Citation: I 257/06 03.11.2006 E. 5

Umstritten sind schliesslich auch die erwerblichen Auswirkungen der festgestellten Arbeitsunfähigkeit. 5.1 Der für die Invaliditätsbemessung durchzuführende Einkommensvergleich nach Art. 28 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 Erw. 1). Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige (Art. 28 Abs. 2bis IVG und Art. 26bis IVV in der jeweils bis 31. Dezember 2003 gültig gewesenen wie auch in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung) ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (ausserordentliches Bemessungsverfahren). Der grundsätzliche Unterschied dieses Verfahrens zur spezifischen Methode besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchem bemessen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen; in einem zweiten Schritt aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen einer erwerbstätigen Person kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis eines Betätigungsvergleichs abstellen, wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (BGE 128 V 30 Erw. 1 mit Hinweisen). Die Gegenüberstellung der vor und nach Eintritt eines invalidenversicherungsrechtlichen Versicherungsfalles in einem Gewerbebetrieb realisierten Geschäftsergebnisse nach Massgabe der Einkommensvergleichsmethode lässt zuverlässige Schlüsse auf die invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse nur dort zu, wo mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, dass die Betriebsergebnisse durch invaliditätsfremde Faktoren beeinflusst worden sind. Tatsächlich sind aber für die jeweiligen Geschäftsergebnisse eines Gewerbebetriebes häufig zahlreiche schwer überblickbare Komponenten wie etwa die Konjunkturlage, die Konkurrenzsituation, der kompensatorische Einsatz von Familienangehörigen, Unternehmensbeteiligten oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von massgeblicher Bedeutung. Wo eine verlässliche Ausscheidung der auf solche (invaliditätsfremde) Faktoren zurückzuführenden Einkommensanteile einerseits und der auf dem eigenen Leistungsvermögen der versicherten Person beruhenden Einkommensschöpfung andererseits nicht möglich ist, hat die Invaliditätsbemessung nach der Methode des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zu erfolgen (AHI 1998 S. 254 Erw. 4a; Urteil V. vom 24. Oktober 2005, I 370/05, Erw. 5.2 und 5.3). 5.1.1 Die Beschwerdeführerin wäre als Valide unbestrittenermassen weiterhin als selbstständige Coiffeuse tätig gewesen. Ausgangspunkt für die Ermittlung des (hypothetischen) Valideneinkommens bilden somit die Einkommensverhältnisse bis zur krankheitsbedingten Aufgabe dieser Tätigkeit am 21. Juli 2000. Massgebend sind dafür grundsätzlich die in den Geschäftsabschlüssen über einen längeren Zeitabschnitt ausgewiesenen Betriebserfolge, wobei Einkommensbestandteile, die nicht unmittelbar auf die Tätigkeit der versicherten Person zurückgehen, in Abzug zu bringen sind (vgl. zum Ganzen: Rz 3029 ff. des vom BSV herausgegebenen Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]; SVR 1999 IV Nr. 24 S. 73 Erw. 4a und b; Urteile M. vom 1. Juni 2006, I 842/05, Erw. 4.1, und Q. vom 18. Dezember 2002, I 72/02, Erw. 3.2.2). 