Citation: 1C_692/2024 E. 4.2

4.2. Der Beschwerdeführer erhielt die von ihm im vorinstanzlichen Verfahren kritisierte Abstimmungsbotschaft als Teil der Abstimmungsunterlagen unbestrittenermassen spätestens am 17. Mai 2024. Nach der vorinstanzlichen Auslegung von Art. 60 Abs. 2 lit. b VRG/GR reicht es für den Beginn des Fristenlaufs aus, dass für die betroffene Person die Möglichkeit bestand, den behaupteten Mangel zu entdecken und zu rügen. Habe diese Möglichkeit bestanden, komme es nicht darauf an, wann der behauptete Mangel konkret entdeckt worden sei. Die Vorinstanz kam zum Schluss, die zehntägige Beschwerdefrist habe mit der Zustellung der Abstimmungsunterlagen an den Beschwerdeführer begonnen und spätestens am 27. Mai 2024 geendet. Damit sei die erst am 7. Juni 2024 eingereichte Beschwerde klarerweise verspätet. Gemäss angefochtenem Urteil ist für den Fristbeginn derjenige Zeitpunkt massgebend, zu dem der Beschwerdeführer die von ihm behauptete Verletzung der politischen Rechte erkennen konnte. Diese Auslegung von Art. 60 Abs. 2 VRG/GR entspricht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Nach dieser sind Mängel hinsichtlich von Vorbereitungshandlungen im Vorfeld von Wahlen und Abstimmungen sofort zu rügen. Diese Praxis bezweckt, dass Mängel möglichst noch vor der Wahl oder Abstimmung behoben werden können und der Urnengang nicht wiederholt zu werden braucht. Stimmberechtigte, die dies unterlassen, verwirken im Grundsatz das Recht zur Anfechtung der Wahl oder Abstimmung (BGE 140 I 338 E. 4.4; Urteil 1C_556/2019 vom 9. September 2020 E. 4.1 f.). Wird für den Beginn der Frist - wie vorliegend - auf die Kenntnisnahme des Beschwerdegrunds abgestellt, ist von fristauslösenden Verhältnissen dann auszugehen, wenn die beschwerdeführende Person in die Lage versetzt wird, gegen den kritisierten Akt in wirksamer Weise Beschwerde zu führen (vgl. Urteile 1C_6/2022 vom 30. Juni 2022 E. 4, 1C_155/2021 vom 23. November 2021 E. 5.3 und 1C_301/2019 vom 1. November 2019 E. 4.4.3 mit Hinweis).