Citation: 2C_14/2024 E. 7.2

7.2. Das Bundesgericht hat Rückstufungen aufgrund des Nichtvorliegens eines einzigen Integrationsmerkmals bisher mehrfach bestätigt (vgl. Urteile 2C_490/2023 vom 31. Mai 2024 E. 3-7 [erhebliche Sozialhilfeabhängigkeit]; 2C_308/2023 vom 7. Mai 2024 E. 4 und 5 [erhebliche Sozialhilfeabhängigkeit]; 2C_284/2023 vom 19. März 2024 E. 3 und 4 [erhebliche Sozialhilfeabhängigkeit]; 2C_1043/2022 vom 19. Januar 2023 E. 4 [mutwillige Schuldenwirtschaft]; 2C_96/2021 vom 19. Oktober 2021 E. 4-6 [erhebliche Sozialhilfeabhängigkeit]). In BGE 148 II 1 hielt es sodann ausdrücklich fest, dass eine Rückstufung wegen Straffälligkeit auch dann möglich ist, wenn keine weiteren Gründe für diese ausländerrechtliche Massnahme sprechen (vgl. E. 4.3.3-4.3.5). Die Frage, ob es für eine Rückstufung in jedem Fall genügt, wenn ein einziges Integrationskriterium nicht erfüllt ist, braucht vorliegend indes nicht entschieden zu werden: Wenn nämlich mit dem Fehlen eines einzigen Integrationsmerkmals zugleich ein Widerrufsgrund im Sinn von Art. 63 Abs. 1 AIG gesetzt ist und ein einziger Widerrufsgrund unstrittig zum Widerruf der Niederlassungsbewilligung mit Wegweisung führen kann, dann muss - a maiore ad minus - das Fehlen dieses einen Integrationsmerkmals zwingend auch für eine Rückstufung genügen (so auch LARA BENSEGGER, Die Rückstufung im Ausländer- und Integrationsgesetz, Jusletter 2. August 2021, N. 31-33 und 108). Es liefe der norminternen Wertungslogik von Art. 63 AIG zuwider, wenn an die Rückstufung bei Vorliegen eines Widerrufsgrunds strengere Anforderungen gestellt würden als an den Widerruf mit Wegweisung. Entsprechend bedarf es für eine Anwendung von Art. 63 Abs. 2 AIG jedenfalls dann keiner Gesamtbetrachtung und -würdigung sämtlicher Integrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG, wenn dem Nichterfüllen eines einzigen Integrationskriteriums das Gewicht eines Widerrufsgrunds im Sinn von Art. 63 Abs. 1 AIG zukommt. Dies ergibt sich im Umkehrschluss bereits aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach eine Rückstufung wegen untergeordneter, aber regelmässig begangener Straftaten zulässig sein kann, wenn die Straffälligkeit einen Widerruf mit Wegweisung (noch) nicht zu rechtfertigen vermag (vgl. BGE 148 II 1 E. 4.3.4).