Citation: U 331/06 04.04.2007 E. 5.3

5.3.1 Die Adäquanzbeurteilung ist in Fällen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall vorzunehmen (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99). Ein solcher Fall liegt hier indessen nicht vor. Dr. med. C.________ ging zwar davon aus, die unspezifischen neurologischen Defizite seien nicht Ausdruck einer Hirnläsion, sondern eher reaktiver Natur, weshalb er die Einleitung einer Psychotherapie empfahl. Besondere Auffälligkeiten wurden indessen nie festgestellt, und die Versicherte lehnte eine psychiatrische Untersuchung ab. Dass die psychischen Beschwerden bereits relativ kurze Zeit nach dem Unfall die physischen Beschwerden ganz in den Hintergrund hätten treten lassen, kann damit nicht gesagt werden. Die Adäquanzbeurteilung ist daher entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts nicht nach den Kriterien bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall (BGE 115 V 133) vorzunehmen, sondern nach BGE 117 V 359. 5.3.2 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04, E. 5.1.2). Im vorliegenden Fall bestehen unter Berücksichtigung insbesondere des Unfallhergangs, der Fahrzeugschäden und der erlittenen Verletzungen keine Umstände, welche zu einer anderen Beurteilung Anlass zu geben vermöchten. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367). Dabei wird im Gegensatz zu der bei psychischen Unfallfolgen geltenden Praxis (BGE 115 V 133) bei den unfallbezogenen Kriterien, welche in die Beurteilung miteinzubeziehen sind, auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, weil nicht entscheidend ist, ob die Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 f.). Der Unfall vom 4. November 1997 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207, U 287/97, E. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313, U 248/98) - von besonderer Eindrücklichkeit. Die Beschwerdeführerin hat sich dabei keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zugezogen. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung der Halswirbelsäule vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04, E. 5.2.3), welche hier nicht ausgewiesen sind. Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden vor. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Zwar begab sich die Versicherte immer wieder in ärztliche Kontrolle, jedoch in unregelmässigen, teilweise weiten zeitlichen Abständen. Nachdem sie zunächst noch in der Rehaklinik X.________ betreut worden war, wo sie sich vom ersten Unfall erholt hatte, liess sie sich im Zeitraum von 1998 bis etwa 2001 neurologisch durch Prof. Dr. med. F.________ behandeln. Von ihm waren keine Berichte erhältlich und es ist lediglich bekannt, dass er eine medikamentöse Behandlung durchgeführt hat. Ansonsten wurden von den jeweiligen Hausärzten einzig Physiotherapien und Schmerzmittel verordnet, welche nach Bedarf einzunehmen waren. Was das Kriterium der Dauerbeschwerden betrifft, hat die Versicherte dem Kreisarzt Dr. med. K.________ im Juni 1998 geklagt, sie habe "immer Kopfweh" (Bericht vom 4. Juni 1998). Gemäss Dr. med. I.________, der sie in der Rehaklinik X.________ noch im Oktober 2000 nachbetreute, persistierte eine Schmerzsymptomatik Nacken-/Kopfschmerzen von wechselnder Intensität, welche bei körperlicher und mentaler Belastung zunahm (Bericht vom 24. Oktober 2000). Der Hausarzt Dr. med. B.________ berichtete am 16. August 2001 von belastungsabhängigen Nackenschmerzen, die mit Medikamenten nach Bedarf behandelt würden; gemäss seiner Stellungnahme vom 11. Juli 2002 traten Kopfschmerzen nach 4 Stunden Arbeit auf. Wird berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin schon vor den beiden Unfällen an Kopfschmerzen gelitten hat und dass eine konsequente Therapie dieser Beschwerden nur bis etwa 2001 durch Prof. Dr. med. F.________ durchgeführt wurde, während später eine Behandlung nach Bedarf ausreichte, liegt das Kriterium der Dauerschmerzen nicht in besonders ausgeprägter Form vor, zumal diese Beschwerden belastungsabhängig waren, der Versicherten aber nur ein 50 %-Pensum zugemutet wurde. Von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, kann ebenso wenig gesprochen werden, wie von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteile S. vom 10. Februar 2006, U 79/05, F. vom 10. September 2003, U 343/02, und B. vom 7. August 2002, U 313/01). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Es bleibt das Kriterium der langdauernden Arbeitsunfähigkeit, welches ohne Zweifel erfüllt ist. Dies allein genügt jedoch für die Bejahung der Adäquanz nicht. 5.4 Die Kausalität der noch geklagten Beschwerden und damit der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin gegenüber der SUVA ist daher mit Verwaltung und Vorinstanz für die Zeit nach dem 31. Juli 2003 (Taggeldleistungen) bzw. 31. Dezember 2004 (Heilkostenleistungen) zu verneinen.