Citation: U 136/06 02.05.2007 E. 3

3.1 Verschlimmert der Unfall einen krankhaften Vorzustand oder lässt er ihn überhaupt erst manifest werden, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate) Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn dieser also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b mit Hinweisen). 3.2 Anders als die Beschwerdeführerin meint, hat das kantonale Gericht keineswegs eine von der Kürze der Leistungsdauer abhängige Verschärfung des Beweismasses vorgegeben. Seine Entscheidung folgt vielmehr aus der Feststellung einer Beweislücke hinsichtlich der Frage, ob die - initial unbestrittene - kausale Bedeutung des Unfalls innert weniger als einem halben Jahr vollständig weggefallen sei. Es trifft zu, dass die Gesundheitsschädigung weitestgehend dem massiven Vorzustand zuzuschreiben ist und dem leichten Unfall dementsprechend nur untergeordnete Bedeutung zukommt. Nach der unter E. 3.1 hiervor dargestellten Praxis genügt dies aber, um die Haftung des obligatorischen Unfallversicherers zu begründen. Der Umstand, dass die Kniegelenksdistorsion dem zuvor offenbar asymptomatischen Charakter des Knieleidens ein Ende setzte, ändert nichts an dessen Qualität eines spezifischen Ereignisses, das einer eigentlichen Teilursache und nicht einer beliebig austauschbaren Gelegenheits- oder Zufallsursache entspricht (dazu Urteil U 413/05 vom 5. April 2007, E. 4.2). Die Befürchtung des Unfallversicherers, die vorinstanzlichen Begründungsvorgaben führten faktisch zu einer Perpetuierung seiner Leistungspflicht, ist unbegründet. Indikation und Gegenstand der Operation vom 4. Februar 2003 (Valgisations-Osteotomie [Durchtrennung und teilweise Entfernung eines Knochens zur Korrektur einer Fehlstellung]; Teilmeniskektomie; Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes) zeigen, dass damit Zustände behoben wurden, ohne deren Vorhandensein die - als solche morphologisch nicht sicher isolierbaren (Bericht des Dr. H.________ vom 8. Januar 2004) - Unfallfolgen wohl nicht denkbar gewesen wären. Nach der operativen Sanierung des Kniegelenks fehlt dementsprechend wohl die Grundlage für eine weitere, auf der Wechselwirkung zwischen Vorzustand und Unfallfolgen beruhende "prolongierte Schmerzsymptomatik". Ein eventueller Residualzustand nach der Operation stellte insofern kaum mehr eine Unfallfolge dar. Der Rechtsstreit entzündet sich denn auch an der Tatsache, dass der Unfallversicherer die Einstellung seiner Leistungen just auf einen Zeitpunkt wenige Tage vor dem grossen operativen Eingriff terminierte. Weil ein versicherter Unfall auch dann haftungsbegründender Kausalfaktor für eine bestimmte Gesundheitsschädigung sein kann, wenn er für deren Eintritt bloss zeitlich bestimmend war (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181), ist entscheidend, ob die zuvor latente Operationsindikation durch die unfallbedingte Aktivierung des Vorzustands zur akuten geworden ist, der Zeitpunkt des (früher oder später vielleicht ohnehin notwendig gewordenen) Eingriffs mit anderen Worten durch das versicherte Trauma bestimmt wurde, oder aber ob der Operationsbedarf lediglich bei Gelegenheit der unfallbedingten kurativen und diagnostischen Handlungen entdeckt wurde, ohne dass der Zeitpunkt des Eingriffs einen inneren Zusammenhang mit dem Unfall aufwiese. Die Frage bedarf der auf medizinische Erfahrungswerte gestützten Klärung. Diesen Zweck erfüllen die Ausführungen des Dr. H.________ auch soweit nicht, als dort davon die Rede ist, der Status quo sine sei "rein theoretisch" auf anfangs Februar 2003 zu situieren (Bericht vom 8. Januar 2004). Eine solche Festlegung ist nur beweiskräftig, wenn sie auf der Grundlage anerkannter medizinischer "Evidenz" (im Sinne von validierten Forschungsergebnissen) erfolgt und entsprechend begründet ist. 3.3 Aus dem medizinischen Dossier lässt sich nach dem Gesagten nicht herleiten, dass die Folgen des versicherten Ereignisses im Zeitpunkt der Leistungseinstellung für das damals bestehende Beschwerdebild mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bedeutungslos geworden waren. Der angefochtene Entscheid besteht daher zu Recht.