Citation: U 188/03 26.07.2004 E. 3

3.1 Verwaltung und Vorinstanz stützten sich bei der Festlegung des Integritätsschadens auf die Beurteilung durch den Neurologen Dr. med. Z.________, Leitender Arzt Neurorehabilitation der Klinik B.________, vom 17. August 1999, 7. August 2000 und 10. Juni 2002 ab. Im vorinstanzlichen Entscheid sind die Expertenaussagen und die vom Beschwerdeführer dagegen erhobenen Einwände ausführlich und richtig wiedergegeben worden. Darauf wird ebenfalls verwiesen. 3.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird es als "Widerspruch in sich" bezeichnet, dass bei einer vom Arzt beschriebenen starken bzw. ganz erheblichen Beeinträchtigung der Gehfähigkeit nicht von einer schweren Paraparese ausgegangen wird, sondern nur von einer leichten bis mässigen, denn die nächste Stufe einer starken Funktionsbeeinträchtigung sei der vollständige Funktionsverlust, d.h. hier die Paraplegie. Der Experte hat diesen "Widerspruch" bereits in seiner Stellungnahme vom 10. Juni 2002 aufgelöst, als er im Einspracheverfahren zu Recht darauf hinwies, dass sich die Schwere einer Parese an der Funktion misst, die noch möglich ist. Er erläuterte, dass dem Beschwerdeführer im Gegensatz zur Situation bei Paraplegie ganz wesentliche Teilfunktionen mit Einschränkungen verblieben sind, so die aktive willkürliche Kontrolle der Blase, die Sexualfunktion, die Darmfunktion und die Gehfunktion, auch wenn die Letztere ganz erheblich beeinträchtigt ist. Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass gerade die - wenn auch sehr beschränkte - Gehfähigkeit eine im Vergleich zur Paraplegie massgeblich erhöhte Selbstständigkeit und Mobilität im Alltag bewirkt. Denn dass dem Beschwerdeführer eine verwertbare Restgehfähigkeit verblieben ist, zeigt sich auch daran, dass er den Vorschlag ablehnte, einen epiduralen Dauerkatheter mit der Möglichkeit einer Baclofen-Applikation einzulegen. Dies hätte ihm wahrscheinlich eine deutliche Schmerz- und Spastikverminderung gebracht, aber für die Dauer des medikamentösen Wirkungszeitraums auch den sicheren Verlust der Restgehfähigkeit. 3.3 Wenn der Beschwerdeführer im besagten Zusammenhang des Weitern geltend macht, die Erhöhung der Integritätsentschädigung rechtfertige sich dadurch, dass er an sehr starken und therapieresistenten Dauerschmerzen leide, so ist zu berücksichtigen, dass auch Querschnittgelähmte häufig unter Schmerzen und Spasmen leiden, und dies als "Funktionshemmer" bei der tabellarischen Festsetzung des Integritätsschadens mitberücksichtigt wurde. Darum wies Dr. med. Z.________ in seiner Stellungnahme vom 17. August 1999 auch darauf hin, dass sich bei seiner globalen Schätzung des Integritätsschadens auf 60 % anhand der SUVA-Tabellen die beiden Hauptkomponenten "Funktionseinschränkung(en)" ("30 - 35 % im Vergleich zur Paraplegie mit 90 %") und "Schmerzintensität" ("ca. 30 % im Vergleich zur sehr schmerzhaften Wirbelsäulenaffektion mit 50 %") überdecken. Damit vermied er eine kumulierte Gewichtung des "Funktionshemmers" Schmerz bei der Bewertung des Integritätsschadens. 3.4 Auch ist der Vorinstanz und dem Experten darin beizupflichten, dass die beim Beschwerdeführer infolge der Paraparese eingeschränkt vorhandene Sexualfunktion nicht mit dem Verlust der Sexualfunktion bei Paraplegie gleichgesetzt werden kann, selbst wenn die Fortpflanzungsfähigkeit des Querschnittgelähmten noch erhalten bleibt. Der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erneut erhobene Vorwurf, Dr. med. Z.________ habe verkannt, dass bei Querschnittsgelähmten die Sexualfunktion nicht vollständig entfalle, dringt nicht durch. In der im vorinstanzlichen Entscheid im Wortlaut aufgeführten Beurteilung vom 7. August 2000 hat der Arzt die nötigen Differenzierungen und Abgrenzungen bereits erläutert. 3.5 Was die vom Beschwerdeführer als schadenerhöhend angesprochenen dauerhaften Depressionen anbelangt, hat die Vorinstanz schon dargelegt, dass beim Beschwerdeführer bisher noch von keinem Arzt eine psychische Schädigung diagnostiziert wurde. Der Hausarzt Dr. med. W.________, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, hielt im Bericht vom 10. Mai 2002 zwar fest, dass der Patient immer wieder depressive Züge zeige, bis anhin aber diesbezüglich keine Therapie notwendig gewesen sei. Die von der Psychologin Frau lic. phil. G.________ seit längerer Zeit im Abstand von jeweils zwei Monaten durchgeführte Behandlung dient der mentalen Entspannung zur Milderung des chronischen Schmerzes. Für die Therapeutin ist die Weiterführung indiziert, weil der Patient bedingt durch die Schmerzen immer wieder unter Depressionen leide (Bericht vom 10. Mai 2002). Bereits in ihrem Bericht vom 19. Dezember 2000 diagnostizierte sie eine reaktive Depression mit wellenförmigem Verlauf. Wie die Vorinstanz zu Recht befunden hat, ist damit die von der Rechtsprechung geforderte Dauerhaftigkeit der psychischen Schädigung nicht erstellt (BGE 124 V 36 Erw. 4). 3.6 Auch zum Einwand des Beschwerdeführers, bei der Bemessung der Integritätsentschädigung seien zusätzlich Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen und eine schnell auftretende Müdigkeit zu berücksichtigen, hat Dr. med. Z.________ sich bereits im Einspracheverfahren geäussert und dazu erklärt, dass solche Beeinträchtigungen typische Begleiterscheinungen von erheblichen chronischen Schmerzen seien und diese nicht parallel nochmals zusätzlich abzugelten sind (Bericht vom 10. Juni 2002). Für den Beschwerdeführer ist diese Begründung nicht korrekt, weil gemäss der Skala in Anhang 3 der UVV Beeinträchtigungen von psychischen Teilfunktionen wie Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit mit 20 % zu entschädigen seien. Dies kann hier offen bleiben, denn wie die Vorinstanz in der Vernehmlassung zu Recht eingewandt hat, findet sich für solche Beschwerden in den medizinischen Unterlagen keine Grundlage, sondern werden neuropsychologische und auch psychische Auffälligkeiten ausdrücklich verneint (vgl. Bericht Dr. med. A.________, Facharzt FMH für Neurologie, vom 19. Dezember 1997; Berichte der Klinik B.________ vom Februar 1999; Berichte Dr. med. W.________ vom 7. November 2000 und 10. Mai 2002). Nur die Psychologin Frau lic. phil. G.________ gibt in ihrem Bericht vom 10. Mai 2002 an, der Beschwerdeführer könne sich auf keine Tätigkeit länger konzentrieren. Als Grund dafür gibt sie aber nicht eine psychische Funktionsstörung an, sondern den Umstand, dass der Beschwerdeführer schmerzbedingt nur eine halbe Stunde aufrecht sitzen könne.