Citation: 6B_339/2009 07.08.2009 E. 2

2.1 Weiter sind die Raubüberfälle des Beschwerdeführers gemäss Anklage vom 13. November 2007, begangen mit einem Sackmesser zum Nachteil von E._________ und F.________, unbestritten. Die Fälle ereigneten sich am 7. und 9. November 2006. Beim Raub zum Nachteil von E._________ näherte sich der Beschwerdeführer dem Geschädigten von hinten, klopfte ihm auf die Schulter und fragte ihn nach einer Zigarette. Nachdem der Geschädigte diese bekommen hatte, packte der Beschwerdeführer ihn von hinten am linken Arm und setzte ihm ein zuvor geöffnetes Taschenmesser mit der Klinge direkt an den Hals im Bereich oberer Kehlkopf links/Halsschlagader. Dabei forderte er von E._________ Portemonnaie und Natel heraus, was dieser dem Beschwerdeführer aushändigte. Während der Beschwerdeführer immer noch das Messer an den Hals des Geschädigten hielt, fragte er diesen nach einer Bankkarte für Bargeldbezüge. Nachdem E._________ den Besitz einer solchen verneint hatte, liess ihn der Beschwerdeführer los. 2.2 Im zweiten Fall packte der Beschwerdeführer F.________, den er zuvor mehrmals nach Marihuana gefragt hatte, seitlich von hinten mit der linken Hand und hielt ihm ein geöffnetes Taschenmesser in kurzem Abstand vor das Gesicht und den Hals und setzte zudem die Klinge zweimal für je ca. 20 Sekunden direkt an den Hals des Geschädigten, der unverletzt blieb. 2.3 Der Beschwerdeführer verlangt eine Beurteilung der beiden Straftaten gemäss Grundtatbestand des Raubes (Art. 140 Ziff. 1 StGB), während die Vorinstanz (wie schon die erste Instanz) die Handlungen als qualifizierten Raub gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB eingestuft hat. Der Beschwerdeführer bestreitet, dass sich das Taschenmesser unmittelbar an der Halsschlagader befunden hat. Dies sei insofern relevant, "weil ein Messerchen bloss irgendwo am Hals keine Lebensgefahr bewirken könne". Immerhin sei es diskutabel, ob ein kleines Messer direkt an der Halsschlagader zu einer Lebensgefahr führen könne (Beschwerdeschrift, S. 7 f.). 2.4 Die Vorinstanz bejahte in beiden Fällen eine stark erhöhte, unmittelbare Lebensgefahr, welche mit der Situation vergleichbar sei, in welcher jemand mit einer durchgeladenen und entsicherten Schusswaffe auf das Opfer ziele. Die Situation sei vorliegend gar noch gefährlicher, da die Lebensgefahr nicht nur vom Täter selber abhängt, sondern auch von einer allfälligen (Fehl-)Reaktion des unter Stress stehenden Opfers (angefochtenes Urteil, S. 23). Die Vorinstanz bestätigte damit die erstinstanzlichen Erwägungen, welche eine akute Lebensgefahr der beiden Opfer bejahte. Diese Erwägungen erfolgten gestützt auf zwei Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 2. November 2007. Die Gutachten kamen dabei zum Schluss, dass einer physischen Auseinandersetzung aufgrund der inhärenten Dynamik mit erheblichen Verletzungsrisiken zu rechnen ist; dies wegen unvorhersehbarer, unkontrollierbarer und willkürlicher Reaktionen des Opfers und Täters. Weiter führe eine Halsverletzung mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit zum Tod, leuchte es doch ohne weiteres ein, dass eine direkt auf der Kehle aufliegende, einigermassen scharfe Klinge sehr schnell tödliche Verletzungen zufügen könne. Es reiche, dass das Opfer reflexartig den Kopf drehe oder zusammenzucke, damit es zu einem Schnitt komme. Betreffend Tatwaffe wurde ausgeführt, dass ein Taschenmesser ohne weiteres geeignet sei, bei Schnitt- und/oder Stichverletzungen am Hals lebensgefährliche Verletzungen zu verursachen. Entscheidend sei die Form des Tatinstruments, während Grösse und Schneidfähigkeit eine eher weniger wichtige Rolle spielten. Es sei aus rechtsmedizinischer Sicht ein blosser Zufall, wenn eine Bedrohung durch ein Messer am Hals nicht zu einer Verletzung führe (angefochtenes Urteil, S. 21). Die Vorinstanz kam wie schon die erste Instanz zum Schluss, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich der Lebensgefahr der beiden Opfer zumindest eventualvorsätzlich gehandelt habe, weshalb sie den Schuldspruch gestützt auf Art. 140 Ziff. 4 StGB bestätigte. 2.5 Gemäss qualifiziertem Tatbestand des Raubes (Art. 140 Ziff. 4 StGB) wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren sanktioniert, wenn der Täter das Opfer u.a. in Lebensgefahr bringt. Das Bundesgericht führte zu dieser Bestimmung aus, dass es sich hierbei um eine stark erhöhte konkrete Gefahr oder um eine konkrete, sehr naheliegende Gefahr handeln müsse, in die der Täter das Opfer bringt (vgl. BGE 117 IV 419 E. 4. b mit Hinweisen). Der Täter braucht freilich nicht bereit zu sein, das Opfer zu töten, diesfalls läge vermutungsweise eine versuchte vorsätzliche Tötung vor, während bei Art. 140 Ziff. 4 StGB der Täter die Drohung nicht wahrzumachen braucht. Der (Eventual-) Vorsatz richtet sich auf die Schaffung der Lebensgefahr, nicht auf die Verwirklichung dieser Gefahr. 2.6 Die vorinstanzlichen Ausführungen sind vor diesem Hintergrund nicht zu beanstanden. Die stark erhöhte konkrete Lebensgefahr ist in den vom Beschwerdeführer verwirklichten Sachverhalten zu bejahen. Es liegt auf der Hand, das die Handhabung eines Taschenmessers im Halsbereich eine erhebliche Gefahr für das betroffene Opfer darstellt. Die Ausführungen des Beschwerdeführers sind unbehelflich. Er beschränkt sich auf blosse Behauptungen betreffend Ungefährlichkeit des benutzten Taschenmessers: Ein kleines Messer direkt an der Halsschlagader führe nicht zwingend zu einer Lebensgefahr, im Übrigen sei nicht nachgewiesen worden, dass sich "das Messerchen direkt an der Halsschlagader befunden hat". Er übersieht, dass die angeordneten Gutachten davon sprechen, dass eine direkt auf der Kehle aufliegende, einigermassen scharfe Klinge sehr schnell zu tödlichen Verletzungen führen könne (angefochtenes Urteil, S. 21). Wie die Vorinstanz zu Recht ausführte, besteht kein Anlass, an den Feststellungen der Gutachten zu zweifeln, was der Beschwerdeführer auch nicht vorbringt. Die Beschwerde ist deshalb auch in diesem Punkt unbegründet.