Citation: 7B_770/2023 E. 4.5.3

4.5.3. Weiter lässt die Vorinstanz ausser Acht, dass die Sozialhilfebehörde eine gewisse ("Opfer-") Mitverantwortung trifft. Im Gegensatz zu den Fällen unrechtmässigen Bezugs von Sozialhilfeleistungen, in denen der Sozialhilfeempfänger eine Arbeitstätigkeit sowie die damit verbundene Entlohnung komplett verschweigt (z.B. Urteil 6B_1349/2023 vom 19. Februar 2024 E. 3.2) oder Lohnzahlungen z.B. bar oder über ein anderes Konto ausrichten lässt (z.B. Urteil 6B_950/2023 vom 5. Februar 2024 E. 2.3), war der Sozialhilfebehörde in casu die noch ausstehende Lohnzahlung bekannt. Der Sozialdienst wusste nicht nur um die Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers bei der B.________ AG, sondern hielt auch ein besonderes Augenmerk auf den dafür noch geschuldeten Lohn. Wie sich aus den vorinstanzlichen Erwägungen ergibt, trat der Beschwerdeführer die Lohnforderung für den Juni 2017 sogar dem Sozialdienst ab und informierte seine (ehemalige) Arbeitgeberin mit Schreiben vom 30. Juni 2017, dass diese bis auf Widerruf durch den Sozialdienst den geschuldeten Lohn an diesen zu leisten habe. Dass die B.________ AG den Lohn entgegen der Anweisung vom 30. Juni 2017 statt dem Sozialdienst fälschlicherweise dem Beschwerdeführer überwies, war (auch) dem Schreiben des Beschwerdeführers vom 20. September 2017 geschuldet, das dieser - wie die Vorinstanz vermutungsweise annimmt - auf "Betreiben" des Sozialdienstes verfasst hatte. Darin wurde die B.________ AG erneut zur Auszahlung des Lohns aufgefordert. Der Beschwerdeführer trieb mit anderen Worten auf Druck des Sozialdienstes eine Lohnforderung bei seiner ehemaligen Arbeitgeberin ein, auf die er zivilrechtlich keinen Anspruch mehr hatte. Die einige Tage später erfolgte Überweisung konnte deshalb nicht nur für den Beschwerdeführer "nicht überraschend erfolgt" sein. Auch der Sozialdienst musste zu diesem Zeitpunkt damit rechnen, dass die ihm abgetretene Forderung beglichen würde. Gemäss den Schreiben vom 9. Juli 2018 und 15. Februar 2018 setzte sich der Sozialdienst erst mehrere Monate nach der Mahnung vom 21. September 2017 wieder mit der B.________ AG in Verbindung und zahlte dem Beschwerdeführer in der Zwischenzeit weiterhin Sozialhilfe aus. Ausserdem musste der Beschwerdeführer damit rechnen, dass die Zahlung früher oder später ans Licht gelangen würde, wenn er die Kontoauszüge für den weiteren Bezug von Sozialleistungen einreichen würde. Es handelt sich insgesamt um ein plumpes Vorgehen, das auch in Anbetracht des Verhaltens des Sozialdienstes für eine geringe kriminelle Energie spricht.