Citation: 7B_229/2022 E. 4.4

4.4. Die Argumentation der Beschwerdeführerin, Art. 31 VZAE sei für die Interessenabwägung heranzuziehen, entspricht sodann nicht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, welche die darin aufgeführten Kriterien bei der Frage des Härtefalls prüft. In Bezug auf die Interessenabwägung berücksichtigt die Vorinstanz sämtliche von der Beschwerdeführerin genannten Punkte, wie das Alter des Beschwerdegegners bei der Einreise, die Anwesenheitsdauer sowie die sprachliche und wirtschaftliche Integration. Nebst den anderen bereits bei der Frage des Härtefalls erwähnten Elementen (vgl. E. 4.3 hiervor) erwägt sie, dass der Beschwerdegegner zwar seit vielen Jahren, aber zu einem beträchtlichen Teil in Temporärjobs tätig gewesen und mit seiner Einzelfirma nach kurzer Zeit Konkurs gegangen sei. Darüber hinaus attestiert sie ihm eine mangelhafte sprachliche Integration. Auch wenn der Beschwerdegegner recht ordentlich Deutsch spreche, sei er an der Berufungsverhandlung mehrfach auf einen Dolmetscher angewiesen gewesen, weil er die Fragen nicht immer richtig verstanden habe. Weiter bezieht die Vorinstanz in ihre Gewichtung die im unteren Bereich des Strafrahmens liegenden Verfehlungen und das vergleichsweise leichte Verschulden mit ein. Das Rückfallrisiko für einschlägige sexuell motivierte Delikte werde im Gutachten als leicht bis moderat und damit nicht als erheblich eingestuft. Schliesslich geht sie davon aus, dass eine Reintegration in der Heimat des Beschwerdegegners problemlos möglich wäre. Dennoch fällt ihre Beurteilung "ganz knapp" zugunsten des Beschwerdegegners aus. Dies ist nicht zu beanstanden. Zwar ist der Beschwerdeführerin zuzustimmen, dass der Sohn des Beschwerdegegners im Zeitpunkt des Vollzugs der Landesverweisung angesichts der Dauer des Rechtsmittelverfahrens volljährig sein wird. Dies vermag die bestehende enge Beziehung zu diesem indes nicht massgeblich zu relativieren. Zudem fallen im vorliegenden Fall die geringe Tatschwere und das leichte Verschulden entscheidend ins Gewicht. Dass dem vorinstanzlichen Schluss, wonach das Vorliegen einer Schlechtprognose gerade noch verneint werden kann, mangels Widerruf der im Strafbefehl vom 25. November 2015 ausgesprochenen Geldstrafe nicht zu folgen ist, vermag die Interessenabwägung nicht entscheidend zu Lasten des Beschwerdegegners zu beeinflussen. Es ist nicht ersichtlich, dass der Verbleib des Beschwerdegegners in der Schweiz eine hohe Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nach sich ziehen würde. Auch die seit der Straftat vergangene Zeit und das seither klaglose Verhalten des Beschwerdegegners sprechen für eine Interessenabwägung zu seinen Gunsten. Insoweit ist der vorinstanzliche Verzicht auf eine Landesverweisung gestützt auf Art. 66a Abs. 2 StGB zu bestätigen.