Citation: 8C_13/2024 E. 6.1.2

6.1.2. Hinsichtlich eines erfolgten Traumas als Grundlage für die Diagnose einer PTBS stellte die Vorinstanz willkürfrei fest, dass die geltend gemachten bzw. vermuteten Traumatisierungen in der Kindheit der Beschwerdeführerin nicht hinreichend eruiert werden konnten. Dr. med. D.________ habe festgehalten, dass die Beschwerdeführerin kein Trauma benennen könne. Die behandelnde Psychiaterin habe als Auslöser für die PTBS einen Unfall mit Verbrennungsfolge angegeben, die Beschwerdeführerin könne Näheres darüber aber nicht beschreiben. Aus versicherungsmedizinischer Sicht, so Dr. med. D.________ weiter, fehle ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzer oder länger dauernd mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmasses als Auslöser für die PTBS (vgl. Urteil 8C_312/2023 vom 31. Januar 2024 E. 5.1.1). Auch die Tatsache, dass sie trotz geltend gemachter Traumatisierungen in der Kindheit und des angeführten Unfalls keine funktionellen Einschränkungen erlitten habe bzw. die schulische und berufliche Ausbildung mit Erfolg habe abschliessen und sich in der Arbeitswelt habe behaupten können, würden gegen eine PTBS sprechen. Bis zum Auftreten der im Jahr 2016 geltend gemachten Beschwerden seien keine Symptome, die mit einer Traumatisierung einhergingen, eruierbar gewesen. Der RAD-Arzt med. pract. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, kritisierte in seiner Stellungnahme zum Gutachten vom 2. Juli 2019 die Anamneseerhebung des Dr. med. D.________ insofern, als eine vertiefende Exploration hierzu fehle. Dr. med. von C.________ wiederum habe seine Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD 10 F62.0) bzw. einer komplexen PTBS (ICD-11: 6B41 Complex post traumatic stress disorder; ICD-10: F62.0) nicht leitliniengerecht gestellt. Die Diagnose wirke weitgehend aus der Luft gegriffen. Die Vorinstanz stellte hierzu weiter fest, Dr. med. von C.________ habe sich offenbar nach den Untersuchungen mit der behandelnden Psychiaterin "kurzgeschlossen" und gegenüber dem RAD von "persönlichem Betroffensein" berichtet, weshalb er die nötige gutachterliche Distanz verloren habe. Dr. med. von C.________ habe die PTBS früh als erstellt erachtet, obwohl dies keineswegs der Fall gewesen sei. Er habe in einem Telefonat mit dem RAD-Arzt überdies eingeräumt, dass seine Anamnesetiefe vielleicht nicht ausreichend gewesen sei und dass man den Fall unter Umständen auch anders interpretieren könne. Er habe sich daher zu einer Nachuntersuchung bereit erklärt. Der RAD-Arzt gelangte dementsprechend in seiner Stellungnahme vom 5. Februar 2020 zum Schluss, dass die Diagnose gemäss ICD-10: F62.0 nicht überwiegend wahrscheinlich vorliege. Eine PTBS sei weder bewiesen noch widerlegt. Auf die Aussagen des Dr. med. C.________ zur Leistungsfähigkeit könne somit nicht abgestellt werden, da diese auf einer nicht hinreichend gesicherten Diagnose beruhten. Zur Traumakonfrontation merkte die behandelnde Psychiaterin Dr. med. E.________ in ihrer Stellungnahme vom 16. April 2020 an, wenn eine solche im vertrauten ambulatorischen Setting nicht möglich sei, müsse eine Konfrontation zum Schutz der Patientin unbedingt verhindert werden. Hiervon sei sie nach einem Telefonat mit dem RAD aber vorsichtig abgerückt (Stellungnahme des med. pract. F.________ vom 1. Juli 2020).