Citation: I 729/02 29.01.2003 E. 3

3.1 Entscheidend ist in jedem Fall, dass eine operative Behandlung des grauen Stars (Katarakt) nur dann als medizinische Eingliederungsmassnahme durch die Invalidenversicherung übernommen werden kann, wenn keine erhebliche krankhafte Nebenbefunde vorhanden sind, die ihrerseits geeignet sind, die Aktivitätserwartung des Versicherten trotz der Operationen gegenüber dem statistischen Durchschnitt wesentlich herabzusetzen, wobei die Dauerhaftigkeit und Wesentlichkeit des Eingliederungserfolgs aus medizinisch-prognostischer Sicht beurteilt werden müssen (AHI 2000 S 299 Erw. 2b mit Hinweisen). 3.2 Die Vorinstanz stellte auf den ergänzenden Bericht des behandelnden Augenarztes Dr. med. S.________, vom 21. März 2002 ab und vertrat im angefochtenen Entscheid die Auffassung, als Folge der ersten Operation am linken Auge sei durch die grosse Differenz der Sehstärke zwischen dem linken und rechten Auge ein Doppelsehen aufgetreten, welches zu Arbeitsunfähigkeit geführt habe und - wegen schlechter Verträglichkeit von Kontaktlinsen - einzig durch Vornahme der Kataraktoperation am rechten Auge habe beseitigt werden können. Dr. med. S.________ äusserte sich in seinem Bericht vom 21. März 2002 nicht zur medizinisch-prognostischen Beurteilung der Dauerhaftigkeit des am 12. November 2001 durchgeführten Eingriffs und das kantonale Gericht verzichtete im angefochtenen Entscheid auf Ausführungen zu dieser Voraussetzung für die Übernahme der rechtsseitigen Kataraktoperation als medizinischen Eingliederungsmassnahme. 3.3 Im Rahmen der Prüfung des ersten Leistungsgesuchs des Versicherten hinsichtlich der von der Invalidenversicherung gemäss Verfügung vom 21. September 2001 übernommenen Kataraktoperation am linken Auge holte die IV−Stelle des Kantons Bern bei Dr. med. S.________ einen Bericht ein, womit dieser am 20. August 2001 abschliessend eine "Cataracta praesenilis links [sowie] hohe Myopie beidseits [und einen] Status nach Amotio retinae o.d. 1980" diagnostizierte. Zur Anamnese führte er aus, 1980 habe der Versicherte rechts eine Amotio retinae erlitten, welche in der Klinik behandelt worden sei. Es sei eine leichte Fibroplasie am Hinterpol entstanden und der beste Visus seither auf 0,6 reduziert geblieben. Links habe der korrigierte Visus früher 1,0 betragen. Weiter wies Dr. med. S.________ darauf hin, dass die Myopie am linken Auge wegen Kernsklerose innerhalb eines Jahres von 11 auf 17 Dioptrien zugenommen habe. Es handle sich bei der Myopie jedoch nicht um eine maligne. Schliesslich hielt er unter dem Titel "therapeutische Massnahmen / Prognose" ausdrücklich fest: "Nur das linke Auge hat eine gute Visusprognose, und die Cataract-Operation ist zur Restitution und Erhaltung der Arbeitsfähigkeit indiziert." Damit brachte der behandelnde Augenarzt schon vor der ersten Kataraktoperation vom 3. September 2001 am linken Auge in aller Deutlichkeit zum Ausdruck, dass er am rechten Auge - angesichts der 1980 durchgemachten Netzhautablösung, der sodann entstandenen leichten Fibroplasie am Hinterpol und der hohen Myopie von 14 Dioptrien - keine gute Visusprognose stellen konnte, so dass es von Vornherein an der Voraussetzung der Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolgs der hier streitigen, am 12. November 2001 durchgeführten rechtsseitigen Kataraktoperation fehlte, weshalb die IV-Stelle eine Übernahme dieses Eingriffs als medizinische Eingliederungsmassnahme mit Verfügung vom 20. Dezember 2001 im Ergebnis zu Recht abgelehnt hat.