Citation: 6B_1179/2021 E. 1.5

1.5. Der Anklagegrundsatz ist vorliegend nicht verletzt. Weder dessen Umgrenzungsfunktion noch die Informationsfunktion wurden beeinträchtigt. Die Anklageschrift umschreibt den der Anklage zugrunde liegenden Sachverhalt hinreichend, sodass der Beschwerdeführer aus ihr ohne Weiteres ersehen konnte, welche Vorwürfe gegen ihn konkret erhoben wurden und wie diese nach Ansicht der Anklagebehörde rechtlich zu qualifizieren waren. Der Beschwerdeführer konnte sich daher für seine Verteidigung entsprechend einrichten und seine Rechte angemessen ausüben. Er wurde nicht von neuen Anschuldigungen an der Gerichtsverhandlung überrascht. Dass die Anklageschrift den Gegenstand des Verfahrens nicht hinreichend umgrenzen würde, macht der Beschwerdeführer zu Recht nicht geltend und ist nicht ersichtlich. Es trifft zudem nicht zu, dass die Vorinstanz über den Anklagesachverhalt hinausgegangen wäre. Zwar erwähnt die Anklageschrift nicht, dass die Beschwerdegegnerin 2 zum Tatzeitpunkt einen langen und anstrengenden Arbeitstag hinter sich gehabt, tief geschlafen und ihre Periode gehabt habe. Doch bedeutet dies keine Verletzung des Anklageprinzips, wenn die Vorinstanz solches bejaht, sondern stellt vielmehr eine Frage der Sachverhaltsfeststellung dar. Dies gilt insbesondere in Bezug auf den Zustand der Beschwerdegegnerin 2 zum Tatzeitpunkt. Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin 2 keinen Geschlechtsverkehr mit dem Beschwerdeführer wollte (angefochtenes Urteil S. 28), bzw. dass ihm dies klar war und mit seinem Vorgehen keinesfalls einverstanden gewesen wäre (angefochtenes Urteil S. 33), ergibt sich - entgegen der Beschwerde (S. 27 Rz. 145, 147) - aus den Umständen, die in der Anklageschrift umschrieben sind. Gemäss Anklageschrift hätten die Beschwerdegegnerin 2 und C.________ dem Beschwerdeführer zwar erlaubt, in der fraglichen Nacht im gleichen Zimmer zu übernachten, dies aber nur unter der Bedingung, dass er auf dem Boden schlafe (vgl. oben E. 1.4). Aus der Schilderung des objektiven Tatgeschehens in der Anklageschrift ergeben sich damit die Umstände, aus denen auf ein fehlendes Interesse der Beschwerdegegnerin 2 am Geschlechtsverkehr mit dem Beschwerdeführer geschlossen werden kann. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist auch diesbezüglich zu verneinen. Schliesslich ist - entgegen der Beschwerde (S. 35 f. Rz. 198 f.) - keine Verletzung des Anklagegrundsatzes im Umstand zu erblicken, dass die Vorinstanz bei der Subsumtion betreffend den Vorwurf der sexuellen Belästigung davon ausgeht, der Beschwerdeführer habe die Beschwerdegegnerin 2 auf den Mund geküsst (angefochtenes Urteil S. 34). Die Vorinstanz kommt im Rahmen des erwiesenen Sachverhalts zum Schluss, dass der Beschwerdeführer am Morgen des 26. Mai 2018 versucht habe, die Beschwerdegegnerin 2 zu umarmen und zu küssen, was ihm mindestens ein Mal gelungen sei (angefochtenes Urteil S. 32). Der Ort des Kusses ergibt sich gemäss Vorinstanz aus den von ihr als glaubhaft qualifizierten Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 (angefochtenes Urteil S. 29 f.). Es trifft damit auch diesbezüglich nicht zu, dass die Vorinstanz ihre Subsumtion auf einen nicht erwiesenen Sachverhalt abstützt.