Citation: 6B_402/2022 E. 2.3

2.3. Die Vorinstanz erwägt, der dem Beschwerdeführer unmittelbar drohende Übergriff auf seine körperliche und sexuelle Integrität durch den Beschwerdegegner 2 sei zweifellos rechtswidrig gewesen. Als der Beschwerdeführer die Gefahr eines kürzest bevorstehenden Angriffs realisiert habe, habe er weder fliehen noch zu einer subsidiär milderen Abwehrmassnahme als einen Schlag gegen das Gesicht des Beschwerdegegners 2 greifen können. Angesichts der drohenden Packbewegung sei ein Schlag gegen den Kopfbereich nachvollziehbar. Zu prüfen bleibe, ob das Verteidigungsverhalten des Beschwerdeführers mit einer Salve von Schlägen angemessen gewesen sei oder ob damit die Grenzen der Notwehr überschritten worden seien. Der Beschwerdeführer habe mehrfach innert kürzester Zeit gegen den Kopf des Beschwerdegegners 2 geschlagen, wobei die Salve von Schlägen wuchtig und heftig gewesen sei. Derart harte Schläge gegen den Kopf seien geeignet, Bewusstlosigkeit und erhebliche Verletzungen hervorzurufen, was im Weiteren bekannterweise zu einem unkontrollierten Sturz führen könne. Gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers zum äusseren Erscheinungsbild und dem Gang des Beschwerdegegners 2 sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit keiner besonderen Gewaltbereitschaft rechnen beziehungsweise nicht von einer kämpferischen Überlegenheit des Beschwerdegegners 2 ausgehen musste. Trotzdem habe er mit voller Kraft heftig und mit einer Salve von Schlägen mehrfach gegen den Kopf des Beschwerdegegners 2 geschlagen und damit in Kauf genommen, ihn erheblich zu verletzen. Die Abwehr sei zwar effektiv gewesen, aber erscheine in dieser konkreten Situation nicht als angemessen. Das Übermass ergebe sich aus der Intensität und Mehrzahl der Schläge, die aufgrund ihrer sehr engen zeitlichen Abfolge als eine Handlungseinheit zu würdigen seien. Damit sei von einem Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB auszugehen. Der Beschwerdeführer sei demnach der schweren Körperverletzung schuldig und das Vorliegen des Notwehrexzesses sei im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen.