Citation: 5A_515/2023 E. 4.2.3

4.2.3. Die Vorinstanz erläutert im Einzelnen, weshalb die Beschwerdeführerin die Arrestforderung weder hinreichend substanziiert noch glaubhaft gemacht habe. Zuerst äussert sie sich zur geltend gemachten Kreditschuld. Diesbezüglich kommt sie zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin die Entwicklung und Zusammensetzung des behaupteten Kredits, den der Beschwerdegegner und seine Ehefrau in Anspruch nahmen, nicht hinreichend substanziierte. Und selbst unter der Annahme, dass die bezogenen Kredite durch die Nennung des Totalbetrags genügend substanziiert wären, würden weder die vorgelegten bankinternen Urkunden "Exposure Kunde" noch die von der Beschwerdeführerin erstellten Anhänge zu den Schreiben "Notice Amount of Liquidation Value" genügen, um die Höhe des beanspruchten Kredits glaubhaft zu machen; die Beschwerdeführerin beschränke sich im Wesentlichen darauf, die Höhe des Kredits zu behaupten. Als Nächstes befasst sich das Obergericht mit dem Wertverlust der gestellten Sicherheiten, der laut den Schilderungen der Beschwerdeführerin zur Unterdeckung der in Anspruch genommenen Kredite ("Shortfall") und damit - gemäss den Abreden der Parteien - zur Forderung zusätzlicher Sicherheiten ("Margin Calls") geführt haben soll. Um den Marktwert der Anlagen zu substanziieren, genüge es nicht, lediglich ein Total (über alle Anlagekategorien hinweg) zu behaupten; für die Substanziierung der Belehnungswerte gelte dasselbe. Ohne spezifischere Angaben zu den Markt- und Belehnungswerten lasse sich nicht überprüfen, ob ein solches Total glaubhaft ist. Selbst wenn über die mangelnde Substanziierung hinweggesehen würde, könnten die entsprechenden Belehnungswerte angesichts der Bestreitungen des Beschwerdegegners alleine gestützt auf die vorgelegten bankinternen Dokumente nicht als glaubhaft erachtet werden. Nachdem die Beschwerdeführerin weder die Höhe der beanspruchten Kredite noch die Belehnungswerte der gestellten Sicherheiten rechtsgenügend substanziiert bzw. glaubhaft gemacht habe, sei auch der "Shortfall" und damit die Voraussetzung für die "Margin Calls" nicht glaubhaft. In der Folge verzichtet das Obergericht darauf zu prüfen, ob die "Margin Calls" den formellen Anforderungen genügten, die gesetzten Fristen Treu und Glauben entsprachen, eine allfällige Forderung der Beschwerdeführerin nach Stellung zusätzlicher Sicherheiten fällig wurde und die geltend gemachten Verzugsereignisse eintraten. Selbst wenn eine Unterdeckung bejaht und der Beschwerdegegner und seine Ehefrau nicht rechtzeitig zusätzliche Kreditsicherheiten bestellt hätten, würde sich laut Vorinstanz schliesslich die Frage stellen, ob die Beschwerdeführerin den infolge der Beendigung der Transaktionen geltend gemachten, vom Schuldner bestrittenen Anspruch genügend substanziierte und glaubhaft machte. Zu den geltend gemachten Beendigungen der OTC-Transaktionen verweise die Beschwerdeführerin auf die Auflistungen im Anhang zu den beiden Schreiben "Notice Amount of Liquidation Value" und dort auf die Spalte "Total Amount USD that client pays". Damit habe die Beschwerdeführerin zwar die Verluste substanziiert, die sich aus der Beendigung der OTC-Transaktionen ergaben. Wie diese Beträge zur Höhe der Arrestforderung führten, sei nach der Darstellung der Beschwerdeführerin dagegen nicht schlüssig. Nachdem der Betrag der Arrestforderung tiefer sei als die bei der Liquidation der OTC-Transaktionen erzielten Verluste, sei davon auszugehen, dass die Verluste mit anderen Vermögenswerten des Schuldners und seiner Ehefrau bei der Beschwerdeführerin verrechnet wurden. Der Schluss liege nahe, dass es sich dabei unter anderem um die in den Dokumenten "Exposure Kunde" genannten Depots handelte. Der Beschwerdegegner weise zutreffend darauf hin, dass die entsprechenden Anlagen (namentlich Obligationen und Aktien), die laut dem "Investment Report" per 13. März 2020 mit über USD 2 Mio. (Obligationen) bzw. über USD 800'000.-- (Aktien) verzeichnet waren, im "Investment Report" per 30. April 2020 nicht mehr enthalten sind. Die Vorinstanz folgert daraus, dass die Beschwerdeführerin diese Anlagen ebenfalls liquidierte (und nicht nur die in den Dokumenten "Exposure Kunde" genannten OTC-Derivate). Ein substanziiertes Vorbringen über die Abrechnung, die zur geltend gemachten Arrestforderung führte, hätte auch eine Angabe dazu verlangt, wie bzw. mit welchen Erlösen diese und allfällige weitere Vermögenswerte liquidiert wurden. Bloss das Ergebnis der Verrechnung zu behaupten, genüge entgegen der Beschwerdeführerin nicht. Die Beschwerdeführerin habe die Liquidation dieser Anlagen im Arrestbegehren indes gar nicht erwähnt. Die blosse Behauptung, per 30. April 2020 hätten der Beschwerdegegner und seine Ehefrau "auf den meisten ihrer Konti" bei der Gläubigerin über keine Guthaben mehr verfügt, zwei Konti hätten erhebliche Ausstände aufgewiesen und insgesamt hätten der Beschwerdegegner und seine Ehefrau der Beschwerdeführerin den Betrag der Arrestforderung geschuldet, genüge den Anforderungen an die Substanziierung nicht. Auch aus dem "Investment Report" vom 30. April 2020 ergebe sich nichts Näheres zur Verrechnung, denn dieser enthalte lediglich deren Ergebnis. Der Kontoauszug des erwähnten USD-Kontos vom 5. Mai 2020, aus dem eine Vielzahl von Transaktionen hervorgehe, genüge nicht, um die Abrechnung zu substanziieren, zumal es weder am Beschwerdegegner noch am Gericht sei, aus einem solchen Kontoauszug die einzelnen Beträge zusammenzutragen. Im Anschluss daran erläutert die Vorinstanz, weshalb die Gläubigerin mit dem blossen Hinweis auf die von ihr erstellten Übersichten über die Liquidation der OTC-Transaktionen die entsprechenden Beträge auch nicht glaubhaft zu machen vermöge.