Citation: 8C_746/2010 12.11.2010 E. 4

Mangels organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen hat das kantonale Gericht geprüft, ob der Unfallversicherer für eine psychische Fehlentwicklung einzustehen hat (BGE 115 V 133). 4.1 Beschwerdeweise wird geltend gemacht, dass der Versicherte durch den Unfall völlig aus der Bahn gerissen worden sei. Trotz psychischer Vorbelastung habe er wieder Fuss fassen, ein geordnetes Familienleben führen und seiner Erwerbstätigkeit zur vollen Zufriedenheit seines Arbeitgebers nachgehen können. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum ihm unter diesen Umständen keine Rente zustehe. Die Argumentation "post hoc ergo propter hoc" ist beweisrechtlich nicht zulässig (BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 f.; SVR 2008 UV Nr. 11 S. 34, U 290/06 E. 4.2.3). Zumal sich die Beschwerden nicht objektivieren lassen, ist die Vermutung, dass sie unfallbedingt sein müssten, weil sie erst dann eingetreten seien, nicht haltbar. Von beweismässigen Weiterungen zur natürlichen Kausalität hat die Vorinstanz praxisgemäss abgesehen, da die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers zusätzlich vorausgesetzte Adäquanz zu verneinen war (Urteil 8C_42/2007 vom 14. April 2008 E. 2 Ingress). 4.2 Im Sozialversicherungsrecht spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen). Anders verhält es sich bei natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112, 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.). Bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall werden diese Adäquanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140), während bei Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen der Halswirbelsäule (HWS; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) sowie Schädel-Hirntraumen auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112). Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist in diesen Fällen zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne Weiteres bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden (BGE 115 V 133 E. 6 und 7 S. 138 ff.; 117 V 359 E. 6 S. 366 ff.; 117 V 369 E. 4b und c S. 382 ff.; 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.). Bei einem Unfall im eigentlich mittleren Bereich genügen drei Kriterien (Urteil 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 E. 4.5 zur Schleudertrauma-Praxis; zur Psychopraxis vgl. etwa Urteile 8C_9/2010 vom 11. Juni 2010 E. 3.3 u. 3.6; 8C_935/2009 vom 29. März 2010 E. 4.1.3). 4.3 Das kantonale Gericht hat den erlittenen Stromunfall als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert. Zum Einwand, dass es sich um einen Starkstromunfall gehandelt habe und daher ein schweres Ereignis anzunehmen sei, hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, ein entsprechender Nachweis lasse sich nach Lage der Akten nicht erbringen. Mit Blick auf vergleichbare Fälle ändert dies im Ergebnis indessen ohnehin nichts, wurde doch selbst ein Starkstromunfall dem mittleren Bereich zugeordnet (RKUV 1993 Nr. U 166 S. 92 E. 2b; Urteil U 137/93 vom 26. Oktober 1994 E. 2b). Zu den zu berücksichtigenden Kriterien, bei welchen psychische Aspekte ausser Betracht fallen, hat sich die Vorinstanz einlässlich und zutreffend geäussert; es kann darauf verwiesen werden. Eine besondere Ausprägung eines einzelnen Kriteriums kann angesichts der vorliegenden Umstände nicht angenommen werden. Selbst wenn zwei Kriterien erfüllt wären, wie beschwerdeweise geltend gemacht wird, wäre die Adäquanz bei der gegebenen Unfallschwere zu verneinen. Damit sind weitere psychiatrische Abklärungen nicht angezeigt und entfällt eine über den 10. Juni 2008 hinaus gehende Leistungspflicht der SUVA.