Citation: 4C.410/1999 23.02.2000 E. 2

2.- Als bundesrechtswidrig rügt die Klägerin zunächst die Auffassung des Obergerichts, mit der Unterzeichnung der Vollmachtsurkunde vom 20. Februar 1987 habe sie dem Beklagten die generelle Zustimmung zum Abschluss von Vergleichen erteilt. Sie macht geltend, nach dem übereinstimmenden Parteiwillen sei vielmehr eine besondere Zustimmung erforderlich gewesen. Indem die Vorinstanz einzig auf den Wortlaut der Vollmachtsurkunde abgestellt habe, habe sie den Sachverhalt unvollständig abgeklärt und den Vertrauensgrundsatz verletzt. a) Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht an die tatsächlichen Feststellungen der letzten kantonalen Instanz gebunden, wenn sie nicht offensichtlich auf Versehen beruhen, unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustandegekommen (Art. 63 Abs. 2 OG) oder im Hinblick auf den Tatbestand einer anwendbaren Sachnorm ergänzungsbedürftig sind (Art. 64 OG). Werden solche Ausnahmen geltend gemacht, so hat die Partei, welche den Sachverhalt berichtigt oder ergänzt wissen will, darüber genaue Angaben mit Aktenhinweisen zu machen. Eine Ergänzung setzt zudem voraus, dass entsprechende Sachbehauptungen bereits im kantonalen Verfahren prozesskonform aufgestellt, von der Vorinstanz aber zu Unrecht für unerheblich gehalten oder übersehen worden sind, was wiederum näher anzugeben ist; andernfalls gelten die Vorbringen als neu und damit als unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c und d OG; BGE 119 II 353 E. 5c/aa S. 357 und 115 II 484 E. 2a S. 485 f., je mit Hinweisen). Überdies kommt eine Ergänzung gestützt auf Art. 64 OG nur in Betracht, wenn die Vorinstanz eine auf die Streitsache anzuwendende Norm des Bundesrechts übersehen, zu Unrecht für unmassgeblich gehalten oder unrichtig ausgelegt und deshalb den gesetzlichen Tatbestand unvollständig erfasst hat, so dass die Sache auf der Grundlage der tatsächlichen Feststellungen des angefochtenen Urteils nicht spruchreif ist (Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1979, S. 552; Poudret, Commentaire de la loi fédérale d'organisation judiciaire, Vol. II, Bern 1990, N 1.3 und 2.1 zu Art. 64 OG). b) Dass die tatsächlichen Feststellungen des Obergerichts für eine Beurteilung der vorliegenden Streitsache nicht ausreichen würden, macht die Klägerin nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich. Ihre Vorbringen erweisen sich daher als unzulässige Kritik an der Beweiswürdigung der Vorinstanz. Das gilt namentlich, soweit sie geltend macht, das Verhalten und die Stellungnahme des Beklagten im Prozess liessen Rückschlüsse auf den damaligen Parteiwillen zu. Das Bundesgericht ist im Berufungsverfahren an die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz darüber, was die Parteien dachten, wussten oder wollten, gebunden (BGE 121 III 118 E. 4b/aa S. 123; 119 II 449 E. 3a S. 451; 118 II 365 f. E. 1; 117 II 273 E. 5a S. 278 f., je mit Hinweisen). Unbehelflich ist sodann der Hinweis der Klägerin auf den Vertrauensgrundsatz. Im Rahmen der objektivierten Vertragsauslegung ist nicht zu prüfen, wie der jeweilige Empfänger eine Willenserklärung subjektiv tatsächlich verstanden hat. Nachdem die Klägerin einen übereinstimmenden Parteiwillen nicht nachzuweisen vermochte, hat das Obergericht die Vollmachtsurkunde zu Recht vertrauenstheoretisch so ausgelegt, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen verstanden werden durfte und musste.