Citation: 4A_293/2023 E. 4.3.1

4.3.1. Die Rüge ist unbegründet. Die Beschwerdeführerin macht im Einzelnen geltend, sie habe in den Ziffern 33 bis 42 ihres Gesuchs (das sie in ihrer Beschwerde ausführlich zitiert) dargelegt, weshalb ihr Beweismittel, nämlich eine Begutachtung ihres Gesundheitszustands, gefährdet sei. Sie beschränkt sich dabei über weite Strecken auf Ausführungen allgemeiner Natur, indem sie namentlich geltend macht, eine Beweisgefährdung könne in den Fällen vorliegen, in denen die Versicherte vor einer möglichen gerichtlichen Begutachtung ihre (vollständige) Arbeitsfähigkeit zurück erlangt habe und nur unzureichende echtzeitliche Wahrnehmungen existierten. Weiter macht sie geltend, bei psychischen Beeinträchtigungen dürfte die Beweiskraft retrospektiver Begutachtungen gegenüber echtzeitlichen immer reduziert sein. Wenn die Vorinstanz erwog, Ärzte hätten regelmässig rückwirkend den Gesundheitszustand bzw. die Arbeitsfähigkeit von Versicherten zu beurteilen und der zu beurteilende Sachverhalt liege lediglich wenige Monate zurück bzw. es sei der Sachverhalt im Zeitpunkt der Beurteilung festzustellen, hat sie sich sehr wohl mit den Ausführungen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und diese verworfen; eine sachgerechte Anfechtung war jedenfalls ohne Weiteres möglich (vgl. hiervor E. 3). Auch vermag die Beschwerdeführerin nicht darzutun, dass die Vorinstanz mit diesen Ausführungen in Willkür verfallen wäre, zumal sie in ihrer Beschwerde selbst Urteile des Bundesgerichts zitiert, in denen eine retrospektive Begutachtung gerade nicht als ausgeschlossen erachtet wurde (vgl. Urteile 4A_255/2019 vom 20. Dezember 2019 E. 6.3.5; 4A_66/2018 vom 15. Mai 2019 E. 2.6.2). Nichts für sich ableiten kann die Beschwerdeführerin auch aus dem Urteil 4A_247/2020 vom 7. Dezember 2020 E. 5.2. In diesem Urteil lehnte die dortige Vorinstanz die Einholung des von der Versicherten beantragten Gerichtsgutachtens über deren Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung mit der Begründung ab, das Gerichtsgutachten könne " zu einem späteren Zeitpunkt eingeholt werden ". Dies obwohl die Versicherung dem Antrag zugestimmt hatte. Im späteren Verfahren holte sie das beantragte Gerichtsgutachten dann aber doch nicht ein, sondern verzichtete darauf in antizipierter Beweiswürdigung, obwohl ihr nur Parteibehauptungen (namentlich echtzeitliche Arbeitsunfähigkeitsatteste) und keine (eigentlichen) Beweismittel vorlagen (zit. Urteil 4A_247/2020 E. 5.2). Die Problematik lag somit in der beschriebenen Kombination des vorinstanzlichen Vorgehens. Zudem unterscheidet sich das zitierte Urteil 4A_247/2020 auch insoweit, als nicht ersichtlich ist, dass dort die Versicherte ihren Mitwirkungspflichten ebenfalls nicht nachgekommen wäre (vgl. dazu auch hiernach E. 4.5).