Citation: I 554/05 03.01.2006 E. 3

3.1 Umstritten ist unter den Verfahrensbeteiligten einzig, ob die Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen auch nach der Geburt ihres Sohnes am 4. September 2003 weiterhin vollerwerbstätig gewesen wäre, wie von Vorinstanz und Beschwerdegegnerin angenommen, oder ob sie - so die IV-Stelle - nurmehr ein Teilpensum im Umfang von 50 % ausgeübt hätte. Träfe Letzteres zu, wäre die Invalidität nicht wie bis anhin nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs sondern nach der gemischten Methode zu ermitteln. Die übrigen Invaliditätsbemessungsfaktoren, namentlich die im erwerblichen Bereich weiterhin bestehende Leistungseinbusse von 50 %, stehen demgegenüber nach Lage der Akten zu Recht nicht im Streite und bedürfen keiner näheren Prüfung (BGE 125 V 417 oben). 3.2 Die Beschwerdegegnerin hatte vom 1. Dezember 1995 bis zu ihrem Unfall am 15. Oktober 1997 vollzeitig als Sachbearbeiterin beim Verband P.________ gearbeitet. In der Folge wurde ihr Arbeitspensum per 1. Oktober 1998 auf die ihr verbliebene Restarbeitsfähigkeit von 50 % reduziert. Aus Gründen der betrieblichen Reorganisation hob der Arbeitgeber die Halbtagesstelle auf Ende März 2004 auf, wobei die Versicherte seit der Geburt ihres Sohnes am 4. September 2003 freigestellt worden war. Seither sucht sie eine geeignete Beschäftigung im bisherigen Umfang von 50 %. 3.2.1 Im Juni 2004 führte die IV-Stelle eine Abklärung vor Ort im Haushalt der Beschwerdegegnerin durch. Bezüglich der Frage, ob ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausgeübt würde, ist dem Bericht vom 11. Juni 2004 unter Ziff. 3.5 Folgendes zu entnehmen: "Frau G.________ hätte gerne auch nach der Geburt von L.________ beim früheren Arbeitgeber zu 50 % weitergearbeitet. Wegen Reorganisation wurde ihre Teilzeitstelle jedoch abgebaut. Das Arbeitsverhältnis wurde auf 31. März 2004 vom Arbeitgeber aufgelöst. Ab Dezember 2003 ging Frau G.________ auf Stellensuche. Sie hat sich beim RAV angemeldet. Sie konnte sich verschiedentlich vorstellen. Beim Treuhandbüro S.________ hat sie nun eine Stelle, 10 - 15 % Heimarbeit, angenommen. Sie würde gerne mehr arbeiten. Da es jedoch sehr schwierig ist, eine Teilzeitstelle zu finden, hat sie nun auf 1. Juni 2004 die Stelle im Treuhandbüro angenommen. Zur Zeit wird sie eingearbeitet. Sie wird rund 12 Stunden à Fr. 30.- arbeiten. Sie hofft nun, dass sie den Beschäftigungsgrad zu einem späteren Zeitpunkt steigern kann. Für sie ist es im Moment wichtig, dass sie mit einem Fuss in der Erwerbsarbeit bleiben kann. Aus finanziellen Gründen müsste sie jedoch 50 % arbeiten können. Mit dem Betrieb können nur rund Fr. 30'000.- pro Jahr erwirtschaftet werden." Gegenüber den sie begutachtenden Ärzten der Klinik V.________ hatte die Versicherte sodann, wie sich aus dem Bericht vom 20. Mai 2003 ergibt, bekräftigt, - trotz Kind und gesundheitlicher Einschränkungen - unbedingt wieder zu 50 % beruflich tätig sein zu wollen. 3.2.2 Dem kantonalen Gericht ist darin beizupflichten, dass sich aus diesen Angaben - entgegen der Betrachtungsweise der IV-Stelle - nicht folgern lässt, die Beschwerdegegnerin wäre als Valide nach der Geburt ihres Kindes nurmehr zu 50 % erwerbstätig gewesen. Vielmehr beziehen sich sowohl die Aussagen im Bericht der Klinik V.________ vom 20. Mai 2003 wie auch diejenigen im Abklärungsbericht Haushalt vom 11. Juni 2004, wonach die Versicherte nach der Geburt ihres Sohnes weiterhin hätte zu einem Pensum von 50 % bei ihrem vormaligen Arbeitgeber arbeiten wollen, auf ihren aktuellen, gesundheitlich beeinträchtigten Zustand. Die Beschwerdegegnerin scheint somit die in Ziff. 3.5 des Abklärungsberichts gestellte Frage, soweit mündlich überhaupt korrekt gestellt, missverstanden zu haben, ohne dass eine nachträgliche Präzisierung durch die befragende Person erfolgt wäre (vgl. auch die ergänzende Stellungnahme des IV-Abklärungsdienstes vom 11. August 2004). Entsprechendes gilt für die Äusserungen zur finanziellen Situation, welche ebenfalls vor dem Hintergrund der teilweisen Invalidität erfolgt sind und gerade deshalb - in Anbetracht auch des eher niedrigen landwirtschaftlichen Einkommens des Ehemannes - deutlich für eine ohne Behinderung in zeitlich gesteigertem Masse ausgeübte ausserhäusliche Beschäftigung sprechen, da diesfalls keine zusätzlichen Rentenleistungen der Invaliden- und Unfallversicherung zur Verfügung gestanden hätten. Ferner hat die Versicherte ihre noch verbliebene Leistungsfähigkeit stets voll ausgeschöpft bzw. sich auch nach der Geburt ihres Sohnes jedenfalls ernsthaft um eine Arbeitsstelle im Rahmen des bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber ausgeübten Pensums bemüht. Für die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde angedeutete arbeitslosenversicherungsrechtliche Vermittlungsbereitschaft von weniger als 50 % finden sich in den Akten keine Anhaltspunkte. Angesichts dieser Sachlage erscheinen die Vorbringen der Versicherten im Einsprache- und kantonalen Beschwerdeverfahren - mit der Vorinstanz - glaubhaft, wonach sie ohne Körperschaden zu 100 % einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen würde. Die Drittbetreuung des Kindes wäre vermutlich auch bei einem Vollpensum durch den Ehegatten sowie die Mutter der Beschwerdegegnerin, allenfalls auch durch die tageweise Inanspruchnahme einer Kinderkrippe gewährleistet worden. Soweit die Beschwerdeführerin bemängelt, die Versicherte habe während der Abklärungsphase zu keinem Zeitpunkt ein vollzeitiges ausserhäusliches Pensum bzw. ein dieser Situation entsprechendes, realisierbares Betreuungsmodell erwähnt, ist ihr entgegenzuhalten, dass hierzu insofern auch keine Veranlassung bestand, als die Beschwerdegegnerin, wie bereits dargelegt, diesbezüglich offenbar nicht klar befragt worden war. Da Sinn und Zweck der Fragestellung zur hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall innerhalb des ganzen IV-Rentengefüges für Laien indes ohnehin oftmals nur schwer verständlich ist, konnte von der Versicherten - ohne nähere Erläuterung - erst recht nicht erwartet werden, von sich aus den wahren Bedeutungsgehalt dieses Punktes zu erfassen. An diesem Ergebnis nichts zu ändern vermag schliesslich das Argument der IV-Stelle, gemäss den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) dürften selbst allein Erziehende vor Erreichen des dritten Altersjahres ihrer Kinder von Sozialhilfeorganen nicht zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gedrängt werden. Abgesehen davon, dass die Beschwerdegegnerin immer betont hat, einer ausserhäuslichen Beschäftigung nachgehen zu wollen, ist die Frage, was eine Person täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde, rechtsprechungsgemäss (BGE 125 V 150 Erw. 2c mit Hinweisen) stets nach den konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles und nicht nach statistischen Erhebungen oder Erfahrungswerten zu bestimmen. Unbehelflich ist daher auch der Einwand, dass der Ehemann der Versicherten als selbstständiger Landwirt mit Fr. 30'000.- pro Jahr ein durchaus branchenübliches Erwerbseinkommen erziele und ein erwerbliches Vollpensum der Beschwerdegegnerin mithin - wie das Beispiel anderer, erwiesenermassen nicht ausnahmslos zu 100 % ausserhäuslich erwerbstätigen Ehefrauen von Landwirten zeige - zufolge Selbstversorgung und diverser Steuererleichterungen auch aus finanziellen Gründen nicht zwingend erforderlich sei. Es ist demnach von keiner revisionsrechtlich wirksamen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse auszugehen, sodass der Beschwerdegegnerin weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten ist. Der vorinstanzliche Entscheid erweist sich damit als rechtens.