Citation: 4C.130/2004 18.06.2004 E. 2

Die Klägerin rügt, die Vorinstanz habe Art. 418f und 418g OR verletzt. Sie macht damit sinngemäss geltend, der Vertriebsvertrag vom 14. März 1997 sei als Agenturvertrag zu qualifizieren. Aus den erwähnten Bestimmungen leitet sie ab, dass ihr die Beklagte eine Provision aus den (mindestens) 12 Direktverkäufen von Neumaschinen schulde, ohne dass sie den durch die Vertragsverletzung der Beklagten verursachten Schaden beweisen müsse; die Provision ergebe sich aus dem von der Beklagten definierten Differenzbetrag zwischen dem Verkaufspreis an die Endabnehmer und dem Einkaufspreis "der Agenten bzw. der Beklagten". 2.1 Die Vorinstanz hat den Vertriebsvertrag vom 14. März 1997 nicht als Agenturvertrag qualifiziert. Aus ihren Erwägungen ergibt sich vielmehr sinngemäss, dass sie den Vertrag der Parteien als Innominatvertrag betrachtet hat. Denn sie legt dar, dass auf den Vertrag der Parteien die allgemeinen Regeln des OR Anwendung finden, soweit nicht die Bestimmungen des besonderen Teils analog anzuwenden sind. Als Ersatz für die Verletzung der Vertragspflicht der Beklagten zur ausschliesslichen Belieferung der Klägerin hält sie den entgangenen Gewinn für geschuldet, der sich nach der vereinbarten Provision bzw. Entschädigung berechne, wobei die gegebenenfalls ersparten Aufwendungen in Abzug zu bringen seien. Die Vorinstanz auferlegte der Klägerin die Beweislast für die Behauptung, dass sie die durch die Beklagte bzw. Dritte abgeschlossenen Geschäfte selbst hätte tätigen können, wenn die Beklagte die Gebietsexklusivität nicht verletzt hätte. Das Gericht kam zum Schluss, der Klägerin sei der Nachweis nicht gelungen, dass sie zusätzliche Neumaschinen verkauft hätte, wenn die Beklagte keine Dritten beliefert hätte. Ausserdem hielt das Gericht auch den von der Klägerin zu erbringenden Beweis über die Höhe des Schadens für misslungen. 2.2 Agent ist nach Art. 418a Abs. 1 OR, wer die Verpflichtung übernimmt, dauernd für einen oder mehrere Auftraggeber Geschäfte zu vermitteln oder in ihrem Namen und für ihre Rechnung abzuschliessen, ohne zu den Auftraggebern in einem Arbeitsverhältnis zu stehen. Der Agent handelt der Legaldefinition entsprechend im Namen und auf Rechnung des Auftraggebers. Dadurch unterscheidet er sich vom Alleinvertreter, der in eigenem Namen kauft und verkauft (Tercier, Les contrats spéciaux, 3. Aufl. 2003, N 6977; Wettenschwiler, Basler Kommentar, N 2/4 zu Art. 418a OR; Bühler, Zürcher Kommentar, N 40 ff. zu Art. 418a OR). Der Alleinvertriebsvertrag kann grundsätzlich umschrieben werden durch die Verpflichtung eines Lieferanten, dem Abnehmer bestimmte Waren zu bestimmten Preisen zu liefern und ihm ein (örtlich) begrenztes ausschliessliches Bezugsrecht einzuräumen, wobei sich der Abnehmer als Gegenleistung zur Bezahlung der vereinbarten Preise und zur Förderung des Absatzes verpflichtet (vgl. BGE 100 II 450 f.; Tercier a.a.O., N 6964; Schluep/Amstutz, Basler Kommentar, N 131 Einl. vor Art. 184 ff. OR). 2.3 Die Parteien haben den Vertrag vom 14. März 1997 nicht nur ausdrücklich als Vertriebsvertrag bezeichnet, sondern in Ziffer 1 auch bestimmt, dass die Klägerin als Vertriebspartnerin in eigenem Namen und auf eigene Rechnung handelt. Die Vorinstanz hat den Vertrag der Parteien bundesrechtskonform nicht als Agenturvertrag, sondern als (verkehrstypischen) Innominatkontrakt qualifiziert. Die Klägerin begründet in der Berufungsschrift nicht, aus welchen Gründen sie Art. 418g Abs. 2 OR für sinngemäss anwendbar erachtet. Für eine analoge Anwendung dieser Bestimmung auf den Alleinvertriebsvertrag sind keine Gründe erkennbar und findet sich - soweit ersichtlich - keine Lehrmeinung (vgl. dagegen die Darstellung der Lehre zur Kundschaftsentschädigung bei Schluep/Amstutz, a.a.O., N 145 Einl. vor Art. 184 ff. OR). Ist aber Art. 418g Abs. 2 OR nicht anwendbar, so hat die Klägerin keinen vertraglichen Anspruch auf eine bestimmte Provision für alle Geschäfte mit den Neumaschinen der Beklagten, die im Vertragsgebiet durch Dritte getätigt werden. Die Vorinstanz hat ihr vielmehr zutreffend den Beweis dafür auferlegt, dass die Vertragsverletzung der Beklagten kausal war für den eingeklagten entgangenen Gewinn aus Drittgeschäften und dass die Klägerin tatsächlich einen Schaden in dieser Höhe erlitten hat (vgl. BGE 107 II 222 E. I/3, II/2). Nach den verbindlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid hat die Klägerin weder die Kausalität noch den Schaden bewiesen. Im Übrigen geht die Klägerin fehl in der Annahme, dass nur im ausservertraglichen Bereich ein adäquater Kausalzusammenhang Haftungsvoraussetzung sei. Auch die vertragliche Haftung setzt eine adäquate Kausalität zwischen Vertragsverletzung und Schaden voraus (BGE 107 II 238 E. 5a; Gauch/Schluep/Schmid/Rey, Schweizerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, Bd. II, 8. Aufl. 2003, N 2752 f.).