Citation: I 463/05 12.10.2005 E. 3

3.1 Soweit zunächst die Invaliditätsbemessung im Haushalt in Frage steht, macht die Beschwerdeführerin geltend, der Beweiswert der Abklärungsberichte Haushalt sei bei psychiatrisch relevanten Beschwerden stark eingeschränkt. Da sich der Gutachter Dr. med. H.________ zur Arbeitsunfähigkeit im Haushalt nicht geäussert habe, sei dazu eine fachärztliche Beurteilung erforderlich. Es bestünden klare Widersprüche zwischen dem Abklärungsbericht und der einzigen detaillierteren Fachmeinung zur im Haushalt bestehenden psychiatrisch begründeten Arbeitsunfähigkeit des Psychiatriezentrums Y.________ vom 15. August 2003 und 12. Mai 2004. 3.2 Der Abklärungsbericht ist zwar seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten. Seine grundsätzliche Massgeblichkeit erfährt daher, auch wenn die beweismässigen Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a) erfüllt sind, praxisgemäss Einschränkungen, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet (AHI 2001 S. 162 Erw. 3d mit Hinweis; Urteile P. vom 15. September 2003, I 407/03, Erw. 4.3, P. vom 14. August 2003, I 497/02, Erw. 3.4, S. vom 28. Februar 2003, I 685/02, Erw. 3.2, B. vom 4. Februar 2003, I 726/02, Erw. 4.1, und F. vom 6. Mai 2002, I 526/01, Erw. 3b). Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in AHI 2004 S. 138 - in Anlehnung an das unveröffentlichte Urteil C. vom 9. November 1987, I 277/87 - präzisierend festgehalten hat (Erw. 5, insbesondere 5.3), stellt der Abklärungsbericht im Haushalt grundsätzlich aber auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, d.h. die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht. Einzig wenn es zu Divergenzen zwischen den Ergebnissen der Haushaltabklärung und den ärztlichen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person kommt, ihre Haushaltstätigkeit trotz des psychischen Leidens noch verrichten zu können, ist der medizinischen Einschätzung in der Regel grösseres Gewicht beizumessen als der Abklärung im Haushalt (zum Ganzen: SVR 2005 IV Nr. 21 S. 84 Erw. 5.1.1 mit Hinweisen; Urteile S. vom 17. August 2005, I 212/05, V. vom 13. Dezember 2004, I 42/03, und P. vom 6. April 2004, I 733/03). 3.3 Solche Divergenzen liegen hier entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht vor: 3.3.1 Zwar beziffert Dr. med. H.________ in seinem Gutachten vom 16. Oktober 2003, das - wie die Vorinstanz bereits zutreffend ausgeführt hat - den Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Stellungnahme (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c) genügt, die Arbeitsfähigkeit im Haushalt nicht. Seinen Ausführungen zu Diagnose und Arbeitsfähigkeit lässt sich jedoch - wie das kantonale Gericht ebenfalls richtig erwogen hat - entnehmen, dass sich die diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen (generalisierte Angststörung ICD-10:F41.1; rezidivierende Panikstörung ICD-10: F41.0; Klaustrophobie ICD-10:F42.2; akzentuierte Persönlichkeitsstörung des ängstlich-vermeidenden, abhängigen Typs ICD-10:F61.1; rezidivierende depressive Episoden leichten bis mittleren Grades ICD-10:F33.1) vor allem in der ausserhäuslichen Umgebung einschränkend auswirken. So sind nach der Verbesserung der depressiven Symptomatik unter Gesprächs- und antidepressiver Therapie mit Aurorix immer wieder auftretende Angstgefühle geblieben, verbunden mit vegetativen Symptomen wie Schweissausbruch, Globusgefühl und Herzklopfen sowie Panikattacken in geschlossenen Räumen, insbesondere öffentlichen Verkehrsmitteln. Es wird deshalb auch eine Expositionstherapie durchgeführt zum Aufbau einer Angsttoleranz, sodass die Versicherte ihren Aktionsradius ausser Haus wieder frei wählen kann. Dass vor allem die ausserhäusliche Umgebung die Leistungsfähigkeit der Versicherten einschränkend beeinflusst, widerspiegelt sich auch in ihrer Schilderung des Tagesablaufes: Während sie sich voll und ganz um den Haushalt kümmert, hilft ihr die Mutter vor allem morgens bei der Kinderbetreuung (in der Zeit, da die Versicherte mit dem Hund spazieren geht) und beim Einkauf. Wenn es ihr ganz gut geht, verlässt sie das Haus mit den Kindern und dem Hund ohne Begleitung ihrer Mutter. Unter diesen Umständen ist es nachvollziehbar, dass die Versicherte im Haushalt deutlich weniger eingeschränkt ist als bei einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit. Dr. med. H.______ hat denn auch eine tiefere Arbeitsunfähigkeit bei einer Heimarbeit (20-30 %) konstatiert als bei einer Tätigkeit ausser Haus als Telefonistin (50 %). 3.3.2 Die Feststellungen im Gutachten des Dr. med. H.________ sind damit durchaus vereinbar mit den Angaben im Abklärungsbericht, wonach die Versicherte in den Bereichen "Haushaltführung", "Ernährung", "Wohnungspflege", "Wäsche und Kleiderpflege" sowie "Verschiedenes" gar nicht, in den Bereichen "Betreuung von Kindern oder anderen Familienangehörigen" sowie "Einkauf und weitere Besorgungen" zu 20 % eingeschränkt ist, zumal auch die Angaben zu den einzelnen Verrichtungen in Gutachten und Abklärungsbericht übereinstimmen. So schilderte die Versicherte gegenüber Dr. med. H.________ zum Tagesablauf beispielsweise, nach der Rückkehr vom gemeinsamen Einkauf koche sie das Mittagessen; die Mutter mache dann das Geschirr und sie selbst weitere Hausarbeiten wie Staubsaugen. Im Abklärungsbericht wurde festgehalten, sie koche sehr gerne, bei der Mahlzeitenzubereitung sei sie nicht eingeschränkt. Sie könne dabei gut abschalten und sich ablenken. Nach dem Mittagessen räume die Mutter die Küche auf; sie könnte dies auch, mache dies jedoch nicht gerne. Weiter wurde im Bereich Wohnungspflege im Abklärungsbericht angegeben, sie sauge die Wohnung täglich und staube einmal pro Woche gründlich ab; das Bad reinige sie gründlich einmal pro Woche, täglich reinige sie Lavabo und Toilette, tägliches Betten gehe, auch Frischbeziehen. 3.3.3 Diese Angaben erscheinen nachvollziehbar und es ergeben sich damit keine Hinweise darauf, dass den psychisch bedingten Einschränkungen der Versicherten zu wenig Rechnung getragen worden wäre. Die Umschreibung der Tätigkeitsbereiche entspricht im Übrigen auch den Vorgaben der Randziffern 3090 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit (KSIH), und die Gewichtung der einzelnen Aufgabenbereiche hält sich innerhalb der angegebenen Bandbreiten. Inwiefern die Abklärungsperson dabei Wesentliches nicht berücksichtigt hätte, ist unersichtlich. In diesem Zusammenhang geht auch der Einwand in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde fehl, die von der Vorinstanz gezogenen Rückschlüsse von der im Gutachten festgestellten Zumutbarkeit von Heimarbeit auf die Arbeitsfähigkeit im Haushalt seien nicht haltbar, da eine generalisierte Angststörung mit rezidivierenden Panikstörungen sich