Citation: U 14/05 29.05.2006 E. 3

Streitig und zu prüfen ist, ob in der Zeit ab 1. Februar 2001 weiterhin behandlungsbedürftige und die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende Beschwerden bestanden haben, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 3. März 1995 standen. 3.1 Beim Unfall vom 3. März 1995 hat die Beschwerdeführerin kein eigentliches Schleudertrauma (Peitschenhiebverletzung, Whiplash-injury), aber eine schleudertraumaähnliche Verletzung der HWS erlitten (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3, SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67; Urteil T. vom 29. März 2006, U 197/04, Erw. 2.1). Im Gutachten des Dr. med. C.________ vom 24. Juni 1996 wird von einer HWS-Distorsion mit Abknickmechanismus und Anschlagen des Kopfes an der Kopfstütze gesprochen. Ein Anprall an der Kopfstütze ist laut dem vom beteiligten Haftpflichtversicherer in Auftrag gegebenen unfallanalytischen Gutachten vom 26. September 1997 jedoch nicht vorstellbar; als möglich erachtet wird, dass die Verunfallte mit dem Kopf an der Türflächen-Oberkante oder einem anderen Teil im Fahrzeuginnenraum aufgeschlagen ist. Die Beschwerdeführerin hat indessen wiederholt angegeben, sich nicht daran erinnern zu können, mit dem Kopf irgendwo angeschlagen zu haben. Anlässlich der Hospitalisation in der Klinik R.________ erwähnte sie erneut einen Aufprall an der Kopfstütze. Gegenüber Dr. med. D.________ schliesslich gab sie an, den Kopf an der linken Scheibe angeschlagen zu haben. Angesichts dieser widersprüchlichen Angaben kann nicht als überwiegend wahrscheinlich betrachtet werden, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall einen Kopfanprall erlitten hat. Zur Vornahme ergänzender Abklärungen insbesondere in Form der beantragten biomechanischen Begutachtung besteht kein Anlass, weil hievon kaum wesentliche neue Erkenntnisse zu erwarten wären (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 Erw. 4b). Biomechanische Gutachten stellen zudem keine hinreichende und notwendige Grundlage für die Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs dar (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 359 mit Hinweisen). Es lässt sich daher nicht beanstanden, dass der Unfallversicherer im Anschluss an die unfallanalytische Beurteilung von der Einholung eines solchen Gutachtens abgesehen hat. Im Hinblick auf den nicht nachgewiesenen Kopfanprall erweist sich die von Dr. med. D.________ erhobene Diagnose einer milden traumatischen Hirnverletzung als fraglich. Nach allgemein anerkannter Lehrmeinung setzt die Diagnose einer milden traumatischen Hirnverletzung (mild traumatic brain injury [MTBI]) entweder eine Episode von Bewusstlosigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmittelbar vor oder nach dem Unfall oder eine Bewusstseinstrübung (z.B. Benommenheitsgefühl, Desorientierung) im Zeitpunkt der Verletzung voraus (Adrian M. Siegel, Neurologisches Beschwerdebild nach Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule, in: Siegel/Fischer [Hrsg.], Die neurologische Begutachtung, Zürich 2004, S. 166 Tabelle 9, mit bibliographischen Hinweisen). Im vorliegenden Fall konnten keine organischen Befunde für eine Hirnläsion gefunden werden, namentlich auch nicht von Dr. med. C.________, welcher im neurologischen Gutachten vom 24. Juni 1996 eine leichte traumatische Hirnschädigung als wahrscheinlich bezeichnet hatte. Beim Unfall ist es weder zu einer Bewusstlosigkeit noch zu einer Amnesie gekommen. Selbst für eine Bewusstseinstrübung im Anschluss an den Unfall fehlen Anhaltspunkte in den medizinischen Akten. Schwindel sind erst später aufgetreten. Schliesslich konnten lediglich minimale bis höchstens leichte neuropsychologische Defizite festgestellt werden, welche zudem durch Schmerzexazerbationen und Stimmungsschwankungen beeinflusst sein dürften (Berichte des Dr. phil. G.________ vom 22. Mai 2002 und der Klinik R.________ vom 23. Mai 2003). Eine milde traumatische Hirnverletzung kann bei dieser Sachlage nicht mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit als ausgewiesen betrachtet werden. 3.2 Den Angaben gegenüber den MEDAS-Gutachtern zufolge litt die Beschwerdeführerin in der fraglichen Zeit weiterhin an Schmerzen wechselnder Intensität in den Schultern, im Nacken und im Kopf mit gelegentlichen Ausstrahlungen in beide Arme rechtsbetont sowie an Parästhesien in den Fingern. Ferner gab sie an, selten an Schwindel zu leiden und wiederholt einen Kollaps erlitten zu haben. Hinsichtlich der kognitiven Einschränkungen sei der Zustand unverändert. Das Gedächtnis sei schlecht, die Konzentrationsfähigkeit jedoch nicht sehr beeinträchtigt, häufig bestehe schon morgens eine Müdigkeit. Wie bereits anlässlich der Untersuchungen im Spital Z.