Citation: 6B_611/2022 E. 2.3.2

2.3.2. Die Vorinstanz erwägt weiter, der Beschwerdeführer habe anlässlich des Unfalls mehrfach und von sich aus von einem Sekundenschlaf gesprochen sowie nicht erklären können, weshalb er von der Fahrbahn abgekommen sei. Die Vorinstanz wertet die Aussage des Beschwerdeführers anlässlich der Berufungsverhandlung, wonach er wahrscheinlich keinen Sekundenschlaf gehabt habe, als Schutzbehauptung. Anzeichen, die Anlass und Grund für das Fahrverhalten des Beschwerdeführers hätten ergeben können, stellt die Vorinstanz gestützt auf die Beifahrerinnen keine fest. Weiter führt die Vorinstanz aus, im Zeitpunkt des Unfalls sei der Beschwerdeführer gesundheitlich angeschlagen gewesen. Er sei Diabetiker und leide an Bluthochdruck, weshalb er regelmässig Medikamente einnehmen müsse. Anlässlich der Berufungsverhandlung habe er ausgeführt, dass er noch mehr Medikamente einnehmen müsse, diese aber ohne seine Medikamentenliste nicht benennen könne, da es relativ viele seien. Die Vorinstanz stellt fest, es bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer die entsprechenden Medikamente nicht korrekt und pflichtgemäss eingenommen hätte. Die vom Beschwerdeführer eingenommenen Medikamente gegen Bluthochdruck (Ramipril) und Diabetes (Medfin) zusammen und Ramipril alleine könnten die Konzentrationsfähigkeit sowie das Reaktionsvermögen und damit die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr beeinträchtigen (siehe compendium.ch). Medfin führe zwar nach den medizinischen Angaben des Swissmedic Kompendiums nicht zu einer Einschränkung der Fahrfähigkeit. In Kombination mit blutdrucksenkenden Arzneimitteln werde jedoch ebenfalls auf das Risiko einer Unterzuckerung hingewiesen. Der Beschwerdeführer, dem seine Diabeteserkrankung seit rund 30 Jahren bekannt sei, diese beiden Medikamente bereits seit längerer Zeit einnehme und sich in den Befragungen als sorgfältiger, seine Medikation im Griff habender Patient gezeigt habe, habe um die mit den eingenommenen Medikamenten einhergehenden Risiken bezüglich der Fahrfähigkeit wissen müssen. Dass er sich dieses Risikos sehr wohl bewusst gewesen sei, zeige auch der Umstand, dass er in der Regel Traubenzucker bei sich und im Auto mitführe, weil er ausgeführt habe, man könne sich bei Unterzuckerung nicht mehr kontrollieren und beherrschen, weshalb man wie besoffen wirke. Er selber habe das noch nie gehabt. Zugleich habe er angegeben, derjenige, der es habe, bemerke es immer zu spät. Unmittelbar nach dem Unfall habe er den Blutzucker nicht messen und auch nichts essen können. Er sei am Anfang ganz ruhig gewesen und erst nach 20 Minuten habe er ein leichtes Zittern bemerkt und damit festgestellt, dass der Unfall nun auch bei ihm angekommen sei. Bezüglich der Schlafgewohnheit stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer habe ausgesagt, in der Nacht vor dem Unfall fünf bis sechs Stunden geschlafen zu haben und nicht mehr Schlaf zu brauchen. Ab und zu mache er einen Mittagsschlaf, was am Unfalltag nicht der Fall gewesen sei. Insgesamt gelangt die Vorinstanz zum Schluss, der Beschwerdeführer habe in der Nacht vor dem Unfall nicht nur für sein Alter ausserordentlich wenig geschlafen, sondern habe er durch seine medizinischen Probleme und die eingenommenen Medikamente erhebliche Risiken gehabt, entweder einzuschlafen oder aufgrund einer Unter- oder Überzuckerung kurzfristig mit einem Aussetzer das Bewusstsein zu verlieren und damit in einen fahrunfähigen Zustand zu geraten. Zwar sei sich der Beschwerdeführer dieser Risiken sehr wohl bewusst gewesen und habe er auch die notwendigen sowie üblichen Vorsichtsmassnahmen ergriffen. Gleichwohl sei ihm das Wissen, auch kurzfristig in eine Phase der Fahrunfähigkeit fallen zu können, so dass er anlässlich des ihm vorgeworfenen Unfalls die Anzeichen einer ausserordentlichen Situation pflichtwidrig ignoriert habe, vorzuwerfen. Offen liess die Vorinstanz, ob der Sekundenschlaf auf Übermüdung, die eingenommenen Medikamente oder eine Kombination hiervon zurückzuführen sei. Der Zeugin B.________ sei schon vor dem Unfall mehrmals aufgefallen, dass das rote Auto des Beschwerdeführers vor dem Vorfall immer wieder an den rechten Rand gefahren sei. Gestützt darauf erweist sich für die Vorinstanz der fahrunfähige Zustand des Beschwerdeführers im Zeitpunkt des Abkommens von der Fahrbahn als erstellt.