Citation: 5A_109/2018 E. 6.3

6.3. Das Obergericht schloss allerdings, dass dem Kläger der Beweis für den von ihm behaupteten übereinstimmenden wirklichen Willen der Vertragsparteien nicht gelungen sei (E. 5.3 des angefochtenen Entscheids). Es erwog, aus dem behaupteten Zweck ergäben sich keine klaren Hinweise auf die Bedeutung des Begriffes "praktizierender Landwirt". Ausserdem erscheine die Argumentation des Klägers widersprüchlich, zumal nicht nachvollziehbar sei, weshalb ein Übernehmer den Landwirtschaftsbetrieb F.________ "bis in die ferne Zukunft" erhalten sollte, wenn ihm die landwirtschaftliche Nutzung nicht dazu dienen soll, ein Einkommen als Grundlage seiner wirtschaftlichen Existenz zu erzielen. Allein schon aus diesen Gründen bestünden erhebliche Zweifel, dass der vom Kläger behauptete Wille tatsächlich bestanden habe. Er mache zwar geltend, die vom Kantonsgericht befragten Zeugen hätten seine Version bestätigt. Dies treffe aber nicht zu. Wie bereits das Kantonsgericht nach einlässlicher Würdigung der Aussagen zusammenfassend festgehalten habe, ergebe sich aus den Zeugenbefragungen keine eindeutige Antwort zur vertragsgemässen Bedeutung des Begriffs "praktizierender Landwirt". Alle drei vom Kläger aufgerufenen Zeugen hätten unterschiedliche Erklärungen dafür abgegeben, was die Parteien mit diesem Begriff gemeint hätten. Ebenso wenig habe die Frage geklärt werden können, ob der Kaufsrechtsausübende mit einer Tätigkeit als praktizierender Landwirt seinen Haupterwerb habe erzielen müssen. Im Gegenteil habe das Kantonsgericht festgehalten, die Antworten des Klägers an der Parteibefragung hätten zumindest darauf hingedeutet, dass der praktizierende Landwirt im Sinne des Vertrages aus seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit ein Einkommen erzielen solle, von dem er leben könne. Mit Sicherheit ergebe sich aber nicht, dass mit "praktizierendem Landwirt" einfach eine Person gemeint gewesen sei, welche Landwirtschaft betreibe, ohne dass die finanziellen Verhältnisse berücksichtigt würden. Ferner könne der Kläger auch aus dem Wortlaut des Erbteilungsvertrages nichts zu seinen Gunsten ableiten. Jenem sei einzig zu entnehmen, dass die Person, welche durch Ausübung des Kaufsrechts den Hof übernehmen will, ein praktizierender Landwirt und "nach dem Gesetze als Landwirt geeignet und ausgebildet" sein muss. Diese drei Voraussetzungen müssten kumulativ erfüllt sein. Der Begriff "praktizierender Landwirt" werde ansonsten nicht näher umschrieben. Aus dem Kontext lasse sich nur entnehmen, dass die Person, die das Kaufsrecht ausüben wolle, vor der Übernahme nicht unbedingt Eigentümer eines Hofes gewesen sein muss, werde doch festgehalten, dass Interessenten, welche noch nicht Eigentümer eines eigenen Landwirtschaftsbetriebes sind, Vorrang gegenüber anderen Interessenten hätten, welche bereits Eigentümer eines Hofes sind. Daraus liessen sich offenkundig keine Rückschlüsse darauf ziehen, was die Vertragsparteien unter dem Begriff "praktizierender Landwirt" tatsächlich und übereinstimmend verstanden haben.