Citation: 2A.311/2004 08.09.2004 E. 3.3

3.3.1 Das Verwaltungsgericht erwog, die Beschwerdeführerin habe nicht behauptet, dass B.________ im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung die vorrangige Beziehung zu ihr unterhalten habe. Dies rügt die Beschwerdeführerin als aktenwidrig. Es sei festzuhalten, dass aufgrund der "Patchwork"-Erziehungsgeschichte B.________'s seit dem kriegsbedingten Verlassen der Heimat durch die Beschwerdeführerin im Jahre 1992 von einer vorrangigen familiären Beziehung gar nicht gesprochen werden könne. Fest stehe, dass die vorrangige familiäre Beziehung in der Phase nach der Geburt B.________'s während rund 5 1/2 Jahren klarerweise zur Mutter bestanden habe. Danach sei die Betreuung B.________'s durch die Grosseltern väterlicherseits erfolgt - mit einer Phase der Betreuung durch die Mutter von November 1995 bis Ostern 1996. Seit der neuerlichen Einreise in die Schweiz bestehe die vorrangige Beziehung klarerweise wieder zur Mutter. Für die Prüfung des Familiennachzugsgesuches ist von Bedeutung, zu wem das Kind im Zeitraum vor seiner Einreise in die Schweiz die vorrangige Beziehung unterhalten hat (Urteil 2A.171/2000 vom 28. November 2002, E. 4.1). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das Verwaltungsgericht diesbezüglich den Sachverhalt unrichtig oder aktenwidrig festgestellt haben soll, zumal die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift selber ausführt, dass gerade im Zeitpunkt des zweiten Familiennachzugsgesuches nicht von einer vorrangigen familiären Beziehung zur Beschwerdeführerin in einem enger verstandenen Sinne gesprochen werden könne. Die Feststellungen des Verwaltungsgerichtes in Bezug auf die Vorrangigkeit der Beziehungen halten daher der Prüfung durch das Bundesgericht stand, dies erst recht unter Berücksichtigung von Art. 105 Abs. 2 OG (vgl. E. 1.3). 3.3.2 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die vorinstanzliche Darstellung, es würden "Angaben über die näheren Umstände, unter denen dieser Vorfall [gemeint ist die angebliche Entführung B.________'s im Jahre 1996] stattgefunden habe", fehlen, sei aktenwidrig. Die Beschwerdeführerin habe in ihrer Rekursergänzung zuhanden des Justiz- und Polizeidepartementes im Detail dargelegt, wie es in den Frühlingsferien des Jahres 1996 anlässlich einer Reise nach Bosnien zur neuerlichen (unfreiwilligen) Trennung von Mutter und Kind gekommen sei. Es seien diesbezüglich sogar Beweisofferten gemacht worden. Soweit die Beschwerdeführerin mit diesen Vorbringen eine unvollständige Feststellung des Sachverhaltes rügt, verkennt sie den Umfang ihrer eigenen Mitwirkungspflicht. Die Beschwerdeführerin hat ihre Beweise in Bezug auf die genauen Umstände der angeblichen Entführung im Jahre 1996 nur im Rahmen des Verfahrens vor dem Justiz- und Polizeidepartement angeboten. Indessen hätte es an ihr gelegen, vor Verwaltungsgericht diese Beweise erneut anzubieten bzw. zu rügen, die Rekursinstanz hätte sie abnehmen müssen. Wie das Verwaltungsgericht in seiner Vernehmlassung zu Recht ausführt, ist es nicht seine Aufgabe, in vorinstanzlichen Eingaben der Beteiligten nach Gründen zu suchen, weshalb der Entscheid unrichtig sein könnte (Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Auflage, St. Gallen 2003, Rz. 921 mit Hinweisen). Wenn die Beschwerdeführerin solche Beweisanträge bzw. Rügen im Verfahren vor Verwaltungsgericht unterlassen hat, kann sie sich nicht nachträglich in diesem Punkt über eine unvollständige Sachverhaltserhebung bzw. Aktenwidrigkeit beschweren. Soweit die Beschwerdeführerin dem Verwaltungsgericht vorwirft, die Feststellung, die Entführung habe nicht in Bosnien-Herzegowina, sondern in Kroatien stattgefunden, sei aktenwidrig, ist ihr zunächst entgegenzuhalten, dass das Verwaltungsgericht in seinem Entscheid erwogen hat, nach Angaben der Beschwerdeführerin habe die Entführung nicht in Bosnien-Herzegowina, sondern in Kroatien stattgefunden. Dies erscheint nicht als offensichtlich falsch, zumal aus den Akten hervorgeht, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin der Primarschulgemeinde J.________ am 6. Mai 1996 mitgeteilt hatte, A.________ habe seinen Sohn "in D.________" entführen lassen. Diese Darstellung bestätigten die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann in einem Schreiben vom 28. April 2003 an das Ausländeramt des Kantons St. Gallen. Erst in ihrer Beschwerdeergänzung vom 2. Februar 2004 im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens liess die Beschwerdeführerin ausführen, es sei in Bosnien-Herzegowina zu einer "regelrechten" Entführung B.