Citation: 1C_365/2022 E. 8.4

8.4. Wie bereits erwähnt (vgl. E. 6 hiervor), kann sich auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit auch ein Bauherr berufen, der nicht gutgläubig gehandelt hat. Ein allfälliger böser Glaube ist aber im Rahmen der Interessenabwägung zu berücksichtigen (vgl. E. 8.3 hiervor). Im Übrigen können auch Gründe des Vertrauensschutzes zu einem Verzicht auf die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands führen, wenn sich die Wiederherstellung als verhältnismässig erweisen sollte. Auf den Vertrauensschutz kann sich nur berufen, wer selbst in gutem Glauben gehandelt hat (BGE 136 II 359 E. 7.1; BGE 132 II 21 E. 6.3). Ob die Bauherrschaft vorliegend gestützt auf die bewilligten (Revisions-) Pläne bei zumutbarer Aufmerksamkeit und Sorgfalt annehmen durfte, sie sei zur Bauausführung berechtigt, hat die Vorinstanz nicht überprüft. Sie hält zwar zunächst fest, die Revisionspläne vom 22. Dezember 2010 seien unklar, verzichtet aber auf eine nähere Beurteilung der bei den Akten liegenden Pläne. Sie begründet dies damit, dass in einem nachträglichen Baubewilligungsverfahren nicht die Pläne Gegenstand der Beurteilung bildeten, sondern das, was tatsächlich gebaut worden sei. Diese Argumentation greift allerdings zu kurz. Wie die Beschwerdeführenden zu Recht ausführen, geht es im vorliegenden Verfahren nicht um die nachträgliche Bewilligungsfähigkeit, sondern um die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands. Hier spielt der gute Glaube in Bezug auf die Pläne durchaus eine massgebliche Rolle. Das Baurekursgericht hat die Gutgläubigkeit der Bauherrschaft hingegen bejaht. Aus den bewilligten Schnittplänen (Vorakten, act. 33.1.2) ergebe sich, dass die beiden Notausgänge überdacht geplant gewesen wären. Dies mag zwar für die östlich gelegene Notleiter zutreffen, für welche sich die Überdachung klar aus den Schnittplänen ergibt. Allerdings ist fraglich, ob sich die besagten Quer- und Längsschnitte für die Beurteilung der Frage der Überdachung des vorliegend streitbetroffenen westlichen Notausgangs am richtigen Ort befinden.