Citation: I 963/06 06.11.2007 E. 4

Streitig und zu prüfen ist aufgrund der Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde zunächst, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2005 arbeitsfähig ist. 4.1 Die Vorinstanz hat in umfassender Würdigung der bei den Akten liegenden medizinischen Einschätzungen (namentlich des Konsultationsberichts der Klinik X.________ vom 1. Mai 2002, des konsiliarischen Untersuchungsberichts der Klinik X.________ vom 21. Juni 2002, des Austrittsberichts der Höhenklinik Y.________ vom 20. Dezember 2002, des Arztberichts des Dr. med. A.________ vom 28. Januar 2003, des MEDAS-Gutachtens vom 17. Februar 2005, der Stellungnahmen des Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 4. und 5. März 2005, des Austrittsberichts der Höhenklinik Z.________ vom 13. Mai 2006) für die Zeit ab 1. Juli 2005 eine Restarbeitsfähigkeit von 70 % als selbstständige Coiffeuse gemäss dem polydisziplinären Gutachten vom 17. Februar 2005 festgestellt. Dazu hat das kantonale Gericht erwogen, gemäss MEDAS-Gutachten basiere die 30%ige Arbeitsunfähigkeit auf somatischen Befunden und sei unabhängig von der Opioid-Abhängigkeit. Eine Medikamentensucht vermöge erst dann eine Invalidität zu begründen, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt habe, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten sei, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens sei, dem Krankheitswert zukomme, was mit Bezug auf die Versicherte nicht der Fall sei. Da die Ärzte der MEDAS eine Entzugstherapie als vordringlich erachteten, welche stationär durchzuführen sei und die Versicherte vor der Begutachtung nicht darüber informiert worden sei, dass sie von ihrer Tramalabhängigkeit wegkommen müsse, anerkannte das kantonale Gericht ihr - entsprechend dem Vorschlag der Gutachter der MEDAS - eine stufenweise Erhöhung der Arbeitsfähigkeit zu, ausgehend von einer durchschnittlich 80%igen Arbeitsunfähigkeit ab dem Unfallzeitpunkt bis 30. April 2005 und einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab 1. Mai bis 30. Juni 2005. Spätestens ab dem 1. Juli 2005 sei die Versicherte in ihrem angestammten Beruf als selbstständige Coiffeuse zu 70 % arbeitsfähig. 4.2 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Art. 43 Abs. 1 ATSG, welche sie darin erblickt, dass die Vorinstanz auf das Gutachten der MEDAS vom 17. Februar 2005 abgestellt habe, welches bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von der rein hypothetischen Annahme ausgegangen sei, durch eine Behandlung der Tramalabhängigkeit sei ab 1. Mai 2005 eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zumutbar, was sich aufgrund des tatsächlichen Verlaufs in der Folge jedoch nicht bewahrheitet habe. Aufgrund der Ergebnisse des stationären Aufenthalts vom 16. April bis 13. Mai 2006 in der Höhenklinik Z.________ sei vielmehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass selbst bei einem früher erfolgten Tramalentzug über den 30. April 2005 hinaus eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % bestanden habe. Da die Vorinstanz auf die geltend gemachte Problematik einer rein prognostischen Einschätzung im angefochtenen Entscheid nicht eingegangen sei, habe sie zudem das rechtliche Gehör verletzt. 4.3 Mit diesen Vorbringen macht die Beschwerdeführerin keinerlei Rechtsverletzung, namentlich auch nicht eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (welcher sich im Verfahren vor dem erstinstanzlichen Gericht auf Art. 61 lit. c ATSG und nicht auf den das Sozialversicherungsverfahren betreffenden Art. 43 Abs. 1 ATSG stützt) geltend, sondern beanstandet einzig die Beweiswürdigung des kantonalen Gerichts, welches der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der MEDAS-Gutachter volle Beweiskraft beigemessen hat. Dabei geht es um eine vorinstanzliche Tatsachenfeststellung (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 398), an welche das Bundesgericht