Citation: 7B_193/2022 E. 2.8

2.8. In rechtlicher Hinsicht wendet sich die Beschwerdeführerin gegen die Annahme eines Eventualvorsatzes. Die Vorinstanz durfte angesichts der konkreten Umstände zum Schluss gelangen, dass die Beschwerdeführerin zumindest den Eventualvorsatz hatte, den Geschädigten zu töten. Sie verweist auf das rechtsmedizinische Gutachten, wonach der Messerstich in seiner Wucht nicht kontrollierbar und in seiner Richtung nicht steuerbar war. Wäre das Messer nur geringfügig tiefer oder in einem anderen Winkel eingedrungen, hätte der Geschädigte ohne weiteres eine Verletzung erleiden können, die in kürzester Zeit zum Tod geführt hätte. Weiter hält die Vorinstanz fest, der Eventualvorsatz der Beschwerdeführerin, den Geschädigten zu töten, habe sich nach dem Messerstich erneut manifestiert. Gemäss den glaubhaften Aussagen des Geschädigten habe die Beschwerdeführerin ihn heftig gewürgt, nachdem er die beiden Messer unter Kontrolle gebracht habe. Da er nicht gewusst habe, ob sie aus freien Stücken loslassen würde, habe er sich selbst aus dem Würgegriff befreien müssen. Er habe sich geängstigt, sie würde ihn erwürgen. Kaum habe er sich befreien können, habe sie ihn mit Füssen und Fäusten traktiert, unter anderem gezielt auf das kürzlich operierte Schlüsselbein. Gemäss Vorinstanz waren die Handlungen der Beschwerdeführerin bewusst und gezielt gegen den Geschädigten gerichtet. Sobald er ihr die Messer habe entwenden können, habe sie mit blossen Händen versucht, ihn zu erwürgen. Als sich der Geschädigte auch dagegen habe wehren können, habe sie ihm mit teils gezielten Faustschlägen und Fusstritten zumindest starke Schmerzen zufügen wollen. Was die Beschwerdeführerin dagegen vorträgt, überzeugt nicht. So behauptet sie etwa, gemäss Auffassung der Vorinstanz stelle der Einsatz eines Messers "stets eine versuchte vorsätzliche Tötung" dar. Dass die Vorinstanz von dieser unzutreffenden Annahme ausgehen würde, lässt sich dem angefochtenen Urteil nicht entnehmen. Vielmehr verweist die Vorinstanz zutreffend auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach bei Messerstichen gegen den Oberkörper auf vorsätzliche Tötung erkannt werden kann, dies selbst bei einem einzigen Messerstich. Auf eine Auswahl der zahlreichen diesbezüglichen Präjudizien kann verwiesen werden (Urteile 6B_135/2020 vom 16. Juni 2020 E. 4.2; 6B_927/2019 vom 20. November 2019 E. 3.2; 6B_1394/2017 vom 2. August 2018 E. 5.1.4; 6B_572/2011 vom 20. Dezember 2011 E. 2.6; 6B_177/2011 vom 5. August 2011 E. 2.10; 6B_829/2010 vom 28. Februar 2011 E. 3.2; 6B_432/2010 vom 1. Oktober 2010 E. 4; 6B_635/2009 vom 19. November 2009 E. 3.3; 6B_788/2008 vom 26. Dezember 2008 E. 1; 6B_822/2008 vom 5. November 2008 E. 4.3; 6S.224/2005 vom 21. Juni 2005 E. 2; 6S.104/2002 vom 22. Oktober 2003 E. 2). Unabhängig davon durfte die Vorinstanz gestützt auf den vorliegenden Sachverhalt im Licht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf Eventualvorsatz schliessen. Geht man von den Erkenntnissen des rechtsmedizinischen Gutachtens aus, welche die Beschwerdeführerin nicht angreift, dann war es letztlich Glück und Zufall geschuldet, dass der Geschädigte nicht tödlich verletzt wurde.