Citation: 2A.544/2006 16.02.2007 E. 3

3.1 Der Anspruch auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK gilt nicht absolut. Vielmehr ist nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ein Eingriff in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut statthaft, soweit er eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutze der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Pflichten anderer notwendig ist. Die Konvention verlangt insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden Interessen an der Erteilung der Bewilligung und den öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei letztere in dem Sinn überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (BGE 122 II 1 E. 2 S. 6 mit Hinweis). Als zulässiges öffentliches Interesse fällt insbesondere das Durchsetzen einer restriktiven Einwanderungspolitik in Betracht. Eine solche ist im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz fest ansässigen Ausländer und die Verbesserung der Arbeitsmarktstruktur sowie eine möglichst ausgeglichenen Beschäftigung im Lichte von Art. 8 Ziff. 2 EMRK zulässig (BGE 120 Ib 1 E. 4b S. 5, 22 E. 4a S. 25). 3.2 Eine Verletzung von Art. 8 EMRK liegt von vornherein nicht vor, wenn es (auch) den fest anwesenheitsberechtigten Familienmitgliedern zumutbar ist, ihr Familienleben im Ausland zu führen. Einem Kind im anpassungsfähigen Alter kann grundsätzlich zugemutet werden, dem für ihn sorgenden Elternteil ins Ausland zu folgen (BGE 122 II 289 E. 2c S. 298, vgl. auch Niccolò Raselli/Christina Hausammann, in: Uebersax/Münch/Geiser/Arnold, Ausländerrecht, Rz. 13.61). Dies gilt insbesondere für Kleinkinder. Dass ein Kleinkind das schweizerische Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzt, schliesst nicht aus, dass es den Eltern oder dem obhutsberechtigten Elternteil, wenn diesen bzw. diesem der weitere Aufenthalt in der Schweiz verweigert wird, ins Ausland zu folgen hat (BGE 127 II 60 E. 2b S. 67; 122 II 289 E. 2c S. 298). Die Beschwerdeführerin 2 ist heute etwas mehr als vier Jahre alt. Die Ausreise ins Heimatland ihrer Mutter ist ihr nach dem Gesagten zumutbar, dies umso mehr, als nach den für das Bundesgericht nach Massgabe von Art. 105 Abs. 2 OG verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz zum Vater kein Kontakt besteht (vgl. S. 7 oben des angefochtenen Entscheides) und dieser an einem Kontakt auch nach Darstellung der Beschwerdeführerinnen nicht interessiert ist. Damit fehlt es an einem Eingriff in das nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Familienleben und die Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK kann unterbleiben (vgl. Urteil 2A.508/2005 vom 16. September 2005, E. 2.2.1, am Ende). 3.3 Selbst wenn das Vorliegen eines Eingriffs in das Recht auf Familienleben gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK zu bejahen und eine Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Abs. 2 EMRK vorzunehmen wäre, erschiene die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung für die Beschwerdeführerin 1 zulässig. Diese hat den grössten Teil ihres Lebens in ihrem Heimatland verbracht. Sie kam erst im Jahre 2001 im Alter von 26 Jahren in die Schweiz und hat sich hier nicht integriert. Sie, die kaum deutsch spricht, ist erst seit dem 25. April 2006 im Besitz einer provisorischen Bewilligung für einen Stellenantritt als Reinigungsangestellte und war vorher offenbar nie berufstätig. Was die Beschwerdeführerin 2 anbelangt, so besteht nach dem Gesagten kein gelebter Kontakt zum Vater, und dieser ist an einer Ausübung des Besuchsrechts offenbar auch nicht interessiert (vgl. seine Stellungnahme vom 17. Mai 2005). Damit hat das Verhältnis zum Vater unter dem Gesichtspunkt von Art. 8 EMRK entsprechend wenig Gewicht (BGE 122 II 289 E. 3c S. 298). Was die geltend gemachte Unmöglichkeit eines Alimenteninkassos betrifft, können die den beiden Beschwerdeführerinnen zugesprochenen Alimente - entgegen den Darlegungen in der Beschwerdeschrift - gegenüber dem zahlungspflichtigen Vater auch vom Kosovo aus geltend gemacht werden (beispielsweise durch Mandatierung einer Inkassostelle in der Schweiz). Die Berufung auf Art. 8 EMRK vermag daher nicht durchzudringen.