Citation: 9C_375/2024 E. 6.3

6.3. Im streitbetroffenen Schreiben vom 11. Mai 2012 führte die ESTV zwar aus, ihre vorgängig der Beigeladenen erteilten Auskünfte - wobei ausdrücklich auch jene vom 9. Juni 2010 erwähnt wird - seien "zu konkretisieren bzw. richtig zu stellen". Allerdings enthält dieses Schreiben keine konkrete Aussage darüber, ob die von der Beschwerdegegnerin erstellten Gutachten von der Steuer ausgenommen sind oder nicht. Die ESTV legte in ihrem Schreiben zudem auch nicht die Rechtsposition dar, welche sie im vorliegenden Steuernachforderungsverfahren bezogen hat (mithin, dass einzig Berichte und Gutachten im Zusammenhang mit einer konkreten Behandlung der untersuchten Person oder zur Abklärung von Sozialversicherungsansprüchen steuerausgenommen sind). Vielmehr führte sie aus, die Frage der Steuerbarkeit hänge wesentlich von der Frage ab, ob die rechtsmedizinischen Gutachten von Seiten staatlicher Instanzen in Auftrag gegeben und bezahlt würden. Sei dies der Fall, so seien sie von der Steuer ausgenommen. Dabei sei für die mehrwertsteuerrechtliche Qualifikation unbeachtlich, ob die auftraggebenden staatlichen Stellen sich die ihnen von den Gutachtern in Rechnung gestellten Leistungen letztlich von den untersuchten Personen ersetzen liessen.