Citation: U 223/04 08.10.2004 E. 5

Zu beurteilen ist, ob die geklagten Beschwerden in einem natürlichen (und adäquaten) Kausalzusammenhang zu den beiden Unfällen von Mai 1994 oder Februar 1999 stehen, wobei insbesondere das Vorliegen von seither bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen (sog. Brückensymptomen; vgl. Urteil S. vom 29. Dezember 2000, U 170/00, auszugsweise publiziert in RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101) ins Gewicht fällt. Ob und welche gesundheitlichen Probleme der Versicherte im Anschluss an die beiden Unfälle gehabt hatte, können die derzeit behandelnden Fachpersonen lediglich aufgrund anamnestischer Angaben beurteilen, weshalb von der Einholung weiterer Berichte (etwa des neuen Hausarztes oder des derzeitigen Physiotherapeuten) abzusehen ist. Dies gilt umso mehr, als bereits umfangreiche medizinische Unterlagen vorliegen, die eine rechtsgenügliche Beurteilung der gesundheitlichen Situation im Anschluss an die Unfälle vom 2. Mai 1994 und 18. Februar 1999 erlauben. 5.1 Aus den ärztlichen Berichten geht hervor, dass der Versicherte unmittelbar nach dem Unfall vom 2. Mai 1994 unter Druckdolenzen in der oberen HWS und Kopfschmerzen gelitten hatte. Diese Beschwerden klangen jedoch rasch ab; bereits am 17. Juni 1994 war er wieder beschwerdefrei und die Behandlung konnte abgeschlossen werden. Während des Jahres 1995 war keine (haus-)ärztliche Konsultation notwenig. In der folgenden Zeit begab sich der Versicherte hauptsächlich wegen diverser Infekte, chronischer Raucherbeschwerden und einem Knoten hinter dem rechten Ohr in ärztliche Behandlung (so am 31. Januar 1996 wegen Halsweh, Schläfen-Kopfschmerzen und Schnupfen; am 4. Oktober 1996 wegen Halsweh, Gliederschmerzen, Schwitzen an Händen und in der Achselhöhle sowie Schnupfen und Husten; am 10. Oktober 1996 wegen noch leichtem Husten; am 11. November 1997 wegen Husten, Halsweh, Schnupfen, Schwitzen, Kopfschmerzen im Nacken [im Untersuchungszeitpunkt weniger] und gelbem Auswurf; am 15. Dezember 1997 wegen des Knotens hinter dem rechten Ohr, Schluckweh, zum Teil temporalen Kopfschmerzen und Durchfall). Keiner Behandlung bedurfte der Beschwerdeführer im Jahre 1998. Am 25. Januar 1999 suchte er Dr. med. R.________ erneut wegen des (unveränderten) Knotens hinter dem Ohr auf. Nach dem im Februar 1999 erlittenen zweiten Unfall schilderte er bereits am 26. Februar 1999 gegenüber dem Hausarzt eine deutliche Besserung des Gesundheitszustandes. Am 23. November 1999 stellte Dr. med. R.________ Husten und Fieber bei normalem Lungenbefund fest; diese Beschwerden besserten in der folgenden Woche, jedoch klagte der Versicherte über abendliche Müdigkeit und Schwitzen. Die nächste Arztkonsultation erfolgte am 25. September 2001 wegen einer leichten Pharyngitis. Anfangs Oktober 2001 klagte er über ein Stechen zervikal, nächtliches Schwitzen, vermehrtes Husten, weiss-gelben Auswurf und (vorübergehendes) Fieber; auch diese Beschwerden besserten in der Folge. Im November 2001 litt der Versicherte erneut an Kopfschmerzen, die er auf den Knoten hinter dem rechten Ohr zurückführte. Die einzige Konsultation im Jahre 2002 erfolgte wegen einer Bursitis am linken Ellenbogen. Im Februar 2003 machte der Beschwerdeführer vom Nacken ausgehende, nach frontal ausstrahlende Kopfschmerzen, Schwitzen, Übelkeit mit Erbrechen und am 3. März 2003 Rückenschmerzen und Schwitzen geltend, wobei die Kopfschmerzen abgenommen hätten und Durchfall und Erbrechen abgeklungen seien. Im Mai 2003 klagte er über Schmerzen in der unteren HWS, ausstrahlend nach temporal, vermehrtes Schwitzen am Rücken, Hitzegefühl, Nervosität und Gereiztheit. Weiter gab er an, seine Umgebung habe eine Verhaltensänderung im Sinne einer Aggressivität festgestellt, die in den vergangenen eineinhalb Jahren progredient verlaufen sei. Er ziehe sich immer mehr zurück und sei vermehrt müde. Auch sei er arbeitslos, da er mit den starken Schmerzen, an denen er leide, nicht arbeiten könne. 