Citation: 5A_310/2010 19.11.2010 E. 6.4

6.4.1 Anders als der Gerichtspräsident hat das Obergericht unter dem Titel "Unvorhergesehenes und Freibetrag" der Beschwerdeführerin nichts angerechnet, da dieser Betrag im nunmehr verdoppelten Grundbetrag (der Gerichtspräsident ging noch von einem einfachen Grundbetrag aus) enthalten sei. 6.4.2 Die Beschwerdeführerin rügt einerseits eine Verletzung der Dispositionsmaxime, habe ihr doch der Beschwerdeführer im kantonalen Verfahren Fr. 500.-- für "Unvorhergesehenes und Freibetrag" zugestanden. Das Verfahren betreffend Festsetzung des nachehelichen Unterhaltsbeitrags wird von der Dispositionsmaxime beherrscht (BGE 129 III 417 E. 2.1.2 S. 420). Demnach darf einer Partei weder mehr noch anderes zugesprochen werden, als sie selbst verlangt. 6.4.3 Die Beschwerdeführerin verkennt die Bedeutung der Dispositionsmaxime. Ob ein Gericht mehr oder anderes zugesprochen hat, als eine Prozesspartei verlangt hat, misst sich in erster Linie an den gestellten Rechtsbegehren. Gebunden ist das Gericht nur an die formellen Parteianträge, nicht hingegen an die einzelnen Einnahmen- und Aufwandpositionen (vgl. BGE 119 II 396 E. 2 S. 397). Der Beschwerdeführer hat im obergerichtlichen Verfahren seine Unterhaltsverpflichtung (bis zur Erreichung des AHV-Alters der Beschwerdeführerin) im Umfang von Fr. 6'456.-- anerkannt. Das Obergericht hat der Beschwerdeführerin für diesen Zeitraum einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 10'465.-- zugesprochen. Die Dispositionsmaxime ist damit nicht verletzt. 6.4.4 Andererseits verstösst das Vorgehen des Obergerichts nach Ansicht der Beschwerdeführerin gegen Art. 125 ZGB, da zusätzliche Ausgabenposten, wie eben beispielsweise ein Freibetrag, im Grundbetrag gerade nicht enthalten seien. Es gehe deshalb nicht an, die Streichung des Freibetrages mit der Erhöhung des Grundbetrages zu begründen, da dieser einen anderen Inhalt habe als jener. Die Bedarfsermittlung aufgrund der konkreten Methode, die vorliegend dazu dient, den ehelichen Lebensstandard zu beziffern, kommt nicht ohne gewisse Pauschalisierungen aus. So ist es beispielsweise zulässig, den von der Unterhaltsberechtigten geltend gemachten Bedarf als ganzes zu reduzieren, ohne einzelne Positionen zu kürzen und andere zu belassen. Damit ist es auch nicht zu beanstanden, wenn das Obergericht einerseits den Grundbetrag verdoppelt, andererseits aber gekoppelt an diese Erhöhung auf den Posten "Unvorhergesehenes/Freibetrag" verzichtet hat. Die Beschwerdeführerin vermag unter diesen Umständen nicht aufzuzeigen, inwiefern das Obergericht mit diesem Vorgehen sein Ermessen verletzt haben soll. Zudem handelt sie auch widersprüchlich: Hat sie vor Obergericht geltend gemacht, bei einem allfälligen dreifachen Grundbetrag seien die Positionen "Lebensversicherung" sowie "Freibetrag und Unvorhergesehenes" nicht noch zusätzlich und "Krankheitskosten" nur in einem reduzierten Umfang zu berücksichtigen, wirft sie nun dem Obergericht genau eine solche "Verkoppelung" des Grundbetrages mit anderen Positionen vor.