Citation: 6B_784/2022 E. 1.2.2

1.2.2. Zum Entziehen von Minderjährigen erwägt die Vorinstanz, die Beschwerdeführerin habe gewusst, dass die elterliche Sorge rechtskräftig dem Kindsvater zugeteilt worden war. Trotzdem habe sie alles getan, um den Sohn vom Kindsvater zu entfremden. Dieser habe während der 4-jährigen Entführung und bereits davor wenig bis gar nicht an der Erziehung des Sohns teilhaben können. Dass dies das eigentliche Ziel der Beschwerdeführerin gewesen sei, entnimmt die Vorinstanz dem Gutachten von Dr. med. C.________. Im Vergleich zu anderen möglichen Tatvarianten wertet die Vorinstanz die Verwerflichkeit als sehr hoch. Der Sohn sei bald volljährig. Er sei in einer sehr prägenden Zeit seines Lebens von seiner Mutter beeinflusst und vom Kindsvater ferngehalten worden. Nun sei es schwierig, eine normale Vater-Kind-Beziehung aufzubauen. Insgesamt geht die Vorinstanz von einem schweren objektiven Tatverschulden aus. Auch hier berücksichtigt sie, dass die Beschwerdeführerin keine Reue zeige und das Unrecht ihrer Tat nicht einsehe. Wiederum wertet die Vorinstanz zugunsten der Beschwerdeführerin, dass sie aus freien Stücken in die Schweiz zurückgekehrt sei. Allerdings habe sie vor der Rückkehr die superprovisorische Obhut über den Sohn beantragt. Dies spreche gegen eine Rückkehr aus Einsicht und Reue. Für das Entziehen von Minderjährigen erscheint der Vorinstanz aufgrund der objektiven und subjektiven Tatkomponenten eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen als schuldangemessen.