Citation: 2C_81/2023 E. 8.3.3

8.3.3. Durch den Informationsaustausch sahen sich die Beschwerdeführerinnen somit in ihrer Geschäftspolitik zumindest bestärkt und sie reduzierten mit ihrer Mitteilung die Ungewissheit über ihr Verhalten für die anderen Mitglieder des "L1.________". Überdies hatten die Beschwerdeführerinnen fortan die Gewissheit, dass sich die anderen Mitglieder gleich verhalten werden. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von den Beschwerdeführerinnen eine aktive Distanzierung vom Informationsaustausch betreffend die Treibstoffzuschläge verlangte, aber im bundesrechtskonform ermittelten Sachverhalt eine solche nicht erkannte (vgl. E. 11.4.2 des angefochtenen Urteils; vgl. auch Urteil des EuG T-324/17 vom 30. März 2022 Rz. 363, wonach "zu beachten [ist], dass ein Unternehmen, wenn es solche Informationen erhält, ohne sich offen von der in Rede stehenden Initiative zu distanzieren oder sie bei den Verwaltungsbehörden anzuzeigen, die Fortsetzung der Zuwiderhandlung begünstigt und ihre Entdeckung verhindert"; Urteil 2C_64/2023 vom 26. November 2024 E. 8.4.1). Der Hinweis der Beschwerdeführerinnen, sie hätten die Mitglieder des "L1.________" gelegentlich auch wegen "unangemessener Diskussionen über Zuschläge und Preise" gerügt, ist entgegen ihrer Ansicht jedenfalls nicht als aktive Distanzierung vom Informationsaustausch über die Treibstoffzuschläge zu werten, zumal sich diese Rüge auf die vorliegend nicht massgebenden Frachtraten bezogen hat. Angesichts des Umstands, dass - wie im Wettbewerbsrecht generell (vgl. BGE 139 I 72 E. 8.3.2; Urteil 2C_561/2022 vom 23. April 2024 E. 10.4.3.1) - auch bei Abreden die Anforderungen an die Beweise nicht zu hoch sein dürfen (vgl. BGE 147 II 72 E. 3.4.4; 144 II 246 E. 6.4.4), ist das angeführte Beweisergebnis für den Nachweis einer tatsächlich umgesetzten Abstimmung ausreichend. Der Austausch über die Treibstoffzuschläge zwischen den zueinander in einem horizontalen Konkurrenzverhältnis stehenden Mitgliedern des "L1.________" im Rahmen der Treffen erfüllt damit den ersten Teil des Tatbestands von Art. 8 Abs. 1 (1. Teilsatz) LVA in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 (1. Teilsatz) KG.