Citation: H 5/99 01.06.2001 E. 6

6.- Mit Gesuch vom 7. Februar 1990 beantragte Dr. med. B.________, Facharzt FMH für medizinische Radiologie und spez. Röntgendiagnostik, die Bewilligung zur selbstständigen Ausübung des Berufs als Arzt. Zur Begründung gab er an, er beabsichtige im Juli 1990 in X.________ eine Praxis zu eröffnen. a) Auf Grund der Akten ist davon auszugehen, dass Dr. med. B.________ in der Folge unter der an der genannten Adresse domizilierten Röntgeninstitut Dr. Y.________ AG eine fachärztliche Praxis führte und für von Sommer 1990 bis Ende 1992 erbrachte spezialärztliche Leistungen von der Gesellschaft Zahlungen in Höhe von Fr. 665'282. 65 erhielt. Beitragsrechtlich bedeutsam ist, dass den Aktivitäten der Röntgeninstitut Dr. Y.________ AG im Verhältnis zur fachärztlichen Arbeit des Dr. med. B.________ keine selbstständige Bedeutung zukommt: Die Gesellschaft wirkte hauptsächlich als Leasingnehmerin der teuren medizinischen Geräte. Daneben wurde z.B. der gesamte Personalaufwand über ihre Konti verbucht. Bilanzen und Erfolgsrechnungen der Firma belegen für den hier interessierenden Zeitraum bis Ende 1992, dass die gesamten Honorare als Ertrag der Gesellschaft erfasst wurden und Dr. med. B.________ für seine Leistungen als Konsiliarius entschädigt wurde. Gestützt auf die Buchhaltungsunterlagen ist sodann glaubhaft, dass die Bezüge des Dr. med. B.________ insoweit vom Geschäftsergebnis der Gesellschaft abhängig waren, als vorab die gesamten Aufwände zu decken waren. In dieses Bild der wirtschaftlichen Gegebenheiten fügt sich ein, dass nach den Akten keinerlei (schriftliche) Abreden, wie etwa ein Arbeitsvertrag, zwischen Gesellschaft einerseits und Dr. med. B.________ andererseits bestanden. Die Steuerbehörden haben nach den Akten ihrerseits die strittigen Entgelte als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit beurteilt. Schliesslich sind die Eigenheiten der Erlaubnis zur Führung einer Arztpraxis zu berücksichtigen: Die Bewilligung zur Praxisführung (selbstständige Tätigkeit in einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis) ist wegen der persönlichen Voraussetzungen (Bewilligung zur selbstständigen Ausübung des Arztberufs, Mitarbeit in der Praxis) an die Person des Gesuchstellers gebunden und als solche, dem Wesen einer Polizeierlaubnis entsprechend, nicht übertragbar (vgl. Art. 5 der st. gallischen Verordnung über die Ausübung der medizinischen Berufe vom 10. November 1981). b) Nach dem Gesagten sprechen die wirtschaftlichen Verhältnisse, die fehlende (arbeits-)vertragliche Gestaltung der Rechtsbeziehung Gesellschaft - Dr. med. B.________, die steuerrechtliche Beurteilung der strittigen Entgelte als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit sowie die an die Person gebundene Erlaubnis zur Führung einer Arztpraxis für eine beitragsrechtliche Qualifikation entsprechend den allgemein gültigen Kriterien (vgl. Erw. 3 hievor). Der Grundsatz, wonach, unter Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs, die zwischen der Aktiengesellschaft und ihren Aktionären oder gegebenenfalls ihrem Alleinaktionär bestehende Dualität anzuerkennen und die Tätigkeit für eine Aktiengesellschaft regelmässig als unselbstständig und die hiefür entrichteten Entgelte als massgebender Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG zu qualifizieren sind (BGE 118 V 74 f. Erw. 5, 113 V 92; ZAK 1989 S. 594 Erw. 2c, je mit Hinweisen), tritt demnach in den Hintergrund. Ob die Führung einer Arztpraxis in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft überhaupt zulässig ist, kann dabei offen bleiben.