Citation: 4A_241/2021 E. 2.3

2.3. Die Argumentation der Vorinstanz geht an der Sache vorbei, denn der Beschwerdegegner ging bei der Vornahme der Zahlungen keineswegs davon aus, er habe damit sämtliche Schadenspositionen - darunter eben auch den Betreuungsschaden - getilgt, und er hat nichts Derartiges zum Ausdruck gebracht. Im Schreiben vom 10. August 2015 spricht er davon, mit den Zahlungen erachte er den gesamten vergangenen und zukünftigen Haushaltschaden und Erwerbsschaden sowie die Genugtuung inkl. Verzugszinsen als definitiv erledigt. Die Vorinstanz übergeht, dass er in Bezug auf den Zukunftsschaden in dem Schreiben ausdrücklich vom neben dem Haushaltschaden periodisch abzurechnenden Pflegedirektschaden spricht. Entsprechend stellte er in der Klageantwort klar, es sei immer seine Meinung gewesen, dass der Pflegeschaden (im Sinne eines Zukunftsschadens) als Pflegedirektschaden im Rahmen einer noch zu treffenden Vereinbarung mit der Geschädigten hätte geregelt und alsdann durch regelmässige Quartalszuweisungen bezahlt werden sollen und nicht in kapitalisierter Form im Voraus. Zu einer derartigen Vereinbarung sei es infolge des Todes der Patientin nicht mehr gekommen. Eine komplette Schadenstilgung behauptete der Beschwerdegegner, wie die Beschwerdeführer zu Recht rügen, erst, nachdem er infolge des Todes der Patientin seine Schadensberechnungen in Wiedererwägung gezogen und die Pflegedirektkosten (Betreuungs- und Pflegeaufwand) sowie die Auslagen für die Vergangenheit in einer neuen Leonardo-Tabelle vom 13. Juli 2016 berücksichtigt hatte. Insoweit beanstanden die Beschwerdeführer zu Recht, die Vorinstanz habe eine Tilgungswirkung angenommen, die der Beschwerdegegner nicht behauptet hat. Nach dessen eigenen Ausführungen in der Beschwerdeantwort erfolgten die geleisteten Zahlungen immer unter dem Titel "ohne Präjudiz" / "unpräjudiziell" und "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht". Vor diesem Hintergrund sei er aufgrund einer völlig veränderten Schadensliquidation des Zukunftsschadens ohne weiteres berechtigt und legitimiert, die vorgängig bereits vorgenommenen Tilgungen an den Gesamtschaden zu revozieren bzw. in Wiedererwägung zu ziehen und an die neuen Verhältnisse anzupassen. Damit gesteht er selbst zu, dass er zur Schadenstilgung nachträglich eine Neuzuordnung der Zahlungen vorgenommen hat. Er führt selbst aus: "Diese Neuzuordnung erfolgter Schadenstilgungen war daher nicht nur geboten, sondern unerlässlich zwecks klarer Deklaration im Sinne von Art. 86 Abs. 1 OR".