Citation: 5A_416/2008 25.08.2008 E. 6

Zu prüfen bleibt mithin die von der Beschwerdeführerin erhobene Rüge der Verletzung von Art. 133 ZGB. 6.1 Gemäss Art. 133 Abs. 1 und 2 ZGB hat das Scheidungsgericht die elterliche Sorge einem der beiden Elternteile zuzuteilen und dabei alle für das Kindeswohl massgebenden Umstände zu berücksichtigen. Auf die Meinung der Kinder ist, soweit tunlich, Rücksicht zu nehmen. Im Übrigen sind für die Zuteilung die vom Bundesgericht in der langjährigen Rechtsprechung zum früheren Art. 156 ZGB umschriebenen Kriterien wegleitend. Entscheidend ist das Kindeswohl. Die Interessen der Eltern haben in den Hintergrund zu treten. Völlig ausser Betracht zu bleiben haben vor allem emotionale Widerstände des einen Ehegatten gegenüber dem die Scheidung begehrenden anderen Ehegatten (BGE 115 II 206, E. 4a S. 209, und 317, E. 2 S. 319; 117 II 353 E. 3 S. 354 f.). Den Bedürfnissen der Kinder ist nach Massgabe ihres Alters, ihrer Neigungen und ihres Anspruchs auf elterliche Fürsorglichkeit, Zuwendung und Erziehung bestmöglich zu entsprechen. Als entscheidende Gesichtspunkte stehen dabei im Vordergrund die persönlichen Beziehungen der Eltern zu den Kindern, ihre erzieherischen Fähigkeiten und ihre Bereitschaft, die Kinder in eigener Obhut zu haben und sie weitgehend persönlich zu betreuen und zu pflegen. Auch dem Bedürfnis der Kinder nach der für eine harmonische Entfaltung in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der Verhältnisse ist Rechnung zu tragen (BGE 114 II 200 E. 3 S. 201 f.; 112 II 381 E. 3 S. 382 f.). Das letztgenannte Kriterium erhält bei ungefähr gleicher Erziehungs- und Betreuungsfähigkeit besonderes Gewicht (BGE 115 II 206 E. 4a S. 209). Bei der Beurteilung dieser Fragen steht den kantonalen Behörden, die die Parteien und die Verhältnisse besser kennen als das Bundesgericht, ein erhebliches Ermessen zu. Das Bundesgericht greift nur ein, wenn einschlägige Kriterien grundlos ausser Betracht geblieben oder offenkundig falsch gewichtet worden sind oder wenn die Zuteilung auf Überlegungen abgestützt worden ist, die unter dem Gesichtswinkel des Kindeswohls bedeutungslos sind oder gegen die dargelegten bundesgerichtlichen Grundsätze verstossen (BGE 117 II 353 E. 3 S. 355; 115 II 317 E. 2 S. 319). 6.2 Das Kantonsgericht hat die Umteilung der elterlichen Sorge auf den Beschwerdegegner im Wesentlichen damit begründet, dass dieser besser als die Beschwerdeführerin in der Lage sei, den Kindern das zu vermitteln, worauf es für eine gute Erziehung wirklich ankomme, nämlich das Wohlbefinden der Kinder sicherzustellen, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, ihre Gefühle anzuerkennen, ihre Anliegen aufzunehmen, ihnen beständige Wärme zu geben, klare und erklärbare Regeln zu setzen, Gemeinsamkeit zu leben, Geduld aufzubringen und Anregungen zu vermitteln. Zwar könnte die Beschwerdeführerin die Kinder persönlich und in der gewohnten Umgebung betreuen, doch erschöpfe sich Eigenbetreuung nicht in blosser Präsenz, sondern müsse auch eine beständige Versorgung und angemessene Behütung umfassen. Im Übrigen bedeute Kontinuität nicht, dass den Kindern ein Wechsel des Umfelds stets erspart werden solle; in einer instabilen Lage könne gerade eine rasche Veränderung das Richtige sein. Die Vorinstanz weist sodann darauf hin, dass der Beschwerdegegner anders als die Beschwerdeführerin ein waches Interesse an den Kindern bekunde, ihnen einen hohen Stellenwert beimesse, beträchtliches Einfühlungsvermögen zeige und einen verlässlichen, wenn auch noch nicht geradlinigen Erziehungsstil pflege. Für den Fall, dass die Kinder ihm anvertraut würden, plane er, in die Nähe seines Arbeitsortes zu ziehen, eine geräumigere Wohnung zu mieten und die Kinder während seiner beruflich bedingten Abwesenheit an einem von der Schule angebotenen Mittagstisch, in einem Kinderhort oder in einer Tagesfamilie unterzubringen. Sein Unterkunfts- und Betreuungskonzept scheine ernst gemeint, sei aber allerdings noch nicht umgesetzt. Es müsse jedoch