Citation: 2C_406/2017 E. 3.2.7

3.2.7. Als heikler hat der Umstand zu gelten, dass vor dem Interview abgemacht worden war, dass "Altlasten" nicht Gegenstand der Diskussion bilden würden, auf diese dann aber dennoch von der Interviewerin mit den Worten zurückgekommen wurde: "Man merkt, dass viele Ihnen gegenüber misstrauisch sind. Ich muss kurz ausholen. Schauen wir uns die Geschichte an! 2011 gab es eine Razzia der Eidgenössischen Steuerverwaltung wegen Verdachts auf Steuerbetrug. Es gab Strafuntersuchungen - vom Untersuchungsrichteramt Chur und von der Staatsanwaltschaft Zürich wegen Vermögensdelikt. Sie wurden zweitinstanzlich verurteilt wegen Gläubigerschädigung. Wir haben abgemacht, dass wir nicht über diese Altlasten sprechen. Das war Ihre Bedingung für dieses Interview. Ich halte mich daran. Aber all das zeigt, dass Sie ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Man vertraut Ihnen nicht". Gegenstand der bundesgerichtlichen Prüfung bildet - wie bereits dargelegt - ausschliesslich die ausgestrahlte Sendung im Hinblick auf die Meinungsbildung des Publikums; es geht im radio- und fernsehrechtlichen Aufsichtsverfahren nicht um den Schutz privater Interessen oder allgemein um die Einhaltung der Regeln eines fairen Journalismus. Medienethisch war das Vorgehen, dass dazu dienen sollte, ein schlechtes Licht auf den Beschwerdeführer zu werfen und seine Integrität infrage zu stellen, äusserst fragwürdig, nachdem abgemacht worden war, die entsprechenden Aspekte vom Interview auszuklammern. Die als Frage formulierten "Altlasten" ergaben für das Publikum, dass der Beschwerdeführer als erfolgreicher, aber auch "schillernder" Investor einzuschätzen sei (vgl. das Urteil 2C_255/2015 vom 1. März 2016 E. 4.4.1 ["Affaire Giroud"]). Wollte die Rundschauredaktion die ausgeklammerten Punkte im Beitrag oder im Interview direkt oder indirekt dennoch thematisieren, hätte sie dem Beschwerdeführer deren Ausklammerung nicht zusichern dürfen. Im Hinblick auf die weiteren Umstände liegt im fragwürdigen Vorgehen von Fernsehen DRS indessen (knapp) noch keine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots: Der Beschwerdeführer hatte auch diesbezüglich die Möglichkeit, vor der Kamera zu reagieren, was er unter Hinweis darauf tat, dass es immer Kritiker gebe, die versuchten, jemanden mit "unlauteren Methoden" zu diskreditieren; wenn sie wollten, sollten sie es versuchen; er lasse sich von seiner Idee, seiner Mission nicht abbringen. Der Beschwerdeführer liess sich durch die Frage somit nicht überraschen und aus der Ruhe bringen; er reagierte durchaus adäquat, trotz der problematischen, abmachungswidrigen Fragestellung. Da das Gespräch mit ihm vor der Sendung aufgezeichnet worden war, hätte es ihm zudem freigestanden, sein Interview zu widerrufen, sollte die entsprechende Frage nicht herausgeschnitten werden. Der Hinweis auf die verschiedenen Verfahren, in die der Beschwerdeführer verwickelt war, bildete trotz der Absprachewidrigkeit für den Zuschauer zudem ein zusätzliches, allenfalls nicht unwesentliches Element für seine Meinungsbildung (vgl. das Urteil 2C_255/2015 vom 1. März 2016 E. 4.4.1 ["Affaire Giroud"]).