Citation: U 259/03 06.08.2004 E. 4

Es bleibt zu prüfen, wie es sich mit der Unfallkausalität der Beeinträchtigungen psychischer Genese (Schmerz- und Anpassungsstörung) verhält. 4.1 In den Jahren 1999 und 2000 fanden vorab im Bereich der lumbalen Wirbelsäule orthopädische, neurologische und neurophysiologische Abklärungen wegen Rückenschmerzen statt. Es ergaben sich keine sicher pathologischen Befunde. Als Ursache der in verschiedenen somatischen Untersuchungen beschriebenen Schmerzen ohne nachweisbares anatomisches Korrelat wurde eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert (Bericht des Dr. I.________, Spezialarzt für Psychiatrie, vom 6. Juni 2000). Das nach dem Unfall aufgetretene, gemäss ärztlicher Feststellung vorwiegend auf einer Anpassungsstörung beruhende, durch den organisch fassbaren Gesundheitszustand nicht erklärliche Schmerzsyndrom fügt sich zwanglos in diese Krankengeschichte ein. Der erhebliche Vorzustand bildet ein Indiz dafür, dass das als psychogen zu interpretierende Schmerzsyndrom bezüglich der linken (beim Unfall hauptsächlich in Mitleidenschaft gezogenen) Körperhälfte nicht in einem natürlichen Kausalverhältnis zum versicherten Ereignis steht. 4.2 Selbst wenn das Unfallereignis hinsichtlich im Zeitpunkt des Einspracheentscheids bestehender gesundheitlicher Beschwerden psychogener Natur natürlich kausal wäre, scheiterte ein weiterer Leistungsanspruch gegenüber dem obligatorischen Unfallversicherer aufgrund des Erfordernisses eines adäquaten Kausalzusammenhangs. 4.2.1 Da nach dem Gesagten keine Schleudertraumaverletzung und auch kein ähnliches Geschehen vorliegt, ist es nicht zu beanstanden, dass das kantonale Gericht die Entwicklung im Lichte der Kriterienreihe gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa prüfte; anders als bei der Distorsion der Halswirbelsäule ("Schleudertrauma") oder bei einer milden hirnorganischen Verletzung (vgl. BGE 117 V 367 Erw. 6a [in fine] in Verbindung mit 363 Erw. 5d/aa) wird für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer in der Folge eingetretenen psychischen Fehlentwicklung bei der Betrachtung der einzelnen Kriterien zwischen physischen und psychischen Komponenten differenziert, weil letztere nicht einbezogen werden dürfen. 4.2.2 Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Katalogisierung (BGE 115 V 138 Erw. 6) ist das Ereignis vom 18. November 2001 auf Grund des Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen den mittelschweren Unfällen zuzuordnen. Es handelt sich aber nicht um einen Vorfall, der im Grenzbereich zu den schweren Unfällen anzusiedeln wäre (vgl. zur diesbezüglichen Rechtsprechung die in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 Erw. 4b/bb enthaltene Kasuistik). Der Verkehrsunfall nimmt sich zwar aufgrund der Bilder des einen Totalschaden aufweisenden Fahrzeugs der Versicherten zunächst dramatisch aus; er verlief aber, was die aufgetretenen Verletzungen anbetrifft, glücklicherweise glimpflich. Der Austrittsbericht des Spitals M.________ vom 30. November 2001, wo die Beschwerdeführerin vom 18. bis 23. November 2001 hospitalisiert war, weist an Diagnosen einzig Prellungen und Quetschungen an Rumpf, linkem Ellbogen und beiden Unterschenkeln sowie eine Herzquetschung aus. Insbesondere letztere entwickelte sich - als ernsthaftester Befund - in der Folge ausgesprochen günstig. 4.2.3 Da vom äusseren Ablauf her ein mittelschwerer, nicht im Grenzbereich zu den schweren Ereignissen liegender Unfall gegeben ist, wird die Adäquanz des Kausalzusammenhangs bejaht, falls ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden unfallbezogenen Kriterien (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit [BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa]) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt gehäuft oder auffallend zum Tragen kommen (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 4.2.4 Der Unfallablauf verursachte bei der Beschwerdeführerin gewiss einen grossen Schrecken, der nachvollziehbar einige Zeit nachwirkt. Doch macht dies und der zusätzliche Umstand, dass die Versicherte während einer gewissen Zeit im demolierten Auto eingeschlossen blieb und von der Feuerwehr befreit werden musste, den erlittenen - mittelschweren - Unfall nicht zu einem Ereignis, welches für die andauernden, sich ausweitenden Beschwerden adäquat kausal wäre. Die Dauerschmerzen und die langwährende Behandlungsbedürftigkeit waren schon früh zu einem erheblichen Teil psychisch überlagert bzw. verursacht (vgl. die Berichte des Dr. R.________ vom 5. März 2002 und der Klinik B.________ vom 27. Juni 2002 einschliesslich des psychosomatischen Konsiliums vom 3. Juni 2002). Soweit eine psychische Fehlentwicklung für Bestand, Ausmass oder Dauer der betreffenden Umstände verantwortlich war, dürfen diese vorliegend nicht berücksichtigt werden. So vermag keines der einschlägigen Kriterien für sich allein oder im Verbund mit anderen die Adäquanz zu begründen. Im Übrigen ist der beschwerdeführerische Vorwurf an die SUVA, der Druck zur Wiederaufnahme der Arbeit sei übermässig gross gewesen, habe das Leiden verschlimmert und damit die Arbeitsunfähigkeit verlängert, unbegründet. Die Verwaltung hat sich im vorliegenden Fall vorbildlich um eine berufliche Reintegration bemüht, weil sie eine Fixierung auf die Beschwerden und das damit verbundene Chronifizierungsrisiko verhindern wollte (vgl. die beiden Schreiben der SUVA vom 20. und 26. März 2002 an den Rechtsvertreter der Versicherten).