Citation: U 255/00 21.10.2003 E. 1

Streitig und zu prüfen ist, wie bereits im ersten letztinstanzlichen Verfahren (vgl. Urteil vom 17. August 1998), die Frage, ob medizinische Tatsachen bestehen, die - wenn mit mindestens überwiegender Wahrscheinlichkeit bewiesen (BGE 126 V 360 Erw. 5b mit Hinweisen) - zur Bejahung des natürlichen (und, da ausschliesslich somatische Befunde zur Diskussion stehen, diesfalls auch adäquaten; vgl. BGE 118 V 291 Erw. 3a, 117 V 365 Erw. 5d/bb mit Hinweisen) Kausalzusammenhanges als unerlässlicher Leistungsvoraussetzung nach Art. 6 Abs. 1 UVG (BGE 127 V 102 Erw. 5b/aa, 125 V 461 f. Erw. 5a) führen würden. 1.1 Diese Frage prüft das Gericht mit voller Kognition (Art. 132 OG), insbesondere ohne Bindung an den vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt (lit. b dieser Bestimmung). Die seitens der SUVA erhobenen Einwände, das Gutachten Dr. W.________ sei als unzulässiges Beweismittel in den Prozess eingeführt und der SUVA angelegentlich der am 17. November 2000 verfügten Sistierung das rechtliche Gehör nicht gewährt worden, verkennen die verfahrens- und intertemporalrechtliche Lage. Eine Anwendung der geänderten Rechtsprechung BGE 127 V 353 auf die hier zu beurteilende Sache kommt nicht in Betracht. Denn die Sistierung, gestützt auf welche der Beschwerdeführer das Gutachten Dr. W.________ (vom 15. Dezember 2000) beibrachte, datiert vom 17. November 2000 und erging somit zu einem Zeitpunkt, bevor das Gericht - am 15. Oktober 2001 - mit BGE 127 V 353 seine Rechtsprechung zur Zulässigkeit neuer, nach Ablauf der Rechtsmittelfrist einzureichender Beweismittel änderte. Das Gutachten Dr. W.________ von der materiellen Prüfung ausblenden oder nur unter dem beschränkten Gesichtswinkel eines prozessual revisionsrechtlich relevanten Beweismittels im Sinne von BGE 127 V 357 Erw. 4b entgegennehmen zu wollen, verstiesse in Anbetracht dieses zeitlichen Ablaufes gegen Treu und Glauben im Prozess. Im übrigen war die Sistierungsverfügung vom 17. November 2000 den Parteien ordnungsgemäss eröffnet worden, ohne dass die SUVA damals oder in der folgenden Zeit die Verfahrenseinstellung je beanstandet hätte, was ohne weiteres prozessual möglich gewesen wäre, können doch verfahrensleitende Verfügungen (wie z.B. jene über die Aussetzung des Verfahrens) - auf Gesuch hin oder von Amtes wegen - ohne Bindung an eine Rechtskraft grundsätzlich jederzeit zurückgenommen oder abgeändert werden (BGE 124 V 87 Erw. 4; Ueli Kieser, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, Rz 417 ff.). Zu einer besonderen Gehörsgewährung bestand daher kein Anlass, ganz abgesehen davon, dass die SUVA - bei fehlenden laufenden Versicherungsleistungen - durch die Verfahrenssistierung weder wirtschaftlich-finanziell noch sonstwie administrativ erheblich beschwert wurde. Das Gutachten Dr. W.________ hat daher ungeschmälert in die letztinstanzliche materielle Prüfung Eingang zu finden. 1.2 In materiell- und beweisrechtlicher Hinsicht ist auf die Erw. 1 und 2 des Urteils vom 17. August 1998 zu verweisen. Zu ergänzen ist, dass das Bundesrecht nicht vorschreibt, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 40 BZP in Verbindung mit Art. 19 VwVG; Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG). Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialversicherungsrichter alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 f. Erw. 1c mit Hinweisen). Als auf diese Weise der freien, pflichtgemässen und umfassenden gerichtlichen Beweiswürdigung unterliegendes Beweismittel gilt nach der Rechtsprechung ebenfalls der Amtsbericht des SUVA-Arztes (BGE 125 V 353 Erw. 3b/ee), auch der nach Abschluss des Einspracheentscheides für die Belange des hängigen (erst- oder zweitinstanzlichen) Beschwerdeverfahrens eingeholte (RKUV 1997 U 281 S. 282 Erw. 1b), wo die Anstalt Parteistellung hat (BGE 104 V 211 Erw. c). 1.3 Am 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Kraft getreten. Mit ihm sind zahlreiche Bestimmungen im Unfallversicherungsbereich geändert worden. Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 Erw. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheids (hier: 16. August 1999) eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember 2002 geltenden Bestimmungen anwendbar.