Citation: 6B_774/2020 E. 3.3.1

3.3.1. Die Vorinstanz geht von einem nicht mehr leichten objektiven Tatverschulden aus. Der Beschwerdeführer habe im Rahmen einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit einem Messer, dessen Klinge acht Zentimeter lang gewesen sei, in den Oberbauch eines Menschen gestochen. Die Auswirkungen eines solchen Stiches seien im Rahmen dynamischer Abläufe nicht kontrollierbar. Das konkrete Tatvorgehen bezeichnet sie nicht als übermässig brutal oder bestialisch und berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer es bei einem einzigen Stich hat bewenden lassen. Sie stellt weiter fest, dass die tatsächliche, gravierende und schmerzhafte Verletzung eines Leberdurchstiches zwar nicht zu einer unmittelbaren Lebensgefahr geführt habe. Anhand des Gutachtens des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) sei aber erstellt, dass der Messerstich für den Beschwerdegegner 2 objektiv gesehen lebensgefährlich gewesen sei und die alsdann durchgeführte Operation eine Notfallindikation dargestellt habe. Sie gelangt zum Schluss, dass es damit letztlich nur dem Zufall und dieser medizinischen Intervention zu verdanken gewesen sei, dass die verursachte lebensgefährliche Verletzung nicht zum Tod des Beschwerdegegners 2 geführt habe (angefochtenes Urteil S. 38, 39 f. und 33 f.). Bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere berücksichtigt die Vorinstanz zugunsten des Beschwerdeführers, dass er lediglich eventualvorsätzlich gehandelt habe. Da er trotz gegenteiliger Beteuerung ein Messer mitgenommen und dieses zur Überraschung des Beschwerdegegners 2 gezogen habe, attestiert sie ihm eine "gewisse Hinterhältigkeit". Angesichts der Umstände vor der Tat geht sie alsdann nicht von einer völlig spontanen und ungeplanten Handlung und auch nicht davon aus, dass es sich beim Beschwerdeführer um ein "klassisches" Mobbingopfer gehandelt habe. Zwar gesteht sie ihm einen subjektiven Leidensdruck zu, erwägt aber, dass ihm zahlreiche Handlungsalternativen zur Verfügung gestanden hätten. Letztlich habe der Beschwerdeführer aus nichtigem Anlass, verletztem Stolz, Rache und Imponiergehabe gehandelt und überdies den Tatort verlassen, ohne Hilfe zu holen. Insgesamt vermöge damit die subjektive Tatschwere die objektive nicht zu relativieren und sei von einem leichten bis mittleren Verschulden auszugehen, das für das vollendete Delikt eine hypothetische Einsatzstrafe von zehn Jahren rechtfertige.