Citation: 5A_46/2021 E. 4.6.1

4.6.1. Die Beschwerdeführerin bringt zur Begründung des pönalen Charakters der Forderung im Wesentlichen vor, dass es sich um eine exorbitante Summe handle, die unabhängig von einer tatsächlichen Vermögenseinbusse und in Abweichung vom klassischen Schadensbegriff auferlegt werde. Der Beschwerdegegner habe aus dem negativen Vertragsinteresse infolge Nichtigkeit bereits sämtliche Zinsen und Gebühren der Bank inkl. Verzugszinsen im Umfang von EUR 22'276.50 zurückerhalten. Insofern handle es sich um einen Strafschadenersatz ("punitive damages"), da dieser - im Verhältnis zum negativen Vertragsinteresse um den Faktor 1.6 multipliziert - offensichtlich bezwecke, das Verhalten der Beschwerdeführerin zu bestrafen und sie davon abzuhalten, dieses zu wiederholen. Gleichzeitig unterstellt sie dem Schadenersatz generalpräventive Wirkungen. Diese Rechtsfigur sei der schweizerischen Rechtsordnung fremd und verstosse namentlich gegen das Bereicherungsverbot. Die Vorinstanzen hätten sodann verkannt, dass sich der Anspruch auf eine sehr spezifische Form der "perte de chance" abstütze, die auf den entstandenen Chancenverlust bei fehlender Risikoaufklärung bei einem Lombardkredit abstelle. Die Cour d'Appel de Nancy habe jedoch ihrerseits verkannt, dass die Beschwerdeführerin gemäss damals geltendem schweizerischem Standard ihren Aufklärungspflichten nachgekommen sei und hinsichtlich der Risiken eines Lombardkredits auch kein Unterschied zum (fälschlicherweise) angewendeten französischen Standard ersichtlich sei. Der Beschwerdeführerin dürfe keine Verantwortung am Anlageentscheid zukommen. Der entgangenen Chance fehle es sowohl am Vermögenswert sowie an der natürlichen Kausalität.