Citation: I 268/05 26.01.2006 E. 2

Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente und dabei insbesondere die der Invaliditätsbemessung zugrunde gelegte Arbeitsfähigkeit. 2.1 Die Parteien stimmen darin überein, dass die im Rahmen der interdisziplinären Begutachtung durch die Neurochirurgin Dr. med. L.________ festgestellten somatischen Beschwerden (panvertebrales Schmerzsyndrom links mit pseudoradikulären Beschwerden besonders im linken Bein) keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mehr haben. Unterschiedliche Auffassungen bestehen hingegen bezüglich der psychisch bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Während IV-Stelle und Vorinstanz gestützt auf das psychiatrische Gutachten des Dr. med. H.________ (vom 8. September 2003) von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgehen, vertritt die Beschwerdeführerin basierend auf der Einschätzung des behandelnden Psychiaters Dr. med. S.________ und gestützt auf das von ihr in Auftrag gegebene Privatgutachten des Dr. med. Z.________ (vom 12. April 2003) die Auffassung, sie sei vollständig arbeitsunfähig. In Bezug auf die Diagnose der psychischen Problematik sind sich Ärzte weitgehend einig, und es sind keine grundlegenden Unterschiede auszumachen. Mit Dr. med. H.________ ist von einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem Syndrom, derzeit mittelgradige Episode, ICD-10: F33.11 sowie einer narzistischen Persönlichkeitsstörung ICD-10:F60.8 auszugehen. 2.2 Nach Wiedergabe der verschiedenen medizinischen Berichte und Gutachten gelangte die Vorinstanz im Rahmen der Beweiswürdigung zum Schuss, dass zur abschliessenden Beurteilung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten des Dr. med. H.________ abzustellen ist. Sie begründete dies u.a. damit, dass gemäss Rechtsprechung Parteigutachten nicht den gleichen Rang wie ein von der Versicherung nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten haben. Dr. med. Z.________ vermöge betreffend die Schlussfolgerungen von Dr. med. H.________ keine ernsthaften Zweifel zu wecken. Dasselbe gelte für die Berichte des Dr. med. S.________. Dies deshalb, weil bei der Beurteilung der Auswirkung von psychischen Krankheiten auf die Arbeitsfähigkeit unbestrittenermassen immer ein gewisser Ermessensspielraum bestehe, und es sich bei der Einschätzung der Dres. S.________ und Z.________ schlussendlich lediglich um eine andere Gewichtung desselben Sachverhalts handle. Aufgrund der Aktenlage beständen keine Anhaltspunkte dafür, dass Dr. med. H.________ dieses Ermessen nicht pflichtgemäss ausgeübt hätte. Dessen Gutachten erfülle vielmehr die an ein medizinisches Gutachten rechtsprechungsgemäss gestellten Anforderungen. Zudem sei in der Stellungnahme vom 5. Mai 2004 eine differenzierte, nachvollziehbare und schlüssige Begründung der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolgt. 2.3 Diesen Erwägungen der Vorinstanz kann nicht ohne weiteres beigepflichtet werden. Mit der Beschwerdeführerin fehlt bei der Einschätzung des Dr. med. H.________ ein nachvollziehbarer und begründeter Zusammenhang zwischen diagnostizierter Störung und der daraus im konkreten Fall abzuleitenden Arbeitsunfähigkeit. Wenn er die im Gutachten festgelegte Arbeitsfähigkeit von 50 % nachträglich u.a. damit begründet "dass erst eine schwere depressive Episode zu einer vollständigen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führt. Dies sollte für bloss mittelgradige Episoden nicht gelten" erweist sich dies zum einen als zu wenig konkret, besteht doch zwischen einer 50%igen und 100%igen Arbeitsunfähigkeit eine erhebliche Spannbreite. Zum andern ist nicht ersichtlich, inwiefern die von allen Psychiatern übereinstimmend diagnostizierte Persönlichkeitsstörung berücksichtigt wurde. Im Gutachten spricht Dr. med. H.________ selbst davon, dass die Depression durch die Persönlichkeitsstörung verstärkt werde. Dank Psychotherapie habe sich eine Besserung eingestellt, ganz überwunden habe die Versicherte das Problem jedoch nicht. Dr. med. Z.________ hält in seiner Expertise - welche im übrigen alle rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für eine beweistaugliche medizinische Entscheidgrundlage (BGE 125 V 352 Erw. 3 mit Hinweisen) erfüllt - diesbezüglich fest, wie bereits Dr. med. H.________ andeute, sei die depressive Symptomatik nicht vom persönlichkeitsbezogenen diagnostischen Hintergrund abzulösen. Er führt aus, eine depressive Störung vom Ausprägungsgrad, wie bei der Beschwerdeführerin vorliege, könne regelmässig erhebliche Beeinträchtigungen in den (allgemeinen) Bereichen der Kompetenz, der Konstanz und Motivation nach sich ziehen. Dabei könne sich die Versicherte nicht ausreichend gut und dauernd konzentrieren, ermüde rasch und vermöge nicht zuletzt ausgehend von einer negativistisch-pessimistischen Sicht keine nachhaltige Motivation zu entwickeln, letzteres im Sinne des Nicht-Wollen-Könnens. Diese Überlegungen, mit welchen sich Dr. med. H.________ nicht näher auseinandersetzte, sind nicht von der Hand zu weisen und vermögen berechtigte Zweifel an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aufkommen zu lassen. So ist nicht ersichtlich, ob und inwieweit die Beschwerdeführerin mit Blick auf die ausgewiesene Persönlichkeitsstörung in der Lage ist, verfügbare Kompetenzen effektiv umzusetzen, was durchaus Einfluss auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit hat. Auch die weiteren Ausführungen des Dr. med. H.________ in der nachgereichten Begründung vermögen die Einschätzung der 50%igen Arbeitsfähigkeit nicht zu konkretisieren. So ist nicht ersichtlich, inwieweit sich eine behördlich anerkannte Vollinvalidität im Falle der Beschwerdeführerin negativ auswirken würde, hat diese doch, wie sie zu Recht einwendet, in der Vergangenheit bewiesen, dass sie trotz Berentung eine vollständige Wiederintegration im Arbeitsmarkt erreichen konnte. Ferner ist bei den von Dr. med. H.________ festgestellten krankheitsfremden Faktoren, insbesondere der misslichen psychosozialen Situation (Probleme am Arbeitsplatz, Trennung von ihrem Partner) nicht ohne weiteres nachvollziehbar, inwiefern diese - wie zu Recht eingewendet wird - nicht auch Folgen der Krankheit sein können. 2.4 Mit Blick auf die aufgezeigten Gründe erweist sich das psychiatrische Gutachten des Dr. med. H.________ hinsichtlich der Frage der Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit als nicht schlüssig. Entgegen der Vorinstanz kann nicht darauf abgestellt werden. Ebenso wenig lässt sich jedoch ohne weiteres den Schussfolgerungen im Privatgutachten des Dr. med. Z.________ mit der Annahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit folgen. So geht daraus u.a. nicht klar hervor, ob allenfalls auch gewisse krankheitsfremde Faktoren entsprechend zu berücksichtigen sind. Mithin bedarf es einer erneuten psychiatrischen Abklärung der psychisch bedingten Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit. Die Sache ist daher an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie nach Einholung eines zusätzlichen psychiatrischen Gutachtens im Sinne eines Obergutachtens über den Leistungsanspruch neu verfüge.