Citation: 6B_108/2025 E. 1.3.1

1.3.1. Zunächst steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer eine Katalogtat begangen hat, die grundsätzlich die obligatorische Landesverweisung nach sich zieht. Gerade bei Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz hat sich das Bundesgericht hinsichtlich der Ausweisung zwecks Verhinderung neuer Straftaten zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit sodann stets besonders streng gezeigt; diese Strenge bekräftigte der Gesetzgeber mit Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB. "Drogenhandel" führt von Verfassungs wegen in der Regel zur Landesverweisung (Art. 121 Abs. 3 lit. a BV). Das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung wiegt daher schwer. Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer mehrfach, teilweise einschlägig, vorbestraft ist. So wurde er unter anderem 2015 der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind und der Verbreitung von Pornografie, 2017 der Geldwäscherei, 2019 der Urkundenfälschung und 2021 der Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz für schuldig befunden. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer während Jahren von Sozialhilfe abhängig und ansonsten stets in wechselnder Tätigkeit beschäftigt war. Soziale Kontakte über die Familie hinaus bestehen nicht, wobei er zu seiner eigentlichen Kernfamilie, d.h. seiner ehemaligen Partnerin und seinem minderjährigen Sohn seit einem Jahr keinen Kontakt mehr hat. Dass der Beschwerdeführer einen solchen wieder aufbauen möchte, begründet kein Bleiberecht. Dies umso weniger, als aus der Beschwerde erhellt, dass ihm das Recht zum persönlichen Verkehr mit seinem Sohn behördlich entzogen wurde und er nunmehr bloss um Bewilligung des Kontakts ersuchen will. Im Übrigen mag die Anwesenheit des Kindsvaters für das Wohl des Kindes zwar grundsätzlich wichtig sein. Dies spricht aber nicht gegen die Anordnung einer Landesverweisung. Ohnehin ist zu betonen, dass der Anspruch auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK und das Recht des Kindes auf beide Elternteile nicht absolut gelten (vgl. Urteil 6B_1245/2020 vom 1. April 2021 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Entgegen der vom Beschwerdeführer anscheinend vertretenen Auffassung bilden seine Mutter und der Stiefbruder seit der Mündigkeit des Beschwerdeführers nicht (mehr) Teil seiner Kernfamilie (vgl. dazu BGE 144 I 266 E. 3.3; II 1 E. 6.1; je mit Hinweisen). Daran ändert nichts, dass er nun wieder bei ihnen wohnt. Der Beschwerdeführer legt auch nicht dar, dass eine gegenseitige Abhängigkeit bestünde, was die Vorinstanz, namentlich unter Hinweis auf das Auskommen der Angehörigen während der Haft des Beschwerdeführers und die Unterstützung durch IV und Spitex, überzeugend verneint. Dies gilt auch für den Stiefbruder, der offenbar mit Trisomie 21 geboren wurde, aber eine normale Schule besucht. Soweit der Beschwerdeführer abgesehen von seinen vorerwähnten Verwandten ein tragfähiges, soziales, kulturelles und berufliches Netzwerk behauptet, begründet er dies nicht. Schon gar nicht weist er die gegenteilige Annahme der Vorinstanz als willkürlich aus. Von einer erfolgreichen sozialen und wirtschaftlichen Integration in der Schweiz kann somit trotz der langen Aufenthaltsdauer keine Rede sein. Dies gilt erst Recht für eine besonders intensive Integration, wie sie die Rechtsprechung für die Annahme eines Härtefalls verlangt (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1; Urteil 6B_603/2024 vom 4. November 2024 E. 1.1.3). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers genügt die lange Aufenthaltsdauer hierfür praxisgemäss nicht. Es ist auch nicht schematisch, ab einer gewissen Aufenthaltsdauer eine Verwurzelung in der Schweiz anzunehmen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.4, E. 4.2 mit Hinweisen). Sodann mag zwar zutreffen, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz leichter als in Marokko wieder eine Anstellung finden könnte, wovon auch die Vorinstanz ausgeht. Indes spielt der Umstand, dass das wirtschaftliche Umfeld im Marokko, etwa aufgrund einer höheren Arbeitslosenquote, anspruchsvoller ist als in der Schweiz, gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung keine entscheidende Rolle (Urteil 6B_923/2022 vom 5. Oktober 2022 E. 5.4.4). Der Beschwerdeführer spricht Arabisch und Französisch. Er hat in verschiedenen Bereichen gearbeitet und eine Anlehre als Metallbaupraktiker abgeschlossen. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass ihm dies auch in Marokko nützlich sein kann. Hingegen ergibt sich aus den Akten nicht und ist nicht dargetan, dass der Beschwerdeführer infolge seiner "unterdurchschnittlichen Intelligenz und neuropsychologischer Störungen" verhindert wäre, auch in Marokko eine sein Auskommen sichernde Arbeitsstelle zu finden. Die Vorinstanz bezeichnet die Integration in Marokko zu Recht als möglich und zumutbar. Ebenso verneint sie nach dem Gesagten einen schweren persönlichen Härtefall zu Recht. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hält auch die vorinstanzliche Interessenabwägung vor Bundesverfassungs- und Konventionsrecht stand. Das Interesse an einer Landesverweisung überwiegt, gerade angesichts der schweren Anlasstat, der zahlreichen schweren Vorstrafen und der trotz langer Aufenthaltsdauer kaum erfolgreichen beruflichen und sozialen Integration in der Schweiz das Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib klar. Daran ändert nichts, dass er auch hier Angehörige hat und ihm die Arbeitssuche in Marokko schwerer fallen dürfte als hierzulande.