Citation: U 442/05 09.06.2006 E. 3

Die Meinungen gehen zunächst auseinander bezüglich des auf den Unfall zurückzuführenden Beschwerdebildes der Versicherten und - damit zusammenhängend - bezüglich der Frage, wie der adäquate Kausalzusammenhang zu prüfen sei. 3.1 Nachdem der am Unfalltag aufgesuchte Dr. med. S.________ eine Distorsion HWS diagnostiziert hatte (Arztzeugnis vom 22. August 2001), wurden anlässlich der Untersuchung vom 20. August 2001 im Institut E.________ eine ausgeprägte Spondylose und Spondylarthrose der HWS mit fortgeschrittener, degenerativer Discopathie C3 bis C7 festgestellt. Im Zwischenbericht vom 5. November 2001 erwähnte Dr. med. S.________ neben dem Schleudertrauma bereits eine reaktive Depression, hielt aber fest, die Beschwerdeführerin habe am 23. Oktober 2001 ihre Arbeit wieder vollumfänglich aufgenommen. Am 12. Februar 2002 spricht der Arzt von einer sekundären Depression und erläutert, dass die Patientin posttraumatisch mit einem Depressionssyndrom reagiert habe und Antidepressiva einnehme. Im Zwischenbericht vom 1. Juli 2002 wurden dann sekundäre psychische Veränderungen erwähnt, da die Versicherte in einen auffallenden depressiven Status geraten sei und über das Trauma nicht hinwegkomme. Nachdem ein Jahr nach dem Unfallereignis immer noch auf einen auffallenden depressiven Status sowie eine schlechte Unfallverarbeitung hingewiesen wurde und die Patientin den Beizug eines Psychiaters abgelehnt hatte, fand am 19. August 2002 eine kreisärztliche Untersuchung statt. Dort wurden erstmals Schwindelbeschwerden erwähnt, wobei gemäss Kreisarzt nur bescheidene klinische Befunde vorlagen. Er empfahl eine Vervollständigung der radiologischen Untersuchung sowie eine Abklärung des Schwindels. Während die radiologische Abklärung vom 10. September 2002 im Wesentlichen eine ungewöhnlich fortgeschrittene degenerative Veränderung der HWS ergab, zeigte sich bei der Untersuchung der Schwindelsymptomatik am 12. September 2002 keine Auffälligkeit. Im Schreiben vom 16. September 2002 an den Kreisarzt erläuterte Dr. med. S.________, er habe die Patientin am Unfalltag erstmals gesehen. Sie habe von Anfang an einen sehr merkwürdigen undurchschaubaren Verlauf angezeigt, bei welchem bald eine wesentliche psychische Komponente vorgelegen habe. Nach Beizug einer Psychiaterin habe die Beschwerdeführerin die Behandlung bei ihm abgebrochen. Inzwischen hatte Dr. med. I.________ die Versicherte wegen Depression und Burned-out-Syndrom ab 29. August 2002 bis auf unbestimmte Zeit gänzlich arbeitsunfähig geschrieben (Arztzeugnis vom 9. September 2002). Im Bericht vom 24. September 2002 diagnostizierte die beigezogene Psychiaterin Dr. med. Z.________ eine Erschöpfungsdepression, bestätigte die Arbeitsunfähigkeit und erwähnte zwei Hospitalisationen anfangs der 90er Jahre in der psychiatrischen Klinik C.________. 3.2 Nach der Rückfallmeldung vom 21. März 2003 stellte Frau Dr. med. Z.________ am 4. April 2003 die Diagnose eines organischen Psychosyndroms nach Schleudertrauma ICD 10 F 07.2 sowie einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome F 32.2. Zum Beschwerdebild gehörten - so die Psychiaterin - tägliche Kopf- und Nackenschmerzen, die oft mit Übelkeit, Tinnitus, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, gesteigerter Ermüdbarkeit, Koordinationsschwierigkeiten, aggressiven Durchbrüchen, Antriebslosigkeit, fehlender Motivation, Stimmungstief sowie Gefühl der Nutzlosigkeit kombiniert seien. Am 11. August 2003 fand sodann eine kreisärztliche Konsultation statt, bei welcher sich die Beschwerdeführerin nicht untersuchen lassen wollte. Sie gab an, seit dem Unfall an einem Tinnitus zu leiden. Aufgrund der medizinischen Aktenlage kam der Kreisarzt zum Schluss, dass nur noch psychische Veränderungen vorlägen, empfahl jedoch die Einholung eines Berichts bei der Abteilung Innere Medizin des Spitals B.________ und bei der behandelnden Psychiaterin sowie die Veranlassung einer neurologischen Beurteilung. Das Spitalzentrum X._________, wo die Patientin am 25. und 26. Juni 2003 zur Abklärung hospitalisiert gewesen war, erwähnte im Bericht vom 27. August 2003 als Hauptproblem ein depressives Zustandsbild mit Somatisierungstendenz sowie einen psychovegetativen Symptomkomplex mit Tachykardie und wandernden Schmerzen, als Nebenproblem eine milde arterielle Hypertonie. Es schloss eine schwere somatische Krankheit weitgehend aus, verwies jedoch bezüglich der Frage, ob zwischen dem depressiven Zustandsbild und dem im Jahre 2001 erlittenen Schleudertrauma ein Zusammenhang bestehe, an die behandelnde Psychiaterin. Im Bericht vom 2. November 2003 diagnostizierte Frau Dr. med. Z.