Citation: 6B_104/2015 E. 2.4

2.4. Nach JÜRG BOLL muss zwischen dem Wiedereinbiegen des überholenden Fahrzeugs und dem Kreuzen mit einem allfällig entgegenkommenden Fahrzeug eine "Sicherheitszeit" von mindestens 2 Sekunden bestehen (Grobe Verkehrsregelverletzung, Eine eingehende Darstellung der Praxis des Bundesgerichts, 1999, S. 84). Das überholende Fahrzeug muss somit bereits während 2 Sekunden auf dem rechten Fahrstreifen wieder eingespurt sein, bevor es mit dem entgegenkommenden kreuzt. Deshalb ist die während 2 Sekunden zu befahrende Strecke der Sicherheitszeit aufgrund der jeweiligen Geschwindigkeiten für jedes der beteiligten Fahrzeuge individuell zu berechnen. Dabei sind nach der Rechtsprechung für das entgegenkommende Fahrzeug ausserorts grundsätzlich 90 km/h zu veranschlagen (oben E. 2.2). Das überholende und das entgegenkommende Fahrzeug müssen die 2-Sekunden-Sicherheitszeit zusätzlich zu ihrem Fahrweg einhalten. Nur unter dieser physikalischen Bedingung erfolgt das Kreuzen an jenem Punkt, welcher durch den Überholweg zuzüglich der für die 2-Sekunden-Sicherheitszeit benötigten Strecke des überholenden Fahrzeugs bestimmt ist (ferner unten E. 2.10). Die 2-Sekunden-Regel ist hinsichtlich des ausreichenden Abstands gegenüber allen Strassenbenützern, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und Hintereinanderfahren, weitherum bekannt (BGE 131 IV 133 E. 3.1). Das Bundesgericht nahm dazu bislang nicht abschliessend Stellung (vgl. Urteile 6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 1.4.3 und 6B_92/2015 vom 27. Mai 2015). Die Vorinstanz beurteilt das Überholmanöver nach dieser Regel.