Citation: 2C_1002/2022 E. 1.3

1.3. Rechtsprechungsgemäss kann sich eine Person nach zehnjährigem rechtmässigen Aufenthalt auf einen Aufenthaltsanspruch aus Art. 8 Abs. 1 EMRK (Achtung des Privatlebens) stützen. Das Bundesgericht betonte, nach zehnjährigem rechtmässigen Aufenthalt könne ein potenzieller Bewilligungsanspruch gestützt auf das Recht auf Achtung des Privatlebens, wie er in BGE 144 I 266 umschrieben wurde, angenommen werden, wenn es um die Verlängerung oder Erneuerung des Aufenthaltstitels geht. Ausgenommen sind jene Fälle, in denen es um die Neuerteilung des Aufenthaltstitels geht, namentlich nachdem ein Ausländer ohne Aufenthaltsrecht in der Schweiz gelebt oder sich geweigert hat, das Land zu verlassen, obwohl seine Bewilligung rechtskräftig widerrufen oder nicht verlängert worden ist (BGE 149 I 72 E. 2.1.3). Das Bundesgericht hat kürzlich präzisiert, dass in solchen Situationen lediglich die in BGE 144 I 266 aufgestellte Vermutung, nach zehnjährigem Aufenthalt bestünden genügend enge Bindungen zum Land, nicht greife. Hingegen ist es auch nach dem definitiven Verlust des Aufenthaltstitels und nachdem der Betroffene untergetaucht ist, möglich, sich auf das Recht auf Achtung des Privatlebens gemäss Art. 8 Abs. 1 EMRK zu berufen. Dies setzt allerdings eine besonders ausgeprägte Integration voraus (Urteil 2C_734/2022 vom 3. Mai 2023 E. 5.3, zur Publikation vorgesehen).