Citation: 2A.484/1999 25.02.2000 E. 4

4.- a) Im vorliegenden Fall ist zwar nicht zu übersehen, dass der Sohn der Beschwerdeführerin nunmehr verhältnismässig kurze Zeit vor Erreichen des 18. Altersjahres nachgezogen werden soll. Auch scheint für den Entscheid der zuständigen jugoslawischen Sozialbehörde über die Übertragung der Obhut - vom Vater an die Mutter - unter anderem eine Rolle gespielt zu haben, dem Sohn der Beschwerdeführerin eine Ausbildung in der Schweiz zu ermöglichen. Aufgrund der vorliegenden Akten lässt sich aber nicht ausschliessen, dass das Kind seine vorrangige familiäre Beziehung zur Beschwerdeführerin unterhält, ihr diese jedenfalls mit der Zeit zufiel. Sie scheint sich von Anfang an darum bemüht zu haben, ihr Kind zu sich in die Schweiz zu nehmen, was aber vorerst am Widerstand des Vaters gescheitert ist. Während dieser, gemäss der Darstellung der Beschwerdeführerin, für das Kind nicht gesorgt haben soll, will sie selber sich weit über das hinaus, was aufgrund des ihr zustehenden Besuchsrechts und angesichts der Distanz zwischen der Schweiz und Jugoslawien zu erwarten gewesen wäre, um ihren Sohn gekümmert haben. Sie habe sich nicht nur finanziell, sondern auch in persönlicher und affektiver Hinsicht um ihn gesorgt. Wichtig ist sodann, dass das Kind nicht bei seinem Vater lebte, sondern bei seinen Grosseltern väterlicherseits; auch wenn dieser Umstand für sich allein nicht bereits zwingend eine vorrangige Beziehung zur Mutter belegt (vgl. E. 2b), steht jedenfalls nicht die Auflösung einer unmittelbaren Lebensgemeinschaft mit dem Vater, sondern der Umzug von den Grosseltern väterlicherseits zur Mutter in Frage. Unklar bleibt allerdings, aus welchen Gründen der Sohn nicht mehr bei den Eltern seines Vaters bleiben wollte. Die vorliegenden Akten lassen keine abschliessende Beurteilung darüber zu, zu wem der Sohn der Beschwerdeführerin die vorrangige Beziehung unterhält. Die besondere Ausgangslage rechtfertigt eine vertiefte und, soweit als möglich, umfassende Abklärung der tatsächlichen Umstände. Die Vorinstanz hat jedoch nicht alle entsprechenden Möglichkeiten ausgeschöpft. Das Verwaltungsgericht hätte es namentlich nicht ablehnen dürfen, den Sohn der Beschwerdeführerin zu befragen. Dieser sollte genau zu denjenigen Gründen, die zum Umzug von den Grosseltern zur Mutter führten, Aufschluss geben können. b) Im Übrigen vermittelt Art. 12 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (UNO-Kinderrechtekonvention; SR 0.107) dem Sohn der Beschwerdeführerin grundsätzlich das Recht, sich im vorliegenden ausländerrechtlichen Verfahren frei zu äussern und angehört zu werden (vgl. BGE 124 II 361 E. 3c S. 368). Nachdem er sich bereits in der Schweiz aufhält, stehen einer Anhörung keine unüberwindbaren Hindernisse entgegen. Wohl hat das Bundesgericht in BGE 124 II 361 E. 3c S. 368 ausgeführt, auf eine zusätzliche mündliche Anhörung könne verzichtet werden, wenn sich das Kind bereits schriftlich geäussert hat und davon ausgegangen werden darf, der Antragsteller im fremdenpolizeilichen Verfahren vertrete auch die Interessen bzw. den Standpunkt des Kindes. Der letztere Umstand ist zwar auch im vorliegenden Fall gegeben. Im Unterschied zu BGE 124 II 361 sind für die Entscheidfindung aber gerade solche Tatsachen wesentlich, die nicht rechtsgenüglich bekannt sind, über die jedoch vermutlich der Sohn der Beschwerdeführerin - und wohl nur er - ergänzend Aufschluss erteilen kann. c) Ohne weitere Abklärungen lässt sich demnach nicht entscheiden, ob die Verweigerung des Familiennachzugs Bundesrecht verletzt oder nicht. Es rechtfertigt sich nicht, dass das Bundesgericht diese Abklärungen selbst vornimmt; vielmehr ist die Angelegenheit an das Verwaltungsgericht zurückzuweisen zu ergänzender Abklärung des Sachverhalts, namentlich zur Anhörung des Sohnes der Beschwerdeführerin, und zu neuem Entscheid in der Sache (vgl. Art. 114 Abs. 2 OG); der Ausgang des Verfahrens hängt dabei vom Ergebnis der Sachverhaltsergänzung ab.