Citation: 6B_651/2007 11.02.2008 E. 3

Die Beschwerdeführerin rügt des Weiteren eine Verletzung der im OHG verankerten behördlichen Informationspflichten (Beschwerde S. 8). 3.1 Die Vorinstanz hat erwogen, der Beschwerdeführerin sei bei Einreichung ihres Strafantrags am 2. März 2001 ein Opferinformationsblatt ausgehändigt worden. Zudem sei sie in der Folge von den Opferhilfestellen der Kantone Aargau und Solothurn kontaktiert, auf ihre Rechte gemäss OHG hingewiesen und ihr eine Rechtsanwältin vermittelt worden. Hieraus sei zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin insbesondere auch über ihr Recht, dem Beschuldigten gegenüber Zivilansprüche geltend zu machen, informiert worden sei. Dies ergebe sich nicht zuletzt auch aus der Tatsache, dass sie am 26. November 2002 bei der Opferhilfestelle ihres damaligen Wohnortkantons Aargau Genugtuungsansprüche gegen den Beschwerdegegner angemeldet habe (angefochtenes Urteil S. 9). 3.2 Die Beschwerdeführerin bringt hiergegen vor, es sei zwar richtig, dass sie von der Opferhilfestelle des Kantons Aargau auf ihre Rechte hingewiesen worden sei. Das Opferhilfegesetz aber verlange ausdrücklich, dass die Behörden das Opfer in allen Verfahrensabschnitten orientierten. Die Zuger Behörden hätten sie jedoch nicht über ihre Rechte informiert und sie namentlich nicht auf die erst per 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bestimmung von § 11ter StPO/ZG aufmerksam gemacht. Aus diesem behördlichen Versäumnis dürften ihr im Ergebnis keine Nachteile erwachsen, weshalb sie zur Geltendmachung von Zivilansprüchen zuzulassen sei (Beschwerde S. 8 f.). 3.3 Gemäss Art. 8 Abs. 2 OHG informieren die Behörden das Opfer in allen Verfahrensabschnitten über seine Rechte. Das Opfer ist insbesondere darüber aufzuklären, dass es im Strafverfahren Zivilansprüche stellen kann (Steiger-Sackmann, a.a.O., Art. 8 OHG N. 130; Weishaupt, a.a.O., S. 70; Gilbert Kolly, RFJ/FZR 1994, S. 53 f.). Die Modalitäten der Informationspflicht werden nicht durch das OHG, sondern durch das kantonale Recht festgelegt. Das OHG sieht keine Sanktionen bei einer Verletzung der Mitteilungspflicht vor. Dem Opfer dürfen aber jedenfalls keine Nachteile erwachsen (BGE 131 IV 183 E. 3.1.1, publ. in Pra 2006 Nr. 98 S. 681 ff.). Versäumt die zuständige Behörde, das Opfer auf sein Recht auf Geltendmachung von Zivilansprüchen im Strafverfahren hinzuweisen, so darf dem Opfer die Befugnis zur Anfechtung des Gerichtsentscheids nicht mit der Begründung abgesprochen werden, es habe die erforderliche Einreichung von Zivilansprüchen unterlassen (vgl. Steiger-Sackmann, a.a.O., Art. 8 OHG N. 134; Weishaupt, a.a.O., S. 78; Dominik Zehntner/Helena Hofer, Vertretung von Opfern und Geschädigten; in: Marcel Alexander Niggli/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Strafverteidigung, Basel/Genf/München 2002, S. 140). 3.4 Die Vorinstanz hat in sachverhaltlicher Hinsicht willkürfrei festgestellt, die Beschwerdeführerin sei über ihre Verfahrensrechte gemäss Art. 8 Abs. 1 OHG, d.h. insbesondere auch über ihr Recht, Zivilansprüche stellen zu können, informiert worden. Dies wird denn von der Beschwerdeführerin im Grundsatz auch nicht bestritten. Diese beanstandet einzig, nicht darüber orientiert worden zu sein, zu welchem Zeitpunkt sie ihre Zivilansprüche einzureichen habe. Zwar gebietet die behördliche Informationspflicht, dem Opfer mitzuteilen, dass es im Strafverfahren Zivilansprüche anmelden kann. Die Art und Weise der Orientierung wird jedoch, wie dargelegt, durch das anwendbare kantonale Prozessrecht geregelt und vom OHG nicht näher präzisiert (Steiger-Sackmann, a.a.O., Art. 8 OHG N. 134). Aus dem Bundesrecht lässt sich daher kein Anspruch des Opfers darauf ableiten, von den Behörden auch über sämtliche Modalitäten der Ausübung der Verfahrensrechte aufgeklärt zu werden, mithin bspw. darüber informiert zu werden, welche Formvorschriften und welche Fristen bei der Geltendmachung von Zivilansprüchen zu wahren sind. Art. 8 Abs. 2 OHG ist folglich im vorliegenden Verfahren nicht verletzt worden. Im Übrigen ist insoweit darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bereits am 2. und 16. März 2001 Strafantrag gestellt hat und seit dem 29. März 2001 anwaltlich vertreten ist, wobei der jetzige Rechtsvertreter sein Mandat seit dem 7. Januar 2004 ausübt (vgl. vorinstanzliche Akten act. 11/2 und 11/3). Die Untersuchung dauerte, wie erörtert, bis zum 31. Mai 2005. Die Beschwerdeführerin hatte mithin ausreichend Zeit zur Geltendmachung ihrer Forderungen, und von einem Rechtsanwalt darf verlangt werden, dass er die massgeblichen Bestimmungen des kantonalen Strafprozessrechts kennt.