Citation: I 373/03 20.11.2003 E. 3

In medizinischer Hinsicht gelangten Verwaltung und Vorinstanz zum Ergebnis, der Beschwerdeführer könne die angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter wegen seiner Rückenbeschwerden nicht mehr ausüben; dagegen sei er in einer leichten, leidensangepassten Tätigkeit zu 70 bis 100 % arbeitsfähig. Sie stützten sich dabei in erster Linie auf das MEDAS-Gutachten vom 25. Oktober 2000 mit Erläuterungen vom 8. Januar 2001 und 2. November 2001. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, es müsse von einer ungünstigeren Zumutbarkeitsbeurteilung ausgegangen werden. 3.1 Das Gutachten der MEDAS beruht neben den Vorakten auf spezialärztlichen Untersuchungen in internistischer, rheumatologischer und psychiatrischer Hinsicht, welche am 24. Juli 2000 stattfanden, sowie einer am 19. September 2000 durchgeführten rheumatologischen Reevaluation. Die Konklusion des Gutachtens wurde im Rahmen einer multidisziplinären Konsens-Konferenz vom 3. August 2000 erarbeitet. Die Rheumatologen PD Dr. med. H.________ und Dr. med. G.________ stellen die Diagnosen eines lumbospondylogenen Syndroms links bei/mit degenerativer Veränderung der Lendenwirbelsäule (Diskushernie und Osteochondrosen L3/4 und L5/S1, Spondylarthrosen und Hypertrophie der Ligamenta flava), Piriformissyndrom links sowie diskreter muskulärer Dysbalance. Im ersten Untergutachten vom 24. Juli 2000 erklären sie, es bestehe aus rheumatologischer Sicht in jeder rückenadaptierten, leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Arbeiten in Zwangspositionen, vornübergeneigt, überkopf, ohne repetitive Hebebelastungen über 15 kg sowie ohne Arbeiten mit repetitiven Stereotypien eine Arbeitsfähigkeit von 70 bis 100 %. Im Bericht vom 19. September 2000 wird ausgeführt, die zwischenzeitlich durchgeführte ergänzende Untersuchung (segmentale lumbale Infiltration des Segmentes L3/L4 durch Dr. med. S.________, Orthopädisches Spital X.________) habe das von neurochirurgischer Seite in Erwägung gezogene lumboradikuläre Syndrom klinisch nicht bestätigt. Dagegen habe sich eine Akzentuierung des die Beschwerden zum Grossteil erklärenden Piriformissyndroms links gezeigt, mit nun korrespondierender SIG-Dysfunktion und einer Beckenasymmetrie im Sinne einer Beckentorsion. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bleibe gegenüber dem Vorgutachten vom 24. Juli 2000 unverändert, wobei sich zur Reintegration ein allmählicher Belastungsaufbau empfehle, beginnend mit einem zunächst 50%igen Pensum in einer rückenadaptierten Tätigkeit. Die unter Beizug einer Dolmetscherin durchgeführte psychiatrische Exploration durch Dr. med. A._________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 24. Juli 2000 ergab gemäss dem diesbezüglichen Untergutachten vom 7. August 2000 keine invaliditätsbegründende Diagnose. Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wird eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung genannt. Der Arzt führt aus, psychosoziale Schwierigkeiten mit mangelnder Integrationsfähigkeit dürften den Exploranden in einer gewissen Weise überfordert haben und äusserten sich wegen mangelnder Bewältigungsstrategien und fehlender Ressourcen in einer Überbewertung von sicher vorhandenen körperlichen Beschwerden. Der Explorand sei völlig fixiert auf diese Beschwerden. Er vermöge sich nicht auf die Gegebenheiten einzustellen. Die Emotionalität werde wegen der mangelnden Fähigkeit, diese adäquat zu erkennen, körperlich manifestiert, da eine Alexithymie bestehe. Die psychiatrischen Befunde reichten nicht aus, um eine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Es sei dem Exploranden sicher zuzumuten, eine körperlich angepasste Tätigkeit auszuüben, wobei nur sehr einfach strukturierte Tätigkeiten in Frage kämen. Das Gesamtgutachten vom 25. Oktober 2000 bestätigt die genannten Diagnosen. Zusätzlich wird als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Schwerhörigkeit, rechts mehr als links, bei Zustand nach Ohroperation rechts sowie Hörgeräte-Versorgung beidseits erwähnt. Gestützt auf die psychiatrischen und rheumatologischen Befunde wird die Arbeitsfähigkeit in einer rückenadaptierten, leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Arbeiten in Zwangspositionen, vornübergebeugt, überkopf, ohne repetitive Hebebelastungen über 15 kg sowie ohne Arbeiten mit repetitiven Stereotypien auf 70 bis 100 % beziffert. Diese Beurteilung stimme mit jener des Spitals X.