Citation: 8C_342/2023 E. 5.4

5.4. Auf Empfehlung des RAD-Arztes Dr. med. D.________ hin (vgl. Stellungnahme vom 6. November 2020) ersuchte die IV-Stelle das BEGAZ um Beantwortung von Ergänzungsfragen. Die Frage nach dem Vorliegen einer Aggravation oder Simulation beantwortete der neuropsychologische Gutachter dahingehend, dass in Anwendung der Kriterien gemäss Slick et al. (1999) von einer möglichen bewusstseinsfernen Verdeutlichung, jedoch nicht von einer Aggravation oder Simulation auszugehen sei (Stellungnahme vom 30. Dezember 2020). Der psychiatrische Gutachter Dr. med. E.________ hielt seinerseits fest, die depressive Störung, die eher labile Persönlichkeitskonstellation wie auch Faktoren aus dem sozialen Kontext und die eher geringen verbalen Fähigkeiten dürften einen Einfluss auf die Beschwerdedarstellung haben, indem diese eher verstärkt sei, ohne dass eine bewusste Aggravation angenommen werden könne. Zur Frage, warum trotz offensichtlicher Inkonsistenzen an der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, mittelgradige Episode, festgehalten werde und wie eine Einschränkung von 60 % trotz erheblicher Ressourcen zu begründen sei, führte Dr. med. E.________ aus, dass die Diagnose einer depressiven Störung durch den klinischen Untersuchungsbefund und die subjektiven Angaben, die mit diesem und den medizinischen Unterlagen durchaus im Einklang stünden, bestätigt werden könne. Bei der Beschwerdeführerin habe eine gedrückte Stimmung, eine Beeinträchtigung der Interessen und des Freudeempfindens und auch eine starke Antriebsminderung mit erhöhter Ermüdbarkeit vorgelegen. Damit hätten die Kardinalsymptome einer depressiven Störung bestanden. Über den Schweregrad könne gestritten werden. Es müsse aber beachtet werden, dass die Beschwerdeführerin eine eher labile Persönlichkeitskonstellation aufweise. Zudem bestünden nur eingeschränkte Ressourcen. Dr. med. E.________ pflichtete dem RAD-Arzt insofern bei, als in der Regel bei einer mittelschweren depressiven Störung eine 40-50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen sei. Dabei handle es sich aber lediglich um einen Richtwert. Bei der Beschwerdeführerin falle die labile Persönlichkeitskonstellation ins Gewicht. Zudem habe sie in der Vergangenheit unter einer schweren depressiven Episode gelitten und möglicherweise habe sie auch ein Trauma erlitten. Auch wenn aktuell Hinweise auf ein PTSD (Posttraumatic Stress Disorder) fehlten, könne dadurch eine zusätzliche Labilisierung erklärt werden. Ferner verwies der Experte auf die Arbeitsabklärung, anlässlich welcher die Beschwerdeführerin die Leistung nicht habe steigern können, obwohl sie sich motiviert daran beteiligt habe. Die Beschwerdeführerin könne sich nur mit Mühe anpassen und umstellen, ziehe sich teilweise zurück und aktiviere sich nur eingeschränkt. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren sei von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60 % auszugehen.