Citation: 2C_31/2024 E. 5.3

5.3. Ist der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK eröffnet, ist zu prüfen, ob die aufenthaltsbeendende Massnahme verhältnismässig ist. Die dabei vorzunehmende Interessenabwägung nach nationalem Recht (Art. 13 Abs. 1 BV; Art. 96 Abs. 1 AIG) entspricht jener nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK (Urteile 2C_755/2021 vom 21. September 2022 E. 6.1; 2C_965/2021 vom 5. April 2022 E. 4.1; vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.3). In diesem Rahmen sind - auch für Ausländer, die praktisch ihr gesamtes Lebens im Aufenthaltsstaat verbrachten - folgende Elemente massgebend: (1) Die Art und Schwere der vom Betroffenen begangenen Straftaten, wobei besonders ins Gewicht fällt, ob er diese als Jugendlicher oder als Erwachsener begangen und es sich dabei um Gewaltdelikte gehandelt hat oder nicht; (2) die Dauer des Aufenthalts im Land; (3) die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das Verhalten des Betroffenen während dieser; (4) die sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum Aufenthaltsstaat und zum Herkunftsland; (5) sein gesundheitlicher Zustand sowie (6) die mit der aufenthaltsbeendenden Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung (BGE 139 I 16 E. 2.2.2; Urteil 2C_717/2019 vom 24. September 2020 E. 3.1; Urteile Emre, § 64 ff.; Veljkovic-Jukic, § 43 ff.). Für die Qualität der Bindungen zum Aufenthaltsstaat ist auch von Bedeutung, ob eine Person verschuldet ist oder Sozialhilfe bezog (vgl. Urteile Veljkovic-Jukic, § 51; Hasabanic c. Suisse vom 11. Juni 2013 [52166/09] § 59).