Citation: 5A_744/2023 E. 3.3

3.3. Der Beschwerdeführer rügt Willkür (Art. 9 BV), die Verletzung der allgemeinen Verfahrensgarantien (Art. 29 BV) sowie des Schutzes von Kindern und Jugendlichen (Art. 11 BV) und des Rechts auf Familie (Art. 14 BV). Mit Blick auf C.________s bisherige Betreuung erinnert der Beschwerdeführer daran, dass er seine Arbeitstätigkeit nach C.________s Geburt zu Gunsten der persönlichen Kinderbetreuung auf 50 % reduziert habe. Demgegenüber habe die Beschwerdegegnerin nach dem Mutterschaftsurlaub wieder im Vollpensum gearbeitet und sogar eine Führungsposition als CEO angenommen, was ihre Flexibilität und Verfügbarkeit für C.________s Betreuung zunehmend erschwert habe. Dass er sein Arbeitspensum im Jahr 2021 reduzierte, sei unbestritten geblieben; dass die Beschwerdegegnerin nach C.________s Geburt wieder im Vollpensum arbeitete, sei "angesichts der Akten mit entsprechenden Urkunden belegt" worden. Indem das Obergericht die Wiederaufnahme des Vollpensums trotz der im Recht liegenden Arbeitsverträge allein unter Hinweis auf die protokollierten Aussagen von ihm, dem Beschwerdeführer, als nicht glaubhaft erachte, verfalle es in Willkür. Die Beschwerdegegnerin habe ihr 100 %-Pensum zweifellos erfüllen können, habe sie doch unbestrittenermassen bereits in den frühen Morgenstunden den ganzen Vormittag über gearbeitet, am Nachmittag für einige Stunden C.________ betreut und sich abends, nachdem C.________ schlief, wiederum der Arbeit gewidmet. Auch die Zeitverschiebung zum Arbeitsplatz der Beschwerdegegnerin in Singapur lasse die Vorinstanz unberücksichtigt. Hinsichtlich des seit 2021 ausgeübten Arbeitspensums der Beschwerdegegnerin und damit ihrer zeitlichen Verfügbarkeit für C.________s Betreuung sei die vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht nachvollziehbar, diametral widersprüchlich zum Arbeitsvertrag der Beschwerdegegnerin und damit genauso willkürlich wie die daraus gezogenen Schlussfolgerungen. Auch die obergerichtlichen Erwägungen zu seinem eigenen Arbeitspensum will der Beschwerdeführer nicht gelten lassen. Die Vorinstanz lasse jegliche Begründung vermissen, wie sie darauf kommt, dass er sein Pensum nur "ein wenig" herabgesetzt habe, und von welcher Reduktion des Arbeitspensum sie "effektiv konkret" ausgeht. Sowohl ihre Tatsachenermittlung als auch ihr Schluss seien angesichts der Aktenlage und der im Recht liegenden Dokumente "völlig willkürlich". Der aktenkundige Arbeitsvertrag sei zwar "rückwirkend" geschlossen worden, datiere aber Monate vor der Trennung der Parteien, weshalb sich daraus nicht ableiten lasse, dass er im Hinblick auf den vorliegenden Prozess abgeschlossen wurde oder die Reduktion auf ein 50 %-Pensum per 1. September 2021 aus anderen Gründen nicht glaubhaft sei. Den Arbeitsvertrag gänzlich zu ignorieren und davon auszugehen, dass er nicht der Realität entspreche, sei unhaltbar und willkürlich. Der Beschwerdeführer schildert, wie die Wiederaufnahme des Vollzeitpensums der Beschwerdegegnerin dazu führte, dass er seine Tätigkeit ab August 2021 "offiziell gegenüber seinen Geschäftspartnern" auf 50 % reduzierte. Auf den zuerst eingereichten Lohnabrechnungen sei irrtümlich ein 75 %-Pensum eingetragen gewesen; die korrigierten Unterlagen habe er darauf samt einer erklärenden E-Mail der Buchhaltung E.