Citation: 5A_106/2014 E. 9.2

9.2. Nach Art. 107 Abs. 1 ZPO kann das Gericht von den Verteilungsgrundsätzen gemäss Art. 106 ZPO - entsprechend dem Erfolg der Parteien im Prozess - abweichen und die Prozesskosten nach Ermessen verteilen, um besonderen Umständen Rechnung zu tragen. Das Gesetz räumt dem Gericht die Möglichkeit ein, auf Billigkeitserwägungen zurückzugreifen, wenn im Einzelfall die Belastung der unterliegenden Partei mit Prozesskosten ungerecht erscheint. Dazu hat der Gesetzgeber in Art. 107 Abs. 1 lit. a-f ZPO typische Fallgruppen geschaffen (BGE 139 III 33 E. 4.2 S. 35 mit Hinweisen). Unter anderem kann das Gericht berücksichtigen, dass eine Partei in guten Treuen zur Prozessführung veranlasst war (Art. 107 Abs. 1 lit. b ZPO). Das ist beispielsweise der Fall, wenn das angerufene Gericht eine Praxisänderung vornimmt. Zudem hat nach Art. 108 ZPO unnötige Prozesskosten zu bezahlen, wer sie verursacht hat. Auch diese Bestimmung beinhaltet eine Abweichung von der allgemeinen Regel in Art. 106 ZPO und gesteht dem Gericht ein gewisses Ermessen zu (Urteil 5A_195/2013 vom 9. Juli 2013 E. 3.2.1). Dem Auffangtatbestand von Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO, wonach eine Kostenverteilung nach Ermessen aus "anderen besonderen Umständen" möglich ist, lassen sich namentlich Konstellationen erheblicher wirtschaftlicher Disparität der Parteien oder Fälle zuordnen, in denen der nicht unterlegenen Partei Kosten aufzuerlegen sind, weil sie durch ihr Verhalten ungerechtfertigten Aufwand zu verantworten hat (zum Ganzen: BGE 139 III 33 E. 4.2 S. 35 f. mit Hinweisen).