Citation: 1P.275/2003 23.09.2003 E. 5

5.1 Gemäss Art. 35 Abs. 2 Satz 1 ist Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr nicht behindert wird. Wer überholt, muss gemäss Art. 35 Abs. 3 SVG auf die übrigen Strassenbenützer, namentlich auf jene, die er überholen will, besonders Rücksicht nehmen. In unübersichtlichen Kurven darf gemäss Art. 35 Abs. 4 SVG nicht überholt werden, wobei der Ausdruck "in unübersichtlichen Kurven" mit "bei" oder "im Bereich von derartigen Kurven" gleichgesetzt werden muss (BGE 109 IV 134 E. 3 S. 136). Zu prüfen ist, ob die willkürfrei getroffenen Sachannahmen den Schluss zulassen, die überblickbare Strecke hätte für ein gefahrloses Überholen nicht ausgereicht. 5.2 Der Kantonsgerichtsausschuss hat im angefochtenen Urteil festgehalten, dass anlässlich des durch die Untersuchungsbehörde durchgeführten Augenscheins von der Stelle, von welcher der Beschwerdeführer das Überholmanöver begonnen habe, eine Sichtdistanz von 349 Metern ausgemessen worden sei, während es nach späteren Messungen des Beschwerdeführers 360 Meter gewesen sein sollen. Wie der Augenschein ergeben habe, sei die Sicht jedoch nur für einen kurzen Augenblick frei, da der zunächst gerade Streckenabschnitt in eine langgezogene Rechtskurve münde, welche die Sicht in die nachfolgende Linkskurve bei der Örtlichkeit "Egga" teilweise beeinträchtige. Die vom Beschwerdeführer im kantonalen Verfahren eingereichte Videokassette bestätigt dies. 5.3 Ausgehend von einer Geschwindigkeit des Beschwerdeführers von 80 km/h und einer solchen des überholten Lastwagens von 60 km/h, einer Länge des überholenden Fahrzeuges von 5 Metern und einer solchen des überholten Lastwagens von 9 Metern und einer Aus- und Einbiegestrecke von je 40 Metern (entsprechend einem "halben Tacho") errechnete der Kantonsgerichtsausschuss einen Überholweg von 376 Metern. Bei Verkürzung der Aus- und Einbiegestrecke auf 20 Meter (entsprechend einem "viertel Tacho") hätte der Überholweg nach der Berechnung des Kantonsgerichtsausschusses noch 216 Meter betragen. Bei den angenommenen Geschwindigkeiten von 80 km/h für den Beschwerdeführer beziehungsweise 60 km/h für den Lastwagen hätte der Beschwerdeführer nach der Feststellung des Kantonsgerichtsausschusses für das Überholmanöver 9,7 Sekunden benötigt. Da nicht nur die für den Überholvorgang benötigte Strecke übersichtlich und frei sein muss, sondern zusätzlich jene, die ein entgegenkommendes Fahrzeug bis zu diesem Punkt zurücklegt, wo der Überholende die linke Strassenseite freigegeben haben wird, muss bei der Prüfung, ob die überblickbare Strecke für ein gefahrloses Überholen genügte, auch diese Distanz berücksichtigt werden. Der Kantonsgerichtsausschuss hat für den Gegenverkehr an der fraglichen Stelle eine Geschwindigkeit von 60 km/h für zulässig erachtet, was der Beschwerdeführer nicht beanstandet. Hieraus ergibt sich für den Gegenverkehr in der errechneten Überholzeit von 9,7 Sekunden die vom Kantonsgerichtsausschuss festgestellte Distanz von 161 Metern. Gestützt darauf gelangte der Kantonsgerichtsausschuss zum Ergebnis, dass selbst bei Annahme einer Sichtdistanz von 360 Metern und eines Überholwegs von nur 216 Metern die Sichtdistanz ein gefahrloses Überholen nicht erlaubte.