Citation: 4A_256/2017 E. 3

Die Erstinstanz kam zum Schluss, der Beschwerdegegner sei vom 2. Februar 2012 bis 7. März 2013 100 % arbeitsunfähig gewesen und ab dem 8. März 2013 zu mindestens 50 %. Bei ihrer Beweiswürdigungerachtete sie insbesondere das von ihr eingeholte Gutachten als vollständig, schlüssig und überzeugend. Laut diesem habe der Beschwerdegegner während der fraglichen Zeit unter einer mittelgradigen bis schweren Depression gelitten und sei infolgedessen arbeitsunfähig gewesen. Dieser Befund werde zudem durch die zeitnah erstellten Berichte der behandelnden Fachpersonen (Hausarzt sowie Psychiater) bestätigt. Gemäss RAD-Gutachten, das im Rahmen des IV-Verfahrens eingeholt worden sei, soll hingegen bloss eine leichte depressive Episode vorgelegen haben, die bei uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit die Leistungsfähigkeit um 20 % vermindert habe. Weil die Untersuchungsergebnisse darin nicht (schlüssig) begründet worden seien, mass die Erstinstanz diesem Gutachten jedoch einen geringeren Beweiswert zu. So sei beispielsweise die Diagnose ohne nachvollziehbare Anwendung der ICD-10 Kriterien gestellt worden. Nicht ausser Acht gelassen werden dürfe zudem, dass der Beschwerdegegner bei den IV-Abklärungen keine Parteirechte habe wahrnehmen können. Die Vorinstanz setzte sich einlässlich mit der Kritik auseinander, welche die Beschwerdeführerin gegen diese Beweiswürdigung vorbrachte, verwarf diese als unbegründet und bestätigte im Ergebnis die erstinstanzliche Sachverhaltsfeststellung. Die Beschwerdeführerin stuft die Beweiswürdigung im angefochtenen Urteil als willkürlich ein. Insbesondere sei das gerichtliche Gutachten, auf das die kantonalen Instanzen primär abgestellt hätten, unvollständig, nicht schlüssig und nicht nachvollziehbar. Denn es fehle darin an einer Auseinandersetzung mit der anderslautenden Diagnose gemäss RAD-Gutachten. Eine solche sei angezeigt gewesen, zumal die Diagnosestellung im RAD-Gutachten - entgegen der Vorinstanz - nicht zu beanstanden sei. Die Vorinstanz verweise selber darauf, dass die Untersuchungsbefunde beider Gutachter dieselben gewesen seien. Es sei daher willkürlich, wenn sie, ohne dies zu begründen, dennoch davon ausgehe, es habe eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen und nicht nur eine solche von 20 %. Der vom Gericht bestellte Gutachter habe diese Diskrepanz zwischen den Diagnosen auch auf ihre entsprechende Zusatzfrage hin nicht aufgelöst. Ein Gutachten, das nur unzureichend oder gar nicht auf Ergänzungsfragen der Parteien eingehe, sei mangelhaft.