Citation: 9C_293/2023 E. 4.2

4.2. Art. 11 AHVV sieht für die verschiedenen Arten von Verpflegung und Unterkunft der Arbeitnehmer in Betrieb verschiedene Pauschalbeträge vor. Damit soll offenkundig vermieden werden, dass der Wert dieser Leistungen des Arbeitgebers im Einzelfall ermittelt werden müsste. Die Aufrechnung der Pauschale von Art. 11 Abs. 2 AHVV für ein Mittagessen unter dem Titel "Naturaleinkommen" rechtfertigt sich - auch mit Blick auf das von der Beschwerdeführerin angerufene Rechtsgleichheitsgebot (vgl. Art. 8 Abs. 1 BV) - indessen nur dann, wenn vom Arbeitgeber tatsächlich auch ein (vollwertiges) Mittagessen abgegeben wird. Nicht jede Verpflegung, die zur Mittagszeit eingenommen wird, stellt indessen ein solches vollwertiges Mittagessen dar. Von einem solchen ist vielmehr erst dann auszugehen, wenn durch die abgegebene Portion eine durchschnittliche, erwachsene Person hinreichend satt wird, so dass sie sich die Ausgaben für eine selbst organisierte Mahlzeit sparen kann. Ist eine Sättigung der Arbeitnehmer durch die Mittagsverpflegung weder bezweckt noch erstellt, so stellt diese kein Mittagessen im Sinne von Art. 11 Abs. 2 AHVV dar. Der Wert der abgegebenen Speisen und Getränke ist diesfalls in Anwendung von Art. 13 AHVV von Fall zu Fall den Umständen entsprechend von der Ausgleichskasse zu schätzen. Dass den Ausgleichskassen durch diese pflichtgemäss vorzunehmende Schätzung ein gewisser Aufwand entsteht, lässt diese Auslegung der einschlägigen Verordnungsbestimmungen (E. 3.2 hiervor) nicht als unpraktikabel erscheinen.