Citation: 6B_1332/2016 E. 3.4.4

3.4.4. Indem der Beschwerdegegner 1 nicht zuwartete, sondern den Ball spielte, hat er keine Sorgfaltspflicht verletzt. Die Vorinstanz definiert die Gefahrenzone als jener Bereich, der maximal 15 Grad von der idealen Flugbahn abweicht und den 92 % aller Bälle nicht verlassen (E. 3.1 hievor). Auch in der Literatur findet sich die Auffassung, dass auf die 15 Grad-Regel abzustellen sei (SCHERRER/SCHERRER, "Achtung, fliegende Golfbälle!" - Haftungsfragen rund um den Golfplatz, in: Ohne jegliche Haftung, 2016, S. 439). Diese Regel kann für die Prüfung der Frage nach dem Mass der im Einzelfall zu beachtenden Sorgfalt ohne Weiteres als Ausgangspunkt dienen. Massgebend ist aber nicht (allein) eine rein rechnerische Betrachtungsweise, sondern es gilt auch den konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Jeder Spieler hat die Vorsicht im Einzelfall den konkreten Verhältnissen anzupassen, z.B. der Anzahl und Nähe von "Flights" auf dem Platz sowie den Platz- und Sichtverhältnissen (DANIEL THALER, Haftung zwischen Wettkampfsportlern, 2002, S. 279). Der Beschwerdegegner 1 befand sich auf einem Abschlagplatz und damit auf einer kurzgemähten bespielbaren Fläche, die (etwa im Gegensatz zum "Rough") keine besondere Schlagtechnik erforderte. Eingeschränkte Sicht- oder erschwerende Wetterverhältnisse stellt die Vorinstanz nicht fest. Gleichwohl war, auch unter Berücksichtigung der Spielfähigkeiten des Beschwerdegegners 1 (Handicap 33.9), eine Gefährdung der Gruppe auf dem Abschlagplatz Nr. 7 gegeben und für den Beschwerdegegner 1 erkennbar. Ihm ist aber Folgendes zu Gute zu halten. Nach der von der Vorinstanz gestützt auf die Golf Course Design Safety Guidelines herangezogene und vom Beschwerdeführer inhaltlich nicht bestrittene 15 Grad-Regel landen 92 % aller Bälle innerhalb eines Radius von 15 Grad (links und rechts) von der idealen Flugbahn. Mithin landen nur rund 4 % der Bälle rechts dieser Zone, wo sich der Abschlagplatz Nr. 7 befand. Die Wahrscheinlichkeit der Gefährdung des Beschwerdeführers muss deshalb als eher klein bezeichnet werden. Zudem ist hier ein weiterer Umstand von Bedeutung. Während der Beschwerdeführer mit seiner Gruppe beim Abschlag Nr. 7 ankam, schlug der Beschwerdegegner 1 als Letzter seiner Gruppe ab. Diese war mithin seit mehreren Minuten auf dem Abschlagplatz Nr. 9 am Spielen. Die Spieler beider Gruppen sahen sich. Der Beschwerdegegner 1 musste sein Spiel nicht aussetzen, sondern durfte das Loch Nr. 9 beenden. Ebenso wenig musste er zuwarten, bis die gerade eben am gegenüberliegenden Abschlagplatz angekommene Gruppe (noch vor dem ersten Schlag) unverrichteter Dinge wieder den Platz räumen würde. Der Vertrauensgrundsatz gilt ganz allgemein im Falle des Zusammentreffens mehrerer Personen bei risikobehaftetem Tun (DONATSCH/TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 9. Aufl. 2013, S. 355 f.; TRECHSEL/JEAN-RICHARD, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 33 f. zu Art. 12 StGB; Niggli/Maeder, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd. I, 3. Aufl. 2013, N. 114 ff. zu Art. 12 StGB; BERNARD CORBOZ, in: Commentaire Romand, Code pénal I, 2009, N. 154 ff. zu Art. 12 StGB; Michel Dupuis et al. [Hrsg.], Code pénal CP, Petit commentaire, 2. Aufl. 2017, N. 40 zu Art. 12 StGB; TRECHSEL/NOLL, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil, Bd. I, 6. Aufl. 2004, § 35 S. 272). Fehlschläge im Golfsport sind nach den zutreffenden Ausführungen des Beschwerdeführers nichts Aussergewöhnliches. Es war an ihm, mit dem Betreten des eigenen Abschlagplatzes zuzuwarten, auf die Seite zu stehen respektive zumindest das gegenüberliegende Spiel aufmerksam zu verfolgen (anstatt bereits seinen Ball zu positionieren). Davon durfte der Beschwerdegegner 1 ausgehen. Indem dieser sein Spiel fortsetzte, überschritt er nicht die Grenzen des erlaubten Risikos.