Citation: U 91/99 22.02.2001 E. 4

4.- a) Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob der Beschwerdeführer über die unbestrittenen Schulterbeschwerden hinaus an weiteren unfallbedingten Folgen leidet. Auf Grund der Teilrechtskraft des kantonalen Entscheids vom 31. Oktober 1996 ist diesbezüglich einzig noch zu prüfen, wie es sich mit den degenerativen Veränderungen in der Halswirbelsäule C3/4 sowie mit der skoliotisch nach links gekrümmten Wirbelsäule verhält (Erw. 2b hievor). Unter Berücksichtigung dieses eingeschränkten Streitgegenstandes erweist sich die Rüge des Beschwerdeführers, die SUVA habe zu Unrecht nicht ein polydisziplinäres Gutachten unter Einbezug psychiatrischer Fachärzte, sondern bloss ein rheumatologisches Gutachten eingeholt, zum Vornherein als unbegründet. b) Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen). Dabei erfolgt die Beurteilung der adäquaten Kausalität einer psychische Fehlentwicklung nach den von der Rechtsprechung entwickelten unfallbezogenen Kriterien (BGE 115 V 138 Erw. 6, 407 Erw. 5). c) Der Beschwerdeführer leidet seit dem Unfall vom 8. August 1990 an erheblichen Schulterbeschwerden rechts, welche auf eine (Partial-)Ruptur der Supraspinatussehne zurückzuführen sind (siehe insbesondere die Berichte der Dres. med. D.________ und E.________ vom 22. August 1990, des Dr. med. F.________ vom 31. Oktober 1990, des Dr. med. G.________ vom 27. November 1990, des Dr. med. H.________ vom 13. Februar 1991, des Dr. med. B.________ vom 16. August 1991, des PD Dr. med. I.________ und des Dr. med. J.________ vom 21. Mai 1991, des Dr. med. K.________ vom 24. Juni 1991 sowie des Dr. med. L.________ vom 22. Mai 1991. Kurz nach dem Unfall beklagte er sich ferner über Lumbalbeschwerden, welche allerdings schnell abklangen (Bericht des Dr. med. B.________ vom 17. April 1993) und erstmals am 24. März 1994 erneut erhoben wurden (Bericht des Kreisarztes Dr. med. H.________ vom letztgenannten Datum). Bereits im April 1993 traten sodann Nackenbeschwerden rechts mit Verspannungen der HWS-Muskulatur auf (Bericht des Dr. med. B.________ vom 29. Oktober 1993). Die radiologische Abklärung zeigte auf dem Niveau C3/4 eine recht ausgeprägte degenerative Veränderung, weshalb der Kreisarzt Dr. med. H.________ diesbezüglich eine ergänzende Begutachtung empfahl, welche in der Orthopädischen Klinik und Poliklinik, Spital Y.________, erfolgte. Dort wurde namentlich eine ausgeprägte Spondylose C3/4 diagnostiziert, ohne aber die Frage nach deren Ursprung zu beantworten (Gutachten vom 24. Juni 1994). In einer ergänzenden Stellungnahme hielt Dr. med. H.________ fest, anlässlich der von ihm vorgenommenen Kontrollen vom 13. Februar 1991, 23. Januar, 4. Mai und 22. Dezember 1992 seien im Bereich der Halswirbelsäule keine pathologischen Befunde erhoben worden. Somit könnten die aktuellen Beschwerden nicht auf den Unfall zurückgeführt werden (Bericht vom 5. September 1994). Insbesondere diese Frage hatte die von der SUVA in Vollziehung des kantonalen Entscheids vom 31. Oktober 1996 bei der Rheumatologischen Klinik und Poliklinik des Spitals Y.________ in Auftrag gegebene und am 22. Oktober 1997 erstattete Expertise zu klären. Die Gutachter diagnostizierten unter anderem ein chronisch rezidivierendes zervikospondylogenes und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen. Diese Befunde wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit degenerativen Veränderungen zugeschrieben. Sie seien gegenüber der Voruntersuchung vom Februar 1994 nicht progredient, gingen für die Altersklasse des Exploranden nicht wesentlich über das übliche Ausmass hinaus und führten in der Regel nicht zu Beschwerden in der Art, wie sie der Beschwerdeführer beklage. Gegen einen kausalen Zusammenhang zwischen den aktuellen Nackenschmerzen und dem Unfallereignis spreche einerseits die lange Latenz des Auftretens nach dem Unfallereignis sowie insbesondere die bisher im Verlauf nicht aufgetretenen Weichteilreaktionen. Der Befund einer linkskonvexen leichtgradigen Fehlhaltung der Brustwirbelsäule sei wechselnd und hänge vom gerade aktuellen Untersuchungsgang ab. Bei Ablenkung sei die Fehlhaltung nicht feststellbar; sie hänge deshalb unmittelbar mit der demonstrativen Schonhaltung der rechten Schulter zusammen. Insgesamt seien die Beschwerden somatisch-strukturell nicht vollständig nachvollziehbar und entsprächen in ihrer Präsentation einer zusätzlichen somatoformen Schmerzstörung mit allerdings relevantem somatischen Kern im Rahmen der kernspintomografisch bestätigten partiellen Rotatorenmanschettenläsion. Folglich liege zwischen den Nacken- und den Schulterbeschwerden auf Grund der Schmerzverarbeitungsstörung ein direkter Zusammenhang vor. Damit steht fest, dass der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den degenerativen Veränderungen in der Halswirbelsäule C3/4 bzw. den entsprechenden Nackenschmerzen einerseits und dem Unfall andererseits zu verneinen ist. An dieser begründeten und schlüssigen Beurteilung ändert auch die Stellungnahme des Dr. med. M.________ vom 23. Februar 1994 ("hochgradige Osteochondrose/Unkovertebralarthrose C3/4, mit Wahrscheinlichkeit einem posttraumatischen Zustand entsprechend") nichts, denn die nach dem Unfall eingetretenen Schäden sind nicht zwangsläufig wegen diesem eingetreten. Hingegen ist der Unfall bzw. sind seine somatischen Folgen mindestens eine Teilursache für die Schmerzverarbeitungsstörung, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhanges praxisgemäss genügt (BGE 123 V 45 Erw. 2b, 121 V 329 Erw. 2a mit Hinweisen). d) Was die adäquate Kausalität der Schmerzverarbeitungsstörung betrifft, ist sie vom kantonalen Gericht bereits rechtskräftig beurteilt und im Übrigen - unter Anwendung der einschlägigen Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa, 409 Erw. 5c/aa) - zu Recht verneint worden.