Citation: 6B_367/2010 21.10.2010 E. 1.4

1.4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz, darunter eine Richterin, welche selbst Ärztin sei, halte entgegen dem Hausarzt in willkürlicher Weise fest, es handle sich bei den Verletzungen am Hals des Opfers nicht um blosse Schürfwunden, sondern eine Blutstauung mit punktuellen Einblutungen. Die Vorinstanz kenne im Gegensatz zum Hausarzt die Verletzungen nur vom Foto her. 1.4.2 Die Vorinstanz erwägt, bei den fotografierten Verletzungen am Hals handle es sich laut Überzeugung der ersten Instanz nicht um blosse Schürfverletzungen, sondern um Suffusionen (Blutunterlaufungen) mit einer Hautschürfung sowie um Petechien (punktförmige Hautblutungen). Nach Fachmeinung der in der Vorinstanz als Richterin einsitzenden Ärztin sei dieser Ansicht insoweit beizupflichten, als es sich um Blutstauungen handle. Kratzspuren am Hals liessen sich aufgrund der Fotografie nicht ausmachen, aber auch nicht ausschliessen (angefochtenes Urteil S. 6). 1.4.3 Willkürlich ist ein Entscheid nicht schon, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (vgl. BGE 135 III 474 E. 3.3.1 S. 480 mit Hinweis). 1.4.4 Die Vorinstanz gelangt in Abweichung zum Arztzeugnis zur Auffassung, bei den Verletzungen am Hals des Opfers handle es sich nicht um Hautabschürfungen, sondern um Stauungsblutungen. Sie begründet dies mit der Beurteilung des Fotos durch eine als Richterin amtende Ärztin, ohne sich über die Details der Verletzungen (wie Lage, Tiefe etc.) zu äussern. Sie befragt weder den behandelnden Arzt, ob er in Ergänzung zu seinem knappen Arztbericht weitere Feststellungen zum Gesundheitszustand des Opfers machen konnte (z.B. punktförmige Hauteinblutungen an Augenbindehaut oder Schleimhäuten), welche Körperpartien er untersucht hat (z.B. den Rachenraum und Kehlkopf), noch stützt sie sich auf ein fachmedizinisches Gutachten über das Ausmass der gewaltsamen Einwirkung auf das Opfer. Sichere körperliche Indizien, welche blosse Hautabschürfungen oder Blutergüsse von Stauungsblutungen unterscheiden lassen (wie z.B. punktförmige Einblutungen, sog. Petechien, an den Augen-Lidern und -Bindehäuten), stellt die Vorinstanz keine fest. Jedenfalls sind auf dem Foto keine Anzeichen für eine Blutstauung zu erkennen, welche typischerweise oberhalb der Würgemale liegt (Burkhard Madea, Praxis Rechtsmedizin, 2. Aufl., Berlin/Heidelberg 2007, S. 158 f.). Vielmehr setzt die Vorinstanz die ersichtlichen Würgemale ohne eingehende fachmedizinische Begründung Stauungsblutungen gleich. Die Angaben des Opfers, es sei ihm schwarz vor Augen geworden oder es habe unter Atemnot gelitten, erlauben keine weiteren Schlüsse zum Ausmass der Verletzungen. Unter diesen Umständen ist die alleine gestützt auf ein Foto gewonnene Erkenntnis der Vorinstanz, es handle sich um Stauungsblutungen, eine blosse Vermutung, welche gegen das Willkürverbot nach Art. 9 BV verstösst. Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und die Sache zur neuen, ergänzenden Sachverhaltsfeststellung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist offen zu lassen, ob die Vorinstanz Bundesrecht (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und Art. 129 StGB) falsch angewendet hat.