Citation: I 545/01 28.04.2003 E. 4

Zu prüfen ist, ob Verwaltung und Vorinstanz die Einschränkung in den einzelnen Aufgabenbereichen nachvollziehbar geschätzt hat. Vorerst ist festzustellen, dass der Abklärungsbericht vom 29. Dezember 1998 von der Beschwerdeführerin nicht unterzeichnet ist. Ebensowenig lässt sich den Akten entnehmen, dass ihr das Resultat der Feststellungen der Abklärungsperson je zur Stellungnahme unterbreitet worden wäre. 4.1 Die Haushaltführung wird nach wie vor selbständig erledigt. Eine Einschränkung in diesem Bereich ist nicht ersichtlich. Unter dem Titel Einkauf und weitere Besorgungen hat die Verwaltung eine Einschränkung von 30 % ermittelt. Daran ist ebensowenig etwas auszusetzen wie an den ebenfalls 30 %igen Limitierungen unter den Rubriken Ernährung und Wohnungspflege. Hingegen ist nicht nachvollziehbar, warum die Beschwerdeführerin bei der Wäsche und Kleiderpflege lediglich zu 25 % eingeschränkt sein soll. Im Abklärungsbericht wird ausgeführt, dass einzig das eigentliche Waschen mit der Maschine selbständig möglich sei. Der linke Arm kann aufgrund der Armplexusparese nicht angehoben werden. Daher ist das Aufhängen der Wäsche, insbesondere der schweren Stücke, sowie das Zusammenlegen und Bügeln aufwändig und zeitintensiv. Das Flicken von Kleidungsstücken kann die Beschwerdeführerin nicht selber ausführen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es einen Bergbauernhaushalt zu beurteilen gilt, wo viel Wäsche anfällt. Die strenge Arbeit beansprucht die Kleidung erheblich; Kleidungsstücke werden auch öfters geflickt, als dies in städtischen Verhältnissen heutzutage üblicherweise der Fall ist. Insgesamt rechtfertigt es sich - allein aufgrund der im Abklärungsbericht selbst ausgeführten Einschränkungen - die Behinderung unter diesem Titel mit 50 % zu veranschlagen. Eine Bewertung mit bloss 25 % ist aufgrund der dargelegten Einschränkungen unangemessen (Art. 132 lit. a OG). Auch die unter Verschiedenes vermerkte 40 %ige Arbeitsunfähigkeit hält einer eingehenden Prüfung nicht stand. Hält man sich an die von Ursula Haldi, Abklärungsdienst der IV-Stelle, festgehaltenen Tatsachen, ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin unter dieser Rubrik kaum mehr Aktivitäten entwickeln kann. Der Garten, für jeden Bauernhaushalt ein wichtiger Bereich, hat offenbar schon seit Jahren erheblich reduziert werden müssen. Seitdem die Versicherte sich der Dialyse unterziehen muss, wird auch der Rest vermehrt von einer Drittperson besorgt. Alle anderen üblichen Tätigkeiten wie Handarbeiten etc. können wegen der mehrfachen Behinderung überhaupt nicht mehr ins Auge gefasst werden. Dabei gilt es auch zu berücksichtigen, dass die zwei Kinder inzwischen erwachsen sind. Den dadurch gewonnenen grösseren Freiraum kann die Beschwerdeführerin behinderungsbedingt nicht andersweitig nutzen. Da sie gemäss den Angaben im Abklärungsbericht, ausser sehr reduzierter Gartenarbeit, nichts mehr zusätzlich leisten kann, beträgt die Behinderung unter diesem Stichwort weit mehr als die angenommenen 40 %. Der Ermessensausübung von Verwaltung und Vorinstanz kann daher nicht beigepflichtet werden. Es erscheint angemessen, diese Tätigkeit als zu 75 % eingeschränkt zu bewerten. Daraus ergibt sich im Haushaltsbereich folgende Einschränkungen: Aufgabe ohne mit Einschränkung Behinderung Behinderung Haushaltführung: 5 % 0 % 0 % Einkauf und weitere Besorgungen 5 % 30 % 1.5 % Ernährung 30 % 30 % 9 % Wohnungspflege 20 % 30 % 6 % Wäsche + Kleiderpflege 15 % 50 % 7.5 % Kinderbetreuung - - - Verschiedenes 25 % 75 % 18.75 % Total 100 % 42.75 % 4.2 Diese Schätzung wird durch folgende Betrachtung als realistisch bestätigt: Wie die Vorinstanz erwägt, werden durch den vollständigen Ausfall in der Landwirtschaft und der ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit 46 % eines vollen Pensums frei. Umgerechnet auf eine 42-Stundenwoche ergibt dies 19,3 Stunden. Allein durch die zweimalige wöchentliche Dialyse im Regionalspital Thun verliert indessen die Beschwerdeführerin davon 16,5 Stunden. Es verbleiben demnach in der Woche knapp drei Stunden - immer verglichen mit dem Zustand ohne gesundheitliche Einschränkung -, die für den Haushalt im Invaliditätsfall aufgewendet werden könnten. Angesichts der erheblichen gesundheitlich Schwierigkeiten mit der vollständigen Apraxie links, den zunehmenden Ellbogenbeschwerden rechts, der chronischen Hepatitis C und der - durch den Ausfall der Nierenfunktion hervorgerufenen - "unsäglichen" Müdigkeit (vgl. Arztbericht Dr. med. A.________ vom 15. Oktober 1998) können die durch die invaliditätsbedingte Aufgabe der ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit und der Mitarbeit in der Landwirtschaft gewonnenen drei verfügbaren Arbeitsstunden nicht ausreichen, um die Behinderung im Haushaltsbereich zu kompensieren. Auch verglichen mit der anerkannten vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeder ausserhäuslichen Tätigkeit erscheint eine Einschränkung zwischen einem Drittel und der Hälfte im Haushalt als angemessen.