Citation: I 342/00 12.02.2001 E. 2

2.- Es steht fest und ist unbestritten, dass bisher beim Beschwerdeführer keine medizinischen Eingliederungsmassnahmen (an den Augen) im Sinne der Art. 12 oder 13 IVG durchgeführt worden sind und insofern die Voraussetzungen für die Zusprechung von Kontaktlinsen als Hilfsmittel gestützt auf Ziff. 7.02* HVI Anhang nicht erfüllt sind. Trotzdem besteht nach Auffassung des kantonalen Gerichts eine (masslich beschränkte) Leistungspflicht der Invalidenversicherung für die zur Korrektur der Kurzsichtigkeit notwendigen Kontaktlinsen. Es bestehe, so die Vorinstanz, insofern eine echte Lücke im Gesetz und den dazugehörigen Vollziehungsverordnungen, als die Anspruchsberechtigung von Versicherten nicht geregelt werde, die wegen eines Geburtsgebrechens Hilfsmittel benötigten, auf die sie gemäss Art. 21 IVG und der Hilfsmittelverordnung eigentlich keinen Anspruch hätten (hier mangels einer medizinischen Eingliederungsmassnahme an den Augen). Diese Lücke sei unter Rückgriff auf die ratio legis der Art. 12 f. IVG zu füllen. Gegenstand der medizinischen Massnahmen im Sinne dieser Bestimmungen seien u.a. die Geburtsgebrechen und die in ihren Symptomenkreis fallenden Folgeleiden und Begleiterscheinungen. Die Unmöglichkeit, wegen der fehlenden Ohrmuschel rechts eine Brille zu tragen, sei Folge der Atresia auris congenita, eines Geburtsgebrechens also, sodass die Invalidenversicherung für die dadurch entstehenden Mehrkosten der Korrektur der Kurzsichtigkeit durch Kontaktlinsen aufzukommen habe. Demgegenüber verneint das Verwaltungsgerichtsbeschwerde führende Bundesamt das Vorliegen einer vom Gericht zu füllenden echten Lücke. Vielmehr soll offensichtlich nach dem gesetzgeberischen Willen Anspruch auf Abgabe von Kontaktlinsen lediglich im Rahmen des Hilfsmittelrechts (Art. 21 IVG samt Hilfsmittelverordnung und dazugehörigem Anhang) bestehen. Im Sinne der Vorinstanz in Fällen wie dem vorliegenden einen Anspruch auf Übernahme der Mehrkosten, welche die Korrektur mit Kontaktlinsen verursache, zu bejahen, käme auch einer Benachteiligung all jener Versicherten gleich, die wegen eines Augenleidens, u.a. Refraktionsanomalien, ebenfalls Kontaktlinsen benötigen, die gesamten Kosten hiefür wegen fehlendem Geburtsgebrechen aber selber bezahlen müssten. Im Übrigen sei beim Versicherten eine Aufbauplastik der Ohrmuschel vorgesehen, nach deren Abschluss das Tragen einer Brille (wieder) möglich sei.