Citation: 5A_797/2023 E. 4.4.6

4.4.6. Dem ist nach dem zuvor Gesagten (E. 4.4.4) vorab entgegenzuhalten, dass allein die Identität der wirtschaftlichen Interessen der juristischen Person und der sie beherrschenden Person noch nicht zum (umgekehrten) Durchgriff berechtigt. Vielmehr bedarf es zusätzlich eines rechtsmissbräuchlichen Elements, einer offenbar zweckwidrigen, missbräuchlichen Verwendung der juristischen Person. Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Frage, ob die Übertragung der Aktien vom Arrestgläubiger auf seine Ehefrau eine bloss fingierte und damit unbeachtliche Eigentumsübertragung bilde, braucht an dieser Stelle nicht weiter eingegangen zu werden, denn hiervon ist im angefochtenen Entscheid mit der Beschwerdeführerin auch das Obergericht ausgegangen. Zu prüfen ist hingegen, ob dem Obergericht eine krasse Fehlbeurteilung vorgeworfen werden kann, wenn es die zweite Voraussetzung (rechtsmissbräuchliche Berufung auf die rechtliche Selbständigkeit der juristischen Person) nicht als glaubhaft gemacht erachtet hat. Dies vermag die Beschwerdeführerin aus folgenden Gründen nicht aufzuzeigen: Die Liegenschaft an der D.________strasse in Zürich befindet sich seit dem 31. Januar 2011 ununterbrochen im Alleineigentum der Dritteinsprecherin. Die öffentliche Urkunde, worin sich der Arrestschuldner verpflichtet hat, bei Vorliegen der definierten Bedingungen einen Höchstbetrag von USD 25 Mio. zu bezahlen, wurde erst acht Jahre später, am 1. Februar 2019, errichtet. Sodann hat, wie die Beschwerdeführerin selbst ausführt, die Dritteinsprecherin mit der G.________ AG einen Kaufvertrag betreffend die streitgegenständliche Liegenschaft abgeschlossen. Damit aber ist nicht erkennbar, inwiefern die Auffassung des Obergerichts willkürlich sein soll, dass sich die Dritteinsprecherin nicht in rechtsmissbräuchlicher Weise auf ihre rechtliche Selbstständigkeit berufen hat. Die Beschwerdeführerin stellt über weite Strecken bloss den Sachverhalt aus ihrer Sicht dar, ohne rechtsgenüglich aufzuzeigen, inwiefern die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz unter Verletzung verfassungsmässiger Rechte erfolgt sein soll und die Behebung der behaupteten Mängel für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann. So hat das Obergericht zum Vorbringen der Arrestgläubigerin, der Arrestschuldner habe der F.________ Bank die streitgegenständliche Liegenschaft in Zürich (unmittelbar) als Pfand angeboten, ausdrücklich festgehalten, dass auch dann nicht automatisch auf eine durchgriffsbegründende Sphärenvermischung geschlossen werden könnte, wenn man davon ausginge, dass es sich bei der angebotenen Liegenschaft tatsächlich um jene an der D.________strasse in Zürich gehandelt habe; der Arrestschuldner könne die Liegenschaft nämlich auch bloss mittelbar, das heisst via Übertragung der Dritteinsprecheraktien offeriert haben. Für die letztgenannte Annahme spricht der Umstand, dass der Grundbuchauszug einzig die Dritteinsprecherin als Eigentümerin ausweist, womit nicht ersichtlich ist, wie der Arrestschuldner nach aussen den Anschein hätte erwecken können, er selbst sei zivilrechtlicher Eigentümer des genannten Grundstücks. Richtig ist zwar, dass das Obergericht unter Hinweis auf verschiedene Geldtransaktionen festgestellt hat, der Arrestschuldner sei auch nach dem angeblichen Verkauf der Aktien weiterhin mit der Dritteinsprecherin finanziell eng verflochten geblieben. Inwiefern es das Obergericht deshalb zwingend als glaubhaft hätte erachten müssen, die Dritteinsprecherin diene dem Arrestschuldner nur dazu, die Zwangsvollstreckung durch zahlreiche Gläubiger in rechtsmissbräuchlicher Art und Weise zu vereiteln, ist jedoch nicht ersichtlich. Daran vermag auch der Hinweis der Beschwerdeführerin auf Dokumente des gegen den Arrestschuldner in U.________ eröffneten Strafuntersuchungsverfahrens nichts zu ändern, zumal dieses lediglich am Rande die Rolle des Arrestschuldners bei der Dritteinsprecherin zu betreffen scheint. Schliesslich vermag die Beschwerdeführerin den angefochtenen Entscheid auch nicht mit ihrer unbelegten Behauptung als willkürlich auszuweisen, die Dritteinsprecherin sei "mutmasslich" gegründet worden, um gesetzliche Beschränkungen beim Erwerb von Grundstücken durch Ausländer ("Lex Koller") zu umgehen.