Citation: 6B_1273/2021 E. 2.4.1

2.4.1. Der Beschwerdeführer bringt zutreffend vor, Art. 155 Abs. 2 StPO sehe im Gegensatz zu Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO nicht vor, dass die Einvernahme unter Umständen mit Bild und Ton aufzuzeichnen sei, wenn keine Gegenüberstellung stattfinde. Ihm ist auch insoweit zuzustimmen, als grundsätzlich auch bei Einvernahmen von Personen mit einer psychischen Störung durch spezialisierte Straf- oder Sozialbehörden i.S.v. Art. 155 Abs. 2 StPO die üblichen Vorschriften zur Einvernahme einschliesslich derjenigen zur Protokollierung einzuhalten sind (STEFAN WEHRENBERG, in: Basler Kommentar Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 7 zu Art. 155 StPO; NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 7 zu Art. 155 StPO; vgl. WOLFGANG WOHLERS, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 3. Aufl. 2020, N. 4 zu Art. 155 StPO; vgl. CORALIE DEVAUD, in: Commentaire romand, Code de procédure pénale suisse, 2. Aufl. 2019, N. 5 zu Art. 155 StPO). Die Botschaft hält diesbezüglich fest, auch bei Einvernahmen durch spezialisierte Personen sei ein Einvernahmeprotokoll zu erstellen, wobei es unter Umständen erforderlich sein werde, die mit der Einvernahme beauftragten oder weitere bei der Einvernahme anwesende Personen zusätzlich als Zeuginnen oder Zeugen einzuvernehmen (Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 1085 ff., 1191; vgl. DEVAUD, a.a.O., N. 7 zu Art. 155 StPO). DEVAUD führt aus, eine audiovisuelle Aufzeichnung der Einvernahme analog zu Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO könne sich, je nachdem, wie wichtig die Aussage einer Person mit einer psychischen Störung sei, aber auch um mehrfache Befragungen zu vermeiden, als sinnvoll erweisen (DEVAUD, a.a.O., N. 5 zu Art. 155 StPO). Auch WEHRENBERG scheint davon auszugehen, die Befragungsregeln nach Art. 155 Abs. 1 StPO dürften in etwa analog zu denjenigen in Art. 154 StPO über den Schutz von kindlichen Opfern sein, weshalb im Zweifelsfall bei Einvernahmen nach Art. 155 Abs. 1 ein analoges Verfahren wie nach Art. 154 StPO zu wählen sei (WEHRENBERG, a.a.O., N. 5 zu Art. 155 StPO; vgl. auch FRANZ RIKLIN, StPO Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung mit JStPO, StBOG und weiteren Erlassen, 2. Aufl. 2014, N. 1 zu Art. 155 StPO). Die Frage, inwieweit bzw. ob Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO bei einer Einvernahme von Personen mit einer psychischen Störung analog anwendbar ist, kann indes vorliegend, wie sich nachfolgend zeigen wird, offenbleiben.