Citation: 6B_84/2023 E. 1.7.1

1.7.1. Die Beschwerdeführerin bewirkte mit ihrem Verhalten zulasten des schweizerischen Sozialsystems, das primär auf Solidarität und Loyalität und nicht auf Überwachung beruht (vgl. Urteil 6B_477/2022 vom 25. August 2022 E. 3.2 mit Hinweis), einen finanziellen Nachteil, d.h. eine widerrechtliche Veränderung bzw. Verminderung staatlichen Vermögens. Am Erhalt bzw. an der zweckkonformen Verwendung staatlicher Gelder und an der Aufrechterhaltung der Funktionalität des Sozialsystems besteht ein grundsätzliches öffentliches Interesse (vgl. Art. 41 und 111- 117 BV; Urteil 6B_1385/2021 vom 29. August 2023 E. 2.5.3 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Deliktssumme sei mit Fr. 19'602.20 tief ausgefallen. Gemäss jüngerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung führt ein Deliktsbetrag von Fr. 3'000.-- bis zu Fr. 35'999.99 zur Prüfung eines leichten Falles im Sinne Art. 148a Abs. 2 StGB (BGE 149 IV 273 E. 1.5.6 f.). Entgegen der Vorinstanz liegt der Deliktsbetrag demnach nicht "deutlich" über dem betreffenden Grenzwert. Dies bedeutet aber nicht, dass - unbesehen der restlichen Umstände - zwingend von einem leichtem Verschulden auszugehen wäre (vgl. zur vertieften Prüfung BGE 149 IV 273 E. 1.5.7). Die durch die Beschwerdeführerin erwirkte Deliktssumme ist deutlich über dem Mittelbereich einzuordnen. Es handelt sich dabei nicht um einen Bagatellbetrag. Die Vorinstanz führt zudem schlüssig aus, der Tatzeitraum habe sich über ein Jahr erstreckt, wobei die Beschwerdeführerin trotz vorhandener Erwerbstätigkeit Leistungen der Arbeitslosenkasse bezogen habe. Weiter habe sie ihre Tathandlungen nicht selbst gestoppt, sondern die Leistungen seien erst eingestellt worden, als die zuständigen Ämter die deliktische Tätigkeit bemerkt hätten. Sie habe damit das ihr seitens des Staats entgegengebrachte Vertrauen schwer missbraucht. Aktive Handlungen zur Verschleierung habe sie allerdings nicht unternommen. In subjektiver Hinsicht habe sie aus rein finanziellen Motiven gehandelt, was egoistisch sei. Insofern ist es vertretbar, wenn die Vorinstanz das Tatverschulden betreffend die Katalogtat als "keineswegs mehr leicht" einstuft. Unzutreffend ist es angesichts dieser Formulierung indessen, wenn die Beschwerdeführerin geltend macht, die Vorinstanz lasse den Grad des Verschuldens offen. Nicht ersichtlich ist hingegen, dass unrechtmässige Bezüge aus dem Jahr 2017 (die mit Strafbefehl vom 23. September 2019 abgeurteilt wurden) bei der Festsetzung des Verschuldens betreffend die Katalogtat berücksichtigt worden wären. Zwar hält die Vorinstanz einleitend fest, es habe sich beim Handeln der Beschwerdeführerin um eine Fortsetzung der Delinquenz aus dem Jahr 2017 gehandelt. Dabei nimmt sie, soweit ersichtlich, jedoch eine zeitliche und thematische Einordnung vor. Diesen Schluss legen jedenfalls die Erwägungen zur Täterkomponente nahe. Auch dort erwägt die Vorinstanz, die Katalogtat präsentiere sich als Fortsetzung derjenigen Delinquenz, die zum Strafbefehl vom 23. September 2019 geführt habe. Sie hält an gleicher Stelle aber ausdrücklich fest, die Beschwerdeführerin habe insoweit noch ohne Vorstrafe delinquiert. Gleiches ergibt sich aus den weiteren Ausführungen, wo die Vorinstanz im Sinne eines Fazits zu sämtlichen Anklagevorwürfen festhält, es sei straferhöhend zu berücksichtigen, "soweit die Beschwerdeführerin trotz Vorstrafe innert laufender Probezeit der Vorstrafe bzw. trotz in Aussicht stehendem Strafverfahren" delinquiert habe. Damit unterscheidet sie stets ausdrücklich zwischen den vor dem Strafbefehl vom 23. September 2019 begangenen Taten (worunter die Katalogtat fällt) und der danach verübten Delinquenz. D as vorinstanzlich festgesetzte Verschuldensprädikat lässt sich schliesslich auch ohne Berücksichtigung der vorgelagerten unrechtmässigen Bezüge rechtfertigen. Entgegen der Beschwerdeführerin finden sich sodann auch keinerlei Hinweise darauf, dass sich die Höhe des Strafrahmens auf das Verschulden ausgewirkt hätte. Wenngleich die gerügte Formulierung ("Innerhalb des nach oben engen Strafrahmens mit einer Höchststrafe von nur einem Jahr ist ihr Verschulden [...] als keineswegs mehr leicht zu bezeichnen") missverständlich klingen mag, begründet die Vorinstanz das Tatverschulden (wie zuvor dargetan) nachvollziehbar und unter Würdigung der relevanten Tatkomponenten.