Citation: 8C_142/2023 E. 5

In tatsächlicher Hinsicht massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 23. Juni 2020 entwickelte (BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 132 V 215 E. 3.1.1; je mit Hinweisen; Urteil 8C_144/2022 vom 11. August 2022 E. 3). Die Explorationen anlässlich der Medas-Begutachtung wurden am 15. Juli 2019 abgeschlossen. Der weitere Verlauf des Gesundheitszustandes und der Arbeitsunfähigkeit war schon vor Erlass der Verfügung vom 23. Juni 2020 umstritten, weshalb die Beschwerdeführerin bereits vor Bundesverwaltungsgericht angesichts der dargelegten inneren Widersprüche des Medas-Gutachtens eine erneute medizinische Sachverhaltsabklärung forderte. So liess die Beschwerdeführerin der IVSTA schon im Vorbescheidverfahren einen Bericht vom 17. Februar 2020 ihres behandelnden Psychiaters Dr. med. C.________ einreichen, wonach die "Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit [...] aus psychiatrischer Sicht" infolge einer diagnostizierten schweren Depression mit phasischer Dekompensation, eines dissoziativen Syndroms und neurasthenieformer Affektionen nicht zu erwarten sei. Hiergegen äusserte sich die RAD-Psychiaterin Dr. med. D.________ in ihrer Aktenbeurteilung vom 8. Mai 2020 dahingehend, die Schwere der diagnostizierten Depression sei zwar nicht nachvollziehbar, doch zeigten sich nunmehr im Vergleich zum Befund des Medas-Gutachtens psychopathologische Veränderungen. Dennoch hielt sie an der Arbeitsfähigkeitseinschätzung gemäss Medas-Gutachten fest. Dem widersprach Dr. med. C.________ mit Bericht vom 12. Mai 2020. Zur Begründung der geltend gemachten Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes seit Juli 2019 stützte sich die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 18. Juni 2021 vor Bundesverwaltungsgericht nicht nur auf die Berichte ihres behandelnden Psychiaters vom 17. Februar und 12. Mai 2020, sondern auch auf einen erneuten teilstationären Klinikaufenthalt im Juli 2019. Zudem verwies sie auf die Aktenbeurteilung der RAD-Psychiaterin Dr. med. D.________ vom 7. Januar 2021, welche die Beschwerdegegnerin mit Vernehmlassung vom 13. Januar 2021 vor Bundesverwaltungsgericht ins Verfahren einbrachte. Demnach anerkannte auch die RAD-Psychiaterin mit Blick auf die neuen Berichte des Dr. med. C.________ eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes, so dass die Arbeitsunfähigkeit angesichts der leichten bis mittelgradigen depressiven Symptomatik "üblicherweise zwischen 20% und 50% liegen" könne. Allerdings vertrat Dr. med. D.________ in ihrer Aktenbeurteilung angesichts der psychopathologischen Befunde die Auffassung, dass ab Juli 2020 wieder von der Gültigkeit des Medas-Gutachtens auszugehen sei. Diese Schlussfolgerung beanstandete die Beschwerdeführerin bereits vor Bundesverwaltungsgericht. Ergänzende medizinische Abklärungen nach Massgabe des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 und 61 lit. c ATSG) seien unerlässlich zum einen mangels Aktualität des Medas-Gutachtens (vgl. Urteil 9C_146/2021 vom 25. Juni 2021 E. 3.2 mit Hinweisen) infolge einer zwischenzeitlich eingetretenen erheblichen Veränderung des Gesundheitszustandes und zum anderen wegen zumindest geringer Zweifel an den reinen Aktenbeurteilungen der RAD-Ärzte (vgl. E. 3.3.3 i.f. mit Hinweisen). Dennoch äusserte sich die Vorinstanz - wie von der Beschwerdeführerin gerügt - mit keinem Wort zu der bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses mitzuberücksichtigenden Entwicklung des Gesundheitszustandes.