________ wiederum ein organisches Psychosyndrom nach Schleudertrauma ICD 10 F 07.2 (Kopfschmerzen, Schwindel, Erschöpftheit, Konzentrationsstörung, verminderte Belastbarkeit, Reizbarkeit, Depressivität und Angst) sowie eine leichte depressive Episode. Die Versicherte weise - so die Psychiaterin - ein deutlich gebessertes psychisches Zustandsbild auf, die Schmerzsymptomatik sei aber unverändert. Zu den psychiatrischen Leiden vor dem Unfallereignis führte Frau Dr. med. Z.________ aus, die Beschwerdeführerin sei 1990 wegen einer Erschöpfungsdepression und 1994 dreimal kurz nacheinander wegen eines depressiven Zustandsbildes in der psychiatrischen Klinik C.________ hospitalisiert gewesen. Frau Dr. med. V.________ kam im Bericht vom 24. November 2003 zum Schluss, dass neurologisch keine Unfallfolgen objektivierbar seien. Sie führte die von der Patientin am linken Arm und an der HWS angegebenen Beschwerden auf vor dem Unfall vorhanden gewesene degenerative Veränderungen zurück, die durch den Unfall als posttraumatische Migraine cervicale und als posttraumatisches Schulterarmsyndrom ohne neurologische Ausfälle aktiviert worden seien, und hielt fest, diese Beschwerden wären in den Jahren nach dem Unfall auch ohne diesen aufgetreten. Das anfallartige Sturmsein mit den eigenartigen Sensationen im Kopf, begleitet von Unruhe und Reizbarkeit, sei wahrscheinlich zu einem grossen Teil auf die wesentliche, nicht oder schlecht behandelt gewesene arterielle Hypertonie zurückzuführen, wobei der hohe Blutdruck keine Unfallfolge darstelle. Ein Teil der Schwindelbeschwerden sei zusammen mit einem Teil des Surrens cervicogener Ätiologie und könne nicht objektiviert werden. Eine gewisse Komponente phobischen Schwindels sei nicht auszuschliessen. Die im Auftrag des SUVA-Kreisarztes am 9. März 2004 in der Otoneurologie des Spitals R.________ durchgeführte Untersuchung schliesslich ergab eine beidseitige Perzeptionsschwerhörigkeit im Hochtonbereich endocochleärer Ursache sowie eine otolithische Dysfunktion rechts im Sinne einer Canalolithiasis. Sowohl für den Schwindel wie auch für den Tinnitus wäre gemäss Bericht vom 8. April 2004 und Ergänzung vom 10. Juni 2004 ein Zusammenhang mit dem Unfall möglich, wobei unter "möglich" eine bis 25%ige Wahrscheinlichkeit zu verstehen sei. 3.3 In Würdigung der medizinischen Aktenlage ist mit SUVA und Vorinstanz davon auszugehen, dass es sich bei den geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin nicht um klar ausgewiesene organische Unfallfolgen handelt. Zu diesem Ergebnis führt nicht nur der von der Beschwerdeführerin kritisierte Bericht der Frau Dr. med. V.________ vom 24. November 2003, der den Anforderungen der Rechtsprechung genügt, sondern die Gesamtwürdigung der vorhandenen Berichte. So ergibt sich aus den radiologischen Abklärungen des Röntgeninstitutes A.________ vom 20. August 2001 und der Privatklinik N.________ vom 11. September 2002, dass die Versicherte an fortgeschrittenen degenerativen und somit unfallfremden Veränderungen der HWS leidet. Die Abklärung der Schwindelsymptomatik zeigte gemäss Bericht des Dr. med. T.________ vom 13. September 2002 einen blanden HNO-Status, und gemäss Bericht des Spitals R.________ vom 8. April/10. Juni 2004 besteht lediglich eine bis 25%ige Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenhang zwischen Tinnitus/Schwindel und Unfallereignis. Demgegenüber ergibt sich aus den Berichten des Dr. med. S.________ vom 5. November 2001, 12. Februar, 1. Juli und 16. September 2002, aus dem Arztzeugnis des Dr. med. I.________ vom 9. September 2002, aus den Berichten der Psychiaterin Dr. med. Z.________ vom 24. September 2002 und 2. November 2003 sowie aus dem Bericht des Spitalzentrums B.________vom 27. August 2003 im Ergebnis übereinstimmend, dass das Hauptproblem der Versicherten in einem depressiven Zustandsbild, in einem Burned-out-Syndrom und in einer Erschöpfungsdepression besteht, wobei sich die Beschwerdeführerin wegen dieser Symptomatik bereits anfangs der 90er Jahre habe behandeln lassen. Für weitere Abklärungen besteht kein Anlass. 3.4 Selbst wenn die Beschwerdeführerin ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung erlitten hätte, dominierte somit innert kurzer Zeit die psychische Problematik, welche zudem bereits Jahre vor dem Unfall zu Behandlung Anlass gegeben hatte, weshalb Unfallversicherer und Vorinstanz die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu Recht nach den bei Unfällen mit psychischen Folgeschäden geltenden Grundsätzen geprüft haben (BGE 123 V 99 Erw. 2a). Danach ist bei der Prüfung der massgebenden Kriterien, anders als nach der sogenannten Schleudertrauma-Praxis, wo nicht zwischen körperlichen und seelischen Beschwerden unterschieden wird, die psychische Komponente ausser Acht zu lassen. Die hiegegen erhobenen Einwände in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde sind nicht stichhaltig.