Citation: I 771/04 19.04.2005 E. 3

3.1 In medizinischer Hinsicht gelangten Verwaltung und Vorinstanz zum Ergebnis, in einer geeigneten Erwerbstätigkeit sei die Versicherte zu 70% arbeitsfähig. Die gesundheitsbedingte Einschränkung resultiere aus einer krankheitswertigen psychischen Störung. In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird eingeräumt, dass die Arbeitsfähigkeit aus rein somatischer Sicht nur minim reduziert sei. Dieser Beurteilung kann zugestimmt werden. Denn das Gutachten des Dr. med. M.________ vom 12. November 2002 wurde durch die Vorinstanz - auch unter Berücksichtigung der durch die Beschwerdeführerin beanstandeten Textstellen - zu Recht als beweiskräftig erachtet. Zudem stimmt es in seinen Aussagen mit den früheren Stellungnahmen des Spitals T.________ und der Klinik B.________ überein, welche ebenfalls zum Ergebnis gelangt waren, die Versicherte sei aus rheumatologischer Sicht zu 100% arbeitsfähig. 3.2 Was den psychiatrischen Aspekt anbelangt, bestreitet die Beschwerdeführerin die Beweiskraft des Gutachtens von Frau Dr. med. W.________ vom 30. April 2003. Sie macht geltend, die in deutscher Sprache durchgeführte Exploration habe wegen Verständigungsschwierigkeiten keine zuverlässige Beurteilung erlaubt. 3.2.1 Nach der Rechtsprechung kommt der bestmöglichen Verständigung zwischen begutachtender und versicherter Person im Rahmen psychiatrischer Abklärungen besonderes Gewicht zu. Eine gute Exploration setzt auf beiden Seiten vertiefte Sprachkenntnisse voraus. Wenn eine zu diesem Zweck ausreichende Verständigung in einer sowohl dem Gutachter oder der Gutachterin als auch der versicherten Person geläufigen Sprache nicht möglich ist, erscheint es medizinisch und sachlich geboten, eine Übersetzungshilfe beizuziehen (Urteil L. vom 25. Juli 2003, I 642/01, Erw. 3.1). Es ist in erster Linie Sache der Gutachterin oder des Gutachters, im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung darüber zu entscheiden, ob eine medizinische Abklärung in der Muttersprache des Exploranden oder der Explorandin geboten ist. Dazu gehört auch der allfällige Beizug einer Dolmetscherin oder eines Dolmetschers. Entscheidend dafür, ob und in welcher Form dem Gesichtspunkt der sprachlichen Verständigung Rechnung getragen werden muss, ist letztlich die Bedeutung der Massnahme im Hinblick auf die in Frage stehende Leistung. Es geht um die Aussagekraft und damit die beweismässige Verwertbarkeit des Gutachtens als Entscheidungsgrundlage für die IV-Stelle und gegebenenfalls das Sozialversicherungsgericht (AHI 2004 S. 147 Erw. 4.2.1). Entscheidend ist, ob lediglich durch den Beizug einer Dolmetscherin oder eines Dolmetschers beweisrechtlich verwertbare Aussagen zu gewinnen sind, auf welche bei der Beurteilung des in Frage stehenden Leistunganspruchs abgestellt werden kann (AHI 2004 S. 147 Erw. 4.2.2.). Ist der Beizug einer Übersetzungshilfe notwendig, eignet sich eine nahestehende Drittperson in der Regel nicht für diese Aufgabe. Denn deren Anwesenheit birgt die Gefahr einer allenfalls unbewussten Beeinflussung des Verhaltens der Explorandin oder des Exploranden. Mit Blick darauf, dass in der Regel mehr als bei rein somatischen Untersuchungen eine Vertrauensgrundlage zwischen begutachtender und versicherter Person besteht oder entstehen kann, sowie angesichts der Bedeutung auch der persönlichen Lebensumstände für die psychische Verfassung einerseits und die Diagnose einer krankheitswertigen psychischen Störung andererseits hat als Grundsatz die Abklärung ohne Anwesenheit von nahestehenden Drittpersonen zu gelten (Urteil N. vom 16. Januar 2004, I 664/01, Erw. 6.1.2). 