Citation: BGE 150 III 160 E. 4.5.1

Im Zeitpunkt der Geburt des Beschwerdeführers im Jahr 1958 und bis zum Inkrafttreten des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1976 über die Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Kindesverhältnis) am 1. Januar 1978 (AS 1977 237; BBl 1974 II 1) unterschied das ZGB zwischen ehelichen (aArt. 252 bis aArt. 301 ZGB) und ausserehelichen Kindesverhältnissen (aArt. 302 bis aArt. 327 ZGB). Das aussereheliche Kindesverhältnis zwischen dem Kind und der Mutter entstand - wie heute (Art. 252 Abs. 1 ZGB) - mit der Geburt (aArt. 302 Abs. 1 ZGB). Das aussereheliche - rechtliche bzw. mit Standesfolge verbundene - Kindesverhältnis zwischen dem Kind und dem Vater konnte nur durch Anerkennung durch den Vater (aArt. 303 i.V.m. aArt. 325 ZGB) oder auf Klage der Mutter oder des Kindes auf Zusprechung mit Standesfolge (aArt. 307 i.V.m. aArt. 309 Abs. 1 und aArt. 323 ZGB) durch Urteil begründet werden (aArt. 302 Abs. 2 ZGB). Bestand ein solches rechtliches Kindesverhältnis, begründete dieses ein sog. aussereheliches Verwandtschaftsverhältnis. Damit war das Kind gegenüber seinem Vater auch erbberechtigt (aArt. 461 Abs. 2 ZGB) und pflichtteilsgeschützt (aArt. 461 i.V.m. aArt. 471 Ziff. 1 ZGB). Die Vaterschaftsklage ging jedoch in erster Linie auf blosse Vermögensleistungen (aArt. 309 Abs. 1 ZGB), namentlich auf Zuspruch von Unterhalt (aArt. 319 ZGB). Die familienrechtlichen Pflichten des Vaters waren damit BGE 150 III 160 S. 165 rein vermögensrechtlicher Natur; das Urteil schuf keine weitergehende familiäre oder rechtliche Bindung zwischen dem Erzeuger und dem Kind bzw. begründete kein (rechtliches) Kindesverhältnis, weswegen das Kind auch kein Erbrecht hatte (BGE 124 III 1 E. 2a; Urteil 5A_764/2022 vom 3. Juli 2023 E. 3.4; HEGNAUER, Berner Kommentar, 3. Aufl. 1969, N. 37 zu [a]Art. 302 sowie N. 7, 16 f. zu [a]Art. 303 ZGB). Mit Zustimmung des Beistands (vgl. aArt. 311 ZGB) und der Vormundschaftsbehörde (aArt. 421 Ziff. 8 ZGB) konnten die Mutter und der Vater auch einen Unterhaltsvertrag abschliessen (EGGER, Zürcher Kommentar, 2. Aufl. 1943, N. 28 ff. zu [a]Art. 319 ZGB). Der Abschluss eines Unterhaltsvertrags war - wie auch das Urteil, das den Vater nur zu Vermögensleistungen verpflichtete - ohne Standesfolge bzw. begründete kein Kindesverhältnis im Sinn von aArt. 302 Abs. 2 ZGB. Rechtsprechung und Lehre verwendeten für den Fall, dass der Vater aufgrund eines Urteils oder eines Unterhaltsvertrags zu Vermögensleistungen verpflichtet war, den Begriff der Zahlvaterschaft. Mutter und Kind konnten indes auch auf Anerkennung des Kindesverhältnisses mit Standesfolge klagen, aber nur, wenn der Vater "der Mutter die Ehe versprochen, oder sich mit der Beiwohnung an ihr eines Verbrechens schuldig gemacht oder die ihm über sie zustehende Gewalt missbraucht hat" (aArt. 323 ZGB). Aufgrund dieser einschränkenden Vorgaben war die Zahlvaterschaft tatsächlich die häufigste Regelung eines ausserehelichen Kindesverhältnisses (siehe dazu die Statistik für den Kanton Zürich bei HEGNAUER, Berner Kommentar, 4. Aufl. 1984, N. 140 zu [a]Art. 261 ZGB).