Citation: U 254/06 06.03.2007 E. A

L.________, geboren 1972, war seit 28. März 1994 mit einem Vollzeitpensum als Revisorin für die Firma "X.________ AG" in Y.________ (nachfolgend: Arbeitgeberin 1) erwerbstätig und in dieser Eigenschaft bei den ELVIA Versicherungen (heute: Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft; nachfolgend: Allianz oder Beschwerdeführerin) obligatorisch gegen Unfälle versichert, als der von ihr gelenkte, vor einem Rotlicht bis zum Stillstand abgebremste Personenwagen am 1. September 1994 von einem nachfolgenden Lieferwagen, welcher nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte, an der linken Ecke der Heckstossstange gerammt wurde. Der am Unfalltag erstbehandelnde Hausarzt Dr. med. O.________, schloss ossäre Läsionen aus, attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit und diagnostizierte ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS) sowie eine Kontusion des thorako-lumbalen Überganges ohne sichtbare Prellmarken (Arztzeugnis UVG vom 12. September 1994). Die Allianz anerkannte ihre Leistungspflicht, erbrachte ein Taggeld und übernahm die Heilbehandlung. Dr. med. O.________ berichtete am 11. Oktober 1994 über eine langsame Regredienz der Beschwerden unter intensiver physiotherapeutischer Behandlung sowie über die seit 3. Oktober 1994 wieder erlangte Arbeitsfähigkeit von 50 %. Nach einer erneuten Phase mit voller Arbeitsunfähigkeit ging der behandelnde Rheumatologe Dr. med. R.________ ab 20. Januar 1995 wiederum von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus und verordnete "nochmals eine Serie Physiotherapie mit Triggerpunktbehandlung und Ultraschall" (Bericht vom 22. Mai 1995). Die Arbeitgeberin 1 löste das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten wegen ungenügender Leistungen zum 30. April 1995 auf. Am 2. August 1995 berichtete Dr. med. R.________, die letzte Kontrolle bei ihm habe am 12. Juli 1995 stattgefunden. Bei Belastung beklage sich L.________ immer noch über vermehrte cervicale Schmerzen. "Objektiv [sei] die HWS jedoch frei beweglich und es [bestünden] praktisch keine Druckdolenzen mehr." Mit einer vollen Arbeitsfähigkeit könne ab 1. August 1995 gerechnet werden. Ein Jahr nach dem Unfall sei nochmals eine Kontrolle bei ihm vorgesehen. Mit Arztzeugnis vom 14. September 1995 bescheinigte Dr. med. R.________ der Versicherten eine volle Arbeitsfähigkeit ab 1. September 1995. Gemäss Schreiben des Rechtsvertreters der L.________ an die Allianz vom 3. September 2003 bestätigte der behandelnde Rheumatologe der Versicherten nur deshalb eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, "damit sie stempeln konnte". Demgegenüber informierte ihr früherer Rechtsvertreter die ELVIA Versicherungen (nachmals Allianz) bereits am 15. August 1995 dahingehend, Dr. med. R.________ habe L.________ erklärt, dass er sie ab 1. September 1995 als 100 % arbeitsfähig einstufen werde und sie deshalb bemüht sein müsse, ab diesem Datum wieder voll erwerbstätig zu sein. Weiter ist diesem Schreiben vom 15. August 1995 zu entnehmen, die Versicherte werde sich ab 1. September 1995 selbstständig machen und nebenbei noch eine zusätzliche Ausbildung absolvieren, um das Diplom als eidgenössisch diplomierte Treuhänderin zu erwerben. Die Schule A.________ hielt am 17. Februar 2004 fest, dass L.________ das erste, zweite und dritte Semester des Berufsprüfungslehrganges für Treuhänder 1995-1997 sehr regelmässig besucht und die entsprechenden Kursgelder bezahlt habe. Erst im Oktober 1996 habe sie sich für das vierte und fünfte Semester abgemeldet. Von September 1995 bis Oktober 1996 bezog sie Arbeitslosenentschädigung. Ab 21. Oktober 1996 war sie mit einem Vollzeitpensum als kaufmännische Angestellte in der Buchhaltungsabteilung der Firma "P.________ AG" (nachfolgend: Arbeitgeberin 2) tätig. Diese Arbeitsstelle kündigte die Versicherte zum 31. Oktober 1997 aus eigenem Willen, "um eine neue Herausforderung anzunehmen" (Schreiben der Arbeitgeberin 2 vom 15. März 2004). Im November 1997 nahm sie die selbständige Erwerbstätigkeit als Treuhänderin auf. Seit Mai 2000 führt sie die im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragene Einzelfirma "T.________". Am 2. Februar 1998 teilte die Allianz der Versicherten mit, gemäss Bericht des Neurologen Dr. med. I.________, vom 21. Juli 1997 seien nur noch geringe Restbeschwerden des Beschleunigungstraumas vom 1. September 1994 bemerkbar. Die geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigungen (leichte Gefühlsstörungen an allen vier Extremitäten und im Gesicht) könne der Facharzt keiner neurologisch erklärbaren Ursache zuordnen. Bei voller Arbeitsfähigkeit empfehle er der Versicherten, sich im Falle des Wiederauftretens von vermehrten Beschwerden (Nacken- und Kopfschmerzen sowie Lumbalgien) erneut beim behandelnden Rheumatologen zwecks Einleitung einer weiteren physikalischen Therapie zu melden. Die Allianz betrachtete die unfallbedingte Behandlung am 2. Februar 1998 ohne weitere Ansprüche auf Versicherungsleistungen vorbehältlich des Rückfallmelderechts als abgeschlossen. Ohne obligatorische Unfallversicherungsdeckung durch die Allianz ereigneten sich am 16. Dezember 1998 und 17. Dezember 1999 zwei neue Strassenverkehrskollisionen, welche bei L.________ zu Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit führten. Eine zusätzliche Auffahrkollision erfolgte am 16. Februar 1999. Nach umfangreichen medizinischen und erwerblichen Abklärungen stellte die Allianz sämtliche Leistungen zum 13. Juni 1996 ein (Verfügung vom 16. Juni 2004). Die von Seiten der Versicherten und ihrer obligatorischen Krankenpflegeversicherung erhobenen Einsprachen wies die Allianz mit der Feststellung ab, die Leistungseinstellung sei "spätestens per 2. Februar 1998" festzulegen (Einspracheentscheid vom 3. Dezember 2004).