Citation: 1P.351/2004 17.08.2004 E. 3.3

3.3.1 Das Verhalten der Beschwerdegegnerin nach der Tat erscheint dem Beschwerdeführer als Zeichen ihres psychischen Zustandes, des Konsums von Methadon und Medikamenten und ihrer Abscheu vor nicht arischen Männern. Ihre Emotionen an der Bar lassen sich seiner Meinung nach auch aus dem Umstand erklären, dass sie wegen Kokain oder Geld Sex mit einem Mann gehabt habe, der ihren Wertvorstellungen grundlegend widersprochen habe. Ihre starken Gefühle basierten auf dem Ekel, den sie in diesem Moment dem nicht arisch Mann und sich selbst gegenüber empfand. 3.3.2 Laut Zeugenaussagen des Lokalbesitzers und der Serviceangestellten hat die Beschwerdegegnerin nach dem Vorfall weinend und mit einem offenen Messer in der Hand ein Pub aufgesucht. Vom Chef des Lokals auf ihren Zustand angesprochen, habe sie von der Vergewaltigung erzählt. Die Beschwerdegegnerin habe verstört gewirkt, geweint und gezittert. Aufgrund dieser Schilderungen erachtet das Obergericht die letzten Zweifel an der Schuld des Beschwerdeführers als ausgeräumt. Es erscheine undenkbar, dass die Beschwerdegegnerin ihren stark emotionalen Auftritt in der Bar nur vorgetäuscht haben könnte, um vorsorglich eine günstige Beweissituation für ihre falschen Behauptungen zu schaffen. Zu einer solch berechnenden, gut durchdachten schauspielerischen Leistung sei sie aufgrund ihrer damaligen körperlichen Verfassung gar nicht fähig gewesen. Ausserdem korrespondiere ihr damaliges Verhalten mit ihrer eher spontanen, gefühlsbetonten Art, wie sie im Laufe des Verfahrens wiederholt zum Ausdruck gekommen sei. Das Verhalten und der Zustand der Beschwerdegegnerin in der Bar und danach daheim bei ihrem damaligen Freund sprächen klar gegen die Möglichkeit, dass sie den Beschwerdeführer zu Unrecht belastet haben könnte. Diese Würdigung des Sachverhaltes ist in sich schlüssig. Die negative Einstellung der Beschwerdegegnerin zu dunkelhäutigen Menschen machen nach Auffassung des Obergerichts die starke Ablehnung der Beschwerdegegnerin gegen die sexuellen Handlungen mit dem Beschwerdeführer plausibel und lassen einen freiwilligen Geschlechtsverkehr als weniger wahrscheinlich erscheinen. Auch diese Wertung ist nicht willkürlich.