Citation: 5A_950/2023 E. 4.6.1

4.6.1. Die Beschwerdeführerin moniert weiter, die Beschwerdegegnerin habe offensichtlich überklagt. Für solche Konstellationen habe der Gesetzgeber andere Mittel und Möglichkeiten vorgesehen, damit eine sorgfältig prozessierende Partei keine aus der Anwendung von Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO nachteiligen Folgen befürchten müsse (Stichwort unbezifferte Forderungsklage). Da sie das nicht getan habe, obschon es ohne Weiteres möglich gewesen sei, erweise es sich als stossend, wenn die Beschwerdegegnerin die Rechtsfolgen des nachträglichen Forderungsverzichts nicht tragen müsse. Die Beschwerdegegnerin habe in ihrer Berufung nicht genau dargelegt, weshalb und in welchem Umfang die Bezifferung ihres Anspruchs komplex und schwierig gewesen sei. Der Hinweis auf die Notwendigkeit von Gutachten verfange insofern nicht, als die Beschwerdegegnerin selbst nach Vorliegen von diversen Gutachten ihre Forderung lediglich von Fr. 950'000.-- auf Fr. 802'455.-- reduziert habe. Die Beschwerdegegnerin sei somit bewusst das Risiko des Überklagens eingegangen und habe darauf gehofft, dass ihr das Gericht die Kosten für die Aufhebung der Mischfundation in der Höhe von Fr. 540'000.-- doch noch zusprechen würde. Auch die Vorinstanz lege nicht dar, weshalb und in welchem Umfang die Bezifferung des Anspruchs komplex und schwierig gewesen sein solle. Zwar sei mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass die Beschwerdegegnerin sich aufgrund des Eingriffs in ihr Grundstück grundsätzlich in guten Treuen zur Prozessführung veranlasst gesehen habe, allerdings verkenne sie, dass die Beschwerdegegnerin an einer Schadenersatzposition in Höhe von Fr. 540'000.-- selbst dann noch festgehalten habe, als der Obergutachter zum Schluss gekommen sei, dass diese Wiederherstellungsmassnahme weit über den ursprünglichen Zustand hinausgehe. Soweit die Vorinstanz Sachverhaltsfeststellungen im angefochtenen Entscheid bezüglich der konkreten Umstände unterlasse, welche zur Qualifikation der Bezifferung der Forderungen als schwierig führten, werde eine unvollständige bzw. unrichtige Feststellung des Sachverhalts gerügt.