Citation: 6B_861/2008 22.06.2009 E. 2

2.1 Der Beschwerdeführer rügt eine willkürliche Beweiswürdigung und als Folge daraus eine offensichtlich unrichtige Sachverhaltsfeststellung. Im Ergebnis verletze das angefochtene Urteil den aus der Unschuldsvermutung abgeleiteten Grundsatz "in dubio pro reo", weil die Vorinstanz nicht zu unterdrückende Zweifel an seiner Schuld hätte haben müssen. 2.1.1 Der Beschwerdeführer erachtet den von der Vorinstanz durchgeführten Augenschein unter verschiedenen Gesichtspunkten als mangelhaft (Verwendung einer ungeeigneten Puppe; Beizug einer Sachverständigen, welche nicht auf die Straffolgen wissentlich falscher Auskünfte aufmerksam gemacht worden sei; Einvernahme des Bauleiters als Zeuge statt als Auskunftsperson; Einvernahme des Vorgesetzten des Bauleiters als Zeuge, obwohl dieser nicht vorgeladen gewesen sei; Einsatz eines nicht identischen Rollgerüsts; andere Bodenbeschaffenheit; ungenügende Protokollierung; vgl. Beschwerde S. 5 - 10). 2.1.2 Des Weiteren sei die Vorinstanz willkürlich davon ausgegangen, der Abstand zwischen dem Gerüst und der Fassade habe mehr als 30 Zentimeter betragen (Beschwerde S. 10 - 12). 2.1.3 Überdies habe die Vorinstanz gegen die Unschuldsvermutung verstossen, da sie einerseits unkritisch auf die unzutreffenden Behauptungen des Beschwerdegegners und des Mitangeschuldigten Z.________, noch nie auf einem Rollgerüst gearbeitet zu haben, abgestellt und es andererseits in willkürlicher Beweiswürdigung als erstellt erachtet habe, dass er seinen Instruktionspflichten nicht nachgekommen sei (Beschwerde S. 12 - 14). 2.1.4 Schliesslich habe die Vorinstanz in unhaltbarer Weise das Selbstverschulden des Beschwerdegegners, welcher im Unfallzeitpunkt seit mehr als drei Jahren für die A.________AG gearbeitet habe, ausgeblendet. Willkürlich nicht einmal in Betracht gezogen habe sie auch die Möglichkeit, dass das Unfallopfer den Seitenschutz des Gerüsts selbst entfernt haben könnte (Beschwerde S. 14 - 15). 2.2 Art. 9 BV gewährleistet den Anspruch darauf, von den staatlichen Organen ohne Willkür behandelt zu werden. Auf dem Gebiet der Beweiswürdigung ist die Kognition des Bundesgerichts auf Willkür beschränkt. Willkür in der Beweiswürdigung liegt vor, wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen oder auf einem offenkundigen Fehler beruhen (BGE 134 I 140 E. 5.4). Dass das angefochtene Urteil mit der Darstellung des Beschwerdeführers nicht übereinstimmt oder eine andere Lösung oder Würdigung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt praxisgemäss für die Begründung von Willkür nicht (BGE 131 IV 100 nicht publ. E. 4.1; 127 I 54 E. 2b). Gemäss der in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass die einer strafbaren Handlung angeklagte Person unschuldig ist (BGE 129 I 49 E. 4; 127 I 38 E. 2 mit Hinweisen). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich das Strafgericht nicht von der Existenz eines für die beschuldigte Person ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Inwiefern dieser Grundsatz verletzt sein soll, prüft das Bundesgericht nur unter dem Gesichtspunkt der Willkür, das heisst, es greift nur ein, wenn das Sachgericht die beschuldigte Person verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche bzw. schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an deren Schuld fortbestehen (BGE 127 I 38 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6B_923/2008 vom 2. Februar 2009, E. 2). Wird eine willkürliche Beweiswürdigung gerügt, reicht es nicht aus, wenn der Beschwerdeführer zum Beweisergebnis frei plädiert und darlegt, wie seiner Auffassung nach die vorhandenen Beweise richtigerweise zu würdigen gewesen wären, wie er dies in einem appellatorischen Verfahren mit freier Rechts- und Tatsachenüberprüfung tun könnte. Er muss gemäss ständiger Rechtsprechung vielmehr aufzeigen, inwiefern die angefochtene Beweiswürdigung die Verfassung dadurch verletzen sollte, dass sie im Ergebnis offensichtlich unhaltbar wäre (vgl. BGE 129 I 49 E. 4; 128 I 81 E. 2; 127 I 38 E. 3c). 