Citation: 1C_401/2020 E. 6.1

6.1. Info Habitat geht davon aus, dass die vorgesehenen Restwassermengen dem heutigen Gewässercharakter eines dynamischen Wildbachs nicht gerecht werden und zu einer massiven Veränderung der Lebensgemeinschaft und der schützenswerten Lebensräume führen würden. Leuctra schmidi sei eine kälteliebende Art, die durch Gewässererwärmungen infolge des Klimawandels und in Hitzesommern besonders gefährdet sei. Durch die Reduktion der Abflussmenge erwärme sich das Gewässer im Sommer schneller und im Winter drohe ein Zufrieren des Bachbettes. Zwar werde aktuell durch die Gletscher- und Schneeschmelze bis Mitte/Ende Juni ein nicht genutzter Überschuss generiert, wodurch sich die effektive Restwassermenge erhöhe und die Mindestrestwassermenge von 19 l/s erst ab Mitte Juli und im August erreicht werde. Dies könne sich jedoch infolge der Klimaerwärmung (Gletscherrückgang, geringere Schneemassen) künftig ändern. Die vorgeschlagene Restwassermenge sei so gering, dass eine Erwärmung des Wassers oder gar eine Austrocknung des Gerinnes nicht auszuschliessen sei; dies würde zu einer massiven Reduktion oder gar zum Verlust der benthischen Gemeinschaft (d.h. der am Grund des Gewässers lebenden wirbellosen Wassertiere) führen. Ob und wie stark eine Erwärmung oder eine Austrocknung tatsächlich stattfinde, sei jedoch von der Lufttemperatur, der Beschattung, der Fliessgeschwindigkeit, der Abflussmenge und der Gerinnebeschaffenheit abhängig. Zum Risiko der Kolmation wird ausgeführt, dass die Feinsedimentablagerung aufgrund des mehrheitlich starken Gefälles wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle spiele; relevant sei jedoch der Einfluss von Spülungen des Entsanders; dazu fehlten in den Unterlagen Informationen (Häufigkeit, Zeitpunkt und Sedimentmenge).