Citation: 6B_199/2022 E. 4.2.1

4.2.1. Die Vorinstanz orientiert sich bei der Strafzumessung am Modell von EUGSTER/FRISCHKNECHT (Strafzumessung im Betäubungsmittelhandel, in: AJP 3/2014, S. 327 ff.) und hält fest, die Beschwerdeführerin erfülle teilweise Kriterien der Hierarchiestufen 3 oder 2, teilweise jedoch auch Merkmale der Hierarchiestufe 4. Die Beschwerdeführerin habe eine enorme Menge Kokain über weite Distanzen und internationale Grenzen hinweg befördert (Merkmal der Hierarchiestufe 3). Die Menge von 42'688 Gramm reinen Kokains übersteige den Grenzwert des mengenmässig schweren Falls von 18 Gramm um das 2'300-fache. Der Besitz von total 3'148 Gramm reinem Kokain trete in Anbetracht der transportierten Menge zwar weitgehend in den Hintergrund, übersteige den Grenzwert aber immer noch um den Faktor 174. Diese Zahlen sprengten die Hierarchiestufe 3 deutlich. Würde man nur dieses Merkmal berücksichtigen, wäre sie gar in die Hierarchiestufe 1 einzuordnen. Die Vorinstanz erwägt, die Beschwerdeführerin habe keine besondere Vertrauensstellung zu Mitgliedern einer höheren Stufe genossen (Merkmal der Hierarchiestufe 3), habe kaum etwas von der Organisationsstruktur gewusst, habe keine Unterstellten und keine Weisungsbefugnis gehabt und sei kaum selbständig gewesen (Merkmale der Hierarchiestufe 4). Allerdings stelle die regelmässige Überlassung von reinem Kokain im Kilobereich einen nicht unbedeutenden Vertrauensbeweis dar. Die Gleichgültigkeit und das Desinteresse der Beschwerdeführerin gegenüber dem Kokain und ihre ausgeprägte Naivität hätten ihre Auftraggeber indes auch nie ernsthaft beunruhigen müssen. Weiter hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin habe direkt auf grosse Mengen Kokain zugreifen können (Merkmal der Hierarchiestufe 3). Dies allerdings im Rahmen reiner Kurierdienste, weshalb eher das Merkmal der Hierarchiestufe 4 vorliege. Die Beschwerdeführerin sei erst nach den Kuriergängen bezahlt worden und habe erhaltene Geldbeträge zügig weiterleiten müssen, was typisch sei für die Hierarchiestufe 4. Die Belohnung der Beschwerdeführerin sei im Verhältnis zur transportierten Menge und dem beträchtlichen Risiko gering, was ebenfalls für die Hierarchiestufe 4 spreche. Die Beschwerdeführerin erfülle mit ihren Handlungen mehrere Qualifikationstatbestände von Art. 19 Abs. 2 BetmG. Sie habe mengen-, gewerbs- und bandenmässig qualifiziert gehandelt. Dies rücke sie in die Hierarchiestufe 3 oder sogar 2. Schliesslich reiht die Vorinstanz die Beschwerdeführerin in den unteren Bereich der Hierarchiestufe 3 ein. Zwar erfülle sie zahlenmässig mehr Merkmale der Hierarchiestufe 4. Doch würden in qualitativer Hinsicht die erhebliche Drogenmenge, die lange Dauer der Delinquenz und die mehrfache Qualifikation erheblich ins Gewicht fallen. Auf der Hierarchiestufe 3 liege die Einsatzstrafe zwischen fünf und acht Jahren. Dem objektiven Tatverschulden erscheine eine Einsatzstrafe von 5 ¾ Jahren angemessen. Besondere erschwerende oder entlastende Momente hinsichtlich des subjektiven Verschuldens seien nicht erkennbar und behaupte die Beschwerdeführerin auch nicht. Ihre schwierige finanzielle Lage wirke sich nicht massgeblich auf das subjektive Verschulden aus. Insbesondere liege keine schwere Bedrängnis gemäss Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB vor. Somit bleibe es unter Gesamtwürdigung des Tatverschuldens in Bezug auf den Betäubungsmittelbereich bei den vorgenannten 5 ¾ Jahren. Diese Einsatzstrafe erhöht die Vorinstanz aufgrund des zusätzlichen Schuldspruchs wegen mehrfacher Geldwäscherei in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB um drei Monate, woraus eine tatbezogene Gesamtstrafe von 6 Jahren resultiert.