Citation: 5A_741/2022 E. 3.3.2

3.3.2. Der Anwaltstarif definiere die vermögensrechtlichen Streitsachen im Bereich des Familienrechts autonom. Bei der Zuteilung der elterlichen Sorge und der Festsetzung der Kindesunterhaltsbeiträge handle es sich um nicht vermögensrechtliche Streitsachen (§ 3 Abs. 1 lit. b und d Satz 2 AnwT). Beim vom Beschwerdegegner geforderten Betrag von Fr. 9'550.-- handle es sich um einen güterrechtlichen Anspruch im Sinne von § 3 Abs. 1 lit. d Satz 2 AnwT, der als vermögensrechtliche Streitsache gelte. Der Beschwerdegegner habe den Anspruch damit begründet, dass die Kindsmutter bei ihrem Auszug Geld vom gemeinsamen Konto abgehoben habe. Der Anspruch der Kindsmutter über Fr. 71'240.42 setze sich hingegen einzig aus den im Scheidungszeitpunkt unbezahlt gebliebenen Unterhaltsbeiträgen gemäss Eheschutzurteil zusammen. Diese seien gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Auflösung des Güterstandes als gegenseitige Schulden im Sinne von Art. 205 Abs. 3 ZGB in die Abrechnung einzubeziehen und führten zu einem güterrechtlichen Anspruch. Dieser finde seinen Ursprung jedoch in den mit Eheschutzurteil festgesetzten Unterhaltsbeiträgen, weshalb es sachgerecht erscheine, ihn gleich wie die Festsetzung familienrechtlicher Unterhaltsbeiträge als nicht vermögensrechtliche Streitsache gemäss § 3 Abs. 1 lit. d Satz 1 AnwT zu qualifizieren.