Citation: 9C_208/2017 E. 2.4.1

2.4.1. Hinweise für eine im Jahre 2013 eingetretene Verschlechterung bestehen insofern, als der behandelnde Oberarzt der Rheumaklinik des Spitals B.________ eine dauerhafte Leistungseinbusse von 30-50 % und damit eine entsprechende Arbeitsunfähigkeit bestätigte (Bericht des Dr. med. C.________, Oberarzt an der Rheumaklinik des Spitals B.________ vom 27. August 2013). Aus dessen Angaben wie auch aus dem Bericht über die Interdisziplinäre Schmerzsprechstunde vom 14. Mai 2013 ergibt sich allerdings, dass die Beeinträchtigung des Leistungsvermögens von den behandelnden Ärzten des Spitals B.________ wesentlich (auch) auf eine psychische Problematik zurückgeführt wurde, wurde doch damals eine mittelgradig depressive Episode diagnostiziert; es wurde darauf hingewiesen, dass das Schmerzsyndrom eine sich verschlechternde Dynamik zeige und Hinweise auf eine depressive Komponente bestünden (Bericht Interdisziplinäre Schmerzsprechstunde vom 14. Mai 2013). Entsprechend wurde vom behandelnden Oberarzt denn auch eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung zur Ermittlung der Arbeitsfähigkeit empfohlen (Bericht des Dr. med. C.________ vom 27. August 2013). Im asim-Gutachten vom 22. Mai 2015 konnte nun aber in psychiatrischer Hinsicht keine Diagnose mehr gestellt werden; insofern hat sich entweder das psychische Leiden zurückgebildet oder die damalige Vermutung einer psychischen Erkrankung hat sich nicht bestätigt. 2.4.1.1. Wie dargelegt, vertreten die Fachärzte der asim die Auffassung, die organischen Befunde begründeten eine Arbeitsunfähigkeit von 40 %. Diese Einschätzung weicht ab von der Beurteilung des behandelnden Oberarztes des Spitals B.________ vom 27. August 2013, welcher bei im Wesentlichen gleichen Befunden aus rein somatischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % annimmt. Die asim-Gutachter halten dazu vorab fest, dass sie die oberärztliche Beurteilung der Rheumaklinik des Spitals B.________ grundsätzlich unterstützen. Die Differenz zur früheren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der behandelnden Ärzte begründen die Gutachter mit einer leichten Progression des vorbekannten chronischen lumbovertebralen Syndroms. Im rheumatologischen Teil der polydisziplinären Expertise wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass bei der Versicherten neu eine wohl intermittierend vorhandene Wurzelreizsymptomatik im linken Bein vorhanden sei, welche zwar schon 2012/2013 bildgebend feststellbar gewesen war, wegen einer schwierigen Anamneseerhebung aber damals ohne klinisches Korrelat beurteilt worden sei; die jetzt neue Erkenntnis betreffend organläsionelle Teilursache des Schmerzes lasse auf eine geringere zumutbare Arbeitsfähigkeit schliessen als 2013 von den Rheumatologen des Spitals B.________ angenommen wurde. Zu dieser - neu aufgetretenen bzw. neu erkannten - Wurzelreizsymptomatik ist nun allerdings zu bemerken, dass die Neurologen der asim in ihrer Beurteilung zwar eine Berührung der Wurzel L5 ausmachten, eine Affektion, geschweige denn Kompression aber nicht feststellen konnten; sie gelangten vielmehr zum Schluss, dass ein eindeutiges Korrelat für die linksbetonten Kreuz- und Beinbeschwerden nicht gefunden werden könne, weshalb diese Beschwerden ätiologisch unklar blieben. Im konsensualen Teil der Expertise wird dann dargelegt, die beklagten Schmerzen im linken Bein seien möglicherweise mit einer intermittierenden tieflumbalen Wurzelreizsymptomatik zu erklären. Es wird zudem festgehalten, dass die Neurologen die Situation etwas anders als der Rheumatologe beurteilen würden. Weil in der Expertise die rheumatologische Einschätzung als führend angesehen wird, wird die Arbeitsfähigkeit dem klinischen Eindruck des Rheumatologen folgend im vorgenannten Ausmass als reduziert betrachtet. Ist allerdings nur möglicherweise davon auszugehen, dass die beklagten Beschwerden auf die Wurzelreizsymptomatik zurückzuführen sind, ist dieser Zusammenhang nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht verlangten Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Wird ein solcher Zusammenhang ausser Acht gelassen, bleibt als Veränderung zur Beurteilung durch die behandelnden Ärzte der Rheumaklinik des Spitals B.________ (nur) eine leichte Progression des chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndroms aufgrund leichter - wohl altersbedingter - degenerativer Veränderungen, welche eine doch substanzielle Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit nicht zu begründen vermag. 2.4.1.2. Die Vorinstanz weist hinsichtlich der Frage nach dem Grad der Arbeitsunfähigkeit zudem zu Recht daraufhin, dass sich die radiologischen Befunde zwischen 2012 und 2015 unverändert präsentieren. Auch die Gutachter der asim sprechen von formal vergleichbaren Diagnosen, nehmen aber eine etwas andere Gewichtung bei der Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Wenn die Vorinstanz dieser Einschätzung nicht zu folgen vermag, kann dies unter dem Blickwinkel der Willkürprüfung nicht beanstandet werden. Das Sozialversicherungsgericht weist in seiner Beurteilung zu Recht auf die von den Gutachtern mehrfach erwähnte deutliche Diskrepanz zwischen dem Ausmass der Befunde und den geltend gemachten Beschwerden hin. Denn soweit die Leistungseinschränkung bei Hinweisen auf eine Schmerzverdeutlichung nicht eindeutig auf eine ausgewiesene Gesundheitsschädigung zurückgeführt werden kann, hat sie bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausser Betracht zu bleiben und die versicherte Person kann sich zur Begründung ihres Leistungsanspruchs darauf nicht berufen (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.1 S. 287). Dem Gutachten lässt sich nicht konkret entnehmen, inwiefern die Beschwerdeführerin auch in angepassten, körperlich leichten Tätigkeiten zu 40 % beeinträchtigt ist; es wird lediglich festgehalten, eine Beeinträchtigung dieses Ausmasses ergebe sich aus muskuloskelettärer Sicht. Wenn die Vorinstanz die gutachterlichen Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit als "vage" bezeichnet, erscheint dies deshalb nicht als unangebracht. Angesichts der festgestellten Schmerzverdeutlichung wäre eine einlässliche fachärztliche Stellungnahme zur Frage, inwiefern aus somatischer Sicht eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch in angepassten Tätigkeiten besteht, an sich angezeigt gewesen; die Gutachter lassen nun aber unter Hinweis auf den "etwas arbiträren Charakter" einer gutachterlichen Zumutbarkeitsbeurteilung erkennen, dass eine derart eindeutige Aussage bei der gegebenen Problematik, die (auch) durch die Schmerzverdeutlichung gekennzeichnet ist, nur bedingt möglich ist. Wenn die Vorinstanz unter Hinweis auf die gesamte medizinische Aktenlage und auch das geschilderte Alltagsverhalten in Abweichung von der Einschätzung der asim eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von höchstens 20 % annimmt, ist dies angesichts der Tatsache, dass eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit nicht konkret und eindeutig nachgewiesen ist, nicht offensichtlich unrichtig.