Citation: I 254/03 26.04.2004 E. 5.2

5.2.1 Bezüglich des Gutachtens von Dr. med. W.________ vom 22. September 2001 wird gerügt, die IV-Stelle habe diesen selber als ungeeignet betrachtet. Zudem habe der Arzt den Versicherten am 27. August 2001 nur kurz gesehen und ohne die Hilfe eines Dolmetschers befragt. Der Umstand, dass eine zweite Konsultation in Anwesenheit einer Übersetzerin vereinbart worden sei, lasse auf Kommunikationsschwierigkeiten bei der Erstbefragung schliessen. Da die zweite Besprechung nicht zustande gekommen sei, fehle es an einer ordentlichen Befunderhebung, was das Gutachten als untaugliches Beweismittel erscheinen lasse. 5.2.2 Über die Gebotenheit der Durchführung einer medizinischen Abklärungsmassnahme unter Beizug eines Übersetzers hat grundsätzlich der Gutachter im Rahmen sorgfältiger Auftragserfüllung zu entscheiden. Massgebend dafür, ob und in welcher Form bei medizinischen Abklärungen dem Gesichtspunkt der Sprache resp. der sprachlichen Verständigung Rechnung getragen werden muss, ist letztlich die Bedeutung der Massnahme im Hinblick auf die in Frage stehende Leistung. Es geht um die Aussagekraft und damit die beweismässige Verwertbarkeit des Gutachtens als Entscheidungsgrundlage für die IV-Stelle und gegebenenfalls das Sozialversicherungsgericht. Danach müssen die Feststellungen des Experten nachvollziehbar sein, seine Beschreibung der medizinischen Situation muss einleuchten und die Schlussfolgerungen müssen begründet sein (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Dr. med. W.________ führte aus, die Kollaboration habe sich als schwierig erwiesen. Gesamthaft habe der Versicherte dysphorisch und vergrämt gewirkt und habe sich ausgesprochen wortkarg und dysthym verhalten. Er habe sich kaum motivieren lassen, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Psychiatrisch müsse klar eine aktive Verweigerungshaltung festgehalten werden. Das Schweigen habe einen recht demonstrativen und ostentativen Charakter gehabt. Das ganze Verhalten könne keiner psychiatrischen Erkrankung zugeordnet werden. Hinweise auf ein psychotisches Geschehen, eine schwere depressive Erkrankung oder eine schwere Persönlichkeitsstörung fehlten. Höchstens eine leichte depressive Symptomatik könne diskutiert werden. Da somit nicht in erster Linie sprachliche Probleme für die mangelhafte Zusammenarbeit des Beschwerdeführers verantwortlich waren, erscheint es zumindest fraglich, ob sich durch die Anwesenheit einer Dolmetscherin etwas geändert hätte. Dr. med. M.________ hält in seinem Gutachten vom 14. November 2000 fest, die Deutschkenntnisse seien passabel. Ein guter affektiver Rapport komme indessen nicht zustande. Fest stehe, dass sich der Versicherte nicht helfen lassen wolle, was auch der Hausarzt klar bestätige. Verschiedene Störungen und Beschwerden würden erheblich aggraviert oder gar vorgetäuscht. Im weitesten Sinne könne von einer Somatisierungsstörung oder einer Schmerzverarbeitungsstörung gesprochen werden, während an der Diagnose einer agitierten Depression erhebliche Zweifel anzubringen seien. Viel eher liege eine dysthym-dysphorische Entwicklung vor dem Hintergrund einer Ehekrise und einer unbefriedigenden Arbeitssituation vor. Damit ergibt sich eine weitgehende Übereinstimmung in den Feststellungen der beiden Gutachter. Obwohl das spätere Gutachten wegen der nicht zustande gekommenen zweiten Untersuchung in beweisrechtlicher Hinsicht mit Zurückhaltung gewürdigt werden muss, ist es in die Gesamtbetrachtung miteinzubeziehen. 5.2.3 Befangenheitsgründe sind mit Bezug auf Dr. med. W.________ keine auszumachen. Insbesondere können solche nicht aus der Begutachtung in einem nicht näher bekannten Verfahren abgeleitet werden. Auch aus dem Umstand, dass die IV-Stelle später einen vom Versicherten genannten Experten berücksichtigen wollte, kann nicht auf Voreingenommenheit geschlossen werden, zumal die Beweistauglichkeit des Gutachtens erst nach dessen Vorliegen beurteilt werden konnte. Unter den gegebenen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Verwaltung schliesslich das Gutachten des Dr. med. W.________ abwartete, bevor sie nötigenfalls einen weiteren Experten beauftragte. Nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag der Beschwerdeführer sodann daraus, dass Datum und Zustellungszeitpunkt der Expertise auseinanderliegen.