Citation: U 243/98 12.04.2001 E. 5

5.- a) Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin anlässlich des Beschleunigungsmechanismus ohne Kopfanprall eine HWS-Distorsion erlitten hat. Die Versicherte macht nun geltend, beim Auffahrunfall neben der typischen Schleuderverletzung der HWS auch eine Läsion der LWS erlitten zu haben, welche Ursache für die von Dr. G.________ vom Spital X.________ erstmals im Bericht vom 28. Februar 1996 näher umschriebenen lumbalen Schmerzen seien. b) Die von Dr. G.________ beurteilten Röntgenbilder seitlich und die Funktionsaufnahmen vom 20. November 1995 sowie die MRT-Aufnahmen des Spitals X.________ vom 12. März 1995 zeigen neben einer leichten Fehlhaltung sowie einer rechtskonvexen Skoliose eine beginnende Osteochondrose und Spondylarthrose L4/L5 und L5/S1, bei der Osteochondrose eine kleine mediane Diskushernie L4/L5 und ausserdem eine kleine mediane bis rechts paramediane Diskushernie L5/S1 sowie eine anteriore interaspongiöse bzw. retromarginale Diskushernie in der Bodenplatte von LWK 1, wie dies von der Klinik Y.________ in Präzisierung der Ausführungen des Dr. G.________ im Bericht vom 4. Mai 1998 festgehalten wurde. Darüber hinaus sprachen die Ärzte von einer massiv eingeschränkten Inklination in allen Segmenten ohne Anhaltspunkte für eine Fraktur, eine Nervenwurzelkompression, eine Instabilität oder Spinalkanalstenose. c) Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann ein Bandscheibenvorfall betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderere Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber (weitgehend) verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (nicht veröffentlichte Urteile H. vom 18. August 2000, U 4/00, B. vom 7. Januar 2000, U 131/99, S. vom 5. Januar 2000, U 103/99, F. vom 27. Dezember 1999, U 2/99, S. vom 4. Juni 1999, U 193/98, R. vom 30. April 1999, U 228/98, S. vom 22. Januar 1999, U 69/98, S. vom 26. August 1996, U 159/95, S. vom 7. April 1995, U 238/94, und J. vom 10. Oktober 1994, U 67/94, letzteres zusammengefasst in ZBJV 1996 S. 489 f.; vgl. auch Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 54 ff., insbesondere S. 56; Baur/Nigst, Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 162 ff.; Mollowitz, Der Unfallmann, 11. Aufl. Berlin 1993, S. 164 ff.). Insbesondere mit dem letztgenannten Kriterium werden auch jene Fälle aufgefangen, bei denen der Unfall neben weiteren Faktoren lediglich eine Teilursache für die im Anschluss an das Ereignis aufgetretenen Rückenbeschwerden darstellt. Vorausgesetzt ist indessen auch dort, dass die Symptome einer Diskushernie (vertebragenes oder radikuläres Syndrom) unmittelbar nach dem Unfall auftreten (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 Erw. 2a mit Hinweis auf das Urteil S. vom 26. August 1996, U 159/95; vgl. auch Debrunner/Ramseier, a.a.O., S. 55 oben). Wenn die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf ein auszugsweise vorgelegtes, einen anderen Fall betreffendes Gutachten des Prof. Walz von der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik, Zürich, vom 10. Juli 1998 sowie die von ihrem Rechtsvertreter zusammengestellte Auflistung von Fällen, in denen Ärzte Jahre nach einem Unfallereignis (erstmals) diagnostizierte cervikale Diskushernien mit diesem in Verbindung gebracht haben sollen, so ist dies höchstens geeignet aufzuzeigen, dass die vorherrschende Auffassung bezüglich des ursächlichen Zusammenhangs zwischen Diskushernien und Unfall möglicherweise von einigen Ärzten in Frage gestellt wird. Von der Einholung eines Grundsatzgutachtens, wie es die Beschwerdeführerin beantragt, ist abzusehen. Es ist nicht Sache des Sozialversicherungsgerichts, medizinisch-wissenschaftliche Kontroversen zu klären; seine Aufgabe beschränkt sich darauf, die Unfallkausalität auf Grund der im konkreten Fall bestehenden Verhältnisse und unter Berücksichtigung der jeweils herrschenden medizinischen Lehrmeinung zu beurteilen. d) Der erstbehandelnde Hausarzt Dr. P.________ räumt in seinem Bericht vom 11. Juni 1997 zwar rückblickend ein, dass die Versicherte bei der ersten, einen Tag nach dem Unfallereignis liegenden Konsultation nicht nur Schmerzen im HWS-Bereich, sondern auch Kreuzbeschwerden leichter Intensität geklagt habe. Im weiteren Behandlungsverlauf habe die Patientin indessen nie mehr lumbale Schmerzen erwähnt. Diese Aussage deckt sich mit dem Inhalt der von der Beschwerdeführerin am 3. März 1995 selbst ausgefüllten Unfallmeldung, worin sie einzig Verletzungen im Bereich des Nackens, der Arme und der Beine angibt. Auf Grund dieser Aktenlage ist mit Dr. V.________ (in der Stellungnahme vom 9. April 1997), dessen Ausführungen mangels konkreter Anhaltspunkte für die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gerügte Befangenheit beigezogen werden dürfen, davon auszugehen, dass das Unfallereignis vom 24. Januar 1995 keine Diskushernie verursacht hat und damit die von Dr. G.________ mittels bildgebender Verfahren festgestellten Befunde keine Rückschlüsse auf eine abgelaufene Lendenwirbelverletzung zulassen. Selbst wenn man angesichts des nachträglichen Hinweises des Hausarztes auf die bei der ersten Konsultation geklagten lumbalen Beschwerden von einem Auslösen von Bandscheibenvorfällen durch den Unfall ausgehen wollte, so wären die damit zusammenhängenden, nur kurzzeitig aufgetretenen Beschwerden als zu gering zu bezeichnen, als dass nach Brückensymptomen für die nach der Leistungseinstellung geklagten LWS-Beschwerden zu suchen wäre. Deshalb ist auch ohne Belang, ob die Beschwerdeführerin nun tatsächlich, wie von ihr unter Hinweis auf die Patientenkarte der Physiotherapie Surental behauptet, bei der von Dr. P.________ am 18. März 1995 wegen resistenter Nackenschmerzen verordneten physiotherapeutischen Behandlung auch im Kreuzbereich therapiert worden sei. Der Vollständigkeit halber sei einzig erwähnt, dass bei der auf der Patientenkarte aufgeführten Bestandsaufnahme vom 21. März 1995 zwar auf einen dumpfen Schmerz im Bereich LWS hingewiesen wird. Daraus nun aber den Schluss zu ziehen, für dieses Leiden sei zwingend eine Behandlung erforderlich gewesen, geht angesichts des ebenfalls auf der Patientenkarte befindlichen Hinweises, dass dieser Schmerz nur am Morgen und in Ruhe anwesend sei und bei Bewegung abflaue, zu weit. Auf die beantragten weiteren Abklärungen in dieser Richtung kann nach Gesagtem aber verzichtet werden. e) Können die vom Spital X.________ am 20. November 1995 und 12. März 1996 diagnostizierten Bandscheibenvorfälle mit dem Unfall vom 24. Januar 1995 nicht (mehr) in einen natürlichen Kausalzusammenhang gebracht werden, fehlt es an einem organischen Substrat, welches die Leistungspflicht der SUVA für die LWS-Beschwerden begründen könnte.