Citation: U 66/02 02.11.2004 E. 3

Zunächst ist zu prüfen, inwiefern das Leistungsvermögen des Versicherten wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine funktionelle Einschränkung erfährt (nachstehende Erw. 3.1). Damit in engem Zusammenhang steht die Frage nach den Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Verwertung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit (Erw. 3.2). Weiter bedarf das Ausmass der in quantitativer und zeitlicher Hinsicht trotz Behinderung in einzelnen Verrichtungen und Bewegungsabläufen noch zumutbaren Arbeitsleistung einer Klärung (Erw. 3.3). 3.1 Nach Einschätzung des Dr. med. A.________ vom 25. Februar 1999 sind dem Beschwerdegegner Tätigkeiten mit "über-Kopf-Charakter" sowie solche mit repetitivem Charakter für die linke Schulter nicht mehr zumutbar; Arbeiten mit Schlägen und Vibrationen seien für das ganze Skelett, insbesondere für die drei betroffenen Extremitäten (linker Arm sowie beide Beine) ungeeignet; nur ausnahmsweise seien rein stehend auszuführende Arbeiten und, bei günstiger Position, Tätigkeiten in stets gleich bleibender Stellung zumutbar; günstig wären sitzend zu verrichtende Arbeiten. Als nicht mehr zumutbar bezeichnete Dr. med. A.________ das Besteigen von Leitern und Treppen sowie häufiges Gehen auf unebenem Gelände; zudem sei die Gewichtslimite auf 10 bis maximal 12 kg reduziert und häufiges Anschlagen am linken Unterschenkel müsse wegen elektrisierender Schmerzen vermieden werden. Auf spezielle Anfrage hin erklärte Dr. med. A.________ in einem Zusatzbericht vom 15. Juli 1999, leichte geeignete Tätigkeiten wären rein gesundheitsbedingt, auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, mit normaler Leistung und ganztags zumutbar. Am 25. Januar 2000 hielt Dr. med. A.________ fest, gegenüber seiner Voruntersuchung vom 25. Februar 1999 seien die Befunde praktisch unverändert; in diesem Sinne seien auch die verbleibenden Unfallfolgen gleich geblieben; die damalige Zumutbarkeitsbeurteilung gelte daher weiterhin. Dr. med. O.________ befand in seinem Aktengutachten vom 29. Juni 2000 das von Dr. med. A.________ am 25. Februar 1999 erstellte Zumutbarkeitsprofil als den verbleibenden Unfallfolgen "massstabgetreu und individuell angepasst und deshalb zwanglos nachvollziehbar". Aus medizinischer Sicht gebe es keine plausible Begründung, weshalb eine den Unfallfolgen angepasste Tätigkeit nur in vermindertem leistungsmässigen oder zeitlichen Ausmass sollte verrichtet werden können. 3.2 Die SUVA geht in ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde davon aus, das kantonale Gericht vertrete die Auffassung, eine Verwertung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr realistisch. Tatsächlich vermag der vorinstanzliche Entscheid auf den ersten Blick diesen Eindruck zu erwecken, wird darin doch in Zusammenhang mit der Wiedergabe der Meinungsäusserungen der Berufsberaterin der Invalidenversicherung und des Ausbildungsleiters der Einrichtung für Behinderte X.________ wörtlich festgehalten: "Damit aber ist die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit auf dem offenen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr realistisch" (S. 18 des angefochtenen Entscheids vom 20. Dezember 2001). Dass die Vorinstanz die wiedergegebene Drittmeinung nicht in indirekte Rede gekleidet hat, könnte zur Annahme verleiten, es handle sich dabei um ihre eigene Betrachtungsweise. Indem das kantonale Gericht indessen gleich anschliessend zu bedenken gibt, dass zum allgemeinen Arbeitsmarkt auch Stellen wie jene eines Hilfseinrichters in der Einrichtung für Behinderte X.________ gehören, wo der Beschwerdegegner gemäss vorinstanzlicher Feststellung im Jahr 2000 mit einem Gehalt von Fr. 10'859.- hätte rechnen können, bejaht es, zumindest dem Grundsatz nach, die Verwertbarkeit des verbliebenen Leistungsvermögens doch. Wenn der Ausbildungsleiter der Einrichtung für Behinderte X.________ dafür hält, dass der Versicherte "kaum in die offene Wirtschaft vermittelt" werden könne, so dürfte er dabei weniger den ausgeglichenen als vielmehr den aktuell zur Verfügung stehenden Arbeitsmarkt vor Augen haben. Der für die Invaliditätsbemessung ausschlaggebende ausgeglichene Arbeitsmarkt, dessen Begriffsmerkmale im kantonalen Entscheid korrekt dargelegt worden sind, kennt aber genügend Stellen mit leichteren, wechselbelastenden Tätigkeiten, welche auch vom Beschwerdegegner, trotz seiner Behinderungen, noch ausgeübt werden könnten. Daran ändert nichts, dass der Ausbildungsleiter der Einrichtung für Behinderte X.________ und die Berufsberaterin - wie übrigens auch der Hausarzt Dr. med. K.