Citation: 5C.26/2000 04.04.2001 E. 3

3.- Auch die Beklagte 3 rügt eine Verletzung von Art. 60 sowie zusätzlich von Art. 137 OR. Die Vorinstanz habe zu Unrecht angenommen, die Klägerin habe den Schaden erst nach Vorliegen des Gutachtens der Esslinger AG vom 2. Dezember 1992 gekannt, so dass die relative Verjährungsfrist erst dannzumal zu laufen begonnen habe. Was die Beklagte 3 mit dem Vorbringen bezweckt, es könne keine Rolle spielen, ob sich der gerichtliche Gutachter - wie die Vorinstanz im entsprechenden Zusammenhang festhält - auf dieses Gutachten stützte, ist nicht nachvollziehbar. Die Vorinstanz hat nicht dies als massgeblich erachtet, sondern sie hat ihre Auffassung damit begründet, dass die Beklagte 3 mit Ausnahme des Schreibens des unbeschränkt haftenden Gesellschafters der Klägerin vom 10. Juni 1988, das zum entsprechenden Beweis indessen nicht tauge, keine Umstände nenne, aufgrund derer von einer früheren Schadenskenntnis der Klägerin auszugehen sei. Diesbezüglich macht die Beklagte 3 nun geltend, die durch die Bautätigkeit der Beklagten 1 und 2 verursachte Rissbildung sei Mitte 1984 bereits abgeschlossen gewesen. Die Klägerin habe mit Schreiben vom 10. Juni 1988 ihre Ansprüche gegenüber der Beklagten 3 angemeldet; damals seien ihr sowohl die potentiellen Schädiger als auch das ungefähre Ausmass des Schadens bekannt gewesen. Dieser Meinung sei auch die Klägerin gewesen, habe sie doch per 28. August 1989 eine Verjährungsverzichtserklärung von der Beklagten 3 eingeholt. Zumindest hätte die Klägerin im Juni 1988 eine genügende Kenntnis des Schadens haben können und müssen. Sie hätte bereits 1988 ein Gutachten über die Schadensverursachung erstellen lassen können. Fest stehe, dass sie spätestens nach Erstellung des Gutachtens durch die Dr. Heinrich Jäckli AG vom Oktober [recte: Mai] 1991 genügende Kenntnis vom Schaden gehabt habe. Es könne nicht angehen, dass der Geschädigte es in der Hand habe, den Beginn des Verjährungslaufes durch Hinauszögern der Schadensabklärung um Jahre hinauszuschieben. Dies widerspreche der Intention des Gesetzgebers, der durch kurze Verjährungsfristen den Geschädigten zwingen wolle, seine Ansprüche beförderlich zu verfolgen. Die Ansprüche gegenüber der Beklagten 3 seien somit ebenfalls verjährt. a) Nach der Rechtsprechung hat der Geschädigte hinsichtlich der relativen Verjährungsfrist gemäss Art. 60 Abs. 1 OR genügende Kenntnis vom Schaden, wenn er den Schadenseintritt, die Art und den ungefähren Umfang der Schädigung kennt und zur Formulierung einer Klage mit Begehren und Begründung in der Lage ist (BGE 96 II 39 E. 2a S. 41; 111 II 55 E. 3a S. 57 f.; 112 II 118 E. 4 S. 123; 114 II 253 E. 2a S. 256). Massgebend ist die tatsächliche Kenntnis des Schadens und nicht der Zeitpunkt, in dem der Geschädigte bei gehöriger Aufmerksamkeit davon hätte Kenntnis erlangen können (BGE 109 II 433 E. 2 S. 434 f.; 111 II 55 E. 3a S. 57 f.). Kennt der Geschädigte jedoch die wesentlichen Elemente des Schadens, so kann von ihm erwartet werden, dass er sich die weiteren Informationen beschafft, die für die Erhebung einer Klage notwendig sind (BGE 109 II 433 E. 2 S. 435). Bei Sachbeschädigungen erlangt der Geschädigte, der die Sache ohne Verzug reparieren lässt, im Regelfall erst mit Erhalt der Reparaturrechnung genügende Kenntnis vom Umfang des Schadens (BGE 111 II 55 E. 3a S. 58 f.). Lässt der Geschädigte die Sache nicht rasch reparieren, so hat er dann genügende Kenntnis vom Schaden, wenn er durch eine zuverlässige Expertise, einen genügend präzisen Kostenvoranschlag oder auf andere Weise den Umfang des Schadens abschätzen kann (BGE 111 II 55 E. 3a S. 58). Er braucht freilich nicht zu wissen, wie hoch der Schaden zu beziffern ist, sieht doch Art. 42 Abs. 2 OR vor, dass der nicht ziffernmässig nachweisbare Schaden nach richterlichem Ermessen mit Rücksicht auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge und auf die vom Geschädigten getroffenen Massnahmen abzuschätzen ist (BGE 111 II 55 E. 3a S. 57; 114 II 253 E. 2a S. 256). In Anbetracht