Citation: 4C.424/2004 15.03.2005 E. 5.1

5.1.1 Ein Ersatzanspruch entfällt zunächst mangels Vertrauensschadens, soweit der Architekt beweist, dass der Bauherr an seinen Dispositionen resp. an seinem Verhalten nichts geändert hätte, wenn ihm die Unrichtigkeit des Voranschlages bewusst gewesen wäre. Der Bauherr ist nur soweit geschädigt, als ihm Mehrkosten entstanden sind, die er durch alternatives Verhalten hätte vermeiden können und wahrscheinlich vermieden hätte, wenn er richtig und rechtzeitig über die mutmasslichen Kosten aufgeklärt worden wäre. Die Schädigung, für die der Architekt grundsätzlich einzustehen hat, ergibt sich somit daraus, dass der Bauherr bei Kenntnis der Unrichtigkeit des Kostenvoranschlags anders disponiert hätte. Als hypothetisches Alternativverhalten kommt dabei etwa in Betracht, dass der Bauherr bei (genügend) genauem Kostenvoranschlag eine günstigere Finanzierung der Gesamtkosten erreicht, das Bauwerk auf kostengünstigere Weise realisiert oder von der Realisierung überhaupt abgesehen hätte. Soweit der Bauherr sein Bauvorhaben bei richtiger Information trotzdem unverändert durchgeführt, die über den Kostenvoranschlag hinausgehenden Kosten also ohnehin in Kauf genommen hätte, ist ihm kein Schaden entstanden. Hätte er dagegen auf das Bauvorhaben verzichtet oder jedenfalls weniger dafür ausgegeben, so ist in den Mehrausgaben grundsätzlich eine ungewollte Vermögensverminderung zu sehen (BGE 122 III 61 E. 2c/aa S. 64; 119 II 249 E. 3b/aa S. 252; Schumacher, a.a.O., Rz. 767 ff., 777; Fellmann, a.a.O., S. 235; Gauch, a.a.O., S. 81 f.; Zehnder, a.a.O., Rz. 236 ff.). Dass er sich bei richtiger Information anders verhalten und damit Kosten erspart hätte, muss grundsätzlich der Bauherr dartun (vgl. zu den Anforderungen an den entsprechenden Beweis und an den Gegenbeweis des Architekten zu seiner Entlastung: Schumacher, a.a.O., Rz. 768 f.; derselbe, a.a.O., recht 1994 S. 135; Fellmann, a.a.O., S. 235 f.; siehe ferner auch BGE 117 Ib 197 E. 5c und d S. 209 f.). 5.1.2 Die Vorinstanz stellte unter Verweisung auf die einlässlichen Erwägungen des Bezirksgerichts fest, dass der Kläger das Bauvorhaben angesichts seiner beschränkten finanziellen Möglichkeiten nicht oder jedenfalls nicht in der realisierten Form in Angriff genommen hätte, wenn er gewusst hätte, dass der veranschlagte Betrag von Fr. 1'695'000.-- für dessen Realisierung nicht ausreichen würde; es sei davon auszugehen, dass er alles getan hätte, um die eingetretene finanzielle Entwicklung zu verhindern. An diesem Schluss vermöge angesichts der fehlenden Sachkunde des Klägers mit Bezug auf die Kostenerfassung und -kontrolle bei einem Bauvorhaben namentlich die Tatsache nichts zu ändern, dass er vor Baubeginn nicht auf der Vorlegung eines Kostenvoranschlages bestanden habe. Auch die Behauptungen der Beklagten über das Fehlen einer angemessenen Reaktion des Klägers auf den ihm am 8. August 1994 unterbreiteten Kostenvoranschlag vermöchten den gezogenen Schluss nicht zu entkräften; im damaligen Zeitpunkt seien - von ohnehin zu Lasten des Klägers gehenden Kosten für gehobenen Ausbau von Küche und Bädern abgesehen - keine wesentlichen Kosteneinsparungen mehr möglich gewesen und dem Kläger sei nichts anderes übrig geblieben, als mit der Realisierung des Bauvorhabens im ursprünglich geplanten Umfang fortzufahren. Der Vertrauensschaden bestehe insofern in der gesamten Kostenüberschreitung, soweit diese nicht auf Sonderwünsche des Klägers zurückzuführen sei, da davon auszugehen sei, der Kläger hätte die entsprechenden Mehrkosten bei richtiger Kosteninformation verhindert. Die kantonalen Instanzen haben ihre Überzeugung hinsichtlich des hypothetischen Alternativverhaltens des Klägers nach dem Dargelegten aufgrund von erhobenen Beweisen und aus den Umständen des konkreten Falles gewonnen. Damit haben sie in Beweiswürdigung eine tatsächliche Feststellung getroffen, an die das Bundesgericht mangels substanziierter Sachverhaltsrügen nach Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG im Berufungsverfahren gebunden ist (BGE 122 III 61 E. 2c/bb; vgl. dazu auch BGE 127 III 453 E. 5d; 126 III 10 E. 2b, je mit Hinweisen). Was die Beklagte dagegen vorbringt, ist nicht geeignet, eine Bundesrechtsverletzung aufzuzeigen, sondern stellt blosse Kritik an der Beweiswürdigung der kantonalen Instanzen dar, die zudem weitgehend auf von der Vorinstanz nicht festgestellten Sachverhaltselementen gründet. Mit dieser ist sie im vorliegenden Verfahren nicht zu hören, weshalb es insoweit bei den vorinstanzlichen Feststellungen zum Schaden bleibt. 