Citation: I 346/04 24.08.2005 E. 3

3.1 Auf Grund der medizinischen Unterlagen steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdegegner an seit der Kindheit bestehenden Spannungskopfschmerzen und intermittierenden, migräneartigen Anfällen leidet. Streitig und zu prüfen sind die Auswirkungen dieses Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit in der Ausbildung. Die Vorinstanz hat zur Beantwortung dieser Frage auf das Gutachten der Frau Dr. med. D.________ vom 2. April 2002 abgestellt, wonach der Beschwerdegegner im Umfang von 50% arbeitsunfähig sei. Die IV-Stelle macht in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend, die Abklärungen im Spital X.________, worauf sich die Expertin ausdrücklich beziehe, hätten keine schwerwiegenden Befunde ergeben. Gemäss Bericht des Dr. med. K.________, Neurologische Poliklinik des Spitals X.________, vom 22. Dezember 2001 sei der Beschwerdegegner vollständig arbeitsfähig. Die medizinische Expertise der Frau Dr. med. D.________ vermöge diese Einschätzung nicht zu erschüttern. 3.2 Frau Dr. med. D.________ gelangt zum Schluss, dass die chronischen Kopfschmerzen, die Folge des beim Unfall vom 11. April 1984 erlittenen leichten Schädel-/Hirntraumas seien, zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie erhöhter Ermüdbarkeit führten. Diese Symptomatik erkläre die festzustellende Tendenz zu erhöhter Vulnerabilität. Laut Angaben des Beschwerdegegners habe er die Fotografenlehre u.a. wegen Lichtempfindlichkeit aufgeben müssen und er schätze die erbrachte Leistung in der begonnenen Ausbildung zum Koch auf 60% bis 70%. Davon ausgehend legt die Expertin dar, die Lehre erfolge in geschütztem Rahmen (regelmässige Arbeitszeiten während der wöchentlichen Arbeitstage; freie Wochenenden), weshalb unter Berücksichtigung der Anforderungen auf dem freien Arbeitsmarkt im Bereiche des Gastgewerbes die Leistungsfähigkeit insgesamt um 50% herabgesetzt sei. Die Gutachterin erwähnt unter dem Titel "Anamnèse systématique" einen aktuellen Cannabiskonsum von fünf Zigaretten täglich, die der Explorand ("Plaintes actuelles") benötige, um die Kopfschmerzen zu ertragen. Ananmestisch ist gemäss psychiatrischem Gutachten der Klinik Y.________ vom 22. Oktober 2002 anzunehmen, dass der Beschwerdegegner bereits während der Schulzeit an einer Politoxikomanie (regelmässiger Cannabis-, sporadischer Ecstasy- und LSD-Konsum, Alkoholabusus) litt. Erfahrungsgemäss kann der häufige und kombinierte Konsum von Betäubungsmitteln eine deutliche Leistungsverminderung im Berufsalltag zur Folge haben. Namentlich die Einnahme von Cannabis führt u.a. zu einer kontemplativen Stimmung bei apathischer Stimmungslage, Störungen der Psychomotorik (insbesondere die sogenannte "Haschisch- oder Pseudokatalepsie"), Tremor, Beeinträchtigung des Sehvermögens und der Lichtempfindlichkeit und Schwindelgefühlen (Thomas Geschwinde, Rauschdrogen, Marktformen und Wirkungsweisen, vierte Auflage 1998, S. 30 f.). Auch bei nur gelegentlichem Konsum können völlig unkontrollierte Reaktionen, Aggressivität und Gewalttätigkeit auftreten (a.a.O., S. 59). Es handelt sich mithin um Symptome, über welche sich der Beschwerdegegner beklagt ("sensations vertigineuses", "difficulté à trouver les mots et les articuler", "impossibilité à communiquer avec l'environnement", "forte sensation d'agressivité", "très grande fatigue nécessitant de dormir", "photophobie", "des troubles de la concentration", "difficulté à retenir des noms et des chiffres ou calculer"; vgl. Gutachten der Frau Dr. med. D.________). Auf Grund des Gesagten ist nicht auszuschliessen, dass die geltend gemachten Beschwerden zumindest teilweise auf die Einnahme von Cannabis, anderen Betäubungsmitteln oder Alkohol zurückzuführen sind. Mit dieser Sachlage setzt sich Frau Dr. med. D.________ nicht explizit auseinander. Dazu hätte jedoch schon deshalb Anlass bestanden, weil die Expertin einerseits die Arbeitsunfähigkeit einzig gestützt auf die Selbsteinschätzung des Beschwerdegegners beurteilt und andererseits gemäss psychiatrischem Gutachten des Spitals X.________ keine psychische Gesundheitsstörung von Krankheitswert (unauffälliger Psychostatus; keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) vorliegt, welche zumindest als teilkausale Ursache eines Betäubungsmittelmissbrauchs oder Alkoholabusus in Betracht zu ziehen wäre (vgl. BGE 102 V 165; AHI 1996 S. 301, 304, 307). Daher kann nicht ohne Weiteres auf das vorinstanzlich eingereichte Gutachten der Frau Dr. med. D.________ abgestellt werden. 3.3 Auf der anderen Seite lassen auch die Berichte der Dres. med. K.________ (vom 22. Dezember 2000) und S.________ (vom 22. Januar 2001), welche in der Diagnose ebenfalls auf chronische Kopfschmerzen schliessen, keine abschliessende Beurteilung zu. Sie geben zwar eine vollständige Arbeitsfähigkeit an, schränken jedoch ausdrücklich ein, es seien keine sicheren Angaben möglich. Zudem erwähnt auch Dr. med. K.________ die Einnahme von Marihuana (ca. 3 Gramm pro Woche), ohne auf die Frage einer bestehenden Drogensucht und deren gesundheitliche Auswirkungen näher einzugehen. 3.4 Nach dem Gesagten ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz auf Grund der medizinischen Akten eine schlüssige Beurteilung des Sachverhalts nicht möglich. Die Sache ist daher entsprechend dem Eventualantrag in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an die IV-Stelle zur weiteren medizinischen Abklärung zurückzuweisen.