Citation: 7B_837/2023 E. 3.3

3.3. Die Beschwerdeführerin wurde rechtskräftig wegen Betrugs verurteilt, weil sie den für die Zusatzleistungen zur AHV/IV zuständigen Behörden bewusst Einkommen verheimlichte. Der Deliktsbetrag beträgt Fr. 14'197.--. Die Vorinstanz qualifizierte sowohl das objektive als auch das subjektive Verschulden als leicht. Zur Landesverweisung führt sie aus, die Beschwerdeführerin sei Staatsangehörige der Dominikanischen Republik. Dass sie je das Schweizer Staatsbürgerrecht infolge Adoption als Minderjährige durch ihren Stiefvater erworben haben soll, sei trotz Vorlage eines dominikanischen Adoptionsurteils gestützt auf die öffentlichen Register, in denen die Adoption nicht eingetragen sei, nicht erwiesen. Die Beschwerdeführerin sei in der Dominikanischen Republik geboren und habe dort bis zum Alter von 15 Jahren gelebt. Seit 35 Jahren lebe sie in der Schweiz. Den Kontakt zur Heimat habe sie konstant aufrechterhalten. Die letzte Ferienreise dorthin sei von Ende Dezember 2021 bis Anfang Januar 2022 erfolgt. Zuvor sei sie mehrmals pro Jahr in ihre Heimat zurückgekehrt. Aufgrund eines Unfalls in ihrer frühen Kindheit habe sie intensiv medizinisch versorgt werden müssen und deshalb die obligatorische Schule nicht ordentlich besucht. Sie habe keine Ausbildung absolviert. Sie sei verwitwet und habe vier volljährige Kinder. Die Beschwerdeführerin sei seit Oktober 2020 in psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung. Sie leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit chronischem Verlauf, einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer paranoiden und schizoiden Persönlichkeitsstörung. Sie vertraue niemandem und ziehe sich stark von ihren Mitmenschen zurück. Die Vorinstanz nimmt an, die Beschwerdeführerin verfüge durch ihre zwischenzeitlich verstorbenen Eltern über soziale Kontakte in der Heimat. Auch ihr ältester Bruder mit seiner Familie halte sich häufig dort auf. Insoweit seien ihre Chancen intakt, in der Heimat wieder Fuss zu fassen. Sie spreche die Sprache ihres Heimatlandes fliessend. Dies im Gegensatz zur deutschen Sprache, mit welcher sie trotz langer Aufenthaltsdauer in der Schweiz Mühe bekunde und obwohl ihre vier erwachsenen Kinder kein Spanisch, sondern Deutsch mit ihr sprächen. Es sei der Beschwerdeführerin nicht gelungen, sich langfristig in den Schweizer Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie habe sich in erster Linie um ihre Kinder gekümmert und sei immer wieder Erwerbstätigkeiten nachgegangen, welche allerdings kaum besondere Kenntnisse oder Fähigkeiten vorausgesetzt hätten. So habe sie in einer Schokoladenfabrik, als Zimmermädchen sowie in Service und Küche gearbeitet. Seit Ende Februar 2022 arbeite sie als Buffet-Mitarbeiterin in einem SBB-Restaurant. Insgesamt bestehe kaum Hoffnung auf eine dauerhafte berufliche Integration. Negativ falle ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin viele Jahre Ergänzungsleistungen zur AHV/IV bezogen habe und von Leistungen der Sozialhilfe abhängig gewesen sei. Sie sei nach wie vor verschuldet, bemühe sich jedoch um Abzahlung ihrer Schulden. Ihr Lohn sei gepfändet. Auch in persönlicher Hinsicht sei die Beschwerdeführerin trotz langer Aufenthaltsdauer kaum in der Schweiz integriert. Die einzigen Beziehungen seien familiärer Natur. Die Beschwerdeführerin habe vier erwachsene Kinder. Davon lebten drei in der gleichen Gemeinde wie sie und eines anderthalb Stunden entfernt. Zu ihren Kindern pflege sie keine besonders enge Bindung. Erst seit kurzem besuchten sie ihre Kinder wieder, wobei der Kontakt zwischenzeitlich abgebrochen sei. Zum Zeitpunkt der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe sie keine Ahnung gehabt, wo ihre Kinder lebten und sei wenig an ihnen interessiert gewesen. Das im Gerichtsverfahren an den Kindern gezeigte Interesse sei aufgrund der drohenden Landesverweisung vorgeschoben. Es bestehe auch kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und ihren Kindern. Der Kontakt zu ihren Kindern und ihrem Stiefvater könne im Falle der Landesverweisung mittels moderner Kommunikationsmittel aufrechterhalten werden. Zu ihren teilweise in der Schweiz lebenden Geschwistern pflege die Beschwerdeführerin keinen Kontakt. Die psychiatrische und psychologische Betreuung der Beschwerdeführerin sowie der Zugang zu den erforderlichen Medikamenten seien sodann auch in ihrer Heimat gewährleistet, zumal sich die Beschwerdeführerin dort längere Zeit habe behandeln lassen. Zusammenfassend verneint die Vorinstanz einen Härtefall.