Citation: 8C_744/2009 08.01.2010 E. 11

11.1 Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls des Versicherten (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc). Der nachfolgende Heilungsprozess ist irrelevant (Urteil 8C_249/2009 E. 8.2). Die Vorinstanz hat dieses Kriterium zu Recht verneint. 11.2 Der Versicherte erlitt beim Unfall eine luxierte subkapitale 3-Fragment-Humerusfraktur links. Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, kann nicht bejaht werden, wie die Vorinstanz richtig erkannt hat. Die vom Versicherten geltend gemachte Verschlimmerung des Gesundheitsschadens ist nachfolgend bei den entsprechenden eigenständigen Kriterien zu berücksichtigen (vgl. SVR 2009 UV Nr. 39 S. 134 E. 5.2.1 [8C_304/2008]). 11.3 Bezüglich des Kriteriums der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete Behandlung des somatischen Leidens erforderlich. Abklärungsmassnahmen und blossen ärztlichen Kontrollen kommt nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4 [U 380/04]; Urteil 8C_249/2009 E. 8.4). Der Versicherte musste sich zwei Schulteroperationen unterziehen, nämlich am 22. Februar 2003 (Unfalltag) und am 29. Januar 2004. Zudem macht er geltend, er sei im Spital O.________ hospitalisiert gewesen, um seine bis Oktober 2003 auftretenden nervösen Zusammenbrüche abzuklären; eine Erklärung hiefür habe nicht gefunden werden können. Weiter bestand die Behandlung im Wesentlichen in Medikamenteneinnahme und ärztlich verordneter Physiotherapie. Dr. med. L.________, Institutsleiter ISD, Klinik N.________, legte im Bericht vom 23. November 2005 dar, es sei sinnvoll, die aktuelle Therapie mit zwei Einheiten pro Monat im Sinne einer Langzeit-Erhaltungstherapie weiterzuführen. Die Einheiten pro Monat würden primär dazu genutzt, das Heimprogramm zu überprüfen und situativ zu modifizieren. Eine Operation komme weder für ihn (Dr. med. L.________) noch für Prof. G.________, ärztlicher Direktor der orthopädischen Klinik T.________, noch für den Versicherten aufgrund der persönlichen Nutzen-Risiko-Analyse in Frage. Der Gutachter Dr. med. F.________ gab am 9. Februar 2007 an, Schmerzmittel würden wegen der Schulter keine eingenommen. Es werde zurzeit alle zwei Wochen eine spiraldynamisch geführte Physiotherapie in der Klinik N.________ durchgeführt mit vor allem rumpfstabilisierenden und mobilisierenden Übungen. Für eine Operation bestehe kein Handlungszwang (E. 4.1 hievor). Dass allenfalls später eine weitere Operation an der linken Schulter erfolgen wird, kann nicht entscheidwesentlich berücksichtigt werden. Das Kriterium ist insgesamt nicht besonders ausgeprägt erfüllt, zumal eine Behandlung der psychischen Beschwerden irrelevant ist (E. 9 hievor). 11.4 Zu prüfen ist, ob körperliche Dauerschmerzen im Sinne von über den gesamten Zeitraum andauernden Beschwerden vorlagen (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 241 E. 5.2.6; Urteil 8C_124/2008 E. 10.4). Dr. med. W.________, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, Klinik C.________, führte anamnestisch per 4. Juni 2003 aus, es bestünden keine wesentlichen Schmerzen. Per 2. September 2009 gab er anamnestisch an: "Zufrieden, deutliche Verbesserung, rückläufige Schmerzen" (Bericht vom 11. September 2003). Am 29. Januar 2004 erfolgte die zweite Schulteroperation. Im Bericht vom 4. März 2004 führte Dr. med. U.________, FMH Chirurgie, aus, nach der Materialentfernung habe der Versicherte eine normale Rehabilitation durchgemacht. Die Schmerzen seien zeitgerecht verschwunden. Der Versicherte merke eine deutliche Einsteifung, die physiotherapeutisch behandelt werde. Dr. med. L.