Citation: 9C_365/2022 E. 2.2.2

2.2.2. Die Bedingungen einer rationellen (Massen-) Verwaltung (vgl. BGE 148 V 217 E. 5.2.1) führen zum gleichen Ergebnis. Zwar stehen der - vorinstanzlich bejahten - Annahme einer bereits im Jahr 2013 erfüllten Meldepflicht keine technischen Gründe entgegen; mit der Vorinstanz ist nicht einzusehen, weshalb es unpraktikabel sein sollte, eine zu einem definierten Zeitpunkt eintretende - bekannte - Änderung in den leistungserheblichen Verhältnissen längere Zeit im Voraus vorzumerken. Indessen wäre es unverhältnismässig, wenn die Verwaltung stets alle eingereichten Unterlagen auch auf Tatsachen hin prüfen müsste, die ausserhalb des aktuellen Prüfungsgegenstands - hier die erstmalige Beurteilung des Anspruchs auf Ergänzungsleistung im Jahr 2013 - liegen und erst bei einer allfälligen späteren Neubeurteilung relevant werden. Die vorinstanzliche Auffassung, wonach die zu einem späteren Zeitpunkt voraussichtlich eintretende Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse ein für allemal als gemeldet gilt, wenn sie in den mit der Anmeldung eingereichten Unterlagen latent vermerkt ist, führte zu Abgrenzungsproblemen dahin, wie weit die Pflicht der Verwaltung gehen soll, eingereichte Unterlagen auch auf Umstände hin auszuwerten, die im gegebenen Prüfungszusammenhang noch keine Rolle spielen. Gerade am Beispiel des Scheidungsurteils zeigt sich, dass später eintretende Gründe für eine Leistungsanpassung häufig nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind, ihre Erfassung vielmehr eine aufwendige Auswertung der Unterlagen voraussetzte. Im konkreten Fall kommt hinzu, dass der Zeitpunkt der Pensionierung des geschiedenen Ehemanns der Beschwerdegegnerin keineswegs mit Gewissheit schon im vornherein feststand: Es wäre auch möglich gewesen, dass er vorzeitig pensioniert oder aber über das ordentliche Rentenalter hinaus arbeiten würde. Ob und wie das Scheidungsurteil in einem solchen Fall angepasst worden wäre, blieb bis zur effektiven Pensionierung grundsätzlich offen.