________ - der Möglichkeit einer beruflichen Reintegration eher skeptisch gegenüberstehen. Bei der Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob ein Versicherter unter den konkret herrschenden Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob er die ihm verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 291 Erw. 3b mit Hinweisen). Der so verstandene Arbeitsmarkt bietet auch Personen mit Behinderungen, wie sie der Beschwerdegegner aufweist, ein ausreichend weites Betätigungsfeld, etwa im gewerblichen oder im industriellen Bereich, wo sich die verbliebene Arbeitsfähigkeit wirtschaftlich verwerten lässt. Die bestehenden funktionellen Einschränkungen sind nicht so ausgeprägt, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt keine geeigneten Stellen mehr bereithalten würde. Entgegen der vorinstanzlichen Argumentation in der Vernehmlassung vom 28. Februar 2002 ist der Beschwerdegegner für leichte Arbeiten auch keineswegs "sozusagen einarmig". Vielmehr vermittelt der Bericht des Ausbildungsleiters der Einrichtung für Behinderte X.________ das Bild einer in der freien Wirtschaft bei leidensangepassten Beschäftigungen durchaus nutzbringend einsetzbaren Arbeitskraft. Zu denken ist etwa an leichte, vorwiegend sitzend auszuübende Tätigkeiten im industriellen oder gewerblichen Bereich wie beispielsweise die Bedienung oder Überwachung von Maschinen, Kontrollfunktionen sowie Sortier-, Prüf- und Verpackungsarbeiten; ebenso fallen leichte, sitzend zu verrichtende Montagearbeiten in Betracht, wogegen Fliessbandarbeiten wegen der nicht vollen Leistungsfähigkeit und der ärztlicherseits empfohlenen Vermeidung von die linke Schulter belastenden repetitiven Arbeitsabläufen eher ausscheiden. Bei dieser Sachlage kommt, abweichend von der vorinstanzlichen Erkenntnis, für den Beschwerdegegner keineswegs nur noch eine Beschäftigung in einer geschützten Werkstätte in Frage. 3.3 Die Berufsberatung der Invalidenversicherung konnte sich auf eine Beobachtung des Beschwerdegegners bei der Arbeit in der Einrichtung für Behinderte X.________ während rund drei Monaten stützen. Damit kommt ihren Erkenntnissen eine Bedeutung zu, welche vor den ärztlichen Feststellungen nicht einfach in den Hintergrund gedrängt werden darf, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung nach einer angemessenen Gewichtung verlangt. Wenn Kreisarzt Dr. med. A.________ in seinem Zusatzbericht vom 15. Juli 1999 erklärt, leichte geeignete Tätigkeiten seien mit normaler Leistung ganztägig zumutbar und Dr. med. O.________ dieser Auffassung im Aktengutachten vom 29. Juni 2000 beipflichtet, so sind diesen Einschätzungen die Erkenntnisse auf Grund der dreimonatigen Beobachtung in der Einrichtung für Behinderte X.________ entgegenzuhalten. Es besteht kein Anlass, an der Aussagekraft des dort festgestellten Arbeitsergebnisses, welches rund 60 % eines leistungsmässig uneingeschränkten Vollzeitpensums erreichte, zu zweifeln. Dies umso weniger, als auch andere mit der Begutachtung des Beschwerdegegners betraute Ärzte, so etwa Kreisarzt Dr. med. T.________ in seinem Bericht vom 28. Juli 1997 und Dr. med. Y.________ von der Klinik Q.________ in einer Stellungnahme vom 26. August 1998, nicht davon ausgingen, dass bei einer leidensangepassten Tätigkeit ein voller Einsatz zumutbar wäre. Der diesbezüglichen Annahme der SUVA kann demnach nicht beigepflichtet werden. Der Ausbildungsleiter der Einrichtung für Behinderte X.________ bemerkt in seinem Bericht vom 16. November 1998, beim ermittelten Durchschnittswert von 61,66 % sei zu berücksichtigen, dass der Versicherte diese Arbeitsleistung in geschütztem Rahmen und ohne Leistungsdruck erbrachte; bezogen auf einen Arbeitsplatz in der offenen Wirtschaft müsse deshalb "von einer Leistungsminderung von ca. 10 - 20 %" ausgegangen werden. Diese Angabe versteht der Beschwerdegegner dahin gehend, dass in der freien Wirtschaft von der in der Einrichtung für Behinderte X.________ festgestellten Leistungsfähigkeit von rund 60 % nochmals 10 bis 20 % abzuziehen wären. Eine solche Interpretation ist indessen nicht zwingend. Die fragliche Passage im Bericht der Einrichtung für Behinderte X.________ könnte vielmehr auch so ausgelegt werden, dass in der offenen Wirtschaft, wo im Gegensatz zu einer geschützten Werkstätte Leistungsdruck herrscht, ein höheres, nämlich ein verglichen mit einer vollen Leistung lediglich um 10 bis 20 % reduziertes Ergebnis zu erwarten wäre. Bei einer solchen Beurteilung müssten sich allerdings ernsthafte Zweifel einstellen, da dem Beschwerdegegner die mit Schmerzen verbundene Mehrfachbehinderung auf die Dauer doch erheblich zu schaffen machen dürfte. Davon ausgehend, dass das Anforderungsprofil in der freien Wirtschaft eher höher angesetzt wird als in einer geschützten Werkstätte, erscheint es realistischer, hinsichtlich einer leidensangepassten, den von Dr. med. A.________ aufgezeigten Limiten (Erw. 3.1 hievor) Rechnung tragenden Betätigung ausserhalb eines geschützten Rahmens von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, welche Annahme übrigens auch den Verfügungen der IV-Stelle vom 21. Juni 2000 zu Grunde liegt. Ob dabei die zu erwartende 50 %ige Leistung bei einem zeitlich entsprechend reduzierten Pensum oder aber im Rahmen eines Vollzeiteinsatzes erbracht wird, ist für die Bestimmung des Invaliditätsgrades letztlich nicht von Bedeutung.