Citation: 6S.111/2004 04.06.2004 E. 2

Nach Art. 90 Ziff. 2 SVG wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft, wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine erhebliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Subjektiv erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend regelwidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, mindestens grobe Fahrlässigkeit. Dies ist immer zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist (BGE 130 IV 32 E. 5.1 S. 40). Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern (Urteil 6S.486/2002 vom 20. Februar 2004 E. 3.1). Nach den für das vorliegende Verfahren verbindlichen tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz fuhr die Beschwerdeführerin bewusst so schnell, weil sie sich verspätet hatte und ihre Tochter von der Schule abholen wollte. Sie habe vor Gericht denn auch eingeräumt, die überhöhte Geschwindigkeit in Kauf genommen zu haben (angefochtener Entscheid S. 5). Allerdings hat sie vor der Vorinstanz geltend gemacht, sie habe sich beeilen müssen, weil ihre Tochter von einem anderen Kind geplagt worden sei (angefochtener Entscheid S. 4). Dem hält die Vorinstanz entgegen, zwar sei es gewiss schlimm, wenn ein Kind von einem anderen geplagt werde. Aber damit liege keine Situation vor, die eine massive Geschwindigkeitsüberschreitung rechtfertige. Zudem wäre es der Beschwerdeführerin nach der verbindlichen Feststellung der Vorinstanz möglich gewesen, die Schule telefonisch darüber zu benachrichtigen, dass sie erst später komme (angefochtener Entscheid S. 6). Soweit die Beschwerdeführerin vor Bundesgericht behauptet, ihre Tochter sei ernstlich an Leib und Leben gefährdet gewesen (Beschwerde S. 4), ist darauf nicht einzutreten. Die Vorinstanz stellt nichts Derartiges fest, und das Vorbringen ist deshalb im vorliegenden Verfahren unzulässig (Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP). Aber wie es sich damit verhält, ist ohnehin nicht ausschlaggebend. Selbst wenn sich die Tochter in einer bedrohlichen Situation befunden und die Beschwerdeführerin dies gewusst haben sollte, hätte diese die Schule anrufen müssen, damit dort die nötigen Massnahmen getroffen werden können. Ihr Vorbringen, sie sei durch ein geschäftliches Telefonat derart abgelenkt gewesen, "dass andere und auch wichtige Dinge kurzfristig in den Hintergrund rückten" (Beschwerde S. 5), ist nicht nachvollziehbar, wenn ihre Tochter tatsächlich ernsthaft gefährdet gewesen wäre. Die allgemeine Lebenserfahrung spricht entgegen ihrer Annahme im Gegenteil dafür, dass sie bei der von ihr behaupteten Sachlage das geschäftliche Gespräch "messerscharf" (Beschwerde S. 5) beendet und unverzüglich die Schule angerufen hätte. Darauf hat die Vorinstanz zu Recht hingewiesen (angefochtener Entscheid S. 6). Gesamthaft gesehen ist kein Grund ersichtlich, der die massive Geschwindigkeitsüberschreitung gerechtfertigt hätte. Ebenfalls nicht zu hören ist die Beschwerdeführerin, soweit sie behauptet, sie habe bis zur Schule nur eine kurze und übersichtliche Wegstrecke mit geringem Verkehrsaufkommen zurücklegen müssen (Beschwerde S. 5). Die Vorinstanz stellt nichts Derartiges, sondern nur fest, die Tat habe sich auf einer "typischen Innerortsstrecke" ereignet (angefochtener Entscheid S. 7). Was die Beschwerdeführerin zur Frage des Eventualvorsatzes vorbringt (vgl. Beschwerde S. 5/6), ist abwegig. Abgesehen davon, dass sie selber anerkannt hat, die Geschwindigkeitsüberschreitung in Kauf genommen zu haben, steht aufgrund der Umstände auch fest, dass dem so war. Unter den gegebenen Umständen muss der Beschwerdeführerin ein bedenken- und rücksichtsloses Verhalten den anderen Strassenbenützern gegenüber zur Last gelegt werden, und der Schuldspruch wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln ist deshalb bundesrechtlich nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.