Citation: 1P.437/2002 06.11.2002 E. 3

Schliesslich rügt der Beschwerdeführer die Beweiswürdigung der kantonalen Instanzen als willkürlich. Er habe sich an der inkriminierten Schiesserei nicht beteiligt und auch keine Waffe getragen. Bei objektiver Betrachtung der Beweisergebnisse bestünden erhebliche Zweifel an seiner Täterschaft. 3.1 Als Beweiswürdigungsregel besagt die (auf Art. 32 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK gestützte) Maxime "in dubio pro reo", dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41; 124 IV 86 E. 2a S. 88; 120 Ia 31 E. 2c S. 37, je mit Hinweisen). 3.2 Das Bundesgericht legt sich bei der Überprüfung von Beweiswürdigungen im Strafprozess Zurückhaltung auf. Es kann demnach nur eingreifen, wenn der Sachrichter den Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des ganzen Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an dessen Schuld fortbestanden (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41; 120 Ia 31 E. 2d S. 38, je mit Hinweisen). Wird mit staatsrechtlicher Beschwerde eine willkürliche Beweiswürdigung gerügt, reicht es nicht aus, wenn der Beschwerdeführer zum Beweisergebnis frei plädiert und darlegt, wie seiner Auffassung nach die vorhandenen Beweise richtigerweise zu würdigen gewesen wären, wie er dies in einem appellatorischen Verfahren mit freier Rechts- und Tatsachenüberprüfung tun könnte. Er muss gemäss ständiger Rechtsprechung vielmehr aufzeigen, inwiefern die angefochtene Beweiswürdigung die Verfassung dadurch verletzen sollte, dass sie im Ergebnis offensichtlich unhaltbar wäre (vgl. BGE 127 I 38 E. 3c S. 43; 125 I 71 E. 1c S. 76; 124 I 208 E. 4a in fine S. 211, je mit Hinweisen). Willkür im Sinne von Art. 9 BV liegt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtes vor, wenn der angefochtene kantonale Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41; 125 II 10 E. 3a S. 15, 129 E. 5b S. 134; 124 I 208 E. 4a S. 211; 124 IV 86 E. 2a S. 88, je mit Hinweisen). 3.3 Dem Schuldspruch der kantonalen Instanzen (im Anklagepunkt der Gefährdung des Lebens und des verbotenen Waffentragens) liegt zur Hauptsache folgende Beweiswürdigung zugrunde: Es sei unbestritten, dass es kurz vor der inkriminierten Schiesserei vom 21. Mai 1999 zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschwerdeführer und B.________ gekommen sei. Sowohl B.________ als auch der Augenzeuge C.________ hätten im Wesentlichen übereinstimmend und glaubhaft ausgesagt, dass beide Kontrahenten aufeinander geschossen hätten. Die Darstellung des Beschwerdeführers erscheine demgegenüber in mehrfacher Hinsicht widersprüchlich und insgesamt unglaubhaft. Aus dem Umstand, dass am Tatort lediglich acht Patronenhülsen der von B.________ verwendeten Pistole "SIG-Sauer" gefunden wurden, könne nicht geschlossen werden, dass nur dieser geschossen hätte. Aufgrund der Aussagen des Zeugen C.________ (wonach der eine Kontrahent eine grosse Waffe benutzt habe, bei deren Abfeuern ein grosser Feuerball sichtbar gewesen sei) sei anzunehmen, dass es sich bei der Waffe des Beschwerdeführers um einen Trommelrevolver gehandelt habe. Bei der Schussabgabe aus einer solchen Waffe werde neben dem Mündungsfeuer auch das sogenannte Trommelfeuer sichtbar. Ausserdem blieben die Patronenhülsen nach der Schussabgabe in der Revolvertrommel. Der Zeuge C.________ habe auch nicht ausgesagt, dass insgesamt höchstens acht Schüsse gefallen seien. Dass beim Beschwerdeführer keine Schmauchspuren gefunden wurden, entlaste ihn ebenfalls nicht entscheidend, zumal er bis zum Eintreffen der Polizei genügend Zeit und Gelegenheit gehabt habe, allfällige Schmauchspuren an Kleidern und Haut zu beseitigen bzw. sich umzuziehen. 3.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, am Tatort seien acht Patronenhülsen gefunden worden, die alle der Waffe von B.