Citation: 5A_967/2021 E. 3.3

3.3. Die Beschwerdeführerin wirft dem Kantonsgericht in der Hauptsache vor, in willkürlicher Verletzung der Untersuchungsmaxime die für die Beurteilung der Kindeswohlgefährdung wesentlichen Abklärungen nicht vorgenommen zu haben, obschon sich dies aufgrund des Verhaltens des Vaters (Verweigerung des begleiteten Kontakts während des gesamten vorinstanzlichen Verfahrens), der Eingaben und Anträge der Beiständin, der der Vorinstanz bekannten erstinstanzlichen Akten (insbesondere Verhandlungsprotokoll und Erziehungsfähigkeitsgutachten) und der Beweisanträge der Beschwerdeführerin aufgedrängt habe. So habe sie in ihrer Berufungsantwort darauf hingewiesen und dies anlässlich ihrer persönlichen Befragung noch einmal bekräftigt, dass die Kindergärtnerin von C.________ bei diesem erhebliche Entwicklungsdefizite habe feststellen können aufgrund des Vorfalls vom Oktober 2020. Auch im Bericht der sozialpädagogischen Familienbegleitung werde deutlich, dass C.________ vom Vorfall mit dem Polizeieinsatz traumatisiert worden sei. Schliesslich werde auch der Hinweis der sozialpädagogischen Familienbegleitung über die Kindsmutter, die "Angst vor dem KV, dominiere ihr Leben mit C.________" vom Kantonsgericht überhaupt nicht gewürdigt. Dies lasse darauf schliessen, dass das Kindeswohl durch eine übergangslose Anordnung eines unbegleiteten Besuchskontakts trotz des mittlerweile über ein Jahr dauernden Kontaktabbruchs erheblich gefährdet sei. Der Kindeswohlgefährdung von Seiten des Beschwerdegegners aufgrund des Gesundheitszustands und aufgrund der persönlichen Situation des Beschwerdegegners sei vom Kantonsgericht unter Verletzung des rechtlichen Gehörs und der Untersuchungsmaxime ebenfalls nicht nachgegangen worden. Der Vater erwähne mehrere Aufenthalte in einer psychiatrischen Klinik im vergangenen und im aktuellen Jahr. Einer Erwerbstätigkeit gehe dieser seit geraumer Zeit nicht mehr nach, was die von ihm im erstinstanzlichen Verfahren angetönte Möglichkeit einer Entführung von C.________ nach Serbien deutlich erhöhen dürfe. Diese durchaus bestehende Gefahr, dass der Vater seine im erstinstanzlichen Verfahren erwähnte Drohung wahr machen und nach Serbien ziehen könnte, sei vom Kantonsgericht bei der Beurteilung der Kindeswohlgefährdung von C.________ noch nicht einmal mit einem einzigen Satz erwähnt worden, was auf eine unvollständige Prüfung des Sachverhalts und eine Verletzung von Art. 274 Abs. 2 ZGB i.V.m. Art. 9 BV hinauslaufe. Zudem habe das Kantonsgericht das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK), welche auf diese Punkte in der Berufungsantwort ausdrücklich hingewiesen habe. Ferner habe das Kantonsgericht trotz der entsprechenden Beweisanträge keine Erkundigungen bei der früheren Kinderpsychiaterin über den Zustand von C.________ eingeholt, was ebenfalls auf eine Verletzung des rechtlichen Gehörs hinauslaufe. Auch eine Erweiterung des vom erstinstanzlichen Gericht angeordneten Erziehungsfähigkeitsgutachtens habe das Kantonsgericht nicht einmal geprüft, sondern sich darauf beschränkt, selektiv aus dem Gutachten zu zitieren und den Vater zu ermahnen, er müsse sich an die Regeln halten, obschon dem Kantonsgericht aufgrund der Vorakten und des Verhaltens des Beschwerdegegners im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren ohne weiteres hätte klar sein müssen, dass sich der Vater aufgrund seines bisherigen Verhaltens um Ermahnungen keinen Deut scheren werde. Ausserdem habe das Kantonsgericht den Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt