Citation: 5A_405/2022 E. 5.3.1

5.3.1. Unbeachtet bleibe durch die Vorinstanz zunächst, dass der Titel nur in Stenografie geschrieben sei, ihm damit also ein untergeordneter Stellenwert zukomme. Des Weiteren bestünden klare Diskrepanzen zwischen dem Titel und dem durch Form und Inhalt belegten Willen des Erblassers. Weiter sei es nicht zulässig, vom Titel, welcher kein Formerfordernis darstelle, auf die Ungültigkeit [recte: Nichtigkeit] zu schliessen und alle anderen gesetzlichen Formerfordernisse zu übergehen. Die Eigenhändigkeit und die Unterschrift seien die selbstverständlichsten und vom Formzweck her wichtigsten Formelemente. Beide dienten einerseits der Identifikation des Erblassers. Andererseits unterstreiche das Selbst-Schreiben den Testierwillen und es manifestiere die Bejahung des gesamten Inhalts durch den Erklärungsurheber. Die eigenhändige Unterschrift des Erblassers stehe der Interpretation als Entwurf diametral entgegen. Einen Entwurf unterschreibe man nicht. Das Abfassen des Testaments sei selten etwas Statisches, sondern ein Prozess. Es könne daher durchaus sein, dass das Dokument in einem ersten Schritt als Vorbereitung auf ein umfassendes Dokument erstellt worden sei. Mit der Unterschrift des Erblassers sei es dann aber zum definitiven Testament erwachsen. Der Testierwille werde durch die eigenhändige Unterschrift zum Ausdruck gebracht und dokumentiert. Der Zweck der Unterschrift sei es, den definitiven Charakter einer letztwilligen Verfügung zu attestieren und mit der Unterzeichnung die Gültigkeit und Verbindlichkeit der letztwilligen Verfügung zu besiegeln. Das Bundesgericht habe denn auch bereits festgehalten, dass die Unterschrift den Entwurf von einer endgültigen Fassung unterscheide (mit Hinweis auf BGE 135 III 206 E. 3.5). Das Bundesgericht spreche der Unterschrift im Sinn von bewährter Lehre und Rechtsprechung die Funktion der Rekognition zu. Der Testator anerkenne durch einen selbständigen Akt das Geschriebene als seinen Willen. Die Formbedürftigkeit sei daher nicht Selbstzweck, sondern diene vor allem dazu, den Willen des Erblassers sichtbar zu machen (mit Hinweis auf BGE 131 III 601 E. 3.1). Diese Ansicht lasse sich auch durch den zeitlichen Ablauf der Niederschrift belegen. Es sei nämlich anzunehmen, dass die Unterschrift zeitlich später als die Niederschrift des Titels erfolgt sei, so dass die Unterschrift das Dokument zur Manifestation des definitiven Willens gemacht habe. Der Zeitpunkt der Unterschrift könne durchaus auch nach der persönlichen Mitteilung des Erblassers an die Bedachten im Juni 2009 liegen. Sodann könne der Inhalt auch nicht anders verstanden werden, als eine Zuteilung eines Vermächtnisses und auch die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers verdeutliche den Testierwillen des Erblassers.