Citation: I 29/02 24.07.2003 E. 8

8.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Operation beim Versicherten erfolgreich verlaufen ist. Das allein genügt jedoch nicht, um sie als medizinische Eingliederungsmassnahme im Sinne von Art. 12 Abs. 1 IVG zu qualifizieren, die von der Invalidenversicherung zu übernehmen ist. Der Eingliederungserfolg muss dauerhaft und wesentlich sein, was medizinisch-prognostisch zu beurteilen ist. Insbesondere die Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolgs hängt davon ab, ob keine erheblichen krankhaften Nebenbefunde vorhanden sind. In zeitlicher Hinsicht ist für die Beurteilung des Eingliederungserfolgs der medizinische Sachverhalt massgebend, wie er sich vor der fraglichen Operation in seiner Gesamtheit präsentierte (BGE 101 V 47 f. Erw. 1b, 97 f. Erw. 2b, 103 Erw. 3; AHI 2000 S. 299 Erw. 2b mit Hinweisen). Festzuhalten ist, dass das fortgeschrittene Alter des Versicherten - er befand sich im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses (16. März 2001) in seinem 64. Lebensjahr - der Übernahme der Kataraktoperation vom Februar 2001 durch die Invalidenversicherung unter dem Gesichtspunkt der Dauerhaftigkeit des zu erwartenden Eingliederungserfolges nicht entgegensteht (BGE 101 V 50 Erw. 3b) und keine Nebenbefunde vorhanden sind, welche die Wesentlichkeit und Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolgs in Frage stellen. 8.2 Es fragt sich somit, ob beim Versicherten eine Invalidität eingetreten war bzw. unmittelbar drohte. Das hängt davon ab, ob er in seinem Beruf als Zahnarzt mit anspruchsvoller und präziser Feinarbeit im Munde des Patienten auf Binokularsehen angewiesen ist (vgl. dazu AHI 2000 S. 296 Erw. 4b). 8.3 Lassen sich - wie oben dargelegt (vgl. Erw. 7 hievor) - hinsichtlich der Erforderlichkeit des Binokularsehens in Bezug auf konkrete Berufstätigkeiten keine allgemeinverbindlichen Richtlinien aufstellen, bleibt zu prüfen, ob diese Frage im vorliegenden Fall aufgrund der Aktenlage beantwortet werden kann. 8.3.1 Betreffend die im Februar 2001 am linken Auge durchgeführte Staroperation existiert aus medizinischer Sicht einzig eine Liste mit Kurzantworten des Assistenzarztes Dr. med. H.________ der Universitätsaugenklinik Y.________ auf die ihm von der IV-Stelle mit dem Formular "Arztbericht für Erwachsene" unterbreiteten Fragen. Angaben zum linksseitigen (Rest-) Visus vor der Kataraktoperation fehlen. Schliesslich mangelt es - bei Unterlassung einer entsprechenden Fragestellung an den Facharzt durch die IV-Stelle - an der im vorliegenden Zusammenhang entscheidenden Beurteilung des Erfordernisses des Binokularsehens. 8.3.2 Im Rahmen der Ermittlung des Tätigkeitsspektrums (vgl. Erw. 7.2.1 hievor) wird bei dem als Zahnarzt erwerbstätigen Versicherten zu berücksichtigen sein, dass er neben seiner Hauptbeschäftigung zum Beispiel dentalhygienische Aufgaben durch angestellte Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter ausführen lassen und gegebenenfalls auch Geschäftsführungs- sowie andere administrative Aufgaben (z.B. Erstellen von Berichten eventuell mit Diktiergerät) selbständig wahrnehmen kann, wobei er nicht in jeder dieser Tätigkeiten gleichermassen auf Binokularsehen angewiesen sein dürfte. 8.3.3 Steht fest, welche Arbeiten der Zahnarzt effektiv selber ausführt, ist auf die visuell anspruchsvollste dieser Tätigkeiten abzustellen. Der Augenarzt wird sodann zu beurteilen haben, ob der Versicherte in Bezug auf diese Tätigkeit auf Binokularsehen angewiesen ist. Der Kurzbericht des Dr. med. H.________ vom 18. Dezember 2000 genügt den Anforderungen gemäss Erwägung 7.2.2 hievor an die spezialärztliche Stellungnahme zur Beantwortung der Frage nach der Erforderlichkeit des Binokularsehens nicht. 8.4 Vorliegend vermochten weder das kantonale Gericht die im angefochtenen Entscheid vertretene Auffassung (vgl. Erw. 5.1 hievor) noch das BSV die mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemachten Argumente (vgl. Erw. 5.2 hievor) noch die Verwaltung ihre verfügte Ablehnung des Leistungsgesuches auf eine rechtsgenügliche, medizinisch fundierte Beurteilung abzustützen. Eine Beantwortung der entscheidenden Frage nach der Notwendigkeit des Binokularsehens für den Versicherten ist aufgrund der vorliegenden Akten nicht möglich. Demzufolge sind sowohl der angefochtene kantonale Entscheid als auch die Verfügung der IV-Stelle vom 16. März 2001 aufzuheben. Die Verwaltung, an welche die Sache zu weiteren erwerblichen und medizinischen Abklärungen im Sinne der Erwägungen zurückzuweisen ist, wird über das Leistungsgesuch neu verfügen.