Citation: 5P.431/2000 03.04.2001 E. 4

4.- Die Beschwerdeführerin wirft dem Obergericht im Zusammenhang mit dessen Schlussfolgerung, sie habe eine missbräuchliche Verwendung der Tochtergesellschaften durch die Beschwerdegegnerin nicht substanziiert gerügt, bzw. nicht nachweisen können, willkürliche Anwendung kantonalen Prozessrechts vor. a) Seinen Rückweisungsentscheid vom 14. April 2000 (5C. 275/1999) hat das Bundesgericht u.a. damit begründet, das Obergericht habe versehentlich übergangen, dass die Beschwerdeführerin in der Klageschrift geltend gemacht hatte, die Y.________ AG sei angesichts ihrer Geschäftstätigkeit von der Beschwerdegegnerin nicht ausreichend mit Kapital ausgestattet worden (E. 3 S. 6 Abs. 2). Das Obergericht hält im angefochtenen Urteil dazu fest, die Beschwerdeführerin habe eine solche Behauptung im Berufungsverfahren explizit nicht aufgestellt. Wohl habe sie die Unterkapitalisierung in der Klageschrift behauptet, aber dort nicht genügend substanziiert. Soweit die Beschwerdeführerin dagegen einwendet, das Obergericht habe übergangen, dass sie in der Berufungsschrift gerügt hatte, die Beschwerdegegnerin habe ihren Tochtergesellschaften das Haftungssubstrat entzogen, vermischt sie die Frage, ob die Tochtergesellschaften mit genug Kapital ausgestattet wurden, mit derjenigen, ob diesen zu einem späteren Zeitpunkt das Haftungssubstrat entzogen worden ist. Auch setzt sie sich nicht in einer Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügenden Weise mit der Feststellung des Obergerichts auseinander, die Rüge der mangelnden Kapitalausstattung sei in tatsächlicher Hinsicht ungenügend substanziiert. Sie behauptet nur, das Obergericht habe erneut erkannt, die Rüge sei nicht erhoben worden. b) Das Obergericht hat den zentralen von der Beschwerdeführerin erhobenen Vorwurf, die Beschwerdegegnerin habe ihren Tochtergesellschaften Haftungssubstrat entzogen, verworfen. Es legt dar, dass es wegen der Gleichstellung von Aktienkapital und Haftungssubstrat zum bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheid vom 14. April 2000 gekommen war. Zur Begründung in der Sache führt es hauptsächlich aus, dem Bericht des unabhängigen Wirtschaftsprüfers könne entnommen werden, dass die Y.________ AG der Beschwerdegegnerin am 28. August 1992 "ihre geschäftlichen Aktivitäten in Verbindung mit einer Reihe von Charterverträgen zusammen mit den entsprechenden Vermögenswerten und Verbindlichkeiten ... an die Muttergesellschaft ... abgetreten hat". Zwar seien die Aktiven im Verlauf des Geschäftsjahres 1992 von 25 Mio. Fr. auf einen symbolischen Franken gesunken. Jedoch hätten im gleichen Zeitraum auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten von ca. 18,5 Mio. Fr. auf rund Fr. 8'000.-- reduziert werden können; auch die Schulden gegenüber verbundenen Unternehmen hätten von ca. 4,7 Mio. Fr. auf ungefähr Fr. 180'000.-- abgenommen. Hingegen hätten die von der Beschwerdegegnerin der Y.________ AG gewährten Darlehen im Verlauf des Jahres 1992 um rund 12 Mio. Fr. zugenommen. Der Substanzverlust hänge mit seit 1990 eingetretenen Geschäftsverlusten zusammen; im Geschäftsjahr 1992 habe der Betriebsverlust ca. 14,5 Mio. Fr. betragen. Der Beschwerdeführerin sei der Nachweis missbräuchlichen Entzugs von Haftungssubstrat misslungen und sie gebe selber zu, dass die Umstrukturierungen erfolgten, damit die X.________ Gruppe ihre Hochseeaktivitäten fortführen könne. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, dass die Beschwerdegegnerin der Y.________ AG ein Darlehen mit Rangrücktritt gewährt habe (vgl. Art. 725 Abs. 2 Satz 2 a.E. OR), sei erst in den kurz vor den Konkursen erstellten Jahresrechnungen so festgelegt worden; für die Gewährung eines Darlehens von 12 Mio. Fr. könne den Akten nichts entnommen werden. Bringt die Beschwerdeführerin nicht vor, wie die Geschäftsverluste der Y.