Citation: 6P.140/2004 15.12.2004 E. 8

8.1 Der Beschwerdeführer beanstandet weiter, die Vorinstanz habe zu Unrecht einen allfälligen Notwehrexzess verneint. Er sei nach seinem monatelangen Martyrium wegen der Schutzgelderpressungen in dieser Hinsicht noch immer bedroht und angegriffen gewesen. Er habe noch immer damit rechnen müssen, dass der Geschädigte - allenfalls mit stärkerer Unterstützung - auftauchen könnte, um seine Erpresssungsversuche erneut zu bekräftigen. Der Angriff auf sein Vermögen habe aufgrund der permanenten Pressionen immer noch angedauert. 8.2 Die Vorinstanz nimmt an, es fehle bereits an der Voraussetzung eines Angriffs seitens des Geschädigten. Es stehe fest, dass die Rangelei beendet gewesen und der Schuss gefallen sei, als der Geschädigte sich vom Beschwerdeführer abgewendet und die Flucht ergriffen habe. Damit könne auch keine Putativnotwehr vorliegen. 8.3 Wird jemand ohne Recht angegriffen, oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere gemäss Art. 33 Abs. 1 StGB berechtigt, den Angriff in einer den Umständen angemessener Weise abzuwehren. Die Bestimmung gibt dem Angegriffenen mithin das Recht zu verhältnismässiger Abwehr eines widerrechtlichen Angriffs. 8.4 Das angefochtene Urteil verletzt auch in diesem Punkt kein Bundesrecht. Wie die Vorinstanz zu Recht erkennt, liegt eine Notwehrsituation schon deshalb nicht vor, weil vom Geschädigten nach den verbindlichen tatsächlichen Feststellungen kein Angriff ausgegangen ist (vgl. BGE 102 IV 65 E. 2a). Eine legitime Abwehr wäre zudem zum Zeitpunkt, als der Angreifer die Flucht ergriffen hatte, mangels aktueller Bedrohung ohnehin nicht mehr möglich gewesen (vgl. Urteil des Kassationshofs 6S.131/2003 vom 13.8.2003 E. 3.2). Dementsprechend könnte auch kein Notwehrexzess vorliegen, da Art. 33 Abs. 2 StGB eine Strafmilderung nur bei Anwendung eines unverhältnismässigen Abwehrmittels (intensiver Exzess), nicht aber bei Handeln ausserhalb der Notwehrsituation vorsieht (extensiver Exzess; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl. Zürich 1997, Art. 33 N 16). Jedenfalls liesse sich hier nicht sagen, der Beschwerdeführer habe die Abwehr unmittelbar nach Abschluss des Angriffs noch fortgesetzt (Stratenwerth, a.a.O., § 10 N 87). Im Übrigen wäre die Beschwerde aber auch unbegründet, wenn die vom Beschwerdeführer behauptete Erpressung von Schutzgeldern nachgewiesen wäre. Die künftige Verwirklichung des für den Weigerungsfall der Schutzgeldzahlung angedrohten Übels ist kein gegenwärtiger Angriff bzw. keine unmittelbare Bedrohung mit einem solchen (Schönke/Schröder/Lenckner/Perron, Strafgesetzbuch, Kommentar, 26. Aufl. 2001, § 32 N 18). Der Beschwerdeführer beruft sich hier im Grunde auf eine unmittelbar drohende, nicht anders abwendbare Dauergefahr im Sinne des Notstandes (Art. 34 StGB; vgl. BGE 122 IV 1 E. 3; 125 IV 49 E. 2b). Dass die Bedrohung hier nicht anders als durch den sofortigen Einsatz einer Schiesswaffe wirksam hätte abgewendet werden können, ist indes nicht ersichtlich. Dies gilt umso mehr, als der Geschädigte zuvor körperlich angegriffen und in die Flucht geschlagen wurde.