Citation: 5A_201/2015 E. 4.3

4.3. Vor Obergericht hatte der Ehemann geltend gemacht, dass ihm nach Abschluss des Scheidungsverfahrens nur noch ein kleines Vermögen verbleibe, während die Ehefrau neben dem Eigentum an der Liegenschaft über ein grösseres Barvermögen, über Eigengut sowie über erhebliche Anwartschaften aus der unverteilten Erbschaft verfüge; deshalb rechtfertige es sich, die Entschädigung in Rentenform festzulegen (angefochtener Entscheid, S. 27). Das Obergericht ist diesen Überlegungen gefolgt und hat hierbei das ihm zustehende Ermessen keineswegs überschritten, sondern vielmehr eine der konkreten Lebens-, Einkommens- und Vermögenssituation der Parteien angemessene Lösung gefunden. Ausgangspunkt der obergerichtlichen Überlegungen bildet die Tatsache, dass der Ehemann nicht über genügend freies Kapital verfügt, um die angemessene Entschädigung von Fr. 565'323.90 mit einer Einmalzahlung zu tilgen (gemäss Vermögensaufstellung im erstinstanzlichen Urteil, S. 24, betrug es Fr. 449'694.90, abzüglich Steuerschulden von Fr. 30'057.--, zuzüglich güterrechtliche Ansprüche von Fr. 32'324.42; sodann dürften aufgrund des extrem aufwendig geführten Scheidungsverfahrens zwischenzeitlich Gerichts- und Anwaltskosten in ausserordentlicher Höhe angefallen sein, welche das Barvermögen erheblich vermindert haben). Bei einer Kapitalleistung müsste der Ehemann nicht nur jegliches Barvermögen aufwenden, so dass er bei unvorhergesehenen Ereignissen in Bedrängnis kommen könnte, sondern er wäre mit der ratenweisen Tilgung der Restanz auch auf Jahre hinaus auf das Existenzminimum gesetzt. Dies wäre angesichts der langdauernden Ehe, des beidseits eingetretenen Vorsorgefalles und insbesondere der Vermögensverhältnisse der Ehefrau geradezu stossend. Demgegenüber kann der Ehemann die Rentenlast angesichts seines relativ hohen eigenen Renteneinkommens gut tragen. Sodann führt die Verrentung der Entschädigung bei den Ehegatten, welche einen fast identischen Bedarf aufweisen, zu einem ähnlichen Einkommen undermöglicht ihnen damit im Ergebnis eine vergleichbare Lebenshaltung: Gemäss den obergerichtlichen Feststellungen beträgt der Bedarf beim Ehemann 4'435.90 und bei der Ehefrau Fr. 4'662.55, das Renteneinkommen beim Ehemann Fr. 9'915.-- und bei der Ehefrau Fr. 4'193.-- (angefochtener Entscheid, S. 33); unter Berücksichtigung des in Rentenform Fr. 2'456.-- ausmachenden Vorsorgeausgleichs beträgt das Einkommen Fr. 7'459.-- beim Ehemann und Fr. 6'649.-- bei der Ehefrau. Zusätzlich verfügt diese noch über Liegenschaftserträge von Fr. 25'000.-- pro Jahr (angefochtenes Urteil, S. 24), so dass sie auf ein Gesamteinkommen von monatlich Fr. 8'732.-- kommt. Das Obergericht hat nicht übersehen, dass die als Rente ausgerichtete Entschädigung passiv unvererblich ist. Es hat hierzu erwogen, dass die Ehefrau das Risiko des Vorversterbens - welches sich besonders stark bei einem frühzeitigen Ableben des Rentenschuldners auswirken würde - angesichts des deutlich über dem Bedarf liegenden Gesamteinkommens sowie des erheblichen Vermögens versichern kann. Zunächst ist festzuhalten, dass die Ehefrau bereits mit demeigenen Renteneinkommen praktisch den ganzen Bedarf abdecken kann. Sodann hat sie monatliche Liegenschaftserträge von über Fr. 2'000.--, so dass es ihr ohne weiteres möglich und zumutbar ist, das zusätzliche Renteneinkommen aus der Entschädigung zu versichern. Angesichts der Gesamtumstände stellt dies jedenfalls keine unsachliche Ermessensausübung dar, zumal sie auch auf eine Versicherung verzichten könnte, weil bereits ihr Einkommen ohne die Vorsorgeausgleichsrente ihren Bedarf deutlich übersteigt. Im Übrigen ist zu bemerken, dass die Ehefrau von der Verrentung der Entschädigung gegenüber einer Kapitalleistung auch durchaus profitieren kann, nämlich wenn beide Ehegatten ein hohes Alter erreichen sollten.