Citation: 1A.136/1999 18.02.2000 E. 2

2.- a) Opfer einer Straftat im Sinne von Art. 2 Abs. 1 OHG sind berechtigt, die im Gesetz vorgesehene Hilfe zu beanspruchen. Die Beratungsstellen leisten und vermitteln dem Opfer medizinische, psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe und informieren über die Hilfsangebote (Art. 3 Abs. 2 OHG). Sie leisten ihre Hilfe sofort und wenn nötig während längerer Zeit; sie müssen so organisiert sein, dass sie jederzeit Soforthilfe leisten können (Art. 3 Abs. 3 OHG). Die Leistungen der Beratungsstellen und die Soforthilfe sind unentgeltlich; die Beratungsstellen übernehmen weitere Kosten, wie Arzt-, Anwalts- und Verfahrenskosten, soweit dies aufgrund der persönlichen Verhältnisse des Opfers angezeigt ist (Art. 3 Abs. 4 OHG). Nebst der Inanspruchnahme von Leistungen der Beratungsstellen können Opfer einer in der Schweiz verübten Straftat im Kanton, in dem die Tat begangen wurde, unter den Voraussetzungen von Art. 12 OHG eine Entschädigung oder Genugtuung geltend machen (BGE 125 II 230 E. 2b). Eine Schadenersatzleistung nach Art. 12 OHG kommt indessen nur dann in Frage, wenn das Opfer durch die Straftat tatsächlich einen ungedeckten Schaden erlitten hat (und im Sinne von Art. 12 OHG bedürftig ist). Die Beratungsstelle ihrerseits übernimmt die Anwaltskosten nur dann, wenn sich das Opfer ohne die Übernahme der Anwaltskosten durch die Beratungsstelle nicht von einem Anwalt vertreten lassen könnte. Eine Kostenübernahme durch die Beratungsstelle ist insbesondere dann ausgeschlossen, wenn dem Opfer nach dem kantonalen Verfahrensrecht ein Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege zusteht (BGE 123 II 548 E. 2a, mit Hinweis). b) Das Obergericht hat dem Beschwerdeführer in seinem Urteil vom 12. Juni 1998 eine Parteientschädigung in der Höhe der von seinem Anwalt eingereichten Kostennote zugesprochen. Der Beschwerdeführer hat somit keinen ungedeckten Schaden erlitten, weshalb eine Entschädigungsleistung nach Art. 12 OHG ausgeschlossen ist. Die Parteientschädigung wurde zwar mit früheren Gerichtskostenschulden des Beschwerdeführers verrechnet, doch wurden diese Schulden durch die Verrechnung verringert. c) Der Anwalt des Beschwerdeführers ist für seine Leistung offenbar nicht entschädigt worden, weil die dem Beschwerdeführer zugesprochene Parteientschädigung mit früheren Schulden des Beschwerdeführers verrechnet wurden. Nach Art. 53 der Strafprozessordnung für den Kanton Schaffhausen vom 15. Dezember 1986 (StPO) steht dem bedürftigen Geschädigten auf Gesuch hin ein unentgeltlicher Vertreter nach den Bestimmungen der Zivilprozessordnung zu. Gemäss Art. 131 Abs. 2 der Zivilprozessordnung für den Kanton Schaffhausen vom 3. September 1951 (ZPO) wird die Entschädigung im Fall der unentgeltlichen Prozessvertretung unmittelbar an den Vertreter der Partei geleistet. Sowohl nach Art. 53 StPO als auch nach Art. 127 Abs. 1 ZPO muss ein ausdrückliches Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und -vertretung gestellt werden. Art. 127 Abs. 1 ZPO weist ausserdem ausdrücklich darauf hin, dass das Gesuch in jeder Instanz gesondert zu stellen ist. Hätte im vorliegenden Fall der Anwalt des Beschwerdeführers auch im Beschwerdeverfahren vor dem Obergericht ein Gesuch um unentgeltliche Prozessvertretung gestellt und hätte das Obergericht diesem stattgegeben, so wäre ihm nach der Gutheissung seiner Beschwerde die Parteientschädigung unmittelbar ausbezahlt worden bzw. wäre die Verrechnung mit Schulden des Beschwerdeführers unterblieben (angefochtener Entscheid S. 9). Dies bestreitet der Beschwerdeführer nicht. Dass das Obergericht kantonales Recht willkürlich angewendet habe, indem es zum Schluss kam, diese Regelung habe nicht zum Zuge kommen können, weil der Beschwerdeführer kein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt habe, macht dieser nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich. Er hätte auch nicht nach Treu und Glauben darauf hingewiesen werden müssen, dass es Verrechnungsansprüche gebe und daher ein Gesuch um unentgeltliche Vertretung angezeigt sei. Vielmehr hätte sein Rechtsvertreter dies zur Sicherung seiner Honorarforderung von sich aus tun müssen. Der Beschwerdeführer ist im Übrigen nicht legitimiert, die Rechtsansprüche seines Rechtsvertreters geltend zu machen. Das Gleiche gilt für die Frage der Notifikation der Abtretung der Parteientschädigung an den Rechtsvertreter gemäss dem Vollmachtsformular. Weil der Beschwerdeführer für seine Anwaltskosten vom Obergericht eine Parteientschädigung erhalten hat, bleibt kein Raum mehr für eine nachträgliche Übernahme dieser Kosten durch die Beratungsstelle gemäss Art. 3 Abs. 4 OHG. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.