Citation: I 57/05 14.07.2005 E. 2.4

2.4.1 Nach der Rechtsprechung begründet eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr gilt - aus rechtlicher Sicht - die Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (Ulrich Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 77; zum Ganzen zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil J. vom 16. Dezember 2004 [I 770/03] Erw. 1.2; vgl. auch BGE 130 V 352 ff. und 396 ff.; siehe auch Urteil B. vom 9. August 2004 [I 767/03] Erw. 1.2 und 3.2). 2.4.2 Eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer ist im Falle der Beschwerdeführerin zu verneinen, nachdem im IPY-Bericht vom 8. Mai 2003 lediglich eine leichte depressive Episode(ICD 10: F32.0) diagnostiziert wurde. Im Bericht des Dr. med. U.________ vom 13. Juli 2004 ist alsdann von einer "chronifizierten Depression bei massiver Schmerproblematik" die Rede, ohne dass eine besondere Schwere des depressiven Leidens festgestellt wird. Es darf daher - wie die Formulierung des Dr. med. U.________ selbst nahe legt - davon ausgegangen werden, dass es sich bei der depressiven Stimmungslage um eine (reaktive) Begleiterscheinung des Schmerzgeschehens und nicht um eine davon losgelöste, selbstständige psychische Komorbidität von erheblicher Intensität handelt (vgl. auch Meyer-Blaser, a.a.O., S. 81 Anm. 135). Hinsichtlich der weiteren, zu berücksichtigenden Faktoren (Erw. 2.4.1 hievor) ergibt sich folgendes Bild: Die Beschwerdeführerin leidet zwar an langjährigen körperlichen Erkrankungen (va. lumbospondylogenes Syndrom bei Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule, Deconditionierung, myofaszialem Schmerzsyndrom der paravertebralen und glutealen Muskulatur beidseits mit Tendenz zu Weichteilrheumatismus [Bericht des Dr. med. C.________, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumatologie, vom 13. Januar 2003], Gonarthrose beidseits mit Meniskusläsion, chronische Bronchitis, Hyperventilisationssyndrom). Diese Beeinträchtigungen wurden indessen in der Beurteilung der (körperlich bedingten) Einschränkung der Leistungsfähigkeit (vgl. Erw. 2.2 hievor, insb. in fine) berücksichtigt und fallen hier als eigenständiges Kriterium einer Unüberwindbarkeit der Schmerzen ausser Betracht. Sodann bestehen keine Anhaltspunkte für eine seit Jahren bestehende psychische Überlagerung und Intensivierung des Schmerzgeschehens, mithin einen durch die ausgewiesenen - massgeblich gewichtsbedingten - körperlichen Gesundheitsschäden allein nicht erklärbaren mehrjähigen, chronifizierten Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik. Des Weitern ergibt sich aus den Akten, dass eine Schmerzbehandlung mit Ausnahme einer Notfalloperation nach organisch bedingten und insoweit hier nicht ins Gewicht fallenden Schmerzen im Oberbauch (Diagnose: Akute Cholezystitis mit bekannter Cholelithiasis; Bericht des Spitals X.________ vom 10. April 1997) sowie der Entfernung eines schmerzenden Lipoms am linken Fussrücken am 23. September 1997 (Operationsbericht des Spitals X.________ vom 24. September 1997) im Wesentlichen medikamentös erfolgte. Soweit gemäss Angaben des Dr. med. U.________ bisher auch eine "ambulant psychiatrische Behandlung" durchgeführt wurde, zeigte diese, zusammen mit der übrigen medizinischen Behandlung, "wenig Erfolg bezüglich der Arbeitsfähigkeit" (Bericht des Dr. med. U.________ vom 7. Juli 2003). Dies genügt indessen nicht, um insgesamt ein eigentliches Scheitern konsequent durchgeführter ambulanter oder stationärer Behandlungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) zu bejahen. Ferner deuten weder die Berichte des Dr. med. U.