Citation: 2A.69/2001 29.06.2001 E. 4

4.- a) Im vorliegenden Fall geht aus den kantonalen Entscheiden nicht klar hervor, welches Verhalten als rechtsmissbräuchlich gewertet wurde und auf welche Indizien sich die Behörden hierzu stützten: Das Verwaltungsgericht spricht einerseits davon, dass eine Zweckehe vorliege und die neue Lebensgemeinschaft nicht wirklich gewollt sei. Andererseits weist es in seiner Vernehmlassung ausdrücklich darauf hin, dass es nicht behauptet habe, es handle sich bei der Ehe A.-C.________ um eine "Scheinehe". Das ganze Vorgehen als solches sei als rechtsmissbräuchlich bezeichnet und der Familiennachzug deshalb verwehrt worden. Das Departement für Justiz und Sicherheit seinerseits ging davon aus, der Beschwerdeführer habe sich mit seiner zweiten Ehe das Schweizer Bürgerrecht und damit die Anwesenheit in der Schweiz erschlichen; "auch wenn sich dieser Nachweis nicht erbringen" lasse (S. 8 des Entscheids). Entweder handle es sich bei der "neuen" Ehe A.-C.________ um die Fortsetzung der früheren, offenbar gescheiterten Ehe oder allenfalls auch bloss um eine formelle Ehe, um auch C.________ den Aufenthalt in der Schweiz zu verschaffen. b) Gestützt auf die vorliegenden Unterlagen lässt sich die Frage, ob ein Rechtsmissbrauch vorliegt, nicht abschliessend beurteilen, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache wegen unvollständiger Feststellung des Sachverhalts (Art. 105 Abs. 2 OG) zu ergänzenden Abklärungen an das Verwaltungsgericht zurückzuweisen ist (vgl. BGE 123 II 49 E. 6 S. 54 f.): aa) Wie im unveröffentlichten Entscheid vom 6. Januar 2000 i.S. O.A. festgehalten wurde, schliesst die Tatsache, dass die Ehe mit einem Schweizer Bürger nicht als "fiktiv" bezeichnet werden kann, einen Rechtsmissbrauch im Rahmen eines anschliessenden Familiennachzugs zwar nicht grundsätzlich aus, doch müssen hierfür dennoch konkrete Anhaltspunkte bestehen. Der Rechtsmissbrauch darf - auch im Ausländerrecht - nicht leichthin bejaht oder gar allgemein vermutet werden. Im vorliegenden Fall kann zwar die zeitliche Ausgestaltung des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Schweiz auf einen Missbrauch deuten, nachdem die Heirat mit der schweizerischen Partnerin während des hängigen Asylbeschwerdeverfahrens nach der erstinstanzlichen Wegweisung erfolgte und die Ehe nur wenige Monate nach der erleichterten Einbürgerung geschieden und durch eine erneute Beziehung mit der ursprünglichen türkischen Gattin ersetzt wurde. Die Umstände sind jedoch nicht derart klar, dass allein die zeitliche Abfolge bereits auf einen Rechtsmissbrauch schliessen liesse: Die Scheidung von der türkischen Ehegattin erfolgte 1987 wegen Zerrüttung. Die Ehe mit der um rund zwei Jahre älteren Schweizer Partnerin wurde erst 1993 eingegangen. Das Scheidungsbegehren ist am 31. Juli 1997 und damit rund fünf Monate nach der erleichterten Einbürgerung gestellt worden. Zwar soll der Beschwerdeführer erklärt haben, er heirate seine geschiedene Frau wieder, weil er mit seinen Kindern zusammenleben möchte und dies nur so möglich sei. Wie das Bundesgericht aber wiederholt festgehalten hat, sind die Heiratsgründe im Rahmen von Art. 7 Abs. 2 ANAG von dem Moment an nicht mehr entscheidend, da die eheliche Gemeinschaft wirklich gewollt ist (BGE 121 II 97 E. 3b, mit Hinweis), was das Verwaltungsgericht gemäss seiner Vernehmlassung hier offenbar nicht in Frage stellt. bb) Soweit im angefochtenen Urteil darauf hingewiesen wird, gemäss einem Schreiben der Schweizer Botschaft in Ankara vom 28. Juli 2000 seien solche "Machenschaften" zum Erwerb der schweizerischen Staatsbürgerschaft und dem Nachzug der "Imam"-Gattin mit Kindern bestens bekannt, spricht dies zwar allenfalls für eine strengere Widerrufspraxis des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements im Rahmen von Art. 41 BüG, ändert jedoch nichts daran, dass im Einzelfall dennoch Anhaltspunkte für einen entsprechenden Missbrauch vorliegen müssen, selbst wenn hierfür von der Natur der Sache her kein eigentlicher Beweis verlangt werden kann. Solche Indizien bestehen hier bloss ansatzweise. Für die abschliessende Beurteilung, ob ein Rechtsmissbrauch vorliegt, sind weitere Abklärungen nötig, zumal das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement am 5. Mai 1999 nach einer "eingehenden Prüfung des Sachverhalts" seinerseits zum Schluss gekommen ist, dass eine Nichtigerklärung der Einbürgerung nicht möglich sei, da deren Erschleichung nicht nachgewiesen erscheine. cc) Unvollständig festgestellt im Sinne von Art. 104 lit. b OG ist ein Sachverhalt, wenn notwendige und mögliche Abklärungen über einen wesentlichen Sachumstand unterblieben sind (Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege,