Citation: K 98/02 10.11.2004 E. 6

Während die Vorinstanz eine Leistungspflicht der obligatorischen Krankenpflegeversicherung noch verneint hatte mit der Begründung, für keinen der vier betroffenen Weisheitszähne sei das Bestehen einer Verlagerung mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, ist die Verlagerung im Verfahren vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht nicht mehr streitig. Vielmehr stellt sich hier die Frage, ob der in Art. 17 lit. a Ziff. 2 KLV zusätzlich verlangte qualifizierte Krankheitswert im Sinne der obigen Erwägungen gegeben ist. 6.1 Der behandelnde Arzt diagnostizierte seit zwei Jahren auftretende rezidivierende pericoronale Infekte, ausstrahlende Schmerzen durch Druck der noch wachsenden Wurzeln der eingekeilten unteren Weisheitszähne auf den Mandibularkanal, follikuläre Zysten, radiologisch, intraoperativ und histopathologisch verifiziert, sowie eine Denudierung von Zahnhals und Wurzeln der angrenzenden Zähne mit beginnenden Resorptionszeichen. 6.2 Nach Beizug ihrer Vertrauenszahnärzte bestreitet die KPT die Diagnosestellung follikuläre Zysten. Trotzdem erklärt sie sich - wie sie darlegt gestützt auf die Rechtsprechung - bereit, einen Teil der Kosten aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu übernehmen. Keine Leistungspflicht bestehe jedoch, so führt sie aus, für die Vornahme der Extraktion der Weisheitszähne im Spital unter ärztlicher Assistenz, da die Entfernung der Weisheitszähne in casu mit keinen Schwierigkeiten oder Komplikationen verbunden gewesen sei. 6.3 Gestützt auf das bereits mehrfach zitierte Urteil A. vom 19. August 2004, K 86/02, welches nach der teilweisen Anerkennung einer Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ergangen ist, reichen die Pathologie und die notwendigen Massnahmen zu deren Beseitigung oder Verringerung für das Vorliegen des erforderlichen qualifizierten Krankheitswertes nicht aus. Die Behandlung bestand gemäss Rechnung des Dr. med. Dr. med. dent. S.________ vom 12. September 1996 im Wesentlichen in der Extraktion der beiden oberen Weisheitszähne sowie in der operativen Entfernung der beiden unteren Weisheitszähne mit Zystenoperation. Zudem fanden eine Konsultation vor und drei Konsultationen nach dem Eingriff statt. Es bestehen keine Anhaltspunkte für besondere Komplikationen. Die Pathologie konnte durch die Entfernung der Weisheitszähne sowie durch die Zystenoperation behoben werden, ohne dass ein Ersatz der entfernten Zähne oder andere aufwändige Massnahmen notwendig geworden wären. Die Behandlung aller vier Weisheitszähne wurde vorliegend in einem Akt durchgeführt. Ein Zusammenhang in dem Sinne, dass ein Weisheitszahn mit oder ohne Zyste nur behandelt werden konnte, wenn zugleich auch die andern Weisheitszähne behandelt werden, bestand nicht. Der Krankheitswert, d.h. die Pathologie und die notwendige Behandlung ist für jeden einzelnen Weisheitszahn - mit oder ohne Zyste - gesondert zu beurteilen. Der Eingriff ist, selbst wenn vom Vorliegen von Zysten ausgegangen wird, nicht als kompliziert und aufwändig zu qualifizieren, weshalb in Anbetracht der Rechtsprechung der erforderliche qualifizierte Krankheitswert nicht gegeben ist. Damit kann die Frage, ob für die Behandlung die Dienste eines Spitals, gar unter Beizug eines Assistenten, in Anspruch genommen werden mussten, offen bleiben. 6.4 Gestützt auf diese Beurteilung ist dem Antrag des Beschwerdeführers auf Rückerstattung der Zahnbehandlungskosten durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung, aber auch dem Antrag der Beschwerdegegnerin auf teilweise Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht zu entsprechen.