Citation: 8C_355/2007 16.05.2008 E. 3.3

3.3.1 Ob die chronifizierte Schmerzproblematik ausschliesslich psychisch begründet ist braucht nicht näher abgeklärt zu werden, da praxisgemäss auf weitere Beweisvorkehren zur natürlichen Kausalität verzichtet werden kann, wenn der adäquate Kausalzusammenhang ohnehin zu verneinen ist, was hier zutrifft (E. 3.4 und E. 3.5 hernach; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 3c; zur Anwendbarkeit dieses Grundsatzes auch im Rahmen der Schleudertrauma-Praxis vgl. aus jüngerer Zeit etwa: Urteile U 70/07 vom 31. Januar 2008, E. 5.1, und U 42/07 vom 16. Januar 2008, E. 3.3 mit Hinweisen). Daran hat sich mit dem erwähnten Urteil BGE U 394/06 vom 19. Februar 2008 (vgl. dortige E. 11) nichts geändert. 3.3.2 Obwohl sich die Frage, ob die Beschwerdegegnerin beim Ereignis vom 13. September 2002 ein Schleudertrauma, eine äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat, im Lichte der mit Urteil BGE U 394/06 vom 19. Februar 2008 erhöhten Anforderungen an den Nachweis derartiger Verletzungen anhand der medizinischen Akten auch nicht abschliessend beantworten lässt, braucht dies nach dem soeben Dargelegten ebensowenig geklärt zu werden. Ob der adäquate Kausalzusammenhang nach der Rechtsprechung von BGE 115 V 133 oder nach jener von BGE 117 V 359 zu erfolgen hat, kann demnach offen bleiben, da auch bei einer Beurteilung nach der Schleudertrauma-Praxis der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen ist. 3.4 Den Polizeiakten ist zu entnehmen, dass sich der VBZ-Bus im Wegfahren von einer Haltestelle befand und somit erst Anfahrgeschwindigkeit aufwies. Es gelang dem Buschauffeur durch das brüske Bremsmanöver eine Kollision mit einem knapp vor ihm in die Kolonne einmündenden Personenwagen zu vermeiden, führte aber gemäss Polizeirapport zum "Stoppunfall". Auf dem trockenen Asphaltbelag waren keinerlei Brems- oder Blockierspuren sichtbar. Bei einer objektiven Betrachtungsweise des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften (zur diesbezüglichen Relevanz bei der Prüfung der Unfallschwere: SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07; Urteile U 503/05 vom 17. August 2006, zusammengefasst wiedergegeben in SZS 2008 S. 183 und 8C_402/2007 vom 23. April 2008) ist gegen die vom Unfallversicherer vorgenommene Einordnung des Geschehens im Rahmen der für die Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Einteilung (Urteil BGE U 394/06, E. 10.1, 117 V 369 E. 4b S. 383) als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen, nichts einzuwenden. Daran ändert nichts, dass ein weiteres Unfallopfer immerhin einen Wirbelkörperbruch erlitten hat, kann doch der nach objektiver Betrachtungsweise zu beurteilende augenfällige Geschehensablauf bei verschiedenen Unfallopfern leichte, mittlere oder schwere Verletzungen zur Folge haben. Aus diesem Grund sind die Verletzungen beim Geschehensablauf des Unfalles nicht zu berücksichtigen. Von den weiteren, objektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umständen, welche als massgebende Kriterien in die Gesamtwürdigung einzubeziehen sind (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367), müssten demnach für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367 f.). Daran hat sich mit dem Urteil BGE U 394/06 vom 19. Februar 2008 (E. 10. 1) nichts geändert. 3.5 Ohne Weiteres zu verneinen sind die drei Kriterien der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls, der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, sowie der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen (bisher: Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit). Was die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen anbelangt, hat das Bundesgericht in E. 10.2.2 (mit Hinweisen) des Urteils BGE U 394/06 präzisiert, dass es zur Bejahung dieses Kriteriums einer besonderen Schwere der für die gegebene Verletzung typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können, bedarf. Dies ist in casu nicht gegeben, zumal unfallfremde Faktoren, wie die beruflich-familiäre Überlastungssituation ausser Acht zu lassen sind. Für das Kriterium der ärztlichen Behandlung entscheidwesentlich ist (vgl. E. 10.2.3 des Urteils BGE U 394/06), ob nach dem Unfall eine fortgesetzt spezifische, die versicherte Person belastende ärztliche Behandlung bis zum Fallabschluss notwendig war. Die Beschwerdegegnerin unterzog sich zwar regelmässig einer physiotherapeutischen und chiropraktischen Behandlung. Gestützt darauf rechtfertigt sich jedoch noch nicht die Bejahung des zu prüfenden Kriteriums, resultiert daraus doch keine erhebliche - im Sinne einer sich allein daraus ergebenden zusätzlichen - Mehrbelastung. Ebenfalls zu verneinen sind schliesslich die - unverändert übernommenen - Kriterien der ärztlichen Fehlbehandlung sowie des schwierigen Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen (E. 10.2.5 und 10.2.6 des Urteils BGE U 394/06). Adäquanzrelevant können sodann nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (E. 10.2.4 des Urteils BGE U 394/06). Dieses Kriterium kann in Anbetracht der andauernden Schmerzen als grundsätzlich erfüllt angesehen werden. Dies aber, da es der Beschwerdegegnerin immer noch möglich ist, nebst ihrer Arbeit als Hauspflegerin einen Haushalt mit drei Kindern zu führen, nicht in besonders ausgeprägter Form. Was das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit anbelangt, war die Versicherte bereits ab 16. November 2002 wieder in ihrem angestammten 80%-Pensum tätig und somit rasch in den Arbeitsprozess reintegriert, weshalb dieses Kriterium nicht erfüllt ist. Damit ist die Adäquanz zu verneinen.