Citation: 8C_123/2018 E. 4.3.4

4.3.4. Des Weiteren wurde ein CRPS I erstmals rund dreizehn Jahre nach dem Unfall von Dr. med. I.________ diagnostiziert. Dieser wies in seinem Bericht vom 4. Februar 2015 allerdings darauf hin, dass die therapierefraktären Schmerzen strukturell nicht erklärbar seien, in Bildgebungen keine signifikanten Residuen dargestellt werden könnten und eine neurophysiologische Evaluation keine Nervenläsion habe verifizieren können. Aufgrund der Anamnese und der Befunderhebung sei somit differenzialdiagnostisch am Ehesten an ein CRPS I zu denken, dessen Diagnose rein klinisch sei und sich an den Budapest-Kriterien orientiere. PD Dr. med. J.________ führte in seinem Konsilium vom 10. Juli 2015 aus, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem unfallkausal aufgetretenen CRPS ausgegangen werden könne, wobei sich anlässlich der Konsultation ein CRPS in partieller Remission gezeigt habe. Immerhin gilt es auch hier zu beachten, dass PD Dr. med. J.________ einleitend eine persistierende Schmerzsymptomatik Unterschenkel und Fuss links diagnostiziert und das CRPS I in partieller Remission sowie ein neuropathisches Schmerzsyndrom lediglich als Differenzialdiagnosen nannte, was, wie die Kreisärztin Dr. med. L.________ in ihrem Bericht vom 6. Mai 2016 festhielt, vermuten lässt, dass er selbst gewisse Zweifel an der Diagnose bzw. am Vollbild dieser Diagnose hegte. Zudem wies auch PD Dr. med. J.________ auf die im Wesentlichen unauffälligen Ergebnisse der vorangegangen neurologischen und bildgebenden Untersuchungen hin. Die Ärzte des SPZ diagnostizierten einen nozireziptiven Schmerz mit sensorischen Positivphänomenen im Narbengebiet im Sinn eines chronischen postoperativen Schmerzes. Die Diagnosekriterien für ein CRPS erachteten sie demgegenüber als nicht erfüllt, was sie im Bericht vom 18. November 2015 insbesondere mit den Ergebnissen ihrer Untersuchungen (gemäss Kriterium III) begründeten: So habe sich kein Nachweis einer Pinprickhyperalgesie und Allodynie ergeben. In der klinischen Untersuchung sei medial der distalen Unterschenkelnarbe umschrieben das Auslösen von elektrisierenden Missempfindungen bei Prüfung mit dem Pinsel, dem kalten Roller und dem Pinprick aufgefallen. Diese umschriebene Lokalisation im Narbenbereich könne nicht sicher einem CRPS zugeordnet werden. Klinisch habe sich (in der Thermographie) keine generelle Temperaturasymmetrie, keine Asymmetrie der Hautfarbe, keine Ödembildung und keine seitendifferente Schweisssekretion finden lassen. Die Range of motion sei nicht sicher zu beurteilen gewesen bei fraglicher Kraftentwicklung im Fuss, im Wesentlichen aber frei gewesen. Trotz einer motorischen Dysfunktion mit Wechsel-Innervationen habe sich keine sichere Parese im Fuss nachweisen lassen und die Inspektion habe keinen Anhalt für eine Nagel- oder Haarwachstumsstörung ergeben. Schliesslich kam auch der orthopädische Gutachter der MEDAS zum Ergebnis, dass das auswärts diagnostizierte CRPS anlässlich der gutachterlichen Untersuchung orthopädisch weder klinisch noch radiologisch habe nachgewiesen werden können. Die MEDAS-Gutachter diagnostizierten ebenfalls chronische Schmerzen im Unterschenkel/OSG links.