Citation: 4A_478/2024 E. 4.5.2

4.5.2. Die Vorbringen des Beschwerdeführers zur Auslegung der AVB zielen letztlich darauf ab, dass die Arztzeugnisse gestützt auf eine vertragliche Regelung einen Anscheinsbeweis für die Arbeitsunfähigkeit erbringen würden, die von der Versicherung mit Gegenbeweis zu entkräften sei. Damit widerspricht der Beschwerdeführer beständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung, wonach ein Privatgutachten kein Beweismittel, sondern eine blosse Parteibehauptung darstellt (BGE 141 III 433 E. 2.6) und Arztzeugnisse, fachärztliche Berichte und dergleichen beweisrechtlich als blosse Privatgutachten zu qualifizieren sind, die als Bestandteil der Parteivorbringen und nicht als eigentliche Beweismittel gelten (BGE 140 III 16 E. 2.5; 140 III 24, E. 3.3.3). Diese Rechtsprechung kann gerade bei Streitigkeiten um Krankentaggelder zu praktischen Schwierigkeiten führen, da oftmals - wie im vorliegenden Fall - zum Beweis der bestrittenen Arbeitsunfähigkeit lediglich von den Parteien eingeholte Arztzeugnisse vorliegen, die aber gemäss der zitierten Rechtsprechung ohne zusätzlich bewiesene Indizien lediglich Parteibehauptungen darstellen. Dieses Beweisvakuum kann dadurch gefüllt werden, indem das Gericht die Einholung eines von den Parteien beantragten gerichtlichen Gutachtens über den (dannzumaligen) Gesundheitszustand des Versicherten beheben (Urteil 4A_247/2020 vom 7. Dezember 2020 E. 4.2; vgl. auch dazu Urteile 4A_255/2019 vom 20. Dezember 2019 E. 6.3.5; 4A_66/2018 vom 15. Mai 2019 E. 2.6.2; 4A_9/2018 vom 31. Oktober 2018 E. 5.3). Mit der am 1. Januar 2025 in Kraft tretenden Revision der ZPO wird ein Privatgutachten abweichend von dieser aktuell gültigen Rechtsprechung mit Urkundenqualität versehen (vgl. Botschaft vom 26. Februar 2020 zur Änderung der Schweizerischen Zivilprozessordnung [Verbesserung der Praxistauglichkeit und Rechtsdurchsetzung], BBI 2020 2697, 2751 f. zu E- Art. 177 ZPO).