Citation: 6B_429/2023 E. 4.5.2

4.5.2. Für den Zeitraum von September 2016 bis Juli 2018 schliesst die Vorinstanz, ohne in Willkür zu verfallen, von den fehlenden Umsätzen und den erhöhten Los-Aktivierungen auf die Täterschaft der Beschwerdeführerin. Der Verdacht darauf entstand nachvollziehbar erst im Zuge der Nachführung der Buchhaltung und der Prüfung der dabei von der neuen Buchhalterin entdeckten Unstimmigkeiten, die auf Fehlbeträge bezüglich der Lose der C.________ zurückzuführen waren. Erst nachdem die Buchhalterin daraufhin ab April 2018 die aktivierten und die sich im Tankstellenshop befindlichen Lose verglichen hatte, konkretisierte sich der Verdacht gegenüber der Beschwerdeführerin, da fehlende Lose und Mehrfachaktivierungen jeweils in ihren Schichten vorkamen. Es ist daher - vor dem Hintergrund, dass von ihr aktivierte, nicht bezahlte Lose bei der Beschwerdeführerin zuhause sichergestellt wurden - nicht nur plausibel, sondern naheliegend und nachvollziehbar, dass die Vorinstanz aufgrund der festgestellten Fehlbeträge betreffend die Lotterielose zum Schluss kommt, die Beschwerdeführerin habe diese bereits vor Juli 2018 nach einem gleichen "modus operandi" entwendet und die Gewinne eingelöst. Dieser Schluss ist insbesondere deshalb nicht unhaltbar, da die Fehlbeträge in der Buchhaltung in der festgestellten Höhe aufgrund der Aktivierungserhöhung im Deliktszeitraum nicht anders als durch Wegnahme der Lose im Shop ohne Bezahlung und spätere Einlösung der Gewinne erklärt werden können. Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin den Basiskurs der C.________ erst am 14. März 2016 besuchte, sind die Schlussfolgerungen der Vorinstanz in der Gesamtschau nicht zu beanstanden und erklärt dies, weshalb die Anzahl der Aktivierungen trotz ihrer Anstellung seit Februar 2014 erst ab September 2016 markant angestiegen sind. Entsprechendes gilt in Bezug auf die vorinstanzliche Feststellung gestützt auf die Tabelle im Ausführungsbericht der Kantonspolizei Wallis, dass sich erst durch die Verhaftung bzw. die Entlassung der Beschwerdeführerin die Aktivierungszahlen wieder in den Normalbereich eingependelt hätten. Im angeklagten Zeitraum seien die Aktivierungen in keinem einzigen Monat auf den durchschnittlichen Wert der Vor- und Nachperiode gesunken. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz ist auch nicht deshalb unhaltbar, weil sie von Privatpersonen in das Verfahren eingebrachte Beweise berücksichtigt. Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 Abs. 1 StPO) begründet kein staatliches Monopol für Beweiserhebungen im Strafverfahren. Eigene Ermittlungen der Parteien oder der anderen Verfahrensbeteiligten sind zulässig, soweit sie sich darauf beschränken, Be- oder Entlastungsmaterial beizubringen und entsprechende Beweise zu offerieren (Urteil 6B_301/2022 vom 26. August 2022 E. 2.2.2 mit Hinweisen).