Citation: 4A_329/2022 E. 4.3.2

4.3.2. Was das zweite Argument - das Vorliegen einer relevanten anwaltlichen Pflichtverletzung - anbelangt, kritisiert der Beschwerdeführer, dass eine solche allein aufgrund des Fristversäumnisses zu bejahen sei. Entgegen dem angefochtenen Urteil komme es nicht darauf an, ob der ursprüngliche Prozess vor Verwaltungsgericht bei sorgfaltsgemässer Führung ein für ihn günstigeres Ergebnis hervorgebracht hätte. Dies trifft nicht zu: Eine anwaltliche Pflichtverletzung im Rahmen der Prozessführung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur dann von Bedeutung, wenn der Ausgang des Verfahrens bei pflichtgemässem Vorgehen aus Sicht des Auftraggebers besser ausgefallen wäre. Das Obergericht hat zu Recht festgehalten, dass im Haftpflichtprozess zwischen Auftraggeber und Anwalt zu prüfen ist, wie das ursprüngliche Verfahren ohne anwaltliche Sorgfaltspflichtverletzung ausgegangen wäre. Der Auftraggeber führt somit eine Art Schattenprozess, in dem die eigentlichen prozessualen Vorbringen darauf abzielen, den Nachweis dafür zu erbringen, dass der ursprüngliche Prozess bei sorgfältiger Prozessführung ein für ihn günstigeres Ergebnis gebracht hätte (Urteile 4A_187/2021 vom 22. September 2021 E. 3.1.2; 4A_659/2018 vom 15. Juli 2019 E. 3.1.3 mit Hinweisen). Die These des Beschwerdeführers, wonach der "sogenannte Schattenprozess" hier nicht geführt werden könne und müsse, weil das verwaltungsgerichtliche Urteil "nicht vorweggenommen" werden dürfe, hat demnach weder Hand noch Fuss.