Citation: 6B_1054/2023 E. 1.2.1

1.2.1. Soweit der Beschwerdeführer die unterbliebene gerichtliche Befragung der Beschwerdegegnerin 2 kritisiert, kann ihm nicht gefolgt werden. Wie die Vorinstanz unter Verweis auf das Erstgericht zutreffend erwägt, wurde die Beschwerdegegnerin 2 im Vorverfahren mehrfach befragt und die Befragungen auf Video aufgezeichnet. Unter diesen Umständen konnten die kantonalen Gerichte einen genügenden unmittelbaren Eindruck von der Beschwerdegegnerin 2, ihrer Glaubwürdigkeit sowie, anhand der Art und Weise ihrer Aussagen, von deren Glaubhaftigkeit gewinnen. Überdies misst die Vorinstanz den tatnächsten Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 im Untersuchungsverfahren zu Recht den höchsten Beweiswert zu und erwägt nachvollziehbar, dass von einer gerichtlichen Befragung angesichts der seit den inkriminierten Taten vergangen Dauer von zehn und mehr Jahren kaum weitere Erkenntnisse zu erwarten wären. Sie erkennt in den aufgezeichneten Befragungen der Beschwerdegegnerin 2 auch keine relevanten Widersprüche oder Ungereimtheiten, was sie überzeugend begründet. Gleichfalls zuzustimmen ist der Vorinstanz, dass in diesem Zusammenhang Aspekte des Opferschutzes zu berücksichtigen sind, wobei sie ausführt, eine weitere Befragung sei der Beschwerdegegnerin 2 nicht zumutbar. Die Vorinstanz sieht nachvollziehbar von einer weiteren Befragung ab. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, dass es über die bisherigen, per Video aufgezeichneten Befragungen hinaus einer persönlichen gerichtlichen Einvernahme der Beschwerdegegnerin 2 bedurft hätte. Allein die Tatsache, dass Nonverbales wie Auftreten, Körpersprache, beredtes Schweigen, Aussagefluss und erkennbare Emotionen einer einvernommenen Person die intuitive Einordnung einer Aussage beeinflussen können, vermag keine Notwendigkeit der nochmaligen Beweisabnahme zu begründen (vgl. STEFAN WIPRÄCHTIGER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 22 zu Art. 343 StPO). Abgesehen davon konnten die Gerichte anhand der Videoaufzeichnungen auch einen genügenden Eindruck vom nonverbalen Aspekt der Befragung gewinnen. Der Beschwerdeführer weist denn auch selbst darauf hin, dass auf Video aufgezeichnete Einvernahmen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügen können, um sich ein hinreichendes Bild von der Glaubwürdigkeit der Auskunftsperson oder des Zeugen respektive der Glaubhaftigkeit deren Aussagen zu verschaffen. Entgegen seiner Auffassung verlangt das Bundesgericht nicht zwingend, dass weitere Sachbeweise oder Indizien vorliegen. Dies insbesondere dann, wenn die zu befragende Person konstant und in sich logisch konsistent aussagte (Urteile 6B_1273/2021 vom 14. März 2023 E. 3.3.4; 6B_1265/2019 vom 9. April 2020 E. 1.2, nicht publ. in: BGE 146 IV 153; 6B_70/2015 vom 20. April 2016 E. 1.4.2; je mit Hinweisen; vgl. auch oben E. 1.1.1; Urteil 6B_388/2021 vom 7. Juni 2023 E. 2.1.2.1). Davon geht die Vorinstanz nachvollziehbar aus (vgl. oben). Der Beschwerdeführer legt nicht dar, dass sie das ihr zustehende Ermessen verletzt hätte, indem sie auf eine erneute Befragung der Beschwerdegegnerin 2 verzichtet. Daran ändert nichts, dass das Zwangsmassnahmengericht bei summarischer Prüfung eine gerichtliche Befragung der Beschwerdegegnerin 2 für erforderlich erachtete und damit den Haftgrund der Kollusionsgefahr begründete. Gleiches gilt für die Feststellung der Vorinstanz, wonach die Schilderungen der Beschwerdegegnerin 2 detailarm, oberflächlich und stereotyp seien, was gegen ihre Glaubhaftigkeit spreche. Dabei handelt es sich um eine Frage der Beweiswürdigung, keine derartige Notwendigkeit einer neuerlichen (gerichtlichen) Befragung. Die Vorinstanz verletzt weder das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers noch handelt sie voreingenommen, indem sie auf eine Befragung der Beschwerdegegnerin 2 verzichtet. Im Übrigen steht fest, dass der Beschwerdeführer den Beweisantrag auf Befragung der Beschwerdegegnerin 2 in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht erneuert hat (erstinstanzliches Urteil S. 17 unten). Er scheint daher selbst nicht von der Notwendigkeit einer unmittelbaren Befragung durch die Gerichte ausgegangen zu sein. Wenn er nunmehr eine gerichtliche Befragung der Beschwerdegegnerin 2 verlangt, verhält er sich widersprüchlich.