Citation: 1P.313/2004 02.11.2004 E. 3

3.1 Der Kassationshof des Bundesgerichts ist in seinem Urteil vom 26. Mai 2003 davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer seine Sorgfaltspflicht verletzte, indem er sich, als er auf die beiden Fussgänger am Strassenrand zufuhr, darauf beschränkte, sein Tempo zu mässigen und Bremsbereitschaft zu erstellen. "Er hätte nicht nur auf die Begleiterin achten dürfen, sondern sich auch auf das Kind konzentrieren müssen. Insbesondere hätte er nicht davon ausgehen dürfen, die Begleiterin halte es fest, ohne sich Rechenschaft darüber abzulegen, ob dies tatsächlich der Fall sei. Ebenso wenig berücksichtigte er, dass das Kind nicht auf ihn achtete. Unter diesen Umständen hätte er nicht darauf vertrauen dürfen, dass sich das Kind, welches die Strasse erkennbar überqueren wollte, richtig verhalten werde. Er wäre deshalb verpflichtet gewesen, die zweideutige Situation wenigstens mit einem Warnsignal zu klären oder gar sein Tempo so weit zu mässigen, dass er vor den Fussgängern hätte anhalten können" (Urteil des Kassationshofs E. 3.3 S. 11). 3.2 In Befolgung dieser (auch für das Bundesgericht im vorliegenden staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren) verbindlichen Erwägungen des Kassationshofs ging das Strafgericht im angefochtenen Entscheid davon aus, dass der Beschwerdeführer in vorsichtswidriger Weise an den beiden Fussgängern vorbeifuhr und "mit diesem Verhalten bzw. der daraus resultierenden Kollision" den Tod von A.________ verursachte (E. 2 S. 3). Es prüfte in der Folge, ob er die Gefährdung des Knaben hätte voraussehen bzw. erkennen können und müssen, und bejahte dies. Zwar treffe die Begleiterin ein mögliches Drittverschulden am Unfall; dass sie das Kind nicht festgehalten habe, sei jedoch nicht derart ungewöhnlich, dass der Beschwerdeführer damit überhaupt nicht habe rechnen müssen. Aus Art. 26 Abs. 2 SVG ergebe sich, dass die Sicherheit des begleiteten Kindes von den beteiligten Erwachsenen gemeinsam gewährleistet werden müsse: vom Automobilisten, der die Gefahr schaffe, und von der Begleitperson, die das Kind beaufsichtige. Daraus folge, dass keiner der beteiligten Erwachsenen darauf vertrauen dürfe, der andere werde die Gefährdung des Kindes ausschliessen, wenn er sich darüber keine Gewissheit verschaffen könne. 3.3 Der Beschwerdeführer wandte zwar ein, der Knabe sei auf Kommando seiner Begleiterin losgerannt. Ein solches Verhalten des Kindermädchens liege ausserhalb jeder Vernunft und sei derart ungewöhnlich, dass er damit nach menschlichem Ermessen nicht habe rechnen müssen, weshalb es als schweres Drittverschulden die wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des tödlichen Unfalles sei. Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen seinem sorgfaltswidrigen Verhalten und dem Unfall sei daher unterbrochen. Diesen Einwand verwarf das Strafgericht im angefochtenen Entscheid. Es erwog, diese Darstellung des Beschwerdeführers, wonach der Knabe auf Grund der Aufforderung des Kindermädchens in die Strasse hinaus und in den PW gerannt sei, finde in den Akten keine Stütze. Nach ihren (im angefochtenen Urteil umfassend zitierten) Aussagen habe B.________ dem Kind zu verstehen gegeben, dass sie jetzt die Strasse überqueren würden, worauf sie beide gemeinsam losgelaufen seien. A.________ habe dann den Plastiksack in ihrer Hand losgelassen und sei losgerannt, wobei sie nicht wisse, warum er dies getan habe. Auf Grund dieser Darstellung müsse davon ausgegangen werden, dass der Knabe nicht auf Aufforderung des Kindermädchens, sondern aus spontaner, unberechenbarer Reaktion losgerannt sei. Selbst wenn das Kindermädchen die Gefahrensituation möglicherweise falsch eingeschätzt habe, sei ihr Verhalten nicht derart ungewöhnlich gewesen, dass der Beschwerdeführer als Lenker damit nicht habe rechnen müssen. Überraschendes und unberechenbares Verhalten von Kindern stelle das gesetzgeberische Motiv für die in Art. 26 Abs. 2 SVG statuierte besondere Vorsichtspflicht ihnen gegenüber dar. Die Sorgfaltspflichtverletzung des Beschwerdeführers sei daher die adäquate Ursache des Todes von A.________, weshalb er wegen fahrlässiger Tötung im Sinne von Art. 117 StGB schuldig zu sprechen sei.