Citation: 2C_306/2019 E. 3.4.1

3.4.1. Die Beschwerdegegnerin erwidert, dass zahlreiche Schrankenbestimmungen Kriterien vorsähen, die einer Beurteilung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bedürften (Art. 19 Abs. 3 lit. a URG [BGE 140 II 616 E. 3.6.2] bzw. Art. 24a lit. d URG). Es sei weder erwiesen noch plausibel, dass der Absatzmarkt über Online-Angebote steigen würde, wenn die Nutzung nach Art. 22c URG zeitlich beschränkt wäre. Der Gesetzgeber habe eine sorgfältige Wertung der widerstreitenden Interessen vorgenommen, weshalb für eine zusätzliche Abwägung nach anderen (neuen) Kriterien kein Raum bleibe. Die Anwendungsbereiche von Art. 22a und 22c URG seien nicht vergleichbar: Die privilegierte Nutzung von Archivwerken der Sendeunternehmen werde durch Art. 22c URG ohne zeitliche Vorgabe nicht hinfällig; ein lückenloses Aufgehen der Nutzung nach Art. 22a URG in Art. 22c URG zehn Jahre nach Erstausstrahlung erscheine jedenfalls als systematisch naheliegendere Lösung, als die von der Beschwerdeführerin vertretene zeitliche Limitierung, welche die Rechtewahrnehmung unnötig kompliziere und weder im Wortlaut noch in den Materialien "eine Stütze" finde. Da die wirtschaftlichen Interessen der Rechteinhaber durch die Konzeption der Schranke praktisch nicht tangiert würden, halte Art. 22c URG dem Dreistufentest stand; einer einschränkenden Auslegung - im Sinne einer zeitlichen Beschränkung - bedürfe es nicht.