Citation: 5P.43/2000 14.02.2000 E. 2

2.- Formell kann eine Vormundschaftsbehörde zwar nicht selbstständig staatsrechtliche Beschwerde erheben, sondern nur das Gemeinwesen, dessen Organ sie ist, doch darf ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die Vormundschaftsbehörde für die Stadt K.________ Beschwerde führen wollte (BGE 113 II 113 E. 1 S. 115). Gemeinden sind als Trägerinnen staatlicher Hoheitsgewalt und als solche zur staatsrechtlichen Beschwerde nicht legitimiert (Art. 88 OG). Von diesem Grundsatz macht die Rechtsprechung seit jeher zwei Ausnahmen: Sie lässt Gemeinden zur Beschwerdeführung einerseits zu, wenn sie von einem staatlichen Hoheitsakt wie Private getroffen werden; anderseits sind Gemeinden legitimiert, mit staatsrechtlicher Beschwerde ihre Existenz, ihr Gebiet oder ihre Autonomie zu verteidigen (statt vieler: Kälin, Das Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde, 2.A. Bern 1994, S. 270 ff. mit vielen Nachweisen; seither: BGE 120 Ia 95 E. 1a S. 96 f.; 121 I 218 E. 2a S. 219 f.; 123 III 454 E. 2 S. 456; 125 I 173 E. 1b S. 175). Zur Diskussion steht hier von vornherein nur die erste der beiden Ausnahmen, zumal die Vormundschaftsbehörde sich allein auf eine Verletzung des Willkürverbots beruft. Die Voraussetzungen sind nicht gegeben. Die Vormundschaftsbehörde hat am kantonalen Verfahren auf gerichtliche Beurteilung eines Obhutsentzugs nicht in gleicher Weise teilgenommen wie ein Privater, sondern in ihrer Eigenschaft als erstinstanzlich entscheidende Behörde, gegen deren Verfügung die Beschwerdegegnerin an die erste und dann an die zweite Aufsichtsbehörde gelangt ist. Dass das kantonale Recht der erstinstanzlich entscheidenden Behörde, hier mithin der Vormundschaftsbehörde, im Verfahren der gerichtlichen Beurteilung eigens Parteistellung einräumt (§ 41 Abs. 3 EGzZGB), ist für die Frage der Legitimation zur staatsrechtlichen Beschwerde unerheblich (BGE 123 I 279 E. 3b S. 280 mit Hinweis) und berechtigte nur insofern dazu, trotz fehlender Legitimation in der Sache eine Verletzung von Parteirechten zu rügen, als die entsprechenden Rügen in engem Zusammenhang mit jener einer Verletzung der Autonomie oder Bestandesgarantie stehen (BGE 112 Ia 356 E. 6b S. 367; zuletzt: BGE 121 I 218 E. 4a S. 223; 120 Ia 95 E. 2 S. 100); derartige Rügen erhebt die Vormundschaftsbehörde nicht. Dass es schliesslich um finanzielle Interessen geht, vermag die Legitimation zur staatsrechtlichen Beschwerde ebenso wenig zu begründen (BGE 112 Ia 356 E. 5b S. 364; z.B. BGE 120 Ia 95 E. 1b S. 98 mit Hinweisen). Der Vormundschaftsbehörde kann aus den dargelegten Gründen nicht zugestimmt werden, mit ihrer Entschädigungspflicht sei die Legitimation nach Art. 88 OG erstellt. Dass den Organen des Kindesschutzes die staatsrechtliche Beschwerde nicht zusteht (vgl. bereits zum früheren Recht: Hegnauer, Berner Kommentar, N. 262 zu aArt. 283 ZGB), hat das Bundesgericht in seinem Urteil vom 15. März 1989 i.S. Einwohnergemeinde Olten festgehalten (E. 1), dem ein mit dem vorliegenden übereinstimmender Sachverhalt zugrunde gelegen hatte; das Urteil ist in der einschlägigen Fachzeitschrift veröffentlicht (ZVW 45/1990 S. 27 ff. Nr. 3) und wird in der Lehre genannt (vgl. etwa Hegnauer, Grundriss des Kindesrechts,