Citation: 9C_208/2007 07.11.2007 E. 3

3.1 Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet auch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht mehr über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50 mit Hinweis). 3.2 Im vorliegenden Fall ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer besteht. Im Gutachten der Klinik H.________ wird lediglich eine zusätzliche depressive Reaktion (ICD-10 F43.21) diagnostiziert; zudem werden Hinweise auf das Vorliegen psychischer Störungen, insbesondere der von Dr. med. L.________ im Rahmen des psychiatrischen Konsiliums des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) als Verdachtsdiagnose erwähnten dissoziativen Störung (ICD-10 F44) verneint. Sodann hat auch der behandelnde Psychiater Dr. med. A.________ keine spezifische Diagnose gestellt und in dem vom Beschwerdeführer im Einspracheverfahren eingereichten Bericht vom 27. August 2005 festgestellt, dass sich die Behandlung auf verhaltenstherapeutische Massnahmen zur Schmerzverarbeitung und eine unterstützende antidepressive Therapie beschränkt. Es liegt demnach kein selbstständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes Leiden vor, welches als psychische Komorbidität zu berücksichtigen wäre (Urteile I 176/06 vom 26. Februar 2007, I 767/03 vom 9. August 2004 und I 683/03 vom 12. März 2004; vgl. auch Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Invaliditätsbemessung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 81 Anm. 135). Der Vorinstanz ist auch darin beizupflichten, dass ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens nicht ausgewiesen ist, auch wenn der Beschwerdeführer seinen Angaben zufolge einen grossen Teil seines Freundes- und Bekanntenkreises verloren hat. Dagegen besteht eine somatische Begleiterkrankung in Form eines chronischen rezidivierenden Lumbovertebralsyndroms. Zudem liegt ein mehrjähriger chronifizierter Krankheitsverlauf mit weitgehend unveränderter Symptomatik vor und hat die über längere Zeit durchgeführte Schmerzbehandlung zu keiner wesentlichen Besserung geführt. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass es der Beschwerdeführer an der erforderlichen kooperativen Haltung hat fehlen lassen, liegen nicht vor. Insgesamt sprechen die Umstände dafür, dass der somatoformen Schmerzstörung im vorliegenden Fall Krankheitswert im Sinne der Rechtsprechung beizumessen ist. Davon geht im Grunde auch die Vorinstanz aus, wenn sie sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten der Klinik H.________ stützt. Die ärztlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit im psychosomatischen Gutachten differenzieren nicht zwischen somatischen und psychischen Beeinträchtigungen und umfassen somit beide Aspekte des Gesundheitsschadens. 3.3 Für das chronisch rezidivierende Lumbovertebralsyndrom konnten trotz zahlreicher auch stationärer Untersuchungen keine hinreichenden organischen Ursachen gefunden werden. Nachdem schon die Rehaklinik M.________ (Krankengeschichte vom 25. April 2001) und das Kantonsspital T.________ (Bericht vom 17. April 2001) aus rheumatologischer und neurologischer Sicht keine erheblichen Befunde festgestellt und auf unspezifische Rückenschmerzen geschlossen hatten, gelangten auch die Ärzte der Klinik K.________ zum Schluss, dass ein Schmerzsyndrom unklarer Ätiologie vorliege und sich die bestehende Schmerzproblematik nicht durch ein radikuläres Reizsyndrom erklären lasse. In Betracht gezogen wurde ein musculo-skelettales Überlastungssyndrom bei Haltungsinsuffizienz und Übergewicht (Bericht vom 19. März 2002). Zur Abklärung einer allfälligen Facettenproblematik wurde der Versicherte an den Schmerzspezialisten Dr. med. Y.________ überwiesen. Dieser berichtete am 1. März 2004, Infiltrationen in den Schmerzbereichen und eine Opiattherapie mittels Medikamentenpumpe hätten keine wesentliche Besserung gebracht. Die Opiattherapie sei zu optimieren und gegebenenfalls mit Medikamenten gegen den neuropathischen Schmerz zu ergänzen. Mit dem Patienten sollten aber auch psychotherapeutische Verfahren zum Erlernen von Copingstrategien und zum Verarbeiten seiner Situation durchgeführt werden. In einer Stellungnahme zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 7. September 2005 hält Dr. med. Y.________ fest, die zahlreichen Untersuchungen und Abklärungen hätten nie eine zufrieden stellende Ursache für die Beschwerden ergeben und es seien auch keine geeigneten Therapien für eine dauerhafte Schmerzfreiheit gefunden worden. Seiner Auffassung nach könnte es sich um Schmerzen handeln, die im Zentralnervensystem entstehen und auf chemische Einflüsse während einer früheren Erwerbstätigkeit zurückgeführt werden könnten. Dabei handelt es sich indessen um eine blosse Möglichkeit, welche kaum mehr näher abgeklärt werden kann. Im Übrigen bestätigen die vorhandenen Arztberichte die Annahme, dass ein im Wesentlichen psychisches bzw. psychosomatisches Beschwerdebild vorliegt. Verwaltung und Vorinstanz haben daher grundsätzlich zu Recht auf das Gutachten der Klinik H.________ vom 28. Juni 2004 abgestellt. Zu einer ergänzenden neurologischen und rheumatologischen oder einer polydisziplinären Begutachtung besteht kein Anlass (BGE 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 E. 4b).