Citation: 9C_595/2015 E. 3.1

3.1. Art. 59 ATSG sieht unter der Marginalie "Legitimation" vor, dass zur Beschwerde berechtigt ist, wer durch die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Eine ausdrückliche Beteiligung an einem vorgängig durchgeführten Einspracheverfahren wird darin nicht verlangt. Solches kann auch aus der einschlägigen Literatur und Rechtsprechung nicht abgeleitet werden. So wird von Ulrich Meyer in "Die Teilnahme am vorinstanzlichen Verfahren als Voraussetzung der Rechtsmittellegitimation" (Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 9 ff.) unter Verweis auf zahlreiche Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts dargelegt, dass dieses jeweils auf das Erfordernis der formellen Beschwer verzichtet habe. Dabei führt Meyer an, die Praxis, welche auf das Erfordernis der formellen Beschwer verzichte, gewichte das Interesse an der objektiv richtigen Anwendung des materiellen Bundessozialversicherungsrechts höher, als dies das Bundesgericht in den seiner Jurisdiktion unterstellten Zweigen des Bundesverwaltungsrechts tue (Meyer, a.a.O., S. 34). Ueli Kieser postuliert in allen drei bisher erschienen Auflagen des ATSG-Kommentars, die Befugnis, Beschwerde einzureichen, setze keine durchgehende Beteiligung am vorangehenden Verfahren voraus (1. Aufl. 2003, N. 5 zu Art. 59 ATSG; 2. Aufl. 2009, N. 5 zu Art. 59 ATSG; 3. Aufl. 2015, N. 12 zu Art. 59 ATSG). Zum gleichen Ergebnis gelangt auch Melchior Volz im Kommentar zum Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich (2. Aufl. 2009, § 13 N. 64). Von Volz wie von Kieser speziell hervorgehoben wird, dass die materielle Beschwer nach Art. 59 ATSG im Unterschied zu Art. 89 Abs. 1 lit. b BGG lediglich ein (einfaches) Berührtsein und nicht eine besondere Betroffenheit voraussetze. Darauf hinzuweisen ist schliesslich, dass auf das Erfordernis der formellen Beschwer im Sinne der bereits auf Verwaltungsstufe erfolgten Verfahrensbeteiligung abgesehen werden kann, wenn das Interesse einer Partei an einer Anfechtung beispielsweise erst durch den Einspracheentscheid entsteht, sie aber noch keine Veranlassung hatte, sich gegen eine nicht an sie gerichtete Verfügung zu wehren (dazu Regina Kiener/Bernhard Rütsche/Mathias Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, S. 348 N. 1428; _________, Eintretensfragen im kantonalen Beschwerdeverfahren - Ein Blick auf einige Klippen, Sozialversicherungsrechtstagung 2012, 2013, S. 264 f.; vgl. ferner BGE 134 I 159 E. 1.3 S. 161).