Citation: I 610/02 06.05.2003 E. 2.6

2.6.1 Findet sich ein Leiden nicht auf der Liste der Geburtsgebrechen, besteht in der Regel auch dann kein Anspruch auf medizinische Massnahmen, wenn das Leiden auf ein in der Liste aufgeführtes Geburts-gebrechen zurückgeht. Die Rechtsprechung hat allerdings erkannt, dass sich ein Anspruch auf medizinische Massnahmen ausnahmsweise - und vorbehältlich der hier nicht zur Diskussion stehenden Haftung für das Eingliederungsrisiko nach Art. 11 IVG - auch auf die Behandlung sekundärer Gesundheitsschäden erstrecken kann, die zwar nicht mehr zum Symptomkreis des Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die Folge dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsgebrechen und dem sekundären Leiden muss demnach ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang be-stehen. Nur wenn im Einzelfall dieser qualifizierte ursächliche Zusammenhang zwischen sekundärem Gesundheitsschaden und Geburtsgebrechen gegeben ist und sich die Behandlung überdies als notwendig erweist, hat die Invalidenversicherung im Rahmen des Art. 13 IVG für medizinische Massnahmen aufzukommen (BGE 100 V 41 Erw. 1a; Pra 1991 S. 214). 2.6.2 Vorliegend lässt sich nicht sagen, dass die Leberzirrhose der Versicherten häufige Folge eines in der Liste aufgeführten Geburtsgebrechens sei. Jedenfalls ist kein qualifiziert adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem genannten Leiden und einem in der Liste erfassten Geburtsgebrechen ausgewiesen. Deshalb muss es sein Bewenden dabei haben, dass kein von der GgV erfasstes Leiden vorliegt, welches nach Art. 13 IVG die Leistungspflicht der IV für medizinische Massnahmen auszulösen vermöchte. 2.7 Schliesslich kann die Behandlung der Leberzirrhose, namentlich mittels Lebertransplantation, auch nicht unter Art. 12 IVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG übernommen werden. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, ist die Transplantation eine Behandlung des Leidens an sich. Mit dieser Operation wird die Funktion der Leber nicht substituiert, sondern wieder hergestellt. Nach dem Gesagten fällt die Behandlung des Leberleidens in den Bereich der Kranken- und nicht der Invalidenversicherung.