Citation: 4A_314/2022 E. 3.3

3.3. Die Kausalhaftung von Art. 58 Abs. 1 SVG setzt voraus, dass der Schaden "durch den Betrieb eines Motorfahrzeugs" verursacht worden ist. Dieses Erfordernis ist nicht in einem verkehrstechnischen Sinne zu verstehen. Es heisst insbesondere nicht, dass ein auf öffentlicher Strasse verkehrendes Motorfahrzeug solange "in Betrieb" ist, als es sich auf einer solchen Strasse befindet. Auszugehen ist vielmehr vom maschinentechnischen Betriebsbegriff (BGE 114 II 376 E. 1b). Das besondere Erfordernis der Kausalhaftung ist deshalb nur als erfüllt anzusehen, wenn der Unfall in seiner Gesamtheit betrachtet mit der besonderen Gefahr, die durch den Gebrauch der maschinellen Einrichtungen des Motorfahrzeugs geschaffen wird, zusammenhängt (BGE 133 III 675 E. 3.4; 107 II 269 E. 1a; 97 II 161 E. 3a). Trifft dies zu, kommt es nicht darauf an, ob sich das Motorfahrzeug zum Zeitpunkt des Unfalls in Bewegung befand oder stillstand und ob seine maschinellen Einrichtungen ordnungsgemäss funktionierten oder nicht (BGE 114 II 376 E. 1b). Entscheidend ist daher die vom Gesetz als gefährlich vorausgesetzte Eigenart des Motorfahrzeugs, das latente Schädigungspotenzial, das im Fahrzeug zu erblicken ist, wenn dieses sich mit selbstständig entwickelten und umgesetzten Kräften fortbewegt (BGE 114 III 376 E. 1d).