Citation: 1B_22/2018 E. 3

Unbestritten ist, dass die Frist für die Anfechtung des Berufungsurteils vom 9. August 2017 "im Januar 2018" abgelaufen ist, der angefochtene Entscheid vom 15. Dezember 2017 mithin vor der rechtskräftigen Verurteilung des Beschwerdegegners erging. Der Präsident des Obergerichts war damit nach Art. 233 StPO als Verfahrensleiter des Berufungsgerichts befugt, über die Fortführung der Sicherheitshaft bzw. die Entlassung des Beschwerdegegners daraus zu befinden. Dass sich dieser im vorzeitigen Strafvollzug befand, ändert daran nichts (BGE 143 IV 160 E. 3.2; Urteil 1B_116/2013 vom 12. April 2013 E. 2.1). Der Obergerichtspräsident hat das Entlassungsgesuch zwar fälschlicherweise unter dem Gesichtspunkt einer bedingten Entlassung nach Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe geprüft: dazu war er nicht zuständig, und diese Frage stellte sich auch nicht, da der Beschwerdegegner noch nicht rechtskräftig verurteilt war und seine Strafe dementsprechend noch gar nicht (definitiv) angetreten hatte. Wie der Obergerichtspräsident in seiner Vernehmlassung darlegt, hat er indessen implizit auch die Haftgründe geprüft, denn das Vorliegen von Haftgründen im Sinn von Art. 221 StPO würde auch einer bedingten Entlassung entgegenstehen. Somit trifft im Ergebnis nicht zu, dass die Entlassung des Beschwerdegegners von einem unzuständigen Richter angeordnet wurde, die Beschwerde ist insoweit unbegründet und abzuweisen. Was sich daraus für die weiteren Vollzugsfragen ergibt, werden die zuständigen kantonalen Straf- bzw. Vollzugsbehörden zu entscheiden haben.