Citation: 5A_768/2021 E. 3.3.2

3.3.2. In Bezug auf die Verletzung des Ordre public führt die Beschwerdegegnerin sodann aus, die Vorinstanz habe sich für den Fall, dass kroatisches Recht für die Ergänzung des Scheidungsurteils anwendbar wäre und damit eben auch die Nebenfolgen nach kroatischem Recht zu regeln wären, noch nie geäussert. Insofern gehe der Vorwurf des Beschwerdeführers, die Vorinstanz sehe sich offenbar zu Unrecht nicht mehr an ihre eigenen Ausführungen gebunden, schon einmal fehl. Fehl gingen auch die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach die Vorinstanz die Dispositions- in eine Offizialmaxime umgewandelt haben soll und kein rechtsgültiger Verzicht auf nachehelichen Unterhalt mehr möglich wäre. Ein Verzicht sei sehr wohl möglich, sofern er eben nicht mit der schweizerischen öffentlichen Ordnung offensichtlich unvereinbar wäre. Ein Schweizer Gericht hätte eine Vereinbarung, wonach die Beschwerdegegnerin auf nachehelichen Unterhalt verzichtet hätte, niemals genehmigt. Ob der gemeinsame Rechtsanwalt gültig mandatiert worden sei und ob dieser die Beschwerdegegnerin über die Verwirkungsfrist zur Geltendmachung von nachehelichem Unterhalt informiert habe, seien zwei verschiedene Fragen. Tatsache sei, dass aus den Akten nicht ersichtlich sei und die Beschwerdegegnerin glaubhaft habe widerlegen können, dass sie vom gemeinsamen Rechtsanwalt über die Verwirkungsfrist aufgeklärt worden ist. Daran ändere nichts, dass dieser in seiner Stellungnahme festgehalten habe, dass die Beschwerdegegnerin keinen Unterhalt beantragt haben soll. Der gemeinsame Rechtsanwalt wäre aus diesem Grund erst recht dazu verpflichtet gewesen, die Beschwerdegegnerin über die Verwirkungsfrist aufzuklären. Da er dies aber unterlassen und die Beschwerdegegnerin folglich keine Kenntnis von der Frist gehabt habe, helfe ihr auch das Schreiben der Ausgleichskasse nichts. Die Vorinstanz gehe nicht nur aufgrund der Verwirkungsfrist nach kroatischem Recht von einer Verletzung des Ordre public aus. Sie bringe weiter und zutreffend folgende Gründe vor: die Beschwerdegegnerin sei zu keiner Zeit weder von ihrem Rechtsvertreter noch vom kroatischen Scheidungsgericht über ihre Rechte und Pflichten informiert worden; die Beschwerdegegnerin habe im Zeitpunkt der Scheidung schwerwiegende psychologische Probleme gehabt; der Beschwerdeführer habe das offensichtliche Risiko der Bedürftigkeit der Beschwerdegegnerin bewusst auf den Staat abwälzen wollen; es habe keine Verhandlung vor dem kroatischen Scheidungsgericht stattgefunden; beide Parteien lebten seit über 30 Jahren in der Schweiz und die Beschwerdegegnerin würde Fr. 60'000.-- Unterhaltsbeiträge verlieren. Der Beschwerdeführer gehe fehl in der Annahme, dass gemäss Ausführungen der Vorinstanz jeder vermögensrechtliche Verzicht im Ausland gegen den Ordre public verstossen würde. Selbstverständlich sei immer der Einzelfall zu prüfen. Offensichtlich gegen den Ordre public verstossen würde aber der Verzicht der Beschwerdegegnerin auf nachehelichen Unterhalt, welchen der Beschwerdeführer nur mit einem schamlosen Ausnutzen seiner rechtsunkundigen, psychisch labilen Ehefrau habe erreichen können, mit dem Ziel, dass nicht er, sondern der schweizerische Sozialstaat nach der Scheidung für den Unterhalt der Beschwerdegegnerin aufkommen müsse. Die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach in vorliegendem Sachverhalt keinerlei Ausführungen der Ausbeutung einer Notlage oder Unerfahrenheit oder des Leichtsinns vorliegen sollen, erscheine in Anbetracht dessen, den Rechtsschriften und den Belegen der Beschwerdegegnerin und nicht zuletzt auch den Ausführungen der Vorinstanz geradezu absurd.