Citation: 9C_12/2022 E. 5.2

5.2. Im Rahmen seiner Untersuchung, ob die prophylaktische Mastektomie für Trägerinnen von PALB2-Mutationen zu Unrecht nicht in Art. 12b (lit. e) KLV aufgenommen wurde, hat das kantonale Gericht im Wesentlichen einen Analogieschluss vorgenommen. So hat es die Auswirkungen - insbesondere das Risikopotenzial betreffend eine Brustkrebserkrankung - einer Mutation im PALB2-Gen mit denjenigen von BRCA1/2-Mutationen verglichen und daraus gefolgert, dass wie bei Letzteren auch bei einer Mutation im PALB2-Gen eine prophylaktische Mastektomie vom Krankenversicherer, hier der Beschwerdeführerin, im Rahmen der OKP zu übernehmen sei. Mit Blick auf die dargelegten Grundsätze (E. 3.2.5 hiervor) ist ein solcher Analogieschluss bei der Überprüfung von Positivlisten jedoch nicht zulässig. Im Übrigen kann die Beschwerdegegnerin mit dem Hinweis darauf, dass es in der Medizin gängige Praxis sei, eine unbekannte Erkrankung bis zum Vorliegen konkreter Erkenntnisse und Studienergebnisse wie eine ähnliche, bekannte Erkrankung zu behandeln, nichts zu ihren Gunsten ableiten. So handelt es sich bei der PALB2-Mutation nicht um eine Erkrankung, sondern um eine Genmutation, die das Potenzial in sich trägt, eine Erkrankung (hier von Interesse: Brustkrebs) hervorzurufen. Für medizinische Präventionsmassnahmen in diesem Zusammenhang gelten die dargelegten Grundsätze (E. 3 hiervor) betreffend Kostenübernahme im Rahmen der OKP. Das kantonale Gericht hat mit seinem Vorgehen somit Bundesrecht verletzt. Zu prüfen bleibt, ob eine richterliche Ergänzung von Art. 12b lit. e KLV um PALB2-Genmutationen ausnahmsweise (E. 3.2.3 ff. hiervor) zulässig ist.