Citation: H 8/06 22.06.2006 E. 4

Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Schadenersatz zu leisten hat. Dabei bestreitet dieser weder den Schaden in masslicher Hinsicht noch seine Organstellung. Hingegen macht er Entlastungs- und Rechtfertigungsgründe geltend. 4.1 Wie die Vorinstanz verbindlich festgestellt hat (vgl. Erw. 2.1 hievor), kam die konkursite Gesellschaft den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen nur unvollständig nach. Die ab Februar 2002 geschuldeten Beiträge zuzüglich Verwaltungskosten, Mahngebühren, Betreibungskosten sowie Verzugszinsen in der Höhe von Fr. 140'238.60 wurden nicht mehr entrichtet. Bereits ab Juli 2000 musste die Gesellschaft gemahnt und betrieben werden. Bis Oktober 2001 ging die Ausgleichskasse noch Abzahlungsvereinbarungen mit der Gesellschaft ein, danach gewährte sie keine Zahlungsaufschübe mehr. Damit verstiess die Gesellschaft gegen die - in masslicher Hinsicht unbestrittene - Beitragszahlungspflicht und missachtete Vorschriften im Sinne von Art. 52 AHVG. Streitig und zu prüfen ist, ob das kantonale Gericht dieses Verschulden zu Recht dem Beschwerdeführer, seines Zeichens zunächst Delegierter, dann einzelzeichnungsberechtigter Präsident des Verwaltungsrates der Gesellschaft, der nach Lage der Akten auch die Korrespondenz mit der Ausgleichskasse betreffend Beitragsausstände führte, als grobfahrlässiges Verhalten angerechnet hat. 4.2 Die Vorinstanz erwog, angesichts des erst im zweiten Halbjahr 2002 erstellten und von der Revisionsstelle bemängelten Jahresabschlusses 2001 auf Grund festgestellter Überbewertungen sowie Überschuldung gemäss Bilanz 2001 sei erhöhte Aufmerksamkeit aller Organe, insbesondere des Verwaltungsratspräsidenten, dem die operative Führung des Unternehmens oblag, geboten gewesen. Es sei seit mindestens 2000 ein konkursreifes Unternehmen weitergeführt worden, woran auch der Umstand des Personalabbaus per 2002 nichts zu ändern vermöge. Die ins Feld geführten Sanierungslösungen müssten als ungeeignet und als zu spät in Aussicht genommen betrachtet werden. 4.3 Der Beschwerdeführer räumt zwar ein, die Gesellschaft sei überschuldet gewesen und habe einer erhöhten Aufmerksamkeit aller Organe bedurft, diese sei jedoch wahrgenommen und insbesondere seien Massnahmen zur Sanierung der Gesellschaft getroffen worden. Er macht im Wesentlichen erneut geltend, Y.________, dem im August 2002 das Amt als einziger Verwaltungsrat der Gesellschaft übertragen worden sei, sei für das Scheitern der Sanierungsbemühungen verantwortlich. Es seien Verkaufsverhandlungen geführt worden, die per Juli 2002 für den Bereich Baustellen zum Erfolg geführt hätten. Für das Werk habe Y.________ die Garantie abgegeben, die notwendigen liquiden Mittel zur Verfügung zu stellen. Zudem sei die notwendige Liquidität immer wieder durch die Firma G.________ AG als Muttergesellschaft der Firma L.________ AG sichergestellt worden, weshalb auch die Revisionsgesellschaft die Jahresrechnungen trotz hohen Verlusten akzeptiert habe. Nur die eingeleiteten Massnahmen hätten das Unternehmen längerfristig sanieren können. Das Risiko einer kurzfristigen Nichtbezahlung der Sozialversicherungsbeiträge habe vor dem Hintergrund einer langfristigen Sanierung der Gesellschaft vernachlässigt werden können, weil er der begründeten Meinung gewesen sei, die ausstehenden Beiträge ohne weiteres und innert nützlicher Frist bezahlen zu können. Dies sei erst durch die Aktivitäten des Y.________ zunichte gemacht worden.