Citation: I 537/01 03.07.2002 E. 2

2.- Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat. Dabei ist streitig, ob sie auf Grund der von ihr geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigungen überhaupt in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, was Verwaltung und Vorinstanz verneinen, die Beschwerdeführerin indessen bejaht. Zum Gesundheitszustand der Versicherten und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit liegen im Wesentlichen folgende ärztlichen Stellungnahmen vor: a) Dr. med. R.________ beurteilte in seinem Bericht vom 13. November 1998 den Fall so, dass die Vericherte beim Unfall am 13. Oktober 1998 neben einem Schädel-Hirn-Trauma mit Kopfkontusion rechts occipital auch ein Distorsionstrauma der HWS erlitten habe. Das Schädel-Hirn-Trauma habe zu einer kurzdauernden Ohnmacht geführt, wobei es sich um eine leichte Commotio cerebri handeln dürfte; es lägen keine Hinweise für eine strukturelle Hirnschädigung vor. Neurologisch seien jedenfalls keine cerebralen Läsionen fassbar, auch das Schädel-CT zeige keinen abnormen Befund und keinen Nachweis eines intrakraniellen Hämatoms. Als Folge des Distorsionstraumas der HWS bestehe einerseits immer noch ein deutliches posttraumatisches Cervikalsyndrom mit diffuser starker Druckdolenz der HWS und Druckschmerzhaftigkeit der gesamten Nackenmuskulatur, die kaum wesentlich verspannt sei. Die Beweglichkeit der HWS sei noch deutlich schmerzhaft behindert. Andererseits könnte zusätzlich eine leichte radikuläre Läsion rechts vorliegen, welche für die in den rechten Arm ausstrahlenden Schmerzen verantwortlich sei. Am ganzen rechten Arm und Vorderarm gebe die Patientin eine diskrete Sensibilitätsstörung an, ferner sei an der Hand auch eine leichte Sensibilitätsstörung am Zeigefinger festzustellen. Bei dieser Situation könne es sich um ein Wurzelsyndrom handeln. Die Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Denkstörungen etc. seien im Rahmen des posttraumatischen Cervikalsyndroms und des postcommotionellen Syndroms genügend erklärt. Sollte die radikuläre Symptomatik persistieren oder sogar noch zunehmen, müsste eine CT-Untersuchung der HWS durchgeführt werden. b) Die Chiropraktorin Dr. A.________ attestierte am 20. Januar 1999 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 10. Oktober bis 25. November 1998 gestützt auf die Diagnose einer posttraumatischen Cervikobrachialgie. c) Der Hausarzt Dr. med. K.________ attestierte gestützt auf die Diagnose des Status nach Schleudertrauma der HWS mit Distorsion und radikulären Ausstrahlungen C7 rechts sowie nach Commotio und Contusio cerebri mehrfach eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab 13. Oktober 1998 (Berichte vom 23. Dezember 1998, 13. Januar, 19. März, 9. Juli, 28. Juni und 22. November 1999 sowie 3. März und 23. Mai 2000). In seinem Bericht an die IV-Stelle, dort eingegangen am 3. Februar 2000, diagnostizierte er Kopf-, Arm- und Nackenschmerzen bei Status nach Unfall mit Kopfkontusion, HWS- und Schulterkontusion am 13. Oktober 1998 sowie eine komplexe psychosoziale Problematik und gab an, die Patientin habe eine belastete Biografie mit mehreren Scheidungen, vier Kindern von verschiedenen Vätern; zur Zeit des Unfalles habe sie erneut in Trennung gelebt, wodurch möglicherweise die Verarbeitung des Unfallgeschehens erschwert worden sei. Die persistierenden Beschwerden liessen sich pathologisch-anatomisch nicht vollständig erklären, was bei Schleudertraumapatienten jedoch häufig der Fall sei. Die Patientin könne in eingeschränktem Ausmass den Haushalt führen, sei für schwere Arbeiten aber auf Hilfe angewiesen; eine Arbeitsleistung ausserhalb des Haushaltes sei unter diesen Umständen nicht denkbar. d) Frau Dr. med. D.________, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, bei welcher die Versicherte auf Grund der Probleme in Bezug auf ihre Kampfscheidung bereits vor dem Unfall in Behandlung war, gab am 28. Mai 2000, ohne eingehender zu berichten, als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit depressive Verstimmungszustände bei sehr selbstunsicherer und in ihrer Situation als Mutter von vier Kindern im Alltag überforderter Persönlichkeit, Status nach Unfall 1998 und Angstzustände an. e) Die Dres. med. O.________ und E.