Citation: I 204/06 29.03.2007 E. 4.2

4.2.1 Streitig ist das trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbarerweise noch erzielbare Einkommen (Invalideneinkommen). Diesbezüglich macht der Beschwerdeführer in grundsätzlicher Hinsicht geltend, eine Restarbeitsfähigkeit, wie die von den MEDAS-Gutachtern beschriebene, sei wirtschaftlich nicht oder höchstenfalls an einem geschützten Arbeitsplatz verwertbar, womit die LSE-Tabellen zur Erhebung des Invalideneinkommens nicht anwendbar seien. Bei der Invaliditätsbemessung dürfe nicht von realitätsfremden und nicht realisierbaren Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Letzteres sei hier der Fall. Eine zumutbare Tätigkeit sei lediglich in so eingeschränkter Form möglich, dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer solchen Stelle in der freien Wirtschaft von vornherein ausgeschlossen sei. Insbesondere Arbeitnehmenden aus EU-Kandidaten- oder Balkanländern stünden statistisch kaum Arbeitsplätze mit flexibler Arbeitszeitgestaltung zur Verfügung. 4.2.2 Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. Zu betonen ist zunächst, dass für die Invaliditätsbemessung nicht der aktuelle, sondern der ausgeglichene Arbeitsmarkt massgebend ist (Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2002 in Kraft gestandenen Fassung; Art. 7 ATSG). Bei der Beurteilung der Aussichten einer versicherten Person, im Arbeitsmarkt effektiv vermittelt zu werden, sind somit nicht die dort herrschenden konkreten Verhältnisse massgebend. Vielmehr wird - abstrahierend - unterstellt, hinsichtlich der in Frage kommenden Stellen bestehe ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Es kommt also darauf an, ob die versicherte Person die ihr verbliebene Arbeitskraft wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (Urteil R. vom 16. Januar 2006, I 180/05, E. 5.1; vgl. auch AHI 1998 S. 291, je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer kann zwar gemäss MEDAS-Gutachten vom 12. Januar 2004 Tätigkeiten, welche körperlich schwer sind, längere Gehdistanzen erfordern, unter Zeitdruck verrichtet werden müssen oder eine längerdauernde Zwangshaltung erfordern, nicht mehr ausüben. Das heisst aber nicht, dass die Experten nurmehr Arbeiten in einem geschützten Rahmen für zumutbar erachten. Auch der Ausschluss von Arbeiten unter Zeitdruck, wie Akkordtätigkeiten, kann nicht so verstanden werden, dass kein Einsatz im normalen Arbeitsprozess mit üblichen, nicht überdurchschnittlichen oder direkt lohnwirksamen Erledigungserwartungen mehr möglich wäre. Im Abklärungsbericht der BEFAS vom 8. August 2002 wird eine Tätigkeit im normalen Arbeitsmarkt ebenfalls als möglich erachtet. Stellen, die der tatsächlichen Behinderung gerecht werden, sind mithin bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage nicht nur theoretischer Natur, weshalb die Tatsache allein, dass der Versicherte auf ein soziales Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers angewiesen ist, nicht zur Verneinung des Vorhandenseins entsprechender Arbeitsgelegenheiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt führt (vgl. Urteil S. vom 19. Januar 2007, I 71/06, E. 5.2 und Urteil R. vom 16. Januar 2006, I 180/05, E. 5.2 mit Hinweis). Die vom Beschwerdeführer angeführte Statistik, wonach von 172'000 Arbeitnehmenden aus EU-Kandidaten- oder Balkanländern lediglich 4'000 Personen keine formale Vorgaben bezüglich Arbeitszeiten hätten, zeigt im Übrigen, dass solche Stellen tatsächlich existieren. Zudem ist die geographische Herkunft des Versicherten ein invaliditätsfremder Faktor, welcher beim Begriff des ausgeglichenen offenen Arbeitsmarktes gerade nicht berücksichtigt wird. Hinzu kommt, dass, entgegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift, auch im Gutachten der MEDAS keine Rede davon ist, alle 45 Minuten müsse eine Pause eingelegt werden. Vielmehr wird nach dieser Dauer ein blosser Stellungswechsel vom Sitzen zum Stehen oder umgekehrt empfohlen. Ferner besteht zwischen den Gutachten der MEDAS und der BEFAS nicht bereits deshalb ein Widerspruch, weil das BEFAS eine Erwerbstätigkeit im Bereich maschineller Serien- und Kontrolltätigkeiten als realistisch bezeichnet, während die MEDAS monotone und repetitive Tätigkeiten als nicht zumutbar erachtet; so schliessen letztere Kontrolltätigkeiten nicht aus. Mit der Vorinstanz ist sodann davon auszugehen, dass die Möglichkeit, Liegepausen einzulegen ohne weiteres besteht, wenn bei einem Normalarbeitstag von durchschnittlich 8,34 Stunden (41,7 : 5) eine Tätigkeit von 6 bis 7 Stunden erwartet wird. Zu bemerken bleibt, dass dem Beschwerdeführer von der IV-Stelle mit Verfügung vom 3. Mai 2004 eine Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche angeboten worden war. Diese wurde vom Versicherten ausdrücklich abgelehnt. Wenn nunmehr behauptet wird, es gäbe keine für ihn geeignete Stelle, deutet dies auf ein zumindest widersprüchliches Verhalten hin.