Citation: H 98/01 08.10.2001 E. 3

3.- a) Nach Art. 23 Abs. 1 AHVV in der bis 31. Dezember 2000 geltenden Fassung obliegt es in der Regel den Steuerbehörden, das für die Berechnung der Beiträge Selbstständigerwerbender massgebende Erwerbseinkommen aufgrund der rechtskräftigen Veranlagung für die direkte Bundessteuer und das im Betrieb investierte Eigenkapital auf Grund der entsprechenden rechtskräftigen kantonalen Veranlagung zu ermitteln. Die Angaben der Steuerbehörden hierüber sind für die Ausgleichskassen verbindlich (Art. 23 Abs. 4 AHVV). Nach der Rechtsprechung begründet jede rechtskräftige Steuerveranlagung die nur mit Tatsachen widerlegbare Vermutung, dass sie der Wirklichkeit entspreche. Da die Ausgleichskassen an die Angaben der Steuerbehörden gebunden sind und das Sozialversicherungsgericht grundsätzlich nur die Kassenverfügung auf ihre Gesetzesmässigkeit zu überprüfen hat, darf das Gericht von rechtskräftigen Steuertaxationen bloss dann abweichen, wenn diese klar ausgewiesene Irrtümer enthalten, die ohne weiteres richtig gestellt werden können, oder wenn sachliche Umstände gewürdigt werden müssen, die steuerrechtlich belanglos, sozialversicherungsrechtlich aber bedeutsam sind. Blosse Zweifel an der Richtigkeit einer Steuertaxation genügen hiezu nicht; denn die ordentliche Einkommensermittlung obliegt den Steuerbehörden, in deren Aufgabenkreis das Sozialversicherungsgericht nicht mit eigenen Veranlagungsmassnahmen einzugreifen hat. Die selbstständigerwerbenden Versicherten haben demnach ihre Rechte, auch im Hinblick auf die AHV-rechtliche Beitragspflicht, in erster Linie im Steuerjustizverfahren zu wahren (BGE 110 V 86 Erw. 4 und 370 f., 106 V 130 Erw. 1, 102 V 30 Erw. 3a; AHI 1997 S. 25 Erw. 2b mit Hinweisen). b) Im vorliegenden Fall stellt sich die Frage, ob die grundsätzliche Bindung an die Angaben der Steuerbehörden die Durchführung des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens gemäss Art. 25 Abs. 1 AHVV in der bis 31. Dezember 2000 geltenden Fassung ausschliesst. Insbesondere ist zu untersuchen, ob sachliche Umstände vorliegen, die steuerrechtlich belanglos, sozialversicherungsrechtlich aber bedeutsam sind. Der Beschwerdeführer macht geltend, ab dem 1. November 1997 habe er aus der Kollektivgesellschaft kein Erwerbseinkommen mehr erzielt, weil diese ihre Geschäftstätigkeit eingestellt habe. Seit dem genannten Zeitpunkt ist er nach seinen Angaben als Angestellter der neu gegründeten H.________ AG tätig. Aus steuerlicher Sicht ist - im Gegensatz zum Sozialversicherungsrecht - je nachdem eine Unterscheidung zwischen Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit ohne besondere Bedeutung. Die Angaben der Steuerbehörden können in dieser Hinsicht für die Belange der Sozialversicherung deshalb nur dort eine präjudizierende Wirkung entfalten, wo auch steuerlich eine entsprechende Unterscheidung vorzunehmen ist (vgl. Käser Hanspeter, Unterstellung und Beitragswesen in der obligatorischen AHV, Rz 8.29). Entgegen der Auffassung der Ausgleichskasse stellt der Übergang von einer im Wesentlichen selbstständigen zu einer im Wesentlichen unselbstständigen Tätigkeit ein Umstand dar, der sozialversicherungsrechtlich besonders zu würdigen ist. Der Hinweis auf die Bindung an die rechtskräftige Steuerveranlagung genügt also nicht, um das Begehren des Beschwerdeführers auf Durchführung des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens abzuweisen. Vielmehr ist zu untersuchen, ob die Voraussetzungen für die Durchführung des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens gegeben sind.