Citation: 5A_740/2014 E. 7.3

7.3. Das Bundesgericht hat sich in BGE 130 III 554 mit der Frage befasst, ob ein Wegrecht für das berechtigte Grundstück alles Interesse verloren hat, wenn eine neue Erschliessung des berechtigten Grundstücks über eine neu angelegte Strasse mit anderem Verlauf als das Wegrecht erfolgt ist. Das Obergericht hat zutreffend angenommen, dass eine neue Erschliessung nicht zwingend auf die Erstellung eines neuen Zugangs zurückzuführen sein muss, sondern auch durch bauliche Veränderungen auf dem berechtigten Grundstück bewirkt werden kann, die die Nutzung eines bereits vorhandenen anderen Zugangs verbessern oder erleichtern. Hier wie dort ist zu prüfen, ob die neue Erschliessung den mit dem Wegrecht gewährleisteten Zweck vollumfänglich erfüllt oder - anders gesagt - ob die bisherige Wegverbindung nicht vorteilhafter ist als die neue Erschliessung. Denn entscheidend ist, ob die Dienstbarkeit im konkreten Fall für das berechtigte Grundstück alles Interesse verloren hat bzw. ob der berechtigte Eigentümer weiterhin ein vernünftiges Interesse an der Ausübung der Dienstbarkeit hat (BGE 130 III 554 E. 3.3 Abs. 2 S. 560). Dass ein Wegrecht angesichts der neuen Erschliessung nur nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie im Zeitpunkt seiner Errichtung, vermag eine Löschung folglich für sich allein nicht zu rechtfertigen (so ausdrücklich: Urteil 5A_412/2009 vom 27. Oktober 2009 E. 6.2, in: ZBGR 92/2011 S. 201).