Citation: U 328/06 25.07.2007 E. 11

11.1 Die beiden Kriterien der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls sowie der ärztlichen Fehlbehandlung sind nicht erfüllt. 11.2 Die Diagnose einer HWS-Distorsion vermag das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3 mit Hinweisen; erwähntes Urteil U 369/05, E. 8.2). Solche Umstände sind hier nicht gegeben, zumal in der Biomechanischen Beurteilung vom 27. Oktober 2003 (E. 10.2 hievor) unter Berücksichtigung der Position der Versicherten im Unfallzeitpunkt (angegurtet, Kopfstütze korrekt eingestellt, leichte Abdrehung des Oberkörpers nach links, Kopf leicht nach links gedreht, Anprall des Hinterkopfes an der Kopfstütze; vgl. Erhebungsblatt für die Abklärung von HWS-Fällen vom 4. Februar 2003) ausgeführt wurde, biomechanisch relevante Besonderheiten seien nicht aktenkundig, weder bezüglich der Kollision noch der individuellen Gegebenheiten bei der Versicherten. Das Kriterium wäre selbst dann nicht erfüllt, wenn zusätzlich von einer Commotio cerebri auszugehen wäre (vgl. E. 3.2 hievor; erwähntes Urteil U 479/05, E. 8.2). 11.3 Hinsichtlich des Kriteriums der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist Folgendes festzuhalten: 11.3.1 Nach der Hospitalisation im Spital X.________ (21. bis 24. Mai 2002) wurde die Versicherte medikamentös behandelt und absolvierte Physiotherapie. Auf Verordnung des Spitals X.________ schaffte sie sich einen Sitzkeil und ein Nackenkissen an. Am 3. Dezember 2002 erfolgte durch den Hausarzt Dr. med. F.________ die dritte Verordnung von Physiotherapie. Am 19. August 2003 gab die Versicherte gegenüber dem Kreisarzt Dr. med. K.________ an, während des ganzen letzten Jahres und nach einer Pause von vier Monaten habe sie auch dieses Jahr Physiotherapie absolviert, Übungen instruiert und Massage gehabt. Zur Zeit mache sie keine Physiotherapie mehr, nehme aber Treufadol und ein Schmerzmittel. Im Bericht zuhanden der Invalidenversicherung vom 16. Februar 2004 führte Dr. med. F.________ aus, durch medizinische Massnahmen könne die Arbeitsfähigkeit nicht verbessert werden. Gemäss dem Bericht der Psychologin Frau G.________ vom 25. März 2004 war die Versicherte seit März 2003 bei ihr in psychotherapeutischer Behandlung. Leider habe sie (Frau G.________) dann aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit für mehrere Monate niederlegen müssen. Ende Februar 2004 habe die Versicherte den Kontakt zu ihr wieder aufgenommen. Die psychotherapeutische Behandlung ziele auf eine umfassendere kognitiv-affektive Umstrukturierung und werde hoffentlich ebenfalls positive Auswirkungen auf die Schmerzproblematik haben (vgl. auch E. 9.2.1 hievor). Im Bericht vom 4. Mai 2004 gab der Kreisarzt Dr. med. K.________ an, mittlerweile sei die Versicherte in kinesiologischer Behandlung beim dipl. Heilpraktiker F.________; sie nehme noch Treuphadol und Dafalgan, nicht jeden Tag, und für die Schmerzen noch Flactorpflaster. Im Bericht vom 21. Januar 2005 führte Dr. med. K.________ aus, im Moment habe die Versicherte die Physiotherapie gestoppt und mache Kinesiologie. Zudem nehme sie Dafalgan für ganz starke Schmerzen, dazu spezielle Salben und Spray; ansonsten mache sie keine Therapie. Im Bericht vom 11. September 2005 legte der dipl. Heilpraktiker F.________ dar, die Versicherte sei seit Dezember 2003 bei ihm in Behandlung, heute ca. ein- bis dreimal monatlich. 11.3.2 Eine Behandlungsbedürftigkeit von zwei bis drei Jahren nach einem HWS-Schleudertrauma respektive äquivalenten Verletzungen ist durchaus üblich (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.4 in fine mit Hinweisen). Zu beachten ist auch, dass die psychotherapeutische Behandlung bei der Psychologin Frau G.