Citation: 6B_317/2024 E. 6.1

6.1. Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, "indem die Vorinstanz weder ihre Aussagen noch diejenigen der Zeugen und des Beschwerdegegners 2 einer richterlichen Würdigung unterzog". Angesichts der sorgfältigen vorinstanzlichen Würdigung der Aussagen der Beteiligten ist unerfindlich, wie die Beschwerdeführerin diesen Vorwurf erheben kann. Soweit sich die Ausführungen der Beschwerdeführerin auf die Aussagenanalyse beziehen, kann auf die schlüssigen vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden, wonach keine tatnahen Aussagen vorliegen, weil die Beschwerdeführerin den Vorfall erst drei Monate später der Staatsanwaltschaft gemeldet habe. Ihre erste Befragung vom 25. Juni 2020 sei fast 8 Monate nach dem Vorfall erfolgt und auf Video aufgezeichnet worden. Zudem mache die Beschwerdeführerin eine alkoholbedingte Widerstandsunfähigkeit geltend, die mit Blick auf das Kerngeschehen zu einem Filmriss geführt habe, weshalb eine Aussagenanalyse nicht zielführend sei. Die Vorinstanz ergänzt unter Hinweis auf die einschlägige rechtspsychologische Lehre, die erste Einvernahme sei erst spät erfolgt. Daher seien zahlreiche Sekundäreinflüsse in Form von Gesprächen, Beratungen und Therapien möglich. Weiter bestehe die Möglichkeit von autosuggestiven Prozessen, die von aussen angestossen würden und ihren Ausgangspunkt häufig in einem schlechten psychischen Befinden hätten. Die Vorinstanz gibt zu bedenken, dass Aussagen, die auf voll ausgebildeten Pseudoerinnerungen beruhen, eine ähnlich hohe Qualität erreichen können wie erlebnisbasierte Schilderungen. Wenn in der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage suggestive Prozesse begründbar seien, stelle die Inhaltsanalyse im Einzelfall kein valides Mittel zur Verifizierung von Aussagen mehr dar (SCHILLING/ HAUCH, Wahrheit oder Lüge - Unterscheidbar?, in: Vuille/Oberholzer/ Graf [Hrsg.], Wahrheit, Täuschung und Lüge, Schweizerische Arbeitsgruppe für Kriminologie [SAK], Band 33 2016, S. 32 ff.). Bezogen auf den konkreten Fall hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin habe angegeben, bereits am Tag des Vorfalls mit zwei Freundinnen und ihrer Familie über das Vorgefallene gesprochen und vor ihrer ersten Einvernahme eine Therapie absolviert zu haben. Damit stehe fest, dass der Vorfall innerhalb und ausserhalb der Familie besprochen worden sei. Folglich könnten weder Sekundäreinflüsse noch auto- oder fremdsuggestive Prozesse ausgeschlossen werden. Damit seien die Aussagen der Beschwerdeführerin einer inhaltlichen Analyse anhand von Realkennzeichen und somit einer Überprüfung des Wahrheitsgehalts nur derart beschränkt zugänglich, dass ausgehend von der Nullhypothese keine Verurteilung erfolgen könnte. Diesen überzeugenden Erwägungen ist nichts beizufügen.