Citation: 9C_185/2022 E. 4.4

4.4. Im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt, in welchem die Chronifizierung vorliegend eingesetzt hat, rügt die Beschwerdeführerin zu Recht eine offensichtlich unrichtige Feststellung respektive Würdigung des Sachverhalts durch das kantonale Gericht: Wie sie korrekt vorbringt, wurde bereits im Urteil 9C_328/2021 vom 3. Januar 2022 festgehalten, dass gemäss Akten ab Februar 2017 von einer Chronizität gesprochen werde (E. 5.3.1 S. 7). Indem die Vorinstanz davon ausgegangen ist, dass noch im April 2017 (soweit lesbar) keine Rede von einer Chronifizierung gewesen sei (vorinstanzliche Erwägung 3.3 S. 9), hat sie den Sachverhalt auf offensichtlich unrichtiger Grundlage gewürdigt. Diese Würdigung ist daher durch das Bundesgericht zu korrigieren (E. 2.1 hiervor). In ihrer Vernehmlassung verweist die Mitinteressierte auf die Stellungnahme von Dr. med. D.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 8. Mai 2019. Darin geht die Fachärztin von einer Verschlechterung mit Datum der Wiederanmeldung oder spätestens seit Eintritt in die Klinik E.________ am 22. Mai 2017 aus. Dass im Zeitpunkt der Neuanmeldung vom 6. April 2017 überwiegend wahrscheinlich ein chronifizierter Gesundheitsschaden vorlag, erscheint mit Blick auf die Aktenlage nachvollziehbar. Hinsichtlich der Frage, wann die Chronifizierung überwiegend wahrscheinlich eingesetzt hat, enthält die RAD-Aktenbeurteilung jedoch keine schlüssige Begründung. Diesbezüglich sind die folgenden Arztberichte relevant: Im Bericht von Dr. med. F.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Februar 2017 wird zwar noch ein Bezug zu psychosozialen Belastungsfaktoren hergestellt, welche Ursache der damals schweren Dekompensation gewesen sein sollen. Es ist jedoch auch die Rede davon, dass das kumulative Kränkungserleben aktuell nicht verarbeitet werden könne. Es zeige sich eine Chronizität der psychischen Störung sowie der damit einhergehenden strukturellen Defizite; die Beschwerdeführerin erlebe sich in einer Sackgasse. Am 22. März 2017 sprach Dr. med. G.________ davon, dass trotz zwischenzeitlich etablierter medikamentös-antidepressiver Behandlung sowie einer hilfreich erlebten ambulanten tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und ergänzenden flankierenden sozialpsychiatrischen Unterstützung keine durchgreifende Stabilisierung und Verbesserung seit der letzten Entlassung aus der stationären Therapie (August 2016) gelungen sei. Die Chronifizierung hat mit Blick auf diese ärztlichen Einschätzungen überwiegend wahrscheinlich im Februar 2017 eingesetzt. Bei im Übrigen unbestrittenen Grundlagen ist entgegen der Schlussfolgerung des kantonalen Gerichts bereits ab Februar 2017 von der im IME-Gutachten attestierten Leistungseinschränkung von 50 % in leidensangepasster Tätigkeit auszugehen. Dies hat zur Folge, dass der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente - wie von der Vorinstanz richtigerweise festgestellt, unabhängig von der Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit - nicht erst am 1. Mai 2018 entsteht, sondern am 1. Februar 2018 (Art. 28 und 29 IVG).