Citation: U 494/00 04.12.2001 E. 4

4.- a) Die Vorinstanz begründet die Abweisung der Beschwerde im Wesentlichen damit, dass spätestens per Ende Januar 1998 der status quo sine eingetreten sei. Damit wird auch gesagt, dass die nach diesem Zeitpunkt noch vorliegenden Gesundheitsbeeinträchtigungen in keinem natürlich kausalen Zusammenhang mehr zum Unfall vom 27. April 1992 stehen. Das kantonale Gericht stützt sich dabei auf den Bericht des IMB (Gutachten von Dr. med. W.________ vom 14. Januar 1998), welchen es als den höchstrichterlichen Kriterien für ein beweisrelevantes Gutachten (vgl. Erw. 2) entsprechend beurteilt. Es ist darauf hinzuweisen, dass es - entgegen der diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz - vorzuziehen gewesen wäre, wenn die Basler bei der Auftragserteilung an das IMB keine wertende Formulierung ("Wir vermuten, dass ...") verwendet hätte. Die Kritik von Dr. med. M.________ hieran war durchaus berechtigt, ebenso seine Einwände gegen die teilweise unglückliche Art, in der der Gutachter Aussagen anderer Ärzte mit Ausrufezeichen versehen hat. Der Vorinstanz ist aber darin zuzustimmen, dass beides, die Auftragsformulierung wie die Bearbeitung der Vorakten durch den Experten, nicht zur Annahme einer Befangenheit desselben führen. Die von der Vorinstanz vorgenommene Würdigung des Gutachtens vermag hingegen nicht zu überzeugen. Weder das IMB-Gutachten noch die Vorinstanz setzen sich mit den medizinischen Berichten und Gutachten der anderen beteiligten Ärzte, deren Einschätzungen des natürlichen Kausalzusammenhangs sich mit derjenigen von Dr. med. W.________ nicht decken, auseinander. Sowohl das IMB-Gutachten als auch der Entscheid des kantonalen Gerichtes geben zwar diese Berichte verhältnismässig breit wieder, lassen sie aber in der Beurteilung unberücksichtigt. Es verdient Beachtung, dass es sich dabei nicht nur um Berichte von Hausärzten handelt, die erfahrungsgemäss gelegentlich - bewusst oder unbewusst - auf die Interessen der Patienten Rücksicht nehmen, was das Sozialversicherungsgericht nach der Rechtsprechung in die Beweiswürdigung mit einbeziehen kann und soll (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen), sondern um Äusserungen zugezogener Spezialisten, darunter auch ein von der Beschwerdegegnerin selbst beauftragter Gutachter. Dazu kommt, dass die Dres. med. E.________ und G.________, beides Neurologen, für die Beurteilung der neuralgischen Beschwerden des Versicherten im Bereich der linken Gesichtshälfte mindestens in gleichem Mass kompetent sind wie der Gutachter Dr. med. W.________ als Chirurg. Bei dieser Ausgangslage kann es nicht angehen, dass der Gutachter des IMB sich mit abweichenden Befunden und Beurteilungen anderer Ärzte nicht auseinandersetzt. Auch die Vorinstanz hätte darlegen müssen, warum der Auffassung des Gutachters Dr. W.________ und nicht den entgegenstehenden der andern beteiligten Ärzte zu folgen sei. b) Während das Gutachten des IMB die natürliche Kausalität zwischen den Unfällen und den Beschwerden des Versicherten verneint, sagt Dr. med. S.________, die Beschwerden seien wohl "am ehesten" auf den Unfall vom 27. April 1992 zurückzuführen (Stellungnahme vom 31. Januar 1997). Auf die Anfrage der Beschwerdegegnerin, ob die noch zu behandelnden Beschwerden in einem "alleinigen Kausalzusammenhang" mit den Unfällen stünden, antwortete Dr. med. S.________, diese Frage sei schwer zu beantworten (Anfrage der Basler vom 5. September 1997 und Antwortschreiben vom 25. September 1997). Zur Fragestellung ist zu bemerken, dass für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhanges nicht erforderlich ist, dass ein Unfall die alleinige Ursache gesundheitlicher Störungen ist, vielmehr genügt eine Teilursache (BGE 121 V 329 Erw. 2a mit Hinweisen). Dr. med. E.