Citation: U 218/04 03.03.2005 E. 6

Das MRI vom 16. Februar 2001 ergab Diskushernien in der Etage C5/6 einerseits gegen und in das Intervertebralforamen C5/6 rechts und anderseits nach caudal hin luxierend und das Rückenmark etwas deformierend paramedian rechts. Weiter liessen sich neurologisch nicht wirksame Protrusionen der Disci C2/3 und C3/4 sowie Unkovertebral-arthrosen C6/7 mit Einengung der Intervertebralforamina beidseits nachweisen. 6.1 Nach der unfallmedizinischen Erfahrung entstehen praktisch alle Diskushernien (vgl. zu diesem Begriff Alfred M. Debrunner, Orthopädie. Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., S. 778 ff. und 878 ff. sowie Jürgen Krämer, Bandscheibenbedingte Erkrankungen, 3. Aufl., S. 5 f.) bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen. Ein Unfall im Rechtssinne (Art. 4 ATSG) kann nur ausnahmsweise als eigentliche Ursache in Betracht fallen. Voraussetzung ist, dass das fragliche Ereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und dass die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftraten (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190 und Nr. U 379 S. 192). Das Gleiche gilt grundsätzlich auch für eine richtunggebende Verschlimmerung eines krankhaften Vorzustandes, wenn und soweit also durch den Unfall eine Diskushernie früher oder beschleunigt zur Entwicklung gebracht wurde. Wird eine vorbestandene Diskushernie durch den Unfall lediglich manifest, müssen die dadurch ausgelösten Beschwerden innerhalb einer kurzen Zeitspanne auftreten, um als natürlich kausale Folgen des fraglichen Ereignisses zu gelten. Für den Brust- und Lendenwirbelbereich wird eine Latenzzeit von höchstens acht bis zehn Tagen angegeben (Alfred M. Debrunner/Erich W. Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 55). Bei einer vorbestehenden Diskushernie der Halswirbelsäule beträgt das beschwerdefreie Intervall in der Regel lediglich wenige Stunden (Krämer a.a.O. S. 355; nicht veröffentlichtes Urteil S. vom 4. Juni 1999 [U 193/98]). Für spätere Rezidive hat die Unfallversicherung nur einzustehen, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 191 Erw. 3 und Urteil H. vom 18. August 2000 [U 4/00] Erw. 3b; Debrunner/Ramseier a.a.O. S. 64). 6.2 Der Auffahrunfall vom 18. September 2000 war nicht von besonderer Schwere. An dieser Beurteilung ändern die Vorbringen der Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung nichts. Ebenfalls zu keiner anderen Betrachtungsweise Anlass geben die Technische Unfallanalyse vom 20. März 2002 und die Auswertung des Fahrtenschreibers durch den Wissenschaftlichen Dienst der Polizei vom 31. Mai 2002. Im Weitern stellte der Hausarzt sowohl bei der Untersuchung am Tag nach dem Unfall als auch drei Monate später Ende Dezember 2000 die freie Beweglichkeit der Halswirbelsäule und des Kopfes in allen Richtungen fest (Arztzeugnis UVG vom 26. Februar 2001 und Schreiben vom selben Tag an Dr. med. H.________). Ebenfalls bestand bei der neurologischen Abklärung am 14. März 2001 eine allseits praktisch freie und schmerzlose HWS-Beweglichkeit. Im Bericht vom 23. März 2001 wurde zwar auf Grund der geklagten Kopfschmerzen und generalisierten Schmerzen am rechten Arm eine Zervikobrachialgie rechts diagnostiziert. Über solche Beschwerden hatte die Versicherte indessen vorher nie geklagt. Sodann fanden sich keine Anzeichen, insbesondere keine motorischen oder sensiblen Störungen, für eine radikuläre Ausfallsymptomatik. Bis zur neurologischen Untersuchung vom 14. März 2001 sind in Form objektivierter Befunde einzig eine (deutliche) Streckhaltung der HWS sowie Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich belegt (Erw. 5.1). Schliesslich bestand nach dem Unfall vom 18. September 2000 auch keine direkt auf dieses Ereignis zurückführbare Arbeitsunfähigkeit. Zumindest erfolgte keine Unfallmeldung. Die Aufgabe der Tätigkeit als Service-Angestellte, nach Angaben der Beschwerdegegnerin am 11. November 2000, hatte ihren hauptsächlichen Grund in einer Unsicherheit der rechten Hand. Dem Hausarzt gegenüber äusserte sie sich in dem Sinne, sie sei nicht mehr in der Lage, Getränke aus einer Flasche auszuschenken. Die Hand gerate ins Zittern und es komme zum Verschütten (Schreiben Dr. med. U.________ an Dr. med. H.________ vom 26. Februar 2001). Schmerzen der rechten Hand bestanden indessen bereits vor dem Unfall vom 18. September 2000. Gemäss Bericht der Neurologischen Klinik des Spitals A.________ vom 11. Oktober 2000 hatte die Versicherte am 25. Dezember 1999 bei einem Sturz auf das rechte Handgelenk eine distale Radiusfraktur erlitten. Es verblieben eine Bewegungseinschränkung resp. bewegungsabhängige Schmerzen. Es finden sich keine Hinweise in den Akten, dass der Auffahrunfall vom 18. September 2000 zu verstärkten Beschwerden geführt hätte. In Bezug auf das beim Untersuch vom 27. Dezember 2000 angegebene Knacksen des Kopfes bei gewissen Bewegungen, welches insbesondere auch von den Gästen habe gehört werden können, gab die Versicherte im Übrigen keine Schmerzen an. Unter diesen Umständen kann die Zervikobrachialgie nicht als Folge einer durch den Auffahrunfall vom 18. September 2000 direkt verursachten oder früher oder beschleunigt zur Entwicklung gebrachten Diskushernie C4/5 betrachtet werden. Das in diesem Verfahren eingereichte Gutachten der MEDAS vom 13. Januar 2005 gibt zu keiner anderen Betrachtungsweise Anlass. Insbesondere finden sich in der Expertise keine Hinweise, dass das Gesamtbild der regelmässig bei einem Schleudertrauma der HWS ohne Kopfanprall beobachteten Symptomatik früher als gut zwei Jahre nach dem Unfall vom 18. September 2000 voll in Erscheinung getreten war (Erw. 5). Es kommt dazu, dass gemäss dem im Gutachten erwähnten Bericht der Chirurgischen Klinik des Spitals A.________ vom 25. Mai 2000 die Versicherte im damaligen Zeitpunkt über persistierende ulnare Schmerzen rechts geklagt hatte, welche vor allem bei der Arbeit, z.B. beim Einschenken, beim Trocknen der Gläser usw., behinderlich waren. Diese Feststellung ist auch insofern von Bedeutung, als laut MEDAS-Ärzten die im Vordergrund stehende therapiebedürftige mittelschwere depressive Störung ohne somatische Symptome im Zusammenhang steht mit ihrer Trauer um den Verlust der geliebten Arbeit als Service-Angestellte. Bereits aus diesen Gründen vermag die Aussage im Gutachten vom 13. Januar 2005, bei der Versicherten bestünden keine unfallfremden Leiden, nicht zu überzeugen, soweit auch Bezug auf die Auffahrkollision vom 18. September 2000 genommen wird. Abgesehen davon war im Zusammenhang die Frage nach «Einschränkungen durch die Leiden am Bewegungsapparat (insbesondere HWS, Handgelenke)» gestellt worden. Weitere Abklärungen vermöchten an diesem Beweisergebnis nichts zu ändern. 6.3 Stehen somit die geklagten Beschwerden und die vom Hausarzt attestierte Arbeitsunfähigkeit ab 1. Januar 2001 nicht in einem natürlichen Kausalzusammenhang zur Auffahrkollision vom 18. September 2000, entfällt eine Leistungspflicht der Mobiliar. Der angefochtene Entscheid hebt somit zu Unrecht den in diesem Sinne lautenden Einspracheentscheid vom 24. Februar 2003 auf.