Citation: 8C_720/2007 03.09.2008 E. 5.1

5.1.1 Die Vorinstanz hat die Adäquanz nach den für psychische Unfallfolgen geltenden Grundsätzen (BGE 115 V 133 ff.) geprüft und verneint. 5.1.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, entscheidend sei entgegen der Vorinstanz nicht eine Beurteilung des Unfalls vom 26. September 2002 ex post, sondern womit er beim Erleben des Unfallgeschehens habe rechnen müssen. Er habe den Unfall bei vollem Bewusstsein erlebt. In der Führerkabine habe er bemerkt, dass der Bagger Halt verloren und sich zur Seite geneigt habe. In diesem Moment habe er mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Er habe damit rechnen müssen, dass er sich beim Kippen des 14 Tonnen schweren Baggers erhebliche oder gar tödliche Verletzungen zuziehen würde. Es sei ihm nur der Sprung aus der Führerkabine geblieben. Auch dieser Sprung sei nicht gefahrlos gewesen, sei doch damit nicht garantiert gewesen, dass er auf die richtige Seite springen und nicht vom Bagger erdrückt würde. In diesem Moment habe er nicht auf ein glimpfliches Ende vertrauen können. Es sei somit verständlich, dass der Unfall bei ihm erhebliche Ängste ausgelöst und er um sein Leben gefürchtet habe. Deshalb habe er auch täglich Intrusionen und das Geschehen komme ihm immer wieder hoch. Er sei durch den Unfall wie durch ein starkes Schreckerlebnis traumatisiert worden (BGE 129 V 177 ff.). Zudem kämen noch somatische Beschwerden hinzu (Rippenverletzungen etc.). Es sei offensichtlich, dass ein Grenzfall zwischen Schreckerlebnissen, bei denen die gewöhnliche Adäquanzformel (BGE 129 V 184) zur Anwendung gelange, und psychischen Beschwerden mit zusätzlichen somatischen Beschwerden, die nach der Adäquanzformel von BGE 115 V 133 beurteilt würden, vorliege. Dies könne nicht dazu führen, die eine Adäquanzformel gegen die andere auszuspielen. Wenn wie hier das Schreckerlebnis eine zentrale Bedeutung habe, müssten diese Adäquanzformeln ineinander fliessen. Er habe um sein Leben fürchten müssen, weil er ungeschützt dem Kippen eines 14 Tonnen schweren Baggers ausgesetzt gewesen sei. Es habe offensichtlich ein eindrückliches Schreckerlebnis vorgelegen, das ihn weit eingehender und unmittelbarer als der in BGE 129 V 177 ff. beurteilte Vorfall, wo es zu keinem direkten Kontakt zwischen dem Geschädigten und dem Täter gekommen sei, betroffen habe. Vorliegend habe unmittelbare und drohende Todesgefahr bestanden, was mit dem Sachverhalt gemäss RKUV 2001 Nr. U 440 S. 350 (U 9/00) vergleichbar sei. Während dort eine massive Aggression vorgelegen habe, sei hier der Umstand zu würdigen, dass er damit habe rechnen müssen, vom tonnenschweren Bagger erdrückt zu werden. Zudem sei auf die ganze Bandbreite der Versicherten abzustellen und auch zu berücksichtigen, dass gerade für Immigranten die Angst um die Verletzlichkeit des Körpers ganz zentral sei. Der Körper sei ihr wichtigstes Kapital, um sich in der Fremde durchzusetzen. Deshalb könne auch die Angst um die Verletzung des Körpers zu erheblichen psychischen Beschwerden führen (vgl. auch Regula Weiss, Migrationsspezifische Aspekte in einem psychotherapeutischen Prozess, Schweizerische Ärztezeitung, 2000, S. 2664 ff, insbesondere S. 2265). Überdies sei anerkannt, dass Todesängste durchaus Depressionen auslösen könnten, die zu vollständiger Arbeitsunfähigkeit führten (RKUV 2002 Nr. U 468 S. 516, U 88/02). Deshalb liege hier ein erhebliches und lebensbedrohliches Schreckerlebnis vor, das bereits für sich allein geeignet gewesen sei, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die hier vorliegenden Beschwerden auszulösen. Deshalb müsse die Adäquanz bereits nach den Kriterien für Schreckereignisse bejaht werden. Die Eindrücklichkeit des Unfalls müsse aufgrund der obigen Überlegungen, wonach die Adäquanzformeln zusammen zu fliessen hätten, gemäss der Adäquanzformel von BGE 115 V 133 in der Schwere des Unfalls berücksichtigt werden. Deshalb sei von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen auszugehen. Es seien die Kriterien der langen Heilbehandlung, der Dauerschmerzen und der Arbeitsunfähigkeit erfüllt, weshalb die Adäquanz zu bejahen sei.