Citation: 6B_331/2020 E. 1.3

1.3. Die Vorinstanz erwägt, der Natur des angeklagten Sachverhalts entsprechend lägen kaum objektive Beweismittel vor, die die Aussagen von B.________ klar bestätigen oder widerlegen würden. Entscheidend sei somit die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen von B.________ und vom Beschwerdegegner. Zu diesem Zweck sei eine Aussagenanalyse vorzunehmen. Die Vorinstanz gibt die Aussagen von B.________, teilweise unter Verweis auf das erstinstanzliche Urteil, wieder. Sie erwägt, die Aussagen von B.________ enthielten eine Vielzahl verschiedener Realkennzeichen. Allerdings falle auf, dass motivationsbezogene Merkmale wie Erinnerungslücken, Selbstbelastungen, Selbstkorrekturen und Entlastungen des Beschwerdegegners fehlten. Die Aussagen würden weitgehend konstant reproduziert und es seien keine wesentlichen Strukturbrüche erkennbar. Insgesamt indiziere die hohe Aussagequalität, dass die Schilderungen nicht gelogen im Sinne von subjektiv unwahr seien. Daraus folge jedoch nicht, dass sie objektiv zuträfen. Dies sei nur der Fall, wenn sicher ausgeschlossen werden könne, dass suggestive Einflüsse vorgelegen hätten, denn sowohl erlebnisbasierte als auch suggerierte Aussagen könnten eine hohe Qualität aufweisen. Das fragliche Ereignis habe laut Angaben von B.________ am 14. August 2013 stattgefunden. Erstmals dazu einvernommen worden sei sie am 29. Februar 2016, mithin zweieinhalb Jahre später. Tatsache sei, dass sich B.________ zwischen dem angezeigten Ereignis und der ersten Befragung durch die Polizei in unterschiedlichen Konstellationen mit dem Vorfall befasst und verbal ausgetauscht habe. Die Entstehungsgeschichte der ersten Aussage lasse sich anhand der Akten nicht mehr klar rekonstruieren. B.________ habe sich eigenen Angaben zufolge erst nach und nach wieder erinnern können und sie habe sich während diesem Erinnerungsintervall mit der Thematik auch in einem therapeutischen Setting befasst. Insgesamt fänden sich ernsthafte Anhaltspunkte dafür, dass bereits vor der ersten dokumentierten Befragung suggestive Bedingungen vorgelegen hätten. Lasse sich, wie vorliegend, die Suggestionshypothese nicht zurückweisen, bleibe denkbar, dass B.________, obwohl subjektiv von der Wahrheit ihres Berichts überzeugt, über ein - zumindest nicht so - erlebtes Geschehen berichte. Im Ergebnis lasse sich die zu Beginn gestellte Nullhypothese, d.h. die Annahme, dass die Opferaussage nicht realitätsbegründet sei, angesichts einer möglichen Suggestion nicht widerlegen. Weiter würdigt die Vorinstanz die Aussagen des Beschwerdegegners. Dieser habe durchwegs einen einvernehmlichen Sexualkontakt geschildert. Seine Aussagen seien kurz, karg und eher detailarm. Inhaltlich seien die Schilderungen jedoch beständig und es zeige sich eine gleichbleibende Struktur. Von Bedeutung sei vorliegend auch die zeitliche Komponente. Zwischen dem Ereignis und der ersten Einvernahme lägen rund drei Jahre. In dieser Zeit könnten Teilbereiche bereits vergessen worden sein. Der Beschwerdegegner habe sich aber auch bezüglich belanglosen Nebensächlichkeiten einsilbig, verhalten, detailarm und nicht sonderlich reflektiert geäussert. Sein persönlicher Auskunftsstil sei somit mitursächlich für die kargen und daher mit wenigen Realitätsmerkmalen aufwartenden Aussagen. Schliesslich sei auch zu bedenken, dass sich nach der Darstellung des Beschwerdegegners der angeklagte Sachverhalt nicht zugetragen habe, womit konsequenterweise auch kein Kerngeschehen vorliege, zu welchem er detailreich hätte berichten können. Eine zuverlässige Aussagenanalyse erscheine angesichts des Aussagenumfangs gar fraglich, zumal sich auch nicht zweifelsfrei eruieren lasse, inwiefern die detailarmen Kurzaussagen den soeben geschilderten Faktoren geschuldet seien. Im Ergebnis lasse sich weder der Anklagesachverhalt noch der vom Beschwerdegegner präsentierte Sachverhalt erstellen. Die Vorinstanz gelangt zum Schluss, zwischen den Parteien sei es unbestrittenermassen zu sexuellen Handlungen gekommen. Auch wenn den Aussagen von B.________ eine hohe Qualität zuzusprechen sei, könne aufgrund einer möglichen Suggestion nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um Pseudoerinnerungen handle. Die Aussagen des Beschwerdegegners könnten nicht zuverlässig als unglaubhaft qualifiziert werden. Aus den objektiven Beweismitteln allein lasse sich kein direkter Beweis für eine sexuelle Nötigung bzw. versuchte Nötigung entnehmen. Insgesamt lasse sich der Sachverhalt der Anklage anhand der vorliegenden Beweismittel nicht zweifelsfrei erstellen, weshalb der Beschwerdegegner dem Grundsatz in dubio pro reo folgend von den ihm vorgeworfenen Tatbeständen der sexuellen Nötigung und der versuchten Nötigung freizusprechen sei.