Citation: U 193/06 20.10.2006 E. 2.3

2.3.1 Schliesslich hat die Vorinstanz das Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen den bestehenden psychischen Beschwerden und dem Unfall zu Recht bejaht. Nach geltender Rechtsprechung (BGE 129 V 177) ist bei der Anwendung der Adäquanzformel grundsätzlich auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen (vgl. Erw. 1.2 hievor) und dabei im allgemeinen kein allzu strenger Massstab anzulegen. An den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und den sogenannten Schreckereignissen im speziellen werden jedoch hohe Anforderungen gestellt (vgl. Urteil H. vom 14. April 2005 [U 390/04]). So verneinte das Eidgenössische Versicherungsgericht (allerdings in Anwendung der Adäquanzkriterien von BGE 115 V 139) im Fall einer Versicherten, die auf offener Strasse von einem Unbekannten angegriffen, zu Boden gedrückt und in Tötungsabsicht gewürgt worden war (wobei sie auch körperliche Beeinträchtigungen - Schrammen am Hals und Schmerzen in der Lendengegend - erlitt; RKUV 1996 Nr. U 256 S. 215) die Adäquanz, ebenso wie bei einem Mann, der in Zusammenhang mit seinem Geschäft von einem unbekannten Begleiter eines Kunden mit dem Messer bedroht und erpresst worden war (jedoch keine somatischen Verletzungen davontrug; Urteil C. vom 19. März 2003, U 15/00) und im Fall einer Spielsalonaufsicht, die nach Geschäftsschluss überraschend von einem Vermummten mit der Pistole bedroht und (ohne dass sie körperlich angegriffen worden wäre) zur Geldherausgabe gezwungen worden war (BGE 129 V 177). Gleich beurteilte es den Fall einer Versicherten, die bei einem nächtlichen Angriff eines alkoholisierten Mannes gewürgt und beschimpft worden war. Es hielt dazu fest, dass ein solches Ereignis nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet sei, langjährige Angst- und depressive Zustände herbeizuführen, dies umso mehr als sich keine Hinweise auf einen Vergewaltigungsversuch in den Akten fänden (Urteil H. vom 14. April 2005 [U 390/04]). Nach der Rechtsprechung besteht die übliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Ereignisse erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate überwunden wird. 2.3.2 Zwar erscheint unter dem Gesichtspunkt der Bedrohung für Leib und Leben der vorliegende Fall mit den gezeigten Sachverhalten als vergleichbar. Hingegen handelt es sich zusätzlich um einen massiven Eingriff in die sexuelle Integrität einer Frau, welche sich überdies in einer labilen psychischen Situation befand. So gilt zu beachten, dass sich das Unfallereignis am Tag zugetragen hatte, als die Versicherte aus dem Spital austrat, wo sie vom 22. bis 25. August 2000 für eine Mamma-Probeexzision hospitalisiert war, nachdem sie sich bereits einen Monat zuvor wegen eines Knotens in der gleichen Brust mit Verdacht auf Krebs einer Operation unterziehen musste, mithin, wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, in einem Zeitpunkt, in welchem sie - wie jede Frau in gleicher Lage - besonders verletzlich gewesen sein dürfte. Zudem ist der Entlassungstag der erste Tag, da die entlassene Person als in der Lage angesehen wird, sich ausserhalb des Schutzes des Spitals zu bewegen. Wer das Spital unter diesen Umständen in einer labilen psychischen Verfassung verlässt, befindet sich innerhalb der gemäss Rechtsprechung zu berücksichtigenden Bandbreite von Versicherten. Für die im Einspracheentscheid angeführte vorbestehende extreme psychische Vulnerabilität finden sich in den medizinischen Akten keine relevanten Anhaltspunkte. Es kann mithin nicht von einer aussergewöhnlichen, singulären Reaktion psychogener Art auf erlittene Schreckunfälle gesprochen werden, bei welcher die Kausalität zu verneinen wäre (Urteil R. vom 4. August 2005 [U 2/05]). Wer in diesem Zustand unter Lebensbedrohung zu einer ekelerregenden sexuellen Handlung, welche einer Vergewaltigung gleichkommt, gezwungen wird, kann nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung einen nachhaltigen psychischen Gesundheitsschaden erleiden. Daran vermögen die Einwendungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts zu ändern.