Citation: 1C_173/2020 E. 5.4

5.4. Der Beschwerdeführerin ist darin zuzustimmen, dass eine gesetzwidrige Praxis nur dann einen Anspruch auf Gleichbehandlung erlaubt, wenn die Sachverhalte vergleichbar sind (Art. 8 Abs. 1 BV). Lässt eine Baubewilligungsbehörde etwa in ständiger Praxis Abweichungen für die in einer bestimmten Bauzone vorgeschriebene Dachgestaltung vor, so kann sich ein Grundeigentümer, der eigenmächtig andere gesetzliche Gestaltungsvorschriften missachtet, nicht auf den Grundsatz der Gleichbehandlung im Unrecht berufen. Andernfalls würde die gesetzwidrige Praxis ausgeweitet statt eingeschränkt, was im Ergebnis das Gesetzmässigkeitsprinzip unterminieren würde. Selbst wenn auf der Wiesner Alp tatsächlich eine erhebliche Vielfalt von Abweichungen von den Gestaltungsvorschriften zugelassen worden wäre, wie die Vorinstanz festhält, begründet dies deshalb noch nicht ohne Weiteres einen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht. Die im angefochtenen Entscheid aufgezählten Beispiele sind nicht geeignet, eine rechtswidrige Praxis zu belegen, selbst wenn sie vergleichbar wären. So ist nicht erkennbar, weshalb unzulässig sein sollte, über das Erdgeschoss hinaus Strickbau vorzusehen. Vielmehr geht insofern aus den Richtlinien hervor, dass der gesamte Wandaufbau im gestrickten Blockbau auszuführen ist, wobei für zweigeschossige Bauten im Erdgeschoss Kanthölzer, im Obergeschoss Rundhölzer zu verwenden sind. Nicht ersichtlich ist weiter, weshalb das Verwaltungsgericht doppelflügelige Balkontüren und Doppelpfetten als unzulässig erachtet. Auch hinsichtlich der beanstandeten Betonsockel wäre erforderlich gewesen darzulegen, weshalb die Gemeinde die Gestaltungsrichtlinien in nicht mehr vertretbarer Weise ausgelegt haben soll. Diese sehen immerhin vor, dass Grundplatten auch massiv erstellt werden können. Das Verwaltungsgericht hat für keine dieser angeblichen Abweichungen anhand der Bestimmungen der Gestaltungsrichtlinien dargelegt, weshalb es von der Auslegung durch die Gemeinde abweicht. Der angefochtene Entscheid genügt in dieser Hinsicht der Begründungspflicht nicht (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV). Von den aufgezählten Beispielen verbleiben damit einzig das gemäss der Beschwerdeführerin in zwei Fällen verwendete Brettschichtholz und die überdimensionierten Pfetten. Eine eigentliche rechtswidrige Praxis lässt sich damit indessen nicht begründen. Allerdings zählt der Beschwerdegegner zahlreiche weitere Beispiele angeblich rechtswidriger Zustände bei den Neubauten auf der Wiesner Alp auf. Er hat dazu im vorinstanzlichen Verfahren ein umfangreiches Dossier vorgelegt. Das Verwaltungsgericht geht darauf ebenfalls nicht ein. Es ist nicht Aufgabe des Bundesgerichts, als erste Instanz die erforderlichen Sachverhaltsfeststellungen zu treffen und die Vergleichbarkeit mit den im vorliegenden Fall in Frage stehenden baurechtlichen Verfehlungen zu beurteilen. Da der angefochtene Entscheid auch hinsichtlich der Beurteilung der Verhältnismässigkeit (vgl. E. 6 hiernach) den bundesrechtlichen Anforderungen nicht genügt, ist die Sache deshalb an das Verwaltungsgericht zurückzuweisen, damit es unter Gewährung des rechtlichen Gehörs einen hinreichend begründeten Entscheid treffen kann (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV).