Citation: 2C_737/2021 E. 2.1

2.1. Gemäss § 27 Abs. 1 StG/AG (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 StHG) sind alle Einkünfte aus einer selbständigen Erwerbstätigkeit steuerbar. Als geschäfts- oder berufsmässig begründete Kosten abgezogen werden unter anderem die ausgewiesenen Abschreibungen des Geschäftsvermögens und die Rückstellungen für Verpflichtungen, deren Höhe noch unbestimmt ist, oder für unmittelbar drohende Verlustrisiken (§ 36 Abs. 2 lit. a und b StG/AG; vgl. auch Art. 10 Abs. 1 lit. a und b StHG). Der vorliegende Sachverhalt betrifft die Steuerperiode 2012 und ereignete sich mithin unter der Herrschaft des Buchführungs- und Rechnungslegungsrechts in der Fassung vom 4. Oktober 1991 (OR 1991), in Kraft vom 1. Juli 1992 (AS 1992 733) bis zum 1. Januar 2013 (AS 2012 6679). Nach Art. 665 OR 1991 durfte das Anlagevermögen höchstens zu den Anschaffungs- oder den Herstellungskosten bewertet werden, unter Abzug der notwendigen Abschreibungen. Gemäss Art. 669 Abs. 1 OR 1991 mussten Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen zwingend vorgenommen werden, soweit sie nach allgemein anerkannten kaufmännischen Grundsätzen notwendig waren (Satz 1). Rückstellungen waren insbesondere zu bilden, um ungewisse Verpflichtungen und drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu decken (Satz 2). Rückstellungen im Sinne von Art. 669 Abs. 1 OR 1991 zielten auf die Vorwegnahme unmittelbar drohender Verlustgefahren ab (Urteil 2C_426/2019 vom 12. Juli 2019 E. 2.2.4 mit Hinweisen). Art. 669 Abs. 1 OR 1991 bezweckte, dass bei der Bilanzierung diejenigen Korrekturen vorgenommen werden, die erforderlich sind, um eine korrekte und dem Vorsichtsprinzip Rechnung tragende Darstellung der finanziellen Lage der Gesellschaft sicherzustellen. Die Bestimmung galt für alle künftig erwarteten oder zumindest befürchteten Verbindlichkeiten, deren Eintritt, Höhe oder Fälligkeitstermin ungewiss ist. Beim konkreten Entscheid darüber, ob und in welcher Höhe Rückstellungen getätigt werden müssen, verfügt die Unternehmensleitung als Folge der Ungewissheit der Verbindlichkeiten über einen gewissen Ermessensspielraum. Sie hat ihr Ermessen aber stets pflichtgemäss, das heisst nach kaufmännischen Grundsätzen auszuüben (Urteile 6B_778/2011 vom 3. April 2012 E. 5.4.2; 4C.192/2004 vom 11. August 2004 E. 2.4 mit Hinweisen). Weitergehende Rückstellungen durften insbesondere zur Dividendenglättung erfolgen (Urteil 2C_426/2019 vom 12. Juli 2019 E. 2.2.3 mit Hinweisen). Gemäss Art. 669 Abs. 2 OR 1991 war es dem Verwaltungsrat erlaubt, zu Wiederbeschaffungszwecken zusätzliche Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen vorzunehmen und davon abzusehen, überflüssig gewordene Rückstellungen aufzulösen.