Citation: 2C_505/2023 E. 6.1

6.1. Der Anspruch auf Familiennachzug muss innerhalb von fünf Jahren geltend gemacht werden. Kinder über zwölf Jahre müssen innerhalb von zwölf Monaten nachgezogen werden (Art. 47 Abs. 1 AIG; Art. 73 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201]). Für Ausländerinnen und Ausländer beginnen die Fristen mit der Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung oder der Entstehung des Familienverhältnisses (Art. 47 Abs. 3 lit. b AIG; Art. 73 Abs. 2 VZAE). Personen, die sich auf das Freizügigkeitsabkommen (FZA; SR 0.142.112.681) berufen können, profitieren von einer vorteilhafteren Regelung des Familiennachzugs. Nach Art. 3 Abs. 1 Anhang I FZA haben die Familienangehörigen einer Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist und ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei ihr Wohnung zu nehmen. Als Familienangehörige gelten u.a. der Ehegatte und die Verwandten in absteigender Linie, die noch nicht 21 Jahre alt sind oder denen Unterhalt gewährt wird (Art. 3 Abs. 2 lit. a Anhang I FZA), wobei als "Verwandte" auch die Nachkommen des Ehegatten gelten (BGE 136 II 65 E. 4; Urteil 2C_349/2020 vom 12. November 2020 E. 3). Der Familiennachzug unterliegt im Anwendungsbereich des Freizügigkeitsabkommens keiner Frist (SCHMUCKI/RAVEANE/ BÜCHLER, Ausländische Kinder sowie weitere Verwandte, in: Uebersax und andere [Hrsg.], Ausländerrecht, 3. Aufl. 2022, N. 25.62; MARTINA CARONI, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG), Handkommentar, 2010, N. 10 zu Art. 47 AuG).