Citation: 5A_877/2019 E. 3

Das Kantonsgericht hat erwogen, dass gemäss Art. 450f ZGB für das Ausstandsverfahren kantonales Recht zur Anwendung gelange, und zwar vorliegend das Verwaltungsrechtspflegegesetz (VRP, sGS 951.1), weil das Einführungsgesetz zum Kindes- und Erwachsenenschutzrecht (EG KES, sGS 912.5) keine Vorschriften über den Ausstand enthalte. Das Kantonsgericht hielt fest, dass die Verwaltungsrekurskommission die Befangenheit als solche verneint, aber auch erwogen habe, dass das Ausstandsgesuch zu spät erfolgt sei. Zur Rechtzeitigkeit des Ausstandsgesuches äussere sich die Beschwerdeführerin gar nicht, weshalb die Beschwerde unsubstanziiert bleibe. Das Kantonsgericht äusserte sich aber in der Folge zur Rechtzeitigkeit und verneinte diese gestützt auf Art. 450f ZGB i.Vm. Art. 10 EG KESR i.V.m. Art. 7 VRP, wobei es im Sinn einer analogen Anwendung ergänzend auch auf Art. 49 Abs. 1 ZPO verwies: Am 28. Mai 2018 habe der Präsident der KESB mitgeteilt, dass er im hängigen KESB-Verfahren die Verfahrensleitung übernehme und für das Dossier zuständig sei. In der Folge habe er das Verfahren bis anfangs Januar 2019 geführt und während dieser Zeit mehrere Verfügungen (u.a. bezüglich Neuregelung der faktischen Obhut, Regelung des persönlichen Verkehrs und Weisungen an die Eltern) erlassen und sei mit den beteiligten Personen in direktem Kontakt gestanden, indem er u.a. einen Hausbesuch abgestattet und C.________ persönlich angehört habe. Ab dem 7. Januar 2019 habe ein anderes Behördenmitglied die Verfahrensleitung übernommen, in dessen Stellvertretung am 28. April 2019 wiederum der Präsident entschieden und zur Verhandlung auf den 6. Mai 2019 vorgeladen habe, was das vorliegend interessierende Ausstandsbegehren ausgelöst habe. Sämtliche Umstände, aus welchen die Beschwerdeführerin eine Befangenheit ableite (gleicher Wohnort; Duzis-Beziehung; persönliche Bekanntschaft), seien bereits während der Verfahrensleitung im Jahr 2018 vorhanden gewesen. Indes habe die Beschwerdeführerin die ganze Zeit anstandslos am Verfahren teilgenommen, ohne je Befangenheitsgründe geltend zu machen. Sie sei mit der Verfahrensleitung durch den Präsidenten offensichtlich einverstanden gewesen, solange diese mehr oder weniger in ihrem Sinn erfolgt sei, und habe erst den Ausstand verlangt, als ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen worden sei. Zu diesem Zeitpunkt sei das Recht, die längst bekannten angeblichen Befangenheitsgründe anzurufen, aber offensichtlich verwirkt gewesen.