Citation: 5A_823/2008 27.03.2009 E. 3

Hauptstreitpunkt bildet die Frage, unter wessen elterliche Sorge das Kind A.________ gestellt werden soll. 3.1 Gemäss Art. 133 Abs. 1 und 2 ZGB hat das Scheidungsgericht die elterliche Sorge einem Elternteil zuzuteilen und dabei alle für das Kindeswohl massgebenden Umstände zu berücksichtigen. Auf die Meinung des Kindes ist, soweit tunlich, Rücksicht zu nehmen. Im Übrigen sind für die Zuteilung die vom Bundesgericht in der langjährigen Rechtsprechung zum früheren Art. 156 ZGB umschriebenen Kriterien wegleitend. Entscheidend ist demnach stets das Kindeswohl (BGE 115 II 206 E. 4a S. 209, 317 E. 2 S. 319; 117 II 353 E. 3 S. 354 f.). Den Bedürfnissen der Kinder ist entsprechend ihrem Alter, ihren Neigungen und ihrem Anspruch auf elterliche Fürsorglichkeit, Zuwendung und Erziehung bestmöglich zu entsprechen. Als massgebliche Gesichtspunkte stehen dabei im Vordergrund die persönlichen Beziehungen der Eltern zu den Kindern, ihre erzieherischen Fähigkeiten und ihre Bereitschaft, die Kinder in eigener Obhut zu haben und sie weitgehend persönlich zu betreuen und zu pflegen. Zudem ist dem Bedürfnis der Kinder nach der für eine harmonische Entfaltung in körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der Verhältnisse Rechnung zu tragen (BGE 114 II 200 E. 3 S. 201 f.; 112 II 381 E. 3 S. 382 f.). Bei ungefähr gleicher Erziehungs- und Betreuungsfähigkeit beider Eltern kommt dem letztgenannten Kriterium besonderes Gewicht zu. Unter Umständen kann die Möglichkeit der persönlichen Betreuung auch dahinter zurücktreten (Urteil 5C.212/2005 vom 25. Januar 2006 E. 4.2 und 4.4.1, publ. in: FamPra.ch 2006 S. 753). Bei der Zuteilung der elterlichen Sorge steht den kantonalen Behörden, welche die Parteien und die Verhältnisse besser kennen als das Bundesgericht, ein erhebliches Ermessen zu. Das Bundesgericht greift nur ein, wenn einschlägige Kriterien grundlos ausser Betracht geblieben oder offenkundig falsch gewichtet worden sind oder wenn die Zuteilung auf Überlegungen abgestützt worden ist, die unter dem Gesichtswinkel des Kindeswohls bedeutungslos sind oder gegen die dargelegten bundesgerichtlichen Grundsätze verstossen (BGE 117 II 353 E. 3 S. 355). 3.2 Das Kantonsgerichts hält fest, dass A.________ in seiner frühen Kindheit während der beruflichen Abwesenheit der Beschwerdegegnerin intensiv durch seinen Vater betreut worden sei, jedoch seit der Trennung seiner Eltern im Juni 2006 bei seiner Mutter lebe. Die Mutter sei seither die Hauptbezugsperson von A.________. Er besuche seither seinen Vater an jedem zweiten Wochenende, jeden zweiten Mittwochnachmittag sowie während vier Wochen seiner Ferien. Zudem komme es aufgrund des gleichen Wohnorts der Parteien auch zu spontanen Besuchen zwischen Vater und Sohn. Aus dem im Jahre 2006 erstellten und im Jahre 2007 ergänzten Sozialbericht der Vormundschaftsbehörde St. Gallen gehe hervor, dass sich A.________ wünschen würde, bei beiden Eltern zu sein und dass er gleichermassen an beiden Eltern hänge. Weiter sei dem Bericht zu entnehmen, dass der Vater einen positiven Erziehungsstil zeige, die Mutter das Kind fördere und ihm eher Grenzen setze als der Vater. In der Organisation des Alltags habe zudem die Mutter stets die aktivere Rolle übernommen. Weiter führt das Kantonsgericht aus, dass beide Eltern lieb und fürsorglich seien, beide eine innige Beziehung zu A.________ hätten und sich beide der grossen Bedeutung der Beziehung des Kindes zu Vater und Mutter bewusst seien. An mehreren Stellen wird festgehalten, dass beide Parteien ihre Elternrolle verantwortungsvoll erfüllen würden. Die Mutter fördere die Entwicklung ihres Sohnes angemessen und organisiere die Betreuung im Schulhort während ihrer beruflichen Abwesenheit zuverlässig. Dass sich der Vater dem Kind ihn höherem Masse als die Mutter persönlich widmen könne, sei nicht anzunehmen; zwar sei dieser momentan erwerbslos, absolviere aber ein Beschäftigungsprogramm und möchte so rasch wie möglich eine neue Stelle annehmen. Die Beschwerdegegnerin bemühe sich zudem, den Vater-Kind-Kontakt zu fördern. Der Vater hingegen habe im Verlauf des Scheidungsverfahrens die Mitwirkung an der Aktualisierung des Sozialberichts verweigert, weil dieser das Vertrauen in die Behörden verloren habe. Zudem sei es ihm auch nicht gelungen, angemessen mit der eingesetzten Beiständin zusammenzuwirken und er habe Mühe, Kontakte zwischen seinem Sohn und dem neuen Partner der Beschwerdegegnerin zuzulassen. Vor diesem Hintergrund liege es im Kindeswohl, A.________ in seiner vertrauten Umgebung zu belassen und dem Kriterium der Kontinuität der Lebensverhältnisse und der besseren Bindungstoleranz der Mutter Rechnung zu tragen. 3.3 Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde im Wesentlichen aus, er sei bis zum siebten Altersjahr die Hauptbezugsperson seines Sohnes gewesen. Es habe sich während dieser Zeit ein herzliches Vater-Sohn-Verhältnis entwickelt, welches nach wie vor bestehe. Er habe sich als einfühlsamer Erzieher bewährt, was auch die Berichte des Vormundschaftsamtes der Stadt St. Gallen und des Kinderhortes bestätigt hätten. Seit A.________ bei der Mutter wohne, sei sein Sohn verändert: zerstreut, launisch und unruhig. Das Moment der Beziehungs- und Erlebniskontinuität spreche vor diesem Hintergrund klar für eine Zuteilung der elterlichen Sorge an ihn. Weiter präsentiere sich die Lage bei ausgewogener Betrachtung der Erziehungsfähigkeit keinesfalls so, dass die Mutter bei der Kinderzuteilung einen Vorrang vor dem Vater verdiente. Denn A.________ erfahre keine bessere Förderung durch die Mutter und diese sei auch nicht geschickter in der Organisation des Alltags. Die beantragten Beweismittel des kinderpsychologischen Gutachtens und der erneuten gerichtlichen Befragung von A.________, auf welche die Vorinstanzen verzichtet hätten, würden zweifellos die vollwertige Erziehungsfähigkeit des Vaters, die gute emotionale Vater-Sohn-Beziehung und letztlich die bessere Betreuungssituation beim Vater bestätigen. Zudem treffe die Vermutung des Kantonsgerichts, dass er sich nicht in höherem Masse als die Mutter persönlich dem Kind widmen könne, nicht zu.