Citation: B 81/03 09.11.2004 E. 5

5.1 In den Akten ist eine ärztliche Behandlung im hier interessierenden Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Dezember 1995 nicht dokumentiert. Dem Arztbericht des Dr. med. I.________, Spezialarzt FMH ORL, vom 9. Dezember 1997 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer an einer kombinierten Schwerhörigkeit links bei Zustand nach Mittelohrexploration und Stapedotomie im November 1992 leidet. Eine den intellektuellen Voraussetzungen entsprechende Tätigkeit in ruhiger Umgebung sei zumutbar. Dr. med. A.________, diagnostizierte am 24. Juli 2000 eine Oligophrenie (Debil-Imbezill), eine Allergie auf Katzenhaare, Gräser und Getreide, ein Verdacht auf Asthma bronchiale, einen Status nach Handgelenksganglion-Operation im Jahr 1998 und einen Status nach Stapedotomie links im Jahr 1992. Der Intellekt sei ungenügend bei auffallend grossen Auffassungsschwierigkeiten und geringem Verantwortungsbewusstsein. Der Beschwerdeführer benötige Überwachung und die Arbeitsabläufe müssten einfach und überschaubar sein. In behinderungsangepassten Tätigkeiten sei ein ganztägiger Einsatz zumutbar. Der Gesundheitsschaden sei angeboren und die ärztlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit seien für die Zeit ab 1998 gültig. Nach Ansicht von Frau Dr. med. B.________ besteht eine dekompensierte Oligophrenie, Adipositas und ein Status nach Schädel-Hirntrauma. Der Beschwerdeführer sei emotionell instabil (jähzornig). Es sei eine berufliche Umstellung notwendig. In Frage komme (ab sofort) eine ganztägige Arbeit in einer geschützten Werkstatt (Arztbericht vom 6. August 2000). Der SUVA-Kreisarzt Dr. med. O.________, welcher die natürliche Kausalität der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit zu dem am 20. Oktober 1992 erlittenen Autounfall zu beurteilen hatte, gibt in seiner ärztlichen Beurteilung vom 29. Mai 2001 an, die Akten der Invalidenversicherung zu den Leistungen im Kindesalter liessen auf ein ausgeprägtes infantiles psychoorganisches Syndrom (POS) schliessen. Der Beschwerdeführer habe bei den SBB eine gut bezahlte Stelle gehabt, bei der er offensichtlich nicht allzu sehr gefordert gewesen sei. Aus den folgenden Arbeitsverhältnissen sei er spätestens nach einigen Monaten jeweils wieder entlassen worden. Die Tatsache, dass sein Einsatz bei den SBB im Rahmen der Rationalisierungsmassnahmen gestrichen worden sei, verbunden mit dem Umstand, dass er keine neue, dauerhafte Beschäftigung mehr gefunden habe, sei bei einem ohnehin schon labilen Gleichgewicht Anlass zu vermehrten unkontrollierten Ausbrüchen gewesen. Es handle sich um den "klassischen Fall eines geistig behinderten Mitmenschen, der in der zunehmend leistungsorientierten Arbeitswelt nicht mithalten kann und daran zerbricht". 5.2 Weder aus den Berichten der behandelnden Ärzte noch aus der Stellungnahme des SUVA-Kreisarztes lässt sich ausdrücklich entnehmen, ob der Beschwerdeführer seit dem 1. Juli bis 31. Dezember 1995 aus gesundheitlichen Gründen in seinem Leistungsvermögen erheblich eingeschränkt war. Insbesondere die Entwicklung der Oligophrenie und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind äusserst lückenhaft dokumentiert. Frau Dr. med. B._______ geht von einer dekompensierten Oligophrenie aus, ohne allerdings anzugeben, ob ein bestimmter Anlass die Dekompensation ausgelöst haben könnte (Bericht vom 6. August 2000). Auf Grund der spärlichen Aktenlage ist jedenfalls die Annahme des SUVA-Kreisarztes, der Beschwerdeführer sei nach Aufgabe der Tätigkeit für die SBB aus dem Gleichgewicht geraten, nicht völlig von der Hand zu weisen. Es kann nach laienhaftem Verständnis nicht ausgeschlossen werden, dass die Dekompensation im Anschluss an die Erkenntnis des Beschwerdeführers, in seiner neuen Funktion als Chauffeur für die L._______ AG den Arbeitsanforderungen nicht gewachsen zu sein, eingetreten ist. Diese Annahme rechtfertigt sich, wenn man davon ausgeht, der Beschwerdeführer habe seine Stelle bei den SBB unter dem Druck von Rationalisierungsmassnahmen aufgegeben (vgl. SUVA-Kreisarztbericht vom 29. Mai 2001). Wird auf die Aussage des Beschwerdeführers im Rahmen der IV-Abklärung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen vom 4. November 1998 abgestellt, wonach das Arbeitsverhältnisses mit den SBB aufgelöst worden sei, weil sein Bruder ihm die Stelle bei der L._______ AG empfohlen habe, sind Dekompensation und allfällig damit verbundene erhebliche Arbeitsunfähigkeit möglicherweise unter dem Eindruck der eingeschränkten Perspektiven auf dem freien Arbeitsmarkt im Anschluss an die Stellenaufgabe bei den SBB eingetreten. Es kann unter den vorliegenden Umständen entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht allein massgebend sein, dass der Beschwerdeführer offenbar in der Zeit vom 1. Juli 1995 bis 30. November 1995 der Arbeit nie krankheitshalber ferngeblieben war und auch in der Nachdeckungszeit keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist. Denn es bestehen klare Hinweise darauf, dass ihn die neue Tätigkeit als Chauffeur überforderte. Zum einen gab die L.________ AG in der Arbeitgeberbescheinigung vom 11. Februar 1998 zuhanden der Invalidenversicherung an, der ausbezahlte Lohn habe der Arbeitsleistung nicht entsprochen. Sie führte als Grund für die Kündigung des Arbeitsverhältnisses zwar wirtschaftliche Gründe an. Der Klageantwort der Beschwerdegegnerin im vorinstanzlichen Verfahren ist jedoch zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer dem Anforderungsprofil eines Chauffeurs nicht gewachsen war. Er sei nicht in der Lage gewesen, kleine Lastwagen mit Anhänger zu fahren, sei mehrmals in Treppen und Autos gefahren und habe dabei Sachschaden verursacht. Wie die Vorinstanz zutreffend anführt, äussert sich die Krankheit des Beschwerdeführers unter anderem in einer Einschränkung des Auffassungsvermögens und des Verantwortungsbewusstseins. Es kann ihr aber nicht beigepflichtet werden, wenn sie in der Folge annimmt, die Fahruntüchtigkeit habe damit nichts zu tun. Die erwähnten Zusammenstösse mit Treppen und Autos können sehr wohl mit der Einschränkung des Verantwortungsbewusstseins zusammenhängen. Bei dieser Sachlage ist nicht von vornherein ausgeschlossen, dass eine fachärztliche Begutachtung - welche sich auf eine zuvor vervollständigte Sachverhaltsabklärung stützen kann - Aufschluss über die gesundheitliche Entwicklung und insbesondere über die Frage, ob die erhebliche Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1995, als der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegegnerin vorsorgeversichert war, geben kann. Die Angelegenheit ist daher an das kantonale Gericht zurückzuweisen, damit es die notwendigen Abklärungen vornehme, unter anderem durch Einholung zusätzlicher Auskünfte über das Arbeitsverhalten bei der L.________ AG, ergänzender Berichte der behandelnden Ärzte über den Krankheitsverlauf sowie einer spezialärztlichen Expertise, und hernach erneut entscheide.