Citation: U 195/99 13.02.2001 E. 5

5.- Das kantonale Gericht ist in einlässlicher Würdigung der umfangreichen medizinischen Aktenlage, insbesondere der Berichte der SUVA-Ärzte Dr. med. S._______ (vom 29. Januar 1997) und Dr. med. B._______ (vom 22. Oktober 1997) sowie des von der Invalidenversicherung in Auftrag gegebenen rheumatologischen Gutachtens der Dr. med. F._______ vom Spital G._______ (vom 25. November 1997), zum Schluss gelangt, dass die aktuellen Beschwerden nicht mehr in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 7. Dezember 1995 stehen. Dieser Auffassung ist beizupflichten. Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde dagegen vorgebracht wird, vermag zu keinem andern Ergebnis zu führen. Entgegen dem Beschwerdeführer sind die Aussagen der Gutachterin Dr. med. F._______ zur Unfallkausalität von der Vorinstanz nicht unkritisch im Verfahren gegen die SUVA verwendet worden, vielmehr wurde es zu Recht als umfassendes Gutachten in die medizinische Gesamtwürdigung einbezogen, und hinsichtlich der Kausalitätsbeurteilung als Bestätigung der Einschätzungen der SUVA-Ärzte gewertet. Dass sich die Gutachterin zur Unfallkausalität äusserte, ohne explizit danach gefragt worden zu sein, vermag den Aussagewert nicht zu mindern, tat dies doch Dr. F._______ in Kenntnis der Unfallakten. Sie fand beim Versicherten eine leichte Fehlform der Wirbelsäule und bestätigte aufgrund einer erneuten Computertomographie eine flache Diskushernie L4/L5 sowie eine leichte Spondylarthrose L5/S1. Sie sah die Ursache der Beschwerden in den festgestellten degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule. So führte sie die Risse und Spalten im Anulus fibrosus, welche eine Massenverschiebung ermöglichen, auf Verschleisserscheinungen an der Bandscheibe zurück. Durch den vorhandenen Wasserdruck im Gallertkern könne das Bandscheibengewebe in die Risse eindringen und als Bandscheibenvorfall (Diskushernie) austreten. Dr. med. S._______ kam unter Bezugnahme auf die medizinische Literatur zum Schluss, dass die geklagten Rückenbeschwerden mit Ausstrahlung in beide Beine im Sinne von belastungsabhängigen Lumboischialgien in keinem Zusammenhang mit dem erlittenen Unfallereignis stehen, sondern Folge eines unfallfremden Krankheitszustandes, nämlich eines relativ engen Spinalkanals L4/L5 und einer Diskushernie L4/L5 seien. Es handle sich um ein Krankheitsbild, das auch ohne das Unfallereignis früher oder später hätte symptomatisch werden können. 14 Monate nach dem Kontusionstrauma der linken Beckengegend resp. Verdrehung des Oberkörpers dürften die Folgen weitgehend als ausgeheilt betrachtet werden können. Dr. med. B._______ schloss sich unter Verweis auf die Arbeitspapiere des Ärzteteams Unfallmedizin über lumbale Diskushernien und Unfall sowie Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule, in denen die medizinische Literatur zu diesem Themenbereich ausgewertet wurde, dieser Beurteilung an. Es besteht kein Anlass, die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen Arztberichte in Frage zu stellen (BGE 122 V 157 und 125 V 353 Erw. 3b/ee). Im Übrigen entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise unter besondern Voraussetzungen als eigentliche Ursache in Betracht fällt (statt vieler nicht veröffentlichte Urteile B. vom 7. Januar 2000 [U 131/99] und S. vom 5. Januar 2000 [U 103/99]). Die Annahme einer ausnahmsweisen Unfallkausalität setzt u.a. voraus, dass das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen (nebst anderen nicht veröffentlichtes Urteil S. vom 26. August 1996 [U 159/95]; vgl. Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden in der schweizerischen sozialen Unfallversicherung, Bern 1980 S. 54 ff., insbesondere S. 56). So verhält es sich vorliegend jedoch nicht. Der Unfallmechanismus war, wie Dr. med. B._______ zu Recht feststellte, untauglich, eine lumbale Diskushernie oder auch nur einen Riss im Anulus fibrosus zu erzeugen; so bestand keine axiale Kraftkomponente und keine direkte Prellung der Wirbelsäule. Überdies war der Versicherte nicht gestürzt. Auch die bilaterale Quetschung des Beckens auf Höhe der proximalen Oberschenkel war nicht schwer, denn sie führte zwar zu Weichteilquetschungen beidseits mit Hämatom links, aber ohne Fraktur und ohne Schädigung der Hüftgelenke oder Ilio-Sakralgelenke. Mithin ist nach Lage der Akten mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass dem Unfall vom 7. Dezember 1995 keine massgebende Bedeutung mehr zukommt für die geklagten Beschwerden. Auch der vom Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren aufgelegte aktuelle Untersuchungsbericht der Rehaklinik E._______ (vom 23. April 1999) führt zu keinem andern Ergebnis. Zwar zeigt sich darin als neuer Gesichtspunkt klinisch ein vorwiegend sensibles, inkomplettes Querschnittsyndrom unterhalb Th 11 ohne Pyramidenbahnzeichen, mit symmetrischen, schwachen Muskeleigenreflexen, allerdings erhaltenem Lagesinn und schmerzbedingt kaum prüfbarer Motorik (Cauda-Syndrom). Die Rehaklinik schlägt zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose eine elektrophysiologische Untersuchung vor. Dieser neue Bericht, der offenbar ohne Kenntnis der Beurteilungen der SUVA-Ärzte Dr. med. S._______ und Dr. med. B._______ sowie des Gutachtens von Dr. med. F._______ ergangen ist, vermag jedoch keine Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass hinsichtlich möglicher traumatischer Aspekte die medizinische Situation hinreichend abgeklärt worden ist; so hatte auch eine Knochenszintigraphie an der ganzen Wirbelsäule normale Befunde ergeben. Zudem ist in den übrigen Beurteilungen und Befunden kein Abweichen zu den bisherigen Gutachten zu sehen. Von weiteren medizinischen Abklärungen sind mit Bezug auf die Kausalität keine neuen Erkenntnissse zu erwarten, welche den Ausgang des Prozesses zu beeinflussen vermöchten, weshalb davon abzusehen ist (BGE 119 V 344 Erw. 3c). Was die angeführte psychische Beeinträchtigung betrifft, ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer laut neuestem Kurzbericht der Klinik D._______ vom 12. April 1999 seit dem 4. November 1998 in ambulanter psychiatrischer Behandlung befindet. Beim Versicherten liege eine schwere depressive Erkrankung vor, mit ausgeprägten Zukunftsängsten, chronifizierter Schmerzsymptomatik, Schlafstörungen und Panikattacken. Aus psychiatrischer Sicht wird bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % festgehalten. Zum hier massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides jedoch bestanden in den vorhandenen medizinischen Akten keinerlei Anhaltspunkte für das Vorliegen einer psychischen Störung. In keinem der diversen Arztberichte findet sich ein Hinweis dafür. Selbst der Hausarzt Dr. med. J._______ äussert sich nirgends dahingehend. Mithin steht fest, dass eine allfällige psychische Komponente des Beschwerdebildes erst nach dem Zeitpunkt des Einspracheentscheides aufgetreten ist. Ob diese in einem natürlichen und in Anwendung der massgebenden Rechtsprechung (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb) adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallgeschehen steht, bildet mithin nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.