Citation: I 288/04 13.04.2006 E. 6

6.1 Vorliegend lässt sich den medizinischen Berichten entnehmen, dass die Versicherte an starken Schmerzen leidet. Für das Ausmass der geklagten Schmerzen konnte allerdings keine somatische Ursache gefunden werden. Dr. med. B.________ diagnostiziert ein "Vollbild einer Fibromyalgie" und hat bei seinen eingehenden Abklärungen keine Hinweise für ein entzündliches, arthropatisches oder spondarthropatisches Leiden gefunden. Dr. med. W.________ kommt in seiner "somatisch-medizinischen" Expertise vom 21. August 2002 gestützt auf eine gründliche Untersuchung zu den gleichen Ergebnissen und gibt mit nachvollziehbarer Begründung an, dass die Schmerzangaben mit dem Krankheitsbild der Fibromyalgie einhergehen. Als Folge der Adipositas und einer ausgeprägten muskulären Dekonditionierung bestehen die von Dr. med. V.________ am 15. November 2003 erwähnten Beschwerden, welche aber, wie dem IMB-Gutachten im Ergebnis schlüssig entnommen werden kann, ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bleiben. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ändert der Umstand, dass Dr. med. W.________ als Facharzt für Chirurgie am IMB-Gutachten beteiligt war, an der Massgeblichkeit der Expertise nichts, weil die Beschwerdegegnerin bereits vor der Untersuchung durch Dr. med. W.________ umfassend auf allfällige körperliche Leiden abgeklärt worden ist, womit das somatische Teilgutachten - welches zu keinen neuen Erkenntnissen gelangt - eigentlich gar nicht mehr notwendig war. Immerhin war es Dr. med. T.________ auf Grund der Mitwirkung eines Somatikers möglich, abschliessende Angaben zur Arbeitsfähigkeit zu machen, nachdem sich insbesondere Dr. med. B.________ aus rheumatologischer Sicht nicht zu allfälligen Leistungseinbussen geäussert hat. Entgegen dem Einwand der Beschwerdegegnerin bestehen keine Hinweise darauf, dass die IMB-Experten bei der Untersuchung auf - das Abklärungsergebnis beeinflussende - sprachliche Verständigungsschwierigkeiten gestossen wären. Sodann kann auf die nicht weiter begründeten Angaben der behandelnden Ärzte nicht abgestellt werden. Der Ansicht des Dr. med. V.________ in Bezug auf seine erhobenen Befunde und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Abgesehen davon, dass er offenbar fälschlicherweise davon ausgeht, dass eine chronisch venöse Thrombose seit drei Jahren besteht - im Bericht des Dr. med. B.________ vom 18. Mai 2001 ist demgegenüber die Rede von einer Thrombose vor drei Jahren - begründet er das Vorliegen einer schweren depressiven Episode einzig mit dem Hinweis darauf, dass das körperliche Leiden der Versicherten real sei und psychische Beschwerden mit sich bringe. Zudem ist bei der Beurteilung seines Berichtes der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc; Urteil F. vom 9. Februar 2006 Erw. 4, I 736/05). Auch Dr. med. V.________ nimmt aber im Übrigen an, dass sich das psychische Leiden im Rahmen einer Fibromyalgie ("et d'autres maladies somatiques déjà mentionnées") entwickelt habe, und weist auf die unter Medizinern ungeklärten Fragen im Zusammenhang mit dem Krankheitsbild der Fibromyalgie hin. 6.2 Massgebend ist somit, ob konkrete Umstände bestehen, welche den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen. Dr. med. T.