Citation: 6B_1450/2017 E. 1.1

1.1. Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die vorinstanzliche Verurteilung wegen Führens eines Personenwagens in nicht fahrfähigem Zustand (Art. 91 Abs. 2 lit. b in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG, Art. 2 Abs. 1 VRV). Zentrale Frage des vorinstanzlichen Verfahrens ist, ob der Beschwerdeführer mit Blick auf den erforderlichen Blutzuckerwert die Fahrt zur Arbeit frühmorgens antreten resp. sie bis zum Unfall fortsetzen durfte, ohne nochmals eine Messung durchzuführen oder andere Vorsichtsmassnahmen zu treffen. Die Vorinstanz stellt fest, nach Angabe des Beschwerdeführers habe er um etwa 6.50 Uhr, etwa eine halbe Stunde vor Antritt der Fahrt, einen Blutzuckerwert von 4,8 Millimol pro Liter (mmol/l) gemessen. Der Unfall geschah um 8.20 Uhr. Kurz vor 9 Uhr wurde ein Wert von 1,1 mmol/l ermittelt. Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz stütze den Tatvorwurf allein auf allgemeine Richtwerte aus einem Merkblatt für Fahrzeuglenker mit Diabetes mellitus des Kantonsspitals Aarau und aus Richtlinien bezüglich Fahreignung und Fahrfähigkeit bei Diabetes mellitus der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie (SGED). Gemäss Auffassung der Vorinstanz gehöre er aufgrund seiner medikamentösen Versorgung zur Risikostufe "erhöhtes Risiko", bei welcher der Blutzuckerwert vor Fahrtantritt und bei längeren Fahrten in regelmässigen Intervallen (Zwischenhalte alle 1 bis 1 ½ Stunden) überprüft werden müsse und der Wert vor Antritt der Fahrt über 5 mmol/l liegen müsse. Die Vorinstanz räume zwar ein, dass Richtlinien und Merkblatt nicht ohne gründliche Abklärung des Einzelfalls angewendet werden dürften. Sodann unterlasse sie aber genau diese gründliche Abklärung, indem sie den Wert von 5 mmol/l unbesehen als Minimum einsetze. Nach der Rechtsprechung könne dieser Wert aber nur als Orientierungshilfe dienen. Das Bezirksgericht habe seine Aussage, dem behandelnden Arzt zufolge sei bei ihm ein Blutzuckerwert zwischen 4 und 8 mmol/l optimal, als glaubhaft anerkannt. Nach dem Bericht des Universitätsspitals Zürich (USZ) vom 12. Oktober 2016 liege der Zielbereich in seinem Fall zwischen 4 und 10 mmol/l und der Normbereich zwischen 2,8 und 10 mmol/l. Es lasse sich nicht pauschal sagen, unterhalb von 5 mmol/l sei Fahrunfähigkeit gegeben. Die Vorinstanz verfalle in Willkür, wenn sie einseitig auf diese Behauptung der Staatsanwaltschaft abstelle. Sie setze sich weder mit den bezirksgerichtlichen Ausführungen auseinander noch mit denjenigen in seiner Berufungsantwort vom 25. September 2017. Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, das Bezirksgericht stelle fest, seine konstante Aussage, er habe sich vor und während der Fahrt gut und fahrfähig gefühlt, sei glaubhaft. Die Tatsache, dass er sich nach dem Unfall schlecht fühlte und kaum ansprechbar war, sei nicht zwingend auf eine Unterzuckerung zurückzuführen und beweise eine solche nicht. Ausserdem sei die Messung, die einen Blutzuckerwert von bloss 1,1 mmol/l ergab, erst etwa 40 Minuten nach dem Unfall gemacht worden. Insoweit sei bereits der objektive Tatbestand von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG nicht erstellt. Die Vorinstanz übergehe in willkürlicher Weise die Entscheidungsgründe des Bezirksgerichts, denen er sich in der Berufungsantwort angeschlossen habe. Aktenwidrig sei auch die Annahme, er habe die Fahrt unvorsichtig angetreten. Der vor Beginn der Fahrt gemessene Blutzuckergehalt von 4,8 mmol/l bewege sich im Rahmen dessen, was er als guten Wert habe erachten dürfen. Ausserdem habe er gleich nach der Messung um 6.50 Uhr 33 Einheiten eines Langzeit-Insulins eingenommen und seinen Blutzuckerwert so zusätzlich stabilisiert. Er habe darauf vertrauen dürfen, dass die Einnahme dieses Medikaments den Blutzuckerspiegel anhebe oder ihn zumindest nicht weiter absinken lasse. Diese Tatsache habe die Vorinstanz - anders als das Bezirksgericht - nicht gewürdigt. Entgegen deren Vorwurf sei er nicht veranlasst gewesen, vor Antritt der Fahrt Kohlenhydrate zu sich zu nehmen oder den Blutzuckerwert erneut zu messen. Der vorinstanzliche Schluss, der Blutzuckerspiegel sei während der Fahrt zu tief gewesen, sei willkürlich. Auch der subjektive Tatbestand von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG sei nicht erfüllt. Er habe wegen der erwähnten Vorkehrungen und seines guten Befindens vor Beginn der Fahrt sowie mit Blick auf den Umstand, dass bei ihm zuvor nie eine Unterzuckerung im Strassenverkehr aufgetreten sei, keine Sorgfaltspflicht verletzt, also weder eventualvorsätzlich noch fahrlässig gehandelt. Das angefochtene Urteil lasse sich mit der Unschuldsvermutung nicht vereinbaren.