Citation: 1P.784/2003 05.11.2004 E. 6

6.1 Schliesslich beanstandet der Beschwerdeführer eine Verletzung des Anspruchs auf ausreichende Zeit zur Vorbereitung der Verteidigung (Art. 6 Ziff. 3 lit. b EMRK), weil das Obergericht für die Ausfertigung der schriftlichen Urteilsbegründung fünfzehnmal mehr Zeit für sich in Anspruch genommen habe, als es der Verteidigung für die Vorbereitung der Verteidigung zustand. 6.2 Aus dem angefochtenen Urteil geht nicht hervor und der Beschwerdeführer macht nicht geltend, die Rüge der Verletzung von Art. 6 Ziff. 3 lit. b EMRK bereits im kantonalen Verfahren vorgebracht zu haben. Auf die Rüge ist deshalb infolge Verstosses gegen das Novenverbot (vgl. E. 5.2 hiervor) nicht einzutreten. Im Übrigen wäre die Rüge unbegründet. Nach Art. 6 Abs. 1 und 3 lit. b EMRK hat jeder Angeklagte das Recht, über ausreichend Zeit und Gelegenheit zur Vorbereitung seiner Verteidigung zu verfügen. Wie viel Zeit erforderlich ist, lässt sich nicht abstrakt bestimmen. Massgebend sind die Umstände des konkreten Falles. Dabei sind etwa Umfang und Schwierigkeit der Sach- und Rechtslage, die jeweilige Art des Verfahrens sowie das Verfahrensstadium und die Lage der Verteidigung zu berücksichtigen (Haefliger/ Schürmann, a.a.O., S. 179; Mark E. Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention [EMRK], S. 295 N. 501). Indessen macht die Verknüpfung der Dauer, die das kantonale Sachgericht für das Verfahren der schriftlichen Urteilsbegründung benötigt, mit der Zeit für die Vorbereitung der Verteidigung keinen Sinn. Die Dauer für die Urteilsbegründung ist deshalb kein Kriterium zur Beurteilung der Frage, ob das Recht auf eine angemessene Zeit zur Vorbereitung der Verteidigung verletzt worden ist.