Citation: 1C_318/2020 E. 5.3

5.3. Die NHK/ZH wurde vom kantonalen Gesetzgeber als Sachverständige in Fragen des Natur- und Heimatschutzes eingesetzt (§ 216 Abs. 1 PBG/ZH). Sie besteht aus Fachpersonen des Natur- und Heimatschutzes, die vom Regierungsrat ernannt werden (§ 1 Abs. 2 und § 2 Abs. 1 der Zürcher Verordnung über die Sachverständigenkommissionen gemäss § 216 PBG vom 12. Januar 2005 [LS 702.111; nachfolgend: SVKV]). Ihre Begutachtung ist bei wichtigen Fragen von überkommunaler Bedeutung zwingend (§ 216 Abs. 2 1. Halbsatz PBG/ZH; § 3 Abs. 1 SVKV) und ansonsten fakultativ (§ 216 Abs. 1 PBG/ZH; § 3 Abs. 2 und § 4 SVKV). Nach der Praxis des Zürcher Verwaltungsgerichts kommt den Gutachten der NHK/ZH aufgrund ihrer besonderer Fachkompetenz bei der Entscheidfindung besonderes Gewicht zu; dies gilt insbesondere für die ihnen zugrunde liegenden tatsächlichen Feststellungen, von denen nur aus triftigen Gründen abgewichen werden dürfe, etwa wenn die Gutachten Irrtümer, Lücken oder Widersprüche enthalten. Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf eine Behörde in Fachfragen nur aus triftigen Gründen von einer Expertise abweichen; dagegen ist die Beweiswürdigung und die Beantwortung der sich stellenden Rechtsfragen Aufgabe der Behörde bzw. des Gerichts (BGE 136 II 539 E. 3.2 S. 547 f. mit Hinweisen). Im Urteil 1C_595/2013 vom 21. Februar 2014 (E. 4.1.2) bejahte das Bundesgericht aufgrund der besonderen Fachkunde der NHK/ZH eine Bindung an deren Feststellungen zu den Qualitäten eines Schutzobjekts; eine Verletzung der Gemeindeautonomie sei daher zu verneinen, wenn die Rechtsmittelbehörde eine Inventarentlassung gestützt auf ein Gutachten der kantonalen Kommissionen aufhebe, sofern keine triftigen Gründe vorliegen, um davon abzuweichen. Im Entscheid 1C_ 626/2017 vom 16. August 2018 E. 5.4 ging es davon aus, das Verwaltungsgericht habe die Schutzwürdigkeit einer Baute bejahen und die gegenteilige Auffassung der Gemeinde als nicht mehr vertretbar erachten dürfen, weil der Gutachter deutlich zum Ausdruck gebracht habe, dass der Lagewert, die Gebäudeform und der generelle Charaker der Baute schutzwürdig seien. Es qualifizierte damit die Aussagen des Gutachters zur Schutzwürdigkeit des Lagewerts, der Gebäudeform und des generellen Charakters der Baute als Fachfragen, von denen nur aus triftigen Gründen abgewichen werden könne, und nicht als Rechtsfragen. Im vorliegenden Fall geht es um die ortsbildprägende Wirkung eines Baums. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts sind Bäume oder Baumgruppen im Siedlungsgebiet schutzwürdig, wenn sie aufgrund des Standorts und ihrer Erscheinung in markanter Weise einen dominierenden, aussergewöhnlichen Akzent setzen und damit das Quartier- oder Strassenbild wesentlich mitprägen. Diese Prüfung verlangt neben objektiven Sachverhaltsfeststellungen (Grösse des Objekts, Standort, Sichtbarkeit, bauliche Umgebung, etc.) eine wertende Beurteilung der Wirkung und Bedeutung des Baums für das Ortsbild ("markant", "dominierend", "aussergewöhnlich"). Dabei kommt den Fachkenntnissen und der Erfahrung der Mitglieder der NHK/ZH in Fragen des Ortsbildschutzes grosses Gewicht zu. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn das Verwaltungsgericht eine Bindung an die Schlussfolgerungen der NHK/ZH zur ortsbildprägenden Wirkung der Blutbuche bejaht hat und deshalb triftige Gründe für eine abweichende Beurteilung durch die Gemeinde verlangte. Dies gilt umso mehr, als im vorliegenden Fall schon der von der Gemeinde selbst eingesetzte Gutachter (Büro für Gartendenkmalpflege) die ortsbildprägende Wirkung bejaht hatte. Zwar folgte das Verwaltungsgericht der NHK/ZH nicht, soweit diese die Schutzwürdigkeit der Blutbuche auch als Zeitzeuge der Villengärten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und aus ökologischen Gründen bejaht hatte. Dagegen teilte die Vorinstanz (wie schon das Baurekursgericht) die Einschätzung der NHK/ZH, wonach die Blutbuche, vom Bahnhof oder See herkommend, auffallend und deutlich wahrnehmbar den Eingang zum Zentrum markiere, weshalb ihr ortsbildprägende Wirkung zukomme. In dieser Situation genügt es nicht, auf die entgegengesetzten Argumente der Gemeinde im Rekurs- und Beschwerdeverfahren zu verweisen, sondern die Beschwerdeführerin müsste - in Auseinandersetzung mit den Erwägungen des Verwaltungsgerichts - darlegen, weshalb triftige Gründe für ein Abweichen vom Gutachten der NHK/ZH vorliegen. Solche Gründe sind weder dargetan noch ersichtlich. Das Verwaltungsgericht war deshalb auch nicht verpflichtet, einen eigenen Augenschein durchzuführen, sondern durfte auf die Gutachten und die in den Akten liegenden Fotos und Pläne abstellen.