Citation: U 371/02 04.09.2003 E. 3

3.1 Den ärztlichen Beurteilungen liegen unterschiedliche Annahmen hinsichtlich des Unfallhergangs, des Schweregrades des erlittenen HWS-Traumas und der primären Unfallfolgen zugrunde. Während Dr. med. W.________ unter Hinweis auf das unfallanalytische Gutachten und der ermittelten kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) von 10,5 bis 13,7 km/h von einem leichten Trauma ohne Kopfanprall und organische Verletzungen ausgeht, gelangt Dr. med. K.________ zu einer Aufprallgeschwindigkeit von 65 bis 100 km/h und schliesst daraus, der Unfall könne nicht als leicht qualifiziert werden. Des Weiteren nimmt er an, die Beschwerdeführerin habe bei der Kollision vom 25. September 1997 eine traumatische Hirnverletzung (mit neuropsychologischen Defiziten), eine Diskushernie sowie eine Impression des Rückenmarks C5/6 erlitten. 3.1.1 Zur Kritik an der unfallanalytischen Beurteilung ist festhalten, dass bei der von Dr. med. K.________ vorgenommenen Berechnung unberücksichtigt bleibt, dass der von der Beschwerdeführerin gesteuerte Personenwagen im Zeitpunkt des Aufpralls nicht stillgestanden war, sondern sich mit einer geschätzten Geschwindigkeit von 10 bis 20 km/h vorwärts bewegte. Wie im Gutachten vom 13. Juli 1999 ausgeführt wird, ist bei der Beurteilung der auf den Verunfallten einwirkenden Beschleunigungs- bzw. Verzögerungskräfte nicht auf die Kollisionsgeschwindigkeit des auffahrenden Fahrzeugs, sondern auf die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung des angefahrenen Fahrzeugs abzustellen. Auf Grund der entsprechenden Angaben kann auch der Annahme des Dr. med. T.________, wonach es sich beim Unfall vom 25. September 1997 um ein bagatelläres Ereignis gehandelt habe, nicht gefolgt werden. Im Übrigen hat die Kausalitätsbeurteilung praxisgemäss nicht gestützt auf unfalltechnische oder biomechanische Gutachten, sondern auf Grund einer sämtliche Aspekte umfassenden Gesamtwürdigung zu erfolgen. Unfallanalytische Erkenntnisse und biomechanische Überlegungen können berücksichtigt werden, bilden für sich allein jedoch keine hinreichende Grundlage hiefür (Urteile Z. vom 18. März 2003 [U 205/02] und P. vom 14. März 2001 [U 137/00]; vgl. auch Jürg Senn, HWS-/Hirnverletzungen und Biomechanik, in: AJP 1999 S. 625 ff., insbesondere S. 633 f.). 3.1.2 In Bezug auf die primären Unfallfolgen ist den Akten zu entnehmen, dass die Versicherte bei der ambulanten Untersuchung am Unfalltag im Spital N.________ über eine leichte Druckdolenz über dem rechten Auge klagte. Eine Prellmarke konnte nicht festgestellt werden. Der Gesundheitszustand an der Unfallstelle wurde als "mässig" bezeichnet. In der Anamnese fanden sich keine Angaben über eine Bewusstlosigkeit oder Amnesie. Die Spitalärzte stellten die Diagnosen einer leichten HWS-Kontusion und eines Hyperventilationssyndroms (Berichte vom 26. September und 14. Oktober 1997). Dr. med. H.________ erhob bei der Erstuntersuchung am Tag nach dem Unfall als objektiven Befund eine Prellung der Stirne links. Des Weiteren erwähnte er im Bericht vom 27. November 1997 Schwindel, Benommenheit und Bewusstlosigkeit im Anschluss an den Unfall. Er diagnostizierte eine Distorsion der HWS mit Kopfanprall (Abknickmechanismus). Im Bericht vom 2. Februar 1998 sprach Dr. med. H.________ von einem Distorsionstrauma schweren Grades mit einem cervikocephalen und cervicosponylogenen Syndrom sowie einer kleinen Diskushernie C5/6. Von einem HWS-Distorsionstrauma mit Kopfanprall gingen auch die Ärzte der Klinik C.________ und der Neuropsychologe der Klinik E.________ aus (Berichte vom 15. Mai und 9. Juli 1998). Der Verdacht auf eine milde traumatische Hirnschädigung konnte computertomografisch allerdings nicht bestätigt werden. Bei der neuropsychologischen Untersuchung in der Klinik E.