Citation: 4C.72/2004 03.06.2005 E. 2

Weiter macht die Beklagte geltend, das Handelsgericht habe übersehen, dass die Klägerin in ihrer Eigenschaft als "Alleinaktionärin" der direkt geschädigten Y.________ Inc. nur mittelbar geschädigt sei. Dieser Reflexschaden könne nicht geltend gemacht werden. 2.1 Das Bundesgericht hatte unlängst Gelegenheit, grundsätzlich zu entscheiden, dass der mittelbar geschädigte Aktionär keine Möglichkeit hat, mittels Individualklage Ansprüche gegen die Organe der direkt geschädigten Gesellschaft geltend zu machen (zur Publikation bestimmter Entscheid 4C.111/2004 vom 9. November 2004, E. 3.1.1). Daraus kann allerdings für den vorliegenden Fall nichts abgeleitet werden. Abgesehen davon, dass die Anwendbarkeit von schweizerischem Verantwortlichkeitsrecht im Zusammenhang mit der amerikanischen Y.________ Inc. nicht auf der Hand liegt (Art. 154 ff. IPRG, vgl. aber auch Art. 159 IPRG), ist im vorliegenden Fall entgegen der Auffassung der Beklagten ohnehin nicht das Problem zu beurteilen, ob ein reflexgeschädigter Aktionär vom Schädiger Ersatz verlangen kann. Von einer mittelbaren Schädigung der Klägerin könnte nämlich nur die Rede sein, wenn die Beklagte in ihrer Eigenschaft als Organ oder Vertragspartnerin der Y.________ Inc. einen direkten Schaden und damit der reflexgeschädigten Eigentümerin der Y.________ Inc. - der Klägerin - einen mittelbaren Schaden verursacht hätte. Die Beklagte hatte aber zu keiner Zeit irgendwelche Rechtsbeziehungen zur Y.________ Inc., und zwar weder als Organ noch als Vertragspartner. Demgegenüber hat die Beklagte der Klägerin in ihrer Eigenschaft als Vertragspartnerin im Rahmen des ihr erteilten Auftrages aufgrund einer unsorgfältigen Geschäftsbesorgung einen unmittelbaren (Vermögens-) Schaden zugefügt. Dieser Schaden ist nicht im Vermögen der Y.________ Inc., sondern direkt im Vermögen der Klägerin eingetreten. Die Auffassung der Beklagten, die Klägerin berufe sich auf einen Reflexschaden, erweist sich somit als unbegründet, weil sich die Klägerin effektiv auf einen direkt in ihrem Vermögen eingetretenen Schaden beruft, welcher ihr von der Beklagten als ihre Vertragspartnerin zugefügt wurde. 2.2 Unbegründet ist die Berufung auch insoweit, als die Beklagte dem Handelsgericht eine falsche Verwendung des bundesrechtlichen Schadensbegriffs vorwirft. Schaden ist nach der Rechtsprechung die ungewollte Verminderung des Reinvermögens. Er kann in einer Verminderung der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder in einem entgangenen Gewinn bestehen und entspricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 129 III 331 E. 2.1 S. 332 m.w.H.). Entgegen der Auffassung der Beklagten hat die Vorinstanz diesen Schadensbegriff nicht verkannt. Vielmehr ist die Vorinstanz zutreffend davon ausgegangen, dass aufgrund der unsorgfältigen Geschäftsbesorgung durch die Beklagte das Reinvermögen der Klägerin insoweit vermindert wurde, als Dritte - D.________ und E.________ - nicht an der Schädigung der Y.________ Inc. gehindert wurden. Die Höhe der Schädigung verursacht durch zehn Einzelereignisse wurde gutachterlich abgeklärt. Diese Ausführungen zum Ausmass des Schadens sind tatsächlicher Natur und der Überprüfung durch das Bundesgericht im Berufungsverfahren entzogen (Art. 63 Abs. 2 OG, BGE 123 III 241 E. 3a S. 243 m.w.H.). 2.3 Aus diesen Gründen hat das Handelsgericht auch das Vorliegen eines ersatzfähigen Schadens zu Recht bejaht.