Citation: 6B_645/2023 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz erblickt die Schwelle des Versuchs der (eventual-) vorsätzlichen Tötung als überschritten, indem der Beschwerdeführer begonnen habe, mit dem Taschenmesser auf den Beschuldigten (recte: Privatkläger) einzustechen. Mit Blick auf den subjektiven Tatbestand bejaht die Vorinstanz Eventualvorsatz. Sie erwägt, der Beschwerdeführer habe mit dem Messer absichtlich mehrfach und mit erheblicher Wucht in Richtung des Oberkörpers des Privatklägers gestochen. Die genauen Einstichstellen und die Tiefe der Stiche habe er dabei nicht kontrollieren können, da der Privatkläger versucht habe, den Angriff abzuwehren, und es zu einer dynamischen Auseinandersetzung gekommen sei. Der Privatkläger sei zudem vom Gebrauch des Messers überrascht worden und habe keine wirksame Abwehrmöglichkeit gehabt. Letztlich sei es vom Zufall abgehangen, welche Verletzungen der Privatkläger erlitten habe. Wer in einer solchen Situation unter grossem Kraftaufwand mit einem Messer auf den Oberkörper eines Menschen einsteche, rechne mit einer tödlichen Verletzung. Das Risiko des Todes sei als hoch einzustufen. Der Beschwerdeführer habe das gewusst und den Tod des Privatklägers billigend in Kauf genommen. Dass der Beschwerdeführer ein Messer mit einer vergleichsweise kurzen Klinge verwendet habe und das Messer nicht frisch geschliffen gewesen sein solle, vermöge daran nichts zu ändern. Bei dem verwendeten Taschenmesser handle es sich um einen gefährlichen Gegenstand, der geeignet sei, einen Menschen zu töten. Dies gelte insbesondere unter den vorliegenden Umständen, wo der Beschwerdeführer in einer dynamischen Auseinandersetzung mit grosser Wucht Stiche gegen den Oberkörper ausgeführt habe. Die Stichwunde auf der rechten Rückenseite hätte die Lunge des Privatklägers denn auch lebensbedrohlich verletzt, wäre sie bloss ein wenig tiefer gegangen.