Citation: U 332/06 16.07.2007 E. 3

Streitig und zu prüfen ist, ob der Versicherte zum Zeitpunkt, als der Unfallversicherer die Leistungen einstellte, noch unter den Folgen des Unfalls vom 3. März 2004 litt. 3.1 Aufgrund der Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer beim Auffahrunfall vom 3. März 2004 eine Distorsion der HWS in Form eines so genannten Schleudertraumas erlitten hat. Im Anschluss an den Unfall ist denn auch zumindest teilweise das nach solchen Verletzungen typische Beschwerdebild (vgl. BGE 117 V 359 E. 4b S. 360) - hier namentlich mit Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsproblemen, Visusstörungen, Reizbarkeit und Depressivität - aufgetreten. Unbestritten ist sodann, dass die weiter bestehenden Beschwerden jedenfalls im Sinne einer Teilkausalität auf den Unfall zurückzuführen sind, was zur Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt (BGE 119 V 335 E. 1 in fine S. 338 mit Hinweis). Die vom Versicherten beantragte Einholung eines interdisziplinären Gutachtens erübrigt sich dementsprechend. 3.2 Streitig und zu prüfen ist demgegenüber, ob auch die Adäquanz des Kausalzusammenhangs gegeben ist. Nach den Akten besserten sich die somatischen Beschwerden des Versicherten (im Wesentlichen Nacken- und Kopfschmerzen mit Tendenz zu myofaszialer Ausbreitung thorakolumbal) auch unter Physiotherapie nicht wesentlich. Anlässlich eines Aufenthaltes des Versicherten im Kantonsspital X.________ (Rheumaklinik und Institut für Physiotherapie mit Poliklinik) vom 26. April bis 7. Mai 2004 wurde konsiliarisch eine mittelgradige, ängstlich depressive Episode diagnostiziert und der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung geäussert (Bericht des Kantonsspitals X.________ vom 18. Mai 2004; vgl. auch konsiliarischer Bericht der Dr. med. G.________, Oberärztin, Integrierte Psychiatrie [Psychiatrische Poliklinik am Kantonsspital X.________] vom 10. Mai 2004). Im Verlaufe eines Aufenthaltes des Versicherten in der Rehaklinik E.________ (vom 19. Mai bis 30. Juni 2004) zeigte sich, dass keine weiteren physiotherapeutischen Massnahmen, sondern vielmehr eine psychiatrische Behandlung indiziert war (Austrittsbericht vom 1. Juli 2004). Nach dem Klinikaustritt wurde der Versicherte in der Integrierten Psychiatrie psychiatrisch ambulant betreut. Während an der Wirbelsäule im weiteren Verlauf objektiv nurmehr geringe Befunde erhoben werden konnten, wurde in psychischer Hinsicht ein schwer depressives Zustandsbild festgestellt (Bericht des Dr. med. K.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 11. Oktober 2004). Auch der Kreisarzt gelangte in seinem Bericht über die Untersuchung vom 27. Oktober 2004 zum Ergebnis, dass in somatischer Hinsicht Restbeschwerden in Form von Verspannungen vorlägen und die depressive Symptomatik eindeutig im Vordergrund stehe. Nach einer Hospitalisation auf der Depressions- und Angststation der Integrierten Psychiatrie (vom 29. März bis 20. Mai 2005) stand der Versicherte wegen der schweren posttraumatischen Belastungsstörung und der schweren depressiven Episode mit somatischem Syndrom wiederum in ambulanter psychiatrischer Behandlung bei Dr. med. I._______, Leitender Arzt, Depressions- und Angststation der Integrierten Psychiatrie (Bericht vom 30. Mai 2005, Schreiben vom 4. Juli 2006). Bei dieser Aktenlage ist erstellt, dass die somatischen Beeinträchtigungen gegenüber der psychischen Problematik im Verlauf der Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben, weshalb die Adäquanzprüfung nicht nach den für Schleudertraumen und schleudertraumaähnliche Verletzungen der HWS (BGE 117 V 359 ff.), sondern nach den für psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) geltenden Regeln zu erfolgen hat (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103, 123 V 98 E. 2a S. 99; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 [Urteil W. vom 18. Juni 2002, U 164/01]). 3.3 Im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Einteilung (BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.) ist das Ereignis vom 3. März 2004 aufgrund des Geschehensablaufs mit der Vorinstanz den mittelschweren Unfällen (weder an der Grenze zu den leichten noch an der Grenze zu den schweren Fällen) zuzuordnen. Denn die Rechtsprechung stuft Auffahrkollisionen vor einem Fussgängerstreifen oder einem Lichtsignal wiederholt als im mittleren Bereich, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegende Ereignisse ein (wobei vereinzelt auch ein leichter Unfall angenommen wurde: RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357 E. 4.2 mit Hinweisen [Urteil U 193/01 vom 24. Juni 2003]). An der Richtigkeit dieser Zuordnung zum mittleren Bereichs vermag - entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung - nichts zu ändern, dass es sich beim auffahrenden Fahrzeug um einen Lastwagen handelte, wird diesem Umstand doch durch die Einstufung in die Mitte der mittelschweren Unfälle (statt im mittleren Bereich, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen) Rechnung getragen (vgl. auch Urteile U 290/04 vom 24. Juni 2005, E. 4.2, und U 132/01 vom 21. September 2004, E. 5.1). 3.3.1 Bei Unfällen, die dem mittleren Bereich zuzuordnen sind, lässt sich die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang rechtsprechungsgemäss nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten; vielmehr sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, die unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Der adäquate Kausalzusammenhang ist nur dann zu bejahen, wenn eines der im Zusammenhang mit dem Schleudertrauma der HWS massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder mehrere Kriterien gegeben sind (vgl. BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 140). 3.3.2 Der Unfall ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen, noch ist er als speziell eindrücklich zu bezeichnen, woran nichts zu ändern vermag, dass es sich beim auffahrenden Fahrzeug um einen Lastwagen handelte. Die erlittenen (physischen) Verletzungen waren weder schwer noch von besonderer Art. Namentlich vermag die Diagnose eines HWS-Schleudertraumas dieses Kriterium für sich allein nicht zu begründen (Urteile U 346/02 vom 7. August 2003, E. 5.2, und U 339/01 vom 22. Mai 2002, E. 4c); vielmehr bedürfte es dazu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beeinflussen können (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236 E. 5.2.3 [Urteil U 380/04 vom 15. März 2005]; Urteil U 265/05 vom 21. Juni 2006, E. 3.2.1), welche Voraussetzungen vorliegend nicht erfüllt sind. Ebenso wenig liegt, wie auch der Beschwerdeführer anerkennt, eine ärztliche Fehlbehandlung vor, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte. Sodann kann weder von einem schwierigen Heilungsverlauf gesprochen werden, noch traten erhebliche Komplikationen auf. Die ärztliche Behandlung der somatischen Beschwerden dauerte nicht ungewöhnlich lange, beschränkten sich doch die nach dem Unfall getroffenen Massnahmen schon nach kurzer Zeit im Wesentlichen auf die Abgabe von Medikamenten und Verlaufskontrollen. Soweit der Beschwerdeführer schliesslich die Kriterien von "Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit" sowie "Dauerschmerzen" für erfüllt hält, übersieht er, dass die anhaltende Beeinträchtigung auf psychische Gründe zurückzuführen ist, wie namentlich aus dem Bericht des Kreisarztes Dr. med. W.________ vom 27. Oktober 2004 hervorgeht, und daher insoweit ausser Betracht zu bleiben hat. Da mithin die massgebenden unfallbezogenen Kriterien weder in gehäufter Weise vorliegen noch ein Merkmal in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides vorhandenen Beschwerden zu verneinen.