Citation: K 93/01 04.12.2001 E. 7

7.- Unbestritten und aus den Akten ersichtlich ist, dass die Beschwerdeführerin an einer Verlagerung der Eckzähne 13 und 23 leidet. So führte auch die Beschwerdegegnerin in ihren vorinstanzlichen Rechtsschriften, auf welche sie im Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren verweist, aus, die Versicherte leide an einer Zahnverlagerung (Vernehmlassung vom 20. April 2000 S. 5 Ziff. 2.4 und Schlussbemerkungen vom 5. Juli 2000 S. 2 Ziff. 1). An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass im vorinstanzlichen Entscheid die Begriffe "retiniert" und "verlagert" teilweise fälschlicherweise synonym verwendet werden. Während ein retinierter Zahn noch nicht durchgebrochen ist, steht ein verlagerter Zahn (ob retiniert oder durchgebrochen) ausserhalb der Zahnreihe. Mit der Bejahung der Verlagerung ist vorliegend die erste Voraussetzung der Leistungspflicht der sozialen Krankenversicherung gemäss Art. 17 lit. a Ziff. 2 KLV erfüllt. Streitig und zu prüfen bleibt, ob das Leiden auch Krankheitswert im Sinne dieser Bestimmung erlangt hat und somit die zweite Leistungsvoraussetzung erfüllt. Die Beschwerdeführerin war im Zeitpunkt, als Dr. med. dent. S.________ die massgebende Diagnose stellte und eine Behandlung als notwendig erachtete, 15 Jahre alt. Der Krankheitswert ist demzufolge nach den für die Dentition in Entwicklung geltenden Kriterien zu beurteilen. a) Der behandelnde Kieferorthopäde Dr. med. dent. S.________ hat in seinem Bericht vom 5. September 1997, mit welchem er den Kostenvoranschlag unterbreitet hatte, den Krankheitswert der verlagerten oberen Eckzähne 13 und 23 in der "Resorptionsgefahr für die benachbarten Zähne" gesehen. Der Vertrauenszahnarzt des Krankenversicherers, Dr. med. dent. H.________ hat in seinem Bericht vom 25. Juni 1999 zur Resorptionsgefahr gesagt, jeder retinierte Zahn stelle eine Verdrängungsgefahr für die benachbarten Zähne dar. Palatinal retinierte Eckzähne würden selten solche Resorptionen verursachen. ("Toute dent incluse comporte un risque de résorption pour les dents avoisinantes. Les canines incluses en position palatine provoquent rarement de telles résorptions. ") b) Nachdem die Krankenkasse im Einspracheentscheid vom 21. Februar 2000 an der Verneinung der Übernahme der Zahnbehandlungskosten durch die obligatorische Krankenversicherung festgehalten hatte, behauptete die von diesem Zeitpunkt an anwaltlich vertretene Versicherte im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren erstmals, beim verlagerten Eckzahn 23 habe sich zusätzlich ein "deutlich vergrössertes und zystisch verändertes Follikel" gebildet. Für den Bestreitungsfall liess sie um Einholung eines Obergutachtens ersuchen. Vor Einreichung der Vernehmlassung kontaktierte der Krankenversicherer nochmals den Vertrauenszahnarzt. Dr. med. dent. H.________ verneinte am 13. April 2000 das Bestehen einer Resorptionsgefahr benachbarter Zähne durch die Eckzähne 13 und 23. Ebenfalls verneinte er die Frage, ob er auf den Röntgenbildern ein zystisch verändertes Follikel beim Zahn 23 beobachtet habe. c) Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid befunden, die eindeutige Aussage des Dr. med. dent. H.________ sei nicht in Zweifel zu ziehen. Dieser habe weder eine Zystenbildung noch sonstwie pathologisches Begleitgeschehen an den Zähnen 13 und 23 festgestellt und darauf hingewiesen, dass Dr. med. dent. S.________ bei Bestehen einer Follikelbildung mit zystischen Veränderungen dies in der ursprünglichen Diagnose erwähnt hätte. Dr. med. dent. H.________ sei auch darin zu folgen, dass eine Resorption weder unmittelbar drohe noch sich bereits realisiere. Das blosse Vorhandensein einer Resorptionsgefahr - wie von Dr. med. dent. S.________ erwähnt - sei mit der Diagnose eines retinierten Zahnes bereits gegeben und für sich allein nicht leistungsauslösend.