Citation: 6B_235/2020 E. A

Am 23. August 2017 ereignete sich an der Nordostflanke des Piz Cengalo im Bondascatal (Gemeindegebiet Bregaglia) um 9.30 Uhr ein Bergsturz. Dabei brachen auf einer Höhe von ca. 3'000 m.ü.M. rund 3 Millionen Kubikmeter Felsmaterial ab. Beim Aufprall der Absturzmasse auf einen kleinen Gletscher am Fusse der Nordostwand des Piz Cengalo wurde dieser praktisch vollständig erodiert. Dabei wurden ca. 0.6 Millionen Kubikmeter Eis mitgerissen. Unmittelbar nach dem Bergsturz entstand aus den Ablagerungen des Bergsturzes ein Schuttstrom, der bis ins Murgang-Auffangbecken von Bondo floss. Auf einer Terrasse nordöstlich des Piz Cengalo auf einer Höhe von 2'177 m.ü.M. befindet sich die Sciora-Hütte des Schweizer Alpenclubs SAC. Acht Personen verbrachten die Nacht auf den 23. August 2017 in besagter Hütte. Zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr machten sie sich zu Fuss auf den Weg, um ins Tal abzusteigen bzw. zur Sasc Furä-Hütte zu wandern. Der Bergführer V.________ verliess um ca. 7.00 Uhr mit einem holländischen Gast den Parkplatz Lera. Die beiden erreichten die Sciora-Hütte gegen 8.40 Uhr. Beim Aufstieg begegneten sie den vorgenannten Personen, die sich auf dem Abstieg befanden. Laut Einschätzung von V.________ dürften sich diese Personen zum Ereigniszeitpunkt zwischen der Alp Laret und dem Parkplatz Lera befunden haben. W.________, die an diesem Morgen ebenfalls vom Parkplatz Lera zu Fuss zur Sciora-Hütte aufstieg, begegnete ebenfalls den Genannten, die in Zweier- und Dreiergruppen unterwegs waren. Rund acht Minuten nachdem W.________ die letzten Personen gekreuzt hatte, löste sich der Bergsturz. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch rund 10 Minuten von der Sciora-Hütte entfernt und konnte diese gefahrlos erreichen. Der Wanderweg, auf dem sich die acht Personen mutmasslich zum Zeitpunkt des Ereignisses befunden haben, wurde auf einer Länge von 1.5-2 km verschüttet. Teilweise liegen 15-20 Meter Schutt im Tal. Die höchste Schuttmenge wurde vor allem entlang des Auf- und Abstiegsweges gemessen. Die erwähnten acht Personen, welche die Nacht in der Sciora-Hütte verbracht hatten und sich zum Zeitpunkt des Bergsturzes auf dem Abstieg befanden, gelten seither als vermisst. Der Kanton Graubünden setzte wenige Tage nach dem Bergsturz und Murgang eine Expertengruppe ein und beauftragte diese, das Ereignis zu analysieren, Unterstützung bei der Ereignisbewältigung zu bieten, erste wissenschaftliche Schlüsse zu ziehen und Themenbereiche zu identifizieren, die als Folge der Ereignisse des Spätsommers 2017 genauer erforscht werden sollten. Diese Expertengruppe präsentierte am 15. Dezember 2017 anlässlich einer Medienkonferenz ihre Ergebnisse. Mit Schreiben vom 21. Januar 2019 edierte die Staatsanwaltschaft bei der Standeskanzlei Graubünden den Expertenbericht vom 15. Dezember 2017. Die Kantonspolizei Graubünden nahm kurz nach dem Bergsturz die Ermittlungen auf und befragte diverse Auskunftspersonen. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Graubünden holte sie am 28. August 2017 beim Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Graubünden (AWN) einen Bericht ein und bat um Beantwortung diverser Fragen in Zusammenhang mit den Vorgängen und Beobachtungen vor und während des Bergsturzes. Der Bericht des AWN datiert vom 19. Januar 2018. Verfasser dieses Berichts sind O.________, P.________, R.________, S.________, T.________ und U.________. Ausserdem überprüfte die Kantonspolizei die Signalisation entlang der Auf- und Abstiegswege. Der Kriminalrapport datiert vom 10. Mai 2018. Die Staatsanwaltschaft eröffnete am 6. Juli 2018 in Zusammenhang mit dem Bergunfall zum Nachteil der Vermissten eine Strafuntersuchung. Am 26. September 2018 befragte sie O.________ und P.________ als Auskunftspersonen. Am 7. Juni 2019 stellte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung ein.