Citation: U 157/06 19.12.2006 E. 4

4.1 Das kantonale Gericht hat erwogen, das Platzen beim Füllen des älteren Modells mit einem Druck, den nur das neuere Modell aushalte, sei eine zwangsläufige Folge. Gewissermassen sei eine Überdosis Luft für die Ballonruptur und die entsprechenden Folgen verantwortlich. Der Irrtum des behandelnden Arztes, ein in Gastroentorologie versierter Spezialist, über die Druckbeständigkeit resp. die Überdosierung des Drucks des zweiten, geplatzen Ballons stelle keine leichte, dem medizinisch Geläufigen entsprechende Abweichung dar, sei sogar der Kategorie der Grobfahrlässigkeit zuzuordnen. Soweit die SUVA u.a. geltend mache, es sei aus den Akten nicht ersichtlich, ob tatsächlich das Platzen des Ballons zur Perforierung des Darms geführt habe, präsentierte sich zwar die Aktenlage diesbezüglich dünn. Trotzdem könne jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass ein plötzlicher erheblicher Druckanstieg im Darmtrakt zu dessen Perforierung geführt habe. Ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen der Ballonruptur und der Darmperforation sei somit zu bejahen. Der Unfallbegriff nach Art. 4 ATSG sei erfüllt. 4.2 Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde führende SUVA hält dagegen: Selbst wenn die Darmperforation nach Aufblähung des dritten Ballons entstanden wäre, müsste dieser ärztlichen Manipulation jede rechtliche Relevanz für die Fallbeurteilung abgesprochen werden. Das Kriterium der Aussergewöhnlichkeit sei nur dann von Bedeutung, wenn auch die übrigen Merkmale des Unfallbegriffs nachgewiesenermassen vorlägen. Dies treffe indessen nicht zu. Insbesondere sei der Beweis nicht erbracht, dass ein äusserer Faktor für die Darmperforation ursächlich gewesen sei. Mögliche Ursachen seien auch eine normale Komplikation im Rahmen des Spontanverlaufs der Grundkrankheit (Status nach laparoskopischer Rektosigmoidresektion bei Divertikulitis perforata) oder ärztliches Verhalten lege artis. Gemäss Dr. med. B.________ sei nicht auszuschliessen, dass die fachgemässe Einführung und Handhabung der beiden ersten Ballone des Typs «CRETM» die Darmperforation bewirkten. Dass die Manipulationen mit dem dritten Ballon die Darmperforation hervorgerufen haben könnten, sei wenig(er) wahrscheinlich. Dagegen sprächen sowohl die physikalischen Grundsätze, als auch die allgemeine Lebenserfahrung. Gemäss Dr. med. B.________ stelle sich beim Platzen eines Dilatationsballons im Sinne einer Impression ein abrupter Druckabfall ein. Dabei würden keine gröberen als bloss zarte Membranfetzen weggeschleudert, die der Darmwand aber nichts anhaben könnten. Weiter hätten die beiden ersten bis zu einem Druck von 7 atm aufgeblähten Dilatationsballone während rund vier Minuten auf die Darmwand eingewirkt und diese auseinandergezogen. Es leuchte selbst einem Laien ein, dass mit 7 atm aufgeblähte Ballone weit stärker auf die sie umgebende Darmwand einwirken als ein Ballon, der lediglich für 1,7 atm ausgelegt sei. Eine Darmwand unter hohem Belastungsdruck perforiere nun aber eher als unter niedrigem Belastungsdruck. Es bestehe somit eine nicht wegzudiskutierende Unklarheit darüber, ob überhaupt ein ungewöhnlicher äusserer Faktor gegeben sei und ob - selbst wenn das zu bejahen wäre - überhaupt diesem Faktor eine schädigende Einwirkung zuzurechnen sei. Unter diesen Umständen scheide eine zuverlässige Beurteilung der Kausalitätsfrage von vorneherein aus. Mangle es aber am Erfordernis des überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhangs, entfalle eine Leistungspflicht der SUVA für die gesundheitlichen und erwerblichen Folgen des ileo-coloskopischen Eingriffs vom 29. August 2003.