Citation: 1P.125/2004 24.05.2004 E. 3

3.1 Das Geschehen in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar 2001 ist insoweit unbestritten, als die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner bis Mitternacht im Lager Pratteln der A._______AG gearbeitet hatten. Nach Arbeitsschluss um Mitternacht suchten sie zusammen das Nelson Pub in Muttenz auf, wo sie nach ihren eigenen Angaben Bier - die Beschwerdeführerin ein grosses Guiness und ein oder zwei Stangen, der Beschwerdegegner zwei grosse Guiness und zwei Stangen - tranken. Gegen zwei Uhr morgens fuhren sie im Auto des Beschwerdegegners zur Wohnung von B._______, eines afrikanischen Bekannten des Beschwerdegegners. Dort tranken sie wiederum Alkohol, die Beschwerdeführerin zwei bis drei Glas Wodka, der Beschwerdegegner eine grössere Menge Whisky. Gegen vier Uhr fuhr der Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin, der es bereits schlecht war, nach seinen Angaben in einem Taxi, nach ihren Angaben in seinem Auto, zu ihrer Wohnung. An die folgenden zwei Stunden kann sich die Beschwerdeführerin nur bruchstückhaft erinnern: Sie sei angekleidet auf dem Bett gelegen und habe gemerkt, dass sich der Beschwerdegegner an ihrer Hose zu schaffen gemacht habe, worauf sie ihm gesagt habe, er solle aufhören. Als sie nach 6 Uhr morgens aufgewacht sei, habe sie eine andere Hose angehabt als am Vorabend; später habe sie dann noch festgestellt, dass sie, anders als am Vorabend, keine Unterhose getragen habe. Die Kleider vom Vortag seien ungeordnet und von Erbrochenem verschmutzt herumgelegen; ausserdem hätten sich eine angebrochene Kondompackung, eine Vase und ein Tüchlein auf dem Boden befunden. Der Beschwerdegegner gab zunächst an, er sei mit dem Taxi weitergefahren, nachdem er die Beschwerdeführerin vor deren Wohnung abgeladen habe. Später sagte er aus, sich nicht mehr erinnern zu können, ob er die Beschwerdeführerin nur vor das Haus gefahren oder sie noch in die Wohnung begleitet habe und schloss, konfrontiert mit dem IRM-Gutachten, auch nicht aus, mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. 3.2 Für das Verfahrensgericht steht auf Grund des IRM-Gutachtens fest, dass es in der fraglichen Nacht zum Geschlechtsverkehr zwischen der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdegegner gekommen ist. Auf Grund ihrer eigenen Angaben, die im Falle der Beschwerdeführerin von deren damaligem Freund C._______, der sie nach ihrem Aufwachen morgens um 6 Uhr gesehen hatte, und im Fall des Beschwerdegegners von der Beschwerdeführerin selber bestätigt werden, geht es davon aus, dass beide erheblich betrunken waren und jedenfalls die Aussage des Beschwerdegegners, er sei zur Tatzeit völlig betrunken gewesen, nicht zu widerlegen ist. Wegen des Zeitablaufs - die Taxizentrale hatte die entsprechenden Daten bereits gelöscht - habe nicht mehr geklärt werden können, ob die Beiden mit einem Taxi oder im Wagen des Beschwerdegegners zur Wohnung der Beschwerdeführerin gefahren seien. Eine Rekonstruktion des Tathergangs sei in Ermangelung von Angaben der Beteiligten unmöglich. Es sei nicht bekannt, wie sich der Geschlechtsverkehr zwischen den Beiden abgespielt habe, und dies könne auch nicht ermittelt werden. 3.3 Diese Beweiswürdigung ist nicht offensichtlich unhaltbar. Es könnte zwar sein, dass der einschlägig vorbestrafte Beschwerdegegner die Wehrlosigkeit der sturzbetrunkenen Beschwerdeführerin ausnützte und sie schändete. Die Beweislage reicht indessen für eine Verurteilung klarerweise nicht aus, und die Auffassung des Verfahrensgerichts, dass nicht zu erwarten ist, dass sie sich erheblich verbessert, ist sachlich ohne weiteres vertretbar. Es kann weder mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin in den Geschlechtsverkehr einwilligte oder sich ihm jedenfalls nicht in einer für den ebenfalls betrunkenen Beschwerdegegner erkennbaren Weise widersetzte, noch dass sie zwar bewusst- bzw. wehrlos war, der Beschwerdeführer dies jedoch wegen seiner Trunkenheit nicht wahrnahm, sondern ihre Passivität als Einverständnis missdeutete. B._______ und seine Ehefrau hätten allenfalls Angaben dazu machen können, ob die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner in der fraglichen Nacht im Taxi oder in dessen Auto von ihnen wegfuhren und wie sie deren Alkoholisierungsgrad einschätzten. Auch die Ehefrau des Beschwerdegegners könnte zu diesen Fragen möglicherweise Aussagen machen, wobei sie allerdings nicht aussagen müsste. Selbst wenn sich indessen ergäbe, dass der Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin in seinem eigenen Wagen nach Hause fuhr, wäre damit für die Beschwerdeführerin nichts gewonnen, ist es doch keineswegs ausgeschlossen, dass der Beschwerdegegner selber fuhr, obwohl er in einem Mass alkoholisiert war, das sein Erinnerungsvermögen stark beeinträchtigte. Das Verfahrensgericht konnte jedenfalls auf Grund der Aussagen der Beschwerdeführerin und des Beschwerdegegners ohne Willkür davon ausgehen, dass er soviel getrunken hatte, dass ein derartiger Gedächtnisverlust im Bereich des Möglichen ist. Unter diesen Umständen war es vertretbar, auf die Einvernahme des Ehepaares B._______ und der Ehefrau des Beschwerdegegners zu verzichten. Das Verfahrensgericht hat die Aussagen der Beschwerdeführerin in keiner Weise in Frage gestellt, weshalb es keinen Anlass hatte, das psychologische Gutachten von Frau Dr. D._______ zu würdigen, welches ihren Aussagen Glaubhaftigkeit bescheinige. Selbst wenn man davon ausginge, dass sich der Beschwerdegegner an der Hose der Beschwerdeführerin zu schaffen machte - was nahe liegt, da offensichtlich ein Geschlechtsverkehr stattgefunden hatte, - änderte dies nichts daran, dass damit nicht bewiesen wäre, dass er sie schändete. Dies gilt auch für die Schwellung der linken Augenbraue und einer Schürfwunde am Knie, welche sie offenbar in dieser Nacht erlitt, zieht man sich doch in stark betrunkenem Zustand infolge Verlustes der Koordinationsfähigkeit derartige oberflächliche Verletzungen leicht zu, ohne dass man sich im Nachhinein erinnert, wie und wo dies geschah. Unter diesen Umständen konnte das Verfahrensgericht das Strafverfahren gegen den Beschwerdegegner ohne Verfassungsverletzung einstellen, die Rüge ist unbegründet.