Citation: 4A_452/2022 E. 7.8

7.8. Schliesslich prüfte das Handelsgericht die Verrechnungsforderung "aus Materialverschleiss". Unter diesem Titel legt die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin unter anderem zur Last, dass sie Material im Wert von Fr. 49'000.00 zu viel bestellt habe, dass aufgrund "des unsorgfältigen Umgangs" Material habe entsorgt werden müssen, dass Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin Material entwendet hätten und dass die Beschwerdegegnerin mehr Material verbraucht habe, als "eigentlich nötig" gewesen wäre. Wegen dieses "Materialverschleisses" sei ihr (der Beschwerdeführerin) ein durch die Beschwerdegegnerin verursachter Schaden entstanden. Das Handelsgericht verwarf diese Argumentation: Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin zu viel bestellt habe, begründe als solcher keinen Schaden, da allfällige Restmengen gestützt auf Art. 365 Abs. 2 OR der Beschwerdeführerin herauszugeben gewesen und damit in deren Vermögen verblieben wären. Soweit die Beschwerdeführerin vortrage, dass Material infolge unsorgfältigen Umgangs zu entsorgen gewesen sei, hätte sie - so die Vorinstanz - darlegen müssen, mit welchem konkreten Material die Beschwerdegegnerin unsorgfältig umgegangen sei, welches Material habe entsorgt werden müssen und zu welchem Wert dieses erneut zu bestellen gewesen sei. Zur Begründung des Vorwurfs, Material entwendet zu haben, wäre nach Auffassung des Handelsgerichts konkret darzulegen gewesen, welches Material entwendet worden sei und welchen (Rest-) Wert dieses Material aufgewiesen habe. All dies habe die Beschwerdeführerin unterlassen. Auch die Behauptung, die Beschwerdegegnerin habe zu viel Material verbraucht, erweise sich als unsubstanziiert: So habe die Beschwerdeführerin das relevante Ausmass nicht im Einzelnen dargelegt und nicht hinreichend zwischen den verschiedenen Gipsplatten und Gipsmaterialien differenziert. Überhaupt seien ihre Ausführungen in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehbar und unverständlich. Es gelingt der Beschwerdeführerin nicht, die vorinstanzlichen Überlegungen als bundesrechtswidrig auszuweisen. Sie meint, sie habe vor Vorinstanz Fotos eingereicht, auf welchen Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin "auf frischer Tat ertappt" beim Entwenden von Material zu sehen seien. Inwiefern daraus zu schliessen wäre, dass sie (die Beschwerdeführerin) vor Handelsgericht ihre Schadensposten hinreichend substanziiert hätte, ist nicht erkennbar. Sie moniert weiter, ohne eine Befragung der Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin sei ihr die Substanziierung gar nicht möglich gewesen, ohne aber zu erklären, aus welchem Grund dies so sein soll. Die von der Beschwerdeführerin beklagte "falsche Anwendung der Beweislastregel" ist nicht dargetan und wenn sie nun vor Bundesgericht ihre Berechnungen mit konkreten Zahlen "nachvollziehbar" macht, erfolgt dies verspätet.