Citation: U 326/01 07.01.2003 E. 3

Umstritten ist zunächst, ob der Beschwerdeführer über den 31. März 1999 hinaus als Folge des Unfalls vom 1. Juni 1998 an organisch hinreichend nachweisbaren Beschwerden litt. 3.1 Die erstbehandelnde Ärztin Dr. med. N.________ stellte am Tag nach dem Unfall eine in sämtlichen Abschnitten deutlich eingeschränkte HWS-Beweglichkeit, ausgeprägte muskuläre Verspannungen sowohl der lateralen HWS-Muskulatur als auch der Schultergürtelmuskulatur sowie einen Hartspann der Paravertebralmuskulatur fest (Zeugnis vom 8. Juli 1998). Im Verlauf der nach- folgenden Untersuchungen wies der Beschwerdeführer zusätzlich auf Parästhesien insbesondere im linken Arm hin. PD Dr. med. L.________ gelangt in seinem Bericht vom 20. Oktober 1998 zum Ergebnis, angesichts der kernspintomographischen Verlaufsdokumentation sei eine überwiegend wahrscheinliche posttraumatische Alteration im Bereich der HWS nicht ausweisbar. Im ossären Bereich könne mit sehr gutem Grund gesagt werden, dass eine überwiegend wahrscheinliche ossäre Läsion oder discoligamentäre Alteration nicht nachgewiesen werden könne. Allerdings sei eine ergänzende neurologische Abklärung zur Frage der Bedeutung des Unfalls für die noch vorhandenen Beschwerden zu empfehlen. Der Neurologe Dr. med. R.________ diagnostiziert in seiner Stellungnahme vom 19. November 1998 ein anhaltendes, weichteilbedingtes zerviko-cephales Schmerzsyndrom bei Status nach Distorsionstrauma der HWS am 1. Juni 1998, ohne Hinweise auf eine Schädigung des Nervensystems, Sensibilitätsstörungen an den linken Extremitäten unklarer Aetiologie, ein traumatisch aktiviertes lumbales Schmerzsyndrom mit Reizsymptomen beidseits sowie ein beidseitiges und rechtsbetontes Karpaltunnelsyndrom. Seit dem Unfall klage der Parient über ständige Nacken- und Kopfschmerzen mit Ausstrahlungen in Schultern und Arme beidseits, links deutlicher als rechts, sowie zusätzlich Kribbelparästhesien im linken Arm und Schwächegefühl. Die neurologische Untersuchung habe lediglich eine diffuse Hypästhesie am ganzen linken Arm, zusätzlich aber auch am linken Bein, ergeben. Es seien weder eine Wurzelschädigung noch eine Plexusschädigung nachweisbar. Hinsichtlich der lumbalen Beschwerden hätten ebenfalls keine segmentären Anteile gefunden werden können. In seinem ergänzenden Bericht vom 23. November 1998 über die nachträglich durchgeführte SEP-Untersuchung erklärt Dr. med. R.________, die Befunde seien mit einer Schädigung des Halsmarkes auf Höhe C3/4 vereinbar, wobei eine Aussage über die Aetiologie dieser Schädigung nicht möglich sei. Im Bericht vom 8. Dezember 1998, der auch die inzwischen erfolgte Untersuchung durch Dr. med. R.________ einbezieht, erklärt PD Dr. med. L.________, auf Grund der prätraumatisch blanden Situation und der posttraumatisch aufgetretenen Beschwerden glaube er, dass die Unfallkausalität im ersten Jahr nach dem Unfall bejaht werden könne, wobei die Situation nochmals zu beurteilen wäre, falls sich eine evolutive Veränderung im Bereich des Halsmarkes in einem halben Jahr ergeben sollte. Der Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 18. Februar 1999 enthält folgende Diagnose: "1.Therapieresistentes zervikospondylogenes Syndrom linksbetont bei deutlichen muskulären Verspannungen und Verkürzungen des Schultergürteils, leichter segmentaler Dysfunktion mit Hypomobilität zerviko-thorakal, leichter Fehlform und Über-/Fehlbelastung der Wirbelsäule (Kopfprotursion, Adipositas), Status nach Autounfall mit HWS-Distorsion (01.06.98), Fehlhaltung (muskuläre Verspannungen und Verkürzungen), congenital engangelegtem zervikalem Spinalkanal mit Akzentuierung der Stenose durch Spondylophyten C3/4 und C5/6 (MRI 31.07.98 und 06.10.98), zunehmender funktioneller Überlagerung (patholog. Schmerzverarbeitung, beginnende Chronifizierung, verminderte Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit); 2. Angst- und depressive Störung gemischt bei psychosozialer Belastungssituation; 3. Arterielle Hypertonie; 4. Adipositas". Die klinische Bedeutung der bildgebend gefundenen degenerativen Veränderungen habe - wie bereits in den vorangegangenen Untersuchungen - nicht im beklagten und demonstrierten Ausmass objektiviert werden können. Die deshalb angeordnete neurologische Untersuchung mit Neurographie (Konsilium der Klinik Z.________ vom 15. Februar 1999) sei eher unauffällig ausgefallen. Die Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf als Magaziner betrage 50 % für wechselbelastende körperliche Tätigkeiten (ohne repetitives Heben von Gewichten über 25 kg sowie ohne Arbeiten in ergonomisch ungünstiger Körperhaltung), mit Steigerung auf 100 % nach zwei bis drei Wochen. 3.2 SUVA und Vorinstanz gelangten gestützt auf die medizinischen Akten, insbesondere die Stellungnahmen des PD Dr. med. L.________ vom 20. Oktober und 8. Dezember 1998 sowie den Austrittsbericht der Klinik Y.________ vom 18. Februar 1999, mit Recht zum Ergebnis, auf Grund der durchgeführten, diesbezüglich umfassenden Untersuchungen sei das Vorliegen organischer Beschwerden, welche über den 31. März 1999 hinaus fortbestanden hätten, nicht hinreichend nachgewiesen. Der Austrittsbericht vom 18. Februar 1999 bildet eine hinreichende Basis für die Einstellung der Leistungen - soweit sich diese auf die einem Nachweis durch bildgebende Verfahren zugänglichen organischen Beschwerden bezogen - per 31. März 1999. Die Zuverlässigkeit der darin enthaltenen Aussagen wird durch die vorinstanzlich aufgelegte Stellungnahme des Dr. med. H.________ vom 22. März 1999 nicht in Frage gestellt, lagen doch diesem Arzt die Akten über die während des Aufenthalts in der Klinik Y.________ durchgeführten Untersuchungen (einschliesslich Konsilien in der Rehaklinik Z.________) nicht vor. Die Aussage des PD Dr. med. L.________ im Bericht vom 8. Dezember 1998, die Unfallkausalität sei für das erste Jahr nach dem Unfall im Sinne einer temporären Verschlechterung mindestens zu bejahen, bezieht, wie aus dem Kontext hervorgeht, organisch nicht hinreichend nachweisbare Symptome mit ein.