Citation: 8C_359/2021 E. 5.2.2

5.2.2. Weiter mag zwar sein, dass sich der Versicherte - wie Dr. med. F.________ postuliert - vor seinem Tod inmitten eines Phasenwechsels von depressiver zu hypomanischer Störung und möglicherweise am Todestag erneut zu depressiver Störung befand oder an einer gemischten Episode litt. Allein damit ist aber nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad erstellt, dass der Versicherte im Zeitpunkt der suizidalen Handlung an psychopathologischen Symptomen wie Wahn, Sinnestäuschungen, depressiver Stupor (plötzlicher Erregungszustand mit Selbsttötungstendenz), Raptus (plötzlicher Erregungszustand als Symptom einer seelischen Störung) oder dergleichen litt, welche die Tat nicht nur als unverhältnismässig, sondern als "unsinnig" erscheinen liessen (vgl. E. 2.3 hiervor). Solche psychopathologische Symptome sind aber Voraussetzung für die Annahme vollständiger Urteilsunfähigkeit (vgl. HANS KIND, a.a.O., S. 291). Wenn Dr. med. F.________ sodann von einer weitgehend fehlenden Krankheits- und Behandlungseinsicht des Versicherten im Zeitpunkt der suizidalen Handlung ausgeht, so steht dies in einem Widerspruch zu den Angaben der Lebenspartnerin gegenüber dem Gutachter, wonach während depressiver Phasen des Versicherten auch eine vermehrte Aufnahmefähigkeit im Sinne einer Krankheitseinsicht bestanden habe. Es habe in solchen Phasen auch Momente gegeben, in welchen der Versicherte eine hilfesuchende Haltung eingenommen habe (vgl. Privatgutachten des Dr. med. F.________, S. 11 und 13). Insoweit leuchtet nicht ein, weshalb der Versicherte bei offenbar zunehmender Trübung der Stimmungslage nicht in der Lage gewesen sein soll, den medizinischen Sachverhalt der eigenen Krankheit zu verstehen.