Citation: 8C_147/2020 E. 4

Die Vorinstanz erwog, das neurologische Gutachten vom 15. Oktober 2017 erfülle die Anforderungen der Rechtsprechung, so dass ihm voller Beweiswert zukomme, und hielt gestützt darauf fest, aus neurologischer Sicht bestehe keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Auch die weiteren geklagten Beschwerden hätten weder im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung noch mit pneumologischen oder kardiologischen Befunden erklärt werden können und die orthopädische Intervention habe zu einer guten und beschwerdefreien Situation an der linken Schulter geführt. In psychiatrischer Hinsicht kämen die beiden voll beweiswertigen Gutachten bezüglich der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zu unterschiedlichen Ergebnissen, was sich aber durch die zwischenzeitliche Verbesserung erklären lasse. Beiden Gutachten sei eigen, dass die von der Versicherten offenkundig und teils bewusst demonstrierte Selbstlimitierung und Eingliederungsresistenz sowie der sekundäre Krankheitsgewinn angesichts des im persönlichen Umfeld geschaffenen "Schonklimas" unwidersprochen geblieben sei. In der Folge unterzog das kantonale Gericht die diagnostizierten psychischen Störungen einer Indikatorenprüfung. Vorab hielt es fest, abgesehen von der neuropsychologischen Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf die Ausschlussgründe der Simulation oder Aggravation ergeben. Beim Komplex "Gesundheitsschädigung" der Kategorie "funktioneller Schweregrad" stellte es gestützt auf die Einschätzung der Dr. med. G.________ und des Dr. med. F.________ eine mittelschwere Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome fest. Bezüglich Verlauf und Ausgang von Therapien und Eingliederungsmassnahmen als wichtige Indikatoren des funktionellen Schweregrads verwies es auf die Resistenz der Versicherten gegenüber beruflichen und sozialrehabilitativen Massnahmen. Weiter verneinte es wesentliche Komorbiditäten. Beim Komplex "Persönlichkeit" seien keine Persönlichkeitsmerkmale ersichtlich, die im Rahmen der Ressourcenprüfung negativ ins Gewicht fallen könnten. Beim Komplex "Sozialer Kontext" hielt es fest, dass psychosoziale Belastungen vorhanden seien, sich die Tagesstruktur anlässlich der Begutachtung durch Dr. med. G.________ infolge der Verbesserung aber verändert habe. So schlafe die Versicherte tagsüber nur noch ausnahmsweise, fahre wieder Auto, gehe mindestens dreimal täglich mit dem Hund spazieren und lese bis zu einer Stunde. Somit verfüge sie durchaus über soziale und das seelische Gleichgewicht stabilisierende Ressourcen. Zur Kategorie "Konsistenz" hielt die Vorinstanz fest, die Schilderungen der Versicherten zeigten, dass sich die Einschränkungen nicht konsistent manifestieren würden. Sie könne den Haushalt erledigen und bis 1.5 Stunden putzen. Sie habe auch zahlreiche Hobbies (Sessel/Sofa polstern; Garten mit Biotop und Rosen), spaziere mehrmals täglich und lese bis zu einer Stunde. Zudem erscheine die Versicherte, die von ihrer Tochter umsorgt werde, nicht mehr motiviert, sich einer beruflichen Herausforderung und Wiedereingliederung zu stellen. So hätten die Versicherte und ihre Tochter ein Aufbautraining als kaum durchführbar betrachtet und angenommen, dass eventuell Leistung möglich wäre, dies aber zu einem Scheitern der Freizeitaufgaben führen würde. Diese Haltung zeige sich auch bei der neuropsychologischen Untersuchung, wo die Versicherte bei den einfachsten Tests die schlechtesten und bei den schwierigsten die besten Leistungen gezeigt habe, was gemäss Dr. phil. B.________ nicht mit dem Wissen über die Folgen von Erkrankungen des Gehirns vereinbar sei. Vor diesem Hintergrund bestehe auch die bereits erwähnte Resistenz gegenüber medizinischen, beruflichen und sozialrehabilitativen Massnahmen. Beim Indikator "Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen" erwähnte die Vorinstanz die etablierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sowie eine Medikamenten-Compliance, was für einen gewissen Leidensdruck spreche. Ein mehrfach empfohlener Rehabilitationsaufenthalt sei von der Versicherten indessen mit Vehemenz abgelehnt worden, womit der Leidensdruck nicht als gross einzustufen sei. In der Gesamtbetrachtung seien die gutachtlich postulierten funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten psychischen Beeinträchtigungen anhand der Standardindikatoren nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt, weshalb das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens zu verneinen und auf die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Optik nicht abzustellen sei. Da die Versicherte somit in der angestammten Tätigkeit nicht eingeschränkt sei, erübrige sich eine Invaliditätsbemessung.