Citation: 6B_1088/2022 E. 4.3.5

4.3.5. Insofern die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die in der Anklageschrift enthaltene Formulierung ("eine nicht bekannte Anzahl Tabletten"; Anklageschrift S. 3) und auf die erstellten Gutachten das Vorliegen eines Zustandes der Wehrlosigkeit von B.A.________ zum Tatzeitpunkt in Frage stellt (Beschwerde S. 20-24), kann ihr nicht zugestimmt werden. Gemäss Gutachten zur Haaranalyse des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 28. Juni 2018 wies die für den Tatzeitraum relevante Haarprobe von B.A.________ eine Lorazepam-Konzentration im obersten Bereich der bekannten Vergleichswerte sowie eine Risperidon-Konzentration im unteren Bereich der bekannten Vergleichswerte auf. Im Haarwaschwasser zeigte sich dabei jedoch eine vergleichsweise hohe Lorazepam-Konzentration sowie eine sehr hohe Risperidon-Konzentration, was gemäss Gutachten auf eine Einnahme kurz vor der Sicherstellung der ersten Haarprobe am 6. April 2018 schliessen lasse (vgl. kantonale Akten, D1 act. 8/11 S. 4 ff., Ordner 4; erstinstanzliches Urteil S. 118 f.). Im pharmakologisch-toxikologischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 20. August 2018 wird sodann festgehalten, dass B.A.________ am 6. April 2018, um 07:40 Uhr, unter der kombinierten Wirkung von Lorazepam und Risperidon gestanden habe. Dabei sei gemäss Gutachten davon auszugehen, dass die kombinierte Wirkung der beiden Wirkstoffe die geistigen und/oder körperlichen Funktionen von B.A.________ zum Tatzeitpunkt negativ beeinträchtigt habe. Aufgrund der kombinierten, sich gegenseitig verstärkenden Wirkung der beiden Stoffe sei konkret davon auszugehen, dass zum Tatzeitpunkt eine stark dämpfende Wirkung auf B.A.________ vorgelegen habe. Dabei wurde ein schlafender bis tief-schlafender Zustand von B.A.________ zum Tatzeitpunkt für plausibel gehalten (vgl. kantonale Akten, D1 act. 8/14 S. 1 ff., Ordner 4; erstinstanzliches Urteil S. 119). Bei dieser Sachlage ist unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz in tatsächlicher Hinsicht von einer Wehrlosigkeit von B.A.________ zum Tatzeitpunkt ausgeht. Dass die genaue Anzahl der Tabletten Risperdal und Temesta nicht bekannt ist, ändert daran entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (vgl. Beschwerde S. 20) nichts. Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet.