Citation: U 379/00 20.09.2001 E. 6

6.- a) Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann ein Bandscheibenvorfall betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber (weitgehend) verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190 und Nr. U 379 S. 192; vgl. auch Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 54 ff., insbesondere S. 56; Baur/Nigst, Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 162 ff.; Mollowitz, Der Unfallmann, 11. Aufl. Berlin 1993, S. 164 ff.). b) Der Unfallhergang war zweifelsfrei nicht geeignet, die Diskushernie C5/6 zu verursachen. Dazu waren die nach medizinischer Erfahrung erforderlichen Kräfte viel zu gering. Dies entspricht auch der überwiegenden Meinung der beteiligten Ärzte (Berichte von Dr. W.________ vom 31. März 1998 und von Dr. V.________ vom 27. März 1997). Dr. C.________, wiederholt vom Versicherer genau danach befragt, antwortete ausweichend, indem er nicht die Diskushernie, sondern den Beginn der Beschwerden auf den Unfall zurückführte (Stellungnahmen vom 29. Juli und 30. August 1996). c) Hingegen kann nach übereinstimmender ärztlicher Meinung das Unfallereignis als auslösender Faktor der Beschwerden angesehen werden (Dr. W.________ am 31. März 1998; Dr. V.________ am 27. März 1997; Dr. M.________ am 19. Dezember 1996; Dr. C.________ am 30. August 1996), womit die Versicherung für den durch den Unfall ausgelösten Beschwerdeschub aufzukommen hat. Nicht darunter fallen die unmittelbar mit der Operation der Diskushernie verbundenen Kosten, da dieser Eingriff der Behebung der Ursache selbst diente. Nach den Ausführungen von Dr. W.________ vom 31. März 1998 war der Status quo sine oder ante erreicht, als die rechtsseitige Brachialgie nach der laserassistierten Diskusdekompression progredient und die Nackenbeschwerden deutlich gebessert waren. Den genauen Zeitpunkt führt er nicht an, doch kann davon ausgegangen werden, dass er mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit am 4. Juli 1996 zusammenfällt. Dies deckt sich mit der Auffassung von Dr. M.________ vom 19. Dezember 1996, welcher den Status quo sine oder ante als nach der Laservaporisation erreicht erklärt. Wenn Dr. W.________ schreibt, dass dieser Status «vorübergehend» erreicht war, so meint er damit, dass die später im Zusammenhang mit dem Baden im Meer in den USA 1996, den Operationen und dem Bremsmanöver in den USA 1997 entstandenen Beschwerden mit dem Unfall vom 4. Mai 1996 in keinem Zusammenhang standen. Damit schliesst er zugleich das Vorliegen von Brückensymtomen zwischen dem durch den Unfall ausgelösten Beschwerdeschub und den nach dem 4. Juli 1996 aufgetretenen Leiden aus. d) Die Beschwerdegegnerin hat demnach für die Heilungskosten und Taggelder ab Unfall bis 3. Juli 1996 aufzukommen, mit Ausnahme der mit der Operation der Diskushernie verbundenen Kosten. Es wird am Unfallversicherer liegen, an den die Angelegenheit zurückzuweisen ist, diese Leistungen neu festzusetzen.