Citation: 6B_263/2022 E. 4.1

4.1. Im kantonalen Verfahren brachte der Beschwerdeführer vor, dass der Beschwerdegegner 2 dem vor ihm fahrenden, rechts abbiegenden Fahrzeug zu nahe aufgefahren sei, dieses überholt und dabei die ausgezogene Linie der Linksabbiegespur überfahren bzw. über die Einspurstrecke gefahren sei. Dieses verkehrsregelwidrige Verhalten sei kausal gewesen für die Kollision. Nach Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers, des Beschwerdegegners 2 sowie eines Zeugen und unter Berücksichtigung einer Fotodokumentation gelangt die Vorinstanz zum Schluss, dass sich dieser Vorwurf nicht erstellen lasse. Für die Beurteilung der Strafbarkeit nach Art. 125 Abs. 1 StGB spiele die Frage, ob der Beschwerdegegner 2 die Linie überfahren hat, letztlich aber ohnehin keine Rolle. Der Beschwerdeführer habe ausgesagt, mit dem Abbiegen begonnen zu haben, als der Fahrer des nach rechts abbiegenden Fahrzeugs noch auf gerader Strecke gewesen sei. Dieses habe den Beschwerdegegner 2 verdeckt. Damit sei klar, dass die Sicht auf die Hauptstrasse für den vortrittsbelasteten Beschwerdeführer nicht frei gewesen sei. Hätte er mit dem Losfahren gewartet, bis die Sicht auf die Hauptstrasse frei war, wäre die Kollision vermeidbar gewesen. Des Weiteren verweist die Vorinstanz auf die Rechtsprechung zur Verneinung der Voraussehbarkeit mangels Adäquanz. Es sei nicht ungewöhnlich im Sinne dieser Rechtsprechung, dass ein Fahrzeug, das sich hinter einem im Abbiegen begriffenen Fahrzeug befinde, abbremsen müsse und dass der Abstand deshalb für gewisse Zeit nicht ausreichend im Sinne von Art. 34 Abs. 4 SVG sei. Ebenso wenig sei es ungewöhnlich oder unvorhersehbar, dass das hintere Fahrzeug in dieser Situation das im Abbiegen begriffene Fahrzeug umfahre bzw. überhole. Die Voraussehbarkeit sei folglich gegeben und der Beschwerdeführer könne sich aufgrund seines eigenen regelwidrigen Verhaltens auch nicht auf den Vertrauensgrundsatz berufen.