Citation: 6B_812/2018 E. 2.3

2.3. In der Rechtsmedizin gilt die nomographische Ermittlung des Todeszeitbereichs nach HENSSGE als Leitmethode im Bereich des frühpostmortalen Stadiums. Sie beruht auf der Körperkerntemperatur unter Berücksichtigung der Umgebungstemperatur, des Körpergewichts und der Abkühlungsbedingungen. Der zeitliche Rahmen, in welchem der Tod sehr wahrscheinlich eingetreten ist, wird u.a. durch sog. Leichenerscheinungen wie Rigor (Totenstarre) und Livores (Totenflecken) weiter eingegrenzt (BURKHARD MADEA, Praxis Rechtsmedizin, 2. A. 2007, S. 48 ff.). Für die nomographische Methode ist das effektive Körpergewicht nur unter Standardbedingungen (leicht bekleidet, trocken, ruhende Luft) massgebend. Weichen die konkreten Bedingungen davon ab, muss das Gewicht um einen bestimmten Faktor korrigiert werden ("Nomogramm-Gewicht"; vgl. die Nomogramm-Vorlage: https://www.kssg.ch/sites/default/files/media_document/.../Henssge-Nomogramm.pdf). Bei der Legalinspektion am 8. Januar 2009 um 18.30 Uhr wurde beim Opfer eine Körperkerntemperatur von 10,2 Grad gemessen. Die Umgebungstemperatur am Fundort betrug zu diesem Zeitpunkt -5,3 Grad (Bericht der Frau Dr. D.________ vom 16. Januar 2009). Nach den örtlichen meteorologischen Daten bewegte sich die Umgebungstemperatur am 7. und 8. Januar 2009 zwischen -3,2 und -6 Grad. Der Gutachter setzte (u.a. mit Hinweis auf die Umgebungstemperatur, die im Tagesverlauf verglichen zu derjenigen bei der Inspektion teilweise höher war) eine Obergrenze von "bis über 30 Stunden" (Ergänzungsgutachten des Dr. E.________ vom 23. Februar 2018). Anlässlich der vorinstanzlichen Beweisaufnahme korrigierte der Sachverständige Dr. E.________ den ursprünglich verwendeten Korrekturfaktor und berechnete das Todeszeitintervall mittels eines "Henssge-Nomogramms" in zwei Varianten anhand der minimalen und der maximalen Umgebungstemperatur am 7. und 8. Januar 2009. Während er im Ergänzungsgutachten noch von einem Korrekturfaktor von 1,1 (anscheinend trockene Kleidung) ausgegangen war, nimmt er jetzt für den Fall, dass die Kleidung feucht oder nass gewesen sei, einen Korrekturfaktor von 0,7 an. Insoweit ergab sich ausgehend von einer Körpertemperatur von 37 Grad beim Ableben je nachdem ein Intervall von 13,5 - 22,5 Stunden (bei - 3,2 Grad) oder ein solches von 12,5 bis 21,5 Stunden (bei -6 Grad). Angesichts verschiedener Unwägbarkeiten blieb er letztlich aber bei der im Gutachten definierten Obergrenze von etwa 30 Stunden.