Citation: 7B_454/2023 E. 2.2.2

2.2.2. Die Vorinstanz übernimmt im Wesentlichen die Feststellungen des Strafgerichts und der Staatsanwaltschaft. Sie erwägt, anhand von Unterlagen, Fotografien und Videoaufnahmen werde eindrücklich gezeigt, dass der Beschwerdeführer im Anklagezeitraum ein physisches und psychisches Leistungsniveau präsentiert habe, das in krassem Widerspruch zu den Beschreibungen in den medizinischen Berichten stehe, welche Grundlage der Rentenentscheide bildeten. Das Videomaterial, das den Beschwerdeführer an zufällig ausgewählten Tagen zeige, habe keine Hinweise auf nicht steuerbare Bewegungsstörungen ergeben. Insbesondere müsse geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer in der Lage gewesen sei, während längerer Zeit ruhig zu sitzen, ein Auto über längere Strecken zu führen, sich zu bücken, in die Knie zu gehen und Lasten zu heben. Sein Gangbild sei unauffällig, die Bewegungen koordiniert und das generelle Erscheinungsbild deute auf eine gute Kondition hin. Das Videomaterial kontrastiere stark mit den Ausführungen des Beschwerdeführers in einer kreisärztlichen Untersuchung von Juni 2009, wonach er dauernd an schwer kontrollierbaren Bewegungen leide und keine schweren Dinge transportieren oder heben könne. Aus den Beweiserhebungen der Staatsanwaltschaft folge sodann, dass der Beschwerdeführer im Anklagezeitraum verschiedene bauliche Tätigkeiten an seiner Liegenschaft ausgeführt habe (vgl. oben E. 2.2.1). Die Bautätigkeit sei vielfach fotografisch dokumentiert, wobei der Beschwerdeführer beim Bedienen von Maschinen zu erkennen sei. Seine Behauptung, wonach hauptsächlich befreundete Dritte die manuellen Arbeiten ausgeführt hätten, kontrastiere mit den Fotos und einem E-Mail von Mai 2011, worin er einer Bekannten erklärt habe, er habe für die Arbeiten in einem Jahr ca. 520 Stunden aufgewendet. Es falle auf, dass der Beschwerdeführer gegenüber der Bekannten im Zusammenhang mit der Beinproblematik keine Bewegungsstörungen erwähne, wohingegen in einem zeitnahen Arztbericht von Muskelzuckungen bei Berührung und einem kurzschrittigen, unregelmässig noch vorne gebeugten Zehengang berichtet werde. Auch anlässlich der interdisziplinären Abklärung des ABI vom 13./14. November 2012 habe der Beschwerdeführer von steter körperlicher Unruhe und lumbalen Schmerzen berichtet, was mit dem observierten Verhalten nicht vereinbar sei. Angesichts der dokumentierten handwerklichen Tätigkeiten sei nachvollziehbar, dass ein Untersucher im November 2012 eine gut ausgeprägte Extremitätenmuskulatur und Schwielen an den Händen festgestellt habe. Die Erklärung des Beschwerdeführers, dies sei auf die Bewegungsstörungen zurückzuführen, sei eine Schutzbehauptung. Ferner habe der Beschwerdeführer im Anklagezeitraum neben den handwerklichen Tätigkeiten längere Autofahrten und Reisen absolviert und regelmässig an Proben und Konzerten der Harmoniemusik der Stadt Zug, teils in tragender Funktion, teilgenommen. Er habe etwa während eines eineinhalbstündigen Konzerts 2011 keinerlei körperliche Beeinträchtigungen gezeigt und sei im Anschluss daran gar für seine besondere Mitarbeit am Projekt geehrt worden. Laut Aussagen einer Beteiligten sei der Beschwerdeführer 2012 nach einem Besuch der Polizei von seinem Amt als Musikkommissionspräsident zurückgetreten. Er sei in dieser anspruchsvollen Funktion für das Musikalische verantwortlich gewesen und habe den Dirigenten unterstützt. Ab 2012 habe er seine Mitwirkung im Verein sukzessive reduziert; eine körperliche Beeinträchtigung hätten die befragten Mitglieder seit 2011 bemerkt. Es sei auffällig, so die Vorinstanz, dass die beschriebene Verschlechterung mit der Einleitung einer Rentenrevision und medizinischen Abklärungen zusammenfalle. Auch der E-Mail-Verkehr des Beschwerdeführers und sein Kalender wiesen für 2008 bis 2014 auf eine Vielzahl von Aktivitäten hin, die mit den in zeitnahen Therapiesitzungen und Untersuchungen gezeigten Beschwerden nicht vereinbar seien. Gleiches ergebe sich aus den Observationen von 2011 und 2014. Entgegen seiner Behauptung sei der Beschwerdeführer von den Ärzten zu seinen Ressourcen befragt worden, wobei er aber offensichtlich gezielt Tätigkeiten verschwiegen habe, die auf ein stark erhöhtes Leistungsniveau hingewiesen hätten. Seine Darstellung, die ärztlichen Untersuchungen hätten die Symptomatik verstärkt und er habe in diesen Momenten aufgrund seiner dissoziativen Persönlichkeitsstörung einen "anderen Guido" gezeigt, finde in den Akten keine Stütze. Im Gegenteil habe der Beschwerdeführer etwa Details zum Ablauf und Umfang der observierten und dokumentierten Tätigkeiten schildern können, aber ausgeführt, er könne die Person auf den Videos nicht einordnen.