Citation: 8C_569/2022 E. 6.1

6.1. Die Vorinstanz erachtet einen Revisionsgrund als gegeben, indem die Beschwerdeführerin nach der Rentenzusprechung im Jahr 2003 zweimal Mutter geworden und damit verbunden ein Statuswechsel eingetreten sei. Dabei übersieht sie zunächst, dass Vergleichszeitpunkt nicht die Rentenverfügungen vom 22. Oktober 2003 beziehungsweise vom 16. April 2004 bilden. Vielmehr wurde der Rentenanspruch materiell bereits erneut überprüft anlässlich der Geburt des ersten Kindes der Beschwerdeführerin. Nachdem die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch mit Verfügung vom 20. März 2014 aufgehoben hatte, entschied die Vorinstanz auf Beschwerde hin, dass der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht nicht hinreichend abgeklärt worden sei. Mit Urteil vom 21. April 2015 hob sie die Verfügung vom 20. März 2014 auf und wies die Sache zu diesem Zweck an die Beschwerdegegnerin zurück. Nach der Begutachtung durch die PMEDA bestätigte die Beschwerdegegnerin am 15. Februar 2017 den bisherigen Rentenanspruch unter Hinweis darauf, dass sich zwischenzeitlich keine Veränderung ergeben habe. Dass eine allfällige Veränderung in den erwerblichen Verhältnissen wegen der Familiengründung nach der Rentenzusprechung keine Berücksichtigung fand, entsprach der damaligen Praxis. In Nachachtung des Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) vom 2. Februar 2016 in Sachen Di Trizio gegen die Schweiz (7186/09) erkannte das Bundesgericht, dass die gemischte Methode bei Teilzeiterwerbstätigen keine Anwendung mehr finden kann, wenn allein familiäre Gründe, das heisst die Geburt eines Kindes und eine damit einhergehende Reduktion des Erwerbspensums, für einen Statuswechsel von "vollerwerbstätig" zu "teilerwerbstätig mit Aufgabenbereich" sprechen und die darauf beruhende neue Invaliditätsbemessung zu einer revisionsweisen Aufhebung oder Herabsetzung einer bis anhin gewährten Invalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG führen würde (BGE 144 I 21; 143 I 50 und 60; 143 V 77 E. 3.2.2). Unter der Annahme, dass die Beschwerdeführerin als Gesunde wie schon bei der ursprünglichen Rentenzusprechung im Jahr 2003 und rechtsprechungsgemäss ungeachtet der Veränderung ihrer familiären Situation auch weiterhin voll erwerbstätig wäre, lag der am 15. Februar 2017 verfügten Bestätigung des Rentenanspruchs eine Invaliditätsbemessung nach der Einkommensvergleichsmethode zugrunde. Dabei resultierte dementsprechend unverändert, ausgehend von einer verbliebenen Arbeitsfähigkeit in der angestammten oder einer anderen leidensangepassten Tätigkeit von 40 % und jeweils denselben Vergleichseinkommen, ein Invaliditätsgrad von 60 %. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Indem die Vorinstanz in dieser Konstellation annahm, es sei als Vergleichszeitpunkt der Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung anzunehmen und seither wegen Veränderung der erwerblichen Verhältnisse zufolge der Familiengründung ein Revisionsgrund eingetreten, verletzte sie Bundesrecht. Wurde eine Rente zunächst in Anwendung eines reinen Einkommensvergleichs zugesprochen und fand die gemischte Methode seither (trotz Veränderung der familiären Situation) keine Anwendung, ist darauf praxisgemäss nicht zurückzukommen. Nach der Bestätigung des bisherigen Anspruchs auf eine Dreiviertelsrente mit Verfügung vom 15. Februar 2017 änderten sich einzig die Rechtsgrundlagen betreffend die Frage, welches Berechnungsmodell im Rahmen der gemischten Methode anzuwenden sei. Die formell-rechtlichen Grundlagen für die Beurteilung der Statusfrage und damit der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode sind indessen unverändert geblieben. Eine Anpassung an die am 1. Januar 2018 mit den Absätzen 2 bis 4 von Art. 27bis IVV geänderten Rechtsgrundlagen (ab 1. Januar 2022: Abs. 1 bis 3) fällt ausser Betracht (SVR 2021 IV Nr. 19 S. 57, 9C_19/2020 E. 5.2 und 5.3).