________ zuzuordnen seien. Ausserdem beruft er sich auf den Umstand, dass keine Schmauchspuren und keine Tatwaffe bei ihm sichergestellt worden seien sowie auf die Aussagen von C.________. Dieser habe anlässlich der polizeilichen Befragung vom 22. Mai 1999 zu Protokoll gegeben, dass insgesamt "sicher sieben bis acht Schüsse" gefallen seien. Daraus schliesst der Beschwerdeführer, es stehe fest, dass keiner der von C.________ wahrgenommenen Schüsse von ihm, dem Beschwerdeführer, habe abgegeben werden können. Die gegenteilige Annahme der kantonalen Instanzen sei willkürlich. 3.5 Die tatsächlichen Feststellungen der kantonalen Instanzen sind sachlich vertretbar. Der Umstand, wonach am Tatort nur (acht) Patronenhülsen aus der Pistole "SIG-Sauer" von B.________ gefunden wurden, lässt sich willkürfrei damit erklären, dass der Beschwerdeführer vermutlich einen Trommelrevolver (ohne automatischen Patronenhülsenauswurf) verwendet hat. Die Aussagen von B.________ und C.________ lassen auf die Verwendung eines Trommelrevolvers schliessen. Gemäss Untersuchungsakten wurde die mutmassliche Tatwaffe am 20. Juni 1999 in der Nähe des Wohnortes des Beschwerdeführers in Wetzikon von der Polizei sichergestellt. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers steht die Aussage von C.________ mit diesen Erwägungen nicht im Widerspruch. Dieser hat nicht behauptet, es seien höchstens sieben bis acht Schüsse gefallen. Seine Aussage, es seien "sicher" sieben bis acht Schüsse abgegeben worden, lässt sich willkürfrei (und dem umgangssprachlichen Wortsinn entsprechend) dahingehend interpretieren, dass er zumindest sieben bis acht Schüsse wahrgenommen habe. Weshalb keine Schmauchspuren beim Beschwerdeführer erhoben werden konnten, wurde von den kantonalen Instanzen ebenfalls willkürfrei erklärt. 3.6 B.________ sagte bei seinen polizeilichen und untersuchungsrichterlichen Einvernahmen vom 15. und 17. Juni 1999 bzw. vom 7. Juli 1999 aus, dass es am 21. Mai 1999 zwischen ihm und dem Beschwerdeführer wegen Geldschulden des Beschwerdeführers zu einem Streit gekommen sei. Auf dem Parkplatz eines Warenhauses in Wetzikon habe der Beschwerdeführer mehrmals mit einem Revolver auf ihn geschossen. Daraufhin habe er, B.________, mit seiner Pistole "SIG-Sauer" zurückgeschossen. Anlässlich einer Gegenüberstellung mit dem Beschwerdeführer vom 7. Juli 1999 bestätigte B.________ seine detaillierten Aussagen, mit denen er sich teilweise selbst belastete. Der Beschwerdeführer bestritt hingegen, geschossen zu haben. An der Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Hinwil vom 20. März 2001 räumte er ein, es sei zwischen ihm und B.________ wegen Geldschulden zu einem Streit gekommen. B.________ habe auf ihn geschossen, während er (der Beschwerdeführer) keine Schusswaffe verwendet habe. Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 22. Mai 1999 bestätigte C.________ die Darstellung B.________s. Als Auskunftsperson sagte er detailliert und glaubhaft aus, dass beide an der Auseinandersetzung beteiligten Personen wechselseitig aufeinander geschossen hätten. Es seien dabei "sicher sieben bis acht Schüsse" gefallen. Anlässlich der untersuchungsrichterlichen Konfrontationseinvernahme vom 7. Juli 1999 bestätigte C.________ als Zeuge seine Aussage. Er bekräftigte dabei, dass "mit Sicherheit" aus zwei Waffen und von beiden beteiligten Personen geschossen worden sei. Am 20. Juni 1999 fand die Polizei in der Nähe des Wohnortes des Beschwerdeführers in Wetzikon einen Revolver, der mit B.________s Beschreibung der Tatwaffe des Beschwerdeführers übereinstimmt. 3.7 Nach dem Gesagten beruht der Schuldspruch der kantonalen Instanzen nicht auf willkürlichen tatsächlichen Annahmen. Und bei objektiver Würdigung der gesamten Beweisergebnisse ergeben sich auch keine offensichtlich erheblichen und schlechterdings nicht zu unterdrückenden Zweifel daran, dass sich der Beschwerdeführer an der inkriminierten Schiesserei beteiligt hat.