Citation: 5A_471/2020 E. 4.2.2

4.2.2. Nach Art. 55 Abs. 1 ZPO haben die Parteien dem Gericht die Tatsachen, auf die sie ihr Begehren stützen, darzulegen und die Beweismittel anzugeben. Welche Tatsachen zu behaupten (und gegebenenfalls zu substanziieren) sind, richtet sich nach der materiell-rechtlichen Anspruchsgrundlage, für Rechtsverhältnisse des Bundesprivatrechts nach der anwendbaren Norm des Bundesrechts. Die Parteien haben alle Tatbestandselemente der materiellrechtlichen Normen zu behaupten, die den geltend gemachten Anspruch begründen. Sie haben in ihrem Tatsachenvortrag in allgemeiner Weise sämtliche Tatsachen zu benennen, die unter die massgeblichen Normen zu subsumieren sind (BGE 127 III 365 E. 2b S. 368; 123 III 183 E 3e S. 188; Urteile 5A_658/2014 vom 6. Mai 2015 E. 6.3.1; 4A_210/2009 vom 7. April 2010 E. 3.2 und 3.3). Die Behauptungslast folgt der Beweislast (BGE 132 III 186 E. 4 S. 191). Versäumt es die beweisbelastete Partei, eine anspruchsbegründende Tatsache zu behaupten, bleibt notwendigerweise auch der Beweis aus; ein fehlendes Sachvorbringen steht dem unbewiesenen gleich (Christoph Hurni, in: Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Bd. I, 2012, N 15 zu Art. 55 ZPO, mit weiteren Hinweisen). Freilich erfährt die Behauptungslast auch Ausnahmen. Dies gilt insbesondere für offenkundige Tatsachen, also solche, die jedermann kennt oder an denen vernünftigerweise nicht gezweifelt werden kann, sowie für Umstände, die der allgemeinen sicheren Wahrnehmung zugänglich sind. Sie dürfen im Prozess als bekannt vorausgesetzt werden und brauchen weder behauptet noch bewiesen zu werden (vgl. BGE 135 III 88 E. 4.1 S. 89 f.; Hurni, a.a.O., N 30 zu Art. 55 ZPO). Dass der Streit vor den kantonalen Instanzen der Verhandlungsmaxime unterlag, ist unbestritten. Soweit die Beschwerdeführerin meint, sie habe angesichts der gegnerischen Beweisstücke nicht eigens behaupten müssen, dass die fragliche Darlehensschuld des Beschwerdegegners 2 grundpfandgesichert ist, erliegt sie jedoch einem Irrtum. Wohl mag das Kantonsgericht im Streit um die Höhe der Darlehenszinsen die erwähnte Klagebeilage konsultiert und dabei auch erfahren haben, dass zur Sicherung des besagten Darlehens ein Grundpfand errichtet worden war. Allein daraus folgt jedoch nicht, dass diese (Rechts-) Tatsache im Streit um die Verjährung der Zinsforderung im beschriebenen Sinne als offenkundig zu gelten hat und die Beschwerdeführerin in diesem Streit mit Bezug auf den von ihr verfochtenen Standpunkt davon entbunden war, die Grundpfandsicherung des Darlehens zu behaupten. Auch wenn sich dieser Umstand aus den von den gegnerischen Beweisstücken ergibt, betrifft er offensichtlich einen anderen Streitpunkt als denjenigen der Höhe der Darlehenszinsen, in deren Zusammenhang die Beschwerdegegner die fraglichen Urkunden laut der Beschwerdeführerin angerufen und beigebracht hatten.