Citation: 6B_1087/2022 E. 7.2

7.2. Die Vorinstanz erwägt, die in der Anklageschrift erfolgte Umschreibung des inkriminierten Verhaltens in Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Tätlichkeiten sei hochgradig unbestimmt und pauschal. Sie vermöge den Anforderungen des Anklageprinzips nicht zu genügen. Mit der zeitlichen Beschreibung ("seit Frühjahr 2017") solle offensichtlich einfach der Zeitraum eingehalten werden, für welchen noch nicht vom Eintritt einer Verjährung auszugehen sei (Art. 126 Abs. 1 i.V.m. Art. 109 StGB). Mit der örtlichen Umschreibung ("auf dem Gebiet des Kantons Zürich, darunter dem Wohnort") solle ebenso einfach die örtliche Zuständigkeit begründet werden. Weitere Präzisierungen respektive Individualisierungen würden fehlen. Zeitlich ausreichend umschrieben sei lediglich ein einziger Vorfall: B.A.________ soll die Beschwerdeführerin am 5. April 2018 mit den Knöcheln für diese schmerzhaft gegen den Kopf geschlagen haben. Wo und in welchem Zusammenhang dies erfolgt sei, führe die Anklage allerdings nicht an. Die Anklagebehörde habe weder an der Haupt- noch an der Berufungsverhandlung substantiierte Äusserungen dazu gemacht (angefochtenes Urteil S. 20). Die Vorinstanz hält weiter fest, B.A.________ habe in sämtlichen Einvernahmen bestritten, die Beschwerdeführerin je geschlagen zu haben. Die vier Kinder von B.A.________ und der Beschwerdeführerin hätten immerhin dahingehend übereinstimmend ausgesagt, wenn B.A.________ die Beschwerdeführerin geschlagen habe, sei dies früher gewesen und später nicht mehr vorgekommen. Jedenfalls hätten sie alle keine Gewalttätigkeiten von B.A.________ gegen die Beschwerdeführerin konkret begangen am 5. April 2018 oder pauschal in der kürzeren Vergangenheit vor ihrer Verhaftung geschildert. Sollten Auseinandersetzungen tatsächlich handgreiflich geführt worden sein, so vor dem Hintergrund des gegen die Beschwerdeführerin durch B.A.________ angestrengten Gewaltschutzverfahrens mutmasslich nicht nur einseitig, sondern sehr wohl beidseitig durch beide Eheleute. Zur insgesamt fehlenden Überzeugungskraft der Aussagen der Beschwerdeführerin, die auch von der Anklagebehörde weitgehend eingeräumt worden sei, verweist die Vorinstanz auf ihre bisherigen Ausführungen. Sie kommt zum Schluss, dass die mangelhafte Anklageformulierung und ein B.A.________ nicht zweifelsfrei überführendes Beweisergebnis eine Verurteilung wegen mehrfachen Tätlichkeiten ausschliessen würden (angefochtenes Urteil S. 20 f.).