Citation: 2C_236/2024 E. 4.1

4.1. Gemäss Art. 12 lit. d BGFA können Anwältinnen und Anwälte Werbung machen, solange diese objektiv bleibt und solange sie dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit entspricht (vgl. auch BGE 150 II 217 E. 4.1). Unter Werbung im Sinn von Art. 12 lit. d BGFA ist insbesondere all jene Kommunikation zu verstehen, die planvoll darauf angelegt ist, andere dafür zu gewinnen, die von einem Anwalt bzw. von einer Anwaltskanzlei angebotenen Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen (BGE 139 II 173 E. 3.1; WALTER FELLMANN, in: Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 113 zu Art. 12 BGFA; vgl. auch BOHNET / MARTENET, Droit de la profession d'avocat, 2009, N. 1485). Ob Anwaltswerbung vorliegt, bestimmt sich nach der Verkehrsauffassung; massgebend sind objektive Kriterien, wobei der Begriff der Werbung gemäss Art. 12 lit. d BGFA nicht zu eng verstanden werden darf, da sonst der Zweck der Norm unterlaufen würde (BGE 139 II 173 E. 3.2; vgl. auch ANDREA SCHÜTZ, Anwaltswerbung in der Schweiz, 2010, S. 69 f.). Unter den entsprechend weit gefassten Begriff der - nach der gesetzgeberischen Konzeption grundsätzlich zulässigen (vgl. dazu WALTER FELLMANN, Anwaltsrecht, 2. Aufl. 2017 [Anwaltsrecht], N. 417-419; Botschaft vom 28. April 1999 zum Bundesgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [Anwaltsgesetz, BGFA], in: BBl 1999, S. 6056 f.) - Anwaltswerbung fallen somit namentlich auch die Öffentlichkeitsarbeit, das Sponsoring, das Direktmarketing bzw. die Direktwerbung und die Verkaufsförderung (eingehend zum Ganzen SCHÜTZ, a.a.O., S. 61 ff.; vgl. auch BOHNET / MARTENET, a.a.O., N. 1485; a.M. CHRISTOF BERNHART, Die professionellen Standards des Rechtsanwalts, 2. Aufl. 2011, S. 152 f., gemäss welchem es der Anwaltschaft sowohl berufs- wie auch wettbewerbsrechtlich von vornherein untersagt sei, Direktmarketing und Verkaufsförderung zu betreiben, weshalb diese beiden Praktiken der kommerziellen Kommunikation nicht unter Art. 12 lit. d BGFA fallen würden). Wiewohl Werbung typischerweise eine gewisse Breitenwirkung entfaltet (vgl. BGE 139 II 173 E. 3.3), ist eine bestimmte Massnahme der kommerziellen Kommunikation nicht allein deshalb keine Werbung im Sinn von Art. 12 lit. d BGFA, weil sie sich an spezifische Individuen mittels Nutzung ihrer persönlichen Kontaktdaten richtet (vgl. zur wettbewerbsrechtlichen Begrifflichkeit DAVID / REUTTER, Schweizerisches Werberecht, 3. Aufl. 2015, N. 10 f.; PETER JUNG, in: Handkommentar zum Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, 3. Aufl. 2023, Einleitung N. 5 f.; vgl. für eine Definition des Direktmarketings den Kodex der internationalen Handelskammer [ICC] zur Werbe- und Marketingkommunikation, 11. Aufl. 2024 [abrufbar unter https://iccwbo.org > The Code (besucht am 19. November 2024)], S. 48; SCHÜTZ, a.a.O., S. 375).