Citation: 8C_207/2020 E. 5.2.2

5.2.2. Das kantonale Gericht erkennt aus den Berichten der Dr. med. D.________ keine Veränderung der Befundlage hinsichtlich der Depression. Soweit über eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes berichtet werde, hätte diese in einem engen Zusammenhang mit psychosozialen Einflüssen gestanden, die per se invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant seien. Damit verkennt es die Rechtslage. Der Schluss einer absoluten Unbeachtlichkeit kann auch nicht aus den von der Vorinstanz angeführten Referenzen aus Judikatur und Literatur gezogen werden. Die Invalidenversicherung hat finalen, nicht kausalen Charakter. Die Ursache einer einwandfrei festgestellten psychischen Erkrankung ist daher invalidenversicherungsrechtlich nicht von Bedeutung. Es braucht für die Annahme einer Invalidität ein medizinisches Substrat, das (fach-) ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden psychosozialen Faktoren herrühren, bestehen darf. Wenn aber ein im Sinne der Rechtsprechung gemäss BGE 127 V 294 E. 5a S. 299 verselbstständigtes psychisches Leiden mit erheblichen Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ausgewiesen ist, kann im Gegenzug eine rentenbegründende Invalidität nicht allein mit dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer Belastungsfaktoren verneint werden (vgl. MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl. 2014, N 30 f. zu Art. 4 IVG). Entsprechend hätten die IV-Stelle oder das kantonale Gericht abklären müssen, ob der seit der rechtskräftigen Abweisung des Leistungsgesuchs neu diagnostizierte psychische Gesundheitsschaden allein oder doch stark überwiegend auf die seither eingetretenen psychosozialen Einflüsse zurückzuführen sei, oder ob ein verselbstständigtes psychisches Leiden vorliegt.