Citation: U 450/04 09.06.2005 E. 3

Das kantonale Gericht hat das Merkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors bei dem am 18. August 2000 durchgeführten zahnärztlichen Eingriff am Zahn 24 (Legen einer Compositfüllung im Sinne eines Aufbaus) verneint. Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, die Ursache der Gewebeschädigung (Zahnfleischschwund von 3-4 mm zirkulär im Bereich um den Zahn 24) sei nicht mehr mit Sicherheit bestimmbar. Med. dent. O.________ und Dr. med. dent. I.________ gingen von einer Durchblutungsstörung im Rahmen einer lege artis erfolgten Behandlung aus. Laut Prof. S.________ sei eine starke Verätzung wahrscheinlich; da die Füllung ohne Schutz durch einen Kofferdamm (über die zu behandelnden Zähne gebrachtes Gummitüchlein) gelegt worden sei, sei eine Verätzung durch Säure oder Primer vorstellbar. Sinngemäss erwägt die Vorinstanz weiter, zwar sei nach den Qualitätsrichtlinien der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) und den Empfehlungen aller Universitätsinstitute der Schweiz beim Legen von Compositfüllungen ein Kofferdamm zu verwenden. Insofern entspreche diese Vorkehr dem medizinisch Üblichen. Das gelte laut Gutachter indessen nur, wenn die Verwendung eines Kofferdamms überhaupt möglich sei. Prof. S.________ äussere sich nicht dazu, wie es sich diesbezüglich im konkreten Fall verhalte. Dieser Punkt könne aber offen bleiben. So oder anders könne das Gutachten vom 7. Oktober 2002 nicht dahingehend gewürdigt werden, die Nichtverwendung eines Kofferdamms weiche unter den gegebenen Umständen vom medizinisch Üblichen ganz erheblich ab. Der Experte spreche denn auch von einer «nicht 100%ig lege artis» erfolgten Behandlung sowie davon, dass das Risiko durch das Legen des Kofferdamms hätte vermindert werden können. Daraus ergebe sich zwar eine Abweichung vom medizinisch Üblichen, welche jedoch nicht die geforderte Erheblichkeit aufweise. Nachdem Prof. S.________ in seiner Gesamtbeurteilung festhalte, es sei ein Ereignis eingetreten, welches in diesem Ausmass nicht vorhersehbar gewesen sei, könne auch nicht gesagt werden, die Zahnbehandlung ohne Verwendung des Kofferdamms habe, objektiv betrachtet, entsprechend grosse Risiken in sich geschlossen. Sodann könnten eine grobe und ausserordentliche Verwechslung und Ungeschicklichkeit oder eine absichtliche Schädigung ohne weiteres ausgeschlossen werden. Der Eingriff am Zahn 24 im Rahmen der zahnmedizinischen Behandlung vom 18. August 2000 enthalte somit keine Verhaltensweisen, die als ungewöhnlicher äusserer Faktor gelten könnten. Somit sei kein Unfall im Rechtssinne gegeben.