Citation: 4A_391/2022 E. 3.3.1

3.3.1. Die Vorinstanz erwog einleitend, entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin bestünden vorliegend, im Unterschied zum schweizerischen Direktversicherungsgeschäft, grundsätzlich keine Sorgfalts- und Treuepflichten des Versicherungs-Brokers, hier der Beschwerdegegnerin gegenüber der Versicherung, d.h. der Beschwerdeführerin. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin bestehe kein Anlass, die Regeln über das Direktversicherungsgeschäft auf das hier zu beurteilende Rückversicherungsverhältnis anzuwenden. Der vorliegende Fall unterscheide sich von der üblichen Konstellation im Direktversicherungsgeschäft im Wesentlichen dadurch, dass zwischen der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin keine Courtagezahlung oder anderweitige Entschädigung vereinbart worden sei. Diese sei aber das eigentliche Motiv für den Abschluss eines Zusammenarbeitsvertrags zwischen dem Broker und dem Versicherer, wodurch im Direktversicherungsverhältnis ein sog. Dreiecks- bzw. Doppelrechtsverhältnis entsteht, wobei jede Partei - der Broker, der Versicherungsnehmer und der Versicherer - nach zwei Seiten hin rechtliche Beziehungen eingeht (dazu BGE 142 III 657 E. 4.6.1; 124 III 481 E. 4). Ohne den Erhalt einer Entschädigung hätte der Broker kein Interesse daran, mit dem Versicherer ein Vertragsverhältnis einzugehen, sondern er wäre im Gegenteil, zur Vermeidung von Interessenkonflikten, eher gehalten, sich lediglich mit dem Versicherungsnehmer zu binden. Das Direktversicherungsverhältnis ist dadurch gekennzeichnet, dass der Versicherungsbroker im Auftrag des Versicherungsnehmers (hier die D.________ Ltd.) diesem eine Versicherung vermittelt, hierfür aber vom Versicherer (hier die Beschwerdeführerin) über eine Courtage bezahlt wird, deren Höhe in einem "Zusammenarbeitsvertrag" zwischen dem Broker und dem Versicherer geregelt wird. Dadurch entsteht im Direktversicherungsverhältnis nach der Praxis des Bundesgerichts ein sog. Dreiecks- bzw. Doppelrechtsverhältnis, wobei jede Partei nach zwei Seiten hin rechtliche Beziehungen eingeht.