Citation: 4P.76/2003 11.07.2003 E. 2

Im kantonalen Verfahren war weiter umstritten, welche Schadenersatzforderung der Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin wegen vorzeitiger Vertragsauflösung zustehe. 2.1 Das Obergericht hielt diesbezüglich fest, dass der von den Parteien abgeschlossene Sukzessivlieferungsvertrag entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin nicht bis Ende 1996 verbindlich vereinbart worden sei, sondern unter Einhaltung einer 6-monatigen Kündigungsfrist per Mitte 1994 habe aufgelöst werden können. Weiter wurde im angefochtenen Entscheid ausgeführt, dass aufgrund der von den Parteien eingereichten Unterlagen zum Umsatz im Jahr 1993 davon auszugehen sei, dass im ersten Halbjahr nicht bereits 75%, sondern nur rund 50% der Jahreslieferungen vorgenommen worden seien. Der Beschwerdeführerin sei im ersten Halbjahr 1994, d.h. bis zum Ablauf der von der Beschwerdegegnerin nicht eingehaltenen Kündigungsfrist, ein mutmasslicher Gewinn von Fr. 558'624.-- entgangen. 2.2 Im kantonalen Verfahren hatte die Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Behauptung auf den sog. "Long Range Plan" für die Jahre 1994 bis 1996 verwiesen, aus welchem hervorgehen soll, dass die Parteien verbindlich vereinbart hätten, bis 1996 tatsächlich im geplanten Umfang Reifen zu liefern. Das Obergericht hat diesbezüglich ausgeführt, dass der "Long Range Plan" für sich alleine gesehen keine Beweiskraft habe. Im Hinblick auf die Bestimmung der Tragweite dieses "Long Range Plans" wurden daher die von der Beschwerdeführerin angerufenen Zeugen A.________ und C.________ sowie die von der Beschwerdegegnerin angerufenen Zeugen E.________ und F.________ einvernommen. Zur Glaubwürdigkeit des Zeugen C.________ führte das Obergericht aus, dass dieser seinerzeit Organ der Beschwerdeführerin gewesen sei. Auch nach Dahinfallen der Organstellung sei davon auszugehen, dass bei diesem Zeugen die parteibezogene Interessenlage grundsätzlich nachwirke. In Bezug auf die Glaubwürdigkeit des Zeugen A.________ sei zu berücksichtigen, dass dieser in Unfriede von der Beschwerdegegnerin geschieden sei und in der Folge gegen diese prozessiert habe. Dieser Umstand bewirke ebenfalls den Anschein der Befangenheit. Auch bei der Würdigung der Aussagen der Zeugen F.________ und E.________ sei Zurückhaltung geboten. Der Zeuge F.________ sei vor seiner Einvernahme von E.________ über den Stand der Dinge und den Prozess informiert worden. Der Zeuge E.________ sei Nachfolger von A.________ bei der Beschwerdegegnerin gewesen und habe deren Rechtsvertreter instruiert. Auch wenn F.________ und E.________ bei ihrer Einvernahme bereits pensioniert gewesen seien, müsse auch bei ihnen eine Nachwirkung spezifisch parteibezogener Interessen angenommen werden. Da der "Long Range Plan" für sich allein gesehen wie erwähnt nicht beweisbildend sei und die Bedeutung diese Plans auch nicht durch begleitende Korrespondenz konkretisiert worden sei, seien die Aussagen von E.________ und F.________ - bei allem Vorbehalt - im Grundsatz durchaus glaubhaft, dass der "Long Range Plan" keinen verbindlichen Charakter, sondern nur konzerninterne Wirkung als blosses Planungsinstrument gehabt habe. 2.3 Diese Beweiswürdigung wird von der Beschwerdeführerin in verschiedener Hinsicht kritisiert. Soweit sie geltend macht, die Ausführungen zur Glaubwürdigkeit des Zeugen C.________ seien "falsch und geradezu haltlos", ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Das Obergericht hat zutreffend ausgeführt, dass der Zeuge zwar nicht mehr Organ der Beschwerdeführerin sei, dass bei objektiver Betrachtungsweise aber die spezifische, parteibezogene Interessenlage nachwirke. Inwieweit die im angefochtenen Urteil unterstellte Nachwirkung willkürlich sein soll, wird in der Beschwerde mit keinem Wort begründet. Auch auf die Kritik an den Ausführungen des Obergerichtes zur Glaubwürdigkeit des Zeugen A.________ ist nicht einzutreten. Die Beschwerdeführerin führt nicht aus, inwieweit die kritisierte Begründung willkürlich sein soll, sondern ergeht sich in unzulässiger appellatorischer Kritik an der Beweiswürdigung. Darauf ist nicht einzutreten (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). Auch die Kritik in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Zeugen E.________ und F.________ erschöpft sich in appellatorischen Vorbringen. Das Obergericht hat diesbezüglich zutreffend erkannt, dass die Aussagen dieser Zeugen angesichts der engen Beziehungen beider Zeugen zur Beschwerdegegnerin und einer möglichen Beeinflussung des Zeugen F.________ mit Vorsicht zu würdigen seien. Der Beschwerde kann nun nicht entnommen werden, weshalb die Beweiswürdigung des Obergerichtes diesbezüglich willkürlich sein soll. Nachdem der von der Beschwerdeführerin aufgelegte "Long Range Plan" vom Kantonsgericht unangefochten als nicht beweisbildend angesehen wurde, ist nicht einzusehen, weshalb die Aussagen der Zeugen E.________ und F.________ - unter Berücksichtigung der erwähnten Vorbehalte - nicht ergänzend in die Beweiswürdigung einbezogen werden durften. In der Beschwerde wird auf jeden Fall nicht geltend gemacht, weshalb die Beweiswürdigung insgesamt geradezu willkürlich sein soll. Auch insofern ist auf die staatsrechtliche Beschwerde nicht einzutreten (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG).