Citation: 6A.65/2006 01.02.2007 E. 3

Auch die weiteren Einwände sind unbegründet: 3.1 Die Strafbestimmungen (Art. 90 ff. SVG) werden von den Strafbehörden angewendet. Die Ausweise werden von den Verwaltungsbehörden erteilt und entzogen (Art. 22 Abs. 1 SVG). Anlässlich der Revisionen des Strassenverkehrsgesetzes und des Strafgesetzbuches ergab sich klar, dass die Zuständigkeit zum Entzug des Führerausweises bei den Verwaltungsbehörden verbleiben soll (Botschaft a.a.O., BBl 1999 4462, 4493; Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. September 1998, BBl 1999 1979, 2059). Wie die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme (oben Bst. C) bestätigt, wurde sie noch vor dem Erlass des Strafbefehls vom Strassenverkehrsamt mit Schreiben vom 17. Dezember 2004 informiert, dass es eine Administrativmassnahme in Betracht ziehe und dass ihr das rechtliche Gehör gewährt werde. Das ist entgegen der Beschwerde ein korrektes Vorgehen der Behörde. 3.2 Nach ständiger und langjähriger Rechtsprechung verletzt diese im schweizerischen Recht vorgesehene Zweispurigkeit der Verfahren nach Zuwiderhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz den Grundsatz ne bis in idem nicht (BGE 128 II 133 E. 3b/aa). Damit wird niemand "in einem Strafverfahren desselben Staates erneut verfolgt oder bestraft" (Art. 4 des Protokolls Nr. 7 zur EMRK; SR 0.101.07). Es wird lediglich dieselbe Straftat von zwei verschiedenen Behörden entsprechend ihrer beschränkten sachlichen Zuständigkeit beurteilt. Die Strafbehörde beurteilt die Tat unter strafrechtlichen und die Verwaltungsbehörde unter verwaltungsrechtlichen Gesichtspunkten. Dabei sind die Verwaltungsbehörden in der Regel an den im Strafverfahren festgestellten Sachverhalt gebunden. Das rechtliche Gehör ist in beiden Verfahren gewährleistet (oben E. 2, Abs. 2). Es besteht kein Anlass, auf diese Rechtsprechung zurückzukommen. 3.3 Die Vorinstanz stellt fest, die Beschwerdeführerin begründe ihre übersetzte Fahrweise damit, dass die Polizei auf sie gewartet habe und es sich um einen lauten Alarm in der Firma gehandelt habe. Die Strafakten enthalten keinen Hinweis auf einen Telefonanruf der Polizei (angefochtenes Urteil S. 6; vgl. Dossier 2004/18394 der Bezirksanwaltschaft Zürich mit Polizeirapport vom 27. August 2004). Soweit die Beschwerdeführerin nunmehr geltend macht, die Polizei habe sie während der Fahrt telefonisch aufgefordert "zu pressieren", und diese Tatsache lasse sich aus dem Polizeirapport schliessen (vgl. Stellungnahme), ist festzustellen, dass die angefochtene Beweiswürdigung nicht offensichtlich unrichtig und somit für das Bundesgericht verbindlich ist (oben E. 1, Abs. 2). Weiter ergibt sich, dass die Berücksichtigung dieser neuen Vorbringen nicht zu einer anderen - und vom Strafbefehl abweichenden - Beurteilung führen würde, da auch bei Unterstellung dieses neuen Sachverhalts weder Notstand noch Rechtsirrtum angenommen werden könnte. Die Beschwerdeführerin macht ferner nicht geltend, dass die Polizei ihr erklärt hätte, sie müsse sich nicht an die Verkehrsregeln halten. 3.4 Das Gehörsrecht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV schützt den Anspruch, an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 129 II 497 E. 2.2; 127 I 54 E. 2b). Die Beschwerdeführerin konnte sich äussern. Sie hätte das neue Vorbringen bereits im Strafverfahren geltend machen müssen. Es wäre im Übrigen nicht geeignet gewesen, den Entscheid zu beeinflussen. Es ist weder eine Gehörsverletzung ersichtlich, noch ist der Sachverhalt unter Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt worden (oben E. 1, Abs. 2). Die Vorinstanz beurteilt das neue Vorbringen zutreffend als unbeachtlich.