Citation: 1C_401/2020 E. 6.4

6.4. Der Beschwerdegegnerin ist einzuräumen, dass das Risiko einer Reduktion der Fliessgeschwindigkeit, der Erwärmung und der Kolmation am steilen Färdabach geringer erscheint als an flacheren Gewässerstrecken. Allerdings fehlen Feststellungen der Vorinstanz zu den in diesem Zusammenhang aufgeworfenen Fragen (z.B. zur Beschattung/Besonnung, zum Entsander und zum Spülregime). Zwar trifft es zu, dass das Kraftwerk im Winter wegen des geringen Abflusses (weniger als 60 l/s) nicht betrieben werden kann. Es verlängert jedoch den Zeitraum mit minimalem Abfluss: Dieser setzt neu schon Anfang November ein (statt heute Ende Dezember/Anfang Januar) und dauert bis Mitte Mai (statt heute Mitte April); zudem reduziert sich die Abflussmenge auch im November und Dezember auf 19 l/s, d.h. die heute vorhandenen Abflussspitzen bei starken Niederschlägen treten nicht mehr auf (vgl. Kurzbericht zu den Umweltauswirkungen S. 33 Abb. 4). Dies könnte ein Zufrieren des Bachbetts begünstigen. Die Dynamik des Flusses wird durch die Wasserentnahme deutlich reduziert, sowohl quantitativ als auch saisonal: Heute schwankt der Abfluss zwischen weniger als 60 l/s (von Ende Dezember bis Mitte April) und Spitzen von über 2000 l/s (im Mai/Juni). Im Herbst nimmt der Abfluss allmählich ab (von rund 200 auf 100 l/s), allerdings treten immer wieder Abflussspitzen (bis 800 l/s) infolge Regens/Gewitter auf (Kurzbericht zu den Umweltauswirkungen, S. 33, Abb. 4). Durch die geplante Wasserentnahme treten künftig Abflüsse über 1000 l/s nur noch an wenigen Tagen im Jahr auf. Von August bis Dezember reduziert sich der Abfluss auf 19 l/s bzw. 50 l/s im September und Oktober. Dies führt zu einer deutlichen Reduktion der benetzten Breite und damit des aquatischen Lebensraums. Es erscheint plausibel, dass damit ein Rückgang auch der Substratvielfalt und damit der Biodiversität einhergeht (Gutachten Benthos, Ziff. 5.3 S. 18). Hinzu kommt, dass aufgrund des Klimawandels mit einem Rückgang des Gletscher- und Schneeschmelzwassers zu rechnen ist, d.h. nicht gewährleistet ist, dass die heute festgestellten Überflüsse (d.h. Abflussmengen über der Ausbauwassermenge von 750 l/s) auch in Zukunft (während der gesamten Konzessionsdauer von 80 Jahren) noch auftreten werden. Zu berücksichtigen ist ferner das Wasserkraftprojekt am Oberlauf des Faldumbachs (dieser wird heute schon im Unterlauf gefasst und in das Staubecken Ferden geleitet). Wie das BAFU darlegt, sind die südexponierten Bäche bei Ferden ökologisch vernetzt. Von den bisher nicht genutzten Gewässerstrecken (Färda- und Krummbach; Oberlauf des Faldumbachs) geht ein Besiedlungspotenzial für andere, hydrologisch genutzte Gewässer im Tal aus. Die Restwasserstrecken profitieren von deren hohen Biodiversität und können von dort aus immer wieder neu besiedelt werden. Dieses Reservoir könnte aufgrund der kumulativen Wirkung der geplanten Wasserkraftprojekte entfallen.