Citation: 6B_476/2024 E. 5.1

5.1. Was in der Beschwerde vorgebracht wird, verfängt nicht. Wie bereits ausgeführt, legt Art. 94 StPO Abs. 2 StPO fest, dass die 30-tägige Frist für die Einreichung eines Wiederherstellungsgesuchs mit dem Wegfall des Säumnisgrunds beginnt. Dies ist augenscheinlich der Fall, wenn die fristbelastete Partei objektiv und subjektiv wieder in der Lage ist, die erforderliche Rechtshandlung vorzunehmen (z.B. mit der Genesung nach einer schweren Krankheit oder einem schweren Unfall oder mit dem Ende der Militärzeit etc.). In Fällen wie dem vorliegenden, in denen die erforderliche Rechtshandlung zwar vorgenommen wurde, indessen entgegen den Erwartungen der fristbelasteten Partei nicht zur Fristwahrung geführt hat, lässt sich nicht ohne Weiteres von einem Hindernis im klassischen Sinn (und dessen Wegfall) sprechen. Das "Hindernis" ist in diesen Fällen im "Nichtwissen um die Verspätung" zu erblicken bzw. mit der "mangelnden Kenntnis der Säumnis" gleichzusetzen, sodass der Beginn des Fristenlaufs in diesen Fällen auf jenen Zeitpunkt zu terminieren ist, in dem die fristbelastete Partei aufgrund objektiver Anhaltspunkte ernsthaft zu befürchten hat bzw. damit rechnen muss, die Frist verpasst zu haben (vgl. CHRISTOF RIEDO, in: Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 20 zu Art. 94 StPO; siehe insbesondere ZR 2000 Nr. 104 E. 3; ZR 2013 Nr. 32).