Citation: 4A_204/2020 E. A

A.________ (Arbeitnehmerin; Beschwerdeführerin) arbeitete seit Mai 2001 bei der B.________ AG (Arbeitgeberin; Beschwerdegegnerin). Auch ihr Ehemann war dort angestellt. Nach verschiedenen Vorfällen Mitte August 2015 waren sich die Parteien nicht einig, ob die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis fristlos gekündigt oder ob die Arbeitnehmerin den Arbeitsplatz ungerechtfertigterweise definitiv verlassen respektive ihrerseits das Arbeitsverhältnis fristlos gekündigt hatte. Im Wesentlichen geht es einerseits darum, dass der Ehemann der Arbeitnehmerin im Rahmen eines Wechsels in der Geschäftsleitung Probleme mit der neuen Geschäftsleiterin hatte. Zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses kam es, jedenfalls nach Darstellung der Arbeitnehmerin, nachdem von den Eheleuten verlangt worden war, am 15. August 2015 (Feiertag/Maria Himmelfahrt) zu arbeiten, wozu sie nicht bereit waren, da ein Kirchenbesuch geplant war. Daraufhin sei ihnen am 10. August 2015 von der Arbeitgeberin eine Bedenkzeit bis 14. August 2015 eingeräumt worden. A.a. Am frühen Morgen des 13. August 2015 wollte der vormalige Inhaber und bisherige Geschäftsleiter der Arbeitgeberin gegenüber den Mitarbeitern nochmals klarstellen, dass die Geschäftsführung nun bei der neuen Geschäftsleiterin lag. Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Ehemann der Arbeitnehmerin und der neuen Geschäftsleiterin sowie dem bisherigen Geschäftsleiter. Der Ehemann verliess die Arbeitsstelle, was die Arbeitgeberin mit Schreiben vom gleichen Tag als ungerechtfertigtes fristloses Verlassen der Arbeitsstelle interpretierte. Da ihr die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zugemutet werden könne, anerkenne sie die fristlose Kündigung. Der Ehemann wollte beim Verlassen der Arbeitsstelle, dass seine Frau mit ihm komme, doch sie konnte zum Bleiben überredet werden. Sie arbeitete zunächst am Nachmittag des 13. August 2015. Gleichentags telefonierte sie mit dem bisherigen Geschäftsleiter. Sie erklärte nicht, sie wolle das Arbeitsverhältnis fristlos auflösen, sagte aber, sie habe keine Chance, bei der Arbeitgeberin zu bleiben. A.b. Am 14. August 2015 erschienen beide Eheleute wieder zur Arbeit und übergaben dem bisherigen Geschäftsleiter je eine ordentliche Kündigung. Unmittelbar nach der Übergabe der Kündigungsschreiben kam es zum nächsten Eklat, woraufhin die Arbeitnehmerin zusammen mit ihrem Ehemann die Arbeitsstelle verliess. Zuerst hatte die Arbeitnehmerin noch mit ihrem Sohn telefoniert. Dieser soll auch mit dem bisherigen Geschäftsleiter gesprochen und ihm mitgeteilt haben, wenn der Mann nicht mehr arbeiten könne, werde sich seine Mutter krank melden. Sie gehe ins Spital, sie habe Kopfschmerzen. Der bisherige Geschäftsleiter bestätigte als Zeuge befragt, die Arbeitnehmerin habe erwähnt, Kopfweh zu haben, aber erst als sie gegangen sei. A.c. Gleichentags verfasste die Arbeitgeberin eine Verwarnung mit dem Betreff "Unbegründetes Verlassen des Arbeitsplatzes". In diesem Schreiben wurde festgehalten, es sei bei Arbeitsbeginn zu einem Vorfall zwischen dem Ehemann der Arbeitnehmerin und der neuen Geschäftsleiterin sowie dem bisherigen Geschäftsleiter gekommen. Es wird im Schreiben der Vorwurf erhoben, die Arbeitnehmerin sei unentschuldigt nach Hause gegangen und habe die Arbeit verweigert. Die neue Geschäftsleiterin wies die Arbeitnehmerin darauf hin, dass zwischen ihr und der Arbeitgeberin ein eigenes arbeitsrechtliches Verhältnis bestehe, und wies sie zudem auf ihre arbeitsrechtliche Gehorsamspflicht hin. Da die mündlichen Verwarnungen keine Wirkung gezeigt hätten, sah sich die Arbeitgeberin veranlasst, die Arbeitnehmerin in dem Schreiben zu verwarnen und ihr anzuzeigen, dass sie im Wiederholungsfalle fristlos entlassen werde. Deshalb bat die neue Geschäftsleiterin die Arbeitnehmerin, am Montag 17. August 2015 zeitgemäss zur Arbeit zu erscheinen. Dieses Schreiben hat die Arbeitnehmerin am 17. August 2015 erhalten. A.d. Am Morgen des 17. August 2015 erschien die Arbeitnehmerin nicht zur Arbeit. Sie macht geltend, krankheitshalber zu Hause gewesen zu sein. Demgegenüber will die neue Geschäftsleiterin mehrmals vergeblich versucht haben, die Arbeitnehmerin wegen ihres Nichterscheinens telefonisch zu erreichen, jedoch ohne Erfolg. Dies bestreitet die Arbeitnehmerin mit Blick auf ihren krankheitsbedingten Aufenthalt zu Hause. In den Akten finden sich zwei Zeugnisse, eines vom 14. August 2015, das eine Arbeitsunfähigkeit vom 14. - 16. August 2015 bestätigt und eines vom 19. August 2015 betreffend eine Arbeitsunfähigkeit vom 17. - 24. August 2015. Die Arbeitnehmerin behauptete, ohne die Behauptung zu substanziieren, die ins Recht gelegten Zeugnisse seien der Arbeitgeberin ohne Verzug übermittelt worden. Jedenfalls hat sie die beiden Zeugnisse am 21. August 2015 dem Rechtsvertreter der Arbeitgeberin zukommen lassen. A.e. Diese Zustellung an den Rechtsvertreter der Arbeitgeberin erfolgte, nachdem die Arbeitnehmerin am 18. August 2015 einen am 17. August 2015 verschickten Nachtrag zur Verwarnung vom 14. August 2015 entgegengenommen hatte. In diesem Schreiben führt die Arbeitgeberin unter dem Betreff "Fristlose Kündigung seitens der Arbeitnehmerin" aus: "Sehr geehrte Frau A.________ Aufgrund Ihres Verhaltens am 14.08.15, vormerklich dem ungerechtfertigten Verlassen des Arbeitsplatzes und der voreingegangenen ordentlichen Kündigung Ihrerseits, akzeptieren wir die fristlose Kündigung Ihrerseits und sehen das Arbeitsverhältnis rückwirkend per 14.08.15 als aufgelöst. Mit freundlichen Grüssen [...]" Die Arbeitnehmerin stellt sich auf den Standpunkt, mit diesem Nachtrag habe die Arbeitgeberin ihr unberechtigt fristlos gekündigt.