Citation: 9C_593/2023 E. 5.2

5.2. Die IV-Stelle macht geltend, das kantonale Gericht habe die Beweise unvollständig und rechtsfehlerhaft gewürdigt, unhaltbare Schlüsse aus ihnen gezogen, den Sachverhalt für die Beurteilung der umstrittenen Frage nicht umfassend und rechtsgenüglich festgestellt sowie den Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit rechtsfehlerhaft angewendet. Es habe einseitig auf einzelne Aussagen der Beschwerdegegnerin abgestellt und wichtige, für den Ausgang des Verfahrens entscheidende Beweismittel nicht beachtet, so insbesondere das Gespräch mit der Eingliederungsberatung und die Angaben im ersten Fragebogen Arbeitsvermittlung. Berücksichtige man das Verhalten und die Angaben der Beschwerdegegnerin seit Eintritt der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zeige sich, dass zu keinem Zeitpunkt ein subjektiver Eingliederungswille bzw. eine entsprechende Motivation vorhanden gewesen sei. Mit dem (erst aufgrund des dritten Vorbescheides) formal vom Rechtsvertreter gestellten Antrag auf berufliche Massnahmen und einer formalen Erklärung (die von den bisherigen Angaben deutlich abweiche) könne kein Eingliederungswille begründet werden. Weiter habe das kantonale Gericht nicht nach den geltenden Beweisregeln beurteilt, welche der beiden möglichen Sachverhaltsvarianten die wahrscheinlichere bzw. überwiegend wahrscheinlich sei, und stattdessen ausgeführt, solange der Eingliederungswille nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden könne, dürfe auf ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren nicht verzichtet werden. Der geforderte Nachweis des Fehlens der subjektiven Eingliederungsfähigkeit könne kaum erbracht werden; als negative Tatsache sei das Nichtvorhandensein eines Eingliederungswillens aus äusseren Indizien zu schliessen. Auch die Vorinstanz sei nicht zum Ergebnis gelangt, dass der subjektive Eingliederungswille überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen sei, wie dies aber erforderlich wäre, um den Anspruch auf berufliche Massnahmen und damit die Notwendigkeit eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens zu begründen.