________, Fachklinik für Neurologische Rehabilitation, führten in ihrem Bericht über die stationäre Behandlung vom 24. April bis 18. Mai 1999 aus, im Vordergrund des klinisch-neurologischen Befundes bei Aufnahme hätten sich Cervikobrachialgien und Parästhesien betont in den Digiti III-V rechts gezeigt, die sich bei jeglicher Aktivität verstärkten. Des Weiteren habe die Patientin diffuse Schmerzen im rechten Bein ohne segmentäre Zuordnung beschrieben; es habe sich eine normale Haltung mit leichten muskulären Verspannungen über dem rechten Schulterblatt gefunden. Zum Procedere wurde angeführt, die weiterhin schwierigen sozialen Umstände, die unsichere Wohn- und Finanzsituation stellten gewisse Hindernisse für den Dauererfolg der Rehabilitationsmassnahmen dar. Es werde die Weiterführung der begonnenen Psychotherapie bei Frau Dr. med. D.________ empfohlen. Ebenso hielten sie eine Fortführung der passiven therapeutischen Massnahmen wie Fussreflexzonenmassage und Lymphdrainage, die von der Patientin als schmerzlindernd empfunden wurden, für sinnvoll. Sie führten zudem aus, die gegenwärtige soziale Situation stelle eine erkennbare Überlastung der Patientin dar. Die vorhandene belastungsabhängige Schmerzsymptomatik verhindere die Durchführung umfangreicher Haushaltarbeiten; es werde deshalb eine Genehmigung für eine Haushalthilfe befürwortet. Zum Entlassungszeitpunkt sei die Arbeitsfähigkeit der Versicherten noch nicht gegeben. Langfristig sollte durch Fortsetzung der ambulanten Rehabilitationsmassnahmen eine Arbeitsfähigkeit von zunächst 50 % angestrebt werden. f) Frau Dr. med. L.________ diagnostizierte in ihrem Gutachten vom 16. Oktober 2000 ein komplexes Schmerzbild nach traumatischer Läsion von Kopf, Nacken, Schulter und Thorax am 13. Oktober 1998 und nach Kontusion der Lendenwirbelsäule (LWS) am 30. Juli 1999 mit Kopfschmerzen besonders bei Anstrengung auftretend (lange Gespräche), Nacken/Schulter/Arm-Schmerzen rechts bis in Finger der rechten Hand ausstrahlend sowie Beinschmerzen rechts besonders nach Anstrengung. Sie gab zusammenfassend an, klinisch könne eine minime Einschränkung der Beweglichkeit der HWS mit Druckdolenz der cervikalen und thorakalen Dornfortsätze und des occipitalen Nervenaustrittspunktes rechts festgestellt werden, die lumbale Wirbelsäule sei unauffällig; radikuläre Ausfälle liessen sich nicht mit Sicherheit dokumentieren, die sensiblen Störungen der rechten oberen Extremität seien wechselhaft, auch im Bereich des rechten Beines nicht einem radikulären Geschehen entsprechend. Radiologisch lasse sich bisher kein schwerwiegender pathologischer Befund erheben; es liege eine leichte Streckhaltung/Fehlhaltung der HWS vor mit nicht sehr ausgeprägten degenerativen Veränderungen. Zur Zeit liessen weder die neurologische Untersuchung noch die radiologisch/neuroradiologische Abklärung und das EMG auf eine organische Schädigung schliessen, welche die Beschwerden der Versicherten erklären könne. Daraus müsse geschlossen werden, dass die Schmerzen überbewertet würden und sich die Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit nicht rechtfertigen lasse. Die Gutachterin kommt zum Schluss, die Versicherte sei sowohl für den Haushalt wie auch für andere Tätigkeiten voll arbeitsfähig. Anhand der Akten müsse angenommen werden, dass sich der Zustand der Versicherten seit dem Unfall vom 13. Oktober 1998 gebessert habe und zum heutigen Zeitpunkt - zwei Jahre nach dem Unfallgeschehen - eine volle Arbeitsfähigkeit vorliege. Es liege kein eigentlicher lange dauernder Gesundheitsschaden vor, sondern lediglich eine lange Zeit ohne berufliche Tätigkeit. Eine Behandlung könne nicht empfohlen werden, da keine behandlungsbedürftigen Störungen hätten nachgewiesen werden können. Die Versicherte müsse somit bereits jetzt als arbeitsfähig bezeichnet werden. Auf die Frage, welche Arbeiten noch zumutbar seien, wurde angegeben, körperlich sehr belastende Tätigkeiten sollten eher vermieden werden, z.B. wiederholtes Gewichtheben von über 10 kg oder Über-Kopf-Arbeiten mit Reklinationsstellung der HWS. Die psychische Einstellung der Versicherten führe zu einer Überbewertung der Beschwerden. g) Dr. med. H.________ diagnostizierte einen weitgehend unauffälligen psychischen Zustand bei Fixierung auf das Unfallgeschehen infolge krankheitsfremder Faktoren, Traumatisierung in der Kindheit sowie Status nach Angstreaktion (ICD-10: F41. 1); aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt, weder als Hausfrau noch in ausserhäuslichen Tätigkeiten. Er stützte sich dabei auf die Akten, die eigenen Untersuchungen sowie den Bericht des Dr. phil. C.________, der keine nennenswerten Hinweise auf psychoorganische Störungen im Sinne F0 nach ICD-10 fand und feststellte, es liessen sich testpsychologisch Symptome wie schlechtere Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnisleistung kaum nachweisen; indes könnten leichte bis mittelstarke Aggravationstendenzen nicht ausgeschlossen werden.