Citation: U 282/04 14.03.2005 E. 4

4.1 Das MEDAS-Gutachten erfüllt die nach der Rechtsprechung für den Beweiswert medizinischer Berichte und Gutachten vorausgesetzten Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c) und vermag in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. Auch wenn es sich um ein von der IV eingeholtes Gutachten handelt, wird darin zur Frage der Unfallkausalität der bestehenden Beschwerden ausführlich Stellung genommen. Auch hat die SUVA dem Beschwerdeführer die beim Beizug von Drittgutachten zu beachtenden Mitwirkungsrechte (BGE 125 V 332 ff.) gewährt. Zu Recht hält der Beschwerdeführer nicht daran fest, auf das Gutachten könne wegen Befangenheit der Gutachter nicht abgestellt werden. Es sind auch keine anderen Gründe ersichtlich, die auf eine mangelnde Objektivität oder Voreingenommenheit der Gutachter schliessen liessen. 4.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird gestützt auf eine Stellungnahme des Dr. med. A.________ vom 29. Juli 2004 geltend gemacht, die Diagnose einer Lyme-Borreliose sei nach herrschender Auffassung gegeben, wenn ein zur Lyme-Borreliose passendes Beschwerdebild bestehe, eine positive Serologie vorliege und andere Ursachen ausgeschlossen werden könnten. Diese Voraussetzungen seien im vorliegenden Fall erfüllt. Zunächst stehe fest, dass das Beschwerdebild demjenigen einer Neuro-Borreliose entspreche. Sodann sei der Ausschluss einer Neuro-Borreliose mit der Begründung, der Liquorbefund sei unauffällig, wissenschaftlich überholt. So habe Dr. med. A.________ bereits im Bericht vom 20. Juni 2002 darauf hingewiesen, dass unauffällige Liquorbefunde eine Neuro-Borreliose nicht auszuschliessen vermöchten. Im Weiteren habe selbst Dr. med. I.________ im Bericht vom 9. Oktober 2002 einräumen müssen, dass die bestehenden Beschwerden Folge einer Lyme-Borreliose sein könnten. Die Behauptung, wonach die Antibiotica-Therapie nichts genützt habe, sei unzutreffend. Zudem erwähne Dr. med. A.________ ausdrücklich, dass von sämtlichen Fachkreisen die Meinung vertreten werde, ein Misserfolg der antibiotischen Therapie dürfe nicht als Argument gegen das Vorliegen einer Lyme-Borreliose verwendet werden. Die fehlende Veränderung in der Kernspintomographie sei ebenfalls kein Indiz dafür, dass keine Neuro-Borreliose bestehe. Eine entsprechende Veränderung komme bei der Lyme-Borreliose selten vor und sei daher nicht geeignet, das Vorhandensein einer solchen Krankheit zu verneinen. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass SUVA und Vorinstanz sich auf überholte und einseitige medizinische Meinungen gestützt hätten. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer durch einen Zeckenbiss an Neuro-Borreliose erkrankt sei. Dabei könne nicht ausser Acht gelassen werden, dass er vorher gesund gewesen sei. Im Einklang mit dem in Praxis 91/2002 Nr. 202 S. 1059 ff. (= RKUV 2001 Nr. U 432 S. 321 ff.) beurteilten Fall sei der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den noch bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu bejahen. 4.3 Selbst wenn auf die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde genannten Diagnosekriterien abzustellen wäre, was offen bleiben kann, liesse sich nicht auf eine überwiegend wahrscheinliche Unfallkausalität der im vorliegenden Fall bestehenden Beschwerden schliessen. Zwar leidet der Beschwerdeführer an gesundheitlichen Störungen, die zum Beschwerdebild einer Neuro-Borreliose gehören können. Wie Dr. med. I.________ in der Beurteilung vom 9. Oktober 2002 ausführt - und auch in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde anerkannt wird - handelt es sich jedoch um unspezifische Beschwerden, welche Symptome zahlreicher anderer Gesundheitsstörungen sein können. Spezifische neurologische Befunde konnten nicht erhoben werden; ebenso wenig ein positiver Liquor-Befund. Wenn der Beschwerdeführer mit Dr. med. A.