Citation: 2C_468/2020 E. 7.2.3

7.2.3. Im Zusammenhang mit der Problematik der prospektiv abzuschätzenden Rückfallgefahr, insbesondere bei Ausländern, die in der Schweiz geboren sind oder hier schon sehr lange leben, hat das Bundesgericht in verschiedenen neueren Entscheiden unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit der Massnahme dem Umstand eine besondere Bedeutung beigelegt, welche Zukunftsaussichten für den Betroffenen bei einem Verbleib in der Schweiz konkret bestehen, d.h. ob und gegebenenfalls inwiefern dieser die sich aus den strafrechtlichen Sanktionen und aus den allfälligen ausländerrechtlichen Verwarnungen ergebenden Lehren gezogen hat und er hinsichtlich seines Lebensplans und seines künftigen Verhaltens eine deutliche Änderung glaubhaft und nachvollziehbar dartut ("biographische Kehrtwende"). Hat der Ausländer im Zeitpunkt des Entscheids über die Beendigung seines Aufenthalts in der Schweiz beruflich Fuss gefasst und nunmehr seinen Weg gefunden, kann es unverhältnismässig sein (Verletzung des Übermassverbots in Ermangelung eines sachgerechten und zumutbaren Verhältnisses von Mittel und Zweck), ihm nach einem langjährigen Aufenthalt in der Schweiz die Niederlassungsbewilligung zu widerrufen und ihn damit zu zwingen, die hiesige soziale, kulturelle, sprachliche und absehbar auch wirtschaftliche bzw. berufliche Verwurzelung aufzugeben (vgl. Urteile 2C_634/2018 vom 5. Februar 2019 E. 6.3; 2C_1118/2016 vom 26. April 2017 E. 4.3; 2C_112/ 2017 vom 14. September 2017 E. 3.2 und 3.3; 2C_633/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.5; 2C_877/2017 vom 26. September 2018 E. 3.4.1 und 3.4.2 [jeweils "biographische Kehrtwende" verneint]; 2C_71/2020 vom 28. April 2020 E. 5.3.3; 2C_116/2017 vom 3. Oktober 2017 E. 4.2 und 4.3; 2C_532/2017 vom 26. März 2018 E. 5.1 und 5.2; 2C_50/2018 vom 14. August 2018 E. 5.1 [jeweils "biographische Kehrtwende" bejaht]). Im vorliegenden Fall hat eine frühere Arbeitgeberin des Beschwerdeführers (die C.________ GmbH) nach den bindenden Feststellungen im angefochtenen Urteil (vgl. Art. 105 Abs. 1 BGG; vorn E. 3) erklärt, den Beschwerdeführer nach der Entlassung aus dem Strafvollzug wieder anstellen zu wollen, sofern eine geeignete Stelle für ihn verfügbar sein sollte. Im massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Urteils hat der Beschwerdeführer aber noch keine neue Stelle erhalten, geschweige denn angetreten. Es kann damit keine Rede davon sein, dass er beruflich wieder Fuss gefasst hätte. Unter diesen Umständen kann ihm zurzeit nicht attestiert werden, dass ihm eine biographische Kehrtwende gelungen sei, selbst wenn er die Kontakte zu seinem früheren prokriminellen Umfeld vollständig abgebrochen haben sollte. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, der vorliegende Sachverhalt sei im Wesentlichen gleich gelagert wie die Konstellation, die dem Urteil 2C_71/2020 vom 28. April 2020 zugrunde lag und bei welcher das Bundesgericht eine biographische Kehrtwende bejahte, ist ihm entgegenzuhalten, dass der betroffene Ausländer beim seinerzeit beurteilten Fall in der Schweiz geboren war, die Haupttat länger zurücklag, er über eine Lehrstelle verfügte und dank der Unterstützung durch seine Familie sowie den Lehrbetrieb damit zu rechnen war, dass er in näherer Zukunft beruflich weiter Fuss fassen wird. Zudem bestanden weitere spezifische Aspekte im Zusammenhang mit der Situation in seinem Heimatland. Insofern unterscheidet sich der vorliegende Fall rechtswesentlich von der seinerzeit beurteilten Konstellation. Aus dem genannten Urteil kann der Beschwerdeführer somit nichts zu seinen Gunsten ableiten.