Citation: U 395/04 12.09.2006 E. 2

2.1 In tatsächlicher Hinsicht ist davon auszugehen, dass die Arthro-MRI vom 17. August 2004 den Verdacht einer Labrum-Läsion (labrum, lat. für Lippe, Lefze, Rand) der rechten Hüfte bestätigte (Bericht des Dr. med. C.________ vom 20. August 2004). Nachdem die SUVA eine erhebliche Tatsache im Sinne von Art. 137 lit. b OG in Abrede gestellt hatte, weil es mangels passender klinischer Symptomatik unmittelbar im Anschluss an das versicherte Ereignis am Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Labrumläsion mangle (Vernehmlassung vom 7. Dezember 2004), liess die Gesuchstellerin, unter Einreichung echtzeitlicher Dokumente (Auszüge aus der Krankengeschichte, Verordnung für Physiotherapie u.a.m.), einwenden, sie habe durchaus initial nach dem Unfall an spezifischen Hüftbeschwerden gelitten (Eingabe vom 24. Februar 2006). 2.2 Laut dem vom Eidgenössischen Versicherungsgericht daraufhin eingeholten Gutachten des Prof. Dr. med. G.________ (vom 1. Februar und 23. Mai 2006) leidet die Gesuchstellerin unter einem Pincer-Impingement beidseits bei Coxa profunda, verstärkt durch weitgehend zirkum-ferenzielle Knochenapposition des Pfannenrandes beidseits; rechts chronisch symptomatisch, links beginnend symptomatisch (Gutachten vom 1. Februar 2006, S. 8 und 10). Die diskutierte Läsion des Labrum acetabulare rechts wird vom Gutachter als Unterflächenriss bezeichnet, welcher in unveränderter Form in den MRI-Untersuchungen vom 18. August 2004 und vom 12. Dezember 2005 zu erkennen sei; die aus dem Jahre 1999 stammenden MRI-Untersuchungen seien hinsichtlich Schnittführung und Qualität nicht geeignet, den Einriss zu zeigen. Die Labrumruptur sei weder als isolierte Läsion noch als Abriss zu sehen; sie sei "gewissermassen die Spitze des Eisberges eines chronischen Pincer-Impingement" und erkläre sich als Ermüdungsriss des Labrumgewebes durch den repetitiven Anschlag des Schenkelhalses (Gutachten vom 1. Februar 2006, S. 10). Die Labrumläsion sei eines von mehreren Erscheinungsbildern eines komplexen pathomechanischen Prozesses, der durch das Unfallereignis manifest geworden sei. Die kurz danach angefertigten Beckenröntgenaufnahmen wiesen auf die Problematik in Form der Knochenapposition der Pfannenränder hin. Ob nun die Unterflächenruptur des Labrum durch das Ereignis vom 16. Oktober 1998 selbst ausgelöst worden sei oder bereits vorbestanden habe, sei nicht zu eruieren. Vergleiche man die MRI-Aufnahmen von 2004 und 2005 mit einem umschriebenen und unverändert gebliebenen Unterflächenriss, sei sehr wohl möglich, dass die Ruptur erst nach 1998 entstanden sei. Die eigentliche Bedeutung dieser Ruptur sei hinweisend und an sich sehr gering; die Ruptur sei im Zusammenhang mit der Diskussion des Falles überhöht worden. Durch die nahezu zirkumferenzielle Knochenapposition sei bewiesen, dass bereits im Zeitpunkt des Unfalles ein chronisches Pincer-Impingement bestanden habe. Das Ereignis vom 16. Oktober 1998 habe somit die Symptome veranlasst, die wohl zu einem späteren Zeitpunkt auch ohne Unfallereignis aufgetreten wären; dem Unfall komme für die Dauer von einem bis zwei Jahren richtunggebender Charakter zu. Bei - geringfügiger - vorbestehender Coxa profunda habe das chronische Anschlagen, verbunden mit einer gewissen Neigung zur Knochenapposition, die Gelenkpfanne noch tiefer werden lassen. Das Unfallereignis habe dann das Fass gewissermassen zum Überlaufen gebracht. Das Beschwerdebild der Explorandin habe von Anfang an und über weite Strecken hinweg geradezu charakteristische Züge des Pincer-Impingements mit teilweise bizarren Beschwerden, Nachtschmerzen, schlechter Ansprechbarkeit auf Medikamente und wiederkehrenden Ansätzen hin zu psychischer Interpretation aufgewiesen. Dabei hätte eine einfache intraartikuläre Lokalanästhesie erfahrungsgemäss zur Beschwerdefreiheit für die Dauer der Wirkung des Mittels geführt (Gutachten vom 1. Februar 2006, S. 11 ff. und 13). Die Frage, warum die linke Seite mit nahezu ähnlichen Veränderungen nicht oder erst viel später symptomatisch geworden sei, lasse sich wenig gut damit erklären, dass kein Unfall dieser Seite stattgefunden habe. Einen wesentlichen Einfluss auf den Symptombeginn bei gleichen morphologischen Veränderungen habe die Nutzung der Hüften, welche wie bei den oberen Extremitäten unterschiedlich sei. Bei der Explorandin sei das rechte Bein dominant und werde damit aggressiver beansprucht (Gutachten vom 1. Februar 2006, S. 8 f.).