Citation: U 392/04 15.06.2005 E. 3

In BGE 117 V 354 erkannte das Eidgenössische Versicherungsgericht, dass die Verschlimmerung einer vorbestandenen Krankheit durch Listenstoffe/Listenarbeiten (Art. 9 Abs. 1 UVG) oder durch die berufliche Tätigkeit (Art. 9 Abs. 2 UVG; Generalklausel) der dadurch bewirkten Verursachung gleichgestellt wird. Zur Beantwortung der sich im genannten Fall stellenden Frage, ob die Berufstätigkeit des Balletttänzers ausschliesslich oder stark überwiegend mit einem Kausalanteil von mindestens 75 % die Arbeitsunfähigkeit und die Notwendigkeit einer operativen Entfernung der am Grundgelenk der rechten Zehe vorbestandenen Zyste verursacht habe, wies das Gericht die Sache zur Einholung einer medizinischen Expertise an die Vorinstanz zurück. In dem BGE 119 V 200 zu Grunde liegenden Sachverhalt eines 53-jährigen Zahnarztes entschied es im gleichen Sinn, als es um die Abklärung der medizinische Frage ging, ob die während 24 Jahren ausgeübte Berufstätigkeit ausschliesslich oder stark überwiegend die chronisch-rezidivierende Periarthrosis humero scapularis rechts und das zeitweilige untere Zervikalsyndrom rechts bei degenerativen Veränderungen im Bereich der unteren Halswirbelsäule verursacht habe. Während das Eidgenössische Versicherungsgericht in RKUV 1999 Nr. U 326 S. 106 die Berufskrankheit einer an Epikondylitis erkrankten Bratschistin entgegen der Auffassung des vom kantonalen Gericht beauftragten medizinischen Experten verneinte, weil nach damaligem epidemiologischem Wissen keine qualifizierte Kausalität zwischen dieser Erkrankung und der ausgeübten Tätigkeit erstellt war (im gleichen Sinne Urteil V. vom 20. März 2003, U 381/01), wies es in BGE 126 V 192 (Erw. 5b in fine) die Sache zur Einholung eines arbeitsmedizinischen Gutachtens an die Vorinstanz zurück, um den von Seiten des zuständigen Unfallversicherers gegen den kantonalen Entscheid erhobenen Einwand abklären zu lassen, es sei auf Grund der multifaktoriellen Genese der Epikondylitis nach dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaften kaum je vorstellbar, Epikondylitis als Berufskrankheit anzuerkennen. Dagegen verneinte es einen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung und insbesondere eine stark überwiegend durch die berufliche Tätigkeit verursachte Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVG bei einem rund 60-jährigen Schauspieler, welcher sich anlässlich einer Vorstellung eine Diskushernie zuzog, als er eine auf ihn zuspringende Kollegin (ca. 58 kg schwer) aufzufangen hatte, wenngleich auch das Stück mit der fraglichen Sprungszene rund hundertmal gespielt worden war und der Bandscheibenvorfall während der Arbeit auftrat (vgl. ZBJV 132/1996 S. 489 f.). Eine Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVG verneinte das Eidgenössische Versicherungsgericht ferner unter anderem in folgenden Fällen: - bei einer Konditorin/Confiseurin, welche zwei Jahre nach ihrer drei- jährigen Lehre unter massivem Kariesbefall litt, unter Berücksich- tigung der Tatsache, dass die Defekte vorwiegend bereits vor Lehr- beginn geschädigte und sanierte Zähne betrafen (nicht veröffent- lichtes Urteil F. vom 30. März 1999, U 25/97, Erw. 5); - bei einem seit Jahren als Maurer und Gipser berufstätig gewesenen Versicherten, wobei laut medizinischem Gutachten eine richtung- gebende Verschlimmerung des Asthma bronchiale durch die berufs- bedingten unspezifischen Staubirritationen lediglich "denkbar" waren und die auch Jahre nach Aufgabe dieser Berufstätigkeit deutlich feststellbare Chronifizierung und Progredienz des Leidens nach Auf- fassung des Gerichts gegen eine stark überwiegende Verursachung durch die berufliche Tätigkeit sprachen (Urteil M. vom 26. Sep- tember 2001, U 45/01); - bei einem etwas mehr als zwei Jahre im Postdienst arbeitenden uni- formierten Postbeamten mit Blick auf dessen Rückenleiden (chroni- sche Lumbalgie bei Diskushernie L5/S1 und Chondrose L4/5) insbe- sondere wegen der kurzen Expositionszeit von nur etwas mehr als zwei Jahren (Urteil S. vom 27. August 2003, U 337/01); - bei einem Glasbläser mit der Begründung, ein Zusammenhang zwi- schen der Verschlimmerung des Lungenleidens (Asthma bronchiale und chronischer Bronchitis) und der Exposition am Arbeitsplatz sei gemäss medizinischem Gutachten unter Mitberücksichtigung des jahrelangen Nikotinabusus nur möglich, nicht aber nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt (Urteil A. vom 11. Oktober 2004, U 215/04).