Citation: 6B_196/2021 E. 5.4.3

5.4.3. Die Vorinstanz wird in einem ersten Schritt die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzusetzen haben. Bildet wie vorliegend ein vollendet versuchtes Delikt die schwerste Straftat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB und ist eine Verminderung der Schuldfähigkeit gegeben, ist wie folgt vorzugehen: Ausgangspunkt bildet die (hypothetisch) verschuldensangemessene Strafe, die für das vollendete Delikt ausgesprochen würde (Urteil 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). Alsdann ist aufgrund der tatsächlichen Feststellungen des Gutachters zu entscheiden, in welchem Umfange die Schuldfähigkeit des Täters in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt ist und wie sich dies insgesamt auf die Einschätzung des Tatverschuldens auswirkt. Das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist. Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, die diesem Verschulden entspricht. Die so ermittelte Strafe kann dann in einem dritten Schritt wegen wesentlicher Täterkomponenten sowie des blossen Versuchs im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB verändert werden. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens des schwersten Delikts festzusetzen. Der ordentliche Rahmen ist aber dann zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die angedrohte Strafe im konkreten Fall als zu hart oder zu mild erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.7 f.; vgl. auch Urteil 6B_1363/2019 vom 19. November 2019 E. 2.3.2). Der Umfang der Reduktion der Strafe beim Versuch hängt unter anderem von den tatsächlichen Folgen der Tat und der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs ab (vgl. zum alten Recht BGE 127 IV 101 E. 2b S. 103; 121 IV 49 E. 1b S. 54; bestätigt in den Urteilen 6B_587/2015 vom 6. April 2016 E. 1.3.3 und 6B_281/2014 vom 11. November 2014 E. 3.6; Urteil 6B_774/2020 vom 28. Juli 2021 E. 3.3.3). In einem nächsten Schritt wird die Vorinstanz die Einsatzstrafe zu erhöhen und die Einzeltaten im Rahmen der Bemessung der Gesamtstrafe in einem selbstständigen Schritt innerhalb des erweiterten Strafrahmens von Art. 49 Abs. 1 StGB zu würdigen haben. Dabei sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbstständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Deliktes wird dabei geringer zu veranschlagen sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (vgl. Urteile 6B_496/2020 vom 11. Januar 2021 E. 3.7; 6B_274/2013 vom 5. September 2013 E. 1.3.1; 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 E. 3.2).