Citation: 4A_645/2016 E. 4.2

4.2. Gestützt auf diesen Sachverhalt erwog die Vorinstanz, ein Ablehnungsgrund müsse nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung unverzüglich nach dessen Kenntnisnahme geltend gemacht werden. Eine Partei dürfe nicht zuwarten, wie sich eine Sache entwickle. Die Beschwerdeführerin habe erstinstanzlich geltend gemacht, erst die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft habe das "Fass zum Überlaufen" gebracht. Das Ausstandsgesuch richte sich aber nicht gegen diese Verfügung, sondern gegen die angeblich unbegründet erfolgte Anzeige an die Staatsanwaltschaft. Daher habe die Beschwerdeführerin nicht zuwarten dürfen, wie sich das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft entwickle, um je nach dessen Ausgang ein Ausstandsgesuch zu stellen. Vielmehr hätte sie dieses bereits an der Hauptverhandlung oder kurz danach einreichen müssen. Dadurch, dass sie mehr als einen Monat zugewartet habe, habe sie ihren Anspruch auf Anrufung der genannten Ausstandsgründe verwirkt. In einer Eventualbegründung legte die Vorinstanz sodann dar, selbst wenn das Gesuch rechtzeitig gestellt worden wäre, wäre es abzuweisen. Die Beschwerdeführerin rüge hauptsächlich die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft sowie den Verzicht auf eine Anzeige gegen die Gegenpartei im Hauptverfahren wegen falscher Anschuldigung. Die Beschwerdegegnerin 1 habe jedoch keinen prozessualen Fehler begangen, indem sie die Akten an die Strafbehörden weitergeleitet habe. Die Behörden des Kantons seien gemäss Art. 48 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafprozessordnung vom 11. Juni 2009 (EG ZSJ, BSG 271.1) i.V.m. Art. 302 Abs. 2 StPO zur Mitteilung an die Staatsanwaltschaft verpflichtet, wenn ihnen in ihrer Amtstätigkeit konkrete Verdachtsgründe für ein von Amtes wegen zu verfolgendes Verbrechen bekannt werden. Dass die angezeigten Tatbestände aus Sicht der Staatsanwaltschaft eindeutig nicht erfüllt gewesen seien, bedeute nicht, dass dies auch bereits für die im Zivilverfahren mit der Sache befasste Beschwerdegegnerin 1 erkennbar gewesen wäre. Nachdem aus Sicht der Beschwerdegegnerin 1 konkrete Verdachtsgründe gegen die Beschwerdeführerin vorgelegen hätten, erscheine es auch folgerichtig, dass diese auf eine gleichzeitige Anzeige wegen falscher Anschuldigung gegen die Gegenpartei im Hauptverfahren verzichtet habe. Der Verzicht auf die Einforderung eines Arztzeugnisses von Rechtsanwälten entspreche sodann der gängigen Praxis (im Kanton) und der pauschale Vorwurf der Beschwerdeführerin, wonach die Beschwerdegegnerin 1 immer zu Gunsten der Gegenpartei im Hauptverfahren entschieden habe, finde in den Akten keine Stütze. Sie habe auch Anträge der Gegenpartei abgewiesen. Abschliessend stellte die Vorinstanz fest, das Verhalten des Rechtsanwalts der Beschwerdeführerin möge zwar strafrechtlich nicht relevant sein, erscheine aber trotzdem "äusserst stossend". Das wissentliche Einreichen eines falschen bzw. falsch bezeichneten Beweismittels ("Stundungsvereinbarung") habe nichts mit prozessualem Taktieren zu tun. Die Akten würden daher zur Prüfung allfälliger disziplinarrechtlicher Massnahmen gegen den Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin an die Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern weitergeleitet.