Citation: 6B_443/2014 E. 3.3.2

3.3.2. Im Übrigen kann entgegen der Rechtsauffassung der Beschwerdeführerin nicht von einem wiederholten Verzicht auf Widerruf gesprochen werden, welcher nach der Doktrin (nur) ausnahmsweise, so bei geringfügigen und ganz anders gearteten neuen Taten, möglich sein soll (Schneider/Garré, Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl., 2013, N. 40 zu Art. 46 StGB mit Hinweis). Denn die Staatsanwaltschaft wäre von vornherein nicht befugt gewesen, die bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten zu widerrufen; diese wäre bei der für die Erledigung mittels Strafbefehls erlaubten Strafhöhe (von höchstens 6 Monaten; Art. 352 Abs. 1 lit. d StPO) mitzuzählen (vgl. Franz Riklin, Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., 2014, N. 10 zu Art. 352 StPO). Zudem enthielt der Strafbefehl vom 22. Januar 2011 ohnehin keine einschlägigen Schuldsprüche. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern eine Verurteilung wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten und Fahrens ohne Führerausweis eine grundlegend andere, schlechtere Prognose hinsichtlich der Wirkung der Freiheitsstrafe vom 31. März 2008 begründen sollte, für welche eine einfache Körperverletzung, Tätlichkeiten und Raufhandel im Vordergrund gestanden hatten.