Citation: 4A_235/2020 E. 9.1

9.1. Die Vorinstanz stellte fest, der tatsächlich zu bezahlende Preis werde nicht von Anfang an angegeben. Am Anfang des Bestellvorgangs werde ein Preis für die Tickets angezeigt, in dem Liefergebühr, Mehrwertsteuer und Buchungsgebühr noch nicht enthalten seien. Diese kämen während des Bestellvorgangs dazu. Aus dem von der Beschwerdeführerin eingereichten Auszug der Website "www.A.________.ch" sei ersichtlich, dass ausdrücklich angegeben werde, wenn der Preis exklusive Mehrwertsteuer angezeigt werde ("Nicht inbegriffen: Liefergebühr, Mehrwertsteuer und Buchungsgebühr"). Bei Schritt 1 erfolge der ausdrückliche Hinweis, dass bei dem Verkaufspreis der Tickets die Liefergebühr, die Mehrwertsteuer und die Buchungsgebühr noch nicht enthalten seien. Beim Testkauf komme bei Schritt 2 (Versand) in der linken Spalte nach Auswahl der Lieferoption die bezifferte Liefergebühr hinzu. Nach Eingabe der Zahlungsangaben komme zudem ein bezifferter Gesamtbetrag für Mehrwertsteuer und Buchungsgebühr hinzu. Am Ende des Bestellprozesses, vor Auslösung der Bestellung mit dem Button "Bestellung beenden... und Tickets sichern!", werde eine Kaufübersicht mit allen Angaben eingeblendet. In rechtlicher Hinsicht erwog die Vorinstanz, dass der Preis eine Angabe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. b UWG darstelle, ergebe sich bereits aus dem Gesetz. Da Preise für den Kaufentschluss der potentiellen Kunden zentral seien, sei auch der (vermutete) Wettbewerbsbezug ohne Weiteres gegeben. Nicht behauptet werde, dass die Preisangaben unrichtig seien; damit bleibe zu prüfen, ab wann der tatsächlich zu bezahlende Preis (Gesamt-/Endpreis) anzugeben sei, ab wann die Beschwerdegegnerin diesen angebe und ob Durchschnittskonsumenten durch die Preisangaben irregeführt oder getäuscht werden. Zu Ersterem liefere die Preisbekanntgabeverordnung keine Antwort, weshalb auch offengelassen werden könne, ob das Angebot der Beschwerdegegnerin als Dienstleistung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 lit. g PBV zu qualifizieren sei. Was Durchschnittskonsumenten hinsichtlich des Preises letztlich interessiere, sei, welcher Preis inkl. aller Zusätze (Mehrwertsteuer, Abgaben) zu bezahlen sei. Deshalb habe zur Vermeidung einer Täuschung bzw. Irreführung der tatsächliche Preis vor Erteilung des Konsenses zum Vertragsabschluss dem Käufer bekannt zu sein. Gepflogenheiten im Geschäftsverkehr, die verlangten, bei Onlineverkäufen den tatsächlich zu bezahlenden Preis zu Beginn anzugeben, würden nicht substanziiert behauptet und lägen auch nicht vor; Zuschläge während des Bestellvorgangs seinen weit verbreitet. Die Beschwerdegegnerin gebe den tatsächlich zu bezahlenden Preis am Schluss des Bestellvorgangs an. Vor Auslösung der Bestellung, im Zeitpunkt des Kaufentschlusses kenne der Durchschnittskonsument damit den tatsächlich zu bezahlenden Preis. Es bestehe daher keine Täuschungs- oder Irreführungsgefahr darüber, welchen Preis er letztlich zu bezahlen habe. Relevant sei das objektivierte Verständnis der Durchschnittskonsumenten, und bei diesen bestehe eine solche Täuschungs- oder Irreführungsgefahr durch den tieferen Anfangspreis nicht. Durchschnittskonsumenten verstünden den auf einer Webseite anfangs eingeblendeten Preis eben als Anfangspreis. Sie verstünden diesen nicht als tatsächlichen, letztlich zu bezahlenden Preis, wie sie es bei einem in einem Laden angeschriebenen Preis tun würden. Vielmehr gingen sie - da beim Einkaufen im Internet üblich - davon aus, dass zu diesem Anfangspreis noch Gebühren und Zuschläge unterschiedlicher Art (z.B. Zoll-, Versand-, Bearbeitungsgebühren) hinzukommen könnten. Die vorliegend thematisierte Mehrwertsteuer beziehe sich auf die Vermittlungsdienstleistung der Beschwerdegegnerin und werde deshalb zusammen mit der Buchungsgebühr erhoben, deren Angabe nicht von Anfang an erwartet werde. Aufgrund ihres Verständnisses des Preises als Anfangspreis prüften die Durchschnittskonsumenten - selbst wenn ein Bestellprozess Ablenkungen enthalte und nicht lange dauern dürfe - vor Abschluss der Bestellung nochmals den Preis und entschieden, ob sie die Tickets (samt Dienstleistung der Vermittlung) für diesen Gesamtpreis kaufen möchten. Dieser Gesamtpreis sei für den Durchschnittskonsumenten, wie die dokumentierten Kaufabläufe zeigten, gut sichtbar. Jeder Durchschnittskonsument habe wohl bereits Bestellvorgänge angesichts eines letztlich für ihn zu hohen Gesamtpreises kurz vor Abschluss der Bestellung abgebrochen. Wenn ein Nutzer die Tickets schliesslich im Wissen um den Gesamtpreis kaufe, der den Anfangspreis übersteige, weil er bereits weit im Bestellprozess fortgeschritten sei und keine Lust verspüre, den Bestellprozess auf einer anderen Webseite nochmals neu zu starten, bestehe keine Irreführung oder Täuschung. Vielmehr sei dies ein bewusster Entscheid unter Einbezug der Opportunitätskosten. Davor brauche der Durchschnittskonsument keinen Schutz. Weiter bestehe auch wegen einer fehlenden Vergleichbarkeit von Anfangspreisen keine (potentielle) Irreführung oder Täuschung. Es könne den Nutzern zugemutet werden, den Preis - auch bei fortgeschrittenem Bestellvorgang und trotz eines gewissen Zeitdrucks - zu vergleichen. Im Internet bestehe die Möglichkeit zu solchen Vergleichen mit wenigen Klicks. Dies werde von Durchschnittskonsumenten auch genutzt. Zudem liege eine Irreführungs- oder Täuschungsgefahr aufgrund des tieferen Anfangspreises auch deshalb nicht vor, weil die Nutzer darauf, dass Liefergebühr, Mehrwertsteuer und Buchungsgebühr nicht darin inbegriffen seien, ab Schritt 1 hingewiesen würden, wenn auch deren Höhe zu diesem Zeitpunkt nicht ausgewiesen sei. Eine Verletzung von Art. 3 Abs. 1 lit. b UWG sei insgesamt zu verneinen.