Citation: I 953/06 05.04.2007 E. 4.1

4.1.1 Die ohne und mit Behinderung erzielbaren Einkommen sind so konkret wie möglich zu ermitteln. Beim Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung, soweit hiefür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen (Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums etc.), zu erwarten gehabt hätte (BGE 96 V 29; RKUV 2005 Nr. U 554 S. 315 E. 2.2 mit Hinweisen [U 340/04]). Da erfahrungsgemäss in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erzielten Einkommens häufig der letzte, an die Teuerung sowie die reale Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV 2006 Nr. U 568 S. 65 E. 2 [U 87/05]; Urteil I 407/06 vom 28. Februar 2007 E. 4.1 mit Hinweisen). 4.1.2 Übt die versicherte Person nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung eine Erwerbstätigkeit aus, gilt grundsätzlich der damit erzielte Verdienst als Invalideneinkommen, wenn besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind, weiter anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und wenn das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475; BGE 126 V 75 E. 3b/aa S. 76 mit Hinweisen). Kann der nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung realisierte Verdienst nicht als Mass für das durch eine zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielbare Einkommen gelten, ist zu fragen, inwiefern der versicherten Person im Rahmen der Pflicht zur Selbsteingliederung (BGE 113 V 22 E. 4a S. 28; vgl. auch BGE 130 V 97 E. 3.2 S. 99) die Aufgabe der aktuellen und die Ausübung einer anderen erwerblichen Beschäftigung zuzumuten ist. Dabei sind die gesamten objektiven und subjektiven Umstände in Betracht zu ziehen, wie Alter, Ausbildung und berufliche Karriere, Stabilität und Qualität des Arbeitsverhältnisses unter dem Gesichtspunkt der Eingliederung im Betrieb, Aussichten im konkreten Beruf, ferner Art und Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung sowie die noch zu erwartende Arbeitsdauer (AHI 2001 S. 283 E. 5a/bb [I 11/00], 1997 S. 39 E. 4a; Urteil U 365/06 vom 26. Januar 2007 E. 4.2 mit Hinweis). 4.1.3 Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige (alt Art. 27 IVV, in der bis 31. Dezember 2003 geltenden Fassung und Art. 28 Abs. 2bis IVG) ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (BGE 128 V 29 E. 1. S. 30 f.; BGE 104 V 135 E. 2c S. 137). 4.2 Die Beschwerdeführerin war vor und nach Eintritt des aufgrund der medizinischen Akten auf spätestens Juli 2001 festzulegenden Zeitpunkts des Eintritts der invalidisierenden psychischen Störung als Lehrerin tätig, und zwar hauptsächlich an den selben beiden Musikschulen. Die damit erzielten Verdienste bilden indessen keine zuverlässige Grundlage für die Ermittlung von Validen- und Invalideneinkommen. Die zeitliche Bemessungsgrundlage ist insbesondere in Anbetracht des schwankenden Beschäftigungsgrades zu schmal. Sodann umfasste die erwerbliche Tätigkeit im Gesundheitsfall weitere teilzeitliche Anstellungen als Musiklehrerin sowie nebenberufliche Konzerttätigkeit. Schliesslich ist fraglich, ob die Beschwerdeführerin mit den seit Juli 2001 geleisteten Pensen die verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarerweise voll ausschöpfte. Jedenfalls erscheint unter den gegebenen Umständen eine hinreichend genaue Bestimmung von Validen- und Invalideneinkommen nicht mit verhältnismässigem Aufwand möglich. Gegen die Anwendung des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens spricht, dass gemäss dem psychiatrischen Gutachten vom 6. Mai 2004 die depressiven Störungen rezidivierend, zur Zeit jährlich während mehrerer Monate auftreten und zu einer stark verminderter Belastungs- und Leistungsfähigkeit führen. In den depressionsfreien Phasen dagegen ist die Arbeitsfähigkeit grundsätzlich nicht eingeschränkt. Schliesslich erscheint - zumindest ohne vorgängige Umschulung - ein Wechsel des Betätigungsfeldes nicht zumutbar. Die Beschwerdeführerin ist zwar gemäss Dr. med. F.