Citation: 8C_303/2008 20.10.2008 E. 5

5.1 Ist ein HWS-Schleudertrauma (oder ein äquivalenter Verletzungsmechanismus; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29, U 264/97; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2, U 183/93) diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderungen usw. vor, so ist ein natürlicher Kausalzusammenhang mit dem Unfall in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4 S. 360 f., 369 E. 3 S. 376 ff.). Voraussetzung für diese Annahme ist nach vorherrschenden medizinischwissenschaftlichen Erkenntnissen, dass innerhalb von höchstens 72 Stunden nach dem Unfall Beschwerden und medizinische Befunde in der Halsregion oder an der HWS aufgetreten sind (SVR 2007 Nr. 23 S. 75, U 215/05, E. 5 mit Hinweisen; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29, U 264/97, E. 5e-g; Urteil U 590/06 vom 7. Februar 2008, E. 2.2). 5.2 Soweit der Versicherte letztinstanzlich geltend macht, anlässlich des Selbstunfalles mit seinem Personenwagen vom 24. März 2004 in einer "rekonvaleszenten Situation" noch immer an Nackenschmerzen, Schwindel- und Ohnmachtsgefühlen sowie Konzentrationsschwierigkeiten gelitten zu haben, steht aktenkundig fest, dass erst zehn bis vierzehn Tage nach diesem Ereignis stärkerer Schwindel sowie Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen auftraten und sich der Beschwerdeführer erst am 19. April 2004 in ärztliche Erstbehandlung zu Dr. med. C.________ begab. Dieser bezeichnete den Versicherten nach dessen eigenen Angaben gemäss Bericht der Schadeninspektorin der AXA zur Besprechung vom 20. August 2004 als Simulanten, weshalb er einen Arztwechsel vornahm und am 5. Mai 2004 erstmals Dr. med. K.________ konsultierte. Der neue Hausarzt diagnostizierte eine HWS-Distorsion, attestierte dem Beschwerdeführer erst ab 24. April 2004 Arbeitsunfähigkeit in unterschiedlichem Umfang und hielt ausdrücklich fest, dass stärkerer Schwindel sowie Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen erst ca. zehn Tage nach dem zweiten Unfall vom 24. März 2004 aufgetreten seien. In Übereinstimmung mit dieser Aussage berichtete auch Dr. med. O.________, dass erst zwei Wochen nach dem 24. März 2004 heftige Schwindel aufgetreten seien. Nichts anderes ergibt sich aus der Anamnese laut Bericht der Klinik L.________ vom 17. Januar 2005. Zudem bezeichnete Dr. med. O.________ den vom Versicherten am Steuer seines ins Schleudern geratenen Wagens vorausschauend erwarteten Frontalaufprall explizit als "Bagatelltrauma". 5.3 Die davon abweichende Unfalldarstellung des Beschwerdeführers findet in den Akten keine Stütze. Dass der Versicherte in den frühen Morgenstunden (zwischen 02.30 und 04.00 Uhr) auf der schneebedeckten Autobahnausfahrt mit seinem VW Polo ins Schleudern geriet und schliesslich mit der Frontseite in eine stark verschneite Leitplanke prallte, ist unbestritten. Auf Grund der fotografisch dokumentierten, vergleichsweise geringen Sachschäden am VW Polo ist gerichtsnotorisch auszuschliessen, dass die Aufprallgeschwindigkeit 60 oder gar 70 km/h betrug. Der Airbag öffnete sich nicht. Und obwohl es im Zeitpunkt des Unfalles noch dunkel war und es zu diesem angeblich heftigen Aufprall mit der Frontseite kam, erlitt der Beschwerdeführer keine Verletzungen, sondern vermochte die Heimfahrt mit seinem leicht beschädigten, aber nach seinen Angaben fahrtauglichen Wagen ohne Beizug der Polizei an den Unfallort noch in der dunklen Nacht (demzufolge mit funktionierenden Frontscheinwerfern und Blinklichtern) fortzusetzen. Gemäss unfallanalytischem Gutachten der AXA vom 28. September 2005 betrug die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung beim Aufprall zwischen 7 und 12 km/h, was aus biomechanischer Sicht unter der für solche Unfälle im Normalfall angenommenen Harmlosigkeitsgrenze von 10 bis 15 km/h liegt (Urteil U 104/06 vom 16. August 2007, E. 7.1 mit Hinweis) und hinsichtlich der mittleren Verzögerung mit einer Vollbremsung vergleichbar ist. 5.4 Schliesslich ist festzuhalten, dass auch die Dres. med. M.________ und N.________ in ihren Aktenbeurteilungen vom 25. Oktober 2005 und 11. Juli 2006 mit nachvollziehbarer und überzeugender Begründung zur Auffassung gelangten, das Ereignis vom 24. März 2004 habe weder vorübergehend noch richtunggebend zu einer Verschlimmerung des Vorzustandes geführt. Hätte dieser zweite Unfall eine HWS-Distorsion zur Folge gehabt, wären entsprechende Symptome nicht erst zehn bis vierzehn Tage später aufgetreten. Bemerkte der Versicherte nach Lage der Akten weder am Tag seines Schleuderunfalles vom 24. März 2004 noch in den folgenden zehn Tagen eine Verschlimmerung seines Vorzustandes, ist nicht zu beanstanden, dass die AXA den natürlichen Kausalzusammenhang der danach geklagten Beschwerden und diesem angeblich ursächlichen Ereignis praxisgemäss (E. 5.1 hievor) verneint hat. 5.5 Nach der Rechtsprechung trifft die Beweislast in Bezug auf das Unfallereignis als solches (RKUV 2002 Nr. U 469 S. 528 E. 3a [U 417/01], 1996 Nr. U 247 S. 171 E. 2a [U 21/95], 1988 Nr. U 55 S. 362 E. 1b [U 69/87]) wie auch hinsichtlich der (natürlichen) Unfallkausalität des Gesundheitsschadens (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b) in dem Sinne die versicherte Person, als der Entscheid bei Beweislosigkeit zu ihren Ungunsten ausfallen muss (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 6/05 vom 27. April 2005, auszugsweise publ. in: AJP 2006 S. 1290 ff.). Standen die in der Folge des 24. März 2004 aufgetretenen Befindlichkeitsstörungen nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit diesem Ereignis (E. 5.4 hievor), so unterscheidet sich der hier zu beurteilende Sachverhalt in diesem Punkt von der Konstellation, welche RKUV 2002 Nr. U 469 S. 528 E. 3a, U 417/01, zu Grunde lag. Art. 100 Abs. 2 UVV ist folglich vorliegend - entgegen dem Beschwerdeführer - nicht anwendbar, was das kantonale Gericht im Ergebnis zutreffend erkannt hat. 5.6 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz den Anspruch auf Leistungen nach UVG für die in der Folge des Ereignisses vom 24. März 2004 aufgetretenen Beschwerden zu Recht verneint.