Citation: 4A_222/2022 E. 5.1

5.1. Sie werfen der Vorinstanz vor, nicht berücksichtigt zu haben, dass die Beschwerdeführerinnen bzw. alle Aktionärinnen der Beschwerdegegnerin gemäss dem verbindlichen und gültigen Aktionärbindungsvertrag (Ziff. 6.1 und 6.2) Anspruch auf einen Vertreter im Verwaltungsrat hätten. Die verbindlichen Regelungen des Aktionärbindungsvertrags seien auch im Zusammenhang mit der Behebung des Organisationsmangels relevant, seien doch beim Entscheid über die zu treffende Massnahme die konkreten Interessen aller Anspruchsgruppen zu berücksichtigen. Mit dieser Rüge beharren die Beschwerdeführerinnen auf der Anordnung der von ihnen gestützt auf den Aktionärbindungsvertrag beantragten Massnahme, wonach das Gericht den Verwaltungsrat direkt neu bestellen soll, wobei jede der Beschwerdeführerinnen und die übrigen Aktionärinnen der Beschwerdegegnerin je einen Vertreter bestimmen können. Ihrer Meinung nach berücksichtigt nur diese Massnahme die involvierten Interessen angemessen. Mit dem Beharren auf ihrer Sicht belegen die Beschwerdeführerinnen keinen Ermessensfehler der Vorinstanz, der vom Bundesgericht korrigiert werden müsste. Im Gegenteil: Die angeordnete Massnahme, dass D.________ vorübergehend für sechs Monate als Verwaltungsrat eingesetzt wird mit dem Auftrag, eine Generalversammlung einzuberufen und dort die Wahl des Verwaltungsrats und einer Revisionsstelle zu trakandieren, erscheint als mildeste und angemessene Lösung zur Mängelbehebung. Sie belässt der Generalversammlung ihr Recht auf Bestellung der Organe und ermöglicht, die rechtmässige Organisation der Beschwerdegegnerin und damit ihre Funktionsfähigkeit wieder herzustellen. Dabei erwog die Vorinstanz zutreffend, dass das Organisationsmängelverfahren nicht dazu dient, spezifische Interessen, die sich möglicherweise gar widersprechen, einzelner Arbeitnehmer, Gläubiger oder Aktionäre abzuklären und gegeneinander abzuwägen, geschweige denn ihnen zum Durchbruch zu verhelfen. Solches ist nicht gemeint, wenn das Bundesgericht in BGE 138 III 294 E. 3.1.6 ausführte, im Rahmen der vorzunehmenden Interessenabwägung sei nicht nur das Interesse des klagenden Aktionärs zu beachten, sondern auch dasjenige der übrigen Aktionäre und weiterer Anspruchsgruppen (namentlich der Arbeitnehmer). Ohnehin betrifft diese Erwägung des Bundesgerichts explizit das Interesse am Fortbestand der Gesellschaft, wie es im Rahmen der Interessenabwägung zu berücksichtigen ist, wenn die Massnahme einer Auflösung der Gesellschaft im Raum steht. Dies ist vorliegend aber nicht der Fall. Die Vorinstanz hat das richtig gesehen und Art. 731b OR nicht verletzt. Ihre diesbezügliche Erwägung 4.2 ist nicht zu beanstanden.