Citation: 6B_681/2019 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwägt, das Vorgehen der Beschwerdeführerin zeuge von rücksichtsloser Brutalität und einer besonderen Geringschätzung des menschlichen Lebens. Sie habe mit einem Gertel mit einer ungefähr 31 cm langen, gekrümmten Klinge fünfzehn- bis zwanzigmal wuchtig auf die Privatklägerin eingehackt, wobei sie ihr diverse schwere Verletzungen zugefügt habe. Der Einsatz eines Gertels, eines Werkzeugs, mit dem üblicherweise Bäume entastet und Holzstücke oder Äste zerkleinert würden, erhöhe die Abscheulichkeit der Tat. Die Hemmschwelle, die bei einer derartigen Ausübung roher Gewalt gegen einen Menschen überwunden werden müsse, sei deutlich höher, als sie es beispielsweise bei einer Tötung mittels Schusswaffe aus grösserer Distanz gegeben sei. Es bedürfe einer umso höheren kriminellen Energie, um die besagte Schwelle zu überschreiten. Die Beschwerdeführerin habe ihren Tötungsvorsatz konsequent und unerbittlich umzusetzen versucht, ungeachtet der verzweifelten Versuche der Privatklägerin, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Die massive Gewalt gegen die Privatklägerin sei umso verabscheuungswürdiger, weil diese an einer rechtsseitigen unvollständigen Halbseitenlähmung leide, was der Beschwerdeführerin vom Sehen her zweifellos bewusst gewesen sei. Die völlig arg- und wehrlose Privatklägerin sei der Beschwerdeführerin körperlich klar unterlegen sowie völlig schutzlos ausgeliefert gewesen. Wie in einem Albtraum sei sich die Beschwerdeführerin nach dem Einhacken mit dem Gertel nicht etwa der Brutalität ihres Handelns bewusst geworden und habe innegehalten, vielmehr habe sie die Privatklägerin mit Brennsprit bespritzt. Da die Mordelemente überschiessend vorliegen würden, das heisst die Skrupellosigkeit sowohl in der Art der Tatausführung als auch im Beweggrund liege, sei dies verschuldenserhöhend zu gewichten. Die von der Privatklägerin erduldeten psychischen Qualen würden besonders schwer wiegen. Das objektive Tatverschulden für den mutmasslich vollendeten Mord wiege sehr schwer. Eine lebenslängliche Freiheitsstrafe sei angemessen (Urteil S. 38 f. E. 4.1 f.). Die Vorinstanz hält weiter fest, im Rahmen der subjektiven Tatschwere sei das Tatmotiv - Handeln aus absolut nichtigem Anlass - in Beachtung des Doppelverwertungsverbots nicht nochmals zu berücksichtigen. Die bei der Beschwerdeführerin im Tatzeitpunkt vorgelegene leicht verminderte Schuldfähigkeit sei leicht verschuldensmindernd zu taxieren. Die erste Instanz prüfe zu Recht auch die Möglichkeit einer weiteren Verminderung der Schuldfähigkeit infolge eines allfälligen Einflusses von Drogen oder Schmerzmitteln auf die Steuerungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Tatzeitpunkt. Im psychiatrischen Gutachten werde dieser keine Verminderung der Steuerungsfähigkeit infolge Kokainkonsums attestiert. Dass dies nicht einmal separat erwähnt werde, lasse darauf schliessen, dass der Grad der Kokainwirkung auf die Tat respektive die Steuerungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Tatzeitpunkt für den Gutachter erst gar nicht die Stufe einer Fallrelevanz erreiche. Dies lasse sich damit erklären, dass im Verhalten der Beschwerdeführerin während der Tatausführung und nach der eigentlichen Tat keinerlei Hinweise für eine Sinnestrübung durch die Wirkung von Drogen oder Alkohol zu finden seien. Stattdessen sei die Beschwerdeführerin stets strategisch, überlegt und zielgerichtet vorgegangen, so etwa beim Verbarrikadieren der Zimmertüre mit dem Kühlschrank, der Wegnahme des Telefons der Privatklägerin, um ein Herbeirufen von Hilfe zu verhindern, und des Umkleidens im Rahmen der unmittelbaren Fluchtvorbereitung (Sicherungsstrategien). Im Ergebnis rechtfertige es sich daher nicht, einem allfälligen Einfluss von Kokain zusätzlich zur bereits attestierten leichten Verminderung der Schuldfähigkeit Rechnung zu tragen. Insgesamt liege somit ein schweres bis sehr schweres Tatverschulden vor. Die hypothetische Einsatzstrafe für den mutmasslich vollendeten Mord sei im Bereich von 20 Jahren Freiheitsstrafe anzusiedeln (Urteil S. 39 f. E. 4.3 ff.). Ferner erwägt die Vorinstanz, es sei noch die Komponente der versuchten Tatbegehung zu gewichten. Die Privatklägerin sei nur knapp dem Tod entronnen. Dass sich das von der Beschwerdeführerin gesetzte Risiko nicht verwirklicht habe, sei einzig dem Zufall und der rechtzeitigen medizinischen Intervention zu verdanken. Die Beschwerdeführerin habe bei der Privatklägerin mehrere schwere Verletzungen verursacht. Diese habe unter anderem Läsionen im Scheitel- und Stirnbereich erlitten, die mit einem offenen Schädelbruch, Brüchen des Vorderrandes des Augenhöhlendaches sowie mit einer Zerstörung des linken Augapfels einhergegangen seien. Der linke Augapfel habe nicht mehr gerettet werden können. Das Sehvermögen der Privatklägerin auf dieser Seite werde sich nicht mehr erholen. An der rechten Wange sei der Gertel in die Mundhöhle eingedrungen, wobei zwei Zähne herausgeschnitten worden seien und der Unterkiefer lädiert worden sei. Mit den Stichen in den Rücken und in die Flanke sei insbesondere die rechte Brusthöhle eröffnet sowie der rechte Lungenflügel durchstossen worden. Zudem sei es zu einem Bruch der Elle gekommen und damit einhergehend zu einer Durchtrennung des Muskels sowie der Sehnen im linken Unterarm, die während ca. einem Jahr zu Bewegungsstörungen der linken Hand geführt habe. Als Folge der Schnittverletzungen im Gesicht leide die Privatklägerin an Lähmungserscheinungen, die sich auf die Mimik auswirken würden. Es seien zahlreiche Narben zurückgeblieben, die insbesondere im Gesicht stark entstellend wirken würden. Als Folge der Tat sei die Privatklägerin fast ein Jahr lang vollumfänglich und später teilweise arbeitsunfähig gewesen. Das Handeln der Beschwerdeführerin habe sich somit besonders einschneidend auf das Leben der Privatklägerin ausgewirkt. Insgesamt rechtfertige es sich, der bloss versuchten Tatbegehung in einem geringen Mass strafmindernd Rechnung zu tragen und die hypothetische Einsatzstrafe auf 18½ Jahre festzusetzen (Urteil S. 40 ff. E. 5). In Würdigung der Täterkomponenten erachtet die Vorinstanz schliesslich eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren als angemessen (Urteil S. 42 ff. E. 6 f.).