Citation: 5A_361/2023 E. 4.5.1

4.5.1. Wie bereits beschrieben wurde (E. 4.2), schätzte die Vorinstanz die Erziehungsfähigkeit der Beschwerdeführerin gegenüber derjenigen des Beschwerdegegners als eingeschränkt ein. Bei der Beschwerdeführerin wurde insbesondere die (nicht ausreichende) Bindungstoleranz als einschränkend wahrgenommen. Die Beschwerdeführerin vermag vor Bundesgericht nicht darzutun, dass diese Einschätzung der Vorinstanz willkürlich wäre (E. 4.1.2). Abgesehen davon, dass sie sich allein auf den Bericht G.________ stützt, von dem, wie dargelegt, die Vorinstanz abweichen durfte (vorne E. 4.3.4), verfällt die Beschwerdeführerin in appellatorische Kritik, indem sie ausführt, es gehe im angefochtenen Entscheid gar nicht um die Kinderbedürfnisse, sondern um eine "blosse 'Schönheitskonkurrenz' von zwei erziehungsfähigen Elternteilen" und es habe nur die Frage im Fokus gestanden, wessen Bindungstoleranz etwas mehr eingeschränkt sei. Im Übrigen verhält sich die Beschwerdeführerin widersprüchlich, wenn sie einerseits ausführt, die gute Beziehung zwischen Vater und Sohn geschützt und gefördert zu haben, sie andererseits den Sohn dem Vater während eines halben Jahres während des Auslandaufenthalts unstreitig vorenthielt und dem Vater nach wie vor vorwirft, den Sohn zu vernachlässigen. Letzteres widerspricht ausserdem den Feststellungen der Vorinstanz anlässlich der Kindesanhörung (vgl. vorne E. 4.2). Darauf geht die Beschwerdeführerin jedoch mit keinem Wort ein. Sie begnügt sich vielmehr damit, den Sachverhalt aus eigener Sicht darzulegen. Willkür kann auf diese Weise nicht begründet werden. Ist beim Beschwerdegegner eine höhere Erziehungsfähigkeit gegeben, kann der Vorinstanz bereits aus diesem Grund keine Ermessensüberschreitung vorgeworfen werden, wenn sie das Kind in der Obhut des Vaters beliess. Vor diesem Hintergrund braucht auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu den Geschwisterbeziehungen und der persönlichen Betreuung durch die Eltern, Kriterien, die von der Vorinstanz neutral bewertet wurden, nicht weiter eingegangen zu werden.