Citation: 6A.42/2005 13.12.2005 E. 3

Im Übrigen verstösst auch die vorinstanzliche Anwendung des differenzierten Entzugs gegen Bundesrecht: Die Dauer des Führerausweisentzugs richtet sich nach den Umständen (aArt. 17 Abs. 1 SVG). aArt. 33 Abs. 2 VZV (E. 2 Abs. 1) umschreibt diese Umstände näher, indem er drei zentrale Zumessungskriterien nennt, darunter die berufliche Notwendigkeit des Fahrzeuglenkers, ein Motorfahrzeug zu führen (Schaffhauser, a.a.O., S. 275 f. N 2427). Gemäss aArt. 34 Abs. 2 VZV kann unter Einhaltung der gesetzlichen Mindestdauer der Ausweisentzug je Kategorie oder Unterkategorie für eine unterschiedliche Dauer verfügt werden, sofern der Ausweisinhaber namentlich: a. die Widerhandlung, die zum Ausweisentzug führte, mit einem Fahrzeug begangen hat, auf dessen Benutzung er beruflich nicht angewiesen ist; und b. als Führer eines Fahrzeuges der Kategorie oder Unterkategorie, für welche die Entzugsdauer verkürzt werden soll, unbescholten ist. 3.1 Ein solcher differenzierter Entzug ergänzt im Sinne einer möglichen zusätzlichen Milderung die Regel des aArt. 33 Abs. 2 VZV und dient dazu, in Härtefällen das relativ rigide Entzugssystem aufzuweichen (Kathrin Gruber, RDAF 54/1998, La notion d'utilité professionelle en matière de retrait de permis de conduire, S. 241; Schaffhauser, a.a.O., S. 326 N 2463). Ob ein differenzierter Entzug angeordnet werden soll, ist daher erst zu prüfen, nachdem sämtliche Beurteilungsmerkmale zur Bestimmung der Entzugsdauer mitsamt der beruflichen Angewiesenheit auf den Führerausweis angemessen berücksichtigt worden sind. Liegt dann immer noch ein Härtefall vor und sind überdies die Bedingungen der zitierten lit. a und b erfüllt, ist die Entzugsdauer für die beruflich benötigte Kategorie weiter herabzusetzen. 3.2 Die Vorinstanz hat das Beurteilungsmerkmal der Massnahmeempfindlichkeit unmittelbar und ausschliesslich dazu herangezogen, einen differenzierten Entzug festzulegen. Auf diese Weise hat sie den Beschwerdeführer um seinen Anspruch gebracht, dass seine Massnahmeempfindlichkeit bei der Entzugsdauer grundsätzlich zu berücksichtigen ist. Das vorinstanzliche Vorgehen bewirkt sogar, dass der Beschwerdeführer, der die Voraussetzungen der zitierten lit. a und b erfüllt, gegenüber anderen Fahrzeuglenkern, bei welchen dies nicht der Fall ist, schlechter gestellt wird. So hat ihm die Vorinstanz seine Massnahmeempfindlichkeit auf die nichtberuflichen Kategorien überhaupt nicht angerechnet, während sie anderen Fahrzeuglenkern, bei welchen ein differenzierter Entzug zum vornherein ausgeschlossen ist, deren Massnahmeempfindlichkeit auf sämtliche Kategorien hätte anrechnen müssen.