Citation: 6B_18/2024 E. 4.1

4.1. Selbst wenn aber mit der Vorinstanz davon auszugehen wäre, die Schweiz dürfe aufgrund des zuvor zitierten Vertrags in Deutschland wohnhafte beschuldigte Personen verpflichtend in die Schweiz vorladen und die Vorladungen zulässigerweise mit Säumnisandrohungen, hier mit einer Rückzugsfiktion, verbinden (vgl. Art. IIIA i.V.m. Art. XII Abs. 2 des Vertrags; in diesem Sinne wohl ALBERT LARGIADÈR, Vorladungen ins Ausland nur Einladungen?, forumpoenale 2014 293 ff.; differenziert DONATSCH/HEIMGARTNER/MEYER/SIMONEK, Internationale Rechtshilfe, 2. Aufl., Zürich 2015, S. 39 f.), führte ein Nichterscheinen bzw. ein Sich-Nichtvertretenlassen an der Hauptverhandlung nicht "telquel" zur Abschreibung des Verfahrens infolge Rückzugs der Einsprache und zur Rechtskraft des Strafbefehls. Dies verkennt die Vorinstanz aber offensichtlich, wenn sie sich im angefochtenen Entscheid ohne weitere Ausführungen damit begnügt, unter Verweis auf die Erwägung 6.3.1 des Urteils 7B_8/2021 vom 25. August 2023 festzuhalten: "Dem steht auch die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht entgegen". Denn die Rückzugsfiktion nach Art. 356 Abs. 4 StPO (im Falle einer Erscheinungspflicht) kommt nur zum Tragen, wenn sich aus dem gesamten Verhalten des Betroffenen der Schluss aufdrängt, er verzichte mit seinem Desinteresse am weiteren Gang des Verfahrens bewusst auf den ihm zustehenden Rechtsschutz, wobei ein bewusster Verzicht Kenntnis der Konsequenzen der unterlassenen Teilnahme voraussetzt (BGE 146 IV 30 E. 1.1.1, 286 E. 2.2; 142 IV 158 E. 3.1 und 3.3; 140 IV 82 E. 2.3 und 2.6; Urteil 6B_152/2013 vom 27. Mai 2013 E. 4.5.1).