Citation: 1C_302/2022 E. 4.2

4.2. Im vorliegenden Fall liegen keine eindeutigen Hinweise vor, um von einer Gesetzesumgehung auszugehen, geschweige denn von einem offensichtlichen Fall. Die Erwägungen der Vorinstanz sind nicht zu beanstanden. Sie hat sich mit allen zu berücksichtigenden Aspekten (Lage der Liegenschaft, bauliche Gestaltung, Preis, Verhältnisse der Personen, welche dort zu wohnen beabsichtigen) ausreichend auseinandergesetzt. So hält sie insbesondere zutreffend fest, dass weder die Grösse des Neubaus noch die voraussichtlichen Baukosten auf eine Umgehungsabsicht schliessen lassen, zumal notorisch ist, dass im Saanenland (Gstaad) auch vermögende Personen ihren Wohnsitz haben (vgl. Urteil 1C_592/2017 vom 15. Juni 2018 E. 5.6). Eine allenfalls untypische Raumaufteilung schliesst die Nutzung des Chalets als Erstwohnung ebenfalls nicht aus. Dass kein gesondertes Arbeitszimmer vorgesehen sei, hat - wie das Verwaltungsgericht zu Recht feststellte - noch nicht zur Folge, dass eine Erstwohnungsnutzung unrealistisch erscheint. Wie die Vorinstanz nachvollziehbar darlegt, bestehen auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass zwei separate Wohneinheiten geschaffen werden sollen, zumal zum Erdgeschoss kein separater Zugang existiert und eine gemeinsame interne Erschliessung besteht. Für die Aufteilung des Gebäudes in zwei Wohneinheiten wären bauliche Massnahmen erforderlich. Die gegenteiligen Ausführungen der Beschwerdeführenden überzeugen nicht. Sie bringen keine Gründe vor, welche das geplante Chalet als Erstwohnsitz ungeeignet erscheinen lassen. Dass das Chalet auch als Ferienwohnung genutzt werden könnte, kann nicht massgebend sein. Die Vorinstanz durfte auch davon ausgehen, dass der Wohnungswechsel der Tochter des Beschwerdegegners und der Beschwerdegegnerin aus familiären Gründen erfolgen soll. Der Sitz der Firma der Tochter in Genf spricht nicht gegen einen Wohnsitzwechsel nach Gstaad. Ausserdem ist es nicht als bundesrechtswidrig zu beanstanden, dass die Vorinstanz es angesichts der vorhandenen Schulungsmöglichkeiten nicht für entscheidend erachtete, ob die Kinder die John F. Kennedy International School oder eine andere Schule besuchen werden. Die Unterrichtssprache allein kann dabei kein ausschlaggebendes Kriterium gegen einen Wohnsitzwechsel darstellen. Die diesbezüglichen Einwände der Beschwerdeführenden sind jedenfalls nicht geeignet, eine offensichtliche Umgehungsabsicht zu begründen. Es bestehen somit entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführenden keine ernsthaften Anhaltspunkte, welche die Umzugsabsichten bzw. die Möglichkeit einer Erstwohnungsnutzung als unrealistisch erscheinen lassen.