Citation: 6B_63/2020 E. 3.1.1

3.1.1. Er macht zusammengefasst geltend, die Vorinstanz lege ihrer rechtlichen Würdigung einen willkürlich festgestellten Sachverhalt zu Grunde. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe er sich keine Sorgfaltspflichtverletzung zu Schulden kommen lassen. Er habe die Menge freier Luft mit der von ihm angewandten AirSeal Operationsmethode erklärt. Die Vorinstanz habe diese Begründung als nachgeschoben und deshalb unglaubhaft zurückgewiesen, ohne dabei aber aufzuzeigen, nach welcher Methode ihrer Ansicht nach denn operiert worden sei und mit welchen Luftmengen (und Resorptionszeiten) jene Operationstechnik verbunden gewesen wäre. Damit verfalle sie in Willkür. Laparoskopische Eingriffe könnten nach einer Mehrzahl von Methoden durchgeführt werden. Für die Frage, ob die im CT vom 18. August 2010 festgestellte Menge an Luft aus klinischer Sicht zu gross gewesen sei, müsse die Operationsmethode bekannt sein. Die Vorinstanz masse sich in willkürlicher Weise Expertenwissen an, wenn sie behaupte, dass der Operationsmethode für die Beurteilung, ob das Ausmass festgestellter Luft im Bauchraum so aussergewöhnlich sei, dass weitere Untersuchungen veranlasst werden mussten, keine entscheidende Bedeutung zukomme. Die Gutachten, auf welche sich die Vorinstanz zur Beurteilung der ärztlichen Sorgfaltspflichten stütze, seien zudem in Zweifel zu ziehen, da sich die Verfasser zur Begründung ihrer Einschätzung auf Fachliteratur aus den Jahren 1991 und 1993 berufen würden, welche nachweislich veraltet sei. Die Operationsmethoden hätten sich zwischen 1991 und 2010 wesentlich verändert. Da es nicht die eine laparoskopische Methode gäbe, liessen sich die von den Gutachtern herangezogenen Studien aus den Jahren 1991, 1993 und 2000 bzw. die daraus gewonnenen Erkenntnisse ferner nicht auf die Beurteilung eines im August 2010 erfolgten Eingriffs übertragen. Die Vorinstanz würdige die Beweislage einseitig zu seinem Nachteil und verletze den Grundsatz, wonach bei Bestehen nicht zu unterdrückender Zweifel zu Gunsten des Angeklagten zu entscheiden ist. Ferner übernehme die Vorinstanz die gutachterliche Feststellung, wonach "ungewöhnlich viel freie Luft vorhanden" bzw. "das Ausmass der freien Luft viel zu gross" gewesen sei. Dies sei widersprüchlich, da die freie Luft entweder in ungewöhnlicher grosser Menge (d.h. mehr als zu erwarten wäre) vorhanden oder ihr Ausmass viel zu gross (d.h. es müsste sofort etwas unternommen werden) sei. Die Vorinstanz unterlasse es, sich auf ein Mass festzulegen. Auch verkenne sie, dass er (sc. der Beschwerdeführer) als behandelnder Arzt das klinische Gesamtbild des Patienten vor Augen gehabt habe, während die Gutachter in Kenntnis des letalen Ausgangs, aber ohne persönliche klinische Erfassung des Patienten geurteilt hätten. Die Vorinstanz verfalle sodann in Willkür, wenn sie ausführe, dass D.E.________ sel. am 18. August 2010 eine Erhöhung der Körpertemperatur mit ansteigender Tendenz aufgewiesen habe. Die Vorinstanz habe selber festgehalten, dass an diesem Tag um 21.00 Uhr noch eine Temperatur von 37.7 C° gemessen worden sei. Diese Messung sei nicht als Ausnahme, sondern als regelrechte Entwicklung zu würdigen, zumal die Körpertemperatur des Menschen normgemäss nach dem nachmittäglichen Höchststand zurückgehe. Laut Vorinstanz sei sodann erstellt, dass das entzündliche Geschehen mindestens 24 Stunden vor dem Eintritt des Todes von D.E.________ sel. (19. August 2010 um 6.25 Uhr) seinen Anfang genommen habe. Am 18. August 2010 um 9.35 Uhr, d.h. 21 Stunden vor dem Todeseintritt und drei Stunden nach begonnener Entzündung mit foudroyantem Verlauf, sei jedoch eine Laborprobe abgenommen worden, in welcher unbestrittenermassen keine kritischen Entzündungswerte festgestellt worden seien (Laborprobe vom 18. August 2010 um 9.35 Uhr). Zudem bestehe ein offensichtlicher Widerspruch darin, dass eine foudroyant verlaufende Peritonitis (Bauchfellentzündung), welche am 18. August 2010 um 21.00 Uhr seit mindestens 14 ½ Stunden im Gang war, zu diesem Zeitpunkt kein (allenfalls hohes) Fieber bewirkt habe. Die Vorinstanz lasse damit in stossender Weise ausser Acht, dass die gesamten Umstände zwanglos auch als völlig atypisch verlaufende Peritonitis eingeschätzt werden könnten, was zu seiner Entlastung hätte gewürdigt werden müssen. Des Weiteren werfe ihm die Vorinstanz lediglich in unbestimmter Weise vor, ärztliche Untersuchungsmassnahmen unterlassen zu haben. Indem sie nicht aufzeige, welche bestimmten Untersuchungshandlungen er pflichtgemäss hätte vornehmen müssen bzw. welche klinische Untersuchung er genau unterlassen habe, verletze sie Bundesrecht. Darüber hinaus verschweige sie, dass er nach der CT-Untersuchung das Einlegen einer Magensonde und damit durchaus eine ärztliche Massnahme veranlasst habe. Diese habe D.E.________ sel. auch rasch Linderung verschafft. Dass die Besserung nur von kurzer Dauer gewesen sei, habe er nicht wissen können, da er über die Verschlechterung des Gesundheitszustands seines Patienten erst um 21.00 Uhr informiert worden sei. Insgesamt könne ihm für die Phase zwischen der CT-Befundung bis um 21.00 Uhr des 18. August 2010 kein ärztliches Fehlverhalten vorgeworfen werden.