Citation: 5A_474/2013 E. 4.1

4.1. Ob der Beschwerdegegnerin eine Ausdehnung ihrer Erwerbstätigkeit auf 100 % zuzumuten ist, prüft das Obergericht unter dem "doppelten Gesichtspunkt der Möglichkeit und der Zumutbarkeit" (vgl. BGE 128 III 4 E. 4a S. 5 und 137 III 118 E. 2.3 S. 120 f.; je mit Hinweisen). Dass die Beschwerdegegnerin effektiv eine Vollzeitstelle finden kann, hält das Obergericht für möglich. Was das Zumutbarkeitskriterium angeht, stützt sich das Obergericht auf Erwägung 3.3 des bundesgerichtlichen Urteils 5A_21/2012 vom 3. Mai 2012. Dieser Rechtsprechung zufolge stelle sich die Frage der Eigenversorgungskapazität bei der Bestimmung des nachehelichen Unterhalts akzentuierter als bei der Festsetzung des ehelichen Unterhalts im Rahmen vorsorglicher Massnahmen oder eines Eheschutzprozesses. Wie schnell und wie kategorisch sich der Ehegatte in den Arbeitsprozess eingliedern muss, hänge stark von den finanziellen Verhältnissen ab. Bei ausserordentlich günstigen Verhältnissen und langjähriger klassischer Rollenteilung könne eine Erwerbsarbeit unabhängig von der tatsächlichen Möglichkeit unzumutbar sein, während sie bei (bloss) guter finanzieller Situation allenfalls aufgrund der konkreten Umstände zu verneinen sei. Weiter verweist das Obergericht auf die bundesgerichtliche Erwägung, wonach auch von entscheidender Bedeutung sei, ob ein beruflicher (Wieder-) Einstieg nach jahrelangem Erwerbsunterbruch oder bloss die Ausdehnung einer bereits bestehenden Erwerbstätigkeit zur Diskussion stehe, stets aber die konkreten Verhältnisse des Einzelfalls massgebend seien. Mit Hinweis auf diese Rechtsprechung kommt das Obergericht zum Schluss, die (gegenwärtigen) Einkommensverhältnisse des Beschwerdeführers dürften nicht als bloss gut, sondern durchaus als ausserordentlich günstig bezeichnet werden. Daher erscheine es "nicht opportun", der (im Urteilszeitpunkt) 51-jährigen Beschwerdegegnerin eine Ausdehnung der gegenwärtigen Erwerbstätigkeit auf 100 % zuzumuten, nachdem sie nach der in ihrem 47. Altersjahr erfolgten Trennung eine Anstellung in einem Pensum "von immerhin 60 %" gefunden habe.