Citation: 5A_323/2013 E. 3.3

3.3. Die geschilderte Vorgehensweise des Obergerichts ist als solche nicht zu beanstanden. Wie gerade die vorliegende Auseinandersetzung zeigt, ist auch die Frage, ob sich aus dem eigenhändig festgehaltenen Text selbst ein bestimmter Inhalt ergebe, eine solche der Interpretation. Das aber bedeutet nichts anderes, als dass es eine "an sich" klare Erklärung nicht geben und der Wortlaut als solcher keinen selbständigen Bestand haben kann. Denn bewusst oder unbewusst stellt der Leser das, was er als Erklärung wahrnimmt, in einen grösseren Zusammenhang, hier der Situation der Erblasserin, von der er sich eine bestimmte Vorstellung macht (vgl. Peter Weimar, a.a.O., N 69; Peter Tuor, in: Berner Kommentar, 2. Aufl. 1952, Vorbem. vor Art. 481 ZGB, N 12 ff.; Jean Nicolas Druey, Grundriss des Erbrechts, 5. Aufl. 2002, S. 155; s. auch Peter Jäggi/Peter Gauch, in: Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 1980, N 368 zu Art. 18 OR). Daher lässt sich auch die Frage, ob die Erblasserin ihren Testierwillen überhaupt (klar) erklärt hat, nicht losgelöst von jeglicher Auslegung beantworten. Dass diese Erklärung im verurkundeten Text der letztwilligen Verfügung zum Ausdruck kommen muss (E. 2.1), vermag an dieser Erkenntnis nichts zu ändern und steht ihr auch nicht entgegen, sondern ist die Folge der Formvorschriften, denen die Verfügungen von Todes wegen unterliegen. Macht die Auslegung jedoch nicht Halt vor dem (vermeintlich) "eindeutigen" Wortlaut, so bedeutet dies, die Tatsachen und Beweismittel zu berücksichtigen, die nicht zum Erklärungsvorgang als solchem gehören, aber doch Schlussfolgerungen auf den Willen des Erklärenden erlauben (Peter Jäggi/Peter Gauch, a.a.O., N 354 zu Art. 18 OR; Wilhelm Schönenberger/Peter Jäggi, in: Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 1973, N 266 zu Art. 1 OR). Allein dadurch, dass sich das Obergericht (auch) der erwähnten ergänzenden Auslegungsmittel bedient, setzt es sich also nicht dem Vorwurf aus, das Bundesrecht verletzt zu haben. Insofern erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Auch hat sich das Obergericht nicht über BGE 131 III 601 hinweggesetzt. Vielmehr durfte und musste es im vorliegenden Fall zur Auffassung gelangen, dass die Erklärung "Die Liegenschaften in E.________ sollen Y.________ und Z.________ erhalten bleiben" von einem animus testandi getragen ist. Dies war bei der in BGE 131 III 601 zu beurteilenden Erklärung "En totalité à l'Eglise protestante pour fond Cathédrale" nicht der Fall.