Citation: 5P.287/2001 15.11.2001 E. 5

5.- Das Kantonsgericht hat einen Teil der Genugtuungsansprüche als verwirkt betrachtet. Es ist davon ausgegangen, es lägen drei Sachverhaltskomplexe vor, die je für sich eine Verwirkungsfrist ausgelöst hätten (E. 2 S. 13); mit Bezug auf die beiden ersten sei die Frist längst abgelaufen (E. 3 und 4 S. 13 f. des angefochtenen Entscheids). Willkür erblickt die Beschwerdeführerin darin, dass das Kantonsgericht nicht ein Gesamtverhalten der vormundschaftlichen Organe im Sinne einer verjährungsrechtlichen Einheit angenommen habe; die Persönlichkeitsverletzung habe erst mit ihrer letzten Eingabe bzw. mit Volljährigkeit des älteren Kindes ein Ende gefunden. a) Nach den massgebenden Bestimmungen des kantonalen Verantwortlichkeitsgesetzes hat der Geschädigte das Schadenersatzbegehren innerhalb eines Jahres, "nachdem er von der Schädigung Kenntnis erhalten hat", spätestens aber zehn Jahre nach der schädigenden Handlung dem Bezirksammann einzureichen (Art. 4 VG/SG, frühere Fassung). Es geht dabei unangefochten um eine Verwirkungsfrist, deren Beginn die kantonale Praxis nach den Grundsätzen zu Art. 60 Abs. 1 OR bestimmt. Das Genugtuungsbegehren ist unstreitig am 18. August 1999 beim Bezirksammann gestellt worden. Ferner kann sich die Verantwortlichkeit der Beschwerdegegnerin nur auf die Zeit ab 1. Oktober 1990 beziehen, dem Zeitpunkt der Übernahme der Beistandschaft. b) Die Beschwerdeführerin hebt richtig hervor, dass jedes irgendwie geartete menschliche Verhalten einen Eingriff in die Persönlichkeit oder - genauer gesagt - in Persönlichkeitsrechte bedeuten kann (vgl. zum Begriff: BGE 120 II 369 E. 2 S. 371). Der Eingriff kann in einer einmaligen Handlung bestehen oder in einem Zustand andauernder oder immer wieder erneuter Verletzung (vgl. Tercier, a.a.O., N. 560 ff. S. 82). Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin hat das Kantonsgericht nicht einfach in drei Beschlüssen der vormundschaftlichen Behörden Persönlichkeitsverletzungen gesehen, sondern drei Phasen unterschieden, in denen Persönlichkeitsverletzungen stattgefunden haben sollen; diese hätten sich in den behördlichen Beschlüssen "manifestiert" (E. 2 S. 13; vgl. auch lit. C Abs. 1 bis 3 hiervor). Die Begründung ist unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden; darauf und auf die überzeugenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in ihrer kantonalen Berufungsantwort zu dieser Frage (act. 9, S. 7 ff.) kann verwiesen werden. Selbst wenn mit der Beschwerdeführerin davon ausgegangen werden wollte, das Verhalten der vormundschaftlichen Organe hänge enger zusammen, könnte ihr nicht uneingeschränkt gefolgt werden. Wie sie selber betont, ist der Beistandswechsel im Frühjahr 1995 nicht nur auf Grund der gutachterlichen Empfehlung erfolgt, sondern namentlich auch dank ihres Insistierens (ad Ziffer 4 S. 15 der Beschwerdeschrift). Mit der Entlassung des Beistands, den die Beschwerdeführerin wesentlich für all das Geschehene und für Ehrverletzungen verantwortlich gemacht hatte, suchte die Beschwerdegegnerin im Frühjahr 1995 offenkundig einen Neuanfang und wollte Vertrauen begründen, das die Beschwerdeführerin dann ja durch den Missbrauch des Besuchsrechts im August 1995 enttäuschte. Ohne Willkür durfte insoweit - auch auf Grund der Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin - angenommen werden, dass mit der Entlassung des Beistands eine eigentliche Zäsur in der Führung der Beistandschaft über die Kinder und im Verhalten der zuständigen Behörden gegenüber der Beschwerdeführerin eintrat; ihre Genugtuungsansprüche dürfen deshalb als zumindest auf zwei - zeitlich und sachlich voneinander abgrenzbare - Sachverhaltskomplexe gestützt betrachtet werden. c) Im Unterschied zu einem Verletzungszustand (z.B. BGE 126 III 161 E. 3 S. 163, eine Pressekampagne betreffend) beginnt die Verjährung - hier: Verwirkung (E. 5a soeben) - bei mehreren Sachverhaltskomplexen ab Kenntnis des jeweiligen Schadens. Es kann gesagt werden, es komme auf den Zeitpunkt an, in dem der betroffenen Person das genugtuungsbegründende Leid widerfahren ist und sie sich Rechenschaft darüber geben muss, dass keine Besserung mehr zu erwarten ist (z.B. Keller, Haftpflicht im Privatrecht, II, 2.A. Bern 1998, S. 287). Wird die Führung der Beistandschaft zeitlich in zwei Phasen unterteilt, hat die Frist spätestens nach Bekanntgabe des Beschlusses vom 26. Mai 1995 zu laufen begonnen. In jenem Zeitpunkt haben die Ergebnisse der zweiten Begutachtung vorgelegen, auf Grund derer die Beschwerdeführerin keinen Zweifel mehr daran haben konnte, dass die im Dezember 1992 vollzogene Umplatzierung der beiden Kinder und die Einschränkungen des persönlichen Kontakts aufrecht erhalten bleiben würden; das zweite Gutachten hat sich - wie frühere Gutachten und Berichte durchaus in Würdigung ihrer Verdienste - unmissverständlich gegen eine alleinige Pflege und Erziehung durch die Beschwerdeführerin ausgesprochen. Der Beschluss vom 26. Mai 1995 hat nicht nur diese gutachterlichen Ergebnisse eröffnet, sondern auch die Ausführungen des Beistands in seinem Schlussbericht enthalten, die die Beschwerdeführerin in ihrer Ehre verletzt haben sollen; dadurch ist auch diese Persönlichkeitsverletzung durch den entlassenen Beistand der Beschwerdeführerin endgültig zur Gewissheit geworden. Im Ergebnis erscheint die Annahme des Kantonsgerichts aus den dargelegten Gründen nicht als willkürlich, dass allfällige Genugtuungsansprüche, die die Beschwerdeführerin aus Ereignissen vor dem Beschluss vom 26. Mai 1995 ableitet, im Zeitpunkt der Klageerhebung verwirkt gewesen sind (Art. 9 BV; vgl. zum Begriff: 127 I 54 E. 2b S. 56 und 60 E. 5a S. 70).