Citation: I 736/01 05.12.2003 E. 3

Das kantonale Gericht vertrat die Auffassung, das Tätigkeitsspektrum der Versicherten als Hausangestellte bedürfe keiner weiteren Abklärung. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem Näharbeiten zur Ausbesserung und Änderung von Wäsche und Kleidung, welche auch das Einziehen von Fäden in Nähnadeln erfordere, sowie Arbeiten in erhöhter Position (z.B. auf einem Stuhl stehend zum Aufhängen gewaschener Vorhänge) und das Einschenken von Getränken. Prof. Dr. med. C.________, bejahe in seinem Bericht vom 23. November 2000 in Bezug auf die Tätigkeit einer Hausangestellten in überzeugender Weise, dass hiefür beidäugiges Sehen unerlässlich sei. Dagegen wendet das Beschwerde führende BSV ein, es gäbe keine Anhaltspunkte dafür, dass Prof. Dr. med. C.________ die Versicherte selber untersucht habe. Bei seinen Ausführungen handle es sich um eine allgemein gehaltene Stellungnahme zu Gunsten einer beidseitigen Übernahme der Kataraktoperationen als medizinische Eingliederungsmassnahmen durch die Invalidenversicherung, was schon deshalb im Interesse der Augenärztinnen und Augenärzte liege, weil deren Bemühungen durch die Invalidenversicherung nach einem im Vergleich zur Krankenversicherung in der Regel besseren Tarif entschädigt würden. Auch wenn bei der Versicherten aus medizinischer Sicht zweifellos eine beidseitige Kataraktoperation indiziert gewesen sei, habe die Invalidenversicherung durch die Übernahme des Eingriffs am rechten Auge die bei der Versicherten drohende Invalidität abwenden können. Sinngemäss macht das BSV geltend, die Versicherte sei zur Ausübung ihrer Erwerbstätigkeit als Hausangestellte nicht auf binokulares Sehen angewiesen. Zu prüfen ist demnach, ob gestützt auf die vorliegenden Akten die Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit der Versicherten beantwortet werden kann. 3.1 Das Eidgenössische Versicherungsgericht präzisierte seine Rechtsprechung zur Übernahme der Kataraktoperation am zweiten Auge (vgl. AHI 2000 S. 294) im Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02) dahingehend, dass die Staroperation am zweiten Auge (nach erfolgter Übernahme am ersten Auge) - bei Erfüllung der übrigen Voraussetzungen nach Art. 12 Abs. 1 IVG - nur dann als medizinische Eingliederungsmassnahme durch die Invalidenversicherung zu übernehmen ist, wenn aufgrund detaillierter Ermittlung der Tätigkeiten im Rahmen des ausgeübten Berufes für die visuell anspruchvollste dieser Tätigkeiten die Notwendigkeit des Binokularsehens aus augenärztlicher Sicht bejaht wird. In denjenigen Berufen, in welchen besondere medizinische Mindestanforderungen an die Sehfähigkeit ausdrücklich normiert sind, ist auf diese Visusgrenzwerte abzustellen, so dass sich in erwerblicher Hinsicht eine detaillierte Ermittlung der verschiedenen Tätigkeitsanteile erübrigt. 3.2 Den Akten ist nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen) zu entnehmen, welche konkreten Tätigkeiten A.________ als Hausangestellte des B.________ zu verrichten hat. Alle aktenkundigen Hinweise zu den einzelnen Aufgaben im Rahmen ihrer Anstellung beruhen ausschliesslich auf ihren eigenen Beschreibungen. Der Arbeitgeber B.________ äusserte sich bisher nicht dazu. Unklar ist insbesondere, ob die Versicherte sämtliche Arbeiten im Haushalt alleine verrichten muss, oder ob - und gegebenenfalls in welchem Ausmass - sie in einzelnen Aufgaben durch weitere Hausangestellte oder z.B. durch externes Reinigungspersonal unterstützt wird. Die Angaben der A.________, auf welche die Vorinstanz abstellte, bedürfen in dieser Hinsicht ergänzender Abklärungen. Die Verwaltung, an welche die Sache vorweg zu diesem Zweck zurückzuweisen ist, wird deshalb in geeigneter Form - z.B. durch Einholung eines Pflichtenheftes und Befragung des Arbeitgebers - das Tätigkeitsspektrum der Versicherten abklären. 3.3 Steht fest, welches die visuell anspruchvollste Tätigkeit der A.________ ist, wird die IV-Stelle einen fachärztlichen Bericht zur diesbezüglichen Notwendigkeit des Binokularsehens einholen, der nicht allein auf die subjektiven Angaben der Versicherten abstellt, sondern vielmehr für die streitigen Belange umfassend ist, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wird und der konkreten medizinischen Situation Rechnung trägt (vgl. dazu BGE 125 V 353 Erw. 3a). Soweit der einseitige Ausfall der Sehfähigkeit durch Angewöhnung an den Verlust des stereoskopischen Sehens zumutbarerweise kompensiert werden kann (vgl. z.B. die viermonatige Wartefrist nach dem Verlust eines Auges in der Führerausweis-Kategorie B gemäss Anhang 1 zur Verordnung vom 27. Oktober 1976 über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr [VZV; SR 741.51]), hat dies der Augenarzt im Einzelfall zu berücksichtigen und dazu Stellung zu nehmen. Erfolgt die augenärztliche Beurteilung dieser Fragen - wie hier - erst nach bereits durchgeführter Operation, sind sie medizinisch prognostisch aufgrund der Verhältnisse vor der fraglichen Operation (AHI 2000 S. 299 Erw. 2b mit Hinweisen) zu beantworten, wobei es zur Aufgabe des Arztes oder der Ärztin gehört, dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person ohne die am 18. Oktober 2000 durchgeführte Staroperation am linken Auge arbeitsunfähig geworden wäre (vgl. BGE 125 V 261 Erw. 4 mit Hinweisen). 3.4 Fehlt es an den erforderlichen Grundlagen zur Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit der Versicherten (vgl. Erw. 3.2 hievor), sind der angefochtene Entscheid und die Verwaltungsverfügung aufzuheben. Die Sache ist an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese bei den ergänzenden Abklärungen nach den Erwägungen Ziffer 3.1 bis 3.3 vorgehen und anschliessend über das Leistungsgesuch betreffend die am 18. Oktober 2000 durchgeführte Staroperation am linken Auge neu verfügen wird.