Citation: 1C_540/2019 E. 2.2

2.2. Im kantonalen Verfahren war die Bestimmung des gewachsenen Bodens gemäss § 5 Anhang 2 ABV umstritten. Die Vorinstanz führte dazu zusammengefasst aus, werde zur Erstellung eines Gebäudes ein bestehendes abgerissen, entstünden im Bereich der Untergeschosse und Garagen regelmässig Gruben und Senken. Würde man für die Beurteilung des Neubaus auf diesen tatsächlichen Bodenverlauf abstellen, ergäbe sich eine unnatürliche und die Neuüberbauung des Grundstücks erheblich erschwerende Terrainsituation. Um dies zu verhindern sei gemäss Lehre und Rechtsprechung die Fläche innerhalb des Grundrisses von bestehenden Bauten allgemein nicht als gewachsenen Boden im Sinne von § 5 Abs. 1 (Anhang 2) ABV zu betrachten, sondern mittels Interpolation fiktiv aufzufüllen. Dabei könne innerhalb von abzubrechenden Gebäuden der Bodenverlauf entlang der Fassaden als Referenz dienen. Gerade bei komplexen topographischen Verhältnissen müssten mehr oder weniger genaue Annahmen über die dreidimensionale Ausgestaltung des Geländes getroffen werden, weshalb es nicht eine einzig richtige, sondern bloss eine Bandbreite zulässiger Interpolationen geben könne. Da der Messpunkt 605, an dem die Beschwerdeführer eine Überschreitung der Gebäudehöhe behaupteten, innerhalb des Grundrisses des heute bestehenden Gebäudes liege, müsse dessen Höhe durch Interpolation ermittelt werden. Dabei sei zu beachten, dass das Terrain aufgrund der Aufschüttung im Bereich des Sitzplatzes des abzubrechenden Wohnhauses entlang der Südwestfassade einen Sprung von mehr als 2 m aufweise. So liege der Punkt A auf einer Höhe von 510,89 m.ü.M. und der unmittelbar (westlich) danebenliegende Punkt auf einer Höhe von 508,23 m.ü.M. Das Terrain verlaufe in nördlicher und in östlicher Richtung ansteigend. Dieser gegenwärtig auf der Bauparzelle bestehende Terrainverlauf gelte als gewachsener Boden. Wenn die Beschwerdeführer bemängelten, die vorgenommene Interpolation führe den durch die Aufschüttung geschaffenen Geländesprung innerhalb des Gebäudes nicht weiter, so würden sie verkennen, dass die Interpolation gemäss ihrem Zweck nicht zu einem völlig unnatürlichen und schwer bebaubaren Terrainverlauf führen soll. Es sei keineswegs zwingend, dass eine vertretbare Interpolation einen Geländesprung ausserhalb des Grundrisses des vorbestehenden Gebäudes wiedergeben müsse. Die strittige Interpolation verbinde den Punkt C auf 510,50 m.ü.M. mit dem auf der gleichen Höhe liegenden Punkt D an der Nordwestfassade. Die Verbindungslinie komme unmittelbar in der Nähe des Punkts 605 zu liegen und orientiere sich am effektiven Geländeverlauf rund um das abzubrechende Gebäude. Sie führe zu einem annähernd natürlichen Verlauf des Bodens innerhalb des Gebäudegrundrisses, was nicht zu bemängeln sei. Die unteren Instanzen gingen entsprechend von einer Höhenlage des Punkts 605 von (mindestens) 510,50 m.ü.M. aus. Die vorgenommene Interpolation sei nicht unzulässig, weil der Punkt C nicht unmittelbar auf der Südwestfassade der abzubrechenden Baute liege, da der Bodenverlauf entlang der Fassaden dazu lediglich als Referenz und Ausgangspunkt diene. Es sei vertretbar, Punkte gleicher Höhe zu verbinden, die in unmittelbarer Nähe einer Fassade liegen. Zwar sinke das Terrain an der Südwestfassade unmittelbar nordwestlich des Punkts C auf eine Höhe von 508,23 m.ü.M. ab. Eine Interpolation, die von diesem Höhenpunkt ausgehe, sei für die Bestimmung der Höhe des Punkts 605 indessen nicht sinnvoll, da gar keine Verbindungslinie zu einem Punkt auf gleicher Höhe gezogen werden könnte. Damit liege die vorgenommene Interpolation im pflichtgemässen Ermessen der Baubehörde. Ob die von den Beschwerdeführern vorgeschlagene Interpolation, die sich nicht am Verlauf des gewachsenen Bodens um das bestehende Gebäude herum, sondern an dessen Grundriss orientiere, ebenfalls vertretbar wäre, brauche nicht geprüft zu werden.