Citation: 5A_451/2022 E. 4.3.4

4.3.4. Die Beschwerdeführer bringen weiter vor, das Obergericht reduziere das Unterscheidungsmerkmal zwischen einem freistehenden Einzelhaus und einem zusammengebauten Doppelhaus unzulässig auf die optische Erscheinung des Gebäudes. Ob ein freistehendes oder ein zusammengesetztes Haus vorliege, definiere sich strukturell: Bei einem zusammengebauten Doppelhaus handle es sich um zwei vollständige Häuser mit je eigener Infrastruktur (d.h. keine gemeinsamen Teile, sondern zwei eigenständige Häuser mit Trennwand). Zwei Einfamilienhäuser könnten baulich jederzeit ein voneinander unabhängiges Schicksal erfahren, indem sie selbständig zurückgebaut und durch einen Neubau ersetzt oder durch eine Renovation oder "nach Gusto" je unterschiedlich gestrichen, materialisiert oder sonst wie verändert würden. Die berechtigten Personen hätten deshalb ein schutzwürdiges Interesse an einem Verbot eines zusammengebauten Doppelhauses, nämlich "das Interesse [an] einer grosszügigeren, nicht von der Aufteilungsabsicht erzwungenen Setzung eines Neubaus in einem grosszügig, einheitlich stimmig angelegten Garten und an der Vermeidung einer biederen, stur zweiteiligen Gestaltung". Abgesehen davon, dass die Beschwerdeführer auch in diesem Zusammenhang unzulässig die subjektiven Interessen der Dienstbarkeitsberechtigten anrufen, ist ihnen Folgendes entgegenzuhalten: Änderungen an einzelnen Teilen eines Gebäudes sind entgegen ihrem Vorbringen (vgl. auch E. 4.2.2 hiervor) nicht nur bei "zusammengebauten Doppelhäusern", sondern auch bei "einheitlichen Zweifamilienhäusern" möglich. Die von den Beschwerdeführern angesprochene Gefahr eines uneinheitlichen Umbaus besteht daher auch dann, wenn von ihrer Interpretation der Dienstbarkeit ausgegangen wird. Grundlegend ändert sich hieran auch dann nichts, wenn bauliche Massnahmen an einem eigenständigen Teil eines Doppelhauses gegebenenfalls einfacher sollten vorgenommen werden können. Die Beschwerdeführer missachten sodann, dass eine Ablösung der Dienstbarkeit (vgl. Art. 736 ZGB) nicht in Frage steht. Auch die spätere Umgestaltung des Neubaus hat daher die sich aus dem beschränkten dinglichen Recht ergebenden Vorgaben zu beachten. Soweit die Beschwerdeführer sodann der Ansicht sind, bei der Beurteilung, ob ein Gebäude freistehend sei, komme es nicht auf die optischen Gegebenheiten, sondern allein auf die Struktur des Gebäudes an, stellen sie letztlich ihre eigene Sichtweise jener des Obergerichts gegenüber, ohne auf diese einzugehen. Dies genügt den an eine Beschwerde in Zivilsachen zu stellenden Anforderungen nicht (vgl. vorne E. 2.1).