Citation: H 28/00 13.02.2001 E. 3

3.- Das Protokoll über die Sitzung des Verwaltungsrates der Firma U.________ AG vom 28. Oktober 1993, an welcher die Beschwerdeführer als Verwaltungsräte teilnahmen, enthält eine ganze Reihe von Informationen betriebswirtschaftlicher, finanzieller und unternehmerischer Art. Die protokollierten Angaben weisen klar darauf hin, dass sich die Firma U.________ AG damals in einer äusserst schwierigen Situation befand: Unbefriedigendes Verhältnis von Aufwand und Ertrag in der Vergangenheit, Probleme in der Verkaufsorganisation, strukturelle Schwierigkeiten, erwartete, aber ungesicherte Umsatzanteile (auf welchen das diskutierte "Durchhaltebudget" beruhte), Notwendigkeit, das Geschäftsjahr bis 30. Juni 1994 zu verlängern, Unsicherheiten in der Bewertung der laufenden Aufträge, ausstehende Debitoren von rund 1 Mio. Franken usw. Die äusserst kritische Lage, in welcher die Firma sich befand, war somit Ende Oktober 1993 objektiv erkennbar. Daraus erwuchs allen Verwaltungsräten, ungeachtet ihrer Stellung und ihres Aufgabenbereichs, die Pflicht, durch Erteilung von Weisungen an die Geschäftsleitung und deren Kontrolle in kurzen Abständen dafür zu sorgen, dass bei fortgesetzten Lohnzahlungen die darauf ex lege geschuldeten paritätischen Beiträge abgeführt würden. Zu diesem Zweck hatten sich die Verwaltungsräte monatlich, d.h. jeweils nach Ablauf einer Beitragszahlungsperiode (Art. 34 AHVV), die entsprechenden Zahlungsbelege von der Buchhaltung vorweisen zu lassen. Im Hinblick auf den Kreditvertrag vom 25./30. November 1993 wäre es sodann unbedingt erforderlich gewesen, die kreditgebende Bank aufzufordern, soweit sie Mittel zur Vornahme der Lohnzahlungen freigab, auch die Beitragsforderungen zu begleichen. Es ist eine grobe Verletzung der verwaltungsrätlichen Aufsichts- und Weisungspflichten, dass die Beschwerdeführer nicht ab anfangs November 1993, als die Firma unmittelbar in ihrem Überleben bedroht war, ohne Verzug einschritten, sondern erst aufhorchten, als an der Verwaltungsratssitzung vom 18. Januar 1994 die Liquiditätssituation nach wie vor als sehr angespannt bezeichnet und unter anderem ein Ausstand von 0,264 Mio. Franken gegenüber der Vorsorgeeinrichtung angegeben wurde. Im initialen Fehlverhalten ab November 1993, welches für die nachfolgende Entwicklung, insbesondere das nicht mehr kontrollierbare Anwachsen der Beitragsausstände, schadensbegründend war, liegt der Vorwurf der qualifizierten Sorgfaltspflichtverletzung durch die Beschwerdeführer begründet. Daran vermögen sämtliche Vorbringen in den Verwaltungsgerichtsbeschwerden nichts zu ändern. Namentlich hatte sich das für den Beitragsverlust kausale Fehlverhalten längst ereignet, als die Firma mit Schreiben vom 24. März 1994 um Zahlungsaufschub ersuchte. Von Entschuldigungs- oder Rechtfertigungsgründen kann nicht die Rede sein, setzt doch die Berufung darauf voraus, dass die Firmenverantwortlichen ihren Entscheid, die AHV-Beiträge vorübergehend zurückzubehalten, auf der Grundlage sicherer Kenntnis über die finanzielle Situation der Firma treffen müssen. Das trifft hier nicht zu, wie namentlich die protokollierten Erwartungen über erhoffte Aufträge und die Äusserungen über den Geschäftsverlauf in S.________ und D.________ belegen.