Citation: 6B_64/2024 E. 1.5.4

1.5.4. Nicht gefolgt werden kann dem Beschwerdeführer sodann, wenn er dem öffentlichen Interesse an einer Landesverweisung mit dem Argument an Gewicht zu nehmen versucht, dass bloss ein leichtes Verschulden vorliege. Zwar geht die Vorinstanz betreffend die Anlasstaten von einem "nicht mehr leichten" Verschulden für die erste Deliktsperiode und einem "leichten" Verschulden für die zweite aus. Dennoch hat er durch die qualifizierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen und die Gesundheit anderer und somit besonders hochwertige Rechtsgüter gefährdet. Gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz (Art. 105 Abs. 1 BGG) betreffen die vom Beschwerdeführer begangenen Betäubungsmitteldelikte im Zeitraum vom 11. Dezember 2019 bis 4. Mai 2020 insgesamt 85.15 Gramm reines Kokain, das er in 200 Einzelportionen verkauft hat. Nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft hat er von Oktober 2020 bis 25. März 2021 insgesamt weitere 32.75 Gramm reines Kokain in knapp 80 Verkaufshandlungen an verschiedene Abnehmer veräussert und weitere 19.77 Gramm in Verkaufsabsicht besessen. Damit ist der Schwellenwert von 18 Gramm um ein Vielfaches überschritten. Mit Blick auf die umgesetzte Menge und das eigenständige Vorgehen (der Beschwerdeführer streckte und portionierte das Kokain vor dem Verkauf selbst) kann nicht von einer bloss ausführenden Funktion ausgegangen werden. Es besteht ein hohes öffentliches Interesse an der Verhinderung von derartigen Taten. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer zu einer teilbedingt ausgefällten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt wird. Dieses Strafmass spricht per se für ein relevantes Tatverschulden. Auch daraus folgt - nicht zuletzt in Anbetracht der "Zweijahresregel", wonach es bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr ausserordentlicher Umstände bedarf, damit die privaten Interessen des Betroffenen an einem Verbleib in der Schweiz die öffentlichen Interessen an einer Ausweisung überwiegen (vgl. oben E. 1.3.8) - ein beträchtliches öffentliches Interesse an einer Wegweisung.