Citation: 6P.32/2005 30.04.2005 E. 3

In der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde geht es um einen Vorfall, der sich am 5. Juni 2000 ereignet hat (Beschwerde S. 2). Der Beschwerdeführer wirft B. Y.________ vor, anlässlich einer Geburtstagsfeier seines Sohnes mit Händen und Füssen sehr kräftig auf ihn eingeschlagen zu haben (angefochtener Beschluss in Sachen B. Y.________ S. 3 lit. E). Unbestrittenermassen hat er in Bezug auf diesen Vorfall keinen rechtzeitigen Strafantrag gestellt. Er stellte sich jedoch im kantonalen Beschwerdeverfahren erstmals auf den Standpunkt, die Körperverletzung vom 5. Juni 2000 sei in Anwendung von Art. 123 Ziff. 2 StGB von Amtes wegen zu verfolgen, weil er damals wehrlos gewesen sei (angefochtener Beschluss S. 8 E. 2a). An dieser Auffassung hält er vor Bundesgericht fest (vgl. Beschwerde S. 3/4). Der Beschwerdeführer behauptete im kantonalen Verfahren, durch die heftigen Fusstritte an sein linkes Bein innerlich verletzt worden zu sein, und bis heute sei keine Besserung eingetreten (angefochtener Entscheid S. 3 lit. E). Er dürfte deshalb als Opfer zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde legitimiert sein (vgl. Art. 270 BStP und BGE 127 IV 236 E. 2b/bb). Die Frage kann jedoch letztlich offen bleiben. Gemäss Art. 123 Ziff. 2 StGB wird wegen einfacher Körperverletzung von Amtes wegen verfolgt, wer die Tat an einem Wehrlosen begeht. Wehrlos im Sinne dieser Gesetzesbestimmung ist, wer nicht in der Lage ist, sich gegen eine schädigende Einwirkung zur Wehr zu setzen ("hors d'état de se défendre"). Die Wehrlosigkeit muss nicht eine absolute sein, sondern es genügt, wenn sich das Opfer gegenüber seinem Angreifer und der Handlung, mit der dieser es bedroht, nicht mit einiger Aussicht auf Erfolg zur Wehr setzen kann (vgl. BGE 129 IV 1 E. 3.3 mit Hinweis). Soweit der Beschwerdeführer behauptet, er sei zum Tatzeitpunkt an Krücken gegangen (Beschwerde S. 3 lit. a und S. 4 Ziff. 4), ist er nicht zu hören. Die Vorinstanz hat festgestellt, der Beschwerdeführer habe zur Tatzeit wegen Schwierigkeiten beim Laufen einen Stock benötigt (angefochtener Beschluss S. 8). Von Krücken ist nicht die Rede. Davon ist im vorliegenden Verfahren auszugehen (vgl. Art. 277bis Abs. 1 Satz 2 und 273 Abs. 1 lit. b BStP). Die Vorinstanz kommt in rechtlicher Hinsicht zum Schluss, der Umstand, dass der Beschwerdeführer zur Tatzeit 78 Jahre alt gewesen sei und wegen Schwierigkeiten beim Laufen einen Stock benötigt habe, mache ihn nicht zum Wehrlosen im Sinne des Gesetzes (angefochtener Beschluss S. 8). Im angefochtenen Beschluss wird zudem auf ein Aktenstück hingewiesen, aus dem sich ergibt, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des Vorfalls vollkommen beschwerdefrei war (angefochtener Beschluss S. 5 mit Hinweis auf ein Schreiben vom 2. Juni 2003). Aus dem recht hohen Alter allein ist jedoch noch nicht zwingend der Schluss zu ziehen, dass es dem Beschwerdeführer keinesfalls möglich gewesen wäre, sich gegen B. Y.________ zur Wehr zu setzen. Jedenfalls wirkte er sogar noch ein Jahr später an einer ähnlichen Auseinandersetzung als aktiver Teilnehmer mit (vgl. angefochtener Beschluss S. 9/10). Gesamthaft gesehen ist die Auffassung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer sei im fraglichen Zeitpunkt nicht wehrlos im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 StGB gewesen, bundesrechtlich nicht zu beanstanden.