Citation: 2A.211/2002 11.10.2002 E. 3.1

3.1.1 Zweck des so genannten Familiennachzugs ist es, das Leben in der Familiengemeinschaft zu ermöglichen. Der Gesetzeswortlaut (Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG, vgl. E. 1.2) verdeutlicht, dass die rechtliche Absicherung des Zusammenlebens der Gesamtfamilie angestrebt wird: Verlangt ist ausdrücklich, dass die Kinder mit ihren Eltern (Plural) zusammenwohnen werden. Auch die innere Systematik von Art. 17 Abs. 2 ANAG geht vom Zusammenleben mit Mutter und Vater aus. Die Nachzugsregelung ist mithin auf Familien zugeschnitten, in denen die (leiblichen) Eltern einen gemeinsamen ehelichen Haushalt führen (BGE 126 II 329 E. 2a S. 330, mit Hinweisen). 3.1.2 Hinsichtlich der Anerkennung eines Anspruches auf nachträglichen Familiennachzug im Lichte von Art. 17 ANAG unterscheidet die bundesgerichtliche Rechtsprechung daher zwischen zusammenlebenden Eltern und getrennt lebenden Eltern (BGE 126 II 329 ff.). Nach der Rechtsprechung ist der nachträgliche Familiennachzug durch Eltern, die sich beide in der Schweiz niedergelassen haben und einen gemeinsamen ehelichen Haushalt führen, möglich, ohne dass besondere stichhaltige Gründe die beabsichtigte Änderung des Betreuungsverhältnisses rechtfertigen müssen. Innerhalb der allgemeinen Schranken von Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG ist somit der Nachzug von gemeinsamen Kindern grundsätzlich jederzeit zulässig; vorbehalten bleibt einzig das Rechtsmissbrauchsverbot (BGE 126 II 329 E. 3b S. 332). Hingegen ist die Praxis auf Grund der unterschiedlichen familiären Situation wesentlich restriktiver, wenn der nachträgliche Familiennachzug von Kindern getrennter bzw. geschiedener Eltern in Frage steht. 3.1.3 Sind die Eltern voneinander getrennt oder geschieden und hält sich der eine Elternteil in der Schweiz, der andere aber im Ausland auf, kann es nicht um eine Zusammenführung der Gesamtfamilie gehen. In solchen Fällen entspricht es dem Gesetzeszweck nicht, einen bedingungslosen Anspruch auf Nachzug der Kinder anzunehmen (BGE 125 II 585 E. 2a S. 586). Der nachträgliche Nachzug eines Kindes setzt diesfalls voraus, dass eine vorrangige Bindung des Kindes zum in der Schweiz lebenden Elternteil nachgewiesen ist und besonders stichhaltige familiäre Gründe, zum Beispiel eine Änderung der Betreuungsmöglichkeiten, dieses Vorgehen rechtfertigen (BGE 126 II 329 E. 2a und 3b S. 330/332). Die Verweigerung einer Bewilligung lässt sich jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung von den Betroffenen ursprünglich selbst freiwillig herbeigeführt worden ist, für die Änderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die Fortführung und Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (BGE 124 II 361 E. 3a S. 366/367, mit Hinweisen). 3.2 Die Vertreterin der Beschwerdeführerin hatte vor dem Verwaltungsgericht geltend gemacht, die Beziehung der Mutter zu ihrem Sohn sei seit je her sehr gut. Sie - die Mutter - habe ihn regelmässig in der Dominikanischen Republik besucht. Nun lägen aber zwingende Gründe für die Übersiedlung von A.________ in die Schweiz vor, da dessen Erziehung den kranken Grosseltern nicht mehr weiter aufgebürdet werden könne. Andere Betreuungsmöglichkeiten bestünden nicht, zumal die Beschwerdeführerin nicht bereit sei, ihren Sohn dem im selben Haushalt der Grosseltern lebenden Bruder - der seine Kinder schlage - zu überlassen. Zur Frage des Gesundheitszustandes der Grosseltern brachte die Vertreterin der Beschwerdeführerin Arztzeugnisse aus der Dominikanischen Republik bei. Danach leidet die Grossmutter an Diskushernien, hat sich zwei Mal entsprechenden chirurgischen Eingriffen unterzogen und kann keine körperliche Arbeit mehr leisten. Der Grossvater ist seit 1980 Psychiatrie-Patient; er leidet (gemäss Übersetzung des Arztzeugnisses vom 15. Januar 2002) an einer bipolaren affektiven Störung und ist manisch-depressiv krank. 