Citation: 8C_315/2010 20.07.2010 E. 3

Das kantonale Gericht hat den Grundsatz von Treu und Glauben im Sinne des öffentlich-rechtlichen Vertrauensschutzes zutreffend erläutert. Es ist wie dargelegt zum Ergebnis gelangt, die Allianz habe diesen Grundsatz verletzt. Diese Beurteilung ist richtig. Zwar wusste der anwaltlich vertretene Versicherte offensichtlich darum, dass die Einsprache mangels Begründung nicht den gesetzlichen Formerfordernissen entsprach. Es war aber für ihn nicht erkennbar, dass die Allianz das Fristerstreckungsgesuch geradezu als offensichtlich rechtsmissbräuchlich betrachten und daher ablehnen könnte. Bei dieser Ausgangslage hätte sich die Beschwerdeführerin nicht damit begnügen dürfen, das Ablaufen der restlichen zwei Wochen der Einsprachefrist abzuwarten und erst danach mit Schreiben vom 24. April 2009 mitzuteilen, dass sie diese Rechtsfolge in Betracht ziehe. Nach Treu und Glauben wäre sie vielmehr gehalten gewesen, dem Versicherten noch so rechtzeitig entsprechend Mitteilung zu machen, dass dieser innert der noch laufenden Einsprachefrist eine Einsprachebegründung hätte nachreichen können. Die Vorbringen in der Beschwerde rechtfertigen keine andere Betrachtungsweise. Wohl trifft zu, dass der Versicherte schon während des gesamten Verfahrens vor dem Unfallversicherer anwaltlich vertreten war. Entgegen der Auffassung der Allianz musste aber auch der Rechtsvertreter unter den gegebenen Umständen nicht darauf schliessen, dass das Fristerstreckungsgesuch als offensichtlich rechtsmissbräuchlich betrachtet würde. Geltend gemacht wird weiter, der Rechtsvertreter hätte auch bei entsprechender Mitteilung durch die Allianz fristgerecht keine rechtsgenügliche Einsprachebegründung eingereicht. Dieses Vorbringen überzeugt ebenfalls nicht. Es kann vielmehr davon ausgegangen werden, dass der Rechtsvertreter zumindest eine kurze Einsprachebegründung nachgereicht hätte. Andernfalls hätte er sich denn auch in die Gefahr begeben, wegen Verletzung der anwaltlichen Sorgfaltspflicht zur Rechenschaft gezogen zu werden. Soweit die Allianz einzelne Aussagen des Anwalts dahingehend interpretiert, dieser hätte die Einsprache jedenfalls nicht fristgerecht begründet, kann ihr nicht gefolgt werden. Entsprechendes lässt sich namentlich auch nicht aus der Angabe des Rechtsvertreters herleiten, wonach er aus Zeitgründen keine Besprechung mit dem Klienten durchführen könne. Denn der Fall war dem Anwalt ja, wie die Allianz selber betont, im Wesentlichen bekannt. Das hätte bei wegen Nichteintretensandrohung gebotener Eile sicher genügt, um eine den formalen Anforderungen genügende Einsprachebegründung zu verfassen. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz zu Recht entschieden, die Allianz habe Treu und Glauben verletzt und sei daher verpflichtet, auf die - mit der nachgereichten Begründung nunmehr unbestrittenermassen formgültige - Einsprache einzutreten. Ob sich Gleiches auch aus Art. 27 ATSG ergäbe, kann offen bleiben.