Citation: I 227/01 17.12.2002 E. 5.2

5.2.1 Zur Bestimmung des mit der gesundheitlichen Beeinträchtigung durch eine zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichenem Arbeitsmarkt erzielbaren Verdienstes (Invalideneinkommen) ging die IV-Stelle von fünf Erfassungsblättern der Dokumentation über Arbeitsplätze (DAP) aus und ermittelte gestützt darauf einen Betrag von Fr. 46'730.-, entsprechend dem aus den fünf Stellenprofilen resultierenden Durchschnittswert. In Rahmen ihrer Vernehmlassung an die Vor-instanz machte die Verwaltung in Ergänzung dieser Argumentation geltend, auch ein Abstellen auf die Werte der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) ergebe - unter Berücksichtigung eines Abzugs von 10 % - keinen anspruchsbegründenden Invaliditätsgrad. Das kantonale Gericht gelangte demgegenüber zum Ergebnis, vier der fünf von der Verwaltung beigezogenen Arbeitsplätze seien nur unter der Vor-aussetzung geeignet, dass vermehrte Pausen eingelegt werden könnten, und trug diesem Umstand Rechnung, indem es den DAP-Durchschnittswert von Fr. 46'730.- um 10 % reduzierte. Der daraus resultierende Wert von Fr. 42'057.- ergab bei einem Valideneinkommen von (aufgerundet) Fr. 54'200.- einen Invaliditätsgrad von 22.4 %. 5.2.2 Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass vier der fünf in den durch die Verwaltung beigezogenen DAP-Blättern umschriebenen Arbeitsplätze oft längerdauerndes Sitzen erfordern und deshalb dem von medizinischer Seite formulierten Zumutbarkeitsprofil nicht vollumfänglich entsprechen, weist doch PD Dr. med. L.________ in seinem Bericht vom 11. August 2000 ausdrücklich auf Einschränkungen hinsichtlich der Sitzdauer hin, welche einen Schulbesuch und eine zusätzliche berufliche Ausbildung erschwerten. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz lässt die medizinische Aktenlage jedoch nicht den Schluss zu, die fraglichen Tätigkeiten seien dem Beschwerdegegner trotz der Notwendigkeit häufigen längerdauernden Sitzens zumutbar, falls er vermehrte Pausen einlegen könne. Vielmehr muss es bei der Feststellung bleiben, dass die von der Verwaltung beigezogenen DAP-Profile keine hinreichende Grundlage für die Bestimmung des Invalideneinkommens bilden, weshalb die statistischen Werte beizuziehen sind. 5.2.3 Wird anstelle der DAP-Löhne der Zentralwert des monatlichen Bruttolohns der im privaten Sektor mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten beschäftigten Männer gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung herangezogen, der sich im Jahr 2000 auf Fr. 4437.- belief (LSE 2000 S. 31 Tabelle A1), ergibt sich nach Hochrechnung dieses 40 Wochenstunden entsprechenden Betrags auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit im Jahr 2000 von 41,8 Stunden (Die Volkswirtschaft 3/2002 S. 92 Tabelle B9.2) ein Wert von Fr. 4637.- pro Monat oder Fr. 55'640.- pro Jahr. Einer zu erwartenden behinderungsbedingten Verdiensteinbusse sowie allfälligen weiteren einkommensmindernden Faktoren kann durch einen prozentualen Abzug vom Tabellenlohn Rechnung getragen werden (BGE 126 V 79 Erw. 5b mit Hinweisen). Dieser Abzug ist unter Berücksichtigung sämtlicher relevanten Faktoren gesamthaft festzulegen (BGE 126 V 80 Erw. 5b/bb mit Hinweisen). Angesichts der konkreten Verhältnisse (Niederlassungsbewilligung, keine Teilzeitarbeit notwendig, Geburtsjahr 1964, Notwendigkeit häufigen Wechsels der Körperhaltung) ist der durch die IV-Stelle in ihrer vorinstanzlichen Vernehmlassung als angemessen bezeichnete Abzug von 10 % gegenüber dem Tabellenlohn im Rahmen der Ermessensprüfung (Art. 132 lit. a OG; BGE 126 V 81 Erw. 6, 123 V 152 Erw. 2 mit Hinweisen) nicht zu beanstanden. Damit resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 50'076.-, welches in Gegenüberstellung zum Valideneinkommen von Fr. 54'145.- einen Invaliditätsgrad von 7.5 % ergibt. Der für den Umschulungsanspruch vorausgesetzte Invaliditätsgrad von rund 20 % wird damit nicht erreicht. Die IV-Stelle hat daher das Leistungsbegehren, soweit es diesen Anspruch betrifft, zu Recht abgelehnt. Als berufliche Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung kommen, falls die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, allenfalls Berufsberatung (Art. 15 IVG; BGE 114 V 29 Erw. 1a mit Hinweisen) oder Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 Satz 1 IVG; AHI 2000 S. 70 Erw. 1a mit Hinweis) in Frage.