________ in jeglicher Tätigkeit zu 50 % eingeschränkt. Sie verfügt aber ausser dem Diplom als Lehrerin für Schlagzeug über keinen Abschluss und keine nennenswerte Berufserfahrung ausserhalb des angestammten Bereichs. Es kommt dazu, dass sie aufgrund der Akten als Musiklehrerin offenbar bedeutend mehr verdienen kann als Frauen ohne Berufs- und Fachkenntnisse gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2004 des Bundesamtes für Statistik (vgl. Tabelle TA1 S. 53; BGE 126 V 75 E. 3b/bb S. 76; BGE 124 V 321). 4.3 Es ist daher grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn das kantonale Gericht den Invaliditätsgrad durch Vergleich der medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit in zeitlicher Hinsicht (50 %) und dem ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleisteten Arbeitspensum (87 %) im angestammten Bereich als Lehrerin für Schlagzeug und nebenberufliche Musikerin bestimmt hat. Dabei besteht entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde aber kein Raum für einen leidensbedingten Abzug nach BGE 126 V 75 in Form eines zusätzlichen Einschlags beim Grad der Arbeitsunfähigkeit. Es trifft zwar zu, dass aufgrund des rezidivierenden Charakters der psychischen Störung mit zum Teil nicht vorhersehbaren Arbeitsausfällen und Absenzen vom Arbeitsplatz gerechnet werden muss. Dies vermindert die Anstellungschancen gegenüber gesunden Personen. Dem hat indessen Dr. med. F.________ bei seiner Zumutbarkeitsbeurteilung bereits Rechnung getragen. Zu beachten ist indessen in rechtlicher Hinsicht Folgendes: Die Beschwerdeführerin hat sich ein erwerbliches Arbeitspensum im Gesundheitsfall von 87 % resp. ein entsprechend tieferes Valideneinkommen anrechnen zu lassen (E. 3). Es ist unbestritten, dass die Reduktion des an sich zumutbaren vollen Arbeitspensums nicht aus freien Stücken, sei es um mehr Freizeit zu haben, sei es um in einem Aufgabenbereich nach Art. 5 Abs. 1 IVG und Art. 8 Abs. 3 ATSG tätig zu sein, erfolgte (BGE 131 V 51 E. 5.1.2 und 5.2 S. 53 f.). Der Grund hiefür liegt im Wesentlichen im Umstand, dass die Tätigkeit als Musiklehrerin in Teilzeitpensen an verschiedenen Orten ausgeübt werden muss. Dies kann dazu führen, dass eine mögliche Anstellung wegen Terminkollisionen, Überschneidungen mit bereits bestehenden Arbeitsverhältnissen von vornherein ausser Betracht fällt, wie im angefochtenen Entscheid festgehalten wird (vgl. E. 3). Diesem invaliditätsfremden Umstand ist, jedenfalls solange die Aufgabe der angestammten Tätigkeit als hauptberufliche Musiklehrerin mit nebenberuflicher Konzerttätigkeit nicht zumutbar ist (E. 4.1.2), in gleicher Weise auch beim Invalideneinkommen Rechnung zu tragen, ansonsten der Grundsatz der parallelen Betrachtungsweise bei der Ermittlung der beiden Vergleichseinkommen verletzt wäre (Art. 104 lit. a OG; vgl. BGE 129 V 222 E. 4.4 S. 225; ZAK 1989 S. 456). Der so korrigierte vorinstanzliche Einkommensvergleich nach Massgabe der Arbeitsunfähigkeit im Rahmen des ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleisteten Arbeitspensums ergibt einen Invaliditätsgrad von 50 % ([87 % - 50 % x [87 %/100 %]] /87 % x 100 %). Somit besteht Anspruch auf eine halbe Invalidenrente ab dem von der IV-Stelle noch festzusetzenden Zeitpunkt.