Citation: 1C_10/2021 E. 4.5

4.5. Die Beschwerdeführerin macht an sich zu Recht geltend, dass eine Ehe trotz bestehender Beziehungsprobleme als intakt bezeichnet werden kann. Diese Annahme rechtfertigt sich nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung dann, wenn es den Ehegatten gelingt darzutun, dass sie sich trotz bestehender Eheprobleme nachweislich darum bemühten, diese zu überwinden (vgl. Urteil 1C_431/2020 vom 10. November 2020 E. 4.5.1 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin erinnert vor Bundesgericht an die von der Vorinstanz erwähnte Teilnahme an einem Eheberatungs-Seminar im November 2015. Dieser Einwand lässt aber im konkreten Fall die Annahme der Vorinstanz, dass der Zerrüttungs- bzw. Entfremdungsprozess bereits vor der Einbürgerung unter Einbezug dieses Seminarbesuchs weit fortgeschritten gewesen sei, weder als offensichtlich unrichtig noch als willkürlich erscheinen. Von einer Überwindung einer Krise in der Ehe kann vor dem 28. Februar 2016, als die Ehegatten erklärten, in einer stabilen ehelichen Gemeinschaft zu leben, basierend auf den Angaben der Beschwerdeführerin im Rahmen des Verfahrens beim SEM nicht ausgegangen werden. Es ist auch nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz bei ihren Schlussfolgerungen ebenfalls auf die Schilderungen des Ehemanns gegenüber dem SEM abstellte. Selbst wenn seine Ausführungen nach dem Auszug der Beschwerdeführerin emotionell eine gewisse Einseitigkeit aufweisen, lassen sie bezüglich des Zusammenlebens in der ehelichen Gemeinschaft keine grösseren Unstimmigkeiten oder Widersprüche erkennen. Angesichts der festgestellten vorbestehenden Eheprobleme und der Instabilität der ehelichen Gemeinschaft bildet der eheliche Streit vom 30. Juni 2016 nach der Einbürgerung einerseits kein ausserordentliches Ereignis, das unerwartet zum raschen Scheitern der Ehe führte. Andererseits ist nicht erkennbar, weshalb der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Einbürgerung das Bewusstsein um diese Belastungen des ehelichen Zusammenlebens gefehlt haben sollte. Folglich ist davon auszugehen, dass sie die Eheprobleme in ihrer Erklärung, in einer intakten Ehe zu leben, bewusst nicht erwähnte. Dadurch verheimlichte sie den Behörden eine für die erleichterte Einbürgerung erhebliche Tatsache, was deren Nichtigerklärung rechtfertigt.