Citation: U 263/01 04.04.2003 E. 4

Streitig ist zunächst, ob die geklagten psychischen Beschwerden adäquat kausale Folgen des Unfalles vom 29. August 1994 sind. 4.1 Das kantonale Gericht stellt auf das psychiatrische Konsilium vom 17. Dezember 1998 im Gutachten der MEDAS ab und geht davon aus, dass wegen unfallkausaler psychischer Beschwerden auch in einer zumutbaren Tätigkeit ohne repetitive Beanspruchung der rechten Hand eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % vorliege. Demgegenüber bezweifelt die SUVA die Schlüssigkeit des psychiatrischen Konsiliums, indem einerseits nicht aufgezeigt werde, dass die leichtgradige ängstlich-depressive Verstimmung eine Unfallfolge sei und andererseits die teilweise Arbeitsunfähigkeit nur in dem Sinne verstanden werden könne, dass ein gewisser Teil von Tätigkeiten nicht mehr zumutbar sei, was in der Expertise eine prozentuale Veranschaulichung erfahren habe; im Übrigen habe der Gutachter die Auswirkungen der Verstimmung nicht richtig eingeschätzt. 4.2 Der psychiatrische Konsiliararzt Dr. med. K.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, geht davon aus, dass eine leichtgradige ängstlich-depressive Verstimmung mit Störung im Sozialverhalten vorliegt und diagnostiziert eine leichtgradige anhaltende Belastungsstörung im Sinne von ICD-10 F43.25, welche aus psychiatrischen Gründen zu einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % führe; dem Versicherten sei jede Arbeit zumutbar, die auf die somatischen Beschwerden Rücksicht nimmt und die zu normalen Arbeitszeiten und in einem sozialen Kontext in Anwesenheit anderer Personen ausgeübt werden kann, und ohne dass eine besondere Exponiertheit (wie z.B. als Securitaswächter) vorliegt. Explizit hält der Experte fest, dass die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10 F43.1 nicht erfüllt sind. Die Diagnose der leichtgradigen anhaltenden Belastungsstörung erscheint angesichts der Aktenlage einleuchtend. Im Hinblick auf die tätliche Auseinandersetzung vom 29. August 1994 ist ebenfalls nachvollziehbar, dass dem Versicherten keine exponierten oder allein auszuführenden Arbeiten mehr möglich sind. Letztlich ohne Begründung (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a) bleibt aber, weshalb die Arbeitsfähigkeit zu normalen Arbeitszeiten in einem sozialen Kontext aus psychischen Gründen beeinträchtigt sein soll: Der Experte verneint ausdrücklich das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10 F43.1 und diagnostiziert eine leichtgradige Anpassungsstörung gemäss ICD-10 F43.25. Letztere hält aber in der Regel nicht länger als sechs Monate an, abgesehen von der längeren depressiven Reaktion, die jedoch als F43.21 zu diagnostizieren wäre (ICD-10 F43.2), was der Gutachter indessen nicht gemacht hat; im Weiteren kann auch eine solche Störung maximal zwei Jahre andauern (vgl. Klaus Foerster, Die Kausalitätsbeurteilung bei funktionellen psychischen Störungen, in Erwin Murer (Hrsg.), Freiburger Sozialrechtstag 2002: Psychische Störungen und die Sozialversicherung - Schwerpunkt Unfallversicherung, Bern 2002, S. 128). Selbst wenn man einräumt, dass sich aus einer Anpassungsstörung gelegentlich eine krankhafte Fixierung oder Chronifizierung mit längerer Dauer entwickeln kann, müsste der Experte jedoch begründen, weshalb hier eine solche - untypische - Entwicklung vorliegt und wieso er keine andere Diagnose gestellt hat. Damit ist die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit in Höhe von 20 % durch den Experten dahin zu verstehen, dass aus psychiatrischen Gründen gewisse Tätigkeiten - wie z.B. exponierte Tätigkeiten als Securitaswächter - nicht mehr zumutbar sind. Andere Arbeiten zu normalen Arbeitszeiten in einem unbelasteten Umfeld sind dem Versicherten dagegen vollschichtig und mit vollem Rendement - abgesehen von einer allfälligen organischen Beeinträchtigung - zumutbar. Dieses Ergebnis wird durch die restlichen in den Akten liegenden Arztberichte bestätigt, welche keine eindeutigen Hinweise auf eine psychische Beeinträchtigung mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beinhalten. So findet sich in einem Gutachten des Universitätsspitals Zürich vom 21. Juli 1997 zwar der Hinweis, dass der Beschwerdeführer bei der Beschreibung seiner Situation einen "verzweifelten Eindruck" gemacht habe, ohne dass jedoch auch nur der Verdacht auf psychische Probleme angedeutet und demzufolge einzig die Problematik der Handverletzung behandelt wird, während der Hausarzt Dr. med. G.________ in seinem Schreiben vom 13. Mai 1998 eine psychiatrische Behandlung explizit als nicht nötig erachtet. Der vom neuen Hausarzt beigezogene Dr. med. B.________, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Handchirurgie, schreibt in seinem Bericht vom 5. November 1998 zwar davon, dass die bestehende Schmerzsympthomatik "zusätzlich noch psychogen überlagert sein dürfte", jedoch findet sich keine Begründung für diesen Verdacht und es wird auch nicht auf eine allgemeine psychische Erkrankung, z.B. auf eine depressive Verstimmung, hingewiesen.