Citation: I 284/01 10.04.2002 E. 3

3.- a) Die Vorinstanz erwog, in den Akten werde zwar mehrfach angeführt, die Mutter des Beschwerdegegners sei mit dessen Betreuung überfordert. Dies hänge möglicherweise mit ihrer Polytoxikomanie zusammen, die während der Schwangerschaft bestand. Nähere Angaben zur familiären Situation fehlten indes, weshalb nicht beurteilt werden könne, inwieweit diese Umstände einer ambulanten Durchführung der Physiotherapie entgegen stünden. Zudem werde nicht restlos klar, ob der Heimaufenthalt nur - oder wenigstens überwiegend - dazu diene, die Physiotherapie zu ermöglichen, oder ob der Beschwerdegegner ohnehin, unabhängig von der laufenden Behandlung, in einem Heim untergebracht werden müsste. Die IV-Stelle habe deshalb diese Punkte vorweg ergänzend abzuklären, bevor sie über das Gesuch um Kostenübernahme für den Aufenthalt im Kinderheim neu zu befinden habe. Demgegenüber vertritt die Beschwerdeführerin die Auffassung, der Sachverhalt sei mit Blick auf die ärztlich verordnete Physiotherapie im Rahmen der Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 395 GgV-Anhang, welche die IV-Stelle mit rechtskräftiger Verfügung als medizinische Massnahme übernommen habe, umfassend und ausreichend abgeklärt worden. Da diese physiotherapeutische Massnahme weder einen Aufenthalt in einer Kranken- oder Kuranstalt noch in der vom BSV anerkannten Sonderschule Kinderheim Z.________ erfordere, sei die verfügte Ablehnung der Kostenübernahme für diesen Heimaufenthalt zu Recht erfolgt. b) IV-Stelle und BSV weisen zutreffend darauf hin, dass es sich beim genannten Kinderheim um eine anerkannte Sonderschule und nicht um eine Heilanstalt (Kranken- oder Kuranstalt) im Sinne von Art. 14 Abs. 2 IVG handle. Das Kinderheim bietet einerseits Sonderschulunterricht für Geistigbehinderte (mit Mindestalter von vier Jahren) an, die auf den Besuch einer Sonderschule vorbereitet werden, und anderseits pädagogisch-therapeutische Massnahmen zum Spracherwerb (Sprachanbahnung) und Sprachaufbau für hochgradig Geistigbehinderte. Obwohl das BSV in seiner Vernehmlassung vom 26. Juni 2001 auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, weist es darauf hin, die IV-Stelle werde in Bezug auf den Heimaufenthalt des Beschwerdegegners noch zu prüfen haben, ob diesem ein Kostgeldbeitrag von Fr. 56.- gemäss Art. 13 Abs. 1 IVV zu gewähren sei. Fest steht im vorliegenden Fall, dass der Beschwerdegegner durch die leichten cerebralen Bewegungsstörungen mit Tetraspastizität beeinträchtigt ist, was zur Folge hat, dass er regelmässige Physiotherapie benötigt. Weiter ist aktenkundig, dass er voraussichtlich ab Herbst 1999 heilpädagogische Frühförderung benötigen wird. Anlässlich der psychomotorischen Entwicklungs-Untersuchung vom 26. November 1999 des damals gut dreizehn Monate alten Beschwerdegegners durch Dr. med. C.________ schätzte dieser den gesamtmotorischen Entwicklungsstand auf die vergleichbare Altersstufe eines gesunden sieben- bis achtmonatigen Kindes. Zwar ist dem Gesuch des behandelnden Kinderarztes Dr. med. F.________ vom 18. Oktober 1999 um Kostenübernahme für den Aufenthalt im Kinderheim kein expliziter Hinweis auf die zuvor bereits durch Dr. med. B.________ erwähnte voraussichtliche Erforderlichkeit von heilpädagogischen Früherziehungsmassnahmen ab Herbst 1999 zu entnehmen. Statt dessen verwies Dr. med. F.________ auf offensichtlich ebenfalls vorhandene psychosoziale Gründe für die Heimeinweisung, da die Mutter die nötige Pflege und Förderung zumindest vorübergehend nicht mehr habe erbringen können. Trotzdem wäre die IV-Stelle unter angemessener Mitberücksichtigung der Arztberichte der Dres. med. B.________ und C.________ im Rahmen des im Sozialversicherungsrecht herrschenden Untersuchungsgrundsatzes (BGE 125 V 195 Erw. 2) gehalten gewesen, die beantragte Kostenübernahme in Bezug auf den Heimaufenthalt nicht nur unter dem Gesichtspunkt der - auch ambulant durchführbaren - Physiotherapie, sondern auch im Hinblick auf die im Kinderheim tatsächlich angebotene heilpädagogische Früherziehung im Sinne von Art. 10 Abs. 2 lit. c IVV zu prüfen. c) Gestützt auf die vorliegenden Akten kann nicht beurteilt werden, welche konkreten Massnahmen (nebst Physiotherapie) der Aufenthalt im Kinderheim (seit 11. Oktober 1999) umfasst. Weiter fehlen Angaben dazu, in welcher Form und in welchem Ausmass sowie ab welchem Zeitpunkt der Beschwerdegegner konkret pädagogisch-therapeutischer Massnahmen bedarf. IV-Stelle und BSV vermögen demnach mit Ihren Vorbringen gegen den vorinstanzlichen Rückweisungsentscheid nicht durchzudringen. Da der Aufenthalt im Kinderheim vorliegend auch aus anderen (nämlich pädagogisch-therapeutischen Gründen) als den bisher aktenkundig geprüften Gründen erforderlich geworden sein kann, wie dies verschiedene Ärzte bereits ausdrücklich empfohlen hatten, ist der Sachverhalt im Sinne der vorinstanzlichen und vorliegenden Erwägungen durch die IV-Stelle näher abzuklären. Nach entsprechender Aktenergänzung wird sie über die geltend gemachte Kostenübernahme - oder gegebenenfalls auch nur einen Kostenanteil - an den Aufenthalt des Beschwerdegegners im Kinderheim neu verfügen. Unter Berücksichtigung des Gesagten ist der angefochtene Entscheid, womit die Vorinstanz die Sache an die IV-Stelle zu ergänzenden Sachverhaltsabklärungen zurückwies, nicht zu beanstanden.