Citation: 6B_1074/2023 E. 1.2.3

1.2.3. Zusammenfassend stehe fest, dass es Anfang/Mitte Mai 2019 zu einem Vorfall, wie in der Anklageschrift geschildert, gekommen sei. Was das exakte Datum, die Intensität und die genauen Auswirkungen des damaligen Migräneanfalls betreffe, liege zwar kein Arztzeugnis oder sonstiger Fachbericht vor. Dennoch könne anhand der Schilderungen der Beschwerdegegnerin 2 zu anderen Migräneanfällen auf ihren Zustand beim Vorfall Anfang/Mitte Mai 2019 geschlossen werden. Tatsächlich seien ihre diesbezüglichen Aussagen nachvollziehbar und stringent. Demnach habe sie Medikamente genommen und den ganzen Tag schlafen resp. liegen müssen; sie habe sich oft erbrochen und gefroren; sie habe Kopfschmerzen gehabt und sei müde gewesen. Den eigentlichen sexuellen Akt habe sie nicht mitbekommen, sie habe aber später bemerkt was passiert sei. Gemäss Vorinstanz habe es sich um einen mindestens eintägigen intensiven Migräneanfall gehandelt. Die Beschwerdegegnerin 2 habe zwar nicht alles mitbekommen, aber eine gewisse Interaktion mit dem Beschwerdeführer beschrieben, insbesondere, dass sie beim Herunterziehen ihres Slips gesagt habe, er solle sie in Ruhe lassen, worauf er erklärt habe, er mache es leise und schnell, wie immer. Es bestehe, zumal angesichts der Spuren im Slip der Beschwerdegegnerin 2, kein Zweifel daran, dass es zu sexuellen Handlungen während des Migräneanfalls gekommen sei und dass der Beschwerdeführer in Kenntnis dieses Anfalls und desolaten Zustands der Beschwerdegegnerin 2 gehandelt habe. Nach ihren glaubhaften Aussagen habe er bereits ab Mittag gewusst, dass sie an einem schweren Anfall gelitten habe. Auch dessen Auswirkungen, die Notwendigkeit der Ruhe und Medikamente, habe er aufgrund früherer Anfälle gekannt. Der Beschwerdeführer habe ferner die verbale Ablehnung der Beschwerdegegnerin 2, ihr "lass mich in Ruhe" mitbekommen und aus ihrem passiven Verhalten danach nicht auf Zustimmung zu sexuellen Handlungen schliessen können.