Citation: I 523/03 23.12.2003 E. 3

Streitig und zu prüfen ist, ob und - wenn ja - wie weit sich der Grad der Invalidität zwischen dem Erlass der leistungsverweigernden Verfügung von Juli 2000 und dem erneuten Verfügungszeitpunkt im Juni 2002 in einer für den Anspruch auf Invalidenrente und berufliche Eingliederung erheblichen Weise geändert hat. Nicht bestritten ist dagegen, dass die Verwaltung auf die Neuanmeldung von Mai 2001 eingetreten ist. 3.1 Die Vorinstanz sieht keine Veränderung des Gesundheitszustandes in der Zeitspanne von Verfügungserlass im Juli 2000 bis zum (zweiten) Unfall im August 2000. Für die nachfolgende Zeit stellt das kantonale Gericht auf die Einschätzung des SUVA-Arztes Dr. med. Z.________ vom 15. November 2001 ab und geht davon aus, dass die somatischen Folgen dieses Unfalles abgeheilt sind, während sich aus dem Bericht des Spitals X.________ vom 2. Juli 2002 keine hinreichenden Anhaltspunkte für einen krankheitswertigen Gesundheitsschaden in psychischer Hinsicht ergäbe. Der Versicherte ist demgegenüber der Auffassung, dass nicht auf die Einschätzungen der Ärzte der SUVA abzustellen sei, da für die Invalidenversicherung auch nicht unfallkausale Gesundheitsschäden zu berücksichtigen seien und sich die psychische Situation verschlechtert habe; im Weiteren lägen divergierende Arztberichte vor, so dass sich eine polydisziplinäre Abklärung aufdränge. 3.2 Für die Zeit zwischen der Verfügung vom 25. Juli 2000 und dem (zweiten) Unfall vom 25. August 2000 ergibt sich nicht der geringste Hinweis aus den Akten, dass sich der Gesundheitszustand in leistungsbegründendem Ausmass verändert hätte, so dass für diese Zeitspanne keine Ansprüche geltend gemacht werden können. 3.3 Es ist weiter zu prüfen, ob der Unfall von August 2000 zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes geführt hat. Im Bericht vom 24. Juni 2002 hält der SUVA-Arzt Dr. med. Y.________ fest, dass der Versicherte über die gleichen Beschwerden wie 1998 klage und sich der klinische Befund nicht verändert habe; es bestünden "wiederum" Hinweise für eine Symptomausweitung und eine unfallfremde zervikale Problematik. Damit geht dieser Arzt klar davon aus, dass sich der Gesundheitszustand seit August 2000 nicht verändert hat. Der Bericht des SUVA-Arztes ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden (so hat dieser Arzt den Versicherten denn auch schon mehrmals untersucht); im Weiteren sind die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhalten begründete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Damit kann auf die Einschätzung des Dr. med. Y.________ abgestellt werden; auch wenn sie erst einen Monat nach Verfügungserlass erfolgt ist, beschlägt sie dennoch den aktuellen Gesundheitszustand zur Zeit der Verfügung im Juni 2002. Im Weiteren äussert sich dieser Arzt auch zu unfallfremden - für die Invalidenversicherung jedoch massgebenden - Gesundheitsschäden, was ihm nicht verwehrt ist und wofür er - aufgrund der Weiterbildung - auch genügend qualifiziert erscheint. Das Spital X.________ geht ebenfalls von einem seit 1998 unveränderten Gesundheitszustand aus, werden doch im Bericht vom 2. Juli 2002 "invalidisierende Zervikobrachialgien mit Ausstrahlung bis in die Finger links seit ca. 4 Jahren" angegeben, und es wird festgehalten, dass keine Hinweise auf psychische Veränderungen vorlägen. Im Weiteren geht das Spital X.________ zwar von einem Chronifizierungsprozess aus, jedoch bestehen keinerlei Anhaltspunkte, dass sich dieser erst seit dem zweiten Unfall von August 2000 entwickelt hat; es ist vielmehr davon auszugehen, dass dieser Prozess bereits früher eingetreten ist, da die angegebenen chronifizierenden Faktoren (Arbeitsplatzverlust, fehlende Zukunftsperspektive, Angst vor Invalidisierung und finanzielle Belastung) schon vor dem Jahr 2000 bestanden haben. Der nach Ablauf der Frist zur Einreichung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ins Recht gelegte Bericht des Spitals X.