Citation: 2C_76/2020 E. 7.1

7.1. Jede aufenthaltsbeendende Massnahme muss verhältnismässig sein (vgl. Art. 96 AIG; Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 Abs. 3 BV; Art. 8 Ziff. 2 EMRK; zu den zu berücksichtigenden Kriterien: BGE 135 II 377 E. 4.3 S. 381). Das öffentliche Interesse an der Entfernung der ausländischen Person ist deren privatem Interesse gegenüberzustellen, im Land verbleiben zu können. Kein Element (Dauer der Anwesenheit, Natur der Straftaten, Bindungen im Aufnahme- und Heimatstaat, Auswirkungen auf die Familie, Kindsinteresse usw.) ist dabei für sich allein ausschlaggebend; erforderlich ist eine Würdigung der gesamten Umstände im Einzelfall (vgl. das Urteil 2C_441/2018 vom 17. September 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Das Recht auf Schutz des Familien- und Privatlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK gilt - auch in seiner verfahrensrechtlichen Tragweite (vgl. hierzu EGMR-Urteil vom 8. November 2016 El Ghatet gegen Schweiz [Nr. 56971/10] § 47 mit Hinweisen) - als verletzt, wenn keine umfassende, faire Interessenabwägung erfolgt (EGMR-Urteil vom 8. November 2016 El Ghatet gegen Schweiz [Nr. 56971/10] §§ 42 und 47). In deren Rahmen berücksichtigt der EGMR die gleichen Kriterien wie das Bundesgericht bei seiner Prüfung der Verhältnismässigkeit der aufenthaltsbeendenden Massnahme nach Art. 96 AIG (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.3 S. 34 f. mit Hinweisen).