Citation: U 336/06 30.07.2007 E. 7

7.1.1 Im Bericht vom 30. Juni 2003 betreffend die Hospitalisation vom 25. Juni bis 1. Juli 2003 stellte die Klinik E.________ beim Versicherten noch keine psychischen Leiden fest. Auf Grund der somatischen Beschwerden ging sie zur Zeit von keiner verwertbaren Arbeitsleistung aus. Im psychosomatischen Konsilium vom 19. August 2003 (erstellt im Rahmen der zweiten Hospitalisation des Versicherten vom 28. Juli bis 29. August 2003) gab die Klinik E.________ folgende Diagnose ab: mittel- bis schwergradige depressive Episode mit starker vegetativer Beteiligung und teils dissoziativen Erlebens- und Verhaltensweisen (ICD-10: F32.11, F44.8), unter psychopharmakologischer Therapie gebessert. Weiter wurde ausgeführt, der Versicherte habe im Juli 2003 ein psychopathologisch hoch auffälliges Zustandsbild entwickelt, das syndromal und ätiologisch schwierig einzuordnen sei. Zunächst müsse von einer affektiven Störung ausgegangen werden, die als zumindest mittel- bis schwergradige depressive Episode imponiere. Hiefür sprächen die dysphorisch-deprimierte Grundstimmung, die leise und heiser-gepresste Stimme sowie kaum modulierte Mimik, die innere Unruhe/Anspannung mit starker vegetativer Begleitsymptomatik (Schwitzen und Hitzegefühl im Kopf) und Angst vor Verlust der Impulskontrolle, die Verlangsamung, Verarmung und Einengung des Denkens (mit zusätzlicher Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit), die Insuffizienz- und Schamgefühle sowie unterschiedlich ausgeprägte Schlafstörungen. Auf der Verhaltensebene fielen das expressive und und histrionisch gefärbte Schmerzverhalten auf sowie kurz dauernde, dissoziativ anmutende "Absenzen", ohne dass Anhaltspunkte für ein psychotisches Erleben gegeben wären. Es könne nicht von einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Im Austrittsbericht vom 20. Oktober 2003 (betreffend die zweite Hospitalisation vom 28. Juli bis 29. August 2003) stellte die Klinik E.________ folgende Diagnosen: A. Unfall vom 11. April 2003 mit HWS-Distorsion, A1: mittelgradige depressive Episode mit starker vegetativer Beteiligung und teils dissoziativen Erlebens- und Verhaltensweisen, unter psychopharmakologischer Therapie gebessert, A2 Zervikal- und thorakalbetontes Panvertebralsyndrom; B. Periarthropatia genus links (Status nach medialer Teilmeniskuskektomie im März 2002 nach Kniedistorsion); C. Status nach rezidivierenden Kocher-Keilexzisionen bei Unguis incarnatus Grosszehe links, letztmals am 25. Juni 2003, inzwischen abgeheilt. Im Bericht über das Ergonomie-Trainingsprogramm vom 20. Oktober 2003 legte die Klinik E.________ dar, aus rein somatisch-funktioneller Sicht sei der Versicherte als Bauarbeiter nicht mehr arbeitsfähig; zumutbar sei ihm eine sehr leichte, vorwiegend sitzende Arbeit, mindestens halbtags. Aus psychiatrischer Sicht sei er derzeit nicht arbeitsfähig. 7.1.2 Der Allgemeinmediziner Dr. med. M.________ gab im Bericht vom 2. Juni 2004 an, die ambulante Physiotherapie drehe sich im Kreise und sei sistiert worden bzw. werde es in den nächstens Wochen, da sich die Beschwerden des Versicherten in keiner Weise anhaltend verbessern oder beeinflussen liessen. Es sei davon auszugehen, dass er mittlerweile ein Schmerzsyndrom vermutlich auf der Basis eines früheren Psychotraumas entwickelt habe. Selbst die entsprechende Therapie mit MST, NSAT und Antidepressiva habe die Situation kaum gelockert oder verbessern können. Im Vordergrund stünden vor allem Nackenbeschwerden. Jede Bewegung bzw. Arbeitshaltung des Kopfes löse reaktive Schmerzen aus, die es dem Versicherten unmöglich machten, auch nur einfachste Hilfsarbeiten sinnvoll auszuführen. Die Situation müsse als aussichtslos bezeichnet werden. Aus somatischer Sicht sei dem Versicherten eine behinderungsangepasste leichte Erwerbstätigkeit halbtags zumutbar. 7.1.3 Der Psychiater Dr. med. A.________ legte im Bericht vom 30. Juli 2004 dar, im September 2003 habe ihm die SUVA den Versicherten zur begleitenden psychiatrischen Behandlung zugewiesen. Die Befunde bei Behandlungsbeginn hätten auf eine depressive Episode gegenwärtig mittelschwer mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) schliessen lassen. Der Versicherte habe sich mangels Kenntnissen der deutschen Sprache nur schlecht explorieren lassen. Er habe verlangsamt, abweisend, misstrauisch, unkonzentriert, mit vermindertem Antrieb und gestörter Aufmerksamkeit gewirkt. Er sei nervös, innerlich gespannt gewesen, habe bedrückt gewirkt und über Vergesslichkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen geklagt. Er habe ihn bis März 2004 zu sechs Konsultationen gesehen. Er sei bereits mit Deroxat 20 mg/d anbehandelt gewesen und habe diese Medikation nicht ändern, sondern mit seinem Hausarzt besprechen wollen. Die Konsultationen hätten sich schwierig gestaltet. Er habe kaum Auskunft über den Verlauf respektive die Befindlichkeit des Versicherten erhalten. Dieser sei abweisend und misstrauisch geblieben, so dass eine adäquate Behandlung kaum durchzuführen gewesen sei. Deshalb habe er eine weitere Behandlung für nicht mehr angezeigt gehalten und habe dem Versicherten die Weiterbehandlung bei seinem Hausarzt empfohlen. Bei Abschluss der Behandlung müsse von einer depressiven Episode gegenwärtig leicht mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.01) ausgegangen werden. 7.2 Die Vorinstanz hat im Wesentlichen erwogen, eine organische Genese der Psychopathologie habe in der Klinik E.________ ausgeschlossen werden können, ansonsten keine dissoziativen Erlebens- und Verhaltensweisen (ICD-10: F44.8) hätten diagnostiziert werden können. Es handle sich demnach um eine psychogene Reaktion, die zwar im Anschluss an Schleudertraumen und äquivalente Verletzungen auftreten könne, die aber nicht direkt durch eine organische Verletzung des zentralen Nervensystems verursacht worden sei und somit nicht psychoorganisch erklärt werden könne. Bei der psychischen Problematik handle es sich somit nicht um eigentliche Symptome des Traumas, sondern um eine psychische Reaktion, wie sie auch im Anschluss an andere Unfälle auftreten könne. Das Beschwerdebild mit den geklagten körperlichen Symptomen sei demnach durch die früh nach dem Unfall aufgetretene, hoch auffällige psychische Problematik überlagert und geprägt worden. Diese sei durch den Unfall mindestens zum Teil natürlich kausal verursacht worden. Auch wenn noch gewisse chronische Rückenbeschwerden vorhanden seien, werde insgesamt das Beschwerdebild durch die psychische Problematik massgeblich dominiert, weshalb die Adäquanzprüfung nach den für psychische Unfallfolgen geltenden Kriterien vorzunehmen sei.