Citation: 2C_560/2015 E. 3.1

3.1. Nach Art. 8 BGFA müssen Anwältinnen und Anwälte in der Lage sein, den Anwaltsberuf unabhängig auszuüben; sie können sich nur durch Personen anstellen lassen, die ihrerseits in einem kantonalen Register eingetragen sind ("strukturelle" Unabhängigkeit). Anwältinnen und Anwälte haben zudem jeden Konflikt zwischen den Interessen ihrer Klientschaft und den Personen zu vermeiden, mit denen sie geschäftlich oder privat in Beziehung stehen (Art. 12 lit. c BGFA; BGE 130 II 87 E. 4.2 S. 94; "funktionelle Unabhängigkeit"). Das Bundesgericht hat sich im Zusammenhang mit diesen Regeln bereits wiederholt mit den Organisationserfordernissen für die selbständige anwaltliche Tätigkeit auseinandergesetzt (vgl. BGE 140 II 102 E. 4 u. 5; BRUNNER/HENN/KRIESI, Anwaltsrecht, 2015, S. 47 ff.; VALTICOS/ REISER/CHAPPUIS [Hrsg.], Loi sur les avocats, 2010, N. 28 ff. zu Art. 8 BGFA; STAEHELIN/OETIKER, in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 31 ff. zu Art. 8 BGFA; BOHNET/ MARTENET, Droit de la profession d'avocat, Bern 2009, N. 1333 ff.). Das Erfordernis der institutionellen Unabhängigkeit untersagt Anstellungsverhältnisse, welche die Anwaltstätigkeit selber betreffen und bei denen der Arbeitgeber nicht im Anwaltsregister eingetragen ist. Hingegen steht die verlangte Unabhängigkeit einer Anwaltstätigkeit ausserhalb des Gebiets des Anstellungsverhältnisses nicht entgegen (BGE 138 II 440 E. 6 S. 446 und E. 14 S. 453; 130 II 87 E. 5.2 S. 102 f.; WALTER FELLMANN, in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], a.a.O. N. 71 zu Art. 12 BGFA). Mit der vom Gesetzgeber getroffenen Lösung wurde - so das Bundesgericht in BGE 130 II 87 E. 8.2 - das Unabhängigkeitsgebot nicht neu eingeführt, sondern lediglich klargestellt, dass bei angestellten Anwälten grundsätzlich eine (widerlegbare) Vermutung für das Fehlen der erforderlichen Unabhängigkeit besteht (vgl. BGE 140 II 102 E. 4.1 S. 105; WALTER FELLMANN, in Fellmann/Zindel [Hrsg.], N. 72 zu Art. 12 BGFA; BOHNET/MARTENET, a.a.O., N. 1349 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob diese gegeben ist, nicht von der Rechtsform der Anwaltskanzlei ab, sondern von deren konkreten Organisationsstruktur (BGE 140 II 102 E. 5.2.1 S. 109). Ist diese so ausgestaltet, dass lediglich registrierte Anwälte Einfluss nehmen können, sind die gesetzlichen Vorgaben gewahrt. Die Voraussetzung kann auch bei Körperschaften erfüllt sein. Der Zweck von Art. 8 Abs. 1 lit. d BGFA erfordert nicht, körperschaftliche Rechtsformen von Anwaltskanzleien generell zu untersagen (BGE 140 II 102 E. 4.2.2 S. 106; 138 II 440 E. 17 S. 457 mit Hinweisen).