Citation: 7B_249/2022 E. 7.1

7.1. Im Einzelnen führt die Beschwerdeführerin dazu aus, sie habe die Vorwürfe nicht nur vehement bestritten, sondern - so auch die Einschätzung der Erstinstanz - in zunehmendem Masse abenteuerliche, wahnhaft anmutende Angaben gemacht. Die Vorinstanzen liessen ausser Acht, dass dieses Aussageverhalten allenfalls durch ihre abnorme Pathologie begründet sei und darin nicht ein Lügen-, sondern ein Krankheitssignal zu sehen sei. Insbesondere setze sich die Vorinstanz in Widerspruch zu der mit der Abklärung der Einvernahmefähigkeit beauftragten Fachärztin Dr. med. M.________. Diese erwähne auffällige psychopathologische Befunde, die sich nicht mit einer posttraumatischen Belastungsstörung erklären liessen, und denke an dissoziative sowie histrionische (Persönlichkeits-) Störungen. Sie hege auch den Verdacht einer "pseudologia phantastica". Dabei handle es sich um eine Störung mit Krankheitswert, die sich durchaus auf die Steuerungsfähigkeit auswirken könne. Die Wahrnehmung der Gutachterin decke sich mit derjenigen der Verteidigung anlässlich der Instruktionsgespräche: Die Ausführungen der Beschwerdeführerin seien teils unlogisch und unverständlich und ihre Persönlichkeit sei in höchstem Mass auffällig und abnorm. Sie stehe nicht nur in völligem Widerspruch zu den ihr vorgeworfenen Taten, sondern weiche auch eklatant von der üblichen Geistesverfassung von Betrügern ab. Überdies, so die Ausführungen in der Beschwerde, widerspreche die Vorinstanz den Schlussfolgerungen der Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. med. N.________. Der Ärztin zufolge liege bei ihr, der Beschwerdeführerin, eine ausgeprägte psychopathologische Symptomatik mit dissoziativen Symptomen und emotionaler Instabilität vor. Sie habe auch Mühe, Realität und Fiktion zu unterscheiden. Es sei durchaus möglich, dass die festgestellten psychischen Störungen die Steuerungsfähigkeit beeinträchtigen könnten. Obgleich sowohl die Gutachterin als auch die Fachärztin die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens für angezeigt erachteten, befinde die Vorinstanz dies - basierend auf ihrer eigenen Sichtweise - nicht für notwendig. Auch der Bericht der O.________ AG hätte eine Begutachtung verlangt, denn es sei gerichtsnotorisch, dass sich die darin diagnostizierten Befunde (Anpassungsstörung, posttraumatische Belastungsstörung sowie Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung) auf die Steuerungsfähigkeit auswirken könnten. Schliesslich lasse die Invalidenversicherung (IV) aktuell eine psychiatrische Exploration durchführen. Aus den Akten der IV ergebe sich zudem, dass sie, die Beschwerdeführerin, mindestens seit 1993 an schweren psychischen Krankheiten leide. Seither werde sie von sämtlichen behandelnden Ärzten als vollständig arbeitsunfähig eingestuft. Die Vorinstanz missachte die Vorgaben von Art. 20 StGB, wenn sie trotz all dieser Umstände von einer psychiatrischen Begutachtung absehe. Gleichzeitig verletze sie verschiedentlich ihren Anspruch auf rechtliches Gehör, indem sie auf ihre Argumente nicht eingehe.