Citation: 2C_296/2022 E. 1.4.3

1.4.3. Der wirkliche Wille eines Anbieters kann sowohl aus dem Angebot und den Umständen als auch aus der Einholung von Erläuterungen beim Anbieter resultieren (vgl. BGE 141 II 353 E. 8.2.4; Urteil 2P.151/1999 vom 30. Mai 2000 E. 3b). Zwar besteht die Gefahr, dass ein Bieter versucht, über eine abgegebene Erklärung betreffend seinen angeblichen wirklichen Willen eine materielle Offertänderung vorzunehmen. Indessen ist eine Berichtigung dann zulässig, wenn aufgrund der eingeholten Erläuterung der tatsächliche Wille des Anbieters eindeutig feststeht; ansonsten würde die Regelung, wonach ein Auftraggeber von den Anbietern Erläuterungen bezüglich ihres Angebots verlangen kann (§ 28 Abs. 1 VIVöB/SZ), in vielen Fällen ihren Sinn und Zweck verfehlen (vgl. Urteile 2D_64/2019 vom 17. Juni 2020 E. 3.4; 2P.151/1999 vom 30. Mai 2000 E. 3b). Die Grenze zwischen einer zulässigen Korrektur von Fehlern und der zulässigen Klärung von Angeboten einerseits und einer dem Prinzip der Unveränderbarkeit der Offerten zuwiderlaufenden Abänderung der Angebote andererseits kann sich im Einzelfall als schwierig erweisen (BGE 141 II 353 E. 8.2.2; Urteile 2D_64/2019 vom 17. Juni 2020 E. 3.5; 2D_33/2019 vom 25. März 2020 E. 3.1; vgl. zum Ganzen auch MARTIN BEYELER, Der Geltungsanspruch des Vergaberechts, 2012, Rz. 2139 ff. S. 1155 ff.; GALLI/MOSER/LANG/STEINER, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl. 2013, Rz. 465 ff. S. 207 f. ALEXIS LEUTHOLD, Offertverhandlungen in öffentlichen Vergabeverfahren, 2009, S. 78 f.). Ist eine Korrektur von Rechnungs- und Schreibfehlern vergaberechtlich nicht zulässig, weil entweder der Fehler nicht offensichtlich oder der wirkliche Wille nicht objektiv feststellbar ist, muss die Offerte nach Treu und Glauben ausgelegt werden. Grundsätzlich bleibt sie hierbei im Verfahren; indessen kann das Auslegungsergebnis ergeben, dass das Angebot ausgeschlossen werden muss, weil es bestimmten vergaberechtlichen Anforderungen nicht genügt, oder der Fehler zu einer (ausschreibungswidrigen) wesentlichen Lücke oder Unklarheit geführt hat (Urteil 2D_64/2019 vom 17. Juni 2020 E. 3.6).