Citation: 8C_239/2023 E. 5.3

5.3. Demzufolge erweist sich die von Vorinstanz und BSV herangezogene Rechtsprechung als überholt (zur sofortigen Anwendbarkeit einer geänderten Praxis auch auf hängige Fälle: BGE 142 V 551 E. 4.1; 135 II 78 E. 3.2; 132 II 153 E. 5.1). Ohnehin hätte darauf nicht zurückgegriffen werden können, nachdem hier keine fehlerhafte Feststellung des Invaliditätsgrads, sondern ein ausschliesslich die Rentenhöhe betreffender Rechnungsfehler im Streit liegt. Anders gesagt darf bezogen auf den konkreten Fall eine Ungewissheit über den Rückforderungsanspruch zu Gunsten der Beschwerdegegnerin nur angenommen werden, solange diese unter der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit nicht erkennen musste, dass die vom März 1977 bis April 1987 andauernde Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im Fürstentum Liechtenstein fälschlicherweise als Beitragszeit in die Rentenberechnung eingeflossen war. Verfügte sie unbestritten erstmals am 28./30. Oktober 2020 über die Rückforderung (und Neuberechnung), so war sie spätestens in diesem Moment über alle relevanten Eckpunkte (Rückforderungshöhe und -dauer) im Bild. Demzufolge hat die einjährige relative Verwirkungsfrist nach Art. 25 Abs. 2 erster Satz ATSG jedenfalls vor der - noch nicht eingetretenen - Rechtskraft der Korrekturverfügung vom 9. August 2022 zu laufen begonnen.