Citation: I 71/06 19.01.2007 E. 4.2

4.2.1 In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird zunächst geltend gemacht, das psychiatrische Teilgutachten sei nicht beweiskräftig, weil der Experte trotz mangelnder Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers keinen Übersetzer beigezogen habe. Es trifft zu, dass eine medizinische, namentlich auch eine psychiatrische Begutachtung ein bestimmtes Mindestmass an gegenseitigem Sprachverständnis zwischen dem Experten und dem Exploranden erfordert. Dass sich der Versicherte, wie geltend gemacht wird, nur auf albanisch richtig auszudrücken vermag, ist nicht nachvollziehbar, zumal er sich im Zeitpunkt der Begutachtung schon 16 Jahre in der Schweiz aufgehalten und Erwerbstätigkeiten an verschiedenen Arbeitsstellen ausgeführt hatte. So ist auch im BEFAS-Bericht vom 21. März 2002 vermerkt, dass ein einfaches Gespräch auf Hochdeutsch mit dem Beschwerdeführer möglich war. Dieser hat überdies vor sowie bei der Begutachtung nicht den Beizug eines Dolmetschers beantragt und er hat den Verzicht hierauf, obwohl er schon im Verwaltungsverfahren anwaltlich vertreten war, erst beschwerdeweise beanstandet. Ob eine medizinische Abklärung in der Muttersprache des Exploranden oder unter Beizug eines Übersetzers im Einzelfall geboten ist, hat ohnehin grundsätzlich der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung zu entscheiden (AHI 2004 S. 147 Erw. 4.2.1 [Urteil I. vom 30. Dezember 2003, I 245/00]; Urteil K. vom 3. März 2004, I 748/03, Erw. 2.1). Der MEDAS-Expertise vom 11. September 2003 lässt sich hiezu entnehmen, dass die somatischen Fachärzte keine sprachlichen Probleme bei der Aufnahme der verschiedenen geklagten Beschwerden beschreiben und der begutachtende Psychiater trotz erheblich erschwerter Verständigung nötigenfalls durch Nachfragen zu schlüssigen Grundlagen für eine zuverlässige fachmedizinische Beurteilung gelangte. Das psychiatrische Teilgutachten enthält denn auch eine eingehende Schilderung des aktuellen Beschwerdebildes sowie Ausführungen zur Familie, zum Tagesablauf und zu den Zukunftsvorstellungen des Beschwerdeführers, die von diesem im Nachgang zur Begutachtung nicht konkret als unzutreffend bezeichnet wurden. Die Aufnahme einer solchen Schilderung wäre jedoch nicht möglich gewesen, wenn die Verständigung derart unzulänglich gewesen wäre, wie dies der Versicherte nachträglich geltend machen liess. Dass kein Übersetzer beigezogen wurde, vermag daher den Beweiswert des MEDAS-Gutachtens und namentlich auch der psychiatrischen Teilexpertise nicht in Frage zu stellen. Dem vom Beschwerdeführer angeführten Urteil A. vom 28. April 2003, I 767/01, Erw. 4.3, lässt sich nichts Gegenteiliges entnehmen, zumal dort die Zuverlässigkeit einer Expertise nicht nur wegen Verständigungsschwierigkeiten, sondern namentlich auch wegen inhaltlicher Mängel verneint wurde. 4.2.2 Solche Mängel lassen sich in den Aussagen des hier begutachtenden MEDAS-Psychiaters nicht erkennen. Dieser gibt zu den aus psychiatrischer Sicht relevanten Fragen umfassend und überzeugend Auskunft. Daraus ergibt sich im Wesentlichen, dass der Versicherte, wenn überhaupt, durch seine psychische Verfassung nur in geringem Masse in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Soweit in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eine andere Auffassung vertreten wird, kann ihr nicht gefolgt werden. Eine gegebenenfalls invalidisierende (zu den Voraussetzungen hiefür BGE 130 V 352; vgl. auch BGE 131 V 49) Schmerz- oder Schmerzverarbeitungsstörung hat der Gutachter trotz eingehender Abklärung eben nicht festgestellt. Seitens des Versicherten wird sodann beanstandet, der Experte befasse sich nur oberflächlich und nicht in adäquater Weise mit dem soziokulturellen Hintergrund des Beschwerdeführers. Beim soziokulturellen Hintergrund handelt es sich aber ohnehin um einen invaliditätsfremden Faktor (vgl. BGE 127 V 299 Erw. 5a und Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Invaliditätsbemessung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 27 ff., 75 f.). Selbst wenn das Gutachten darauf noch näher einginge, würde dies daher kein anderes Ergebnis zeitigen. Nichts anderes gilt hinsichtlich des Vorbringens, es fehle an einer migrationsspezifischen Anamnese. Die Notwendigkeit einer solchen Erhebung kann jedenfalls verneint werden, wenn der Explorand wie hier im Zeitpunkt der Begutachtung schon 16 Jahre lang in der Schweiz lebt und nicht etwa wegen Gewalt oder Verfolgung aus seinem Heimatland geflüchtet ist, sondern dieses nach eigener Angabe durch Vermittlung eines Freundes freiwillig zur Arbeitssuche verlassen hat. Es kann daher offen bleiben, ob die von Susanne Fankhauser in ihrem Aufsatz "Begutachtung von Migrantinnen und Migranten" (SZS 2005 S. 410 ff., 420 f.) verlangte migrationsspezifische Anamnese tatsächlich Eingang in das psychiatrische resp. polydisziplinäre Gutachten finden muss, sobald es sich beim Exploranden nicht um einen originären Schweizer handelt. 4.3 Zu überzeugen vermögen nebst den Stellungnahmen des Psychiaters auch diejenigen der somatischen Fachärzte sowie die abschliessende Gesamtwürdigung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit in der MEDAS-Expertise vom 11. September 2003. Diese erfüllt, wie das kantonale Gericht zutreffend erkannt hat, sämtliche der nach der Rechtsprechung an ein beweiskräftiges Gutachten zu stellenden Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). Entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung äussern sich die MEDAS-Fachärzte auch hinreichend genau zu den noch zumutbaren Tätigkeiten, zumal an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen sind (AHI 1998 S. 290 f. Erw. 3b; Urteil R. vom 16. Januar 2006, I 180/05, Erw. 5.1). Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes geltend macht, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Von ergänzenden medizinischen Abklärungen ist kein entscheidrelevanter neuer Aufschluss zu erwarten, weshalb die Vorinstanz zu Recht davon abgesehen hat. An diesem Ergebnis ändert nichts, dass der Hausarzt eine seit 18. Januar 1999 anhaltende volle Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Berichte von Hausärzten sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zu ihrem Patienten zurückhaltend zu gewichten (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc mit Hinweisen; Urteil S. vom 20. März 2006, I 655/05, Erw. 5.4). Abgesehen davon lassen sich hier weder den verschiedenen hausärztlichen Stellungnahmen noch den übrigen medizinischen Akten Gesichtspunkte entnehmen, welche Zweifel an der Zuverlässigkeit des auf verschiedenartigen spezialärztlichen Untersuchungen und einer interdisziplinären Gesamtwürdigung beruhenden MEDAS-Gutachtens zu begründen vermöchten. Dass die Arbeitslosenversicherung die ab 1. März 2004 anbegehrten Leistungen wegen gesundheitsbedingt fehlender Vermittlungsfähigkeit verneinte, rechtfertigt ebenfalls keine andere Betrachtungsweise, zumal hiebei einzig auf die hausärztliche Bestätigung einer vollen Arbeitsunfähigkeit abgestellt wurde. 4.4 Wird sodann berücksichtigt, dass gemäss MEDAS-Gutachten vom 11. September 2003 von einem zumutbaren intensiven Training mit psychosozialer Begleittherapie eine Verbesserung am linken Arm mit entsprechender Erhöhung der Restarbeitsfähigkeit erwartet werden kann (Erw. 4.1 hievor), ist es auch zulässig, von einem zumutbaren Arbeitspensum von 50 % auszugehen, selbst wenn die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit in der Schweiz im Jahr 2000 leicht über den 40 Stunden lag, welche sich ergeben, indem die hier täglich zumutbaren vier Arbeitsstunden verdoppelt und auf eine fünf Arbeitstage umfassende Woche hochgerechnet werden. Diese Betrachtungsweise wird, wie bereits dargelegt, auch durch den BEFAS-Bericht vom 21. März 2002 gestützt, wonach der Beschwerdeführer zu 50 % arbeitsfähig ist.