Citation: B 41/06 23.05.2007 E. 5.2

5.2.1 In seiner Stellungnahme vom 18. März 2006 legt Dr. N.________ dar, dass er den Ehemann der Gesuchstellerin nach Zuweisung durch den seinerzeitigen Hausarzt Dr. G.________ am 30. Juni 1992 konsiliarisch untersucht habe. Aufgrund seiner damaligen Feststellungen und anhand seiner Unterlagen "bestätige" er, "dass Herr X.________ damals - und zumindest seit zirka Anfang 1990 - an einer schweren, invalidisierenden psychischen Krankheit aus dem Formenkreis der organischen Frontalhirnsyndrome im Sinne eines dysexekutiven Syndroms litt". Sein Denken schien in formaler Hinsicht bei kursorischer Prüfung intakt zu sein. In inhaltlicher Hinsicht hätten sich jedoch deutliche Auffälligkeiten gezeigt: Der Versicherte sei offensichtlich nicht in der Lage gewesen, seine aktuelle persönliche Lebenssituation adäquat zu beurteilen und sein zukünftiges Handeln auf der Basis einer solchen Beurteilung zu planen. Bei der Darstellung seiner persönlichen Lebensgeschichte und bei der subjektiven Bewertung seiner aktuellen Lebenslage hätten sich krasse, groteske Inkongruenzen gezeigt, wobei sich der Versicherte der Inkohärenz seiner Einschätzungen offensichtlich nicht bewusst gewesen sei. Zwar habe er eine langwierige und eindrückliche Krankengeschichte mit rezidivierenden Lungenembolien seit dem 27. Altersjahr mit einer entsprechenden Dauerbehandlung mittels Antikoagulation, mit zunehmender schwerer, chronischer und invalidisierender Müdigkeit mit einem zwingenden Schlafbedürfnis von zirka 14 Stunden täglich, mit monatelanger Arbeitsunfähigkeit, mit Rückenbeschwerden und mit asthmoiden Atembeschwerden geschildert. Gleichzeitig habe er jedoch auf Anfrage keine wirklichen Probleme gesundheitlicher Art zu erkennen vermocht. Er habe sich selber als erfolgreichen "Unternehmensberater" (Versicherungsberater) im Dienst der Versicherungsgesellschaft S.________ beurteilt und mit befremdlicher Zuversicht auf ein aktuelles Monatseinkommen von Fr. 20'000.- hingewiesen. Auch seine eigene Darstellung eines reibungslosen Zusammenlebens mit seiner dritten Ehefrau und deren beiden Kindern hätten krass kontrastiert mit den Schilderungen des zuweisenden Hausarztes Dr. G.________. Dieser hätte unter dem Eindruck der extremen Spannungen in der neuen Ehe des Versicherten gestanden und sei insbesondere in grosser Sorge um die beiden Kinder der Ehefrau gewesen, welche unter dem verständnislosen, impulsiven und grotesk diktatorischen Verhalten des Versicherten gelitten hätten. Was die Arbeitsfähigkeit anbelangt, führte Dr. N.________ aus, es sei "klar, dass der (Versicherte) im Jahre 1992 bereits nicht mehr in der Lage war, irgendeine Lohnarbeit zu leisten". Zwar gelänge es Patienten mit Schädigungen im Bereich des Frontalhirnes jeweils noch recht lange, gewohnte einzelne Routinearbeiten weiterhin zu erledigen. Hingegen scheiterten die Patienten an der langfristigen Handlungsplanung und an der sozial verträglichen Umsetzung ihrer Intentionen. Typischerweise manifestiere sich das letztgenannte Krankheitsmerkmal zunächst beim alltäglichen Zusammenleben im privaten, familiären Umkreis. Von einer weiteren Öffentlichkeit und oft auch von medizinischen Fachpersonen werde es oftmals erst wesentlich später wahrgenommen. Aus objektiver Sicht stehe fest, dass der Versicherte im Jahre 1992 insbesondere seiner beruflichen Rolle eines Versicherungsberaters nicht mehr gewachsen gewesen sei. Diese Tätigkeit setze, nebst der Beherrschung finanzmathematischer Routinen, zwischenmenschlich-empathische Fähigkeiten voraus. Namentlich Letztere nähmen bei Schädigungen des Frontalhirnes bereits in frühen Stadien Schaden. Unter Hinweis auf die Angaben im ärztlichen Zeugnis von Dr. G.________ vom 12. August 2003 führte Dr. N.________ in seiner einlässlichen psychiatrischen Stellungnahme aus, er bestätige "voll und ganz" die Feststellungen des damaligen Hausarztes: Der Versicherte habe an einer schweren psychischen (psychoorganischen) Krankheit gelitten, "welche zur bekannten Arbeitsunfähigkeit ab Februar 1992 Anlass gegeben und diese auch verursacht" habe. Laut seinen abschliessenden Bemerkungen hat Dr. N.