Citation: 8C_163/2022 E. 4.6

4.6. Zwar finden die Erschöpfungszustände der Beschwerdeführerin im SMAB-Gutachten Erwähnung, allerdings unter Hinweis auf deren unklare Ätiologie. Soweit ihr Auftreten in Verbindung mit allfälligen Nebenwirkungen der Einnahme von Tamoxifen vermutet wird, ist darauf hinzuweisen, dass eine versuchsweise Absetzung des Medikaments laut den Gutachtern medizinische Risiken in sich birgt, die in die alleinige Beurteilungskompetenz eines Onkologen oder einer Onkologin fallen. Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen erübrigte sich eine Auseinandersetzung mit der im Raum stehenden CrF-Diagnose nicht einzig aufgrund des Umstandes, dass die erstmalige Diagnosestellung des Mammakarzinoms im Jahr 2015 nun über fünf Jahre zurückliegt und die medizinische Nachbetreuung durch einen Allgemeinmediziner erfolgte. Ob die der Beschwerdeführerin von verschiedener Seite attestierte Müdigkeit und Energielosigkeit auf eine CrF als eigenständiges Krankheitsbild zurückzuführen ist, wurde bislang nicht geprüft. Dasselbe gilt für eine versuchsweise Absetzung der anti-hormonellen Behandlung, die unter Aufsicht einer onkologischen Fachperson zu erfolgen hätte. Bei der Begutachtung durch die SMAB in St. Gallen handelte es sich um eine umfassende polydisziplinäre Expertise. Die Experten wären daher verpflichtet gewesen, so sie mit medizinischen Fragen konfrontiert waren, die nicht zu ihren Fachgebieten gehören, entsprechende weitere medizinische Fachpersonen beizuziehen (vgl. BGE 139 V 349 E. 3.2 ff.). Die Expertise ist lückenhaft, da im SMAB-Gutachten eine Auseinandersetzung mit der CrF-Diagnose gänzlich fehlt.