Citation: U 295/06 01.02.2007 E. 6

6.1 Verschlimmert der Unfall einen krankhaften Vorzustand oder lässt er ihn überhaupt erst manifest werden, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate) Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn dieser also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 2 mit Hinweis auf 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b). Das Dahinfallen unfallbedingter Ursachen eines Gesundheitsschadens kann sich im Falle ätiologisch unspezifischer Beschwerden, beispielsweise eines Cervicalsyndroms, und einer Ursachenkonkurrenz unter Umständen aus der Dominanz unfallfremder Gründe in Verbindung mit der fraglichen Eignung des Unfallereignisses, dauernde Schädigungen zu erzeugen, ergeben. Auch wenn eine unfalltechnische oder biomechanische Analyse keine hinreichende Grundlage für die Beurteilung der natürlichen Kausalität bildet, ist die Schwere des Aufpralles für die Klärung der natürlichen Kausalität nicht bedeutungslos (Urteil B. vom 16. Juni 2005, U 264/05, Erw. 3.3 und 3.5, auszugsweise publiziert in HAVE 2005 S. 351).