Citation: 1C_471/2021 E. 5.4

5.4. Das Verwaltungsgericht erwog, gemäss Planungsbericht seien alle erdenklichen Massnahmen zugunsten des Lärmschutzes zu ergreifen, um die herausfordernde Lärmsituation meistern zu können. Es sei jedoch offen, ob damit die Immissionsgrenzwerte (IGW) der LSV bzw. die Immissionsrichtwerte (IRW) der Vollzugshilfe Sportlärm an sämtlichen Fenstern aller Wohneinheiten eingehalten werden könnten oder ob allenfalls Erleichterungen nach Art. 7 Abs. 2 LSV für den Bau des Stadions sowie Ausnahmebewilligungen nach Art. 31 Abs. 2 LSV für den Bau von lärmempfindlichen Wohnräumen in den geplanten Hochhäusern in Anspruch genommen werden müssten. Als Massnahme der Emissionsbegrenzung sei vorgesehen, den Stadionbetrieb nicht noch zusätzlich auf eine unbeschränkte Anzahl lärmrelevanter Ereignisse (Konzerte und dergleichen) auszudehnen, einen geschlossenen Tribünenkörper zu errichten, die Zugangsschleusen und Tribünendachuntersichten hoch absorbierend zu gestalten, Beschallungsanlagen so auszurichten, dass nur die Tribünen beschallt werden und für einen lärmoptimierten Unterhalt des Stadions zu sorgen. Zur Überschreitung der IRW der Vollzugshilfe Sportlärm von 65 dB am Tag und 60 dB am Abend könne es namentlich in den dem Stadion zugewandten lärmempfindlichen Räumen kommen. Mit der Gestaltungsplanänderung werde aufzuzeigen sein, ob sämtliche lärmschutzrechtlichen Vorgaben erfüllt werden könnten. Sollte dies nicht möglich sein, erscheine die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art. 31 Abs. 2 LSV nicht von vornherein unrealistisch. Zum einen lasse sich nicht ausschliessen, dass nach Ergreifung aller denkbaren Massnahmen nunmehr (wenn überhaupt) bloss unerhebliche Überschreitungen der einschlägigen IGW respektive IRW resultierten. Zum anderen könne mit der in Anh. 2 der Teiländerung BNO "Stadion 2017" vorgeschriebenen Optimierung der Wohnungsgrundrisse allenfalls aufgezeigt werden, dass städtebaulich keine befriedigendere Lösung zur Verfügung stehe und mit einer genügenden Anzahl an Lüftungsfenstern sowie weiteren Schallschutzmassnahmen (allenfalls auch an der Lärmquelle) ein angemessener Wohnkomfort in allen Wohneinheiten erzielt werden könne. Insofern stelle die vorgesehene schwerpunktmässige Wohnnutzung nach heutigem Kenntnisstand keine unrealistische Planung dar, für die eine Baubewilligung entweder gar nicht oder höchstens in sehr eingeschränktem Umfang in Betracht käme. An erheblichen öffentlichen Interessen, die eine Ausnahmebewilligung nach Art. 31 Abs. 2 LSV unter Umständen rechtfertigen könnten, lasse sich das raumplanerische Anliegen an einer Siedlungsentwicklung nach innen bzw. an einer Verdichtung der Siedlungsfläche anführen. Das Gebiet Torfeld Süd werde im Räumlichen Entwicklungsleitbild (REL) zur Umnutzung vorgesehen und solle nebst anderen dicht genutzten und gut erschlossenen städtischen Quartieren einen Grossteil des für die Stadt Aarau prognostizierten Bevölkerungswachstums aufnehmen. Hinzu komme das gewichtige öffentliche Interesse am Bau eines ligatauglichen Fussballstadions für den FC Aarau am vorgesehenen, im Richtplan dafür festgesetzten Standort im Gebiet Torfeld Süd, das sich ohne die geplanten verdichteten Wohnbauten kaum innert vernünftiger Frist und höchstens unter für die Stadt Aarau signifikant erschwerten Voraussetzungen realisieren liesse. Diese öffentlichen Interessen vermöchten das Interesse der künftigen Bewohner der Wohnbauten an einer strikten Einhaltung der Immissionsgrenzwerte an sämtlichen Fenstern lärmempfindlicher Räume allenfalls zu überwiegen, wenn sich auf Stufe der Sondernutzungsplanung herausstellen sollte, dass die IGW höchstens partiell und geringfügig überschritten werden und mit der dereinstigen Lösung zudem der Wohnkomfort adäquat gewährleistet werden kann.