Citation: 7B_610/2023 E. 3.3.3

3.3.3. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend geltend macht, erschliesst sich aus der Begründung der Vorinstanz nicht, weshalb diese vom Sachverständigen wiederholt vorgeschlagene Vorgehensweise die Gefahr bergen soll, dass bei der Nachbildung der ursprünglichen Triageentscheide Daten, die damals ausgesondert worden seien, fälschlicherweise dennoch an sie herausgegeben werden könnten. Eine solche Gefahr vermag auch der Beschwerdegegner nicht darzutun. Aus dem Protokoll der Instruktionsverhandlung geht hervor, dass der Sachverständige ausführt, aufgrund der erfolgten Suchergebnisse könne er die Daten auf den beiden strittigen Mobiltelefonen - anders als bei den anderen sichergestellten Geräten ohne Suchtreffer - nicht ohne Weiteres in ein Standardtool wie "Cellebrite, XRY oder Axiom" überführen, da er die anlässlich der Triage erfolgten Treffer mit den damals verwendeten Suchbegriffen nicht nachbilden könne. Deshalb müsse er hinsichtlich der Daten der beiden Mobiltelefone in das ursprüngliche UFDR-Format zurück, um die Suchergebnisse nachbilden zu können. Die damaligen Suchergebnisse bzw. Treffer könne er allerdings identifizieren und kennzeichnen, um danach den Export im UFDR nochmals zu erstellen, ohne die entsprechend den Suchergebnissen ausgesonderten und gesiegelten Daten. Der Sachverständige hat zwar auch ausgeführt, es bestehe die theoretische Möglichkeit, dass geheimnisgeschützte Nachrichten nicht gesiegelt worden seien, sofern sie von den im Rahmen der ursprünglichen Triageverhandlung verwendeten Suchbegriffen nicht erfasst worden seien. Als abstraktes Beispiel gibt er an, dass Nachrichten zwischen dem Beschwerdegegner und seinem amtlichen Verteidiger beispielsweise nicht ausgesondert worden sein könnten, wenn der Beschwerdegegner seinen Verteidiger nicht mit seinem richtigen Namen gespeichert gehabt habe, bei den Triagen jedoch nur nach seinem tatsächlichen Namen gesucht worden wäre. Diese abstrakte Gefahr bestand allerdings bereits im Rahmen des ursprünglichen Entsiegelungsverfahrens. Gerade deshalb kommt der beschuldigten Person die prozessuale Obliegenheit zu, die potenziellen Geheimnisrechte präzise zu umschreiben und beispielsweise die Kontaktangaben von Berufsgeheimnisträgern, nach denen im Rahmen der Triageverhandlung gesucht werde soll, exakt unter Angabe des Speicherorts anzugeben (BGE 141 IV 77 E. 4.3 und E. 5.6; Urteil 7B_875/2023 vom 14. Juni 2024 E. 3.3). Darüber hinaus gilt es festzuhalten, dass der Sachverständige anlässlich der Instruktionsverhandlung ebenfalls ausgeführt hat, eine Suche könne auch nach der Telefonnummer der Verteidigung erfolgen und es könnten diesfalls alle Nachrichten mit der angegebenen Nummer ausfindig gemacht werden (Protokoll Instruktionsverhandlung vom 1. November 2022 S. 27). Die Gefahr einer Weitergabe von geheimnisgeschützten Dateien bei der nochmaligen Durchführung einer Datentriage entsprechend der anlässlich der ursprünglichen Triageverhandlungen verwendeten Suchbegriffen erweist sich damit als höchst abstrakt bzw. geht jedenfalls nicht über das Risiko hinaus, das bei jedem Entsiegelungsverfahren bei der Verwendung ungenauer Suchbegriffe besteht.