Citation: 8C_66/2024 E. 6.1

6.1. Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, laut Ziff. 3017 KSH müssten weitere Voraussetzungen erfüllt sein, so z.B. dass trotz Hilfsmittel ein ungenügendes Sprachverständnis vorliege und für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt erhebliche Hilfe Dritter benötigt werde. Letztere Bedingung sei auch in Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV vorgeschrieben, während das BSV in Ziff. 3017 KSH das ungenügende Sprachverständnis als zusätzliche Leistungsvoraussetzung statuiert habe. Da Verwaltungsweisungen keine über Gesetz und Verordnung hinausgehenden Einschränkungen eines materiellen Rechtsanspruchs statuieren dürften, müsse das ungenügende Sprachverständnis als Konkretisierung eines unbestimmten Rechtsbegriffs verstanden werden, womit das BSV eine einheitliche Verwaltungspraxis in Bezug auf die Gewährleistung der Kontaktpflege sicherstellen wolle. Abklärungen zum Hilfebedarf der Beschwerdeführerin habe die IV-Stelle nicht veranlasst, sondern sich einzig auf den Bericht der Dr. med. C.________ vom 15. Februar 2023 gestützt und damit den konkreten Mehraufwand im Einzelfall nicht ermittelt. Auch die Vorinstanz habe nicht geprüft, ob bei der Beschwerdeführerin die Kontaktpflege dank dem Cochlea-Implantat ohne fremde Hilfe gewährleistet sei oder nicht. Damit bleibe offen, ob ihr bzw. ihren Betreuungspersonen eine ungenügende Minderung der Hilflosigkeit vorzuwerfen sei. Anhand der medizinischen Akten lasse sich nicht verifizieren, ob das altersentsprechende Hörverständnis der Beschwerdeführerin mit den Cochlea-Implantaten genügend sei. Dies sei laut den Stellungnahmen der Psychologin und der Audiopädagogin vom 15. und 21. März 2023 nur zu bejahen, wenn perfekte Hör- und Sprachbedingungen herrschten. Solche Bedingungen seien weder im Kindergarten noch in Alltagssituationen erfüllt, was die Beschwerdeführerin erheblichem Stress und Belastungen aussetze. Ihre Eltern und Betreuungspersonen müssten solche Überforderungssituationen mit unterstützenden Massnahmen fortlaufend auffangen, damit sie gesellschaftliche Kontakte pflegen könne. Auch gebe es im Schulalltag zahlreiche Situationen, in denen sie weiterhin auf den Einsatz der Gebärdensprache angewiesen sei. Die audiotherapeutischen Massnahmen zu Hause erfolgten in enger Zusammenarbeit mit der Audiopädagogin, der Psychologin, der Kindergärtnerin, der Kinderärztin und der ORL-Poliklinik. Diese Massnahmen erforderten einen intensiven Einsatz der Beschwerdeführerin und ihrer Familie. Sie seien für ihre Hör-, Sprach- und Kommunikationsentwicklung zwingend und stünden damit in direktem Zusammenhang mit der Pflege gesellschaftlicher Kontakte.