Citation: U 394/04 14.04.2005 E. 3.2

3.2.1 Bei der Bestimmung des Valideneinkommens ist grundsätzlich darauf abzustellen, was der Versicherte aufgrund seiner beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände (im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit) als Gesunder tatsächlich verdienen würde, nicht was er als voll Erwerbstätiger bestenfalls verdienen könnte (ZAK 1992 S. 92 Erw. 4a; vgl. auch Urteile R. vom 9. September 2003 [M 2/02] Erw. 3.4, P. vom 22. August 2003 [I 316/02] Erw. 3.2, M. vom 7. Juli 2003 [I 627/02] Erw. 2.1.1, S. vom 28. April 2003 [I 297/02] Erw. 3.2.3, W. vom 9. Mai 2001 [I 575/00] Erw. 3a). Theoretisch vorhandene berufliche Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu beachten, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären. Für die Annahme einer mutmasslichen beruflichen Weiterentwicklung ist daher der Nachweis konkreter Anhaltspunkte dafür verlangt, dass der Versicherte einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen auch tatsächlich realisiert hätte, wenn er nicht invalid geworden wäre; blosse Absichtserklärungen genügen nicht (BGE 96 V 29; EVGE 1968 S. 93 Erw. 2a; AHI 1998 S. 171 Erw. 5a; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 Erw. 3b; unveröffentlichte Urteile H. vom 20. Dezember 1996 [M 7/96] Erw. 3, F. vom 28. August 1996 [U 12/96] und M. vom 13. September 1996 [I 419/95]; jüngst statt vieler Urteile B. vom 9. November 2004 [I 561/03] Erw. 2.1, V. vom 19. Oktober 2004 [I 263/04] Erw. 3.2 und F. vom 6. Juli 2004 [I 2/04] Erw. 3.1). 3.2.2 Im Falle eines jungen Versicherten, der am Anfang seiner beruflichen Laufbahn von einem versicherten Ereignis betroffen wurde, entzieht sich die hypothetische Tatsache einer Jahre später ohne Invalidität ausgeübten bestimmten Tätigkeit naturgemäss einem strikten Beweis, zumal das lebenslange Ausüben eines einmal erlernten Berufes in den derzeitigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen immer weniger die Regel bildet, die ständige berufliche Qualifizierung hingegen weit verbreitet ist. Die Anforderungen an den massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dürfen daher nicht überspannt werden (SZS 2004 S. 67). Doch muss der hypothetische berufliche Werdegang dem Gericht wahrscheinlicher erscheinen als die Weiterausübung der angestammten Arbeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen; vgl. 130 III 324 f. Erw. 3.2 und 3.3). Bei der Prüfung der mutmasslichen beruflichen Entwicklung können unter Umständen aus einer besonderen beruflichen Qualifizierung im Invaliditätsfall Rückschlüsse auf die hypothetische Entwicklung gezogen werden, zu der es ohne Eintritt des (unfallbedingten) Gesundheitsschadens gekommen wäre. Nach der Rechtsprechung ist dies insbesondere dann zulässig, wenn die angestammte Tätigkeit auch nach dem Unfall weitergeführt werden kann (Urteile S. vom 29. August 2002 Erw. 1.2 mit Hinweisen, I 97/00). Indessen darf aus einer erfolgreichen Invalidenkarriere in einem neuen Tätigkeitsbereich nicht ohne Weiteres abgeleitet werden, die versicherte Person hätte ohne Invalidität eine vergleichbare Position auch im angestammten Tätigkeitsgebiet erreicht (Urteil W. vom 26. Mai 2003, U 183/02). 3.3 Hinsichtlich der Weiterbildungsbestrebungen kann zu Recht angenommen werden, der Versicherte hätte das vor dem Unfall in Angriff genommene Studium zum Chemie-Ingenieur HTL abgeschlossen und wäre heute in diesem Beruf tätig. Da die Einkommensermittlung so konkret wie möglich zu erfolgen hat und somit seine individuellen, persönlichen und beruflichen Verhältnisse massgebend sind, rechtfertigt es sich anzunehmen, der Beschwerdeführer wäre im Jahr 2003 weiterhin bei der Firma X.________ AG tätig gewesen, zumal sich in den Akten keinerlei Hinweise auf einen geplanten Stellenwechsel finden und zudem Aussicht auf die Leitung eines Labors bestand. So verlor der Versicherte die Stelle im Jahre 2001 denn auch nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern aufgrund seiner gesundheitsbedingten Leistungseinbusse. Entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht ist somit zur Lohnermittlung nicht auf statistische Werte abzustellen. Wenn die SUVA des Weiteren zu Gunsten des Versicherten die Anhaltspunkte für einen beruflichen Aufstieg über die fachliche Weiterbildung hinaus im Sinne einer Führungsposition als hinreichend konkret ansah, lässt sich dies nicht beanstanden, zumal der Versicherte als fachlich ausgezeichneter und ehrgeiziger Mitarbeiter galt. Ein Einbezug einer weiterführenden berufliche Entwicklung, mithin über die gesamte Dauer seines verbleibenden Arbeitslebens, wie dies der Beschwerdeführer verlangt, kommt einer auch im Gebiet der Unfallversicherung ausserhalb der Praxis zu den Fingerverletzungen (BGE 106 V 48) grundsätzlich unzulässigen antizipierten Invaliditätsschätzung gleich (BGE 119 V 471, 97 V 59 Erw. 1; AHI 1998 S. 174 Erw. 6a) und wäre zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides im Jahr 2003 rein spekulativ, da nicht mehr mit dem notwendigen Beweisgrad zu erstellen; denn die berufliche Laufbahn hängt von persönlichen Qualifikationen und weiteren nicht beeinflussbaren äusseren Umständen ab, weshalb dem Einwand nicht gefolgt werden kann. Ob sich Validen- und Invalideneinkommen in unterschiedlichem Ausmass weiterentwickeln werden, wird sich weisen und gegebenenfalls revisionsweise (Art. 22 UVG, Art. 17 ATSG) zu berücksichtigen sein.