Citation: 6B_217/2022 E. 2.5.3

2.5.3. Unter demselben Titel kritisiert der Beschwerdeführer, die Vorinstanz werfe ihm zu Unrecht vor, gegen Art. 6 Abs. 1 und 3 sowie Art. 7 VUV verstossen zu haben. Ohne Erfolg: Der in Frage stehende Arbeitsvorgang barg offensichtlich Gefahren im Sinne von Art. 6 Abs. 1 VUV und der Beschwerdeführer war als Sicherheitsverantwortlicher aufgrund seiner - von ihm nicht in Abrede gestellten - Garantenstellung verpflichtet, die nach den Umständen gebotenen Sicherheitsvorkehren anzuordnen und sich zu vergewissern, dass diese tatsächlich ausgeführt und eingehalten werden (vgl. Urteil 6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 3.5). Daran vermag nichts zu ändern, wenn die Vorinstanz nebst dem Beschwerdeführer auch C.________ der fahrlässigen Körperverletzung schuldig spricht und in der Begründung des entsprechenden Entscheids zum Ergebnis gelangt, dass C.________ "um die Notwendigkeit von Sicherungsmassnahmen im konkreten Fall gewusst, jedoch aus Gründen der Bequemlichkeit bzw. aufgrund einer falschen Risikoeinschätzung im Sinne einer bewussten Entscheidung darauf verzichtet hat". Zunächst ist grundsätzlich zu beachten, dass bei einer festgestellten Verletzung von Regeln der Baukunde die strafrechtliche Verantwortung mehrere Personen gleichzeitig treffen kann. Eine Entlastung mit dem Hinweis auf die gleichartige Untätigkeit eines andern ist nicht möglich (siehe ausdrücklich Urteile 6B_315/2020 vom 18. Mai 2022 E. 6.3; 6B_543/2012 vom 11. April 2013 E. 1.3.3 mit Hinweis). In der Sache beruft sich der Beschwerdeführer auf den Vertrauensgrundsatz. Dieser ist im Falle des Zusammentreffens mehrerer Personen bei risikobehaftetem Tun zu beachten (so allgemein Urteil 6B_1332/2016 vom 27. Juli 2017 E. 3.4.4 mit Hinweisen) und begrenzt die Vorsichtspflicht insofern, als jeder Beteiligte grundsätzlich darauf vertrauen darf, dass jeder andere sich pflichtgemäss verhalten wird, sofern nicht besondere Umstände das Gegenteil erkennen lassen (BGE 120 IV 300 E. 3d/bb S. 310 mit Hinweisen). Wer jedoch eine spezifische Kontrollverantwortung innehat, muss mit Fehlern rechnen (Urteil 6B_174/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.4.2). Bei vertikaler Arbeitsteilung - wie sie hier vorlag - wird für die Anwendung des Vertrauensgrundsatzes vorausgesetzt, dass der Vorgesetzte eine qualifizierte Hilfsperson auswählt, dieser die notwendigen Instruktionen erteilt und sie genügend überwacht (Urteile 6B_91/2014 vom 31. März 2015 E. 5.2; 6B_1065/2013 vom 23. Juni 2014 E. 1.1; 6B_437/2008 vom 24. Juli 2009 E. 3.4.2; 6B_675/2007 vom 20. Juni 2008 E. 2.2.2.1; je mit weiteren Hinweisen). Der Vertrauensgrundsatz greift aber von vornherein nicht, wenn die fraglichen Sorgfaltspflichten gerade auf die Überwachung, Kontrolle oder Beaufsichtigung des Verhaltens anderer Personen gerichtet sind, mithin gerade deren Fehlverhalten entgegenwirken sollen (so allgemein NIGGLI/MAEDER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N. 115 zu Art. 12 StGB; STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 4. Aufl. 2011, § 16 N. 43 S. 513). Dies ist hier der Fall: Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe es versäumt, die Verwendung der notwendigen Absturzsicherung angeordnet und überwacht zu haben. Von dieser Pflicht war der Beschwerdeführer nicht deshalb befreit, weil C.________ als Gruppenchef um die Notwendigkeit von Sicherungsmassnahmen wusste. Die Vorinstanz weist in anderem Zusammenhang zu Recht auf die Gefahr hin, dass Arbeiter die als umständlich empfundene Eigensicherung unter Zeitdruck missachten. Anhand dieser Gefahr manifestiert sich anschaulich die Unabdingbarkeit einer entsprechend klaren Instruktion und Überwachung durch den Verantwortlichen. Entsprechendes gilt im Übrigen, wenn die Vorinstanz im Rahmen der Beurteilung der Strafbarkeit von E.________ feststellt, die von diesem mitgetragene Zusammensetzung des Zweimannteams (C.________ und der Beschwerdegegner 2) betreffend Demontage des Gerüstes an der U.________strasse xxx in V.________ am 13. Mai 2014 sei nicht zu beanstanden, und weiter, wenn sie im selben Zusammenhang ausführt, der Beschwerdegegner 2 hätte "auf der vorliegenden Baustelle mutmasslich in erster Linie am Boden tätig sein und das Material entgegennehmen sollen". Alleine diese Umstände machen die Instruktion und Überwachung betreffend die konkret zu treffenden Sicherheitsmassnahmen nicht überflüssig und haben entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers auch nicht zur Folge, dass es an "der Erfolgsrelevanz einer allfälligen Sorgfaltspflichtverletzung" fehlt (siehe auch nachfolgend Erwägung 2.6). Schliesslich geht die Vorinstanz anhand eines "einmaligen Unfalls" weder davon aus, "dass regelmässig und systematisch Massnahmen der Arbeitssicherheit nicht eingehalten würden", noch verlangt sie "eine 'Dauerüberwachung' durch den Vorgesetzten", weshalb auf die entsprechenden Vorbringen des Beschwerdeführers nicht weiter einzugehen ist. Ebenso wenig wird dem Beschwerdeführer im angefochtenen Urteil angelastet, bei der D.________ AG würden überhaupt keine Schulungen betreffend PSAgA vorgenommen, wie er mit Bezug auf den Vorwurf der Verletzung von Art. 7 VUV anzunehmen scheint. Die Vorinstanz hält hierzu lediglich fest, es sei unbestritten, dass der Beschwerdegegner 2 im Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung nicht geschult war. Dass dies nicht zutreffen würde, macht der Beschwerdeführer nicht geltend.