Citation: 1B_612/2021 E. 3.3.1

3.3.1. Der Einwand des Beschwerdeführers, es handle sich bei ihm bezüglich eines Gewaltdelikts um einen 54-jährigen Ersttäter, weshalb es an bereits früher verübten gleichartigen Strafen fehle, ist unbehelflich. Denn wie er selbst festhält, kann gemäss der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei drohenden schweren Verbrechen ausnahmsweise auch vollständig auf das Vortatenerfordernis verzichtet werden (vgl. E. 3.2 hiervor, sog. qualifizierte Wiederholungsgefahr). Ein solches schweres Verbrechen bzw. ein untragbar hohes Risiko für das Opfer liegt hier vor. Der Beschwerdeführer wurde erstinstanzlich wegen versuchten Mordes (Art. 112 i.V.m. Art. 22 StGB) zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Damit wurde er wegen eines sehr schweren Angriffs auf das höchste Rechtsgut, nämlich das Leben einer Person verurteilt. Zudem ist der Kontext dieser Tatausübung miteinzubeziehen. Der Beschwerdeführer hat aus kurzer Distanz mehrere Schüsse auf seine Ex-Partnerin in deren Wohnung abgefeuert, weil sie angeblich schlimme Wörter zu ihm gesagt und ihn nicht als Mann respektiert habe. Zu Recht beurteilte die Vorinstanz diese Tat als von erheblicher Schwere, die von einem grossen Gewaltpotenzial zeuge. Diese Auffassung vertrat im Übrigen auch das erstinstanzliche Gericht, indem es die Skrupellosigkeit der Tat bejahte und den Beschwerdeführer nicht wegen versuchter Tötung, sondern wegen versuchten Mordes schuldig sprach. Anhaltspunkte, dass die Tat aus Verzweiflung bzw. Hilflosigkeit erfolgt sei, wie der Beschwerdeführer vorgebracht hat, sind demgegenüber nicht ersichtlich. An dieser Einschätzung ändert auch sein Verweis auf das Urteil 1B_269/2020 vom 25. Juni 2020 nichts. Anders als in jenem Entscheid (vgl. E. 4.4 des zitierten Urteils), wurde der dem Beschwerdeführer vorgeworfene Gewaltausbruch vorliegend, jedenfalls objektiv gesehen, nicht provoziert.