Citation: BGE 150 V 410 E. 9.5.3.6

An dieser Stelle sei abschliessend noch auf zwei weitere Aspekte verwiesen, die sich so weder im angefochtenen Urteil noch in der Beschwerde erwähnt finden, hier aber nicht unterschlagen werden sollen: 9.5.3.6.1 Der hinsichtlich des statistisch zu bestimmenden Invalideneinkommens gemäss Art. 26bis Abs. 3 IVV in der hier anwendbaren Fassung einzig verbleibende Abzugsfaktor "Teilzeitarbeit" BGE 150 V 410 S. 434 von 10 Prozent differenziert nicht danach, ob es um eine voll- oder nur eine teilerwerbstätige Person geht. In beiden Fällen soll der Einkommensvergleich bezogen auf eine Vollerwerbstätigkeit vorgenommen werden. Massgebend ist die Einschätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit. Sofern diese für eine Vollerwerbstätigkeit bei 50 Prozent oder weniger liegt, so wird der Abzug gewährt, ohne Rücksicht darauf, wie hoch sich das zeitliche Pensum gestaltet (vgl. Rz. 3418 KSIR; BSV, Erläuternder Bericht, S. 54). In seiner Kommentierung verweist KASPAR GERBER (a.a.O., N. 151 zu Art. 28a IVG) darauf, dass sich dieser pauschale Abzug in gewissen Fällen nicht auf die dafür massgebliche LSE T18 abstützen lasse und eine differenziertere Lösung mit mehr Abstufungen, getrennt nach Geschlecht angezeigt gewesen wäre. Zudem entkopple der Teilzeitabzug die noch zumutbare Teilarbeitsfähigkeit von der zeitlichen Präsenz, obwohl die Konstellationen (gesundheitlich bedingte Teilzeitarbeit und Vollzeittätigkeit mit reduzierter Leistungsfähigkeit) nicht miteinander vergleichbar seien (vgl. Urteil 9C_708/2009 vom 19. November 2009 E. 2.5.1 mit Hinweisen). 9.5.3.6.2 In grundsätzlicher Hinsicht bedeutsam scheint zudem Folgendes: Der Gesetzgeber selbst hat die hier erörterte Thematik nicht übergeordnet angegangen, sondern spezialgesetzlich, und zwar ausschliesslich im Rahmen des IVG. Dies überrascht insofern, als es um die Bemessung der Invalidität nach Massgabe von Art. 16 ATSG geht (vgl. Art. 28a Abs. 1 [Satz 1] IVG), wie sie unmittelbar nicht nur für die Invalidenversicherung gilt, sondern gleichermassen für den Bereich der sozialen Unfallversicherung sowie die Militärversicherung und - mittelbar via Art. 23 BVG - auch für denjenigen der beruflichen Vorsorge (vgl. dazu allgemein: MOSER-SZELESS, a.a.O., N. 7 ff. zu Art. 16 ATSG; FREY/LANG, in: Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020, N. 2 zu Art. 16 ATSG; mit Hinweis auf die Rechtslage vor dem ATSG: UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 10 zu Art. 16 ATSG, vgl. sodann N. 133 ff., 156 betreffend Einheitlichkeit des Invaliditätsgrades). Aus Sicht der gebotenen Einheit der Rechtsordnung, der im Rahmen einer systematischen Auslegung Bedeutung beizumessen ist (BGE 147 V 114 E. 3.3.1.4; BGE 143 II 8 E. 7.3 mit Hinweisen), wirft dies weitreichende und sehr praxisrelevante Fragen auf. Insbesondere im Bereich des Unfallversicherungsrechts werden tagtäglich bei der Invaliditätsbemessung die aus dem Recht der Invalidenversicherung bekannten Grundsätze analog angewendet (vgl. statt BGE 150 V 410 S. 435 vieler: BGE 148 V 419 E. 5.2). Wie es sich damit unter der Geltung der revidierten IVV (und fehlendem Pendant auf Stufe UVV) verhalten soll, ist offen. Im gleichen Zug stellt sich die Frage, was das für die hier streitbetroffene Auslegung von Art. 28a Abs. 1 (Satz 2) IVG zu bedeuten hat.