Citation: 6B_518/2023 E. 2.4.2

2.4.2. Die Einholung eines rechtsmedizinischen Gutachtens war vorliegend nicht erforderlich. Dass sich die Vorinstanz bei ihrer Beurteilung auf keine Fachliteratur beruft, führt nicht zur Gutheissung der Beschwerde in diesem Punkt. Weder legt der Beschwerdeführer dar noch ist ersichtlich, dass die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz zu seiner Schuldfähigkeit eindeutig unzutreffend sind und der angefochtene Entscheid auf einer schlechterdings unhaltbaren Beweiswürdigung beruht (vgl. oben E. 1). Die Vorinstanz führt den von diversen mit dem Beschwerdeführer befassten Ärzten und Psychotherapeuten geäusserten Verdacht auf eine Störung aus dem schizophrenen Formenkreis auf die Verschlechterung seines psychischen Zustands aufgrund des Haftregimes im Verlaufe seiner Inhaftierung zurück. Diese sei in der Zwischenzeit im Wesentlichen behoben. Zu diesem Schluss gelangt sie einerseits unter Berücksichtigung der Angaben des Beschwerdeführers. Dem Beschwerdeführer ist insofern beizupflichten, dass seine Verhandlungsfähigkeit und sein Aussageverhalten vor der Erst- wie auch der Vorinstanz von untergeordneter Bedeutung sind, zumal bei der Frage der Begutachtung der Zustand im jeweiligen Tatzeitpunkt im Fokus steht. Andererseits argumentiert die Vorinstanz mit der von der Verteidigung eingereichten "Vorprüfung relevanter Arztakten" durch Prof. Dr. med. E.________ vom 23. Februar 2021. Die Vorinstanz verweist auf die darin enthaltenen Ausführungen zum IV-Gutachten, gemäss welchem sich eine paranoide Symptomatik in der Untersuchung nicht habe verifizieren lassen und die Entscheidungs- sowie Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers im Wesentlichen gegeben sei. Des Weiteren sehe man keine schwer gestörte Persönlichkeitsstruktur. Ob sich bei diesem ausserstrafrechtlichen Gutachten die selben, wie vorliegend relevanten, Fragen stellten und sich dieses namentlich zu den in diesem Strafverfahren zu beurteilenden Delikten äussert (vgl. Urwyler/Endrass/Hachtel/Graf, Handbuch Strafrecht, Psychiatrie, Psychologie, 2022, N. 612 f. und N. 1524 f.), geht aus dem angefochtenen Urteil nicht hervor. Darauf kann deshalb nicht a priori abgestellt werden. Dass der Beschwerdeführer anlässlich der Berufungsverhandlung nicht habe angeben können, ob inzwischen eine schwere psychische Störung bei ihm diagnostiziert worden sei, und die Vorinstanz dies im Rahmen der gesamten Umstände würdigt, steht dem Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 6 StPO; oben E. 2.2.7) nicht entgegen. Zu vergegenwärtigen ist, dass es sich bei den vorhandenen fachlichen Einschätzungen und Empfehlungen in Bezug auf die Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis um einen - soweit ersichtlich - erstmals im Nachgang zur stationären Krisenintervention nach der Inhaftierung geäusserten, nicht näher spezifizierten Verdacht handelt. Nach dem Gesagten erweist sich der vorinstanzliche Schluss nicht als unhaltbar. Die Vorinstanz berücksichtigt richtigerweise die konkreten Tatumstände (vgl. Urteil 6B_1186/2019 vom 9. April 2020 E. 1.4 mit Hinweis; oben E. 2.2.3). Insbesondere stellt die Vorinstanz keine Widersprüche zwischen der Tat und der Täterpersönlichkeit des Beschwerdeführers oder ein völlig unübliches Verhalten seinerseits fest. Zudem erachtet sie den Realitätsbezug als erhalten. Dies stellt der Beschwerdeführer nicht in Abrede. Nach der ihm obliegenden Substantiierungspflicht (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG) ist es nicht ausreichend, (pauschal) die Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen seiner Deliktsbegehung sowie seinem Drogenkonsum und/oder allfälliger psychischer Beeinträchtigungen in den Raum zu stellen. Ebenso wenig genügt, seine Sicht der Dinge den vorinstanzlichen Feststellungen gegenüberzustellen bzw. diese als Mutmassungen zu bezeichnen. Die (pauschale) Möglichkeit eines entsprechenden Zusammenhangs führt nicht per se zu einer Begutachtungspflicht. Die Vorinstanz setzt sich korrekterweise mit der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Beschwerdeführers auseinander (vgl. Urwyler/Endrass/Hachtel/Graf, a.a.O., N. 1508) und bejaht diese überzeugend. Sie geht auf die Tathandlungen des Beschwerdeführers ein und schreibt ihm nachvollziehbar eine verantwortungsvolle Aufgabe für den reibungslosen Ablauf der Einbruchsdiebstähle sowie sowohl kognitive als auch intellektuelle Fähigkeiten zu. Ebenso weist sie zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer nicht nur in Mittäterschaft, sondern auch ohne weitere Tatbeteiligte diverse Male straffällig wurde. Ausserdem manifestierte er mit seinem Nachtatverhalten, sich seiner Schuld vollumfänglich bewusst zu sein. So tauchte er während knapp sechs Monaten unter, gab er die Mobiltelefonnummer einer nicht existenten Person an und versteckte er sich vor der Polizei. Er stellte sich auch keineswegs freiwillig, wie er vorbrachte. Die Vorinstanz befasst sich des Weiteren mit seinen Aussagen, ohne dabei in Willkür zu verfallen. Ins Gewicht fällt überdies die langjährige Delinquenz - die (hohe) Anzahl der Delikte wie auch die teilweise einschlägigen Vortaten. Mit der Vorinstanz delinquierte der Beschwerdeführer nicht erst seit dem Vorfall im Jahre 2015. Als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas waren bei ihm gemäss erstelltem Sachverhalt neuropsychologische Funktionen eingeschränkt, nicht aber psychische Folgen attestiert worden. Im Übrigen beging der Beschwerdeführer die Diebstähle, um seinen Drogenkonsum teilweise zu finanzieren. Dass dies der ausschlaggebende Grund war, stellt die Vorinstanz weder fest noch macht dies der Beschwerdeführer geltend. Dass sich die Geistesverfassung des Beschwerdeführers angesichts der konkreten Umstände in hohem Masse im Bereich des Abnormen befunden haben soll, drängt sich nicht geradezu auf. Im Ergebnis ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz keine ernsthaften Zweifel hinsichtlich der vollen Schuldfähigkeit erkennt. Insgesamt ist die ausgebliebene Einholung eines entsprechenden psychiatrischen Gutachtens mit Bundesrecht vereinbar.