Citation: U 258/05 16.08.2006 E. 4.3

4.3.1 Dem Unfall, bei welchem der von einem Bekannten des Beschwerdeführers gesteuerte Personenwagen auf der vereisten Fahrbahn ins Schleudern geriet und mit zwei entgegenkommenden Fahrzeugen kollidierte, wobei alle drei Fahrzeuginsassen Verletzungen erlitten und das Fahrzeug in einer Weise verformt wurde, dass der Beschwerdeführer von der Feuerwehr befreit werden musste, ist eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen. Der Unfall hat sich jedoch nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 [Urteil S. vom 31. Mai 2000, U 248/98]) - von besonderer Eindrücklichkeit. 4.3.2 Er hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteile M. vom 21. April 2006, U 51/05, C. vom 28. April 2005, U 386/04, D. vom 4. September 2003, U 371/02, T. vom 6. Februar 2002, U 61/00, und - in HAVE 2003 S. 298 erwähntes - Urteil D. vom 16. August 2001, U 21/01). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 361 Erw. 4.3 mit Hinweisen [Urteil A. vom 24. Juni 2003, U 193/01]). Solche Umstände sind hier nicht gegeben. Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden vor. 4.3.3 Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Nach einer viertägigen stationären Behandlung der Unfallfolgen konnte der Beschwerdeführer mit deutlich gebessertem Allgemeinbefinden nach Hause entlassen werden. Der nachbehandelnde Arzt Dr. med. O.________ verordnete eine physikalische Therapie und nahm eine medikamentöse Behandlung mit Analgetika vor, welche weitgehend erfolglos blieben und nach den Akten spätestens im März 2000 abgebrochen wurden. In der Folge besuchte der Beschwerdeführer jeden zweiten Tag das Mineralbad M.________. Eine weitere Behandlung fand nicht statt. Während der Aufenthalte in der Rehaklinik V.________ vom 5. bis 24. Juli 2000 und der Klinik W.________ vom 25. Oktober bis 18. November 2000 wurden erneut physiotherapeutische Massnahmen sowie ein körperliches Trainingsprogramm durchgeführt, wobei auch diese Vorkehren zu keiner wesentlichen Besserung des Beschwerdebildes führten. Im Gutachten vom 21. Februar 2002 bestätigten die Ärzte der Klinik T.________, dass eine somatisch orientierte Behandlung nicht mehr indiziert war. Die wiederholten Klinikaufenthalte dienten teilweise der Untersuchung und Abklärung der geklagten Beschwerden. Zudem stand bereits ab Mai 2000 die psychiatrische Behandlung im Vordergrund, welche im Rahmen der Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen unberücksichtigt zu bleiben hat. Insgesamt handelt es sich somit nicht um eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer (Urteile M. vom 21. April 2006, U 51/05, N. vom 14. März 2005, U 82/04, P. vom 24. September 2003, U 361/02, und S. vom 8. April 2002, U 357/01). 4.3.4 Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden, wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteile S. vom 10. Februar 2006, U 79/05, F. vom 10. September 2003, U 343/02, und B. vom 7. August 2002, U 313/01). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Vielmehr waren es die psychischen Beeinträchtigungen, welche zu einem protrahierten Heilungsverlauf geführt haben. 4.3.5 Zum Kriterium von Dauer und Schwere der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist festzustellen, dass der behandelnde Arzt bereits im Januar 2000 und erneut im März 2000 auf eine Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit gedrängt hatte. Kreisarzt Dr. med. S.________ erachtete den Beschwerdeführer im Bericht vom 21. März 2000 als arbeitsfähig am bisherigen Arbeitsplatz unter der Voraussetzung, dass ihm geeignete leichtere Arbeit zugewiesen werden könne. Nach einer weiteren Untersuchung vom 10. Mai 2000 setzte er die Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht auf 50 % ab 15. Mai 2000 und 100 % ab 29. Mai 2000 fest. Die in den Berichten der Klinik V.________ vom 9. August 2000 und der Klinik W.________ vom 1. Dezember 2000 bescheinigte volle Arbeitsunfähigkeit bezieht sich auf die bisherige körperlich schwere Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einer Textilfabrik und erfolgte unter Berücksichtigung auch der psychischen Beeinträchtigungen. Die Ärzte der Klinik T.________ schätzten die aus dem gesamten somatopsychischen Beschwerdebild resultierende Arbeitsunfähigkeit auf 50 %. Dass im Bericht der Klinik W.________ vom 2. Juni 2003 erneut eine vollständige Arbeitsunfähigkeit angegeben wurde, ist auf eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes zurückzuführen (Bericht der Frau Dr. med. K.________ vom 6. Februar 2003). Auf Grund der medizinischen Akten ist anzunehmen, dass die physisch bedingte Arbeitsunfähigkeit jedenfalls 50 % nicht überschritten hat. Dafür spricht auch die Feststellung im Bericht des Dr. med. G.________, Klinik W.________, an die Invalidenversicherung vom 29. August 2003, wonach dem Beschwerdeführer leichte Hilfsarbeiten ohne statische Belastungen über 5 kg und ohne körperliche oder kognitive Ausdauerleistung während vier Stunden im Tag zumutbar sind. Wird zusätzlich berücksichtigt, dass eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F32.11) diagnostiziert wurde und die körperlichen Beschwerden zumindest teilweise Ausdruck der bestehenden psychischen Beeinträchtigung sind, kann das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht als erfüllt gelten. 4.3.6 Das Gleiche gilt in Bezug auf das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen. Soweit noch körperliche Beschwerden bestanden haben, waren sie in hohem Masse psychisch überlagert. Das Kriterium ist jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Da somit weder eines der für die Adäquanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist noch mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sind, ist die Unfalladäquanz der geltend gemachten Beschwerden zu verneinen. Der vorinstanzliche Entscheid, mit welchem ein Rentenanspruch verneint und der Einspracheentscheid der SUVA vom 1. März 2004 im Übrigen bestätigt wurde, besteht folglich zu Recht.