Citation: 6P.12/2005 30.05.2005 E. 4

Der Beschwerdeführer macht ebenfalls geltend, dass das vorinstanzliche Urteil Art. 44 Ziff. 1 und 6 StGB verletze, weil es eine ambulante psychiatrische Behandlung während des Strafvollzugs anordne, anstatt eine stationäre Massnahme unter Aufschub des Strafvollzugs vorzusehen. 4.1 Nach Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 6 StGB kann der Richter einen alkohol- oder drogensüchtigen Täter in eine Heilanstalt einweisen, um die Gefahr künftiger Verbrechen oder Vergehen zu verhüten, wenn die von ihm begangene Tat mit der Sucht im Zusammenhang steht. In diesem Fall schiebt er den Vollzug der Freiheitsstrafe auf (Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 und Art. 43 Ziff. 2 Abs. 1 StGB). Der Richter kann auch eine ambulante Behandlung anordnen. Diese kann während des Strafvollzugs oder bei dessen Aufschub in Freiheit des Täters erfolgen (BGE 107 IV 20 E. 4a S. 22). Nach der Rechtsprechung ist eine Einweisung in eine Heilanstalt stets angezeigt, wenn von dieser Massnahme ein besserer oder mindestens gleicher Resozialisierungserfolg erwartet werden darf wie vom Strafvollzug und der Aufenthalt in der Anstalt nach Art und Dauer die Freiheitsstrafe abgilt. Längere Freiheitsstrafen, bei denen das Maximum des Anstaltsaufenthalts von zwei Jahren (Art. 44 Ziff. 3 Abs. 1 StGB) nicht einmal zwei Dritteln der Strafzeit gleichkommt, sind demgegenüber nur zwecks stationärer Behandlung auszusetzen, wenn die Erfolgsaussichten besonders günstig erscheinen und vom Strafvollzug verbunden mit ambulanter Behandlung nicht ungefähr der gleiche Erfolg erwartet werden darf. Die Einweisung in eine Anstalt soll nicht zur Abwehr des Strafvollzugs missbraucht werden können, wenn sich das Behandlungsziel etwa in gleicher Weise auch durch Vollzug der Freiheitsstrafe mit ambulanter Behandlung erreichen lässt. Da nach einer erfolgreichen Behandlung ein nachträglicher Vollzug der Freiheitsstrafe in der Regel ausser Betracht fällt (vgl. Art. 43 Ziff. 5 Abs. 1 StGB), besteht die Gefahr, dass bei längeren Strafen die Anstaltseinweisung vom Betroffenen nur angestrebt wird, um eine mildere kürzere Sanktion zu erreichen, auch wenn der sofortige Strafvollzug einer wirksamen Behandlung keineswegs entgegensteht. Art. 44 StGB bezweckt indessen nicht die Privilegierung der Alkohol- und Drogensüchtigen gegenüber anderen Straftätern. Aus diesen Gründen kann eine stationäre Massnahme bei längeren Freiheitsstrafen nur ganz ausnahmsweise in Frage kommen (BGE 107 IV 20 E. 5b und c S. 23 f.). 4.2 Die Vorinstanz stützt sich auf diese Praxis und stellt zunächst fest, dass die maximale Dauer einer stationären Massnahme von zwei Jahren deutlich weniger als zwei Drittel der verhängten sechsjährigen Zuchthausstrafe ausmache. Zwar werde im psychiatrischen Gutachten die Einweisung in eine Heilanstalt empfohlen, doch bezeichne dieses eine ambulante Behandlung auch mit dem sofortigen Vollzug der Strafe ohne weiteres als vereinbar. Es könne auch nicht gesagt werden, dass bei einer stationären Behandlung - im Vergleich zu einer ambu-lanten während des Strafvollzugs bzw. während der Probezeit bei bedingter Entlassung - die Erfolgsaussichten besonders günstig erschienen. Die Anordnung einer stationären Massnahme komme daher nicht in Betracht. Das Bundesgericht hat im bereits erwähnten Entscheid erklärt, bei einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren sei die Einweisung in eine Anstalt nur zu vertreten, wenn triftige Gründe dafür sprächen, dass diese Massnahme einen Resozialisierungserfolg zu erzielen vermöchte, wie er vom Strafvollzug mit ambulanter Behandlung von vornherein nicht erwartet werden dürfe (BGE 107 IV 20 E. 6 S. 25). Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe ein Jahr der Dauer der Freiheitsstrafe bereits erstanden, so dass die zeitliche Diskrepanz zwischen Massnahmen- und Strafvollzug kleiner erscheine. Dies ändert aber nichts daran, dass mit einer stationären Massnahme immer noch eine erheblich mildere Sanktion resultieren würde, zumal nach dem Gutachten im vorliegenden Fall lediglich von einem Anstaltsaufenthalt von mindestens sechs Monaten auszugehen ist. Soweit der Beschwerdeführer weiter geltend macht, eine ambulante Behandlung sei mit dem Strafvollzug unvereinbar, weicht er von den verbindlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid ab, was unzulässig ist. Seine weiteren Ausführungen laufen darauf hinaus, die dargestellte Rechtsprechung in Frage zu stellen. Es besteht indessen kein Anlass, unter den gegebenen Umständen von der bisherigen Praxis abzuweichen. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist daher auch in diesem Punkt unbe-gründet und abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.