Citation: 5A_126/2024 E. 3.1.2

3.1.2. Die Voraussetzungen zur behördlichen Bewilligung der Namensänderung gemäss Art. 30 Abs. 1 ZGB haben eine erhebliche inhaltliche Änderung erfahren. 3.1.2.1. Gemäss aArt. 30 Abs. 1 ZGB in seiner bis zum 31. Dezember 2012 massgebenden Fassung konnte die Regierung des Wohnsitzkantons einer Person die Änderung des Namens nur bei Vorliegen von "wichtigen Gründen" bewilligen. Nach der hierzu ergangenen Rechtsprechung war ein wichtiger Grund im Sinne von aArt. 30 Abs. 1 ZGB gegeben, wenn das Interesse des Namensträgers an einem neuen Namen dasjenige der Allgemeinheit und der Verwaltung an der Unveränderlichkeit des einmal erworbenen und in die Register eingetragenen Namens sowie an der eindeutigen Kennzeichnung und Unterscheidung des Einzelnen überwog. Der Name sollte dem Namensträger das Fortkommen ermöglichen und erleichtern; aus dem Namen sollten nicht wirkliche Nachteile oder erhebliche Unannehmlichkeiten erwachsen. Die Namensänderung hatte den Zweck, ernstliche Nachteile, die mit dem bisherigen Namen verbunden waren, zu beseitigen, wobei vor allem moralische, geistige und seelische, aber auch wirtschaftliche oder administrative Interessen im Spiele stehen konnten. Diese Interessen waren nach objektiven Kriterien, mithin danach zu werten, wie der zu ändernde Name auf die Umwelt wirkte; subjektive Gründe des Namensträgers blieben grundsätzlich bedeutungslos (zum Ganzen: BGE 136 III 161 E. 3.1 und E. 3.1.1 mit Hinweisen). 3.1.2.2. Nach der Rechtsprechung zu Art. 30 Abs. 1 ZGB in seiner heutigen Fassung muss der Begriff der "achtenswerten Gründe" flexibler gewürdigt werden als jener der "wichtigen Gründe". Das Gesuch muss sich jedoch auf besondere Gründe berufen, die nicht unzulässig, missbräuchlich oder sittenwidrig sein dürfen; der Name muss darüber hinaus rechtskonform sein und nicht den Namen einer Drittperson beeinträchtigen. Die subjektive oder gefühlsmässige Komponente der Begründung der gesuchstellenden Person kann dagegen nicht wie in der Vergangenheit unberücksichtigt bleiben, sofern die angerufenen Gründe eine gewisse Schwere erreichen und nicht bloss belanglos sind. Der Name darf seine identifizierende Funktion nicht verlieren und es geht nicht darum, den Grundsatz seiner Unveränderlichkeit zu umgehen, der trotz der Gesetzesänderung weiter gilt (zum Ganzen: BGE 145 III 49 E. 3.2 mit Hinweisen). Die amtliche Anerkennung eines Pseudonyms kann einen legitimen Grund zur Namensänderung darstellen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, um ihn als amtliche Ergänzung im Ausweis aufzuführen (vgl. Art. 2 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 22. Juni 2001 über die Ausweise für Schweizer Staatsangehörige [AwG; SR 143.1]), wobei die gesuchstellende Person in diesem Fall nachzuweisen hat, dass ihrem Künstlernamen eine objektive Bedeutung in ihrem wirtschaftlichen und sozialen Leben zukommt (beispielsweise mithilfe von Verträgen als Künstler, Presseartikeln, Aushängen, Dokumenten über die künstlerische Tätigkeit usw.). Eine sorgfältige Prüfung der konkreten Umstände bleibt in jedem Fall notwendig (zum Ganzen: BGE 145 III 49 E. 3.2 in fine mit Hinweisen).