Citation: 9C_41/2024 E. 6.5.1

6.5.1. Ursprünglich - und in der Verwaltungspraxis zum Teil auch noch nach Inkrafttreten des StG (vgl. FISLER/DESAX, Die Praxis der Bundessteuern, II. Teil, Stempelabgaben und Verrechnungssteuer, Band 1, Loseblattsammlung, Art. 13 Abs. 1 und 2, Ziff. 2, Nr. 16) - herrschte die Vorstellung vor, dass Effektenhändler auch dann "vermittelten" und nicht als Vertragsparteien kauften oder verkauften ("handelten"), wenn sie Geschäfte in eigenem Namen und auf fremde Rechnung abschlossen (vgl. oben E. 6.4.1). Diese Auffassung steht aber in Widerspruch zum Wortlaut und zur Systematik von Art. 13 StG. Das gilt nicht nur für Abs. 1 (vgl. dazu Urteil 2C_638/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.3.3 und 3.4), sondern noch verstärkt für Abs. 3 lit. b Ziff. 2. Würde der Vermittlerbegriff nämlich dergestalt extensiv verstanden, würde er sich mit jenem der Händler in Art. 13 Abs. 3 lit. b Ziff. 1 StG überschneiden oder diesen sogar obsolet machen, ist doch der Kauf und Verkauf von steuerbaren Urkunden in eigenem Namen und auf fremde Rechnung ("für Dritte"; vgl. oben E. 6.2.1) nach dem geltenden Gesetz gerade die typische Tätigkeit der Händler. Neben dem Wortlaut und der Begrenzung auf Anlageberater und Vermögensverwalter (vgl. oben E. 6.2.1 und 6.2.2) spricht also die Systematik des heutigen Gesetzes entscheidend dagegen, den Vermittlerbegriff in Art. 13 Abs. 3 lit. b Ziff. 2 StG auf Personen auszudehnen, die steuerbare Urkunden in eigenem Namen kaufen. Als Vermittler nach Art. 13 Abs. 3 lit. b Ziff. 2 StG kommt folglich nur in Betracht, wer als Anlageberater oder Vermögensverwalter kausal auf den Kauf oder Verkauf von steuerbaren Urkunden hinwirkt, ohne selbst Vertragspartei der steuerbaren Transaktion zu sein. Daran ändern die gesetzlichen Fiktionen betreffend die subjektiven Abgabepflichten der Effektenhändler in Art. 17 Abs. 3 lit. a und c StG nichts.