Citation: 6B_1260/2019 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer sei im Alter von neun Jahren in die Schweiz eingereist und habe die hiesigen Schulen besucht bis zum Schulabbruch Mitte der dritten Sekundarklasse. Er sei somit weitgehend in der Schweiz aufgewachsen und spreche neben Arabisch auch fliessend Schweizerdeutsch. Er besitze den Ausweis B. Auch wenn beim Beschwerdeführer, abgesehen von der Sprache und dem Kollegenkreis, keine hinreichende Integration festgestellt werden könne, sei zu berücksichtigen, dass er immerhin die letzten 13 prägenden Jahre in der Schweiz gelebt habe. Demzufolge sei ein schwerer persönlicher Härtefall für den heute 22-jährigen Beschwerdeführer knapp noch zu bejahen. Ein grosses privates Interesse am Verbleib in der Schweiz impliziere die Tatsache, dass der Beschwerdeführer zu einem wesentlichen Teil in der Schweiz aufgewachsen sei. Zu berücksichtigen seien überdies die familiären Bindungen des Beschwerdeführers zu seiner Mutter, bei der er nach wie vor lebe, sowie zu weiteren, in der Schweiz lebenden Familienmitgliedern (Schwester, Halbschwester, Stiefvater). Der Beschwerdeführer lege jedoch nicht dar, inwiefern Art. 8 EMRK oder Art. 13 BV durch die Trennung von den besagten Familienmitgliedern verletzt oder tangiert sein sollte. Die familiären Kontakte seien zwar bei der Interessenabwägung zu berücksichtigen, Art. 8 EMRK und Art. 13 BV stünden einer Landesverweisung jedoch nicht entgegen. Überdies sei es den Familienangehörigen des Beschwerdeführers ohne Weiteres möglich, ihn in Marokko zu besuchen, so seien die Mutter und die Halbschwester eben erst nach Marokko gereist. Die persönliche Bindung gehe somit nicht verloren. Ebenso verhalte es sich betreffend die Beziehung zu seiner Freundin, mit welcher der Beschwerdeführer nicht zusammenlebe. Die Beziehungen zu seinem Herkunftsland seien offensichtlich nicht abgebrochen, habe der Beschwerdeführer doch zuletzt im Sommer 2019 seine Ferien in Marokko bei einer Tante verbracht. Es könne davon ausgegangen werden, dass er mit den Lebensverhältnissen in seinem Heimatland vertraut sei. Da er Arabisch als seine Muttersprache bezeichne, erscheine eine Reintegration und eine Resozialisierung in Marokko realistisch resp. sehr wahrscheinlich, zumal der Eindruck bestehe, dass eine Sozialisierung hierzulande nie stattgefunden habe. Eine Bedrohungssituation im Herkunftsland sei überdies nicht gegeben. Zu den öffentlichen Interessen sei festzuhalten, dass zum einen die vom Beschwerdeführer begangenen Sexualdelikte als schwere Straftaten einzustufen seien. Es liege ein geradezu klassischer Anwendungsfall von Art. 66a StGB vor. Ratio legis der Einführung dieser Gesetzesbestimmung sei unstreitig gewesen, gefährliche ausländische Täter aus dem Land zu weisen und so die Bevölkerung zu schützen. Wer Sexualdelikte wie die vorliegenden begehe, sei ein solch gefährlicher Täter und verdiene keinen Schutz seiner persönlichen Interessen an einem Verbleib in der Schweiz. Sein Tatverschulden sei insgesamt als erheblich zu qualifizieren, weshalb er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen sei. Der Beschwerdeführer stelle demnach eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar. Dass er sich seit der Tat wohl verhalten habe, vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Überdies habe er in der fraglichen Zeit ohnehin ein knappes Jahr in Haft verbracht. Ein weiterer gewichtiger Aspekt hinsichtlich der öffentlichen Interessen sei der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer trotz seines längeren Aufenthalts in der Schweiz nicht nachhaltig zu integrieren vermocht habe. Weder habe er die Schule abgeschlossen noch sei er berufstätig. Dass er momentan wegen einer gebrochenen Hand tatsächlich arbeitsunfähig sei - er habe vor Wut über den Weiterzug des vorinstanzlichen Gerichtsentscheids in die Wand geschlagen - habe er sich selbst eingebrockt. Die Zukunft des berufs- und arbeitslosen Beschwerdeführers in der Schweiz sei unsicher und ein hierorts eigenständiges Leben derzeit und auch in absehbarer Zukunft in keiner Weise gewährleistet. Auch wenn vorliegend ein persönlicher Härtefall (knapp) zu bejahen sei, würden die öffentlichen Interessen an der Wegweisung des Beschwerdeführers seine privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen.