Citation: 4A_472/2018 E. 5.2.1

5.2.1. Aus dem Gesagten folgt einerseits, dass die Kündigung des Generalagenturvertrages auch nach Eintritt des Versicherungsfalles möglich sein muss und dass diese Kündigung, sofern sie ihren Grund nicht in der Vereitelung der Versicherungsansprüche hat, dieselben leistungsverkürzenden Auswirkungen zeitigen darf, wie dies der Fall wäre, wenn die Versicherung statt bei einer Vertragspartei des Agenturvertrages bei einer Drittversicherung abgeschlossen worden wäre. Andererseits darf dem Versicherten die Gefahr, dass der Agenturvertrag gekündigt wird, um direkt eigene Leistungen aus dem Versicherungsvertrag einzusparen, nicht überbunden werden - denn die Möglichkeit durch die Kündigung einen direkten finanziellen Vorteil für den Kündigenden zu erreichen und damit die Gefahr einer entsprechend motivierten Kündigung bestünde nicht, wenn die Versicherung bei einer Drittversicherung abgeschlossen worden wäre. Auch die Beschwerdegegnerin muss sich entgegenhalten lassen, dass es sich um allgemeine Bedingungen handelt, die nicht für den konkreten Fall verfasst wurden. Wenn bei Aufgabe der versicherten Tätigkeit grundsätzlich keine Nachleistung erbracht wird, knüpft der Wegfall der Leistungspflicht nach Eintritt des versicherten Risikos an ein Ereignis an, das im allgemeinen ausserhalb des Einflussbereichs der Versicherung liegt. Es wird dadurch der Versicherung nicht die Möglichkeit eingeräumt, durch einseitige Willenserklärung selbst über die Dauer ihrer Leistungspflicht zu entscheiden. Eine deratige Bedeutung wäre, soweit sie überhaupt zulässig wäre, in der Tat ungewöhnlich. Dass ähnliche Klauseln häufig verwendet werden, ändert daran nichts, da sich die Ungewöhnlichkeit aus der besonderen Situation ergibt, in der die Versicherung geschlossen wurde, beziehungsweise aus der Doppelrolle der Beschwerdegegnerin und deren konzerninternen Verbundenheit mit ihrer Schwestergesellschaft.