Citation: U 163/04 08.10.2004 E. 3

Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, das kantonale Gericht sei bezüglich der ab August (recte: Juli) 2001 aufgetretenen Beschwerden in der rechten Hand zu Unrecht von einem zweiten Rückfall ausgegangen und habe demgemäss die Beweislast für die natürliche Unfallkausalität dieser Beschwerden falsch verteilt. Namentlich habe die Vorinstanz übersehen, dass die "Zürich" ihre Leistungspflicht für den im Mai 1999 aufgetretenen Rückfall anerkannt und diesen in der Folge nicht abgeschlossen habe. 3.1 Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbestände dar (Art. 22 UVG; BGE 127 V 457 Erw. 4b). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen. Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 296 f. Erw. 2c mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 Erw. 2). 3.2 In Bezug auf einen streitigen Rückfall kann der Unfallversicherer nicht auf der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhanges beim Grundfall und bei früheren Rückfällen behaftet werden, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. Vielmehr obliegt es dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall postulierten Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Beweis der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eines natürlichen Kausalzusammenhanges zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 Erw. 1c am Ende). Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten des Versicherten aus, der aus dem unbewiesen gebliebenen natürlichen Kausalzusammenhang als anspruchsbegründender Tatsache Rechte ableiten will (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b). 3.3 Im vorliegenden Fall liess der Beschwerdeführer im Mai 1999 durch Dr. med. G.________ einen Rückfall mit folgendem Befund in der beim Unfall vom 28. Oktober 1990 verstümmelten rechten Hand melden: "Rechter Kleinfinger am Grundgelenk amputiert. Im Bereich dieses Grundgelenks an der Amputationsstelle Druckdolenz, ebenfalls am Grundgelenk des Ringfingers leichte Druckdolenz. Schmerzen ausstrahlend bis in die Mitte des rechten Handtellers, wo ebenfalls eine Druckdolenz besteht. Im rechten Handgelenk b. Bewegungen ganz wenig Schmerzen." Im Juli 1999 überwies Dr. med. G.________ den Beschwerdeführer zur weiteren Behandlung an den Spezialarzt für Chirurgie Dr. med. K.________. Dieser Arzt untersuchte den Versicherten letztmals am 21. Februar 2000, attestierte ihm volle Arbeitsfähigkeit ab 17. Januar 2000 und teilte der "Zürich" mit Formularbericht vom 22. Februar 2000 mit, subjektiv sei der Patient wieder völlig beschwerdefrei. Damit war die ärztliche Behandlung der als Rückfall gemeldeten und als solcher von der "Zürich" anerkannten Beschwerden in der rechten Hand abgeschlossen. Mitte Juli 2001, also fast 1 1/2 Jahre später, verspürte der Beschwerdeführer erneut Schmerzen im Bereich der rechten Hand und begab sich wieder in ärztliche Behandlung bei Dr. med. G.________, der ihn am 25. August 2001 wiederum an den Spezialarzt für Chirurgie überwies. Dieser konnte sich die erneut geklagten Beschwerden medizinisch nicht erklären, obschon am 17. September 2001 röntgenologisch ein Ganglion zwischen distalem Radius und Musculus pronator quadratus, also im rechten Handgelenk, diagnostiziert worden war. In der Folge vermutete der von der "Zürich" mit der Abklärung der Kausalitätsfrage beauftragte Spezialarzt für Handchirurgie Dr. med. B.________ ausserdem eine diskrete arthrotische Veränderung im distalen Radio-Ulnar-Gelenk (Handgelenk) rechts (Bericht vom 20. November 2001). 3.4 Fraglich ist, ob diese Befunde überhaupt als Rückfall und nicht eher als Spätfolge zu qualifizieren sind, weil Befund und Diagnose nicht mehr mit den nach dem Unfall vom 28. Oktober 1990 fortbestehenden Funktionsausfällen in der rechten Hand übereinstimmten. Indessen kann diese Frage offen bleiben, da sich dadurch an der entscheidenden Frage der Unfallkausalität und der diesbezüglichen Beweislast nichts ändert. Ausschlaggebend ist, dass die "Zürich" ihre Leistungspflicht für die vom Beschwerdeführer ab Mitte Juli 2001 geklagten Beschwerden in der rechten Hand nie ausdrücklich oder konkludent anerkannt hat. Im Gegenteil, sie hat in der nach der Rückfallmeldung vom 25. August 2001 mit dem Beschwerdeführer geführten Korrespondenz ausdrücklich festgehalten, dass die Unfallkausalität der "Arbeitsunfähigkeit seit August 2001" noch abgeklärt werden müsse und bis dahin nur eine Akonto-Zahlung für (allfällige) Taggeldansprüche ausgerichtet werde. Damit hat sie dem Beschwerdeführer ausreichend deutlich mitgeteilt, dass ihm (Taggeld-) Leistungen nur unter dem Vorbehalt des Nachweises der Unfallkausalität der geklagten Beschwerden im Rahmen der noch durchzuführenden medizinischen Abklärungen ausgerichtet würden. Es trifft somit nicht zu, dass die "Zürich" mit der Ausrichtung von Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen für den ersten, im Mai 1999 gemeldeten Rückfall ihre Leistungspflicht auch für die ab Mitte Juli 2001 aufgetretenen Beschwerden in der rechten Hand anerkannt habe. Vielmehr hat die Vorinstanz die ab diesem Zeitpunkt in der rechten Hand aufgetretene Gesundheitsstörung sowie die dadurch bedingte ärztliche Behandlung und Arbeitsunfähigkeit zu Recht als selbständigen, zweiten Rückfall eingestuft. Das kantonale Gericht hat demgemäss bundesrechtskonform erkannt, dass der Beschwerdeführer die Beweislast für die diesbezügliche leistungsbegründende Unfallkausalität zu tragen hat. 3.5 Für die Beweiswürdigung der medizinischen Akten zur Frage, ob zwischen dem beim Unfallereignis vom 28. Oktober 1990 erlittenen Gesundheitsschaden und den ab Mitte Juli 2001 aufgetretenen Beschwerden in der rechten Hand mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht oder nicht, kann auf den vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden. Der entsprechende medizinische Kausalitätsbeweis ist nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit geleistet, weshalb die Leistungspflicht der "Zürich" zu Ungunsten des beweisbelasteten Beschwerdeführers zu verneinen ist. Die Frage, ob die für die eindeutige Klärung der Kausalitätsfrage erforderliche Ganglion-Operation zumutbar sei oder nicht, ist hiefür ohne Belang. Denn dabei geht es um eine Frage der Schadenminderungspflicht des Versicherten, welche die Leistungspflicht des Versicherers voraussetzt, und nicht um eine Beweisregel.