Citation: 6B_688/2021 E. 2.5.4

2.5.4. Mit Gutachten vom 17. November 2014 von Dr. med. B.________ wurde dem Beschwerdeführer eine 100 % Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Berufen attestiert. Der Grund dafür lag im schwer depressiven Zustandsbild des Beschwerdeführers. Für die Versicherungen bestand (weiterhin) eine Pflicht, dem Beschwerdeführer Leistungen auszurichten. Die SVA nahm im Nachgang zu diesem Gutachten diverse weitere Abklärungen vor, unter anderem liess sie den Beschwerdeführer zwischen dem 2. Februar 2016 und dem 8. Juli 2016 an insgesamt neun Tagen observieren. Die Vorinstanz geht zu Recht davon aus, zum Zeitpunkt des Vorliegens der Observationsergebnisse im August 2016 habe für die SVA erst ein Verdacht bestanden, dass der Beschwerdeführer möglicherweise nicht mehr zu 100 % erwerbsunfähig sei (vgl. angefochtenes Urteil S. 11). Diese Auffassung ist bereits deshalb nicht zu beanstanden, da sich eine schwere Depression sehr unterschiedlich gestalten kann, wovon im Übrigen auch der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auszugehen scheint, welcher in seinem Parteivortrag vor der Vorinstanz mit Bezug auf die Ausführungen des den Beschwerdeführer behandelnden Psychiaters Dr. med. G.________ vorbringt, Depressionen würden einem schwankenden Erscheinungsbild unterliegen. Im Rahmen der Observation des Beschwerdeführers konnte mitunter festgestellt werden, dass dieser ein gepflegtes Äusseres zeigte und am sozialen Leben teilnahm, indem er mit anderen Personen spazieren ging, sich mit Freunden traf, regelmässig in ein albanisches Klublokal ging und ein Bordell besuchte. Diese Observationsergebnisse vermochten den Verdacht eines (zumindest teilweise) unrechtmässigen Bezugs von Leistungen zwar zu erhärten. Dennoch konnte die SVA zu diesem Zeitpunkt nicht ohne weiteres davon ausgehen, die Leistungspflicht entfalle ab sofort zu 100 %. Vielmehr erscheint es durchaus möglich, dass ein nachträgliches Gutachten eine Arbeitsfähigkeit trotz der Erkenntnisse aus dem Observationsbericht bloss in einem gewissen Umfang attestiert hätte (vgl. E. 2.5.3 soeben). Nach diesen Ausführungen ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz erwägt, nach Vorliegen der Observationsergebnisse im August 2016 hätten in einem länger andauernden Verfahren vertiefte Abklärungen vorgenommen werden müssen. Diese bestanden vorliegend mitunter darin, den Beschwerdeführer anlässlich eines Gesprächs am 13. Oktober 2016 bei der SVA zu seinem Gesundheitszustand zu befragen und ein psychiatrisches Nachgutachten durch Dr. med. B.________ in Auftrag zu geben. Der Vorinstanz ist auch insoweit zu folgen, als erst mit diesem Nachgutachten vom 20. März 2017 feststand, dass der Beschwerdeführer an keinen gesundheitlichen bzw. psychischen Beeinträchtigungen mehr litt und damit als zu 100 % arbeitsfähig eingestuft wurde (vgl. angefochtenes Urteil S. 11).