Citation: 4A_76/2023 E. 5.1

5.1. Die Vorinstanz erwog, mit der Wendung "soweit" in Art. 9 Abs. 1 lit. b DSG ("Der Inhaber der Datensammlung kann die Auskunft verweigern, einschränken oder aufschieben, soweit: [...] b. es wegen überwiegender Interessen Dritter erforderlich ist.") werde bloss zum Ausdruck gebracht, dass bei der Beurteilung der Zulässigkeit und des Umfangs der Einschränkung vom Auskunftsrecht eine sorgfältige Güterabwägung im konkreten Einzelfall vorzunehmen sei. Im Rahmen dieser Interessenabwägung obliege es zwar dem Inhaber der Datensammlung, darüber zu wachen, dass bei der Auskunftserteilung keine unrechtmässige Bekanntgabe von Daten über Dritte stattfinde. Entsprechend trage der Inhaber der Datensammlung auch die Beweislast für ein allenfalls überwiegendes Geheimhaltungsinteresse, soweit er sich auf das Vorliegen eines das Auskunftsrecht einschränkenden Tatbestands berufe. Daraus könne jedoch nicht abgeleitet werden, dem betroffenen Dritten würde die Prozessführungsbefugnis zugunsten des Inhabers der Datensammlung entzogen, sodass Ersterer der Geltendmachung seiner eigenen Persönlichkeitsrechte bzw. seiner Rechtsansprüche gestützt auf Art. 15 DSG i.V.m. Art. 28 ZGB verlustig gehen würde. In diesem Zusammenhang sei überdies darauf hinzuweisen, dass die Geltendmachung eines datenschutzrechtlichen Anspruchs zu den höchstpersönlichen Rechten im Sinne von Art. 19c ZGB gehöre. Relativ höchstpersönliche Rechte seien der Vertretung nur bedingt zugänglich, weshalb auch dieser Umstand gegen die Begründung einer Prozessstandschaft gestützt auf Art. 9 Abs. 1 lit. b DSG spreche.