________ AG ins Recht gelegt. Die Sachverhaltserstellung der Vorinstanz tadelt er als willkürlich. Sie widerspreche diametral dem Arbeitsvertrag und den Lohnabrechnungen. Nur weil sein Lohn nicht proportional zum Pensum gesunken sei, könne nicht davon ausgegangen werden, dass die eingereichten Dokumente "per se nicht glaubwürdig" sind, ja von Drittpersonen mit unwahrem Inhalt erstellt wurden. Selbst wenn nur von einer Reduktion von 25 % ausgegangen würde, erscheine klar, dass er damit zeitlich deutlich mehr verfügbar war als die Beschwerdegegnerin, und sei damit auch glaubhaft gemacht, dass er C.________ ab Sommer 2021 sogar mehr betreute als die Beschwerdegegnerin. Im Ergebnis hätte die Vorinstanz nach der Meinung des Beschwerdeführers gestützt auf die im Recht liegenden Beweise zum Schluss kommen müssen, dass er seit Sommer 2021 als C.________s Hauptbetreuungsperson gelten muss und es damit für den Fall eines Wegzugs der Beschwerdegegnerin ins Ausland in C.________s Interesse sei, beim Vater zu verbleiben. Zu diesem Ergebnis passen laut dem Beschwerdeführer auch die aktenkundigen mehrtägigen Abwesenheiten der Beschwerdegegnerin während des Eheschutzverfahrens. Wäre er, der Beschwerdeführer, nicht die Hauptbezugs- und Hauptbetreuungsperson gewesen, hätte die Beschwerdegegnerin ihm C.________ Anfang 2022 zweifellos nicht einfach für fast zwei Wochen zur alleinigen Betreuung überlassen. Nachdem er seine beruflichen Verpflichtungen bis heute voll und ganz C.________s Betreuung unterordnen könne und dies auch aktenkundig unter Beweis gestellt habe, werfe ihm das Obergericht in willkürlicher Art und Weise vor, überhaupt über kein Betreuungskonzept zu verfügen. Was sein zukünftiges Betreuungskonzept betrifft, insistiert der Beschwerdeführer, während des ganzen Verfahrens konsistent angegeben zu haben, dass er C.________ unabhängig von einem allfälligen Wegzug der Beschwerdegegnerin zu 100 % selbst betreuen werde. Dem angefochtenen Entscheid sei zu entnehmen, dass er seit der Trennung die ihm zustehenden Betreuungsanteile zu 100 % übernahm und flexible Absprachen mit der Beschwerdegegnerin seit jeher problemlos möglich waren. Im gesamten Verfahren gebe es "keinerlei Hinweise" darauf, dass er je nicht zu 100 % für C.________s Betreuung zur Verfügung gestanden hätte; etwas anderes habe die Beschwerdegegnerin nie behauptet und sei auch dem vorinstanzlichen Urteil nicht zu entnehmen. Dennoch komme die Vorinstanz "ohne jeglichen Hinweis auf Beweismittel, nicht nachvollziehbar und völlig willkürlich" zum Schluss, dass er kein Betreuungskonzept glaubhaft gemacht habe. Bezüglich der Reduktion seines Arbeitspensums verweist der Beschwerdeführer auf seine oben resümierten Vorbringen. Der vorinstanzliche Hinweis auf die Nanny sage nichts über seine Verfügbarkeit seit der Pensumsreduktion im Sommer 2021 aus; die Nanny sei aktenkundig nur stundenweise eingesetzt worden und seit langem nicht mehr für die Parteien tätig. Der Schluss der Vorinstanz, dass er aufgrund seines Erwerbseinkommens und seiner Position als Geschäftsführer gemäss Handelsregister nicht in der Lage sei, die Tochter künftig persönlich zu betreuen, sei "reine Willkür". Allein die im Handelsregister ersichtliche Position lasse keine Rückschlüsse auf ein Arbeitspensum oder auf die zeitliche Verfügbarkeit für die Kinderbetreuung zu. Dass sein Einkommen mit der Reduktion des Arbeitspensums deutlich (wenn auch nicht proportional) sank, sei unbestritten; damit sei glaubhaft gemacht, dass er seine Arbeitstätigkeit seit Sommer 2021 zu Gunsten der Übernahme von mehr Kinderbetreuungszeit deutlich reduzierte. Der gegenteilige Schluss des Obergerichts sei willkürlich, ebenso seine Folgerung, dass er, der Beschwerdeführer, über gar kein Betreuungskonzept verfüge. Davon könnte der Beschwerde zufolge selbst dann nicht die Rede sein, wenn er bis zu C.________s Kindergarteneintritt punktuell auf Fremdbetreuung angewiesen wäre oder lediglich seinen bisherigen Betreuungsanteil von 50 % aufrechtzuerhalten vermöchte, denn auch so erführe C.________ im Falle eines Verbleibs in der Schweiz viel mehr persönliche Betreuung als bei der Beschwerdegegnerin, die neben der staatlichen Fremdbetreuung nur die Morgen- und Abendbetreuung sowie die Wochenenden persönlich abdecken könnte. Gänzlich unerwähnt bleibe im angefochtenen Entscheid, dass mit dem Eintritt in den Kindergarten im Sommer 2024 nach der Rechtsprechung selbst bei einer alleinigen Obhut ohnehin ein Teilzeitpensum von 50 % gefordert würde. Dazu komme, dass die persönliche Betreuung namentlich bei Vorschulkindern nach wie vor ein gewichtiges Kriterium darstelle, weshalb das Obergericht umso willkürlich entscheide, wenn es die Möglichkeit der Weiterführung einer seit C.________s Geburt gelebten und von beiden Eltern favorisierten persönlichen Betreuung gänzlich ignoriere. Zukünftig zu 100 % in einer staatlichen Fremdbetreuung untergebracht zu werden, infolge des Wegzugs ins Ausland eine Hauptbezugsperson im Alltag gänzlich zu verlieren und vom anderen Elternteil nur noch zu den Randzeiten betreut zu werden, sei mit den Bedürfnissen eines Kindes in C.________s Alter und mit der bisher gelebten praktisch ausschliesslich persönlichen Betreuung durch die Eltern nicht zu vereinen. Die weiteren Beanstandungen betreffen das Kriterium der Stabilität und die Situation in W.________ (Norwegen). Der Beschwerdeführer bemängelt, dass C.________s dortige Lebens- und Betreuungssituation im gesamten Verfahren unklar, diffus und seitens der Beschwerdegegnerin unsubstantiiert geblieben sei. Obwohl diese weder eine konkrete Wohnadresse noch eine Kindertagesstätte oder sonst irgendetwas Konkretes benannt habe, halte es das Obergericht für glaubwürdig, dass die Beschwerdegegnerin fixe Arbeitszeiten von 09.00 bis 16.00 Uhr haben und keine Geschäftsreisen mehr tätigen werde. Tatsächlich sei völlig unklar, ob das von der Mutter skizzierte Modell "überhaupt irgendwie realistisch erscheint". Ebenso sei ungewiss, wie C.________ betreut werden soll, wenn die Mutter doch einmal länger arbeiten muss, und ob die Beschwerdegegnerin (wie bis anhin) Geschäftsreisen unternehmen wird. Die Beschwerdegegnerin arbeite für ein international tätiges Unternehmen mit Niederlassungen rund um den Globus. Sie habe nie ein Betreuungskonzept für berufliche Abwesenheiten präsentiert. Damit sei die Bewilligung des Wegzugs auch unter dem Blickwinkel der Stabilität willkürlich. Soweit das Obergericht auch das Kriterium des familiären Umfelds zu Gunsten der Beschwerdegegnerin gewichte, lasse sie willkürlich ausser Acht, dass C.