Citation: 4A_614/2014 E. 5.5

5.5. Ausgehend von den Ausführungen der Vorinstanz, wonach die Vertragswidrigkeit "einzig" in der verspäteten Andienung der Akkreditivdokumente gelegen habe, rügt die Beschwerdeführerin, es habe eine weitere Akkreditivwidrigkeit vorgelegen, indem nämlich die Konnossemente entgegen der Vorgabe im Dokumentenakkreditiv nicht auf sie indossiert gewesen seien. Die Konnossemente hätten vielmehr an die Order der Bank D.________ gelautet. Sie sei gemäss Art. 99 Abs. 1 BGG befugt, dieses Novum vorzubringen, da erst die Begründung der Vorinstanz dazu Anlass gegeben habe. Das Novum ist unzulässig. Die Beschwerdeführerin will damit ihren grundsätzlichen Standpunkt, dass ein Vertragsaufhebungsrecht gemäss Art. 49 Abs. 1 CISG bestand, zusätzlich untermauern. Dies war jedoch von Anfang an Gegenstand des Prozesses, und es ist nicht ersichtlich, dass eine (überraschende) Auffassung der Vorinstanz erst Anlass zu diesem Vorbringen gegeben haben soll. Im Übrigen muss nach zutreffender Auffassung in der Lehre Art. 39 CISG (der nur von Vertragswidrigkeit der Ware spricht) weit verstanden werden, sodass wie Mängel der Ware selbst auch Mängel der die Ware repräsentierenden Dokumente gemäss Art. 39 CISG gerügt werden müssen ( ULRICH MAGNUS, in: Kommentar zum UN-Kaufrecht, Honsell [Hrsg.], a.a.O., N. 6 zu Art. 39 CISG mit Hinweisen; STEFAN KRÖLL, in: UN Convention on Contracts for the International Sale of Goods (CISG), Kröll und andere [Hrsg.], München 2011, N. 22 zu Art. 39 CISG; CORINNE WIDMER LÜCHINGER, in: Kommentar zum Einheitlichen UN-Kaufrecht - CISG, Schlechtriem/Schwenzer [Hrsg.], a.a.O., N. 5 zu Art. 34 CISG; BERNHARD C. LAUTERBURG, in: UN-Kaufrecht - CISG, Christoph Brunner [Hrsg.], 2. Aufl. 2014, N. 5 zu Art. 34 CISG). Die Frist beginnt im Zeitpunkt, da die Käuferin die Vertragswidrigkeit feststellt oder hätte feststellen müssen ( SCHWENZER, in: Kommentar zum Einheitlichen UN-Kaufrecht - CISG, Schlechtriem/Schwenzer [Hrsg.], a.a.O., N. 19 zu Art. 39 CISG). Die Konnossemente wurden der Beschwerdeführerin "on approval basis" am 25. August 2008 von ihrer Bank weitergeleitet (vgl. Sachverhalt A.j). Dass in der Folge eine mangelnde Indossierung gerügt worden wäre, hat die Vorinstanz aber nicht festgestellt.