Citation: 6B_75/2020 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz verzichtet darauf, den Beschwerdegegner des Landes zu verweisen. Sie begründet dies damit, dass ein schwerer persönlicher Härtefall nach Art. 66a Abs. 2 StGB vorliege und die privaten Interessen des Beschwerdegegners an seinem Verbleib in der Schweiz die öffentlichen Interessen an einer Wegweisung überwiegten. Sie erwägt, der Beschwerdegegner sei in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Er habe hier sämtliche Schulen besucht, eine Lehre absolviert und spreche Schweizerdeutsch. Auch seine Hauptbezugsperson, sein Bruder, lebe in der Schweiz. Seinen Heimatstaat Portugal kenne der Beschwerdegegner nur von kurzen Ferienaufenthalten. Mit der Mutter, welche angeblich in Portugal lebe, habe er nach eigenen Angaben seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr. Der Vater des Beschwerdegegners lebe mit seiner neuen Ehefrau in der Dominikanischen Republik. Beruflich habe sich der Beschwerdegegner in der Schweiz nicht integrieren können. Nach einer Ausbildung in der Holzverarbeitung habe er während total sieben Wochen als Gerüstbauer sowie Lagerist gearbeitet und von September 2016 bis Mai 2017 Sozialhilfe bezogen. Er habe Schulden von ca. Fr. 5'500.--. Zu berücksichtigen sei aber, dass er vor Antritt seiner Haftstrafe knapp 20 Jahre alt gewesen sei. In diesem Alter könne eine vollständige berufliche Integration nicht ohne Weiteres erwartet werden. Weiter seien die Schulden nicht derart hoch, dass eine Rückzahlung in absehbarer Zeit ausgeschlossen wäre. Angesichts seines Alters, seiner Sprachkenntnisse und seiner in der Schweiz erlangten Berufsausbildung sei nicht ausgeschlossen, dass sich der Beschwerdegegner auch in Portugal eine wirtschaftliche und soziale Existenz aufbauen könne, auch wenn die Arbeitslosenquote in Portugal höher als in der Schweiz sei. Als Angehöriger der zweiten Ausländergeneration in der Schweiz mit geringen Beziehungen zu seinem Heimatland würde ihn eine Wegweisung aber zweifellos sehr hart treffen. Gleichzeitig bestehe aufgrund der vom Beschwerdegegner begangenen Straftaten aber auch ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Landesverweisung. Er sei wegen mehrfachen Raubs, teilweise qualifiziert, sowie wegen diverser anderer Delikte zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Den zweiten Raub vom 11. Juli 2017 habe er während laufender Strafuntersuchung und nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft begangen. Zudem weise er eine einschlägige Vorstrafe auf, u.a. wegen eines Raubversuchs. Bei den Delikten handle es sich teilweise um gravierende Verstösse gegen die Rechtsordnung und das Verhalten des Beschwerdegegners lasse durchaus darauf schliessen, dass ihm die hier geltende Rechtsordnung vor seiner letzten Verhaftung ziemlich gleichgültig gewesen sei. Zu berücksichtigen sei jedoch, dass der Beschwerdegegner die letzte seiner Straftaten kurz nach seinem 20. Geburtstag begangen habe. Es sei davon auszugehen, dass die strafbaren Handlungen noch im Zusammenhang mit der schwierigen Kindheit und Jugend gestanden seien. So sei sein Vater gewalttätig und jähzornig gewesen. Die Mutter sei schwer alkoholabhängig gewesen und habe sich mehrfach in einer psychiatrischen Klinik befunden. Als der Beschwerdegegner im Kindergarten gewesen sei, hätten sich die Eltern getrennt und die Mutter habe die Familie verlassen, womit er danach allein beim Vater aufgewachsen sei. Als er ca. 13 bis 14 Jahre alt gewesen sei, sei der Vater mit einer neuen Frau zusammengekommen. Zwischen ihr und dem Beschwerdegegner sei es regelmässig zu Problemen und sogar zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen. Er sei danach in eine Pflegefamilie fremdplatziert worden. Spätestens seit Beginn der Oberstufe habe er Cannabis geraucht, sei gewalttätig geworden und habe kleine Diebstähle begangen, um sich seinen Betäubungsmittelkonsum zu finanzieren. Da auch die Pflegefamilie mit ihm überfordert gewesen sei, sei er in ein Jugendheim umplatziert worden. Dort habe er die Möglichkeit gehabt, eine zweijährige Lehre zu absolvieren. Nach Entlassung aus dem Jugendheim habe er keine Arbeitsstelle gefunden. Er sei auch nicht bereit gewesen, mit der Arbeitslosenkasse oder dem Sozialdienst zusammenzuarbeiten. Da er den Mietzins nicht mehr bezahlt habe, habe er danach keinen festen Wohnsitz mehr gehabt. Der persönliche Eindruck der ersten Instanz, wonach sich der Beschwerdegegner auf einem guten Weg befinde, habe sich anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt. Er scheine eine persönliche Reifung durchgemacht zu haben und sei nun bereit, sich mit dem bisherigen Leben und seinen Taten auseinanderzusetzen. Insbesondere habe er eine Therapie angefangen und begonnen, mit dem Beistand zusammenzuarbeiten. Für die Zukunft könne ihm eine gute Legalprognose gestellt werden, auch wenn er bisher noch nicht die Gelegenheit gehabt habe, sich in Freiheit zu bewähren. Daran ändere nichts, dass sein positives Verhalten wohl teilweise unter dem Druck der drohenden Landesverweisung erfolgt sei. Denn am Risiko, bei erneuter Straffälligkeit die Schweiz verlassen zu müssen, werde sich für den Beschwerdegegner nach Abschluss dieses Strafverfahrens nichts ändern (vgl. angefochtenes Urteil, E. 5 S. 10 ff.).