Citation: 1P.433/2000 21.07.2000 E. 3

3.-Am 17. Februar 1999 erteilte das Kriminalgericht des Kantons Luzern dem Leiter der Abteilung Forensische Psychiatrie an der Universitätsklinik Basel (Prof. Dr.med. Volker Dittmann) den Auftrag zur Erstellung eines psychiatrischen Obergutachtens. a) Gemäss dessen ausführlicher Expertise vom 21. März 2000 habe die Beschwerdeführerin bereits am 9. Februar 1993 im Rahmen eines Fürsorgerischen Freiheitsentzuges in die Kantonale Psychiatrische Klinik St. Urban eingeliefert werden müssen. Die behandelnden Ärzte hätten eine "paranoid-querulatorische Entwicklung" diagnostiziert, "in deren Gefolge multiple psychosomatische Beschwerden" der Patientin "mit ans Wahnhafte grenzender Gewissheit als Vergiftungssymptome interpretiert" worden seien. "Das Leiden" sei "auf dem Boden einer narzisstischen Neurose entstanden" und habe "den Schweregrad einer gravierenden Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis erreicht". Wegen "fehlender Krankheitseinsicht und damit auch fehlender Behandlungsbereitschaft" der Patientin sei diese am 12. Februar 1993 als nicht geheilt aus dem Fürsorgerischen Freiheitsentzug entlassen worden. In einem Bericht des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons Zürich (Dr. med. H.________) vom 23. Februar 1993 sei festgestellt worden, dass bei der Beschwerdeführerin und ihren beiden Kindern "eine symbiontische Psychose" vorliege. b) Nach dem Tötungsdelikt vom 3. April 1996 zum Nachteil des Ehemannes der Beschwerdeführerin habe der damalige Chefarzt der Psychiatrischen Klinik am Kantonsspital Luzern (Dr. med. L.________) einen ausgeprägten "Verfolgungswahn" bei ihr diagnostiziert. Eine "notwendige psychopharmakologische Behandlung" habe "nicht durchgeführt werden können". Den Tod ihres Ehemannes betrachte die Beschwerdeführerin "als eine unerwartete Nebenerscheinung ihrer unumgänglichen hochnotpeinlichen Befragung des Opfers", worin sie "kein Unrecht ihrerseits erkennen" könne. Sie bedürfe nach den Feststellungen des Vorgutachters "einer speziellen nur in einer Klinik möglichen fachärztlichen" und medikamentösen Behandlung. Aufgrund ihrer Krankheit habe die Patientin mehrmals ihre "Steuerungsfähigkeit weitgehend verloren". Dennoch könne man sie - nach Auffassung von Dr. L.________ in dessen Vorgutachten vom 23. September 1996 - "nicht als gefährlich bezeichnen, was die öffentliche Sicherheit" anbetrifft. c) Gestützt auf die Krankengeschichte, die psychiatriemedizinische Fachliteratur sowie ein "gut zweistündiges" (Expertise, S. 13 oben) persönliches Gespräch mit der Explorandin vom 7. Oktober 1999 kam der Obergutachter zu folgenden Befunden: Es könne "kein Zweifel daran bestehen", dass die Beschwerdeführerin "auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt immer noch an einer schweren psychischen Störung" leide. Es bestehe "auf dem Boden einer paranoiden Persönlichkeitsstörung" ein "Verfolgungswahn" mit "ausgeprägter sogenannter Wahndynamik" und "querulatorischen Tendenzen". Im Zeitpunkt des Tötungsdeliktes habe "der mit dem Wahn verbundene Affekt" das Handeln der Beschwerdeführerin "weitgehend beherrscht". Es sei daher "von vollständig aufgehobener Zurechnungsfähigkeit auszugehen". Die wahnhafte Störung bestehe bei ihr "seit Jahren in unverminderter Intensität". d) "Die Prognose im Hinblick auf mögliche weitere schwerwiegende aggressive Handlungen zum Nachteil Dritter" sei "insgesamt ungünstig". Die Beschwerdeführerin habe "in völlig inadäquater Weise massiv Gewalt gegenüber dem Opfer angewendet". "Die ungünstige Prognose" werde "auch nicht dadurch relativiert", dass es sich um ein Beziehungsdelikt gehandelt habe. Zwar sei sie nicht wegen Gewaltdelikten vorbestraft. Unbehandelt würden sich schwere wahnhafte Störungen der vorliegenden Art jedoch "in aller Regel expansiv entwickeln". Sie könnten sich "nach dem Tod von zuvor im Zentrum stehenden Personen" durchaus "auf andere ausdehnen". Im vorliegenden Fall sei "insbesondere an die Familie" der Beschwerdeführerin "zu denken, von der sie" annehme, "dass sie mit ihrem Mann im Bunde" gewesen sei. "Nicht selten" sei "auch eine Ausdehnung aggressiver Handlungen auf all jene Personen" zu beobachten, "die dem Kranken vermeintlich Unrecht zufügten, so vor allem Repräsentanten der Ermittlungs- und Justizbehörden". Ungünstig wirke sich auch ihre völlige Negierung der Krankheit sowie ihre Weigerung aus, die ärztlich verordneten Medikamente einzunehmen. e) Zusammengefasst beurteilt der Obergutachter "die Prognose in Bezug auf künftige Delinquenz als sehr ungünstig". "Das Risiko, dass" die Beschwerdeführerin "über kurz oder lang gegen Dritte in ähnlich aggressiver Weise vorgehen könnte", sei aus psychiatrischer Sicht "ganz erheblich". Solange die Beschwerdeführerin "keine Behandlungsbereitschaft" zeige, sei auch "eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik nicht sinnvoll" (vgl. Expertise, Seiten 9 - 22).