Citation: 2C_84/2023 E. 3.4.2

3.4.2. Durch das materielle Recht vorgegebenes Beweisthema im vorinstanzlichen Verfahren war einerseits die Frage, ob der Beschwerdeführer eine Berufspflichtverletzung begangen hat. Andererseits hatten die kantonalen Instanzen zu beurteilen, wie der Beschwerdeführer gegebenenfalls zu sanktionieren ist. In Bezug auf das "Ob" einer Berufspflichtverletzung ging die Vorinstanz davon aus, der Beschwerdeführer habe seine anwaltliche Sorgfaltspflicht durch das Schreiben vom 17. März 2020 unabhängig von einem allfälligen Besprechungswunsch des Klienten verletzt. Diese Beurteilung erweist sich als bundesrechtskonform (hinten E. 5.3). Daher durfte die Vorinstanz, ohne in Willkür zu verfallen, davon absehen, in diesem Zusammenhang weitere Feststellungen über das Anwalt-Klienten-Verhältnis zu tätigen. Für das "Wie" der Sanktion ist demgegenüber auch das Verschulden des Beschwerdeführers und insofern der Gesamtkontext des Anwalt-Klienten-Verhältnisses relevant (hinten E. 6.1.1). Die Vorinstanz hätte also die tatsächlichen Fallumstände zumindest im Zusammenhang mit der ihres Erachtens auszusprechenden Sanktion erheben und in die rechtlichen Erwägungen einbeziehen müssen. Angesichts der verschuldensbezogenen Natur der in Art. 12 lit. a BGFA geregelten Sorgfaltspflicht und des weiten Spielraums, über den die Aufsichtsbehörde aufgrund von Art. 17 BFFA bei der Sanktionierung verfügt, kommt dem Grad des Verschuldens für die Bemessung der Sanktion eine erhebliche Bedeutung zu. Das vom Beschwerdeführer vorgebrachte Argument, sein Klient hätte aufgrund des zerrütteten Vertrauensverhältnisses ohnehin keine Urteilserläuterung gewünscht, ist geeignet, eine Pflichtverletzung unter diesem Aspekt als weniger schwerwiegend erscheinen zu lassen. Deshalb sind die vorinstanzlichen Feststellungen in diesem Punkt offensichtlich unvollständig.