Citation: 2C_83/2023 E. 6.3.2

6.3.2. Der Beschwerdeführer hat die zu beurteilenden Äusserungen unbestrittenermassen im Rahmen eines Ausstandsgesuchs getätigt und sich dabei auf den in Art. 56 lit. f StPO vorgesehenen Ausstandsgrund der Feindschaft berufen. Ein solches Gesuch zu stellen, ist zulässig und zur Wahrung der Interessen der Klientschaft unter Umständen auch geboten. Dass die Gesuchstellung rechtsmissbräuchlich wäre, wird nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. Für die Frage, ob eine Berufspflichtverletzung vorliegt, ist deshalb nicht zu prüfen, ob das Ausstandsgesuch in der Sache begründet war. Entscheidend ist, ob die Äusserungen sachbezogen und zur Begründung des Ausstandsgesuchs geeignet waren und in der Schärfe des Tons nicht über das Mass hinausgingen, das mit Rücksicht auf den verfolgten Zweck und die dem Anwalt dafür zu gewährende Ausdrucksfreiheit noch zu tolerieren ist.