Citation: 5A_322/2023 E. 4.4.1

4.4.1. Die Beschwerdeführerin beruft sich weiter auf Art. 442 Abs. 5 ZGB (i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB), wonach die Behörde am neuen Wohnort vorbehältlich wichtiger Gründe eine Massnahme ohne Verzug übernimmt, wenn die betroffene Person ihren Wohnsitz wechselt. Wichtige Gründe dürften nicht leichthin angenommen werden, zumal die Anwendbarkeit dieser Regelung auf den Kindesschutz grundsätzlich zu hinterfragen sei. Daran ändere nichts, dass ein hängiges Verfahren grundsätzlich von der einmal damit befassten Behörde zu Ende zu führen sei (vgl. Art. 442 Abs. 1 Satz 2 ZGB). Dieses Prinzip gelte nur, sofern nicht schon eine Massnahme bestehe. Während laufender Massnahme würden nicht alle hängigen Verfahren die Übertragung hemmen, insbesondere dann nicht, wenn das hängige Verfahren keinen Einfluss auf die Massnahme als solche habe. Die Beibehaltung der Zuständigkeit zur Führung der laufenden Massnahme könne diesfalls mit dem Gebot der unverzüglichen Übertragung und dem Zuständigkeitsbereich der neuen Kindesschutzbehörde kollidieren. Für neue ergänzende Massnahmen nach einem Wohnsitzwechsel sei die Behörde am neuen Wohnort zuständig. Auf diese Zusammenhänge sei das Verwaltungsgericht nicht eingegangen und es habe sich insbesondere nicht zum Vorhandensein wichtiger Gründe geäussert, die einer Übertragung an die neue Behörde entgegenstehen könnten.