Citation: 2C_994/2021 E. 5.5

5.5. Dasselbe muss auch für die nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie verfügte Verlängerung der Ausschaffungshaft vom 22. April 2020 gelten. Es trifft zu, dass sich der Vollzug der Wegweisung während der Corona-Pandemie nur dann als innert absehbarer Frist möglich und damit als durchführbar bezeichnen lässt, wenn hierfür hinreichend konkrete Hinweise - insbesondere seitens des SEM - vorlagen (vgl. vorne E. 5.3). Dabei ist allerdings eine Einzelfallprüfung vorzunehmen und aus vorübergehenden Beschränkungen kann nicht automatisch darauf geschlossen werden, dass in allen Fällen keine hinreichende Aussicht auf Abschiebung mehr besteht (vgl. vorne E. 5.3; BGE 147 II 49 E. 3.1). Gemäss den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz haben die kantonalen Behörden betreffend die Papierbeschaffung bzw. Identifikation des Beschwerdeführers am 4. März 2020 beim SEM nachgefragt, ob bzw. wann im Jahr 2020 eine Befragung mit einer ivorischen Delegation in Planung sei. Das SEM gab darauf zur Antwort, dass eine zentrale Befragung im Juni oder Juli 2020 geplant sei. Zwar schloss die Elfenbeinküste danach Ende März 2020 ihre Grenzen, doch war zu diesem Zeitpunkt gemäss den Feststellungen der Vorinstanz noch völlig unklar, wie sich die Corona-Pandemie entwickeln würde; der internationale Flugverkehr konnte dann auch ab 1. Juli 2020 wieder aufgenommen werden (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 5.3). Unter Würdigung dieser Umstände durfte im Zeitpunkt der Haftverlängerung vom 22. April 2020 jedenfalls (noch) davon ausgegangen werden, dass die geplanten zentralen Befragungen mit den ivorischen Behörden weiterhin in Aussicht standen und dass bis nach deren Durchführung auch ein Wegweisungsvollzug - trotz der (vorübergehenden) coronabedingten Einschränkungen - (wieder) möglich sein würde.