Citation: 6B_751/2018 E. 1.5.3

1.5.3. Zu prüfen ist indessen, ob - wie von der Vorinstanz erwogen - die Arglist aufgrund der Opfermitverantwortung entfällt, wobei beim Prozessbetrug die Sorgfaltspflichten bzw. Obliegenheiten der Parteien miteinzubeziehen sind (vgl. vorstehend E. 1.4.3). Anders als die Beschwerdeführerin offenbar meint, ist eine Mitverantwortung seitens der G.________ GmbH bei der Beurteilung des Prozessbetrugs daher durchaus von Bedeutung. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, ist vorliegend zu berücksichtigen, dass J.________ einziger Gesellschafter, Geschäftsführer und wirtschaftlicher Berechtigter der B.________-Gesellschaften war und mit diesen insofern eine wirtschaftliche Einheit bildete. Entsprechend konnte die G.________ GmbH nur in der Person von J.________ getäuscht werden. In seiner Position hätte dieser ohne weiteres die Möglichkeit gehabt, Einblick in die verschiedenen Buchhaltungen der B.________-Gesellschaften zu nehmen und die massgeblichen Zahlungsvorgänge des Jahres 2006 nachzuvollziehen. Angesichts der Höhe der im Zivilprozess geltend gemachten Forderung und im Hinblick auf die bereits zu diesem Zeitpunkt zu Tage getretenen Unregelmässigkeiten in den Büchern der B.________-Gruppe, wäre eine vertiefte Überprüfung der bereits geleisteten Lohnakontozahlungen auch angezeigt gewesen. Hätte J.________ von den ihm zustehenden Selbstschutzmöglichkeiten Gebrauch gemacht und sich einen Überblick über die Buchhaltungen der B.________-Gesellschaften verschafft, wäre ihm aufgefallen, dass im Jahr 2006 nicht bloss Fr. 120'000.-, sondern Fr. 140'0000.- als Lohnakontozahlungen an die A.________ AG ausgezahlt wurden. Entsprechend hätte er die wahrheitswidrige Behauptung des Beschwerdegegners im Lohnforderungsprozess namens der G.________ GmbH substantiiert bestreiten und den diesbezüglichen Irrtum des Kantonsgerichts Zug abwehren können. Soweit die Vorinstanz das Vorliegen von Arglist in Bezug auf die Täuschung über die im Jahr 2006 bezogenen Lohnakontozahlung aus Gründen der Mitverantwortung von J.________ verneint, verletzt sie kein Bundesrecht. Anders verhält es sich jedoch in Bezug auf die vom Beschwerdegegner verschwiegenen Lohnakontozahlungen vom 8. Januar 2007, 20. Dezember 2007 und 1. Januar 2008. Im Gegensatz zu den im Jahr 2006 ausbezahlten Beträgen in der Höhe von insgesamt Fr. 140'000.- wurden diese Bezüge vom Beschwerdegegner in keiner Buchhaltung der B.________-Gesellschaften ausgewiesen. Mit der Beschwerdeführerin war es J.________ bzw. der G.________ GmbH daher nicht möglich, den Saldostand der Forderung ihres ehemaligen Arbeitnehmers zu prüfen und dessen Behauptungen im Lohnforderungsprozess substantiiert zu bestreiten. Die Arglist der Täuschung ist daher zu bejahen. Die von der Vorinstanz im Zusammenhang mit der Opfermitverantwortung gemachten Ausführungen vermögen daran nichts zu ändern. Zwar mag es zutreffen, dass J.________ die Finanzkontrolle oblag und dieser seine damit einhergehenden Aufsichtspflichten in der Zeit, als der Beschwerdegegner die Buchhaltungen der B.________-Gesellschaften führte, vernachlässigt hat. Wie vom Bundesgericht bereits im Entscheid BGE 143 IV 302 dargelegt wurde, kann ein täuschendes Handeln jedoch nicht durch vorangegangenes Verhalten des Opfers in den Hintergrund gedrängt werden. Dies hat schon deshalb zu gelten, weil das potentielle Opfer die Chance haben muss, seine prekäre - auf betrügerische Täuschungen anfällige - Situation, in die es sich selber einmal gebracht hat, bei späterer Gelegenheit zu korrigieren, und sei es auch nur im Ergebnis, ohne sich der eigenen vorangegangenen Unvorsichtigkeit bewusst geworden zu sein. Hinzu kommt, dass eine Leichtfertigkeit, die der Täter nachträglich zur Täuschung ausnutzt, dessen Beitrag zum deliktischen Erfolg nicht relativiert. Im Gegenteil: Der in der Täuschung liegende Handlungsunwert ist besonders gross, weil der Täter die exponierte Situation des Betroffenen gezielt angreift (BGE 143 IV 302 E. 1.4.2 S. 307). Dass die B.________-Gruppe sich im Lohnforderungsprozess weitergehende Schadenersatzforderungen gegen ihren ehemaligen Buchhalter vorbehalten hat, ist sodann unerheblich. Dass daraus auf eine relevante Mitverantwortung geschlossen werden müsste, lässt sich jedenfalls nicht sagen. Die Erwägung der Vorinstanz, wonach das Verhalten des Beschwerdegegners nicht als arglistig gewertet werden könne, ist in Bezug auf die verschwiegenen Lohnakontozahlungen vom 8. Januar 2007, 20. Dezember 2007 und 1. Januar 2008 daher bundesrechtswidrig.