Citation: 6S.543/2000 22.09.2000 E. 1

1.- Im vorliegenden Verfahren geht es nur um die Frage, ob die Vorinstanz ein psychiatrisches Gutachten über den Beschwerdeführer hätte anordnen müssen. Dieser bejaht die Frage, weil die Vorinstanz nach den Umständen des Falles hätte ernsthafte Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit haben sollen. Indem sie auf die Einholung eines Gutachtens verzichtete, habe sie Art. 13 StGB verletzt. Soweit er sich nicht mit rechtlichen Fragen und den entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz befasst, sondern den Sachverhalt aus seiner Sicht schildert, ist darauf nicht einzutreten (Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP). a) Die Vorinstanz führt aus, den Akten liessen sich keine Anhaltspunkte für das Vorliegen von Schuldausschliessungsgründen entnehmen. Auch die geltend gemachten ungünstigen Umstände im Heimatland des Beschwerdeführers ergäben keinen Hinweis auf eine mögliche Einschränkung der Zurechnungsfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat. Die Vorinstanz verkenne nicht, dass die Kriegssituation für die Bürger und Bürgerinnen des ehemaligen Jugoslawien eine Belastung darstelle. Das Verhalten des Beschwerdeführers, der die ihm nur flüchtig bekannte Beschwerdegegnerin, die ihm bloss ihre Fahrdienste angeboten habe, mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe, stehe mit der Belastung durch die Kriegssituation aber in keinem Zusammenhang und sei dadurch in keiner Weise zu entschuldigen. Es bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Tat nicht die volle Einsicht in sein Handeln besessen hätte. Er habe zudem selber ausgesagt, dass er sich bis auf sein vermindertes Hörvermögen und gelegentliche Rückenschmerzen gesund fühle, sich als kontaktfreudigen Menschen bezeichne und dass in seiner Familie niemand psychisch belastet sei. Die von ihm zu den Akten gegebene "Zusammenfassung des psychologischen Berichtes" eines Psychologen sei erst im August 1999 und somit über ein Jahr nach der Straftat abgefasst worden und beziehe sich überdies auf eine psychische Belastung, die der Beschwerdeführer selber auf seine soziale Situation zurückführe (Arbeitsunfähigkeit wegen körperlicher Probleme, existentielle Notlage durch den Krieg im Kosovo). Auf die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens könne unter den gegebenen Umständen verzichtet werden (angefochtener Entscheid S. 10). b) Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass es psychische Erkrankungen gebe, die durch aussergewöhnlich belastende Lebensereignisse hervorgerufen werden. Diese Störungen seien in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) im Kapitel psychische und Verhaltensstörungen, Unterabschnitt F 43, Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, behandelt. Sie unterschieden sich von den übrigen psychischen Störungen nicht nur aufgrund der Symptomatologie und des Verlaufs, sondern auch durch die Angabe von ein oder zwei ursächlichen Faktoren. Darunter sei ein aussergewöhnlich belastendes Lebensereignis zu verstehen, das eine akute Belastungsreaktion hervorrufe, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt habe und eine Anpassungsstörung hervorrufe. Im Gegensatz zu anderen entstünden diese Störungen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung oder des kontinuierlichen Traumas. Die Anzeichen seien unterschiedlich und umfassten depressive Stimmungen, Angst und Sorge. Ausserdem könne ein Gefühl bestehen, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen, diese nicht vorausplanen oder fortsetzen zu können. Zudem seien Störungen des Sozialverhaltens möglich. Oft führe der totale Anpassungszustand zu fremdaggressiven Handlungen, die sich der Kontrolle des Betroffenen entzögen. Die Vergewaltigung trage denn auch "den Charakter einer Verzweiflungstat, die unter Umständen als Ventil für die unsägliche Belastung genutzt wurde". Die Tat sei für ihn unüblich und entspreche überhaupt nicht seinem Vorleben (Beschwerde S. 7/8).