Citation: 4P.50/2001 07.06.2001 E. 4

4.-Der Beschwerde könnte somit nur dann Erfolg beschieden sein, wenn sich die Praxis als solche als verfassungswidrig erweisen würde. a)Soweit die Beschwerdeführerin die Fristberechnung gemäss ZR 95 (1996) Nr. 39 sinngemäss als unverhältnismässig beanstandet, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Das Bundesgericht überprüft die Auslegung von kantonalem Prozessrecht nicht auf Angemessenheit, sondern schreitet nur bei willkürlicher Rechtsanwendung ein. b) Auch der Einwand, die Zürcher Praxis widerspreche der Rechtsprechung zu Art. 32 OG und den Regelungen in anderen Kantonen, verfängt nicht. Solange das Zivilprozessrecht nicht vereinheitlicht ist, liegt es in der Natur der Sache, dass in den verschiedenen Kantonen unterschiedliche Regeln herrschen können. c)Unbegründet ist die staatsrechtliche Beschwerde auch insoweit, als die Zürcher Praxis als willkürlich beanstandet wird. Wenn § 191 GVG festhält, dass der Tag der Mitteilung eines Entscheides bei der Fristberechnung nicht mitzuzählen sei, kann daraus nicht abgeleitet werden, dass bei einem in den Gerichtsferien zugestellten Entscheid der erste Tag nach den Gerichtsferien ebenfalls nicht mitzuzählen sei. In diesem Fall ist "der Tag der Mitteilung eines Entscheides" nämlich nicht der erste Tag nach den Gerichtsferien, sondern der Tag der Zustellung während den Gerichtsferien. Wenn aber eine Zustellung in den Gerichtsferien möglich ist, wird der Zweck von § 191 GVG, die gesamte Frist voll ausnützen zu können, auch dann erreicht, wenn der erste Tag nach den Gerichtsferien bei der Fristberechnung mitgezählt wird. Unzutreffend ist daher auch die Behauptung, mit der beanstandeten Praxis stehe der beschwerdeführenden Partei die Rechtsmittelfrist nicht voll zur Verfügung. d) Soweit die Beschwerdeführerin weiter geltend macht, die Praxisänderung sei seinerzeit vom Kassationsgericht nicht als solche bezeichnet worden, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten, da keine Verfassungsverletzung gerügt wird (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). e) Schliesslich kritisiert die Beschwerdeführerin den angefochtenen Entscheid als überspitzt formalistisch. Das aus Art. 29 Abs. 1 BV fliessende Verbot des überspitzten Formalismus wendet sich gegen prozessuale Formenstrenge, die durch kein schutzwürdiges Interesse gerechtfertigt ist und dem Bürger den Rechtsweg auf unzulässige Weise versperrt (BGE 125 I 166 E. 3a S. 170 m.w.H.). Wie bereits erwähnt, wird mit der Praxis, auf welche sich das Kassationsgericht beruft, jeder Partei entsprechend dem Zweck von § 191 GVG die volle Rechtsmittelfrist garantiert, ohne dass dadurch der in Art. 140 GVG verankerte Anspruch der Parteien, während den Gerichtsferien keine Prozesshandlungen vornehmen zu müssen, tangiert würde. Von einer exzessiven Formenstrenge kann daher keine Rede sein.