Citation: 6P.181/1999 07.03.2000 E. 4

4.- Der Beschwerdeführer wirft dem Obergericht verschiedentlich willkürliche Beweiswürdigung vor (Beschwerde, S. 20 ff. Ziff. 15 - 19). a) aa) Der Beschwerdeführer rügt zunächst, das Obergericht stelle die Aussagen der Zeugen D.________, O.________ sowie R.________ gegenüber den Aussagen des Zeugen F.________ absolut in den Vordergrund, ohne zu erwähnen, dass die drei erstgenannten Zeugen in enger Verbindung zum Verunfallten gestanden hätten und alle aktuelle oder ehemalige Flugschüler von P.Z.________ gewesen seien. Deshalb seien die Zeugen gegenüber dem Beschwerdeführer negativ voreingenommen gewesen, was bei der Gesamtwürdigung durch das Gericht hätte berücksichtigt werden müssen. Im Gegensatz zum Beschwerdeführer sowie zum Zeugen F.________ könnten zudem die drei Zeugen die Kollisionsgeometrie, wie sie gemäss Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes unverrückbar feststehe, nicht erklären (Beschwerde, S. 20 f. Ziff. 15). bb) Willkür erblickt der Beschwerdeführer sodann darin, dass das Obergericht das Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes nicht in die Beweiswürdigung einbezogen und in keiner Art auf ein absolut ungewöhnliches Flugmanöver des Verunfallten geschlossen habe. Dies sei besonders stossend, weil der Verunfallte nachgerade den Beschwerdeführer abgeschossen habe und es reiner Zufall gewesen sei, dass dieser nicht auch (oder allein) abgestürzt sei (Beschwerde, S. 21 f. Ziff. 17; vgl. ferner S. 11 Ziff. 10). cc) Als im Ergebnis willkürlich bezeichnet der Beschwerdeführer den Umstand, dass das Obergericht den Aufwindschlauch am Spitzhorn mit jenem am Schafhorn verwechselt habe und daher davon ausgegangen sei, dass zahlreiche weitere Flugzeuge im gleichen Thermikschlauch wie die Unfallbeteiligten gekreist hätten (Beschwerde, S. 22 Ziff. 18; vgl. ferner S. 15 f. Ziff. 13). dd) Schliesslich wirft der Beschwerdeführer dem Obergericht vor, es habe willkürlich das Bestehen einer 150-Meter-Regel bejaht, ohne irgendwelche Abklärungen zu treffen. In der Tat gäbe es keine festgelegten minimalen Vertikaldistanzen. Das Obergericht habe einzig auf die Aussage von Michel Barras abgestellt, welcher sich auf einen ganz anderen Sachverhalt bezogen habe (Beschwerde, S. 22 f. Ziff. 19). b) Nach ständiger Rechtsprechung liegt Willkür nicht schon vor, wenn die vom Sachrichter gezogenen Schlüsse nicht mit der Darstellung des Beschwerdeführers übereinstimmen oder wenn eine andere Lösung oder Würdigung vertretbar erscheint, sondern erst, wenn der angefochtene Entscheid auf einer schlechterdings unhaltbaren oder widersprüchlichen Beweiswürdigung beruht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Dabei rechtfertigt sich die Aufhebung eines Entscheides lediglich, wenn dieser auch im Ergebnis verfassungswidrig ist (BGE 125 II 10 E. 3a; 124 I 247 E. 5, je mit weiteren Hinweisen). c) aa) Der erstinstanzliche Gerichtspräsident hat sich eingehend mit der allgemeinen Glaubwürdigkeit aller als Parteien oder Zeugen einvernommenen Personen sowie mit der Glaubhaftigkeit der einzelnen Aussagen befasst und seine Erkenntnis in die Beweiswürdigung einfliessen lassen (Urteil Gerichtspräsident, kt. act. 1177 ff. Ziff. 3). Das Obergericht verweist ausdrücklich auf die Darstellung seiner Vorinstanz (Urteil OG, S. 4 f. Ziff. 1 und 2). Es hat sich somit die betreffenden Erwägungen zu eigen gemacht und konnte darauf verzichten, im Einzelnen nochmals zur Glaubwürdigkeit aller Personen Stellung zu nehmen, umso mehr, als es in seiner Beweiswürdigung zum gleichen Ergebnis wie der erstinstanzliche Gerichtspräsident gelangt. Im Übrigen lässt sich dem angefochtenen Entscheid keine einseitige Würdigung der Aussagen der drei angeblich voreingenommenen Zeugen entnehmen. Das Obergericht hat sich für alle ihm stellenden Fragen mit den Darlegungen des Beschwerdeführers sowie des Zeugen F.________ auseinander gesetzt und diese den Aussagen der Zeugen O.________, D.________ und R.