Citation: U 462/04 13.02.2006 E. 2

2.1 Mit Blick auf die Aktenlage und die Parteivorbringen besteht kein Anlass, den vorinstanzlich in einlässlicher Würdigung der medizinischen Unterlagen bejahten (teilweisen) natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 5. März 2001 und den über den 31. August 2002 hinaus fortdauernden, die Leistungsfähigkeit einschränkenden somatischen und psychischen Beschwerden des Versicherten letztinstanzlich erneut der richterlichen Überprüfung zu unterziehen (BGE 110 V 53 Erw. 4b). Zu beurteilen bleibt die - einzig - umstrittene Adäquanz des Kausalzusammenhangs. 2.2 Vorinstanz und SUVA haben die Adäquanzbeurteilung nach der Rechtsprechung zu psychischen Unfallfolgen gemäss BGE 115 V 133 ff. vorgenommen. Der Beschwerdeführer hält dagegen, aufgrund des in seinem Fall ausgewiesenen, typischen Beschwerdebildes nach HWS-Distorsionen oder äquivalenten Verletzungsmechanismen sei der adäquate Kausalzusammenhang nach den in BGE 117 V 366 ff. dargelegten Grundsätzen zu prüfen, zumal keine eindeutig im Vordergrund stehende psychische Überlagerung gegeben sei. 2.2.1 Nach den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ist aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 5. März 2001 nebst einer Kopfkontusion und einer commotio cerebri ein HWS-Distorsionstrauma erlitten hat mit anschliessend zumindest teilweise hierfür typischer Beschwerdesymptomatik (dazu vgl. BGE 117 V 360 Erw. 4b [diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, Depression, Wesensveränderung, usw.]; zur depressiven Entwicklung als Teil des typischen Beschwerdebildes siehe insb. HAVE 2003 S. 339 [= Urteil A. vom 21. März 2003, U 335/02). Weiter ist erstellt, dass relativ bald im Anschluss an den Unfall vom 5. März 2001 schmerzinteraktiv-funktionelle neuropsychologische Funktionsstörungen, neurovegetative Beschwerden sowie eine funktionelle sensible Hemisymptomatik li bei normalem Schädel-CT auftraten (Bericht der Neurologin Frau Dr. med. E.________ vom 14. September 2001). Sodann diagnostizierte der neuropsychologische Bericht der Klinik X.________ vom 30. Januar 2002 eine mittelschwere neuropsychologische Störung mit Schwerpunkt im konzentrativen und visuo-konstruktiven Bereich bei im Vordergrund stehender anhaltender posttraumatischer Schmerzsymptomatik und psychischer Problematik sowie Hinweisen für eine hirnorganische Mitbeteiligung. Rund elf Monate nach dem Unfall wies der begutachtende Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie der Klinik X.________ auf die "durch schwere psychische Traumatisierungen gekennzeichnete Biographie" des Beschwerdeführers hin (kurdischer Partisanenkämpfer bei Bomben- und Giftgasangriffen durch Sadam Hussein) und stellte fest, dieser habe durch den Arbeitsunfall vom 5. März 2001 eine psychische Retraumatisierung erlitten, die durch das Wiederaufflackern von Symptomen einer vorher weitgehend latent gebliebenen posttraumatischen Belastungsstörung in Erscheinung trete. Es handle sich um intrusive Symptome des Wiedererlebens in Form von nächtlichen Albträumen und - in der Rehabilitationsklinik - durch den Anblick schwerverletzter Mitpatienten und Fluglärm getriggerte Erinnerungsbilder. Hinzu kämen Symptome eines Hyperarousal's (als nicht ich-synton erlebte Reizbarkeit und Aggressivität, Schreckhaftigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, subjektive kognitiv-mnestische Defizite) sowie einer zusätzlichen Angstsymptomatik mit frei flottierenden sowie phobischen Ängsten (Dunkelangst, Klaustrophobie, sexuelle Versagensängste). Zu beobachten sei ferner eine Verstärkung der vorbestehenden