Citation: I 835/02 18.11.2003 E. 6

Hinsichtlich der gesundheitlich bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gelangten Verwaltung und Vorinstanz, namentlich gestützt auf das Gutachten des Dr. med. G.________ vom 6. September 2000 und den Abklärungsbericht Haushalt vom 23. Februar 2001, zum Schluss, die Versicherte sei im Bereich der Haushaltführung nicht beeinträchtigt und in einer angepassten Erwerbstätigkeit - Mitarbeit im familieneigenen Reinigungsbetrieb oder Heimarbeit - zu 50 % arbeitsfähig. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, wegen ihres Gesundheitszustandes bestehe im Erwerbsbereich eine vollständige Arbeitsunfähigkeit; nachdem sie von 1995 bis 1998 krankheitsbedingt nicht einmal in der Lage gewesen sei, den Haushalt zu besorgen, sei sie seit 1999 gesundheitlich in der Lage, den Haushalt einigermassen alleine zu bewältigen, wofür sie jedoch den ganzen Tag benötige. 6.1 Dr. med. G.________ führt in der Expertise vom 6. September 2000 aus, dass bei der Versicherten in den letzten Jahren gravierende psychische Störungen aufgetreten seien, insbesondere eine Neigung zu Panikattacken. Währenddem die Panikstörung eindeutig diagnostiziert werden könne, sei dies für die anderen Anteile der psychischen Krankheit schwieriger. Die von der Versicherten erlebten eigenartigen Visionen und religiösen Eingebungen dürften kaum einer Psychose entsprechen, sondern eher einem kulturell verwurzelten Religionsverständnis entspringen. Mehrfache Zustände von Todesängsten und Albträumen liessen die Vermutung aufkommen, dass keine isolierte Panikstörung bestehe. Die Angstzustände träten vor allem nach schweren Belastungen auf (z.B. körperliche Krankheiten, Todesfälle, Insult der Mutter). Der Experte diagnostiziert eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) und hält zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten fest, eine Tätigkeit in fremden Häusern ohne Präsenz des Ehemannes führe zu Panikattacken und sei nicht zumutbar. Geeignet seien Tätigkeiten, welche zu Hause oder in Zusammenarbeit mit dem Ehemann durchgeführt werden könnten. Als Hilfsarbeiterin vornehmlich im Reinigungsdienst sei die Versicherte zu 50 % eingeschränkt; könnte sie die Arbeiten nicht zusammen mit dem Ehemann ausführen, läge die Arbeitsunfähigkeit höher. Die Arbeitsfähigkeit als Coiffeuse sei insofern schwer abzuschätzen, als die Versicherte seit längerem nicht mehr als solche gearbeitet habe; als Angestellte in einem fremden Salon wäre sie kaum arbeitsfähig, bei Ausführung dieser Tätigkeit zu Hause könnte eine Teilarbeitsfähigkeit erreicht werden. Als Hausfrau sei die Versicherte weitgehend arbeitsfähig. Eine geeignete - erwerbliche - Arbeit sei zeitlich und leistungsmässig noch zu ca. 50 % möglich und zumutbar. 6.2 Das Gutachten des Dr. med. G.________ erfüllt die nach der Rechtsprechung für den Beweiswert medizinischer Expertisen geltenden Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweisen): Es ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden, leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und überzeugt in den Schlussfolgerungen. Die Einwendungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde rechtfertigen keine andere Betrachtungsweise. Eine ungenügende Fremdanamnese liegt nicht vor, stützt sich doch die Expertise auf sämtliche Akten (einschliesslich der medizinischen) der Verwaltung sowie eine Besprechung mit dem Ehemann der Beschwerdeführerin. Unbegründet ist auch der Einwand, Dr. med. G.________ habe seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht näher erläutert. Wie im Gutachten einleuchtend dargelegt wird, ist der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Neigung zu Angstattacken eine Tätigkeit in fremden Häusern ohne Präsenz des Ehemannes nicht zumutbar, während sich eine Zusammenarbeit mit dem Ehemann günstig auf die Panikzustände auswirkt. Es ist deshalb nachvollziehbar, wenn der Experte für Tätigkeiten, welche wie die allgemeine Haushaltführung in der gewohnten Umgebung zu Hause oder in Zusammenarbeit mit dem Ehemann ausgeführt werden können, eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestätigt, hingegen bei auswärtigen Tätigkeiten ohne Gegenwart des Ehemannes eine höhere, nicht näher beurteilte Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang vorbringt, aufgrund ihrer chronifizierten psychischen Erkrankung für jegliche Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig zu sein, steht dies auch in deutlichem Widerspruch zu ihren Angaben im Abklärungsverfahren, wonach es gute Phasen von 1-2 Monaten Dauer gebe, in welchen sie die Angst total unter Kontrolle habe (Abklärungsbericht Haushalt vom 13. Februar 2001; Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vom 23. März 2001). 6.3 Soweit die Dres. med. F.________ und E.________ - bei im wesentlichen gleicher Diagnosestellung wie Dr. med. G.