Citation: 6B_301/2022 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz erwägt, die behaupteten Übergriffe lägen relativ weit zurück und beträfen einen Zeitraum, in welchem der Beschwerdeführer mit ca. zwei Jahren noch ein Kleinkind gewesen sei. Sie verweist sodann auf die Urteile 6B_1109/2019 vom 23. September 2020 und 6B_655/2020 vom 7. Oktober 2020, welche sich zur Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen und der Aussagezuverlässigkeit von Kindern im Vor- und Grundschulalter äussern, und stellt fest, die erste verwertbare Einvernahme des Beschwerdeführers habe am 14. Januar 2019 und damit mehr als zwei Jahre nach dem ersten behaupteten Übergriff stattgefunden. Aufgrund des langen Zeitablaufs seien die Aussagen des Beschwerdeführers praktisch keiner inhaltlichen Analyse zugänglich. Nicht auszuschliessen sei, dass seine Erinnerungen durch Befragungen, Gespräche und Therapien beeinflusst und möglicherweise auch verfälscht worden seien (angefochtenes Urteil S. 8). Anlässlich dieser Einvernahme sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, irgendwelche Details zu den angeklagten Handlungen zu beschreiben. Seine Schilderungen seien denn auch sehr sprunghaft und äusserst knapp gewesen. An Vieles habe er sich nicht mehr zu erinnern vermocht. Er habe weder Namen noch Aussehen der Person angegeben, welche ihn angefasst haben solle. Einzig, was geschehen sein solle ("kiki in den Mund gelegt"), habe er an mehreren Stellen wiederholt. Mit "kiki" scheine er das männliche Geschlechtsteil zu meinen. Dass er damit das männliche Geschlechtsteil bezeichne, werde lediglich von seiner Mutter bestätigt. Dagegen verneine die Betreuerin H.________, dass der Beschwerdeführer diesen Ausdruck gebrauche. Genauere Angaben könne er nicht mehr machen, was aufgrund des Zeitablaufs nicht erstaune und überdies mit seinem Kindesalter ohne Weiteres erklärbar sei. Schliesslich sei auch der Umstand zu berücksichtigen, dass er von seinen Eltern über den Zweck der Einvernahme informiert und dass darüber gesprochen worden sei. Inwiefern hier eine (ungewollte) Suggestion stattgefunden habe, könne nicht mehr beurteilt werden. Auffallend sei jedoch, dass der Beschwerdeführer gleich zu Beginn, noch bevor ihm die Polizistin den Zweck der Einvernahme sowie die Rechtsbelehrung habe erläutern können, gesagt habe, jemand habe den "kiki" in den Mund gelegt (angefochtenes Urteil S. 8 f.). Nicht zum Vergleich herangezogen werden dürfe die (undatierte) Audioaufnahme, welche das Gespräch zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Mutter wiedergebe. Zum einen handle es sich nicht um eine verwertbare Einvernahme im Sinne von Art. 147 StPO. Zum anderen seien die Umstände, unter welchen das Gespräch stattgefunden habe, nicht bekannt. Aus dem Transkriptionsprotokoll (act. 296 ff.) ergebe sich, dass viele Aussagen des Beschwerdeführers nur bruchstückhaft hätten wiedergegeben werden können, da seine Aussagen oft unverständlich seien. Der Beschwerdeführer erwähne die angeblichen Übergriffe gegenüber seiner Mutter nicht spontan, sondern nur auf gezielte Fragen dieser Autoritätsperson. Das Risiko einer möglichen (ungewollten) Suggestion könne daher nicht ausgeschlossen werden (angefochtenes Urteil S. 9). Ob es sich bei den Schilderungen des Beschwerdeführers um tatsächlich Erlebtes handeln könnte, lasse sich damit selbst mittels einer aussagepsychologischen Begutachtung nicht mehr eruieren, zumal sich erlebnisbasierte Aussagen nicht hinreichend von suggerierten Aussagen, welche auf diese Weise verinnerlicht worden seien, abgrenzen liessen. Daran vermöchten auch die von den Eltern - übereinstimmend - geschilderten Verhaltensauffälligkeiten des Beschwerdeführers nichts zu ändern (angefochtenes Urteil S. 9). Zusammenfassend bestehe keine Möglichkeit mehr, die Suggestionshypothese mit hinreichender Zuverlässigkeit zu verwerfen und die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers lasse sich nicht mehr überprüfen. Insgesamt bestünden mangels objektiver Beweise und verwertbarer Aussagen des Beschwerdeführers nicht nur theoretische Zweifel daran, ob sich der Sachverhalt gemäss Anklageziff. 1.1 zugetragen habe, weshalb der Beschwerdegegner 1 diesbezüglich gestützt auf den Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen sei (angefochtenes Urteil S. 10).