Citation: C 203/03 21.12.2006 E. 6

6.1 Weiter stellt sich die Frage, ob die Leistungen nach Art. 14 Abs. 1 AVIG soziale Vergünstigungen darstellen und eine Diskriminierung im Lichte von Art. 9 Abs. 2 Anhang I FZA vorliegt (Erw. 2.2. hievor). In seiner Praxis geht der EuGH, dessen Rechtsprechung zu den analogen Normen des Gemeinschaftsrechts für die Auslegung des Freizügigkeitsabkommens zu berücksichtigen ist (Art. 16 Abs. 2 FZA; vgl. BGE 129 II 259 Erw. 4.2), von einem weiten Begriff der sozialen Vergünstigungen im Sinne der Parallelbestimmung von Art. 7 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1612/68 aus. Danach fallen darunter alle Vergünstigungen, die - ob sie an einen Arbeitsvertrag anknüpfen oder nicht - den inländischen Arbeitnehmern wegen ihrer objektiven Arbeitnehmereigenschaft oder einfach wegen ihres Wohnortes im Inland allgemein gewährt werden und deren Ausdehnung auf die Arbeitnehmer, die Staatsangehörige eines anderen Mitgliedstaates sind, deshalb als geeignet erscheint, deren Mobilität innerhalb der Gemeinschaft zu erleichtern. Als unter den Begriff der sozialen Vergünstigung im Sinne dieser Bestimmung fallend wurden etwa Studienbeihilfen für Kinder eines Arbeitnehmers oder für den Arbeitnehmer selber, Erziehungsgelder, welche dem Ausgleich von Familienlasten dienen, Geldleistungen zur Deckung der Bestattungskosten, das Recht, sich in einem Verfahren vor den Gerichten des Wohnsitzstaates unter denselben Bedingungen wie die inländischen Arbeitnehmer seiner eigenen Sprache zu bedienen, oder das Recht auf Erwerb einer von einer staatlichen Eisenbahngesellschaft herausgegebenen Ermässigungskarte für kinderreiche Familien angesehen (vgl. BGE 132 V 193 Erw. 6 sowie erwähntes Urteil des Bundesgerichts 2P.142/2003 Erw. 3.4 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung des EuGH; Usinger Egger, a.a.O., S. 50; Eberhard Eichenhofer, Sozialrecht der Europäischen Union, 3. Aufl., Berlin 2006, S. 193 f.; Edlyn Höller, Soziale Rechte Drittstaatsangehöriger nach europäischem Gemeinschaftsrecht, Berlin 2005, S. 298 f.).