Citation: 2C_685/2014 E. 3.2

3.2. Nach Auffassung des Beschwerdeführers ist die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs "längerfristige Freiheitsstrafe" durch das Bundesgericht unzutreffend. Die Grenze solle sich nicht daran orientieren, bis zu welchem Strafmass eine Geldstrafe noch möglich sei. Massgeblich sei vielmehr, in welchem Bezug die Dauer einer verhängten Freiheitsstrafe zur möglichen Länge der Freiheitsstrafen stehe. Weil der gesetzliche Zeitrahmen der Freiheitsstrafe im Normalfall zwischen einem und 20 Jahren liege, könne nur eine mehrjährige Strafe als längerfristig bezeichnet werden, nicht aber eine einjährige oder, wie vorliegend, eine Strafe von einem Jahr und vier Monaten. Die Gesetzesauslegung müsse sich nach dem Wortlaut richten und nicht nach dem angeblich historischen (gemeint wohl: angeblichen historischen) Willen des Gesetzgebers. Dies müsse jedenfalls hier gelten, wo der Gesetzgeber bewusst auf eine zeitliche Limitierung verzichtet habe. Schliesslich sei zu berücksichtigen, bis zu welcher Dauer der Vollzug einer Freiheitsstrafe aufgeschoben werden könne. Nach Art. 42 Abs. 1 StGB seien bedingte Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren möglich, teilbedingte bis zu drei Jahren. Eine Strafe, für die noch der (vollständig) bedingte Strafvollzug gewährt werden könne, dürfe nicht als längerfristig bezeichnet werden. Zudem spiele es sehr wohl eine Rolle, ob die Strafe bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen worden sei. Das Bundesgericht habe seine Rechtsauffassung diesbezüglich nicht begründet. Die Höhe der Strafe und die Gewährung des bedingten Strafvollzugs stünden in einer Wechselwirkung. Deswegen lasse sich die Schwere des Verschuldens im migrationsrechtlichen Verfahren nicht allein aufgrund der Dauer der Freiheitsstrafe beurteilen. Die Gewährung der bedingten Strafe sei nicht nur Ausdruck einer Prognose über das künftige Verhalten des Verurteilten, sondern beinhalte auch faktisch und rechtlich eine Beurteilung des Verschuldens. Als für den bedingten Strafvollzug noch die Grenze von 18 Monaten gegolten habe, sei dieser Zusammenhang noch offensichtlicher gewesen und habe nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausdrücklich berücksichtigt werden müssen. Schliesslich habe sich die Höhe der Strafe auch danach zu richten, ob der bedingte, teilbedingte oder unbedingte Vollzug anzuordnen sei.