Citation: 7B_289/2022 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz verweist für die Härtefallprüfung zunächst auf die erstinstanzliche Urteilsbegründung und erwägt ergänzend Folgendes: Der Beschwerdeführer habe seine Kindheit und Jugend in Nigeria verbracht, dort den Beruf eines Automechanikers erlernt und in diesem Beruf sowie später im Bereich Einkauf und Verkauf gearbeitet. Er habe seine prägenden Jahre in Nigeria verbracht und sein Heimatland erst im Alter von 30 Jahren verlassen. Dies schwäche das Argument der doch langen Aufenthaltsdauer von 20 Jahren in der Schweiz ab, zumal nach der Rechtsprechung nicht schematisch ab einer bestimmten Aufenthaltsdauer von einer Verwurzelung des Ausländers in der Schweiz ausgegangen werden könne. Wenn der Beschwerdeführer vorbringe, es habe in Nigeria nicht funktioniert bzw. er sei in die Schweiz gekommen, um ein gutes Leben zu führen, so sei dies wenig aufschlussreich und lasse jedenfalls nicht den Schluss zu, er könne sich in Nigeria nicht wieder niederlassen. Seine Eltern und Geschwister lebten in Nigeria, was er als "home" bezeichne. Er pflege den Kontakt zu ihnen einerseits telefonisch, andererseits besuche er sie meist in den Ferien über den Jahreswechsel. Nach alledem scheine es für den Beschwerdeführer zwar schwierig, aber nicht unmöglich oder unzumutbar, sich in seiner früheren Heimat wieder zurechtzufinden. Zu den (sozialen) Bindungen des Beschwerdeführers zur Schweiz ist dem angefochtenen Urteil zu entnehmen, dass auf sein Asylgesuch vom 31. Dezember 2002 nicht eingetreten worden sei. Einzig aufgrund der Heirat mit einer hier lebenden Österreicherin habe er in der Schweiz bleiben können. Er sei hier zweimal verheiratet gewesen, die zweite Ehe sei 2014 geschieden worden. Der Beschwerdeführer habe einen leiblichen Sohn im Alter von 12 Jahren und einen Stiefsohn. Er habe in der Berufungsverhandlung teilweise verständlich auf Deutsch antworten können, teilweise aber auch die Dolmetscherin in Anspruch genommen. Demnach könne er sich im Alltag nicht schlecht auf Deutsch verständigen. Dennoch seien seine Deutschkenntnisse trotz der langen Aufenthaltsdauer noch nicht derart gefestigt, dass er dies gänzlich frei und ohne Übersetzer tun könne. Dies deute auf eine mangelnde Integration und ein beschränktes soziales Umfeld in der Schweiz hin. Seine sozialen Kontakte beschränkten sich nach eigenen Angaben auf den Umgang mit seinen beiden Söhnen. Einen nennenswerten Bekannten- oder Freundeskreis (mit Afrikanern oder Schweizern) habe er nicht. Der Beschwerdeführer pflege hier in der Schweiz somit keine besonders intensiven privaten Beziehungen, die über eine normale Integration hinausgingen. Des Weiteren erwägt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe in der Schweiz zwar gearbeitet, es seien jedoch immer wieder Lücken in Form von Arbeitslosigkeit entstanden. Auch nach 20 Jahren handle es sich bei seinen Anstellungen ausserdem weitgehend um Temporärstellen auf Stundenlohnbasis. Erst jetzt habe er nach eigenen Angaben eine Festanstellung in Aussicht. Dennoch könne nicht von einer besonders guten Integration des Beschwerdeführers in den schweizerischen Arbeitsmarkt gesprochen werden, insbesondere weil er bisher nie über eine längerfristige Festanstellung verfügt habe. Gleichwohl sei ihm zugute zu halten, dass er fast durchgehend erwerbstätig gewesen sei. Gegen eine besonders intensive Integration spreche sodann der hohe Schuldenberg, wobei anzumerken sei, dass die Angaben des Beschwerdeführers hierzu, wie auch zu seinen finanziellen Verhältnissen generell, insbesondere zu den bezahlten Alimenten, nicht kohärent seien. Gegen eine gelungene Integration spreche schliesslich, dass der (nicht drogenabhängige) Beschwerdeführer jahrelang Kokain verkauft und diese Tätigkeit nur aufgrund der erfolgten Verhaftung aufgegeben habe. Zur familiären Situation im Besonderen führt die Vorinstanz aus, soweit der geschiedene Beschwerdeführer gegen die Landesverweisung die Beziehung zu seinem 12-jährigen Sohn und seinem Stiefsohn ins Feld führe, erstaune zunächst, dass er sein leibliches Kind zum Zeitpunkt der erstinstanzlichen Verhandlung bereits seit fast einem halben Jahr nicht mehr gesehen habe. Auch der Umstand, dass er vom Umzug seines Sohnes nach Deutschland keine Kenntnis gehabt habe, lasse nicht auf eine tatsächlich gelebte familiäre Beziehung schliessen. Daran ändere nichts, dass seine Ex-Frau ihm offenbar rechtswidrig den Kontakt zu seinem Sohn verweigere. Da sein Sohn, den er im Übrigen kaum finanziell unterstützen könne, nicht mehr in der Schweiz lebe, sei Art. 8 EMRK bei der Ausweisung nicht tangiert. Eine Landesverweisung würde den persönlichen Kontakt zwar eindeutig einschränken und zu einer räumlichen Trennung führen. Eine solche sei aber bereits eingetreten, als seine Ex-Frau mit dem Sohn und dem Stiefsohn nach Deutschland gezogen sei. Obwohl der Beschwerdeführer glaubhaft dargelegt habe, dass er an seinen Kindern hänge, sei auffällig, dass er erst mehr als ein Jahr nach dem letzten Kontakt zu seinem Sohn Nachforschungen angestellt und ein Strafverfahren eingeleitet habe. Dies wecke Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen. Durch die Anordnung der Landesverweisung werde es dem Beschwerdeführer zudem nicht verunmöglicht, den Kontakt zu seien Kindern aufrechtzuerhalten, zumal neben (Ferien-) Besuchen auch Kontakte über moderne Kommunikationsmittel möglich seien. In der Gesamtschau kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass die Ausweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz für ihn mit Unannehmlichkeiten verbunden sei und mit einer weiteren Distanzierung vom persönlichen Kontakt zu seinen Söhnen einhergehe. Das Gesetz verlange für den Verbleib in der Schweiz jedoch einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall. Davon könne unter den vorliegend zu beurteilenden Umständen nicht ausgegangen werden, nachdem eine gefestigte und erfolgreiche Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz zu verneinen sei und eine Rückkehr in sein Heimatland Nigeria nicht unzumutbar erscheine. Einen gänzlichen Kontaktabbruch zu seinen Kindern bedeute die Landesverweisung sodann nicht. Ein schwerer persönlicher Härtefall liege nicht vor.