Citation: 8C_182/2023 E. 4.3.2

4.3.2. Diesbezüglich wendet der Beschwerdeführer ein, das kantonale Gericht habe Bundesrecht verletzt, indem es das Invalideneinkommen von Fr. 44'097.07 anhand der statistisch fehlerhaften LSE 2018 ermittelt habe. Korrekterweise hätte es entweder die LSE 2020 anwenden, einen generellen Abzug von 15 % von den Zentralwerten der LSE 2018 vornehmen oder als dritte Variante "ein statistisch korrektes Invalideneinkommen neu festlegen" müssen. 4.3.2.1. Was zunächst die Rüge der Gehörsverletzung (Art. 29 Abs. 2 BV; zur daraus folgenden Begründungspflicht vgl. BGE 148 III 30 E. 3.1) angeht, verhält es sich so, dass sich das kantonale Gericht mit drei Vorschlägen des Beschwerdeführers konfrontiert gesehen hat: Es sei (1) ein genereller Abzug von 15 % von den Zahlen der LSE 2018 (unter Berücksichtigung eines individuellen Leidensabzugs) vorzunehmen, (2) ein statistisch korrektes Invalideneinkommen neu festzulegen oder (3) zur Berechnung auf die LSE 2020 abzustellen. Darauf hat es in E. 8.3.3.2 mit den Worten erwidert, dies stehe der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entgegen. Werde auf Tabellenlöhne der LSE abgestellt, seien die im Zeitpunkt des Einspracheentscheids aktuellsten veröffentlichten Tabellen zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 2.3 und 4.1.7; Urteile 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E. 4.2 und 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2), mithin hier die LSE 2018. Damit deckt die vorinstanzliche Begründung die Vorschläge des Beschwerdeführers wenigstens in pauschaler Form ab, wenn auch nicht unter Berücksichtigung seiner Argumentation, die an der statistischen Fehlerhaftigkeit der LSE 2018 anknüpft, wozu sich die Rechtsprechung bislang nicht explizit geäussert hat. Ob deswegen auf eine Gehörsverletzung zu schliessen ist, kann hier offenbleiben, da ein allfälliger Begründungsmangel im vorliegenden Verfahren jedenfalls geheilt würde (vgl. BGE 142 II 218 E. 2.8.1; 137 I 195 E. 2.3.2; 136 V 117 E. 4.2.2.2; je mit Hinweisen). 4.3.2.2. In der Sache ist zunächst festzuhalten, dass der Einspracheentscheid vom 6. August 2021 datiert, die LSE 2020 aber erst am 23. August 2022 veröffentlicht wurde (https://www.bfs.admin.ch/news/de/2022-0666, besucht am 12. Februar 2024). Nach der soeben erwähnten Rechtsprechung ist zur Festsetzung des Invalideneinkommens demnach auf die Zentralwerte der LSE 2018 abzustellen. 4.3.2.3. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, ist nicht stichhaltig: 4.3.2.3.1. Es trifft zwar zu, dass die LSE 2018 namentlich in den Wirtschaftszweigen 58-63 (Information und Kommunikation), 64-66 (Finanz- und Versicherungsdienstleistungen) und 69-75 (Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienste) für das Kompetenzniveau 1 höhere monatliche Bruttolöhne ausweist als für das Kompetenzniveau 2 (ebenso in den Wirtschaftszweigen 05-09 [Bergbau], 12 [Tabakverarbeitung], 21 [Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen] und 35 [Energieversorgung]). Dies erscheint nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, da das Kompetenzniveau 1 einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art umfasst, während das Kompetenzniveau 2 nach der Rechtsprechung nur dann zur Anwendung gelangt, wenn die versicherte Person über besondere Fertigkeiten und Kenntnisse verfügt (SVR 2022 UV Nr. 47 S. 188, 8C_156/2022 E. 7.2; Urteil 8C_645/2022 vom 16. Februar 2023 E. 5; je mit Hinweisen). Weiter fällt auf, dass die LSE 2020 im Vergleich zur LSE 2018 im Kompetenzniveau 1 bei den Männern einen um rund 2.9 % und bei den Frauen einen um rund 2 % tieferen Totalwert ausweist. Dies widerspricht der Entwicklung der Nominallöhne, die von 2018 bis 2020 angestiegen sind (2019: +0.9 %, 2020: +0.8 % gemäss Tabelle T1.15 [Nominallohnindex, 2016-2022] des BFS). 