Citation: 2C_717/2019 E. 3.2.1

3.2.1. Zu beurteilen sind somit in einem ersten Schritt die Straftaten des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer hat wenige Delikte als Jugendlicher begangen. In diesen Zeitraum fällt die Begehung mehrfacher geringfügiger Vermögensdelikte und Drohung (begangen am 10. April bzw. 15. Mai 2006) sowie eine Widerhandlung gegen das Transportgesetz (Benutzen der Bahn ohne gültigen Fahrausweis, begangen am 5. Oktober 2007). Die strafrechtlichen Verurteilungen, auf die sich die aufenthaltsbeendende Massnahme stützt, setzten mit dem Diebstahl zum Nachteil seines Arbeitgebers ein, den der Beschwerdeführer in der Zeitspanne vom 1. Juli bis 17. November 2010 und damit als (junger) Erwachsener beging. Auch wenn der Beschwerdeführer die Auffassung vertritt, dass diese Verurteilung ungerecht war, ist aktenkundig (Art. 105 Abs. 2 BGG), dass er anlässlich der polizeilichen Befragung vom 21. Januar 2011 zugab, in der Zeit vom Juli 2010 bis Mitte November 2010 aus dem Lager und Verkaufsgeschäft des Arbeitgebers ein Natel, vier Navigationsgeräte, sechs iPods, fünf Photokameras und zwei Fernseher im Gesamtwert von Fr. 9'092.-- entwendet und unter der Hand an verschiedene Kunden verkauft zu haben, mit Ausnahme eines Mobiltelefons, das er einer weiteren Person gratis abgab (Ermittlungsbericht der Kantonspolizei des Kantons Thurgau vom 16. April 2011 S. 2). Daran vermag nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer zusammen mit seinen Eltern allenfalls dem vormaligen Arbeitgeber die Schadenssumme in der Zwischenzeit ersetzt hat. Der Beschwerdeführer wurde somit erstmals im Alter von sechzehn Jahren straffällig und beging im Erwachsenenalter zahlreiche Delikte, welche an Häufigkeit und Intensität weiter zunahmen. Im Alter von 22 Jahren beteiligte sich der Beschwerdeführer als Teil einer Gruppe an einem Angriff auf eine Frau, schlug die Geschädigte und verletzte sie dabei (Rissquetschwunde auf dem Kopf, diverse Prellungen), wofür er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern vom 13. November 2012 zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 800.-- bestraft wurde. Das Anbieten günstiger Natels zum Verkauf zieht sich des Weiteren wie ein roter Faden durch seinen weiteren Werdegang. Der Beschwerdeführer liess sich acht weitere Vermögensdelikte (vor allem Betrug und Diebstahl), fünf Übertretungen gegen bundesrechtliche Bestimmungen (Ungehorsam im Betreibungs- und Konkursverfahren), sechs SVG-Delikte (insbesondere Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit, Nichttragen der Sicherheitsgurte, Nichtmitführen des Führerausweises) sowie ein Drogendelikt (Konsum von Cannabis) zu schulden kommen. Entgegen seinen Beteuerungen handelt es sich bei den Delikten, für welche der Beschwerdeführer strafrechtlich verurteilt wurde, nicht durchwegs um "Kleinkriminalität", wobei anzufügen bleibt, dass auch bei einer Summierung von "Kleinkriminalität" aufenthaltsbeendende Massnahmen ergriffen werden können. Nach der Rechtsprechung des EGMR ist insbesondere ein Angriff als Teil einer Gruppe auf eine Person, die als Folge dieses Angriffs schwere Verletzungen erleidet, als eine sehr schwer wiegende Rechtsgutsverletzung einzustufen (Urteil des EGMR Zakharchuk vs Russland vom 17. Dezember 2019, Nr. 2967/12, §§ 12, 61). Der Umstand, dass Rechtsgutsverletzungen in verschiedenen Staaten unterschiedliche schwere Rechtsfolgen nach sich ziehen, vermag nichts daran zu ändern, dass die begangene Rechtsgutsverletzung auch nach der Rechtsprechung des EGMR als schwer einzustufen ist. Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer dieses Gewaltdelikt nicht als Jugendlicher, sondern als junger Erwachsener beging, ist seine Tat nicht als Jugendkriminalität einzustufen (zit. Urteil Zakharchuk, § 61, unter Verweis auf das zit. Urteil des EGMR Maslov). Zu berücksichtigen ist weiter, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum zwischen 2010 und 2019 durchwegs strafrechtlich verurteilt werden musste und seine Delinquenz ungeachtet zweier ausländerrechtliche Verwarnungen, einer formlosen Ermahnung und der Androhung einer Nichtverlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung fortsetzte. Diese Delikte liegen, entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift, noch nicht so lange zurück, als dass sie im Rahmen von Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG nicht mehr berücksichtigt werden könnten (vgl. zum zeitlichen Aspekt beim Widerruf von Niederlassungsbewilligungen Urteil 2C_884/2016 vom 25. August 2017 E. 2. E. 3).