Citation: 1C_678/2023 E. 3.1.3

3.1.3. Entgegen dem, was der Begriff "Akteneinsicht" suggeriert, kann das aus dem früheren Art. 4 aBV und dem heutigen Art. 29 Abs. 2 BV abgeleitete Akteneinsichtsrecht somit nicht als blosses Einsichtsrecht - im Sinne einer Durchsicht der Akten vor Ort - verstanden werden. Im Zentrum steht die Kenntnisnahme der Akten (vgl. bereits BGE 108 Ia 5 E. 2b). Auf welche Art und Weise diese erfolgt, ist eine Frage der Modalitäten der Akteneinsicht (vgl. ALBERTINI, S. 248 ff.; DUBACH, S. 151 und 164 ff.; WALDMANN/OESCHGER, a.a.O., N. 68 ff. zu Art. 26 VwVG). Ziel des Akteneinsichtsrechts als Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist es wie dargelegt, den Parteien zu ermöglichen, ihren Standpunkt im Verfahren wirksam zur Geltung zu bringen. Die Modalitäten der Akteneinsicht sind unter Berücksichtigung der gesamten Umstände so auszugestalten, dass die Parteien ihre Verfahrensrechte wirksam wahrnehmen können (Urteil 2C_143/2014 vom 17. September 2014 E. 3.2 mit Hinweis). Vor diesem Hintergrund ist es stets vorzuziehen, wenn den Parteien erlaubt wird, die Akten (bzw. Kopien davon) in den eigenen vier Wänden zu studieren. So wird denn auch der bedingte Anspruch auf Herstellung von Kopien in Rechtsprechung und Lehre seit jeher in einem Atemzug mit dem Recht auf Akteneinsicht genannt (ALBERTINI, a.a.O., S. 251 f.; DUBACH, a.a.O., S. 167; vgl. auch Urteil 1P.601/2003 vom 26. November 2003 E. 2.4, wonach das Recht auf Kopien logische Folge ["corollaire"] des Akteneinsichtsrechts bildet). Zudem entspricht es einer weit verbreiteten Übung, dass Gerichte Anwältinnen und Anwälten verbeiständeter Parteien die Originalakten auf Gesuch hin - meist unter Ansetzung einer kurzen Rücksendefrist - zur Verfügung stellen (vgl. Urteil 2C_181/2019 vom 11. März 2019 E. 2.2.5; je mit Hinweisen; WALDMANN/OESCHGER, N. 86 zu Art. 26 VwVG; so bereits ALBERTINI, a.a.O., S. 249 und DUBACH, a.a.O., S. 159).