Citation: 6B_1196/2023 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz setzt sich eingehend mit dieser Bestimmung auseinander. Sie gelangt zum Schluss, dass die Solidarhaftung der Eltern weder an die Unterhaltspflicht gemäss Art. 276 f. ZGB geknüpft sei, noch die Haftungsvoraussetzungen des Art. 333 ZGB erfüllt sein müssten. Art. 44 Abs. 3 JStPO als "Kann-Vorschrift" räume den Strafbehörden ein weites, pflichtgemäss auszuübendes Ermessen ein, das mit dem Konzept der Billigkeit eng verbunden sei. In Bezug auf die Stundung von Forderungen aus Verfahrenskosten habe das Bundesgericht im Urteil 6B_610/2014 vom 28. August 2014 E. 3 festgehalten, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Partei derart angespannt sein müssten, dass eine (ganze oder teilweise) Kostenauflage unbillig erscheine. Dies sei dann der Fall, wenn die Höhe der auferlegten Kosten unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage der kostenpflichtigen Person deren Resozialisierung bzw. finanzielles Weiterkommen ernsthaft gefährden könne. Die Vorinstanz setzt sich sodann mit der Frage einer (gutachterlich festgestellten) erzieherischen und deliktsrelevanten Fehlentwicklung und den tatsächlichen Einflussmöglichkeiten der Eltern auf die Tochter auseinander. Sie gelangt zum Schluss, dass bei der Beschuldigten zwar eine erzieherische Fehlentwicklung bestehe, aber zu erkennen sei, dass die Eltern sich stets bemüht und sich um ihre Kinder gekümmert hätten. Eine Vernachlässigung ihrer elterlichen Pflichten könne ihnen trotz Tendenzen zur Bagatellisierung und Externalisierung nicht vorgeworfen werden. Eine kausale Verbindung zwischen der erzieherischen Fehlentwicklung und den Straftaten sei nicht nachgewiesen. Sie berücksichtigt weiter die finanziellen Verhältnisse der Eltern und schliesslich, dass die elterliche Obhut zum Teil vollständig und während längerer Zeit mehrheitlich aufgehoben und damit die Einflussmöglichkeit auf die Tochter beschränkt gewesen sei. Indes seien die Eltern während dieser Zeit gegenüber ihrer Tochter unterhaltspflichtig gewesen und umfasse der Unterhalt auch Prozesskosten. Schliesslich erachtet es die Vorinstanz aufgrund einer Gesamtbetrachtung als angemessen, die Eltern zumindest für einen Teil der Verfahrenskosten, konkret für den Betrag von Fr. 15'000.--, als solidarisch haftbar zu erklären.