Citation: 4A_153/2008 14.10.2008 E. 3

3.1 Die Vorinstanz hat sämtliche zum Ersatz verstellten Positionen wegen konstitutioneller Prädisposition gemäss Art. 44 OR einem Abzug von 20 % unterzogen. Sie erwog, der Psychiater, der sich zum Kausalzusammenhang geäussert habe, stelle beim Beschwerdeführer eine neurotische Persönlichkeit fest, welche sich darin äussere, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall trotz der massiven Beschwerden unter Aufbietung aller Kräfte und in ständiger Überforderung versucht habe, seinem eigenen hohen Leistungsideal gerecht zu werden. Dies habe dazu geführt, dass er in den ersten eindreiviertel Jahren nach dem Unfall in der Lage gewesen sei, weiterhin zu 100 % zu arbeiten und eine Lohneinbusse zu vermeiden. Andererseits habe er durch die ständige Überanstrengung seinem Körper die Möglichkeit genommen, sich vom Unfall wirklich zu erholen und sich zu regenerieren. Die ständige Mobilisierung der letzten Kräfte habe zu der im Frühjahr 1994 erlittenen Erschöpfungsdepression mit ihren weitreichenden Folgen für die Arbeitsfähigkeit geführt. Noch im ärztlichen Zwischenbericht zu Handen des UVG-Versicherers vom 31. Januar 1994, wenige Monate vor dem Zusammenbruch, habe der Chefarzt Rheumatologie die Prognose für gut gehalten, wenngleich seit November 1993 keine Verbesserung mehr eingetreten sei. Gemäss seinem Bericht vom 11. April 1994, der nach dem durch die Erschöpfungsdepression erlittenen Zusammenbruch erstellt worden sei, hätten sich die Beschwerden dagegen verschlimmert und schliesslich chronifiziert. Daraus sowie namentlich aus einem weiteren Bericht vom 13. Mai 1996 leitete die Vorinstanz ab, die Persönlichkeitsstörung, welche die Erschöpfungsdepression mitverursacht habe, habe die körperliche Genesung behindert, was sich wiederum negativ auf die psychische Verfassung des Beschwerdeführers ausgewirkt habe. Im Ergebnis habe die Persönlichkeitsstörung die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gehemmt. Die Vorinstanz nahm an, ohne die beschriebene Persönlichkeitsstörung wäre dem Beschwerdeführer eine höhere Restarbeitsfähigkeit verblieben. 3.2 Der Beschwerdeführer beanstandet diese Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen Persönlichkeitsstörung und Arbeitsunfähigkeit als willkürlich. Zur Begründung weist er auf die psychiatrischen Berichte vom 17. Januar und 4. November 1996 hin, nach welchen die Stimmungslage des Beschwerdeführers im Allgemeinen nicht mehr depressiv sei, sowie auf den Bericht des Neurologen Dr. C.________ vom 10. Mai 1998, wonach die Erschöpfungsdepression abgeklungen sei, und der auf die Frage, ob unfallfremde Faktoren vorlägen, einzig die degenerativen Erscheinungen im Bereich HWS erwähne, sowie auf die interdisziplinäre Begutachtung vom 30. Dezember 2002, wonach die depressiven Symptome Anfang 1996 nicht mehr feststellbar gewesen seien. Weiter rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz unterscheide nicht zwischen den typischerweise zum Beschwerdebild des Schleudertraumas gehörenden depressiven Störungen einerseits und der Persönlichkeit des Beschwerdeführers andererseits. Mit der Annahme relevanter vorbestandener Beschwerden sei die Vorinstanz in Willkür verfallen. 3.3 Die Rüge ist begründet. Die Feststellung der Vorinstanz, das überdurchschnittliche und daher neurotische Arbeitsethos des Beschwerdeführers habe zur Erhöhung des Schadens beigetragen, setzt zwingend voraus, dass die Heilung besser verlaufen wäre und der Beschwerdeführer eine höhergradige Arbeitsfähigkeit erzielt hätte, wenn er sich anfänglich mehr geschont hätte. Danach wurde indessen keiner der medizinischen Experten explizit gefragt, und die entsprechende Annahme geht eindeutig über die von der Vorinstanz zitierten Aussagen der Gutachter hinaus. 