Citation: 4A_588/2023 E. 4.3

4.3. Trotz der Beanstandungen an der Berufungsbegründung ist die Vorinstanz aus zwei Gründen auf die Berufung eingetreten: Einerseits, weil die Berufungsbegründung hinsichtlich des Gesamtergebnisses der Würdigung hinreichend war und andererseits, weil das erstinstanzliche Urteil ohnehin an einem offensichtlichen Mangel litt. Der Beschwerdeführer tritt der ersten Begründung nicht ausreichend entgegen. Er behaftet die Vorinstanz auf die festgestellten Beanstandungen des Prüfprogramms der Berufungsbegründung und moniert, dass der Mangel des erstinstanzlichen Urteils - sollte ein solcher überhaupt bestehen - kein offensichtlicher sei. Damit genügt er selbst den Begründungsanforderungen an eine Beschwerde vor Bundesgericht nicht. Dass sich der Beschwerdegegner in der Berufung unzureichend mit der Gesamtwürdigung des erstinstanzlichen Urteils auseinandergesetzt haben soll und es der Begründung einem Bezug zum angefochtenen Entscheid und zu einem zulässigen Rechtsmittelgrund gefehlt haben soll, führt der Beschwerdeführer nicht hinreichend aus. Im Gegenteil hat die Vorinstanz zu Recht bei der Beurteilung der formalen Anforderungen an die Begründung den Grundprinzipien von Treu und Glauben und des Verbots von überspitztem Formalismus Rechnung getragen und in diesem Rahmen ihre vollständige Überprüfungsbefugnis ausgeschöpft. Dies betrifft im Besonderen auch den Mangel des erstinstanzlichen Urteils hinsichtlich der Frage der bundesrechtskonformen Beweislastverteilung (oben E. 3.3.3). Ein Mangel in der Verteilung der Beweislast ist derart grundlegend, dass er dem Berufungsgericht bei einer ersten Prüfung des angefochtenen Urteils ohne Lektüre der Berufungsschrift oder der Akten ins Auge springen kann. Insofern ist dieser Fehler offensichtlich und das Berufungsgericht braucht nicht zu prüfen, ob und mit welcher Begründung dieser Mangel gerügt wird; sie hat ihn vielmehr von Amtes wegen zu korrigieren (vgl. HURNI, Der Rechtsmittelprozess der ZPO, ZBJV 2020, S. 78). Selbst wenn also die Berufungsbegründung ungenügend gewesen wäre, hält es vor Bundesrecht stand, dass die Vorinstanz gestützt auf den offensichtlichen Mangel in der Beweislastverteilung die Beweiswürdigung der Erstinstanz umfassend überprüfte.