Citation: 9C_56/2023 E. 2.3.2

2.3.2. Mit der Einstellung des Konkursverfahrens entfallen die Befugnisse der Konkursorgane hinsichtlich Verwaltung und Verwertung der Masse. Die Prozessführungsbefugnis springt gleichsam zurück auf die Steuerpflichtige, womit ursprüngliche Rechte und Pflichten der Organe einer juristischen Person auferstehen. Die juristische Person verbleibt aber im Liquidationsstadium. Entsprechend sind die Zuständigkeiten des Verwaltungsrates und der Liquidatoren auf das für die Erreichung des Liquidationszweckes Notwendige beschränkt (Art. 739 Abs. 2 OR; BGE 117 III 39 E. 3b; siehe auch BGE 146 III 441 E. 2.4.3; Walter A. Stoffel, in: Berner Kommentar, Das Aktienrecht - Kommentar der ersten Stunde, 2023, § 23 N. 39; Peter Böckli, Schweizer Aktienrecht, 5. Aufl. 2022, § 15 N. 28). Soweit Aktiven vorhanden sind, stehen diese der zu liquidierenden juristischen Person zur freien Verfügung, wobei sie den Gläubigern haften. Die vor der Konkurseröffnung eingeleiteten Betreibungen leben wieder auf (Urs Lustenberger/Sergej Schenker, in: BSK-SchKG, N. 11a zu Art. 230 SchKG). Nach der Einstellung des Konkursverfahrens kann der Schuldner während zwei Jahren auch auf Pfändung betrieben werden (Art. 230 Abs. 3 SchKG). Die Rechtshandlungen, welche die Steuerpflichtige bzw. deren Geschäftsführer seit dem 18. August 2021 (Einstellung des Konkurses mangels Aktiven; Sachverhalt, lit. B.b) ergriffen haben, vermochten damit Rechtswirkungen zu entfalten. Für diesen Zeitraum ist der Steuerpflichtigen beizustimmen, die dartut, stets prozessführungsbefugt gewesen zu sein.