Citation: 8C_381/2024 E. 4.3

4.3. Wie die Vorinstanz bereits darlegte, vertrat Dr. med. G.________ in seiner Stellungnahme vom 22. März 2022 die Ansicht, dass es sich bei einem degenerierten vorderen Kreuzband mit zystischer und ganglinöser Innenmeniskusläsion und erheblichen chondralen Schäden mit störendem Plicagewebe überwiegend wahrscheinlich nicht um unfallbedingte Folgen handle. Die Ausführungen des Radiologen PD Dr. med. H.________ stimmen insoweit mit denjenigen des Dr. med. G.________ überein, als er in seiner Beurteilung vom 17. Mai 2022 die horizontale Risskomponente des Innenmeniskus mit begleitendem Meniskusganglion mit hoher Wahrscheinlichkeit als vorbestehend und chronisch degenerativ bedingt bezeichnete. Die Veränderungen der Plica parapatellaris medialis und des hyalinen Gelenkknorpels der medialen Patellafacette seien ebenfalls degenerativer Natur. Ebenso seien die retropatellaren Knorpelulzerationen betreffend den Patellafirst mit hoher Wahrscheinlichkeit osteodegenerativ. Demgegenüber betrachtete er die radiäre Läsion mit kleinem, umgeschlagenem Lappenriss sowie die partielle, longitudinal-vertikal verlaufende Läsion entlang der Meniskusbasis des Hinterhoms mit Läsion des superioren meniskokapsulären Ligaments als traumatisch bedingt. Hieraus zog er den Schluss, es liege mit hoher Wahrscheinlichkeit eine traumatisch bedingte Erweiterung eines vorbestehenden degenerativen Innenmeniskusdefekts vor. Die direkt angrenzende Begleitsynovitis weise auf einen aktivierten Entzündungsreiz im Rahmen des stattgehabten Traumas und der Instabilität des Meniskus durch die longitudinale Ablösung der Basis hin. Seine Einschätzung einer traumatischen Erweiterung des Meniskusrisses begründete PD Dr. med. H.________ nicht, was Dr. med. G.________ in seiner Beurteilung vom 31. August 2022 zu Recht bemängelte. Eine vorbestehende degenerativ bedingte Meniskusläsion, so Dr. med. G.________ weiter, habe die unbestreitbare Tendenz, sich in ihrer Rissbildung und Gewebeauffaserung im Rahmen der Degeneration bei Alltagsbewegungen von alleine zu vergrössern. Dies vor allem bei einem Ganglion von der festgestellten Grösse im Hinterhorn des Innenmeniskus. Unter Verweis auf einschlägige medizinische Fachliteratur verlangte Dr. med. G.________, dass bei einer traumatisch beeinflussten meniskalen Rissbildung eine klare Bandverletzung sowie eine "gekoppelte Subluxation" und in Bezug auf die MRT-Befundung ein über sechs Monate rückläufiges "subchondrales Ödem (Tabelle Seite 76) " vorliegen müsse. Weder der Impact auf das Knie noch die ligamentäre Situation gemäss MRT-Bildgebung mit fehlender ossärer frischer Ödembildung seien geeignet, hier eine als traumatisch beeinflusste meniskale Läsion bei eindeutigen degenerativen meniskalen und chondralen vorbestehenden Veränderungen festzustellen. PD Dr. med. H.________ betonte daraufhin in seiner Stellungnahme vom 12. Oktober 2022, dass vor allem die partielle, longitudinal-vertikal verlaufende Läsion entlang der Meniskusbasis des Hinterhorns mit hoher Wahrscheinlichkeit traumatisch bedingt sei. Zum einen liege eine Schädigung des Kapselbandapparates vor (Ruptur des superioren meniskokapsulären Ligaments), zum andern sei die longitudinale und vertikale Rissform in der überwiegenden Anzahl der Fälle unfallbedingt. Hierzu hielt Dr. med. G.________ am 15. Januar 2023 fest, im Gesamtkontext der Meniskusdegeneration und bei fehlenden Begleitkriterien (klare Bandverletzung sowie eine "gekoppelte Subluxation" und rückläufiges subchondrales Ödem) seien diese Mini-Rissbildung und die angebliche traumatische Beteiligung einer Ruptur des superioren meniskokapsulären Ligaments völlig unbedeutend. Weder habe eine Bandinstabilität bestanden, noch sei eine unphysiologische Komponente in Bezug auf den unfallbedingten Knie-Impact erwähnt worden. Dr. med. I.________ betonte in seiner Beurteilung vom 16. August 2023 nochmals, dass die MRT-Bilder keine morphologischen Hinweise auf ein stattgehabtes Trauma, namentlich auf eine Distorsion im Sinne einer Verdrehung (d.h. Gelenksbewegung ausserhalb der physiologischen Norm) lieferten. Auch auf den durch Dr. med. F.________ intraoperativ gewonnenen Bildern anlässlich der durchgeführten Kniegelenks-arthroskopie am 23. März 2023 weise der mediale Meniskus in seinem Hinterhorn einen rein horizontal orientierten Riss auf. Analog der Beschreibung des Dr. med. F.________ und im Einklang mit der präoperativen MRT hätten sich keine durchgängig vertikal oder radiär verlaufenden Risskomponenten gezeigt. PD Dr. med. H.________ habe somit unberücksichtigt gelassen, dass Dr. med. F.________ gemäss seinem Bericht über die Arthroskopie vom 23. März 2022 intraoperativ am medialen Meniskus ausschliesslich eine "horizontale Risskomponente im Hinterhorn und eine sehr lockere Aufhängung in der Pars intermedia" habe erkennen können, was er in seinem Schreiben vom 29. März 2022 explizit bestätigt habe. Bei der Arthroskopie habe Dr. med. F.________ weder eine radiäre Risskomponente noch einen umgeschlagenen Lappenriss und auch keine longitudinal-vertikal verlaufende Läsion entlang der Meniskusbasis des Hinterhorns mit Läsion des superioren meniskokapsulären Ligaments erkennen können. Die von PD Dr. med. H.________ angenommene traumatisch bedingte Erweiterung eines vorbestehenden degenerativen Defekts am medialen Meniskus sei daher inkorrekt, da sich seine postulierten MRT-Befunde intraoperativ nicht hätten nachweisen lassen. Objektivierbare Hinweise auf eine richtunggebende Verschlimmerung eines pathologischen Vorzustands hätten sich keine ergeben. Arthroskopisch seinen keine morphologischen Hinweise für ein stattgehabtes Trauma zu finden gewesen. Das Ereignis vom 1. Februar 2022 habe daher lediglich zu einer vorübergehenden, schmerzhaften Aktivierung geführt und unfallkausal sei ein status quo sine bereits vor der Arthroskopie erreicht gewesen.