Citation: I 391/02 26.05.2003 E. 2.2

2.2.1 Die Beurteilung des Gesundheitszustandes im Zeitpunkt der Revisionsverfügung vom 8. Juni 2001 durch Verwaltung und Vorinstanz stützt sich in erster Linie auf das MEDAS-Gutachten vom 23. November 2000. Dieses basiert auf den Vorakten, internistischen Untersuchungen, einem psychiatrischen und einem rheumatologischen Untergutachten sowie einer multidisziplinären Konsens-Konferenz. Aus rheumatologischer Sicht wurde ein generalisiertes Schmerzsyndrom bei/mit zervikovertrebralem bis zervikocephalem Syndrom, chronischem Lumbovertebralsyndrom und fibromyalgiformer Beschwerdegeneralisation diagnostiziert. Die Belastbarkeit liege im Rahmen einer rückenadaptierten, leichten bis mittelschweren Tätigkeit, die nach einer Einarbeitungsphase in reduziertem, vorerst halbtägigem Pensum mittelfristig auch ganztags möglich werden sollte. In einer körperlich schwer belastenden Tätigkeit wie dem angestammten Maurerberuf erscheine eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit nicht zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit betrage im bisherigen Beruf 0 %, in einer rückenadaptierten, leichten bis mittelschweren Tätigkeit in Wechselposition ohne schweres Heben, ohne Arbeiten vornübergebeugt oder mit repetitiven Stereotypen sowie über Kopf 50 bis 70 %. Die psychiatrische Untersuchung ergab ein agitiert-dysphorisch-depressives Zustandsbild, wie es bereits in früheren Berichten geschildert worden sei, mit inzwischen schon erheblicher Chronifizierung. Der Explorand wirke insbesondere hilflos und bekunde grosse Mühe, seine aktuell schwierige Lebenssituation mit Krankheit und Arbeitslosigkeit zu bewältigen. Als zusätzliche, erschwerende Faktoren seien die erhebliche Kränkbarkeit sowie die Persönlichkeitszüge mit einem raschen Wechsel von Zorn, Aggression und Resignation zu nennen. Diagnostiziert werden eine mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F32.1) mit agitiert-dysphorisch-depressivem Zustandsbild sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge (dysthym-narzisstisch; ICD-10 Z73.1). Auf Grund der geringen emotionalen Belastbarkeit bei mittelgradiger Depression sei der Explorand aus rein psychiatrischer Sicht derzeit für eine den somatischen Beschwerden angepasste Arbeitstätigkeit rund 50 % eingeschränkt. Im Rahmen der multidisziplinären Gesamtbeurteilung gelangen die begutachtenden Ärztinnen und Ärzte zum Ergebnis, gegenüber der Situation bei Erlass der Verfügung von November 1996 sei keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten. In einer leichten bis maximal mittelschweren körperlichen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. 2.2.2 Das Gutachten der MEDAS wird den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Stellungnahme (BGE 125 V 352 Erw. 3a) gerecht. Auf die darin enthaltenen Aussagen kann abgestellt werden, sofern sich aus den übrigen Akten keine Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gutachtens ergeben. In der Stellungnahme des Psychiatrischen Zentrums B.________ vom 3. Mai 2001 wird die Arbeitsfähigkeit ungünstiger beurteilt. Die Ärztinnen des Zentrums führen aus, die Diagnosen deckten sich im Wesentlichen mit denjenigen des psychiatrischen Untergutachtens vom 11. Oktober 2000. Zusätzlich bestehe jedoch nach ihrer Meinung eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und ein Fibromyalgiesyndrom, welches mehrfach neurologisch bestätigt worden sei. Bekannt sei ausserdem ein chronisches zervikozephales und lumbovertebrales Syndrom bei degenerativen Veränderungen der HWS und LWS sowie muskulärer Dysbalance. Der Patient sei auf Grund der geringen emotionalen Belastbarkeit bei mittelgradiger Depression und der immer wieder starken emotionalen Durchbrüche mit sowohl selbst- als auch fremdgefährdenden verbalen Äusserungen aus rein psychiatrischer Sicht nicht arbeitsfähig. Er habe einerseits ein körperliches Leiden, welches zu einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % führe; andererseits sei die psychische Verarbeitung dieser Leiden bei den zu Grunde liegenden akzentuierten Persönlichkeitszügen sehr erschwert, sodass die Chronifizierung des Leidens eine 100% ige Arbeitsunfähigkeit nach sich gezogen habe. 2.2.3 Die in der Stellungnahme des Psychiatrischen Zentrums B.________ vom 3. Mai 2001 gestellte Diagnose stimmt in Bezug auf die rein psychiatrischen Befunde weitgehend mit jenen der MEDAS überein, während die zusätzlich genannten Elemente im Rahmen des MEDAS-Gutachtens bereits durch die rheumatologische Untersuchung berücksichtigt sind und deshalb in der psychiatrischen Exploration nicht mehr erwähnt werden. Im Zusammenhang mit der Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung, welche im MEDAS-Gutachten als solche nicht gestellt wird, ist für die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung entscheidend, ob die betroffene Person trotz ihrer subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachgehen könnte (Urteil R. vom 2. Dezember 2002, I 53/02, Erw. 2.2), wobei die zumutbarerweise verwertbare Arbeitsfähigkeit nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen ist (vgl. BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen). Eine analoge Zumutbarkeitsbeurteilung ist auch vorzunehmen, wenn ein generalisiertes Schmerzsyndrom gegeben ist, wie es im MEDAS-Gutachten festgehalten wird. Die Abweichung hinsichtlich der Diagnose hat demzufolge keine Auswirkungen auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für die Invaliditätsbemessung. Dies gilt umso mehr, da die psychisch bedingte Arbeitsfähigkeit gemäss der Beurteilung des Psychiatrischen Zentrums B.________ in erster Linie auf die akzentuierten Persönlichkeitszüge zurückzuführen ist, welche im MEDAS-Gutachten ähnlich gewichtet werden. Das Zusammenwirken des psychischen Gesundheitsschadens mit den organischen Befunden in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit wird im MEDAS-Gutachten gestützt auf eine multidisziplinäre Konferenz schlüssig beurteilt. Die abweichenden Aussagen des Psychiatrischen Zentrums B.________ vermögen die Zuverlässigkeit der Feststellungen der MEDAS auch in diesem Punkt nicht als zweifelhaft erscheinen zu lassen. Gleiches gilt mit Bezug auf die Stellungnahmen der Hausärztin Dr. D.________ - mit Einschluss des vorinstanzlich aufgelegten Zeugnisses vom 1. Februar 2000 -, welchen das kantonale Gericht hinsichtlich der vorliegend relevanten Fragen mit zutreffender Begründung die erforderliche Beweiskraft abgesprochen hat. Verwaltung und Vorinstanz sind daher mit Recht davon ausgegangen, der Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt der Revisionsverfügung vom 8. Juni 2001 in Bezug auf eine angepasste, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit weiterhin zu 50 % arbeitsfähig gewesen.