Citation: 5A_969/2019 E. 4.1

4.1. In Bezug auf die elterliche Sorge verweist das Kantonsgericht auf die bezirksgerichtliche Feststellung, wonach zwischen den Parteien derzeit massive Beziehungs- und Elternkonflikte bestehen, das Bezirksgericht jedoch die Frage, ob dieser Konflikt die vom Bundesgericht geforderte Erheblichkeit aufweise und sich - im Falle der Anordnung der gemeinsamen Sorge - negativ auf das Wohl der Töchter auswirken würde, verneine. Es sei nicht davon auszugehen, dass das Kindeswohl bei gemeinsamer Sorge erheblich beeinträchtigt wäre und die Alleinzuteilung eine Verbesserung der Lage versprechen würde. Entscheidend sei, so das Kantonsgericht, dass die Eltern bisher in der Lage gewesen seien, grundlegende Entscheidungen über ihre Kinder gemeinsam zu treffen oder sie hätten zumindest von einer Seite getroffene Entscheidungen nicht torpediert. Die Kindsmutter habe denn auch nicht geltend gemacht, es hätten in der Vergangenheit anstehende Entscheidungen nicht getroffen werden können, obwohl den Parteien derzeit die elterliche Sorge über die beiden Töchter gemeinsam zustehe. Einzig für die Unterzeichnung des Antrags für die Ausstellung eines Passes für C.A.________ durch den Kindsvater habe es der Intervention der Beiständin bedurft. Die Kindsmutter gehe davon aus, weitere Entscheide würden verschleppt, was sich beispielsweise daran zeige, dass der Kindsvater es ablehne, dass die Kinder Musik- und Ballettunterricht nehmen würden. Dass die Eltern nicht immer gleicher Meinung seien, komme auch in anderen Familien mit gemeinsamer Sorge vor, insbesondere auch bei verheirateten und nicht getrennten Paaren. Dies stelle keinen Grund für die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge dar. Im Übrigen habe die Kindsmutter die Kinder selber für die genannten Kurse angemeldet und sei insofern nicht blockiert. Es sei auch davon auszugehen, dass der Kindsvater in gemeinsam zu entscheidenden Belangen kooperativer werde, sobald der Kontakt zu den Töchtern wiederhergestellt sei und er dadurch die Bedürfnisse seiner Töchter (besser) kenne. Dass entgegen der Annahme des Bezirksgerichts der Abschluss des Strafverfahrens gegen den Kindsvater wegen sexueller Handlungen mit Kindern und Pornografie offenbar (noch) keine positive Auswirkung auf das Verhältnis der Parteien zur Folge gehabt hätte, sei angesichts des noch hängigen Scheidungsverfahrens nachvollziehbar. Die Tatsache, dass die Parteien im Massnahmeverfahren einen Vergleich erzielen konnten, spreche für eine gewisse (minimale) Kooperationsbereitschaft der Parteien, auch wenn die Kindsmutter nach ihren Angaben nur zugestimmt habe, weil ihr die Obhut zugeteilt worden sei und der Kindsvater die Kinder nur in Begleitung habe treffen können. Der Kindsvater hätte - ebenso wie die Kindsmutter - seine Zustimmung verweigern können. Dass der Kindsvater über keine Kenntnisse betreffend die aktuellen Bedürfnisse seiner beiden Töchter verfüge, hänge wesentlich damit zusammen, dass ihm seit langer Zeit der Kontakt zu diesen verwehrt sei. Dies werde sich mit der Umsetzung der Besuchsrechtsregelung ändern und spreche daher auch nicht gegen die Beibehaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Auch die von der Kindsmutter ins Feld geführte Alkoholproblematik und der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs würden nichts ändern daran, dass das Bezirksgericht die elterliche Sorge zu Recht nicht allein der Kindsmutter übertragen habe. Diesbezüglich werde auf die entsprechenden Ausführungen zum persönlichen Verkehr verwiesen. Im Ergebnis sei die elterliche Sorge über die Kinder den Parteien gemeinsam zu belassen.