Citation: 1A.44/2006 20.09.2006 E. 2

2.1 Das Verwaltungsgericht hat die Beschwerdelegitimation von Y.________ im verwaltungsgerichtlichen Verfahren gänzlich verneint, und es ist auch auf die Beschwerde von X.________ mangels Legitimation insoweit nicht eingetreten, als er geltend machte, das umstrittene Bauvorhaben halte den Mindestabstand zu Kirche und Friedhof (Grundstück Nr. 48) nicht ein. Die Beschwerdeführer machen geltend, diese Beurteilung sei mit dem Bundesrecht nicht vereinbar. 2.1.1 Die Legitimation im Verfahren vor dem kantonalen Verwaltungsgericht beurteilt sich grundsätzlich nach kantonalem Recht. Wenn - wie hier - eine Baubewilligung im Sinne des Bundesgesetzes vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG, SR 700) zur Diskussion steht und zudem materiell Bundesverwaltungsrecht anzuwenden ist, ist die Beschwerdelegitimation jedoch mindestens im gleichen Umfang wie für die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht zu gewährleisten (Art. 33 Abs. 3 lit. a RPG und Art. 98a Abs. 3 OG), also mindestens im Sinne von Art. 103 lit. a OG. Soweit es um diese Minimalanforderung geht, überprüft das Bundesgericht die Legitimation im kantonalen Verfahren mit freier Kognition (Urteil des Bundesgerichts 1A.108/2004 in URP 2005 S. 243 ff. E. 2.1). 2.1.2 Die Beschwerdeführer sind Eigentümer von Grundstücken, die unmittelbar an das Baugrundstück angrenzen. Das Verwaltungsgericht hat die Distanz des umstrittenen Stalls zu den Grundstücken der Beschwerdeführer nicht festgestellt, doch ergibt sich aus der in den Akten liegenden Kopie des Grundbuchplans, dass das Bauvorhaben weniger als 30 m von den Grundstücken der Beschwerdeführer entfernt liegt. Im Zusammenhang mit Umweltbeeinträchtigungen ist die Beschwerdelegitimation nicht erst dann gegeben, wenn die Belastung festgelegte Grenzwerte erreicht, sondern auch schon vorher, sofern die Beschwerdeführer mehr als jedermann betroffen sind (vgl. bzgl. Fluglärm BGE 124 II 293 E. 3a S. 303 f.; bzgl. Schiesslärm BGE 110 Ib 99 E. 1d S. 102; bzgl. Strassenlärm BGE 124 II 517 E. 1 und 3a S. 519; bzgl. nicht-ionisierende Strahlen BGE 128 II 168 E. 2.3 S. 171). Ist dies zu bejahen, können die Beschwerdeführer generell die Rechtmässigkeit des Vorhabens in Frage stellen und somit auch die Überschreitung von Grenzwerten auf anderen Grundstücken rügen (BGE 128 II 168 E. 2.6 S. 172). Im Bereich von Tierställen hat das Bundesgericht die Legitimation abgelehnt bei einem Abstand von 600 Metern (Urteil 1A.179/1996 vom 8. April 1997, E. 3a, in: Pra 1998 S. 32), hingegen anerkannt bei einem Abstand von 45 Metern (Urteil 1A.86/2001 vom 21. Mai 2002 E. 1.3, in: RDAF 2003 I S. 223). Im Urteil 1A.70/2001 vom 3. Oktober 2001, E. 1a, hat es bei einem Abstand von 70 Metern die Legitimation als offensichtlich bezeichnet (Urteil des Bundesgerichts 1A.108/2004 in URP 2005 S. 243 ff. E. 2.4). Im Lichte dieser Praxis ist die besondere Betroffenheit der Beschwerdeführer zu bejahen. Diese können somit den Erlass emissionsbeschränkender Massnahmen verlangen und gegen die Weigerung, solche Massnahmen zu treffen, Verwaltungsgerichtsbeschwerde erheben (Art. 97 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 103 lit. a OG). Sie müssen daher nach Art. 33 Abs. 3 lit. a RPG und Art. 98a Abs. 3 OG auch zur kantonalen Verwaltungsgerichtsbeschwerde legitimiert sein. Insoweit ist das Verwaltungsgericht zu Unrecht auf die Beschwerde nicht eingetreten. 2.1.3 Der Umstand, dass das Verwaltungsgericht die Beschwerdelegitimation zu Unrecht verneint und damit Bundesrecht verletzt hat, führt nicht ohne weiteres zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Das Verwaltungsgericht hat die meisten von Y.________ erhobenen Rügen bei der Behandlung der Beschwerde von X.________ materiell geprüft. Die einzige im bundesgerichtlichen Verfahren umstrittene Rüge, welche das Verwaltungsgericht nicht prüfte, betrifft die Frage der Einhaltung des Mindestabstands zu Kirche und Friedhof. Aus prozessökonomischen Gründen erscheint es gerechtfertigt, auch diese Rüge im vorliegenden Verfahren materiell zu prüfen, anstatt die Sache zur Entscheidung dieser Frage an das Verwaltungsgericht zurückzuweisen. Den Beschwerdeführern entsteht durch dieses Vorgehen kein Nachteil, da der diesbezügliche Sachverhalt hinreichend abgeklärt ist und dem Bundesgericht dieselbe Kognition wie dem Verwaltungsgericht zusteht.