Citation: I 384/05 09.12.2005 E. 3

Unter den Verfahrensbeteiligten umstritten ist vorab die Frage des Status und damit die zur Anwendung gelangende Methode der Invaliditätsbemessung. Vorinstanz und IV-Stelle gehen davon aus, dass die Beschwerdeführerin, welche seit November 2001 zu 50 % arbeitsunfähig ist, ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen bis zur Geburt ihres Sohnes im August 2002 weiterhin zu 100 %, ab diesem Zeitpunkt bis zur Trennung von ihrem Ehemann Anfang Mai 2004 zu 80 % und ab diesem Datum wiederum zu 100 % erwerbstätig gewesen wäre. Die Versicherte macht demgegenüber geltend, bei guter Gesundheit stets, d.h. auch nach der Geburt ihres Kindes, ein Vollpensum innegehabt zu haben. 3.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung führt -, ergibt sich - auch nach Einführung des ATSG und In-Kraft-Treten der 4. IV-Revision (vgl. Erw. 2 hievor in fine mit Hinweisen) - aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Diese Frage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass des Einspracheentscheides entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 Erw. 2c, 117 V 194 Erw. 3b, je mit Hinweisen; SVR 1996 IV Nr. 76 S. 222 Erw. 2c; in BGE 130 V 393 nicht publizierte Erw. 4.1 des Urteils Z. vom 15. Juni 2004, I 634/03). 3.2 Die Beschwerdeführerin war seit 1. Januar 1995 zu 100 % als Assistentin des Managers und Vizepräsidenten im Bereich der Produkteentwicklung in der Firma A.________ AG tätig, als sie ihr Pensum Anfang November 2001 krankheitsbedingt um die Hälfte reduzierte. Nach der Geburt ihres Sohnes am 8. August 2002 trat sie ihren 16-wöchigen Mutterschaftsurlaub bis Ende November 2002 an und arbeitete anschliessend erneut im Umfang von 50 %. Aus den Akten ist ferner ersichtlich, dass die Versicherte und ihr Ehemann seit Mai 2004 getrennte Haushalte führen und der Sohn bei seiner Mutter lebt. Nach Ausschöpfung des Krankentaggeldbezugs wurde das bisherige 100 %-Pensum von der Arbeitgeberin per 1. April 2005 den gesundheitlichen Möglichkeiten der Versicherten angepasst und auf 50 % reduziert. 3.2.1 Vor dem Hintergrund der konstanten beruflichen Betätigung kann ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die Versicherte ohne gesundheitliche Leistungseinbusse jedenfalls bis zur Geburt ihres Sohnes im August 2002 - bzw. bis zur Beendigung des Mutterschaftsurlaubs Ende November 2002 - vollzeitig erwerbstätig gewesen wäre. Unter den Verfahrensbeteiligten zu Recht ebenfalls nicht umstritten ist sodann, dass die Beschwerdeführerin ab dem Zeitpunkt der Trennung von ihrem Mann - seit Mai 2004 - erneut als Vollzeitbeschäftigte zu betrachten ist. Uneinigkeit besteht hingegen bezüglich des Anstellungsgrades nach der Geburt bzw. der Beendigung des Mutterschaftsurlaubs. Die Beschwerdeführerin gab im "Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt" vom 1. April 2003 diesbezüglich an, ohne Behinderung zu 80 % bis 100 % erwerbstätig zu sein ("Hätte mein Arbeitspensum nicht reduziert oder nur auf 80 %"), da sie den beruflichen Anschluss nicht habe verlieren wollen und ihre Arbeit ihr gefalle und sie befriedige. Der Abklärungsbericht Haushalt vom 19. September 2003 enthält alsdann die Aussage, die Versicherte würde im Gesundheitsfall trotz Kind aktuell zu 80 % arbeiten, da sie ihre anspruchsvolle Tätigkeit liebe. Um das Kind hätten sich diesfalls während je zwei Tagen die firmeneigene Krippe und ihre Schwiegermutter gekümmert. Anlässlich ihrer Stellungnahme vom 12. Oktober 2003 präzisierte die Beschwerdeführerin die Angaben des Haushaltsberichts insofern, als sie auch mit Kind zu 80 % bis 100 % erwerbstätig wäre und ihr Sohn nur "möglicherweise" während je zwei Tagen durch Firmenkrippe und Schwiegermutter, allenfalls aber auch vollzeitig in der