Citation: 7B_692/2023 E. 2.3

2.3. Die Verfahrensleitung ordnet eine amtliche Verteidigung an, wenn in Fällen der notwendigen Verteidigung gemäss Art. 130 StPO die beschuldigte Person trotz Aufforderung der Verfahrensleitung keine Wahlverteidigung bestimmt (Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StPO). Die amtliche Verteidigung wird von der im jeweiligen Verfahrensstadium zuständigen Verfahrensleitung bestellt (Art. 133 Abs. 1 StPO). Die Verfahrensleitung berücksichtigt bei der Bestellung der amtlichen Verteidigung nach Möglichkeit die Wünsche der beschuldigten Person (Art. 133 Abs. 2 StPO). Ist das Vertrauensverhältnis zwischen der beschuldigten Person und ihrer amtlichen Verteidigung erheblich gestört oder eine wirksame Verteidigung aus anderen Gründen nicht mehr gewährleistet, so überträgt die Verfahrensleitung die amtliche Verteidigung einer anderen Person (Art. 134 Abs. 2 StPO; Urteil 7B_304/2023 vom 6. Mai 2024 E. 2.1). Sowohl die beschuldigte Person als auch der amtliche Verteidiger können grundsätzlich das Gesuch um Wechsel der Verteidigung gemäss Art. 134 Abs. 2 StPO stellen (NIKLAUS RUCKSTUHL, Basler Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, N. 10b zu Art. 134 StPO; FRANK RIKLIN, Orell Füssli Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, N. 2 zu Art. 134 StPO; JOSITSCH/SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung (StPO), Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, Rz. 2a zu Art. 134 StPO; VIKTOR LIEBER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, StPO, Art. 1-195 StPO, 3. Aufl. 2020, Rz. 10 zu Art. 134 StPO). Stellt die Verteidigung das Gesuch, so ersucht effektiv sie selbst um Entbindung vom amtlichen Verteidigungsmandat. Dabei hat sie die Wahrung des Berufsgeheimnisses zu berücksichtigen, weswegen von ihr nicht verlangt werden kann, Gründe für das Gesuch offenzulegen, sofern diese im Verhältnis zwischen ihr und der beschuldigten Person liegen. Sachliche Gründe, die nicht in der beschuldigten Person liegen, hat sie allerdings vorzubringen. Das Gesuch darf nicht ohne triftigen Grund zur Unzeit gestellt werden (NIKLAUS RUCKSTUHL, a.a.O., N. 10b zu Art. 134 StPO; JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., Rz. 2a zu Art. 134 StPO; FRANK RIKLIN, a.a.O., N. 2 zu Art. 134 StPO). Wird dem Gesuch um Wechsel der amtlichen Verteidigung nicht entsprochen, kann dagegen Beschwerde gemäss Art. 393 ff. StPO geführt werden (NIKLAUS RUCKSTUHL, a.a.O., N. 15 zu Art. 134 StPO; JOSITSCH/SCHMID, a.a.O., Rz. 5 zu Art. 134 StPO mit Verweis auf Rz. 3 zu Art. 133 StPO; VIKTOR LIEBER, a.a.O., Rz. 24 zu Art. 134 StPO). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids hat, ein Rechtsmittel ergreifen.