Citation: M 4/01 13.09.2002 E. A

A.a Der 1950 geborene W.________ stürzte am 9. Mai 1994 während eines Zivilschutzkurses eine Treppe hinunter und schlug dabei mit dem Nacken auf. Der Kursarzt, Dr. med. A.________, stellte gleichentags eine Druckdolenz des 7. Halswirbels (Vertebra prominens), eine Myogelose der Halsmuskulatur links und einen Tinnitus links fest. Dr. med. S.________ diagnostizierte ein posttraumatisches Cervicocephalsyndrom sowie eine Contusio thoracis links. Ab dem Unfallzeitpunkt bis "ca. Pfingsten 94" (22. Mai 1994) attestierte er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Anmeldung an die Militärversicherung [MV] vom 13. Mai 1994). In seinem Arztbericht vom 4. Juli 1994 stellte Dr. S.________ die Diagnose einer Kontusion von Kopf und Nacken und bescheinigte eine Arbeitsunfähigkeit von 66% ab dem 24. Mai 1994 bis auf unbestimmte Zeit. In der Folge klagte W.________ über verschiedene Beschwerden wie Schwindelgefühle, Tremor, Tinnitus, Kopfschmerzen, Sprechstörungen und Merkfähigkeitsstörungen. Dr. med. B.________ vom Spital X.________ führte eine neurologische Abklärung durch und erachtete den Patienten als depressiv. Zudem leide er an multiplen neurovegetativen Beschwerden inklusive Kopfschmerzen (Arztbericht vom 4. August 1994). Bei einer neuropsychologischen Untersuchung am Spital X.________ stellten Dr. med. T.________ und C.________, Klinischer Psychologe, eine motorische Koordinationsstörung fest. Weiter hielten die Experten Teilleistungsschwächen fest, vor allem im sprachlichen und analytischen Bereich, mit denen der vom Patienten vor allem links wahrgenommene Kopfschmerz gut korrespondiere, wobei aber die ätiologische Begründung sowie die Lokalisation der Probleme im Zentralnervensystem schwierig sei (Untersuchungsbericht vom 30. November 1994). Dr. med. R.________ vom Spital X.________ diagnostizierte am 1. Februar 1995 eine neurovegetative Dystonie mit Tremor, Hyperhydrosis, Spannungskopfschmerzen und Orthostase bei Status nach Sturz auf den Hinterkopf. Am 2. November 1995 erstattete Dr. med. Q.________ von der Psychiatrischen Klinik Y.________ ein psychologisches Gutachten. Zur Diagnose führte er aus, es lägen "am ehesten" eine unspezifische somatoforme Schmerzstörung sowie Spannungskopfschmerzen vor. Das Unfallereignis sei "nicht adäquat" gewesen, irgendwelche zentralnervöse oder muskuloskelettale Folgen zu hinterlassen. Der Unfall dürfte vorübergehend zu einer Schmerzsymptomatik geführt haben, aus der eine unspezifische somatoforme Störung entstanden sei, die aber in ihrem Ausmass so sei, dass unfallfremde Faktoren angenommen werden müssten, ohne dass diese ausreichend belegt werden könnten. Die Frage der MV nach dem Ausmass der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit wurde nicht beantwortet, hingegen eine kausale Beziehung zwischen dem Unfall und der Arbeitsunfähigkeit in Zweifel gezogen. In einer ergänzenden Stellungnahme vom 15. Dezember 1995 stellte Dr. med. Q.________ klar, dass seiner Meinung nach aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Der behandelnde Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Dr. med. D.________, bezeichnete in seinem ärztlichen Bericht vom 8. Dezember 1995 den Umfang der Arbeitsunfähigkeit als schwierig einzuschätzen und bezifferte ihn auf 50% seit dem 1. September 1995 bis auf weiteres. Auf Ersuchen der MV nahm die IV-Stelle Thurgau im Jahre 1995 berufsberaterische Tätigkeiten auf. Mit Hilfe der MV fand W.________ ab dem 3. Juni 1996 bei der Firma O.________ AG eine Beschäftigung als Service-Techniker, welche ab 1997 zu einer festen Anstellung führte. In einer ersten versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 5. März 1996 schrieb Dr. med. K.________ vom Chefärztlichen Dienst des Bundesamtes für Militärversicherung: "Die zur Festlegung der Arbeitsunfähigkeit dieses Patienten erforderlichen medizinischen Angaben liegen nicht vor." A.b Mit Verfügung vom 11. Juli 1997 sicherte das Bundesamt für Militärversicherung, MV-Sektion 5 St. Gallen, W.________ zu, die MV übernehme die durch den Unfall verursachten Kosten für die berufliche Wiedereingliederung. Zudem sprach es eine befristete Invalidenrente zu. Die Bezugsdauer wurde am 26. Januar 1998 um ein Jahr verlängert. Die Psychotherapie bei Dr. med. D.________ konnte am 27. Juni 1998 abgeschlossen werden (Bericht vom 30. Juni 1998). Auf den 30. April 1999 verlor W.________ seine Arbeitsstelle. Die Kündigung wurde aus wirtschaftlichen Gründen ausgesprochen (Restrukturierung). W.________ geht seither keiner Erwerbstätigkeit mehr nach. A.c Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens und weiteren Untersuchungen durch Dr. med. U.________ an der Neurologischen Klinik des Spitals Z.________, welche therapieresistente chronische Spannungstyp-Kopfschmerzen bei erheblichen posttraumatischen Folgeschäden und typische Persönlichkeitsveränderungen bzw. Schmerzverhalten posttraumatischer Natur erkennen liessen (fachärztliche Beurteilung vom vom 7. Mai 1999 und ergänzendes Schreiben vom 3. August 1999), sprach die MV W.________ mit Verfügung vom 10. September 1999 eine Invalidenrente von 30% mit Wirkung ab 1. Januar 1999 zu. A.d Dagegen erhob W.________ Einsprache und beantragte medizinische Massnahmen zur Wiederherstellung des Zustandes vor dem Unfall, vollen Lohnausgleich mit Anpassung an die Lohn- und Preisentwicklung und Indexierung der Rente, berufliche Wiedereingliederungsmassnahmen, "Regelung der AHV und der Pensionskasse" sowie die rückwirkende Regelung der Kinderzulagen ab dem Zeitpunkt des Unfalles. Auf Zuweisung hin durch den Hausarzt von W.________, Dr. med. S.________, nahm Dr. med. M.________, Neurologie FMH, Abklärungen wegen eines Verdachtes auf Polyneuropathie vor. Der Verdacht konnte nicht erhärtet werden. Dr. M.________ erachtete die Kopfschmerzen als weiterhin ungeklärt und wies auf ihren Spannungscharakter sowie eine funktionelle Überlagerung durch eine ängstlich-depressive Stimmungslage hin. Zudem hielt er einen ausgeprägten Schmerzmittel-Abusus fest (ärztliche Berichte vom 20. und 21. September 1999). Die MV (Rekurs- und allgemeine Rechtsdienst II des Bundesamtes für Militärversicherung) überwies das Dossier zur versicherungsmedizinischen Beurteilung an den Chefärztlichen Dienst. In seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 28. Oktober 1999 legte Dr. med. K.________ dar, dass es schwierig sei, das Ausmass der medizinisch-theoretischen Arbeitsunfähigkeit festzulegen. Die von der MV-Sektion 5 ermittelte Invalidität von 30% erscheine jedoch aus medizinischer Sicht vertretbar. Mit Einspracheentscheid vom 25. Januar 2000 wies die MV die Einsprache ab, soweit darauf eingetreten werden konnte.