Citation: I 811/04 29.06.2005 E. 3

3.1 Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist nicht zu beanstanden, dass kantonales Gericht und IV-Stelle für die Festsetzung der trotz der Schmerzstörung noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit hauptsächlich auf den Bericht des Psychiatriezentrums X.________ vom 8. Oktober 2002 über den Verlauf der am 1. Oktober 2001 begonnenen ambulanten Psychotherapie sowie den Ergänzungsbericht vom 24. Januar 2003 zuhanden der SUVA abgestellt haben. Daran ändert der weitere Bericht dieser medizinischen Fachstelle vom 2. Juni 2004 nichts. Darin wird in erster Linie die unbestrittene Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bestätigt. Die körperliche und psychische Belastbarkeit wird zwar als sehr instabil und über psychotherapeutische Massnahmen wenig angehbar eingeschätzt. Auch werden die verbleibenden Arbeitsfähigkeiten als gering angesehen, ebenso die Leistungsfähigkeit in Bezug auf Geschwindigkeit, Ausdauer und Konzentration. Diese allgemein gehaltenen Aussagen vermögen indessen die Einschätzung im Bericht vom 24. Januar 2003, wonach der Versicherten aus psychiatrischer Sicht zuzumuten ist, während zwei Stunden täglich einer leichten Arbeit mit der Möglichkeit, sitzend und in Bewegung tätig zu sein, nicht ernstlich zu erschüttern. Im Übrigen sind die Auswirkungen einer allfälligen Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit dem Einspracheentscheid vom 27. Februar 2004 auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit nicht Gegenstand dieses Verfahrens (BGE 129 V 4 Erw. 1.2, 116 V 248 Erw. 1a). 3.2 Die Anwendung der gemischten Methode zur Ermittlung des Invaliditätsgrades steht ausser Frage. Den Anteil der Erwerbstätigkeit haben Vorinstanz und IV-Stelle auf 0,51 festgesetzt. Gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 25. Juni 2003, auf welchen in der Verfügung 2. Juli 2003 verwiesen wird, würde die Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigung bei zwei Firmen als Raumpflegerin im zeitlichen Umfang von 16,6 und 4,5 Stunden in der Woche bei einer branchenüblichen Arbeitszeit von 42 resp. 41,5 Stunden tätig sein. Die 16,6 Stunden setzen sich zusammen aus den bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens effektiv geleisteten 12,6 Stunden sowie 4 Stunden, welche sie zur Kompensation eines dritten infolge Geschäftsaufgabe im Oktober 2000 aufgelösten Anstellungsverhältnisses zusätzlich gearbeitet hätte. Das Arbeitspensum an dieser verlorenen Stelle bewegte sich nach ihren Angaben zwischen 4 und 7 Stunden in der Woche. Es ist daher zu Gunsten der Beschwerdeführerin von einer um 5 ½ und nicht lediglich 4 Stunden höheren wöchentlichen Arbeitszeit auszugehen. Bei 18,1 und 4,5 Wochenstunden beträgt der zeitliche Umfang der im Gesundheitsfall ausgeübten Beschäftigung als Raumpflegerin im Verhältnis zur üblichen (Normal-)Arbeitszeit von 42 resp. 41,5 Stunden 0,54 (vgl. BGE 125 V 149 Erw. 2b). Das von der Vorinstanz ermittelte Valideneinkommen von Fr. 22'122.- für 2002 ist unbestritten. 