Citation: 8C_1020/2009 26.04.2010 E. 4

Streitig und zu prüfen ist, ob die über den 30. Juni 2008 hinaus bestehenden Beschwerden der Versicherten an der linken Hand natürlich kausal auf den Unfall vom 4. November 2006 zurückzuführen sind. 4.1 Dr. med. G.________, Facharzt FMH für Chirurgie, führte im Aktenbericht vom 22. August 2007 aus, die nach dem Unfall vom 4. November 2006 erfolgte bildgebende Abklärung habe eine scapholunäre Dissoziation entsprechend einer komplexen Bandverletzung in der proximalen Handwurzelreihe ergeben. Damit sei sicher mit einer sechs- bis neunmonatigen Behandlungsdauer zu rechnen. 4.2 Dr. med. B.________, FMH MBSR Facharzt für Rheumatologie Physikalische Medizin und Rehabilitation, diagnostizierte im für den Krankenversicherer erstellten Gutachten vom 29. November 2007 (nach Untersuchung der Versicherten vom 23. November 2007) einen Status nach Kontusion linke Hand/Handgelenk infolge Sturzes am 4. November 2006 mit radiologisch gesicherter scapholunärer Dissoziation Os scaphoideum und lunatum (Unfallfolge) sowie eine subklinisch verlaufende Algodystrophie/Sudeck nicht ausgeschlossen (Unfallfolge). Wie der Verlauf zeige, erhoffe man sich eine weitere Verbesserung der Schmerzsymptomatik und den Rückgang der Schwellung, sodass die Versicherte seitens des linken Handgelenks einsatzfähig würde. Die Versicherte sollte von manueller Tätigkeit, v.a. unter starker Benützung des linken Handgelenks, dispensiert werden. Ansonsten könnten ihr ab 1. Februar 2008 leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zugemutet werden. 4.3 Dr. med. O.________, Zentrum Radiologie, gab nach einer Kernspintomographie der linken Hand vom 10. Dezember 2007 im Bericht gleichen Datums an, es bestehe ein deutliches Ödem über der distalen Ulna, dem distalen Radius sowie den Carpalia und proximalen Metacarpalia streckseitig. Das Ödem finde sich im Unterhautfettgewebe. Es sei keine Fraktur nachweisbar. Es bestehe ein unauffälliger knöcherner Befund der Carpalia sowie des distalen Radius und der distalen Ulna. Das beschriebene Ödem finde sich streckseitig im Unterhautfettgewebe bei unauffälliger Darstellung der knöchernen Elemente sowie der Sehnen und -scheiden. Die ulnare Discusfixation sei nicht mehr in regelrechter Weise erkennbar; stattdessen finde sich hier ein gering kontrastmittelaufnehmendes Gewebe, kugelig konfiguriert, wahrscheinlich Granulationsgewebe. Empfohlen werde daher hier eine arthroskopische Überprüfung und gegebenenfalls eine Biopsie. 4.4 Frau Dr. med. S.________, Leitende Ärztin, Orthopädische Klinik, Spital X.________, diagnostizierte nach Untersuchung der Versicherten mit Röntgen des linken Handgelenks vom 4. Januar 2008 im Bericht vom 17. Januar 2008 Verdacht auf komplexe Bandverletzung Handgelenk links, ulnarer Abriss des Discus, Verdacht auf scapholunäre Bandläsion. Eine sichere Beurteilung der carpalen Ligamente wäre mit einem Arthro-CT oder allenfalls einer Arthroskopie möglich. Aus ihrer Sicht seien die Veränderungen eindeutig als Unfallfolge anzusehen; mit den immer noch deutlichen Restbeschwerden und der persisitierenden Schwellung sei die Versicherte noch zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. 4.5 Dr. med. U.________, Chirurgie FMH spez. Handchirurgie, diagnostizierte im Aktengutachten vom 17. März 2008 einen Status nach Handgelenksdistorsion links ohne Fraktur, möglicherweise vorbestehende, allenfalls bilaterale Desintegration des Carpus, beginnende Arthrose. