Citation: 1C_690/2021 E. 3.4.3

3.4.3. Die Vorbringen der Beschwerdegegnerin, des Einwohnergemeinderats und der Vorinstanz sind unbehelflich. Wie das BAFU zutreffend festhält, wurde für die Erteilung der umstrittenen gewässerschutzrechtlichen Ausnahmebewilligung nur darauf abgestellt, ob die Durchflusskapazität des Grundwassers um höchstens 10 % vermindert wird, wie dies Anhang 4 Ziff. 211 Abs. 2 GSchV vorschreibt. Die für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung gemäss dieser Bestimmung ebenso erforderliche Interessenabwägung im dargelegten Sinn findet sich hingegen weder im Entscheid, mit dem das ALU die gewässerschutzrechtliche Bewilligung erteilte, noch im Baubewilligungsentscheid des Einwohnergemeinderats. Ebenso wenig ist sie im Rechtsmittelentscheid des Regierungsrats oder im angefochtenen Entscheid der Vorinstanz vorhanden. Namentlich wurde jeweils darauf verzichtet, die Situierung des Bauprojekts im konkreten Gewässerschutzbereich und das Ausmass der Durchflussverminderung mit den bautechnischen Erfordernissen einer sinnvollen, mit den übrigen Vorgaben des Raumplanungs- und Umweltrechts übereinstimmenden Grundstücknutzung ins Verhältnis zu setzen. Die Voraussetzungen für die Erteilung der gewässerschutzrechtlichen Ausnahmebewilligung wurden somit nur unvollständig geprüft, auch durch die Vorinstanz (vgl. Urteil 1C_460/2020 vom 30. März 2021 E. 4.2.5). Die versäumte vollständige Prüfung kann nicht dadurch nachgeholt werden, dass sich die Vorinstanz (ebenso der Einwohnergemeinderat) im vorliegenden Verfahren nunmehr zu den öffentlichen und privaten Interessen an der geplanten Überbauung sowie den Gewässerschutzinteressen äussert und die betreffenden Interessen einander gegenüberstellt. Die nach Anhang 4 Ziff. 211 Abs. 2 GSchV erforderliche Interessenabwägung kann nicht erstmals im bundesgerichtlichen Verfahren bzw. durch das Bundesgericht als letzte Beschwerdeinstanz erfolgen, zumal der dafür erforderliche Sachverhalt - wie das BAFU ebenfalls zutreffend vorbringt - nicht genügend erstellt ist resp. sich nicht ohne Weiteres aus den Akten ergibt (vgl. Urteil 1C_460/2020 vom 30. März 2021 E. 4.3).