Citation: 6B_637/2023 E. 1.2.3

1.2.3. In rechtlicher Hinsicht erwägt die Vorinstanz mit Bezug auf die versuchte vorsätzliche Tötung, zwar sei davon auszugehen, dass die Tötung einer Person nicht das primäre Handlungsziel des Beschwerdeführers gewesen sei und dass die Schussabgabe spontan in einer eskalierten Drucksituation erfolgt sei. Immerhin habe er den Gedanken "mal zu schiessen" aber schon länger präsent gehabt, zumal seine damalige Freundin ausgesagt habe, er habe Solches geäussert, wobei sie es aber nicht ernst genommen habe. Am Tatabend sei der Beschwerdeführer wieder verärgert über die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gewesen. Bei der Schussabgabe habe er die nahe beieinander stehenden Personen bewusst in eine unmittelbare, konkrete Gefahr für Leib und Leben gebracht. Das Risiko der Tötung eines Menschen sei aufgrund der Art der eingesetzten Waffe und der vorgenommenen Zielbewegung enorm hoch gewesen. Bei seiner Zielrichtung habe der Beschwerdeführer daher hingenommen, zumindest eine Person zu treffen, wobei es sehr naheliegend gewesen sei, dass ein Treffer mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zu deren Tod führen könnte. Ferner sei notorisch, dass auch ungezielte Schüsse den Tod eines Menschen zur Folge haben könnten. Wie der Beschwerdeführer gewusst habe, sei das eingesetzte Sturmgewehr zur Tötung von Menschen im Kriegsfall konzipiert. Angesichts von dessen Reichweite sei das Risiko der Tatbestandsverwirklichung bei einer Distanz zur Gruppe von 45 Metern als sehr hoch einzustufen. Dieses Risiko habe der Beschwerdeführer trotz seiner Alkoholisierung und des gestressten Zustands gekannt. Dies umso mehr, als die anvisierte Personengruppe nichts vom Vorgang mitbekommen und keine Gelegenheit zur Flucht oder Deckung gehabt habe. Zudem sei der Beschwerdeführer ein erfahrener Schütze. Es sei davon auszugehen, dass er eventualvorsätzlich gehandelt habe. Zudem sei es bloss dem Glück zu verdanken, dass das in den Oberkörper getroffene Opfer nicht gestorben sei. Hingegen habe sich der Beschwerdeführer kurz nach der Tat ernsthaft und in grundsätzlich geeigneter Weise bemüht, das Leben des Opfers zu retten, was als tätige Reue zu qualifizieren sei. Der Beschwerdeführer erfülle zudem den Tatbestand der mehrfachen Gefährdung des Lebens mit Bezug auf die anderen umstehenden Personen. Er habe diese in konkrete, unmittelbare Lebensgefahr gebracht. Bei jeder der Personen habe die hohe Wahrscheinlichkeit bestanden, an einer empfindlichen Körperstelle getroffen zu werden, sei es direkt oder durch einen Querschläger. Ein Treffer hätte die nahe Möglichkeit des Todeseintritts bedeutet. Der Beschwerdeführer habe direkt vorsätzlich und skrupellos gehandelt. Ihm sei die unmittelbare Lebensgefahr der umstehenden Personen aufgrund seiner Handlungen bewusst gewesen. Mit seinem Vorgehen habe er eine besondere Hemmungs- und Rücksichtslosigkeit an den Tag gelegt, zumal dieses keinerlei legitimen Zwecken gedient habe. Es sei krass unverhältnismässig und sehr gefährlich gewesen.