Citation: 5C.288/2005 15.03.2006 E. 3

3.1 Der Beklagte hat ausdrücklich nichts dagegen einzuwenden, dass bei ihm von einem gegenwärtigen Arbeitspensum von 80 % ausgegangen wird. Indessen beanstandet er, dass die Vorinstanz der Klägerin zugestanden hat, sich in einer ersten Phase mit nur 50 % zu begnügen. Diese krasse Ungleichheit bei der Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der beiden Elternteile führe im Ergebnis zu einer Ungleichbehandlung der unterhaltsberechtigten Kinder und verstosse daher gegen Bundesrecht. Der Beklagte bemerkt, dass die Klägerin selbst ausgeführt habe, sie suche eine Erwerbstätigkeit mit einem Pensum von mindestens 50 %, wenn es gehe von 60 bis 70 %, was zeige, dass sie sich durchaus in der Lage sehe, ein Arbeitspensum von mehr als 50 % zu bewältigen. Der vorinstanzlichen Feststellung, die Klägerin verfüge über keine Verwandten oder Freunde, die ihr bei der Betreuung von A.________ massgeblich helfen könnten, hält er entgegen, die Klägerin habe ausgesagt, sie hätten mit dem Hauswart ein gutes Verhältnis, er könnte die Tochter auch mal hüten. Ausserdem habe die Klägerin erklärt, ihre Eltern würden ihr ebenfalls helfen. Wenn das Obergericht diese Aussagen übersehen habe, sei es einem offensichtlichen Versehen erlegen, so dass seine Sachverhaltsfeststellung zu korrigieren sei. Sodann sei es zwar richtig, dass er wie seine Eltern in D.________ wohne und bei der Betreuung von B.________ deshalb zum Teil auf deren Unterstützung zählen könne. Indessen könne es wohl nicht sein, dass die stabilen Verhältnisse, in denen er seit jeher lebe, sich zu seinen Ungunsten auswirkten. Die Klägerin, die nach der Auflösung des gemeinsamen Haushalts zunächst im Nachbardorf ihrer Eltern gewohnt habe, sei in der Folge mehrmals umgezogen. Nun müsse sie allerdings eine günstigere Wohnung suchen, und es wäre für sie sinnvoll und ihr auch zuzumuten, wieder in die Nähe ihrer Eltern, zurückzukehren, um so Betreuungsmöglichkeiten zu schaffen. 3.2 Ein offensichtliches Versehen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG liegt vor, wenn die kantonale Instanz eine bestimmte Aktenstelle übersehen oder unrichtig, d.h. nicht in ihrer wahren Gestalt, insbesondere nicht mit ihrem wirklichen Wortlaut, wahrgenommen hat (BGE 115 II 399 E. 2a S. 399 f.; 109 II 159 E. 2b S. 162, mit Hinweisen). Ein derartiger Mangel ist hier nicht dargetan. Das vom Beklagten zur Begründung seiner Versehensrüge Vorgetragene läuft auf eine im Berufungsverfahren unzulässige Kritik an der obergerichtlichen Würdigung der Aussagen der Klägerin hinaus. Sodann erklärte die Klägerin in der vorinstanzlichen Verhandlung, sie möchte nach den verschiedenen Umzügen mit A.________ nun in E.________ bleiben. Wenn das Obergericht davon abgesehen hat, ihr einen weiteren Ortswechsel zuzumuten, ist dies aus der Sicht des Kindeswohls sachgerecht und daher nicht zu beanstanden.