Citation: 2C_647/2023 E. 8.6.2

8.6.2. Wenn der Gesetzgeber die Ausnahmetatbestände von Art. 64 Abs. 1 lit. a-g BGBB im Sinn eines Rechtsanspruchs ausgestaltet, ist es naheliegend, bei Nichterfüllen der Anspruchsvoraussetzungen spiegelbildlich einen Bewilligungsanspruch auszuschliessen. Aus gesetzessystematischen Überlegungen kann ein Sachverhalt, der unter die Ausnahmetatbestände von Art. 64 Abs. 1 lit. a-g BGBB fällt, ohne die im Gesetz verankerten Voraussetzungen zu erfüllen, nicht mehr gestützt auf die Generalklausel in Art. 64 Abs. 1 BGBB bewilligt werden. Ansonsten könnte der Ausnahmekatalog über die Generalklausel umgangen werden (STALDER / BANDLI, a.a.O., N. 8a zu Art. 64 BGBB; in diesem Sinn auch Urteil 2C_157/2017 vom 12. September 2017 E. 4.3; vgl. ferner DONZALLAZ, Commentaire, N. 577 f.). Anders verhält es sich, wenn ein bewilligungspflichtiger Sachverhalt ausserhalb des Regelungsbereichs von Art. 64 Abs. 1 lit. a-g BGBB liegt. Ein gesetzlich nicht geregelter Sachverhalt kann ohne weiteres im Licht der Generalklausel beurteilt werden (vgl. Urteil 5A.22/2002 vom 7. Februar 2003 E. 3.1; STALDER / BANDLI, a.a.O., N. 8a zu Art. 64 BGBB).