Citation: 9C_133/2018 E. 3.2

3.2. Dr. med. B.________ berücksichtigte insbesondere, dass der Versicherte nach Abschluss der Lehre als Bauzeichner (2003) eine Zusatzlehre als Strassenbauer abgeschlossen hatte (2006) und anschliessend - zwischen August 2006 und November 2013 - in 15 Anstellungen für verschiedene Arbeitgeber tätig gewesen war. Aus diesen Arbeitsverhältnissen schloss der Experte ohne Weiteres auf eine Ressource im Sinne "einer gewissen beruflichen Flexibilität". Es fällt indessen auf, dass die Arbeitsverhältnisse immer befristet waren und keines davon länger als sechs Monate dauerte. Angesichts der aktenkundigen und versicherungsrelevanten Probleme des Versicherten in Kindheit und Jugend und des gesundheitlichen Verlaufs ab Juni 2014 stellt sich die Frage, ob die berufliche Entwicklung nicht als Ausdruck einer psychischen Problematik im Sinne einer beeinträchtigten Anpassungs- und Leistungsfähigkeit hätte gedeutet werden können resp. müssen. Dazu lässt sich dem Gutachten nichts entnehmen. Sodann holte der Experte den Bericht vom 12. November 2015 des sozialtherapeutischen Zentrums C.________ ein, wo der Versicherte seit März resp. April 2015 arbeitete und wohnte. Danach sei es "derzeit" schwer vorstellbar, dass der Versicherte im ersten Arbeitsmarkt arbeiten könne; ein raues Arbeitsklima und hoher Arbeitsdruck würden ihm sehr zusetzen. Dr. med. B.________ gab diesen Bericht im Gutachten wieder, jedoch ohne sich damit näher zu befassen. Immerhin betrachtete er die im geschützten Rahmen zu 50 % ausgeübte "aktuelle" Tätigkeit als Gärtner/Gartenbauer als "sinnvoll". Weshalb er hingegen - nachdem der Versicherte bereits seit über acht Monaten beim Zentrum C.________ gearbeitet hatte - von wenig Berufserfahrung und Routine in den Abläufen ausging, leuchtet nicht ein und ist mit Blick auf die unterstellte "berufliche Flexibilität" auch widersprüchlich. Vor diesem Hintergrund ist die vorinstanzliche Annahme, dass hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Strassenbauer im freien Arbeitsmarkt von einer höheren Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne, da dem Versicherten die diesbezüglichen Arbeitsabläufe bekannt seien, nicht nachvollziehbar. Weiter legte der Gutachter dar, dass für die Tätigkeit als Strassenbauer ein "50-prozentiger Wiedereingliederungsplan angedacht werden" könne. Im optimalen Fall handle es sich um eine angepasste Tätigkeit, wo der Arbeitgeber über die Einschränkungen informiert sei und Freiräume für Erholungsphasen ermögliche. Sodann legte er dar, dass "aktuell in einer angepassten Tätigkeit im Strassenbau initial" eine Arbeitsfähigkeit von 50 % "denkbar wäre", "steigerbar bis 70 %, im optimalen Fall angepasst". An anderer Stelle führte er aus, dass nach seiner Meinung der Explorand als Strassenbauer " (optimal mit Anpassungselementen) " zu 50 % ab dem 6. September 2014 "arbeiten konnte", was steigerbar auf 70 % "wäre". Dabei erkannte er insbesondere im Vergleich zu den Einschätzungen der Psychiatrischen Klinik D.________ "keine wesentlichen Diskrepanzen". Die Ärzte der Klinik D.________ attestierten keine Arbeitsfähigkeit von 50 % (oder mehr) für die Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt als Strassenbauer; vielmehr gingen sie von einer Einschränkung von 50 % für die (geschützte) Arbeit im Zentrum C.________ aus (vgl. Berichte vom 14. Januar und 10. Juli 2015). Das Gutachten des Dr. med. B.________ enthält somit weder in Bezug auf die Art der zumutbaren Tätigkeit (freier Arbeitsmarkt, Eingliederungsmassnahme oder geschützter Arbeitsplatz) noch hinsichtlich des Umfangs eine klare und nachvollziehbare Einschätzung der Arbeitsfähigkeit.