Citation: 8C_422/2023 E. 5.1.2

5.1.2. Dazu kommt die ebenfalls unvollständige Sachverhaltsabklärung in Bezug auf das psychische Leiden. Das kantonale Gericht stützt sich in diesem Zusammenhang auf die Angaben des von der Krankentaggeldversicherung zur Plausiblisierung der Arbeitsunfähigkeit beauftragten Vertrauensarztes Dr. med. H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 12. Juli 2022, der darauf schliesst, dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig sei. Der Psychiater diagnostiziert eine mittelgradige depressive Episode und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, gibt aber gleichzeitig an, dass eine differenzierte Befunderhebung aufgrund der rudimentären Sprachkenntnisse der wenig fokussiert berichtenden Beschwerdeführerin nicht möglich gewesen sei. Für ein "vertieftes Gutachten" sei ein Dolmetscher nötig. Obwohl die vertrauensärztlichen Angaben also bereits wegen der Verständigungsprobleme nicht als verlässlich eingestuft werden können, zieht die Vorinstanz daraus den Schluss, eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung sei ausgeschlossen. Zur Begründung gibt sie an, bei im Vordergrund stehenden psychosozialen Belastungsfaktoren fehle ein invalidisierendes Leiden. Mit der abweichenden Einschätzung des behandelnden Dr. med. I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 17. Mai 2022, wonach die Beschwerdeführerin aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, zu 100 % arbeitsunfähig sei, setzt sie sich nicht auseinander.