Citation: 6B_823/2024 E. 1.2.2

1.2.2. Die Vorinstanz erachtet den Anklagesachverhalt als erstellt. Sie stützt sich auf mehrere Aussagen der Beschwerdegegnerin 2, welche sie als glaubhaft beurteilt, eine fachärztliche Untersuchung, ein Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen (IRM-Gutachten), die Befragung der Mutter der Beschwerdegegnerin 2 sowie den Nachrichtenverlauf zwischen ihr und einem Freund aus der Tatnacht. Die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 zum Kerngeschehen seien in den Grundzügen konstant und beschrieben einen durchgehenden, in sich stimmigen Handlungsablauf insbesondere in Bezug auf das zentrale Geschehen, die Örtlichkeiten, die Chronologie der Ereignisse, die Interaktion des Beschwerdeführers und die originellen Einzelheiten. Obwohl die Beschwerdegegnerin 2 zu den einzelnen Handlungen in nicht-chronologischer Reihenfolge befragt worden sei, habe sie den Ablauf nicht durcheinandergebracht, was für eine erlebnisbasierte Schilderung spreche. Dies gelte ebenso für die wiederholt geschilderte eigene Gefühlslage und die Angabe, welche Handlungen des Beschwerdeführers für sie in Ordnung gewesen seien. Auch, dass er nach dem Vorfall gesagt habe, er habe gedacht, dass sie das schon wolle, jedoch schüchtern sei, schildere einen Eindruck, der in einer erfundenen Aussage kaum vorkommen würde. All die detailreichen, konstanten und in sich stimmigen Aussagen würden auf eine erlebnisbasierte Schilderung schliessen lassen. Zwar enthielten die Schilderungen der Beschwerdegegnerin 2 einen Widerspruch bezüglich des angeblichen Samenergusses des Beschwerdeführers. Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass zwischen den ersten beiden Einvernahmen (vom 9. und 11. November 2020) und jener vor der Vorinstanz knapp drei Jahre vergangen seien. Der abnehmende Detaillierungsgrad könne dem Zeitablauf geschuldet sein. Die Beschwerdegegnerin 2 habe Erinnerungslücken eingeräumt, was aber nicht gegen, sondern für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spreche. Da es sich zudem um ein traumatisches Erlebnis gehandelt habe, sei die Divergenz zwischen dem stringenten Bericht in freier Rede in den ersten beiden Einvernahmen und der detailärmeren Schilderung der Tat mit dem genannten Widerspruch zum Samenerguss in der späteren Einvernahme mit Erkenntnissen aus der Viktimologie erklärbar. Entscheidend sei die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage zum Kerngeschehen, namentlich zum eigentlichen Geschlechtsverkehr. Dass der Beschwerdeführer währenddessen keinen Samenerguss gehabt habe, sei belegt. Ob er danach einen gehabt habe, sei möglicherweise für die Beschwerdegegnerin 2 im Gesamtkontext nebensächlich. Daher reiche dieser Widerspruch nicht aus, um ihren Aussagen die Glaubhaftigkeit abzusprechen. Die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 würden zudem durch weitere Beweise untermauert. So gehe aus einem Arztbericht vom 9. November 2020 hervor, dass die Beschwerdegegnerin 2 rechtsseitig am Hals einen Stauungspunkt (Hämatom) aufgewiesen habe. Gemäss dem IRM-Gutachten vom 5. Januar 2021 sei ab dem Abrieb vom Hals der Beschwerdegegnerin 2 ein DNA-Mischprofil erstellt worden, welches mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ihre DNA und diejenige des Beschwerdeführers aufweise. Dies belege ihre Aussage, wonach sie beim Vorfall gewürgt worden sei. Ein wichtiges Indiz für den angeklagten Sachverhalt stelle auch die Tatsache dar, dass die Beschwerdegegnerin 2 nach dem Vorfall bei einem Kollegen, ihrer Mutter und der Polizei Hilfe geholt habe. Die eigene Mutter in der Nacht zu wecken und ihr anzuvertrauen, vergewaltigt worden zu sein, brauche eine gewisse Überwindung. Aus dem Nachrichtenverlauf zwischen der Beschwerdegegnerin 2 und einem Freund gehe hervor, dass sie Angst gehabt habe und es für sie schwer gewesen sei, die Mutter zu wecken und die Polizei zu kontaktieren. Dieses Vorgehen wäre nicht schlüssig, wenn es sich um eine erfundene Geschichte handeln würde.