Citation: I 865/05 15.12.2006 E. 6

6.1 Laut dem Gutachten des Dr. med. K.________ vom 3. Mai 2004 liegt beim Beschwerdeführer als Folge des Unfalls von Juli 2001 mit traumatischer Fraktur des rechten Oberschenkels und nachfolgender Beinverkürzung um 18 mm eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (ICD-10: F43.25) vor. Wie der Gutachter weiter darlegt, wäre es dem Versicherten aus psychiatrischer Sicht zumutbar, seinen Widerstand gegen die grundsätzlich mögliche weitgehende Behebung der funktionellen Einschränkungen durch einen Sohlenausgleich und seine Fixierung auf eine operative Beinverlängerung - einen Eingriff, der nach Lage der Akten medizinisch nicht indiziert ist - zu überwinden und "zu etwa 50-70 %" einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In Frage kämen beispielsweise die früher ausgeübten Arbeiten als Chauffeur oder als Optiker sowie andere leichte oder mittelschwere Tätigkeiten. Auf Grund der Anpassungsstörung sei eine Arbeitsunfähigkeit von 30-50 % ausgewiesen, die sich nach Ablauf von etwa ein bis zwei Jahren durchaus auf 0-20 % verringern könne, weshalb dann eine Revision als sinnvoll erscheine. 6.2 Dr. med. K.________ führte im Abstand von drei Tagen zwei ausführliche Gespräche mit dem Exploranden; dieses Vorgehen stellt in Verbindung mit dem Studium der Vorakten eine hinreichende Basis für die Erstellung eines Gutachtens dar. Die vom Beschwerdeführer geäusserten Selbstverstümmelungsgedanken werden in der Expertise erwähnt. Letztere nimmt ausserdem auf das Gutachten von Frau med. pract. F.________ Bezug, welches diesen Aspekt ebenfalls thematisiert. Wenn Frau med. pract. F.________ insbesondere die Zumutbarkeit eines Akzeptierens der unterschiedlichen Beinlängen unter Verzicht auf eine operative Korrektur anders beurteilt als der von der Verwaltung als Gutachter beigezogene Spezialarzt, lässt sich dies weitgehend durch ihren primären Auftrag als (seit Februar 2003) behandelnde Ärztin erklären, welcher sich von demjenigen eines Gutachters oder einer Gutachterin grundsätzlich unterscheidet (vgl. zur Unverträglichkeit von Therapie- und Expertiseauftrag aus der jüngeren Rechtsprechung Urteil P. vom 2. August 2006, U 58/06, Erw. 2.2 und, spezifisch bezogen auf die Psychiatrie, Urteil G. vom 13. März 2006, I 676/05, Erw. 2.4). Schliesslich lassen sich die beanstandeten Ausführungen des Dr. med. K.________ zur Frage, ob die Verkürzung des einen Beines um 18 mm trotz der Zumutbarkeit des Verzichts auf deren operative Behebung zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit führe, im Gesamtzusammenhang nur so verstehen, dass der Gutachter die Möglichkeit und Zumutbarkeit einer Überwindung der bisherigen Haltung bejaht und auf der Basis dieses Ergebnisses die Ausübung einer (zunächst) teilzeitlichen Erwerbstätigkeit befürwortet. Eine solche würde es dem Versicherten gemäss der Expertise ermöglichen, die nötige psychische Auseinandersetzung mit dem Unfallereignis zu vollziehen. Sowohl die Diagnose als auch die Aussagen zur Arbeitsfähigkeit werden in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise hergeleitet und begründet. Dem Gutachten ist daher volle Beweiskraft zuzusprechen. 6.3 Die Vorinstanz leitete aus der Aussage des Gutachters, es sei dem Versicherten zumutbar, "zu einem gewissen Prozentsatz, etwa 50-70 %, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen", eine Arbeitsfähigkeit von 70 % ab, während in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde verlangt wird, diese sei auf lediglich 50 % anzusetzen. Die Bedeutung einer Bandbreite, mit der ein Gutachter die Arbeitsfähigkeit beziffert, ist unter Berücksichtigung des jeweiligen Gesamtzusammenhangs zu ermitteln. So ist denkbar, dass es nach Auffassung des Experten in der Macht des Versicherten liegt, das Maximum der angegebenen Arbeitsfähigkeit umzusetzen. Diesfalls ist für die Anspruchsbeurteilung vom höchsten angegebenen Wert auszugehen. Die Bandbreite kann aber auch eine Grössenordnung im Sinne eines Rahmens darstellen, innerhalb dessen der Gutachter die obere Grenze als eher zu hoch, die untere als eher zu niedrig ansieht. In dieser Konstellation rechtfertigt es sich in der Regel, vom Mittelwert auszugehen (Urteil K. vom 21. April 2005, I 822/04, Erw. 4.4, mit Hinweisen). Auf Grund des Gutachtens des Dr. med. K.________ ist, wie die Vorinstanz mit Recht erwogen hat, eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 30 % nicht ausgewiesen. Der Experte bejaht zwar eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die diagnostizierte Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten. Er gelangt jedoch zum Ergebnis, eine angepasste Tätigkeit sei dem Versicherten "zumindest in einem teilzeitlichen Pensum" zumutbar und konkretisiert diese Aussage mit der Angabe einer Arbeitsfähigkeit von "etwa 50 bis 70 %". Wird berücksichtigt, dass der Gutachter die Zumutbarkeit einer (weitgehenden) Behebung der somatisch begründeten Einschränkungen durch einen Sohlenausgleich bejaht und die Arbeitsunfähigkeit einzig aus der verbleibenden Anpassungsstörung ableitet sowie dass er eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 80 bis 100 % innerhalb von ein bis zwei Jahren für durchaus möglich erachtet, rechtfertigt sich ein Abstellen auf den oberen im Gutachten genannten Wert.