Citation: 1P.504/2005 02.02.2006 E. 4

4.1 Gemäss dem Auszug aus dem Protokoll vom 10. März 2004 begründete der Stadtrat von Zürich die Unterschutzstellung des Wohnhauses mit Stallscheune und des Wagenschopfs, welche beide im Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung und deren Umgebung im Inventar der schützenswerten Gärten und Anlagen der Stadt Zürich figurieren, im Wesentlichen wie folgt: Die ortsbildprägende Wirkung sowohl des Haupt- als auch des Nebengebäudes sei beträchtlich. Die typischen dörflichen Gebäudekuben mit den charakteristischen Verbretterungen würden für Zufahrer von Westen auf der Altstetter- wie von Nordosten auf der Albisriederstrasse den Anfangspunkt des kompakten Dorfkerns von Albisrieden setzen. Der Vorgarten und die Obstwiese seien wichtige Bestandteile des Ensembles und würden dessen bäuerlichen Charakter unterstreichen. Das Hauptgebäude habe ein hohes Alter; dessen älteste Teile würden von vor 1539 datieren. Dessen Konstruktionsweise als Kombination eines ungebundenen und eines gebundenen Gerüstsystems (Bohlenständerbau mit unabhängigem Dachstuhl im Wohnhaus, Mehrreihenständerbau im Ökonomieteil) sei selten und zu diesem frühen Zeitpunkt im Kanton Zürich ohne Vergleich. Die ursprüngliche Mehrreihenständerkonstruktion - eine Form, die im Kanton Zürich vom 15. bis 18. Jahrhundert belegt sei - sei im Ökonomieteil noch fast vollständig vorzufinden. Wenn auch einzelne Hölzer schadhaft seien, könnten sie konstruktionsgerecht ersetzt werden. Der Ökonomieteil trage ein Rafendach, welches die ältere und weit seltenere Dachkonstruktion vor dem Aufkommen des Sparrendachs darstelle. Auch im Wohnteil sei, mit Ausnahme der 1933 neu aufgebauten Giebelfassade, die Ständerkonstruktion noch weitgehend vorhanden. Sie sei aber durch jüngere Verkleidungen verdeckt. Siedlungsgeschichtlich handle es sich beim Hauptgebäude um eine Ausbauliegenschaft des älteren Dorfkerns. Aus Grundstücken, die nach und nach in der Hand einer Familie vereinigt worden seien, habe das Grossmünster einen Hof gebildet und diesen mit einem eigenen Gebäude versehen. Ein solcher Ausbauvorgang sei 100 Jahre später nur noch in Ausnahmefällen möglich gewesen. Um den Druck auf die gemeinschaftlichen Nutzungen zu verkleinern, sei der Bau von neuen Häusern nicht mehr erlaubt worden. Auch an der Altstetterstrasse 336 habe sich der Bevölkerungsdruck in Hausteilungen niedergeschlagen. Die engen Wohnverhältnisse seien noch nachvollziehbar, was dem Haus zu einem hohen sozialgeschichtlichen Wert verhelfe. Das Gebäude an der Altstetterstrasse 336 sei ein typisches Bauernhaus mit der Zweiteilung in Wohn- und Ökonomieteil unter einem First und einem frei stehenden Nebengebäude. Als solches sei es ein wichtiges Zeugnis jener wirtschaftlichen Epoche, in der Albisrieden zum landwirtschaftlichen Umland der zünftischen und frühindustriellen Stadt Zürich gehört habe, und verweise, wie alle alten ehemaligen Bauernhäuser in diesem Dorfkern, auf die einstige Grundherrschaft des Grossmünsters, auf die politischen Verhältnisse des ehemaligen Stadtstaats Zürich und die selbständige Gemeinde, die Albisrieden vor seiner Eingemeindung im Jahr 1934 gewesen sei. Die beiden Gebäude an der Altstetterstrasse 336 seien daher als wichtige Zeugen mehrerer wirtschaftlicher, sozialer und politischer Epochen einzustufen, die zudem das Ortsbild wesentlich mitgeprägt hätten. 