Citation: 1A.123/2005 10.11.2005 E. 2

Zunächst sind im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde alle mit dem Walderhaltungsgebot zusammenhängenden Rügen zu prüfen. 2.1 Nach Art. 17 WaG sind Bauten und Anlagen in Waldesnähe nur zulässig, wenn sie die Erhaltung, Pflege und Nutzung des Waldes nicht beeinträchtigen (Abs. 1); die Kantone schreiben einen angemessenen Mindestabstand der Bauten und Anlagen vom Waldrand vor (Abs. 2). Die Rodung von Wald, d.h. dessen dauernde oder vorübergehende Zweckentfremdung (Art. 4 WaG), ist grundsätzlich verboten und kann nur ausnahmsweise nach Art. 5 WaG bewilligt werden. Unzulässig sind auch Nutzungen, die keine Rodung im Sinne von Artikel 4 darstellen, jedoch die Funktionen oder die Bewirtschaftung des Waldes gefährden oder beeinträchtigen können (Art. 16 Abs. 1 WaG). Aus wichtigen Gründen können die Kantone solche Nutzungen unter Auflagen und Bedingungen bewilligen (Art. 16 Abs. 2 WaG). 2.2 Im Kanton Graubünden ist der Waldabstand in Art. 26 der Ausführungsbestimmungen zum kantonalen Waldgesetz (RABzKWaG) vom 19. Dezember 1995 geregelt, der nach Genehmigung des Bundes am 1. Juli 1996 in Kraft getreten ist. Danach beträgt der Minimalabstand von Bauten und Anlagen gegenüber Hochwald 10 m und gegenüber Niederwald 5 m. Diese Abstände entfalten jedoch bei Quartierplänen, die vor dem Inkrafttreten der Ausführungsbestimmungen rechtskräftig geworden sind, keine Wirkung (Art. 58 Abs. 3 RABzKWaG). Im vorliegenden Fall ist daher auf den Waldabstand gemäss dem im Mai 1996 rechtskräftig gewordenen Quartierplan "Pragrond/Pra de la Jenna" abzustellen, der 2 m beträgt. Es ist unstreitig, dass die Stützmauer, die das Bauvorhaben gegen den Hang sichert, ausserhalb dieses Waldabstands steht. Jedoch reicht ihre unterirdische Verankerung in den Waldabstand und in den mit Wald bestockten Hang hinein. Die Anker befinden sich am Hangfuss, so dass sie mindestens 6 m unter dem bewaldeten Terrain liegen. 2.3 Das kantonale Amt für Wald nahm mit Schreiben vom 17. Dezember 2003 zum Projekt Stellung und bestätigte am 22. Juli 2004 nochmals ausdrücklich, dass auch der vorgesehenen Verankerung der Stützwand und der Baugrubensicherung aus forstpolizeilicher Sicht keine Hindernisse entgegenstünden. Die Beurteilung der Waldverträglichkeit nach verschiedenen Schutzzwecken setzt spezifisches Fachwissen voraus, das weitgehend waldtechnische Belange zum Gegenstand hat. Dieser fachtechnische Sachverstand ist zu respektieren, was nur eine zurückhaltende Prüfung erlaubt (Entscheid 1A.293/2000 vom 10. April 2001, E. 2f, publ. in ZBl 103/2002 485 ff., 489). Insofern darf grundsätzlich auf die Beurteilung der kantonalen Fachstelle abgestellt werden, die auch das BUWAL als Fachbehörde des Bundes nicht in Zweifel zieht. Die Beschwerdeführer legen denn auch nicht dar, inwiefern die 6 m und mehr unter dem Waldboden befestigten Anker Erhaltung, Pflege oder Nutzung des Waldes beeinträchtigen könnten. Dem Einwand der Beschwerdeführer, die an das Amt für Wald gerichteten Fragen seien irreführend gewesen, ist entgegenzuhalten, dass das Amt über die Pläne der Stützmauer mit eingezeichneten Ankern verfügte, den gemäss Quartierplan geltenden Waldabstand kannte und wusste, dass die Stützmauer gerade noch ausserhalb des Waldabstandes steht. Damit erteilte es seine Zustimmung in Kenntnis aller wesentlichen Umstände. Eine Verletzung des Walderhaltungsgebots ist deshalb zu verneinen. 2.4 Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, für die Verankerung hätte eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG erteilt werden müssen, soweit sie in das Waldareal hinein rage und deshalb ausserhalb der Bauzone liege. Leitbehörde wäre das Departement bzw. das Amt für Raumplanung gewesen, das gestützt auf eine Stellungnahme des Kreisforstamtes hätte entscheiden müssen. Dagegen ging das Verwaltungsgericht davon aus, dass die Gemeinde als Bewilligungsbehörde für das Bauvorhaben - nach Anhörung des Amtes für Wald - auch für die Bewilligung der in den Waldabstand bzw. das Waldareal hineinragenden Verankerung zuständig sei. Es stützte sich auf Art. 27 Abs. 3 RABzKWaG, wonach die Behörde, die über das Vorhaben im Leitverfahren entscheidet, für unterirdische Bauten und Anlagen, Kleinbauten, Hochspannungsmasten und dergleichen, nach Anhörung des Amtes für Wald, Ausnahmen vom Waldabstand erteilen kann. Von ihrem Wortlaut her betrifft diese Bestimmung nur Ausnahmen vom Waldabstand und nicht unterirdische Bauten und Anlagen im Waldbereich: Nichtforstliche Kleinanlagen im Wald, wie z.B. erdverlegte Leitungen (vgl. Art. 2a RABzKWaG), bedürfen zwar keiner Rodungsbewilligung, wohl aber einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG. Diese darf nur im Einvernehmen mit der zuständigen kantonalen Forstbehörde erteilt werden (Art. 14 Abs. 2 der Verordnung vom 30. November 1992 über den Wald [WaV; SR 921.01]); im Kanton Graubünden bedarf es hierfür der Zustimmung des Kreisforstamtes (Art. 16 Abs. 2 des kantonalen Waldgesetzes vom 25. Juni 1995 [KWaG]). Der in das Waldareal ragende Teil der unterirdischen Verankerung stellt jedoch keine selbständige Anlage dar, sondern ist ein unselbständiger Teil einer in der Bauzone errichteten zonenkonformen Baute, die im Verfahren gemäss Art. 22 RPG zu bewilligen ist. Die Verankerung wirft keine selbständigen raumplanungsrechtlichen Fragen auf, sondern es ist einzig zu prüfen, ob die Anker oder die hierfür erforderlichen Bauarbeiten die Walderhaltung beeinträchtigen, z.B. Baumwurzeln verletzen können. Insofern erscheint es unter dem Blickwinkel von Art. 24 RPG zulässig, das Baubewilligungsverfahren als Leitverfahren zu bezeichnen und kein selbständiges Ausnahmebewilligungsverfahren nur für die unterirdische Verankerung durchzuführen. Dann aber liegt es nahe und ist jedenfalls nicht willkürlich, diese Prüfung im Verfahren gemäss Art. 27 Abs. 3 RABzKWaG durchzuführen. Auch in diesem Verfahren ist gewährleistet, dass eine Forstbehörde (Amt für Wald) die Waldverträglichkeit des Bauvorhabens beurteilt. 2.5 Nach dem Gesagten erweist sich die Verwaltungsgerichtsbeschwerde als unbegründet.