Citation: 7B_758/2024 E. 4.3.1

4.3.1. Die Vorinstanz legt überzeugend dar, dass hinsichtlich der mutmasslichen Tat des Beschwerdeführers zahlreiche Unklarheiten bestehen und inwiefern unter Berücksichtigung der Schwere der Straftat eine vorsorgliche offene Unterbringung als unverzügliche Intervention zur Gefahrenabwehr und -verhinderung notwendig erscheint. Wie der Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 15. April 2024 zu entnehmen ist, empfahl der Gutachter eine psychotherapeutische Intervention im Sinne einer spezifischen, deliktorientierten forensischen Therapie im Rahmen einer offenen Unterbringung. Diese diene nicht nur der Behandlung der Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung bzw. der psychosexuellen Unreife, sondern könne zur Klärung des Motivgefüges sowie der Deliktmechanismen und Risikofaktoren beitragen, woraus wiederum rückfallpräventive Massnahmen abgeleitet werden könnten. Eine psychische Störung oder Beeinträchtigung der Persönlichkeit von Krankheitswert diagnostizierte der Gutachter beim Beschwerdeführer unbestrittenermassen nicht. Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, hat die Jugendanwaltschaft indes keine (vorsorgliche) ambulante Behandlung gemäss Art. 14 JStG angeordnet, welche im kantonalen Beschwerdeverfahren hätte angefochten und zum Verfahrensgegenstand gemacht werden können. Im Übrigen übersieht der Beschwerdeführer, dass die Anordnung einer (vorsorglichen) offenen Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG nicht zwingend eine psychische Störung des Betroffenen voraussetzt (vgl. allgemein AEBERSOLD/PRUIN/WEBER, Schweizerisches Jugendstrafrecht, 4. Auflage 2024, Rz. 350). Damit stösst auch seine (beiläufige) Behauptung, bei fehlenden Voraussetzungen von Art. 14 JStG dürfe keine "strengere Massnahme i.S.v. Art. 14 Abs. 2 i.V.m. Art. 15 Abs. 1 JStG" angeordnet werden, ins Leere. Ob mit Blick auf die gutachterlich festgestellte Beeinträchtigung seiner Persönlichkeitsentwicklung zusätzlich eine (vorsorgliche) ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14 JStG (oder eine andere Schutzmassnahme) anzuordnen ist, wird die Jugendanwaltschaft zu entscheiden haben.