Citation: U 390/05 07.03.2006 E. 2

2.1 Die "Zürich" verneint ihre Leistungspflicht mit der Begründung, die Beschwerdegegnerin habe sich die Sehnenläsion nicht unter der Einwirkung eines sinnfälligen äusseren Ereignisses zugezogen. Dies ergebe sich aus dem Hergang, wie ihn die Versicherte vor Erlass der Verfügung vom 6. Juli 2004 beschrieben habe. Die weitere, erst einspracheweise abgebene Beschreibung des Ereignisses durch die Versicherte differiere wesentlich von den vorangegangenen Angaben und überzeuge nicht. 2.2 Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens glaubhaft zu machen. Kommt die Person, die eine Leistung verlangt, dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht der Unfallversicherung. Im Streitfall obliegt es dem Gericht, zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Wird auf Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht -, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person auswirkt (BGE 116 V 140 Erw. 4b, 114 V 305 Erw. 5b, 111 V 201 Erw. 6b; RKUV 2004 Nr. U 518 S. 435 f. Erw. 4.1 [Urteil D. vom 30. März 2004, U 252/02]). Diese Grundsätze gelten auch bezüglich des Nachweises unfallähnlicher Körperschädigungen (Urteil E. vom 14. März 2005 Erw. 1, U 356/04). 2.3 Die erstmalige Schilderung des Ereignisses gab die Versicherte am 2. März 2004 gegenüber dem erstbehandelnden Arzt ab. Gemäss dessen Bericht vom 3. Mai 2004 erklärte sie, sie habe am 31. Dezember 2003 bei einer ausholenden Bewegung mit der rechten Schulter einen stichartig einschiessenden Schmerz verspürt. In der am 19. April 2004 vom Arbeitgeber eingereichten Unfallmeldung wurde angeführt, die Versicherte habe am 30. Dezember 2003 beim Spielen mit der Tochter eine "blöde" Bewegung gemacht. Im Fragebogen der "Zürich" gab die Beschwerdegegnerin dann am 27. April 2004 an, sie habe sich beim Versuch, seitwärts etwas ruckartig zu sich zu ziehen, verletzt. Nachdem die "Zürich" am 6. Juli 2004 ablehnend verfügt hatte, führte die Beschwerdegegnerin einspracheweise aus, sie habe am 30. Dezember 2003 eine verbale Auseinandersetzung mit der Tochter gehabt. Als die Tochter habe aufstehen wollen, um das Haus zu verlassen, habe die Versicherte versucht, sie mit aller Kraft zu sich zu ziehen, um sie zurückzuhalten. Daraufhin habe die Tochter versucht, sich mit einem heftigen Ruck ihres ganzen Körpers seitwärts loszureissen. Der Streit sei dann augenblicklich beendet gewesen, da die Beschwerdegegnerin einen stechenden Schmerz in der Schulter verspürt habe. 2.4 Die Sachverhaltsdarstellungen vor und nach dem Erlass der Verfügung vom 6. Juli 2004 stimmen in der Tat nicht in allen Teilen überein. Abweichungen finden sich namentlich insofern, als die Versicherte die Schulterverletzung nach ihrer anfänglichen Beschreibung beim Spiel mit der Tochter und nach der späteren Schilderung bei einem Streit mit dieser erlitt. Sodann war zunächst davon die Rede, dass die Beschwerdegegnerin "etwas" zu sich zog, während einspracheweise angeführt wurde, es habe sich dabei um die Tochter gehandelt, welche sich loszureissen versuchte. Nach der Rechtsprechung sind die spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 47 Erw. 2a mit Hinweisen; RKUV 2004 Nr. U 524 S. 548 Erw. 3.3.4 [Urteil S. vom 19. Mai 2004, U 236/03]). Entscheidende Widersprüche können aber hier mit der Vorinstanz nicht festgestellt werden, zumal die Versicherte in der Einsprache in nachvollziehbarer Weise darlegte, dass sie den Unfallhergang zunächst aus falscher Scham und in der Annahme, dass dies auch nicht relevant sei, zu ungenau beschrieben habe. Unterschiedliche Angaben finden sich im Weiteren zum Datum des Ereignisses. Gemäss den von der Versicherten selber verfassten Stellungnahmen und der von der Arbeitgeberin eingereichten Unfallmeldung fand dieses am 30. Dezember 2003 statt. Demgegenüber wird im Bericht des Dr. med. H.________ vom 3. Mai 2004 der 31. Dezember 2003 genannt. Diese Abweichung vermag indessen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen, zumal sie sich zwanglos mit einem Missverständnis bei der Anamneseaufnahme durch den Arzt erklären lässt. Zusammenfassend sind die einspracheweise vervollständigten und präzisierten Angaben der Versicherten zum Ereignis, bei welchem sie sich verletzte, als glaubhaft zu betrachten. Aufgrund des Herganges, wie er sich demnach präsentiert, liegt das für die Annahme einer unfallähnlichen Körperschädigung - nebst den anderen, unstreitig gegebenen Erfordernissen - verlangte sinnfällige äussere Ereignis vor (vgl. Zusammenstellung der Anwendungsfälle in BGE 129 V 468 f. Erw. 4.1). Dieser Beurteilung stehen, wie das kantonale Gericht einlässlich dargelegt hat, die verschiedenen Arztberichte, worunter Stellungnahmen des Vertrauensarztes des Krankenversicherers sowie des Fachsupportes Medizin der "Zürich", nicht entgegen. Die Vorinstanz hat die Leistungspflicht des Unfallversicherers somit zu Recht bejaht.