________ gibt im IMB-Gutachten vom 21. August/14. Oktober 2002 an, es fänden sich keine Anhaltspunkte für eine hirnorganische Erkrankung, für endogene Psychosen oder für persönlichkeitsbedingte Störungen (wie abnorme Erlebnisreaktionen oder Psychopathien). Es liege keine Depression von Erheblichkeit oder mit Krankheitswert vor. Allenfalls bestehe eine leichte depressive Verstimmung als Reaktion auf die subjektive Symptomatik oder auf die Nichterfüllung von Entschädigungswünschen. Eine solche depressive Verstimmung kann aber nicht mit einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer (BGE 127 V 299 Erw. 5a) gleichgesetzt werden. Damit ist eine psychische Komorbidität zu verneinen. Angesichts der Erhebungen der Experten besteht kein Grund, welcher die Beschwerdegegnerin hindern würde, einer vollzeitigen Beschäftigung nachzugehen. Es ist daran zu erinnern, dass die von der Rechtsprechung im Zusammenhang mit der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung aufgestellten Kriterien (welche analog auch beim Erscheinungsbild der Fibromyalgie gelten) den Experten, der Verwaltung und im Beschwerdefall dem Gericht Anhaltspunkte für die Beurteilung der Frage liefern sollen, ob die versicherte Person über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt und ob sie folglich in der Lage ist, die diagnostizierte Störung mit einer zumutbaren Willensanstrengung zu überwinden; die Kriterien bilden eine Hilfe zur gesamthaften Würdigung der Schmerzsituation in einem Einzelfall. Vorliegend ist Dr. med. T.________ in seinen Schlussfolgerungen nicht klar. Einerseits gibt er an, aus psychiatrischer Sicht könne kein Befund erhoben werden, welcher die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würde, und anderseits schätzt er die gegenwärtige Arbeitsfähigkeit auf über 70 %, falls man "äusserst grosszügig" die leichte Verstimmung, welche definitionsgemäss nicht den Grad einer leichten oder gar mittelgradigen depressiven Episode erreiche, einbeziehe und ihr eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit zuerkenne. Allerdings steht auf Grund seiner Abklärungen fest, dass nur leichte Verstimmungszustände vorliegen, welche nicht geeignet sind, die Arbeitsfähigkeit zu beeinflussen. Nach der Aussage des Gutachters ergibt sich offenbar eine leichte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit nur, wenn man auf die subjektive Sichtweise der Beschwerdegegnerin abstellt. Das Mass des Forderbaren wird allerdings weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b mit Hinweisen [Urteil P. vom 31.Januar 2000, I 138/98]; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c in fine). 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das psychiatrische Gutachten des Dr. med. T.________ in seinen Schlussfolgerungen nicht nachvollziehbar ist. Weitere Abklärungen, insbesondere zur Frage, ob eine somatoforme Schmerzstörung vorliege, können dennoch unterbleiben (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b; RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50 Erw. 3.4 [Urteil R. vom 6. November 2002, U 131/02]). Aus der vollständig vorhandenen Anamnese und aus den eigenen Erhebungen der IMB-Experten ergibt sich nämlich, dass keines der von der Rechtsprechung für die Beurteilung der Auswirkungen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörungen aufgestellten - und im Falle einer Fibromyalgie analog heranzuziehenden - Kriterien erfüllt ist. Es spricht somit nichts dafür, dass eine nach weiteren Beweisvorkehren fachärztlich allenfalls ausgewiesene somatoforme Schmerzstörung die Beschwerdegegnerin derart intensiv und konstant behinderte, dass die Wiederaufnahme einer ganztägigen, leidensangepassten Tätigkeit aus rechtlicher Sicht als unzumutbar zu gelten hätte. Im Lichte dieser Umstände ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdegegnerin - im hier massgebenden Beurteilungszeitraum bis zum Erlass des Einspracheentscheids vom 18. Juni 2003 - über beachtliche Ressourcen zur Schmerzbewältigung verfügte, welche ihr die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne gesundheitliches Risiko einer objektiven Verschlimmerung der subjektiven Schmerzen oder der leichten Verstimmung ermöglicht hätten. Bei dieser Sachlage ist die Ablehnung des Rentenanspruchs durch die Verwaltung nicht zu beanstanden.