Citation: U 167/99 08.02.2000 E. 3

3.- a) Aus dem Rapport der Polizei Y.________ vom 29. Dezember 1994 erhellt, dass der Beschwerdeführer, auf einer Alu-Blockleiter stehend, die Scheiben des Winter- gartens im 1. Stockwerk eines Wohnhauses reinigte, als er das Gleichgewicht verlor und rund 6-8 Meter auf den mit Bauschutt und Erde bedeckten Boden hinunter fiel. b) In dem in RKUV 1998 Nr. U 307 S. 448 veröffent- lichten Urteil K. vom 27. April 1998 hat das Eidgenössische Versicherungsgericht die bisherige Rechtsprechung zur Ein- teilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden, bei denen ein Sturz aus einer gewissen Höhe als Ursache auftritt, in leichte, mittelschwere und schwere Unfälle einlässlich dar- gelegt. Im Lichte dieser Rechtsprechung ist der hier zu be- urteilende Unfall vom 22. Dezember 1994 auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs und des dabei zugezogenen Halswirbelbruchs dem mittleren Bereich, aber - entgegen der Ansicht von Vorinstanz und SUVA - an der Grenze zu den schweren Fällen zuzuordnen. Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallgeschehen und dem (psychisch bedingten) Gesundheitsschaden genügt es daher, wenn ein einziges unfallbezogenes Kriterium erfüllt ist (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Im vorliegenden Fall haben sich die somatischen Folgen des Unfallereignisses vom Dezember 1994 wohl sehr rasch zurückgebildet. So wurde in der Klinik für Unfallchirurgie des Spitals X.________, an welcher der Beschwerdeführer nach seinem Sturz operiert worden war, die Arbeitsfähigkeit ab Februar 1995 wieder auf 100 % geschätzt (Bericht des Spitals X.________ vom 12. Januar 1995). Dessen ungeachtet ist die erlittene Verletzung als erheblich einzustufen, zumal der Beschwerdeführer infolge der Fraktur des Dens axis mit dem Erscheinungsbild einer kompletten Tetraplegie ins Spital X.________ eingeliefert worden war. Entsprechend befürchtete der Beschwerdeführer, nicht mehr gehen zu können (Bericht der Psychiatrischen Poliklinik des Spitals X.________ vom 23. Dezember 1994). Es handelt sich somit um eine Verletzung besonderer Art, die erfahrungsgemäss als geeignet betrachtet werden kann, massive Ängste mit an- schliessender Konversionsstörung im Sinne eines Vermei- dungsverhaltens auszulösen. Unter diesen Umständen ist, ohne zusätzliche Prüfung der übrigen Kriterien, davon auszugehen, dass dem Unfall vom 22. Dezember 1994 nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebens- erfahrung für die Entstehung der psychischen Fehlentwick- lung eine massgebende Bedeutung zukommt (vgl. andere Fälle, in denen das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung bejaht wurde: BGE 117 V 369 Erw. 7b; RKUV 1998 Nr. U 307 S. 450 Erw. 3b, Nr. U 297 S. 245 Erw. 3c, 1995 Nr. U 221 S. 114 Ziff. 4; nicht veröffent- lichte Urteile Z. vom 25. September 1996, U 14/96, M. vom 13. Juni 1996, U 233/95, Z. vom 17. März 1995, U 196/93, J. vom 26. Oktober 1994, U 137/93, J. vom 19. Dezember 1991, U 86/90, S. vom 2. April 1991, U 78/87, und S. vom 26. März 1991, U 52/88). Damit ist die Adäquanz des Kausalzusammen- hangs gegeben. c) Die Sache ist daher an die SUVA zurückzuweisen, damit sie über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.