Citation: U 253/02 28.05.2003 E. 3

3.1 Gestützt auf die medizinischen Akten ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass beim Beschwerdeführer ab 1. Januar 1997 keine erheblichen organischen Unfallfolgen mehr bestanden haben und die vorhandenen Beschwerden und Beeinträchtigungen im Wesentlichen psychisch bedingt sind. Weil die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas bzw. einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, hat die Adäquanzbeurteilung nicht nach den für Schleudertraumen der HWS (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Kriterien zu erfolgen (BGE 123 V 99 Erw. 2a). 3.2 Gemäss dem in den Akten enthaltenen Unfallprotokoll und dem Rapport der Stadtpolizei Zürich hat sich der Unfall vom 25. Oktober 1995 wie folgt zugetragen: Die Unfallverursacherin musste an der Strassenkreuzung Seebahnstrasse/Kalkbreitestrasse in Zürich bei Rotlicht anhalten. Als das Lichtsignal auf Grün schaltete, bog sie von der Seebahnstrasse nach links in die Kalkbreitestrasse ein; sie verweigerte dabei dem auf der Gegenfahrbahn auf die Kreuzung zufahrenden Beschwerdeführer den Vortritt, worauf es zur Kollision kam. Die rechte vordere Ecke des vom Beschwerdeführer gesteuerten Personenwagens VW Jetta wurde leicht eingedrückt und der Kotflügel vorne rechts verschoben. Der Sachschaden wurde auf ca. Fr. 2'500.- geschätzt. Die in dem vom Haftpflichtversicherer der Unfallverursacherin in Auftrag gegebenen Gutachten des Ingenieurbüros S.________ + B.________ vom 26. Februar 1997 enthaltene Photographie zeigt, dass die Beschädigungen am Unfallfahrzeug nicht schwerwiegend waren. Auch wenn der Schaden am beteiligten anderen Fahrzeug, welches seitlich beschädigt wurde, deutlich grösser war (laut polizeilicher Schätzung ca. Fr. 7'500.-), und das Fahrzeug ausser Verkehr gesetzt wurde, weil man eine Reparatur nicht mehr als sinnvoll erachtete, kann nicht von einem schweren Unfall gesprochen werden. Nach den gesamten Umständen (Unfallhergang, erlittene Verletzungen, Umfang des Sachschadens) ist der Unfall dem mittleren Bereich zuzuordnen (vgl. RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.). Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre praxisgemäss daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der unfallbezogenen Beurteilungskriterien in besonders ausgeprägter Weise oder mehrere der nach der Rechtsprechung massgebenden Kriterien erfüllt wären (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 3.3 Der Unfall hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. Auch hat der Beschwerdeführer keine Verletzungen von besonderer Schwere und insbesondere keine Verletzungen erlitten, die erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Zwar können Schleudertraumen und schleudertraumaähnliche Verletzungen der HWS grundsätzlich zu psychischen Fehlentwicklungen führen; dies setzt in der Regel jedoch ein schweres Trauma voraus, was hier nicht gegeben ist. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, sowie einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen kann nicht gesprochen werden. In den Arztberichten ist zwar von einem verzögerten Heilungsverlauf die Rede. Dieser hatte seine Ursache jedoch in der psychischen Fehlentwicklung, wie im neurologischen Gutachten des Dr. med. R.________ vom 6. März 1997 ausdrücklich festgehalten wird. Es liegt sodann keine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung vor. Diese beschränkte sich auf ambulante Physiotherapie und eine medikamentöse Behandlung mit Analgetika, Antiphlogistika und Schlafmitteln. Bereits am 10. September 1996 empfahl die Klinik Z.________, von weiteren physikalischen Massnahmen abzusehen. Die Indikation für eine Spondylodese wurde verneint und dem Versicherten dringend empfohlen, den von ihm getragenen Halskragen abzulegen. In der Folge wurden ausser einer medikamentösen Schmerztherapie offenbar keine medizinischen Massnahmen mehr durchgeführt. Soweit noch eine Behandlung erfolgte, war sie auf das psychische Leiden (anhaltende somatoforme Schmerzstörung) gerichtet, was im Rahmen der Adäquanzbeurteilung unberücksichtigt zu bleiben hat. Auch das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit kann nicht als erfüllt gelten. Nachdem die Ärzte der Klinik Z.________ schon bei den orthopädischen und neurologischen Untersuchungen vom 2. Mai und 15. August 1996 den Verdacht auf eine erhebliche funktionelle Überlagerung geäussert hatten, gelangten sie im Bericht vom 18. Oktober 1996 zum Schluss, dass aus rheumatologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorliege. Daraus ist zu schliessen, dass die fortbestehende Arbeitsunfähigkeit bereits im Verlauf des Jahres 1996 in zunehmendem und spätestens ab 1997 überwiegendem Masse psychisch bedingt war. Das Gleiche gilt bezüglich der Beschwerden, weshalb auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen nicht als erfüllt gelten kann. Entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, welche nach dem Gesagten zu Unrecht von den für Schleudertraumen der HWS (BGE 117 V 359 ff.) statt von den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Adäquanzkriterien ausgehen, ist weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt noch sind mehrere der nach der Rechtsprechung geltenden Kriterien gegeben, weshalb die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden und damit die Leistungspflicht ab 1. Januar 1997 zu verneinen ist.