Citation: 4A_371/2023 E. 6.14.1

6.14.1. Die Vorinstanz erwog, die Beschwerdeführerin vertrete die Ansicht, bei der Auslegung der Verträge hätte auch das Steuermemorandum berücksichtigt werden müssen. Dort habe der Beschwerdegegner mehrfach kundgetan, er wolle sich nicht aktiv am Projekt beteiligen, sondern nur die finanziellen Mittel im Sinne einer Finanzanlage bereitstellen. Dabei übersehe sie, dass auch die Erstinstanz davon ausgegangen sei, der Beschwerdegegner habe sich nur finanziell (mittels Zurverfügungstellung von Vermögen) für das Projekt einsetzen wollen. Dies stehe der Bildung einer einfachen Gesellschaft nicht entgegen. Abgesehen davon seien die Erklärungen im Steuermemorandum vom Januar 2006 ohnehin im Kontext zu würdigen. Einerseits handle es sich beim Steuermemorandum nicht um dasselbe Dokument, das als Beilage 2 der Vereinbarung 2005 angehängt worden sei. Ob dieses der Beilage 2 vollständig entspreche, sei unklar und auch nicht behauptet worden. Anders als die übrigen Vertragsdokumente, die nur der internen Verwendung gedient hätten, sei das Steuermemorandum zudem für die Steuerbehörden bestimmt gewesen. Es sei notorisch, dass solche Vereinbarungen nicht primär bezweckten, die Vertragssituation oder den Willen der Parteien möglichst exakt abzubilden. Auch dies schränke die Aussagekraft des Steuermemorandums betreffend die Vertragsauslegung (und Vertragsqualifikation) erheblich ein.