Citation: 1A.178/2003 27.08.2004 E. A

Am 19. August 2000 meldete ein Angestellter der französischen Staatsbahnen (SNCF) dem Rangierbahnhof Muttenz, Basel, dass ein für die Schweiz bestimmter Tankcontainer auf dem in St. Louis stehenden Güterzug ein Leck aufweise und leicht tropfe. Beim Ladegut handle es sich um Caprolactam, das nicht zu den gefährlichen Gütern gemäss der Ordnung für die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter zähle. Nach Rücksprache mit der Betriebsleitzentrale der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) entschied die verantwortliche Person des Rangierbahnhofes Muttenz, den Güterzug trotz des lecken Tankcontainers zufahren zu lassen. Nach dessen Ankunft wurde festgestellt, dass aus der aufgeplatzten Isolation des Tankcontainers ein fingerdicker Strahl Caprolactam austrat, das sofort auskristallisierte. Der Eisenbahnwagen wurde zur Havariegrube verbracht. Caprolactam ist ein fester, brennbarer und wasserlöslicher Stoff, der bei ca. 80° schmilzt und in flüssigem Zustand in geheizten und isolierten Silowagen transportiert und umgeschlagen wird. Haut- und Augenkontakt mit der Substanz sollten vermieden und deren Dämpfe nicht eingeatmet werden. Das Produkt dient der Herstellung von Polyamid 6 und ist der Giftklasse 4 sowie der Wassergefährdungsklasse 1 zuzuordnen. Das nach Muttenz geführte Caprolactam, das der Ems Chemie AG, Domat/Ems, geliefert werden sollte, stammte von der Firma ESK SA, Albuixech, Valencia (Spanien), die auch Eigentümerin des Tankcontainers ist. Der Transport wurde durch die Intercontainer-Interfrigo (ICF) SA, Basel, organisiert, die im Frachtbrief als Absenderin und Empfängerin genannt wird. An den der Ankunft des Tankcontainers folgenden Tagen unternahmen die Verantwortlichen des Rangierbahnhofes Muttenz, die Chemiewehr sowie die Umweltschutzfachstellen des Kantons Basel-Landschaft und des Kantons Basel-Stadt verschiedene Anstrengungen, um das weitere Auslaufen der Flüssigkeit zu verhindern. Zunächst wurde erfolglos versucht, den Tankinhalt durch Einleitung von Wasser in das Heizsystem des Containers abzukühlen. Danach scheiterte auch das Vorhaben, den restlichen Tankinhalt abzupumpen, da das Caprolactam in der Abfüllleitung auskristallisierte. Eine Abdichtung der sich direkt hinter den Tankhalterungen befindenden Leckstellen erwies sich ebenfalls als unmöglich. Schliesslich wurde die Isolation des Tankcontainers teilweise entfernt, was zur Abkühlung und Verhärtung des im Container verbliebenen Caprolactam führte. Der beschädigte Tankcontainer wurde am 24. August 2000 in Blachen verpackt und im Einvernehmen mit der Eigentümerin auf dem Schienenweg nach Spanien zurücktransportiert. Im Zusammenhang mit dem Schadenereignis entstanden bei den verschiedenen Dienststellen des Kantons Basel-Landschaft Kosten in Höhe von insgesamt Fr. 104'374.90 (für Personen- und Fahrzeugeinsatz, Entsorgung und Ersatz der Schutzbekleidungen, Entsorgung des ausgelaufenen Caprolactam und des verschmutzten Materials). Das Sicherheitsinspektorat der basellandschaftlichen Bau- und Umweltschutzdirektion stellte der ESK SA als Eigentümerin des Caprolactam und des Tankcontainers eine entsprechende Rechnung zu. Diese weigerte sich jedoch, für die Kosten aufzukommen.