Citation: 2C_294/2023 E. 6.6

6.6. In systematischer Hinsicht ist von Bedeutung, dass Art. 6 Abs. 2 der Verordnung des BLV vom 27. August 2008 über die Haltung von Nutztieren und Haustieren (Nutz- und HaustierV; SR 455.110.1) den Begriff der "extremen Witterung" verwendet, welcher ebenfalls die dauernde Haltung von Tieren im Freien betrifft. Abs. 1 dieser Bestimmung spricht in Bezug auf die Anforderungen an Unterstände von "Schutz gegen Nässe und Kälte". Insoweit ergibt die systematische Auslegung, dass für extreme Witterung - nebst Nässe, Wind und Sonneneinstrahlung gemäss Wortlaut - auch Kälte von Bedeutung ist, wobei weiterhin offen bleibt, ob der Begriff ein kumulatives Auftreten mehrerer Witterungselemente voraussetzt. Weiterführend sind diesbezüglich die "Erläuterungen zur Verordnung über die Haltung von Nutztieren und Haustieren" vom 23. November 2017 (<www.blv.admin.ch> unter Tiere/Rechts- und Vollzugsgrundlagen/Gesetzgebung) auf S. 2 (zu Art. 6). Danach werden mit extremer Witterung "Wetterperioden bezeichnet, die sich entweder durch Hitze und starke Sonneneinstrahlung oder Kälte in Verbindung mit Nässe und Wind auszeichnen". Dieselbe Definition enthalten auch die Fachinformation 7.3, S. 1, sowie das Kontrollhandbuch, S. 10, die sich beide speziell auf Schafe beziehen. Diese Definition spricht für die begriffliche Notwendigkeit eines kumulativen Auftretens von Kälte, Nässe und Wind. Sie ist indes in nicht rechtsverbindlichen verwaltungsinternen Weisungen des BLV enthalten und für die Rechtsauslegung nur unter dem Vorbehalt zu beachten, dass sie ein sachgerechtes Ergebnis zulässt (vgl. BGE 150 II 40 E. 6.6.2).