psychovegetativen Labilität, welche ihrerseits durch langjährige Sexualstörungen schon vor dem Unfall vorhanden gewesen sei. Eine zusätzliche depressive Komponente sei wahrscheinlich schon vor drei Jahren durch die damals seitens der Ehefrau eingereichte Scheidung generiert worden, nach dem Unfall zusätzlich durch die zahlreichen und therapieresistenten Beschwerden im physischen und psychischen Bereich sowie durch das damit verbundene Durchkreuztwerden von beruflichen Aufstiegsplänen nach erfolgreich besuchter Handelsschule. Als psychopathologische Diagnose hielt der begutachtende Arzt schliesslich "Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung mit zusätzlich depressiver und somatoformer Komponente, reaktiviert durch einen alltäglichen Arbeitsunfall bei vorbestehender psychotraumatisierter Persönlichkeit (ICD-10: F43.1; Psychosomatisches Konsilium der Klinik X.________ vom 11. Februar 2002) fest. Der Austrittsbericht der Klinik X.________ vom 20. Februar 2002 führt zudem die Diagnose einer "mittelschweren längerdauernden Depression im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung" auf. Dr. med. H.________ schliesslich bestätigte im Bericht des Instituts Y.________ vom 26. März 2002 das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung im Sinne der Vordiagnosen; diese stehe insofern in einem Zusammenhang zum Unfall vom 5. März 2001, als dass dieser mit seinen anhaltenden Folgen (chronische Schmerzen und neuropsychologische Funktionsstörungen) die Abwehrkapazität des Versicherten beeinträchtige und er nicht mehr in der Lage sei, die frühere posttraumatische Belastung sozial zu kompensieren. Umgekehrt verstärke die posttraumatische Belastungsstörung mit grosser Wahrscheinlichkeit ihrerseits das Schmerzsyndrom und die kognitiven Probleme, welche ursprünglich vom Unfall herrührten; eine Psychotherapie sei indiziert. 2.2.2 Die vorangehend dargelegte Aktenlage lässt zwar - insoweit ist dem Beschwerdeführer beizupflichten - nicht auf eine psychische Problematik solcher Art schliessen, dass das hier gegebene typische Beschwerdebild nach HWS-Distorsionen über den gesamten, hier massgebenden Beurteilungszeitraum vom Unfall bis zum Einspracheentscheid vom 28. November 2003 gesamthaft eine vergleichsweise nur sehr untergeordnete Rolle spielte. Hingegen vermitteln die medizinischen Beurteilungen übereinstimmend das Bild eines biographisch schwer belasteten Versicherten, dessen vorbestehende - bis anhin relativ gut kompensierte - posttraumatische Belastungsstörung (infolge von Kriegserlebnissen, Begegnung mit Terror und Tod, Flucht, Gefängnisverwahrung, etc.) durch einen eher unspektakulären Arbeitsunfall nunmehr wieder aktualisiert und sich in einem Masse verschlimmert hat, dass sie die nach dem Unfall aufgetretenen somatischen Beschwerden und kognitiven Einschränkungen derzeit massgeblich mitprägt und unterhält. Das selbst vom Beschwerdeführer (Angaben des Versicherten gegenüber der SUVA vom 14. August 2002) als Hauptgrund für seine fehlende Leistungsfähigkeit eingestufte psychische Leiden ist aktuell nicht in erster Linie als eine (zum typischen Beschwerdebild nach HWS-Distorsionen gehörende; HAVE 2003 S. 339 [= Urteil A. vom 21. März 2003, U 335/02]) depressive Stimmungslage oder eine - als blosses (Langzeit-)Symptom einer erlittenen HWS-Distorsion einzustufende - Wesensveränderung zu werten; von einer mit dem somatisch-psychischen Beschwerdebild nach HWS-Distorsionen eng verflochtenen Entwicklung kann mit andern Worten nicht die Rede sein. Vielmehr ist die psychische Problematik als reaktivierter vorbestehender Gesundheitsschaden