Citation: 6S.378/2004 07.02.2005 E. 3

Die Vorinstanz hat für einen allfälligen, auf die sexuellen Handlungen zurückzuführenden Erwerbsausfall die volle Haftung des Beschwerdeführers bejaht mit der Begründung, er habe ein Selbstverschulden des Beschwerdegegners nicht geltend gemacht. Wohl sei offen, ob eine allfällige Erwerbsunfähigkeit des Beschwerdegegners nicht zumindest teilweise auf einen Unfall im Militärdienst, auf den Konsum von Betäubungsmitteln oder auf die unbegründete Kündigung des Arbeitsverhältnisses zurückzuführen sei. Diese Punkte berührten aber Fragen der Kausalität, Schadensbemessung und Schadensminderungspflicht, die für den Umfang der Haftung unmassgeblich seien. Gemäss Art. 44 OR kann die Ersatzpflicht ermässigt oder aufgehoben werden, wenn Umstände, für die der Geschädigte einstehen muss, auf die Entstehung oder Verschlimmerung des Schadens eingewirkt haben. Der Geschädigte muss nicht nur für jedes Selbstverschulden, d.h. nicht nur für dasjenige, welches den Schaden mitverursacht hat, einstehen, sondern auch für das Verhalten, durch welches die Schadenshöhe negativ beeinflusst worden ist, namentlich für die Verletzung der sog. Schadensminderungspflicht (Roland Brehm, Berner Kommentar, N 46 und 50 zu Art. 44 OR). Die Auffassung der Vorinstanz ist, wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt, unzutreffend. Im Übrigen stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, über den Umfang der Haftung zu entscheiden, solange nicht feststeht, ob überhaupt eine Haftung besteht. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist in diesem Punkt begründet.