Citation: 6B_1301/2021 E. 2.2.2

2.2.2. Im Anschluss äussert sich die Vorinstanz zu den drei Schüssen, die laut schusswaffentechnischem Ergänzungsgutachten vom 3. Juli 2017 "einen Verlauf von hinten nach vorne" - bezogen auf den Körper des Beschwerdeführers - darstellen könnten ("Szenario 1, 2 und 9"). Sie erwägt, diese drei Schüsse liessen eine Schussabgabe von hinten tatsächlich als möglich und plausibel erscheinen. Indessen sei zu beachten, dass die dargestellten Körperhaltungen laut Gutachter nicht als fix betrachtet werden dürften und sich die Rekonstruktionen hauptsächlich auf die Schussrichtungen in Relation zu den getroffenen Körperteilen - und nicht auf die tatsächliche Haltung des Beschwerdeführers - beziehen würden. Aus dem Gutachten könne daher trotz bildlicher Darstellung nicht eruiert werden, von welcher Position aus die Schüsse abgegeben worden seien (angefochtenes Urteil S. 43 f.). Insbesondere was die beiden Armdurchschüsse betreffe, seien die Armstellungen zum Zeitpunkt des Schusses unklar. Bei einer Veränderung der Armposition sei eine Schussabgabe von vorne (Szenario 1 betreffend Arm rechts) oder von der linken Seite (Szenario 2 betreffend Arm links) möglich. Es sei sehr wohl denkbar, dass der Beschwerdeführer die Arme während des dynamischen Geschehens vom Polizeifahrzeug "Limmat 3" Richtung Stationsstrasse und als der Beschuldigte schliesslich zu Boden kam einmal über dem Kopf gehalten oder eine Körperhaltung eingenommen habe, welche eine Einschussstelle in den Armen von der Rückseite/Aussenseite her ermöglicht habe. Vorstellbar sei insbesondere auch, dass der Beschwerdegegner 2 von unten auf den Beschwerdeführer geschossen habe (angefochtenes Urteil S. 44 f.). Szenario 9 zeige einen Einschussdefekt in der Rückenmitte links mit Sondierbarkeit nach rechts oben. Das Projektil sei gemäss Ergänzungsgutachten links in den Rucksack ein- und im Rücktragbereich wieder ausgetreten und dann durch die Jacke in den Körper eingedrungen. Der Ausschuss sei im Schulterbereich erfolgt. Dieser Schussverlauf sei gemäss Ergänzungsgutachten nur bei relativ stark gebückter Haltung möglich. Auch hier sei denkbar, dass der Beschwerdeführer dem Beschwerdegegner 2 im Rahmen des dynamischen Gerangels auf dem Weg von der Front von "Limmat 3" weg oder später, als der Letztgenannte zu Boden ging, einmal beinahe den Rücken zukehrte. So könnte ihm die festgestellte Verletzung durch den Beschwerdegegner 2, der Linkshänder sei, beigebracht worden sein, wobei wiederum auch eine Schussabgabe von unten nicht ausgeschlossen werden könne. Jedenfalls sei der Schussverlauf mit einem Treffer in der Körperhaltung einer wegeilenden Person durch einen aufrecht stehenden Schützen kaum vereinbar. Anzumerken sei an dieser Stelle, dass der Rucksack des Beschwerdeführers unmittelbar bei allen anderen Patronenhülsen sichergestellt worden sei. Der Beschwerdeführer müsse ihn während des Handgemenges dort verloren haben, dies mit der zwangsläufigen Konsequenz, dass der Schuss, der ja noch durch den Rucksack ging, ihn in den Rücken getroffen habe, als er den Rucksack noch getragen habe. Deshalb müsse der Durchschuss während des Gerangels erfolgt sein. Nach den Schussabgaben habe er den Rucksack verloren und sei in Richtung Birmensdorferstrasse weggerannt. Dies führe zum Schluss, dass der Beschwerdegegner 2 nicht geschossen haben könne, als der Beschwerdeführer davongerannt sei (angefochtenes Urteil S. 45 f.).