Citation: 2C_288/2020 E. 5.5.3

5.5.3. Soweit die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Juli 2013 (E-1339/2010) geltend macht, Art. 44 Abs. 1 lit. c AIG verletze das Diskriminierungsverbot gemäss Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK, ist folgendes festzuhalten: Es trifft zu, dass das Bundesverwaltungsgericht in einer Konstellation betreffend einen vorläufig aufgenommenen afghanischen Staatsangehörigen, dessen Beine amputiert werden mussten, festhielt, die von Art. 85 Abs. 7 AuG verlangte strikte Sozialhilfeunabhängigkeit habe die faktische Folge, dass Personen, die arbeitswillig, indes aufgrund ihrer Gebrechen nicht (oder nur in einem geschützten Rahmen) arbeitsfähig seien, ungleich gegenüber Personen behandelt würden, die arbeitswillig und arbeitsfähig seien (vgl. dort E. 5.3.2.3). Allerdings war die Ausgangslage dort, wie die Vorinstanz zu Recht festhält, anders als im vorliegenden Fall: So war dem bereits vor der Flucht verheirateten Beschwerdeführer in jener Konstellation eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 50% attestiert worden und er bezog eine IV-Rente. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgericht war es ihm gelungen, darzutun, dass er alles in seiner Kraft Liegende getan hatte, um seiner finanziellen Abhängigkeit zu entgehen oder diese wenigstens zu mindern (vgl. dort E. 5.3.3.3). Schliesslich hielt das Bundesverwaltungsgericht ausdrücklich fest, dass sich die Ablehnung des Familiennachzugsgesuchs in der gegebenen Konstellation in unverhältnismässiger Weise nachteilig auf den Beschwerdeführer auswirken würde und als faktisch bzw. mittelbare Diskriminierung zu betrachten sei (vgl. dort E. 5.3.4). Wie bereits ausgeführt, sind die Beschwerdeführerin und ihr Partner nicht verheiratet. Auch kann im vorliegenden Verfahren, in welchem es lediglich um die Erteilung eines provisorischen Aufenthaltstitels zwecks Vorbereitung der Heirat geht, nicht endgültig über den Familiennachzug entschieden werden. Wie ebenfalls dargelegt, konnte die Beschwerdeführerin, welcher eine Arbeitsfähigkeit von 100% für ihrer Behinderung angepasste Tätigkeiten attestiert wurde, nicht konkret darlegen, dass sie alles Zumutbare unternommen habe, um eine Erwerbstätigkeit zu finden und ihre Sozialhilfeabhängigkeit zumindest zu reduzieren. Folglich ist ihre Situation nicht mit jener einer arbeitswilligen, jedoch aufgrund von Gebrechen nicht (vollständig) arbeitsfähigen Person, vergleichbar. Ins Gewicht fällt zudem der Umstand, dass auch beim Partner der Beschwerdeführerin, der gemäss ihren eigenen Angaben gesund ist, keine konkreten Arbeits- und Integrationsbemühungen erkennbar sind. Vor diesem Hintergrund erweist sich die Rüge der Verletzung von Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK in der vorliegenden Konstellation als unbegründet.