Citation: 1P.270/2006 06.06.2006 E. 3

Nach § 67 Abs. 1 der Strafprozessordnung des Kantons Aargau (StPO) kann ein Beschuldigter in Haft genommen werden, wenn er einer mit Freiheitsstrafe bedrohten Handlung dringend verdächtigt wird und Flucht- oder Kollusionsgefahr vorliegt. Ferner kann gemäss § 67 Abs. 2 Haft angeordnet werden, wenn die Freiheit des Beschuldigten mit Gefahr für andere verbunden ist, namentlich wenn eine Fortsetzung der strafbaren Tätigkeit zu befürchten ist, sowie zur Sicherung des Strafvollzuges nach der Beurteilung. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, auf die der angefochtene Entscheid verweist, ist die Anordnung oder Aufrechterhaltung von Haft wegen Fortsetzungsgefahr verhältnismässig, wenn einerseits die Rückfallprognose sehr ungünstig und andererseits die zu befürchtenden Delikte schwerer Natur sind. Dagegen reicht die rein hypothetische Möglichkeit der Verübung weiterer Delikte oder die Wahrscheinlichkeit, dass nur geringfügige Straftaten verübt werden, für die Anordnung oder Aufrechterhaltung von Präventivhaft nicht aus (BGE 125 I 60 E. 3a S. 62, mit Hinweis). Die Voraussetzungen und die Verhältnismässigkeit der Haft, welche einen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit gemäss Art. 10 Abs. 2 BV darstellt, prüft das Bundesgericht mit freier Kognition. Das Obergericht wies im angefochtenen Entscheid darauf hin, dass das Bezirksgericht den Beschwerdeführer wegen schwerster Straftaten zum Nachteil unterschiedlicher Opfer für schuldig befunden hat. Ferner hielt es fest, aufgrund des Strafverfahrens sei gerichtsnotorisch, dass die Delinquenz des Beschwerdeführers mit schwerer Gewalttätigkeit gegenüber diversen Opfern bis zurück ins Jahr 2000 reicht und dass sich dieser vom laufenden Verfahren und von der Untersuchungshaft nicht habe beeinflussen lassen, was in der Beschwerde nicht in Frage gestellt wird. Bei dieser Sachlage ist ernsthaft zu befürchten, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Haftentlassung weiterhin schwerste Delikte begehen könnte. An der negativen Rückfallprognose vermag der Umstand des Wohlverhaltens während der Dauer der bisherigen Haft nichts zu ändern, da die Haft einen streng strukturierten Rahmen aufweist und eine permanente Überwachung garantiert. Weder eine feste Arbeitsstelle noch der soziale familäre Rahmen vermögen unter den gegebenen Umständen die Fortsetzungsgefahr aufzuheben. Auch wenn das Ausbleiben der Begründung des erstinstanzlichen Urteils das Beschleunigungsgebot verletzen dürfte, erweist sich die Sicherheitshaft nicht als unverhältnismässig (vgl. die Praxis bei der Untersuchungshaft: BGE 128 I 149 E. 2.2 S. 151). Daraus ergibt sich gesamthaft, dass das Obergericht ohne Verfassungsverletzung die Haft bestätigen durfte. Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet.