Citation: 6B_900/2024 E. 5.4.3

5.4.3. Zu prüfen bleibt, ob das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. Soweit der Beschwerdeführer die Zeitdauer zwischen der Eröffnung des erstinstanzlichen Urteils und dessen Zustellung in begründeter Form beanstandet, ist er damit nicht zu hören. Die Rüge ist nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheids. Der Beschwerdeführer macht weder eine Rechtsverweigerung geltend, noch ist eine solche zu erkennen. Dass er eine Verletzung des Beschleunigungsgebots vor Vorinstanz erhoben hätte, geht aus den Akten nicht hervor (vgl. kantonale Akten, pag. 5814-5826, pag. 5834). Der kantonale Instanzenzug ist folglich nicht ausgeschöpft (vgl. Art. 80 Abs. 1 BGG). Auf die Rüge kann deshalb nicht eingetreten werden (vgl. Urteile 6B_1028/2019 vom 19. Dezember 2019 E. 3.3.4; 6B_1101/2017 vom 30. Mai 2018 E. 1.3; 6B_803/2017 vom 26. April 2018 E. 4; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz stellte dem Beschwerdeführer die schriftliche Begründung des Urteils vom 30. Januar 2024 am 28. Oktober 2024 zu. In tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht musste die Vorinstanz die Vergewaltigung (drei Vorhalte) und die sexuelle Nötigung (sechs Vorhalte) prüfen sowie das Strafmass festsetzen. Ebenso hatte sie über die Anordnung einer Landesverweisung und einer ambulanten therapeutischen Massnahme, die Zivilforderung eines Opfers sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu befinden. Die Akten waren umfangreich und die Würdigung der Aussagen sowie die Klärung der Rechtsfragen (insbesondere die Tatbegehung in mittelbarer Täterschaft) erforderten einen beträchtlichen zeitlichen Aufwand. Doch selbst wenn man vorliegend nicht mehr von einem durchschnittlichen Verfahren ausgeht, nahm die vorinstanzliche Urteilsredaktion zu viel Zeit in Anspruch. Dem Beschwerdeführer ist seit dem 13. November 2020 die Freiheit entzogen. Er befand sich bis am 15. September 2021 in Haft und ist seither im vorzeitigen Strafvollzug. Berücksichtigt man, dass Haftsachen vordringlich behandelt werden müssen (Art. 5 Abs. 2 StPO), ist die für die Urteilsbegründung benötigte Zeit von neun Monaten nicht mit dem Beschleunigungsgebot vereinbar (siehe zum Vergleich Urteile 7B_211/2024 vom 31. Mai 2024 E. 2.2 [9 Monate]; 6B_16/2023 vom 17. Mai 2024 E. 5.3.3.5 [12 Monate]; 6B_1399/2021 vom 7. Dezember 2022 E. 4.3 [9 Monate]; 1B_443/2021 vom 6. Oktober 2021 E. 3.4.1-3.4.3 [8 Monate]; 1B_82/2021 vom 9. September 2021 E. 2.4 [7 Monate]). Insgesamt wiegt die Verletzung des Beschleunigungsgebots jedoch noch leicht, sodass sich keine Reduktion der Strafe rechtfertigt. Die Verletzung des Beschleunigungsgebots ist im vorliegenden Urteilsdispositiv festzustellen. Damit und in Verbindung mit einer für den Beschwerdeführer vorteilhaften Kostenregelung (vgl. E. 6 hernach) wird ihm gemäss Rechtsprechung eine hinreichende Wiedergutmachung verschafft (vgl. BGE 147 I 259 E. 1.3.3; 138 II 513 E. 6.5; 137 IV 118 E. 2.2; Urteile 6B_402/2022 vom 24. April 2023 E. 4.4.3; 6B_1399/2021 vom 7. Dezember 2022 E. 4.3; je mit Hinweisen).