Citation: 2C_352/2023 E. 5.3

5.3. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die bisherige bundesgerichtliche Rechtsprechung ist die Frage, ob das Obergericht mit seinem Urteil vom 12. Februar 2020 insbesondere mit seiner expliziten Ablehnung der obligatorischen und fakultativen Landesverweisung einen Entscheid gefällt hat, welcher auch die Migrationsbehörde bindet, damit entgegen der Auffassung der Vorinstanz zu bejahen: Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft im Rahmen des Strafverfahrens, welches schliesslich in das obergerichtliche Urteil vom 12. Februar 2020 mündete, ausdrücklich eine Landesverweisung beantragt und das genannte Urteil hat sich explizit mit der Landesverweisung auseinandergesetzt und diese gestützt auf das strafrechtliche Verschlechterungsverbot, aber auch weil unverhältnismässig, abgelehnt. Entgegen der vorinstanzlichen Ausführungen geschah dies aber nicht einfach deshalb, weil die Tathandlungen, die zur Verurteilung der Beschwerdeführerin führten, vor dem 1. Oktober 2016 begangen worden waren, sondern weil das Obergericht wiederholte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz bzw. ein Dauerdelikt zu beurteilen hatte. Damit war rechtsprechungsgemäss das gesamte deliktische Verhalten der Beschwerdeführerin Gegenstand des Strafverfahrens und es liegt die Konstellation vor, bei welcher das gesamte deliktische Verhalten der ausländischen Person bei der Prüfung der Landesverweisung berücksichtigt wurde (so auch BGE 146 II 321 E. 5.2). Die Vorinstanz konnte deshalb denselben Sachverhalt aufgrund von Art. 62 Abs. 2 AIG nicht nochmals im Rahmen eines administrativen Widerrufverfahrens beurteilen und damit den Widerruf bzw. die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin rechtfertigen. Der Widerruf bzw. die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich vielmehr wegen Verletzung von Art. 62 Abs. 2 AIG als unzulässig. Ob die Beschwerdeführerin weitere Widerrufsgründe wie das Eingehen einer Scheinehe (Art. 62 Abs. 1 lit. a AIG) erfüllt, wurde von der Vorinstanz explizit offen gelassen (vgl. E. 2.2 fine des vorinstanzlichen Urteils). Der vorliegende Widerruf kann sich deshalb nicht auf diese Gründe abstützen.