Citation: 5A_88/2020 E. 8.5

8.5. Zwar bringt die Beschwerdeführerin ihre Rüge zur Dispositionsmaxime erstmals vor Bundesgericht vor. Dies ist mit Blick auf den Grundsatz der materiellen Erschöpfung des Instanzenzuges (vgl. BGE 143 III 290 E. 1.1) jedoch unschädlich, da das Vorbringen das Verhalten der Parteien im Berufungsverfahren betrifft und eine frühere Geltendmachung nicht möglich war (vgl. Urteil 5A_808/2018 vom 15. Juli 2019 E. 4.1). Im Übrigen ist die Rüge der Beschwerdeführerin begründet: Entscheidend ist nach dem Ausgeführten die genaue Tragweite des in der Berufungsantwort gestellten Antrags. Diese ist nach den allgemeinen Grundsätzen zu ermitteln (vgl. BGE 143 III 157 E. 1.2.2; Urteil 5A_753/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.1). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Parteien sich im Berufungsverfahren, d.h. nach Durchführung des erstinstanzlichen Verfahrens, eine hinreichend genaue Vorstellung davon machen konnten, wie die güterrechtliche Auseinandersetzung vorzunehmen war (vgl. Art. 85 Abs. 2 ZPO). Weiter ist nicht geltend gemacht, dass im Berufungsverfahren neue Elemente zu berücksichtigen gewesen wären. In dieser Situation war das von der Beschwerdeführerin präzis bezifferte Begehren, welches zudem zu seinen Ungunsten vom erstinstanzlichen Entscheid abwich, als Aussage zum materiellen Bestand des ihm gegenüber geltend gemachten Anspruchs zu werten. Die Beschwerdeführerin vermag vor Bundesgericht denn auch nichts vorzutragen, was einen anderen Schluss zulassen würde. Hieran änderte der spätere Antrag auf Abweisung der Berufung nichts mehr. Dem Obergericht war es damit ohne Rechtsverletzung nicht möglich, der Beschwerdeführerin aus Güterrecht weniger zuzusprechen, als es dem übereinstimmenden Antrag der Parteien (Fr. 84'768.35) entsprach.