Citation: 1C_451/2020 E. 5.4

5.4. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, bezeichnete das Ehepaar gegenüber dem SEM sodann übereinstimmend die endlosen Diskussionen über den Nutzen der Schulmedizin als einen der Hauptauslöser für die spätere Trennung. Allerdings ergibt sich aus ihren Aussagen nicht mit abschliessender Sicherheit, ab welchem Zeitpunkt diese Thematik ein Ausmass erreicht hatte, um den Fortbestand der Ehe ernsthaft zu gefährden. Es ist zwar vorstellbar, dass dies, wie von der Vorinstanz angenommen, bereits im Einbürgerungszeitpunkt und damit knapp zwei Jahre nach dem Praktikumsbeginn des Beschwerdeführers der Fall war. Dabei handelt es sich aber um eine blosse Spekulation. Gestützt auf die plausiblen Schilderungen des Beschwerdeführers erscheint es zumindest ebenso denkbar, dass sich der Streit über die Wirksamkeit der schulmedizinischen Behandlungsmethoden erst während seiner Ausbildung zum Fachmann Gesundheit ab August 2013 intensivierten und ihren Höhenpunkt schliesslich erreichten, als sich die Hepatitiserkrankung der Mutter des Beschwerdeführers Anfang 2014 verschlechterte. Diese Darstellung deckt sich mit den glaubhaften Aussagen der Ehefrau, wonach es erst ab der Verschlechterung des Gesundheitszustands ihrer damaligen Schwiegermutter wiederholt unschöne Diskussionen über die adäquate Behandlungsmethode sowie deren Finanzierung gegeben habe. Vor diesem Hintergrund erscheint die Hypothese der Vorinstanz über die Verschlechterung der Beziehung nicht wahrscheinlicher als die Darstellung des Beschwerdeführers, geschweige denn als beweismässig erstellt.