Citation: 7B.38/2005 26.04.2005 E. 3.1

3.1.1 Die Vorinstanz führt aus, im vorliegenden Fall mache der Schuldner in seiner Beschwerde rechts- und sittenwidriges Einwirken auf den Steigerungserfolg im Sinne von Art. 230 OR geltend. Rechtswidrig sei jede Einwirkung, die gegen Gebote oder Verbote der Rechtsordnung verstosse, welche dem Schutz des verletzten Rechtsguts dienten. Gegen die guten Sitten verstosse die Einwirkung, welche die Korrektheit des Steigerungsverfahrens, den freien und lauteren Wettbewerb unter den teilnehmenden Bietern beeinträchtige bzw. den Steigerungswettbewerb verfälsche, zumal durch Irreführung der Teilnehmer (vgl. BGE 109 II 123 ff.). Wettbewerbsverfälschend sei etwa grundsätzlich das Versprechen unter Mitbietenden, gegen Leistung einer Entschädigung vom Bieten Abstand zu nehmen (pactum de non licitando). Unlauter und damit sittenwidrig könne auch die Abrede des Versteigerers mit einem Bietenden sein, dass ein allfälliger Zuschlag ihn nicht verpflichte, den Kaufpreis und das Aufgeld zu zahlen (pactum de licitando: BGE 109 II 123 E. 2b S. 126). Durch die Aufsichtsbehörde werde nachfolgend zu prüfen sein, ob der Anfechtungstatbestand des Art. 230 OR erfüllt sei. Der Beschwerdeführer lasse in seiner Rechtsschrift vom 22. Oktober 2004 tatsächliche Ausführungen vortragen, welche Begebenheiten beschlügen, die sich nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Versteigerung vom 12. Oktober 2004 zugetragen hätten. So fänden sich darin etwa einlässliche Darlegungen über die Entstehung der Schuld und die Versuche für deren einvernehmliche Begleichung. Ferner würden die Hintergründe familiärer Auseinandersetzungen zwischen dem Schuldner, seiner vormaligen Ehefrau und heutigen Gläubigerin sowie deren beiden gemeinsamen Söhnen dargestellt. Diese Vorbringen seien nach Auffassung der Aufsichtsbehörde für die rechtliche Beurteilung des vorliegenden Falles grösstenteils unbeachtlich und seien in den weiteren Erwägungen nicht aufzugreifen. 3.1.2 Die Aufsichtsbehörde fährt fort, der Beschwerdeführer halte dafür, dass der Tatbestand des Art. 230 OR erfüllt sei, da durch eine Interessenkollision, namentlich durch Doppelvertretung, sittenwidrig auf den Erfolg der Versteigerung eingewirkt worden sei. Aufgrund der Vollmachterteilung der Gläubigerin an ihren Sohn X.F.________ sei dieser in dreifacher Funktion an der Versteigerung anwesend gewesen, nämlich für die betreibende Gläubigerin, für sich selber persönlich und als einzelzeichnungsberechtigter Verwaltungsrat für die X.________ AG. Mehrmals habe die X.________ AG erklärt, an der Übernahme des Objektes interessiert zu sein. X.F.________ und X.G.________ hätten immer wieder erklärt, die Liegenschaften, besonders die Liegenschaft an der Strasse S.________ des Beschwerdeführers in der Familie halten zu wollen. Mit der Doppelvertretung in der Person von X.F.________ sei ein eigentlicher Wettbewerb an der Gant verhindert worden. Dies gereiche nicht nur dem Schuldner zum Nachteil, sondern vor allem auch der betreibenden Gläubigerin. Nach Lehre und Rechtsprechung seien die Doppelvertretung und das Kontrahieren mit sich selbst völlig unstatthaft. Die Aufsichtsbehörde hat dazu erwogen, es sei unbestreitbar, dass mit einer Doppelvertretung eine funktionell bedingte Gefahr von Interessenkonflikten verbunden sein könne. Solche bestünden allerdings nicht zwangsläufig und fehlten etwa im Falle eines ausdrücklichen oder zumindest unzweideutigen Einverständnisses des Vertretenen. Darin bestehe eine Relativierung, die nicht von einer aprioristischen Ungültigkeit, sondern von der grundsätzlichen Zulässigkeit ausgehe. Juristisch führe die Gültigkeitsprüfung über Art. 2 ZGB: Danach habe man die Doppelvertretung nur dann als unzulässig zu qualifizieren, wenn eine durch die Interessenkollision hervorgerufene Gefahr des Rechtsmissbrauchs bestehe (Hans Giger, a.a.O., N. 41 zu Art. 230 OR mit weiteren Nachweisen). Nach dem Vorstehenden sei die Behauptung des Beschwerdeführers, allein aufgrund der Tatsache, dass sein Sohn X.F.________ in mehrfacher Funktion an der Versteigerung anwesend gewesen sei, müsse der Zuschlag vom 12. Oktober 2004 aufgehoben werden, nicht zutreffend. Die Aufsichtsbehörde vermöge überdies keine Interessenkollision von X.F.________ zu erkennen, zumal er von der Gläubigerin mit Vollmacht vom 1. September 2004 ausdrücklich ermächtigt worden sei, sie bei der Versteigerung der Liegenschaft zu vertreten. Auch die Natur des vorliegenden Geschäfts berge keine Gefahr, dass der Schuldner oder die Gläubigerin durch die Teilnahme von X.F.________ irgendwie benachteiligt worden seien. Wie die Beschwerdegegnerin richtig festhalte, könne nicht davon ausgegangen werden, dass eine Wettbewerbssituation deshalb entstanden wäre, wenn X.F.________ nicht auch als Vertreter der Gläubigerin bzw. der X.________ AG an der Versteigerung erschienen wäre. Es könne nicht ernstlich davon ausgegangen werden, dass ein Steigerungswettbewerb unter den Söhnen und deren Mutter stattgefunden hätte. Im Übrigen hätten es nicht die Beschwerdegegner zu vertreten, dass keine andere Person an der Ersteigerung der Liegenschaft ein Interesse bekundet habe. Die Beschwerde erweise sich in diesem Punkte als unbegründet. 3.1.3 Im Weiteren hat die Vorinstanz für die Kammer verbindlich festgestellt (Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 81 OG), der Beschwerdeführer habe es schlichtweg unterlassen, seine Vermutung, es habe ein pactum de non licitando vorgelegen, mittels schlüssiger Beweise zu stützen. Allein aus dem Umstand, dass an der Versteigerung die Gläubigerin, deren Söhne und die ihnen gehörende X.________ AG, anwesend bzw. durch X.F.________ vertreten gewesen seien, könne nicht gerade auf ein pactum de non licitando geschlossen werden. Auch die Tatsache, dass nur ein Erlös von CHF 50'000.-- habe erzielt werden können, lasse diesen Schluss nicht zu, da Liegenschaften anlässlich von Versteigerungen regelmässig weit unter ihrem Schätzpreis verkauft würden.