Citation: U 407/05 06.06.2006 E. 3

Gestützt auf die ärztlichen Angaben ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die vom Beschwerdeführer geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch nach dem 1. September 2004 mindestens im Sinne einer Teilkausalität mit dem Unfall vom 22. Februar 2002 in einem natürlichen Kausalzusammenhang stehen. Streitig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Adäquanz des Kausalzusammenhanges verhält. 3.1 Nach den Akten haben sich die somatischen Unfallfolgen schon kurz nach dem Unfall deutlich gebessert, so dass der Versicherte die Arbeit anfangs April 2002 wieder zu 50 % aufnehmen konnte und vorgesehen war, dass er die Arbeit ab 3. Juni 2002 wieder voll aufnehme. Dass dieser Versuch der vollständigen Arbeitsaufnahme nach kurzer Zeit scheiterte und überhaupt die anfänglich sehr positive Entwicklung sich im weiteren Verlauf des Jahres 2002 nicht fortsetzte, ist einerseits auf die verminderte Leistungsbereitschaft des Versicherten zurückzuführen (Austrittsbericht der Rehaklinik Z.________ vom 30. Januar 2003), andererseits darauf, dass es zu einer depressiven Entwicklung mit einer erheblichen Anpassungsstörung gekommen war (vgl. kreisärztlicher Bericht vom 10. Oktober 2003). Dr. med. P.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei welchem Arzt der Versicherte ab August 2003 in Behandlung stand, diagnostizierte ein somatoformes Schmerzsyndrom und eine chronische Depression bzw. eine mittelschwere bis schwere psychische Störung im Sinne einer depressiven Persönlichkeitsveränderung (Berichte vom 19. Dezember 2003 und 19. Juli 2004) und attestierte dem Versicherten eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 30-100 % vom 22. Februar 2002 bis 30. Juni 2003 und von 100 % von Mitte Juli 2003 bis auf unbestimmte Zeit (Bericht vom 19. Dezember 2003). Nach dem Gutachten der Ärzte der Klinik K.________, vom 14. Juli 2005, ist der Versicherte aus psychiatrischer Sicht seit dem Unfall in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, wobei sich die Einschränkung von anfänglich 100 % auf etwa 30 % im Beurteilungszeitpunkt verbessert habe (vgl. auch psychiatrisches Teilgutachten des Psychiatriezentrums E.________, vom 4. November 2004). Die medizinischen Akten sprechen somit dafür, dass die psychische Problematik jedenfalls im Verlauf der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt eindeutig im Vordergrund gestanden hat und die unfallbedingten physischen Beschwerden ganz in den Hintergrund getreten sind. Aus diesem Grunde hat die Adäquanzprüfung nach der für psychische Unfallfolgen geltenden Rechtsprechung zu erfolgen (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 439 Erw. 3b [Urteil W. vom 18. Juni 2002, U 164/01]. 3.2 Ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf und den vom Versicherten erlittenen Verletzungen handelt es sich beim Unfall vom 22. Februar 2002 um ein Ereignis im mittleren Bereich, was der Beschwerdeführer ausdrücklich anerkennt. Demnach ist die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Dabei sind bei der Prüfung der einzelnen Kriterien nur die organisch bedingten Beschwerden zu berücksichtigen, während die psychisch begründeten Anteile, deren hinreichender Zusammenhang mit dem Unfall den Gegenstand der Prüfung bildet, ausgeklammert bleiben. 3.3 Der Unfall hat sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc) - von besonderer Eindrücklichkeit. Daran vermag nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer geltend macht, er sei nach dem Stillstand der Fahrzeuge unter Schock gestanden und wie gelähmt gewesen. Denn es handelt sich dabei um den Schrecken, wie er üblicherweise bei einem Unfall auftritt (BGE 117 V 368 Erw. 7b). Entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung ist das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen nicht bereits deshalb erfüllt, weil der Versicherte ein Schleudertrauma erlitten hat; vielmehr bedürfte es hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen (Urteil P. vom 2. Februar 2006, U 381/04, Erw. 4.2 mit Hinweisen), welche Voraussetzungen im Falle des Beschwerdeführers nicht gegeben sind. Nicht erfüllt ist sodann auch das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung: Der Versicherte begab sich am Tag nach dem Unfall auf die Notfallstation des Spital Y.________, wo ihm Voltaren und Temesta abgegeben wurden; anschliessend fanden Nachkontrollen beim Hausarzt Dr. med. H.________ statt und wurde eine ambulante Physiotherapie aufgenommen, welche indessen bereits im Mai 2002 eingestellt worden war. Auch wenn später ohne wesentlichen Erfolg erneut physiotherapeutische Massnahmen durchgeführt wurden, handelt es sich insgesamt nicht um eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer (Urteil F. vom 10. April 2006, U 177/05, Erw. 5.2 mit Hinweisen). Nicht als regelmässige zielgerichtete Behandlung gelten sodann auch die ärztlichen Untersuchungen (namentlich die Kontrollen beim Hausarzt), welche vornehmlich der Abklärung des Gesundheitszustands und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit und nicht der eigentlichen Behandlung der Unfallfolgen dienten (Urteil K. vom 25. Oktober 2004, U 61/03, Erw. 4.4.5; vgl. auch Urteil S. vom 27. April 2006, U 393/05, Erw. 8.2.4). Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden, wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Dass die zu erwartende Heilung nach zunächst günstigem Verlauf ausgeblieben ist, muss auf die psychische Symptomatik zurückgeführt werden. Was das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit (vgl. dazu die Übersicht in RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff. [Urteil L. vom 30. August 2001, U 56/00]) anbelangt, ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer bereits am 8. April 2002 die Arbeit wieder zu 50 % aufgenommen hat und ab 3. Juni 2002 eine vollständige Wiederaufnahme der Arbeit vorgesehen war, wobei das Scheitern dieses Arbeitsversuches auf psychische Gründe zurückzuführen war, welche in diesem Zusammenhang ausser acht zu bleiben haben. Nicht erfüllt ist sodann auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen, kam es doch nach dem Unfall zu einer wesentlichen Besserung der Beschwerden. Die später erneut und zunehmend aufgetretenen Schmerzen konnten nicht objektiviert werden, sondern waren überwiegend psychisch bedingt. Selbst wenn noch körperliche Dauerschmerzen bestanden haben, ist das Kriterium jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden mit Vorinstanz und SUVA zu verneinen. 3.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Einstellung der Leistungen per 1. September 2004 und die Verneinung des Anspruchs auf eine Rente sowie eine Integritätsentschädigung durch die Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden sind.