________ wurden zwar mässiggradige Minderfunktionen festgestellt. Gleichzeitig wurde jedoch darauf hingewiesen, dass das bestehende Störungsbild durch die chronische Schmerzsymptomatik, Nebenwirkungen der Schmerzmittel und psychische Faktoren mitbestimmt sei (Bericht vom 9. Juli 1998). Im Zusammenhang mit der am 16. März 1999 röntgenologisch festgestellten Diskushernie C5/6 liess sich sodann keine direkte Nervenkompression nachweisen. Der festgestellte relativ enge Spinalkanal wurde als anlagebedingt beurteilt. Der Neurologe Dr. med. R.________ bezeichnete die Diskushernie als klinisch irrelevant (Bericht vom 27. Mai 1999). Anlässlich einer Kontrolluntersuchung vom 31. Oktober 2000 fand der Röntgenologe einen regredienten Verlauf und lediglich noch einen geringe Impression des Duralsackes ohne Hinweise auf eine signifikante Diskusprotrusion oder Diskushernie. Dem Befund kann für die geltend gemachten körperlichen Beschwerden daher keine wesentliche Bedeutung beigemessen werden. Daran ändert der von Dr. med. K.________ erwähnte Umstand nichts, dass die Versicherte vor dem Unfall nicht an Beschwerden seitens der HWS gelitten habe. Aus diesem Umstand allein kann nicht abgeleitet werden, es handle sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um Unfallfolgen, wie im Privatgutachten vom 20. April 2002 (S. 18 Ziff. 15) festgehalten wird. Nicht ohne weiteres gefolgt werden kann Dr. med. K.________ auch, soweit er die bestehenden psychischen Beeinträchtigungen als unfallkausal bezeichnet. Zum einen steht auf Grund der Akten fest, dass die Beschwerdeführerin schon im Jahre 1996 wegen rezidivierender depressiver Störungen (bei Dysthymie, depressiver neurotischer Persönlichkeit und chronischem Ehekonflikt sowie Status nach Suizidversuch) in psychiatrischer Behandlung gestanden hatte. Zum andern traten schon kurz nach dem Unfall somatoforme Störungen (Hyperventilation, vegetative Begleitsymptome) auf. Und Mitte Dezember 1997 kam es im Anschluss an einen Spitalaufenthalt zu einer psychischen Dekompensation. In dem im Rahmen der stationären Behandlung erstellten psychiatrischen Konsilium wurde eine mittelschwere Episode bei einer chronisch rezidivierenden, aktuell somatisierenden Depression (ICD-10 F33.1) diagnostiziert (Bericht der Psychiatrischen Dienste des Kantons Aargau vom 11. Dezember 1997). Daraus ist zu schliessen, dass der Unfall als auslösender Faktor zur (vorübergehenden) Verschlimmerung einer vorbestandenen affektiven Störung geführt hatte. Nach den medizinischen Akten kam es in der Folge zu einer zunehmenden psychischen Überlagerung der Beschwerden und einer Ausweitung der Symptomatik. Es wurde daher auch der Verdacht auf eine Anpassungsstörung mit Depression oder eine somatoforme Schmerzstörung geäussert. Eine posttraumatische Belastungsstörung wurde im psychiatrischen Gutachten des IMB vom 11. Januar 2001 dagegen ausdrücklich ausgeschlossen. 3.1.3 Zusammengefasst ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 25. September 1997 eine HWS-Distorsion mit dem für Schleudertraumen typischen Beschwerdebild (BGE 117 V 382 Erw. 4b) und möglicherweise auch ein leichtes Schädel-Hirntrauma erlitt. Die heute bestehenden Beschwerden lassen sich jedoch nicht in unfallrechtlich relevanter Weise objektivieren und sie sind vorwiegend psychisch bedingt. In diesem Punkt stehen die Gutachten des IMB im Einklang mit den Berichten der Klinik C.________ vom 15. Mai 1998 und der Klinik E.________ vom 9. Juli 1998 und 16. Oktober 2001. An dieser Beurteilung ändern die in diesem Verfahren eingereichten Stellungnahmen der Dres. med. H._________, O.________ und K.________ nichts. Der nach Abschluss des Schriftenwechsels ins Recht gelegte Bericht des Dr. med. S.