Citation: 6B_1032/2023 E. 3.3.2

3.3.2. Der Beschwerdeführer lebte im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids seit 29 Jahren und damit fraglos seit einer langen Zeit in der Schweiz. Jedoch scheint weder in sprachlicher noch in sozialer oder beruflicher Hinsicht eine gelungene Integration vorzuliegen. So blieb er auch nach derart langer Zeit im vorliegenden Verfahren auf einen Dolmetscher angewiesen. Weiter absolvierte er hier keine Ausbildung. Den Ausführungen der ersten Instanz zufolge (die sich die Vorinstanz zu eigen macht), bezog er - auch wenn er zwischenzeitlich immer wieder Anstellungen innehatte - mehrere Jahre lang Unterstützungsleistungen der Sozialhilfe. Dies wird vom Beschwerdeführer zwar bestritten; er legt dabei aber keine Willkür dar, womit die Feststellung für das Bundesgericht bindend ist. Dass seine (anerkannten) Schulden in Höhe von über Fr. 60'000.-- das Resultat von Therapiebemühungen im Hinblick auf eine Kokain- bzw. Alkoholabhängigkeit oder eine posttraumatische Belastungsstörung seien, stellt die Vorinstanz sodann nicht fest (vielmehr zeigte sich diesbezüglich schon die erste Instanz ausdrücklich skeptisch), ohne dass der Beschwerdeführer Willkür dartun würde. Der von ihm neu offerierte Therapie- bzw. Austrittsbericht datiert vom 7. Juni 2023 und damit aus der Zeit nach Fällung des angefochtenen Urteils. Er ist für das Bundesgericht ohnehin unbeachtlich (vgl. Art. 99 Abs. 1 BGG). Gesundheitliche Gründe, die gegen eine Wegweisung sprächen, sind folglich nicht dargetan. Angesichts seiner Schulden (und ungeachtet deren Herkunft) müsste der Beschwerdeführer im Falle der Landesverweisung jedenfalls keine vorteilhafte finanzielle Situation zurücklassen. Der Beschwerdeführer verkehrt des Weiteren vornehmlich in heimatlich geprägten Kreisen und ist heute arbeitslos, wobei er (unter anderem) von seinen Kindern Unterstützung erhält. Sodann reiste er im Alter von immerhin 17 Jahren in die Schweiz ein, womit er seine gesamte Kindheit und den Grossteil seiner Jugend in Mazedonien verbrachte und mit den Gepflogenheiten seines Heimatlands vertraut ist. Auch wenn keine nahen Verwandten dort leben, scheint es ihm möglich und zumutbar, sich zu reintegrieren. Dies umso mehr, als er das Land (zumindest bis zur Covid-19-Pandemie) jährlich in den Ferien besuchte. Dabei dürfte seine berufliche Integration mangels Ausbildung tatsächlich mit Schwierigkeiten verbunden und seine beruflichen Perspektiven auf Tätigkeiten im Tieflohnbereich beschränkt sein. Dasselbe gilt aber auch bei einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz. Nicht nachvollziehbar ist, weshalb seine Kinder ihn bei einem Wegzug nicht weiterhin finanziell unterstützen könnten. Die persönliche Situation des Beschwerdeführers begründet zusammengefasst durchaus ein Interesse an einem Verbleib in der Schweiz, dieses erschöpft sich jedoch massgeblich in der Dauer seines bisherigen Aufenthalts. Der Beschwerdeführer ist sodann mit einer Landsfrau verheiratet, die in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und sprachlich nur wenig integriert ist. Vor diesem Hintergrund scheint ihr eine Rückkehr möglich. Sollte sie sich gegen eine Ausreise zusammen mit dem Beschwerdeführer entscheiden, stünde der Kontaktpflege mittels Ferienaufenthalten, Anrufen und üblicher moderner Kommunikationsmittel nichts im Weg. Nichts anderes gilt für die Kinder des Beschwerdeführers. Diese sind allesamt erwachsen und der jüngste Sohn stand im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils unmittelbar vor dem Abschluss seiner Ausbildung. Eine Abhängigkeit vom Beschwerdeführer ist nicht dargetan, sind es doch die Kinder, die diesem finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Die beiden Töchter sind gemäss den Ausführungen in der Beschwerde nunmehr verheiratet und leben mit ihren Ehemännern zusammen. Auch diesbezüglich ist keine Abhängigkeit vom Beschwerdeführer erkennbar. Gegen einen Verbleib der Kinder in der Schweiz spricht damit nichts. Auch sie könnten ihre Beziehung zum Beschwerdeführer mittels Besuchen und Anrufen aufrechterhalten. Weiter mag es zutreffen, dass Letzterer seine Frau bei der Pflege seiner Eltern teilweise unterstützt. Die Vorinstanz führt aber richtig aus, dass die Pflege auch von den Kindern des Paares, im Falle ihres Verbleibs von der Ehefrau des Beschwerdeführers oder in letzter Instanz auch von einer externen Stelle vorgenommen werden könnte. Dass der Öffentlichkeit allenfalls Kosten für die Unterbringung der Eltern anfallen könnten, begründet weder ein privates Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib, noch vermag es die öffentlichen Interessen an der Anordnung der Landesverweisung in casu massgeblich zu relativieren. Alles in allem bildet die gewohnte Weiterführung des Familienlebens unter einem Dach bzw. in naher Umgebung zu den Kindern zwar ein durchaus ernstzunehmendes privates Interesse des Beschwerdeführers an der Fortdauer seines Aufenthalts in der Schweiz; die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung überwiegen dieses allerdings. Der Beschwerdeführer wurde vorinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von 35 Monaten verurteilt, womit per se schon von grundsätzlich überwiegenden Interessen an der Landesverweisung auszugehen ist (vgl. zur "Zwei-Jahres-Regel" supra E. 3.2.5). Gleiches ergibt sich bei Würdigung des Einzelfalls. Betreffend das strafrechtlich relevante Verhalten des Beschwerdeführers ist den zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen kaum etwas beizufügen. Die im Strafregisterauszug ersichtlichen Verurteilungen (vgl. supra E. B.b) decken diverse Bereiche des Strafrechts ab und betreffen teilweise schwere Tatbestände sowie Katalogtaten (vgl. namentlich die Verurteilung vom 3. November 2021 wegen mehrfacher Verbreitung harter Pornografie, mehrfacher Handlungen zum Eigenkonsum harter Pornografie, mehrfacher Verbreitung harter Pornografie mit tatsächlichen Handlungen mit Minderjährigen, mehrfacher Handlungen zum Eigenkonsum harter Pornografie mit tatsächlichen Handlungen mit Minderjährigen, Hausfriedensbruch, mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen, Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug oder Aberkennung eines Ausweises, Fahrens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes). Der Beschwerdeführer delinquierte somit regelmässig, trotz Vorstrafen, teilweise während laufender Probezeit und auch während dem laufenden vorliegenden Strafverfahren. Auch das Wissen um den drohenden Entzug seiner Niederlassungsbewilligung vermochte sein Verhalten nicht nachhaltig zu beeinflussen. Unerheblich ist für diese Einschätzung, dass es die zuständige Behörde bei einer Warnung beliess. Unter diesen Umständen ist von einer massiv getrübten Legalprognose auszugehen. Das vorliegend begangene Delikt illustriert angesichts der potentiell weitreichenden - für den Beschwerdeführer kaum abschätzbaren - Folgen für Dritte sodann eine krasse Rücksichtslosigkeit. Insgesamt ist damit von erheblichen Interessen der Öffentlichkeit an Schutz vor weiterer Delinquenz des Beschwerdeführers auszugehen. Diese überwiegen dessen Interessen an einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz und einer ungestörten Weiterführung seines Familienlebens deutlich. Die Landesverweisung ist daher anzuordnen.