Citation: 9C_527/2024 E. 4.1

4.1. Die IV-Stelle kritisiert sodann, das kantonale Gericht habe ausser Acht gelassen, dass der medizinisch-psychiatrischen Folgeabschätzung die rechtliche Massgeblichkeit versagt werden müsse, wenn ein psychiatrischer Sachverständiger - wie Dr. med. B.________ in seinem Gutachten vom 9. Mai 2022 - ohne schlüssige Erklärung die Arbeitsfähigkeit als vollständig eingeschränkt erachte. Damit habe es Bundesrecht verletzt (Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 6 ff. ATSG, insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG). Statt bei der Beurteilung des Leistungsanspruches festzustellen, dass der Versicherte analog zur allgemeinen Beweislastregel des Art. 8 ZGB die Folgen zu tragen habe, wenn sich der entsprechende Nachweis nicht erbringen lasse, und einen Rentenanspruch zu verneinen, habe die Vorinstanz eine weitere Bundesrechtsverletzung dadurch begangen, dass sie mit der Einholung eines Gerichtsgutachtens den Untersuchungsgrundsatz überdehnt und gegen den Grundsatz der Verfahrensökonomie verstossen habe. Das Administrativgutachten habe seinen Beweiswert nicht dadurch verloren, dass der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung die rechtliche Massgeblichkeit abgesprochen worden sei. Eine durch ein Gerichtsgutachten zu schliessende Abklärungslücke habe nicht vorgelegen.