Citation: 5A_293/2024 E. 4.2

4.2. Eine wesentliche Änderung in den Verhältnissen bejahte das Obergericht einerseits aufgrund eines Arztberichts vom 20. Mai 2022, der beim Beschwerdegegner einen Mangel an Empathiefähigkeit verneint. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass dem Beschwerdegegner das Recht auf persönlichen Verkehr zur Tochter zuvor deshalb entzogen worden war (vgl. vorne Bst. A.a), weil er diese überforderte und nicht in der Lage war, die Situation aus ihrer Sicht zu betrachten. Andererseits erblickte das Obergericht eine wesentliche Änderung der Verhältnisse im Zeitablauf seit dem Entzug. Die Beschwerdeführerin erachtet es als willkürlich (Art. 9 BV), dass das Obergericht aufgrund des Berichts vom 20. Mai 2022 auf Veränderungen in den Verhältnissen schloss. Dabei bringt sie vor, der Bericht sei rund zweijährig und damit "komplett überholt und veraltet". Zwar trifft zu, dass bei der Würdigung von Gutachten oder Arztberichten von ausschlaggebender Bedeutung ist, ob diese aktuell sind. Dabei ist aber nicht primär auf das formelle Kriterium des Alters des fraglichen Berichts abzustellen. Massgeblich ist vielmehr die materielle Frage, ob sich die Ausgangslage seit seiner Erstellung geändert hat (Urteile 5A_318/2021 vom 19. Mai 2021 E. 3.1.3; 5A_473/2013 vom 6. August 2013 E. 5). Hierzu lässt sich der Beschwerde nichts entnehmen, womit die Beschwerdeführerin nicht darzutun vermag (vgl. vorne E. 2.2), dass die Vorinstanz aus diesem Grund in Willkür verfallen wäre. Weiter verweist die Beschwerdeführerin darauf, der Bericht enthalte keine Angaben zu Art und Umfang der Therapie des Beschwerdegegners und keine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Empathielosigkeit. Auch mit diesen pauschalen Hinweisen gelingt es der Beschwerdeführerin nicht, den angefochtenen Entscheid als geradezu willkürlich erscheinen zu lassen (vgl. vorne E. 2.2). Das Obergericht hat im Übrigen nicht aus den Augen verloren, dass der Bericht von der Therapeutin des Beschwerdegegners verfasst wurde (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil 5A_119/2021 vom 14. September 2021 E. 7.3). Der Vorwurf der Willkür erhärtet sich damit nicht. Unter diesen Umständen braucht nicht mehr darauf eingegangen zu werden, ob wie von der Vorinstanz angenommen veränderte Verhältnisse auch aufgrund des Zeitablaufs angenommen werden können (vgl. dazu aber etwa Urteil 5A_963/2021 vom 1. September 2022 E. 3.3.2).