Citation: 8C_393/2021 E. 5.3.2

5.3.2. Die Beschwerdeführerin stellt in Frage, dass beim Beschwerdegegner eine latente Erstickungsgefahr vorliegt. Diese Sachverhaltsrüge wird in der Beschwerde jedoch nicht ausreichend substanziiert, sodass nicht ersichtlich ist, inwiefern die vorinstanzliche Tatsachenfeststellung offensichtlich unrichtig sein soll. Vielmehr leuchtet bei (teilweise) fehlendem Schluck- und Würgereflex ein, dass eine unmittelbare Gefahr besteht, dass Sekret über den Mund in die Luftröhre und den unteren Atemtrakt gelangt. Ebenso ist eine vom kantonalen Gericht festgestellte ständige Interventionsbereitschaft durch die Mutter nicht unhaltbar, denn gemäss Dr. med. C.________ könne ein Sättigungsmonitor die Anwesenheit einer Person nicht zuverlässig ersetzen, weil oft auch bei noch normaler Sauerstoffsättigung Sekret abgesaugt werden müsse, um eine Aspiration zu verhindern. Damit übereinstimmend gab die Mutter bei der Abklärung vor Ort an, sie merke an der zunehmenden Unruhe und dem Wimmern des Beschwerdegegners, dass es Zeit sei, den Speichel abzusaugen. Trotzdem muss die Mutter ausweislich der Akten wegen Sauerstoffsättigungsabfällen unter 85 % immer wieder mit Sauerstoffgabe intervenieren: Gemäss Abklärungsbericht sei dies durchschnittlich zweimal in der Woche nötig. Die Kinderkrankenschwester der Spitex führte aus, d ie Situation sei derart instabil, da man nie wisse, was komme und welche Einsätze plötzlich nötig werden. Auch die Berichte über die Hospitalisationen belegen dies mit der festgehaltenen wiederholten akuten respiratorischen Global-/Paritalinsuffizienz beim Beschwerdegegner. Aus dem vorinstanzlichen Urteil und den Akten ergibt sich somit, dass die Mutter den Gesundheitszustand des Beschwerdegegners auch wegen der immer wieder und häufig in Erscheinung tretenden Infekte stetig zu evaluieren, die Häufigkeit des Sekretabsaugens dem aktuellen Gesundheitszustand anzupassen und wenn nötig weitere Massnahmen zu ergreifen hat, um eine hinreichende Sauerstoffsättigung beim Beschwerdegegner zu gewährleisten. Diese dauernde persönliche Überwachung mit den entsprechenden Interventionen ist weder mit der allgemeinen Aufsicht noch mit der allgemeinen Erstickungsgefahr bei Säuglingen und Kleinkindern wegen Erbrechens vergleichbar. Auch wenn gesunde Kinder im Alter des Beschwerdegegners ständig einer gewissen Überwachung bedürfen - im Urteil 9C_431/2008 vom 26. Februar 2009 E. 4.4.3 erwog das Bundesgericht, auch zu gesunden Kleinkindern bis 21 Monate müsse praktisch ein ständiger Hörkontakt bestehen -, ist beim Beschwerdegegner eine Überwachung und Interventionsbereitschaft erforderlich, die den Bedarf eines gesunden Kleinkindes deutlich übersteigt. Daran ändert der Hinweis der Beschwerdeführerin nichts, dass die Leiden des Beschwerdegegners lediglich noch palliativ behandelt werden können, sagt dies doch nichts über das notwendige Ausmass der Behandlung und Betreuung aus (vgl. Urteil 9C_802/2018 vom 25. Januar 2019 E. 5.2). Die Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwachung ist somit gemäss dem Dargelegten ausgewiesen.