Citation: 4D_14/2023 E. 3.3

3.3. Ein Rechtsbegehren muss so bestimmt formuliert sein, dass es bei Gutheissung der Klage zum Urteil erhoben werden kann. Bei Klagen auf Geldzahlung muss es daher beziffert sein (Art. 84 Abs. 2 ZPO; BGE 142 III 102 E. 5.3.1). Auch Berufungsanträge auf Geldzahlung sind zu beziffern (BGE 137 III 617 E. 4.3; Urteile 4A_555/2022 vom 11. April 2023 E. 2.6; 4A_117/2022 vom 8. April 2022 E. 2.1.2). Werden die Entschädigungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens selbstständig, d.h. unabhängig vom Ausgang der Hauptsache, mit Berufung angefochten, so ist der entsprechende Berufungsantrag zu beziffern. Es gilt der allgemeine Grundsatz, dass auf Geldzahlungen gerichtete Berufungsanträge zu beziffern sind (Urteile 5A_466/2016 vom 12. April 2017 E. 4.1; 4A_35/2015 vom 12. Juni 2015 E. 3.2; Oliver M. Kunz, in: Oliver M. Kunz/Urs H. Hoffmann-Nowotny, Demian Stauber [Hrsg.], ZPO-Rechtsmittel Berufung und Beschwerde, 2013, N. 66 und N. 76 zu Art. 311 ZPO). Das Rechtsbegehren ist der Kern des Verfahrens, namentlich im von der Dispositionsmaxime beherrschten Zivilprozess. Entsprechend ist von der Partei zu erwarten, dass sie der korrekten Formulierung der Rechtsbegehren grösste Beachtung schenkt. Das Gesetz behandelt Mängel im Rechtsbegehren nicht als verbesserungsfähig (vgl. Art. 132 ZPO, der das Rechtsbegehren nicht erwähnt). Auch dies zeigt, dass hier Strenge geboten ist (vgl. auch BGE 148 III 322 E. 3.4). Es besteht kein Anlass von dieser Strenge abzuweichen, namentlich nicht bei einer anwaltlich vertretenen Partei. Vielmehr darf gerade von einem Rechtsanwalt erwartet werden, dass er bei der Formulierung der Rechtsbegehren grosse Sorgfalt walten lässt (Urteil 4A_555/2022 vom 11. April 2023 E. 2.7 mit Hinweisen). Darin kann grundsätzlich keine übertriebene sinnlose Formstrenge erblickt werden, die einem überspitzten Formalismus gleichkäme. Vorbehalten bleiben besondere Umstände, aus denen aus der Begründung, allenfalls in Verbindung mit dem angefochtenen Entscheid, ohne weiteres und in eindeutiger Klarheit hervorgeht, welcher Geldbetrag zuzusprechen ist (BGE 137 III 617 E. 6.2; Urteile 4A_555/2022 vom 11. April 2023 E. 2.7; 4A_117/2022 vom 8. April 2022 E. 2.1.2).