Citation: 6B_1462/2021 E. 1.4.2

1.4.2. Andererseits weicht die Vorinstanz, soweit sie überhaupt Feststellungen trifft, von der Beweiswürdigung der ersten Instanz ab, gemäss der nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt sei, was zum Ausweichmanöver von B.________ geführt habe und mit welcher Distanz der Beschwerdeführer vor dem Lastwagen auf die rechte Spur eingebogen sei. Die Vorinstanz geht ihrerseits offenbar davon aus, dass B.________ - wie angeklagt - ausweichen musste, um eine Kollision mit dem Fahrzeug des Beschwerdeführers zu vermeiden, und bejaht zudem einen klar ungenügenden Abstand zwischen dem Personenwagen des Beschwerdeführers und dem überholten Lastwagen beim Wiedereinbiegen. Solche Feststellungen würden nach dem Untersuchungsgrundsatz und unter gehörsrechtlichen Gesichtspunkten voraussetzen, dass die Vorinstanz als Berufungsgericht sämtliche mit Bezug darauf im Strafverfahren erhobenen Beweise und die Vorbringen der Parteien würdigt und nachvollziehbar begründet, weshalb sie in Würdigung der gesamten Beweislage zu einer bestimmten Überzeugung gelangt. Daran ändert auch nichts, wenn die Vorinstanz wie hier selber Beweise abgenommen hat, beruht das Rechtsmittelverfahren doch in erster Linie auf den Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind (Art. 389 Abs. 1 StPO). Eine solche Auseinandersetzung sucht man im angefochtenen Urteil jedoch vergebens. Vielmehr verweist dieses im Wesentlichen bloss auf einzelne Aussagen der Zeugen, die den festgestellten Sachverhalt nach Auffassung der Vorinstanz "mit hinreichender Klarheit" bestätigten respektive "keine Zweifel daran" liessen. Dass sich der Beschwerdeführer im erstinstanzlichen Verfahren eingehend zum hier interessierenden Tatvorwurf und den Beweisen geäussert hat [erstinstanzliche Akten S. 362-384] und die erste Instanz aufgrund einer ausführlicher Würdigung der Beweise [S. 12-21] zu einem anderen, für den Beschwerdeführer günstigeren Ergebnis als die Vorinstanz gelangt ist, findet gar keine Erwähnung. Was den Bericht des C.________ vom 23. Dezember 2019 im Besonderen angeht, ist schliesslich was folgt zu beachten: Die Vorinstanz begnügt sich mit der pauschalen Erwägung, dieses Privatgutachten sei nicht geeignet, das gestützt auf die schlüssigen und nachvollziehbaren Zeugenaussagen gewonnene Beweisergebnis hinsichtlich des massiv ungenügenden Abstands des Beschwerdeführers beim Wiedereinbiegen zum entgegenkommenden Fahrzeug und zum Lastwagen zu erschüttern, weshalb nicht weiter darauf einzugehen sei. Wohl trifft es zu, dass den Ergebnissen eines Privatgutachtens nach der Rechtsprechung lediglich die Bedeutung einer der freien Beweiswürdigung unterliegenden Parteibehauptung bzw. eines Bestandteils der Parteivorbringen zukommt, nicht die Qualität eines Beweismittels (BGE 141 IV 369 E. 6.2 mit Hinweisen). Die wiedergegebene Erwägung lässt aber nicht erkennen, ob sich die Vorinstanz tatsächlich mit dem Inhalt dieses Berichts auseinandersetzt oder aber ihn mit Blick auf die dargestellte Rechtsprechung - zu Unrecht - als von vornherein unbeachtlich qualifiziert. Diese unvollständige Beweiswürdigung der Vorinstanz verletzt den Untersuchungsgrundsatz und den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör.