Citation: 2C_646/2023 E. 4.7

4.7. Die Annahme der Vorinstanz, dass dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dessen Inhaftierung vor dem 1. Juni 2023 effektiv bekannt gewesen sei bzw. vor dem 1. Juni 2023 hätte bekannt sein müssen, verletzt nach dem Gesagten den Grundsatz von Treu und Glauben sowie Art. 29 Abs. 1 und 2 BV. Die Vorinstanz wäre somit gehalten gewesen, auf die Sachverhaltsschilderung des Rechtsvertreters abzustellen. Die am 1. Mai 2023 direkt dem Beschwerdeführer eröffnete (und sogleich vollzogene) Haftanordnung lag dem Rechtsvertreter gemäss dessen unwiderlegbaren Angaben erstmals am 1. Juni 2023 vor, nachdem ihn der Migrationsdienst mit Postaufgabe vom 30. Mai 2023 mit den Verfahrensakten bedient hatte. Für die Beurteilung der Frage, ob der Beschwerdeführer seine Inhaftierung rechtzeitig beim Kantonalen Zwangsmassnahmengericht angefochten hat, ist folglich der 1. Juni 2023 massgeblich.