Citation: U 140/03 05.12.2003 E. 5

Frau Dr. med. M.________ in ihrem Bericht vom 17. Mai 2000 und PD Dr. med. U.________ im Gutachten des Spitals X.________ vom 19. Dezember 2000 haben sich ausführlich damit auseinandergesetzt, ob die beim Beschwerdeführer aufgetretenen gesundheitlichen Beschwerden, welche im Jahr 2000 zu einer Arbeitsunfähigkeit führten, auf einen Zeckenbiss zurückzuführen sind. Die Vorinstanz hat die beiden Berichte umfassend gewürdigt und es kann hier darauf verwiesen werden. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde werden keine Einwendungen gegen diese Beweiswürdigung erhoben, die nicht bereits vor der Vorinstanz vorgebracht worden sind. Dies betrifft insbesondere auch den zusätzlichen Bericht von Frau Dr. med. M.________ vom 9. Juni 2003. 5.1 Darin wird neu angemerkt, das Lymphadenoma cutis benignum sei beim Beschwerdeführer 1988, kurz bevor der Tinnitus eingesetzt habe, aufgetreten, was ein absolut spezifisches Symptom der Borreliose nach einem Zeckenbiss sei. Im ersten Bericht von Frau Dr. med. M.________ vom 17. Mai 2000 war der zeitliche Ablauf noch weniger präzise gefasst. Die Ärztin rapportierte - immer gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers - zunächst eine vorübergehende livid-rötliche Schwellung und Verhärtung am rechten Ohrläppchen 1988/89, die mehrere Wochen persistierte. In den Jahren 1988 bis 1991 trat links eine signifikante Hörverschlechterung, begleitet von Tinnitus, ein. Dr. med. S.________ bestätigte am 10. Januar 2000 gegenüber der Ärztin, dass ihm der Beschwerdeführer bereits 1989 wegen eines Tinnitus zugewiesen worden sei. Den Gutachtern des Spitals X.________ gab der Beschwerdeführer an, dass "ca. 1992" über ein paar Wochen eine schmerzhafte Rötung am rechten Ohrläppchen aufgetreten sei. Auf Grund dieser Abweichungen ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das von Frau Dr. med. M.________ diagnostizierte Lymphadenoma cutis benignum bereits vor dem 1989 von Dr. med. S.________ festgestellten Tinnitus aufgetreten ist. Dies kann jedoch aus den nachstehenden Gründen offen bleiben. 5.2 Für die Einschätzung der Gutachter des Spitals X.________ war wesentlich, dass sich in einer detaillierten Liquoranalyse keine pathologischen Befunde zeigten und insbesondere auch keine intrathekale Antikörper gegen Borrelia burgdorferi nachweisbar waren. Es ergaben sich für sie somit keine Anhaltspunkte für einen Befall des intrathekalen Kompartiments durch Borrelien. Sie stützten sich dabei auf die Ergebnisse der Liquoranalysen im Spital Y.________ (Liquorpunktion im Labor Z.________ vom 21. Februar 2000) und der Diagnostique Parasitaire des Zoologischen Instituts Q.________ vom Februar 2000. Frau Dr. med. M.________ erwähnte in ihrem ersten Bericht vom 17. Mai 2000, dass im Liquor keine spezifischen Borrelienantikörper nachgewiesen worden seien. Im zweiten Bericht vom 9. Juni 2003 äussert sie sich dazu nicht. 5.3 Nach Satz, Klinik der Lyme-Borreliose, 2. Auflage, Bern 2002, S. 184-186 gelingt der Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi im Liquor nicht in jedem Fall. Er hängt von verschiedenen Faktoren ab, so unter anderem von der Lokalisation der Läsion im Nervensystem (peripheres - zentrales Nervensystem), von der Dauer der Erkrankung, von der Ausdehnung und Intensität der Entzündung und wahrscheinlich auch von der Anzahl und der Aggressivität der Erreger selbst. Der Autor bezeichnet es als wahrscheinlich, dass ein nicht unerheblicher Teil der Antikörper in Immunkomplexen sequestriert ist und der Messung entgeht. Immerhin geht aus seinen Hinweisen hervor, dass der IgG-Antikörpertiter bei sämtlichen Patienten mit einer Krankheitsdauer von mehr als 6 Monaten, welche nach den "case definitions" der CDC (Centers for desease control) die Kriterien einer Neuroborreliose erfüllten, erhöht war. Auch beim Messverfahren durch den Borrelia-Antikörperindex gemäss der Formel von Reiber wurde bei allen 10 Patienten mit über sechsmonatiger Krankheitsdauer eine intrathekale Antikörperproduktion nachgewiesen. Der Autor führt weiter an, dass der direkte Nachweis von spezifischen Antikörpern sich neu auch mit dem Immunoblot-/Western-Blot-Verfahren erbringen lasse, wobei die diagnostische Auswertung dieser Befunde bisher in der Wissenschaft wenig Eingang gefunden habe. Aus seinen Ausführungen ist aber zu schliessen, dass er diese Methode als feiner einstuft als die bisherigen Methoden, was seines Erachtens auch für die ELISA-Capture-Methode für den Nachweis einer intrathekalen Antikörpersynthese gegen borrelia burgdorferi gilt. 5.4 Diese Hinweise bieten keinen Anlass zu Zweifeln daran, dass die Einschätzung der Gutachter des Spitals X.________, die wesentlich darauf abstützte, dass sich in einer detaillierten Liquoranalyse keine pathologischen Befunde zeigten und insbesondere auch keine intrathekale Antikörper gegen Borrelia burgdorferi nachweisbar waren, richtig ist. Nach den Ausführungen von Frau Dr. med. M.________ soll der von ihr rapportierte zweite Schub der Lyme-Borreliose beim Beschwerdeführer im Sommer 1999 ausgebrochen sein, womit bei der Liquorpunktion im Februar 2000 die 6-Monats-Frist, nach der bei den bisherigen Verfahren bei einer Borreliose regelmässig intrathekale Antikörper nachgewiesen wurden, bereits erreicht war. Sogar bei der von Satz als feiner bezeichneten, beim Beschwerdeführer angewandten Methoden fanden sich beim Liquoruntersuch keine positiven Ergebnisse. Das Zoologische Institut Q.________ fand im Liquor nach den Methoden Western-Blot und ELISA nur negative Ergebnisse und stellte keine Evidenz für den Kontakt mit Erregern der Lyme-Borreliose fest. 5.5 Dem Gutachten des Spitals X.________ ist nicht nur - aber auch - der Vorzug zu geben, weil es auf Grund interdisziplinärer Untersuchungen auf universitärer Ebene erarbeitet worden ist und somit die Meinungen verschiedener Fachärzte in die Beurteilung einfliessen konnten. Demgegenüber basiert der Bericht von Frau Dr. med. M.________ vom 17. Mai 2000 einzig auf ihren eigenen Untersuchungen. Das Gutachten des Spitals X.________ setzt sich mit diesem Bericht auseinander und begründet nachvollziehbar, weshalb die vom Beschwerdeführer geklagten Leiden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine Borreliose-Erkrankung zurückzuführen sind, und es bietet Erklärungsansätze für unfallfremde Ursachen an, deren Klärung jedoch nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist. Unter den gegebenen Umständen ist keine zusätzliche medizinische Abklärung vorzunehmen. In Würdigung der gesamten Umstände ist ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den gesundheitlichen Störungen des Beschwerdeführers und dem gemeldeten Unfallereignis nicht als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten.