Citation: I 935/05 17.07.2006 E. 4

4.1 Unter dem anspruchsbegründenden Sachverhalt im Sinne von Art. 48 Abs. 2 IVG ist in Anlehnung an Art. 4 und 5 IVG (je in der bis 31. Dezember 2002 geltenden Fassung) der körperliche und geistige Gesundheitsschaden zu verstehen, der eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit verursacht oder der den nichterwerbstätigen Versicherten in seinem bisherigen Aufgabenbereich beeinträchtigt. Mit der Kenntnis des anspruchsbegründenden Sachverhalts ist nicht das subjektive Einsichtsvermögen des Versicherten gemeint, sondern es geht nach dem Wortlaut von Art. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG (in der bis 31. Dezember 2002 geltenden Fassung) vielmehr darum, ob der anspruchsbegründende Sachverhalt objektiv feststellbar ist oder nicht (ZAK 1984 S. 404 Erw. 1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil G. vom 26. April 2001, I 246/00, und Urteil A. vom 8. Mai 2002, I 367/01). Objektive Feststellbarkeit bedingt, dass die Ärzte in der Lage sind, die geklagten Beschwerden zu objektivieren und ihnen Krankheitswert zuzumessen. Denn erst mit Kenntnis eines Leidens, welches einen geistigen oder körperlichen Gesundheitsschaden im Sinne der Gesetzgebung darstellen kann, ist der anspruchsbegründende Sachverhalt bekannt (Urteil G. vom 26. April 2001, I 246/00). 4.2 Der Beschwerdeführer befand sich seit 1999 in psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. med. P.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er war sich somit des Krankheitswertes und der Auswirkungen seines Leidens auf die Arbeitsfähigkeit bewusst. Damit hatte er Kenntnis des anspruchsbegründenden Sachverhalts im Sinne der Rechtsprechung. Dies gilt umso mehr, als er bis Ende 2001 Taggelder der Unfallversicherung bezog. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, war er auch durch die zwischenzeitliche Verschlechterung seines Gesundheitszustandes, die eine stationäre Behandlung erforderlich machte, nicht aus objektiven Gründen daran gehindert, seinen Anspruch geltend zu machen. Soweit der Versicherte sich darauf beruft, weder Opferhilfestelle noch jemand anders habe ihn auf einen möglichen Rentenanspruch hingewiesen, kann er nicht gehört werden; denn nach dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Grundsatz, wonach niemand aus seiner Rechtsunkenntnis Vorteile ableiten kann (BGE 124 V 220 Erw. 2b/aa mit Hinweisen), stellt auch der Umstand, dass der Versicherte nicht um seinen Anspruch auf Invalidenrente wusste, keine objektive Unmöglichkeit der rechtzeitigen Anmeldung dar. Nach dem Gesagten haben Vorinstanz und Verwaltung einen vor den 1. Juli 2001 zurück reichenden Anspruch auf Nachzahlung der Invalidenrente zu Recht verneint.