Citation: 4A_624/2014 E. 5.1

5.1. Hat ein Gericht seiner Beurteilung im Sinne von Art. 16 IPRG ausländisches Recht zugrunde zu legen, muss es das fremde Recht nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung so auslegen und anwenden, wie dies ein Gericht im ursprünglichen Geltungsbereich des anzuwendenden Rechts tun würde. Der schweizerische Richter muss sich somit in das Rechtssystem des betreffenden Landes versetzen, ohne freilich Teil desselben zu sein. Er hat etwa - namentlich wenn er das massgebende Recht selbst erhebt - die in der fremden Rechtsordnung geltende Auslegungsmethodik oder eine allenfalls unterschiedliche Einordnung von Rechtsfiguren zu beachten. Dies entspricht der rechtsvergleichenden Grunderfahrung, dass zwar jede Gesellschaft ihrem Recht die gleichen Probleme aufgibt, dass aber die verschiedenen Rechtsordnungen diese Probleme auf sehr unterschiedliche Weise lösen, selbst wenn die Ergebnisse gleich sind. Daraus folgt, dass das schweizerische Gericht bei der Bestimmung der streitentscheidenden Rechtsfragen sowie der Ermittlung und Anwendung ausländischen Rechts nicht ohne Berücksichtigung der Eigenheiten der fremden Rechtsordnung von den in der inländischen Dogmatik verwendeten Denkkategorien und Argumentationsmustern ausgehen darf (BGE 126 III 492 E. 3c/aa S. 494 f. mit zahlreichen Hinweisen). Das Recht - auch das ausländische - ist von Amtes wegen zu ermitteln und anzuwenden (Art. 57 ZPO i.V.m. Art. 16 Abs. 1 IPRG; BGE 140 III 456 E. 2.3 S. 458 f.). Bei der Ermittlung ausländischen Rechts kann aber die Mitwirkung der Parteien verlangt werden (Art. 16 Abs. 1 Satz 2 IPRG) und bei vermögensrechtlichen Ansprüchen der Nachweis den Parteien gar überbunden werden (Art. 16 Abs. 1 Satz 3 IPRG). Wenn die Parteien Gutachten einreichen und diese sich zum Inhalt des ausländischen Rechts grundsätzlich übereinstimmend äussern und nur die Anwendung auf eine bestimmte Konstell ation strittig bleibt, kann das Gericht die unbestrittenen Grundsätze und Normen auf den Streitfall anwenden, soweit es sich nach einer Würdigung der Nachweise von der Richtigkeit der übereinstimmenden Rechtsdarstellung überzeugt hat (vgl. Urteile 4A_336/2008 vom 2. September 2008 E. 5.2; 5A_193/2010 vom 7. Juli 2010 E. 2.3 f.).