Citation: 6P.3/2005 24.05.2005 E. 1

1.1 Das Obergericht hält zusammenfassend fest, dass infolge der - im angefochtenen Entscheid im Einzelnen dargestellten - Renitenz des Beschwerdeführers gegenüber sämtlichen Verfügungen des kantona-len Amtes für Straf- und Massnahmenvollzug dessen fehlende Moti-vation und damit dessen Therapieunwilligkeit in Bezug auf die ange-ordnete stationäre Massnahme im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 StGB erstellt sei. Es hob daher die stationäre Massnahme auf und ordnete den Vollzug der aufgeschobenen Gefängnisstrafen an. Zudem ordnete es eine ambulante Behandlung des Beschwerdeführers während des Strafvollzugs an, nachdem der Beschwerdeführer bei seinem Aufent-halt in der Klinik Hohenegg auf die regelmässige Einnahme von Psy-chopharmaka eingestellt und ihm zudem eine ambulante psychische Weiterbetreuung ausdrücklich empfohlen worden war. 1.2 Der Beschwerdeführer macht in der staatsrechtlichen Beschwerde und in der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde übereinstimmend im Wesentlichen geltend, aus seinem Verhalten dürfe nicht auf Reni-tenz und Therapieunwilligkeit geschlossen werden. Sein Verhalten sei vielmehr dadurch begründet gewesen, dass alle vom Amt für Straf- und Massnahmenvollzug bezeichneten Anstalten Kliniken für Sucht-kranke beziehungsweise für alkoholabhängige Personen und somit "Trinkerheilanstalten" im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 StGB seien. Er gehöre indessen nicht in eine solche Anstalt. Sein allfälliges Alkoholproblem sei nicht ein primäres, sondern bloss allenfalls ein sekundäres Problem, nämlich allenfalls die Folge einer psychischen Krankheit, welche erst nach der Ausfällung des Obergerichtsurteils vom 20. Juni 2003 von verschiedenen Ärzten übereinstimmend als bipolare Störung diagnostiziert worden sei. Falls im Urteil vom 20. Juni 2003 seine Einweisung in eine "Trinkerheilanstalt" im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 StGB angeordnet worden sei, habe sich diese Anordnung als unrichtig erwiesen. Wenn hingegen gemäss dem Urteil vom 20. Juni 2003 auch seine Einweisung in eine "andere Heilanstalt" im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 StGB möglich gewesen sei, habe das Amt für Straf- und Massnahmenvollzug in seinen Verfügungen zu Unrecht bloss Sucht-kliniken und somit Trinkerheilanstalten als in Betracht kommende Kliniken bezeichnet. Im einen wie im andern Fall könne aus seinem Verhalten nicht auf Renitenz und Therapieunwilligkeit geschlossen werden, zumal es im Übrigen gerade aus seiner Krankheit erklärbar sei und ihm daher nicht zum Vorwurf gereiche. Daher hätte das Obergericht nicht den Vollzug der Freiheitsstrafe anordnen dürfen. Vielmehr hätte es im Gegenteil aufgrund der medizinisch dokumen-tierten Sachlage sowie der ärztlichen Empfehlungen darauf schliessen müssen, dass den Intentionen des Urteils vom 20. Juni 2003 durch den faktischen stationären Massnahmevollzug in der Klinik Hohenegg entsprochen worden und dieser Klinikaufenthalt daher anzuerkennen sei, und hätte es gestützt darauf über das weitere Vorgehen befinden müssen, und zwar aufgrund der neuen ärztlichen Stellungnahmen, welche einheitlich und ausschliesslich eine ambulante Behandlung empfehlen.