Citation: K 65/01 28.12.2001 E. 3

3.- Von zentraler Bedeutung ist im vorliegenden Fall die Würdigung der Prozessaussichten der Beschwerdeführerin hinsichtlich der gerügten Rechtsverzögerung, also die Einschätzung darüber, ob die Beschwerde, wäre sie nicht wegen Gegenstandslosigkeit abgeschrieben worden, hätte gutgeheissen werden müssen oder nicht. a) Eine Rechtsverzögerung und damit eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV liegt nach der Rechtsprechung zu Art. 4 aBV unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (BGE 117 Ia 197 Erw. 1c, 107 Ib 164 Erw. 3b mit Hinweisen). Ausnahmsweise kann eine Rechtsverzögerung aber auch in Form einer positiven Anordnung begangen werden, wobei hiefür namentlich Verfahrensverlängerungen durch unnötige Beweismassnahmen oder Einräumung ungehöriger langer Fristen in Betracht fallen. Lehre und Rechtsprechung lassen in einem solchen Fall eine Beschwerde bereits in diesem Zeitpunkt zu, sodass der Betroffene nicht zuwarten muss, bis die Rechtsverzögerung tatsächlich eintritt, sondern sofort geltend machen kann, die Verfügung habe eine ungerechtfertigte Verzögerung zur Folge (BGE 126 V 248 Erw. 2d [Fall einer prozessleitenden Verfügung]; Lorenz Meyer, Das Rechtsverzögerungsverbot nach Art. 4 BV, Diss. Bern 1985, S. 71 f.). b) Die Vorinstanz erwog, vorliegend rechtfertige die prozessuale Situation die Zusprechung einer Prozessentschädigung nicht. Denn die Kasse sei nur dann verpflichtet, innert einer Frist von 30 Tagen eine anfechtbare Verfügung zu erlassen (Art. 80 KVG), wenn sie am Entscheid, mit dem die versicherte Person nicht einverstanden ist, festhalte. Führten hingegen die Einwendungen der versicherten Person, wie vorliegend, zu einer nochmaligen Überprüfung der Leistungspflicht und schliesslich zu deren Anerkennung, so bestehe keine Bindung an eine 30tägige Frist (Erw. 3 des angefochtenen Entscheides). aa) Damit hat das kantonale Gericht übersehen, dass die Anerkennung der Leistungspflicht unpräjudizierlich und erst unter dem Druck der erhobenen Rechtsverzögerungsbeschwerde lite pendente erfolgte (vgl. dazu insbesondere Vernehmlassung der BKK an das Eidgenössische Versicherungsgericht vom 12. Juni 2001, Ziff. 3 und 6). Somit trifft der vorinstanzlich festgehaltene Grund für die Aberkennung einer Parteientschädigung nicht zu. bb) Das kantonale Gericht verkennt sodann, dass die BKK das Verfahren durch unnötige Beweisvorkehrungen in ungehöriger Weise verlängert hat. Denn bereits nach der Rechtsprechung zu dem bis Ende 1995 gültig gewesenen Art. 12 Abs. 2 Ziff. 1 lit. a KUVG gehörten die an unselbstständige nichtärztliche Psychologen oder Psychotherapeuten des behandelnden Arztes delegierten medizinischen Vorkehren zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen, sofern die Massnahmen in den Praxisräumen des Arztes und unter dessen Aufsicht und Verantwortlichkeit vorgenommen wurden und es sich um eine Vorkehr handelte, die nach den Geboten der ärztlichen Wissenschaft und Berufsethik sowie nach den Umständen des konkreten Falles grundsätzlich delegierbar war (BGE 114 V 270 Erw. 2a mit Hinweisen). Diese Regeln gelten in gleicher Weise unter der Herrschaft des neuen Rechts: Gestützt auf Art. 25 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 und 3 KVG geht die ärztlich delegierte Psychotherapie zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung, sofern die gemäss Rechtsprechung zum KUVG erforderlichen Voraussetzungen (Tätigkeit in den Praxisräumen des Arztes und unter dessen Aufsicht und Verantwortlichkeit) erfüllt sind (BGE 125 V 444 Erw. 2c und d). Aufgrund dieser konstanten und seit langem bekannten Rechtsprechung stand die Leistungspflicht der BKK nach Erhalt des Schreibens von Dr. V.________ vom 10. August 2000 und den dort erwähnten Beilagen fest. c) Da die Rechtsverzögerungsbeschwerde nach summarischer Würdigung hätte gutgeheissen werden müssen, hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung.