Citation: 6B_149/2022 E. 4.3

4.3. Die Vorinstanz verweist zutreffend auf die Rechtsprechung des EGMR, wonach von der angeklagten Person erwartet werden darf, spezifische Gründe für ihr Gesuch auf Einsicht in möglicherweise sachdienliche Aktenteile ausserhalb der Ermittlungsakte zu erhalten ("The accused may, however, be expected to give specific reasons for his request"; Urteil des EGMR Matanovic gegen Kroatie n vom 4. April 2017, Verfahren 2742/12, § 157). Wie an der zitierten Stelle des EGMR-Urteils weiter zu entnehmen ist, sind die Garantien von Art. 6 EMRK verletzt, wenn der Verteidigung solche sachlichen Beweismittel ("material evidence which contains such particulars") nicht offengelegt würden, die die angeklagte Person entlasten oder die zu einem milderen Entscheid führen könnten. Diese Bedingung ist hier nicht erfüllt. "Solche" Gründe, geschweige denn auch nur schwache Anhaltspunkte oder Vermutungen, aus welchen Gesprächen sich Entlastendes ergeben könnte, wurden von der Verteidigung vorinstanzlich nicht vorgebracht (Urteil S. 13). Dabei ist zu wiederholen, dass der Verteidigung sämtliche Akten aller fünf Angeklagten zur Verfügung standen sowie insbesondere, dass die Verteidigung auf eine gemeinsame Durchführung des bezirksgerichtlichen Hauptverfahrens mit allen fünf Angeklagten verzichtet hatte, indem sie auch in noch erstreckter Frist nichts gegen die bezirksgerichtlich vorgeschlagene teilweise Verfahrenstrennung an der Hauptverhandlung einwendete (oben E. 3.3). Infolge dieses Verzichts (mit der verpönten Folge eines "venire contra factum proprium") fehlt der redundant umfänglich vorgetragenen verfahrens- und gehörsrechtlichen Kritik die Rechtsgrundlage, es sei dem Beschwerdeführer aufgrund der vorinstanzlichen Auffassung verunmöglicht worden, in einem Verfahren, in dem "Vorgänge puzzleartig" zusammengesetzt worden seien, entlastende Elemente zu prüfen (Beschwerde Ziff. 49).