Citation: 5A_400/2023 E. 3.4

3.4. Die Beschwerdeführerin begnügt sich grösstenteils damit, der vorinstanzlichen Beurteilung ihre eigene Sicht der Sach- und Rechtslage gegenüberzustellen. Auf der Strecke bleibt dabei die Beschäftigung mit dem angefochtenen Entscheid, um die es bei der Begründung einer Beschwerde an das Bundesgericht geht (E. 2.1). So trifft es nicht zu, dass sich das Obergericht nur mit der Frage der Parteirollenverteilung in einem allfälligen Abänderungsverfahren beschäftigt. Die Vorinstanz hält bezogen auf den konkreten Fall ausdrücklich fest, dass Gründe gegen ein altersübliches Besuchsrecht mit Übernachtungen weder vorgebracht würden noch ersichtlich seien und auch mit Bezug auf die Erziehungsfähigkeit des Beschwerdegegners nichts vorliege, was einen Verzicht auf Übernachtungen rechtfertigen könnte. Angesichts der Vorbringen der Beschwerdeführerin, die sich nicht prinzipiell gegen eine zukünftige Ausdehnung des Kontaktrechts wendet, sondern angesichts der Schwierigkeiten von Prognosen nur ausdrückliche diesbezügliche Anordnungen im Urteil ablehnt, ist im Übrigen nachvollziehbar, dass das Obergericht den Fokus - mit Blick auch auf das Kindeswohl - auf die Wahrscheinlichkeit und die Folgen eines möglichen Abänderungsprozesses richtet. Wie die vorinstanzliche Zusammenfassung der Berufungsvorbringen zeigt, nimmt das Obergericht durchaus auch den Einwand der Beschwerdeführerin zur Kenntnis, dass D.B.________ den Umgang mit dem Beschwerdegegner nur widerwillig über sich ergehen lasse und Übernachtungen bei ihm strikte ablehne. Hingegen ergeben sich aus dem angefochtenen Entscheid keine eigenständigen Feststellungen des Obergerichts zum Willen des Kindes. Inwiefern sich das Obergericht deswegen dem Vorwurf einer willkürlichen Sachverhaltsfeststellung aussetzt, zeigt die Beschwerdeführerin nicht auf. Der rechtlichen Beurteilung sind daher die vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen zugrunde zu legen, so wie sie vom Obergericht getroffen wurden. Aus diesen ergibt sich nicht, dass D.B.________ sich konstant und mit nachvollziehbaren und auf das Kindeswohl zielenden Argumenten gegen die Ausdehnung des Kontaktrechts ausgesprochen hätte. Bemängelt die Beschwerdeführerin unter dem Titel einer bundesrechtswidrigen Ermessensausübung, dass die Vorinstanz die kategorische Einstellung von D.B.________ unberücksichtigt lasse, so verkennt sie im Übrigen, dass ein zehnjähriges Kind es nach der konstanten Rechtsprechung nicht in der Hand hat, allein mit seinen Äusserungen die gerichtliche Regelung des persönlichen Verkehrs mit dem nicht hauptbetreuenden Elternteil zu steuern (s. oben E. 3.3.3). Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang auf D.B.________s Urteilsfähigkeit pocht und der Vorinstanz vorhält, hierzu und zu den Gründen für D.B.________s ablehnende Haltung kein neues Gutachten eingeholt zu haben, ist sie daran zu erinnern, dass der Verzicht auf ein solches nur dann gegen das Bundesrecht verstösst, wenn die Sachverhaltsfeststellungen, so wie sie von der Vorinstanz vorgenommen wurden, unvollständig und damit offensichtlich unrichtig (Art. 97 Abs. 1 BGG; s. E. 2.3) sind, was in der Beschwerde in einem ersten Schritt und unter Gewärtigung der Nichteintretensfolge darzutun ist (s. Urteil 5A_154/2022 vom 20. Mai 2022 E. 4.2.4 mit Hinweisen). Im konkreten Fall ist im angefochtenen Entscheid (auch) davon die Rede, dass D.B.________ mit Bezug auf den Ablösungsprozess von der Mutter nicht als altersentsprechend entwickelt gelten kann. Zu dieser Erkenntnis mag sich die Beschwerdeführerin vor Bundesgericht nicht äussern. Insbesondere ist ihrem Schriftsatz auch nicht zu entnehmen, weshalb trotz dieses ausdrücklich konstatierten spezifischen Entwicklungsrückstands gerade hinsichtlich der Besuchsrechtsfrage von der Urteilsfähigkeit auszugehen sei bzw. diesbezüglich weitere Beweismassnahmen unausweichlich erscheinen würden. Allein mit dem abstrakten Hinweis auf Lehrmeinungen, wonach die Urteilsfähigkeit betreffend die Regelung des persönlichen Verkehrs im zehnten Altersjahr anzunehmen sei, ist mit Blick auf die Frage, ob D.B.