Citation: 1C_520/2022 E. 4.3.3

4.3.3. Die Vorinstanz hat das schutzwürdige Interesse - entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin - nicht einzig aus der allgemeinen Kontrollfunktion der Medien abgeleitet. Sie bejahte das schutzwürdige Interesse insbesondere deshalb, weil der Vorwurf, die Beschwerdeführerin sei angesichts der belegten Verunreinigung eines wichtigen Gewässers durch die Anwendung von Art. 7 VStrR privilegiert behandelt worden, allein anhand des Strafbefehls nicht geklärt werden könne. An journalistischen Informationen über den korrekten Ablauf von Strafuntersuchungen besteht damit ein gewichtiges Interesse. Die einwandfreie Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft bildet Grundlage für das Vertrauen der Gesellschaft in eine funktionierende Strafverfolgung. Das Aufdecken möglicher Mängel ist ein legitimes und schutzwürdiges Anliegen der Medien (vgl. FRANZ ZELLER, Unzureichendes Interesse der SRG an Einsicht in Akten eines längst abgeschlossenen Strafverfahrens, Bemerkungen zum Urteil 1C_33/2020 vom 26. Mai 2021 [publiziert in: BGE 147 I 463], in: Medialex 8/2021, Rz. 22). Im zu beurteilenden Fall können die Spekulationen einer möglichen Bevorzugung der Beschwerdeführerin gemäss willkürfreier Feststellung der Vorinstanz nicht allein durch die Einsicht in den Strafbefehl beseitigt werden. Wenn die Vorinstanz in vorliegender Konstellation ein über die allgemeine Kontrollfunktion hinausgehendes öffentliches Informationsinteresse der Beschwerdegegnerin bejaht, wendet sie das kantonale Recht weder willkürlich noch in Verletzung von Art. 29 Abs. 2 BV an.