Citation: 6B_710/2022 E. 2.1

2.1. Der Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 macht sich strafbar, wer ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nutzen verwendet. Einer qualifizierten Strafdrohung unterliegt, wer die Tat als Mitglied einer Behörde, als Beamter, Vormund, Beistand, berufsmässiger Vermögensverwalter oder bei Ausübung eines Berufes, Gewerbes oder Handelsgeschäftes, zu der er durch eine Behörde ermächtigt ist, begeht (Art. 138 Ziff. 2 StGB). Der qualifizierte Tatbestand von Art. 138 Ziff. 2 StGB soll Tätergruppen erfassen, die ein erhöhtes Vertrauen geniessen (BGE 120 IV 182 E. 1b; 117 IV 20 E. 1b). Zum Begriff des berufsmässigen Vermögensverwalters hielt das Bundesgericht in BGE 100 IV 30 fest, berufsmässig könne Vermögen auch verwalten, wer sich daneben in wesentlichem Umfang noch anders betätige. Dort hatte sich der Täter im Kopf seiner Geschäftspapiere für "Treuhand, Buchhaltungen, Revisionen, Verwaltungen, Gutachten, Beratungen, Versicherungen, Betriebsorganisation, Werbung, Personalfragen, Fachkurse" empfohlen. Gemäss Bundesgericht hatte er daher die Stellung eines berufsmässigen Vermögensverwalters. In jenem Fall war dem Täter ein Geldbetrag zur Reorganisation einer GmbH anvertraut worden, an der die Geldgeber beteiligt waren. Der Täter hatte sich verpflichtet, das Geld zu diesem Zweck zu verwenden und es bis zu einem bestimmten Datum zurückzuzahlen. Weiter bejahte das Bundesgericht eine berufsmässige Vermögensverwaltung bei einem Immobilienmakler, der die Kaufsummen verwaltete, welche die Käufer für die Verkäufer an seine Kollektivgesellschaft einzahlten. Des Weiteren waren ihm die für seine Kunden eingenommenen Mietzinsen zur Weiterleitung an die Kunden anvertraut. Ferner verwaltete er Gelder, Wertschriften und Aktien und andere Kapitalanlagen über längere Zeiträume treuhänderisch (Urteil 6S.287/2003 vom 17. Oktober 2003 E. 4.2). Einige Jahre später befasste sich das Bundesgericht mit einem Treuhänder, der sich Fr. 1'560'000.-- angeeignet hatte, die ihm zur Beschaffung eines Grosskredits bei einer Bank zur Aufbewahrung und anschliessenden Weiterleitung ausgehändigt worden waren. Das Bundesgericht hielt fest, Treuhänder gehörten zu der durch Art. 138 Ziff. 2 StGB erfassten Tätergruppe mit erhöhten Vertrauensanforderungen, und schützte die Verurteilung wegen qualifizierter Tatbegehung (Urteil 6B_136/2008 vom 18. Juli 2008 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 100 IV 30).