Citation: U 302/01 10.01.2002 E. 3

3.- Streitig ist die Arbeitsfähigkeit und damit die Feststellung des trotz Gesundheitsschadens noch erzielbaren Einkommens (Invalideneinkommen). a) Diesbezüglich stellten SUVA und Vorinstanz auf den Austrittsbericht der Rehaklinik Z.________ vom 2. September 1999 ab, wo sich der Versicherte vom 28. Juli bis 18. August 1999 aufhielt. In diesem Bericht wurden folgende Diagnosen gestellt: 1. Eingeschränkte Extension (aktiv und passiv) sowie eingeschränkte aktive Flexion im PIP- und DIP-Gelenk Dig. II rechts mit belastungsabhängigen Schmerzen, Bowstringing und Hyposensibilität distal palmarseitig, ohne Zeichen für Algodystrophie, bei Status nach Beugesehnendurchtrennung über dem Grundgelenk Dig. II rechts sowie Tenodese der rekonstruierten Beugesehnen; 2. Myofasziales Schmerzsyndrom im Arm und Schultergürtel rechts bei Schonhaltung bei (1). Zudem wurden aufgrund des psychosomatischen Konsiliums vom 18. August 1999 eine subdepressive Verstimmung mit Schlafstörungen und affektiver Irritierbarkeit sowie eine Symptomausweitung mit dysfunktionalem Überzeugungs- und Bewältigungsmuster diagnostiziert. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, der Versicherte sei für den Einsatz seines rechten, dominanten Armes für mittelschwere und schwere Arbeiten eingeschränkt; die Feinmotorik sei beeinträchtigt. Es sei ihm zumutbar, die zuletzt ausgeübte leichte Ersatztätigkeit an der Nietmaschine ganztags ohne Einschränkung auszuführen; in der angestammten Tätigkeit (Verpackung von Nähmaschinen) sei er zu 25 % arbeitsunfähig. b) In Bezug auf die funktionellen Behinderungen und die daraus resultierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vermag der Bericht der Rehaklinik Z.________ nicht zu überzeugen. Die SUVA ist bis zum Vorliegen dieses Berichts von einer Arbeitsfähigkeit von rund 25 % (halbtägige Präsenz mit halber Leistung) in der leichten Ersatztätigkeit ausgegangen. Diese eingeschränkte Arbeitsfähigkeit wurde denn auch wiederholt durch die Arbeitgeberin (Besprechungen im Betrieb vom 18. September 1998 sowie 14. Januar, 30. Juni und 26. Oktober 1999) sowie durch mehrere Arztberichte (der Dres. med. M.________, Chefarzt, und L.________, Assistenzarzt, Spital X.________, vom 20. Februar und 26. März 1998, des Dr. med. A.________ vom 22. Oktober 1998, des Kreisarztes Dr. med. J.________ vom 1. Dezember 1998, des Dr. med. I.________ vom 22. Dezember 1998 und 21. April 1999, sowie des Dr. med. F.________, FMH Allgemeine Medizin, vom 31. März 1999) bestätigt. Nach Ausrichtung von Versicherungsleistungen aufgrund dieser nur 25 %igen Arbeitsfähigkeit während zweier Jahre hätten die Rehaklinik Z.________ sowie SUVA und Vorinstanz nachvollziehbar darlegen müssen, weshalb der Beschwerdeführer nunmehr - entgegen den Abklärungen am Arbeitsplatz und den bisherigen Arztberichten - ganztägig einsetzbar sein soll. Dies haben sie indessen nicht getan. Nachdem die Rehaklinik Z.________ insbesondere eine Beeinträchtigung der Feinmotorik attestierte und anlässlich der Vorsprache des SUVA-Mitarbeiters im Betrieb im Oktober 1999 festgestellt wurde, dass der Versicherte wegen seiner feinmotorischen Einschränkungen an der Nietmaschine bei halbtägiger Präsenz eine 30-40 %ige Minderleistung erbringe, vermag die Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit nicht zu überzeugen, zumal auch Dr. med. R.________ und Dr. med. F.________ in ihren Berichten vom 3. November 2000 bzw. 9. Mai 2001 den Versicherten für leichtere bzw. angepasste Arbeiten weiterhin nur zu 50 % arbeitsfähig erachteten. Abgesehen davon handelte es sich bei der Ersatztätigkeit des Versicherten nicht um ein besonders stabiles Arbeitsverhältnis, als dass gesagt werden könnte, er würde dort bei 100 %igem Einsatz gleich viel verdienen wie in der angestammten Arbeit. Denn die Ersatztätigkeit war nur möglich, weil die Arbeitgeberin durch die Taggelder schadlos gehalten wurde. Diese kündigte denn auch das Arbeitsverhältnis am 23. März 2000 per Ende Juni 2000, weil der Beschwerdeführer keine normale Leistung habe erbringen können und weil die SUVA die Taggeldleistungen eingestellt habe. Die Ersatztätigkeit kann demnach nicht als Grundlage für die Bestimmung des Invalidenlohnes herangezogen werden (BGE 126 V 76 Erw. 3b/aa mit Hinweisen). Schliesslich fällt auf, dass die Symptomausweitung im Bericht der Rehaklinik Z.________ lediglich unter dem Abschnitt "Medizinische Abklärungen/Konsilien" erwähnt, aber nicht einmal in die Diagnose aufgenommen wurde. c) Angesichts dieser Unklarheiten und Widersprüche ist eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und somit des Invaliditätsgrades aus somatischer Sicht nicht möglich. Eine neue Beurteilung der medizinischen Situation erweist sich deshalb als unumgänglich. Notwendig ist eine differenzierte Stellungnahme zum Umfang der Arbeitsunfähigkeit in den in Betracht fallenden Erwerbstätigkeiten. Danach wird die SUVA einen Einkommensvergleich vornehmen und über den Rentenanspruch neu verfügen.