Citation: 7B_160/2025 E. 4.1

4.1. Die Vorinstanz hält fest was folgt: Die Staatsanwaltschaft werfe dem Beschwerdeführer vor, in seinem Zimmer ein Messer mit einer Klingenlänge von ca. 15 cm behändigt zu haben, worauf sein Bruder mit der linken Hand nach der Klinge gegriffen habe, um diese abzubrechen und den Beschwerdeführer zu entwaffnen. In diesem Moment habe der Beschwerdeführer das Messer zurückgezogen und seinem Bruder dadurch an der linken Hand eine tiefe Schnittwunde zugefügt. Anschliessend habe er mit dem Messer mehrfach in Richtung dessen linker Bauchgegend gestochen, wobei er ihn an zwei Stellen im Mittelbauch verletzt habe. Die Stichverletzungen in der Bauchgegend hätten eine Länge von ca. 1.5 cm sowie eine Tiefe von ca. 3 cm aufgewiesen. Bezüglich dieser Vorwürfe mache der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, aufgrund seiner eigenen Aussagen sowie jener seines Bruders sei von einer Notwehrsituation auszugehen. Eine solche Rechtfertigung - so die Vorinstanz - habe nicht augenscheinlich vorgelegen. So habe vor der Messerattacke mutmasslich keine relevante körperliche Auseinandersetzung zwischen den Brüdern stattgefunden, sei das Opfer nicht bewaffnet gewesen und seien keine die Grenzen des Alltäglichen überschreitenden Drohungen erstellt. Ein gewöhnlicher verbaler Streit zwischen Familienangehörigen vermöge den Einsatz eines Messers offensichtlich nicht zu rechtfertigen. Selbst wenn in Bezug auf die erlittenen Handverletzungen der Griff in die Klinge des Messers seitens des Opfers mitursächlich sein möge, seien für die Stiche in die Bauchgegend keine nachvollziehbaren Erklärungen ersichtlich. Im Ergebnis sei daher der dringende Tatverdacht hinsichtlich des Straftatbestandes der versuchten vorsätzlichen Tötung, eventualiter der versuchten schweren Körperverletzung, zu bejahen. Im Weiteren sei dem forensisch-psychiatrischem Gutachten von Dr. med. B.________ vom 14. Juni 2024 zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer unter einer schizophrenen Erkrankung (ICD-10 F20) sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) leide, wobei die schizophrene Erkrankung im Vordergrund stehe. Dem Gutachten zufolge habe er im Deliktszeitpunkt an diesen psychischen Störungen gelitten, allerdings habe die posttraumatische Belastungsstörung in der Deliktsdynamik des Anlassdelikts keine Rolle gespielt. Beim Beschwerdeführer würden im Rahmen seiner schizophrenen Erkrankung seit Jahren Wahnsymptome, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen und weitere Symptome bestehen. Auch beim Anlassdelikt beschreibe er Bedrohungsgefühle bzw. -ideen und Ich-Störungen. Mit dem Anlassdelikt vergleichbare Situationen, bei denen sich der Beschwerdeführer ebenfalls bedroht fühle und sich daher aggressiv zur Wehr setze, seien in der Vergangenheit mehrfach aufgetreten. Auch seien die Risikofaktoren feindseliges Verhalten, schlechte Impulskontrolle, fehlende Krankheitseinsicht, fehlende Therapieadhärenz sowie kriminelle Vorgeschichte beim Beschwerdeführer zum Teil vorhanden. Es würden daher etliche Risikofaktoren bestehen, welche die Legalprognose und damit die Gefahr, dass er erneut Straftaten begehe, belasteten. Das Prognoseinstrument VRAG-R zeige ein relevantes Rückfallrisiko im oberen mittleren Bereich an, während das Prognoseinstrument HCR-20 V3 eine deutliche Belastung der Legalprognose anzeige. Namentlich die Risikovariablen, bei welchen es sich um zukünftige Risikofaktoren handle, würden beim Beschwerdeführer alle vollständig vorliegen und seien für das Rückfallrisiko hoch relevant. Zusammengefasst bestehe daher ohne Behandlung der Erkrankung ein deutliches Risiko für weitere Delikte, wobei weitere Straftaten deutlich wahrscheinlicher seien als keine Delikte. In Zukunft seien in Art und Frequenz ähnliche Straftaten wie das Anlassdelikt zu erwarten; mithin könne ein schweres Gewaltdelikt nicht ausgeschlossen werden. Entgegen dem Beschwerdeführer - so die Vorinstanz weiter - lägen keinerlei objektive Hinweise vor, wonach die gutachterlichen Feststellungen in Zweifel zu ziehen wären. Vielmehr erwiesen sich diese als schlüssig, widerspruchsfrei und nachvollziehbar, womit kein Grund für ein Abweichen bestehe. Soweit der Beschwerdeführer vorbringe, er habe in Notwehr gehandelt, weshalb die dem Gutachten zugrunde liegende Hypothese entfalle, könne auf die ergänzende Stellungnahme von Dr. B.________ vom 29. Juli 2024 hingewiesen werden, wonach unabhängig davon, ob sein Bruder den Beschwerdeführer tatsächlich angegriffen habe oder nicht, die Symptome der schizophrenen Erkrankung im Ereigniszeitpunkt bestanden hätten, zumal der Beschwerdeführer seit Jahren an diesen leide. In Bezug auf die Rückfallgefahr lege die Sachverständige mit ergänzender Stellungnahme vom 19. August 2024 überdies dar, dass - sollte das Sachgericht zum Schluss kommen, der Beschwerdeführer habe effektiv in Notwehr gehandelt - lediglich ein einziger Risikofaktor, nämlich jener eines weiteren Deliktes, entfallen würde. Hingegen würden die übrigen Risikofaktoren unverändert fortbestehen, weshalb die Legalprognose durch die etlichen weiterhin vorhandenen Risikofaktoren nach wie vor belastet sei, womit auch die Gefahr erneuter Delinquenz Bestand habe. Des Weiteren sei im Falle des Notwehrexzesses davon auszugehen, dass der Exzess durch die Symptome der schizophrenen Erkrankung bedingt gewesen sei. Auch hätte der Beschwerdeführer diesfalls nach wie vor ein Gewaltdelikt begangen, auch wenn dieses weniger schwer wiege. Die Belastung der Legalprognose wäre dadurch zwar weniger schwer, insgesamt verändere dies die Beurteilung der Rückfallgefahr allerdings nicht wesentlich.