Citation: 9C_380/2022 E. 4.4.4

4.4.4. Für den Einkommensvergleich sollen die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen (Validen- und Invalideneinkommen) ziffernmässig möglichst genau ermittelt werden; die Differenz ergibt den Invaliditätsgrad. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach den im Einzelfall bekannten Umständen zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt beziffert sein (z.B. in Form sogenannter Tabellenlöhne gemäss Lohnstrukturerhebung [LSE] des Bundesamts für Statistik; BGE 148 V 174; 139 V 592 E. 2.3). Genügen kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen, vor allem wenn die versicherte Person in der angestammten Tätigkeit weiterarbeiten kann. Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 Prozent zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird; vorbehältlich einer Herabsetzung des Invalideneinkommens ergibt sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad (sogenannter Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a). Auch wenn der hier gewählte Einkommensvergleich nicht in einer Gegenüberstellung von Prozentwerten ausgedrückt wird, läuft er auf einen Prozentvergleich hinaus, nachdem die Beschwerdeführerin in der früheren Tätigkeit optimal eingegliedert wäre und das Invalideneinkommen insoweit dem (konkreten) Valideneinkommen gleichgesetzt werden kann (oben E. 4.4.3; basiert der Einkommensvergleich in einem solchen Fall stattdessen auf einem gleichen Tabellenlohn, spricht die Rechtsprechung zuweilen auch von einer "rein rechnerischen Vereinfachung", so etwa Urteil 8C_104/2021 vom 27. Juni 2022 E. 6.2 mit Hinweis). Beim Prozentvergleich hat das Bundesgericht den leidensbedingten Abzug zugelassen (Urteile 9C_734/2016 vom 27. Januar 2017 E. 4.1 a.E., 9C_888/2014 vom 4. Februar 2015 E. 3; offengelassen im Urteil 8C_55/2023 vom 11. Juli 2023 E. 4.5.4), ebenso wie bei einem "bezifferten Schätzungsvergleich" anhand von (auch nicht statistischen) Annäherungswerten (Urteil 8C_530/2015 vom 6. Januar 2016 E. 6.2; vgl. dazu MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 4. Aufl. 2022, N 35 und 36 ff. zu Art. 28a IVG). Dabei hat es betont, dass auch in diesen Konstellationen geprüft werden muss, ob im Rahmen der Abzugspraxis anerkannte Faktoren die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit zusätzlich erschweren. Nicht gekürzt werden können freilich Löhne, die im Rahmen einer Teilerwerbsfähigkeit effektiv erzielt werden (erwähntes Urteil 8C_530/2015 E. 6.2; zu den Voraussetzungen, unter denen der nach Eintritt der Invalidität tatsächlich erzielte Verdienst verwendet werden kann: BGE 148 V 174 E. 6.2; 135 V 297 E. 5.2).