Citation: 5P.287/2001 15.11.2001 E. 2

2.- Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu Art. 6 Ziffer 1 EMRK müssen in zivilrechtlichen Streitigkeiten die Parteien grundsätzlich zumindest einmal im ganzen Verfahren Gelegenheit haben, ihre Argumente mündlich in einer öffentlichen Sitzung einem unabhängigen Gericht vorzutragen, soweit sie nicht ausdrücklich oder stillschweigend auf die Durchführung eines öffentlichen Verfahrens verzichtet haben (vgl. die Nachweise in BGE 124 I 322 E. 4a S. 324). Vor Bezirksgericht fand eine Verhandlung statt, die diesen Anforderungen unstreitig genügt hat. Es verletzt daher Art. 6 Ziffer 1 EMRK nicht, wenn das Kantonsgericht den Antrag der Beschwerdeführerin auf Durchführung einer Berufungsverhandlung namentlich unter Hinweis auf jenen Gerichtstermin abgelehnt hat (E. 1b S. 8 des angefochtenen Entscheids). Dass das Kantonsgericht dabei nicht eigens erwähnt hat, Verhandlungen vor Bezirksgericht seien öffentlich, bedeutet keinen Verstoss gegen das Willkürverbot (Art. 9 BV): Zum einen ergibt sich der Grundsatz der Verfahrensöffentlichkeit zweifelsfrei aus Art. 78 Abs. 3 der kantonalen Verfassung (sGS/SG 111. 1) wie auch aus Art. 60 ff. des Gerichtsgesetzes (sGS/SG 941. 1), und zum andern enthält die "Gerichtliche Vorladung", auf die im angefochtenen Entscheid ausdrücklich verwiesen wird (act. 22), diesbezüglich keinerlei Einschränkungen. Die Rügen der Beschwerdeführerin gegen das Verfahren sind unbegründet.