Citation: 2P.281/2000 01.03.2001 E. C

C.- Am 31. August 1999 informierten die Bundesanwältin und Fürsprecher Seydoux an einer gemeinsamen Medienorientierung die Öffentlichkeit darüber, dass Dino Bellasi die über die Pressemitteilung verbreiteten Anschuldigungen gegen seine Vorgesetzten zurückgenommen habe; es habe sich dabei um blosse Schutzbehauptungen gehandelt. Es könne - so die Bundesanwaltschaft - mit Sicherheit gesagt werden, dass niemand Dino Bellasi beauftragt habe, einen "Schattennachrichtendienst" aufzubauen (BBl 2000 I 589/590). Fürsprecher Seydoux bestätigte im Auftrag seines Klienten diese Ausführungen unter anderem wie folgt: "Herr Bellasi hat mich beauftragt, Ihnen mitzuteilen, dass er seine bisherigen Aussagen bedauert und dass er sich bei den Familien seiner drei Vorgesetzten dafür entschuldigt. Die Erklärungen von Herrn Bellasi deuten klar auf eine Persönlichkeitsstörung hin und es drängt sich auf, ihn so rasch wie möglich psychiatrisch begutachten zu lassen. Für eine gravierende Persönlichkeitsstörung spricht auch die Tatsache, dass Herr Bellasi seine Geschichte nicht erst nach seiner Verhaftung erfunden hat, sondern dass er - wie er heute morgen ausgesagt hat - schon sehr lange mit der Vorstellung lebt, im Auftrag zu handeln. Herr Bellasi ist mit einer Begutachtung einverstanden; er verlangt auch sonst eine psychiatrische Betreuung. *** Auch ich bedaure, dass die Familien der drei Vorgesetzten von Herrn Bellasi der Kritik durch die Öffentlichkeit ausgesetzt worden sind; dies gilt insbesondere dann, wenn sie Kinder haben sollten. Gleichzeitig möchte ich aber festhalten, dass diese drei Herren die Verantwortung für die entstandene Situation selber zu tragen haben. Wie in jedem anderen Fall auch habe ich von Anfang an mit der Möglichkeit gerechnet, dass die Geschichte, die mein Klient erzählt, möglicherweise falsch ist. Ich habe die Version von Herrn Bellasi aber als Arbeitshypothese akzeptiert und habe mich in diesem Sinne engagiert, weil ich davon ausgehen musste, dass die Herren Regli, Stoll und Cheignoz von der Tätigkeit Bellasis gewusst und sie zumindest toleriert haben. Die Möglichkeit, dass diese Herren tatsächlich unwissend waren, habe ich als noch unglaublicher eingestuft als die Version Bellasis. [...]".