Citation: 2C_1052/2020 E. D

D.a. Die Steuerpflichtige erhob am 24. April 2020 Einsprache und ersuchte um Freispruch. Sie betonte insbesondere, dass bezüglich der fehlenden Verbuchung kein "absichtliches" Verhalten vorliege. Die Veranlagungsbehörde bzw. nunmehr Anklagebehörde überwies die Sache am 5. Mai 2020 zur gerichtlichen Beurteilung an das Kantonsgericht des Kantons Appenzell Innerrhoden (Art. 180bis StG/AI). Am 20. Oktober 2020 kam es zu einer öffentlichen Verhandlung. D.b. Mit Entscheid V 4-2020 vom 20. Oktober 2020 sprach das Kantonsgericht, Abteilung Verwaltungsgericht, die Steuerpflichtige in Bezug auf den Betrag von Fr. 11'000.-- frei, aber in Bezug auf den Betrag von Fr. 80'000.-- schuldig der versuchten Steuerhinterziehung (direkte Bundessteuer und Staats-, Bezirks- und Gemeindesteuern des Kantons Appenzell Innerrhoden, Steuerperiode 2017). In der Folge auferlegte das Kantonsgericht der Steuerpflichtigen eine Busse von Fr. 6'600.--. Dabei hielt das Kantonsgericht am Koeffizient von 66,66 Prozent der bereits um 25 Prozent verminderten hinterzogenen Steuer fest. D.c. Soweit hier noch wesentlich, erkannte das Kantonsgericht, entgegen der Auffassung der Steuerpflichtigen sei der Anklagebehörde keine Verletzung des Anklagegrundsatzes vorzuwerfen. Der Hinterziehungsverfügung könnten zwar tatsächlich keine Ausführungen zum subjektiven Tatbestand der Steuerhinterziehung entnommen werden. Die Anklagebehörde habe den Tatvorwurf aber dahingehend formuliert, dass die Steuerpflichtige die unrichtige Buchführung bewusst in Kauf genommen habe. Daraus könne, so das Kantonsgericht, auf den Vorwurf des vorsätzlichen Handelns geschlossen werden (E. II/2). Auf die Anhörung des Treuhänders und von B.________ als Auskunftspersonen, des Käufers der Liegenschaft und der Ehefrau des Treuhänders als Zeugen habe die Anklagebehörde in antizipierter Beweiswürdigung verzichten dürfen. Die Anhörungen seien nicht notwendig bzw. nicht entscheidrelevant gewesen, da sie nichts daran geändert hätten, dass die Steuerpflichtige sich die Arbeit der Treuhandunternehmung anrechnen lassen müsse (E. II/3). D.d. In der Sache selbst erkannte das Kantonsgericht, die Steuerpflichtige berufe sich auf die langjährige, vertrauensvolle und einwandfreie Zusammenarbeit mit der Treuhandunternehmung. Sie mache geltend, der Treuhänder habe die Anzahlungen mit Valuta vom 30. Dezember 2016 und 3. Januar 2017 wie üblich in einem ersten Schritt der Einzelunternehmung von B.________ gutgeschrieben. In einem zweiten Schritte wäre dann beabsichtigt gewesen, anlässlich der Abschlussarbeiten die Umbuchung auf das Konto der A.________ AG vorzunehmen. Aufgrund eines Irrtums seitens der Treuhandunternehmung sei es dann aber nicht soweit gekommen. Der Vermerk auf den Bankauszügen habe, so die Steuerpflichtige, zwar keine Fragen aufgeworfen, der Treuhänder, der zu dieser Zeit gesundheitlich schwer angeschlagen und überarbeitet gewesen sei, habe diesen aber nicht zutreffend interpretiert. Die Steuerpflichtige bringe weiter vor, Jahresabschluss und Steuererklärung habe der Treuhänder im Entwurf erstellt und dann mit B.________ besprochen. B.________ habe sich vergewissert, dass das Grundstück nicht mehr aktiviert gewesen sei, dass darauf keinerlei Abschreibungen mehr vorgenommen worden seien und dass der Erlös als (ausserordentlicher) Ertrag verbucht worden sei. Die Steuerpflichtige leite daraus ab, so das Kantonsgericht weiter, dass für sie kein Anlass bestanden habe, nähere Abklärungen anzustellen und insbesondere zu prüfen, ob der Ertrag vollständig verbucht worden sei. In strafrechtlicher Hinsicht rufe die Steuerpflichtige die Unschuldsvermutung an. Sie nehme für sich in Anspruch, bei Auswahl, Instruktion und Überwachung der Treuhandunternehmung sorgfältig gehandelt zu haben; so habe sie keinesfalls leichtfertig auf die Richtigkeit der Buchhaltung vertraut. Da im Geschäftsjahr 2017 aber lediglich die Liegenschaft veräussert worden sei, habe sie davon ausgehen dürfen, dass dieser Vorgang zutreffend verbucht werde. Der Käufer habe eine Vorauszahlung von Fr. 80'000.-- erbracht und dann die Restzahlung von Fr. 555'000.-- geleistet, wovon Aufwendungen in Abzug zu bringen gewesen seien. Die Steuerpflichtige leite daraus ab, dass sie die unvollständige Verbuchung des Ertrags nicht habe bemerken müssen (E. III/1). Dieser Sichtweise sei, wie das Kantonsgericht abschliessend erwägt, nicht beizupflichten: Wie auch die Steuerpflichtige anerkenne, seien die Anzahlungen von Fr. 80'000.-- auf Ebene der Steuerpflichtigen unverbucht geblieben. Dies erfülle den objektiven Tatbestand der Steuerhinterziehung. B.________ verfüge über breite Erfahrungen im Bau- und Immobilienbereich. Mit wenig Aufwand wäre es für ihn erkennbar gewesen, dass der Erlös nur unvollständig verbucht worden war, zumal es sich dabei im streitbetroffenen Geschäftsjahr um den einzigen Geschäftsvorfall gehandelt habe. Die mangelhafte Kontrolle sei weder zu rechtfertigen noch als blosse Nachlässigkeit, sondern zumindest als eventualvorsätzlicher Versuch der Steuerhinterziehung zu würdigen. Ausgehend von einem mindestens mittelschweren Verschulden seien Bussen von zwei Drittel der um einen Viertel reduzierten hinterzogenen Steuern angemessen (E. III/2 und 3).