5.1.2 Im Jahr 1998 wurde ein Betriebsgewinn von Fr. 11'437.70, 1999 ein solcher von Fr. 16'580.75 und 2000 - bei einer Geschäftsaktivität bis 21. Juli 2000 - von Fr. 15'808.30 ausgewiesen. Daraus erhellt, dass die Versicherte im Jahr 2000 während einer knapp siebenmonatigen aktiven Erwerbsphase einen Gewinn erzielte, der nur wenig unter dem gesamten Vorjahresergebnis lag. Dies deutet darauf hin, dass sie bei guter Gesundheit einen erheblich höheren Jahresverdienst hätte erwirtschaften können als 1998 und 1999. Wird der für 2000 erstellte Betriebsgewinn auf ein Jahr hochgerechnet (Fr. 15'808.30 : 200 x 365) resultiert ein Betrag von Fr. 28'850.15. Dazu zu zählen wären, wie die Vorinstanz unter Verweis auf die relevante, hievor zitierte Rechtsprechung richtig erkannt hat, grundsätzlich Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von maximal rund Fr. 2500.- (vgl. Jahresrechnung 1999) und die gemäss Jahresrechnung 2000 ausgewiesenen Abschreibungen von Fr. 810.-, woraus sich ein Valideneinkommen von Fr. 32'160.15 ergäbe. Entgegen der Betrachtungsweise der Beschwerdeführerin kann indes nicht nur auf das äusserst kurzzeitige, unmittelbar vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte Geschäftsergebnis abgestellt werden, weil sonst der aus dem Invaliditätsbegriff fliessende Grundsatz verletzt würde, dass die Invaliditätsbemessung der voraussichtlich länger bleibenden oder länger dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (AHI 1998 S. 122 Erw. 3c und S. 254 Erw. 4a; Urteil V. vom 24. Oktober 2005, I 370/05, Erw. 5.4). Vielmehr wären, damit eine zuverlässige Beurteilung des durchschnittlichen Valideneinkommens erfolgen könnte, die Betriebsergebnisse über einen längeren Zeitraum zu berücksichtigen. Ob die aktenkundigen Geschäftsabschlüsse 1998 bis 2000 diesem Kriterium genügen - die für den Zeitpunkt nach Eintritt des Gesundheitsschadens vorhandenen Betriebsergebnisse sind im vorliegenden Kontext unbeachtlich (vgl. Urteil Q. vom 18. Dezember 2002, I 72/02, Erw. 3.2) -, kann jedoch ebenso offen gelassen werden wie der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde aufgeworfene Punkt, ob dem für das Jahr 2000 ausgewiesenen Betriebsergebnis noch zusätzliche, für das ganze Jahr angefallene Raumkosten anteilsmässig anzurechnen wären. Ebenfalls keiner abschliessenden Beurteilung bedarf alsdann auch die Frage, ob eine verlässliche Ausscheidung der invaliditätsfremden Faktoren auf Grund der aufgelegten Buchhaltungsunterlagen überhaupt möglich ist. Diese Abgrenzung wäre erforderlich, da für die Ermittlung des Valideneinkommens bzw. der massgebenden Einkommensanteile nur soweit auf die Geschäftsergebnisse abgestellt werden kann, als die Einkommensanteile auf dem persönlichen Leistungsvermögen beruhen, und gerade bei Kleinbetrieben das Geschäftsergebnis wesentlich vom persönlichen Einsatz und den individuellen Fähigkeiten der Betriebsinhaber abhängt (ZAK 1981 S. 44; Urteil V. vom 24. Oktober 2005, I 370/05, Erw. 5.4). Erstellt ist in Anbetracht der allein für die Jahre 1998 und 1999 ausgewiesenen Geschäftszahlen, dass, soweit Vorinstanz und Verwaltung einen Validenlohn von Fr. 26'229.- bzw. - in Berücksichtigung der bis 2001 eingetretenen Lohnentwicklung (vgl. dazu ZAK 1990 S. 519 Erw. 3c; Urteil S. vom 3. Februar 2006, I 181/05, Erw. 2; zum Zeitpunkt: Erw. 5.2 hiernach) - von Fr. 26'888.- berücksichtigt haben, dies, auch wenn unter dem konkreten, für sich allein jedoch nicht massgeblichen Betriebserlös des Jahres 2000 liegend, im Ergebnis jedenfalls nicht zu beanstanden ist. 5.2 Festzusetzen ist ferner das trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbarerweise noch realisierbare Einkommen (Invalideneinkommen). 5.2.1 Da die Beschwerdeführerin keiner - oder jedenfalls keiner ihr an sich zumutbaren - Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, ist zur Bestimmung des Invalideneinkommens unbestrittenermassen auf die Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen (BGE 129 V 475 Erw. 4.2.1 mit Hinweisen). Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2000 (S. 31) belief sich der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) für Frauen, die einfache und repetitive Arbeiten verrichten, im privaten Sektor auf Fr. 3658.- bei 40 Arbeitsstunden pro Woche. Daraus resultiert bei Annahme einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden wöchentlich im Jahre 2001 (Die Volkswirtschaft, 10/2006, S. 90, Tabelle B9.2, Total) und einer massgeblichen Lohnentwicklung von 2,45 % (Die Volkswirtschaft, a.a.O., S. 91, Tabelle B10.3, Frauen [BGE 129 V 408 ff.]) ein Einkommen von Fr. 3906.90 pro Monat bzw. von Fr. 46'882.80 jährlich. Umgerechnet auf ein - noch zumutbares - Pensum von 50 % ergibt sich ein Einkommen von Fr. 1953.45 bzw. von Fr. 23'441.40. Dabei handelt es sich angesichts der beruflichen Qualifikationen der Beschwerdeführerin als langjährige, selbstständige Coiffeuse um einen eher tiefen Ansatz, der aber auf Grund des Umstands, dass die mit der Geschäftsführung erworbenen Fähigkeiten in einer unselbstständigen Tätigkeit mit reduziertem Pensum allenfalls nicht mehr voll zum Tragen kommen, gerechtfertigt ist. 5.2.2 Die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, bestimmt sich auf Grund sämtlicher persönlicher und beruflicher Umstände des konkreten Einzelfalles (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug 25 % beträgt (BGE 126 V 78 ff. Erw. 5; AHI 2002 S. 71 Erw. 4b/cc [Urteil D. vom 27. November 2001, I 82/01]). Die Versicherte hat wegen ihrer Beschwerden auch in einer leidensadaptierten 50 %-Tätigkeit im Vergleich zu gesundheitlich nicht beeinträchtigten Arbeitnehmerinnen mit Lohneinbussen zu rechnen. Da sich im Übrigen indessen das Kriterium der Nationalität/Aufenthaltskategorie - die Beschwerdeführerin verfügt über eine Niederlassungsbewilligung (LSE 2000, S. 47, Tabelle TA12, Anforderungsniveau 4, Median) - lohnmässig nur minim auswirkt und die Faktoren Alter (2001: 49 Jahre; vgl. LSE 2000, S. 43, Tabelle TA9, Median) sowie Teilzeitarbeit - stets bezogen auf das in Betracht fallende Arbeitssegment - sogar einen eher höheren Verdienst erwarten lassen (LSE 2000, S. 24, Tabelle T9), trägt der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene, vorinstanzlich bestätigte Abzug in maximal zulässiger Höhe von 25 % den Umständen auf äusserst grosszügige Weise Rechnung, zumal auch die Bedeutung der Dienstjahre im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist (vgl. BGE 126 V 79 Erw. 5a/cc mit Hinweisen). Das Invalideneinkommen beträgt somit für das Jahr 2001 Fr. 17'581.05. Aus der Gegenüberstellung von Validen- (Fr. 26'888.-) und Invalideneinkommen (Fr. 17'581.05) ergibt sich ein - rentenausschliessender - Invaliditätsgrad von 35 % (zu den Rundungsregeln: vgl. BGE 130 V 121). Anhaltspunkte für eine Veränderung der erwerblichen Verhältnisse bis im Jahre 2005 sind sodann nicht ersichtlich. Die Frage, ob vorliegend eine Beurteilung auf Grund der Wiedererwägungsvoraussetzungen oder aber vor dem Hintergrund einer Neuanmeldung (bzw. - analog - einer materiellen Revision) zu erfolgen hat, erweist sich angesichts dieses Ergebnisses als nicht weiter relevant. Wie das kantonale Gericht im Übrigen ebenfalls zutreffend erkannt hat, resultierte auch aus der Annahme einer Teilerwerbstätigkeit und der daraus folgernden Anwendung der gemischten Bemessungsmethode kein für die Beschwerdeführerin günstigeres Resultat. Auf die diesbezüglichen Erwägungen im angefochtenen Entscheid kann ohne Weiterungen vollumfänglich verwiesen werden.