Citation: U 193/06 20.10.2006 E. 2

2.1 Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid mit sorgfältiger und in allen Teilen überzeugender Begründung, worauf verwiesen wird, erwogen, dass aufgrund der gesamten Situation, insbesondere des psychiatrischen Gutachtens der Frau Dr. med. A.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (vom 15. März 2005), mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass die Beschwerdegegnerin am 25. August 2000 Opfer einer massiven sexuellen Nötigung geworden ist und es sich bei diesem Ereignis (von einem betrunkenen Unbekannten in nächtlichem Hinterhof unter Drohung mit einem Messer zu sexuellen Handlungen im Sinne von oralem Geschlechtsverkehr gezwungen zu werden) um einen Unfall im Rechtssinne und zwar in Form eines aussergewöhnlichen Schreckereignisses gehandelt hat. Letzteres wird von der Beschwerdeführerin denn auch nicht mehr bestritten. 2.2 Gestützt auf das überzeugende psychiatrische Gutachten der Frau Dr. med. A.________ (vom 15. März 2005), welches alle rechtsprechungsgemässen (BGE 125 V 352 Erw. 3 mit Hinweisen) Kriterien für eine beweistaugliche medizinische Entscheidungsgrundlage erfüllt und dem mithin voller Beweiswert zukommt, ist sie zudem zu Recht davon ausgegangen, dass die Versicherte durch dieses nunmehr unbestrittene Ereignis eine gesundheitliche Beeinträchtigung im Sinne einer schweren chronischen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) erlitten hat. Gemäss Gutachten wies die Versicherte ausnahmslos alle geforderten Symptome auf. Wenn die Beschwerdeführerin dagegen einwendet, das diagnostische Kriterium A der Diagnose posttraumatische Belastungsstörung, das als "Geschehen von ausserordentlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmass", welches "bei nahezu jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde", bezeichnet werde, sei nicht erfüllt, gilt einerseits festzustellen, dass die Diagnose und Würdigung der gesundheitlichen Situation in den Aufgabenbereich des Mediziners bzw. der Medizinerin fällt und Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens vom 15. März 2005 keine ersichtlich sind. Zudem entsteht gemäss ICD 10 eine posttraumatische Belastungsstörung als verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung, worunter als Beispiel explizit auch Opfer einer Vergewaltigung aufgeführt ist (Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 5. Aufl., Bern 2005, S. 169, F43.1). Beim fraglichen Ereignis handelt es sich hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen (Traumatisierung) um eine der Vergewaltigung gleichzustellende Tat (vgl. Philipp Maier, in: Niggli/Wiprächtiger, Hrsg., Basler Kommentar zum Strafgesetzbuch, Bd. 2, Art. 190 N. 1). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorträgt, belegen überdies zahlreiche Studien, dass das Risiko, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, nach sexueller Gewalt (Vergewaltigungen/ sexuelle Nötigung) besonders hoch ist (Frauke Teegen, Posttraumatische Belastungsstörungen bei gefährdeten Berufsgruppen, Praxis der Arbeits- und Organisationspsychologie 1. Aufl., Bern 2003, S. 29 und Daniel Hell, Jérome Endrass, Jürg Vontobel, Kurzes Lehrbuch der Psychiatrie, 1. Aufl. Bern 2003, S. 139). Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde dagegen eingewendet wird überzeugt nicht. Insbesondere wird eine diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung in keiner Weise dadurch ausgeschlossen, dass zur Zeit des Schreckereignisses eine arterielle Hypertonie verbunden mit Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Überdies ist nicht nachvollziehbar, inwiefern die Bedrohung durch einen alkoholisierten Täter weniger schwerwiegend sein soll, können doch dessen Reaktionen besonders unberechenbar sein.