________ darauf verzichtet, seine Diagnose dem Ehemann der Gesuchstellerin mitzuteilen. Hingegen habe er Dr. G.________ mündlich dahingehend informiert, dass von einer Psychotherapie keine Besserung zu erwarten sei und dass auch keine psychopharmako-therapeutische Behandlung empfohlen werden könne. 5.2.2 Der Umstand, dass der Versicherte bereits im Jahre 1992 psychiatrisch beurteilt worden war, war dem Gericht im Hauptverfahren nicht bekannt und stellt insofern eine neue Tatsache dar. Mit Blick auf die übrige Aktenlage ist festzuhalten, dass Dr. N.________, welcher den Ehemann der Gesuchstellerin lediglich einmal (konsiliarisch) untersucht hat, als einziger der mit dem Versicherten konfrontierten (und diesen zum Teil monatelang stationär behandelnden) Psychiater die Diagnose einer organischen zerebralen Erkrankung erhoben hat. Es fällt auch auf, dass Dr. G.________, der seinerzeit die psychiatrische Untersuchung bei Dr. N.________ veranlasst hatte, dessen Befunderhebung in der eigenen hausärztlichen Stellungnahme vom 12. August 2003 mit keinem Wort erwähnte. Und entgegen der (ihm offenbar nur mündlich mitgeteilten) Einschätzung des konsiliarisch beigezogenen Psychiaters, wonach der Versicherte für jegliche Lohnarbeit vollständig arbeitsunfähig sei, schrieb Dr. G.________ den Ehemann der Gesuchstellerin am 22. Juli 1992, d.h. rund drei Wochen nach der Untersuchung durch Dr. N.________, ab 6. Juli 1992 wieder zu 50 % sowie ab 18. Juli 1992 wieder vollständig arbeitsfähig (in seiner Tätigkeit als Versicherungsberater). Es mag hier offen bleiben, welches psychische bzw. psychoorganische Leiden zur Invalidität des Versicherten führte. Aus diesem Grunde kann auch von den im Revisionsgesuch beantragten ergänzenden Abklärungen bei einem renommierten medizinischen Experten im Gebiete dysexekutiver Symptome abgesehen werden. Auch unter der Annahme, dass die Diagnose des Psychiaters Dr. N.________ zutrifft, vermöchte die Gesuchstellerin nämlich nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Entscheidend bleibt auch im vorliegenden Revisionsverfahren, dass sich die von Dr. N.________ generell (und für den Zeitraum vom 24. Februar bis 17. Juli 1992 [zumindest zum Teil allerdings aus somatischen Gründen] auch von Dr. G.________) attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht vereinbaren lässt mit der vom Versicherten im angestammten Aufgabenbereich eines Versicherungsberaters offenkundig nach wie vor erbrachten (und von seiner Arbeitgeberin für das Jahr 1992 sogar speziell ausgezeichneten) beruflichen Leistung (vgl. die Angaben der Versicherungsgesellschaft S.________ vom 4. März 1996 zuhanden der IV-Organe). Sollte die in Erw. 5.2.1 hievor angeführte psychiatrische Beurteilung Dr. N.________s dem Grundsatze nach tatsächlich zutreffen, liesse sich einzig die Schlussfolgerung ziehen, dass die (später) invalidisierende psychische oder psychoorganische Krankheit im familiären Umfeld lange vor der (laut den Angaben der Arbeitgeberfirma aus disziplinarischen Gründen ausgesprochenen) Kündigung der Arbeitsstelle in Erscheinung trat, wogegen der Versicherte den spezifischen Anforderungen seines bisherigen Berufes während der Dauer des vorsorgerechtlichen Versicherungsverhältnisses mit der Gesuchsgegnerin (einschliesslich der Nachdeckungszeit bis Ende Januar 1994) im Wesentlichen gewachsen blieb. Jedenfalls verbietet sich nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit hinsichtlich der funktionellen Leistungsfähigkeit als Versicherungsberater eine gegenteilige Annahme. Nach dem Gesagten hätte die psychiatrische Stellungnahme Dr. N.________s vom 18. März 2006, wenn sie dem Gericht bereits im Hauptverfahren vorgelegen hätte, nicht zu einem anderen Urteil geführt. Ein Revisionsgrund ist deshalb zu verneinen.