Citation: 5A_534/2021 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz hat erwogen, die Kindsmutter erbringe ihren Unterhaltsbeitrag bis August 2023 bereits vollständig in natura. Die bisher tatsächlich gelebte, wie die bis August 2023 vereinbarte Betreuungsaufteilung komme der alleinigen Obhut der Kindsmutter gleich. Der Kindsvater betreue die Kinder lediglich im Rahmen eines gerichtsüblichen Besuchsrechts. Zwar übernehme der Kindsvater die Betreuung an einem Werktag, dem Freitag. Jedoch seien die Kinder höchstens einen Tag am Wochenende bei ihm. Auch die Ferienbesuchsregelung bewege sich im minimalen gerichtsüblichen Bereich. Ab August 2023 übernehme der Kindsvater die Betreuung der Kinder an jedem zweiten Wochenende von Freitag- bis Sonntagabend sowie an einem zusätzlichen Werktag (von 7.30 bis 19.30 Uhr). Im Umfang eines Werktages werde sein Betreuungsanteil dann die gerichtsübliche Besuchsrechtsregelung bei alleiniger Obhutszuteilung übertreffen. Allerdings falle in Betracht, dass die Kinder in jenem Zeitpunkt 9 und 6 ½ Jahre alt sein und tagsüber die Schule besuchen würden. Der Kindsvater werde damit die Kinder über die Mittagszeit und einige Stunden nach der Schule an einem Werktag zu betreuen haben, sofern sie nicht den Mittagstisch der Schule besuchen. Die sensiblen Zeiten nach dem Aufstehen und vor dem Zubettgehen sowie die Nachtstunden würden unter der Woche weiterhin von der Kindsmutter abgedeckt. Von einer alternierenden Obhut könne auch unter Berücksichtigung der Ferienregelung (2 Wochen) nicht gesprochen werden. Ebenfalls würdigte die Vorinstanz an dieser Stelle, dass die Kindsmutter querschnittsgelähmt und damit lebenslang an den Rollstuhl gebunden ist. Dies bedeute, dass sie nicht nur reduziert erwerbsfähig sei, sondern auch im Haushalt sowie bei der Kinderbetreuung entscheidende Einschnitte erleide. Sie müsse besonderen Aufwand erbringen, um die gleichen Leistungen wie eine körperlich nicht eingeschränkte Person zu erreichen. Als besondere, im Sinne von überobligatorische Leistung sei ihr überdies anzurechnen, dass sie sich nach dem Unfall weiterbildete und sie trotz gesundheitlich erheblicher Behinderung neben dem Haushalt und der Kinderbetreuung als Hauptbezugsperson einem 40%-Pensum als Oberstufenlehrerin im Kanton Aargau nachgehe, obwohl das jüngste Kind erst ab Sommer 2021 die Grundstufe besuchen werde. Durch ihr Einkommen habe ein Betreuungsunterhalt umgangen werden können. Eine weit überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit der Kindsmutter, welche eine Beteiligung am Barunterhalt der Kinder erheischen würde, sei vom Kindsvater nicht nachvollziehbar behauptet worden. Ohne Weiteres stehe fest, dass die hohe von der Haftpflichtversicherung vergleichsweise im Jahr 2014 ausbezahlte Summe den Erwerbsausfall während des gesamten Erwerbslebens der Kindsmutter, ihre Altersvorsorge sowie die lebenslangen unfallbedingten Mehrkosten im Alltag (Haushalt und Kinderbetreuung) abdecken muss. Damit bleibe es dabei, dass der Kindsvater auch in dieser Phase für den geldmässigen Unterhalt der Kinder aufzukommen habe.