Citation: 6B_577/2022 E. 1.3.3

1.3.3. Aus der langjährigen Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz von mehr als 20 Jahren allein folgt noch keine Härtefallsituation, sondern das Vorliegen einer solchen ist in Beachtung der konkreten Gesamtumstände zu prüfen (vgl. BGE 146 IV 105 E. 3.4.4 mit Hinweisen). Im Rahmen der Auseinandersetzung mit diesen Umständen verneint die Vorinstanz zu Recht eine massgebliche gesellschaftliche Verwurzelung des Beschwerdeführers in der Schweiz (vgl. angefochtener Entscheid E. 7c/bb S. 19). Dieser bringt ausserhalb seiner familiären Bindungen keine engen Beziehungen vor, die auf eine tiefe Verwurzelung schliessen liessen. Mit seinem pauschalen Vorbringen, er sei "über seine Kinder im Fussballclub [...] sowie seinem [sic] Bekanntenkreis durchaus in der Schweiz integriert", vermag er solche nicht darzutun. Zu welchen Personen in welcher Weise besonders intensive Bindungen bestehen würden, zeigt er genauso wenig auf, wie dass die Vorinstanz entsprechende Bindungen zu Unrecht ausser Acht gelassen hätte. Sein erneut betontes Engagement in der freiwilligen Berufsfeuerwehr reicht für die Annahme einer besonderen Verwurzelung alsdann nicht aus, insbesondere nachdem er der betreffenden Tätigkeit erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie nachgeht, mithin erst seit einer verhältnismässig kurzen Zeit, die zudem mit dem Beginn des vorliegenden Strafverfahrens zusammenfällt (vgl. seine Verhaftung am 11. Januar 2020, angefochtener Entscheid Dispositiv-Ziff. 3 S. 3). Besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende berufliche oder gesellschaftliche Beziehungen des Beschwerdeführers in der Schweiz sind damit weder dargetan noch ersichtlich. Angesicht seiner gravierenden Schulden und wiederholten, sich beinahe über zehn Jahre erstreckenden Delinquenz kann ihm im Weiteren auch unter dem Gesichtspunkt der Einhaltung der Schweizer Werte- und Rechtsordnung keine gelungene Integration zugutegehalten werden. Dass er mittlerweile in einem unbefristeten Anstellungsverhältnis arbeitstätig ist und Schulden abbaut, wie er geltend macht, ändert daran nichts (vgl. dazu auch E. 1.4 unten). Gleichermassen nichts abzuleiten vermag der Beschwerdeführer aus seinem Familienleben. Ein besonderes, unter den Schutzbereich von Art. 13 BV und Art. 8 EMRK fallendes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihm und seiner in der Schweiz lebenden Mutter fällt von vornherein ausser Betracht, nachdem die gemäss seiner Darstellung derzeit von ihm geleistete Pflege seiner Mutter laut den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz auch durch andere Familienangehörige erbracht werden kann. Davon abgesehen steht er zwar in einer nahen, echten und tatsächlich gelebten Beziehung zu seiner Kernfamilie, d.h. seiner Ehefrau und den zwei gemeinsamen minderjährigen Kindern, in der Schweiz. Gründe, weshalb es diesen nicht möglich wäre, ihm in sein Heimatland zu folgen, sind indes weder dargelegt noch ersichtlich. Der vorinstanzliche Schluss, das Familienleben könne auch in Nordmazedonien gepflegt werden (vgl. angefochtener Entscheid E. 7c/cc S. 19), ist in Anbetracht der Tatsachen, dass sich die Kinder noch in einem anpassungsfähigen Alter befinden bzw. auch in Bezug auf sie sowie die Ehefrau keine besonders intensiven Bindungen zur Schweiz ausserhalb der Familie ausgewiesen sind, die Kinder und die Ehefrau eine im Heimatland verbreitete Sprache beherrschen, alle nordmazedonische Staatsbürger sind und sich die Möglichkeit bietet, Anschluss an die im Heimatland lebende Familie der Ehefrau zu finden, nicht zu beanstanden. Ungeachtet der Frage, ob hinsichtlich der Mutter des Beschwerdeführers und seiner Kernfamilie (überhaupt) von einem anspruchsbegründenden gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz ausgegangen werden kann, was anhand der bestehenden Feststellungen unklar bleibt, ist das Recht auf Familienleben bei dieser Sachlage nicht in relevanter Weise tangiert. Ebenfalls keine Hindernisse für eine Wegweisung des Beschwerdeführers ergeben sich schliesslich mit Bezug auf seine eigenen (Wieder-) Eingliederungschancen im Heimatland. Angesichts seiner Kenntnis des Landes aus seiner Kindheit und von seinen bisherigen Besuchen sowie unter Berücksichtigung seiner Sprachkenntnisse, der im Heimatland ansässigen Familie der Ehefrau und seiner vielfältigen Berufserfahrung schätzt die Vorinstanz die Möglichkeit, in seinem Heimatland Fuss zu fassen, zu Recht im Ergebnis als realistisch und insbesondere in beruflicher Hinsicht zumindest als machbar ein (vgl. angefochtener Entscheid E. 7c/cc S. 20). Mit seinem auch insofern nur pauschalen Einwand, es bestünden keine Kontakte im Heimatland mehr, vermag er dem nichts entgegenzusetzen.