2.3 Was der Beschwerdeführer gegen diese Beweiswürdigung der Vorinstanz vorbringt, ist nicht geeignet, Willkür respektive eine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" darzutun. 2.3.1 Die Vorinstanz hat ausdrücklich eingeräumt, es anlässlich des Augenscheins versehentlich unterlassen zu haben, die Sachverständige auf die Strafbarkeit wissentlich falscher Auskünfte hinzuweisen. Ob dies ihre Aussagen unverwertbar mache, könne jedoch offen gelassen werden, da ohnehin nicht darauf abgestellt worden sei. Auch seien die Aussagen des Bauleiters und von dessen Vorgesetztem nur als solche von Auskunftspersonen berücksichtigt worden (angefochtenes Urteil S. 4). Die Vorinstanz hat weiter festgehalten, das Fallverhalten der verwendeten Puppe könne nur einen groben Anhaltspunkt für jenes eines Menschen geben (angefochtenes Urteil S. 7). Die Vorinstanz hat somit den vom Beschwerdeführer bereits im kantonalen Verfahren in Bezug auf die Durchführung des Augenscheins geäusserten Einwänden in ihrer Urteilsbegründung Rechnung getragen, und der Beschwerdeführer vermag insoweit nicht substantiiert darzulegen, dass die im angefochtenen Urteil aus dem Augenschein gezogenen Schlussfolgerungen im Ergebnis offensichtlich unhaltbar wären. 2.3.2 Die Vorinstanz hat erwogen, verschiedene Indizien liessen es als undenkbar erscheinen, dass das Gerüst weniger als 30 Zentimeter von der Wand entfernt gewesen sei. Bereits der Umstand, dass der gross gewachsene und im Zeitpunkt des Unfalls kräftige Beschwerdegegner überhaupt zwischen Gerüst und Fassade habe herunterstürzen könne, spreche für einen grösseren Abstand. Gleiches ergebe sich aus der von Z.________ anlässlich seiner Einvernahme im Ermittlungsverfahren angefertigten Lageskizze. Schliesslich - so die Vorinstanz weiter - wäre der (sich aus der Fotodokumentation ergebende) Arbeitsradius des Beschwerdegegners nicht möglich gewesen, wenn das Gerüst höchstens 30 Zentimeter von der Fassade entfernt gewesen wäre (angefochtenes Urteil S. 7 - 9). Weshalb diese Erwägungen schlicht unhaltbar sein sollten, wird vom Beschwerdeführer, welcher einzig seine eigene Sicht der Dinge darstellt, nicht aufgezeigt. Ferner konnte die Vorinstanz, ohne in Willkür zu verfallen, die von Z.________ im Ermittlungsverfahren gemachten Angaben zum Standort des Gerüsts als glaubhafter einstufen als seine späteren relativierenden Aussagen, als er um die Bedeutung des Gerüstabstands gewusst hat (vgl. angefochtenes Urteil S. 8). 2.3.3 Die Vorinstanz hat zudem plausibel dargelegt, weshalb sie aufgrund der gesamten Umstände die Aussagen des Beschwerdegegners und von Z.________, wonach sie vor dem Tag des Unfalls noch nie auf einem Rollgerüst gearbeitet hätten und nicht über die insoweit zu treffenden Sicherheitsmassnahmen instruiert worden seien, als glaubhaft bewertet hat (vgl. angefochtenes Urteil S. 12 - 13). 2.3.4 Ferner konnte die Vorinstanz willkürfrei folgern, die Mutmassung des Beschwerdeführers, der Beschwerdegegner habe den Seitenholm des Gerüsts selbst entfernt, entbehre jeder Grundlage und stehe in Widerspruch zu den übereinstimmenden und glaubhaften Angaben des Beschwerdegegners und von Z.________. Im Übrigen hat die Vorinstanz entgegen der Behauptung in der Beschwerde das angebliche Selbstverschulden des Beschwerdegegners nicht in willkürlicher Art und Weise ausgeblendet, sondern sehr wohl thematisiert, aber verneint (angefochtenes Urteil S. 14). Ob sie das zu Recht getan hat, betrifft nicht die Beweiswürdigung, sondern stellt eine Rechtsfrage dar (vgl. nachfolgend E. 3.3.4).