Citation: 8C_605/2017 E. 7.2

7.2. Bei der vorzunehmenden Interessenabwägung ist zunächst zu berücksichtigen, dass sich in den Akten nach den vorinstanzlichen Feststellungen zahlreiche Anhaltspunkte für Inkonsistenzen und Aggravation fänden. Zudem habe der Versicherte mehrere Fragen der Gutachter zum Suchtmittelkonsum und zur Medikamenteneinnahme tatsachenwidrig beantwortet. Damit bestanden hinreichende Gründe zur Veranlassung einer Überwachung. Die Observation erfolgte am 17. und am 22. Dezember 2015, am 22. Januar sowie am 5., am 19. und am 26. Februar 2016, also an sechs Tagen, wobei der Versicherte an zwei Tagen nicht beobachtet werden konnte. Er hielt sich dabei etwa an einer Tankstelle, auf dem Areal eines Autooccasionsmarktes oder in einem Restaurant auf. Dokumentiert ist des Weiteren, wie der Versicherte auf dem Balkon seiner im zweiten Stock gelegenen Wohnung zusammen mit einer anderen Person mit einem Lattenrost hantiert, wobei dieser über das Geländer gehoben und nach unten abgeseilt wird. Da sich die Überwachung auf einen verhältnismässig kurzen Zeitraum beschränkte und es sich bei den beobachteten Tätigkeiten um unbeeinflusste alltägliche Verrichtungen im öffentlich einsehbaren Raum handelte, war die Privatsphäre des Versicherten durch die Observation nur geringfügig betroffen. Dies gilt insbesondere auch für die auf dem Balkon gefilmte Szene. Wie dem in den Akten befindlichen Situationsplan und weiteren Fotos zu entnehmen ist, handelte es sich dabei um einen strassenseitigen Balkon. Es kann deshalb nicht von einer schweren Verletzung der Persönlichkeit ausgegangen werden. Dem gegenüberzustellen gilt es das Interesse des Versicherungsträgers und der Versichertengemeinschaft, unrechtmässige Leistungsbezüge abzuwenden. Dieses ist unter den hier gegebenen Umständen höher zu gewichten als das Interesse des Versicherten an einer unbehelligten Privatsphäre. Damit können im vorliegenden Fall die ohne ausreichende gesetzliche Grundlage erhobenen Observationsergebnisse in Form des entsprechenden Berichts sowie der Foto- und Videoaufnahmen (uneingeschränkt) verwertet werden. Gleiches gilt auch für die danach ergangenen weiteren Beweise wie namentlich die Aufzeichungen der IV-Ärztin Dr. med. K.________ (medizinische Stellungnahme vom 16. März 2016 sowie das Protokoll vom 20. Mai 2016 über ihre Wahrnehmungen anlässlich des Standortgesprächs). Sie sind bei den von der IV-Stelle nach dem Entscheid des kantonalen Gerichts in die Wege zu leitenden weiteren medizinischen Abklärungen zu berücksichtigen.