Citation: I 499/04 06.06.2005 E. 6

Der von der Vorinstanz ermittelte Invaliditätsgrad kann aber auch aus folgendem Grund nicht bestätigt werden. 6.1 Die IV-Stelle bringt in ihrer Vernehmlassung vor, entgegen ihrer noch im Einspracheentscheid vertretenen Auffassung könne das Invalideneinkommen nicht mit dem 1998 bis 2000 durchschnittlich erzielten Verdienst (Geschäftsergebnis [Fr. 18'460.-]) gleichgesetzt werden. Der Versicherte schöpfe zwar seine verbliebene Arbeitsfähigkeit mit der 50%igen (selbstständigen) Tätigkeit als Metzger aus medizinischer, nicht aber aus erwerblicher Sicht voll aus. Vielmehr könnte er mit einer zumutbaren Tätigkeit als Unselbstständigerwerbender ein höheres Einkommen erzielen als Fr. 18'460.-. Auf Grund der Umstände, insbesondere Alter, verbleibende Aktivitätsdauer, Erwerbstätigkeit der Ehefrau und schulpflichtige Kinder sowie guter Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel, sei dem Versicherten zuzumuten, «seine (unlukrative) selbständige Erwerbstätigkeit aufzugeben und stattdessen eine unselbständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen». Die IV-Stelle hat auf der Grundlage der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2000 des Bundesamtes für Statistik (LSE 00) unter Berücksichtigung eines Abzuges vom Tabellenlohn von 15 % (vgl. BGE 126 V 75) ein Invalideneinkommen von Fr. 28'284.91 ([12 x Fr. 4437.-] x 41,7/40 x 0,5995 [Arbeitsfähigkeit] x 0,85; vgl. LSE 00 S. 31 TA1 und BGE 129 V 484 Erw. 4.3.2) ermittelt. Daraus resultiert bei einem Valideneinkommen von Fr. 54'884.65 ein Invaliditätsgrad von 48,46 %, was Anspruch auf eine Viertelsrente gibt (Art. 28 Abs. 1 IVG). 6.2 Die von der IV-Stelle genannten Gründe sprechen in der Tat für die Zumutbarkeit der Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit als Metzger zugunsten einer unselbstständigen, dem Leiden angepassten Tätigkeit. Insbesondere aufgrund des Alters und der familiären Situation - der Beschwerdeführer hat Jahrgang 1969 und seine Kinder stehen im schulpflichtigen Alter - ist dem Versicherten invalidenversicherungsrechtlich dieser Schritt zuzumuten. Was hiegegen vorgebracht wird, gibt zu keiner anderen Betrachtungsweise Anlass. Der Einwand, der Beschwerdeführer habe gerade im Hinblick auf eine bestmögliche Adaptierung im eigenen Betrieb investiert, wird nicht näher substanziiert. Es ist somit von der grundsätzlichen Zumutbarkeit eines Berufswechsels auszugehen. Dabei ist die Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit als Metzger nicht mit dem Verkauf des Betriebes gleichzusetzen. 6.3 Der Beschwerdeführer bestreitet die Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Aufgrund seiner körperlichen Beschwerden sei es ihm schlechterdings nicht möglich, sich in eine andere Arbeitsorganisation einzugliedern, da er immer nur ganz kurz in einer Position verharren könne. Dem werde mit einer wechselbelastenden Tätigkeit im Rahmen eines Arbeitspensums von 59,95 % zu wenig Rechnung getragen, weil er sich auch immer wieder hinlegen müsse. Es seien keine ausserberuflichen Möglichkeiten ersichtlich, welche eine bessere Integration als im eigenen Metzgereibetrieb gewährleisteten. 