Citation: I 736/03 04.06.2004 E. 3

Zu prüfen ist vorab die noch verbliebene Arbeitsfähigkeit. 3.1 Nach Lage der medizinischen Akten, insbesondere gestützt auf das interdisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 15. Oktober 2002, in welchem - mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit - ein Halbseitenschmerzsyndrom rechts im Sinne eines Complex regional pain syndrome (CRPS) des rechten Armes bei Status nach einer Karpaltunnelsyndromoperation im Februar 2000 sowie eines lumbospondylogenen Syndroms rechts bei Adipositas, Fehlstatik und kleiner Diskushernie L4/5 rechts diagnostiziert wurde, ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Flaschensortiererin, wie in jeder anderen stereotypen repetitiven Beschäftigung, nicht mehr arbeitsfähig ist. Eine körperlich leichte und nicht stereotype repetitive Arbeit ist ihr indes noch zu 80 % zumutbar, wobei sich auch hier vor allem die rheumatologischen Befunde limitierend auswirken. 3.2 Die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde dagegen erhobenen Einwände vermögen zu keinem anderen Schluss zu führen. Bereits die Vorinstanz hat mit einlässlicher und überzeugender Begründung erwogen, dass der MEDAS-Expertise (vom 15. Oktober 2002) voller Beweiswert zuzuerkennen ist (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis). Für ergänzende medizinische Abklärungen, wie sie die Beschwerdeführerin beantragt, bleibt kein Raum, zumal die Gutachter die gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowohl aus rheumatologischer wie auch aus psychiatrischer Sicht untersuchten. 3.2.1 Soweit geltend gemacht wird, die Diagnose des Morbus Sudeck, enthalten u.a. in den Berichten des Dr. med. W.________ vom 3. Juli 2000 und des Dr. med. A.________ vom 1. September 2001, fehle im Gutachten, ist der Versicherten zu entgegnen, dass das Sudeck-Syndrom anamnestisch mehrmals erwähnt wurde, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass die MEDAS-Ärzte sich dieses Krankheitsbildes durchaus bewusst waren. Im Übrigen gilt es zu beachten, dass die korrekte Diagnosestellung eines Gesundheitsschadens keinen Einfluss auf den für die Invaliditätsbemessung relevanten, allein auf Grund der Auswirkungen des Leidens ermittelten Grad der Arbeitsunfähigkeit hat. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen). Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozialpraktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen). 3.2.2 Nicht stichhaltig ist sodann das Vorbringen, die restliche Arbeitsfähigkeit sei auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht verwertbar, weshalb eine vollständige Invalidität angenommen werden müsse. Wohl dürfen von versicherten Personen im Rahmen der Selbsteingliederung nicht realitätsfremde, unzumutbare Massnahmen verlangt werden. Wer eine an sich zumutbare Tätigkeit nicht ausübt, weil der ausgeglichene Arbeitsmarkt sie praktisch nicht kennt (vgl. zum Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes: BGE 110 V 276 Erw. 4b), verletzt die Selbsteingliederungspflicht nicht, wenn er die Restarbeitsfähigkeit erwerblich nicht verwertet. Es wäre sinnwidrig und unsachgerecht, einen Arbeitsmarkt zu unterstellen, der praktisch nicht existiert - oder dann nur als "absolut einmaliger Glücksfall" (ZAK 1989 S. 321 Erw. 4a; Rudolf Rüedi, Im Spannungsfeld zwischen Schadenminderungspflicht und Zumutbarkeitsgrundsatz bei der Invaliditätsbemessung nach einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 42). Davon kann vorliegend jedoch nicht die Rede sein. Als mögliche Tätigkeiten, welche nach dem von den MEDAS-Ärzten geschilderten Arbeitsprofil noch zu 80 % zumutbar sind (körperlich leichte, nicht stereotype repetitive Beschäftigungen), kämen beispielsweise industrielle visuelle Kontrolltätigkeiten, Aufsichts- und Überwachungsfunktionen, die Annahme und Abgabe von Textilien in einem Textilreinigungsgeschäft, das Vertragen von Drucksachen, die Mithilfe in einer Cafeteria oder auch - sofern nicht gleichförmig auszuführen - die Fabrikarbeit an voreingestellten Maschinen in Frage. Auf dem allgemeinen (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt stehen der Beschwerdeführerin somit genügend Stellen offen, die ihren gesundheitlichen Anforderungen zu genügen vermögen. Nicht einzustehen hat die Invalidenversicherung demgegenüber dafür, dass eine versicherte Person - wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht - auf Grund mangelhafter Ausbildung oder sprachlicher Verständigungsschwierigkeiten keine entsprechende Arbeit findet, weil das Stellenangebot aus Gründen der Wirtschaftslage knapp ist. Wesentlich ist einzig, dass geeignete Arbeitsmöglichkeiten grundsätzlich vorhanden sind. Insoweit vermag Erwerbslosigkeit aus invaliditätsfremden Gründen keinen Rentenanspruch zu begründen (BGE 107 V 21 Erw. 2c; AHI 1999 S. 238 f. Erw. 1 mit Hinweisen).