Citation: I 166/06 30.01.2007 E. 5

5.1 Nach dem Wortlaut von Art. 43 Abs. 3 ATSG liegt eine Verletzung der Mitwirkungspflicht nur dann vor, wenn sie in unentschuldbarer Weise erfolgt ist. Sie muss somit schuldhaft sein (vgl. auch Art. 73 IVV). Dies ist dann der Fall, wenn kein Rechtfertigungsgrund erkennbar ist oder sich das Verhalten der versicherten Person als völlig unverständlich erweist (Kieser, ATSG-Kommentar, N 39 zu Art. 43). Gemäss forensisch-psychiatrischem Gutachten des Dr. med. G.________ vom 27. April 2001 konnte wegen des manisch-psychotischen, angetriebenen Zustandes der Versicherten im Zeitpunkt der Untersuchung nicht mit Sicherheit beurteilt werden, ob sie an einer chronischen oder rezidivierenden manischen (ICD-10 F30.9), schizophrenen (ICD-10 F20.9) oder schizoaffektiven Psychose (ICD-10 F25.0) oder an einer Borderlinestörung (ICD-10 F60.8) leidet. Sicher konnte eine Kokainabhängigkeit festgestellt werden (ICD-10 F14). Laut Bericht des IFPD vom 30. November 2003 liegt eine komplexe psychiatrische Problematik vor mit Impulskontrollstörung (IDC-10: F63.8), ADHD (ICD-10 F90.0), atypischer Bulimia nervosa (ICD-10 F50.3) sowie Kokain- und Cannabismissbrauch (ICD-10 F12.1, F14.1). Dr. med. S.________ stellte im Bericht vom 27. Mai 2004 als Hauptdiagnose: Borderline mit selbst- und fremdagressivem Verhalten, differenzialdiagnostisch: schizotypische Störung, Schizophrenie und Verdacht auf ADHD bei einer erwachsenen Patientin. Bereits am 14. Mai 2004 hatte er die Durchführung der Untersuchung in A.________ beantragt. Mit Schreiben vom 14. März und 10. Mai 2005 bestätigte der behandelnde Arzt, dass der Versicherten eine Reise nach B.________ auf einen bestimmten Termin hin krankheitsbedingt nicht ohne weiteres möglich sei. Laut FPD ist ihr eine Begutachtung in B.________ zwar zumutbar, doch stellt dies für sie eine nicht mit normalem Massstab zu beurteilende Belastung und Herausforderung dar. Aufgrund der bisher gescheiterten Versuche müssten die damit verbundenen Anstrengungen als zu hoch eingestuft werden (vgl. die Schreiben des FPD vom 3. Oktober und 8. September 2005). 5.2 Aufgrund der medizinischen Unterlagen wäre der Versicherten eine Reise nach B.________ von der körperlichen und geistigen Verfassung her zwar grundsätzlich möglich und zumutbar. Ihre Weigerung, sich am Ort der befassten IV-Stelle und nicht an ihrem Wohnort begutachten zu lassen, ist indessen entschuldbar, da sie nicht in einem ihr vorzuwerfenden Verschulden gründet, sondern in ihrer krankhaften Persönlichkeit. Es ist zudem anzunehmen, dass die Exploration zusätzlich erschwert würde, wenn man sie zwingen würde, sich von einem in B.________ praktizierenden Arzt untersuchen zu lassen. Die IV-Stelle hat das Leistungsbegehren daher zu Unrecht gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG abgewiesen, zumal sie keine überzeugenden Argumente vorzubringen vermag, weshalb angesichts der konkreten Umstände des vorliegenden Falles nicht ausnahmsweise ein Arzt am Wohnort der Versicherten mit dem Gutachten betraut werden kann. Entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung erweist sich die vorinstanzliche Rückweisung zur Anordnung einer Begutachtung in der Nähe des aktuellen Wohnortes der Versicherten daher weder als unverhältnismässig noch als unrechtmässiger Eingriff in das Ermessen der Verwaltung.