Citation: 5A_518/2022 E. 3.5

3.5. Eine schwerwiegende Gefahr im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. b HKÜ erblickt die Mutter schliesslich in der drohenden Trennung von den Kindern. Sie macht geltend, in der Schweiz bleiben und nicht mit den Kindern nach Serbien zurückkehren zu wollen. Insbesondere wollten auch die Kinder keine Trennung; die Vorstellung, dass sie immer bei ihr bleiben könnten, liege auch ihrer Äusserung zugrunde, dass sie nichts gegen eine Rückkehr nach Serbien hätten. Die von der Mutter als hauptbetreuende Person angesprochene Problematik geht mit vielen im Ausland gescheiterten Beziehungen einher. Nach ihrer Darstellung ist die Familie damals nach Serbien gezogen, weil sie sich dort mit dem Schweizer Gehalt ein überdurchschnittliches Leben leisten konnte; es sei nie ihre Vorstellung gewesen, dort in Armut zu leben, und bei einer Rückkehr nach Serbien würde auch ihre schweizerische Altersvorsorge beeinträchtigt. Gemäss den Sachverhaltsfeststellungen des angefochtenen Entscheides war sie in Serbien nach der Trennung erwerbstätig und verdiente dort rund Fr. 700.-- (teilweise mit Überstunden auch mehr, sodann 13. Monatslohn), wobei sie beschwerdeweise vorbringt, dass sie nicht an die betreffende Arbeitsstelle zurückkehren könnte und wohl längere Zeit arbeitslos wäre (das Obergericht ist davon ausgegangen, dass sie mit einer ähnlichen Arbeit ein Einkommen von rund Fr. 750.-- erzielen und zusätzlich mit den vom Vater durchschnittlich geleisteten Unterhaltszahlungen die notwendige Lebenshaltung bestreiten könnte). Es liegt auf der Hand, dass sich die Mutter in der Schweiz wahrscheinlich ein besseres Leben leisten kann, selbst wenn sie in Serbien über einen umfangreichen Unterhaltstitel verfügt und der Vater für den Fall der Rückkehr wieder höhere tatsächliche Unterhaltszahlungen in Aussicht stellt, weil er dann nicht mehr so hohe Kosten zur Ausübung des Besuchsrechts bestreiten müsse, was replicando freilich in Abrede gestellt wird. Es ist auch nachvollziehbar, wenn sie aus den genannten finanziellen Überlegungen sowie aus weiteren Gründen nicht wieder in Serbien leben möchte. Indes bezieht sich das Kriterium der Unzumutbarkeit der Rückkehr in den Herkunftsstaat auf die Kinder selbst und nicht auf den betreuenden Elternteil (Urteile 5A_105/2009 vom 16. April 2009 E. 3.3; 5A_764/2009 vom 11. Januar 2010 E. 4.1; 5A_913/2010 vom 4. Februar 2011 E. 5.1; 5A_840/2011 vom 13. Januar 2012 E. 3.1). Nachdem die Kinder sich nicht gegen ein Leben in Serbien ausgesprochen und dort den grösseren Teil ihres Lebens verbracht haben, namentlich die gesamte Schulzeit, ist jedenfalls aus deren Sicht keine Unzumutbarkeit im Sinn des Entführungsübereinkommens auszumachen, selbst dann nicht, wenn sie vorübergehend oder für längere Zeit im väterlichen Haushalt zu leben kämen, zumal der Vater sie im Rahmen eines ausgedehnten Besuchsrechts betreut hat, und den Kindern die Umgebung bei den Grosseltern vertraut ist. Wenn die Mutter sich schliesslich mit der Situation konfrontiert sieht, in Serbien die Zustimmung zur Auswanderung der Kinder erstreiten zu müssen, soweit sie nicht mit ihnen dauerhaft dort leben will, befindet sie sich in der gleichen Situation wie Paare, die sich in der Schweiz trennen; oft möchte der betreuende Elternteil mit seinen Kindern das Land verlassen und ist er diesfalls, soweit der andere Elternteil nicht zustimmt, auf die Genehmigung durch die KESB oder das Gericht angewiesen (vgl. Art. 301a Abs. 2 lit. a ZGB). Dies mag für den auswanderungswilligen Elternteil unangenehm sein, begründet aber für sich genommen keine schwerwiegende Gefahr für die Kinder. Vorliegend führt die Mutter zwar an, dass dadurch ein mehrfacher Landes- und Schulwechsel drohe, der nicht gut für die Kinder sei. Das Obergericht hat diese potentielle Gefahr auch gesehen und erwogen, dies wäre sicher nicht ideal für die Kinder, aber es sei derzeit völlig offen, ob und unter welchen Umständen es zu einer späteren Rückkehr in die Schweiz kommen würde. Bei dieser Ausgangslage ist keine schwerwiegende Gefahr für die Kinder im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. b HKÜ zu erkennen.