Citation: 2C_499/2023 E. 4.4

4.4. Nichts ableiten kann der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass die Strafbehörden ihm eine günstige Sozial- und Legalprognose gestellt haben. Straf- und Ausländerrecht verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen: Ausländerrechtlich steht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund, strafrechtlich die verschuldensabhängige Sanktionierung verpönten Verhaltens und die Reintegration des Täters. Die Ausländerbehörden sind nicht an die Einschätzung der Strafbehörden hinsichtlich der Rückfallgefahr gebunden, auch wenn sie diese sinnvollerweise mitberücksichtigen werden. Ihre Beurteilung kann sich deshalb als strenger erweisen als diejenige der Strafbehörden (BGE 140 I 145 E. 4.3; 137 II 233 E. 5.2.2; Urteile 2C_44/2022 vom 15. August 2022 E. 5.3.4, 2C_367/2021 vom 30. September 2021 E. 4.3.2). Betreffend Gutachten hat die Vorinstanz erwogen, dass die darin enthaltenen Feststellungen, wonach sich unter prognostischen Gesichtspunkten aktuell eine günstige Sozialprognose abzeichne, die dann auch eine günstige Legalprognose erwarten lasse, "soweit der Proband den aktuellen Kurs hält", nicht genüge, um - ausländerrechtlich - die Rückfallgefahr vollständig auszuräumen. Diese Eischätzung erweist sich entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers nicht als abkommenswidrig. Einerseits, weil ausländerrechtlich ein strengerer Massstab als strafrechtlich gesetzt werden darf. Andererseits, weil die allenfalls günstige Entwicklung des Beschwerdeführers seit der Entlassung aus dem Strafvollzug im März 2020 noch zu kurz ist, als dass man angesichts der (erheblichen) strafrechtlichen Vergangenheit des Beschwerdeführers einen bedeutenden Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung hinreichend ausschliessen könnte. Die schwerste Tat beging der Beschwerdeführer zudem als junger Erwachsener. Angesichts der schweren Straftaten des Beschwerdeführers sind die Anforderungen an das Rückfallrisiko herabgesetzt (vgl. vorstehend E. 4.2). Seine wiederholten Straftaten und Verurteilungen zeigen auch, dass sich der Beschwerdeführer von Verurteilungen nicht unbedingt von weiteren Straftaten abhalten lässt. Dass sich der Beschwerdeführer während seiner Haft vom 7. August 2013 bis am 10. März 2020 nichts hat zuschulden kommen lassen, ist, wie die Vorinstanz bereits festgestellt hat, nicht besonders verdienstvoll, sondern darf mehr oder weniger als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Jedenfalls kann dem Beschwerdeführer nicht gefolgt werden, wenn er zu seinen Gunsten anführt, er sei seit 2013 und damit seit nahezu 10 Jahren deliktsfrei.