Citation: 8C_345/2022 E. 4

Im angefochtenen Entscheid wird zunächst eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes ab 10. November 2015 bejaht. Dem psychiatrischen Gutachten des Dr. med. B.________ vom 13. Februar 2018 misst das kantonale Gericht grundsätzlich Beweiswert zu. Nach Einschätzung des Experten leidet der Beschwerdeführer mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit unter einer chronifizierten depressiven Episode leichten bis mittelschweren Ausmasses mit somatischem Syndrom und Phasen einer schweren depressiven Episode auf dem Boden einer vorwiegend narzisstisch gefärbten Persönlichkeitsakzentuierung. Nach einem intensiven Arbeits- und Aufbautraining sei eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erreichbar. Die Vorinstanz konstatiert, gemäss den Ausführungen des Dr. med. B.________ bestehe, wenn überhaupt, nur eine geringe Arbeitsfähigkeit von einer Stunde bis zwei Stunden pro Tag, wobei es (zunächst) eines intensiven Arbeits- und Aufbautrainings bedürfe, um auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50 % zu kommen. Es sei nun aber zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer, nach Aufhebung der vorgängig ausgerichteten Invalidenrente im Jahr 2011 infolge einer Verbesserung des Gesundheitszustandes, untätig geblieben und keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Da es im Rahmen der Schadenminderungs- und Selbsteingliederungspflicht seine Aufgabe gewesen wäre, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen, seien die vom Gutachter für nötig erachteten Eingliederungsmassnahmen zur (Wieder-) Erreichung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auf invaliditätsfremde Faktoren zurückzuführen. Denn hätte der Beschwerdeführer seine 70%ige Arbeitsfähigkeit in den letzten Jahren ausgeschöpft, wäre ein Arbeitstraining zum Erreichen einer 50%igen Arbeitsfähigkeit von vornherein nicht nötig, sondern es würde lediglich zu einer Reduktion des Arbeitspensums bei Erhöhung des Invaliditätsgrades kommen. Der Beschwerdeführer mache denn auch nicht geltend, dass die von ihm geforderten Eingliederungsmassnahmen gleichermassen notwendig wären, wenn er in den Jahren 2011 (Aufhebung der Rente) bis 2015 (Neuanmeldung wegen Verschlechterung des Gesundheitszustandes) in einem Teilpensum gearbeitet hätte. Folglich müsse die Arbeitsunfähigkeit in rechtlicher Hinsicht abweichend von der medizinischen Einschätzung auf 50 % festgelegt werden. Es sei deshalb nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle Eingliederungsmassnahmen abgelehnt und eine halbe Rente, gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 55 %, zugesprochen habe.