Citation: U 98/98 19.12.2000 E. 4

4.- Eine andere Frage ist, ob die Ergebnisse der Würdigung der medizinischen und fachspezifischen Unterlagen durch die Vorinstanz einer Überprüfung durch das Eidgenössische Versicherungsgericht standzuhalten vermögen. a) Die Leistungszusprache im Einspracheentscheid der SUVA vom 1. Februar 1995 berücksichtigt nebst den vom lange zurückliegenden Unfall aus dem Jahre 1967 stammenden Kniebeschwerden ein rezidivierendes Zervikalsyndrom, welches die immer wieder auftretenden Nacken- und Schulterschmerzen mit den oftmals damit verbundenen Myogelosen zu erklären vermag. Die von Dr. med. B.________ im Gutachten vom 15. August 1994 diagnostizierten Hirnfunktionsstörungen, welche für die beobachteten Symptome wie Schwindelerscheinungen, Visusstörungen, rasche Ermüdbarkeit, Vergesslichkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeits- sowie Wortfindungsstörungen und stärkere Gemütsschwankungen verantwortlich sein sollen, wurden von der SUVA demgegenüber nicht als Unfallfolge anerkannt. Allfälligen psychischen Beeinträchtigungen schliesslich sprach die Anstalt die adäquate Kausalität zu den versicherten Unfallereignissen ab. b) Von ausschlaggebender Bedeutung für die Beurteilung der beiden zur Diskussion stehenden Leistungsansprüche - des Umfanges der Invalidenrente einerseits und der Integritätsentschädigung andererseits - ist demnach, ob sich die nach Dr. med. B.________ auf Hirnfunktionsstörungen zurückzuführende Symptomatik sowie allenfalls vorhandene psychische Beeinträchtigungen in einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit einem oder mehreren der versicherten Unfallereignisse bringen lassen. Den Begriff der natürlichen Kausalität hat die SUVA in ihrem Einspracheentscheid vom 1. Februar 1995 zutreffend dargelegt (vgl. BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Richtig ist insbesondere auch ihre diesbezügliche Feststellung, wonach das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung als Tatfrage mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein muss und die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht genügt (BGE 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen). Als adäquate Ursache eines Erfolges hat ein Ereignis nach der Rechtsprechung dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 123 III 112 Erw. 3a, 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c, 122 V 416 Erw. 2a, je mit Hinweisen). c) Bei der Beurteilung des Rentenanspruchs ist das kantonale Gericht gestützt auf das Gerichtsgutachten des Dr. med. S.________ vom 6. August 1997, welcher im Zeitpunkt seiner Untersuchungen keine Hirnleistungsstörungen mehr feststellen konnte, davon ausgegangen, dass solche einschliesslich der damit in Zusammenhang zu bringenden Symptomatik bei der Bestimmung der rentenrelevanten Erwerbsunfähigkeit nicht zu berücksichtigen seien. Im Rahmen der Festsetzung der Integritätsentschädigung erwog die Vorinstanz demgegenüber in Übereinstimmung mit den Ausführungen des Dr. med. S.________, seit der Diagnosestellung durch Dr. med. B.________ im August 1994 habe sich bezüglich der Hirnfunktionsstörung eine Befundsverbesserung einstellen können, da sich der Versicherte zufolge seiner erheblich reduzierten Arbeitstätigkeit sehr gut habe schonen können; daraus sei aber zu folgern, dass bei erneuter Belastung mit einem Wiederauftreten der Hirnfunktionsstörungen und damit einer dauernden Beeinträchtigung gerechnet werden muss. Im Hinblick auf die in diesem Sinne als "latent" bezeichnete Hirnfunktionsstörung erhöhte sie den von der SUVA nur unter Berücksichtigung des Zervikalsyndroms auf 10 % festgesetzten Integritätsschaden um weitere 10 %. Diese unter dem Blickwinkel der Kausalität je nach Leistungsanspruch unterschiedliche Zuordnung allfälliger Hirnfunktionsstörungen und der darauf zurückgeführten Symptomatik muss als widersprüchlich bezeichnet werden. Wenn die Vorinstanz einen relevanten Kausalzusammenhang zwischen Hirnleistungsstörungen und einem versicherten Unfallereignis bei der Prüfung des eine Entschädigung auslösenden Integritätsschadens offenbar bejahen will, müsste dies konsequenterweise auch im Rahmen der Prüfung der Rentenberechtigung geschehen. Abgesehen davon, dass grundsätzlich ohnehin auf die Verhältnisse im Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids der SUVA vom 1. Februar 1995 abzustellen ist (Erw. 2b), könnte der vorinstanzlichen Betrachtungsweise auch insoweit nicht gefolgt werden, als eine aktuell zwar nicht feststellbare, latent aber gleichwohl vorhandene und bei Wiederaufnahme einer Arbeit je nach Belastungssituation erneut zu Tage tretende Beeinträchtigung für die Rentenfestsetzung unbeachtlich bleiben könnte. Gerade durch die Gefahr eines Wiederaufkommens abgeklungener oder vorübergehend in den Hintergrund getretener Beschwerden würde die Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit ernsthaft in Frage gestellt, was letztlich auch Auswirkungen auf den massgeblichen Invaliditätsgrad haben müsste.