Citation: 8C_258/2023 E. 4.4.1

4.4.1. Dr. med. G.________ gelangt in seiner neurologischen Aktenbeurteilung vom 4. August 2021 zum Ergebnis, die Symptomatik und die zugehörigen klinischen Untersuchungsbefunde seien unbedingt zu berücksichtigen, wenn man die bereits am 7. Januar 2017 im MRT der BWS auf Höhe HWK C6/7 eben noch mit angeschnittene hyperintense Myelonläsion prüfe. Diese sei nach übereinstimmender Auffassung der Ärzte des Spitals D.________ und des Prof. Dr. med. E.________ in Konfiguration und Grösse im Verlauf unverändert geblieben. Eine posttraumatische Genese sei von ihnen primär nicht an der Bildgebung selbst festgemacht worden, sondern am Ausschluss anderer Möglichkeiten sowie dem Unfallkontext. Dabei habe die kleine Läsion ätiologisch als solche nicht eindeutig differenziert werden können. Zusammenfassend ergebe sich, dass die zervikale Myelonläsion kein klinisches Korrelat habe und sie also weder die subjektive Beschwerdesymptomatik erkläre noch zu objektivierbaren Symptomen führe. Mit diesen Darlegungen äusserst sich Dr. med. G.________ nicht explizit zu dem von Prof. Dr. med. E.________ in den Raum gestellten diagnostischen Beriff "Spinal cord injury without radiological abnormalitiy (SWICORA) ", der ins Deutsche übersetzt eine "Rückenmarksverletzung ohne Nachweis einer radiologischen Anomalie" bedeutet (vgl. https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/verletzungen-und-vergiftung/spinale-verletzungen/spinal-cord-injury-in-children; abgefragt am 15. September 2023). Die Ursache der neurogenen Beschwerdesymptomatik bleibt daher weiterhin unklar, auch wenn die Ausführungen des Dr. med. G.________ nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen sind. Dasselbe gilt aber auch für die Darlegungen des Prof. Dr. med. E.________. Sein Vorgehen, alle differentialdiagnostisch in Betracht zu ziehenden Pathologien mit ähnlicher oder nahezu identischer Symptomatik zu prüfen, entspricht den Regeln der ärztlichen Kunst. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie habe nicht nach unfallfremden Ursachen zu forschen, trifft schon aus diesem Grunde den entscheidenden Punkt nicht. Dem ist hinzuzufügen, dass das Bundesgericht gemäss der von der Beschwerdeführerin zitierten E. 5.3 des Urteils 8C_59/2020 vom 14. April 2020 zwar erwogen hat, bei der Interpretation der MRI-Diagnostik zur Beurteilung der Kausalitätsfrage handle es sich lediglich um ein Beurteilungskriterium unter vielen anderen. Daneben seien die Vorgeschichte, der Unfallhergang, der Primärbefund und der Verlauf zu berücksichtigen und in einem Gesamtbild medizinisch zu bewerten. Indessen ist das Bundesgericht zum Schluss gelangt, aus den ärztlichen Unterlagen ergebe sich, dass mehr Indizien vorlägen, die für eine krankheitsbedingte Genese der Verletzung sprächen, als solche, die einen traumatischen Ursprung der Läsion nahelegten. Mithin ergibt sich auch aus besagtem Urteil 8C_59/2020, dass zur Beurteilung der Unfallkausalität indirekte Indizien genügen können. Dies hat gleichermassen bzw. umso mehr auch für die neuroradiologische Beurteilung der zur Diskussion stehenden "Spinal cord injury without radiological abnormalitiy (SWICORA) " zu gelten.