Citation: 5A_467/2023 E. 4.3.1

4.3.1. Gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO ist die Berufung schriftlich und begründet einzureichen. In der Berufungseingabe sind Rechtsbegehren zu stellen (BGE 137 III 617 E. 4.2.2). Im Rechtsbegehren bringt die Partei zum Ausdruck, welche Rechtsfolge sie im Berufungsverfahren anstrebt (Rechtsfolgebehauptung) und inwiefern sie das Gericht hierzu - mittels eines Leistungs-, Gestaltungs- oder Feststellungsbegehrens - um Rechtsschutz ersucht (Rechtsschutzantrag; vgl. dazu Urteil 4A_439/2014 vom 16. Februar 2015 E. 5.4.3.1 mit Hinweisen). Das Rechtsbegehren muss so bestimmt sein, dass es im Falle der Gutheissung der Klage unverändert zum Urteil erhoben werden kann. Daraus folgt, dass auf Geldzahlung gerichtete Begehren zu beziffern sind (BGE a.a.O. E. 4.3 mit Hinweisen). Die in Art. 56 ZPO verankerte gerichtliche Fragepflicht kommt nur dort zum Zug, wo das Vorbringen einer Partei unklar, widersprüchlich, unbestimmt oder offensichtlich unvollständig ist. Sie nimmt den Parteien die Verantwortung für die zeitgerechte Prozessführung nicht ab. Letzteres gilt auch für die Rechtsbegehren (Urteil 5A_618/2015 vom 2. März 2016 E. 6.6). Ob sie ein Rechtsmittel ergreifen bzw. in welchen Punkten des Streitgegenstands sie einen Entscheid anfechten wollen, steht in der alleinigen Disposition der Parteien, und zwar unabhängig davon, ob sie über das streitige Recht verfügen können oder nicht. Wie schon das Obergericht zutreffend ausführt, setzt die Einleitung eines Rechtsmittelverfahrens damit auch unter der Herrschaft des - hier gemäss Art. 296 Abs. 3 ZPO geltenden - Offizialgrundsatzes voraus, dass eine Partei ein form- und fristgerechtes Rechtsschutzersuchen an die Rechtsmittelinstanz richtet. Während die formellen Voraussetzungen der Berufungsschrift die (gültige) Einleitung des Berufungsverfahrens betreffen, geht es beim Offizialgrundsatz darum, dass das Gericht in der Folge nicht an die Parteianträge gebunden ist und davon abweichen kann, zumal das Verschlechterungsverbot nicht zum Tragen kommt. Damit waren im Berufungsverfahren für den Kindesunterhalt bezifferte Anträge erforderlich (BGE 137 III 617 E. 4.5.3 f. mit Hinweisen). So wenig Unzulänglichkeiten in den Rechtsbegehren verbesserliche Mängel im Sinne von Art. 132 Abs. 1 ZPO sind (s. Urteile 5A_1036/2019 vom 10. Juni 2020 E. 4.4; 5A_929/2015 vom 17. Juni 2016 E. 3.2), ist auch die gerichtliche Fragepflicht nach Art. 56 ZPO nicht dazu da, eine Prozesspartei auf ein unvollständiges oder fehlendes Rechtsbegehren hinzuweisen; erst recht kann diese Fragepflicht nicht zu einer Erstreckung der gesetzlichen Rechtsmittelfrist führen.