Citation: U 329/03 31.05.2005 E. 2.1

2.1.1 Erstellt und unbestritten ist, dass die Versicherte beim Unfall vom 10. April 1997 ein HWS-Schleudertrauma erlitten hatte (Berichte des Spitals X.________ vom 10. April 1997 sowie des PD Dr. med. F._______ vom 9. Juli 1997 und 25. August 1998). Seit 4. August 1997 arbeitete sie wieder zu 100 %. 2.1.2 Am 10. April 2002 stellte Frau Dr. med. J._______ folgende Diagnose: Status nach HWS-Beschleunigungstrauma am 10. April 1997, persistierendes zervikozephalobrachiales Schmerzsyndrom, neuropsychologische Defizite sowie Verdacht auf posttraumatische Anpassungsstörung mit ausgeprägter depressiver Symptomatik. Die Versicherte sei seit 25. Februar 2002 arbeitsunfähig. 2.1.3 Das Zentrum für Gehör- und Gleichgewichtsstörungen legte im Bericht vom 19. August 2002 dar, es liege keine periphere Vestibulopathie vor. Alle auffälligen Resultate deuteten auf eine zentralvestibuläre Störung hin. Die Befunde könnten ausnahmslos einem Schleudertrauma zugeordnet werden. Gleiche Symptome könnten aber im Rahmen einer Multiplen Sklerose (MS) ebenfalls festgestellt werden, weshalb zur Klärung ein Schädel-MRI durchzuführen sei. Gemäss Bericht des Röntgeninstituts Y.________ vom 21. August 2002 konnte eine MS ausgeschlossen werden. 2.1.4 Das Spital X.________, Psychiatrische Poliklinik, diagnostizierte aufgrund einer ambulanten Untersuchung vom 29. August 2002 eine mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11), einen Status nach HWS-Distorsion 1997 und Neurodermitis. Die beklagten neuropsychologischen Defizite wie Vergesslichkeit, Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Auffassungsstörungen seien im Rahmen der depressiven Entwicklung zu beurteilen (Bericht vom 17. September 2002). 2.1.5 Der Psychiater Dr. med. I._______, der die Versicherte am 22. und 29. November sowie am 11. Dezember 2002 untersucht hatte, diagnostizierte im Gutachten vom 9. Februar 2003 einen thymisch-emotional labilisierten, neurasthenischen Zustand F48.0 mit/bei Status nach Heckauffahrkollision 10. April 1997 mit organischen Substraten, seither persistenten, eher zugenommenen und chronifizierten Schmerz-Beschwerden, fehlenden kognitiven Defiziten und aktuell fehlender manifester Depression; hysterische Neurose mit Disposition zu konversiven, dissoziativen und hypochondrischen Symptomatiken/ Überlagerungen. In der Expertiseergänzung vom 31. März 2003 legte Dr. med. I._______ dar, auch in der seit 7. März 2003 laufenden psychotherapeutischen Behandlung habe er keine klinisch krankheitswertige Depression feststellen können. Eine posttraumatische Belastungsstörung liege ebenfalls nicht vor. Hingegen sei es zu einer sonstigen Reaktion auf schwere Belastung gekommen, indem eine bis anhin latente oder kompensierte (konversions-)neurotische Störung zur Dekompensation gebracht worden sei (mit Chronifizierung, Überlagerung und Amplifikation der unfallbedingten somatischen Beschwerden), was plausibilisiert werde durch den fehlenden degressiven, ja somatisch eher zunehmenden Beschwerdenverlauf. Diese Entwicklung habe den Stellenwert einer Unfallverarbeitungsstörung mit Symptomausweitungstendenz; der Nährboden, auf dem sie gedeihe, sei die konversionsneurotische Hintergrundstörung. Die Differenz zwischen den durch das organische Substrat erklärbaren und den subjektiven (überwiegend im körperlichen Bereich wahrgenommenen, aber deshalb nicht minder psychogenen) Beschwerden entspreche im heutigen Zeitpunkt dem psychogenen, nicht als unfallkausal zu bezeichnenden Anteil. Um dessen Ausmass festzulegen, müssten zunächst alle in Frage kommenden somatischen Läsionen spezialärztlich untersucht und hinsichtlich ihres somatisch-traumatischen Erklärungsvermögens betreffend die verursachten subjektiven Beschwerden beurteilt werden. Als zusätzliche Komplizierung bewirkten selbstverständlich auch die persistierenden, rein somatisch bedingten, unfallkausalen Beschwerden als chronische Stressoren im psychischen Bereich Erschöpfungsentwicklungen, die sich mit den nicht unfallkausalen, psychogenen Überlagerungen verwebten und nicht unwesentlich zur heute beobachtbaren thymisch-emotionalen Labilität und Neurasthenie beitrügen. Zusammenfassend könne man vermuten, dass ein Teil der heutigen Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen sei. Es lägen aber auch vorbestehende neurotische Dispositionen vor, die einen Teil der Störung bewirkten und erhielten, bei denen jedoch der Kausalzusammenhang mit dem Ereignis wie auch seinen Folgen und dessen Verarbeitung verneint werden müsse. Das Trauma sei hinsichtlich dieser Anteile nicht die Ursache, sondern nur der neurotische Anknüpfungspunkt für die neurotische Reaktion. Die Ursache dieser psychogenen Teil-Symptomatik sei nicht der Unfall, sondern ein bestimmtes innerseelisches Motiv, für das der Unfall den erwünschten Anknüpfungspunkt hergebe. Mit Ergänzung vom 4. April 2003 legte Dr. med. I._______ dar, falls es zu keinem anderen, innerseelisch als schwer belastend registrierten Lebensereignis (z.B. Verlust, Trauer, schwere Krankheit) gekommen wäre, wäre die Versicherte überwiegend wahrscheinlich zu 100 % arbeitsfähig. Dass die psychogene Störung rein eigendynamisch, d.h. ohne Auslöser, mit namhafter Arbeitsunfähigkeit als Konsequenz dekompensiert wäre, sei zwar denkbar, aber nicht überwiegend wahrscheinlich.