Citation: U 262/99 28.12.2000 E. 5

5.- a) Soweit somatische Leiden zur Gebrauchsunfähigkeit der linken Hand und schliesslich zum Befund vom Oktober 1998 führten, sind natürlicher wie adäquater Kausalzusammenhang ohne weiteres gegeben. b) aa) Soweit psychisch begründete Beeinträchtigungen für die Gebrauchsunfähigkeit massgeblich sind, ist der Unfall vom 15. März 1996 zumindest eine Teilursache hiefür, was für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs praxisgemäss genügt (BGE 119 V 338 mit Hinweisen). bb) Hinsichtlich der Frage der Adäquanz der psychischen Beschwerden ist die Vorinstanz richtigerweise von der in BGE 115 V 138 ff. Erw. 6 entwickelten und seither ständig angewandten Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (vgl. BGE 124 V 44 Erw. 5c/bb und 213 f. Erw. 4b) ausgegangen. Das Unfallereignis ist nur wenig dokumentiert. Aus der Art der Verletzung ist indes zu schliessen, dass der Unfall nicht derart eindrücklich war, wie es die Beschwerdeführerin behauptet (Absturz eines 3,3 Tonnen schweren Metallteils im freien Fall auf den linken Vorderarm), weshalb er mit Vorinstanz und SUVA dem mittleren Bereich zuzuordnen ist. Rechtsprechungsgemäss (BGE 115 V 140) sind bei psychischer Fehlverarbeitung von Unfällen die Kriterien zu berücksichtigen, soweit sie somatisch bedingt sind. Vorliegend steht zwar fest, dass schon bald nach dem Unfall psychische Faktoren den Heilverlauf erschwerten. Indessen waren sich die behandelnden Ärzte sowie die Kreisärzte der SUVA bis am 17. Juni 1998 (Bericht des SUVA-Kreisarztes Dr. med. C.________) einig, dass ein erheblicher Teil der Beschwerden physisch bedingt war, weshalb somatische Heilbehandlungen angeordnet und durchgeführt wurden und die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit auch aus somatischen Gründen nicht in Betracht gezogen wurde. Gestützt darauf ist im Rahmen der Adäquanzbeurteilung für die Zeit während der Behandlung von einem somatisch geprägten Beschwerdebild auszugehen. Daran ändert nichts, dass Dr. med. S.________ und Dr. med. B.________ im Nachhinein darin übereinstimmen, die beklagten Schmerzen seien zunehmend psychisch begründet gewesen, zumal eine nachträgliche Abgrenzung der somatischen von den psychisch bedingten Beeinträchtigungen vorliegend nicht möglich ist. Das primär somatisch orientierte Krankheitskonzept (Bericht der Frau Dr. med. K.________ vom 5. Februar 1997) hat die Beschwerdeführerin in der Annahme einer physischen Schädigung bestärkt und dadurch nicht zum Abschluss der Behandlung und der Wiederaufnahme der Arbeit beigetragen. Vielmehr wurden in der Beschwerdeführerin Hoffnungen in die angeordneten somatischen Heilbehandlungen geweckt, welche in der Folge nicht erfüllt wurden und dazu führten, dass die Beschwerdeführerin während über zwei Jahren zu 100 % arbeitsunfähig war. Nebst der langen, vollständigen Arbeitsunfähigkeit ist mit Blick darauf, dass der Entscheid zum Behandlungsabschluss mehr als zwei Jahre nach dem Unfall vom 15. März 1996 - anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 6. Mai 1998 - gefällt wurde, auch das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung erfüllt. Dazu kommt der schwierige Heilungsverlauf, der durch verschiedene Operationen, Spitalaufenthalte sowie einen Morbus Sudeck erheblich kompliziert wurde. Da gleich mehrere der in BGE 115 V 140 genannten Kriterien erfüllt sind, ist der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen, ohne dass darüber zu befinden ist, wie es sich mit der von Dr. med. B.________ aufgeworfenen Frage einer allfälligen ärztlichen Fehlbehandlung im Zusammenhang mit der Operation vom 29. Mai 1996 verhält. c) Unter diesen Umständen kommt dem Unfallereignis vom 15. März 1996 massgebende Bedeutung für die in der Folge eingetretene Gebrauchsunfähigkeit der linken Hand sowie der damit zusammenhängenden Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu. Da von einer weiteren ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann, besteht kein Anspruch auf Taggeldleistungen mehr (Art. 19 Abs. 1 UVG). Ebenso wenig sind die Voraussetzungen zur weiteren Übernahme von Heilungskosten erfüllt (Art. 21 UVG). Die SUVA, an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird über den Anspruch auf eine Invalidenrente sowie auf Integritätsentschädigung (Art. 24 f. UVG; BGE 124 V 209) zu befinden haben. Da nicht bekannt ist, ob die von der Invalidenversicherung erhobene 100 %ige Invalidität ausschliesslich unfallbedingt ist, kann der entsprechende Invaliditätsgrad nicht ohne weiteres auf den Unfallversicherungsbereich übertragen werden, sondern die SUVA wird die Invalidenrente unter Berücksichtigung der unfallbedingten Schädigung der linken Hand festlegen.