________ vom 2. September 2003 betrifft klarerweise nur die Zeit seit dem ersten Bericht von Juli 2002 und damit einen Zeitpunkt nach dem - Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildenden (BGE 121 V 366 Erw. 1b) - Zeitraum bis Verfügungserlass (Juni 2002), so dass der Versicherte allein schon aus diesem Grund nichts zu seinen Gunsten daraus ableiten kann. 3.4 Dr. med. C.________ hat anlässlich der Vornahme einer Elektroneurographie im November 2002 ein chirurgisch sanierungsbedürftiges Karpaltunnelsyndrom an der linken Hand diagnostiziert, wobei ein diesbezüglicher Verdacht schon vom SUVA-Arzt Dr. med. Z.________ im Bericht vom 15. November 2001 geäussert worden ist. Auch wenn in dieser Hinsicht somit eine Änderung des Gesundheitszustandes bis zum Verfügungszeitpunkt im Juni 2002 eingetreten sein kann, ist nicht davon auszugehen, dass dies in einem leistungsbeeinflussenden Ausmass geschehen wäre, da ein operativer Eingriff erfolgen kann, der eine diesbezügliche Invalidisierung ausschliesst. So wird das Karpaltunnelsyndrom im neuesten Bericht des Spitals X.________ vom 2. September 2003 denn auch nicht einmal erwähnt, obwohl die linke Hand ebenfalls untersucht worden ist. 3.5 Damit ist davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand zwischen Juni 2000 (Erlass der ersten Verfügung) und Juni 2002 (Erlass der zweiten Verfügung) nicht in leistungsbegründendem Ausmass verändert hat. Insbesondere finden sich keine Anhaltspunkte in den Akten, dass - wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde behauptet - eine Verschlechterung in psychischer Hinsicht erfolgt wäre. Weitere Abklärungen drängen sich nicht auf. Es bleibt jedoch abschliessend zu prüfen, ob in der Zeit zwischen dem (zweiten) Unfall von August 2000 und dem Verfügungszeitpunkt im Juni 2002 allenfalls eine vorübergehende leistungsbegründende Invalidität bestanden hat. Neben der für Umschulung resp. Rente notwendigen Mindestinvalidität und allfälligen weiteren Voraussetzungen muss dafür eine während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch dauernde Arbeitsunfähigkeit von mindestens durchschnittlich 40% bestanden haben (Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG). Dr. med. W.________, der den Beschwerdeführer erst nach dem zweiten Unfall von August 2000 behandelt hat, ging im Bericht vom 24. April 2001 davon aus, dass bis Ende April 2001 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehen werde, während er in den Berichten vom 19. und 21. Juni 2001 die Arbeitsfähigkeit ab dem 26. April 2001 auf 50% schätzte. Diese Ausführungen werden jedoch relativiert durch seine telephonische Aussage gegenüber dem SUVA-Kreisarzt vom 27. Juni 2001, wonach der Beschwerdeführer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt voll arbeiten könnte. Der scheinbare Widerspruch zwischen diesen Auffassungen liegt darin begründet, dass sich Dr. med. W.________ in seinen schriftlichen Berichten offensichtlich auf die bisherige Tätigkeit als Lastwagenchauffeur bezogen hat. Die Einschätzung der vollständigen Arbeitsfähigkeit ab Juni 2001 (Zeitpunkt des Telephonates) wird denn auch durch den Bericht des SUVA-Arztes Dr. med. Z.________ vom 15. November 2001 bestätigt, welcher ebenfalls eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit annimmt, aber weder andere Befunde als Dr. med. W.________, noch eine (allenfalls kurzzeitige) Verschlechterung seit Sommer 2001 erwähnt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Unfall von August 2000 spätestens im Sommer 2001 abgeheilt ist und dem Versicherten ab diesem Zeitpunkt eine leidensangepasste Tätigkeit vollständig zumutbar gewesen ist; eine grössere Erwerbseinbusse als die im Rahmen der Unfallversicherung ermittelte Invalidität von 15% ist damit nicht ersichtlich. Somit ist weder das Wartejahr gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG für einen temporären Rentenanspruch, noch die Mindestinvalidität für den Anspruch auf Umschulung (20%; BGE 124 V 110 Erw. 2b mit Hinweisen) erfüllt.