Citation: I 480/06 05.01.2007 E. 3

Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente, insbesondere das Ausmass der körperlich und psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. 3.1 Unbestrittenermassen ist der Beschwerdegegner aufgrund seiner Lumboischialgie, Hüftbeugekontraktur und Retropatellararthrose nicht mehr in der Lage, die bisher ausgeübte, körperlich anspruchsvolle Tätigkeit als Fassaden-Isolateur fortzuführen. In Würdigung der medizinischen Akten, insbesondere gestützt auf das Gutachten des Dr. med. N.________ und des Dr. med. S.________, Orthopädische Universitätsklinik, Spital Y.________, vom 3. Oktober 2003 sowie auf das psychiatrische Gutachten der Frau Prof. Dr. med. R.________ und der Frau Dr. med. A.________, Psychiatrische Universitätspoliklinik, Spital Y.________, vom 18. März 2004 sind Vorinstanz und Verwaltung indes zum Schluss gelangt, dass dem Versicherten eine leichte, leidensadaptierte Tätigkeit in ständig wechselnder Position und einer maximalen Belastung von 5 kg aus orthopädischer Sicht ganztags mit ausreichenden Pausen zumutbar, aber angesichts der psychischen Beschwerden die Arbeitsfähigkeit um 25 % eingeschränkt ist. 3.2 Entgegen dem in der Vernehmlassung erhobenen Einwand ist die Frage der zumutbaren Leistungsfähigkeit mit Blick auf den hier massgebenden Zeitraum bis Einspracheentscheid am 27. Mai 2005 (BGE 131 V 407 Erw. 2.1.2.1) umfassend und ausreichend abgeklärt worden, weshalb insbesondere das ärztliche Zeugnis der Frau Dr. med. O.________, FMH Allgemeine Medizin, vom 15. August 2006 nicht in die Beurteilung miteinbezogen wird, zumal aussagekräftige psychiatrische Diagnosen im Recht liegen (BGE 130 V 398 ff. Erw. 5.3 und Erw. 6). Ebenso müssen die nachträglichen Eingaben mit den darin enthaltenen Ausführungen zu den Kniebeschwerden unberücksichtigt bleiben, da sie den Zeitraum nach dem Einspracheentscheid betreffen. Für den massgeblichen Beurteilungszeitraum berücksichtigt die medizinische Einschätzung des verbleibenden Leistungsvermögens in einer leidensangepassten Tätigkeit auch die im Vordergrund stehenden und geltend gemachten psychischen Beschwerden. Gemäss orthopädischem Gutachten vom 3. Oktober 2003 ist der Beschwerdegegner trotz der diagnostizierten Lumboischialgie, Hüftbeugekontraktur und Retropatellararthrose in einer leidensangepassten Tätigkeit ganztags arbeitsfähig. Die Ärzte halten ausdrücklich fest, die derzeitige Arbeitsunfähigkeit von 100 % sei unfallbedingt nicht erklärbar, sodann sei aus orthopädischer Sicht auch keine Besserung zu erwarten und eine leidensadaptierte Tätigkeit ganztags zumutbar. Dem psychiatrischen Gutachten ist die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4) mit einhergehendem emotionalem Konflikt beziehungsweise psychosozialer Belastungssituation seit der Übersiedlung seiner Ehefrau und Kinder in die Schweiz zu entnehmen. Es bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 75%ige Arbeitsfähigkeit, wobei die Minderung der Leistung aus somatischer Sicht berücksichtigt und eine Besserung bei adäquater Durchführung einer Therapie und entsprechender Motivation innert sechs bis zwölf Monaten erwartet werde. Angesichts der einlässlich, nachvollziehbar und überzeugend begründeten Stellungnahmen der Fachärzte in den Gutachten des Spitals Y.________ fällt beim Beschwerdegegner einzig die diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als Grund für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in Betracht. Diese Diagnose vermag nach den unter Erw. 2.2 hiervor dargelegten Grundsätzen über die invalidisierende Wirkung somatoformer Schmerzstörungen nur unter besonderen Voraussetzungen die - ausnahmsweise - Annahme einer rechtserheblichen Arbeitsunfähigkeit zu begründen: Bezüglich körperlich leichten Tätigkeiten besteht aus ärztlicher Sicht weder eine Einschränkung des funktionellen Leistungsvermögens, noch bestehen Anhaltspunkte dafür, dass sie eine ausgeprägte, die zumutbare Willensanstrengung negativ beeinflussende psychische Belastungssituation verursachen. Sodann geben die Angaben des Versicherten keine Indizien für einen schwerwiegenden, nahezu umfassenden sozialen Rückzug mit gleichsam apathischem Verharren in sozialer Isolierung. Ferner besteht im Lichte der Aktenlage kein Grund zur Annahme eines ausgeprägten, therapeutischen Krankheitsgewinns. Schliesslich gehen die Psychiater davon aus, dass bei einer adäquaten Therapie und aktiver Mitwirkung des Versicherten innert sechs bis zwölf Monaten mit einer Besserung zu rechnen ist. Nach dem Gesagten sprechen aus rechtlicher Sicht keine hinreichenden Gründe dafür, dass die psychischen Ressourcen es dem relativ jungen Versicherten (43-jährig) nicht erlaubten, trotz seiner Schmerzen eine leichte Tätigkeit in vollem Umfange auszuüben. Die von den Ärzten hervorgehobenen psychosozialen Belastungsfaktoren und die gesamten Umstände des Krankheitsgeschehens genügen mithin für eine rechtliche Anerkennung einer 25%igen Leistungseinbusse aus psychischen Gründen nicht. Entgegen der Vorinstanz ist von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen.