Citation: 9C_820/2007 02.09.2008 E. 4.2

4.2.1 Die vorinstanzliche Feststellung, es liege beim Versicherten keine eigenständige psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vor, rügt der Beschwerdeführer nicht als offensichtlich unrichtig, geschweige denn - qualifiziert (Art. 106 Abs. 2 BGG) - als willkürlich; da sich auch aus den Akten diesbezüglich keine offensichtliche, geradezu ins Auge springende Sachverhaltsmängel ergeben (BGE 133 II 249 E. 1.4.3 [in fine] S. 254 f.), bleibt sie für das Bundesgericht verbindlich. Der weiteren Feststellung des kantonalen Gerichts, es liege kein sozialer Rückzug in praktisch allen Belangen des Lebens, namentlich keine soziale Isolierung vor, da der Beschwerdeführer durchaus Kontakt zu Verwandtschaft und Familie pflege, hält dieser entgegen, die rein innerfamiliären Beziehungen (Kernfamilie, Verwandtschaft) dürfe hier nicht entscheidend sein; ausschlaggebend sei bei einer in einem Familienverband lebenden wie bei einer alleinstehenden Person, ob sie von ihren seelischen Ressourcen her in der Lage sei, aus eigener Kraft und Initiative soziale Kontakte zu pflegen und aufzunehmen, was bei ihm nicht der Fall sei. Dem kann nicht beigepflichtet werden: Zwar bestehen beim Beschwerdeführer in der Tat nur - aber immerhin - wenige ausserverwandtschaftliche Kontakte; so verhielt es sich aber bereits vor Eintritt des Gesundheitsschadens, hatte der Versicherte doch gemäss eigenen Angaben (Teilgutachten des Dr. med. G.________ vom 26. März 2007, S. 5) seit seiner Einreise in die Schweiz (offiziell 1998), d.h. auch als Gesunder "bisher nur zwei gute Kollegen gehabt" und daneben ausschliesslich soziale Kontakte zur Verwandtschaft gepflegt. Das Fehlen einer breiter abgestützten sozialen Integration ist somit vorwiegend als invaliditätsfremd einzustufen und die vorinstanzliche Verneinung des Kriteriums eines nahezu vollständigen sozialen Rückzugs aus psychischen Gründen unter dem Blickwinkel von Art. 105 Abs. 2 BGG nicht zu beanstanden. Sodann besteht auch bezüglich der vorinstanzlichen Feststellung, es liege tendenziell ein (IV-rechtlich unbeachtlicher) sekundärer, nicht aber ein ausgeprägter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer primärer Krankheitsgewinn (innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung; "Flucht in die Krankheit") vor, kein Anlass, von der Verbindlichkeitswirkung gemäss Art. 105 Abs. 1 BGG abzurücken. Was der Beschwerdeführer diesbezüglich einwendet, ist - soweit überhaupt sachbezogen - nicht geeignet, die (fachärztlicherseits nirgends getroffene) gegenteilige Annahme eines therapeutisch nicht mehr angehbaren primären Krankheitsgewinns zu stützen. Zu den rechtsprechungsgemäss relevanten Kriterien des "chronifizierten Krankheitsverlaufs mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung" und des "Scheiterns einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person" (so BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50; vgl. auch BGE 130 V 352 E. 2.2.3 S. 355) ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die langwierige Krankheitsgeschichte und die Erfolglosigkeit der bisherigen ärztlichen Behandlungs- und Therapieversuche - zu Recht - nicht in Abrede stellt; das Fehlschlagen der Therapien werde jedoch durch die Selbstlimitierungen, eingeschränkte Mitwirkung und fehlende Motivation des Versicherten relativiert. Gegen diese Feststellung bringt der Beschwerdeführer lediglich vor, die Vorinstanz habe nicht in Betracht gezogen, dass es sich bei den Verhaltensweisen des Versicherten nicht um Böswilligkeit und Unmotiviertheit, sondern um Erscheinungsformen seiner Depression handle (Passivität, Niedergeschlagenheit). Auch wenn dieses Argument nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist, folgt daraus nicht, dass die vorinstanzliche Verneinung der genannten Kriterien im Ergebnis qualifiziert unrichtig, ja geradezu willkürlich ist. Eine diesbezüglich offensichtliche Aktenwidrigkeit oder klare Fehlinterpretation der ärztlichen Aussagen wird vom Beschwerdeführer jedenfalls nicht dargetan und ist auch nicht ersichtlich. Soweit die Vorinstanz schliesslich (gehäufte und ausgeprägte) chronische körperliche Begleiterkrankungen mit der Begründung verneint, es liege einzig ein diagnostiziertes, wesentlich durch die Schmerzfixierung geprägtes Rückenleiden vor, ist diese Feststellung unter dem Blickwinkel von Art. 105 Abs. 2 BGG ebenfalls nicht korrekturbedürftig. 