Citation: U 564/06 27.04.2007 E. 4

4.1 Bei einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung kann die Leistungspflicht der Unfallversicherung unter Umständen auch ohne organisch direkt nachweisbare Schädigung gegeben sein. Dies ist darauf zurückzuführen, dass nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung bei solchen Verletzungen auch ohne klar ausgewiesene pathologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können (BGE 117 V 359 E. 5d/aa S. 363 mit Hinweisen). Insbesondere darf der Umstand, dass die nach einem Schleudertrauma häufig beobachteten und deshalb von der Rechtsprechung als typisch bezeichneten Bewerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression oder Wesensveränderung (BGE 117 V 359 E. 4b S. 360) in manchen Fällen mit den heute verwendeten bildgebenden Untersuchungsmethoden nicht objektivierbar sind, nicht dazu verleiten, sie als rein "subjektive" Beschwerden zu qualifizieren. Was den Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen solchen Beschwerden und einem als ursächlich in Frage kommenden Unfall anbelangt, bilden auch bei Schleudermechanismen der Halswirbelsäule in erster Linie die medizinischen Fakten, insbesondere die fachärztlichen Erhebungen über Anamnese, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren und Vorzustand sowie die medizinischen Erkenntnisse hinsichtlich des objektiven Befundes und die Diagnose die massgeblichen Grundlagen für die Kausalitätsbeurteilung. Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen müssen durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein. Trifft dies zu und ist die natürliche Kausalität - auf Grund fachärztlicher Feststellungen in einem konkreten Fall - unbestritten, so kann der natürliche Kausalzusammenhang in aller Regel auch aus rechtlicher Sicht als erstellt gelten (BGE 119 V 335 E. 2b/aa S. 340). Insbesondere müssen die geklagten Beschwerden medizinisch einer fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfall stehen (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341). 4.2 Die SUVA hat das Vorliegen eines Schleudertraumas verneint, da der Versicherte nie an einer Vielzahl von Beschwerden gelitten habe, die in ihrer Gesamtheit als typisches Beschwerdebild nach einem solchen Ereignis bezeichnet werden könnten. Das kantonale Gericht hat erwogen, bezüglich der Frage, ob der Beschwerdeführer beim Unfall vom 28. März 2001 ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule erlitten habe, enthielten die Akten unterschiedliche Angaben. Auch hinsichtlich der unmittelbar nach dem Unfall aufgetretenen Schmerzen bestehe Unklarheit. Zwar sei bereits in der Unfallmeldung von Kopfschmerzen die Rede, bezüglich der Nacken- und Rückenbeschwerden lägen jedoch widersprüchliche Angaben vor. Selbst wenn man jedoch davon ausgehe, der Versicherte habe beim zur Diskussion stehenden Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule erlitten, fehle es innerhalb der für derartige Verletzungsmuster üblichen Latenzzeit (vgl. RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29) am typischen pluriformen Beschwerdebild. 4.3 Der vorinstanzlichen Betrachtungsweise ist beizupflichten. Ein Schleudertrauma wurde einzig vom Hausarzt Dr. med. H.________ diagnostiziert (vgl. Berichte vom 8. Mai 2001 und 3. März 2002). Aufgrund der medizinischen Unterlagen liegt ein für ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule typisches Beschwerdebild höchstens teilweise vor. Gemäss SUVA-Arzt Dr. med. G.________ entwickelte sich nach dem Unfall ein atypischer Verlauf mit Kopf- und Nackenschmerzen sowie einer unklaren Schwindelattacke. Neuropsychologische Ausfälle und vegetative Besonderheiten wurden nicht beklagt, hingegen chronische Kopfschmerzen. Ein Zervikalsyndrom lag höchstens geringgradig vor. Unmittelbar nach dem Unfall hat der Versicherte die Arbeit bis zum Auftreten von Schwindel am 19. April 2001 wieder aufgenommen. Zudem findet sich hinsichtlich der Kausalität kaum eine eindeutige ärztliche Zuordnung. Gemäss Bericht des Dr. med. B.