Citation: 5A_333/2024 E. 5.1

5.1. Die Adoption eines Kindes aus dem Ausland läuft über ein mehrstufiges Verfahren ab: In einem ersten Schritt ist bei der Zentralen Behörde des Kantons ein Gesuch um Erteilung einer vorläufigen Bewilligung zur Aufnahme eines Pflegekindes zu stellen (Art. 14 HAÜ i.V.m. Art. 4 Abs. 1 BG-HAÜ sowie Art. 4 AdoV). Daraufhin klärt die kantonale Behörde die Eignung der künftigen Adoptiveltern im Hinblick auf das Wohl und die Bedürfnisse des aufzunehmenden Kindes ab (Art. 5 Abs. 1 AdoV). Sie stellt ein Dossier über sie zusammen, das insbesondere den Bericht gemäss Art. 15 Abs. 1 HAÜ über die künftigen Adoptiveltern enthält (Art. 5 Abs. 1 lit. b BG-HAÜ). Dieser äussert sich zur Person der Antragsteller, zu ihrer rechtlichen Fähigkeit sowie zu ihrer Eignung zur Adoption (Art. 15 Abs. 1 HAÜ). Führt die Eignungsprüfung gemäss Art. 5 AdoV zu einem positiven Ergebnis, so wird dieser Verfahrensabschnitt mit der Erteilung der Eignungsbescheinigung abgeschlossen (Art. 6 Abs. 1 AdoV). Diese bezeichnet ebenfalls den Herkunftsstaat sowie das Mindest- und das Höchstalter des Kindes (Art. 6 Abs. 2 AdoV). Daran schliesst sich das sog. "Matching-Verfahren" gemäss Art. 7-9 BG-HAÜ an (BBl 1999 5827 Ziff. 223.3) : Sobald das Dossier über die Adoptiveltern, der Bericht der Zentralen Behörde des Heimatstaates über das Kind sowie das Einverständnis der Adoptiveltern vorliegen (Art. 16 HAÜ i.V.m. Art. 5 und Art. 6 BG-HAÜ), entscheidet die Zentrale Behörde des Kantons nach Massgabe von Art. 8 und Art. 9 BG-HAÜ, ob das Verfahren fortgesetzt wird (Art. 7 Abs. 1 BG-HAÜ i.V.m. Art. 17 lit. b und c HAÜ), d.h. ob den Adoptionsbewerbern erlaubt wird, das bestimmte Kind zwecks Adoption bei sich aufzunehmen oder es in dessen Heimatstaat zu adoptieren (David Urwyler, Das Verfahren bei internationalen Adoptionen nach dem HAÜ, ZVW 2003 S. 13). Wesentliche Voraussetzung sowohl für eine Adoption des Kindes nach seiner Aufnahme in der Schweiz (Art. 8 Abs. 1 und 3 BG-HAÜ) als auch für eine Adoption des Kindes im Heimatstaat (Art. 8 Abs. 2 und Art. 9 BG-HAÜ) ist, dass die Adoption dem Wohl des Kindes dient (Art. 8 Abs. 1 lit. a BG-HAÜ i.V.m. Art. 1a Abs. 1 der Pflegekinderverordnung vom 19. Oktober 1977 [PAVO; SR 211.222.338], Art. 9 Abs. 1 lit. b BG-HAÜ; s. auch BGE 141 III 328 E. 6.6). Dies kommt auch in Art. 3 AdoV zum Ausdruck, wonach eine Adoption und die Aufnahme zur Adoption nur erfolgen dürfen, wenn die gesamten Umstände erwarten lassen, dass sie dem Wohl des Kindes dienen. Haben die Zentrale Behörde des Kantons und die Zentralbehörde des Heimatstaates ihre Zustimmung erteilt (sog. "Matching-Entscheid"; s. Urwyler, ZVW 2003 S. 10 in fine), kann in einem letzten Schritt die Bewilligung zur Aufnahme eines bestimmten Kindes erteilt werden (Art. 7 Abs. 1 und 5 AdoV).