Citation: 6B_999/2021 E. 3.4.2

3.4.2. 3.4.2.1. Die Staatsanwaltschaft eröffnet gemäss Art. 309 Abs. 1 StPO eine Untersuchung unter den in lit. a-c genannten Voraussetzungen, mithin unter anderem dann, wenn sie Zwangsmassnahmen anordnet. Ab der Eröffnung der Untersuchung darf die Polizei keine selbstständigen Ermittlungen mehr vornehmen. Eine Ausnahme besteht bei einfachen Erhebungen zur Klärung des Sachverhalts. So ist etwa die selbstständige polizeiliche Ermittlung von Geschädigten und Zeugen sowie deren informatorische Befragung, namentlich zur Abklärung, ob diese beweisrelevante Angaben zum Sachverhalt machen können, weiterhin möglich. Zudem kann die Staatsanwaltschaft die Polizei nach Eröffnung der Untersuchung mit ergänzenden Ermittlungen beauftragen. Sie erteilt ihr dazu schriftliche, in dringenden Fällen mündliche Anweisungen, die sich auf konkret umschriebene Abklärungen beschränken (Art. 312 Abs. 1 StPO; zum Ganzen: BGE 143 IV 397 E. 3.3.2 und E. 3.4.2 mit Hinweisen). 3.4.2.2. Die Vorinstanz verweist hinsichtlich der von der Polizei veranlassten Untersuchungen durch das IRM zu Recht auf die Verfügungen der Staatsanwaltschaft vom 15. und 24. September 2014. Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung bezieht sich nämlich insbesondere die Verfügung vom 15. September 2014 (Ziff. 1) auf das Hanffeld bzw. auf den vom Beschwerdeführer bewirtschafteten bzw. angebauten Hanf auf dem Landwirtschaftsbetrieb U.________ in V.________. Mit dieser Verfügung wurde die Kantonspolizei Bern zudem beauftragt, den Umfang des vom Beschwerdeführer angebauten Hanfs festzustellen und zu dokumentieren (Ziff. 2) sowie Proben vom Hanf bzw. den Hanfteilen zwecks Bestimmung des THC-Gehalts zu entnehmen (Ziff. 3). Ein gleicher Auftrag besteht betreffend den Hanf, welcher am Wohnort des Beschwerdeführers gefunden wurde (vgl. Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 16. September 2014). Wenn die Polizei daraufhin Proben vom Hanffeld entnahm und diese wie auch den am Wohnort gefundenen Hanf vom IRM analysieren liess, handelte sie im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Es war nicht notwendig, falls diesbezüglich weitere Proben oder Analysen erforderlich waren, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungshandlungen nochmals an die Polizei delegiert. Der Einwand des Beschwerdeführers, die Beprobung vom 30. September 2014 könne keiner Verfügung der Staatsanwaltschaft zugeordnet werden, zielt somit ins Leere. Mit Blick darauf, dass die Polizei auch nach Eröffnung der Untersuchung der Staatsanwaltschaft noch einfache Erhebungen durchführen kann, ist auch nicht zu beanstanden, dass die Polizei die Analyse der ersten Hanfproben aus der mit Einwilligung des Beschwerdeführers durchgeführten Hausdurchsuchung vom 11. September 2014 bereits vor den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsaufträgen veranlasste. Hinzu kommt, dass die Polizei im selbstständigen Ermittlungsverfahren über den "ersten Zugriff" hinaus (i.c. Fahrzeugkontrolle, Hausdurchsuchung mit Einwilligung der Beteiligten), Sachbeweise nicht nur vorläufig zuhanden der Staatsanwaltschaft zu sichern, sondern diese auch selber auszuwerten hat (Art. 306 Abs. 2 StPO; BEAT RHYNER, in: BSK StPO, a.a.O., N. 21 zu Art. 306 StPO).