Citation: 6B_660/2009 03.11.2009 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer beanstandet die Verletzung von Bundesrecht durch eine fehlerhafte Anwendung von Art. 90 Ziff. 2 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV, SR 741.11) betreffend ausreichender Abstand beim Hintereinanderfahren. 3.2 Nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz folgte der Beschwerdeführer bei trockener Fahrbahn mit seinem Lieferwagen einem Sattelschlepper in einem Abstand von fünf bis maximal zehn Metern auf einer Fahrstrecke von mindestens 2000 Metern mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h. Beim vorausfahrenden Sattelschleppertyp handelte es sich um einen Kastenaufbau. In der Position des Beschwerdeführers war jegliche Sicht am Sattelschlepper vorbei unmöglich. Es herrschte auf dem fraglichen Strassenabschnitt zur Tatzeit erheblicher Auto- und Lastwagenverkehr (angefochtenes Urteil, S. 21). 3.3 Gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG ist gegenüber allen Strassenbenützern ausreichender Abstand zu wahren, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und Hintereinanderfahren. Nach Art. 12 Abs. 1 VRV hat der Fahrzeugführer beim Hintereinanderfahren einen ausreichenden Abstand zu wahren, so dass er auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten kann. Wer Verkehrsregeln des Strassenverkehrsgesetzes oder der Vollziehungsvorschriften des Bundesrates verletzt, wird mit Busse bestraft (Art. 90 Ziff. 1 SVG). Wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Busse bestraft (Art. 90 Ziff. 2 SVG). 3.4 Das Bundesgericht hatte sich in einem jüngeren Entscheid mit der Frage zu befassen, was unter einem "ausreichenden Abstand" im Sinne von Art. 34 Abs. 4 SVG zu verstehen ist (BGE 131 IV 133 E. 3.1 mit Hinweisen). Es erwog, dass dies von den gesamten Umständen abhänge. Dazu gehörten unter anderem die Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse sowie die Beschaffenheit der beteiligten Fahrzeuge. Die Wahrung eines ausreichenden Abstands beim Hintereinanderfahren stelle eine Regel von grundlegender Bedeutung dar, zumal viele Unfälle auf ungenügenden Abstand zurückzuführen seien. Das Bundesgericht führte weiter aus, dass die Rechtsprechung keine allgemeinen Grundsätze zur Frage entwickelt habe, bei welchem Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei günstigen Verhältnissen, eine einfache Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG anzunehmen sei. Im Sinne von Faustregeln seien als minimal noch zulässiger Abstand die Regel "halber Tacho" (entsprechend 1,8 Sekunden) und die Zwei-Sekunden-Regel weitherum bekannt und im französischen Strassenverkehrsrecht explizit verankert. Es bestehen im Übrigen auch keine allgemeinen Grundsätze zur Frage, bei welchem Abstand in jedem Fall eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG anzunehmen ist. Die Praxis in Deutschland qualifiziert einen Abstand von weniger als 0,8 Sekunden als gefährdenden Abstand (vgl. die Hinweise in BGE 131 IV 133 E. 3.2.2). In der schweizerischen Lehre wird etwa vorgeschlagen, einen Abstand von 0,6 Sekunden oder weniger als grobe Verkehrsregelverletzung zu qualifizieren (JÜRG BOLL, Grobe Verkehrsregelverletzung: Eine eingehende Darstellung der Praxis des Bundesgerichtes, 1999, S. 57 f.). Das Bundesgericht hat keine allgemeinen Grundsätze zur Frage entwickelt, bei welchem Abstand in jedem Fall eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG anzunehmen ist, bejahte jedoch eine solche bei einem Abstand von 0,33 Sekunden (BGE 131 IV 133 E. 3.2.3) bzw. 0,4 Sekunden (Urteil 6B_534/2008 vom 13. Januar 2009 E. 3.2-3.5). 3.5 Der objektive Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet (BGE 131 IV 133 E. 3.2; 130 IV 32 E. 5.1 je mit Hinweisen). Der Abstand des Beschwerdeführers zum Lastwagen betrug über die gesamte Wegstrecke fünf bis maximal zehn Meter. Dies entspricht bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h maximal 1/8 Tacho, mithin einem zeitlichen Abstand von ca. 0,45 Sekunden. Ein derart geringer Abstand zu einem die Sicht versperrenden Sattelschlepper bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h auf der im Tatzeitpunkt stark befahrenen Autobahn N 1 zwischen Zürich und Winterthur begründet eine erhöhte abstrakte Gefahr und ist, wie die Vorinstanz zu Recht folgert, objektiv als grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG zu qualifizieren. 3.6 Ob eine schwere Verkehrsregelverletzung auch vorliegen würde, wenn der Abstand zum vorausfahrenden Lastwagen, wie vom Beschwerdeführer behauptet, im Bereich von mindestens 15 Metern gelegen hätte, braucht nicht entschieden zu werden, da die Vorinstanz willkürfrei festgestellt hat, dass der Abstand zwischen dem Fahrzeug des Beschwerdeführers und dem Lastwagen maximal zehn Meter betrug.