Citation: 1P.253/2001 03.05.2001 E. 1

1.- a) Die Anordnung und Aufrechterhaltung einer Haft ist als Eingriff in das Recht auf persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 und 31 BV, Art. 5 EMRK) nur zulässig, wenn sie auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruht, im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist. Zudem darf sie den Kerngehalt der persönlichen Freiheit nicht antasten (Art. 10 Abs. 2 i.V.m. Art. 36 BV; vgl. BGE 125 I 361 E. 4a; 124 I 80 E. 2c; je mit Hinweisen). Das Bundesgericht prüft die Auslegung und Anwendung der kantonalen Eingriffsnormen mit freier Kognition (BGE 124 I 80 E. 2; 123 I 31 E. 3a). Auf eine Willkürprüfung beschränkt es sich, soweit Sachverhaltsfeststellungen sowie Fragen der Beweiswürdigung in die Beurteilung miteinzubeziehen sind (BGE 123 I 31 E. 3a und 268 E. 2d; 117 Ia 72 E. 1; je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer befindet sich wegen des dringenden Verdachts, A.________ getötet und Klientengelder veruntreut zu haben, sowie wegen Kollusions- und Fluchtgefahr (§ 67 Abs. 1 der aargauischen Strafprozessordnung vom 11. November 1958 [StPO/AG]) in Untersuchungshaft. Umstritten sind nach wie vor die beiden letzteren Haftgründe. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil vom 7. September 2000 die Ausführungen im Haftprüfungsentscheid vom 9. August 2000 bestätigt, wonach im Fall der Freilassung des Beschwerdeführers zu befürchten sei, er werde die Zeugen B.Y.________ und C.Y.________ sowie D.________ beeinflussen und sich ins Ausland absetzen. Hinsichtlich der allgemeinen Kriterien zur Beurteilung der Flucht- und Kollusionsgefahr kann auf E. 3c und d jenes bundesgerichtlichen Urteils verwiesen werden. Nachdem inzwischen nahezu acht Monate vergangen sind, ist die Sache mit Blick auf die aktuellen Verhältnisse neu zu prüfen. b) Bezüglich des Haftgrunds der Fluchtgefahr bringt der Beschwerdeführer vor, die ihm zur Last gelegten geschäftlichen Kontakte zu Osteuropa seien nicht erwiesen. Er habe sich einzig einmal vor mehr als drei Jahren zu Geschäftszwecken in Russland aufgehalten. Heute pflege er jedoch weder geschäftliche noch persönliche Beziehungen zu diesem Land. Daran ändere nichts, dass seine Ehefrau aus Russland stamme, denn sie sei in der Schweiz bestens integriert. Weiter gehe der Hinweis des Haftprüfungsrichters auf die Beeinträchtigung der beruflichen und gesellschaftlichen Perspektiven fehl, da er bereits freiwillig auf sein Notariatspatent verzichtet habe, seine Bindungen zur hier ansässigen Familie ausserordentlich stark seien und der Wiederaufbau einer Existenz nur in der Schweiz sinnvoll und möglich sei. Weiter sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Fluchtgefahr auch mit dem Umstand begründet werde, dass keine Anhaltspunkte für den Verbleib der ihm von A.________ anvertrauten Fr. 800'000.-- bestünden. Zu diesem Punkt habe er bereits ausgeführt, dass er den ausstehenden Betrag mit der von der Firma Z.________ erhaltenen Provisionszahlung beglichen habe. Für den Fall, dass dennoch Fluchtgefahr angenommen werde, könne er gegen Leistung einer Sicherheit nach § 78 StPO/AG freigelassen werden. Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Einwänden die dargelegten Erwägungen des Haftprüfungsrichters nicht zu entkräften, auch nicht durch Bestreiten der ihm vorgehaltenen Beziehungen zu Russland. Die dem Beschwerdeführer aufgrund des Tatverdachts drohende schwere Strafe, seine beeinträchtigte berufliche und soziale Stellung sowie die Schulden im Betrag von rund Fr. 3 Mio. lassen trotz seiner familiären Verwurzelung in der Schweiz in ausreichender Weise die Vermutung zu, er würde nach einer Freilassung ins Ausland fliehen. Bei dieser Ausgangslage erscheint es unwahrscheinlich, dass die Leistung einer Kaution den Beschwerdeführer an der Flucht hindern würde. c) Den Haftgrund der Kollusionsgefahr erachtet der Beschwerdeführer zumindest heute als nicht mehr gegeben, da die Ermittlungen mit Schlussverhör vom 5. April 2001 abge-schlossen worden seien und sich eine weitere Befragung der Zeugen D.________ und Y.________ zum Zahlungsgang der fraglichen Provision erübrige. Diese Argumentation hat angesichts der Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer schon seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft befindet und die erwähnten Zeugen inzwischen befragt werden konnten, unter dem Gesichtspunkt des Beschleunigungsgebots einiges für sich. Andererseits gilt es vorliegend zu beachten, dass die Strafuntersuchung umfangreich und komplex ist; trotz der erfolgten Einvernahmen bestehen noch viele Unklarheiten. Verbunden mit dem Umstand, dass nach aargauischem Strafprozessrecht im Haupt- und Berufungsverfahren teilweise das Unmittelbarkeitsprinzip gilt, rechtfertigt die dargelegte Ausgangslage eine Aufrechterhaltung der Haft wegen Kollusionsgefahr.