Citation: 5A_993/2020 E. 4.2

4.2. Zu den Vorstellungen der Erblasserin hat das Obergericht ausgeführt, die Wortwahl in den Schreiben der Erblasserin (z.B. "Liebe" oder Freundschaft") belege nicht einfach ihre Dankbarkeit, sondern sei tatsächlich Ausdruck ihrer sehr ausgeprägten Abhängigkeit vom Beschwerdeführer. Auch wenn ein Betreuungsverhältnis dieser Art und hinsichtlich der Dauer von 17 Jahren notwendigerweise mit einem persönlichen Kontakt verbunden sei, habe es sich doch durchwegs um ein entgeltliches Betreuungsverhältnis gehandelt, worüber bei der Erblasserin offenbar eine erhebliche Fehlvorstellung bestanden habe. Der Umstand, dass sich die Erblasserin gegenüber dem Beschwerdeführer in ausserordentlicher Weise dankbar gezeigt habe, beweise lediglich, dass sie sich der Entgeltlichkeit der Leistungen offenbar zu wenig bewusst gewesen sei. Daraus lasse sich für den Beschwerdeführer nichts herleiten, zumal er in vertraglichen und beistandsamtlichen Pflichten gestanden habe. Nicht zu beanstanden sei auch die bezirksgerichtliche Feststellung, dass gewisse Grenzen, die zwischen einer Person und deren Pfleger oder Beistand zu erwarten wären, überschritten worden seien. Dem Beschwerdeführer seien dies und die ausserordentliche Abhängigkeit der Erblasserin von ihm nicht entgangen, wie sich auch aus seinen eigenen Aussagen erschliessen lasse. Was die angeführten Zeugen diesbezüglich noch Entscheidwesentliches beitragen könnten, sei unerfindlich und werde vom Beschwerdeführer nicht substantiiert dargelegt (E. 4e S. 11). Das Obergericht hat die bezirksgerichtliche Feststellung nicht beanstandet, der Beschwerdeführer habe mit einer Arbeitsleistung von rund 50 % ein stattliches Einkommen von monatlich rund Fr. 4'800.-- erzielt (E. 4f/bb S. 12). Mit Bezug auf die Schenkung von Fr. 200'000.-- hat das Obergericht den Einwand verworfen, der Beschwerdeführer sei von der Zulässigkeit der Schenkung ausgegangen. Es sei nicht glaubhaft, dass dem Beschwerdeführer die Genehmigungsbedürftigkeit der Schenkung nicht geläufig gewesen sein solle (E. 4f/cc S. 13). Das Obergericht hat auch die bezirksgerichtliche Beurteilung geteilt, dass das Testament der Erblasserin mit demjenigen von J.________ inhaltlich übereinstimme. Da J.________ bereits anfangs 2008 gestorben sei, die Erblasserin ihr Testament aber erst zwei Jahre später am 28. März 2010 errichtet habe, könne als Bindeglied zwischen den beiden Testamentsabfassungen nur der Beschwerdeführer in Frage kommen, auch wenn die genauen Abläufe der Testamentserrichtungen nicht mehr zu klären seien (E. 5c S. 15). Die vom Beschwerdeführer vorgetragene Ablaufvariante, die Erblasserin habe sich von ihrem Kundenberater bei der Kantonalbank oder dem Notar beraten lassen, sei nicht nachvollziehbar, so dass auch diesbezüglich in antizipierter Beweiswürdigung keine weitere Beweisabnahme stattzufinden habe. Eine allfällige Beratung durch den Kundenberater oder den Notar hätte nicht dazu geführt, dass in wesentlichen Teilen einfach das Testament einer anderen Person übernommen worden wäre (E. 5d S. 15 f.). Das Obergericht hat dem Beschwerdeführer vorgehalten, die ihm obliegende Aufklärung nicht vorgenommen zu haben, obwohl er das Problem durchaus erkannt habe. Spätestens im Zeitpunkt, als er Kenntnis von seiner erbrechtlichen Begünstigung erhalten habe, hätte er gegenüber der Erblasserin klarstellen müssen, dass er seine Dienstleistungen als amtlich eingesetzter Beistand sowie im Rahmen eines entgeltlichen Dienstleistungsvertrags und nicht auf der Basis eines Freundschaftsverhältnisses erbringe und dass sich aus einer erbrechtlichen Begünstigung für ihn eine unerwünschte und unzulässige Interessenkollision ergeben könnte. Ein zweites Mal wäre er in dieser Verpflichtung gestanden, als ihm die Erblasserin die Schenkung von Fr. 200'000.-- überwiesen habe. Er sei seiner Aufklärungspflicht nicht nachgekommen und habe die Erblasserin in der Fehlvorstellung gelassen, seine Bemühungen würden auf echter Freundschaft und Zuneigung beruhen (E. 6c S. 17 f.). Im Vordergrund habe für den Beschwerdeführer gestanden, so hat das Obergericht abschliessend erwogen, aufgrund der Fehlvorstellung der Erblasserin finanziell profitieren zu können, was sich nebst dem ihm längst bekannten Vermächtnis in der Folge auch im Zusammenhang mit der Schenkung von Fr. 200'000.-- gezeigt habe. Der Beschwerdeführer sei sich bewusst gewesen bzw. habe sich bewusst sein müssen, dass die Erblasserin von der Vorstellung eines Freundschaftsverhältnisses ausgegangen sei. Diese Vorstellung habe er sogar noch massgeblich gefördert. Zudem sei die Erblasserin in mehrfacher Hinsicht von ihm abhängig gewesen und habe unter psychischen Problemen gelitten. Sie habe denn auch befürchten müssen, ihn als Beistand zu verlieren und allenfalls ihr Eigenheim aufgeben zu müssen, wenn sie sich nicht grosszügig zeigte. Dem Beschwerdeführer habe somit aufgrund der Umstände und insbesondere auch seiner Stellung als Beistand klar eine Aufklärungspflicht oblegen, die er wissentlich und willentlich verletzt habe. Er habe die falsche Vorstellung der Erblasserin benutzt und die Erblasserin psychisch beeinflusst, um sich zu bereichern. Er sei untätig geblieben, obwohl er handeln hätte können und müssen. Er habe planmässig gehandelt. Eine Arglist im Gesetzessinne sei daher vorliegend zu bejahen (E. 7 S. 18 des angefochtenen Entscheids).