Citation: 6B_784/2022 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz bestätigt die erstinstanzlich zugesprochene Genugtuung von Fr. 20'000.--. Sie verweist auf die einschlägige bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach die nahen Angehörigen einer körperlich geschädigten Person Anspruch auf Ersatz des deswegen erlittenen aussergewöhnlichen seelischen Schadens haben, wenn sie in der Persönlichkeit widerrechtlich verletzt und gleich schwer oder schwerer betroffen sind als im Falle der Tötung eines Angehörigen (BGE 117 II 50 E. 3; BGE 112 II 226). Bemessungskriterien sind dabei, wie bei der Bemessung der Genugtuung allgemein, vor allem die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen sowie der Grad des Verschuldens des Schädigers (BGE 125 III 412 E. 2). Zudem nimmt die Vorinstanz Bezug auf den Leitfaden des Bundesamts für Justiz zur Bemessung der Genugtuung nach Opferhilfegesetz vom 3. Oktober 2019. Demnach soll jeder Elternteil beim Tod des Kindes eine Genugtuung zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 35'000.-- erhalten. Im Anschluss daran erwägt die Vorinstanz, die Beschwerdeführerin habe den Kindsvater nach der Entführung jahrelang im Ungewissen über den Aufenthalt seines Sohns gelassen. Der Kindsvater habe nicht gewusst, ob der Sohn überhaupt noch lebe. Diese psychische Belastung habe er an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung deutlich geäussert. Er sei nicht vorbereitet gewesen auf diese abrupte Leere. Auf die ersten Monate intensiver Suche auch in umliegenden Ländern sei eine lähmende Ohnmacht gefolgt. Am 24. Juni 2015 sei der Polizei eine Sichtung der Beschwerdeführerin und des Sohns gemeldet worden. Erst ab diesem Zeitpunkt habe der Kindsvater davon ausgehen dürfen, dass der Sohn noch am Leben sei. Die ständige Sorge um den Sohn während einer Dauer von mindestens 2 Jahren sei vergleichbar mit der psychischen Belastung durch den Tod eines Kindes. Schliesslich sei der Sohn dem Kindsvater so lange entzogen worden, dass sich keine Vater-Kind-Beziehung habe entwickeln können. Der Sohn lehne den Kontakt zum Vater nun komplett ab, was eine zukünftige Kontaktaufnahme erschwere. Der Kindsvater bestreite, dass er keinen Kontakt zum Sohn gesucht habe. Gemäss Vorinstanz wäre ihm dies nach den Diffamierungen durch die Beschwerdeführerin und ihrem Einfluss auf den Sohn nicht negativ anzulasten. Die vom Kindsvater geschilderte psychische Belastung werde gestützt durch die vierjährige Dauer der Entführung, die geplante und gerissene Vorgehensweise der Beschwerdeführerin, das Alter des Sohnes und die auch in Zukunft nur schwer wieder herzustellende Vater-Kind-Beziehung. Die seelische Unbill sei gleich zu gewichten wie beim Tod eines Kindes und rechtfertige eine Genugtuung von Fr. 20'000.--.