Citation: 1B_218/2022 E. 3.3

3.3. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, führt zu keinem anderen Schluss. Insbesondere kann er daraus, dass er vor seiner Ausreise nach Namibia von der Staatsanwaltschaft angeblich während mehreren Monaten nichts mehr gehört und auch danach keine E-Mail erhalten habe und er sich nach seiner Ankunft in Namibia bei der Schweizer Vertretung in Südafrika gemeldet habe, nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal er selber einräumt, die Staatsanwaltschaft über seine Ausreise nicht informiert zu haben. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers ergibt sich, dass seine Rückkehr aus Namibia in erster Linie aus persönlichen Gründen erfolgt ist: Gemäss den unbestritten gebliebenen Ausführungen der Vorinstanz hat der Beschwerdeführer anlässlich seiner Hafteinvernahme vom 9. März 2021 angegeben, seine beiden Kinder aus Namibia in die Schweiz holen zu wollen, wofür er in die Schweiz habe zurückkehren müssen. Während ungefähr sechs Monaten habe er sich in Namibia aufgehalten und zusammen mit seiner (damaligen) Ehefrau eine Farm mit einer Lodge gepachtet und betrieben. Nachdem seine (damalige) Ehefrau in die Schweiz zurückgekehrt sei, habe er versucht, die Farm zusammen mit der Kindsmutter zu betreiben, was nicht funktioniert habe. Das Geld, das er nach Namibia mitgenommen habe, sei aufgebraucht gewesen, er habe den Pachtvertrag aufgelöst und entschieden, in die Schweiz zurückzukehren. Ursprünglich sei es sodann seine Idee gewesen, sich von seiner damaligen Ehefrau scheiden zu lassen, weil er in Namibia habe bleiben wollen, während sie in die Schweiz habe zurückkehren wollen. Er sei wieder in die Schweiz zurückgekommen, weil seine Ehefrau wieder hier sei. Sie sei ja wirklich eine tolle Frau, und so eine finde er nie mehr. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer am 29. März 2022 erstinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von 45 Monaten verurteilt worden ist, die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage jedoch eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 30.-- beantragt hatte und gemäss ihrer Vernehmlassung an die Vorinstanz vom 5. April 2022 gegen das bezirksgerichtliche Urteil Berufung angemeldet hat. Damit hat sich die Ausgangslage gegenüber März 2021, als der Beschwerdeführer in die Schweiz zurückgekehrt ist, erheblich geändert. Während damals noch unklar war, ob der Standpunkt der Staatsanwaltschaft vor Gericht standhalten würde und deshalb das Risiko einer langen Freiheitsstrafe noch recht theoretisch erschien, muss der Beschwerdeführer nunmehr konkret damit rechnen, zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt zu werden. Der Fluchtanreiz hat mithin erheblich zugenommen. Auch wenn der Beschwerdeführer bekräftigt, arbeiten und seine Lebenspartnerin sowie seine Kinder aus Namibia in die Schweiz holen zu wollen und für diese bereits die Reisepässe besorgt zu haben, vermag er damit nicht darzutun, dass entgegen der vorinstanzlichen Erwägungen keine Fluchtgefahr besteht. Einerseits lassen seine Ausführungen, wonach er im Haus seiner Mutter seinen Wohnsitz habe - im Kleiderschrank in seinem Zimmer würden seine Kleider hängen - und die Arbeitsstelle als Chauffeur immer noch auf ihn warten würde, vorliegend nicht den Schluss zu, dass sich sein Lebensmittelpunkt aktuell in der Schweiz befindet. Gemäss den Ausführungen der Staatsanwaltschaft im vorinstanzlichen Verfahren ist es unbestritten, dass der Beschwerdeführer die Schweiz im Frühling 2020 mit seinem gesamten Hab und Gut sowie einem frisch bezogenen Covid 19-Kredit von rund einer Viertelmillion Schweizer Franken verlassen habe und nach Namibia gegangen sei. Dabei habe er sich bei der Gemeinde abgemeldet und ein Leasingfahrzeug verschifft. Andererseits verfügt seine Lebenspartnerin gemäss den Ausführungen des Bezirksgerichts nicht nur über die namibische, sondern auch über die deutsche Staatsangehörigkeit. Auch mit seinen Versprechungen und mit seinen Vorbringen, wonach die Vorliebe, an einem fernen Ort Ferien zu machen, noch lange nicht bedeute, dass man für immer dort leben möchte, wonach er in Namibia nichts habe - seine Verlobte und seine Kinder würden beim Vater bzw. Grossvater wohnen - und wonach er zu seiner Familie in der Schweiz einen sehr engen und innigen Kontakt pflege, vermag er die überzeugenden Darlegungen der Vorinstanz, die er im Übrigen nicht bestreitet, nicht zu widerlegen; es kann darauf verwiesen werden. Es ist demnach nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Vorliegen des Haftgrunds der Fluchtgefahr im Sinne von Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO bejaht hat. Eine Befragung der Lebenspartnerin oder der Mutter des Beschwerdeführers erübrigt sich unter den gegebenen Umständen sowie mangels erheblicher, bestrittener Tatsachen (vgl. Art. 55 Abs. 1 BGG i.V.m. Art. 36 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [SR 273]).