Citation: 4A_475/2022 E. 4.6

4.6. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen, die beantragten Steuerunterlagen (rechtskräftige Steuerveranlagungen der Jahre 2010-2019 von B.A.________ sel.) müssten nicht ediert werden. Hätte B.A.________ sel. den Betrag von Fr. 100'000.-- als Darlehen deklariert, stünden total Fr. 170'000.-- als Darlehenssumme im Raum. Daher könne sich die Vorinstanz nicht auf die letztwillige Verfügung berufen und ableiten, selbst wenn B.A.________ sel. den Betrag von Fr. 100'000.-- als Darlehen deklariert habe, hätte E.A.________ sel. ihr ohnehin sämtliche Darlehensforderungen erlassen. Denn diesfalls stünden Fr. 170'000.-- im Raum, während E.A.________ sel. (gemäss der vorinstanzlichen Argumentation) die Darlehenssumme in der letztwilligen Verfügung lediglich auf Fr. 70'000.-- beziffert habe. Eine Person, die einen erhaltenen Betrag als Darlehen deklariere, gehe nicht von einer Schenkung aus. Aufgrund der zutreffenden vorinstanzlichen Auslegung der letztwilligen Verfügung (vgl. hiervor E. 4.2 f.) ist davon auszugehen, dass E.A.________ sel. sämtliche ausstehenden Darlehensforderungen mit Fr. 70'000.-- bezifferte. Allein aus dem Wortlaut der letztwilligen Verfügung lässt sich aber - entgegen der Vorinstanz - nicht ableiten, E.A.________ sel. hätte sämtliche Darlehensforderungen erlassen, selbst wenn diese - entgegen seiner Annahme - mehr als Fr. 70'000.-- betragen würden. E.A.________ sel. beziffert die Darlehensforderungen in der letztwilligen Verfügung mit Fr. 70'000.-- und spricht für diese Summe, die aus seiner Sicht den noch ausstehenden Forderungen entspricht, einen Erlass aus. Wie er sich verhalten hätte, wenn die ausstehenden Darlehensforderungen entgegen seiner Annahme Fr. 170'000.-- betragen hätten, ergibt sich allein aus dem Wortlaut der letztwilligen Verfügung nicht. Ebenso wenig ergibt sich allein aus dem Text der letztwilligen Verfügung, dass die darin enthaltene Bezifferung der Darlehensforderungen mit Fr. 70'000.-- den effektiven Saldo der offenen Darlehensforderungen wiedergibt. Es ist allerdings zu beachten, dass es sich bei E.A.________ sel. gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen um einen Juristen und Rechtsanwalt handelt. Es ist nicht willkürlich, wenn die Vorinstanz in ihrem Entscheid im Ergebnis davon ausgeht, E.A.________ sel. als in rechtlichen Angelegenheiten erfahrener Rechtsanwalt habe die Höhe der (aus seiner Sicht) an B.A.________ sel. gewährten Darlehen in der letztwilligen Verfügung korrekt mit Fr. 70'000.-- beziffert. Selbst wenn also B.A.________ sel. die erhaltenen Fr. 100'000.-- in ihrer Steuererklärung als Darlehen deklariert hätte, würde dies - entgegen der Beschwerdeführerin - nicht bedeuten, dass E.A.________ sel. seiner Schwägerin B.A.________ sel. zu Lebzeiten ein (zusätzliches) Darlehen im Betrag von Fr. 100'000.-- gewährt hat. Zwar ergäbe sich daraus wohl immerhin, dass B.A.________ sel. ihrerseits auch betreffend den erhaltenen Fr. 100'000.-- - entgegen ihren Behauptungen in den vorinstanzlichen Verfahren - von einem Darlehen ausgegangen ist. Dies würde aber noch nicht implizieren, dass auch der damalige Wille von E.A.________ sel. auf die Ausrichtung eines Darlehens und nicht einer Schenkung gerichtet gewesen wäre. Dagegen spricht im Gegenteil, dass er als erfahrener Rechtsanwalt in seiner letztwilligen Verfügung selbst die ausstehenden Darlehensforderungen mit Fr. 70'000.-- beziffert hat. Ein Darlehensvertrag setzt insbesondere einen übereinstimmenden Willen der Parteien hinsichtlich der Rückzahlungsverpflichtung voraus (vgl. hiervor E. 4.1.1). Es würde vorliegend mithin nicht ausreichen, dass (allein) B.A.________ sel. von einem Darlehensvertrag ausgegangen ist. Nichts ändert, dass in diesem Falle von einem Dissens zwischen E.A.________ sel. und B.A.________ sel. auszugehen wäre, entspräche doch eine Rückerstattung des Betrages von Fr. 100'000.-- aus ungerechtfertigter Bereicherung ohnehin gerade nicht dem hypothetischen Willen von E.A.________ sel. Denn dieser ist - wie sich aus der Bezifferung der offenen Darlehen mit Fr. 70'000.-- willkürfrei ableiten lässt - nicht von einem Darlehen ausgegangen; er hatte mithin keinen Willen, die Fr. 100'000.-- zurückzuerhalten. Ferner ist diesbezüglich auch die vorinstanzliche Erwägung zu berücksichtigen, dass sich E.A.________ sel. auch gegenüber anderen Personen grosszügig gezeigt habe. Damit braucht auch nicht auf die Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 27. November 2020 eingegangen zu werden, wobei es ohnehin kein Bundesrecht verletzt, wenn die Vorinstanz von der Beschwerdeführerin verlangt, sie hätte im Rahmen ihrer Rüge eine Gehörsverweigerung durch die Erstinstanz angeben und darlegen müssen, welche Vorbringen sie mit dieser Stellungnahme ins Verfahren eingeführt hätte, und inwiefern diese erheblich gewesen wären. Zusammenfassend ist es im Ergebnis nicht willkürlich, wenn die Vorinstanz in antizipierter Beweiswürdigung auf die Edition der Steuerunterlagen von B.A.________ sel. verzichtet.