Citation: 4A_187/2009 14.07.2009 E. 5

5.1 Bezüglich des für den Vertrauensschaden erforderlichen hypothetischen alternativen Verhaltens (vgl. E. 4.1. hiervor) kam das Katonsgericht zum Ergebnis, die Beschwerdegegnerin hätte auf zusätzliche Baumassnahmen gemäss Mutationsliste verzichtet, wenn sie gewusst hätte, dass dadurch das fixierte Kostendach gesprengt würde, da Kostenüberschreitungen wegen fehlender finanzieller Mittel nicht in Frage gekommen seien. Gemäss Zeuge D.________ seien die zusätzlichen Baumassnahmen aufgrund der in den Kostenrapporten ausgewiesenen Kostenreserven beschlossen worden. Die Beschwerdegegnerin habe darauf vertrauen können, dass diese Kostenrapporte und -prognosen die massgebliche und zuverlässige Entscheidgrundlage für die Ausführung baulicher Mutationen gewesen seien. Dies gelte für sämtliche baulichen Zusatzaufträge, inklusive jener ab Januar 2000. Das von der ersten Instanz angezweifelte Vertrauen in die Kostenmeldungen ab dieser Zeit sei für die Schadenshöhe nicht relevant, weil die Beschwerdegegnerin ab Januar 2000 nur noch bauliche Mutationen im Umfang von Fr. 138'000.-- in Auftrag gegeben habe und solche im Umfang von Fr. 715'000.-- bereits vor und bis zum 20. Dezember vergeben worden seien. In diesem Umfang seien also Vermögensdispositionen in einem Zeitpunkt getroffen worden, in welchem die Beschwerdegegnerin auch nach Meinung der ersten Instanz auf die beklagtischen Kostenmeldungen hätte vertrauen dürfen. Dies decke den ganzen eingeklagten Betrag. Die zeitlich letzte bauliche Mutation über Fr. 30'000.-- für Elektroinstallationen sei am 9. Oktober 2000 beschlossen worden. Dabei sei es allerdings nicht um die Erteilung eines neuen Auftrags, sondern um die nachträgliche Übernahme der Kosten der schon während der Bauphase beschlossenen und ausgeführten Elektroinstallationen gegangen. Dadurch könne das genannte Alternativverhalten der Beschwerdegegnerin nicht in Frage gestellt werden. 5.2 Diese Feststellungen hinsichtlich des hypothetischen Alternativverhaltens der Beschwerdegegnerin beruhen auf Beweiswürdigung, an die das Bundesgericht grundsätzlich gebunden ist (E. 1.3 hiervor). Was die Beschwerdeführerin dagegen bezüglich der an den Sitzungen Nr. 38 und 39 beschlossenen Elektroinstallationen vorbringt, gründet teilweise auf von der Vorinstanz nicht festgestellten Sachverhaltselementen, läuft auf eine Kritik an der vorinstanzlichen Beweiswürdigung hinaus und genügt den Begründungsanforderungen an eine Willkürrüge nicht. Damit ist die Beschwerdeführerin nicht zu hören. 5.3 Weiter nahm das Kantonsgericht an, soweit die Kosten für nachträglich bewilligte bauliche Mutationen höher seien als die effektive Baukostenüberschreitung, liege kein Schaden aus enttäuschtem Vertrauen in die Kosteninformationen vor, weil die Beschwerdegegnerin diesen übersteigenden Teil auch für Ausbauwünsche ausgegeben hätte, wenn die Beschwerdeführerin ihren Kostenüberwachungs- und meldepflichten richtig und rechtzeitig nachgekommen wäre. Für diese - im Rahmen der Kostenlimite liegenden - Investitionen fehle es an der notwendigen Kausalität zwischen der Pflichtverletzung der Beschwerdeführerin und den Vermögensdispositionen der Beschwerdegegnerin. Somit sei für die Berechnung des Vertrauensschadens die effektive Baukostenüberschreitung zu ermitteln. Die bewilligten Baukosten setzten sich aus der Kostenlimite von Fr. 5'153'000.-- für die Sanierung der Haupthalle zuzüglich Fr. 1'013'700.-- für Ausbauwünsche und der Mehrkosten durch Vergabe von Arbeiten an teurere als die in den Offerten genannten Unternehmungen zusammen. Das Kostendach betrage damit Fr. 6'166'700.--. Die definitiven Baukosten hätten - abgesehen von den Gerüstekosten - nach übereinstimmender Auffassung der Parteien und der ersten Instanz gemäss revidierter Schlussabrechnung der Beschwerdegegnerin vom 6. September 2001 Fr. 6'776'705.75 betragen. Zu diesem Betrag seien in dieser Abrechnung nicht enthaltenen Mehrkosten für Gerüste von Fr. 40'295.60 hinzuzurechnen. Gemäss Ergänzungsgutachten seien verschiedene im Kostenvoranschlag vorgesehene Arbeiten nicht ausgeführt worden. Soweit dies zutreffe, erhöhe sich die effektive Baukostenüberschreitung um den Wert der nicht ausgeführten Arbeiten. Nach der Behauptung der Beschwerdegegnerin betrage dieser Wert Fr. 46'500.--. Die tatsächliche Baukostenüberschreitung betrage damit Fr. 696'801.35. 5.4 Die Beschwerdeführerin rügt, es verstosse gegen den bundesrechtlichen Begriff des Vertrauensschadens, eingesparte Kosten für nicht Ausgeführtes als Vertrauensschaden zu qualifizieren. Das Vertrauen des Bauherrn sei am kommunizierten Prognosebetrag zu messen, d.h. am Betrag, den der Architekt in seiner Kostenschätzung vorgängig angegeben habe. Das Vertrauen könne daher nur insoweit enttäuscht werden, als dieser Betrag per Saldo überschritten sei. 5.5 Das von den Parteien vereinbarte Kostendach bezog sich auf alle in den Kostenvoranschlägen vorgesehenen Arbeiten. Dass die Arbeiten, auf deren Ausführung die Beschwerdegegnerin verzichtete, nicht im Baubeschrieb vorgesehen waren, der dem Kostenvoranschlag zugrunde lag, bringt die Beschwerdeführerin nicht vor. Somit ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz bei der Berechnung der Überschreitung des Kostendachs die nicht ausgeführten Arbeiten berücksichtigte.