Citation: U 282/05 13.02.2006 E. 2

Entgegen dem kantonalen Gericht kann die Frage des Vorliegens des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen Unfall, Gesundheitsschaden und einer allenfalls dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht mit der Begründung offen gelassen werden, es fehle an der Adäquanz. Es kann lediglich bei insofern nicht spruchreifer Sache von weiteren Abklärungen abgesehen werden, wenn es an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs fehlt (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 3c). Nach zutreffender Auffassung der Vorinstanz ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs der Beschwerden nach den für psychische Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Regeln (BGE 115 V 133) zu beurteilen, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS oder einer ähnlichen Verletzung (vgl. dazu BGE 117 V 359 und RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3 [U 160/98]) gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, indessen die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufweist (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Erfolgt die Adäquanzprüfung in einem späteren Zeitpunkt, ist zu fragen, ob im Verlaufe der ganzen Entwicklung seit dem Unfall die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [U 164/01]). 2.1 Gemäss Bericht des Hausarztes Dr. med. E.________ vom 24. Februar 2003 hatte ihn der Versicherte zwei Tage nach dem Unfall vom 16. Dezember 2002 wegen Nacken- und lumbalen Schmerzen aufgesucht. Im Vordergrund stand eine zervikale Blockierung (C4/7). Im Bericht vom 17. Februar 2003 erwähnte Dr. med. E.________ persistierende Beschwerden im Sinne eines HWS-Kontusionstraumas. Im Bericht der Rheumatologischen Poliklinik des Spitals Y.________ vom 18. März 2003 über die Behandlung vom 18. Februar und 14. März 2003 wurden als Hauptprobleme u.a. eine Kopfkontusion mit Begleit-commotio cerebri, Nackenschmerzen sowie ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom genannt. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 23. April 2003 klagte der Beschwerdeführer neu über Kopfschmerzen, Hörverlust, Schwindel und Sehstörungen. Während des Aufenthalts in der Klinik X.________ vom 17. Juni bis 23. Juli 2003 stand eine psychische Überlagerung der geklagten Beschwerden im Sinne eines histrionischen Verhaltensmusters mit starkem Dramatisieren und hypochondrischen Vorstellungen im Rahmen eines dysfunktionalen Überzeugungs- und Bewältigungsmusters im Vordergrund. Im Bericht vom 4. Juli 2003 über das neurologische Konsilium vom Vortag wurde zwar eine möglicherweise bis wahrscheinlich durchgemachte milde traumatische Hirnverletzung erwähnt. Eine eigentliche Ausfallsymptomatik im klassisch-neurologischen Bereich konnte jedoch nicht gefunden werden. Sodann bestand eine massive Überlagerung durch starke Symptomausweitung. Anlässlich der am 22. Juli 2003 durchgeführten neurootologischen Untersuchung konnte der geklagte Schwindel nicht objektiviert werden. Bei der Schallleitungs-Schwerhörigkeit beidseits und bei der Visusstörung handelte es sich um vorbestandene resp. anamnestisch bekannte Leiden. Gestützt auf die medizinische Aktenlage sind vorliegend neben der Diagnose eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule oder einer ähnlichen Verletzung auch das für diese Verletzung typische Beschwerdebild zu bejahen. Damit ist nach der Rechtsprechung nicht zu unterscheiden, ob die gesundheitlichen Beschwerden mehr organischer und/oder psychischer Natur sind (BGE 117 V 359 ff.), es sei denn, die somatischen Beschwerden sind unmittelbar nach dem Unfall oder im Verlauf des Heilungsprozesses im Vergleich zur psychischen Problematik ganz in den Hintergrund getreten (BGE 123 V 98, RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437]). Dies ist vorliegend der Fall. Die somatischen Beschwerden, soweit sie überhaupt ihre Grundlage im Unfall haben, sind im Verlaufe der gesamten Entwicklung bis spätestens zum Zeitpunkt des Austritts aus der Klinik X.________ am 23. Juli 2003 im Vergleich zur psychischen Problematik ganz in den Hintergrund getreten. Eine allfällige Verschlimmerung des rheumatologischen Vorzustandes als Folge des Unfalles vom 16. Dezember 2002 über den 29. Oktober 2003 hinaus ist nach Lage der Akten zumindest nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Weitere Abklärungen zu diesem Punkt erübrigen sich, da hievon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. Die einzig streitige Adäquanzfrage ist daher mit dem kantonalen Gericht nach den bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Regeln zu beurteilen (BGE 115 V 133).