Citation: I 843/06 12.10.2007 E. 10.1

10.1.1 Die Versicherte wendet ein, im MEDAS-Gutachten vom 2. Mai 2005 werde ausgeführt, die Abklärungen des Zentrums G.________ hätten keine Hinweise für eine periphere Vestibulopathie ergeben. Diese Aussage sei klar falsch. Im MEDAS-Gutachten werde verschwiegen, dass das Zentrum G.________ eine zentralvestibuläre Störung objektiviert habe (Bericht vom 19. August 2002). Die SUVA habe sich damit nur deshalb nicht befassen müssen, weil sie sich der Leistungspflicht mangels adäquater Kausalität zwischen dem Unfall vom 10. April 2007 und den Beschwerden habe entziehen können. Dieser anhaltende Schwindelbefund sei aber sehr wohl relevant. Rechtsprechungswidrig sei das Argument im MEDAS-Gutachten, dass in der Regel die Mikroläsionen nach einer HWS-Distorsion innerhalb weniger Wochen abheilten und kein pathologisches organisches Substrat hinterliessen. Es werde nicht relativiert, dass dies in der Regel zutreffe. Mit dem bei der Versicherten vorliegenden organischen Schwindelbefund seien die Ausführungen im MEDAS-Gutachten widerlegt, dass die anhaltenden Beschwerden nicht mehr Folge eines Unfalls sein könnten. Diesbezüglich sei das Gutachten klar mangelhaft. Es sei unabgeklärt geblieben, inwieweit dieser Schwindelbefund Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben könne. Die Vorinstanz habe den Sachverhalt diesbezüglich unrichtig gewürdigt und die Beweisregeln falsch angewendet. Indem die MEDAS nicht an eine längerdauernde unfallbedingte Beschwerdeproblematik nach einer Heckkollision glaube, habe sie sich selber disqualifiziert und sei es nachvollziehbar, dass sie die von der Versicherten geltend gemachten Beschwerden bagatellisiere. In dieses Kapitel passe die Aussage im MEDAS-Gutachten, wonach bei der von Dr. med. M.________ attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit von Bedeutung sein könne, dass die Versicherte bei ihm eine psychotherapeutische Behandlung aufgenommen habe. Statt sich mit der abweichenden Auffassung des Dr. med. M.________ auseinanderzusetzen, sei mit Unterstellung und Mutmassungen operiert worden. 10.1.2 Das Zentrum G.________ stellte im Bericht vom 14. August 2002 ein normales Untersuchungsergebnis der akustisch evozierten Potentiale ohne Hinweise auf eine retrokochleäre Hörstörung fest. Im Bericht vom 19. August 2002 legte es dar, eine periphere Vestibulopathie liege nicht vor. Alle auffälligen Resultate deuteten auf eine zentralvestibuläre Störung hin. Die Befunde könnten ausnahmslos einem Schleudertrauma zugeordnet werden. Gleiche Symptome könnten aber im Rahmen einer Multiplen Sklerose (MS) ebenfalls festgestellt werden, weshalb zur Klärung ein Schädel-MRI durchzuführen sei. Gemäss Bericht des Röntgeninstituts U.________ vom 21. August 2002 konnte eine MS ausgeschlossen werden (vgl. auch das die Versicherte betreffende Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts U 329/03 vom 31. Mai 2005, E. 2.1.3). Wenn das Zentrum G.________ die zentralvestibuläre Störung ausnahmslos dem Schleudertrauma zuordnete, kann diesbezüglich nicht von einem klar fassbaren organischen Korrelat des Leidens gesprochen werden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts U 328/06 vom 25. Juli 2007, E. 6.2). Hievon ging das Eidgenössische Versicherungsgericht auch im erwähnten Urteil U 329/03 aus, indem es offen liess, ob bei der Versicherten psychische Unfallfolgeschäden vorlagen, und die Adäquanzprüfung nach der so genannten Schleudertraumpraxis vornahm. Denn das typische Beschwerdebild nach einem HWS-Schleudertrauma zeichnet sich gerade dadurch aus, dass die Beschwerden oft organisch nicht oder nicht hinreichend nachweisbar sind (BGE 117 V 359 E. 5d/aa S. 363; erwähntes Urteil U 328/06, E. 7.2). 10.2 Die MEDAS hielt im Gutachten vom 2. Mai 2005 im Rahmen der Anamnese fest, das Zentrum G.________ habe am 19. August 2002 eine zentralvestibuläre Störung festgestellt. Im Rahmen der Epikrisie und Beurteilung des Leistungsfähigkeit der Versicherten ging die MEDAS nicht mehr explizit auf die Problematik der zentralvestibulären Störung ein, sondern hielt lediglich fest, das Zentrum G.________ habe keine Hinweise auf eine retrokochleäre Hörstörung oder eine periphere Vestibulopathie gefunden. Für die imperativ nach vier Stunden einsetzende Ausruhbedürftigkeit und den damit einhergehenden vollständigen Leistungszusammenbruch hätten keine medizinischen Begründungen gefunden werden können. Die Vorinstanz hat hiezu erwogen, ob die Tatsache, dass sämtliche auffälligen Resultate der Abklärungen durch das Zentrum G.________ auf eine zentralvestibuläre Störung hindeuteten, bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit durch die MEDAS berücksichtigt worden sei, müsse nicht abschliessend beantwortet werden. Denn auf Grund der gesamten Akten könne nicht darauf geschlossen werden, dass diese Störung - sollte sie in der Beurteilung nicht berücksichtigt worden sein - zu einer höheren Arbeitsunfähigkeit führen würde, als sie die MEDAS festgestellt habe. Diesen vorinstanzlichen Erwägungen ist beizupflichten. Diesbezüglich ist insbesondere zu beachten, dass das Zentrum G.________ im Bericht vom 19. August 2002 bezüglich der zentralvestibulären Störung keine separate Arbeitsunfähigkeit attestierte, sondern diese Störung ausnahmslos der HWS-Problematik zuordnete. Eine Nachkontrolle hielt das Zentrum nicht für erforderlich; es instruierte der Versicherten lediglich einfache Übungen zur Habituation sowie zur Verbesserung der Blickfixation (vgl. E. 10.1.2 hievor). In diesem Rahmen bestand auf Grund des Gutachtens des Dr. med. M.________ vom 9. Februar 2003 in der bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (vgl. erwähntes Urteil U 329/03, E. 3.3.7). Weiter führte der von der Versicherten selber angerufene Dr. med. M.________ im Bericht vom 25. April 2006 gegenüber ihrem Rechtsvertreter aus, am 5. September 2005 habe er als ehemaliger Therapeut zwar nicht mehr eine genaue numerische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Behandlungsabschuss am 14. Februar 2005 mitteilen können, habe aber als orientierungsweisen Rahmen aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 65 % erwähnt. Dies korreliere eigentlich recht gut mit der MEDAS-Beurteilung vom 2. Mai 2005, die auf eine Arbeitsfähigkeit von 70 % schliesse. Zur Arbeitsfähigkeit Ende des Jahres 2002 könnten sich die MEDAS-Beurteiler indessen kaum objektiv äussern. Wenn mithin der behandelnde Psychiater, dem das Vorliegen der vom Zentrum G.________ am 19. August 2002 umschriebenen zentralvestibulären Störung bekannt war, im Bericht vom 25. April 2006 die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS vom 2. Mai 2005 im Ergebnis praktisch bestätigt hat, so kann hierauf im Rahmen der hier anwendbaren Kognitionsregelung (vgl. E. 10.4 hienach) abgestellt werden.