Citation: 4A_17/2023 E. 6.4

6.4. Das Handelsgericht konnte keinen relevanten Schaden ausmachen: In Bezug auf die im Hauptbegehren verlangte "Naturalrestitution" (Rückzahlung des Kaufpreises) führte die Vorinstanz aus, dass ein Schaden in der Höhe des Kaufpreises nur dann gegeben wäre, wenn die Beschwerdeführerin ohne das angeblich unerlaubte Handeln der Beschwerdegegnerin überhaupt kein Fahrzeug gekauft hätte. Nur in diesem Fall wäre - so das Handelsgericht - nach der Differenztheorie davon auszugehen, dass sie ohne das schädigende Ereignis im aktuellen Vermögen noch immer über den Kaufpreisbetrag verfügen könnte. In casu behaupte die Beschwerdeführerin jedoch nicht, dass sie gar kein Automobil erworben hätte. Ohnehin sei nach der allgemeinen Lebenserfahrung zu erwarten, dass sich die Beschwerdeführerin in Kenntnis der angeblichen Softwaremanipulation ein alternatives Fahrzeug angeschafft hätte. Ein Schaden entsprechend dem Betrag des Kaufpreises sei somit nicht dargetan. Auch ein Schaden in Höhe des vermeintlich zu hohen Kaufpreises ("Overcharge", Differenz zwischen dem bezahlten Kaufpreis und dem damaligen hypothetischen Preis bei Offenlegung aller Informationen) sei nicht ausgewiesen. Anders, als die Beschwerdeführerin meine, komme es nicht auf den "hypothetischen Wert des Fahrzeugs im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses", sondern auf den Wert des Automobils im Urteilszeitpunkt an. Dabei müsse berücksichtigt werden, dass das Fahrzeug seit der Inverkehrsetzung intensiv genutzt worden sei (Kilometerstand: 130'000 km). Wohl treffe zu, dass das Fahrzeug seit dem 30. Januar 2019 ausser Verkehr gesetzt sei. Doch liege dies daran, dass die Beschwerdeführerin das Software-Update nicht habe aufspielen lassen. Ein Schaden läge nur vor, wenn eine Differenz bestünde zwischen dem Wert des Fahrzeug mit aufgespieltem Software-Update und dem Wert, den ein Dieselfahrzeug vom gleichen Typ, das nicht vom "Diesel-Abgasskandal" betroffen sei, mit gleicher Laufleistung und gleichem Alter hätte. Derartige Ausführungen habe die Beschwerdeführerin indes unterlassen.