Citation: 8C_481/2018 E. 4.3.2

4.3.2. Gestützt auf Art. 15 Abs. 2 AVIG können einzig "Behinderte" von einer Vorleistung der Arbeitslosenversicherung profitieren, dies für die Zeit, in der ihr Anspruch auf Leistungen einer anderen Versicherung abgeklärt wird. Dabei hält die Vorleistungspflicht an, bis das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit feststeht (vgl. BGE 142 V 380 E. 3.2 S. 382 mit Hinweisen; E. 2.2 hiervor). Bei der anderen Versicherung in diesem Sinne handelt es sich zweckentsprechend um Träger, die das Risiko der Erwerbsunfähigkeit abdecken. In erster Linie ist damit die Invalidenversicherung angesprochen, was in Art. 15 Abs. 2 AVIG insofern seinen Niederschlag gefunden hat, als darin der Bundesrat allein zur Koordination mit ihr ermächtigt wird. Vor diesem Hintergrund ist zunächst unklar, ob in der Konstellation des vorliegenden Falles überhaupt die Rede davon sein kann, dass der Anspruch auf Leistungen einer anderen Versicherung abgeklärt werde. Denn die Unfallversicherung hatte ihre Leistungspflicht bereits anerkannt und in der Zeit vom 2. Oktober 2016 bis 12. April 2017 Unfalltaggelder erbracht, und zwar gemäss Art. 25 Abs. 3 UVV die ganze Leistung. Umstritten war lediglich, ob die Suva über den Einstellungszeitpunkt hinaus zu weiteren vorübergehenden Leistungen verpflichtet war. Ob dies - namentlich angesichts der dabei in erster Linie strittigen Frage der Kausalität bei noch gegebener, aber rückläufiger Arbeitsunfähigkeit - einen Schwebezustand begründet, der mit der Abklärungs- und Wartezeit in der Invalidenversicherung vergleichbar wäre und erst endet, sobald das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit feststeht, scheint fraglich, kann jedoch dahingestellt bleiben. Denn im vorliegenden Fall wartete der Beschwerdeführer jedenfalls nicht auf die Festsetzung der Erwerbsunfähigkeit durch die Invalidenversicherung mit entsprechender IV-Rentenverfügung und auch gegenüber der Unfallversicherung machte er ausschliesslich die Weitergewährung von vorübergehenden Leistungen geltend. Dauerleistungen standen somit nicht zur Debatte. Dies geht einerseits daraus hervor, dass er sich gemäss unbestrittener vorinstanzlicher Feststellung gar nicht bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet hatte; zum andern folgt es daraus, dass er im Verfahren gegen die Unfallversicherung nach Aktenlage ausschliesslich Taggelder und Heilbehandlung beantragte (vgl. auch Urteil 8C_523/2018 vom 5. November 2018, Sachverhalt, lit. C). Unter diesen Umständen kann aber der Beschwerdeführer nicht als "Behinderter" im Sinne von Art. 15 Abs. 2 AVIG qualifiziert werden (vgl. allgemein zum Begriff des Behinderten: UELI Kieser, a.a.O., ARV 2012 S. 232 f.). Nur für solche Versicherte besteht allerdings eine entsprechende Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung (vgl. auch BORIS RUBIN, a.a.O., N. 78 zu Art. 15 AVIG und N. 24 zu Art. 28 AVIG, letzter Abschnitt). Davon abgesehen hatte die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit am 16. August 2017, als die Arbeitslosenkasse nach Massgabe einer 50%igen Arbeitsfähigkeit wieder zu leisten begann, noch kein Jahr angehalten. Dies spricht gegen die Annahme einer dauernden, sondern für diejenige einer bloss vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit (vgl. THOMAS NUSSBAUMER, a.a.O., S. 2351 N. 280 mit Hinweis auf ARV 1995 Nr. 30 S. 174 E. 3b, C 89/94, und ARV 1989 Nr. 1 S. 55 E. 2b, C 82/87).