________ vom 12. Juni 2001 sind posttraumatische Kopfschmerzen während einigen Wochen zwar glaubhaft, eine Chronifizierung der Beschwerden stehe aber in fraglichem Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis. Hinweise auf eine unfallbedingte zentralnervöse Störung oder eine posttraumatische Spätkomplikation konnte der Neurologe nicht finden. Auch schien ihm das Vorliegen eines Zervikalsyndroms nicht gesichert. Dr. med. K.________ bezeichnete die Unfallkausalität der Nackenbeschwerden aufgrund der langen Latenzzeit bis zu ihrem Auftreten als fraglich. Im Vordergrund stünden die Kopfschmerzen. Als Vorzustand sei eine Migränedisposition mit gelegentlichen Attacken zu nennen, wobei sich die Kopfschmerzsymptomatik seit dem Unfall verändert und akzentuiert habe. Nach Ansicht des Neurologen besteht der Verdacht auf eine überlagerte Anpassungsstörung (Bericht vom 2. Mai 2002). Gemäss Dr. med. M.________ sind die Voraussetzungen für die Diagnose eines posttraumatischen Kopfschmerzes nicht erfüllt. Es habe weder ein Schädelhirntrauma stattgefunden, noch sei ein Kopfanprall aktenkundig. Bei seit der Schulzeit als Migräne wie auch als Spannungskopfschmerz bestehender Kopfwehproblematik wäre auch ohne den Unfall mit Wahrscheinlichkeit eine Chronifizierung aufgetreten. Eine Anpassungsstörung wird von diesem Facharzt verneint (Bericht vom 4. April 2003). Dr. med. F.________ weist darauf hin, dass innert Stunden nach dem Unfall Kopfschmerzen und dann auch Nackenschmerzen aufgetreten seien. Bei späteren Anamneseerhebungen seien die Angaben des Versicherten ungenau. Nach Ansicht des Rheumatologen weist die Symptomatik auf ein zervikospondylogenes Syndrom hin, das mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem erlittenen Unfall stehe (Bericht vom 24. Januar 2005). Angesichts der anamnestischen Erwähnung von Migräne und Spannungszuständen in der Zeit vor dem Unfall, welcher Dr. med. F.________ indessen nur geringe Bedeutung beimisst, sowie der Feststellungen der unmittelbar nach dem Unfall mit dem Versicherten befassten Ärzte sind Zweifel an der Unfallkausalität der geklagten Nacken- und Kopfschmerzsymptomatik angezeigt, welche auch Dr. med. F.________ nicht ausräumen konnte. 4.4 Zu berücksichtigen ist sodann die psychische Problematik. Laut Gutachten des Dr. med. C.________ vom 27. Februar 2004 lauten die psychiatrischen Diagnosen: schizoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.1), anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 45.4), leichte depressive Episode (ICD-10 F32). Zur Unfallkausalität nimmt der Facharzt nicht Stellung. Sein Bericht zeigt aber zum einen, dass es schon vor dem hier interessierenden Verkehrsunfall zu psychischen Schwierigkeiten gekommen sein musste. Zum andern liegen in Form einer somatoformen Schmerzstörung Faktoren vor, welche für die Fortdauer des von Dr. med. F.________ erwähnten zervikovertebralen und zervikospondylogenen Syndroms zumindest mitursächlich sein können. Für einen Zusammenhang spricht der Umstand, dass die Nackenschmerzen zunächst höchstens leichter Natur waren, später jedoch Beschwerden aufgetreten sind, wie sie der Rheumatologe bei seiner Untersuchung laut Bericht vom 24. Januar 2005 festgestellt hat. Dies lässt darauf schliessen, dass psychische Beeinträchtigungen für das Weiterbestehen des Schmerzsyndroms massgebend sind. Es ist daher fraglich, ob die Nacken- und Kopfschmerzen auch nur im Sinne einer Teilkausalität noch auf das Unfallereignis vom 28. März 2001 zurückzuführen sind. 4.5 Was die psychische Beeinträchtigung betrifft, lässt sich aufgrund des aus den Akten der Invalidenversicherung stammenden, diesbezüglich einzigen fachspezifischen Gutachtens des Dr. med. C.________ vom 27. Februar 2004 nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit beurteilen, ob es im Anschluss an das Unfallereignis vor dem Hintergrund einer schizoiden Persönlichkeit zu einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gekommen ist. Eine posttraumatische Anpassungsstörung, wie sie Dr. med. K.________ verdachtweise äusserte, wurde in der Folge nicht bestätigt. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist nicht auszuschliessen, dass der Unfall als auslösender Faktor zumindest teilursächlich für die psychische Fehlentwicklung war.