Citation: 6B_745/2019 E. 1.4

1.4. Der ausführlich begründete vorinstanzliche Entscheid, das Verfahren gegen den Beschwerdeführer weder zu sistieren noch einzustellen, hält vor Bundesrecht stand. Die Vorinstanz legt zunächst dar, dass B.A.________ an der Berufungsverhandlung und damit entgegen des Standpunkts des Beschwerdeführers offenbar auch zu diesem Zeitpunkt noch unter grossem Druck gestanden sowie von der Angst beherrscht war, ihr würden die Kinder weggenommen. B.A.________ habe vor Schranken erklärt, den Beschwerdeführer falsch der Verletzung ihrer gemeinsamen Tochter bezichtigt zu haben. Als nicht nachvollziehbare Erklärung für diese angeblich falsche Behauptung habe B.A.________ angegeben, sie habe Angst, die Tochter würde im Falle einer Trennung beim Vater resp. dem Beschwerdeführer bleiben. Sie habe insbesondere Angst gehabt, dessen Mutter würde ihr die Tochter wegnehmen. Sie habe etwa das Schicksal einer Tante vor Augen, deren Sohn vom Ehemann weggenommen worden sei. Es sei offensichtlich, dass B.A.________ dermassen unter Druck gestanden sei und stehe, dass sie an der Berufungsverhandlung zu keinem klaren Gedanken fähig gewesen sei. Auch emotional sei sie sehr aufgewühlt gewesen. So habe sie immer wieder geweint (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.4.2 S. 11 f.). Die Vorinstanz begründet überdies mit Verweisen auf die Akten, weshalb sie von keiner autonomen und freien Willensbildung von B.A.________ ausging. Es gebe klare Hinweise dafür, dass schon in der Vergangenheit grosser Druck auf diese ausgeübt worden sei, damit sie den Beschwerdeführer nicht belaste. Diesem wird denn auch in der Anklage etwa vorgeworfen, B.A.________ gezwungen zu haben, betreffend die Ursache der Verletzung der Tochter falsch auszusagen, notabene u.a. mit der Drohung, ihr würden andernfalls die Kinder weggenommen. In der Tat sagte B.A.________ nach dem Widerruf ihres ersten Sistierungsantrags aus, sie sei oft bedroht worden. Ihr Mann habe ihr gesagt, er werde ihre ganze Familie umbringen, wenn sie ihn anzeige. Sie habe Angst um ihre ganze Familie, wenn sie dies tue. Er habe auch gedroht, ihr die Tochter wegzunehmen und in den Kosovo zu bringen (kant. Akten, act. 962 und 1439). An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte sie ausserdem aus, sie sei bei der Unterzeichnung der Desinteresse-Erklärung im November 2016 unter Druck gestanden und habe diese unterzeichnen müssen (kant. Akten, act. 2236 f.). Aus WhatsApp-Nachrichten (vgl. etwa kant. Akten, act. 712 ff. und 795) sowie einem in der Haft verfassten Brief (kant. Akten, act. 954 ff.) ergeben sich ferner Hinweise auf ein Verhalten des Beschwerdeführers, welches die Vorinstanz zu Recht als manipulativ bezeichnet. Die Vorinstanz nennt für ihren Entscheid, das Verfahren nicht zu sistieren resp. einzustellen, zusäztliche Gründe. Demnach erstrecke sich der Deliktszeitraum der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Delikte zum Nachteil von B.A.________ über rund drei Jahre und betreffe zahlreiche Vorfälle. Die letzten soll er gar während des sistierten Verfahrens begangen haben. Er sei nicht einsichtig, und schiebe die Verantwortung für das ihm vorgeworfene Fehlverhalten auf sein Opfer. Diese vom Beschwerdeführer nicht bestrittenen Umstände belegen ein gewichtiges Strafverfolgungsinteresse. Dass die Ehegatten eine dauerhafte Lösung gefunden hätten oder auch nur daran seien, diese zu bearbeiten, werde laut Vorinstanz nicht dargelegt und sei nicht ersichtlich. Die Situation habe sich auch nicht so geändert, dass die Gefahr neuerlicher Konflikte verringert würde. Insbesondere würde eine Verfahrenseinstellung letztlich keine Erleichterung für B.A.________ bewirken. Sodann werde der zentrale und am schwersten wiegende Anklagepunkt, die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil der Tochter, vom Sistierungsantrag nicht berührt, sodass selbst bei einer Sistierung resp. Einstellung des Verfahrens in Bezug auf die Delikte zum Nachteil von B.A.________ eine Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer Freiheitsstrafe im Raume stehe, die jedenfalls nicht mehr vollständig bedingt ausgesprochen werden könnte. Eine Sistierung resp. Einstellung des Verfahrens sei deshalb, soweit sie überhaupt möglich wäre, nicht gerechtfertigt (vgl. angefochtenes Urteil, E. 2.4.3 S. 13 f.). Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen ist die vorinstanzliche Interessenabwägung nicht zu beanstanden und eine pflichtwidrige Ausübung des Ermessens der Vorinstanz nicht ersichtlich. Damit erweist sich die Rüge des Beschwerdeführers als unbegründet. Bei diesem Ergebnis kann die Rechtsfrage, ob eine erneute Sistierung des Verfahrens gemäss Art. 55a Abs. 1 StGB nach bereits erfolgter Wiederanhandnahme möglich wäre, offen bleiben.