Citation: 8C_369/2008 11.08.2008 E. 9

Umstritten ist weiter die Diskushernienproblematik. 9.1 Wird eine Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192, U 138/99). Nach unfallmedizinischer Erfahrungstatsache kann eine richtunggebende, mithin dauernde, unfallbedingte Verschlimmerung einer vorbestandenen, degenerativen Erkrankung der Wirbelsäule nur als nachgewiesen gelten, wenn ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel sowie das Auftreten und Verschlimmern von Verletzungen nach einem Trauma radioskopisch erstellt sind (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45). Die Dauer, während der eine vorbestehende Wirbelsäulenerkrankung durch einen Unfall - bei Fehlen unfallbedingter Wirbelkörperfrakturen oder struktureller Läsionen an der Wirbelsäule - im Sinne einer vorübergehenden Verschlimmerung beeinflusst wird, beträgt nach unfallmedizinischer Erfahrung sechs bis neun Monate, längstens jedoch ein Jahr (erwähntes Urteil U 7/07, E. 2.2 mit Hinweis). 9.2 Laut dem Gutachten des Dr. med. U.________ vom 24. Mai 2004 waren die Diskopathien und Diskushernien der Versicherten vorbestehend und damit nicht durch den Unfall vom 29. Juni 2002 verursacht worden. Dieser Unfall habe dieses Grundleiden vorübergehend - bis zum Erreichen des Status quo sine Ende 2003 - verschlimmert. Gleichzeitig führte Dr. med. U.________ aber aus, bei der Versicherten seien nie die typischen Symptome einer cervicalen Diskushernie aufgetreten, so dass der Unfall nicht als auslösender Faktor in Frage komme, worauf sowohl der Rheumatologe Dr. med. I.________ als auch der Neurochirurg PD Dr. med. P.________ hingewiesen hätten. Es ist widersprüchlich und nicht nachvollziehbar, wenn Dr. med. U.________ einerseits von einer Verschlimmerung der vorbestehenden Diskopathien und Diskushernien durch den Unfall ausgeht, diesen aber gleichzeitig nicht als deren auslösenden Faktor qualifiziert. Festzuhalten ist weiter, dass der vom Gutachter Dr. med. U.________ ins Feld geführte Neurochirurg und Wirbelsäulenspezialist PD Dr. med. P.________ im Bericht vom 11. Dezember 2003 eine HWS-Distorsion als Folge des Unfalls vom 29. Juni 2002 diagnostizierte (E. 5.2 hievor) und weiter unter anderem ausführte, die Symptomatik, welche die Versicherte zeige, sei sicher invalidisierend, aber man könne sie nicht in Relation zu den pathologischen Bandscheibenbefunden C5/C6 und C6/C7 setzen. Im detaillierten neurologischen Untersuchungsbefund von heute habe er weder Anzeichen einer radikulären Irritation noch eines radikulären defizitären Syndroms nach Anzeichen einer beginnenden zervikalen Myelopathie gefunden. Er glaube, dass es keinen Sinn mache, einen chirurgischen Eingriff an der HWS zu empfehlen. Hingegen glaube er, dass eventuell in der Rehaklinik E.________, wo sie auf Distorsiontraumen spezialisiert seien, eine weitergehende Abklärung und Betreuung sinnvoll wäre. Die Einschätzungen des Dr. med. U.________ und des PD Dr. med. P.________ hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen der HWS-Traumatisierung vom 29. Juni 2002 und der Diskushernienproblematik divergieren mithin erheblich. Es sind keine Gründe ersichtlich, der Einschätzung des Dr. med. U.________ diesbezüglich einen höheren Beweiswert beizumessen, zumal er über keine aktuelleren HWS-Röntgenbilder als PD Dr. med. P.________ verfügte. In diesem Punkt besteht somit ebenfalls Abklärungsbedarf.