Citation: 9C_92/2018 E. 3.4.3

3.4.3. Auffallend ist zudem, dass - gleich wie Dr. med. D.________ - der zuvor behandelnde Psychiater Dr. med. C.________ im Bericht vom 8. Februar 2012 und auch die ABI-Gutachter eine Verknüpfung zwischen dem reduzierten Arbeitspensum der Beschwerdeführerin und den gesundheitlichen Beschwerden herstellten. Im ABI-Gutachten heisst es dazu etwa: "Gesundheitsbedingt reduzierte die Explorandin das Arbeitspensum ab 1994", "1999/2000 reduzierte die Explorandin das Arbeitspensum erneut (erhöhte Ermüdbarkeit, Neurasthenie) ". Dieser Zusammenhang zwischen Krankheit und reduziertem Arbeitspensum kann aufgrund der medizinischen Akten auch nachvollzogen werden. Die Beschwerdeführerin leidet anamnestisch seit ihrer Kindheit an Depressionen und seit dem frühen Erwachsenenalter an einer Persönlichkeitsstörung. 1998 begann alsdann die neurasthenische Erkrankung und die Beschwerdeführerin begab sich ab 1999 in psychiatrische Behandlung. Auf somatischer Seite lagen seit den 1980er Jahren Gelenksbeschwerden vor (1980 OSG-Arthritis, 1998 ISG-Arthritis, Polyarthralgien an den Händen). 1992 wurde die Diagnose einer Startle disease gestellt und ab 1998 ist zudem eine Colitis ulcerosa bekannt. Aufgrund der gesamten Akten ist somit einleuchtend, dass die 1994 bzw. 2000 vorgenommene Pensumsreduktion - wie von den behandelnden Psychiatern und den ABI-Gutachtern beschrieben - aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden erfolgte. Daran ändert nichts, dass nicht bereits 1994 bzw. 2000 mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit nachgewiesen ist. Das könnte im Übrigen auch daran liegen, dass echtzeitliche Akten zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, die diesen Zeitraum betreffen, fehlen. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend darlegte, ist für die Annahme einer vollen Erwerbstätigkeit ohne Gesundheitsschaden hinreichend, dass die Pensumsreduktion auf gesundheitliche Beschwerden zurückgeführt werden kann. Die Beschwerdeführerin hat zudem im Rahmen ihrer einiger Monate dauernden temporären Anstellung im Jahr 2008 bewiesen, dass sie auch bereit ist, in einem 100 % Pensum zu arbeiten. So war sie in den Monaten April, Juli und Oktober 2008 in einem vollzeitlichen Arbeitspensum tätig. Indem die Vorinstanz einen Zusammenhang zwischen der Pensumsreduktion 1994 bzw. 2000 und den gesundheitlichen Problemen der Beschwerdeführerin mit der Begründung verneinte, im damaligen Zeitpunkt sei noch keine Arbeitsunfähigkeit objektiv ausgewiesen gewesen und den Aussagen der Beschwerdeführerin bei der Haushaltsabklärung am 5. Juni 2012 komme erhöhter Beweiswert zu, würdigte sie die Akten unvollständig und berücksichtigte die durchwegs gegenteilig lautenden medizinischen Stellungnahmen zur Pensumsreduktion der Dres. med. C.________, D.________ sowie der ABI-Gutachter zu Unrecht nicht. Diese einseitige Beweiswürdigung der Vorinstanz ist als willkürlich zu qualifizieren (BGE 117 II 374E. 4S. 378 f.).