Citation: 6B_511/2020 E. 3.5

3.5. Die Vorinstanz stützt ihren Schluss, wonach in diesem Punkt der Tatbestand des Betruges nicht erfüllt sei, auf den Gesichtspunkt der Opfermitverantwortung. Dabei richtet sie ihren Blick bei der Beurteilung des Arglistmerkmals einseitig auf die Prüfung des Verhaltens von J.I.________ als Täuschungsopfer und nimmt im Ergebnis an, dieser trage aufgrund seines leichtfertigen Verhaltens die alleinige Verantwortung für die Täuschung und die irrtumsbedingte schädigende Vermögensverfügung. Dabei unterlässt es die Vorinstanz, die Handlungsweise der Beschwerdegegner, die sie für sich allein betrachtet als "wohl arglistig" erachtet (angefochtenes Urteil S. 176), in die rechtliche Würdigung miteinzubeziehen und die jeweiligen Handlungsweisen gegeneinander abzuwägen (angefochtenes Urteil S. 174). Immerhin hält sie fest, J.I.________ habe sich vom erhöhten Aktienkapital und dem Auftreten der Beschwerdegegner beeindrucken lassen (angefochtenes Urteil S. 174). Die Vorinstanz verkennt mit dieser einseitigen Fokussierung auf das Opferverhalten die Natur des Betrugstatbestandes als Kommunikations- bzw. Interaktionsdelikt, bei welchem Täter und Opfer notwendig zusammenwirken, der Täter auf die Vorstellung des Opfers einwirkt und dieses zur schädigenden Vermögensverfügung veranlasst (Urteile 6B_97/2019 vom 6. November 2019 E. 2.1.1; 6B_1256/2018 vom 28. Oktober 2019 E. 2.4; 6B_151/2019 vom 17. April 2019 E. 4; 6B_309/2017 vom 16. Oktober 2017 E. 4.2). Die Opferverantwortung im Sinne der Eigenverantwortung der getäuschten Person bildet lediglich insoweit das Gegenstück zur Arglist, als die Täuschungshandlung in einer Weise qualifiziert sein muss, dass sie geeignet erscheint, den zumutbaren Selbstschutz des Opfers zu überwinden. Je grösser der vom Täter betriebene Aufwand für die Täuschung ist, desto stärker überlagert diese die Selbstschutzmöglichkeiten des Täuschungsopfers. Ob das täuschende Verhalten des Täters als arglistig und das Opferverhalten als leichtfertig erscheint und letzterem allenfalls überwiegendes Gewicht zukommt, lässt sich daher nur unter Berücksichtigung der näheren Umstände, unter denen die Täuschung erfolgt ist, sowie der persönlichen Beziehungen zwischen den beteiligten Personen schlüssig beantworten (Urteile 6B_572/2020 vom 8. Januar 2021 E. 2; 6B_151/2019 vom 17. April 2019 E. 4). Die Frage, ob das Tatbestandsmerkmal der Arglist erfüllt ist, kann daher nicht ohne Berücksichtigung der Vorgehensweise der Beschwerdegegner beantwortet werden. Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorinstanz das Verhalten des Täuschungsopfers J.I.________ für sich allein zu Recht als leichtfertig qualifiziert hat. Auszugehen ist dabei von den Feststellungen der Vorinstanz, die Beschwerdegegner hätten zu keinem Zeitpunkt ein reelles finanzielles Potential gehabt, den von J.I.________ geforderten Kaufpreis aufzubringen (angefochtenes Urteil S. 174 f.). Die Vorinstanz erblickt das die Arglist verdrängende Opferverhalten von J.I.________ darin, dass dieser keinerlei Nachforschungen zur Finanzlage und Leistungsfähigkeit der E.________ Holding AG angestellt habe, dass er sich nicht für den mehr als getrübten Leumund der Beschwerdegegner interessiert und weder einen Strafregister- noch einen Betreibungsregisterauszug eingeholt habe, welcher die miserable finanzielle Lage der Beschwerdegegner offenbart hätte, sowie dass er die endgültige Fassung des Kaufvertrages unterschrieben habe, ohne sie zuvor durchgelesen zu haben (angefochtenes Urteil S. 174, 175). Dabei trifft grundsätzlich wohl zu, dass J.I.________ nicht als geschäftlich unerfahren bezeichnet werden kann. Doch steht fest, dass die Beschwerdegegner J.I.________ als weltgewandte und kapitalkräftige Unternehmer gegenübergetreten sind und jener sich hievon hat blenden lassen. Dass dieses Bild bereits mit einem Betreibungsregisterauszug "in Stücke gerissen" worden wäre, wie der Beschwerdegegner 2 im vorinstanzlichen Verfahren vorgebracht hat (angefochtenes Urteil S. 174), mag zutreffen. Doch wendet die Beschwerdeführerin zutreffend ein (Beschwerde S. 10), dass der Vorwurf, J.I.________ habe es unterlassen, die Beschwerdegegner einen Betreibungsregisterauszug einzuholen, an der Sache vorbeigehe, zumal nicht die Beschwerdegegner, sondern die E.________ Holding AG Käuferin der Gesellschaftsanteile gewesen sei. Dasselbe gilt in Bezug auf den Verzicht auf Einholung eines Strafregisterauszuges. Hinsichtlich der Finanzlage und Leistungsfähigkeit der E.________ Holding AG trifft ferner zu, dass J.I.