Citation: 5A_89/2024 E. 8

Von der vorstehenden Diskussion abzugrenzen ist die Frage, ob Vermögenswerte, die auf ein Treuunternehmen oder einen Trust bzw. Trustee lauten, nach Massgabe von Art. 522 ff. ZGB herabgesetzt werden könn (t) en, denn der Schutz der Pflichtteile nach dem schweizerischen Recht wird durch die Anerkennung von Trusts nicht ausgehebelt (siehe insbesondere die Artikel 15, 16 und 18 des HTÜ). Nach der Rechtsprechung steht ausser Frage, dass solche Vermögensübertragungen im Grundsatz der Herabsetzung unterliegen (Urteil 5A_620/2007 vom 7. Januar 2010 E. 7.2). Insofern ist die Überlegung der Vorinstanz, wonach die Anerkennung von Trusts bzw. die Anerkennung der rechtlichen Selbständigkeit der an einen Trust (ee) bzw. ein Treuunternehmen übertragenen Vermögenswerte bedeutete, dass ein Erblasser zu Lebzeiten sein ganzes Vermögen in einen Trust einbringen und damit die Regeln des Erbrechts aushebeln kann, verfehlt. Wie im Kontext der Ausgleichungspflicht werden die Einzelheiten der Herabsetzung von Vermögensübertragungen an Trusts in der Lehre unterschiedlich beantwortet (dazu etwa HERZOG, a.a.O. Rz. 345 ff. S. 184; EITEL/BIERI, Die Durchführung der Herabsetzung bei Schenkungen, Lebensversicherungen und trusts, successio 2015 S. 299 ff.; WEINGART, a.a.O., Rz. 298 ff. S. 154; PERRIN, Le trust à l'épreuve du droit successoral en Suisse, en France et au Luxembourg, 2006, Rz. 507 ff. S. 231). Die Beschwerdegegner haben keine Herabsetzungsansprüche geltend gemacht, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen.