Citation: 2C_921/2019 E. 2.4

2.4. Nichtsdestotrotz ist ohne Weiteres nachvollziehbar, dass die Steuerpflichtige vorbringt, eine Frist von "drei vollen Werktagen", wie die Vorinstanz dies formuliert, sei ungenügend. Fristen von ganz wenigen Tagen sind nach verbreitetem Empfinden jedenfalls dann nicht am Platz, wenn einiges auf dem Spiel steht. Hier geht es um eine Busse von Fr. 40'600.-- (vorne E. 1.1), was schon mit Blick auf die Höhe der Sanktion zu einer grosszügigeren Handhabung der Fristenfrage führen könnte. Auch wenn die Schweizerische Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) keine unmittelbare Anwendung findet, lässt sich ihr immerhin eine Grössenordnung dessen entnehmen, was in einem strafrechtlichen Verfahren angebracht ist. Gemäss Art. 202 Abs. 1 lit. b StPO werden Vorladungen im Verfahren vor Gericht mindestens zehn Tage vor der Verfahrenshandlung zugestellt. Zweck dieser Norm ist, dass die vorzuladende Person nicht mit der Aufforderung zu sofortigem Erscheinen überrumpelt wird (NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Schwei-zerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2017, N. 1 zu Art. 202 StPO). Bei Art. 202 StPO handelt es sich denn auch um eine Minimalfrist. Der vorgeladenen Person sollen volle zehn Tage zur Verfügung stehen, weshalb die Vorladung frühzeitig aufzugeben und die siebentägige Abholfrist zu berücksichtigen ist (JONAS WEBER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 1 zu Art. 202 StPO).