________ vom 29. Juni 1995 und 24. April 1998 konnten bei der MEDAS-Abklärung keine neurologischen Ausfälle festgestellt werden. Im Vordergrund standen schmerzhafte Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur beidseits mit Einschränkung der HWS-Beweglichkeit. Klinische Auffälligkeiten liessen sich nicht objektivieren. Psychiatrischerseits konnte keine Störung mit Krankheitswert diagnostiziert werden. Es wurde indessen darauf hingewiesen, dass die Versicherte nach dem Unfall längere Zeit depressiv verstimmt gewesen sei und eine gewisse Neigung zu ängstlich-depressiven Verstimmungen verblieben sein könnte. Differentialdiagnostisch sei an eine somatoforme oder dissoziative Störung zu denken, welche jedoch nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit diagnostiziert werden könne. Bei der Nachbegutachtung im Sommer 2002 wurden im Wesentlichen unveränderte Befunde erhoben und an der Beurteilung festgehalten, wonach weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende unfallkausale Gesundheitsstörungen bestehen. Die MEDAS-Gutachten erfüllen die für den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten geltenden Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) und vermögen in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. Sie stehen überdies im Einklang mit den weiteren Arztberichten. So hatte bereits Dr. med. T.________ im Gutachten des IMB vom 24. November 1997 das Vorliegen eines psychischen Gesundheitsschadens mit Krankheitswert verneint und eine psychosomatische Symptomatik (im Sinne einer Fibromyalgie) in Betracht gezogen. Zudem wurde wiederholt und schon kurz nach dem Unfall auf eine funktionelle Überlagerung sowohl der Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen als auch der Sensibilitätsstörungen geschlossen (Bericht des Spitals Z.________ vom 30. Juni 1995, Gutachten Dr. med. C.________ vom 24. Juni 1996 und Gutachten des IMB vom 24. November 1997). Im Bericht der Medizinischen Klinik des Spitals Z.________ vom 6. Mai 1998 wird ausgeführt, ein objektivierbares Zervikalsyndrom liege nicht vor; aktuell fänden sich ausschliesslich Weichteilveränderungen mit Schmerzgeneralisierung im Sinne eines Fibromyalgie-Syndroms. Zu ähnlichen Feststellungen gelangten die Gutachter des IMB und der behandelnde Arzt Dr. med. S.________ im Bericht vom 28. Januar 2003. Aufgrund der mit den übrigen Arztberichten im Wesentlichen übereinstimmenden Beurteilung des medizinischen Sachverhalts durch die MEDAS-Ärzte ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass in der Zeit ab 1. Februar 2001 keine leistungsbegründenen somatischen oder psychischen Unfallfolgen mehr bestanden haben. Soweit noch gesundheitliche Störungen vorhanden waren, welche zumindest im Sinne einer Teilkausalität auf den Unfall zurückzuführen sind, führten sie laut Gutachten zu keiner relevanten Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit. Zu weiteren Abklärungen in Form des mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragten Obergutachtens besteht auch aufgrund des eingereichten Privatgutachtens kein Anlass. Nach dem Gesagten geht Dr. med. D.________ bezüglich des Unfallhergangs von einem Sachverhalt (Kopfanprall, milde traumatische Hirnverletzung) aus, welcher in den Akten keine hinreichende Stütze findet. Es kann ihm daher auch insoweit nicht gefolgt werden, als er unter Annahme von Interaktionen zwischen einer milden traumatischen Hirnverletzung und dem Zervikalsyndrom darauf schliesst, dass das gesamte Beschwerdebild überwiegend wahrscheinlich unfallbedingt sei. Dass die festgestellten geringen neuropsychologischen Störungen die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen, wird auch von Dr. med. D.________ nicht angenommen. Er nennt auch keine objektiven Befunde, welche das Andauern des Zervikalsyndroms (und die Erfolglosigkeit der bisherigen längerfristigen Behandlung) zu erklären vermöchten. Mit der Feststellung des Gutachters, wonach die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden dem typischen Beschwerdebild nach HWS-Distorsionen entsprächen und das gesamte Beschwerdebild mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen sei, weil keinerlei Anhaltspunkte für unfallfremde Ursachen vorlägen, bleibt unbeachtet, dass auch bei Schleudertraumen und schleudertraumaähnlichen Verletzungen eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur besteht, solange die geklagten Beschwerden medizinisch fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen zugeschrieben werden können (BGE 119 V 340 Erw. 2b). Daran fehlt es im vorliegenden Fall.