Citation: 5A_422/2019 E. 6.1

6.1. Gemäss den erstinstanzlichen Erwägungen, auf die das Obergericht verweist, behauptete die Beschwerdeführerin, dass die C.________ AG mit der Übertragung der "Binnenverkehre" - und damit des operativen Geschäfts - ihr einziges werthaltiges Aktivum einfach an die Beschwerdegegnerin verscherbelt habe. Laut Obergericht widersprach das Amtsgericht dieser Sichtweise. Angesichts ihrer schlechten finanziellen Lage und der drohenden Überschuldung sei die Weiterführung des operativen Geschäfts ohne fremde Hilfe offensichtlich nicht mehr möglich gewesen, weshalb die C.________ AG ein neues Eisenbahntransportunternehmen habe suchen müssen, das die Güter künftig für sie befördern würde. Das Vorgehen zur Rettung der angeschlagenen C.________ AG habe der Verwaltungsrat am 29. Oktober 2009 beschlossen, wobei das Protokoll auch F.________ und E.________ als Vertreter der A.________ AG unterzeichnet hätten. Demnach sollten die "Binnenverkehre" von der neu gegründeten Beschwerdegegnerin übernommen und die C.________ AG aus ihren Pflichten gegenüber den Kunden entlassen werden, um die Existenz der C.________ AG mittels langfristiger Schuldentilgung durch Mieteinnahmen und den Verkauf von Equipment zu sichern. Dieser Sanierungsplan habe gerade nicht vorgesehen, das operative Geschäft der C.________ AG zu verschenken und damit die letzten vorhandenen liquiden Mittel wegzuschaffen, sondern es sollten durch die Geschäftsübertragung langfristig sämtliche Gläubiger durch die Mieteinnahmen befriedigt werden. Dem angefochtenen Entscheid zufolge kam das Amtsgericht zum Schluss, nach dem Scheitern der Sanierungsbemühungen infolge der Konkurseröffnung vom 11. November 2010 könne nicht vorgebracht werden, dass die Übertragung ohne Gegenleistung vorgenommen worden sei. Dies gelte insbesondere für die Beschwerdeführerin, die als Hauptaktionärin im Verwaltungsrat der C.________ AG vertreten gewesen sei und dem Sanierungsplan am 29. Oktober 2009 im Wissen um die schlechte finanzielle Situation der C.________ AG selbst zugestimmt habe. Die Voraussetzungen der Schenkungsanfechtung (Art. 286 SchKG) seien nicht erfüllt. Für die Begründetheit der Anfechtungsklage nach Art. 288 SchKG käme es dem erstinstanzlichen Urteil zufolge darauf an, dass die handelnden Organe im massgebenden Zeitpunkt der umstrittenen Rechtshandlung eine Schädigungsabsicht hatten, also zumindest voraussehen konnten und mussten, dass durch die Übertragung der "Binnenverkehre" Gläubiger benachteiligt oder einzelne Gläubiger bevorzugt würden. Gemäss dem obergerichtlichen Entscheid stellte das Amtsgericht fest, dass alle Beteiligten damals mit dem langfristigen Erfolg der eingeleiteten Sanierungsbemühungen rechneten und sich dies auch die Beschwerdeführerin anrechnen lassen müsse, nachdem F.________ und E.________ als damalige Vertreter der Beschwerdeführerin dem Vorgehen zugestimmt hätten und folglich von der Tauglichkeit der Sanierungsmassnahmen ausgegangen seien. Ob die konkrete Massnahme den erwarteten Effekt gebracht habe, sei entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht entscheidend. Wesentlich sei nur, dass es sich um eine ernsthafte Sanierungsbemühung gehandelt habe, wovon nach dem Gesagten auch die Beschwerdeführerin ausgegangen sein müsse. Im Ergebnis könne die Beschwerdeführerin auch gestützt auf eine Absichtsanfechtung nach Art. 288 SchKG keine Rückforderung geltend machen, so das Fazit des erstinstanzlichen Entscheids. Was die Berufung der Beschwerdeführerin angeht, kommt das Obergericht zum Schluss, dass diese den gesetzlichen Anforderungen an die Begründung nicht genüge. Die Beschwerdeführerin beschränke sich "fast durchgehend" auf appellatorische Kritik am erstinstanzlichen Urteil. Insbesondere lasse die Berufungsbegründung eine Auseinandersetzung mit der erstinstanzlichen Erkenntnis vermissen, wonach die C.________ AG ohne die streitige Geschäftsübertragung die "Binnenverkehre" nicht mehr selbst hätte durchführen können und mit Schadenersatzforderungen von Kunden konfrontiert worden wäre, was definitiv zum finanziellen Kollaps geführt hätte. Das Obergericht konstatiert, dass eine Auseinandersetzung mit den amtsgerichtlichen Erwägungen zur Schenkungs- und Absichtsanfechtung vollständig fehle. Die Beschwerdeführerin befasse sich mit der Frage, ob die Geschäftsübertragung zufolge Doppelvertretung nichtig gewesen sei, was jedoch nichts mit der Frage zu tun habe, ob die Übertragung einen Anfechtungstatbestand erfüllt. Ebenso wenig sei zu beanstanden, dass das Amtsgericht den Tatbestand der Überschuldungsanfechtung nicht prüfte, habe die Beschwerdeführerin der C.________ AG doch keine anfechtbaren Rechtshandlungen nach Art. 287 Abs. 1 Ziff. 1-2 SchKG vorgeworfen. Das Obergericht pflichtet der ersten Instanz darin bei, dass eine gezielte Gläubigerschädigung durch die Übertragung der "Verkehre" von der C.________ AG an die Beschwerdegegnerin nicht ersichtlich sei. Vor diesem Hintergrund seien die von der Beschwerdeführerin gestellten Beweisanträge für die zu beurteilenden Fragen nicht relevant, weshalb das Amtsgericht sie ohne Weiteres habe abweisen dürfen und sie auch im vorliegenden Verfahren abzuweisen seien.