einzustufen, dessen aktuelle Ausprägung sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch nach einem Unfall mit anders gearteter Verletzung in gleicher Weise - Verstärkung der Symptome der vorhandenen posttraumatischen Belastungsstörung mit depressiver Komponente und somatoformer Schmerzüberlagerung - hätte einstellen können (vgl. auch Urteile P. vom 30. September 2005 [U 277/04] Erw. 4.2.2, R. vom 25. Januar 2005 [U 106/03] Erw. 5.3 und 5.4). Liegt aber keine mit der HWS-Distorsion in engem Zusammenhang stehende psychische Problematik vor, ist - was der Beschwerdeführer verkennt - die Adäquanzbeurteilung auch dann nach BGE 115 V 133 ff. vorzunehmen, wenn das psychische Beschwerdebild die körperlichen Beschwerden nicht eindeutig in den Hintergrund gedrängt hat (vgl. RKUV 2000 Nr. U 397 S. 327 f. Erw. 3a und b [= Urteil F. vom 8. Juni 2000, U 273/99]; vgl. auch Erw. 1.2 hievor). Bei dieser Sach- und Rechtslage kann ohne Verletzung des im Sozialversicherungsrecht geltenden Untersuchungsgrundsatzes auf die vom Beschwerdeführer beantragten weiteren Abklärungen zur Frage der Dominanz der psychischen Problematik verzichtet werden. Eine aus Art. 44 ATSG fliessende generelle Pflicht der SUVA zur Einholung eines umfassenden Gutachtens unabhängiger Sachverständiger besteht entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht; ein solches wäre im Rahmen der Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen dann einzuholen, wenn sich die rechtserheblichen Tatsachen im Rahmen einer freien Beweiswürdigung (Art. 40 BZP in Verbindung mit Art. 19 VwVG; Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG) der zulässigen und beweistauglichen Aktenstücke - wozu die im vorliegenden Fall vorhandenen Arztberichte gehören (BGE 125 V 352 ff. Erw. 3a und b) - nicht rechtsgenüglich feststellen liesse, was hier nicht zutrifft. 2.3 Im Rahmen der nach objektiven Gesichtspunkten (BGE 124 V 44 Erw. 5c/aa, 115 V 139 Erw. 6) und ohne Berücksichtigung der Persönlichkeitsstruktur des Versicherten (RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 [= Urteil S. vom 31. Mai 2000, U 248/98]; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 ff. [= Urteil R. vom 11. November 1998, U 67/97]; Urteil P. vom 7. August 2003 [U 290/02] Erw. 4 mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung) vorzunehmenden Kategorisierung der Unfallschwere hat die Vorinstanz den Unfall vom 5. März 2001 - im Lichte der Rechtsprechung zutreffend (Urteil M. vom 21. Oktober 2003 [U 282/00] Erw. 4.2; vgl. auch RKUV 1995 Nr. U 215 S. 91 Erw. 3b [= Urteil M. vom 17. Januar 1995, U 197/94] mit weiteren Hinweisen) - dem mittleren Bereich zwischen schweren Unfällen einerseits und banalen oder leichten Unfällen andererseits zugeordnet, wogegen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts eingewendet wird. Bei Unfällen, welche bezüglich des Schweregrades dem mittleren Bereich zuzuordnen sind, lässt sich die Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs rechtsprechungsgemäss nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten; vielmehr sind weitere, objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Nach den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz wäre dabei der adäquate Kausalzusammenhang nur dann zu bejahen, wenn eines der hiefür massgebenden Kriterien (siehe BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit) in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder aber diese in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (vgl. BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa; vgl. auch BGE 123 V 100 Erw. 2c).