Citation: 1A.120/2005 31.05.2006 E. 2

Streitig ist die Bewilligung einer neuen Mobilfunkanlage (GSM 1800). Diese muss so erstellt und betrieben werden, dass der massgebliche Anlagegrenzwert von 6 V/m (Anh. 1 Ziff. 64 lit. b NISV) an allen Orten mit empfindlicher Nutzung eingehalten wird (Anh. 1 Ziff. 65 NISV). Das Verwaltungsgericht bejaht dies, gestützt auf das von der Beschwerdegegnerin eingereichte Standortdatenblatt. Das BAFU bezweifelt in seiner Vernehmlassung, dass die vertikale Senderichtung ("down tilt") der Antennen richtig angegeben worden sei; werde mit einem steileren Winkel gerechnet, könne dies zu einer Überschreitung der Anlagegrenzwerte führen. Es führt aus, dass es den Gesuchstellern nach der Vollzugsempfehlung zur NISV, Mobilfunk- und WLL-Basisstationen (Ziff. 2.1.6 S. 18) freigestellt sei, einen Winkelbereich anstelle einer fixen Senderichtung zu deklarieren und bewilligen zu lassen. Die NIS-Berechnung müsse dann unter Zugrundelegung der bezüglich der NIS-Belastung ungünstigsten Senderichtung innerhalb des gewählten Winkelbereichs erfolgen. Die Senderichtung lasse sich mechanisch (durch Kippen der Antenne) oder elektrisch (durch entsprechende Ansteuerung) verändern. Die Summe von mechanischem und elektrischem Winkel ergebe die massgebende Senderichtung (gesamter Neigungswinkel). Die Bewilligung eines Winkelbereichs könne grundsätzlich für den mechanischen, den elektrischen oder für beide Freiheitsgrade beantragt werden. Für den gesamten Neigungswinkel sei der ganze Winkelbereich anzugeben, der sich aus der Kombination der möglichen elektrischen und mechanischen Einstellungen ergebe (Vollzugsempfehlung Ziff. 3.4 S. 36). Vorliegend habe die Beschwerdegegnerin für den mechanischen Neigungswinkel einen Bereich von 0° bis -6°, für den elektrischen einen Bereich von 0° bis -2°, und für den gesamten Neigungswinkel einen Bereich von 0° bis -6° eingetragen. Diese Angaben seien unrichtig: Die vorgesehene Antenne Kathrein 739 927 verfüge gemäss den technischen Spezifikationen über einen fixen elektrischen Neigungswinkel von -2° und könne elektrisch gar nicht verstellt werden. Aus der Kombination des Bereichs für den mechanischen Neigungswinkel mit dem fixen elektrischen Neigungswinkel ergebe sich für den gesamten Neigungswinkel ein möglicher Bereich von -2° bis -8°. Der maximale vertikale Neigungswinkel von -8° führe insbesondere beim OMEN Nr. 5 zu einer höheren berechneten elektrischen Feldstärke: Im Standortdatenblatt werde die Strahlung mit 3.97 V/m ausgewiesen; im Rahmen der verfügbaren Plangenauigkeit berechnet das BAFU demgegenüber einen Wert von mindestens 5.5 V/m. Hinzu komme, dass die Höhenangabe vom 6 m über Boden im Zusatzblatt 4a für den OMEN Nr. 5 nicht nachvollziehbar sei: OMEN Nr. 5 liege im 3. Obergeschoss, das sich in der Regel höher über dem Boden befinde. Dies zeige auch der Vergleich mit dem OMEN Nr. 6, bei dem bereits für das 2. OG eine Höhe von 7,5 m über Boden eingesetzt worden sei. Falls OMEN Nr. 5 höher liegen sollte als im Standortdatenblatt angegeben, würde es praktisch voll im (abwärts gerichteten) Hauptstrahl der geplanten Antenne liegen, wodurch sich die berechnete elektrische Feldstärke nochmals erhöhen würde. Insofern könne eine Überschreitung des Anlagegrenzwertes von 6 V/m nicht ausgeschlossen werden. Für eine abschliessende Aussage wäre ein neues Standortdatenblatt erforderlich. Da die berechnete elektrische Feldstärke 80% des Anlagegrenzwertes deutlich übersteige, sei jedenfalls die Forderung der Beschwerdeführer nach einer Abnahmemessung gerechtfertigt.