Citation: 4A_555/2022 E. 2.6

2.6. Das Gleiche gilt für das Rechtsmittelverfahren, bestimmt doch der Rechtsmittelkläger mit seinen Rechtsbegehren den Streitgegenstand vor der Rechtsmittelinstanz, der nicht identisch sein muss mit demjenigen vor der Erstinstanz. Für das Gericht und den Rechtsmittelbeklagten geht erst aus dem Rechtsbegehren des Rechtsmittelklägers hervor, welche Punkte des angefochtenen Entscheids angefochten sind bzw. wogegen sich der Rechtsmittelbeklagte zu verteidigen hat. So bildet das Berufungsverfahren ein eigenständiges Kontrollverfahren und nicht etwa eine Fortsetzung des erstinstanzlichen Verfahrens. Es ist beherrscht von der Dispositionsmaxime, indem der Berufungskläger mit seinem Begehren bestimmt, was bzw. welche Punkte des angefochtenen Entscheids Gegenstand dieses Kontrollverfahrens sind (vgl. Christoph Hurni, Zum Rechtsmittelgegenstand im Schweizerischen Zivilprozessrecht, 2018, S. 62). In der Berufung sind deshalb Rechtsbegehren zu stellen (BGE 137 III 617 E. 4.2). Wenn es sich - wie bei der Berufung - um ein reformatorisches Rechtsmittel handelt, muss ein Antrag in der Sache gestellt werden, der wiederum den Bestimmtheitsanforderungen und bei Geldforderungen dem Bezifferungsgebot genügen muss. Der Berufungskläger muss demnach grundsätzlich einen Antrag in der Sache formulieren, und zwar so, dass dieser im Falle der Gutheissung unverändert zum Urteil erhoben werden kann. Die in der Berufung zu stellenden Anträge in der Sache müssen somit bestimmt und im Falle von Geldforderungen beziffert sein (BGE 137 III 617 E. 4.3 und 6.1). Von diesem Erfordernis wird abgesehen, wenn die Rechtsmittelinstanz im Falle der Gutheissung lediglich kassatorisch entscheiden kann, namentlich mit Blick auf die erhobenen Rügen oder wenn ein erstinstanzlicher Nichteintretensentscheid angefochten ist (Urteile 4A_510/2022 vom 22. Dezember 2022 E. 3.2; 4A_207/2019 vom 17. August 2020 E. 3.2, nicht publ. in BGE 146 III 413; für die Beschwerde an das Bundesgericht: BGE 134 III 379 E. 1.3).