Citation: 1A.186/1999 04.05.2000 E. 5

5.- a) Nach Art. 24 Abs. 2 RPG kann das kantonale Recht gestatten, bestehende Bauten und Anlagen zu erneuern, teilweise zu ändern oder wieder aufzubauen, wenn dies mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung vereinbar ist. Die Erneuerung, die teilweise Änderung und der Wiederaufbau sind bundesrechtliche Begriffe. Das kantonale Recht kann den Rahmen der zulässigen baulichen Vorkehrungen zwar enger, nicht aber weiter fassen als das Bundesrecht (BGE 113 Ib 303 E. 3a S. 305, 314 E. 3 S. 316 f., 112 Ib 94 E. 2 S. 95 f.). Der Kanton Bern hat von der in Art. 24 Abs. 2 RPG eingeräumten Möglichkeit Gebrauch gemacht, indem er die Erneuerung, die teilweise Änderung oder den Wiederaufbau von Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen gestattet, wenn dies mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung vereinbar ist (vgl. Art. 83 des Baugesetzes des Kantons Bern vom 9. Juni 1985 [BauG]). b) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts werden als teilweise Änderungen nebst Um- und Anbauten auch Erweiterungen und Zweckänderungen verstanden. Sie gelten als teilweise, wenn sie Umfang und Erscheinung, also die Identität der Baute, in den wesentlichen Zügen wahren und keine wesentlich neuen Auswirkungen auf die Nutzungsordnung, die Erschliessung und die Umwelt verursachen. Gemessen an der bestehenden Anlage muss die Änderung von untergeordneter Bedeutung sein (BGE 123 II 256 E. 4 S. 261; 118 Ib 497 E. 3a mit Hinweisen), was anhand einer alle massgeblichen Faktoren einbeziehenden Gesamtbetrachtung zu prüfen ist (BGE 119 Ia 300 E. 3c). Von der Festlegung einer quantitativen Grenze hat das Bundesgericht bisher abgesehen, da sich eine solche als zu starr erweisen könnte. Immerhin bezeichnete es Erweiterungen der Nutzfläche um rund einen Drittel verschiedentlich als nicht geringfügig (BGE 112 Ib 94 E. 3; 107 Ib 237 E. 2b/aa und bb). Mit dem Mittel der stark eingeschränkten Bewilligung von baulichen Veränderungen an Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen wollen der eidgenössische und der kantonale Gesetzgeber das raumplanerische Ziel der Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet verfolgen (Art. 1 und 3 RPG). Massgebend für die Beurteilung baubewilligungspflichtiger Vorhaben ist dabei grundsätzlich nicht die vom Bauherr subjektiv angestrebte, sondern die durch den geplanten Umbau aufgrund des Ausbaustandards objektiv mögliche Nutzung (BGE 124 II 538 E. 2c). c) Das Verwaltungsgericht führte im angefochtenen Entscheid in Anlehnung an die dargestellte bundesgerichtliche Rechtsprechung aus, der vorliegende Anbau eines Kinderspielraums an das bestehende Wohnhaus zu Nebenerwerbszwecken stelle eine Erweiterung mit Zweckänderung dar, die den Rahmen von Art. 24 Abs. 2 RPG bei weitem sprenge. Selbst wenn gemäss den Angaben des Beschwerdeführers von einer Bruttogeschossfläche des ursprünglichen Wohnhauses (Stöckli) von 143, 15 m2 ausgegangen werde, erhöhe sich diese durch den Anbau mit einer Fläche in Erd- und Obergeschoss von 75,88 m2 um 53%. Hinzu komme, dass durch den erstellten Anbau die Identität des ursprünglichen Gebäudes verloren gehe. Der Anbau erscheine neben dem Wohnhaus (Stöckli), mit dem es einzig an einer Fassadenseite zusammengebaut sei, als selbständiges angebautes Haus. Dies sowohl wegen seiner äusseren Gestaltung mit Parallelfirst und Fenstern im Ober- und im Erdgeschoss sowie der sich vom Hauptbau unterscheidenden Verkleidung, wie