Citation: 8C_219/2009 25.08.2009 E. 5

5.1 Es stellt sich die Frage, ob das kantonale Gericht den Sachverhalt vor der Entscheidung über den Anspruch von Amtes wegen hätte ergänzen müssen (Art. 61 lit. c ATSG; vgl. auch Art. 43 ATSG). 5.2 Die Beschwerdeführerin sieht eine Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 lit. a BGG im Umstand begründet, dass die Vorinstanz gestützt auf das Gutachten des Dr. med. B.________ vom 21. Februar 2007 abgestellt und die muskuläre Dysbalance in die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit miteinbezogen hat. Ihrer Ansicht nach handelt es sich bei der Beurteilung des Rheumatologen lediglich um eine - unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten unerhebliche - andere Einschätzung eines gleich gebliebenen Gesundheitszustandes. 5.3 Dr. med. B.________ führt in seinem Gutachten unter den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine generalisierte muskuläre Dysbalance im Schulter- und Beckengürtelbereich an. Auch wenn sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt stellt, eine muskuläre Dysbalance sei grundsätzlich nicht invalidisierend, scheint der Rheumatologe mit Bezug auf die Beschwerdegegnerin somit von einem anderen Ansatz auszugehen. In der Beurteilung hält der Facharzt fest, die Versicherte leide seit Jahren an einem chronischen cervicolumbovertebralen Schmerzsyndrom bei mässig degenerativen Veränderungen und ausgeprägter muskulärer Dysbalance, wie sie erstmals von Dr. med. M.________ im Jahre 2001 festgestellt worden sei. Mangels Behandlung habe sich die muskuläre Dysbalance weiter entwickelt und nunmehr ein ausgeprägtes Ausmass angenommen. Mit zunehmender muskulärer Dysbalance habe sich die Arbeitsfähigkeit verschlechtert, weshalb nur noch leichteste körperliche Arbeiten zumutbar seien. Hinsichtlich der Frage nach Entwicklung und Verlauf der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsbedingten Tätigkeit seit Mai 2002 hält der Gutachter fest, die Versicherte sei von 2001 bis auf weiteres als voll arbeitsunfähig zu betrachten. Sobald die muskuläre Dysbalance behoben sei, könne mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 Prozent gerechnet werden. Wegen der Wirbelsäulenproblematik sei weiterhin keine Arbeit im feuchten Milieu, keine stereotype Arbeitsweise und kein Herumtragen von Gewichten von über 10 kg zumutbar. 5.4 Der Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass die Beurteilung des Dr. med. B.________ insofern nicht nachvollziehbar und schlüssig ist, als er ausgehend von den von Dr. med. M.________ erhobenen Befunden auf eine seit dem Jahre 2001 bestehende volle Arbeitsunfähigkeit schliesst, obwohl der Versicherten damals mit Wirkung ab 1. Juli 2000 aufgrund einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent in einer körperlich leichten Tätigkeit und einem ermittelten Invaliditätsgrad von 58 Prozent lediglich eine halbe Invalidenrente zugesprochen worden war. Auch Dr. med. H.________ ging im Verlaufsbericht vom 1. Februar 2006 und damit für die Zeit vor der Hüftoperation, für eine körperlich leichte Arbeitstätigkeit unter Vermeidung stereotyper Arbeitshaltungen und monotoner Arbeitsabläufe (langes Sitzen, Stehen) aus rheumatologischer Sicht von einer Erwerbsunfähigkeit von 50 Prozent aus. Anderseits hält Dr. med. B.________ fest, mit zunehmender muskulärer Dysbalance habe sich die Arbeitsfähigkeit verschlechter und es seien nur leichteste körperliche Arbeiten zumutbar, was in einem unüberwindbaren Widerspruch zur attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit steht. Aufgrund der von Dr. med. M.________ erhobenen Diagnosen ist nicht auszuschliessen, dass die ursprüngliche Zusprechung einer halben Invalidenrente auch die muskuläre Dysbalance beinhaltet hat. Weggefallen ist seither unbestrittenermassen nur die Hüftproblematik, während die muskuläre Dysbalance laut Dr. med. B.________ offenbar zugenommen hat. Unklar bleibt damit, ob sich die Arbeitsfähigkeit insgesamt verbessert oder verschlechtert hat oder ob sie gleich geblieben ist. Der medizinische Tatbestand bedarf somit hinsichtlich der Bemessung der Arbeitsfähigkeit einer Klärung, bevor allenfalls im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG eine überwiegend wahrscheinliche anspruchserhebliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen angenommen werden kann, zu welchem Zweck die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen ist (Art. 107 Abs. 2 BGG). 5.5 Je nach Ergebnis der medizinischen Abklärung wird die Beschwerdeführerin allenfalls zu prüfen haben, ob die Voraussetzungen für die Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens nach Art. 21 Abs. 4 ATSG erfüllt sind. Dies hängt unter anderem davon ab, ob das Nichtergreifen der ärztlich empfohlenen therapeutischen Massnahmen krankheitsbedingt ist oder von der Versicherten bei zumutbarer Willensanstrengung in eigener Verantwortung realisiert werden kann. Die IV-Stelle wird sich allerdings nicht auf den Standpunkt stellen können, die Versicherte habe aufgrund der Empfehlungen der Ärzte seit langem gewusst, dass sie im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht eine Therapie zur Behebung der muskulären Dysbalance durchführen müsse. Denn ein Zustand, wie er bei Ausschöpfung aller zumutbaren schadenmindernden Vorkehren erreicht werden könnte, ist nur anrechenbar, wenn das Mahn- und Bedenkzeitverfahren nach Art. 21 Abs. 4 ATSG durchgeführt wurde (Urteil 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008). 5.6 Ohne Beantwortung der hievor aufgeworfenen Fragen kann über die Rentenrevision nicht entschieden werden, weshalb die vorinstanzlich angeordnete Rückweisung im Ergebnis zu bestätigen ist.