Citation: 5C.262/2002 06.03.2003 E. 4

Welche vormundschaftliche Massnahme anzuordnen ist, um das besondere Schutzbedürfnis der Berufungsklägerin zu gewährleisten, beurteilt sich in erster Linie nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit des Eingriffs in die persönliche Freiheit (Schnyder/Murer, a.a.O., N. 162 zu Art. 369 ZGB). Eine konkrete Massnahme erscheint als verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, den angestrebten Schutzzweck zu erreichen, und wenn sie die Freiheit des Betroffenen weder stärker noch schwächer beschränkt als dies nach Massgabe des Schutzzwecks notwendig ist (BGE 108 II 92 E. 4 S. 94; Langenegger, a.a.O., N. 7 der Vorbem. zu Art. 360-456 ZGB sowie N. 18 zu Art. 369 ZGB; Riemer, Grundriss des Vormundschaftsrechts, 1997, § 3 N. 6). 4.1 Bei einer Beistandschaft (Art. 392 ff. ZGB) als mildeste vormundschaftliche Massnahme hängt der Erfolg wesentlich von der Bereitschaft des Verbeiständeten ab, den Beistand zu seinem Wohl wirken zu lassen. Die Ernennung eines Beistandes schränkt die Handlungsfähigkeit des Betroffenen nicht ein, er muss sich zwar die Handlungen des Beistandes anrechnen lassen, kann aber ebenso selbstständig auftreten. Auf diese Weise ist es ihm jederzeit möglich, dem Beistand zuvorzukommen und seine Vorkehren zu durchkreuzen. Setzt sich der zu Verbeiständende von vornherein zur Wehr und ist nicht zu erwarten, dass sich seine Haltung ändert, erweist sich die Ernennung eines Beistandes nicht als taugliche Massnahme und es ist davon abzusehen (BGE 115 V 244 E. 3b/bb S. 249 f.; Schnyder/Murer, a.a.O., N. 19 zu Art. 392 ZGB; Langenegger, a.a.O, N. 4 und 8 zu Art. 392 ZGB; Riemer, a.a.O., § 6 N. 50 f.). Die Errichtung einer Beistandschaft kommt folglich im vorliegenden Fall nicht in Frage, da die Berufungsklägerin, die bisher jegliche Unterstützung durch die Behörden abgelehnt hat, nicht grosse Einsicht in ihre Hilfsbedürftigkeit und auch keinerlei Kooperationsbereitschaft zeigt, so dass nicht angenommen werden kann, dass sie bereit sein wird, den Beistand zu ihrem eigenen Wohl gewähren zu lassen. 4.2 Auch eine Mitwirkungsbeiratschaft (Art. 395 Abs. 1 ZGB) setzt die Kooperationsbereitschaft des Verbeirateten voraus, da der Beirat nur gemeinsam mit dem Betroffenen, nicht aber selbstständig gegen dessen Willen handeln kann (Schnyder/Murer, a.a.O., N. 54 zu Art. 395 ZGB). Dazu ist die Mitwirkung des Beirates auf prozessuale Handlungen und bestimmte, wichtige Rechtsgeschäfte beschränkt (Art. 395 Abs. 1 Ziff. 1 - 9 ZGB) und kann daher nicht die hier notwendige umfassende Hilfestellung in finanziellen Angelegenheiten gewährleisten. Bei einer Verwaltungsbeiratschaft (Art. 395 Abs. 2 ZGB) könnte zwar die Verwaltung des Vermögens der Berufungsklägerin, insbesondere ihrer beiden Liegenschaften, durch den Beirat besorgt werden, doch ist davon die Verwaltung der Vermögenserträge sowie des Einkommens, unter Einschluss eines allfälligen Erwerbsersatzeinkommens, ausgeschlossen (BGE 108 II 92 E. 4 S. 94; 119 V 264 E. 6 S. 269). Ausgenommen wäre im vorliegenden Fall also die Verwaltung von Erträgen aus den Liegenschaften sowie insbesondere der IV-Rente der Berufungsklägerin. Gemäss den Feststellungen des Obergerichts braucht sie aber gerade bei der Verwaltung ihrer Rente Hilfe und auch die Berufungsklägerin gibt in ihrer Berufungsschrift zu, dass sie bei der IV-Rente und allfälligen weiteren Ansprüchen Unterstützung benötige. 4.3 Daraus ergibt sich, dass im vorliegenden Fall weder eine Beistandschaft noch eine - auch allenfalls kombinierte - Beiratschaft in Frage kommt und zur Befriedigung des Schutzbedürfnisses der Berufungsklägerin vielmehr eine Entmündigung angezeigt ist. Auch wenn die Berufungsklägerin die Entmündigung ablehnt und mit einem Vormund nicht kooperieren will, kann einzig durch die Anordnung dieser Massnahme doch verhindert werden, dass sich die Berufungsklägerin in einer ihrer eigenen Interessen zuwiderlaufenden Art und Weise rechtlich bindet, verpflichtet oder insbesondere auch auf Rechte verzichtet (Urteil des Bundesgerichts 5C.23/2001 vom 19. Juni 2001, E. 4a). Zudem kann durch die Vormundschaft auch die nötige Hilfe in persönlichen Belangen angemessen sichergestellt werden. Folglich erweist sich die Anordnung einer Entmündigung der Berufungsklägerin im vorliegenden Fall als verhältnismässig.