Citation: 6B_976/2019 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer erblicke die erste Sorgfaltspflichtverletzung des Beschwerdegegners darin, dass jener den Gleitschirm beim Start rückwärts aufgezogen habe. Allerdings sei der Berichtsrapport von einem Gebirgsspezialisten der Kantonspolizei verfasst worden. Wäre dieser der Ansicht gewesen, dass sich der Beschwerdegegner der falschen Startmethode bedient habe, hätte er dies im Rapport sicherlich so festgehalten. Sodann werde in dem vom Beschwerdeführer zitierten Ausbildungshandbuch einzig ausgeführt, beim Rückwärts-Aufziehen könne die Gefahr, bei Windstärken von ca. 15 km/h und mehr rückwärts fortgeschleift zu werden, vermieden werden. Daraus könne aber nicht geschlossen werden, dass diese Methode bei geringeren Windstärken ungeeignet oder gar sorgfaltswidrig sei. Daran ändere auch der Titel des betreffenden Kapitels "Spezielle Startverhältnisse / Starten bei starkem Wind - Rückwärtsstart" nichts, da dieser nicht ausschliesse, die Rückwärtsstart-Technik auch bei anderen Verhältnissen anzuwenden. Gemäss dem von CRÖNIGER in der Zeitschrift des Deutschen Hängegleiterverbands (DHV-Info) veröffentlichten Artikel habe sich der Beschwerdegegner nicht einer besonders risikobehafteten oder übermässig anspruchsvollen Technik bedient. Vielleicht wäre eine andere Startmethode in der damaligen Situation vorteilhafter gewesen. Eine Sorgfaltspflichtverletzung liege aber nicht bereits deshalb vor, weil nicht die geeignetste Variante gewählt werde, sondern erst, wenn das erlaubte Risiko überschritten werde. Dies habe der Beschwerdegegner nicht getan. Insgesamt liege in dem vom Beschwerdegegner gewählten Start mittels Rückwärts-Aufziehen des Gleitschirms keine Sorgfaltspflichtverletzung (Beschluss S. 5 E. 8). Weiter hält die Vorinstanz fest, es sei nicht bestritten, dass dem Beschwerdegegner beim Start einer der Bremsgriffe des Gleitschirms aus der Hand entglitten sei. Eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit könne ihm aber nicht vorgeworfen werden (Beschluss S. 6 f. E. 9). Umstritten sei schliesslich, so die Vorinstanz, in welcher Phase der Beschwerdegegner den Start abgebrochen habe. Die diesbezüglichen Aussagen der Beteiligten würden auseinander gehen. In den Aussagen des Beschwerdegegners seien entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers keine inneren Widersprüche auszumachen. Widersprüchliche Angaben, die als Lügensignal gewertet werden könnten, würden nicht vorliegen. Die Aussagen des Beschwerdegegners deuteten darauf hin, dass die Beschleunigungsphase im Zeitpunkt des Startabbruchs schon begonnen habe, zumal er das nicht ausschliesse und später von verlangsamen sowie abbremsen spreche, wofür man sich logischerweise erst in Bewegung befinden müsse. Dies bedeute aber auch, dass er den Bremsgriff zu diesem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich bereits verloren gehabt habe. Es müsse daher davon ausgegangen werden, dass er den Startlauf in die Wege geleitet habe, obwohl ihm bereits eine Bremse entglitten gewesen sei. Die Unterschiede in den Aussagen des Beschwerdegegners und des Beschwerdeführers lägen somit letztlich einzig bei der Frage, wie lange die Beschleunigungsphase schon gedauert habe, als die beiden zu Fall gekommen seien. Während der Beschwerdeführer behaupte, sie seien "weiter und weiter" auf die Bäume zugerannt und hätten die Abbruchlinie überschritten, reihe der Beschwerdegegner den Abbruch spätestens anfangs der Beschleunigungsphase ein. C.________, die den Unfall beobachtet habe, habe sich anlässlich ihrer Einvernahme nicht mehr im Detail an das Geschehen erinnern können. Sie habe ausgesagt, der Gleitschirm sei nicht gerade, sondern seitlich schräg in die Luft gekommen. Ob die beiden bereits in der Luft gewesen seien, wisse sie nicht mehr - wenn, dann sei es mit Sicherheit nur kurz und in geringer Höhe gewesen. Der Beschwerdegegner habe den Schirm wieder zu Boden gebracht, um den Start abzubrechen. Es sei ein Startabbruch gewesen. In welcher Startphase der Abbruch stattgefunden habe und ob die beiden bereits am Beschleunigen gewesen seien, habe sie nicht mehr sagen können. C.________ habe somit keine längerdauernde Laufphase beobachtet, ansonsten sie das sicher bemerkt und so ausgesagt hätte. Ihre Angaben würden sich damit mehr mit denjenigen des Beschwerdegegners decken, wonach der Start kurz nach Einsetzen der Beschleunigung abgebrochen worden und kontrolliert erfolgt sei. Etwas anderes lasse sich mangels weiterer Beweismittel auch nicht mehr nachweisen. Der Vorwurf, der dem Beschwerdegegner gemacht werden könne, bestehe folglich darin, während des Startvorgangs überhastet reagiert zu haben. Sehr wahrscheinlich habe er die einzelnen Phasen, wie sie von CRÖNIGER beschrieben würden, nicht sauber voneinander getrennt, weshalb Pilot und Passagier unmittelbar nach der Dreh- in die Laufbewegung übergegangen seien und der Beschwerdegegner erst dann bemerkt habe, während des Drehens einen Bremsgriff verloren zu haben, woraufhin er den Startvorgang beendet habe. Den von CRÖNIGER und vom Ausbildungshandbuch beschriebenen Ablauf nicht exakt zu befolgen, begründe nicht per se eine Sorgfaltspflichtverletzung. Es handle sich vielmehr um ein Risiko, das beim Gleitschirmsport dazu gehöre, zumal diese Sportart von ihrer Natur her gewisse nicht zu unterschätzende Restrisiken mit sich bringe und nie völlig gefahrenfrei sei. Nicht jedem Gleitschirmpiloten, der beim Fliegen nicht lehrbuchmässig perfekt vorgehe, könne ein strafrechtlich relevanter Vorwurf gemacht werden. Hierfür brauche es eine gravierende Pflichtverletzung, die nicht mehr von den Grundrisiken der Sportart gedeckt werde. Ein Pilotenfehler sei mit anderen Worten nicht automatisch mit einer Sorgfaltspflichtverletzung gleichzusetzen. Dies habe gerade dann zu gelten, wenn sich ein Pilot noch in der Ausbildung befinde. Eine solch gravierende Pflichtverletzung sei vorliegend nicht auszumachen. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner den Start kurz nach Einleitung der Laufphase, nachdem er den Verlust des Bremsgriffs realisiert habe, wieder abgebrochen habe. Das Verhalten des Beschwerdegegners könne zwar nicht als fehlerlos bezeichnet werden, dennoch würden die Geschehnisse, die unglücklicherweise zu den Verletzungen des Beschwerdeführers geführt hätten, im Rahmen des sportspezifischen Grundrisikos liegen. Damit könne offen bleiben, ob der Beschwerdegegner den Abbruch des Startvorgangs mit einem Stopp-Ruf angekündigt habe. Das Unterlassen des Stopp-Rufs könne höchstens als Teilaspekt des überhasteten Startablaufs erscheinen, jedoch keine selbständige Sorgfaltspflichtverletzung darstellen (Beschluss S. 7 ff. E. 10).