Citation: 6B_402/2022 E. 3.3

3.3. Die Vorinstanz erwägt, die Anforderungen für die Entschuldbarkeit der Aufregung oder Bestürzung des Beschwerdeführers seien eher hoch anzusetzen, da der Beschwerdeführer dem Beschwerdegegner 2 mit einer Salve wuchtiger Schläge schwere Verletzungen zugefügt und ihn dadurch letztlich in eine lebensbedrohliche Situation versetzt habe. Der Beschwerdeführer sei sicherlich aufgeregt oder bestürzt gewesen. Diese Aufregung sei jedoch weitgehend durch das mehrfache Onanieren des Beschwerdegegners 2 bedingt gewesen. Der Beschwerdeführer habe sich dadurch veranlasst gefühlt, den Beschwerdegegner 2 aus nächster Nähe in einer körperlichen Distanz von ca. 70 cm aufzufordern, damit aufzuhören, da er sich sexuell belästigt gefühlt habe. Das vom Beschwerdeführer akribisch beschriebene Verhalten, wonach er sich genau überlegt habe, was er nun dem Beschwerdegegner 2 sage, damit dieser aufhöre, relativiere die Aufregung oder Bestürzung des Beschwerdeführers in entscheidendem Masse. Es sei als lebensfremd zu erachten, dass jemand, der angebe, er habe Angst um sein Leben, sich aus einer sicheren Lage, in Kenntnis, dass die Polizei bald kommen sollte, ca. 70 cm, mithin in nächster Distanz, vor dem potentiellen Angreifer positioniere, um ihm freundlich und mit Respekt die Meinung zu sagen. Die vom Beschwerdeführer behauptete Angst um sein Leben aufgrund der drohenden Packbewegung erscheine als sehr übertrieben dargestellt und sei als Schutzbehauptung zu erachten. Vielmehr sei von einer niedrigeren emotionalen Betroffenheit auszugehen, weitgehend bedingt durch die Bestürzung aufgrund des vorausgegangenen Onanierens des Beschwerdegegners 2. Eine entschuldbare Betroffenheit im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB sei zu verneinen.