Citation: 9C_337/2014 E. 5.2

5.2. Die Tochter und der Sohn des Beschwerdegegners fungierten nicht als Übersetzer. Insoweit weckt deren Anwesenheit bei der Untersuchung keine Bedenken, welche den Beweiswert des Gerichtsgutachtens entscheidend zu mindern vermöchten. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte, dass über die Erteilung von (fremdanamnestischen) Auskünften gegenüber dem Experten hinaus zwischen der Tochter bzw. dem Sohn und ihrem Vater Interaktionen bestanden. Immerhin kann eine Befangenheit des Beschwerdegegners in der Untersuchungssituation nicht gänzlich ausgeschlossen werden, etwa weil er sich dem Gerichtsgutachter so präsentieren musste, wie er es auch in der Familie tat, oder weil er gehemmt war, in Gegenwart der Tochter oder des Sohnes über seinen psychischen Gesundheitszustand und mutmassliche traumatisierende Ereignisse, insbesondere erlittene Folterungen, zu berichten (vgl. BGE 140 V 260 E. 3.2.4 S. 264). Es ist jedoch anzunehmen, dass dem Experten die dargelegte Problematik bewusst war und er ihr die notwendige Beachtung schenkte. Die Belehrung des Beschwerdegegners über sein Aussageverweigerungsrecht durch den Gerichtsgutachter stellt insofern einen Mangel dar, als es im Leistungsbereich der Invalidenversicherung kein solches Recht gibt. Im Gegenteil sind die Versicherten nach Art. 28 und 43 ATSG dazu verpflichtet, im Rahmen der Abklärung des Anspruchs auch und namentlich gegenüber Ärzten wahrheitsgetreue Angaben zu machen (vgl. Urteil 9C_258/2014 vom 3. September 2014 E. 4.4). Es ist fraglich, ob dem Beschwerdegegner mit dem Hinweis auf sein Aussageverweigerungsrecht indirekt zu verstehen gegeben wurde, er könne sagen, was er wolle, unzutreffende Aussagen machen bzw. schweigen, obwohl er von Gesetzes wegen verpflichtet gewesen wäre, die Wahrheit zu sagen, wie das BSV vorbringt. Die Frage kann offenbleiben, da nicht bereits deshalb dem Gerichtsgutachten der Beweiswert abgesprochen werden könnte. Der Versicherte bestreitet denn auch, von diesem (vermeintlichen) Recht Gebrauch gemacht zu haben. Der Gerichtsgutachter habe während der mehrstündigen Exploration keine Anhaltspunkte für eine Falschaussage, eine Simulation oder Aggravation ausmachen können. Insgesamt machen die geltend gemachten formellen Mängel allein das Gerichtsgutachten vom 12. November 2013 nicht unverwertbar.