Citation: 6S.431/2002 11.03.2003 E. 3

Der Beschwerdeführer rügt die Annahme von Arglist. Er macht geltend, sein mangelnder Erfüllungswille sei, zumindest während der vereinbarten Frist von 6 Wochen, für den Geschädigten leicht überprüf- und erkennbar gewesen. Das gelte um so mehr, als dieser eine sehr gute Ausbildung habe und im Bereich der Liquiditätsprüfung bewandert sei. 3.1 Die Täuschung gilt als arglistig, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe (manoeuvres frauduleuses, mises en scène) bedient. Bei einfachen falschen Angaben kann unter Umständen Arglist vorliegen, so etwa, wenn der Täter voraussieht, dass der Getäuschte die Überprüfung der Angaben unterlassen werde. Bei der Prüfung der Arglist ist nicht auf die rein objektive Betrachtungsweise abzustellen, wie ein durchschnittlich vorsichtiger und erfahrener Dritter auf die Täuschung reagiert hätte. Vielmehr sind die jeweilige Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfall zu berücksichtigen, soweit der Täter diese kennt und ausnützt. Für die Erfüllung des Tatbestands ist nicht erforderlich, dass der Getäuschte die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle denkbaren Vorsichtsmassnahmen trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn das Opfer die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet hat. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur bei Leichtfertigkeit (BGE 128 IV 18 E. 3a S. 20; 126 IV 165 E. 2a S. 171 mit Hinweisen). 3.2 Die Erwägung der Vorinstanz, der Geschädigte hätte die falschen Behauptungen des Beschwerdeführers nur mit Mühe überprüfen können, begründet weder für sich allein noch hauptsächlich den Entscheid, die Täuschung als arglistig zu qualifizieren. Diese Qualifizierung stützt sich vielmehr auf die Begründung, dass es für den Beschwerdeführer voraussehbar war, der Geschädigte werde auf Grund des besonderen Vertrauensverhältnisses zu ihm die falschen Behauptungen nicht überprüfen. Angesichts der willkürfreien tatsächlichen Feststellungen durfte dieser Schluss ohne Bundesrechtsverletzung gezogen werden. Aus dem angefochtenen Urteil erhellt, dass der Beschwerdeführer und der Geschädigte ehemalige Studienkollegen waren, die damals enge Beziehungen pflegten. Nachdem der Beschwerdeführer wieder näheren Kontakt mit dem Geschädigten geknüpft hatte, bemühte er sich darum, dessen Vertrauen zu gewinnen, indem er ihn zu sich nach Hause einlud, ihm seine geschäftlichen Pläne darlegte und ihn sogar ermutigte, die Arbeitsstelle aufzugeben, um in seiner Gesellschaft einen wichtigen Posten zu bekleiden. In diesem Zusammenhang behauptete er, eine Liegenschaft für seine Gesellschaft erwerben zu können und hierzu kurzfristig die nötigen Mittel zu brauchen. Er berief sich insbesondere auf das Vertrauens- und Freundschaftsverhältnis zum Geschädigten, um diesen dazu zu bringen, ihm das Geld vorzuschiessen, angeblich nur für sechs Wochen. Das Darlehen wurde somit unter Ausnützung des besonderen Vertrauensverhältnisses, das der Beschwerdeführer geschaffen hatte, gewährt. Aus dem angefochtenen Urteil ist nicht ersichtlich, dass der Geschädigte über Indizien verfügte, die sein Vertrauen hätten erschüttern sollen. Er hatte keinen Anlass, die vorgebrachten Expansionspläne des Beschwerdeführers in Frage zu stellen. Ebenso hatte er keinen Anlass, an der Rückzahlungsfähigkeit und am Erfüllungswillen zu zweifeln. Unter diesen Umständen kann dem Geschädigten nicht vorgeworfen werden, die Behauptungen des Beschwerdeführers nicht überprüft zu haben. Dass dieser dies wusste und die Situation bewusst ausnutzte, ergibt sich im Übrigen aus dem Sachverhalt. Da Arglist auf Grund der Hauptbegründung ohne Bundesrechtsverletzung angenommen wurde, braucht die Nebenbegründung (angefochtener Entscheid, S. 12 Abs. 2) nicht geprüft zu werden. Im Übrigen ist zu Recht unbestritten, dass die anderen Tatbestandselemente des Betrugs erfüllt sind. Die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen Betrugs verletzt daher kein Bundesrecht.