Citation: 2A.171/2002 28.11.2002 E. 4

4.1 Am 15. Juni 2000 führte die Fremdenpolizei mit dem Sohn der Beschwerdeführerin eine Befragung durch. Aufgrund der Vorakten, ergänzt durch diese Befragung, ist das Verwaltungsgericht in seinem Entscheid vom 22. Februar 2002 davon ausgegangen, dass D.________ nach der Ausreise seiner Mutter nur wenige Monate bei seinem Vater selbst gelebt hat, dass sich seit dem Jahre 1990 hauptsächlich die Grosseltern väterlicherseits um D.________ gekümmert haben, und seit anfangs 1996 die Grosseltern mütterlicherseits. Es ist zum Schluss gekommen, dass seit 1990 nicht von einer vorrangigen Beziehung D.________s zu seinem Vater gesprochen werden könne; daran vermöge auch nichts zu ändern, dass der Vater formell seit 1993 Inhaber der elterlichen Sorge gewesen sei. Allerdings könne in der Zeit von 1990 bis Ende 1995 auch nicht von einer vorrangigen Beziehung zur Mutter die Rede sein; trotz der anerkannten Bemühungen der Beschwerdeführerin um Kontaktpflege mit ihrem Sohn hätten deshalb für diesen Zeitraum die Grosseltern väterlicherseits als engste Beziehungspersonen zu gelten. Ob in dieser Zeitspanne wirklich die Grosseltern väterlicherseits als die wichtigsten Bezugspersonen von D.________ zu gelten haben, was die Beschwerdeführerin bestreitet, kann hier offen bleiben, da diese Grosseltern nach dem Wechsel D.________s zu den Grosseltern mütterlicherseits an Bedeutung verloren haben; für die Prüfung des Familiennachzugsgesuchs ist vielmehr von Bedeutung, zu wem D.________ im Zeitraum vor seiner Einreise in die Schweiz die vorrangige Beziehung unterhalten hat. 4.2 Die Vorinstanz führt aus, während der Zeit von Ende 1995 bis zum 20. Mai 1998 kämen als Hauptbezugspersonen von D.________ einerseits die Grosseltern mütterlicherseits und anderseits die Beschwerdeführerin als Mutter in Frage; sie gelangt zum Schluss, dass während dieses Zeitraums die vorrangige familiäre Beziehung zu den Grosseltern mütterlicherseits bestanden habe. Die Beschwerdeführerin behauptet, die von der Vorinstanz vorgenommene Interpretation der Aussagen von D.________ sei teilweise unrichtig und aktenwidrig. Ob diese Behauptung begründet ist, kann offen bleiben: Auch wenn bis zur Einreichung des Familiennachzugsgesuchs die vorrangige Beziehung D.________s zu seinen Grosseltern mütterlicherseits bestanden haben sollte, führt dies nicht zwingend zur Verweigerung des Gesuchs; wesentlich ist vielmehr, ob in einem solchen Fall gute Gründe für die Verlagerung der Betreuungsverhältnisse sprechen. 4.3 D.________ ist nach eigenen Angaben im Dezember 1998 - als das Nachzugsgesuch schon hängig war - in die Schweiz eingereist, ohne die Grosseltern oder seine Mutter vorgängig über seine Pläne zu unterrichten; er habe sich davor gefürchtet, in die Armee eingezogen zu werden. Er gab an, er wisse heute über seine Grosseltern mütterlicherseits nur, dass sie irgendwo als Flüchtlinge lebten, wohl irgendwo in Jugoslawien. Nach der Darstellung der Beschwerdeführerin haben sie - als Folge der Kriegswirren im Kosovo - als verschollen zu gelten. Seit der Einreise in die Schweiz Ende 1998 sind nun über dreieinhalb Jahre vergangen, in denen der Beschwerdeführer mittlerweile die Beziehung zu seiner Mutter vertieft hat; heute ist sie seine engste Bezugsperson. Dieser Faktor darf einerseits nicht allein ausschlaggebend sein, ist doch D.________ damals illegal eingereist. Es ist aber andrerseits nicht D.________ anzulasten, dass schon das erste Verfahren vom Einreichen des Nachzugsgesuchs am 20. Mai 1998 bis zum Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2000 relativ lange gedauert hat und, da damals das Urteil des Verwaltungsgerichts vom Bundesgericht aufgehoben werden musste, sich fortsetzte. Bis zum heute angefochtenen Urteil vom 22. Februar 2002 sind noch einmal zwei Jahre verstrichen. 4.4 Das Verwaltungsgericht hält fest, dass D.________ heute 20 Jahre alt ist und damit in einem Alter, wo er auf ein Leben im Familienverband nicht mehr angewiesen sei. Es zieht daraus den Schluss, dass aus diesem Grunde heute nicht entscheidend sei, wo sich die Grosseltern mütterlicherseits aufhalten. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden: Nachdem die Dauer des Verfahrens nicht D.________ anzulasten ist, darf ihm auch sein heutiges Alter und die damit zusammenhängende verminderte Abhängigkeit von einer Betreuungsperson nicht zum Nachteil gereichen. Anders entscheiden hiesse, dass sich der Anspruch auf Familiennachzug regelmässig dann, wenn das Verfahren im betreffenden Kanton relativ lange gedauert hat, nicht realisieren lässt. Es ist vielmehr heute darauf abzustellen, ob im Zeitpunkt des ersten Entscheides des Verwaltungsgerichts (17. August 1999) die Grosseltern mütterlicherseits nach wie vor hätten für D.________ sorgen können. Diese Frage hätte das Verwaltungsgericht nicht offen lassen dürfen. Angesichts der damals im Kosovo herrschenden Kriegswirren kann wohl als hinreichend dargetan gelten, dass die - serbischstämmigen - Grosseltern mütterlicherseits im Sommer 1999 tatsächlich verschollen waren und sich daher ein Wechsel der Hauptbetreuungsperson zur Mutter aufdrängte. Wie es sich damit verhält, und ob das Verwaltungsgericht D.________ aus diesem Grund die Aufenthaltsbewilligung hätte erteilen müssen, braucht indessen aus den im Folgenden darzulegenden Gründen nicht abschliessend entschieden zu werden.