Citation: U 419/99 27.10.2000 E. 3

3.- Uneinig sind sich SUVA und Vorinstanz zunächst über die Art der Verletzungen, welche der Beschwerdegegner anlässlich des Unfalles vom 13. November 1996 erlitten hat. a) Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Unfall wurde im Gutachten der MEDAS vom 2. August 1999 in Abweichung zu den bisherigen medizinischen Stellungnahmen erstmals die Diagnose eines Schädel-Hirntraumas nach Commotio cerebri gestellt. Die Experten relativierten das bis anhin seitens der behandelnden Ärzte genannte Schleudertrauma der HWS in seiner Bedeutung, indem sie es als lediglich noch "wahrscheinlich" sowie als der Erfahrung entsprechend ("Zusätzlich ist es ja bei einem solchen Unfallmechanismus immer so, dass es sekundär auch zu einer HWS-Distorsion oder -Abknickung kommt") bezeichneten und es als bloss "mögliche" Form eines Verletzungsmechanismus darstellten. In diesem Zusammenhang führten sie weiter aus, es sei nicht belegbar, dass der Beschwerdegegner "die in den Akten erwähnte HWSKontusion" erlitten habe, indes sei "praktisch mit Sicherheit anzunehmen, dass auch ein Abknickmechanismus an der HWS stattgefunden" habe und vom geschilderten Unfallmechanismus her "möglich, dass es dabei auch zu einer HWS-Distorsion gekommen" sei. b) Zunächst ist fraglich, ob das MEDAS-Gutachten hinsichtlich der Diagnosestellung überzeugt. Dies scheint bereits mit Blick auf die Aussage, es könne "mit Sicherheit festgehalten werden, dass M.________ bei seinem Unfall ein sogenanntes «Schädel-Hirntrauma» erlitten" habe, und die gleichenorts gemachte Feststellung, die postcommotionellen wie auch die typischen Symptome einer HWS-Distorsion würden sich vermischen, nicht der Fall zu sein. So bleibt doch unklar, wie bei einer "Durchmischung" von Folgen verschiedener Verletzungen das Beschwerdebild letztlich eindeutig zugeordnet werden kann. c) Der Umstand ferner, dass die Ärzte der MEDAS neben den psychischen Gesundheitsstörungen (andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Unfall, somatoforme Schmerzstörung) die Diagnose eines Schädel-Hirntraumas mit möglicherweise stattgefundener Hirnschädigung in den Vordergrund stellten, basiert hauptsächlich auf der - ebenfalls im Gegensatz zu den bisherigen Beurteilungen stehenden - Annahme, dass der Beschwerdegegner nach dem Sturz bewusstlos gewesen war. So wird gutachtlich ausgeführt, die beim Unfall eingetretene Bewusstlosigkeit beweise, dass eine Hirnerschütterung vorgelegen habe, wobei man sich bei Hirnerschütterungen immer fragen müsse, ob auch eine Hirnschädigung, allenfalls eine bleibende Hirnschädigung, anzunehmen sei. Die Schlussfolgerung, dass eine Bewusstlosigkeit vorgelegen habe, zogen die MEDAS-Ärzte aus den Angaben des Beschwerdegegners ihnen und anderen gegenüber (Bericht eines SUVA-Mitarbeiters vom 4. Februar 1997, Austrittsbericht der Rheuma- und Rehabilitationsklinik B.________ vom 12. November 1998) sowie aus einem SUVA-Bericht vom 27. März 1998, worin ein gewisser Manuel Ferroz bestätigte, dass der Versicherte einige wenige Minuten bewusstlos am Boden gelegen habe, allmählich zu sich gekommen sei und insbesondere über starke Kopfschmerzen geklagt habe. An der Richtigkeit dieser Aussage bestehen indes erhebliche Zweifel. Aus dem - nicht unterschriftlich durch Manuel Ferroz bestätigten - Bericht geht zunächst nicht hervor, inwiefern der Arbeitskollege, welcher den Sturz selber nicht beobachtet hatte, in der Lage gewesen ist, die geschilderte Bewusstlosigkeit wahrzunehmen. So bleibt insbesondere unklar, in welchem Zeitpunkt dieser sich dem Unfallort genähert und ob er die Bewusstlosigkeit des Beschwerdegegners mit eigenen Augen gesehen hat. Sollte Letzteres zu bejahen sein, stellt sich die Frage, ob Manuel Ferroz den Unterschied zwischen Benommenheit und Bewusstlosigkeit zu erkennen vermag und es sich nicht vielmehr um Benommenheit handelte, aus welcher der Versicherte "allmählich zu sich kam". Hiebei ist auffallend, dass der Beschwerdegegner selber gegenüber den MEDASÄrzten angab, er sei erst "so halb im Firmenbus, mit dem er ins Spital Y.________ gebracht wurde, wieder zu Bewusstsein gekommen ...". Des Weitern spricht die anhand der Akten erkennbare Fähigkeit des Beschwerdegegners, den Unfall in allen Einzelheiten zu schildern, eher gegen eine eingetretene Bewusstlosigkeit. Dem Austrittsbericht des Spitals Y.________ vom 4. Dezember 1996, in welches der Versicherte im Anschluss an den Unfall geführt worden war, ist ferner folgendes zu entnehmen: "... Keine Bewusstlosigkeit, keine Amnesie für das Unfallereignis. Der Patient hat einen Helm getragen". Es besteht vorliegend keine Veranlassung, dieser Aussage keinen Glauben zu schenken. Wie die behandelnden Spitalärzte die entsprechende Feststellung getroffen haben - beispielsweise durch Befragen des Patienten oder von Personal der Arbeitgeberfirma, etwa von Arbeitskollegen, die den Beschwerdegegner ins Spital gefahren haben - geht aus dem Bericht nicht hervor. Als gleichsam aus der Luft gegriffen kann die klare Äusserung jedenfalls nicht abgetan werden. Nicht von der Hand zu weisen ist alsdann zwar der Hinweis des kantonalen Gerichts in seiner Vernehmlassung vom 13. Dezember 1999 zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde, die Beschwerdeführerin habe es sowohl im Administrativ- und Einspracheverfahren wie auch im kantonalen Beschwerdeprozess unterlassen, die Frage nach der Bewusstlosigkeit des Versicherten zu thematisieren. Dies vermag indes nichts am Untersuchungsgrundsatz zu ändern, wonach der rechtserhebliche Sachverhalt durch die urteilende Instanz von Amtes wegen festzustellen ist (BGE 120 V 360 Erw. 1a, 117 V 263 Erw. 3b). Angesichts der Fragestellung zuhanden der MEDAS ("... nachträglich ergab sich, dass M.________ damals einige wenige Minuten nach dem Sturz bewusstlos gewesen war ...") ist vielmehr davon auszugehen, dass die Vorinstanz selber eine Bewusstlosigkeit des Beschwerdegegners als gegeben erachtet hat und diese Annahme durch die begutachtenden Ärzte ohne eingehendere diesbezügliche Abklärungen bestätigt wurde.