Citation: 6P.192/2006 20.04.2007 E. 3

Der Beschwerdeführer stellte zwei Tage vor der Berufungsverhandlung ein Verschiebungsgesuch und legte ein ärztliches Zeugnis bei. Das Obergericht lehnte das Gesuch am Tag darauf ab und stellte dem Beschwerdeführer in Aussicht, sollte er der Verhandlung fernbleiben, würde von einer ungenügenden Entschuldigung ausgegangen und aufgrund der Akten entschieden. An der Verhandlung erschien nur der Verteidiger des Beschwerdeführers. Dieser macht nun geltend, indem das Obergericht den Gerichtstermin nicht vertagt habe, habe es den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör und persönliche Teilnahme an der Berufungsverhandlung verletzt (Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 29 Abs. 2 BV). Es habe - ohne einen medizinischen Sachverständigen beizuziehen - sich über das Arztzeugnis hinweggesetzt und so gegen den Grundsatz des fairen Verfahrens verstossen (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 EMRK und § 109 Abs. 1 StPO/ZH). Es habe auch die elementarsten Verteidigungsrechte des Beschwerdeführers missachtet, weil dieser sich vor bzw. während der Verhandlung nicht mit seinem Verteidiger habe besprechen können (Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 3 lit. b EMRK). Schliesslich habe es das Arztzeugnis überspitzt formalistisch interpretiert und den Beschwerdeführer als gesundheitlich angeschlagenen Menschen diskriminiert und damit gegen Art. 8 Abs. 2, Art. 9 und 29 Abs. 1 BV verstossen.