Citation: U 217/06 23.06.2006 E. 3

3.1 Die für die Adäquanzbeurteilung massgebliche Vorgehensweise hängt in der dargestellten Konstellation davon ab, ob die Elemente dieses Beschwerdebildes gegenüber einer psychischen Symptomatik in den Hintergrund getreten sind und gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Diesbezüglich fällt ins Gewicht, dass die Neurologin Dr. med. H.________ bereits in ihrem Bericht vom 21. Oktober 2003 auf den depressiven Eindruck hinwies, den der Patient vermittelte, und festhielt, nach ihrer Ansicht liege in erster Linie eine posttraumatische Belastungsstörung vor, wobei diese Diagnose psychiatrischerseits weiter untermauert werden müsste. Dementsprechend schlug sie den Beginn einer medikamentösen antidepressiven Behandlung vor. Am 17. Dezember 2003 erklärte Frau Dr. med. H.________, die gesamte Symptomatik habe sich deutlich verstärkt. Klinisch-neurologisch habe nach wie vor kein objektivierbarer pathologischer Befund erhoben werden können. Aus ihrer Sicht liege eine posttraumatische Belastungsstörung mit vermutlich auch somatoformer Schmerzverarbeitungsstörung vor. Sie empfehle noch einmal dringend die Vorstellung bei einem psychiatrischen Fachkollegen. Aus neurootologischer Sicht (Bericht Dr. med. L.________ vom 11. März 2004) liessen sich ebenfalls keine relevanten pathologischen Befunde feststellen. Die fachärztlichen Abklärungen im Psychiatrischen Zentrum Y.________, in dessen Klinik der Beschwerdeführer am 13. April 2004 - nach vorgängigen ambulanten Untersuchungen - stationär eingetreten war, ergaben die Diagnose "sonstige depressive Episoden" (ICD-10: F32.8). Diese seien vorwiegend somatisiert in Form von Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Kopfschmerzen. Bereits zu Beginn der ambulanten Therapie sei deutlich geworden, dass bei dem chronifiziert komplexen Krankheitsbild eine ambulante psychiatrische Behandlung nicht ausreichen würde. 3.2 Nach dem Gesagten entstand bereits anlässlich der ersten spezialärztlichen Untersuchung durch die Neurologin Dr. med. H.________ der Eindruck, im Zentrum der Symptomatik stehe ein Krankheitsbild, welches dem psychiatrischen Bereich zuzuordnen sei. Dieser Verdacht wurde von fachärztlicher Seite durch das Psychiatrische Zentrum Y.________ bestätigt. Damit ist hinreichend erstellt, dass eine ausgeprägte psychische Fehlentwicklung praktisch von Anfang an deutlich im Vordergrund stand. Die weiteren ärztlichen Stellungnahmen sind nicht geeignet, diese Einschätzung in Frage zu stellen. So führt Frau Dr. med. R.________ in ihrem Bericht vom 15. Juni 2004 die von ihr attestierte fortdauernde Arbeitsunfähigkeit in erster Linie auf ein psychisches Krankheitsbild zurück, indem sie erklärt, dem Patienten könne insbesondere auf Grund der schweren depressiven Entwicklung noch keine Arbeit zugemutet werden. Auch Dr. med. K.________ erwähnt in der Stellungnahme vom 14. Juni 2004 in Konkretisierung seiner Aussage, der Versicherte habe wirklich Beschwerden, die psychiatrische Behandlung in Y.________, und diagnostiziert in seinem Schreiben vom 7. September 2004 neben einem HWS-Distorsionstrauma auch eine psychische Erkrankung. Bei dieser Aktenlage hat das kantonale Gericht, der SUVA folgend, zu Recht erkannt, die Adäquanz sei nach der mit BGE 115 V 133 ff. eingeleiteten Rechtsprechung zu beurteilen. Zusätzliche Abklärungen rechtfertigen sich nicht, weil davon keine weiteren relevanten Erkenntnisse erwartet werden können (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 131 I 157 Erw. 3, 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d; SVR 2005 MV Nr. 1 S. 2 Erw. 2.3 [= Urteil T. vom 17. Juni 2004, M 1/02] mit Hinweisen). 3.3 Über den Hergang des Unfalls vom 23. September 2003 ist den Akten zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vor einer Bushaltestelle abbremste, um ein Postauto in den Verkehr einbiegen zu lassen. Der Lenker des nachfolgenden Personenwagens bemerkte dies zu spät und fuhr auf das Heck des vom Versicherten gelenkten Autos auf. Gemäss der biomechanischen Kurzbeurteilung vom 29. Dezember 2003 dürfte die durch die Kollision bedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v) des vom Beschwerdeführers gelenkten Fahrzeugs Suzuki "innerhalb oder oberhalb eines Bereiches von 10-15 km/h" gelegen haben. Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Einteilung (BGE 115 V 139 Erw. 6) ist dieses Ereignis den mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten zuzuordnen (vgl. zur Praxis in vergleichbaren Fällen statt vieler RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2 [= Urteil A. vom 24. Juni 2003, U 193/01]). Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist demzufolge zu bejahen, falls ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Merkmale (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Dies trifft, wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat, nicht zu. Zu bejahen ist allenfalls das Merkmal der Dauerbeschwerden (wobei auch diesbezüglich, entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts, einzig auf die physischen Anteile abzustellen ist), dies jedoch nicht in einer Ausprägung, welche für sich allein zur Bejahung der Adäquanz ausreichen würde. 3.4 Nach dem Gesagten hat die SUVA mit dem vorinstanzlich bestätigten Einspracheentscheid vom 11. Mai 2005 ihre Leistungen mit Recht auf den 15. Mai 2004 eingestellt. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist deshalb abzuweisen.