Citation: 4P.10/2002 26.04.2002 E. 2

2.- a) Die Beschwerdeführerin wirft dem Kantonsgericht vor, Art. 164 ZPO/SG willkürlich angewendet zu haben, als es anlässlich der Einvernahme vom 30. März 2001 von A.________ das Protokoll der Vorstandssitzung vom 22. Juni 1997 zu den Akten nahm. b) Nach Art. 164 Abs. 1 lit. b ZPO/SG ist eine nachträgliche Eingabe zulässig, wenn das rechtliche Gehör es erfordert. Diese Voraussetzung ist gegeben, wenn neue Tatsachen oder Beweismittel (zulässigerweise) in den Prozess eingebracht werden, zu denen eine Partei noch nicht hat Stellung nehmen können. Das ist beispielsweise der Fall, wenn in der Duplik (oder in der Berufungsantwort) neue Tatsachen und Beweismittel vorgebracht werden, oder wenn eine Partei auf Nachfrage des Gerichts (Art. 57 ZPO/SG) ihre Vorbringen klargestellt hat (Leuenberger/Uffer-Tobler, Kommentar zur Zivilprozessordnung des Kantons St. Gallen, 1999, N. 2 zu Art. 164 ZPO). Auch nach der Hauptverhandlung kann eine Eingabe noch zulässig sein, wenn zum Beispiel der Beweisbeschluss oder das Beweisergebnis eine solche Eingabe erfordern (Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., N. 3 lit. d zu Art. 164 ZPO/SG). c) Das Kantonsgericht hat erwogen, die Parteien seien zu den Umständen des Abschlusses des zweiten Arbeitsvertrages befragt worden. In diesem Zusammenhang sei die Vorstandssitzung vom 23. Juni 1997 von Bedeutung gewesen. Die Beschwerdeführerin habe dazu ausgesagt, sie wisse nicht mehr, ob sie daran teilgenommen habe. Demgegenüber habe A.________ auf dieselbe Frage geantwortet, seiner Erinnerung nach habe die Beschwerdeführerin diese Sitzung sogar protokolliert. Alsdann habe A.________ das Protokoll zu den Akten gegeben. Nach Auffassung des Kantonsgerichtes hatte der Beschwerdegegner im bisherigen Verfahren keinen Anlass, dieses Protokoll einzureichen, denn in den Rechtsschriften der Parteien sei es nicht um die Frage der Anwesenheit der Beschwerdeführerin an der Vorstandssitzung vom 23. Juni 1997 gegan- gen. Der Beschwerdegegner sei demnach gestützt auf Art. 164 Abs. 1 lit. b ZPO/SG berechtigt, die neue Urkunde einzureichen. d) Die Beschwerdeführerin hat ihre Anwesenheit an der Vorstandssitzung vom 23. Juni 1997 unbestrittenermassen erstmals in der Einvernahme durch das Kantonsgericht in Frage gestellt. Dadurch hat sie einen neuen Sachverhalt in den Prozess eingeführt, welcher dem Beschwerdegegner Anlass bot, den Beweis für ihre Teilnahme an der fraglichen Sitzung vorzulegen. Daran würde nichts ändern, wenn in den Rechtsschriften von der Vorstandssitzung als solcher die Rede gewesen wäre, wie die Beschwerdeführerin vorbringt. Eine willkürliche Anwendung von Art. 164 Abs. 1 lit. b ZPO/SG liegt somit nicht vor.