Citation: 6B_576/2021 E. 1.2

1.2. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Erlass eines zweiten, inhaltlich gleichlautenden Strafbefehls gesetzlich nicht vorgesehen und daher nicht zulässig. Für die Frage, ob ein zweiter Strafbefehl mit dem ersten identisch ist, ist auf den Schuldspruch sowie die Sanktion der Strafbefehle abzustellen (Urteil 6B_728/2021 vom 6. Oktober 2021 E. 2.2). Vom Erlass eines neuen Strafbefehls im Sinne von Art. 355 Abs. 3 lit. c StPO zu unterscheiden ist die gesetzlich nicht ausdrücklich vorgesehene Möglichkeit, den ursprünglichen Strafbefehl zu berichtigen. Will die Staatsanwaltschaft im Falle einer Einsprache vor der Überweisung der Akten an das Gericht Fehler z.B. bei der Sachverhaltsschilderung (Art. 353 Abs. 1 lit. c StPO) beheben, muss sie dies über eine Berichtigung oder sachverhaltsmässige Ergänzung ihres früheren Strafbefehls tun, welche als solche (z.B. Berichtigung oder sachverhaltsmässige bzw. sonstige inhaltliche Ergänzung) zu bezeichnen ist. Damit ergeht zwar ebenfalls ein neuer Strafbefehl. Da die Staatsanwaltschaft aber materiell an ihrem ursprünglichen Strafbefehl im Sinne von Art. 356 Abs. 1 StPO festhält, handelt es sich damit weder um einen neuen Strafbefehl im Sinne von Art. 355 Abs. 3 lit. c StPO - und muss die beschuldigte Person dementsprechend gegen diesen grundsätzlich auch nicht erneut Einsprache erheben - noch ist ein solcher zweiter Strafbefehl nichtig (BGE 145 IV 438 E. 1.3.2, 1.3.4, 1.4 und 1.5.4, m.w.H.).