Citation: 9C_512/2021 E. 5.2.1

5.2.1. Dr. med. B.________ hielt vorab fest, es bestehe ein Widerspruch zwischen dem in der Exploration geschilderten (hohen) Leidensdruck und den in Anspruch genommenen respektive zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen. Laut Aussage des Gutachters verweigere die Beschwerdeführerin die an sich medizinisch indizierte stationäre Behandlung mit der Begründung, sie müsse ihre Kinder versorgen, obschon diese Aufgabe in erster Linie bereits durch den Ehemann und die Geschwister übernommen werde. Als positive Ressource wertete Dr. med. B.________ die intakten familiären Bindungen. Allerdings sei es der Beschwerdeführerin im Sinne eines deutlichen sekundären Krankheitsgewinns gelungen, von ihren Familienangehörigen in fast allen täglichen Belangen versorgt zu werden, sodass kaum noch Verpflichtungen im Alltäglichen bestünden, was kritisch zu werten sei (psychiatrisches ABI-Gutachten, S. 36 f.). Bei der Einschätzung der funktionalen Auswirkungen gewichtete Dr. med. B.________ richtigerweise den erwähnten erheblichen sekundären Krankheitsgewinn im Rahmen einer "von Passivität geprägten Grundhaltung", die erheblichen Verdeutlichungstendenzen sowie die vorhandenen Hinweise auf Aggravation. Dementsprechend hielt er fest, das Selbstbild der Beschwerdeführerin, sie könne im Haushalt überhaupt nichts mehr machen, stehe in keinem Verhältnis zur gestellten Diagnose und deren Ausprägung (psychiatrisches Gutachten, S. 34 f.). Inwieweit diese Schlussfolgerungen, wie in der Beschwerde behauptet, widersprüchlich oder gar aktenwidrig sein sollen, ist nicht zu erkennen.