3.3 Das Verwaltungsgericht hat erwogen, die von der Beschwerdeführerin beschriebenen Kontakte seien nicht geeignet, eine vorrangige Beziehung von A.________ zu seiner Mutter aufzuzeigen. Ausgewiesen sei lediglich ein Ferienaufenthalt der Beschwerdeführerin in der Dominikanischen Republik von Februar bis April 2001. Belegt seien sodann drei Überweisungen im Gesamtbetrag von Fr. 3'460.--, wobei das Gericht zugunsten der Beschwerdeführerin annehme, dass dieses Geld für den Unterhalt des Sohnes überwiesen worden sei. Die im Recht liegenden ärztlichen Bestätigungen belegten weder den behaupteten schlechten Gesundheitszustand der Grosseltern noch den Umstand, dass eine altersgerechte Betreuung von A.________ nicht mehr möglich wäre. Dass der Bruder der Beschwerdeführerin auch A.________ misshandle und dessen Betreuung durch die Grosseltern damit verunmögliche, sei erstmals nach Ablauf der Beschwerdefrist behauptet worden und deshalb nicht zu hören. 3.4 Diese Überlegungen des Verwaltungsgerichts beruhen auf vertretbaren und damit verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen (vgl. E. 1.4); nicht zu beanstanden sind auch die daraus gezogenen rechtlichen Schlussfolgerungen. Die in der Beschwerdeschrift enthaltenen Vorbringen vermögen nicht durchzudringen: 3.4.1 Dass die Vertreterin der Beschwerdeführerin über die behaupteten Misshandlungen des Kindes nicht im Bilde war (vgl. S. 2 der Beschwerdeschrift), ändert nichts daran, dass das Verwaltungsgericht das betreffende Vorbringen als unzulässiges Novum betrachten durfte (vgl. Kölz/Bosshard/Röhl; Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, § 54 Rz. 8). Es war Sache der Beschwerdeführerin, ihre Vertreterin vollständig zu instruieren. Im Übrigen obläge es der örtlich zuständigen Behörde, gegen allfällige Gewalttätigkeiten des Bruders der Beschwerdeführerin (der nur selten zu Hause sein soll, vgl. S. 3 oben der Beschwerdeschrift) einzuschreiten. 3.4.2 Die Feststellung des Verwaltungsgerichts, ausgewiesen sei lediglich ein Ferienaufenthalt der Beschwerdeführerin in der Dominikanischen Republik in der Zeit von Februar bis April 2001, wird durch die Vorbringen in der Beschwerdeschrift nicht widerlegt. Die Behauptung, die Beschwerdeführerin sei, seit sie in der Schweiz wohne, jedes Jahr drei bis vier Monate zu ihrem Sohn gereist, wurde und wird nicht belegt. Es wäre Sache der Beschwerdeführerin gewesen, ihre Ein- und Ausreisen in die Dominikanische Republik bzw. in die Schweiz durch Einreichung des vollständigen Reisepasses mit den entsprechenden Zoll-Stempeln lückenlos nachzuweisen. Selbst wenn die Angaben über ihre regelmässigen Ferienaufenthalte in der Dominikanischen Republik zutreffen sollten - was auf Grund der angespannten wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen die Beschwerdeführerin lebt, eher fraglich erscheint - , wäre dadurch für sich allein eine wesentliche Änderung in den Betreuungsmöglichkeiten aber nicht dargetan. 3.4.3 Nichts anderes ergibt sich, soweit der Gesundheitszustand der Grosseltern in Frage steht. Das Verwaltungsgericht durfte ohne Verletzung von Bundesrecht davon ausgehen, dass A.