Citation: 5A_957/2014 E. 3.5.2

3.5.2. Eine nacheheliche Unterhaltspflicht setzt voraus, dass eine Ehe die finanzielle Situation des unterhaltsberechtigten Ehegatten direkt geprägt hat ("lebensprägende Ehe"). Hat eine Ehe bis zum Trennungszeitpunkt mindestens 10 Jahre gedauert, ist grundsätzlich von einer Lebensprägung auszugehen (BGE 137 III 102 E. 4.1.2 S. 105; 132 III 598 E. 9.2 S. 600 f.). Unabhängig von ihrer Dauer liegt sodann unter anderem eine Lebensprägung vor, wenn aus der Ehe gemeinsame Kinder hervorgegangen sind (BGE 135 III 59 E. 4.1 S. 61). Eine solche Ehe führt aber nicht automatisch zu einem Unterhaltsanspruch: Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung geniesst der Grundsatz der Eigenversorgung gegenüber dem Unterhaltsanspruch Vorrang, was sich direkt aus Art. 125 ZGB ergibt; nur dann und insoweit hat ein Ehegatte gegenüber dem anderen einen Unterhaltsanspruch, als er seinen gebührenden Unterhalt nicht aus eigener Kraft zu decken vermag und der andere Teil leistungsfähig ist (BGE 137 III 102 E. 4.1.2 S. 105 mit Hinweis).