Citation: 1P.558/2002 15.01.2003 E. 4

Nachfolgend wird zunächst untersucht, ob die der Verurteilung zugrunde gelegten einzelnen Beweiselemente (soweit in der Beschwerde substanziiert beanstandet) willkürfrei gewürdigt worden sind. Sodann ist zu prüfen, ob bei objektiver Betrachtung aller relevanten Beweiselemente offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an der Schuld des Angeklagten fortbestehen. 4.1 Der Beschwerdeführer wendet ein, alle beteiligten Fahrzeuge seien "in einer Linie" hintereinander gefahren. Der Abstand zum Polizeifahrzeug sei gross und die Sicht- und Lichtverhältnisse seien (um 23.10 Uhr) schlecht gewesen. Schon deshalb hätten die Polizeibeamten den behaupteten Abstand zwischen dem Fahrzeug des Beschwerdeführers und dem vorausfahrenden Toyota Celica von angeblich nur ein bis zwei Fahrzeuglängen (bei 120 km/h) "nicht mit dieser Präzision" feststellen können. Die gegenteilige Beweiswürdigung der kantonalen Instanzen sei willkürlich. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Die Annahme, ausgebildete und erfahrene Verkehrspolizisten seien auch bei nächtlichen Sicht- und Lichtverhältnissen grundsätzlich in der Lage abzuschätzen, ob der Abstand vor ihnen fahrender Personenwagen bloss etwa ein bis zwei Fahrzeuglängen oder aber deutlich mehr (nämlich mindestens zwanzig Meter bzw. einen "Sechstel Tacho" bei ca. 120 km/h) betrage, ist sachlich vertretbar. 4.2 Der Beschwerdeführer bringt sodann vor, das Obergericht habe die Aussage des Zeugen B.________ willkürlich gewürdigt. Dieser habe ausgesagt, er habe (als Beifahrer des Polizeifahrzeuges) die Vorgänge gut beobachten können, obwohl sich zwischen dem Polizeifahrzeug und dem Toyota Corolla des Beschwerdeführers jeweils noch ein bis zwei Fahrzeuge befunden hätten. Angesichts der räumlichen Distanz und der Licht- und Sichtverhältnisse ergebe sich (nach Auffassung des Beschwerdeführers) jedoch "der zwingende Schluss, dass dies absolut unmöglich" erscheine, zumal es ausgeschlossen sei, nachts durch Autos "hindurchzuschauen". Beim Zeugen C.________ komme noch hinzu, dass er das Polizeifahrzeug gelenkt habe, weshalb er auf den Verkehr habe achten müssen. Der Willkürvorwurf erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet. Der Beschwerdeführer macht selber geltend, "vor der Baustelle" habe "reges Verkehrsaufkommen und innerhalb der Baustelle Kolonnenverkehr" bestanden. Es kann als gerichtsnotorisch angesehen werden, dass das Hintereinanderfahren in Kolonnen vor bzw. in Baustellenbereichen es nicht zum Vornherein ausschliesst, Fahrzeuge zu beobachten, die sich in zweiter oder dritter Position vor dem eigenen Fahrzeug befinden. Dies gilt besonders dann, wenn der Beobachter, namentlich ein Beifahrer, besonderes Augenmerk auf solche Fahrzeuge legt oder wenn der Lenker (wie in Baustellenbereichen üblich und empfohlen) "versetzt" fährt bzw. sein Fahrzeug links oder rechts an die seitliche Fahrspurbegrenzung lenkt, um eine freiere Sicht nach vorne zu gewährleisten. Indem die kantonalen Instanzen die Aussagen der Zeugen B.________ und C.________ nicht als zum Vornherein unglaubwürdig eingestuft haben, sind sie nicht in Willkür verfallen. Analoges gilt für die Aussage des Zeugen B.________, wonach er und der Zeuge C.________ das Fahrverhalten des Beschwerdeführers teilweise auch aus seitlichem Blinkwinkel beobachtet hätten. Einerseits macht der Beschwerdeführer geltend, diese Aussage sei "unmöglich und somit falsch". Anderseits räumt er ausdrücklich ein, es habe "für einen kurzen Moment" sehr wohl "ein Blickwinkel von seitlich/hinten" bestanden, nämlich bevor "das Polizeifahrzeug in der selben Linie" hinter den Personenwagen des Beschwerdeführers einspurte. 4.3 Auch die Vorbringen des Beschwerdeführers, "subjektiv als richtig empfundene Beobachtungen" könnten "objektiv falsch sein", eine Schätzung der Fahrzeugabstände sei "unmöglich", die Zeugen hätten nicht ausgesagt, dass der Beschwerdeführer im Baustellenbereich abgebremst hätte, und eine Geschwindigkeit von mehr als 60 km/h sei im Baustellenbereich völlig ausgeschlossen gewesen, begründen im vorliegenden Fall keinen Willkürvorwurf. Der Beschwerdeführer erörtert zwar weitschweifig, wie die Beweisergebnisse seiner Ansicht nach zu würdigen seien, er legt jedoch nicht dar, inwiefern die gegenteiligen Sachverhaltsannahmen der kantonalen Instanzen geradezu unhaltbar wären. Aus dem Vorbringen, die Zeugen hätten nicht ausgesagt, dass der Beschwerdeführer im Baustellenbereich gebremst hätte, folgt keineswegs zwingend, dass er einen Sicherheitsabstand von mehr als einem "Sechstel Tacho" eingehalten haben muss. Zwar rügt der Beschwerdeführer auch die Erwägung des Obergerichtes als willkürlich, es erscheine unglaubwürdig, dass er im Baustellenbereich nur mit 60 km/h gefahren sein wolle. Er begründet seine Auffassung jedoch nicht, wonach Kolonnenverkehr im Baustellenbereich mit einem Tempo von mehr als 60 km/h "vollkommen ausgeschlossen" gewesen sei. 4.4 Bei objektiver Würdigung der gesamten Beweisergebnisse drängen sich keine offensichtlich erheblichen und schlechterdings nicht zu unterdrückenden Zweifel daran auf, dass der Beschwerdeführer am 22. Juli 2001 (ca. um 23.10 Uhr) auf der Autobahn A1 (Fahrtrichtung Bern) mehrmals den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug unterschritt und dabei einen Abstand von weniger als einem "Sechstel Tacho" einhielt. In diesem Zusammenhang fallen die präzise Darstellung des inkriminierten Sachverhaltes im Polizeirapport sowie die glaubwürdigen, detaillierten und im wesentlichen Kernpunkt übereinstimmenden Zeugenaussagen der verzeigenden Polizeibeamten ins Gewicht, aber auch das eigene Aussageverhalten des Beschwerdeführers (vgl. z.B. Befragungsprotokoll vom 22. Juli 2001).