________ von der Rehaklinik Y.________ führt die Beschwerden des Versicherten auf ein myofasziales Schmerz- und Verspannungssyndrom zurück, ohne sicher sagen zu können, ob es neben der Schulterverletzung auch zu einer Distorsionsverletzung im Bereich der HWS gekommen ist, womit er, richtig gesehen, die natürliche Kausalität zu den Unfällen so oder so bejaht. Er lässt lediglich offen, ob die Beschwerden aus der Verletzung der Schulter oder allenfalls der HWS resultieren (Bericht vom 18. September 1995). Dr. med. G.________ bezeichnet es als "möglich", dass die Neuralgie durch das Schleudertrauma provoziert worden ist. Diese Aussage ist in seinem Schreiben an Dr. med. S.________ vom 30. Dezember 1993 enthalten. Der Ausdruck "möglich" wird dabei im umgangssprachlichen Sinn verwendet, sodass sich daraus nicht erkennen lässt, ob er die Wahrscheinlichkeit als überwiegend erachtet oder nicht. Der Gutachter Dr. med. I.________ hat die seitens der Beschwerdegegnerin an ihn gerichtete Frage, ob noch natürlich kausale Folgen des Unfalles vom 27. April 1992 vorlägen, in seinem Gutachten vom 8. Juli 1994 wie folgt beantwortet: "Ja, es ist wahrscheinlich, dass ein Zusammenhang besteht." Aus den übrigen Ausführungen im Gutachten geht hervor, dass er diese Wahrscheinlichkeit als überwiegend angesehen hat. Bei derart unterschiedlichen Aussagen zur natürlichen Kausalität hätte die Vorinstanz nach der Rechtsprechung (vgl. Erw. 2) im Rahmen der Beweiswürdigung begründen müssen, warum sie der einen und nicht der anderen medizinischen These folgt. c) Nebstdem hätte die Vorinstanz das Gutachten, auf welches sich der Entscheid im Wesentlichen stützt, auf seine Schlüssigkeit untersuchen müssen. Insbesondere wäre zu prüfen gewesen, ob der Gutachter Dr. med. W.________ die natürliche Kausalität überzeugend verneinte. Die Durchsicht des Gutachtens ergibt, dass eine Begründung hiefür fehlt. Auf Seite 28 wird ausgeführt, die geklagten Sensibilitätsstörungen blieben diagnostisch ungeklärt und liessen sich topographisch-anatomisch einer Affektion des Trigeminusnervs links zuordnen. Der Gutachter erklärt, diese sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht natürlich-kausale Folge des Unfalles vom 27. April 1992. Diese Aussagen sind nicht begründet. Lediglich weiter vorne im Gutachten wird angeführt, Trigeminusbeeinträchtigungen könnten ohne fassbare Ursache von einem Tag auf den anderen auftreten und für unbestimmte Zeit anhalten. Damit ist aber nicht schlüssig dargetan, dass die Beschwerden des Versicherten mit dem Unfall nicht in einem natürlichen Kausalzusammenhang stehen, und das umso weniger, als der Gutachter selbst schreibt, es liege nicht "das Bild einer klassischen Trigeminusneuralgie vor". Das hätte ihn veranlassen müssen, der Frage nachzugehen, ob diese nicht dem klassischen Bild entsprechenden Beschwerden nicht doch mit höherer Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen sind. d) Wenig überzeugend ist das Gutachten auch insoweit, als andere beteiligte Ärzte teilweise ein Schleudertrauma der HWS diagnostizieren oder wenigstens in Erwägung ziehen. Der Gutachter weist dazu auf die (nicht feststehende, sondern diskutierte) Unwissenschaftlichkeit des Begriffes des Schleudertraumas hin und bemerkt, es käme höchstens ein energiearmer Abknickmechanismus in Frage. Allerdings ist gemäss der Aktenlage eher davon auszugehen, dass kein Kopfanschlag stattgefunden hat. Zudem spielt es nach der Rechtsprechung keine Rolle, ob ein klassisches Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung vorliegt (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb mit Hinweisen). Dies hätte die Vorinstanz berücksichtigen müssen.