Citation: 2C_170/2024 E. 1.5.2

1.5.2. Die Argumente der Beschwerdeführerin zugunsten eines nicht wiedergutzumachenden Nachteils sind nicht stichhaltig: Zunächst ist festzuhalten, dass den Konsumenten bzw. Karteninhabern bei der Wahl des Zahlungsmittels und insbesondere einer Debitkarte generell nicht bewusst sein dürfte, dass und zwischen welchen Parteien in diesem Zahlungssystem Interchange Fees anfallen geschweige denn bei welchem Debitkarten-Lizenzgeber (Mastercard oder Visa) höhere Interchange Fees verrechnet werden. Ausserdem sind die Interchange Fees vom Handel und den Acquirern zu bezahlen, nicht von den Karteninhabern. Seitens Letzterer sind demnach von der Beschwerdeführerin keine Marktanteilsverluste zu befürchten, ob nun bezüglich der wettbewerbsrechtlichen Zulässigkeit der Interchange Fees von Visa Unsicherheit besteht oder nicht. Für die Issuer (Kartenherausgeber, i.d.R. Banken) sind höhere Interchange Fees gar attraktiver, da sie an die Issuer fliessen. Im Verhältnis zu den Issuern könnte die Beschwerdeführerin aufgrund der höheren Interchange Fees demnach, auch wenn es bei der vorinstanzlichen Ablehnung einer vorsorglichen Massnahme bleibt, bis zu einem materiellen Endentscheid sogar Marktanteile gewinnen. Höhere Interchange Fees, die in der Händlerkommission enthalten sind (vgl. E. 1.3 oben), belasten wenn schon primär den Handel. Wenn, dann könnten sich Händler, d.h. die Verkäufer von Waren und Dienstleistungen, veranlasst sehen, bei höheren Interchange Fees der Beschwerdeführerin den Debitkarten von Mastercard oder anderen Zahlungssystemen den Vorzug zu geben. Dieser Nachteil würde aber gerade nicht eliminiert, wenn im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme die höheren Interchange Fees der Beschwerdeführerin als vorläufig wettbewerbsrechtlich zulässig erklärt würden. Die Belastung der Händler und damit die Gefahr allfälliger Marktanteilsverluste aufgrund höherer Interchange Fees würden so oder so bestehen bleiben. Es würde der Beschwerdeführerin im Verhältnis zum Handel demnach nicht helfen, wenn bis zu einem materiellen Endentscheid ihre höhere Interchange Fees als wettbewerbsrechtlich zulässig erklärt würden, denn die Händler könnten trotzdem auf eine günstigere Alternative ausweichen. Im Verhältnis zu den Acquirern ist bei Unsicherheit bezüglich der wettbewerbsrechtlichen Zulässigkeit der (höheren) Interchange Fees von Visa nicht mit Marktanteilsverlusten zu rechnen, da die Interchange Fees bereits in der vom Handel an die Acquirer zu bezahlenden Händlerkommission enthalten ist (vgl. E. 1.3 oben). Die Beschwerdeführerin hat demzufolge bezüglich des von ihr lizenzierten 4-Parteien-Zahlungssystems nicht mit Marktanteilsverlusten zu rechnen, wenn bezüglich der wettbewerbsrechtlichen Zulässigkeit ihrer höheren Interchange Fees bis zum Abschluss der WEKO-Untersuchung Unsicherheit besteht. Das Sanktionsrisiko als solches gemäss Art. 49a Abs. 1 KG stellt im Übrigen keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil dar, denn, wenn die WEKO in ihrer Untersuchung gemäss Art. 27 KG zum Schluss kommt, die Interchange Fees der Beschwerdeführerin seien wettbewerbsrechtlich zulässig, d.h. die Sache zugunsten der Beschwerdeführerin ausgeht, entfällt die Sanktion und damit auch der entsprechende potentielle Nachteil.