Citation: 5A_106/2014 E. 4

Was den Willen des Erblassers angeht, setzt sich das Kantonsgericht zunächst mit Ziffer 3 des Testaments auseinander. Es stellt fest, der Erblasser habe sein Werk nicht von irgendwem, sondern von derjenigen Person betreuen lassen wollen, die nach seinem Dafürhalten für die bestmögliche Betreuung Gewähr bot. Aufgrund des Wortlauts des Testaments sei dies allein die Beschwerdegegnerin, die der Erblasser damit betraute. Indem der Erblasser diesbezüglich "Weisungen" erteilte, habe er nicht bloss einen Wunsch oder eine Erwartung geäussert, sondern für die Erben verbindliche Anordnungen festgelegt, die sich sowohl auf die mit der Betreuung betraute Person als auch auf die Art und Weise der Betreuung bezogen. Auch die Systematik des Testaments sei "eindeutig derart aufgebaut", dass die Beschwerdegegnerin für die eigentlichen, teilweise im Testament beschriebenen Aufgaben der Werksbetreuung alleine zuständig sein soll, während die Beschwerdeführer erst dann Ansprüche geltend machen können, wenn es um die Verteilung des Nettoerlöses aus den Verkäufen und die Regelung der Nachfolge der Beschwerdegegnerin geht. Mit Ziffer 3.5 des Testaments habe es der Erblasser ausdrücklich in die Hände der Beschwerdegegnerin gelegt, bis zu welchem Zeitpunkt sie sein Werk betreuen will, solange sie hierzu in der Lage ist. Weiter würdigt das Kantonsgericht die Akten und die Aussagen verschiedener Zeugen. Angesichts des jahrzehntelangen Vertrauensverhältnisses, das den Erblasser und die Beschwerdegegnerin verband, stehe "zweifelsfrei" fest, dass es A.________ sehr am Herzen lag, dass sein künstlerisches Werk auch nach seinem Tod fachgerecht betreut würde, und dass hierzu nur die Beschwerdegegnerin in Frage kam, nicht aber seine Kinder, denen er diese Aufgabe nicht zutraute. Aus verschiedenen Zeugenaussagen gehe hervor, dass A.________ die Beschwerdegegnerin mittels der Honorarberechtigung für die Werksbetreuung langfristig finanziell absichern und ihr aus Dankbarkeit und aus Zuneigung im Sinne einer Altersvorsorge ein Auskommen schaffen wollte, wie im Rahmen einer Pension. Diese materielle Absicherung sei nicht nur die akzessorische Folge der Begünstigungsabsicht zugunsten der Beschwerdegegnerin, sondern das eigentliche Anliegen des Erblassers gewesen. Entgegen der Meinung des Bezirksgerichts bedeute der Passus "wie bisher" in Ziffer 3.1 des Testaments keine "Weiterführung des bisherigen zwischen dem Künstler und der Klägerin bestehenden vertraglichen Verhältnisses". Gemeint habe der Erblasser damit, dass die Werksbetreuung auch in Zukunft von der Beschwerdegegnerin weitergeführt werden sollte. Schliesslich kämen die testamentarisch festgelegten Honoraransätze einer nicht unerheblichen Besserstellung der Beschwerdegegnerin gegenüber ihrer Entschädigung zu Lebzeiten des Erblassers gleich, weshalb "zumindest in diesem Umfang" nicht nachvollziehbar erscheine, weshalb keine klare Begünstigungsabsicht des Erblassers vorliegen sollte. Gestützt auf diese Erkenntnisse kommt das Kantonsgericht in rechtlicher Hinsicht zur Anschauung, dass Ziffer 3 des Testaments (s. Sachverhalt Bst. A) ein Vermächtnis zu Gunsten der Beschwerdegegnerin enthalte. Das Kantonsgericht erinnert daran, dass die Beschwerdegegnerin von den Nettoverkaufspreisen demnach 40 % bzw. 30 % erhalte. Bei den gehandelten Preisen ergebe dies stattliche Beträge, die nicht nur die Unkosten decken, sondern "ohne Zweifel" einen Gewinn darstellen würden, der dem Vermögensvorteil im Sinne von Art. 484 Abs. 1 ZGB entspreche, auf den der Beschwerdegegnerin nach dem Willen des Erblassers ein "eigentlicher Anspruch" gegenüber den Erben eingeräumt werden sollte. Nachdem feststehe, dass A.________ der Beschwerdegegnerin einen Vermögensvorteil als Vermächtnis habe zuwenden wollen, könne offenbleiben, ob der Umstand, dass die testamentarisch festgelegten Anteile am Verkaufserlös an die Erfüllung der Aufgabe als Werksbetreuerin gebunden sind, dazu führe, dass ein Vermächtnis mit Auflage, mit Untervermächtnis oder mit Resolutivbedingung oder vielmehr ein Nutzniessungsvermächtnis vorliegt. Das Kantonsgericht verwirft auch die These der Beschwerdeführer, wonach das besagte Vermächtnis gegen ihre Persönlichkeitsrechte verstosse. Nach der Einschätzung des Kantonsgerichts verletzt das Vermächtnis auch nicht den Pflichtteilsanspruch der Beschwerdeführer auf drei Viertel ihres gesetzlichen Anspruchs auf den Nachlass (Art. 457 i.V.m. Art. 471 Ziff. 1 ZGB). Unter Berücksichtigung des "sehr hohen" Aufwands für die ganze Werksbetreuung sei davon auszugehen, dass der Nettogewinn, welcher der Beschwerdegegnerin verbleibe, weniger als 25 % des Nettoverkaufspreises betrage. Überdies hätten die Beschwerdeführer neben dem mit Fr. 9 Mio. veranschlagten künstlerischen Werk ihres Vaters auch den Empfang von Barmitteln im Umfang von rund Fr. 2 Mio. und "das Vorhandensein" von Liegenschaften in Frankreich im Wert von rund Fr. 310'000.-- anerkannt. Das Kantonsgericht kommt zum Schluss, die Beschwerdeführer hätten testamentswidrig und somit widerrechtlich die Befolgung der Testamentsanweisungen verweigert und der Beschwerdegegnerin ihr Vermächtnis vorenthalten. Aufgrund ihres Verhaltens, insbesondere aufgrund des bis heute aufrechterhaltenen Verwertungsverbots und des physischen Entzugs der Kunstwerke, würden die Beschwerdeführer gestützt auf Art. 562 Abs. 3 ZGB schadenersatzpflichtig. Der Schadenersatzanspruch der Beschwerdegegnerin bestehe grundsätzlich darin, dass sie den im Testament festgelegten Anteil an den Verkäufen von Kunstobjekten des Nachlasses ungeschmälert zugute habe, obwohl sie die Werksbetreuung nicht inne haben konnte. Gestützt auf diese Erkenntnisse spricht das Kantonsgericht der Beschwerdegegnerin nach Abzug von Akontozahlungen in der Höhe von Fr. 65'363.-- den Betrag von Fr. 84'407.-- zu, in welchem auch die in Erwägung 2 erwähnten Positionen berücksichtigt sind.