Citation: 6B_445/2009 06.10.2009 E. 6

6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz verletze Bundesrecht, indem sie in allen Fällen eine qualifizierte Tatbegehung nach Art. 189 Abs. 3 StGB bzw. Art. 190 Abs. 3 StGB annehme. A.________ habe die Fesselung nicht sonderlich gestört. Sie sei nicht in Atemnot geraten und habe das Ganze als nicht sehr schlimm eingestuft. Auch B.________ hätten die Hand- und Fussfesseln nicht speziell gestört. An die Augenbinde habe sie sich nicht mehr erinnern können. Aus der harmlosen Hautabschürfung an der rechten Brust dürfe nicht auf eine grausame Tatbegehung geschlossen werden. Der Analverkehr habe C.________ nicht sehr weh getan. Sie sei auch nur kurz in Atemnot geraten, als er sie herumgetragen habe. D.________ sei nicht in Atemnot geraten und habe alles als nicht so schlimm bezeichnet, zwei weitere Treffen abgemacht und ihm eine Person vermittelt. Der Beschwerdeführer bestreitet mit seinen Vorbringen im Wesentlichen, dass die Opfer das Tatvorgehen als besonders schwerwiegend empfunden hätten. 6.2 Die Vorinstanz führt aus, die durchwegs erfolgte Knebelung der Opfer, das Verbinden der Augen bei B.________ und C.________ und das Umlegen der Halsschlinge bei A.________, C.________ und D.________ seien über das Mass hinausgegangen, welches nötig gewesen sei, um die Opfer zum Widerstand unfähig zu machen. Die Opfer seien durch die Halsfesseln gewürgt worden. Bei einem Teil der vollkommen wehrlosen Opfer habe der Beschwerdeführer Analverkehr vollzogen, obwohl dies für die Opfer die erste derartige Erfahrung gewesen sei. Einem Opfer habe der Beschwerdeführer die Brüste misshandelt und die Brustwarzen in schmerzhafter Weise zusammengedrückt. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich habe deutliche Tatspuren feststellen können. 6.3 Wer eine Person zur Duldung einer beischlafähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 189 Abs. 1 StGB). Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft (Art. 190 Abs. 1 StGB). Handelt der Täter grausam, verwendet er namentlich eine gefährliche Waffe oder einen anderen gefährlichen Gegenstand, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren (Art. 189 Abs. 3 und 190 Abs. 3 StGB). Die Verwendung von Gewalt, Drohung oder Zwang ist Teil des Grundtatbestandes der sexuellen Nötigung nach Art. 189 Abs. 1 StGB bzw. der Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 StGB. Die Grausamkeit der Tatbegehung ist nur dann erschwerendes Element, wenn sie über das hinausgeht, was notwendig ist, um den Widerstand des Opfers zu brechen und das Grunddelikt auszuführen. Sie liegt vor, wenn der Täter gefährliche Mittel einsetzt, so dass dass Opfer besondere Qualen erleidet, die jene der erzwungenen sexuellen Handlung übersteigen. Damit sind Leiden gemeint, welche der Täter dem Opfer aus Sadismus, Brutalität oder Gefühllosigkeit über den Schmerz des anderen zufügt (vgl. BGE 119 IV 224 E. 3 S. 227 ff.). Ein Täter, der sein Opfer während mehrerer Minuten bzw. wiederholt stranguliert oder den Hals des Opfers derart zudrückt, dass dieses um sein Leben fürchtet, handelt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung grausam (BGE 119 IV 224 E. 3; Urteil 6S.198/2001 vom 5. April 2001 E. 2a; je mit Hinweisen). Eine herabgesetzte Empfindungsfähigkeit des Opfers (z.B. Halbohnmacht) oder eine grössere physische und psychische Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit schliessen das Merkmal nicht aus (BGE 119 IV 49 E. 3d S. 52 mit Hinweisen). In der Botschaft über die Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 26. Juni 1985, wird die Grausamkeit definiert als Roheit, Gefühllosigkeit und Quälerei. Das Merkmal der Gewalt des Grundtatbestands erfährt eine Steigerung in körperlicher und/ oder psychischer Hinsicht. Grausamkeit ist gegeben, wenn der Täter dem Opfer wissentlich und willentlich besondere Leiden zufügt, die über das Mass dessen hinausgehen, was zur Erfüllung des Grundtatbestandes gehört (BBl 1985 1074). Um zu beantworten, ob der Täter mit Grausamkeit gehandelt hat, muss sich die Würdigung auf das Verhalten beziehen, welches er gewollt hat und nicht alleine darauf, was das Opfer persönlich empfunden hat (Urteil 6S.198/2001 vom 5. April 2001 E. 2a mit Hinweis). 