Citation: U 68/05 18.10.2005 E. 3

Dr. med. L.________ beantwortet seinerseits die Frage, ob der über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 1. Januar 2003 hinaus bestehende Knorpelschaden lateral wahrscheinlich oder bloss möglicherweise mit dem Unfall vom 23. April 2001 in Verbindung zu bringen sei, nicht widerspruchsfrei. 3.1 Zwar hielt er sowohl im Bericht vom 6. Oktober 2003 wie auch in demjenigen vom 24. November 2003 unmittelbar an die Frage anschliessend zunächst fest, ein Zusammenhang sei lediglich möglich. Dabei verwies er auf das dem Unfall folgende beschwerdefreie Intervall von rund einem Jahr bis kurz vor der Operation vom 30. Mai 2002; hätte die beim Unfall erlittene Korbhenkelläsion bzw. eine ausgeprägte Meniskusläsion tatsächlich zu einer erheblichen Schädigung des Gelenkknorpels im lateralen Kompartiment geführt, so hätten sich auch umgehend Schmerzen und Blockierungen manifestieren müssen, was aber nicht der Fall gewesen sei. Insoweit erscheinen die Ausführungen von Dr. med. L.________ in Übereinstimmung mit Versicherer und Vorinstanz schlüssig. 3.2 Was alsdann folgt, steht indessen in einem nicht ohne Weiterungen lösbaren Widerspruch zum soeben Gesagten. Denn Dr. med. L.________ führt zunächst weiter aus, möglicherweise habe sich der Korbhenkel im Anschluss an den Unfall vom 23. April 2001 zunächst reponieren können, weshalb ein Jahr lang wenig Symptome aufgetreten seien, ehe im April 2002 der Meniskus durch Auswälzen bei Instabilität des Korbhenkelanteiles definitiv zerstört und damit die Knorpelschädigung im lateralen Kompartiment verursacht worden sei. Alsdann wies er auf die bei der Arthroskopie beim Knorpel zusätzlich vorgefundenen Schädigungen femoropatellär und medial des Grads von mindestens 3 hin, welche degenerativer Natur seien. Weil darüber hinaus bereits bei der Kniespiegelung im Jahr 1994 im femorotibialen Kompartiment eine leichte Knorpelveränderung vorgefunden wurde und die dabei vorgenommene Teilmenisketomie wegen der zwar nicht ausgeprägten, aber dennoch vorhandenen X-Beinigkeit eine grössere Gefahr für eine zukünftige Arthrose lateral als medial zur Folge hatte, folgerte er sodann, eine leichte Schädigung des lateralen Kompartiments sei auch ohne Unfall wahrscheinlich bzw. als vorbestehend ausgewiesen. Die Ausführungen schloss der Arzt mit dem Hinweis, er schätze den Ursachenanteil des Unfalls am Knorpelschaden lateral mit 33 1/3 % ein. Mit anderen Worten diskutierte Dr. med. L.________ in diesem zweiten Teil die Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen einem durch den Unfall (möglicherweise?) instabil gewordenen Korbhenkelanteil und der durch Auswälzen im April 2002 erfolgten definitiven Zerstörung des Meniskus. Ob er sich dabei bereits mit der Aussage eines im Anschluss an den Unfall bleibend instabil gewordenen Korbhenkelanteils in Spekulation erging oder dies gegenteilig als überwiegend wahrscheinlich erstellt erachtete, ist unklar. Im ersteren Fall sind die weiteren Ausführungen des Arztes aus rechtlicher Sicht lediglich als unnötiger Versuch einer Zusatzbegründung in dem Sinne zu werten, als die verschiedenen unfallfremden Einflüsse zusätzlich aufgezeigt werden sollten. Im gegenteiligen Fall ist dagegen - allein auf die Ausführungen im zweiten Teil abstellend - von einer nach wie vor als überwiegend wahrscheinlich ausgewiesenen Teilursächlichkeit auszugehen, was zur Leistungsaufrechterhaltung genügt. 3.3 Insgesamt löst sich der offene Widerspruch zwischen der die Ausführungen des Dr. med. L.________ einleitenden Verneinung eines Ursachenanteils und der gegenteiligen abschliessenden Aussage entgegen der von Versicherer und Vorinstanz vertretenen Auffassung nicht ohne weitere Abklärungen, zumal die letztinstanzlich am 4. März 2005 vorgetragene Erklärung von Dr. med. L.________, er bleibe bei seiner Meinung, ein grosser Teil der Beschwerden sei wahrscheinlich unfallunabhängig, zur Lösung nichts beiträgt. Die entscheidende Frage, ob die Versicherte (überwiegend) wahrscheinlich (bereits) vor der Leistungseinstellung den status quo sine erreicht hat oder nicht, ist damit nicht hinlänglich beantwortet. Es liegt nunmehr an der Vorinstanz, über das weitere Vorgehen zu entscheiden, sei es, von Dr. med. L.________ eine klärende Stellungnahme einzuholen, sei es, andere Beweismassnahmen durchzuführen.