Citation: 6P.17/2001 30.05.2001 E. 8

8.- Die Strafe ist nach dem Verschulden des Täters zuzumessen; dabei sind Beweggründe, Vorleben und persönliche Verhältnisse des Schuldigen zu berücksichtigen (Art. 63 StGB). Es müssen die wesentlichen Tat- und Täterkomponenten beurteilt, das Ausmass qualifizierender Tatumstände gewichtet und die Strafzumessung nachvollziehbar begründet werden. Dabei besitzt die Vorinstanz ein erhebliches Ermessen. Das Bundesgericht greift nur ein, wenn sie von rechtlich nicht massgebenden Gesichtspunkten ausgegangen ist oder wenn sie wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen bzw. in Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermessens falsch gewichtet hat (BGE 123 IV 49 E. 2; 122 IV 299 E. 2a). a) Der Beschwerdeführer ist der versuchten vorsätzlichen Tötung, der Gefährdung des Lebens und des mehrfachen versuchten Steuerbetrugs schuldig. Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet somit die versuchte vorsätzliche Tötung (angefochtenes Urteil S. 53). Die Vorbringen der Beschwerde (Anwendung von Art. 122 i.V.m. Art. 33 und Art. 19 StGB; Beschwerde S. 35) sind unbegründet. Der Beschwerdeführer hat das Opfer massiv verletzt und aus nichtigem Anlass dessen Leben in beruflicher und privater Hinsicht weitgehend zerstört (angefochtenes Urteil S. 58 f.). Weiter war die Tatmehrheit strafschärfend zu gewichten (Art. 68 Ziff. 1 StGB). b) Der Beschwerdeführer geht auf Grund seiner nicht zutreffenden Annahme, es sei Art. 122 StGB anzuwenden, von einer kürzeren Verjährungsfrist aus, weshalb die Strafe gemäss Art. 64 Abs. 5 StGB wegen Zeitablaufs zu mildern sei (Beschwerde S. 35). Zum einen ist auch Art. 122 StGB als Verbrechenstatbestand (Art. 70 StGB) eingestuft, zum andern urteilt die Vorinstanz gut vier Jahre nach der Tat, so dass Art. 64 Abs. 5 StGB nicht zur Anwendung kommt (vgl. BGE 115 IV 95 E. 3; 102 IV 198 E. 5; 92 IV 201 E. I). c) Der Beschwerdeführer rügt, dass die Vorinstanz nicht wegen schwerer Bedrängnis (Art. 64 Abs. 1 StGB) gemildert habe; das Opfer habe ihn nämlich verbal provoziert, sei seinem Fahrzeug provokativ nachgerannt und habe die körperliche Auseinandersetzung gesucht. Es habe ihn ernstlich in Versuchung geführt (Art. 64 Abs. 2; Beschwerde S. 36). Schwere Bedrängnis ist nur anzunehmen, wenn die einer Notstandslage nahe Situation vorliegt, die den Täter so schwer belastet, dass er keinen andern Ausweg als die Tat zu finden vermag; der Bedrängte muss aber eine gewisse Verhältnismässigkeit zwischen den Motiven, die ihn zur Tat drängen, und der Bedeutung des verletzten Rechtsguts beachten (BGE 107 IV 94 E. 4a und c). Diese Voraussetzungen sind nach dem Sachverhalt nicht gegeben. Wie sich der Beschwerdeführer überdies auf Art. 64 Abs. 2 StGB berufen will, bleibt unerfindlich. d) Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von Art. 11 StGB und richtet sich dabei erneut gegen die tatsächliche Feststellungen. Es ist auf die sorgfältigen Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (angefochtenes Urteil S. 54 - 57). Sie hält fest, eine Situation, die der Beschwerdeführer auf Grund seiner Persönlichkeitsstörung falsch hätte beurteilen können, habe nicht vorgelegen. Er habe sich durch Bewaffnung für allfällige weitere Kontakte mit dem Opfer vorbereitet, was per se dagegen spreche, dass beim zweiten Vorfall unkontrolliert durchbrechende Affekte die Tat ausgelöst hätten. Er habe die Tat durchaus nicht in emotional bedingter Verkennung der Situation begangen. Mithin sei er in der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit und damit in seiner Zurechnungsfähigkeit nicht beeinträchtigt gewesen. Eine Strafmilderung auf Grund von Art. 11 StGB entfalle (angefochtenes Urteil S. 56 f.). Die Vorinstanz verletzt damit kein Bundesrecht. e) Die weiteren Rügen sind ebenfalls unbehelflich. Nicht recht nachvollziehbar ist der Vorwurf, die Vorinstanz komme in völlig einseitiger Art und Weise und unter Verletzung von Art. 63 StGB zum Schluss, das Ausmass des Verschuldens sei allein ihm anzulasten und es habe keine Opferprovokation und kein Mitverschulden des Opfers vorgelegen (Beschwerde S. 37). Denn die Vorinstanz verneint eine Provokation durch das Opfer in der Beweiswürdigung, ein Tatverschulden ist dem Täter selber anzulasten und eine Verschuldenskompensation kennt das Strafrecht nicht. Es kann sich sich hier einzig fragen, ob die Vorinstanz die verschuldensrelevanten Strafzumessungstatsachen bundesrechtskonform gewichtet. Das ist der Fall. Die Vorinstanz gewichtet zu Recht die einschlägigen Vorstrafen straferhöhend. Insoweit der Beschwerdeführer vorbringt, die erhöhte Strafempfindlichkeit zu Folge seines Alters sowie seine lebensgefährliche Krankheit habe die Vorinstanz unter Verletzung von Art. 63 StGB zu wenig strafmildernd gewürdigt (Beschwerde S. 38), anerkennt er richtigerweise, dass die Vorinstanz die erhöhte Strafempfindlichkeit strafmindernd berücksichtigt (angefochtenes Urteil S. 61 mit Verweisung auf das psychiatrische Teilgutachten, act. 66, mit Krankengeschichte und Altersbefund). Art. 63 StGB ermöglicht eine Strafminderung. Die Rüge ist somit unbegründet. Die Vorinstanz bewertet auch das Verhalten nach der Tat zu Recht als nicht positiv (angefochtenes Urteil S. 60). Es ist nicht einsichtig, inwiefern diese Bewertung Art. 63 StGB verletzen sollte. Das Verschulden wird zu Recht als schwer eingestuft (angefochtenes Urteil S. 61). f) Der Beschwerdeführer macht geltend, aufgrund der desolaten finanziellen Verhältnisse sei von einer Busse abzusehen (Beschwerde S. 39). In der Beschwerdeschrift ist darzulegen, welche Bundesrechtssätze und inwiefern sie durch den angefochtenen Entscheid verletzt sind (Art. 273 BStP). Der Beschwerdeführer unterlässt das. Auf das Vorbringen ist somit nicht einzutreten. g) Strafzumessung und Strafmass verletzen kein Bundesrecht.