Citation: 8C_272/2022 E. 4.2.2

4.2.2. Mit dem Einwand, wonach sich die Beschwerdegegnerin mit anderen Kindern draussen aufhalten könne und eine Beteiligung am "normalen" Unterricht inklusive Turnen möglich sei, weshalb während der Schulzeit nur eine kollektive Aufsicht ausgeübt werde, vermag die IV-Stelle sodann auch nicht durchzudringen. Denn unbestrittenermassen treten im Alltag häufig unvorhersehbare Situationen auf, in denen die Nährstoffabgabe durch die kompetenten Betreuungspersonen zu modifizieren ist, um zum Beispiel der Situation Rechnung zu tragen, dass sich die Beschwerdegegnerin nach dem Schwimmunterricht (für die Nahrungsaufnahme) verspätet einfindet oder überhaupt zuerst auf dem Schulareal gesucht werden muss, wenn es Zeit für eine Sondenzufuhr wäre. Eine kollektive Aufsicht verbunden mit dem Vorhandensein eines Notfallkoffers mit Glukose-Ampullen im Klassenzimmer und der Timerfunktion an der Uhr der Beschwerdegegnerin als Erinnerung für eine Blutzuckermessung würden mit Blick auf die im angefochtenen Urteil umfassend dargelegten konkreten Umstände eben gerade nicht ausreichen, um Hypoglykämien zu verhindern. Denn nach den unbestritten gebliebenen vorinstanzlichen Erwägungen misst die Beschwerdegegnerin den Blutzucker in der Regel nur nach Aufforderung selbstständig. Im Umgang mit den Mahlzeiten ist sie unzuverlässig und vor allem bemerkt sie einen Blutzuckerabfall nicht selber. Deshalb kommt es gemäss Abklärungsbericht vom 18. November 2020 immer wieder vor, dass sie in eine gefährliche Unterzuckerung gerät, die nur durch die engmaschige Überwachung der Betreuungspersonen und entsprechende Anpassung der Nahrung aufgefangen werden kann.