Citation: 2C_405/2018 E. 2.4

2.4. Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die ausländerrechtliche Interessenabwägung ist die vom Strafgericht ausgesprochene Strafe (vgl. Urteil 2C_295/2009 vom 25. September 2009 E. 5.3 nicht publ. in: BGE 135 II 377; 129 II 215 E. 3.1 S. 216). Konnte das erstinstanzliche Strafgericht aus Gründen von Art. 82 StPO auf eine schriftliche Begründung verzichten und hatte eine solche auch nicht nachträglich zu erstellen, ist, wie bei Strafurteilen, die im abgekürzten Verfahren nach Art. 358 StPO ergangen sind (Urteil 2C_532/2017 vom 26. März 2018 E. 3.1, mit zahlreichen Hinweisen), im ausländerrechtlichen Verfahren auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zurückzugreifen. Gemäss der Anklageschrift des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 18. Februar 2014 arbeitete der Beschwerdeführer in der Nacht auf Sonntag, 25. November 2012, als Türsteher in einem Club. In den frühen Morgenstunden wollte der Sohn eines Türstehers eine erheblich angetrunkene Frau nach Hause begleiten, womit deren ehemaliger Freund, der ebenfalls anwesend war, nicht einverstanden war. Der Sohn des Türstehers wandte sich somit unverzüglich an den Türsteher, welcher dem ehemaligen Freund zwei Ohrfeigen versetzte, woraufhin dieser sich wehrte und dem Beschwerdeführer die Faust ins Gesicht schlug, was zu einer blutenden Rissquetschwunde unterhalb des linken Auges führte. Nachdem der ehemalige Freund davongerannt war, setzte der Beschwerdeführer zu dessen Verfolgung unter Einsatzes eines Taxis an, zerrte ihn in das Taxi und brachte ihn in den Club zurück. Der Beschwerdeführer zwang ihn in den Club hinein, wies die übrigen Türsteher und den Geschäftsführer an, die Türen zu schliessen, weil er für das beabsichtigte Zusammenschlagen des Opfers keine aussenstehenden Zeugen noch Hilfsversuche wollte. Anschliessend verprügelte der Beschwerdeführer den Geschädigten in Anwesenheit der übrigen Türsteher mit seinen Fäusten und einem Schlagstock und traf ihn mit einem heftigen Fusstritt so im Gesicht, dass eine grossflächige Wunde an der linken Kopfseite entstand. Die Abrechnung war dermassen brutal, dass der Geschäftsführer den Beschwerdeführer mehrmals auffordern musste, den Geschädigten nicht umzubringen. Zwischendurch verliess der Beschwerdeführer den Raum, kehrte aber rasch zurück und hiess den Geschädigten, vom Boden aufzustehen, und schlug ihn erneut mit seinen Fäusten. Vom Geschädigten liess er erst ab, nachdem seine Rachsucht befriedigt war. Gegen 3:34 Uhr wurden die Türen wieder geöffnet. Der Beschwerdeführer forderte den Geschädigten auf, von einer Strafanzeige abzusehen. Der Geschädigte erlitt durch die Schläge und Tritte des Beschwerdeführers Prellungen, Quetschungen und Hämatome links am Kopf, beidseits der Augen, an beiden Händen, am Rücken und an den Rippen. Zudem waren Schlagspuren an den Rippen zu erkennen. Zur subjektiven Tatkomponente führte der Staatsanwalt an der Verhandlung aus, was der Beschwerdeführer anlässlich seiner Tat geboten habe, sei ein Bild von Niedertracht und Brutalität, dementsprechend sei auch das Verschulden des Beschwerdeführers besonders gross. Der Staatsanwalt forderte, angesichts des gravierenden Verschuldens sei der zu vollziehende Strafteil auf zwölf Monate anzusetzen. Auch unter Berücksichtigung dessen, dass das Strafgericht die verhängte Strafe vollständig zur Bewährung aufschob, ist nicht zu beanstanden und insbesondere nicht willkürlich (Art. 9 BV), dass die Vorinstanz von einem erheblichen ausländerrechtlichen Verschulden des Beschwerdeführers und einem schwerwiegenden Gewaltdelikt ausging. Angesichts dessen, dass beim Beschwerdeführer, der nicht vom sachlichen Anwendungsbereich des FZA erfasst wird, auch generalpräventive Gesichtspunkte berücksichtigt werden können (oben, E. 2.2), kommt der Rückfallgefahr nicht diejenige Bedeutung zu, welche ihr der Beschwerdeführer zumessen möchte, weshalb auf die im Zusammenhang mit seiner Berufstätigkeit, dem Umgang mit gewaltbereiten Kreisen und seiner Therapieresistenz erhobenen Sachverhaltsrügen mangels Erheblichkeit für den Verfahrensausgang (Art. 97 BGG) nicht weiter einzugehen ist. Das durch diesen Gewaltexzess und den Hang zur Selbstjustiz begründete, ausserordentlich hohe öffentliche Interesse an der Ausreise des rechtskräftig verurteilten Beschwerdeführers wird durch seinen langen Aufenthalt, dem Umstand, dass es sich um ein einmaliges Gewaltdelikt handelte und er weder vorher noch nachher strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, seiner Verwurzelung in die hiesigen Verhältnisse und durch seine Heirat, die als echtes Novum im bundesgerichtlichen Verfahren nicht berücksichtigt werden kann, nicht aufgewogen. Die Ausreise in seinen Heimatstaat, dessen Landessprache der Beschwerdeführer unbestrittenermassen spricht und dessen Kultur ihm vertraut ist, ist zumutbar, ohne dass dadurch sein Recht auf Ehe (Art. 14 BV) verletzt würde. Die Beschwerde erweist sich als vollständig unbegründet und ist abzuweisen.