Citation: U 219/04 07.12.2004 E. 2

2.1 Das kantonale Gericht erachtete es als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erwiesen, dass die Versicherte anlässlich des Unfalls vom 11. Dezember 1998 ein Distorsionstrauma der HWS erlitten hat, dass das nach derartigen Verletzungen nicht selten beobachtete und deshalb von der Rechtsprechung als typisch bezeichnete "bunte" Beschwerdebild (vgl. BGE 119 V 337 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b) auch über den 30. September 1999 hinaus vorlag und dass die andauernden Beschwerden in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis standen. Die Vorinstanz stützte sich dabei insbesondere auf das Gutachten des Zentrums A.________ vom 3. Juli 2001 und die ergänzende Beweisauskunft vom 11. Oktober 2003, den Bericht der Chiropraktorin Dr. E.________ vom 6. Mai 2002 sowie den Bericht des Dr. med. R.________ vom 26. März 2002 und dessen Beweisauskunft vom 30. März 2004. 2.2 Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, unmittelbar nach dem Unfall habe die Versicherte im Unfallprotokoll eine Verletzung ausdrücklich verneint, und es seien keine Befindlichkeitsstörungen festgestellt worden. Eine Arztkonsultation sei erst fünf Tage nach dem Unfall erfolgt. Am Unfalltag (11. Dezember 1998) und in der nachfolgenden Zeit bis zu den Weihnachtsferien sei die Beschwerdegegnerin in der Lage gewesen, sowohl anspruchsvolle Aktivitäten im künstlerischen Bereich (Vorbereitung und Durchführung einer Vernissage) als auch die Tätigkeit als Klavierlehrerin fortzusetzen. Ihre Angaben über den Zeitpunkt des Auftretens von Befindlichkeitsstörungen stellten lediglich unüberprüfbare Parteibehauptungen dar. Die erste ärztliche Untersuchung am 16. Dezember 1998 habe röntgenologisch keine Auffälligkeiten an der HWS ergeben. Vom Arzt festgestellte Bewegungseinschränkungen und Druckdolenzen seien im Zusammenhang mit bereits vor dem Unfall bestehenden Rückenproblemen zu sehen. Die in einzelnen medizinischen Stellungnahmen enthaltene Aussage, vor dem Unfall hätten keine entsprechenden Symptome vorgelegen, beruhe nicht auf eigenen Wahrnehmungen der betreffenden Ärzte und sei unzutreffend. Ausserdem müsse berücksichtigt werden, dass zusätzlich eine für HWS-Verletzungen nicht typische Symptomatik vorliege, als deren noch nicht geklärte Ursache eine unfallfremde psychische Störung wahrscheinlich sein dürfte. 2.3 Nach Lage der Akten sass die Versicherte am Steuer ihres vor einem Fussgängerstreifen stehenden Personenwagens, als ein anderes Auto von hinten auf diesen auffuhr. Dr. med. Z.________, welchen die Beschwerdegegnerin fünf Tage nach dem Unfall erstmals aufgesucht hatte, stellt in seinem Bericht vom 24. Dezember 1998 die Diagnose einer HWS-Distorsion, dies bei einem Beschleunigungsmechanismus ohne Kopfanprall. Sofort nach dem Unfall oder innerhalb weniger Stunden danach seien Schwindel, Benommenheit/Verwirrung (später Konzentrationsstörungen) sowie Kopf- und Nackenschmerzen, letztere mit Ausstrahlung in die Schultern und den rechten Arm, aufgetreten. Diese Symptome hätten anlässlich der Erstkonsultation immer noch vorgelegen, wobei zusätzlich Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit und Druckdolenzen sowie ein beeinträchtigter psychischer Zustand (nervös, gespannt, Fehlleistungen) festgestellt worden seien. Vor dem Unfall habe die Versicherte an gelegentlichen Rückenbeschwerden gelitten, sei aber voll leistungsfähig gewesen. Diese Feststellungen des erstbehandelnden Arztes sind mit den später erstellten Berichten, insbesondere denjenigen des Neurologen Dr. med. R.