Citation: 7B_255/2022 E. 2.3

2.3. Soweit die Vorbringen des Beschwerdeführers überhaupt den Anforderungen an eine Grundrechtsrüge genügen, vermögen sie keine Verletzung Art. 6 Ziff. 3 lit. b EMRK darzutun. Die Vorinstanz erachtete es als zumutbar und sachgerecht, die Parteivorträge und die Urteilsberatung direkt nach der Einvernahme der Zeugin C.________ durchzuführen. Das entspricht der gesetzlichen Regelung, wonach die Parteivorträge grundsätzlich auch im Berufungsverfahren unmittelbar auf das Beweisverfahren folgen (Art. 346 Abs. 1 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO). Die Berufungsverhandlung soll sodann nach Klärung der Vorfragen wenn möglich ohne unnötige Unterbrechungen zu Ende geführt werden (Art. 340 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO). Weshalb dies nur in Fällen mit klarem Sachverhalt und klarer Beweislage gelten soll, begründet der Beschwerdeführer nicht weiter. Auch macht er zu Recht nicht geltend, dass diese gestzgeberische Konzeption einer unmittelbaren mündlichen Verhandlung generell nicht mit dem aus Art. 6 Abs. 3 lit. b EMRK fliessenden Anspruch vereinbar wäre, ausreichende Zeit und Gelegenheit zur Vorbereitung seiner Verteidigung zu haben. Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, weshalb eine wirksame Verteidigung unter den konkreten Umständen und in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich gewesen sein soll. Mit Urteil 6B_1394/2020 vom 13. Dezember 2021 hatte das Bundesgericht die im ersten Berufungsverfahren ausgesprochene Verurteilung aufgehoben, weil der Anspruch des Beschwerdeführers auf Konfrontation mit der Belastungszeugin C.________ verletzt worden war (E. 1.3). In der zweiten Berufungsverhandlung vom 6. April 2022 ging es deshalb neben der Befragung des Beschwerdeführers in erster Linie darum, diese Zeugin einzuvernehmen und dem Beschwerdeführer das Recht zu gewähren, deren Zeugnis in Frage und auf die Probe zu stellen. Die Vorinstanz nahm keine weiteren Beweise ab und unterbrach die Verhandlung unmittelbar nach der Befragung zur Beratung der Beweisanträge. Hinzu kommt, dass C.________ bereits im Vorverfahren zweimal einvernommen worden war, im Februar und März 2017. Die übrigen Beweismittel, mit denen die (allenfalls neuen) Aussagen der Zeugin abzugleichen gewesen wären (die Aussagen aller anderen Beteiligten sowie das Video, das einen Teil des Tatgeschehens zeigt), waren seit mehreren Jahren aktenkundig. Damit liegen keine Umstände vor, unter denen die Vorinstanz gehalten gewesen wäre, die Berufungsverhandlung zu unterbrechen und zunächst ein Protokoll der Befragung anfertigen zu lassen, wie der Beschwerdeführer fordert. Ihm bzw. seinem Rechtsvertreter stand ausreichend Zeit für die Vorbereitung der Verteidigung und des Plädoyers zur Verfügung. Die Rüge der Verletzung von Art. 6 Ziff. 3 lit. b EMRK ist unbegründet, soweit überhaupt darauf einzutreten ist.