________ - die Arbeitsfähigkeit anders als der Gutachter beurteilen, kann ihnen mit Verwaltung und Vorinstanz ebenfalls nicht gefolgt werden. Die Stellungnahmen dieser beiden Ärzte sind im Hinblick auf deren auftragsrechtliche Stellung als behandelnde Ärzte zurückhaltend zu würdigen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc; Urteil R. vom 26. Juni 2003 Erw. 2.2.3, I 460/02), überzeugen aber auch inhaltlich nicht. Dr. med. F.________ geht im Bericht vom 24. Mai 2000 von einem stationären bis besserungsfähigen Gesundheitszustand aus. Zur Arbeitsfähigkeit äussert sich der Hausarzt unbestimmt und nicht widerspruchsfrei, indem er diese einerseits theoretisch auf 50 % schätzt und anderseits eine Mitarbeit der Beschwerdeführerin im eigenen Geschäft sowohl als "nicht" wie auch als "kaum" zumutbar bezeichnet. Hinzu kommt, dass Dr. med. F.________ als Facharzt für Allgemeine Medizin nicht in gleichem Mass wie der auf Psychiatrie und Psychotherapie spezialisierte Experte Dr. med. G.________ kompetent erscheint, das psychische Leidensbild der Versicherten und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen Auch Dr. med. E.________, der die Versicherte seit 1995 behandelt, nimmt im Bericht vom 17. Mai 2000 nicht bestimmt zur Arbeitsfähigkeit Stellung. Er äussert sich weder zur Art noch zum Umfang einer zumutbaren angepassten Tätigkeit, sondern hält lediglich - und ohne dies nachvollziehbar zu begründen - fest, dass zusätzliche Arbeiten (neben der für zumutbar erachteten Haushaltführung) zu einem Problem würden. Weiter erwähnt Dr. med. E.________, die Beschwerdeführerin arbeite entgegen seiner Empfehlung sporadisch im eigenen Geschäft mit. Die weitere Stellungnahme dieses Arztes vom 9. Oktober 2001, bei der Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass sie im Hinblick auf die Anfechtung der Verfügung vom 3. Juli 2001 zu Gunsten der Beschwerdeführerin verfasst wurde, überzeugt hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ebenfalls nicht. Dr. med. E.________ wiederholt darin zunächst, dass er von einer Erwerbstätigkeit abgeraten habe. Eine schlüssige Begründung hiefür findet sich aber in seinem Bericht nicht. Dasselbe gilt für die weitere Aussage, wonach die Arbeitsfähigkeit im Haushalt im Durchschnitt 40 % betrage. Diese Einschätzung widerspricht überdies, ohne dass Gründe hiefür zu sehen wären, derjenigen gemäss Bericht vom 17. Mai 2000. Darin hatte Dr. med. E.________ bestätigt, dass die Beschwerdeführerin den Haushalt selbstständig bewältigen könne. 6.4 Nach dem Gesagten haben Verwaltung und Vorinstanz bei der Beurteilung der im Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung gegebenen gesundheitsbedingten Beeinträchtigung zu Recht auf das Gutachten des Dr. med. G.________ vom 6. September 2000 abgestellt. Entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung kann auch auf weitere medizinische Abklärungen verzichtet werden, da hievon keine weiteren entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b). Es ist demnach davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nebst der Haushaltführung in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig ist. Als solche zumutbare Tätigkeit ist neben der Mitarbeit im familieneigenen Reinigungsdienst in Anwesenheit des Ehemannes die unselbstständige Erwerbstätigkeit zu Hause (Heimarbeit) zu betrachten. 6.5 Bei der Haushaltführung bestehen gemäss den ärztlichen Beurteilungen und der Haushaltabklärung keine relevanten Einschränkungen. Die selbstständige Bewältigung dieses Aufgabenbereichs wird denn auch in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde grundsätzlich bestätigt. Dass die Versicherte geltend macht, für die Haushaltführung gesundheitsbedingt den ganzen Tag zu benötigen, ist ohne entscheidende Bedeutung. Denn massgebend für den Tätigkeitsvergleich ist nicht die im Haushalt aufgewendete Zeit, sondern die Einschränkung in den nach der Rechtsprechung umschriebenen Bereichen. Es geht um das Ausmass der aus der gesundheitlichen Beeinträchtigung effektiv resultierenden Leistungsverminderung. Im Übrigen hätte die Berücksichtigung der Gesamtaktivität zur Folge, dass Versicherte, die nicht ganztägig einer Erwerbstätigkeit nachgehen, gegenüber Versicherten, die einzig mit der Haushaltführung beschäftigt oder die voll erwerbstätig sind, bevorzugt würden, was dem Grundsatz der Gleichbehandlung widerspräche. Denn bei Versicherten, die nur den Haushalt besorgen, wird die Invaliditätsbemessung nicht nach Stundenaufwand sondern nach dem Betätigungsvergleich vorgenommen, während bei ganztägig Erwerbstätigen die Ausübung des Haushaltes überhaupt nicht berücksichtigt wird. Allfällige wechselseitige, auf die Tätigkeit im jeweils anderen Bereich zurückzuführende Leistungseinbussen sind bei der Invaliditätsbemessung nicht zu berücksichtigen (vgl. BGE 125 V 159 Erw. 5c/dd).