Citation: 5A_848/2014 E. 2.3.2

2.3.2. Nach Art. 3 Abs. 2 KRK verpflichten sich die Vertragsstaaten, dem Kind unter Berücksichtigung der Rechte und Pflichten seiner Eltern, seines Vormunds oder anderer für das Kind verantwortlicher Personen den Schutz und die Fürsorge zu gewährleisten, die zu seinem Wohlergehen notwendig sind; zu diesem Zweck treffen sie alle geeigneten Gesetzgebungs- und Verwaltungsmassnahmen. Art. 3 KRK stellt eine leitende Interpretationsmaxime der Konvention dar. Danach sind alle Konventionsbestimmungen im Lichte des Kindeswohles auszulegen und anzuwenden (Urteil 1P.453/2002 vom 12. Februar 2003 E. 7 nicht publiziert in: BGE 129 I 173; STEPHAN WOLF, Die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes und ihre Umsetzung in das schweizerische Kindesrecht, in: ZBJV 134/1998 S. 113 ff., insb. S. 118 f.; BEA VERSCHRAEGEN, Die Kinderrechtekonvention, Wien 1996, S. 13). Als Interpretationsgrundsatz sowie als programmatische Bestimmung ist Art. 3 KRK für sich allein nicht unmittelbar anwendbar. Soweit sich die Beschwerdeführerin ferner auf Art. 12 BV und Art. 13 EMRK beruft, ist ein Zusammenhang mit der hier strittigen Frage der Obhutszuteilung nicht ersichtlich. Darauf ist nicht einzutreten. Das Obergericht hat den von der Beschwerdeführerin gegenüber dem Beschwerdegegner erhobenen Vorwurf des sexuellen Kindsmissbrauchs vor dem Hintergrund der Ausführungen der Beschwerdeführerin im Verfahren und insbesondere aufgrund der Einstellung des besagten Strafverfahrens als nicht glaubwürdig erachtet und ging somit davon aus, die Sorge des Gutachters um die sexuelle Integrität des Kindes unter der Obhut des Beschwerdegegners sei zwischenzeitlich unbegründet. Es hat sodann das vom Gutachter erwähnte impulsive und sozial unangepasste Verhalten des Beschwerdegegners in der Öffentlichkeit nicht übersehen, hat dazu aber bemerkt, daraus könne nicht ohne Weiteres auf einen Erziehungsmangel geschlossen werden. Der Gutachter hat laut Obergericht vielmehr festgestellt, dass sich der Beschwerdegegner im Umgang mit seinem Sohn sehr liebevoll zeigt. Die als kontrollierend bezeichnete erzieherische Haltung des Beschwerdegegners gegenüber seinem Sohn kann zwar gemäss Vorinstanz gewisse Vorbehalte bezüglich der Erziehungsfähigkeit begründen, ist aber für sich genommen nicht geeignet, ihm die Fähigkeit völlig abzusprechen. Das Obergericht erachtete daher die vom Gutachter gegen die Rückplatzierung vorgebrachten Gründe als obsolet. Berücksichtigt hat das Obergericht sodann, dass gemäss den Abklärungen der Kinderschutzgruppe des Kantonspitals V.________ vom 21. August 2013 keine Hinweise auf eine Vernachlässigung des Kindes oder für einen missbräuchlichen Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch bestehen. Zusammenfassend hat das Obergericht den Beschwerdegegner als erziehungsfähig betrachtet. Im Gegenzug schliesst es die Erziehungsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht schlechthin aus. Gemäss Vorinstanz erscheint aber ihre Erziehungsfähigkeit nicht in einem positiveren Licht als diejenige des Beschwerdegegners. Die Beschwerdeführerin bringt weder gegen die berücksichtigten tatsächlichen Umstände substanziierte Rügen vor noch zeigt sie auf, inwiefern ihre Erziehungsfähigkeit bei willkürfreier Betrachtung jene des Beschwerdegegners übertrifft. Unbestritten ist sodann, dass der Beschwerdegegner die Möglichkeit hat und auch bereit ist, seinen Sohn persönlich bzw. unter Mithilfe seiner Schwester zu betreuen. Unter diesen Umständen durfte das Obergericht auch davon ausgehen, dass den bisherigen Betreuungsanteilen keine ausschlaggebende Bedeutung zukommt. Es durfte ferner ohne Willkür annehmen, dass der Beschwerdegegner dem Kind in Zukunft stabilere Verhältnisse biete als die Beschwerdeführerin und insbesondere auch sprachlich und sozial geeigneter erscheint, seinen Sohn, der auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, zu fördern und zu integrieren. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin hat die Vorinstanz die Kriterien betreffend die Zuteilung der Obhut sachgerecht umgesetzt und auf den vorliegenden Fall übertragen. Insbesondere der unsichere Aufenthaltsstatus der Beschwerdeführerin spricht gegen eine Zuteilung der Obhut an sie; die für sie nachteiligen Umstände dürfen nicht dem Beschwerdegegner angelastet werden. Damit aber durfte die Vorinstanz ohne Willkür und ohne Verletzung der angerufenen verfassungsmässigen Rechte der Beschwerdeführerin die Obhut dem Beschwerdegegner übertragen.