Citation: 8C_391/2023 E. 4

Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts stellte die Vorinstanz auf das polydisziplinäre Gutachten der ABI vom 2. Dezember 2021 samt ergänzender Stellungnahme vom 3. Mai 2022 ab. Nur der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), massen die Gutachter einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei. Die zusätzlich festgestellten Diagnosen (chronisches cervikal- und lumbalbetontes panvertebrales Schmerzsyndrom [ICD10 M53.8], psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, schädlicher Gebrauch [ICD-10 F17.1], und Migräne ohne Aura [ICD-10 G43.0]) hätten hingegen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Gestützt auf das Gutachten kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit zu 60 %, in einer leidensangepassten, d.h. körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit an einem klar strukturierten Arbeitsplatz mit genügend Pausemöglichkeiten hingegen zu 70 % arbeitsfähig sei. Ob der aus psychiatrischer Sicht attestierten Arbeitsunfähigkeit auch aus rechtlicher Sicht zu folgen sei, liess die Vorinstanz offen, da so oder anders kein Rentenanspruch resultiere. Im Zusammenhang mit den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens stellte sie weiter fest, die Beschwerdeführerin sei seit ihrer Einreise in die Schweiz nie erwerbstätig gewesen. Sowohl für die Ermittlung des Validen- als auch des Invalideneinkommens sei daher auf die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018 des Bundesamtes für Statistik (BFS) abzustellen. Auf eine detaillierte Berechnung könne dabei verzichtet werden, weil die beiden Vergleichseinkommen auf der gleichen statistischen Basis (Tabelle TA1_tirage_skill_level, Kompetenzniveau 1, Frauen) zu ermitteln seien; der Invaliditätsgrad entspreche somit dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Ein solcher Abzug sei nicht gerechtfertigt, womit sich angesichts der Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer zumutbaren Tätigkeit ein Invaliditätsgrad von 30 % ergebe. Demnach bestehe kein Rentenanspruch.