Citation: 4C.424/2004 15.03.2005 E. 2

Streitig ist die Haftung der Beklagten für die Überschreitung des Kostenvoranschlags im Rahmen der Planung und Realisierung eines Bauprojekts aufgrund eines mit ihr als Architektin unter Übernahme der SIA-Norm 102 abgeschlossenen Gesamtvertrages. Die kantonalen Gerichte haben die Haftungsfrage unter zutreffender Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nach Auftragsrecht beurteilt (vgl. BGE 127 III 543 E. 2a S. 545; 114 II 53 E. 2b; 109 II 462; vgl. auch BGE 122 III 61 und 119 II 249; ferner Fellmann, Haftung für falsche Kostenschätzung, in: Alfred Koller [Hrsg.], Recht der Architekten und Ingenieure, Tagungsband, St. Gallen 2002 S. 211 ff., S. 225 ff. [nachfolgend zit. als Fellmann, a.a.O.]; Schumacher, Die Haftung des Architekten aus Vertrag, in: Gauch/Tercier [Hrsg.], Das Architektenrecht, 3. Aufl., Freiburg 1995, Rz. S. 113 ff., 230 ff., Rz. 743 [nachfolgend zitiert als Schumacher, a.a.O.]). Nach ihren unbestrittenen Feststellungen wurde der im vorliegenden Fall massgebliche Kostenvoranschlag nach Abzug der vom Kläger wegen Bestellungsänderungen oder Sonderwünschen zu vertretenden Mehrkosten um Fr. 302'681.45 überschritten. Sie erklärten die Beklagte für diese Kostenüberschreitung in vollem Umfang haftbar. Die Beklagte bestreitet sinngemäss, dass dem Kläger durch die Überschreitung ihrer Kostenprognose überhaupt oder jedenfalls in dem von der Vorinstanz anerkannten Umfang ein Schaden entstanden sei, für den sie als Architektin einzustehen habe. Sie anerkennt zwar, dass sie bei schuldhafter Verletzung ihrer Pflichten grundsätzlich für Bausummenüberschreitungen hafte. Die Vorinstanz habe indessen zu Unrecht unberücksichtigt gelassen, dass dem Architekten bei Bausummenüberschreitungen schon grundsätzlich eine Toleranzgrenze von 10 % zuzubilligen sei; insbesondere sei vorliegend entgegen der vorinstanzlichen Annahme keine Kostenlimite vereinbart worden, die eine Toleranz beseitigen würde. Da den Kläger ein schweres Mitverschulden an der Kostenüberschreitung treffe, wäre der diese Grenze überschreitende Betrag überdies hälftig zu teilen gewesen, soweit nicht gar von einer die Haftung ausschliessenden Unterbrechung des Kausalzusammenhangs auszugehen sei. Schliesslich sei die Vorinstanz bei der Berechnung des Schadens von einem unzutreffenden Schadensbegriff ausgegangen.