Citation: 6B_1087/2009 15.03.2010 E. 2.6

2.6.1 Das in Art. 29 Abs. 1 BV festgeschriebene Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um die beschuldigte Person nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Welche Verfahrensdauer angemessen ist, hängt von den konkreten Umständen ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Dabei sind insbesondere die Komplexität des Falls, das Verhalten der beschuldigten Person, die Behandlung des Falls durch die Behörden und dessen Bedeutung für die beschuldigte Person zu berücksichtigen. Bei festgestellter Verletzung des Beschleunigungsgebots reichen die Sanktionen von der Berücksichtigung der Verfahrensverzögerung bei der Strafzumessung über die Schuldigsprechung unter gleichzeitigem Strafverzicht bis zur Verfahrenseinstellung (vgl. BGE 133 IV 158 E. 8; 130 IV 54 E. 3). Das Bundesgericht bejahte Verletzungen des Beschleunigungsgebots bei einer Verfahrensdauer von sieben Jahren oder mehr (vgl. Urteile 6S.98/2003 vom 22. April 2004 E. 2.3; 6S.335/2004 vom 23. März 2005 E. 6.5, 6S.400/2006 vom 17. März 2007 E. 5). Mit Blick auf diese bundesgerichtlichen Präjudizien ist auch vorliegend von einer Verletzung des Beschleunigungsgebots auszugehen (vgl. insoweit den vergleichbaren Fall 6B_440/2008 vom 11. November 2008 E. 6.2 und nachfolgend E. 2.6.3). 2.6.2 In seiner Rechtsprechung zum Beschleunigungsgebot hat das Bundesgericht des Weiteren stets darauf hingewiesen, dass die Verfahrensdauer und die Verjährung auseinanderzuhalten sind (vgl. BGE 133 IV 158 E. 8). Der Berücksichtigung von Verfahrensüberlängen liegt der Gedanke zugrunde, dass Strafverfahren für die Betroffenen eine Belastung darstellen, welche durch Verzögerungen unnötig in die Länge gezogen werden. Die Ratio der Verjährung liegt demgegenüber namentlich in der heilenden Wirkung des Zeitablaufs, welche das Strafbedürfnis vermindert. Dem Verjährungsgedanken wird bei der Strafzumessung unter anderem mit Art. 48 lit. e StGB Rechnung getragen. Danach mildert das Gericht die Strafe, wenn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Verzögerungs- und Verjährungsüberlegungen müssen nicht zusammenfallen. So kann ein weit zurückliegendes Delikt erst kurz vor der Verjährung entdeckt, das Verfahren dann aber sehr rasch durchgeführt werden. Vorliegend sind jedoch die Voraussetzungen beider Bestimmungen erfüllt, das heisst, das Verfahren hat überlange gedauert und die Taten liegen weit zurück. Diese beiden Aspekte sind nebeneinander zu beachten (BGE 122 IV 103, 131; Urteil 6B_440/2008 vom 11. November 2008 E. 6.4; Hans Wiprächtiger, Basler Kommentar StGB I, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 48 N. 36). Je näher dabei in verzögerten Verfahren die absolute Verjährung rückt, desto stärker ist die Verfahrensdauer strafmindernd zu berücksichtigen und desto eher muss auch ein Strafverzicht in Betracht gezogen werden. 2.6.3 Das Bundesgericht hatte unlängst den Fall zu beurteilen, dass vom Zeitpunkt der ersten polizeilichen Ermittlungshandlungen bis zum letztinstanzlichen kantonalen Urteil mehr als 15 Jahre vergingen, obwohl "die Angelegenheit nicht von aussergewöhnlicher Komplexität" war. Das Bundesgericht hat erwogen, es liege ein Fall "extremer Verfahrensverzögerung" vor. Angesichts der unmittelbar bevorstehenden absoluten Verjährung hätte das kantonale Obergericht durchaus auf eine Strafe verzichten können. Namentlich unter Berücksichtigung des als schwer eingestuften Verschuldens des Täters liege eine Reduktion der Strafe um die Hälfte jedoch noch im Rahmen des Ermessens (6B_440/2008 vom 11. November 2008 E. 6.2 und 6.5). Der zu beurteilende Fall ist ähnlich gelagert, weshalb die Vorinstanz bei A.Y.________ mit einer Strafreduktion von über 50%, das heisst, einem Herabsetzen der Einsatzstrafe von 6½ Jahren auf drei Jahre, auch unter Einbezug der erhöhten Strafempfindlichkeit den Strafreduktionsgründen im Ergebnis ausreichend Rechnung trägt. Gleiches gilt in Bezug auf B.Y.________, wo die Einsatzstrafe von 4¼ Jahren auf 22 Monate reduziert worden ist. Nicht zuletzt in Anbetracht des schweren bzw. erheblichen Verschuldens von A.Y.________ und B.Y.________ ist die Vorinstanz mithin nicht zwingend gehalten gewesen, von einer Strafe gänzlich abzusehen bzw. diese noch weiter herabzusetzen. 2.6.4 Entgegen der Auffassung von A.Y.________ und B.Y.________ verletzt die Vorinstanz schliesslich auch mit dem straferhöhenden Einbezug des zusätzlichen Schuldspruchs wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung im Fall "I.________ Trust" (Deliktsbetrag DM 735'000.--) kein Bundesrecht. Zum einen ist die Deliktssumme auch in Relation zum Gesamtdeliktsbetrag nicht als unwesentlich zu bezeichnen, und zum andern erfüllen A.Y.________ und B.Y.________ hierdurch einen weiteren, mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bedrohten Tatbestand (Art. 138 Ziff. 2 StGB), was die Vorinstanz in Anwendung des Asperationsprinzips gestützt auf Art. 49 Abs. 1 StGB zutreffend straferhöhend berücksichtigt.