Citation: 5A_401/2022 E. 5.3.3

5.3.3. In Bezug auf die Erblasserin steht fest, dass diese im Zeitraum der Testamentserrichtung im Oktober 2008 unter einer "fortgeschrittenen" Demenz gelitten hat und in den Jahren nach dem Tod des Ehemannes verschiedentlich depressiv und isoliert sowie zur Bewältigung des Alltags auf die Hilfe einer Drittperson angewiesen war. Welchen Ursprung die Demenz hatte und welchen Schweregrad sie konkret aufwies, steht allerdings nicht fest. Fest steht jedoch, dass sich diese Demenz zunächst mittels Störungen im Kurzzeitgedächtnis und dem Verpassen von vielen Terminen geäussert hat, erst im Februar 2009 (drei Monate nach Testamentserrichtung) "deutlich" gewesen ist und die Erblasserin am 28. Oktober 2009 (und damit über ein Jahr nach Testamentserrichtung), anlässlich der Anhörung durch die Vormundschaftsbehörde, einfachste Fragen nicht mehr hat beantworten können. Gleichzeitig ist erstellt, dass die Erblasserin sich noch im Jahr 2008 einer Karpaltunneloperation unterzogen hat. Diesbezügliche Arztberichte bzw. Spitaleintritts- und Austrittsberichte oder etwa Einwilligungsformulare liegen jedoch nicht vor. Zutreffend weisen die Beschwerdeführer sodann darauf hin, dass der Hausarzt (noch im Dezember 2008) die Weigerung der Erblasserin, in ein Altersheim einzutreten, akzeptiert hat. Zeitlich noch vor der Testamentserrichtung soll die Erblasserin ihre Katze im Schöpflein des Nachbarn vermutet haben, was gemäss dessen Aussage nicht möglich gewesen sei. Weshalb diese Vermutung abwegig gewesen sein und was dies im Hinblick auf die Urteilsfähigkeit der Erblasserin aussagen soll, bleibt im Dunkeln. Zeitlich nicht näher eingeordnet, jedoch vor dem Eintritt in das Altersheim im Juni 2010, steht weiter fest, dass die Erblasserin die Haustüre nicht abschliessen wollte, da ihr Ehemann noch nicht zu Hause war, obwohl dieser bereits verstorben war. Aus diesen tatsächlichen Feststellungen wird deutlich, dass die Erblasserin zwar bereits ab 2006 an einer Demenzerkrankung gelitten haben mag, diese sich aber bis zur Testamentserrichtung nicht in einem dauernden Verwirrtheitszustand, sondern in Störungen im Kurzzeitgedächtnis und der Hilfsbedürftigkeit zur Gestaltung des Alltags (Medikamenteneinnahme, Fahrdienst) geäussert hat.