Citation: 2C_711/2020 E. 5.2

5.2. Eine Entfernungsmassnahme würde den Beschwerdeführer und seine Familie mit einer gewissen Härte treffen, zumal der Ehegattin und der zweijährigen gemeinsamen Tochter, die beide die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzen, eine Ausreise in die Türkei nicht ohne Weiteres zumutbar ist. Der Beschwerdeführer verweist in diesem Zusammenhang auf die "Reneja-Praxis", wonach einer ausländischen Person, welche mit einer Schweizerin oder einem Schweizer verheiratet ist, erstmals oder nach bloss kurzer Aufenthaltsdauer um die Erneuerung ihrer Bewilligung ersucht und zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde, selbst dann kein Aufenthaltstitel mehr zu erteilen ist, wenn der schweizerischen Ehegattin (bzw. dem schweizerischen Ehegatten) die Ausreise nicht oder nur schwer zuzumuten ist (vgl. zur "Reneja-Praxis" BGE 139 I 145 E. 2.3 S. 148). Dem Beschwerdeführer kann gefolgt werden, dass die "Reneja-Praxis" an sich nicht für ausländische Personen zum Tragen kommt, die sich - wie der Beschwerdeführer - bereits seit längerer Zeit im Land aufhalten (Urteil 2C_822/2016 vom 30. Januar 2017 E. 3.6). Mit Blick auf das Erfordernis der zweijährigen Freiheitsstrafe ist umgekehrt darauf hinzuweisen, dass es sich dabei um keine feste Vorgabe handelt, die nicht über- oder unterschritten werden dürfte, sondern lediglich um einen Richtwert (vgl. BGE 139 I 145 E. 3 S. 148). Diesen Richtwert erfüllt der Beschwerdeführer - wie er selbst eingesteht - aufgrund der zweijährigen Freiheitsstrafe gleichwohl. Ohnehin wurde der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2013 und damit vor der Heirat mit seiner Ehegattin schwer straffällig. Die Ehegatten mussten somit bereits im Zeitpunkt der Familiengründung (Heirat im Jahr 2017 und Geburt der Tochter im Jahr 2018) damit rechnen, die familiären Beziehung gegebenenfalls nicht in der Schweiz leben zu können (vgl. Urteil 2C_327/2015 vom 22. April 2016 E. 5.3). Falls die Ehegattin und die gemeinsame Tochter dem Beschwerdeführer freiwillig in die Türkei folgen wollten, wäre dies zweifelsohne mit Nachteilen verbunden. Die Umstände, dass die seit 2003 in der Schweiz lebende Ehegattin ursprünglich ebenfalls aus der Türkei stammt und die zweijährige Tochter sich noch in einem anpassungsfähigen Alter befindet, liessen eine Ausreise zusammen mit dem Beschwerdeführer in seine Heimat aber nicht als grundsätzlich unzumutbar erscheinen.