________ geltend macht, dass unauffällige Liquor-Befunde eine Neuro-Borreliose nicht ausschliessen könnten, und unter Hinweis auf einen nicht datierten und näher dokumentierten Bericht aus dem Internet (Dr. med. Wolfgang Hübl, Diagnose der Lyme-Borreliose Übersicht) ausführt, dass ein auffälliges Liquor selten vorkomme (10 - 30%), so ist dem entgegenzuhalten, dass sich diese Feststellung nicht auf den Nachweis von Borrelien-Antikörpern, sondern auf den direkten Borreliennachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) bezieht, welches Verfahren indessen ebenfalls keinen sicheren Nachweis der Borreliose zu geben vermag (vgl. Satz, a.a.O., S. 80 f.). Die in der Zeit ab Dezember 1999 durchgeführten laborchemischen Untersuchungen ergaben kein einheitliches Bild. Bei den im Institut K.________ vorgenommenen IgG- und IgM-Antikörperuntersuchungen waren die Ergebnisse im Serum positiv, im Liquor dagegen negativ. Untersuchungen mit dem Western Blot (Immunoblot) durch die Firma V.________ AG, führten zum Schluss, dass eine aktive Infektion zwar möglich sei, das Resultat jedoch im Zusammenhang mit der Klinik beurteilt werden müsse. Den Untersuchungsberichten ist des Weiteren zu entnehmen, dass ein Genomnachweis sowie ein Borreliennachweis mittels PCR erfolglos blieben; zudem ergab eine cranio-cerebrale Kernspintomographie vom Januar 2000 keine pathologischen Befunde und insbesondere keine Hinweise auf eine Neuroborreliose. Die durchgeführten Untersuchungen lassen eine aktive Borreliose daher wohl als möglich, nicht aber als überwiegend wahrscheinlich erscheinen, zumal auch positive Laborbefunde nicht ohne Weiteres bedeuten, dass eine Lyme-Borreliose vorliegt (vgl. Satz, a.a.O., S. 69 ff. und 84 ff.). Was den geltend gemachten Erfolg der antibiotischen Therapie betrifft, berichtete Dr. med. A.________ am 12. Juli 2001, aufgrund der Behandlung mit Claforan hätten sich sämtliche Beschwerden, vor allem diejenigen am Bewegungsapparat vollständig oder auf ein erträgliches Mass zurückgebildet. Hingegen seien die neurofunktionellen Defizite, welche die weitere Arbeitsunfähigkeit bewirkten, unverändert geblieben. Anlässlich der stationären Untersuchung in der MEDAS gab der Beschwerdeführer dagegen an, nebst an allgemeiner Müdigkeit und einem Erschöpfungsgefühl weiterhin an Muskel- und Gelenkschmerzen zu leiden; dazu komme ein immer wieder auftretendes Verspannungsgefühl im Bereich des Bauches und des Rückens. Demzufolge kann nicht davon ausgegangen werden, dass die medikamentöse Therapie zu einer dauerhaften Besserung der Beschwerden am Bewegungsapparat geführt hat. Schliesslich ist festzustellen, dass nach fachärztlicher Meinung für die bestehenden Beschwerden andere Ursachen in Form einer psychischen Störung vorhanden sind. Nach dem im Rahmen des MEDAS-Gutachtens eingeholten psychiatrischen Konsilium leidet der Beschwerdeführer an einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0), welche nicht nur das bestehende Beschwerdebild zu beeinflussen vermag, sondern hiefür überwiegend, wenn nicht ausschliesslich als ursächlich zu betrachten ist. Laut Gutachten ergeben sich aus der Anamnese genügend Hinweise, welche eine psychogene Ursache der bestehenden Beschwerden nicht nur durch einen allfälligen Ausschluss einer organischen Erkrankung, sondern aufgrund positiver Indizien gestatten. Es besteht auch in diesem Punkt kein Anlass, von der im Gutachten näher begründeten Beurteilung abzugehen. Gestützt hierauf ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass ein selbständiges psychisches Leiden vorliegt und es sich beim bestehenden psychosomatischen Beschwerdebild nicht um die direkte oder indirekte Folge einer Lyme-Borreliose handelt. Insofern unterscheidet sich der vorliegende Fall auch von dem in RKUV 2001 Nr. U 432 S. 321 ff. beurteilten Sachverhalt.