Citation: 2C_632/2022 E. B

Die Steuerverwaltung des Kantons Thurgau (KSTV/TG; nachfolgend: die Veranlagungsbehörde) führte am 7. September 2020 bei der Steuerpflichtigen eine Buchprüfung durch. Die Veranlagungsbehörde stellte sich auf den Standpunkt, dass es sich bei den "Angefangenen Arbeiten" um verkaufte Waren handle, die als transitorische Aktiven zum vollständigen Netto-Verkaufspreis hätten verbucht werden müssen. Die im Dezember 2019 abgeschlossenen, aber bis Ende 2019 noch nicht fakturierten Leistungen von Fr. 732'540.-- seien nicht als Vorräte (bzw. "Angefangene Arbeiten"), sondern als Forderungen (bzw., da die Rechnungsstellung noch nicht erfolgt sei, als Transitorische Aktiven) zu verbuchen. Dabei könne ein pauschales Delkredere berücksichtigt werden und sei die Steuerrückstellung entsprechend anzupassen. Im Einzelnen ging die Veranlagungsbehörde, sowohl für die Staats- und Gemeindesteuern des Kantons Thurgau als auch die direkte Bundessteuer, von folgenden Zahlen aus: Nicht verbuchter Umsatz 732'541.-- Delkredere, pauschal 5,0 Prozent -36'627.-- Soll-Umsatz 695'914.-- Ist-Umsatz 404'000.-- Differenz (aufzurechnen) 291'914.-- Nicht verbuchter Umsatz 732'541.-- Delkredere, pauschal 5,0 Prozent -36'627.-- Soll-Umsatz 695'914.-- Ist-Umsatz 404'000.-- Differenz (aufzurechnen) 291'914.-- In der Folge nahm die Veranlagungsbehörde für die Zwecke der Gewinnsteuer eine Aufrechnung von Fr. 291'914.-- vor ("Rückstellung angefangene Arbeiten - verkaufte Ware") und erhöhte sie die Steuerrückstellung um Fr. 58'630.-- (pauschal 20 Prozent aller Aufrechnungen). Dasselbe tat sie im Bereich der Kapitalsteuer. Dagegen erhob die Steuerpflichtige am 23. November 2020 Einsprache, was erfolglos blieb (Einspracheentscheid vom 8. Februar 2021).