Citation: U 426/06 22.01.2007 E. 4

4.1 Der Unfall vom 3. August 2001 wurde der SUVA im Dezember 2001 gemeldet. Der erstbehandelnde Arzt Dr. med. K.________ gab im Arztzeugnis UVG vom 11. Dezember 2001 an, die Behandlung sei bereits am 8. August 2001, zwei Tage nach der ersten Konsultation vom 6. August 2001, abgeschlossen worden. Die Therapie wurde anschliessend durch den Hausarzt Dr. med. M.________ weitergeführt. Das damalige Arbeitsverhältnis ging auf Grund einer bereits vor dem Unfall durch die Versicherte ausgesprochenen Kündigung Ende August 2001 zu Ende, wobei in den medizinischen Akten keine Arbeitsunfähigkeit angegeben wird. Im Oktober 2001 nahm die Versicherte zunächst stundenweise, ab November 2001 dann zu ca. 30% eine Anstellung als Reinigungsangestellte in einem Privathaushalt auf. Am 5. November 2001 trat sie zusätzlich eine vollzeitliche Anstellung als Näherin an, setzte diese Arbeit jedoch ab 22. November 2001 wegen gesundheitlicher Beschwerden aus. Laut den Angaben der Versicherten gegenüber der SUVA vom 7. Februar 2002 bewirkte die Arbeitshaltung mit vorgeneigtem Kopf/Nacken eine massive Zunahme der Schmerzen im Nacken, Hals und Hinterkopf. Dr. med. M.________ diagnostizierte in seinem Zwischenbericht vom 9. April 2002 eine Distorsionsverletzung mit Zervikalsyndrom und Verdacht auf Chronifizierung. Die Untersuchung vom Vortag habe Schmerzen in der oberen BWS sowie einen Endphasenschmerz bei Rotation und Seitenneigung der HWS ergeben, wobei beide Bewegungen kaum eingeschränkt seien. Die chiropraktorische Behandlung habe nach Angaben der Patientin nichts genützt. Weiter erklärte er, die Patientin suche ihn nur selten auf und die Kooperation sei sehr schwierig. Eine kreisärztliche Untersuchung erscheine als angezeigt. Der Kreisarzt Dr. med. T.________ gelangte am 16. Mai 2002 zum Ergebnis, auf Grund der verbliebenen objektiven Befunde sei grundsätzlich von voller Arbeitsfähigkeit in einer geeigneten Tätigkeit (kein Heben schwerer Gewichte, keine ungünstigen Sitz- oder Körperpositionen) auszugehen. Nachdem Frau Dr. med. B.________ am 28. Februar 2003 gemeldet hatte, die - bei ihr aus anderen Gründen in Behandlung stehende - Patientin klage immer wieder über Nackenbeschwerden auf Grund des Unfalls vom 3. August 2001, veranlasste die SUVA weitere Abklärungen. Diese ergaben eine deutliche Zunahme und Ausweitung des Beschwerdebildes. Den Stellungnahmen der behandelnden Ärzte sind Hinweise auf die unerklärliche Therapieresistenz und sogar Progredienz der Beschwerden sowie auf eine mögliche psychische Problematik zu entnehmen (vgl. Berichte des Dr. med. G.________ vom 21. Oktober 2003, des Dr. med. T.________, welcher die Arbeitsunfähigkeit von 100% ab 13. November 2003 attestiert hatte, vom 8. März 2004 und von Frau Dr. med. L.________ vom 29. März 2004). Der Spezialarzt Dr. med. H.________ hatte bereits am 28. Juli 2003 eine psychiatrische Behandlung von unbestimmter Dauer für erforderlich angesehen. Diese Einschätzung wurde durch Dr. med. I.________ bestätigt, welcher in seinem Bericht vom 18. November 2004 über die konsiliarpsychiatrische Untersuchung vom 29. Oktober 2004 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10: F43.23) diagnostizierte. Die Ergebnisse der kreisärztlichen Untersuchung durch Dr. med. J.________ vom 15. Dezember 2004 deuteten ebenfalls auf eine vollständig dominierende psychische Komponente hin. In dieselbe Richtung weist auch das vorinstanzlich aufgelegte ZMB-Gutachten vom 10. November 2005. Dieses nennt als einzige Hauptdiagnose (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit deutlich histrionischer Persönlichkeit mit histrionischer Verhaltensauffälligkeit, hypochondrisch ängstlicher Selbstlimitierung und Regressionstendenz. 4.2 Zusammenfassend kann den Akten entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin im Anschluss an den Unfall vom 3. August 2001 keine organisch nachweisbaren Funktionsausfälle aufwies, aber an Nacken- und Kopfschmerzen litt. Weitere dem typischen Beschwerdebild (BGE 119 V 338 oben Erw. 1) zuzurechnende Symptome traten jedoch nicht auf. Eine Arbeitsunfähigkeit ist erst für die Zeit ab 21. November 2001 ausgewiesen, nachdem die Versicherte während einiger Wochen eine sitzend in nach vorne gebeugter Haltung zu verrichtende Arbeit ausgeübt hatte. Auf Grund der weiteren ärztlichen Berichte, insbesondere desjenigen des Dr. med. M.________ vom 9. April 2002, welcher eine recht gute Beweglichkeit der HWS feststellte, und der kreisärztlichen Untersuchung durch Dr. med. T.________ vom 16. Mai 2002 ist jedoch davon auszugehen, dass die fortbestehenden Symptome der Ausübung einer geeigneten Tätigkeit nicht länger entgegen standen. Die im Jahr 2003 verstärkt aufgetretenen Beschwerden können angesichts der ursprünglichen, auf Kopf- und Nackenschmerzen beschränkten Symptomatik, des anschliessenden Verlaufs und der in der Folge gestellten Diagnosen nicht mehr als Anteile des "bunten" Beschwerdebildes verstanden werden, in dessen Rahmen die psychische Komponente mit der Zeit in den Vordergrund getreten wäre, sondern sind einer eigenständigen psychischen Störung zuzuordnen. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den während des hier interessierenden Zeitraums ab 13. November 2003 fortbestehenden Beschwerden ist daher nach Massgabe der mit BGE 115 V 133 ff. begründeten Rechtsprechung zu den psychogenen Unfallfolgen zu beurteilen (vgl. Erw. 1.5 hiervor am Ende). 4.3 SUVA und kantonales Gericht haben das Ereignis vom 3. August 2001 im Rahmen der für die Belange der Adäquanzbeurteilung vorzunehmenden Kategorisierung (BGE 115 V 139 Erw. 6) zu Recht den mittelschweren Unfällen zugeordnet. Die demzufolge massgebenden unfallbezogenen Kriterien (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) sind bei Beschränkung auf die physischen Anteile nicht erfüllt, wie die Vorinstanz mit Recht erkannt hat. Die Einstellung der Leistungen auf den 13. November 2003 lässt sich daher nicht beanstanden.