Citation: 2C_886/2020 E. 3.2.3

3.2.3. Das harmonisierte Steuerrecht von Bund, Kantonen und Gemeinden beruht im Bereich der natürlichen Personen auf dem Reinvermögenszugangsprinzip ("théorie de l'accroissement du patrimoine" bzw. "imposition du revenu global net"; BGE 146 II 6 E. 4.1 S. 9; 146 II 97 E. 2.2.1 S. 99). Beim Vermögenszugang oder Vermögenszufluss handelt es sich um einen faktischen Vorgang. Er tritt ein, falls und sobald die steuerpflichtige Person die rechtliche Verfügungsmacht über die zugegangenen Vermögenswerte erlangt. Der Rechtserwerb kann sich als Forderungs- (obligatorisches Recht) oder Eigentumserwerb (dingliches Recht) darstellen. Auch blosse Gutschriften, die der Auszahlung der Leistung vorangehen oder als Alternative zu dieser bestehen, fallen unter die echten (und nicht bloss fiktiven) Erträge. Sie gelten als Vermögenszufluss, selbst wenn sie begrifflich von keinen Liquiditätsfolgen begleitet sind. Gutschrift und Auszahlung stellen nur unterschiedliche Modalitäten des Bezugs dar (Urteil 2C_342/2016 / 2C_343/2016 vom 23. Dezember 2016 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Diese Überlegungen treffen insbesondere auf den Bereich des Privatvermögens einer natürlichen Person zu, die als solche nicht buchführungspflichtig ist (Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2. Aufl. 2019, N. 18 f. und insb. 20 zu Art. 16 DBG; ähnlich Yves Noël, in: Yves Noël/Florence Aubry Girardin [Hrsg.], Commentaire romand, LIFD, N. 27 zu Art. 16 DBG; Markus Weidmann, Einkommensbegriff und Realisation, 1996, S. 204).