Citation: 6P.120/2004 23.03.2005 E. 4

4.1 Die Geschädigte (geboren am 15. November 1980) wurde am 20. Mai 1997, als sie Anzeige erstattete, polizeilich befragt. Sie wurde am 22. Mai 1997 sowie am 4. Mai 1998 untersuchungsrichterlich einvernommen. Schliesslich wurde sie an der erstinstanzlichen Haupt-verhandlung vom 12. Juni 2002 einvernommen. Ausserdem wurde die Geschädigte vom psychiatrischen Experten, der im Auftrag des Bezirksgerichts Baden ein Gutachten betreffend ihre Glaubwürdigkeit zu erstellen hatte, am 7. Dezember 2000, am 19. Februar 2001 und am 5. März 2001 befragt. Von diesen drei Gesprächen mit dem Psychiater wurden Videoaufzeichnungen erstellt. 4.2 Der Beschwerdeführer beanstandet, dass die Geschädigte somit insgesamt siebenmal einvernommen beziehungsweise befragt wurde. Dies sei unnötig und unsachgemäss. Durch die vielen Befragungen sei die erhebliche Gefahr einer Suggestion entstanden; die Geschädigte habe nicht mehr wissen können, was sie effektiv erlebt habe und was nicht. Indem das Obergericht dieses Suggestionspotenzial ignoriert habe, habe es die Einvernahmeprotokolle willkürlich gewürdigt. Der Beschwerdeführer weist auch in diesem Zusammenhang auf Art. 10c OHG und § 107 StPO/AG hin (staatsrechtliche Beschwerde S. 8 f.). 4.3 Die Bestimmungen, dass kindliche Opfer im Strafverfahren in der Regel nicht mehr als zweimal einvernommen werden dürfen (Art. 10c Abs. 1 OHG) beziehungsweise dass kindliche Opfer von Sexual-straftaten ohne zwingende Gründe nicht mehr als einmal einver-nommen werden sollen (§ 107 Abs. 2 StPO/AG), dienen in erster Linie dem Schutz des Kindes. Sie beruhen auf der Erkenntnis, dass die Einvernahme über die Umstände der Tat für das kindliche Opfer (re)traumatisierend sein kann. Um eine Sekundärviktimisierung durch die Befragung möglichst gering zu halten, sollte nach Möglichkeit nur eine Einvernahme durchgeführt werden. Oft wird aber namentlich auch zur Gewährleistung der Verteidigungsrechte des Beschuldigten eine zweite Einvernahme unumgänglich sein und sind unter Umständen weitere Befragungen erforderlich (siehe zum Ganzen den zitierten Bericht, a.a.O., S. 3759). In Anbetracht des Schutzzwecks der genannten Bestimmungen ist es zweifelhaft, ob der Beschwerdeführer als Beschuldigter deren Verletzung rügen kann. Wie es sich damit verhält, kann indessen dahingestellt bleiben. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, hinsichtlich welcher konkreten Einvernahme der Geschädigten inwiefern Anzeichen dafür vorliegen, dass sich die behauptete Suggestionsgefahr als Folge mehrfacher Befragung verwirklicht haben könnte. Die Beschwerde ist daher in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.