Citation: 6P.83/2006 29.06.2006 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt, das Obergericht stütze sich weitgehend auf die ersten Aussagen der Beschwerdegegnerin, welche in einem kritischen Befragungszustand entstanden seien. Eine Konfrontation der Parteien, welche die Widersprüche in den Aussagen hätte klären können, sei vom Kreisgericht bewusst vermieden und vom Obergericht abgelehnt worden. Darin sieht der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Der in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch des Angeschuldigten, den Belastungszeugen Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK soll ausschliessen, dass ein Strafurteil auf Aussagen von Zeugen abgestützt wird, ohne dass dem Beschuldigten wenigstens einmal angemessen und hinreichend Gelegenheit gegeben wurde, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Zeugen zu stellen. Dieser Anspruch wird als Konkretisierung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) auch durch Art. 32 Abs. 2 BV gewährleistet. Zielsetzung dieser Normen sind die Wahrung der sogenannten Waffengleichheit und die Gewährung eines fairen Verfahrens (BGE 131 I 476 E. 2.2). Der Präsident des Kreisgerichts hatte einem Antrag der Beschwerdegegnerin auf Vermeidung einer Konfrontation mit dem Beschwerdeführer stattgegeben (kantonale Akten, act. 260). Anlässlich der kreisgerichtlichen Hauptverhandlung wurde die Beschwerdegegnerin ausführlich einvernommen. Der Beschwerdeführer befand sich in dieser Zeit nicht im Gerichtssaal. Dem Verteidiger, der anwesend war und Fragen stellte (act. 266 f.), wurde Gelegenheit geboten, nach der Befragung das Protokoll mit dem Beschwerdeführer zu besprechen und der Beschwerdegegnerin anschliessend noch Ergänzungsfragen zu stellen. Der Beschwerdeführer opponierte dem nicht (act. 261 ff., 278). Er war also damit einverstanden. Dieses Vorgehen ist grundsätzlich zulässig, doch ist davon nur in begrenztem Rahmen Gebrauch zu machen (BGE 6P.46/2000 vom 10. April 2001, E. 1c/bb; BGE 129 I 151 E. 5; 125 I 127 E. 6c/dd). Es muss im Einzelfall geprüft werden, welche Vorgehensweisen und Ersatzmassnahmen in Frage kommen (BGE 129 I 151 E. 5). Da der Beschwerdeführer damit indessen einverstanden war, durfte das Obergericht in der Folge den Beweisantrag auf eine weitere Einvernahme ablehnen (act. 472). Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.