Citation: 6B_487/2021 E. 2.4

2.4. Der vorliegende Fall ist in vielerlei Hinsicht mit BGE 131 IV 100 vergleichbar. Das Bundesgericht befasste sich darin mit der Frage, wann bei einem im Internet vereinbarten Treffen mit einem Kind zum Zweck der Vornahme sexueller Handlungen die Schwelle zum strafbaren Versuch überschritten wird. Dabei trat der Beschuldigte im Chat-Room einer Homosexuellen-Internetseite in Kontakt mit dem vermeintlich 14-jährigen "Sandro". Der Beschuldigte strebte anschliessend ein Treffen mit "Sandro" an und schlug diesem im Verlaufe der Chat-Unterhaltung verschiedenste sexuelle Handlungen bis hin zu Oral- und Analverkehr vor. In der Folge vereinbarte er mit "Sandro" ein Treffen beim McDonald's-Restaurant an der Centralbahnstrasse in Basel. Beim vereinbarten Treffpunkt wurde der Beschuldigte festgenommen. Bei "Sandro" handelte es sich um einen verdeckten Ermittler der Staatsanwaltschaft. Das Bundesgericht hat das Erscheinen des Chatpartners am vereinbarten Treffen als (untauglichen) Versuch der sexuellen Handlungen mit Kindern qualifiziert (kritisch PETER ALBRECHT, Urteilsbesprechung BGE 131 IV 100, in: AJP 2005 S. 751 ff.). Das Bundesgericht hat in jüngeren Entscheiden ausgeführt, aus dem Entscheid BGE 131 IV 100 lasse sich nicht ableiten, dass das Erscheinen des Chatpartners am vereinbarten Treffen mit dem vermeintlichen Kind in jedem Fall und ohne weiteres schon als (untauglicher) Versuch der sexuellen Handlungen mit einem Kind angesehen werden könne. Vielmehr seien insoweit, wie sich aus dem Bundesgerichtsentscheid ergebe, die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles massgebend (Urteile 6B_33/2022 vom 9. Dezember 2022 E. 2.2.2 a.E.; 6B_1293/2015 vom 28. September 2016 E. 5, nicht publ. in: BGE 143 IV 27). Wie der Täter im soeben erwähnten Fall, nahm der Beschwerdeführer vorliegend in einem Chat-Forum Kontakt zu einer Minderjährigen auf und strebte ein Treffen mit dieser an, um gemeinsam oder gegenseitig sexuelle Handlungen vorzunehmen. Er schlug während des Chatverlaufs der minderjährigen "Vanessa" verschiedene sexuelle Handlungen vor. Nach den verbindlichen tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz war der Beschwerdeführer entschlossen, unmittelbar nach dem Erscheinen in der Wohnung von "Vanessa" mit dieser sexuellen Handlungen vorzunehmen und ihr diese zu "zeigen". Ein die sexuellen Handlungen vorbereitendes Gespräch war nicht beabsichtigt. Aus dem Verlauf der schriftlichen Konversation ergibt sich, dass "Vanessa" dem Ansinnen des Beschwerdeführers zugestimmt hat, indem sie ihr Domizil bekanntgab und sich auf das Treffen einliess (vgl. oben E. 1.3 und 1.4). Der Beschwerdeführers seinerseits hat die Absicht der Vornahme sexueller Handlungen mit "Vanessa" objektiv manifestiert, indem er die Anonymität des Internets verlassen hat, Kondome gekauft hat und zum Domizil von "Vanessa" gefahren ist (vgl. Urteil 6B_33/2022 vom 9. Dezember 2022 E. 2.4.2). In BGE 131 IV 100 erwog das Bundesgericht, das Eintreffen am vereinbarten Treffpunkt habe nach der Vorstellung des Beschwerdeführers vom Ablauf der Tat die letzte Teilhandlung vor der eigentlichen Ausführung der strafbaren Handlung dargestellt. Während sich im genannten Fall der Täter mit dem Opfer beim McDonald's-Restaurant, d.h. an einem öffentlichen Ort verabredet hatte, von wo aus sie sich zur Vornahme der sexuellen Handlungen noch an einen anderen Ort hätten begeben müssen, befand sich der Beschwerdeführer beim Eintreffen am Domizil von "Vanessa" bereits am Tatort (vgl. Urteil 6B_506/2019 vom 27. August 2019 E. 2.4). Die Tatnähe in örtlicher und zeitlicher Hinsicht bzw. ein "tatnahes Handeln" (Urteil 6B_33/2022 vom 9. Dezember 2022 E. 2.4.2) ist damit zu bejahen. Nicht nur der Tatplan des Beschwerdeführers, d.h. die konkreten sexuellen Handlungsweisen, sondern auch der genaue Tatort (die Wohnung von "Vanessa") und die Tatzeit (Samstag, 15. Juni 2019, ab 14:00 Uhr) standen fest. Vor diesem Hintergrund ging die Vorinstanz zu Recht davon aus, das Erscheinen des Beschwerdeführers am Domizil von "Vanessa" habe nach seiner Vorstellung den letzten entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Tatbestandsverwirklichung dargestellt und es habe keiner weiteren Vorbereitungshandlungen bedurft. Zusammengefasst ist die rechtliche Würdigung der Vorinstanz nicht zu beanstanden. Indem sie davon ausgeht, die Schwelle zum strafbaren Versuch sei überschritten worden, verletzt sie kein Bundesrecht.