Citation: K 94/02 16.12.2003 E. 2

Streitig und zu prüfen ist, ob der Versicherte in der Zeit vom 20. April bis 4. Oktober 2000 krankheitsbedingt arbeitsunfähig war und ihm damit auch für diese Zeit ein Anspruch auf Taggelder zusteht (Art. 72 Abs. 2 KVG). 2.1 Die Vorinstanz stützte sich in ihrem ablehnenden Entscheid bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nach dem 20. April 2000 auf die Ausführungen der Ärzte des Spitals Y.________, des ersten Hausarztes Dr. med. K.________ und des Vertrauensarztes Dr. med. G.________, würdigte diese als übereinstimmend und tat die abweichenden Angaben des zweiten Hausarztes Dr. med. W.________ als nicht begründet ab. Demgegenüber vertritt die Beschwerdeführerin u.a. die Auffassung, die Verwaltung habe nicht alles ihr Zumutbare zu Abklärung des Sachverhalts unternommen. Das Verwaltungsgericht hätte beim Vorliegen von sich widersprechenden medizinischen Berichten weitere Abklärungen treffen müssen und sich nicht einfach mit der Feststellung begnügen dürfen, das Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. med. W.________ sei offensichtlich unzureichend belegt. 2.2 Aufgrund der Arztberichte des Spitals Y.________ (Operationsbericht vom 8. Februar 2000 und Austrittsbericht vom 10. Februar 2000) ist von einer komplikationsfreien Leistenbruchoperation des Versicherten und einem problemlosen peri- und postoperativen Verlauf auszugehen. Der Versicherte konnte am 11. Februar 2000 das Spital unter der Auflage verlassen, während sechs Wochen das Heben schwerer Lasten zu vermeiden. Danach stand er bei Dr. med. K.________ und anschliessend bei seinem Praxisnachfolger Dr. med. W.________ in Nachbehandlung. Im ärztlichen Zeugnis vom 8. März 2000 attestierte Dr. med. K.________ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 8. Februar bis 5. März 2000 und "seither 50 %". Im Krankentag-Kontrollblatt der OeKK bescheinigte er jedoch ab 6. März bis 18. April 2000 eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % und ab 19. April eine solche von 50 %. Dr. med. W.________ bestätigte im gleichen Kontrollblatt nach dem ersten Arztbesuch des Versicherten vom 12. Mai 2000 weiterhin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bis 4. Oktober 2000. Dies geschah aufgrund von ärztlichen Besuchen vom 6. Juni, 25. Juli und 5. Oktober 2000. Die Angaben von Dr. med. K.________ erscheinen mithin als widersprüchlich. Entgegen den Erwägungen der Vorinstanz kann somit nicht gesagt werden, der Vertrauensarzt Dr. med. G.________ bestätige diese Beurteilung in seinem Bericht vom 18. Mai 2001. Vielmehr geht er von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 8. Februar bis 5. März 2000 und von 50 % vom 6. März bis 19. April 2000 aus. Er stützte sich bei seiner Einschätzung auf ärztliche Taggeld-Atteste auf dem Formular der OeKK, auf den Operations- und Austrittsbericht des Spitals Y.________ (vom 10. Februar 2000) sowie auf telefonische Gespräche mit Dr. med. M.________ (vom 16. Mai 2001), Dr. med. K.________ (vom 17. Mai 2001) und der OeKK (vom 18. Mai 2001). Zu diesen Telefongesprächen findet sich nichts in den Akten. Die abweichende Einschätzung zu Dr. med. K.________ wird nicht begründet. Es wird lediglich ausgeführt, die von Dr. med. W.________ bestätigte Arbeitsunfähigkeit sei für ihn unverständlich. Auffällig sei auch, dass Dr. med. W.________ trotz mehreren Aufforderungen keinen schriftlichen Bericht geliefert habe, ebenso die seltenen Konsultationen bei der langen Arbeitsunfähigkeit. Bei dieser Ausgangslage kann entgegen der Vorinstanz nicht von einer übereinstimmenden Sachverhaltsdarstellung der verschiedenen andern Ärzte gesprochen werden. Zudem erfüllen weder die Aussagen des Dr. med. K.________ noch diejenige des Vertrauensarztes die Kriterien, welche rechtsprechungsgemäss für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen gelten (BGE 125 V 352 ff. Erw. 3), weshalb darauf nicht ohne weiteres abgestellt werden kann. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht bemängelt, handelt es sich beim vertrauensärztlichen Bericht vom 18. Mai 2001 um eine Schätzung der Arbeitsunfähigkeit im Nachhinein. Aktuelle Befunde liegen keine vor. Nachdem der Vertrauensarzt vom zuständigen Hausarzt auch nach mehrmaligen Nachfragen die erforderlichen Angaben nicht erhielt, hätte er in Anwendung von Art. 57 Abs. 6 KVG den Versicherten unter vorgängiger Benachrichtigung des behandelnden Arztes persönlich untersuchen können und auch müssen. Eine retrospektive Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit vermag ein ärztliches Attest, das ausgewiesenermassen aufgrund von Patientenuntersuchungen erstellt wurde, nicht ohne weiteres zu entkräften. Zwar sind im Nachhinein und nach Abschluss des Heilungsprozesses weitergehende Abklärungen zur Festlegung des Grades der Arbeitsunfähigkeit schwierig, entgegen der Auffassung der Vorinstanz jedoch nicht unmöglich. So verfügt, wie die Beschwerdeführerin vorbringt, der Bezirksarzt, Dr. med. E.________, über die entsprechenden Aufzeichnungen des Dr. med. W.________, der offenbar bereits im Jahre 2001 kaum mehr ansprechbar war. Zudem kann nachträglich ein Bericht der Arbeitgeberin über die Beschwerden des Versicherten und dessen Arbeitseinsatz eingeholt werden und allenfalls im Rahmen eines externen Gutachtens anhand der vorhandenen medizinischen Unterlagen die Arbeitsunfähigkeit in der fraglichen Zeit neu beurteilt werden. 2.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass eine abschliessende Beurteilung des medizinischen Sachverhalts bzw. der Arbeitsunfähigkeit in der fraglichen Zeit aus den dargelegten Gründen nicht möglich ist, ohne dass dies als (sich zu Lasten des Versicherten auswirkende) Beweislosigkeit betrachtet werden kann (vgl. Erw. 1.2 hievor), da mit Blick auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht ausgeschlossen ist, dass weitere Untersuchungen eine Klärung herbeizuführen vermöchten (BGE 121 V 208 Erw. 6a, 117 V 264 Erw. 3b). Indem Vorinstanz und Verwaltung auf zusätzliche Abklärungen verzichteten, verletzten sie einerseits die ihnen durch den Untersuchungsgrundsatz auferlegte Pflicht zur vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und anderseits den Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Mithin ist die Sache zur Durchführung weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.