Citation: 6B_445/2009 06.10.2009 E. 7

7.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz gehe im Fall des dritten und vierten Treffens mit D.________ willkürlich und unter Verletzung von Art. 129 StGB von einer konkreten Lebensgefahr durch Strangulieren aus. Eine konkrete Lebensgefahr habe gemäss dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen nicht vorgelegen. Er habe sich stets nahe beim Opfer aufgehalten und sich auf dessen Reaktionen konzentriert. Er hätte jederzeit eingreifen können, falls sich die Halsschlinge zu fest oder zu lange zugezogen hätte. Insbesondere habe er diese gelöst, als D.________ zu Boden gegangen sei. Die Gefahr eines Reflextodes bei Strangulationen sei nicht erstellt. Der Gutachter habe es einzig bei einer allgemeinen Feststellung bewenden lassen und anschliessend die konkrete Lebensgefahr verneint. Unter diesen Umständen sei der Tatbestand der unmittelbaren Gefährdung des Lebens bei allen vier Opfern nicht erfüllt. 7.2 Die Vorinstanz legt dem Beschwerdeführer eine mehrfache Gefährdung des Lebens von D.________ zur Last. Er habe ihr beim dritten und vierten Treffen die Hände auf den Rücken gebunden und eine Zugschlinge um den Hals gelegt. Das Ende des Seils habe über eine Schiene am Dach des Lieferwagens bzw. über einen Ast geführt. Er habe rund siebenmal daran gezogen. Beim dritten Treffen habe er das Seil für drei bis vier Sekunden bzw. beim vierten Treffen für sechs bis sieben Sekunden angespannt. Dabei sei D.________ in Atemnot geraten, habe nach Luft geschnappt, den Stand verloren und sei zu Boden gegangen. Nachdem sie sich erholt habe, habe der Beschwerdeführer sie noch ungefähr viermal stranguliert. Zuvor habe er ihr einen engen Plastiksack über den Kopf gestülpt, den er erst nach fünf bis sieben Sekunden wieder hochgerollt habe, nachdem das Opfer in Atemnot und Panik geraten sei. Während dieser Handlungen sei er sexuell erregt vor D.________ gestanden und habe ihr in die Augen geblickt. Er habe selbst festgestellt, dass sie Angst hatte, weinte und "am Limit" war. 7.3 Nach Art. 129 StGB wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft, wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt. Objektiv ist eine konkrete Lebensgefahr erforderlich. Nach der Rechtsprechung ist eine unmittelbare Lebensgefahr anzunehmen, wenn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Verletzung des Lebens besteht. Diese liegt nicht erst vor, wenn die Wahrscheinlichkeit des Todes grösser ist als die Wahrscheinlichkeit seiner Vermeidung, sondern schon bei einer nahen Möglichkeit des Todeseintritts. Das Element der Unmittelbarkeit beinhaltet neben der ernsthaften Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung der Gefahr, dass die unvermittelte, akute Gefahr direkt dem Verhalten des Täters zuzuschreiben ist (BGE 121 IV 67 E. 2b; 111 IV 51 E. 2). 7.4 Das Gutachten des Kantonsspitals St. Gallen legt dar, bei Gewalt gegen den Hals könne es zu einem plötzlichen Herzstillstand kommen. Werde Druck auf den "Sinus caroticus" im Bereich der Gabelung der Halsschlagader ausgeübt, sei eine Reizung des "Nervus vagus" möglich. Dies führe zu einer Hemmung der Herzaktivität. Bei Personen unter Drogeneinfluss bestehe die Gefahr, dass die Atmung dadurch eingeschränkt sei. Eine Schlinge um den Hals in diesem Zustand bedeute eine zusätzliche Gefahr. Aufgrund der am folgenden Tag sichtbaren Rötung am Hals von D.________ habe eine nicht unerhebliche Kraft durch den Zug am Seil auf sie eingewirkt. Auf die Frage, ob für die Geschädigte zu irgendeinem Zeitpunkt eine konkrete Lebensgefahr bestanden habe, stellt der Gutachter fest, bei einer Fortsetzung der Strangulation trotz Bewusstlosigkeit hätte es zu Sauerstoffmangel, Schäden des Gehirns und schliesslich zum Tode kommen können. Eine konkrete Lebensgefahr habe im Fall D.________ nicht vorgelegen. Allerdings habe der Beschwerdeführer den Effekt der Strangulation nicht vorhersehen können. 7.5 Der Beschwerdeführer verkennt, dass der Gutachter die Frage nach der Lebensgefahr lediglich in Bezug auf einen Sauerstoffmangel im Gehirn durch die Strangulation, nicht aber in Bezug auf eine Reizung des "Nervus caroticus" beantwortet. Der Gutachter legt in den vorgängigen Ausführungen klar dar, dass bei Gewalt gegen den Hals ein plötzlicher Herzstillstand möglich sei und insbesondere bei D.________ erhebliche Gewalt am Hals ausgeübt wurde. Der Gutachter gibt zu Bedenken, dass die Atmung des Opfers möglicherweise schon durch den Drogenkonsum eingeschränkt und der Beschwerdeführer durch seine sexuelle Erregung im Denken eingeengt gewesen sei. Deshalb habe bei der Halsfesselung ein erhöhtes Risiko bestanden. Der Beschwerdeführer hat eingeräumt, D.________ habe jeweils vor den sexuellen Handlungen Kokain konsumiert (act. 1077). Unter den gegebenen Umständen ist es gestützt auf die gutachterlichen Feststellungen nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz eine konkrete Lebensgefahr in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht in Bezug auf D.________ durch die vom Beschwerdeführer zur Strangulation eingesetze Halsfessel bejaht. Soweit der Beschwerdeführer die Lebensgefährdung der anderen drei Opfer bestreitet, ist nicht darauf einzutreten. Er wurde lediglich der Lebensgefährdung von D.________ schuldig gesprochen.