und blende in willkürlicher Weise wichtige Sachverhaltskomponenten aus, was auf eine Verletzung des Kindeswohls hinauslaufe. Gleichzeitig lege das Kantonsgericht dadurch Art. 274 Abs. 2 ZGB in willkürlicher Weise aus. Besonders wichtig erscheine, dass der Beschwerdegegner ein Jahr lang den persönlichen Kontakt zu seinem Sohn verweigert habe, weil er "auf keinen Fall nach Basel kommen" werde, wobei er dies auch während des gesamten Jahres so durchgezogen habe. Die Anmeldung zum BBT sei mit dem Hinweis "Fuck you" an die Beiständin zurückgekommen. Auch vor kurzem habe der Beschwerdegegner noch einmal bekräftigt, dass für ihn ein begleitetes Besuchsrecht nicht infrage komme, sondern er lieber warte, bis das Kantonsgericht entscheiden werde. Ein bereits organisiertes begleitetes Besuchsrecht anfangs Oktober 2021 habe der Beschwerdegegner ohne Begründung abgelehnt und seinen Sohn vergebens warten lassen. Ein solches Verhalten stelle schon für sich alleine eine erhebliche Kindeswohlgefährdung dar und das Kantonsgericht verfalle in Willkür, wenn es diese Verweigerungshaltung des Beschwerdegegners bei der Beurteilung der Prognose, wie sich das Besuchsrecht in unbegleitetem Rahmen entwickeln werde, in keiner Weise einbeziehe. Diese Verweigerungshaltung des Beschwerdegegners (und die daraus resultierende Kindeswohlgefährdung) sei zudem nicht etwa ein einmaliger Ausrutscher, wie sich aus dem Entscheid des Kantonsgerichts vermeintlich herauslesen liesse. Vielmehr ziehe sich das enorm schwierige und den Loyalitätskonflikt schürende (und damit das Kindeswohl gefährdende) Verhalten des Beschwerdegegners durch das gesamte erstinstanzliche und das oberinstanzliche Verfahren hindurch. Wenn ein Vater gegenüber dem erstinstanzlichen Gericht so ausfällig werde, dass er von der Richterin unter Drohung eines Polizeieinsatzes weggewiesen werden müsse, es aufgrund des mutmasslichen Stalkings zu einem - rechtskräftigen - Annäherungs- und Kontaktverbot des Beschwerdegegners gegenüber der Beschwerdeführerin komme, der Beschwerdegegner an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erwähne, er gehe nach Serbien und suche sich dort Anwälte, so seien dies nicht einmalige Ausrutscher, sondern Ausdruck einer tiefsitzenden Einschränkung der Beziehungstoleranz, wie es sich zudem bereits aus dem - vom Kantonsgericht zu Unrecht nicht hinreichend gewürdigten - Erziehungsfähigkeitsgutachten ergebe. Es erscheine zudem naiv zu meinen, dass der Beschwerdegegner im Rahmen eines unbegleiteten Settings nicht auf das Kind einwirke und er - in unbegleitetem Rahmen - aufgrund der bisherigen Erfahrungen nicht in bisherige - kindeswohlwidrige - Verhaltensmuster zurückzufallen drohe, nur weil sich das Kantonsgericht auf die Begleitung der Übergaben und auf Ermahnungen auf dem Papier beschränke. Zu dieser Prognose hätte die Vorinstanz auch aufgrund des von ihr nun sehr selektiv herangezogenen Erziehungsfähigkeitsgutachtens kommen können, was sie - einmal mehr in willkürlicher Weise - unter Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nicht getan habe. Das Kantonsgericht zitiere aus dem Erziehungsfähigkeitsgutachten, wonach zwischen C.________ und dem Beschwerdegegner eine freudige Beziehung bestehe und es diesem gelinge, mit C.________ ein positiv gefärbtes, kindlich verspieltes Miteinander zu gestalten. Es handle sich aber um einen Vater, der in seiner Verweigerungshaltung verharrend lieber ein Jahr keinen persönlichen Kontakt zu seinem Sohn aufnehme als einen Schritt auf den Sohn zu machen und diesen im Rahmen begleiteter Besuchskontakte zu sehen. Was das Kantonsgericht unter willkürlicher Missachtung des von ihm zu beurteilenden Sachverhaltes jedoch nicht erwähne, sei folgende Passage aus dem Erziehungsfähigkeitsgutachten, die für die Beurteilung des bisherigen, aber auch bei der Einschätzung des künftigen Verhaltens des Beschwerdegegners (und der daraus abzuleitenden Kindeswohlgefährdung) im Falle von plötzlich einsetzenden unbegleiteten Besuchskontakten von erheblicher Bedeutung sei: "Im Zusammenhang mit der Erziehungsfähigkeit beeinträchtigt die unreife Persönlichkeitsstruktur, mit dem impulsiv-agierenden und unreflektierenden Verhalten, die Fähigkeit des Kindsvaters für C.________ ein stabiles, Sicherheit spendendes und spiegelndes Gegenüber zu sein. Der Kindsvater verliert häufig die Fähigkeit sich von aussen zu betrachten, sowie die Perspektive und Bedürfnisse seines Gegenübers wahrzunehmen. Die Fähigkeit sein Handeln im Beziehungsgefüge (zu sich und anderen) zu reflektieren ist herabgesetzt. Eigene und fremde Bedürfnisse verschmelzen (...). Weiter einschränkend auf die Erziehungsfähigkeit Einfluss nehmend ist der Umstand der beobachteten Realitätsverzerrung". Unter diesen Vorzeichen mute die blosse Ermahnung des Gerichts an den Vater, "dass sich so etwas nicht wiederholen darf", angesichts der völligen Verweigerungshaltung des Vaters, des unzumutbaren Auftretens gegenüber der Beiständin, des grenzüberschreitenden Verhaltens gegenüber der erstinstanzlichen Richterin, des wiederholten mutmasslichen Stalkings gegenüber der Mutter und des chronischen Schlechtmachens der Mutter auch vor C.________ geradezu naiv an. Das Kantonsgericht belasse es bei der blossen Ermahnung im angefochtenen Entscheid und vertrete zudem die krass unzutreffende Auffassung, mit begleiteten Übergaben sei der vom Beschwerdegegner ausgehenden (und von der Vorinstanz in willkürlicher Weise weitgehend nicht gewürdigten bzw. nicht hinreichend abgeklärten) Kindeswohlgefährdung hinreichend zu begegnen. Insgesamt drängten sich aufgrund der bestehenden Situation (einjähriger Abbruch persönlicher Kontakte aufgrund der Verweigerungshaltung des Vaters; erhebliche Kindeswohlgefährdung aufgrund der Einschränkung der Erziehungsfähigkeit des Vaters) für eine gewisse Übergangsphase begleitete Besuchskontakte auf, bei denen C.________ seinem Vater in einem neutralen Setting - unabhängig von den Beeinflussungsversuchen des Vaters - begegnen könne. Aufgrund des grenzüberschreitenden Verhaltens des Beschwerdegegners, seiner bisherigen Verweigerungshaltung und der eingetretenen, vom Kantonsgericht unter erneuter Missachtung der Untersuchungsmaxime und unter Verletzung des Anhörungsrechts des Sohnes gemäss Art. 12 KRK und unter Missachtung von Art. 11 BV allerdings gar nicht näher geprüften Entfremdung zwischen Vater und Sohn bedürfe es eines ruhigen Settings, was bei bloss begleiteten Übergaben nicht gewährleistet sei. Indem das Kantonsgericht lediglich begleitete Übergaben vorsehe und die Notwendigkeit von begleiteten Besuchskontakten für eine Übergangszeit verneine, missachte es klar das Kindeswohl von C.________ und lege den Sachverhalt in willkürlicher Weise so aus, dass sämtliche für begleitete Besuchskontakte sprechenden Sachverhaltskomponenten ausgeblendet würden, obschon sich bereits aufgrund des Erziehungsfähigkeitsgutachtens eine Einschränkung der Erziehungsfähigkeit beim Vater ergebe und sein bisheriges Verhalten vor den beiden Vorinstanzen für begleitete Besuchskontakte für eine gewisse Übergangszeit spräche.