Citation: BGE 150 V 410 E. 9.5.3.3

Einen weiteren Korrekturfaktor erkennt das Bundesamt in der Parallelisierung. Diese zielt auf das Valideneinkommen und wird im Vergleich zur bislang geltenden Rechtsprechung (vgl. BGE 135 V 58 und 297) nunmehr (vgl. Art. 26 Abs. 2 und 3 IVV und E. 6.3.3 oben) erleichtert zugelassen, indem dem Beweggrund der tiefen Einkommenserzielung keine Bedeutung mehr zukommt. Im Schrifttum BGE 150 V 410 S. 429 wird diese Neuerung als sachgerecht begrüsst und dafür gehalten, dass insoweit die bisherige Rechtsprechung gegenstandslos geworden sei (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 127 zu Art. 28a IVG mit Hinweisen). Dieselben Autoren widersetzen sich hingegen - nebst anderen - der beschwerdeweise sowie in der Verwaltungspraxis gemäss Rz. 3414 KSIR vertretenen Sicht, wonach wirtschaftliche Faktoren, die bereits vor dem Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung vorlagen (z.B. Aufenthaltsstatus, Nationalität, fehlende Ausbildung, Alter, Anzahl Dienstjahre usw.), allein bei der Parallelisierung des Valideneinkommens zu berücksichtigen seien (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 129 zu Art. 28a IVG). Tatsächlich verhält es sich häufig so, dass die betreffenden Faktoren, ohne dass sie zuvor - namentlich in Zeiten mit Vollbeschäftigung - das Valideneinkommen relevant beeinflusst hätten, sich erst im Invaliditätsfall lohnmindernd bemerkbar machen. Diesfalls entfällt nach Art. 26 Abs. 2 IVV (mangels Lohndifferenz von mindestens 5 Prozent) die Möglichkeit einer Parallelisierung, was sich gemäss der hier strittigen Novelle auch nicht mehr mit einem Abzug vom Tabellenlohn kompensieren lässt. Genau auf diese je verschiedenen Funktionen der beiden Korrekturfaktoren verwies das Bundesgericht bereits in BGE 146 V 16 E. 6.2.1, indem bei der Parallelisierung immer die - bereits im Gesundheitsfall vorliegenden - personenbezogenen Aspekte zu untersuchen sind, derweil beim leidensbedingten Abzug die erst im Krankheitsfall wirksamen gesundheitsbezogenen Gesichtspunkte im Vordergrund stehen (vgl. GÄCHTER/MEIER, a.a.O., Rz. 54 ff. sowie MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 3 zu Art. 28a IVG). Mit Blick hierauf verfängt auch der Hinweis in der Beschwerde nicht, es handle sich dabei ohnehin um invaliditätsfremde Aspekte. Entscheidend ist vielmehr, dass sie sich häufig erst bei beeinträchtigter Gesundheit auswirken und insoweit sehr wohl invaliditätsbedingt sind (vgl. GÄCHTER/MEIER, a.a.O., Rz. 55 betreffend fehlende Ausbildung und Erfahrung). Damit vermag Art. 26 Abs. 2 IVV zwar dort - und nur dort - korrigierend zu wirken, wo die versicherte Person bereits vor Eintritt des Gesundheitsschadens zufolge der genannten Faktoren benachteiligt war, aber gerade in jenen Fällen nicht, wo sie leidensbedingt zu einem Wechsel der Tätigkeit gehalten ist und erst hiernach im Vergleich mit gesunden Personen Lohnnachteile erfährt.