Citation: U 241/06 26.07.2007 E. 6.1

6.1.1 Die beiden Gutachten des Dr. med. S.________ vom 6. Oktober 2001 und 2. September 2002 (E. 4.1.1 und 4.1.5 hievor) weichen erheblich voneinander ab. Im Ersteren gab er an, der geringe Vorzustand sei richtunggebend verschlimmert worden, der Status quo sine werde nie mehr erreicht werden können. Im Letzteren ging er von einer Besserung des gesamten Zustandsbildes und von einem Erreichen des Status quo sine am 30. September 2002 aus. Die Verbesserung des Zustandes begründete er im Wesentlichen damit, dass die Diskushernie in einem MRI vom November 2001 nicht mehr zur Darstellung habe gebracht werden können; weiter habe die Rehabilitation in der Klinik Y.________ nach Angaben des Versicherten eine markante Verbesserung des Zustandsbildes gebracht. Auch Dr. med. C.________ berief sich in der Stellungnahme vom 5. November 2002 (E. 4.1.6 hievor) unter anderem darauf, dass gemäss Berichten der Klinik B.________ die Diskushernie L5/S1 im MRI verschwunden sei; daselbst sei eine massive Besserung der Rückenbeschwerden durch einen Sakral-Wurzelblock unter CT-Kontrolle erreicht worden. Die stationäre Rehabilitation in der Klinik Y.________ habe nur vorübergehenden Erfolg gezeigt. 6.1.2 Die Klinik B.________ führte im Bericht vom 8. März 2002 aus, im letzten MRI der Klinik P.________ vom 26. November 2001 sei die Diskushernie L5/S1 nicht mehr erkennbar bzw. man sehe sie nicht mehr. Allerdings stellte sie im Rahmen einer Wiederholung des MRI der LWS vom 22. März 2002 eine Diskopathie L4/5 und L5/S1 mit dorsalen Anulusrissen sowie eine kleine mediane Diskushernie L5/S1 mit Kontakt zur Wurzel S1 links fest (keine Verlagerung, keine Kompression). Es sei möglich, dass diese kleine Diskushernie im Kontakt zur Wurzel S1 Schmerzen verursachen könne. Auch im Bericht vom 8. April 2002 beschrieb sie unter anderem eine mediane Diskushernie L5/S1 sowie eine breitbasige Diskusprotrusion und Anulusriss auf Höhe L4/L5. Weiter hielt die Klinik B.________ im Bericht vom 12. April 2002 fest, nach dem Nervenwurzelblock unter CT-Kontrolle vom 27. März 2002 habe der Versicherte praktisch keine Rückenschmerzen mehr. Indessen ging die Klinik Y.________ im Bericht vom 30. Mai 2002 von einer luxierten Diskushernie L5/S1 aus und stellte unter anderem starke Schmerzen lumbal bei geringen Rumpfrotationen fest (E. 4.1.4 hievor). Der Hausarzt Dr. med. A.________ verneinte in der Stellungnahme vom 8. Oktober 2002 das Erreichen des Status quo sine, wobei er unter anderem auf die MRI-Befunde im Bericht der Klinik B.________ vom 22. März 2002 verwies. Prof. Dr. med. E.________ ging im Bericht vom 8. April 2004 von einem chronischen lumbosakralen Schmerzsyndrom aus, das überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall vom 28. April 2001 zurückzuführen sei (E. 4.1.7 hievor). In diesem Lichte werden die Auffassungen der Dres. med. S.________ und C.________ betreffend Besserung der Rückenbeschwerden in Frage gestellt, zumal Letzterer in der Stellungnahme vom 5. November 2002 selber einräumte, die Rehabilitation in der Klinik Y.________ habe nur vorübergehenden Erfolg gezeigt. 6.1.3 Soweit Dr. med. S.________ im Gutachten vom 2. September 2002 ausführte, nach Rücksprache und im Einverständnis mit dem behandelnden Neurochirurgen Dr. med. L.________ sei er der festen Überzeugung, der Status quo sine sei am 30. September 2002 ereicht worden, ist dem entgegenzuhalten, dass der letzte bei den Akten liegende Bericht des Dr. med. L.________ vom 21. Februar 2002 datiert; hierin verneinte dieser noch das Vorliegen unfallfremder Faktoren (E. 4.1.3 hievor). Die Berufung des Dr. med. S.________ auf eine hievon abweichende Einschätzung des Dr. med. L.________ ist mithin nicht belegt. 6.1.4 Im Weiteren ist zu beachten, dass die Auffassung der Dres. med. S.________, C.________ und U.________ hinsichtlich des Zeitpunkts des Erreichens des Status quo sine erheblich voneinander abweichen. Der erste geht von Ende September 2002, der zweite von Ende Mai 2002 und der dritte von spätestens Ende Oktober 2001 aus (max. 6 Monate nach dem Unfall) aus. 6.1.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass jegliche Unterlagen zu der im Bericht des Instituts N.________ vom 24. März 2006 erwähnten Implantation eines Hinterstrangstimulators fehlen (vgl. E. 4.1.9 hievor). Da die entsprechenden Akten zur Sachverhaltsklärung beitragen können, sind sie beizuziehen. 6.2 Bei dieser insgesamt widersprüchlichen und unvollständigen Aktenlage lässt sich der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den Rückenbeschwerden und damit die Leistungspflicht des Unfallversicherers ab 1. Oktober 2002 nicht rechtsgenüglich beurteilen, auch nicht unter Berufung auf medizinische Erfahrungstatsachen (vgl. E. 2.2.3 hievor). Dies gilt namentlich in Bezug auf die Frage nach dem Erreichen des Status quo sine. Die Sache ist daher an die Winterthur zurückzuweisen, damit sie diesbezüglich erneut ein Gutachten einhole und danach über die Leistungspflicht neu verfüge. Ergänzend sei angefügt, dass die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen praktisch keine Rolle spielt (vgl. E. 5.1 hievor in fine; BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103).