Citation: I 451/02 04.02.2003 E. 3

3.1 Laut Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv auf Grund des Gesundheitszustandes der versicherten Person festzustellen. Bei medizinischen Eingliederungsmassnahmen gilt die Invalidität als eingetreten, wenn das Gebrechen eine medizinische Behandlung oder ständige Kontrolle objektiv erstmals notwendig macht. Dies ist dann der Fall, wenn die Behandlungs- oder Kontrollbedürftigkeit beginnt und keine Gegenindikation besteht (BGE 118 V 82 Erw. 3a, 112 V 277 Erw. 1b, 111 V 113 Erw. 3d und 121 Erw. 1d). Diese Grundsätze gelten auch für Minderjährige (BGE 111 V 121 Erw. 1d; Urteil L. vom 19. März 1999, I 276/98). Eine theoretische Diagnosemöglichkeit kann noch nicht als Eintritt des Versicherungsfalls betrachtet werden. Vielmehr ist eine objektive Behandlungs- oder Kontrollbedürftigkeit im Sinne der Rechtsprechung erstmals dann ausgewiesen, wenn Anzeichen des Beschwerdebildes vorhanden sind oder Standarduntersuchungen auf das Bestehen des Leidens hinweisen (Urteil E. vom 29. Februar 1996, I 372/95). 3.2 Der Versicherte reiste anfangs November 1998, somit im Alter von 8½ Jahren, in die Schweiz ein. Über allfällige bis zu diesem Zeitpunkt durchgemachte epileptische Ereignisse ist nichts bekannt. Die Annahme der IV-Stelle, es liege eine angeborene Epilepsie vor, ist daher eine Vermutung, die sich nicht auf aktenkundige Tatsachen stützen lässt. Ebenso fehlen Anhaltspunkte dafür, dass bereits vor der Einreise eine Behandlungsbedürftigkeit bestanden hätte. Selbst wenn die Epilepsie des Versicherten ein Geburtsgebrechen sein sollte, wäre damit noch nicht gesagt, dass es mit Standarduntersuchungen bereits im Vorschulalter hätte festgestellt werden können oder medizinische Massnahmen bereits im Kleinkindalter angezeigt gewesen wären. 3.3 Aus dem Bericht der Gemeindeschulen Q.________ vom 22. Januar 2002 (Erw. 2.4 hievor) ergibt sich, dass die zwei Lehrkräfte des Versicherten nie epileptische Anfälle und nur eine von ihnen Bewusstseinsausfälle feststellen konnten. Für sie war ein Schluss auf das Vorliegen einer Epilepsie nicht zwingend. Wäre das Leiden des Knaben schwerer wiegender Art gewesen, wäre eine erstmalige Anmeldung zu näheren Abklärungen im Spital X.________ nicht erst im März 2001, somit mehr als zwei Jahre nach der Einreise in die Schweiz, erfolgt. Wie Dr. M.________ im Bericht vom 29. Januar 2002 mit einleuchtender und überzeugender Begründung ausführt, war die Erkrankung leichter Art, dauerten doch die Bewusstseinsausfälle nur zwei bis vier Sekunden. Daher konnte das Leiden erst anlässlich der EEG-Untersuchung festgestellt werden und wäre bei allgemeinen oder Routineuntersuchungen während der Einschulung auch nicht aufgefallen. Sodann ist verständlich, dass nicht alle lernschwachen Schüler routinemässig einer EEG-Untersuchung zugeführt werden. Nach dem Gesagten ist daher erstellt, dass die Krankheit des Versicherten in Übereinstimmung mit der erwähnten Rechtsprechung frühestens bei der Zuweisung an das Spital X.________ im März 2001 objektiv erstmals eine Kontrolle und hernach eine entsprechende Behandlung erfordert hat. Selbst wenn eine theoretische Diagnosemöglichkeit allenfalls schon früher bestanden hätte, wäre die Epilepsie mittels Standarduntersuchungen nicht entdeckt worden. Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob Dr. M.________ bereits im März 2001 und nicht erst im Sommer 2001 ein EEG hätte anfertigen sollen. Da die versicherungsmässigen Voraussetzungen während des ganzen Jahres 2001 erfüllt waren.