Citation: 5A_972/2020 E. 5.2

5.2. Die Aussen- und die Innenseite eines Balkons sind letztlich untrennbar miteinander verbunden; die äussere Gestaltung des Balkons bestimmt zugleich die Ausdehnung der Innenseite. Mit anderen Worten stehen die Rechte (und Pflichten) der Miteigentümer an den gemeinschaftlichen Teilen der Liegenschaft in direkter Konkurrenz zum Sonderrecht eines einzelnen Stockwerkeigentümers. Der Gesetzgeber hat diesen Konflikt in Art. 712g ZGB aufgelöst. Zum einen verweist Art. 712g Abs. 1 ZGB hinsichtlich der baulichen Massnahmen auf die Bestimmungen über das Miteigentum, d.h. Art. 647 ff. ZGB. Zum anderen behält Art. 712g Abs. 2 ZGB eine gewillkürte, davon abweichende Regelung vor; eine solche muss sich indes aus dem Begründungsakt selbst oder aus einem einstimmigen Beschluss aller Stockwerkeigentümer ergeben. Der Beschwerdeführer behauptet keine gewillkürte, von den Bestimmungen über das Miteigentum abweichende Regelung; eine solche ergibt sich namentlich nicht aus dem Stockwerkeigentümerreglement. Daher kommt vorliegend Art. 647d ZGB zum Zug (vgl. E. 4.4).