Citation: U 106/06 05.10.2006 E. 2

2.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1, 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 119 V 338 Erw. 1 in fine, 117 V 360 Erw. 4b). 2.2 Wie eingangs erwähnt, wurde beim Versicherten nach dem Unfallereignis eine Distorsion der HWS diagnostiziert, was gemäss Bericht des Hausarztes Dr. H.________, Spezialarzt für Innere Medizin, vom 18. Juni 2003 sofortige zervikale Schmerzen zur Folge hatte. Der Internist hält in einem weiteren Bericht vom 30. April 2003 fest, der Versicherte leide seit dem Unfall dauernd an Schlafstörungen, Müdigkeit, leichter Vergesslichkeit sowie Schmerzen cervico-cephal (occipital). Zudem wies er Seh- und Augenstörungen auf, die der Augenarzt Dr. P.________ insbesondere auf einen leichten beidseitigen Astigmatismus zurückführte, der seit dem Unfall nicht mehr spontan kompensiert werden könne und deshalb zu einer Visusverminderung - rechts mehr als links - führe (Bericht vom 26. Februar 2003). Schliesslich klagt der Versicherte gemäss Bericht von Dr. W.________, Fachpsychologin für Neuropsychologie, vom 11. August 2003 über erhöhte Nervosität; er sei überdies "reizbarer und aggressiver" geworden. Damit liegt das für ein Schleudertrauma der HWS typische Beschwerdebild (grösstenteils) vor. Wie sich anlässlich der MRI-Untersuchung von I.________, Radiologie, vom 8. Mai 2003 herausstellte, besteht beim Versicherten eine "posterolaterale rechtsseitige flache Diskushernie C3/4 mit wahrscheinlich C4-Kompression im Foramen rechts". Namentlich gestützt auf das Aktengutachten des Neurochirurgen Dr. R.________ vom 13. Dezember 2004 sowie das Gutachten des Neurologen Dr. M.________ vom 21. Juni 2005 ist - in Übereinstimmung mit dem Beschwerde führenden Unfallversicherer - davon auszugehen, dass die Diskushernie vorbestehend war bzw. nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen ist. Dennoch nimmt Dr. M.________ an, dass der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit "zumindest im Sinne einer relevanten Teilursache einer richtungsweisenden Veränderung eines Vorzustandes Ursache der aktuellen Beschwerden darstellt". Das Gutachten von Dr. M.________ ist zu berücksichtigen, obgleich es erst nach dem Einspracheentscheid vom 21. Dezember 2004 verfasst wurde. Denn die tatsächlichen Gegebenheiten, auf die sich das Gutachten stützt, widerspiegeln den Sachverhalt, wie er sich zum Zeitpunkt des Einspracheentscheids präsentierte. Hieraus ergibt sich, dass (zumindest) der natürliche Kausalzusammenhang gegeben ist. Daran vermag insbesondere auch das Aktengutachten von Dr. R.________ nichts zu ändern, da es in diesem Punkt nicht schlüssig ist: So bezeichnet Dr. R.________ die Beschwerden des Versicherten zunächst "als unfallfremd", sodass sie "mit dem Ereignis vom 08.01.2003 nicht mehr in einen natürlichen kausalen Zusammenhang gebracht werden" könnten, qualifiziert sie später aber doch als mögliche Folge des Unfalls.