Citation: 7B_454/2023 E. 2.2.1

2.2.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschwerdeführer vor, von 2004 bis 2013 durch wissentlich falsche Angaben gegenüber Ärzten und Versicherungen Leistungen von mehreren Hunderttausend Franken erhältlich gemacht zu haben. 2004 habe er erstmals ein unklares pseudozentralnervöses Krankheitsbild mit Störung der Körperhaltung und Muskelzuckungen der Beine gezeigt, was den Psychologen zur Annahme einer Konversionsstörung von Krankheitswert bewogen habe. Gestützt auf die bewusste Irreführung durch den Beschwerdeführer sei eine arbeitsmarktrelevante Leistungsfähigkeit verneint worden. Aufgrund einer psychiatrischen Begutachtung seien ihm, wiederum gestützt auf falsche Angaben, eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit attestiert sowie Taggelder und Renten zugesprochen worden. In den folgenden Jahren habe der Beschwerdeführer das gezeigte Beschwerdebild gegenüber Ärzten, Gutachtern, Versicherern und Behörden aktiv aufrechterhalten. Etwa habe er während sieben Jahren anlässlich regelmässiger Physiotherapie ein äusserst schweres Beschwerdebild mit Zuckungen an den Beinen und gekrümmter Haltung gezeigt. Er habe sämtliche Beschwerden nach einem strategischen Verteilmuster vorgespielt, ohne dass diese auch im Privatleben aufgetreten wären. Tatsächlich wäre er voll arbeitsfähig gewesen. Nach seiner IV-Anmeldung im Jahr 2000 habe der Beschwerdeführer durch regelmässige vorgetäuschte Wohnsitzwechsel verhindert, dass sein Gesundheitszustand überprüft werden konnte. Die Sozialversicherer seien so im Irrtum verblieben, er sei nicht arbeitsfähig. Die gezeigten Beschwerden würden indessen nicht existieren. Der Beschwerdeführer sei an seinem Wohnort handwerklich sehr aktiv gewesen, habe etwa am Bau eines riesigen Biotops gearbeitet, wobei er mit einem Bagger hantiert sowie regelmässig Baumaterial eingekauft und Bauschutt entsorgt habe. Ausserhalb der Physiotherapie habe er sich gerade aufrichten können. Er habe mehrere Kurse in Deutschland absolviert und im Juli 2009 einen Massagekurs bestanden. In dieser Zeit sei der Beschwerdeführer auch Auto gefahren. Ab 2011 habe er gegenüber den Behörden erklärt, den Schriftverkehr nicht mehr selbst erledigen zu können, obwohl er gar die Korrespondenz von Familienangehörigen geführt habe. Trotz der vielen fiktiven Wohnsitzwechsel habe am 13./14. November 2012 eine polydisziplinäre Untersuchung durch ein ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) stattgefunden. Da die Ärzte im Verhalten des Beschwerdeführers verschiedene Ungereimtheiten festgestellt hätten, sei er observiert worden. Dabei habe sich gezeigt, dass er die angegebenen Beschwerden im Privatleben nicht zeige.