Citation: B 21/04 29.11.2004 E. 3

Im vorliegenden Fall steht fest, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Juni 2002 grundsätzlich Anspruch auf eine Invalidenrente nach BVG hat, die sich ungekürzt auf Fr. 10'957.- im Jahr belaufen würde. Streitig und zu prüfen ist, ob die Personalfürsorgestiftung befugt ist, ihre Invalidenleistungen wegen Vorliegens einer Überentschädigung zu kürzen. Dies trifft dann zu, wenn die Invalidenrenten der Invalidenversicherung und der Unfallversicherung von insgesamt Fr. 49'944.- (Rente der Invalidenversicherung: Fr. 21'552.-; Rente der Unfallversicherung: Fr. 28'392.-) zusammen mit der Rente nach BVG 90 % des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen. 3.1 Während die Vorinstanz zur Auffassung gelangte, dass sich der mutmasslich entgangene Verdienst der Versicherten im Jahr 2002 entsprechend den schriftlichen Angaben der Firma X.________ gegenüber der SUVA vom 29. April 2002 auf Fr. 56'550.- (13 x Fr. 4350.-) belaufe, stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, ihr hypothetisches Einkommen ohne Invalidität hätte im massgebenden Jahr rund Fr. 74'050.- betragen, da sie auf Grund ihrer ausgezeichneten Arbeitszeugnisse karrierebedingte, insbesondere erfahrungs- und altersbedingte Lohnerhöhungen erhalten hätte. 3.2 Der ohne Invalidität erzielbare Verdienst ist unter Berücksichtigung der individuellen, persönlichen und beruflichen Verhältnisse der versicherten Person zu bestimmen. Dabei sind nach der Rechtsprechung zu altArt. 28 Abs. 2 IVG und altArt. 18 Abs. 2 UVG (je in der bis zum 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung; seit 1. Januar 2003 Art. 16 ATSG) theoretisch vorhandene berufliche Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten nur dann zu beachten, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären. Für die Annahme einer mutmasslichen Weiterentwicklung wird daher der Nachweis konkreter Anhaltspunkte dafür verlangt, dass die versicherte Person einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen auch tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Es müssen konkrete Hinweise für das behauptete berufliche Fortkommen bestehen, so z.B. wenn der Arbeitgeber dies konkret in Aussicht gestellt oder gar zugesichert hat. Sodann genügen blosse Absichtserklärungen der versicherten Person nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte kundgetan worden sein (BGE 96 V 29; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 Erw. 3b; Urteil L. vom 25. Juni 2004, I 170/03). Diese für die Ermittlung des hypothetischen Einkommens ohne Invalidität entwickelten Grundsätze gelten auch, wenn der mutmasslich entgangene Verdienst im Sinne von Art. 24 Abs. 1 BVV 2 zu bestimmen ist (erwähntes Urteil S. Vom 2. September 2004, B 17/03). 3.3 Auf Anfrage der SUVA erklärte die Firma X.________ am 29. April 2002 schriftlich, dass die Beschwerdeführerin bei einer Weiterbeschäftigung im Betrieb im Jahre 2002 einen mutmasslichen Monatslohn von Fr. 4350.- (x 13) bezogen hätte. Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde sind keine Gründe ersichtlich, am Beweiswert dieser von der SUVA im Administrativ-Verfahren eingeholten Auskunft zu zweifeln. Die Form einer schriftlichen Anfrage ist zulässig und kommt gerade dann in Betracht, wenn Auskünfte zu wesentlichen Punkten des rechtserheblichen Sachverhalts einzuholen sind (BGE 117 V 285 Erw. 4c mit Hinweis). Sodann liegen keine Anhaltspunkte für zu tiefe Lohnangaben der früheren Arbeitgeberfirma vor, wie den nachfolgenden Darlegungen (Erw 3.4 hienach) zu entnehmen ist. 3.4 Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz gestützt auf die Angaben der X.________ den mutmasslich entgangenen Verdienst der Beschwerdeführerin im Jahre 2002 auf Fr. 56'550.- (13 x Fr. 4350.-) festgesetzt hat. Laut der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2002, TA1, lag im Jahre 2002 der monatliche Bruttolohn (Zentralwert von im Dienstleistungssektor tätigen Frauen für Arbeiten, welche Berufs- und Fachkenntnisse voraussetzen (Anforderungsniveau 3), auf der Grundlage einer 40-Stundenwoche und einschliesslich des 13. Monatslohnes bei Fr. 4682.-. Im Vergleich dazu beläuft sich der von der Vorinstanz als massgeblich erachtete Monatsverdienst auf Fr. 4712.50 (Fr. 56'550.- : 12). Selbst wenn den Gehaltsangaben der X.________ 42 Arbeitsstunden in der Woche zu Grunde liegen sollten, was sich ihrer schriftlichen Auskunft vom 29. April 2002 nicht entnehmen lässt, läge der vom kantonalen Gericht angenommene mutmassliche Lohn nahe beim statistischen Durchschnittslohn im Dienstleistungssektor. Des Weiteren ist zu beachten, dass der mutmassliche Lohn von Fr. 56'550.- (Fr. 4350.- x 13), den die Beschwerdeführerin laut Angaben der Firma X.________ im Jahre 2002 verdient hätte, um rund 21 % über dem ihr 1991 ausbezahlten Salär von Fr. 46'800.- liegt. Im praktisch gleichen Umfang (20,5 %) stiegen im Zeitraum 1991 bis 2002 in der Schweiz die durchschnittlichen Nominallöhne (Die Volkswirtschaft 1996, Heft 10, aktuelle Wirtschaftsdaten, S. 13, Tabelle B 4.4 und 2002, Heft 10, S. 89, Tabelle B 10.2). In dem von der Vorinstanz als massgeblich erachteten Verdienst ist somit nebst dem Teuerungsausgleich auch eine massvolle Reallohnerhöhung enthalten. 3.5 Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Versicherte ohne Unfall einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert hätte, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht wird, fehlen. Gute Arbeitszeugnisse und das jugendliche Alter im Unfallzeitpunkt sind keine eindeutigen Indizien für eine berufliche Entwicklung der Versicherten mit höheren Verdienstmöglichkeiten. Auch unter Berücksichtigung der spezifischen Gegebenheiten des Arbeitsmarktes bedarf der auf Fr. 56'550.- festgesetzte mutmassliche Jahresverdienst mit Blick auf den der Vorinstanz zustehenden Ermessensspielraum (vergleiche BGE 123 V 93 Erw. 3b) keiner Korrektur. Es bleibt somit beim Anspruch der Versicherten auf die in masslicher Hinsicht unbestrittene, gekürzte BVG-Invalidenrente in der Höhe von Fr. 951.- im Jahr, woran die weiteren Einwendungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts ändern.