Citation: 1C_194/2020 E. 6.3

6.3. Die Vorinstanz vertritt ausserdem die Auffassung, nach Abschluss eines Strafverfahrens rücke der Anspruch der betroffenen Personen auf Wahrung ihres Privatlebens und ihr "Recht auf Vergessenwerden" in den Vordergrund. Das trifft grundsätzlich zu: Eine verurteilte Person kann zwar kein eigentliches "Recht auf Vergessen" - im Sinne eines absoluten Anspruchs, dass ein gegen sie ergangenes Strafurteil nach Ablauf einer gewissen Zeit nie mehr zugänglich gemacht wird - für sich in Anspruch nehmen (Urteil 1B_510/2017 vom 11. Juli 2018 E. 3.4). Richtig ist aber, dass im Strafrecht mit zunehmender zeitlicher Distanz zu einem Verfahren dem Schutz der Persönlichkeit der Prozessbeteiligten und der Resozialisierung der verurteilten Personen erhöhtes Gewicht zukommt (oben E. 5.4; MÜLLER/SCHEFER, a.a.O., 2008, S. 977; vgl. Urteil 1C_616/2018 vom 11. September 2019 E. 2.4). Dieser Einwand der Vorinstanz vermag jedoch im vorliegenden Fall nicht zu überzeugen: Dem angefochtenen Entscheid lässt sich nicht einmal entnehmen, aus welchem Jahr das interessierende Urteil des Kriminalgerichts datiert und ob es zu einer Verurteilung oder zu einem Freispruch gekommen ist. Die Vorinstanz substanziiert auch die von ihr angeführten privaten Geheimhaltungsinteressen nicht. Im angefochtenen Entscheid ist bloss in abstrakter Weise die Rede von "konkreten und handfesten Geheimhaltungsinteressen" der vom strittigen Urteil des Kriminalgerichts betroffenen Personen; worin diese liegen sollen, wird nicht ausgeführt. Weiter nimmt die Vorinstanz auch keine Gewichtung der angeblichen Interessen vor, die einer Einsichtnahme durch den Beschwerdeführer entgegenstehen könnten. Ebensowenig scheint sie geprüft zu haben, ob allfällige private Geheimhaltungsinteressen durch eine Anonymisierung des Entscheids gewahrt werden könnten, wiewohl dies nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts in der Regel der Fall ist. Sofern diese Möglichkeit im vorliegenden Fall wider Erwarten ausser Betracht fiele, könnte ausnahmsweise - als mildere Massnahme anstelle einer gänzlichen Verweigerung der Einsicht - eine bloss teilweise Offenlegung des Urteils in Betracht fallen.