Citation: 2C_219/2019 E. 7.4

7.4. Die vorstehend dargelegte Verwaltungspraxis steht im Einklang mit dem Sinn und Zweck des Verlagerungsverfahrens, wie es in Art. 83 Abs. 1 aMWSTG geregelt war bzw. in Art. 63 Abs. 1 MWSTG geregelt ist: Das Verlagerungsverfahren dient der Vereinfachung der Bezahlung, Deklaration sowie Entrichtung der Einfuhrsteuer (vgl. CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER/JUNG/PROBST, a.a.O., N. 2432; DIEGO CLAVADETSCHER/SONJA BOSSART MEIER, Verlagerungsverfahren - an der Schnittstelle zwischen Inland- und Einfuhrsteuer, Expert Focus 6-7/2016, S. 454); überdies können Steuerpflichtige durch die Inanspruchnahme des Verfahrens Zinsnachteile vermeiden, die sich bei "ordentlicher" Erhebung der Einfuhrsteuer durch die EZV (Art. 62 Abs. 1 MWSTG) im Zeitraum zwischen Bezahlung der Einfuhrsteuer und Geltendmachung der Einfuhrsteuer als Vorsteuer ergäben (vgl. DANIELA PFISTER/RETO ARNOLD, in: Kompetenzzentrum MWST der Treuhand-Kammer, mwst.com, Kommentar zum aMWSTG, 2000, N. 1 zu Art. 83 aMWSTG; REGINE SCHLUCKEBIER, a.a.O., N. 2 zu Art. 63 MWSTG; MÓNIKA MOLNÁR/STEFAN SCHWALLER, Das Verlagerungsverfahren, Zoll Revue 4/2018, S. 20 ff., S. 21). Diese Vorteile sollen aber selbstredend nur jenen Personen zugute kommen, die im Zusammenhang mit ihrer eigenen unternehmerischen Tätigkeit einfuhrsteuerpflichtig werden und aus ebendieser Tätigkeit regelmässig beachtliche Vorsteuerüberschüsse erzielen (Art. 83 Abs. 1 aMWSTG; Art. 63 Abs. 1 MWSTG in fine). Das Verlagerungsverfahren dient nicht dazu, die genannten Vorteile auch Personen zukommen zu lassen, die nicht zum Verlagerungsverfahren zugelassen sind (vgl. in diesem Zusammenhang den Bericht des Bundesrates vom 2. Dezember 2016, Vereinfachte Erhebung der Mehrwertsteuer beim Import von Waren, System von Dänemark, S. 17). Zu verlangen, dass die als "Importeurin" (vgl. Art. 63 Abs. 1 MWSTG) bezeichnete Person im Sinne einer voraussichtlichen Vorsteuerabzugsberechtigung "unmittelbar nach der Einfuhr über die Gegenstände wirtschaftlich verfügen können muss", stellt damit eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben dar. Das Bundesgericht sieht deshalb keinen Anlass, Art. 83 Abs. 1 aMWSTG bzw. Art. 63 Abs. 1 MWSTG anders auszulegen, als die Verwaltungspraxis (vgl. E. 7.3 hiervor; vgl. zur Bedeutung von Verwaltungsverordnungen BGE 142 V 425 E. 7.2 S. 434; 142 II 182 E. 2.3.3 S. 191; 141 V 139 E. 6.3.1 S. 145 f.; 140 V 543 E. 3.2.2.1 S. 547 f.; Urteil 2C_209/2017 vom 16. Dezember 2019 E. 4.1 [zur Publikation vorgesehen]).