Citation: 2P.180/2003 17.06.2004 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin meldete sich bereits im Frühjahr 2000 in S.________ (AG) als Wochenaufenthalterin an. Sie teilte dort eine 3 1/2-Zimmer-Wohnung mit dem fünf Jahre älteren Y.________. Die Beschwerdeführerin war als Sachbearbeiterin bei einer Treuhandfirma in Zürich angestellt, wo sie sich zunächst zur Buchhalterin mit eidgenössischem Fachausweis und ab August 2002 zur Treuhandexpertin ausbilden liess. Y.________ arbeitete in der benachbarten (zürcherischen) Gemeinde G.________ bei einer spezialisierten Unternehmung als Heizungstechniker/Projektleiter. Die Beschwerdeführerin und ihr Freund haben S.________ somit gewählt, um von hier aus während der Woche der täglichen Arbeit nachzugehen. Im Falle der Beschwerdeführerin diente der Aufenthalt zudem der Weiterbildung. Während dieser Zeit hatten die Beschwerdeführerin und Y.________ ein Konkubinatsverhältnis. Dieses kann nicht als bloss vorübergehende Zweckgemeinschaft (im Hinblick auf eine befristete Weiterbildungs- oder berufliche Übergangsphase) bezeichnet werden. Vielmehr bestanden freundschaftliche Beziehungen zwischen den beiden schon vor ihrem Zuzug in S.________. Wohl mag das Konkubinatsverhältnis im Zeitpunkt, ab welchem der Kanton Aargau die Steuerhoheit beansprucht (1. August 2002), bereits in Auflösung begriffen gewesen sein; jedenfalls trennten sich die Beschwerdeführerin und Y.________ Ende Dezember 2002. Allein durch die Absicht, die gegenseitige Beziehung zu lösen, änderte sich die persönliche Situation indessen nicht, sondern erst durch den definitiven Auszug von Y.________ aus der gemeinsamen Wohnung am Ende des Jahres. In der Periode, für die der Kanton Aargau die Steuerhoheit beansprucht, bestand auf jeden Fall das Konkubinatsverhältnis. Das sind Umstände, die nach der vorn dargelegten Rechtsprechung auf den Wochenaufenthaltsort in S.________ als Steuerdomizil schliessen lassen, sofern nicht besondere Beziehungen zum Familienort im Wallis überwiegen. Zu prüfen ist daher, ob besondere Beziehungen zu B.________ bzw. A.________ bestehen, welche diejenigen zu S.________ überwiegen. Die Beweislast hierfür liegt bei der Beschwerdeführerin (vorstehende E. 2.4). 3.2 Solche Umstände sind vorliegend dargetan: Sowohl die Beschwerdeführerin wie auch Y.________ verbrachten anerkanntermassen die Wochenenden und die Freizeit bei ihren Eltern in B.________ (Beschwerdeführerin) bzw. A.________ (Y.________), wobei sie den Weg ins Wallis gemeinsam mit dem Auto von Y.________ zurücklegten. Die zum Beweis eingereichten Kundenrechnungen des Jahres 2002 belegen die wöchentliche Benutzung der Verladeeinrichtungen in Kandersteg und Goppenstein. Es ist offensichtlich, dass bei der Beschwerdeführerin (wie auch bei ihrem Freund) eine starke Verbundenheit sowohl zur elterlichen Familie wie auch zum Familienort im Wallis besteht, was nicht nur aus der allwöchentlichen Rückkehr hervorgeht. Die Beschwerdeführerin unterhält anerkanntermassen enge Beziehungen sowohl zu B.________, wo ihre Eltern wohnen, als auch zu ihrem Heimatort A.________, wo sie ein unüberbautes Grundstück besitzt und am Vereinsleben teilnimmt. So ist sie Aktivmitglied und Aktuarin des Tennis-Clubs von A.________ und zudem Ehrendame der dortigen Musikgesellschaft. Vor diesem Hintergrund vermögen die für den Wochenaufenthaltsort in S.________ sprechenden Indizien - Arbeitsort, Wohnverhältnisse, Konkubinat - nicht aufzukommen. Den Arbeitsort in Zürich wählte die Beschwerdeführerin aus Gründen der beruflichen Weiterbildung. Im kantonalen Verfahren legte sie dar, dass sie die Weiterbildung zur Buchhalterin mit eidgenössischem Fachausweis und zur Treuhandexpertin im deutschsprachigen Teil des Wallis nicht hätte absolvieren können, weil die entsprechenden Kurse der AKAD bzw. der Schweizer Treuhänder Schule (STS) nur in Luzern, Zürich und Bern angeboten werden. Wohl ist die 3 1/2-Zimmer-Wohnung in S.________ mehr als nur ein "pied-à-terre", doch ist der Wochenaufenthalt im Falle der Beschwerdeführerin nicht mit sozialen und gesellschaftlichen Kontakten verknüpft, wie das in B.________ und A.________ der Fall ist. Dass die Beziehungen zur elterlichen Familie im fraglichen Zeitraum eine mindestens annähernd so grosse Rolle spielten wie das Konkubinat, zeigt sich darin, dass an den Wochenenden jeder der beiden Partner seine eigene Familie besuchte. Abgesehen von Kontakten am Arbeitsplatz, sind auch keine sozialen Kontakte der Beschwerdeführerin in S.________ oder Zürich nachgewiesen. 3.3 Die Gesamtheit der Umstände spricht mithin dafür, dass trotz gewichtiger Indizien (Konkubinat, Wohn- und Arbeitsverhältnisse), die auf den Wochenaufenthaltsort S.________ hindeuten, die Beziehungen zum Ort der elterlichen Familie überwiegen. Die Beschwerde ist deshalb gegenüber dem Kanton Aargau gutzuheissen, und der angefochtene Entscheid des Steuerrekursgerichts des Kantons Aargau vom 15. Mai 2003 ist aufzuheben. Die staatsrechtliche Beschwerde gegen den Kanton Wallis ist abzuweisen.