Citation: I 341/03 25.09.2003 E. 2

Unbestritten sind die Anwendung der gemischten Bemessungsmethode und die vollständige Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich. Streitig sind dagegen der Umfang der Anteile des Erwerbs- und Haushaltsbereichs sowie die Höhe des Invaliditätsgrades ab Februar resp. Mai 2001. 2.1 Die Vorinstanz geht von einem Erwerbsanteil von 60 % aus, da die Beschwerdeführerin in den letzten zwanzig Jahren überwiegend in diesem Umfang erwerbstätig gewesen sei und auch nach der Verbesserung der Schulterbeschwerden im Jahr 1993 bis zum Eintritt ihrer psychiatrischen Probleme 1998 keine Erhöhung des ausserhäuslichen Arbeitspensums vorgenommen habe. Im mit 40 % gewichteten Haushaltsbereich stellt das kantonale Gericht auf den Bericht über die Abklärung an Ort und Stelle vom 11. Februar 2002 ab und geht ab Februar 2001 von einer Einschränkung im Umfang von 14 % aus, so dass ab Februar 2001 ein Gesamtinvaliditätsgrad von 65.60 % resultiere. Die Versicherte macht demgegenüber geltend, dass sie heute zu 80 % erwerbstätig wäre; sie habe, seit ihre beiden Söhne erwachsen seien, kurze Zeit zu 80 % gearbeitet, jedoch aus gesundheitlichen Gründen (Schulterbeschwerden) ihr Pensum auf 60 % reduzieren müssen und ebenfalls wegen gesundheitlicher Gründe (psychiatrische Beschwerden ab Juni 1995) nicht wieder erhöhen können. Betreffend Anteil Haushalt sei der Bericht über die Abklärung an Ort und Stelle nicht korrekt; insbesondere seien zwar ihre etwa zweimal pro Monat auftretenden Schmerzschübe erwähnt, jedoch sei nicht berücksichtigt worden, dass diese jeweils zwischen einer und drei Wochen andauerten. 2.2 Zunächst sind die jeweiligen Anteile von Haushalts- und Erwerbstätigkeit festzulegen. Unbestritten ist, dass die Versicherte von August 1991 bis März 1992 eine Anstellung im Umfang von 80 % innegehabt hat, sich 1993 wegen Schulterschmerzen einer Operation unterziehen musste und anschliessend während etwa eines Jahres Dauerschmerzen hatte. Es ist anhand der Einträge in den individuellen Konten mit der Vorinstanz zudem davon auszugehen, dass die Erwerbstätigkeit vor und nach der entsprechenden Anstellung jeweils rund 60 % (oder weniger) betragen hat. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird ausgeführt, dass sich die Versicherte vor 1991 vornehmlich um die Erziehung ihrer beiden (1969 und 1973 geborenen) Söhne gekümmert hat, was ohne weiteres nachvollzogen werden kann und somit nicht gegen eine später beabsichtigte Erhöhung des ausserhäuslichen Arbeitspensums spricht. Jedoch fällt auf, dass sich die Beschwerdeführerin nach dem Abklingen der postoperativen Dauerschmerzen 1994 in keiner Weise um eine Ausdehnung ihres Arbeitspensums auf 80 % bemüht hat; so wird denn auch nirgends ausgeführt (oder gar belegt), sie habe Abklärungen betreffend Aufstockung des bisherigen Arbeitspensums vorgenommen oder eine andere Stelle gesucht (oder sich gar bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet), was bei einem beabsichtigten Ausbau der Erwerbsfähigkeit jedoch der Fall gewesen wäre. Diese Ausdehnung des Erwerbsanteils wäre der Versicherten aus gesundheitlichen Gründen möglich gewesen, denn die psychiatrischen Beschwerden traten nicht unmittelbar nach dem Abklingen der postoperativen Dauerschmerzen 1993/1994, sondern - gemäss eigenen Angaben - frühestens im Sommer 1995 auf, da Dr. med. A.________ in seinem Bericht vom 19. Juni 2001 ausführt, die Versicherte sei "anamnestisch" seit sechs Jahren 100 % arbeitsunfähig. Diese Äusserung gibt die eigene Einschätzung der Beschwerdeführerin wieder und wird von ihr insofern bestätigt, als im - vom Hausarzt zusammen mit seinem Bericht von Juni 2001 eingereichten - Bericht der Klinik Y.