Citation: U 302/01 10.01.2002 E. 4

4.- Gestützt auf die zur Verfügung stehenden medizinischen Akten kann die Frage, ob es sich bei den heute bestehenden psychischen Gesundheitsstörungen um eine natürliche Folge des versicherten Unfalles handelt, nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 9 Erw. 3c/aa mit Hinweisen) beantwortet werden. Eine Rückweisung der Sache zwecks weiteren Abklärungen erübrigt sich aber; selbst wenn aufgrund dieser der natürliche Kausalzusammenhang zu bejahen wäre, fehlt es - wie die nachstehenden Erwägungen zeigen - an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs, die sich im vorliegenden Fall nach Massgabe der in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien beurteilt (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67). a) Der Unfall ist als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu bezeichnen. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist demnach zu bejahen, falls ein einzelnes der unfallbezogenen Kriterien (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit) in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind (BGE 115 V 140). b) Mit der SUVA ist einzig davon auszugehen, dass das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs mit erheblichen Komplikationen (drei Operationen, vierte Operation in Diskussion) erfüllt ist. Dies wurde denn auch durch das psychosomatische Konsilium der Rehaklinik Z.________ vom 18. August 1999 bestätigt, in dem ein langwieriger Heilungsverlauf ohne Besserungstendenz konstatiert wurde. Dieses Kriterium liegt indessen nicht in besonders ausgeprägter Weise vor, sodass es für sich allein nicht zur Bejahung der Adäquanz führen kann. c) Die übrigen Kriterien sind entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers nicht erfüllt. aa) Der Unfall erfolgte weder unter besonders dramatischen Begleitumständen noch war er besonders eindrücklich. Auch hat der Beschwerdeführer keine Verletzungen von besonderer Schwere und insbesondere keine Verletzungen erlitten, die erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. bb) Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Denn diese war nach der dritten Operation vom 30. Juli 1998 grundsätzlich abgeschlossen. Danach wurde angestrebt, den Versicherten mittels Ergotherapie und des Arbeitsversuches in den Berufsprozess einzugliedern, wobei ihm aufgrund des insuffizienten Ringbandsystems das Tragen eines Ringbandes verordnet wurde. Dr. med. A.________ führte am 3. Juni 1999 aus, die therapeutischen Möglichkeiten seien in diesem Fall sehr eng. Der Umstand, dass seit September 1998 bis heute diskutiert wird, ob eine vierte Operation durchgeführt werden soll, kann für sich allein nicht zur Bejahung einer langen Behandlungsdauer führen. cc) Soweit der Versicherte Dauerschmerzen (Schmerzen und Beschwerden sowie eine Schwächung im ganzen rechten Arm bzw. ein Schmerzsyndrom im Arm- und Schultergürtel rechts) geltend macht, ist dafür gemäss dem Bericht der Rehaklinik Z.________ vom 2. September 1999 kein objektivierbares Korrelat vorhanden. Sie sind mithin Teil der psychischen Beeinträchtigung und deshalb bei der Adäquanzprüfung nicht zu berücksichtigen. dd) Soweit die Sache bezüglich der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zur weiteren Abklärung zurückgewiesen wird (Erw. 3 hievor), kann der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn es steht immerhin fest, dass er bereits ab 19. Februar 1998, also 2 ½ Monate nach dem Unfall, bis zur Kündigung per Ende Juni 2000 halbtags mit einer Arbeitsleistung von ca. 25 % in der leichten Ersatztätigkeit eingesetzt wurde und in diesem Umfang im Arbeitsprozess integriert war. Unter diesen Umständen kann unabhängig vom Ergebnis der ergänzenden Abklärungen gesagt werden, dass das Kriterium des erheblichen Grades und der langen Dauer der Arbeitsunfähigkeit ebenfalls nicht erfüllt ist. ee) Der Beschwerdeführer macht geltend, es liege ein Kunstfehler vor, da bei der Operation vom 28. November 1997 das Ringband A2 des Zeigefingers eröffnet worden sei. Dr. med. A.________ habe ihm am 15. Juni 1999 telefonisch erläutert, unter Handchirurgen bestehe die anerkannte Auffassung, dass bei Operationen wie derjenigen vom 28. November 1997 die Ringbänder jeweils unangetastet zu lassen seien, weil dies immer mit grossen Gefahren verbunden sei. Der Schadenfall sei bei der Haftpflichtversicherung des Spitals X.________ hängig, wobei eine (unpräjudizielle) Teilliquidation des Schadens (ungedeckter Lohnausfall bis Ende Dezember 1999) erfolgt sei. Die Vorinstanz habe zur Frage der Fehlbehandlung zu Unrecht keine medizinische Abklärung vorgenommen. Dr. med. I.________ diagnostizierte am 21. April 1999 eine Insuffizienz des A2-Ringbandes. Dr. med. A.________ stellte im Bericht vom 3. Juni 1999 eine beginnende Kontraktur im PIP-Gelenk Dig. II rechts fest und legte dar, die rekonstruierte tiefe Beugesehne funktioniere an und für sich recht ordentlich. Das grosse Problem bestehe mit dem absolut insuffizienten Ringbandsystem, welches anlässlich der ersten Operation eröffnet worden sei. Dadurch komme es zu einem klassischen Bow-stringing. Die Rehaklinik Z.________ führte am 2. September 1999 aus, es bestehe eine Insuffizienz der Ringbänder A1 und A2 bei einem klassischen Bow-stringing. Dass eine Fehlbehandlung vorliege, wird indessen in keinem der Arztberichte dargetan, weshalb das diesbezügliche Vorbringen des Versicherten unbehelflich ist und weitere Abklärungen zu diesem Punkt nicht notwendig sind. d) Nach dem Gesagten sind die nach der Rechtsprechung für die Adäquanz psychischer Unfallfolgen massgebenden Voraussetzungen nicht erfüllt, weshalb die Verwaltungsgerichtsbeschwerde diesbezüglich unbegründet ist.