Citation: 5A_36/2022 E. 2.2

2.2. Die Wiedereröffnung eines mangels Aktiven geschlossenen Konkurses ist vom Konkursgericht dann zuzulassen, wenn nachträglich noch zur Masse gehörendes Vermögen der konkursiten Gesellschaft entdeckt wird (BGE 90 II 247 E. 2; 87 III 72 E. 3; 53 III 187, S. 193; Urteil 5A_306/2014 vom 17. Oktober 2014 E. 3.1, mit Hinweisen). Das Verfahren des Nachkonkurses gemäss Art. 269 SchKG kommt auf die Wiedereröffnung nicht zur Anwendung (BGE 110 II 396 E. 2; 90 II 247 E. 2; 87 III 72 E. 3; Urteil 4A_467/2018 vom 9. Mai 2019 E. 5.2). Mangels gesetzlicher Regelung der Wiedereröffnung des Konkurses wird in der Lehre punktuell auf die Voraussetzungen zum Nachkonkurs abgestellt (vgl. LORANDI, a.a.O., S. 60; SPÜHLER, Wiedereröffnung des Konkurses und Nachkonkurs, insbesondere bei Aktiengesellschaften, in: Festschrift für Jean Nicolas Druey, 2002, S. 271; WINKLER, Wiedereröffnung des Konkurses, Nachkonkurs oder Einzelzwangsvollstreckung, in: Festschrift Isaak Meier, 2015, S. 838; STOCKER, Entscheidgrundlagen für die Wahl des Verfahrens im Konkurs, 1983, S. 186 f.; KNEZEVIC, Entdeckung neuer Vermögenswerte nach Einstellung des Konkursverfahrens - Stolperfalle, ZZZ 2022 S. 50). Ob ein Aktivum neu entdeckt worden ist, kann auch bei der Wiedereröffnung des Konkurses nicht strikt bewiesen werden, weshalb an den Nachweis der Neuheit eines Aktivums keine strengen Anforderungen zu stellen sind; es ist ausreichend, wenn keine Anhaltspunkte bestehen, dass ein Aktivum schon während dem Konkursverfahren bekannt gewesen ist (LORANDI, a.a.O., S. 60; STOCKER, a.a.O., S. 187; KNEZEVIC, a.a.O., S. 50). Es gilt das Beweismass des Glaubhaftmachens (LORANDI, a.a.O., S. 60; KNEZEVIC, a.a.O., S. 50; beide mit Hinweis auf JAEGER, Schuldbetreibung und Konkurs, 1911, N. 1 zu Art. 230 SchKG). Glaubhaft gemacht ist eine Tatsache dann, wenn für deren Vorhandensein gewisse Elemente sprechen, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (BGE 140 III 610 E. 4.1; 132 III 715 E. 3.1). Handelt es sich beim fraglichen Aktivum um einen Anspruch der Konkursmasse, so gilt die Neuentdeckung als glaubhaft gemacht, wenn die wesentlichen Tatsachen des Anspruchs als bekannt gelten; die Neuentdeckung hängt damit mit der materiellen Frage zusammen, welche Tatsachen diesen Anspruch begründen (LORANDI, a.a.O., S. 60; STOCKER, a.a.O., S. 187; vgl. auch BGE 90 III 41 E. 2; 74 III 72 S. 74; FRITZSCHE/WALDER, Schuldbetreibung und Konkurs nach schweizerischem Recht, Bd. II, 1993, § 54 Rz. 11; WALDER, Der Nachkonkurs, BlSchK 1981 S. 9).