Citation: 5A_35/2024 E. 3.2.2

3.2.2. Dies begründet zwar in der Regel noch keine genügend sichere Kenntnis des Abstammungsverhältnisses. Dennoch sind bei der Beantwortung der Frage, ob die Verspätung im Zeitpunkt der Klageerhebung noch entschuldbar ist, die Reaktionen des klageberechtigten Kindes einzubeziehen: Hat das Kind Kenntnis von der Identität einer Person, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit dessen Vater sein könnte, darf es nämlich nicht - jedenfalls nicht über längere Zeit - völlig untätig bleiben, sondern es hat sich über die tatsächlichen Verhältnisse Gewissheit zu verschaffen (BGE 119 II 110 E. 3a; zit. Urteil 5A_506/2007 E. 3.2 und 4.2.1) bzw. Schritte zu unternehmen, die zur Klärung der Vaterschaft beizutragen geeignet sind. Ein solcher Schritt kann namentlich darin bestehen, mit dem mutmasslichen Vater Kontakt aufzunehmen, um die Angelegenheit mit ihm zu besprechen. Das Unterlassen von Abklärungen kann die verspätete Erhebung der Vaterschaftsklage als unentschuldbar erscheinen lassen (vgl. zit. Urteil 5A_506/2007 E. 4.2.2). Was genau das Kind zu tun hat und wie schnell, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Um überhaupt weitere Abklärungen tätigen zu können, müssen dem Kind genügend präzise Informationen vorliegen, die es ihm erlauben, mit dem mutmasslichen Vater in Kontakt zu treten oder zumindest die Herkunft der väterlichen Familie ausfindig zu machen. Zur Klärung des Abstammungsverhältnisses kann sodann auch ein ausserhalb der Vaterschaftsklage gestelltes Gesuch um Anordnung eines DNA-Gutachtens beitragen (vgl. Urteil 5A_518/2011 vom 22. November 2012).