Citation: 5A.1/2001 19.04.2001 E. 7

7.- Gemäss Art. 4 Abs. 1 Satz 2 PAVO bedarf einer Bewilligung, wer ein ausländisches Kind, das bisher im Ausland gelebt hat, zur späteren Adoption aufnehmen will und das Kind noch nicht 18 Jahre alt ist. Nach Art. 5 Abs. 1 PAVO darf die Bewilligung nur erteilt werden, wenn die Pflegeeltern und ihre Hausgenossen nach Persönlichkeit, Gesundheit und erzieherischer Eignung sowie nach den Wohnverhältnissen für gute Pflege, Erziehung und Ausbildung des Kindes Gewähr bieten und das Wohl anderer in der Pflegefamilie lebender Kinder nicht gefährdet wird. Weiter setzt Art. 5 Abs. 2 PAVO voraus, dass der Adoption keine gesetzlichen Hindernisse entgegenstehen und die gesamten Umstände, namentlich die Beweggründe der Pflegeeltern, erwarten lassen, die Adoption diene dem Kindeswohl. a) Hierzu hat die Vorinstanz gestützt auf das Gutachten der Erziehungsberatung Y.________ im Wesentlichen erwogen, dass es mit dem Kindeswohl nicht vereinbar sei, wenn der Knabe länger von den Philippinen und seiner Familie getrennt bleibe. Seine emotionale Entwicklung müsse bei einem Verbleib in der Schweiz langfristig als gefährdet erachtet werden; es entspreche auch dem inneren, wenn auch nicht direkt geäusserten Willen des Knaben, zu seiner Familie zurückzukehren. Das Gutachten stelle nicht einfach auf die Wünsche des Knaben ab, sondern habe umfassend geprüft, was unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohles die beste Lösung für den Knaben sei. Dabei könnten die materielle und soziale Sicherheit nicht die alleinigen Kriterien darstellen. Der Anspruch eines jeden Kindes, bei seinen Eltern aufzuwachsen, habe als fundamentaler Grundsatz zu gelten. Auch wenn die Mutter des Knaben zur Zeit aus beruflichen Gründen ausserhalb der Heimat weile, könne nicht davon ausgegangen werden, die Familie sei nicht intakt. R.E.________ sei kein Kleinkind mehr; vor seiner Einreise in die Schweiz sei er in seiner Grossfamilie mit seinem Bruder, an dem er sehr zu hängen scheine, und mit seinen Cousins und Cousinen gut aufgehoben und geborgen gewesen und werde es auch im Falle einer Rückkehr wieder sein. b) Mit diesen Erwägungen setzen sich die Beschwerdeführer nicht näher auseinander. Sie kritisieren, der Appellationshof habe dem Kriterium der materiellen Sicherheit des Kindes nicht vorrangiges Gewicht eingeräumt, zumal es doch nicht dem Wohl des Kindes gereichen könne, dieses in Armut zurückzuschicken. Selbst wenn ihre weiteren Vorbringen nicht am Novenverbot scheiterten, wäre der blosse Hinweis auf die gute Integration von R.E.________ in Schule und Dorf nicht geeignet, die differenzierten Feststellungen des Sozialberichtes in Frage zu stellen. Abgesehen davon, dass weder der angefochtene Entscheid noch die Ausführungen in der Beschwerde konkrete Anhaltspunkte dafür bieten, dass der Knabe mit der Rückkehr in seinen Heimatstaat in die Armut zurückgestossen würde, kann auch ein deutliches Wohlstandsgefälle zwischen dem Herkunftsland und der Schweiz für die Beurteilung des Kindeswohles im Rahmen einer Pflegekindbewilligung nicht das massgebende Kriterium sein. Es ist nicht zu beanstanden, dass der Appellationshof die mit einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz einhergehenden Vorteile materieller Art geringer gewichtete als den Wunsch des Knaben, zu seiner Familie zurückzukehren und mit seinem Bruder zusammenzuleben. Mit polemischer Rhetorik der Beschwerdeführer - ob denn Hungern in der angestammten Familie besser sei als in der Schweiz in bescheidenem Wohlstand aufzuwachsen - ist Bundesrechtswidrigkeit nicht darzutun. c) Die Beschwerdeführer betonen immer wieder die fortgeschrittene Integration von R.E.________. Wenn sie geltend machen, der Knabe halte sich bereits drei Jahre in der Schweiz auf und seit dem Abfassen des Sozialberichtes seien wiederum 13 Monate vergangen, scheinen sie zu übersehen, dass - ungeachtet der Frage des Verschuldens - sie es waren, die mit der unbewilligten Aufnahme des Knaben ein fait accompli schufen und mit dem Einlegen von Rechtsmitteln seit dem Frühjahr 2000 die Rückführung des Knaben verzögert haben. Angesichts dessen ist ihre Berufung auf die normative Kraft des Faktischen zumindest fragwürdig. Im Übrigen hat die Vorinstanz bzw. der ihrem Urteil zugrunde liegende Sozialbericht den Umstand, dass sich der Knabe seit geraumer Zeit in der Schweiz aufhält, gebührend gewürdigt.