Citation: 1A.173/2000 05.11.2001 E. 4

4.- Damit bräuchte zu den weiteren Einwänden des Beschwerdeführers 2 und zur Beschwerde des Beschwerdeführers 1 an sich nicht mehr Stellung genommen zu werden. Für den Fall, dass der Bundesrat am Bau der Anlage am Standort Au festhalten und sich in Behebung des Mangels in der Sachplanung für den Vorrang der militärischen Interessen entscheiden sollte, rechtfertigen sich gleichwohl folgende Hinweise: a) Der Beschwerdeführer 2 macht geltend, die geplante Anlage beeinträchtige das Objekt Nr. 1108 "Aargauer Tafeljura" des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Ein Teil der geplanten Anlage in der Au liegt innerhalb, der Hauptteil unmittelbar ausserhalb des BLN-Objektes Nr. 1108. Gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG wird durch die Aufnahme eines Objektes von nationaler Bedeutung in ein Inventar des Bundes dargetan, dass es in besonderem Masse die ungeschmälerte Erhaltung oder jedenfalls grösstmögliche Schonung verdient. Der Begriff der ungeschmälerten Erhaltung ist so zu verstehen, dass der im Inventar angestrebte Schutz vollumfänglich zur Geltung gelangen und allfälligen Bedrohungen begegnet werden soll. Zur Beurteilung der Problematik der ungeschmälerten Erhaltung eines BLN-Objektes ist von der jeweiligen Umschreibung des Schutzgehaltes auszugehen, d.h. die möglichen Beeinträchtigungen sind an den verschiedenen Schutzzielen zu messen, die in den gesondert veröffentlichten Beschreibungen zu den Gebieten des Inventars genannt sind (BGE 123 II 256 E. 6a mit Hinweisen; vgl. auch Jörg Leimbacher, Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 5 N. 12 und Art. 6 N. 6 und 14). Ein Schutzobjekt kann auch durch Anlagen, die an seiner Grenze errichtet werden, erheblichen Schaden erleiden (BGE 115 Ib 311 E. 5e mit Hinweisen). Die Bedeutung des BLN-Objektes Nr. 1108 wird wie folgt umschrieben: "Repräsentativer Teil des Aargauer Tafeljuras, durch die West-Ost verlaufenden Mettauer und Mandacher Störungen gegliedert. Zahlreiche, bemerkenswerte Standorte von vegetationskundlicher und floristischer Bedeutung. Orchideenreiche Buchen-Föhrenwälder auf Effinger Mergeln. Naturnahe Kulturlandschaftsteile, typische aargauische Reblandschaft, teils gut erhaltene Dörfer.. " An diesen Komponenten des Schutzgehaltes hat sich die Gewichtung des hier zu beurteilenden allfälligen Eingriffs zu orientieren (BGE 123 II 256 E. 6a). Wie sich aus der obigen Umschreibung ergibt, kommt dem Objekt Nr. 1108 aus landschaftlichen Gründen und wegen vegetationskundlich und floristisch bemerkenswerter Standorte nationale Bedeutung zu. Auf diese Schutzziele wirkt sich eine allfällige Beeinträchtigung des Wildtierkorridors, der ausserhalb des Perimeters des BLN-Objektes Nr. 1108 liegt, nicht aus. Das BLN-Objekt bleibt auch dann ungeschmälert erhalten, wenn die Funktionsfähigkeit des Wildtierkorridors vermindert werden sollte. b) Der Beschwerdeführer 2 bringt vor, mindestens eine Massnahme nach Art. 29 der Verordnung über den Natur- und Heimatschutz vom 16. Januar 1991 (NHV; SR 451. 1) wäre erforderlich gewesen. Bis der Bundesrat die Biotope von nationaler Bedeutung (...) bezeichnet hat und solange die einzelnen Inventare nicht abgeschlossen sind, sorgen die Kantone mit geeigneten Sofortmassnahmen dafür, dass sich der Zustand von Biotopen, denen aufgrund der vorhandenen Erkenntnisse und Unterlagen nationale Bedeutung zukommt, nicht verschlechtert (Art. 29 Abs. 1 lit. a NHV). Die Behörden und Amtsstellen des Bundes sowie seiner Anstalten und Betriebe treffen dort, wo sie nach der anwendbaren Spezialgesetzgebung des Bundes zuständig sind, die Sofortmassnahmen nach Absatz 1 Buchstaben a (Art. 29 Abs. 3 NHV). Es sind Arbeiten im Gange, die als Grundlage dafür dienen könnten, den Wildtierkorridor in der Au in ein Inventar von Korridoren nationaler Bedeutung aufzunehmen. Die Vorinstanz vertritt in der Vernehmlassung die Ansicht, der Korridor in der Au sei kein Biotop im Sinne von Art. 18 NHG. Deshalb sei Art. 29 Abs. 1 lit. a NHV nicht anwendbar. Wildtierkorridore haben die Funktion, verschiedene Biotope miteinander zu verbinden. Ohne solche Verbindungen können gegebenenfalls Schutzziele von Biotopen von nationaler Bedeutung nicht nachhaltig sichergestellt werden. Wildtierkorridore