Citation: 1P.211/2000 23.06.2000 E. 2

2.- Der Beschwerdeführer rügt, die Ablehnung einer Einvernahme des Zeugen B.________ durch den Entscheid des Kassationshofs vom 15. Oktober 1999 stelle eine willkürliche antizipierte Beweiswürdigung dar. a) Der Anspruch auf rechtliches Gehör floss, als das angefochtene Urteil erging, aus Art. 4 aBV und ist heute in Art. 29 Abs. 2 BV verankert. Aus ihm ergibt sich unter anderem, dass Parteien mit rechtzeitig und formgültig angebotenen Beweisanträgen gehört werden müssen, soweit diese erhebliche Tatsachen betreffen und nicht offensichtlich beweisuntauglich sind (BGE 124 I 241 E. 2 S. 242; 106 Ia 161 E. 2b S. 162, je mit Hinweisen). Das Beweisverfahren kann jedoch abgeschlossen werden, wenn die entscheidende Behörde auf Grund bereits abgenommener Beweise ihre Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass ihre Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGE 124 I 208 E. 4a S. 211; 274 E. 5b S. 285 mit Hinweisen). Die Zulässigkeit einer solchen antizipierten Beweiswürdigung ist in Art. 101 Abs. 2 des Berner Gesetzes über das Strafverfahren vom 15. März 1995 (StrV/BE; BSG 321. 1) ausdrücklich vorgesehen. Beweise müssen daher nicht abgenommen werden, wenn sie nicht erhebliche Tatsachen betreffen oder offensichtlich untauglich sind, über die streitige Tatsache Beweis zu erbringen (BGE 106 Ia 161 E. 2b S. 162). Bei der Beweiswürdigung steht dem Gericht ein weiter Ermessensspielraum zu (BGE 120 Ia 31 E. 4b S. 40). Willkür ist nicht schon gegeben, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erschiene, sondern nur wenn das Ergebnis schlechterdings mit vernünftigen Gründen nicht zu vertreten ist, wenn also der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. BGE 125 I 166 E. 2a S. 168; 123 I 1 E. 4a S. 5, je mit Hinweisen). b) Der Beschwerdeführer bringt vor, Herr B.________ hätte als damaliger Vertreter der Leasingfirma L.________ AG aussagen können, dass diese mit dem Verkauf des Krans am 26. Juni 1992 durch den Beschwerdeführer einverstanden gewesen sei oder der Beschwerdeführer zumindest diesen Eindruck gehabt haben könnte. Der Kassationshof führt in seinem Entscheid vom 15. Oktober 1999 aus, Aussagen von Herrn B.________ könnten angesichts des erstellten zeitlichen Ablaufs keine neuen Aufschlüsse zu relevanten Fragen bieten. Im angefochtenen Urteil vom 16. November 1999 begründet der Kassationshof ausführlich und überzeugend, warum keine Zweifel daran bestehen, dass von einem konkludenten Einverständnis der L.________ AG mit dem Verkauf keine Rede sein könne. Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Appellationsbegründung vom 19. Mai 1999 zwei von Herrn B.________ mitunterzeichnete Schreiben vom 10. und 17. August 1993 ein, die belegen sollten, dass er von einem Einverständnis der L.________ AG mit einem Verkauf habe ausgehen können. Nur das zweite betrifft den umstrittenen Kran. Es besagt, dass die L.________ AG - ein Jahr nach dem effektiven Verkauf durch den Beschwerdeführer - Offerten erhielt und den Kran verkaufen wollte. Der beantragte Zeuge B.________ glaubte demnach noch dannzumal, dass sich der Kran im Besitz des Beschwerdeführers befand. Dies schliesst aus, dass er ein Jahr früher wusste, dass der Beschwerdeführer ihn verkaufe. Angesichts dieses zeitlichen Ablaufs, auf den der Kassationshof verweist, konnte dieser ohne Willkür in antizipierter Beweiswürdigung davon ausgehen, dass der beantragte Zeuge B.________ am Beweisergebnis nichts mehr ändern werde. Daher durfte er die Befragung dieses Zeugen ablehnen.