Citation: 4A_371/2023 E. 6.14.2

6.14.2. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz dem Steuermemorandum bei der Auslegung nach dem Vertrauensprinzip keine entscheidende Bedeutung zugemessen hat. Die Beschwerdeführerin setzt sich bereits nicht hinreichend damit auseinander, dass auch die rein finanzielle Beteiligung als Beitrag zu einer einfachen Gesellschaft qualifziert werden kann. Hinzu kommt, dass das (genehmigte) Steuermemorandum vom Januar 2006, und damit nach Vertragsschluss, datiert. Massgebend für die objektivierte Auslegung ist aber der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses (BGE 144 III 93 E. 5.2.3; 133 III 61 E. 2.2.1). Nachträgliches Parteiverhalten ist bei der Auslegung nach dem Vertrauensprinzip nicht von Bedeutung (BGE 132 III 626 E. 3.1 mit Hinweisen). Gemäss den für das Bundesgericht mangels hinreichender Anfechtung verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen hat die Beschwerdeführerin nicht behauptet, das Steuermemorandum 2006 entspreche vollständig dem Dokument, das als Beilage 2 der Vereinbarung 2005 angehängt worden sei. Ohnehin sind, wie die Vorinstanz zutreffend erwog, in erster Linie die zwischen den Parteien abgeschlossenen Verträge entscheidend. Das Steuermemorandum hat sich aber - jedenfalls in erster Linie - an die Steuerbehörden gerichtet. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz erwog, dass Vereinbarungen mit den Steuerbehörden nicht primär bezweckten, den Willen der Parteien möglichst exakt abzubilden, sondern es vielmehr darum gehe, die Steuerfolgen vorhersehbar zu machen sowie in steuerrechtlicher Hinsicht ein bestimmtes Resultat zu erzielen. Entgegen den Unterstellungen der Beschwerdeführerin sagt die Vorinstanz damit nicht, dass der Beschwerdegegner gegenüber der Steuerbehörde " wahrheitswidrige oder zumindest zu seinen Gunsten bewusst irreführende Angaben gemacht hätte ".