Citation: I 164/02 05.12.2003 E. 3

Das kantonale Gericht vertrat die Auffassung, Binokularsehen sei für die Arbeit an einem Bildschirm nicht erforderlich. Allenfalls störende Blendeffekte könnten im Rahmen der Pflicht zur Selbsteingliederung durch geeignete und zumutbare Massnahmen eliminiert werden. Eine unmittelbar drohende Invalidität habe durch Übernahme der Staroperation am linken Auge abgewendet werden können. Bei uneingeschränkter Erwerbsfähigkeit in Bezug auf ihr hauptberufliches Pensum von 70 %, habe die Versicherte keinen Anspruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen in Bezug auf die Ausübung ihrer Nebenerwerbstätigkeit. Demgegenüber macht die HELSANA geltend, jeder Berufstätige habe ein Anrecht auf binokulares Sehen. Zwischen der ersten Kataraktoperation am linken und der zweiten am rechten Auge habe die Versicherte infolge der Blendeffekte nur noch unter unzumutbaren Bedingungen in einem abgedunkelten Raum ihre Bildschirmtätigkeit verrichten können. Von Arbeitgeberseite sei bestätigt worden, dass eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unter diesen Umständen nicht möglich gewesen wäre. Die Aufgaben der als Markenspezialistin tätigen Sachbearbeiterin erfordere ausserordentlich exaktes Arbeiten mit sehr detaillierten Datenbanken. Kleinste Versehen oder das Übersehen von Daten (z.B. betreffend Ablauf eines Markenschutzes) könnten fatalste Folgen haben. Auch der behandelnde Augenarzt Dr. med. C.________ von der Augenklinik des Spitals Z.________ habe mit Schreiben vom 19. Dezember 2001 gegenüber A.________ seine Auffassung bekräftigt, wonach die während acht Stunden täglich mit Bildschirmarbeit beschäftigte Markenspezialistin und Übersetzerin sowie Dirigentin und Organistin auf gutes Binokularsehen angewiesen sei. Zu prüfen ist demnach, ob gestützt auf die vorliegenden Akten die Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit der Versicherten beantwortet werden kann. 3.1 Das Eidgenössische Versicherungsgericht präzisierte seine Rechtsprechung zur Übernahme der Kataraktoperation durch die Invalidenversicherung (vgl. AHI 2000 S. 294) im Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02) dahingehend, dass dieser Eingriff am zweiten Auge bei (durch Staroperation) erhaltener Sehfähigkeit am andern Auge - unter Erfüllung der übrigen Voraussetzungen nach Art. 12 Abs. 1 IVG - nur dann als medizinische Eingliederungsmassnahme zu übernehmen ist, wenn aufgrund detaillierter Ermittlung der Tätigkeiten im Rahmen des ausgeübten Berufes für die visuell anspruchvollste dieser Tätigkeiten die Notwendigkeit des Binokularsehens aus augenärztlicher Sicht bejaht wird. In denjenigen Berufen, in welchen besondere medizinische Mindestanforderungen an die Sehfähigkeit ausdrücklich normiert sind, ist auf diese Visusgrenzwerte abzustellen, so dass sich in erwerblicher Hinsicht eine detaillierte Ermittlung der verschiedenen Tätigkeitsanteile erübrigt.