Citation: C 32/00 18.05.2000 E. 2

2.- a) Nach Art. 13 Abs. 2bis AVIG (in Kraft seit 1. Januar 1996) werden Zeiten, in denen Versicherte keine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt haben, weil sie sich der Erziehung von Kindern unter 16 Jahren widmeten, als Beitragszeit angerechnet, sofern die Versicherten im Anschluss an die Erziehungsperiode auf Grund einer wirt- schaftlichen Zwangslage eine unselbstständige Erwerbs- tätigkeit aufnehmen müssen. Die Anrechenbarkeit von Er- ziehungszeiten als Beitragszeiten setzt einen Kausalzu- sammenhang zwischen der Kindererziehung und dem Verzicht auf die Ausübung einer Erwerbstätigkeit voraus (BGE 125 V 471 Erw. 1). Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in BGE 125 V 127 entschieden hat, setzt die Anrechenbarkeit einer Erziehungsperiode als Beitragszeit nicht voraus, dass sie eine bestimmte Mindestdauer aufweist. Die Anrechnung von Erziehungsperioden bedeutet, dass die Mindestbeitragsdauer damit ganz oder teilweise erfüllt werden kann. Dementspre- chend hat das Gericht im unveröffentlichten Urteil B. vom 15. September 1999, C 243/98, Art. 11a Abs. 2 AVIV (in der seit 1. Januar 1997 geltenden Fassung), wonach die Erzie- hungsperiode nur anrechenbar ist, wenn sie in der Rahmen- frist für die Beitragszeit mehr als 18 Monate gedauert hat, als gesetzwidrig bezeichnet. b) Eine wirtschaftliche Zwangslage im Sinne von Art. 13 Abs. 2bis AVIG liegt laut Art. 13 Abs. 2ter AVIG vor, wenn das anrechenbare Einkommen der Versicherten und ihres Ehegatten einen vom Bundesrat festgelegten Grund- betrag nicht erreicht. Der Bundesrat legt den anrechenbaren Teil des Vermögens fest. Gestützt auf diese Delegationsnorm hat der Bundesrat Art. 11b AVIV erlassen. Gemäss Abs. 1 dieser Verordnungsbestimmung kann ein Anspruch nach Art. 13 Abs. 2bis AVIG geltend gemacht werden, wenn das anrechen- bare Einkommen zusammen mit dem anrechenbaren Teil des Ver- mögens weniger als 35 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes nach Art. 23 Abs. 1 AVIG beträgt. Dieser Pro- zentsatz erhöht sich um 10 %, wenn der Versicherte verhei- ratet ist (lit. a) sowie um 10 % für das erste Kind und 5 % für jedes weitere Kind, für das eine Unterhaltspflicht im Sinne von Art. 33 besteht, höchstens aber um 30 % (lit. b). Laut Art. 11b Abs. 2 AVIV werden das anrechenbare Ein- kommen und der anrechenbare Teil des Vermögens grundsätz- lich auf Grund der Einkommens- und Vermögensverhältnisse der letzten 12 Monate vor Einreichung des Entschädigungs- antrages berechnet, wobei die gesamten Bruttoeinkommen des Versicherten und seines Ehegatten (lit. a) und 10 % des Vermögens des Versicherten und seines Ehegatten (lit. b) anrechenbar sind. Art. 11b Abs. 2 AVIV lässt es zu, für die Beurteilung der Frage, ob eine wirtschaftliche Zwangslage besteht, aus- nahmsweise auf die im Zeitpunkt der Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung vorliegende finanzielle Situation abzustellen, wenn innerhalb der vorangegangenen 12 Monate eine erhebliche Verschlechterung (oder Verbesserung) einge- treten ist (BGE 125 V 473 Erw. 3).