Citation: I 228/03 22.09.2003 E. 3

Es bleibt zu prüfen, ob seit dem 1. Januar 2001 ein Rentenanspruch entstanden ist. 3.1 Im Gutachten der MEDAS vom 3. April 1998 werden - mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit - ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom, ein chronisches zervikozephales Syndrom, ein vorwiegend funktionelles Hemisyndrom links und ein Status nach ischämischem Insult mit passagerem diskretem Hemisyndrom links 1990 sowie - ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit - Nikotinabusus diagnostiziert. Nach Ansicht der Fachärzte wird die Arbeitsfähigkeit von panvertebralen Beschwerden mit vegetativen Begleitsymptomen und von einem demonstrativen Hemisyndrom bestimmt. Diese Leiden hätten sich nach Verlust der Arbeitsstelle und nach der Ausweisung aus der Schweiz (im Jahr 1992) bei schwieriger psychosozialer, lebensumständebedingter Situation entwickelt. Insgesamt hätten die ausgedehnten Untersuchungen weder in somatischer noch in psychischer Hinsicht objektivierbare Befunde ergeben, welche die frühere Tätigkeit als Gipser oder eine Beschäftigung als Hilfsarbeiter in einer leichteren, rückenschonenden Tätigkeit wesentlich einschränkten. Infolge der Chronifizierung und Generalisierung des Schmerzsyndroms sowie des aggravatorischen Verhaltens müsse die Prognose "skeptisch" gesehen werden. Dafür seien aber vorwiegend psychosoziale und psychokulturelle Faktoren verantwortlich. Die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit ist unter Ausschluss invaliditätsfremder Aspekte zu beurteilen. Wie dem ausführlichen und schlüssigen MEDAS-Gutachten zu entnehmen ist, bestehen auf Grund des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers keine Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit. Für die Erwerbslosigkeit sind vielmehr psychosoziale und psychokulturelle Faktoren, welche zu den invaliditätsfremden Gründen gehören, ursächlich (vgl. BGE 127 V 299 Erw. 5a). Die IV-Stellenärztin, Frau Dr. E.________, zweifelt in ihrer Stellungnahme vom 4. Oktober 2001 das Ergebnis der MEDAS-Begutachtung nicht an, fügt aber hinzu, dass die Arbeitsunfähigkeit als Hilfsgipser 70 % betragen würde, falls man dem Versicherten die geklagten panvertebralen Rückenbeschwerden abnehme. Entgegen der Auffassung der Rekurskommission kann auf diese unter Vorbehalt geäusserte Meinung der IV-Stellenärztin nicht abgestellt werden, weil sie gleichzeitig ausdrücklich darauf hinweist, dass sich dieses Leiden demonstrativer und aggravatorischer Tendenzen des Versicherten wegen nicht objektivieren lasse. Gestützt auf das MEDAS-Gutachten ergibt sich, dass auch im Zeitraum vom 1. Januar 2001 bis zum Verfügungserlass (8. August 2001), welcher rechtsprechungsgemäss die Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen), kein Rentenanspruch entstanden ist. Der die ablehnende Verwaltungsverfügung bestätigende Entscheid der Rekurskommission vom 24. Februar 2003 ist somit im Ergebnis rechtens. 3.2 Die vom Versicherten dagegen erhobenen Einwände vermögen nicht zu einem anderen Schluss zu führen. Soweit er die bereits im vorinstanzlichen Verfahren entkräfteten Rügen wiederholt, kann vollumfänglich auf die richtigen Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden. Entgegen seiner Auffassung kann sodann aus der Angabe des Dr. D.________ vom 22. August 2001, es bestehe eine 50%ige Invalidität, der Bemerkung im Arztbericht des Dr. L.________ vom 12. März 2003, die Arbeitsfähigkeit sei deutlich reduziert, sowie aus der Stellungnahme des Dr. N.________ vom 24. April 2003, wonach eine Arbeitsunfähigkeit von über 80 % bestehe, nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden. Abgesehen davon, dass es nicht die Aufgabe von medizinischen Fachpersonen ist, sich zur Invalidität zu äussern (Erw. 1 hiervor), sind die Feststellungen der Dres. D.________, L.________ und N.________ teils überhaupt nicht, teils lediglich mit einem Verweis auf die diagnostizierten Krankheiten begründet. Die kurzen Stellungnahmen der Dres. N.________ (vom 20. März und 24. April 2003), K.________ (vom 12. März 2003) und L.________ (vom 12. März 2003) enthalten keine Angaben zur Krankengeschichte - im Bericht des Dr. N.________ vom 20. März 2003 wird einzig vermerkt, dass der Versicherte keine "frühere Dokumentation" besitze. Damit kommt ihnen für den Zeitraum vor den Begutachtungen im März 2003 keine Aussagekraft zu. Unbeachtet bleibt zudem bei all diesen Berichten, in welchem Umfang die zweifellos vorhandene psychosoziale und psychokulturelle Belastungssituation für den Antriebsmangel verantwortlich ist. Da schliesslich für eine zwischen der Erstellung des MEDAS-Gutachtens (vom 3. April 1998) und dem Verfügungserlass (8. August 2001) allfällig eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes keinerlei Anhaltspunkte vorliegen, spricht entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers auch in zeitlicher Hinsicht nichts gegen die Massgeblichkeit des MEDAS-Gutachtens. Weil der nach Ablauf der Beschwerdefrist unaufgefordert eingereichte Bericht des Dr. N.________ vom 24. April 2003 für den Ausgang des vorliegenden Verfahrens nicht relevant ist, kann schliesslich offen bleiben, ob er in prozessual zulässiger Weise zu den Akten gegeben wurde (BGE 127 V 353). 3.3 Da angesichts dieser Sachlage für den vorliegend massgebenden Zeitraum bis zum Erlass der Verfügung von weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind, kann von der beantragten Einholung zusätzlicher Arztberichte abgesehen werden (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b; RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50 Erw. 3.4; Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., S. 39 Rz 111 und S. 117 Rz 320). Es muss folglich bei der Feststellung bleiben, dass es an den Voraussetzungen für eine Rente der Invalidenversicherung fehlt.