Citation: M 3/98 05.10.2000 E. 3

3.- a) In seinem Bericht vom 5. Juni 1997 führt der Experte u.a. aus, aufgrund des Gesprächs mit H.________ vom 10. Mai 1997 und des (vertraulichen) Schreibens des seinerzeitigen Regimentskommandanten Oberst R.________ vom 13. November 1996 seien neue Aspekte aufgetaucht, sodass die erste Frage nicht wie im Gutachten vom 5. April 1995 mit 'nein', sondern differenziert zu beantworten sei. Aus den Angaben der erwähnten Personen zu den Rahmenbedingungen und zum Verlauf des EK 90 ergäben sich einige mögliche bis typische Zeichen einer koronaren Herzkrankheit (Angst, 'Befreiung im Brustkorb' resp. vorangegangene Enge im Brustkorb, Schweregefühl in den Armen, Atemnot bei Anstrengung), die dem Truppenarzt gegenüber jedoch nicht erwähnt worden seien. Im Lichte dieser Symptomatik könnte der von Oberst R.________ eindrücklich beschriebene Schwächeanfall während einer Truppenübung in der Nacht auch einer Herzrhythmusstörung entsprochen haben. Diese Symptome liessen sich als Manifestationen einer koronaren Herzkrankheit im Sinne von zwei Episoden einer mehr oder weniger typischen Angina pectoris von 'banalen Erkrankungen' (Erschöpfungssyndrom, 'Grippe/Erkältung') allenfalls abgrenzen. Da sie nicht mit Sicherheit oder grosser Wahrscheinlichkeit einer koronaren Herzkrankheit zugeordnet werden könnten, sondern nur damit zu vereinbaren seien, könne nur von einer möglichen (bis wahrscheinlichen) Diagnose gesprochen werden. Abschliessend beantwortete der Experte die erste Frage definitiv wie folgt: "Die Beschwerden im EK waren zum Teil möglicherweise bis höchstens wahrscheinlicherweise Ausdruck einer koronaren Herzkrankheit. " b) Die Vorinstanz ist in Würdigung der Ausführungen des Experten sowie der übrigen Akten, insbesondere des ersten Gutachtens vom 5. April 1995 zum Schluss gelangt, dass sich "offenbar" auch im Nachhinein medizinisch nicht feststellen lasse, "ob die damals [während des EK 90] geklagten Symptome eher Ausdruck einer Herzkrankheit oder eher Ausdruck einer allgemeinen Erschöpfung mit evtl. Grippesymptomatik waren". Seien aber beide Möglichkeiten gleich wahrscheinlich, könne nicht von einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit (in Bezug auf die Frage, ob die während des Dienstes geklagten Beschwerden Ausdruck der koronaren Herzkrankheit waren) gesprochen werden. Nach den Regeln der materiellen Beweislastverteilung entfalle daher die Haftung der Militärversicherung gemäss Art. 4/5 aMVG. c) In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird vorab die Formulierung der ersten Expertenfrage als unpräzis und irreführend beanstandet. Sei gemäss Vorinstanz für die Festlegung der Haftungsregeln (Art. 4/5 oder 6 aMVG) entscheidend, ob die im Dienst geklagten Beschwerden wahrscheinlicher Ausdruck des vom Truppenarzt diagnostizierten Erschöpfungs-Syndroms oder der nachdienstlich festgestellten koronaren Herzkrankheit seien, hätte sie die Frage entsprechend stellen müssen. Abgesehen davon verlange die Praxis zum alten Recht für die Anwendung der Haftungsbestimmungen nach Art. 4 und 5 aMVG (lediglich), dass das im Dienst wahrgenommene Geschehen wahrscheinlich mit der Gesundheitsschädigung in Zusammenhang steht; dieser müsse gemäss Schatz (Kommentierung zu Art. 4 aMVG) wahrscheinlicher sein als sein Fehlen. Stehe nur eine mögliche Erklärung für die im Dienst aufgetretenen Beschwerden und Symptome zur Debatte und fehle es hiefür an einer sicheren Annahme, müsse (einfache) Wahrscheinlichkeit genügen, da keine Alternative als die wahrscheinlichere zur Seite stünde. Selbst wenn im Übrigen sinngemäss der beweisrechtlichen Konzeption der Vorinstanz gefolgt würde, wäre es aufgrund der Akten "wohl absurd zu behaupten, die geklagten und in Erscheinung getretenen Symptome seien gleich wahrscheinlich Ausdruck einer unspezifischen Müdigkeit wie einer koronaren Erkrankung".