Citation: 2C_68/2017 E. 4.4

4.4. Das Bundesgericht hat freilich im Urteil 2C_886/2011 vom 28. Februar 2012 (E. 4.1) ausgeführt, da EU-Bürger und ihre Angehörigen freizügigkeitsrechtlich nicht schlechter gestellt werden dürften als Schweizer Bürger in der gleichen Situation (Art. 2 FZA), könne sich der drittstaatsangehörige Gatte einer EU-Angehörigen losgelöst von der Bewilligungssituation seiner Gattin auf Art. 50 AuG berufen; allerdings war diese Aussage nicht rechtserheblich, da die Voraussetzungen nach Art. 50 AuG ohnehin nicht erfüllt waren. Unter Berufung auf dieses Urteil wurde diese Aussage in einigen Urteilen wiederholt (Urteile 2C_13/2012 vom 8. Januar 2013 E. 3.1; 2C_115/2013 vom 9. April 2013 E. 4.1; 2C_274/2012 vom 8. Juli 2013 E. 2.1.2; 2C_1050/2012 vom 6. Dezember 2013 E. 3.2; 2C_398/2014 vom 7. Mai 2014 E. 2.1; 2C_330/2014 vom 12. Juni 2014 E. 2.1; 2C_61/2014 vom 5. Januar 2015 E. 4.1; 2C_128/2015 vom 25. August 2015 E. 3.8). In weiteren Entscheiden hat das Bundesgericht ausgeführt, die Frage, ob Art. 50 AuG anwendbar sei, wenn der EU-Angehörige bloss eine Aufenthaltsbewilligung hat, brauche nicht vertieft zu werden, da die Voraussetzungen ohnehin nicht erfüllt waren (Urteile 2C_474/2014 vom 7. August 2015 E. 2; 2C_536/2016 vom 13. März 2017 E. 3.3). Mit Urteil vom heutigen Tag (2C_222/2017 E. 4) hat das Bundesgericht präzisiert, dass es zwar in den Konstellationen von Art. 50 AuG nicht mehr um den Schutz des Familienlebens gehe, dass es sich bei den weitergehenden landesrechtlichen Ansprüchen nach Art. 50 AuG aber um solche handle, die aus dem früheren Familienleben abgeleitet würden und insofern noch einen Bezug zum freizügigkeitsrechtlichen Familiennachzug aufwiesen, so dass es sich rechtfertige, Art. 2 FZA auf solche Situationen anzuwenden und in diesem Sinne die ehemaligen Ehegatten von aufenthaltsberechtigten EU-Angehörigen gleich zu behandeln wie die ehemaligen Ehegatten von Schweizer Bürgern. Sofern nach wie vor ein Aufenthaltsrecht des EU-angehörigen Ex-Gatten in der Schweiz bestehe, sei mithin Art. 50 AuG auch dann anzuwenden, wenn dieser nur eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA und nicht eine Niederlassungsbewilligung besessen habe. Gemäss dem angefochtenen Urteil lebt der Ex-Gatte der Beschwerdeführerin in der Schweiz, so dass sich die Beschwerdeführerin auf Art. 50 AuG i.V.m. Art. 2 FZA berufen kann, auch wenn ihr Ex-Gatte nur eine EU/EFTA Aufenthaltsbewilligung hatte bzw. hat.