Citation: 6S.192/2003 01.10.2003 E. 2

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz stelle in Bezug auf den Geschädigten und sie selbst widersprüchliche Anforderungen an die Aufmerksamkeit. Das angefochtene Urteil verletzt in diesem Punkt kein Bundesrecht. Die erhöhten Anforderungen an die Aufmerksamkeit ergeben sich für die Beschwerdeführerin aus dem Umstand, dass sie wegen ihres Fehlverhaltens, der Missachtung des Haltegebots (Art. 28 SVG), nicht darauf vertrauen durfte, die übrigen Verkehrsteilnehmer würden sich verkehrsregelkonform verhalten. Denn auf den Vertrauensgrundsatz kann sich nur berufen, wer sich selbst an die Verkehrsregeln hält (BGE 120 IV 252 E 2 d/aa; 118 IV 277 E. 4a mit weiteren Hinweisen). Die Beschwerdeführerin hätte daher der von ihr geschaffenen unklaren oder gefährlichen Verkehrslage mit erhöhter Vorsicht begegnen müssen. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Schluss der Vorinstanz nicht zu beanstanden, die Beschwerdeführerin hätte damit rechnen müssen, dass andere Verkehrsteilnehmer wegen des blinkenden Haltesignals hätten annehmen können, es komme ihnen vom Bahnübergang her kein Fahrzeug mehr entgegen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin wird damit nicht im Ergebnis die Missachtung des Blinklichtsignals als relevant für den Unfall erachtet. Denn die Vorinstanz begründet den Schuldspruch der fahrlässigen Körperverletzung nicht mit der Missachtung des Haltegebots, sondern mit der mangelnden Aufmerksamkeit der Beschwerdeführerin. Die Erwägungen der Vorinstanz zum Verschulden des Geschädigten, welche sie im Rahmen der Beurteilung der Zivilforderungen trifft, sind in Bezug auf die strafrechtliche Beurteilung des Verhaltens der Beschwerdeführerin ohne Bedeutung, da das Strafrecht keine Schuldkompensation kennt. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet.