Citation: 6B_221/2009 02.09.2009 E. 4

4.1 Die Vorinstanz kommt unter anderem gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers 3 im Untersuchungsverfahren, wonach am 31. Juli 2003, um 13.30 Uhr, im Entkieser die Anzeige bei einer Skala von 100 % bei 95 % gewesen sei, zum Schluss, dass es am Nachmittag des 31. Juli 2003 während der voraussichtlichen Aufenthaltsdauer der Familie A.________ im Bachbett zu keiner automatischen Spülung gekommen wäre (angefochtenes Urteil S. 14). Die Vorinstanz führt in ihren rechtlichen Erwägungen einleitend aus, dass vorliegend allein die manuelle Spülung vom Nachmittag des 31. Juli 2003 zu beurteilen sei. Dass von den (damals) grundsätzlich jederzeit möglichen automatischen Spülungen tagsüber ebenfalls eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben von Personen im Bachbettbereich ausgehe beziehungsweise ausgegangen sei, bleibe unerheblich, weil sich dieses Risiko im vorliegenden Fall nicht verwirklicht und während der geplanten Aufenthaltsdauer der Familie im Bachbett auch nicht zu realisieren gedroht habe und weil die mit den automatischen Spülungen verbundene latente Gefahr Mitarbeiter und Verantwortliche der GKW weder legitimiere, mittels manuellen Spülungen zusätzliche Gefahren zu schaffen, noch von ihren Sorgfaltspflichten entbinde (angefochtenes Urteil S. 19 oben). An einer anderen Stelle ihres Urteils (S. 20 unten) führt die Vorinstanz aus, dass namentlich die Handspülungen mit einer sehr grossen Gefährdung für Dritte im Bachbett einhergingen. 4.2 Soweit die Vorinstanz mit ihrer Bemerkung, dass "namentlich" bei manuellen Spülungen eine sehr grosse Gefahr für Menschen im Bachbettbereich bestehe, zum Ausdruck bringen will, dass bei den manuellen Spülungen die Gefahr grösser sei als bei den automatischen Spülungen, trifft sie eine Annahme, die gemäss den zutreffenden Einwänden der Beschwerdeführer nicht belegt ist. Bei manuellen und bei automatischen Spülungen gelangen grundsätzlich gleich grosse Wassermassen ins Bachbett, nämlich rund 30 m³/sec. (siehe den Polizeibericht vom 27. September 2003, kant. Akten Ordner I p. 104 ff., 107, sowie den Bericht der BKW FMB AG vom Juli 2006 betreffend Sanierungsprojekt der Wasserfassung "Titer", kant. Akten Ordner II p. 378 ff., 380). 4.3 Die Vorinstanz nimmt mit ihrer Bemerkung, dass sich das aus einer automatischen Spülung resultierende Risiko während der geplanten Aufenthaltsdauer der Familie A.________ im Bachbett nicht zu realisieren gedroht habe, Bezug auf ihre Annahme (angefochtenes Urteil S. 14), dass während der voraussichtlichen Aufenthaltsdauer der Familie A.________ im Bachbett bei Verzicht auf die manuelle Spülung auch keine automatische Spülung stattgefunden hätte. Diese Annahme ist gemäss den zutreffenden Einwänden der Beschwerdeführer unhaltbar, weil sie einerseits auf blossen Vermutungen und andererseits auf einer Verkennung der technischen Gegebenheiten beruht. 4.3.1 Die Vorinstanz stellt nicht fest, wie lange der Aufenthalt der Familie A.________ im Bachbett gemäss Plan ungefähr dauern sollte. Darüber konnte die Vorinstanz schon deshalb keine Feststellungen treffen, weil die Frage nicht geklärt wurde. Die Vorinstanz scheint deshalb von einer relativ kurzen geplanten Aufenthaltsdauer der Familie im Bachbett auszugehen, weil diese kein "Picknick" mitgenommen habe (siehe angefochtenes Urteil S. 13). Die Annahme der Vorinstanz, dass die Familie kein "Picknick" mitgenommen habe, ist indessen durch keine Beweise belegt und eine blosse Vermutung. Selbst wenn diese zutreffen sollte, ergäbe sich daraus nichts in Bezug auf die geplante beziehungsweise voraussichtliche Aufenthaltsdauer im Bachbett am Nachmittag des 31. Juli 2003. 