Citation: 8C_126/2024 E. 5.2.4

5.2.4. Anders als der Beschwerdeführer annimmt, durfte die Vorinstanz sodann mit Blick auf die Anweisungen in den Ernennungsurkunden vom 27. Oktober 2014 und 16. Juli 2019 zur errichteten Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 sowie Art. 325 ZGB ohne Bundesrecht zu verletzen davon ausgehen, die ernannten Berufsbeistände hätten bei gehöriger Sorgfalt erkennen müssen, dass bereits früher als zum geltend gemachten Zeitpunkt ein allfälliger Anspruch auf Hilflosenentschädigung bestand. Nach den Feststellungen der Vorinstanz wurde der Beschwerdeführer früh bei der Invalidenversicherung angemeldet, wies seit jeher deutlich erkennbare Verhaltensauffälligkeiten auf und ist in den alltäglichen Lebensverrichtungen seit 2015 bei mehreren Lebensbereichen auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen. Die Vorinstanz erkannte weiter, dass die Beistandspersonen explizit verpflichtet gewesen seien, sich in regelmässigen Abständen über das Wohl des Kinds zu versichern, die Platzierung des Kinds in der Pflegefamilie zu begleiten, den Eltern, den Betroffenen und den involvierten Stellen unterstützend und beratend zur Seite zu stehen. Sie waren zudem gehalten, die finanziellen Angelegenheiten des Kinds zu regeln und dessen Einkommen und Vermögen zu verwalten, die Regelung des persönlichen Verkehrs der Kindsmutter in der Ausführung zu überwachen, zu kontrollieren und bei Schwierigkeiten vermittelnd einzuwirken und zu unterstützen (Ernennungsurkunden vom 27. Oktober 2014 und 16. Juli 2019). All dies wird nicht in Abrede gestellt. Dass auch andere mit dem Beschwerdeführer in nahem Kontakt stehende Personen wie Pflegeeltern, Lehrpersonen, Therapeutin und Ärzte offenbar nicht von Hilflosigkeit berichtet hätten, wie der Beschwerdeführer geltend macht, ändert nichts daran, dass die für seine finanziellen Belange zuständige Beistandschaft bei gehöriger Sorgfalt den anspruchsbegründenden Sachverhalt früher hätten kennen können, worauf es, wie bereits dargelegt (E. 5.2.3 vorne), nach Art. 48 Abs. 2 IVG ankommt. Anders als der Beschwerdeführer vorbringt, verletzt es den Untersuchungsgrundsatz (Art. 61 lit. c ATSG) nicht, wenn die Vorinstanz zur Frage, warum ein Antrag auf Hilfslosigkeit nicht früher gestellt wurde, nicht weitere Abklärungen veranlasst hat. Dass die Beistandspersonen nicht anhand eigener Abklärungen oder Befragung der Pflegeeltern prüften, ob mit Blick auf die ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten oder die bereits seit April 2015 notwendige Dritthilfe in den alltäglichen Lebensbereichen nicht über die bewilligten medizinischen Massnahmen hinaus Leistungen der Invalidenversicherung hätten beantragt werden können, wie die Vorinstanz darlegte, bestreitet der Beschwerdeführer nicht. Eine aktenwidrige Sachverhaltsannahme ist der Vorinstanz in diesem Zusammenhang nicht vorzuwerfen. Entgegen der Behauptung in der Beschwerde ging sie nicht davon aus, dass den Beistandspersonen von den ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten berichtet worden war. Vielmehr hielt sie ausdrücklich fest, es möge zutreffen, dass die Beistandspersonen den anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht gekannt haben, aber es könne nicht gesagt werden, dass diese die Beeinträchtigungen unverschuldet nicht hätten kennen können. Ebenso wenig aktenwidrig oder willkürlich ist die Feststellung der Vorinstanz, wonach aus den vorliegenden Unterlagen nicht ersichtlich sei, dass die Beistandspersonen diesbezügliche Abklärungen vorgenommen oder die Pflegeeltern befragt hätten. Die Vorinstanz durfte mithin ohne Bundesrecht zu verletzen schliessen, dass von den in den Jahren 2014 und 2019 ernannten Berufsbeiständen erwartet werden konnte, von Amtes wegen alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um sämtliche Vermögensinteressen des Beschwerdeführers zu wahren, einschliesslich allfälliger Leistungsansprüche der Invalidenversicherung. Obwohl sich entsprechende Abklärungen zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach den willkürfreien Feststellungen der Vorinstanz aufgedrängt hätten, versäumten dies die Berufsbeistände. Anders als der Beschwerdeführer annimmt, erwog die Vorinstanz mit Blick auf die Fristwiederherstellung nach Art. 48 Abs. 2 IVG rechtsprechungskonform, dass hierfür das Fehlen eines Verschuldens vorausgesetzt wird und die Prüfung desselben nach einem strengen Massstab erfolgt (BGE 143 V 312 E. 5.4.1). Wenn die Vorinstanz in diesem Kontext nicht von einer unverschuldeten verspäteten Anmeldung durch die Beistandspersonen ausging, lässt sich dies nicht beanstanden. Daran ändert nichts, dass bereits seit 2012 eine Beistandschaft bestand nebst einem langen Pflegeverhältnis mit kompetenten Pflegeeltern, die den Beistandspersonen keine Untätigkeit vorgeworfen haben oder auch, wie vorgebracht wird, von Dritten keine Meldung über die Hilflosigkeit des Beschwerdeführers bei der Beistandschaft einging. Gerade die Neuernennung von Berufsbeistandschaften in den Jahren 2014 und 2019 hätte Anlass geboten, sich - auch durch aktives Nachfragen bei den Pflegeeltern - ein eigenes, jeweils aktuelles Bild über die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers zu machen, um den Beistandspflichten gemäss Ernennungsurkunde gehörig nachkommen zu können. Eine unrichtige Anwendung von Art. 48 Abs. 2 IVG liegt nicht vor. Soweit sich der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auf letztinstanzlich neu eingereichte Dokumente beruft, sind die nach dem vorinstanzlichen Urteil erstellten Berichte von Vornherein unbeachtlich (Art. 99 BGG; BGE 143 V 19 E. 1.2; Kostengutsprachen der Beschwerdegegnerin für Ergo- und Hyppotherapie sowie eine Gewichtsdecke vom 9., 10. und 24. Januar 2024). Nachdem bereits im Verwaltungsverfahren und im vorinstanzlichen Gerichtsverfahren die Verschuldensfrage nach Art. 48 Abs. 2 IVG im Raum stand, ist nicht ersichtlich, weshalb erst das angefochtene Urteil Anlass bot (Art. 99 Abs. 1 BGG), die unechten Noven einzureichen ("Mutter von Beruf", Magazin C.________; Protokolle KESB vom 3. Dezember 2018, S. 5 und 2. März 2022, S. 40), weshalb sie ebenfalls unbeachtlich zu bleiben haben.