Citation: U 222/05 21.03.2006 E. 5

5.1 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). 5.2 Den Stellungnahmen des Kreisarztes und des Dr. med. S.________ kann nicht gefolgt werden. Entgegen der Annahme der Versicherten spielt dabei keine Rolle, dass diese Ärzte sie nie gesehen, sondern nur anhand der Akten ihre Einschätzung abgegeben haben, da auch Aktengutachten sowie den medizinischen Berichten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zukommen kann (BGE 125 V 353 Erw. 3b/ee; RKUV 1988 Nr. U 56 S. 370 Erw. 5a, je mit Hinweisen). Massgebend ist vielmehr, dass diese äussert kurzen Stellungnahmen ganz allgemein den Anforderungen an ärztliche Berichte (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) nicht genügen: Entgegen der Rechtsprechung (vgl. Urteil B. vom 4. November 2005, K 90/03) zieht der Kreisarzt nicht das Gesamtgeschehen in Betracht, sondern beurteilt den Vorfall für jeden Körperteil isoliert. Zudem fehlt eine Begründung, weshalb die Schmerzen entgegen der Ansicht des erstbehandelnden Arztes nicht auf eine akute Überanstrengung zurückzuführen sind. Im Übrigen enthält der kreisärztliche Bericht die aktenwidrige Aussage, dass die Versicherte erst nach zehn Tagen Schmerzen in der Schulter angegeben habe; die Beschwerdeführerin hat vielmehr sechs Tage nach dem Vorfall infolge persistierender Schmerzen den Hausarzt aufgesucht. Soweit Dr. med. S.________ auf den Bericht des Kreisarztes verweist, kann daraus nichts abgeleitet werden, da darauf - wie oben dargelegt - nicht abgestellt werden kann. Dass der Vorfall vom 31. Dezember 2003 bagatellär war, führt entgegen der Ansicht von Dr. med. S.________ nicht zum Leistungsausschluss; massgebend ist allein, ob die Versicherte sich anlässlich dieses Vorfalles eine der in Art. 9 Abs. 2 UVV erwähnten Gesundheitsschädigungen zugezogen hat und dieser Vorfall den Anforderungen an ein unfallähnliches Ereignis entspricht. Der Umstand, dass der Vorfall bagatellär war, ist höchstens insofern von Bedeutung, als dass die SUVA ihre anfängliche Leistungspflicht infolge dahingefallener Kausalität einstellen kann, wobei die SUVA den Nachweis hiezu zu erbringen hat (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 Erw. 3b mit Hinweisen). Unter Berücksichtigung all dieser Umstände vermögen die Berichte des Kreisarztes sowie des Dr. med. S.________ denjenigen des erstbehandelnden Arztes (Dr. med. B.________) nicht in Frage zu stellen, und es ist im Folgenden davon auszugehen, dass sich die Versicherte am 31. Dezember 2003 eine Muskelzerrung im Bereich der linken Schulter zugezogen hat. Daran ändern auch die von der Vorinstanz zitierten Urteile nichts: Denn einerseits war auch im Urteil X. vom 10. Dezember 2001, U 20/00, nur eine Muskelzerrung im Bereich der proximalen Adduktoren diagnostiziert, welche das Eidgenössische Versicherungsgericht genügen liess; andererseits ist das Urteil Z. vom 7. Oktober 2003, U 332/02 (recte: 322/02), auf den hier zu beurteilenden Sachverhalt nicht anwendbar, da dort nur der Arbeitgeber in der Unfallmeldung, nicht aber die Ärzte von einer Muskelzerrung ausgingen. Zu prüfen bleibt, ob der Vorfall vom 31. Dezember 2003 ein äusseres Ereignis im Sinne der Rechtsprechung ist.