Citation: BGE 150 IV 65 E. 5.2.3.3

Propaganda kann objektiv in irgendwelchen für andere Personen wahrnehmbaren Handlungen liegen, z.B. im Halten von Vorträgen, Ausleihen und Verteilen von Schriften, Ausstellen von Bildern, Tragen von Abzeichen, sogar in blossen Gebärden. Subjektiv erfordert die Propaganda nicht nur das Bewusstsein, dass eine bestimmte Handlung von anderen Personen wahrgenommen werde, sondern auch die Absicht, durch sie nicht nur Gedanken zu äussern, sondern dafür zu werben, d.h. so auf andere Personen einzuwirken, dass sie für die geäusserten Gedanken gewonnen oder, falls sie ihnen bereits zugetan sind, in ihrer Überzeugung bestärkt werden (BGE 68 IV 145 E. 2; vgl. dazu auch BGE 150 IV 10 E. 5.2.2; BGE 140 IV 102 E. 2.2.2). Die Propaganda bezeichnet damit ein Kommunikationsverhalten (vgl. BBl 1992 III 269 ff., BGE 140 IV 312 Ziff. 636.1; NIGGLI, a.a.O., Rz. 1233; LANDSHUT, a.a.O., N. 2 zu Art. 275bis StGB; ähnlich DUPUIS UND ANDERE, a.a.O., N. 40 zu Art. 261bis StGB). Als Propagandaaktionen gelten Handlungen, die darauf abzielen, den Empfänger einer Mitteilung (unabhängig vom Medium) auf ideologischer Ebene zu beeinflussen mit dem Ziel, die Meinung Dritter zu gewinnen oder ihre Überzeugung zu stärken (vgl. BÜRGE/SCHWITTER, Die Rechtsprechung zu den neuen Terrorismusstrafnormen, Plädoyer 2022 1 S. 42). Die digitale Propaganda stellt einen integralen Bestandteil der Strategie terroristischer Gruppierungen und Organisationen dar (BGE 150 IV 10 E. 5.2.3; HEIMGARTNER/INHELDER, a.a.O., S. 1221 f.; LEU/PARVEX, a.a.O., S. 762).