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte vor dem Unfall vom 4. November 2006 keine Handgelenksprobleme aufgewiesen habe, was aber noch nachgefragt werden müsste. Sollten die Schmerzen einzig und allein posttraumatisch sein, dann sei die Unfallkausalität gegeben. Er denke, dass die Versicherte nach wie vor gewisse Handgelenksbeschwerden aufweise. Trotzdem wäre ihr auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt allenfalls mit Tragen einer Handgelenksschiene ein Teilarbeitspensum möglich. Bei gut angepasster Tätigkeit ohne schwere Verrichtungen wäre ihr vielleicht sogar eine ganztägige Arbeit möglich mit entsprechend eingeschränkter Leistung. 4.6 Gemäss Bericht der Frau Dr. med. S.________ (E. 4.4 hievor) vom 8. Mai 2008 wurden Vergleichsaufnahmen beider Handgelenke angefertigt. Eine genauere Untersuchung habe sie nicht durchgeführt. Die Versicherte weise aber nach wie vor eine deutliche Schwellung und auch leicht bläuliche Verfärbung des Handrückens links auf und klage über deutliche Schmerzen. 4.7 Dr. med. C.________, Facharzt Chirurgie FMH, Regionalärztlicher Dienst (RAD) der IV, diagnostizierte nach einer Untersuchung der Versicherten vom 29. Mai 2008 im Bericht gleichen Datums eine Verstauchung des linken Handgelenks, subjektive Krankheitsüberzeugung bei fehlenden objektivierbaren Befunden, chronische Schwellung des Handrückens links. Die Unfallfolgen am linken Handgelenk seien als abgeheilt anzusehen, die chronische Weichteilschwellung am Handrücken bleibe unklar, habe jedoch keine erhebliche Funktionseinbusse zur Folge. Die Versicherte setze beide Hände uneingeschränkt ein, die Feinmotorik sei erhalten, es fehlten Zeichen einer Schonung. Die Knochenstrukturen beider Handgelenke seien seitengleich, es dürfte sich somit um eine Normvariante handeln. Nach Abheilung der Handgelenksdistorsion, die bei fehlender Unfallfolge durch die angepasste Behandlung nach spätestens vier Monaten erfolgt sei, bestehe eine vollschichtige zumutbare Arbeitsfähigkeit unter Vermeidung von schweren Krafteinsätzen mit der linken Hand. Für jede leicht- bis mittelschwere Frauenarbeit ohne repetitive Kraftanwendung der linken Hand in wechselbelastender Stellung bestehe volle Arbeitsfähigkeit seit März 2007. Eine unklare Handrückenschwellung werde in der Literatur unter anderem bei Selbstmanipulationen und Artefakten beschrieben. 4.8 Im Aktenbericht vom 18. Juni 2008 legte Dr. med. U.________ (E. 4.5 hievor) - gestützt auf die die Röntgenkontrolle des linken Handgelenks vom 4. Januar 2008 und die vergleichenden Handgelenksröntgenbilder rechts und links vom 30. April 2008 - dar, die vergleichenden Röntgenbilder zeigten beidseits praktisch identische Befunde, insbesondere sei links keine scapholunäre Dissoziation nachvollziehbar; bei der Radial-/Ulnarduktion öffne sich der Gelenkspalt kaum; ebenso liege weder links noch rechts eine manifeste Arthrose vor. Sie könnten davon ausgehen, dass das linke Handgelenk durch den Unfall keine nachhaltige Schädigung erlitten habe; es habe sich sicher um eine umschriebene Verstauchung gehandelt, die bis heute keine weitere radiologische Schädigung des Handgelenks provoziert habe. Normalerweise könnten zwar Handgelenksdistorsionen längere Zeit lokal Schmerzen verursachen; normalerweise müsste sich aber bei unauffälligen Röntgenbild ohne Dissoziation des Carpus nach einigen Monaten Schmerzfreiheit einstellen. Wieso die Versicherte also heute immer noch Handgelenksschmerzen habe, könne er nicht sicher entscheiden, da er sie nie selber untersucht habe. Es gebe aber doch einige Hinweise und Verdachtsmomente, dass dies nicht mehr mit dem Trauma zu erklären sei. 4.9 Der behandelnde Arzt W.________, Facharzt für Chirurgie, gab im Bericht vom 5. August 2008 unter Beilage von Fotos der Hände der Versicherten vom 31. Juli 2009 an, die linke Hand und der Handrücken seien erkennbar erheblich geschwollen. Nicht nachzuvollziehen sei, warum dies nicht als Unfallfolge anerkannt werden solle.