Citation: 1C_244/2020 E. 3.3

3.3. Die Vorinstanz hat dargelegt, dass die vorliegend betroffenen Lärmimmissionen unter die Lärmarten gemäss Anhang 6 Ziff. 1 LSV fallen, und diesen Anhang ihrer Beurteilung zugrunde gelegt. Die Beschwerdeführerinnen bestreiten, dass ihre Lärmbelastung mit den Belastungsgrenzwerten für Industrie- und Gewerbelärm adäquat erfasst werde. Sie machen geltend, der Aussenlärm bei der Post-Zustellstelle werde überwiegend durch menschliches Verhalten verursacht und konzentriere sich auf wenige Stunden am Tag bzw. in der Nacht. Er sei vergleichbar mit dem Aussenlärm bei Gaststätten. Die Lärmbeurteilung nach Anhang 6 LSV sei mit einer Beurteilung der Sekundärimmissionen zu ergänzen. In einem solchen Fall sei eine Einzelfallbeurteilung geboten. Bei einer Neuanlage sei in diesem Rahmen eine bloss geringfügige Störung zulässig. Vor Bundesgericht bringen die Beschwerdeführerinnen nicht substanziiert vor, dass die lärmrelevanten Tätigkeiten über die von der Vorinstanz als massgeblich betrachteten Lärmarten hinausgehen. Soweit sie auf das Öffnen und Schliessen von Fahrzeugtüren auf dem Betriebsareal hinweisen, wird auch der damit verbundene Lärm von Anhang 6 LSV erfasst. Der von den Beschwerdeführerinnen ins Feld geführte Aussen- bzw. Sekundärlärm von Gaststätten unterscheidet sich erheblich vom Charakter von Industrie- und Gewerbelärm im Sinne von Anhang 6 LSV (vgl. oben E. 3.2). Eine Beurteilung gemäss den Grundsätzen der Praxis für den Gaststättenlärm (vgl. dazu BGE 137 II 30 E. 3.6; Urteil 1C_293/2017 vom 9. März 2018 E. 3.1.2, in: URP 2018 S. 323) erweist sich nicht als sachgerecht. Vielmehr ist der von der Post-Zustellstelle ausgehende Lärm als Gewerbelärm im Sinne von Anhang 6 LSV zu qualifizieren, so dass dieser grundsätzlich nach diesen Vorgaben zu beurteilen ist. Angesichts dieser bundesrechtlichen Regelung besteht auch kein Anlass, auf die zeitlichen Beschränkungen des Gewerbelärms gemäss dem Ortspolizeireglement Saanen zurückzugreifen.