Citation: 6B_93/2022 E. 1.4.2

1.4.2. Die Vorinstanz verneint für diesen Sachverhalt - nach Referierung der Rechtsprechung unter dem Titel "Allgemeines zu den Nötigungsmitteln und -handlungen bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung" (Urteil S. 31-38) - den Anklagevorwurf der Vergewaltigung oder der eventuellen sexuellen Nötigung mit der Begründung, die Vornahme einer sexuellen Handlung als solche gegen den Willen der geschädigten Person sei de lege lata nicht strafbar. Die Gesetzeslücke wolle der Gesetzgeber schliessen. Die Vorinstanz geht bei der rechtlichen Würdigung davon aus, dass der Beschwerdegegner keine Gewalt angewendet hatte. Das Hinwegsetzen über den ablehnenden Willen und die Verletzung ihres sexuellen Selbstbestimmungsrechts stellten als solche keine Nötigung dar. Der Beschwerdegegner sei aufgrund der vorgängigen Kommunikation davon ausgegangen, dass A mit sexuellen Handlungen einverstanden sei, und habe auf unterschiedliche Art versucht, mit ihr sexuell zu verkehren. Von einem Krafteinsatz oder einem Liegen auf dem Opfer könne nicht die Rede sein. Dass er nach der Beschwerdeführerin "sich einfach über das mehrfache 'Nein' der Geschädigten hinweggesetzt" habe, dies allein stelle de lege lata keine strafrechtliche Nötigungshandlung dar (Urteil S. 38). Von einem "Unter-psychischen-Druck-Setzen" könne nicht die Rede sein. Es sei auch nicht von einer "Überrumpelung" auszugehen. Der Altersunterschied von nicht ganz sechs Jahren genüge nicht. Es sei nicht ersichtlich, weshalb sich A nicht gegen die Annäherungsversuche hätte zur Wehr setzen können. Sie habe sich gewehrt, und der Beschwerdegegner habe von ihr abgelassen (Urteil S. 39).