Citation: 2C_28/2014 E. 6.6.2

6.6.2. Im Übrigen hat es das Bundesgericht stets abgelehnt, zur Frage, nach welcher Zeitspanne ein Wohlverhalten bei der Verhältnismässigkeitsprüfung von Widerrufsentscheiden positiv ins Gewicht fällt, einen festen Richtwert festzulegen oder zu bestätigen. Im Urteil 2C_486/2013 vom 4. November 2013 E. 4.2 hat es die Frage offen gelassen, ebenso im Urteil 2C_501/2013 vom 8. November 2013 E. 3.2. Im bereits zitierten Urteil 2C_496/2013 vom 15. November 2013 E. 3.4 erwog das Bundesgericht, es könne ohnehin nicht schematisch nach einer Dauer des Wohlverhaltens von fünf Jahren davon ausgegangen werden, der Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei unverhältnismässig. Das von der Vorinstanz zitierte Urteil 2C_817/2012 vom 19. Februar 2013 betraf eine andere Konstellation, welche entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen nicht mit dem hier zu beurteilenden Verhalten nach der Tatbegehung vergleichbar ist: In jenem Fall ging es um die Frage, nach welcher Dauer des Wohlverhaltens im Ausland (nach erfolgter Wegweisung) eine Neubeurteilung des Fernhalteinteresses angezeigt ist. Anders als die Vorinstanz annimmt, hat das Bundesgericht auch dort keine Dauer von fünf Jahren des Wohlverhaltens festgelegt, deren Erfüllung den Anspruch auf Familiennachzug wiederaufleben lassen würde. Es hat lediglich der Tatsache Rechnung getragen, dass der Gesuchsteller seinerzeit altrechtlich für drei Jahre aus der Schweiz ausgewiesen worden war. Gemäss jenem Urteil ist für die Neubeurteilung des Fernhalteinteresses Voraussetzung, dass bereits Entfernungsmassnahmen ergriffen worden sind und Wirkung gezeigt haben: "Soweit die ausländische Person, gegen welche die Entfernungsmassnahme ergriffen wurde, nach wie vor einen Rechtsanspruch auf die Erteilung der Bewilligung hat, kann eine Neubeurteilung angezeigt sein, wenn sie sich seit der Verurteilung bzw. Strafverbüssung bewährt und sich für eine angemessene Dauer in ihrer Heimat klaglos verhalten hat, sodass eine Integration in die hiesigen Verhältnisse nunmehr absehbar und eine allfällige Rückfallgefahr vernachlässigbar erscheint. Die generalpräventiven Überlegungen verlieren an Bedeutung, soweit die Entfernungs- bzw. Fernhaltemassnahme gegen den Fehlbaren ergriffen, durchgesetzt und für eine der Schwere der Tat angemessene Zeitdauer aufrechterhalten wurde" (Urteil 2C_817/2012 vom 19. Februar 2013 E. 3.2.1). Diese Erwägungen zeigen klar, dass die Bewährung im Ausland nicht auf die vorliegende Konstellation übertragen werden kann. Es kommt hinzu, dass die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit je nach Schwere der Straftat und des migrationsrechtlichen Verschuldens kürzer sein kann oder länger sein muss, um das Interesse an der Beendigung des Aufenthalts zu relativieren. Dies ergibt sich aus dem Grundsatz, dass die Interessenabwägung nach den Umständen des Einzelfalls vorzunehmen ist (BGE 135 I 153 E. 2.1 S. 155). Auch aus diesem Grund wäre das schematische Abstellen auf eine feste Dauer des Wohlverhaltens mit der Praxis des Bundesgerichts nicht vereinbar.