Citation: 8C_539/2022 E. 3

Das kantonale Gericht hat die Bestimmung über den Unfallbegriff (Art. 4 ATSG) und die dazu ergangene Rechtsprechung (BGE 142 V 219 E. 4.3.1; 134 V 72 E. 2.2) zutreffend dargelegt. Zu ergänzen ist, dass das für die Qualifikation eines Ereignisses als Unfall vorausgesetzte Tatbestandsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nur dann erfüllt ist, wenn der äussere Faktor nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist (BGE 134 V 72 E. 4.1). Hervorzuheben ist, dass sich das Begriffsmerkmal nach der Definition des Unfalls nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors bezieht, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog (BGE 134 V 72 E. 4.3.1). Anzufügen ist, dass es bei einem Tinnitus praxisgemäss am Merkmal der Plötzlichkeit fehlt, wenn es zu einer längerdauernden Lärmexposition gekommen ist, und das Merkmal der Ungewöhnlichkeit selbst bei hoher Lautstärke je nach Anlass nicht ohne Weiteres bejaht werden kann (Urteil U 26/00 vom 21. August 2001 E. 2b und 2c). Hervorzuheben ist im Übrigen, dass der Tinnitus nicht als körperliches Leiden zu betrachten ist, sofern er nicht einer organischen Ursache zuzuordnen ist (BGE 138 V 248 E. 5.10; SVR 2015 MV Nr. 2 S. 3, 8C_96/2015 E. 3.4). Lässt sich der Tinnitus keiner organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge zuordnen, bedarf es einer gesonderten Prüfung des für die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten adäquaten Kausalzusammenhangs (BGE 142 V 435 E. 1; 129 V 177 E. 3.2; beim Tinnitus: BGE 138 V 248). Zu ergänzen ist schliesslich, dass sich der medizinische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfallbegriff im Sinne von Art. 4 ATSG deckt (BGE 134 V 72 E. 4.3.2.2; in BGE 130 V 380 nicht publ. E. 1 des Urteils U 199/03 vom 10. Mai 2004; RKUV 2003 Nr. U 485 S. 253, U 307/01 E. 5; RKUV 1996 Nr. U 253 S. 199 E. 4b; Urteil 8C_225/2019 vom 20. August 2019 E. 3.4). Richtig wiedergegeben wird im angefochtenen Urteil der Grundsatz, wonach der Entscheid im Falle der Beweislosigkeit zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 138 V 218 E. 6; Urteile 8C_282/2020 vom 3. September 2020 E. 6.1; 8C_307/2016 vom 17. August 2016 E. 5.3).