Citation: I 430/02 19.11.2003 E. 5

Die MEDAS-Gutachter haben unter "Beurteilung der Arbeitsfähigkeit" Folgendes festgestellt: "Infolge des Drogenkonsums besteht serologisch ein Status nach Hepatitis A und B und eine chronische Hepatitis C (gemäss vorliegen-dem Labor vom Januar 1999). Die vom Exploranden als Hauptbeschwerde beklagte Müdigkeit könnte mit einiger Wahrscheinlichkeit auf die Hepatitis C zurückzuführen sein, ist mindestens bei dieser Erkrankung bei 60 - 70 % beschrieben. Auch die im Verlauf des Morgens zunehmende Müdigkeit mit Notwendigkeit zum Schlafen über Mittag würde für eine somatische Ursache passen. Aktuell halten wir den Exploranden aus medizinischen Gründen für lediglich ca. 30 % AF, d.h. während 2-3 Stunden täglich. Ob die psychische Situation stabil genug wäre, um eine Umsetzung dieser AF in der Praxis auch zu bewerkstelligen, bleibt dahingestellt. Etwas schwieriger einzuschätzen ist die Stabilität des Exploranden in Bezug auf die von uns vorgeschlagenen medizinischen Massnahmen. Der Explorand macht einen cleveren, manchmal auch schlauen Eindruck, ist teils recht fordernd, wobei die Kooperationsbereitschaft, und die Bereitschaft zur aktiven eigenen Mitarbeit an einer Massnahme mindestens fraglich ist. Dies zeigt sich auch in den bisher immer frustranen Versuchen des Hausarztes, den Exploranden zu einer psychotherapeutischen Betreuung zu bewegen, und in den doch immer wieder vorgekommenen Rückfällen in den Drogenkonsum, weshalb eine Behandlung der Hepatitis bis anhin nicht in Angriff genommen werden konnte. In der Haltung des Exploranden kommt eine gewisse Selbstüberschätzung zum Ausdruck. Somit kann aktuell nicht davon ausgegangen werden, dass eine genügende Stabilität vorhanden ist, um eine berufliche Massnahme durchzuführen. Wenn überhaupt eine Möglichkeit bestehen soll, den Exploranden erfolgreich in den Arbeitsprozess zurückzuführen, müssten u.E. folgende Massnahmen der Reihe nach durchgeführt werden. Als erstes, und als Grundlage und Voraussetzung für alle anderen Massnahmen, müsste eine - sicher während der Dauer der anderen Massnahmen andauernde - psychotherapeutische Betreuung durch einen erfahrenen Psychiater, ggf. mit medikamentöser Unterstützung erfolgen. Danach, und bei gesicherter Drogenabstinenz, müsste die Hepatitis C an einem Zentrum, z.B. KS Aarau, abgeklärt werden mittels Labor und Biopsie, um die Möglichkeit einer Therapie abzuschätzen und diese einzuleiten. Erst nach Einleitung und bei Erfolg einer solchen Therapie sind berufliche Massnahmen überhaupt sinnvoll. Diese sollten zunächst in der Form einer Berufsberatung und einer/s Arbeitsabklärung/-trainings durchgeführt werden, um das weitere Procedere festlegen zu können und Aufschluss über die Leistungsbereitschaft und Konstanz des Exploranden zu gewinnen." Zusammenfassend haben sich die Gutachter wie folgt geäussert: "Der Explorand leidet an einer chronischen Müdigkeit, die möglicher-weise in Zusammenhang mit einer chronischen Hepatitis C steht. Daneben besteht ein chronischer Methadon-Konsum bei St. n. jahre-langem Drogenabusus. Aktuell besteht eine Arbeitsfähigkeit von ca. 30 %. Vordringlichste Massnahme ist eine psychotherapeutische Betreuung, Drogenabstinenz und anschliessend Behandlung der Hepatitis C. Erst danach kommen allfällige berufliche Massnahmen in Betracht. Die Einschränkung der AF ist direkt/indirekt suchtbedingt." Aus diesen Angaben ist, entgegen der Auffassung der Vorinstanz, mit aller Deutlichkeit zu schliessen, dass auf Grund des Gesundheits-zustandes seit Langem keine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsfähigkeit besteht. Bevor sich daran etwas ändert, müssen zunächst die von den Gutachtern erläuterten Vorkehrungen in die Wege geleitet werden. Zu deren Durchführung ist der Beschwerdeführer verpflichtet (BGE 113 V 28 Erw. 4a mit Hinweisen). Nichtsdestotrotz steht ihm bis dahin auf Grund der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit die ganze Rente zu (BGE 121 V 192 Erw. 4c, 116 V 92 Erw. 4). Einem allfälligen Widerstand hat die Verwaltung mit dem Mahn- und Bedenkzeitverfahren nach Art. 31 IVG (BGE 122 V 219 f. Erw. 4b) zu begegnen.