Citation: 6B_1235/2021 E. 1.6.3

1.6.3. Die Vorinstanz geht weiter davon aus, der Beschwerdeführer habe die ernsthafte Gefährdung der Fahrradfahrerin erkannt und diese Gefährdung in Kauf genommen (angefochtenes Urteil S. 29). Dies ergibt sich vorliegend aus dem Wissen um den ungenügenden Abstand beim Überholen, welcher mit einer konkreten Gefährdung einherging. Der Vorinstanz kann auch insofern nicht zum Vorwurf gemacht werden, sie sei über die Anklage hinausgegangen. Hingegen wirft die Vorinstanz dem Beschwerdeführer nicht vor, er habe auch eine Kollision mit entsprechenden Verletzungsfolgen für die Fahrradfahrerin in Kauf genommen. Von der Inkaufnahme einer konkreten Gefährdung kann nach der Rechtsprechung nicht ohne Weiteres auf die Inkaufnahme eines Unfalls mit Verletzen geschlossen werden. Denkbar ist, dass der Täter zwar um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung weiss und dieses in Kauf nimmt, aber aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit darauf vertraut, dass der von ihm als möglich vorausgesehene Erfolg nicht eintreten werde (vgl. BGE 136 IV 76 E. 2.3.1; 133 IV 9 E. 4.1). Insofern unterscheidet sich der vorliegende Fall vom Urteil 6B_870/2018 vom 29. April 2019, in welchem das Bundesgericht prüfte, ob der Beschuldigte auch die Verwirklichung der von ihm geschaffenen Gefahr im Sinne von BGE 130 IV 58 in Kauf nahm (vgl. Urteil 6B_870/2018 vom 29. April 2019 E. 3.6 und 3.7.3), wovon nicht leichthin ausgegangen werden kann, und was in der Anklage zu erwähnen gewesen wäre (vgl. Urteil 6B_870/2018 vom 29. April 2019 E. 3.7.4).