Citation: 2C_1067/2019 E. 2.3.2

2.3.2. Bei der vorstehenden Würdigung bleibt es auch bei Berücksichtigung der Vorbringen des Beschwerdeführers: Im ausländerrechtlichen Verfahren besteht kein Raum dafür, die Beurteilung des Strafgerichts hinsichtlich des Verschuldens zu relativieren (Urteile 2C_522/2013 vom 23. Dezember 2013 E. 3.3; 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.5.1). Weder die Migrationsbehörden noch die Verwaltungsgerichte sind befugt, ihren Erwägungen hinsichtlich des Verschuldens einen Sachverhalt zugrunde zu legen, der nicht auch dem Strafurteil zugrunde liegt (Urteile 2C_819/2013 vom 24. Januar 2014 E. 3.2; 2C_733/2012 vom 24. Januar 2013 E. 3.2). Soweit der Beschwerdeführer die vom Obergericht des Kantons Thurgau festgestellte Zahl bzw. Häufigkeit der ihm zur Last gelegten sexuellen Übergriffe auf seine frühere Arbeitskollegin (namentlich unter Hinweis auf die Arbeitsbedingungen, die Arbeitszeiten und das Verhalten der Arbeitskollegin) als unplausibel hinzustellen und damit sein Verschulden zu relativieren sucht, stösst er vor diesem Hintergrund ins Leere. Dass das Verschulden des Beschwerdeführers vom Obergericht des Kantons Thurgau als zumindest mittelschwer beurteilt wurde, ändert entgegen seinen Einwendungen nichts am ausländerrechtlich grossen Interesse am Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung. Abgesehen davon, dass die vom Beschwerdeführer unter anderem verletzte sexuelle Integrität bzw. sexuelle Freiheit eines Menschen als hochwertiges Rechtsgut zu betrachten ist (vgl. BGE 139 II 121 E. 6.3 S. 131; 124 IV 154 E. 3a S. 158; Urteile 2C_231/2019 vom 23. Mai 2019 E. 2.2.1; 2C_138/2018 vom 16. Januar 2019 E. 2.3), zählt die sexuelle Nötigung (Art. 189 StGB) zu denjenigen strafbaren Verhaltensweisen, welche unter Vorbehalt der Anwendung der strafrechtlichen Härtefallklausel (Art. 66a Abs. 2 StGB) heute eine obligatorische Landesverweisung nach sich ziehen (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). Zwar sind die entsprechenden Bestimmungen nicht auf Taten anwendbar, die - wie die vorliegende (mehrfache) sexuelle Nötigung - vor dem 1. Oktober 2016 begangen wurden (Urteil 2C_1154/2018 vom 18. November 2019 E. 2.1.2, zur Publikation vorgesehen). Doch ist der damit durch den Verfassungs- und Gesetzgeber zum Ausdruck gebrachten besonderen Verwerflichkeit der bereits in Art. 121 Abs. 3 lit. a BV aufgeführten Taten in der Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK insofern Rechnung zu tragen, als es dadurch zu keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht (insbesondere der BV und der EMRK) kommt (BGE 139 I 16 E. 5 S. 28 ff.). Entgegen dem Beschwerdeführer lässt sich auch nicht sagen, die vorinstanzliche Annahme einer den Bewilligungswiderruf rechtfertigenden Schwere der begangenen Straftaten stehe in unauflöslichem Widerspruch zum zutreffenden Hinweis im angefochtenen Urteil, dass es weder zu einem schweren sexuellen Übergriff noch zu einer Vergewaltigung gekommen sei. Das gilt schon deshalb, weil für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung - wie sich bei Berücksichtigung von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB zeigt - keine Verurteilung wegen eines Deliktes erforderlich ist, das (strafrechtlich gesehen) den Schweregrad einer Vergewaltigung (Art. 190 StGB) erreicht. Die Vorinstanz hat im Übrigen die für ein öffentliches Fernhaltungsinteresse sprechenden besonderen Umstände der vorliegenden Straftaten benannt, nämlich die wöchentlich ein- bis zweimalige Begehung der Delikte am Arbeitsplatz während mehr als sieben Jahren. Es ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz vor diesem Hintergrund zum Schluss gelangt ist, die Art der Tatbegehung spreche dafür, dass der Beschwerdeführer einen intensiven sexuellen Drang hat und unkontrolliert ist. Weil der Beschwerdeführer seine Arbeitskollegin jahrelang und regelmässig bedrängt hat, ist seine Darstellung, wonach das Strafurteil eine ein einziges Mal in seinem Leben gemachte Dummheit betreffe, unzutreffend.