Citation: 5A_107/2023 E. 3.5.2

3.5.2. Anders als das Bezirksgericht ist die Vorinstanz bei der Unterhaltsberechnung vom tatsächlich erzielten Einkommen der Beschwerdeführerin ausgegangen. Zu Recht rügt die Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz dabei einen 13. Monatslohn bzw. eine entsprechende Gratifikation unter Hinweis auf deren Üblichkeit berücksichtigt hat. Offenkundig und damit weder zu behaupten noch zu beweisen (Art. 151 ZPO) sind Tatsachen, die allgemein, jedenfalls aber am Ort des Gerichts verbreitet bekannt sind. Nicht erforderlich ist, dass die Allgemeinheit die Tatsache unmittelbar kennt; es genügt, wenn sie sich aus allgemein zugänglichen Quellen erschliessen lässt (Urteil 5A_7/2021 vom 2. September 2021 E. 5.2 mit Hinweis; vgl. auch BGE 143 IV 380 E. 1.1.1; 135 III 88 E. 4.1). Dies gilt auch dann, wenn das Gericht sie ermitteln muss (BGE 128 III 4 E. 4c/bb; Urteil 5A_1048/2019 vom 30. Juni 2021 E. 3.5.2 und E. 3.6.1). Im Fall eines 13. Monatslohns bzw. einer entsprechenden Gratifikation trifft dies nicht zu (vgl. Urteil 5A_812/2022 vom 9. Juni 2023 E. 3.3). Weitergehend verweist der Beschwerdegegner richtig darauf, dass sich aus den Akten widersprüchliche Hinweise darauf ergeben, ob der Beschwerdeführerin ein 13. Monatslohn ausbezahlt worden ist. Zu verweisen ist dabei auf die sich in den kantonalen Akten befindlichen (provisorischen) Abrechnungen für die Monate Januar bis April 2022 (Berufungsbeilagen 17-19). Unter diesen Umständen hätte die Vorinstanz in der vorliegenden Angelegenheit, die Kinderbelange betrifft und folglich dem uneingeschränkten Untersuchungsgrundsatz untersteht (Art. 296 Abs. 1 ZPO; BGE 148 III 270 E. 6.4 S. 290), abklären müssen, ob die Beschwerdeführerin einen vertraglichen Anspruch auf einen 13. Monatslohn hat bzw. ob die vereinbarte Gratifikation simuliert ist, wie der Beschwerdegegner behauptet. Zumal der Arbeitsvertrag der Beschwerdeführerin sich ebenfalls in den kantonalen Akten befindet (vgl. Berufungsbeilage 20). Hieran ändert auch die die Parteien treffende Mitwirkungspflicht nichts (vgl. dazu BGE 130 I 180 E. 3.2; 128 III 411 E. 3.2.1; Urteil 5A_463/2022 vom 22. Mai 2023 E. 6.5.1). Zu Recht weist die Beschwerdeführerin auch auf den Umstand hin, dass der Arbeitsvertrag einen variablen Beschäftigungsgrad vorsieht. Der im angefochtenen Entscheid von der Vorinstanz rekapitulierte Sachverhalt erlaubt daher nicht die Feststellung, dass die Beschwerdeführerin in jedem Monat zu 100 % beschäftigt ist und ein Einkommen von Fr. 4'560.-- erzielen kann. Die Sache ist deshalb auch zur Klärung dieses Punktes an die Vorinstanz zurückzuweisen. Liegt keine vollzeitliche Beschäftigung bei der neuen Arbeitgeberin vor, so ist erneut über die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens zu befinden bzw. zu prüfen, ob es diesbezüglich beim hypothetischen Einkommen von Fr. 4'000.-- bleibt, das die erste Instanz der Beschwerdeführerin angerechnet hat. Entgegen der Meinung des Beschwerdegegners ist es nicht die Aufgabe des Bundesgerichts, ohne entsprechende tatsächliche Grundlagen einen reformatorischen Entscheid zu fällen. Auch entfällt in diesem Fall die Möglichkeit einer Motivsubstitution.