Citation: 6B_780/2010 13.01.2011 E. 7

7.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz verletze Art. 189 Abs. 1 StGB, indem sie die sexuellen Handlungen an B.________ (mit Ausnahme der Scheidenvorhofpenetration) unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung subsumiere. Es sei keine Nötigungshandlung gegeben, welche kausal für die sexuellen Handlungen sei. Die Aufforderung, niemandem etwas zu erzählen, genüge nicht. Es fehle an einer Zwangssituation kurz vor oder während der Handlungen, welche das Opfer haben kapitulieren lassen. Es hätte sich zudem den fortgesetzten Handlungen entziehen können, indem es nicht mehr in seine Wohnung gekommen wäre. In der Anklage werde zudem offen gelassen, inwiefern er das Opfer unter Druck gesetzt habe. 7.2 Die Vorinstanz erwägt, an die Intensität der Nötigung seien bei sexuellen Handlungen an Kindern geringe Anforderungen zu stellen. Selbst ein Schweigegebot könne bei einem Kind geeignet sein, die genügende Nötigungsintensität zu erzeugen, ohne dass es einer zusätzlichen Androhung von Nachteilen oder Versprechen von Vorteilen bedürfe. Der Beschwerdeführer sei für das Opfer kein Fremder gewesen. Es habe subjektiv wegen der erlebten Übergriffe unter einem schlechten Gewissen gelitten und sich lange Zeit nicht getraut, der Mutter etwas zu erzählen. Dadurch sei es in einen Teufelskreis geraten, welchen es erst zu durchbrechen gewagt habe, als es durch das Blut in seinem Slip geschockt gewesen sei. Er habe mit seinem Schweigegebot das noch sehr kindliche und unbeholfene Opfer darin bestärkt, selbst etwas Unrechtes getan zu haben. 7.3 Gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB macht sich der sexuellen Nötigung schuldig, wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Der Tatbestand erfasst auch solche Nötigungsmittel, die keinen unmittelbaren Bezug zur Gewalt aufweisen. Es sollen Opfer geschützt werden, die in eine ausweglose Situation geraten und denen es nicht zuzumuten ist, sich dem Vorhaben des gewaltfrei handelnden Täters zu widersetzen (vgl. BGE 131 IV 167 E. 3 S. 169 ff. mit Hinweisen). Der psychische Druck, welchen der Täter zur Schaffung einer Zwangslage erzeugen muss, hat die einer Gewaltanwendung oder Bedrohung vergleichbare Intensität zu erreichen, wobei Kindern eine weniger starke Gegenwehr zuzumuten ist (a.a.O. E. 3.1 S. 170 f.; BGE 131 IV 107 E. 2.4 S. 110 ff; vgl. zur strukturellen Gewalt BGE 128 IV 97 E. 2b S. 98 ff.; je mit Hinweisen). Ob strukturelle Verhältnisse, z.B. im Rahmen eines Erziehungsverhältnisses, als Nötigungsmittel für die sexuellen Ziele eingesetzt werden, ist anhand der konkreten Umstände zu entscheiden (BGE 131 IV 107 E. 2.4 S. 110 ff. mit Hinweisen). 7.4 Nach den vorinstanzlichen Feststellungen, wonach der in der Anklageschrift festgehaltene Sachverhalt erstellt ist (angefochtenes Urteil S. 70 f.), schloss der Beschwerdeführer bei den sexuellen Handlungen teilweise die Türe ab. Er liess auch vom Opfer nicht ab, als es sagte, es wolle die sexuellen Handlungen nicht bzw. als es weinte. Zudem hat er es angehalten, niemandem etwas zu sagen. Er hat das Opfer so unter Druck gesetzt, dass es sich nicht traute, sich gegen die sexuellen Handlungen zu wehren (angefochtenes Urteil S. 63 und S. 72 f.; vgl. Anklageschrift S. 3 f.). Die Vorkehrungen vor, während und nach den Taten genügen in ihrer Gesamtheit, um die zumutbare Gegenwehr des im Tatzeitraum siebeneinhalb bis neunjährigen Mädchens von Vornherein für alle weiteren sexuellen Handlungen zu unterbinden. Insbesondere musste sich das dem Beschwerdeführer kräftemässig massiv unterlegene Opfer nicht körperlich wehren, zumal eine solche Reaktion nicht erfolgversprechend gewesen wäre. Da der Beschwerdeführer die sexuellen Handlungen trotz zumutbaren Widerstandes fortsetzte, befand sich das Opfer angesichts seines jungen Alters in einer für den Tatbestand der sexuellen Nötigung erforderlichen psychischen Zwangslage. Die vorinstanzliche Würdigung, die sexuellen Handlungen mit B.________ (mit Ausnahme des Geschlechtsverkehrs) erfüllten den Tatbestand der sexuellen Nötigung nach Art. 189 Abs. 1 StGB, verletzt kein Bundesrecht.