Citation: U 43/07 19.02.2008 E. 3

3.1 Im Einspracheentscheid vom 17. Mai 2005 stellte die SUVA zunächst fest, dass auf Grund der vorhandenen Arztberichte keine klar ausgewiesenen, organisch nachweisbaren Unfallfolgen im Sinne struktureller Veränderungen vorliegen. In psychischer Hinsicht verwies sie auf eine in der Klinik E.________ veranlasste psychosomatische Beurteilung, welche eine anhaltende Schmerzproblematik im Nackenbereich nach HWS-Schleudertrauma bei Anpassungsstörung mit depressiven und ängstlichen Zügen sowie Zeichen der Symptomausweitung ergeben hatte. Des Weitern berief sie sich auf Dr. med. L.________, der die Diagnose einer Anpassungsstörung und einer Schmerzverarbeitungsstörung mit Symptomausweitung sowie depressiven, ängstlichen Zügen hatte bestätigen können. Sie erwog, zwar habe der heutige Beschwerdegegner ein Schleudertrauma der HWS oder eine in ihren Auswirkungen äquivalente Verletzung erlitten, doch sei es in der Folge nicht zu dem in solchen Fällen typischerweise auftretenden, so genannten bunten Beschwerdebild gekommen. Auf rein körperlicher Ebene lägen bloss Klagen über diffuse Beschwerden vor, bei welchen bereits der natürliche Kausalzusammenhang mit dem versicherten Unfallereignis nicht gegeben sei. Was die psychische Beeinträchtigung anbelangt, anerkannte sie dem Grundsatz nach die natürliche Kausalität, verneinte indessen - der Rechtsprechung in BGE 115 V 133 folgend - die Adäquanzfrage. 3.2 Das kantonale Gericht hegte demgegenüber offenbar schon Zweifel am Vorliegen eines - von den Verfahrensbeteiligten gar nicht in Frage gestellten - HWS-Traumas und erachtete die Einholung eines neuropsychologischen Gutachtens als sinnvoll, nachdem immerhin ein Verdacht auf ein HWS-Trauma bestanden habe und der beigezogene Spezialist Dr. med. M.________, Neuropsychologie Spital U._______, aus neurologischer Sicht ausdrücklich eine weiterführende neuropsychologische Abklärung empfohlen habe. Es führte aus, die Neuropsychologie sei heute eine selbstständige, wissenschaftlich gut fundierte und international anerkannte Disziplin, welche in der Regel zuverlässige Aussagen über Hirnleistungen, besonders im kognitiven Bereich, sowie über allfällige Wesensveränderungen machen könne; in den meisten Fällen erlaube sie die Erkennung typischerweise heterogener Muster (besondere Leistungsprofile) bei traumatischen Hirnverletzungen, welche sie damit von diffusen, allgemeinen Leistungshemmungen abzugrenzen vermöge. 3.3 Aus der Begründung des kantonalen Entscheids wird nicht ohne weiteres ersichtlich, welche Erkenntnisse von der angeordneten neuropsychologischen Abklärung zu erwarten sein sollen. Aus der Bezugnahme auf "diffuse, allgemeine Leistungshemmungen" kann allenfalls geschlossen werden, dass sich die Vorinstanz wenn nicht gar den Nachweis einer organischen (Hirn-)Schädigung, so doch zumindest konkretere Aufschlüsse über - von der SUVA nicht ausdrücklich in Abrede gestellte - klinisch feststellbare, organisch jedoch nicht hinreichend objektivierbare Beeinträchtigungen erhofft. Letzteres allerdings müsste - worauf die SUVA schon im Einspracheentscheid vom 17. Mai 2005 hingewiesen hat - auch eine Prüfung der Adäquanzfrage nach sich ziehen. Diese allerdings könnte unter Umständen für den Beschwerdegegner insofern günstiger ausfallen, als sie nicht in Anlehnung an BGE 115 V 133, sondern allenfalls nach Massgabe von BGE 117 V 359 erfolgen könnte - dies mit dem Unterschied, dass im Rahmen der Adäquanzprüfung rein von der psychischen Problematik geprägte Beurteilungskriterien nicht mehr ausgeklammert werden dürften, weil nach der Schleudertrauma-Praxis, anders als im Falle einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall, bei der Prüfung der einzubeziehenden unfallbezogenen Kriterien auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird, da hier nicht entscheidend ist, ob Beschwerden eher als organischer und/oder psychischer Natur beurteilt werden (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367 und 369 E. 4b S. 382 f.). 3.4 Wie es sich diesbezüglich verhält, kann indessen dahingestellt bleiben. Die SUVA legt in ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde ausführlich dar, dass das frühere Eidgenössische Versicherungsgericht den Erkenntnissen aus neuropsychologischer Sicht regelmässig die Eignung, für sich allein unfallbedingte hirnorganische Funktionsstörungen nachzuweisen, abgesprochen hat (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341). Davon abzuweichen besteht, entgegen der offenbar vom kantonalen Gericht vertretenen Auffassung, kein Anlass, zumal sich aus den Akten keine Anzeichen für eine die organisch nicht objektivierbaren Beschwerden allenfalls erklärende hirnorganische Schädigung ergeben, welche in den Resultaten einer neuropsychologischen Testung eine Stütze finden könnten. Lediglich zusammen mit den Erkenntnissen anderer medizinischer Disziplinen könnte eine neuropsychologische Untersuchung allenfalls zur Klärung der Frage nach der natürlichen Kausalität von auf Hirnleistungsstörungen hinweisenden Symptomen beitragen, die sich organisch nicht klar zuordnen lassen. Es muss daher mit der Feststellung der SUVA im Einspracheentscheid vom 17. Mai 2005 sein Bewenden haben, wonach zusätzliche Abklärungen keine Erkenntnisse zu Tage fördern könnten, welche sich auf die Beurteilung ihrer Leistungspflicht auswirken würden.