Citation: H 47/01 11.03.2002 E. 4

4.- Das kantonale Gericht hat die Tatbestandselemente des Art. 52 AHVG als erfüllt betrachtet und in der Folge die Schadenersatzpflicht bejaht. a) Der Beschwerdeführer 1 bestreitet, dass er eine schuldhafte Pflichtverletzung begangen habe. Wie die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat, ist dem Beschwerdeführer 1 aber eine grobfahrlässige Missachtung der Vorschriften und damit eine schuldhafte Pflichtverletzung vorzuwerfen, da er als einer von zwei einzelzeichnungsberechtigten Verwaltungsräten und Geschäftsleitern die Pflicht und die Möglichkeit gehabt hätte, die Sozialversicherungsbeiträge rechtzeitig abzuliefern. b) Der Beschwerdeführer 1 verneint ein Verschulden insbesondere damit, dass die Bank die Zahlungsaufträge zur Begleichung der Sozialversicherungsbeiträge nicht ausgeführt habe. aa) Es ist deshalb zu prüfen, ob ein Schuldvorwurf an den Beschwerdeführer 1 entfällt, weil es ihm in seiner Stellung als Organ der L.________ AG wegen deren Bindung an die den Schuldendienst regelnde Bank faktisch nicht möglich gewesen war, für die Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge besorgt gewesen zu sein. Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts kann ein Verschuldensvorwurf in solchen Fällen (insbesondere bei Globalzessionen) entfallen. Als Entschuldigungsgrund kommt dabei nur ein Abhängigkeitsverhältnis in Frage, das der Beschwerdeführer 1 aus schützenswerten unternehmerischen oder betriebswirtschaftlichen Überlegungen, der Not der Stunde gehorchend, eingehen musste; dabei bleiben - in Anbetracht der Unübertragbarkeit der ahv-rechtlichen Arbeitgeberpflichten - die Organe auch in einem solchen Fall verpflichtet, das ihnen noch Mögliche und Zumutbare für die Begleichung der Sozialversicherungsbeiträge zu unternehmen. Bestehen demgegenüber Anhaltspunkte dafür, dass sich die Unternehmung bewusst in Abhängigkeit zur Bank gebracht hätte, um sich dann für den Fall von Zahlungsausständen gegenüber der Sozialversicherung darauf zu berufen, zur Wahrnehmung ihrer Arbeitgeberpflichten gar nicht mehr in der Lage gewesen zu sein, könnte von einem Entschuldigungsgrund von vornherein nicht gesprochen werden (Urteile P. vom 24. September 2001, H 343/00, U. vom 5. Februar 2001, H 235/99, W. vom 9. November 2000, H 195/00, nicht veröffentlichte Urteile P. vom 27. Juli 1998, H 269/96 [vgl. RDAT 1999 I Nr. 72 S. 279], B. vom 16. Juni 1998, H 330/97, G. vom 10. Februar 1998, H 189/97, A. vom 18. März 1997, H 62/96, S. vom 7. Juli 1994, H 294/93, M. vom 17. Februar 1994, H 131/93; Thomas Nussbaumer, Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG, AJP 1996, S. 1078). Zudem ist zu beachten, dass eine Globalzession für sich allein keinen genügenden Entlastungsgrund darstellt, da die Organe auch diesfalls grundsätzlich verantwortlich bleiben (Urteil W. vom 5. September 2001, H 377/00, mit Hinweis auf Urteil O. vom 19. Januar 2000, H 177/99). bb) Aufgrund der Akten ist kein Anhaltspunkt dafür ersichtlich, dass der Beschwerdeführer 1 die L.________ AG absichtlich unter einen (behaupteten) bestimmenden Einfluss der Bank brachte, um sich seiner Arbeitgeberhaftung zu entziehen. cc) Die (massiven) Zahlungsausstände betreffend Sozialversicherungsbeiträge bestanden schon seit der Gründung der L.________ AG. Es ist somit davon auszugehen, dass die Firma von Beginn weg ungenügend finanziert gewesen ist; von einem nur vorübergehenden finanziellen Engpass kann nicht gesprochen werden. Unter diesen Umständen bestanden keine hinreichend zuverlässigen Anhaltspunkte, welche dem Beschwerdeführer 1 bei objektiver Betrachtungsweise die Annahme erlaubt hätten, die Gesellschaft könnte durch die Nichtbezahlung der Sozialversicherungsbeiträge saniert und die Beiträge innert nützlicher Frist nachbezahlt werden. Eine schützenswerte unternehmerische oder betriebswirtschaftliche Überlegung, die - der Not der Stunde gehorchend - das Eingehen eines Abhängigkeitsverhältnisses zur Bank entschuldigen würde, konnte somit gar nicht vorliegen. Auch das kantonale Gericht weist zutreffend darauf, dass die Zahlungsausstände betreffend Sozialversicherungsbeiträge schon lange vor dem Drängen der Bank auf Rückzahlung des Kontokorrentkredites resp. vor der Sperrung des Kontos eingetreten sind. c) Auch aus der am 2. November 1998 von seinem Privatkonto erfolgten Überweisung von Fr. 100'000.- an die Ausgleichskasse kann der Beschwerdeführer 1 nichts zu seinen Gunsten ableiten, da sich dadurch seine Arbeitgeberhaftpflicht einzig im Umfang - nicht aber in der Qualität - verringert hat. d) Es kann offen bleiben, ob der (behauptete) Einfluss der Bank auf den Geschäftsgang der L.________ AG derart bestimmend war, dass sie als faktisches Organ angesehen und damit selber nach Art. 52 AHVG haftpflichtig werden könnte (vgl. BGE 114 V 80 Erw. 3 sowie Thomas Nussbaumer, Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in René Schaffhauser/Ueli Kieser [Hrsg. ], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 103 f.), da die Arbeitgeberhaftung des Art. 52 AHVG gemäss Rechtsprechung als Solidarhaftung ausgestaltet ist (BGE 119 V 87 Erw. 5a mit Hinweis).