4.2.2 Halten die für die Beurteilung einer ausnahmsweise unzumutbaren Schmerzüberwindung massgebenden Tatsachenfeststellungen des kantonalen Gerichts im Einzelnen stand, bleibt zu prüfen, ob diese in ihrer Gesamtheit den (IV-rechtlichen) Schluss zulassen, dass der Beschwerdeführer über die nötigen psychischen Ressourcen einer adäquaten Schmerzbewältigung verfügt, um die aus körperlicher Sicht bestehende Restarbeitsfähigkeit von 50% vollumfänglich zu verwerten. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist dies mit der Vorinstanz zu bejahen. Zu berücksichtigen gilt es dabei, dass die rechtsanwendenden Behörden bei der Gesamtwürdigung der für die (ausnahmsweise) invalidisierende Wirkung somatoformer Schmerzstörungen massgebenden Tatsachen im Rahmen der freien, pflichtgemässen Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG; BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 400) durchaus über einen gewissen Ermessensspielraum verfügen. Rechtsprechungsgemässe Vorgabe ist lediglich, dass die Voraussetzungen der unzumutbaren Schmerzüberwindung desto eher erfüllt sind, je mehr der praxisgemäss relevanten Kriterien gegeben sind und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50 f.). Eine missbräuchliche, willkürliche oder sonstwie rechtsfehlerhafte Handhabung dieses rechtlichen Rahmens kann dem kantonalen Gericht nicht vorgeworfen werden (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399). Namentlich liegt keine unhaltbare oder sonstwie qualifiziert rechtsfehlerhafte Gewichtung der einzelnen, für die Beurteilung der vorhandenen psychischen Kapazitäten erheblichen Tatsachen vor. Vor diesem Hintergrund ist die vorinstanzliche Verneinung eines krankheitswertigen psychischen Gesundheitsschadens mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu bestätigen, was im Übrigen auch in Einklang mit der früheren Einschätzung der Psychiatrie Y.________ vom 14. März 2005 steht und sich selbst mit den Aussagen des den Versicherten seit Februar 2005 psychotherapeutisch begleitenden (allerdings gemäss FMH-Ärzteindex [http://www.doctorfmh.ch] nicht über einen FMH-Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie [so Vorinstanz], sondern für Allgemeinmedizin verfügenden, seit 1996 ausschliesslich psychotherapeutisch tätigen) Dr. med. F.________vereinbaren lässt (vgl. IV-Arztbericht vom 16. März 2006: "Meines Erachtens ist die Arbeitsunfähigkeit somatisch bedingt"). 4.3 Die vom kantonalen Gericht aufgrund eines Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG; s. auch E. 3 Ingress) und unter Beizug der Durchschnittslöhne der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) vorgenommene Invaliditätsbemessung gibt nach Lage der Akten zu keinen Beanstandungen tatsächlicher (Art. 105 Abs. 2 BGG) oder rechtlicher (Art. 95 BGG) Anlass. Es wird diesbezüglich auf die in allen Teilen korrekten Ausführungen in Ewägung 5 des kantonalen Entscheids verwiesen (vgl. BGE 110 V 53). Nicht abzurücken ist letztinstanzlich namentlich vom vorinstanzlich bei der Festsetzung des trotz Gesundheitsschadens zumutbarerweise erzielbaren Einkommens (Invalideneinkommen) gewährten leidensbedingten Abzug (s. dazu BGE 129 V 472 E. 4 S. 481 mit Hinweisen; E. 4 des Urteils I 82/02 vom 27. November 2002, publ. in: AHI 2002 S. 67 ff.) in der Höhe von 15 %. Soweit der Beschwerdeführer unter Verweis auf seinen Ausländerstatus (Niederlassungsbewilligung C) einen 20%igen Abzug berücksichtigt haben will, kann ihm nicht gefolgt werden. Er verkennt, dass sich der Ausländerstatus im Falle von Personen mit Niederlassungsbewilligung C in dem hier in Betracht fallenden Arbeitssegment nicht (oder jedenfalls nicht signifikant) lohnmindernd auswirkt (LSE 2002 S. 59 TA12, 2004 S. 69 TA12 [Anforderungsniveau 4/Männer]; vgl. etwa auch Urteile 8C_529/2007 vom 23. Mai 2008, E. 4.3; U 11/07 vom 27. Februar 2008, E. 8.3; 9C_29/2007 vom 4. Februar 2008, E. 4.3; U 49/06 vom 22. November 2007, E. 3.4). Bei dieser Sachlage ist eine missbräuchliche oder sonst rechtsfehlerhafte Ermessensausübung bei der vorinstanzlichen Festsetzung der Abzugshöhe (zur Einstufung als Ermessensfrage: BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399) ohne Weiteres zu verneinen, womit es beim vorinstanzlich ermittelten Invaliditätsgrad von rund 57% und der vorinstanzlich zugesprochenen halben Invalidenrente sein Bewenden hat.