Citation: 6B_550/2019 E. 2.3

2.3. Der Strafbefehl vom 2. Dezember 2016 genügt den gesetzlichen Anforderungen. Es werden darin die Zeit (18. November 2015, ca. 20.30 Uhr), die Örtlichkeit (D.________-Strasse in E.________), der Umstand, dass sich der Vorfall ereignet hat während die Polizei eine Hausdurchsuchung durchführte sowie das der Beschwerdeführerin vorgeworfene Verhalten ("versuchten Sie, ihn mit Ihren gestreckten Armen ins Gesicht zu schlagen und mit Ihren Fingernägeln zu kratzen") umschrieben. Ebenso nennt der Strafbefehl den Straftatbestand, nämlich Art. 285 Ziff. 1 StGB, welchen die Beschwerdeführerin durch ihr Verhalten erfüllt haben soll. Der Strafbefehl umschreibt die dritte Tatbestandsvariante des Art. 285 Ziff. 1 StGB, nämlich einen tätlichen Angriff während einer Amtshandlung. Die Beschwerdeführerin wusste somit, dass sie sich gegen diese Tatbestandsvariante zu verteidigen hat. Da das Gericht an die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft des im Strafbefehl umschriebenen Sachverhalts nicht gebunden ist, ist ohne Belang, dass diese im Strafbefehl von einem Versuch der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte ausgegangen ist. Massgebend ist, dass im Strafbefehl alle für eine vollendete Tatbegehung notwendigen Elemente aufgeführt sind. Dies ist vorliegend der Fall, da bereits ein Versuch der Tätlichkeit (einen solchen umschreibt die Anklage) den vollendeten Tatbestand des Art. 285 Ziff. 1 StGB erfüllt (dazu näher nachfolgend unter Erwägung 4.2). Für die Beschwerdeführerin war hinreichend klar ersichtlich, was ihr zum Vorwurf gemacht wird. Sie wusste welches Verhalten ihr vorgeworfen wird und welchen Straftatbestand sie dadurch erfüllt haben soll. Dass und inwiefern ihr eine wirksame Verteidigung nicht möglich hätte sein sollen, ist weder aufgezeigt noch ersichtlich. Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt nicht vor.