Citation: I 318/06 06.02.2007 E. 3

In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird insbesondere gerügt, das kantonale Gericht stelle seinen Entscheid zu Unrecht auf die Schlussfolgerungen im Gutachten des Medizinischen Zentrums X.________ (MZ) vom 2. April 2001 ab. Der Beschwerdeführer erachtet diese als widersprüchlich hinsichtlich der Aussagen über die aus medizinischer, insbesondere psychiatrischer Sicht zumutbare Arbeitsfähigkeit. 3.1 Es steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mehr in der Lage ist, in einem relevanten Umfang körperlich schwere, insbesondere den Rücken belastende Arbeiten, wie sie bei der Tätigkeit als Maurer verlangt werden, zu verrichten. Im Weiteren attestieren sowohl die Gutachter des MZ, als auch die Neurologen der Klinik Y.________ (Assistenzarzt Dr. med. B.________ und Chefarzt Prof. Dr. med. D.________) im Juni 2004 in somatischer Hinsicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für eine leichte, in wechselnden Positionen und ohne gebückte Stellung auszuübende Arbeit. Fraglich ist einzig, ob diese durch eine psychische Erkrankung weiter limitiert wird. 3.2 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c in fine). Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, so auch einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, setzt zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 398 ff. Erw. 5.3 und Erw. 6). Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 49 Erw. 1.2 mit Hinweisen). 3.3 Gemäss Gutachten des MZ fand Dr. med. S.________, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein abnormes Krankheitsverhalten und stellte die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F:45.4). Das Krankheitsverhalten sei einerseits bewusstseinsnah gesteuert, enthalte aber auch bewusstseinsferne Anteile. Letztere beeinträchtitgen den freien Willen des Exploranden. Entgegen der Darstellung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde enthalten die Ausführungen im Gutachten vom 2. April 2001 keine widersprüchlichen Angaben und Schlussfolgerungen. Im Gegenteil wird nachvollziehbar erklärt, dass bei der attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht - welche sich mit derjenigen aus somatischer Warte deckt - lediglich die bewusstseinsfernen Krankheitsanteile enthalten seien, die der Versicherte nicht selber steuern könne. Wie ausgeführt (Erwägung 3.2), wird das Mass des Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt. Das gilt insbesondere auch für die Frage, inwieweit es einem Betroffenen zumutbar ist, sich aus einer durch Schmerzen verursachten lähmenden Passivität zu lösen. So schliesst ein sekundärer Krankheitsgewinn eine durch eine somatoforme Schmerzstörung verursachte invalidisierende Arbeitsunfähigkeit aus (Urteile R. vom 17. November 2006, I 542/05 und U. vom 10. Dezember 2001, I 663/00; Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 93/94). Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (siehe Meyer-Blaser, a.a.O., S. 92 f.). Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (siehe Kopp/Willi/Klipstein, Im Graubereich zwischen Körper, Psyche und sozialen Schwierigkeiten, in: Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 1997 S. 1434; BGE 131 V 50 Erw. 1.2). 3.4 In verschiedenen Arztberichten wird von aggravatorischen Tendenzen des Beschwerdeführers berichtet (Berichte der Klinik Y.________ [Prof. D.________] vom 2. Juni 2004 und 12. Januar 2004, Klinik Y.________ Prof. G.________ vom 1. Februar 2000 und MZ-Gutachten vom 2. April 2001, S.12). Ebenso wird im psychiatrischen Teilgutachten des MZ-Gutachtens ein offensichtlicher sekundärer Krankheitsgewinn beschrieben ("vom Neffen ist zu erfahren, dass sich die gesamte Grossfamilie um das Leiden des Onkels kümmert und darauf Rücksicht nimmt. Alles dreht sich nur um die schwere Krankheit und die Schmerzen des Versicherten, er wird entlastet, wo es nur möglich ist, Hilfsmittel in Form von speziellen Kissen und Stühlen wurden bereits organisiert."). Damit ist die diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung nicht als zusätzlich invalidisierender Faktor zu berücksichtigen. Die IV-Stelle und das kantonale Gericht sind zu Recht von der Zumutbarkeit einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit ausgegangen. Der auf dieser Grundlage ermittelte Invaliditätsgrad von 67% wird auch vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt. Ebenso ist unbestritten, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Begutachtung am MZ nicht verschlechtert hat.