Citation: 5A_345/2020 E. 5.4.3

5.4.3. Unbestritten liegt zwischen den Wohnorten der Eltern eine gewisse Distanz, besuchen die Kinder derzeit am Wohnort der Mutter die Schule und pflegen dort auch den grösseren Teil ihrer sozialen Kontakte. Richtig geht das Obergericht weiter davon aus, dass es gegen eine alternierende Obhut spricht, wenn sich aufgrund der grossen Distanz zwischen den Wohnorten der Eltern aber auch vom Wohnort zur Schule und zum sozialen Umfeld ein grosser Aufwand und ein ständiges Hin und Her ergibt (AFFOLTER-FRINGELI/VOGEL, Berner Kommentar, 2016, N. 47 zu Art. 298 ZGB; BÜCHLER/CLAUSEN, in: FamKomm Scheidung, Band I, 3. Aufl. 2017, N. 9 zu Art. 298 ZGB). Wie der Beschwerdeführer im Ergebnis indes zu Recht einwendet, haben die Söhne vom Wohnort des Vaters zur Mutter oder zur Schule keinen derart langen Weg zu überwinden, dass dies per se gegen eine alternierende Obhut sprechend würde (vgl. für ähnliche Verhältnisse Urteile 5A_200/2019 und 5A_201/2019 vom 29. Januar 2020 E. 3.2.1; 5A_34/2017 vom 4. Mai 2017 E. 5.2). Zumal die (auch öffentliche) Verkehrserschliessung im Grossraum W.________ gerichtsnotorisch als äussert günstig zu bezeichnen ist. Die Schlussfolgerung des Obergerichts, wonach allein die Distanz zwischen den Elternwohnorten zu einer "ausserordentlichen" und "nicht zu bewältigenden" Belastung der Kinder führen würde, ist unter diesen Umständen auch unter Berücksichtigung des dem Obergericht zukommenden Ermessensspielraums nicht nachvollziehbar. Damit braucht nicht weiter auf die Frage eingegangen zu werden, wie lange die Fahrt von W.________ nach V.________ im Einzelnen dauert. Weiter lassen sich dem angefochtenen Entscheid keinerlei Feststellungen entnehmen, dass die Söhne der Parteien durch den Weg vom Vater zur Schule oder zwischen den Wohnorten der Eltern in besonderer Weise belastet würden (vgl. Urteil 5A_367/2020 vom 19. Oktober 2020 E. 3.6). Vielmehr handelt sich bei ihnen um normal entwickelte Kinder im Alter von 10 bzw. 12 Jahren, denen eine gewisse tägliche Wegstrecke zugetraut werden kann (vgl. dagegen Urteile 5A_66/2019 vom 5. November 2019 E. 4.3 [Kind von viereinhalb Jahren]; 5A_527/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 4 [besonderes Ruhebedürfnis]). Dabei obliegt es den Eltern, für eine optimale und kindgerechte Ausgestaltung der Fahrten zu sorgen.