Citation: 9C_48/2016 E. 4.1

4.1. Der Beschwerdeführerin ist darin beizupflichten, dass die Frage nach dem Zeitpunkt, ab welchem bei der gebotenen und zumutbaren Aufmerksamkeit ein Fehler der Verwaltung hätte erkannt werden müssen - durch diese selber (Art. 25 Abs. 2 ATSG) bzw. durch die grundsätzlich rückerstattungspflichtige Person (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG) - insofern dieselbe ist. Sie stellt sich indessen in verschiedenem Kontext, dort bei der Rückerstattung unrechtmässig bezogener Leistungen und der Geltendmachung des Rückforderungsanspruchs in zeitlicher Hinsicht, hier beim Erlass der Rückerstattung. Ebenso sind die Normadressaten nicht dieselben noch sind deren Stellung und Aufgaben im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren vergleichbar. Während der Versicherungsträger ein Gesetzesvollzugsorgan ist, obliegen der versicherten Person im Wesentlichen einzig Mitwirkungspflichten (Art. 28 und 43 ATSG) und Meldepflichten (Art. 31 ATSG). Es kommt dazu, dass die Versicherungsträger gleichzeitig mit einer Vielzahl von Versicherten in einer Rechtsbeziehung stehen, was einen gewissen Schematismus in den Abläufen erfordert und entsprechend das Risiko von Fehlern erhöht. Die Beschwerdeführerin vermag nicht substanziiert darzutun (E. 1 vorne), inwiefern trotz dieser Unterschiede aus Gründen der Gleichbehandlung der gute Glaube nach Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG betreffend die Rechtmässigkeit des Leistungsbezugs mindestens solange als gegeben zu betrachten ist, als die relative einjährige Frist zur Geltendmachung des Rückforderungsanspruchs nach Art. 25 Abs. 2 ATSG nicht begonnen haben konnte, wie sie geltend macht. Abgesehen davon ist diese Rechtsauffassung schon aus grundsätzlichen Überlegungen abzulehnen. Es bedeutete, dass die Erlassvoraussetzung des guten Glaubens praktisch regelmässig zu bejahen wäre, mithin die Rückerstattung der unrechtmässig bezogenen Leistungen lediglich noch bei Fehlen einer grossen Härte nicht ausser Betracht fiele. Dies widerspräche nicht nur dem klaren Wortlaut von Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG und der Rechtsprechung, sondern auch Sinn und Zweck der Erlassregelung, namentlich bei offensichtlicher leichter Erkennbarkeit der Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs bzw. der Leistungsausrichtung ohne rechtliche Grundlage, wenn sich die versicherte Person auf das bessere Wissen bzw. Wissen-Müssen des Versicherungsträgers berufen könnte, um der Rückerstattungspflicht zu entgehen.