Citation: 1B_32/2019 E. 4.4

4.4. Der Beschwerdeführer hat wenig Perspektiven auf ein mittel- bzw. längerfristiges Verbleiben in der Schweiz. Abgesehen von seinen eritreischen Freunden hat er hier keine Bindungen und kaum einen persönlichen Bezug zur Schweiz. Er ist nicht erwerbstätig und lebt von der Sozialhilfe. Als abgewiesener Asylbewerber ist er vorläufig aufgenommen. Die vorläufige Aufnahme wird periodisch überprüft. Sie wird aufgehoben und der Vollzug der Weg- oder Ausweisung angeordnet, wenn die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind (vgl. Art. 84 Abs. 1 u. 2 i.V.m. Art. 83 Abs. 9 AIG). Zudem hat er zu befürchten, dass die vorläufige Aufnahme infolge der drohenden Landesverweisung erlischt und er damit seinen Anspruch auf Sozialhilfe verliert. Dies zumal bei den gegebenen Umständen fraglich ist, ob aufgrund eines schweren persönlichen Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB ausnahmsweise von einer Landesverweisung abgesehen werden könnte. Bei dieser Sachlage erscheint sein Interesse, sich den Schweizer Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung zu halten, gering. Namentlich die Aussicht, keine Sozialhilfe mehr beziehen zu können, sondern nur noch Nothilfe zu erhalten, stellt einen starken Anreiz für eine Flucht bzw. ein Untertauchen dar. Ausserdem ist nicht ausgeschlossen, dass die Rückführung von Eriträern in Zukunft möglich wird. Darin liegt ein weiterer Grund für den Beschwerdeführer, sich dem Strafverfahren zu entziehen. Flüchten könnte der Beschwerdeführer etwa ins benachbarte Ausland oder zu seinem Bruder nach Holland. Vorstellbar ist hier aber auch die Möglichkeit eines Untertauchens im Inland, namentlich bei oder mit Hilfe von Freunden aus Eritrea. Die gegen eine Flucht oder ein Untertauchen sprechenden Argumente wie die Möglichkeiten einer Schuldunfähigkeit und einer Gewährung des bedingten Strafvollzugs vermögen diese Gefahr nicht wesentlich abzuschwächen. Der Hinweis des Beschwerdeführers, dass die vorläufige Aufnahme erst erlischt, wenn die Landesverweisung rechtskräftig wird (vgl. Art. 83 Abs. 9 AIG) und folglich durch Anfechtung der Letzteren aufgeschoben werden kann, ist zwar zutreffend. Aufgrund seiner geringen Aussichten auf ein längerfristiges Aufenthaltsrecht in der Schweiz vermag dieser Aufschub seinen Fluchtanreiz allerdings nicht beträchtlich abzuschwächen. Die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers können das Fluchtrisiko ebenfalls nicht entkräften. Dies gilt etwa für den Einwand, wenn er sich der Hauptverhandlung entziehen würde, sei es möglich, ein Abwesenheitsverfahren durchzuführen. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände erscheint eine Flucht ins Ausland oder ein Untertauchen im Inland als wahrscheinlich.