Citation: 6B_1019/2023 E. 2.1.1

2.1.1. Mit dem publizierten Entscheid BGE 148 IV 362 hat sich das Bundesgericht erstmals vertieft mit Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO auseinandergesetzt. Dabei wurde u.a. das Verhältnis dieser Bestimmung zu Art. 88 Abs. 1 StPO analysiert und erwogen, dass Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO eine Spezialbestimmung für das Rechtsmittelverfahren darstellt, die Art. 88 Abs. 1 StPO verdrängt. Andernfalls bliebe Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO stets toter Buchstabe, da eine Vorladung grundsätzlich immer durch eine öffentliche Bekanntmachung gemäss Art. 88 Abs. 1 StPO publiziert werden kann. Das Bundesgericht folgerte, dass demnach im Berufungsverfahren keine Publikation der Vorladung erforderlich ist und nach dem klaren Wortlaut von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO sofort die Rückzugsfiktion eintritt, wenn die Partei, welche Berufung erklärt hat, nicht vorgeladen werden kann (BGE 148 IV 362 E. 1.6.2).