Citation: 8C_289/2007 28.01.2008 E. 4

4.1 Die Chirurgische Klinik, Spital Y.________, welche die Versicherte am Unfalltag ambulant behandelte, diagnostizierte am 16. Mai 2002 eine Commotio cerebri, Fraktur Metacarpalia III und IV sowie eine Kontusion der rechten Brust. Am 22. Mai 2002 berichtete sie, die Versicherte gebe noch diffuse Schmerzen im Bereich der gesamten linken Hand an. Klinisch liege ein massiver Schwellungszustand der gesamten linken Hand und des linken Vorderarmes sowie eine leichte Rotationsfehlstellung des Ringfingers vor. Die Peripherie sei neurozirkulatorisch intakt. Radiologisch bestünden unveränderte Stellungsverhältnisse seitens der Metacarpalia III und IV an der linken Hand. Am 5. Februar 2003 hielt Dr. med. E.________, Leitender Arzt, Handchirurgie, fest, es bestehe ein Hinweis auf ein mittelschweres Thoracic-Outlet-Syndrom, welches therapeutisch anzugehen sei. Am 25. März 2003 konstatierte er, die vorhandene Fehlstellung sei nicht ursächlich für die geklagten Beschwerden. Neben dem klinischen Verdacht eines Engpasses im Bereich des Ringbandes A1 beim vierten Finger bestünden auch Hinweise dafür, dass ein Knochensplitter die Beschwerden verursachen könnte. Die Probleme würden sich eindeutig auf das Ringband A1 des vierten Fingers und zwischen den MP-Gelenken III und IV lokalisieren. Angesichts dessen hielt er eine operative Korrektur für angezeigt, welche er am 16. April 2003 vornahm. Bei der Kontrolle vom 19. August 2003 bewertete er die Situation als gut. Die Versicherte habe keine Schmerzen mehr in den Gelenken. Problematisch sei, dass sie keine Kraft in der Hand habe und die Schmerzen diffus auf dem Handrücken liegen würden. Er könne diese Schmerzen nicht zuordnen. Sie könnten auf eine Fehlbelastung zurückzuführen sein. Dazu komme ein Überlastungsproblem der rechten Hand, wobei keine operative Indikation gegeben sei. Die Versicherte könne sicher für leichtere Arbeiten eingesetzt werden, nicht aber für schwere mit Heben von Lasten oder in der Reinigung mit Ausdrehen von Lappen. 4.2 Am 30. September 2003 erklärte die Versicherte gegenüber dem SUVA-Mitarbeiter, sie habe keine Kraft in der linken Hand und verspüre in der ganzen linken Hand Schmerzen, welche in den Arm ausstrahlen würden. Sie sei wegen den Nerven noch arbeitsunfähig, wie dies der EPD weiterhin bescheinige. Rein unfallbedingt könne sie sicher eine leichte Arbeit verrichten, finde aber keine solche Stelle. 4.3 Die Psychiatrische Klinik Y.________ äusserte sich am 21. April 2004 über die Aufenthalte der Versicherten vom 18. Juli bis 9. August 2000 wegen einer depressiven Entwicklung mit Somatisierungstendenzen (ICD-10: F 32.1) und vom 3. Oktober 2000 bis 16. März 2001 wegen einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.22), dissoziativer Störung (ICD-10: F 44.7) sowie einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4). Der Aufenthalt vom 9. April bis 13. Mai 2003 sei wegen einer einsetzenden Verschlechterung der psychischen Situation im Sinne einer Depression erfolgt. Auslöser sei die Befürchtung der Versicherten gewesen, ihr werde die Stelle gekündigt, da sie seit dem Unfall Einschränkungen und Schmerzen in der linken Hand habe, womit sie die Möglichkeit auf den Erhalt einer B-Bewilligung verliere. Während dieses Aufenthaltes sei am 16. April 2003 eine operative Revision der Metacarpalefrakturen links und am 6. Mai 2003 eine Hysterektomie erfolgt. Es seien eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F 32.1) bei bestehender somatoformer Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4) diagnostiziert worden. 4.4 Am 23. Juni 2004 erklärte die Versicherte gegenüber dem SUVA-Mitarbeiter, der Zustand in der linken Hand sei nun gleichbleibend. Die Grundgelenke seien geschwollen und sie könne die Finger nicht voll beugen. Zugreifen und halten könne sie, aber keine schweren Lasten tragen. Sie leide weiterhin an Depressionen und bei Belastung verspüre sie auch Schmerzen in der rechten Hand. Sie sei krankheitsbedingt weiterhin arbeitsunfähig. 4.5 Der Kreisarzt hielt am 6. August 2004 fest, der leichte Rotationsfehler sei funktionell irrelevant. Eine eigentliche Faustschlussstörung bestehe nicht, doch sei die Kraft beim Faustschluss wegen Schmerzhaftigkeit reduziert. Die aktuellen Röntgenbilder zeigten die bekannte Inkongruenz im Grundgelenk IV und den erweitert gebliebenen Gelenkspalt. Das Grundgelenk III sei in Ordnung. Das rechtsbetonte Cervicobrachialsyndrom sei keine Unfallfolge. Auch an der rechten Hand seien keine Unfallfolgen objektivierbar. Die Unfallfolgen an den Grundgelenken III und IV seien durch medizinische Massnahmen nicht verbesserbar. Eine leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeit sei voll zumutbar. Ungünstig seien Arbeiten, welche eine grosse Kraftentfaltung bei Faustschluss der linken Hand erfordern würden, sowie solche mit Vibrationen und Schlägen. Arbeiten mit Anforderungen an die Präzision seien nicht beeinträchtigt. Die Integritätseinbusse schätze er auf 5 %, obwohl sich für die Gelenksarthrosen keine Entschädigung ergebe, aber wegen der verminderten Belastbarkeit und Kraft sowie der Funktionseinbusse sei die Erheblichkeitsgrenze erreicht. 4.6 In seinem Bericht vom 7. September 2005 hielt der EPD als relevante Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F. 33.2), eine anhaltende somatoforme Störung (ICD-10: F 45.4), eine unfallbedingte Fraktur der Metacarpalia III und IV links im Mai 2002 sowie eine operative Sanierung der Metacarpalfrakturen im April 2003 fest. Die Versicherte sei seit Januar 1997 regelmässig in 2- bis 4-wöchigen Abständen im EPD in Behandlung. Im April 2003 habe sie psychisch dekompensiert und stationär behandelt werden müssen. Derweil sei ihr gekündigt worden und die Handoperation habe auch nichts gebracht. Im weiteren Verlauf habe sich mehr oder weniger durchgehend eine schwere anklagende Depression mit vielfältigen somatoformen Schmerzen gezeigt. Die psychiatrischen Diagnosen würden sich in einen komplexen Hintergrund einbetten. Auf Grund der Migrationsgeschichte, wohl mit Ermordung des Ehemannes, habe sie es als alleinerziehende Mutter nicht geschafft, sich in der erhofften Weise zu integrieren. Infolge der therapieresistenten psychischen Erkrankungen nach dem Unfall und der Handoperation in 2003 habe sie keine freien Ressourcen mehr für eine Arbeitstätigkeit auf dem freien Markt aktivieren können.