Citation: 5A_765/2022 E. 3.2.3

3.2.3. Zusammenfassend ergebe die Auslegung des Erbvertrags aufgrund des Vertrauensprinzips, dass damit über den gesamten Nachlass des Erblassers verfügt worden sei, ohne die Beschwerdeführerin einzubeziehen und ihr daher mit dem Tod des Erblassers lediglich die Stellung einer virtuellen Erbin zugekommen sei. Ein davon abweichender tatsächlicher, übereinstimmender Wille der Vertragsparteien werde von keiner Partei (rechtzeitig) behauptet. Vielmehr gehe auch die Beschwerdeführerin, jedenfalls noch im erstinstanzlichen Verfahren, davon aus, dass der Erblasser und seine Ehefrau sie im Erbvertrag bewusst unerwähnt gelassen hätten, in der Hoffnung, sie damit faktisch enterben zu können, sowie dass der Erbvertrag ihren Pflichtteilsanspruch verletze, sie gänzlich von der Erbschaft ausgeschlossen worden sei und sie daher die Erbenstellung verloren habe.