Citation: 8C_190/2023 E. 4.1

4.1. Es trifft zwar zu, dass die IV-Stelle an das - vorliegend verurteilende - Strafurteil gebunden ist (BGE 138 V 74 E. 6.1). Soweit der Beschwerdeführer aus dieser Bindungswirkung allerdings ableiten will, die Rückerstattungsansprüche der Invalidenversicherung seien als im Strafverfahren abschliessend beurteilt zu qualifizieren, kann ihm jedoch nicht gefolgt werden. Vielmehr hatte die IV-Stelle nach Entdeckung des Revisionsgrundes die Pflicht, über den Rentenanspruch gestützt auf beweiskräftige medizinische Unterlagen neu zu befinden. Mit Blick auf die dem Beschwerdeführer vorwerfbare Meldepflichtverletzung konnte sich die fachärztliche Abklärung dabei nicht auf die aktuelle Gesundheitssituation beschränken, sondern musste auch die Entwicklung seit dem im Dezember 2001 mit der Aufnahme der Erwerbstätigkeit in der eigenen Gesellschaft gesetzten Revisionsgrund umfassen. Die im Strafurteil vom 22. September 2020 festgesetzte Ersatzforderung des Staates von Fr. 430'000.-, bzw. die darin enthaltene Forderung von Fr. 59'124.-, entsprechend dem Deliktsbetrag im Zusammenhang mit dem Betrug zum Nachteil der IV-Stelle, steht der Feststellung der Rückerstattungspflicht hinsichtlich der zu Unrecht bezogenen Rentenleistungen der Invalidenversicherung durch Verwaltung und Vorinstanz nicht entgegen. Ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die im Strafurteil festgelegte Ersatzforderung bei der Berechnung des Rückforderungsbetrags zu berücksichtigen sein wird, ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens (vgl. dazu die nach der Rentenaufhebungsverfügung vom 22. August 2022 ergangene Rückforderungsverfügung vom 28. Oktober 2022).