Citation: 5A_586/2007 20.11.2007 E. 4

In rechtlicher Hinsicht macht die Beschwerdeführerin eine Verletzung von Art. 310 ZGB geltend. 4.1 Die Beschwerdeführerin rügt, das vom Obergericht erwähnte Gutachten sei nicht aussagekräftig. Dadurch dass die Vorinstanz das Gutachten herangezogen habe, sei Art. 310 ZGB verletzt worden. Der Gutachter stütze sich - entgegen den Ausführungen des Obergerichts - nicht auf verschiedene Abklärungen, sondern lediglich auf Beobachtungen anlässlich seines Hausbesuchs. Diejenigen Personen, mit welchen der Gutachter zusätzlich gesprochen habe, hätten sich lediglich zur Frage der von ihr nicht wahrgenommenen Besuchstage geäussert. Die betreffenden Personen könnten nicht als Fachleute zur Beurteilung des Bindungsverhaltens von A.________ herangezogen werden. Auch die Beiständin sei nicht von einer Gefährdung des Kindeswohls ausgegangen und habe mit dem Gutachter insbesondere die fehlende Intensivierung der Kontakte zwischen Mutter und Kind besprochen. Ausserdem macht die Beschwerdeführerin geltend, im Gutachten werde nicht ausgeführt, welche notwendigen elterlichen Kompetenzen sie haben müsse, damit eine Gefährdung des Kindeswohls ausgeschlossen werden könne. Sie bestreitet weiter die Aussagen im Gutachten, wonach sie ihre Tochter nicht altersgerecht behandle, und macht gegen das Gutachten geltend, sie habe ihre Tochter bei der Besuchsausübung jeweils vom Kinderheim abgeholt und ihre Besuchsrechte nur selten im Kinderheim selbst ausgeübt. Eine Verletzung von Art. 310 ZGB sieht die Beschwerdeführerin ausserdem im Zusammenhang mit der Ablehnung ambulanter Massnahmen durch das Obergericht. Die tägliche Betreuung und Erziehung der Tochter durch sie würde eine enge Beziehung des Kindes zu einer einzigen Person ermöglichen. Ausserdem habe sie nie das Kindeswohl gefährdet, wenn sie ihre Tochter zu sich nach Hause habe nehmen können. Eine Platzierung der Tochter bei ihr mit einer Familienbegleitung habe im Sinne des Subsidiaritätsprinzips Vorrang vor einer Platzierung des Kindes bei einer Pflegefamilie. 4.2 Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Vormundschaftsbehörde, wenn einer Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann, dieses den Eltern oder, wenn es sich bei Dritten befindet, Letzteren wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen. Kindesschutzmassnahmen bezwecken im Allgemeinen die Abwendung einer Gefährdung des Kindeswohls (Hegnauer, Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, S. 206 Rz. 27.09). Sie müssen zur Erreichung dieses Ziels erforderlich sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Proportionalität); diese soll elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität, s. zum Ganzen Hegnauer, a.a.O., S. 206 Rz. 27.10 ff.; Meier/Stettler, Droit de la filiation, Tome II: Effets de la filiation [art. 270 à 327 CC], 3. Aufl, Genf/Zürich/Basel 2006, S. 362 f. Rz. 679 f.). 4.3 Die Kritik der Beschwerdeführerin an der Art und Weise der Erstellung des Gutachtens beschlägt nicht eine Rechtsfrage, sondern bezieht sich auf die Sachverhaltsfeststellung bzw. Beweiswürdigung, weshalb sich damit von vornherein keine Verletzung von Art. 310 ZGB begründen lässt. Im Übrigen ergibt sich aus den willkürfreien (s. E. 3.2) Sachverhaltsfeststellungen des Obergerichts (s. E. 2), dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, den emotionalen Bedürfnissen ihrer Tochter gerecht zu werden und eine tragende Beziehung zu ihr aufzubauen, dass sich die Beschwerdeführerin nicht um eine Intensivierung des Kontakts zu ihrer Tochter bemüht, zumal sie die Möglichkeit vermehrter Besuche bereits gehabt und gleichwohl nicht wahrgenommen hat, und dass die Möglichkeit einer ernsthaften Gefährdung des Kindeswohls besteht, da die Beschwerdeführerin nicht die notwendigen elterlichen Kompetenzen entwickelt hat, um den Bedürfnissen nach Stabilität und Sicherheit wie auch altersentsprechender Förderung von A.________ gerecht zu werden. Vor dem Hintergrund dieser Sachverhaltsfeststellungen ist nicht ersichtlich, inwieweit eine Rückgabe von A.________ in die mütterliche Obhut ernsthaft in Frage kommen könnte. Erscheint aber die Fremdplatzierung weiterhin als unumgänglich, ist das Subsidiaritätsprinzip nicht verletzt und ist Art. 310 ZGB korrekt angewandt worden.