Citation: 2C_685/2014 E. 4.3.2

4.3.2. Eine Mehrheit der vorberatenden Kommission des Nationalrates hatte den Antrag gestellt, statt des Begriffs "längerfristige Freiheitsstrafe" die Formulierung "wenn die Ausländerin oder der Ausländer zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten oder wiederholt zu einer kurzen Freiheits- oder Geldstrafe verurteilt wurde" in den Gesetzestext aufzunehmen. Der Nationalrat verwarf schliesslich diesen Antrag und folgte der Version des Bundesrates (AB 2004 N 1083-1090). Eine andere Untergrenze stand nicht zur Diskussion; in der ständerätlichen Debatte zu Art. 61 lit. b E-AuG bzw. Art. 62 Abs. 1 lit. b E-AuG wurde der Beschluss des Nationalrates, auf eine feste Grenze zu verzichten, diskussionslos angenommen (AB 2005 S 313). Der Konsens bestand offenbar darin, dass im Rahmen von Art. 61 lit. b E-AuG bzw. Art. 62 Abs. 1 lit. b E-AuG andere Strafarten ausgeschlossen sein sollten und dass eine kurze Freiheitsstrafe keinen Widerrufsgrund darstellen sollte. Aus diesem Grund hatte der Bundesrat das Element "Freiheitsstrafe" mit dem Merkmal "längerfristig" spezifiziert. Dass der Nationalrat die von der vorberatenden Kommission vorgeschlagene Grenze von zwölf Monaten Freiheitsstrafe verworfen hat, bedeutet nicht, dass der Gesetzgeber eine grundlegend andere Vorstellung davon hatte, was unter einer längerfristigen Freiheitsstrafe im ausländerrechtlichen Kontext zu verstehen sei.