Citation: 8C_555/2022 E. 3.1

3.1. Das kantonale Gericht kam nach Würdigung der konkreten Umstände zum Schluss, es liege ein schweres Verschulden vor. In Art. 45 Abs. 3 lit. c AVIV seien für diesen Fall zwischen 31 - 60 Einstelltage vorgesehen. Die für die Beschwerdeführerin verbindliche AVIG-Praxis ALE konkretisiere die Verordnungsbestimmung dahingehend, dass bei der erstmaligen Ablehnung einer zugewiesenen zumutbaren und unbefristeten Stelle bzw. eines Zwischenverdienstes zwischen 31 - 45 Einstelltage zu verfügen seien (Rz. D79 2.B1). Wenn ein Rahmen an Einstelltagen vorgegeben sei, wie ihn die AVIG-Praxis ALE vorsehe, dann sei auch innerhalb des grundsätzlich feststehenden schweren Verschuldens weiter zu differenzieren, welche Anzahl an Einstelltagen im Einzelfall angemessen sei. Die Beschwerdegegnerin habe es vorliegend - wenn auch ohne entschuldbaren Grund - versäumt, sich rechtzeitig bei einer vermittelten Stelle zu melden. Es gebe jedoch keine Hinweise darauf, dass sie diese aktiv bzw. ausdrücklich abgelehnt oder sich bewusst nicht darum gekümmert und diese ignoriert hätte. Vielmehr sei die Rückmeldung schlicht vergessen gegangen. Anhaltspunkte für erschwerende Umstände seien nicht ersichtlich. Einem blossen, unbewussten Versäumnis könne jedoch nicht derselbe Vorwurf gemacht werden wie etwa einer aktiven Ablehnung einer Stelle. Es rechtfertige sich im vorliegenden Fall daher nicht, die höchstmöglichen Einstelltage für eine erstmalige Ablehnung einer zumutbaren Stelle zu verhängen. Damit liege ein triftiger Grund vor, um von der Ermessensausübung der Beschwerdeführerin abzuweichen. Mit Blick auf das konkret Vorgefallene erscheine eine Sanktionierung mit 31 Einstelltagen als angemessen.