Citation: 6B_1019/2023 E. 2.2.2

2.2.2. Der flüchtige Beschwerdeführer hat der Vorinstanz keine Adresse mitgeteilt respektive mitteilen lassen, an welche ihm die Vorladung hätte zugestellt werden können. Damit hat er die Mitwirkung am Berufungsverfahren abgelehnt, obwohl er die Durchführung eines solchen verlangt hatte. Dieses Verhalten verdient keinen Rechtsschutz. Dabei spielt keine Rolle, ob er mit seinem amtlichen Verteidiger oder weiteren Rechtsanwälten Kontakt hatte, zumindest insoweit, als er allein daraus ableiten will, damit sein nach wie vor bestehendes Interesse am angehobenen Berufungsverfahren respektive sein Nichteinverständnis mit dem erstinstanzlichen Urteil kommuniziert zu haben; nichts anderes gilt, wenn er solches aus seiner Flucht ableitet. Der Wille, dass eine Überprüfung durch das Berufungsgericht erfolgt, muss während des Rechtsmittelverfahrens fortlaufend gegeben sein. Der Umstand, dass keine Vorladung erfolgen kann, fingiert, dass kein Interesse (mehr) vorhanden ist und die Berufung als zurückgezogen gilt. Diese Strenge ist gerechtfertigt (vgl. zum Ganzen BGE 148 IV 362 E. 1.9 und 1.10.) Die Anwendung der Rückzugsfiktion verstösst damit auch nicht gegen den Anspruch auf ein faires Verfahren i.S.v. Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Der Beschwerdeführer, der bereits im erstinstanzlichen Verfahren anwaltlich vertreten war, wusste unbestrittenermassen um die gegen ihn erhobenen Vorwürfe (Art. 6 Ziff. 3 lit. a EMRK), um das von ihm angehobene Berufungsverfahren und - angesichts der bis dahin verfassten Eingaben an das Berufungsgericht - auch darum, dass er zur einer mündlichen Berufungsverhandlung vorgeladen werden würde. Er befand sich seit dem 9. Februar 2023 auf der Flucht. Gemäss den für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen (Art. 105 Abs. 1 BGG; angefochtener Beschluss S. 3) und seinen eigenen Angaben hatte er sich seither erstmals und einzig am 22. Mai 2023 mit seinem amtlichen Verteidiger und einem weiteren Rechtsanwalt in Verbindung gesetzt. Damit einhergehend macht er aber nicht geltend, dass er einem der von ihm kontaktierten Rechtsanwälte zuhanden des Gerichts eine Adresse bekannt gegeben hätte, an welche die Vorladung hätte zugestellt werden können. Diese Umstände lassen keinen anderen Schluss zu, als dass er im Nachgang an seine Flucht nicht mehr die Absicht hatte, am Verfahren teilzunehmen und damit darauf verzichtet hat, die Rechtmässigkeit des erstinstanzlichen Urteils von der Berufungsinstanz überprüfen zu lassen. Die Folgen eines solchen Verzichts waren für den Beschwerdeführer, der wie erwähnt anwaltlich vertreten war und mit einem weiteren Rechtsanwalt in Kontakt stand, zweifelsohne voraussehbar. Umso mehr, als seinem amtlichen Verteidiger mit der Verfügung vom 15. Mai 2023 unmissverständlich bekannt gegeben worden war, dass das Gericht den Rückzug der Berufung gestützt auf Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO prüfen würde (vgl. oben E. 2.1.3).