Citation: 6B_280/2018 E. 3.7

3.7. Der Beschwerdeführer wendet unbehelflich ein, die Vorinstanz nehme willkürlich an, es lasse sich nicht mehr eruieren, wie verbindlich und eindeutig die fragliche Anweisung an den Geschädigten bezüglich des Weges gewesen sei (Beschwerde S. 11). Er legt indes nicht dar, aus welchen Akten sich das Gegenteil ergeben sollte. Entgegen dem Beschwerdeführer ist ohnehin nicht "allein massgebend", dass eine Anweisung an den Geschädigten erfolgt ist. Massgebend ist, dass der Beschwerdeführer die Gefahrenstelle nicht gesichert hat. Der Beschwerdeführer wendet sich ebenfalls gegen die Annahme der Vorinstanz betreffend den neu eröffneten Zugang von der Südseite her durch die Erstellung des Gerüsts. Die Vorinstanz habe damit die Anweisungen an den Geschädigten unterschlagen (Beschwerde S. 13). Erneut ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer die Gefahrenstelle von allem Anfang an hätte sichern müssen (oben E. 3.5). Dass der Geschädigte "eigenmächtig den ihm wohl bequemer und schneller erscheinenden Weg über die Eternitdächer" nehmen könnte (Beschwerde S. 13), war nach aller Erfahrung vorauszusehen. Alle drei Arbeiter wählten diesen Weg. Es lässt sich nicht ernsthaft annehmen, dass die Arbeiter in der bestehenden Arbeitssituation den vom Beschwerdeführer gezeigten, höchst umständlichen und wohl ebenfalls nicht unproblematischen Weg auch tatsächlich jedes Mal beschreiten würden. Vom Gegenteil auszugehen, würde angesichts der Arbeitsrealität bereits die Fahrlässigkeit eines Sicherheitsverantwortlichen begründen. Das Verhalten des Beschwerdeführers (nämlich die unterlassene Sicherung bzw. Erstellung eines von Anfang an sicheren Zugangs) war nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens geeignet, einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen (BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64). Damit ist die Adäquanz zu bejahen. Der Einwand des Beschwerdeführers, den Geschädigten treffe ein Mitverschulden, vermag ihn nicht zu entlasten. Das Strafrecht kennt keine Verschuldenskompensation. Dieses Mitverschulden bildet keinen "ganz aussergewöhnlichen Umstand" im Sinne der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs, mit dem schlechthin nicht gerechnet werden musste und der derart schwer wiegt, dass er alle anderen Ursachen, namentlich das Verhalten des Beschwerdeführers in den Hintergrund drängt (BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64 f.). Wer eine spezifische Kontrollverantwortung innehat, muss mit Fehlern rechnen (Urteil 6B_174/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.4.2 [Arztstrafrecht]). Der adäquate Kausalzusammenhang wird unterbrochen, wenn zu einer an sich adäquaten Ursache eine andere Ursache hinzutritt, die einen derart hohen Wirkungsgrad aufweist, dass erstere nach wertender Betrachtungsweise als rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint; entscheidend ist die Intensität der beiden Ursachen (BGE 130 III 182 E. 5.4 S. 188). Das Verhalten eines Dritten vermag den Kausalzusammenhang nur zu unterbrechen, wenn diese Zusatzursache derart ausserhalb des normalen Geschehens liegt, derart unsinnig ist, dass damit nicht zu rechnen war (BGE 142 IV 237 E. 1.5.2 S. 244; Urteil 6B_1388/2017 vom 4. April 2018 E. 4.5.2 und 4.5.3 [Sportunfall]). Das Verhalten des Geschädigten liegt nicht derart ausserhalb des normalen Geschehens, ist nicht derart unsinnig, dass damit nicht zu rechnen war. Der Sachverhalt lässt sich nicht mit jenem im Urteil 6S.262/2006 vom 23. Oktober 2006 E. 2.2 vergleichen, wo sich der ausgebildete Polier nicht an die Weisung des Baustellenleiters hielt, bis zum Abschalten der Fahrleitung mit der Arbeit zuzuwarten. In casu unterliess es der Beschwerdeführer eine nach aller Erfahrung augenscheinlich gefährliche Situation entgegen eindeutigen Vorschriften zu sichern. Mit einer blossen Anweisung an den Geschädigten entschärfte er weder diesen Gefahrenherd noch genügte er den allgemein einleuchtenden Vorschriften. Als nicht unterbrechenskausal gewertet werden kann überdies der "zeitnahe" THC-Konsum des Geschädigten. Kausal wirkte sich aus, dass der Geschädigte beim Abholen des für den Gerüstbau benötigten Materials beim Rückweg auf dem First durch das nicht gesicherte Dach einbrach (oben E. 3.2 in fine).