Citation: 6S.128/2005 11.07.2006 E. 6.1

Die Vorinstanz hat in ihrer Urteilserwägung zur Verwahrung die massgeblichen Gesichtspunkte des Sanktionen- und Massnahmerechts be-achtet und die einzelnen Komponenten zutreffend gewürdigt. Dass der Beschwerdeführer an einem für die verübten schweren Anlasstaten kausalen, abnormen Geisteszustand im Sinne von Art. 43 StGB leidet und die öffentliche Sicherheit angesichts der hohen Rückfallgefahr in schwer wiegender Weise gefährdet, ist erstellt. Etwas anderes behauptet auch der Beschwerdeführer nicht. Auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen kann deshalb verwiesen werden. Hingegen ist zu prüfen, ob die bestehende Gefährlichkeit des Beschwerdeführers nicht auf andere Weise behoben werden kann. 6.2 Auszugehen ist dabei vom Grundgedanken der "ultima ratio", wonach die Verwahrung nur angeordnet werden darf, wenn sie notwendig ist, um den Täter vor weiterer Gefährdung anderer abzuhalten. Darin kommt die Subsidiarität der Verwahrung im Verhältnis zu den kurativen Massnahmen im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Ausdruck (BGE 118 IV 108 E. 2a mit Hinweisen). Fragen kann sich in diesem Zusammenhang, ob nicht schon die schuldangemessene Strafe - allenfalls verbunden mit besonderen Behandlungen während des Vollzugs - ausreicht, um das Bedürfnis an Sicherung der Allgemeinheit zu erfüllen. Es ist dabei eine vergleichende Wirkungsprognose vorzunehmen. In Fällen, in denen der Betroffene zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wird, ist die Wirkung der Massnahme mit derjenigen der Strafverbüssung - unter Berücksichtigung allfälliger zusätzlicher Behandlungen während des Strafvollzugs - gegeneinander abzuwägen (Entscheid des Bundesgerichts vom 2. November 1999 6S.492/1999, E. 5; Marianne Heer, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Basel 2003, Art. 43 N. 199). 6.3 Gemäss Gutachten des psychiatrisch-psychologischen Diensts, Justizvollzug, des Kantons Zürich vom 20. November 2003 liegt beim Beschwerdeführer eine hohe einschlägige Rückfallgefahr vor. Eine Behandlungsnotwendigkeit zur Verringerung dieser Rückfallgefahr sei festzustellen. Allerdings seien die Erfolgsaussichten einer solchen Behandlung ausgesprochen unsicher. Die hohe Rückfallgefahr, verbunden mit der schlechten therapeutischen Beeinflussbarkeit, erfordere in jedem Fall eine geschlossene Unterbringung. Abzuwägen sei zwischen der Anordnung einer vollzugsbegleitenden ambulanten Massnahme und einer Verwahrung. Für erstere spreche, dass trotz einer langjährigen psychiatrischen Behandlungsvorgeschichte bis anhin kein Be-handlungsversuch einer deliktsorientierten, eher kognitiv-behavorial ausgerichteten Therapie nach modernen Standards stattgefunden habe. Sofern das Gericht diesen Umstand prioritär gewichten wolle, käme trotz des derzeit mangelnden Problembewusstseins und der generell schlechten therapeutischen Beeinflussbarkeit ein solcher Behandlungsversuch in Frage. Die Erfolgsaussichten einer solchen Massnahme seien indes überaus gering. Es sei daher - sollte ein Therapieerfolg ausbleiben - auf die Möglichkeit einer nachträglichen Umwandlung in eine Verwahrung hinzuweisen. Bei veränderter Akzentsetzung könne aus forensisch-psychiatrischer Sicht ins Feld geführt werden, dass aufgrund der hohen Rückfallgefahr und der gleichzeitig überaus unsicheren Erfolgschancen einer Behandlung derzeit keine ausreichende Grundlage für die Anordnung einer Therapiemassnahme bestehe. Die sehr unsicheren Aussichten auf eine Verminderung des hohen Rückfallrisikos würden in diesem Fall stärker gewichtet. Bei der bestehenden Ausgangslage seien aus forensisch-psychiatrischer Sicht jedenfalls auch die Voraussetzungen für die Verwahrungsmassnahme erfüllt. 6.4 Die Vorinstanz hat zumindest sinngemäss eine vergleichende Wirkungsprognose vorgenommen und gestützt auf das Gutachten nach-vollziehbar dargelegt, weshalb der Vollzug der ausgesprochenen Strafe von acht Jahren Zuchthaus verbunden mit einer ambulanten Behandlung nicht ausreiche, um der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit angemessen Rechnung zu tragen (angefochtenes Urteil, S. 77 ff.). So bestehe nach dem Gutachten eine ausgesprochen hohe Rückfallgefahr für erneute sexuelle Übergriffe an Kindern. Die pädosexuelle Neigung des Beschwerdeführers habe sich über viele Jahre verfestigt und sich bereits wiederholt in einschlägigen Delikten gezeigt, wobei eine Risikoprogredienz erkennbar sei. Der Beschwerdeführer zeige kein Problembewusstsein und keine echte Veränderungsmotivation. Seine Beeinflussbarkeit werde generell als schlecht bezeichnet. Der bisherige Verlauf seiner langen Behandlungsgeschichte - er befinde sich immerhin seit 1980 mehr oder weniger regelmässig in psychiatrischer Behandlung - spreche für eher geringe deliktrelevante Therapiemöglichkeiten, wobei die schizophrene Erkrankung des Beschwerdeführers und der polytrope Betäubungsmittelkonsum (sollte er eines Tages wieder anfangen, Drogen zu nehmen) eine zusätzliche Verschlechterung der Behandlungsaussichten bedingten. Auch wenn der Beschwerdeführer noch nie in den Genuss einer adäquaten Therapie gekommen sei, bleibe doch immerhin festzuhalten, dass er sich während vieler Jahre in einer ambulanten Behandlung befunden habe, bisher also nicht etwa überhaupt nicht psychiatrisch behandelt worden wäre. Da eine Behandelbarkeit des Beschwerdeführers folglich kaum besteht und die Therapieaussichten dementsprechend als sehr unsicher bewertet werden, ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz annimmt, die Freiheitsstrafe - unter Berücksichtigung einer ambulanten Therapie - vermöge den hier im Vordergrund stehenden Sicherungsaspekten nicht gerecht zu werden. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers besteht im Übrigen kein Anspruch auf ein stufenweises Vorgehen. Der Versuch einer vollzugsbegleitenden ambulanten Massnahme, mit der Option einer späteren Umwandlung dieser Sanktion, ist nur möglich, wenn zum Urteilszeitpunkt effektiv Aussicht auf einen Erfolg der ambulanten Therapie besteht. Es muss also gewährleistet sein, dass sich eine ambulante Massnahme unter allen Aspekten als indiziert und durchführbar erweist (Heer, a.a.O., Art. N. 121, 122, 205). Dies ist hier angesichts der dermassen fraglichen Erfolgsaussichten einer solchen Therapie aber gerade nicht der Fall. 6.5 Insgesamt durfte die Vorinstanz in Abwägung der auf dem Spiel stehenden Interessen ohne Verletzung von Bundesrecht die Verwahrung des Beschwerdeführers gemäss Art. 43 Ziff.1 Abs. 2 StGB anordnen. Die Beschwerde erweist sich somit in diesem Punkt als unbegründet.