4.3.2 Die Annahme der Vorinstanz, dass sich das aus einer automatischen Spülung resultierende Risiko während der geplanten Aufenthaltsdauer der Familie im Bachbett nicht zu realisieren gedroht habe, ist indessen, unabhängig von der Dauer des geplanten beziehungsweise voraussichtlichen Aufenthalts der Familie im Bachbett, vor allem aus nachstehenden Gründen unhaltbar 4.3.2.1 Es ist unbestritten, dass mehr als 90 % aller Spülungen automatisch erfolgten und dass diese automatischen Spülungen unvorhersehbar jederzeit, sowohl tagsüber wie auch nachts, stattfinden konnten (siehe auch angefochtenes Urteil S. 8 unten). Die Vorinstanz ist aber der Meinung, dass am Nachmittag des 31. Juli 2003 bei Verzicht auf die manuelle Spülung keine automatische Spülung stattgefunden hätte, jedenfalls nicht während der geplanten Aufenthaltsdauer der Familie im Bachbett (angefochtenes Urteil S. 14). Damit verkennt die Vorinstanz gemäss den zutreffenden Einwänden der Beschwerdeführer die technischen Gegebenheiten. 4.3.2.2 Die These, dass bei Verzicht auf die inkriminierte manuelle Spülung am Nachmittag des 31. Juli 2003 jedenfalls während der geplanten beziehungsweise voraussichtlichen Aufenthaltsdauer der Familie im Bachbett keine automatische Spülung stattgefunden hätte, wird erstmals in der Begründung des angefochtenen Urteils (S. 14, 19) vertreten, und sie kann für die Beurteilung des Verhaltens der Beschwerdeführer von Bedeutung sein. Daher ist es den Beschwerdeführern gestattet, im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesgericht unter Einreichung von neuen Beweismitteln erstmals geltend zu machen, dass diese These unrichtig sei. Denn gemäss Art. 99 Abs. 1 BGG dürfen neue Tatsachen und Beweismittel (nur) so weit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt. Die Beschwerdeführer 1 und 4 haben im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesgericht einen Bericht der BKW FMB Energie AG, Hydraulische Kraftwerke, vom 17. März 2009 eingereicht. Darin wird erläutert, wie eine Anzeige von 95 % der untersten Sonde im Entkieserbecken zu interpretieren ist. Eine Anzeige von 95 % bedeutet laut Bericht, dass das Geschiebe die Unterkante der Sonde erreicht habe. Da die Messstrecke für eine Anzeige zwischen 0 und 100 % in der Höhe nur 5 cm betrage, bedeute dies, dass weniger als 5 cm zusätzliches Geschiebe eine automatische Spülung auslösten. Dies könne schon der Fall sein, wenn ein einzelner Stein in die Messstrecke geschoben werde. Die Anzeige 95 % bedeute demgemäss, dass eine automatische Spülung unmittelbar bevorstehe. Der Bericht kommt nach plausiblen, auch für den Laien nachvollziehbaren Ausführungen zum Schluss, dass aufgrund des Messwerts von 95 % der unteren Sonde ein Unterlassen der manuellen Spülung eine automatische Spülung am Nachmittag des 31. Juli 2003 nach sich gezogen hätte, wobei es letztlich vom Zufall abhängig gewesen wäre, ob die automatische Spülung sofort, nach fünf Minuten oder erst nach einer Stunde ausgelöst worden wäre. 4.3.3 Es ist mithin abweichend von der vorinstanzlichen Annahme in tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass am Nachmittag des 31. Juli 2003 bei Verzicht auf die inkriminierte manuelle Spülung eine automatische Spülung stattgefunden hätte und dass diese ohne weiteres während des Aufenthalts der Familie im Bachbett hätte erfolgen können, wie lange auch immer dieser Aufenthalt gedauert haben mochte.