Citation: 6S.346/2005 02.02.2006 E. 3

Die Vorinstanz geht in tatsächlicher Hinsicht davon aus, dass das Opfer vom Beschwerdeführer konkludent als Hilfsperson eingesetzt worden ist. Sie stellt für den Kassationshof verbindlich fest (Art. 277bis Abs. 1 BStP), der Beschwerdeführer habe bei der Rückwärtsfahrt zunächst über den rechten Seitenspiegel Sichtkontakt zum Geschädigten, welcher im Grasbord gestanden habe, gehabt. Anschliessend habe der Beschwerdeführer kurz in den linken Seitenspiegel geschaut. Als er den Blick hernach wieder auf den rechten Seitenspiegel gerichtet habe, habe er den Geschädigten nicht mehr gesehen. Dennoch sei er weiter rückwärts gefahren, obwohl er gewusst habe, dass sich der Geschädigte irgendwo hinter dem Lastwagen aufhalten musste. Die Vorinstanz kommt angesichts dieser Sachlage in strafrechtlicher Hinsicht zum Schluss, der Beschwerdeführer hätte den Lastwagen sofort anhalten und nach dem Geschädigten Ausschau halten müssen. Zu dieser allgemeinen Sorgfalt sei er nach Art. 31 Abs. 1 SVG trotz des Umstandes verpflichtet gewesen, dass er den Geschädigten als Hilfsperson beigezogen habe. Er habe auf der zu dieser Zeit wohl kaum befahrenen Strasse nichts anderes zu beobachten gehabt als das Opfer bzw. den rechten Strassenrand. Ausserdem habe er den Geschädigten nicht vorgängig instruiert und habe zudem damit rechnen müssen, dass jener aufgrund der vorangegangenen Kollision einen Schock erlitten haben könnte oder jedenfalls in seiner Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sei. Er habe daher nicht das gleiche Vertrauen in den Geschädigten als Hilfsperson setzen dürfen wie dies nach entsprechender Instruktion der Fall gewesen wäre. Dass den Geschädigten ein gewisses Selbstverschulden treffe, sei nicht von der Hand zu weisen. Doch erreiche dieses in keinem Falle das Mass, welches nötig wäre, um den adäquaten Kausalzusammenhang zu unterbrechen. Im Zivilpunkt geht die Vorinstanz - ebenso wie in strafrechtlicher Hinsicht - von einer leichten Fahrlässigkeit des Beschwerdeführers aus. Verschuldensmässig falle besonders ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer seine Rückwärtsfahrt fortgesetzt habe, obwohl er den Sichtkontakt mit dem Opfer verloren und gewusst habe, dass sich jenes hinter dem Lastwagen befinden musste. Hinsichtlich des Selbstverschuldens des Opfers nimmt die Vorinstanz an, dieses habe sich unaufgefordert als Hilfsperson zur Verfügung gestellt und sich somit absichtlich in den Gefahrenbereich des Lastwagens begeben. Dabei sei es offensichtlich zu einem bestimmten Zeitpunkt für einen kurzen Augenblick unaufmerksam gewesen, habe den im Schritttempo herannahenden Lastwagen des Beschwerdeführers aus den Augen gelassen oder sich trotz Schwächegefühl nicht aus dessen Gefahrenbereich entfernt. Indem der Geschädigte diese Unachtsamkeit beging, habe er seinerseits seine Sorgfaltspflicht verletzt. Diese Unaufmerksamkeit als Hilfsperson sei als geringfügiges Selbstverschulden zu werten. Bei der Gewichtung des Verschuldens des Beschwerdeführers und des Selbstverschuldens des Opfers gelangt die Vorinstanz zum Schluss, das Verschulden des Beschwerdeführers überwiege dasjenige des Opfers bei weitem. Aufgrund dessen setzt sie das Selbstverschulden des Opfers auf 20 % und das Verschulden des Beschwerdeführers auf 80 % fest. Sie erklärt den Beschwerdeführer daher im Umfang von 80 % als schadenersatz- und genugtuungspflichtig.