Citation: U 217/03 15.04.2004 E. 4

Die Diagnose einer Lyme-Borreliose - gleich welchen Stadiums - setzt ein entsprechendes klinisches Beschwerdebild und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach Krankheitsstadium ein pathologischer laborchemischer Test die Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhöhen kann (Norbert Satz, Klinik der Lyme-Borreliose, 2. Auflage, Bern 2002, S. 70). 4.1 Vorliegendenfalls sind sich die beteiligten Ärzte einig in der Feststellung einer negativen resp. unspezifischen Lyme-Serologie. Zu diesem Ergebnis ist auch Dr. med. S.________ gestützt auf selber veranlasste laborchemische Untersuchungen gelangt (Bericht vom 21. November 2001). Der Einwand der Beschwerdeführerin, die Experten des Spitals X.________ hätten sich bei der Begutachtung auf ungenügende serologische Untersuchungen gestützt, ist daher unbehelflich. 4.2 Das aufgetretene Leidensbild lässt sich zwar mit einer überstandenen Lyme-Borreliose vergleichen. Gemäss der übereinstimmenden und überzeugenden Einschätzung des Dr. med. R.________, Facharzt FMH für Innere Medizin und Arbeitsmedizin, von der Abteilung Arbeitsmedizin der SUVA (Ärztliche Beurteilung vom 11. Juni 2001) und der Fachärzte des Spitals X.________ (Gutachten vom 27. September 2001) können aber auch andere Krankheitsbilder zwanglos für die klinische Präseatation verantwortlich gemacht werden. 4.3 Soweit Dr. med. S.________ - als einziger berichterstattender Arzt - auf eine durchlittene Lyme-Erkrankung schliesst, stützt er sich, neben den - wie dargelegt (Erw. 4.2) - auch anders interpretierbaren Allgemeinsymptomen, auf die Annahme, die Versicherte habe im Frühjahr 2000 ein Erythema migrans am rechten Knie - als dem Krankheitsstadium I der Lyme-Borreliose zuzuordnende Hautmanifestation (vgl. Norbert Satz, a.a.O., S. 104) - durchlitten. Dass die Entzündungsaktivität auf dem Niveau des Erythema migrans zum Stillstand gekommen sei, erkläre auch, weshalb die Labortests nie positiv geworden seien (Berichte vom 31. Januar und 21. November 2001). Das kantonale Gericht hat sich eingehend mit der Frage auseinandergesetzt, ob ein Erythema migrans vorgelegen hat und diese mit überzeugender Begründung verneint. Hervorzuheben ist zunächst, dass sich in den Berichten der verschiedenen Ärzte, welche die Beschwerdeführerin ab Mai bis Juli 2000 aufgesucht hat, kein Hinweis auf eine Hautrötung im Bereich des Knies findet. Zweifellos wäre eine solche Hautveränderung angesprochen worden, wenn die Beschwerdeführerin sie erwähnt und die behandelnden Ärzte diesem Umstand eine massgebliche Bedeutung beigemessen hätten. Erstmals genannt wird eine Hautrötung durch den am 29. September 2000 aufgesuchten Dr. med. S.________. Er stützt sich beim Schluss auf ein Erythema migrans nicht auf eigene Beobachtungen, sondern auf die Angabe der Versicherten, wonach im Frühling 2000 am rechten Knie lateral eine 10 cm grosse, expandierende Rötung aufgetreten sei, welche sich nach mehreren Wochen spontan aufgelöst habe. Eine vorübergehende Hautveränderung ist aber, wie im Gutachten des Spitals X.________ vom 27. September 2001 nachvollziehbar festgestellt wird, unspezifisch und muss nicht von einem Erythema migrans herrühren. Dass ein solches vorgelegen hat, ist bei der gegebenen Aktenlage, insbesondere den Aussagen der Beschwerdeführerin und den ärztlichen Berichten, zwar möglich, nicht aber überwiegend wahrscheinlich. Letzteres gilt somit auch für die Diagnose einer durch Zeckenbiss hervorgerufenen Lyme-Borreliose als mögliche Ursache für das ab Mai 2000 aufgetretene Leidensbild, da dieses aufgrund der klinischen Präsentation wie aufgezeigt anders erklärt werden kann und die laborchemischen Untersuchungen negativ verliefen. Der Unfallversicherer hat demnach seine Leistungspflicht im Zusammenhang mit der am 11. Januar 2001 gemeldeten Symptomatik zu Recht verneint. 4.4 Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde weiter vorgebracht wird, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise. Das Gutachten des Spitals X.________ vom 27. September 2001 überzeugt hinsichtlich der hier interessierenden Feststellung, wonach aufgrund der klinischen Präsentation (einschliesslich der Hautrötung) eine Lyme-Borreliose möglich, nicht aber überwiegend wahrscheinlich ist. Dies gilt unabhängig davon, ob für die Diagnose eines Erythema migrans bestimmte US-Richtlinien anwendbar sind oder nicht, worüber die Auffassungen der berichterstattenden Ärzte auseinander gehen. Soweit die Experten Kalenderdaten und gegebenenfalls sozialanamnestische Tatsachen teilweise unzutreffend dargestellt haben, vermag dies ihre gutachterliche Beurteilung als Ganzes ebenfalls nicht in Frage zu stellen. Nichts anderes ergibt sich, wie bereits dargelegt, aus den der Expertise zugrunde gelegten serologischen Untersuchungen (Erw. 4.1). Von weiteren medizinischen Abklärungen sind keine entscheidrelevanten neuen Ergebnisse zu erwarten, weshalb mit dem kantonalen Gericht darauf zu verzichten ist. Dies gilt auch für die beantragten Editionen (antizipierte Beweiswürdigung; RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50 Erw. 3.4 mit Hinweisen, 2002 Nr. U 469 S. 527 Erw. 2c mit Hinweis). Es kann im Übrigen vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Die Vorinstanz setzt sich darin, entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung, auch hinreichend mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin auseinander.