Citation: 6B_997/2017 E. 1.3

1.3. Der Beschwerdeführer zeigt nicht auf und es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz dieses Ermessen überschritten oder missbraucht haben soll. Der vom Beschwerdeführer als verletzt gerügte Art. 139 Abs. 1 StPO hält fest, dass die Strafbehörden zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel einsetzen, die rechtlich zulässig sind. Art. 140 Abs. 1 StPO untersagt als verbotene Beweiserhebungsmethoden insbesondere Mittel, welche die Denkfähigkeit oder die Willensfreiheit einer Person beeinträchtigen können. Diese Bestimmung zielt in erster Linie darauf ab, den Einsatz solcher Mittel durch die mit der Beweiserhebung betrauten Personen selbst zu unterbinden (vgl. Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 1182 f.). Im vorliegenden Fall wurde dem Beschwerdeführer auf sein Ersuchen hin Temesta ärztlich verschrieben, weil er über Schmerzen geklagt hatte (Urteil, S. 15). Das Medikament wurde demnach nicht von den ihn einvernehmenden Personen eingesetzt, um mit Blick auf die durchzuführenden Einvernahmen seine Denk- und Willensfreiheit zu beeinflussen. Sinn und Zweck von Art. 140 Abs. 1 StPO verlangen indes, dass darüber hinaus auch das Verbot umfasst ist, als beweiserhebende Behörde den Zustand einer Person auszunutzen, den diese selbst herbeigeführt hat durch die - aus eigenem Antrieb und selbstständig erfolgte - Einnahme von Substanzen, welche die Denkfähigkeit oder die Willensfreiheit beeinträchtigen können. Von einem solchen Ausnutzen der Situation ist allerdings nur auszugehen, wenn es konkrete Anhaltspunkte gegeben hätte, aufgrund derer die beweiserhebende Behörde mindestens Zweifel hinsichtlich der Denkfähigkeit und Willensfreiheit einer von der Beweiserhebung betroffenen Person hätte haben müssen. Deshalb hält die Vorinstanz zutreffend fest, dass nicht entscheidend sein könne, ob durch die Einnahme von Temesta theoretisch Denk- oder Wahrnehmungsstörungen hervorgerufen werden könnten, sondern dass es auf die konkreten Umstände ankomme. Als solche berücksichtigt die Vorinstanz, dass den Akten nirgends Hinweise zu entnehmen seien, aufgrund derer davon ausgegangen werden müsste, dass der Beschwerdeführer an den ersten vier Einvernahmen nicht in der Lage gewesen wäre, die Bedeutung seiner Aussagen zu erkennen. Ausserdem sei er von der ersten Einvernahme an durch einen Rechtsbeistand verteidigt und durchaus in der Lage gewesen, auf die einzelnen Fragen nur insoweit zu antworten, als er dies auch gewollt habe. Über weite Teile hinweg habe er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht (Urteil, S. 16 f.). Mit diesen Ausführungen legt die Vorinstanz nicht nur plausibel dar, weshalb im vorliegenden Fall nie Anlass bestand, an der Denkfähigkeit des Beschwerdeführers zu zweifeln, sie erläutert entgegen dessen Einwand ebenso klar, weshalb auch bezüglich seiner Willensfreiheit keine Anhaltspunkte für eine allfällige Einschränkung vorlagen, nachdem er sich zu einem grossen Teil für eine Verweigerung der Aussage entschieden habe. Unter den gegebenen Umständen durfte die Vorinstanz ohne Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermessens davon ausgehen, dass sie über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügte, die zur Feststellung und Beurteilung des konkreten Sachverhalts erforderlich waren. Dass sie den Antrag des Beschwerdeführers auf Einholung eines Sachverständigengutachtens abweist, verletzt deshalb kein Bundesrecht. Auch dass sie seine Aussagen verwertet, ist nicht bundesrechtswidrig. Eine Verletzung von Art. 139 und Art. 182 StPO ist zu verneinen.