der Kürze der Verjährungsfrist dürfen bezüglich der Möglichkeit der Abschätzung des Schadensumfanges an den Geschädigten keine strengen Anforderungen gestellt werden; es ist ihm je nach den konkreten Umständen eine angemessene Zeitspanne zuzugestehen, in der er selber oder durch einen Fachmann das Ausmass des Schadens abklären kann (BGE 96 II 39 E. 2a S. 41; 111 II 55 E. 3a S. 57). b) Als die Klägerin 1988 erstmals die Rissbildung an ihren Gebäuden feststellte, verfügte sie nicht über ausreichende Kenntnisse, um den Beginn der relativen Verjährungsfrist im Sinne von Art. 60 Abs. 1 OR auszulösen. Vielmehr setzt rechtsgenügende Schadenskenntnis voraus, dass sich der Schaden quantitativ zumindest in groben Zügen bemessen lässt, was bei schwerwiegenden Gebäudeschäden regelmässig den Beizug eines Fachmannes bzw. die Einholung eines Gutachtens bedingt. Der Vorinstanz ist darin zuzustimmen, dass die Klägerin angesichts der Komplexität des Schadensbildes erst nach Ausarbeitung des Gutachtens Esslinger die wesentlichen Elemente des Schadens kennen konnte. Daran vermag nichts zu ändern, dass die Beklagte 3 bereits mit Schreiben vom 10. Juni 1988 auf das Auftreten von Rissen hingewiesen worden ist, da der Klägerin über das finanzielle Ausmass des Schadens zu diesem Zeitpunkt nach vorinstanzlicher Feststellung noch kaum etwas bekannt war. In Anbetracht der Komplexität der in Frage stehenden Schäden war ihr auch nicht zuzumuten, eine Klage unter Hinweis auf Art. 42 Abs. 2 OR anzuheben, ohne die wesentlichen Schadenselemente wenigstens in den Grundzügen zu kennen. Dem angefochtenen Urteil lassen sich auch keine Umstände entnehmen, die den Vorwurf begründeten, die Klägerin sei ungebührlich lange untätig geblieben und habe sich um die Schadensermittlung nicht gekümmert. Dass die Klägerin bereits ab August 1989 Verjährungsverzichtserklärungen eingeholt hatte, ist für die Frage, ob ihre damalige Schadenskenntnis den Anforderungen von Art. 60 Abs. 1 OR genügte, unerheblich. Soweit die Beklagte 3 geltend machen will, die Vorinstanz hätte aus diesem Grund von einer umfassenderen Schadenskenntnis ausgehen müssen, kritisiert sie deren Beweiswürdigung, was im Berufungsverfahren nicht zulässig ist (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 120 II 97 E. 2b S. 99; 125 III 78 E. 3a S. 79 mit Hinweisen). Unbehelflich ist in diesem Zusammenhang schliesslich auch der Hinweis der Beklagten 3 auf das Gutachten der Dr. Heinrich Jäckli AG vom Oktober [recte: Mai] 1991. Dem angefochtenen Urteil lässt sich entnehmen, dass der Vorinstanz dieses Gutachten bekannt war; dennoch hat sie es offenbar nicht als ausreichend schlüssig erachtet, um hieraus auf eine ausreichende Schadenskenntnis der Klägerin zu schliessen. Soweit die Beklagte 3 dies beanstanden will, übersieht sie wiederum, dass ihr Vorhalt eine im Berufungsverfahren unzulässige Kritik an der vorinstanzlichen Beweiswürdigung darstellt. c) Die Beklagte 3 rügt überdies, der Vorinstanz sei ein offenbares Versehen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG unterlaufen, indem sie festgehalten habe, die Beklagte 3 habe ab 1989 fortlaufend auf die Einrede der Verjährung verzichtet. Diese Annahme finde in den Akten keine Stütze; dokumentiert sei ein Verjährungsverzicht lediglich für die Zeit vom 28. August 1989 bis zum 31. August 1990, weil weitere Erklärungen nicht existierten und von der Klägerin auch nicht verlangt worden seien. Somit sei der klägerische Anspruch im Zeitpunkt der Betreibungseinleitung am 16. Juni 1993 verjährt gewesen. Da entgegen den Annahmen der Beklagten 3 davon auszugehen ist, dass die Klägerin erstmals bei Vorliegen des Berichts Esslinger vom 2. Dezember 1992 Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 60 Abs. 1 OR erhielt, ist die Frage allfälliger Verjährungsverzichtserklärungen nicht von Belang, war doch bei dieser Sachlage am 16. Juni 1993 die einjährige Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen. Auf die Versehensrüge ist daher mangels Entscheidrelevanz nicht einzutreten.