Citation: 7B_821/2023 E. 4.4

4.4. Bei den in Art. 66a Abs. 2 StGB genannten Kriterien für den Verzicht auf eine Landesverweisung (Härtefall und Interessenabwägung zugunsten des von der Landesverweisung Betroffenen) handelt es sich um kumulative Voraussetzungen (vgl. oben E. 4.2). Die Verneinung eines der beiden Kriterien führt dazu, dass eine Landesverweisung auszusprechen ist (Urteil 7B_181/2022 vom 27. September 2023 E. 5.4.1). Folglich ist nicht zu beanstanden, dass im angefochtenen Urteil die Frage des Härtefalls offen gelassen worden ist, da die Interessenabwägung nach zutreffender Würdigung der Vorinstanz zu Lasten des Beschwerdeführers ausfällt. Der Argumentation des Beschwerdeführers, er spreche keine Landessprache seiner Heimat Nordmazedonien, ist nicht beizupflichten. Er ist mit Albanisch einer dortigen Landessprache mächtig, selbst wenn er die andere Landessprache (d.h. Mazedonisch) nur rudimentär spricht. Sodann ist der Beschwerdeführer weder in der Schweiz noch in Nordmazedonien sozial besonders integriert. Insoweit kann er aus seiner ganz generell fehlenden sozialen Integration nicht ableiten, er könne sich nicht in einem fremden Arbeitsmarkt integrieren, zumal ihm dies in der Schweiz (trotz ungenügender Kenntnisse der Landessprache) bereits gelungen ist. Die weiteren vorinstanzlichen Ausführungen, wonach er im Falle einer Landesverweisung die familiären Kontakte, über welche er verfüge, auch mit modernen Kommunikationsmitteln wahrnehmen könne, sind nicht zu beanstanden. Dies gilt umso mehr, als auch das jüngere seiner beiden Kinder im Zeitpunkt des Vollzugs der Landesverweisung voraussichtlich volljährig sein wird, zumal der Beschwerdeführer zunächst die im gegenwärtigen Verfahren ausgesprochene Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten (abzüglich der angerechneten Haft) wird verbüssen und sich zusätzlich wegen eines weiteren Strafverfahrens wegen einschlägiger Delikte im Betäubungsmittelbereich wird verantworten müssen. Dass das hängige Verfahren bereits an dieser Stelle berücksichtigt wird, ist angesichts der Geständigkeit des Beschwerdeführers im hängigen Verfahren und dem daher in Aussicht gestellten abgekürzten Verfahren nicht zu beanstanden. Der Einwand, das vorliegende Verfahren habe hinreichend Warnwirkung gezeigt, ist angesichts des neuerlichen Strafverfahrens falsch. Sodann trifft es durchaus zu, dass es der Ehefrau des Beschwerdeführers aufgrund ihres langjährigen Aufenthaltes in der Schweiz und ihrer hiesigen Berufstätigkeit sowie den hier geborenen gemeinsamen Kindern nicht zuzumuten ist, dem Beschwerdeführer in die gemeinsame Heimat zu folgen. Deshalb ist die Landesverweisung für sie und die Kinder mit schwer wiegenden Einschränkungen des persönlichen Kontakts verbunden. Indessen hat die Vorinstanz diese wie auch sämtliche weitere relevante Kriterien in ihre Überlegungen einbezogen. Sie hat der langen Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers im Gastland und der Beibehaltung der Kontakte zur Ehefrau und zu den Kindern richtigerweise ein grosses Gewicht beigemessen. Sie hat aber auch die schwerwiegende Betäubungsmitteldelinquenz, welche zu einer langjährigen unbedingt vollziehbaren Strafe geführt hat, sowie den Rückfall während des laufenden Verfahrens und trotz der dort ausgestandenen Haft in ihre Überlegungen einbezogen. Dabei ist die Vorinstanz zutreffend von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgegangen. Soweit der Beschwerdeführer seine Delinquenz in milderem Licht darstellen will, ist ihm nicht zu folgen. Schliesslich ist der vorliegende Fall nicht vergleichbar mit dem jüngsten Urteil des EMGR P.J. und R.J. gegen Schweiz vom 17. September 2024 (Nr. 52232/20), in welchem es um die Landesverweisung betreffend eine Person ging, welche zu einer kürzeren bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden war (§ 50) und überdies nicht - wie im vorliegenden Fall - während des laufenden Verfahrens einschlägig rückfällig geworden war (§ 52). Ebenso wenig ist der vorliegende Fall vergleichbar mit der vom Beschwerdeführer zitierten Rechtsprechung. Vielmehr ist auf die korrekte vorinstanzliche Interessenabwägung zu verweisen, welche keinen Grund zur Beanstandung gibt. Eine Verletzung von Bundes- und Konventionsrecht ist nicht ersichtlich.