Citation: 6B_215/2013 E. 2.5.2

2.5.2. Das geschützte Rechtsgut - die ungestörte sexuelle Entwicklung des Kindes - ist ein hochwertiges Gut. Verfrühte bzw. nicht altersgemässe Sexualkontakte bergen für jedes Kind das Risiko, in seiner Persönlichkeitsbildung und Sexualentwicklung durch das Erlebte in irgendeiner Form beeinträchtigt zu werden. Solche negativen Folgen werden beim Opfer oft erst nach Jahren manifest, können dann aber gravierende und lang anhaltende Wirkungen zeitigen (vgl. PHILIPP MAIER, a.a.O., Art. 187 Rz. 2; DERSELBE, Die Nötigungsdelikte im neuen Sexualstrafrecht, Diss. Zürich 1994, S. 137 ff., S. 170 ff.). Welcher Schutz der ungestörten sexuellen Entwicklung von Kindern eingeräumt bzw. umgekehrt welcher Stellenwert der Verfolgung solcher Delikte beigemessen wird und wie lange es dauern kann, bis das Opfer allfällige Folgen überhaupt (umfassend) realisiert und sich für oder gegen eine Strafanzeige entscheiden kann, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass der Gesetzgeber die Verfolgungsverjährung bei allen unter Art. 187 StGB fallenden Delikten, also auch bei der fahrlässigen Tatbegehung nach Ziff. 4, speziell regelte und stark ausdehnte (vgl. BBl 2001 5738; zur Verjährungsregelung siehe DONATSCH, a.a.O., § 57, S. 486 f.).