3.3 Beim Invalideneinkommen hat das kantonale Gericht unter Berücksichtigung des Alters und der allgemeinen leidensbedingten Einschränkung sowie mit Blick auf vergleichbare Fälle einen Abzug von 10 % in Anschlag gebracht (vgl. BGE 126 V 75). Damit bleibt sie unter den in der Verfügung vom 3. Juli 2003 gewährten 20 % gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 25. Juni 2003. Mit einem Abzug von lediglich 10 % wird indessen auch unter dem Gesichtspunkt der Angemessenheit (BGE 126 V 80 f. Erw. 5b/dd und Erw. 6) den hier gegebenen besonderen Umständen nicht genügend Rechnung getragen. Die Beschwerdeführerin leidet auch an einer Sehschwäche links (Schielen) sowie an Adipositas permagna. Gemäss dem neurologischen Konsilium vom 23. Oktober 2001 sodann hatte die Versicherte mit leicht überwiegender Wahrscheinlichkeit beim Treppensturz vom 5. Januar 2001 eine milde traumatische Hirnverletzung erlitten. Dementsprechend gilt die grundsätzliche Zumutbarkeit einer leichten Arbeit von zwei Stunden täglich mit der Möglichkeit, sitzend und in Bewegung tätig zu sein, nur bei geringen Anforderungen an Konzentration und Ausdauer sowie nicht zu langer Beanspruchung der Sehkraft. Im Weitern bestehen eine neurotische Persönlichkeitsstörung (F 60.8) sowie eine ängstlich-depressive Symptomatik (F 41.2), welche wesentlich zur Entwicklung der somatoformen Schmerzstörung beigetragen haben. Gemäss dem während des Aufenthalts in der Rehabilitationsklinik Y.________ erstellten psychosomatischen Konsilium vom 27. August 2001 trat bei vorbestehender neurotischer Persönlichkeitsentwicklung und erhöhter Vulnerabilität für Angsterkrankungen bereits 1986 eine Angstsymptomatik auf, welche im Rahmen eines Kuraufenthalts behandelt wurde. Der Treppensturz vom 5. Januar 2001 hatte wiederum zu einer Angstsymptomatik mit multiplen phobischen Erlebensweisen und starker innerer Verunsicherung sowie Somatisierung geführt. Kreisarzt Dr. med. K.________ erwähnte in seinem Bericht vom 24. Juni 2002 neben der Persistenz der Beschwerden (Hals-, Nacken- und Kopfschmerzen linksbetont, Gleichgewichtsprobleme) eine psychische Komponente mit Angst- und Depressionszuständen. Wenn auch nicht davon gesprochen werden kann, es bestünden realistischerweise - bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage - keine Einsatzmöglichkeiten in der freien Wirtschaft, erscheint aufgrund des Beschwerdebildes die Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit doch erschwert. Dies gilt umso mehr, wenn berücksichtigt wird, dass die Versicherte offenbar über keinen berufliche Lehrabschluss verfügt und die seit 1986 ausgeübte Teilwerbstätigkeit ausnahmslos Putzarbeiten umfasste. Der maximal zulässige Abzug vom Tabellenlohn von 25 % ist daher gerechtfertigt. Dies ergibt bei im Übrigen unveränderten Berechnungsfaktoren ein Invalideneinkommen für 2002 von Fr. 8595.- ([12 x Fr. 3820.- x 41,7/40] x 10 [= 5 x 2 zumutbare Arbeitsstunden je Woche]/41,7 x 0,75; vgl. Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2002 des Bundesamtes für Statistik S. 43 TA1 und BGE 129 V 484 Erw. 4.3.2). Aus der Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen resultiert ein Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich von 61,1 %. 3.4 Die Abklärungen vor Ort haben eine Behinderung im Haushalt von 16 % ergeben (Bericht vom 25. Juni 2003). Dieser Grad der Einschränkung wird einzig mit dem Hinweis auf den Bericht des Psychiatriezentrums X.________ vom 2. Juni 2004 bestritten. Dabei wird auf die einzelnen Positionen nicht näher eingegangen. Eine eingehende Prüfung dieses Bemessungsfaktors erübrigt sich somit. Abgesehen davon änderte selbst ein doppelt so hoher Grad der Behinderung im Haushalt nichts am Ergebnis. Bei einem Anteil der Erwerbstätigkeit von 0,54 und einer erwerbsbezogenen Invalidität von 61,1 % ergibt sich ein Invaliditätsgrad von etwas mehr als 40 % ([0,54 x 61,1 % =] 32,99 % + [0, 46 x 16 % =] 7,36 % = 40,35 %). Dies gibt Anspruch auf eine Viertel-, allenfalls eine halbe Härtefallrente (Art. 28 Abs. 1 und Abs. 1bis [in Kraft gestanden bis 31. Dezember 2003] IVG).