Citation: 6B_383/2013 E. 2.2

2.2. Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Betruges verletzt kein Bundesrecht. Die Beschwerdeführerin hat die ihr unbekannte Geschädigte angesprochen und ihr eine angebliche Notlage geschildert. Dabei hat sie schnell erkannt, dass jene bereit war, auf ihr Anliegen einzugehen, und ihr nicht mit Misstrauen begegnete. Sie hat in der Folge die von der Geschädigten bewiesene Hilfsbereitschaft und Vertrauensseligkeit gezielt ausgenützt und für ihre Zwecke missbraucht. Ob die Vorinstanz zu Recht annimmt, es liege kein eigentliches Lügengebäude vor (angefochtenes Urteil S. 24 f.; erstinstanzliches Urteil S. 24; vgl. auch BGE 119 IV 28 E. 3c), muss hier nicht geprüft werden. Jedenfalls geht sie zutreffend davon aus, dass die Beschwerdeführerin der Geschädigten während ihres Kontakts eine ganze Palette von Lügen aufgetischt hat. Auch wenn man diese als einfache falsche Angaben qualifizieren wollte, so haben sie sich doch zu einem Netz von Unwahrheiten zusammengefügt, welches die Geschädigte nicht zu durchschauen vermochte. Dies ergibt sich schon daraus, dass sie sich beim zweiten Vorfall erst nach langen Gesprächen mit dem Versicherungsberater und der Polizei von ihrer Überzeugung, die Beschwerdeführerin sei eine verzweifelte, schwer leidende Mutter, die sich mit ihrer Familie in grosser Not befinde, lösen konnte. Es mag zutreffen, dass die Geschädigte leichtgläubig auf die Lügengeschichten der Beschwerdeführerin hereingefallen ist. Wie die Vorinstanz aber zu Recht erwägt, zählt die Geschädigte zu den Opfern, deren Misstrauens- und Widerstandsfähigkeit gegenüber Tätern, die auf Ausnützung gerade dieser Personengruppe spezialisiert sind, eingeschränkt ist (angefochtenes Urteil S. 59). Daran ändert nichts, dass die Geschädigte im Untersuchungsverfahren rückblickend zum Schluss gelangt ist, sie habe der Beschwerdeführerin zu viel geglaubt (vgl. Beschwerde S. 7 f.). Wollte man einem solchen Täuschungsopfer die alleinige Verantwortung an seiner Schädigung anlasten, käme dies einem unerträgliche Anreiz für die gezielte und böswillige Ausbeutung gutgläubiger, hilfsbereiter Menschen gleich. Dies ist, wie die Vorinstanz zutreffend annimmt, nicht der Sinn des Konzepts der Opfermitverantwortung (angefochtenes Urteil S. 63; vgl. auch erstinstanzliches Urteil S. 33; ferner GUNTHER ARZTet al., Strafrecht, Besonderer Teil, 2. Aufl., Bielefeld 2009, § 20 N 4). Die Rechtsprechung hat denn auch stets festgehalten, es wäre eine sonderbare Rechtsordnung, wenn sie gerade diejenigen, die infolge verminderter Geistesgaben in vermehrtem Masse der Gefahr ausgesetzt sind, sich zu irren, nicht strafrechtlich gegen betrügerische Hervorrufung und Ausnützung von Irrtümern schützen würde (BGE 119 IV 210 E. 3c; so schon BGE 80 IV 156 E. 6). Das Strafrecht muss gegebenenfalls gerade Hilflose besonders schützen, auch wenn deren Verhalten von überdurchschnittlicher Vertrauensseligkeit zeugt ( URSULA CASSANI, Der Begriff der arglistigen Täuschung als kriminalpolitische Herausforderung, ZStrR 117/1999, S. 165). Dies gilt in besonderem Masse in einem Fall, in welchem das Täuschungsopfer bei seinem Engagement wie hier keine eigenen materiellen Interessen verfolgt, sondern lediglich aus reinem Altruismus bereit ist, in erheblichem Umfang Hilfe zu leisten. Bei der Geschädigten handelt es sich mithin nicht um ein Opfer, das geblendet von überzogenen Gewinnaussichten auf die grosssprecherischen Angaben eines gewieften Betrügers hereinfällt und sich in der Hoffnung auf einen schnellen und mühelosen Profit leichtsinnig zu risikoreichen Geschäften verleiten lässt. Selbst in solchen Fällen hat das Bundesgericht aber mehrfach ausdrücklich festgehalten, das Strafrecht schütze auch unerfahrene, vertrauensselige oder von Gewinnaussichten motivierte Personen vor betrügerischen Machenschaften, und es könne nicht jedes erheblich naive Verhalten des Opfers dazu führen, dass der Täter straflos ausgehe (BGE 135 IV 76 E. 5.3 mit Hinweisen; vgl. auch ARZTet al., a.a.O., § 20 N 49a). Schliesslich hat sich die Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall nicht mit blossen einfachen Unwahrheiten begnügt. Nach den Feststellungen der Vorinstanz hat sie die Geschädigte vielmehr intensiv bearbeitet und einen erheblichen Täuschungsaufwand betrieben. Namentlich beim zweiten Vorfall hat sie während ca. 1 1/2 Stunden eindringlich auf die Geschädigte eingeredet, ist regelrecht aufsässig gewesen und hat durch die angebliche zeitliche Dringlichkeit und das Gebot, mit niemandem über die Hilfeleistung zu sprechen, einen erheblichen psychologischen Druck aufgebaut. Nach der Rechtsprechung tritt die Opfermitverantwortung, je grösser der Täuschungsaufwand erscheint, desto stärker in den Hintergrund. Denn die Strafbarkeit wird durch das Verhalten des Täuschenden begründet und nicht durch jenes des Getäuschten, der im Alltag seinem Partner nicht wie einem mutmasslichen Betrüger gegenübertreten muss (BGE 135 IV 76 E. 5.3, S. 86; Urteil des Bundesgerichts 6S.168/2006 vom E. 2.3, zit. bei Trechsel/Crameri, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, hrsg. von Trechsel/Pieth, 2. Aufl., 2013, Art. 146 N 13a; vgl. auch Arzt, a.a.O., Art. 146 N 122). Dies gilt im gleichen Mass ausserhalb des eigentlichen Geschäftsbereichs. Bei dieser Sachlage ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz zum Schluss gelangt, die Unvorsichtigkeit der Geschädigten sei nicht so gravierend gewesen, dass dadurch das Verhalten der Beschwerdeführerin vollständig in den Hintergrund gerückt würde. Damit hat sie Arglist zu Recht bejaht. Ausser Frage steht, dass die Geschädigte durch die Hingabe des Geldes einen Vermögensschaden erlitten hat bzw. erlitten hätte. Dieser liegt darin, dass der von der Geschädigten beabsichtigte Zweck der Schenkung, der durch die Täuschung der Beschwerdeführerin gesetzt wurde, nicht erreicht werden konnte (vgl. GUNTHER ARZT, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, Art. 146 N 173; ( SCHÖNKE/SCHRÖDER-CRAMER/PERRON, Strafgesetzbuch, Kommentar, 28. Aufl., München 2010, § 263 N 101 f.). Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet.