Citation: 6B_1049/2015 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt, aufgrund der bei den Akten liegenden Beweismittel, insbesondere der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 und jenen des erfahrenen Kletterers und Kursleiters sowie der in kriminaltechnischer Hinsicht offenbar von einem Kletterfachmann geführten polizeilichen Ermittlungen, sei mit grosser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass nicht ein eigentlicher Fehler beim Sichern oder bei der Materialhandhabung für den Kletterunfall ursächlich gewesen sei. Aus den sachlich-nüchternen und detailreichen Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 sei vielmehr zu schliessen, dass diese ihrem Erfahrungsstand und Alter entsprechend über gute Kenntnisse im Klettern und Sichern verfügt habe, in der konkreten Situation aber nicht darauf gefasst gewesen sei, als sich die Beschwerdeführerin plötzlich ins Seil habe fallen lassen. Es lasse sich nicht mehr feststellen, ob die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin 2 vor dem Abstieg zu erkennen gegeben habe, dass sie herunterkomme. In Anwendung der Unschuldsvermutung sei davon auszugehen, dass ein solcher Zuruf unterblieben sei. Bei dieser Sachlage erscheine es nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin 2 angesichts des wohl erstmalig erlebten Vorgangs einen Moment verwirrt gewesen respektive erschrocken sei, als sich die Beschwerdeführerin plötzlich ins Seil habe fallen lassen. Nicht entscheidend ins Gewicht falle, ob Reibungswärme mitgewirkt habe, dass die Beschwerdegegnerin 2 das Seil nicht mehr festzuhalten vermocht habe. Es sei stark zu bezweifeln, dass eine gewissenhafte andere jugendliche Person in der unvermittelt eingetretenen Situation die Beschwerdeführerin sofort gehörig zu sichern vermocht hätte, indem sie die Hände am Seil belassen und dieses reaktionsschnell festgehalten hätte. Vielmehr sei davon auszugehen, dass es jedem anderen zehnjährigen Kind mit der Klettererfahrung und den Sicherungskenntnissen der Beschwerdegegnerin 2 gleich wie ihr ergangen wäre. Angesichts des jungen Alters der Beschwerdegegnerin 2, ihrer geringen Klettererfahrung und möglicher gruppendynamischer Prozesse in der jugendlichen Kletterkursgruppe sei ferner klar zu verneinen, dass sie ihre Überforderung mit gewissen Ausnahmesituationen hätte erkennen können. Selbst wenn man im Einklang mit der Beschwerdegegnerin 1 ein fahrlässiges Handeln und ein gewisses Verschulden der Beschwerdegegnerin 2 bejahte, wäre zufolge fehlender Strafwürdigkeit von einer Bestrafung abzusehen. Der plötzlichen Ausnahmesituation sei sie als Zehnjährige, die zu jenem Zeitpunkt erst zum dritten Mal geklettert sei respektive gesichert habe, nicht hinreichend gewachsen gewesen. Ihr Fehlverhalten rechtfertige keine jugendstrafrechtliche Sanktion. Schliesslich sei die Beschwerdegegnerin 2 bereits durch die von ihr zu tragenden Folgen des Vorfalls stark betroffen, so dass der Strafbefreiungsgrund gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. d JStG (SR 311.1) gegeben sei.