Citation: 6B_56/2020 E. 1.5.1

1.5.1. Nach der Rechtsprechung kommt eine Teileinstellung und Weiterführung der Strafuntersuchung hinsichtlich anderer Lebenssachverhalte nur in Betracht, wenn mehrere Straftaten zu beurteilen sind, die unterschiedliche Lebenssachverhalte betreffen und deshalb einer separaten Erledigung zugänglich sind. Soweit nur eine andere rechtliche Würdigung des identischen Lebensvorgangs in Frage steht, bleibt für eine teilweise Einstellung des Verfahrens kein Raum (oben E. 1.3.2). Es kann nicht wegen ein und derselben Tat im prozessualen Sinn die beschuldigte Person unter dem einen rechtlichen Gesichtspunkt verurteilt und das gegen diese eröffnete Verfahren unter dem anderen eingestellt werden. Soweit die Staatsanwaltschaft in Bezug auf einen inkriminierten Lebenssachverhalt einen von mehreren in Betracht fallenden Straftatbeständen als nicht erfüllt erachtet, hat sie insoweit somit nicht eine (Teil-) Einstellung des Verfahrens anzuordnen (BGE 144 IV 362 E. 1.3.1; ferner Urteile 6B_756/2017 vom 20. September 2017 E. 5.2.1; 6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 1.3; 6B_425/2015 vom 12. November 2015 E. 1.4 [Unzulässigkeit der Teileinstellung]; 6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.2; 6B_856/2013 vom 3. April 2014 E. 2.3; je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 142 IV 378 E. 1.3 [betreffend Teilfreisprüche]). Das Bundesgericht hat in den Fällen, in denen die Staatsanwaltschaft in einzelnen Sachverhaltskomplexen des Verfahrens Anklage erhoben oder einen Strafbefehl erlassen und in anderen das Verfahren eingestellt hat, in seiner früheren Rechtsprechung zunächst erkannt, soweit für eine Teileinstellung kein Raum bestehe und diese nicht hätte ergehen dürfen, sei die (im bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren nicht angefochtene) Einstellungsverfügung unbeachtlich und stehe einer Verurteilung in Bezug auf den angeklagten Sachverhaltskomplex nicht entgegen (Urteil 6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 1.4; vgl. auch Urteile 6B_756/2017 vom 20. September 2017 E. 5.2; 6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.3). In seiner neueren Rechtsprechung hat das Bundesgericht demgegenüber angenommen, die nicht angefochtene und damit rechtskräftige Teileinstellung sei - auch wenn sie nicht hätte verfügt werden dürfen - nicht einfach inexistent. Die Sperrwirkung einer fehlerhaften, aber infolge Nichtanfechtung in Rechtskraft erwachsenen Teileinstellungsverfügung erfasse die Tat vielmehr unter jedem rechtlichen Gesichtspunkt und lasse eine Verurteilung wegen des gleichen Lebenssachverhalts nicht zu. Es bestehe daher ein Verfahrenshindernis im Sinne von Art. 329 Abs. 1 lit. c StPO (BGE 144 IV 362 E. 1.4.2 und 1.4.3; Urteil 6B_888/2019 vom 9. Dezember 2019 E. 1.5. f.; vgl. auch Urteil 6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.3).