Citation: U 137/04 25.10.2004 E. 4

4.1 Zwischen dem Unfall vom 21. Oktober 1999 und den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten gesundheitlichen Leiden muss zunächst ein natürlicher Kausalzusammenhang vorliegen. Dabei genügt es, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat und mithin eine Teilursache für gesundheitliche Störungen darstellt (Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, S. 42/43). Zur Prüfung dieser Frage hat die Beschwerdegegnerin bei Dr. M.________ das Gutachten vom 6. November 2000 eingeholt. Dieser kam darin zum Schluss, dass die aktuellen Leiden aus organischer Sicht keine überwiegende Wahrscheinlichkeit der Unfallkausalität anzunehmen erlaubten. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass Dr. M.________ in Kenntnis der psychiatrischen Beurteilung durch Dr. L.________ vom 5. Oktober 2001 nicht zu diesem Schluss gelangt wäre. Bei Dr. L.________ ist jedoch zu berücksichtigen, dass er bereits seit 3. Januar 2000 der behandelnde Arzt der Beschwerdeführerin war. Dies ergibt sich auch aus dem ihrem Rechtsvertreter am 17. August 2001 abgegebenen Bericht. Bleibt eine Versicherte längere Zeit bei behandelnden Ärzten, ist wie bei Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass sie mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 352 Erw. 3b/cc sowie Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 43 Rz. 28). Dr. L.________ führt an, dass auf Grund der Anamnese an der Kausalität zwischen Unfalltrauma und Migräne nicht zu zweifeln sei. In der Anamnese wie bei den angegebenen Beschwerden führt er aus, die Versicherte leide seit dem Unfallereignis an verschiedenen Symptomen, die er als posttraumatische Migräne qualifiziere. Dabei wird aber ausgeblendet, dass die Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall vom 28. Januar 1998 an depressiver Verstimmung und Migräne gelitten hatte, wie ihr damaliger Hausarzt Dr. Z.________ am 5. Januar (recte wohl Februar) 1998 ausführt. Prof. G.________ erwähnte im Gutachten vom 31. März 1998 eine Migränebehandlung vor einem Jahr (d.h. also vor dem Unfall vom 28. Januar 1998). Ebenso muss die Annahme, die Beschwerdeführerin sei nach dem Ereignis vom 21. Oktober 1999 ohnmächtig geworden, als unzutreffend bezeichnet werden. Der die Versicherte nach diesem Unfall behandelnde Arzt Dr. H.________ hatte auf dem Zeugnis vom 3. November 1999 explizit festgehalten, dass gemäss den Angaben der Patientin keine Bewusstlosigkeit eingetreten war. Bei diesem Hinweis von Dr. H.________ handelt es sich um "Aussagen der ersten Stunde". Solche sind in der Regel unbefangener und zuverlässiger als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungstechnischer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 47 Erw. 2a; Urteil S. vom 19. Mai 2004, U 236/03, Erw. 3.3.4). Auch in dem von der Versicherten unterzeichneten und der Beschwerdegegnerin retournierten Unfallfragebogen wird keine Bewusstlosigkeit erwähnt. Damit ist zweifelhaft, ob die von der Beschwerdeführerin geklagte Migräne tatsächlich erst seit dem Unfallereignis vom 21. Oktober 1999 vorhanden gewesen ist und als posttraumatisch qualifiziert werden kann. Einerseits bestanden bereits vor den beiden Unfällen gesundheitliche Beschwerden in Form von Migräne, und anderseits kann beim Ereignis vom 21. Oktober 1999 kein leichtes Schädel-Hirn-Trauma angenommen werden. Dr. N.________, bei welchem die IV-Stelle Basel-Stadt ein Gutachten einholte, nannte demgegenüber eine depressive Störung, eine mittelgradige depressive Episode sowie eine leichte kognitive Störung als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Er führt im weiteren aus, dass es sich bei der depressiven Erkrankung um einen eigenständigen Prozess handle, dessen Heilungschancen durch die Unfälle reduziert worden seien. Der Befund des Gutachters Dr. N.________ unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der Beurteilung des behandelnden Psychiaters Dr. L.________, der bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Migräne als somatisches Leiden ursächlich für die gesundheitlichen Probleme ortet und darüber hinaus angibt, dass die Kausalität zwischen Unfalltrauma und Migräne nicht zu bezweifeln sei. Eigene Erhebungen, die belegen, wie er zu diesem Schluss kam, präsentiert Dr. L.________ nicht. Vielmehr ist anzunehmen, dass er dieses Fazit auf Grund der Schilderungen der Versicherten selbst zog. Wie dargelegt, stimmen deren Angaben nicht überein, behauptet sie doch einerseits, vor dem Ereignis vom 21. Oktober 1999 habe sie nicht an Migräne gelitten, und gibt anderseits an, nach jenem Unfall sei sie bewusstlos geworden, was mit erheblicher Wahrscheinlichkeit nicht den Tatsachen entspricht. 4.2 Der auf Grund des Unfalls vom 28. Januar 1998 mit der Erstellung eines Gutachtens betraute Prof. G.________ hielt fest, dass die Versicherte zu einer demonstrativen Dramatisierung von harmlosen Beschwerden neige. Dr. M.________, der von der Swica zur Beurteilung der Folgen des Unfalls vom 21. Oktober 1999 eingesetzte Gutachter, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, wenn er die Untersuchungsbefunde als derart inkonsistent betrachtet, dass sie mit einer organischen Ursache nicht vereinbar seien und im Wesentlichen auf eine Aggravation hinwiesen. Der von der IV-Stelle Basel-Stadt beigezogene psychiatrische Experte Dr. N.________ will demgegenüber bei der Beschwerdeführerin keine Anzeichen von Aggravation und Simulation erkennen. Die Frage, ob solche vorliegen, muss nicht abschliessend beurteilt werden. Denn die Unfallkausalität der somatischen Beschwerden ist ohnehin zu verneinen. Immerhin fällt auf, dass die Versicherte sowohl beim ersten wie auch beim zweiten Unfallereignis nicht einmal den Versuch unternahm resp. unternehmen wollte, auch nur teilweise ihre Arbeit wieder aufzunehmen. So berichtete der beim ersten Unfall vom 28. Januar 1998 behandelnde Arzt Dr. Z.________ der Beschwerdegegnerin am 24. Februar 1998, dass die Versicherte abgelehnt habe, die Arbeit am 23. Februar 1998 teilweise aufzunehmen. Nach dem zweiten Ereignis bot ihr der Arbeitgeber selbst eine teilzeitliche Wiederaufnahme der Arbeit an. Die Beschwerdeführerin hat darauf jedoch gemäss den Angaben der Firma nicht einmal reagiert. Derartige Indizien weisen darauf hin, dass die von Dr. M.________ getroffene Annahme einer Aggravation nicht a priori als falsch qualifiziert werden kann, während sich Dr. N.________ lediglich auf die eigenen Aussagen der Versicherten abstützen kann. Die Angaben über das Verhalten der Beschwerdeführerin, über welche nur Kenntnis erlangt werden kann, wenn die Akten des ersten Unfalls resp. das Kündigungsschreiben des Arbeitgebers nach dem zweiten Ereignis konsultiert werden, waren Dr. N.________ beim Erstellen seines Gutachtens für die IV-Stelle Basel-Stadt nicht zugänglich. Unter Berücksichtigung dieser Umstände und basierend auf den Erkenntnissen in der Expertise von Dr. M.________, die auch nach Beizug des ärztlichen Berichtes von Dr. L.________ und dem Gutachten von Dr. N.________ nicht in Frage zu stellen sind, können somit die von der Versicherten geklagten gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr auf somatische Ursachen zurückgeführt werden. Vielmehr ist anzunehmen, dass von allem Anfang an diejenigen Beeinträchtigungen im Vordergrund standen, die auf psychischen Gründen beruhen. Daher hat die Adäquanzbeurteilung rechtsprechungsgemäss (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 ff. mit Hinweisen) nicht nach den für Schleudertraumen und schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen (BGE 123 V 98 ff.; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 ff.).