________ vom 7. Juli 2003 und vom 13. Juli 2004 noch die übrigen medizinischen Akten auf einen sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens. Wohl gab die Beschwerdeführerin gegenüber den IPY-Ärzten an, das Sozialleben habe sich stark eingeschränkt, sie habe praktisch nur noch im Haus Kontakt zu Landsleuten (IPY-Bericht vom 8. Mai 2003), und auch gegenüber dem Hausarzt war die Rede von einem "zunehmenden sozialen Rückzug". Die Versicherte fühlte sich jedoch im April 2004 immerhin noch vital genug, um täglich selbstständig für vier Personen zu kochen sowie kleinere Einkäufe zu Fuss (10 Minuten) oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu tätigen; auch scheint sie guten innerfamiliären Kontakt zu pflegen. Die Angaben der Beschwerdeführerin sprechen dafür, dass der Gang ausser Haus vor allem infolge gewichtsbedingter Beschwerlichkeiten auf das Nötigste beschränkt wird und psychische Faktoren hierbei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Schliesslich ist mit der Vorinstanz auch ein primärer Krankheitsgewinn zu verneinen. 2.4.3 Im Lichte der geschilderten Umstände ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin - im hier massgebenden Beurteilungszeitraum bis zum Erlass des Einspracheentscheids vom 30. August 2004 - über beachtliche Ressourcen zur Schmerzbewältigung verfügte. Nach Lage der Akten spricht nichts dafür, dass eine nach weiteren Beweisvorkehren fachärztlich allenfalls ausgewiesene somatoforme Schmerzstörung die Beschwerdeführerin derart intensiv und konstant behinderte, dass die Wiederaufnahme einer ganztägigen, leidensangepassten Tätigkeit aus rechtlicher Sicht als unzumutbar zu gelten hätte (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweis; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b; vgl. auch BGE 122 II 469 Erw. 4a, 122 III 223 Erw. 3c, 120 Ib 229 Erw. 2b, 119 V 344 Erw. 3c mit Hinweis; Ueli Kieser, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, Zürich 1999, S. 212, Rz 450; AlfredKölz/ Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, S. 39, Rz 111 und S. 117, Rz 320; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 274). Bei dieser Sach- und Rechtslage durften Vorinstanz und Verwaltung ohne Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes von Weiterungen absehen. 2.5 Hält nach dem Gesagten die Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten stand, ist das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin mit der Vorinstanz abzuweisen. Denn der nach den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen - worauf verwiesen wird - aufgrund der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (Erw. 1.2 hievor) zu ermittelnde Invaliditätsgrad erreicht die rentenbegründende Schwelle von 40 % (Art. 28 Abs. 1 IVG) nicht. Wird das zuletzt im Jahre 1993 tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen von brutto Fr. 3065.- pro Monat - welcher Betrag bloss rund 4 % unter dem damaligen statistischen Durchschnittslohn von Frauen in vergleichbaren Tätigkeiten liegt und daher nicht als unterdurchschnittlich und zwecks Parallelisierung der Bemessungsfaktoren (ZAK 1989 S. 458 f. Erw. 3b; Urteil S. vom 29. August 2002, I 97/00, Erw. 3) als anpassungsbedürftig zu gelten hat - auf das Verfügungsjahr 2004 aufgerechnet, ergibt dies ein ohne Gesundheitsschaden erzielbares Einkommen (Valideneinkommen) von Fr. 41'679.-. Aus dem Vergleich mit dem gestützt auf die vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) ermittelten (BGE 129 V 475 Erw. 4.2.1, 126 V 76 Erw. 3b, mit Hinweisen) und "bestenfalls" um den maximal zulässigen Abzug vom Tabellenlohn von 25 % (BGE 129 V 481 Erw. 4.2.3 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 67 ff. Erw. 4) gekürzten Invalideneinkommen (Fr. 36'597.-; 3820 [LSE 2002/TA1/TOTAL/Frauen/ Anforderungsniveau 4] x 41.7 [= durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit; Tab. B 9.l2, in: Die Volkswirtschaft, Heft 11/2004, S. 86] x 12 x 1.014 x 1.007 [Nominallohnentwicklung; Tab. 10.2, in: Die Volkswirtschaft, Heft 11/2004, S. 87) x 0-75) resultiert eine Erwerbseinbusse von lediglich 12 %. 2.6 Eine seit dem Einspracheentscheid vom 30. August 2004 eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustands ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Bei Dauerhaftigkeit und Vorliegen der hievor zitierten Erfordernisse (Erw. 2.4.1) wäre sie allenfalls als anspruchsbeeinflussende Änderung im Sinne von Art. 87 Abs. 3 und 4 sowie - analog - Art. 88a Abs. 2 IVV beachtlich (vgl. auch Art. 17 ATSG; BGE 130 V 72 Erw. 1 und 2, mit Hinweisen; Urteil F. vom 10. Februar 2005 [I 619/04] Erw.2 und 3).