Citation: I 144/01 16.05.2002 E. 2

2.- Die Entwicklung der gesundheitlichen und erwerblichen Situation des Beschwerdeführers zeigt folgendes Bild: a) Der Beschwerdeführer befindet sich seit September 1996 in psychiatrischer Behandlung. Im Bericht des behandelnden Arztes, Dr. med. W.________, vom 5. Juni 1997 wurde die Diagnose einer längeren depressiven Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungssituation (ICD-10 F43. 21) bei vorbestehender schwerer neurotischer Fehlentwicklung gestellt. Die Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf betrug nach Einschätzung des Arztes durchschnittlich 40 % für die Zeit von September 1996 bis Februar 1997 und anschliessend 100 % bis zum Zeitpunkt der Untersuchung. Berufsberatung und Umschulung wurden als angezeigt erachtet. Dr. med. H.________ hielt in seinem ersten Gutachten vom 16. Dezember 1997 eine Persönlichkeitsstörung im Sinne einer neurotisch-charakterneurotischen Fehlentwicklung fest. Das Scheitern des Exploranden im beruflichen Alltag sei vermutungsweise nicht ausschliesslich Folge der Rezession, sondern es habe sich hier mit grösster Wahrscheinlichkeit die Persönlichkeitsstörung ausgewirkt. Auch sei eine gewisse Suizidalität anzunehmen. Eine verbindliche Aussage zur Arbeitsunfähigkeit sei nicht möglich; einzig ein Arbeitsversuch könnte erweisen, ob die chronifizierende depressive Verstimmung die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinträchtige. Im ärztlichen Zwischenbericht vom 14. November 1998 schrieb Dr. med. W.________ bei unveränderter Diagnose von einem verbesserten Gesundheitszustand des Versicherten. Der Versicherte hatte zwischenzeitlich wieder eine selbstständige Tätigkeit als Architekt aufgenommen. Für die Zeit von März bis September 1997 wurde vom Arzt eine 100 %ige, von Oktober 1997 bis Februar 1998 eine 70 %ige und ab März 1998 noch eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit angegeben. Diese halbe Arbeitsleistung sei bei vollem zeitlichem Einsatz zu erbringen. Dr. W.________ erachtete eine Steigerung der Arbeitsleistung auf 100 % bis Ende 1998 als möglich. Auf Grund eines extern begutachteten Business-Planes des Versicherten und eigener Abklärungen empfahl der Berufsberater bei der IV-Stelle Bern, eine Kapitalhilfe zur Finanzierung von Büroinfrastrukturen, Miete, Material- und Inseratekosten, um dem Beschwerdeführer den erneuten Einstieg in eine selbstständige Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Mit Verfügung vom 21. September 1999 gewährte die IV-Stelle die Kostenübernahme für die Begutachtung des Business-Planes. Dr. med. W.________ gab am 20. Mai 1999 in einem weiteren ärztlichen Zwischenbericht an, der Gesundheitszustand des Patienten habe sich seit seinem letzten Bericht wieder verschlechtert; er sei auf Grund anhaltenden beruflichen Stresses (finanzielle Engpässe) erneut depressiv dekompensiert und stehe wieder unter Medikation mit Antidepressiva. Die Arbeitsunfähigkeit wurde - entgegen der optimistischen Einschätzung im vorangehenden Bericht - mit weiterhin 50 % angegeben, wobei eine Beschränkung der zeitlichen Belastung auf 50 % eines Normalpensums zu empfehlen und die Produktivität laufend zu evaluieren sei. Die gesundheitliche Prognose sei von der beruflichen Entwicklung abhängig: sofern der Patient beruflich wieder Fuss fassen könne, sei seine psychische/psychiatrische Prognose gut, andernfalls schlecht. Die Erwerbsfähigkeit sei geradezu von beruflichen Massnahmen abhängig. In einem Schreiben vom 12. Juni 1999 präzisierte Dr. W.________ auf Anfrage hin, dass eine finanzielle Unterstützung zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit dann sinnvoll sei, wenn dem Beschwerdeführer jemand zur Seite stehe, der abschätze, ob seine Geschäftschancen intakt seien, was angesichts des Zustandes des Patienten und angesichts der von diesem geschilderten Situation fraglich sei. Wenn sie sich aber erbringen liesse, könne mit einer raschen und erheblichen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. b) Im nach dem Vorbescheidverfahren eingeholten Arztbericht der Psychiatrischen Klinik M.________ vom 10. November 1999 wurde die Diagnose einer chronifizierten schweren Depression bei selbstunsicherer Persönlichkeit (ICD-10 F33. 2, F60. 6) gestellt. Seit September 1996 und auch nach dem Klinikaustritt liege eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit vor. Zugleich wurde allerdings auch angegeben, der Beschwerdeführer könne eventuell noch als Bauzeichner eingesetzt werden, allerdings zu nicht mehr als 50 % und nur in einem wohlwollenden, unterstützenden Klima. Am 15. Mai 2000 lieferte Dr. med. H.________ sein zweites Gutachten ab. Darin führte er aus, am Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit 1997 nichts Grundlegendes geändert; es sei nicht von einer relevanten Verschlechterung auszugehen. Der Explorand habe nicht etwa infolge einer psychischen Krankheit seine Tätigkeit als selbstständiger Architekt aufgeben müssen, sondern es habe umgekehrt die berufliche Situation zu einer depressiv gefärbten Dekompensation geführt, womit ganz eindeutig ein reaktiv-depressives Geschehen vorliege. Zur Arbeitsunfähigkeit führte der Gutachter aus, der Versicherte dürfte als angestellter Architekt wohl voll arbeitsfähig sein. c) Der Verwaltungsgerichtsbeschwerde liegt ein Schreiben von Dr. med. W.________ vom 3. März 2001 an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers bei, in welchem der Arzt den gegenwärtigen Zustand des Patienten als schwere, aktuell chronifiziert wirkende depressive Störung bezeichnet und eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in jeder denkbaren anderen Tätigkeit attestiert.