Citation: 1P.244/2000 09.05.2000 E. 2

2.- a) Nach § 67 in Verbindung mit § 58 der Strafprozessordnung des Kantons Zürich vom 4. Mai 1919 (StPO) darf Sicherheitshaft angeordnet werden, wenn der Angeklagte eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig ist und (u.a.) Fluchtgefahr besteht. Liegt ausser dem allgemeinen Haftgrund des dringenden Tatverdachts einer der besonderen Haftgründe vor, steht einer Inhaftierung auch unter dem Gesichtswinkel der persönlichen Freiheit grundsätzlich nichts entgegen. b) Der Beschwerdeführer bestreitet den dringenden Tatverdacht, indem er geltend macht, das Bezirksgericht habe ihn unter klarer Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" verurteilt. Im vorliegenden Verfahren ist nicht zu prüfen, ob die erstinstanzliche Beweiswürdigung vor der Verfassung standhält. Vielmehr stellt sich einzig die Frage, ob die Verurteilung insoweit nachvollziehbar ist, dass sie den dringenden Tatverdacht gegen den Beschwerdeführer zu begründen vermag. Wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt, ist dies vom Haftrichter selbständig zu beurteilen. Allerdings wird es kaum je Fälle geben, in denen eine strafrechtliche Verurteilung auf Indizien beruht, die bei einer objektiven Würdigung nicht einmal einen dringenden Tatverdacht begründen können. Das wird in der Praxis wohl nur beim Vorliegen von eigentlichen Revisionsgründen vorkommen. Davon kann hier nicht die Rede sein. Der Beschwerdeführer wird durch die Aussagen seiner Schwägerin schwer belastet, und er bringt nichts vor, was diese von vornherein als unglaubhaft erscheinen lassen könnten. Mit seinem Alibinachweis hat sich bereits das Bezirksgericht auseinandergesetzt, und sich davon nicht überzeugen lassen, weil er von vornherein nur ein Alibi für den 27. Januar und den 3. Februar 1991 liefern soll, die Tat nach Auffassung des Gerichts aber auch früher oder später geschehen sein kann. In Bezug auf den zweiten Tatvorwurf macht der Beschwerdeführer geltend, die Mutter A.________, in deren Wohnung am X.________weg in Dietikon diese Vergewaltigung im Juli 1991 stattgefunden haben soll, sei erst am 16. September 1991 in diese Wohnung gezogen, sodass im Juli 1991 der umstrittene Übergriff dort nicht habe stattfinden können. Die Verurteilung des Beschwerdeführers beruht indessen auf den Aussagen, die A.________ ab Anfang 1999, also über 7 Jahre später machte; eine ungenaue oder allenfalls auch falsche Datierung des Tatvorwurfs kann unter diesen Umständen den Tatverdacht nicht ohne weiteres entkräften. Der Präsident der II. Strafkammer des Obergerichts konnte unter diesen Umständen ohne Verfassungsverletzung den dringenden Tatverdacht annehmen. c) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt die Höhe der zu erwartenden Freiheitsstrafe für sich allein nicht für die Annahme von Fluchtgefahr. Eine solche darf nicht schon angenommen werden, wenn die Möglichkeit der Flucht in abstrakter Weise besteht. Vielmehr müssen konkrete Gründe dargetan werden, die eine Flucht nicht nur als möglich, sondern als wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Höhe der zu erwartenden Freiheitsstrafe kann immer nur neben anderen, eine Flucht begünstigenden Tatsachen herangezogen werden (BGE 125 I 60 E. 2a; 117 Ia 69 E. 4a; 108 Ia 64 E. 3; 107 Ia 3 E. 6). Der Beschwerdeführer hat erst etwa die Hälfte der erstinstanzlich ausgesprochenen Strafe in Untersuchungshaft verbracht und muss dementsprechend damit rechnen, noch einen erheblichen Strafrest verbüssen zu müssen, zumal angesichts seiner Vorstrafen keineswegs von vornherein feststeht, dass ihm die für eine bedingte Entlassung nach zwei Dritteln der Strafe erforderliche gute Prognose (Art. 38 Abs. 1 StGB) gestellt werden kann. Die Staatsanwaltschaft hat zudem angekündigt, im Berufungsverfahren eine höhere Strafe zu beantragen, sodass die Strafe vom Obergericht im Falle einer Bestätigung der Verurteilung auch erhöht werden könnte. Der Beschwerdeführer hat sich bereits in der Vergangenheit dem Strafvollzug und der Schutzaufsicht durch Flucht entzogen. Unter diesen Umständen verstösst die Annahme von Fluchtgefahr keineswegs gegen die Verfassung. Die Rüge ist unbegründet.