Citation: I 349/02 03.12.2002 E. 5

Weiter ist streitig, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachginge. 5.1 Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (Art. 41 IVG) stellt sich unter dem Gesichtspunkt der Art. 4 und 5 IVG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode (Art. 28 Abs. 2 und Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 27 f. IVV). Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer andern Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) führt -, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Diese Frage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 Erw. 2c, 117 V 194 Erw. 3b, je mit Hinweisen). Für die Beurteilung und Festlegung des im Gesundheitsfall mutmasslich ausgeübten Aufgabenbereiches ist zu prüfen, ob die Versicherte ohne Invalidität mit Rücksicht auf die gesamten Umstände (dazu gehören die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse) vorwiegend erwerbstätig oder im Haushalt beschäftigt wäre. Zu berücksichtigen sind ausser der finanziellen Notwendigkeit, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder auszudehnen, auch allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen. Bei verheirateten Versicherten ist überdies die eherechtliche Aufgaben- und Rollenverteilung im Rahmen der ehelichen Gemeinschaft zu beachten (BGE 117 V 195 ff.; AHI 1996 S. 196). 5.2 Die Vorinstanz hat in Würdigung der Aussagen der Beschwerdegegnerin und ihres Ehemannes erwogen, es sei davon auszugehen, dass sie ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit nach der Heirat weitgehend bewahren wollte. Daher sei anzunehmen, dass die Versicherte beabsichtigte, nach Wegfall der Unterhaltsersatzrente des ersten Ehemannes im Mai 1998 ihre bisher ausgeübte Arbeitstätigkeit im Umfang von 50 % namhaft zu erhöhen. Indessen sei nicht wahrscheinlich, dass die Beschwerdegegnerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer Vollzeitbeschäftigung nachgegangen wäre. Sie lebe in einem in ihrem Eigentum stehenden grossen Haus mit Garten, Katzen und Hund und sei Mutter von zwei in der Ausbildung stehenden Kindern im Alter von 14 und 17 Jahren. Zudem sei der Ehemann, der neben dem Beruf verschiedene Freizeitaktivitäten pflege, nicht in der Lage, den Haushalt zu besorgen. Die Bewältigung all dieser Aufgaben wäre der Beschwerdegegnerin kaum möglich gewesen, weshalb von einer auf 80 % festzulegenden Teilerwerbstätigkeit auszugehen sei. Dieser Beurteilung ist beizupflichten. Entgegen der in der Vernehmlassung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde geäusserten Auffassung der Beschwerdegegnerin kann bei der Beurteilung der Statusfrage nicht einfach auf ihre Vorbringen abgestellt werden. Diese sind vielmehr nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Denn Tatfragen, über die sich naturgemäss nur Hypothesen aufstellen lassen, beurteilen sich nach Erfahrungssätzen (BGE 117 V 194 f. Erw. 3b). Dass die Vorinstanz in Würdigung der konkreten Situation und der Vorbringen der Versicherten zum Ergebnis gelangt ist, sie wäre bei Ausübung einer vollzeitlichen Beschäftigung überfordert gewesen, lässt sich nicht beanstanden. Sodann kann auch dem Einwand der Beschwerdegegnerin, Verwaltung und Vorinstanz seien an den von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) festgesetzten Invaliditätsschätzung gebunden, nicht gefolgt werden. Aus der Verfügung der SUVA vom 12. Dezember 2000 geht zwar hervor, dass sie die auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 50 % zugesprochene Rente auf eine volle Erwerbstätigkeit bezogen hat. Indessen geht weder aus der Verfügung noch den Akten hervor, dass sie die für die Beurteilung der Frage, ob die Versicherte als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige zu betrachten sei, notwendigen Abklärungen und rechtlichen Würdigungen vorgenommen hat. Im Lichte der Rechtsprechung (BGE 126 V 291 ff. Erw. 2a und 2d in fine) war demnach die Verwaltung zur Beurteilung der Statusfrage keineswegs an die Verfügung des Unfallversicherers gebunden.