Citation: 5A_765/2022 E. 5.4.3

5.4.3. 5.4.3.1. Der Umstand, dass zum Zeitpunkt des Abschlusses des Ehevertrags unklar gewesen sei, welcher Ehegatte zuerst versterben würde, und ein Vorversterben der Ehefrau gar zu einer Besserstellung der Beschwerdeführerin geführt hätte, sei, so die Beschwerdeführerin weiter, ein rein aleatorisches Element. Dieses als Umstand zu werten, die Erbvertragsparteien hätten die Beschwerdeführerin vom Erbe ausschliessen wollen, sei deshalb willkürlich (Art. 9 BV). Hätten die Ehegatten tatsächlich eine Enterbung gewollt, so hätten sie Gütertrennung vereinbart und die güterrechtliche Auseinandersetzung vollzogen, sodass der Erblasser zum Zeitpunkt des Todes über kein eigenes Vermögen mehr verfügt hätte. Dies aber hätten die Vertragsparteien gerade nicht gewollt. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz ausserdem vor, sie stelle eine reine Vermutung an, was für sich willkürlich sei. Zudem wiege das Interesse der Maximalbegünstigung des Ehegatten höher als das nachfolgende Erbrecht der Kinder zum Zeitpunkt des Nachversterbens. 5.4.3.2. Diesen Ausführungen ist nicht zuzustimmen. Zwar mag sich aus den von den Erbvertragsparteien getroffenen Regelungen durchaus der Wille der gegenseitigen Meistbegünstigung ergeben. Die Spekulationen der Beschwerdeführerin vermögen das vorinstanzliche Auslegungsergebnis jedoch nicht zu erschüttern: Die getroffene ehevertragliche Regelung hat die Vorinstanz zunächst einmal zulässigerweise als weiteren Umstand bzw. Begleitumstand in die Beurteilung einbezogen. Darüber hinaus hat sie aus dieser Regelung auch zutreffend abgeleitet, diese deute darauf hin, dass weder der Erblasser noch seine Ehefrau - die keinerlei Kontakt mit der Beschwerdeführerin hatten - diese (indirekt) am Nachlass hätten beteiligen wollen. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass es zu erwarten gewesen wäre, dass der Erblasser, wenn es sein Wille gewesen wäre, seiner vorehelichen Tochter einen Teil seines Nachlasses zukommen zu lassen, dies explizit im Erbvertrag erwähnt hätte. Dies ist vorliegend gerade auch unter der Beachtung des Gesamtkontexts der strittigen Klausel (siehe E. 5.2) naheliegend: Die gemeinsamen Kinder werden explizit namentlich erwähnt und - zu Gunsten des überlebenden Ehegatten - auf den Pflichtteil gesetzt, um dann die gesamte verfügbare Quote dem überlebenden Ehegatten zu überlassen. Die - beiden Parteien unstrittig bekannte - uneheliche Tochter des Erblassers aber wird mit keinem Wort erwähnt. Entgegen der Beschwerdeführerin folgt aus dieser Erwägung nicht die (gemäss ihren Ausführungen willkürliche) Vermutung, dass nicht gemeinsame Kinder vom Erbe ausgeschlossen werden sollen, und heisst anders entscheiden auch nicht, den Vertragsparteien die Erschleichung einer falschen Beurkundung zu unterstellen. Dieses Argument ist nicht nachvollziehbar. Was die Behauptungen der Beschwerdegegner in der Klageantwort, der Saldo des Nachlassvermögens sei negativ, mit der Auslegung des Erbvertrags zu tun haben sollte, wie das die Beschwerdeführerin weiter behauptet, erschliesst sich ferner nicht. Ohnehin ist nachträgliches Parteiverhalten im Rahmen der objektivierten Auslegung nicht zu berücksichtigen (siehe E. 2), weshalb auch das angebliche "Akzeptieren" der Erbbescheinigung durch die Beschwerdegegner ohne Relevanz ist.