Citation: 2C_758/2020 E. 8.2

8.2. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer mittels Kredit/Darlehen aufgenommenen Drittmittel ist zwar aus dem angefochtenen Urteil nicht ersichtlich, ob diese fremden Gelder direkt in den Devisen- bzw. Optionshandel flossen oder zur Bestreitung der allgemeinen Lebenshaltungskosten verwendet wurden. Dies ist letztlich aber auch nicht von entscheidender Bedeutung, da sich die Drittmittel nach deren Aufnahme mit den eigenen Mitteln des Beschwerdeführers vermengten. Entweder wurden die aufgenommenen Gelder direkt zum Kauf der Devisen resp. Optionen verwendet oder es wurden damit andere Kosten gedeckt, was wiederum die Eigenmittel des Beschwerdeführers entlastete und damit jedenfalls indirekt die Finanzierung der Wertschriftengeschäfte ermöglichte. Im Umfang, als es sich bei dem im Jahr 2014 aufgenommenen Darlehen um Mittel handelte, die bis zum Eintritt des Verlustes im Januar 2015 noch vorhanden waren, kann der Umfang dieser Fremdmittel ein Indiz für einen gewerbsmässig ausgeübten Wertschriftenhandel in der Steuerperiode 2015 bilden (vgl. zum Ganzen Urteil 2C_375/2015 vom 1. Dezember 2015 E. 6.2). Gemessen am gesamten Vermögen des Beschwerdeführers im Jahr 2014 und angesichts der Rückzahlung des Darlehens innert 18 Monaten trotz des im Januar 2015 erlittenen Verlustes mag zwar das in Frage stehende Darlehen von rund Fr. 90'000.-- nicht als erheblich erscheinen. Indessen hätte die Vorinstanz das Darlehen auch ins Verhältnis zu den für den gewerbsmässigen Wertschriftenhandel eingesetzten Mitteln in Beziehung setzen und dabei auch die Art der vom Beschwerdeführer getätigten Handelsgeschäfte berücksichtigen müssen. Denn bei der der Fremdfinanzierung entscheidend erscheint, ob aus Sicht des Steuerpflichtigen nicht mehr die Anlage des Privatvermögens im Vordergrund steht, sondern das spekulative Erzielen von Gewinnen aus Leverageeffekten (vgl. JULIA VON AH, Gewerbsmässige Tätigkeit, in: Laurence Uttinger et al. [Hrsg.], Festschrift für Markus Reich, 2014, S. 65 ff., S. 87, auch zum Folgenden). Nimmt ein Anleger weit mehr Fremdmittel als für eine marktübliche Fremdfinanzierung auf, um diese in bewegliche Anlagen zu investieren, legt er nicht sein eigenes privates Vermögen an, sondern spekuliert mindestens teilweise mit Fremdkapital darauf, zusätzliche Gewinne zu erwirtschaften. Vorliegend fällt massgeblich ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer mit Derivaten handelte und diese nicht bloss zur Absicherung eines Aktienguthabens, sondern einzig zur Spekulation einsetzte (vgl. dazu auch E. 3.6 des angefochtenen Urteils). Weil er im Jahr 2014 zudem Fremdmittel aufnahm, welche sich auf fast einen Viertel des Guthabens auf seinem Depot per Ende dieses Jahres (von rund Fr. 431'750.--) beliefen (vgl. E. 1.2.1 des angefochtenen Urteils), und überdies unbestrittenermassen Produkte mit einem grossen Hebel verwendete, ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz davon auszugehen, dass er (auch in der hier interessierenden Steuerperiode 2015) in erheblichem Masse Fremdkapital verwendete. Dabei ging er - wie sich nicht zuletzt am eingetretenen Verlust im Jahr 2015 zeigt - Risiken ein, welche mit jenen eines professionellen Traders vergleichbar sind. Letzteres spricht stark dafür, dass ein gewerbsmässiger Wertschriftenhandel zu bejahen ist (vgl. auch VON AH, a.a.O., S. 87).