Citation: 5A_363/2022 E. 3.5.2

3.5.2. Das Kantonsgericht geht weiter vom Verzicht auf eine Verhandlung bzw. von einer Einlassung auf das schriftliche Verfahren aus, weil die Beschwerdeführerin sich nicht mehr zur Problematik geäussert hat, nachdem ihre Anträge auf Durchführung einer Verhandlung abgewiesen worden waren. Ähnliches nahm das Bundesgericht in einem Strafverfahren an, in dem das Rechtsmittelgericht den Parteien mitteilte, dass es entgegen Art. 405 StPO ein schriftliches Verfahren durchführe, und sie darauf hinwies, sie könnten innert einer bestimmten Frist eine mündliche Verhandlung verlangen, was sie nicht taten. Stattdessen nahm die betreffende Partei vorbehaltslos und aktiv an dem schriftlichen Verfahren teil, weshalb sie sich nicht mehr auf eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK berufen konnte (BGE 143 IV 483 E. 2). Der vorliegende Fall ist anders gelagert: Zwar hat die Beschwerdeführerin die prozessleitende Verfügung vom 27. November 2020, mit der ihre Gesuche um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung abgewiesen wurden, nicht angefochten (vgl. vorne Bst. B.a). Hierzu war sie nach Massgabe von Art. 93 Abs. 3 BGG indes auch nicht verpflichtet (vgl. BGE 144 III 253 E. 1.3). Auch ansonsten lassen sich dem angefochtenen Entscheid keinerlei Sachverhaltselemente entnehmen, die den eindeutigen Schluss zulassen würden, dass die Beschwerdeführerin durch ihr Schweigen nach Abweisung ihrer Anträge auf ihren Anspruch auf eine öffentliche und mündliche Verhandlung verzichtet hätte.