________ vom 28. Mai 1999 überein. Zur Reintegration werde ein allmählicher Belastungsaufbau mit einem zunächst 50%igen Pensum empfohlen. In der Schlusszusammenfassung wird erklärt, der Explorand sei unter den genannten Einschränkungen für eine leichte Tätigkeit durchaus zu 70 bis 100 % arbeitsfähig. 3.2 Auf Nachfrage der IV-Stelle hin erklärte die MEDAS am 8. Januar 2001, es bestehe in einer rückenadaptierten, leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Arbeiten in Zwangspositionen, vornübergebeugt, überkopf, ohne repetitive Hebebelastungen von mehr als 15 kg sowie ohne Arbeiten mit repetitiven Stereotypien eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Die Realisierbarkeit dieser Arbeitsfähigkeit dürfte sowohl durch die mangelnden Sprachkenntnisse als auch durch die ausgeprägte Schmerzverarbeitungsstörung limitiert sein. Es werde deshalb zunächst während drei Monaten ein Arbeitspensum von 50 % empfohlen. Dies begründen die Ärzte mit einer doch längeren Absenz von einer geregelten Arbeit und einer bereits bestehenden Chronifizierung. In Beantwortung einer weiteren Rückfrage der Verwaltung führten die Ärzte der MEDAS am 2. November 2001 aus, die im Gutachten erwähnte Chronifizierung gründe in der stets gleichen Schmerzangabe während der Exploration. Die somatoforme Schmerzstörung habe nicht automatisch eine Erwerbsunfähigkeit zur Folge, zumal wenn keine relevante psychiatrische Co-Morbidität vorliege. Im Zeitpunkt der Erstattung des Gutachtens im August 2000 hätten keine wesentlichen somatischen oder psychischen Faktoren bestanden, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würden. Der Explorand werde daher in einer adaptierten Tätigkeit als zu 70 bis 100 % arbeitsfähig angesehen. 3.3 Dem MEDAS-Gutachten vom 25. Oktober 2000 und den zusätzlichen Erläuterungen ist mit hinreichender Klarheit zu entnehmen, dass der Versicherte aus rheumatologischer Sicht an Beschwerden leidet, welche eine Wiederaufnahme der Tätigkeit als Bauarbeiter ausschliessen, jedoch der Ausübung einer adaptierten leichten bis mittelschweren Tätigkeit, welche bestimmten Anforderungen gerecht wird, im Rahmen von 70 bis 100 % nicht entgegenstehen. Aus den Akten ergibt sich kein Anlass, die Zuverlässigkeit dieser schlüssigen und nachvollziehbar begründeten Beurteilung in Zweifel zu ziehen. Was die psychiatrische Seite betrifft, lässt der Hinweis auf die eingetretene Chronifizierung der Beschwerden bzw. das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung nicht ohne weiteres den Schluss zu, es liege ein invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Dem begutachtenden Psychiater obliegt im Zusammenhang mit derartigen Beschwerdebildern einerseits die Aufgabe, zur Frage Stellung zu nehmen, ob eine psychische Störung von Krankheitswert gegeben sei. Bejahendenfalls hat er ausserdem der Verwaltung (und im Streitfall dem Gericht) aufzuzeigen, ob und inwiefern die versicherte Person über psychische Ressourcen verfügt, die es ihr erlauben, mit ihren Schmerzen umzugehen. Entscheidend ist, ob die betroffene Person, von ihrer psychischen Verfasstheit her besehen, an sich die Möglichkeit hat, trotz ihrer subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen (Urteil R. vom 2. Dezember 2002 [I 53/02] Erw. 2.2; vgl. auch AHI 2000 S. 152 f. Erw. 2b). Die zumutbarerweise verwertbare Arbeitsfähigkeit ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b). Hinsichtlich belastender sozio-kultureller Faktoren hat die Rechtsprechung erkannt, dass deren Auswirkungen nur insoweit zu berücksichtigen sind, als ihnen ein fachärztlich festgestelltes medizinisches Substrat zu Grunde liegt (BGE 127 V 299 f. Erw. 5a, 102 V 165). Vorliegend hat der psychiatrische Gutachter gestützt auf eingehende Untersuchungen unmissverständlich und mit nachvollziehbarer Begründung dargelegt, dass nach seiner Beurteilung die festgestellte anhaltende somatoforme Schmerzstörung, mit welcher keine (zusätzlichen) psychiatrischen Befunde korrelieren, nicht zu einer relevanten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit geführt hat. Die Bemerkung, es kämen nur sehr einfach strukturierte Arbeiten in Frage, lässt sich durch die Feststellung erklären, der Beschwerdeführer weise nur ein geringes Bildungsniveau auf. Das Gutachten der MEDAS vom 25. Oktober 2000 wird unter diesen Umständen sowohl in somatischer wie in psychiatrischer Hinsicht als auch in der Gesamtbeurteilung den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Stellungnahme (BGE 125 V 352 Erw. 3a) gerecht. Mit Verwaltung und Vorinstanz kann auf das darin formulierte Zumutbarkeitsprofil abgestellt werden.