Citation: 6B_952/2015 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz erwägt, bezüglich der Gewaltanwendung gebe es einen gewissen Widerspruch zwischen den Aussagen der Privatklägerin anlässlich der (zweiten) Berufungsverhandlung und denjenigen bei der Polizei, wonach sie vom Beschwerdeführer mit dem Körper "weggecheckt" worden sei und einen heftigen Schlag gegen die linke Hüfte bekommen habe. Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass die polizeiliche Befragung nur zusammengefasst wiedergegeben worden sei und die Privatklägerin bei der nur rund zwei Stunden nach dem Vorfall erfolgten Einvernahme unter Schock gestanden habe. Es sei verständlich, dass man sich in diesem Zustand nicht an alle Einzelheiten erinnern könne und sich mit der Zeit - auch aufgrund der sichtbaren Verletzungen - ein genaueres Bild des Geschehens mache, welches sich sehr schnell abgespielt habe. Das habe die Privatklägerin offensichtlich getan. Ihre anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung gemachten Angaben, wonach sie mit "seinen Beinen oder so" einen Stoss gegen den Unterschenkel, links Innenseite, und einen gegen den Oberschenkel, links Oberseite, abbekommen habe, wirkten in der Grundaussage klar und glaubhaft. Die entsprechenden Hämatome seien denn auch durch ein wenige Tage später erstelltes Arztzeugnis belegt. Insgesamt habe sie glaubhaft und überzeugend dargelegt, dass der Beschuldigte sich durch Gewaltanwendung aus der ertappten Diebstahlsituation befreit habe. Die Privatklägerin habe nachvollziehbare Aussagen gemacht und dort Korrekturen angebracht, wo dies durchaus plausibel erscheine. Das Gericht sei deshalb nach wie vor überzeugt, dass der Beschuldigte am Raubüberfall wie in der Anklageschrift umschrieben beteiligt gewesen sei. Daran bestünden bei objektiver Betrachtung keine Zweifel, weshalb für einen Freispruch in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" auch nach Durchführung der zweiten Berufungsverhandlung kein Platz bleibe.