Citation: C 413/99 16.05.2000 E. 3

3.- a) Gemäss Art. 23 Abs. 1 erster Teilsatz AVIG gilt als versicherter Verdienst der im Sinne der AHV-Gesetz- gebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeit- raumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen norma- lerweise erzielt wurde. Nicht versichert ist ein Nebenverdienst. Als solcher gilt jeder Verdienst, den ein Versicherter ausserhalb sei- ner normalen Arbeitszeit als Arbeitnehmer oder ausserhalb des ordentlichen Rahmens seiner selbstständigen Erwerbs- tätigkeit erzielt (Art. 23 Abs. 3 AVIG). Als Zwischenverdienst gilt nach Art. 24 Abs. 1 AVIG jedes Einkommen aus unselbstständiger oder selbstständiger Erwerbstätigkeit, das der Arbeitslose innerhalb einer Kon- trollperiode erzielt. Laut Art. 24 Abs. 3 zweiter Satz AVIG bleibt ein Nebenverdienst (Art. 23 Abs. 3 AVIG) unberück- sichtigt. b) In BGE 116 V 281 (bestätigt mit BGE 125 V 478 Erw. 5a) hat das Eidgenössische Versicherungsgericht den unbestimmten Rechtsbegriff "normalerweise" in Art. 23 Abs. 1 erster Teilsatz AVIG im Zusammenhang mit einer Über- zeitentschädigung ausgelegt. Dabei hat es festgehalten, dass das AVIG den versicherten Personen einen angemessenen Ersatz für Erwerbsausfälle u.a. wegen Arbeitslosigkeit ga- rantieren will. Eine Entschädigung für ausgefallene Über- zeitarbeit widerspräche dem auch in anderen Bereichen des Gesetzes zum Ausdruck kommenden Grundgedanken der Arbeits- losenversicherung: Diese soll nur für eine normale übliche Arbeitnehmertätigkeit Versicherungsschutz bieten, dagegen keine Entschädigung für Erwerbseinbussen ausrichten, die aus dem Ausfall einer Überbeschäftigung stammen (BGE 116 V 283 Erw. 2d mit Hinweisen). Im Hinblick auf diese Ziele erwog das Eidgenössische Versicherungsgericht im nicht veröffentlichten Urteil H. vom 2. September 1996 (C 18/96) - in welchem es um die Ausscheidung des Nebenverdienstes bei einem Versicherten ging, der im Bemessungszeitraum für den versicherten Ver- dienst bei einem Arbeitgeber nahezu eine Vollzeit- und bei einem zweiten ungefähr eine Halbzeitbeschäftigung ausübte, - dass es darum richtig ist, den Verdienst ausser Acht zu lassen, der ausserhalb einer normalen üblichen Arbeitszeit erzielt wird. Wie Gerhards (Kommentar zum Arbeitslosenver- sicherungsgesetz, Bd. I, N 54 zu Art. 23), auf den im er- wähnten Urteil vom 2. September 1996 Bezug genommen wird, ausführt, liegt ein Nebenverdienst ausserhalb der in Art. 23 Abs. 1 AVIG festgeschriebenen Normalität; er hat ausserordentlichen Charakter, und zwar auch dann, wenn ein Versicherter durch eine Nebentätigkeit ein höheres Einkom- men erzielt als durch die eigentliche Haupttätigkeit (BGE 125 V 478 Erw. 5a). c) Laut der Arbeitgeberbescheinigung der S.________ AG vom 10. Februar 1996 war der Beschwerdegegner als Sicher- heitsbeamter während 35 Stunden pro Woche bei einer wö- chentlichen Normalarbeitszeit im Betrieb von 44 Stunden und somit im Rahmen von rund 80 % einer Vollzeitbeschäftigung tätig. Bei der O.________ AG arbeitete er in den Monaten Februar bis Juli 1996 als Verkäufer zwischen 28 bis 51 ½ Stunden pro Monat bei einer wöchentlichen Normal- arbeitszeit von 42,5 Stunden. Diese Tätigkeit geht über einen blossen Nebenverdienst hinaus und wurde angesichts der Teilzeitbeschäftigung bei der S.________ AG entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht ausserhalb einer nor- malen üblichen Arbeitszeit erzielt. Die Beschwerdeführerin hat daher zu Recht den bei der O.________ AG erzielten Lohn nachträglich als Zwischenverdienst herangezogen. Eine Be- rücksichtigung dieser Beschäftigung kommt jedoch entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin auch bei der Ermitt- lung des versicherten Verdienstes in Frage. In welchem Umfang er diese Tätigkeit im Zeitraum bis zum Eintritt der Arbeitslosigkeit am 1. März 1996 ausübte, lässt sich den Akten nicht in zuverlässiger Weise - namentlich auch im Hinblick auf die Ermittlung des versicherten Verdienstes (vgl. Art. 37 Abs. 1 bis 3 AVIV) - entnehmen. Immerhin wird für den Februar 1996 eine Beschäftigung von 30 Stunden im Monat bescheinigt. Es wird Sache der Arbeitslosenkasse sein, zu diesem Punkt noch nähere Abklärungen zu treffen. Festzuhalten ist jedoch, dass die Tätigkeit bei der S.________ AG nicht einer Vollzeitbeschäftigung entsprach. Sollten die beiden Tätigkeiten bei der S.________ AG und der O.________ AG zusammen mehr als eine Vollzeitbeschäfti- gung ergeben, so sind beim versicherten Verdienst die da- raus resultierenden Verdienste auf 100 % zu reduzieren (erwähntes Urteil in Sachen H. vom 2. September 1996, C 18/96).