Citation: 6B_1087/2020 E. 3.3.3

3.3.3. Was das Handeln unter einer grossen seelischen Belastung betrifft, erwog die Vorinstanz, persönliche Abnormitäten des Täters blieben bei der Prüfung, ob ein vernünftiger Mensch aus den gleichen sozialen Verhältnissen wie der Täter unter den gleichen Bedingungen ebenfalls leicht in einen solchen Seelenzustand versetzt würde, unbeachtlich. Die Prüfung, ob beim Beschwerdeführer tatzeitaktuell von einer grossen seelischen Belastung auszugehen sei, könne jedoch nicht einzig auf die krankheitsbedingte Persönlichkeitsveränderung beschränkt werden. Vielmehr untersuchte die Vorinstanz ausführlich die Lebensweise, das familiäre Zusammenleben und die eheliche Beziehung des Beschwerdeführers und gelangte zusammenfassend zum Schluss, der Beschwerdeführer habe sich durchaus in einer schweren und langandauernden Konfliktsituation befunden, welche sich am Tattag durch eine Auseinandersetzung des Ehepaars zusätzlich akzentuiert habe. Die Konfliktsituation sei jedoch nicht einfach und ausschliesslich auf ein vernachlässigendes bzw. abwertendes Gebaren des Opfers zurückzuführen. Offensichtlich habe der Beschwerdeführer einerseits in Ruhe gelassen werden und andererseits im Kreise seiner Familie in Zurückgezogenheit leben wollen, um im Falle eines epileptischen Anfalles unterstützt werden zu können. Mit dieser Ambivalenz habe der Beschwerdeführer offenbar nicht richtig umzugehen gewusst. Die konkret zu beurteilende Situation - so die Vorinstanz weiter - hätte jedoch nicht bei jedem vernünftigen Menschen mit vergleichbarer Herkunft, Erziehung und Lebenserfahrung eine derart grosse seelische Belastung hervorgerufen, dass daraus der Drang zur Vernichtung des Lebens der Ehefrau resultieren konnte. Der Beschwerdeführer hätte durchaus realistische Alternativen gehabt, etwas an seiner und der familiären Situation zu ändern. Vorliegend könne somit weder von einer vom Opfer noch von einer von Täter und Opfer gleichermassen zu verantwortenden Konfliktsituation ausgegangen werden. Durch seine passive Verhaltensweise habe der Beschwerdeführer "hauptsächlich zu der für ihn fraglos sehr belastenden Situation beigetragen". Unter diesen Umständen sei der Zustand der grossen seelischen Belastung, in der sich der Beschwerdeführer zum Tatzeitpunkt befunden habe, nicht entschuldbar.