Citation: 4C.72/2004 03.06.2005 E. 3

Die Beklagte macht weiter geltend, dass ihr Verhalten - sofern überhaupt von einer Sorgfaltspflichtverletzung auszugehen sei - aus verschiedenen Gründen nicht kausal für den angeblich eingetretenen Schaden sei. 3.1 Vorweg ist im Zusammenhang mit der Prüfung der Kausalität festzuhalten, dass hier der Sonderfall zu prüfen ist, inwieweit eine Unterlassung - Versäumnis, der Klägerin eine gründliche Überprüfung der Geschäftstätigkeit der Y.________ Inc. dringend nahe zu legen - für den Eintritt eines allfälligen Schadens kausal gewesen sein soll. Grundsätzlich unterscheidet die Rechtsprechung auch bei Unterlassungen zwischen natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang (allgemein: 123 III 110 E. 2 S. 111 m.w.H.; speziell für Unterlassungen: BGE 115 II 440 E. 5a S. 447 m.w.H.). Während bei einer Handlung die wertenden Gesichtspunkte erst bei der Beurteilung der Adäquanz zum Tragen kommen, spielen diese Gesichtspunkte bei der Unterlassung in der Regel jedoch schon bei der Feststellung der hypothetischen Kausalität eine Rolle. Es ist daher bei Unterlassungen in der Regel nicht sinnvoll, den festgestellten oder angenommenen hypothetischen Geschehensablauf auch noch auf seine Adäquanz zu prüfen (BGE 115 II 440 E. 5a S. 447 f. m.w.H.). Die Feststellungen des Sachrichters im Zusammenhang mit der Kausalität von Unterlassungen und der damit verbundenen hypothetischen Annahmen sind daher entsprechend der allgemeinen Regel über die Verbindlichkeit der Feststellungen zum natürlichen Kausalzusammenhang für das Bundesgericht bindend (Art. 63 Abs. 2 OG). Etwas anderes gilt nur dann, wenn die hypothetischen Annahmen des Sachrichters ausschliesslich auf allgemeiner Lebenserfahrung beruhen, die im Berufungsverfahren überprüft werden können (allgemein: BGE 126 III 10 E. 2b S. 12 m.w.H.; speziell für Unterlassungen: BGE 115 II 440 E. 5b S. 448 f. m.w.H.). 3.2 Im vorliegenden Fall ergibt sich, dass die angefochtenen vorinstanzlichen Ausführungen zur Kausalität nicht ausschliesslich auf allgemeiner Lebenserfahrung beruhten. Prozessentscheidend ist das von F.________ erstattete Gerichtsgutachten. Gewiss äussert sich dieses Gutachten in erster Linie zur Höhe der Schädigung. Dabei wurden zehn Einzelereignisse durchleuchtet. Zu jedem einzelnen Ereignis wurde kurz die "Ausgangslage", die "durchgeführten Arbeiten/Feststellungen", der relevante "Zeitraum" und der konkrete "Schaden" abgehandelt. Aufgrund dieser kurzen Umschreibung konnte sich die Vorinstanz im Rahmen der Beweiswürdigung ein Bild machen, inwiefern die Unterlassung ursächlich für den Schadenseintritt war. Die Beklagte führte denn selbst auch aus, die Vorinstanz habe sich auf "die zeitlichen Verhältnisse gemäss gutachterlicher Feststellung" bezogen. Zwar mag auch die allgemeine Lebenserfahrung bei den Überlegungen der Vorinstanz zum hypothetischen Geschehensablauf eine Rolle gespielt haben, doch ändert das nichts daran, dass die Ausführungen des Handelsgerichts zum hypothetischen Geschehensablauf letztlich als Ergebnis einer Beweiswürdigung zu werten sind. Da das Bundesgericht im Berufungsverfahren grundsätzlich an das Ergebnis der Beweiswürdigung gebunden ist (Art. 63 Abs. 2 OG), ist insofern auf die Berufung nicht einzutreten. 3.3 Soweit eine Unterbrechung des Kausalzusammenhangs geltend gemacht wird, ist die Berufung unbegründet. Nach der Rechtsprechung wird eine Unterbrechung des Kausalzusammenhangs etwa dann angenommen, wenn das Selbstverschulden des Geschädigten derart intensiv erscheint, dass es ein konkurrierendes Verschulden des Schädigers gleichsam verdrängt oder als unbedeutend erscheinen lässt (BGE 116 II 519 E. 4a S. 524 m.w.H.). Die Klägerin führt nun in keiner Art und Weise aus und dem angefochtenen Urteil kann auch nicht entnommen werden, inwieweit der Klägerin ein derart grobes Selbstverschulden vorzuwerfen sein soll, dass ihr eigenes Verschulden völlig unbedeutend erscheint. Von einer Unterbrechung des Kausalzusammenhangs kann keine Rede sein.