Citation: 1P.657/2005 18.04.2006 E. 4

4.1 Das Appellationsgericht hat im angefochtenen Urteil eingehend und nachvollziehbar dargelegt, weshalb es davon ausgeht, dass die von der Beschwerdegegnerin vorgebrachte Darstellung der Vorgeschichte der Vergewaltigung unwahr ist und vorab dazu diente, ihre eigene Rolle bei diesem Treffen in einem vorteilhaften Licht erscheinen zu lassen und insbesondere den - für den eifersüchtigen Ehemann nahe liegenden - Eindruck zu vermeiden, sich auf ein (erotisches) Abenteuer eingelassen zu haben (E. 5 S. 7 ff.). Es ist tatsächlich schwer zu glauben, dass sich die Beschwerdegegnerin, nachdem ihr der Beschwerdeführer im Restaurant C.________ gegen ihren Willen einen Zungenkuss gegeben und sie an den Brüsten angefasst haben soll und sie diesen Übergriffen nur mit der Drohung, den Kellner zu rufen, ein Ende setzen konnte, noch einmal zu ihm alleine ins Auto setzte und sich nach Hause chauffieren liess. Ebenfalls wenig überzeugend wirkt, dass sie, nachdem sie vor ihrer Wohnung angekommen waren und ihr der Beschwerdeführer nochmals gegen ihren Willen einen Zungenkuss gegeben haben soll, dessen Vorschlag, mit ihr in die Wohnung hinaufzukommen, nicht rundheraus ablehnte, sondern ihm sagte, wenn er komme, sei klar, dass es keinen Sex gebe und sie keine Berührungen dulde. Schlechterdings nicht mehr nachvollziehbar ist sodann ihre Aussage, sie habe, als es wenige Minuten nach ihrem Eintreffen in der Wohnung klingelte, nicht damit gerechnet, dass es der Beschwerdeführer sein könnte, sondern habe gedacht, es sei der Nachbar oder ihre Tochter; wenn sie mit dem Nachbarn hätte rechnen müssen, hätte sie wohl kaum nur mit einem Body und einer Strumpfhose bekleidet die Türe geöffnet. Das Appellationsgericht konnte somit davon ausgehen, dass die behaupteten Übergriffe im Restaurant und im Auto nicht erwiesen sind und die Geschädigte den Beschwerdeführer in ihre Wohnung mitnahm, wie dies der Beschwerdeführer stets behauptete. 4.2 In Bezug auf den Vorwurf der Vergewaltigung kam das Appellationsgericht "in dubio pro reo" zum Schluss, eine anale Vergewaltigung sei nicht erwiesen. Es hat dazu in E. 6.2 S. 13 ausgeführt, die Aussagen der Beschwerdegegnerin zum Analverkehr seien rudimentär. "Ihre Beschreibung, dass der Appellant zuerst anal eingedrungen und nach etwa vier bis fünf Minuten zum Samenerguss gelangt sei, danach innert Sekunden das Präservativ gewechselt, ein zweites Mal vaginal eingedrungen sei und abermals nach drei bis vier Minuten einen Orgasmus gehabt habe, erscheint zudem biologisch höchst unwahrscheinlich, wenn nicht ganz ausgeschlossen." Weitere Anhaltspunkte sprächen dagegen, dass ein Analverkehr stattgefunden habe. So habe die Geschädigte bei der körperlichen Untersuchung trotz Nachfragen nie von Analverkehr gesprochen, und an den Kondomen hätten keine Kotspuren festgestellt werden können. Dazu komme, dass die damalige Partnerin des Beschwerdeführers, die ihn keineswegs speziell entlastet habe, klar ausgesagt habe, dass der Beschwerdeführer nie Analverkehr praktiziert habe, da er ihn absolut eklig finde. In Bezug auf die zweite (vaginale) Vergewaltigung sind die Aussagen der Beschwerdegegnerin nach der Auffassung des Appellationsgerichts hingegen kohärent und schlüssig. Zur Begründung führt es an, diese habe den Vorfall stets gleichbleibend und mit angemessenem Detailreichtum beschrieben und dabei den Beschwerdeführer nicht über Gebühr belastet. Zudem seien die gynäkologischen Befunde mit ihrer Darstellung vereinbar, und die Aussagen des Beschwerdeführers in Bezug auf das zentrale Tatgeschehen geradezu absurd. Diese Begründung wird im angefochtenen Entscheid näher ausgeführt und belegt (E. 7 S. 14 ff.). 4.3 Damit legt das Appellationsgericht in einer sorgfältigen und differenzierten Würdigung der Aussagen der Beschwerdegegnerin nachvollziehbar und widerspruchsfrei dar, weshalb es deren Aussagen, soweit sie die Vorgeschichte betreffen, für unwahr und, soweit sie die anale Vergewaltigung betreffen, für nicht restlos überzeugend hält, es indessen keine vernünftigen Zweifel daran hat, dass der Beschwerdeführer an der Geschädigten jedenfalls einmal gegen deren Willen den Geschlechtsverkehr vollzog. Der Beschwerdeführer weist im Wesentlichen bloss auf (angebliche oder tatsächliche) Widersprüche in den Aussagen der Beschwerdegegnerin hin und legt weitschweifig seine Sicht der Dinge dar, wobei er allerdings nicht auf seiner im kantonalen Verfahren (in verschiedenen Versionen) abgegebenen, vom Appellationsgericht zu Recht als absurd bezeichneten Darstellung des Geschehens beharrt, sondern zum Teil an den Haaren herbeigezogene Mutmassungen vorbringt, wie sich der Vorfall auch abgespielt und wie sich die Beschwerdegegnerin die festgestellte Verletzung der Scheide (Blutungen) und der Brüste (Hämatome) zugezogen haben könnte. Dass diese Verletzungen keinen objektiven Beweis für die Vergewaltigung darstellen, hat das Appellationsgericht indessen zu Recht selber festgestellt, und dass das Aussageverhalten der Beschwerdegegnerin problematisch und teilweise widersprüchlich ist, entging ihm keineswegs. Derartige Einwände erschöpfen sich daher in appellatorischer, in einer staatsrechtlichen Beschwerde unzulässiger Kritik und sind nicht geeignet, die Schlussfolgerung des Appellationsgerichts, die die (vaginale) Vergewaltigung betreffenden Aussagen der Beschwerdegegnerin seien im Kern glaubhaft, willkürlich erscheinen zu lassen. Zur Begründung einer erfolgreichen Willkürrüge geeignet ist im Grunde genommen einzig sein Einwand, das Appellationsgericht habe sich mit den medizinischen Gutachten zu seinem Gesundheitszustand nicht auseinandergesetzt und daher übersehen, dass es ihm aus medizinischen Gründen objektiv gar nicht möglich gewesen sei, die Beschwerdegegnerin zu vergewaltigen. Diese Rüge ist indessen unbegründet, der Beschwerdeführer behauptet selber nicht, dass sich dies aus den Gutachten Wüest und Martin eindeutig ergebe. Der Beschwerdeführer bleibt damit den Nachweis schuldig, dass ihn das Appellationsgericht willkürlich und unter Verletzung der Unschuldsvermutung verurteilt hat, die Rüge ist unbegründet.