Citation: 5A_223/2023 E. 4.8

4.8. Fallbezogen kann folgendes ergänzt werden: Nach Art. 760 Abs. 1 OR beginnt die relative Verjährungsfrist an dem Tag zu laufen, an dem der Geschädigte Kenntnis vom Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat. Rechtsprechungsgemäss hat der Geschädigte genügende Kenntnis vom Schaden, wenn er den Schadenseintritt, die Art und den ungefähren Umfang der Schädigung kennt und zur Formulierung einer Klage mit Begehren und Begründung in der Lage ist (BGE 136 III 322 E. 4.1; 131 III 61 E. 3.1.1; 116 II 158 E. 4a; 114 II 253 E. 2a). Massgebend ist die tatsächliche Kenntnis des Schadens und nicht der Zeitpunkt, in dem der Geschädigte bei gehöriger Aufmerksamkeit vom Schaden hätte Kenntnis erlangen können (BGE 136 III 322 E. 4.1; 111 II 55 E. 3a). Vorliegend behauptet die Beschwerdeführerin nicht, sie habe Kenntnis von einem Schaden; im Gegenteil: sie rechtfertigt die Betreibung mit der Vermutung, der Beschwerdegegner könnte im Rahmen seiner Tätigkeit als Verwaltungsrat anderen Schaden verursacht haben und sie müsse "alle möglichen Szenarien in Betracht ziehen". Solange sie indes - nach eigenen Angaben - weder Kenntnis von einer schädigenden Handlung noch vom dadurch verursachten Schaden hat, sondern selber nur von "Szenarien" spricht, durfte das Obergericht annehmen, dass nichts Plausibles vorgebracht worden sei, was Anlass zu einer Unterbrechung der relativen Verjährungsfrist gegeben und damit für die legitime Einforderung eines exorbitanten (Fantasie-) Betrages gesprochen hätte. Ausserdem kann ein Gläubiger, dem es nicht möglich oder unzumutbar ist, seine Forderung zu beziffern, eine unbezifferte Forderungsklage (Art. 85 Abs. 1 ZPO) oder eine sog. Stufenklage (vgl. BGE 146 III 254 E. 2.1.5.1) anstrengen. In beiden Fällen wird die Verjährung für die ganze später bezifferte Summe unterbrochen (BGE 133 III 675 E. 2.3.2; 119 II 339 E. 1c/aa; DÄPPEN, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 7. Aufl. 2020, N. 20 zu Art. 135 OR). Wenn die Verjährung - wie nach der Argumentation der Beschwerdeführerin - noch gar nicht zu laufen begonnen hat oder einem Gläubiger die Möglichkeit offensteht, eine allfällige Verjährung trotz (noch) fehlenden Informationen auf andere Weise als mittels Betreibung zu unterbrechen, besteht kein schutzwürdiges Interesse an der Betreibung eines blossen Fantasiebetrages.