Citation: 6B_1300/2015 E. 1.5.3

1.5.3. Am 30. Oktober 2013 wurde D.________, die Schwiegertochter der getöteten B.________, als Zeugin von der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach zum Tötungsdelikt befragt. Aus dem Protokoll der dreistündigen Befragung geht unschwer hervor, dass die Zeugin zu ihrer Schwiegermutter ein gutes und nahes Verhältnis hatte, sehr viele Details über deren Leben und die Beziehung zu A.________ kannte, im Laufe der Zeit zur eigentlichen Ansprechsperson wurde und ihr in schwierigen Zeiten beistand. Aufgrund eines Vorfalls wegen häuslicher Gewalt gab das Opfer die Telefonnummer seiner Schwiegertochter bei der Polizei an und wohnte zwei Monate bei ihr. Auf die Frage der Staatsanwältin, die Zeugin wisse fast mehr über B.________ als die Kinder des Opfers, führte die Zeugin aus: "Ja, das ist so. Bei E.________ weiss ich es nicht genau. Sicher bei F.________. B.________ hat mir immer sehr viel anvertraut. Von Problemen. Ich habe auch nachgefragt, auch in Bezug auf die Vergangenheit von ihm." Es kann deshalb ohne Weiteres gesagt werden, dass die Zeugin und ihre Schwiegermutter ein enges Verhältnis hatten und diese sich ihrer Schwiegertochter anvertraute (vgl. Untersuchungsakten pag. 157 ff.). In der Einvernahme gab die Zeugin an, A.________ habe zwei Söhne und B.________ habe die Kinder ein- oder zweimal in der Türkei getroffen (Untersuchungsakten pag. 162 und 171). Diese Aussage ist bemerkenswert. Sie lässt - soweit die Zeugin nicht bewusst falsch aussagte, wofür keine Hinweise erkennbar sind - nur zwei Schlussfolgerungen zu. B.________ wusste nur von zwei Kindern ihres Ehemannes und lernte diese in der Türkei kennen, obwohl ihr Ehemann zur besagten Zeit aus der "Imam-Ehe" bereits vier Kinder hatte. Damit wurde sie von A.________ über die anderen zwei Kinder im Dunkeln gelassen. Oder aber B.________ kannte die wahren Verhältnisse und spiegelte ihrer Schwiegertochter in diesem Punkt etwas vor. Die zweitgenannte Variante drängt sich aufgrund der Beziehung zwischen Opfer und Zeugin nicht auf. Zudem heirateten A.________ und B.________ laut Zeugin im Jahre 2009, während das jüngste Kind aus der "Imam-Ehe" im Januar 2009 zur Welt kam. Es musste deshalb für das Opfer einerlei gewesen sein, ob sein Ehemann aus einer früheren Ehe zwei oder vier Kinder hatte. Der Beschwerdeführer bringt deshalb zutreffend vor, er werde durch die Aussagen der Zeugin entlastet. Indem sich die Vorinstanz damit nicht auseinandersetze, verletze sie den Grundsatz "in dubio pro reo". Die Rüge ist begründet. Die Sachdarstellung des Beschwerdeführers erfährt durch die Zeugenaussagen von D.________ eine gewichtige Unterstützung. Die erste Instanz hielt dazu fest, auch die Zeugin D.________ habe nur von zwei Söhnen gewusst, was für die Darstellung des Beschwerdeführers spreche (erstinstanzlicher Entscheid S. 16). Die Vorinstanz setzt sich mit dem entlastenden Beweismittel in ihrer Beweiswürdigung nicht auseinander. Die erste Instanz hat das besagte Beweismittel zu Gunsten des Beschwerdeführers gewürdigt und ihn vom Tatvorwurf freigesprochen. Deshalb ist es umso unverständlicher und im Ergebnis nicht haltbar, dass die Zeugenaussagen im vorinstanzlichen Entscheid mit keinem Wort erwähnt und in der Beweiswürdigung letztendlich unterschlagen werden.