Citation: 6P.244/2006 02.03.2007 E. 5

5.1 Das Kantonsgericht führt aus, über den Zeitraum von 06.50 Uhr bis 07.50 Uhr könne der Sohn keine Angaben machen. Seine Schrift wäre nur erheblich, wenn entgegen dem bisherigen Beweisergebnis davon auszugehen wäre, dass die konstante Aussage von Frau A.________, sie sei bereits vor 07.00 Uhr und nicht erst eine Stunde später im Hotel gewesen, unzutreffend wäre. Mit dieser Frage und den ständig wechselnden Zeitangaben des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau habe sich die Strafkammer einlässlich auseinandergesetzt (Urteil vom 4. November 2003). Das Bundesgericht habe diese Beweiswürdigung in seinem Urteil vom 20. April 2005 als "insgesamt ausführlich und differenziert" bezeichnet. Daran vermöge die im Wiederaufnahmeverfahren eingereichte Schrift des Sohnes nichts zu ändern. Sie enthalte zahlreiche Merkmale einer unglaubwürdigen Aussage und wecke in mancherlei Hinsicht Bedenken. Es sei erstaunlich, dass sich der "Zeuge" im Jahre 2006 auf die Minute genau an die Vorgänge im Jahre 1997 erinnern wolle. Seine Schrift enthalte Übertreibungen. Die Erinnerungsgenauigkeit erscheine unnatürlich und betreffe belanglose Vorgänge. Werde zudem berücksichtigt, dass sich alles innert ganz weniger Minuten hätte abspielen sollen, so werde der Wert der Aussage soweit herabgesetzt, dass sie am Beweisergebnis des Urteils vom 4. November 2003 keine ernstzunehmenden Zweifel wecken könne und daher eine nicht erhebliche (teilweise) neue Tatsache darstelle. Der Beschwerdeführer bezeichnet diese Würdigung als willkürlich. Die unzutreffende Zeitangabe seines Sohnes sei unwesentlich. Dessen Beobachtungen stellten keine belanglosen Vorgänge dar. Er habe sein früheres Alltagsleben (Rituale) nie vergessen. Die Würdigung sei absolut nicht fundiert. Durch die Beobachtungen des Sohnes erscheine die bisherige zweifelhafte Beweisgrundlage als erschüttert. Mit seinen Vorbringen belegt der Beschwerdeführer keine Willkür. Willkür im Sinne von Art. 9 BV liegt nach der Rechtsprechung nur vor, wenn der angefochtene Entscheid auf einer schlechterdings unhaltbaren oder widersprüchlichen Beweiswürdigung beruht, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Dass eine andere Lösung oder Würdigung in Betracht zu ziehen oder gar vorzuziehen wäre, genügt nicht (vgl. BGE 131 I 467 E. 3.1; 129 I 8 E. 2.1 und 173 E. 3.1). Indem der Beschwerdeführer der Beweiswürdigung des Kantonsgerichts nur seine eigene Sicht der Dinge entgegenstellt, vermag er keine Willkür darzutun. Die Beschwerde erweist sich somit in diesem Punkt als unbegründet. 5.2 Der Beschwerdeführer rügt im Weiteren, das Kantonsgericht hätte zur Abklärung der Nova gemäss Art. 252 Abs. 2 StPO/SG vorgehen müssen. Es habe ihm zudem im Zusammenhang mit dem Verwerfungsbeschluss das rechtliche Gehör verweigert. Gemäss Art. 252 Abs. 1 StPO/SG erhalten die Behörde, die den früheren Entscheid gefällt hat, und die Gegenpartei Gelegenheit zur Stellungnahme, wenn das Wiederaufnahmegesuch nicht offensichtlich unzulässig oder unbegründet erscheint. Gemäss Abs. 2 dieses Artikels kann der Präsident die nötigen Erhebungen durchführen oder eine vorläufige Untersuchung anordnen. Die Parteien erhalten Gelegenheit zur Teilnahme und zur Stellungnahme. Wie dargelegt, durfte das Kantonsgericht die Schrift des Sohnes ohne Willkür als unerheblich und ungeeignet bezeichnen. Sie durfte daher ohne Willkür und ohne Verletzung des Gehörsrechts von weiteren Beweiserhebungen im Sinne von Art. 252 Abs. 2 StPO/SG absehen (vgl. GVP 1961 Nr. 46, Entscheid der Strafkammer des Kantonsgerichts St. Gallen vom 7. Nov. 1961). Im Übrigen tönt der Beschwerdeführer bloss an, dass das Kantonsgericht ein Glaubwürdigkeitsgutachten hätte einholen können. Er rügt keine Verfassungsverletzung. 5.3 Das Kantonsgericht hält fest, C.________ sei schon zweimal als Zeuge befragt worden. Seine "Berichtigung/Ergänzung" vom 24. April 2006 sei kein neues Beweismittel, sondern ein vom Beschwerdeführer veranlasster Versuch, die Aussage aus heutiger Sicht dem Prozessergebnis "anzupassen". Neue Tatsachen, die der urteilenden Instanz nicht bekannt gewesen wären, würden in der Erklärung nicht glaubhaft gemacht. Nach wie vor bestätige der Zeuge die für die Urteilsfindung vom 4. November 2003 wichtige Tatsache, dass Frau A.________ ihm unmittelbar nach dem behaupteten Ereignis von der Vergewaltigung erzählt habe. Dass er dies nun zu relativieren versuche, indem er "neu" geltend mache, Frau A.________ habe Leute unter Druck setzen können, was letztlich gar in einer Erpressung geendet habe, erscheine als Übertreibung und damit als typisches Lügensignal. Solche Machenschaften würden die Fähigkeiten von Frau A.________, von welcher das Gericht während der einlässlichen Befragung am 4. November 2003 einen persönlichen Eindruck habe gewinnen können, klar übersteigen. Die "Ergänzung/Berichtigung" vom 24. April 2006 sei unerheblich im Sinne des Gesetzes und nicht geeignet, das ursprüngliche Beweisergebnis auch nur im Ansatz in Frage zu stellen. Sie wirke zudem konstruiert und erwecke in verschiedener Hinsicht ernsthafte Bedenken. Es gelingt dem Beschwerdeführer nicht, eine willkürliche Beweiswürdigung darzulegen. So macht er geltend, es sei völlig unerheblich, ob eine Drittperson das Papier für ihn abgefasst habe; Tatsache sei, dass C.________ das Papier unterzeichnet habe und hinter diesen Aussagen stehe. Er begnügt sich im Wesentlichen damit, die "Berichtigung/Erklärung" noch einmal darzustellen, statt sich mit der Beweiswürdigung des Kantonsgerichts auseinanderzusetzen. Das Kantonsgericht ist weder bei der Beweiswürdigung noch beim Absehen von weiteren Erhebungen (Art. 252 StPO/SG) in Willkür verfallen. 5.4 Die staatsrechtliche Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.