Citation: 4A_507/2015 E. 3.1

3.1. Die Vorinstanz hat ausgeführt, nach der - vorliegend anwendbaren - SIA-Norm 118 habe der Bauherr ein weitgehendes Änderungsrecht (einseitiges Gestaltungsrecht). Gegenstand einer (zulässigen) Weisung könne auch der Bauvorgang und damit die Reihenfolge der Arbeiten sein. Die Durchsetzung einer einseitigen Anordnung könne aber eine Verletzung einer Mitwirkungshandlung des Bestellers darstellen. So sei der Besteller etwa verpflichtet, dem Unternehmer den zu bearbeitenden Baugrund rechtzeitig zur Verfügung zu stellen. Nehme der Bauherr ihm obliegende Mitwirkungshandlungen nicht rechtzeitig vor, gerate er in Gläubiger- bzw. Annahmeverzug. Die Verletzung einer Mitwirkungshandlung bzw. Säumnis des Bauherrn löse die in Art. 94 Abs. 2 SIA-Norm 118 umschriebenen Rechtsfolgen aus. Neben den ausdrücklich erwähnten Folgen komme auch beim Fest- bzw. Pauschalpreisunternehmer ein Anspruch auf Mehrvergütung in Betracht, wenn dem Unternehmer aus dem Annahmeverzug des Bestellers ein Mehraufwand entstehe. Vorliegend habe die Beschwerdeführerin (Bestellerin) der Beschwerdegegnerin (Unternehmerin) an der zweiten Bausitzung vom 12. Mai 2010 ein detailliertes Terminprogramm ausgehändigt, das Bestandteil des Werkvertrages geworden sei. Danach sei eine weitgehend parallele Erstellung der zwölf Baukörper geplant gewesen. Als Arbeitsbeginn für das Haus 3 sei der 27. September 2010 vorgesehen gewesen, als Arbeitsbeginn für das Haus 4 der 23. August 2010. In der Folge sei das Terminprogramm für die Häuser 3 und 4 geändert worden und die Baumeisterarbeiten für diese zwei Häuser hätten erst im Mai 2011 begonnen. Die Verschiebung habe für die Beschwerdeführerin Vorteile bei Effizienz und Ökologie und tiefere Kosten für den Aushubtransport gebracht, für die Beschwerdegegnerin hingegen Mehrkosten wegen der Verlängerung der Bauzeit bzw. der Präsenz vor Ort. Die Beschwerdeführerin mache geltend, das Terminprogramm sei einvernehmlich an der Sitzung vom 8. September 2010 geändert worden. Die Vorinstanz kam nach ausführlicher Würdigung der zahlreichen Beweismittel zum Schluss, das Terminprogramm sei durch einen Entscheid der Beschwerdeführerin allein geändert und anschliessend der Beschwerdegegnerin kommuniziert worden. Dass zu jenem Zeitpunkt noch keine Mehrkosten von Seiten der Beschwerdegegnerin angemeldet worden seien, beweise entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht, dass eine einvernehmliche Änderung (ohne Mehrkosten) erfolgt wäre. Eine unterbliebene Ankündigung stehe einem Anspruch auf Mehrvergütung nicht entgegen, doch könne nach den konkreten Umständen des Einzelfalls das nach Vertrauensprinzip ausgelegte Schweigen des Unternehmers als Verzichtserklärung auszulegen sein. Die Beschwerdegegnerin sei jedoch nach Treu und Glauben nicht gehalten gewesen, der Beschwerdeführerin die Mehrkosten frühzeitig in Aussicht zu stellen, habe dieser als erfahrener Bauleiterin doch bekannt sein müssen, dass bei der Beschwerdegegnerin aufgrund der Terminverschiebung solche anfallen würden. Mit Schreiben vom 2. März 2011 habe die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin vorgeworfen, die von dieser befohlene Deponie des Aushubmaterials verursache eine massive Störung des Bauablaufs, wobei man dies im Sinne einer guten Zusammenarbeit bis zu diesem Zeitpunkt geduldet habe. Leider müssten nun die Mehrkosten für den gestörten Bauablauf angemeldet werden. Nach Ansicht der Vorinstanz zeigt dieses Schreiben zwar das einstweilige Einverständnis der Beschwerdegegnerin mit der Terminverschiebung. Ein Verzicht auf die Mehrvergütung lasse sich daraus hingegen nicht ableiten und keinesfalls stelle dieses Schreiben gar einen expliziten Verzicht auf die Geltendmachung von Mehrkosten dar. Im Gegenteil seien damit solche gerade angemeldet worden. Mit der Formulierung habe die Beschwerdegegnerin zum Ausdruck gebracht, die Verschiebung bisher insofern geduldet zu haben, als sie den Werkvertrag nicht unter Ansetzung einer Nachfrist nach den Vorschriften über den Gläubigerverzug aufgelöst habe. Ein Verzicht auf die Mehrvergütung sei indessen nicht ersichtlich.