Citation: 6B_976/2015 E. 4.2.4

4.2.4. Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft nach der Hafteinvernahme lediglich noch die Konfrontations- und die Schlusseinvernahme selber durchgeführt. Dazwischen fanden 19 delegierte Einvernahmen durch die Polizei statt. Eine derart weitgehende Delegation im Rahmen der Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft ist nach dem Vorstehenden unzulässig und stellt eine offensichtliche Missachtung der staatsanwaltlichen Beweiserhebungspflicht dar. Da die Verfahrensbeteiligten bei Einvernahmen, welche die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft durchführt, dieselben Verfahrensrechte haben, die ihnen bei Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft zukommen (vgl. Art. 312 Abs. 2 StPO), sind die in Verletzung von Art. 312 Abs. 1 StPO erhobenen Beweise allerdings entgegen dem Beschwerdeführer nicht unverwertbar. Andernfalls wäre zu erwarten gewesen, dass dies im Gesetz oder den Materialien explizit festgehalten worden wäre. Die Nachteile für die Verfahrensbeteiligten, wenn die Beweise anstelle der Staatsanwaltschaft durch die Polizei erhoben werden, erscheinen zudem nicht derart gravierend, dass sich deren Unverwertbarkeit als Folge rechtfertigen würde (vgl. zum Ganzen unten E. 5.2.3; Urteil 6B_893/2015 vom 14. Juni 2016 E. 1.3.2 mit Hinweisen). Es handelt sich bei Art. 312 Abs. 1 StPO um eine blosse Ordnungsvorschrift (ESTHER OMLIN, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 14 zu Art. 312 StPO; LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 6 zu Art. 312 StPO; NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 6 zu Art. 312 StPO; DERSELBE, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2013, N. 1233; a.M. BURGER-MITTNER/BURGER, Das Primat der Staatsanwaltschaft auf dem Prüfstand, forumpoenale 3/2011 S. 165 ff.). Aus dem vom Beschwerdeführer angeführten Urteil 1B_730/2011 vom 25. Juni 2012 (a.a.O. E. 2.2) ergibt sich nichts Gegenteiliges.