Citation: 4A_314/2022 E. 3.4.4

3.4.4. Es waren gerade die besonderen Risiken des Motorfahrzeugs, welche den Gesetzgeber dazu veranlassten, mit der Kausalhaftung eine für den Fahrzeughalter strengere Haftung einzuführen. So birgt der Verkehr mit Motorfahrzeugen besondere Gefahren, die vor allem auf den schnellen Eigenantrieb des Motorfahrzeugs und die daraus resultierenden Phänomene zurückzuführen sind. Hierzu zählen unter anderem Schwierigkeiten beim Anhalten und Ausweichen von Hindernissen, mangelnde Stabilität, Lärm oder Vibrationen (BGE 81 II 554 E. 2). Aufgrund dieser mit dem Motorfahrzeugbetrieb verbundenen Gefahr vieler und zum Teil auch sehr schwerer Unfälle schafft der Betrieb eines Motorfahrzeugs eine Gefahr, die nach dem Gefahrensatz zu Schutzmassnahmen verpflichtet. Entsprechend würde bereits die Inbetriebnahme eines Motorfahrzeugs an sich ein Verschulden darstellen, wenn sie nicht aufgrund des öffentlichen Interesses am Motorfahrzeugverkehr entschuldigt würde. Die eingeführte Kausalhaftung dient dabei dem Ausgleich dieser Gefährdung, welche mit der Zulassung des Motorfahrzeugverkehrs geschaffen wurde (OFTINGER / STARK, a.a.O., S. 149). Der Begriff des Betriebs ist daher dergestalt auszulegen, dass darin die aus öffentlichem Interesse von der Rechtsordnung entschuldigte Schaffung einer Gefahr enthalten ist (OFTINGER / STARK, a.a.O., S. 149). Mithin wird der Begriff des Betriebes und damit einhergehend die Kausalhaftung auch durch dieses öffentliche Interesse begrenzt. Dabei besteht durchaus ein öffentliches Interesse daran, dass das Motorfahrzeug sich fortbewegen, am Verkehrsbetrieb teilnehmen oder an einem dafür vorgesehenen und geeigneten Ort abgestellt werden kann. Die mit diesem öffentlichen Interesse einhergehende Gefahr schwerer Unfälle unter anderem aufgrund der Geschwindigkeit und der Masse des Motorfahrzeugs werden von der Kausalhaftung erfasst. Kein öffentliches Interesse ist hingegen darin zu erkennen, dass ein Motorfahrzeug in einem noch erhitzten Zustand an einem leicht entflammbaren und daher nicht zu diesem Zweck vorgesehenen oder geeigneten Ort abgestellt werden kann. Die damit verbundene Brandgefahr kann nicht mit der Zulassung des Motorfahrzeugverkehrs durch den Gesetzgeber entschuldigt werden. Sie unterliegt entsprechend auch nicht der Kausalhaftung von Art. 58 Abs. 1 SVG.