Citation: 7B_267/2022 E. 3.2

3.2. Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung des Anklagegrundsatzes (Art. 9 StPO) geltend. Die Anklage umschreibe zwar, welche Art von sexuellen Handlungen angeblich vorgefallen seien. Sie führe aber nicht aus, welche konkreten Nötigungshandlungen ihr, der Beschwerdeführerin, zu welchem Zeitpunkt, tatsituativ vorgeworfen würden und inwiefern diese Handlungen zum Zweck der sexuellen Nötigung vorgenommen worden seien. Weiter unterlasse es die Anklage aufzuzeigen, wie durch diese Handlungen ein ausreichend intensiver psychischer Druck auf die Privatklägerin erzeugt worden und inwiefern dieser für deren Verhalten kausal gewesen sei. Es werde insbesondere auch nicht ausgeführt, weshalb für sie keine Möglichkeit des Selbstschutzes bestanden haben solle. Dieses Versäumnis könne auch durch die in der Anklage unter dem Titel "Nötigungsmittel" allgemein, ohne Bezugnahme auf konkrete Sachverhaltsabschnitte gemachten Ausführungen nicht geheilt werden. Das Gericht sei an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden und nicht, wie die Vorinstanz es tue, gehalten, diesen aus losen und unzugewiesenen Abschnitten selbst zusammenzusetzen. Die Anklageschrift komme den strengen Anforderungen an den Konkretisierungsgrad somit nicht nach und sei insbesondere zu allgemein, um das Nötigungsmittel der Tatbestandsvariante des "Unter-psychischen-Druck-Setzens" überhaupt begründen zu können. Als Folge davon prüfe die Vorinstanz im Rahmen der rechtlichen Würdigung nicht konkret, ob sie, die Beschwerdeführerin, kurz vor oder während der Tat und zum Zweck der sexuellen Nötigung einen ausreichend intensiven psychischen Druck auf die Privatklägerin aufgebaut habe. Die Vorinstanz verzichte gänzlich darauf, die konkreten Umstände umfassend zu würdigen und überhaupt zu klären, ob die Voraussetzungen der Tatbestandsvariante erfüllt seien. Die angeklagten Umstände liessen die Bejahung des Tatbestands nicht zu.