Citation: I 639/03 27.02.2004 E. 3

Es steht fest, dass der Beschwerdeführer auf Grund seiner Rückenbeschwerden in seiner angestammten Tätigkeit als Dachdecker nicht mehr arbeitsfähig ist. Hingegen ist streitig die Art und der Umfang der ihm verbleibenden Beschäftigungsmöglichkeiten. 3.1 Dazu erwog das kantonale Gericht, der behandelnde Arzt Dr. med. U.________ habe in seinem Bericht vom 23. November 2001 eine klare Diagnose gestellt und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dahingehend beurteilt, dass der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätigkeit ohne Leistungseinbusse voll arbeitsfähig sei. Dies sei plausibel und nachvollziehbar und finde eine Stütze im Bericht der Rheumaklinik Y.________ vom 11. Juli 2001. Die Folgerung von Dr. med. U.________ im zweiten Bericht vom 29. April 2002, die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei ohne Austestung in einem Arbeitsversuch nicht zu beurteilen, sei hingegen nicht nachvollziehbar. Der Arzt habe dieselbe Diagnose gestellt wie im ersten Bericht und den Gesundheitszustand als stationär bezeichnet. Es sei nicht schlüssig, warum nach einer bestätigten vollen Arbeitsfähigkeit nur knapp ein halbes Jahr später eine tendenziell 100- prozentige Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit resultiere. Um zu einer derart anderen Beurteilung zu gelangen, bedürfe es mindestens einer weiteren medizinisch feststellbaren und damit objektivierbaren Ursache. Diese sei jedoch nicht gegeben und es seien keine Gründe für ein Abweichen von der ursprünglichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ersichtlich. 3.2 Der Beschwerdeführer rügt, Verwaltung und Vorinstanz hätten die Aussagen in den Berichten von Dr. med. U.________ falsch interpretiert und den Gesundheitszustand ungenügend ärztlich abklären lassen. In der mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingelegten Stellungnahme vom 22. September 2003 zum kantonalen Entscheid bringt Dr. med. U.________ vor, er habe dem Beschwerdeführer auch in einer angepassten Tätigkeit nie eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert. Bei seinen Angaben habe es sich lediglich um Rahmenbedingungen für die von ihm empfohlene IV-Abklärung gehandelt. Dass der Beschwerdeführer als angelernter Dachdecker bei der Vorstellung in der Rehaklinik Q.________ eine Arbeit am Computer abgelehnt haben soll, sei ihm nicht als renitentes Verhalten gegenüber angebotenen Tätigkeiten anzurechnen, sondern es sei die Überforderungssituation zu beachten. Zudem erfülle eine nur sitzende Tätigkeit am Computer die geforderten Rahmenbedingungen in keiner Weise. Es entbehre auch jeder medizinischen Grundlage, dass Schmerzen immer eine medizinisch feststellbare und damit objektivierbare Ursache hätten. 3.3 Die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde und in der eingereichten Stellungnahme von Dr. med. U.________ erhobenen Einwände gegen die Würdigung des medizinischen Sachverhalts durch Verwaltung und Vorinstanz sind stichhaltig. Es trifft zu, dass die IV-Stelle selber keine eigentliche medizinische Abklärung getroffen hat. Die bereits mit der Anmeldung zum Leistungsbezug eingereichten Arztberichte der Neurochirurgischen Klinik des Spitals X.________ und der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Y.________ waren im Zeitpunkt des Verfügungserlasses mindestens ein Jahr alt und damit nicht geeignet, den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit im massgeblichen Zeitraum abzubilden. Die einzigen jüngeren ärztlichen Aussagen finden sich in den beiden Berichten von Dr. med. U.________, die dieser im November 2001 und April 2002 - auch bereits ein Jahr bzw. sieben Monate vor Verfügungserlass - erstattete. Wie der Betreffende zu Recht anführt, attestierte er dem Beschwerdeführer in dem im kantonalen Entscheid als relevant bezeichneten ersten Bericht nie eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, sondern er machte seine Angaben im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Abklärung durch die Invalidenversicherung. Durch die dabei verwendete Formulierung ("Dies muss durch eine IV-Abklärung geklärt werden") drückte er deutlich aus, dass auch für ihn noch ein Klärungsbedarf bestand. Hätte er ausdrücken wollen, dass die Abklärung lediglich noch die von ihm bereits gemachten Angaben zu bestätigen hat, hätte er dies entsprechend anders artikuliert. 3.4 Warum die Rehaklinik Q.________ die Aufnahme des Beschwerdeführers in die Berufserprobung ablehnte, ist nicht ersichtlich. Laut Bericht des IV-Berufsberaters soll der Beschwerdeführer bei der Vorstellung angegeben haben, er würde die Arbeiten, die man ihm gezeigt habe, nicht ausführen können, und die Tätigkeit am Computer sei nichts für ihn. Daraus lässt sich indes nicht auf eine fehlende Eingliederungsbereitschaft schliessen. Zudem soll der Beschwerdeführer bei dieser Gelegenheit ausdrücklich bemerkt haben, er wolle die Berufserprobung trotzdem versuchen (Bericht des IV-Berufsberaters vom 26. März 2002).