Citation: I 716/05 16.12.2005 E. 3

Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad. 3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ohne ihre gesundheitlichen Einschränkungen würde sie entgegen den Angaben in den beiden Haushaltsabklärungen vom 10. Juli 2001 und 26. März 2004 ganztags arbeiten. Dem kann nicht gefolgt werden. Zunächst beruhen die Angaben in den Abklärungsfragebögen, wonach die Versicherte nach der Geburt des dritten Kindes und der Scheidung noch halbtags erwerbstätig wäre, auf den Aussagen der Beschwerdeführerin selbst. Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Sachbearbeiterin der IV-Stelle zweimal hintereinander die selben falschen Angaben zum gleichen Thema notiert haben sollte. Sodann hat die Vorinstanz richtig erwogen, dass die Versicherte vor der Scheidung und dem Umzug in den Kanton Bern im Betrieb ihres Ehemannes und auch dort nicht durchgehend zu 100 % gearbeitet hat. Dort konnte sie die Arbeitszeiteinteilung flexibler gestalten als auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, auf welchem sie die verbliebene Restarbeitsfähigkeit nunmehr verwerten müsste. Die Versicherte gab denn auch an, dass sie zu 50 % als Kleiderverkäuferin arbeiten würde, "seit sie im Kanton Bern wohne" (Abklärung vom 26. März 2004). Darauf ist abzustellen. 3.2 Unbestritten und durch das Gutachten des Zentrums für Medizinische Begutachtung (ZMB) vom 23. September 2003 bestätigt ist eine Restarbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich von 30 %. Auch darauf ist abzustellen. 3.3 Näher zu prüfen ist hingegen der Einkommensvergleich. 3.3.1 Die IV-Stelle zog die Tabellenlöhne der Schweizerischen. Lohnstrukturerhebung (LSE) von 2002 bei und ermittelte bei einer Teilzeitbeschäftigung von 50 % ein hypothetisches Valideneinkommen von Fr. 24'069.-. Dem stellte sie ein hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 14'336.- gegenüber, das einem Pensum von 30 % in einer zumutbaren Verweisungstätigkeit entspricht. Diese Zahlen sind insoweit nicht zu beanstanden. Hieraus ergab sich eine behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von 40 %. Diesen Wert berücksichtigte die IV-Stelle in der Schlussabrechnung zur Hälfte, d.h. zu 20 %. Ein solches Vorgehen entspricht der ständigen Rechtsprechung (nicht publizierte Erw. 5 von BGE 130 V 393; BGE 125 V 161f. Erw. 6). 3.3.2 Indessen fällt auf, dass die IV-Stelle beim hypothetischen Invalideneinkommen keinen Abzug von den Tabellenlöhnen mehr gewährt hat, während sie anlässlich des bei der Abklärung vom 20. Juli 2001 vorgenommenen Einkommensvergleichs noch eine Leistungsverminderung von 10 % in Abzug gebracht hatte. Da sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit 2001 jedenfalls nicht verbessert hat, ist der Abzug von 10 % vom hypothetischen Invalideneinkommen unter Berücksichtigung aller Umstände nach wie vor gerechtfertigt. Von dem in Erw. 3.3.1 hievor herangezogenen Wert von Fr. 14'336.- sind somit 10 % zu subtrahieren, was Fr. 12'902.- ergibt. Verglichen mit dem hypothetischen Valideneinkommen von Fr. 24'069.- beträgt die Einschränkung im erwerblichen Bereich somit 23,2 %. 3.4 Im Haushalt ermittelte die IV-Stelle im ersten Betätigungsvergleich eine Einschränkung von 35 %, wovon die Hälfte 17,5 % ausmacht. Das ZMB bezeichnete diesen Wert im Bericht vom 24. Februar 2004 als zu hoch und setzte ihn auf 33 1/3 % an (wovon die Hälfte 16,66 %, aufgerundet 17 % betrüge). Gestützt auf diesen Bericht des ZMB führte die IV-Stelle die zweite Haushaltabklärung durch. Im neuen Betätigungsvergleich ergab sich eine Invalidität von 27 %, zur Hälfte gewichtet somit 13,5 %, was nach der erwähnten Einschätzung des ZMB zu niedrig ist. Im Falle solcher Widersprüche zwischen den Ergebnissen der Abklärung vor Ort und den fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist den ärztlichen Stellungnahmen in der Regel mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltabklärung (AHI 2004 S. 139 Erw. 5.3; Urteil C. vom 16. August 2005, I 356/05). Diese prinzipielle Rangordnung ist darin begründet, dass es für die Abklärungsperson im Allgemeinen nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen. Hinzu kommt, dass die dem Bericht zugrunde liegende Abklärung in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten ist (AHI 2001 S. 162 Erw. 3d; erwähntes Urteil C. mit Hinweisen). Da die Versicherte gemäss dem Gutachten des ZMB an die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränkenden psychischen Problemen leidet, rechtfertigt es sich, den von den Ärzten genannten Wert von 33 1/3 % beizuziehen. Die Hälfte davon macht 16,66 % aus. Addiert zur Einschränkung aus dem Erwerbsbereich von 23,2 % (Erw. 3.3.2 hievor) ergibt dies einen Gesamtinvaliditätsgrad von 40 % (zur Rundung vgl. BGE 130 V 121), womit die Beschwerdeführerin noch Anspruch auf eine Viertelsrente hat. Diese ist ab 1. Juni 2004 auszurichten (Art. 88a Abs. 1 IVV).