Citation: U 105/00 15.12.2000 E. 5

5.- a) In RKUV 1999 U 330 S. 122 ff. hat das Eidgenössische Versicherungsgericht eine Übersicht über die in der Rechtsprechung bisher als schwerere Fälle im mittleren Bereich qualifizierten Unfallereignisse gegeben. Hiezu gehören etwa folgende Verkehrsunfälle: Eine Radfahrerin wurde von einem nicht vortrittsberechtigten Lastwagen angefahren; diagnostiziert wurde eine obere und untere Schambeinastfraktur links sowie eine Oberschenkelkontusion rechts (RKUV 1995 U 215 S. 90). Ein Zweiradfahrer wurde von einem Personenwagen frontal erfasst, auf die Motorhaube gehoben und rund 22 m von der Kollisionsstelle weg auf das Trottoir geschleudert; er zog sich dabei eine Commotio cerebri, eine Humerus-Querfraktur rechts, eine proximale Ulnaschaft-Fraktur links, eine proximale Radiushals-Fraktur links sowie eine laterale Tibiakopf-Impressionsfraktur links zu (nicht veröffentlichtes Urteil C. vom 23. Dezember 1991, U 90/90). Ein Insasse wurde bei einer Kollision mit einem andern Personenwagen aus dem Fahrzeug geschleudert, wobei das rechte Bein im umgestürzten Auto eingeklemmt blieb; es wurden eine Commotio cerebri, eine offene Quetschwunde am Hinterkopf, ein Mittelhandbruch rechts sowie eine Kontusion und ein Hämatom an der linken Leiste diagnostiziert (nicht veröffentlichtes Urteil A. vom 29. Oktober 1991, U 62/90). Eine Mofa-Fahrerin zog sich bei einem Zusammenstoss mit einem Personenwagen eine Tibiakopf-Fraktur zu (nicht veröffentlichtes Urteil P. vom 14. Dezember 1989, U 91/87). Nach der in RKUV 1995 U 215 S. 90 ff. enthaltenen Übersicht wurden als schwere Unfälle etwa qualifiziert: Eine Frontalkollision, bei welcher der Versicherte schwere Verletzungen erlitt und ein anderer Fahrzeuginsasse starb (nicht veröffentlichtes Urteil I. vom 15. Dezember 1994, U 145/94), der Zusammenstoss einer Autofahrerin mit einem Zug mit Verlust des Unterschenkels (nicht veröffentlichtes Urteil T. vom 13. Dezember 1994, U 141/94), ein Unfall auf der Autobahn mit schweren Verletzungen (nicht veröffentlichtes Urteil A. vom 11. Januar 1990, U 77/89) sowie der Fall eines Arbeiters, der von einem mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h vorbeifahrenden Lastwagen am Kopf getroffen und weggeschleudert wurde und dabei eine schwere Commotio cerebri erlitt (nicht veröffentlichtes Urteil F. vom 17. Oktober 1989, U 53/86). b) Im Lichte dieser Rechtsprechung kann der hier zur Diskussion stehende Unfall aufgrund des Hergangs und der erlittenen Verletzungen nicht als schwer qualifiziert werden. Der Unfall hat sich bei einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h auf der Autobahn ereignet, wobei es sich beim ersten Zusammenstoss um eine Streifkollision in gleicher Fahrtrichtung bei geringer Geschwindigkeitsdifferenz und bei den anschliessenden Zusammenstössen um seitliche bzw. seitlich-frontale Kollisionen handelte. Auch wenn dabei erhebliche Kräfte auf das Fahrzeug des Beschwerdegegners und diesen selber eingewirkt haben und das Auto stark beschädigt worden ist, ist der Unfall mit der Vorinstanz als mittelschwer zu qualifizieren. Immerhin rechtfertigt es sich, das Ereignis den schwereren Fällen im mittleren Bereich zuzuordnen. Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs genügt es daher, wenn ein einziges der unfallbezogenen Beurteilungskriterien erfüllt ist (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Dem Unfallereignis vom 18. Oktober 1993 kann eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden; eine besondere Eindrücklichkeit oder besonders dramatische Begleitumstände sind indessen nicht gegeben. Entgegen den Ausführungen im vorinstanzlichen Entscheid wurde der Versicherte nicht "überraschend von hinten mit grosser Wucht angefahren", sondern es handelte sich um eine seitliche Kollision zweier in gleicher Richtung fahrender Fahrzeuge mit geringer Geschwindigkeitsdifferenz. Dass das Fahrzeug des Beschwerdegegners vom Lastwagen anschliessend nach links in die Mittelleitplanke getrieben, in die Gegenrichtung gedreht und von einem entgegenkommenden Personenwagen seitlich angefahren wurde, genügt nicht zur Annahme einer besondern Eindrücklichkeit oder besonders dramatischer Begleitumstände des Unfallereignisses. Der Versicherte hat keine schweren Verletzungen erlitten und konnte vom Kantonsspital Z.