________ eingeräumt hat, keine Nachforschungen angestellt zu haben. Doch hält auch die Vorinstanz fest, dass er sich insofern vom per Verrechnungsliberierung frisch auf Fr. 3 Mio. erhöhten Aktienkapital der Gesellschaft sowie den Umgangsformen und dem wortgewandten Auftreten des Beschwerdegegners 1 habe beeindrucken lassen. Aufgrund des Handelsregisterauszuges war es für J.I.________ jedenfalls nicht erkennbar, dass der Gesellschaft mit der Kapitalerhöhung in Wirklichkeit keine Liquidität zugeflossen war. Schliesslich ist, wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt (Beschwerde S. 12), der Vorinstanz insofern beizupflichten, dass für sich allein betrachtet auf den ersten Blick schwer verständlich erscheint, dass J.I.________ die letzte, vom Beschwerdegegner 1 eigenmächtig abgeänderte Version des schon zuvor mehrfach umgearbeiteten Kaufvertrages ungelesen unterzeichnet hat. Die kantonalen Instanzen bezeichnen dieses Verhalten denn auch grundsätzlich zu Recht als "sicherlich fahrlässig und unvorsichtig" bzw. "von aussen betrachtet als erschreckend naiv und zu vertrauensselig" (erstinstanzliches Urteil S. 293 f.; angefochtenes Urteil S. 173). Doch scheint im konkreten Fall nicht von vornherein evident, ob eine Prüfung des Vertragstexts durch J.I.________ die mangelnde Leistungsfähigkeit der Gesellschaft entlarvt hätte, zumal die Abänderung lediglich die Zahlungsmodalitäten bzw. den Passus betrifft, wonach nach Unterzeichnung umgehend ein Betrag von Fr. 1,5 Mio. zu leisten gewesen wäre (angefochtenes Urteil S. 155). Dass J.I.________ eingeräumt hat, es sei klar sein Fehler gewesen, den Vertrag zu unterzeichnen, ohne ihn zuvor durchgelesen zu haben (angefochtenes Urteil S. 175 f.), begründet für sich allein keine ausschliessliche Verantwortung für den Erfolg der Täuschung. Schliesslich lässt sich in diesem Kontext auch nichts aus dem Umstand ableiten, dass J.I.________ sich nicht von seinem Interimsmanager Z.________ hat beraten lassen, zumal dieser von den Beschwerdegegnern nach Auffassung der Beschwerdeführerin instrumentalisiert worden sein soll (angefochtenes Urteil S. 157; Beschwerde S. 13). Wie es sich damit verhält, lässt sich dem angefochtenen Urteil nicht entnehmen. Insgesamt verrät das Verhalten von J.I.________ in verschiedener Hinsicht eine sorglose Haltung, die durchaus geeignet erscheint, das Merkmal der Arglist in Frage zu stellen. Es mag zutreffen, dass jener, nachdem er sich auf das Geschäft eingelassen hat, allzu schnell und leicht bereit gewesen ist, den Beschwerdegegnern zu vertrauen. Doch führt nach der Rechtsprechung selbst der Umstand, dass das Handeln einer geschädigten Person durch ein erhebliches Mass an Naivität oder augenfälligen Leichtsinn geprägt ist, für sich allein nicht notwendig zur Verneinung der Arglist und damit zur Straflosigkeit des Täters. Die Rechtsprechung nimmt eine alleinige Verantwortung des Opfers für seinen Irrtum und als Folge davon für den erlittenen Vermögensschaden nur in Ausnahmefällen an und schliesst Arglist zum Schutz auch leichtgläubiger Opfer mithin nur in Extremfällen bzw. Fällen gröbsten Mitverschuldens aus, wenn das Opfer jegliche Vorsicht vermissen lässt und das täuschende Verhalten des Täters zu vernachlässigen ist. Denn die Strafbarkeit beim Betrug durch das Verhalten des Täuschenden begründet wird und nicht durch jenes des Täuschungsopfers, das im Alltag seinem Vertragspartner nicht wie einem mutmasslichen Betrüger gegenübertreten muss (BGE 143 IV 302 E. 1; 142 IV 153 E. 2.2.2: 135 IV 76 E. 5.2 und 5.3; Urteile 6B_1081/2019 vom 15. Mai 2020 E. 1.5.2; 6B_1249/2019 vom 6. Mai 2020 E. 2.4.5; 6B_977/2018 vom 27. Dezember 2018 E. 1.2.4; je mit Hinweisen). Ob im vorliegenden Fall ein derartiger Ausnahmefall vorliegt, lässt sich ohne einlässliche Würdigung des täuschenden Verhaltens der Beschwerdegegner nicht beurteilen. Eine bloss auf das Selbstschutzverhalten des Täuschungsopfers beschränkte Sicht erlaubt keine schlüssige Antwort. Es bedarf vielmehr auch der Prüfung, inwiefern die Beschwerdegegner allfälligen Bedenken seitens von J.I.________ durch betrügerische Machenschaften oder eigentliche betrügerische Inszenierungen entgegengewirkt und damit Zweifel an der Verlässlichkeit der vorgespiegelten seriösen Geschäftsgrundlage zerstreut haben. Eine solche ergibt sich nicht allein schon aus der ausführlichen Wiedergabe des Sachverhalts. Eine abschliessende Würdigung ist ohne Mitberücksichtigung der täuschenden Machenschaften der Beschwerdegegner mithin nicht möglich. Die Begründung des angefochtenen Urteils erweist sich insofern als unvollständig (Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG; BGE 141 IV 244 E. 1.2).