________ anfänglich wegen einer Beziehungskrise der Beschwerdeführerin und nicht wegen den Unfallfolgen stattfand. Erst ab Ende Februar 2004 bezog sie sich auch auf die unfallbedingte Schmerzproblematik (E. 9.2.1 hievor). Weiter ist festzuhalten, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht in diversen Fällen, in denen alternativ- bzw. komplementärmedizinischen Behandlungen durchgeführt wurden, das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung nicht als erfüllt ansah (vgl. Urteile U 265/05 vom 21. Juni 2006, E. 3.2.2, U 376/04 vom 28. Juni 2005, E. 3.2.2, U 289/04 vom 23. Dezember 2005, E. 4.3, und U 361/02 vom 24. September 2003, E. 3.3). Im Urteil U 376/04 E. 3.2.2 führte es diesbezüglich aus, die Wirksamkeit der komplementär- und alternativmedizinischen Massnahmen (in casu Akupunktur, Osteopathie und Alexandertechnik) sei umstritten. Im erwähnten Urteil U 479/05 E. 8.3.3 hat das Bundesgericht diese Rechtsprechung bestätigt. Es besteht vorliegend kein Anlass, das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung auf Grund der durchgeführten alternativmedizinischen Massnahmen beim dipl. Heilpraktiker F.________ zu bejahen. Gesamthaft betrachtet kann bis zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per Ende März 2005 bzw. des Erlasses des Einspracheentscheides (20. Juni 2005) nicht von einer kontinuierlichen, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichteten ärztlichen Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer gesprochen werden. Anzufügen ist, dass den Abklärungsmassnahmen und blossen ärztlichen Kontrollen nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zukommt (erwähntes Urteil U 479/05 E. 8.3.3). 11.4 Zu prüfen ist im Weiteren das Kriterium der Dauerbeschwerden. Diesbezüglich kann auf die in E. 8.2.2 hievor dargelegte gesundheitliche Entwicklung verwiesen werden. Es kann offen bleiben, ob Dauerbeschwerden im Sinne von über den ganzen Zeitraum andauernden Beschwerden (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.6) oder vor allem Bewegungs- und Belastungsschmerzen vorlagen. Selbst wenn das Kriterium als gegeben erachtet würde, wäre es jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise erfüllt. 11.5 Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden - welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden; vgl. E. 11.3 f. hievor) zu berücksichtigen sind - darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (erwähntes Urteil U 479/05 E. 8.5 mit Hinweis). Solche Gründe sind hier bezüglich der Unfallfolgen nicht ersichtlich. 11.6 Zu beurteilen ist schliesslich das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Nach dem Unfall vom 21. Mai 2002 nahm die Beschwerdeführerin ihre Arbeit am 17. Juni 2002 zu 50 % und ab 1. Juli 2002 zu 100 % wieder auf, wobei erneute Arbeitsausfälle vom 25. bis 29. September 2002 und am 9./10. Oktober 2002 zu verzeichnen waren. Laut Bericht des Dr. med. F.________ vom 13. Dezember 2002 bestand sie die Lehrabschlussprüfung erfolgreich. Ab November 2002 war sie im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms der Arbeitslosenversicherung tätig. Seit 1. Januar 2004 arbeitete sie als kaufmännische Angestellte bei der Firma E.________ GmbH zunächst zu 60 %, ab 1. Juli 2004 zu 75 %. Am 30. August 2004 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis auf den 31. Oktober 2004. Gemäss Eintrag des Dr. med. F.________ im Unfallschein vom Dezember 2004 war die Versicherte seit 13. Juli 2003 zu 25 % arbeitsunfähig. Das Zentrum C.________ für Gehör- und Gleichgewichtsstörungen legte im Bericht vom 1. September 2005 dar, die angegebene Arbeitsunfähigkeit von 25 % erscheine auf Grund der angegebenen Beschwerden und den objektivierten Befunden als adäquat. Mit Blick auf die Rechtsprechung (vgl. insbesondere RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544, U 56/00) ist das Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt. 11.7 Nach dem Gesagten ist die Adäquanz zwischen dem Unfall vom 21. Mai 2002 und den auch nach dem 31. März 2005 anhaltenden Beschwerden nicht gegeben. Das kantonale Gericht hat deshalb die Leistungspflicht der SUVA für die Zeit ab 1. April 2005 im Ergebnis zu Recht verneint.