Citation: 6B_536/2021 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz befasst sich ausführlich mit der Frage der Massnahmebedürftigkeit und der Verhältnismässigkeit einer stationären Massnahme i.S.v. Art. 59 StGB, einschliesslich deren Dauer. Sie setzt sich einlässlich mit den Einschätzungen des forensisch-psychiatrischen Sachverständigen, Dr. med. D.________, auseinander und hat diesen anlässlich der Hauptverhandlung vom 12. Januar 2021 befragt. Die Beschwerdeführerin leide an einer psychischen Störung in Form einer schweren schizoaffektiven Störung, die im Hinblick auf den erfolgten Angriff auf das Opfer von hoher Deliktrelevanz sei. Das ursprüngliche Gutachten von Dr. med. D.________ sei laufend aktualisiert worden und die Einschätzung berücksichtige die neuesten Entwicklungen. Die psychische Störung sei grundsätzlich mittels Pharmakotherapie und einer damit verbundenen störungs- und deliktsorientierten Psychotherapie gut behandelbar. Auch eine Psychoedukation sei erforderlich, damit die Beschwerdeführerin vertieftere Einsicht in die Mechanismen ihrer Erkrankung gewinnen könne. Wichtig sei die Schaffung einer Tagesstruktur sowie einer relativ engmaschigen Betreuung durch psychiatrisch geschultes Fachpersonal, wobei auch das soziale Umfeld in enger Weise einbezogen werden müsse. Ohne adäquate Behandlung bestünde eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit für erneute Gewaltdelikte bis hin zu Tötungsdelikten aufgrund zunehmender Wahnsymptomatik mit Realitätsverkennungen und Verwirrtheitszuständen. Der Gutachter habe ursprünglich, nämlich bis zum Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, eine ambulante Massnahme mit sehr engmaschigem ambulanten Setting empfohlen. Dies sei dadurch motiviert gewesen, einen Mittelweg zwischen den Interessen der Beschwerdeführerin und dem kantonalen Amt für Straf- und Massnahmenvollzug zu finden. Namentlich aufgrund des Scheiterns der vorzeitigen stationären Massnahme in der Klinik E.________ trotz etablierter Depotmedikation sei dazumal weder ein schneller Antritt einer stationären Massnahme noch zügige Lockerungen im Rahmen einer solchen realistischerweise zu erwarten gewesen. Zudem wurde berücksichtigt, dass sich eine sehr engmaschige ambulante Massnahme kaum von einer initial stationären Massnahme mit raschen Vollzugslockerungen unterscheide. Aufgrund der seit der erstinstanzlichen Hauptverhandlung eingetretenen Ereignisse, nämlich einem weiteren - trotz etablierter Depotmedikation - gescheiterten Versuch, die Beschwerdeführerin in einem geschlossenen Setting unterzubringen, mit dem Ziel einer Überführung in ein ambulantes Setting, käme in Übereinstimmung mit der aktualisierten Einschätzung des Gutachters ein ambulantes Setting nicht länger in Frage. Es sei schlicht nicht anzunehmen, dass sich die Beschwerdeführerin in einem ambulanten Setting - mit weniger Tagesstruktur, geringerer Reizabschirmung und damit einhergehend einer deutlich grösseren Gefahr einer Reizüberflutung - bewähren wird, da sie bereits mehrfach in einem stationären Setting gescheitert sei. Angesichts des hohen Risikos für die Begehung schwerster Delikte bis hin zu Tötungsdelikten und des bisherigen Behandlungsverlaufs sei nicht mehr vertretbar, das erhebliche Risiko eines Scheiterns einer ambulanten Massnahme einzugehen. Die Schlussfolgerungen des Gutachters in seinem Ergänzungsgutachten vom 21. Dezember 2020 seien in jeder Hinsicht nachvollziehbar, schlüssig und überzeugend. Namentlich seine zwischenzeitlich vertretene vermittelnde Haltung, es mit einem engmaschigen ambulanten Setting zu versuchen, sei durch die Ereignisse im Nachgang der erstinstanzlichen Hauptverhandlung überholt. Die stationäre Massnahme wird von der Vorinstanz in Achtung des Verhältnismässigkeitsprinzips und in Anlehnung an die Empfehlung des Sachverständigen auf drei Jahre befristet. Mit der zeitlichen Beschränkung solle sowohl der Vollzugsbehörde als auch der Beschwerdeführerin ein klares Signal gesendet werden, dass die Massnahme rasch vorangetrieben und Vollzugslockerungen möglichst bald ins Auge zu fassen seien.