Citation: 5A_245/2015 E. 3

In dringenden Fällen, oder wenn die Gläubigerversammlung nicht beschlussfähig gewesen ist, kann die Konkursverwaltung den Gläubigern Anträge auf dem Zirkularweg stellen. Ein Antrag ist angenommen, wenn die Mehrheit der Gläubiger ihm innert der angezeigten Frist ausdrücklich oder stillschweigend zustimmt (Art. 255a Abs. 1 SchKG). Mit dieser Regelung kommt ein auf dem Zirkularweg gefasster Beschluss einem solchen der Gläubigerversammlung gleich. Inwieweit auf diese Weise im ordentlichen Verfahren insbesondere die zweite Gläubigerversammlung vollständig ersetzt werden darf, ist für den konkreten Fall nicht abschliessend festzulegen. Das Bundesgericht hat in einer (älteren) Rechtsprechung der Konkursverwaltung mit Blick auf die Wahl des Vorgehens ein Ermessen eingeräumt, sofern die Interessen der Gläubiger gewahrt werden (BGE 103 III 79 E. 2 S. 82). In der Lehre wird darauf verwiesen, dass die Beschlussfassung über die Verwertung zu den Kernkompetenzen der zweiten Gläubigerversammlung gehört ( AMACKER/KÜNG, in: Kurzkommentar SchKG, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 255a). Zudem müsse auch beim Zirkulationsbeschluss wie bei einer Gläubigerversammlung die Willensbildung der Gläubiger gewährleistet sein, was eine entsprechende Formulierung der Anträge und deren umfassende Information voraussetze ( BÜRGI, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, 2. Aufl. 2010, N. 4 ff. zu Art. 255a). Zuweilen wird der Ersatz der Gläubigerversammlung durch den Zirkulationsbeschluss allerdings nur bei Vorliegen der gesetzlichen Anforderungen als zulässig erachtet (MERKT, in: Commentaire romand, Poursuite et faillite, 2005, N. 2, 3 zu Art. 255a).