Citation: 2C_311/2023 E. 4.2

4.2. Im Zeitpunkt ihrer Entscheide war den Solothurner Behörden bekannt, dass die Beschwerdeführer im Kanton Tessin in Folge des dort rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens über keine Aufenthaltsberechtigung mehr verfügten. Trotzdem ergibt sich aus Begründung und Dispositiv des angefochtenen Urteils sowie der Verfügung der Erstinstanz, dass die Solothurner Behörden (lediglich) die Wegweisung der Beschwerdeführer aus dem Kanton Solothurn verfügten, und die Gesuche der Beschwerdeführer (nur) unter diesem Gesichtspunkt prüften, mit der Begründung, die Beschwerdeführer hätten sich für eine (neue) Aufenthaltsbewilligung an die Tessiner Behörden zu wenden (vgl. vorne E. 1.2.2). Obwohl ihr Entscheid im Ergebnis dazu führt, dass die Beschwerdeführer in der Schweiz über kein Aufenthaltsrecht mehr verfügen, prüften die Solothurner Behörden das Gesuch der Beschwerdeführer nicht umfassend und im Hinblick auf die (faktisch) resultierende Aufenthaltsbeendigung in der Schweiz. An einer expliziten Auseinandersetzung mit Art. 8 EMRK fehlt es sowohl im angefochtenen Urteil als auch (abgesehen von der Aussage, dass soweit ersichtlich keine unter Art. 8 EMRK fallenden Angehörigen der Kernfamilie in der Schweiz leben würden) in der Verfügung des Migrationsamtes, auf welche die Vorinstanz im angefochtenen Urteil verweist, völlig. In einer Konstellation wie der vorliegenden durften sich die Behörden aber nicht damit begnügen, nur den Kantonswechsel respektive in diesem Rahmen das Vorliegen von Widerrufsgründen i.S.v. Art. 62 Abs. 1 AIG zu beurteilen, ohne den Konsequenzen ihres Entscheids in Bezug auf den weiteren Verbleib der Beschwerdeführer in der Schweiz Rechnung zu tragen (vgl. auch das Urteil 2C_99/2021 vom 10. November 2021 E. 3.3 und 3.4 mit Hinweisen).