Citation: 2C_513/2021 E. 3.3.2

3.3.2. Vor diesem Hintergrund ist nicht einzusehen, weswegen die Fristen von Art. 47 Abs. 1 AIG für die Beschwerdeführerin nicht gelten oder wiederhergestellt werden sollen und das Beharren auf diesen Fristen einen überspitzten Formalismus darstellen soll, wie die Beschwerdeführerin behauptet. Zwar trifft für jede gesetzliche Frist zu, dass das Verpassen der Frist um eine relativ kurze Zeit den gesetzlichen Zweck der Frist nicht ohne Weiteres vereiteln würde. Trotzdem kann im Interesse der Rechtssicherheit nicht ohne zureichenden Grund von einer Frist abgewichen werden; dementsprechend streng sind die Voraussetzungen für eine Wiederherstellung von Fristen (vgl. Urteile 2C_176/2015 vom 27. August 2015 E. 4.2; 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015 E. 6.3 mit Hinweis). Der Umstand, dass die frühere familiäre Situation der Beschwerdeführerin (Betreuung durch die Mutter in Brasilien und Kolumbien) aus ihrer bzw. aus der Sicht ihres Vaters einem früheren Familiennachzugsgesuch entgegenstand, kann deshalb für sich allein kein Grund sein, um trotz Fristversäumnis den Familiennachzug zu bewilligen. Unbehelflich ist der Beschwerdeführerin auch, dass sie bereits vor Ablauf der Nachzugsfrist in die Schweiz eingereist war. Wohl ist mit der rechtzeitigen Einreise der ausländischen Person dem Integrationszweck der Nachzugsfrist gedient. Davon unberührt bleibt jedoch der Zweck der Einwanderungsbeschränkung, der ein rechtzeitiges Gesuch verlangt.