Citation: 9C_621/2022 E. 5.7

5.7. Zur vierten und letzten Voraussetzung für die Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung (Erkennbarkeit des Charakters der Leistung bzw. des Missverhältnisses zur Gegenleistung für die Organe der Gesellschaft) hat die Vorinstanz erwogen, dass nicht nur G.________, sondern auch das andere Verwaltungsratsmitglied der Beschwerdeführerin, F.________, habe erkennen müssen, dass mit der unterpreislichen Übertragung der Liegenschaft an die M.________ AG indirekt eine geldwerte Leistung an G.________ ausgerichtet würde. F.________ habe als ursprünglicher Darlehensgläubiger der M.________ AG über deren prekäre finanzielle Situation Bescheid gewusst. Zudem habe er zum Inhaber und Geschäftsführer der M.________ AG eine freundschaftliche Beziehung gepflegt, sodass auch er ein Eigeninteresse an einer Übertragung der Liegenschaft zu möglichst günstigen Konditionen an die M.________ AG gehabt habe (vgl. angefochtenes Urteil E. 4.4.2). Die Beschwerdeführerin bringt hiergegen zunächst vor, der Verwaltungsrat der Beschwerdeführerin habe auf die Richtigkeit des Gutachtens der N.________ AG vertrauen dürfen. Diese Sichtweise steht indessen im Widerspruch zur jedenfalls nicht offensichtlich unrichtigen Feststellung der Vorinstanz, dass dieses Gutachten auf erkennbar falschen Annahmen hinsichtlich der erzielbaren Mieteinnahmen beruhte. Weiter hält die Beschwerdeführerin die Interessenkollision seitens der Mitglieder ihres Verwaltungsrats für irrelevant, weil das Geschäft schliesslich von der Generalversammlung genehmigt worden sei. Auch in diesem Punkt kann der Beschwerdeführerin jedoch nicht gefolgt werden. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz den Interessenkonflikt bei beiden Mitgliedern des Verwaltungsrats zumindest als Indiz dafür gewertet hat, dass ihnen das Missverhältnis der Leistungen bekannt war. Die Genehmigung des Geschäfts durch die Generalversammlung ändert daran nichts. Sie mochte die Verwaltungsratsmitglieder allenfalls davor bewahren, dereinst von der Beschwerdeführerin für die unterpreisliche Übertragung verantwortlich gemacht zu werden (Art. 678 und 754 Abs. 1 OR); für die hier interessierende steuerrechtliche Frage ist diese Genehmigung dagegen irrelevant. Auch das vierte Kriterium für die Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung erweist sich demnach als erfüllt.