Citation: 5C.25/2003 27.05.2003 E. 5

5.1 Zu prüfen bleibt, ob anstelle der Vormundschaft allenfalls andere Massnahmen angeordnet werden müssen. Nach dem angefochtenen Entscheid fällt die Anordnung derartiger Massnahmen nicht in den Zuständigkeitsbereich der schweizerischen, sondern der mazedonischen Behörden, weil der Berufungskläger seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Mazedonien habe und die Voraussetzungen für eine Ausnahmezuständigkeit nach dem Übereinkommen über die Zuständigkeit der Behörden und das anzuwendende Recht auf dem Gebiet des Schutzes von Minderjährigen vom 5. Oktober 1961 (MSA; SR 0.211.231.01) vorliegend nicht gegeben seien. Der Berufungskläger wendet sich gegen diese Zuständigkeitsbeurteilung und das Argument, mit der Aufhebung der Vormundschaft sei auch der rechtliche Wohnsitz der betreffenden Person und die Zuständigkeit der Vormundschaftsbehörde zur Anordnung milderer vormundschaftlicher Massnahmen weggefallen. Die bisher zuständige Vormundschaftsbehörde müsse das für den Massnahmebedürftigen Erforderliche vorkehren und abklären, ob die Anordnung anderer Massnahmen erforderlich sei. 5.2 Art. 85 Abs. 2 IPRG erklärt das MSA bei der Erwachsenenvormundschaft in Fällen mit - wie hier - internationalem Bezug als sinngemäss anwendbar. Die Bestimmung im IPRG überträgt den rechtsanwendenden Instanzen mit dem Hinweis auf eine "sinngemässe" Anwendung des MSA eine Lückenfüllungsaufgabe, wobei das MSA nur Ausgangspunkt bei der Suche nach der Lückenfüllung ist (Schwander, in Basler Kommentar, Internationales Privatrecht, N. 66 zu Art. 85 IPRG). Die Argumentation der Vorinstanz, dass die Zuständigkeit der Vormundschaftsbehörde A.________ nach den einschlägigen Bestimmungen des MSA nicht gegeben sei, greift nicht nur in Hinsicht der Zuständigkeitsregeln (E. 5.2.1), sondern auch des Anwendungsbereichs (E. 5.2.2) zu kurz. 5.2.1 Im MSA hat die Zuständigkeit der Gerichte und Behörden des Staates, in dem sich das Vermögen des Minderjährigen befindet (vgl. Art. 9 MSA), eine untergeordnete Bedeutung. Dies kann - entgegen der Auffassung der Vorinstanz - indessen nicht ohne weiteres auf den Erwachsenenschutz übertragen werden. Gerade im Vermögensschutz zugunsten Erwachsener ist die Zuständigkeit von Gerichten und Behörden des Staates am Lageort des Vermögens praktisch bedeutsam und häufiger: Dies betrifft den Fall, in dem kein Betreuer ernannt worden ist und ein Schutzbedürfnis nur gerade in Hinsicht auf diesen einen Vermögenswert besteht (Schwander, Der internationale Vermögensschutz zugunsten Erwachsener, in: Festschrift Schnyder, Freiburg 1995, S. 666; vgl. Bucher, La Convention de La Haye sur la protection internationale des adultes, SZIER 2000 S. 48). Im konkreten Fall hat die Vorinstanz wohl zu Recht erwogen, dass der seit dem Jahre 2000 in Mazedonien bei Ehefrau und Kind lebende Berufungskläger seinen gewöhnlichen Aufenthalt (vgl. Art. 1 MSA) im Ausland hat. Indessen steht fest, dass er als schutzbedürftig in Bezug auf die Prozessführung und Vermögensverwaltung gilt (vgl. E. 4.3.1) und er in der Schweiz vermögensrechtliche Ansprüche hat, weil hier die versicherungsrechtlichen und weiteren Ansprüche des Berufungsklägers aus dem Unfallgeschehen vom 16. Mai 1996 abgewickelt und die entsprechenden Zahlungen vorgenommen werden. Unter diesen Umständen ist der Schluss der Vorinstanz, es bestehe in der Schweiz, am Lageort seines Vermögens, von vornherein keine internationale Zuständigkeit für Schutzmassnahmen, nicht sachgerecht. 5.2.2 Der Eventualantrag des Berufungsklägers lautet sodann auf Errichtung einer Verwaltungsbeistandschaft, allenfalls kombiniert mit einer Vertretungsbeistandschaft. Für die Verwaltungsbeistandschaft finden indessen die Regeln des MSA keine Anwendung, weil der Anknüpfungspunkt dieser Massnahme das Vermögen und nicht die Person bildet (Geiser, a.a.O., N. 11 zu Art. 396 ZGB). Dies erscheint sachgerecht, sollen doch vermögensbezogene Massnahmen wie die hier zur Diskussion stehende Verwaltungsbeistandschaft dort angeordnet und durchgeführt werden, wo das Vermögen sich befindet bzw. anfällt (Schnyder/Murer, a.a.O., Systematischer Teil IPR, N. 139 und 164 ZGB); vorliegend ist dies eindeutig die Schweiz. Auch eine allfällige Kombination der Verwaltungsbeistandschaft mit einer Vertretungsbeistandschaft vermag daran nichts zu ändern, dient doch die Letztere der Durchsetzung vermögensrechtlicher Interessen des Berufungsklägers und ist insoweit eingebettet in die das Schwergewicht bildende Verwaltungsbeistandschaft. Soweit Letztere in Frage steht, ist sachlich gerechtfertigt, auch in internationalen Verhältnissen Art. 396 ZGB anzuwenden, welcher eine vom Aufenthaltsort der betreffenden Person unabhängige Zuständigkeit der Vormundschaftsbehörde am Ort der Vermögensverwaltung bzw. des Vermögensanfalles vorsieht (Geiser, a.a.O.). Aus dieser Sicht fällt vorliegend die Frage nach der Anordnung allfälliger anderer vormundschaftlicher Massnahmen in den Zuständigkeitsbereich der Vormundschaftsbehörde A.________. 5.3 Im angefochtenen Entscheid (E. 4b, S. 20) hat die Vorinstanz bemerkt, es sei nicht gesagt, dass der Berufungskläger keiner vormundschaftlichen Massnahmen bedürfe. Die Beantwortung der offen gelassenen Frage kann das Bundesgericht nicht vornehmen. Die kantonalen Behörden haben daher abzuklären, ob und gegebenenfalls welche vormundschaftlichen Massnahmen anzuordnen sind. Nach dem Dargelegten ist die Berufung in Bezug auf das Eventualbegehren des Berufungsklägers gutzuheissen und die Sache an die Vorinstanz zwecks Ergänzung des Sachverhaltes und zur neuen Entscheidung zurückzuweisen.