Citation: 5C.27/2005 23.11.2005 E. 1

Gemäss Art. 125 Abs. 1 ZGB besteht Anspruch auf nachehelichen Unterhalt, soweit einem Ehegatten nicht zuzumuten ist, für den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufzukommen. Absatz 2 zählt - wenn auch nicht abschliessend - die für die Beantwortung dieser Frage massgebenden Kriterien auf, die auch bei der Bemessung des Beitrages zu berücksichtigen sind. Absatz 3 nennt die Voraussetzungen, unter denen ein Beitrag "ausnahmsweise versagt oder gekürzt werden" kann. Der nacheheliche Unterhalt soll insbesondere den durch die Ehescheidung verursachten Veränderungen Rechnung tragen. Die Bestimmung konkretisiert die Prinzipien des sog. "clean break" und der nachehelichen Solidarität: Einerseits hat jeder Ehegatte - soweit immer möglich - für seinen Unterhalt selbst zu sorgen; anderseits ist der eine Ehegatte zur Leistung von Geldbeiträgen an den andern verpflichtet, wenn dieser seine durch die Ehe allenfalls beeinträchtigte wirtschaftliche Selbstständigkeit nicht erreichen kann (vgl. dazu BGE 127 III 136 E. 2a S. 138; 129 III 7 E. 3.1 S. 8). Auf Grund der Dauer der Ehe von weit mehr als zehn Jahren, während der zudem zwei Kinder geboren sind, haben beide kantonalen Sachgerichte angenommen, die Ehegatten hätten Anspruch auf Fortführung des in der Ehe zuletzt gemeinsam gelebten bzw. - mit Rücksicht auf die scheidungsbedingten Mehrkosten - auf Fortführung eines gleichwertigen Lebensstandards (vgl. BGE 129 III 7 E. 3.1.1 S. 8 f.). Das Obergericht hat die familienrechtlichen Notbedarfe des Ehemannes (Fr. 4'084.-- bzw. Fr. 4'128.-- ab August 2006) und der Ehefrau mit den beiden Kindern (Fr. 5'977.-- bzw. Fr. 5'950.-- ab August 2006) den erzielbaren bzw. erzielten Einkünften des Ehemannes (Fr. 7'711.--) und der Ehefrau (Fr. 2'742.-- bzw. Fr. 4'000.-- ab August 2006) gegenübergestellt und den Überschuss nach Köpfen aufgeteilt (E. 7 S. 56 ff.; vgl. zu dieser bundesrechtlich nicht vorgeschriebenen, aber zulässigen Berechnungsmethode, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse - wie hier - weder ausgesprochen bescheiden noch aussergewöhnlich gut sind: Urteile 5C.100/2002 vom 11. Juli 2002, E. 3.1, und 5C.258/2004 vom 28. Februar 2005, E. 2.1, in: FamPra.ch 2002 S. 829/830 und 2005 S. 607 f.). Die Berufungsklägerin macht eine unrichtige Bemessung der Leistungsfähigkeit des Berufungsbeklagten geltend. Ihr Haupteinwand betrifft die Berücksichtigung des Anteils des Berufungsbeklagten am (unverteilten) Nachlass seines Vaters (E. 2). Sie erneuert ferner einen Teil ihrer Beanstandungen in Einzelpunkten (E. 3) sowie ihre Kritik daran, dass in den Kinderunterhaltsbeiträgen die Zulagen nicht eingeschlossen seien (E. 4 hiernach).