Citation: I 281/05 24.10.2005 E. 6

Die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin beruht insbesondere auf der im psychiatrischen Gutachten festgestellten somatoformen Schmerzstörung und kaum auf somatischen Befunden. 6.1 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c in fine). Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, so auch einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, setzt zunächst eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 398 ff. Erw. 5.3 und Erw. 6). Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352). Je häufiger diese Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 49 Erw. 1.2 mit Hinweisen). 6.2 Bei der Beschwerdeführerin liegt eine leichte psychische Komorbidität in Form einer dissoziativen Störung der Bewegung und der Sinnesempfindung gemäss ICD-10:F44.4 und F44.6 vor. Die bisherige Behandlung konnte das Beschwerdebild offenbar nicht nachhaltig beeinflussen. Hingegen wird weder von einem sozialen Rückzug berichtet noch liegen andere der beschriebenen Faktoren vor, welche es als unzumutbar erscheinen liessen, dass sich die Beschwerdeführerin wieder in den Arbeitsprozess integrierte. Davon sind offenbar auch die Ärzte der Klinik X.________ überzeugt, wenn sie von einer - zu Beginn - 50%igen Arbeitsfähigkeit berichten, welche es sukzessive zu steigern gälte. Zusammenfassend ist der Invaliditätsgrad auf der Basis einer 70%igen Arbeitsfähigkeit zu bemessen, welche an einem körperlich leichten, rückenschonenden Arbeitsplatz zu verwirklichen ist. Hinsichtlich der Ermittlung des Invaliditätsgrades kann auf die richtigen Ausführungen im kantonalen Entscheid verwiesen werden. Diese werden denn auch von der Beschwerdeführerin nicht grundsätzlich bestritten. Demnach ist der Invaliditätsgrad auf 28% zu beziffern, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.