Citation: 5A_796/2013 E. 1.3.2

1.3.2. Hat ein Grundeigentümer keinen genügenden Weg von seinem Grundstück auf eine öffentliche Strasse, so kann er gemäss Art. 694 Abs. 1 ZGB beanspruchen, dass ihm die Nachbarn gegen volle Entschädigung einen Notweg einräumen. Eine Wegenot liegt vor, wenn einem Grundeigentümer die zur bestimmungsgemässen Benutzung seines Grundstücks erforderliche Verbindung zur öffentlichen Strasse überhaupt fehlt oder der vorhandene Weg sich als ungenügend erweist (BGE 117 II 35 E. 2 S. 36 f.; 136 III 130 E. 3.1 S. 133 f.). Zur Behebung dieses Mangels verweist das Bundesgericht den Grundeigentümer in erster Linie auf die öffentlich-rechtlichen Rechtsinstitute (BGE 120 II 185 E. 2c S. 187; 136 III 130 E. 3.3.1 S. 135). Die Frage nach dem Verhältnis zwischen privatem Notwegrecht und öffentlichem Erschliessungsrecht hat die Rechtsprechung wiederholt erörtert. Besteht danach eine hinreichende Zufahrt im Sinne des öffentlichen Rechts, hat das Zivilgericht zu beurteilen, ob auf Grund sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls die privatrechtlich definierte Wegenot gemäss Art. 694 ZGB beseitigt ist oder der Anspruch auf Einräumung eines Notweges über die hinreichende Zufahrt gemäss öffentlichem Recht hinausgeht (BGE 136 III 130 E. 3.3.4 und E. 3.3.5 S. 136 f. und E. 5.4 S. 139; Urteil 5A_136/2009 vom 19. November 2009 E. 4.3, in: ZBGR 92/2011 S. 172 ff.). Ein Vorrang des öffentlichen Rechts, der das Zivilrecht gleichsam vollständig verdrängte, wie es die Beschwerdeführer behaupten, wird selbst in der zitierten Lehrmeinung nicht vertreten (Tarkan Göksu, Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 2012, N. 4 und N. 4a zu Art. 694 ZGB; vgl. auch FABIENNE HOHL, Droit privé fédéral et droit public cantonal: tendances actuelles de la jurisprudence en matière de droits réels, Festschrift Steinauer, 2013, S. 35 ff., S. 42 ff.; LORENZ MEYER/RONNIE BETTLER, Privatrechtliche Enteignung durch den Notweg, Festgabe Pfäffli, BN 2014 S. 275 ff.).