Citation: I 594/02 04.03.2004 E. 5

5.1 Vorliegend ist der Versicherte unstreitig in die Indikationsstufe 3 einzureihen, dies entsprechend dem Ergebnis des regel- und verfahrenskonform erfolgten Abklärungsverfahrens. Jedoch erachtete die Vorinstanz ein spezifisches Eingliederungsbedürfnis, das einer ausnahmsweise über die tarifarisch vorgesehenen Preislimiten hinausgehenden Versorgung bedürfe, als ausgewiesen. Sie erwog dazu, der Versicherte arbeite als Netzwerkmanager bei der W.________ AG. Wie er anlässlich der Parteiverhandlung ausgeführt habe, bestehe seine Arbeit vor allem darin, grossräumige Netzstörungen sowie Störungen bei einzelnen Abonnenten und Abonnentinnen zu beheben. Er arbeite in der Regel am Computer; da er zur Behebung der Störungen manche Stunde mit Kunden am Telefon verbringe, benutze er ständig eine Sprechgarnitur. Im Pikettfall müsse er überdies mit dem Mobiltelefon kommunizieren. Auf Grund dieses Anforderungsprofils (keine Störungen durch Bildschirm und Mobiltelefon sowie Sprechgarniturtauglichkeit) habe ihm die Hörberatung O.________ AG im September 2000 zwei Geräte zur Auswahl gestellt, wobei nur das Hörgerät des Typs Widex Senso CIC, welches er dann tatsächlich bezogen habe, sprechgarniturtauglich gewesen sei. Die IV-Stelle habe in der Verhandlung ausgeführt, dass es sich beim abgegebenen teureren Gerät um ein so genanntes Im-Ohr-Gerät handle; im Gegensatz dazu sei der zweite von der Hörberatung angebotene Apparat ein so gennantes Hinter-Ohr-Gerät, bei welchem das Mikrofon oben beim Ohr angebracht sei. Der Telefonhörer müsse bei diesem Gerät horizontal gehalten werden, was aber eine Sache der Gewöhnung sei. Sodann habe die IV-Stelle eingeräumt, dass sich ein Hinter-Ohr-Gerät schlecht mit einer Sprechgarnitur vertrage. Der Versicherte habe diese Aussage dahingehend präzisiert, dass es beim gleichzeitigen Tragen einer Sprechgarnitur und eines Hinter-Ohr-Geräts nach einer halben Stunde «unangenehm» werde, da es «drücke». Würde er hingegen ohne Sprechgarnitur arbeiten, müsste er den Telefonhörer zwischen Schulter und Ohr einklemmen; dies wäre nach Angaben des Versicherten sehr anstrengend, gerade in denjenigen Fällen, in denen die Behebung der Störung längere Zeit in Anspruch nehme. Die Vorinstanz erwog, aus diesen unbestrittenen und glaubwürdigen Aussagen ergebe sich, dass der Versicherte in seiner Tätigkeit, welche ganz überwiegend am Bildschirm verrichtet werde und mit gleichzeitigem, auch länger dauerndem Telefonieren verbunden sei, auf das Tragen einer Sprechgarnitur angewiesen sei. Ohne Sprechgarnitur sei er gezwungen, den Telefonhörer während längerer Zeit zwischen Schulter und Ohr einzuklemmen, um die Hände für die Arbeit am Computer frei zu haben. Dies sei ihm klarerweise auch unter Invalidenversicherung-rechtlichen Gesichtspunkten nicht zuzumuten. Sodann seien sich die Parteien einig, dass der entscheidende Unterschied zwischen dem vom Beschwerdegegner bezogenen teureren Gerät «Widex Senso CIC», einem so gennantes Im-Ohr-Gerät, und dem anderen von der Hörberatung vorgeschlagenen tarifkonformen Gerät, einem so gennantes Hinter-Ohr-Gerät, darin liege, dass Letzteres mit einer Sprechgarnitur nicht (oder nur unter Inkaufnahme von Druckstellen und entsprechenden Schmerzen) kompatibel sei. Unter diesen Umständen sei erstellt, dass vorliegend zur Versorgung des Beschwerdegegners nur das Gerät «Widex Senso CIC» in Betracht falle. Dieses Gerät erweise sich angesichts der beruflichen Anforderungen als notwendig, wenngleich es die Preislimite des Tarifvertrages um rund Fr. 1'340.- übersteige. Von der IV-Stelle werde nicht geltend gemacht, dass neben dem abgegebenen Hörgerät andere Geräte mit vergleichbaren Leistungen verfügbar gewesen seien. 5.2 Dieser Auffassung ist beizupflichten. Die von der Vorinstanz ausführlich dargelegten Umstände, welche im Einklang mit der Aktenlage stehen, machen in schlüssiger Weise deutlich, dass beim Beschwerdegegner eine Versorgung mit den beantragten digitalen Hörgeräten insofern als geboten und notwendig erscheint, als nur diese - und nicht ein Hörgerät der Indikationsstufe 3 - den besonderen beruflichen Anforderungen des Versicherten genügen und nur damit der Eingliederungserfolg einer hinreichenden Verständigung im beruflichen Umfeld gewährleistet werden kann. Was das BSV in seiner Verwaltungsgerichtsbeschwerde dagegen vorbringt, ist nicht stichhaltig. Soweit es sich in allgemeiner, grundsätzlicher Weise gegen die Möglichkeit eines ausnahmsweisen Abweichens vom Tarifvertrag wendet und eine gerichtlichen Prüfung, ob die tarifarisch vergüteten Höchstpreise dem invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnis im konkreten Einzelfall Rechnung tragen, ablehnt, wurde mit Verweis auf die Erwägungen im zur Publikation vorgesehenen Urteil L. vom 9. Januar 2004, I 281/02, bereits ausführlich dargelegt, dass diese Auffassung rechtlich nicht Stand hält. Aber auch die fallbezogenen Einwände des BSV, wonach gemäss dem Schreiben der Hörberatung Basel vom 3. September 2001 offensichtlich kosmetische Wünsche für Im-Ohr-Geräte ausschlaggebend gewesen seien und die geltend gemachten Druckstellen bei Hinter-Ohr-Geräten durch Polsterung zu vermeiden sein dürften, sind nicht stichhaltig. Vielmehr legte der Beschwerdegegner anlässlich der Parteiverhandlung mit Blick auf die Zumutbarkeit glaubwürdig und nachvollziehbar dar, dass in seiner Tätigkeit eine Sprechgarnitur mit einem Hinter-Ohr-Gerät nicht kompatibel ist und deshalb die angepassten Hörgeräte nicht bloss als bestmögliche Variante oder aus Gründen persönlicher Konvenienz vorgezogen wurden.