________'s gekommen. 3.3.3 Die Beschwerdeführerin rügt weiter, die vorinstanzliche Darstellung, die Beschwerdeführerin habe keine näheren Ausführungen dazu gemacht, was sie im Laufe der Jahre konkret unternommen habe, um ihren Sohn bei sich aufwachsen zu lassen, sei aktenwidrig. Die Beschwerdeführerin habe sich in der Rekursergänzung vom 15. August 2003 vielmehr bemüht, das grosse Dilemma, in welchem sie sich damals nachvollziehbarerweise befunden habe, zum Ausdruck zu bringen. Es sei ausgeführt worden, wie die Beschwerdeführerin im Sommer 1996 eigens nochmals nach Z.________ gefahren sei, um zu versuchen, B.________ wieder zu sich zu holen. Das Verwaltungsgericht hat erwogen, es sei unbestritten, dass die Beschwerdeführerin nach Ostern 1996 keine konkreten Schritte in die Wege geleitet habe, um B.________ mit behördlicher Hilfe in die Schweiz zurückzuholen. Wäre ihr ernsthaft an einer Wiedervereinigung mit ihrem Sohn gelegen gewesen, hätte sie zumindest versuchen müssen, diesen über den UN High Commissioner for refugees zu sich zu holen, wie sie dies im Juni 1993 getan habe. Es sei ihr im Jahre 1995 möglich gewesen, B.________ im Rahmen des Familiennachzugs zu sich in die Schweiz zu holen. Sodann habe B.________ nach Angaben der Beschwerdeführerin in der Zeit von 1999 bis August 2002 im Internat der Klosterschule von M.________ gelebt, wo er eine Schulausbildung abgeschlossen habe. Während dieser Zeitspanne habe die Beschwerdeführerin, wie sie ausführe, in regelmässigem telefonischem Kontakt zu ihrem Sohn gestanden, der die definitive Wiederaufnahme der familiären Beziehungen vorbereitet habe. Sie bleibe indessen den Nachweis schuldig, warum es nicht möglich gewesen sei, den Sohn wesentlich früher zu sich zu holen. Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung lässt der Umstand, dass die Beschwerdeführerin im Sommer 1996 erneut nach Z.________ gereist war (wo man ihr jeglichen Kontakt zu ihrem Sohn verweigert habe), die Feststellungen des Verwaltungsgerichtes in Bezug auf die Rückführungsbemühungen der Beschwerdeführerin nicht als offensichtlich falsch oder aktenwidrig erscheinen, zumal auch die Beschwerdeführerin nicht behauptet, sie habe ausser dem Besuch bei den Grosseltern im Sommer 1996 weitere Rückführungsversuche unternommen. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Beschwerdeführerin weder in der Schweiz noch in Bosnien-Herzegowina zivil- oder strafrechtliche Schritte unternahm, um die Aus- bzw. Rückreise des Sohnes mit behördlicher Hilfe zu erwirken. Ferner hatte sie - anders als im Rahmen eines ersten Familiennachzugs - die Unterstützung des UN High Commissioner for refugees nicht in Anspruch genommen. Wie das Verwaltungsgericht in seiner Vernehmlassung zu Recht erwähnt, vermag auch die Reise im Sommer 1996 nach Z.________ nicht zu belegen, dass die Beschwerdeführerin mit Nachdruck darum bemüht war, ihren Sohn wesentlich früher zu sich zu holen. 3.3.4 Das Verwaltungsgericht erwog weiter, die Mutter mache geltend, die Integration B.________'s sei in der Zwischenzeit praktisch vollzogen. Nähere Ausführungen dazu mache sie indessen nicht. Dies sei, rügt die Beschwerdeführerin, ebenfalls aktenwidrig: Im Rahmen des kantonalen Rekursverfahrens habe sie einen Ausbildungsbericht des Berufs- und Weiterbildungszentrums R.________ vom 25. Juni 2003 ins Recht gelegt, und im Sinne einer Beweisofferte sei die Einholung eines ergänzenden Berichtes beim Berufs- und Weiterbildungszentrum R.________ angeboten worden. Wie bereits erwähnt (E. 3.3.2), hätte es an der Beschwerdeführerin gelegen, dem Verwaltungsgericht diese Beweisanträge erneut zu stellen bzw. die Nichtabnahme der fraglichen Beweismittel im kantonalen Verfahren zu rügen. Im Übrigen durfte das Verwaltungsgericht zulässigerweise den tatsächlichen Schluss ziehen, aus dem Bericht des Berufs- und Weiterbildungszentrums R.________ könne angesichts des Umstandes, dass B.________ sich damals erst seit etwa 10 Monaten (wieder) in der Schweiz befand, nicht gefolgert werden, seine Integration in Familie, Schule und übrigem Umfeld sei bereits vollzogen. 3.3.5 Demnach sind die tatsächlichen Feststellungen des Verwaltungsgerichts weder unvollständig, offensichtlich unrichtig oder unter Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen ergangen und dementsprechend für das Bundesgericht verbindlich (Art. 105 Abs. 2 OG).