Citation: 9C_724/2015 E. 5.2

5.2. Die medizinischen Akten zeigen, dass die Ärzte zunächst gestützt auf die somatischen Befunde in einer angepassten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert hatten. Nebst Dr. med. B.________ (vgl. E. 5.1 hievor) ging auch Dr. med. E.________, Chirurgie FMH, speziell Handchirurgie, am 4. Dezember 2003 davon aus, der Versicherte sei in einer angepassten Tätigkeit sofort arbeitsfähig (sofern der linke Arm nicht manuell belastet werde). In der Folge wurde zunehmend ein dysfunktionaler Umgang mit den Schmerzen bei ausgeprägtem Vermeidungsverhalten festgestellt (vgl. Gutachten des Dr. med. J.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 4. Mai 2007) und bereits anlässlich der zweiten beruflichen Abklärung (vom 15. Mai bis 7. Juli 2006) äusserten die Fachpersonen den Verdacht auf eine psychische Überlagerung des somatischen Leidens. Obwohl die mit dem Versicherten befasst gewesenen Ärzte schon vor Erlass der Verfügung vom Frühling 2008 und erst recht in den nachfolgenden Berichten vorrangig ein durch die erhobenen Befunde nur teilweise erklärbares (chronisches neuropathisches) Schmerzsyndrom festgehalten (Austrittsbericht der Klinik K.________ vom 5. Januar 2007; Bericht des Dr. med. E.________ vom 11. Februar 2009) und die Ärzte am Medizinischen Zentrum G.________ mit Bericht vom 27. Februar 2009 an erster Stelle eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) diagnostiziert hatten, unterblieb - nach dem zutreffenden Hinweis der Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 19. Juni 2014 - eine Auseinandersetzung mit der bis Juni 2015 gültig gewesenen Rechtsprechung völlig, wonach anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare Leiden nur ausnahmsweise eine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken vermochten. Die Vorinstanz hat nicht nur vollkommen zu Recht den gänzlich unbegründet gebliebenen Kurzbericht des Dr. med. B.________ vom 11. Dezember 2007 für nicht nachvollziehbar und die darauf basierenden Rentenverfügungen für qualifiziert unrichtig erachtet (vgl. z.B. Urteil 8C_473/2014 vom 7. Oktober 2014 E. 3.2). Die ursprünglichen Leistungszusprachen von 2008 und 2009 halten auch deswegen vor den bundesrechtlichen Vorgaben klar nicht Stand, weil insbesondere in der Einschätzung des Dr. med. B.________ vom Dezember 2007 und in der Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. D.________ vom Oktober 2009 jegliche Auseinandersetzung mit der Schmerzrechtsprechung unterblieb. Dies ist umso weniger nachvollziehbar, als nach der von keiner Seite in Frage gestellten, die Anforderungen an eine beweistaugliche Expertise zweifellos erfüllenden psychiatrischen Begutachtung des Dr. med. J.________ keine relevante psychiatrische Einschränkung festgestellt werden konnte und bereits in den damaligen medizinischen Akten sowohl erhebliche Diskrepanzen zwischen den geltend gemachten Limitierungen und den erhobenen Befunden, als auch bedeutende psychosoziale Belastungsfaktoren dokumentiert sind (z.B. ungeplante Schwangerschaft der Ehefrau, Eheprobleme, Krebserkrankung der Mutter, Suizidversuche des Vaters). Dass die Ärzte zunehmend die Schmerzproblematik in den Vordergrund stellten und berufliche Massnahmen zwei Mal wegen der vom Versicherten geklagten erheblichen Schmerzen abgebrochen werden mussten, ändert vor diesem Hintergrund nichts daran, dass bei einer Gesamtbetrachtung zweifellos weder im Frühjahr 2008 noch im Dezember 2009 eine Rente hätte zugesprochen werden dürfen.