Citation: 5C.151/2000 06.09.2000 E. 4

4.- Die Klägerin rügt sodann, das Obergericht habe mit der Anordnung einer Beistandschaft eine unverhältnismässige Massnahme getroffen, die weit über die Überwachung des persönlichen Verkehrs hinausgehende Massnahmen zulasse und dem Beistand Möglichkeiten offen lasse, die vorliegend nicht angezeigt seien. Vielmehr stelle ein begleitetes Besuchsrecht die hier geeignete Massnahme dar, die durch fachkundige Personen wie etwa Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter des kantonalen Jugendsozialdienstes wahrzunehmen sei. a) Das Erfordernis der Proportionalität der anvisierten Massnahme bildet neben der Gefährdung des Kindeswohles eine eigenständige Eingriffsvoraussetzung. Verhältnismässigkeit der in Aussicht genommenen Vorkehr bedeutet, dass diese geeignet und zumutbar sein muss. Unter Eignung ist dabei zu verstehen, dass die Massnahme dazu taugen muss, der Kindeswohlgefährdung beizukommen. Das Erfordernis der Geeignetheit bedeutet aber auch, dass der Eingriff genügend stark ist; eine zu milde Intervention widerspricht dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit ebenso wie eine zu radikale (BGE 108 II 92 E. 4 S. 94). Zumutbarkeit ihrerseits meint, dass die anvisierte Massnahme dem Grad der Gefährdung bzw. Bedrohung des Kindeswohles zu entsprechen hat, d.h. dass zwischen der Vorkehr und dem erreichbaren Erfolg eine vernünftige Relation besteht (Biderbost, a.a.O., S. 189, 195 ff.; Schnyder, Die Stufenfolge vormundschaftlicher Massnahmen und die Verhältnismässigkeit des Eingriffs, ZVW 1971 S. 42). b) Das Obergericht hat in Würdigung des Berichts des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes angenommen (BGE 122 III 219 E. 3c S. 223), die Ernennung eines Beistandes im gegenwärtigen Zeitpunkt sei wichtig, damit dieser als bereits involvierte Amtsperson beim Wiederauftauchen des Vaters die Gestaltung des Besuchsrechts an die Hand nehmen könne. Wenn die Vorinstanz in Anbetracht der tatsächlichen Verhältnisse - insbesondere der Spannungen unter den Eltern - ein aktives und autoritatives Einwirken, welches weiter geht als die bloss beobachtende Überwachung des persönlichen Verkehrs durch eine Begleitperson, als erforderlich und geeignet betrachtet und eine Beistandschaft angeordnet hat, ist dies unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit nicht zu beanstanden.