Citation: U 104/01 04.04.2002 E. 3

3.- a) Gemäss den Berichten des erstbehandelnden Spitals R.________ vom 4. Dezember 1997 und 12. Januar 1998 wurden beim Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Unfall keine frischen ossären Läsionen der Wirbelsäule nachgewiesen. Hingegen wurden eine geringe degenerative Veränderung der distalen LWS bei Fehlhaltung von HWS und LWS geringen Grades und eine Direktkontusion der LWS und HWS festgestellt. Dr. med. H.________ diagnostizierte am 5. Januar 1998 einen Status nach Schleudertrauma der HWS. Die Dres. med. M.________ und C.________ stellten am 4. Februar 1998 die Diagnose eines Status nach Distorsionstrauma der HWS mit persistierenden zerviko-okzipitalen Kopfschmerzen. In einem Untersuchungsbericht von Frau Dr. med. Y.________ von der Abteilung für Audiologie und Neurootologie der HNO-Klinik des Spitals B.________ vom 16. Februar 1998 wurde festgehalten, dass sich keinerlei Zeichen einer peripheren oder zentralen vestibulären Funktionsstörung fänden. Aus otoneurologischer Sicht sei der Patient zu 100 % arbeitsfähig. Bei Fortbestehen der Beschwerden wurde eine neuropsychologische Begutachtung empfohlen. Dr. med. D.________ kam in seinem Bericht vom 6. April 1998 zum Schluss, der Patient habe wahrscheinlich eine Commotio cerebri und ein Abknicktrauma der HWS erlitten; damit verbunden seien ein persistierendes, belastungsabhängiges, linksbetontes Zervikalsyndrom und Drehschwindelattacken. Zur Arbeitsfähigkeit führte der Arzt aus, der Beschwerdeführer sei in seinem früheren Beruf sicher nicht arbeitsfähig, für Arbeiten ohne wesentliche körperliche Belastung, ohne Zwangshaltung der Wirbelsäule und ohne Tätigkeiten über Kopf oder in gebückter Haltung könne eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Eine Untersuchung durch den Kreisarzt der SUVA, Dr. med. Z.________, am 27. April 1998 ergab die Diagnose einer HWS-Distorsion und eines linksbetonten Zervikalsyndroms von mässiger Intensität; für die frühere Tätigkeit gab er eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % an. Vom 20. Mai bis 1. Juli 1998 wurde der Beschwerdeführer in der Klinik V.________ untersucht und behandelt. Der Austrittsbericht vom 27. Juli 1998 hält eine musculo-ligamentäre Überlastungssymptomatik der HWS nach HWS-Distorsionstrauma mit verschiedenen Begleitbefunden aber ohne neurologische Defizite fest, dazu eine Schwindelsymptomatik. Dem Versicherten könne das Heben von mehr als 10 kg nicht zugemutet werden, er müsse im Laufe des Tages Positionswechsel vornehmen und Liegepausen einlegen können. In einem Arztbericht vom 24. Juni 1999 zuhanden der IV-Stelle nahm Dr. med. D.________ zur Arbeitsfähigkeit als Küchengehilfe oder in der industriellen Montage Stellung und setzte diese auf Grund der körperlichen Einschränkungen auf 50 % fest, wobei diese Leistung wegen einer verringerten Effizienz allerdings in ungefähr sechs Arbeitsstunden pro Tag zu erbringen sei. Als Maximum für zu hebende Lasten gab der Arzt 10 kg an. Den Gesundheitszustand des Versicherten bezeichnete er insgesamt als "sich verschlechternd". In einer weiteren kreisärztlichen Untersuchung vom 23. August 1999 wurde festgestellt, dass Diagnose, Bewegungsausmasse und Medikation (darunter Schmerzmittel) unverändert waren, während die Schmerzsituation sich nach Angaben des Versicherten "eher etwas verbessert" hatte. Es wurde auch festgehalten, dass weiterhin zweimal wöchentlich eine Physiotherapie durchgeführt wurde. Am 8. September 1999 beurteilte der Kreisarzt der SUVA den Beschwerdeführer als nicht mehr behandlungsbedürftig auf Grund organischer Unfallfolgen und verneinte auch die Notwendigkeit einer mehr als 18 Monate dauernden Behandlung derselben sowie eine durch diese Unfallfolgen bedingte vollständige Arbeitsunfähigkeit von mindestens gleicher Dauer. Der Versicherte habe auch nicht unter Dauerschmerzen zu leiden. In der Beurteilung des Integritätsschadens vom 15. November 1999 hielt der Kreisarzt den Befund eines mässigen linksbetonten Zervikalsyndroms bei Status nach HWS-Distorsion fest und erachtete die Beschwerden als "unfallbedingt, dauernd und erheblich". Zudem habe der Versicherte geringe Dauerschmerzen, die sich bei Belastung verstärkten, zu ertragen (Position ++ auf der Schmerzfunktionsskala in Tabelle 7 der von der SUVA herausgegebenen Weisungen über Integritätsentschädigung gemäss UVG, von 1990). Im Übrigen enthält der Bericht Aussagen zur zumutbaren Arbeitsbelastung, wobei leichte wechselbelastende Tätigkeiten bei einem Traglimit von 15 kg als ganztägig zumutbar, Tätigkeiten über Kopf, in Zwangshaltung des Oberkörpers oder des Kopfes sowie das Besteigen von Leitern und Gerüsten hingegen als nicht mehr zumutbar bezeichnet werden. Eine auf Veranlassung der IV-Stelle vom 26. April bis 10. Juni 1999 durchgeführte berufliche Abklärung mittels eines Arbeitsversuches in der Abklärungsstelle O.________ ergab, dass der Beschwerdeführer die Arbeit jeweils nach drei bis fünf Stunden wegen Kopfschmerzen, Schwindels mit Erbrechen und ähnlicher Gründe beenden musste. Die Leistung wurde im Schlussbericht vom 15. Juni 1999 als sicher unter 40% liegend beurteilt. Eine Umschulungsmöglichkeit mit dem Ziel einer Arbeit in der freien Marktwirtschaft sah die Abklärungsstelle nicht; als möglich wurde höchstens ein Halbtageseinsatz an einem geschützten Arbeitsplatz erachtet. b) aa) Die SUVA geht, der Argumentation ihres Kreisarztes in dessen Bericht zur Beurteilung des Integritätsschadens vom 15. November 1999 folgend, davon aus, die Differenzen zwischen der Festlegung der aus ärztlicher Sicht zumutbaren Arbeitsleistung durch den Kreisarzt einerseits und Dr. med. D.________ andererseits seien auf verschiedene Ermessensausübung und auf die Tatsache, dass Dr. D.________ nicht nur die unfallbedingten, sondern alle vorhandenen Beeinträchtigungen berücksichtigt habe, zurückzuführen. Diese Ansicht findet indes im fraglichen Arztbericht von Dr. D.________ vom 24. Juni 1999 keine Stütze, bezieht sich doch dieser ausschliesslich auf somatische Beschwerden, die infolge des Unfalls auftraten. Wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde richtig ausgeführt wird, liegt eine erheblich differierende Beurteilung derselben gesundheitlichen Situation vor, was gemäss Rechtsprechung (siehe Erw. 1d) zu einer Auseinandersetzung der Vorinstanz mit den einander widersprechenden medizinischen Berichten hätte führen müssen. bb) Des Weitern sind die Berichte des Kreisarztes der SUVA nicht frei von Widersprüchen. Die Angaben in der ärztlichen Beurteilung vom 8. September 1999, wonach die Behandlung keine 18 Monate gedauert haben soll, kontrastieren mit dem Untersuchungsbericht vom 23. August 1999, demgemäss zu diesem Zeitpunkt (mehr als eineinhalb Jahre nach dem Unfallereignis) sowohl die Medikation als auch die Physiotherapie noch andauerten. Sodann ist nicht nachvollziehbar, wie im Bericht vom 8. September 1999 die Frage nach Dauerschmerzen verneint werden kann, während in der Schätzung des Integritätsschadens vom 15. November 1999 von geringen Dauerschmerzen, die sich bei Belastung verstärken, ausgegangen wird. Damit genügen die Berichte des Kreisarztes nicht in allen Punkten den nach der Rechtsprechung für den Beweiswert medizinischer Gutachten massgeblichen Kriterien (vgl. Erw. 1d). c) In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird die Erstellung eines neuropsychologischen Gutachtens zur Abklärung einer allfälligen traumatischen Hirnverletzung gefordert. Der dagegen in der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vorgebrachte Hinweis, "dass selbst Dr. med. D.________ nicht an die Hypothese einer relevanten Hirnverletzung glaubt, wenn man seiner Beurteilung vom 6.4.1998 zu folgen gewillt ist", vermag nicht zu überzeugen, schliesst doch der angeführte Arztbericht die fragliche Diagnose keineswegs definitiv aus, sondern hält lediglich fest, dass sie auf Grund fehlender aktueller Hinweise auf kognitive Defizite als eher unwahrscheinlich erscheine. In Zusammenhang mit der Amnesie des Beschwerdeführers für die dem Zusammenprall unmittelbar folgenden Minuten erscheint die geforderte Abklärung, die schon von Frau Dr. med. Y.________ von der HNO-Klinik des Spitals B.________ in ihrem Bericht vom 16. Februar 1998 empfohlen worden ist, sofern die Drehschwindelattacken andauern sollten, als notwendig, um die Gesamtdiagnose zu vervollständigen.