Citation: 8C_36/2008 09.09.2008 E. 5

5.1 Vorinstanz und Verwaltung gingen davon aus, dass zwischen den Unfallereignissen und der humero-radialen Arthrose am rechten Ellbogen, nicht aber zwischen den Ereignissen und der humero-ulnaren Arthrose ein Kausalzusammenhang besteht. Auch unter Berücksichtigung dieses Krankheitsbildes sei ein Ganztageseinsatz selbst bei einer manuellen Tätigkeit zumutbar. Die weitergehenden Einschränkungen seien auf eine somatoforme Schmerzstörung zurückzuführen; die Schmerzstörung sei indessen nicht adäquat kausal durch die Unfallereignisse verursacht. Der Beschwerdeführer macht seinerseits geltend, nicht nur die humero-radiale, sondern auch die humero-ulnare Arthrose sei durch die beiden Ereignisse verursacht. Bereits durch diese Arthrosen sei er wesentlich in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Die weitergehenden Einschränkungen seien zudem nicht durch eine somatofrome Schmerzstörung, sondern durch ein unfallkausales Complex Regional Pain Syndrom Typ II (CRPS II) verursacht. 5.2 Eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) wurde beim Beschwerdeführer durch den SUVA-Arzt Dr. med W.________, (FMH Psychiatrie und Psychotherapie), in seiner Beurteilung vom 28. Oktober 2004 diagnostiziert. Gemäss den Klassifikationskriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) darf diese Diagnose nur gestellt werden, wenn der schwere und belastende Schmerz nicht adäquat durch den Nachweis eines physiologischen Prozesses oder einer körperlichen Störung erklärt werden kann (vgl. Dilling/Freyberger [Hrsg.]), Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 3. Aufl. Bern 2006, S. 185). Dr. med. W.________ stützt sich bei seiner Diagnosenstellung denn auch auf die Annahme, dass die somatischen Befunde die geklagten Beschwerden nicht ausreichend zu erklären vermögen und dass insbesondere der Verdacht auf ein CRPS II nicht bestätigt wurde. Daraus ist zu folgern, dass das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung beim Beschwerdeführer nur dann überwiegend wahrscheinlich erscheint, wenn diese Annahme zutrifft und er nicht an einem CRPS II litt. 5.3 Beim Beschwerdeführer wurde ein CRPS II erstmals von Dr. med. U.________ (Chirurgie FMH, speziell Handchirurgie), in seinem Bericht vom 21. März 2003 diagnostiziert. Die Schmerzabteilung der Rehaklinik führte in der Diagnoseliste ihres Berichtes vom 22. Mai 2003 einen Verdacht auf ein Quadrantensyndrom bei CRPS II auf. Am 26. Januar 2004 führten die Ärzte der Rehakliniik aus, dass die anamnestischen und klinischen Befunde unverändert für ein neuropathisches Schmerzsyndrom mit sympathisch vermittelter Ausweitung auf den rechten oberen Quadranten nach neuropathischem Schmerzsyndrom (CRPS II) sprechen würden. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass zwischen dem 26. Januar und dem 28. Oktober 2004 weitere Untersuchungen stattfanden, welche dazu dienten, den Verdacht auf ein CRPS II zu bestätigen oder zu widerlegen. Die Ausführungen des Dr. med. W.________ in seinem Bericht vom 28. Oktober 2004, wonach der Verdacht auf ein CRPS II nicht habe bestätigt werden können, entbehren somit einer aktenmässigen Grundlage. 5.4 Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz kann aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer sich nicht nur über ein eng auf den Ellbogen bezogenes Schmerzsyndrom beklagt, nicht ohne weitere Abklärungen geschlossen werden, er leide nicht an einem CRPS. In der Literatur wurde jedenfalls für den einen Subtypus des CRPS, der sympathischen Reflexdystrophie, eine Tendenz zur Generalisierung der Symptome, die die gesamte distale Extremität betreffen und sich auf den betroffenen Körperquadranten bzw. selten sogar auf die kontralaterale Extremität ausbreiten können, beschrieben (Mumenthaler/Stöhr/Müller-Vahl, Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome, 8. Aufl. Stuttgart 2003, S. 60). Aufgrund der Akten ist weder mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer an einem CRPS litt, noch dass der Verdacht auf ein solches Leiden unbegründet war. Insbesondere fehlt bis anhin eine neurologische Stellungnahme zur Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerden des Versicherten durch ein neuropathisches Schmerzsyndrom verursacht sind. Da die Diagnose der somatoformen Schmerzstörung von der Annahme ausgeht, dass kein CRPS vorlag, erscheint auch eine psychiatrische Störung solange nicht überwiegend wahrscheinlich, bis die Möglichkeit eines CRPS mit dem notwendigen Beweisgrad ausgeschlossen werden kann. Der Sachverhalt erweist sich als zu wenig abgeklärt. Die Beschwerde ist somit in dem Sinne gutzuheissen, dass Einsprache- und kantonaler Gerichtsentscheid aufzuheben sind und die Sache an die Versicherung zurückzuweisen ist, damit diese mit einer umfassenden neurologischen Begutachtung kläre, ob der Beschwerdeführer tatsächlich an einem unfallkausalen neuropathischen Schmerzsyndrom litt bzw. leidet. Anschliessend wird sie über ihre Leistungspflicht neu zu entscheiden haben.