Citation: I 493/98 01.03.2000 E. 4

4.- Damit stellt sich die Frage, ob und gegebenenfalls inwiefern das durch die Rückenbeschwerden beeinträchtigte Leistungsvermögen bei zumutbarem Einsatz auf dem für den Beschwerdeführer in Betracht fallenden Arbeitsmarkt wirtschaftlich verwertbar ist. a) Im Rahmen der Invaliditätsbemessung darf bei der Bestimmung des trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einkommens nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (ZAK 1991 S. 320 f. Erw. 3b, 1989 S. 321 f. Erw. 4a). Ferner ist bei der Ermittlung des Invalidenlohnes gegebenenfalls dem Umstand Rechnung zu tragen, dass ein Versicherter, welcher körperliche Schwerarbeit verrichtete, nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine physisch anstrengende Tätigkeit mehr auszuüben vermag. Eine solche Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit kann sich als Erwerbseinbusse niederschlagen, wenn für den Versicherten keine anderen Erwerbsgelegenheiten in Frage kommen, welche der allgemeine ausgeglichene Arbeitsmarkt kennt (ZAK 1991 S. 321 Erw. 3b, vgl. auch ZAK 1989 S. 321 f. Erw. 4a). Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes beinhaltet jedoch nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften, sondern auch einen Arbeitsmarkt, der einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten aufweist (BGE 110 V 276 Erw. 4b), und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Letzteres gilt auch im Bereiche der un- und angelernten Arbeitnehmer. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass in Industrie und Gewerbe Arbeiten, welche physische Kraft verlangen, seit vielen Jahren und in ständig zunehmendem Masse durch Maschinen verrichtet werden, während - wie im Dienstleistungsbereich auch - den Überwachungsfunktionen grosse und wachsende Bedeutung zukommt. b) aa) Wie bereits erwähnt, kann angesichts der bestehenden Rückenproblematik von einer Wiedereingliederung des Beschwerdeführers im bisher ausgeübten Beruf als Altwarenhändler kein auf die Dauer Erfolg versprechendes Resultat erwartet werden. Nicht ganz unproblematisch erscheint auch die dem Einkommensvergleich von Vorinstanz und Verwaltung zu Grunde gelegte Tätigkeit als Chauffeur von Lastwagen, Lieferwagen, Kurier- oder Kanalreinigungsfahrzeugen, dürfte eine solche Beschäftigung bei ganztägigem Einsatz doch regelmässig mit einer erheblichen Belastung des Rückens verbunden sein, welche es nach Möglichkeit gerade zu vermeiden gilt. Wie es sich diesbezüglich verhält, braucht an dieser Stelle jedoch nicht weiter geklärt zu werden. bb) Dem Bericht der Rheumaklinik des Spitals X.________ vom 24. Mai 1995 ist zu entnehmen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach seinem Unfall vom 28. Dezember 1993 so weit gebessert hat, dass er bei wechselbelastenden Tätigkeiten mit nur gelegentlichem Tragen von schwereren Lasten praktisch uneingeschränkt arbeitsfähig wäre. Insofern ist, entgegen der Argumentation in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, von einer Veränderung der Situation auszugehen, welche unter der Voraussetzung entsprechender erwerblicher Auswirkungen eine auf Art. 41 IVG gestützte Rentenrevision zur Folge haben muss. cc) Fraglich bleibt, welche Einsatzmöglichkeiten für den Beschwerdeführer konkret in Betracht fallen. Dass bei der Stellensuche angesichts des beruflich geringen Ausbildungs- und Erfahrungsstandes mit Schwierigkeiten zu rechnen sein dürfte, ist nicht von der Hand zu weisen. Grundsätzlich wäre die schon von der Berufsberaterin der IV-Stelle im Bericht vom 30. Januar 1996 angeregte und in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragte beruflich orientierte Abklärung deshalb zwar angezeigt. Zu einer solchen ist es indessen nicht gekommen, weil der Beschwerdeführer einer beruflichen Umstellung konstant ablehnend gegenüberstand und ungeachtet des seit Jahren kaum mehr existenzsichernden Auskommens auf der Weiterführung seines Altwarenhandels beharrte, sodass aufwändige berufliche Evaluationen