Citation: 6B_1073/2022 E. 3.4.4

3.4.4. Angesichts der konkreten Umstände verletzt die Annahme der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe den Tod von B.________ billigend in Kauf genommen, kein Bundesrecht. Dieser bringt nichts vor, was die vorinstanzliche Würdigung mit Bezug auf die tatsächlichen Feststellungen als willkürlich erscheinen lässt; namentlich auch nicht, wenn er darlegt, gewisse Läsionen des Opfers seien wohl dadurch entstanden, dass es sich beim Versuch, sich von der Fesselung zu befreien, am Boden gerieben habe (Beschwerde S. 13). Die (unbestrittene) Tatsache, dass sich das Opfer teilweise Verletzungen selber zugefügt hat, als es versuchte, sich zu befreien, vermag nichts daran zu ändern, dass der Beschwerdeführer B.________ massiv verletzt hat. Besonders die Verwundungen im Gesicht und im Rippenbereich (zwei gebrochene Rippen) sowie die Schulterluxation können augenscheinlich nicht durch das Opfer selbst verursacht worden sein, zumal es mit straff auf dem Rücken gebundenen Armen an der Türklinke fixiert war. Ebenfalls nicht relevant ist sodann, ob der Beschwerdeführer das Opfer direkt mittels Schlägen verletzt hat oder ob die Verletzungen dadurch entstanden sind, dass es während der körperlichen Auseinandersetzung mit ihm gefallen ist (vgl. Beschwerde S. 13). Gemäss Gutachten des IRM lagen beim Opfer u.a. folgende Verletzungen vor, als es gefunden wurde: Luxation und Quetschungen der rechten Schulter, Rippenbrüche (Rippe 3 und 4) rechts, Blutunterlaufungen in Form von flächigen Hautverfärbungen an Kinn/Kieferwinkel, am Brustbeinansatz, über den Beckenkämmen bauchseits, an den Knien und am linken Innenknöchel, massives Brillenhämatom, Verschwellung des Nasenrückens, Hautunterblutungen sowie Schwellungen an den Lippen und am Hinterkopf links mit dortigen Weichteilquetschungen, tiefgreifende Schürfungen an beiden Oberarmen mittig. Der Beschwerdeführer fesselte das sichtlich schwer verletzte Opfer und fixierte es mit auf dem Rücken gebundenen Oberarmen an der Türklinke (Urteil S. 20 E. 5.7). Diese straffe Fesselung fügte B.________ nicht nur Einblutungen und Blauverfärbungen zu, sondern behinderte zusätzlich deren Atmung und führte zu einem Sauerstoffmangel. Aufgrund ihrer Verletzungen kam es nach etwa ein bis zwei Stunden zu einem akuten Herzversagen wegen einer schweren Lungenfettembolie und damit zu ihrem Tod. Der Beschwerdeführer hinterliess das hochbetagte, schwer verletzte und blutende Opfer mit einer fest anliegenden Fesselung in einer äusserst unangenehmen Position. In Anbetracht dieser Tatumstände konnte er nicht annehmen, B.________ hätte die Gefahr ihres Todes durch eigenes Verhalten abwenden können. Der Hinweis des Beschwerdeführers, dass sie noch bei Bewusstsein war, als er sie in der Villa hinterliess, geht damit fehl. Indem er das Opfer in einem derartigen Zustand und so gefesselt zurückliess, gab er das Geschehen preis und konnte nicht auf einen glimpflichen Ausgang vertrauen. Für die Frage der Inkaufnahme des Todes des Opfers ist vorliegend (spätestens) auf den Zeitpunkt abzustellen, als der Beschwerdeführer es alleine zurückliess. Aus anschliessenden Hilfsbemühungen kann nicht auf fehlenden Vorsatz geschlossen werden (Urteil 6B_1009/2021 vom 17. Januar 2022 E. 3.3). Auch wenn der Beschwerdeführer die Rettungskräfte - seiner Auffassung nach sofort - informiert und dabei ausdrücklich auf die Dringlichkeit hingewiesen hat, hing der Nichteintritt des Erfolgs nicht mehr von ihm sondern nur noch vom (rechtzeitigen) Eingreifen der Rettungskräfte, mithin von Glück und Zufall ab. Damit muss auch nicht vertieft werden, wessen Schuld es war, dass B.________ nicht mehr rechtzeitig gerettet werden konnte. Die Vorinstanz durfte davon ausgehen, der Beschwerdeführer habe den Tod des Opfers für wahrscheinlich gehalten, als er dieses in einem solchen Zustand hinterliess. Daher kann vorliegend weiter offenbleiben, ob er bereits anlässlich seines körperlichen Übergriffs in Kauf genommen hat, dass das Opfer diesen nicht überlebt. Die vorinstanzliche Schlussfolgerung, dass der Beschwerdeführer das Risiko des Todeseintritts in Kauf genommen und damit eventualvorsätzlich gehandelt hat, ist nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz hat den Begriff des Eventualvorsatzes nicht verkannt. Lediglich der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass im Falle eines rechtzeitigen Eintreffens der Sanität und einer Rettung von B.________ nicht der Vorsatz des Beschwerdeführers wegfallen würde (Beschwerde S. 9 und S. 12); diesfalls wäre er der versuchten (eventual-) vorsätzlichen Tötung schuldig.