Citation: 4A_25/2023 E. 6.4.1

6.4.1. Die Vorinstanz erwog mit der Erstinstanz, es sei davon auszugehen, dass die Vertragsparteien ein bedingtes Kaufsrecht (und nicht bloss ein Vorhandrecht) vereinbart hätten. Dieses berechtigte die anderen Aktionäre, durch einseitige Erklärung den Kaufvertrag zum Abschluss zu bringen. Sie erwog im Einzelnen, angesichts der zweideutigen Begrifflichkeit der Vereinbarung 2011 (einerseits werde gesagt, dass die Aktien bei einem geplanten Verkauf der verbleibenden Aktionären angeboten und von diesen übernommen werden müssen; andererseits würden die Begriffe der " Call- und Put-Option " verwendet) lasse sich deren Sinn nicht ohne Weiteres aufgrund des grammatikalischen Wortlauts feststellen. Die Erstinstanz habe überzeugend darlegt, dass ein Kaufsrecht eine stärkere Position einräume als ein Vorhandrecht und der Absicht der Vertragsparteien, die Aktien in der Familie zu halten, besser entspreche. Der Umstand, dass die Vertragsparteien mehr als eine Pflicht des Verkaufswilligen hätten vereinbaren wollen, ein Angebot abzugeben, würden auch die Ausdrücke "Call- und Put-Option" verdeutlichen, die im Handelsgebrauch ein Kaufs- und Verkaufsrecht bezeichneten. Darauf deute im Übrigen auch die Formulierung "seit Ausübung der Kaufsoption" in Abs. 2 der strittigen Klausel hin. Fehl gehe schliesslich auch der Einwand, ein bedingtes Kaufsrecht könne bereits deshalb nicht vereinbart worden sein, weil es an einem bestimmbaren Kaufpreis mangle. Die Erstinstanz habe mit der Annahme, der Kaufpreis sei per Datum der Ausübung des Kaufsrechts durch das Bewertungsgutachten der E.________ zu ermitteln und damit im Sinne von Art. 184 Abs. 3 OR genügend bestimmbar, weder den Sachverhalt unrichtig festgestellt noch das Recht falsch angewandt. Die Vertragsparteien seien angesichts der eingeräumten mehrjährigen Zahlungsfrist und des gleichzeitigen Verzichts auf Verzinsung implizit davon ausgegangen, dass die Übertragung der B.________-Aktien und die Kaufpreiszahlung (entsprechend dem in Art. 184 Abs. 2 OR vermuteten Zug-um-Zug-Prinzip sowie im Sinne von Art. 213 Abs. 1 OR) mit der Ausübung des Kaufsrechts fällig würden, wobei sie aber insofern davon hätten abweichen wollen, dass die Fälligkeit des Kaufpreises zugunsten der Erwerber für längstens sieben Jahre habe gestundet werden sollen.