Citation: 4A_235/2020 E. 4.4

4.4. Hinsichtlich der Angabe einer E-Mail-Adresse im Impressum der Plattform (Rechtsbegehren Ziffer 6) verneinte die Vorinstanz ebenfalls die Aktivlegitimation der Beschwerdeführerin. Das Klagerecht des Bundes stehe bei einer Verletzung von Art. 3 Abs. 1 lit. s Ziff. 1 UWG eher im Hintergrund; im Regelfall seien bei solchen Verletzungen kaum öffentliche Interessen tangiert. Das Vorliegen der Aktivlegitimation, insbesondere der Nachweis der richtigen Ermessensausübung hinsichtlich des Entscheids der Klageeinreichung, wäre von der Beschwerdeführerin zu erbringen gewesen. Sie habe unter anderem nicht dargelegt, weshalb ein schützenswertes öffentliches Interesse bestehen solle. Insbesondere habe sie nicht dargelegt, inwieweit wirtschaftliche Interessen der Nutzer durch die fehlende Angabe beeinträchtigt seien, und sie habe - neben der Behauptung, dass sich das Internetangebot an die Öffentlichkeit richte und einem Schreiben der Verbraucherzentrale Bayern - nur sehr wenige Beschwerden eingereicht, die tatsächlich die fehlenden Angaben einer E-Mail-Adresse der Beschwerdegegnerin jeweils auf einer der verschiedenen Webseiten moniert hätten, wovon zwei aus der Schweiz stammten. Zwar liege eine UWG-Verletzung vor, doch sei diese nicht als schwer zu werten, da für bestehende Kunden eine Kontaktmöglichkeit via Kontaktformular vorhanden sei und sich deshalb wohl nur wenige Kunden über das Fehlen der E-Mail-Adresse beschwerten. Entsprechend wäre für eine Aktivlegitimation gestützt auf Art. 10 Abs. 3 lit. a und b UWG eine grössere Zahl von Beschwerden notwendig gewesen. Allein wegen dieses Vorwurfs hätte die Beschwerdeführerin keine Klage einreichen können, habe sie doch nicht dem Schutze öffentlichen Interesses gedient. Die Klage sei folglich betreffend Rechtsbegehren Ziffer 6 mangels Aktivlegitimation abzuweisen. Die Beschwerdeführerin bringt auch hier zu Unrecht vor, allein aufgrund des Umstands, dass die Online-Plattform der Beschwerdegegnerin im Internet allgemein zugänglich sei, müsse die Aktivlegitimation nach Art. 10 Abs. 3 UWG bejaht werden. Sie vermag zudem vor Bundesgericht nicht aufzuzeigen, dass sie im kantonalen Verfahren hinreichend dargelegt hätte, weshalb ein schützenswertes öffentliches Interesse hinsichtlich der konkreten Form des Kontakts bestanden haben soll. Vielmehr stellt sie die Feststellungen im angefochtenen Entscheid hinsichtlich der Zahl vorgelegter Beanstandungen in Frage, ohne jedoch eine hinreichend begründete Sachverhaltsrüge zu erheben. Entgegen dem, was die Beschwerdeführerin anzunehmen scheint, hat die Vorinstanz nicht etwa ausgeschlossen, dass das Klagerecht des Bundes auch in Bezug auf Art. 3 Abs. 1 lit. s Ziff. 1 UWG zur Anwendung kommen kann, sondern hat hierzu ein hinreichend konkretes Interesse vorausgesetzt, was nicht gegen Art. 10 Abs. 3 UWG verstösst. Mit ihren allgemeinen Ausführungen zur Bedeutung von Art. 3 Abs. 1 lit. s UWG vermag die Beschwerdeführerin nicht aufzuzeigen, dass der angefochtene Entscheid im Ergebnis Bundesrecht verletzt. Im Übrigen kritisiert sie die vorinstanzliche Erwägung, wonach die fragliche Verletzung "nicht als sehr schwer zu werten [sei]", geht jedoch nicht auf die vorinstanzliche Begründung ein, dass das Fehlen der E-Mail-Adresse für die Kunden weniger stark ins Gewicht falle, da im konkreten Fall eine Kontaktmöglichkeit via Online-Formular zur Verfügung stehe.