Citation: 9C_354/2015 E. 6.1.1

6.1.1. Was die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde betrifft, beschrieb der psychiatrische Experte, das Verhalten des Beschwerdeführers während der Untersuchung sei gekennzeichnet gewesen vom Gefangensein im eigenen Leiden. Gemäss AMDP finde sich ein ängstlich-depressives Zustandsbild, es zeigten sich neben den ganz erheblichen Schmerzklagen eine depressive Verstimmung, ein Verlust von Interesse und Freude, subjektiv auch eine Verminderung des Antriebes. Objektivierbar sei eine deutliche Belastung mit einer Affektlabilität, einem Gefangensein im eigenen Schmerzerleben und einer verminderten Schwingungsfähigkeit. Im Rahmen der Untersuchung sei der Antrieb jedoch kaum vermindert erschienen, auch seien keine kognitiven oder mnestischen Störungen von Relevanz eruierbar. Ferner zeige sich der Beschwerdeführer ängstlich, insbesondere bezüglich der Zukunft, er klage über vegetative Symptome (Herzklopfen, Schlafstörungen), zeige auch eine ängstliche Erwartungshaltung und ein absolut somatisch fixiertes Krankheitskonzept. Weiter berichtete der Gutachter, es bestehe ein ausgesprochenes Mass an Somatisierung, würden doch multiple Schmerzen und Sensibilitätsstörungen angegeben, welche nur teilweise somatisch begründbar seien. Der Beschwerdeführer sei in seiner Emotionalität leicht bis mittelgradig eingeschränkt, was zu einem doch ausgeprägten sozialen Rückzug geführt habe. Aufgrund seiner Symptomatik sei er in körperlichen Aktivitäten (funktionell) eingeschränkt, er sei vermindert flexibel, vor allem aber bestehe eine erheblich verminderte Durchhaltefähigkeit. Anhaltspunkte für eine Aggravation oder gar Simulation bestünden nicht. Gegenüber den Experten schilderte der Beschwerdeführer, die Ehefrau und seine zwei Töchter seien seit 2003 wieder in Portugal wohnhaft, da er "der Familie nicht mehr habe helfen können". Die Familie besuche er vier bis fünfmal im Jahr für jeweils maximal zwei Wochen. Er lebe bei einer ihm bekannten portugiesischen Familie, wo er ein Zimmer miete. Abgesehen vom Kontakt zu seinen Eltern und zu der "Gastfamilie" bestünden keine sozialen Kontakte. Freunde habe er keine. Tagsüber versuche er oftmals zu spazieren, wobei dies maximal eine halbe Stunde möglich sei, manchmal auch nur 100 Meter. Danach lege er sich hin oder halte sich im Garten des Hauses auf. Ab und zu schaue er fern. Hobbys habe er keine, Aktivitäten im Haushalt bestünden nicht. Nach seinen von den Experten als glaubhaft eingestuften Angaben ist der Beschwerdeführer durch die multiplen Schmerzen in körperlichen Aktivitäten (funktionell) eingeschränkt und insoweit in seinen Alltagsfunktionen beeinträchtigt. Zusammen mit dem doch recht passiven Leben des Beschwerdeführers, welcher von den Gutachtern als "in seinem Schmerzerleben gefangen" beschrieben wird, ist ein Leiden von erheblicher Ausprägung ausgewiesen.