Citation: 4A_611/2016 E. 6.2

6.2. Aus Absatz 2 folgt wie bereits erwähnt, dass der Preis entweder über eine Einigung oder über eine Expertise bestimmt werden soll. Dass für die Expertise bestimmte Eckwerte festgelegt werden müssen (z.B. betreffend Qualifikation der Expertin oder dass kein Paketzuschlag zu berücksichtigen ist), liegt auf der Hand. Für eine Einigung bedarf es keiner solchen Vorgaben. Eine Einigung ist eine Einigung und weshalb eine Partei den Vorschlag der andern akzeptiert, ist irrelevant. Also muss der Vertrag anders als hinsichtlich der Expertisierung auch keine detaillierten Angaben für die Einigung vorsehen. Daraus lässt sich entgegen der Vorinstanz nichts ableiten. Die Formulierung in Absatz 2 "If the Parties cannot agree on the fair market value, each Party may request (...) " ist auch nicht bloss eine "allgemeine einleitende Bemerkung"; vielmehr wird dadurch das Primat der Einigung bestimmt. Es soll eine Einigung gesucht werden und (nur) wenn das nicht gelingt, soll die (kostspielige) Expertise den Unternehmenswert bestimmen. Das macht auch Sinn. Damit ergibt sich aus systematischer Sicht aber gerade ein starkes Indiz gegen das Verständnis der 20-Tage-Frist als Frist zur Expertenbestellung. Es ist offensichtlich - davon gehen auch Vorinstanz und Beschwerdegegner aus -, dass die 20-Tage-Frist jedenfallseine Einigungsfrist ist. Wäre sie gleichzeitig die Frist zur Bestellung des Experten, würden aber für den Einigungsversuch nicht die vollen 20 Tage zur Verfügung stehen. Vielmehr müsste die Ernennung des Bewertungsexperten noch vor dem Ablauf der Frist in die Wege geleitet werden. Aufgrund der obigen Ausführungen zur teleologischen Auslegung verliert das Argument der gewollten straffen Fristen weitgehend seine Bedeutung. Hinzu kommt, dass sowohl die Erklärung zu Beginn des Prozederes, dass die Absicht zur Ausübung des Kaufrechts bestehe, als auch diejenige am Schluss, dass das Kaufrecht nun definitiv ausgeübt werde, einen entsprechenden Entscheid der kaufberechtigten Parteien voraussetzt. Dass hierfür ebenso wie für die Einigungsverhandlungen eine Frist gesetzt wird, ist konsequent. Demgegenüber setzt die Einleitung der Expertenbestellung keinen solchen Entscheid voraus.