Citation: M 10/01 12.04.2002 E. 2

2.- Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Versicherten auf Übernahme der Kosten für das Medikament Viagra und für Caverject-Injektionen. a) Das BAMV hat in seinem Einspracheentscheid vom 27. Dezember 2000 im Wesentlichen ausgeführt, die offene Frage werde durch seine Richtlinien vom 21. Juni 1999 betreffend Kostenübernahme von Therapiemassnahmen gegen Potenzstörungen geregelt. Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit einer Behandlung sei festzustellen, dass die therapeutischen Möglichkeiten zur Beeinflussung der männlichen Sexualität, insbesondere nach der Zulassung des Medikamentes Viagra, die Grenzen des sozialversicherungsrechtlich Vertretbaren überschritten. Aus diesem Grund übernehme die Militärversicherung die Kosten für therapeutische Möglichkeiten, welche das männliche Sexualleben beeinflussten, grundsätzlich nicht. Die Situation von an Potenzstörungen leidenden Versicherten werde durch die Zusprechung einer Integritätsschadenrente gemildert. Durch eine derartige Rente, welcher auch Genugtuungscharakter zukomme, würden sowohl die durch die Störung erlittene immaterielle Unbill abgegolten als auch Leistungen abgedeckt, welche von der Militärversicherung sonst nicht übernommen werden könnten. Darunter fielen insbesondere sämtliche Erektionshilfen. Beim Beschwerdeführer seien die Auswirkungen der Potenzstörung auf die allgemeine Lebensgestaltung bei der Bemessung des Integritätsschadens voll berücksichtigt worden. b) Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid im Wesentlichen erwogen, mit der Integritätsschadenrente seien sämtliche Folgen der versicherten Gesundheitsschädigung abgegolten worden. Nach der Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (BGE 117 V 82) sei es für die Bemessung des Integritätsschadens unerheblich, ob dieser mit einem Hilfsmittel ganz oder teilweise ausgeglichen werden könne. Mithin sei der Integritätsschaden, welchen der Versicherte infolge der Sexualfunktionsstörung erlitten habe, unabhängig davon zu bewerten, ob und welche Medikamente die Folgen der Verletzung vorübergehend zu beseitigen vermöchten. Unter diesen Umständen könne die Frage, ob insbesondere Viagra als Heilbehandlung im Sinne von Art. 16 MVG generell oder aufgrund der besonderen Verhältnisse im Einzelfall qualifiziert werden könne, offen gelassen werden. Ebenfalls nicht entschieden werden müsse über die Frage der Rechtmässigkeit der vom BAMV seit Erlass der Richtlinien vom 21. Juni 1999 verfolgten Praxis.