Citation: 5C.125/2002 01.07.2002 E. 3

Im Zusammenhang mit der Rüge, die fürsorgerische Freiheitsentziehung sei bundesrechtswidrig, führt der Berufungskläger aus, er sei nicht gewillt, den Konsum von Alkohol aufzugeben, und gelte im Übrigen diesbezüglich auch nicht als therapierbar. 3.1 Die Zurückbehaltung in der Anstalt könnte in der Tat unverhältnismässig sein, sollte sich eine Therapie - wie der Berufungskläger behauptet - von vornherein als unmöglich bzw. nicht erfolgversprechend erweisen. Nach der Lehre ist von einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung dann abzusehen, wenn das Behandlungskonzept als erfolglos erscheint; es widerspricht der Menschlichkeit und entbehrt jeden Sinnes, Suchtkranke ohne mögliche Behandlung einzusperren (siehe zu dieser Problematik: Spirig, Zürcher Kommentar, N. 203 ff. zu Art. 397a ZGB; Geiser, Basler Kommentar, N. 14 zu Art. 397a ZGB; Rolf Coeppicus, Durchführung und Inhalt der Anhörung in Betreuungs- und Unterbringungssachen, in: Zeitschrift für das gesamte Familienrecht 1991, S. 895). Die Auffassung des Berufungsklägers lässt indes unbeachtet, dass einem Suchtkranken die persönliche Fürsorge nicht nur durch eine Behandlung seiner Sucht, sondern auch auf andere Weise, z.B. in Form von Pflege und Betreuung gewährt werden muss, etwa wenn bei Schädigung von Leber, Blut und Haut zufolge Trunksucht mit schwerwiegenden Konsequenzen für die physische und psychische Gesundheit zu rechnen ist und der Betroffene die Gefahr nicht mehr ohne fremde Hilfe abwenden kann (vgl. zum Ganzen: Spirig, a.a.O., N. 274 f. zu Art. 397a ZGB). Die Unterbringung von Alkoholsüchtigen in einer Anstalt wird ferner bei akuter Lebensgefahr, bzw. bei Gefahr länger dauernden Siechtums als verhältnismässig betrachtet (Coeppicus, a.a.O., S. 895). 3.2 Beim Berufungskläger sind verschiedene, durch den Alkoholmissbrauch bewirkte gesundheitliche Störungen festgestellt worden, wobei sich der Gesundheitszustand auch nach dem bisherigen Anstaltsaufenthalt noch nicht gebessert hat. Die Rekurskommission befürchtet zudem, dass der Berufungskläger bei einer Entlassung aus dem Heim bei den gegebenen Umständen erneut akut selbst gefährdet ist, da bei ihm ein Konzept für das Leben ausserhalb der Anstalt fehlt. Diese Fragen können freilich zum heutigen Zeitpunkt nicht abschliessend beurteilt werden. Immerhin stehen die vorstehenden Überlegungen und Feststellungen einer sofortigen Entlassung des Berufungsklägers entgegen. Die Vorinstanz hat nunmehr von einem unabhängigen Sachverständigen ein aktuelles Gutachten einzuholen und danach neu zu entscheiden (BGE 128 III 12 E. 4c S. 17). Dazu ist die Sache zurückzuweisen.