Citation: U 114/05 07.12.2005 E. 3

3.1 In dem zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteil V. vom 2. September 2005 (I 55/05 + U 26/05) hat das Eidgenössische Versicherungsgericht entschieden, dass der Unfallversicherer - wie zuvor schon in Fällen, in welchen das ATSG noch nicht zur Anwendung gelangte (AHI 2004 S. 181) - auch unter der Herrschaft des ATSG (insbesondere Art. 49 Abs. 4 ATSG) an die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung nicht gebunden ist. Begründet wird dies damit, dass der Unfallversicherer mangels "Berührtseins" im Sinne von Art. 49 Abs. 4 ATSG nicht zur Einsprache gegen die Verfügung oder zur Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der IV-Stelle über den Rentenanspruch als solchen oder den Invaliditätsgrad berechtigt ist und die Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung ihm gegenüber deshalb keine Bindungswirkung entfalten kann; ebenso fehlt dem Unfallversicherer die Berechtigung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Eidgenössische Versicherungsgericht gegen Entscheide kantonaler Gerichte in Streitigkeiten um eine Rente der Invalidenversicherung (erwähntes Urteil V. vom 2. September 2005 [I 55/05 + U 26/05], Erw. 2, insbesondere Erw. 2.2). Damit hat sich das Eidgenössische Versicherungsgericht im Ergebnis einer früher schon in der Doktrin verschiedentlich vertretenen Meinung angeschlossen, wonach ein "Berührtsein" nicht angenommen werden kann, soweit nicht eine eigentliche Bindung an den durch einen anderen Sozialversicherungsträger getroffenen Entscheid besteht, sondern bloss eine Obliegenheit, dessen bereits vorliegenden rechtskräftigen Entscheid mit zu berücksichtigen (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar, N 30 zu Art. 49 in fine mit entsprechenden Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung; Jürg Scheidegger, Die Koordination der Invaliditätsschätzungen der verschiedenen Sozialversicherungszweige, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Aktuelle Rechtsfragen der Sozialversicherungspraxis, St. Gallen 2001, S. 101, wo ebenfalls keine enge Bindung der Unfallversicherung an eine rechtskräftige Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung angenommen wird). 3.2 Selbst bei Annahme einer gewissen Bindungswirkung könnte der SUVA im konkret zur Diskussion stehenden Fall ein Abweichen von dem von der Invalidenversicherung bestimmten Invaliditätsgrad indessen nicht grundsätzlich versagt bleiben. In der (nicht begründeten) Verfügung vom 23. Mai 2003 ist die IV-Stelle von einem Invalideneinkommen von Fr. 15'275.‑ ausgegangen. Damit hat sie ohne weitere Abklärungen aus den im Arbeitgeberbetrieb noch ausgeübten Tätigkeiten auf das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit geschlossen. Nicht weiter geprüft wurde dabei, ob die halbtags ausgeübte Arbeit nicht auch ganztags zumutbar wäre. Die mit halbem Leistungsvermögen nur halbtags verrichtete Arbeit wurde einfach einer 75%igen Arbeitsunfähigkeit gleichgesetzt, was nicht angeht. Von der Arbeitsunfähigkeit kann weiter auch nicht direkt auf den Invaliditätsgrad geschlossen werden. Indem die IV-Stelle bei der Bestimmung des Invalideneinkommens einzig auf das nach Eintritt der Behinderung noch realisierte Gehalt abgestellt hat, ist dem Umstand nicht genügend Beachtung geschenkt worden, dass die Arbeitgeberin ausdrücklich erklärt hatte, die Beschäftigung sei aus betrieblichen und nicht etwa aus gesundheitlichen Gründen bloss halbtägig erfolgt; eine Ganztagesstelle hätte sie gar nicht anbieten können. Gestützt auf die Ergebnisse der Erhebungen in der Rehaklinik Q.________ und des Kreisarztes Dr. med. W.________ ist anzunehmen, dass dem Beschwerdeführer eine leichte Arbeit mit gewissen Einschränkungen (limitiertes Heben von Lasten, keine repetitiv ausreichende Arbeiten mit der rechten Hand, zusätzliche Pausen) auch ganztags durchaus zumutbar wäre. Unter Berücksichtigung dieser ärztlichen Unterlagen ist jedenfalls nicht nachvollziehbar, warum selbst eine leichte Arbeit nur halbtags möglich sein sollte. Der Hausarzt Dr. med. A.________ begründet in seinem Bericht vom 17. November 2001 denn auch nicht weiter, wie er zur Annahme einer 75%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit kommt. Der Schluss liegt nahe, dass auch er sich lediglich an den konkret noch ausgeübten Tätigkeiten orientiert hat. Dr. med. H.________, welcher den Beschwerdeführer operiert und während längerer Zeit behandelt hat, nahm zur Frage nach der Einschränkung des Leistungsvermögens nicht Stellung. Die vom Hausarzt vertretene Auffassung, wonach lediglich eine 25%ige Erwerbstätigkeit zumutbar sei, ist demnach als singulär zu betrachten. Rechnung zu tragen ist dabei auch der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte (und ebenso die einen Versicherten behandelnden Spezialärzte) im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 352 Erw. 3b/cc).