Citation: I 727/04 16.02.2005 E. 3

In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird die Schlüssigkeit des MEDAS-Gutachtens vom 21. Februar 2003 bestritten. Es wird geltend gemacht, die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit trage den multiplen Beschwerden zu wenig Rechnung. Insbesondere attestiere Dr. med. S.________, bei welchem der Versicherte seit 1998 in psychiatrischer Behandlung stehe, eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. 3.1 Der psychiatrische Konsiliararzt der MEDAS hat aufgrund der bei der Untersuchung vom 30. Oktober 2002 erhobenen Befunde sowie der Angaben des Versicherten die Diagnose einer chronifizierten depressiv gefärbten Anpassungsstörung im Sinne von ICD-10 F43.21 gestellt. Er hat dem psychischen Leiden Krankheitswert zugemessen und die Arbeitsunfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht für jegliche in Frage kommende berufliche Tätigkeit auf 40 % beziffert (Bericht vom 5. November 2002). In der zusammenfassenden Beurteilung des Gutachtens vom 21. Februar 2003 wird festgehalten, wenn der psychiatrische Konsiliararzt die letzten 3 1/2 Jahre überblicke, während welcher der Versicherte in psychotherapeutischer Behandlung gestanden habe, komme er zur Auffassung, dass inzwischen eine Verbesserung des depressiven Leidens stattgefunden habe. Der Explorand stehe unter Antidepressiva und werde auch weiterhin in Psychotherapie gehen. Zum Beginn der (einzig) aus psychischen Gründen reduzierten Arbeitsfähigkeit wird ausgeführt, die Einschränkung habe sicher am 10. Dezember 2001 bereits vorgelegen. Ab diesem Datum attestiere der Hausarzt unter Hinweis auf eine deutliche Verschlechterung auch des psychischen Zustandes in letzter Zeit eine Arbeitsunfähigkeit von 70 %. Der Psychiater und Psychotherapeut Dr. med. S.________ hält in seinem Bericht vom 28. September 1998 an den Hausarzt fest, der Versicherte stehe seit 31. Januar 1998 bei ihm in Behandlung. Er leide an einem depressiven Zustand, welcher aufgrund seiner körperlichen Krankheit entstanden sei. Er sei ein einfach strukturierter Mensch, welcher auf seine körperliche Tätigkeit angewiesen sei. Es sei somit verständlich, dass er nach Aufgabe der Tätigkeit als Gartenarbeiter wegen der körperlichen Beschwerden in eine ängstliche Depression geraten sei. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Auf Grund der wegen seines depressiven Zustandes verordneten Therapie mit Antidepressiva und Psychopharmaka habe sich der Zustand nur wenig gebessert. 3.2 Nach der Beurteilung der Ärzte der MEDAS befand sich der Beschwerdeführer bei Beginn der psychotherapeutischen Behandlung Ende Januar 1998 in einer psychisch schlechteren Verfassung als bei der Untersuchung durch den psychiatrischen Konsiliararzt der Abklärungsstelle am 30. Oktober 2002. Demzufolge war die Arbeitsfähigkeit stärker eingeschränkt als die im Gutachten vom 21. Februar 2003 angegebenen 40 %. Bezogen auf die gesundheitlichen Verhältnisse Anfang 1998 weichen somit der psychiatrische Konsiliararzt der MEDAS und der behandelnde Psychotherapeut Dr. med. S.________ in der Diagnose einer psychischen Störung sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht erheblich voneinander ab. Unter diesen Umständen sowie unter der nach der Aktenlage nicht gesicherten Annahme, dass das Leiden Krankheitswert hat, interessiert aber, inwiefern und in welchem Ausmass die ambulante psychotherapeutische Behandlung zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes führte. Dazu äussert sich weder der psychiatrische Konsiliararzt der MEDAS in seinem Bericht vom 5. November 2002 noch das Gutachten vom 21. Februar 2003. Die aufgeworfene Frage stellt sich umso mehr, als Dr. med. S.________ im Bericht vom 28. September 1998 ausführte, es sei kaum eine Verbesserung eingetreten. In diesem die ersten acht Monate der Behandlung betreffenden Sinne äusserte sich auch der Hausarzt. Danach verschlechterte sich der psychische Zustand in den letzten Jahren deutlich und die Psychotherapie ergab keine Besserung (Berichte vom 10. Dezember 2001 und 3. Januar 2002). Das MEDAS-Gutachten vom 21. Februar 2002 kann somit in psychiatrischer Hinsicht nicht als schlüssig bezeichnet werden. 3.3 Im Weitern ist fraglich, ob die bestehende hochgradige gemischte Schwerhörigkeit beidseits tatsächlich die Arbeitsfähigkeit nicht einschränkt. Der Beschwerdeführer gab zwar an, es gehe mit Hörgeräten recht gut und er habe keine Kommunikationsprobleme. Er verstehe auch das Fernsehen und könne bei Diskussionen mithalten. Bei der ersten MEDAS-Begutachtung im Sommer 1997 hatte der Versicherte sich dahingehend geäussert, er fühle sich durch die deutliche Gehörsminderung in seiner Arbeitsfähigkeit in keiner Weise behindert. In der Expertise vom 25. August 1997 wurde gestützt auf diese Angaben festgehalten, die beidseitige Schwerhörigkeit aufgrund rezidivierender Otitiden mit konsekutiver Otosklerose beidseits hätte die Arbeitsfähigkeit nie beeinträchtigt. Auf die Selbstangaben des Beschwerdeführers kann indessen nicht ohne weiteres abgestellt werden, war er doch seit 13. April 1995 nicht mehr erwerbstätig. Es kommt dazu, dass eine oto- und audiologische Abklärung bisher nicht stattgefunden hat. Der behandelnde Ohrenarzt äusserte sich letztmals im Bericht vom 20. Dezember 1994 zur Arbeitsfähigkeit aus otologischer Sicht. 3.4 Nach dem Gesagten wird die IV-Stelle nochmals eine psychiatrische Begutachtung durchzuführen haben. Dabei wird der Experte insbesondere zu beurteilen haben, ob überhaupt ein psychisches Leiden mit Krankheitswert gegeben ist und bejahendenfalls, ob es unter die Kategorie der invalidisierenden somatoformen Schmerzstörungen fällt (vgl. dazu die jüngste Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts gemäss BGE 130 V 352 und 396). Im Weitern wird die Verwaltung den Versicherten oto- und audiologisch abzuklären haben. Danach wird sie unter Berücksichtigung allfälliger seit der MEDAS-Begutachtung Ende Oktober 2002 eingetretener rheumatologischer Verschlechterungen des Gesundheitszustandes über den streitigen Rentenanspruch neu verfügen.