Citation: 6B_1040/2023 E. 5.4.4

5.4.4. Im Rahmen der privaten Interessen berücksichtigt die Vorinstanz die lange Anwesenheitsdauer des Beschwerdeführers in der Schweiz. Nicht zu beanstanden ist der vorinstanzliche Schluss, der Beschwerdeführer habe die prägenden Kinder- und Jugendjahre in Sri Lanka verbracht. Er stellt nicht in Abrede, dort geboren sowie bis zum Alter von 14 oder 15 Jahren gelebt und die Schule bis zur 10. Klasse besucht zu haben. Die Vorinstanz hält weiter fest, dass der Beschwerdeführer unter anderem Deutsch spricht. Sie erwähnt zwar, dass bei den Einvernahmen eine übersetzende Person zugegen war, wertet dies jedoch nicht zu seinen Ungunsten. Sodann schliesst die Vorinstanz nachvollziehbar auf eine beschränkte soziale Integration wie auch angesichts der Schulden auf eine durchschnittliche wirtschaftliche Integration. In der Folge befasst sich die Vorinstanz mit den Familienverhältnissen des Beschwerdeführers. Sie stellt eine enge, nicht über das übliche Mass hinaus gehende Beziehung zu seinen drei erwachsenen Kindern und drei Enkelkindern mittels sehr häufigen Besuchen sowie engem telefonischen Kontakt fest. Zudem seien die Kinder und Enkelkinder nicht auf Betreuung oder Pflege durch den Beschwerdeführer angewiesen. Weder steht dieser vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung entgegen noch wird ein enger Kontakt dadurch bestätigt, wonach seine Familie wie auch Verwandtschaft in Thun und Umgebung wohnhaft sei. Nicht ausreichend ist, sich entgegen der vorinstanzlichen tatsächlichen Feststellung pauschal auf den Standpunkt zu stellen, sein Bezug zu sowohl seinen beiden in der Schweiz lebenden Brüdern und deren Familien als auch seinen drei erwachsenen Kindern und drei Enkelkindern gehe über das übliche Mass hinaus und die Vorinstanz habe es unterlassen, diese Beziehungen vertieft zu prüfen (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG; vgl. E. 1 und E. 3.2.4). Die Vorinstanz stellt kein über die üblichen familiären Beziehungen bzw. emotionalen Bindungen hinausgehendes, besonderes Abhängigkeitsverhältnis fest (vgl. E. 5.2.3). Der Beschwerdeführer legt nicht ansatzweise dar, inwiefern diese Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz schlechterdings unhaltbar ist (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG; vgl. E. 1 und E. 3.2.4). Der Beschwerdeführer bringt auch nicht vor, er habe Entsprechendes vor der Vorinstanz geltend gemacht, die in Missachtung seines rechtlichen Gehörs nicht darauf eingegangen sei. In Bezug auf seinen Gesundheitszustand pflichtet der Beschwerdeführer der Vorinstanz bei. Im Gegensatz dazu leitet er daraus ein Vollzugshindernis ab. Die Vorinstanz lässt nicht unberücksichtigt, dass der Beschwerdeführer zur verletzlichen Personengruppe mit Behinderung bzw. schwerer Krankheit gehört. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers führt dies gemäss den vorinstanzlichen Erwägungen gestützt auf die Berichte des SEM nicht zwingend zum Schluss, dass er auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen ist. Vielmehr stellen die Pflegemöglichkeit und das familiäre Beziehungsnetz zwei von mehreren in diesem Fall zu prüfende Kriterien dar. Die Vorinstanz beurteilt die Wiedereingliederung im Heimatstaat Sri Lanka bzw. das allfällige Vollzugshindernis im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Wesentlichen hinsichtlich seiner Nierenerkrankung. Aktenkundig ist, dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers desolat ist und sich über die Jahre deutlich verschlechterte. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die chronische Niereninsuffizienz, welche seit dem Jahre 2016 erstellt ist und zurzeit dreimal pro Woche eine vierstündige Dialyse erfordert. Fest steht weiter, dass der Beschwerdeführer daneben an zahlreichen weiteren ernsthaften Erkrankungen leidet (vgl. oben E. 4.3.2 und E. 5.3.1). Den vorzeitigen Strafvollzug verbüsst der Beschwerdeführer in der geschlossenen Station des Pflegezentrums F.________. Ausschlaggebend dafür ist nicht (einzig) die Niereninsuffizienz. Dem angefochtenen Entscheid lässt sich nicht entnehmen, wie der Beschwerdeführer mit seinem (derzeitigen) Gesundheitszustand seinen Alltag bewältigen kann bzw. auf welche Unterstützung er dazu unabdingbar angewiesen ist, sodass sich sein Gesundheitszustand nicht ernsthaft, rapid sowie irreversibel verschlechtert. Gleichermassen geht aus dem vorinstanzlichen Urteil nicht hervor, wie diesbezüglich die Situation in Sri Lanka ist und dies gewährleistet wäre, zumal erstellt ist, dass in Sri Lanka weder Familienangehörige noch Verwandte leben. Damit fehlt es in diesem Zusammenhang an massgebenden Tatsachenfeststellungen durch die Vorinstanz. Damit sind die Voraussetzungen für eine Rückweisung gemäss Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG i.V.m. Art. 112 Abs. 3 BGG erfüllt.