Citation: 6B_557/2021 E. 2.3

2.3. Strittig ist vorliegend die Legalprognose bzw. die Frage, ob anzunehmen ist, dass der Beschwerdeführer in Freiheit keine weiteren Verbrechen oder Vergehen begehen werde. Die übrigen Voraussetzungen von Art. 86 Abs. 1 i.V.m. Abs. 5 StGB (u.a. zeitliches Erfordernis und Wohlverhalten im Vollzug) erachtet die Vorinstanz als erfüllt (Urteil S. 9 f.; vgl. bereits Urteil 6B_809/2016 vom 31. Oktober 2016 E. 5). Sie hält fest, das Vollzugsverhalten des Beschwerdeführers sei zwar seit mehreren Jahren als gut zu bezeichnen, was sich legalprognostisch eher positiv auswirke. Auch zusammen mit seinem bestenfalls neutral zu wertenden Vorleben, wobei die genauen früheren Lebensumstände nicht objektivierbar seien, vermöge dies die Legalprognose nicht entscheidend zu verbessern. Ausschlaggebend sei vorliegend, dass primär die Persönlichkeit des Beschwerdeführers und in etwas geringerem Ausmass auch die zu erwartenden Lebensumstände nach einer bedingten Entlassung gegen eine positive Legalprognose sprächen. So sei die Sachverständige im forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 23. Juni 2014 davon ausgegangen, dass die hohe Aggressions- und Gewaltbereitschaft in der Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers verankert sei und fortbestehe, auch wenn sich diese nicht im Alltag oder in einer psychischen Erkrankung, sondern nur in bestimmten Konstellationen manifestiere. Im Rahmen der Anlasstat seien ausgeprägte gewaltfördernde Persönlichkeitsmerkmale und psychopathologische Merkmale wie Kaltblütigkeit, fehlende Empathie und Reue, oberflächliche Affekte, fehlende Verhaltenskontrolle und sadistische Züge zum Vorschein gekommen. Die Persönlichkeit des Beschwerdeführers stelle somit auch zukünftig ein deutlich erhöhtes Risiko für Gewaltdelikte dar. Ferner sei - so die Sachverständige - die fehlende Auseinandersetzung mit der Anlasstat als prognostisch äusserst ungünstig zu werten. Aufgrund seiner fehlenden Auseinandersetzungsbereitschaft und seines falschen Selbstbilds (hinsichtlich seiner Gewaltbereitschaft) habe der Beschwerdeführer keine Deliktarbeit aufgenommen. Bei fehlendem Gewaltkonzept und fehlender Einsicht in seine deliktfördernden Persönlichkeitsmerkmale besitze der Beschwerdeführer kein inneres deliktpräventives Management zur Verhinderung erneuter Gewalthandlungen. Ungünstig sei gemäss Gutachten ebenfalls, dass der Beschwerdeführer - trotz durchgeführter Psychotherapie - keine suchtpräventiven Strategien zur Vermeidung eines Alkohol- oder Drogenrückfalls erarbeitet habe. Aus Mangel an Störungseinsicht bestehe beim Beschwerdeführer auch keine Behandlungsbereitschaft. Die Sachverständige habe festgehalten, dass die realen Therapiemöglichkeiten zur Behandlung der gewaltfördernden oder sonstigen deliktfördernden Persönlichkeitsanteile des Beschwerdeführers begrenzt seien und ein Behandlungserfolg höchstens langfristig zu erreichen wäre. Es müsste eine grundlegende Persönlichkeitsveränderung stattfinden. Insgesamt habe die Sachverständige ein moderates Rückfallrisiko für zukünftige Aggressionshandlungen mit mittelschweren Opferschäden und ein geringes bis moderates Risiko für Gewalttaten mit schweren Opferschäden angenommen, je nach (nicht vollständig geklärtem) Bewusstseinszustand bei der Anlasstat. Die Vorinstanz gelangt in der Folge zum Schluss, dass die gutachterlichen Ausführungen noch aktuell sind und sich die deliktsrelevanten, durch den Reifungsprozess nur teilweise beeinflussbaren Persönlichkeitsmerkmale des Beschwerdeführers in den mehr als sechs Jahren seit Erstellung des Gutachtens nicht wesentlich verändert hätten. So hätten in dieser Zeit mangels Einsicht in seine Defizite und deren Behandlungsbedürftigkeit sowie mangels Behandlungsbereitschaft des Beschwerdeführers weder eine forensisch-psychiatrische, deliktpräventive Therapie noch sonstige Massnahmen stattgefunden, die auf eine grundlegende Veränderung seiner problematischen Persönlichkeitsanteile hätten hinwirken können. Was durch den Reifungsprozess an zusätzlichen Sozialkompetenzen zu erlangen gewesen sei, habe der Beschwerdeführer mehrheitlich schon zum Begutachtungszeitpunkt erreicht gehabt. Die dem Beschwerdeführer zugeschriebenen Eigenschaften und die in der Persönlichkeitsstruktur fest verankerte Gewaltbereitschaft liessen sich hingegen nach allgemeiner Lebenserfahrung auch im Vollzugsalltag nicht ohne Weiteres verändern. Schliesslich erwägt die Vorinstanz im Rahmen der Differentialprognose, neben dem Umstand, dass die Gefahr der Begehung weiterer Straftaten im Falle von lebenslangen Freiheitsstrafen bei einer Vollverbüssung der Strafe naturgemäss geringer sei als bei einer bedingten Entlassung, falle vorliegend ins Gewicht, dass sich die Rückfallgefahr durch ein Verbleiben im Strafvollzug verringern lasse, sofern sich der Beschwerdeführer auf die benötigte deliktpräventive Therapie einlasse. Weil dies nicht ausgeschlossen erscheine und die betroffenen Rechtsgüter, die bei einem Rückfall allenfalls bedroht wären, besonders hochwertig seien, egal ob in der Schweiz oder im Heimatland des Beschwerdeführers, rechtfertige es sich, zwecks Verringerung des Rückfallrisikos nichts unversucht zu lassen. Insofern sei eine vorläufige Beibehaltung des Freiheitsentzugs einer bedingten Entlassung auch aus spezialpräventiven Gründen vorzuziehen (Urteil S. 11 ff.).