Citation: 6B_180/2023 E. 4.3.5

4.3.5. Schliesslich fordert der Beschwerdeführer, dass die Verletzung des Beschleunigungsgebots mit einer Strafreduktion von 8 Monaten berücksichtigt wird. Die Vorinstanz stellt eine Verletzung des Beschleunigungsgebots fest und reduziert die Strafe deswegen um 3 Monate. Sie erwägt, das erstinstanzliche Verfahren habe von der Anklageerhebung bis zum Urteil rund dreieinhalb Jahre gedauert. Allerdings sei das Verfahren aufgrund der Rückweisung an die Staatsanwaltschaft zur Anklageergänzung vorübergehend sistiert gewesen und die Erstellung des Gutachtens wegen der mangelnden Kooperation des Beschwerdeführers verzögert worden. Der Beschwerdeführer sei seit dem 23. Oktober 2019 in Haft und durch das hängige Verfahren nicht zusätzlich eingeschränkt worden. Soweit sich der Beschwerdeführer auf Art. 5 Abs. 2 StPO berufe, wonach die Sache aufgrund seiner Haft beschleunigt hätte entschieden werden müssen, sei ihm zu widersprechen. Diese Bestimmung diene dem Vermeiden einer Überhaft und beziehe sich demnach auf Fälle, in denen sich jemand aufgrund der im laufenden Verfahren zu beurteilenden Delikte in Haft befinde (vgl. SARAH SUMMERS, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 5 StPO). Vorliegend sei dies nicht der Fall. Der Beschwerdeführer sei nicht in Untersuchungshaft, sondern verbüsse eine Freiheitsstrafe gestützt auf rechtskräftige Urteile. Die Gefahr einer Überhaft habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. Der Beschwerdeführer machte bereits vor Vorinstanz geltend, das Beschleunigungsgebot sei auch im Berufungsverfahren verletzt worden. Diesen Einwand verwirft die Vorinstanz schlüssig. Sie hält fest, sie habe seine Verteidigung am 30. Juni 2022 wegen eines Termins für die Berufungsverhandlung kontaktiert. Diese sei jedoch nicht in der Lage gewesen, in den Monaten Juli oder August 2022 an einer Verhandlung teilzunehmen, worauf ihr mitgeteilt worden sei, dass die Berufungsverhandlung frühstens Mitte Oktober 2022 stattfinden könne. Die Verteidigung habe darauf ausgeführt, dies sei ihr lieber und auf ein paar Monate mehr oder weniger komme es nicht an. Eine Bearbeitungsdauer von 14 Monaten zwischen der Berufungserklärung am 25. Mai 2021 und dem geplanten Verhandlungstermin Ende Juli 2022 hält die Vorinstanz zwar nicht für kurz. Allerdings sei ein Grossteil der Berufungsanträge einen Tag vor der Verhandlung zurückgezogen worden. Zu jenem Zeitpunkt sei die Verhandlung schon im Umfang aller ursprünglichen Anträge vorbereitet gewesen. Auch seien zwei Auskunftspersonen bereits zur Befragung vorgeladen gewesen. Daher erscheine die Dauer nicht unangemessen lang. Eine weitere Strafreduktion wegen der Dauer des Berufungsverfahrens sei daher nicht angemessen. Was der Beschwerdeführer gegen diese Erwägung vorbringt, dringt nicht durch. Die Reduktion der Strafe um 3 Monate ist genügend. Dies gilt auch dann, wenn der Beschwerdeführer dem ersten Explorationsgespräch tatsächlich nur deshalb ferngeblieben sein sollte, weil er die Vorladung nicht erhalten habe. Dass der Beschwerdeführer sich unkooperativ verhielt, indem er verschiedene Informationen verweigerte und Laboruntersuchungen ablehnte, anerkennt er selbst. Ebenso anerkennt der Beschwerdeführer, dass eine Vielzahl von Straftatbeständen zur Diskussion stand und allein das erstinstanzliche Urteil mehr als 200 Seiten umfasst.