Citation: U 132/01 21.09.2004 E. 5

Zu beurteilen bleibt die Adäquanz des Kausalzusammenhangs. 5.1 Der Unfall vom 15. März 1996 ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz dem mittleren Bereich zuzuordnen. Der entstandene, relativ geringfügige Sachschaden spricht zwar eher für ein leichtes Unfallereignis; der Beschwerdeführer weist aber zu Recht unter Berufung auf den Bericht des Dr. med. S.________, stellvertretender SUVA-Kreisarzt, vom 29. November 1996 darauf hin, dass die durch das Auffahren des LKW freigesetzte hohe Energie wegen der starren Beschaffenheit des Geländewagens offensichtlich in hohem Masse auf den Körper des Versicherten einwirkte. Hinzu kommt, dass ihn der Aufprall unvorbereitet traf. 5.2 Ist der Unfall im mittleren Bereich anzusiedeln, sind weitere unfallbezogene Kriterien zur Beurteilung der Adäquanz heranzuziehen. Vorab ist dabei festzuhalten, dass beim Beschwerdeführer keine ausgeprägte psychische Problematik auszumachen ist, welche die zum typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der HWS gehörenden Beeinträchtigungen ganz in den Hintergrund treten lassen würde. Das Beschwerdebild enthält wohl eine beträchtliche psychische Komponente. Es liegen aber in erster Linie die typischen Beschwerden nach Schleudertrauma der HWS wie Kopf- und Nackenschmerzen, Tinnitus, Konzentrationsstörungen und rasche Ermüdbarkeit vor. Die psychische Komponente erscheint mehr als Folge denn als Ursache der Beschwerden. So wurden eine psychische Störung, eine überwiegend psychosomatische Genese der Beschwerden oder eine Symptomausweitung im Rahmen des psychosomatischen Konsiliums am 24. September 1996 in der Klinik Y.________, ausdrücklich verneint. Im Gutachten des Dr. M.________ wird ein zerviko-cephales Syndrom mit psychogener Mitbeteiligung diagnostiziert. Ein eigenständiges psychisches Leiden stellte er nicht fest. Im MEDAS-Gutachten wird "Angst und depressive Störung, gemischt" diagnostiziert, diese Diagnose findet sich aber erst an zweiter Stelle nach dem HWS-Distorsionstrauma und neben den ebenfalls unfallbedingten kognitiven Störungen. Entgegen der SUVA und mit der Vorinstanz ist eine Dominanz der psychischen Problematik unmittelbar nach dem Unfall wie auch im Verlaufe der Entwicklung bis zum Erlass des Einspracheentscheides (Erw. 2.2 hievor) zu verneinen mit der Folge, dass bei der Würdigung der weiteren unfallbezogenen Merkmale auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten zu verzichten ist (BGE 117 V 367 Erw. 6a). 5.3 Die Würdigung der einzelnen Kriterien ergibt Folgendes: Der Unfall war nicht von besonders dramatischen Umständen begleitet und kann auch nicht als besonders eindrücklich bezeichnet werden. Die erlittenen Verletzungen waren äusserlich nicht besonders schwer; vorliegend kommt allerdings hinzu, dass der Versicherte an einer unfallbedingten kognitiven Störung leidet, welche als geeignet erscheint, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. Der Beschwerdeführer litt vom Unfallzeitpunkt am 15. März 1996 bis zum Erlass des Einspracheentscheides (29. März 1999) - und darüber hinaus - trotz zahlreicher Therapien stets an Nacken- und Kopfschmerzen, und er stand während dieser Zeit dauernd in ärztlicher Behandlung. Teilweise im Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz ist deshalb nicht nur das Kriterium der Dauerschmerzen, sondern auch jenes der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung als erfüllt zu betrachten. Der Versicherte war nach dem Unfall vom 15. März 1996 ab dem 18. März hälftig und ab dem 27. März bis zum 22. Juli 1996 voll arbeitsunfähig. Vom 22. Juli bis zum 22. Oktober 1996 bestand eine hälftige Arbeitsfähigkeit, wobei in diesen Zeitraum allerdings der Aufenthalt in der Klinik Y.________ (vom 18. September bis zum 16. Oktober) fiel. Im Austrittsbericht dieser Klinik vom 27. Oktober 1996 wird eine hälftige Arbeitsfähigkeit ab 21. Oktober 1996 bescheinigt, der Arbeitsversuch musste aber bereits nach einem Tag abgebrochen werden. In der Folge konnte der Beschwerdeführer trotz grossem Einsatzwillen nicht zur Arbeit eingesetzt werden, ein Teileinsatz war auch aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Am 27. Februar 1997 legte SUVA-Kreisarzt Dr. L.________ die Arbeitsfähigkeit erneut auf 50 % fest, um dem Versicherten den Einstieg in den Arbeitsprozess zu erleichtern, was jedoch nicht gelang, und der Beschwerdeführer blieb über den Zeitpunkt des Einspracheentscheides hinaus ohne Arbeit. Sowohl im Gutachten des Dr. M.________ vom 23. Juni 1997 wie auch in der Expertise der MEDAS vom 9. Dezember 1999 wird für die bisherige Tätigkeit volle Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Der Beschwerdeführer war somit im Wesentlichen vom Unfallzeitpunkt bis zum Erlass des Einspracheentscheides immer mindestens zu 50 % arbeitsunfähig. Mit dem kantonalen Gericht ist deshalb das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit als gegeben anzunehmen, wobei dieses Merkmal sogar in einem besonderen Masse erfüllt ist. Auch wenn die unfallbezogenen Kriterien nach objektiven Massstäben zu prüfen sind, kann und darf berücksichtigt werden, dass eine lange Arbeitsunfähigkeit und das Scheitern mehrerer Arbeitsversuche einen leistungsorientierten Menschen in einem besonderen Masse belasten können. Wie den Gutachten und den sonstigen Unterlagen zu entnehmen ist, spielt die Arbeit im Selbstverständnis des Beschwerdeführers eine zentrale Rolle. Dr. M.________ spricht von einem "jungen, hochqualifizierten Spezialisten", der unbedingt wieder zur Arbeitsfähigkeit gebracht werden sollte. Die Arbeitgeberin attestiert dem Versicherten hervorragende Leistungen und bezeichnet ihn als richtigen "Chrampfer". Der psychiatrische Gutachter der MEDAS sodann weist darauf hin, dass die ängstliche und pessimistische Krankheitsverarbeitung dadurch erklärbar sei, dass der Versicherte sich stark auf seine eigene körperliche Leistungsfähigkeit abstützt und diese nun mit dem Unfall eingebüsst habe. Die beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit fällt unter den geschilderten Umständen auch bei objektiver Betrachtungsweise ganz besonders ins Gewicht. Ein schwieriger Heilungsverlauf ist insofern zu bejahen, als trotz verschiedener Therapien und eines Aufenthalts in der Klinik Y.________ die immer wieder erhoffte Besserung nicht eintraf. Eine solche Entwicklung kann die mittlerweile aufgetretene depressive Störung einleuchtend erscheinen lassen. Weil die massgebenden unfallbezogenen Kriterien einerseits in gehäufter Weise vorliegen und anderseits das Merkmal des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides vorhandenen Beschwerden mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu bejahen.