5.2 Es entspricht einem Grundsatz des schweizerischen Schadenersatzrechts, dass sich der Geschädigte Vorteile, die ihm aus dem Schadenereignis erwachsen sind, auf seinen Schaden anrechnen lassen muss, andernfalls er bereichert wäre (Brehm, Berner Kommentar, N. 27 ff. zu Art. 42 OR; Schumacher, a.a.O., S. 238). Dem Bauherrn entsteht daher im Weiteren nur insoweit ein zu ersetzender Schaden, als die Baute entsprechend der Kostenüberschreitung nicht einen objektiven Mehrwert aufweist und als ein - aufgedrängter - Mehrwert des Hauses für ihn nutzlos ist oder die Investition gar seine wirtschaftlichen Möglichkeiten übersteigt. Da ein Mehrwert dem Bauherrn insoweit als Vorteil anzurechnen ist, als er ein persönliches Interesse daran hat, kann der massgebliche Schaden als Differenz zwischen dem objektiven Wert der Baute und dem subjektiven Nutzen des Bauherrn daran umschrieben werden (BGE 122 III 61 E. 2c/aa; 119 II 249 E. 3b/bb S. 253; vgl. dazu Fellmann, a.a.O., S. 223 f., 238 f.; Schumacher, a.a.O., Rz. 779 ff.; Gauch, a.a.O., S. 85). 5.2.1 Die Vorinstanz verneinte, dass die streitbetroffene Liegenschaft im Zeitpunkt ihrer Fertigstellung bzw. der Vorlage der Schlussabrechnung gegenüber den geschätzten Kosten von Fr. 1'695'000.-- überhaupt einen objektiven Mehrwert aufgewiesen habe. Sie berücksichtigte dabei, dass der Verkehrswert der Liegenschaft in diesem Zeitpunkt amtlich auf Fr. 1'776'000.-- geschätzt worden war. Sie hielt indessen fest, dass der Verkehrswert im Jahre 1999 amtlich nur noch auf Fr. 1'622'000.-- geschätzt worden sei und die Liegenschaft im Jahre 2000 aufgrund der anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten des Klägers für einen Preis von bloss Fr. 1'100'000.-- habe verkauft werden müssen. Angesichts dieser Umstände hielt es die Vorinstanz für reine Spekulation und nicht glaubhaft, dass der Kläger die Liegenschaft nach Erstellung des Bauprojekts zum amtlich geschätzten Wert hätte verkaufen können. Sie hat damit aufgrund der konkreten Umstände beweismässig geschlossen, dass die Liegenschaft im Zeitpunkt ihrer Fertigstellung keinen objektiven Mehrwert aufwies. Darin liegt eine tatsächliche Feststellung, an die das Bundesgericht im Rahmen der Berufung grundsätzlich gebunden ist (Art. 63 Abs. 2 OG). 5.2.2 Die Beklagte macht dagegen allerdings geltend, die Vorinstanz habe den bundesrechtlichen Schadensbegriff verkannt (vgl. dazu BGE 127 III 73 E. 4a mit Hinweisen), indem sie angenommen habe, der Schaden bestehe in der Differenz zwischen der Kostenschätzung von Fr. 1'695'000.-- und den effektiv abgerechneten Kosten von Fr. 2'020'681.45, also in der effektiv errechneten Kostenüberschreitung. Massgeblich sei vielmehr die Differenz des Vermögensstandes des Klägers, wie er sich vor der Erstellung der Baute im Mai 1994 und nach Abschluss des Konkursverfahrens präsentiert habe. Damit macht sie im Wesentlichen geltend, dass die Vorinstanz den für die Schadensberechnung massgeblichen Zeitpunkt falsch angesetzt habe. Sie übersieht dabei, dass der Schaden aus vertraglichen Leistungsstörungen im Regelfall auf den Zeitpunkt der Erfüllung zu berechnen ist, wenn vom hier nicht gegebenen Fall abgesehen wird, in dem der Gläubiger die Schadensberechnung im Urteilszeitpunkt verlangt (vgl. BGE 122 III 53 E. 4c S. 57; 109 II 474 E. 3 S. 476; vgl. dazu auch BGE 130 III 591 E. 3.1 S. 597; Wiegand, Basler Kommentar, N. 51 zu Art. 97 OR; Gauch/Schluep/Rey, Schweizerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, 8. Aufl., Zürich 2003, Rz. 2655 ff.). Die Vorinstanz hat bei der Schadensberechnung somit zutreffend auf den Zeitpunkt der Erfüllung, d.h. auf denjenigen der Fertigstellung der Baute bzw. der Vorlage der Schlussabrechnung abgestellt, in dem der Umfang der schadensbegründenden Kostenüberschreitung feststand. Welche Entwicklung das Vermögen des Klägers im Konkursverfahren nahm, hat die Vorinstanz somit zu Recht ausser Acht gelassen. 5.2.3 Hat die Vorinstanz bundesrechtskonform verneint, dass die Liegenschaft im massgebenden Zeitpunkt gegenüber der Kostenschätzung vom 18. Februar 1994 einen objektiven Mehrwert aufwies, erübrigt sich die Ermittlung eines subjektiven Mehrwertes der Liegenschaft für den Kläger.