Citation: 9C_627/2022 E. 4.4.3

4.4.3. Bei gewöhnlicher A- und B-Post greift keine Zugangsvermutung. Dieser Unterschied gegenüber eingeschriebenen und A-Post-Plus-Sendungen rechtfertigt sich mit Blick auf eingeschriebene Sendungen, bei denen der Empfänger selbst und/oder eine Drittperson den Empfang bestätigt, ohne weiteres. Auch bei A-Post-Plus-Sendungen - ähnlich wie bei eingeschriebenen Sendungen, die nicht gegen unterschriftliche Bestätigung ausgehändigt werden können, sondern bei denen ein Abholschein hinterlegt werden muss - muss die mit der Zustellung betraute Person der Post CH AG im Unterschied zu A- und B-Post-Sendungen zusätzlich zur Ablage der Postsendung im Briefkasten und/oder einem Postfach eine weitere Handlung ausführen, indem sie einen entsprechenden Eintrag im "Track & Trace"-System vornehmen (bzw. bei eingeschriebener Post zusätzlich einen Abholschein im Briefkasten und/oder Postfach deponieren) muss, was die von der Rechtsprechung angenommene Indizwirkung ebenfalls zu rechtfertigen vermag. A-Post-Plus-Sendungen - ebenso wie eingeschriebene Sendungen, bei denen (nur) eine Abholeinladung hinterlegt wird - nehmen damit eine Zwischenstellung zwischen "gewöhnlichen" A- und B-Post-Zustellungen einerseits und Zustellungen mit (zusätzlicher) unterschriftlicher Bestätigung auf einem Empfangsschein andererseits ein.