Citation: 1P.574/2006 08.02.2007 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer bestritt während des gesamten Verfahrens eine Tatbeteiligung. Er bringt vor, ein Dritttäter habe die ihm vorgeworfenen Taten begangen und sich, gestört durch die Ankunft des Beschwerdeführers im Keller, entweder versteckt oder sei ungesehen geflohen. Die Geschädigte sei zuvor derart gewürgt worden, dass sie zumindest kurz das Bewusstsein verloren und deshalb das Verschwinden des Täters bzw. das Hinzutreten des Beschwerdeführers nicht bemerkt habe. Aufgewacht aus der Bewusstlosigkeit habe sie als erste Person den Beschwerdeführer gesehen und daraus geschlossen, er sei der Täter. Der Beschwerdeführer gibt an, er sei zur Tatzeit mit dem Lift in den Keller gefahren, um in seinem Kellerabteil etwas zu holen. Beim Vorraum zu seinem Kellerabteil angelangt, habe er die Geschädigte auf dem Boden liegen sehen. Zunächst habe er Hilfe holen wollen, sei aber zur Geschädigten zurückgekehrt, als er ein von ihr ausgehendes Geräusch gehört habe. Er habe der Geschädigten, die Rollschuhe getragen habe, beim Aufstehen geholfen. Danach sei eine Hausbewohnerin in den Keller gekommen und habe den Beschwerdeführer und die Geschädigte gesehen. Alle drei Personen hätten darauf den Keller verlassen. 3.2 Das Obergericht äussert sich in seinem Urteil vom 25. Januar 2005 zunächst zu den Beweismitteln, nämlich insbesondere den Aussagen der Geschädigten (S. 9 ff.), des Beschwerdeführers (S. 12 ff.), der hinzutretenden Hausbewohnerin A.________ (S. 18 ff.) und des Bruders des Beschwerdeführers (S. 21 f.); im Weiteren zu den Befunden des Instituts für Rechtsmedizin (S. 22 ff.), zur Untersuchung der Kleider des Beschwerdeführers und der Geschädigten durch den Wissenschaftlichen Dienst der Stadpolizei Zürich (S. 26 f.) sowie zur Tatrekonstruktion (S. 27 f.). Anschliessend nimmt es (S. 28-60) einlässlich die Beweiswürdigung vor. Es kommt (S. 31) zum Schluss, dass die Zeugenaussage des Bruders des Beschwerdeführers diesen infolge ihrer offensichtlichen Unzuverlässigkeit nicht entlasten kann. Es bemerkt (S. 34) sodann, es bestehe kein Anlass, an der Richtigkeit des von der Zeugin A.________ geschilderten Vorfalles im Keller zu zweifeln. Beweismässig sei damit rechtsgenüglich erstellt, dass die Zeugin kurz nach dem Betreten des Kellers ein unterdrücktes Weinen oder Wimmern gehört habe und ihr der Beschwerdeführer nach ihrem Rufen nervös, mit rotem Kopf und zitternden Händen entgegengekommen sei und eine Bemerkung über ein gestürztes Mädchen gemacht habe. Anschliessend habe die Zeugin das hinter dem Beschwerdeführer hertorkelnde, weinende Mädchen mit zerschundenem Gesicht und heruntergezogenen nassen Hosen gesehen. Sodann habe der Beschwerdeführer den Keller als Erster bzw. noch vor der Geschädigten verlassen und sei direkt mit dem Lift nach oben gefahren. Das Obergericht legt (S. 35 ff.) dar, die Aussagen der Geschädigten über den Tatablauf im Keller stimmten inhaltlich in sich selbst wie auch innerhalb der beiden ersten polizeilichen Begfragungen (vom 18. und 21. Mai 1996) überein. Insbesondere schildere die Geschädigte den Kerngehalt des Geschehens und die Reihenfolge der Übergriffe - Herabziehen in den Keller, Würgen am Hals, Zudrücken des Mundes, Schläge, dann Ausziehen der Hose - stets gleich und widerspruchsfrei. Sodann seien in der Aussage der Geschädigten (nicht im Geschehen) auch chronologische "Sprünge" zu späteren Geschehensphasen und das vorübergehende Überspringen gewisser (objektiv wesentlicher) Umstände - wie zum Beispiel die Abläufe nach dem Erschienen der Nachbarin - festzustellen, was gegen die zielgerichtete Wiedergabe einer eingeübten oder suggerierten Geschehensversion spreche. Gewisse sprachliche Probleme infolge ihrer Fremdsprachigkeit oder fehlende verbale Ausdrucksmöglichkeiten habe die damals siebenjährige Geschädigte durch anschauliche Umschreibungen und Gesten wettgemacht. Die Aussagen der Geschädigten in ihrer Einvernahme vom 26. Januar 1998 seien naturgemäss wesentlich abstrakter und ungenauer. Dies sei ohne weiteres auf den für ein acht- bis neunjähriges Kind langen Zeitablauf von eindreiviertel Jahren seit der Tat zurückzuführen. Dabei stehe die Geschädigte aber zu Erinnerungslücken und versuche nicht, diese durch Ergänzungen wett zu machen. Seien die Aussagen der Geschädigten zum Tatablauf klar, nachvollziehbar und im Wesentlichen konstant, so seien es auch ihre Aussagen zur Identifikation des Beschwerdeführers als Täter. Die Geschädigte habe gute Informationen über die Person und das Aussehen des Beschwerdeführers bzw. eben jenes Mannes abgeben können, der sie im Keller misshandelte. Sie habe den Beschwerdeführer vom Sehen und von seinen Familienverhältnissen her gekannt - sie habe konkret den Bruder und die Schwester mit deren Namen erwähnt und deren Äusseres geschildert -, habe aber sonst keine näheren Kontakte zu ihm. Es sei kein Grund ersichtlich, weshalb sie den Beschwerdeführer zu Unrecht der Tat bezichtigen sollte. Ebenso fehlten Anhaltspunkte dafür, dass sie mit einer falschen Anschuldigung allenfalls einen anderen, ihr bekannten Täter hätte schützen wollen. Dagegen spreche insbesondere ihre anschliessende Reaktion durch sofortiges Berichten des Vorfalles gegenüber der Mutter. Das Obergericht bemerkt (S. 40) weiter, betrachte man die Aussagen der Bezugspersonen der Geschädigten (Mutter, Vater, Onkel, weitere Zeuginnen), die über die von der Geschädigten geschilderten Erlebnisse berichteten, so stelle man deren Übereinstimmung mit den eigenen Aussagen der Geschädigten fest; dies sowohl was die Übergriffe und deren Reihenfolge als auch was die Person des Täters betreffe. Aussagekräftig sei insbesondere die von mehreren Zeugen geschilderte Angstreaktion der Geschädigten, als der Beschwerdeführer (nach dem Vorfall) in ihre Wohnung gebracht worden sei. Die Entstehungsgeschichte der Aussage schliesse auch irgendwelche Suggestionen aus. Die Geschädigte habe das Tatgeschehen unmittelbar im Anschluss an den Vorfall berichtet. Den Bezugspersonen sei der Sachverhalt erst durch ihre Berichte zur Kenntnis gebracht worden. Es sei die Geschädigte gewesen, die von Anfang an den Beschwerdeführer als (einzigen) Täter bezeichnet habe. Das Obergericht legt (S. 41) weiter dar, auch aus den Zeugenaussagen der beiden Polizeibeamtinnen, welche die Geschädigte befragt haben, ergäben sich keinerlei Anhaltspunkte für Unsicherheiten, Widersprüche oder für irgendeine Fremdbeeinflussung der Geschädigten bei ihren Aussagen und Anschuldigungen. Das Obergericht verweist (S. 41) ferner) auf das Gutachten des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons Zürich vom 25. März 1997. Die Gutachterin sei unter anderem nach Befragung der Lehrerin und der