Citation: 5A_840/2023 E. 4.2

4.2. Die Beschwerdeführerin bestreitet weiterhin, dass D.________s Geburt einen Abänderungsgrund darstellt. Sie hält an ihrer Lesart des erwähnten Urteils 5A_378/2021 fest; daraus ergebe sich, dass die Geburt eines neuen Kindes des Unterhaltsberechtigten keinen Abänderungsgrund darstelle. "Durch alle Instanzen hindurch" sei in jenem Verfahren die Geburt eines weiteren Kindes der Unterhaltsberechtigten nicht als neue Tatsache gewürdigt worden, die einen Abänderungsgrund darstellt. Neben dem weiteren Kind des unterhaltspflichtigen Vaters sei hingegen der Umstand genannt worden, dass sich die Mutter - anders als noch während des Scheidungsverfahrens - durch die Geburt ihres Kindes in einem qualifizierten Konkubinat befinde. Die Beschwerdeführerin erinnert daran, dass Patchworkfamilien und Kinder aus einer zweiten Ehe oder Beziehung verbreitet sind. Schon die Geburt weiterer Kinder des Unterhaltspflichtigen werde "regelmässig nicht als Abänderungsgrund gewertet", weil die Mutter oder der Vater der weiteren Kinder diese Familie im Wissen um die bestehende Unterhaltspflicht des Partners gegründet habe und entsprechend ihre bzw. seine Erwerbsmöglichkeiten voll ausschöpfen müsse. Würde nun umgekehrt die Geburt weiterer Kinder des Unterhaltsberechtigten als Abänderungsgrund gewertet, so hätte dies "eine regelrechte Flut an Abänderungsverfahren zur Folge". Insbesondere vor dem Hintergrund des "Clean Break Prinzips" könne dies kaum im Interesse der Beteiligten sein. Weiter argumentiert die Beschwerdeführerin, dass das Zusammenleben mit ihrem zweiten Ehemann bereits im Eheschutz- und im Scheidungsverfahren als qualifiziertes Konkubinat gewertet worden sei und D.________s Geburt nichts an ihrer finanziellen Situation geändert habe. So sei ihr Ehemann "auch nicht zur Leistung eines (gedanklichen) Betreuungsunterhalts verpflichtet". Nachdem er mit ihr und den beiden Kindern zusammenlebe und D.________ und auch C.________ abends, am Wochenende und in den Ferien mitbetreue, sei es völlig verfehlt, ihn zur Leistung des hälftigen Betreuungsunterhalts für D.________ zu verpflichten. Die kantonalen Instanzen würden Bundesrecht verletzen, indem sie D.________s Geburt trotzdem als neue Tatsache würdigen, die eine Abänderung von C.________s Unterhaltsbeiträgen grundsätzlich rechtfertige. Als nächstes insistiert die Beschwerdeführerin, dass sich die Parteien im Scheidungsverfahren nicht nur über den Kindesunterhalt, sondern auch über den Verzicht auf nachehelichen Unterhalt und über das Güterrecht geeinigt hätten. Sie seien vom Vergleichsvorschlag des Gerichts erheblich abgewichen, indem sie C.________s Überschussbeteiligung ab der zweiten Phase praktisch auf Null setzten. Auch hätten sie auf eine Indexierung des Kindesunterhalts verzichtet, den Mindestbetrag für die zu teilenden ausserordentlichen Kinderkosten auf Fr. 300.-- bestimmt und trotz offener Kinderalimente von damals Fr. 14'000.-- eine güterrechtliche Ausgleichszahlung von Fr. 4'600.-- vereinbart. Der umfassende Vergleich sei geschlossen worden, damit der Streit "wenn immer möglich definitiv beigelegt werden kann". Sein Zweck könne nicht sein, eine auf Zugeständnissen beruhende Vereinbarung über die Kinderunterhaltsbeiträge einzig aufgrund einer realistischerweise voraussehbaren Veränderung der familiären Konstellation auf Seiten von ihr, "der noch jungen Beschwerdeführerin", abzuändern. Der Beschwerdegegner habe damit rechnen müssen, dass sie, die Beschwerdeführerin, in absehbarer Zeit nochmals Mutter werden würde. Er habe dem Vergleich trotzdem und möglicherweise unter Berücksichtigung der diversen Zugeständnisse zugestimmt. Die "sehr engen Voraussetzungen" für die Abänderung der auf Vergleich beruhenden Kinderunterhaltsbeiträge seien nicht erfüllt. Schliesslich erinnert die Beschwerdeführerin daran, dass das Auftreten einer neuen, wichtigen und dauerhaften Tatsache nach der Rechtsprechung nicht automatisch zu einer Abänderung des Unterhaltsbeitrages führe. Eine erhebliche und dauerhafte nachträgliche Veränderung der Verhältnisse führe nur dann zu einer Neufestsetzung der Unterhaltspflicht, wenn ansonsten mit Blick auf das ursprüngliche Scheidungsurteil ein unzumutbares Ungleichgewicht zwischen den involvierten Personen entstehen könnte. Zur Beurteilung dieser Voraussetzungen gelte es die Interessen von Vater, Mutter und Kindern gegeneinander abzuwägen. Dem Kantonsgericht wirft die Beschwerdeführerin vor, diesen zweiten Schritt nicht vorzunehmen und damit gegen die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verstossen. Die Vorinstanz lasse die fehlende Indexierung von C.________s Unterhaltsbeitrag, den Mindestbetrag von Fr. 300.-- für ausserordentliche Kinderkosten und auch die seit nunmehr über drei Jahren unterbliebene Ausübung des Besuchsrechts unberücksichtigt. Ausserdem lasse sie auch die vereinbarte Verteilung des Überschusses ausser Acht, was zur Folge habe, dass der Beschwerdegegner aufgrund der Reduktion der Unterhaltsbeiträge von einem noch höheren Überschuss profitiere. Dies sei umso stossender, als in seinem Bedarf die vermögensbildenden Abzahlungsraten für seine Hypothek berücksichtigt, in C.________s Bedarf hingegen nicht einmal die Prämien für Privatversicherungen akzeptiert wurden. Die Berücksichtigung der genannten Faktoren hätte der Beschwerdeführerin zufolge zum Resultat führen müssen, dass durch D.________s Geburt keineswegs ein unzumutbares Ungleichgewicht zwischen Vater, Mutter und Kind entstanden ist. Und selbst wenn sich ihre finanzielle Situation durch D.________s Geburt verbessert haben sollte, würde diese Verbesserung lediglich dazu führen, dass die durch die nicht wahrgenommenen Besuche entstehenden Mehrkosten sowie die Mehrkosten infolge Teuerung aufgefangen würden.