Citation: 6A.78/2000 03.11.2000 E. 2

2.- Hat der zu Zuchthaus oder Gefängnis Verurteilte zwei Drittel der Strafe verbüsst, so kann ihn die zuständige Behörde bedingt entlassen, wenn sein Verhalten während des Strafvollzugs nicht dagegen spricht und anzunehmen ist, er werde sich in der Freiheit bewähren (Art. 38 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Beim Prognoseentscheid sind neben dem Vorleben und der Persönlichkeit vor allem die neuere Einstellung, der Reifegrad und die nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnisse zu prüfen. Dabei ist insbesondere auch der Art der gefährdeten Rechtsgüter Rechnung zu tragen. Bei Gefährdung weniger hochwertiger Rechtsgüter darf ein höheres prognostisches Risiko eingegangen werden als bei der Gefährdung hochwertiger Rechtsgüter (BGE 125 IV 113 E. 2a; 124 IV 193 E. 3). Das Bundesgericht greift in die Beurteilung der Bewährungsaussichten nur bei Ermessensüberschreitung oder Ermessensmissbrauch ein (Art. 104 lit. a OG; BGE 119 IV 5 E. 2). Wenn der Beschwerdeführer ausführt, alle Vorinstanzen seien offensichtlich davon ausgegangen, dass mit Ausnahme der zu erwartenden Lebensverhältnisse nach der Entlassung nichts gegen seine bedingte Entlassung spreche (Beschwerde S. 7), so sprechen eben diese zu erwartenden Lebensverhältnisse gegen eine bedingte Entlassung in der Schweiz. Die Vorinstanz verweist auf eine konstante Uneinsichtigkeit des Beschwerdeführers in das begangene Unrecht und ein Fehlen jeglicher relevanter Bindungen zur Schweiz. Er sei auf seiner Flucht aus dem Irak im April 1997 zufällig in die Schweiz gelangt, wo er insgesamt sechs Monate in Empfangs- und Flüchtlingsheimen gewohnt habe. Er habe Ende 1997 in Zürich Wohnung bezogen und sei bereits Mitte Februar 1998 nach Begehung der Anlasstat inhaftiert worden. Er verfüge weder über eine abgeschlossene Berufsausbildung noch über Berufserfahrung. Es liege auf der Hand, dass er versucht sein könnte, seinen Lebensunterhalt mit illegalen Geschäften zu bestreiten (angefochtenes Urteil S. 4 f.). Es könne ihm für den Verbleib in der Schweiz keine günstige Prognose gestellt werden. Davon ausgehend könne die bedingte Entlassung mit dem Vollzug der Landesverweisung verbunden werden (angefochtenes Urteil S. 6 mit Hinweis auf den nicht veröffentlichten Entscheid des Bundesgerichts vom 8. Juni 1998 in Sachen O. gegen Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, E. 2b). Die bedingte Entlassung ist die vierte Stufe des Strafvollzugs und deshalb in der Regel anzuordnen. Davon darf nur aus guten Gründen abgewichen werden (BGE 124 IV 193 E. 3). Sie setzt eine im Rahmen der Gesamtwürdigung zu fällende "günstige Prognose" voraus. Diese steht im Spannungsfeld von Spezialprävention und Rechtsgüterschutz (BGE 124 IV 193 E. 4d). In casu spricht im Wesentlichen nur der allgemeine Grundsatz der stufengerechten Vorbereitung auf das Leben in der Freiheit für eine vorzeitige Entlassung (Resozialisierungsziel; Art. 37 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Dagegen sprechen die zu erwartenden Lebensverhältnisse in der Schweiz und ein Fehlen jeglicher relevanter Beziehungen zur Schweiz. Weiter darf in der Prognose wegen der mit der Anlasstat indizierten Gefährdung hochwertiger Rechtsgüter und der konstanten Uneinsichtigkeit des Beschwerdeführers in das begangene Unrecht kein höheres Risiko eingegangen werden. Ferner besteht eine zehnjährige Landesverweisung; ein Aufschub war dem Beschwerdeführer nicht gewährt worden. Gemäss Art. 55 Abs. 2 StGB entscheidet die zuständige Behörde bei der bedingten Entlassung, ob und unter welchen Bedingungen der Vollzug der Landesverweisung bedingt aufgeschoben werden soll (vgl. BGE 122 IV 56). Wurde eine bedingte Entlassung nicht gewährt, so wird die Verweisung an dem Tage wirksam, an dem die Freiheitsstrafe oder deren Rest verbüsst oder erlassen ist (Art. 55 Abs. 4 StGB). Aus dieser gesetzlichen Ordnung folgt die Zulässigkeit der Verknüpfung von bedingter Entlassung und Landesverweisung dergestalt, dass die bedingte Entlassung unter die Bedingung der unbedingten Landesverweisung gestellt werden darf. Die bedingte Entlassung ist definitionsgemäss eine Entlassung nur unter Bedingungen. Eine solche Bedingung kann aus der Ordnung von Art. 55 StGB folgen. Diese Rechtsfolge, die bedingte Entlassung unter der Bedingung der Landesverweisung zu gewähren, beschränkt die persönliche Freiheit weniger und ist daher für den Beschwerdeführer günstiger, als die Verweigerung der bedingten Entlassung mit den Folgen der vollständigen Strafverbüssung und des Wirksamwerdens der Landesverweisung am Tag des Strafendes. In der Verneinung einer günstigen Prognose bei einem Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz liegt zusammenfassend keine Ermessensüberschreitung. Weiter durfte eine bedingte Entlassung mit der unbedingten Landesverweisung verbunden und vom Vollzug der Landesverweisung abhängig gemacht werden. Die angefochtene Entscheidung verletzt auch diesbezüglich kein Bundesrecht.