Citation: 6S.431/2005 06.02.2006 E. 4

4.1 Nach dem Dargelegten ist der angefochtene Beschluss aufzuheben und an die Vorinstanz zur neuen Entscheidung zurückzuweisen. Sie hat bei der Neubeurteilung zu berücksichtigen, dass der Widerruf nicht angeordnet werden darf, um den Beschwerdeführer der als notwendig erachteten Sexualtherapie zuzuführen. Ebenso wenig kann der Widerruf einzig mit der fehlenden Einsicht des Beschwerdeführers in seine Behandlungsbedürftigkeit begründet werden. Wie das Bundesgericht zum Widerrufsgrund der Vertrauensenttäuschung festgehalten hat, ist für die Frage des Widerrufs auf das massgebliche Kriterium der Prognose abzustellen (BGE 128 IV 3 E. 4b und c). Es ist zu fragen, ob sich die Bewährungsprognose für den Verurteilten während der Probezeit so sehr verschlechtert hat, dass nunmehr der Vollzug der Strafe als die voraussichtlich wirksamere Sanktion erscheint. Dabei ist auch dem Kriterium der kriminalpolitischen Zweckmässigkeit Rechnung zu tragen (BGE a.a.O. E. 4c S. 9, mit Hinweisen). Entsprechendes gilt, wenn der Verurteilte einer ihm erteilten Weisung zuwidergehandelt hat. Es kommt nicht auf die Widersetzlichkeit als solche an, sondern allein darauf, ob deswegen angenommen werden muss, die Bewährungsaussichten seien wesentlich geringer als ursprünglich angenommen. Die Missachtung von Weisungen kann nur zum Widerruf führen, wenn auf Grund dieses Verhaltens eine erhebliche Gefahr entstanden ist, dass der Verurteilte weitere Delikte begeht. 4.2 Der Prognose ist die ganze Dauer der mittlerweile abgelaufenen Probezeit als massgebender Zeitraum zugrunde zu legen. Die Vorinstanz wird bei der Neubeurteilung der Bewährungsaussichten daher nicht einfach auf die wenige Monate nach der Verurteilung erstattete Einschätzung von A.________ abstellen dürfen. Vielmehr wird zu prüfen sein, ob sich die Bewährungsprognose während der ganzen vierjährigen Probezeit verschlechtert hat. Dabei wird die Vorinstanz zu beachten haben, dass die von ihr festgestellte soziale Stabilisierung des Beschwerdeführers seit der Deliktsverübung vor über sechs Jahren gegen eine solche Annahme und für eine günstige Prognose spricht. 4.3 Sollte die Vorinstanz die Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Widerruf gemäss Art. 41 Ziff. 3 Abs. 2 StGB als erfüllt ansehen, wird sie sich damit auseinander zu setzen haben, ob eine Verwarnung, die Verlängerung der Probezeit oder eine zusätzliche Massnahme nach Art. 41 Ziff. 2 StGB auszusprechen sei. Da eine Betreuungsbedürftigkeit des Beschwerdeführers besteht, käme in Betracht, die Probezeit zu verlängern und die Weisung, sich einer Therapie zu unterziehen, zu erneuern. Die jüngsten fachärztlichen Berichte von Dr. med. B.________ schliessen den Erfolg einer psychotherapeutischen Behandlung nicht aus. Dem Beschwerdeführer wird eine aktive, motivierte Beteiligung an der Therapie attestiert und schon früher war zum Teil eine konstruktive Mitarbeit seinerseits möglich (act. 20, act. 26; act. 3/20 S. 1 f.). Auch wäre gestützt auf die mehrfach geäusserte gutachterliche Empfehlung (act. 3a/G/8 S. 31; act. 26 S. 2) zu erwägen, in Form einer neuen Weisung den Umgang des Beschwerdeführers mit minderjährigen männlichen Jugendlichen einzuschränken.