Citation: 4A_72/2021 E. 6.3.2

6.3.2. Die Vorinstanz erwog, nach dem klaren Wortlaut der " Insuring Clause " setze ein eingetretener Haftpflichtfall (bzw. gegenüber der Beschwerdeführerin entstandene Forderungen Dritter aus zivilrechtlicher Haftung) voraus, dass dieser aus von ihr gegenüber Dritten erbrachten " Finanz-, Geschäfts-, Management- oder Berufsdienstleistungen " im Bereich des " Private Equity Investment Management " entstanden sei (" arise out of "). Dass - wie die Beschwerdeführerin vorbringe - ihre gesamte Geschäftstätigkeit von der " Insuring Clause " gedeckt sei, treffe gemäss dem klaren Wortlaut der Klausel nicht zu. Es könne daher nicht genügen, dass aus ihrer gesamten Geschäftstätigkeit irgendeine Haftung begründet werde und sie dann nur das US-Gerichtsurteil vorlegen müsse, um Versicherungsdeckung zu erlangen. Sie habe die " Insuring Clause " in guten Treuen dahingehend verstehen müssen, dass die Versicherungsdeckung nur bei den erwähnten Voraussetzungen greife, wozu insbesondere auch die erforderliche Kausalität zwischen den erbrachten Dienstleistungen und den erhobenen Forderungen aus zivilrechtlicher Haftung zähle, was einer vernünftigen und sachgerechten Regelung entspreche. Die Vertragsauslegung ergebe ein klares Ergebnis, das keine Zweifel oder verschiedene Deutungsmöglichkeiten offenlasse. Für eine Anwendung der Unklarheitenregel bleibe damit kein Raum, zumal die "Insuring Clause" hinreichend klar und weder unbestimmt noch zweideutig sei. Anzumerken bleibe, dass die Unklarheitenregel insbesondere auch nicht anwendbar sei, wenn sich die Unklarheit lediglich auf die Anwendung einer an sich klaren Vertragsbestimmung auf einen konkreten Sachverhalt beziehe.