Citation: 6B_361/2019 E. 3.4.3

3.4.3. Die Vorinstanz prüfte, ob die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri das in einer Einvernahme in Luzern von "B.________ gestellte Gesuch um amtliche Verteidigung hätte behandeln müssen und ob sie in guten Treuen davon ausgehen durfte, dass "B.________ durch den Beschwerdeführer erbeten verteidigt sei. Mit zutreffender Begründung gelangte die Vorinstanz zum Schluss, dass für die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri keine Veranlassung bestanden habe, eine amtliche Verteidigung anzuordnen. Bei einem Wechsel der örtlichen Zuständigkeit einer Strafuntersuchung in einen anderen Kanton wird das Verfahren beim erstbefassten Kanton abgeschlossen (sog. partielle Verfahrenserledigung) und der mit der Sache erstbefasste Kanton hat gestützt auf Art. 135 Abs. 2 StPO über die Entschädigung der amtlichen Verteidigung für den in seinem Kanton geführten Verfahrensabschnitt gemäss seinem kantonalen Tarif zu befinden (Urteil 1B_38/2013 vom 18. Juni 2013 E. 3). Geht eine Strafuntersuchung wegen eines Wechsels der örtlichen Zuständigkeit an einen anderen Kanton über, ist damit ein Wechsel der Verfahrensleitung verbunden. Wenn ein Strafverfahren an die Staatsanwaltschaft eines anderen Kantons übergeht, dauert die amtliche Verteidigung entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht automatisch weiter, sondern muss von der neu zuständigen Verfahrensleitung neu bestellt werden (Art. 133 Abs. 1 StPO). Vorliegend kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Übernahme des Verfahrens durch den Kanton Uri auch im Kanton Luzern nicht als amtlicher Verteidiger bestellt war. Es gilt somit nicht eine allfällige Fortdauer der amtlichen Verteidigung bei einem Kantonswechsel zu prüfen. Als die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri vom Kanton Luzern den Fall übernahm, war "B.________ durch den Beschwerdeführer verteidigt, doch war dieser nicht als amtlicher Verteidiger bestellt. Weder "B.________ noch der als sein Verteidiger auftretende Beschwerdeführer haben bei der neu zuständigen Verfahrensleitung im Kanton Uri ein Gesuch um Bestellung des Beschwerdeführers als amtlichen Verteidiger gestellt. Als die Staatsanwaltschaft Uri die Strafuntersuchung vom Kanton Luzern übernahm, konnte sie den Akten entnehmen, dass "B.________ anwaltlich vertreten war, sein Anwalt jedoch nicht als amtlicher Verteidiger bestellt war (keine Verfügung betr. "Bestellung amtlicher Verteidigung"), und weder "B.________ noch der Beschwerdeführer die Nichtbestellung je moniert haben. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist die Bestellung als amtlicher Verteidiger nicht eine reine Formsache, vielmehr sind die gesetzlichen Anforderungen zu prüfen und es ist in einer formellen Verfügung anzugeben, mit Wirkung ab wann die Bestellung angeordnet und gestützt auf welche Bestimmung der Art. 130 und 132 StPO sie verfügt wurde. Weiter war für die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri aus den Akten zu den persönlichen Verhältnissen ersichtlich, dass es sich bei "B.________ um einen in guten finanziellen Verhältnissen lebenden Arzt, nämlich um einen Facharzt FMH für innere Medizin mit eigener Praxis in Luzern, handelt. Es bestand für die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri kein Anlass, von Amtes wegen, d.h. ohne dass im Kanton Uri ein entsprechendes Gesuch gestellt worden wäre, den Verteidiger von "B.________ als amtlichen Verteidiger zu bestellen. Die Argumentation des Beschwerdeführers, die Nichtbestellung verstosse bei der gegebenen Sachlage gegen den Grundsatz von Treu und Glauben, ist geradezu abwegig. Es besteht nicht nur keine Pflicht, sondern auch kein Recht der Staatsanwaltschaft, einen als Verteidiger während Monaten für seinen Klienten tätigen Anwalt von Amtes wegen (d.h. ohne ein entsprechendes Gesuch) zum amtlichen Verteidiger zu bestellen.