________ hinsichtlich der hier umstrittenen Besuchsrechtsregelung urteilsfähig ist, nichts gewonnen, ebenso wenig mit der pauschalen, ohne Zusammenhang zitierten Aussage des Therapeuten, dass D.B.________ ein intelligentes reifes Kind sei. Auch soweit die Beschwerdeführerin D.B.________s höchstpersönliche Rechte ins Spiel bringt, unterstellt sie wiederum die Urteilsfähigkeit ihrer zehnjährigen Tochter, denn nur unter dieser Voraussetzung laufen gegen den Widerstand des Kindes festgelegte Kontakte dem Persönlichkeitsrecht des Kindes zuwider. Wie die vorigen Erwägungen aber zeigen, kann dem Obergericht im Ergebnis keine bundesrechtswidrige Ausübung des Ermessens vorgeworfen werden, wenn es D.B.________ bezüglich der Besuchsrechtsfrage im Ergebnis nicht als urteilsfähig ansieht und entgegen ihrer Meinung Übernachtungen beim Beschwerdegegner vorsieht. Zum Scheitern verurteilt ist auch der Versuch der Beschwerdeführerin, den angefochtenen Entscheid mit der (angeblich) fehlenden Betreuungs- und Erziehungsfähigkeit des Beschwerdegegners zu Fall zu bringen. Die neueren Entwicklungen aus der Zeit der Geltung der vorsorglichen Massnahmen, welche die Beschwerdeführerin zu Lasten des Beschwerdegegners in die Waagschale werfen will, können im hiesigen Verfahren keine Beachtung finden. Das Verfahren vor dem Bundesgericht richtet sich nach dem Bundesgerichtsgesetz. Soweit es um materiellrechtliche Ansprüche geht, sind weder der Untersuchungs- noch der Offizialgrundsatz anwendbar. Demnach dürfen neue Tatsachen und Beweismittel auch in Verfahren, die auf kantonaler Ebene vom Untersuchungs- und Offizialgrundsatz beherrscht sind, nach Massgabe von Art. 99 Abs. 1 BGG nur so weit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt. In der Beschwerde ist darzulegen, inwiefern diese Voraussetzung erfüllt ist. Allein der vorinstanzliche Verfahrensausgang bildet keinen hinreichenden Anlass im Sinne der zitierten Norm, um unechte Noven zuzulassen, die ohne Weiteres schon im kantonalen Verfahren hätten vorgebracht werden können (BGE 143 V 19 E. 1.2 mit Hinweisen). Dass Letzteres im konkreten Fall nicht möglich gewesen sei, möchte die Beschwerdeführerin nun mit der Nachlässigkeit des Besuchsrechtsbeistands erklären. Dessen Aufgabe wäre es ihrer Ansicht nach gewesen, das Obergericht rechtzeitig über das verantwortungslose Verhalten des Beschwerdegegners zu unterrichten oder sie, die Beschwerdeführerin, zumindest entsprechend zu ermahnen. Allein die Behauptung, dass der Beistand "als ausgewiesener Fachmann" auch um die prozessualen Aspekte im hängigen Berufungsverfahren wusste, hilft der Beschwerdeführerin nicht weiter. Dass die Pflicht, sie als Streitpartei in einem hängigen Prozess in rechtlichen Angelegenheiten zu beraten und zu unterstützen, zum Aufgabenkatalog des Beistands gehören würde, macht die Beschwerdeführerin zu Recht nicht geltend, ist die Beistandschaft nach Art. 308 ZGB doch eine Massnahme zum Schutz des Kindes (Art. 307 ff. ZGB) und keine solche zur Unterstützung der Eltern in deren Rechtsstreitigkeiten. Dass sie von den nun vorgebrachten Problemen mit dem Beschwerdegegner nicht rechtzeitig gewusst hätte, behauptet die Beschwerdeführerin nicht, noch nennt sie einen Grund, der sie daran hinderte, sich damit im (über zwei Jahre dauernden) Berufungsverfahren an ihre (unentgeltliche) Rechtsverterterin zu wenden. Nach dem Gesagten bleibt es bei der vorinstanzlichen Erkenntnis, dass unter dem Blickwinkel der Erziehungsfähigkeit des Beschwerdegegners keine Anhaltspunkte dafür bestehen, das väterliche Besuchsrecht durch den Verzicht auf Übernachtungen dauerhaft zu beschränken. Die Beschwerde erweist sich auch in dieser Hinsicht als unbegründet.