Citation: 1E.25/1999 27.04.2000 E. 2.-

Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass sie ent- gegen der Voraussetzung gemäss Art. 41 Abs. 1 lit. b EntG die Auswirkungen der Erstellung der N1 habe voraussehen können, wie es die Schätzungskommission annimmt. Diese Frage kann hier offen bleiben. Denn die Vermögenseinbusse, welche die Beschwerdeführerin durch die Aufhebung der Baulinien erlitten hat, kann zum Vornherein nicht direkt auf die Er- stellung der N1 zurückgeführt werden. Vielmehr hängt sie davon ab, dass sich die Beschwerdeführerin seinerzeit keinen Ersatz zur Sicherung ihrer Kanäle verschaffte. Sie vermag nicht darzulegen, inwiefern die Erstellung der N1 der Absicherung eines Leitungsbaurechts entgegen gestanden wäre. Es braucht daher nicht geprüft zu werden, ob die Erstellung der N1 die Aufhebung der Baulinien tatsächlich erforderlich gemacht hätte. Die Genehmigung der Aufhebungs- beschlüsse durch den Regierungsrat des Kantons Zürich spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, da diese Behörde nur zu prüfen hatte, ob die (ersatzlose) Aufhebung der Bau- linien rechtmässig, nicht ob sie notwendig war. Die Stadt Zürich hat sich daher den von ihr gel- tend gemachten Schaden selber zuzuschreiben. Die Vermögens- einbusse, die sie durch die Aufhebung der Baulinien erlit- ten hat, ist mit anderen Worten freiwillig erfolgt. Mithin fehlt es für die Enteignungsentschädigung am Erfordernis des Schadens im Rechtssinne (zu diesem Erfordernis siehe Georg Müller, Kommentar zur BV 1874, N. 66 zu Art. 22ter; Enrico Riva, Hauptfragen der materiellen Enteignung, Bern 1990, S. 252). Als Schaden gilt nach allgemeinen Grund- sätzen die ungewollte, unfreiwillige Verminderung des Rein- vermögens (zum Schadensbegriff im Allgemeinen: BGE 116 II 441 E. 3a/aa S. 444; 115 II 72 E. 3a S. 74). Eine Ver- mögensminderung mit Willen des Vermögensträgers stellt dagegen grundsätzlich keinen Schaden dar ( Vito Roberto, Schadensrecht, Basel und Frankfurt a.M. 1997, S. 9; von Tuhr/Peter, OR I S. 84; Heinrich Honsell, Schweizerisches Haftpflichtrecht, 4. Aufl., S. 4 N. 26/27; Guhl/Merz/ Kummer, OR, 8. Aufl., S. 63; anders Oftinger/Stark, Haft- pflichtrecht, Bd. I, S. 72 N. 8, die entgegen der Vorauf- lage im Falle der Freiwilligkeit nicht den Schaden, sondern die Kausalität verneinen). Nur unter besonderen Umständen können freiwillige Vermögensdispositionen einen Schaden darstellen, etwa bei Aufwendungen zur Abwehr eines (wei- teren) Schadens ( Roberto, a.a.O., S. 9). Solche Umstände liegen hier nicht vor.