genügen, wenn der Beschwerdegegner sich aufrichtig darum bemühen wolle, soweit als möglich zu Hause zu sein und im Übrigen für eine geeignete Drittbetreuung zu sorgen, könne doch von einem Elternteil nicht verlangt werden, dass er sein Leben auf Vorrat umstelle. Die Zuweisung der elterlichen Verantwortung an den Beschwerdegegner stelle eine echte Chance dar, den Kindern zu liebevoller Fürsorge, gefestigter Erziehung und tatkräftiger Förderung zu verhelfen. Freilich sei sie mit dem nicht ganz auszuräumenden Risiko einer Überforderung oder Vernachlässigung verbunden, doch handle es sich gleichwohl um einen hinlänglich aussichtsreichen Versuch, und nicht um ein untolerierbares Wagnis. Eine Fremdplatzierung der Kinder, die angesichts der fehlenden Zuverlässigkeit und Beständigkeit auf Seiten der Beschwerdeführerin als Alternative einzig in Frage käme, liesse sich mit dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit nicht vereinbaren und verstiesse insbesondere gegen den Grundgedanken der Subsidiarität. 6.3 Aus dem Dargelegten erhellt, dass das Kantonsgericht sich von den nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung massgebenden Kriterien hat leiten lassen und richtigerweise dem Kindeswohl eine entscheidende Bedeutung beigemessen hat. So hat es einen grossen Wert darauf gelegt, die elterliche Sorge demjenigen Elternteil zu übertragen, der auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen vermag, ihre Neigungen respektiert und ihnen die gebührende Fürsorglichkeit und Zuwendung zukommen lässt. Dass die Kinder ähnlich enge persönliche Beziehungen zu beiden Parteien haben, hat die Vorinstanz nicht verkannt. Wenn sie den erzieherischen Fähigkeiten des Beschwerdegegners grösseres Gewicht beigemessen hat als der auf Seiten der Beschwerdeführerin vorhandenen Möglichkeit, die Kinder ganztags persönlich zu betreuen, hat sie von dem ihr zustehenden Ermessen keinen gegen Bundesrecht vertossenden Gebrauch gemacht. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin vermögen daran nichts zu ändern: Mit den Vorbringen, das Kantonsgericht habe einerseits der auf ihrer Seite vorhandenen Möglichkeit, die Kinder (ganztags) persönlich zu betreuen, und andererseits dem Risiko einer Überforderung des Beschwerdegegners zuwenig Gewicht beigemessen, begnügt sich die Beschwerdeführerin damit, der Betrachtungsweise der Vorinstanz ihre eigene gegenüber zu stellen. Die Beschwerdeführerin verkennt sodann, dass die Anwendung des von ihr angerufenen Grundsatzes, die Stabilität der Verhältnisse zu bewahren, eine Gleichwertigkeit der Erziehungseignungen beider Elternteile voraussetzt (vgl. E. 6.1), was aufgrund der vom Kantonsgericht festgehaltenen Gegebenheiten hier nicht der Fall ist. Ihre Vorbringen zur Beziehung, die zwischen ihrer Mutter, der Grossmutter der Kinder, und diesen bestehe, finden in den Feststellungen der Vorinstanz keine Stütze und sind deshalb unbeachtlich (Art. 99 Abs. 1 BGG). Dass die Grossmutter bei einem Ausfall der Beschwerdeführerin einspringen könnte, ist sodann reine Spekulation. Im Rahmen ihrer Ausführungen zum Kindeswohl hat die Vorinstanz unter anderem auf BGE 117 II 353 ff. verwiesen. Aus dem blossen Umstand, dass es in jenem Fall um die Zuweisung der elterlichen Obhut über ein Einzelkind gegangen und dass dieses von Anfang an durch beide Elternteile intensiv betreut worden war, wogegen die Ausgangslage hier eine andere sei, lässt sich nichts für den Standpunkt der Beschwerdeführerin gewinnen. Unbehelflich ist schliesslich auch der Hinweis auf die Ausführungen der ersten Instanz. Die Beschwerdeführerin begnügt sich damit, deren Entscheid dem angefochtenen Urteil gegenüberzustellen. Zu bemerken ist im Übrigen, dass entgegen der Auffassung des Kreisgerichts eine Umteilung der Obhut nicht nur dann in Frage kommt, wenn das Kindeswohl erheblich gefährdet ist. Eine erhebliche Gefährdung gebietet zwar einen Eingriff der angeführten Art in jedem Fall, doch kann ein solcher sich auch ohne Gefährdung des Kindeswohls als angemessen erweisen.