Citation: U 85/07 06.12.2007 E. 5

5.1 Die Adäquanzbeurteilung nach HWS-Distorsionen (ohne organisch nachweisbare Unfallfolgeschäden) hat grundsätzlich nach der in BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 und 369 E. 4b S. 382 dargelegten Rechtsprechung mit ihrer fehlenden Differenzierung zwischen körperlichen und psychischen Beschwerden zu erfolgen (zum Ganzen BGE 123 V 98 E. 2a S. 99, 119 V 335). Von diesem Grundsatz ist abzuweichen, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber unmittelbar nach dem Unfall ganz in den Hintergrund treten oder die physischen Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben: diesfalls ist die Prüfung der adäquaten Kausalität praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall gemäss BGE 115 V 133 vorzunehmen (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [Urteil U 164/01 vom 18. Juni 2002]). 5.2 Aus den Akten geht hervor, dass der Kreisarzt Dr. med. C.________ im Bericht vom 11. Januar 2002 bereits eine beginnende Chronifizierung und Verarbeitungsstörungen feststellte. So seien Zeichen für eine Fibromyalgie, einer psychosozialen Problematik und ein Überlastungssyndrom vorhanden. Die Ärzte der Klinik V.________, bestätigen sodann in ihrem Bericht vom 19. Februar 2002 eine Schmerzverarbeitungsstörung, eine depressive Entwicklung mit passivem Verhaltensmuster und eine psychosoziale Belastungssituation. Dem Bericht vom 24. Mai 2002 der Psychiatrischen Klinik Y.________ ist die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiven Reaktion (ICD-10: F43.21) zu entnehmen. Anlässlich der am 21. Februar 2002 begonnenen ambulanten psychiatrischen/psychotherapeutischen Behandlung und antidepressiven Therapie bestätigten die Ärzte der Klinik Y.________ erneut in einem Bericht vom 24. März 2003 die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiven Reaktion. Im Psychiatrischen Gutachten der Klinik R.________ stellt Dr. med. E.________, Leitender Arzt Psychosomatik, in seinem Bericht vom 28. Dezember 2004 eine Dysthymia (ICD-10: F34.1) fest, der eine depressiv strukturierte Persönlichkeit zu Grunde läge, da die Beschwerdeführerin über Jahre hinweg eine überaus komplizierte Trauerreaktion emotional blockiere. Sodann handle es sich um eine gesundheitliche Problematik, die nicht auf den Unfall zurückzuführen sei, sondern mit der Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin und durch den Verlust von Familienangehörigen zusammenhinge. Insgesamt schildert das multidisziplinäre Gutachten der Klinik R.________ vom 21. Februar 2005 eine Beschwerdeführerin, deren Beschwerden nicht objektivierbar sind, zumal während den Untersuchungen Bewegungen eingeschränkt oder gar nicht machbar erschienen und unter Ablenkung Rotationen von mindestens 40° beobachtet werden konnten. Selbst eine anfänglich angenommene milde traumatische Hirnverletzung wird im Ergänzungsgutachten der Klinik R.________ vom 21. April 2005 schliesslich klar verneint. Sodann ist das Beschwerdebild der Versicherten höchst inkonsistent, so dass bei dieser Sachlage davon auszugehen ist, dass die zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma der HWS auftretenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorhanden sind, die geklagten Beschwerden jedoch mit einem psychischen Vorzustand zusammenhängen. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die physischen Beschwerden gesamthaft eine untergeordnete Rolle zwischen Unfall und Beurteilungszeitpunkt gespielt haben. Die psychischen Beschwerden sind dominierend, weshalb die Adäquanzbeurteilung nicht nach den für Schleudertrauma und schleudertraumaähnliche Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff: RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 E. 3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen hat (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437).