Citation: 4A_544/2019 E. 6

6. Im Gegensatz dazu würden sich die umfassenden Gutachten der Ärzte der I.________ vom 7. November 2016 sowie von Dr. med. J.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Juli 2018 als widerspruchsfrei, schlüssig und nachvollziehbar erweisen. Bereits im November 2016 seien die Gutachter der I.________ nach unauffälliger Befundaufnahme davon ausgegangen, dass eine von den Folgen des Suchtmittelkonsums abgrenzbare relevante psychiatrische Erkrankung nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu attestieren sei. Insbesondere habe bei euthymer Stimmung, guter Schwingungsfähigkeit und unauffälligem Antrieb keine depressive Störung diagnostiziert werden können. Allerdings habe der medizinische Sachverhalt infolge des Suchtmittelkonsums nicht abschliessend beurteilt werden können, weshalb die Gutachter eine Entgiftung und Entwöhnung als notwendig erachtet hätten, nach der sie eine vollständige Arbeitsfähigkeit erwartet hätten. Auch im Juli 2018 habe Dr. med. J.________ nach ausführlicher Befunderhebung das Vorliegen einer depressiven Störung nachvollziehbar verneint. Zudem habe er festgehalten, der Suchtmittelkonsum habe keine Bedeutung bezüglich der Arbeitsfähigkeit. Trotz der festgestellten Persönlichkeitsstörung habe er schliesslich bei vorhandenen Ressourcen ein hohes Eingliederungspotential des Beschwerdeführers erkannt. Entsprechend habe er ihm in der bisherigen Tätigkeit zwar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, ihn allerdings in selbständiger Tätigkeit oder angestellter Tätigkeit ohne Kollegen- oder Kundenkontakt seit der Entlassung aus der Klinik im Jahre 2011 als vollständig arbeitsfähig erachtet. Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, Dr. med. J.________ habe ihn lediglich während einer Stunde untersucht, sei ihm entgegenzuhalten, dass die psychiatrische Exploration gemäss Gutachten an zwei Tagen mit einer Dauer von insgesamt 115 Minuten erfolgt sei und damit fast doppelt so lange gedauert habe. Ausserdem komme es weniger auf die Dauer der Untersuchung als vielmehr auf deren Inhalt an. Eine hinreichende Erfassung des psychischen Gesundheitszustandes sei während einer solchen Explorationsdauer möglich.