Citation: 4A_411/2023 E. B

Mit Klage vom 13. November 2019 verlangte der Verunfallte vor dem Bezirksgericht Bremgarten von der Lenkerin, von C.C.________ (Beschwerdegegner 2) als Halter des von dieser gelenkten Fahrzeugs (Art. 58 SVG) und von der B.________ AG (Versicherung, Beschwerdegegnerin 1) als dessen Motorfahrzeughalterhaftpflichtversicherung (Art. 65 Abs. 1 SVG) unter solidarischer Haftbarkeit Fr. 32'097.49 unter Vorbehalt des Nachklagerechts sowie eine Genugtuung von mindestens Fr. 5'000.--, jeweils nebst Zins. B.a. Das Bezirksgericht holte ein interdisziplinäres Gutachten ein. Am 17. Februar 2022 wies es die Klage ab. B.b. Die gegen diesen Entscheid angestrengte Berufung wies das Obergericht des Kantons Aargau am 13. Juni 2023 ab. B.b.a. In Bezug auf die geltend gemachten Transportkosten und die vorprozessualen Anwaltskosten blieb es beim erstinstanzlichen Entscheid mangels hinreichender Auseinandersetzung mit diesem. B.b.b. Das Obergericht liess letztlich offen, wie lange und in welchem Pensum der Verunfallte ohne den ersten Unfall vom 7. März 2019 weitergearbeitet hätte. Nachdem in der Klageantwort eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit (soweit sie eine Woche überstieg) einlässlich bestritten worden sei, hätte der Verunfallte den vollen Beweis für die von ihm behauptete Erwerbsunfähigkeit erbringen müssen. Für diesen Beweis reichten die eingereichten Atteste behandelnder bzw. beigezogener Ärzte und SUVA-Unfallscheine nicht aus. Der Verunfallte habe zwar im erstinstanzlichen Verfahren an verschiedenen Stellen die Einholung eines Gutachtens verlangt, jedoch nur zur Frage der Unfallbedingtheit der geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen ("HWS-Beschwerden" und "Tinnitus") sowie zur Frage des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs. Zur Höhe der Arbeitsfähigkeit habe dagegen ein Antrag auf gutachterliche Beurteilung gefehlt. Daher hätte den Gutachtern die Frage nach der Höhe der aktuellen Arbeitsfähigkeit des Verunfallten gar nicht unterbreitet werden dürfen. Ausserdem sei eine 100-%ige Arbeitsunfähigkeit ohnehin nicht gutachterlich ausgewiesen. B.b.c. In Bezug auf die Kausalität erkannte das Obergericht, das Gutachten erachte einzig die Diagnose des Tinnitus mit den Folgesymptomen Schlafstörung und depressive Störung als unfallbedingt. Die konkrete Zuordnung dieser Beschwerden zu einem der beiden Unfälle vom 7. März 2019 bezeichneten die Gutachter als nicht zuverlässig möglich. Damit bleibe die ernsthafte Möglichkeit bestehen, dass die als unfallbedingt erachteten Symptome ausschliesslich auf den zweiten Unfall vom 7. März 2019 zurückzuführen seien. Im Gutachten werde zwar ausgeführt, es gebe in der Aktenlage gewisse Hinweise darauf, dass das erste Unfallereignis das bedeutsamere gewesen sei. Dies überzeugte das Obergericht aber nicht, da die angeblichen Hinweise nicht genannt würden und sich die Schilderung des zweiten Unfalls durch den Verunfallten angesichts der Tatsache, dass dieser nicht angegurtet war, dramatischer lese: Er sei nach vorne geworfen worden; er habe zwar nicht den Kopf, aber doch seine Knie angeschlagen; am Abend habe er Blutergüsse an beiden Händen (mit denen er sich beim Unfall am Armaturenbrett abgestützt hatte) sowie beiden Knien festgestellt. Dies im Gegensatz zum ersten Unfall, wo er angegurtet gewesen sei und von keinem Kopf- oder anderweitigen Aufprall innerhalb des Autos die Rede sei. Damit sei nicht auszuschliessen, dass allein der zweite Unfall vom 7. März 2019 für die unfallbedingten Beschwerden ursächlich sei. Auch wenn in der Lehre für Konstellationen einer alternativen Kausalität teilweise eine anteilsmässige oder sogar solidarische Haftung der möglichen Schädiger postuliert werde, liege auch in diesem Fall im Prinzip lediglich ein Spezialfall von Beweislosigkeit vor, die mangels Vorhandensein des natürlichen Kausalzusammenhangs zur Klageabweisung führen müsse.