Citation: 6S.724/1996 20.03.2000 E. 3

3.- Wer jemanden zu dem von ihm verübten Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich bestimmt hat, wird wegen Anstiftung nach der Strafandrohung, die auf den Täter Anwendung findet, bestraft. Wer jemanden zu einem Verbrechen zu bestimmen versucht, wird wegen Versuchs dieses Verbrechens bestraft (Art. 24 Abs. 1 und 2 StGB). Durch die Anstiftung wird in einem anderen der Entschluss zu einer bestimmten rechtswidrigen Tat hervorgerufen. Der Tatentschluss muss auf das motivierende Verhalten des Anstifters zurückzuführen sein; es bedarf insofern eines Kausalzusammenhangs. Nicht erforderlich ist, dass bei Anzustiftenden Widerstände zu überwinden wären. Die Tat, zu der angestiftet wird, braucht nicht in allen Einzelheiten bestimmt zu sein (BGE 116 IV 1 E. 3c; 124 IV 34 E. 2c). Mit welchen Mitteln der Anstifter die Tatentschlossenheit beim Täter herbeiführt, ist grundsätzlich gleichgültig. Vor allem ist keineswegs erforderlich, dass irgendwelche Überredungskünste aufgewendet werden (Trechsel/Noll, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 5. Auflage, Zürich 1998, S. 204). Als stärkste Einwirkungen kommen Drohung oder Täuschung in Betracht, doch genügen auch blosses Überreden oder Bitten (BGE 100 IV 1 E. 4b; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 2. Auflage 1996, § 13 N 96). Nach dem deutschen Recht reichen eine Anregung oder die Angabe rein theoretischer Möglichkeiten oder eine Belehrung nur aus, wenn darin zumindest versteckt die Aufforderung liegt, in dieser Weise zu verfahren. Verlangt wird damit eine zielgerichtete Tataufforderung. Entsprechend können auch ein Wunsch, eine blosse Bitte oder eine Frage mit aufforderndem Charakter Anstiftung sein. Indirekte und subtile Formen der Anstiftung seien selten, weil ihnen der Charakter einer zielgerichteten Aufforderung meistens fehle (Roxin, Strafgesetzbuch, Leipziger Kommentar, 11. Auflage, § 26 N 51, 58, 59). Nach dem massgeblichen Sachverhalt (oben E. 2a) brachte die Beschwerdeführerin klar ihre Bitte bzw. ihren Wunsch nach einer Veränderung der Buchhaltung zum Ausdruck. Dabei ging es ihr darum, das Darlehen oder ihren Namen aus den Büchern bei C.________ "verschwinden" zu lassen, damit sie nicht wegen des Darlehens in das Strafverfahren gegen B.________ miteinbezogen werde. Sie war nach den Feststellungen der Vorinstanz an der Vornahme bestimmter Handlungen von C.________ interessiert, und es liegt daher auf der Hand, dass sie ihn zu solchen Handlungen motivieren wollte; auch C.________ fasste das Anliegen der Beschwerdeführerin klar als Wunsch nach einer Veränderung der Buchhaltung auf (angefochtenes Urteil S. 28). Mit der Qualifizierung dieses bestimmten und kausalen (zielgerichteten) Verhaltens der Beschwerdeführerin als Anstiftung im Sinne von Art. 24 StGB verletzt die Vorinstanz kein Bundesrecht. Da die Beschwerdeführerin mit ihrem Anliegen bei C.________ keinen Erfolg hatte, indes ihn zu einem Verbrechen zu bestimmen versucht hatte, spricht sie die Vorinstanz zu Recht der versuchten Anstiftung zur Urkundenfälschung und zur Urkundenunterdrückung schuldig. Die Einwendungen der Beschwerdeführerin sind daher unbehelflich. Sie hatte klar ihre Bitte bzw. ihren Wunsch nach einer Veränderung der Buchhaltung zum Ausdruck gebracht. Eine Bitte und ein Wunsch können Mittel sein, die Tatentschlossenheit beim Täter herbeizuführen. Entgegen der Beschwerdeführerin kann auch eine in die äussere Form einer Frage gekleidete Äusserung eine Anstiftung bilden. Es kann auch nicht darauf ankommen, dass C.________ als "Leiter eines grossen Konzerns und routinierter Geschäftsmann gegen Beeinflussungen durch die Beschwerdeführerin [...] gefeit war" (Beschwerde S. 9). Nach dem Sachverhalt und der bundesrechtskonformen Beurteilung der Vorinstanz versuchte die Beschwerdeführerin dies dennoch; weil der Angestiftete dagegen aber "gefeit war", blieb es beim Versuch. Die Frage nach der Möglichkeit, das Darlehen aus der Buchhaltung "verschwinden" zu lassen, ist genügend bestimmt und konkretisiert. Wenn die Vorinstanz festhält, die Beschwerdeführerin sei an der Vornahme bestimmter Handlungen von C.________ interessiert gewesen, und es liege daher auf der Hand, dass sie ihn zu solchen Handlungen habe motivieren wollen, so ist der Kassationshof an diese Feststellung gebunden, unabhängig von der Bemerkung, dass dies "auf der Hand" liege. Bindend ist ebenso die tatsächliche Feststellung, dass die Beschwerdeführerin, auch wenn sie nur laienhafte Vorstellungen von einer Buchhaltung haben sollte, zumindest gewusst hat, dass an einer Buchung nachträglich nichts geändert werden darf (ausser mittels eines klar bezeichneten Stornos) und dass insbesondere keine unwahren Buchungen erfolgen dürfen. Derartige Vorstellungen genügen strafrechtlich.