Citation: 1B_280/2014 E. 2.2

2.2. Für die Annahme von Fluchtgefahr genügt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die Höhe der zu erwartenden Freiheitsstrafe für sich allein nicht. Eine solche darf nicht schon angenommen werden, wenn die Möglichkeit der Flucht in abstrakter Weise besteht. Vielmehr müssen konkrete Gründe dargetan werden, die eine Flucht nicht nur als möglich, sondern als wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Höhe der zu erwartenden Freiheitsstrafe kann immer nur neben anderen, eine Flucht begünstigenden Tatsachen herangezogen werden (BGE 125 I 60 E. 3a; 117 Ia 69 E. 4a; 108 Ia 64 E. 3; 107 Ia 3 E. 6; Urteil 1B_353/2013 vom 4. November 2013 E. 4.1). Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz offensichtlich schlecht integriert, spricht keine der Landessprachen, hatte vor der Verhaftung keine feste Anstellung und lebte in einem von der Sozialhilfe finanzierten Kellerraum. Er ist erheblich verschuldet, und seine Aufenthaltsbewilligung (B) ist am 21. Juni 2014 abgelaufen. Seine Beziehung zu seinem Heimatland Nigeria, wo seine Ehefrau und sein Kind leben, ist dagegen intakt. Auch wenn er ein gewisses wirtschaftliches Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz haben mag, so ist es höchst fraglich, ob er sein Aufenthaltsrecht in der Schweiz behalten kann, wenn seine Verurteilung im Rechtsmittelverfahren im Wesentlichen bestätigt werden sollte. Insgesamt erscheinen die Aussichten des Beschwerdeführers, das weitere Fortkommen in der Schweiz zu finden, gering. Unter diesen Umständen ist ernsthaft zu befürchten, dass er sich der weiteren Strafverfolgung und insbesondere dem Vollzug einer immerhin mehrmonatigen Freiheitsstrafe durch eine Flucht in sein Heimatland entziehen könnte, wo er vor dem Zugriff der schweizerischen Strafverfolgungsbehörden relativ sicher wäre. Dass er im Untersuchungsverfahren den Vorladungen nachkam und die gesetzten Termine wahrnahm, ändert an dieser Einschätzung nichts, da er vor seiner Verurteilung offenbar in Verkennung der Beweislage davon ausging, ohnehin freigesprochen zu werden. Das Obergericht hat kein Bundesrecht verletzt, indem es Fluchtgefahr bejahte.