________ AG anders als durch Darlehen der Beschwerdegegnerin gedeckt worden sind, übt sie bloss unzulässige appellatorische Kritik an der Beweiswürdigung des Obergerichts (BGE 121 I 225 E. 4c S. 230, 118 Ia 20 E. 5c S. 27 unten) und verkennt, dass Willkür nicht bereits dann vorliegt, wenn eine andere Entscheidvariante möglich oder gar vorzuziehen wäre (BGE 124 IV 86 E. 2a S. 88 mit Hinw. , 120 Ia 369 E. 3a, 119 Ia 113 E. 3a). Die Beschwerdeführerin rügt im Zusammenhang mit dem von der Beschwerdegegnerin der Y.________ AG gewährten Darlehen, das Obergericht definiere das Haftungssubstrat erneut falsch. Damit scheitert sie aus doppeltem Grund: Zum einen wäre die Rüge mit Berufung vorzubringen. Zum anderen ist offensichtlich, dass ein Schuldner mit seinen Schulden seinen Gläubigern nicht haften kann, stellen diese doch nicht Vermögen und somit auch nicht Haftungssubstrat dar. Dass Schulden mit Rangrücktritt im Rahmen der Überschuldungsberechnung gemäss Art. 725 Abs. 2 Satz 2 a.E. OR unbeachtlich sind, macht sie für die Y.________ AG offensichtlich nicht zu Aktiven. c) Das Obergericht zitiert weiter aus der Übersetzung des von der Beschwerdeführerin veranlassten Urteils des obersten südafrikanischen Gerichts vom 9. Juni 1995 die Feststellung, die Restrukturierung der X.________ Gruppe sei keine List oder Farce gewesen. Die Beschwerdeführerin habe nirgends geltend gemacht, die Beweislage hinsichtlich der Umstrukturierung sei im vorliegenden Verfahren eine andere als im südafrikanischen. Indem die Beschwerdeführerin bloss geltend macht, dem in einem summarischen Verfahren ergangenen südafrikanischen Arresturteil bezüglich einer Schiffsladung der Beschwerdegegnerin könne nichts für das vorliegende Verfahren entnommen werden, übt sie unzulässige appellatorische Kritik am Schluss des Obergerichts, auch dieses südafrikanische Urteil nehme gegen Rechtsmissbrauch Stellung. d) Schliesslich stellt das Obergericht fest, gegen das Vorliegen eines Rechtsmissbrauchs spreche auch die unangefochten gebliebene Ansicht des Kantonsgerichts, dass die Beschwerdeführerin es in der Hand gehabt hätte, in London nicht nur die Tochtergesellschaften, sondern auch die Beschwerdegegnerin als Muttergesellschaft einzuklagen; habe sie das sorgfaltswidrig unterlassen, könne sie heute nicht mit Erfolg gegen die Beschwerdegegnerin vorgehen. Soweit die Beschwerdeführerin in der Sache geltend macht, sie sei nicht gehalten gewesen, in London auch die Beschwerdegegnerin einzuklagen, weil damals noch keine einzige Gesellschaft der X.________ Gruppe in Konkurs gefallen war, mag sie Recht haben, ohne damit schon Willkür begründen zu können. Jedoch verkennt sie, dass das Obergericht nicht nur in der Sache Stellung genommen, sondern auch ausgeführt hat, die Ansicht des Kantonsgerichts vermöchte dessen Urteil zu tragen und sei unangefochten geblieben. Mit dieser Begründung (vgl. BGE 121 IV 094 E. 1b; 111 II 398 E. 2b S. 399 f.) hätte sich die Beschwerdeführerin auseinander setzen müssen (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). Indem sie bloss geltend macht, wegen der Natur des Berufungsverfahrens sei sie nicht verpflichtet gewesen, das erstinstanzliche Urteil in jedem Punkt anzufechten, verkennt sie wiederum die Rüge- und Begründungspflicht im Rechtsmittelverfahren (dazu E. 3a und 3c hiervor). e) Soweit die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit den in lit. a bis d hiervor behandelten Rügen schliesslich geltend macht, §§ 206 i.V.m. 53 und 56 ZPO/ZG seien willkürlich angewendet worden, genügt sie der Begründungspflicht ebenfalls nicht. Denn sie behauptet wohl Willkür und verweist auf die genannten Bestimmungen. Sie begründet aber nicht, inwiefern die in den §§ 206 i.V.m. 53 und 56 ZPO/ZG aufgestellten Vorschriften zur Erhebung und Würdigung der Beweise im vorliegenden Verfahren geradezu falsch oder in unhaltbarer Weise nicht angewendet worden sein sollen.