Citation: 1B_409/2018 E. 4.3

4.3. Die Staatsanwaltschaft zieht eine oder mehrere sachverständige Personen bei, wenn sie nicht über die besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt, die zur Feststellung oder Beurteilung eines Sachverhalts erforderlich sind (Art. 182 StPO). Als Sachverständige können natürliche Personen ernannt werden, die auf dem betreffenden Fachgebiet die erforderlichen besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen (Art. 183 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft ernennt (im Vorverfahren) die sachverständige Person und erteilt ihr einen schriftlichen Auftrag; dieser enthält namentlich die vom Experten zu beantwortenden präzis formulierten Fragen (Art. 184 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c StPO). Sie gibt den Parteien vorgängig Gelegenheit, sich zur sachverständigen Person und zu den Fragen zu äussern und dazu eigene Anträge zu stellen (Art. 184 Abs. 3 StPO). Die Staatsanwaltschaft übergibt der sachverständigen Person zusammen mit dem Auftrag die zur Erstellung des Gutachtens notwendigen Akten und Gegenstände (Art. 184 Abs. 4 StPO). Bei dieser Instruktion des Experten kann sie auch eine kurze Zusammenfassung ihrer bisherigen Ermittlungsergebnisse (sogenannte "Anknüpfungstatsachen" in einem "résumé des faits") sachgerecht darlegen (vgl. Marianne Heer, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 182 N. 3, Art. 184 N. 28-32; Andreas Donatsch, in: Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 184 N. 41-43 und 49; Joëlle Vuille, Commentaire romand CPP, Basel 2011, Art. 184 N. 27 f.; s.a. Urteil des Bundesgerichtes 1B_196/2015 vom 17. Mai 2016 E. 4.4.1-4.4.3). Die sachverständige Person nimmt ausschliesslich fachspezifische (einfache) Erhebungen vor, die mit dem Auftrag in engem Zusammenhang stehen (Art. 185 Abs. 4 StPO). Ü ber die Abklärung solcher fachspezifischer Fragen hinaus bleibt die Sachverhaltsermittlung Aufgabe der untersuchungsleitenden Staatsanwaltschaft (vgl. zur amtlichen Publikation bestimmtes Urteil 1B_520/2017 vom 4. Juli 2018 E. 3.7 mit Hinweisen). Auch bei Erhebungen durch die sachverständige Person kann die beschuldigte Person ihre Mitwirkung oder Aussage verweigern (Art. 185 Abs. 5 StPO). Die Staatsanwaltschaft bringt den Parteien das schriftlich erstattete Gutachten zur Kenntnis und setzt ihnen eine Frist zur Stellungnahme (Art. 188 StPO). Gemäss Art. 189 StPO lässt sie das Gutachten (von Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei) durch die gleiche sachverständige Person ergänzen oder verbessern oder bestimmt weitere Sachverständige, wenn das Gutachten unvollständig oder unklar ist (lit. a), mehrere Sachverständige in ihren Ergebnissen erheblich voneinander abweichen (lit. b) oder sonstwie Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens bestehen (lit. c).