Citation: 6B_154/2022 E. 2.3.2

2.3.2. Das Bundesgericht hat sich wiederholt zu der Frage geäussert, wann die Fünfjahresfrist gemäss Art. 59 Abs. 4 Satz 1 StGB bzw. eine richterlich festgesetzte Frist zu laufen beginnt (ausführlich BGE 145 IV 65 E. 2, insb. E. 2.6 f. mit Hinweisen). Im vom Beschwerdeführer und von der Vorinstanz erwähnten Urteil 6B_1375/2020 vom 22. Februar 2021, dessen E. 2.4 in BGE 147 IV 205 publiziert ist, hatte das Bundesgericht diese Frage in einem Fall zu beurteilen, in dem die angeordnete stationäre therapeutische Behandlung von psychischen Störungen rechtskräftig wegen Aussichtslosigkeit aufgehoben, die betroffene Person in Sicherheitshaft versetzt, und im darauf folgenden selbständigen nachträglichen Verfahren erneut eine Massnahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet worden war. Insofern ist diese Ausgangslage mit der vorliegend zu beurteilenden Konstellation vergleichbar, mit dem Unterschied, dass es sich hier bei der aufgehobenen Massnahme um eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung handelte. Das Bundesgericht gelangte in vorgenanntem Urteil zum Schluss, dass wenn nach einer rechtskräftigen Massnahmenaufhebung eine stationäre therapeutische Behandlung von psychischen Störungen (Art. 59 StGB) angeordnet und die Massnahme nicht aus der Freiheit heraus angetreten werde, für den Fristenlauf, wie bei der erstmaligen Massnahmenanordnung, auf das Datum des in Rechtskraft erwachsenen Anordnungsentscheids abzustellen sei. Hinsichtlich der Sicherheitshaft (zwischen der Massnahmenaufhebung und der zweiten Massnahmenanordnung) während des selbständigen nachträglichen Massnahmenverfahrens hielt es fest, das Gericht habe diese bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der stationären therapeutischen Behandlung von psychischen Störungen in zeitlicher Hinsicht mitzuberücksichtigen; dies sowohl bei der Prüfung der Anordnung der Massnahme als auch im Zusammenhang mit einem Gesuch um Verlängerung derselben (BGE 147 IV 205 E. 2.4.2 mit Hinweisen).