Citation: U 415/04 25.10.2005 E. 3

Wie die Vorinstanz nach einlässlicher Würdigung der medizinischen Unterlagen richtig festgehalten hat, waren die organischen Folgen des Unfalls vom 12. August 1996 spätestens Ende Oktober 2000 vollständig abgeheilt. Ebenso zutreffend ging sie davon aus, dass der Beschwerdeführer seit anfangs 2000 an einer mittelgradigen depressiven Störung als Folge bzw. im Rahmen einer seit 1996 anhaltenden somatoformen Schmerzstörung leidet (Gutachten der Dres. F.________ und D.________, Psychiatriezentrum des Spitals X.________, vom 21. Mai 2001). Dass diese in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 12. August 1996 steht, ist unbestritten. Streitig und zu prüfen ist hingegen die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen den geklagten psychischen Beschwerden und dem erlittenen Unfall. 3.1 Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Einteilung (BGE 115 V 139 Erw. 6) ordnete die Vorinstanz das Ereignis vom 12. August 1996 den leichten Unfällen zu, wobei sie ausführte, dass selbst die Annahme eines mittelschweren Unfalles im Grenzbereich zu den leichten Unfällen am Ergebnis (Verneinung der Adäquanz des Kausalzusammenhanges) nichts zu ändern vermöchte. 3.2 Die Qualifikation als höchstens mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen ist angesichts des augenfälligen Geschehensablaufs - einschiessender akuter Rückenschmerz beim Aufrichten des Körpers zum Heben eines Steines nach einer Drehbewegung - nicht zu beanstanden. Der Sachverhalt lässt sich ohne weiteres vergleichen mit dem in RKUV 2005 Nr. U 548 S. 228 beurteilten, in welchem ein Versicherter beim Hornussenspiel unmittelbar nach Einschlagen eines Noussens aus dem Stand heraus loslaufen wollte, um die durch die intensive Drehbewegung des Oberkörpers freigesetzte Rotationsenergie zu vernichten, und dabei mit dem linken Fuss am Boden haften blieb, wodurch der Energieschub auf den Rücken einwirkte (akut einschiessender Schmerz) und der Versicherte ein massives Rotationstrauma erlitt. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers klar ausser Betracht fällt eine Zuordnung des objektiv relativ harmlosen augenfälligen Geschehensablaufs zu den schwereren Unfällen im mittleren Bereich bzw. im Grenzbereich zu den schweren Unfällen, wie sich durch einen Vergleich mit den von der Rechtsprechung diesem Bereich zugeordneten Unfällen ohne weiteres ergibt (vgl. dazu die Übersicht in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 Erw. 4b/bb). 3.3 Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist demzufolge zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise vorliegen (BGE 115 V 141 Erw. 6c/bb). Dabei sind bei der Prüfung der einzelnen Kriterien nur die organisch bedingten Beschwerden zu berücksichtigen, während die psychisch begründeten Anteile, deren (hinreichender) Zusammenhang mit dem Unfall den Gegenstand der Prüfung bildet, ausgeklammert bleiben. Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles im Sinne der Rechtsprechung liegen nicht vor und werden vom Beschwerdeführer zu Recht auch nicht geltend gemacht. Sodann kann die festgestellte minimale lumbosacrale Funktionsstörung - entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers - nicht als Verletzung, welche geeignet wäre, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen, betrachtet werden. Namentlich trifft die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde aufgestellte und durch nichts belegte Behauptung nicht zu, dass Verletzungen im Rückenbereich generell geeignet wären, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. So hat die Rechtsprechung beispielsweise im Falle eines Versicherten, welcher verschiedene Verletzungen im Rückenbereich erlitten hatte, nämlich eine Steissbeinfraktur und eine Wirbelsäulenkontusion, eine Eignung derselben, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, verneint (Urteil P. vom 5. Mai 2004, U 141/03, Erw. 2.3). Ebenso wurde entschieden bei einer lumbalen Rückenprellung mit Fraktur des Processus transversus Lendenwirbelkörper 3 und 4 rechts (Urteil M. vom 13. September 2004, U 131/04, Erw. 2.5). Nicht gefolgt werden kann ihm sodann auch, soweit er geltend macht, dass das Kriterium beim Vorliegen einer Vorschädigung erfüllt sei, was er aus Erw. 2d des Urteils P. vom 14. März 2001, U 137/00, ableitet, weil in diesem sich einzig mit dem natürlichen Kausalzusammenhang befassenden Entscheid eine Auseinandersetzung mit den Adäquanzkriterien gar nicht stattfand. Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, liegen keine vor und werden auch nicht geltend gemacht. Was schliesslich das Kriterium der Dauerschmerzen anbelangt, ist zu berücksichtigen, dass die medizinischen Untersuchungen einzig eine minimale lumbosacrale Funktionsstörung ergaben, welche die geklagten Rückenbeschwerden nicht zu erklären vermochten; als weitestgehend psychisch bedingt haben die geltend gemachten Dauerschmerzen im Rahmen der Adäquanzbeurteilung deshalb ausser Betracht zu bleiben. Ähnlich verhält es sich mit Bezug auf das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung und des schwierigen Heilungsverlaufs: Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, hatten die seit dem Unfall vorgenommenen Untersuchungen vorwiegend diagnostischen Charakter und stand für den behandelnden Arzt Dr. med. Z.________ bereits ein halbes Jahr nach dem Unfall fest, dass bei rein konservativer Therapie mit ambulanter Behandlung eine Beschwerdefreiheit nicht zu erreichen sei (Bericht vom 18. Januar 1997), was offensichtlich ebenfalls im Zusammenhang mit der sich schon früh abzeichnenden psychischen Überlagerung stand. Zutreffend ist die Vorinstanz schliesslich davon ausgegangen, dass das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zwar erfüllt, aber nicht derart ausgeprägt gegeben ist, dass die Adäquanz des Kausalzusammenhanges alleine wegen dieses Kriteriums zu bejahen wäre: Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers war zwar ab 19. August 1996 im bisherigen Beruf als Landschaftsgärtner (mindestens 50 %, zeitweise 100 %) eingeschränkt; in einem anderen Berufsbereich (Reinigung, Unterhalt und Wartung sowie leichtere Umgebungsarbeiten in einem Altersheim, Spital, Schulhaus oder Hotel etc.) bestand demgegenüber gemäss der Befas-Beurteilung vom 29. Oktober 1998 spätestens Ende Oktober 1998 wieder eine volle Leistungsfähigkeit. Nicht gefolgt werden kann dem Beschwerdeführer, soweit er aus dem Urteil P. vom 10. Juli 2000 (U 89/99), in welchem das Kriterium bei voller Arbeitsunfähigkeit während mindestens zehn Monaten und anschliessender Einsatzunfähigkeit im bisherigen Beruf als erfüllt betrachtet wurde, ableitet, dass das Kriterium im vorliegenden Fall in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sei; auch im damals beurteilten Fall wurde diese zusätzliche Qualifikation nicht angenommen (vgl. die Übersicht zu den Fällen, in welchen das Adäquanzkriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit bejaht wurde, ohne Prüfung, ob dieses in besonders ausgeprägter Weise erfüllt war: RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544), ebenso wenig wie im Fall einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 2/3 während rund 20 Monaten (Urteil P. vom 27. Januar 2000, U 308/98). Da somit weder ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise vorliegen, ist mit der Vorinstanz die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zu verneinen.