Citation: I 426/04 29.09.2005 E. 2

2.1 Die IV-Stelle verneinte einen Anspruch auf Übernahme der Totalendoprothese als medizinische Massnahme unter Berufung auf Rz. 732/932.5 des (als Verwaltungsweisung für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlichen [BGE 130 V 172 Erw. 4.3.1, 232 Erw. 2.1, je mit Hinweisen]) Kreisschreibens über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (KSME). Danach stellt das Einsetzen von Endoprothesen unabhängig vom Alter der Versicherten angesichts der gegenwärtigen Erfahrungen bezüglich Dauerhaftigkeit des Erfolges keine medizinische Eingliederungsmassnahme dar; dies gilt auch für die neue Generation der zementfrei verankerten Prothesen. 2.2 Die Vorinstanz hielt dieser von der Verwaltung vertretenen Auffassung entgegen, dass die Frage, ob das Einsetzen von Totalendoprothesen als wesentlich und dauernd im Sinne des Art. 12 Abs. 1 IVG zu betrachten sei, nicht generell, sondern für jeden Einzelfall gesondert zu ermitteln sei. An der Wesentlichkeit des Eingliederungserfolges beim am Recht stehenden Versicherten würden sodann weder von Seiten der IV-Stelle Zweifel geäussert noch ergäben sich solche aus den Akten. Angesichts der medizinischen Unterlagen sei wohl davon auszugehen, dass der Eingriff hinreichend wirksam gewesen sei und dem Versicherten ermöglicht habe, seine Ausbildung im Juli 2003 abzuschliessen. Explizite ärztliche Stellungnahmen hinsichtlich der Frage, inwieweit durch den Eingriff die Erwerbsfähigkeit des Versicherten vor wesentlicher Beeinträchtigung habe bewahrt werden können, fehlten aber. Ebenso wenig gehe aus den medizinischen Akten hervor, auf welche voraussichtliche Zeitspanne die Funktionstüchtigkeit der Hüfttotalendoprothese rechts beim Versicherten im Hinblick auf dessen Erwerbstätigkeit zu veranschlagen sei. Die Beurteilung der Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolges sei dem Versicherungsgericht daher nicht möglich. Nicht geklärt sei schliesslich auch die Frage, ob der medizinische Operationserfolg und der invalidenversicherungsrechtlich massgebende Eingliederungserfolg mit allfälligen gesundheitlichen Risiken (etwa infolge Fortschreiten des Morbus Perthes oder wegen anderer Nebenbefunde) behaftet seien. Da damit der relevante Sachverhalt nicht genügend ermittelt sei, sei die Sache zur ergänzenden Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 2.3 In seiner Verwaltungsgerichtsbeschwerde verweist das BSV auf den Bericht der Arbeitsgruppe Schär, welche sich im Jahre 1980 mit dem Eingliederungserfolg von Hüfttotalendoprothesenoperationen befasst hat. Es macht geltend, dass die Invalidenversicherung seit diesem Bericht, der nach mehr als zwanzig Jahren an Aktualität nichts verloren habe, keine Implantationen von künstlichen Hüftgelenken im Rahmen von Art. 12 IVG mehr übernommen habe, weil nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit von einem wesentlichen und dauerhaften Eingliederungserfolg ausgegangen werden könne. Dass diese auf dem Bericht der Arbeitsgruppe basierende Praxis zu Beginn der Neunzigerjahre noch rechtens gewesen sei, habe das Eidgenössische Versicherungsgericht in den Urteilen D.S. vom 30. Dezember 1993, I 180/93, und S. vom 30. März 1994, I 250/93, bestätigt. Bei dieser Sachlage sei von einer Rückweisung der Akten abzusehen, weil aus ihr keine neuen fundamentalen Erkenntnisse gewonnen werden könnten. Im Übrigen sei es nur beschränkt möglich, die von der Vorinstanz für erforderlich gehaltenen Angaben zur Prognose im Einzelfall zu machen. Zur Stützung seines Standpunktes reichte das BSV nach Abschluss des Schriftenwechsels medizinische Literatur (Böni/Boos/ Dumont et al., Orthopädie 2001: Langzeitdisziplin par excellence, in: Schweiz Med Forum Nr. 1/2 vom 9. Januar 2002, S. 10 ff.) ein, welche seiner Auffassung nach aufzeigen, dass die Fortschritte in der Medizinaltechnik im Bereich der Hüftendoprothesen, auf welche die CSS vernehmlassungsweise hingewiesen hatte, zu relativieren sind.