3.4 Im Übrigen ist auch die in diesem Zusammenhang erhobene Rüge begründet, die Vorinstanz habe mit der Reduktion des Schadenersatzes wegen konstitutioneller Prädisposition Art. 44 OR verletzt. Die konstitutionelle Prädisposition der geschädigten Person kann nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung als mitwirkender Zufall zu einer Kürzung des Ersatzanspruchs führen und insofern die Schadensberechnung (Art. 42 OR) oder die Bemessung des Schadenersatzes (Art. 43/44 OR) beeinflussen (BGE 113 II 86 E. 1b S. 90). Hätte sich die vorbestehende Gesundheitsschädigung ohne den Unfall voraussichtlich überhaupt nicht ausgewirkt, so bleibt der Haftpflichtige dafür auch dann voll verantwortlich, wenn der krankhafte Vorzustand den Eintritt des Schadens begünstigt oder dessen Ausmass vergrössert hat. Dem Anteil der Prädisposition kann zwar in diesem Fall im Rahmen von Art. 44 OR Rechnung getragen werden (BGE 113 II 86 E. 3b S. 94), aber nur, wenn weitere Umstände hinzutreten, welche es unbillig erscheinen liessen, den Haftpflichtigen mit dem Ersatz des gesamten Schadens zu belasten. Auszugehen ist vom Grundsatz, dass der Haftpflichtige auch dann für die Schädigung voll verantwortlich bleibt, wenn ein krankhafter Vorzustand den Eintritt des Schadens begünstigt oder dessen Ausmass vergrössert hat. Wer widerrechtlich einen gesundheitlich geschwächten Menschen schädigt, hat kein Recht darauf, so gestellt zu werden, als ob er einen gesunden geschädigt hätte (BGE 113 II 86 E. 1b S. 90). Eine Reduktion darf nur ausnahmsweise erfolgen. Als mögliche Gesichtspunkte in Betracht fallen dabei eine zurechenbare Gefahrenexponierung des Geschädigten, eine sich besonders ungünstig auswirkende Vorbelastung, welche dazu führt, dass die haftungsbegründende Ursache in keinem Verhältnis mehr zu der Grösse des eingetretenen Schadens steht oder der Umstand, dass der Geschädigte mögliche Hilfsmittel oder Schutzvorkehrungen, die es erlauben, die Behinderung ganz oder teilweise auszugleichen, nicht ergriffen hat. Dabei ist die Grösse des Verschuldens des Haftpflichtigen zu berücksichtigen und in Beziehung zum Anteil der Prädisposition an der Kausalität zu setzen. Wiegt das Verschulden des Schädigers schwer, während sich die Vorbelastung des Geschädigten nur in geringem Masse ausgewirkt hat, so erscheint eine Reduktion des Ersatzanspruches in aller Regel nicht angemessen (Urteil des Bundesgerichts 4C.416/1999 vom 22. Februar 2000 E. 2c/aa, in: Pra 89/2000 Nr. 154 S. 920, 922 ff.). 3.5 Die Vorinstanz hat festgestellt, dass ohne den Unfall die Neurose des Beschwerdeführers nicht zu einem Schaden geführt hätte. Umstände, die eine Ausnahme vom Grundsatz, dass der Schädiger den Geschädigten so zu nehmen habe, wie er ist, rechtfertigen würden, nennt die Vorinstanz nicht. Namentlich geht aus dem angefochtenen Urteil nicht hervor, dass der Beschwerdeführer klaren ärztlichen Weisungen zuwider gehandelt hätte. Indem die Vorinstanz den Schadenersatz dennoch um 20 % kürzt, verletzt sie Art. 44 OR. Sie verkennt zudem, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Schadenminderung verpflichtet war, seine verbleibende Arbeitskraft so gut als möglich zu verwerten. Sollte er sich wegen des seiner Persönlichkeit eigenen besonderen Pflichtbewusstseins dabei überfordert und nicht das optimale Mass an Anstrengung gefunden haben, läge darin kein Grund, im Umfang einer allenfalls auf dieses Verhalten zurückzuführenden Verringerung der Heilungsaussichten und der damit verbundenen Erhöhung des Schadens den Schädiger von seiner Haftpflicht zu befreien.