Citation: 6P.3/2004 18.06.2004 E. 6

Nach dem Gesagten hat das Obergericht seinem Urteil in zwei Fällen willkürlich belastende Indizien zugrunde gelegt. Für eine Aufhebung des Entscheids reicht dies allein aber nicht aus. Vielmehr ist die Beschwerde nur gutzuheissen, wenn das Gericht aufgrund der willkürfrei belastend berücksichtigten Indizien nicht zu einer Verurteilung der Beschwerdeführerin gelangen durfte, wenn also bei objektiver Würdigung des ganzen Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche Zweifel an deren Schuld zurückbleiben mussten. 6.1 Belastend fällt neben dem Fehlen von Quittungen, der hohen Verschuldung der Beschwerdeführerin sowie der zeitlichen Übereinstimmung einzelner Bargeldbezüge mit der Begleichung von Schulden des Ehepaars vor allem die Höhe der getätigten Bezüge ins Gewicht. Denn wenn die Beschwerdeführerin das bezogene Bargeld wie behauptet vollumfänglich zum Nutzen des Beschwerdegegners verwendet hätte, hätte dieser in rund zehn Wochen Fr. 11'200.-- - Fr. 700.-- will die Beschwerdeführerin für sich selbst bezogen haben - ausgegeben. Ein solcher Geldverbrauch erscheint mit Blick auf das Einkommen des Beschwerdegegners als ungewöhnlich hoch. 6.2 Die Beschwerdeführerin weist indessen auf Umstände hin, die Zweifel an der Vermutung aufkommen lassen, der Beschwerdegegner könne im fraglichen Zeitraum nicht soviel Geld ausgegeben haben, wie sie für ihn verwendet haben will. So bezog dieser, nachdem er seine Kontokarte Ende November 1999 von der Beschwerdeführerin zurückerhalten hatte, innert sieben Tagen Bargeld und Leistungen im Gesamtbetrag von Fr. 1'468.50. Pro Tag übersteigt dies den Geldverbrauch, den der Beschwerdegegner gehabt hätte, wenn die Beschwerdeführerin das bezogene Bargeld wie behauptet zu seinem Nutzen verwendet hätte. Zwar trifft es zu, dass er vom 3. Dezember 1999 bis zur Aufhebung des Kontos am 5. Februar 2000 überhaupt keine Bezüge tätigte. Dies dürfte jedoch eher darauf zurückzuführen sein, dass sich das Konto am 2. Dezember 1999 bereits wieder im Minus befand und sein Einkommen aufgrund der freiwilligen Einkommensverwaltung durch die Gemeinde Wettingen, der er sich am 19. November 1999 unterzogen hatte, nunmehr auf ein anderes Konto überwiesen wurde (Untersuchungsakten, act. 45 f.). Sodann lässt das Obergericht bei der Aufrechnung des Geldbedarfs des Beschwerdegegners ausser Acht, dass dessen Aussagen vor Bezirksgericht darauf schliessen lassen, er habe seiner Freundin Geschenke sowie einen Freundschaftsring gekauft und bei dieser und anderen Personen Schulden abgetragen. Im Übrigen ist festzuhalten, dass der Beschwerdegegner während der Dauer der Einkommensverwaltung durch die Beschwerdeführerin von der Einwohnergemeinde Wettingen Fr. 4'500.-- (Untersuchungsakten, act. 40 ff.) und vom Berufsbildungsheim Neuhof Fr. 9'585.55 (Untersuchungsakten, act. 220 ff.) erhalten hat. Das Argument, der Beschwerdegegner hätte bei einem Geldverbrauch von Fr. 11'200.-- massiv über seine Verhältnisse gelebt, erweist sich damit als nicht stichhaltig. An der Glaubwürdigkeit des Beschwerdegegners zweifeln lässt schliesslich der Umstand, dass dieser erst am 22. Juni 2000 Anzeige erstattete. Wohl gab er an, er habe eine Veruntreuung erst vermutet, nachdem er im Januar 2000 einen Jahresauszug für sein Konto angefordert habe. Selbst wenn dies zuträfe, wäre indes nicht nachzuvollziehen, weshalb er zunächst untätig blieb und sich erst fünf Monate später zu einer Strafanzeige entschloss. 6.3 Gesamthaft betrachtet weisen die vom Obergericht willkürfrei als belastend gewerteten Indizien mit einer erheblichen Wahrscheinlichkeit auf die Schuld der Beschwerdeführerin hin. Zu einer Gewissheit, welche die ausser Acht gelassenen entlastenden Umstände (vgl. E. 6.2) als unerheblich erscheinen liesse, verdichten sich diese indes nicht. Bei objektiver Betrachtung des ganzen Beweisergebnisses bleiben somit schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel daran bestehen, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich Vermögenswerte des Beschwerdegegners zu ihrem Nutzen bzw. dem ihrer Familienmitglieder verwendet hat.