Citation: 8C_780/2009 16.04.2010 E. 3.2

3.2.1 Es steht mit Blick auf die im angefochtenen Entscheid zitierte Rechtsprechung fest, dass ein unfallbedingter Gesundheitsschaden mit den durchgeführten umfangreichen bildgebenden/apparativen Methoden organisch nicht objektiviert werden konnte, woran die in der Vernehmlassung des Beschwerdegegners vorgebrachten Argumente nichts ändern. Entgegen den Ausführungen der Zürich lagen aber unmittelbar nach dem Unfall klinisch klar fassbare Unfallfolgen vor. So stellte das Spital X.________ am 17. April 2002 unter anderem Verspannungen und Beweglichkeitseinschränkungen der HWS fest (Bericht vom 27. Juni 2002). Es handelte sich mithin nicht nur im Wesentlichen um die Wiedergabe subjektiv empfundener Angaben zu Kopf- und Nackenschmerzen (vgl. Bericht vom 19. April 2002). Wohl bestätigte das Spital X.________ keine Arbeitsunfähigkeit, schloss aber explizit eine Beschwerdeprogredienz nicht aus und anerbot sich, den Versicherten gegebenenfalls weiter zu behandeln (Bericht vom 19. April 2002 an den damaligen Hausarzt Dr. med. S.________, Spezialarzt für Innere Medizin FMH). Davon sah der Beschwerdegegner ab und zog stattdessen zunächst seine Tochter, die Spezialärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten ist (vgl. Bericht des Dr. med. M.________ vom 10. Mai 2007), zu Rate, was auch in Anbetracht des von der Zürich geltend gemachten Umstands, dass diese ihre Leistungen offenbar nicht abrechnete, glaubhaft erscheint. Aus dem Fehlen echtzeitlicher Dokumente für die Periode vom 18. April bis 7. August 2002 kann daher nicht ohne weiteres auf ein beschwerdefreies Intervall geschlossen werden. Dagegen spricht zudem, dass die späteren ärztlichen Unterlagen ein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bei der Auffahrkollision vom 17. April 2002 durchgemachtes HWS-Schleudertrauma oder einer äquivalenten Verletzung erkennen lassen. Die Zürich hat denn auch die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung; Taggeld) gestützt auf eine Unfallmeldung des Versicherten vom 4. Juni 2002 erbracht. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass der Versicherte jedenfalls initial an einem für ein Schleudertrauma typischen Beschwerdebild mit konsekutiver Arbeitsunfähigkeit litt, weshalb für dessen Wegfall die Zürich die Beweislast zu tragen hat (vgl. RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 [Urteil U 355/98 vom 9. September 1999 E. 2], 1994 Nr. U 206 S. 328 [Urteil U 180/93 vom 18. Juli 1994 E. 1 und 3b mit Hinweisen]). 3.2.2 Hinsichtlich der beschwerdeweise geltend gemachten, vor dem Unfall vom 17. April 2002 bestandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdegegner nie an Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen litt. Anhaltspunkte dafür ergeben sich weder aus der von der Zürich eingeholten Krankengeschichte bei Dr. med. S.________, noch den fremdanamnestischen Angaben der Ehefrau (vgl. neuropsychologischer Bericht des Spitals Y.________ vom 18. und 27. Januar 2006) oder der langjährigen Sekretärin des Versicherten (vgl. Bericht der behandelnden Frau Dr. phil. U.________, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, vom 10. April 2003). Vielmehr betrieb der Versicherte während Jahrzehnten erfolgreich ein Unternehmen im graphischen Gewerbe. Die um das Jahr 2000 eingetretene Verschlechterung des Geschäftsganges war nicht Folge einer affektiv und kognitiv verminderten Leistungsfähigkeit des Firmeninhabers, sondern der veränderten Wirtschaftslage (vgl. dazu die von der Motorfahrzeughaftpflichtversicherung bei der Treuhand H.