Citation: U 75/01 17.11.2003 E. 4

4.1 Bereits vor dem kantonalen Gericht wurde vorgebracht, es bestehe kein Anlass, von der rechtskräftigen Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung abzuweichen. Die Vorinstanz berief sich auf BGE 119 V 468 und hat geschlossen, es rechtfertige sich nicht, die SUVA an den von den Organen der IV ermittelten Invalidenlohn zu binden. 4.2 Inzwischen hat sich das Eidgenössische Versicherungsgericht in dem in BGE 126 V 288 ff. veröffentlichten Urteil eingehend zur Bindungswirkung rechtskräftiger Invaliditätsschätzungen anderer Versicherungsträger und zur Koordination der Invaliditätsschätzungen in der Invalidenversicherung und in der Unfallversicherung geäussert. Demnach dürfen rechtskräftig abgeschlossene Invaliditätsschätzungen nicht einfach unbeachtet bleiben. Macht ein Versicherer von der Möglichkeit, den Entscheid der andern Versicherung anzufechten nicht Gebrauch, hat er diesen grundsätzlich gegen sich gelten zu lassen. Dabei ist es nicht zulässig eine an sich vertretbare Ermessensausübung durch den zuerst verfügenden Versicherer ohne Vorliegen triftiger Argumente durch einen anderen - unter Umständen ebenfalls vertretbar erscheinenden - Ermessensentscheid zu ersetzen. Hingegen war immer unbestritten, dass eine - wie auch immer geartete - Bindungswirkung der chronologisch ersten Invaliditätsfestsetzung nur eintreten kann, wenn es gleiche Sachverhalte zu bemessen gilt. Das ist bei der weitgehend finalen Invalidenversicherung gegenüber der kausalen Unfallversicherung oft nicht der Fall. Vorliegend gilt es zu beachten, dass der Beschwerdeführer neben der durch einen Unfall verursachten Beeinträchtigung an der linken Schulter auch an degenerativen Rückenbeschwerden leidet. Bereits mit Schreiben vom 3. Juli 1992 hat die SUVA es abgelehnt, für die Behandlung der Rückenschmerzen Leistungen zu erbringen. Die Invalidenversicherung stützt sich für ihre Zumutbarkeitsbeurteilung insbesondere auf ein Gutachten von Dr. med. D.________, Spezialarzt FMH für orthopädische Chirurgie, vom 17. April 1996. Unter den Diagnosen wird dort auch ein lumbospondylogenes Syndrom bei diskreten degenerativen Veränderungen der unteren Lendenwirbelsäule aufgeführt. Diese beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit denn auch dahingehend, dass dem Beschwerdeführer Arbeiten in gebückter Haltung nicht zumutbar sind. Vielmehr kommen für ihn noch in vorwiegend sitzender oder wechselbelastender Haltung auszuführende Tätigkeiten in Frage. Die zusätzlich zu berücksichtigenden Rückenbeschwerden erklären die Diskrepanz zwischen der Schätzung des Invalideneinkommens durch die IV-Stelle einerseits und die SUVA andererseits. Eine Bindungswirkung der ersten für die zweite besteht demnach nicht. Es muss daher nicht weiter untersucht werden, ob weitere Gründe vorliegen, die im konkreten Einzelfall ein Abweichen gerechtfertigt hätten.