Citation: 1P.499/2000 07.09.2000 E. 3

3.- a) Der Freiheitsentzug stellt einen Eingriff in das Recht auf persönliche Freiheit dar, das in den Art. 10 Abs. 2 und 31 BV gewährleistet ist. Dieser Eingriff ist nur zulässig, wenn er auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruht, im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist. Zudem ist der Kerngehalt der persönlichen Freiheit unantastbar: Diese darf weder völlig unterdrückt noch ihres Gehalts als Institution der Rechtsordnung entleert werden (Art. 10 Abs. 2 i.V.m. Art. 36 BV; vgl. BGE 125 I 361 E. 4a; 124 I 80 E. 2c; je mit Hinweisen). Art. 5 EMRK geht in seinem Gehalt nicht über den verfassungsmässigen Anspruch auf persönliche Freiheit hinaus. Indessen berücksichtigt das Bundesgericht bei der Konkretisierung dieses Anspruchs auch die Rechtsprechung der Konventionsorgane (BGE 114 Ia 281 E. 3; 108 Ia 64 E. 2c mit Hinweisen). Das Bundesgericht prüft im Hinblick auf die Schwere des Eingriffs die Auslegung und Anwendung des einschlägigen kantonalen Rechts mit freier Kognition (BGE 124 I 80 E. 2; 123 I 31 E. 3a). Soweit jedoch reine Sachverhaltsfeststellungen und Fragen der Beweiswürdigung zu beurteilen sind, greift das Bundesgericht grundsätzlich nur ein, wenn die tatsächlichen Feststellungen der kantonalen Instanz willkürlich sind (BGE 123 I 31 E. 3a und 268 E. 2d; 117 Ia 72 E. 1; je mit Hinweisen). b) Nach § 67 Abs. 1 StPO/AG ist die Anordnung und Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft unter anderem zulässig, wenn der Beschuldigte einer mit Freiheitsstrafe bedrohten Handlung dringend verdächtig ist und ausserdem entweder Fluchtgefahr besteht (Ziff. 1) oder Anzeichen vorliegen, die den Verdacht begründen, dass der Beschuldigte Spuren der Tat vernichten, Zeugen oder Mitschuldige zu falscher Aussage verleiten oder sonst den Zweck der Untersuchung gefährden werde (Ziff. 2). Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen der besonderen Haftgründe der Flucht- und Kollusionsgefahr, welche dem angefochtenen Entscheid zugrunde liegen. c) Für die Annahme von Fluchtgefahr wird nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts eine gewisse Wahrscheinlichkeit gefordert, dass sich der Betreffende, in Freiheit belassen, der Strafverfolgung durch Flucht entziehen würde. Die Schwere der drohenden Strafe darf als Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden. Sie genügt für sich allein jedoch nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die gesamten Lebensverhältnisse des Angeschuldigten in Betracht gezogen und konkrete Gründe dargetan werden, die eine Flucht nicht nur als möglich, sondern als wahrscheinlich erscheinen lassen. Die Dauer der zu erwartenden Freiheitsstrafe kann immer nur neben anderen, eine Flucht begünstigenden Tatsachen herangezogen werden (BGE 125 I 60 E. 3a; 117 Ia 69 E. 4a; 108 Ia 64 E. 3). Der Beschwerdeführer hat, soweit aus den Akten ersichtlich, bis heute immer in der Schweiz gelebt. Seine nahen Angehörigen sind ebenfalls hier ansässig, weshalb davon auszugehen ist, dass er zur Schweiz eine enge Beziehung aufweist. Andererseits deuten sowohl die Schwere der dem Beschwerdeführer aufgrund des Tatverdachts drohenden Strafe sowie die mit den fraglichen Vorfällen verbundene Beeinträchtigung seiner beruflichen und gesellschaftlichen Perspektive auf Fluchtgefahr hin. In diese Richtung weist auch der Umstand, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers aus Russland stammt und er selbst geschäftlich verschiedentlich in Osteuropa unterwegs war. Anlässlich seiner Einvernahme vom 17. Juli 2000 hat der Beschwerdeführer erklärt, seine finanziellen Schwierigkeiten seien mit seinen "Russlandkontakten" entstanden. Dass beim gegenwärtigen Stand der Strafuntersuchung Hinweise auf den Verbleib der Fr. 800'000.-- fehlen, die der Beschwerdeführer W.________ übergeben haben will, darf hier ebenfalls im Sinne eines möglichen Fluchtanreizes berücksichtigt werden. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Einwände, wonach er in Freiheit besser in der Lage wäre, zur Schadensminderung allfälliger durch ihn Geschädigter beizutragen, und wonach seine Auslandkontakte rein geschäftlicher Natur gewesen seien, sind nicht derart gewichtig, dass die Fluchtgefahr deshalb in Frage gestellt wäre. d) Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst. Die Untersuchungshaft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Angeschuldigte die Freiheit dazu missbrauchen würde, die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhalts zu gefährden oder zu vereiteln. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt indessen die theoretische Möglichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren könnte, nicht, um die Fortsetzung der Haft oder die Nichtgewährung von Urlauben unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Indizien für die Annahme von Verdunkelungsgefahr sprechen (BGE 123 I 31 E. 3c S. 35 mit Hinweisen). Die Ermittlungen über den Zahlungsgang der Fr. 800'000.--, die der Beschwerdeführer W.________ ausbezahlt haben will, sind noch nicht abgeschlossen. Der Beschwerdeführer hat gegenüber den Untersuchungsbehörden erklärt, aufgrund einer von der Firma T.________ erhaltenen Mäklerprovision von Fr. 880'000.-- in der Lage gewesen zu sein, die Forderung von W.________ zu begleichen. Die Aussagen der zur angeblichen Ausrichtung dieser Provision befragten Eheleute A.S.________ und J.S.________ widersprechen den Angaben des Beschwerdeführers. Der Zeuge E.________, von dem diesbezügliche Informationen zu erwarten sind, konnte aus gesundheitlichen Gründen noch nicht befragt werden. Die dem Beschwerdeführer vorgeworfene Veruntreuung der Fr. 800'000.-- steht im Sinne eines Tatmotivs in engem Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt. Den Zeugenaussagen kommt deshalb auch in dieser Hinsicht eine grosse Bedeutung zu. Dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Einvernahme zum Tötungsvorwurf verschiedene Sachverhaltsversionen zu Protokoll gegeben hat, spricht für eine gewisse Neigung zum Kolludieren. Es muss deshalb befürchtet werden, dass der Beschwerdeführer in Freiheit versuchen würde, unzulässigen Einfluss auf die Zeugen zu nehmen.