Citation: 6B_1088/2022 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz hält in tatsächlicher Hinsicht fest, die Beschwerdeführerin anerkenne, B.A.________ ein mit Medikamenten versetztes Getränk vorgesetzt zu haben. Sie habe jedoch keine Tötungsabsicht gehabt, sondern ihn nur für die Nacht ruhigstellen wollen, um vor ihm sicher zu sein. Am nächsten Morgen sei er erwacht und habe sie tätlich angegriffen. Sie habe sich mit dem Kabel nur - und wiederum ohne Tötungsabsicht - verteidigt (angefochtenes Urteil S. 17). Die Vorinstanz verweist hinsichtlich des Geschehensablaufs vollumfänglich auf die Erwägungen der ersten Instanz. Mit dieser sei rechtsgenügend erstellt, dass die Beschwerdeführerin zumindest daran beteiligt gewesen sei, als B.A.________ am Abend des 5. April 2018 ein mit einer Vielzahl von Tabletten der Medikamente Risperdal [recte] und Temesta versetztes Getränk verabreicht worden sei. Ob die Beschwerdeführerin beabsichtigt habe, ihn bereits mittels des präparierten Getränks zu töten oder ihn nur habe betäuben und widerstandsunfähig machen wollen, könne offenbleiben. Auszuschliessen sei, dass er den Medikamentencocktail wissentlich und in suizidaler Absicht eingenommen habe. Es sei ferner erstellt, dass die Beschwerdeführerin am folgenden Morgen des 6. April 2018 den immer noch unter der Wirkung der Medikamente stehenden B.A.________ mit einem Elektrokabel stranguliert habe, um ihn zu töten. Ein vorheriger Angriff von B.A.________ auf die Beschwerdeführerin sei auszuschliessen, weshalb die behauptete Notwehrsituation nicht bestanden habe (angefochtenes Urteil S. 18 und 24). Unter Verweis auf die erstinstanzlichen Ausführungen zum Tatmotiv hält die Vorinstanz weiter fest, es sei von einer äusserst konfliktbehafteten Ehe der Parteien mit häufigen, heftigen Streitereien auszugehen. B.A.________ habe wohl grosse Teile seines Einkommens für sich beansprucht, anstatt dieses in einem adäquaten Umfang der Familie zukommen zu lassen. Früher, als B.A.________ noch alkoholabhängig gewesen sei und die Kinder noch kleiner gewesen seien, sei es offensichtlich auch zu massiven körperlichen Übergriffen von ihm auf die Beschwerdeführerin (und die Kinder) gekommen. Für den relevanten Zeitraum vor der Tat könnten physische Übergriffe von B.A.________ auf die Beschwerdeführerin weder als erstellt betrachtet noch restlos ausgeschlossen werden. Die Tat der Beschwerdeführerin sei jedoch hauptsächlich durch die allgemeinen ehelichen Konflikte ausgelöst worden, insbesondere da B.A.________ im Februar 2018 sich für eine andere Frau von der Beschwerdeführerin habe scheiden lassen, die Nebenbuhlerin habe heiraten wollen und deswegen aus der Familienwohnung ausgezogen sei. B.A.________ habe seiner Familie auch gedroht, Teile des Familienvermögens der Nebenbuhlerin zu schenken. Der Tatzeitpunkt erscheine daher nicht zufällig. Die Beschwerdeführerin sei im unmittelbaren Vorfeld der Tat eifersüchtig auf die Nebenbuhlerin gewesen und habe B.A.________ ausspioniert. Sie sei weder mit der Scheidung noch mit dem Auszug von B.A.________ einverstanden gewesen, was sie sehr stark belastet habe. B.A.________ habe ihr gegenüber angedroht, dass er eine Liegenschaft an die Nebenbuhlerin übertragen werde. Die Beschwerdeführerin habe zweifellos auch unter dem Eindruck gehandelt, dass B.A.________ der Familie vorenthaltenes und gemeinsam angehäuftes Familienvermögen der Nebenbuhlerin übertragen werde. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin versucht habe, B.A.________ zu töten, weil sie eifersüchtig auf ihre Nebenbuhlerin gewesen sei, weil sie habe verhindern wollen, dass er mit dieser zusammen komme und weil sie zudem das Familienvermögen habe sichern wollen (angefochtenes Urteil S. 18 f. und 24). Die Vorinstanz erwägt weiter, B.A.________ sei gemäss überzeugendem Beweisergebnis der ersten Instanz durch die Beschwerdeführerin in die Wohnung gelockt worden und habe nicht geplant, dort zu übernachten. An diesem Beweisresultat vermöge auch das Vorbringen der Verteidigung der Beschwerdeführerin nichts zu ändern, wonach die Anrufe der Beschwerdeführerin an B.A.________ vom 5. April 2018 [recte] von 18:26 Uhr und 18:28 Uhr auf dessen Mobiltelefon nicht registriert worden seien. Es treffe zwar zu, dass gemäss Bericht der Kantonspolizei die vom Mobiltelefon der Beschwerdeführerin um 18:26 Uhr und 18:28 Uhr ausgehenden Anrufe auf dem Mobiltelefon von B.A.________ nicht gespeichert worden seien. Dies bedeute indessen nicht, dass die Anrufe nicht stattgefunden hätten oder diese von B.A.________ gar nicht zur Kenntnis hätten genommen werden können. Im dem erwähnten Bericht beiliegenden "extraction report" werde festgehalten, dass der Anruf um 18:26 Uhr eine Dauer von 1 Minute und 41 Sekunden gedauert habe. Entsprechend sei davon auszugehen, dass tatsächlich ein Gespräch stattgefunden habe (angefochtenes Urteil S. 21 f.). Die Vorinstanz hält des Weiteren fest, die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe B.A.________ nur für die Nacht sedieren wollen, damit sie ihre Ruhe habe, sei unglaubhaft. Dies spreche durchaus dafür, dass sie ihn bereits in Tötungsabsicht betäubt habe. Diese Tatversion werde weiter durch den Umstand zumindest indiziert, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer "Würgeattacke" bis zum nächsten Morgen gewartet und dazu ein dünnes Elektrokabel verwendet habe, statt eines wohl effektiveren Tatwerkzeugs wie eines etwas dickeren Stricks. Die Strangulation der Beschwerdeführerin mache den Eindruck einer nicht wirklich geplanten, sondern vielmehr eher spontanen Tat, wie wenn die Beschwerdeführerin am Morgen überrascht gewesen sei, dass B.A.________ noch am Leben sei, was zur Umsetzung ihrer Tötungsabsicht die Strangulation notwendig gemacht habe. Entgegen der Anklagebehörde sei allerdings nicht rechtsgenügend erstellt, dass die Beschwerdeführerin den Medikamentencocktail höchstmöglich dosiert habe. Die - nachgeschobene und daher wenig überzeugende - Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe die Medikamente teilweise nicht B.A.________ verabreicht, sondern weggeworfen, könne ihr nicht widerlegt werden. Somit bleibe es beim für die Beschwerdeführerin günstigeren Beweisresultat der ersten Instanz, dass nicht rechtsgenügend erstellt, respektive offen zu lassen sei, dass/ob die Beschwerdeführerin B.A.________ die narkotisierenden Medikamente bereits in der Absicht verabreichtet habe, ihn damit zu töten (angefochtenes Urteil S. 22 f.). Die Vorinstanz erwägt weiter, es erscheine praktisch ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin als nicht besonders grosse Frau den kräftig gebauten und sich in aggressiver Stimmung befindlichen B.A.________ hätte derart überwältigen können, dass sie sich nicht nur aus seinem Würgegriff hätte lösen können, sondern gar noch ein Kabel ergriffen und dieses ihm um den Hals gelegt habe, um ihn sodann von hinten zu würgen. Bereits aufgrund der physischen Möglichkeiten der Beschwerdeführerin und von B.A.________ ergebe dieser von ihr geschilderte Tatablauf wenig Sinn und sei nicht glaubhaft (angefochtenes Urteil S. 23). Gemäss Vorinstanz sei zudem "eher unwahrscheinlich", dass die Beschwerdeführerin im Vorfeld ihrer Tat Gewalt (auch sexuelle) durch B.A.________ erlitten habe. Dieser habe eine Geliebte gehabt, habe sich von der Beschwerdeführerin abgewandt, die eheliche Gemeinschaft aufgeben wollen und sich auch bereits eine neue Wohnung gesucht und bezogen. Dass er sich der Beschwerdeführerin auch unmittelbar vor ihrer Tat noch sexuell aufgedrängt habe, erscheine daher "eher unglaubhaft", indessen auch nicht ausgeschlossen. Aus den bei den Akten liegenden Videoaufnahmen der Familie aus den Wochen/Monaten vor dem Tatzeitpunkt ergebe sich jedoch, dass die Familie bzw. die Beschwerdeführerin und B.A.________ durchaus auch sehr harmonisch beisammen hätten sein können. Das von der Beschwerdeführerin gezeichnete Bild eines eigentlichen "Ehemartyriums" bestätige sich jedenfalls zumindest für diesen Zeitraum kurz vor der Tat nicht in der geschilderten Intensität. Sollten sich kurz vor der Tat der Beschwerdeführerin aber gleichwohl tatsächlich Übergriffe von B.A.________ auf die Beschwerdeführerin ereignet haben, seien diese jedenfalls als nicht kausal für den Tatentschluss der Beschwerdeführerin zur Tötung von B.A.________ zu werten. Dieser habe die Beschwerdeführerin verlassen wollen und habe sich auch schon eine neue Unterkunft eingerichtet. Zusammenfassend ergebe sich das gleiche Beweisresultat, wie es bereits die Erstinstanz festgestellt habe, weshalb in allen Teilen auf die entsprechenden erstinstanzlichen Erwägungen zu verweisen sei (angefochtenes Urteil S. 23 f.).