Citation: 6B_980/2009 16.03.2010 E. 2

2.1 Gemäss den Feststellungen der Vorinstanz ergaben die umfangreichen Untersuchungen des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich keine direkten Hinweise auf die Art der Tatbegehung und die Täterschaft. Das Ergebnis dieser Untersuchungen sei aber als gewichtiges Indiz dafür zu werten, dass sich im massgebenden Zeitraum nebst der Beschwerdeführerin keine weiteren Personen räumlich in der Nähe des Opfers aufgehalten hätten. 2.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, eine Dritttäterschaft sei entgegen der willkürlichen Beweiswürdigung der Vorinstanz nicht auszuschliessen. Ein Dritttäter hätte entweder an den Regenwasserablaufrohren zum Balkon hochklettern und von dort durch die nur angelehnte Balkontür in die Wohnung gelangen oder aber durch die nicht abgeschlossene Haustür über das Treppenhaus und durch die nicht abgeschlossene Wohnungstür die Wohnung betreten können. Bei diesem Dritten habe es sich beispielsweise um einen Mann handeln können, welcher die rund sechsjährige Tochter der Beschwerdeführerin schon längere Zeit beobachtet, ein sexuelles Verlangen nach dem Mädchen verspürt und aus diesem Grunde in einem günstigen Zeitpunkt die Wohnung betreten habe. Der Mann habe das Mädchen dann allerdings nicht sexuell missbraucht, sondern, weil es ihn erkannt habe, sofort getötet. Die Beschwerdeführerin beanstandet in diesem Zusammenhang, dass weder an den beiden Regenwasserablaufrohren, an welchen ein einigermassen sportlicher Mann hätte hochklettern können, noch im Treppenhaus Spuren erhoben worden seien, weshalb die Annahme der Vorinstanz, aufgrund des Ergebnisses der spurenkundlichen Untersuchung könne eine Dritttäterschaft ausgeschlossen werden, willkürlich sei. 2.3 Diese Version einer Dritttäterschaft beruht auf der These, dass die Beschwerdeführerin die Wohnung für längere Zeit verlassen und der Dritte daher Zeit genug gehabt habe, sich unbemerkt und ungestört dem Opfer in der Wohnung zu nähern. Diese These ist indessen unzutreffend. Die Beschwerdeführerin hielt sich im relevanten Zeitraum nach ihren eigenen Aussagen lediglich zwei Mal für je rund zehn Minuten ausserhalb der Wohnung auf, nämlich ein erstes Mal um ca. 20.30 Uhr, um ihren Personenwagen in die Garage zu stellen, und ein zweites Mal um ca. 22.00 Uhr, um eine CD aus dem Wagen zu holen. Die Beschwerdeführerin hatte erstmals in der Hauptverhandlung vor der ersten Instanz behauptet, sie habe in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 2004 die Balkontür offen gelassen, weil es um diese Zeit ziemlich heiss gewesen sei. Dazu hält die Vorinstanz fest, dass gemäss telefonischer Auskunft von Meteo Schweiz im Gebiet Luzern beziehungsweise Cham in der zweiten Tageshälfte des 11. Mai 2004 die Tageshöchstwerte 18° bis 19° Celsius betrugen und die Temperatur um 20.00 Uhr auf 15°, um Mitternacht auf 10° und um 06.00 Uhr auf 6° Celsius absank. Demgegenüber wurde am 12. Mai 2004, un 06.57 Uhr, in der Wohnung der Beschwerdeführerin eine Raumtemperatur von (immerhin) 20,4° Celsius gemessen. Dies legt gemäss der willkürfreien Würdigung der Vorinstanz den Schluss nahe, dass die Beschwerdeführerin betreffend das Offenlassen der Balkontür bewusst falsch aussagte, um eine Dritttäterschaft als wahrscheinlicher erscheinen zu lassen. Entsprechendes gilt für die Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe (möglicherweise) die Wohnungstür nicht abgeschlossen. Denn in der ersten polizeilichen Einvernahme vom 12. Mai 2004 hatte die Beschwerdeführerin auf entsprechende Fragen noch geantwortet: "Ja sicher schliesse ich meine Türe". Die Beschwerdeführerin behauptete erstmals an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung zudem, dass sie in jener Nacht zwei Schichten Watte in den Ohren gehabt habe. Solches hatte die Beschwerdeführerin in ihren vorgängigen Einvernahmen nie erwähnt, obschon Anlass dazu bestanden hätte, etwa als sie nach ihrem Schlafverhalten gefragt wurde und auf die Frage, ob ihre Tochter in jener Nacht in der Wohnung geweint habe, antwortete, sie hätte dies hören müssen.