Citation: 5C.157/2004 09.08.2004 E. 2

Ihren materiellen Ausführungen legt die Berufungsklägerin zu Grunde, dass die Vorinstanz nicht vom aktuellen Stand der Dinge hätte ausgehen dürfen, sondern dass sie die Frage hätte beurteilen müssen, ob im Frühling 2002 ein betreutes Wohnen bzw. eine Therapie in F.________ angezeigt gewesen wäre. Mit dieser Argumentation überspielt die Berufungsklägerin, dass nicht das Kind für ihre Therapierung da ist, sondern für die Anordnung von Kindesschutzmassnahmen allein das Kindeswohl massgeblich ist. Aus diesem Grund geht auch ihre sinngemässe Forderung, es müsse ihr eine reelle Bewährungschance geboten werden, an der Sache vorbei; der Obhutsentzug setzt nicht voraus, dass weniger weit gehende Massnahmen versucht worden, aber erfolglos geblieben sind (Breitschmid, Basler Kommentar, N. 4 zu Art. 310 ZGB). Sodann verkennt die Berufungsklägerin, dass die Behörden im Bereich der Kindesschutzmassnahmen von Amtes wegen einzuschreiten haben, sobald sie von einer Gefährdung des Kindes Kenntnis erhalten (Hegnauer, a.a.O., N. 27.63), und dass in sämtlichen Kinderbelangen uneingeschränkt die Offizial- und die Untersuchungsmaxime gilt (BGE 122 III 404 E. 3d S. 408; 120 II 229 E. 1c S. 231). Die zuständigen Behörden sind daher verpflichtet, den relevanten Sachverhalt umfassend abzuklären (Brönnimann, Gedanken zur Untersuchungsmaxime, in: ZBJV 1990, S. 329 ff., insb. S. 356 f.), und es sind im kantonalen Verfahren alle neuen Tatsachen und Beweismittel zu berücksichtigen (Brönnimann, a.a.O., S. 354 f.). Damit fallen die auf der Hypothese, zu beurteilen sei ein früherer Zustand, basierenden Vorbringen der Berufungsklägerin weitgehend in sich zusammen. Bereits aus dem Gutachten von Dr. D.________ vom 11. August 2003, aber insbesondere aus demjenigen von Dr. E.________ vom 29. März 2004, das sowohl auf Gesprächen mit allen Beteiligten (Kindsmutter, Kindsvater, Grossmutter, Pflegefamilie) als auch auf eigenen Untersuchungen von B.________ basiert, wird mit aller Deutlichkeit klar, dass einzig die Fremdplatzierung in Frage kommt und ein betreutes Wohnen ausser Diskussion steht, weil die Kindsmutter nach wie vor ausser Stande ist, für ihre Tochter zu sorgen, umso mehr als diese in emotionaler und pädagogischer Hinsicht grosse Defizite aufweist und deshalb verstärkt auf ein stabiles, ihre körperliche, geistige und sittliche Entfaltung förderndes Umfeld angewiesen ist. Entgegen den sinngemässen Vorbringen der Berufungsklägerin sind deshalb die aus Art. 307 ZGB fliessenden Grundsätze der Subsidiarität, der Komplementarität und der Proportionalität gewahrt. Kommt ein betreutes Wohnen in Nachachtung der Maxime des Kindeswohls nicht (mehr) in Betracht, werden die Vorbringen der Berufungsklägerin im Zusammenhang mit dem Alkoholabusus ebenso gegenstandslos wie die behauptete Therapiewilligkeit.