Citation: U 71/03 17.02.2004 E. 3

3.1 Das kantonale Gericht hat gestützt auf die in den Akten liegenden medizinischen Berichte, insbesondere das am 5. Dezember 2001 von Dr. med. A.________ erstellte psychiatrische Gutachten erwogen, der Beschwerdeführer leide unbestrittenermassen an einer mittelschweren Hirnfunktionsstörung sowie, nach einstündiger körperlicher Anstrengung, unter Kopfschmerzen, ständigen Konzentrationsstörungen, diffusem Schwindel und Stottern. Das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen der Hirnfunktionsstörung und dem fraglichen Sturz wurde als gegeben betrachtet. Dabei führte die Vorinstanz aus, die SUVA sei davon ausgegangen, es wären mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine leistungsbegründenden somatischen Unfallrestfolgen mehr zu verzeichnen, namentlich sei keine organische Hirnschädigung und kein adäquater Kausalzusammenhang zwischen der psychischen Erkrankung und dem Unfallereignis anzunehmen, während sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt gestellt habe, das Unfallereignis habe zu einer Schädigung des Gehirns geführt und zwischen den psychischen Beeinträchtigungen und dem Unfall bestehe nebst dem natürlichen auch ein adäquater Kausalzusammenhang. In seinem psychiatrischen Gutachten vom 5. Dezember 2001 hielt Dr. med. A.________ fest, zu Beginn der 90er Jahre hätten sich früher schon bestehende psychische Auffälligkeiten akzentuiert. In diesen Zeitraum falle das besagte Unfallereignis, bei welchem eine traumatische Hirnschädigung denkbar sei. Es sei jedoch kaum möglich, definitiv zu entscheiden, welche Wertigkeit das Schädelhirn-Trauma im gesamten Krankheitsverlauf bzw. in Bezug auf die jetzt bestehende psychische Behinderung habe. Denkbar seien eine zufällige zeitliche Koinzidenz der Dekompensation einer vorbestehenden psychischen Erkrankung mit dem Unfallereignis, das selbst zu keiner relevanten Hirnschädigung geführt habe, oder eine abnorme, überschiessende Reaktion auf das Unfallereignis mit paranoider Ausgestaltung, dies vor dem Hintergrund der vorbestehenden psychischen Störung, oder schliesslich eine neue, traumabedingte hirnorganische Komponente, welche im klinischen Bild mit einer vorbestehenden Störung eine Art Amalgam bilde. Zu dieser psychiatrischen Beurteilung äusserte sich die SUVA-Ärztin Dr. med. B.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ihrer psychiatrischen Beurteilung vom 2. April 2002. Dabei kam sie zum Schluss, die drittgenannte Variante würde bedeuten, dass es sich um ein psychoorganisches Syndrom nach Schädelhirn-Trauma auf dem Hintergrund des Verdachts einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis handle. Konkrete Hinweise auf das psychoorganische Syndrom im Sinne eines objektiven Nachweises einer Hirnschädigung lägen aber nicht vor. So blieben die Alternativen einer zufälligen zeitlichen Koinzidenz der Dekompensation und einer abnormen überschiessenden Reaktion auf das Unfallereignis. Da ein organisches Substrat weder in einem neurologischen Gutachten des Spitals Z.________ vom 12. Oktober 1995 noch anlässlich eines am 22. Dezember 1999 durchgeführten MRI des Neurocraniums festgestellt wurde, musste die Hirnfunktionsstörung des Beschwerdeführers zweifellos im Rahmen seiner psychischen Erkrankung gesehen werden. Auf Grund dieser medizinischen Aktenlage ist die Vorinstanz der Beurteilung der SUVA-Ärztin gefolgt und davon ausgegangen, das erlittene Schädelhirn-Trauma trete gegenüber der vorherrschenden psychischen Erkrankung in den Hintergrund (BGE 123 V 99 Erw. 2a), sodass die entsprechende Adäquanzprüfung nach den Kriterien gemäss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa zu erfolgen habe. Nachdem sie das fragliche Sturzereignis als mittelschweren Unfall qualifiziert hat, stellte sie fest, dass keines der unfallbezogenen Kriterien erfüllt war, was dazu führe, dass der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 22. Oktober 1992 und der psychisch bedingten Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zu verneinen war. Zufolge fehlender Adäquanz müssten auch die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Integritätsentschädigung verneint werden. 3.2 Dem vorinstanzlichen Entscheid ist in allen Punkten beizupflichten. Wenn demgegenüber der Beschwerdeführer geltend macht, im psychiatrischen Gutachten sei die festgestellte Hirnfunktionsstörung entgegen der Beurteilung der SUVA-Ärztin Dr. med. B.________, auf welche sich das kantonale Gericht zu Unrecht gestützt habe, nur im Sinne eines Verdachts in ursächlichen Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung gesetzt worden, weshalb die hirnorganischen Unfallfolgen mit der vorbestehenden psychischen Auffälligkeit verschmolzen seien und somit die dritte der von Dr. med. A.________ in Betracht gezogenen Varianten zur Anwendung gelange, entbehrt dies jeder aktenmässigen Grundlage. Denn einerseits hat auch Dr. med. A.________ in seinem Gutachten hervorgehoben, dass ein 1999 durchgeführtes MRI des Schädels keine Hinweise für eine traumatische Hirnschädigung erbracht hatte. Andererseits hat er eine traumatische Hirnschädigung trotz fehlenden Nachweises fokal-neurologischer Defizite oder einer strukturellen Läsion lediglich für denkbar gehalten. Zudem wäre aus der Annahme, das Schädelhirn-Trauma sei eine neue, traumabedingte hirnorganische Komponente, welche im klinischen Bild mit einer vorbestehenden Störung eine Art Amalgam bilde, noch nicht zwangsläufig zu schliessen, die gemäss BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b festgelegten Kriterien seien entweder in gehäufter Weise erfüllt oder eines der Kriterien sei in besonders ausgeprägter Form gegeben. Was der Beschwerdeführer in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen die Anwendung der massgeblichen Kriterien auf den vorliegenden Fall und deren Gesamtwürdigung durch das kantonale Gericht vorbringt, vermag jedenfalls nicht durchzudringen. Demzufolge kommt dem Unfall vom 22. Oktober 1992 rechtlich keine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Hirnfunktionsstörung bzw. für die psychisch bedingte Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu. Dabei ist auch von einem neuropsychologischen Ergänzungsgutachten kein entscheidswesentlicher Aufschluss zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist.