Citation: 2P.154/2001 18.10.2001 E. 2

2.- a) Eine Gemeinde ist in einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt (BGE 126 I 133 E. 2 S. 136, mit Hinweisen). Der geschützte Autonomiebereich kann sich auf die Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener kommunaler Vorschriften beziehen oder einen entsprechenden Spielraum bei der Anwendung des kantonalen oder eidgenössischen Rechts betreffen (BGE 124 I 223 E. 2b S. 227, mit Hinweisen). Autonomie im Bereiche des Vollzugs von kantonalem Recht kann bestehen, wenn die Gemeinde für den (erstinstanzlichen) Vollzug zuständig ist und die zu beurteilende Materie für ein Selbstbestimmungsrecht der einzelnen Gemeinde Raum lässt (vgl. BGE 119 Ia 214 E. 3b/c S. 219 f.). b) In allgemeiner Weise gewährleisten Art. 109 Abs. 1 der bernischen Kantonsverfassung vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101. 1) sowie Art. 3 des bernischen Gemeindegesetzes vom 16. März 1998 (GG; BSG 170. 11) den Gemeinden Autonomie im Rahmen des kantonalen und des eidgenössischen Rechts. Nach Art. 25 Abs. 1 des bernischen Gesetzes über die amtliche Vermessung vom 15. Januar 1996 (AVG; BSG 215. 341) erhebt und erneuert die Gemeinde die Bestandteile der amtlichen Vermessung, soweit dies nicht Aufgabe der kantonalen Vermessungsaufsicht ist (vgl. dazu Art. 24 Abs. 1 AVG). Gemäss Art. 6 Abs. 1 AVG regelt der Regierungsrat durch Verordnung die Vergabe der Vermessungsarbeiten. Er hat hiefür die kantonale Submissionsverordnung vom 29. April 1998 (BSG 731. 21) für anwendbar erklärt, auch soweit es um Arbeitsvergebungen der Gemeinden geht (Art. 1 Abs. 1 lit. e dieser Verordnung). Die bernischen Gemeinden sind somit bei der Vergebung der hier streitigen Vermessungsarbeiten an das kantonale Submissionsrecht (und darüber hinaus an die vermessungstechnischen Vorschriften des Bundes und des Kantons) gebunden. In der Praxis werden sie in diesem Bereich überdies vom kantonalen Vermessungsamt beraten. Das ändert aber nichts daran, dass es in erster Linie in ihrer Verantwortung liegt, die Unternehmer auszuwählen, mit denen sie die entsprechenden Verträge abschliessen wollen. Insoweit kommt ihnen eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit zu und sind sie als autonom zu betrachten. Hebt die Rechtsmittelbehörde einen kommunalen Vergebungsentscheid auf und erteilt sie den Zuschlag an einen anderen Bewerber, wie dies hier der Fall war, so kann sich die Gemeinde mit staatsrechtlicher Beschwerde dagegen zur Wehr setzen und verlangen, dass die kantonale Behörde in formeller Hinsicht ihre Befugnisse nicht überschreitet und dass sie in materieller Hinsicht die massgebenden kantonal- und bundesrechtlichen Vorschriften nicht verletzt (vgl. das nicht publizierte Urteil vom 25. Mai 1994 i.S. Kreis K.________ c. W. AG, E. 2a). Das Bundesgericht überprüft diesfalls den kantonalen Entscheid auf Willkür hin, soweit Gesetzes- oder Verordnungsrecht in Frage steht; mit freier Kognition entscheidet es, wenn es sich um Verfassungsrecht des Kantons oder des Bundes handelt (BGE 126 I 133 E. 2 S. 136; 122 I 279 E. 8b und 8c S. 290 f.; 119 Ia 285 E. 4c S. 295 f.).