Citation: 2C_45/2021 E. 4.1

4.1. Die Beschwerdeführerin machte bei der Vorinstanz geltend, sie sei Opfer von ehelicher Gewalt geworden, indem sie von ihrem Ehemann mehrfach vergewaltigt, mehrfach sexuell genötigt und psychisch unter Druck gesetzt worden sei. Die Vorinstanz hat nicht in Frage gestellt, dass der Ehemann unsensibel mit Schmerzen der Beschwerdeführerin beim Geschlechtsverkehr umgegangen ist und versucht hat, der Beschwerdeführerin seine Vorstellungen vom ehelichen Sexualleben (namentlich hinsichtlich Oralsex) aufzudrängen. Zudem hat sie nicht in Abrede gestellt, dass der Ehemann auch in den übrigen Bereichen des Zusammenlebens einen gewissen Druck auf die Beschwerdeführerin ausgeübt hat, sich nach seinen Vorstellungen zu verhalten. Weiter hat die Vorinstanz festgestellt, dass in der Ehe ein rauer Umgangston herrschte. Der Ehemann habe die Beschwerdeführerin mit den Wörtern "pute" (Nutte) und "salopard" (Sauhund) beschimpft. Zudem habe er zweimal versucht, sie zu ohrfeigen. Die Vorinstanz erachtete es unter diesen Umständen als glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin befürchtete, Ohrfeigen ausgesetzt zu sein, wenn sie sich ihrem Ehemann widersetzte. Gestützt auf einen aktenkundigen Polizeibericht erklärte die Vorinstanz ferner, es bestehe ein Indiz dafür, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin zu Gewaltandrohung oder gar Gewaltausübung neige. Indessen nahm die Vorinstanz an, dass die Beschwerdeführerin nicht in ausländerrechtlich relevanter Weise Opfer ehelicher Gewalt gewesen sei. Zur Begründung erklärte die Vorinstanz namentlich, dass über die Aussagen des Ehepaares im Strafverfahren hinaus keine Hinweise oder Belege für die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte sexuelle Gewalt vorlägen, im Strafverfahren Aussage gegen Aussage gestanden habe und die Darstellung des Ehemannes in diesem Verfahren aus mehreren Gründen (insbesondere aufgrund einer gewissen inneren Geschlossenheit und der darin enthaltenen, nicht zur Bestreitung der ihm gegenüber erhobenen Vorwürfe erforderlichen Details) mit grösserer Wahrscheinlichkeit als den Tatsachen entsprechend erscheine als diejenige der Beschwerdeführerin (siehe zum Ganzen E. II./4.3.4.3 des angefochtenen Urteils).