Citation: 8C_512/2023 E. 6.1

6.1. PD Dr. med. B.________ diagnostizierte in ihrem Gutachten vom 30. April 2021 unter anderem eine posttraumatische Gonarthrose links mit/bei mehreren Unfällen. Sie hielt fest, beim Beschwerdegegner bestünden an beiden Knien vordienstliche Gesundheitsschäden. Eine MRT (Magnetresonanztomographie) vom 19. April 2006 zeige eine vollständige Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) sowie eine laterale Meniskusläsion im Hinterhorn. Die Läsion sei als frisch und zeitlich passend zum Trauma vom 10. April 2006 (Kniegelenksdistorsion beim Fussballspielen) zu werten. Zudem bestehe eine Teilruptur des medialen Seitenbandes. Am 4. April 2007 habe sich der Beschwerdegegner bei einem Unihockeyspiel in der Rekrutenschule das linke Knie verdreht. Dabei sei es zu einer medialen Meniskuläsion und einer kleinen oesteochondralen Läsion am medialen Femurkondylus gekommen. Die MRT-Untersuchung vom 12. April 2007 habe weitere vorbestehende Läsionen (insbesondere VKB-Ruptur und lateraler Meniskusschaden sowie Teilruptur des medialen Seitenbandes) gezeigt. Der Unfall vom 4. April 2007 habe nicht zu einer weiteren Schädigung der vordienstlich geschädigten Strukturen, sondern zu zusätzlichen Kniebinnenläsionen geführt. Der Zustand des linken Kniegelenks sei damit durch den neuerlichen Unfall in geringem Ausmass partiell verschlechtert worden. Zur Frage, ob die heute vorliegenden Beschwerden im Zusammenhang mit der im Militärdienst erlittenen Gesundheitsschädigung stünden, führte die Gutachterin aus, es bestehe eine sehr kleine Teilkausalität in dem Sinne, dass die mediale Meniskusläsion und der Knorpelschaden formal nicht vollständig zur Abheilung hätten gebracht werden können. Demzufolge seien die dienstlichen Verletzungen als kleiner Teil einer Masse an mehreren vordienstlichen, einer dienstlichen und mehreren nachdienstlichen Verletzungen zu sehen, welche in der Gesamtheit zum vorzeitigen Gelenksverschleiss geführt hätten. Klar führend sei hier die Rolle der nicht-dienstlichen zweizeitigen VKB-Ruptur. Auch mit Blick auf die nachdienstliche - ungleich schwerere - Verletzung des gleichen medialen Meniskus (Korbhenkelläsion mit Notwendigkeit einer ausgedehnten medialen Teilmeniskektomie) könne der Anteil der dienstlichen Verletzung nicht mehr sinnvoll in Prozenten abgegrenzt werden. Weiter hielt PD Dr. med. B.________ fest, zum Zeitpunkt des zwischen der Suva-MV und dem Beschwerdegegner abgeschlossenen Vergleichs (2009) sei die vorübergehende Verschlimmerung des erheblichen Vorzustands aus fachgutachterlicher Sicht vorerst abgeschlossen gewesen. Die weitere Entwicklung werde weit überwiegend durch die Summe des Vorzustands und der nachdienstlichen Verletzungen des linken Knies geprägt. Mithin sei die dienstlich erlittene Verletzung für sich genommen vernachlässigbar. Aus heutiger Sicht könne der Fallabschluss per April 2009 als nachvollziehbar beurteilt werden.