Citation: 4A_298/2019 E. 8.2.2

8.2.2. Die Beschwerdegegnerin beruft sich sodann darauf, die von der Beschwerdeführerin vor der Durchführung der Vor-Abnahme-Probephase gelieferten Rezepte, sog. "optimised recipes", seien untauglich gewesen, da sie einen viel zu hohen Anteil an Füllstoffen enthalten hätten. Sie sei deshalb gestützt auf § 3 Ziffer 1 der "Specific Terms" nicht verpflichtet gewesen, ihre weiteren Leistungen zu erbringen. Diese Bestimmung lautet: "Our written offer or our order confirmation shall be decisive for the scope of delivery or service. Ancillary agreements and changes shall require our written confirmation. Should our offer or our order confirmation be tailored to customer specifications (data, figures, illustrations, drawings, weights and measurements, etc.) our order confirmation shall only be binding if this information was correct. " Auf diesen zentralen Einwand berief sich die Beschwerdegegnerin bereits im vorinstanzlichen Verfahren. Sie leitete daraus ab, der Vertrag sei für sie einseitig unverbindlich (vgl. Sachverhalt lit. B.c.b erster Absatz). Die Vorinstanz hat wie erwähnt offengelassen, ob die Rezepte fehlerhaft waren. Gemäss den Feststellungen der Vorinstanz habe die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 7. Juli 2015 erstmals die (privat-) gutachterlich festgestellte Vertragswidrigkeit des von der Beschwerdeführerin zur Verfügung gestellten Rezepts festgehalten. Die Beschwerdeführerin habe aber nach dem Schreiben vom 7. Juli 2015 innert weniger Tage ein neues Rezept genannt bzw. sei auf eines der im Vertrag selbst enthaltenen Rezepte zurückgekommen. Kurz darauf habe die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 15. Juli 2015 weitere Tests verweigert und erklärt, die übermittelten Rezepte würden die vertraglich definierten Parameter verlassen. Die Vorinstanz schloss, vor diesem Hintergrund habe die Beschwerdegegnerin keine Vertragsverletzung seitens der Beschwerdeführerin substanziiert. Sie erachtete es folglich als irrelevant, dass die Beschwerdegegnerin allenfalls - die Untauglichkeit der sog. "optimised recipes" unterstellt - durch Verschulden der Beschwerdeführerin über Monate nutzlose Tests durchführte, denn massgeblich sei allein, dass die Beschwerdeführerin danach, im Zeitpunkt der Leistungsverweigerung seitens der Beschwerdegegnerin, bereit gewesen sei, die Tests mit einem ursprünglich vertraglich vereinbarten Rezept durchzuführen. Mit dieser Begründung setzt sich die Beschwerdegegnerin nicht auseinander. Sie thematisiert einzig die Tauglichkeit der "optimised recipes". Eine genügende Rüge (vgl. E. 3 hiervor) liegt daher nicht vor. Darauf ist nicht weiter einzugehen.