Citation: I 370/05 24.10.2005 E. 5

5.1 Auch wenn die Sache zur Abklärung der Statusfrage an die Verwaltung zurückzuweisen ist, kann zur umstrittenen Frage der anwendbaren Methode der Invaliditätsbemessung im Erwerbsbereich auf Grund der vorliegenden Akten letztinstanzlich Stellung genommen werden. Während Vorinstanz und Beschwerdegegnerin die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs für anwendbar halten, ist nach Auffassung der Beschwerdeführerin das ausserordentliche Bemessungsverfahren anzuwenden. 5.2 Der für die Invaliditätsbemessung durchzuführende Einkommensvergleich nach Art. 28 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 Erw. 1). Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige (Art. 28 Abs. 2bis IVG und Art. 26bis IVV in der jeweils bis 31. Dezember 2003 gültig gewesenen wie auch in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung) ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (ausserordentliches Bemessungsverfahren). Der grundsätzliche Unterschied dieses Verfahrens zur spezifischen Methode besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchem bemessen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen einer erwerbstätigen Person kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis eines Betätigungsvergleichs abstellen, wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (BGE 128 V 30 Erw. 1 mit Hinweisen). 5.3 Vorinstanz und Beschwerdegegnerin gehen davon aus, die Jahresabschlüsse der Gesellschaft genügten, um das Valideneinkommen der Beschwerdegegnerin zuverlässig zu ermitteln. Dem kann nicht vorbehaltlos zugestimmt werden. Die Gegenüberstellung der vor und nach Eintritt eines invalidenversicherungsrechtlichen Versicherungsfalles in einem Gewerbebetrieb realisierten Geschäftsergebnisse nach Massgabe der Einkommensvergleichsmethode lässt zuverlässige Schlüsse auf die invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse nur dort zu, wo mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, dass die Betriebsergebnisse durch invaliditätsfremde Faktoren beeinflusst worden sind. Tatsächlich sind aber für die jeweiligen Geschäftsergebnisse eines Gewerbebetriebes häufig zahlreiche schwer überblickbare Komponenten wie etwa die Konjunkturlage, die Konkurrenzsituation, der kompensatorische Einsatz von Familienangehörigen, Unternehmensbeteiligten oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von massgeblicher Bedeutung. Wo eine verlässliche Ausscheidung der auf solche (invaliditätsfremde) Faktoren zurückzuführenden Einkommensanteile einerseits und der auf dem eigenen Leistungsvermögen der versicherten Person beruhenden Einkommensschöpfung andererseits nicht möglich ist, hat die Invaliditätsbemessung nach der Methode des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zu erfolgen (AHI 1998 S. 254 Erw. 4a). 5.4 Zwar liegen die Geschäftsergebnisse der Kollektivgesellschaft "P.________" für die Jahre 1996/1997 bis 2000 vor und erscheint die Dauer dieser Periode für eine zuverlässige Beurteilung des durchschnittlichen Valideneinkommens als knapp genügend. Für die Ermittlung des Valideneinkommens bzw. der massgebenden Einkommensanteile der Beschwerdegegnerin kann jedoch nur soweit auf diese Geschäftsergebnisse abgestellt werden, als die Einkommensanteile auf ihrem eigenen Leistungsvermögen beruhen. Denn gerade bei einem Kleinbetrieb hängt das Geschäftsergebnis massgeblich vom persönlichen Einsatz und den individuellen Fähigkeiten der Betriebsinhaber ab (ZAK 1981 S. 44 Erw. 2), weshalb die Geschäftsergebnisse längstens bis zur gesundheitsbedingten Aufgabe der Betriebsführung berücksichtigt werden können. Dies schliesst ein Abstellen auf spätere Geschäftsergebnisse aus, die ohne Mitarbeit der Beschwerdegegnerin durch den - allenfalls gesteigerten - Einsatz des im Betrieb mitarbeitenden Ehegatten (und/oder anderer Personen) erzielt wurden, dessen Mitarbeit und Entlöhnung nicht geklärt sind (so erzielte er gemäss AHV-Abrechnungsbogen bis 1997 keinen und 1998 lediglich einen Lohn von Fr. 5'640.-, obwohl er angeblich aus gesundheitlichen Gründen nur, aber immerhin, ein Pensum von 50 % ausübte). Wie bereits ausgeführt, sind Dauer und Umfang des persönlichen Arbeitseinsatzes der Beschwerdegegnerin im Geschäftsbetrieb unklar und abklärungsbedürftig. Sollten die ergänzenden Abklärungen ergeben, dass die Beschwerdegegnerin ab Betriebsaufnahme im Oktober 1996 bis Ende 2000 persönlich im Betrieb tätig war, kann für die Ermittlung des Valideneinkommens auf die Geschäftsergebnisse der Jahre 1996/1997 bis 2000 abgestellt werden, sofern allenfalls auf invaliditätsfremde Faktoren zurückzuführende Einkommensanteile ausgeschieden werden können. Sollten die Abklärungen hingegen ergeben, dass die Beschwerdegegnerin nur von Mai 1997 bis zur Schwangerschaft bzw. Geburt des dritten Kindes 1998 im Betrieb tätig war, so kann nicht auf die Geschäftsergebnisse dieser kurzen Periode abgestellt werden, weil sonst der aus dem Invaliditätsbegriff (Art. 4 Abs. 1 IVG) fliessende Grundsatz verletzt würde, dass die Invaliditätsbemessung der voraussichtlich länger bleibenden oder länger dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (AHI 1998 S. 122 Erw. 3 c und S. 254 Erw. 4a). Diesfalls müsste die Invaliditätsbemessung nach der Methode des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens erfolgen.