Citation: 6B_56/2020 E. 1.5.2

1.5.2. Im zu beurteilenden Fall kann zunächst offenbleiben, ob die am 27. Mai 2013 in Bezug auf den Beschwerdeführer verfügte Teileinstellung des Verfahrens wegen eventualvorsätzlicher Tötung für sich allein zulässig war, zumal diese nicht Gegenstand des Verfahrens bildet (6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 1.3; 6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.3). Zu prüfen ist allein, ob der Schuldspruch wegen Angriffs angesichts der Teileinstellung in Bezug auf die Tötung vor Bundesrecht standhält. Dies ist zu bejahen. Der zu beurteilende Fall betrifft nicht eine andere rechtliche Würdigung ein- und desselben Lebensvorgangs, welche einer teilweisen Verfahrenseinstellung entgegensteht. Der Strafuntersuchung liegen mit dem Angriff des Beschwerdeführers und seiner Mittäter auf die Gruppe der Brasilianer einerseits sowie der eventualvorsätzlichen Tötung eines der Mitglieder der angegriffenen Personengruppe andererseits vielmehr zwei von einander unterscheidbare Lebensvorgänge zugrunde. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (Beschwerde S. 14) lassen sich mithin die Sachverhalte hinsichtlich des Angriffs und der Tötungshandlung ohne weiteres auseinanderhalten und aufteilen (offengelassen in Urteil 6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 1.5). Dies ergibt sich daraus, dass sich der Angriff des Beschwerdeführers und seiner Mittäter nicht nur gegen das spätere Tötungsopfer, sondern gegen alle vier Personen der Gruppe der Brasilianer gerichtet hat. Die Sperrwirkung der Teileinstellung wegen der Tötung kann sich von daher von vornherein nicht auf den Angriff zum Nachteil der nicht tödlich verletzten Personen erstrecken. Die Straftatbestände stehen insofern auch nicht im Verhältnis der unechten Konkurrenz zueinander (anders Urteil 6B_653/2013 vom 20. März 2014; vgl. Floriaan Wendt, fp 2015, S. 219; Brigitte Tag, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N 18 zu Art. 11). An diesem Ergebnis ändert nichts, dass beide Handlungskomplexe Teil eines übergeordneten Gesamtgeschehens bilden. Der Tatbestand des Angriffs gemäss Art. 134 StGB setzt die Beteiligung mehrerer, d.h. mindestens zweier Täter und als objektive Strafbarkeitsbedingung die Körperverletzung oder den Tod eines Angegriffenen oder Dritten voraus (BGE 135 IV 152 E. 2.1.1). Die eigentliche Tötungshandlung ist dabei vom Angriff nicht umfasst, sondern bildet ein eigenständiges spezifisches Geschehen, das über die Beteiligung am Angriff hinausgreift. Im vorliegenden Fall steht einer Verurteilung des Beschwerdeführers wegen Angriffs somit nicht entgegen, dass das gegen ihn wegen eventualvorsätzlicher Tötung geführte Verfahren am 27. Mai 2013 eingestellt worden ist und die Tötung in der erst rund drei Jahre nach der Teileinstellungsverfügung erstellten Anklageschrift nunmehr dem Mitbeschuldigten F.________ bzw. eventualiter dem Mitbeschuldigten E.________ vorgeworfen wird (angefochtenes Urteil S. 7). Dabei schadet nicht, dass die beiden Lebensvorgänge in der Anklageschrift nicht explizit gegeneinander abgegrenzt sind, sondern der gesamte Hergang der Taten einheitlich dargestellt und in die Abschnitte Vorgeschichte, Verfolgung und Tatentschluss, Angriff und Tod des Opfers, Obduktionsgutachten und Tatwerkzeug sowie Nachtatverhalten unterteilt wird. Soweit das Bundesgericht in einem jüngeren Entscheid erkannt hat, die Einstellung des Verfahrens wegen einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten sowie Sachbeschädigung stehe mangels Vorliegens mehrerer Lebensvorgänge einem Schuldspruch wegen Raufhandels entgegen, kann darauf im vorliegenden Verfahren nicht abgestellt werden. Dies gilt umso mehr, als in dem jenem Entscheid zugrunde liegenden Fall die teilweise Einstellung des Verfahrens offenbar allein wegen des Verzichts der Geschädigten auf einen Strafantrag erfolgt ist (Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO; Urteil 6B_888/2019 vom 9. Dezember 2019 Sachverhalt A.- und E. 1.4). Die Rechtsprechung ist entsprechend zu präzisieren. Bei diesem Ergebnis lässt sich im vorliegenden Fall nicht sagen, dass der staatliche Strafanspruch durch einen Fehler des Staatsanwaltschaft getilgt worden ist (so BGE 144 IV 362 E. 1.4.3 a.E.). Das angefochtene Urteil verletzt somit kein Bundesrecht.