Citation: U 402/06 09.01.2007 E. 5

5.1 Mangels hinreichend objektivierbarer organischer Befunde hat eine spezifische Adäquanzprüfung zu erfolgen (BGE 123 V 102 f. Erw. 3b mit Hinweisen). Dabei stellt sich die Frage, ob die Adäquanz nach der für die Schleudertraumen und schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS ohne nachweisbare Funktionsausfälle geltenden Rechtsprechung (BGE 117 V 359 ff.) oder nach den für psychische Unfallfolgen massgebenden Kriterien (BGE 115 V 133 ff.) zu erfolgen hat. 5.2 Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist nach den für psychische Fehlentwicklung nach Unfall geltenden Regeln (BGE 115 V 133 ff.) zu beurteilen, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas oder einer ähnlichen Verletzung der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, die psychische Problematik indessen bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufweist (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Erfolgt die Adäquanzprüfung in einem späteren Zeitpunkt, ist zu fragen, ob im Verlauf der ganzen Entwicklung seit dem Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [Urteil W. vom 18. Juni 2002, U 164/01]). Sind die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS oder einer äquivalenten Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen (teilweise) gegeben, ist mit Bezug auf im Anschluss an den Unfall auftretende psychische Störungen des Weiteren zu fragen, ob es sich hiebei um Symptome des erlittenen Traumas oder um eine selbstständige Gesundheitsschädigung handelt. Dabei ist für die Abgrenzung insbesondere die Art und Pathogenese der Störung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren oder der Zeitablauf von Bedeutung (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80 [Urteil B. vom 12. Oktober 2000, U 96/00]). 5.3 Ob die Symptomatik bereits kurze Zeit nach dem Unfall psychisch überlagert war und die physischen Beschwerden bis zum Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom 14. Juli 2005 gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben, ist eher fraglich. Weder der Hausarzt Dr. med. P.________ (Bericht vom 15. September 2004) noch der Neurologe Dr. med. R.________ (Berichte vom 19. August und 4. November 2004) wiesen auf psychische Probleme hin. Laut Austrittsbericht der Rehaklinik Y.________ vom 5. Januar 2005 sah der Psychiater trotz Hinweisen auf eine maladaptive Schmerzverarbeitung keinen Anlass für eine psychosomatische Abklärung. Sodann erwähnen weder Kreisarzt Dr. med. W.________ (Bericht vom 8. November 2004) noch Kreisarzt Dr. med. F.________ (Berichte vom 14. Februar und 10. März 2005) eine psychische Problematik mit Krankheitswert. Erst im Bericht vom 18. August 2005 gibt Dr. med. P.________ an, es sei eine psychiatrische Behandlung in die Wege geleitet worden, welche dann ab 1. Dezember 2005 durch Dr. med. I.________ durchgeführt wurde (Bericht vom 14. März 2006). Die Verdachtsdiagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer mittelgradigen depressiven Episode wurden alsdann von der Psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Q.________ bestätigt (Bericht vom 28. März 2006). Von weiteren Abklärungen kann abgesehen werden, weil die Adäquanz des Kausalzusammenhangs selbst dann zu verneinen ist, wenn die Beurteilung nach den für Schleudertraumen der HWS massgebenden Regeln erfolgt. 5.4 Die Vorinstanz hat den Unfall vom 8. August 2004 in Übereinstimmung mit der SUVA als mittelschwer qualifiziert, was sich nicht beanstanden lässt. Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einziges der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (BGE 117 V 367 Erw. 6b). 5.5 Der Unfall hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war er von besonderer Eindrücklichkeit. Auch hat der Beschwerdeführer keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art erlitten. Die Diagnose einer Distorsion der HWS oder einer äquivalenten Verletzung vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Die im Anschluss an den Unfall durchgeführten physiotherapeutischen Massnahmen wurden bei Austritt aus der Rehaklinik Y.________ am 5. Januar 2005 als nicht mehr indiziert erachtet. Eine ambulant-psychiatrische Betreuung wurde erst am 1. Dezember 2005, und somit nach dem für die Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids vom 14. Juli 2005 (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) aufgenommen, wie dem Bericht des Dr. med. I.________ vom 14. März 2006 zu entnehmen ist. Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist daher für die hier zu berücksichtigende Zeitdauer weder für die somatischen Befunde noch insgesamt erfüllt. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann nicht gesprochen werden, ebenso wenig von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Zum Kriterium von Dauer und Schwere der Arbeitsunfähigkeit ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer von den Ärzten der Rehaklinik Y.________ ab 5. Januar 2005 zu 50 % und ab 1. Februar 2005 zu 100 % arbeitsfähig erklärt wurde. Der Hausarzt äusserte sich im Bericht vom 15. September 2004 nicht zum Grad der Arbeitsunfähigkeit und verneinte einen zu erwartenden bleibenden Nachteil. Im Zeugnis vom 4. März 2005 attestierte er alsdann eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab 8. August 2004, ohne dies indessen näher zu begründen, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Das Kriterium von Dauer und Schwere der Arbeitsunfähigkeit kann daher nicht bejaht werden. Das Gleiche gilt für das Kriterium der Dauerbeschwerden. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, noch mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien zu bejahen sind, ist der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen und der vorinstanzliche Entscheid im Ergebnis zu bestätigen.