Citation: I 266/05 11.04.2006 E. 4

4.1 Streitig und zu prüfen ist sodann die Frage des Status und damit einhergehend die zur Anwendung gelangende Methode der Invaliditätsbemessung. Während Vorinstanz und IV-Stelle davon ausgehen, die Beschwerdeführerin wäre ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 70 % erwerbstätig sowie zu 30 % im Haushalt tätig, hält die Versicherte dafür, diesfalls uneingeschränkt einer erwerblichen Beschäftigung nachzugehen. 4.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung führt -, ergibt sich - auch nach In-Kraft-Treten des ATSG (vgl. SVR 2005 IV Nr. 21 S. 83 Erw. 4.2 mit Hinweis [I 249/04]) - aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass des Einspracheentscheides entwickelt haben. Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (BGE 125 V 150 Erw. 2c, 117 V 194 Erw. 3b, je mit Hinweisen). 4.3 Aus dem IK-Auszug vom 16. Mai 2001 ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin nach der Geburt der ersten Tochter im April 1991 bereits im Oktober 1991 wieder eine Vollzeitstelle aufnahm und dort bis Mai 1992 voll erwerbstätig war. Danach arbeitete sie teilzeitig oder bezog Arbeitslosenentschädigung. Nach der Geburt der zweiten Tochter im Juni 1994 war die Beschwerdeführerin, wie die Vorinstanz richtig feststellte, abgesehen von drei kleinen Nebenverdiensten erst wieder seit der Aufnahme ihrer selbstständigen Tätigkeit im April 1996 zu 50 % erwerbstätig. Im Bericht vom 23. April 2002 ging die Haushaltexpertin in Anbetracht der angespannten finanziellen Verhältnisse und der Tatsache, dass die Versicherte ledig war und für zwei minderjährige Kinder aufzukommen hatte und unter Berücksichtigung der bisherigen Tätigkeiten davon aus, dass sie bei voller Gesundheit einer Erwerbstätigkeit von rund 70 % nachgehen würde, einem Pensum, das sie bereits vor Eintritt der Erkrankung inne gehabt habe. Diese Annahme, der sich sowohl IV-Stelle wie auch Vorinstanz anschlossen, begründete sie damit, dass die Beschwerdeführerin in den Jahren unmittelbar vor der Operation (1999), nämlich in den Jahre 1996-1998, bei gleichen Umständen (seit 9 Jahren mit ihrem Lebenspartner D.________ zusammen wohnhaft, womit Miet- und Lebenshaltungskosten geteilt werden können) neben der 50%igen selbstständigen Erwerbstätigkeit als Reinigerin stets noch Nebenerwerbe (etwa 20 %) ausgeübt habe; beispielsweise 1998 u.a. als Service-Ferienaushilfe im Restaurant Y.________ und im Theater Q.________. Sie bezeichnete die Annahme von 70 % als umso realistischer, als die Kinder der Versicherten mittlerweile noch selbstständiger geworden seien. Dazu gilt jedoch festzustellen, dass laut MEDAS-Gutachten (vom 10. September 2003) die gesundheitsbedingte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 50 % für leichte körperliche Tätigkeiten und 100 % für alle mittelschweren und schweren Arbeiten bereits seit 1996 bestand. Somit ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin in einer Zeit, als die Kinder noch sehr klein waren (zwischen 2 und 5 Jahren) und die erhebliche gesundheitsbedingte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit schon bestand, bereits einer Erwerbstätigkeit von gegen 70 % nachgegangen ist, welche sie dann gesundheitsbedingt per Mai 2000 aufgeben musste. Dies spricht für die Annahme der Beschwerdeführerin, ohne Gesundheitsschaden voll erwerbstätig zu sein. Umso mehr als sie, wie zu Recht geltend gemacht wird, entsprechend dem psychiatrischen Teilgutachten vom 17. Juli 2003 aufgrund ihrer erschwerten Lebensumstände von einem ausgesprochenen Leistungsdenken sowie Autonomiebedürfnis geprägt ist und als oberste Ziele ihre Selbstständigkeit und materielle Unabhängigkeit entwickelte. Im Zeitpunkt des Einspracheentscheides waren die Kinder knapp 13- bzw. noch nicht ganz 10-jährig. Damit fielen zwar noch Betreuungsaufgaben an, auch wenn die Kinder gemäss Abklärungsbericht bereits sehr selbstständig waren. Dass dafür aber der damalige Lebenspartner und jetzige Ehemann während des Tages kaum zur Verfügung stehen dürfte, da er im Aussendienst tätig und tagsüber abwesend sei, kann entgegen der Vorinstanz nicht ohne weiteres angenommen werden. Aus der Stellungnahme des heutigen Ehemannes (vom 21. Februar 2005), die unbestritten blieb, ist zu entnehmen, dass er als Chauffeur tätig war und seine Aufträge flexibel und ohne Termindruck ausüben konnte, womit die von der Vorinstanz verwendete Bezeichnung Aussendienst so nicht richtig sei. Zudem sei er während der teils wochenlangen Spitalaufenthalte der Versicherten sowohl zum Frühstück wie auch zum Mittagessen anwesend gewesen und habe die Kinder selbst und ohne fremde Hilfe verpflegt. Aufgrund der Akten besteht kein Grund an diesen Aussagen zu zweifeln. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin die Reinigungsarbeiten vorwiegend abends verrichtete. Mit Blick auf diese Ausgangslage ist in Würdigung der gesamten erwerblichen, familiären, sozialen und finanziellen Verhältnisse, entgegen der Vorinstanz davon auszugehen, dass die Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung der Verhältnisse im Haushalt selbst davon sprach, ohne Gesundheitsschaden zu 50 % erwerbstätig zu sein, vermag daran nichts zu ändern. Obgleich diesem Umstand rechtsprechungsgemäss erhöhtes Gewicht beizumessen ist (AHI 2000 S. 197 Erw. 2d; Erw. 3 des in RKUV 2001 Nr. U 437 S. 342 ff. auszugsweise publizierten Urteils C. vom 18. Juli 2001, U 430/00; vgl. auch BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen), geht es im hier zu beurteilenden Fall im Rahmen der Gesamtbetrachtung nicht an, darauf abzustellen, zumal bereits die Haushaltexpertin aufgrund der persönlichen Verhältnisse diese Angaben als zu niedrig eingestufte. Sodann gilt grundsätzlich zu beachten, dass der Bedeutungsgehalt der Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall innerhalb des ganzen IV-Rentengefüges für Laien nicht einfach zu erkennen ist (vgl. zum Ganzen auch Urteil S. vom 7. Juni 2005, I 108/05, Erw. 3.2.2).