Citation: 4A_415/2023 E. 4.1

4.1. Die Verletzung der körperlichen Integrität, wie sie zum Beispiel im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs stattfindet, ist widerrechtlich und vertragswidrig, falls kein Rechtfertigungsgrund gegeben ist. Bei der ärztlichen Behandlung steht als Rechtfertigungsgrund die Einwilligung des Patienten im Vordergrund. Die Einwilligung ist dabei nur wirksam, wenn der Patient ausreichend aufgeklärt wurde. Fehlt eine solche wirksame Einwilligung, ist der Eingriff als Ganzes widerrechtlich. Diesfalls muss der Arzt für allen Schaden aufkommen, der in kausalem Zusammenhang mit dem Eingriff steht, selbst wenn dieser sachgemäss durchgeführt wurde (BGE 133 III 121 E. 4.1.1; Urteil 4A_547/2019 vom 9. Juli 2020 E. 4.2.1). Das Obergericht kam zum Ergebnis, dass die fremdsprachige Beschwerdeführerin nicht ausreichend (konkret: nicht in einer ihr verständlichen Sprache) über die Behandlung und deren Risiken informiert worden sei. Sie habe daher nicht wirksam in die Polypektomie eingewilligt.