Citation: 6B_1152/2023 E. 3.2

3.2. Die Beschwerdeführerin stellt weder in Abrede, "dieses Einschreiben" und damit die Inempfangnahme des begründeten Urteils "verpasst" zu haben, noch dass sie mit der Zustellung des begründeten Urteils rechnen musste. Damit einhergehend legt sie nicht dar und ist auch nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz die Zustellfiktion gemäss Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO nicht korrekt zur Anwendung gebracht hätte oder die Annahme der Zustellung des begründeten Urteils sonstwie gegen das Recht im Sinne von Art. 95 BGG verstossen könnte (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG). Insoweit die Beschwerdeführerin moniert, es sei keine Zweitzustellung mit "normaler Post" erfolgt, verkennt sie, dass eine solche nicht erforderlich ist (Urteil 2C_364/2021 vom 5. August 2021 E. 5.1.1). Ebenso wenig legt die Beschwerdeführerin dar, inwiefern die Vorinstanz gegen das Recht verstösst, wenn sie von einer für die Berufung zweimalig erforderlichen Willensbekundung ausgeht. Insoweit die Beschwerdeführerin diesbezüglich geltend macht, dass die Sachlage "dermassen klar" sei, äussert sie sich zur materiellen Seite der Angelegenheit. Mit dieser hat sich die Vorinstanz indes nicht befasst und kann sie folglich auch nicht Gegenstand des bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahrens sein. Darauf ist nicht weiter einzugehen (Art. 80 Abs.1 BGG; vgl. oben E. 2). Auch mit ihrer weiteren Kritik, wonach anhand der mit der Berufungsanmeldung "mitgelieferten" Begründung klar gewesen sei, dass und aus welchem Grund das gesamte Urteil aufzuheben gewesen wäre, respektive es "kleinlich" und "formalistisch" sei, dass das Kantonsgericht auf dem "vorgesehenen Ablauf" beharre und die Anwendung des gesunden Menschenverstandes und eine effiziente Bearbeitung verweigere, stösst die Beschwerdeführerin ins Leere. Gemäss der ausdrücklichen gesetzlichen Regelung von Art. 399 StPO müssen die zur Berufung legitimierten und mit dem erstinstanzlichen Urteil nicht einverstandenen Parteien zweimal ihren Willen kundtun, das Urteil nicht zu akzeptieren, nämlich einmal im Rahmen der Anmeldung der Berufung bei der ersten Instanz nach der Eröffnung des Dispositivs und ein zweites Mal nach Eingang des begründeten Urteils durch eine schriftliche Berufungserklärung beim Berufungsgericht (BGE 143 IV 40 E. 3.4.1; 138 IV 157 E. 2.1; Urteile 6B_426/2020 vom 10. März 2021 E. 1.2; 6B_429/2020 vom 1. Oktober 2020 E. 1.1). Die Gerichte, einschliesslich das Bundesgericht, sind an die Gesetze gebunden (Art. 190 BV), mithin steht es ihnen nicht frei, von gesetzlich geregelten und an Fristen gebundenen Verfahrensabläufen abzusehen. Die Beschwerdeführerin hat den Empfang des Urteilsdispositivs vom 30. Mai 2023 mit einer auf die gesetzliche Regelung von Art. 399 StPO abgestützten, detaillierten und unmissverständlichen Rechtsmittelbelehrung bestätigt. Dass sie sich nicht an diese eindeutige Belehrung gehalten hat, muss sie sich selber zuschreiben. Es liegt kein Fall einer übertrieben strengen Handhabung der Formvorschriften vor, die sachlich nicht gerechtfertigt wäre und dem Bürger den Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrte.