Citation: I 420/02 24.06.2003 E. 3

3.1 Gemäss Abklärungsbericht vom 2. Februar 2000 beträgt die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haushaltbereich insgesamt 19 %, was unter Gewichtung des Umfangs der Haushalttätigkeit von 50 % eine Behinderung (Invaliditätsgrad) von 9,5 % ergibt. Die Abklärung erfolgte zu einem Zeitpunkt, als eine umfassende ärztliche Begutachtung der Versicherten zwar vorgesehen, jedoch noch nicht durchgeführt worden war. Zum Inhalt des Berichts, welcher im We-sentlichen auf den Aussagen der Ehegatten N.________ beruht, konnte sich die Beschwerdeführerin anlässlich dessen Erstellung nicht äussern (betreffend Vorlage des Abklärungsberichts an Ort und Stelle zwecks Durchsicht und Bestätigung vgl. BGE 128 V 94 Erw. 4). 3.2 In dem zuhanden der Haftpflichtversicherung erstellten Gutachten von Dr. med. R.________, Facharzt FMH für Neurologie, vom 10. Oktober 2001 kommt der Gutachter in Beantwortung der entsprechenden ausdrücklichen Frage zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit im Haushalt betrage maximal 50 %, wobei er explizit darauf hinweist, wie im erwerblichen Bereich seien auch hier körperlich belastende Tätigkeiten mit wiederkehrendem Heben von Gewichten über 5 kg oder das Arbeiten über Kopf nicht mehr möglich. Des Weitern attestiert Frau Dr. med. S.________, Psychotherapeutin, Rehaklinik Y.________, im Bericht vom 14. März 2000 ein 40 %iges Leistungsvermögen als Hausfrau und eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit als Verkäuferin. Präzisierend wird festgehalten, die Beschwerdeführerin sei vor allem bei Ausdauer, Aufmerksamkeit und Konzentration eingeschränkt, was zu erhöhter Ermüdbarkeit, Verminderung der psychischen Leistungsfähigkeit und zu einer verminderten emotionalen Belastbarkeit führe (Beiblatt zum Bericht vom 14. März 2000). Schliesslich schätzt Prof. Dr. E.________, Facharzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Rehaklinik Y.________, die Arbeitsunfähigkeit in der "Hausfrauentätigkeit" auf 50 % ein (Bericht vom 21. März 2000). 3.3 Der Umstand, dass das Ergebnis der Abklärung im Haushalt (Einschränkung von 19 %) und die - im Wesentlichen übereinstimmenden - ärztlichen Stellungnahmen zur Arbeitsunfähigkeit im häuslichen Bereich (Einschränkung von 40 % bis 50 %) erheblich divergieren, genügt für sich allein nicht, um den Abklärungsbericht als nicht massgeblich zu betrachten (vgl. Urteil S. vom 28. Februar 2003 [I 685/02] Erw. 3.2 in fine). Dies gilt umso mehr, als die pauschale (medizinisch-theoretische) Schätzung der Ärztinnen und Ärzte regelmässig nicht der von der Rechtsprechung verlangten genauen, in Anbetracht der konkreten Verhältnisse im Einzelfall vorgenommenen Prüfung der einer versicherten Person noch zumutbaren Tätigkeit entspricht. Im vorliegenden Fall gibt es jedoch Indizien, welche die Schlüssigkeit des Abklärungsberichts in Frage stellen. Erstens besteht zwischen der aus medizinischer Sicht für den häuslichen Aufgabenbereich angenommenen Einschränkung von 40 % bis 50 % und der von der Abklärungsperson angegebenen Leistungseinbusse von lediglich 19 % eine grosse Diskrepanz und nicht bloss eine geringfügige Abweichung. Zweitens vermögen einzelne Schätzungen des Haushaltabklärungsberichts nicht zu überzeugen. So sah sich die Vorinstanz aus nachvollziehbaren Gründen veranlasst, bei der Position "Wäsche- und Kleiderpflege" den Grad der Einschränkung von 22 % auf 50 % anzuheben, womit sich die Reduktion des Leistungsvermögens im Haushaltbereich von insgesamt 19 % auf 24 % erhöhte. Die vom kantonalen Gericht vorgenommene Korrektur erscheint an sich begründet; allerdings wären ähnliche Korrekturen auch in anderen Tätigkeitsbereichen denkbar. Bezüglich der Wohnungspflege etwa ist zumindest fraglich, wie weit die Bodenreinigung noch möglich ist, belastet doch eine solche Arbeit den gesundheitlich angeschlagenen Schultergürtel beträchtlich, was gemäss Bericht des Dr. med. H.________ vom 7. Juni 1999 zu vermeiden ist. 3.4 Unter diesen Umständen kann nicht ohne weiteres auf das Ergebnis der Haushaltabklärung abgestellt werden. Vielmehr erscheinen die rechtserheblichen Tatsachen als unzureichend abgeklärt. Eine ergän-zende Sachverhaltsabklärung drängt sich auch deshalb auf, weil der Abklärungsbericht erstellt wurde, bevor die Beschwerdeführerin um-fassend begutachtet worden ist (vgl. Erw. 3.1 hievor). Namentlich lag der Abklärungsperson das Gutachten des Dr. med. R.________ nicht vor, welches - im Gegensatz zu früheren ärztlichen Berichten - die körperlichen Beschwerden gegenüber den psychischen Beschwerden in den Vordergrund stellt und festhält, die Arbeitsfähigkeit sei in erster Linie durch die körperlichen Beschwerden beeinträchtigt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese medizinische Beurteilung Auswirkungen auf das Ergebnis der Haushaltabklärung zeitigen kann. Die IV-Stelle wird zu entscheiden haben, ob eine neue Haushaltabklärung durchgeführt werden soll oder aber der Haushaltabklärungs-bericht vom 2. Februar 2000 neu unter Beizug eines Arztes oder einer Ärztin daraufhin zu überprüfen ist, inwieweit er den ärztlich festgestellten Einschränkungen in den einzelnen Tätigkeitsbereichen hinreichend Rechnung trägt. Für letztere Lösung spricht, dass die Versicherte an Beschwerden leidet, die sich anscheinend bei körperlichen Belastungen verstärken; ob und inwieweit sich dies auf die Leistungsfähigkeit in den einzelnen Tätigkeitsbereichen (zum Beispiel Bodenpflege, Bügeln, Kochen, Küchenreinigung etc.) auswirkt, ist mit Vorteil im Rahmen einer ärztlichen Zumutbarkeitsprüfung zu untersuchen.