Citation: 9C_97/2019 E. 4.2

4.2. Was die Voraussetzungen der Wiedererwägung einer rechtskräftigen Verfügung betrifft, wird auf die Darlegungen der Vorinstanz verwiesen. Was der Versicherte gegen die Zulässigkeit der Wiedererwägung vorbringt, ist nicht stichhaltig. Die Wiedererwägung dient gerade dazu, auf eine zweifellos unrichtige, formell rechtskräftige Verfügung zurückzukommen. Dass die Verwaltung nur im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens eine Verfügung zurücknehmen könne, trifft daher offensichtlich nicht zu. Das Verwaltungsgericht hat ferner dargelegt, weshalb die ursprüngliche, in formelle Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 22. November 2016 zweifellos unrichtig war. Dabei hat es darauf hingewiesen, dass die IV-Stelle zum Zeitpunkt der Rentenzusprechung grössere Zweifel an der Anspruchsberechtigung des Versicherten hatte, weshalb sie eine volle Einschränkung erst mit dem Hinzutreten der psychiatrischen Diagnose (leichte bis mittelschwere depressive Episode) angenommen habe. Da eine solche psychische Erkrankung nach der im Jahr 2016 geltenden Rechtsprechung grundsätzlich als therapeutisch angehbar galt und in der Regel keine Invalidität zu bewirken vermochte, und eine neuerliche Prüfung des somatischen Gesundheitszustandes anhand des ZMB-Gutachtens ergab, dass dieser einer vollen Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten nicht entgegenstand, war die Verfügung vom 22. November 2016 zweifellos unrichtig. Die Wiedererwägung beruht entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers nicht auf einer anderen Würdigung der Akten, sondern korrigiert eine unrichtige Rechtsanwendung, somit einen Rechtsfehler, d.h. die Gewährung einer Invalidenrente wegen der wirtschaftlichen Folgen einer mittelgradigen depressiven Episode. Damit hatte die IV-Stelle die damals geltende Rechtsprechung (vgl. dazu BGE 143 V 409 E. 4.1 S. 412) missachtet.