Citation: 9C_569/2013 E. 5.2

5.2. Der psychiatrische Befund war nicht von Beginn weg klar. Als die Klägerin Ende des Jahres 2004 erstmals im Rahmen einer beruflichen Überforderung und verschiedenen psychosozialen Belastungsfaktoren behandelt wurde, gingen die Ärzte von einem noch ungeklärten psychiatrischen Krankheitsbild aus (Verdacht auf bipolare Störung, differentialdiagnostisch: organisch bedingte affektive Störung; Bericht der Psychiatrischen Klinik U.________ vom 14. Dezember 2004). Nach einer weiteren Hospitalisation Ende 2005 wurde in erster Linie eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen vermutet und eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis erst differentialdiagnostisch erwogen (Austrittsbericht der Klinik S.________ vom 23. Januar 2006). Angesichts der Ungewissheit über die Diagnose und der hohen Leistungsbereitschaft der Klägerin stellten die beteiligten Fachleute über eine längere Zeit hinweg gute Prognosen, auch um aus damaliger Sicht bestehende Eingliederungschancen nicht zu kompromittieren (vgl. Bericht der Frau Dr. H.________ vom 9. Juni 2008). Noch bis 2007 habe die berechtigte Hoffnung bestanden, dass die Patientin zumindest mit einem Teilpensum wieder im regulären Arbeitsmarkt Fuss fassen könnte; im weiteren Verlauf sei jedoch immer deutlicher geworden, dass sie krankheitsbedingt diesem Druck nicht mehr standzuhalten vermochte (Bericht der Frau Dr. H.________ vom 3. November 2011). Ein derartiger Wandel in der medizinischen Beurteilung muss bei der Würdigung der Arbeitsunfähigkeitsatteste berücksichtigt werden. Im vorliegenden Fall galt es jeweils, erst einmal die Belastbarkeit der Klägerin auszuloten. Die Wirksamkeit der Wiedereingliederungsversuche konnte erst nachträglich beurteilt werden, zumal die Diagnose - und damit die Tragweite des Gesundheitsschadens - während längerer Zeit ungewiss war.