Citation: 6B_1087/2022 E. 3.6

3.6. Der Anklagegrundsatz ist vorliegend in Bezug auf die Vorwürfe der mehrfachen Vergewaltigung und der mehrfachen sexuellen Nötigung entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht verletzt. Weder dessen Umgrenzungsfunktion noch die Informationsfunktion wurden beeinträchtigt. Der Beschwerdegegner konnte aus der Anklage ohne Weiteres ersehen, wessen er angeklagt war. Die Taten waren zureichend umschrieben. Es war ihm ohne Weiteres möglich, sich in seiner Verteidigung vorzubereiten. Insbesondere kann nicht gesagt werden, dass er erst im Verlauf des Verfahrens mit neuen Anschuldigungen konfrontiert worden wäre (vgl. oben E. 3.5). Da der Anklagegrundsatz vorliegend nicht verletzt ist, braucht nicht weiter geprüft zu werden, ob formell eine Anklageberichtigung im Sinne von Art. 329 Abs. 2 StPO hätte erfolgen müssen (Urteil 6B_921/2017 vom 29. April 2019 E. 2.2). Indessen hat die Vorinstanz, anders als in der Beschwerde geltend gemacht wird (S. 6), den Beschwerdegegner nicht wegen der mangelhaften Anklageformulierung vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Vergewaltigung und der mehrfachen sexuellen Nötigung freigesprochen. Die Vorinstanz ist vielmehr im Rahmen der Beweiswürdigung willkürfrei zum Ergebnis gelangt, dass sich der angeklagte Sachverhalt durch die vorliegenden Beweise - insbesondere durch die Aussagen der Beschwerdeführerin - nicht rechtsgenüglich erstellen lässt (angefochtenes Urteil S. 14 f. und 16 f.). Dies ist nicht eine Frage des Anklageprinzips, sondern der Sachverhaltsfeststellung (Urteil 6B_997/2019 vom 8. Januar 2020 E. 3.1). Zwar hat die Vorinstanz auch erwogen, sie erachte die Anklage in den fraglichen Punkten als ungenügend. Indessen war dies für den Ausgang des Verfahrens nicht entscheidend. Vor diesem Hintergrund erübrigt sich eine Gutheissung der Beschwerde.