Citation: 6P.16/2006 15.03.2006 E. 6.1

Begeht der Entlassene während der Probezeit eine strafbare Handlung, für die er zu einer drei Monate übersteigenden und unbedingt zu vollziehenden Freiheitsstrafe verurteilt wird, ordnet die zuständige Behörde die Rückversetzung an. Wird der Entlassene zu einer milderen oder zu einer bedingt zu vollziehenden Strafe verurteilt, kann die zuständige Behörde von der Rückversetzung Umgang nehmen (Art. 38 Ziff. 4 StGB). Bei einer drei Monate übersteigenden, unbedingt vollziehbaren Gesamtstrafe für Straftaten, die der Entlassene teils während, teils nach der Probezeit begangen hat, muss der Richter bestimmen, ob die Strafe wegen der während der Probezeit verübten Straftat(en) drei Monate übersteigt. Dabei hat er nicht auf eine prozentuale Quote der Gesamtstrafe abzustellen, sondern die Strafe zu bestimmen, die er ausfällen würde, wenn er einzig die während der Probezeit verübten Straftaten zu beurteilen hätte (vgl. BGE 129 IV 209 E. 3). Dabei zieht der Richter die Vorschriften von Art. 63 ff. StGB heran (BGE 101 Ib 154). 6.2 Der Beschwerdeführer wurde vom Obergericht des Kantons Zürich am 10. Oktober 1998 unter anderem wegen versuchten Mordes, versuchten Raubs, wiederholten Diebstahls, wiederholter Sachbeschädigung, wiederholten Hausfriedensbruchs sowie Verstosses gegen die (Zürcherische) Waffenverordnung zu 14 Jahren Zuchthaus abzüglich 353 Tagen Untersuchungshaft verurteilt. Am 31. Juli 1997 wurde er mit einer Probezeit von fünf Jahren bedingt aus dem Strafvollzug entlassen (kantonale Akten, act. 37). Die Probezeit endete demnach am 31. Juli 2002. Wie die Vorinstanz feststellt, verübte der Beschwerdeführer in diesem Zeitraum drei Einbruchdiebstähle im Sinne von Art. 139 Ziff. 2 und 3 Abs. 1 StGB zu Lasten des Velogeschäfts D.________ AG. Er erbeutete zusammen mit A.________ und B.________ im Sommer 1999 zehn Fahrräder, zusammen mit A.________ im August 2001 mindestens 4 sowie im Februar 2002 fünf Velos sowie Ausrüstungsgegenstände und Bargeld. Zudem wurde Sachschaden angerichtet. Der Beschwerdeführer benützte die Fahrräder nach den vorinstanzlichen Feststellungen teilweise selbst oder verkaufte sie weiter und erzielte einen Erlös von rund Fr. 3'000.-- pro Velo. 6.3 Die Vorinstanz schied für alle drei während der Probezeit verübten Delikte des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der bei der Strafzumessung geschilderten Umstände einen Strafanteil von 10 Monaten Zuchthaus aus. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, ist nicht geeignet, die vorinstanzliche Beurteilung in einem bundesrechtswidrigen Licht erscheinen zu lassen. Insbesondere ist entgegen seiner Ansicht keine rechtsungleiche Behandlung im Vergleich zu B.________ ersichtlich. Er verkennt bei seiner Kritik, dass sich die Strafhöhe und Strafausscheidung nicht arithmetisch nach der Anzahl begangener Delikte bestimmen lässt. Soweit der Beschwerdeführer schliesslich geltend macht, bei einem entsprechenden Teilstrafmass von über drei Monaten Freiheitsstrafe habe er bei der Rückversetzung in den Strafvollzug eine Reststrafe von 4,75 Jahren zu erstehen, spricht er die Frage der Rechtsfolgenberücksichtigung an (Matthias Härri, Folgenberücksichtigung bei der Strafzumessung, in ZStrR 116/ 1998, S. 212 ff., 214). Diese Frage kann sich in Grenzfällen der Strafausscheidung stellen (nicht publizierte Erwägung 3 von BGE 128 IV I; 119 IV 125 E. 3b). Ein solcher Fall ist vorliegend indes nicht zu beurteilen. Denn der hier auf die Probezeit entfallende Strafanteil überschreitet angesichts der - vom Beschwerdeführer im Übrigen nicht angefochtenen - Anwendbarkeit von Art. 139 Ziff. 3 Abs. 1 StGB, welcher eine Mindeststrafe von sechs Monaten vorsieht, die drei Monate von Art. 38 Ziff. 4 Abs. 1 StGB in jedem Fall doch deutlich.