Citation: 2C_1000/2020 E. 4.3.4

4.3.4. In systematischer Hinsicht ist zu beachten, dass in Bezug auf das Verhältnis zwischen dem Klienten und dem Anwalt unter Vorbehalt von Sondervorschriften, wie sie sich namentlich aus dem BGFA ergeben können, das Auftragsrecht (Art. 394 ff. OR) greift. Zum Auftragsrecht schreibt Art. 400 OR nur eine Rechenschaftsablegung auf Verlangen vor. Im Übrigen kommt als auftragsrechtliche Grundlage einer Pflicht zur unaufgeforderten Aufklärung allein die allgemeine Sorgfalts- und Treuepflicht bei der Auftragserfüllung nach Art. 398 Abs. 2 OR in Frage. Gemäss letzterer Bestimmung haftet der Beauftragte dem Auftraggeber für die getreue und sorgfältige Ausführung des ihm übertragenen Geschäfts. Das Bundesgericht hat in BGE 144 II 473 E. 5.3.1 festgehalten, dass Art. 12 lit. a BGFA, welcher eine sorgfältige und gewissenhafte Berufsausübung durch den Anwalt vorschreibt, eng mit Art. 398 Abs. 2 OR verknüpft sei. Die in Art. 12 lit. a BGFA statuierte Sorgfaltspflicht sei letztlich direkt aus Art. 398 Abs. 2 OR abgeleitet und verbiete es dem Anwalt, Schritte zu unternehmen, welche den Interessen seines Klienten schaden könnten. Zugleich würden die beiden Bestimmungen aber die Sorgfaltspflicht des Anwalts aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven ins Auge fassen. Art. 12 lit. a BGFA betreffe die Sorgfalt, welche der Anwalt bei der Ausübung seines Berufs - insbesondere, aber nicht nur mit Blick auf seinen Klienten - an den Tag legen müsse. Demgegenüber habe Art. 398 Abs. 2 OR nur die getreue und sorgfältige Auftragserfüllung zum Gegenstand, zu welcher der Anwalt ausschliesslich gegenüber seinem Klienten verpflichtet sei. Daraus folge, dass eine Verletzung der auftragsrechtlichen Sorgfaltspflicht (Art. 398 Abs. 2 OR) durch den Anwalt sehr häufig, aber nicht zwingend auch eine Verletzung der anwaltlichen Berufspflichten (Art. 12 lit. a BGFA) bilde. Die in diesem Entscheid in Bezug auf Art. 12 lit. a BGFA angestellten Überlegungen lassen sich (entgegen der Beschwerde) ohne Weiteres sinngemäss auch auf die Fragen nach der Tragweite von Art. 12 lit. i 2. Halbsatz BGFA und dem Verhältnis zwischen dieser Bestimmung zu Art. 398 Abs. 2 sowie Art. 400 OR übertragen, zumal Art. 12 lit. a BGFA als Auffangtatbestand dient (vgl. zur Qualifikation von Art. 12 lit. a BGFA als Auffangtatbestand Urteil 2C_507/2019 vom 14. November 2019 E. 5.1.2 Satz 1). Daraus ist abzuleiten, dass Art. 12 lit. i 2. Halbsatz BGFA die auftragsrechtlichen Vorgaben teilweise konkretisiert, teilweise aber auch darüber hinausgeht bzw. hinausgehen kann (vgl. auch Urteil 4A_512/2019 vom 12. November 2020 E. 5.3). Vor diesem Hintergrund schliesst das Auftragsrecht nicht aus, dass Anwälte gemäss Art. 12 lit. i 2. Teilsatz BGFA schon während der Dauer des Mandats "periodisch", also aktiv und in regelmässigen Abständen, sowie unaufgefordert über die Höhe des Honorars informieren müssen (vgl. auch CHAPPUIS, a.a.O., S. 90; LUCIEN W. VALLONI/MARCEL C. STEINEGGER, Bundesgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [Anwaltsgesetz, BGFA], 2002, S. 49; a.M. Beschluss des Obergerichts Zürich, III. Zivilkammer, vom 21. März 2006, in: SJZ 2007 S. 101 f., sowie GIOVANNI ANDREA TESTA, Die zivil- und standesrechtlichen Pflichten des Rechtsanwaltes gegenüber dem Klienten, 2011, S. 234, wonach eine Informationspflicht ohne eine Anfrage des Klienten nur in denjenigen Konstellationen gerechtfertigt sei, bei welchen sich für die Wahrnehmung der Interessen des Klienten unvorhergesehene wesentliche Mehraufwendungen abzeichneten).