Citation: 2C_864/2021 E. 5.2

5.2. Während bei der direkten Bundessteuer die Eidgenössische Steuerverwaltung im Konfliktfall über die Zuständigkeit entscheidet (Art. 108 Abs. 1 DBG), beugt im Bereich der kantonalen Steuern das sogenannte Steuerdomizilverfahren Veranlagungen durch unzuständige kantonale Steuerbehörden vor (vgl. BGE 137 I 273 E. 3.3.1 und 3.3.2 mit Hinweisen) : Widersetzt sich eine Person der Beanspruchung der Steuerhoheit durch das Gemeinwesen, so muss grundsätzlich vorab in einem Steuerdomizilentscheid rechtskräftig über die subjektive Steuerpflicht entschieden werden, bevor das Veranlagungsverfahren fortgesetzt werden darf (BGE 137 I 273 E. 3.3.2 mit zahlreichen Hinweisen; Urteil 2C_689/2018 vom 20. Juni 2019 E. 1.3.1). Der Anspruch auf die Feststellung der Veranlagungszuständigkeit ergibt sich direkt aus dem verfassungsmässigen Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung (Art. 127 Abs. 3 BV) und unabhängig davon, ob das kantonale Recht ein Domizilverfahren kennt oder nicht (BGE 137 I 273 E. 3.3.2; 115 Ia 73 E. 3; 103 Ia 159 E. 1). Dahinter steht die Überlegung, dass Steuerpflichtige nicht in ein Steuerveranlagungsverfahren einbezogen und zur Auskunftserteilung und sonstigen Mitwirkung verpflichtet werden sollen, wenn die Steuerhoheit des betreffenden Kantons aufgrund der Regeln über die interkantonale Doppelbesteuerung ausgeschlossen ist (vgl. grundlegend BGE 62 I 74 E. 3; 60 I 342 E. 2). Im Einklang mit dieser Überlegung hat der Steuerpflichtige keinen Anspruch auf einen Steuerdomizilentscheid, wenn es nur um die Frage geht, ob eine unbeschränkte Steuerpflicht vorliegt (während die beschränkte Steuerpflicht unbestritten ist, also nur um den Umfang der Steuerpflicht gestritten wird), da in einem solchen Fall die subjektive Steuerpflicht (wenn auch nur beschränkt) unbestrittenermassen besteht (Urteile 2C_689/2018 vom 20. Juni 2019 E. 1.3.1; 2C_799/2017 / 2C_800/2017 vom 18. September 2018 E. 4.1.2, in: StE 2019 B 11.3 Nr. 30, StR 74/2019 Nr. 53). Denn in diesem Fall hat der betreffende Kanton ohnehin ein Veranlagungsverfahren durchzuführen.