Citation: 6B_409/2015 E. 1.2

1.2. Die erste Instanz sprach die Beschwerdeführerin vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei. Sie erwog, das Opfer habe aus einem Bereich im Dunkeln, in welchem es in seiner dunklen Kleidung gar nicht habe gesehen werden können, den Fussgängerstreifen betreten. Das Opfer sei der Beschwerdeführerin vor das Auto gelaufen. Gemäss Expertise hätte die Beschwerdeführerin die Kollision nur vermeiden können, wenn sie mit einer Geschwindigkeit von höchstens 21,5 km/h gefahren wäre. Dies sei jedoch nicht realistisch. Auch auf nasser Fahrbahn sei die den Verhältnissen angepasste Geschwindigkeit sicherlich nicht in diesem tiefen Bereich anzusiedeln. Die Beschwerdeführerin habe unter den gegebenen Umständen keine Möglichkeit gehabt, die Kollision zu vermeiden. Ihr könne somit keine Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden. Die Vorinstanz ist der Auffassung, unter den gegebenen Umständen könne nicht auf eine die Fahrlässigkeit ausschliessende Unvermeidbarkeit des Unfalls geschlossen werden. Die rechtlich relevanten Vermeidbarkeitsüberlegungen würden sich nicht mit den physikalischen Vermeidbarkeitsbetrachtungen gemäss der technischen Unfallanalyse decken. Die Vorinstanz wirft der Beschwerdeführerin vor, diese habe nicht die in der Nähe eines Fussgängerstreifens gemäss Art. 33 Abs. 2 SVG gebotene besondere Vorsicht aufgewendet. Die Pflicht zur besonderen Vorsicht entfalle nicht bereits damit, dass kein herannahender Fussgänger zu sehen beziehungsweise ein herannahender Fussgänger, aus welchen Gründen auch immer, nicht zu sehen sei. Auch in solchen Fällen müsse der Fahrzeuglenker mit dem Betreten des Fussgängerstreifens durch einen Fussgänger rechnen, den er (noch) nicht sehen könne. Dementsprechend habe ein Fahrzeuglenker so zu fahren, dass es nicht zur Kollision komme, wenn ein zunächst noch nicht sichtbarer Fussgänger den Streifen betrete. Der Fahrzeuglenker könne sich nicht damit entschuldigen, dass ein Unfall zum Zeitpunkt, als der Fussgänger sichtbar geworden sei beziehungsweise den Streifen betreten habe, bereits unvermeidbar geworden sei. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin das Opfer bis zuletzt gar nicht gesehen habe, zeige, dass sie bei der Zufahrt auf den Fussgängerstreifen keine hinreichende Sicht auf diesen und insbesondere auf die von rechts auf den Streifen zuführenden Wege gehabt habe, um das Betreten des Streifens durch einen Fussgänger ausschliessen zu können. Die erstinstanzliche Erwägung, von einem Fahrzeuglenker könne selbst bei schlechten Sichtverhältnissen nicht erwartet werden, dass er sich einem Fussgängerstreifen mit lediglich 20 km/h nähere, sei unzutreffend. Vielmehr wäre die Beschwerdeführerin gehalten gewesen, im Schritttempo auf den Fussgängerstreifen zuzufahren, soweit dies zur sicheren Vermeidung eines Unfalls erforderlich gewesen wäre. Dies habe die Beschwerdeführerin aber nicht getan. Vielmehr sei sie mit unveränderter Geschwindigkeit von mindestens 40 km/h auf den ihr bekannten Fussgängerstreifen zugefahren. Die Vorinstanz schliesst nicht aus, dass das Opfer den Fussgängerstreifen in Missachtung von Art. 49 Abs. 2 Satz 2 SVG und Art. 47 Abs. 2 Satz 2 VRV überraschend betrat, als das Fahrzeug der Beschwerdeführerin bereits so nahe war, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte. Die Vorinstanz erwägt, nach dem Vertrauensgrundsatz, der auch im Verhältnis zwischen Fahrzeuglenkern und Fussgängern gelte, dürfe der Fahrzeugführer grundsätzlich darauf vertrauen, dass der Fussgänger den Streifen nicht überraschend in einem Moment betrete, in dem das Fahrzeug bereits so nahe sei, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten könne. Auf den Vertrauensgrundsatz könne sich die Beschwerdeführerin jedoch nicht berufen, da sie sich selber verkehrsregelwidrig verhalten habe, indem sie bei Dunkelheit mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h auf den Fussgängerstreifen zugefahren sei. Das Verhalten des Opfers sei nicht derart aussergewöhnlich gewesen, dass die Beschwerdeführerin damit schlicht nicht habe rechnen müssen. Dass der Unfall allenfalls auch durch das Opfer selbst hätte vermieden werden können, ändere nichts daran, dass er gleichermassen auch durch die Beschwerdeführerin durch Aufbringen der notwendigen Aufmerksamkeit respektive Anpassung der Fahrweise hätte vermieden werden können. Hätte die Beschwerdeführerin aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse und in Kenntnis des Fussgängerstreifens ihre Geschwindigkeit gedrosselt und/oder das Fahrzeug vor dem Fussgängerstreifen kurz angehalten, wäre es nicht zu einem Unfall mit Todesfolge gekommen.