Citation: 6B_74/2023 E. 1.4.3

1.4.3. Die Vorinstanz stellt fest, der Beschwerdeführer habe vor seinem Abbiegemanöver in den Rückspiegel und in den Seitenspiegel geschaut. Sie führt aus, ob er zusätzlich einen Kontrollblick über die Schulter getätigt habe, könne offenbleiben. Dem Beschwerdeführer ist zu folgen, wenn er rügt, dies sei relevant und dürfe nicht offen gelassen werden. Die Vorinstanz erwägt in ihrer rechtlichen Würdigung, dass der Beschwerdeführer nicht ohne Weiteres auf den Abstellplatz hätte abbiegen dürfen, als er das Motorrad bei einem Blick über die Schulter nicht mehr habe sehen können. Vielmehr hätte er sich vergewissern müssen, wo sich das Motorrad in diesem Moment befunden habe. Sie gelangt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer das Abbiegemanöver mangels Rücksichtnahme auf den rückwärtigen Verkehr ungenügend vorbereitet habe, sei es indem er zum entscheidenden Zeitpunkt gar keinen direkten Kontrollblick über die Schulter gemacht habe, oder sei es indem er sich nach diesem angeblichen Kontrollblick über die Schulter nicht vergewissert habe, wo sich das seit längerer Zeit nachfolgende Motorrad zu diesem Zeitpunkt befunden habe (Urteil S. 19 f.). Damit scheint die Vorinstanz die Funktion des Kontrollblicks über die Schulter zu verkennen. Dieser dient dazu, einen Verkehrsteilnehmer im sogenannten "toten Winkel" zu erblicken. Er dient aber gerade nicht dazu, ein sich hinter dem eigenen Fahrzeug befindendes anderes Fahrzeug wahrzunehmen. Dass der Beschwerdeführer beim angeblichen Schulterblick das Motorrad gemäss seinen Angaben nicht gesehen habe (vgl. Akten Staatsanwaltschaft, act. 2 Frage 8 ff.), würde somit nicht bedeuten, dass er sich erneut hätte nach hinten vergewissern müssen. Vielmehr wäre genau das Nichtwahrnehmen des Motorrads im Schulterblick für den Beschwerdeführer die letzte Bestätigung dafür gewesen, sein Abbiegemanöver einleiten zu dürfen. Folglich wird die Vorinstanz prüfen müssen, ob der Beschwerdeführer den Kontrollblick über die Schulter getätigt hat, wie er dies in seinen von der Vorinstanz als glaubhaft bezeichneten Aussagen geltend macht. Dabei wird sie neben den bei den Akten liegenden Beweismitteln auch die konkreten Umstände - Örtlichkeiten, gefahrene Tempi etc. - zu berücksichtigen haben.