Citation: 6P.89/2004 01.10.2004 E. 5

Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe den Tatbestand von Art. 125 Abs. 2 StGB zu Unrecht bejaht, da ihm keine Fahrlässigkeit vorgeworfen werden könne. Weder habe er sich unsorgfältig verhalten, noch sei der Unfall für ihn vorhersehbar gewesen. 5.1 Gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB wird mit Gefängnis oder Busse bestraft, wer fahrlässig einen Menschen schwer am Körper oder an der Gesundheit schädigt. Fahrlässig begeht der Täter ein Verbrechen oder Vergehen, wenn die Tat darauf zurückzuführen ist, dass er die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 1 StGB). Ein Schuldspruch wegen eines Fahrlässigkeitsdelikts setzt somit voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist sein Verhalten, wenn er zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefahr des Erfolgseintritts hätte erkennen können und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 2 StGB; BGE 130 IV 7 E. 3.2). Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und mithin für die Fahrlässigkeitshaftung ist die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den konkreten Täter mindestens in seinen wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Zunächst ist daher zu fragen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte voraussehen bzw. erkennen können und müssen. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursachen hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolges erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren - namentlich das Verhalten des Angeschuldigten - in den Hintergrund drängen (BGE 130 IV 7 E. 3.2). 5.2 Nach den verbindlichen tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz ist der Sturz der Beschwerdegegnerin darauf zurückzuführen, dass der Beschwerdeführer in das von dieser verwendete Seil einen fehlerhaften Anseilknoten knüpfte. Aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge musste er davon ausgehen, dass sich ein falsch geknüpfter Anseilknoten beim Klettern lösen und so zu einer Beeinträchtigung von Leib und Leben eines Menschen führen könnte. Dies umsomehr, als er am 31. Juli 1997 bereits einmal an einem ca. zweistündigen Instruktionsprogramm im Kletterzentrum teilgenommen hatte. Da er ausserdem annehmen musste, dass der von ihm zu erstellende Knoten in der Folge tatsächlich von Gruppenteilnehmern verwendet würde, hat die Vorinstanz die Vorhersehbarkeit des eingetretenen Erfolgs für den Beschwerdeführer zutreffend bejaht. Dies gälte selbst dann, wenn das fehlerhafte Knüpfen des Knotens darauf zurückzuführen wäre, dass B.________ oder andere Vertreter des Kletterzentrums den Beschwerdeführer ungenügend instruiert hätten. Gingen letzterem die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten zum Knüpfen eines korrekten Doppelachters ab, hätte er A.________ die Bitte, für ihn einen Anseilknoten zu knüpfen, aufgrund der für ihn vorhersehbaren Gefahr eines Unfalls abschlagen müssen. Auch in diesem Fall wäre ihm damit eine Sorgfaltswidrigkeit vorzuwerfen (vgl. BGE 106 IV 312; vgl. Jörg Rehberg/Andreas Donatsch, Strafrecht I - Verbrechenslehre, 7. Auflage, Zürich 2001, S. 288). Der Beschwerdeführer kann sich dem Vorwurf der Fahrlässigkeit sodann auch nicht mit dem Einwand entziehen, die Gruppenmitglieder hätten sich aufgrund ihrer fehlenden Klettererfahrung bewusst dem Risiko einer Verletzung ausgesetzt, weshalb er für eine solche nicht verantwortlich gemacht werden könne. Richtig ist zwar, dass die Mitwirkung an eigenverantwortlicher Selbstgefährdung nach Lehre und Rechtsprechung straflos bleibt. Eine solche setzt aber voraus, dass der eingetretene Schaden die Folge des eingegangenen Risikos und nicht das Ergebnis eines hinzukommenden Fehlverhaltens ist. Anders verhält es sich nur, wenn der Tatbeitrag des Dritten derart untergeordnet erscheint, dass der eingetretene Erfolg ausschliesslich als durch den Geschädigten selbst herbeigeführt betrachtet werden muss (BGE 125 IV 189 E. 3 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall, wurde der Unfall doch durch das fehlerhafte Knüpfen des Anseilknotens verursacht und erscheint das Top-Rope-Klettern nicht als so riskant, dass dem Fehlverhalten des Beschwerdeführers gegenüber der Eigengefährdung durch die Beschwerdegegnerin lediglich eine unmassgebliche Bedeutung zukommen würde. Von einer straflosen Mitwirkung an eigenverantwortlicher Selbstgefährdung im Sinne der dargelegten Rechtsprechung kann daher nicht die Rede sein. Die Vorinstanz ist damit zutreffend von einer fahrlässigen Herbeiführung des eingetretenen Erfolgs durch den Beschwerdeführer ausgegangen.