Citation: 5A_682/2022 E. 5.3.3

5.3.3. Der Beschwerdeführer behauptet weder, das Privatgutachten sei in umfassender Aktenkenntnis erstattet worden, noch bestreitet er, dass es sich in Bezug auf die Vorgeschichte einseitig auf seine Angaben abstützt. Dass er den Privatgutachter "grob" informiert haben will, lässt die vorinstanzliche Würdigung, wonach das Gutachten ohne umfassende Aktenkenntnisse erstellt worden sei und die Schlüssigkeit des behördlichen Gutachtens nicht erschüttern könne, nicht als willkürlich (Art. 9 BV) erscheinen. Wie die Vorinstanz hierzu in ihrer Vernehmlassung treffend ausführt, ersetzt eine grobe mündliche Information über die Vorgeschichte seitens der zu begutachtenden Person das Studium der Vorakten durch die begutachtende Person nicht. Die geltend gemachte grobe Information durch den Beschwerdeführer und die (umfassendere) Exploration ersetzen diese fehlende Aktenkenntnis mit anderen Worten nicht. Die in der Replik aufgestellte Behauptung, eine Aktenkenntnis sei gar nicht zwingend erforderlich, ist überdies neu: Die Beschwerdebegründung hat in der Beschwerdeschrift selbst zu erfolgen, das Replikrecht dient nicht zur Ergänzung der Beschwerdeschrift (vgl. BGE 135 I 19 E. 2.2; 132 I 42 E. 3.3.4). Ohnehin trifft der Einwand nicht zu: Für den Beweiswert von medizinischen Gutachten ist entscheidend, ob sie für die streitigen Belange umfassend sind und auf allseitigen Untersuchungen beruhen. Weiter müssen sie die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sein, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und es müssen die Schlussfolgerungen des Experten begründet sein (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Dass und weshalb der Privatgutachter auch in umfassender Aktenkenntnis zum gleichen Schluss gelangt wäre, behauptet der Beschwerdeführer überdies nicht. Was die behauptete Gehörsverletzung anbelangt, so ist lediglich auszuführen, dass die Vorinstanz bewusst und explizit offen gelassen hat, ob beim Beschwerdeführer eine Persönlichkeitsstörung im Sinne einer psychischen Störung gemäss Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB vorliegt und stattdessen auf einen "ähnlichen in der Person liegenden Schwächezustand" (Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB) abgestellt hat. Damit hatte sie keinen Anlass, auf das Resultat des strukturierten klinischen Interviews für DSM-IV Teil II (SKID-II) einzugehen; die Ausführungen des Beschwerdeführers zielen insofern am Kern der Sache vorbei. Zu Recht weist die Vorinstanz ausserdem darauf hin, dass ein Testresultat ohne Einbettung in den Kontext nicht aussagekräftig ist. Eine Konfrontation des behördlichen Gutachters mit den Ergebnissen des Privatgutachtens wurde seitens des Beschwerdeführers im kantonalen Verfahren nicht beantragt, weshalb auf diese Rüge bereits mangels materieller Ausschöpfung des Instanzenzugs (BGE 143 III 290 E. 1.1 mit Hinweisen) nicht eingetreten werden kann. Dem Beschwerdeführer wurde ausserdem die Gelegenheit gegeben, zum behördlichen Gutachten Ergänzungsfragen zu stellen. Weshalb er in diesem Rahmen den behördlichen Gutachter nicht mit dem Privatgutachten konfrontiert hat, erklärt er in seiner Beschwerdeschrift nicht. In seiner Replik führt der Beschwerdeführer dazu aus, er habe beantragt, das Gutachten aus den Akten zu entfernen und ein neues Gutachten in Auftrag zu geben. Entsprechend hätten sich Ergänzungsfragen erübrigt, solche Eventualanträge hätten seine Position geschwächt. Genau so, wie die Vorinstanz aufgrund der behaupteten Mangelhaftigkeit des Privatgutachtens kein Anlass für eine Konfrontation sah, habe auch für den Beschwerdeführer keine Veranlassung zur Stellung von Ergänzungsfragen bestanden. Offensichtlich werde jedoch mit ungleich langen Ellen gemessen, womit die Vorinstanz in Willkür verfalle. Davon abgesehen, dass es sich hier wieder um unzulässige Ergänzungen der Beschwerdeschrift handelt, erklärt dies nicht, weshalb gänzlich auf das Stellen von Ergänzungsfragen verzichtet wurde.