Citation: U 436/06 06.07.2007 E. 3

3.1 Seit dem Sturz vom 18. Juni 2003, dessen Folgen allein als im vorliegenden Zusammenhang versicherte Gesundheitsschädigung anzusehen sind, leidet die Beschwerdegegnerin in erster Linie an die Alltagsverrichtungen stark behindernden Schmerzen im rechten Schulter-, Arm- und Handgelenkbereich. Fraglich ist, ob der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest noch eine Teilursache (vgl. dazu BGE 117 V 359 E. 4b S. 360) dieser im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per Ende Oktober 2004 geklagten, ätiologisch unspezifischen Symptomatik darstellt oder ob konkurrierende Faktoren - in Relation zur eher geringfügigen Unfalldynamik - eine derart dominante Stellung einnehmen, dass dem versicherten Ereignis keine tatsächliche kausale Bedeutung mehr beigemessen werden kann. 3.2 Verschlimmert der Unfall einen krankhaften Vorzustand oder lässt er ihn überhaupt erst manifest werden, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate) Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn dieser also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 f. E. 4b, je mit Hinweisen; Urteil des EVG U 135/05 vom 7. Juli 2005, E. 3.2 mit Hinweisen). 3.3 Die Versicherte erlitt bereits vor ca. zehn Jahren eine Ellbogenfraktur rechts, deren Folgen als vorbestehend zu gelten haben. Aus dem zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem (Wieder-)Eintreten bzw. der Verstärkung der - nach der Aktenlage offenbar nur noch latent vorhandenen - Symptome kann allerdings geschlossen werden, dass das betreffende Leiden einen unfallbedingten Schub erfahren hat, zumal der Vorgang vom 18. Juni 2003 geeignet war, einen auf Grund der Vorschädigung wohl relativ labilen Zustand jedenfalls für eine bestimmte Zeit ungünstig zu beeinflussen. Die Beschwerdeführerin hat ihre Leistungspflicht somit zunächst zu Recht bejaht. 3.4 Zu beurteilen ist indessen, ob diese Veränderung auch nachhaltig war, das heisst einer sog. richtunggebenden Verschlechterung des Vorzustandes gleichkam, welche über den Zeitpunkt der strittigen Leistungseinstellung hinaus Wirkung entfaltete. 3.4.1 Der hier interessierende Befund (unklares Schmerzsyndrom des gesamten rechten Armes) ist hinsichtlich seiner Entstehungsweise unspezifisch. Neben der anlässlich des Sturzes vom 18. Juni 2003 erlittenen Kontusion/Distorsion des rechten Handgelenkes und der erwähnten, schon länger zurückliegenden - im vorliegenden Kontext als unfallfremd zu wertenden - Ellbogenfraktur rechts sprechen die Dres. med. J.________ (Berichte vom 25. November 2003 und 6. Mai 2004) und A.________ (Zeugnis vom 31. Dezember 2003) von einer posttraumatischen Brachialgie/Epikondylopathie rechts bzw. der Entwicklung einer Algodystrophie im rechten Armbereich (Berichte des Dr. med. A.________ vom 18. Mai 2004 und 7. Juli 2005 sowie des Dr. med. J.________ vom 6. Juli 2005). Die Dres. med. K.________ und F.________ gingen als Ergebnis ihrer Untersuchung vom 4. März 2004 ebenfalls "am ehesten" von einem CRPS (Complex regional pain syndrome) Typ I Stadium II bis III der rechten Hand aus, wohingegen Dr. med. O.________ ein regionales myofasziales Schmerzsyndrom Arm rechts diagnostizierte, Anhaltspunkte für einen Morbus Sudeck aber verneinte (Bericht vom 21. April 2004). Dem schloss sich Dr. med. B.________ am 5. Oktober 2004 mit der Annahme eines unklaren Schmerzsyndroms des gesamten rechten Armes ohne sicheren Hinweis auf einen Morbus Sudeck an.