Citation: I 207/02 30.12.2002 E. 3

Mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ergeben sich aus den Akten unterschiedliche medizinische Beurteilungen: 3.1 Dr. med. B.________ diagnostizierte in seinem Bericht vom 27. Oktober 1999 einen Status nach Traumatisierung des linken Oberschenkels am 5. Januar 1971 mit notfallmässiger Wundrevision, Durchtrennung des Musculus rectus femoris, des Musculus sartorius und mit partieller Durchtrennung des Musculus vastus lateralis; partielle Läsion des Nervus cutaneus lateralis; ein rezidivierendes Lumbovertebralsyndrom bei Fehlform und Fehlhaltung der Lendenwirbelsäule (LWS) und bei degenerativen Veränderungen, sowie Schwindel bisher nicht geklärter Ätiologie. Er schätzte die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Landwirtschaft auf 50 %. Eine Tätigkeit als Taxichauffeur zu 50 % erscheine ihm zumutbar unter der Voraussetzung, dass kein neurologisches Leiden den Schwindel verursache (Fahrtauglichkeit als Taxichaffeur). 3.2 Dr. med. S.________ stellte in seinem Gutachten vom 7. Februar 2000 folgende Diagnosen: thorako- und lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei mässiggradigen degenerativen mehretagigen, mittelthorakalen Spondylosen; zerviko-vertebrale Beschwerden bei diskreter Spondylarthrose C2/3; Periarthropathie-Beschwerde der linken Hüfte bei diskreten, frühdegenerativen Veränderungen; residuelle Narbenschmerzen am linken ventralen und proximalen Oberschenkel nach früherer, tiefer Weichteilverletzung mit Muskeldurchtrennungen; beginnende Instabilitätsarthrose OSG links bei Status nach wiederholten supinatorischen Distorsiontraumata; Verdacht auf orthostasebedingte Schwindelbeschwerden. Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. med. S.________ aus, gemäss Angaben des Patienten habe dieser seit September 1999 seine Arbeitsfähigkeit als Taxichauffeur rückenbedingt reduzieren müssen, die aktuelle Arbeitsleistung würde nur mehr etwa 50 % betragen. Eine retrospektive Einschätzung bei einem selbstständig erwerbenden Taxifahrer sei nur bedingt möglich. Auf Grund der aktuellen klinischen und radiologischen Befunde lägen nachweisbare degenerative Veränderungen an verschiedenen Abschnitten des Bewegungsapparates vor, im Vordergrund am ehesten die mittelthorakalen Osteochondrosen und spondylotischen Reaktionen bei mehretagigen degnerativen Veränderungen im mittleren BWS-Abschnitt. Im HWS- und BWS-Bereich fänden sich nur initiale, diskrete, frühdegenerative Veränderungen, auch im Bereich der Hüftgelenke seien diese in einem früheren Stadium, welche kaum Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Die Befunde am linken Oberschenkel seien im Vergleich zu den Vorakten unverändert. Insgesamt lasse sich für die Arbeitstätigkeit im Umfeld eines landwirtschaftlichen Betriebes mit stärkeren Hebe- und Tragbelastungen und Gehen in unebenem Gelände eine mässiggradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % rechtfertigen, indem noch die leichteren Arbeitstätigkeiten durchführbar sein sollten. Für die Arbeitsfähigkeit als Taxichauffeur in einer körperlich wenig belastenden, bequemen, sitzenden Position erscheine allerdings keine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorzuliegen, im Maximum dürften längerdauernde Autofahren gewisse rückenbezogene Beschwerden nach sich ziehen, für welche eine maximale Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % eingeschätzt wird. Gegebenenfalls sei eine fachärztliche Abklärung bezüglich der angegebenen Schwindelbeschwerden angezeigt, da diese Einfluss auf die Fahrtauglichkeit und somit direkt auf die aktuelle Arbeitsfähigkeit des Versicherten hätten. In der Landwirtschaft bestehe auf Grund der degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule mit entsprechenden thorakovertebralen Beschwerde eine verminderte Hebe- und Tragbelastungsfähigkeit des Rückens. Dementsprechend wären die körperlich anstrengenderen Arbeitsgänge in der Landwirtschaft nicht mehr zumutbar, die Grenze für anzuhebende Gewichte betrage ca. 15-20 kg. 3.3 Dr. med. V.________ führte in seinem Gutachten vom 16. November 2000 zur Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht aus, bezüglich der ungerichteten Schwindelerscheinungen, bei denen es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um orthostatische Beschwerden handle, dürfe dem Versicherten eine volle Arbeitsfähigkeit als Taxichauffeur zugemutet werden. 3.4 Die beiden Gutachten der Dres. med. S.________ und V.________ erfüllen die von der Rechtsprechung formulierten Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis), sie sind umfassend und ausführlich, beruhen auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen auch die geklagten Beschwerden, sind in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden und leuchten in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Demgegenüber vermag der Bericht des Dr. med. B.________ vom 27. Oktober 1999, der eine Arbeitsunfähigkeit als Taxifahrer von 50 % annimmt, nicht zu überzeugen, zumal er sich bei seiner Beurteilung zu einseitig von der faktischen Reduktion des Arbeitspensums auf 50 % sowie von den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers hat leiten lassen. Auch der Bericht des Spitals I.________ vom 27. Februar 2001 vermag die gutachterlichen Einschätzungen nicht in Zweifel zu ziehen, da er sich zum einen, wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, nicht zur Arbeitsfähigkeit äussert und nur auf rudimentären Kenntnissen der Vorakten beruht. Zum andern wird darin neben physiotherapeutischer Instruktion in Rückenergonomie, Verbesserung der Arbeitsplatzergonomie durch Anschaffung eines ergonomischen Autositzes und medizinische Trainingstherapie zur Kräftigung der Rückenmuskulatur ein MRI der Lendenwirbelsäule zum Ausschluss einer Neurokompression empfohlen und ausgeführt, vor dem Vorliegen dieses MRI könnte noch keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit genommen werden. Gerade aber mit dem Bericht des Dr. med. K.________ vom 14. März 2001 wird eine solche Neurokompression ausgeschlossen, da er ausführt, auf keiner der untersuchten Höhen bestehe ein enger Spinalkanal oder eine nachweisbare Nervenwurzelkompression. Damit fällt die einzige vom Inselspital in Betracht gezogene Begründung einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit dahin. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz gestützt auf diese medizinische Aktenlage davon ausgegangen ist, dem Versicherten sei eine Tätigkeit als Taxichauffeur mit einer Einschränkung von 20 % bei längerdauernden Fahrten und von 50 % bei Arbeiten in der Landwirtschaft zumutbar. Soweit der Versicherte geltend macht, er könne keine schweren Koffer mehr tragen, kann dazu auf die Einschätzung des Dr. med. S.________ verwiesen werden, der das Tragen von Lasten von 15 bis 20 kg mit Bezug auf eine landwirtschaftliche Tätigkeit als zumutbar erachtet, womit das Koffertragen, das im Rahmen der Tätigkeit als Taxichauffeur nicht eine ständige Verrichtung darstellt, ebenfalls zumutbar ist.