Citation: BGE 150 V 460 E. 4.2

Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers für Berufskrankheiten im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG war bereits im KUVG vom 13. Juni 1911 enthalten, wobei jedoch lediglich die Verursachung von Krankheiten durch am Arbeitsplatz hergestellte oder verwendete Giftstoffe geregelt war (Bereinigte Sammlung der Bundesgesetze und Verordnungen 1848-1947, BS 8; Art. 68 KUVG [BS 8 302] und Art. 47 der Verordnung I vom 25. März 1916 über die Unfallversicherung [BS 8 364]). Die Versicherung im Sinne einer Kausalhaftung löste die Arbeitgeberhaftpflicht des Fabrikgesetzes ab (ULRICH MEYER, Allgemeine Einführung, in: Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 3. Aufl. 2016, S. 33 ff. Rz. 10 ff.; GHISLAINE FRÉSARD-FELLAY, in: Basler Kommentar, Unfallversicherungsgesetz, 2019, Einführung N. 4 ff.; EFREM BERETTA, Le malattie professionali nel diritto svizzero, RDAT 1989 S. 263 ff.). Im Jahr 1974 wurden zusätzlich andere, das heisst nicht durch Giftstoffe verursachte, berufsbedingte Erkrankungen erfasst (Art. 3 der Verordnung vom 17. Dezember 1973 über Berufskrankheiten; AS 1974 47 ff., 50 f.). Anlässlich der Revision mit dem Inkrafttreten von UVG und UVV per 1. Januar 1984 wurde schliesslich zusätzlich die Generalklausel von Art. 9 Abs. 2 UVG eingefügt, dies entsprechend der bisherigen freiwilligen BGE 150 V 460 S. 464 Praxis der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva; vgl. BGE 114 V 109 E. 2b; WALTER SEILER, Der Entwurf zu einem neuen Unfallversicherungsgesetz, SZS 1977 S. 6 ff., 12). Danach gelten als Berufskrankheiten auch andere Krankheiten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder stark überwiegend durch berufliche Tätigkeit verursacht worden sind. Das Bundesgericht erkannte in der Folge, dass eine vorwiegende Verursachung durch schädigende Stoffe und Arbeiten im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG dann gegeben sei, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen, während nach der Generalklausel von Art. 9 Abs. 2 UVG eine Verursachung durch die berufliche Tätigkeit zu mindestens 75 % vorausgesetzt wird (BGE 114 V 109 E. 3; vgl. ferner BGE 133 V 421 E. 4.1; BGE 117 V 354 E. 2a; RKUV 1988 Nr. U 61 S. 447, U 98/87 E. 1; Urteil 8C_420/2007 vom 29. Januar 2008 E. 4.2). Ebenfalls seit der Revision per 1. Januar 1984 gelten als Berufskrankheiten nicht nur wie bis dahin gemäss KUVG in Laboratorien und Versuchsanstalten, sondern auch in Spitälern verursachte Infektionskrankheiten.