Citation: 7B_601/2023 E. 2.4

2.4. Die Gutheissung des Ausstandsgesuchs durch die Vorinstanz hält der Überprüfung durch das Bundesgericht jedenfalls im Ergebnis stand: Bei der im fraglichen D.________-Artikel thematisierten Gerichtsverhandlung vom 19. September 2022, welche in einen Freispruch gemündet hat, wurde die Teilnahme an einer Aktion von "C.________" vom 5. Oktober 2021 an der Uraniastrasse in Zürich beurteilt (Verfahren GB220088). Der Beschwerdeführerin wird die Teilnahme an einer Aktion derselben Organisation am 4. Oktober 2021 am selben Ort vorgeworfen (Verfahren GB220012). Vizepräsident Roger Harris hat im vorinstanzlichen Verfahren eingeräumt, im Rahmen der Urteilseröffnung im Verfahren GB220088 den Kindern der freigesprochenen Klimademonstrantin mitgeteilt zu haben, dass sie stolz auf ihre Mutter sein könnten. Dazu, dass er - an die damalige Beschuldigte gerichtet - gesagt habe "Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Machen Sie weiter so", führte er aus, diese Passagen gäben das von ihm Gesagte "ziemlich verkürzt wieder". Er habe die Beschuldigte selbstverständlich nicht aufgefordert, künftig an irgendwelchen Kundgebungen teilzunehmen. Er habe Ausführungen dazu gemacht, dass es wichtig sei, für seine Ansichten einzustehen, solange dies gewaltfrei und im Rahmen des Erlaubten geschehe, und dass die meisten Menschen viel zu wenig Interesse zeigten an Politik und den Themen unserer Zeit, "sondern ihre Zeit lieber sinnlos hinter Bildschirmen vertun". Mit den dahingehenden Ausführungen hat sich Roger Harris aber vor Publikum mit der Freigesprochenen im Verfahren GB220088 gleichsam solidarisiert und dadurch - ob bewusst oder unbewusst - Erwartungen geweckt, die seine freie Meinungsbildung in einem ähnlich gelagerten zukünftigen Fall beeinträchtigen können. Die Äusserungen genügen, um unter den hier gegebenen besonderen Umständen den Anschein zu erwecken, Roger Harris sei nicht (mehr) in der Lage, das Strafverfahren gegen die Beschwerdeführerin, in welchem anhand eines praktisch wortgleichen Strafbefehls ein bis auf Ort, Datum und Uhrzeit beinahe identischer Tatvorwurf zu beurteilen sein wird, als Einzelrichter offen und nicht vorbestimmt anzugehen. Dass der erwähnte Freispruch, wie Roger Harris in seiner Stellungnahme ausführte, einzig deshalb erfolgt sei, "weil der Sachverhalt aufgrund der vorgelegten, äusserst rudimentären Beweismittel gar nicht erstellt werden konnte", verstärkt diesen Anschein eher, als dass es ihn entkräftet. Wenn die Vorinstanz bei dieser Sachlage Einzelrichter Roger Harris im Strafverfahren gegen die Beschwerdeführerin in den Ausstand versetzt, verletzt sie weder Bundes- noch Konventionsrecht. Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift auf den in der Online-Zeitung D.________ erschienenen Artikel über die angeblichen Aussagen von Roger Harris Bezug nimmt, braucht darauf nicht näher eingegangen zu werden.