Citation: U 212/04 04.10.2004 E. 2

2.1 Der Beschwerdeführer rügt in beweisrechtlicher Hinsicht, die SUVA habe den Nachweis, dass die noch geklagten Beschwerden nicht mehr unfallbedingt seien, mit dem kreisärztlichen Bericht nicht erbracht, weshalb die Voraussetzungen der Leistungseinstellung nicht erfüllt seien. Rechtsprechungsgemäss muss der Wegfall eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den bestehenden Beschwerden mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Weil es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45, 1994 Nr. U 206 S. 328). 2.2 In diesem Zusammenhang macht der Beschwerdeführer zunächst geltend, dass ihm gemäss Einschätzung des Gutachters Dr. med. B.________ auch in einer leichten Verweisungstätigkeit nur noch ein Teilpensum zugemutet werden könne. Ein neues fachärztliches Gutachten müsse feststellen, wie hoch die konkreten Einschränkungen ausfielen. Den Einwand, die SUVA habe zu Unrecht auf den Austrittsbericht der Rehaklinik Y.________ vom 18. März 2002 abgestellt, hat das kantonale Gericht bereits entkräftet. Insbesondere hat es zu Recht erläutert, dass der Gutachter auch die psychischen Beeinträchtigungen berücksichtigt hat, für die die Beschwerdegegnerin nicht einzustehen hat (dazu Erwägung 2.3). Auf diese Ausführungen kann vollumfänglich verwiesen werden. Ergänzend ist anzumerken, dass gemäss Austrittsbericht der Rehaklinik nur noch eine leichte Einschränkung der Hand- und Fingerbeweglichkeit links bestand, wenn auch möglicherweise mit verminderter Fingerfeinkoordination. Die Handkraft war schmerzbedingt verringert. Angesichts dieser Beschwerden ist die Einschätzung einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ohne weiteres nachvollziehbar. Die Ärzte gingen davon aus, dass die geklagten Schmerzen zumindest teilweise neurogen sind. Der Versicherte lehnte jedoch sämtliche medikamentösen Behandlungen, die vorgeschlagene kontinuierliche Plexusanästhesie, welche ihm früher (diagnostisch angewandt) zu einer 24stündigen fast vollständigen Schmerzfreiheit verholfen hatte, und eine sensorische Blockade des betroffenen Nervs ab. Die somatischen Befunde waren somit spätestens Ende Oktober 2002, auf welchen Zeitpunkt die Beschwerdegegnerin die Leistungen eingestellt hat, nicht mehr leistungsbegründend, da weder eine weitere medizinische Behandlung erforderlich war, noch sich der Unfall in körperlicher Hinsicht weiterhin auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit ausgewirkt hat. 2.3 Nachdem die geklagten massiven Schmerzen nicht mit somatischen Befunden erklärt werden können, hat das kantonale Gericht zu Recht geprüft, ob das Unfallereignis vom 17. Mai 1999 geeignet war, psychische Beschwerden zu verursachen. 2.3.1 Bei psychischen Unfallfolgen beurteilt sich die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzte Adäquanz des Kausalzusammenhangs praxisgemäss nach der Schwere des Unfalls (BGE 115 V 138 Erw. 6). Der Beschwerdeführer macht geltend, es habe sich um einen schweren Unfall gehandelt. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat bisher beurteilte Fälle von Verbrennungen dem mittleren Bereich zugeordnet (nicht veröffentlichtes Urteil M. vom 29. Mai 1996, U 242/95: Verbrennungen zweiten und dritten Grades bei Gartenarbeiten; Urteil L. vom 25. Oktober 2002, U 143/02: Verbrennungen zweiten Grades mit heissem Fett); bei gleichzeitig zugezogener schwerer Quetschung der Hand hat es wegen der gravierenden Verletzungen einen Grenzfall zu einem schweren Unfall angenommen (Urteil I. vom 8. April 1998, U 230/97). Solche besonderen Umstände liegen hier nicht vor, sodass das kantonale Gericht das Ereignis vom 17. Mai 1999 zu Recht als mittelschweren Unfall qualifiziert hat. 2.3.2 Für die Beurteilung der Adäquanz sind daher die von der Rechtsprechung genannten unfallbezogenen Kriterien in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Dabei muss für die Bejahung der Adäquanz ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise oder es müssen mehrere der massgebenden Kriterien erfüllt sein (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Bezüglich des Unfallereignisses hat der Beschwerdeführer am 24. Januar 2000 folgende Angaben gemacht: Er sei zum Giessen einer Pressplatte mit einem Gewicht von 2200 kg zur Mithilfe gerufen worden; sein üblicher Arbeitsplatz sei in der Schmelzerei gewesen. Ein solcher Giessvorgang sei eine zeitliche Präzisionsarbeit, welche von sechs Personen ausgeführt werde. Er erfolge über zwei Einfülllöcher. Zwei Personen