Citation: 4A_151/2016 E. 3.4.2

3.4.2. Die Vorinstanz hat ausgeführt, die bei der Ersatzvornahme verlegten Linoleumböden stellten ein neues Werk dar. Das ursprünglich verwendete Produkt sei zwar nach wie vor zur Verfügung gestanden und hätte für ein Retopping verwendet werden können. Ein Retopping wäre dabei eine mögliche Variante einer Sanierung, wenn keiner oder feiner Quarzsand verwendet worden sei, namentlich bei Sanierungen, die ästhetische Probleme lösen sollten (im Sinne einer Unterhaltsmassnahme). Hier gehe es aber um eine Nachbesserung von über 16'000 m2 Boden, der zu 80 % eine ungenügende Schichtstärke (unter 1.8 mm) aufweise. Gegenstand der Nachbesserung sei somit nicht eine ästhetische, sondern eine funktionale Sanierung. Hier stelle ein blosses Retopping keine taugliche Nachbesserung dar. Eine ähnliche Beurteilung habe auch der Zeuge H.________ vorgenommen, ein ausgebildeter Bauingenieur der ETH und (vor seiner Pensionierung) Abteilungsleiter bei der E.________ AG. Er habe bei seiner Befragung ausgesagt: "Es ist schwierig zu sagen, ob der Boden mit einem Retopping verbessert werden kann. Der Boden müsste ja neu angeschliffen oder ganz entfernt werden, um wieder einen Verbund zu bekommen. Hier mit den Quarzkörnern ist die Gefahr, dass der Boden beim Anschleifen ausreisst. Bei einem genügend dicken Belag könnte man sicher anschleifen und etwas drauf tun. Hier hätte ich eher etwas Bedenken, ob man damit eine dauerhafte Lösung gefunden hätte. Aber dazu haben wir keine Untersuchungen gemacht, ich sage das einfach aus Erfahrung. (...) Man hätte alles nochmal herausnehmen müssen und neu machen, um eine wirklich dauerhafte Lösung zu haben." Der Zeuge I.________, Projektleiter der C.________ AG, und der Zeuge J.________, ausgebildeter Bauingenieur HTL und Geschäftsleiter der C.________ AG, hätten sich zwar weniger kritisch geäussert. Der Zeuge I.________ habe ein Retopping als taugliche Sanierung eingeschätzt, wenn der Untergrund entsprechend gut sei. Beide Zeugen würden aber zum einen für das Unternehmen C.________ AG arbeiten, den Lieferanten des verwendeten Bodenprodukts. Im Verhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und der C.________ AG stehe die Haftung der letzteren zur Diskussion. Zum anderen hätten beide Zeugen nur allgemeine Aussagen gemacht und seien von einem intakten bestehenden Boden ausgegangen. Der Zeuge I.________ habe seine Aussagen ausdrücklich nur auf ästhetische Sanierungen bezogen. Aus diesen Zeugenaussagen könne nicht abgeleitet werden, dass ein Retopping im vorliegenden Fall eine taugliche Nachbesserung sei. Hinzu kämen schliesslich zeitliche Schwierigkeiten mit den verlangten Austrocknungszeiten und logistische Probleme bei einem Retopping. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen wäre, die entsprechende Verbesserung in 240 Zimmern sowie Gängen und Treppen zeitlich so vorzunehmen, dass der im Gebäude untergebrachte Schulbetrieb nicht massgeblich beeinträchtigt gewesen wäre. Für ein Retopping wäre ein halbes Jahr zu veranschlagen gewesen. Eine entsprechende Sanierung wäre deshalb für die Beschwerdegegnerin bzw. die Gebäudenutzer mit unzumutbaren logistischen Schwierigkeiten verbunden gewesen. Für ein Retopping hätte nach dem Gesagten der ganze PU-Boden aus beiden Gebäuden teilweise entfernt, jedenfalls aber angeschliffen, eventuell neu grundiert und der neue PU-Boden gegossen werden müssen. Der vorhandene Werkmangel, die ungenügende Schichtdicke, sei somit nicht leicht zu beheben gewesen. Sachliche Gründe hätten für Linoleum gesprochen, da dieser einfach über den bestehenden PU-Boden und ohne grosse Vorarbeit habe eingebracht werden können. Die Vorbehandlung und Neuerstellung eines PU-Bodens hätte mehr Arbeit verursacht. Eine derart umfangreiche Nachbesserung wäre einer Neuherstellung des Werks nicht nur gleichgestellt gewesen, sondern sogar darüber hinausgegangen. Auch die Kosten für den Linoleum-Boden dürften tendenziell tiefer ausgefallen sein verglichen mit Kosten für ein Retopping. Das neue Werk sei somit die vernünftigste und zweckmässigste Lösung gewesen.