Citation: 6B_212/2017 E. 5.3

5.3. Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführerin am 23. Mai 2013 gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 130 lit. c StPO ein amtlicher Verteidiger bestellt wurde (kant. Akten, Urk. DS1 22/3). Am 19. August 2013 wurde ein Gesuch der Beschwerdeführerin um Wechsel des amtlichen Verteidigers gutgeheissen und Rechtsanwalt C.________ als neuer amtlicher Verteidiger ernannt (kant. Akten, Urk. DS1 23/1). Am 10. September 2015 teilte Rechtsanwalt D.________ der Staatsanwaltschaft unter Vorlage einer entsprechenden Vollmacht mit, dass er von der Beschwerdeführerin als erbetener Verteidiger beigezogen wurde (kant. Akten, Urk. DS1 25). Die Staatsanwaltschaft erhob am 29. September 2015 Anklage gegen die Beschwerdeführerin wegen mehrfacher vollendeter und mehrfacher versuchter Nötigung sowie wegen mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage. Sie beantragte eine unbedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 100.--, eine Busse von Fr. 1'200.-- sowie eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB. Das Bezirksgericht setzte den Parteien am 21. Oktober 2015 Frist, um Beweisanträge zu stellen. Der erbetene Verteidiger der Beschwerdeführerin beantragte am 23. Oktober 2015, der Beschwerdegegner 2 und B.________ seien in Anwendung von Art. 343 Abs. 3 StPO persönlich zu befragen, da eine "Aussage gegen Aussage"-Situation vorliege. Zudem verlangte er Abklärungen dazu, ob der Beschwerdegegner 2 tatsächlich seinen Festnetzanschluss aus Angst vor Anrufen der Beschwerdeführerin kündigte (kant. Akten, Urk. 41). Der amtliche Verteidiger führte in seiner unaufgeforderten Eingabe vom 2. November 2015 aus, die Beweisanträge seien unnötig und geeignet, die Beschwerdeführerin in ein negatives Licht zu stellen, da sie den Richter auf eine betonte Uneinsichtigkeit der Beschwerdeführerin schliessen lassen und den Eindruck einer bei ihr völlig fehlenden Opferempathie erwecken könnten. Die Tatsache, dass diese nach abgeschlossener Untersuchung Beweisanträge stellen lasse und - vor allem - die Tendenz solcher Beweisanträge, sage etwas aus über deren Persönlichkeit und insbesondere über ihre innere Einstellung, die sie dem Strafverfahren gegenüber zeige. Gemäss dem psychiatrischen Gutachten sei die Schuldfähigkeit der Beschwerdeführerin nur für den letzten Abschnitt der deliktischen Tätigkeit völlig aufgehoben. Somit könne sich der Richter nicht auf die Anordnung einer eventuellen Massnahme beschränken, er müsse zusätzlich eine Strafe ausfällen (kant. Akten, Urk. 44). Der erbetene Verteidiger hielt am 4. November 2015 an den Beweisanträgen fest und stellte zudem den Antrag, der amtliche Verteidiger sei aus seinem Mandat zu entlassen, weil er seinen Obliegenheiten nicht nachkomme und den Willen der Beschwerdeführerin bei seiner Verteidigungsstrategie nicht berücksichtige (kant. Akten, Urk. 50). Mit Verfügung vom 4. November 2015 wies das Bezirksgericht den Antrag auf Entlassung der amtlichen Verteidigung ab; den Beweisanträgen des erbetenen Verteidigers gab es statt (kant. Akten, Urk. 51). An der Hauptverhandlung vom 10. Dezember 2015 stellte der erbetene Verteidiger der Beschwerdeführerin zur Hauptsache einen Antrag auf Freispruch. Eventualiter beantragte er eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 100.--, eine Busse von Fr. 400.-- und den Verzicht auf eine ambulante Massnahme (kant. Akten, Urk. 74). Der amtliche Verteidiger beantragte, die Beschwerdeführerin sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen, zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 80.-- und einer Busse von Fr. 400.-- zu verurteilen und es sei eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB anzuordnen (kant. Akten, Urk. 75). Das vom erbetenen Verteidiger an der Hauptverhandlung vorfrageweise gestellte Gesuch um Entlassung des amtlichen Verteidigers wies das Bezirksgericht ab (kant. Akten, Protokoll Bezirksgericht S. 9 ff.). Zur Begründung führte es im Urteil vom 10. Dezember 2015 aus, der Umstand, dass der amtliche Verteidiger an der Hauptverhandlung den Instruktionen der Beschwerdeführerin zuwiderlaufende Anträge zu stellen beabsichtige, vermöge die gehörige Verteidigung nicht zu beeinträchtigen (erstinstanzliches Urteil E. 4.3 S. 12).