sind deshalb den Biotopen gleichzustellen und können folglich, sofern ihnen nationale Bedeutung zukommt, Gegenstand einer entsprechenden Inventarisierung sein. Art. 29 Abs. 1 lit. a NHV ist somit grundsätzlich beachtlich. Diese Bestimmung kann die Bewilligung einer Anlage allerdings nicht verhindern, wenn die Voraussetzun- gen von Art. 6 Abs. 2 NHG gegeben sind. c) Der Beschwerdeführer 2 macht geltend, die Voraussetzungen von Art. 24 des Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 (RPG; SR 700) für die Errichtung der Anlage ausserhalb der Bauzone seien nicht erfüllt. Der Einwand ist unbegründet. Mit der Plangenehmigung werden sämtliche nach Bundesrecht erforderlichen Bewilligungen erteilt (Art. 126 Abs. 2 MG). Die Plangenehmigung hat jedoch nicht nur Bewilligungscharakter. Wie das ARE zutreffend bemerkt, legt die Genehmigungsbehörde mit der Plangenehmigung überdies die zulässige Nutzung des Bodens fest. Der Plangenehmigung kommt Sondernutzungsplancharakter zu (Botschaft vom 25. Februar 1998 zu einem Bundesgesetz über die Koordination und Vereinfachung der Plangenehmigungsverfahren, BBl 1998 S. 2618). Art. 24 RPG ist somit nicht massgebend. Mit der planerischen Festsetzung im Rahmen der Plangenehmigung wird das Vorhaben zonenkonform. d) Der Beschwerdeführer 1 verlangt die Verschiebung der Anlage nach Norden. Er unterscheidet dabei eine "Minimalvariante" und eine "Optimalvariante". aa) Er bringt vor, bei der Minimalvariante werde die Anlage um mindestens 50 m nach Norden verschoben. Damit und mit ihrer leichten Drehung rücke die Anlage wenigstens 70 m weiter von der empfindlichsten Stelle des Tierkorridors weg. Die Anordnung der verschiedenen Teile innerhalb der Anlage könne beibehalten werden. Gleichzeitig könne ein 60 m langes Flachufer angelegt werden, das den Tieren den Zugang zur Flussüberquerung erleichtere. Mit der Verschiebung der Anlage nach Norden würden die Chancen für das Funktionieren des Tierkorridors beträchtlich steigen. Technisch sei die Verschiebung ohne grosse Probleme möglich. Nach Einschätzung der kantonalen Verwaltung sei damit auch kein erheblicher finanzieller Mehraufwand verbunden. Bei der Optimalvariante müssten die verschiedenen Teile innerhalb der Anlage anders gegliedert werden. Der Abstand zum Tierkorridor könne auf 180 m vergrössert werden. Dank einer Änderung der Flächenanordnung könnte eine breite Schutzzone bis zur empfindlichsten Stelle des Korridors geschaffen werden. Statt im Norden, wie von der Vorinstanz vorgesehen, würden alle Ersatzbiotope im Süden der Anlage platziert. Mit der Verschiebung nach Norden würden zusätzliche Waldflächen beansprucht. Diese seien im Richtplan als Naturschutzgebiete von kantonaler Bedeutung festgesetzt. In Abwägung der Interessen erachte die Abteilung Wald als kantonale Fachstelle zusätzliche Rodungen als zulässig. Südlich der Anlage könne eine genügend grosse Fläche als qualitativ gleichwertiger Realersatz aufgeforstet werden. bb) Nach den Ausführungen der Vorinstanz fällt die "Optimalvariante" ausser Betracht. Die Geometrie des Beckens sowie Grösse und Anordnung der Manövrier- und Abstellplätze seien bestimmt durch die technischen Voraussetzungen der eingesetzten Geräte (Schwimmbrücke und Transportfahrzeuge). Die Elemente der Anlage seien bereits minimiert worden und liessen sich nicht mehr verändern. Deshalb könne der Abstand zum Wildtierkorridor durch eine Verschiebung der Anlage nur um 50 m erhöht werden. Der Beschwerdeführer 1 legt nicht dar und es ist nicht ersichtlich, inwiefern dies unzutreffend sein soll. Es kann somit nicht angenommen werden, dass ein Feinstandort möglich wäre, der jede erhebliche Beeinträchtigung des Wildtierkorridors ausschliesst. Zur Minimalvariante bemerkt das BUWAL in der Vernehmlassung, auch eine kleinräumige Verschiebung der Anlage könnte entscheidende Vorteile für den Wildtierkorridor haben; die Vor- und Nachteile einer solchen Verschiebung seien zu wenig abgeklärt worden. Dem ist zuzustimmen. Es lässt sich im jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, eine kleinräumige Verschiebung sei von derart zweifelhaftem Nutzen, dass sie von Vornherein ausser Betracht falle. Diesem Gesichtspunkt wäre bei einer allfälligen Neubeurteilung des Projektes Rechnung zu tragen.