Citation: 4A_507/2024 E. 4.4

4.4. Die Beschwerdeführerin weist diese vorinstanzliche Beurteilung nicht als bundesrechtswidrig aus. Die Vorinstanz erwog zutreffend, dass zwar auch künftige Forderungen erlassen oder gestundet werden können, dass die Wirksamkeit solcher Abreden aber - analog zur Abtretung von Forderungen - voraussetzt, dass der Gläubiger im Zeitpunkt der Entstehung der Forderung die Verfügungsmacht besitzt. Entgegen der Beschwerdeführerin ist die Analogie zur Abtretung künftiger Forderungen gerechtfertigt, da es sich bei beiden Instituten um Verfügungsgeschäfte handelt. Beidesmal verfügt der Gläubiger über eine Forderung, bei der Abtretung, indem er sie einem Dritten überträgt, beim Erlass, indem er sie dem Schuldner erlässt. Auch die Stundung ist ein Verfügungsgeschäft, das zu einer Änderung der Forderung durch Hinausschieben der Fälligkeit führt; beide Institute setzen folglich die Verfügungsmacht des Gläubigers voraus (GAUCH/SCHLUEP/EMMENEGGER, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Bd. II, 11. Aufl. 2020, N. 3115 f. insb. Fn. 5 und N 3137; VON TUHR/ESCHER, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts, Bd. II, 3. Aufl. 1974, S. 48 insb. Fn. 35 mit Verweis; ROLF H. Weber, in: Berner Kommentar, 2. Aufl. 2005, N. 103 und 106 zu Art. 75 OR, der insofern die Analogie von Stundungsvertrag, Schulderlass und Zession hervorhebt). Die Abtretung künftiger Forderungen entfaltet ihre Wirkung erst im Zeitpunkt, in dem die Forderung entsteht. Der Zedent muss in diesem Zeitpunkt noch Verfügungsmacht über die Forderung besitzen (BGE 130 III 248 E. 4.1; 111 III 73 E. 3a). Entgegen der Beschwerdeführerin besteht kein Grund, weshalb dies beim Erlass oder der Stundung künftiger Forderungen anders sein soll. Namentlich ändert für die hier interessierende Frage der Wirkung der Verfügung über künftige Forderungen nichts, dass einzig bei der Zession ein Dreiecksverhältnis besteht. Analog zur Zession künftiger Forderungen entfaltet der Erlass einer künftigen Forderung seine Wirkung erst im Zeitpunkt, in dem die Forderung entsteht, wobei der Gläubiger dannzumal die Verfügungsmacht über die erlassene Forderung besitzen muss. Gleiches gilt für die Stundung künftiger Forderungen. Die Wirkung der hinausgeschobenen Fälligkeit kann erst im Zeitpunkt der Entstehung der Forderung eintreten. Der Gläubiger muss zu diesem Zeitpunkt verfügungsberechtigt sein. Die Vorinstanz hat dies zutreffend erkannt, und die daran von der Beschwerdeführerin geübte Kritik verfängt nicht.