Citation: I 143/02 30.09.2003 E. 3

Das kantonale Gericht vertrat die Auffassung, das Tätigkeitsspektrum des Versicherten sei ohne weitere Abklärungen betreffend die konkreten Anforderungen der Arbeitsstelle mit demjenigen eines Verkaufsleiters gemäss dem in AHI 2000 S. 294 ff. publizierten Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vergleichbar, weshalb davon auszugehen sei, dass der Geschäftsführer einer Elektroinstallationsfirma zur Ausübung seiner Erwerbstätigkeit nicht auf Binokularsehen angewiesen sei. Dagegen wendet die HELSANA ein, die Tätigkeit des Geschäftsführers umfasse nicht nur die telefonische Auskunftserteilung, das Lesen von Bauplänen sowie "Schreibtischarbeit und Teilnahme an Sitzungen", sondern auch das mit erheblichen Gefahren verbundene Begehen von Baustellen, wofür eine optimale Sehschärfe ohne störende Blendeffekte und ohne fehlende Fähigkeit, stereoskopisch zu sehen, unerlässlich sei. Zu prüfen ist demnach, ob gestützt auf die vorliegenden Akten die Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit des Versicherten beantwortet werden kann. 3.1 Das Eidgenössische Versicherungsgericht präzisierte seine Rechtsprechung zur Übernahme der Kataraktoperation am zweiten Auge (vgl. AHI 2000 S. 294) im Urteil D. vom 24. Juli 2003 (I 29/02) dahingehend, dass die Staroperation am zweiten Auge (nach erfolgter Übernahme am ersten Auge) - bei Erfüllung der übrigen Voraussetzungen nach Art. 12 Abs. 1 IVG - nur dann als medizinische Eingliederungsmassnahme durch die Invalidenversicherung zu übernehmen ist, wenn aufgrund detaillierter Ermittlung der Tätigkeiten im Rahmen des ausgeübten Berufes für die visuell anspruchvollste dieser Tätigkeiten die Notwendigkeit des Binokularsehens aus augenärztlicher Sicht bejaht wird. In denjenigen Berufen, in welchen besondere medizinische Mindestanforderungen an die Sehfähigkeit ausdrücklich normiert sind, ist auf diese Visusgrenzwerte abzustellen, so dass sich in erwerblicher Hinsicht eine detaillierte Ermittlung der verschiedenen Tätigkeitsanteile erübrigt. 3.2 Den Akten ist nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen) zu entnehmen, welche konkreten Tätigkeiten der trotz seines Invaliditätsgrades von 50 % als Geschäftsführer einer Elektroinstallationsfirma arbeitende A.________ im Rahmen seiner Anstellung bei der F.________ AG in X.________ zu verrichten hat. Immerhin ist den Angaben der Arbeitgeberfirma vom 22. Februar 2001 zu entnehmen, dass die Teilinvalidität des Versicherten eine Umstrukturierung in der Geschäftsführung erforderte. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz lässt der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt ohne ergänzende Abklärungen der konkret auszuführenden Tätigkeiten des A.________ keine Schlussfolgerungen zu in Bezug auf eine allfällige Notwendigkeit des Binokularsehens. Die besondere Situation des teilweise invaliden Geschäftsführers lässt sich nicht unbesehen mit derjenigen des Verkaufsleiters gemäss AHI 2000 S. 294 vergleichen. Die Verwaltung, an welche die Sache zu weiteren Abklärung zurückzuweisen ist, wird deshalb in geeigneter Form - z.B. durch Einholung eines Pflichtenheftes und Befragung der Arbeitgeberin - das Tätigkeitsspektrum des Versicherten abklären. 3.3 Steht fest, welches die visuell anspruchvollste Tätigkeit des A.________ ist, wird die IV-Stelle einen fachärztlichen Bericht zur diesbezüglichen Notwendigkeit des Binokularsehens einholen, der nicht allein auf die subjektiven Angaben des Versicherten abstellt, sondern vielmehr für die streitigen Belange umfassend ist, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wird und der konkreten medizinischen Situation Rechnung trägt (vgl. dazu BGE 125 V 353 Erw. 3a). Soweit der einseitige Ausfall der Sehfähigkeit durch Angewöhnung an den Verlust des stereoskopischen Sehens zumutbarerweise kompensiert werden kann (vgl. z.B. die viermonatige Wartefrist nach dem Verlust eines Auges in der Führerausweis-Kategorie B gemäss Anhang 1 zur Verordnung vom 27. Oktober 1976 über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr [VZV; SR 741.51]), hat dies der Augenarzt im Einzelfall zu berücksichtigen und dazu Stellung zu nehmen. Zusätzlich wird er die Frage betreffend die Auswirkungen von störenden Blendeffekten beantworten müssen. Erfolgt die augenärztliche Beurteilung dieser Fragen - wie hier - erst nach bereits durchgeführter Operation, sind sie medizinisch prognostisch aufgrund der Verhältnisse vor der fraglichen Operation (AHI 2000 S. 299 Erw. 2b mit Hinweisen) zu beantworten. 3.4 Fehlt es an den erforderlichen Grundlagen zur Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens in Bezug auf die konkret ausgeübte Tätigkeit des Versicherten (vgl. Erw. 3.2 hievor), sind der angefochtene Entscheid und die Verwaltungsverfügung aufzuheben. Die Sache ist an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese bei den ergänzenden Abklärungen nach den Erwägungen Ziffer 3.1 bis 3.3 vorgehen und anschliessend über das Leistungsgesuch betreffend die am 29. Juni 2001 durchgeführte Staroperation am linken Auge neu verfügen wird.