Citation: 8C_670/2021 E. 2.4

2.4. Ob die Voraussetzungen für die von der Vorinstanz angenommene prozessuale Revision der Verfügung vom 12. Juli 2017 gegeben waren, braucht nicht abschliessend beurteilt zu werden. Das kantonale Gericht stellte nicht offensichtlich unrichtig und damit für das Bundesgericht verbindlich fest, dass unvereinbare Widersprüche bestanden hätten zwischen dem asim-Gutachten vom 22. September 2016, auf das die IV-Stelle sich bei Verfügungserlass am 12. Juli 2017 abstützte, und dem auf ihre entsprechende Meldung beim Strassenverkehrsamt hin erstatteten verkehrspsychiatrischen Gutachten. Aus diesem Grund ordnete die Vorinstanz mit eingehend begründetem Beschluss vom 7. Mai 2018 weitergehende Abklärungen durch das ABI an. Das kantonale Gericht erwog damals, für die von den asim-Gutachtern bescheinigte lediglich 50 %ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten sei die neurologisch-psychiatrische Beurteilung ausschlaggebend gewesen. Die Beschwerdeführerin habe in den entsprechenden - Mitte Juni 2016 erfolgten - Untersuchungen kognitive Schwierigkeiten und psychische Verhaltensauffälligkeiten gezeigt, die geradezu lehrbuchartig zum Schädel-Hirntrauma passten, das die Beschwerdeführerin im Jahr 1976 erlitten habe. Demgegenüber habe sie sich - Mitte September 2017 - anlässlich der verkehrspsychiatrischen Begutachtung als topfit präsentiert. Einschränkungen im Alltag seien nicht beschrieben worden und die testpsychologischen Untersuchungen seien unauffällig gewesen. In jenem Gutachten seien daher keine Befunde erhoben worden, die auf ein Schädel-Hirntrauma hätten zurückgeführt werden müssen. Zudem habe sich die Beschwerdeführerin damals auch in den Medien (einem Bericht des "Beobachters") als in kognitiver Hinsicht gesund darstellen lassen. Mit Blick auf diese geradezu krassen Widersprüche in Bezug auf die jeweilige sachverhaltliche Grundlage der beiden Gutachten erweist sich die von der IV-Stelle am 12. Juli 2017 verfügte Rentenzusprechung als zweifellos unrichtig. An dieser Beurteilung kann nichts ändern, dass das verkehrspsychiatrische Gutachten erst nach Erlass der Rentenverfügung erstattet wurde. Die dortigen Abklärungen erfolgten lediglich zwei Monate später. Insbesondere verbietet sich auch die Annahme einer zwischenzeitlichen rentenerheblichen Veränderung zugunsten der Beschwerdeführerin. Die Berichtigung der Rentenverfügung ist angesichts des zur Frage stehenden Leistungsbezuges im Zeitraum von rund anderthalb Jahren von erheblicher Bedeutung.