Psychotherapeutin der Geschädigten sowie nach testmässigen Abklärungen zur Feststellung gelangt, dass kein Grund für Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungsaussagen der Geschädigten bestehe. Sie leide unter keinen psychischen Störungen und auch Hinweise auf eine erhöhte Beeinflussbarkeit fehlten. Ebenso wenig sei ein Motiv für eine Falschaussage ersichtlich. Ein Irrtum bezüglich der Person des Täters oder eine Verwechslung und damit eine unbewusste Falschaussage sei ebenfalls unwahrscheinlich. Das Obergericht bemerkt weiter (S. 42), die Tatschilderungen der Geschädigten deckten sich im Übrigen mit den medizinisch festgestellten Verletzungen. Nach den Erwägungen des Rechtsmediziners würde eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit der Geschädigten deren Erinnerungsvermögen nicht beeinträchtigen. Nach den Erkenntnissen des Wissenschaftlichen Dienstes sei aufgrund der gegenseitigen Faserübertragung der Kleider der Geschädigten und des Beschwerdeführers die Darstellung der Geschädigten ebenfalls möglich. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen sei die Geschädigte als glaubwürdig und seien ihre Aussagen als überzeugend einzustufen. Das Obergericht führt sodann (S. 43) aus, die Aussagen des Beschwerdeführers wiesen wesentliche Lücken und Widersprüche insbesondere auch zur Aussage der Zeugin A.________ auf, die den Kerngehalt seiner Aussageversion tangierten. Zudem seien die Aussagen des Beschwerdeführers ganz grundsätzlich höchst lebensfremd und unplausibel, was das Obergericht (S. 43 ff.) im Einzelnen darlegt. Es kommt (S. 47/48) zum Schluss, das ganze Verhalten des Beschwerdeführers sei derart unlogisch und widersprüchlich, gleichzeitig aber auch höchst kompromittierend, dass seine Sachdarstellung als völlig unglaubhaft eingestuft werden müsse. Das Obergericht äussert sich (S. 48 ff.) sodann zur vom Beschwerdeführer und seinem Verteidiger vorgebrachten Theorie einer Dritttäterschaft und schliesst eine solche aus. Zusammenfassend kommt es (S. 59) zum Schluss, die Aussagen der Geschädigten seien überzeugend und stimmten mit den medizinischen Befunden, den Aussagen der Zeugin A.________ zur letzten Tatphase sowie den Aussagen der indirekten Zeugen über die tatunmittelbaren Deliktsschilderungen durch die Geschädigte überein. Auch die Aussagen der Zeugin A.________ überzeugten. Umgekehrt seien die Ausführungen des Beschwerdeführers in sich widersprüchlich und widersprächen auch den Aussagen der Zeugin A.________ in massgeblichen Punkten. Sie entbehrten jeglicher Plausibilität und Realitätsnähe und seien auch deswegen absolut unglaubhaft, weshalb sie die Beweiskraft der Belastungsaussagen nicht in Frage zu stellen vermöchten. Die Theorie einer Dritttäterschaft scheide infolge fehlender Bewusstlosigkeit der Geschädigten aus. Sie wäre ohnehin nur dem Bereich der stets möglichen, spekulativen Tatalternativen zuzuordnen, welche die Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" nicht zu rechtfertigen vermöchten. Irgend ein vernünftiger Zweifel an der Tatversion der Geschädigten sei somit ausgeschlossen und der Anklagesachverhalt daher rechtsgenügend erwiesen. 3.3 Das Kassationsgericht kommt (S. 18) zum Schluss, das Obergericht sei willkürfrei davon ausgegangen, die Geschädigte habe den Beschwerdeführer als Täter im Verlaufe des Angriffs (nach dem Zupacken aber vor dem Würgen) erkannt.