Citation: 5A_550/2022 E. 3.3.4

3.3.4. Auch in materiellrechtlicher Hinsicht erweist sich der angefochtene Entscheid als bundesrechtskonform, zumal das Bundesgericht in Ermessensfragen nur zurückhaltend interveniert (vgl. E. 2.1 in fine). Anders als der Beschwerdeführer behauptet, lässt sich der vorliegende Fall nicht mit dem Urteil 5A_380/2018 vom 16. August 2018 vergleichen. Im damaligen Fall war der Vater verstorben und diente der vom Bundesgericht befürwortete persönliche Verkehr der Grosseltern zu ihrem Grosskind väterlicherseits dazu, die Erinnerung an diesen Teil der Familie wachzuhalten. Der aktuell zu beurteilende Fall liegt anders. Vater und Mutter treten zusammen als beklagte Partei auf. Zudem deutet nichts darauf hin, dass sie ihrer Erziehungsverantwortung nicht integral nachkommen können und wollen. In dieser Konstellation hat das Bundesgericht in seiner bisherigen Rechtsprechung noch nie ausserordentliche Umstände und einen Anspruch von Grosseltern auf Kontakt zu den Enkeln bejaht. An dieser Rechtsprechnung ist festzuhalten. Daran ändert auch die beeindruckende Liste der Aktivitäten nichts, die der Beschwerdeführer vorlegt, um seine anfängliche Nähe zu den Grosskindern zu belegen. Weder quantitativ noch qualitativ übernahm der Beschwerdeführer die Rolle eines Pflegevaters (Urteil 5A_100/2009 vom 25. Mai 2009 E. 2.3). Ebenso wenig begründen die Motive für den Kontaktabbruch ausserordentliche Umstände. Entsprechend kann offenbleiben, wer den Kontaktabbruch zu verantworten hat und ob die Einschätzung des Beschwerdeführers zutrifft, wonach die Beschwerdegegnerin egoistische Motive verfolgt und seine offen gelebte Homosexualität der Grund dafür sei, dass sie den Kontakt ihres Schwiegervaters mit den Grosskindern ablehne. Selbst wenn dies so wäre, stellte die sexuelle Orientierung des Beschwerdeführers keinen ausserordentlichen Umstand im Sinn von Art. 274a ZGB dar, der es ihm erlaubte, daraus etwas für sich abzuleiten. Gleiches gilt mutatis mutandis für den jüdischen Glauben, auf den sich der Beschwerdeführer ebenfalls beruft. Es mag sein, dass der Beschwerdeführer eine engere Beziehung zum Judentum hat als sein Sohn und die zum Judentum übergetretene Schwiegertochter. Dies ändert nichts daran, dass die Verantwortung für die religiöse Erziehung ausschliesslich bei den sorgerechtsberechtigten Eltern liegt (Art. 303 ZGB). Zu Unrecht moniert der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV). Entgegen seiner Meinung waren die Vorinstanzen nicht gehalten, Abklärungen vorzunehmen, welchen Stellenwert familiäre, gesellschaftliche und religiöse Elemente im jüdischen Umfeld haben. Ohne Belang für die Auslegung von Art. 274a ZGB ist schliesslich, dass laut dem Beschwerdeführer in der heutigen kinderpsychologischen Literatur Kontakte von Kindern zu Dritten als wertvoll eingestuft werden. Auch wenn dem so ist, bleibt es dabei, dass der Beschwerdeführer nach geltendem Recht nur dann einen Anspruch auf persönlichen Verkehr mit seinen Grosskindern hat, wenn vom Vorliegen ausserordentlicher Umstände auszugehen ist. Die Tatsache, dass diese Kontakte im Kindeswohl liegen, ist so eine notwendige, aber noch keine hinreichende Voraussetzung für den persönlichen Verkehr des Beschwerdeführers mit den Enkeln gegen den Willen der Eltern. Soweit sich der Beschwerdeführer für seinen gegenteiligen Standpunkt auf Arbeiten von Gisela Kilde beruft, räumt er selber ein, dass es dabei hauptsächlich um Vorschläge de lege ferenda geht.