Citation: 5A_705/2022 E. 3

Das Bezirksgericht hat erwogen, die Beschwerdeführerin habe ihren gebührenden Unterhalt innert der zulässigen Behauptungsfrist mit maximal Fr. 4'343.30 beziffert und könne diesen mit ihrem Einkommen von Fr. 4'540.-- beim aktuellen Pensum von 80 % selbst decken; aber selbst wenn der gebührende Bedarf auf Fr. 5'700.-- festzusetzen wäre, vermöchte sie diesen angesichts des ihr zumutbaren Vollzeitpensums und des dabei erzielbaren Einkommens von Fr. 5'675.-- selbst zu erwirtschaften. Im Übrigen liege weder eine lebensprägende Ehe vor noch seien ehebedingte Nachteile ersichtlich, weshalb auch aufgrund ehelicher Solidarität kein Raum für nachehelichen Unterhalt bliebe; die Ehe sei kinderlos geblieben und die Beschwerdeführerin habe ihr Arbeitspensum von 100 % nicht wegen der (Allein-) Führung des Haushaltes, sondern aus gesundheitlichen Gründen auf 80 % reduziert (Burnout im Jahr 2012, wobei eine heutige verminderte Arbeitsfähigkeit gemäss Gutachten nicht ersichtlich sei) und der Ehemann wäre an der behaupteten Einschränkung nicht schuld bzw. ihre wirtschaftliche Stellung im Scheidungszeitpunkt wäre nicht anders, wenn sie die Ehe nicht eingegangen wäre. Das Kantonsgericht hat die Lebensprägung ebenfalls verneint und diesbezüglich festgehalten, nicht an seinen früheren Rückweisungsentscheid gebunden zu sein, weil das Bundesgericht in der Zwischenzeit seine Rechtsprechung zur Lebensprägung geändert habe. Danach begründe das mindestens 10-jährige Zusammenleben keine Vermutung mehr für eine Lebensprägung. Es gehe in der neuen Rechtsprechung nicht um scheidungsbedingte, sondern um den Ausgleich ehebedingter Nachteile und solche seien vorliegend nicht ersichtlich. Es seien keine Dispositionen aufgrund einer gemeinsamen Lebensplanung, namentlich im Kontext mit der Übernahme von Kinderbetreuungspflichten getroffen worden, welche den weiteren Aufbau der Karriere behindert bzw. eine Verlangsamung der beruflichen Entwicklung zur Folge gehabt hätten. Die Beschwerdeführerin habe bis September 2010 in einem Vollzeitpensum weitergearbeitet und dieses ab Oktober 2010 auf 80 % reduziert. Dies habe sie - abgesehen von ihrer Arbeitsunfähigkeit von Februar bis Dezember 2012 zufolge einer akuten Belastungsstörung - bis heute so fortgeführt. Die von ihr behaupteten ehebedingten Nachteile (keine Möglichkeit zur Weiterbildung sowie Doppelbelastung mit Arbeit und Haushalt) seien nicht bewiesen und auch nicht ersichtlich; für die behauptete Arbeitseinschränkung von 20 % könne nicht der Ehemann verantwortlich gemacht werden und es sei nicht erwiesen, dass sie ehelos ihre Freizeit weniger aufwändig gestaltet oder sich weniger Erholung gegönnt hätte. Darüber hinaus stehe fest, dass sie zu 100 % arbeitsfähig sei. Mangels einer Lebensprägung könnte ihr mithin höchstens im Umfang des verlorenen Verdienstes und längstens bis zur möglichen Wiederaufnahme des früheren Erwerbs nachehelicher Unterhalt zustehen; dass sie ohne Ehe eine andere wirtschaftliche Stellung innehätte, behaupte die Beschwerdeführerin aber selbst nicht. In einer ausführlichen subsidiären Alternativbegründung hat das Kantonsgericht sodann festgehalten, dass selbst bei Annahme einer lebensprägenden Ehe kein nachehelicher Unterhalt geschuldet wäre, weil die Beschwerdeführerin mit einem ihr zumutbaren Pensum von 100 % den gebührenden Unterhalt weitestgehend selbst bestreiten könne und die je rund 50-jährigen Parteien nach Vornahme der güterrechtlichen Auseinandersetzung in vermögensrechtlicher Hinsicht in etwa gleichgestellt seien.