6.3.1 Die IV-Stelle hatte auch die beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten abklären lassen. Im Bericht des Berufberaters vom 20. Juli 2001 wurde unter anderem ausgeführt, berufliche Massnahmen seien über längere Zeit mit dem Versicherten besprochen und erwogen worden. Aus psychiatrischer Sicht seien solche Vorkehren zur Zeit nicht angezeigt. Die Arbeitsfähigkeit könnte durch eine Umschulung nicht erhöht werden. Die behandelnden Ärzte seien der Überzeugung, dass die jetzige berufliche Situation (Weiterführung des Metzgereibetriebes unter tatkräftiger Mithilfe der Ehefrau) der gesamten gesundheitlichen Lage am besten Rechnung trage. Die behandelnden Ärzte verneinten somit im damaligen Zeitpunkt die Eingliederungsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen, was im Übrigen Voraussetzung für die Zusprechung einer Rente war (BGE 121 V 191 Erw. 4a). Ob sich bis zu dem den Prüfungszeitraum begrenzenden Einspracheentscheid vom 14. November 2003 (BGE 129 V 4 Erw. 1.2, 116 V 248 Erw. 1a) daran etwas änderte, kann aufgrund der Akten nicht gesagt werden. Der letzte ärztliche Bericht datiert vom 29. November 2000. 6.3.2 Arbeitsfähigkeit in bedeutendem Umfang und Eingliederungsunfähigkeit schliessen sich nicht zwingend aus. Für die Invaliditätsbemessung bedeutet dies indessen nicht, dass ohne weiteres auf die Abklärung der gesundheitlich bedingt noch in Betracht fallenden Erwerbtätigkeiten verzichtet werden kann. Das gilt im Besonderen, wenn das gleiche Leiden die Arbeitsfähigkeit einschränkt resp. in bedeutendem Umfang eben nicht einschränkt und gleichzeitig eine an sich notwendige berufliche Eingliederung überhaupt nicht zulässt. Dass die versicherte Person erwerbstätig sein kann, eine Massnahme beruflicher Art hingegen aus gesundheitlichen Gründen nicht in Betracht fällt, wirft namentlich unter psychiatrischem Gesichtswinkel die Frage nach der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit in dem in Betracht fallenden Arbeitsmarktsegment auf. Abklärungen in dieser Hinsicht drängen sich umso mehr auf, wenn das angestammte Berufsfeld eng ist und die Art der gesundheitlichen Beeinträchtigung weitere Restriktionen in dem auch ohne Eingliederungsmassnahmen zumutbaren erwerblichen Bereich erwarten lässt. Unter diesen Umständen geht es nicht an, grundsätzlich alle einfachen und repetitiven Tätigkeiten mit dem tiefsten Anforderungsniveau 4 gemäss den Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik als zumutbar zu bezeichnen und das Invalideneinkommen auf der Grundlage der entsprechenden Durchschnittslöhne zu berechnen. Wird aus medizinisch-theoretischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in bedeutendem Umfang bejaht, gleichzeitig die Eingliederungsfähigkeit aber verneint, ist mithin genau abzuklären, welche konkreten Tätigkeiten effektiv noch zumutbar sind sowohl für die versicherte Person als auch aus Sicht des Arbeitsmarktes (AHI 2001 S. 228 Erw. 2b; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c in fine; Urteil H. vom 5. Dezember 2003 [I 605/03] Erw. 5.3.1). Auf Grund der Akten leidet der Versicherte an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bei posttraumatischer Belastungsstörung. Differenzialdiagnostisch besteht ein Fibromyalgiesyndrom. Ab Mai 1998 wurde eine ambulante psychotherapeutische Behandlung durchgeführt, ohne dass allerdings eine anhaltende Besserung eingetreten wäre (Bericht Dr. med. T.________ vom 29. November 2000). Da der Versicherte immer als Metzger arbeitete, muss sodann das angestammte Berufsfeld als eng bezeichnet werden. Daran ändert nichts, dass er seit 1991 selbstständig eine Metzgerei führt. Beschwerdebild und bisheriges berufliches Betätigungsfeld erfordern somit im Lichte des Vorstehenden genaueren Aufschluss darüber, welche konkreten Tätigkeiten als unselbstständig Erwerbender effektiv in Betracht fallen. Insoweit ist der rechtserhebliche Sachverhalt ungenügend abgeklärt und die Sache nicht spruchreif. Die IV-Stelle wird die notwendigen Erhebungen vorzunehmen haben und danach über den Rentenanspruch neu verfügen.