Citation: 8C_520/2019 E. 3.2

3.2. Die Gutachter der ABI stellten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende, leichte bis mittelgradige depressive Episode, sowie eine erhöhte Tagesschläfrigkeit, multifaktoriell bedingt bei schwerem obstruktivem Schlafapnoesyndrom, neu diagnostiziert und bisher unbehandelt, bei einer Differentialdiagnose Co-Faktoren post stroke fatigue, psychogene Störung sowie bei einem normalen Resultat im multiplen Schlaflatenz-Test fest. In der interdisziplinären medizinischen Beurteilung führten sie aus, dass die Evaluation der Hauptsymptome des Exploranden mit rascher Ermüdbarkeit, erhöhter Schlafneigung vor allem am Nachmittag, der verminderten Konzentration und unkontrollierten Zuckungen im Vordergrund gestanden hätten. Aufgrund von Unklarheiten und Inkonsistenzen in der primären neurologischen Untersuchung sei eine ergänzende Schlaflaboruntersuchung durchgeführt worden. Diese habe unerwartet ein schweres obstruktives Schlafapnoesyndrom ergeben. Im Schlaflatenztest wäre bei der vom Exploranden angegebenen Symptomatik eine deutlich verminderte Einschlafzeit zu erwarten gewesen, als es dann tatsächlich der Fall gewesen sei. Die erwähnten Zuckungen hätten keinem objektiven neurologischen Korrelat zugeordnet werden können. Die ergänzend durchgeführte neuropsychologische Untersuchung habe grundsätzlich keine auffälligen Befunde ergeben, bis auf die im Zusammenhang mit der erhöhten Ermüdbarkeit auftretende verminderte Konzentration im Verlauf der Untersuchung, was wiederum zur Schlafstörung passen würde. Insgesamt sei somit aus neurologisch-schlafmedizinischer und neuropsychologischer Sicht ein überwiegend funktionelles, also überlagertes Geschehen festzustellen. Gleichzeitig bestehe ein objektiver Kern in Form des unbehandelten, schweren Schlafapnoesyndroms, weshalb eine merkliche Leistungseinbusse durch diesen Befund grundsätzlich begründbar sei. Ob bei adäquater Behandlung des Schlafapnoesyndroms dann die Symptomatik verschwände, sei eine andere Frage. Würde sie bleiben, wäre das ganze Geschehen durch die funktionelle Überlagerung erklärt und der Befund des schweren Schlafapnoesyndroms quasi als asymptomatischer Zufallsbefund zu werten. Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Experten der ABI fest, dass bezogen auf ein 100%-Pensum für die angestammte Tätigkeit (im Zeitpunkt des Infarkts) als Leiter Qualitätskontrolle von einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit bei unbehandeltem Schlafapnoesyndrom von 50 % auszugehen sei. Stelle man auf die Tätigkeit als Abwart oder auf den ursprünglich erlernten Beruf als Maschinenschlosser ab, sei eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 60 % anzunehmen. Bei behandeltem Schlafapnoesyndrom würde in beiden Tätigkeiten eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80 % vorliegen. Als angepasste Tätigkeiten seien jegliche leichten bis mittelschweren Tätigkeiten möglich bei einer maximal möglichen Präsenzzeit von sieben bis acht Stunden pro Tag. Dabei bestehe ein leicht reduziertes Rendement mit entsprechender Leistungseinbusse. Bezogen auf ein 100-%-Pensum im freien Arbeitsmarkt bestehe eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit.