Citation: 6B_492/2009 18.01.2010 E. 2.3.4

2.3.4.1 Der Beschwerdeführer sieht unter Hinweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen zum subjektiven Tatbestand der Misswirtschaft sein rechtliches Gehör verletzt (Beschwerde S. 46 f.). Diese Rüge ist unbegründet. Wesentlicher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV ist die Begründungspflicht. Die Begründung soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die Partei wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 mit Hinweisen). Die Begründung des angefochtenen Entscheids ist zwar knapp, sie genügt aber, unter Berücksichtigung der erstinstanzlichen Erwägungen, den sich aus der Bundesverfassung ergebenden Anforderungen. Die Vorinstanz übernimmt einzelne von der ersten Instanz erwähnten Merkmale sowie implizit und im Ergebnis die diesbezüglichen Erwägungen der ersten Instanz zur Fahrlässigkeit. Es ist schliesslich nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht vorgebracht, dass es ihm nicht möglich gewesen wäre, den Entscheid sachgerecht anzufechten (vgl. Beschwerde S. 44-57). Die Rüge der nicht genügenden Begründung respektive der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist abzuweisen. 2.3.4.2 Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer ein grob fahrlässiges Handeln vor. Dies ist, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers, bundesrechtlich nicht zu beanstanden. Wohl erfasst grob fahrlässige Misswirtschaft nicht jede Nachlässigkeit, die einen finanziellen Zusammenbruch bewirkt. Erforderlich ist vielmehr die Verletzung elementarer Sorgfaltspflichten. Dabei ist von zentraler Bedeutung die Frage, welche Gefahren ein Schuldner in einer bestimmten Situation eingehen darf und wo die Grenzen des strafrechtlich erlaubten Risikos überschritten sind. Gewisse Anhaltspunkte sind besonders im Handelsrecht zu finden (Peter Albrecht, in: Kommentar zum schweizerischen Strafrecht, 1990, N. 16 ff. zu Art. 165 StGB). Eine solche Referenz stellt Art. 725 OR dar. Bei der in Abs. 2 verankerten Pflicht zur Anzeige handelt es sich um eine grundsätzlich unübertragbare Aufgabe des Verwaltungsrats (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 7 OR). Aktionäre, Gläubiger und in der Regel die Revisionsstelle sind dazu nicht befugt. Sie ist gleichzeitig von wesentlicher Bedeutung. Die Bestimmung soll verhindern, dass die Konkurseröffnung zu spät erfolgt. Dadurch werden gegenwärtige und künftige Gläubiger vor weiteren Verlusten geschützt. Darüber hinaus werden allgemeine Interessen geschützt, indem überschuldete juristische Personen nicht im Wirtschaftskreislauf verbleiben (BGE 127 IV 110 E. 5a S. 113 mit Hinweisen). Die Beachtung der Vorschrift von Art. 725 OR gehörte somit zu den elementaren Pflichten des Beschwerdeführers. Dies gilt umso mehr, als ihm die massive Überschuldung der A.________-Gruppe Ende 2001 bekannt war, was in der Folge eine erhöhte Aufmerksamkeit voraussetzte. Die Ab.________ AG war bereits Mitte 2001 überschuldet und generierte bereits ab diesem Zeitpunkt (und somit bis zur Konkurseröffnung über ein Jahr lang) stetig steigende und ab Februar 2002 erheblich vom Budget abweichende Verluste. Mitte 2002 hatte sie 50% des Vorjahresverlustes erreicht. Ebenso wenig entschärfte sich die finanzielle Situation der B.________ AG, nachdem sich ihr Verlust innerhalb des zweiten Quartals des Jahres 2002 auf mehr als das Doppelte erhöht hatte. Der im Januar 2002 eingeräumte Kredit deckte weder die früheren Verluste noch die budgetierten oder die tatsächlichen Verluste im Jahre 2002. Die finanzielle Notlage der A.________-Gruppe erfuhr im Jahre 2002 somit keine Verbesserung, sondern spitzte sich vielmehr zu. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer und möglicherweise weitere Personen an eine erfolgreiche Sanierung glaubten und somit die Situation falsch einschätzen, ist allein nicht ausreichend, um im Fehlverhalten des Beschwerdeführers lediglich eine leichte Fahrlässigkeit zu erblicken. Umstände, die den Grund der nicht erfolgten Anzeige in einem milderen Licht erscheinen liessen, liegen nicht vor. Vielmehr ist vom Beschwerdeführer, der als Rechtsanwalt mehrere Verwaltungsratsmandate bekleidet, eine erhöhte Sorgfalt zu verlangen. Die Überschuldung brachte einen unmittelbaren Handlungsbedarf für den Verwaltungsrat. Die ihm eingeräumte Toleranzfrist endete jedoch, als die Situation der Finanzen sich unterdessen verschlechterte (vgl. Urteil 4C.366/2000 vom 19. Juni 2001 E. 4b). Im Ergebnis hat der Beschwerdeführer aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit mit der Benachrichtigung des Richters zu lange zugewartet und in verantwortungsloser Weise das Risiko der Verschlechterung und die Konsequenzen für die Gläubiger ausgeblendet. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.