Citation: 1C_194/2020 E. 6.2

6.2. Die Vorinstanz macht geltend, der Grundsatz der Justizöffentlichkeit entfalte nach Abschluss eines Verfahrens nur noch mittelbare Wirkung. Allerdings ist die nachträgliche Einsichtnahme in ein Urteil nach der oben (E. 5.4) dargestellten Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht nachrangig gegenüber der öffentlichen Verkündung im Gerichtssaal, sondern gehört angesichts der Zweckausrichtung der Publizität in der Justiz gleichwertig zur öffentlichen Verkündung. Unzulässig wäre deshalb jedenfalls der Schluss, rechtskräftig gewordene Urteile könnten generell nur noch ausnahmsweise bzw. nur bei Vorliegen eines schutzwürdigen Interesses eingesehen werden. Die Gerichte haben ihre Entscheide vielmehr grundsätzlich der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, sei es durch Veröffentlichung oder durch Einsichtgewährung auf Antrag. Die Motive, mit denen der Beschwerdeführer im vorliegenden Fall sein Gesuch um Einsicht in das betreffende Urteil des Luzerner Kriminalgerichts begründet, sind grundsätzlich nicht von Belang; sie könnten höchstens eine Rolle spielen, wenn relevante öffentliche oder private Geheimhaltungsinteressen entgegenstehen könnten und eine Abwägung zwischen sich entgegenstehenden (Grund-) Rechtspositionen erforderlich wäre.