Citation: 6B_438/2015 E. 1.4.2

1.4.2. Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung verletzt kein Bundesrecht. Der Beschwerdeführer wendet ein, die Kollision sei nicht "vermeidbar" gewesen, jedoch betreffen seine Vorbringen, er habe die ihm mögliche Sorgfalt beim Abbiegen walten lassen, die Frage der Vorhersehbarkeit des Unfalls und nicht dessen Vermeidbarkeit. Dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre, wenn dem Beschwerdegegner das Vortrittsrecht gewährt worden wäre, stellt auch der Beschwerdeführer nicht in Abrede (vgl. vorstehend E. 1.1 a.E.). Der Beschwerdeführer zeigt nicht auf, inwieweit die Vorinstanz aufgrund des verbindlich festgestellten Sachverhalts (vgl. Art. 105 BGG; vorstehend E. 1.4.1) zu Unrecht eine fahrlässige Körperverletzung bejaht. Entgegen seinem Vorbringen begründet die Vorinstanz die ihm zur Last gelegte Sorgfaltspflichtverletzung der Nicht-Gewährung des Vortrittsrechts anhand der konkreten Unfallursachen und berücksichtigt sämtliche (von ihm in der Beschwerde aufgeführten) äusseren Umstände in nicht zu beanstandender Weise. Der Unfall ereignete sich auf den stadtauswärts führenden Strassenbahngleisen. Diese gehören nach den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zur Gegenfahrbahn und durften vom Beschwerdegegner befahren werden. Dass der Beschwerdeführer beim Abbiegevorgang vortrittsbelastet war und in die Gegenfahrbahn nur hineinfahren durfte, wenn er den Gegenverkehr nicht behindert, ist unstreitig. Warum er auf der dem Gegenverkehr offenstehenden Verkehrsfläche nicht mit Fahrzeugen hätte rechnen müssen, zeigt er nicht auf und ist auch nicht ersichtlich. Dass der Beschwerdeführer "lediglich" mit Schrittgeschwindigkeit in die Gegenfahrbahn gefahren ist, beeinträchtigt oder mindert weder das Vortrittsrecht des Beschwerdegegners noch lässt es die Sorgfaltswidrigkeit des Beschwerdeführers entfallen. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, der Unfall sei für ihn nicht vorhersehbar gewesen, da der Beschwerdegegner sich verkehrswidrig verhalten habe, sind seine Ausführungen zum Teil lebensfremd und darüber hinaus rechtlich irrelevant. Von einer überhöhten Geschwindigkeit des Beschwerdegegners kann bei 20 km/h keine Rede sein. Innerorts gilt für alle Verkehrsteilnehmer (auch Fahrradfahrer) die generell zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, soweit nichts Anderes angezeigt ist. Dies war vorliegend nicht der Fall. Es ist nicht ungewöhnlich, dass auch Fahrradfahrer regelmässig Geschwindigkeiten von über 20 km/h erreichen. Andere Verkehrsteilnehmer (Auto- und Motorradfahrer, Benutzer von Elektro-Fahrrädern) erreichen Geschwindigkeiten, die deutlich über 20 km/h liegen. Im Übrigen würde das vom Beschwerdeführer als verkehrswidrig bezeichnete Verhalten des Beschwerdegegners den adäquaten Kausalzusammenhang nicht durchbrechen und die sorgfaltswidrige Nichtgewährung des Vortrittsrechts völlig in den Hintergrund treten lassen (vgl. vorstehend E. 1.3.1). Warum der Beschwerdeführer den nach seinen Angaben mit 20 km/h zu schnellen und mit ungeeigneten profilllosen Reifen zu weit mittig auf der Gegenfahrbahn im Bereich der Strassenbahngleise fahrenden Beschwerdegegner bei gehöriger (einfachster) Aufmerksamkeit nicht hätte sehen können, ist nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer steuerte das vorderste an der Ampel wartende Auto und hatte freie Sicht auf die Kreuzung. Bei einem simplen Blick nach vorne (und nicht nur nach rechts und links, vgl. Aussage des Beschwerdeführers, kant. Akten act. 4/1) hätte er den nach eigener Aussage "fadengerade" auf ihn zufahrenden Beschwerdegegner, der sich schon deutlich in der Kreuzung befand, gesehen. Nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz die Verletzungen des Beschwerdegegners als Körperverletzungen i.S.v. Art. 123 Abs. 1 StGB qualifiziert. Bei den Tatbestandsmerkmalen der Verletzung der körperlichen Integrität und der Tätlichkeit handelt es sich um unbestimmte Rechtsbegriffe. Das Bundesgericht räumt dem Sachrichter bei der Abgrenzung der Tatbestände einen Ermessensspielraum ein und auferlegt sich eine gewisse Zurückhaltung bei der Überprüfung der vorinstanzlichen Würdigung (vgl. BGE 134 IV 189 E. 1.3 S. 192; 127 IV 59 E. 2a/bb S. 61; je mit Hinweisen). Inwieweit die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen überschritten haben soll, zeigt der Beschwerdeführer nicht auf und ist angesichts der Langwierigkeit der Beeinträchtigung der körperlichen Integrität und der damit verbundenen Schmerzen auch nicht ersichtlich.