Firmenkrippe betreut würde. Im Rahmen ihrer Einsprache- und vorinstanzlichen Beschwerdeerhebung wie auch in ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde beruft die Versicherte sich darauf, ohne ihre Erkrankung auch nach der Geburt ihres Sohnes weiterhin uneingeschränkt erwerbstätig gewesen zu sein. 3.2.2 Die - stets heikle weil rein hypothetische (vgl. Erw. 3.1 hievor) - Beantwortung der Frage, ob und bejahendenfalls in welchem Umfang eine versicherte Person aktuell ohne gesundheitliche Limitierungen einer erwerblichen Beschäftigung nachginge, gestaltet sich im vorliegenden Fall besonders schwierig. Auf Grund der Äusserungen der Beschwerdeführerin während des Verwaltungsverfahrens kann geschlossen werden, dass sie in jenem Zeitpunkt, in welchem sie bereits seit über einem Jahr zu 50 % in ihrer beruflichen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt war, einzig sicher wusste, dass sie im Gesundheitsfall trotz Kind weiterhin hätte in einem hohen Ausmass erwerbstätig sein wollen und dies in Anbetracht der Umstände (langjähriges Anstellungsverhältnis, anspruchsvolle, interessante Tätigkeit, firmeneigene Kinderkrippe, Betreuungsmöglichkeit durch Schwiegermutter etc.) auch realisierbar gewesen wäre. Ob sie ihr Arbeitspensum tatsächlich beibehalten oder aber reduziert hätte, hätte sich indes wahrscheinlich erst im Verlaufe des Mutterschaftsurlaubs gegen Ende November 2002 relativ kurzfristig ergeben und wäre wohl primär von der aktuellen Befindlichkeit der Beschwerdeführerin, so etwa der konkret empfundenen familiären Belastungssituation, abhängig gewesen, da unbestrittenermassen - zumindest im damaligen Zeitpunkt - noch keine finanzielle Notwendigkeit zur Ausübung einer Vollzeittätigkeit bestand. Auf Grund der gesamten Umstände, insbesondere der in jener Phase noch als komfortabel zu bezeichnenden wirtschaftlichen Verhältnisse sowie der Tatsache, dass die Versicherte vor Verfügungserlass doch mehrmals eine mögliche Reduktion des Arbeitspensums nach der Geburt ihres Kindes erwähnt und eine derartige Lösung folglich ernsthaft in Betracht gezogen hatte, erscheint - mit Vorinstanz und Beschwerdegegnerin - jedoch als eher wahrscheinlich, dass sie sich nach Beendigung des Mutterschaftsurlaubs Ende November 2002 dazu entschlossen hätte, ihre berufliche Tätigkeit jedenfalls während der intensivsten Kleinkindbetreuungsphase nurmehr in leicht reduziertem Umfang auszuüben. Dafür spricht im Übrigen gerade auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin als Assistentin in der obersten Führungsebene einer anspruchsvollen Beschäftigung nachgeht, die vermutungsweise regelmässig hohe Präsenzzeiten erfordert und daher selbst in einem 80 %-Pensum zu einer fast vollen zeitlichen Auslastung führt. An diesem Ergebnis vermag namentlich die letztinstanzlich aufgelegte Bestätigung der Arbeitgeberin vom 17. Mai 2005, wonach in Zusammenhang mit der bevorstehenden Geburt des Kindes im August 2002 nie über eine Reduktion des Arbeitspensums diskutiert oder eine solche seitens der Versicherten in Erwägungen gezogen worden sei, nichts zu ändern. Es ist nicht einsehbar, weshalb die Beschwerdeführerin in ihrer damaligen Situation - zu 100 % angestellt, zu 50 % arbeitend und zu 50 % Lohn auf Grund der Lohnfortzahlungspflicht beziehend (vgl. Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 12. Oktober 2003) - gesprächsweise gegenüber der Arbeitgeberin eine Herabsetzung ihres Pensums hätte auch nur in Betracht ziehen sollen. Für den Zeitraum zwischen der Beendigung des Mutterschaftsurlaubs Ende November 2002 und der Trennung von ihrem Ehegatten Anfang Mai 2004 bleibt es mithin bei der vom kantonalen Gericht und der IV-Stelle getroffenen Annahme einer 80%igen erwerblichen und 20%igen häuslichen Tätigkeit.