Citation: 9C_123/2023 E. 3.3

3.3. Die Vorinstanz hat zutreffend erkannt, dass sich das Bundesgericht in den am 7. März 2018 ergangenen BGE 144 V 63 und 144 V 72 ausführlich mit der Frage nach einer Änderung seiner langjährigen Rechtsprechung betreffend die Invaliditätsbemessung in der beruflichen Vorsorge auseinandergesetzt hatte. In Kenntnis und Würdigung insbesondere der von der Lehre (u.a. auch vom Verfasser des im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Kurzgutachtens) daran geäusserten Kritik, des Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) vom 2. Februar 2016 in Sachen Di Trizio gegen die Schweiz (resp. des im Nachgang dazu eingeführten Modells der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung nach Art. 27bis IVV) und der unterschiedlichen Konzeptionen von beruflicher Vorsorge, Invaliden- und Unfallversicherung hatte es sich gegen eine Praxisänderung entschieden. Die Rechtsprechung gemäss BGE 144 V 63 und 144 V 72 wurde mehrfach bestätigt (vgl. Hinweise in vorangehender E. 2.2). Weiter hat das kantonale Gericht insbesondere erwogen, die im Kurzgutachten vom 29. April 2022 erneut vorgebrachte Kritik sei unberechtigt, zumal sie nicht mit dem Zweck des BVG - allein die Erwerbstätigkeit zu versichern - vereinbar sei, sondern auf die Versicherung der nicht einer beruflichen (resp. erwerblichen) Tätigkeit gewidmeten Zeit abziele. Die Beschwerdeführerin habe im Wesentlichen die (bereits bekannte) gutachterliche Kritik an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wiederholt. Sie habe keinen Bezug auf den konkret zu beurteilenden Sachverhalt resp. die familiäre Situation genommen und die unterschiedlichen Konzeptionen von IVG und BVG ausgeblendet. Die behauptete EMRK- und BV-Widrigkeit der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts gebe daher keinen Anlass zu einer Praxisänderung. Soweit die Invalidenrente nach IVG neben einer zumutbaren Erwerbstätigkeit den Existenzbedarf einer versicherten Person nicht decke, sprängen bei fehlender (wie auch bei zu geringer) Invalidenrente aus beruflicher Vorsorge Ergänzungsleistungen in die Lücke. Die von der Beschwerdeführerin angestrebte Lösung könne nur auf politischem resp. gesetzgeberischem Weg und unter Preisgabe des Zwecks des BVG erreicht werden.