Citation: 2C_646/2023 E. 4.6

4.6. Hinsichtlich der nach Treu und Glauben zu beurteilenden Frage der Erkennbarkeit des Eröffnungsmangels für den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (vgl. E. 4.5 hiervor) ist festzuhalten, dass jenem gemäss Schreiben des Migrationsdiensts vom 26. Mai 2023 die Inhaftierung seines Klienten und das Datum des Flugs nach Bulgarien aus polizeitaktischen Gründen verschwiegen wurden. Ob dieses Vorgehen verfassungs- bzw. konventionskonform war, ist vorliegend zwar nicht zu prüfen (vgl. in diesem Zusammenhang etwa Urteil des EGMR Beuze gegen Belgien vom 9. November 2018 [71409/10] § 132 ff.); nachdem ihm zentrale Informationen über die Modalitäten der Überstellung seines Klienten nach Bulgarien und namentlich die Tatsache von dessen Inhaftnahme sowie die Haftgründe gezielt vorenthalten wurden, kann dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aber jedenfalls nicht entgegengehalten werden, er hätte von der Inhaftierung seines Klienten wissen müssen.