Citation: 4A_496/2019 E. 4.4

4.4. Die Anforderungen an die Substanziierung einer Behauptung oder einer Bestreitung sind nie Selbstzweck. Das Erfordernis der Behauptung und der Bestreitung dient einerseits der Eingrenzung des Beweisthemas (vgl. HANS PETER WALTER, in: Berner Kommentar, 2012, N. 182 und 191 zu Art. 8 ZGB), da grundsätzlich nur über bestrittene Behauptungen Beweis geführt werden muss (Art. 150 Abs. 1 ZPO; FABIENNE HOHL, Procédure civile, Bd. I, 2. Aufl. 2016, S. 210 Rz. 1277), und schafft andererseits die Voraussetzungen für eine sachgerechte Beweisführung und den Subsumtionsvorgang in der Rechtsfindung (vgl. WALTER, a.a.O., N. 202 zu Art. 8 ZGB; HOHL, a.a.O., S. 208 Rz. 1264 und S. 211 f. Rz. 1281; zit. Urteil 4A_106/2020 E. 2.3.2). In Bezug auf Bauabrechnungen wird beispielsweise verlangt, dass der Besteller detailliert erklärt, welche Positionen er nicht anerkennt, um dem Unternehmer die Möglichkeit zu geben, darüber Beweis zu führen (vgl. BGE 117 II 113 E. 2 S. 114). Zumindest muss aus der Bestreitung hervorgehen, unter welchem Gesichtspunkt die einzelnen Positionen beanstandet werden (zit. Urteil 4A_443/2017 E. 4.2 mit Hinweisen). Soweit Geschehnisse Gegenstand eigener Handlungen oder Wahrnehmungen der bestreitenden Partei bilden, dürfen zwar unter diesem Gesichtspunkt schlichtes Bestreiten oder Bestreiten mit Nichtwissen unter Umständen als nicht ausreichend erachtet werden (BGE 133 III 43 E. 4.1 S. 54 und E. 4.3 S. 55; zit. Urteil 4A_443/2017 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 4A_709/2011 vom 31. Mai 2012 E. 3.2). Auch dies gilt indessen nur insoweit, als die behauptungsbelastete Partei für den Nachweis ihrer Behauptung auf derartige Angaben angewiesen ist, da sie aus eigener Kenntnis nichts darlegen kann (BGE 133 III 43 E. 4.1 S. 54 und E. 4.3 S. 55; zit. Urteil 4A_106/2020 E. 2.3.5). Dass diese Voraussetzungen gegeben sind, zeigt die Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich auf. Es war ihr offensichtlich möglich, detailliert darzulegen, weshalb von ihr maximal die von ihr genannte Summe verlangt werden konnte und weshalb dies dem Insolvenzverwalter bekannt sein musste. Inwiefern sie für den Nachweis dieser Behauptung in einem Beweisverfahren auf nähere Angaben darüber, wie der Insolvenzverwalter die Sach- und Rechtslage aus welchen Gründen effektiv eingeschätzt habe, angewiesen sein sollte, zeigt sie nicht rechtsgenüglich auf. Damit ist nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen sein sollte, ihre Bestreitung zu substanziieren. Bereits insoweit ist die Beschwerde nicht hinreichend begründet. Sollte tatsächlich eine unsubstanziierte Bestreitung erfolgt sein, müsste der Beweis bereits als erbracht angesehen werden, wenn der Beschwerdeführerin der Nachweis gelänge, dass nur der von ihr genannte Betrag von ihr hätte erhältlich gemacht werden können und dass dies für jeden professionellen Insolvenzverwalter ohne weiteres offensichtlich sein musste. Mangels substanziierter Bestreitung wäre nicht weiter zu prüfen, ob der Insolvenzverwalter subjektiv allenfalls dennoch von einem anderen Betrag ausgegangen war.