Citation: 5A_775/2019 E. 4.2.3

4.2.3. Nach Einschätzung des externen Gutachters mache der aktuelle Psychostatus der Beschwerdeführerin die weitere Unterbringung und Behandlung in einer Klinik notwendig. Die im erwähnten Gutachten vom 14. Mai 2018 (vgl. E. 4.2.2) geäusserte Erwartung, dass die stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung unter Einbezug eines geeigneten Neuroleptikums genügend wirksam sei, um der Beschwerdeführerin den Verzicht auf Drogen auch ohne Ersatzsubstanzen zu ermöglichen, habe sich bisher nicht erfüllt. Bei einer sofortigen Entlassung sei überwiegend wahrscheinlich damit zu rechnen, dass die Beschwerdeführerin unmittelbar wieder Drogen und Alkohol konsumiere, Medikamente nicht einnehme, sich prostituiere und sich dabei mit ungeschützten sexuellen Kontakten gefährde, sie körperlich, psychisch und finanziell ausgenützt werde und psychisch dekompensiere und rasch wieder verwahrlose. Das Risiko einer schweren körperlichen Erkrankung (HIV, Hepatitis) sei erheblich. Die Risiken liessen sich dabei durch Ersatzmassnahmen nicht hinlänglich eingrenzen. Im schützenden Umfeld der Klinik seien die genannten Risiken weitgehend nicht vorhanden, weshalb derzeit auch keine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliege. Entfalle der Schutz, sei die Beschwerdeführerin im oben genannten Sinn selbstgefährdet. Mit einer schweren Fremdgefährdung sei dagegen eher nicht zu rechnen. Wahrscheinlicher seien verbale Ausfälligkeiten und Beschimpfungen aufgrund der geringen Frustrationstoleranz, was zu einer zusätzlichen Selbstgefährdung führen könne, da derartige Provokationen gerade im Drogen- und Prostitutionsmilieu das Risiko gewalttätiger Reaktionen berge. Die Beschwerdeführerin verfüge über eine glaubwürdige, wenn auch sehr einfach strukturierte Krankheitseinsicht, hingegen derzeit nur über eine minimale und stark schwankende Behandlungseinsicht. Die Selbststeuerungsmechanismen seien zu schwach, um sich durch den eigenen Willen längerfristig vom Drogenkonsum abzuhalten. Bei freiwilligem Aufenthalt sei davon auszugehen, dass sie die Klinik infolge geringer Frustrationstoleranz vorzeitig verlassen und mit allen Folgeerscheinungen und Gefahren für ihre Gesundheit wieder auf der Strasse leben würde. Die auch von der Beschwerdeführerin gewünschte Distanzierung zum Drogen- und Prostitutionsmilieu sei ausserhalb schützender Strukturen als unrealistisch einzustufen. Erschwerend komme hinzu, dass die künftige Wohnsituation momentan noch nicht geklärt sei. Derzeit stehe ein Übertritt in die wohnpsychiatrische Abteilung der Klinik zur Diskussion, wobei hier eine Wartefrist von drei bis sechs Monaten zu rechnen sei. Eine Entlassung der geistig behinderten und suchtkranken Beschwerdeführerin in die Obdachlosigkeit liesse sich von vornherein nicht verantworten, da die Beschwerdeführerin auf sich alleine gestellt in Kürze wieder in einen Zustand akuter Selbstgefährdung geraten würde. Eine weitere Betreuung sei unabdingbar. Entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdeführerin sei die fürsorgerische Unterbringung sodann nicht nur dann gerechtfertigt, wenn sich eine unmittelbare Verbesserung der Situation der Betroffenen erreichen lässt, sondern auch bei Gewährleistung der erforderlichen Betreuung. Eine mildere Massnahme bestehe nicht. Die Aufrechterhaltung der fürsorgerischen Unterbringung erweise sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt mithin als verhältnismässig.