Citation: 1P.631/2000 23.11.2000 E. 5

5.- Die Beschwerdeführerin wirft dem Obergericht in zahlreichen Einzelfragen eine willkürliche Würdigung von Beweisen vor. a) Den kantonalen Gerichten steht bei der Feststellung des Sachverhaltes und der Würdigung des Beweisergebnisses ein weiter Ermessensspielraum zu. Bei der Beurteilung von Fragen der Beweiswürdigung beschränkt sich das Bundesgericht auf eine Willkürprüfung. Sonst würde es selbst den Grundsatz der freien Beweiswürdigung durch den Sachrichter verletzen. Die Beweiswürdigung ist nicht schon dann willkürlich, wenn vom Sachrichter gezogene Schlüsse nicht mit der Darstellung der Beschwerdeführerin übereinstimmen. Das Bundesgericht greift nur ein, wenn die tatsächlichen Feststellungen offensichtlich falsch sind oder auf einem offenbaren Versehen beruhen, wenn sie mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen, wenn sie sich in entscheidende Widersprüche verwickeln, oder wenn Feststellungen ohne jede Beweisgrundlage getroffen werden (vgl. zum Ganzen BGE 120 Ia 31 E. 4b S. 40 mit Hinweisen). Willkür liegt ausserdem nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (vgl. BGE 125 I 166 E. 2a S. 168 mit Hinweisen). Sinngemäss beruft sich die Beschwerdeführerin auch auf die Unschuldsvermutung (vgl. Art. 32 Abs. 1 BV) als Beweiswürdigungsregel. Diese erlaubt es dem Bundesgericht nur einzugreifen, wenn die Angeklagte verurteilt wurde, obgleich bei objektiver Würdigung des ganzen Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an deren Schuld fortbestanden (BGE 124 IV 86 E. 2a S. 88; 120 Ia 31 E. 2d S. 38). b) aa) Aus der Sicht des Obergerichts war für die Verurteilung der Beschwerdeführerin entscheidend, dass diese A.Y.________ gegen dessen Willen festgehalten habe. Dies stützt das Obergericht auf die Aussagen des Opfers, von dessen Mutter und der Zeugin Z.________, die dies bestätigen. Die Zeugin W.________ kann dies entgegen einer missverständlichen Erwägung im angefochtenen Urteil zwar nicht bestätigen, wohl aber wiederholte Bemühungen der beiden Frauen, eine Freilassung von A.________ zu bewirken. Dass weitere Nachbarn nichts von diesen Bemühungen bemerkt haben, ist unerheblich. Auch die Beschwerdeführerin bestätigt diese Bemühungen, kann aber keine Erklärung für sie vorbringen. Dass die Zeuginnen ihren Bemühungen nicht mit Gewalt zum Erfolg verholfen haben, beweist nicht, dass solche nicht stattgefunden hätten, selbst wenn es Gelegenheiten zu einer gewaltsamen Befreiung von A.________ gab. Unerklärbar wäre auch, warum sich A.________ während drei Stunden bei einer Frau hätte aufhalten wollen, mit der er unbestrittenermassen Konflikte hatte. Wenn das Obergericht schreibt, der Polizist Q.________ habe die Beschwerdeführerin ersucht, den Knaben freizulassen, mag diese Zusammenfassung des protokollierten Gesprächs missverständlich sein. Der Polizist konnte am Telephon natürlich nicht beurteilen, ob die Beschwerdeführerin A.________ tatsächlich festhielt. Deren Angaben und Fragen veranlassten ihn jedoch dazu, sie darauf hinzuweisen, dass sie den Knaben nicht gegen dessen Willen festhalten dürfe. Er erklärte ihr, dass ein solches Festhalten auch nicht bis zum Eintreffen des Vaters des Knaben zulässig wäre, wie die Beschwerdeführerin meinte. Dies durfte das Obergericht als ein Indiz dafür ansehen, dass die Beschwerdeführerin den Knaben erst dessen Vater zurückgeben wollte. Genau diese Absicht soll die Beschwerdeführerin gemäss dem Protokoll der obergerichtlichen Verhandlung vor den Schranken bestätigt haben. Selbst wenn es sich dabei um einen Fehler im Protokoll handeln sollte, so hat die Beschwerdeführerin doch auch schon am 14. Januar 1998 vor dem Amtsstatthalteramt ausgesagt, sie habe Frau Y.________ gesagt, sie wolle ihren Gatten sprechen und dieser könne A.________ abholen. bb) Die zahlreichen Argumente, welche die Beschwerdeführerin gegen die Glaubwürdigkeit einzelner Aussagen der sie belastenden Zeuginnen vorbringt, betreffen nicht die entscheidwesentliche Frage, ob A.________ gegen dessen Willen festgehalten wurde. Angesichts des Vorstehenden können sie auch nicht ernsthafte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen von A.________, seiner Mutter und von Z.________ im entscheidenden Punkt aufkommen lassen. Dass Z.________ durch die Balkontür den laufenden Fernseher nicht gehört habe, schliesst entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht aus, dass Frau Y.________ später die Hilferufe von A.________ gehört haben soll. Auch die übrigen gegen die Richtigkeit einzelner Aussagen der Zeuginnen Y.________ und Z.________ vorgebrachten Argumente sind nicht stichhaltig. So kann W.________, auch wenn sie keinen Hausschlüssel gehabt haben sollte, den Einlass der beiden Zeuginnen entsprechend ihrer Aussage auch ermöglicht haben, indem sie eine andere Hausbewohnerin dazu aufforderte. Frau Y.________ behauptet nicht, auf dem Balkon der Beschwerdeführerin gewesen zu sein, als A.________ das Entweichen gelungen sei, sondern zu einem früheren Zeitpunkt. Ihre Aussage, immer auf dem Balkon gewesen zu sein, bezieht sich offensichtlich auf diesen früheren Zeitpunkt. Die Beschwerdeführerin wirft dem Obergericht vor, ohne Grundlage in den Akten zu behaupten, sie habe zugegeben, von Frau Y.________aufgefordert worden zu sein, A.________ herauszugeben. So durfte das Obergericht jedoch ihre Aussage zusammenfassen, Frau Y.________ habe sie gefragt, ob A.________ gefesselt sei, und ihr gesagt, er solle sich befreien. Es ist schliesslich unerheblich, ob und wie oft das Telephon bei der Beschwerdeführerin läutete, während A.________ bei ihr war. Ein telephonischer Kontakt fand jedenfalls unbestrittenermassen statt. Aus diesem konnte die Beschwerdeführerin schliessen, dass Frau Y.________ die Rückkehr ihres Sohnes verlangte und annahm, dieser werde gegen seinen Willen festgehalten. Überdies schliesst die Tatsache, dass die neue Telephonnummer der Beschwerdeführerin nicht auf der Klassenliste der Schule stand, nicht aus, dass diese Frau Y.________ dennoch bekannt war. Die Beschwerdeführerin hat am 14. Januar 1998 im Übrigen selbst ausgesagt, sie wisse nicht, ob am fraglichen Tag der bekannte Büroanschluss ihres Mannes auf denjenigen ihrer Wohnung umgestellt gewesen sei.