________ nach ambulanter Untersuchung und mit Schmerzmitteln sowie einem weichen Halskragen versehen dem Hausarzt zur Weiterbetreuung zugewiesen werden. In der Folge wurde während längerer Zeit ambulante Physiotherapie durchgeführt, welche indessen keine wesentliche und dauerhafte Besserung der Beschwerden brachte. Die Neurologische Klinik des Spitals X.________ stellte bereits im Februar 1994 (Bericht vom 3. März 1994) neurovegetative Störungen und im Juni 1995 (Gutachten vom 13. September 1995) ein weitgehend chronifiziertes Beschwerdebild fest und vertrat die Meinung, es liege eine behandlungsbedürftige psychische Störung vor. Am 22. November 1995 berichtete auch das Spital Y.________ von einer zunehmenden psychischen Beeinträchtigung. Während der stationären Behandlung in der Klinik A.________ vom 30. Oktober - 24. Dezember 1996 wurde erneut eine intensive physikalische Therapie durchgeführt und der Versicherte auch psychologisch betreut. Im Bericht der Klinik vom 17. Januar 1997 wird ausgeführt, die physiotherapeutischen Massnahmen hätten in erster Linie einer Reharmonisierung der Bewegungsabläufe und der Entspannung und Entlastung der Nacken- und Schultergürtelmuskulatur sowie der Haltungsverbesserung und der Schmerzlinderung gedient. Bei wechselndem Therapieverlauf habe während des Klinikaufenthaltes insgesamt eine leichte Schmerzbeeinflussung erreicht werden können. Schmerzexazerbationen seien in der Regel durch psychischen Stress (Versicherungsprobleme) oder durch konzentrative Betätigung (lange Autofahrten) ausgelöst worden. Insgesamt sei eine leichte Stabilisierung des Zustandes erreicht worden; der Versicherte bleibe in seiner psychophysischen Belastbarkeit aber weiterhin eingeschränkt und durch die bestehende psychosoziale Problematik äusserst störanfällig. Eine psychotherapeutische Behandlung ist laut Gutachten der Klinik B.________ vom 14. Oktober 1997 angezeigt. Aus diesen ärztlichen Angaben geht hervor, dass das Beschwerdebild schon verhältnismässig kurze Zeit nach dem Unfall durch behandlungsbedürftige psychische Störungen überlagert war und mit physiotherapeutischen Massnahmen nicht mehr wesentlich zu beeinflussen war, weshalb das für die Adäquanzbeurteilung massgebende Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ebensowenig erfüllt ist wie dasjenige körperlicher Dauerschmerzen. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, oder einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen kann nicht die Rede sein. Was schliesslich das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit betrifft, ist davon auszugehen, dass die Ärzte des Kantonsspitals Z.________ eine Arbeitsunfähigkeit lediglich für eine Woche angenommen haben und sowohl die Neurologische Klinik der Klinik X.________ als auch die Klinik A.________ eine Tätigkeit im Rahmen einer Arbeitsfähigkeit von bis zu 50 % als möglich erachtet haben. Aus dem Gutachten der Klinik B.________ ist zu schliessen, dass unter der Voraussetzung einer psychischen Stabilisierung sogar eine volle Arbeitsfähigkeit möglich wäre. Wenn der Beschwerdegegner weiterhin nur zu 25 % erwerbstätig ist, so ist dies auf die bestehenden psychischen Störungen zurückzuführen, was im Rahmen der Adäquanzbeurteilung unberücksichtigt zu bleiben hat. Da somit keines der von der Rechtsprechung als massgebend bezeichneten Kriterien als erfüllt gelten kann, ist die Adäquanz zwischen den weiter bestehenden Leiden und dem Unfall vom 18. Oktober 1993 zu verneinen, was zur Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde führt.