Citation: 9C_855/2017 E. 2.3

2.3. Die IV-Stelle wendet in ihrer Beschwerde zu Recht ein, die vorinstanzliche Auffassung betreffend die in Ziff. 404 Anhang GgV enthaltenen materiellen Anspruchsvoraussetzungen verstosse gegen die ständige bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. statt vieler: BGE 122 V 113 E. 3c/bb und E. 4c S. 122 ff.; Urteile 8C_23/2012 vom 5. Juni 2012 E. 5.1.1 und 9C_435/2014 vom 10. September 2014 E. 4.1, je mit Hinweisen). Danach handelt es sich bei der objektiven Bedingung "mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des 9. Altersjahres auch behandelt" um zwei kumulativ zu erfüllende Anspruchsvoraussetzungen. Diese stellen Abgrenzungskriterien dar, um zu entscheiden, ob die Störung angeboren oder erworben ist. Das Fehlen von wenigstens einem der beiden Merkmale begründet die unwiderlegbare Rechtsvermutung, dass kein Geburtsgebrechen im Rechtssinne vorliegt. Dabei genügt weder eine vor dem Stichtag festgestellte Behandlungsbedürftigkeit noch die Anmeldung für eine im Sinne von Ziff. 404 Anhang GgV anerkannte Behandlung, um ein solches anzunehmen (ausführlich, mit eingehenden Ausführungen zur abweichenden St. Galler Praxis: SVR 2017 IV Nr. 26 S. 73, 9C_418/2016 E. 6; bestätigt mit Urteilen 8C_316/2018 vom 23. Oktober 2018 E. 4.5 und 8C_606/2017 vom 7. November 2017 E. 3.1; vgl. auch MEYER/REICHMUTH, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl. 2014, Rz. 51 zu Art. 13 IVG). Triftige Gründe für eine Gesetzes- und Verfassungswidrigkeit der Ziff. 404 Anhang GgV ergeben sich auch aus dem angefochtenen Entscheid nicht (zu den Voraussetzungen für eine Praxisänderung vgl. BGE 141 II 297 E. 5.5.1 S. 303; 137 V 417 E. 2.2.2 S. 422). An der bisherigen Rechtsprechung ist daher festzuhalten. Weiterungen dazu erübrigen sich.