Citation: 8C_726/2010 19.11.2010 E. 4.1.2

4.1.2.1 Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 f.) hält der Beschwerdeführer in besonders ausgeprägter Weise erfüllt, weil das Ereignis vom 25. Oktober 2006 nebst der HWS-Distorsion eine Diskushernie ausgelöst habe; es liege eine richtungsgebende Verschlimmerung des Vorzustands mit Ausbildung eines sensomotorischen Ausfallsyndroms C6 vor. 4.1.2.2 Richtig ist, dass eine HWS-Distorsion, welche eine bereits durch einen früheren Unfall erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, speziell geeignet ist, die "typischen" Symptome hervorzurufen (SVR 2009 UV Nr. 30 S. 105, 8C_413/2008 6.3.2) und deshalb als Verletzung besonderer Art qualifiziert werden kann (vgl. SVR 2007 UV Nr. 1, U 39/04 E. 3.4.2; Urteile 8C_508/2008 vom 22. Oktober 2008 E. 5.4 und 8C_785/2007 vom 11. Juni 2008 E. 4.4). Mit seiner Argumentation betreffend Vorzustand übersieht der Versicherte, dass darin einzig der durch einen früheren Unfall verursachten dauerhaften Vorschädigung der HWS im Rahmen der Beurteilung der einzelnen Kriterien Rechnung getragen wurde. Vorliegend handelt es sich jedoch nicht um eine durch ein früheres Trauma vorgeschädigte HWS, sondern um degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule (vgl. Urteil 8C_321/2010 vom 29. Juni 2010 E. 5.2.1). Dr. med. L.________ verneinte überdies in seiner ärztlichen Beurteilung vom 27. Januar 2009 eine (richtungsgebende) Verschlimmerung eines pathologischen Vorzustandes und der Beschwerdeführer war aufgrund seiner degenerativen Bandscheibenschädigung vor dem Unfall vom 25. Oktober 2006 weder krank noch arbeitsunfähig. Selbst wenn das Kriterium zu bejahen wäre, läge es jedenfalls nicht in ausgeprägter Form vor. 4.1.3 Eine fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung musste der Versicherte nicht über sich ergehen lassen. Nach dem Unfall erfolgten spezialärztliche Abklärungen und teils Behandlungen sowie ein rund zweiwöchiger Rehabilitationsaufenthalt. Zudem verweist der Beschwerdeführer auf ein physiotherapeutisches Behandlungskonzept, Osteopathie, Craniosakral-, Akupunktur- und Polaritytherapie und sowie eine neurologische Behandlung in der Türkei. Erwähnt wird auch ein Fitnesstraining zu Hause. Von einer fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung im Sinne des entsprechenden Kriteriums kann unter diesen Umständen mit der Vorinstanz nicht gesprochen werden. 4.1.4 Die beiden Teilaspekte des Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen müssen nicht kumulativ erfüllt sein. Es bedarf aber besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (vgl. SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142, 8C_1020/2008 E. 5.7 mit Hinweisen). Solche Gründe sind hier nicht erkennbar. Die Einnahme vieler Medikamente und dass die durchgeführten medizinischen Massnahmen nur geringe Fortschritte brachten oder teilweise scheiterten, genügt nicht zur Bejahung des Kriteriums. Die diesbezüglich neu eingereichten Unterlagen hinsichtlich besuchter Therapien und entsprechender Kosten stellen unzulässige Noven gemäss Art. 99 Abs. 1 BGG dar (vgl. zur Geltung dieses Grundsatzes im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung: BGE 135 V 194 E. 3.4 S. 199 f.). 4.1.5 Von den verbleibenden zwei Kriterien (erhebliche Beschwerden und erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen) müssten bei der gegebenen Unfallschwere mindestens eines in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein. 4.1.6 Auch wenn unter Mitberücksichtigung psychisch begründeter Aspekte das Kriterium der erheblichen Beschwerden als erfüllt betrachtet werden könnte, liegen keine Anhaltspunkte vor, die auf eine Erfüllung in ausgeprägter Weise hindeuteten. 4.1.7 Was das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Nebst den Therapien, die der Versicherte begonnen oder durchlaufen hat, sind keine weiteren Versuche dokumentiert, sich wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Entscheidend ist, dass er zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Schritte für eine berufliche Wiedereingliederung unternommen hat. Die medizinische Aktenlage lässt den Schluss zu, dass es ihm möglich gewesen wäre, zumindest zu versuchen, wieder eine (leidensadaptierte) Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Da der Versicherte diesbezüglich überhaupt keine Anstrengungen gemacht hat, ist auch dieses Kriterium in der nunmehr geltenden Fassung gemäss BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129 jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Daran ändert auch sein Verweis auf das im vorinstanzlichen Verfahren eingereichte psychiatrische Gutachten der Klinik Teufen vom 16. Februar 2010 nichts, zumal es sich hinsichtlich der in Zusammenhang mit der diagnostizierten schweren depressiven Episode (ICD-10: F32.1) angegebenen vollständigen Arbeitsunfähigkeit auf den Gutachtenszeitpunkt (August 2009) und nicht auf den hier massgebenden Zeitraum bis zum Einspracheentscheid (BGE 129 V 1 E. 1.2 S. 4 mit Hinweis) bezieht und die Arbeitsunfähigkeit wohl nicht nur unfallbedingt ist. Das Kriterium ist, wenn überhaupt, höchstens in der einfachen Form erfüllt. 4.2 Zusammenfassend sind höchstens drei der sieben Kriterien gegeben, jedoch nicht in ausgeprägter oder auffallender Weise. Dies reicht zur Adäquanzbejahung praxisgemäss nicht aus (E. 4.1 hievor; Urteil 8C_590/2007 vom 6. Oktober 2008 E. 8 mit Hinweis), was zur Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids führt.