Citation: 1P.534/2000 22.09.2000 E. 3

3.- Sodann rügt der Beschwerdeführer, die Fortdauer der Haft sei unverhältnismässig und verletze Art. 5 Ziff. 3 EMRK und Art. 31 Abs. 3 BV (bzw. Art. 36 Abs. 3 BV). a) Gemäss Art. 31 Abs. 3 BV und Art. 5 Ziff. 3 EMRK hat eine in strafprozessualer Haft gehaltene Person Anspruch darauf, innerhalb einer angemessenen Frist richterlich abgeurteilt oder während des Strafverfahrens aus der Haft entlassen zu werden. Eine übermässige Haftdauer stellt eine unverhältnismässige Beschränkung dieses Grundrechts dar. Sie liegt dann vor, wenn die Haftfrist die mutmassliche Dauer der zu erwartenden freiheitsentziehenden Sanktion übersteigt. Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Haftdauer ist namentlich der Schwere der untersuchten Straftaten Rechnung zu tragen. Der Haftrichter darf die Haft nur so lange erstrecken, als sie nicht in grosse zeitliche Nähe der konkret zu erwartenden Dauer der freiheitsentziehenden Sanktion rückt. Im Weiteren kann eine Haft die zulässige Dauer auch dann überschreiten, wenn das Strafverfahren nicht genügend vorangetrieben wird, wobei sowohl das Verhalten der Justizbehörden als auch dasjenige des Inhaftierten in Betracht gezogen werden müssen. Nach der übereinstimmenden Rechtsprechung des Bundesgerichts und der Organe der Europäischen Menschenrechtskonvention ist die Frage, ob eine Haftdauer als übermässig bezeichnet werden muss, aufgrund der konkreten Verhältnisse des einzelnen Falles zu beurteilen (BGE 124 I 208 E. 6 S. 215; 123 I 268 E. 3a S. 273, je mit Hinweisen). b) In seinem Urteil vom 12. Juli 2000 rechnete das Strafgericht des Kantons Basel-Landschaft dem Beschwerdeführer (in Anwendung von Art. 69 StGB) 399 Tage Untersuchungshaft auf die erstinstanzlich ausgefällte Gefängnisstrafe von 33 Monaten an. Es berücksichtigte dabei die erste Untersuchungshaft in der Schweiz (vom 16. Oktober 1997 bis 12. Januar 1998) sowie die Auslieferungshaft in Deutschland und die anschliessende weitere Untersuchungshaft in der Schweiz (vom 7. September 1999 bis zur Hauptverhandlung vom 12. Juli 2000). Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei (über die im Strafurteil vom 12. Juli 2000 angerechnete Haftdauer hinaus) auch noch der in Deutschland erlittenen Untersuchungshaft (vom 6. Juni bis zum 7. September 1999) Rechnung zu tragen. c) Die Frage, welcher Freiheitsentzug dem Beschwerdeführer gemäss Art. 69 StGB als "Untersuchungshaft" auf die allfällige Freiheitsstrafe angerechnet werden kann, ist materiellstrafrechtlicher (sanktionenrechtlicher) Natur. Sie bildet nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheides, sondern des hängigen Strafverfahrens. Im vorliegenden strafprozessualen Haftprüfungsverfahren ist - unter dem Gesichtspunkt der angerufenen Garantien von Art. 31 Abs. 3 BV und Art. 5 Ziff. 3 EMRK - zunächst zu prüfen, ob die bisher erlittene strafprozessuale Haft unverhältnismässig erscheint bzw. in grosse Nähe der im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung zu erwartenden Strafe gerückt ist. d) Wie bereits im Urteil vom 19. April 2000 (E. 4) dargelegt wurde, ist eine im Ausland erlittene Untersuchungs- bzw. Auslieferungshaft nach der Praxis des Bundesgerichtes grundsätzlich nicht auf die für das schweizerische Haftprüfungsverfahren massgebliche Haftdauer anzurechnen. Aber selbst wenn bei der Prüfung der zulässigen strafprozessualen Haftdauer die in Deutschland erlittene Auslieferungshaft im vorliegenden Fall berücksichtigt würde, wäre die Haftdauer noch nicht in grosse Nähe der zu erwartenden Freiheitsstrafe gerückt. Angesichts der erstinstanzlichen Verurteilung muss der Beschwerdeführer (bei einer Bestätigung des Urteils im Appellationsverfahren) mit einer Strafe von 33 Monaten Gefängnis ernsthaft rechnen. Nicht einmal die im Strafurteil (gestützt auf Art. 69 StGB) angerechnete Auslieferungs- und Untersuchungshaft von 399 Tagen Dauer bewegt sich in grosser Nähe der zu erwartenden Strafe. Das Analoge gälte, wenn die seit dem Strafurteil vom 12. Juli 2000 absolvierte Sicherheitshaft und sogar die in Deutschland erlittene Untersuchungshaft (vom 6. Juni bis zum 7. September 1999) noch zusätzlich berücksichtigt würden. Der Beschwerdeführer macht denn auch geltend, er habe noch eine Strafe von "maximal 18 Monaten" zu verbüssen. Der Beschwerdeführer macht auch nicht geltend, die kantonalen Behörden hätten das Verfahren nicht ausreichend vorangetrieben. Insbesondere rügt er nicht, das Strafurteil vom 12. Juli 2000 sei nicht innert angemessener Frist (im Sinne von Art. 31 Abs. 3 BV) ergangen. e) Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge der Verletzung von Art. 31 Abs. 3 BV und Art. 5 Ziff. 3 EMRK als unbegründet.