Citation: I 78/04 11.08.2004 E. 2

2.1 Im letztinstanzlichen Verfahren nicht mehr streitig ist, dass die Störung, an welcher der Versicherte leidet, die für die Anerkennung als Geburtsgebrechen gemäss Ziff. 390 oder Ziff. 404 GgV-Anhang geltenden Voraussetzungen nicht erfüllt, weshalb medizinische Massnahmen gestützt auf Art. 13 IVG entfallen. Zu prüfen ist, ob eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung für die ab Sommer 2002 wieder notwendig gewordene Psychotherapie gemäss Art. 12 in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG in Betracht fällt. 2.2 In AHI 2003 S. 105 Erw. 4a hat das Eidgenössische Versicherungsgericht unter Hinweis auf die medizinische Literatur erwogen, die pharmakotherapeutische Behandlung spiele bei hyperkinetischen Störungen eine herausragende Rolle. Als Massnahme erster Wahl gelte dabei die Behandlung mit Stimulanzien, zu welchen auch Ritalin zu zählen sei. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bestehe die Wirkung der Stimulanzien kurzfristig in einer Besserung der Aufmerksamkeitsleistungen und einer Abnahme der Hyperaktivität und des störenden Verhaltens gemäss Eltern- und Lehrerurteil. Langfristig seien Stimulanzien ohne Gewöhnung und Abhängigkeit weiterhin wirksam, wobei allerdings die Wirkung rein symptomatisch bleibe, so dass eine anhaltende Besserung nach Absetzen der Medikation auf Nachreifungsprozesse zurückgeführt werden müsse. Mit Bezug auf den Beschwerdegegner hat das kantonale Gericht entschieden, die medikamentöse Behandlung mit Ritalin müsse nicht von der Invalidenversicherung als medizinische Massnahme übernommen werden. Dies ist im vorliegenden Verfahren unbestritten geblieben. Fraglich ist, wie es sich mit der begleitenden psychotherapeutischen Behandlung verhält. Gemäss Hans-Christoph Steinhausen (Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen, Lehrbuch der Kinder- und Jugendpsychiatrie, 5. Aufl., München 2002, S. 97 f.) stellt diese einen weiteren wichtigen Baustein im Rahmen der Behandlung von hyperkinetischen Störungen dar. Bezüglich der Prognose führt er aus, unter den Kernsymptomen zeige die motorische Unruhe am ehesten eine Besserungstendenz, während das Aufmerksamkeitsdefizit und die Impulsivität eher persistierten. Entsprechend würden die Schulleistungen und -verläufe und die Möglichkeiten einer störungsfreien sozialen Integration und psychosozialen Adaptation in Schule und Beruf leiden. Im Urteil F. vom 14. Oktober 2003 (I 298/03) hat das Eidgenössische Versicherungsgericht begleitende psychotherapeutische Massnahmen zu Lasten der Invalidenversicherung verneint, weil im konkreten Fall eine Therapie von unbeschränkter Dauer oder zumindest über eine längere Zeit hinweg in Frage stand, und sich über den damit erreichbaren Erfolg keine zuverlässige Prognose stellen liess. Aus denselben Gründen verneinte das Gericht im Urteil B. vom 27. Oktober 2003 (I 484/02) einen Anspruch auf Psychomotorik- oder Ergotherapie. 2.3 Das kantonale Gericht hat erwogen, es liege ein schweres erworbenes psychisches Leiden vor, indem die in früheren ärztlichen Stellungnahmen noch als sekundär bezeichneten emotionalen und Verhaltensstörungen nach der Behandlungsaussetzung im Sommer 2000 spätestens im Sommer 2002 mindestens im früheren Umfang wieder zu Tage getreten seien und sich negativ auf die Schulleistungen ausgewirkt hätten. Von einer weiteren Behandlung könne gemäss den ärztlichen Feststellungen erwartet werden, dass der drohende Defekt mit seinen negativen Wirkungen auf die Berufsausbildung und Erwerbsfähigkeit ganz oder in wesentlichem Ausmass verhindert werden könne, zumal der Versicherte bereits früher positiv auf die psychotherapeutische Behandlung angesprochen habe.