nur dann nicht gebunden wäre, wenn sie offensichtlich unrichtig wäre oder die Vorinstanz dabei in Bundesrecht verletzender Weise verfahren wäre. Inwiefern die vorinstanzliche Würdigung des MEDAS-Gutachtens qualifiziert falsch sein soll, wird von der Beschwerdeführerin nicht substantiiert. Vielmehr bemängelt sie nur die Einschätzung der ihr verbliebenen Arbeits- und Leistungsfähigkeit durch die Gutachter. Es trifft zu, dass die Gutachter der MEDAS ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vornahmen, bevor das Ergebnis der von ihnen dringend empfohlenen Entzugsbehandlung feststand. Indessen ergibt sich aus dem rheumatologischen Konsilium vom 30. September 2004 angesichts der geringen somatischen Befunde eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 30 %. Die Neuropsychologinnen hielten in ihrem Konsiliarbericht vom 16. Oktober 2004 ausdrücklich fest, dass ihr Befundprofil ein aktuelles kognitives Zustandsbild beschreibe. Eine Verbesserung nach Tramalentzug bezeichneten sie lediglich als möglich. Von der Quantifizierung einer allfällig beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit sahen sie indessen ab. Aus psychiatrischer Sicht konnte laut Konsilium vom 27. September 2004 ein psychisches Leiden ausgeschlossen werden. Aufgrund der Opiatabhängigkeit und der Schmerzen seien die Ausdauer, das Kurzzeitgedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt. Unter Mitberücksichtigung der Schlafstörungen und der vermehrten Ermüdbarkeit sei der Versicherten in einer leidensangepassten Tätigkeit grundsätzlich eine Präsenzzeit von 100 % zumutbar. Wegen der Notwendigkeit, dabei vermehrt Pausen einzuschalten, sei von einer Arbeitsunfähigkeit von rund 20 % auszugehen. Da sich die Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen in der Tätigkeit als selbstständige Coiffeuse stärker auf die Leistung auswirkten, sei mit Bezug auf diese Beschäftigung von einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % auszugehen. Unter Mitberücksichtigung des Umstandes, dass eine Suchtproblematik als solche nicht invalidisierend ist (AHI 2002 S. 30, 2001 S. 227, 1996 S. 301 und S. 307; Urteil I 504/06 vom 25. Juli 2007) und die Opioid-Abhängigkeit in der Gesamtschätzung der Arbeitsfähigkeit der MEDAS-Ärzte von 70 % enthalten ist, ist keine qualifiziert unrichtige Beweiswürdigung durch die Vorinstanz auszumachen. Auch hat das kantonale Gericht bei diesen Vorgaben das rechtliche Gehör nicht verletzt, wenn es sich mit der für den Ausgang des Verfahrens nicht relevanten Problematik einer prognostischen Betrachtungsweise nicht auseinandergesetzt hat. Überdies lässt der Umstand, dass ein Gutachten, das im Übrigen die Anforderungen der Rechtsprechung (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) erfüllt, von einer anderen Beurteilung abweicht, dieses noch nicht als unzutreffend erscheinen. Dies gilt im vorliegenden Fall umso mehr, als die Ärzte der Höhenklinik Z.________ eine geringe Motivation der Versicherten für psychotherapeutische Gespräche feststellten und sich die Beschwerdeführerin nicht von der Überzeugung abbringen liess, ohne Einnahme von Tramal die Kopfschmerzen ertragen zu können. Im Bericht vom 13. Mai 2006 wird die vom Gutachten der MEDAS abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht begründet und es wird auch nicht dargelegt, weshalb eine Arbeitsaufnahme nicht möglich sein soll. Ebenfalls zu keiner abweichenden Betrachtungsweise vermag der Bericht von Frau Dr. med. K.________ vom 3. November 2006 zu führen. Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung, wonach die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig sei, ist damit für das Bundesgericht bindend. Eine Infragestellung des abgestuften Rentenanspruchs für die Zeit vom 1. Mai bis 30. Juni 2005 würde sich zum Nachteil der Beschwerdeführerin auswirken, was im Verfahren vor dem Bundesgericht unzulässig ist (Art. 114 Abs. 1 und Art. 132 Abs. 2 OG).