Citation: 8C_823/2023 E. 10.4.3

10.4.3. Schranken erwachsen dem Verordnungsgeber im hier gegebenen Zusammenhang ausserhalb ohnehin verbotener Willkür und Ungleichbehandlung notwendigerweise dort, wo er mit seinen Bestimmungen gesetzliche Zwecke unterläuft. Das trifft hier für den vorinstanzlich beanstandeten Art. 26bis Abs. 3 IVV zu. Daran vermag auch die vom beschwerdeführenden Bundesamt verfochtene Gesamtsicht nichts zu ändern. Denn es verkennt, dass das aus verschiedenen Korrekturfaktoren bestehende Instrumentarium nicht derart angelegt und in sich abgestimmt ist, dass dem bei Verwendung lohnstatistischer Einkommenszahlen unbestrittenerweise bestehenden Korrekturbedarf in jedem Fall hinreichend entsprochen werden kann. Die Eliminierung der Abzugsfaktoren bis auf einen einzigen wird - anders gewendet - in der weiten Bandbreite möglicher Konstellationen nicht ausreichend kompensiert. So entfällt, wie gezeigt (vgl. E. 9.5.3.3), eine Korrektur, wo die Parallelisierung nicht zu greifen vermag, weil das Valideneinkommen den LSE-Zentralwert um weniger als 5 Prozent unterschreitet (Art. 26 Abs. 2 IVV) und wo zugleich beim Invalideneinkommen ein Abzug unterbleiben soll, weil eine Leistungsfähigkeit von mehr als 50 Prozent bescheinigt wird (Art. 26bis Abs. 3 IVV). Auch Art. 49 Abs. 1bis IVV schafft hier keine Abhilfe (vgl. E. 9.5.3.2), da es diese Bestimmung - bereits aufgrund des Wortlauts, aber auch von der Sache her - nicht gestattet, arbeitsmarktbedingte erwerbliche Gesichtspunkte in die ärztliche Bewertung einfliessen zu lassen. Soweit es medizinische Gründe einer Einschränkung gibt, sind diese selbstredend in die entsprechende Schätzung aufzunehmen, ohne dass sie danach nochmals im Rahmen des Abzugs zu berücksichtigen wären (BGE 148 V 174 E. 6.3; 146 V 16 E. 4.1 f.; Urteil 9C_339/2021 vom 27. Juli 2022 E. 4.5.2 am Ende; vgl. auch Traub, a.a.O., S. 322 am Ende). Genauso wie es auch Doppelverwertungen im Verhältnis zwischen Parallelisierung und Abzug zu vermeiden gilt (BGE 134 V 322 E. 5.2 und 6.2; Meyer/Reichmuth, a.a.O., N. 129 zu Art. 28a IVG).