Citation: 2C_430/2023 E. 5.3.3

5.3.3. Gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden, wenn die ausländische Person oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Rechtsprechungsgemäss ist dieser Widerrufsgrund gegeben, wenn konkret die Gefahr einer fortgesetzten Sozialhilfeabhängigkeit besteht; blosse finanzielle Bedenken genügen nicht. Für die Beurteilung der Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit ist von den bisherigen und aktuellen Verhältnissen auszugehen und die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. Eine Aufenthaltsbeendigung fällt grundsätzlich in Betracht, wenn eine Person hohe finanzielle Unterstützungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass sie in Zukunft für ihren Lebensunterhalt sorgen wird (BGE 137 I 351 E. 3.9; Urteile 2C_88/2024 vom 1. Mai 2024 E. 5.1 mit Hinweisen; 2C_235/2023 vom 27. September 2023 E. 4.3 mit Hinweisen). Ausschlaggebend ist mit anderen Worten eine Prognose zur voraussichtlichen Entwicklung der finanziellen Situation in Berücksichtigung der realisierbaren Einkommensaussichten (vgl. Urteile 2C_235/2023 vom 27. September 2023 E. 4.3 mit Hinweisen; 2C_429/2020 vom 6. Oktober 2020 E. 5.4 mit Hinweisen). In tatsächlicher Hinsicht ist auf den Zeitpunkt des angefochtenen Urteils abzustellen (vgl. BGE 149 II 1 E. 4.7; Urteile 2C_235/2023 vom 27. September 2023 E. 4.3; 2C_642/2022 vom 7. Februar 2023 E. 3.3.2). Wird im Entscheidzeitpunkt noch Sozialhilfe bezogen, kann nach dem Gesagten eine positive Prognose Anlass dazu geben, eine konkrete Gefahr der fortgesetzten Sozialhilfeabhängigkeit dennoch zu verneinen (Urteil 2C_235/2023 vom 27. September 2023 E. 4.3), insbesondere wenn das Manko gering ist und damit gerechnet werden kann, dass dieses innert nützlicher Frist ausgeglichen wird (vgl. Urteile 2C_429/2020 vom 6. Oktober 2020 E. 5.5; 2C_944/2021 vom 25. Februar 2022 E. 4.2 und E. 4.6 mit Hinweisen; 2C_309/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 6.2 f.). Wird umgekehrt im Entscheidzeitpunkt keine Sozialhilfe mehr bezogen, kann aufgrund einer prognostischen Beurteilung der Gesamtumstände gegebenenfalls trotzdem eine konkrete Gefahr der fortgesetzten Sozialhilfeabhängigkeit bestehen (vgl. Urteile 2C_235/2023 vom 27. September 2023 E. 4.3; 2C_836/2022 vom 22. März 2023 E. 3.3). Diesbezüglich kommt es darauf an, wie nachhaltig die Loslösung von der Sozialhilfe ist. Wenn die betroffene Person nach jahrelangem Sozialhilfebezug ohne Erwerbstätigkeit auf den weiteren Bezug der Sozialhilfe verzichtet, nur um die ausländerrechtlichen Folgen des Sozialhilfebezugs zu vermeiden bzw. aufgrund des Drucks des ausländerrechtlichen Verfahrens, wobei eine zukünftige, genügende und stabile Erwerbstätigkeit wenig glaubhaft erscheint, liegt keine nachhaltige Loslösung von der Sozialhilfe vor und die entsprechende Prognose fällt negativ aus (vgl. Urteile 2C_235/2023 vom 27. September 2023 E. 4.3 in fine; 2C_836/2022 vom 22. März 2023 E. 3.3; 2C_536/2022 vom 13. Januar 2023 E. 3.4.2; 2D_12/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5; 2C_345/2011 vom 3. Oktober 2011 E. 2.2).