Citation: 5P.187/2005 09.08.2005 E. 2

Das Obergericht hält im Unterschied zum Bezirksgericht dafür, der Ehefrau sei kein (hypothetisches) Erwerbseinkommen anzurechnen, weil sie im Zeitpunkt der Scheidung erheblich über 45 Jahre alt gewesen sei, mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe, über keine Berufserfahrung in den letzten 22 Jahren verfüge und keine reellen Wiedereinstiegschancen auf dem angespannten Arbeitsmarkt habe. 2.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst mehrfach eine Verletzung seines aus Art. 29 Abs. 2 BV fliessenden Anspruches auf rechtliches Gehör. 2.1.1 Unter diesem Gesichtswinkel macht er einmal geltend, das Obergericht habe die Wiedereinstiegschancen der Beschwerdegegnerin verneint, ohne dass es seinem Beweisantrag auf nochmalige persönliche Befragung der geschiedenen Ehefrau stattgegeben habe. Darin liege eine Missachtung seines Gehörsanspruches. Im Rahmen des Appellationsverfahrens hat das Obergerichtspräsidium in Anwendung von § 239 Abs. 2 ZPO/AG die Parteien schriftlich angefragt, ob sie auf die Durchführung einer mündlichen Appellationsverhandlung verzichten würden und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass bei einem solchen Verzicht der Fall auf Grund der Akten beurteilt werde. In der Folge haben beide Parteien auf eine Appellationsverhandlung verzichtet. Damit hat der Beschwerdeführer auch auf die Durchführung eines Beweisverfahrens und implizit auf eine erneute Befragung der Beschwerdegegnerin durch die Appellationsinstanz verzichtet. Angesichts dessen gerät er mit sich selbst in Widerspruch, wenn er einerseits keine Appellationsverhandlung gewollt hat, anderseits nun dem Obergericht vorwirft, es habe seinem Antrag auf nochmalige Befragung der geschiedenen Ehefrau nicht entsprochen. Von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs kann unter solchen Umständen keine Rede sein. 2.1.2 Weiter wirft der Beschwerdeführer dem Obergericht eine Verletzung von Art. 29 Abs. 2 BV vor, weil es seiner Begründungspflicht nicht nachgekommen sei. Im angefochtenen Entscheid werde nämlich nicht gesagt, weshalb der Antrag auf erneute Befragung der Beschwerdegegnerin abgelehnt worden sei. Im Schreiben vom 9. März 2005 hat das Obergerichtspräsidium die Parteien ausdrücklich darauf hingewiesen, dass im Falle eines Verzichts auf die Appellationsverhandlung die Beurteilung des Falles auf Grund der Akten erfolgen werde. Damit musste dem Beschwerdeführer klar sein, dass bei einem beidseitigen Verzicht kein Beweisverfahren und folgerichtig auch keine nochmalige Befragung der Beschwerdegegnerin stattfinden werde. Ihm konnte also nicht verborgen bleiben, dass infolge seiner Verzichtserklärung seinem Beweisantrag die Grundlage entzogen war. Darauf brauchte das Obergericht in den Erwägungen nicht einzugehen, zumal die genannte Konsequenz für den Beschwerdeführer ohnehin einsichtig sein musste. Ein Verstoss gegen die Begründungspflicht liegt nicht vor.