Citation: 5A_924/2012 E. 6.2.3

6.2.3. Das Obergericht hat die Frage, ob die Sabena langfristig "überlebensfähig" gewesen sei, offen gelassen. Es hat dabei nicht - wie das Bezirksgericht - den Blick darauf gerichtet, welche verschiedenen anderen Gründe zum Konkurs geführt haben, sondern darauf, ob die Vertragsverletzung conditio sine qua non (E. 6.2) gewesen sei. Dazu hat das Obergericht vorab die Vorbringen untersucht, mit welchen die Beschwerdeführerin die Kausalität zwischen Vertragsverletzung und Schadenseintritt vor dem Bezirksgericht dargestellt hat: Die Beschwerdeführerin habe geltend gemacht, die Januarverträge hätten der Sabena ermöglichen sollen, ihre Liquiditätsbedürfnisse zu decken, welche von allen Parteien für das Jahr 2001 auf EUR 519 Mio. und für das Jahr 2002 auf EUR 260 Mio. geschätzt worden seien. Der Vertrag vom 2. August 2001 habe keinen anderen Zweck gehabt. Er sei jedoch einer anderen Philosophie, nämlich derjenigen des kontrollierten Ausstiegs, gefolgt. Alle Beteiligten seien sich darüber einig gewesen, dass eine Kapitalerhöhung von EUR 430 Mio. genügen sollte, um der Sabena die Weiterführung der Geschäfte zu ermöglichen. Überdies sei vorgesehen gewesen, dass ihr im Rahmen der Übernahme der neun Airbus-Flugzeuge durch SAirGroup/ SAirLines Gelder zufliessen und Einsparungen entstehen sollten, was zusammen ihre Liquiditätsbedürfnisse um rund USD 45 Mio. spürbar entlastet hätte. Die Verpflichtung, neue finanzielle Mittel in die Sabena einzuschiessen, habe dazu dienen sollen, deren Konkurs zu verhindern. Es sei also völlig unbehelflich, wenn die Beklagte den Konkursrichter glauben machen wolle, der Konkurs der Sabena stehe nach belgischem Recht nicht in einem kausalen Verhältnis zu der schuldhaften Nichterfüllung der vertraglichen Verpflichtungen von SAirGroup/ SAirLines. Denn fraglos hätte Sabena den Gang zum Nachlassrichter und in den Konkurs nicht machen müssen, wenn die Beschwerdegegnerin und SAirGroup ihre Verpflichtungen eingehalten hätten. Auch das Tribunal de Commerce von Brüssel habe in seinem Urteil vom 30. Juni 2003 festgehalten, dass es den Konkurs nicht eröffnet hätte, wenn es gewusst hätte, dass Sabena sich zusätzliche EUR 80 Mio. beschaffen könnte. Dies bedeute wohl nichts anderes, als dass das Tribunal de Commerce erst recht den Konkurs über Sabena nicht eröffnet hätte, wenn Sabena ein viel höherer Betrag, nämlich EUR 258 Mio., von SAirGroup/SAirLines zugeflossen wäre. Ob auch andere Ursachen zum Entstehen des Schadens geführt haben, spiele nach belgischem Recht keine Rolle. Es sei - so die Beschwerdeführerin gemäss Obergericht mit Hinweis auf deren Beschreibung der finanziellen Situation - sehr unwahrscheinlich gewesen, dass die flüssigen Mittel am Ende des ersten Trimesters 2002 negativ ausgefallen waren; Sabena hätte daher eine Übergangsphase bis zum Verkauf der flugnahen Aktivitäten wie Handling oder Catering usw. überstanden. Die Beschwerdeführerin habe bestätigt, dass sie im Oktober 2001 vom belgischen Staat einen Überbrückungskredit von EUR 125 Mio. zugesprochen erhalten hatte, den sie aber nicht beanspruchte. Sie habe sodann auf die Kreditlinie hingewiesen, gemäss welcher Sabena im Oktober 2001 vom Sabena Interservice Center (SIC) bis EUR 173 Mio. hätte abrufen können. Das SIC habe Sabena im Laufe des Oktobers 2001 EUR 114 Mio. zur Verfügung gestellt und habe danach noch über Bankguthaben von ungefähr EUR 45 Mio. verfügt. Zudem habe das SIC per 9. November 2001 unbenutzte Kreditlinien von EUR 14 Mio. gehabt. Auch im Berufungsverfahren habe die Beschwerdeführerin betont, Sabena habe gegebenenfalls auf die Hilfe von SIC zahlen können, welches noch über genügend finanzielle Mittel verfügt habe; Sabena habe noch über Kreditlimiten in der Höhe von EUR 298 Mio. verfügt.