Citation: 1C_421/2023 E. 4.3.3

4.3.3. Das ursprüngliche Bauprojekt (Abbruch der bestehenden Wohnhäuser und Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern mit total acht Wohneinheiten, einer Autoeinstellhalle mit 16 Plätzen und zwei offenen Parkplätzen, Neugestaltung der Umgebung) wurde von der Beschwerdegegnerschaft im September 2017 eingereicht. Im Nachgang an das kantonsgerichtliche Urteil vom 14. April 2020 wurde das überarbeitete Baugesuch am 27. August 2020 eingereicht. Abgesehen von den aufgrund des ersten Entscheids notwendigen Anpassungen (Einhaltung des geschützten Gewässerraums) blieb das Bauprojekt inhaltlich gleich. Das zweite Baugesuch, welches sieben Monate vor der öffentlichen Auflage der revidierten Bau- und Zonenbestimmungen eingereicht wurde, entspricht demnach hinsichtlich Masse, Volumen, Grundrisse, Gestaltung und Materialisierung grossteils dem ersten Gesuch, welches über fünf Jahre zuvor eingereicht wurde. Bei den seit ihrer öffentlichen Auflage als Planungszone geltenden neuen Bau- und Nutzungsvorschriften (§ 85 Abs. 2 PBG/LU) handelt es sich nicht um definitiv gültiges neues Recht. Im Zeitpunkt des ersten Baugesuchs vom September 2017 bzw. der ersten Baubewilligung vom 17. September 2018 lag die Teilrevision der kommunalen Nutzungsplanung bzw. Bau- und Nutzungsordnung noch in weiter Ferne. Im Zeitpunkt des zweiten Baugesuchs vom 27. August 2020 und der Baubewilligung vom 21. März 2022 stand die öffentliche Auflage der revidierten Nutzungsplanung immer noch aus. Auch wenn die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer keinen Anspruch darauf haben, dass die baulichen Nutzungsmöglichkeiten dauernd bestehen bleiben, sollen sie mit Blick auf den Grundsatz der Rechtssicherheit bei der Ausarbeitung eines Bauprojekts grundsätzlich auf geltende und auf voraussehbare künftige Vorschriften abstellen können. Die Vorinstanz anerkannte das Interesse an der sofortigen Wirkung der revidierten Bau- und Nutzungsordnung als relevantes öffentliches Interesse. Wie sie jedoch willkürfrei erwog und von den Beschwerdeführenden nicht substanziiert bestritten wird, verstösst das Bauvorhaben nicht gegen gewichtige neu geregelte Umweltbelange oder Grundsätze der Raumplanung. Die Vorinstanz ist nicht in Willkür verfallen, wenn sie in der vorliegenden Situation den privaten Interessen der Beschwerdegegnerschaft ein erhebliches Gewicht beimass, das nur aufgewogen werden könnte, soweit besondere öffentliche Anliegen in Frage stünden (vgl. auch BGE 118 Ia 510 E. 4). Sie durfte bei der gegebenen Sachlage ein vorrangiges öffentliches Interesse an der Anwendung der neuen Bau- und Zonenordnung bzw. das Vorliegen qualifizierter öffentlicher Interessen an der Einhaltung neurechtlicher Messweisen willkürfrei verneinen. Darüber, ob eine sofortige Anwendung der revidierten Bau- und Nutzungsordnung und die damit verbundenen baulichen Einschränkungen mit der Eigentumsgarantie und dem Anspruch auf Vertrauensschutz der Beschwerdegegnerschaft vereinbar wäre, ist in der vorliegenden Konstellation nicht zu befinden.