Citation: 6B_968/2021 E. 2.1

2.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung von Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO und des Grundsatzes "in dubio pro duriore". Das Strafverfahren wegen sexueller Nötigung könne nur bei klarer Straflosigkeit eingestellt werden; andernfalls sei Anklage zu erheben oder ein Strafbefehl zu erlassen. Die Jugendanwaltschaft reklamiere für sich zu Unrecht einen grösseren Ermessensspielraum, wenn sie auch bei nicht ausräumbaren Zweifeln an der Schuld und damit gestützt auf den Grundsatz "in dubio pro reo" eine Einstellung des Verfahrens als möglich erachte. Selbst wenn der Jugendanwaltschaft eine sachrichterliche Funktion zugeschrieben werde, dürfe sich die Anklagekammer nicht auf eine Ermessensüberprüfung beschränken. Von der sozial verwahrlosten, entwicklungsverzögerten und im Tatzeitraum neun bis dreizehn Jahre alten Beschwerdeführerin habe keine Widersetzung gegen den Bruder erwartet werden dürfen. Bei sexuellen Übergriffen auf Kinder aus dem sozialen Nahbereich des Täters würden an das Nötigungsmittel des "psychischen-unter-Druck-Setzens" weniger hohe Anforderungen gestellt. Vorliegend seien die Übergriffe durch den Bruder, die engste und wichtigste Bezugsperson erfolgt. Dieser habe den Druck durch "Geister- und Kopfwehgeschichten" erhöht, die aus Sicht der Beschwerdeführerin keineswegs plump gewesen seien. Sie habe damit rechnen müssen, dass ihre engste Bezugsperson leide, würde sie sich dem Analverkehr widersetzen. Damit sei die erzeugte Drucksituation strafrechtlich relevant. Daran ändere nichts, wenn die Gutachterin ausführe, dass der Beschwerdegegner 2 seine Bedürfnisse weder mit Zwang noch mit Gewalt durchgesetzt habe. Die rechtliche Würdigung, ob ein Nötigungsmittel nach Art. 189 StGB gegeben sei, obliege den Strafbehörden.