Citation: 6B_47/2021 E. 4.4

4.4. Soweit der Beschwerdegegner zumindest sinngemäss geltend machen will, dass neben einem - seiner Auffassung nach nicht angeklagten - aktiven Tun ein Unterlassen nicht geprüft werden dürfe, ist sein Einwand unbegründet. Die Unterscheidung, ob ein bestimmtes Verhalten als Tun oder als Unterlassen zu qualifizieren ist, ist hinsichtlich der besonderen Tatbestandsmerkmale des Unterlassungsdelikts, namentlich der Garantenpflicht, von Bedeutung (BGE 129 IV 119 E. 2.2 mit Hinweisen). Indessen kann aus dem Subsidiaritätsprinzip nicht abgeleitet werden, dass eine strafrechtlich relevante Unterlassung ohne Konsequenzen bleibt, sobald dem Täter auch ein Tun anzulasten ist (Urteil 6B_90/2014 vom 29. Januar 2015 E. 4.2). Sofern eine Garantenpflicht des Beschwerdegegners gegenüber C.________ zu bejahen ist (vgl. nachfolgend E. 5), kommt der Unterscheidung zwischen aktivem Tun und Unterlassen vorliegend damit höchstens eine dogmatische Bedeutung zu. Falls dem Beschwerdegegner gegenüber C.________ eine Garantenstellung zukam, kann daher dahingestellt bleiben, ob die Erwägung der Vorinstanz zutreffend ist, dass der Ausgang ihres Verfahrens (mit dem Freispruch des Beschwerdegegners vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung) nicht von der Annahme eines Unterlassungsdelikts abhängig ist. Das heisst, es müsste diesfalls nicht vertieft werden, ob die Vorinstanz anstelle des Vorliegens eines Unterlassungsdelikts vielmehr das Bestehen eines Begehungsdelikts hätte prüfen müssen (vgl. BGE 122 IV 145 E. 2; 121 IV 10 E. 2.b). Mithin könnte auch offen bleiben, ob bei einer Qualifizierung des Verhaltens des Beschwerdegegners als aktives Tun das Anklageprinzip verletzt wäre, wie der Beschwerdegegner in seiner Vernehmlassung geltend macht.