________ vom 21. Februar 2001 ausgeführt wird, die Versicherte gebe an, seit etwa fünf Jahren an der psychiatrischen Symptomatik zu leiden. Damit wäre es ihr - allein gestützt auf ihre Aussagen gegenüber den behandelnden Ärzten und ohne dass sich dies nach dem aktuellen Stand der Akten weiter belegen liesse - aus gesundheitlichen Gründen möglich gewesen, ihr Pensum spätestens ab 1994 auf 80 % auszudehnen, wenn sie es wirklich gewollt hätte. Da sie dies nicht getan hat und auch keine entsprechenden Anstrengungen in dieser Hinsicht unternommen hat, ist der Anteil der Erwerbsfähigkeit zusammen mit der Vorinstanz und der Verwaltung auf 60 % festzulegen, während der Anteil Haushalt demzufolge 40 % beträgt. 2.3 Streitig ist im Weiteren das Ausmass der Einschränkungen im Haushaltsbereich. Deren Bewertung basiert auf dem Abklärungsbericht vom 11. Februar 2002 (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Für den Beweiswert eines solchen Berichtes sind - analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) - verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben des Versicherten zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 128 V 93; AHI 2003 S. 218 Erw. 2.3.2). Die Versicherte macht - wie schon im vorinstanzlichen Verfahren - geltend, dass im Abklärungsbericht vom 11. Februar 2002 die etwa zweimal monatlich auftretenden Schmerzschübe zwar erwähnt seien, jedoch nicht richtig gewichtet würden, denn diese dauerten jeweils zwischen ein bis maximal drei Wochen an, sodass sie viel stärker eingeschränkt sei als im Bericht angenommen. In den vorliegenden medizinischen Akten finden sich jedoch keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin während zwei bis vier Wochen pro Monat Schmerzschübe hätte, die ihr jegliche Tätigkeit verunmöglichten. Immerhin fällt auf, dass die IV-Stelle im März/April 2002 einen (zweiten) Arztbericht des Hausarztes Dr. med. A.________ eingeholt hat, dabei aber nur wissen wollte, ob eine Verbesserung des Gesundheitszustandes vorliege und wie er die ausserhäusliche Erwerbsarbeit beurteile; im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass sich der Hausarzt schon in seinem ersten Bericht vom 19. Juni 2001 primär auf die Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich bezieht, sodass diese ärztlichen Stellungnahmen - welche jeweils von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgehen - auch dahin verstanden werden könnten, es seien die von der Versicherten geltend gemachten Schmerzschübe berücksichtigt und die Arbeitsunfähigkeit betreffe somit auch den Haushaltsbereich. Sollte dies effektiv der Fall sein, würde der Abklärungsbericht vom 11. Februar 2002 auf einer falschen Grundlage beruhen: Falls sich die Schmerzschübe tatsächlich über mindestens die Hälfte eines Monates erstrecken, wäre die Einschränkung im Haushaltsbereich wohl grösser als im Abklärungsbericht angenommen. Da damit Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit des Berichtes über die Abklärung an Ort und Stelle bestehen, kann dieser nicht unbesehen Grundlage des Entscheides über die Einschränkungen im Haushaltsbereich sein. Die IV-Stelle wird deshalb beim Hausarzt abzuklären haben, ob die geltend gemachten Schmerzschübe im Frühjahr 2001 tatsächlich die von der Beschwerdeführerin angegebene Dauer und Auswirkung aufgewiesen haben; sollte dies der Fall sein, müsste dies anhand der Krankengeschichte durch den Hausarzt ohne weiteres nachprüfbar sein, da dermassen starke Einschränkungen ohne Zweifel in der Krankengeschichte notiert worden wären. Je nach Ausgang dieser Aktenergänzungen ist der Abklärungsbericht zu revidieren und anschliessend neu zu verfügen.