Citation: 6B_93/2022 E. 2.3.4

2.3.4. Das vorinstanzliche Abweichen vom Gutachten, ohne dafür triftige Gründe anzugeben (Art. 56 Abs. 3 StGB; BGE 146 IV 1 E. 3.1; 141 IV 369 E. 6.1; Urteile 6B_1143/2021 vom 11. März 2022 E. 3.2.5; 6B_1067/2020 vom 5. Mai 2021 E. 1.2), und die Sachfragen betreffend die Schwere der Störung, die Erforderlichkeit und die Verhältnismässigkeit einer stationären Massnahme offenzulassen mit der Begründung, dass die Sache "noch nicht eingehend geklärt wurde" (oben E. 2.2), ist nicht haltbar. Diese Unhaltbarkeit ergibt sich unbesehen der Tatsache, dass der funktionale Begriff der psychischen Störung auf die Rückfallprävention auszurichten ist und deshalb die forensisch-psychiatrische Begutachtung nicht abstrakt auf die Codierung des ICD-10 abgestellt werden kann (BGE 146 IV 1 E. 3.5.5; Urteile 6B_229/2020 vom 29. April 2020 E. 1.4; 6B_1143/2021 vom 11. März 2022 E. 3.2.3) und das Gericht vielmehr im Ergebnis eine eigenständige Beurteilung des Sachverständigenbeweises vornehmen und gestützt darauf einen eigenverantwortlichen Entscheid treffen muss (Urteile 6B_817/2021 vom 30. März 2022 E. 2.2.1; 6B_1143/2021 vom 11. März 2022 E. 3.5; 6B_1076/2021 vom 28. Oktober 2021 E. 2.3.5).