Citation: 5A_435/2021 E. 2.2

2.2. Das Kantonsgericht befasst sich über rund fünfzehn Seiten in aller Ausführlichkeit mit der Frage, ob die Berufung der Beschwerdeführerin begründet ist. Es erinnert daran, dass das Bezirksgericht das Verfahren auf die Frage der Nichtigkeit bzw. Gültigkeit des Testaments vom 25. Juli 2016 beschränkt habe. Im Zentrum des vorliegenden Prozesses stehe die Frage, ob der Ehemann der Klägerin und heutigen Beschwerdeführerin erbunwürdig sei, weil er den Erblasser im Sinne von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB durch Arglist, Zwang oder Drohung dazu gebracht oder daran gehindert habe, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder zu widerrufen. Nachdem eine letztwillige Verfügung zugunsten eines nach Massgabe der zitierten Norm erbunwürdigen Dritten nichtig sei, komme die Beschwerdeführerin als Ersatzerbin ihres Ehemannes nicht zum Zug, wenn die Erbunwürdigkeit ihres Ehemanns festehe. Bezogen auf den konkreten Fall kommt die Vorinstanz aufgrund ihrer summarischen Prüfung zum Schluss, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin mit der Ausschlagung des Erbes ausschliesslich habe verhindern wollen, die angestrebte Erbschaft im Falle einer Erbunwürdigkeit nicht zu verlieren. Die vom Ehemann erwähnten Gründe für die Ausschlagung seien vorgeschoben und würden einzig der Umgehung von Art. 540 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB dienen. Nachdem die Beschwerdeführerin mit dem Erblasser nicht befreundet gewesen sei, könne dieser kaum gewollt haben, dass die Beschwerdeführerin erbe, falls ihr Ehemann als erbunwürdig qualifiziert werden sollte. In der Folge äussert sich das Kantonsgericht zu den Sachverhaltsrügen der Beschwerdeführerin. Es hält für erwiesen, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin als einzige nahe Bezugsperson des Erblassers über dessen Angelegenheiten vollumfänglich informiert gewesen sei und ihn unter Druck gesetzt habe, um ihn als Alleinerben und die Beschwerdeführerin als Ersatzerbin einzusetzen. Dass dies nicht dem letzten Willen des Erblassers entsprach, sei erstellt. Auch die Einwände der Beschwerdeführerin gegen die Glaubwürdigkeit des Zeugen F.________ verwirft das Kantonsgericht. In den Grundzügen habe das Bezirksgericht schliessen dürfen, dass der Zeuge klar und unmissverständlich bestätigt habe, dass der Erblasser einsam und beeinflussbar gewesen sei und vom Ehemann der Beschwerdeführerin unter Druck gesetzt worden sei. An dieser Erkenntnis ändert laut der vorinstanzlichen Würdigung auch der Honorarvertrag nichts, den der Ehegatte der Beschwerdeführerin am 22. März 2016 mit dem Erblasser abgeschlossen hatte, ebenso wenig der Entwurf für einen Erbvertrag aus dem Jahr 2017 und der E-Mail-Verkehr des Ehegatten der Beschwerdeführerin mit dem Zeugen F.________ vom 4./5. März 2017. Dasselbe gelte für die Akten des Sozialamts U.________ für das Jahr 2017. Auch den Vorwurf des Bezirksgerichts, der Ehegatte der Beschwerdeführerin habe den Erblasser vor allem deshalb mit grossem Aufwand beraten und zahlreiche Eingaben für ihn geschrieben, um mit seinen Honorarforderungen dem Erblasser gegenüber Druck aufzubauen und ihn zur Erbeinsetzung zu bewegen, hält die Vorinstanz - in Mitberücksichtigung der E-Mail Korrespondenz vom 4./5. März 2017 - für plausibel. Auf die Einvernahme des Ehemanns der Beschwerdeführerin habe das Bezirksgericht in antizipierter Beweiswürdigung verzichten dürfen. Im Übrigen zeige die Beschwerdeführerin in ihrer Berufungsschrift nicht rechtsgenüglich auf, zu welchen für den Ausgang des Prozesses relevanten Tatsachenbehauptungen der Ehemann der Beschwerdeführerin als Zeuge hätte angehört werden sollen und inwiefern diese bereits vor erster Instanz rechtskonform behauptet worden seien. Das Kantonsgericht schützt den erstinstanzlichen Schluss, dass das Testament, das den Ehemann der Beschwerdeführerin als Alleinerben und die Beschwerdeführerin als Ersatzerbin eingesetzt habe, unter teilweise massivem Druck zustande gekommen sei. Der Ehemann habe seine Stellung als Vertrauensperson des Erblassers benutzt, um diesen durch die Hinterlegung des Testaments bei einer Drittperson aktiv und dauerhaft an der physischen Vernichtung der Urkunde zu hindern. Dass eine als Alleinerbe eingesetzte Person ein sie allein begünstigendes handschriftliches Testament mitnehme und bei einer Drittperson hinterlege, ohne dem Erblasser wenigstens eine Kopie zu geben, sei ausserordentlich ungewöhnlich. Angesichts des Drucks, den der Ehemann der Beschwerdeführerin auf den Erblasser ausgeübt habe, sei nicht anzunehmen, dass dieser dem Wunsch des Erblassers, ihm das Testament zurückzugeben, auch nachgekommen wäre.