Citation: 8C_778/2015 E. 4.2

4.2. Bei der Frage der Versicherungsklausel nach aArt. 6 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2000 geltenden Fassung) ist zweierlei zu prüfen: Erstens muss der Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalls, d.h. der Zeitpunkt des Vorliegens der für die jeweilige Leistungsart erforderlichen Invalidität, festgestellt werden; dabei handelt es sich um einen IV-spezifischen Aspekt. Zweitens ist zu prüfen, ob die betroffene Person zu diesem Zeitpunkt die Versicherteneigenschaft aufweist; dies stellt eine AHV-analoge Frage dar (Meyer, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 1997, S. 34 f.; vgl. auch Meyer/ Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl., 2014, N. 2 zu Art. 6 IVG). Bei IV-spezifischen Aspekten beurteilt sich die Wirkung einer Wiedererwägung nach Art. 88bis Abs. 1 lit. c IVV, d.h. ex nunc; bei AHV-spezifischen Punkten erfolgt die Beurteilung einer allfälligen Nachzahlung nach aArt. 85 Abs. 1 IVV (in Kraft bis 31. Dezember 2007) resp. Art. 24 Abs. 1 ATSG, d.h. ex tunc (vgl. dazu BGE 129 V 211 und SVR 2012 IV Nr. 28 S. 116, 9C_409/2011). Zudem ist bei ausländischen Staatsangehörigen kumulativ erforderlich, dass sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und entweder während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben (aArt. 6 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2000 in Kraft gewesenen Fassung). Im hier zu beurteilenden Fall bejahte das Sozialversicherungsgericht in seinem Entscheid vom 2. Mai 2012 die Erfüllung der Versicherungsklausel nach aArt. 6 Abs. 1 und 2 IVG, indem es - anders als die IV-Stelle, welche davon ausging, der Beschwerdeführer sei bereits bei seiner Einreise im Jahr 1998 invalide gewesen - den ischämischen paramedianen Ponsinfarkt vom 5. November 1999 als auslösendes Moment für den Beginn der Arbeitsunfähigkeit und damit für den Eintritt des Versicherungsfalls im Jahr 2000 erachtete; dabei stützte es sich auf ärztliche Berichte, welche - mit Ausnahme jenes der Frau Dr. med. G.________, Fachärztin für Allgemeine Medizin, vom 8. Oktober 2001 - in den Jahren 1999 und 2000 erstattet wurden, folglich vor Erlass der ersten ablehnenden Verfügung vom 17. Oktober 2000. Demnach liegt die fälschliche Verneinung der erfüllten Versicherungsklausel in einem IV-spezifischen Aspekt (Eintritt der massgeblichen Invalidität) begründet (vgl. explizit Meyer, a.a.O., S. 35 und Meyer/ Reichmuth, a.a.O., N. 2 zu Art. 6 IVG). Die Korrektur dieser Leistungsverweigerung richtet sich somit nach Art. 88bis Abs. 1 lit. c IVV, d.h. es erfolgt eine Nachzahlung ex nunc. Damit ist aber noch nicht gesagt, ob die erneute Anmeldung von 2001 oder jene von 2009 massgebend ist.