4.3.2.3.2. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aus diesen Gründen könne zur Berechnung des Invalideneinkommens nicht auf den Totalwert (Männer, Kompetenzniveau 1) der LSE 2018 abgestellt werden, vermag dies allerdings nicht zu überzeugen. Wie ein Blick auf die verschiedenen Ausgaben der LSE zeigt, sind die Zentralwerte jeweils mehr oder weniger ausgeprägten Veränderungen unterworfen. Dass sich daraus Abweichungen zur Nominallohnentwicklung ergeben, ist nach der Rechtsprechung als systemimmanent hinzunehmen (BGE 143 V 295 E. 4.2.2). Weiter lässt sich aus der Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2012 bis 2020 ersehen, dass die Bruttolöhne des Kompetenzniveaus 1 nicht nur in der LSE 2018, sondern auch in den anderen Ausgaben - selbst in der vom Beschwerdeführer als richtig erachteten LSE 2020 - teilweise über denjenigen des Kompetenzniveaus 2 liegen (vgl. etwa LSE 2020, Männer, Wirtschaftszweige 13-15 [Tabakverarbeitung] und 29-30 [Fahrzeugbau], LSE 2016, Männer, Wirtschaftszweige 58-63 [Information und Kommunikation] und 96 [Sonstige persönliche Dienstleistungen], LSE 2014, Wirtschaftszweige 72 [Forschung und Entwicklung], 21 [Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen], 65 [Versicherungen]). Dieser Umstand wirkt sich daher nicht nur in der Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2018, sondern auch in denen der anderen LSE-Ausgaben auf den Totalwert aus, so dass die LSE 2018 in dieser Hinsicht grundsätzlich keinen Ausnahmefall darstellt. Zwar ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Zentralwerte des hier strittigen Kompetenzniveaus 1 (Männer) der LSE 2018 - insbesondere in den Wirtschaftszweigen 58-63, 64-66 und 69-75 - zum Teil signifikant von denjenigen der späteren LSE 2020 abweichen. Dieser Umstand lässt darauf schliessen, dass das BFS die Zentralwerte des Kompetenzniveaus 1 im Übergang zur LSE 2020 einer grösseren Überarbeitung unterzogen hat. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu beachten, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch eine grundlegende Erneuerung der LSE durch das BFS mit weitgehenden qualitativen Modifikationen nichts an deren Beweiseignung zwecks Festlegung der Vergleichseinkommen nach Art. 16 ATSG ändert (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5, insbesondere E. 2.5.3.1, E. 2.5.7 und E. 2.5.8.1 betr. den sog. "Serienbruch" beim Übergang von der LSE 2010 zur LSE 2012). Erst recht muss dies für die alle zwei Jahre vorgenommenen "regulären" Anpassungen der Zentralwerte gelten, auch wenn diese im vorliegenden Fall markanter erscheinen. Ein Abweichen vom Grundsatz, wonach für die Einkommensermittlung die im Zeitpunkt des Einspracheentscheids aktuellsten statistischen Daten (bezogen auf den Rentenbeginn) zu verwenden sind (vorne E. 4.3.2.2.1), erscheint daher insgesamt nicht gerechtfertigt. Indem die Vorinstanz der Berechnung des Invalideneinkommens die LSE 2018 zugrunde legte, verletzte sie somit kein Bundesrecht.