Citation: 5A_800/2022 E. 3.2

3.2. Der Beschwerdeführer verkennt die gesetzliche Ordnung des Zivilprozesses. Hier sind ausschliesslich Kinderbelange streitig. In diesen Angelegenheiten gilt auch vor der kantonalen Rechtsmittelinstanz (BGE 137 III 617 E. 4.5.2) der Offizialgrundsatz: Das Gericht entscheidet ohne Bindung an die Parteianträge (Art. 296 Abs. 3 ZPO). Das Verschlechterungsverbot, dem zufolge die Berufungsinstanz das angefochtene Urteil nicht zu Ungunsten des Berufungsklägers abändern darf, gilt im Anwendungsbereich des Offizialgrundsatzes nicht (BGE 129 III 417 E. 2.1.1; Urteile 5A_390/2012 vom 21. Januar 2013 E. 7.1; 5A_169/2012 vom 18. Juli 2012 E. 3.3). Die kantonale Rechtsmittelinstanz kann die Kinderalimente sogar dann erhöhen, wenn diese bei ihr gar nicht mehr streitig sind (BGE 118 II 93 E. 1a mit Hinweis). Müsste die Berufungsinstanz dem Berufungskläger eine für ihn nachteilige Abänderung des angefochtenen Unterhaltsentscheids trotzdem ankündigen, damit er einen ungünstigen Sachentscheid durch Rückzug seiner Berufung verhindern kann, so wäre der Offizialgrundsatz, der das minderjährige Kind als schwächere Prozesspartei schützen soll (Urteil 5A_90/2021 vom 1. Februar 2022 E. 3.1.3 mit Hinweisen), seines Sinnes entleert. Im Zivilprozess gegen ein minderjähriges Kind ist der verfassungsmässige Gehörsanspruch mit anderen Worten nicht dazu da, die Prozessrisiken des unterhaltspflichtigen Elternteils zu begrenzen. Soweit der Beschwerdeführer es mit seiner Gehörsrüge darauf abgesehen hat, durch den Rückzug seiner eigenen Berufung auch die Anschlussberufung der Beschwerdegegner zu Fall zu bringen, übersieht er, dass das Verschlechterungsverbot im Falle einer Anschlussberufung wiederum nicht gilt (BGE 134 III 151 E. 3.2). Vielmehr stellt das Gesetz dem Berufungsbeklagten mit der Anschlussberufung bewusst ein Druckmittel zur Verfügung, denn angesichts einer Anschlussberufung kann der Berufungskläger eine reformatio in peius nur noch dadurch verhindern, dass er seine Berufung zurückzieht (Art. 313 Abs. 2 Bst. c ZPO; REETZ/HILBER, in: Sutter-Somm et al. [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl., 2016, N 8 zu Art. 313 ZPO). In dieser Situation ist es Sache des Berufungsklägers, die Chancen und Risiken des Berufungsverfahrens zu beurteilen. In einem kontradiktorischen Zivilprozess unter Privaten verschafft ihm Art. 29 Abs. 2 BV kein Recht darauf, dass ihm die Berufungsinstanz dabei (einseitig) zu Hilfe eilt.