Citation: 2A.729/2004 16.12.2004 E. 2.3

Der Beschwerdeführer hat von 1988 bis 1992 als Saisonnier in der Schweiz gearbeitet. Ab März 1993 bis Februar 1995 hielt er sich als Asylsuchender hier auf. Am 23. März 1995 wurde die Ehe mit der Mutter seiner Kinder geschieden und ihm das Sorgerecht über diese zugesprochen. In der Folge liess der Beschwerdeführer die damals sieben-, fünf- und dreijährigen Kinder in der Obhut seiner Eltern in der Heimat zurück; im April 1995 ersuchte er hier erneut um Asyl, bevor er am 28. Februar 1997 eine italienische Staatsangehörige heiratete, worauf ihm am 29. Mai 2002 die Niederlassungsbewilligung erteilt wurde. Seit dem 1. Oktober 2002 lebt er von seiner Frau getrennt. Der Beschwerdeführer hat seine Kinder aus der früheren Ehe und insbesondere seinen Sohn A.________ somit während Jahren freiwillig in der Heimat - zuerst bei deren Mutter und hernach bei seinen Eltern - zurückgelassen; dessen vorrangige familiäre Beziehungen bestehen deshalb nicht zu ihm, sondern zu den Grosseltern, bei denen A.________ zusammen mit seinen jüngeren Geschwistern seit nunmehr neun Jahren lebt. Zum Vater pflegt er dagegen nur punktuelle Kontakte (Telefone, Besuche des Beschwerdeführers während der Ferien in der Heimat usw.). 2.3.1 Der Beschwerdeführer tut keine stichhaltigen Gründe dar, welche eine Veränderung dieser Betreuungsverhältnisse gebieten würden; solche sind praxisgemäss auch nicht leichthin anzunehmen. An den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit in der Heimat sind um so höhere Anforderungen zu stellen, je älter das Kind ist bzw. je grösser sich die ihm in der Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten erweisen (BGE 129 II 11 E. 3.3.2 mit Hinweisen). Die nicht weiter belegten Einwände, die Grosseltern seien "altersschwach" und könnten sich um den "Pubertierenden nicht mehr altersgerecht kümmern" bzw. die Mutter wolle die Kinder nicht (mehr) betreuen, da sie sich für einen anderen Mann interessiere, genügen hierfür nicht. Dabei handelt es sich um Probleme, die der emigrierende Elternteil, der sein Kind - trotz der voraussehbaren zeitlichen Schranken der Lösung - während Jahren der Obhut der Grosseltern bzw. des andern Elternteils anvertraut, letztlich von Anfang an in Kauf nimmt (so BGE 129 II 11 E. 3.4). A.________ ist ausschliesslich im heimatlichen Umfeld verankert und hat dort seine vorrangigen Beziehungen. Ein Nachzug in die Schweiz wäre für ihn mit einer weitgehenden Entwurzelung sprachlicher und kultureller Natur verbunden, die der über wenig Erziehungserfahrung verfügende Vater, der von seiner Gattin getrennt lebt und offenbar berufstätig ist, kaum aufzufangen vermöchte. 2.3.2 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass er gerichtlich zur Sorge um seinen Sohn verpflichtet sei, verkennt er, dass dies bereits seit der Scheidung im März 1995 der Fall ist, er aber dennoch erst im Dezember 2003 um den Nachzug ersucht hat, ohne dass er hierfür überzeugende Gründe darzulegen vermag. Selbst als er hier über eine Niederlassungsbewilligung verfügte, wartetet er mit seinem Gesuch noch anderthalb Jahre zu. Dass A.________ in seiner Heimat im Mai 2003 die Grundschule beendet hat und seither "nichts" tut und hier deshalb eine Sprach- und später eine weitere "Ausbildungsschule" besuchen soll, rechtfertigt (für sich allein) einen Familiennachzug nicht. Die Schweiz betreibt in Bezug auf die Niederlassung und den Aufenthalt von Ausländern in konventionsrechtlich zulässiger Weise eine restriktive Politik (vgl. BGE 120 Ib 22 E. 4a S. 24 f.; 130 II 281 E. 3.1 S. 285; 126 II 335 E. 3a S. 342). Es ist aus integrationspolitischer Sicht nicht erwünscht, dass Jugendliche im Wesentlichen allein im Hinblick auf eine künftige selbständige Anwesenheit als Erwachsene und auf die Erwerbsaufnahme hin, d.h. zwecks Verschaffung besserer Zukunftsaussichten, kurz vor Erreichen der Altersgrenze in die Schweiz geholt werden (vgl. BGE 129 II 11 E. 3.3.2 S. 16; 126 II 329 E. 3b S. 333; Urteil 2A.455/2004 vom 13. Dezember 2004, E. 2.1).