Citation: 9C_364/2023 E. 2.1.2

2.1.2. Nach dem Gebot der ungesäumten Verlustverrechnung sind die Verlustvorträge nach Artikel 31 Abs. 1 DBG unverzüglich, d.h. in der nächstmöglichen Steuerperiode, zu verrechnen. Verluste können nicht beliebig vorgetragen werden. Das ergibt sich klar aus dem Wortlaut der Vorschrift ("soweit sie bei der Berechnung des steuerbaren Einkommens dieser Jahre nicht berücksichtigt werden konnten") und folgt auch aus dem Periodizitätsprinzip, wonach Einkommen und Verlust grundsätzlich in derjenigen Periode zu berücksichtigen sind, in der sie angefallen sind. Steht steuerbares Einkommen zur Verfügung, das noch nicht mit Verlusten verrechnet worden ist, so sind die Verluste zu verrechnen. In einer späteren Steuerperiode kann die Verlustverrechnung nicht mehr nachgeholt werden. Eine positive Gewinneinschätzung führt notwendigerweise zur unwiderlegbaren Vermutung, dass kein verrechenbarer Verlustvortrag mehr vorhanden ist. Dies gilt sowohl für juristische als auch für natürliche Personen (vgl. zum Ganzen u.a. Urteile 2C_784/2017 vom 8. März 2018 E. 7.2; 2C_696/2013 vom 29. April 2014 E. 3.1 u. 3.4.1; 2C_973/2012 u. 2C_974/2012 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2; 2C_240/2011 vom 8. April 2011 E. 2; je m.w.H.).