Citation: 1A.186/2002 23.05.2003 E. 4

Überdies ist das angefochtene Urteil auch wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben: 4.1 Die Beschwerdeführer hatten vor Verwaltungsgericht beantragt, es sei durch eine unabhängige Expertise der Abdeckungsgrad an verschiedenen alternativen Standorten innerhalb und ausserhalb der Bauzone überprüfen zu lassen. Das Verwaltungsgericht sah von der Einholung der beantragten Expertise ab, weil sich der Sachverhalt mit genügender Klarheit aus den Akten ergebe (angefochtener Entscheid E. 2 S. 7) und die Mobilfunkanbieter am Augenschein glaubhaft dargelegt hätten, dass eine optimale Abdeckung des Gebiets aufgrund der topographischen Gegebenheiten in der Region nur mit einer Anlage am fraglichen Standort und nicht etwa von anderen (bestehenden oder geplanten) Standorten aus erreicht werden könne. Diese Darstellung sei von den Rekursgegnern nicht substantiiert bestritten worden und sei aufgrund der Aktenlage und der Eindrücke am Augenschein nachvollziehbar (angefochtener Entscheid E. 4b S. 10 f.). 4.2 Wie das Bundesgericht bereits früher ausgeführt hat, sind Angaben der Mobilfunkunternehmen über die bestehende oder prognostizierte Abdeckung Parteibehauptungen, die - sofern sie bestritten werden - nicht ungeprüft übernommen werden dürfen (Urteil 1A.114/2001 vom 14. März 2002, E. 4.5.2). Dies gilt grundsätzlich auch für die mittels Computerprogramm erstellten Abdeckungskarten: Auch wenn die Mobilfunkanbieter regelmässig ein Interesse an der möglichst richtigen Darstellung der Abdeckung haben, um potentielle Standorte richtig evaluieren zu können, müssen auch diese Unterlagen auf ihre Plausibilität und Vollständigkeit hin überprüft werden (vgl. dazu Entscheid des Berner Verwaltungsgerichts vom 18. Dezember 2001, BVR 2002 263 E. 3d S. 268 ff.) und in Zweifelsfällen verifiziert werden. Hierfür ist die Erstellung eines Sachverständigengutachtens grundsätzlich ein taugliches Mittel. 4.3 Im vorliegenden Fall hatten sowohl die Gemeinde als auch die zuständige kantonale Behörde, das Departement des Innern und der Volkswirtschaft Graubünden, in ihren Vernehmlassungen die Einholung einer unabhängigen Expertise unterstützt, weil die Aktenlage keine abschliessende Beurteilung der strittigen Fragen zulasse. Dies deckt sich weitgehend mit der Einschätzung des ARE, wonach die in den Akten liegenden Abdeckungskarten teilweise unklar oder unvollständig sind (u.a. fehlende Erläuterung der angeblichen Abdeckungslücken; fehlende Darstellung des "blauen" Bereichs auf vielen Abdeckungskarten; keine Prüfung eines möglichen Ausbaus des Standorts Pic Scalottas; fehlende Angaben zur Abdeckungssituation von TDC und Swisscom). Bei dieser Stellungnahme der zuständigen kommunalen und kantonalen Behörden bedurfte es einer besonderen Begründung, weshalb auf die beantragte Expertise verzichtet werden könne. 4.4 Die Begründung des Verwaltungsgerichts, die Beschwerdeführer hätten die Darlegung der Mobilfunkanbieter nicht substantiiert bestritten, überdehnt die Anforderungen an die Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführer: Diese hatten die Ausführungen der Orange Communications SA zur Abdeckung im einzelnen bestritten und rechtzeitig eine Expertise zur möglichen Abdeckung an bestimmten Alternativstandorten beantragt. Überdies hatten sie sich mehrfach vergeblich um die Einholung eines Privatgutachtens bemüht, was sich jedoch, ohne Mitwirkung der Mobilfunkanbieter und Offenlegung ihrer Daten, als unmöglich erwiesen hatte. Unter diesen Umständen war es den Beschwerdeführern unmöglich, ihr Bestreiten weiter zu substantiieren. 4.5 Ferner beruft sich das Verwaltungsgericht auf die glaubhaften Ausführungen der Mobilfunkbetreiber am Augenschein. Es erscheint bereits fraglich, ob die Durchführung eines Augenscheins ein taugliches Mittel für die Überprüfung von funktechnischen Angaben und Abdeckungskarten ist. Immerhin können die Erläuterungen der Mobilfunkbetreiber zur Klärung und Vervollständigung der Unterlagen beitragen. Im vorliegenden Fall enthalten die verwaltungsgerichtlichen Akten jedoch kein Protokoll des Augenscheins. Insofern kann das Bundesgericht gar nicht prüfen, welche Aussagen die Mobilfunkanbieter am Augenschein gemacht haben und ob sie eine Expertise erübrigten (zur Protokollführungspflicht vgl. BGE 124 V 389 E. 4 und 125 III 377 E. 1). 4.6 Unter diesen Umständen ist eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) der Beschwerdeführer zu bejahen.