Citation: 8C_228/2022 E. 4.3.1

4.3.1. Entgegen den Beschwerdeführern ist die Praxis des kantonalen Verwaltungsgerichts AGVE 2007 S.191 ff. in Buchform und im Internet publiziert. Von einer Anwaltsperson ist zu erwarten, dass sie diese Rechtsprechung kennt. Den Beschwerdeführern ist beizupflichten, dass AGVE 2007 S.191 ff. den damals geltenden § 20 Abs. 2 der kantonalen Zivilprozessordnung betraf. Dieser statuierte, dass für wiederkehrende bzw. periodische Leistungen bei ungewisser oder unbeschränkter Dauer als Streitwert der 20-fache jährliche Betrag der eingeklagten Leistung gilt. Diese Regelung entsprach somit im Wesentlichen derjenigen, wie sie heute in Art. 92 Abs. 2 ZPO besteht (vgl. E. 4.1 hiervor). In AGVE 2007 S.191 ff. erwog das kantonale Verwaltungsgericht, § 20 Abs. 2 ZPO bestimme, dass für wiederkehrende bzw. periodische Leistungen bei ungewisser oder unbeschränkter Dauer als Streitwert der 20-fache jährliche Betrag der eingeklagten Leistung gelte. Diese Bestimmung sei auf zivilrechtliche Forderungen (Renten, Nutzniessungen, Mietzinse etc.) zugeschnitten, denen ein Kapitalwert zukommen kann und wenn nicht feststehe, dass diese Leistungspflicht weniger als zwanzig Jahre dauern werde (ALFRED BÜHLER/ANDREAS EDELMANN/ALBERT KILLER, Kommentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, 2. Auflage, Aarau/Frankfurt a.M./Salzburg 1998, § 20 N 2). Sozialhilfeleistungen seien ihrer Natur nach nicht auf eine lange Zeit angelegt, sondern bezweckten die Wiederherstellung der Selbständigkeit durch Integration und Unterstützung der Selbsthilfe (§ 1 Abs. 1 und § 4 Abs. 1 SPG; Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe, hrsg. von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, vom Dezember 2000 [SKOS-Richtlinien], Kapitel A.1). Die materielle Hilfe sei auch subsidiär gegenüber anderen Hilfsquellen (§ 5 SPG; SKOS- Richtlinien, Kapitel A.4; Handbuch Sozialhilfe, hrsg. vom Kantonalen Sozialdienst, 4. Auflage August 2003, Kapitel 5, S. 13). In der Regel werde die materielle Unterstützung befristet festgesetzt, wobei je nach den konkreten Umständen das jeweilige Sozialhilfebudget für mehrere Monate (drei, sechs oder zwölf Monate) die Höhe der Sozialhilfe festlege. Sei die materielle Hilfe oder eine Kürzung (vgl. hiezu § 15 Abs. 1 SPV) von den Sozialbehörden befristet worden, sei der Streitwertberechnung die angeordnete Dauer zu Grunde zu legen. Bei Streitigkeiten über die materielle Hilfe auf unbestimmte Dauer und jenen Fällen, in denen sich ein Entscheid auch in der Zukunft auf die Berechnung der materiellen Hilfe auswirken könne, stelle sich die Frage, welche Dauer der Streitwertberechnung zu Grunde zu legen sei. Das Problem stelle sich insbesondere in jenen Fällen, wo Auflagen oder Weisungen angefochten würden, die zu Kürzungen der materiellen Hilfe führten. Eine allgemeine Regel lasse sich entsprechend der Natur der Sozialhilfeansprüche nicht bilden, da immer die konkreten Umstände zu berücksichtigen seien. Die Rechtsnatur der Sozialhilfeansprüche erlaube nur die Feststellung, dass eine Dauer von mehr als einem Jahr schon aufgrund der Subsidiarität nicht die Regel sei. Im Sinne einer oberen Grenze sei daher für die Streitwertberechnung eine überjährige Dauer der Unterstützung nur angebracht, wo zum vorneherein die Wirkung der angefochtenen Verfügung auf eine Dauer von mehr als zwölf Monaten nicht nur absehbar sei, sondern feststehe. Die Sozialbehörden seien zur periodischen Überprüfung und Anpassung an veränderte Verhältnisse verpflichtet (vgl. für die Alimentenbevorschussung § 29 Abs. 5 SPV). Sei schon auf Grund der familiären Verhältnisse und der Einkommenssituation der Hilfe suchenden Person absehbar, dass die materielle Unterstützung vor Ablauf eines Jahres angepasst werden müsse und nur der genaue Zeitpunkt nicht bestimmbar, sei der Streitwertberechnung eine Dauer von sechs Monaten zu Grunde zu legen.