Citation: 5A_626/2022 E. 3.2

3.2. Mit dem Kriterium des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereichs bezweckt der Gesetzgeber, nebst ökologischen Anliegen, die Schaffung und Erhaltung einer produktiven Landwirtschaft. Produktiv ist die Landwirtschaft, wenn sie wirtschaftlich betrieben werden kann. Das Kriterium der Wirtschaftlichkeit hat folglich einen unmittelbaren Bezug zur maximalen Distanz, welche die Grundstücke vom Gewerbebetrieb entfernt sei dürfen. Daher sollen die Zufahrts- bzw. Transportwege zwischen dem Zentrum des Betriebs des landwirtschaftlichen Gewerbes und den dieses umfassenden Grundstücken dem Grundsatz nach so kurz wie möglich sein. Um auf Ortsüblichkeit schliessen zu können, muss die zuständige Behörde die landwirtschaftlichen Betriebe im massgeblichen Einzugsgebiet nach Bewirtschaftungsart statistisch analysieren. Dabei schenkt sie den örtlichen Gegebenheiten Beachtung. Gestützt darauf kann festgestellt werden, welche Betriebsart ortsüblich ist. Die Ortsüblichkeit ergibt sich sodann aus den Bewirtschaftungsdistanzen, die bei einer repräsentativen Anzahl vergleichbarer Betriebe im selben Dorf oder in den Nachbardörfern zwischen den Betriebszentren und den weiteren Grundstücken bestehen. Daher muss die zuständige Behörde die Distanzen von den innerhalb und gegebenenfalls ausserhalb des Einzugsgebiets bewirtschafteten Grundstücken zum jeweiligen zum Einzugsgebiet gehörenden Gewerbebetrieb feststellen. Gemessen wird ab dem Zentrum des landwirtschaftlichen Gewerbes, wo sich normalerweise die für den landwirtschaftlichen Betrieb benötigten Gebäude und Installationen befinden. Alsdann ist ein Durchschnittswert oder ein gewichteter, aber repräsentativer Wert zu ermitteln. Gestützt darauf lässt sich beurteilen, ob die Distanz, um welche es im konkreten Anwendungsfall geht, als ortsüblich bezeichnet werden kann. Dabei sind stets die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Folglich stellen die von den Behörden für den Regelfall als zulässig bezeichneten Wegstrecken bzw. Fahrdistanzen keine absoluten Werte dar; es kann sowohl nach oben wie auch nach unten abgewichen werden. Kann kein Vergleich mit anderen Gewerbebetrieben gemacht werden, müssen die mutmasslichen Transportkosten in die Beurteilung einbezogen werden. Wenn die Kosten 25-30 % des Ertrags, den die vorkaufsbelasteten Grundstücke abwerfen, übersteigen, kann deren Bewirtschaftung nicht mehr als wirtschaftlich bezeichnet werden. Bei alledem verbleibt der Partei, welche die Wahrung des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereichs geltend macht, die Möglichkeit aufzuzeigen, weshalb im konkreten Einzelfall (z.B. aufgrund der konkreten Bewirtschaftungsart) von einer gestützt auf die statistische Analyse als ortsüblich erkannten Distanz abgewichen werden kann und muss, wobei stets ein Bezug zur Wirtschaftlichkeit des bäuerlichen Gewerbebetriebs herzustellen ist (Urteil 2C_432/2015 vom 18. Januar 2016; E. 3.3-3.5 mit Hinweisen; s. auch Urteil 2C_78/2018 vom 26. Juni 2018 E. 2).