zum Vornherein nicht als zweckmässig eingestuft werden konnten. Sollte der Beschwerdeführer seine Einstellung in der Zwischenzeit geändert haben und zu einer beruflichen Neuorientierung bereit sein, steht es ihm frei, die Invalidenversicherung um Unterstützung seiner Eingliederungsbemühungen zu ersuchen. Dies ändert indessen nichts daran, dass im Rahmen der Invaliditätsbemessung auf die bei voller Ausnutzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit bestehenden Erwerbsmöglichkeiten abzustellen ist. c) Trotz der namentlich im Analphabetismus und der weitgehend fehlenden schulischen und beruflichen Ausbildung begründeten Erschwernisse ist erfahrungsgemäss nicht zu befürchten, dass es für den Beschwerdeführer geradezu ausgeschlossen wäre, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine seinem Leiden angepasste Stelle zu finden. Hat ein Versicherter nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, können nach der Rechtsprechung für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) Tabellenlöhne beigezogen werden (BGE 124 V 322 Erw. 3b/aa). Auch im vorliegenden Fall erscheint es angesichts der besonderen Umstände sachgerecht, den auf Grund der ärztlich bescheinigten Arbeitsfähigkeit mutmasslich noch erzielbaren Verdienst unter Zuhilfenahme der vom Bundesamt für Statistik für das Jahr 1994 herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE 1994) zu ermitteln (vgl. dazu BGE 124 V 321). aa) Laut Tabelle A 1.1.1 der LSE 1994 belief sich der Zentralwert (Median) für die mit einfachen und repetitiven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer im privaten Sektor (bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) im Jahre 1994 auf Fr. 4127. -, was bei Annahme einer betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,9 Stunden pro Woche ein Gehalt von monatlich Fr. 4323. - oder Fr. 51'876. - im Jahr ergibt. Wollte man zusätzlich berücksichtigen, dass Versicherte, die bisher körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nicht uneingeschränkt einsatzfähig sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind, und dem Beschwerdeführer deshalb einen 25 %igen Abzug von den Durchschnittswerten zugestehen, würde ein Invalideneinkommen von jährlich Fr. 38'907. - resultieren. bb) Verglichen mit dem ohne Gesundheitsschädigung erreichbaren Einkommen (Valideneinkommen), das Vorinstanz und Verwaltung - für 1996 - auf Fr. 45'000. - festgesetzt haben, was auch in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unbeanstandet geblieben ist, ergibt sich ein weit unter dem anspruchsrelevanten Ausmass liegender Invaliditätsgrad. Einzuräumen ist, dass das Valideneinkommen von Fr. 45'000. -, das im Wesentlichen auf den Geschäftsergebnissen in den Jahren vor dem Ende 1993 erlittenen Unfall beruht, deutlich unter den statistisch ausgewiesenen Durchschnittslöhnen liegt, was abgesehen von konjunkturellen Gegebenheiten weitgehend als Ausdruck des geschäftlichen Geschicks und der individuellen Qualifikationen des Beschwerdeführers zu werten sein dürfte. Invaliditätsfremde Faktoren sind bei der Festlegung des hypothetischen Valideneinkommens praxisgemäss nicht (zusätzlich) zu berücksichtigen. Führen solche zu einem unterdurchschnittlichen Einkommen, so ist diesem Umstand entweder sowohl beim Validen- wie auch beim Invalideneinkommen oder aber bei beiden überhaupt nicht Rechnung zu tragen (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 104; ZAK 1989 S. 458 Erw. 3b). Daraus kann der Beschwerdeführer indessen nichts zu seinen Gunsten ableiten. Selbst wenn man davon ausgehen wollte, das Valideneinkommen von Fr. 45'000. - liege bereits um 25 % unter dem für die Tätigkeit des Beschwerdeführers in Betracht zu ziehenden Durchschnitt, würde bei entsprechender Korrektur in Form einer Erhöhung des hypothetischen Valideneinkommens auf Fr. 60'000. - verglichen mit dem Invalideneinkommen von Fr. 38'907. - ein mit rund 35 % klar unter 40 % liegender Invaliditätsgrad resultieren. Ein Rentenanspruch ist damit nicht gegeben.