Citation: 1C_511/2021 E. 3.3.2

3.3.2. Nicht gefolgt werden kann weiter dem Argument der Beschwerdeführenden, auf dem X.________weg und auf der Strasse Hof Y.________ bestehe eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, weshalb gemäss der VSS-Norm 640 201 (Geometrisches Normalprofil: Grundabmessungen und Lichtraumprofil der Verkehrsteilnehmer) eine Strassenbreite von 5 m bis 5,7 m erforderlich sei. Es trifft zwar zu, dass auf den genannten Strassen eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gilt. Die Vorinstanz hält diesbezüglich aber fest, aufgrund der örtlichen Verhältnisse bzw. der Struktur und Ausgestaltung der Strasse, namentlich der vielen Kurven, Einmündungen und Hausvorplätze, könne auf dem X.________weg bzw. der Strasse Hof Y.________ ohnehin nicht 50 km/h gefahren werden. Es sei daher von einer reduzierten Geschwindigkeit von 30 km/h auszugehen, womit gemäss VSS-Norm 640 201 eine lichte Breite von 4,8 m erforderlich sei. Diese Ausführungen sind angesichts der aktenkundigen Unterlagen und Fotos nicht zu beanstanden. Dies gilt umso mehr, als sich auch aus der Logik der VSS-Norm 640 201 ergibt, dass für die Berechnung der Mindestbreite einer Strasse nicht auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit, sondern auf die maximale Geschwindigkeit abgestellt werden muss, mit der die Verkehrsteilnehmenden tatsächlich unterwegs sind. Dass vorliegend aufgrund der konkreten Gegebenheiten (Struktur der Strasse, angepasste Geschwindigkeit) von der vorgeschriebenen Mindeststrassenbreite, welche die VSS-Normen bei einer Zufahrtsstrasse mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h vorsehen, abgewichen wurde, stellt sodann keine willkürliche Anwendung des kantonalen bzw. kommunalen Rechts dar. Soweit die Beschwerdeführenden auf § 7 Abs. 1 V GSW/Zug und das Strassenreglement der Gemeinde Baar verweisen, vermögen sie daraus jedenfalls nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Diesen Bestimmungen lässt sich einzig entnehmen, dass die VSS-Normen "wegleitend" sind (§ 7 Abs. 1 V GSW/Zug) und Strassen "in der Regel" danach zu projektieren und zu erstellen sind (Art. 17 Abs. 1 Strassenreglement). Eine zwingende Anwendung der VSS-Normen schreiben sie hingegen nicht vor. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kommt den kantonalen bzw. kommunalen Behörden bei der Erschliessungsfrage zudem ein erhebliches Ermessen zu, die konkreten Umstände bzw. die Verhältnisse des Einzelfalls zu berücksichtigen (vgl. Urteil 1C_175/2018 vom 7. März 2019 E. 3.1). Eine Verletzung dieses Ermessens ist vorliegend weder ersichtlich noch von den Beschwerdeführenden rechtsgenüglich dargetan. Die Abweichung von der gemäss VSS-Norm grundsätzlich vorgeschriebenen Strassenbreite für Zufahrtsstrassen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h ist hinreichend begründet und verletzt weder Bundesrecht noch liegt eine willkürliche Anwendung von kantonalem bzw. kommunalem Recht vor (vgl. E. 1.3 hiervor). Die Rüge ist unbegründet.