Citation: 6B_25/2021 E. 4.4

4.4. Die Strafzumessungserwägungen der Vorinstanz sind bundesrechtswidrig. Die Rüge der Verletzung von Art. 50 StGB ist begründet. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind ungenügend und aufgrund der Verweise auf die Ausführungen der ersten Instanz teilweise nicht nachvollziehbar. Die Vorinstanz scheint insbesondere zu verkennen, dass sie als Berufungsgericht ein neues Urteil fällt, welches das erstinstanzliche ersetzt, wenn sie auf das Rechtsmittel eintritt (Art. 408 StPO; BGE 143 IV 408 E. 6.1; 142 IV 89 E. 2.1). Angesichts der Natur der Berufung als reformatorisches Rechtsmittel hat die Vorinstanz eine eigene Strafe festzusetzen und nachvollziehbar zu begründen. Sie kann sich nicht mit einer Überprüfung der erstinstanzlichen Strafzumessungserwägungen anhand der Vorbringen des Beschwerdeführers begnügen. Die Möglichkeit, im Rechtsmittelverfahren auf die Begründung der ersten Instanz zu verweisen, ändert daran nichts (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; Urteile 6B_829/2020 vom 11. August 2021 E. 8.2; 6B_848/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 2.2; je mit Hinweisen). Problematisch ist hier der vorinstanzliche Verweis auf die erstinstanzlichen Erwägungen zum einen, weil nicht die gleichen Schuldsprüche erfolgen und schon deshalb nicht einfach auf die Erwägungen der ersten Instanz verwiesen werden kann, um diese dann im Folgenden "abzuändern und zu ergänzen". Zum anderen ist ein solcher Verweis vorliegend nicht angebracht, weil der Vorinstanz nicht gefolgt werden kann, soweit sie erwägt, die erste Instanz habe die Strafzumessung grundsätzlich lege artis durchgeführt (Urteil S. 24 E. 5.4.1). Entgegen dem Prinzip der konkreten Methode würdigt diese die mehrfache fahrlässige schwere Körperverletzung und die fahrlässige einfache Körperverletzung nämlich zusammen und legt eine einheitliche Einsatzstrafe fest (erstinstanzliches Urteil S. 21 f.). Auch wenn die einzelnen Delikte vorliegend eng miteinander verknüpft sind, hätte die erste Instanz vor der Bildung einer allfälligen Gesamtstrafe die jeweiligen einzelnen Straftaten in einem selbständigen Schritt würdigen müssen (vgl. BGE 144 IV 217 E. 3.5.4; Urteile 6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 5.4.1; 6B_432/2020 vom 30. September 2021 E. 1.4; 6B_1422/2019 vom 28. Mai 2021 E. 6.4.1; 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4; je mit Hinweisen). Schliesslich verweist die Vorinstanz auch bezüglich der (Wahl der) Strafart auf die erstinstanzlichen Erwägungen, welche aber auch diesbezüglich entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Strafart im Rahmen einer Gesamtprüfung aller Delikte bestimmt und damit das Ergebnis der Strafzumessung (zumindest) in Teilen an deren Anfang stellt (vgl. Urteile 6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 5.4.1; 6B_1422/2019 vom 28. Mai 2021 E. 6.4.1; je mit Hinweis). Es ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass die Tatsache, dass der Beschwerdeführer mehrere Delikte begangen hat, für sich alleine jedenfalls nicht rechtfertigt, im Bereich der leichteren Kriminalität, wie beispielsweise dem Fahren ohne Berechtigung, vom grundsätzlichen Vorrang der Geldstrafe abzuweichen. Weil die Vorinstanz hinsichtlich der Wahl der Strafart ohne eigene Erwägungen pauschal auf die erstinstanzlichen Ausführungen verweist, ist ausserdem nicht begründet, weshalb sie für die von der ersten Instanz nicht ausgesprochene und damit neue Verurteilung des Beschwerdeführers wegen mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung ebenfalls eine Freiheitsstrafe als angemessen erachtet.