Citation: 9C_685/2023 E. 2.2.3

2.2.3. 2.2.3.1. Dies ist, jedenfalls hinsichtlich der direkten Bundessteuer, als qualifiziertes Schweigen zu würdigen. So hat das Bundesgericht zur direkten Bundessteuer immer wieder erwogen, dass diese für ergänzende kantonalrechtliche "Gerichtsferien" keinen Raum eröffne. Vielmehr regelten die Art. 133 und 140 DBG, so das Bundesgericht, den Fristenlauf abschliessend (Urteile 9C_236/2023 vom 31. Mai 2023 E. 4; 2C_1107/2016 vom 5. April 2017 E. 3.1; 2C_512/2016 vom 13. Juni 2016 E. 5; 2C_89/2015 vom 23. Oktober 2015 E. 6.1; 2C_589/2013 vom 17. Januar 2014 E. 4; 2C_416/2013 vom 5. November 2013 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 140 I 68; zu Beginn dieser langen Rechtsprechungslinie: Urteile 2A.474/2003 vom 18. Dezember 2003 E. 2.2; 2A.248/2003 vom 8. August 2003 E. 3; 2A.281/1999 vom 27. September 1999 E. 4). Es verhalte sich insofern gleich wie unter dem Vorgängerrecht (Art. 106 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 99 Abs. 2 des Bundesratsbeschlusses vom 9. Dezember 1940 über die Erhebung einer direkten Bundessteuer [BdBSt; BS 6 390]; Urteile A.363/1985 vom 13. Mai 1986 E. 2; A.172/1984 vom 20. Dezember 1985 E. 3). Aus diesem Grund stellen sich abweichende oder weitergehende kantonale Vorschriften - wie etwa "Gerichtsferien" - im Bereich des Bundessteuerrechts als unzulässig dar. Das Bundesgericht hat diese Sichtweise auf andere Bundessteuern übertragen, so namentlich auf die Verrechnungssteuer (BGE 142 II 304 E. 3.1). 2.2.3.2. Im Urteil 2A.355/2003 vom 19. Dezember 2003 (publ. in: BGE 130 II 65) erkannte das Bundesgericht überdies zum harmonisierten Bereich, dass die Kantone von Bundesrechts wegen gehalten seien, für Beschwerden betreffend die direkte Bundessteuer und die harmonisierten Steuern von Kanton und Gemeinden einen einheitlichen Instanzenzug zu schaffen. Vor diesem Hintergrund ging das Bundesgericht später im Urteil 2A.70/2006 vom 15. Februar 2006 der Frage nach, ob unterschiedliche Fristenregelungen für die direkte Bundessteuer einerseits und die harmonisierten Steuern von Kantonen und Gemeinden anderseits überhaupt noch angängig seien. Im konkreten Fall konnte dies offenbleiben. Sollte der kantonale Gesetzgeber die eidgenössischen und die kantonalen Fristenregelungen anzugleichen wünschen, hielt das Bundesgericht fest, habe dies durch Anpassung der kantonalen an die eidgenössische Frist zu geschehen (und nicht umgekehrt; Urteil 2C_503/2010 vom 11. November 2010 E. 2; zum Ganzen: Urteil 2C_407/2012 vom 23. November 2012 E. 2.4). Eine "umgekehrte" vertikale Harmonisierung steht damit ausser Frage (Urteile 9C_236/2023 vom 31. Mai 2023 E. 4; 2C_89/2015 vom 23. Oktober 2015 E. 6.3; 2C_628/2010 / 2C_645/2010 vom 28. Juni 2011 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 137 II 353; Silvia Hunziker/Corinna Bigler, in: Martin Zweifel/Michael Beusch [Hrsg.], Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, Kommentar, 3. Aufl. 2022 [nachfolgend: Komm. DBG], N. 29 zu Art. 140; Hugo Casanova/Claude-Emmanuel Dubey, in: Yves Noël/Florence Aubry Girardin [Hrsg.], Impôt fédéral direct, Commentaire romand, 2. Aufl. 2017 [nachfolgend: CR LIFD], N. 22 zu Art. 140; Peter Locher, Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, III. Teil, 2015, N. 21 zu Art. 140).