Citation: 5A_433/2017 E. 4.3

4.3. Die Beschwerdeführerin erörtert nicht durch klaren Hinweis auf die Akten, dass das entsprechende Begehren bereits vor erster Instanz geltend gemacht worden ist. Mit Bezug auf die Geltendmachung neuer Begehren im Appellationsverfahren beurteilt sich nach dem hier anwendbaren aArt. 138 ZGB (vgl. E. 2 hiervor), ob ein zulässiges Rechtsbegehren vorliegt. Gemäss Abs. 1 dieser Bestimmung können in der oberen kantonalen Instanz neue Tatsachen und Beweismittel vorgebracht werden und müssen neue Rechtsbegehren zugelassen werden, sofern sie durch neue Tatsachen oder Beweismittel veranlasst worden sind. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat ihr Rechtsbeistand in der Appellationserklärung vom 19. Juni 2008 eine monatliche Unterhaltsrente von Fr. 2'880.-- lediglich bis zur Erreichung des ordentlichen AHV-Alters des Beschwerdegegners gefordert. Indem die Beschwerdeführerin nachträglich eine Rente bis zu ihrem Tod verlangte, hat sie ihre ursprüngliche Klage geändert, zumal sie nunmehr Unterhalt über einen längeren Zeitpunkt verlangt hat. Damit liegt eine Klageänderung im Sinn von aArt. 138 ZGB vor (vgl. THOMAS SUTTER/DIETER FREIBURGHAUS, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, 1999, N. 19 zu aArt. 138 ZGB). Aus dem vor der letzten kantonalen Instanz gestellten Rechtsbegehren ergibt sich zudem, dass nur die Spezifizierung der Forderung in der Appellationsbegründung vorbehalten wurde, womit nach allgemeinem Verständnis nur der Forderungsbetrag, nicht jedoch die Dauer der Forderung gemeint war: Es leuchtet ein, dass der Forderungsbetrag erst nach Erhebung der beantragten Beweismittel genügend feststeht und das Rechtsbegehren später dem Beweisergebnis angepasst werden muss, um sich nicht dem Vorwurf des Überklagens auszusetzen. Das trifft indes für die Dauer der Forderung nicht zu: Die Beschwerdeführerin war der Ansicht, dass sie ihren gebührenden Unterhalt nicht selber decken kann und deshalb auf die Hilfe des Beschwerdegegners angewiesen ist. Warum es ihr bei dieser Ausgangslage nicht möglich gewesen sein soll, bereits in der Appellationserklärung einen Unterhaltsbeitrag bis zu ihrem Tod zu verlangen, leuchtet nicht ein. Die Beschwerdeführerin vermag denn auch nicht überzeugend darzulegen, weshalb für die Präzisierung der Unterhaltsdauer noch ein Beweisverfahren nötig gewesen wäre. Angesichts der Formulierung des Rechtsbegehrens bestand auch nicht die Pflicht, die Beschwerdeführerin zu einer Präzisierung anzuhalten. Insoweit ist eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 und 2 BV bzw. 6 Ziff. 1 EMRK nicht ersichtlich. Den Ausführungen des Kantonsgerichts zur Auslegung von aArt. 138 ZGB kann ohne Weiteres beigepflichtet werden. Insbesondere hat die bundesgerichtliche Rechtsprechung klargestellt, dass das kantonale Recht den Zeitpunkt für die Geltendmachung von Noven vor der oberen kantonalen Instanz bestimmt (BGE 131 III 189 E. 2.6 S. 197). Unter diesen Umständen stand es dem kantonalen Gesetzgeber auch frei, die Appellations- bzw. Anschlussappellationserklärung als den für die Geltendmachung neuer Rechtsbegehren massgebenden Zeitpunkt zu bestimmen (§ 251a aZPO/LU). Soweit dadurch eine Einschränkung bezüglich der Geltendmachung von Noven entsteht, ist dies vom Gesetzgeber gewollt. Eine Verletzung von aArt. 138 ZGB bzw. eine willkürliche Auslegung von § 251a aZPO/LU liegt nicht vor. Soweit sich die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang auf Art. 29 BV bzw. Art. 6 Ziff. 1 EMRK beruft, haben diese Bestimmungen keine selbstständige Bedeutung. Insbesondere vermögen sie an der kantonalen Regelung des Zeitpunktes der Noveneingabe nichts zu ändern. Waren das Rechtsbegehren bzw. die anderen Eingaben der Beschwerdeführerin im Lichte von aArt. 138 ZGB bzw. § 251a aZPO/LU verspätet, konnten sie nicht mehr berücksichtigt werden. Da aArt. 138 ZGB im vorliegenden Fall zu Recht und richtig angewendet worden ist, erübrigen sich Ausführungen zur Eventualerwägung 3.2. und zu den diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin. Nicht weiter einzugehen ist deshalb auch auf die rechtstheoretischen Erörterungen der Beschwerdeführerin zu aArt. 138 ZGB.