________, der heute bereits über 15 Jahre alt ist, nicht mehr ständig einer persönlichen, insbesondere physischen Betreuung bedarf. Die Schlussfolgerung des Verwaltungsgerichts, es sei nicht belegt, dass die geltend gemachten gesundheitlichen Schwierigkeiten der Grosseltern eine altersgerechte Betreuung von A.________ verunmöglichten, lässt sich daher nicht beanstanden. In diesem Zusammenhang ist zwar zu berücksichtigen, dass altersbedingte Hemmnisse für den Verbleib des Kindes bei den Grosseltern in manchen Fällen tatsächlich bestehen mögen. Es handelt sich dabei aber um Schwierigkeiten, die der emigrierte Elternteil, der sein Kind - trotz der voraussehbaren zeitlichen Schranken einer solchen Lösung - der Obhut der Grosseltern überlässt, letztlich von Anfang an in Kauf genommen hat. Wer - wie die Beschwerdeführerin - in ein anderes Land übersiedelt, hat grundsätzlich die sich daraus für die Pflege familiärer Beziehungen ergebenden Konsequenzen zu tragen (Urteil 2A.187/2002 vom 6. August 2002, E. 2.3) Wohl kann nach der Rechtsprechung beim Hinfall der bisherigen Betreuungsmöglichkeit im Heimatland der Nachzug eines Kindes gestützt auf Art. 17 ANAG auch nachträglich bewilligt werden (vgl. E. 3.1). Das Vorliegen einer solchen Situation darf aber nicht leichthin bejaht werden. Es gelten hohe Beweisanforderungen (vgl. BGE 124 II 361 E. 4c S. 370/371); an den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland sind - zumal es aus integrationspolitischer Sicht nicht erwünscht ist, dass Jugendliche erst kurz vor Erreichung der Altersgrenze in die Schweiz geholt werden (Urteil 2A.34/2002 vom 22. Mai 2002, E. 3.4) - umso höhere Anforderungen zu stellen, je älter das Kind ist bzw. je grösser die ihm in der Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten sind. Die Ueberlegungen des Verwaltungsgerichts, wonach gerade in der Altersstufe von A.________ der Wechsel in eine gänzlich neue Umgebung und völlig andere Kultur oft nicht leicht vollzogen werden könne (vgl. S. 16 des angefochtenen Entscheides), erscheinen vor diesem Hintergrund vertretbar. Sodann ist auch zu prüfen, wieweit der das Nachzugsgesuch stellende Elternteil überhaupt in der Lage ist, selber für eine zufrieden stellende Betreuung des Kindes zu sorgen. Diesbezüglich weist vorliegend die dem Sohn zugedachte Aufgabe, abends die beiden Schwesterchen zu hüten, damit die Mutter putzen gehen kann, jedenfalls auf eine angespannte Situation hin. 3.5 Nach dem Gesagten durfte das Verwaltungsgericht ohne Bundesrechtsverletzung den Schluss ziehen, die Beschwerdeführerin, welche seinerzeit ihr Kind freiwillig in ihrem Heimatland zurückgelassen und der Obhut ihrer Eltern übergeben hat, könne sich heute nicht auf eine wesentliche Veränderung der Betreuungsverhältnisse berufen, welche eine nachträgliche Bewilligung des Familiennachzugs für den Sohn rechtfertigen würden. Art. 8 Ziff. 1 EMRK, der den Schutz des Familienlebens garantiert (vgl. dazu ausführlich BGE 127 II 60 E. 1d/aa S. 64 f., mit Hinweisen) und auf welchen sich die Beschwerdeführerin (auch) beruft, ändert nichts. Dass A.________ zur Beschwerdeführerin die vorrangige familiäre Beziehung unterhält und sich der Nachzug als zu deren Pflege notwendig erweist - was das Nachzugsrecht nach Art. 8 EMRK ebenfalls voraussetzt (vgl. BGE 125 II 629 E. 3a S. 640) - ist nicht dargetan. Der angefochtene Entscheid verletzt die fragliche Konventionsnorm entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin daher nicht.