Citation: 8C_369/2008 11.08.2008 E. 11

11.1 Angesichts der dargelegten Ungereimtheiten und Widersprüche ist eine rechtsgenügliche Beurteilung der Frage, ob die natürliche Kausalität zwischen dem Unfall vom 29. Juni 2002 und den nach dem 1. Januar 2004 anhaltenden Beschwerden der Versicherten dahingefallen ist, nicht möglich. 11.2 Da die National und die Vorinstanz die Verneinung der Leistungspflicht der Ersteren für die Zeit ab 1. Januar 2004 mit dem Dahinfallen der natürlichen Kausalität zwischen dem Unfall vom 29. Juni 2002 und den anhaltenden Beschwerden begründeten, bestand für sie kein Anlass, die Adäquanz des Kausalzusammenhangs allfälliger organisch nicht nachweisbarer Unfallfolgen - einer HWS-Distorsion und/oder eines Schädel-Hirntraumas (BGE 134 V 109) oder psychischer Beschwerden (BGE 115 V 133) - zu prüfen. Bei Vorliegen entsprechender natürlich-kausaler Unfallfolgen ist die Frage der Adäquanz nach den massgebenden Kriterien zu beurteilen. Die National hat eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordnen. Diese hat bestimmten Voraussetzungen zu genügen. Nebst den allgemein gültigen Anforderungen an beweiskräftige medizinische Berichte und Gutachten (vgl. E. 2.1 hievor) ist empfehlenswert, dass die Begutachtung durch mit diesen Verletzungsarten besonders vertraute Spezialärzte erfolgt. Im Vordergrund stehen dabei Untersuchungen neurologisch/orthopädischer (soweit indiziert mit apparativen Mitteln) und psychiatrischer sowie gegebenenfalls auch neuropsychologischer Fachrichtung. Bei spezifischer Fragestellung und zum Ausschluss von Differentialdiagnosen sind auch otoneurologische, ophthalmologische oder andere Untersuchungen angezeigt. Inhaltlich sind überzeugende Aussagen dazu erforderlich, ob die geklagten Beschwerden überhaupt glaubhaft sind, und bejahendenfalls, ob für diese Beschwerden trotz Fehlens objektiv ausgewiesener organischer Unfallfolgen ein beim Unfall erlittenes Schleudertrauma (Distorsion) der HWS, eine äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma überwiegend wahrscheinlich zumindest eine Teilursache darstellt. Aufgrund der Besonderheiten der Schleudertrauma-Praxis soll das Gutachten bei gefestigter Diagnose auch darüber Auskunft geben, ob eine bestehende psychische Problematik als Teil des für solche Verletzungen typischen, einer Differenzierung kaum zugänglichen somatisch-psychischen Beschwerdebildes zu betrachten ist, oder aber ein von diesem zu trennendes, eigenständiges psychisches Leiden darstellt. Nur wenn in der Expertise überzeugend dargetan wird, dass die psychische Störung nicht Symptom der Verletzung ist, kann dafür eine andere Ursache gesehen werden. Der Hinweis auf ungünstige soziale und soziokulturelle Verhältnisse der versicherten Person und dergleichen genügt nicht. Weiter ist zu beantworten, inwieweit die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und (mit Blick auf eine allfällige Berentung) in alternativen Tätigkeiten durch die festgestellten natürlich unfallkausalen Leiden eingeschränkt ist (BGE 134 V 109 E. 9.4 f. mit Hinweisen S. 124 ff.). Die Parteien können im Verwaltungsverfahren ihre diesbezüglichen Standpunkte ergänzend erläutern, sofern sie sich dazu veranlasst sehen (vgl. erwähntes Urteil 8C_540/2007, E. 4.6). Hiermit bleiben ihnen alle Rechte, insbesondere der doppelte Instanzenzug, gewahrt (BGE 125 V 413 E. 2c S. 417; Urteile U 459/05 vom 16. Oktober 2006, E. 4.4, und U 154/03 vom 15. Oktober 2003, E. 3.4).