Citation: 9C_378/2020 E. 5.3

5.3. Die Aufenthaltsbewilligung ist befristet und kann verlängert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AlG vorliegen (Art. 33 Abs. 3 AlG). Sie erlischt grundsätzlich mit dem Ablauf ihrer Gültigkeitsdauer (Art. 61 Abs. 1 lit. c AIG) respektive - wie hier - bei Widerruf (Art. 62 AlG). Die betroffene Person kann allerdings während der Dauer des Verlängerungsverfahrens und damit auch nach Erlöschen der Bewilligung in der Schweiz verbleiben, sofern die zuständige Behörde im Sinne vorsorglicher Massnahmen keine abweichenden Verfügungen trifft (Art. 59 Abs. 2 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, VZAE; SR 142.201; Urteile 2C_1154/2016 vom 25. August 2017 E. 2.3 und 2C_81/2013 vom 30. Januar 2013 E. 2.2; ferner Peter Bolzli, in: Migrationsrecht [nachfolgend: Migrationsrecht], 5. Aufl. 2019, N. 10 zu Art. 33 AlG). Entsprechendes wurde der Beschwerdeführerin 2 mit Schreiben des kantonalen Migrationsdienstes vom 6. Januar und 29. April 2020 bestätigt. Dabei handelt es sich zwar nur um ein prozessuales Aufenthaltsrecht; die durch die Bewilligung verschafften Rechte (insbesondere hinsichtlich Aufenthalt und Erwerbstätigkeit) gelten nach Ablauf der Gültigkeitsdauer der Aufenthaltsbewilligung aber weiterhin (Urteil 2C_1154/2016 vom 25. August 2017 E. 2.3; Silvia Hunziker, in: Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Handkommentar, 2010, N. 16 zu Art. 61 AuG mit Hinweis auf die Botschaft vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, BBl 2002 3778; Marc Spescha, in: Migrationsrecht, a.a.O., N. 2 zu Art. 61 AlG). Die Wirksamkeit des Widerrufs einer Bewilligung oder Verfügung lässt sich je nach Widerrufsgrund auf einen unterschiedlichen Zeitpunkt beziehen. In der ausländerrechtlichen Praxis gilt diesbezüglich, dass die mit der Bewilligung eingeräumte Rechtsstellung mit der Rechtskraft eines Widerrufsentscheids endet und eine ordentliche Wegweisung (Art. 64 AlG) sowie unter gegebenen Voraussetzungen ein Einreiseverbot angeordnet werden können (Art. 67 AlG). Ist im Falle einer ordentlichen Wegweisung eine angemessene Ausreisefrist anzusetzen (Art. 64d AlG), wird der Widerruf pro futuro wirksam (Urteil 2C_493/2008 vom 28. Juli 2008 E. 4.2; Spescha, a.a.O., N. 1 zu Art. 62 AlG; Hunziker, a.a.O., N. 13 und FN 24 zu Art. 62 AuG). Bei ursprünglich fehlerhaften Verfügungen, deren Fehlerhaftigkeit durch den Verfügungsadressaten zu verantworten ist, wird die Änderung normalerweise ex tunc wirksam, d.h. die bis zum Zeitpunkt der Rechtskraft der Änderung eingetretenen Folgen der Verfügung werden rückgängig gemacht (vgl. Urteile 2C_243/2008 vom 18. Juni 2008 E. 1.1, 2A.595/2006 vom 6. Februar 2007 E. 3 und 2A.420/2006 vom 29. November 2006 E. 2.3; Spescha, a.a.O., N. 1 zu Art. 62 AlG; Hunziker, a.a.O., N. 13 und FN 24 zu Art. 62 AuG).