Citation: 4P.260/2006 09.01.2007 E. 2

Das Obergericht liess die von der Beschwerdeführerin zum Schadensbeweis neu erhobenen Behauptungen und neu eingereichten bzw. beantragten Beweismittel (z. B. Ausführungen zum Neupreis und kalkulatorischem Restwert des Audi A6; Antrag auf amtliche Erkundigung bei der Euromobil-Zentrale) gestützt auf Art. 267 Abs. 1 ZPO/OW nicht zu. Nach dieser Bestimmung sind neue Behauptungen und Beweismittel im Appellationsverfahren zulässig, es sei denn, dass sie infolge groben Verschuldens vor der ersten Instanz nicht vorgebracht wurden. Das Obergericht erwog, die von der Beschwerdeführerin neu vorgebrachten Behauptungen und aufgelegten Urkunden bzw. beantragten Beweise hätten allesamt Tatsachen betroffen, welche bereits bei Klageeinreichung und bei der Berechnung des Schadens auf der neuen Grundlage in der Replik bekannt gewesen sein mussten. Die entsprechenden Urkunden, Behauptungen und Beweisanträge hätten ohne weiteres bereits im erstinstanzlichen Verfahren eingebracht werden können, zumal die Beschwerdegegnerin den Schaden und dessen Substanziierung detailliert bestritten hatte und die Beschwerdeführerin nach dem kantonalen Prozessrecht die Gelegenheit gehabt hätte, vor Kantonsgericht neue Tatsachen, Behauptungen und Beweismittel vorzubringen, worauf sie anlässlich der Hauptverhandlung denn auch aufmerksam gemacht worden sei. Die Beschwerdeführerin lege nicht dar, weshalb es ihr nicht möglich gewesen sein sollte, sich bereits im Prozess vor Kantonsgericht auf die entsprechenden Behauptungen und Beweismittel zu berufen. In Anbetracht der zentralen Bedeutung der Schadensberechnung bzw. des Schadensnachweises sei der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin als grobes Verschulden anzulasten, dass sie es im erstinstanzlichen Verfahren unterlassen habe, sich auf die im Appellationsverfahren neu vorgetragenen Tatsachen und Beweismittel zu stützen. Diese könnten daher im Appellationsverfahren nicht mehr berücksichtigt werden. 2.1 Mit diesen Ausführungen hat das Obergericht nach Auffassung der Beschwerdeführerin Art. 267 Abs. 1 ZPO/OW willkürlich angewandt. Das Kantonsgericht habe ihre Vorbringen zu Unrecht als unzureichend substanziiert erachtet. Mit dieser (unzutreffenden) Begründung habe die Beschwerdeführerin nicht rechnen müssen, weshalb der Vorwurf der Grobfahrlässigkeit an ihre Adresse unbegründet sei. 2.2 Die Beschwerdeführerin setzt sich mit den Erwägungen des Obergerichts nicht auseinander und legt namentlich nicht dar, weshalb sie im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens nicht auf den von der Beschwerdegegnerin erhobenen Einwand mangelnder Substanziierung reagierte. Eine Prozesspartei kann grundsätzlich nicht für sich in Anspruch nehmen, sie habe nicht damit rechnen müssen, dass das Gericht der Argumentation der Gegenpartei folgen könnte. Im Übrigen ist die Argumentation der Beschwerdeführerin widersprüchlich, wenn sie einerseits geltend macht, das erstinstanzliche Gericht habe zu Unrecht angenommen, ihre Substanziierung des Schadens sei mangelhaft, und gleichzeitig beantragt, sie sei mit den nachgeholten Behauptungen und den nachgereichten Beweismitteln zuzulassen. Wäre die Annahme des erstinstanzlichen Gerichts tatsächlich bundesrechtswidrig, würde sich die Ergänzung der Tatsachenbehauptungen und die Nachreichung von Beweismitteln erübrigen. Soweit auf die Rüge eingetreten werden kann, ist sie unbegründet.