Citation: 9C_358/2020 E. 6.4

6.4. Die von der Beschwerdeführerin beklagte Müdigkeit wurde jedoch nicht einfach ausser Acht gelassen, sondern ihr wurde im psychiatrischen Teilgutachten Rechnung getragen, diagnostizierte der Gutachter doch nebst einer Anpassungsstörung eine Neurasthenie. Nachdem er diese Diagnose eingehend begründete, bedurfte es keiner weiteren Erörterungen, da auch in keinem einzigen Arztbericht eine neurologisch-objektivierbare Erkrankung geltend gemacht oder für abklärungsbedürftig erklärt wurde. Der Gutachter attestierte aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %, die er der Anpassungsstörung zuordnete. Wie sich dem Gutachten, auf welches die Vorinstanz abstellte, entnehmen lässt, beruht diese Einschätzung auf einer umfassenden Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und Einschränkungen sowie sämtlichen Untersuchungsergebnissen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist diese Plausibilitätsprüfung der beklagten Leistungseinschränkungen nicht zu beanstanden. Daran ändert auch nichts, falls der Müdigkeit (teilweise) ein somatisches Korrelat zugrunde liegen sollte, muss doch auch bei einer somatischen Störung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nachgewiesen werden (vgl. SVR 2018 IV Nr. 31 S. 99, 8C_350/2017 E. 5.4 mit Hinweis auf BGE 142 V 342 E. 5.2.3 S. 347 f. und 140 V 290 E. 3.3.2 S. 297; Urteil 9C_255/2019 vom 16. Juli 2019 E. 4). In diesem Zusammenhang ist insbesondere nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz auf die im Rahmen der Begutachtung festgestellten Inkonsistenzen hinwies und die Folgen der Beweislosigkeit zu Ungunsten der Beschwerdeführerin berücksichtigte, zeigten sich doch weder bei der psychiatrischen Untersuchung (vgl. psychiatrischer Status: keine Anhaltspunkte für Konzentrationsstörungen oder reduzierte Konzentrationsleistungen) noch während der neuropsychologischen Testung Zeichen für eine Ermüdung. Auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, der Gutachter habe eine antidepressive Medikation empfohlen, obwohl überhaupt keine depressive Störung vorliege, vermag den Beweiswert der Expertise nicht in Frage zu stellen, gab der Gutachter doch an, dass solche Medikamente nicht nur bei einer depressiven Störung, sondern auch bei anderen psychischen Erkrankungen eingesetzt würden. Soweit die Beschwerdeführerin der gutachterlichen Einschätzung schliesslich jene ihrer behandelnden Ärzte gegenüberstellt, ist dem entgegenzuhalten, dass die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-) Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) es nicht zulässt, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen, ohne dass sie - wie hier - wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: SVR 2017 IV Nr. 49 S. 148, 9C_338/2016 E. 5.5, und SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.1.1). Das kantonale Gericht hat somit kein Bundesrecht verletzt, indem es auf die in der Expertise festgestellte Arbeitsfähigkeit von 80 %, die zumindest ab der Begutachtung (Oktober 2016) ausgewiesen ist, abstellte. Dies steht auch nicht im Widerspruch dazu, dass die Vorinstanz für den Zeitraum vor der Begutachtung die Einschätzungen der behandelnden Ärzte heranzog, nachdem die Gutachter doch nicht in der Lage waren, die Arbeitsfähigkeit retrospektiv abschliessend zu beurteilen.