Citation: 6B_74/2023 E. 1.4.4

1.4.4. Der Beschwerdeführer zeigt sodann auf, dass die vorinstanzliche Feststellung, das Schadensbild deute darauf hin, dass sich das Motorrad bereits neben dem Personenwagen des Beschwerdeführers befunden haben müsste, als dieser bei der Einleitung des Abbiegevorgangs mit dem Motorrad zusammengestossen sei, bzw. die dieser Feststellung zugrunde liegende Beweiswürdigung (Urteil S. 16 f.) auf einer unvollständigen Beweiserhebung beruht und schlechterdings unhaltbar ist. Wenn die Vorinstanz aufgrund der Fotodokumentation Schlüsse zieht zur Position der Fahrzeuge bei der Kollision und zum Unfallhergang, so ergeht sie sich in reinen Mutmassungen, die sich zulasten des Beschwerdeführers auswirken. Bestehen, wie vorliegend, Zweifel über den Unfallhergang und ist dieser zur Beurteilung des Tatvorwurfs relevant, sind weitere mögliche Beweise, wie insbesondere ein verkehrstechnisches Gutachten, abzunehmen. Mutmassungen zum Unfallhergang zulasten der beschuldigten Person sind nicht zulässig. Dazu kommt, dass die Vorinstanz die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der beiden Fahrzeuge in ihrer Beweiswürdigung völlig ausser Acht lässt. So ist es unzulässig, allein aus dem Schadensbild der Fahrzeuge den Schluss zu ziehen, das Motorrad habe sich bereits auf der Höhe des voranfahrenden Fahrzeugs befunden, als der Beschwerdeführer sein Abbiegemanöver eingeleitet habe. Es wird von der Vorinstanz nicht ausgeführt, inwiefern sich diese Sachverhaltshypothese mit dem unbestrittenen langsamen Abbremsen und den unterschiedlichen Tempi der beiden Fahrzeuge vereinbaren lässt. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Vorinstanz davon ausgeht, der Beschwerdeführer habe vor dem Abbiegen langsam abgebremst sowie sein Tempo an das bevorstehende Manöver angepasst, und die beiden Fahrzeuge seien mit grossen Geschwindigkeitsunterschieden unterwegs gewesen (Urteil S. 14 f.). Weiter ergibt sich aus dem Urteil, dass die Geschwindigkeit des Motorrads vor, während und nach der Kollision aufgrund von fehlenden Positionen in den durch den Beschwerdegegner 3 eingereichten GPS-Daten nicht abschliessend habe geklärt werden können, die fehlenden Positionen bezüglich der durch die Beschwerdegegner 2 und 3 eingereichten GPS-Daten des Motorrads jedoch nicht erhoben wurden (Urteil S. 7 und S. 15). Die Geschwindigkeit des Personenwagens des Beschwerdeführers wird von der Vorinstanz nicht festgestellt. Diese hält aber fest, dass der Beschwerdeführer ohne Bremsweg bremsen konnte und keine Bremsspuren vorhanden waren (Urteil S. 15). Die genauen Geschwindigkeiten und der Unfallhergang konnten letztlich nicht zweifelsfrei erstellt werden. Ein verkehrstechnisches Gutachten wurde nicht eingeholt. Indem die Vorinstanz trotz der fehlenden objektiven Beweislage Schlüsse zulasten des Beschwerdeführers zieht, verfällt sie in Willkür.