Citation: 5C.259/2002 06.02.2003 E. 2

In tatsächlicher Hinsicht hatte das Kantonsgericht vorweg die Fragen zu beantworten, ob bei der Erblasserin in der kritischen Zeit - vor und nach dem 12. November 1996 - eine geistige Störung festzustellen war und ob sich diese allenfalls auf die Errichtung der letztwilligen Verfügung auswirkte. 2.1 Das Kantonsgericht hat die Fragen gestützt auf die Krankengeschichte des behandelnden Hausarztes und dessen schriftlichen Bericht als sachverständigem Zeugen, auf der Grundlage weiterer Zeugenaussagen und in Berücksichtigung zweier Gutachten beantwortet. Seine Feststellungen über den geistigen Zustand der Erblasserin im fraglichen Zeitraum sowie Art und Tragweite möglicher störender Einwirkungen sind für das Bundesgericht grundsätzlich verbindlich (Art. 63 f. OG; BGE 124 III 5 E. 4 S. 13). 2.2 Der Beklagte bringt vor, das Bundesgericht könne die kantonsgerichtlichen Schlüsse aus der Krankengeschichte und der Aussage des Arztes korrigieren und selber beurteilen, welche Zeugenaussage glaubhafter sei, die von Z-F.________ oder jene des Arztes. Der Beklagte beruft sich hiezu auf die allgemeine Lebenserfahrung und behauptet zudem Aktenwidrigkeiten in der Beurteilung von Zeugenaussagen. Was die kantonsgerichtlichen Feststellungen über die allgemeine Gesundheitssituation der Erblasserin angeht, stimmen Berufungs- und Beschwerdeschrift denn auch praktisch wörtlich überein; sie unterscheiden sich lediglich in Überleitungen und in angepassten Formulierungen, wenn dem Kantonsgericht eine Beweiswürdigung "gegen alle Lebenserfahrung" (S. 12 der Berufungsschrift) statt "in gröbster Willkür" (S. 13 der Beschwerdeschrift) vorgehalten wird. Das materielle Recht (hier: Art. 16 und Art. 467 ZGB) bestimmt, was rechtserheblich ist. Hat das Kantonsgericht über alle rechtserheblichen Sachvorbringen Beweis führen lassen und die tauglichen und formgültigen Beweisanträge der Parteien berücksichtigt, ist weder materielles Bundesrecht noch die Beweisvorschrift in Art. 8 ZGB verletzt (BGE 123 III 35 E. 2b S. 40). Das Ergebnis des kantonalen Beweisverfahrens ist für das Bundesgericht verbindlich (BGE 126 III 189 E. 2a Abs. 3 S. 191; 125 III 78 E. 3a S. 79). Diese Unüberprüfbarkeit betrifft insbesondere die Beweiswürdigung, die immer auch auf sachgerichtlicher Lebenserfahrung beruht (BGE 118 II 365 E. 1 S. 366/367). Nur wo sich das kantonale Gericht auf Erfahrungssätze stützt, die über den konkreten Sachverhalt hinaus Bedeutung haben und damit gleichsam die Funktion von Normen übernehmen, überprüft das Bundesgericht solche auf der gerichtlichen Lebenserfahrung beruhenden Schlüsse im Berufungsverfahren frei. Diese Regelfunktion kommt einem Erfahrungssatz nun aber bloss zu, wenn das in ihm enthaltene hypothetische Urteil, das aus den in anderen Fällen gemachten Erfahrungen gewonnen wird, in gleich gelagerten Fällen allgemeine Geltung für die Zukunft beansprucht (vgl. die Zusammenfassung in BGE 117 II 256 E. 2b S. 258; seither: BGE 126 III 10 E. 2b S. 12/13). Diese Voraussetzung trifft auf die kantonsgerichtlichen Schlüsse aus der Krankengeschichte und aus den Zeugenaussagen nicht zu; sie bleiben im konkreten Einzelfall verhaftet und beruhen nicht auf Erfahrungssätzen von allgemeiner Tragweite (vgl. dazu mit Beispielen: Spühler, Wann sind Grundsätze der Lebenserfahrung allgemeine Rechtssätze ?, SJZ 93/1997 S. 392 ff.; Hohl, Procédure civile, t. I: Introduction et théorie générale, Bern 2001, S. 217 N. 1129 f., und t. II: Organisation judiciaire, compétence, procédures et voies de recours, Bern 2002, S. 297 N. 3227 f.). Ebenso wenig kann auf die Berufung eingetreten werden, soweit der Beklagte Aktenwidrigkeiten rügt und damit ein offensichtliches Versehen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG meint. Sein Einwand bezieht sich wiederum auf die Schlüsse des Kantonsgerichts aus einer Zeugenaussage und betrifft damit nur einen Ausschnitt aus der Beweiswürdigung, gegen die mit einer Versehensrüge nicht aufzukommen ist; die Rüge läuft auf eine unzulässige Kritik an der kantonsgerichtlichen Beweiswürdigung hinaus (vgl. Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Zürich 1992, S. 138 bei/in Anm. 8; Poudret/Sandoz-Monod, Commentaire de la loi fédérale d'organisation judiciaire, II, Bern 1990, N. 1.6.3 zu Art. 55 und N. 5.4 zu Art. 63 OG, mit Nachweisen). 2.3 Gestützt auf die Krankengeschichte des langjährigen Hausarztes der Erblasserin und in Würdigung des schriftlichen Berichts dieses sachverständigen Zeugen hat das Kantonsgericht angenommen, dass der Gesundheitszustand der Erblasserin 1996 durch ein Herzleiden mässig stark sowie durch Symptome einer senilen Demenz vom Alzheimer-Typ (Gedächtnisstörungen und Verkennungen v.a.) beeinträchtigt war (E. 3c S. 20 ff.). Auf der Grundlage der weiteren Aussagen von Zeugen und unter Berücksichtigung des Gutachtens von G-A.________ hat das Kantonsgericht festgestellt, dass bei der Erblasserin bereits im Zeitraum der Errichtung ihres Testaments auch für psychiatrische Laien Anzeichen für mnestische Störungen (scil. Störungen von Gedächtnis, Merkfähigkeit, Auffassung u.a.m.) und darauf basierenden Wahnideen erkennbar waren (E. 3a S. 14 ff.). Sein Beweisergebnis hat das Kantonsgericht schliesslich durch ein graphologisches Gutachten bestätigt gesehen, wonach die Erblasserin an deutlichen Altersbeschwerden gelitten habe, die sich in einer reduzierten geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit sowie in einer verminderten persönlichen Flexibilität und Belastbarkeit geäussert hätten. Das Testament sei geschrieben worden, als diese Beschwerden schon deutliche Formen angenommen hätten (E. 3b S. 20 des kantonsgerichtlichen Urteils).