Citation: 7B_115/2022 E. 3.2.2

3.2.2. Stirbt die geschädigte Person, ohne auf ihre Verfahrensrechte als Privatklägerschaft verzichtet zu haben, so gehen ihre Rechte auf die Angehörigen im Sinne von Artikel 110 Absatz 1 StGB in der Reihenfolge der Erbberechtigung über (Art. 121 Abs. 1 StPO). Als Angehörige einer geschädigten Person gelten ihr Ehegatte, ihre eingetragene Partnerin oder ihr eingetragener Partner, ihre Verwandten in gerader Linie, ihre vollbürtigen oder halbbürtigen Geschwister, ihre Adoptiveltern, ihre Adoptivgeschwister und Adoptivkinder (Art. 110 Abs. 1 StGB). Die Aufzählung in Art. 110 Abs. 1 StGB ist abschliessend und restriktiv auszulegen (BGE 148 IV 256 E. 3.1 mit Hinweis). Art. 121 Abs. 1 StPO ist nur auf natürliche Personen anwendbar (BGE 140 IV 162 E. 4.7.1; Urteil 6B_549/2013 vom 24. Februar 2014 E. 3.2.2). Die vom Gesetzgeber in Abs. 1 angestrebte Privilegierung der engsten Angehörigen eines verstorbenen Geschädigten (als rechtsnachfolgende Privatkläger im Straf- und Zivilpunkt) rechtfertigt sich sachlich aufgrund der verwandtschaftlichen bzw. lebenspartnerschaftlichen affektiven Nähe und Solidarität der betroffenen natürlichen Personen untereinander. Damit führt Abs. 1 nicht zu einer stossenden Ungleichbehandlung natürlicher und juristischer Personen (BGE 140 IV 162 E. 4.9.3 und Regeste).