Citation: U 47/06 05.09.2006 E. 3.3

3.3.1 Die Vorinstanz hat einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den beiden Unfällen vom 12. August 2002 und 15. Januar 2003 und den über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung am 30. November 2003 hinaus geklagten Gesundheitsstörungen gestützt auf die Schlussfolgerungen des Gutachters Dr. med. E.________ verneint. Dieser hat seine medizinische Beurteilung vom 4. November 2003, wonach unfallkausale 'Restbeschwerden' "überwiegend wahrscheinlich schon seit längerem wieder abgeklungen" seien, damit begründet, dass die Gegeninnervationen bei der Beweglichkeitsprüfung der Halswirbelsäule überwindbar gewesen seien, speziell bei der Untersuchung im Liegen, welche eine vollständig lockere Beweglichkeit der Halswirbelsäule ohne Schmerzangaben ergeben habe; ausserdem hätten die von ihm selbst angefertigten radiologischen Funktionsaufnahmen eine normale Funktionalität der Halswirbelsäule für alle Bewegungsrichtungen einschliesslich Kopfgelenke ergeben; ebenso habe bereits mit der Magnetresonanztomographie vom 30. Oktober 2002 keinerlei traumatische Veränderung der Halswirbelsäule nachgewiesen werden können. 3.3.2 Dieser gutachterlichen Beurteilung stehen abweichende Stellungnahmen und Befunderhebungen mehrerer Fachärzte gegenüber, welche die Beschwerdeführerin nach dem 30. November 2003 untersucht oder behandelt haben und deren Zeugnisse teils im Einsprache-, teils im vorinstanzlichen Beschwerde- und teils auch erst im vorliegenden Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren aufgelegt wurden. So hat der Neurologe Dr. med. A.________ in seiner Stellungnahme vom 22. Dezember 2003 die medizinische Schlüssigkeit der vom Gutachter Dr. med. E.________ durchgeführten Beweglichkeitsprüfung der Halswirbelsäule in Frage gestellt, weil sich mit geeigneter Technik relativ viele reflektorische muskuläre Widerstände überwinden liessen; die Überwindbarkeit der Gegeninnervation im Rahmen der Beweglichkeitsprüfung der Halswirbelsäule lasse daher "keine geeignete Aussage über den Zustand eines Zervikalsyndroms" zu. Die neuropsychologische Untersuchung in der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsspitals R.________ vom 1. Juni 2005 ergab gemäss Bericht vom 2. Juni 2005 leichte Minderleistungen der kognitiven Flexibilität, der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit und im Gedächtnis; diese Befunde seien mit einem Status nach craniofacialem Beschleunigungstrauma vereinbar. Der Spezialarzt für Neuraltherapie Dr. med. von O.________ von der Klinik G.________ hat am 16. Juni 2005 als objektive Befunde eine deutlich verminderte Mobilität der Halswirbelsäule in allen Richtungen mit Endphasenschmerz und verschiedene Druckdolenzen unter anderm in der paravertebralen Muskulatur beidseits, der Muskulatur im Schulterbereich und im linken Ober- und Unterarm erhoben und ein chronisches Cervicocephal- und Cervicobrachialsyndrom links mit pseudoradiculären Störungen und vorwiegend vegetativen Beeinträchtigungen diagnostiziert; er erwähnte auch Nackenschmerzen, die sich weiter paraspinal beidseits in die obere Brustwirbelsäule ziehen. Dr. med. D.________ schliesslich, der die Beschwerdeführerin ab 1. März 2004 behandelte, hat in seinem mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beigebrachten Bericht vom 18. Januar 2006 bestätigt, dass eine "nur leichte Traumatisierung der HWS" jeweils zu einer Exazerbation der seit den Autounfällen bestehenden Beschwerden der Halswirbelsäule führe; bei der aktuellen Untersuchung habe er Druckdolenzen/Hartspann der paravertebralen Muskulatur der Halswirbelsäule, eine eingeschränkte Rotationsbewegung nach links mit deutlichem Endphasenschmerz und eine linksbetonte Druckdolenz der Schultermuskulatur festgestellt. 3.3.3 Weder der Kritik der gutachterlichen Untersuchungstechnik bei der Beweglichkeitsprüfung der Halswirbelsäule noch den von der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsspitals R.________ festgestellten neuropsychologischen Defiziten oder den von den Dres. med. von O.________ und W.________ erhobenen klinischen Befunden kann im Rahmen einer Gesamtwürdigung der medizinischen Akten jede Beweiskraft abgesprochen werden. Die Richtigkeit der Schlussfolgerung des Gutachters Dr. med. E.________, wonach ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den beiden Unfallereignissen und den weiterhin geklagten Beschwerden zu verneinen sei, wird dadurch zumindest in Frage gestellt, wenn nicht gar erschüttert. Der vom Unfallversicherer zu erbringende Beweis (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. Erw. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 f. Erw. 4b, je mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung) für das Dahinfallen der natürlichen Unfallkausalität der gesundheitlichen Störungen kann daher auf Grund der medizinischen Aktenlage zumindest nicht als mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt gelten. Dennoch ist darüber weder zu Ungunsten des beweisbelasteten Unfallversicherers zu entscheiden noch ist die Sache zur ergänzenden Abklärung der Unfallkausalität mittels Einholung eines interdisziplinären medizinischen Gutachtens an eine der Vorinstanzen zurückzuweisen. Selbst wenn auf Grund zusätzlicher Abklärungen der natürliche Kausalzusammenhang nämlich zu bejahen wäre, fehlt es - wie nachstehende Erwägung zeigt - an der kumulativ erforderlichen Leistungsvoraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhanges.