Citation: 9C_714/2023 E. 6.2

6.2. Entgegen der Vorinstanz braucht das Konzept des fortgesetzten Wohnsitzes hier nicht bemüht zu werden. Wie nämlich schon die Steuerverwaltung in ihrem Einspracheentscheid vom 14. Januar 2020 erwogen hatte, lag der Lebensmittelpunkt und damit der Wohnsitz des Beschwerdeführers spätestens ab der Rückkehr aus dem Auslandeinsatz in Haiti im Februar des Jahres 2012 bei seinen Eltern in U.________. Wie sich aus den Feststellungen der Unterinstanz ergibt (Art. 105 Abs. 2 BGG), hatte sich der Beschwerdeführer per Februar 2012 in U.________ angemeldet und war er von dort aus neben dem Aufnahmeprozess bei der Institution B.________ während drei Monaten für ein Ingenieurbüro in X.________/BE tätig gewesen, wo er bereits zuvor mehrere Jahre gearbeitet hatte. Im Frühjahr 2012 verbanden ihn also alle wichtigen Lebensinteressen mit U.________. Vergleichbare Verbindungen zu anderen Orten bestanden nicht. Es war zu jenem Zeitpunkt objektiv betrachtet nicht damit zu rechnen, dass der Aufenthalt des Beschwerdeführers in U.________ nur von kurzer Dauer sein würde. Das war er schliesslich auch nicht: Mit Beginn der Auslandeinsätze ab Juli 2012 hielt sich der Beschwerdeführer - ungeachtet der Ferien, der Besuche bei Freunden und anderer kurzzeitiger Absenzen - zwar effektiv meistens nur noch drei bis vier und nie mehr als sieben Monate am Stück in U.________ auf. Er kehrte aber doch immer wieder nach U.________ zurück und übernachtete bei seinen Eltern, bis er im Juli 2016 das Studio in V.________ bezog. Die Wohnung seiner Eltern diente ihm also gewissermassen als Basis, von der aus er seine Auslandeinsätze und Reisen unternahm. Die Beziehungen zu U.________ erscheinen in der Zeit vom 1. Januar 2014 bis zum Umzug nach V.________ im Juli 2016 damit objektiv betrachtet als hinreichend stark, um auch während mehrmonatigen Abwesenheiten den Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers zu begründen. Dass den Beschwerdeführer über die einzelnen Auslandeinsätze hinaus wichtige Lebensinteressen mit den Einsatzorten verbunden hätten, ist nicht ersichtlich. Eine Rückkehr an einen Einsatzort war von vornherein äusserst unwahrscheinlich, nicht zuletzt weil dem Beschwerdeführer über den Einsatz hinaus am Einsatzort keine Wohn- oder Schlafräumlichkeiten zur Verfügung standen. Für die Zeiträume zwischen den einzelnen Auslandeinsätzen kommt also von vornherein nur U.________ als Lebensmittelpunkt in Betracht. Aber auch für die Zeit während den Auslandeinsätzen überwogen die Lebensinteressen, die den Beschwerdeführer mit U.________ verbanden, die Beziehungen, die er zu bzw. an den ausländischen Einsatzorten knüpfte. Aus den Feststellungen der Vorinstanz und den Akten ergeben sich jedenfalls keine Hinweise auf soziale oder gesellschaftliche Kontakte des Beschwerdeführers auf den Philippinen, im Sudan und in Griechenland, die auch nur annähernd eine ähnliche Bedeutung erreicht hätten wie die Verbindung zu seinen Eltern und die sonstigen sozialen Beziehungen, die er in und um U.________ pflegte, wo der Beschwerdeführer schliesslich auch aufgewachsen war. Seine Arbeit war also das einzige wichtige Lebensinteresse, das den Beschwerdeführer mit den Einsatzorten verband. Weil die einzelnen Arbeitsverhältnisse jedoch stets auf weniger als ein Jahr befristet waren, wiegt dieses Lebensinteresse - im Einklang mit dem SSK-Kreisschreiben Nr. 1 - nicht schwer genug, um den Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers dort und nicht in U.________ zu sehen.