Citation: 2C_168/2017 E. 3.2

3.2. Die Beschwerdeführerin will Art. 20a Abs. 1 lit. b DBG ergebnisorientiert aufgrund einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise auslegen: Nehme man eine wirtschaftliche Gesamtbetrachtung aller erfolgten Transaktionen vor, so sei ersichtlich, dass gerade durch die kurz nach der Übertragung der Aktien erfolgte Schenkung des zuvor eingeräumten Darlehensguthabens vom Vater auf den Sohn erreicht werden sollte, dass der Beschwerdegegner 1 die Beteiligung an der F.________ AG zum Verkehrswert in die E.________ AG einbringen konnte. Im Endeffekt sei die latente Steuerlast auf dem Beteiligungsübertrag aufgehoben. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei daher - nach teleologischer Auslegung - der vorliegende Fall unter Art. 20a Abs. 1 lit. b DBG zu subsumieren. Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. Wird eine Kaufpreisforderung abgetreten, gehen mit der Forderung zwar die Vorzugs- und Nebenrechte des Abtretenden auf den Erwerber der Forderung über (Art. 170 OR), der dadurch aber nicht nachträglich zum Veräusser mutiert. Weil Art. 20a Abs. 1 lit. b DBG lediglich den Veräusserer selbst - und nicht generell auch dessen Rechtsnachfolger - erfasst, kann nur tatbestandsmässig sein, wenn der Veräusserer selbst die Beteiligung in eine von ihm beherrschte Gesellschaft einbringt. Der Erwerb einer Kaufpreisforderung gegenüber der selbst beherrschten Gesellschaft wird von Art. 20a Abs. 1 lit. b DBG hingegen gerade nicht abgedeckt. Anders als zum Beispiel bei der Ersatzbeschaffungsnorm (Art. 30 Abs. 1 DBG), die tatbestandsmässig einen Ersatz von Gegenständen des betriebsnotwendigen Anlagevermögens verlangt, ohne die zeitliche Abfolge zwischen dem Ausscheiden des ersetzten Gegenstandes aus dem Unternehmen und dem Erwerb des Ersatzgegenstands vorzuschreiben, kann der Tatbestand von Art. 20a Abs. 1 lit. b DBG nur erfüllt sein, wenn der Veräusserer selbst mit der Veräusserung den Transponierungstatbestand herbeiführt. Dem Postulat der Beschwerdeführerin, Art. 20a Abs. 1 lit. b DBG zwecks Vermeidung von Umgehungsmöglichkeiten ergebnisorientiert auszulegen und den vorliegenden Sachverhalt darunter zu subsumieren, liegt letztlich ein Missverständnis über die Auswirkungen einer Steuerumgehung zugrunde. Liegt tatsächlich eine Steuerumgehung vor, so ist im konkreten Einzelfall der Besteuerung jene Rechtsgestaltung zugrunde zu legen, die sachgemäss gewesen wäre, um den erstrebten wirtschaftlichen Zweck zu erreichen (Urteile 2C_966/2015 vom 18. Juli 2016 E. 4.4; 2C_77/2008 vom 12. August 2008 E. 2.2). Die Möglichkeit, dass eine Norm umgangen werden kann oder in einem konkreten Einzelfall tatsächlich umgangen worden ist, führt nicht zu einer angepassten Interpretation der Rechtsnorm in dem Sinne, dass mit ihr auch bereits im Voraus die allfällige Umgehung der Norm erfasst würde.