Citation: U 317/06 16.08.2007 E. 6

Das kantonale Gericht hat gestützt auf eine ausführliche und sorgfältige Würdigung der umfangreichen medizinischen Unterlagen zutreffend erkannt, dass weder unmittelbar nach dem Unfall noch über einen längeren Zeitraum danach eine psychische Erkrankung die ausgeprägt vorhandenen typischen Symptome nach Schleudertrauma überlagert hatte. Das bunte Beschwerdebild war immer vorhanden. Die physischen Beschwerden spielten im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt keine unbedeutende Rolle. In den Akten fehlen Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdegegnerin vor dem 11. Juli 1998 an behandlungsbedürftigen Rückenschmerzen und/oder einer psychischen Problematik gelitten hätte. Soweit der Unfall mit Blick auf das im Spital G.________ diagnostizierte "HWS-Distorsionstrauma mit Kontusion des Halsmarks" gemäss ZMB-Gutachten 1 (S. 24) "möglicherweise [...] zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der Diskushernie, eventuell auch zu einer bleibenden Verschlimmerung geführt" hat, ist festzuhalten, dass die "möglicherweise vorbestehende" (ZMB-Gutachten 1 S. 23) Diskushernie C5/6 jedenfalls bis zum 11. Juli 1998 asymptomatisch war und keinerlei Beschwerden verursacht hatte. Die Spezialärzte vermochten denn auch die Frage nach dem Erreichen des Status quo ante vel sine ausdrücklich nicht zu beantworten (ZMB-Gutachten 1 S. 24). Der Krankheitsanamnese des ZMB-Gutachtens 1 (S. 8) ist zudem zu entnehmen, dass die Versicherte im Dezember 1998 infolge einer Schwindelattacke - bei seit dem Unfall anhaltenden Schwindelstörungen - eine Treppe hinunterstürzte, danach vermehrt unter Kopf- und Nackenschmerzen litt, sodann über eine Schmerzhaftigkeit der ganzen Wirbelsäule klagte und einige Tage später eine akute Harnverhaltung auftrat. Die seit Dezember 1998 persistierende Blasenentleerungsstörung unklarer Ätiologie steht zwar laut ZMB-Gutachten 1 (S. 15) nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem direkten ursächlichen Zusammenhang mit dem Unfall vom 11. Juli 1998, doch kommt "als mögliche Ursache [...] die medikamentöse antidepressive Therapie in Frage". Lag das Körpergewicht der Beschwerdegegnerin beim Aufenthalt im Spital G.________ gemäss Bericht vom 11. August 1998 noch bei konstant knapp 80 Kilogramm, so nahm sie bis Oktober 2003 um 23 Kilogramm zu. Die mit dem ZMB-Gutachten 2 (S. 25) diagnostizierten "Störungen durch Opioide (erheblicher Tramal-Abusus)" führten - neben psychosomatischen Ursachen - bei der neuropsychologischen Testung zu derart schlechten Resultaten, dass diese nicht verwertbar waren. Zusätzlich zur persistierenden Blasenentleerungsstörung, welche die Versicherte zweimal täglich selber katheterisieren muss, leidet sie seit dem Unfall anhaltend unter Nackenschmerzen, Schmerzen im Hinterkopf mit Ausstrahlungen in beide Arme, Parästhesien in den Fingern III-V beidseits, Kraftlosigkeit in beiden Armen und Händen, nebst Konzentrations- und Durchschlafstörungen sowie Schwindel. Auf Grund der medizinischen Unterlagen ist die Schmerzproblematik nicht allein auf psychische Ursachen zurückzuführen. Auch wenn sich die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern aus erster Ehe bereits 2002 (ein Jahr nach erneuter Heirat) wieder von ihrem zweiten Ehemann trennte, kann nicht gesagt werden, eine psychosoziale Krisensituation habe die somatischen Unfallfolgen vollständig in den Hintergrund gedrängt. Für die Adäquanz ist daher die Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359 massgebend.