Citation: I 392/02 23.10.2003 E. 4

4.1 Erscheint die gegebene Restarbeitsfähigkeit nach dem Gesagten nicht mehr als wirtschaftlich verwertbar, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor. Der Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. 4.2 Der Rentenbeginn richtet sich nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG. 4.2.1 Im Anwendungsbereich dieser Bestimmung entsteht der Rentenanspruch frühestens zu dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen war. Die Rentenhöhe ist sowohl vom Ausmass der nach Ablauf der Wartezeit weiterhin bestehenden Erwerbsunfähigkeit als auch von einem entsprechend hohen Grad der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des vorangegangenen Jahres abhängig. Somit kommt eine ganze Rente erst in Betracht, wenn der Versicherte während eines Jahres durchschnittlich mindestens zu zwei Dritteln arbeitsunfähig gewesen und weiterhin wenigstens zu zwei Dritteln invalid im Sinne von Art. 28 Abs. 1 IVG ist (BGE 105 V 160 f. Erw. 2c/d). Unter Arbeitsunfähigkeit ist die durch den Gesundheitsschaden bedingte Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen, während die finanziellen Konsequenzen einer solchen Einbusse (beispielsweise Bezug von Arbeitslosenentschädigung oder Erhalt von Soziallohn im Sinne von Art. 25 Abs. 1 lit. b IVV) für deren Beurteilung während der Wartezeit grundsätzlich unerheblich sind (BGE 105 V 159 Erw. 2a; vgl. BGE 104 V 191; ZAK 1965 S. 164; Meyer-Blaser, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, Zürich 1997, S. 234). 4.2.2 Im Rahmen des Art. 29 Abs. 1 IVG nicht anwendbar ist somit der Grundsatz, dass bei langdauernder Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar wird, dass die Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr in Frage kommt - nach Ablauf einer gewissen Übergangsfrist auch zumutbare Tätigkeiten in einem andern Beruf zu berücksichtigen sind (vgl. BGE 115 V 133 Erw. 2 und 404 Erw. 2, 114 V 283 Erw. 1d; RKUV 2000 Nr. U 366 S. 92 Erw. 4, 1987 Nr. U 27 S. 394 Erw. 2b; Urteil A. vom 28. März 2002, U 191/01, Erw. 1b und c; vgl. inskünftig Art. 6 Satz 2 ATSG). Der Einbezug von Verweisungstätigkeiten bei der Bemessung der Arbeitsunfähigkeit ist zum einen - als Ausfluss des Schadenminderungsprinzips - auf Anspruchslagen zugeschnitten, in denen die Feststellung von Arbeitsunfähigkeit unmittelbar leistungsbestimmend ist (so bei Taggeldern im Bereich der Unfallversicherung). Zum andern verbietet sich die Berücksichtigung von Verweisungstätigkeiten im Kontext des Art. 29 Abs. 1 IVG bereits mit Blick auf das Wesen der IV als Erwerbsausfallversicherung. Die mit der alleinigen Betrachtung der Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen einhergehende Ausklammerung der erwerblichen Folgen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung verunmöglichte es ansonsten in vielen Fällen, das - als Erheblichkeitsschwelle mit Bezug auf Dauer und Ausmass der Leistungsbeeinträchtigung gedachte - Wartejahr überhaupt zurücklegen zu können. So könnte etwa bei nicht eingeschränkter Leistungsfähigkeit in einer leidensangepassten, aber - im Vergleich mit der angestammten - schlechter bezahlten Tätigkeit trotz Vorliegens eines Invaliditätsgrades, der auf Grund des erwerblichen Elementes im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG rentenbegründend ist, gar nie ein Rentenanspruch entstehen. 4.2.3 Wird in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG also ausschliesslich die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit betrachtet, so ergibt sich für den vorliegenden Fall aus den bei den Akten liegenden Arztzeugnissen, dass der Versicherte seit dem 11. März 1999 ohne wesentlichen Unterbruch (vgl. dazu Art. 29ter IVV) vollständig arbeitsunfähig war. Denn die fragliche Arbeit ist mit der Lungenerkrankung nicht vereinbar. Daran ändert nichts, dass die Geschäftsaufgabe erst per April 2000 erfolgte; soweit der Beschwerdeführer zwischenzeitlich noch effektiv als Kunststoffbeschichter tätig war, erweist sich diese Beschäftigungsform im Nachhinein jedenfalls als medizinisch kontraindiziert. Der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente entstand demnach im März 2000; die Leistung wird gemäss Art. 29 Abs. 2 Satz 1 IVG ab dem 1. März 2000 ausgerichtet.