Citation: 1C_203/2014 E. 4.2

4.2. Die Beschwerdeführer rügen diese Erwägungen als willkürlich. Die Beibehaltung der im Gestaltungsplan 1977 vorgesehenen Messweise sei nicht erforderlich, um die vorgesehene Staffelung der Bauten im Quartierplangebiet sicherzustellen. Im Gegenteil: Werde die Gebäudehöhe nur an der niedrigsten Gebäudeecke gemessen, so werde die (im Gestaltungsplan nicht ausdrücklich, sondern nur mittels Gebäudehöhe und Dachneigung festgelegte) Firsthöhe unbestimmbar. So sei im streitigen Bauprojekt vorgesehen, den Kniestock der Ostfassade im Vergleich zur Westfassade um 1.42 m zu erhöhen und den Dachfirst diagonal aus der Achse zu verschieben, was zu einer Erhöhung des Dachfirsts führe. Damit werde der projektierte Bau praktisch gleich hoch wie die Bauten auf den Parzelle 2864 und 2865, obwohl der Gestaltungsplan die Gebäudehöhe auf Parzelle 2863 mit 4.10 m vorgebe (im Gegensatz zu 5.40 m auf den Nachbarparzellen), d.h. es sich um das niedrigste Haus im ganzen Quartier handle. Für das vom Verwaltungsgericht erwähnte Prinzip der "Vermeidung einer Asymmetrie der Gebäudehöhen bei identischem Bezugsniveau" finde sich in der Quartiergestaltungsplanung Seglias kein Ansatzpunkt; vielmehr sähen sowohl der ursprüngliche Plan 1977 als auch der revidierte Plan 2007 bei Bauparzellen mit gleichem Bezugsniveau in der Regel unterschiedliche Gebäudehöhen vor (z.B. für die Parzellen 2863 - 2868, alle mit Bezugsniveau 1802.00 m.ü.M., Gebäudehöhen von 4.10 m, 5.40 m, 6.80 m und 8.10 m), um den Eindruck eines lebhaften, gewachsenen Quartiers zu vermitteln (keine gleichmässigen bzw. parallelen Häuserzeilen) und um sicherzustellen, dass die Hinterlieger in Bezug auf Licht, Besonnung und Aussicht möglichst wenig beeinträchtigt würden. Die Parzelle 2863 weise die geringste Gebäudehöhe (4.10 m) auf, aufgrund der Exposition, aber auch weil der Gebäudeabstand zur Parzelle 2882 der Beschwerdeführer sehr gering sei. Diese klaren planerischen Vorgaben würden missachtet, wenn es dem Beschwerdegegner gestattet werde, ein fast gleich hohes Haus (Firsthöhe 8.07 m; mittlere Höhe der Hauptgebäudeecken von 5.31 m) zu errichten wie auf den Parzellen Nrn. 2864 und 2865 (Firsthöhe rund 8.20 m; Gebäudehöhe 5.4 m). Die vom Verwaltungsgericht favorisierte Messweise sei auch nicht nötig, um die Einhaltung der festgelegten BGF und der ausgeschiedenen Baufenster zu gewährleisten. Das Baufenster werde von der projektierten Baute gerade nicht eingehalten; vielmehr sei dem Beschwerdegegner eine Ausnahme zur Überschreitung der Baulinie gewährt worden. Zur BGF vertreten die Beschwerdeführer die Auffassung, diese sei im Vertrag zum Quartierplan Seglias vom 3. April 1976 (VQP) "endgültig" und "verbindlich" zugeteilt worden (Art. 2.8 und 3.3 VQP), unter Zugrundelegung von Art. 39 Abs. 3 der damals geltenden Bauordnung der Gemeinde Sils von 1975, wonach wesentlich mehr Flächen als nach heutigem Baugesetz anzurechnen gewesen seien (insbesondere 2/3 des Untergeschosses). Werde diese Berechnung zugrunde gelegt, werde die zulässige BGF bei Weitem aufgebraucht bzw. sogar überschritten. Die Beschwerdeführer machen ausserdem geltend, sie hätten beim Kauf ihrer Parzelle darauf vertrauen dürfen, dass auf der Nachbarparzelle nur eine niedrigere (Gebäudehöhe 4.10 m) Baute errichtet werden dürfe, die ihnen auf der schönsten Seite noch Licht, Besonnung und Aussicht belasse. Die Gemeinde habe denn auch in ihrem Vorentscheid vom 17. März 2011 die Variante A (Erhöhung der Gebäudehöhe von 4.10 auf 5.40 m) ausgeschlossen, weil dies die hinterliegenden Liegenschaften unzumutbar beeinträchtigen würde. Es gehe nicht an, dasselbe Ergebnis über die Hintertür zu bewirken, durch die Zulassung einer Messmethode, die über keine gesetzliche Grundlage mehr verfüge.