Citation: 6B_452/2023 E. 1.8.3

1.8.3. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers kann zudem nicht gesagt werden, das Strafverfahren gegen ihn sei faktisch "von Anfang an" auch wegen Beteiligung an einem Mord geführt worden. Das ursprüngliche Verfahren gegen den Beschwerdeführer wurde wie dargelegt vielmehr bereits vor dem Tötungsdelikt vom 30. Juni 2016 von der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl wegen des Vorwurfs der versuchten Nötigung eröffnet, weil der Beschwerdeführer verdächtigt wurde, das "Erpresserschreiben" verfasst zu haben, in welchem seine Freilassung verlangt wurde. Gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO eröffnet die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung, wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatverdacht ergibt. Selbst nach dem Tötungsdelikt vom 30. Juni 2016 ist nicht ersichtlich, woraus die Staatsanwaltschaft vor den ersten belastenden Aussagen von A.________ vom 28. März 2017 den gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO für eine Verfahrenseröffnung wegen Mordes "hinreichenden Tatverdacht" gegen den Beschwerdeführer zwingend hätte herleiten müssen. Der Beschwerdeführer befand sich im Zeitpunkt des Tötungsdelikts vom 30. Juni 2016 in der Strafanstalt Pöschwies in Isolationshaft und er selbst bestritt anlässlich der polizeilichen Befragung vom 3. Juli 2016 kategorisch, in irgendeiner Form in das "Erpresserschreiben" involviert zu sein. A.________ wurde erstmals am 19. Januar 2017 befragt. Konkrete, den Beschwerdeführer belastende Aussagen machte er erst am 28. März 2017. Dies entspricht auch der Darstellung des Beschwerdeführers, wonach A.________ ihn erst zu belasten begonnen habe, nachdem diesem Akteneinsicht gewährt worden sei. Zwar äusserte die Kantonspolizei Zürich bereits im Bericht vom 6. Juli 2016 die Vermutung, der Beschwerdeführer könnte A.________ über längere Zeit manipuliert und ihn für seinen "Plan" instrumentalisiert haben (vgl. kant. Akten, HD/33/1 S. 9). Im Bericht vom 26. Januar 2017 stellte die Polizei in einer Schlussbemerkung zudem die "These" auf, der Beschwerdeführer und A.________ hätten geplant, einen oder mehrere Menschen zu töten, falls der Beschwerdeführer nicht aus der Haft entlassen werde (kant. Akten, HD/33/8 S. 14). Im Bericht vom 27. Februar 2017 bejahte die Kantonspolizei Zürich schliesslich einen Verdacht auf Mittäterschaft des Beschwerdeführers am Tötungsdelikt zum Nachteil von C.________, weil der Beschwerdeführer in der Lage gewesen sei, A.________ in solch einem Masse von seiner Ideologie bzw. Verschwörungstheorie zu überzeugen, dass dieser schlussendlich bereit gewesen sei, ein Menschenleben auszulöschen (kant. Akten, HD/33/9 S. 6). Diese von der Polizei in den Polizeiberichten vom 6. Juli 2016 sowie 26. Januar und 27. Februar 2017 geäusserten Vermutungen sind im Sinne eines polizeilichen Anfangsverdachts zu verstehen und nicht mit einem hinreichenden Tatverdacht gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO und einer Verfahrenseröffnung durch die Staatsanwaltschaft gleichzusetzen. Über das Vorliegen eines hinreichenden Tatverdachts im Sinne von Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO hat nicht die Polizei, sondern die Staatsanwaltschaft zu befinden, wobei Letztere hierfür gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO u.a. auf Informationen und Berichte der Polizei abstellen und die Polizei gemäss Art. 309 Abs. 2 StPO vor der Eröffnung des Strafverfahrens auch zur Durchführung ergänzender polizeilicher Ermittlungen anhalten kann. Der Staatsanwaltschaft kann daher nicht zum Vorwurf gemacht werden, sie habe das Verfahren wegen Mordes von Beginn an auch gegen den Beschwerdeführer geführt. Dieses Verfahren wurde vielmehr Anfang April 2017 nach den ersten belastenden Aussagen von A.________ vom 28. März 2017 eröffnet, wobei dem Beschwerdeführer bereits anlässlich der Hafteinvernahme vom 7. April 2017 Rechtsanwalt Andrea Taormina zur Seite stand.