Citation: 8C_376/2009 23.10.2009 E. 4

4.1 In BGE 130 V 97 E. 3.2 S. 99 hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (heute: Bundesgericht) erkannt: Die Rechtsprechung hat die Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 IVG definiert als "Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich" (BGE 105 V 159 Erw. 2a, 97 V 231 Erw. 2; vgl. Art. 6 ATSG). Bei erwerbstätigen Versicherten wird diese Einbusse ohne Rücksicht darauf bestimmt, wie sich die gesundheitliche Beeinträchtigung auf das erzielbare Einkommen auswirkt. Darin besteht ein wesentlicher Unterschied zur für die Bemessung des Invaliditätsgrades massgebenden Erwerbsunfähigkeit, welche umschrieben wurde als "die Unfähigkeit, auf dem gesamten in Frage kommenden Arbeitsmarkt und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen die verbliebene Arbeitsfähigkeit wirtschaftlich zu verwerten" (BGE 97 V 231 Erw. 2). Während bei der Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit ausserdem die Schadenminderungspflicht (vgl. dazu BGE 123 V 233 Erw. 3c, 117 V 278 Erw. 2b, je mit Hinweisen; AHI 2001 S. 282 f. Erw. 5a/aa) u.a. in dem Sinne eine erhebliche Rolle spielt, als von der versicherten Person im Rahmen des Zumutbaren verlangt wird, eine andere als die angestammte Tätigkeit auszuüben, sofern sich dadurch die verbleibende Arbeitsfähigkeit finanziell besser verwerten lässt (BGE 113 V 28 Erw. 4a mit Hinweisen), bildet einzig der bisherige Beruf den Bezugspunkt der für den Rentenbeginn relevanten Arbeitsunfähigkeit (BGE 121 V 274 Erw. 6b/cc; Urteile S. vom 23. Oktober 2003, I 392/02, Erw. 4.2.2, und G. vom 8. April 2002, I 305/00, Erw. 3). Diese ist auf der Grundlage der medizinischen Stellungnahmen zu beurteilen. Die Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG entspricht somit bei Erwerbstätigen der medizinisch festgestellten Einschränkung im bisherigen Beruf. 4.2 Von der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 ATSG sind folglich - wie erwähnt - die Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG) und die Invalidität (Art. 8 ATSG) zu unterscheiden. In Bezug auf die Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen, einen "vorläufigen Rentenanspruch" auch in jenen Fällen zu bejahen, in denen die Eingliederung bei Ablauf des Wartejahres im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG noch nicht abgeschlossen war, hat das Bundesgericht jüngst in E. 2.2 des Urteils 9C_141/2009 vom 5. Oktober 2009 E. 2.2 klargestellt, dass in der Invalidenversicherung kein Raum für die Zusprechung von derweise konstruierten "Berufsunfähigkeits-" oder "Arbeitsunfähigkeitsrenten" besteht. Der Anspruch auf eine Invalidenrente setzt vielmehr in jedem Fall Erwerbsunfähigkeit und Invalidität im Sinne von Art. 7 und 8 ATSG voraus, nach welchen das Invalideneinkommen stets auf die Verdienstmöglichkeiten im allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt und nicht auf den bisherigen Beruf bezogen bestimmt wird. 4.3 Demzufolge hat die Vorinstanz Bundesrecht verletzt, indem sie dem Beschwerdegegner - ohne Ermittlung eines konkreten Invaliditätsgrades - allein gestützt auf die Arbeitsunfähigkeit im angestammten (bisherigen) Beruf (vgl. Art. 6 Satz 1 ATSG) eine ganze Invalidenrente für die Dauer "vom 1. Mai 2005 bis vorläufig 30. November 2007" zugesprochen hat. Diesbezüglich steht der angefochtene Entscheid auch im Widerspruch zur gleichzeitig getroffenen - von keiner Seite bestrittenen - vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung, wonach die rechtsgenügliche Ermittlung der trotz gesundheitsbedingter Einschränkungen zumutbarerweise verbleibenden Restleistungsfähigkeit aus medizinischer Sicht einer genaueren polydisziplinären Abklärung bedarf (E. 1.4 hievor). Diese unerlässliche medizinische Abklärung ist jedoch nach dem hievor in Erwägung 4.1 und 4.2 Dargelegten gerade Voraussetzung für die Ermittlung einer allfälligen invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse, welche gegebenenfalls nach Massgabe von Art. 28 Abs. 1 IVG (seit 1. Januar 2008: Art. 28 Abs. 2 IVG) einen Rentenanspruch zu begründen vermag. 4.4 Inwiefern die IV-Stelle den Versicherten vor Berücksichtigung der allenfalls verbleibenden Restarbeitsfähigkeit hinsichtlich einer leidensangepassten Tätigkeit hätte "abmahnen" müssen, kann nach dem Gesagten offen bleiben. Das kantonale Gericht hat in tatsächlicher Hinsicht festgestellt, dass der Beschwerdegegner seine angestammte Arbeitsstelle als Staplerfahrer im Februar 2003 bei Betriebsschliessung der langjährigen Arbeitgeberfirma verlor und gemäss Auszug aus dem individuellen Konto vom 1. April 2005 zwischen Mai 2003 und Ende 2004 Arbeitslosenentschädigung bezog. Ausdruck der bei der Leistungsfestsetzung als allgemeiner Grundsatz des Sozialversicherungsrechts regelmässig und zwingend zu beachtenden Schadenminderungspflicht (BGE 129 V 460 E. 4.2 i.f. S. 463 mit Hinweis) ist die im Arbeitslosenversicherungsrecht bestehende Pflicht zur unverzüglichen Annahme einer zumutbaren Arbeit (Art. 16 Abs. 1 und 2 AVIG; ARV 2008 S. 154, C 252/06 E. 2). Diese Pflicht oblag dem Versicherten bereits bei Bezug der Arbeitslosenentschädigung. 4.5 Der angefochtene Entscheid ist hinsichtlich der bundesrechtswidrigen Zusprache einer ganzen Invalidenrente für die Dauer vom 1. Mai 2005 bis vorläufig 30. November 2007 (Dispositiv-Ziffern 2) aufzuheben. Gleiches gilt in Bezug auf die Dispositiv-Ziffer 3 des angefochtenen Entscheids, soweit diese dem Vollzug des in Dispositiv-Ziffer 2 Angeordneten diente. Daraus folgt, dass im Rahmen der unbestrittenen Rückweisung zur ergänzenden polydisziplinären Abklärung das Ausmass und der Verlauf der trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen zumutbaren Leistungsfähigkeit für den gesamten Zeitraum neu zu ermitteln und hernach über die beantragten Leistungen neu zu verfügen ist.