Citation: 6S.60/2006 25.04.2006 E. 4

4.1 Die bisherigen Sexualstraftaten des Beschwerdeführers, bei denen zur Hauptsache exhibitionistische Handlungen im Vordergrund standen, führten angesichts des nicht beträchtlichen Ausmasses der Ge-fahr zu Recht nicht zu einer Verwahrung im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 2 StGB. Sie scheiden als Anlasstaten mithin ohne weiteres aus, auch wenn davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer über seine zeitlich weit zurückliegenden Vorstrafen hinaus eingestandenermassen weitere derartige Handlungen gegenüber Kindern begangen hat (vgl. angefochtenes Urteil, E. 1.4c/aa mit Verweis auf die erstinstanzlichen Erwägungen). Denn diese Taten offenbaren nicht jenen Geisteszustand, der den Beschwerdeführer als besonders gefährlich im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 2. StGB erscheinen liesse. 4.2 Als mögliche Anlass- oder Symptomtat fällt daher einzig das begangene Sexualdelikt zum Nachteil von A.________ in Betracht. Dabei sind auch die weiteren Tatumstände zu berücksichtigen: Der Beschwerdeführer kam mit dem elfeinhalbjährigen Mädchen anlässlich eines Spaziergangs mit seinem Hund ins Gespräch, welches ihn in der Folge nach Hause begleitete und ihm in seine Wohnung folgte. Nachdem es dort vom Beschwerdeführer etwas zu Essen und Trinken erhalten hatte, fragte dieser das Mädchen, ob es sich einen Sexfilm anschauen wolle, was es bejahte. Im Wohnzimmer legte der Beschwerdeführer einen Film mit pornographischem Inhalt ein und verliess anschliessend den Raum. Nach einiger Zeit kam er - bereits unbekleidet - zurück und fragte das Kind, ob es die Sachen aus dem Film auch mit ihm machen wolle. A.________ zeigte sich mit dem Ansinnen des Beschwerdeführers "einverstanden". In der Folge kam es zweimal zu vaginalem und einmal zu analem ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Die fraglichen sexuellen Übergriffe auf das Mädchen A.________ wiegen insgesamt sehr schwer, obschon der Beschwerdeführer ohne Gewalt vorging. Die Tatschwere alleine lässt indes den Schluss auf eine Gemeingefährlichkeit des Beschwerdeführers nach den Anforderungen von Art. 43 StGB nicht zu. Dies gilt umso mehr, als es sich vorliegend um die erstmalige Begehung eines Delikts von solcher Tragweite handelt. Eine relevante Gefährlichkeit im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 2 StGB liesse sich deshalb nur bejahen, wenn ernsthaft damit gerechnet werden müsste, dass der Beschwerdeführer in Zukunft weitere Taten dieser Art beginge. Entscheidend ist somit die Frage, ob die heute zu beurteilenden strafbaren Verhaltensweisen gegen die sexuelle Integrität einmalig sind oder den Wendepunkt hin zu einer Verschlimmerung des Geisteszustands bilden. Von dieser zweiten Möglichkeit geht die Vorinstanz aus, ohne diese Auffassung allerdings näher zu begründen. Mit Blick auf den hier zur Diskussion stehenden Vorfall führt sie einzig aus, dass der Beschwerdeführer nun erstmals den Geschlechtsverkehr mit einem Kind vollzogen und damit eine weitere bedeutsame Schwelle bei seinem langjährigen sexualdeliktischen Treiben überschritten habe. Die Rückfallgefahr neuer exhibitionistischer Taten sowie eines neuerlichen Beischlafs mit einem Kind sei laut den Gutachten sehr hoch. Damit sei das Risiko eines erneuten Übergriffs gegen die sexuelle Integrität von Kindern eminent. Aus diesen Ausführungen geht indes nicht klar hervor, ob es sich um die Gefahr eines Rückfalls in vorwiegend exhibitionistische Handlungen - die grundsätzlich nicht zu einer Verwahrung führen können - oder in schwerere Straftaten handelt. Auch die dem vorinstanzlichen Entscheid zugrunde liegenden Gutachten befassen sich mit dieser Fragestellung nicht. Dasjenige vom 30. August 2004 lässt sich - mangels entsprechender Fragen - zur Notwendigkeit einer Verwahrung und dem Kriterium der Gefährlichkeit des Beschwerdeführers überhaupt nicht aus. Das Kantonsgericht des Kantons Glarus holte deshalb ein weiteres Gutachten ausschliesslich zur Frage der Verwahrungsbedürftigkeit des Beschwerdeführers ein. Auch in diesem Gutachten vom 25. April 2005 finden sich jedoch keine eindeutigen Aussagen zur Notwendigkeit der Verwahrung bzw. der Gefährlichkeit des Beschwerdeführers. Dass eine sichernde Massnahme eine Möglichkeit bildet, einen Straftäter von weiteren Straftaten abzuhalten, ist evident, sagt aber nichts über die Notwendigkeit für deren Anordnung im konkreten Fall aus. Richtig ist, dass die Frage der Verhältnismässigkeit vom Richter zu entscheiden ist. Doch muss sich der Richter für diesen Entscheid auf eine schlüssige und klare gutacherliche Beurteilung stützen können. Diesen Anforderungen vermag das fragliche Gutachten hinsichtlich der vom Beschwerdeführer ausgehenden Gefährdung für die Allgemeinheit nicht zu genügen. Zwar bejaht es eine erhebliche Wiederholungsgefahr auch für sexuelle Übergriffe, wie sie vorliegend erstmals zu beurteilen waren, doch begründet es diese Annahme nur unzureichend mit dem lapidaren Hinweis, das jetzige Delikt des Beschwerdeführers liege nicht völlig ausserhalb seines bisherigen Verhaltens. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der sich hier stellenden Problematik erfolgt nicht. Insoweit gibt das Gutachten keine (schlüssige) Auskunft über die Gefährlichkeit des Beschwerdeführers bzw. über die Frage, ob dessen Straftaten im Zusammenhang mit A.________ einmalig sind oder einen Wendepunkt hin zu einer Eskalation bzw. einer Verschlimmerung der sexuellen Enthemmung darstellen. Die Verwahrung gemäss Art. 43 Ziff. 1 Abs. 2 StGB ist angesichts der Schwere dieses Eingriffs in die persönliche Freiheit des Betroffenen "ultima ratio" und darf nicht angeordnet werden, wenn die bestehende Gefährlichkeit auf andere Weise behoben werden kann (BGE 127 IV 1 E. 2a; 118 IV 108 E. 2a, je mit Hinweisen). Angesichts der Tragweite der Entscheidung für den Betroffenen ist der Einhaltung der formellen Voraussetzungen für die Anordnung der Verwahrung strikte Nachachtung zu verschaffen. Dazu gehört die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens, das sich zu den entscheidrelevanten Fragen aus fachärztlicher Sicht klar und schlüssig äussert (Urteile des Kassationshofs 6S.258/2005 vom 24. September 2005 E. 2.3 sowie 6S.46/2004 vom 2. April 2004 E. 2.4). Insgesamt ergibt sich, dass die tatsächlichen Verhältnisse im zu beurteilenden Fall nicht genügend abgeklärt sind, so dass die Rechtsanwendung der Vorinstanz nicht überprüft werden kann. Der angefochtene Entscheid ist nach Art. 277 BStP aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen.