Citation: 4A_2/2023 E. 3.4

3.4. Das TAS wies zutreffend darauf hin, dass im vorliegenden Fall, in dem es als Berufungsinstanz zu entscheiden hatte, seine eigene Zuständigkeit nicht weiter reichen konnte als diejenige des verbandsinternen Entscheidungsorgans. Die Zuständigkeit des TAS zur Beurteilung der geltend gemachten Forderungen setzt mithin voraus, dass die FIFA-Kommission für den Status von Spielern ihrerseits zuständig war, über die Streitsache zu entscheiden (dazu Urteil 4A_420/2022 vom 30. März 2023 E. 5.5.5). Das Schiedsgericht legte zur Prüfung der Zuständigkeit der FIFA-Kommission und damit indirekt auch des TAS selber neben Ziffer XI.4 des Arbeitsvertrags (siehe oben SV A.b) die anwendbaren Verbandsregeln aus, so insbesondere Art. 22 des FIFA-Reglements bezüglich Status und Transfer von Spielern (Regulations on the Status and Transfer of Players, RTSP), der in der Fassung 2020 wie folgt lautete: "Without prejudice to the right of any player, coach, association, or club to seek redress before a civil court for employment-related disputes, FIFA is competent to hear: -..] c) employment-related disputes between a club or an association and a coach of an international dimension; the aforementioned parties may, however, explicitly opt in writing for such disputes to be decided by an independent arbitration tribunal that has been established at national level within the framework of the association and/or a collective bargaining agreement. Any such arbitration clause must be included either directly in the contract or in a collective bargaining agreement applicable on the parties. The independent national arbitration tribunal must guarantee fair proceedings and respect the principle of equal representation of coaches and clubs; [...]" Das Schiedsgericht erwog, die in Artikel 22 lit. c RTSP vorgesehene Zuständigkeit der FIFA für arbeitsrechtliche Streitigkeiten sei nicht absolut, sondern hänge von der Wahl der klagenden Partei ab, die auch an das zuständige staatliche Gericht gelangen könne. Zudem könne das in dieser Verbandsbestimmung vorgesehene Wahlrecht auch durch abweichende Parteiabrede im Rahmen eines Arbeitsvertrags abgeändert werden. Die Parteien eines Arbeitsvertrags könnten die Zuständigkeit der FIFA demnach ausschliessen und die Parteien verpflichten, ihren Rechtsstreit dem zuständigen staatlichen Gericht zu unterbeiten. Der Beschwerdeführer beanstandet diese Auslegung nicht, sondern wendet sich gegen die nachfolgende Erwägung des Schiedsgerichts, wonach die Parteien in Ziffer XI.4 des Arbeitsvertrags von der Regelung nach Artikel 22 lit. c RTSP abweichen wollten, indem sie für arbeitsrechtliche Streitigkeiten die Zuständigkeit der staatlichen Gerichte vorsahen. Er hält den Erwägungen im angefochtenen Entscheid jedoch lediglich seine kaum begründete Ansicht entgegen, wonach trotz der Abrede in Ziffer XI.4 des Arbeitsvertrags eine gültige Schiedsklausel vorliege. Dabei beruft er sich auf angebliche Hintergründe der Vertragsverhandlungen, die sich nicht auf die - für das Bundesgericht verbindlichen (Art. 105 Abs. 1 BGG) - Sachverhaltsfeststellungen im angefochtenen Schiedsentscheid stützen lassen und behauptet in appellatorischer Weise, die Parteien hätten die ursprünglich in Ziffer XI.4 des Arbeitsvertrags vereinbarte Vertragsklausel während des verbandsinternen Verfahrens durch eine Schiedsklausel ersetzt. Aus dem vom Beschwerdeführer ins Feld geführten bundesgerichtlichen Urteil 4A_244/2012 vom 17. Januar 2013 lässt sich zudem nichts zu seinen Gunsten ableiten. Das Bundesgericht verneinte in diesem Entscheid vielmehr die Zuständigkeit des Schiedsgerichts in Beurteilung einer Vereinbarung, die sowohl eine Schieds- als auch eine Gerichtsstandsklausel enthielt. Angesichts der widersprüchlichen Vertragsbestimmungen erwog es, in der Vereinbarung komme kein hinreichend klarer Wille der Parteien zum Ausdruck, bestimmte Streitigkeiten von der staatlichen Gerichtsbarkeit auszunehmen und darüber ein Schiedsgericht entscheiden zu lassen, weshalb für den Utilitätsgedanken, nach dem möglichst ein Vertragsverständnis zu suchen ist, das die Schiedsvereinbarung bestehen lässt, kein Raum bleibe (E. 4.4). Der Beschwerdeführer verkennt auch mit seinen weiteren Vorbringen, dass der erwähnte Utilitätsgedanke nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts erst Platz greift, wenn als Auslegungsergebnis feststeht, dass die Parteien die Streitsache von der staatlichen Gerichtsbarkeit ausnehmen und einer Entscheidung durch ein Schiedsgericht unterstellen wollten (BGE 140 III 134 E. 3.2; 138 III 29 E. 2.2.3; 130 III 66 E. 3.2; Urteile 4A_294/2022 vom 3. Januar 2023 E. 3.1.2; 4A_342/2019 vom 6. Januar 2020 E. 3.2). Das TAS erwog nachvollziehbar, Ziffer XI.4 des Arbeitsvertrags sei nach Treu und Glauben dahingehend auszulegen, dass die Parteien mit dem ausdrücklichen Verweis auf arbeitsrechtliche Streitigkeiten ("labour disputes"), die dem zuständigen staatlichen Gericht ("the competent Administrative and Labour Court") zur Beurteilung unterbreitet werden sollten, für allfällige Streitigkeiten aus ihrem Arbeitsvertrag nicht auf die staatliche Gerichtsbarkeit verzichten, sondern im Gegenteil deren ausschliessliche Zuständigkeit vorsehen wollten. Inwiefern das TAS damit gegen anerkannte Auslegungsgrundsätze verstossen haben soll, vermag der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen. Im Gegenteil hat das Schiedsgericht zutreffend berücksichtigt, dass ein solcher Verzichtswille nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht leichthin angenommen werden kann und hat im Zweifelsfall zu Recht einer restriktiven Auslegung den Vorzug gegeben.