Citation: 2C_573/2014 E. 3.3

3.3. Die Dauer des Aufenthalts der betroffenen ausländischen Person ist bei der Interessenabwägung somit nur ein Kriterium unter anderen: Zu berücksichtigen ist zuwanderungsrechtlich - ergänzend zu den bereits genannten Aspekten - auch der bisherige nach dem nationalen Recht mehr oder weniger gefestigte Aufenthaltsstatus (vgl. das EGMR-Urteil Jeunesse gegen Niederlande vom 3. Oktober 2014 [Nr. 12738/10] Ziff. 108). Im EGMR-Urteil Gezginci gegen die Schweiz hatten es die schweizerischen Behörden abgelehnt, einem türkischen Staatsbürger nach einem ursprünglich rechtmässigen, später illegal gewordenen Aufenthalt von über 30 Jahren eine humanitär begründete Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, und ihn und seine Tochter angehalten, das Land zu verlassen. Zwar bejahte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Anwendbarkeit von Art. 8 EMRK unter dem Titel des Schutzes des Privatlebens, erachtete den damit verbundenen Eingriff indessen als gerechtfertigt: Die strafrechtlichen Verurteilungen wögen nicht schwer, doch habe sich der 56-jährige Beschwerdeführer längere Zeit illegal im Land aufgehalten, sich nie richtig integriert (häufiger Stellenwechsel, Arbeitslosigkeit, Fürsorgeabhängigkeit usw.) und die Beziehungen zu seiner Heimat aufrechterhalten; sein Gesundheitszustand lasse die Rückkehr dorthin zu, weshalb ein fairer Ausgleich der Interessen gewahrt sei (EGMR-Urteil Gezginci gegen Schweiz vom 9. Dezember 2010 [Nr. 16327/05] Ziff. 80).