Citation: U 132/01 21.09.2004 E. 4

Streitig ist zunächst, ob es sich bei den Beschwerden, an welchen der Versicherte leidet, um natürliche Folgen des Unfalls vom 15. März 1996 handelt. 4.1 Zu prüfen ist vorab, welche Beschwerden mit Einfluss auf die Arbeits- beziehungsweise Erwerbsfähigkeit im massgeblichen Zeitpunkt vorlagen und welche Befunde organischer und/oder psychischer Natur erhoben wurden. Im Gutachten des Dr. med. M.________ vom 23. Juni 1997 werden Schmerzen im Nacken und im Hinterkopf festgehalten, die sich bei längerem Stehen und Sitzen verstärken. Im Weiteren litt der Beschwerdeführer an Tinnitus (Ohrensausen) und mangelnder Konzentrationsfähigkeit. Eine Einschränkung der Beweglichkeit von Hals- und Brustwirbelsäule lag nicht vor; ebenso wurden muskulärer Hartspann, Schwindelerscheinungen, Sehstörungen, Übelkeit oder vermehrte Müdigkeit verneint. Der Gutachter diagnostizierte ein "zerviko-cephales Syndrom mit psychogener Mitbeteiligung bei Status nach Distorsionstrauma der Halswirbelsäule" und bescheinigte volle Arbeitsunfähigkeit. Laut dem MEDAS-Gutachten vom 9. Dezember 1999, welches acht Monate nach Erlass des Einspracheentscheides erstellt wurde, nannte der Versicherte als hauptsächliche Beschwerden seit Monaten gleichbleibende, dauernde Nackenschmerzen. Diagnostiziert wurde ein HWS-Distorsionstrauma mit chronifiziertem, gering- bis mässiggradigem Zervikalsyndrom mit nuchal tendomyopathischen Beschwerden und posttraumatischem Tinnitus, Angst und depressive Störung gemischt sowie eine kognitive Störung (Konzentrationsstörung, Ermüdbarkeit) nach Beschleunigungstrauma der HWS. Die im Wesentlichen übereinstimmenden Diagnosen der beiden Gutachten lassen für den massgeblichen Zeitpunkt des Einspracheentscheides die Annahme zu, dass der Versicherte an einem chronifizierten Zervikalsyndrom sowie einem posttraumatischen Tinnitus nach HWS-Distorsionstrauma litt; die ängstlich-depressive Störung scheint sich erst im Laufe der Zeit entwickelt zu haben, dürfte aber im Zeitpunkt des Einspracheentscheides ebenfalls bereits vorgelegen haben. Für die im MEDAS-Gutachten diagnostizierte kognitive Störung gab es im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. M.________ ebenfalls bereits Anhaltspunkte (nachlassende Konzentration). 4.2 Für das gering- bis mässiggradige Zervikalsyndrom bestehen keine objektivierbaren organischen Befunde. Laut beiden Expertisen liegen keine klinischen Anhaltspunkte für ein radikuläres Reiz- oder sensibles beziehungsweise motorisches Ausfallsyndrom vor. Die Diskushernie bei HWK 6/7 wird als asymptomatisch beschrieben. Die von der MEDAS diagnostizierte leichte "kognitive Beeinträchtigung nach Beschleunigungstrauma der HWS" lässt sich - laut psychiatrischem Untergutachten - nicht mit einer depressiven Störung erklären, sondern sei "verdächtig auf eine organisch kognitive Beeinträchtigung, wie dies nach Beschleunigungstrauma bei der Halswirbelsäule häufig beschrieben wird". Anschliessend verweist der begutachtende Psychiater allerdings darauf, dass "die gesamte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit unter besonderer Berücksichtigung des neurologischen Gutachtens" festzulegen sei. Diese Bemerkung lässt darauf schliessen, dass nach Auffassung des Psychiaters die vermutete organisch bedingte kognitive Beeinträchtigung abklärungsbedürftig ist, d.h. nur zusammen mit objektivierbaren Befunden bejaht werden kann, und die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ohnehin nicht allein und auch nicht wesentlich zu erklären vermag. Dementsprechend erachtet er auch vor allem die ängstliche Krankheitsverarbeitung sowie die depressive Störung als Grund für die erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit; die kognitive Beeinträchtigung wird nur zusätzlich angeführt. Die Würdigung dieser ärztlichen Aussagen führt zum Ergebnis, dass die vom Versicherten geklagten Beschwerden und die sich daraus ergebende Verminderung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit nicht oder nur zu einem unwesentlichen Teil auf organische Befunde zurückzuführen sind. Soweit solche überhaupt zu bejahen sind, lässt sich diesen jedenfalls kein klar abgrenzbarer Teil der Beschwerden und der sich daraus ergebenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zuordnen. 4.3 Das sowohl im Gutachten des Dr. M.________ wie auch in der Expertise der MEDAS diagnostizierte Zervikalsyndrom (ICD-10 S 13.4) stellt eine Diagnose über eine fassbare gesundheitliche Beeinträchtigung dar und wird in beiden Gutachten als unfallkausal angesehen. Gleiches gilt für den diagnostizierten posttraumatischen Tinnitus. Als unfallkausal muss auf Grund des Gutachtens der MEDAS auch die kognitive Störung nach Beschleunigungstrauma der HWS (ICD-10 Nr. 06.8) gelten. Wenn die Vorinstanz in umfassender Würdigung der ärztlichen Berichte und Gutachten zum Schluss gelangt, dass die erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, an denen der Versicherte nach wie vor leidet, auf den Unfall vom 15. März 1996 zurückzuführen sind, ist dieser Einschätzung beizupflichten. Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den anhaltenden Beschwerden, welche die typische Symptomatik nach einem derartigen Unfallereignis wiederspiegeln, ist daher zu bejahen.