Citation: 4A_439/2013 E. 3.3

3.3. Die Vorinstanz stellte somit hinsichtlich des Begriffs "abschlusswilliger" Kaufinteressent keinen tatsächlich übereinstimmenden Parteiwillen fest, sondern legte dem Entscheid ihr objektiviertes Verständnis der Vertragsbestimmung zugrunde. Die Beschwerdeführerin macht denn auch nicht geltend, die Vorinstanz habe damit den Grundsatz des Vorranges der subjektiven vor der objektiven Vertragsauslegung verletzt (vgl. dazu BGE 121 III 118 E. 4b/aa S. 123; siehe ferner BGE 123 III 35 E. 2b S. 40). Sie ist vielmehr auch selber der Ansicht, dass eine Auslegung nach dem Vertrauensprinzip zu erfolgen habe, hält indessen die Auslegung der Vorinstanz für falsch und unterbreitet dem Bundesgericht ihre eigene Auffassung. Sie moniert, die Auslegung der Vorinstanz, wonach die Ehegatten C.________ nicht "abschlusswillig" gewesen seien, da sie die Bedingungen des Vorvertrags nicht akzeptiert hätten, berücksichtige weder den allgemeinen Sprachgebrauch des Begriffs "abschlusswillig" noch dessen Stellung im Kontext von Ziff. 5 Abs. 3 lit. A des "Vermittlungs- und Verkaufsauftrags" und im Gesamtkontext des Vertrags. Entgegen der Vorinstanz sei der Begriff "abschlusswillig" wie folgt auszulegen: Der Begriff "abschlusswilliger Kaufinteressent" stehe im "Vermittlungs- und Verkaufsauftrag" im Gegensatz zum "Käufer". Ein "Käufer" liege vor, sobald der Abschluss eines öffentlich beurkundeten Kaufvertrags herbeigeführt worden sei. Ein "abschlusswilliger Kaufinteressent" bestehe daher begriffsnotwendig schon in einem früheren Stadium. Abschlusswillig sei ein Kaufinteressent dann, wenn er den Willen zum Ausdruck bringe, einen Vertrag abzuschliessen, das Geschäft aber noch nicht abgewickelt und deshalb gerade noch kein Vertrag abgeschlossen worden sei. Die Familie C.________ - so die Beschwerdeführerin weiter - sei mit sämtlichen wesentlichen Vertragspunkten einverstanden gewesen, insbesondere auch mit dem Kaufpreis. Sie habe ihren Abschlusswillen überdies unterstrichen, indem sie die Finanzierungsbestätigung der Bank eingeholt habe. Sie sei damit als "abschlusswillige Kaufinteressentin" im Sinne des Vertrags zu betrachten. Die Vorinstanz spreche demgegenüber undifferenziert und pauschal von (sämtlichen) Verkaufsbedingungen der Beschwerdegegnerin, die seitens der Familie C.________ nicht akzeptiert worden seien. Dabei handle es sich lediglich um die Zahlungsmodalität des Kaufpreises, die nach Ansicht der Familie C.________ branchenüblich und für keine der Parteien nachteilig über eine Zahl- und Treuhandstelle hätte abgewickelt werden sollen. Im Zeitpunkt des Abschlusses des "Vermittlungs- und Verkaufsauftrags" habe sie (die Beschwerdeführerin) aber noch nicht gewusst, dass ein Kaufvertragsabschluss nicht möglich sein würde, wenn ein Käufer eine Zahl- und Treuhandstelle einsetzen wolle. Eine vernünftige Partei habe unter den gegebenen Umständen bei Vertragsabschluss nach guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass eine von ihr präsentierte Kaufinteressentin, die mit sämtlichen wesentlichen Vertragspunkten einverstanden sei und dafür eine Finanzierungsbestätigung ihrer Bank einhole und vorlege, als "abschlusswillig" im Sinne von Ziff. 5 Abs. 3 lit. A des "Vermittlungs- und Verkaufsauftrags" zu qualifizieren sei.