Citation: 4A_512/2009 26.01.2010 E. 2

Nach dem angefochtenen Urteil hat die Beschwerdeführerin erst im Rahmen der Stellungnahme zu den bezifferten Rechtsbegehren die Verjährungseinrede erhoben. Sie wurde damit nicht gehört, da sie sich nach dem kantonalen Prozessrecht spätestens in der Schlussdenkschrift auf Verjährung hätte berufen müssen. Darin erblickt die Beschwerdeführerin eine Verletzung von Art. 371 OR und der allgemeinen Verjährungsvorschriften des OR sowie von Art. 137 der Zivilprozessordnung vom 24. März 1998 (ZPO/VS), wonach die materielle Einrede ein Prozessmittel in der Sache selbst ist, welches es erlaubt, sich dem Anspruch momentan oder definitiv zu widersetzen (Abs. 1), und die der Zulässigkeit der Klage nicht entgegengehalten werden kann, sondern mit der Sache selber geltend zu machen ist. Daraus ergibt sich das Erfordernis, im Rahmen des Schriftenwechsels zur Widerklage (Art. 132 Abs. 2 ZPO/VS) gegenüber den - zwar nicht bezifferten, aber materiell umschriebenen - Widerklagebegehren die im materiellen Bundesrecht begründete Verjährungseinrede zu erheben, auch wenn die Widerklagebegehren noch nicht beziffert werden konnten, ist doch einer Partei nicht zuzumuten, den unter Umständen aufwendigen Beweis für Ansprüche zu führen, wenn sie damit rechnen muss, dass der Schuldner den an sich bewiesenen Ansprüchen noch die Verjährungseinrede entgegenhalten kann. Von einer willkürlichen Anwendung des kantonalen Prozessrechts kann keine Rede sein. Weshalb die Verwirklichung von Bundesrecht vereitelt sein soll, wenn das kantonale Prozessrecht, soweit die Verjährung bereits eingetreten ist, die Erhebung der Verjährungseinrede ungeachtet der Bezifferung des Anspruchs nur bis zu einem bestimmten Verfahrensstadium zulässt, zeigt die Beschwerdeführerin nicht rechtsgenügend auf. Vielmehr rügt sie, dass ihr das kantonale Prozessrecht verwehrt, ihren Entscheid über die Erhebung der Verjährungseinrede von der Höhe der Widerklagebegehren abhängig zu machen. Auf derartige prozesstaktische Überlegungen des Schuldners braucht indes das kantonale Prozessrecht keine Rücksicht zu nehmen. Wenn die Vorinstanz der Beschwerdeführerin nach Abschluss des Beweisverfahrens und erfolgter Bezifferung der Widerklagebegehren die Gelegenheit gab, hierzu, nämlich zur Bezifferung, Stellung zu nehmen, ist auch nicht ersichtlich, weshalb insoweit eine neuerliche umfassende materielle Stellungnahme erlaubt sein soll, wie die Beschwerdeführerin offenbar unter Anrufung von Art. 29 Abs. 2 BV meint. Der Vorwurf, die Vorinstanz enttäusche das berechtigte Vertrauen der Beschwerdeführerin, indem sie trotz der mit Verfügung vom 9. Juli 2009 erfolgten Einladung zur Stellungnahme zu den präzisierten und abgeänderten Begehren die Verjährungseinrede nicht berücksichtigte, verkennt, dass die Einrede mit der Schlussdenkschrift im Juni 2009 hätte erhoben werden müssen. Die im Juli 2009 ergangene Verfügung kann bezüglich dieses Versäumnisses kein berechtigtes Vertrauen der Beschwerdeführerin begründen. Die Rüge ist nicht stichhaltig, soweit darauf einzutreten ist.