Citation: U 414/05 07.06.2006 E. 4

Aufgrund der medizinischen Akten und des Unfallhergangs ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 14. November 2002 eine HWS-Distorsion (Schleudertrauma) erlitten hat (BGE 117 V 360 Erw. 4b; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2). SUVA und Vorinstanz bejahen das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den andauernden, psychisch geprägten Beschwerden, welche - zumindest teilweise (BGE 119 V 337 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b; Urteil E. vom 10. Mai 2006 Erw. 5.2.2, U 40/04) - zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehören. Umstritten ist hingegen die Adäquanz des Kausalzusammenhangs. Die Beschwerdeführerin vertritt insbesondere den Standpunkt, die Adäquanzprüfung sei zu früh erfolgt. 4.1 Der Unfall ereignete sich am 14. November 2002. Die Leistungseinstellung erfolgte mit Verfügung vom 31. Juli 2003 per 17. August 2003, mithin zehn Monate nach dem Unfall, wobei sich die SUVA im wesentlichen auf den Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 5. Juni 2003 stützte. Der bestätigende Einspracheentscheid erging am 30. April 2004. 4.2 Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat verschiedentlich festgestellt, dass die differenzierte Rechtsprechung zur Adäquanz auf Fälle ausgerichtet ist, in denen die Prüfung der adäquaten Kausalzusammenhangs einige Zeit nach dem Unfallereignis stattfindet (in HAVE 2004 S. 119 zusammengefasstes Urteil K. vom 11. Februar 2004 Erw. 2.3, U 246/03). Insbesondere wies es daraufhin, dass verschiedene Adäquanzkriterien einen Zeitfaktor beinhalten (ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden, Dauer der Arbeitsunfähigkeit etc.; BGE 127 V 105 Erw. 5e) . 4.3 Nach der Rechtsprechung darf die Adäquanzprüfung erst nach Abschluss des normalen, unfallbedingten erforderlichen Heilungsprozesses erfolgen, und nicht solange von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch immer eine Besserung erwartet werden kann (erwähntes Urteil U 246/03 Erw. 2.4; Urteile E. vom 10. Mai 2006 Erw. 5.3, U 40/04, und H. vom 10. Januar 2005 Erw. 2.3, U 269/04). Ob der Heilungsprozess abgeschlossen ist, ist jeweils auf Grund der Umstände des Einzelfalls zu entscheiden; bei Schleudertraumata bzw. diesen äquivalenten Verletzungen kann nicht von einer für alle gleichen Heilungsdauer ausgegangen werden (erwähntes Urteil U 246/03 Erw. 2.4 mit weiteren Hinweisen). 4.4 Im Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 5. Juni 2003 wurde festgehalten, dass die therapeutischen Massnahmen zur Schmerzlinderung und Belastbarkeitssteigerung keinen Erfolg zeitigten. Aus funktionell-somatischer Sicht wurde eine leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne rückenbelastende Zwangsstellung ganztags als möglich erachtet. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurde hingegen aus psychischen Gründen bejaht; im Zeitpunkt des Klinikaustritts bestand gar eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Nach diesen Ausführungen war die Heilbehandlung zumindest bezüglich der somatischen Unfallfolgen im Zeitpunkt der Leistungseinstellung abgeschlossen; ob allenfalls noch eine Behandlung des psychischen Unfallfolgen in Frage kam, kann aufgrund der nachfolgenden Erwägungen offen bleiben. 4.5 Die Adäquanzprüfung erfolgt nach unterschiedlichen Regeln, je nachdem, ob die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas bzw. äquivalenter Verletzungen gehörenden Beeinträchtigungen psychisch überlagert sind oder nicht. Weist die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz auf oder spielen die physischen Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle und treten ganz in den Hintergrund, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nach den für psychische Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Regeln (BGE 115 V 133) zu beurteilen (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Bei dieser Beurteilung ist zwischen physischen und psychischen Komponenten der unfallbezogenen Merkmale zu differenzieren und es ist lediglich auf das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektiven Folgen abzustellen (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 438 f. Erw. 3a und b). Eine derartige Adäquanzprüfung kann erfolgen, sobald die Heilbehandlung der physischen Gesundheitsschäden abgeschlossen ist. 4.6 Bereits im ersten Zwischenbericht vom 7. Januar 2003 wies der (frühere) Hausarzt Dr. med. W.________ darauf hin, dass die Beschwerdeführerin vom Tragen eines weichen Kragens nicht abzubringen sei. Der Bericht des Spitals M.________ über die Hospitalisation vom 30. Januar bis zum 3. Februar 2003 schloss eine mögliche Verstärkung der Beschwerden durch ein psychosomatisches Leiden nicht aus und empfahl eine psychosomatische Abklärung. In der kreisärztlichen Beurteilung vom 18. März 2003 wurde ein starkes Schon-, Schmerz- und Vermeidverhalten festgestellt und wegen des auffälligen Verhaltens und der Schmerzen eine interdisziplinäre - insbesondere auch eine psychosomatische - Abklärung empfohlen. In der zusammenfassenden Beurteilung vom 5. Juni 2003 gelangten die Ärzte der Klinik Y.________ aufgrund psychosomatischer, neurologischer, neuropsychologischer sowie radiologischer Abklärungen zum Ergebnis, dass sich weder die geschilderten Beschwerden noch das auffällige Verhalten der Beschwerdeführerin durch die dokumentierten strukturellen Befunde erklären liessen; vielmehr seien die Symptome unter einer Anpassungsstörung zusammenzufassen. Aufgrund dieser medizinischen Akten ist SUVA und Vorinstanz darin beizupflichten, dass die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas bzw. einer Distorsion der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, die psychische Problematik aber bereits unmittelbar nach dem Unfall zumindest sichtbar, wenn nicht gar dominant wurde; in jedem Fall haben die physischen Beschwerden im Verlaufe der Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt und sind damit ganz in den Hintergrund getreten (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437). Anzumerken bleibt zudem, dass die physischen Beschwerden, welche in den (ersten) ärztlichen Berichten vor allem Erwähnung fanden,- nämlich die Schmerzen im lumbalen Bereich - ohnehin nicht zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas bzw. einer äquivalenten Verletzung gehören. Unter diesen Umständen ist die Adäquanzprüfung nach der Praxis für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 140 f.) vorzunehmen. Weil in diesem Rahmen die psychischen Komponenten der unfallbezogenen Merkmale keine Berücksichtigung finden, ist auch der Zeitpunkt der Adäquanzprüfung nicht zu beanstanden; die Tatsache, dass der "psychische Endzustand der Versicherten noch nicht erreicht" war, steht der Vornahme der Adäquanzbeurteilung nicht entgegen; wesentlich ist allein, dass die massgeblichen physischen Komponenten der unfallbezogenen Merkmale feststanden und insofern die Heilbehandlung abgeschlossen war.