Citation: 5A_939/2022 E. 4.2

4.2. Mit Bezug auf die hiervor behandelten Auskunftsbegehren, aber auch und vor allem im Zusammenhang mit dem Antrag auf Herausgabe sämtlicher Konto- und/oder Depotauszüge aller Konten des Beschwerdegegners mit allen Detailpositionen, inkl. Vollständigkeitserklärung des jeweiligen Bankinstituts, sowie alle Kreditkartenabrechnungen mit Detailnachweis, für den Zeitraum vom 27. November 2010 bis 19. Dezember 2019, macht die Beschwerdeführerin geltend, ohne die einverlangten Informationen könne sie die Richtigkeit der in den Steuererklärungen enthaltenen Angaben nicht überprüfen. Das Obergericht warf ihr diesbezüglich vor, im erstinstanzlichen Verfahren keine Indizien vorgebracht zu haben und zwar weder für ihre Behauptung, der Beschwerdeführer habe die Steuererklärungen nicht korrekt ausgefüllt, noch für einen Hinzurechnungstatbestand nach Art. 208 ZGB. Erst im Berufungsverfahren habe die Beschwerdeführerin geltend gemacht, der Beschwerdegegner habe gemäss Steuererklärung 2018 über ein Aktienpaket der C.________ AG mit einem Wert von Fr. 280'418.-- verfügt, wobei er nicht offenlege, was damit geschehen sei. Es sei auch nicht nachvollziehbar, wie er sein jährliches Einkommen von Fr. 140'012.-- habe ausgeben können. Unter Hinweis auf Art. 317 Abs. 1 ZPO wertete das Obergericht diese Behauptungen als verspätet. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin genügt es nicht, ein abstraktes Interesse an der Überprüfung der Richtigkeit von in einer Steuererklärung gemachten Angaben geltend zu machen oder sich in allgemeiner Weise auf Art. 208 ZGB zu berufen. Der Ansatz, den die Beschwerdeführerin verfolgt, liefe auf ein verpöntes Ausforschen der Vermögensverhältnisse des anderen Ehegatten hinaus (vgl. E. 3.3). Vielmehr hat der um Auskunft ersuchende Ehegatte die Anspruchsvoraussetzungen zumindest ansatzweise glaubhaft zu machen. Insofern durfte das Obergericht von der Beschwerdeführerin Ausführungen erwarten, die einen begründeten Verdacht auf ein unvollständiges oder gar falsches Ausfüllen der Steuererklärungen oder aber eine Vermögensentäusserung zu begründen vermöchten. Diesem Begründungserfordernis ist die Beschwerdeführerin - unwidersprochen - nur mit Bezug auf eine behauptete Vermögensentäusserung aber erst im Berufungsverfahren und damit verspätet nachgekommen. Damit hat es bei der Feststellung, die Beschwerdeführerin habe keine konkreten Anhaltspunkte vorgebracht, dass und weshalb im vorliegenden Fall ein Bedürfnis für die Überprüfung der in den Steuererklärungen enthaltenen Angaben bzw. eine Hinzurechnung nach Art. 208 ZGB überhaupt in Frage kommen könnte, sein Bewenden.