Citation: I 667/99 08.05.2000 E. 4

4.- a) Eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % während eines Jahres vermag noch keinen Rentenanspruch zu begründen, son- dern nur, wenn sich daran eine Erwerbsunfähigkeit von min- destens 40 % anschliesst. Die durchschnittliche Beeinträch- tigung der Arbeitsfähigkeit während eines Jahres und die nach Ablauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigkeit müssen nämlich kumulativ und in der für die einzelnen Ren- tenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, da- mit eine Rente im entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (BGE 121 V 274 Erw. 6b/cc). Zu prüfen bleiben daher die erwerblichen Auswirkungen dieses Gesundheitsschadens. b) Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat der Versicherte An- spruch auf eine ganze Rente, wenn er mindestens zu 66 2/3 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn er mindestens zu 40 % in- valid ist; in Härtefällen hat der Versicherte nach Art. 28 Abs. 1bis IVG bereits bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 40 % Anspruch auf eine halbe Rente. Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditäts- grad auf Grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das der Versicherte nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das er erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (Art. 28 Abs. 2 IVG). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkom- men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommens- differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 Erw. 2a und b). c) Abgesehen davon, dass - hier nicht interessierende Ausnahmen vorbehalten - nach Art. 48 Abs. 2 IVG Leistungen lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet werden, macht der Beschwerdeführer nicht ein- mal geltend, er sei bereits ein Jahr vor der ersten Anmel- dung (25. Mai 1992), das heisst vor Mai 1991, in rentenbe- gründendem Ausmass invalid gewesen. Vielmehr erachtet er die Voraussetzungen für eine halbe Rente ab 1. Juli 1991 und für eine ganze ab 1. Januar 1993 als erfüllt. d) Während der Beschwerdeführer für die bis Ende Feb- ruar 1990 ausgeübte Tätigkeit als Ladenchef bei der Firma Y.________ ein Einkommen von Fr. 7800.- im Monat erzielte, was einem Jahresverdienst von Fr. 101'800.- (13 x Fr. 7800.-) entspricht, musste er sich in der zwischen 1. Juli 1991 und 31. Dezember 1992 innegehabten Stelle als Vorsorgeberater bei der Firma Z.________ mit Fr. 3370.- mit einem deutlich tieferen Monatssalär begnügen. Ob die hinzukommende, vertraglich vereinbarte Entschädigung von monatlich Fr. 1250.- in vollem Umfang als nicht beitragspflichtiger Spesenersatz im Sinne von Art. 7 AHVV zu qualifizieren ist (vgl. dazu AHI 1996 S. 248 f. Erw. 3a), kann offen bleiben. Selbst wenn die Hälfte davon als Erwerbseinkommen im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 IVV in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG betrachtet würde, er- gäbe sich mit Fr. 47'940.- (12 x [Fr. 3370.- + Fr. 625.-]) ein Jahreseinkommen, das rund 53 % unter dem früher erziel- ten läge. Nachdem nicht zweifelhaft ist, dass der Beschwer- deführer diese Erwerbseinbusse aus gesundheitlichen Gründen hinnehmen musste, hat er ab 1. Juli 1991 Anspruch auf eine halbe Rente. e) Auf Ende Dezember 1992 wurde dem Beschwerdeführer die Stelle bei der W.________ gekündigt, weshalb ab diesem Zeitpunkt beim Invalideneinkommen nicht mehr auf den tatsächlich erzielten Verdienst (vgl. BGE 117 V 18 Erw. 2c/aa mit Hinweisen) abgestellt werden kann. Ab 1. Januar 1993 beträgt der Invaliditätsgrad - wie von der Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 29. Juni 1998 aufgrund eines zutreffenden Einkommensvergleichs ermittelt - 72 %, was zu einer ganzen Rente berechtigt. Bei der gleichzeitigen rückwirkenden Zusprechung einer halben und der diese ablösenden ganzen Rente richtet sich der Zei- tpunkt des Wechsels von der halben zur ganzen Rente aus- schliesslich nach Art. 88a Abs. 2 IVV (BGE 109 V 126 f. Erw. 4a). Dem Beschwerdeführer ist daher ab 1. April 1993 eine ganze Rente zuzusprechen.