Citation: 4A_87/2018 E. 5.2.3

5.2.3. Der von der Beschwerdeführerin beigezogene Berater hat aufgrund seiner mangelhaften Berechnungen für den Kaufgegenstand eine Bandbreite von Fr. 103'794.-- bis Fr. 344'656.-- ermittelt. Davon weicht die lege artis ermittelte Bewertung des Gerichtsgutachters erheblich ab. Danach betrug der Wert der zu übernehmenden Aktiven am 7. Dezember 2002 zwischen Fr. 0.-- und 65'620.50, wobei betriebswirtschaftlich eher die Liquidation des Unternehmens hätte eingeleitet werden sollen. Die Parteien haben einen Kaufpreis von Fr. 280'000.-- vereinbart. Dies zeigt, dass die Beschwerdeführerin bereit war, das Risiko einzugehen, im schlimmsten Fall einen Betrieb für Fr. 280'000.-- zu erwerben, dessen tatsächlicher Wert nur Fr. 103'794.-- beträgt. Dass sie jedoch bereit gewesen wäre, für diesen Kaufpreis ein aus betriebswirtschaftlicher Sicht eher zu liquidierendes Unternehmen zu kaufen, dessen zu übernehmende Aktiven im besten Fall einen Wert von Fr. 65'620.50 aufweisen, ist nicht anzunehmen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die infolge der mangelhaften Berechnungen entstandene Fehlvorstellung der Beschwerdeführerin sich auf ihren Kaufentschluss auswirkte. Dass sie überhaupt den Unternehmenswert von einem Fachmann ermitteln liess, zeigt, dass die entsprechende Bandbreite des methodisch korrekt ermittelten Unternehmenswertes für ihre Willensbildung über den Kauf eine subjektiv wesentliche Grundlage bildete. Die Grössenordnung des methodisch korrekt ermittelten Unternehmenswertes bildet nach allgemeiner Verkehrsanschauung eine notwendige Grundlage des Vertrages. Die grundlegende Bedeutung der Kaufpreisermittlung musste nach Treu und Glauben auch für den Beschwerdegegner erkennbar sein. Dies stimmt umso mehr, als dieser nach den Feststellungen der Vorinstanz den Wert des Garagenbetriebes beim Vertragsabschluss gestützt auf andere Grundlagen auf Fr. 321'223.-- - 571'581.-- einschätzte. Objektiv wesentlich ist der Irrtum über die Grundsätze der Kaufpreisermittlung auch nicht zuletzt angesichts des wesentlichen Unterschiedes zwischen der Bewertung des Beraters der Beschwerdeführerin und dem lege artis ermittelten Unternehmenswert. Mithin ist die Wesentlichkeit des Irrtums der Beschwerdeführerin über die Grundsätze der Kaufpreisermittlung sowohl in subjektiver wie auch in objektiver Hinsicht zu bejahen. Ein Grundlagenirrtum im Sinne von Art. 24 Abs. 1 Ziff. 4 OR liegt vor.