Citation: 5A_174/2015 E. 8.2

8.2. Über die Tragung der Kosten und Lasten im Miteigentumsverhältnis sieht Art. 649 ZGB vor, dass die Verwaltungskosten, Steuern und anderen Lasten, die aus dem Miteigentum erwachsen oder auf der gemeinschaftlichen Sache ruhen, von den Miteigentümern, wo es nicht anders bestimmt ist, im Verhältnis ihrer Anteile getragen werden (Abs. 1) und dass ein Miteigentümer, der solche Ausgaben über diesen Anteil hinaus getragen hat, von den anderen nach dem gleichen Verhältnis Ersatz verlangen kann (Abs. 2). Der Ausgleichsanspruch kann, muss aber nicht im Rahmen der Aufhebungsklage gemäss Art. 651 ZGB selbstständig eingeklagt werden (z.B. Urteil 5A_62/2015 vom 28. April 2015 E. 3.1). Seine Beurteilung ist nicht notwendig mit der Aufhebung des Miteigentums verbunden (z.B. BGE 119 II 330 Bst. B: Widerklage auf Ausgleich in einem Herabsetzungsprozess). Der Beklagte räumt selber ein, dass der Ausgleichsanspruch unter Umständen gegen eine Person geltend gemacht werden muss und kann, die nicht mehr Miteigentümerin ist (Brunner/Wichtermann, a.a.O., N. 9 zu Art. 649 ZGB). Die Teilung des Miteigentums nach gerichtlicher Anordnung kann somit für alle Miteigentümer bewirkt werden, ohne dass gleichzeitig über den Ausgleichsanspruch unter Miteigentümern entschieden wird. Es bedarf im Prozess um die Teilung des Miteigentums (Art. 651 ZGB) deshalb der förmlichen Widerklage auf Ausgleich gemäss Art. 649 Abs. 2 ZGB (vgl. zum Begriff der doppelseitigen Klage: GULDENER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl. 1979, S. 149).