Citation: 5D_213/2015 E. 3.10

3.10. Zulasten der Beschwerdeführerin falle schliesslich auch ins Gewicht, dass das Bezirksgericht wiederholt Vergleichsvorschläge unterbreitet habe, denen die Frau zugestimmt habe, obschon diese Vorschläge ihr bisweilen markant gravierendere Zugeständnisse abgenötigt hätten, als sie letzten Endes durch das angefochtene Urteil Abstriche an ihren Prozessanträgen hinnehmen musste. Demgegenüber habe der Mann keine Kompromissbereitschaft erkennen lassen und den oftmals zu seinen Gunsten ausgefallenen Konventionsentwürfen eine Absage erteilt, weil diese nicht seinen Maximalforderungen entsprochen hätten. Freilich seien weder die Parteien noch deren Rechtsvertreter gehalten, jeden gerichtlichen Vergleichsvorschlag widerspruchslos zu akzeptieren, nur um das Verfahren so schnell wie möglich unter Vermeidung jeglichen unnötigen Aufwands zum Abschluss zu bringen. Trotzdem obliege es den Rechtsbeiständen, ihre mit unentgeltlicher Rechtspflege prozessierende Klientschaft - gerade in familienrechtlichen Verfahren, die sich durch mannigfaltige Unwägbarkeiten auszeichnen - zu realistischen Vorstellungen anzuhalten und sie nicht vorbehaltlos in einmal gefassten, kaum aussichtsreichen Positionen zu bestärken. Rücke ein Mandant trotz Abratens seines Rechtsvertreters nicht von unrealistischen Forderungen ab, habe es der Mandant zu verantworten, wenn der Rechtsvertreter aussichtslose Rechtsbegehren nicht unter Ausschöpfung aller prozessual denkbaren Optionen zu erstreiten suche und seinen Arbeitsaufwand diesbezüglich auf ein Minimum beschränke.