Citation: 5A_948/2018 E. 3.1.3

3.1.3. Das Bundesgericht hat sich mit der Verjährungsfrage in Zusammenhang mit der Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG bereits verschiedentlich befasst. So hat es in einem Urteil aus dem Jahre 2015 klar bestätigt, dass es sich bei den Beitragsforderungen nach Art. 14 Abs. 1 AHVG und den Schadenersatzforderungen nach Art. 52 AHVG rechtlich nicht um identische Forderungen handelt. Insbesondere stelle die Schadenersatzforderung eine eigenständige Forderung dar, welche auch in Bezug auf die Verjährung unabhängig vom Schicksal der Beitragsforderung zu beurteilen sei (BGE 141 V 487 E. 4.1, 4.2 mit Hinweisen). Diesem Urteil ist im Jahre 2004 ein Grundsatzentscheid vorausgegangen, mit dem das Bundesgericht die Bedeutung von Art. 52 Abs. 3 AHVG in der seit 1. Januar 2003 geltenden Fassung geklärt hat (BGE 131 V 4 E. 3.3). Demnach betrifft die genannte Norm einzig die Festsetzungsfrist von zwei Jahren ab Kenntnis bzw. fünf Jahren ab Ereignis. Davon zu unterscheiden ist die Vollstreckungsfrist, welche hier nicht geregelt ist. An der früheren Praxis, wonach die Vollstreckungsfrist von fünf Jahren für die Beitragsforderungen gemäss Art. 16 Abs. 2 AHVG auch für die Schadenersatzforderungen massgebend sei, könne - so das Bundesgericht - aufgrund der unterschiedlichen Rechtsnatur der beiden Ansprüche nicht festgehalten werden. Da auch das bereits seit 1. Januar 2003 geltende Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) für die Vollstreckungsfrist keine Lösung vorsehe, bleibe nur die analoge Anwendung der allgemeinen Verjährungsfrist gemäss Art. 137 Abs. 2 OR, welche bei Anerkennung der Forderung durch Ausstellung einer Urkunde oder Feststellung der Schuld durch ein richterliches Urteil eine zehnjährige Frist vorsieht. Sie entspreche durchaus dem Sinn und Zweck von Art. 52 AHVG. Auf diese Weise werde den Ausgleichskassen eher ermöglicht, die oft ansehnlichen Beträge einzutreiben, was bei kürzerer Frist nur teilweise erreicht werden könne. Zudem bestehe für die Rechtssicherheit kein Bedürfnis nach einer kürzeren Frist, da die Verhältnisse mit dem Erlass der Verfügung geklärt seien (BGE 131 V 4 E. 3.4).