Citation: 6B_19/2021 E. 4.2.1

4.2.1. Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen zwei Katalogtaten nach Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB begangen, die grundsätzlich zu einer Landesverweisung führen müssen. Mit Blick auf die Integration resp. einen persönlichen Härtefall konstatiert die Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer erst 2017 in die Schweiz migriert ist, mithin den grössten Teil seines Lebens, insbesondere die die als prägend geltenden Kindes- und Jugendjahre, im Kosovo verbrachte, wo er die Schule besuchte und ein Studium begann. Der Beschwerdeführer ist mit einer Schweizerin kosovarischen Ursprungs verheiratet und hat eine am Anfang 2020 geborene Tochter. Seine Mutter und ein Bruder leben im Kosovo, die Verwandten der Ehefrau überwiegend in der Schweiz. Der Beschwerdeführer arbeitet im Gartenbau; er ist nicht vorbestraft und spricht ordentlich Deutsch. Nach dem vorstehend Gesagten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer den überwiegenden Teil seines Lebens in seinem Herkunftsland verbrachte. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass er mit seiner Heimat kulturell, sprachlich und persönlich enger verwurzelt ist, als mit der Schweiz. Es ist daher - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz einen persönlichen Härtefall verneint. Eine besondere, namentlich persönliche oder wirtschaftliche, Integration in der Schweiz (vgl. dazu BGE 144 II 1 E. 6.1) ist klar zu verneinen. Daran ändert weder die berufliche Tätigkeit, noch das Fehlen von Vorstrafen etwas. Die Vorinstanz erwägt zu Recht, dass es dem Beschwerdeführer, zumal angesichts seines Bildungstands sowie der in der Schweiz gewonnenen Erfahrung im Gartenbau, ohne Weiteres möglich und zumutbar ist, sich in seinem Herkunftsland, wo seine Mutter und ein Bruder leben, sozial und beruflich wieder zu integrieren, da er auch nicht geltend gemacht hatte, aus einer Notlage oder sonstigen Drucksituation heraus migriert zu sein. Nichts Anderes ergibt sich aus dem Recht des Beschwerdeführers auf ein Familienleben. Seine Ehefrau hat wie er kosovarische Wurzeln und ist daher mit der Kultur und Sprache der gemeinsamen Heimat vertraut. Zudem ist der Kosovo per Flugzeug rasch zu erreichen und die Kommunikation mit elektronischen Mitteln während der Landesabwesenheit des Beschwerdeführers ist leicht möglich und den Beteiligten zumutbar. Mit Blick auf die in der Schweiz geborene Tochter des Beschwerdeführers ist der Vorinstanz im Übrigen zuzustimmen, dass er seine Familie im Wissen um die drohende Verweisung gründete und deren Folgen für sich und die Familie daher in Kauf genommen hat. Ohnehin ist das Kind noch sehr klein und eine allfällige Integration in der Heimat des Vaters wäre auch für dieses ohne Weiteres möglich. Entgegen seiner Darstellung ist trotz einer gewissen Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht erkennbar, dass er oder seine Familie von einer Landesverweisung ungleich schwerer betroffen wären, als dies bei einem ausländischen Straftäter üblicherweise der Fall ist. Wie die Vorinstanz zutreffend erwägt, begründet die Tatsache, dass ein Leben in der Schweiz wirtschaftlich komfortabler sein dürfte als im Kosovo, keinen Härtefall. Die Vorinstanz begründet auch die Interessenabwägung überzeugend. Ihr ist zuzustimmen, dass die vom Beschwerdeführer erstelltermassen begangene mehrfache versuchte schwere Körperverletzung eine erhebliche Straftat gegen eines der höchsten Rechtsgüter darstellt. Entsprechend besteht ein hohes öffentliches Interesse an seiner Fernhaltung zum Schutz der Allgemeinheit. Demgegenüber erweist sich die persönliche, soziale und berufliche Integration des Beschwerdeführers nach dem vorstehend Gesagten als ungenügend, jedenfalls aber nicht als besonders intensiv, und der Eingriff in das geschützte Familienleben als nicht besonders schwer. Die von der Vorinstanz vorgenommene Gewichtung der gegenläufigen Interessen liegt zweifellos innerhalb des ihr zustehenden Ermessens. Die Interessenabwägung hält namentlich auch vor Völkerrecht, insbesondere der EMRK stand (vgl. BGE 146 IV 105 E. 4.2; Urteil 6B_739/2020 vom 14. Oktober 2020 E. 1.1.2). Weder dieses noch andere anwendbare Abkommen verschaffen dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Einreise oder Aufenthalt, was er im Übrigen nicht behauptet. Ebenso wenig gilt das Recht des Kindes auf beide Elternteile absolut (vgl. dazu Urteil 6B_1054/2020 vom 30. November 2020 E. 1.1.2 dritter Absatz mit Hinweisen).