an der Universität Basel aufgrund klarer Nichtigkeit ihrer Anordnung durch das Rektorat der Universität Basel für verfassungs- und rechtswidrig zu erklären. B.c. Am 16. Februar 2022 hob der Bundesrat mit Wirkung ab 17. Februar 2022 Art. 19a respektive die gesamte Covid-19-Verordnung besondere Lage 2021 auf (AS 2022 97), woraufhin das Rektorat der Universität Basel ebenfalls per 17. Februar 2022 das genannte Reglement vom 26. Oktober 2021 aufhob. B.d. Das Appellationsgericht in seiner Funktion als kantonales Verfassungsgericht verzichtete in der Folge auf das Erfordernis des aktuellen Rechtsschutzinteresses und trat auf die Beschwerde ein. Es erwog, gemäss dem Wortlaut von Art. 19a Abs. 1 der Covid-19-Verordnung besondere Lage 2021 (in der ab 13. September 2021 geltenden Fassung, vgl. Bst. A.a oben; "Beschränkt der Kanton oder eine Institution des Hochschulbereichs [...].") habe der Bund die Hochschulen neben den kantonalen Organen direkt zur Einführung einer Covid-19-Zertifikatspflicht ermächtigt. Diese Regelung gehe aufgrund der derogatorischen Kraft des Bundesrechts der allgemeinen kantonalrechtlichen Zuständigkeitsregelung im Bereich der Epidemiebekämpfung vor. Innerkantonal sei zudem das Rektorat gestützt auf § 11 Abs. 2 lit. c des Universitätsstatuts zur Regelung der Zutrittsbeschränkungen zuständig gewesen. Ausserdem hatte das kantonale Verfassungsgericht die Rüge der Verletzung des Rechts auf persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) zu beurteilen, wobei nach seiner Auffassung die Rechtmässigkeit des Reglements nur für die Phase bis zum 19. Dezember 2021 zu beurteilen war. Ab dem 20. Dezember 2021 bzw. ab Geltung des revidierten Art. 19a Covid-19-Verordnung besondere Lage 2021 (vgl. Bst. B.b oben) habe das universitäre Reglement seine selbständige Bedeutung verloren. In Bezug auf die genannte Rüge stellte das kantonale Verfassungsgericht folgenden Sachverhalt fest: Für das Covid-Test-Zertifikat gemäss Schutzkonzept der Universität Basel bzw. § 4 Abs. 1 Reglement (vgl. Bst. A.b oben) genügte die Durchführung eines PCR-Spucktests. Dieser Spucktest stand sämtlichen Studierenden kostenlos zur Verfügung. Zudem gestattete ein einziges (negatives) Testresultat pro Student oder Studentin den Zutritt zu allen universitären Präsenzveranstaltungen für die gesamte Woche, d.h. der Spucktest musste nur wöchentlich wiederholt werden. Zudem konnten wie erwähnt die meisten Lehrveranstaltungen auch online bzw. digital verfolgt werden und die Absolvierung von Prüfungen war ohne Covid-19-Zertifikat bzw. ohne Covid-Test möglich. In Bezug auf das Infektionsgeschehen und die Belastung des Gesundheitswesens stellte das kantonale Verfassungsgericht fest, ab November 2021 sei die Zahl der wegen Covid-19 hospitalisierten und auch der auf der Intensivstation behandelten Patienten in Basel deutlich gestiegen. Gemäss dem damaligen Wissensstand seien zudem geimpfte und genesene Personen (für Dritte) weniger ansteckend gewesen, auch wenn sie sich selbst erneut hätten anstecken können. Aufgrund dieser Ausgangslage erwog das kantonale Verfassungsgericht im Wesentlichen, die Zertifikatspflicht gemäss Reglement stelle lediglich einen leichten Eingriff in das Recht auf persönliche Freiheit bzw. körperliche Unversehrtheit dar. Die Zertifikatspflicht bzw. die angefochtenen Bestimmungen des Reglements beruhten auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage, verfolgten ein öffentliches Interesse und seien verhältnismässig, weshalb das Reglement bzw. der Eingriff in Art. 10 Abs. 2 BV verfassungsmässig sei. Es wies deshalb die kantonale Verfassungsbeschwerde mit Urteil vom 29. Mai 2022 vollumfänglich ab.