Citation: 1P.528/2004 03.12.2004 E. 2

2.1 Der Beschwerdeführer wurde vor Obergericht u. a. durch Fürsprecher Jäger vertreten. Am 4. Mai 2004 teilte indessen Rechtsanwalt B.________ dem Obergericht mit, der Beschwerdeführer habe ihn mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt. Das begründete Urteil sei ihm zuzustellen. Gleichzeitig reichte er eine vom Beschwerdeführer am 23. April 2004 unterzeichnete Vollmacht ein. Diese galt für den "Strafvollzug", die "Strafsache/Mandatswechsel/Aufenthalt" und "als Mandatsentzug gegenüber früher RV". Rechtsanwalt B.________ nahm den begründeten Entscheid des Obergerichts am 8. Juni 2004 entgegen. Anlässlich eines Telefongespräches in einer anderen Sache bestätigte Fürsprecher Jäger am 30. Juni 2004 auf Nachfrage des Obergerichts hin, dass der Beschwerdeführer zwar Rechtsanwalt B.________ bevollmächtigt, das Mandat bei ihm jedoch beibehalten habe. Er sei vollumfänglich für den Beschwerdeführer zuständig. Das Obergericht stellte daraufhin das begründete Urteil auch Fürsprecher Jäger per Gerichtsurkunde zu. 2.2 Mit der am 4. Mai 2004 eingereichten Vollmacht vom 23. April 2004 wurde dem Obergericht nicht nur die Beauftragung von Rechtsanwalt B.________, sondern auch der Mandatsentzug gegenüber Fürsprecher Jäger mitgeteilt. Ab diesem Zeitpunkt war für das Obergericht einzig Rechtsanwalt B.________ vertretungsberechtigt. Gemäss Art. 89 Abs. 1 StrV galt demnach das Urteil mit der Zustellung am 8. Juni 2004 an den vom Beschwerdeführer frei gewählten Anwalt als eröffnet. Dieser Tag war für den Beginn der 30-tägigen Rechtsmittelfrist von Art. 89 Abs. 1 OG massgebend. Die am 15. September 2004 erhobene staatsrechtliche Beschwerde erfolgte nach Ablauf der Beschwerdefrist, weshalb darauf nicht einzutreten ist. 2.3 Der von Fürsprecher Jäger angerufene Grundsatz von Treu und Glauben und das Willkürverbot (Art. 5 Abs. 3 und 9 BV) rechtfertigen nicht, dass die Beschwerdefrist wiederhergestellt oder dass auf die Beschwerde eingetreten würde. Der Beschwerdeführer wusste, dass er Rechtsanwalt B.________ am 23. April 2004 mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt und den bisherigen Verteidigern das Mandat entzogen hatte. Gemäss seinen Ausführungen habe er Fürsprecher A.________ am 17. Mai 2004 erklärt, er bereue es, einen anderen Rechtsanwalt mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt zu haben und wolle weiterhin durch ihn bzw. Fürsprecher Jäger vertreten werden. Dieser erneute Verteidigerwechsel wurde dem Obergericht jedoch nicht mitgeteilt. In den Akten ist jedenfalls keine entsprechende Benachrichtigung enthalten und der Beschwerdeführer macht eine solche auch nicht geltend. Das Obergericht eröffnete deshalb das Urteil folgerichtig dem bevollmächtigten Verteidiger, Rechtsanwalt B.________. Fürsprecher Jäger wusste von der Mandatierung von Rechtsanwalt B.________. Die spätere Zustellung des begründeten Entscheides an Fürsprecher Jäger war deshalb nicht geeignet, nochmals eine Beschwerdefrist auszulösen. Es liegt demnach weder eine mangelhafte Eröffnung vor noch besteht Anlass, das Fristversäumnis zu entschuldigen oder die Zustellung vom 16. August 2004 als fristauslösend zu betrachten.