Citation: I 289/04 27.09.2004 E. 2

2.1 Verwaltung und Vorinstanz haben sich zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf das Gutachten des Spitals X.________ vom 7. März 2002 gestützt. Dessen Ärzte stellten nach einer Untersuchung am 17. Dezember 2001 die Diagnose eines chronischen Panvertebralsyndroms mit zervikospondylogener und lumbospondylogener neuropathischer Schmerzkomponente bei diskreten degenerativen Veränderungen sowie Wirbelsäulenfehlform (Skoliose, Beckenhochstand links), muskulärer Dysbalance (insbesondere Dekonditionierung) sowie Somatisierungsstörung. Die Befunde seien praktisch identisch mit denjenigen, welche die Ärzte der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Y.________ gemäss Gutachten vom 19. August 1999 erhoben hatten. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit würden sich daher keine neuen limitierenden Faktoren ergeben, welche die damalige Einschätzung ändern könnten. Die angestammte leichte und wechselbelastende Tätigkeit als Hilfsarbeiterin sei dem Leiden optimal angepasst und weiterhin zu 100 % zumutbar. Allerdings müsse zunächst eine Rekonditionierung erfolgen. 2.2 Der Hausarzt Dr. med. H.________, welcher die Versicherte seit längerem wegen Diabetes behandelt, erhielt demgegenüber bei anhaltenden Klagen über Beschwerden und zunehmend depressiver Verstimmung den Eindruck, dass nicht ein Wirbelsäulenleiden, sondern eine Fibromyalgie vorliege. Er überwies die Beschwerdeführerin daher zur Abklärung an Dr. med. T.________, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie FMH, der diese Diagnose bestätigte (Bericht vom 27. November 2002). Dr. med. H.________ ist der Ansicht, dass das chronische Vertebralsyndrom bei diskreten degenerativen Veränderungen keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hat, zufolge der Fibromyalgie jedoch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit besteht (Bericht vom 10. Januar 2003). Nach der letztinstanzlich eingereichten Stellungnahme des Dr. med. T.________ vom 20. Mai 2004 ist die Versicherte zu zwei Dritteln arbeitsunfähig. 2.3 Nachdem das Eidgenössische Versicherungsgericht entschieden hat, dass die Fibromyalgie einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gleichgesetzt werden kann (Urteil P. vom 10. März 2003, I 721/02), welche zur Kategorie der psychischen Leiden gehört und unter bestimmten Voraussetzungen eine Arbeitsunfähigkeit verursachen kann (vgl. das in der Amtlichen Sammlung noch nicht veröffentlichte Urteil N. vom 12. März 2004, I 683/03, Erw. 2.2.2), ist die unterschiedliche Diagnosestellung durch die Ärzte des Spitals X.________ und der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Y.________ einerseits und den Hausarzt Dr. med. H.________ sowie Dr. med. T.________ anderseits nicht unbeachtlich (vgl. dazu Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Invaliditätsbemessung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 64 N 93). Da bei der Beschwerdeführerin der Befund der Fibromyalgie erst nach der Begutachtung erhoben worden ist, haben die Ärzte des Spitals X.________ sich mit dieser Diagnosestellung nicht auseinandergesetzt. Dem Bericht des Hausarztes vom 10. Januar 2003 lässt sich nicht entnehmen, ob ein psychisches Leiden mit Krankheitswert vorliegt; gemäss Stellungnahme des IV-Stellen-Arztes Dr. med. W.________ vom 4. Februar 2003 könnten die psychisch aktiven Medikamente, welche die Versicherte einnimmt, als Begleitmedikation zur Verminderung des Schmerzmittelbedarfs verabreicht worden sein. Ebenso wenig geht daraus hervor, warum der Beschwerdeführerin auch keine leichte wechselbelastende Tätigkeit zugemutet werden kann. 2.4 Die Rechtsfolgevoraussetzung einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ist überhaupt erst zu prüfen, wenn ein Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG gegeben ist (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG [in der Fassung vom 6. Oktober 2000] in Verbindung mit Art. 7 f. ATSG; zum Begriff des Gesundheitsschadens Meyer-Blaser, a.a.O., S. 35 f.). In Anbetracht der sich mit Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten geht die Praxis davon aus, dass die subjektiven Schmerzangaben der versicherten Person für die Begründung einer (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit allein nicht genügen; vielmehr muss im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass die Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sind (vgl. Urteil R. vom 2. Dezember 2002, I 53/02, Erw. 2.2 mit Hinweis). Die Schmerzangaben müssen also zuverlässiger medizinischer Feststellung und Überprüfung zugänglich sein (vgl. Urteil W. vom 9. Oktober 2001, I 382/00, Erw. 2b). Das Ausmass der durch eine somatoforme Schmerzstörung bewirkten Arbeitsunfähigkeit wird grundsätzlich gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten festgelegt (zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimmte Urteile B. vom 18. Mai 2004, I 457/02, Erw. 5.3.1, und N. vom 12. März 2004, I 683/03, Erw. 2.2.2). 2.5 Zur Klärung des medizinischen Sachverhalts und der Frage der Arbeitsfähigkeit wird die IV-Stelle daher ein psychiatrisches Gutachten einholen müssen.