Citation: U 357/06 28.02.2007 E. 7

7. Kein Hinweis auf eine traumatische Myelopathie." 4.5 Entgegen der Auffassung der Versicherten kann aus den - sorgfältig durchgeführten - Untersuchungen des Dr. med. S.________ nicht auf einen unfallbedingten invalidisierenden Gesundheitsschaden geschlossen werden. Der Neurologe hielt fest, bei der Auffahrkollision vom 22. April 2001 sei es zu einer Traumatisierung der vorgeschädigten HWS gekommen. Weiter wies er allgemein darauf hin, in der Literatur werde beschrieben, dass bei Personen mit vorbestehenden degenerativen HWS-Veränderungen häufig eine Chronifizierung der Beschwerden nach einem Distorsionstrauma der HWS beobachtet werde. 4.6 Bei Personen, die vorbestehende degenerative Veränderungen der HWS aufweisen, ein Schleudertrauma der HWS (oder eine äquivalente Verletzung) erleiden und die nach einem Unfall über persistierende Beschwerden klagen, darf nicht ohne weiteres nach einigen Monaten ein Status quo sine angenommen werden. Auch bei degenerativen Veränderungen ist ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den geklagten Symptomen anzunehmen, selbst wenn mittels konventioneller Bildgebung Verletzungen nicht oder nur mit Schwierigkeiten erkennbar sind (Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts U 287/04 vom 17. März 2005, E. 8.1, auszugsweise publ. in: RKUV 2005 Nr. U 550 S. 242). Indessen entspricht es der medizinischen Erfahrung, dass traumatische Verschlimmerungen degenerativer Erkrankungen der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten sind. Dauern die Beschwerden nach einer einfachen Kontusion länger, steht oftmals eine psychische Anpassungsstörung oder Fehlentwicklung dahinter. Dieser medizinische Erfahrungssatz darf, zumal er der herrschenden medizinischen Lehrmeinung entspricht, im Rahmen des Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes U 60/02 vom 18. September 2002, E. 3. 2 mit Hinweisen auf die medizinische Literatur). 4.7 In Würdigung der erheblichen Schädigung der HWS, welche bereits vor dem Unfall zu therapiebedürftigen Beschwerden geführt hatte, sowie in Anbetracht des fehlenden Nachweises unfallbedingter struktureller Läsionen und dem vom Neurologen Dr. med. W.________ geäusserten Verdacht auf eine Traumaverarbeitungsstörung ist nicht überwiegend wahrscheinlich, dass zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides (immer noch) unfallkausale invalidisierende Beschwerden bestanden. Auch die Einschätzungen des Dr. med. S.________, insbesondere die von ihm festgestellte eingeschränkte Beweglichkeit der HWS sowie die Verhärtungen und Druckdolenz der Nackenmuskulatur führen zu keinem anderen Schluss. Dies gilt umso mehr, als die Bewegungseinschränkung nach der glaubwürdigen Beurteilung des Kreisarztes vom 5. Juni 2002 vor allem auf die Angst der Versicherten zurückzuführen ist, Schmerzen auszulösen, indessen nicht mit einer organischen Läsion erklärt werden kann. Wenn die SUVA eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit angenommen und den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung verneint hat, ist dies nicht zu beanstanden. Von weiteren Abklärungen kann in antizipierter Beweiswürdigung abgesehen werden, da hievon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind.