Citation: 9C_455/2022 E. 6.1

6.1. In seinem ersten Urteil vom 19. März 2020 hob das kantonale Gericht die Renteneinstellungsverfügung vom 27. Juni 2019 auf, weil es die ihr zugrunde liegenden Abklärungen für unzureichend hielt. Es erwog, die Ergebnisse der Überwachung in Form von verschiedenen Videoaufnahmen seien grundsätzlich verwertbar. Entgegen der IV-Stelle sei es indessen nicht ohne weiteres zulässig, aus dem Observationsbericht vom 15. Juli 2016, dem Gutachten des Prof. Dr. med. G.________ vom 2. Juli 2018 (ohne Arbeitsfähigkeitsbeurteilung) und dem Bericht des RAD-Arztes pract. med. J.________ vom 15. Januar 2019 zu schliessen, dass der Beschwerdeführer seit spätestens Dezember 2015 die Besserung seines psychischen Gesundheitszustandes nachweislich vertusche und damit seine Meldepflicht verletzt habe. Es sei vielmehr angezeigt, das Observationsmaterial Prof. Dr. med. G.________ zur Beurteilung der Frage zu unterbreiten, ob daraus Erkenntnisse bezüglich Diagnose und Zumutbarkeit gewonnen werden könnten. Die Sache wurde an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit sie eine erneute Untersuchung des Versicherten, namentlich hinsichtlich seines psychischen Gesundheitszustandes und seiner Arbeitsfähigkeit, durch Prof. Dr. med. G.________ unter Einbezug des Observationsmaterials veranlasse und anschliessend über den Rentenanspruch neu verfüge. Nach weiteren Abklärungen hob die IV-Stelle die Invalidenrente wegen Verletzung der Meldepflicht wiederum rückwirkend per 1. Dezember 2015 auf (Verfügung vom 16. August 2021). Die dagegen eingereichte Beschwerde wies die Vorinstanz in ihrem zweiten Urteil vom 7. Juli 2022 ab. Gestützt auf das Gutachten des Prof. Dr. med. G.________ vom 2. Juli 2018 und seine Stellungnahme vom 21. Januar 2021, die beide beweiskräftig seien, gelangte sie zum Schluss, dass eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80 %, wie sie noch von Dr. med. F.________ ermittelt und auch dem Urteil vom 11. Juni 2015 zugrunde gelegt worden sei, spätestens seit Dezember 2015 nicht mehr bestehe und sich der Gesundheitszustand des Versicherten insofern im revisionsrechtlichen Sinn wesentlich verbessert habe. Im Rahmen der anschliessend vorgenommenen umfassenden Überprüfung des Rentenanspruches bejahte das kantonale Gericht einen Ausschlussgrund, indem der Beschwerdeführer gegenüber dem Gutachter körperliche Schmerzen und psychische Beeinträchtigungen angegeben habe, die gemäss den Observationsergebnissen zumindest in einer schweren Ausprägung klarerweise nicht mehr bestehen würden. So sei in körperlicher Hinsicht auf den Observationsvideos überhaupt keine Einschränkung erkennbar und habe der Gutachter aufgrund des dokumentierten Sozialverhaltens mit einem gesicherten Beweismass darauf schliessen können, dass in psychischer Hinsicht jedenfalls keine schwere Störung mehr vorliege. Dass eine abschliessende gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht möglich gewesen sei, habe sich der Versicherte selber zuzuschreiben, indem er durch die Vortäuschung von körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen eine valide Einschätzung seiner gesundheitlichen Verhältnisse verhindert habe; die Folgen dieser Beweislosigkeit habe er selber zu tragen. Es habe ihm bewusst sein müssen, dass die Fähigkeit, seit Dezember 2015 regelmässig seine Wohnung zu verlassen, wiederholt mit dem Auto selbstständig Einkäufe zu tätigen, in einem Fitness-Studio Sport zu treiben, längere Autofahrten zu unternehmen und Besuche im Ausland zu machen, klarerweise eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes darstelle. Der Vorwurf einer Meldepflichtverletzung erweise sich damit seit Anfang Dezember 2015 als gerechtfertigt. Bei dieser Sachlage sei die Rente rückwirkend per 1. Dezember 2015 aufzuheben.