Citation: 6B_1489/2022 E. 3

Die StPO sieht für die Einlegung der Berufung ein zweistufiges Verfahren vor. Nach Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden. Die Partei, die Berufung angemeldet hat, reicht dem Berufungsgericht gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung ein (vgl. BGE 143 IV 40 E. 3.4.1; 138 IV 157 E. 2.1 und 2.2). Damit eine gegenüber dem urteilenden Gericht abgegebene Erklärung als rechtsgültige Berufungsanmeldung angesehen werden kann, muss in ihr mit der erforderlichen Klarheit festgehalten werden, dass gegen das angefochtene Urteil Berufung angemeldet werden will. Ein blosses Motivierungsbegehren erfüllt diese Anforderung nicht und kann einer Berufungsanmeldung nicht gleichgesetzt werden (statt vieler Urteil 6B_429/2020 vom 1. Oktober 2020 E. 1.1). Dies ergibt sich (auch) aus dem Wortlaut von Art. 82 Abs. 2 StPO, der zwischen dem Verlangen einer Urteilsbegründung (lit. a) und dem Ergreifen eines Rechtsmittels (lit. b) explizit unterscheidet (Urteil 6B_458/2013 vom 4. November 2013 E. 1.4.1).