Citation: 4A_211/2023 E. 5.8

5.8. Soweit die Vorinstanz mit Hinweis auf die Usanz im Geschäftsverkehr vom Grundgedanken von Art. 200 OR spricht, wurde bereits klargestellt, dass sich der Käufer nach diesem Grundgedanken auf Zusicherungen, von denen er nicht weiss, dass sie nicht zutreffen, verlassen kann, ohne sie zu prüfen (vgl. E. 5.4.1 hiervor). Wie die Vorinstanz zur Erkenntnis gelangt, es könne nicht als unüblich bezeichnet werden, wenn im Rahmen von Aktienverkäufen zwischen Verwaltungsräten oder zwischen Aktionären und Verwaltungsräten aufgrund des auf beiden Seiten vorhandenen Wissens über das betreffende Unternehmen vereinbart werde, dass die Verkäufer auch bei zugesicherten Eigenschaften nicht für Mängel hafteten, welche die Käufer bei Vertragsabschluss kannten oder hätten kennen müssen, erschliesst sich aus dem angefochtenen Entscheid nicht, zumal es wesentlich einfacher erscheint, diesfalls keine Zusicherungen abzugeben. Selbst wenn die Annahme der Vorinstanz aber zutreffen sollte, ist nicht festgestellt, es wäre üblich, dass die Parteien, die eine derartige Vereinbarung treffen, den Vorbehalt dahingehend formulieren, dass die Käuferinnen allfällige haftungsbegründende Tatsachen nicht gekannt haben, und damit üblicherweise (ohne es im Vertragstext zu erwähnen) auch sämtliche Tatsachen meinen, welche die Kaufpartei hätte kennen können oder müssen. Auch die Usanz im Geschäftsverkehr spricht demnach nicht für das vorinstanzliche Auslegungsergebnis.