Citation: 4A_446/2022 E. A

A.a. A.________ Company (vormals C.________ Company) (Klägerin, Beschwerdeführerin) wurde 1994 nach dem im Besetzten Palästinensischen Gebiet geltenden Gesellschaftsrecht gegründet. Die Gesellschaft wird vom Palestine Investment Fund (PIF) kontrolliert. Dieser wurde 2003 von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) gegründet und bezweckt ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum im Besetzten Palästinensischen Gebiet. B.________ AG (Beklagte, Beschwerdegegnerin) ist eine nach liechtensteinischem Recht gegründete Gesellschaft mit Sitz in U.________, Liechtenstein. Sie ist seit 5. Februar 1998 in V.________, Besetztes Palästinensisches Gebiet, als ausländische Gesellschaft registriert. A.b. Der Rechtsstreit steht im Zusammenhang mit einem Tourismusprojekt betreffend den Bau und Betrieb eines Hotels und Casinos in der Stadt W.________ im Westjordanland. Die dem Projekt zugrunde liegenden Verträge wurden von der Klägerin, der Beklagten, der Palästinensischen Autonomiebehörde und zwei weiteren Vertragsparteien unterzeichnet. Der Hauptvertrag ("General Agreement") wurde am 17. Dezember 1996 unterzeichnet. Er bezweckt die allgemeine Umsetzung des Tourismusprojekts und enthält eine Schiedsklausel zugunsten eines Schiedsgerichts mit Sitz in Zürich sowie eine Rechtswahlklausel zugunsten des schweizerischen Rechts. A.c. Das Casino "X.________" war der Hauptteil des Tourismusprojekts. Die Idee, im Westjordanland ein Casino zu errichten, kam auf, nachdem in den Jahren 1993 und 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) verschiedene Abkommen geschlossen worden waren. Zur Selbstverwaltung bedurfte die Palästinensische Autonomiebehörde staatlicher Institutionen, wobei dieser Aufbau nur langsam vorankam und mit zusätzlichem finanziellem Aufwand verbunden war. Zur Entwicklung und Förderung der vom Krieg zerstörten Wirtschaft versuchte die Palästinensische Autonomiebehörde, ausländische Investoren anzuziehen. Neben anderen Projekten wurde ein Hotelresort mit Casino im Westjordanland als profitable Investition erachtet; dies vor dem Hintergrund, dass Glücksspiele in Israel verboten und Bestrebungen zur Legalisierung gescheitert waren, jedoch offenbar ein Marktpotential in diesem Bereich bestand. Die Stadt W.________ gehört zu den Gebieten, die seit den Abkommen von Oslo vollständig von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert werden. Israel behält demgegenüber die alleinige Kontrolle über die Grenzen zum Westjordanland, so dass bei jedem Grenzübertritt die israelischen Einreisevorschriften eingehalten werden müssen. A.d. Nach Unterzeichnung des General Agreement erhielt die Beklagte die nötigen Bewilligungen für den Bau und Betrieb des Tourismusprojekts. 1997 begannen die Bauarbeiten. Am 4. Juni 1997 erteilte die Palästinensische Autonomiebehörde der Beklagten eine Casinolizenz für eine Dauer von 15 Jahren ab Eröffnung des Casinos. Das Casino "X.________" nahm am 13. September 1998 seinen Betrieb auf. Das Casino "X.________" wurde in der Zeit zwischen 13. September 1998 und 27. Oktober 2000 erfolgreich betrieben. Während dieser Zeit zog das Casino grosse Besucherzahlen an, so etwa im Jahre 1999 mehr als 1 Mio. Besucher. Während der Zeit seines Betriebs wurde ein operativer Gewinn von insgesamt mehr als USD 190 Mio. ausgewiesen. Das Hotel "X.________" wurde im Juli 2000 eröffnet. Die Bauarbeiten hatten sich infolge Planänderungen (wie etwa 5- statt 4-Stern-Standard sowie zusätzliche Zimmer) verzögert. A.e. Kurz nach Ausbruch der zweiten Intifada erging ein Dekret der israelischen Streitkräfte, mit dem unter anderem der Zugang zum Territorium, in dem die Stadt W.