Citation: 2D_17/2024 E. 5.2

5.2. Ein Entscheid verletzt das Rechtsgleichheitsgebot gemäss Art. 8 Abs. 1 BV, wenn er rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den tatsächlichen Verhältnissen nicht ersichtlich ist, oder Unterscheidungen unterlässt, die sich aufgrund der Verhältnisse aufdrängen. Vorausgesetzt ist, dass sich die ungerechtfertigte Gleich- bzw. Ungleichbehandlung auf eine wesentliche Tatsache bezieht. In dieser Hinsicht erscheint ein Verstoss gegen das Rechtsgleichheitsgebot als eine besondere Form der Willkür (vgl. BGE 146 II 56 E. 9.1 mit Hinweisen; Urteile 2C_652/2023 vom 14. Juni 2024 E. 6.1; 2C_555/2023 vom 5. April 2024 E. 6.1). Aus dem Rechtsgleichheitsgebot wird für das Prüfungsrecht der Grundsatz der Chancengleichheit abgeleitet. Für die Prüfungsgestaltung ist die Chancengleichheit insofern wegleitend, als für alle Prüfungskandidaten im Sinne formaler Gleichheit möglichst gleiche Bedingungen hergestellt werden sollen. Gleiche Bedingungen ermöglichen es allen Kandidatinnen und Kandidaten, einen ihren tatsächlichen Fähigkeiten entsprechenden Leistungsnachweis abzulegen; ungleiche Bedingungen verletzen dagegen grundsätzlich das Gleichbehandlungsgebot (vgl. BGE 147 I 73 E. 6.2; Urteile 2C_652/2023 vom 14. Juni 2024 E. 6.2; 2D_6/2023 vom 22. Februar 2024 E. 7.3). Aus dem Grundsatz der Chancengleichheit fliesst u.a. die Obliegenheit von Prüflingen, allfällige Mängel des Prüfungsverfahrens so schnell wie möglich geltend zu machen. Der Anspruch eines Prüfungskandidaten auf Beseitigung des Mangels und dessen Folgen erlischt demzufolge, wenn er trotz Kenntnis des Verfahrensmangels und Zumutbarkeit der Rüge nichts unternimmt und sich auf das fehlerhafte Prüfungsverfahren einlässt (vgl. Urteil 2C_769/2019 vom 27. Juli 2020 E. 7.2 [nicht publ. in: BGE 147 I 73]; vgl. auch Urteile 2C_122/2024 vom 5. März 2024 E. 2.3; 2C_967/2022 vom 25. Mai 2023 E. 6.1).