Citation: 1C_260/2016 E. 3.5

3.5. Der Prüfung bedarf in erster Linie, ob und wie dem Kaltluftabfluss Rechnung zu tragen ist. Hierfür wurde im Entwurf 2005 im Kapitel "Sonderbeurteilung" der Abschnitt 7 "Einfluss der Geländeform auf die Geruchsausbreitung, Windkanalisierung und Kaltluftabfluss" neu eingefügt (S. 17 ff.), weil Studien ergeben hatten, dass Kaltluftabflüsse bei der Ausbreitung von Geruchsstoffen von bodennahen Geruchsquellen eine entscheidende Rolle spielen können (vgl. insbesondere L. KOUTNY, Geruchsausbreitung aus der Tierhaltung: Standorteinfluss, in: Agrarforschung 9/2002 S. 346-351). Dieses Phänomen ist gerade für offene Rinderställe relevant (BEAT STEINER/MARGRET KECK, Situationsanalyse bei Geruchsbeschwerden über Rinderställe, in: Agrarforschung Schweiz 2015 S. 500-507, insbes. S. 503). Im FAT-Bericht wird das Mikroklima nicht schon als Korrekturfaktor bei der Berechnung der Mindestabstände berücksichtigt, wohl aber eine Sonderbeurteilung bei besonderen Windverhältnissen verlangt, um den vorläufig errechneten Mindestabstand entsprechend anzupassen ("Sonderfälle" S. 6; vgl. dazu HANS MAURER, Lufthygienerechtliche Mindestabstände von Tierhaltungsanlagen - Stellungnahme zu ausgewählten Rechtsfragen, URP 2003 S. 297 ff., insbes. S. 327 ff.). Lokal entstehende und abfliessende Kaltluft macht sich als Hang- bzw. Talabwind bemerkbar (Entwurf 2005, Ziff. 7.2 S. 19) und gehört daher ebenfalls zu den besonderen Windverhältnissen (M AURER, a.a.O., S. 327 Fn. 68). Die Ausbreitung von Gerüchen durch nächtliche Kaltluftabflüsse und die allfällige Bildung von Kaltluftseen ist daher abzuklären, sofern ein erheblicher Verdacht dafür besteht, und kann zu einer Anpassung des Mindestabstands führen (vgl. Urteil 1A.58/2001 vom 12. November 2001 E. 2d, in: URP 2002 S. 102 zu besonderen Windverhältnissen und Urteil 1A.44/2006 vom 20. September 2006 E. 3.1, in: URP 2006 S. 811, ZBl 108/2007 S. 680; RDAF 2007 I S. 494 zur Kaltluft).