Citation: 4A_35/2021 E. B

Bereits am 18. April 2005 hatte die Klägerin eine Klage gegen die Beklagte beim Vermittler des Kreises Oberengadin angemeldet. Als sie die Klage am 11. Juli 2005 an das Bezirksgericht Maloja prosequierte, reduzierte sie das Rechtsbegehren auf Fr. 9 Mio. nebst Zins (nachfolgend: Forderungsklage). Die Beklagte erhob Widerklage und verlangte Fr. 11'070'309.55 nebst Zins. Die Klägerin machte zwei weitere Klagen hängig, eine auf Herausgabe von Bauplänen, die sie bereits vor der Forderungsklage eingereicht hatte, und eine dritte Klage auf Herausgabe der Baudokumentation und Bekanntgabe der System- und Administrationspasswörter für die eingebauten Sicherheitsanlagen sowie die Herausgabe eines Ausdrucks aus dem Arbeitsspeicher dieser Sicherheitsanlagen. Am 28. Juni 2006 verkündete die Beklagte im dritten Prozess um Herausgabe der Baudokumentation der E.________ AG (heute: D.________ AG) den Streit. Die Streitberufene trat vorsorglich dem Prozess bei. Das Bezirksgericht vereinigte die drei Verfahren und behandelte die Forderungsklage, die Widerklage und die beiden Klagen auf Herausgabe in einem Urteil. Vor Bundesgericht sind nur noch die Forderungs- und die Widerklage streitig. Auf die übrigen Klagen braucht nicht eingegangen zu werden. B.a. Mit Urteil vom 20. August 2008 und 4. Juni 2013 wies das Bezirksgericht die Forderungsklage ab und hiess die Widerklage im Betrag von Fr. 6'327'139.60 nebst Zins teilweise gut. B.b. Am 13. Januar 2015 ersuchte die Beklagte das Bezirksgericht, den ihr zugesprochenen Betrag auf Fr. 6'389'139.60 zu berichtigen. Mit Berichtigungsentscheid vom 17. März 2015 hiess das Bezirksgericht das Gesuch um Berichtigung gut und sprach der Beklagten Fr. 6'389'139.60 nebst Zins zu. B.c. Auf Berufung der Klägerin wies das Kantonsgericht von Graubünden am 9. November 2020 die Forderungsklage ab. Die Widerklage hiess es lediglich im Umfang von Fr. 6'362'352.32 nebst Zins gut. Das Kantonsgericht sah weder einen Globalpreis von Fr. 19 Mio. (als fest vereinbarten Gesamtpreis, der - bis auf Zusatzaufträge im Umfang von Fr. 475'157.-- - sämtliche Leistungen erfasst) als erstellt an noch die Vereinbarung einer offenen Abrechnung über sämtliche Leistungen. Für die im Totalunternehmervertrag samt Leistungsbeschrieb vorgesehenen Leistungen hätten die Parteien einen Circa-Preis von Fr. 10-14 Mio. vereinbart. In diesem sei ein Globalpreis von Fr. 2.2 Mio. für Aufnahmen, Planung und Projektierung bis zum Vorliegen des Bauprojekts sowie des Kostenvoranschlags und die Sondierungen vor Ort (alles bezogen auf die im Leistungsbeschrieb des Totalunternehmervertrags vorgesehenen Leistungen) enthalten. Eine weitergehende Festpreisabrede sei nicht nachgewiesen. Alles, was nicht mit den Leistungen, die zur Komplettsanierung gemäss Totalunternehmervertrag gehörten, in Zusammenhang gebracht werden könne, sei nach Aufwand abzurechnen. Auch beim Circa-Preis berechne sich die Höhe der geschuldeten Vergütung innerhalb des definierten Preisrahmens von Fr. 10 - 14 Mio. nach Aufwand (Art. 374 OR) unter Berücksichtigung der Höchst- und Mindestgrenze, wobei der im Totalunternehmervertrag verwendete Begriff "Komplettsanierung" nicht eine Gesamtsanierung der beiden Liegenschaften umfasse, sondern klar abgegrenzte Themen im Sinne der Zustandsanalyse "Quo Vadis". Soweit die Klägerin erstinstanzlich einzig geltend gemacht habe, gewisse Kosten seien im Kostenvoranschlag der Komplettsanierung von Fr. 14 Mio. und somit auch im Globalpreis von Fr. 19 Mio. oder nur in diesem enthalten, habe sie akzeptiert, dass diese Forderungen grundsätzlich bestehen und in der angegebenen Höhe zu ihren Lasten gingen. Sollte sie geltend machen wollen, die Kosten gingen nur soweit zu ihren Lasten, als sie vom Globalpreis abgedeckt seien, würde es an Ausführungen dazu fehlen, welcher Teil der Kosten nicht vom Globalpreis erfasst sei, und damit an der notwendigen Substanziierung der Bestreitung. Dies gelte analog auch für den Circa-Preis. Dass nach Art. 156 Abs. 1 der Zivilprozessordnung des Kantons Graubünden (ZPO/GR; aBR 320.000) vom 1. Dezember 1985 alles als bestritten gelte, was nicht zugestanden worden sei, ändere an dem Zugeständnis nichts. Die Bestreitung sei nicht detailliert genug und damit zu wenig substanziiert, zumal ein Globalpreis von Fr. 19 Mio. nicht nachgewiesen sei. Die Klägerin habe es unterlassen, für den Fall, dass das Gericht nicht von diesem Globalpreis ausgehe, weitere Behauptungen aufzustellen. Mangels substanziierter Bestreitung seien die entsprechenden Einzelforderungen als zugestanden anzusehen. Zugestandene Forderungen könnten den Circa-Preis ohne Weiteres übertreffen. Unter Berücksichtigung der Bestellungsänderungen mit Mehrkosten sowie der zugestandenen Forderungen seien die Leistungen des Totalunternehmervertrages offensichtlich nicht in Verletzung des Circa-Preises abgerechnet worden. Vom Werklohn von Fr. 34'837'509.32. zog die Vorinstanz die bereits bezahlten Fr. 28'475'157.-- ab und sprach der Beschwerdegegnerin die Restwerklohnforderung von Fr. 6'362'352.32 nebst Zins zu.