Citation: 6B_1019/2023 E. 2.1.3

2.1.3. Damit insoweit korrespondierend und entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers geht auch die Vorinstanz nicht davon aus, dass ihre "freiwillig" vorgenommene amtliche Publikation eine rechtsgültige Zustellung der Vorladung bewirkt hätte. Aus ihren Erwägungen im angefochtenen Beschluss ergibt sich stattdessen, dass sie in der öffentlichen Bekanntmachung "lediglich" ein Mittel erkennt, mit dem "exemplarisch" gezeigt werde, "dass seitens des Obergerichts alles unternommen worden [sei], um den Beschuldigten ausfindig zu machen und ihn rechtsgültig vorladen zu können", mithin die amtliche Publikation nichts an der Anwendbarkeit von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO ändere (vgl. angefochtener Beschluss S. 3). Nichts anderes ergibt sich aus der prozessleitenden Verfügung vom 15. Mai 2023. Bereits mit dieser hatte der Verfahrensleiter die Parteien darauf hingewiesen, dass dem flüchtigen Beschwerdeführer die Vorladung vom 8. März 2023 mangels unbekannten Aufenthaltsorts bis anhin nicht persönlich habe zugestellt werden können. Diese sei im Amtsblatt publiziert worden, obwohl sich eine Vorladung per Publikation in solchen Fällen erübrige. Gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO gelte die Berufung als zurückgezogen, wenn die Partei, die sie erklärt habe, nicht vorgeladen werden könne. Erfolge die Publikation dennoch, ändere dies nichts an der Anwendbarkeit von Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO. In der Folge verfügte der Verfahrensleiter, dass das Obergericht gestützt auf Art. 407 Abs. 1 lit. c StPO die Abschreibung des Verfahrens zufolge Rückzugs der Berufung zu prüfen hätte, "[s]ollte dem Beschuldigten die Vorladung nicht rechtzeitig vor der Verhandlung persönlich zugestellt werden können und erscheint er auch nicht zur Berufungsverhandlung" (vorinstanzliche Akten [VI] act. 210 ff.). Damit hatte die Vorinstanz bereits im Vorfeld der Berufungsverhandlung klar zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht von einer - durch die amtliche Publikation - rechtsgültig erfolgten Zustellung der Vorladung ausging, womit kein widersprüchliches Verhalten und keine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben erkennbar ist. Angesichts dieser Deutlichkeit ergibt sich eine solche Verletzung entgegen dem Beschwerdeführer auch nicht daraus, dass die Vorinstanz an der Berufungsverhandlung festhielt und diese eröffnete; ebenso wenig aus seiner spekulativen Annahme, dass sie "offenbar" bereit gewesen wäre, diese durchzuführen, wäre er "aufgrund der amtlichen Publikation" zum Verhandlungstermin erschienen. Festzuhalten bleibt, dass denn auch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist, ob und unter welchen Prämissen die Vorinstanz diesfalls die Berufungsverhandlung durchgeführt hätte respektive dies zulässig gewesen wäre. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen hierzu.