auch nach seinem Innenausbau. Schliesslich eröffne der Anbau mit dem Zweck der Unterbringung eines Feriengewerbe-Betriebes gegenüber der bisher bewilligten Wohnnutzung wesentliche neue und dem Wohnen nicht nahestehende Nutzungsmöglichkeiten, welche nicht die bestimmungsgemässe Verwendung fortführten und nicht von untergeordneter Bedeutung seien. d) Der Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, die anrechenbare Bruttogeschossfläche habe sich durch den Anbau nur um 44 m2 und damit um weniger als 25% erhöht, da er im Obergeschoss des Anbaus entgegen den Annahmen des Verwaltungsgerichts keinen bewohnbaren Raum erstellt habe. Die Erhöhung des Firstes gegenüber der bewilligten Höhe habe nicht er veranlasst, sondern der beauftragte Schreiner, der die Erhöhung des Anbaus aus statischen Gründen als notwendig erachtet habe. Indessen ist nach der dargestellten Rechtsprechung (E. 5b oben) für die Anrechenbarkeit der Fläche des Obergeschosses des Neubaus nicht entscheidend, aus welchen Gründen der Dachstock erhöht wurde, sondern allein, ob der geschaffene Raum zu Wohnzwecken genutzt werden kann. Dies ist nach den unbestrittenen Feststellungen des Verwaltungsgerichts offensichtlich der Fall. So weist der Raum wegen der Überhöhung eine maximale Höhe von 2,5 m und eine minimale Höhe von ca. 0,7 m auf. Ferner ist er isoliert, getäfert und befenstert. Das Verwaltungsgericht hat die Fläche des Neubaus mit 75,88 m2 nicht offensichtlich unrichtig festgestellt. Bei einer Bruttogeschossfläche des Stöcklis von 139 m2 bzw. von 143, 15 m2 (vgl. Erwägung 3c oben) ist auch die festgestellte Flächenerweiterung von rund 50% nicht offensichtlich unrichtig. Um rechnerisch auf die vom Beschwerdeführer behauptete Erweiterung von weniger als 25% zu kommen, müsste davon abgesehen, selbst wenn der Neubau wie vom Beschwerdeführer behauptet lediglich eine Bruttogeschossfläche von 44 m2 aufweisen würde, von einer minimalen Fläche des Stöcklis von 179 m2 ausgegangen werden, und nicht nur - wie in anderem Zusammenhang behauptet - von 79 m2. Der Beschwerdeführer bringt sodann nichts vor, was die Feststellungen des Verwaltungsgerichts im Zusammenhang mit der Veränderung der Erscheinung des Stöcklis als offensichtlich unrichtig erscheinen liesse. Auch seine Würdigung, die Identität der Baute werde durch den Anbau nicht gewahrt, ist nicht zu beanstanden. Bei dieser Sachlage fällt für die Frage, ob der Neubau den Rahmen einer teilweisen Änderung sprenge, nicht ins Gewicht, ob sich im Neubau eine vollständig eingerichtete Küche befindet. Wie es sich mit dieser angeblich aktenwidrigen Feststellung des Verwaltungsgerichts verhält, kann offenbleiben. Ebenfalls nicht entscheidend ist, ob der Neubau, wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht, grösstenteils auf der bestehenden Jauchegrube liege und in seiner Ausgestaltung keinen zusätzlichen landwirtschaftlichen Boden in Anspruch nehme. Es handelt sich dabei jedenfalls um nach Aussen in Erscheinung tretende und damit den Raum verändernde sowie mit einer wesentlichen Nutzungsänderung verbundene bauliche Vorkehren, deren Begrenzung die strikten Vorschriften für Bauten ausserhalb der Bauzone bezwecken (vgl. BGE 119 Ia 300 E. 3b S. 303; 119 Ib 124 E. 2a S. 127 f.; 114 Ib 317). Das Verwaltungsgericht, auf dessen zutreffende Ausführungen im Übrigen verwiesen werden kann, hat offensichtlich zu Recht verneint, dass der umstrittene Anbau den Rahmen einer teilweisen Änderung im Sinne von Art. 24 Abs. 2 RPG einhalte.