Citation: 1P.631/2000 23.11.2000 E. 2

2.- a) Die Beschwerdeführerin rügt, die verweigerte Ablösung des amtlichen Verteidigers verletze ihren Anspruch auf eine ausreichende Verteidigung (vgl. Art. 32 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK). Sinngemäss beruft sie sich auch auf ihren Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung (Art. 29 Abs. 3 BV). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ein Begehren um Wechsel des amtlichen Verteidigers nur und immer dann zu bewilligen, wenn aus objektiven Gründen eine sachgemässe Vertretung der Interessen der Angeschuldigten durch den bisherigen Anwalt nicht mehr gewährleistet ist (BGE 116 Ia 102 E. 4b/aa S. 105 mit Hinweisen). Wird von den Behörden untätig geduldet, dass der Offizialverteidiger seine anwaltlichen Berufs- und Standespflichten zum Schaden der Angeschuldigten in schwerwiegender Weise vernachlässigt, kann darin eine Verletzung der in der Verfassung und der EMRK gewährleisteten Verteidigungsrechte liegen (BGE 120 Ia 48 E. 2b/bb S. 51 mit Hinweisen insbesondere auf die Praxis der Strassburger Rechtsprechungsorgane). Pflichtverletzungen des Offizialanwalts können namentlich in krassen Frist- und Terminversäumnissen, mangelnder Sorgfalt bei der Vorbereitung von Einvernahmen und anderen Prozesshandlungen oder mangelnder Vorsorge für Stellvertretungen liegen (vgl. BGE 120 Ia 48 E. 2c und d S. 52 f.). Der amtliche Verteidiger hat bei der Ausübung seiner Aufgabe die nötige Sorgfalt anzuwenden, es steht ihm aber in Bezug auf die Art und Weise der Verteidigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Als Pflichtverletzung, welche eine Abberufung rechtfertigen würde, kann nur sachlich nicht vertretbares bzw. offensichtlich fehlerhaftes Prozessverhalten des Verteidigers in Frage kommen. Dass die Angeschuldigte ihrem Offizialanwalt lediglich aus subjektiven Motiven das Vertrauen abspricht, reicht für einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf Auswechslung des Offizialverteidigers nicht aus (BGE 116 Ia 102 E. 4b/aa S. 105; 114 Ia 101 E. 3 S. 104, je mit Hinweisen). Es darf insbesondere der gute Wille der Angeschuldigten vorausgesetzt werden, mit ihrem amtlichen Verteidiger konstruktiv zusammenzuarbeiten. Grundsätzlich bestimmt dieser die Art und Weise der Verteidigung und ist jedenfalls nicht bloss unkritisches Sprachrohr seiner Mandantin (BGE 116 Ia 102 E. 4b/bb S. 105). Der Offizialverteidiger muss die Notwendigkeit von prozessualen Vorkehrungen im Interesse der Angeschuldigten sachgerecht und kritisch abwägen. Gegenüber dem Staat hat er auch die Pflicht, seinen Aufwand auf ein vernünftiges Mass zu reduzieren (BGE 120 Ia 48 E. 2b/bb S. 51 mit Hinweisen). b) In der Beschwerde werden zwar zahlreiche Vorwürfe gegen den amtlichen Verteidiger erhoben, es fehlt aber an einer Auseinandersetzung mit dem obergerichtlichen Entscheid vom 14. Dezember 1999. Es kann offen bleiben, ob dieser überhaupt angefochten ist, obwohl dessen Aufhebung nicht ausdrücklich beantragt wird (vgl. Art. 90 Abs. 1 lit. a OG). Jedenfalls sind die Behauptungen der Beschwerdeführerin, wonach der amtliche Verteidiger die Akten nicht studiert habe und nicht bereit gewesen sei, ihren Fall mit ihr zu besprechen, unbelegt. Aus den Akten ergibt sich vielmehr, dass der Verteidiger sie immer wieder schriftlich zu Besprechungen aufforderte. Wenn er sich geweigert haben sollte, die Akten zusammen mit ihr zu studieren, entsprach dies seiner Pflicht, seinen Aufwand gering zu halten, solange die Beschwerdeführerin auch alleine Akteneinsicht nehmen konnte (vgl. hinten E. 3). Eine Angeschuldigte kann grundsätzlich ihre Verteidigungsrechte auch dann selbst wahrnehmen, wenn sie verteidigt ist (BGE 126 I 26 E. 4b/aa S. 30 mit Hinweisen). Auch die Empfehlung, den Entscheid des Amtsstatthalters anzunehmen und der Hinweis auf das Risiko, dass andernfalls die Strafe erhöht werden konnte, entsprachen der Pflicht des Anwalts als Fachmann, seine Klientin zu beraten. Als die Beschwerdeführerin seinem Rat nicht folgte, hat der amtliche Verteidiger den Willen seiner Mandantin respektiert und den Fall über zwei Instanzen weitergezogen. Dass er nicht gegen den früheren Verteidiger der Beschwerdeführerin vorging, ist im vorliegenden Verfahren, in dem es um seine Pflichten als ihr amtlicher Strafverteidiger geht, unbeachtlich.