Citation: 4C.453/1999 02.03.2000 E. 2

2.- a) Im Berufungsverfahren hat das Bundesgericht seiner Entscheidung die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz als wahr und vollständig zugrunde zu legen, es sei denn, sie beruhten auf einem offensichtlichen Versehen, seien unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen oder bedürften der Ergänzung, weil das Sachgericht in fehlerhafter Rechtsanwendung einen gesetzlichen Tatbestand nicht oder nicht hinreichend klärte, obgleich ihm entscheidwesentliche Behauptungen und Beweisanerbieten dazu prozesskonform unterbreitet worden waren (Art. 63 und 64 OG; BGE 123 III 110 E. 2; 115 II 484 E. 2a). Werden solche Ausnahmen geltend gemacht, hat die Partei, die den Sachverhalt berichtigt oder ergänzt wissen will, darüber genaue Angaben mit Aktenhinweisen zu machen (Art. 55 Abs. 1 lit. d OG). Eine Ergänzung setzt zudem voraus, dass entsprechende Sachbehauptungen bereits im kantonalen Verfahren prozesskonform aufgestellt, von der Vorinstanz aber zu Unrecht für unerheblich gehalten oder übersehen worden sind, was wiederum näher anzugeben ist. Ohne diese Angaben gelten Vorbringen, welche über die tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Urteil hinausgehen, als neu und damit als unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Eine blosse Kritik an der Beweiswürdigung des Sachrichters ist, soweit nicht Vorschriften des Bundesrechts in Frage stehen, von der Berufung ausgeschlossen (BGE 120 II 97 E. 2b; 119 II 380 E. 3b; 115 II 484 E. 2a). b) Art. 8 ZGB regelt für den ganzen Bereich des Bundeszivilrechts die Beweislastverteilung und damit auch die Folgen des Misslingens eines Beweises (BGE 122 III 219 E. 3c; 114 II 289 E. 2). Trifft allerdings das Sachgericht über den massgeblichen Sachverhalt positive Feststellungen, wird die Frage der Beweislastverteilung gegenstandslos (BGE 114 II 289 E. 2; Kummer, Berner Kommentar, N. 23 zu Art. 8 ZGB). Diesfalls liegt freie Beweiswürdigung vor, für deren Kritik Art. 8 ZGB keine Grundlage bietet. Diese Bestimmung schreibt dem Sachgericht nicht vor, mit welchen Mitteln der rechtserhebliche Sachverhalt abzuklären und wie das Ergebnis davon zu würdigen ist; sie schliesst selbst vorweggenommene Beweiswürdigung und Indizienbeweise nicht aus (BGE 122 III 219 E. 3c; 114 II 289 E. 2). Nach Auffassung des Obergerichts hat die Klägerin im Auslegungsstreit um die Zusatzvereinbarung vom 23. März 1988 keinen übereinstimmenden Parteiwillen behauptet. Diese Feststellung gibt die Klägerin als "unzutreffend" aus. Sie hält dafür, bereits in der Klageschrift einen auf Darlehen lautenden Geschäftswillen des Beklagten und damit eine Willensübereinstimmung der Parteien beim Abschluss der Zusatzvereinbarung behauptet zu haben. Durch die irrige Annahme des Obergerichts sei ihr der Beweis eines tatsächlichen Konsenses bundesrechtswidrig verunmöglicht worden. Die Rüge ist nicht rechtsgenüglich substanziiert. So führt die Klägerin nicht aus, welche prozesskonform beantragten Beweise die Vorinstanz bundesrechtswidrig nicht abgenommen haben soll. Sollte sie geltend machen wollen, das Obergericht habe bundesrechtswidrig auf Beweismassnahmen zur Feststellung eines allfälligen natürlichen Konsenses betreffend einer Darlehensgewährung an den Beklagten verzichtet, weil es überhöhte Anforderungen an die Substanziierung entsprechender Sachbehauptungen der Klägerin gestellt hätte, wäre ihr bereits mit Blick auf die in der Berufungsschrift zitierten Behauptungen in erster Instanz nicht zu folgen. Zudem verneinte das Obergericht in Würdigung auch der Prozessbehauptungen des Beklagten einen natürlichen Konsens zum strittigen Punkt der Darlehensgewährung. Ob es die allenfalls von der Klägerin angebotenen Beweise willkürfrei antizipiert gewürdigt und damit verfassungskonform auf ein Beweisverfahren zur Frage eines natürlichen Konsenses verzichtet hat, ist vorliegend nicht zu beurteilen. Die Frage der Beweislastverteilung ist jedenfalls gegenstandslos und die Rüge der Verletzung von Art. 8 ZGB unbegründet.