Citation: 8C_377/2023 E. 7.4.2

7.4.2. An diesem stimmigen Gesamtbild ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin bei ihrer Anmeldung zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung angab, zuletzt in einem 70 %-Pensum tätig gewesen zu sein und sie in der Folge Arbeitsbemühungen für eine Tätigkeit im Umfang von mindestens 80 % tätigte. Denn wie sie zu Recht vorbringt, hat sich im Rahmen der drei kurzen Arbeitseinsätze im Jahr 2021 (erneut) gezeigt, dass die Beschwerdeführerin eine Arbeitsleistung über längere Dauer nicht aufrechterhalten kann. Es kam zu erheblichen zwischenmenschlichen Konflikten, zu einem Problem mit einem Kunden und - wie schon in der Vergangenheit - zu dysfunktionalem Verhalten in Form von Fernbleiben von der Arbeit, was schliesslich auch zur Kündigung der Arbeitsverhältnisse durch die Arbeitgeberinnen noch während der Probezeit führte. Die Beschwerdeführerin weist zudem zu Recht darauf hin, dass sie an einer krankheitsbedingten Selbstüberschätzung leidet, was das kantonale Gericht zu übersehen scheint, wenn sie ihr die unrealistische Selbsteinschätzung hinsichtlich eines angemessenen Lohnes entgegenhält. Weiter kann der Beschwerdeführerin folgend nicht ausser Acht gelassen werden, dass eine Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung besteht (vgl. Art. 70 Abs. 2 lit. b ATSG). Art. 15 Abs. 3 AVIV hält Folgendes fest: Ist ein Behinderter, unter der Annahme einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage, nicht offensichtlich vermittlungsunfähig und hat er sich bei der Invalidenversicherung oder bei einer anderen Versicherung nach Abs. 2 angemeldet, so gilt er bis zum Entscheid der anderen Versicherung als vermittlungsfähig. Die Beurteilung seiner Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit durch die anderen Versicherungen wird dadurch nicht berührt. In den von der Beschwerdeführerin in Erfüllung der gesetzlichen Pflichten (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG) getätigten Arbeitsbemühungen kann insofern kein inkonsistentes Verhalten gesehen werden, zumal diese in erster Linie - wie die Vorinstanz festhält - die Sicherung des Anspruchs auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezweckten. Was die Wahrnehmung der Termine beim RAV betrifft, so weist die Beschwerdeführerin zu Recht darauf hin, dass mehrere Termine krankheitsbedingt telefonisch stattfanden, was zu den angegebenen telefonischen Kontakten zu ihren Freunden passt (vgl. E. 7.3 hiervor). Ausserdem wurde sie von der Teilnahme an einem Kurs entbunden, weil sie zu viel Angst hatte. Das Verhalten der Beschwerdeführerin im Verfahren der Arbeitslosenversicherung entspricht demnach den Feststellungen des Gerichtsgutachters.