Citation: 6B_121/2019 E. 3.5

3.5. Entgegen der Verteidigung ist tatsächlich von einer "true mental disorder" im Sinne der Winterwerp-Kriterien auszugehen. Mit der Vorinstanz ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer an einer schweren psychischen Störung leidet, wobei unbehandelt von einer hohen Rückfallgefahr im Sinne der Anlassdelikte auszugehen ist. Angesichts des bisherigen Vollzugs- und Massnahmenverlaufs erscheint die Anordnung der stationären therapeutischen Massnahme als die richtige Entscheidung. So hat die entsprechende Einweisung in die JVA Solothurn bereits eine günstige Veränderung und Selbstreflexion bewirkt. Es sind keine triftigen Gründe ersichtlich, weshalb die Vorinstanz vom gutachterlichen Befund hätte abweichen sollen. Auch hinsichtlich organisch bedingter Störungen ist eine resignative Haltung nicht angezeigt (vgl. Urteil 6B_1163/2018 vom 14. Dezember 2018 E. 2.4.5). Soweit diese nicht unmittelbar medizinisch behandelt werden können, erscheinen Verhaltenstherapien dennoch erfolgversprechend im Einüben eines situationsadäquaten Umgangs mit der organischen Beeinträchtigung (Coping), wie gerade die Fortschritte in der JVA Solothurn belegen. Mit dem Restvollzug der Freiheitsstrafe und einer Entlassung ohne nachhaltige Behandlung wäre eine Rückkehr in das kriminogene Umfeld unabweislich zu erwarten. Damit ist auch dem noch jungen Beschwerdeführer nicht gedient. Gerade noch jungen Delinquenten soll nach Möglichkeit eine heute noch offenstehende Förderung ihrer Persönlichkeitsentwicklung eröffnet werden. Dass die Anordnung von Massnahmen von den Betroffenen als Eingriffe in ihre verfassungsrechtlich verbürgten Freiheitsrechte wahrgenommen werden, auch wenn sie in ihrem objektiven Interesse liegen, verkennt das Bundesgericht nicht (vgl. Urteil 6B_564/2018 vom 2. August 2018 E. 2.5.2). Schwere Persönlichkeitsstörungen lassen sich nach einer kriminellen Karriere nicht kurzfristig mindern. Es erschiene hochgradig verantwortungslos, den Beschwerdeführer im heutigen Zustand unbehandelt "auf die Strasse zu stellen". In der Beschwerde wird nicht dargelegt, wie er derzeit in Freiheit sein Leben selbständig sollte bewältigen können. Es fehlt offensichtlich an einem strukturierten Empfangsraum. Die Entscheidung ist trotz Verbüssung der schuldadäquaten Strafe als verhältnismässig und damit als rechtmässig zu beurteilen. Die Massnahme ist gesetzlich vorgesehen, liegt im öffentlichen Interesse, erweist sich als erforderlich und ist dem Beschwerdeführer zumutbar. Art. 59 Abs. 4 StGB trägt zum einen dem Verhältnismässigkeitsprinzip bereits Rechnung (BGE 142 IV 105 E. 5.4 S. 111 f.), und zum andern folgt aus dem Zweck dieser Massnahme, nämlich der Verhinderung von weiteren Straftaten zum Schutz der Allgemeinheit, dass sie im Gegensatz zu einer Strafe unabhängig vom Verschulden des Betroffenen angeordnet wird und zeitlich nicht absolut limitiert ist. Ihre Dauer hängt letztlich von den Auswirkungen der Massnahme auf die Gefahr weiterer Straftaten ab, wobei die Freiheit dem Betroffenen nur so lange entzogen werden darf, als die von ihm ausgehende Gefahr dies zu rechtfertigen vermag (BGE 142 IV 105 E. 5.4 S. 112; Urteil 6B_409/2017 vom 17. Mai 2017 E. 1.4.4).