Citation: 9C_561/2021 E. 4.3.2

4.3.2. Die Beschwerdeführerin stellt weiterhin die Beweiskraft des psychiatrischen medexperts-Teilgutachtens in Abrede. Sie ist der Auffassung, die Vorinstanz habe die Beweiswürdigungsregeln verletzt, indem sie darauf abgestellt habe. Der psychiatrische Experte erklärte am 5. Mai 2020 nachvollziehbar, dass die Wiedergabe der Beeinträchtigungen gemäss Mini-ICF-APP auf der Selbsteinschätzung und den Aussagen der Versicherten beruht hätten; diesen Aspekt habe er bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt. Dass "eine Spitex installiert" worden war, war dem Experten bekannt und lässt nicht per se auf einen verschlechterten Gesundheitszustand oder eine (höhere) Arbeitsunfähigkeit schliessen. Sodann führte der Gutachter überzeugend aus, dem Vorwurf, dass die Blutabnahme (resp. die Blutanalyse) nicht die Compliance widerspiegle, könne zwar (grundsätzlich) gefolgt werden. Indessen lasse der Umstand, dass alle vier verschiedenen Psychopharmaka nur in fast nicht nachweisbarer resp. in zu geringer Konzentration nachgewiesen werden konnten, zusammen mit zahlreichen Hinweisen auf eine limitierende Symptompräsentation nur auf Malcompliance schliessen. Das präsentierte Zustandsbild der Versicherten könne prinzipiell nur mit Symptomverdeutlichung oder mit einer Einnahme sedierender Medikamente erklärt werden; solche könnten auch von der Blutuntersuchung nicht erfasst worden sein. Angesichts dieser Erklärungen und der weiteren, im internistischen Teilgutachten aufgeführten Medikation liegt auch kein Widerspruch darin, dass der Psychiater trotz Annahme einer Malcompliance eine Reduktion der Polypharmazie empfahl. Ein konkreter Anhaltspunkt dafür, dass der Experte diesbezüglich nicht über das notwendige pharmakologische Fachwissen verfügen soll, ist nicht ersichtlich. Weiter spricht auch der Abklärungsbericht der Luzerner Psychiatrie vom 11. Februar 2020 nicht gegen die Beweiskraft des medexperts-Gutachtens. Zwar wurde darin eine mittelgradige neuropsychologische Störung mit deutlich eingeschränkter Funktionsfähigkeit erkannt. Indessen wurde keine Einschränkung quantifiziert, weshalb daraus nicht auf eine höhere als die im medexperts-Gutachten attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 % geschlossen werden kann. Sodann besteht die Raumforderung im Hirn (Verdacht auf inzidentelles Meningeom) bereits seit 2003. Die seitherige Grössenprogredienz bezeichnete Dr. med. B.________ in seinem Bericht vom 1. April 2020 als minimal und als inzidenten Befund; einen therapeutischen Handlungsbedarf erkannte er nicht. Der RAD hielt diesbezüglich fest, dass typische durch verdrängendes Wachstum bedingte Symptome fehlten. Im Übrigen ist bei der Beweiswürdigung im Zusammenhang mit unterschiedlichen ärztlichen Einschätzungen sowohl dem Ermessensspielraum des Experten (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3; Urteil 9C_397/2015 vom 6. August 2015 E. 5.3; vgl. auch BGE 125 V 351 E. 3b/bb) als auch dem Unterschied zwischen Behandlungs- und Begutachtungsauftrag (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil 9C_561/2018 vom 8. Februar 2019 E. 5.3.2.2) Rechnung zu tragen.