hätten den Kran, zwei weitere die Pfannen und je eine Person die Einfülllöcher bedient. Als er den Stopper beim Einfüllloch leicht angehoben habe, sei ihm flüssiges Aluminium entgegen gespritzt. Diesem Unfall kann eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden; eine besondere Eindrücklichkeit oder besonders dramatische Begleitumstände sind jedoch nicht gegeben. Auch finden sich in den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer den Unfall subjektiv als ausgesprochen bedrohlich erlebt hätte. Die Verbrennungen, die sich der Versicherte zugezogen hat, haben gut sichtbare, aber keine besonders auffälligen Narben zurückgelassen, die recht gut verheilt sind, wie die Fotodokumentation der SUVA vom 19. September 2002 zeigt. Der Beschwerdeführer fühlte sich dadurch anfänglich gestört. Im weiteren Verlauf klagte er darüber jedoch nicht mehr. Das Adäquanzkriterium der Schwere oder besondern Art der erlittenen Verletzungen ist deshalb nicht erfüllt. Nicht gegeben ist auch das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Ein Jahr nach dem Unfall konnte dem Versicherten nach Einschätzung des SUVA-Kreisarztes Dr. med. C.________ keine vernünftige Therapie mehr angeboten werden. Die trophischen Verhältnisse waren ungestört, die Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht nicht mehr zu erklären (Bericht vom 9. Mai 2000), weshalb der Fall am 6. Juli 2000 abgeschlossen wurde. Dr. med. B.________, Chirurgie FMH, spez. Handchirurgie, hielt in seinem vom Beschwerdeführer in Auftrag gegebenen Gutachten vom 15. August 2000 fest, dass die Verletzung adäquat versorgt worden und einwandfrei abgeheilt sei. Aus den Arztberichten ergeben sich weder Hinweise auf besondere Umstände, welche die Heilung beeinträchtigt oder verzögert haben, noch Anhaltspunkte für Komplikationen, wie beispielsweise eine Wundinfektion. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann offensichtlich nicht gesprochen werden. Auf Grund allein der physisch bedingten Beeinträchtigung ist das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt (vgl. RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., insbesondere S. 546 Erw. d/bb). Soweit die teilweise oder vollständige Arbeitsunfähigkeit psychisch bedingt war, hat sie bei der Adäquanzbeurteilung unberücksichtigt zu bleiben. Schliesslich trifft es zwar zu, dass der Beschwerdeführer offenbar nach wie vor an Schmerzen leidet. Die Hausärztin bat zwei Jahre nach dem Unfall (am 4. Mai 2001) um konsiliarische Beurteilung durch die SUVA wegen persistierender Schmerzen. Sie berichtete, dass sich diese mittlerweile derart chronifiziert hätten, dass stets Beschwerden vorhanden seien. Der Versicherte begab sich daraufhin am 11. Juni und am 9. Juli 2001 in die Schmerzabteilung der Rehaklinik Y.________, wo eine Schmerzmedikation und interventionelle Massnahmen angeordnet wurden (Bericht vom 17. Juli 2001). Die Ärzte berichteten am 21. August 2001, dass anlässlich einer ambulanten Konsultation am 20. August 2001 nach einer diagnostischen single-shot-Plexus-Anästhesie eine fast vollständige Schmerzreduktion für ca. 24 Stunden eingetreten sei, weshalb man eine stationäre Aufnahme des Versicherten für drei Wochen beschlossen habe, um eine kontinuierliche Plexusanästhesie durchzuführen. Dem Austrittsbericht der Rehaklinik Y.________ vom 18. März 2002 ist jedoch zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer die angeordneten Medikamente abgesetzt beziehungsweise gar nie eingenommen und die für den stationären Aufenthalt geplante Plexusanästhesie abgelehnt hat. Dazu kommt, dass die Intensität der Schmerzen nach Ansicht des Gutachters Dr. med. B.________ bereits fünfzehn Monate nach dem Unfall nicht mehr somatisch, sondern mit einer inadäquaten psychischen Traumaverarbeitung zu erklären war, was beim Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen nicht zu berücksichtigen ist. 2.3.3 Damit ist weder ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise noch sind mehrere der massgebenden Kriterien erfüllt, weshalb die Unfalladäquanz der bestehenden psychischen Beschwerden mit der Vorinstanz zu verneinen ist. 2.4 Nachdem feststeht, dass keine somatischen Befunde mehr erhoben werden können und der erlittene Unfall auch kein psychisches Leiden adäquatkausal zu verursachen vermochte, erübrigt sich die Frage, wer die Folgen bei Beweislosigkeit eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den bestehenden Beschwerden zu tragen hätte. Die SUVA hat ihre Leistungen somit zu Recht eingestellt.