Citation: 6B_637/2023 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz beurteilt das Tatverschulden des Beschwerdeführers sowohl mit Bezug auf die versuchte vorsätzliche Tötung als auch die mehrfache Gefährdung des Lebens als leicht bis mittelschwer. Er habe aus dem Hinterhalt und ohne Vorwarnung einen Schuss auf eine Gruppe von Menschen abgegeben, was auf eine bedenkliche Gesinnung und erhebliche kriminelle Energie schliessen lasse. Er habe rücksichtslos gehandelt und das höchste Rechtsgut aufs Spiel gesetzt. Das vom Schuss getroffene Opfer habe schwere Verletzungen davongetragen, die eine längere ambulante Behandlung erfordert und die Arbeitsfähigkeit während zwei Jahren eingeschränkt hätten. Noch heute leide das Opfer unter den Folgen der Tat. Es sei zudem nur dem Zufall zu verdanken, dass es noch lebe. Auch das Ausmass der Lebensgefährdung der übrigen Personen sei sehr hoch gewesen. Das Motiv des Beschwerdeführers, sein Ärger über den Lärm und die urinierenden Personen, sei in keiner Weise schützenswert. Es bestehe ein grosses Missverhältnis zwischen seinen Interessen und dem Risiko für die Opfer. Ferner habe er aus ziemlich nichtigem Anlass resp. wegen einer Bagatelle und bei voller Schuldfähigkeit gehandelt. Zu seinen Gunsten falle ins Gewicht, dass es beim Versuch geblieben sei und er tätige Reue geübt habe. Ferner habe der Beschwerdeführer mit Bezug auf die Haupttat "nur" eventualvorsätzlich gehandelt und sich in einer grossen Stresssituation und unter enthemmendem Alkoholeinfluss befunden. Zudem sei die Tat nicht geplant gewesen, wenngleich sie einige Handlungsschritte erfordert habe, während denen der Beschwerdeführer hätte zur Vernunft kommen können. Schliesslich habe er sich vor der Tat gedanklich zumindest rudimentär mit einer Schussabgabe auseinandergesetzt. Als hypothetische Einsatzstrafe für die vorsätzliche Tötung erachtet die Vorinstanz eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 3 Monaten für angemessen. Aufgrund des Versuchs reduziert sie diese um 3 Monate und wegen tätiger Reue um 6 Monate. Alsdann nimmt sie aufgrund der mehrfachen Gefährdung des Lebens eine Straferhöhung um 1 Jahr und 2 Monate vor, sodass unter dem Aspekt der Tatkomponente eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 8 Monaten resultiert. Hinsichtlich der Täterkomponente wertet die Vorinstanz die Vorstrafenlosigkeit neutral, ebenso das Wohlverhalten seit der Tat. Auch eine überduchschnittliche Strafempfindlichkeit erkennt sie mangels aussergewöhnlicher Umstände nicht. Demgegenüber würdigt sie das kooperative Verhalten des Beschwerdeführers und weitgehende Geständnis der äusseren Tatumstände zu seinen Gunsten, weist aber auf eine Tendenz zur Bagatellisierung und Darstellung der Tat als Unfall hin. Hingegen habe der Beschwerdeführer die Zivilforderungen grundsätzlich anerkannt und Zahlungen geleistet. Insgesamt sei das Nachtatverhalten mit Berücksichtigung der tätigen Reue hinreichend abgegolten. Der Täterkomponente trägt die Vorinstanz mit einer Reduktion um 1 Monat Rechnung. Eine erhebliche Strafminderung erblickt sie in der relativ langen Verfahrensdauer, was zu einer Reduktion der Freiheitsstrafe um 5 Monate führt. Daraus resultiert eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 2 Monaten.