Citation: 1B_541/2017 E. 3.3

3.3. Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Kroatien und dem Kosovo. Er lebt seit seinem 7. Lebensjahr in der Schweiz, hat hier die Schulen besucht und eine Gipserlehre sowie die Bauführerschule absolviert. Seine drei Töchter aus erster Ehe, seine Eltern und seine Geschwister leben in der Schweiz. Er hat aber die letzten eineinhalb Jahre vor seiner Verhaftung im Ausland verbracht. Während eines Jahres war er in Kroatien gemeldet, hat dort einen Imbissstand betrieben und erneut geheiratet. Aus dieser Ehe hat er einen Sohn, der im Juli 2017 in Deutschland zur Welt gekommen ist und zurzeit mit seiner Ehefrau in Kroatien lebt. Diese tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz werden vom Beschwerdeführer nicht substantiiert bestritten. So macht er zwar geltend, er habe seit seinem 7. Lebensjahr ununterbrochen in der Schweiz gelebt und seinen Wohnsitz hier nie aufgegeben. In seiner Beschwerde führt er jedoch aus, er habe von der Polizei nicht kontaktiert werden können, weil er in der Schweiz an keiner Adresse mehr gemeldet gewesen sei. Vorliegend führte der Täter bei seinem Raubversuch eine Schusswaffe und Munition mit. Art. 140 Ziff. 2 StGB sieht dafür eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr vor. Der Beschwerdeführer räumt dies in seiner Beschwerde ein. Er macht aber geltend, das Gericht könne gemäss Art. 22 StGB die Strafe wegen Versuchs mildern. Wie die Vorinstanz zutreffend erwägt, dürfte es sich bei dem ihm vorgeworfenen Delikt um einen vollendeten Versuch handeln. So hat der Beschwerdeführer alles für den Taterfolg Notwendige unternommen und dieser trat nur aufgrund äusserer Umstände nicht ein (vgl. Art. 22 Abs. 1 StGB). Deshalb kann nicht zum Voraus angenommen werden, das Sachgericht werde den ordentlichen Strafrahmen unterschreiten. Demgegenüber wurde der Beschwerdeführer seit 2013 zu sieben Vorstrafen verurteilt, was strafschärfend zu berücksichtigen ist (Art. 47 Abs. 1 StGB). Zudem lief bei drei bedingt ausgesprochenen Strafen im Zeitpunkt des Raubversuchs noch die Probezeit. Daher kann das Gericht diese gemäss Art. 46 StGB widerrufen und die Strafart ändern, um mit der neuen Strafe in sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB eine straferhöhende Gesamtstrafe zu bilden. Wenn die Vorinstanz vor diesem Hintergrund schliesst, der Beschwerdeführer könne nicht ernsthaft mit einer unterjährigen Strafe rechnen, was einen hohen Anreiz zur Flucht darstelle, ist dies nicht zu beanstanden. Angesichts der erwähnten Strafschärfungsgründe erscheint eher wahrscheinlich, dass die Strafe noch höher ausfallen wird. Als der Beschwerdeführer festgenommen wurde, lagen ausserdem fünf Ausschreibungen zur Verhaftung gegen ihn vor, welche allesamt wegen zu vollziehenden Ersatzfreiheitsstrafen erfolgten. Dieser Umstand verstärkt den Fluchtanreiz zusätzlich. Des Weiteren ist das Aufenthaltsrecht des Beschwerdeführers in der Schweiz in Frage gestellt. So prüft die zuständige Migrationsbehörde derzeit, ob seine Niederlassungsbewilligung erloschen ist, weil er sich während sechs Monaten im Ausland aufgehalten hat, ohne sich in der Schweiz abzumelden. Zum Widerruf der Niederlassungsbewilligung in der Schweiz könnte es ebenfalls führen, wenn er wegen des Raubversuchs zu einer Freiheitsstrafe von über einem Jahr verurteilt wird (vgl. hierzu BGE 139 I 31 E. 2 S. 32 ff.). Aufgrund der Verurteilung wegen Raubversuchs droht dem Beschwerdeführer zudem eine Landesverweisung von 5-15 Jahren, von welcher das Gericht nur unter den Voraussetzungen der Härtefallklausel ausnahmsweise absehen kann (Art. 66a Abs. 1 lit. c i.V.m. Abs. 2 StGB). Ob diese vorliegend bejaht würden, ist zumindest fraglich. Die Entscheide der Migrationsbehörde über die Niederlassungsbewilligung bzw. des Sachgerichts über die Landesverweisung sind zwar in keiner Weise zu präjudizieren. Jedoch ist der drohende Verlust des Aufenthaltsrechts bereits im laufenden Strafverfahren als Indiz für eine konkrete Fluchtgefahr zu werten (vgl. Urteil 1B_149/2017 vom 5. Mai 2017 E. 4.3). Da er den Grossteil seines Lebens in der Schweiz verbrachte und die Mehrheit seiner Familie hier lebt, hat der Beschwerdeführer einen engen Bezug zur Schweiz. Er hat aber auch starke Bindungen zu Kroatien, wo er gelebt und erneut geheiratet hat, und wo seine Ehefrau sowie sein Sohn leben. Zudem beherrscht er die dortige Sprache und als Gipser oder Bauführer könnte er auch in Kroatien oder im Kosovo arbeiten. Neben dem Umstand, dass seine Erwerbstätigkeiten nicht ortsgebunden sind, verfügt der Beschwerdeführer auch über keine gesicherte Arbeitsstelle. Überdies hat er in der Schweiz hohe Schulden - in seiner Beschwerde beziffert er diese auf Fr. 90'000.--. Demnach verringern die berufliche und finanzielle Situation des Beschwerdeführers ebenfalls den Anreiz eines freiwilligen Verbleibs in der Schweiz. Zusammenfassend überwiegen die für eine Fluchtgefahr sprechenden Gesichtspunkte deutlich. Insbesondere in Anbetracht des drohenden Freiheitsentzugs und der engen Verbindung des Beschwerdeführers zu Kroatien verletzt es kein Bundesrecht, dass die Vorinstanz schloss, es bestehe Fluchtgefahr.