Citation: 1P.569/2002 25.11.2002 E. 4

Zur Wiederholungsgefahr macht der Beschwerdeführer geltend, die Anklagekammer habe die einschlägige kantonale Bestimmung willkürlich ausgelegt. Die Ehefrau habe den Beschwerdeführer zwar angezeigt, hingegen sei dieser bis heute nicht rechtskräftig verurteilt. Damit fehle es an den gesetzlichen Voraussetzungen für die Annahme der Wiederholungsgefahr. Nach Art. 176 Abs. 2 Ziff. 2 StrV ist Wiederholungsgefahr anzunehmen, wenn ernsthafte Gründe zur Annahme bestehen, die angeschuldigte Person werde weitere Verbrechen oder Vergehen begehen, wenn sie dies während der Dauer des Verfahrens bereits mindestens einmal getan hat. Der Begriff des hängigen Verfahrens ist dabei nach kantonaler Praxis und Doktrin nicht rein formell auszulegen; es genüge, wenn die zweite Straftat begangen werde, nachdem der Angeschuldigte Kenntnis erlangt habe, dass wegen einer ersten Tat gegen ihn ermittelt werde (Jürg Aeschlimann, Einführung in das Strafprozessrecht, Bern 1997, N 1113). Nähere Erörterungen zur Auslegung von Art. 176 Abs. 2 Ziff. 2 StrV einerseits und der Wahrscheinlichkeit sowie der Schwere der drohenden Delikte andererseits erübrigen sich indessen, da die Anklagekammer ihren Beschluss auch auf den Haftgrund der Kollusionsgefahr gestützt hat.