Citation: I 409/02 27.05.2003 E. 2

Streitig und zu prüfen ist in erster Linie die sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (Art. 41 IVG) unter dem Gesichtspunkt der Art. 4 und 5 IVG sich stellende Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode. 2.1 Die rechtskräftige Zusprechung der ganzen Invalidenrente am 5. Februar 1999 beruhte auf der den damaligen Verhältnissen Rechnung tragenden Annahme, wonach die Versicherte ohne invalidisierende psychische Gesundheitsschädigung voll erwerbstätig wäre. Entsprechend wurde der Invalititätsgrad nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs ermittelt. Im Rentenrevisionsverfahren geht die IV-Stelle davon aus, dass die Versicherte nach ihrer Heirat und der Geburt des Kindes auch im Gesundheitsfall keine Erwerbstätigkeit mehr ausüben würde, weshalb die Invalidität neu nach der spezifischen Methode zu bemessen sei. Demgegenüber erachtet das kantonale Gericht die bei Teilerwerbstätigen anzuwendende gemischte Methode für massgebend und wird in dieser Beurteilung durch die Beschwerdegegnerin unterstützt. 2.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer andern Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) führt -, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 Erw. 2c, 117 V 194 Erw. 3b, je mit Hinweisen). 2.3 Im vorliegenden Fall hat die Versicherte das Anstellungsverhältnis beim Alters- und Pflegeheim X.________ am 26. Februar 2000 schriftlich gekündigt mit der Begründung, sie erwarte Ende März ein Kind und wolle sich um seine Erziehung kümmern. Nach Auffassung der IV-Stelle hat sie mit dieser Formulierung klar und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass ab der Geburt eine ausserhäusliche Tätigkeit nicht mehr in Frage komme. Diese Einschätzung werde zusätzlich gestützt durch eine Rückfrage beim Arbeitgeber vom 10. Juli 2001 und den Haushaltsabklärungsbericht vom 19. April 2001. Das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, sie habe mit ihrem Vorgesetzten die spätere Wiederaufnahme der Arbeit besprochen, überzeuge nicht und sei auch von der Heimleitung nicht bestätigt worden. Wäre die Weiterführung der Arbeit im Pflegeheim, wenn auch nur teilzeitlich, ernsthaft zur Diskussion gestanden, hätte die Versicherte mit grösster Wahrscheinlichkeit den Mutterschaftsurlaub bezogen und die Arbeit in beschränktem Ausmass fortgesetzt. Dass dies nicht geschehen sei, lasse nur den Schluss zu, dass sie sich ab der Geburt des Kindes ausschliesslich als Hausfrau und Mutter habe betätigen wollen. 2.4 Mit dem kantonalen Gericht ist die Argumentation der Verwaltung als nicht stichhaltig zu betrachten. Zunächst wird dabei unberücksichtigt gelassen, dass die seit 1997 bestehende psychische Krankheit gegen Ende der Schwangerschaft wieder akut in Erscheinung getreten ist und die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin im Haushalt wie im Erwerbsleben weiter beeinträchtigt hat. Wenn die Versicherte selber das Arbeitsverhältnis aufgelöst und sich dabei nicht um eine Wiederanstellung unmittelbar nach der Geburt des Kindes bemüht hat, ist dies offensichtlich unter dem Eindruck des Leidens und seiner Verschlimmerung geschehen, weshalb sich aus ihrem Vorgehen entgegen der IV-Stelle keine zuverlässigen Rückschlüsse auf den im Gesundheitsfall angestrebten Aufgabenbereich ziehen lassen. Es kann daher auch offen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin - was umstritten ist - mit der Heimleitung über eine spätere Wiederaufnahme der Arbeit gesprochen hat. Nichts Wesentliches ergibt sich sodann aus der Äusserung des Vorgesetzten vom 10. Juli 2001, wonach die Versicherte für den Beruf der Pflegeassistentin nicht geeignet sei. Diese Einschätzung beruht nach Lage der Akten einzig auf der krankheitsbedingten Einschränkung der Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin und beschlägt mithin nicht die entscheidende Frage, ob sie im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch nach der Heirat und Geburt ihres Kindes diesen - oder einen anderen - Beruf zumindest in einem Teilpensum ausüben würde. Letzteres bejaht das kantonale Gericht zutreffenderweise. Denn die Versicherte hat sich wiederholt, auch anlässlich der Haushaltsabklärung, dahin geäussert, ohne gesundheitliche Beeinträchtigung resp. im Falle der Besserung die Tätigkeit als Pflegeassistentin teilzeitlich wieder aufzunehmen zu wollen. Die Ernsthaftigkeit dieser auch von Seiten des Ehemannes erfolgten Absichtserklärung wird gestützt durch die glaubhafte Darstellung, wonach seine Mutter bei der Betreuung des Kindes mithelfen würde. Soweit die IV-Stelle eine andere Auffassung vertritt, findet dies in den Akten keine Stütze.