Citation: 5A_763/2018 E. 6.3.2

6.3.2. Die Klägerinnen wenden sich hauptsächlich gegen die Erwägung des Obergerichts, wonach sie die Tatbestandselemente, aus welchen auf die Erbunwürdigkeit geschlossen werden müsste, nicht genügend substanziiert hätten. Nicht die Beurteilung einzelner Tatsachenbehauptungen sei massgebend; vielmehr müssten sie gesamthaft gewürdigt werden. Sie hätten die Erbunwürdigkeit aus vierzehn Umständen abgeleitet: (1) Beziehung des Beklagten 1 zu S.________; (2) Bezüge vom Privatkonto des Erblassers zu Lebzeiten, aber auch nach dessen Tod; (3) Abschottung des Erblassers von seiner Familie und seinem Umfeld; (4) Gesundheitszustand des Erblassers; (5) Umstände zur Beurkundung der angefochtenen Verfügung; (6) Unterscheidung der angefochtenen Verfügung von früheren Verfügungen; (7) kurze Kennenlernphase; (8) Zurückfordern des Schmucks von H.________; (9) fehlende Information zum Gesundheitszustand, zum Versterben und zur Beerdigung; (10) Strafverfahren der Staatsanwaltschaft Frauenfeld im Zusammenhang mit möglicherweise ungerechtfertigten Zahlungen aus dem Nachlass; (11) schlechter Leumund des Beklagten 1; (12) widersprüchliche Aussagen des Beklagten 2 bezüglich seines Zugriffs auf die Konten des Erblassers; (13) prozessuales Verhalten des Beklagten 2; (14) widersprüchliche Aussagen des Beklagten 1 betreffend den Zugriff auf das Konto und den Safe des Erblassers vor und nach dessen Tod. Diese in das Verfahren eingebrachten Anhaltspunkte seien als Bestandteile einer Gesamtbetrachtung zu werten und bei einer Gesamtwürdigung könnten die Behauptungen nicht als unsubstanziiert gelten; folglich hätte das Obergericht sämtliche angebotenen Beweise abnehmen müssen. Bei alledem beziehen sich die Klägerinnen auf das Urteil 6B_697/2014 vom 27. Februar 2015, in welchem das Bundesgericht erwog, soweit das Urteil auf der Grundlage von Indizien ergehe, sei nicht die isolierte Betrachtung jedes einzelnen Beweises, sondern deren gesamthafte Würdigung massgebend (op. cit., E. 1.3). Sie unterschlagen allerdings, dass diese Erwägungen im Zusammenhang mit der Kognition des Bundesgerichts für die Beurteilung einer Sachverhaltsrüge ergangen und daher im vorliegenden Sachzusammenhang nicht zielführend sind. Immerhin kann aus den Ausführungen der Klägerinnen abgeleitet werden, dass sie die hiervor aufgelisteten vierzehn Umstände als Indizien gewürdigt haben wollen. Indizien dienen dem mittelbaren (oder indirekten) Beweis. Es handelt sich um an sich tatbestandsfremde Tatsachen, welche den Schluss auf das Vorliegen oder das Fehlen der Haupttatsache, des Tatbestandsmerkmals, rechtfertigen (Walter, a.a. O., N. 74 zu Art. 8 ZGB, mit Hinweisen). Vorliegend haben die kantonalen Gerichte aus den von den Klägerinnen vorgetragenen Indizien nicht die Schlüsse gezogen, welche jene offensichtlich angedacht hatten. Im Rahmen des für Sachverhaltsrügen geltenden Rügeprinzips (E. 1.6; s. diesbezüglich auch BGE 136 III 486 E. 5; JUNGO, a.a.O., N. 52 zu Art. 8 ZGB) müssten die Klägerinnen konkret dartun, weshalb es offensichtlich unhaltbar sein soll, aus den einzelnen Indizien nicht auf die Tatbestandselemente der Erbunwürdigkeit (vgl. E. 6.1.1) geschlossen zu haben. Das tun sie nicht; ihre Ausführungen genügen den Anforderungen an die Begründung nicht, weshalb darauf nicht einzutreten ist.