Citation: 6S.62/2000 24.10.2000 E. 2

2.- a) Wegen Betruges ist strafbar, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung vonTatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtumarglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhaltenbestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern amVermögen schädigt (Art. 146 Abs. 1 StGB). Den Tatbestand erfüllt nur die arglistige Täuschung. Wersich mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit selbst hätteschützen bzw. den Irrtum durch ein Minimum zumutbarerVorsicht hätte vermeiden können, wird strafrechtlich nichtgeschützt (BGE 122 IV 246 E. 3a mit Hinweisen). Nach derRechtsprechung ist die Täuschung arglistig, wenn der Täterein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besondererMachenschaften oder Kniffe (manoeuvres frauduleuses; miseen scène) bedient. Ein Lügengebäude liegt vor, wenn mehrereLügen derart raffiniert aufeinander abgestimmt sind und vonbesonderer Hinterhältigkeit zeugen, dass sich auch daskritische Opfer täuschen lässt. Ist dies nicht der Fall, scheidet Arglist jedenfalls dann aus, wenn sowohl das vomTäter gezeichnete Bild insgesamt wie auch die falschenTatsachen für sich allein in zumutbarer Weise überprüfbargewesen wären und schon die Aufdeckung einer einzigen Lügezur Aufdeckung des ganzen Schwindels geführt hätte (BGE 119IV 28 E. 3c). Als besondere Machenschaften (machinations)gelten Erfindungen und Vorkehren sowie das Ausnützen vonBegebenheiten, die allein oder gestützt durch Lügen oderKniffe (manoeuvres frauduleuses) geeignet sind, das Opferirrezuführen. Machenschaften sind eigentlicheInszenierungen (mise en scène); sie bestehen aus einemganzen System von Lügen und setzen damit gegenüber einerblossen Summierung von Lügen höhere Anforderungen an dieVorbereitung, Durchführung und Wirkung derTäuschungshandlung voraus. Sie sind gekennzeichnet durchintensive, planmässige und systematische Vorkehren, nichtaber notwendigerweise durch eine besondere tatsächlicheoder intellektuelle Komplexität (BGE 122 IV 197 E. 3d mitNachweisen). Arglist ist auch bei einfachen falschen Angaben gegeben, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühemöglich oder nicht zumutbar ist, sowie dann, wenn der Täterden Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält odernach den Umständen voraussieht, dass dieser die Überprüfungder Angaben aufgrund eines besonderenVertrauensverhältnisses unterlassen werde (BGE 125 IV 124E. 3; 122 IV 246 E. 3a, je mit Hinweisen). Nach der neuerenRechtsprechung erlangt das Kriterium der Überprüfbarkeitauch bei einem Lügengebäude und bei besonderenbetrügerischen Machenschaften Bedeutung. Mit dem Tatbestandsmerkmal der Arglist verleiht dasGesetz dem Gesichtspunkt der Opfermitverantwortungwesentliche Bedeutung. Danach ist bei der Prüfung derArglist nicht aufgrund einer rein objektivenBetrachtungsweise darauf abzustellen, wie eindurchschnittlich vorsichtiger und erfahrener Dritter aufdie Täuschung reagiert hätte. Vielmehr ist die jeweiligeLage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfallzu berücksichtigen, soweit der Täter diese kennt undausnützt. Das gilt insbesondere bei geistesschwachen, unerfahrenen oder aufgrund des Alters oder einer(körperlichen oder geistigen) Krankheit beeinträchtigtenOpfern, ferner bei solchen, die sich in einemAbhängigkeits- oder Unterordnungsverhältnis oder in einerNotlage befinden und deshalb kaum imstande sind, dem Täterzu misstrauen (BGE 120 IV 186 E. 1a und c). Auf der anderenSeite ist die besondere Fachkenntnis und Geschäftserfahrungdes Opfers in Rechnung zu stellen, wie sie etwa im Rahmenvon Kreditvergaben Banken beigemessen wird (vgl. BGE 119 IV28 E. 3f). Auch unter dem Gesichtspunkt derOpfermitverantwortung ist für die Erfüllung des Tatbestandsindes nicht erforderlich, dass das Opfer die grösstmöglicheSorgfalt walten lässt und alle denkbarenVorsichtsmassnahmen trifft. Entscheidend ist nicht, ob derBetroffene alles vorgekehrt hat, um den Irrtum zuvermeiden. Arglist scheidet lediglich dann aus, wenn dasOpfer die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nichtbeachtet hat. Entsprechend entfällt der strafrechtlicheSchutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondernnur bei Leichtfertigkeit (URSULA CASSANI, Der Begriff derarglistigen Täuschung als kriminalpolitischeHerausforderung, ZStR 117/1999 S. 163). b) Die Vorinstanz nimmt eine Täuschung durch konkludentesVerhalten