Citation: 6S.310/2004 17.11.2004 E. 3

Die Tatbestände der üblen Nachrede und der Verleumdung setzen voraus, dass die ehrverletzenden Tatsachenbehauptungen gegenüber Dritten erfolgt sind, und zwar im Falle der Verleumdung wider besseres Wissen. Die Beschimpfung erfasst hingegen ehrverletzende Tatsachenbehauptungen gegenüber dem Verletzen und ehrverletzende Werturteile gegenüber dem Verletzen und Dritten. Es kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (angefochtenes Urteil S. 12 f.). 3.1 Die Vorinstanz geht davon aus, dass das Schreiben vom 11. März 2002 ehrverletzende Äusserungen enthält, weil diese auf pädophile Übergriffe des Beschwerdeführers auf seine Nichte schliessen liessen. Sie nimmt an, es sei unzweifelhaft und unbestritten, dass sich Z.________ damit zumindest der Beschimpfung gemäss Art. 177 StGB schuldig gemacht habe (angefochtenes Urteil S. 14). Zu diesem Schuldspruch macht der Beschwerdeführer geltend, wegen der erwiesenen Drittkundgabe werde der falsche Tatbestand zu Grunde gelegt (Beschwerde S. 4, Antrag lit. b). Dieser Schuldspruch erfolgte indessen antragsgemäss (vgl. angefochtenes Urteil S. 3) und ohne Verletzung von Bundesrecht wegen der brieflichen ehrverletzenden Äusserung gegenüber dem Beschwerdeführer. Die Vorinstanz prüft weiter, ob Z.________ dieses Schreiben bzw. dessen Inhalt Dritten bekannt gegeben habe (angefochtenes Urteil S. 14). Sie verneint in der Folge mit ausführlicher Begründung eine Drittkundgabe aus Gründen des Prozessrechts und der Beweiswürdigung. Insoweit ist nach dem Gesagten (E. 1) auf die Beschwerde nicht einzutreten. Konnte somit eine Drittkundgabe nicht nachgewiesen werden, kommt ein Schuldspruch wegen übler Nachrede oder Verleumdung von vornherein nicht in Betracht. 3.2 Die Vorinstanz kommt hinsichtlich der Anklage gegenüber Y.________ ebenfalls zum Ergebnis, es könne ihr nicht nachgewiesen werden, dass sie sich über den Beschwerdeführer ehrverletzend geäussert habe, weshalb sie vom Vorwurf der üblen Nachrede bzw. der Verleumdung freizusprechen sei (angefochtenes Urteil S. 17 und 18). Damit verletzt sie kein Bundesrecht. Sie vertritt im Übrigen die Ansicht, dass ihr - "selbst wenn die Kundgabe einer ehrenrührigen Äusserung einem Dritten gegenüber hätte nachgewiesen werden können" - ein so genannter "confident nécessaire" hätte zugestanden werden müssen. Ihr müsste nämlich die Freiheit zugestanden werden, mit ihrem Therapeuten und ihren engsten Familienanghörigen im vertraulichen Rahmen über ihre Erinnerungen zu sprechen, ohne deswegen eine Verurteilung wegen übler Nachrede befürchten zu müssen (angefochtenes Urteil S. 19). Soweit der Beschwerdeführer auf diese Erwägung Bezug nimmt (Beschwerde Ziff. 3), ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Da eine Drittkundgabe nicht nachgewiesen werden konnte und entsprechend Schuldsprüche wegen übler Nachrede bzw. Verleumdung bereits aus tatsächlichen Gründen ausgeschlossen sind, fehlt es an einem schützenswerten Interesse an der Beurteilung dieser bloss noch theoretischen Rechtsfrage (vgl. BGE 124 IV 94 E. 1c), inwiefern Äusserungen im vertrauten Kreise strafbar sind. 3.3 Weil Schuldsprüche wegen übler Nachrede oder Verleumdung nicht in Betracht kommen, können sich diese Tatbestände auch nicht im Strafmass erschwerend auswirken (Beschwerde Ziff. 10).