Citation: 4A_633/2020 E. 2.2

2.2. Nach Ansicht der Vorinstanz hat sich der Beschwerdegegner den Zugriff auf die E-Mail-Korrespondenz nicht gezielt im Hinblick auf die rechtliche Auseinandersetzung mit der Beschwerdeführerin verschafft. Die E-Mail vom 2. August 2016 sei auf dem Server der Aktiengesellschaft in einem dem Mandat G.________ zugeordneten E-Mail-Ordner abgelegt gewesen, d.h. in einem Geschäftsordner und nicht in einem Privatordner. Sie sei weder als persönlich noch privat gekennzeichnet gewesen. Dass es sich bei dieser E-Mail um eine Korrespondenz zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Rechtsvertreter gehandelt habe und die E-Mail deshalb als "privat" zu qualifizieren gewesen sei, habe sich erst später bei der Sichtung der E-Mail-Korrespondenz ergeben. Zwar sei der Geschäftsordner passwortgeschützt. Dass (und warum) der Beschwerdegegner nicht hätte davon ausgehen dürfen, dass er eine Kopie dieser Geschäfts-Daten erhalten dürfe, nachdem der IT-Experte der Beschwerdeführerin, als sie die Aktiengesellschaft verliess, auch deren gesamte Datenbank ausgehändigt habe, sei nicht geltend gemacht. Plausibel erscheine, dass der Beschwerdegegner erst nach der ersten Gerichtsverhandlung (lnstruktionsverhandlung vom 9. November 2017) in diesen Unterlagen nach Beweismitteln für seinen Standpunkt zu suchen begonnen habe und so auf die E-Mail gestossen sei, ansonsten er dieses Beweismittel bereits mit der Klage, und nicht erst mit der Replik offeriert hätte. Es erscheine überzeugend, dass er sich nach dem Ausscheiden der Beschwerdeführerin aus der Aktiengesellschaft als berechtigt angesehen habe, eine Kopie ihrer geschäftlichen E-Mail-Korrespondenz zu erhalten.