Citation: 6P.120/2004 23.03.2005 E. 9

Das Obergericht hat die vom Beschwerdeführer im Berufungsverfahren gestellten Beweisanträge abgewiesen. Der Beschwerdeführer wirft dem Obergericht insoweit willkürliche antizipierte Beweiswürdigung und Verweigerung des rechtlichen Gehörs vor (staatsrechtliche Be-schwerde S. 19 - 23). 9.1 Das Obergericht durfte auf eine erneute Einvernahme des bereits im Untersuchungsverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren als Zeuge einvernommenen Z.________ zu den sexuellen Erfahrungen der Geschädigten ohne Verletzung von Verfassungsrecht verzichten, da von einer weiteren Einvernahme dieses Zeugen keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Geschädigten und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu erwarten waren (siehe ange-fochtenes Urteil S. 37). Im Übrigen kann dazu auf die vorstehenden Erwägungen (E. 7.2.1) verwiesen werden. Von einer erneuten Einvernahme der ebenfalls bereits im Untersuchungsverfahren und in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung als Zeugin befragten Ehefrau des Beschwerdeführers und Pflegemutter der Geschädigten durfte das Obergericht ohne Verletzung von Verfassungsrecht absehen, da nicht zu erwarten war, dass die Pflegemutter, die ihren Ehemann entlastet hatte, in einer erneuten Befragung wesentlich andere Aussagen machen würde als in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (siehe dazu kant. Akten p. 205 - 219 sowie das Urteil des Bezirksgerichts, kant. Akten p. 330 - 332). Inwiefern das Obergericht durch die Ablehnung des Beweisantrags auf erstmalige Einvernahme von bestimmten weiteren Zeugen sowie auf Beizug verschiedener weiterer Akten (siehe dazu angefochtenes Urteil S. 37 f.) Verfassungsrecht verletzt haben soll, wird in der staats-rechtlichen Beschwerde nicht begründet. 9.2 Der Beschwerdeführer beantragte im Berufungsverfahren die Anordnung eines Obergutachtens, welches abklären sollte, ob bestimmte Faktoren, die seines Erachtens ein erhebliches Sugges-tionspotenzial aufwiesen, die Glaubwürdigkeit der Geschädigten beeinträchtigten. Das Obergericht wies auch diesen Beweisantrag ab mit der Begründung, dass von einem Obergutachten keine neuen beziehungsweise anderen Erkenntnisse hinsichtlich der Glaub-würdigkeit der Geschädigten und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu erwarten seien. Diese Auffassung ist entgegen den Einwänden in der staatsrechtlichen Beschwerde (S. 22, 23) nicht willkürlich und wird im angefochtenen Urteil (S. 38/39 sowie S. 28 - 32) hinlänglich begründet. Dem Experten war aufgrund seiner Gespräche mit der Geschädigten bekannt, dass diese Bücher zum Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern gelesen hatte (angefochtenes Urteil S. 31), und er hat im Gutachten gleichwohl ausdrücklich festgehalten, dass keine Hinweise auf ins Gewicht fallende Suggestionseinflüsse bestünden (Gutachten S. 30, kant. Akten p. 66; angefochtener Entscheid S. 31, 32). Dass die Geschädigte gegenüber verschiedenen Personen Andeutungen betreffend den sexuellen Missbrauch gemacht hatte, ist gemäss den Ausführungen des Gutachters in der erst-instanzlichen Hauptverhandlung idealtypisch für sexuellen Missbrauch (kant. Akten p. 229/230).