Citation: 8C_1020/2009 26.04.2010 E. 5

5.1 Aufgrund der medizinischen Akten steht fest, dass die linke Hand und der linke Handrücken der Versicherten geschwollen sind. Dr. med. B.________ ging bei der von ihm am 29. November 2007 für die Zeit ab 1. Februar 2008 prognostizierten Arbeitsfähigkeit weiterhin von einer Beeinträchtigung aus, da er eine Dispensation von manuellen Tätigkeiten, vor allem unter starker Benützung des linken Handgelenks, verlangte. Dr. med. O.________ stellte am 10. Dezember 2007 aufgrund einer Kernspintomographie ein deutliches Ödem an der linken Hand fest. Frau Dr. med. S.________ beschrieb am 8. Mai 2008 eine deutliche Schwellung und auch leicht bläuliche Verfärbung des Handrückens links und deutliche Schmerzen der Versicherten. Selbst Dr. med. C.________ beschrieb am 29. Mai 2008 eine Weichteilschwellung auf dem Handrücken links und räumte ein, dass keine repetitive Kraftanwendung der linken Hand erfolgen solle; somit kann auch aufgrund seiner Angaben nicht von Beschwerdefreiheit bzw. uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit gesprochen werden. Dass die andauernden Handbeschwerden auf eine Selbstmanipulation der Versicherten zurückzuführen wären, wird ihr in keinem der bisherigen Arztberichte substanziiert vorgeworfen und kann aufgrund der Akten nicht als erstellt gelten. Dr. med. C.________ verwies diesbezüglich am 29. Mai 2008 lediglich allgemein auf die Literatur. Hinsichtlich der Frage der Unfallkausalität der Handbeschwerden sind die Akten divergierend. Während sie von Dr. med. B.________ am 29. November 2007, von Frau Dr. med. S.________ am 17. Januar 2008 und vom behandelnden Arzt W.________ am 5. August 2009 bejaht wurde, wurde sie von Dr. med. C.________ am 29. Mai 2008 verneint. Dr. med. U.________ führte am 18. Juni 2008 aus, er könne nicht sicher entscheiden, wieso die Versicherte heute immer noch Handgelenksschmerzen habe, da er sie nie untersucht habe. Dr. med. O.________ empfahl am 10. Dezember 2007 eine arthroskopische Überprüfung und gegebenenfalls Biopsie. Frau Dr. med. S.________ gab am 17. Januar 2008 an, eine sichere Beurteilung der carpalen Ligamente wäre mit einem Arthro-CT oder allenfalls einer Arthroskopie möglich. Diese Abklärungen erfolgten aufgrund der Akten bisher nicht. Weiter ist zu beachten, dass Dr. med. B.________ am 29. November 2007 eine subklinisch verlaufende Algodystrophie/Sudeck als Unfallfolge nicht ausschloss. Synonym für diese Gesundheitsschädigung ist der Begriff "complex regional pain syndrom (CRPS) I". Dieses ist eine Erkrankung der Extremität, die ohne definierte Nervenläsion nach relativ geringfügigem Trauma ohne Bezug zum Innervationsgebiet eines Nervs auftritt. Eingeteilt wird es in drei Stadien: I: Entzündungsstadium; II: Dystrophie; III: Atrophie (irreversibel). Das CRPS gehört zu den neurologisch-orthopädisch-traumatologischen Erkrankungen (Urteil 8C_673/2009 vom 22. März 2010 E. 5.1 mit Hinweisen). Es drängen sich auch weitere Untersuchungen der Versicherten in dieser Richtung auf. In diesem Lichte können die Schlussfolgerungen der Chirurgin Frau Dr. med. C.________ vom 29. Mai 2008, welche die Versicherte als Letzte untersucht hatte, für sich allein nicht als massgebend erachtet werden. Unter den gegebenen Umständen kann auch nicht auf das Aktengutachten bzw. den -bericht des Dr. med. U.________ vom 17. März resp. 18. Juni 2008 abgestellt werden (zum Beweiswert von Aktengutachten/-berichten: RKUV 1993 Nr. U 167 S. 95 E. 5d; Urteil 8C_833/2009 vom 26. Januar 2009 E. 5.1). 5.2 Bei dieser insgesamt widersprüchlichen und unvollständigen Aktenlage lässt sich die Unfallkausalität der Handbeschwerden links sowie die daraus allenfalls folgende Behandlungsbedürftigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Integritätseinbusse ab 1. Juli 2008 nicht rechtsgenüglich beurteilen. Es kann nicht im Sinne antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148) gesagt werden, von einem zusätzlichen, nachvollziehbar und schlüssig begründeten medizinischem Gutachten - in dessen Rahmen die Versicherte persönlich zu untersuchen ist - seien keine verwertbaren entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten. Die Sache ist demnach in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes an die AXA zurückzuweisen, damit sie eine solche Begutachtung durchführe (vgl. auch Urteil 8C_833/2009 E. 6.2). Hernach hat sie über den Leistungsanspruch der Versicherten ab 1. Juli 2008 neu zu verfügen (zum Zeitpunkt des Fallabschlusses unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung vgl. BGE 134 V 109 E. 4 S. 113 ff.).