4.2 In ihrem Entscheid vom 12. November 2004 vertrat die Baurekurskommission die Auffassung, dass die Voraussetzungen zur Unterschutzstellung der betroffenen Gebäude, d.h. die ortbildprägende Wirkung oder die wichtige Zeugenschaft einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukünstlerischen Epoche (vgl. § 203 Abs. 1 lit. c PBG/ZH), nicht erfüllt seien. Zur Begründung führte sie aus: Der Wechsel zur dörflichen Überbauung sei erst mit dem vor einigen Jahren umgebauten, renovierten und unter Schutz gestellten Gebäude Albisriederstrasse 377, welches weiter innerhalb der Kernzone als die streitbetroffenen Gebäude gelegen sei, erfolgt. Das Hauptgebäude an der Altstetterstrasse 336 sei als freistehendes Gebäude von den nachfolgend entlang der Albisriederstrasse stehenden Häusern der Kernzone etwas abgesetzt. Es bilde sozusagen einen Vorposten des alten Dorfkerns. Mit der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich seien zahlreiche Vorschriften erlassen worden, welche die Überbaubarkeit von in der Kernzone gelegenen Grundstücken einschränken würden. Bezüglich des streitbetroffenen Hauptgebäudes sei die Profilerhaltung vorgeschrieben, was bedeute, dass im Falle eines Umbaus der Kubus und das wesentliche äussere Erscheinungsbild der bestehenden Gebäude übernommen werden müssten. An Stelle des Wagenschopfs sei ein Neubau überhaupt nicht zulässig. Ausserdem sei die äussere Erscheinung des Bauernhauses, insbesondere der Dachaufbauten und der Giebelfassaden, mehrheitlich das Resultat von in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgenommenen Umbauten. Von einer besonderen Gestaltung und Erscheinung, welche zur prägenden Wirkung beitrage, könne nicht die Rede sein. Insgesamt vermöge der Situationswert der Gebäude über die Bau- und Zonenordnung hinausgehende Schutzmassnahmen nicht zu rechtfertigen. Aus baugeschichtlicher Perspektive sei die Kombination des älteren Mehrreihenständerbaus mit dem jüngeren Ständerbau mit unabhängigem Dachstuhl nicht schutzwürdig. Die Verbindung der Konstruktionsweisen sei eher zufällig entstanden und nicht Teil einer Entwicklung, welche diese Kombination zu einer gebräuchlichen Bauweise habe werden lassen. Vielmehr handle es sich um einen Einzelfall ohne historische Bedeutung. Auch sei unklar, wieviel von der Konstruktion des Wohnteils noch erhalten sei und zugänglich gemacht werden könne. Siedlungsgeschichtlich sei die sichtbar gebliebene Unterteilung des Erdgeschosses in zwei separate Wohnungen zwar nicht uninteressant. Bei einem Umbau des Wohnteils würden die entsprechenden Räume im östlichen Wohnteil aber bloss als kleine Zimmer zurückbleiben. Die Folgen der Hausteilung, d.h. die Entstehung zweier vollständiger Wohnungen auf kleinem Raum, wären nicht mehr zu erkennen. Die siedlungsgeschichtliche Bedeutung kleiner Wohnräume sei indessen nicht derart gross, dass sie die Unterschutzstellung des ganzen Bauernhauses rechtfertigen würde. Auch eine wichtige Zeugenschaft für die stark landwirtschaftlich geprägte Vergangenheit der Aussenquartiere Zürichs komme den streitbetroffenen Gebäuden nicht zu. Als eines von vielen ehemaligen Bauernhäusern in Albisrieden, welche zum Teil unter Schutz gestellt seien, weise das Hauptgebäude keine speziellen, besonders typischen Eigenschaften auf, welche die Unterschutzstellung aufdrängen würden. Ebenso wenig seien das Interieur, der Metallherd in der westlichen Küche und der Kachelofen in der westlichen Stube besonders wertvolle, schützenswerte Exemplare. Vielmehr handle es sich um Dutzendware aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in Häusern entsprechenden Alters regelmässig anzutreffen seien. 4.3 Im angefochtenen Urteil legte das Verwaltungsgericht dar, der Standpunkt der Baurekurskommission, dass den streitbetroffenen Gebäuden keine ortsbildprägende Wirkung zukomme, sei insgesamt überzeugend. Die Stadt Zürich vermöge den Befund der Baurekurskommission, wonach der Wechsel zur dörflichen Überbauung erst mit dem unter Schutz gestellten Gebäude Albisriederstrasse 377 erfolge, nicht in Frage zu stellen. Ob die streitbetroffenen Gebäude als Vorposten, so die Baurekurskommission, oder als Anfangspunkt, so die Stadt Zürich, bezeichnet werden, sei eine verbale Nuance, die für