Citation: I 768/01 13.08.2002 E. 9

9. Altersjahr von Frau Dr. med. G.________ vorgenommenen Untersuchungen erhärteten die Diagnose. Gemäss der Rechtsprechung ist nicht ausgeschlossen, dass mit ergänzenden Abklärungen nach dem 9. Geburtstag nachweisbar ist, es habe bereits bei vollendetem 9. Altersjahr die komplette Symptomatik des Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang bestanden (BGE 122 V 123 Erw. 3c/cc). Bei den nach März 2000 durchgeführten Untersuchungen ging es somit nicht mehr darum, die Diagnose eines POS erstmals zu stellen, sondern um die beweismässige Prüfung, ob diese von Frau R.________ getroffene Diagnose auch zutraf. Indessen braucht die Frage der rechtzeitigen Diagnosestellung nicht entschieden zu werden, wie sich aus dem Folgenden ergibt. d) Hinsichtlich der Behandlung ist dem Bericht von Frau B.________, Team SPM (Spezielle Pädagogische Massnahmen), vom 15. Mai 2001 zu entnehmen, dass der Versicherte ab September 1998 wöchentlich zwei Lektionen ausserhalb der Klasse erhalten hat. Dabei ging es um Übungen zur Förderung von Feinmotorik, Raumwahrnehmung und -orientierung, zur visuellen und taktilen Wahrnehmung, zum Erarbeiten eines Mengenbegriffes bis 10 bis 20, zur Orientierung im Zahlenraum bis 20 und zur Festigung der gelernten Buchstaben. Ferner galt es, Möglichkeiten zu schaffen, dass der Versicherte seine Energie ausleben konnte. Diese Massnahmen erfolgten jedoch nicht als Behandlung eines POS, stand doch diese Diagnose im damaligen Zeitpunkt noch nicht fest. Selbst Frau B.________ äusserte gemäss dem erwähnten Bericht erstmals im März 1999 einen Verdacht auf dieses Leiden. Eine eigentliche, ausdrücklich auf das POS gerichtete Behandlung ordnete trotz der vorbestehenden Behandlungsbedürftigkeit erst Frau Dr. med. G.________ ab Januar 2001 mit der Psychomotorik-Therapie an. Daher ist der Behandlungsbeginn nicht rechtzeitig erfolgt. Zwar haben die zum gegenteiligen Schluss führenden Erwägungen der Vorinstanz einiges für sich. Doch ist es aus Gründen der Rechtssicherheit nicht angezeigt, den Begriff des rechtzeitigen Behandlungsbeginns aufzuweichen.