Citation: U 474/00 18.05.2001 E. 1

1.- a) Nach Art. 11 UVV werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt, für Bezüger von Invalidenrenten jedoch nur unter den Voraussetzungen von Artikel 21 des Gesetzes. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, sodass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfolgen ist die Rede, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem oft völlig anders gearteten Krankheitsbild führen können (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 Erw. 1c mit Hinweisen). Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 296 Erw. 2c mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 f. Erw. 2). b) Der Unfallversicherer ist für den Rückfall nur leistungspflichtig, wenn der natürliche Kausalzusammenhang zum Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b). Zu beachten ist dabei, dass in der Sozialversicherung kein Grundsatz besteht, dass die Verwaltung oder der Richter im Zweifel zu Gunsten des Versicherten entscheiden müssen (BGE 126 V 322 Erw. 5a mit Hinweis). Es vermag nicht jeder Auslöser im Sinne eines bloss äusseren Anlasses einen natürlichen Kausalzusammenhang mit einem pathologischen Geschehen zu begründen. Bei psychischen Störungen, die nach längerem beschwerdefreiem Intervall eintreten, nimmt die Wahrscheinlichkeit eines ursächlichen Zusammenhangs mit einem Unfall mit fortschreitendem Zeitablauf ab, weil ein Unfallerlebnis in der Regel mit der Zeit verarbeitet und verkraftet wird. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen Unfall und Eintritt psychischer Störungen ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen. Denn medizinische Aussagen über den Kausalverlauf bei psychischen Beschwerden, welche - bei beschwerdefreiem Intervall - erst mehrere Jahre nach einem Unfall auftreten, werden mit zunehmender zeitlicher Distanz zum Unfall immer schwieriger und hypothetischer. Bei konkurrierenden Ursachen kommt einem ärztlich als Auslöser bezeichneten Faktor daher nicht ohne weiteres die Bedeutung einer relevanten Teilursache zu. Diese setzt vielmehr voraus, dass die Ärzte einen ursächlichen Zusammenhang klarerweise bejahen und insbesondere überzeugend zu begründen vermögen, weshalb ein lange zurückliegender Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine psychische Fehlentwicklung ermöglicht oder begünstigt hat. Andernfalls lässt sich die Gefahr nicht mehr von der Hand weisen, dass schon bei nicht auszuschliessender oder bloss möglicher Kausalkette der natürliche Kausalzusammenhang angenommen oder einfach unterstellt wird und damit das die Unfallversicherung beherrschende Kausalitätsprinzip unterlaufen wird (nicht veröffentlichtes Urteil B. vom 23. Dezember 1991, U 73/89). c) Der Auffassung der Beschwerdeführerin, dass sich die Beweislosigkeit zulasten des Versicherers auswirke, ist nicht zu folgen. Vielmehr hat die Versicherte als Leistungsansprecherin den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 2), wobei der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast ausschliesst (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 Erw. 1).