Citation: 2C_1116/2018 E. 9.2

9.2. Fraglich bleibt sodann, ob die Beschwerdeführerinnen im Vertrauen auf die Richtigkeit der beiden Schreiben vom 11. Dezember 2008 und 12. November 2010 nicht ohne Nachteil rückgängig zu machende Dispositionen getroffen haben. Auch hierzu finden sich im angefochtenen Urteil keine tatsächlichen Feststellungen. Zwar kann von den Steuerpflichtigen nicht der volle Beweis dafür verlangt werden, dass sie ohne die behördliche Auskunft anders disponiert hätten (vgl. BGE 101 Ia 92 E. 3c S. 101). Indessen steht vorliegend mangels diesbezüglicher tatsächlicher Erhebungen der Vor instanz nicht einmal fest, ob die Beschwerdeführerinnen überhaupt eine Disposition getroffen haben, welche potentiell im Zusammenhang mit den Schreiben vom 11. Dezember 2008 und 12. November 2010 steht. In diesem Punkt unterscheidet sich der vorliegende Fall rechtswesentlich von einer vom Bundesgericht im Jahr 1975 beurteilten Konstellation, bei welcher es ebenfalls um Vertrauen in eine unrichtige Auskunft einer Steuerbehörde ging. Das Gericht erklärte seinerzeit, aus dem Umstand, dass der betroffene Steuerpflichtige vor einer gestützt auf einen konkreten Übernahmevertrag getroffenen Disposition die Auskunft über die steuerliche Behandlung der Transaktion eingeholt hatte, erwachse die Vermutung, dass er im Fall eines negativen Bescheids einen anderen Weg gesucht hätte, um der Besteuerung zu entgehen (BGE 101 Ia 92 E. 3c S. 101; vgl. auch Urteil 2C_151/2017, 2C_152/2017, 2C_178/2017, 2C_179/2017 vom 16. Dezember 2019 E. 2.5.2 [zur Publikation vorgesehen], wo die Frage zu klären war, ob unbestrittenermassen erfolgte Lizenzgebührenzahlungen als im Vertrauen auf ein Steuerruling getroffene Dispositionen zu qualifizieren sind). Es ist nicht Aufgabe des Bundesgerichts, Tatsachenfeststellungen zu Fragen zu treffen, welche die Vorinstanz offengelassen hat (vgl. BGE 136 III 209 E. 6.1 S. 214 f.; 135 III 31 S. 2.2 S. 33). Insbesondere ist daher im vorliegenden bundesgerichtlichen Verfahren die im hier interessierenden Kontext aufgestellte Behauptung der Beschwerdeführerinnen, sie hätten aufgrund der Angaben der KSTV/GL neue und grössere Räumlichkeiten für eine fixe Dauer von mindestens fünf Jahren gemietet, nicht zu überprüfen. Auch ist in diesem Verfahren nicht abschliessend zu entscheiden, ob die Beschwerdeführerinnen - wie in der Beschwerde suggeriert wird - ihren Sitz im Kanton Glarus erst nach Einholung der Schreiben vom 1. Dezember 2008 und 12. November 2010 gewählt haben (jedenfalls formell scheint dies freilich prima vista aufgrund der zuvor erfolgten Eintragungen im Handelsregister nicht der Fall zu sein). Ebenso wenig ist durch das Bundesgericht zu klären, ob konkrete Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass die Beschwerdeführerinnen aufgrund der beiden Schreiben eine Sitzverlegung unterlassen haben und dies nicht mehr ohne Nachteil rückgängig gemacht werden kann.