________ liegt, geschlossen wurde. Damit war es israelischen Bürgern verboten, dieses Territorium ohne Bewilligung zu betreten oder sich darin aufzuhalten. Entsprechend war es diesen nicht mehr möglich, zum Casino "X.________" nach W.________ zu reisen. Die zweite Intifada endete 2005, aber die Beschränkungen blieben für (jüdische) Israelis auch seither aufrecht. Infolge des Ausbruchs der zweiten Intifada war die Beklagte veranlasst, das Casino am 27. Oktober 2000 zu schliessen, während der Betrieb des Hotels "X.________" weitergeführt wurde. Das Hotel wird noch immer betrieben, während das Casino seither nicht wiedereröffnet wurde. A.f. Nach der Schliessung des Casinos kam es am 19. Dezember 2000 zur Unterzeichnung zweier weiterer Vereinbarungen ("2000 Agreements") : Die eine wurde zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Beklagten abgeschlossen ("PA-B.________-Agreement"), dies mit der Zustimmung der Klägerin. Die andere wurde von der Klägerin und der Beklagten abgeschlossen ("C.________-B.________-Agreement"), wobei die Palästinensische Autonomiebehörde ihre Zustimmung erklärte: Das PA-B.________-Agreement wurde nach seiner Präambel abgeschlossen, um die weitere Entwicklung des Tourismusprojekts sicherzustellen ("to safeguard the further developments of the Tourism Project"). Die Vereinbarung beinhaltet neben Steuerfragen die Verlängerung der Laufzeit der Casinolizenz sowie der weiteren Lizenzen von 15 auf 30 Jahre (ab Eröffnung des ersten Casinos, d.h. bis zum 13. September 2028). Das C.________-B.________-Agreement sieht unter anderem eine Verlängerung des Benützungsrechts der Beklagten für die für das Tourismusprojekt genutzte Landfläche auf 99 Jahre (d.h. bis 13. September 2095) vor, wobei der Klägerin als Entgelt ab dem 13. September 2013 ein monatlicher Mietzins von USD 100'000.-- zusteht. Zudem erklärt es wie das PA-B.________-Agreement die Schiedsklausel im General Agreement für anwendbar. Vor Ablauf der ursprünglich erteilten Lizenzen für das Tourismusprojekt (d.h. 13. September 2013) verlangte die B.________ AG von der Palästinensischen Autonomiebehörde deren Verlängerung (d.h. bis 13. September 2028). Dies wurde verweigert. A.g. Am 16. Dezember 2013 leitete die B.________ AG ein erstes Schiedsverfahren nach den Swiss Rules of International Arbitration (2012) der Swiss Chambers' Arbitration Institution gegen die Palästinensische Autonomiebehörde und die A.________ Company ein ("Erstes Schiedsverfahren") mit den folgenden Rechtsbegehren: "1. (i) That Respondent 1 [PA] be ordered to procure a Casino License valid until 13 September 2028 which appoints Claimant [B.________ AG] as the sole and exclusive operator for casino operations in the territories that are presently or in the future under the jurisdiction of the State of Palestine. (ii) That Respondent 1 [PA] be ordered to amend the term until 13 September 2028 of all other licenses and permits necessary in order to operate the hotel and casino in W.________ as set forth in Exhibit A titled 'Provisions on the Concession' to the General Agreement [...] and granted in favor of [B.________ AG] by the General Agreement or issued separately according to Exhibits A, B, C, D, E, F of the General Agreement. Alternatively: (iii) That the Arbitral Tribunal declares that based on clause 1 of the Agreement concluded between [B.________ AG] and [PA] on 19 December 2000 ('PA-B.________-Agreement'), [B.________ AG] is entitled to continue the operation of the casino and hotel in W.________ until 13 September 2028.