Citation: 4C.333/2003 01.03.2004 E. 5

5.1 Die Klägerin macht geltend, das Kantonsgericht habe Bundesrecht verletzt, indem es aus den feststehenden Sachverhaltsfeststellungen nicht auf eine konkrete Gefährdung der Erfüllung der Unterhaltspflicht im Sinne von BGE 107 II 396 ff. geschlossen habe. Das Kantonsgericht habe bei der Beurteilung dieser Rechtsfrage ausser Acht gelassen, dass von einer konkreten Gefährdung der Rentenzahlungen bereits dann auszugehen sei, wenn dem Unterhaltspflichtigen zuzutrauen sei, dass er sich seiner Zahlungspflicht entziehen werde, indem er zum Beispiel die Flucht ergreifen oder sein Vermögen verschleudern oder beiseite schaffen werde. Dies verkenne das Kantonsgericht, wenn es sich auf die Prüfung beschränke, ob einer oder mehrere der Gefährdungstatbestände konkret erfüllt worden seien. So setze sich das Kantonsgericht nicht mit der Frage auseinander, ob aufgrund der vorliegenden Indizien dem Scheidungsbeklagten aus damaliger Sicht zuzutrauen gewesen wäre, dass er sich der Rentenzahlungspflicht in Zukunft entziehen könnte. 5.2 Die Frage, ob auf Grund der gegebenen Umstände auf eine konkrete Gefährdung der Rentenzahlungen zu schliessen ist, beruht auf Beweiswürdigung und ist damit der Prüfung im Berufungsverfahren grundsätzlich entzogen (BGE 107 II 396 E. 4d S. 401). Hingegen bestimmt sich die Definition des Begriffes der konkreten Gefährdung und der massgebende Grad der Wahrscheinlichkeit, dass sich der Rentenschuldner seiner Verpflichtung entziehen wird, nach Bundesrecht (vgl. zur parallelen Frage der Bestimmung des Schadens bei einer Schätzung desselben gemäss Art. 42 Abs. 2 OR: BGE 122 III 219 E. 3b S. 222 f.; 124 III 72 E. 3b). Das Bundesgericht hat in BGE 107 II 396 E. 4c und d S. 401 ausgeführt, eine konkrete Gefährdung der Erfüllung der Rentenzahlungspflicht sei u.a. dann gegeben, wenn der Richter die Überzeugung gewinne, es sei dem geschiedenen Ehemann zuzutrauen, dass er Vermögen auf die Seite schaffe, um der Ehefrau die Rente nicht bezahlen zu müssen. Diese Formulierung kann auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, die blosse Möglichkeit der Gefährdung der Rentenzahlungen würde genügen. Aus dem Zusammenhang ergibt sich jedoch, dass dies nicht die Meinung des Bundesgerichts gewesen sein konnte. So hat es angegeben, die Voraussetzung der Sicherstellung für Renten gemäss Art. 151 ZGB würden im wesentlichen denjenigen entsprechen, welche Art. 292 ZGB für Unterhaltsbeiträge an Kinder aufgestellt habe. Diese Norm verlangt, dass die Eltern beharrlich die Erfüllung ihrer Unterhaltspflicht vernachlässigen oder, dass anzunehmen ist, sie würden Anstalten zur Flucht treffen oder ihr Vermögen verschleudern oder beiseite schaffen. Diese Annahme ist jedoch nur gerechtfertigt, wenn konkrete Anhaltspunkte ein solches Verhalten als wahrscheinlich erscheinen lassen, was dem vom Bundesgericht verwendeten Begriff der "konkreten Gefährdung" entspricht. Eine solche Gefährdung liegt daher nur vor, wenn es nicht bloss möglich sondern wahrscheinlich ist, dass sich der Rentenschuldner der Zahlungspflicht insbesondere durch Flucht oder Vermögensverschleuderung entziehen werde. Diese Voraussetzungen waren, im vom Bundesgericht in BGE 107 II 396 ff. beurteilenden Fall, gegeben, da die Vorinstanz zum Ergebnis kam, aufgrund verschiedener vom Rentenschuldner getroffene Massnahmen der Vermögensverschiebung müsse mit ähnlichen Transaktionen gerechnet werden und die Vorinstanz weiter annahm, das Verhalten des Rentenschuldners im Laufe des Verfahrens gebe Anlass zur Befürchtung, dass er in Zukunft sein Vermögen beiseite schaffen könnte (vgl. BGE 107 II 396 E. 4d S. 401). 5.3 Das Kantonsgericht hat bezüglich des Begriffs der konkreten Gefährdung und seiner Wahrscheinlichkeit ausdrücklich auf die auch von der Klägerin zitierte Rechtsprechung des Bundesgerichts abgestellt und diese auch richtig wiedergegeben. Damit ist das Kantonsgericht von einer bundesrechtskonformen Begriffsbestimmung ausgegangen. Zudem hat es einleitend ausgeführt, die Gefährdung der Unterhaltsverpflichtung könne sich aus allgemeinen Umständen ergeben, die den Schluss zuliessen, die Bezahlung der Unterhaltsbeiträge sei in Zukunft gefährdet. Das Kantonsgericht ist daher entgegen der Annahme der Klägerin nicht bloss von einer vergangenheitsbezogenen Betrachtung einzelner Verhaltensweisen des Rentenschuldners ausgegangen, sondern ist sich bewusst gewesen, dass diese im Hinblick auf die Beurteilung der künftigen Gefährdung der Rentenzahlungen erfolgte. Die Gewichtung der einzelnen Indizien und die Schlussfolgerung, im massgebenden Zeitpunkt habe keine konkrete Gefahr bestanden, dass sich der Scheidungsbeklagte künftig der Unterhaltspflicht entziehen werde, beruht auf Beweiswürdigung. Die Klägerin übt daher im Berufungsverfahren unzulässige Kritik an der Beweiswürdigung des Kantonsgerichts, wenn sie zusammengefasst geltend macht, diese Schlussfolgerung sei nicht nachvollziehbar, weil das Kantonsgericht bei Gesamtbetrachtung und einer richtigen Beurteilung der Indizien - gleich wie der Richter bei der Bewilligung der Sicherstellung der güterrechtlichen Ansprüche - auf eine konkrete Gefährdung der Zahlungen bzw. auf eine erhebliche Fluchtgefahr habe schliessen müssen. Alsdann rügt die Klägerin, die Schlussfolgerung des Kantonsgerichts sei deshalb unzulässig, weil es von einem lückenhaften Sachverhalt ausgegangen sei. Mit diesem Vorbringen ist die Klägerin nicht zu hören, da sie mit ihren Anträgen auf Ergänzung des Sachverhalts nicht durchgedrungen ist (vgl. E. 2 hievor). Demnach hat das Kantonsgericht kein Bundesrecht verletzt, wenn es eine Sorgfaltspflichtverletzung des Beklagten verneinte.