Citation: I 77/00 15.05.2000 E. 3

3.- a) Nach der Rechtsprechung (RKUV 1988 Nr. U 34 S. 34, Erw. 2a mit Hinweisen) hat eine Nachfristansetzung im Falle von offensichtlichem Rechtsmissbrauch zu unter- bleiben. Auf einen solchen Missbrauch läuft es hinaus, wenn ein Anwalt eine bewusst mangelhafte Rechtsschrift ein- reicht, um sich damit eine Nachfrist für die Begründung zu erwirken. Satz 1 von Art. 85 Abs. 2 lit. b AHVG würde wir- kungslos, wenn sich jeder Beschwerdeführer dadurch, dass er die Beschwerde ohne Begründung einreicht, über die Nach- frist von Satz 2 eine zusätzliche Begründungsfrist erwirken könnte. Insbesondere derjenige Beschwerdeführer kann nicht die Nachfrist beanspruchen, welcher die Erfordernisse von Art. 85 Abs. 2 lit. b Satz 1 AHVG bewusst nicht erfüllt in der Absicht, sich auf Satz 2 berufen zu können. b) Die Vorinstanz erwog, dass dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die Begründungspflicht bekannt gewesen sei und er trotzdem eine Rechtsschrift eingereicht habe, der jegliche materielle Begründung fehle. Zwischen der Man- datserteilung und dem Fristablauf lägen sieben Arbeitstage. Aufgrund des der anzufechtenden Verfügungen beigelegten Be- gründungsblattes wäre es ohne weiteres möglich gewesen, in- nert dieser Zeit eine summarische Begründung abzugeben. Dass bei diesen Umständen eine ungenügende Beschwerde- schrift eingereicht wurde, qualifiziert das kantonale Ge- richt sinngemäss als offensichtlich rechtsmissbräuchlich. c) Die kantonale Verfahrensbestimmung bezüglich der Nachbesserungsmöglichkeit deckt sich inhaltlich mit jener des Art. 85 Abs. 2 lit. b AHVG. Es ist daher nichts dagegen einzuwenden, wenn die Vorinstanz die bundesgerichtliche Rechtsprechung sinngemäss darauf anwendet. Deshalb ist nicht zu beanstanden, dass die nachträgliche Begründung ei- nes Rechtsmittels im Falle eines offensichtlichen Rechts- missbrauchs ausgeschlossen ist. Darunter fällt auch der be- schwerdeführende Rechtsvertreter, der zwar nicht Rechtsan- walt ist, indessen - wie ein solcher - berufsmässig Recht- suchende in Sozialversicherungsangelegenheiten vor Verwal- tung und Gerichten vertritt, eine juristische Ausbildung hat und über spezielles Fachwissen verfügt.