Citation: 1C_763/2021 E. 5.1

5.1. Im Einzelnen macht der Beschwerdeführer geltend, aus juristischer Sicht seien jene Personen zum Führen von Motorfahrzeugen nicht geeignet, die nicht über ein Minimum an Verantwortungsbewusstsein, Beständigkeit und Selbstbeherrschung verfügten, die gleichzeitig ungeschickt, unbeholfen und ohne Entscheidungssinn seien, die übertrieben optimistisch und ganz ohne Bewusstsein für Gefahren seien oder die dazu neigten, sich immer im Recht zu glauben und völlig hemmungslos seien. Diejenigen Personen sollten nicht zugelassen werden, von denen anzunehmen sei, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur eine besondere Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer darstellten. Eine solche Gefahr liege etwa nahe bei sehr starker emotionaler Unausgeglichenheit, unbeherrschter Impulsivität oder dauernder affektiver Gespanntheit. Nicht jede Person mit ungünstigen Charakteranlagen sei zum Führen von Motorfahrzeugen nicht geeignet. Fahrzeuglenker müssten über eine Reihe von charakterlichen Eigenschaften verfügen, die mindestens minimal vorliegen müssten: Risikobewusstsein, Tendenz zur Vermeidung hoher Risiken, geringe Impulsivität, geringe Aggressionsneigung, reife Konfliktbearbeitung, Stressresistenz, soziales Verantwortungsbewusstsein, soziale Anpassungsbereitschaft, Flexibilität im Denken und psychische Ausgeglichenheit. Unter dem Titel von Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG sei der Führerausweis zu entziehen, wenn eine Person nicht einmal über ein Minimum an Verantwortungsbewusstsein, Beständigkeit und Selbstbeherrschung verfüge. Dass er über die seiner Ansicht nach zum Führen von Motorfahrzeugen notwendigen charakterlichen Eigenschaften verfügt, macht der Beschwerdeführer weder geltend noch ergibt sich dies aus den vorinstanzlichen Feststellungen zu den Vorfällen in den Jahren 2018 und 2019 (vgl. oben E. 4.1) oder aus dem Gutachten vom 8. März 2021. Letzterem zufolge würden die Ursachen hinsichtlich der Vorkommnisse in den Jahren 2007 und 2013, die je einen einmonatigen Warnungsentzug zur Folge gehabt hätten, vom Beschwerdeführer externalisiert ("komisch" fahrender Motorradfahrer, Stau auf der Autobahn, man sollte rechts vorbeifahren dürfen bei Stau). Eigene Anteile bzw. eigenes Fehlverhalten werde nicht erkannt. Zudem sei eine starke Tendenz spürbar, das Fehlverhalten zu bagatellisieren. Der Beschwerdeführer hinterlasse in Bezug auf diese beiden Vorfälle keinen einsichtigen und problembewussten Eindruck. Er wirke sehr konfliktbereit und nicht willens, das Strassenverkehrsgesetz als für alle gültig anzuerkennen. In Bezug auf die drei weiteren Vorfälle zwischen September 2018 und Februar 2019 sehe er sich ausschliesslich als Opfer staatsanwaltlicher und behördlicher Willkür. Er schildere sich als korrekten und regeltreuen Fahrzeuglenker und verneine in jeglicher Form aggressives Verhalten. Die Häufung von Vorwürfen sowie die kategorische Weigerung des Beschwerdeführers, sich selbstkritisch mit den Ursachen oder seinem Zutun zu den jeweiligen Konfliktsituationen auseinanderzusetzen, seien als auffällig zu bewerten. Durch seine starke Tendenz, sich selbst zu überhöhen bzw. sich als unbescholtenen und rechtschaffenen Bürger darzustellen, scheine eine selbstkritische Auseinandersetzung mit den personengebundenen Ursachen bislang nicht möglich gewesen zu sein. Aufgrund seines Verhaltens in der Untersuchungssituation und seiner Äusserungen müsse bei ihm von einer ausgeprägt rechthaberischen und in einem erhöhten Masse konfliktbereiten Persönlichkeit ausgegangen werden. Es scheine ihm ausgesprochen schwer zu fallen, eigene, auch kleinere Schwächen und Normverletzungen offen zugeben zu können. Die ermittelten Fragebogenprofile deckten sich mit dieser Einschätzung, da sie aufgrund der auffälligen Werte auf den Kontrollskalen die für eine hohe Neigung zu sozial erwünschten Antworten bzw. einer beschönigten Selbstdarstellung sprächen, nur teilweise auswertbar seien. Das Hauptproblem des Beschwerdeführers scheine auf der Ebene der Persönlichkeit zu liegen. Was der Beschwerdeführer aus seinem Vorbringen zu seinen Gunsten ableiten will, ist daher nicht nachvollziehbar, zumal er die gutachterlichen Ausführungen nicht beanstandet. Ebensowenig vermag der Beschwerdeführer damit darzutun, dass die Gutachterin für eine aus verkehrspsychologischer Sicht positive Fahreignung mehr voraussetze als das, was für eine charakterliche Fahreignung im Sinne von Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG verlangt werde. Auf die von ihm als zum Führen von Motorfahrzeugen notwendig erachteten Charaktereigenschaften ist deshalb nicht näher einzugehen.