Citation: U 118/05 07.06.2005 E. 4.2

4.2.1 Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Katalogisierung (BGE 115 V 138 Erw. 6) ist das Ereignis vom 9. Dezember 2001 auf Grund des Geschehensablaufs den mittelschweren Unfällen zuzuordnen. Es handelt sich aber nicht um einen Vorfall, der im Grenzbereich zu den schweren Unfällen anzusiedeln wäre (vgl. zur diesbezüglichen Rechtsprechung die in RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 Erw. 4b/bb enthaltene Kasuistik). 4.2.2 Unter diesen Umständen wird die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nach der Rechtsprechung bejaht, falls ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden unfallbezogenen Kriterien (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit [BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa]) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt gehäuft oder auffallend zum Tragen kommen (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 4.2.3 Das Fahrzeug des Versicherten wurde laut Unfallprotokoll der Polizei an der linken hinteren Ecke durch ein mit ca. um 20-30 Stundenkilometer schneller fahrendes nachfolgendes Auto erfasst und gegen die rechte Leitplanke katapultiert. Durch diesen heftigen Aufprall wurde das Fahrzeug auf die Fahrbahn zurückgeschleudert und kam entgegen der Fahrrichtung zum Stillstand (vgl. auch die biomechanische Kurzbeurteilung durch die Arbeitsgruppe für Unfallmechanik am Institut für biomedizinische Technik der Universität Z.________ vom 2. August 2002). Dieser Ablauf verursachte beim Beschwerdeführer gewiss einen grossen Schrecken, der nachvollziehbar einige Zeit nachzuwirken vermag. Das Ereignis ist aber nicht derart ausserordentlich, dass es einen adäquaten Grund für die andauernden Beschwerden zu setzen vermöchte. Die Dauerschmerzen und funktionellen Beeinträchtigungen, die langwährende Behandlungsbedürftigkeit und Arbeitsunfähigkeit waren schon früh zu einem erheblichen Teil psychisch überlagert bzw. verursacht. Soweit eine psychische Fehlentwicklung für Bestand, Ausmass oder Dauer der betreffenden Umstände verantwortlich war, dürfen diese vorliegend nicht berücksichtigt werden (Erw. 4.1 hievor). So vermag keines der einschlägigen Kriterien für sich allein oder im Verbund mit anderen die Adäquanz zu begründen. 4.3 Dass der Unfall nicht als adäquate Ursache des Beschwerdebildes erscheint, sondern für die gesundheitliche Fehlentwicklung nur eine zufällige Rolle spielt, wird auch durch die gutachtlichen Ausführungen des Dr. S.________ deutlich: Danach war der Beschwerdeführer, der hohe Ansprüche an sich selber stellt, seit längerer Zeit grossen Belastungen ausgesetzt. So leidet seine Ehefrau unter schwerwiegenden psychischen Problemen; ausserdem fühlt er sich verpflichtet, die Angehörigen seines im Krieg umgekommenen Bruders zu unterstützen. Die entsprechende Überforderung führte zur psychischen Dekompensation. Hiefür bildete der Unfall lediglich der äussere Anlass, der es dem Versicherten erlaubte, sich (unbewusst) durch Heranbildung körperlicher Symptome seelisch zu entlasten, ohne dabei in seinem Umfeld auf Ablehnung zu stossen. Dieser Zustand schafft aber neue Spannungen, die wiederum eine Ausweitung der Symptomatik bewirken (vgl. das Gutachten zuhanden der Invalidenversicherung vom 16. August 2003, S. 7).