Citation: 9C_258/2023 E. 4.1

4.1. Die Parteien eines Gerichtsverfahrens haben (im Rahmen des Anspruchs auf rechtliches Gehör; Art. 29 Abs. 1 und 2 BV und Art. 6 EMRK) einen unbedingten Anspruch darauf, zu sämtlichen Eingaben der Gegenpartei Stellung zu nehmen, falls sie dies wünschen. Das Replikrecht besteht unabhängig davon, ob die Eingabe neue oder wesentliche Vorbringen enthält. Es ist Sache der Parteien zu entscheiden, ob sie eine Entgegnung für erforderlich halten oder nicht (BGE 146 III 97 E. 3.4.1; 144 III 117 E. 2.1; 142 III 48 E. 4.1.1; 138 I 484 E. 2.1). In aller Regel ist eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gegeben, wenn das Gericht nur wenige Tage nach Mitteilung der Eingabe entscheidet (Urteil 9C_214/2013 vom 31. August 2013 E. 3.3). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur (BGE 144 IV 302 E. 3.1 mit Hinweisen). Ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels führt eine Verletzung des Replikrechts grundsätzlich zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (Urteil 9C_718/2022 vom 8. Juni 2023 E. 3 f.). Dieser Grundsatz gilt jedoch nicht schrankenlos: Sofern nicht ersichtlich ist, inwiefern die Gehörsverletzung sich überhaupt auf das Verfahren auswirken konnte, besteht kein Anlass zur Aufhebung des gehörsverletzenden Entscheids (BGE 143 IV 380 E. 1.4.1). Das Bundesgericht sieht (selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs) von der Aufhebung des gehörsverletzenden Entscheids und der Rückweisung an die Vorinstanz ab, wenn dies zu einem formalistischen Leerlauf und zu einer unnötigen Verzögerung führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht vereinbar wären (BGE 147 IV 340 E. 4.11.3). Aus dem Umstand allein, dass die vom Berechtigten vertretenen Standpunkte haltlos sind, darf aber nicht geschlossen werden, die Rückweisung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs führe zwangsläufig zu einem formalistischen Leerlauf (Urteil 9C_148/2023 vom 8. Mai 2023 E. 2.2.2 und 2.2.3).