Citation: U 384/06 16.07.2007 E. 3

3.1 Beim Ereignis vom 26. April 2003 zog sich die Beschwerdeführerin gemäss den Ärzten des Landeskrankenhauses F.________, welches sofort aufgesucht wurde, eine Distorsion der HWS zu. Ob es zum Unfall gekommen ist, weil sie beim Warten auf einen freien Parkplatz leicht rückwärts rollte, oder weil ein nachfolgender Wagen leicht auf ihr Auto auffuhr, ist für die hier zu beurteilenden Fragen der Kausalität von persistierenden Beschwerden irrelevant, weshalb der diesbezügliche Sachverhalt nicht näher geklärt werden muss. Die Versicherte nahm ihre Arbeit (feinmotorische Tätigkeit in einer Zwangshaltung) sofort wieder auf, wurde hingegen von ihrem Hausarzt, Dr. med. J.________ ab 30. April 2003 als arbeitsunfähig erachtet. Der wegen persistierenden Beschwerden konsultierte Spezialarzt für Rheumaerkrankungen, Dr. med. N.________, stellte am 29. August 2003 die Diagnosen eines cervikocephalen und cervikospondylogenen Syndroms bei Status nach Distorsionstrauma der HWS, von Diskusprotrusionen rechtsmediolateral C3/4 und C6/7 sowie eines kleinen rechtslateralen teilweise intraforaminalen Diskusprolaps C5/6 mit Einengung des rechten Neuroforamens, eines Tinnitus, Sehstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Der Arzt qualifizierte die Beschwerden als eine Traumatisierung der HWS bei vorbestehenden degenerativen diskalen Läsionen. Die Beschwerdeführerin sei für die ergonomisch ungünstige Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. In der Folge liess die Mobiliar ein biomechanisches Gutachten erstellen (Technische Unfallanalyse vom 30. Januar 2004), holte bei ihrem Vertrauensarzt Dr. med. M.________, Spezialarzt FMH für Neurologie, eine Aktenbeurteilung ein (Bericht vom 19. Dezember 2003) und liess die Beschwerdeführerin am Medizinischen Zentrum O.________ untersuchen. Laut Gutachten vom 9. Februar 2004 des orthopädischen Chirurgen Dr. med. K.________ und des Facharztes FMH für Chirurgie, Dr. med. U.________, wird eine leichte Distorsion der HWS diagnostiziert, wobei die Chirurgen zur Erkenntnis gelangten, der gemäss Polizeibericht und Unfallanalyse leichte Unfall könne die aktuellen Beschwerden nicht erklären. Ohne selbst den psychischen Gesundheitszustand der Probandin zu prüfen, deklarierten sie die Progression der Symptome als krankhaften Ursprungs und - in Ermangelung traumatischer Läsionen - als psychisch bedingt. Im Gegensatz dazu stehen die von der Beschwerdeführerin nach der Einstellungsverfügung vom 30. April 2004 beziehungsweise nach dem Einspracheentscheid vom 4. November 2004 aufgelegten ärztlichen Atteste. Dr. med. C.________, Spezialarzt FMH für Neurologie, stellte am 18. Mai 2004 die Diagnosen eines Zustandes nach cranio-cervicalem Beschleunigungstrauma mit cervicocephalem Schmerzsyndrom nach Auffahrkollision, von vorbestehenden degenerativen Veränderungen im Bereiche der HWS, eines Tinnitus rechts, einer Fusionsschwäche mit Diplopie beim Lesen und eines Zustandes nach kognitiven Funktionsstörungen. Seines Erachtens handle es sich um typische Beschwerden nach cronio-cervicalem Beschleunigungstrauma. Dr. S.________, Augenarzt FMH, hielt fest, die von ihm festgestellte Vergrösserung eines blinden Flecks und feine Doppelbilder vor allem mit dem rechten Auge seien sicherlich auf das Schleudertrauma zurück zu führen. Die augenärztliche Situation sei typisch für einen Zustand nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma (Berichte vom 23. September 2004 und vom 18. Januar 2005). Dr. med. H.________, leitender Arzt Chirurgie, und Dr. med. E.________, allg. Medizin FMH, ehemaliger Kreisarzt der SUVA, stellten in ihrem Bericht vom 25. Februar 2005 die gleichen Diagnosen und hielten bezüglich Kausalität ihrer Befunde fest, es handle sich einerseits um ein Beschwerdebild, wie es nach Beschleunigungstraumen vorkommen könne, andererseits lägen unspezifische Symptome vor. Die Wahrscheinlichkeit eines natürlichen Kausalzusammenhanges beziffern sie auf 50%. Dr. L.________, Spezialarzt für Chirurgie, speziell Wirbelsäulenleiden, Schleudertrauma und orthopädische Traumatologie, bejaht aus seiner Sicht einen natürlichen Kausalzusammenhang genauso wie Dr. D.________, Neurologie FMH. Schliesslich wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Invalidenversicherung am Ärztlichen Begutachtungsinstitut A.________ untersucht. Im Gutachten vom 20. Juli 2005 wird ausdrücklich nicht auf die Kausalität der erhobenen Befunde eingegangen. Hingegen ist insbesondere dem neurologischen Teilgutachten (Dr. med. Z.________, 14. Juni 2005) zu entnehmen, dass die klinische Untersuchung Befunde gezeigt hat, welche nicht ausschliesslich auf die radiologisch sichtbaren Diskopathien zurückgeführt werden können. Diese somatischen Befunde würden die Patientin mit Sicherheit in ihrer Arbeitsfähigkeit relevant einschränken. Hinweise für irgendwelche Aggravations- oder gar Simulationstendenzen werden verneint. Die Patientin habe sich als kooperativ und überhaupt nicht klagsam erwiesen. Die Formulierung des Neurologen zeigt, dass das Ereignis vom 26. April 2003 eine richtunggebende Verschlimmerung eines vorher stummen Vorzustandes bewirkt hat. Der Beginn der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit wird denn auch auf dieses Datum gelegt. 3.2 Entgegen der Darstellung im angefochtenen Entscheid kommen dem vertrauensärztlichen Bericht des Dr. med. M.________ und dem Gutachten des Medizinischen Zentrums O.________ keine grössere Beweiskraft zu als den verschiedenen anderen Berichten und Gutachten. Dr. M.________ hat die Beschwerdeführerin nicht selbst untersucht. Er begründet seine Verneinung eines natürlichen Kausalzusammenhanges mit dem Ergebnis des biomechanischen Gutachtens und der Persönlichkeitsstruktur der Versicherten, über die er keinerlei Angaben hat. Auch die unkommentierte Bemerkung im Gutachten des Medizinischen Zentrums O.________: "Von der psychischen Seite fällt eventuell ins Gewicht, dass die Patientin geschieden ist und keine Arbeit hat" kann nicht weiter helfen. Sie findet in den Akten keinerlei Stütze. Eine eigene psychiatrische Beurteilung ist unterblieben. Die Beurteilung überzeugt nicht; zumal die begutachtenden Ärzte am Medizinischen Zentrum O.________ Fachärzte für Chirurgie und nicht für Psychiatrie sind. Als einzige der zahlreichen behandelnden und begutachtenden Ärzte stellen sie ausschliesslich die Diagnose einer leichten Distorsion der HWS. Die nach dem Ereignis aufgetretenen - und vom entsprechenden Spezialarzt als mit Sicherheit auf dieses zurückzuführenden - ophtalmologischen Beschwerden finden ebenso wenig Erwähnung wie der von allen anderen Spezialisten aufgelistete Tinnitus. Die Befunde der Beschwerdeführerin sind insbesondere neurologisch/rheumatologischer Natur. Die untereinander unabhängigen Neurologen Dr. med. C.________, Dr. med. D.________ und Dr. med. Z.________ vom ärztlichen Begutachtungsinstitut A.________ sehen aber übereinstimmend immerhin eine natürliche Teilkausalität der von ihnen selbst erhobenen Befunde mit dem Unfall vom 26. April 2003. Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt, dass zwischen dem Unfall und den objektivierbaren Befunden und deren Folgen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zumindest teilweise eine natürliche Kausalität besteht, was für die Bejahung des diesbezüglichen Kausalzusammenhanges genügt (BGE 119 V 335 E. 1 S. 337, 117 V 359 E. 4b S. 360). Davon gehen auch die Gutachter des Spitals U.________ aus, wenn sie die Wahrscheinlichkeit mit 50% beziffern. Da die Mobiliar den Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhanges mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darzulegen hat (Erwägung 2.3 hievor), können sie aus dieser Quantifizierung nichts für sich ableiten.