Citation: 6B_235/2020 E. 2.6.1

2.6.1. Am 21. Januar 2019 edierte die Staatsanwaltschaft bei der Standeskanzlei Graubünden den Bericht der Expertengruppe vom 15. Dezember 2017. Der Expertenbericht vom 15. Dezember 2017 wird als "Kurzbericht" bezeichnet und ist lediglich fünf Seiten lang. Er wurde nicht im Rahmen des Strafverfahrens in Auftrag gegeben. Vielmehr wurde er im Zuge der Aufarbeitung der Ereignisse anlässlich einer Medienkonferenz von der vom Kanton eingesetzten Expertengruppe publik gemacht. Inhalt des Berichts bilden im Wesentlichen eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse vor und während des Bergsturzes vom 23. August 2017 und eine Einschätzung der künftigen Gefahren. Der Bericht qualifiziert aufgrund der Erstellung ausserhalb des Strafverfahrens und des Inhalts nicht als Gutachten. Entsprechend können auch nicht die Vorschriften von Art. 182 ff. StPO sowie die in diesem Zusammenhang zu beachtenden Ausstandsvorschriften von Art. 56 StPO zur Anwendung gelangen. Welcher Beweiswert dem im Strafverfahren beigezogenen Bericht beigemessen werden kann und welche Rolle die Mitarbeiter des AWN bei der Ausarbeitung des Berichts einnahmen, ist eine Frage der Beweiswürdigung. Da, wie sich noch zeigen wird, vorliegend eine neue Würdigung der Sach- und Rechtslage vorzunehmen sein wird, erübrigen sich weitere Ausführungen zu dieser Problematik vorerst.