Citation: 4A_605/2019 E. 4.2

4.2. Der Beschwerdeführer anerkennt selbst, der Beschwerdegegner habe mit der Klage vor dem Regionalgericht unter anderem ausgeführt, aufgrund der sich erheblich unterscheidenden Schweregrade müsse auch die Kausalität differenzierter betrachtet werden, so dass die Unterscheidung in "gutes Ergebnis" und "schlechtes Ergebnis" nicht ausreiche. Vielmehr müsse ganz konkret gefragt werden, welchen mRS-Schweregrad der Beschwerdegegner mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aufgewiesen hätte. Unterscheide sich dieser mRS-Schweregrad von dem tatsächlich aufgewiesenen Schweregrad 5, sei die Kausalität zu bejahen. Die Statistik (gemeint sei die Studie Mattle) zeige, wie viele von 57 behandelten Patienten welche mRS-Schweregrade aufwiesen. 19 von 57 (also 33 %) hätten Schweregrad 4 aufgewiesen, 12 von 57 (also 21 %) Schweregrad 3. Somit hätte der Beschwerdegegner bei Annahme eines schlechten Ergebnisses mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (im Rahmen der schlechten Ergebnisse) Schweregrad 3 oder 4 aufgewiesen. Zu diesem Themenkreis hätten sich die Gutachter bei Stellen der entsprechenden Ergänzungsfragen zwingend äussern und detaillierter darlegen müssen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich der Gesundheitszustand des Beschwerdegegners wie präsentiert hätte. Hätte das Gericht bei der Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs die Einteilung in unterschiedliche Schweregrade vorgenommen, wäre die fälschlicherweise nicht vorgenommene Lyse-Therapie als kausal für den aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdegegners zu qualifizieren gewesen. Dies hätte zu einer Haftung der Spitalbetreiberin geführt. Ein (neutraler) Gutachter bzw. das Gericht wären bei Stellen der entsprechenden Ergänzungsfragen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zum Ergebnis gekommen, bei zeitnaher Durchführung einer Lyse-Therapie hätte noch ein gutes Ergebnis erzielt werden können (mRS 0-2). Selbst bei Annahme eines Schweregrades mRS 3 (eventualiter) oder mRS 4 (sub-subeventualiter) wäre im Rahmen des schlechtesten Ergebnisses der Gesundheitszustand des Klägers immer noch deutlich besser als ohne Durchführung der Lyse-Therapie.