Citation: U 324/01 05.04.2002 E. 2

2.- Streitig und zu prüfen ist, ob das kantonale Gericht die Sache zu Recht an die Northern Assurance zurückgewiesen hat, damit sie ergänzende Abklärungen vornehme und über den Leistungsanspruch neu verfüge. a) Im vorinstanzlichen Entscheid wird zusammenfassend festgehalten, aufgrund der Akten sei nicht erstellt, an welchen Beschwerden die Versicherte im Zeitpunkt des Einspracheentscheids gelitten habe. Offen sei zudem, inwieweit das bestehende Beschwerdebild auf den Unfall vom 15. März 1992 oder auf die späteren Unfälle (vom 29. Januar 1996 und 5. April 2000) zurückzuführen sei. Abzuklären sei sodann, ob von der Fortsetzung der Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten sei und ob eine ausgeprägte psychische Problematik vorliege, welche ein allenfalls bestehendes typisches Beschwerdebild nach Schleudertrauma der HWS ganz in den Hintergrund treten lasse. Hiezu bedürfe es eines psychiatrischen Gutachtens. Die Northern Assurance hält dem entgegen, es bestehe keine Abklärungslücke und insbesondere kein Anlass, ein psychiatrisches Gutachten einzuholen. Die Beschwerdegegnerin erleide schon seit 1995 keine Erwerbseinbusse mehr; es bestehe auch keine psychisch bedingte Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit. Eine Psychotherapie sei nicht durchgeführt worden, da sie offenbar nicht mehr notwendig gewesen sei. Soweit noch Restfolgen des Unfalls vom 15. März 1992 bestünden, seien diese nicht leistungsrelevant. Die Beschwerdegegnerin sei vor dem zweiten Unfall voll eingegliedert gewesen. Beeinträchtigungen seitens der nicht bei der Northern Assurance versicherten späteren Unfälle hätten unberücksichtigt zu bleiben. Die Beschwerdegegnerin bestreitet, vor dem zweiten Unfall vom 29. Januar 1996 voll arbeitsfähig gewesen zu sein, und macht geltend, gerade dieser Unfall sei der Grund dafür gewesen, dass die vorgesehene Psychotherapie nicht habe durchgeführt werden können. Schliesslich sei die Annahme, es fehle an einer Erwerbseinbusse, unzutreffend, weil sie vor dem versicherten Unfall wegen der familiären Pflichten (Haushaltführung und Kinderbetreuung) nur eine reduzierte Erwerbstätigkeit ausgeübt habe. b) Soweit die Northern Assurance die Notwendigkeit zusätzlicher Abklärungen damit verneint, dass die Beschwerdegegnerin ab 1995 eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, mit welcher sie ein gegenüber dem früheren Teilzeitverdienst höheres Einkommen erzielt, ist vorab festzustellen, dass für die Invaliditätsbemessung nicht auf die tatsächliche Erwerbseinbusse, sondern darauf abzustellen ist, inwieweit der Versicherte in der Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist (Art. 18 Abs. 2 Satz 2 UVG). Massgebend sind zwei hypothetische Einkommen und nicht der vor und nach dem Unfall effektiv erzielte Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 97 ff.; vgl. auch Omlin, Die Invalidität in der oblig. Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1995, S. 81 u. 210 ff.). Im vorliegenden Fall kann auf die effektiven Einkommen umso weniger abgestellt werden, als die Beschwerdegegnerin vor dem Unfall in unselbstständiger Stellung und nach dem Unfall als Selbstständigerwerbende tätig war und wegen ihrer Pflichten als Hausfrau und Mutter (von drei 1982, 1984 und 1989 geborenen Kindern) vor und nach dem Unfall in unterschiedlichem Umfang erwerbstätig war, wie aus dem Abklärungsbericht Haushalt/Selbstständigerwerbende der IV vom 24. Februar 1997 hervorgeht. Unter den gegebenen Umständen führt auch ein Einkommensvergleich im Sinne von Art. 18 Abs. 2 Satz 2 UVG zu keinem zuverlässigen Ergebnis. Der Invaliditätsgrad ist daher nach der ausserordentlichen Bemessungsmethode zu bestimmen, indem anhand eines Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen und diese im Hinblick auf die erwerblichen Auswirkungen zu gewichten ist (BGE 104 V 136 Erw. 2c; AHI 1998 S. 120 Erw. 1a und 252 Erw. 2b). Im Hinblick darauf, dass die Versicherte nach den übereinstimmenden Feststellungen der Northern Assurance und der IV-Stelle mit der ab 1. Januar 1995 ausgeübten selbstständigen Tätigkeit als Verkäuferin von Modeschmuck bei einem Arbeitspensum von 50 % als zweckmässig eingegliedert gelten kann, ist darauf abzustellen, inwieweit sie in der Zeit ab 1. Januar 1995 bis zum zweiten Unfall vom 29. Januar 1996 in dieser Tätigkeit beeinträchtigt war. Dabei ist grundsätzlich von einer Vollzeittätigkeit auszugehen (BGE 119 V 481 Erw. 2b; vgl. auch Omlin, a.a.0., S. 178 f.).