Citation: 1P.615/2001 15.10.2001 E. 3

3.-Der Beschwerdeführer wendet sich im Weiteren gegen die Annahme des besonderen Haftgrundes der Fluchtgefahr. a) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes, die mit jener des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte übereinstimmt, braucht es für die Annahme von Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich der Angeschuldigte, wenn er in Freiheit wäre, der Strafverfolgung und dem Vollzug der Strafe durch Flucht entziehen würde. Die Schwere der drohenden Strafe darf als ein Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden. Sie genügt jedoch für sich allein nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die konkreten Umstände des betreffenden Falles, insbesondere die gesamten Lebensverhältnisse des Angeschuldigten, in Betracht gezogen werden (BGE 125 I 60 E. 3a S. 62; 117 Ia 69 E. 4a S. 70, je mit Hinweisen). So ist es zulässig, die familiären und sozialen Bindungen des Häftlings, dessen berufliche Situation und Schulden sowie Kontakte ins Ausland und Ähnliches mitzuberücksichtigen. Auch bei einer befürchteten Ausreise in ein Land, das den Angeschuldigten grundsätzlich an die Schweiz ausliefern bzw. stellvertretend verfolgen könnte, ist die Annahme von Fluchtgefahr nicht ausgeschlossen (BGE 123 I 31 E. 3d S. 36 f.). b) Bei staatsrechtlichen Beschwerden, die gestützt auf das verfassungsmässige Recht der persönlichen Freiheit wegen der Ablehnung eines Haftentlassungsgesuches erhoben werden, prüft das Bundesgericht im Hinblick auf die Schwere des Eingriffes die Auslegung und Anwendung des entsprechenden kantonalen Rechtes frei. Soweit jedoch reine Sachverhaltsfragen und damit Fragen der Beweiswürdigung zu beurteilen sind, greift das Bundesgericht nur ein, wenn die tatsächlichen Feststellungen der kantonalen Instanz willkürlich sind (BGE 123 I 31 E. 3a S. 35, 268 E. 2d S. 271, je mit Hinweisen). c) Was der Beschwerdeführer vorbringt, lässt die Annahme von Fluchtgefahr nicht als verfassungswidrig erscheinen. Er macht geltend, "seine Ehefrau", die ebenfalls jugoslawische Staatsangehörige ist, verfüge "über die Niederlassungsbewilligung", weshalb er "grundsätzlich ein Anrecht auf Aufenthalt in der Schweiz" habe. Zwar sei ihm "im Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren" seitens der Fremdenpolizei die Aufenthaltsbewilligung "nicht verlängert" worden. Dagegen habe er jedoch "Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereicht". Ausserdem müsse er nicht mit einer "lange dauernden Freiheitsstrafe" rechnen. d) Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen ausländischen Staatsangehörigen. Er bestreitet nicht, dass er in seinem Heimatland aufgewachsen ist und insbesondere familiäre Beziehungen dorthin pflegt. Er legt sodann selber dar, dass er hohe Schulden habe. "Gemäss Auszug aus dem Betreibungsregister der Gemeinde Emmen" seien für die "Zeitspanne vom 1. Januar 1997 bis 28. Dezember 1999 hängige Betreibungen von Fr. 3'224. 90, Verlustscheine von Fr. 51'284. 20, laufende Lohnpfändungen von Fr. 1'458. 80" und "Pfändungen von zukünftigem Lohn von Fr. 32'363. 05 registriert". Ausserdem seien "8 offene Verlustscheine über insgesamt Fr. 45'754. 40 eingetragen". Hinzu kämen "gemäss Steuerausstandsbestätigung der Gemeinde Emmen (...) Verlustscheine für die Steuern 1995 bis 1997 von Fr. 32'239. 25, eine Pfändung der Steuern 1998 von Fr. 8'764. 70 und eine offene provisorische Steuerrechnung der Steuern 1999 über Fr. 5'942. 90". Bei dieser Sachlage besteht das Risiko, dass der Beschwerdeführer versucht sein könnte, sich dem Zugriff seiner Gläubiger durch Flucht ins Ausland zu entziehen. Ausserdem weist der Beschwerdeführer selbst darauf hin, dass ihm die Luzerner Fremdenpolizei mit Wegweisungsentscheid vom 31. Oktober 2000 die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert hat. Es wurde dabei Folgendes verfügt: "Sie werden weggewiesen und haben den Kanton Luzern auf Haftentlassung zu verlassen". Zwar erschiene es nicht ausgeschlossen, dass der Vollzug der (noch nicht rechtskräftigen) ausländerrechtlichen Wegweisung bis zum Abschluss des Strafverfahrens aufgeschoben werden könnte. Wie es sich damit genau verhält, braucht im vorliegenden Fall jedoch nicht beurteilt zu werden. Jedenfalls muss der Beschwerdeführer im Falle einer strafrechtlichen Verurteilung wegen Beteiligung an qualifizierter Geiselnahme und Erpressung mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe sowie einer strafrechtlichen Landesverweisung bzw. einer fremdenpolizeilichen Abschiebung ernsthaft rechnen. Die drohende Verurteilung und Strafe ist (auch in Berücksichtigung der anrechenbaren Untersuchungshaft) als zusätzlicher Fluchtanreiz zu werten. Darüber hinaus droht dem Beschwerdeführer zusätzlich der Vollzug früherer, bedingt ausgesprochener Freiheitsstrafen. e) Aus den vorliegenden Akten ergeben sich nach dem Gesagten ausreichend konkrete Hinweise für das Bestehen von Fluchtgefahr. Das Fluchtrisiko erschiene auch durch die vom Beschwerdeführer vorgeschlagene Haft-Ersatzmassnahme (Pass- und Schriftensperre) nicht ausreichend gebannt. Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob neben der Fluchtgefahr auch noch der (alternative) besondere Haftgrund der Kollusionsgefahr zu bejahen wäre.