Citation: 7B_219/2024 E. 2.4.2

2.4.2. Ergänzend macht die Beschwerdeführerin geltend, wegen fehlenden Deutschkenntnissen nicht in der Lage zu sein, Gerichtskorrespondenz zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Auch aufgrund kultureller Barrieren habe sie nach wie vor ein sehr eingeschränktes Verständnis des schweizerischen Strafverfolgungs- und Gerichtssystems. Die Vorinstanz anerkennt die sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten der aus Äthiopien stammenden Beschwerdeführerin. Ihre Einschätzung, wonach diesen mittels Beizug einer Dolmetscherin oder eines Dolmetschers begegnet werden könne, greift jedoch - so der zutreffende Einwand der Beschwerdeführerin - zu kurz: Die Beschwerdeführerin beteiligt sich nicht nur punktuell wie etwa eine Zeugin bei einer Einvernahme am Verfahren, sondern umfassend und aktiv als Partei. Das Berufungsverfahren umfasst nicht nur die Berufungsverhandlung, sondern auch Korrespondenz zwischen dem Gericht und den Parteien, bisweilen verbunden mit Formen und Fristen, die es zu wahren gilt. Für solche ausserhalb einer Verhandlung liegenden Verfahrensschritte dürfte in der Regel kaum eine Übersetzerin bestellt werden. Abgesehen davon ist eine rein sprachliche Übersetzung im Falle der psychisch beeinträchtigten Beschwerdeführerin, welche mit dem hiesigen Rechtssystem nicht vertraut ist, für die effektive Wahrnehmung ihrer Parteirechte nicht ausreichend. Wie sie nachvollziehbar dartut, ist sie vielmehr auch auf inhaltliche Erläuterungen zum Verfahrensgang angewiesen. Solche könnte sie im Übrigen weder von der Staatsanwaltschaft, der im Berufungsverfahren einzig die Rolle der Anklägerin zukommt, noch von einer Vertrauensperson erhältlich machen. Auch dieser Hinweis der Vorinstanz geht somit fehl und widerspricht sie, was die Staatsanwaltschaft angeht, im Übrigen auch den Ausführungen in der Botschaft. Es ergibt sich somit, dass der Beschwerdeführerin auch aus sprachlichen und kulturellen Gründen nicht zuzumuten ist, ohne rechtliche Verbeiständung das Berufungsverfahren zu bestreiten. Dass es für sie dabei letztlich "nur" um die Genugtuungsforderung geht, vermag daran mit Blick auf das Gesagte nichts zu ändern.