Citation: 6B_22/2022 E. 6.4

6.4. Nach der kantonalen Gesetzgebung verfolgen Einschränkungen der freien Ausübung des Gastgewerbes namentlich den Schutz der Jugend und der Gesundheit (vgl. §1 GGG/AG). Der nach §2 GGG/AG zur Führung einer Gastwirtschaft erforderliche Fähigkeitsausweis wird erteilt oder anerkannt, wenn die Bewerberin oder der Bewerber die erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnisse über die Hygiene und die zur Betriebsführung massgeblichen Rechtsvorschriften aufweist (§3 Abs. 1 GGG/AG). Der kantonale Gesetzgeber wollte die Einhaltung der Hygiene, der lebensmittelrechtlichen Vorschriften sowie des Jugendschutzes im Gastgewerbe durch die Voraussetzung eines Fähigkeitsausweises zur Betriebsführung sicherstellen. Diese Zielsetzung wird dadurch verfolgt, dass die Person, die über den Fähigkeitsausweis verfügt, den Gastgewerbebetrieb gesamthaft führen oder den Verpflegungsbereich leiten und dazu auch in der Regel anwesend sein muss (vgl. §2 GGV/AG). Die auf Verordnungsstufe vorgesehene grundsätzliche Anwesenheitspflicht der verantwortlichen Person zu den Hauptbetriebszeiten dient der konkreten Umsetzung der mittels Fähigkeitsausweis verfolgten Zielsetzung des GGG/AG. Während der Gesetzgeber die Grundentscheidung der Betriebsführung unter Voraussetzung eines Fähigkeitsausweises zur Einhaltung der Hygiene, der lebensmittelrechtlichen Vorschriften sowie des Jugendschutzes getroffen hat, werden auf Verordnungsebene die zur Umsetzung erforderlichen Details, insbesondere der grundsätzlichen Anwesenheitspflicht, geregelt. Damit sind die Strafbestimmung sowie die Grundzüge des unter Strafe gestellten Verhaltens auf hinreichender Normstufe geregelt (vgl. Urteil 6B_49/2019 vom 2. August 2019 E. 2.5.3 nicht publ. in: BGE 145 IV 329).