Citation: 6P.26/2006 18.10.2006 E. 5

Gestützt auf die - teilweise bereits unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten geprüften - tatsächlichen Feststellungen über die Kenntnisse der Geschädigten im Bereich der derivativen Finanzinstrumente wird im angefochtenen Entscheid die Unerfahrenheit im Sinne von Art. 157 StGB bejaht. Die ebenfalls erhobene Nichtigkeitsbeschwerde richtet sich gegen diese Qualifikation. Die Vorinstanz geht in Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 130 IV 106 E. 7.3 S. 109) davon aus, dass es sich bei der Unerfahrenheit im Sinne von Art. 157 StGB um eine allgemeine Unkenntnis im betreffenden Geschäftsbereich handeln müsse und die blosse Unkenntnis der im Einzelfall relevanten Gegebenheiten nicht genüge. Sie stellt fest, dass die vier Geschädigten im Umgang mit traditionellen Finanzinstrumenten wie Festanlagen, Aktien oder Obligationen zumindest über laienhafte Kenntnisse verfügten, ihnen hingegen Kenntnisse über derivative Finanzinstrumente, insbesondere über Terminkontrakte und über den Einsatz von Optionen, abgingen. Durchschnittliche Kenntnisse in Bank- und Anlagegeschäften erlauben nach Ansicht der Vorinstanz noch nicht, die Unerfahrenheit gemäss Art. 157 StGB auch mit Bezug auf den Einsatz von Derivaten zu verneinen, da es sich beim Letzteren um einen Geschäftsbereich mit besonderen Gesetzmässigkeiten handle, die nicht ohne eingehendes Studium erfasst werden könnten. Der Beschwerdeführer kritisiert diese Auffassung als unzutreffend und verweist darauf, dass die vier Geschädigten alle erfahrene Geschäftsleute seien, die sich in finanziellen Belangen auskennten. Dieser Umstand vermöchte die Unerfahrenheit gemäss Art. 157 StGB auszuschliessen, wenn die Geschädigten beim Vertragsabschluss über die Besonderheiten der Geschäfte mit Derivaten so weit aufgeklärt worden wären, dass sie die damit verbundenen spezifischen Risiken und das angewandte Geschäftsmodell in den Grundzügen hätten verstehen können. Der Beschwerdeführer behauptet zu Unrecht, dass eine solche Aufklärung erfolgte. In den Vereinbarungen mit der Y.________ AG bestätigten die Geschädigten wohl, über die Risiken des Handels mit derivativen Finanzinstrumenten und insbesondere auch über die Möglichkeit des Totalverlusts orientiert worden zu sein. Nach den verfassungsrechtlich nicht zu beanstandenden Feststellungen der Vorinstanz (vgl. E. 4) wurden jedoch die vier Geschädigten über die wirtschaftlichen Zusammenhänge des Derivatgeschäfts nicht informiert, und es wurden ihnen auch nicht die Grundlagen geliefert, die es ihnen durch eigenes Studium ermöglicht hätte, die Berechnungsart der Kommissionen und die praktisch inexistenten Gewinnchancen zu erkennen. Vielmehr fehlten ihnen bereits die Grundkenntnisse zum genauen Verständnis der abgeschlossenen Geschäfte. Die Folgerung der Vorinstanz, die Geschädigten seien als unerfahren im Sinne von Art. 157 StGB anzusehen, steht unter diesen Umständen im Einklang mit dem Bundesrecht.