________ vom 26. Mai 2003 hat im Übrigen unberücksichtigt zu bleiben (BGE 127 V 353). Daraus geht zudem klar hervor, dass nach wie vor die Behandlung des psychischen Leidens im Vordergrund steht. Ob die psychischen Beeinträchtigungen ausschliesslich unfallfremd sind, wie im Gutachten des IMB vom 11. Januar 2001 angenommen wird, ist fraglich. Entgegen Dr. med. T.________ lässt sich die Unfallkausalität nicht schon damit verneinen, dass auch jedes andere Ereignis im persönlichen Bereich zu einer Verschlimmerung der vorbestandenen psychischen Beeinträchtigung hätte führen können. Auf Grund der medizinischen Akten ist nicht auszuschliessen, dass das heutige Beschwerdebild zumindest im Sinne einer Teilursache noch auf den Unfall vom 25. September 1997 zurückzuführen ist, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügte (BGE 119 V 338 Erw. 1 mit Hinweis). Mit der Vorinstanz kann indessen von weiteren Abklärungen abgesehen werden, da jedenfalls die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den bestehenden Beschwerden zu verneinen ist, wie sich aus dem Folgenden ergibt. 3.2 Weil vorliegend die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, hat die Beurteilung der Adäquanz nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133) geltenden Regeln zu erfolgen (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Das rechtfertigt sich umso mehr, als bei der Beschwerdeführerin schon vor dem Unfall psychische Beeinträchtigungen bestanden, welche durch das Unfallereignis lediglich verstärkt wurden (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 327). 3.2.1 Das kantonale Gericht hat das Unfallereignis vom 26. September 1997 dem mittleren Bereich im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zugeordnet. Es stützt sich dabei auf die Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts, welches vergleichbare Auffahrkollisionen in der Regel als mittelschwere Unfälle im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (vgl. die in SZS 2001 S. 431 ff. zitierte Rechtsprechung; ferner Urteile D. vom 16. August 2001 [U 21/01] und T. vom 6. Februar 2002 [U 61/00]). Zu berücksichtigen ist indessen, dass nach dem unfallanalytischen Gutachten vom 13. Juli 1999 die relative Kollisionsgeschwindigkeit des auffahrenden Personenwagens immerhin zwischen 19,7 und 25,8 km/h lag. Das von der Beschwerdeführerin gelenkte Fahrzeug war so stark beschädigt (Deformation nicht nur der Heckpartie, sondern auch des Dachblechs, des Kofferraumbodens und der Radkasten), dass laut Schadenexpertise vom 6. Oktober 1997 eine Reparatur sich nicht lohnte und ein Totalschaden anzunehmen war. Beim Zusammenstoss erlitt die Versicherte eine HWS-Distorsion mit Abknickmechanismus und fraglichem Kopfanprall, der Unfallverursacher blieb unverletzt. Beide an der Kollision beteiligten Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden. Nach den gesamten Umständen (Unfallhergang, Verletzungen, Sachschaden) rechtfertigt es sich, den Unfall dem mittleren Bereich (im engeren Sinn) zuzuordnen (vgl. die in SZS 2001 S. 439 und 441 wiedergegebenen Sachverhalte zu den in BGE 122 V 415 und 123 V 98 auszugsweise publizierten Urteilen). Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdeführerin, soweit sie einen Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen oder sogar einen schweren Unfall geltend macht. Hiefür fehlen die Voraussetzungen (vgl. RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff. Erw. 4b/bb). Damit die Adäquanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden könnte, müsste somit ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein oder es müssten mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sein (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb).