Citation: 8C_66/2010 06.09.2010 E. 4

Im Hinblick auf die Adäquanzprüfung ist hinsichtlich der Aspekte, die nicht vom Ergebnis der zusätzlichen medizinischen Abklärung abhängen, Folgendes festzuhalten: 4.1 Die Unfallschwere ist im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen. Nicht relevant sind die Kriterien, welche bei der Prüfung der Adäquanz bei mittelschweren Unfällen Beachtung finden; dies gilt etwa für die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche sich die versicherte Person zuzog, aber auch für - unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfende - äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall für andere Personen nach sich zog (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26 E. 5.3.1 [U 2/07]; Urteil 8C_595/2009 vom 15. November 2009 E. 7.1). Der Unfall vom 17. Juni 2004 ereignete sich wie folgt: Auf der Autobahn bemerkte eine Autolenkerin nicht, dass die vor ihr stehenden Fahrzeuge die Geschwindigkeit reduziert hatten. Um eine Auffahrkollision zu vermeiden, wich sie auf den rechten Fahrstreifen aus. Dabei kollidierte sie zuerst seitlich mit einem anderen Personenwagen und schliesslich seitlich mit dem vom Beschwerdeführer gelenkten Auto. Gemäss der Beurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom 14. Dezember 2006 dürfte die durch die Kollision bedinge Geschwindigkeitsänderung (delta-v) des Autos des Beschwerdeführers knapp inner- oder oberhalb eines Bereichs von 10 bis 15 km/h gelegen haben. Die Vorinstanz hat dieses Ereignis zu Recht als mittelschwer, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegend qualifiziert (vgl. auch Urteil 8C_44/2010 vom 27. Mai 2010 Sachverhalt lit. A und E. 3.1, das einen Unfall auf der Autobahn mit ähnlichem Ablauf und delta-v betraf). Die bildmässig dokumentierten Schäden am Auto des Versicherten vermögen hieran nichts zu ändern. Im von ihm angerufenen Urteil 8C_633/2007 vom 7. Mai 2008 hatte das Bundesgericht in Bezug auf den Geschehensablauf zwar auch einen vergleichbaren Sachverhalt beurteilt; die freigesetzten Kräfte auf die Körper der Fahrzeuginsassen waren in jenem Fall aber ungleich wuchtiger, wie aus der E. 6.2.2 ohne Weiteres ersichtlich ist. 4.2 Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls des Versicherten (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc). Der nachfolgende Heilungsprozess ist diesbezüglich nicht relevant (Urteil 8C_595/2009 E. 8.1). Beim Unfall vom 17. Juni 2004 liegen nicht Umstände vor, welche die Bejahung einer besonderen Dramatik oder besonderen Eindrücklichkeit der Begleitumstände rechtfertigen, zumal ausser dem Beschwerdeführer niemand verletzt wurde. Aus dem Umstand, dass sich der Unfall auf der Autobahn ereignete, kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten. Entgegen seiner Auffassung kann im Lichte der Rechtsprechung nicht generell gesagt werden, Auffahrunfälle auf Autobahnen seien besonders dramatisch oder eindrücklich (vgl. Urteile 8C_44/2010 E. 3.2.1 und 3.2.4 sowie 8C_31/2008 vom 2. Juli 2008 Sachverhalt lit. A und E. 5.2.1). Aus den von ihm angerufenen Urteilen kann der Versicherte nichts zu seinen Gunsten ableiten: Im Urteil 8C_129/2009 vom 15. September 2009 wurde zu dem hier in Frage stehenden Kriterium nicht Stellung genommen. Im Urteil 8C_633/2007 E. 6.3 wurde es nicht im Einzelnen überprüft und bloss erwogen, eine gewisse Eindrücklichkeit sei dem Ereignis nicht abzusprechen; hievon abgesehen war jenes Ereignis ungleich eindrücklicher bzw. dramatischer als das hier streitige, ging es doch um einen Unfall bei Nacht auf der Autobahn mit einer Vielzahl von Unfallopfern und Rettungskräften, wobei der Ehemann der versicherten Person so schwer verletzt wurde, dass sie zunächst fürchtete, er habe nicht überlebt. Dem Urteil 8C_257/2008 vom 4. September 2008 - worin das Kriterium bejaht wurde - lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Versicherte ist in einem Autobahntunnel bei voller Fahrt mit einem Lastwagen kollidiert und ins Schleudern geraten, wobei er mehrmals mit der Tunnelwand zusammenstiess (E. 3.3.3); auch jenes Ereignis ist mit dem vorliegenden nicht vergleichbar. In casu ist das Kriterium insgesamt nicht erfüllt, wie die Vorinstanz richtig erkannt hat.