Citation: 9C_863/2013 E. 2.2

2.2. In rechtlicher Hinsicht erwog das kantonale Gericht unter Hinweis auf Art. 37 Abs. 1 ATSG und BGE 99 V 177 E. 3 S. 181, dass grundsätzlich auch eine mündliche oder durch konkludentes Handeln erteilte Vertretungsvollmacht gültig sei. Die vom 24. April 2012 datierende Vollmacht habe die IV-Stelle einzig ermächtigt, der Lungenliga IV-Akten zuzustellen und mündliche oder schriftliche Auskünfte zu erteilen. Dies stelle jedoch keine Vertretungsvollmacht dar, welche die IV-Stelle verpflichtet hätte, alle rechtsverbindlichen Handlungen ausschliesslich gegenüber dem Bevollmächtigten vorzunehmen (Hinweis auf UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N. 13 f. zu Art. 37 ATSG). Denn mit keinem Wort sei die Lungenliga oder eine andere Person ermächtigt worden, im Namen des Beschwerdeführers Erklärungen abzugeben, Zustellungen entgegenzunehmen oder andere rechtsverbindliche Handlungen vorzunehmen. Auch aus der darauf folgenden Korrespondenz zwischen der IV-Stelle und der Lungenliga gehe eine solche Legitimation zur Entgegennahme oder Abgabe von Erklärungen nicht hervor. Allein aus dem Umstand, dass die Lungenliga Einwände gegen den Vorbescheid der IV-Stelle erhoben und darüber hinaus zur Erhebung weiterer Einwände um eine Fristerstreckung ersucht habe und der Beschwerdeführer gegen diese Handlungen nicht opponiert habe, lasse sich keine den Beschwerdeführer bindende Duldungs- oder Anscheinsvollmacht ableiten. Hinzu komme, dass das Vorbescheidverfahren ein weitgehend formloses Verfahren sei, welches die Aufgabe der umfassenden Sachverhaltsfeststellung durch die Beschwerdegegnerin vereinfachen solle. Die Unterlassung der Geltendmachung von Einwendungen würde - zumindest in rechtlicher Hinsicht - keinerlei Nachteile für einen Versicherten nach sich ziehen. Entsprechend könne aus der Duldung einer solchen Eingabe durch einen vollmachtlosen Dritten nicht abgeleitet werden, dass ein Versicherter diesen ermächtigen würde, rechtlich verpflichtende Erklärungen abzugeben oder entgegenzunehmen. Die Zustellung einer Verfügung an die Lungenliga hätte sich der Beschwerdeführer damit nicht zurechnen lassen müssen. Eine Zustellung an diese hätte keine fristauslösende Wirkung gehabt. Darüber hinaus sei festzuhalten, dass mit der Zustellung einer Orientierungskopie an die Lungenliga keinesfalls der Eindruck erweckt worden sei, damit handle es sich um die fristauslösende Zustellung einer Verfügung. Die der Lungenliga per Normalpost gesandte Orientierungskopie sei klar und deutlich mit "KOPIE" überschrieben gewesen und habe den Vermerk Original an den Beschwerdeführer gehabt. Damit habe den Empfängern dieses als Kopie gekennzeichneten Schreibens klar sein müssen, dass neben dieser Orientierungskopie an den Beschwerdeführer ein Original zugestellt worden sei. Es sei unerlässlich gewesen, den Zustellungszeitpunkt des Letzteren zur Berechnung der Anfechtungsfrist zu berücksichtigen.