5.2 Entgegen den Vorbringen des Versicherten finden sich in den detaillierten Aufzeichnungen seines damaligen Hausarztes keine Hinweise auf im Anschluss an den Unfall vom Mai 1994 aufgetretene mental kognitive Veränderungen oder - abgesehen von verschiedentlich, meist jedoch gleichzeitig mit Infekten aufgetretenen Kopfschmerzen - weitere, zum typischen "bunten" Beschwerdebild nach Schleudertraumata der HWS gehörende Störungen. Die gegenüber der SUVA geltend gemachten Beschwerden wie Übelkeit und Brechreiz, Kopfschmerzen, Beschwerden im oberen Teil der Wirbelsäule, in der Schulter, in Kiefer und Auge sowie Lichtempfindlichkeit, haben nach den medizinischen Unterlagen nicht seit dem Unfall ("durchgehend") bestanden, sondern traten erst - und nur teilweise - im Februar 2003 auf (damals Nacken- und Kopfschmerzen mit gleichzeitigem Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen). Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass im Anschluss an ein Schleudertrauma der HWS auch ohne nachweisbare pathologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten (BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa mit Hinweisen). Selbst wenn sich ab Ende 2001 Wesensveränderungen bemerkbar gemacht hätten, liegt zwischen der Auffahrkollision von 1994 und den Ende 2001 sowie erneut anfangs 2003 geltend gemachten Leiden aber eine so lange Zeitspanne, dass sich die Annahme einer bloss länger dauernden Latenzzeit klar verbietet (RKUV 2000 Nr. 359 S. 29 f. mit Hinweisen). Dies gilt umso mehr, als der Versicherte wiederholt längere Zeit beschwerdefrei war und es ihm auch immer wieder gelang, sich in der Arbeitswelt zu integrieren und verantwortungsvolle Tätigkeiten (etwa als Projektleiter) zu übernehmen. In Übereinstimmung mit dem kantonalen Gericht können die gesundheitlichen Beeinträchtigungen deshalb nicht erneut mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Verkehrsunfall vom 2. Mai 1994 zurückgeführt werden. Daran ändert auch der mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde aufgelegte, wohl den aktuellen Zustand beschreibende, hingegen patho-genetisch keineswegs aussagekräftige Bericht der Klinik A.________ vom 21. Mai 2004 nichts, soweit dieser überhaupt den Zeitpunkt des Einspracheentscheides betrifft und damit zu berücksichtigen ist (RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101 mit Hinweisen). 5.3 Der Unfall vom Februar 1999, bei welchem der Versicherte den Kopf an einem Balken anschlug, als er zu Hause hatte aufstehen wollen, führte nach seinen Angaben zu einer deutlichen Zunahme der Beschwerden. Ob zwischen diesem zweiten Unfall und den in der Folge geltend gemachten Beeinträchtigungen ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist nach der Aktenlage ebenfalls nicht anzunehmen, kann aber letztlich offen bleiben. Denn die Adäquanzfrage ist bei einem leichten Unfall - um einen solchen handelt es sich, da der Versicherte aktenkundig keine besonderen Verletzungen erlitt (anders etwa als der in Urteil S. vom 21. Juli 2003, U 509/00, zu beurteilende Sachverhalt, wo ein Versicherter den Kopf an einer Aussenlampe angeschlagen und dabei den Sehnerv rechts verletzt hatte, was zu einem vollständigen Visusverlust führte) - in der Regel ohne weiteres zu verneinen (BGE 115 V 139 f. Erw. 6a und b), wovon abzuweichen hier kein Anlass besteht.