Citation: I 599/00 30.09.2002 E. 1

1.1 Der Beschwerdeführer erhebt den formellen Einwand, die Vorinstanz habe Art. 69 IVG in Verbindung mit Art. 85 Abs. 2 lit. c AHVG verletzt, indem sie entgegen dem klar geäusserten Willen des Beschwerdeführers das Verfahren sistiert habe, um der IV-Stelle die Einholung eines Obergutachtens zu ermöglichen. Das Gesetz verpflichte das Gericht, die notwendigen Beweise selbst zu erheben. Das Stossende an der Vorgehensweise sei nicht die Einholung eines neuen Gutachtens, sondern der Umstand, dass die Auswahl der Begutachtungsstelle einer Prozesspartei überlassen werde, ohne dem Gericht oder der andern Prozesspartei ein Mitspracherecht vorzubehalten. Diese Praxis lasse sich, namentlich wenn die Sistierung gegen den ausdrücklichen Willen des Versicherten erfolgen soll, nicht mit Art. 58 Abs. 1 VwVG rechtfertigen. Denn die verfügende Behörde erhalte so die Möglichkeit, mittels weiterer Sachverhaltsabklärungen ihren Standpunkt zu überprüfen und zu bekräftigen. 1.2 Gemäss Rechtsprechung (BGE 127 V 231 Erw. 2b mit zahlreichen Hinweisen)kommt einer Beschwerde als ordentlichem Rechtsmittel Devolutiveffekt zu (Art. 84 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 69 IVG). Die Verwaltung verliert danach mit der formgültigen Beschwerdeerhebung die Herrschaft über den Streitgegenstand, insbesondere auch in Bezug auf die tatsächlichen Verfügungs- und Entscheidungsgrundlagen. Die Missachtung dieses Grundsatzes hat eine Vermengung von Administrativ- und erstinstanzlichem Beschwerdeverfahren zur Folge. Das Prinzip des Devolutiveffekts erleidet indessen insofern eine Ausnahme, als gestützt auf kantonales Recht die IV-Stelle analog zu Art. 58 Abs. 1 VwVG die angefochtene Verfügung innerhalb bestimmter Grenzen in Wiedererwägung ziehen kann: Wegleitende Gesichtspunkte für die Beantwortung der Frage, was in diesem Verfahrensstadium noch als zulässiges Verwaltungshandeln bezeichnet werden kann - sofern es von der rechtsuchenden Partei beanstandet und damit zu einem vom Richter im Rahmen seiner Prozessleitung zu entscheidenden Streitpunkt wird - bilden die inhaltliche Bedeutung der Sachverhaltsvervollständigung für die (Streit-)Sache und die zeitliche Intensität der Abklärungsbedürftigkeit im Verfügungszeitpunkt: Punktuelle Abklärungen (wie das Einholen von Bestätigungen, Bescheinigungen usw. oder auch Rückfragen beim Arzt oder andern Auskunftspersonen) werden in aller Regel zulässig sein, nicht aber eine medizinische Begutachtung oder vergleichbare Beweismassnahmen wegen ihrer Tragweite für den verfügten und richterlich zu überprüfenden Standpunkt (a.a.O., S. 233). 1.3 S.________ und die IV-Stelle verlangten im vorinstanzlichen Verfahren die Einholung einer Oberexpertise, konnten sich jedoch auf den Gutachter nicht einigen. Am 27. Juli 1998 sistierte die Vorinstanz das Verfahren bis auf weiteres und stellte fest, es sei Sache der IV-Stelle über die Einholung von Gutachten zu befinden. Die IV-Stelle ordnete am 31. Juli 1998 eine Begutachtung im Institut für Medizinische Begutachtung (IMB), Zürich, an. Ob dieses von Vorinstanz und IV-Stelle gewählte Verfahren in formeller Hinsicht mit dem Bundesrecht in allen Teilen vereinbar ist, kann dahingestellt bleiben; der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann jedenfalls materiell auch dann kein Erfolg beschieden sein, wenn die Expertise des IMB, deren lite pendente erfolgte Anordnung durch die IV-Stelle unter den vorstehend geschilderten Umständen zumindest als fraglich erscheint, bei der Entscheidfindung ausser Acht gelassen wird, da der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt, wie er sich vor der Erstattung des Gutachtens des IMB präsentierte, eine hinreichend schlüssige Beurteilung des Rentenanspruchs erlaubt, wie aus den nachfolgenden Erwägungen erhellt.