Citation: 1P.748/2000 08.03.2001 E. 4

4.- a) In Bezug auf die Umzonung des unüberbauten, rund 2'000 m2 grossen Teils der Parzelle Nr. 1694 von der Äusseren in die Innere Dorfzone und der Beschränkung der Überbaubarkeit durch eine Baugestaltungslinie und eine Höhenkote wirft die Beschwerdeführerin dem Verwaltungsgericht eine Verletzung der Begründungspflicht vor. Es habe die Festlegungen geschützt, weil die Gemeinde bei der diesen zu Grunde liegenden raumplanerischen Interessenabwägung das ihr zustehende Ermessen nicht überschritten habe. Darum gehe es aber nicht. Ob diese Eigentumsbeschränkungen zulässig seien, hänge nicht davon ab, ob sie "gravierend" seien oder nicht. Vielmehr müsse jede noch so harmlose Eigentumsbeschränkung auf einer gesetzlichen Grundlage beruhen, im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein. Ob diese Voraussetzungen erfüllt seien, habe nichts mit Ermessen zu tun. Das Verwaltungsgericht habe daher seine Begründungspflicht verletzt, indem es sich im angefochtenen Entscheid zu diesen drei Voraussetzungen nicht geäussert habe. In der Sache seien die zonenfremden Eigentumsbeschränkungen verfehlt. Die Argumentation des Verwaltungsgerichts, die Parzelle stelle den Übergang zwischen der Inneren und der Äusseren Dorfzone dar, was eine Höhenbeschränkung rechtfertige, um eine Abstufung der Gebäudehöhen gegen den Dorfrand zu erreichen, sei verfehlt. In der anstossenden Sportzone seien Indoorhallen zulässig, welche im Minimum ebenso hoch seien wie die Gebäude in der Inneren Dorfzone. Die bessere Aussicht auf die offene Landschaft von der Via Maistra aus, welche nach Ansicht des Verwaltungsgerichts durch die Baubeschränkungen geschützt werden solle, vermöge den massiven Eingriff in ihre Baufreiheit nicht zu rechtfertigen. Kein anderes Grundstück der Inneren Dorfzone sei mit derartigen Baubeschränkungen belegt; man verlange von ihr ein Sonderopfer, was mit Art. 8 BV nicht vereinbar sei. b) Unbestritten ist, dass die Zonenplanung und die damit verbundenen Eigentumsbeschränkungen auf einer gesetzlichen Grundlage beruhen und im öffentlichen Interesse liegen: dazu brauchte das Verwaltungsgericht daher keine besonderen Ausführungen zu machen. Dagegen macht die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend, die dem Parzellenteil auferlegten Baubeschränkungen seien weder geeignet noch erforderlich, um die raumplanerischen Zielsetzungen zu erreichen, und ihre privaten Interessen an einer uneingeschränkten Ausnützung der in der Inneren Dorfzone geltenden Grundmasse würden die entgegenstehenden öffentlichen Interessen überwiegen. Damit bestreitet sie die Verhältnismässigkeit der Eigentumsbeschränkung (Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des allgemeinen Verwaltungsrechts, 3.A. Zürich 1998, N. 1691 ff.). Mit dieser Frage hat sich das Verwaltungsgericht im angefochtenen Entscheid (S. 10 ff.) ausreichend auseinandergesetzt, die Gehörsverweigerungsrüge ist offensichtlich unbegründet. Ob seine Beurteilung vor der Verfassung standhält, ist im Folgenden zu prüfen. c) Die Beschwerdeführerin wendet sich nicht gegen die Einzonung des fraglichen Parzellenteils in die Innere Dorfzone, sondern ausschliesslich dagegen, dass die Bauhöhe auf 12,5 m beschränkt ist und eine Baulinie sie verpflichtet, die Nordfront des Gebäudes in rund 20 m Abstand zur Via Maistra in die Flucht des Kulmhotels zu stellen. Das Verwaltungsgericht hält es für planerisch sachgerecht, diesen den Übergang zwischen dem dicht überbauten Siedlungskern und dem Kulmpark bildenden Parzellenteil weniger hoch überbauen zu lassen als den Rest der Inneren Dorfzone, da dies einen abgestuften Siedlungsrand und damit einen harmonischen Übergang zur offenen Landschaft des Kulmparks ergebe. Dies werde vom Publikum auf der Via Maistra als ausgesprochen wohltuend empfunden, nicht zuletzt wegen der Aussicht auf die offene Landschaft und die Bergwelt. Die Beschwerdeführerin tut weder in einer den gesetzlichen Anforderungen genügenden Weise dar, inwiefern die Schaffung eines gestuften, harmonischen Übergangs zwischen dem dichten Siedlungskern und dem Kulmpark keine sachgerechte raumplanerische Zielsetzung sein soll, noch dass diese durch die Beschränkung der Gebäudehöhe auf 12,5 m und die Verpflichtung, in der Flucht des Kulmhotels weiterzubauen, nicht in einer zweckmässigen, auch ihre Privatinteressen möglichst schonenden Weise, erreicht wird. Es liegt auf der Hand, dass die Schaffung eines harmonischen Siedlungsrands und eine weitgehende Rücksichtnahme auf die Aussicht der Passanten in einem Kurort wie St. Moritz einen besonders hohen Stellenwert haben; daran müsste im Übrigen objektiv auch die Beschwerdeführerin, die hier ein Hotel betreibt, interessiert sein. Ihr Einwand, in der angrenzenden Sportzone - d.h. ihrer Parzelle Nr. 1684 - seien hohe Sporthallen zulässig, sodass die Schaffung eines gestuften Abschlusses des Siedlungskerns auf der Parzelle Nr. 1694 sinnlos sei, vermag diese Ausführungen des nach seinem Augenschein mit den örtlichen Verhältnissen vertrauten Verwaltungsgerichts nicht zu entkräften. Nach Art. 85 Abs. 2 des neuen Baugesetzes sind bei der Erstellung von Bauten und Anlagen in der Sportzone die Zonenvorschriften der angrenzenden Zonen angemessen zu berücksichtigen. Es verhält sich somit keineswegs so, dass an dieser ortsplanerisch heiklen Stelle (über-)grosse Sporthallen ohne Einbindung in die Siedlungsstruktur zulässig sind, ganz abgesehen davon, dass diese Sportzone noch nicht genehmigt und damit nicht in Kraft ist.