Citation: 6B_1235/2021 E. 3.4.1

3.4.1. Die Vorinstanz hat kein Bundesrecht verletzt, indem sie den objektiven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung als erfüllt betrachtet. Sie berücksichtigt, dass es sich bei den Regeln zum Überholen und zum genügenden Abstand um zentrale Bestimmungen für die Gewährung der Sicherheit im Strassenverkehr und damit um wichtige Verkehrsvorschriften handelt. Der Beschwerdeführer missachtete durch seine Fahrweise die wichtigen Verkehrsregeln zum Überholen eines Fahrradfahrers in schwerwiegender Weise. Nicht nur überholte er die Fahrradfahrerin trotz beengter Platzverhältnisse und des Kurvenverlaufs im einspurigen Kreisverkehrsplatz "relativ nah", sondern er vollzog das Überholmanöver im Wissen darum, dass er sogleich in die Seftigenstrasse abbiegen würde. Dazu musste er die Fahrrichtung der überholten Fahrradfahrerin kreuzen, und zwar bereits unmittelbar nach dem Überholen resp. Vorbeifahren, da die Ausfahrt auf die Seftigenstrasse unmittelbar auf die Ausfahrt in die Südbahnhofstrasse folgt, auf deren Höhe das Überholmanöver durchgeführt wurde. Dieses begann gemäss den übereinstimmenden Aussagen der Fahrradfahrerin und der Zeugin gleich nach dem Einfahren der Fahrradfahrerin in den Kreisverkehrsplatz. Ein solches Fahrverhalten stellt angesichts der örtlichen Verhältnisse (Kurvenverlauf im Kreisverkehr, kurze Distanzen) ein objektiv und vom Beschwerdeführer selbst anerkanntes "gefährliches" Manöver dar, konnte der Beschwerdeführer doch angesichts der gefahrenen Geschwindigkeiten nicht sicher sein, gefahrlos - d.h. ohne Behinderung der Fahrradfahrerin - wieder vor dieser einzubiegen und nach rechts in die Seftigenstrasse abzubiegen. Daran vermag nichts zu ändern, dass ein vorsichtiges Überholen eines Fahrradfahrers im Kreisverkehr unter Wahrung eines genügenden Abstandes grundsätzlich zulässig ist, sofern es die örtlichen Verhältnisse und insbesondere die Platzverhältnisse erlauben. Der Beschwerdeführer schuf objektiv nicht nur eine abstrakte, sondern eine naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung der Fahrradfahrerin, die durch sein knappes Wiederein- und Abbiegen ins Schwanken zu geraten oder gar zu stürzen und sich dadurch zu verletzen drohte. Diese Gefahr manifestierte sich denn gar in der Kollision mit dem Vorderrad des Fahrrades, was die Fahrradfahrerin zum Bremsen und Abspringen zwang, um einen Sturz zu verhindern.