Citation: 6B_81/2021 E. 8.6.3

8.6.3. Die Vorinstanz hat die Interessenabwägung nach den massgebenden Kriterien und korrekt vorgenommen. Sie gewichtet den Umstand, dass der Beschwerdeführer im Alter von 2 Jahren in die Schweiz eingereist und damit hier aufgewachsen ist, unter dem Aspekt der privaten Interessen zu Recht hoch. Er hat hier nicht nur die obligatorische Schulzeit absolviert, sondern auch bereits erste Arbeitserfahrungen gesammelt und sich einen intakten Freundeskreis sowie eine Beziehung zu einer Schweizerin aufgebaut. Zudem spricht er Dialekt und ist insgesamt auf vielen Ebenen erfolgreich integriert (vgl. Urteil S. 32). Die erst im August 2020 begonnene Lehre als Gerüstbauer reicht hingegen nicht aus, um von einer stabilen Integration in der Arbeitswelt auszugehen. Obwohl auch die von der Vorinstanz relativierenden Punkte nicht ausser Acht zu lassen sind, bleibt das private Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz insgesamt hoch. Die Rüge des Beschwerdeführers, wonach die Vorinstanz nicht hinreichend würdige, dass er einer ethnischen Minderheit angehöre, ist hingegen nicht stichhaltig. Ihm gelingt es nicht, überzeugend darzulegen, inwiefern seine Zugehörigkeit zu den Balkan-Ägyptern eine Wiedereingliederung im Kosovo verunmöglichen sollte. Seine Argumentation, wonach er einerseits aufgrund seines jungen Alters Schwierigkeiten hätte, sich im Arbeitsmarkt zu integrieren und andererseits aufgrund dieser Zugehörigkeit zusätzlich Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt wäre, basiert bloss auf Mutmassungen und zeigt nicht auf, inwiefern seine Wiedereingliederung konkret gefährdet sein soll. Die Vorinstanz setzt sich detailliert mit seinen Wiedereingliederungschancen im Kosovo auseinander und erwägt zutreffend, dass persönliche Besuche seiner Familienangehörigen jederzeit möglich seien und die Familie sogar mit Rückkehrgedanken spiele (Urteil S. 33). Dass die Vorinstanz in ihren Ausführungen nicht näher auf die allgemeine Situation von Balkan-Ägyptern im Kosovo eingeht, ist nicht zu beanstanden. Eine Wiedereingliederung in seiner Heimat stellt für den Beschwerdeführer nach dem Ausgeführten sicherlich eine Herausforderung dar, die sich jedoch nicht als unüberwindbar erweist. Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang vorbringt, er habe keine familiäre Unterstützung im Kosovo, weicht er von den für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz (Art. 105 Abs. 1 BGG) ab, ohne dabei aber Willkür in der Sachverhaltsfeststellung darzutun (vgl. Art. 97 Abs. 1 BGG; BGE 146 IV 88 E. 1.3.1 mit Hinweisen). Darauf ist nicht weiter einzugehen. Soweit der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz verletze durch die Landesverweisung sein Recht auf Familie, geht seine Argumentation fehl. Er verkennt, dass unter den Begriff der Kernfamilie in erster Linie die Gemeinschaft der Eltern mit ihren minderjährigen Kindern fällt (vgl. E. 8.3.3 oben). Der Beschwerdeführer ist weder verheiratet noch hat er minderjährige Kinder. Dass und inwiefern in der Schweiz anderweitig eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung im zuvor erwähnten Sinne bestehen könnte, legt er in seiner Beschwerde nicht dar. Allein das enge Verhältnis zu seinen Eltern und Geschwistern vermag kein den erhöhten Anforderungen genügendes Abhängigkeitsverhältnis zu begründen. Eine Verletzung des in Art. 8 EMRK verankerten Anspruchs auf Achtung des Familienlebens ist damit nicht ersichtlich. Bei der Abwägung der öffentlichen Interessen stellt die Vorinstanz zu Recht auf die verschuldensmässige Natur und Schwere der Tatbegehung, die Gefährlichkeit des Täters und die Legalprognose ab. Aus den durch den Beschwerdeführer begangenen Katalogtaten sowie aus seiner delinquenten Vergangenheit schliesst sie auf eine erhebliche Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit der Schweiz. Ihre Ausführungen, wonach gesamthaft betrachtet das Verschulden vergleichsweise hoch ausfalle, obwohl für die einzelnen Delikte ein leichtes Verschulden angenommen werde, sind nicht zu beanstanden. Auch die Berücksichtigung des Vorfalls vom Mai 2019 ist angebracht, hat doch der Beschwerdeführer mit einem Latthammer mehrmals auf einen ehemaligen Kollegen eingeschlagen und es damit nicht mehr bei der blossen Androhung von Gewalt bewenden lassen. Dafür wurde er mit Strafbefehl zu einer unbedingten Geldstrafe verurteilt. Durch dieses Verhalten manifestiert sich eine erhöhte Gewaltbereitschaft, wobei sich der Beschwerdeführer gegenüber der Rechtsordnung gleichgültig zu verhalten scheint. Entgegen seinen Vorbringen ist somit keine positive Legalprognose zu stellen.