an. Der Beschwerdeführer bzw. Y. hätten sichdurch ihre Teilnahme generell und insbesondere zusätzlichdurch das Akzeptieren des Spielreglementes zu "Fairplay"verpflichtet. Sie hätten konkludent erklärt, "normale", ehrliche und redliche Teilnehmer zu sein, während sie sichin Wirklichkeit in aufwendiger und minuziös geplanter undausgeführter Art die für einen Gewinn entscheidendenAntworten zu den in der Sendung gestellten Fragen unlauterbeschafft hätten. Die Vorinstanz bejaht die Arglist. Wer, wie derBeschwerdeführer und seine Mittäter, sich durch komplexe, arbeitsteilige und raffinierte Machenschaften in den Besitzdes "Keys" - wie es derBeschwerdeführer genannt habe -, also des Schlüssels zumGeldsegen bringe, handle arglistig in der Form der"manoeuvres frauduleuses", der betrügerischenMachenschaften. Eine die Arglist ausschliessendeOpfermitverantwortung sei nicht gegeben. c) Der Beschwerdeführer bringt vor, die Auffassung derVorinstanz verletze Bundesrecht. Er habe lediglich eineLücke im System ausgenützt. Der Veranstalter der Sendunghabe es an einem Mindestmass an Aufmerksamkeit fehlenlassen. d) Soweit der Beschwerdeführer von einem Sachverhaltausgeht, den die Vorinstanz nicht festgestellt hat, kannauf seine Vorbringen nicht eingetreten werden (Art. 273Abs. 1 lit. b BStP [SR 312. 0]). Im Verfahren derNichtigkeitsbeschwerde ist das Bundesgericht an dietatsächlichen Feststellungen der kantonalen Behördegebunden (Art. 277bis Abs. 1 BStP). e) Der Beschwerdeführer und seine Mittäter habenumfangreiche Vorkehren getroffen, um Kenntnis von den inder Sendung gestellten Fragen und den Antworten zuerlangen. Zwei Mittäter haben sich unter einem VorwandZugang zur Hauptprobe verschafft, sich dort die Fragen undAntworten gemerkt, diese aufgeschrieben und anschliessenddie angefertigten Zettel in der Toilette bzw. - für denNotfall - im Auto versteckt. In der Folge mussten Y. bzw. der Beschwerdeführer einen Zettel behändigen, die Fragenund Antworten auswendig lernen und dann in der Sendung voreinem Fernsehpublikum von mehreren hunderttausend Personenden redlichen Teilnehmer spielen. Wenn die Vorinstanz inAnbetracht dieser planmässigen, arbeitsteiligen undsystematischen Vorkehren besondere Machenschaften bejahthat, hat sie kein Bundesrecht verletzt. Im Übrigen wäre dieArglist wohl selbst dann zu bejahen, wenn man nur von einereinfachen falschen Angabe ausgehen wollte. Denn es istnicht ersichtlich, wie A. die falsche Angabe in zumutbarerWeise hätte überprüfen können. Zu Recht hat die Vorinstanz keine die Arglistausschliessende Opfermitverantwortung angenommen. Wiedargelegt ist nach der Rechtsprechung nicht erforderlich, dass das Opfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt undalle denkbaren Vorsichtsmassnahmen trifft. Arglist scheidetlediglich dann aus, wenn das Opfer die grundlegendstenVorsichtsmassnahmen nicht beachtet hat. Das kann demVeranstalter der Sendung nicht vorgeworfen werden. Nach denverbindlichen tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz(Art. 277bis Abs. 1 BStP) sind die Kandidaten in Kenntnisdes Spielreglements gesetzt worden und haben sichunterschriftlich zu dessen Einhaltungverpflichtet. Die Sendung beruhte somit auf dem allseitsanerkannten Gedanken des "Fairplay". Damit istverständlich, wenn der Veranstalter von strengstenÜberwachungsmassnahmen abgesehen hat. Zu berücksichtigenist auch, dass es sich bei den Kandidaten um Personenhandelte, die in der Regel noch nie vor der Kameragestanden waren. Dem Veranstalter war es deshalbberechtigterweise ein Anliegen, eine Atmosphäre desVertrauens zu schaffen. Auch dem wären strengsteÜberwachungsmassnahmen abträglich gewesen. Vom Veranstalterkonnte auch deshalb kaum verlangt werden, die Kandidatenbeim Toilettenbesuch und in der Garderobe zu überwachen, weil ihre Privat- und Intimsphäre zu achten war. Ausserdemweisen die kantonalen Instanzen zu Recht darauf hin, dassder Veranstalter ein berechtigtes Interesse daran habenkonnte, in der abendlichen Sendung die gleichen Fragen zustellen wie in der vorangegangenen Generalprobe. So war esmöglich, allfällige Schwierigkeiten, die sich ausbestimmten Fragen ergaben, rechtzeitig vor der abendlichenLive-Sendung zu erkennen und zu beheben. Die umfangreichenVorkehren, welche die Täter treffen mussten, um ihren Planzu verwirklichen, sind im Übrigen der Beleg dafür, dass derVeranstalter keine grundlegenden Sorgfaltspflichtenmissachtet hat.