Citation: 8C_722/2016 E. 3.2.2

3.2.2. 3.2.2.1. Der Beschwerdeführer beanstandet dieses Vorgehen an sich nicht. Er macht aber geltend, das kantonale Gericht habe zur Beurteilung des Hilfebedarfs in Verletzung von Bundesrecht nicht in allen Teilen auf die beweiskräftigen Auskünfte des gerichtlich beigezogenen Gutachters abgestellt, der sämtliche gemäss Art. 39c IVV zu prüfende Bereiche in die Stufe 4 des anzuwendenden standardisierten Abklärungsinstruments FAKT2 eingeteilt habe. Dabei beruft er sich im Wesentlichen auf BGE 125 V 351 E. 3b/aa S. 352 f., wonach der Richter bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten abweicht. 3.2.2.2. Der Richter weicht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweis auf BGE 118 V 286 E. 1b S. 290 und 112 V 30 E. 1a S 32 f. mit Hinweisen; vgl. ferner BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.). Fest steht, dass der Beschwerdeführer an einer Autismus-Spektrum-Störung leidet. Es sind denn auch nicht die medizinischen Befunde, die im vorliegenden Fall umstritten sind. In Frage steht vielmehr der Hilfebedarf des Beschwerdeführers in den verschiedenen Bereichen, wozu das kantonale Gericht ein Gutachten des Prof. Dr. D.________ veranlasste. Dennoch rechtfertigt es sich, bei der Beurteilung dieses Gutachtens eines Sachverständigen im Bereich Heil- und Sonderpädagogik (Schwerpunkt Autismus) sinngemäss auf die eingangs genannten Kriterien, wie auch diejenigen zum Beweiswert von medizinischen Berichten (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) bzw. von Abklärungsberichten (vgl. BGE 130 V 61), abzustellen. Dabei fällt auf, dass die Vorinstanz verschiedene Divergenzen zwischen den Angaben der Mutter des Beschwerdeführers im Rahmen der Selbstdeklaration zuhanden der IV-Stelle und den unter deren Mitwirkung getroffenen Feststellungen des Sachverständigen erhoben hat. Diese unterschiedlichen Angaben sind im Rahmen des Gutachtens unerörtert geblieben, was im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) zu berücksichtigen ist und dessen Beweiswert in den betreffenden Punkten relativiert. Dementsprechend ist die Vorinstanz in Würdigung dieser Sachlage schliesslich aufgrund der Angaben der Mutter in einzelnen Teilbereichen vom Gutachten abgewichen. Dieses Vorgehen lässt sich aus bundesrechtlicher Sicht nicht beanstanden, hat doch die Vorinstanz in diesem Zusammenhang weder den Sachverhalt offensichtlich unrichtig festgestellt noch beweisrechtliche Vorgaben verletzt. Vielmehr hat sie im Einzelnen nachvollziehbar begründet, weshalb sie in Teilbereichen die Ausführungen des Gutachters aufgrund der sehr detaillierten, differenzierten und einlässlichen Schilderungen der Mutter, die mit dem Beschwerdeführer zusammenlebt, nicht als schlüssig erachtete und gestützt darauf eine andere Einstufung vornahm. Dabei ist insbesondere mit Blick auf den Anhang des Kreisschreibens über den Assistenzbeitrag (KSAB) des BSV (Tabelle Bandbreiten nach Stufen und Bereichen) nicht ersichtlich, weshalb ihr letzteres nicht möglich gewesen wäre. Zwar fällt auf, dass die Vorinstanz hinsichtlich der festgestellten Divergenzen nicht zunächst Rücksprache mit dem Sachverständigen nahm, was hier umso näher gelegen hätte, als sie diesen selbst eingesetzt hatte. Da aber seitens des Beschwerdeführers nicht geltend gemacht wird, dass sich der Sachverhalt gegenüber den von der Mutter gemachten Angaben wesentlich verändert hätte oder der Beizug einer medizinischen Fachperson geboten gewesen wäre, erübrigen sich Weiterungen in diesem Zusammenhang. Dies gilt umso mehr, als in der Beschwerde auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den vorinstanzlichen Folgerungen nicht stattfindet. Da für die Vorinstanz somit kein Anlass bestand, nicht auf die Angaben der Mutter des Beschwerdeführers abzustellen, durfte sie entgegen den Ausführungen in der Beschwerde von der Befragung des Beschwerdeführers oder der Durchführung eines Augenscheins absehen.