Citation: 6B_812/2018 E. 1.1

1.1. Zunächst wendet sich der Beschwerdeführer gegen die Abweisung seines Antrags auf Augenschein und Tatrekonstruktion am Tatort. Zu beantworten gewesen seien die Fragen, wo genau das Auto zum Zeitpunkt der Schussabgabe stand, was genau die Zeugin C.________ in diesem Zusammenhang mit "auf der Mitte der Strasse" meinte und wie schnell noch das Auto zum Zeitpunkt der Schussabgabe fuhr. Das Gutachten des Forensischen Instituts Zürich (FOR) vom 5. Juni 2013 halte fest, das Spurenbild weise "doch einige Unstimmigkeiten zu den Aussagen der Zeugin" auf. Es lasse sich insgesamt "eher nicht mit dem geschilderten Szenario einer Schussabgabe im Fiat Bravo, bei offener Beifahrerscheibe, vereinbaren". Die Vorinstanz nehme zutreffend an, dass es sich bei "sprühnebelartigen" Blutspuren an einem Schneehaufen zwischen Strassenrand und Abhang nicht um Ausatmungsspuren des sterbenden Opfers handelte. Mit dem FOR sei davon auszugehen, dass die Spuren vom Austritt des Projektils herrührten. Die Vorinstanz räume ein, die (aus dem Albanischen übersetzte) Aussage der Zeugin ("mitten auf der Strasse") könne unterschiedlich interpretiert werden, nämlich bezogen auf die eigene Fahrbahn oder aber auf die gesamte Strassenbreite. Falls Letzteres zutreffe, sei das Spritzspurenbild nach Feststellung der Sachverständigen nicht mit einer Erschiessung im Auto (bei auf Beifahrerseite geöffneter Scheibe) vereinbar; denn der Schneehaufen sei in diesem Fall rund drei Meter von der Beifahrerseite entfernt gewesen. Lasse die Spurenlage zwei Interpretationsmöglichkeiten zu, so wäre anhand einer Tatrekonstruktion vor Ort und einer erneuten Befragung der Zeugin zu klären gewesen, welche davon zutreffe. Die Vorinstanz hält in Zusammenhang mit der Würdigung der Zeugenaussage fest, die Aussage, der Wagen habe "in der Mitte" der Strasse angehalten, sei vernünftigerweise nicht in dem Sinne wörtlich zu verstehen, dass der Täter unmittelbar vor der Schussabgabe von seiner eigenen Fahrbahn auf eine Position zwischen den beiden Fahrbahnen gewechselt hat. Dies zumal er das blutende Opfer möglichst schnell aus dem Fahrzeug habe entfernen müssen, was von der Mitte der Strasse aus "eher unpraktisch" gewesen wäre. Die Zeugin sei so zu verstehen, dass der Täter vor der Schussabgabe das Fahrzeug nicht eigens näher an den Fahrbahnrand gelenkt habe. Angesichts der engen Verhältnisse (Schneehaufen am Strassenrand) hätte ein solches Manöver das Herausziehen des Opfers denn wohl auch erschwert. Die Vorinstanz hat der betreffenden Aussage denjenigen Sinn beigemessen, welcher im Kontext der Indizien zum Tatablauf am schlüssigsten erscheint. Durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass das Fahrzeug auf seiner Fahrspur angehalten hat, ohne zur Strassenmitte hin oder an den Strassenrand zu schwenken, liegt die Distanz zwischen dem Austreten des Projektils (auf der Beifahrerseite im Auto) und den dadurch verursachten Blutspritzern am Strassenrand ohne Weiteres in der gemäss Gutachten des FOR vorauszusetzenden Spanne. Dem Gutachten zufolge durfte das Auto immerhin auch nicht näher als 120 cm vom Fahrbahnrand entfernt gewesen sein (angefochtenes Urteil, S. 39 und 41). Der Beschwerdeführer sieht mit der Abweisung des Beweisantrags auf Tatrekonstruktion vor Ort noch in weiterer Hinsicht Bundesrecht verletzt. So bleibe die Aussage der Zeugin unbeachtet, das Auto habe sich zum Zeitpunkt der Schussabgabe noch langsam bewegt. Nach Feststellung der Forensiker fehle der diesfalls zu erwartende Abstand zwischen den Spuren der Schussabgabe und denjenigen, welche entstanden sind, als das Opfer aus dem Auto auf die Fahrbahn gezogen wurde. Die Gutachter und die Zeugin schilderten somit unterschiedliche Tatabläufe; diese hätten vor Ort je auf ihre Plausibilität hin überprüft werden müssen. Nach Feststellung der Vorinstanz darf die Zeugenaussage so verstanden werden, der Schuss und das Anhalten des Wagens seien praktisch gleichzeitig erfolgt; die uneindeutige Aussage und die Umstände legten nicht zwingend nahe, dass das Auto zwischen der Schussabgabe und dem Anhalten noch eine gewisse Strecke zurückgelegt haben müsse. Diese Interpretation wird den erhobenen Beweisen gerecht und ist jedenfalls nicht willkürlich. Es drängt sich auf, dass der Täter das noch langsam rollende Fahrzeug nach der Schussabgabe umgehend zum Stillstand gebracht hat, weil er das Opfer aus seiner Sicht möglichst schnell aus dem Fahrzeug verbringen musste, um sich dann vom Tatort entfernen zu können. Eine gerichtlich angeordnete Tatrekonstruktion vor Ort hätte auch hier keine besseren Einsichten vermittelt, zumal die zu besichtigenden örtlichen Verhältnisse nichts für die Beantwortung der Frage hergeben, ob sich das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Schussabgabe noch bewegt hat. Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers wiederum schlüssig gewürdigt hat die Vorinstanz eine interpretationsbedürftige Aussage der Zeugin dazu, ob der Täter nur beim Aussteigen oder auch noch beim anschliessenden Herauszerren des Opfers aus dem Fahrzeug die Pistole in der Hand gehalten hat. Im Übrigen ist weder ersichtlich, was eine Tatrekonstruktion zur Wahrheitsfindung in diesem Punkt hätte beitragen können, noch, inwiefern die betreffende Tatsache im Kontext der gesamten Beweis- und Indizienlage überhaupt bedeutsam ist. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Vorinstanz weder das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers noch den Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 StPO) verletzt, wenn sie die entsprechenden Sachverhalte ohne den beantragten Augenschein festgestellt und der Entscheidung zugrunde gelegt hat.