________ und dem Gutachten des Zentrums A.________ vom 3. Juli 2001 (mit Ergänzung vom 11. Oktober 2003), vereinbar. Letzteres enthält auch eine Darstellung der Aktivitäten der Versicherten in der Zeit nach dem Unfall, welche die Behauptung, diese habe ihre beiden beruflichen Tätigkeiten ohne Beeinträchtigung ausüben können, deutlich relativiert. Die medizinischen Akten, welche die Grundlage der Kausalitätsbeurteilung bilden (BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa), enthalten damit eine ausreichende Basis, um sowohl das Vorliegen eines Schleudertraumas der HWS (bzw. einer diesem gleichgestellten Verletzung) als auch das bald danach erfolgte Auftreten der zum "typischen" Beschwerdebild gehörenden Symptome als erstellt zu betrachten. Daran ändern auch das unfallanalytische Gutachten vom 5. Juli 1999 und die biomechanische Beurteilung vom 27. August 1999 nichts. Denn es entspricht nicht der Gerichtspraxis zu Schleudertrauma-Fällen, die in erster Linie auf Grund medizinischer Fakten und ärztlicher Einschätzung zu beurteilende natürliche Kausalität mit Überlegungen zur Auffahrgeschwindigkeit und der dabei auf das Auto der versicherten Person übertragenen Energie in Frage zu stellen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359 Erw. 3.2 mit zahlreichen Hinweisen). Ebenso wenig erfordert der Umstand, dass in den Akten zusätzliche gesundheitliche Beeinträchtigungen erwähnt werden, welche gemäss dem Gutachten des Zentrums A.________ vom 3. Juli 2001 in keinem Zusammenhang mit dem Unfall stehen, zusätzliche Abklärungen. Diesbezüglich kann mit der Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass es sich um unfallfremde Erscheinungen handelt. Dies bleibt jedoch ohne Einfluss auf die Beurteilung der zum typischen Beschwerdebild gehörenden Symptomatik. Das kantonale Gericht gelangte demnach mit Recht zum Ergebnis, ein Dahinfallen des natürlichen Kausalzusammenhangs infolge Zeitablaufs per 30. September 1999 sei namentlich in neuropsychologischer-neurologischer Hinsicht zu verneinen. 2.4 Unter den gegebenen Umständen kann auch die Tatsache, dass es die Versicherte ablehnte, sich den von der Beschwerdegegnerin in Aussicht genommenen Untersuchungen durch das Spital D._________ (im November 2000) und die Klinik Y._________ (im Juli 2002) zu unterziehen, nicht zu einer abweichenden Beurteilung führen. Diesbezüglich ist zu beachten, dass die vorhandenen medizinischen Unterlagen nicht ausschliesslich von Ärzten stammen, welche die Beschwerdegegnerin aus eigenem Antrieb aufgesucht hat. Vielmehr wurde das Gutachten des Zentrums A.________ im Auftrag der Eidgenössischen Invalidenversicherung erstattet. Die für den Fall einer Verletzung der Mitwirkungspflicht vorgesehene Rechtsfolge eines Entscheides auf Grund der Akten (Erw. 1.2 hievor) führt vorliegend zum bereits dargelegten Ergebnis, wonach sowohl das Vorliegen eines Schleudertraumas der HWS als auch das baldige Auftreten der typischen Beschwerden als hinreichend nachgewiesen zu gelten haben. Den vorhandenen Berichten und Stellungnahmen ist im Lichte der durch die Rechtsprechung entwickelten Kriterien (BGE 125 V 352 Erw. 3) mit Bezug auf alle zu beurteilenden Fragen hinreichender Beweiswert beizumessen, sodass auf weitere Untersuchungen verzichtet werden kann.