Citation: I 212/05 17.08.2005 E. 4.2

4.2.1 Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). 4.2.2 Im kantonalen Entscheid wurde einlässlich dargelegt, weshalb - in Nachachtung der zitierten Grundsätze zur Beweiskraft ärztlicher Stellungnahmen - den gutachtlichen Ausführungen des Prof. Dr. med. R.________ nicht gefolgt werden kann. Namentlich ist daraus nicht erkennbar, auf welche der ihm von der IV-Stelle überlassenen Akten der begutachtende Arzt sich bezüglich seiner Anamnese stützt, deutet doch etwa der Umstand, dass die von der Versicherten mehrmals auch an der linken Hand beklagten Beschwerden (so die Berichte des Dr. med. I.________, Innere Medizin, speziell Rheumatologie FMH, vom 16. Februar 2000, des Dr. med. T.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Departement Innere Medizin, Fachbereich Psychosomatik, Spital G.________, vom 27. September 2001 sowie der Abklärungsbericht Haushalt vom 19. April 2002) darauf hin, dass Prof. Dr. med. R.________ entweder nicht über das betreffende Aktenmaterial verfügt oder aber diesem nur ungenügend Beachtung geschenkt hat. Ferner setzt er sich - worauf die Beschwerdegegnerin in ihrer letztinstanzlichen Vernehmlassung zu Recht hinweist - in keiner Weise mit der Beurteilung durch Dr. med. H.________ auseinander, welcher der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer leidensadaptierten Tätigkeit von lediglich 30 bis (bestenfalls) 50 % attestierte (Berichte vom 13. Oktober 2002 und 18. Februar 2003). Dies hat umso mehr zu gelten, als der RAD dessen Einschätzung nicht gänzlich verworfen, sondern als möglicherweise sogar ausgewiesen erachtet hat (vgl. die Stellungnahmen vom 13. November 2002 und 16. April 2003 sowie die - nachträglich widerrufene - Verfügung vom 12. Februar 2003). Des Weitern wurde im Gutachten weder der detaillierte Fragekatalog der Verwaltung beantwortet, noch scheinen, da der Experte von einem bis anhin ausgeübten Beruf der Versicherten als Köchin ausgeht, die Erhebungen zum Punkt "Berufliches und Soziales" sauber vorgenommen worden zu sein. Angesichts dieser Mängel ist die Expertise mit der Vorinstanz als unvollständig und damit als nicht beweistauglich im Sinne der Rechtsprechung zu bezeichnen. Da indessen stets der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen), kann auch nicht unbesehen auf die Beurteilung durch Dr. med. H.________ abgestellt werden, zumal dieser sich während des gesamten Administrativverfahrens äusserst engagiert für die Belange der Beschwerdegegnerin eingesetzt (vgl. insbesondere die Berichte vom 11. Februar 2002 und 13. Mai 2003) und auf die Verfügung der IV-Stelle vom 12. Februar 2003 hin im Auftrag der Versicherten auch Einsprache erhoben hat. Seinen Angaben dürfte es daher vermutungsweise an der nötigen Distanz und Objektivität fehlen, um ohne weiteres als massgebliche Grundlage für die Frage der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit im erwerbliche Bereich dienen zu können. Die vom kantonalen Gericht entschiedene Rückweisung in diesem Punkt ist somit grundsätzlich richtig, wobei in diesem Zusammenhang auch abzuklären sein wird, ob - wie vorinstanzlich ebenfalls zutreffend erwogen wurde - ein weiterer operativer Eingriff medizinisch indiziert und der Versicherten zumutbar ist. Entgegen der im angefochtenen Entscheid vertretenen Auffassung erübrigt es sich jedoch, die Begutachtung polydisziplinär durchzuführen, da sich die Beschwerden, soweit aus den Akten erkennbar, auf orthopädische Befunde beschränken. Mit Blick auf noch zu prüfende berufliche Massnahmen (vgl. die IV-Anmeldung vom 11. Dezember 2001, mit welcher nicht nur um Rentenleistungen, sondern auch um Berufsberatung, Umschulung sowie Arbeitsvermittlung ersucht worden war) hat das kantonale Gericht ferner zu Recht auch ergänzende EFL- bzw. BEFAS-Erhebungen in Betracht gezogen.