sich allein nicht ausschlaggebend sei. Die Baurekurskommission habe ausgeführt, die äussere Erscheinung des Bauernhauses sei mehrheitlich das Resultat von in jüngerer Zeit vorgenommenen Umbauten. Dabei habe sie insbesondere die Dachaufbauten sowie die nordöstliche Giebelfassade erwähnt. Wie die bei den Akten liegenden Photographien zeigten, sei diese Würdigung zutreffend. Die Giebelfassade trage ohnehin wenig zur Erscheinung des Gebäudes bei, weil sie sich auf der von der Strassenkreuzung abgewandten Seite befinde und wegen den umliegenden Nachbarbauten nicht gut einsehbar sei. Bezüglich der baugeschichtlichen Bedeutung führte das Verwaltungsgericht aus, die Baurekurskommission habe die Besonderheit der Konstruktionsweise des Hauptgebäudes (Kombination des älteren Mehrreihenständerbaus im Ökonomieteil mit dem jüngeren Bohlenständerbau im Wohnteil) nicht verkannt. Die Eigenschaft als "Übergangsbaute" sei zwar baugeschichtlich von einigem Interesse. Die Würdigung der Baurekurskommission, wonach diese Eigenschaft weder für sich allein noch im Zusammenhang mit weiteren Aspekten ein wichtiges baugeschichtliches Zeugnis abgebe, stelle indessen keine Verletzung von § 203 Abs. 1 lit. c PBG/ZH dar. Auch habe die Baurekurskommission nicht verkannt, dass das Bauernhaus an der Altstetterstrasse 336 samt Wagenschopf Zeugnis für jene wirtschaftliche Epoche ablege, in der Albisrieden zum landwirtschaftlichen Umfeld der Stadt Zürich gehöre. Die Gemeinde habe aber nicht in Abrede gestellt, dass im Falle eines Umbaus die Zimmer im östlichen Wohnteil nicht mehr als ehemalige Küche und Stube erkennbar wären. Sodann habe die Stadt Zürich eingeräumt, dass die im westlichen Wohnteil noch vorhandenen Elemente nicht besonders schützenswert seien. Vor diesem Hintergrund sei nicht rechtsverletzend, wenn die Baurekurskommission eine qualifizierte Zeugenschaft der Baute auch in siedlungsgeschichtlicher Hinsicht verneint habe. Insgesamt sei es der Stadt Zürich nicht gelungen, die Beurteilung der Baurekurskommission über die Schutzwürdigkeit der Gebäude zu entkräften. Die Baurekurskommission habe mit der Aufhebung des stadträtlichen Beschlusses die Gemeindeautonomie der Stadt Zürich nicht verletzt. 4.4 Diese Erwägungen zeigen auf, dass das Verwaltungsgericht sich nicht darauf beschränkte zu prüfen, ob die Würdigung der städtischen Baubehörden vertretbar oder gegenteils offensichtlich nicht haltbar sei und daher zu Recht zum Eingriff der Baurekurskommission geführt habe. Vielmehr nahm es gestützt auf die Akten, insbesondere gestützt auf das mit Photographien dokumentierte Protokoll über den von der Baurekurskommission durchgeführten Augenschein, eine umfassende Beurteilung der ortsprägenden Wirkung und der wichtigen Zeugenschaft der betroffenen Gebäude vor. Bei einer solchen umfassenden Beurteilung spielen zwangsläufig persönliche Anschauungen und subjektives Empfinden, das heisst Ermessenselemente, mit. Wie dargelegt (vgl. E. 3.3 und 3.5 hiervor) gesteht das zürcherische Recht dem Verwaltungsgericht auf dem Gebiet der Ortsplanung, des Bauwesens und des Natur- und Heimatschutzes nur Rechtskontrolle zu und räumt den Gemeinden auf diesen Gebieten Autonomie ein. Die kantonalen Behörden dürfen in den kommunalen Gestaltungsspielraum nur insoweit eingreifen, als die Lösung der Gemeinde nicht vertretbar ist oder - was vorliegend nicht zur Diskussion steht - als überkommunale Interessen es rechtfertigen (BGE 116 Ia 221 E. 2c S. 227, mit Hinweisen). Die verwaltungsgerichtliche Beurteilung der Schutzwürdigkeit der betroffenen Gebäude vermag daher, soweit sie vom Beschluss des Stadtrats abweicht, vor der Rechtsordnung nur standzuhalten, wenn sich die von der kommunalen Behörde vorgenommene Würdigung als offensichtlich unvertretbar erweist. Ob dies der Fall ist, ist nachfolgend zu prüfen.