Citation: 9C_389/2022 E. 6.2.1

6.2.1. Dies ist zu bejahen. Auch wenn, wie vorstehend aufgezeigt, im Falle eines Parteigutachtens kein zwingender gesetzlicher Anspruch der versicherten Person darauf besteht, dass dieses dem RAD vorgelegt wird, erfordert die hier gegebene Sachlage - sämtliche beteiligten medizinischen und anderweitig beigezogenen Fachstellen, insbesondere auch die von der IV-Stelle selber beauftragten Gutachter, gelangen zur gleichen Einschätzung - eine andere Vorgehensweise. Gerade diesfalls erweist es sich als unabdingbar, sofern der Beurteilung der Sachverständigen nicht gefolgt werden soll, die entsprechenden Erhebungen dem RAD zur Überprüfung auf ihre versicherungsmedizinische Relevanz hin zu unterbreiten. Nicht anders sind denn die sachbezüglichen rechtlichen Grundlagen, wiedergegeben in E. 5.2 f. hiervor, und dabei namentlich die Ziff. 3134 ff. KSVI zu interpretieren. Vielmehr ist es in Konstellationen wie der vorliegenden Kernaufgabe des RAD, sich zur Plausibilität der gutachterlichen Folgenabschätzung nach Massgabe der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 zu äussern und gegenüber der Verwaltung die Gründe bei Verneinung zu benennen. Die besagten Normen würden ihres Sinngehalts entleert, wenn bei Verhältnissen, wie sie sich in casu präsentieren, auf den durch den RAD zu gewährleistenden - als unerlässliche Hilfestellung zuhanden der Verwaltung zu wertenden - versicherungsmedizinischen Filter verzichtet würde. Auch wenn die Indikatorenprüfung letztlich vom Rechtsanwender vorzunehmen ist (vgl. E. 2.3.2 hiervor), bedarf es im Zweifelsfall hierfür vorgängig einer sorgfältigen Sichtung und Würdigung des vorhandenen Beweismaterials durch den RAD. Zusätzlich unterstrichen wird dieser Ansatz durch die Stossrichtung der WEIV, wonach jegliche auf die Invalidität zurückzuführenden quantitativen und qualitativen Einschränkungen bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit konsequent anlässlich der Festlegung der verbleibenden funktionellen Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden sollen. Die dabei durch die IV-Stellen beigezogenen RAD haben eine umfassende Einschätzung der verbleibenden funktionellen Leistungsfähigkeit abzugeben, unter Berücksichtigung aller beeinflussenden medizinisch bedingten Faktoren (vgl. das im Rahmen der WEIV durch das BSV erstellte Hintergrunddokument "Rentensystem und Invaliditätsgradbemessung" vom 3. November 2021, S. 3 unten, abrufbar unter https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/iv/reformen-revisionen/weiterentwicklung-iv.html). Von einer blossen Ordnungsvorschrift, deren Nichtbefolgung keinerlei rechtliche Konsequenzen nach sich zieht, wie von der Vorinstanz angeführt, ist somit - jedenfalls in Fällen wie dem hier zu beurteilenden - nicht auszugehen.