Citation: C 70/98 29.01.2001 E. 3

3.- An diesem Ergebnis vermag die Auffassung der Vorinstanz nichts zu ändern, die fraglichen Bezügerabrechnungen würden ihrerseits einen den Gehörsanspruch des Versicherten verletzenden Begründungsmangel aufweisen. a) Verfügungen der Kassen müssen nach Art. 103 Abs. 2 AVIG unter anderem eine Begründung enthalten. Im Rahmen von Art. 75 Abs. 3 IVV, welcher für belastende Verfügungen eine "ausreichende und allgemeinverständliche" Begründung vorschreibt, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht entschieden, mit diesem Erfordernis dürften vernünftigerweise keine hohen Anforderungen an die Begründungsdichte von Verfügungen gestellt werden, welche die Massenverwaltung erlässt; die Verfügung müsse so abgefasst sein, dass der Betroffene sie gegebenenfalls sachgerecht anfechten könne, was voraussetze, dass er sich über deren Tragweite ein Bild machen könne; in diesem Sinne müssten wenigstens kurz die massgebenden Überlegungen genannt werden, auf welche die Verwaltung ihre Verfügung stütze (ZAK 1989 S. 465 Erw. 4a). Diese von der Rechtsprechung zu Art. 75 Abs. 3 IVV entwickelten Grundsätze zur Begründung, die gleichermassen in anderen Sozialversicherungszweigen gelten (RKUV 1993 Nr. U 175 S. 201 Erw. 4a/aa zu Art. 99 Abs. 2 UVG; nicht veröffentlichtes Urteil S. vom 28. Mai 1996, H 253/94 zu Art. 128 AHVV), gelangen auch unter dem Blickwinkel von Art. 103 Abs. 2 AVIG zur Anwendung (nicht veröffentlichtes Urteil B. vom 18. Juni 1999, C 448/98). b) Ob die fraglichen Bezügerabrechnungen den in Erw. 3a dargelegten Anforderungen an die Begründungspflicht genügen, kann offen bleiben. Die fehlende oder ungenügende Begründung einer Verfügung stellt einen Eröffnungsmangel mit der Rechtsfolge dar, dass die Verfügung zwar anfechtbar, aber nicht nichtig ist (BGE 110 V 114 Erw. 4b; ZAK 1989 S. 177 Erw. 2a in fine). Die Rechtsprechung erachtet den Eröffnungsmangel der fehlenden oder ungenügenden Begründung als geheilt, wenn dem Betroffenen Gelegenheit eingeräumt wird, sich zu der im Beschwerdeverfahren nachgeschobenen Begründung zu äussern (BGE 116 V 39 f. Erw. 4b mit Hinweisen). Wenn die Rechtsprechung ausdrücklich zulässt, dass eine mangelhaft begründete Verfügung durch die Nachlieferung der Entscheidgründe im Beschwerdeverfahren geheilt werden kann, hat die verfügende Stelle nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zur Nachreichung einer solchen Eingabe. Diese Verbesserungsmöglichkeit darf dem Absender der Verfügung dementsprechend nicht verwehrt werden. Dies gilt erst recht, wenn die Verfügung implizite fehlerhaft und damit verbesserungsbedürftig ist, was insbesondere für eine Bezügerabrechnung gilt, welcher rechtsprechungsgemäss trotz Fehlens formeller Entscheidmerkmale in materieller Hinsicht Verfügungscharakter zukommt (vgl. BGE 122 V 368 f. Erw. 2/3 mit Hinweisen; ARV 1998 Nr. 3 S. 15 mit Hinweisen). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz hat der Gehörsanspruch der Kasse nach dem Gesagten nicht hinter den Anspruch des Versicherten auf Begründung der Verfügung zu treten. Vielmehr ist in die Prüfung der Frage, ob die Verfügung eine ausreichende Begründung enthält, auch die im Beschwerdeverfahren allenfalls nachgelieferte Begründung miteinzubeziehen.