Citation: 1C_1/2016 E. 3.3

3.3. Der Präsident der Baukommission wird für seine Tätigkeit zwar entschädigt. Die Entschädigung ist indessen nach der Darstellung des Verwaltungsgerichts gering. Das Amt erscheint somit eher ehrenamtlich als lukrativ, sodass der Amtsinhaber jedenfalls nicht in einem ins Gewicht fallenden finanziellen Abhängigkeitsverhältnis zur Gemeinde steht. Er soll bei seiner Tätigkeit zudem gegenüber dem Gemeinderat nicht weisungsgebunden sein. Das ist zwar für eine Kommission, deren Aufgabe darin besteht, für den Gemeinderat Baugesuche zur Entscheidungsreife vorzubereiten, eher ungewöhnlich; in der Regel ist der Entscheidungsträger demjenigen, der für ihn den Entscheid vorbereitet, hierarchisch übergeordnet. Entscheidend aber ist vorliegend, dass der Baukommissionspräsident das Baubewilligungsverfahren massgebend gestaltet und durchgeführt hat. Er hat die Gemeinde dabei zudem auch nach aussen vertreten, indem er - und nicht etwa die ebenfalls anwesende zuständige Gemeinderätin - die Einwendungsverhandlungen präsidiert hat. Er hat somit das Verfahren faktisch wohl stärker geprägt als sonst jemand von Seiten der Gemeinde. Vertritt er diese nach dem Bauentscheid im Rechtsmittelverfahren, so erscheint er unter diesen Umständen geradezu unausweichlich als Mitglied der kommunalen Baubehörden und damit als Gemeindevertreter und nicht als (aussenstehender) Anwalt, der gleichermassen zu seiner Klientin als auch zum Gericht Distanz wahrt und sein Mandat in völliger Unabhängigkeit führt. Das Verwaltungsgericht hat die Vermutung der fehlenden Unabhängigkeit unter den gegebene Umständen deshalb zu Unrecht als widerlegt und die Voraussetzung von Art. 12 lit. b BGFA als erfüllt betrachtet, was vom Bundesgericht - wie in E. 3.1 hiervor ausgeführt - mit voller Kognition zu beurteilen ist. Die Aargauer Regelung über die Parteikosten für die Vertretung durch Anwältinnen und Anwälte von § 29 VRPG knüpft an die bundesrechtliche über die Ausübung des Anwaltsberufs an (vgl. E. 7.3 und 8 des angefochtenen Urteils). Konnte der von der Gemeinde beigezogene Anwalt nicht als unabhängig im Sinne des BGFA gelten, so ist das Verwaltungsgericht in Willkür verfallen, wenn es der Gemeinde eine Parteientschädigung für eine anwaltliche Rechtsvertretung im Sinn von § 29 VRPG zugebilligt hat. Die Rüge ist begründet.