beispielsweise bei einzelnen Hausarbeiten massiv auswirken könne (so bei Einkäufen, der Verrichtung von Bank- oder Postgeschäften, Kontakten mit Lehrpersonen der Kinder, Einkäufen der Kinder) und rezidivierende depressive Episoden naheliegenderweise bei verstärktem Auftreten einen sozialen Rückzug selbst innerhalb des Familienkreises und längere ruhebedingte Absenzen zur Folge hätten, was sich bei zeitgebundenen Haushaltsarbeiten (wie Essenzubereitung oder Abholen der Kinder) stärker auswirke als bei der (von Dr. med. H.________ erwähnten) Heimarbeit. Gerade bei der Essenszubereitung ist die Versicherte offensichtlich nicht eingeschränkt, würde sie doch sonst nicht angeben, sie könne sich dabei gut ablenken. Sie kocht offenbar auch noch für ihre Mutter, die das Mittagessen bei der Familie einnimmt. Sodann trifft es nicht zu, dass angesichts der Angststörung Einkaufen nicht mehr möglich ist, geht doch die Versicherte, wie im Abklärungsbericht angegeben, aus therapeutischen Zwecken täglich einkaufen. Überdies ist zu erwähnen, dass die Versicherte, soweit notwendig und zumutbar, die gesteigerte Mithilfe Angehöriger in Anspruch zu nehmen hat (ZAK 1984 S. 139 f. Erw. 5; Urteile S. vom 28. Februar 2003, I 685/02, Erw. 3.2, und S. vom 4. September 2001, I 175/01, Erw. 5b), weshalb es zumutbar ist, dass Einkäufe vom Ehemann oder der Mutter oder in deren Begleitung besorgt werden (vgl. die Angaben im Abklärungsbericht im Bereich Einkauf, wonach die Versicherte neben dem täglichen therapeutischen Einkauf einmal pro Woche mit dem Ehemann in ein grösseres Einkaufszentrum gehe und der Kleidereinkauf für sich und die Kinder in Begleitung des Ehemannes möglich sei). Soweit diesbezüglich im Rahmen des Einspracheverfahrens noch auf einen erhöhten Ruhebedarf hingewiesen wurde, kann schliesslich ergänzend festgehalten werden, dass sich ein vermehrter Zeitaufwand, wie er sich insbesondere aus notwendigen Pausen ergeben dürfte, rechtsprechungsgemäss nicht invalidisierend auswirkt, soweit die Besorgung der Aufgaben insgesamt noch möglich bleibt (nicht veröffentlichtes Urteil V. vom 13. Dezember 2004, I 42/03, mit Hinweis auf Urteil C. vom 8. November 1993, I 407/92, Erw. 2c) und der Versicherten auch eine andere Arbeitseinteilung zumutbar ist. Damit ist im Übrigen auch nachvollziehbar, dass trotz depressiver Phasen (welche sich überdies unter medikamentöser Therapie nachweislich gebessert haben), in gewissen Bereichen keine Einschränkung resultiert. 3.3.4 Eine andere Sichtweise ergibt sich auch nicht aus den Berichten des Psychiatriezentrums Y.________ vom 15. August 2003 und 12. Mai 2004: Dass auf diese Berichte nicht abgestellt werden kann, hat die Vorinstanz bereits zutreffend dargelegt, sind doch die Aussagen hinsichtlich einer Restarbeitsfähigkeit unklar und erschöpft sich insbesondere der Bericht vom 12. Mai 2004 in der Kritik am Gutachten des Dr. med. H.________, ohne sich jedoch mit den dortigen medizinischen Angaben auseinanderzusetzen. So wird lediglich ohne weitere Begründung ausgeführt, dass in einigen Bereichen die Einschränkung höher liegen müsste. 3.4 Mithin ist deshalb der Abklärungsbericht Haushalt vom 28. November 2003 auch im Verhältnis zur übrigen Aktenlage schlüssig und nachvollziehbar, weshalb für die Invalidität im Aufgabenbereich darauf abgestellt werden kann und es keiner weiteren psychiatrischen Beurteilung bedarf.