Citation: 5A_749/2024 E. 3.1

3.1. Mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin behauptete Nichtigkeit der Pfändung des Fahrzeugs B.________ prüft das Obergericht, ob diese Pfändung im Einklang mit Art. 92 SchKG steht. Zuerst erläutert es, weshalb die Beschwerdeführerin ihr Auto nicht als notwendiges Privatfahrzeug und damit als Gegenstand zum persönlichen Gebrauch im Sinne von Art. 92 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG beanspruchen könne. Das Argument, wonach sie das Auto benötige, um ihren 81-jährigen, in Österreich lebenden Vater im Notfall jederzeit unterstützen zu können, lässt es nicht gelten. Die Beschwerdeführerin spezifiziere weder, wo ihr Vater genau lebt, noch worin dessen Unterstützung im Notfall bestehen soll, noch inwiefern der Vater überhaupt zwingend auf ihre Unterstützung angewiesen wäre oder weshalb hierfür ein Auto unentbehrlich sein sollte. Im Übrigen könne die ferne Möglichkeit, in Zukunft vielleicht auf ein Auto angewiesen zu sein, bei der heute stattfindenden Pfändung keine Berücksichtigung finden. Weiter erwähnt der angefochtene Entscheid die von der Beschwerdeführerin eingereichten ärztlichen Bescheinigungen, wonach die Beschwerdeführerin aufgrund einer Long-Covid-Erkrankung seit 10. Februar 2021 derzeit zu 80 % arbeitsunfähig, in ihrer körperlichen Mobilität stark eingeschränkt und für Arzt-, Spital- und Therapiekonsultationen auf die Benutzung eines Autos angewiesen sei, da die Benutzung des öffentlichen Verkehrs für sie aus gesundheitlichen Gründen (noch) nicht möglich sei. Das Obergericht pflichtet dem Bezirksgericht darin bei, dass die Beschwerdeführerin nicht darlege, inwiefern ihre nicht weiter detaillierte eingeschränkte Mobilität ihr verunmöglichen sollte, für die ärztlichen Termine den öffentlichen Verkehr zu benutzen. Die von ihr bewohnte Liegenschaft sei ausgezeichnet an den öffentlichen Verkehr angeschlossen und aus dem Arztbericht ergebe sich nicht, dass der Beschwerdeführerin selbst der (kurze) Weg zu den Haltestellen nicht zugemutet werden kann. Als nächstes befasst sich das Obergericht mit dem Einwand der Beschwerdeführerin, auch in beruflicher Hinsicht auf ihr Auto angewiesen zu sein. Laut dem Arztzeugnis werde die Beschwerdeführerin nach einer Verbesserung ihres Gesundheitszustands für die Stellensuche und allfällige Arbeitswege auf ihr Fahrzeug angewiesen sein. Aktenkundig sei weiter, dass der Beschwerdeführerin eine IV-Rente zugesprochen wurde und sie seit 7. März 2024 von der Sozialhilfe Kreuzlingen unterstützt wird. Damit stehe fest, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht bloss vorübergehend, sondern von langer Dauer ist. Mit Blick auf die ärztliche Bestätigung vom 27. August 2024 sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin demnächst effektiv mit der Stellensuche beginnen könne. Bereits dies schliesse den Kompetenzcharakter des Autos aus. Und selbst wenn sich die Beschwerdeführerin schon jetzt auf Stellensuche befände, wäre ihr dies auch ohne eigenes Fahrzeug möglich. Eine Stelle "im Bereich der Pflege/Leitung Spitex" dürfte sie an Orten finden, an die sie mit dem öffentlichen Verkehr gelangt; auch diesbezüglich sei auf die gute Anbindung ihres Wohnorts an die öffentlichen Verkehrsmittel hinzuweisen. Weiter stellt das Obergericht klar, dass die Zulässigkeit der Pfändung nicht von der betreibungsamtlichen Schätzung des gepfändeten Gegenstands abhänge. Die Kritik der Beschwerdeführerin, wonach die betreibungsamtliche Schätzung des Fahrzeugs mit Fr. 17'500.-- tiefer sei als die Eurotax-Bewertung und ihr deshalb eine hohe finanzielle Einbusse drohe, gehe daher fehl. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich vorbringe, dass die Einstufung des Steueramts nicht korrekt sei, bringe sie die der Betreibung zugrunde liegende Forderung betreffend Staats- und Gemeindesteuern 2021 ins Spiel, für die am 4. August 2023 die definitive Rechtsöffnung erteilt worden sei. Dieser Einwand sei bei der Frage der Pfändung des Fahrzeugs nicht mehr zu hören.