Citation: 2C_746/2020 E. 4.3

4.3. Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre gedauert hat und eine erfolgreiche Integration besteht (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG) oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Die beiden Kriterien nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG müssen kumulativ erfüllt sein (BGE 140 II 289 E. 3.5.3). Wichtige persönliche Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG). Im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist sodann den Interessen allfälliger Kinder Rechnung zu tragen, falls eine enge Beziehung zu ihnen besteht und sie in der Schweiz ihrerseits gut integriert erscheinen (vgl. Urteile 2C_417/2018 vom 19. November 2018 E. 5; 2C_515/2016 vom 22. August 2017 E. 2.1). Gemäss Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG erlöschen namentlich die Ansprüche nach Art. 50 AuG, wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AuG bestehen. Die zuständige Behörde kann die Aufenthaltsbewilligung namentlich widerrufen bzw. nicht verlängern, wenn der Ausländer zu einer längerfristigen, d.h. über einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde (vgl. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG [für die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung in Verbindung mit Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG] sowie BGE 137 II 297 E. 2.1; 135 II 377 E. 4.2 und E. 4.5). Aufgrund der Verurteilung vom 20. Dezember 2013 zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten steht bereits fest, dass der Beschwerdeführer den Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt. Von vornherein keine Anwendung findet vorliegend Art. 62 Abs. 2 AuG, wonach ein Widerruf unzulässig ist, der nur damit begründet wird, dass ein Delikt begangen wurde, für das ein Strafgericht bereits eine Strafe oder Massnahme verhängt, jedoch von einer Landesverweisung abgesehen hat. Die neuen Bestimmungen über die Landesverweisung (Art. 66a ff. StGB [SR 311.0]), die am 1. Oktober 2016 in Kraft getreten sind (AS 2016 2329), sind aufgrund des strafrechtlichen Rückwirkungsverbots nur anwendbar, wenn das auslösende Delikt nach diesem Datum begangen wurde (vgl. dazu BGE 146 II 1 E. 2.1.2; Urteile 2C_488/2019 vom 4. Februar 2020 E. 5.1; 2C_358/2019 vom 18. November 2019 E. 3.2 und 3.3; 2C_305/2018 vom 18. November 2019 E. 4.2 und 4.3; jeweils mit Hinweisen). Gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen erfolgte die den Widerrufsgrund setzende Verurteilung des Beschwerdeführers wegen Angriffs (Art. 134 StGB) mit Urteil vom 20. Dezember 2013. Demnach hat er die entsprechende Tat vor dem 1. Oktober 2016 begangen und lag die Kompetenz zum Widerruf resp. zur Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers bei den Migrationsbehörden.