Citation: I 149/99 16.03.2000 E. 1

der anspruchsbegründende Sachverhalt spätestens seit 31. August 1990 objektiv feststellbar ist, kann daher nicht gefolgt werden. Aber auch bei dieser Ausgangslage erfolgte die Anmeldung bei der Invalidenversicherung vom 7. Oktober 1993 zu spät. b) Zu beurteilen bleibt mithin die Frage, ob das Leiden des Versicherten diesen daran hinderte, den an- spruchsbegründenden Sachverhalt zu erkennen, nachdem die Anspruchsvoraussetzungen bereits gegeben waren (d.h. ab Februar 1992), bzw. nach dieser Einsicht zu handeln und er deshalb die Anmeldung für eine Invalidenrente verweigert hatte. Auf Grund der medizinischen Unterlagen ist erstellt, dass S.V.________ an chronischem Alkoholismus litt. An- lässlich des stationären Aufenthalts in der Klinik X.________ diagnostizierte Dr. med. C.________ eine Per- sönlichkeitsstörung (passiv-abhängig) mit sekundärem Alkoholismus. Grobe hirnpathologische Schädigungen hätten sich keine gefunden. Gemäss den Angaben des Arztes wirkte der Versicherte insgesamt angepasst und kooperativ, im Einzelgespräch recht unterwürfig und appellativ, in der Ge- sprächsgruppe passiv-aggressiv und trotzig. Insgesamt sei er in der Gestaltung seiner stationären Behandlung passiv gewesen und hätte auch auf den geplanten Austritt hin wenig Initiative zur konkreten Lebensplanung gezeigt. Eine sinn- volle Nachsorge hätte bei Austritt nicht organisiert werden können. Auch anlässlich des früheren stationären Aufent- halts in der Psychiatrischen Klinik Y.________ vom 27. Februar bis 13. März 1991 stand er einer Langzeit-Ent- wöhnungsbehandlung sehr ablehnend gegenüber. In seiner Grundstimmung zeigte er sich u.a. misstrauisch und bagatel- lisierend. Er wünschte damals lediglich eine Antabusbehand- lung und gesprächstherapeutische Begleitung. Nach Angaben der Beschwerdeführer liess er sich nicht zur Einreichung eines Rentenantrages bewegen. In keinem der Arztberichte finden sich Anhaltspunkte dafür, dass S.V.________ an einer dauerhaften Bewusstseins- störung und damit an einer Geisteskrankheit, Geistes- schwäche oder einem ähnlichen Zustand mit erheblichen Aus- wirkungen auf seine Besinnungsfähigkeit gelitten hätte. Dass sich an seinem Zustand in der vorliegend relevanten Zeit von Februar 1992 bis September 1993 etwas geändert hätte, wird weder geltend gemacht noch ergeben sich dafür Anhaltspunkte aus den Akten. Die Vorbringen der Beschwer- deführer, wonach für den Versicherten erst am 14. Dezember 1993 eine Vertretungs- und Verwaltungsbeistandschaft auf eigenes Begehren angeordnet werden konnte, nachdem vor- gängige Versuche zur Verbeiständung fehlgeschlagen waren, verdeutlichen, dass der Gesundheitszustand nicht soweit beeinträchtigt war, dass frühere und allenfalls einschnei- dendere vormundschaftliche Massnahmen angezeigt gewesen wären. Es kann somit nicht davon gesprochen werden, dass S.V.________ an einer geistigen Gesundheitsstörung mit erheblicher Beeinträchtigung seiner Fähigkeiten litt, die Art und Schwere seiner Gesundheitsschäden und deren er- werbliche Auswirkungen abzuschätzen. Es stellt sich aber die Frage, ob er in der Lage war, gemäss dieser Einsicht zu handeln. Wie Dr. med. N.________, Oberarzt an der Klinik X.________, in seinem Bericht zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführer vom 21. April 1999 ausführt, gibt es immer wieder Patienten, die Sozialversicherungsleistungen ablehnen, die ihnen grundsätzlich zustehen würden. Prädes- tiniert für ein solches Verhalten sind laut diesem Arzt Alkoholabhängige mit Persönlichkeitsstörungen, die mit einer erhöhten Kränkbarkeit sowie übertriebenen Erwartungen an die eigene Leistungsfähigkeit (sog. narzisstische Per- sönlichkeiten) verbunden sind. Das Eingestehen der eigenen Grenzen, Probleme und Miseren ist für solche Patienten kaum zu ertragen, sodass für sie die Beanspruchung von Sozial- versicherungs- oder Fürsorgeleistungen einer Art "persön- licher Bankrotterklärung" gleich käme. Auf Grund der bestehenden Aktenlage lässt sich nicht beurteilen, ob der Versicherte unter Berücksichtigung sei- nes Gesundheitszustandes nicht in der Lage war, hinsicht- lich der Geltendmachung von Sozialversicherungsansprüchen - auf welche Handlung es ankommt (Erw. 1c) - seiner Einsicht entsprechend zu handeln, und ob er deshalb die Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung ver- weigerte. Die Sache ist mithin an die IV-Stelle zurück- zuweisen, damit diese bei den seinerzeit behandelnden Ärzten dahingehende Abklärungen vornimmt. Im Anschluss daran hat sie über den Anspruch auf Nachzahlungen der unbestrittenen Rentenleistungen (ab Februar 1992, Erw. 3b) neu zu befinden.