Citation: 5C.212/2001 08.11.2001 E. 2

2. Aufl. 1952, N. 8 - 10 zu Art. 519 ZGB). Nach dem Teilentwurf war jedermann zur Klage zugelassen, "der an dem Nichtvorhandensein der Verfügung ein Interesse hat", sowie die zuständige Behörde und der Erbschaftsverwalter. Der Vorentwurf verlangte nur noch ein Interesse, wobei die Behörde und der Erbschaftsverwalter nicht mehr als aktivlegitimiert galten. Die eidgenössischen Räte verabschiedeten schliesslich eine engere Formulierung, wonach für die Aktivlegitimation ein "erbrechtliches Interesse" verlangt wurde. Dieser Formulierung entspricht der gültige französische Text, der lautet: "L'action appartient à toute personne intéressée à titre héréditaire". Damit soll ausgeschlossen werden, dass ein bloss familien-, obligationen- oder sachenrechtliches Interesse ausreiche. Die noch engere, definitive deutsche Formulierung (als Erbe oder Bedachter ...) führte erst die Redaktionskommission ein. Da dieser Kommission keine Befugnis zu materiellrechtlichen Änderungen übertragen war, kann dieser Änderung nur formelle Bedeutung zukommen. Zur Klage legitimiert ist somit, wer als Erbe oder Bedachter oder aus einem andern Grund ein erbrechtliches Interesse daran hat, dass die Verfügung für ungültig erklärt werde (vgl. Tuor, a.a.O., N. 8 zu Art. 519 ZGB; Forni/Piatti, Basler Kommentar, N. 25 zu Art. 519/520 ZGB; Gottfried Müller, Die Ungültigkeitsklage bei den Verfügungen von Todes wegen, Diss. Zürich 1928, S. 77). b) Der Kläger führt dazu aus, er sei zwar mit der Abtretung seines Erbanteils an seine Mutter aus der Erbengemeinschaft ausgetreten, bleibe aber gestützt auf Art. 639 ZGB für die Schulden des Erblassers während fünf Jahren solidarisch haftbar (BGE 102 Ib 321 E. 6 S. 328; 109 II 408 S. 410). Die Wirkung der Abtretung zwischen Zedent und Zessionar sei daher beschränkt, so dass der Abtretungserbe gemäss Art. 639 ZGB ein eigenes erbrechtliches Interesse am weiteren Verlauf der Nachlassliquidation habe. Die Abtretung ohne Sicherstellung werde der Abtretungserbe in der Regel im Vertrauen auf die Person des Zessionars abschliessen, dieser werde die Nachlassschulden bezahlen und ihn dadurch schadlos halten. Zum eingesetzten Willensvollstrecker bestehe aber ein anderes Verhältnis als zum Zessionar - vorliegend nämlich ein Misstrauensverhältnis. Durch seine Handlungen greife der Willensvollstrecker unmittelbar in die Rechtsstellung des Abtretungserben ein, potentiell negativ, wenn er z.B. die Schulden nicht bezahle. c) Wie der Erbe und der Bedachte muss auch derjenige, der seinen Erbanteil abgetreten hat, ein Interesse an der Ungültigkeit der letztwilligen Verfügung ausweisen können. Vorausgesetzt sind beim Abtretungserben konkrete Anhaltspunkte dafür, dass ihm aus der Ungültigkeit der Verfügung ein Vorteil erwächst. Der rein theoretischen Befürchtung des Klägers, solidarisch für allfällige Erbschaftsschulden zu haften, sollten die Willensvollstrecker diese nicht bezahlen, entspricht der rein theoretische Vorteil, dass sich eine solidarische Haftung nicht ergeben kann, wenn die Verfügung für ungültig erklärt würde. Dies reicht indes nicht aus. Damit ein Interesse bejaht werden könnte, müsste der Kläger vielmehr darlegen, welche konkreten Anhaltspunkte für einen Vorteil aus der Ungültigkeit der Verfügung sprechen. Diesen Anforderungen kommt er indes nicht in einer Art. 55 Abs. 1 lit. c OG genügenden Weise nach, und dem angefochtenen Entscheid lassen sich in diesem Zusammenhang keine verbindlichen tatsächlichen Feststellungen entnehmen (Art. 63 Abs. 2 OG). Der Kläger weist zwar in allgemeiner Weise auf sein Misstrauensverhältnis zu den Willensvollstreckern hin. Inwiefern ein solches besteht und die Bezeichnung der beiden Willensvollstrecker seine Haftbarkeit eher auslösen könnte, als wenn an ihrer Stelle der Vormund der Mutter die Erbschaftsschulden zu begleichen hätte, legt der Kläger nicht dar und ist dem angefochtenen Entscheid auch nicht zu entnehmen. Der Umstand allein, dass der Abtretungserbe ein belastetes Verhältnis zum Willensvollstrecker hat und ihn deswegen von seinem Amt fernhalten möchte, vermag die Aktivlegitimation ohnehin nicht zu begründen (vgl. dazu auch Johann Steiner, Das Erfordernis des richterlichen Urteils für die Ungültigerklärung oder Herabsetzung von Verfügungen von Todes wegen, Diss. Freiburg 1945, S. 16). Die Vorinstanz hat demnach kein Bundesrecht verletzt, indem sie ein erbrechtliches Interesse an der Aufhebung der letztwilligen Verfügung und damit die Aktivlegitimation des Klägers verneint hat. Die Berufung ist daher abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann, und das angefochtene Urteil ist zu bestätigen.