Citation: I 846/06 12.09.2007 E. 5

5.1 Nach Art. 18 Abs. 1 erster Satz IVG (in der Fassung gemäss 4. IV-Revision, in Kraft seit 1. Januar 2004) haben eingliederungsfähige invalide Versicherte Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes sowie auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung eines bestehenden Arbeitsplatzes. 5.2 Dazu hat die Vorinstanz festgestellt, die IV-Stelle habe dem Versicherten zwar mit Mitteilung vom 17. November 2003 Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche zugesichert. Am 7. Januar 2004 habe ein Erstgespräch stattgefunden. Danach habe sie abgesehen von der Einforderung von Unterlagen (Lebenslauf, Bewerbungskopien) nichts weiter unternommen. Offenbar habe eine Beratung bezüglich konkreter Einsatzmöglichkeiten oder eine Standortbestimmung sowie ein Coaching in der Bewerbungsphase nicht stattgefunden. Der Versicherte sei weitgehend sich selber überlassen gewesen. Daraus, dass es sich bei den Bewerbungen hauptsächlich um unspezifische Blindbewerbungen gehandelt habe, lasse sich ableiten, dass er keine konkreten Vorstellungen davon habe, welchen Verrichtungen er mit seinen Einschränkungen noch gewachsen ist. Diese Feststellungen sind für das Bundesgericht verbindlich, da nicht offensichtlich unrichtig oder unvollständig (vgl. E. 2). Rechtlich zieht die Vorinstanz daraus den Schluss, es sei die Aufgabe der IV-Stelle, dem Versicherten seine Möglichkeiten aufzuzeigen, und ihn bei der Bewerbung für geeignete Stellen zu unterstützen. Sie habe am 17. November 2003 die Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche rechtskräftig verfügt und damit bekundet, eine arbeitsvermittelnde Massnahme erbringen zu wollen. Nach der Aktenlage habe kein Anlass bestanden, die Fortsetzung dieser Massnahme mit der Begründung fehlender Motivation zu verweigern. Die Arbeitsvermittlung sei zu früh abgebrochen und dem Versicherten die nötige Unterstützung nicht gewährt worden. 5.3 Dem ist so nicht beizupflichten: Die IV-Stelle wurde sich nach der formellen Zusicherung von Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche auf Grund des Berichtes des SUVA-Kreisarztes vom 9. Februar 2004 gewahr, dass für leidensangepasste Tätigkeiten (keine repetitiven Überkopfarbeiten, kein Tragen oder Heben von Lasten über zehn Kilogramm mit dem rechten Arm, keine Vibrations- oder Schlagbelastungen) offenbar wieder eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben war. Unter diesen Umständen bestand durchaus Anlass, die berufliche Massnahme abzubrechen. Denn es ist erstellt, dass der Versicherte mit gewissen körperlichen Einschränkungen vollzeitig arbeiten kann. Die Beschwerdeführerin ruft in diesem Zusammenhang zu Recht das in SVR 2006 IV Nr. 45 S. 162 publizierte Urteil I 427/05 vom 24. März 2006 an, wonach die Rechtsprechung gemäss AHI 2003 S. 268 (Urteil I 421/01 vom 15. Juli 2002) auch nach Inkrafttreten der 4. IV-Revision gültig ist. Danach bedarf es zur Begründung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung zusätzlich einer spezifischen Einschränkung gesundheitlicher Art, sofern die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit eingeschränkt ist, als der versicherten Person leichte Tätigkeiten vollzeitig zumutbar sind. Bei voller Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit besteht somit grundsätzlich kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die Invalidenversicherung. Zu solchen geforderten zusätzlichen gesundheitlich bedingten spezifischen Einschränkungen bei der Stellensuche sind in den Urteilen I 421/01 E. 2c und d sowie I 427/05 E. 4.2 und 4.3 positive und negative Beispiele erwähnt. Beim Beschwerdegegner sind solche Einschränkungen nicht aktenkundig und werden im angefochtenen Entscheid auch nicht angeführt. Auch gemäss Vorinstanz besteht für ein breites Feld von angepassten Tätigkeiten volle Arbeitsfähigkeit. Darauf beruht auch der vom kantonalen Gericht mit Entscheid vom 14. Dezember 2005 bestätigte Einspracheentscheid der SUVA vom 10. November 2004. Das IV-spezifische Fachwissen soll auf Fälle fokussiert werden, in denen tatsächlich die gesundheitliche Behinderung im Vordergrund steht und nur relativ enge Tätigkeitsfelder überhaupt möglich sind. Wenn aber umgekehrt - wie hier - mit gewissen Einschränkungen immer noch ein grosser Bereich an Beschäftigungen offen steht, ist die Arbeitsvermittlung in erster Linie durch die Arbeitslosenversicherung durchzuführen. Zwar hat die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 17. November 2003 den Anspruch auf Arbeitsvermittlung bejaht. Inzwischen sind aber die invaliditätsmässigen Voraussetzungen weggefallen (oder es hat sich gezeigt, dass sie gar nie bestanden haben), was richtigerweise zur Einstellung der Arbeitsvermittlung führte. Die Begründung des Wegfalls der invaliditätsmässigen Voraussetzungen ist im Einspracheentscheid (E. 3) zutreffend enthalten, was die Vorinstanz verkannt hat.