Citation: 4A_141/2022 E. 3.2.2

3.2.2. Hätte pflichtgemässes Verhalten verlangt, einen Prozess einzuleiten, besteht ein Schaden nur, soweit der Prozess für die Beschwerdeführerin positiv verlaufen wäre. Das von der Vorinstanz angewandte Beweismass beanstandet die Beschwerdeführerin nicht grundsätzlich (vgl. E. 4 hiernach), so dass dieser Punkt nicht weiter zu prüfen ist. Für die Einschätzung der Prozessaussichten des Erstprozesses ist aber nicht das für den Haftpflichtprozess gegen den Rechtsanwalt anwendbare Zivilprozessrecht massgebend und auch nicht die im Zeitpunkt dieses Prozesses gegebene Rechts- und Beweislage, sondern vielmehr das auf den Erstprozess bei pflichtgemässem Verhalten des Beschwerdegegners anwendbare Prozessrecht, nach der Sach-, Rechts- und Beweislage, wie sie sich bei pflichtgemässem Verhalten präsentiert hätte (WALTER FELLMANN, Anwaltsrecht, 2. Aufl. 2017, S. 501 f. Rz. 1462, nachfolgend: FELLMANN, Anwaltsrecht; vgl. in Bezug auf die Rechtslage: Urteil des Bundesgerichts 4A_2/2020 vom 16. September 2020 E. 3.4.2 mit Hinweis).