Citation: 1P.275/2003 23.09.2003 E. 4

4.1 Der Kantonsgerichtsausschuss hat auf die Aussagen der beiden Polizeibeamten abgestellt, wonach diese Ausgangs der Kurve bei der Örtlichkeit "Egga" mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h fuhren und zu Beginn des rechtsseitigen Ausstellplatzes den entgegenkommenden Personenwagen des Beschwerdeführers bemerkten. Dieser habe sich auf gleicher Höhe mit dem Lastwagen befunden. Die Distanz zum Polizeifahrzeug habe 70 Meter betragen. Da der Lenker des Polizeifahrzeugs bemerkt habe, dass es zu einer gefährlichen Situation kommen würde, habe er den Dienstwagen stark abgebremst und auf den rechtsseitigen Ausstellplatz gelenkt. Er sei ausgestiegen und habe dem Beschwerdeführer, der mittlerweile das Überholmanöver beendet habe und wieder eingebogen sei, ein Handzeichen gegeben. Hinsichtlich der Geschwindigkeit des überholten Lastwagens ging der Kantonsgerichtsausschuss aufgrund der auf dem Fahrtenschreiber-Einlegeblatt ersichtlichen Daten davon aus, dass dieser an der fraglichen Stelle mit zirka 60 bis 65 km/h talwärts gefahren sei. Der Kantonsgerichtsausschuss stellte zudem auf die Aussagen des Lastwagenchauffeurs ab, wonach er sich ungefähr auf der Höhe der dortigen rechtsseitigen Haltestelle für das Postauto in Richtung Malix befunden habe, als der Beschwerdeführer das Überholmanöver begann. Zu diesem Zeitpunkt sei das Polizeifahrzeug aus der Kurve gefahren. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschwerdeführer bestätigte der Lastwagenchauffeur, dass das Überholmanöver auf der Höhe der Postautohaltestelle noch nicht beendet war und der Beschwerdeführer erst nach derselben wieder auf der rechten Strassenseite war, nachdem er ca. 4 - 5 Meter vor dem Lastwagen wieder eingebogen sei. 4.2 Nach der Aussage des Lastwagenchauffeurs anlässlich seiner Einvernahme vom 1. September 2001 wäre es unweigerlich zur Kollision gekommen, wenn das Polizeiauto nicht ausgewichen wäre. Der Lenker des Polizeifahrzeugs vermerkte in seinem Rapport vom 10. Oktober 2001, dass es unweigerlich zu einer sehr gefährlichen Situation gekommen wäre, wenn er weiter auf der rechten Fahrbahnhälfte in Richtung Churwalden geblieben wäre, weshalb er sich entschlossen habe, den Wagen stark abzubremsen und auf den rechtsseitigen Ausstellplatz zu lenken. Der Polizeibeamte B.________ erklärte anlässlich der Konfrontationseinvernahme, er hätte, wenn er das Polizeifahrzeug gelenkt hätte, gleich reagiert wie sein Kollege; die Situation sei brenzlig gewesen. Hätte man nicht abgebremst, wäre es ganz sicher knapp geworden. Ob es zu einer Kollision gekommen wäre, oder ob der Beschwerdeführer auch noch rechtzeitig auf die rechte Fahrbahn hätte einbiegen können, wenn das Polizeifahrzeug seine Geschwindigkeit nicht reduziert hätte, könne er nicht sagen. Wie das Bundesgericht jedoch in BGE 100 IV 76 E. 3 S. 81 festgehalten hat, kommt es nicht auf das subjektive Empfinden des Führers des entgegenkommenden Fahrzeugs an. Entscheidend ist, ob der Beschwerdeführer nach der objektiven Verkehrslage beim Beginn des Überholens annehmen musste, er werde ein entgegenkommendes Fahrzeug im Sinne des Art. 35 Abs. 2 SVG behindern, und er deshalb vom Überholen hätte absehen sollen.