________ gab im Bericht vom 23. November 2005 (vgl. auch E. 11.3 hievor) an, der Versicherte könne heute wieder rückwärts Auto fahren, schwerere Gegenstände, z.B. einen Koffer, mit dem linkem Arm anheben und tragen oder sogar wieder Liegestütze ausführen. Schmerzen bestünden vor allem nachts, in Ruhelage. Eine Operation komme für den Versicherten aufgrund der persönlichen Nutzen-Risiko-Analyse derzeit nicht in Frage. Der Gutachter Dr. med. F.________ legte am 9. Februar 2007 (E. 4.1 hievor) aufgrund der Angaben des Versicherten dar, der Schulterzustand sei seit ca. 2 ½ Jahren unverändert. Es bestehe kein relevanter Ruheschmerz. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen zu Recht verneint. 11.5 Vorinstanzlich war zu Recht unbestritten, dass keine ärztliche Fehlbehandlung vorliegt. 11.6 Nicht zu beanstanden ist die vorinstanzliche Feststellung, dass angesichts der im Dezember 2003 diagnostizierten Humeruskopf-Nekrose an der Schulter links von einer erheblichen Komplikation auszugehen ist. Mit dem Versicherten ist auch von einem schwierigen Heilungsverlauf auszugehen. Angesichts der gesamten medizinischen Aktenlage und insbesondere der Feststellungen des Gutachters Dr. med. F.________ (E. 4.1 hievor) ist dieses Kriterium aber nicht besonders ausgeprägt erfüllt, wie die Vorinstanz richtig erkannt hat. 11.7 Das Kriterium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit bezieht sich nicht allein auf das Leistungsvermögen im angestammten Beruf (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 [U 56/00]; Urteil 8C_249/2009 E. 8.6). Gemäss dem von Dr. med. W.________ (vgl. E. 11.4 hievor) ausgefüllten Unfallschein UVG war der Versicherte nach dem Unfall vom 22. Februar 2003 zunächst zu 100 %, ab 1. September 2003 zu 50 % arbeitsunfähig. Dr. med. I.________, Facharzt FMH für Chirurgie, Klinik C.________, ging am 11. Dezember 2003 weiterhin von 50%iger Arbeitsunfähigkeit aus. Am 29. Januar 2004 erfolgte die zweite Schulteroperation, worauf 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand. Dr. med. U.________ (vgl. E. 11.4 hievor) ging ab 3. März 2004 von 50%iger und ab 20. April 2004 bis 17. März 2006 von 25%iger Arbeitsunfähigkeit aus. Gemäss dem Gutachten des Dr. med. F.________ vom 9. Februar 2007 bestand in der Tätigkeit des Versicherten als Allrounder im Betrieb E.________ eine Beeinträchtigung von 50 % und in seiner zweiten Tätigkeit als Berater im IT-Bereich wegen psychischen Beschwerden (Konzentrationsstörungen, Verlangsamung der intellektuellen Leistungen und Reizbarkeit) eine Einschränkung, die auf 25 % geschätzt werde (E. 4.1 hievor). Im Rahmen der Untersuchung im Spital Q.________ vom 23. Juli 2007 gab der Versicherte an, seit Monaten arbeite er als selbstständiger Unternehmer in der IT-Branche wieder zu 100 %. Das Kriterium ist insgesamt nicht besonders ausgeprägt erfüllt, zumal eine allfällige psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit nicht zu berücksichtigen ist (E. 9 hievor). 11.8 Nach dem Gesagten sind höchstens drei Kriterien erfüllt, aber keines besonders auffallend. Eine Gesamtwürdigung mit dem mittelschweren, im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen liegenden Unfall vom 22. Februar 2003 (E. 10 hievor) ergibt, dass diesem für die ab 1. Mai 2007 anhaltende psychische Beeinträchtigung mit Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit keine massgebende Bedeutung zukommt (vgl. auch Urteil 8C_124/2008 E. 10.8). Somit hat die Vorinstanz die adäquate Kausalität zu Recht verneint.