Citation: U 66/00 19.09.2000 E. 2

2.- Streitig ist zunächst, inwieweit der Beschwerdeführer zufolge der Unfälle vom 8. März 1993 und 2. Februar 1995 in der Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist. a) Fest steht, dass der Beschwerdeführer die frühere Tätigkeit als Pneumonteur nicht mehr auszuüben vermag. Fraglich ist dagegen, inwieweit ihm eine körperlich leichtere Tätigkeit noch zumutbar ist. Im Bericht der Rehabilitationsklinik X.________ vom 16. Oktober 1995 wird ausgeführt, zufolge der schmerzhaft eingeschränkten Schulterbeweglichkeit beidseits seien dem Versicherten Arbeiten über Kopf und das Tragen von Lasten über 5 kg nicht möglich. Der bisherige Verlauf und der ausgebliebene Therapieerfolg lasse die Prognose als wenig hoffnungsvoll erscheinen. Eine berufliche Wiedereingliederung im angestammten Beruf sei auch längerfristig als wenig wahrscheinlich zu erachten. Anderseits sei eine berufliche Neuorientierung angesichts des Alters, der bescheidenen Deutschkenntnisse und des geringen Umschulungspotentials wenig sinnvoll. Damit wird festgestellt, dass dem Versicherten eine Erwerbstätigkeit unter den erwähnten Einschränkungen aus medizinischer Sicht zumutbar wäre und die Nichtverwertbarkeit der restlichen Arbeitsfähigkeit auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, welche bei der Invaliditätsbemessung nicht (oder aber bei beiden Vergleichseinkommen) zu berücksichtigen sind (BGE 107 V 21; RKUV 1993 U 168 S. 97; ZAK 1989 S. 456). SUVA-Kreisarzt Dr. med. J.________ stellte anlässlich der Abschlussuntersuchung vom 30. Oktober 1995 fest, der Versicherte vermöge jede leichte Arbeit (mit Heben von Lasten bis zu 3 kg) bis auf Brusthöhe problemlos auszuführen. Zumutbar seien leichte Montagearbeiten, Speditions- oder Verpackungsarbeiten von kleinen Teilen, die Überwachung von automatischen oder halbautomatischen Produktionseinheiten, Qualitätskontrollen, Botengänge, Arbeiten in einem Auskunftsdienst oder als Portier sowie alle leichten manuellen Arbeiten, die keinen grossen Krafteinsatz beider Hände und keine Bewegungen der Schultern über die Horizontale erfordern. Es besteht kein Anlass, diese ärztlichen Angaben in Zweifel zu ziehen, nachdem auch das Kreisspital R.________ am 5. Februar 1995 zum Schluss gelangt ist, dem Versicherten dürften nach Beendigung der Behandlung sämtliche körperlich nicht anstrengenden Tätigkeiten (ohne Tragen schwerer Lasten und Bewegungen oberhalb der Horizontalen) voll zumutbar sein. Der behandelnde Arzt Dr. med. F.________, Spezialarzt für Innere Medizin FMH, welcher eine berufliche Umstellung als kaum möglich bezeichnet und wiederholt eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestätigt hatte, räumt in einem Bericht zuhanden der Invalidenversicherung vom 2. Dezember 1995 ebenfalls ein, dass der Versicherte eine sitzende Tätigkeit ohne Belastung der Schultern auszuüben vermöchte. Nach Auffassung dieses Arztes steht der Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit vorab der Umstand entgegen, dass der Beschwerdeführer beim Verrichten der Notdurft behindert ist, weil er sich (zufolge der eingeschränkten Schulterbeweglichkeit) nicht selbst reinigen kann. Im Hinblick auf den Vorrang der Eingliederung vor der Rente und der Schadenminderungspflicht des Versicherten lässt sich damit jedoch keine Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit begründen, weil diesem Umstand erforderlichenfalls durch geeignete Massnahmen am Arbeitsplatz (automatische Zusatzeinrichtung zu einer bestehenden Sanitäranlage) Rechnung getragen werden kann. Schliesslich führt auch das von der Invalidenversicherung eingeholte Gutachten des Medizinischen Zentrums Y.