Citation: 4A_419/2023 E. 6.1

6.1. Die Vorinstanz führte in diesem Zusammenhang aus, PD Dr. med. vet. F.________ habe in seinem Gutachten die Frage bejaht, ob Dr. med. vet. D.________ aufgrund der Verdachtsdiagnose einer Fissur (rund) zehn Tage nach dem Unfallereignis vom 4. März 2018 eine Röntgenuntersuchung hätte durchführen müssen (Frage 4). Er könne zwar teilweise nachvollziehen, weshalb Dr. med. vet. D.________ im Verlauf der Zeit die Indikation für die Röntgenuntersuchung in Frage gestellt habe, sehe jedoch keinen klaren Anlass dafür, eine mögliche Fissur nach zehn Tagen (und ohne Röntgenbilder von diagnostischer Qualität) auszuschliessen. Zumindest eine klinische Nachkontrolle (mit kritischer Beurteilung des Pferdes im Schritt und wenigstens über wenige Meter auch kurz im Trab, mit Perkussion des Radius und gegebenenfalls sogar mit Beugeproben), um die in Frage gestellte Indikation für eine Röntgenuntersuchung erneut selbstkritisch beurteilen zu können, hätte Dr. med. vet. D.________ vor dem Aufheben der zuvor verordneten Auflagen für eine kontrollierte Bewegung im Schritt und Boxenruhe machen sollen. In der einschlägigen Literatur werde gemäss dem Gutachter empfohlen, in Verdachtsfällen die Röntgenuntersuchung nach sieben bis 14 Tagen zu wiederholen, falls die initial erstellten Röntgenbilder "negativ" (also ohne den Befund einer Fissur) seien. Die Vorinstanz erwog, der Gutachter verweise in Antwort 4 zwar auf die einschlägige Literatur, habe jedoch an dieser Stelle keine Quellen genannt. Aus dem Gutachten gehe folglich nicht eindeutig hervor, worauf er seine Schlussfolgerungen bezüglich der anerkannten Regeln der tiermedizinischen Wissenschaften stütze. Damit bleibe unklar, ob Dr. med. vet. D.________ aufgrund der Verdachtsdiagnose einer Fissur nach den anerkannten Regeln der tiermedizinischen Wissenschaft (rund) zehn Tage nach dem Unfallereignis vom 4. März 2018 eine Röntgenuntersuchung hätte durchführen müssen. Zudem bleibe auch nach Beantwortung der Ergänzungsfrage vom 5. Juni 2021 unklar, ob sich der Gutachter auf den Zeitpunkt der tierärztlichen Untersuchung am 4. März 2018 oder auf jenen nach sieben bis 14 Tagen bezogen habe; auch hier habe der Gutachter seine Schlussfolgerungen wiedergegeben, ohne darzulegen, auf welche fachlichen Grundlagen und Quellen er sich stütze.