________ gegenübergestellt (vgl. Urteil OG, S. 13 ff. Ziff. 4 - 6). Zu Recht weist schliesslich die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung darauf hin, dass sich der Beschwerdeführer zu sich selber in Widerspruch setze, weil er das erstinstanzliche Urteil, das hinsichtlich der Wertung der Zeugenaussagen vom denselben Beweisergebnis ausgegangen sei, als wohlbegründet bezeichne (Vernehmlassung, S. 8 Ziff. 6). Die Willkürrüge ist daher auch in diesem Punkt unbegründet. bb) Das Obergericht berücksichtigt im Rahmen der Beweiswürdigung auch das Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich (Urteil OG, S. 5 Ziff. 3 sowie S. 13 Ziff. 3). Die gegenteilige Behauptung des Beschwerdeführers ist unrichtig. Der Untersuchungsbericht (kt. act. 445 ff.) befasst sich ausführlich mit der Kollision zwischen den beiden Segelflugzeugen. Er enthält indessen keine Aussagen zum Flugverhalten der Piloten vor der Kollision. Aus dem Gutachten ergibt sich also kein absolut unübliches und nicht vorhersehbares Manöver von P.Z.________ als Kollisionsursache (vgl. dazu Beschwerde, S. 21 Ziff. 17; zum angeblich unvorhersehbaren Manöver siehe auch Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin, S. 5 Ziff. 6 und gleich lautende Vernehmlassung der stellvertretenden Generalprokuratorin, S. 4 Abs. 1). Von Willkür kann insoweit keine Rede sein. cc) In der Region Sanetschpass befinden sich das "Schafhorn" und das "Spitzhorn". Im Bereich beider Berge hatten sich Aufwindschläuche gebildet. In der Begründung des angefochtenen Entscheides werden die beiden Berge gelegentlich verwechselt, sodass der Eindruck entstehen könnte, das Obergericht habe das Unfallgeschehen in den Aufwindschlauch beim Spitzhorn verlegt. Das Obergericht weist in seiner Vernehmlassung jedoch darauf hin, es sei klar vom Aufwindschlauch beim "Schafhorn" ausgegangen, was auch aus der Umschreibung im Dispositiv ersichtlich sei. Die zum Teil falsche Benennung der beiden Berge im Motiv sei zu korrigieren und präzisieren (Vernehmlassung OG, S. 2 Ziff. 3; vgl. ferner die Vernehmlassungen der stellvertretenden Generalprokuratorin, S. 1 und der Beschwerdegegnerin S. 4 f. Ziff. 5 sowie S. 9 Abs. 2). Es bestehen keine Zweifel, dass das Obergericht in Übereinstimmung mit sämtlichen Parteien, Zeugen und seiner Vorinstanz immer der Meinung war, der Unfall habe sich in der Region "Schafhorn" ereignet. Soweit die schriftliche Begründung anders lautet, handelt es sich um ein von Amtes wegen zu korrigierendes Versehen (dazu nachstehend E. 6), nicht aber um eine willkürliche Beweiswürdigung. dd) Im Rahmen der Instruktion zur Hauptverhandlung holte das Obergericht beim Bundesamt für Zivilluftfahrt mit Blick auf die Konkretisierung der anerkannten Regeln der Luftfahrt Ansichtsäusserungen zur Frage des Vertikalabstandes des Über- bzw. Unterfliegens eines im Aufwindschlauch kreisenden Segelflugzeuges ein (Urteil OG, S. 11 Ziff. 10). Auf Grund der erhaltenen Auskünfte erachtete das Obergericht in der Folge die Einhaltung eines Mindest-Vertikalabstandes von 150 m als geboten (Urteil OG, S. 18 f. Ziff. 3 und 5). Welche Sorgfalt beim Kreuzen zwischen zwei Segelflugzeugen einzuhalten ist, insbesondere welcher Abstand unter welchen Umständen beachtet werden muss, ist eine Rechtsfrage, die dem Bundesgericht mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde zur Prüfung vorzulegen ist. Tatfrage ist demgegenüber, ob bestimmte Abstandsregeln beim Segelfliegen gelten. Der Beschwerdeführer selber räumt ein, dass das Obergericht (zu Recht) davon ausging, es hätten im Zeitpunkt des Unfalls keine festgelegten minimalen Vertikaldistanzen gegolten (Beschwerde, S. 22 Ziff. 19; Urteil OG, S. 11). Seine Rüge, das Obergericht habe willkürlich das Bestehen einer 150-Meter-Regel bejaht, entbehrt somit jeder Grundlage. Tatsächlich wendet sich der Beschwerdeführer gegen die Annahme einer 150-Meter-Abstandsregel im Sinne eines allgemeinen, nicht reglementierten Sorgfaltsmassstabes. Auf diese Rechtsfrage kann hier nicht eingetreten werden. d) Zusammenfassend ergibt sich, dass sämtliche Willkürvorwürfe abzuweisen sind, soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann.