Citation: 4P.77/2005 27.04.2005 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, das Kantonsgericht sei ohne ("begründete") Beweise davon ausgegangen, der Beschwerdegegner sei am 30. und 31. Januar 2003 krankheitsbedingt nicht zur Arbeit erschienen; dieser Schluss beruhe lediglich auf Vermutungen sowie Spekulationen und sei willkürlich. Das Kantonsgericht hat sich entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang auf zwei Beweismittel gestützt, nämlich die Aussage eines Zeugen und die schriftliche Auskunft einer Ärztin. C.________, Mitarbeiter der Beschwerdeführerin, sagte als Zeuge aus, der Beschwerdegegner habe ihm (bzw. dem Geschäftsführer der Beschwerdeführerin) am frühen Morgen des 31. Januar 2003 mitgeteilt, es sei ihm schlecht. Das Kantonsgericht hat erwogen, dass somit die Beschwerdeführerin spätestens am Morgen des 31. Januar darüber im Bilde war, dass der Beschwerdegegner krank war und aus diesem Grund am Vortag nicht zur Arbeit erschienen war. Entscheidend war jedoch für das Gericht die schriftliche Auskunft der Ärztin Dr. med. D.________, die den Beschwerdegegner während seines Spitalaufenthaltes vom 1. bis 3. Februar 2003 betreut hatte. Gemäss Dr. D.________ wies der Beschwerdegegner bei seiner Einweisung am 1. Februar 2003 einen reduzierten Allgemeinzustand auf und gab während der Untersuchung Schmerzen im Unterbauch an. Nach ihrer Einschätzung könne es zutreffen, dass der an einer viralen Gastroenteritis leidende Beschwerdegegner schon vor dem Spitaleintritt zwei Tage akut krank gewesen sei. Das Kantonsgericht erwog, dass die Krankheit des Beschwerdegegners einen wichtigen Grund für eine Arbeitsabwesenheit darstelle, womit die Voraussetzungen von Art. 337d OR nicht erfüllt seien. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin hat sich das Kantonsgericht nicht von blossen Vermutungen leiten lassen, sondern in verfassungskonformer Weise auf die erwähnten Beweise abgestellt und gestützt darauf auf eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdegegners in der fraglichen Zeit geschlossen. Inwiefern ein - von der Beschwerdeführerin geforderter - weiterer Nachweis für die Krankheit des Beschwerdegegners erforderlich gewesen wäre, ist im Übrigen nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin vermag nicht darzulegen, das Kantonsgericht habe auf der Grundlage der abgenommenen Beweise völlig unvertretbare, einseitige Schlüsse gezogen (oben E. 2.3). Die Willkürrüge ist unbegründet. 3.2 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, es sei willkürlich, wenn das Kantongericht das Vorliegen eines wichtigen Grundes im Sinne von Art. 337 OR und damit auch ihre Berechtigung zur fristlosen Kündigung des Arbeitsvertrages verneint habe; denn der Beschwerdegegner sei am 30. und 31. Januar 2003 grundlos nicht zur Arbeit erschienen. Die Beschwerdeführerin übersieht, dass die unverschuldete Verhinderung des Arbeitnehmers in keinem Fall einen wichtigen Grund darstellt (Art. 337 Abs. 3 OR). Nachdem das Kantonsgericht willkürfrei auf eine krankheitsbedingte und damit unverschuldete Arbeitsverhinderung des Beschwerdegegners geschlossen hat, ist die Rüge unbegründet. 3.3 Als unhaltbar beanstandet die Beschwerdeführerin auch den Schluss des Kantonsgerichts, wonach sie als Arbeitgeberin die Verfehlungen des Beschwerdegegners (Alkoholkonsum während der Arbeitszeit, unkorrekte Eintragung der Arbeitsstunden usw.) trotz schriftlicher Verwarnungen akzeptiert habe. Sofern die Beschwerdeführerin damit sinngemäss vorbringt, das Kantonsgericht habe bezüglich dieser Verfehlungen willkürlich eine Verwirkung ihres ausserordentlichen Kündigungsrechts angenommen, kann ihr nicht gefolgt werden. Das Kantonsgericht hat ausgeführt, eine fristlose Kündigung müsse sofort nach Kenntnis des massgeblichen wichtigen Grundes erklärt werden; andernfalls sei das Recht zur fristlosen Kündigung verwirkt; denn wer in Kenntnis des wichtigen Grundes mit der ausserordentlichen Kündigung zuwarte, gebe damit zu erkennen, dass für ihn die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht unzumutbar sei. Da der Grund für die fristlose Entlassung vom 31. Januar 2003 nicht eine erneute Verfehlung - wie etwa der früher bereits beanstandete Alkoholkonsum während der Arbeitszeit - gewesen sei, sondern das (krankheitsbedingte und damit unverschuldete) Nichterscheinen am Arbeitsplatz, habe die Beschwerdeführerin den Beschwerdegegner ohne wichtigen Grund entlassen. Die Erwägungen im angefochtenen Urteil zur Verwirkung des ausserordentlichen Kündigungsrechts infolge verspäteter Geltendmachung des wichtigen Grundes entsprechen Lehre und Rechtsprechung zu Art. 337 OR (BGE 127 III 310 E. 4b S. 315 mit Hinweisen; 127 III 153 E. 2b; Rehbinder/Portmann, a.a.O., N 2, 11 f. zu Art. 337 OR; Staehelin, a.a.O., N 35 zu Art. 337 OR; Rehbinder, a.a.O., N 16 zu Art. 337 OR); sie sind daher zutreffend und jedenfalls nicht willkürlich. Da zudem die vom Kantonsgericht in diesem Zusammenhang vorgenommene Beweiswürdigung weder völlig unvertretbar noch einseitig erscheint, ist ein Verstoss gegen Art. 9 BV nicht gegeben.