Citation: 8C_699/2019 E. 4.3.3

4.3.3. Soweit die IV-Stelle vorbringt, die Versicherte sei seit 1996 nicht mehr erwerbstätig gewesen, obwohl die Kinder im Zeitpunkt der Krebserkrankung im Jahr 2013 bereits 15 und 17 Jahre alt gewesen seien, lässt sie den aus Sicht der Vorinstanz entscheidenden Faktor ausser Acht, nämlich die Trennung der Beschwerdegegnerin von ihrem Ehemann im Jahr 2016. Vor der Heirat im Jahr 1995 und der Geburt des ersten Kindes 1996 war die Versicherte bereits zu 100 % erwerbstätig, wie sich dem Abklärungsbericht Haushalt vom 30. November 2017 entnehmen lässt. Dass die Beschwerdegegnerin seit 1996 nicht mehr erwerbstätig war, ist auf die Rollenverteilung während des Zusammenlebens mit dem Ehemann zurückzuführen. Diese ist mit der Trennung im Jahr 2016 weggefallen. Die Vorinstanz berücksichtigte bei ihrer Beurteilung demnach die konkrete Lebenssituation der Beschwerdegegnerin mit einem laufenden Scheidungsverfahren, was nicht zu beanstanden ist. Sie gelangte in Würdigung der Aussagen der Versicherten und der Berichte der Verantwortlichen der IV-Stelle zum Schluss, es sei viel wahrscheinlicher, dass die Versicherte im Gesundheitsfall spätestens im Zeitpunkt der Trennung zum einen den Wunsch, zum anderen die Notwendigkeit verspürt hätte, selber eine (Vollzeit) Erwerbstätigkeit aufzunehmen, zumal die aktuell getätigten Unterhaltszahlungen des Ehemannes keine Rückschlüsse auf die im hypothetischen Gesundheitsfall geleisteten Zahlungen zuliessen. Diese Beurteilung des hypothetischen Geschehensablaufs beruht auf konkreter Beweiswürdigung. Selbst wenn dabei auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebenserfahrung berücksichtigt wurden, ändert dies nichts an der eingeschränkten Kognition des Bundesgerichts (vgl. E. 2.2 und E. 4.1 hiervor). Die Vorbringen der Beschwerdeführerin sind nicht geeignet, die vorinstanzliche Feststellung einer im Gesundheitsfall ausgeübten Vollzeiterwerbstätigkeit als geradezu unhaltbar erscheinen zu lassen (vgl. E. 4.1 hiervor; vgl. auch Urteil 8C_636/2015 vom 17. Dezember 2015 E. 4.2.3). Soweit die IV-Stelle zur Begründung ihres Standpunktes auf die Unterhaltszahlungen im Verfügungszeitpunkt verweist, übt sie appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid, auf die nicht weiter einzugehen ist.