Citation: 8C_413/2024 E. 5.2.3

5.2.3. Die Vorinstanz beruft sich zur Begründung der fehlenden Einflussmöglichkeit des Beschwerdegegners auf die Entscheidungen der Aktiengesellschaft unter anderem auf SVR 2020 ALV Nr. 15 S. 46, 8C_433/2019. Das Bundesgericht verneinte damals eine arbeitgeberähnliche Stellung des Minderheitsaktionärs (25%iger Anteil der Aktien, weitere drei Aktionäre hielten 37,5 %, 27,5 % und 10 % der Aktien) nach dessen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat. Dabei wies es auf den Vertrauensverlust zwischen dem Minderheitsaktionär und den gleichzeitig dem Verwaltungsrat angehörenden Mehrheitsaktionären hin, der einen fortbestehenden Einfluss des Minderheitsaktionärs durch Zusammenwirken mit den Mehrheitsaktionären ausschliesse (SVR 2020 ALV Nr. 15 S. 46, 8C_433/2019 E. 5.2.3.1, 5.2.3.2 und 5.2.4). 5.2.3.1. Mit der Vorinstanz lässt sich der vorliegende Fall insofern mit SVR 2020 ALV Nr. 15 S. 46, 8C_433/2019, vergleichen, als dass sich die Ausgangslage nach der fristlosen Kündigung der Anstellung durch die ehemalige Arbeitgeberin, durchgesetzt von den übrigen Aktionären als (nunmehr einzige) Mitglieder des Verwaltungsrates, hier wie dort alles andere als harmonisch präsentiert. So verlor auch der Beschwerdegegner im vorliegenden Fall seine Anstellung anlässlich von erheblichen Differenzen mit den übrigen Verwaltungsratsmitgliedern. Die Gesellschaft prüfte gar straf- und/oder zivilrechtliche Schritte gegen den Beschwerdegegner. Auch in Bezug auf den zeitlichen Ablauf sind die beiden Sachverhalte vergleichbar. Wie der Minderheitsaktionär aus SVR 2020 ALV Nr. 15 S. 46, 8C_433/2019, bemühte sich auch der Beschwerdegegner im vorliegenden Fall nicht erst im Hinblick auf die Erhältlichmachung von Arbeitslosenentschädigung um den Verkauf seines 49%igen Aktienanteils. Vielmehr war der Verkauf aller Anteile an der C.________ AG Gegenstand des Kaufvertrags vom 23. Juni 2022, wobei die verbliebenen 49 % der Anteile bereits Ende Dezember 2022 gegen Entrichtung des Kaufpreises an die D.________ GmbH hätten übertragen werden sollen. Der Vollzug dieses Teils des Vertrags unterblieb jedoch aus finanziellen Gründen (Aufzeichnungen zur Zusammenkunft der Verwaltungsratsmitglieder vom 29. Juni 2023). Am 20. Juli 2023 liess der Beschwerdegegner deshalb der G.________ GmbH als Rechtsnachfolgerin der D.________ GmbH eine Zahlungsaufforderung zustellen. Dass diese Aufforderung bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids erfüllt worden wäre, ist nicht dokumentiert. 5.2.3.2. Zwar trifft mit der Beschwerdeführerin zu, dass der Beschwerdegegner bei Abstimmungen gemäss Art. 704 Abs. 1 OR die Möglichkeit hat, Beschlüsse zu verunmöglichen und dadurch Druck auf die Mehrheitsaktionärin auszuüben. Dass diese die Wiederanstellung des Beschwerdegegners ab einem gewissen Punkt als kleineres Übel hätte hinnehmen können, ist insofern nicht gänzlich ausgeschlossen. Doch gab der Beschwerdegegner keinen Anlass, ein solches Verhalten von ihm zu befürchten. So liess er, wie die Vorinstanz unbestrittenermassen feststellte, der G.________ GmbH als Rechtsnachfolgerin der D.