Citation: 9C_757/2023 E. 5.3.3

5.3.3. Die ESTV hat ihre Praxis auch unter dem KAG (in Kraft seit dem 1. Januar 2007) und den hier einschlägigen, durch das KAG geänderten Bestimmungen des DBG (Art. 10 Abs. 2 und Art. 20 Abs. 1 lit. e DBG) weitgehend beibehalten. Sie unterscheidet nunmehr zwischen ausschüttenden, thesaurierenden und gemischten kollektiven Kapitalanlagen. Als ausschüttend gelten vertragliche Anlagefonds, SICAV und Kommanditgesellschaften für kollektive Kapitalanlagen, wenn ihre Basisdokumente eine Ausschüttungsvorschrift von mindestens 70 % des jährlichen Nettoertrags (inklusive vorgetragener Erträge aus früheren Rechnungsjahren) enthalten. Bei solchen kollektiven Kapitalanlagen sollen Erträge, die aufgrund einer Geringfügigkeitsvorschrift nicht im selben Jahr ausgeschüttet werden, erst bei Fälligkeit ihrer Ausschüttung besteuert werden (vgl. ESTV-KS Nr. 25 Ziff. 4.1). Bei anderen (steuerlich transparenten) kollektiven Kapitalanlagen sollen dagegen neben den ausgeschütteten Vermögenserträgen auch thesaurierte Erträge beim Anleger steuerbar sein. Die Besteuerung der thesaurierten Erträge soll zum Zeitpunkt der "Gutschrift" erfolgen, "d.h. bei Übertrag auf das Konto der zur Wiederanlage zurückbehaltenen Erträge" (ESTV-KS Nr. 25 Ziff. 4.2). Dieser Übertrag erfolgt grundsätzlich mit dem Geschäftsabschluss, d.h. einmalig per Ende des Geschäftsjahres (vgl. aber Swiss Funds & Asset Management Association, Zirkular Nr. 23/2013 "Eidgenössische Steuerverwaltung - Praxisänderungen" vom 29. August 2013, S. 3, wonach die ESTV inländischen Thesaurierungsfonds jedenfalls für die Verrechnungssteuer eine Frist von vier Monaten nach Geschäftsabschluss gewährt; vgl. dazu HESS, a.a.O., § 35 N. 8).