Citation: 9C_27/2022 E. 4.5

4.5. Als Zeichen für eine Aggravation sehen die Sachverständigen der MEDAS Bern u.a. auch den Umstand, dass der Beschwerdeführer "seine früheren Angaben zum Elternhaus und zum Verhalten des Vaters" später wieder zurückgenommen habe, "da die Auskunft bei seiner Psychiaterin nicht wahrheitsgemäss gemacht wurde, offensichtlich um sich Vorteile bei der Bewertung durch die IV zu verschaffen" (Gutachten vom 9. September 2019 S. 15). Die Vorinstanz hingegen erkennt, aus dem fraglichen Bericht einer behandelnden Ärztin ergebe sich nicht, dass er dieser gegenüber die explizite Aussage, er sei als Minderjähriger psychisch und körperlich misshandelt worden, gemacht und sie später wieder zurückgenommen habe. Entgegen dem Gutachten bestehe diesbezüglich also kein Indiz für eine Aggravation (angefochtener Entscheid E. 4.3.5). Der Beschwerdeführer moniert, die entsprechende Fehleinschätzung der Gutachter beeinflusse die gesamte Beurteilung. So sei die Expertise als Ganze nicht nachvollziehbar. Die Vorinstanz hätte daher eine neue Begutachtung veranlassen müssen. Es stellt sich auch hier die Frage, ob das kantonale Gericht den Sachverhalt offensichtlich unrichtig feststellt und das Untersuchungsprinzip verletzt, indem es trotz des Kritikpunktes auf das Gutachten vom 9. September 2019 abstellt. Zwar wird die gutachterliche Einschätzung - das geklagte Beschwerdebild beruhe weitgehend auf Aggravation - im erwähnten Punkt nicht gestützt. Dieser Umstand kompromittiert die Schlussfolgerungen der Sachverständigen aber nicht: Zum einen leitet sich der Befund der Aggravation aus einer Vielzahl selbständiger Feststellungen ab, die sowohl auf der gutachterlichen Untersuchung wie auch auf der dokumentierten Vorgeschichte beruhen (vgl. Gutachten der MEDAS Bern S. 15 ff.). Der Bestand dieser weiteren Anhaltspunkte für eine Aggravation hängt nicht von dem einen Indiz ab, das sich als unhaltbar erwiesen hat. Zum andern ändert dessen Wegfall nichts an der gutachterlichen Schlussfolgerung, weil ihm im Gefüge der gesamten Indizien keine ausschlaggebende Bedeutung zukommt.