Citation: 6P.169/2004 09.03.2005 E. 5

Weiter stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, sofern Fahrlässigkeit bejaht würde, könne diese jedenfalls nicht als grob bezeichnet werden. Neben Art. 125 Abs. 2 StGB komme in diesem Fall lediglich Art. 90 Ziff. 1 SVG und nicht Art. 90 Ziff. 2 SVG zur Anwendung. 5.1 Eine einfache Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG wird mit Haft oder Busse bestraft. Demgegenüber droht Art. 90 Ziff. 2 SVG demjenigen Gefängnis oder Busse an, der durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend regelwidriges Verhalten, d.h. zumindest grobe Fahrlässigkeit. Diese ist immer zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen Fällen bedarf die Annahme grober Fahrlässigkeit jedoch einer sorgfältigen Prüfung (BGE 130 IV 32 E. 5.1). Verliert ein Fahrzeuglenker wegen Glatteises die Herrschaft über sein Fahrzeug, obwohl er von der Vereisung Kenntnis hatte oder eine solche als möglich erachtete, so ist sein Verhalten als grobfahrlässig im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG einzustufen, wenn die gefahrene Geschwindigkeit in hohem Masse von derjenigen abwich, welche nach Art. 32 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 4 Abs. 2 VRV den Umständen angemessen gewesen wäre. Wird der Lenker hingegen vom Glatteis überrascht, ist Grobfahrlässigkeit nur anzunehmen, wenn das Nichtbedenken der Vereisungsgefahr zudem verschuldensmässig schwer wiegt (Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 67; vgl. BGE 120 Ib 312 E. 4c S. 316; 92 IV 143 E. 4 S. 147). 5.2 Die Auffassung des Obergerichts, dass eine Geschwindigkeit von 100 km/h den gegebenen Umständen in hohem Masse unangepasst war, ist nicht zu beanstanden. Die Fahrbahn war nach den nächtlichen Schneefällen noch feucht und die Temperatur bewegte sich um den Gefrierpunkt. Das Bundesgericht hat bei ähnlichen Strassen- und Witterungsbedingungen denn auch schon eine Geschwindigkeit von 70 km/h als übersetzt angesehen (vgl. Urteil vom 26. März 1980, publiziert in Pra 69 Nr. 180 E. 2). Vorliegend kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer auf eine Brücke zufuhr, auf welcher die Gefahr einer Vereisung zusätzlich erhöht war. Gemäss den vorinstanzlichen Tatsachenfeststellungen zog der Beschwerdeführer die Möglichkeit, die Fahrbahn könnte vereist sein, nicht in Betracht. Dies ist nicht nachvollziehbar. Angesichts der kühlen Temperaturen, der frühmorgendlichen Tageszeit und den vereinzelten Schneeresten im Gras neben der Strasse hätte er trotz des kalendarischen Frühlingsbeginns bedenken müssen, dass sich die Aussentemperatur um den Gefrierpunkt bewegen und die feuchte Strasse gerade an einer exponierten Stelle wie auf dem fraglichen Fahrbahnabschnitt vereist sein könnte. Zu diesem Schluss hätte er umsomehr gelangen müssen, als das Fahrzeug vor ihm die ausgeschilderte Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h bei weitem nicht ausfuhr, sondern lediglich mit ca. 60 km/h unterwegs war. Da das Nichtbedenken der Vereisungsgefahr somit schwer wiegt, ist aufgrund der massiven Überschreitung der den Umständen angemessenen Geschwindigkeit von einem grobfahrlässigen Verhalten auszugehen. Die Vorinstanz hat den subjektiven Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG damit zurecht bejaht.