Citation: 8C_462/2022 E. 4.2.2

4.2.2. Das Bundesgericht stellte in SVR 2022 UV Nr. 37 S. 146, 8C_593/2021 E. 5.2.1 nicht in Frage, dass Achillessehnenrupturen im Allgemeinen häufig bei aufgrund degenerativer Veränderungen geschwächten Sehnen auftreten. Es betonte aber ebenso, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers bei Vorliegen einer Listenverletzung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG nicht bereits mit dem Nachweis von vorbestehenden degenerativen Veränderungen geleistet ist, zumal bei Eintritt einer der Listenverletzungen praktisch immer krankheits- und/oder degenerative (Teil-) Ursachen im Spiel sind (BGE 146 V 51 E. 8.4; vgl. auch Urteil 8C_13/2021 vom 6. September 2021 E. 3.4). Wie im zitierten Urteil SVR 2022 UV Nr. 37 S. 146, 8C_593/2021 ist auch hier nicht erstellt, dass die Achillessehne der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Ereignisses vom 4. November 2020 bereits krankheitsbedingte oder degenerative Veränderungen aufwies. Bildgebend liegt einzig ein Befund hinsichtlich einer am Unfalltag erstellten Magnetresonanztomographie (MRT) vor. Diese wies (nebst der kompletten transversalen Ruptur der proximalen Achillessehne) nur diskrete/leichtgradige intramuskuläre ödematöse Veränderungen des Muskulus soleus am muskulotendinösen Übergang auf. Dass während der Operation degenerative Veränderungen erkennbar gewesen wären, ergibt sich ferner aus dem Operationsbericht vom 6. November 2022 nicht. Der Operateur Dr. med. D.________ verneinte in seinem Bericht vom 27. Januar 2021 vielmehr ausdrücklich, dass sich intraoperativ Zeichen für eine bestehende Degeneration gezeigt hätten. Die ödematösen Veränderungen qualifizierte er als Einblutungen in den Muskel, während Dr. med. C.________ hierfür degenerative Veränderungen verantwortlich zeichnete. Dr. med. B.________ wiederum stimmte dem behandelnden Arzt in seiner Stellungnahme vom 14. August 2021 insofern zu, als die ödematösen Veränderungen des Gewebes im muskulotendinösen Übergang auf dortige Blutungen durch Gefässverletzungen in der Muskulatur sowie der peritendinösen Gleitschicht zurückzuführen seien. Es seien aber in der MRT vom 4. November 2021 hyperintense Veränderungen der Binnensubstanz im Anteil distal der Rissstelle erkennbar. Als Erklärung hierfür kämen "fast nur das schon prätraumatische Vorhandensein von Degenerationen in Frage...".