6.4 Durch die Fesseln an Händen und Füssen waren alle vier Opfer des Beschwerdeführers bereits derart widerstandsunfähig, dass er den Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen hätte vollziehen können. Darüber hinaus brachte er bei allen Opfern einen Knebel an, weshalb sie nicht um Hilfe rufen bzw. ihre Ablehnung gegen die Handlungen äussern konnten. Es liegt auf der Hand, dass die Knebelung von Opfern, die sich bereits durch die Tatbegehung in Aufregung befinden, die Atmung erschwert und eine zusätzliche Gefahr schafft. Einem Teil der Opfer legte der Beschwerdeführer (A.________, C.________ und D.________) Halsfesseln an. Diese würgten die Opfer beim Bewegen ihrer Hände, schnitten ihnen die Luft ab oder zogen sich immer mehr zu. D.________ stand Todesangst aus. A.________ band er an einen Baum und legte eine Zugschlinge bei auf den Rücken gefesselten Händen an. Dabei entfernte er sich mehrmals, obwohl A.________ aufgrund ihres schlechten Zustandes hätte umfallen können. A.________ bezeichnete den Beschwerdeführer als Sadisten. B.________ misshandelte er an den Brüsten. Er drückte ihr die Brustwarzen in schmerzhafter Weise zusammen, sodass deutliche Tatspuren festgestellt werden konnten. Die Augenbinde verhinderte bei A.________, C.________ und D.________ die optische Wahrnehmung, welche Handlung der Beschwerdeführer als nächstes ausführt. Für C.________ und D.________ war es das erste Mal, dass sie Analverkehr hatten (vgl. angefochtenes Urteil S. 20). Die Art und Weise, wie der Beschwerdeführer den Geschlechtsverkehr vollzog, fügte allen Opfern Qualen (Einschränkung von Atmung, Würgen, Sicht, Zufügung von Schmerz) zu, obwohl sie bereits durch die Fesselung widerstandsunfähig waren. Die subjektive Empfindung der Opfer ist für das Merkmal der Grausamkeit entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht entscheidend (Urteil 6S.198/2001 vom 5. April 2001 E. 2a mit Hinweis). Die Vorinstanz durfte den objektiven Tatbestand der grausamen Tatbegehung nach Art. 189 Abs. 3 bzw. Art. 190 Abs. 3 StGB als erfüllt betrachten, ohne Bundesrecht zu verletzen. 6.5 Der Beschwerdeführer macht nicht geltend, es fehle am subjektiven Tatbestand zur grausamen Tatbegehung. Dass die Vorinstanz auch den subjektiven Tatbestand als gegeben ansieht, sie also davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer vorsätzlich gehandelt hat, ergibt sich implizit aus den Erwägungen des angefochtenen Entscheids. Von einer mangelnden Sachverhaltsfeststellung bzw. einer unzureichenden Begründung im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV kann deshalb nicht gesprochen werden. Lediglich einer besseren Begründung wegen wird ein Urteil aber nicht aufgehoben (Urteil 6B_101/2009 vom 14. Mai 2009 E. 3.5). Da keinerlei Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich der Beschwerdeführer über die aus der Sicht des objektiven Betrachters als grausam zu bezeichnenden Wirkung der von ihm ausgeführten Sexualpraktiken geirrt haben könnte, hat die Vorinstanz den subjektiven Tatbestand zu Recht bejaht. Die Vorinstanz durfte das Verhalten des Beschwerdeführers ohne Bundesrechtsverletzung als qualifizierte Tatbegehung im Sinne von Art. 189 Abs. 3 bzw. Art. 190 Abs. 3 StGB werten.