Citation: 8C_84/2022 E. 6.2.1

6.2.1. Der Vorinstanz ist insofern beizupflichten, als der Beweiswert eines Gutachtens durch eine unkorrekte diagnostische Einordnung nicht beeinträchtigt wird, sofern es hinreichende Ausführungen zu den funktionellen Auswirkungen eines psychischen Gesundheitsschadens enthält (Urteil 9C_345/2019 vom 25. September 2019 E. 4.2.1). Nicht zu überzeugen vermag in diesem Lichte jedoch das vorinstanzliche Argument, der Umstand, dass dem ABI-Gutachten in psychiatrisch-diagnostischer Hinsicht nicht gefolgt werden könne, sei ein gewichtiger Anhaltspunkt dafür, dass es sich beim psychischen Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin bloss um einen geringfügigen, die Arbeitsfähigkeit nicht dauerhaft erheblich beeinträchtigenden psychopathologischen Befund handle. Mit der Verneinung der im ABI-Gutachten gestellten Diagnose einer komplexen PTSB mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat die Vorinstanz nicht mehr eine zulässige freie Beweiswürdigung vorgenommen (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Vielmehr hat sie das ABI-Gutachten bezüglich einer spezifisch medizinischen Frage korrigiert, was unter den gegebenen Umständen bundesrechtswidrig ist und sich insbesondere auch nicht mit der Befugnis des Rechtsanwenders zur rechtlichen Überprüfung der Folgenabschätzung rechtfertigen lässt (siehe auch Urteil 8C_483/2020 vom 26. Oktober 2020 E. 4.3.1).