Citation: 1P.658/2000 05.12.2000 E. 1

1.- Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerde wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs legitimiert. Er bringt hierfür unterschiedliche Rügen vor. a) Der Beschwerdeführer macht vorerst geltend, die Anklagekammer habe Art. 26 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS 963. 70) willkürlich angewendet. Dass er sich dabei auf Art. 8 BV und nicht auf Art. 9 BV stützt, vermag ihm nicht zu schaden. - Nach der angerufenen Bestimmung gilt der Rechtsanwalt als Inhaber einer Vertretungsvollmacht dessen, für den er handelt (Abs. 1); die verfahrensleitende Behörde kann die Vollmacht verlangen (Abs. 2). Inwiefern diese Bestimmung willkürlich angewendet worden sein soll, ist nicht ersichtlich. Denn sie geht von der Vermutung der Vertretung aus und erlaubt den Behörden in Zweifelsfällen das Einholen einer ausdrücklichen Vollmacht. Im vorliegenden Fall war von vornherein klar, dass kein Vertretungsverhältnis vorliegt. Demnach wäre das Nachfordern einer Vollmacht nutzlos gewesen, sodass die Anklagekammer von der Anwendung von Art. 26 Abs. 2 des Anwaltsgesetzes ohne Willkür absehen konnte. b) Die Berufung auf die Bestimmungen von Art. 419 ff. des Obligationenrechts vermag dem Beschwerdeführer nicht zu helfen. Es kann offen gelassen werden, ob im Bereiche der anwaltlichen Vertretung von einer "nachwirkenden Interessenwahrung" gesprochen werden könne, wie der Beschwerdeführer geltend macht. Die zeitlichen Verhältnisse belegen klar, dass die Einreichung einer Vollmacht oder zumindest ein Inaussichtstellen möglich gewesen wäre. Dies indessen ist unterblieben. Bei dieser Sachlage ist es weder willkürlich noch im Widerspruch zum Anspruch auf rechtliches Gehör, dass die Anklagekammer auf die "Beschwerdeführung ohne Auftrag" nicht eingetreten ist. c) Schliesslich beruft sich der Beschwerdeführer auf das Verbot des überspitzten Formalismus als besondere Form der Willkür. Worin dieser überspitzte Formalismus lie- gen soll, wird in der Beschwerde nicht näher dargetan. Für die Einreichung einer Beschwerde eine (ausdrückliche) Vollmacht einzuverlangen, entspricht den Prozessordnungen und gängiger Gerichtspraxis. Es kann darin kein überspitzter Formalismus erblickt werden. d) Auch soweit sich der Beschwerdeführer direkt auf Art. 29 Abs. 2 BV berufen sollte, kann seiner Beschwerde kein Erfolg beschieden sein. Er hätte es ohne weiteres in der Hand gehabt, X.________ eine Vollmacht auszustellen, entweder anlässlich seines Besuches oder allenfalls nach der Beschwerdeeinreichung. Wenn er dies unterlassen hat, kann er sich nicht über eine Verletzung seines rechtlichen Gehörs beklagen.