________ seit ihrer Geburt in der Schweiz lebt und kein einziges Familienmitglied der Beschwerdegegnerin je Betreuungsaufgaben übernahm. Allein dass die Familie der Beschwerdegegnerin in Norwegen lebt, während seine eigene Familie nicht in der Schweiz wohnt, könne sich nicht auf die Beurteilung dieses Kriteriums auswirken. Der Beschwerdeführer erinnert in diesem Kontext daran, dass seine Eltern nach dem Ende des Mutterschaftsurlaubs aus Belgien angereist waren, um ihn und die Beschwerdegegnerin zu unterstützen. Ungeachtet des Wohnorts habe C.________ zur väterlichen Familie somit einen engeren Bezug als zur mütterlichen; Letztere sei ihr nur aus kurzen Ferienaufenthalten bekannt. Überdies sei es absurd zu behaupten, dass er, der seit weit über zehn Jahren in der Schweiz wohne, über kein soziales Umfeld verfüge. Damit stehe fest, dass auch dieses Kriterium für eine Obhutszuteilung an ihn spreche und die gegenteilige Erkenntnis des Obergerichts willkürlich sei. Schliesslich wirft der Beschwerdeführer der Vorinstanz vor, mit Blick auf die Stabilität willkürlich das Risiko einer erneuten Entwurzelung von C.________ durch einen weiteren Umzug unberücksichtigt zu lassen. Er zählt die Gründe auf, welche die Beschwerdegegnerin vor zwölf Jahren bewogen hätten, von Norwegen nach Singapur auszuwandern. Nachdem sich daran nichts geändert habe, sei das Risiko gross, dass die Beschwerdegegnerin wiederum nach Singapur umziehen werde und sich für die Erteilung einer Wegzugsbewilligung für Norwegen höhere Chancen ausrechne als für einen Wegzug nach Singapur. Soweit das Obergericht auf W.________ (Norwegen) als vertraglich vereinbarten Arbeitsort der Beschwerdegegnerin verweise, verkenne es, dass die Beschwerdegegnerin ihren Arbeitsort jederzeit problemlos wieder verlegen könnte. Die Beschwerdegegnerin versteuere ihr Einkommen gemäss eigenen Angaben nach wie vor in Singapur und die dortige Aufenthaltsbewilligung für C.________ sei auch nach über drei Jahren nicht erloschen. Zuletzt erinnert der Beschwerdeführer daran, dass C.________ im Sommer 2024 in den Kindergarten eintreten wird und damit die heute an ihrem Wohnort gepflegten sozialen Kontakte im Hinblick auf die bevorstehende Einschulung einen besonderen Stellenwert für sie haben. Auch dies spreche - entgegen der Vorinstanz, die diesem Kriterium aufgrund des Alters nur eine untergeordnete Bedeutung beimesse - "doch ebenfalls klar für C.________s Verbleib in der seit ihrer Geburt bekannten und stabilen Situation in der Schweiz". C.________ befinde sich aktuell in einer aus entwicklungspsychologischer Sicht sehr fragilen Entwicklungsphase, in der die elternbegleitete Eingewöhnung in den Kindergarten und das Interesse an Gleichaltrigen deutlich an Bedeutung zunehme. Darüber setze sich das Obergericht willkürlich hinweg. C.________ in einer "derart sensiblen Phase" mit einem Umzug komplett zu entwurzeln, ihr die persönliche Betreuung durch die Eltern zu verwehren und ihr in der Person des Vaters in dieser Entwicklungsstufe eine der beiden Hauptbezugspersonen zu entreissen, sei mit dem Schutz der Kinder und Jugendlichen (Art. 11 BV) und dem Recht auf Familie (Art. 14 BV) nicht zu vereinbaren.