Citation: 2C_1062/2019 E. 4.2

4.2. Keine Anwendung findet vorliegend Art. 63 Abs. 3 AIG, wonach ein Widerruf, der nur damit begründet wird, dass ein Delikt begangen wurde, für das ein Strafgericht bereits eine Strafe oder Massnahme verhängt, jedoch von einer Landesverweisung abgesehen hat, unzulässig ist. Diese Bestimmung, die zusammen mit Art. 66a ff. StGB am 1. Oktober 2016 in Kraft getreten ist, ist aus intertemporalrechtlichen Gründen nur anwendbar, wenn das auslösende Delikt nach diesem Datum begangen wurde (vgl. Urteil 2C_305/2018 vom 18. November 2019 E. 4 mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat zudem festgehalten, dass ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung auch dann unzulässig ist, wenn er zwar gestützt auf vor dem 1. Oktober 2016 begangene Delikte erfolgte, inzwischen ein Strafgericht jedoch von einer Landesverweisung abgesehen hat, sofern es in seiner Prüfung des Härtefalls auch die vorher begangenen Delikte berücksichtigt hat (vgl. Urteile 2C_1154/2018 vom 18. November 2019 E. 2.2, zur Publikation vorgesehen; 2C_580/2019 vom 9. März 2020 E. 2.3.3). Der Widerruf erfolgte hier gestützt auf die Verurteilung vom 3. Juni 2016 zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Auf die damit bestraften Taten konnten aus übergangsrechtlichen Gründen Art. 66a ff. StGB und Art. 63 Abs. 3 AIG nicht anwendbar sein, so dass eine Landesverweisung nicht in Frage kam. Zusätzlich wurde die Beschwerdeführerin am 27. April 2018 erneut wegen Drogendelikten bestraft, die im Zeitraum 1.-14. Juli 2017 und somit nach Inkrafttreten der neuen Bestimmungen begangen wurden. Das betreffende Urteil des Regionalgerichts Oberland, für welches keine schriftliche Begründung vorliegt, äussert sich nicht zur Frage der Landesverweisung. Auch sind keine Hinweise ersichtlich, dass das Gericht das gesamte deliktische Verhalten der Beschwerdeführerin, mit Einschluss der vor dem 1. Oktober 2016 begangenen Straftaten, berücksichtigt hätte. Folglich ist der Widerruf der Niederlassungsbewilligung gestützt auf die Verurteilung vom 3. Juni 2016 zulässig (vgl. auch Urteil 2C_580/2019 vom 9. März 2020 E. 2.4).