Citation: 5A_222/2021 E. 3.2.2

3.2.2. Zentrale Bedeutung mass die Vorinstanz dem Kindeswillen bei. Das Bezirksgericht habe den Sohn am 15. Januar 2020 angehört und sei zum Schluss gekommen, dass eine Obhutszuteilung an die Beschwerdegegnerin "dem eindeutigen Wunsch" des Sohnes entspreche. Der Beschwerdeführer habe gerügt, es sei weder "ein solcher Wille erkennbar, geschweige denn eindeutig". Gestützt auf die von der Beschwerdegegnerin im Berufungsverfahren neu eingereichten WhatsApp-Nachrichten erscheine glaubhaft, dass der Sohn den Beschwerdeführer derzeit nicht besuche und auch keine Besuche wünsche. Am 9. Dezember 2020 habe er sich gegenüber der Kantonspolizei Zürich dahingehend geäussert, dass er seinen Vater nicht sehen möchte. Er möchte aktuell nicht zu ihm. An diesem Verhalten habe die Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin den Sohn offensichtlich mehrfach zu Besuchen angehalten habe, nichts geändert. Das Verhalten des Sohnes sei vor dem Hintergrund, dass es dem Beschwerdeführer schwer falle, zwischen der Paar- und der Elternebene zu unterscheiden (er versuche, den Sohn dafür zu instrumentalisieren, dass die Eltern wieder zusammenkämen, bzw. ihn gegen sie "einzuschiessen" und sich selbst als Opfer darzustellen, und belaste ihn mit seinen eigenen Problemen im Zusammenhang mit der Trennung), und der Sohn sich von seinem Vater derzeit nicht ernst genommen fühle, zumindest nachvollziehbar. Auch wolle sich der Sohn offensichtlich nicht - wie von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagen - mit einer Therapeutin über seine Probleme mit dem Beschwerdeführer austauschen. Wolle er aber den Beschwerdeführer derzeit nicht einmal besuchen, könne ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass eine alternierende Obhut - selbst wenn ihm dieses Institut noch nicht bekannt sein sollte - nicht seinen Vorstellungen entspreche. Der Schlussfolgerung des Bezirksgerichts, dass der Sohn eine Obhutszuteilung an die Beschwerdegegnerin wünsche, sei damit beizupflichten. Eine erneute Kindesanhörung sei nicht angezeigt. Hinsichtlich der Frage der Obhutszuteilung sei ein zwölfjähriges Kind urteilsfähig. Damit komme dem Wunsch des Sohnes bei der Zuteilung der Obhut massgebliche Bedeutung zu. Gegen den von ihm geäusserten Willen solle nur entschieden werden, wenn das Kindeswohl dies erfordere. Der Beschwerdeführer erblicke in der alternierenden Obhut einen überwiegenden Vorteil zugunsten der Förderung des schulischen Fortkommens seines Sohnes. Er führe aus, aufgrund sinkender schulischer Leistungen jeweils am Dienstag- und Donnerstagabend die Aufgaben mit dem Sohn erledigt oder diese kontrolliert und auf den ersten Erfolg seiner Bemühungen hingewiesen zu haben. Die schulische Entwicklung seines Sohnes sei ein zentraler Teil des Kindeswohls. Dem Beschwerdeführer sei darin zuzustimmen, dass die schulischen Belange bei der Betreuung eines Kindes im Alter seines Sohnes an Bedeutung zunähmen. Offensichtlich könne sich der Sohn derzeit aber nicht auf den Beschwerdeführer einlassen. Er wolle ihn nicht sehen. Könne oder wolle der Sohn die Hilfe des Beschwerdeführers nicht annehmen, spiele es keine Rolle, ob dieser besser als die Beschwerdegegnerin dazu befähigt wäre, jenen schulisch zu unterstützen. Es scheine nicht im Interesse der schulischen Entwicklung und damit im Kindeswohl zu liegen, den Sohn dazu zu zwingen, gegen seinen Willen mit dem Beschwerdeführer für die Schule zu lernen. Diesfalls erscheine ein Stützunterricht durch eine externe Person, wie er offensichtlich für die Sommerferien 2020 anberaumt worden sei, erfolgversprechender.