Citation: U 474/06 13.04.2007 E. 3

Streitig ist, ob die psychischen Beschwerden unfallbedingt und in natürlich kausaler Weise auf den versicherten Unfall vom 10. Juni 1984 zurückzuführen sind. Die Vorinstanz hat in einlässlicher Würdigung der medizinischen Akten den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den bestehenden urologischen Beschwerden verneint, was nicht mehr streitig ist. 3.1 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer an einer starken depressiven Störung und unter massiven Ängsten leidet. Hingegen verneint die Vorinstanz den natürlichen Kausalzusammenhang, weil bei psychischen Störungen die Wahrscheinlichkeit eines ursächlichen Zusammenhangs mit einem Unfall entsprechend dem zeitlichen Abstand zwischen diesem und dem Auftreten von Symptomen einer psychogenen Gesundheitsstörung abnehme, da das Unfallgeschehen in der Regel mit der Zeit verarbeitet und verkraftet werde. Aus diesem Grund seien bei einem zeitlich grösseren Intervall - im vorliegenden Fall fast 20 Jahre - die Anforderungen an den Wahrscheinlichkeitsbeweis strenger. 3.2 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird vorgebracht, es sei Sache der Mediziner, den natürlichen Kausalzusammenhang festzustellen, richterliche Vermutungen seien ungenügend, weshalb eine Begutachtung unumgänglich sei. 3.3 Dr. med. L.________ hatte in der kreisärztlichen Untersuchung vom 25. Oktober 1985 - über ein Jahr nach dem Unfall - lediglich leichte somatische Restbeschwerden im Bereich der Oberschenkelmuskulatur und der Knie diagnostiziert. 16 Jahre später konstatierte Dr. med. B.________er, dass das linke Hüftgelenk destruiert sei. Anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 12. Juni 2002 wurden ebenfalls nur somatische Beschwerden beschrieben. Obwohl der Versicherte regelmässig in ärztlicher Behandlung war, wurden erstmals mit Schreiben vom 26. Januar 2004 des lic. phil. W.________, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, eine depressive Störung und massive Ängste (F 32.2/F41.2) festgestellt. In diesem Schreiben und auch nachfolgend - die psychotherapeutischen Behandlungen dauerten bis zum 2. Dezember 2004 und der Einspracheentscheid erging erst am 28. April 2005 - vermied es der Fachpsychologe, die psychischen Beschwerden auf den Unfall zurückzuführen. Zwar ist richtig, dass die Beurteilung, ob ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen einem Unfall und den eingetretenen Gesundheitsschädigungen besteht, eine Tatfrage ist, über welche jedoch die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der Beweiswürdigung mit dem im Sozialversicherungsrecht herrschenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden haben. Hinsichtlich der Kausalität findet sich in den Akten keine eindeutige ärztliche Zuordnung der psychischen Beschwerden. Der psychische Befund wird als glaubwürdig bezeichnet, was für die Bejahung der Unfallkausalität indessen nicht genügt. Von zuverlässigen ärztlichen Angaben, welche die psychische gesundheitliche Beeinträchtigung auf den Unfall zurückführen würden, kann gestützt auf die medizinischen Unterlagen nicht gesprochen werden. Nach der Aktenlage und des Werdegangs des Versicherten - er arbeitete nach dem Unfall mehrere Jahre als selbstständiger Schreiner - ist demnach nicht überwiegend wahrscheinlich, dass zwischen dem versicherten Unfall und den knapp 20 Jahre später aufgetretenen psychischen Beschwerden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Unter Berücksichtung sämtlicher für die Beurteilung massgebenden Faktoren kann der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den vorhandenen Beschwerden und dem erlittenen Unfall nicht als mehr denn eine blosse Möglichkeit erscheinen, was für die Begründung einer Leistungspflicht der Unfallversicherung nicht genügt (Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts U 147/05 vom 8. Juni 2006 E. 5.3 und 5.5). Von weiteren medizinischen Abklärungen kann deshalb in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 122 V 157 E. 1d S. 162) abgesehen werden. 3.4 Auf Grund des Gesagten ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden zu verneinen, weshalb sich Erwägungen zur adäquaten Kausalität erübrigen.