Citation: 6B_1123/2022 E. 4.1

4.1. Die Beschwerdeführerin rügt, da die Beschwerdegegnerin 1 unzulässigerweise auf eine Anklageerhebung verzichtet habe, hätten sowohl das erstinstanzliche Gericht als auch die Vorinstanz ihre (der Beschwerdeführerin) "Notlage-/Notstandssituation" nicht abgeklärt und damit "gegen geltendes Recht gemäss StPO, StGB[,] Bundesverfassung und EMRK verstossen". Zunächst ist festzuhalten, dass sich die Kritik der Beschwerdeführerin an der Verfahrensführung bzw. am Verfahrensgang als unbegründet erweist. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin 1 bereits kurz nach der Tat ein forensisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag gab und gestützt darauf keine Anklage erhob, sondern mittels Antrags das selbstständige Massnahmeverfahren bei einer schuldunfähigen beschuldigten Person gemäss Art. 374 f. StPO einleitete. Auch zeigt die Beschwerdeführerin nicht auf, inwiefern der Umstand, dass kein ordentliches Verfahren, sondern ein selbstständiges Massnahmeverfahren durchgeführt wurde, für sie nachteilig sein soll. Wie in einem ordentlichen Verfahren prüft das Gericht im Verfahren gemäss Art. 374 f. StPO die Täterschaft der beschuldigten Person, die Tatbestandsmässigkeit und Rechtswidrigkeit ihres Verhaltens sowie ihre Schuldfähigkeit frei (vgl. BGE 147 IV 93 E. 1.3.5 mit Hinweisen). Die Vorinstanz - wie bereits das erstinstanzliche Gericht - stellt den massgebenden Sachverhalt, der weitgehend unbestritten war, fest, qualifiziert die Tathandlungen der Beschwerdeführerin zutreffend als Mord gemäss Art. 112 StGB, bejaht die Rechtswidrigkeit ihres Verhaltens und verneint die Schuldfähigkeit der Beschwerdeführerin, dies alles - wie teilweise noch aufzuzeigen ist - ohne Rechtsverletzung (vgl. Urteil S. 7 ff.). Auch eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben oder eine ungenügende Verteidigung sind weder hinreichend dargetan noch ersichtlich. Hinsichtlich der Rechtswidrigkeit des Verhaltens der Beschwerdeführerin ist festzuhalten, dass sowohl das erstinstanzliche Gericht als auch die Vorinstanz das Vorliegen eines rechtfertigenden Notstands geprüft und ohne Rechtsverletzung verneint haben. Die Vorinstanz führt aus, den Mord an einem unbeteiligten Kind als "absolut subsidiäre" Notstandshandlung zur Wahrung der eigenen Existenz und Menschenwürde zu bezeichnen, weil man im letzten Jahrhundert seitens der Behörden angeblich ungerecht behandelt worden sei, sei offensichtlich abwegig. Ergänzend verweist sie auf die Erwägungen des erstinstanzlichen Gerichts, das erwog, da das von der Beschwerdeführerin monierte Fehlverhalten wie insbesondere die Wohnungsräumung aus dem Jahr 1992 zum Zeitpunkt der Tat längst abgeschlossen gewesen sei, fehle es an der Unmittelbarkeit der Gefahr und sie habe sich nicht in einer Notstandslage befunden. Aufgrund der krassen Diskrepanz zwischen den betroffenen Rechtsgütern habe es überdies offensichtlich an der absoluten Subsidiarität der Notstandshandlung gefehlt. Folglich könne sich die Beschwerdeführerin nicht auf einen Notstand im Sinne von Art. 17 StGB berufen. Ebenso wenig liege ein Putativnotstand vor, da sie um den Umstand der bereits abgeschlossenen Behördenhandlungen gewusst habe (vgl. Urteil S. 13; erstinstanzliches Urteil S. 11). Damit setzt sich die Vorinstanz hinreichend und zutreffend mit dem Argument der Beschwerdeführerin auseinander. Die Rüge erweist sich als unbegründet, soweit darauf angesichts der mangelnden Konkretisierung der angeblich verletzten Bestimmungen überhaupt eingetreten werden kann.