Citation: 4A_115/2014 E. 6.1

6.1. Der Ansicht der Erstinstanz und der Beschwerdeführerin, es entspreche der Lebenserfahrung, dass man ein Strafverfahren verarbeiten könne, sei entgegenzuhalten, dass bei der Frage der Kausalität vom einzelnen konkreten Fall und nicht von einer generellen Unfall-Statistik auszugehen sei. Auch singuläre, aussergewöhnliche Folgen könnten adäquate Unfallfolgen darstellen. Der vorliegende Fall betreffe einen Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen und einem daran anschliessenden Strafverfahren, in welchem dem Beschwerdegegner vorgeworfen worden sei, am Tod des Unfallbeteiligten schuld zu sein. Unter solchen, doch erheblich belastenden Umständen könne nicht gesagt werden, dass jedermann die ungerechtfertigte Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung durch zwei Instanzen einfach so wegstecken können müsse. Der Beschwerdegegner habe sich nach den Ausführungen von Dr. Horlacher und Dr. Pintér schon bald nach dem Unfall auf nichts anderes mehr konzentrieren können als auf das Unfallereignis an sich. Später habe sich dann dessen Interesse ganz auf das Strafverfahren gerichtet und er sei durch die Verurteilungen in eine paranoide Entwicklung hineingerutscht, die immer absurdere Dimensionen angenommen habe; diese Reaktion habe nach Dr. Horlacher mit einer erhöhten Vulnerabilität des Beschwerdegegners im Sinne einer narzisstischen Problematik zu tun, wie dies bei Anpassungsstörungen typisch sei; der Beschwerdegegner habe seit jeher ein etwas instabiles Selbstwertgefühl und eine Verwundbarkeit für die Ungerechtigkeiten des Lebens mit sich getragen; zudem sei er durch "eine schuldhaft verarbeitete", unfallbedingte Hirnverletzung seines Sohnes belastet gewesen, könne bei ihm eine familiäre Tradition in Bezug auf ein vehement vertretenes Gerechtigkeitsgefühl erhoben werden, hätten sich seine familiären Verhältnisse ungünstig entwickelt und sei er in gerichtliche Verfahren und Betreibungen verwickelt worden. Die Vorinstanz kam danach zum Schluss, der Beurteilung der Erstinstanz könne zwar grundsätzlich gefolgt werden, wonach nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung jemand, der schuldlos in einen Unfall verwickelt werde und dann ein Strafverfahren über sich ergehen lassen müsse, in dem er letztinstanzlich freigesprochen werde, die dadurch bedingten Schrecken und Kränkungen ohne schwere bleibende psychische Schäden überstehe. Indessen treffe dies auf den Beschwerdegegner eben nicht zu. Dieser sei in psychischer Hinsicht offensichtlich keine Durchschnittsperson, sondern jemand mit einer prämorbiden Persönlichkeitsstörung, die dazu geführt habe, dass er die durch den Unfall bedingte Strafuntersuchung und die mit dem Strafprozess verbundene persönliche Kränkung nicht richtig habe verarbeiten können. Dieser Vorzustand führe aber nicht dazu, dass die Adäquanz des Kausalzusammenhangs verneint werden müsste, vermöge doch nach der Gerichtspraxis eine konstitutionelle Prädisposition den adäquaten Kausalzusammenhang in der Regel weder auszuschliessen noch zu unterbrechen. Nach Lehre und Rechtsprechung genüge es grundsätzlich für die Annahme eines rechtserheblichen Kausalzusammenhangs, dass der Haftpflichtige eine Ursache gesetzt habe, ohne die es nicht zum Schadenseintritt gekommen wäre. Dies sei vorliegend der Fall, bestünden doch keinerlei Indizien, dass der Beschwerdegegner arbeitsunfähig geworden wäre, wenn er nicht in das Strafverfahren hineingezogen worden wäre. Er habe vor dem Unfall trotz der prämorbiden Persönlichkeitsstörung und der mit dem Unfall seines Sohnes verbundenen Schuldproblematik völlig unauffällig gelebt und gearbeitet.