Citation: 4A_97/2016 E. 2.2

2.2. Nach der Rechtsprechung kann der Irrtum von Käufern gesellschaftlicher Beteiligungen über die finanzielle Lage der Gesellschaft wesentlich sein. So wurde die einseitige Unverbindlichkeit des Kaufvertrags etwa anerkannt, als das Warenlager in der Zwischenbilanz der Gesellschaft nicht entsprechend den gesetzlichen Bilanzierungsvorschriften geschätzt wurde und sich deshalb der Käufer eine Fehlvorstellung über den Wert der Warenvorräte bildete, die nach seiner Behauptung nur etwa einen Drittel des angegebenen Betrages ausmachten (BGE 107 II 419 E. 3c S. 426; vgl. in der Folge auch Urteil 4C.12/1990 vom 27. November 1990). Schliesslich war auch ein Käufer, der sämtliche Aktien einer überschuldeten oder im besten Fall vermögenslosen Aktiengesellschaft für Fr. 50'000.-- erworben hatte und sich bei Vertragsschluss in einem Irrtum über die finanzielle Lage der Gesellschaft befand, zur Anfechtung des Kaufvertrags wegen Willensmangels berechtigt (BGE 97 II 43 E. 2 S. 46). In diesem Urteil werden überdies Präjudizien zitiert, in denen das Bundesgericht den Irrtum über die Finanzlage einer Bank als wesentlich anerkannte, über welche drei Tage nach dem Kauf der Konkurs eröffnet wurde (BGE 43 II 493), oder über den Wert der Aktien einer Gesellschaft, deren Patente beschlagnahmt worden waren (BGE 79 II 160 E. 4). Im erwähnten BGE 97 II 43 (E. 2 S. 46) wird schliesslich betont, dass es sich dabei nur um Beispiele wesentlichen Irrtums über die Finanzlage der Gesellschaft handle, deren Beteiligung erworben wurde (vgl. auch später Urteil 4C.230/1993 vom 4. Januar 1994 E. 5).