Citation: 1D_5/2022 E. 3.7.4

3.7.4. Aus den Akten geht hervor, dass die Schulden aus der zwischen Oktober 2012 und März 2017 ausbezahlten Alimentenbevorschussung (von ursprünglich rund Fr. 33'000.--) erheblich reduziert werden konnten, bis Ende März 2017 noch ein Betrag von Fr. 17'562.55 offen war. Mit der Fürsorgekommission Weinfelden wurde im November 2017 vereinbart, dass im Falle einer weiteren Rückzahlung von Fr. 6'000.-- und Unterzeichnung einer Schuldanerkennung nicht nur die bestehenden Verlustscheine im Betreibungsregister zu löschen, sondern dass auch für die verbleibende Restschuld von Fr. 11'562.55 nur dann Inkassomassnahmen zu veranlassen sind, wenn der Beschwerdeführer über ein vermögensbildendes Einkommen verfügt. Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, welche den Vorwurf der Einbürgerungskommission im Entscheid vom 23. Juni 2021 bestätigen würden, wonach der Beschwerdeführer die Löschung der Verlustscheine im Hinblick auf sein angestrebtes Einbürgungsverfahren mittels treuwidriger bzw. täuschender Angaben erlangt haben soll. Gemäss der genannten Vereinbarung hat der Beschwerdeführer das Gesuch um Löschung der Verlustscheine im Betreibungsregister im Hinblick auf seine Ausbildung als Dolmetscher gestellt. Im Kanton Thurgau werden insbesondere nur "gut beleumdete Personen" ins Dolmetscherregister der Obergerichtskanzlei aufgenommen (§ 8 Abs. 1 der kantonalen Verordnung des Obergerichts über die Zivil- und Strafsachen vom 27. Mai 2010 [ZSRV/TG; RB 271.11]). Es ist aktenkundig, dass sich der Beschwerdeführer im Dezember 2017 in die Dolmetscherliste der Zivilstandsämter des Kantons Thurgau hat eintragen lassen. Vor diesem Hintergrund kann dem Beschwerdeführer kein treuwidriges Verhalten in Bezug auf die vereinbarte Löschung der Verlustscheine vorgeworfen werden. Sodann können auch keine nachteiligen Rückschlüsse auf seine Bereitschaft zur Schuldentilgung gezogen werden. Dass der Beschwerdeführer nach erfolgreichem Abschluss seiner Zusatzausbildung als Dolmetscher bei Behörden und Gerichten Ende April 2018 nicht mit dieser Tätigkeit seinen Lebensunterhalt finanzierte, sondern die Kinderbetreuung übernommen hat, ändert daran nichts. Er legt nachvollziehbar dar, dass die kurzfristig angekündigten Einsätze als Dolmetscher sich mit den Betreuungsaufgaben nicht gut vereinbaren liessen. Die Fürsorgekommission Weinfelden hat die Verlustscheine gelöscht und die Rückzahlung der Schuld aufgeschoben, um die berufliche Zukunftsplanung des Beschwerdeführers nicht zu beeinträchtigen. Der Beschwerdeführer hat sich ernsthaft bemüht, sich auch mit weiteren Tätigkeiten eine berufliche Zukunft aufzubauen. Dass seine zahlreichen beruflichen Anstrengungen (u.a. als Hausabwart, Kursleiter an der Migros Klubschule, Fitnessinstruktor, Dolmetscher und Food Truck-Betreiber) bisher nicht zum gewünschten wirtschaftlichen Erfolg geführt haben, kann ihm dabei nicht zum Vorwurf gemacht werden.