Citation: 2C_352/2022 E. 6.1

6.1. Die Umstände des Vorfalls vom 19. März 2020 sind nicht eindeutig erstellt. Unbestritten scheint, dass der Ehemann die Beschwerdeführerin insbesondere festgehalten und mehrfach geohrfeigt hat und sie dabei mehrere Hämatome am Bein erlitt. Zudem kehrte der Ehemann trotz gegenteiliger polizeilicher Anordnung kurz darauf zur ehelichen Wohnung zurück und entsorgte bzw. beschädigte erneut Eigentum der Beschwerdeführerin (vgl. vorstehende E. 5.1 und 5.2). Der Vorfall vom 19. März 2020 war damit nicht bloss eine harmlose Handgreiflichkeit, sondern Ausdruck häuslicher Gewalt. Der Beschwerdeführerin ist darin zuzustimmen, dass jede Form häuslicher Gewalt ernst zu nehmen und zu verurteilen ist, doch vermag eine solche nicht immer auch einen Härtefall im Sinne der Rechtsprechung zu begründen. Vorliegend kann im Verhalten des Ehemanns noch keine schwerwiegende Aggression im Sinne der Rechtsprechung erblickt werden (vgl. Urteile 2C_394/2017 vom 28. September 2017 E. 4.4; 2C_423/ 2020 vom 26. August 2020 E. 2.3.4; vorstehende E. 4.2), die ein Aufrechterhalten der Ehe objektiv unzumutbar gemacht hätte - auch wenn es nachvollziehbar erscheint, dass es in der Folge zur Trennung der Eheleute kam. Anhaltspunkte dafür, dass der Vorfall Teil einer systematischen oder konstanten Misshandlung im Sinne der Rechtsprechung gewesen wäre, fehlen. Vielmehr ist es, wie auch am 19. März 2020, verschiedentlich zu gegenseitigen Tätlichkeiten gekommen (vgl. Urteile 2C_822/2018 vom 23. August 2019 E. 3.2.3; 2C_802/2020 vom 12. März 2021 E. 3.6). Die im Rahmen des Eheschutzverfahrens erhobenen Vorwürfe der Gewalttätigkeit des Ehemanns hat die Beschwerdeführerin in dieser Form weder im Eheschutzverfahren noch vor der Vorinstanz belegen können. Das Bundesgericht ist an die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellungen und Beweiswürdigung gebunden, zumal die Beschwerdeführerin nicht geltend macht, diese seien offensichtlich unrichtig (vgl. vorstehende E. 2.2; Urteil 2C_739/2021 vom 27. Januar 2022 E. 5.5). Im Ergebnis durfte die Vorinstanz im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung somit davon ausgehen, dass die Schwelle zur Annahme ehelicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AIG in Bezug auf den Vorfall vom 19. März 2020 nicht erreicht sei.