Citation: I 156/04 13.12.2005 E. 4

Das kantonale Gericht begründet seine der geltenden Gerichts- und Verwaltungspraxis widersprechende modifizierte Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung wie folgt: Die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung im Einkommensvergleich am Validenlohn aus einer 50%igen Teilerwerbstätigkeit zu messen, setze voraus, «dass die versicherte Person ihre Restarbeitsfähigkeit in der Teilerwerbstätigkeit vollständig ausschöpft und für die Betätigung im anderen Aufgabenbereich (Haushalt) keine Arbeitsfähigkeit mehr übrig hat. So aber ist die gemischte Methode nicht gemeint. Diese will gerade der Situation der teilerwerbstätigen und noch in einem anderen Aufgabenbereich, namentlich im Haushalt arbeitenden versicherten Personen gerecht werden. Dabei wird vorausgesetzt, dass ohne Behinderung die Tätigkeit in beiden Bereichen nebeneinander zumutbar ist. Um zu gewährleisten, dass bei Berücksichtigung beider Tätigkeitsbereiche nicht von einem unzumutbaren (und daher IV-rechtlich nicht relevanten) Aktivitätspensum ausgegangen wird, dürfen nach der Praxis die (Teil-)Erwerbstätigkeit und die Hausarbeit zusammen die bei voller Erwerbstätigkeit übliche Arbeitszeit nicht überschreiten (vgl. Rz 3109 KSIH). Innerhalb dieses zeitlichen Rahmens einer Vollerwerbstätigkeit aber ist - soll die gemischte Methode ihren gesetzlichen Zweck erfüllen - für die Ermittlung der Invalidität die Gesamtbelastung aus den beiden Tätigkeiten (Erwerbsarbeit und Hausarbeit) zu berücksichtigen. Dies geschieht, indem zunächst sowohl der Erwerbsteil als auch der Haushaltteil je als vollzeitlich betrachtet und ein regulärer Einkommensvergleich für eine Vollzeiterwerbstätige und ein regulärer Betätigungsvergleich für eine nur im Haushalt tätige Person vorgenommen werden. Die beiden so ermittelten Invaliditätsgrade sind schliesslich entsprechend dem Anteil der jeweiligen Tätigkeit gemessen an der täglichen Normalarbeitszeit zu kürzen und dann zu addieren.» In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz überdies aus, schon der Wortlaut der einschlägigen Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen (alt Art. 27bis Abs. 1 IVV und Art. 28 Abs. 2ter IVG, in Kraft seit 1. Januar 2004) spreche für ihre Berechnungsweise. Sodann verletze die geltende Rechtsprechung den Invaliditätsbegriff, indem die Arbeitsunfähigkeit dann keine Rolle mehr spiele, wenn deren Umfang kleiner sei als der - zufällige - Anteil der Erwerbstätigkeit an der Gesamtaktivität. Nicht die verlorene Leistungsfähigkeit in Beruf und Haushalt bestimme somit den Invaliditätsgrad. Schliesslich würden Versicherte mit zusammengesetzten Aktivitäten in Beruf und Haushalt gegenüber Vollerwerbstätigen oder voll in diesem Aufgabenbereich Tätigen in verfassungs- und EMRK-widriger Weise ungleich behandelt und diskriminiert.