Citation: 9C_289/2017 E. 6.5.3

6.5.3. Auch unter Berücksichtigung der Ausführungen im psychiatrischen Teilgutachten lässt die ZMB-Beurteilung im Hinblick auf die von der neuen Rechtsprechung geforderte Prüfung der Indikatoren wesentliche Fragen offen. Das Ausmass der durch den Gesundheitsschaden bedingten funktionellen Einschränkungen lässt sich dem ZMB-Gutachten nur ansatzweise entnehmen, insofern nämlich als das für eine (im Rahmen der Rückweisung allerdings noch zu verifizierende [vorne E. 4.4]) PTBS-Diagnose typische Vermeidungsverhalten einer mit der Verabreichung von Spritzen verbundenen Tätigkeit entgegensteht. Weitere Ausführungen zur Schwere der Befunde und Symptome (welche im Rahmen der Rückweisung unter Bezugnahme auf die sich dann ergebende Diagnose ebenfalls zu überprüfen sind) - ausser dem Hinweis auf deren Chronifizierung - finden sich im Gutachten nicht. Es fehlt insbesondere auch eine Begründung, weshalb ein Arbeitspensum nur eingeschränkt zumutbar sein soll. Zur Frage der Komorbidität lässt das Gutachten offen, ob die diagnostizierte depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig ausgeprägt, eine eigenständige Krankheit darstellt. Dem kantonalen Gericht ist zwar insofern beizupflichten, als unabhängig davon, ob die Auswirkungen eines psychischen Leidens auf das Leistungsvermögen im Kontext eines eigenständigen Beschwerdebildes oder einer psychischen Begleiterkrankung (Komorbidität) zu beurteilen sind, generell gilt, dass leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis als therapierbar eingestuft werden und deshalb nur ausnahmsweise eine Invalidität begründen (SVR 2016 IV Nr. 30 S. 90, 9C_539/2015 E. 4.1.3.1). Gerade die Frage, ob die depressive Erkrankung der Versicherten therapieresistent ist, kann aber aufgrund des Gutachtens nicht eindeutig beantwortet werden. Wie in der Beschwerde zutreffend bemerkt, sind die Angaben zu den Therapiemöglichkeiten unklar: Im psychiatrischen Teilgutachten wird die explizite Frage nach der Notwendigkeit medizinischer Massnahmen verneint und festgestellt, dass die Versicherte in einer weiteren stationären oder ambulanten Behandlung keinen Erfolg sehe. Im (konsensualen) Hauptteil des Gutachtens wird vermerkt, dass allenfalls mit einem längerdauernden Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik eine relevante Verbesserung der psychischen Situation erreicht werden könne; die Motivation der Versicherten zu einem derartigen Aufenthalt sei aber gering. In der abschliessenden Beurteilung der aktuellen medizinischen Problematik wird hervorgehoben, dass eine Chronifizierung der Symptome vorliege, wobei die Gesamtsituation sehr starr und unveränderbar erscheine, welche Formulierung gegen erfolgversprechende Therapiemöglichkeiten spricht. In diesem Zusammenhang fällt auch ins Gewicht, dass der behandelnde Arzt dringend von einer stationären Behandlung abriet (Bericht des Dr. med. C.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 1. Dezember 2011) und gemäss den ZMB-Gutachtern ein ambulantes Therapiesetting während längerer Zeit (2008 bis 2014) keine Besserung über den im Beurteilungszeitpunkt vorliegenden Zustand hinaus brachte. Das ZMB-Gutachten vom 13. Januar 2015 erweist sich auch in anderer Hinsicht als ergänzungsbedürftig: Die vom Bundesgericht beim Komplex "Persönlichkeit" verlangte sorgfältige Abklärung fand nicht statt oder zumindest liegt das Resultat dieser Abklärung nicht in einer nachvollziehbaren und überprüfbaren Form vor (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 302). Eine persönlichkeitsdiagnostische Prüfung wäre aber umso wichtiger gewesen als die Gutachter der Gutachterstelle B.________ die Frage aufgeworfen hatten, ob andere, insbesondere prätraumatische belastende Faktoren die inzwischen (aussergewöhnlich) lang anhaltenden affektiven Probleme aufrechterhielten. Im Weitern finden sich im Gutachten keine Darlegungen zu den Ressourcen, welche der Versicherten zur Verfügung stehen. Mit dem kantonalen Gericht kann zwar aufgrund der teilweise geglückten beruflichen Selbsteingliederung davon ausgegangen werden, dass die Versicherte über gewisse Ressourcen verfügt. Von Interesse wäre aber die Beantwortung der Frage, ob und weshalb diese Ressourcen keine weitergehende Tätigkeit als die attestierten 50 % zulassen. Hier wären begründete ärztliche Angaben eine unerlässliche Voraussetzung für eine abschliessende Beurteilung des der Versicherten zumutbaren Arbeitspensums.