Citation: P 47/05 06.04.2006 E. 3

3.1 Die Mehrkosten im Sinne von Art. 9 ELKV knüpfen nicht an das Vorliegen einer Krankheit an, sondern allein an die Tatsache, dass wegen einer Krankheit lebensnotwendig eine kostenaufwändigere Ernährung als üblich erforderlich ist. Der Mehrbedarf setzt voraus, dass im konkret zu beurteilenden Fall ein solcher tatsächlich akut vorhanden ist. Aus den vom Beschwerdeführer aufgelegten Bescheinigungen ergibt sich lediglich, dass er auf eine gesunde, mineralstoffreiche, frische und schadstoffarme Ernährung zu achten hat (vgl. Berichte des Dr. med. N.________ vom 20. September 2005 und des Dipl. Psychologen und Heilpraktikers L.________ vom 26. September 2005). Er hat danach keinen speziellen Ernährungsplan mit bestimmten, festgelegten Lebensmitteln zu befolgen, die zwingend besondere Kosten auslösen würden. Dr. med. N.________ hält einzig fest, die verwendeten Bioprodukte seien teurer, aber auch gesünder. Ein finanzieller Unterschied zwischen der dem Versicherten empfohlenen und einer normalen Kost wird mit dieser Aussage ebenso wenig begründet wie mit dem pauschalen Hinweis, er benötige insbesondere fettarmes Fleisch, Meerfisch und Biogemüse. Damit ist in keiner Weise dargelegt, worin der geltend gemachte finanzielle Mehraufwand für die Ernährung konkret bestehe. Der Versicherte kann für sein Krankheitsbild geeignete Nahrung durchaus ohne zusätzliche Aufwendungen beschaffen, zumal er nicht auf teure Spezialprodukte, sondern auf eine gesundheitsbewusste Kost angewiesen ist. 3.2 Für eine solche Einschätzung spricht nebst den im vorinstanzlichen Entscheid zitierten Empfehlungshinweisen auch der Begutachtungsleitfaden für den Mehrbedarf bei krankheitsbedingter kostenaufwändiger Ernährung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe aus dem Jahre 2002 (abrufbar unter http://www.lwl.org/spur-download/Mehrbedarf.pdf.). Darin wird ausgeführt, eine Diät oder Krankenkost sei nicht zwangsläufig mit einem Kostenmehraufwand verbunden. Bei einer Reihe von Erkrankungen müssten lediglich bestimmte Nahrungsmittel vermieden werden. Andere erforderten im Vergleich zur "normalen Mischkost" (Vollkost) eine veränderte Zusammensetzung, ohne dass dadurch zusätzliche Kosten entstünden. Nur wenige Erkrankungen benötigten eine Diät, die kostenaufwändiger sei als eine Vollkost. Für die Ernährung bei Diabetes mellitus sei in der Vergangenheit meist ein erhöhter Kostenaufwand reklamiert worden. Die wissenschaftliche Auffassung bezüglich der beim Diabetes erforderlichen Diät habe sich in den letzten Jahren fundamental geändert. Während früher die Auffassung vertreten worden sei, dass ein Diabetiker besondere Nahrungsmittel mit sogenannten "Zuckeraustauschstoffen" benötige, seien heute die führenden Diabetologen weltweit übereinstimmend der Meinung, dass eine ausgewogene Mischkost mit Eiweiss- und Fettanteilen von 20-30 % und einem Kohlenhydratanteil von mindestens 50 % sowie die Einhaltung eines normalen Körpergewichts die besten Voraussetzungen biete, eine optimale Blutzuckereinstellung mit oder ohne Medikamente zu erreichen und vor allem Spätkomplikationen und Folgeerkrankungen des Diabetes mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vermeiden. Von führenden Diabetologen werde inzwischen von der Verwendung spezieller Diätprodukte mit Zuckeraustauschstoffen wegen nachteiliger Auswirkungen sogar abgeraten. Die für den Diabetes mellitus wissenschaftlich empfohlene Diät entspreche der allgemein für eine gesunde Ernährung empfohlenen ausgewogene Mischkost oder einer zur Gewichtsnormalisierung empfohlenen Reduktionskost. Mehrkosten würden durch diese Ernährung nicht entstehen. 3.3 Zum gleichen Ergebnis führt auch die vom BSV aufgelegte Kalkulation der Diabeteskost der Diabetes-Gesellschaft Region Basel vom November 1998, welche für Männer auf tägliche Ausgaben von rund Fr. 17.- kommt, während im gleichen Jahr die im Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf enthaltenen Kosten für Verpflegung mit Fr. 18.- pro Tag bewertet wurden (vgl. Art. 11 ELV in Verbindung mit Art. 11 Abs. 2 AHVV in der ab 1. Januar 1993 geltenden Fassung). Was den Einwand des Beschwerdeführers betrifft, er dürfte beispielsweise nur Kalbfleisch, Meerfisch und Biogemüse essen, ergibt sich aus den von der Beratungssektion der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft Zürich herausgegebenen Ernährungsempfehlungen, dass nebst Kalb- auch mageres Rind- oder Schweinefleisch zugelassen ist. Beim Fisch werden nebst den Meerfischen auch die Süsswasserfische angeführt. Beim Gemüse und Obst ist vor allem auf Frischprodukte zu achten. Daraus folgt, dass für an Diabetes mellitus erkrankte Personen sich die Kost in ihrer Zusammensetzung nicht von der im Rahmen der Primärprävention für Gesunderhaltung empfohlenen Ernährungsweise unterscheidet. Dem Beschwerdeführer ist somit eine diabetesorientierte Ernährung möglich, ohne dass ein finanzieller Mehraufwand ausgewiesen ist.