Citation: 4A_2/2020 E. 3.2.1

3.2.1. Die Vorinstanz bejahte mit der Erstinstanz eine Sorgfaltspflichtverletzung: Der Beschwerdegegner habe es pflichtwidrig unterlassen, nach Erhalt der von Amtes wegen eingeholten Dokumente betreffend Vorsorgeguthaben des Ehemannes bei seiner Klientin nachzufragen, ob sie damals dem Barbezug mittels Unterschrift zugestimmt habe. In Ziffer 4 der Scheidungsvereinbarung hätten die Parteien dem Gericht beantragt, von Amtes wegen Abklärungen über den Verbleib des Freizügigkeitsguthabens des Ehemannes vorzunehmen. Dies impliziere, dass sie zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen seien, dass ein entsprechendes Guthaben noch vorhanden sein könnte. Die Barauszahlung der 2. Säule hätte daher die Aufmerksamkeit des Beschwerdegegners auf sich ziehen müssen. Seine Klientin sei rechtsunkundig und geschäftsunerfahren gewesen, weshalb er ihr die vom Gericht erhaltenen Dokumente nicht einfach kommentarlos hätte weiterleiten dürfen. Vielmehr hätte er sicherstellen müssen, dass seine Klientin deren Inhalt verstehe; er hätte aktiv nachfragen müssen, ob sie der damaligen Barauszahlung schriftlich zugestimmt habe.