________ vom 10. Oktober 1998 zu keinem andern Ergebnis. Abgesehen davon, dass das Gutachten erst längere Zeit nach dem für die Beurteilung des unfallversicherungsrechtlichen Leistungsanspruchs massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom 9. Januar 1997 erstattet wurde, vermag es die im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren erfolgte Beurteilung nicht zu entkräften. In der abschliessenden Beantwortung der von der IV-Stelle gestellten Expertenfragen wird zwar ausgeführt, die SUVA habe die Arbeitsfähigkeit zu optimistisch eingeschätzt; tatsächlich dürfte diese nach dem ersten Unfall und der ersten Operation im Sommer 1994 50 % für leichtere Arbeiten ohne wesentliche Beanspruchung des linken Schultergelenks betragen haben, während für die Zeit nach dem zweiten Unfall eine vollständige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei. Diese Feststellung geht indessen über die Ergebnisse der im Rahmen der Begutachtung erfolgten fachärztlichen Untersuchungen hinaus. Nach der rheumatologischen Beurteilung leidet der Versicherte neben Schmerzen an beiden Schultergelenken mit eingeschränkter Beweglichkeit an mässigen Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule bei Spondylosis hyperostotica sowie an einer beginnenden Gonarthrose mit vorwiegend belastungsabhängigen Beschwerden. Zur Arbeitsfähigkeit wird ausgeführt, es sei glaubhaft, dass der Versicherte für körperliche Schwerarbeit, insbesondere verbunden mit Heben und Tragen von schweren Lasten oder Einsatz der oberen Extremitäten, nicht mehr einsetzbar sei. Für die ausgeübte Tätigkeit als Pneumonteur bestehe eine nicht mehr zu verwertende Arbeitsfähigkeit. Eine Umschulung oder Umplatzierung komme in Anbetracht des Alters, der mangelnden Schul- und Sprachausbildung nicht mehr in Frage, so dass die Ausrichtung einer vollen Rente als gerechtfertigt erscheine. Damit wird aber zum Ausdruck gebracht, dass sich die bestätigte volle Arbeitsunfähigkeit auf die frühere Tätigkeit als Pneumonteur bezieht und die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in einer geeigneten leichteren Tätigkeit aus invaliditätsfremden Gründen als nicht realisierbar erachtet wird. Das Gutachten des Medizinischen Zentrums Y.________ deckt sich in diesem Punkt weitgehend mit den Feststellungen der Rehabilitationsklinik X.________. Im Übrigen vermag nicht ohne weiteres zu überzeugen, dass sich das unfallfremde Rückenleiden auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit nicht auswirken soll, litt der Beschwerdeführer doch schon seit 1977 an Rückenbeschwerden, die u.a. zu einer längeren stationären Behandlung Anlass gaben. Laut dem Bericht des Dr. med. F.________ vom 24. Juni 1992 war dem Beschwerdeführer schon vor dem ersten Unfall vom 8. März 1993 ein Arbeiten ohne Lendenmieder nicht mehr möglich, weshalb er sich denn auch zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung angemeldet hatte. Wie es sich hinsichtlich des Rücken- und Knieleidens verhält, kann indessen offen bleiben, weil dem Beschwerdeführer jedenfalls unter Berücksichtigung der allein unfallbedingten Beeinträchtigungen an den Schultern die Ausübung einer geeigneten leichteren Tätigkeit vollzeitlich zumutbar ist, wie die Vorinstanz aufgrund der vorhandenen medizinischen Akten zu Recht entschieden hat. Weiterer Abklärungen, wie sie der Beschwerdeführer mit dem Begehren um eine ergänzende Begutachtung beantragt, bedarf es nicht.