Citation: 6P.82/2000 22.01.2001 E. 13

13.- Der Beschwerdeführer bringt vor, das Kantonsgericht habe bezüglich der subjektiven Tatbestände der ungetreuen Geschäftsführung und des leichtsinnigen Konkurses Beweise willkürlich gewürdigt und den Grundsatz "in dubio pro reo" verletzt (Art. 4 aBV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK; Beschwerdeschrift S. 50 ff. Ziff. 8). a) Das Kantonsgericht habe selbst festgehalten, dass es bei der Bewältigung der Buchhaltung Schwierigkeiten gegeben habe, nachdem der Buchhalter M.________ seine Tätigkeit für die Gesellschaft eingestellt gehabt habe, weil sein Nachfolger offenbar überfordert gewesen sei. Damit habe es geradezu ausdrücklich anerkannt, dass im fraglichen Zeitraum aufgrund der personellen und organisatorischen Schwierigkeiten die notwendigen Zahlen in jenem Zeitpunkt nicht greifbar gewesen seien (S. 51 ff. lit. b). Mit diesen Vorbringen lenkt der Beschwerdeführer von den wesentlichen Gesichtspunkten ab. Im Bericht über das Geschäftsjahr 1988/89 vom 10. Oktober 1989 (Ordner I, act. 472) wird zur Bilanzstruktur erläutert: "Das Finanzierungsverhältnis als Indiz für die finanzielle Sicherheit des Betriebes ist ungünstig. Dasselbe gilt auch für das Investitionsverhältnis. Die Finanzierung ist nicht zweckmässig, da das langfristig im Betrieb investierte Anlagevermögen nur zu ca. 81 % mit langfristigem Kapital finanziert ist. Eine solche Finanzierung muss Liquiditätsprobleme mit sich bringen" (Akten der Staatsanwaltschaft, Ordner I, act. 472). Nachdem dem Beschwerdeführer somit bereits im Oktober 1989 ein Geschäftsbericht vorlag, der bei unveränderter Bilanzstruktur zwingend Liquiditätsprobleme voraussah, durfte das Kantonsgericht willkürfrei annehmen, er hätte Dokumente wie z.B. Jahresabschlüsse analysieren und sich über die Liquiditätslage ein klares und realistisches Bild machen können und müssen. Inwiefern das Kantonsgericht dem Beschwerdeführer "nicht die Zahlungen und Investitionen als solche ..., sondern lediglich den Zeitpunkt der Geldentnahme" vorwerfen soll (Beschwerdeschrift S. 53 lit. bb), ist nicht nachvollziehbar. Aus der angeführten Stelle (angefochtener Entscheid S. 20) jedenfalls lässt sich nichts Derartiges entnehmen. Wenn das Kantonsgericht festhält, der Beschwerdeführer hätte sein Geschäftsgebaren den unerfreulichen Gegebenheiten anpassen müssen, so kann das nur bedeuten, dass der Beschwerdeführer in der fraglichen Situation die von der Anklage vorgeworfenen Zahlungen und Investitionen nicht hätte vornehmen dürfen. Von einer widersprüchlichen Beweiswürdigung durch das Kantonsgericht kann somit keine Rede sein. b) Der Beschwerdeführer macht geltend, das Kantonsgericht selbst halte fest, dass mit einer Fluggesellschaft und einem arabischen Investor Geldgeber zur Behebung der Liquiditätskrise hätten gefunden werden können. Nachdem die entsprechenden Verträge und Zusicherungen als rechtsgültig vorhanden hätten qualifiziert werden können, habe der Beschwerdeführer von einer definitiven Behebung der Liquiditätskrise ausgehen können. Da unterzeichnete Verträge und rechtsgültige Zusicherungen vorgelegen hätten, habe der Beschwerdeführer mit einer Erfüllung durchaus rechnen dürfen. Offensichtlich unhaltbar sei der Einwand des Kantonsgerichts, dass er dies erst hätte tun dürfen, "wenn das Geld schon geflossen wäre". Aus dem Bericht der Kontrollstelle vom 3. Oktober 1991 (kantonale Akten, Ordner II, act. 297) geht hervor, dass das Beteiligungsdarlehen der Hotel AG an der Reederei AG bereits per 30. April 1991 beinahe 1,7 Mio. Franken betrug. Die angesprochenen Verträge wurden jedoch erst im April 1993 unterzeichnet (Ordner II, act. 20 ff.), zu einem Zeitpunkt also, als das Konto der Hotel AG schon längst mit der Beteiligung an der Sea Gypsy belastet war. Der Beschwerdeführer macht denn auch zu Recht nicht geltend, insoweit fehle es am subjektiven Tatbestand, weil er mit den Beteiligungen neuer Geldgeber habe rechnen können. Doch auch in Bezug auf das Leasen der Fahrzeuge der Marke Jaguar kann dem Kantonsgericht keine willkürliche Beweiswürdigung vorgeworfen werden. Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers hält das Kantonsgericht nicht fest, er hätte die Fahrzeuge leasen dürfen, wenn das Geld geflossen wäre. Vielmehr wirft es ihm vor, trotz der akuten Liquiditätskrise über Gelder verfügt zu haben, die noch gar nicht in den Betrieb geflossen waren. Selbst die besten abgeschlossenen Verträge ändern an der Liquidität einer Gesellschaft nichts, weil sie lediglich ein Forderungsrecht begründen. Die Liquidität ist erst besser, sobald über die versprochenen Beträge tatsächlich verfügt werden kann. Deshalb durfte das Kantonsgericht willkürfrei festhalten, der Beschwerdeführer habe sich so verhalten, "wie wenn das Geld schon geflossen wäre" (angefochtener Entscheid S. 20). c) Soweit der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der "Sea Gypsy" die Annahme einer vorsätzlichen Tatbegehung der ungetreuen Geschäftsführung als willkürlich bezeichnet (Beschwerdeschrift S. 55 f. lit. d), kann zunächst auf die bisherigen Ausführungen verwiesen werden (E. 9a - c). Von Bedeutung ist auch die Feststellung des Kantonsgerichts, wonach die Liquiditätskennzahlen der Hotel AG so schlecht gewesen seien, dass sie den Beschwerdeführer als Geschäftsführer hätten alarmieren und dazu bewegen müssen, mit den flüssigen Mitteln der Gesellschaft äusserst vorsichtig umzugehen und von kostspieligen, nicht vordringlichen und insbesondere die Ertragskraft der Gesellschaft nicht verbessernden Investitionen Abstand zu nehmen. Dazu habe umso eher Grund bestanden, als die Hotel AG im fraglichen Zeitraum während Jahren massive Verluste geschrieben habe und ihren laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht habe nachkommen können, sodass Betreibungen über mehrere Millionen aufgelaufen seien (angefochtener Entscheid S. 18/19). Wenn der Beschwerdeführer trotz dieser konkreten finanziellen Situation der Hotel AG wiederholt beträchtliche Geldbeträge der Gesellschaft in ein unrentables Unternehmen steckte, sodass das Geld für die Belange der Gesellschaft fehlte, erscheint die Annahme einer vorsätzlichen Tatbegehung jedenfalls nicht als willkürlich. d) Eine willkürliche Beweiswürdigung rügt der Beschwerdeführer auch im Zusammenhang mit der Bejahung des subjektiven Tatbestands der ungetreuen Geschäftsführung zum Nachteil der Ferienclub AG. Das Kantonsgericht halte einerseits fest, dass lediglich 31 % oder Fr. 149'314. 55 der Muttergesellschaft Hotel AG als Verkaufsgesellschaft hätten zugeführt werden können und anderseits 30 % der Beträge an die Ferienclub AG für die Bereitstellung des Hotels hätten fliessen müssen. Das Gericht verkenne nun in willkürlicher Art und Weise, dass die Hotel AG mit der Betriebs AG einen Pachtvertrag abgeschlossen gehabt habe, in welchem letzterer über 25 Stockwerkeinheiten für die Bewirtschaftung durch die Ferienclub AG überlassen worden seien. Dementsprechend sei bereits aufgrund dieses Pachtvertrags der Hotel AG ein Pachtzins geschuldet gewesen. Die Betriebs AG wiederum habe aufgrund des Alotementvertrags der Ferienclub AG dieselben Stockwerkeigentumseinheiten - ebenfalls gegen Bezahlung - zur Verfügung gestellt. Bereits im Rahmen der ganzen Konstruktion seien 30 % des Nettoerwerbspreises für die Bereitstellung des Hotels vorgesehen gewesen. Dies sei auch der Grund, weshalb der Beschwerdeführer nicht nur von 31 % zu Gunsten der Hotel AG als Verkaufsgesellschaft ausgegangen sei, sondern von 61 %; denn es liege auf der Hand, dass die Ferienclub AG die Leistungen nicht selbst habe erbringen können, da lediglich die Hotel AG als Muttergesellschaft über die erforderliche Hotelinfrastruktur verfügt habe. Demzufolge verstehe es sich von selbst, dass eben hiefür der Hotel AG offensichtlich eine Entschädigung habe zustehen müssen und vertraglich auch zugestanden habe. Die entsprechende Summe bewege sich in der Grössenordnung von 30 % im Sinne des Treuhandvertrags und entsprechend den Feststellungen des Kantonsgerichts auf Seite 41 oben (Beschwerdeschrift S. 56 ff. lit. e). Der Treuhandvertrag sieht in Ziff. 8 vor, dass die Treuhandstelle 31 % des Netto-Erwerbspreises an eine durch die Treugeberin zu benennende Verkaufsgesellschaft überweist (lit. a), 30 % an die Ferienclub AG für die Bereitstellung des Hotels (lit. b), 9 % an die Ferienclub AG für die Äufnung des Reservefonds (lit. c), und dass die verbleibenden 30 % von der Treuhandstelle nach besonderen Weisungen mündelsicher verwaltet werden (Akten der Staatsanwaltschaft, act. 5.4.4). Im Alotementvertrag war festgelegt, dass die Ferienclub AG spätestens 7 Tage vor dem jeweiligen Wochenbeginn (Samstag) die tatsächliche Belegung des Hotels der Betriebs AG zu melden hatte und dass nicht belegte Kontingente automatisch an die Betriebs AG zurückgegeben würden (act. 5.4.3 Ziff. III). Gemäss Pachtvertrag schliesslich war als Pachtzins eine Umsatzpacht verabredet, die 15 % des Jahresumsatzes ausmachen sollte (act. 5.4.2 Ziff. 10). Geht man von der Annahme des Beschwerdeführers aus, dass der Hotel AG nebst den 31 % für die allgemeine Zur-Verfügung-Stellung der Hotelräumlichkeiten zusätzlich eine Entschädigung für die tatsächliche Benutzung der Hotelzimmer zustand, hätte diese Entschädigung in Anwendung der zitierten Verträge nicht einmal Fr. 3'000.-- ausgemacht; denn unbestrittenermassen wurden für Fr. 19'154. 70 Ferienrechte bezogen (angefochtener Entscheid S. 41), wovon 15 % der Hotel AG als Pachtzins hätten zufliessen können (act. 5.4.2 Ziff. 10). Das Kantonsgericht hält fest, der Beschwerdeführer habe von den Mitteln der Ferienclub AG mindestens Fr. 239'195. 35 für die Bedürfnisse der Hotel AG verwendet, also bereits rund Fr. 90'000.-- mehr als dieser Gesellschaft im besten Falle (d.h. 31 %) zugestanden wären. Dazu kämen namhafte Zahlungen aus dem WIR-Konto der Ferienclub AG, so allein Fr. 75'000.-- an die Lebensmittel AG (fiktiver Name). Mindestens im Umfang dieser beiden Beträge seien der Ferienclub AG Mittel entzogen worden, welche für deren Belange nicht mehr zur Verfügung gestanden seien (angefochtener Entscheid S. 44). Somit hat das Kantonsgericht dem Beschwerdeführer ausschliesslich die Beträge von Fr. 90'000.-- und 75'000.-- als der Ferienclub AG entzogene Mittel angelastet, obwohl er deren WIR-Konto noch für weitere Zahlungen zu Gunsten der Hotel AG missbraucht hatte. Welchen Betrag diese Zahlungen ausmachten, geht aus dem angefochtenen Urteil zwar nicht hervor, kann vorliegend jedoch offen bleiben. Denn selbst wenn man mit dem Beschwerdeführer davon ausgeht, dass der Hotel AG ein Pachtzins (von etwa Fr. 3'000.--) zugestanden wäre, erscheint die vom Kantonsgericht angenommene Deliktssumme von insgesamt Fr. 165'000.-- (90'000.-- + 75'000.--) nicht als willkürlich, weil der erwähnte Pachtzins im Verhältnis zur Deliktssumme einen vernachlässigbaren Betrag darstellt und diesem Betrag zudem mehrere Zahlungen aus dem WIR-Konto zu Gunsten der Hotel AG gegenüberstehen.