Citation: 5C.146/2000 15.02.2001 E. 4

4.- Das Obergericht hat die Klage vollumfänglich abgewiesen, was die Entschädigung für die im gestohlenen Fahrzeug mitgeführten Gegenstände angeht, zumal die Klägerin den erforderlichen strikten Nachweis nicht habe erbringen können (E. 6 S. 13 ff. des Urteils vom 30. März 1999). Die Klägerin bemängelt die an den Schadensbeweis gestellten Anforderungen. a) Beweislastverteilung (Art. 8 ZGB) und Beweisanforderungen im Sinne des Beweismasses werden durch das Bundesrecht geregelt, dessen Verletzung mit eidgenössischer Berufung geltend gemacht werden kann (Art. 43 OG). Nicht überprüft werden kann hingegen, ob der den bundesrechtlichen Anforderungen entsprechende Beweis von der beweisbelasteten Partei tatsächlich erbracht worden ist; das ist - wie bereits erwähnt (E. 2c Absatz 1 und E. 3b hiervor) - eine Frage der Beweiswürdigung, die nicht vom Bundesrecht beherrscht ist (allgemein zum Beweismass: BGE 118 II 235 E. 3c S. 238 f.; aus dem Versicherungsrecht: Urteile des Bundesgerichts vom 22. November 1990, in: SVA XVIII 1990/1991 Nr. 7 S. 32 ff. und in: Praxis 80/1991 Nr. 230 S. 963 ff., und vom 5. März 1984, in: SVA XV 1982-1985 Nr. 27 S. 163). b) Beweislast und Beweismass hat das Obergericht im Ergebnis richtig bestimmt (E. 6d/bb S. 14 des Urteils vom 30. März 1999). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt der Versicherungsnehmer seiner Beweisführungslast für das unfreiwillige Abhandenkommen einer Sache mit einem Anscheinsbeweis (prima-facie-Beweis), d.h. im Normalfall damit, dass er den Eintritt des Schadenereignisses durch konkrete Angaben glaubhaft macht. Eine hohe Wahrscheinlichkeit bis hin zum strikten Beweis seiner Tatsachenbehauptungen kann vom Versicherungsnehmer nur verlangt werden, wenn der Versicherer schlüssige, gegenteilige Indizien geltend macht; dieser dem Versicherer obliegende Gegenbeweis besteht nicht im strikten Beweis des Gegenteils, sondern bloss im Begründen von Zweifeln an der Richtigkeit der Sachdarstellung des hauptbeweisbelasteten Versicherungsnehmers. Je erheblicher die von ihm geweckten Zweifel an der Version des Versicherungsnehmers, desto höher sind die Beweisanforderungen an dessen Sachdarstellung (vgl. die Nachweise bei Martha Niquille-Eberle, Beweiserleichterungen im Versicherungsrecht: insbesondere der Beweis des Fahrzeugdiebstahls, in: Haftpflicht- und Versicherungsrechtstagung 1997, St. Gallen 1997, S. 227 ff., S. 232 f.; Lukas Wyss, "Verschwundene Fahrzeuge" - ein Phänomen in der Versicherungslandschaft, in: FS des Nationalen Versicherungsbüros Schweiz und des Nationalen Garantiefonds Schweiz, Basel 2000, S. 591 ff., S. 607 ff.). c) Zum Nachweis der im gestohlenen Fahrzeug mitgeführten Gegenstände haben dem Obergericht insbesondere vorgelegen die Aussage des Zeugen F.________, der das Fahrzeug am Vorabend der Geschäftsreise beladen hatte, eine Diebstahlanzeige vom 4. Februar 1988, deren Rubrik "Gestohlene Gegenstände und Dokumente" A.________ ausgefüllt hatte, und eine Schadenanzeige vom 11. Februar 1988 mit beigelegter Liste der abhanden gekommenen Gegenstände (vgl. E. 4e S. 18 des Urteils vom 26. März 1996). Soweit die Klägerin die obergerichtliche Würdigung dieser Beweismittel angreift und namentlich die Feststellung von unüberwindbaren Widersprüchen in diesen Angaben kritisiert, kann auf ihre Berufung nicht eingetreten werden; sie selbst verweist in einzelnen Punkten auf ihre in der staatsrechtlichen Beschwerde vorgebrachten Rügen. Zulässig ist dagegen der Einwand, das Obergericht hätte nicht für alle aufgelisteten Gegenstände den strikten Nachweis unfreiwilligen Verlustes verlangen dürfen, wenn dieser nur für den WW-Schreiber und die Mengenteiler nicht habe glaubhaft gemacht werden können. Es trifft zu, dass das Obergericht im Zusammenhang mit den genannten Geräten "sehr erhebliche Zweifel" geäussert hat, ob sie überhaupt nach Italien mitgeführt worden seien (E. 6d/ee S. 16), und in der Folge für alle weiteren Gegenstände den strikten Nachweis gefordert hat, dass sie sich tatsächlich im gestohlenen Fahrzeug befunden hätten (E. 6d/ff-ii S. 17 des Urteils vom 30. März 1999). Die Vorgehensweise ist indessen nicht zu beanstanden: Der Anscheinsbeweis, der die Klägerin belastet, umfasst die Glaubhaftigkeit des Geschehens einerseits, aber auch die Glaubwürdigkeit der Person des Versicherungsnehmers. Ist dieser nicht glaubwürdig, kann auf seine Angaben nicht abgestellt werden, und Unglaubwürdigkeit darf angenommen werden, wenn er seine Darstellung im Verlauf der Zeit wechselt, unmittelbar nach dem Versicherungsfall gemachte Angaben in nicht nachvollziehbarer Weise ergänzt, sich in Widersprüche verwickelt usw. (anschaulich: Niquille-Eberle, a.a.O., S. 240 f. und S. 249). Die entsprechenden Feststellungen des Obergerichts betreffen tatsächliche Verhältnisse und binden das Bundesgericht (Art. 63 Abs. 2 OG). Indem das Obergericht gestützt darauf den strikten Nachweis verlangt hat, dass alle Gegenstände sich im gestohlenen Fahrzeug befanden, hat es die bundesrechtlichen Beweisanforderungen nicht überspannt.