Citation: 4A_226/2020 E. 6.3

6.3. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass die Mängelrüge nicht für einen bestimmten Schadenposten oder Herabsetzungsanspruch gemacht wird, sondern in Bezug auf einen bestimmten Mangel (fehlende Eigenschaft), der dann seinerseits Ursache für verschiedene Ansprüche bildet. Die von der Beschwerdeführerin zitierten Feststellungen der Vorinstanz zum Gegenstand der Entschädigungsvereinbarung bezogen sich auf solche (bereits bekannten) Forderungen. Die Vorinstanz spezifizierte demgegenüber nicht, welche Mängel im Hinblick auf die Entschädigungsvereinbarung nicht mehr als verspätet gerügt behauptet werden können. Der Vorwurf der Widersprüchlichkeit ist demnach nicht gerechtfertigt. Vielmehr ging die Vorinstanz - unter Hinweis auf die Klageantwort (S. 22 ff.) - davon aus, die Beschwerdegegnerin habe eine Reihe einzelner Mängel aufgelistet, die gemäss den Behauptungen der Beschwerdegegnerin erst im Nachhinein entdeckt worden seien. Die Beschwerdeführerin hätte somit, wie die Vorinstanz zutreffend erkannte, in Bezug auf die einzelnen Mängel substanziieren müssen, dass die Rüge (n) verspätet erfolgten. Darauf geht die Beschwerdeführerin aber nicht ein. Ihr Einwand, die erste Mängelrüge sei über einen Monat nach der Entschädigungsvereinbarung erfolgt, geht an der Sache vorbei. Nicht stichhaltig ist sodann auch die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe die Verspätung der Mängelrüge in der Replik/Widerklageantwort an zwei Stellen sowie auch in der Widerklageduplik behauptet. Die angegebenen Stellen enthalten nur pauschale Ausführungen, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht einwendet. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend die Dauer der Rügefrist und eine entsprechende Verkehrsübung sind daher nicht entscheiderheblich. Die Vorinstanz konnte ohne Verletzung von Bundesrecht davon ausgehen, dass die Gewährleistungsrechte nicht durch Verletzung der Rügeobliegenheiten verwirkt sind.