Citation: 5A_969/2023 E. 6.1.2

6.1.2. Die erbrechtlichen Informationsansprüche ergeben sich aus Art. 607 Abs. 3 und Art. 610 Abs. 2 ZGB. Demgemäss haben die Erben einander jede Auskunft zu erteilen, die für die korrekte Teilung des Nachlasses nach Gesetz oder letztwilliger Verfügung erforderlich ist. Gemeint sind damit alle Angaben, die bei einer objektiven Betrachtungsweise möglicherweise geeignet erscheinen, die Teilung in irgendeiner Weise zu beeinflussen (BGE 132 III 677 E. 4.2.1; 127 III 396 E. 3). Obschon die Art. 607 Abs. 3 und 610 Abs. 2 ZGB gemäss ihrem Wortlaut nur zwischen den Erben gelten, hat die Rechtsprechung diese Bestimmungen analog auch auf Dritte ausgedehnt (BGE 132 III 677 E. 4.2.4-4.2.5; Urteile 5A_681/2017 vom 7. Februar 2018 E. 4.1.2 in fine; 5A_434/2012 vom 18. Dezember 2012 E. 3.3.2.2; 5A_620/2007 vom 7. Januar 2010 E. 7). Gegenüber einer Bank steht den Erben - je einzeln - daher ein erbrechtlicher Informationsanspruch zu betreffend Vermögenswerte, die von der Bank gehalten werden und potenziell Teil des Nachlasses sind (zit. Urteil 4A_522/2018 E. 4.3). Diese Rechte stehen den Erben jedoch nicht voraussetzungslos zu, sondern erfordern ein besonderes Rechtsschutzinteresse, das der auskunftersuchende Erbe glaubhaft - die Lehre spricht von Plausibilität (Urteil 5A_994/2014 vom 11. Januar 2016 E. 5.3 mit Hinweisen) - zu machen hat, sei es mit Blick auf eine Herabsetzungs- oder Erbschaftsklage oder aber im Rahmen einer Ausgleichungs- und Teilungsklage (zit. Urteil 4A_522/2018 E. 4.3 mit Hinweisen).