________ bestellte betriebswirtschaftliche Analyse der D.________ AG vom 23. März 2005). Wohl hielt Dr. med. S.________ in der Krankengeschichte Existenzängste und depressive Phasen (vgl. Einträge vom 16. Januar 2001 und 1. März 2002) fest; eine psychiatrische Abklärung und Therapie oder auch nur die Verordnung antidepressiv wirkender Medikamente waren aber offenbar nicht notwendig. Die weitere Annahme der Zürich, es hätten Folgen früherer Unfälle mitgewirkt, ist mangels konkreter Anhaltspunkte spekulativ. Sie übersieht überhaupt, dass die Gutachter des medizinischen Zentrums A.________ nicht eine Depression und deren Folgen, sondern ein organisches Psychosyndrom (ICD-10: F07.2) mit deutlichen neuropsychologisch feststellbaren Einschränkungen diagnostizierten (Gutachten vom 10. Mai 2005), allerdings ohne dessen Ätiologie genau eruieren zu können. Deshalb empfahlen sie die vom Neurologen Dr. med. M.________ weiter veranlassten und von ihm teilweise selbst vorgenommenen klinischen und radiologischen Untersuchungen, mit welchen eine unfallfremde Demenz ausgeschlossen werden konnte; in Betracht fiel als Ursache der neuropsychologischen Beeinträchtigungen einzig eine "Contre-coup-Läsion", mithin eine traumatisch bedingte Hirnverletzung (Berichte des Spitals Y.________ vom 18. und 27. Januar 2006 sowie des Dr. med. M.________ vom 13. Dezember 2005 und 10. Mai 2007). Diesem Ergebnis pflichteten die Gutachter des medizinischen Zentrums A.________ mit der Bemerkung bei, es sei nunmehr davon auszugehen, dass die neuropsychologischen Defizite mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Folge des Unfalles vom 17. April 2002 sind (Bericht vom 15. Februar 2006). Angesichts dieser Unterlagen erscheinen die weiteren Vorbringen der Zürich wenig stichhaltig. Dr. med. M.________ legte in der Stellungnahme vom 10. Mai 2007 überzeugend dar, dass - abgesehen davon, wie heftig der Kopfanprall an die Nackenstütze gewesen sein mag - für die Annahme eines postcommotionellen Syndroms eine Bewusstlosigkeit nicht vorausgesetzt sei; auf der anderen Seite spreche auch ein ungünstiger Heilverlauf nicht dagegen. Weiter haben die Gutachter des medizinischen Zentrums A.________ entgegen der Auffassung der Zürich die Frage nach der Unfallkausalität der neben dem psychoorganischen Syndrom bestehenden somatischen Erkrankungen beantwortet, indem sie "die Kombination eines chronischen Schmerzsyndroms mit deutlicher neuropsychologischer Einschränkung" dem Unfall vom 17. April 2002 zuordneten (Gutachten vom 10. Mai 2005 und Zusatzbericht vom 15. Februar 2006). Unbehelflich ist schliesslich der Hinweis auf den bereits vor dem Unfall bestandenen Tinnitus beidseits, der ohnehin keinen Krankheitswert hatte (vgl. Berichte des Dr. med. F.________, Spezialist FMH für Otho-Rhino-Laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, vom 10. September 2002; Institut für Radiologie des Spitals Z.________ vom 26. August 2002). 3.2.3 Insgesamt ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner auch nach dem 1. Mai 2007 an einer die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden, radiologisch zwar nicht objektivierbaren, klinisch aber fass- und überprüfbaren typischen Symptomatik eines HWS-Schleudertraumas oder äquivalenter Verletzung litt. Eine davon zu unterscheidende, ausgeprägte psychische Problematik ist entgegen den Vorbringen der Zürich nicht ersichtlich, weshalb das kantonale Gericht den adäquaten Kausalzusammenhang zutreffend nach den Regeln der sog. Schleudertraumapraxis (vgl. BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.) überprüft hat.