________ GmbH am 20. Juli 2023 - gleichentags wie seine Anmeldung beim RAV - die Aufforderung zustellen, den Kaufpreis des verbliebenen 49%igen Aktienanteils, welcher bereits Ende Dezember 2022 fällig war, nun innerhalb von 15 Tagen zu bezahlen (vgl. E. 5.2.3.1 hiervor). Dieses Vorgehen lässt den Schluss zu, dass er nicht nur am Verkauf festhalten, sondern diesen nach seiner fristlosen Kündigung vorantreiben wollte und nicht die Absicht verfolgte, als Minderheitsaktionär weiterhin Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen oder gar Beschlüsse zu blockieren. Überdies hätte die Mehrheitsaktionärin selbst mit einer Wiederanstellung des Beschwerdegegners keine Garantie dafür gehabt, dass er ab dann in ihrem Interesse abgestimmt hätte. Vielmehr wäre es bei einem die Beschlüsse torpedierenden Verhalten des Beschwerdegegners zielführender gewesen, seinen Aktienanteil (oder mindestens so viel wie notwendig, um zwei Drittel der Stimmen zu kontrollieren) zu erwerben und ihm so den Einfluss definitiv zu entziehen. Insofern erweist sich das Szenario der forcierten Wiederanstellung als weder vom Beschwerdegegner beabsichtigt noch für die Mehrheitsaktionärin als lohnenswerte Vorgehensweise im Vergleich zum Erwerb des verbliebenen Aktienpakets und von daher als unwahrscheinlich. 5.2.3.3. Vor dem Hintergrund der erheblichen Differenzen zwischen dem Beschwerdegegner und den übrigen Verwaltungsratsmitgliedern (vgl. E. 5.2.3.1 hiervor) durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass der Beschwerdegegner auch durch informellen Einfluss auf die Mehrheitsaktionärin und deren Vertreter im Verwaltungsrat nicht wieder angestellt worden wäre. Bei den vorherrschenden Verhältnissen hatte der Beschwerdegegner überdies auch keine Möglichkeit, die Entscheidungen in der Gesellschaft durch Allianzen mit einem der zwei Gesellschafter der D.________ GmbH zu beeinflussen. 5.2.3.4. Mit der Vorinstanz ist schliesslich davon auszugehen, dass die Einflussnahme in den in Art. 704 Abs. 1 OR genannten Bereichen nicht dazu geeignet ist, dem Beschwerdegegner erneut einen Einfluss in Belangen zu verschaffen, die von der Regelung in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG anvisiert werden und mit denen er alleine - ohne das Schliessen von Allianzen - eine Wiederanstellung bei der C.________ AG hätte erwirken können. Namentlich könnte der Beschwerdegegner aufgrund der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zwar eine Kapitalerhöhung genehmigen oder verhindern (Art. 704 Abs. 1 Ziff. 3 OR), er hätte aber als Minderheitsaktionär nicht die Möglichkeit, das statutarisch vorgesehene Bezugsrecht - also hier das Bezugsrecht nach Massgabe des bisherigen Aktienbesitzes - zu seinen Gunsten zu verändern (vgl. Art. 704 Abs. 1 Ziff. 4 OR) und auf diese Weise eine Mehrheitsbeteiligung zu erlangen. 5.2.3.5. Dass die Mehrheitsaktionärin bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids den Aktienanteil des Beschwerdegegners nicht erworben hat (vgl. E. 5.2.3.1 hiervor), bekräftigt schliesslich die Vermutung, dass sie dessen Einflussnahme nicht zu befürchten hatte. Ein Missbrauchspotential bestand nach seinem Rücktritt als Verwaltungsrat trotz seiner fortdauernden Stellung als Minderheitsaktionär mit 49%igem Aktienanteil nicht mehr. Es geht zu weit, den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bis zur definitiven Aufgabe der Aktionärsstellung auszuschliessen, wenn eine Missbrauchsgefahr nicht mehr besteht (SVR 2020 ALV Nr. 15 S. 46, 8C_433/2019 E. 5.2.3.2).