Citation: 7B_194/2022 E. 3.4.3

3.4.3. Die Leitung, Aufsicht und die abschliessende Verantwortung über die Gerüstbauarbeiten auf der unfallbetroffenen Baustelle namentlich im Bereich Sicherheit verortet die Vorinstanz beim Beschwerdeführer. Diese Feststellung bestreitet er grundsätzlich nicht bzw. vermag er diese mit seinem Einwand, die Vorinstanz definiere seine konkreten Pflichten nicht, sondern stelle lediglich auf seine allgemeinen Pflichten als Geschäftsführer ab, nicht als willkürlich auszuweisen. Dem Beschwerdeführer kam somit eine Garantenstellung zu. Der an seinen Verantwortungsbereich anknüpfende Vorwurf der Vorinstanz lautet dahingehend, dass der Beschwerdeführer trotz Kenntnis der Sicherheitsprobleme des verwendeten Gerüst-Systems seine Kontrollpflichten verletzt habe. Dies stellt bei entsprechendem Pflichtenheft grundsätzlich eine sorgfaltswidrige Unterlassung dar (vgl. Urteile 6B_513/2022 vom 9. Mai 2023 E. 2.2.1; 6B_1386/2021 vom 16. März 2023 E. 3.3; je mit Hinweis). Angesichts dessen vermag es ihn nicht zu entlasten, wenn er vorbringt, einen erfahrenen Bauführer eingesetzt zu haben, mehrere Personen unter der Leitung eines Vorarbeiters seien an der Errichtung eines Gerüsts beteiligt, die Gerüstbauarbeiten seien von weiteren Personen kontrolliert worden und es sei nicht geklärt worden, wie die Arbeitsabläufe der D.________ AG ausgestaltet seien und wie er seine Mitarbeiter auswähle und instruiere. Insbesondere verkennt der Beschwerdeführer, soweit er hier auf eine allfällige Mitverantwortung weiterer Personen, namentlich seiner Mitarbeiter anspielt, dass eine Entlastung vom Vorwurf der Verletzung von Regeln der Baukunde mit dem Hinweis auf die gleichartige Untätigkeit eines anderen nach der Rechtsprechung nicht möglich ist. Begründet wird dies damit, dass sich die Verantwortungsbereiche im Rahmen der beim Bau unumgänglichen Arbeitsteilung häufig nicht scharf voneinander abgrenzen lassen (Urteile 6B_315/2020 vom 18. Mai 2022 E. 6.3; 6B_543/2012 vom 11. April 2013 E. 1.3.3; je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer beruft sich in diesem Zusammenhang insbesondere auch darauf, dass sich die H.________ AG gegenüber der Generalunternehmerin verpflichtet habe, einwandfreie Gerüste erstellen zu lassen "und zwar durch die D.________ AG". Er räumt also selber ein, dass die D.________ AG als Spezialistin für den Gerüstbau beigezogen wurde. Als solche war sie aber in massgeblichem Umfang mindestens mitverantwortlich für die Sicherheit der von ihr aufgestellten Gerüste. Unbehelflich sind sodann der Verweis des Beschwerdeführers auf seine Ferienabwesenheit sowie die Behauptung, nach seiner Rückkehr Kontrollen auf der Baustelle vorgenommen zu haben, ändert dies doch nichts daran, dass diese Kontrollen offensichtlich ungenügend gewesen sind. Gleiches gilt für den Hinweis des Beschwerdeführers auf die Dimensionen der von der D.________ AG allgemein und auf der fraglichen Baustelle konkret verlegten Gerüste. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, hat ein Gerüstbauunternehmen die Gefahren, die von seinem Betrieb ausgehen, zu kontrollieren. Dies gilt grundsätzlich unabhängig von der Grösse des Betriebs und den Dimensionen des verlegten Materials, zumal die Sicherheit das zentrale Element bei der Errichtung eines Baugerüsts darstellt. Dabei kann die Verantwortung für die Verhütung von Unfällen in gewissen Grenzen an geeignete Mitarbeiter delegiert werden, wenn für die nötige Instruktion und Überwachung gesorgt wird (vgl. BGE 104 IV 96 E. 5; Urteile 6B_1016/2009 vom 11. Februar 2010 E. 5.2.1; 6P.58/2003 vom 3. August 2004 E. 6.1). Eine permanente Kontrolle erfahrener Mitarbeiter ist in solchen Situationen nicht erforderlich (BGE 117 IV 130 E. 2.d; Urteil 6B_1016/2009 vom 11. Februar 2010 E. 5.2.3). Jedoch befreit die Delegation den Unternehmer nicht völlig von seiner Verantwortung. Insbesondere verlangt eine sorgfältige Wahrnehmung der (fortbestehenden) Überwachungspflicht, dass offensichtliche Mängel oder klare Abweichungen vom vertraglich vereinbarten Zustand erkannt werden (vgl. Urteil 6P.58/2003 vom 3. August 2004 E. 6.2). Vorliegend wiesen die Baugerüste auf der Baustelle "C.________" an mehreren Stellen sichtbare, bereits vorbestehende Mängel, insbesondere in Form von halb durchgebrochenen oder morschen bzw. stark verwitterten Gerüstbrettern, auf. Derartige Mängel hätten dem Beschwerdeführer bei sorgfältiger Wahrnehmung seiner Kontrollpflichten auffallen müssen, ohne dass es dazu einer "Detailprüfung" sämtlicher Beläge, die er als "lebensfremd" bezeichnet, bedurft hätte. Schliesslich ist zwar positiv zu werten, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich des verwendeten Systems zusätzliche Sicherheitsmassnahmen anordnete und die Holzbeläge in seinem Betrieb gemäss seinen Angaben regelmässig getestet und gegebenenfalls ausgemustert werden. Ungeachtet dessen hätte er aber durch entsprechende Kontrollen sicherstellen müssen, dass seine Anweisungen befolgt und keine mangelhaften Bretter, von denen ein Sicherheitsrisiko ausgeht, in ein Gerüst eingebaut werden. Mangels wirksamer Überprüfung durfte der Beschwerdeführer, der wie gesehen die Leitung und Aufsicht über die konkreten Gerüstbauarbeiten innehatte, entgegen seiner Auffassung insbesondere gerade nicht davon ausgehen, dass kein Sicherheitsrisiko mehr besteht.