Citation: 9C_131/2022 E. 4.1.1

4.1.1. Eine gymnasiale Ausbildung erschliesst grundsätzlich das ganze Spektrum an akademischen Berufen (Urteile 9C_457/2008 vom 3. Februar 2009 E. 3.2 und I 529/01 vom 19. März 2002 E. 2b; BUCHER, a.a.O., Rz. 624). Mit Blick auf die Frage, ob die Bildungsmassnahme grundsätzlich geeignet erscheint, das Eingliederungsziel zu erreichen, weist die Vorinstanz darauf hin, der Beschwerdeführer mache selber geltend, wegen der Einschränkungen bzw. des speziellen Profils (Fixierung auf gewisse Interessensgebiete, Notwendigkeit einer vertrauten Umgebung) keinen geeigneten Ausbildungsplatz für eine Berufslehre gefunden zu haben. Erweise sich schon dies als schwierig, bleibe erst recht unerfindlich, weshalb sich die Stellensuche nach einem allfälligen Hochschulstudium einfacher gestalten sollte. Hinsichtlich des Ziels, ein Erwerbseinkommen zu ermöglichen, das mindestens einen beachtlichen Teil der Unterhaltskosten deckt (vgl. E. 2.3), sei eine akademische Ausbildung nicht erfolgversprechend. Dabei weist die Vorinstanz auf den im Rahmen der jüngsten Revision des IVG geäusserten Willen des Gesetzgebers hin, die erstmalige berufliche Ausbildung solle sich an der Eingliederung in den regulären ("ersten") Arbeitsmarkt (d.h. in der freien Wirtschaft) orientieren (Botschaft vom 15. Februar 2017 zur Änderung des IVG [Weiterentwicklung der IV], BBl 2017 2577 Ziff. 1.2.2.4; vgl. Art. 16 Abs. 2 IVG in der seit Januar 2022 geltenden Fassung). Sie erwägt, die jugendpsychiatrischen Sachverständigen schätzten lediglich eine Berufsintegration im sog. zweiten Arbeitsmarkt (geschützte Arbeitsplätze) als realistisch ein. Die neuropsychologische Gutachterin habe dem Versicherten zwar grundsätzlich das Potential für einen Maturitätsabschluss an einem Privatgymnasium und für ein (hinreichend begleitetes) Hochschulstudium attestiert, wobei sie von einem Leistungsgrad von 50 Prozent ausgegangen sei. Sie habe sich aber nicht vertieft zur Frage geäussert, ob er reelle Chancen auf eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt hätte. Diesbezüglich habe die konsultierte RAD-Fachärztin in ihrer Stellungnahme vom 19. Mai 2021 überzeugend dargelegt, dass mit einer höheren beruflichen Qualifikation auch die Anforderungen an Mitarbeitende anstiegen. Dadurch werde die Lücke zu gleich ausgebildeten Mitarbeitenden ohne vergleichbare Einschränkungen verhältnismässig grösser, womit die Anstellungschancen des Beschwerdeführers schwänden.