Citation: 6B_564/2022 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz stellt in Bezug auf das Schreiben von Dr. med. B.________ vom 6. September 2020 fest, die Beschwerdeführerin habe gemäss Strafanzeige anlässlich der Kontrolle am 25. Oktober 2020 im Bahnhof ein ärztliches Attest vorgelegt, das weder unterzeichnet noch mit einem Stempel versehen gewesen sei (Urteil S. 5 E. 3.3). Es weise folgenden Inhalt auf: "Ärztliches Zeugnis A.________, xx.xx.xxxx, Sehr geehrte Damen und Herren Hiermit bestätige ich, dass ich der obengenannten Patientin aus gesundheitlichen Gründen vom Tragen einer Gesichtsmaske abrate. Sie ist daher von Maskentragpflicht zu befreien. Beim Auftreten von Grippesymptomen rate ich dringend, zu Hause zu bleiben und sich gegebenenfalls in ärztliche Behandlung zu begeben. Freundliche Grüsse Dr. med. B.________". Die Vorinstanz qualifiziert das Schreiben nach seinem Wortlaut als allgemein formulierte Empfehlung. Vom Tragen einer Gesichtsmaske werde darin lediglich abgeraten. Dass tatsächlich medizinische Gründe vorliegen würden, aus denen die Beschwerdeführerin keine Gesichtsmaske tragen könne, gehe daraus nicht hervor. Das Schreiben sei somit nicht als ärztliches Zeugnis betreffend die Befreiung von der Gesichtsmaskentragepflicht aus in der Person der Patientin liegenden, medizinischen Gründen zu verstehen (Urteil S. 6 E. 3.3.1). Unter dem Titel "Verfasser" hält die Vorinstanz weiter fest, Dr. med. B.________ äussere sich in der Öffentlichkeit seit Längerem kritisch zu den Schutzmassnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Insbesondere halte er die Maskentragpflicht für verfehlt. Seine Haltung komme etwa in einem auf einer Video-Plattform einsehbaren Interview zum Ausdruck. Einem Artikel der Zeitung "C.________" sei sodann zu entnehmen, dass er Maskenatteste ohne Konsultation ausstelle. Dr. med. B.________ glaube nicht an die Wirksamkeit der Maskenpflicht. Maskenatteste zu verteilen, auch ohne medizinischen Grund, erachte er als seine Pflicht als Arzt. Namentlich im Zusammenhang mit seiner Praxis bei der Ausstellung von Maskendispensen sei ein aufsichtsrechtliches Verfahren gegen ihn eröffnet worden. Am Ende lässt die Vorinstanz die Frage schliesslich offen, ob Dr. med. B.________ Maskendispense ohne medizinische Indikation erstellt hat (Urteil S. 6 f. E. 3.3.2).