3.2.2 Frau Dr. med. W.________ führt im Gutachten vom 30. April 2003 aus, die Versicherte habe recht gut Deutsch verstanden und in gebrochenem Schweizerdeutsch geantwortet, soweit nicht die während des ganzen Gesprächs anwesende Tochter dies für sie zu übernehmen gesucht oder türkische Antworten gedolmetscht habe. Einige Male habe die Tochter auch unvermittelt kurze deutsche Sätze zu ihrer Mutter gesagt - die Sprache scheine also auch im häuslichen Umgang mit den beiden in der Schweiz aufgewachsenen Töchtern zumindest eine passive Rolle für die Explorandin zu spielen. Die Angaben zur Krankheitsgeschichte und die subjektiven Angaben seien spärlich ausgefallen und teilweise durch die Tochter ergänzt worden. Wiedergegeben werden Äusserungen, wonach die Versicherte sich "verkrampft, verspannt" fühle, "viel Schmerz" empfinde und "immer nervös, oft nachts" sei. Den übrigen Akten sind nur wenige Angaben darüber zu entnehmen, inwieweit die 1959 geborene und seit 1977 in der Schweiz lebende Beschwerdeführerin die deutsche Sprache beherrscht. Auch anlässlich der Begutachtung durch Dr. med. M.________ vom 12. November 2002 war die älteste Tochter der Versicherten anwesend, welche gemäss den Feststellungen des Arztes sehr gut deutsch spricht und versteht. 3.2.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die von der Gutachterin gestellten Fragen nach deren Wahrnehmung jeweils verstand. Die Antworten erfolgten in gebrochenem Schweizerdeutsch oder auf Türkisch mit Übersetzung durch die während des gesamten Gesprächs anwesende Tochter, welche die Angaben der Mutter teilweise ergänzte. Angesichts der Aussage, die Versicherte habe in gebrochener Sprache geantwortet und der zitierten, im Gutachten wiedergegebenen Äusserungen erscheint jedoch als zweifelhaft, ob der für eine zuverlässige psychiatrische Exploration erforderliche Grad an Verständigung, insbesondere in Bezug auf die subjektiven Angaben, wirklich erreicht wurde. Zudem war die Anwesenheit der Tochter, welche nicht nur übersetzte, sondern verschiedentlich in das Gespräch eingriff und an Stelle der Mutter antwortete, im Lichte der zitierten Rechtsprechung dem Ziel, ein unverfälschtes Begutachtungsergebnis zu erreichen, nicht förderlich, auch wenn keine innerfamiliären Konflikte bekannt sind. Weiter ist zu berücksichtigen, dass Frau Dr. med. F.________, welche die Muttersprache der Versicherten beherrscht, im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung zu anderen Ergebnissen gelangte. Zwar werden die Stellungnahmen dieser Ärztin den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an einen beweiskräftigen medizinischen Bericht nicht gerecht, und den durch die Vorinstanz geäusserten Vorbehalten ist weitgehend zuzustimmen. Die Aussagen von Frau Dr. med. F.________ sind jedoch geeignet, den bereits auf Grund der nicht optimalen Verständigung und der Rolle der Tochter potenziell geschmälerten Beweiswert des Gutachtens von Frau Dr. med. W.________ zusätzlich in Frage zu stellen. Unter diesen Umständen ist das Gutachten nicht geeignet, ausreichenden Beweis für den medizinischen Sachverhalt in psychiatrischer Hinsicht zu erbringen. Die Abklärungen bedürfen diesbezüglich der Ergänzung. Die Verwaltung wird eine erneute psychiatrische Exploration in Auftrag zu geben haben, welche den genannten Punkten Rechnung trägt.