Citation: 6B_500/2023 E. 2.5

2.5. Was die Beschwerdeführerin gegen die vorinstanzliche rechtliche Würdigung vorbringt, verfängt nicht. Der Schuldspruch der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG blieb unangefochten. Die Vorinstanz qualifiziert das Überholmanöver des Beschwerdegegners zu Recht als waghalsig. Gemäss dem für das Bundesgericht verbindlich festgestellten Sachverhalt der Vorinstanz (vgl. Art. 105 Abs. 1 BGG) überholte der Beschwerdegegner im Feierabendverkehr (bei normalem Verkehrsaufkommen) ein vor ihm abbremsendes Fahrzeug kurz vor einer Rechtskurve. Die Rechtskurve war unübersichtlich, inmitten zwei Böschungen sowie mit schwarz-weissen Tafeln als eng bzw. gefährlich gekennzeichnet. Zudem befuhr der Beschwerdegegner diese bereits mehrmals und war er ortskundig. Die Wetterverhältnisse waren gut und die Strasse trocken. Überdies befand sich der Beschwerdegegner im Zeitpunkt des Überholmanövers in einem fahrunfähigen Zustand. Die Vorinstanz berücksichtigt in ihrer Beurteilung den Umstand, dass weder der Beschwerdegegner noch die anderen Verkehrsteilnehmer aufgrund der Gegebenheiten ausweichen konnten. Sie bezieht auch mit ein, dass der Beschwerdegegner beim Einleiten des Überholmanövers kein entgegenkommendes Fahrzeug gesehen habe, da er die Gegenfahrbahn wegen der Kurve nicht (genug weit) habe überblicken können. Darin liegt kein Widerspruch zur von der Vorinstanz festgestellten nicht überblickbaren Strecke. Gegenstand der vorliegenden Beurteilung bilden die Straftatbestände der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Dabei stellt die (Streif-) Kollision mit dem entgegenkommenden Fahrzeug nicht den tatbestandsmässigen Erfolg dar. Unerheblich sind in diesem Kontext aus demselben Grund die weiteren Vorbringen im Zusammenhang mit der Begründung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG. Erstellt ist (vgl. Art. 105 Abs. 1 StGB), dass der Beschwerdegegner wahrnahm, dass das vor ihm fahrende Fahrzeug seine Geschwindigkeit reduzierte, nicht aber weshalb. Die Vorinstanz rechnet dem Beschwerdegegner an, er habe davon ausgehen müssen, es gebe dafür einen Grund. Als Grund erachtet sie nicht einzig sich auf der Fahrbahn befindende Fussgänger, sondern hält sie auch einen Gegenstand auf der Fahrbahn oder, dass die vor ihm fahrende Person die Kurve nicht habe einschätzen können, für möglich. Darüber hinaus erwägt die Vorinstanz, dass es vor einer Kurve verschiedene Gründe gebe, die Fahrt zu verlangsamen. Es ist zwingend von einer Gefahr auszugehen, wenn nicht ersichtlich ist, weshalb das vor einem fahrende Fahrzeug abbremst. Indem die Beschwerdeführerin einwendet, der Beschwerdegegner habe zwingend von einer Gefahr auf der Fahrbahn ausgehen müssen, ohne darzutun weshalb, kann ihr nicht gefolgt werden (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG). Wenn der Beschwerdegegner nicht wusste, was der Grund für das von ihm rechtzeitig wahrgenommene Abbremsen des vor ihm fahrenden Fahrzeugs war, entschied er sich bewusst für dieses Nichtwissen. Wer sich aber bewusst für Nichtwissen entscheidet, der kann sich nicht darauf berufen, er habe die Tatbestandsverwirklichung nicht im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB für möglich gehalten (BGE 135 IV 12 E. 2.3.1; Urteil 6B_899/2021 vom 26. Januar 2023 E. 3.6.1; je mit Hinweisen). Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verkehrsunfalles war durch dieses waghalsige Überholmanöver aufgrund der konkreten Umstände hoch. Der Beschwerdegegner musste dies spätestens in dem Zeitpunkt erkannt haben, in dem er wahrnahm, dass das vor ihm fahrende Fahrzeug abbremste und er zum waghalsigen Überholmanöver ansetzte. Das Wissen des Beschwerdegegners um die mögliche Verwirklichung eines solchen Risikos ist gerade auch vor dem Hintergrund seiner Ortskenntnisse und des ihm bekannten Strassenverlaufs zu bejahen. Hingegen kann auf keinen Willen geschlossen werden. Mit dem waghalsigen Überholmanöver trotz erkannter erheblicher Gefahr beging der Beschwerdegegner zwar eine vermeidbare, gravierende Sorgfaltspflichtverletzung, was als gewichtiges Indiz für die Inkaufnahme zu werten ist. Indes geht die Beschwerdeführerin mit der Vorinstanz davon aus, der Beschwerdegegner habe die (sich auf der Fahrbahn befindenden) Fussgänger zu Beginn des Überholmanövers (noch) nicht erblicken können. Aufgrund der konkreten Umstände musste er weder damit noch mit einem entsprechenden Kausalverlauf rechnen. Der Beschwerdegegner liess es nicht offensichtlich "drauf ankommen". Aus dem gesamten Geschehen lässt sich nicht ableiten, dass der Beschwerdegegner sich gegen das geschützte Rechtsgut entschieden hat (vgl. oben E. 2.3.5). Die Vorinstanz schliesst angesichts der von ihr festgestellten Umstände zu Recht auf Fahrlässigkeit und verletzt mit den Schuldsprüchen der fahrlässigen Tötung sowie der fahrlässigen Körperverletzung kein Bundesrecht.