Citation: U 214/99 30.08.2001 E. 1

seit der Leistungsanerkennung verneint werden könnte. b) Was den letzten Einwand anbelangt, so ist dem Beschwerdeführer entgegenzuhalten, dass die differenzierende Praxis zur Adäquanz auf Fälle ausgerichtet ist, in denen die Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs einige Zeit nach dem Unfallereignis stattfindet. Dies zeigt sich darin, dass verschiedene Adäquanzkriterien einen Zeitfaktor beinhalten (ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden, schwieriger Heilungsverlauf und Dauer der Arbeitsunfähigkeit). Deshalb stellt sich die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zwischen schädigendem Ereignis und psychischen Fehlentwicklungen regelmässig erst nach einer längeren ärztlichen Behandlung und/oder nach einer länger dauernden, vollen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit (in BGE 127 V noch nicht veröffentlichtes Urteil J. vom 2. März 2001, U 116/98). Wenn daher der Unfallversicherer - wie vorliegend - Taggelder auf der Basis einer die psychische Beeinträchtigung mitumfassenden Arbeitsunfähigkeit leistet, kann daraus nicht zugleich auf eine Anerkennung des adäquaten Kausalzusammenhangs durch den Unfallversicherer geschlossen werden. Das vom Beschwerdeführer angerufene Urteil RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 steht diesen Ausführungen nicht entgegen, zumal dessen Erw. 3b ohnehin nicht den adäquaten, sondern den natürlichen Kausalzusammenhang betrifft. c) Die behandelnden Ärzte diagnostizierten initial ein Verhebetrauma der HWS (Dr. C.________ am 19. Oktober 1988) oder - nach präzisierter Schilderung des Geschehensablaufs durch den Versicherten - eine eindrückliche axiale Belastung der HWS (Kreisarzt Dr. O.________ am 13. November 1990), was später von einigen Ärzten als ein Distorsions- bzw. genauer als ein Stauchungstrauma der HWS definiert wurde (wiederum Dr. O.________ am 11. April 1995, sowie u.a. Klinik Z.________ am 22. November 1995). Einzig im rund sechs Jahre nach dem Unfallereignis erstellten Befundbericht der Klinik S.________ vom 27. Juni 1994 wird eher beiläufig die Diagnose eines Status nach Schleudertrauma im Jahre 1988 erwähnt. Indessen findet diese auch in den später erstellen Arztberichten keine Stütze. Auch ist zwar angesichts der diagnostizierten massiven axialen Belastung, welche zu einer Stauchung der HWS geführt hat, davon auszugehen, dass physikalische Gesetze der Trägheit gewirkt haben, indem der Versicherte durch das Stemmen des Kopfes gegen das Klavier einen Treppensturz verhinderte. Von einem ruckartigen, schnellen Bewegungsablauf, vergleichbar einer für das Schleudertrauma der HWS charakteristischen Peitschenbewegung kann indessen keine Rede sein. Ebenso wenig klagte der Versicherte im Anschluss an das Unfallereignis über Beschwerden, wie sie nach einem Beschleunigungsmechanismus der HWS sonst typischerweise auftreten (Erw. 1b hievor), so dass gesamthaft gesehen weder ein Schleudertrauma der HWS noch eine äquivalente Verletzung ausgewiesen ist. Die Frage nach der Adäquanz zwischen dem Unfallereignis vom 1. Juli 1988 und der rund acht Jahre später, in der zweiten Jahreshälfte von 1996 verstärkt aufgetretenen, im natürlich kausalen Zusammenhang zum Unfall stehenden psychischen Beschwerden ist demnach in Übereinstimmung mit dem kantonalen Gericht nach den in BGE 115 V 138 Erw. 6 entwickelten Kriterien zu beantworten. d) Wie von der Vorinstanz zutreffend erwogen, ist der hier zur Diskussion stehende Unfall auf Grund des Hergangs und der erlittenen Verletzungen als mittelschwer zu qualifizieren und im Grenzbereich zu den leichten Unfällen einzuordnen. Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs muss daher eines der unfallbezogenen Beurteilungskriterien in besonders ausgeprägter Weise oder die zu berücksichtigenden Kriterien müssen in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Der Unfall ist weder besonders eindrücklich noch hat er sich unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet. Von einer schweren oder besonderen Art der Verletzungen, die erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, kann in Berücksichtigung der richtunggebend verschlimmerten vorbestehenden degenerativen Veränderungen der HWS nicht gesprochen werden. Ferner kann allein aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer seit dem Aufenthalt vom 25. Oktober bis 22. November 1995 in der Klinik Z.________ über verstärkte Schmerzen im Bereich Nacken-Schulter-Arme bds. sowie Kribbeln und Hypästhesien in den Beinen klagt und dies der Elektrotherapie während der Kur zuschreibt, nicht auf eine Fehlbehandlung geschlossen werden. Objektive Anhaltspunkte finden sich diesbezüglich in den Akten keine. So konnte etwa Dr. D.________, der den Versicherten wenige Tage nach dem Klinikaufenthalt am 26. November 1995 untersucht hatte, die behauptete Schmerzzunahme keinem medizinischen Korrelat zuordnen, bekräftigte gegenteils den Austrittsbefund der Klinik, wonach u.a. die Nacken- und Schultermuskulatur völlig entspannt sei. Zugleich wies der Allgemeinmediziner auf psychische Faktoren und den Arbeitsplatzverlust im Oktober/November 1995 hin. Die von Dr. K.________ am 1. Juli 1996 durchgeführten, vom Beschwerdeführer ebenfalls als Fehlbehandlung gerügten maximalen Bewegungsexkursionen der HWS führten objektiv gesehen ebenso wenig zu einer somatischen Verschlechterung des Gesundheitszustandes, worauf Dr. D.________ im Bericht vom 19. September 1996 ausdrücklich verwies. Somit fehlt es an einer Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat. Das Kriterium Grad und Dauer der physischen Arbeitsunfähigkeit ist ebenfalls nicht erfüllt, konnte doch der Beschwerdeführer noch während Jahren nach dem Unfall voll arbeiten (Juli 1988 bis Oktober 1995). Dagegen ist, wie vom kantonalen Gericht treffend erwogen, von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, körperlichen Dauerschmerzen sowie einem schwierigen Heilungsverlauf auszugehen, ohne dass eines dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre. Insbesondere kann nicht gesagt werden, der Versicherte sei im gesamten Zeitraum in intensiver ärztlicher Behandlung gewesen, finden sich doch in den Akten für die Zeit von Ende 1990 (Kreisärztliche Untersuchung vom 13. November 1990) bis Ende 1993 (MRI-Bericht vom 12. November 1993) keinerlei Hinweise auf eine ärztliche Therapie. Insgesamt hat die Vorinstanz die Adäquanz zu recht verneint.