Citation: 6S.127/2003 28.11.2003 E. 2

2.1 Die Vorinstanz legt dem Beschwerdeführer zur Last, aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Informationen habe er nicht mit Sicherheit ausschliessen dürfen, dass der Geschädigte den Kopf mit der möglichen Folge einer Hirnblutung angeschlagen habe. Auf die Schilderung des Unfallhergangs durch den Kollegen des Verunfallten habe er nicht vorbehaltlos abstellen dürfen. Als Folge seiner fehlerhaften Feststellungen habe der Beschwerdeführer den Geschädigten in die Obhut seiner Freundin entlassen mit der Instruktion, ihn im Hinblick auf die Gefahr der Aspiration von Erbrochenem zu beobachten, anstatt die erforderliche stationäre Überwachung im Spital anzuordnen. Durch dieses Fehlverhalten habe der Beschwerdeführer die Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Geschädigten mitverursacht. Dass er bei der Erstuntersuchung des Geschädigten die Prellmarke am Kopf nicht festgestellt, kein Röntgen bzw. keine Computertomographie angeordnet und mithin den von jenem erlittenen Schädelbruch übersehen hat, wirft ihm die Vorinstanz hingegen ausdrücklich nicht vor. Die Vorinstanz stützt sich im Wesentlichen auf das vom Untersuchungsrichter in Auftrag gegebene Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen (IRM St. Gallen) vom 12. Oktober 2000. Dieses gelangt zum Schluss, der Beschwerdeführer habe in der gegebenen Ausgangslage - Alkoholisierung des Geschädigten und konkreter Sturzverdacht - nicht die richtigen Massnahmen ergriffen. Ausserdem habe er, indem er das Notfallprotokoll des Rettungsdienstes nicht beachtet habe, keine vollständige Anamnese (Vorgeschichte) durchgeführt (Gutachten, act. 82, S. 7/8). 2.2 Das Bezirksgericht Schwyz nahm demgegenüber an, der Beschwerdeführer habe vom Unfallgeschehen ausgehen dürfen, wie es ihm vom Kollegen des Verletzten geschildert worden sei. Die durchgeführten medizinischen Untersuchungen hätten kein anderes Ergebnis aufgedrängt. Das gesamte Verhalten des Geschädigten und alle erhobenen medizinischen Daten hätten einzig und allein auf den übermässigen Alkoholkonsum hingedeutet. Das Bezirksgericht gelangte daher zum Schluss, aufgrund der klaren und glaubwürdigen Fremdanamnese und den damit korrespondierenden Ergebnissen der medizinischen Untersuchung erscheine die vom Beschwerdeführer gestellte Diagnose einer Alkoholintoxikation als nachvollziehbar und entsprechend seinem damaligen Kenntnisstand als sorgfältig. Das Bezirksgericht folgte dabei der zuhanden des Bezirksamts Schwyz abgegebenen schriftlichen Stellungnahme des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich-Irchel (IRM Zürich) vom 2. Dezember 1999, nach welcher der Anamnese in der notfallärztlichen Tätigkeit eine entscheidende und triagierende Bedeutung zukomme. Es wäre widersinnig und kaum vertretbar, bei jedem Patienten im Wissen um die Möglichkeit einer mangelhaften Anamnese die ganze zur Verfügung stehende "Medizinmaschinerie" in Gang zu setzen. Dem Notfallarzt müsse innerhalb vertretbarer Grenzen eine Gewichtung der erhobenen Befunde und der erhaltenen Informationen entsprechend seinem persönlichen Erfahrungsschatz zugestanden werden (Stellungnahme des IRM Zürich, act. 34, S. 3).