Citation: 2P.19/2003 29.07.2003 E. 3

3.1 Der Beschwerdeführer rügt die Benotung im Fach Strafprozess-recht, die Einteilung der Fächer Zivilprozessrecht (einschliesslich Anwaltsrecht) und Straf- und Strafprozessrecht sowie die Gesamtbewertung der Prüfung als willkürlich bzw. rechtsungleich. Er macht geltend, der Vorsitzende der Examinatoren (Dr. Y.________), der ihn zuletzt während schätzungsweise rund einer halben Stunde in den Gebieten Strafprozessrecht und materielles Strafrecht geprüft habe, sei nur mit auswendig gelernten, schnellen Antworten, die auf eine besondere Vertrautheit mit der Materie schliessen liessen, vollauf zufrieden gewesen. An sich vollständige und richtige Antworten des Beschwerdeführers habe er als mangelhaft bewertet, wenn sie nicht auswendig, d.h. ohne Überlegungszeit, gegeben worden seien. Selbst Kandidaten, die ihr Anwaltspraktikum vollständig oder teilweise bei einem Strafgericht absolviert hätten, benötigten aber nach allgemeiner Lebenserfahrung einige Reflektionszeit, um auf knifflige Fragen auf Anhieb die richtige Antwort zu geben. Sodann seien vom betreffenden Examinator nur die als fehlerhaft taxierten Anworten gewichtet worden, die korrekten Antworten des Beschwerdeführers hätten keine Berücksichtigung gefunden. Weiter macht der Beschwerdeführer eine willkürliche Anwendung der Prüfungsverordnung geltend. Die Wiederholung einzelner Teile von Fächern finde im Wortlaut dieser Verordnung keine Stütze; eine gesonderte Bewertung einzelner Teile (Anwaltsrecht, Strafprozessrecht) von einzelnen Teilprüfungen (Zivilprozessrecht, Straf- und Strafprozessrecht) sei im erwähnten Erlass nicht vorgesehen. Wenn die Leistung des Beschwerdeführers im Fach Straf- und Strafprozessrecht bei gesamthafter Betrachtung genügend gewesen sei - was zutreffe -, sei es daher nicht möglich, für Teile davon eine Repetitionsprüfung anzuordnen. Schliesslich rügt der Beschwerdeführer die "Nichtanwendung der Kompensationsordnung" als willkürlich. Er bezieht sich dabei auf § 17 PVO (wonach die Prüfungskommission im Falle des Ungenügens der mündlichen Prüfung auf Grund des Gesamtergebnisses der schriftlichen und mündlichen Prüfung bestimmt, ob die mündliche im ganzen Umfange oder in einzelnen Fächern zu wiederholen ist) in Verbindung mit der von der Prüfungskommission seit Jahren geübten Praxis, wonach eine mit "gut" oder besser qualifizierte schriftliche Prüfung zur "Kompensation" eines ungenügenden Faches in der ersten mündlichen Prüfung berechtigt bzw. wonach ein mit "gut" oder besser qualifiziertes mündliches Fach zur "Kompensation" mit einem ungenügenden Fach berechtigt, wenn es vom Stoff bzw. von der Stofffülle her vergleichbar ist (vgl. S. 16 und 17 der Vernehmlassung). Der Beschwerdeführer macht geltend, bei ihm sei von Vornherein auf eine "Kompensation" verzichtet worden, obwohl eine solche - etwa durch die Berücksichtigung seiner besonderen Kenntnisse im Steuerrecht bzw. der vollständig beantworteten Fragen im Schuldbetreibungs- und Konkursrecht - hätte vorgenommen werden müssen. 3.2 Diese Darlegungen des Beschwerdeführers sind nicht geeignet, die Verfassungsmässigkeit des angefochtenen Beschlusses in Frage zu stellen: 3.2.1 Vorliegend mochten zwar gewisse äussere Umstände dem Beschwerdeführer Anlass zur Vermutung gegeben haben, er sei, weil er die Zulassung zur Anwaltsprüfung gegen den Willen der Behörde erzwungen habe, vom Vorsitzenden deswegen strenger behandelt worden. Aufgrund der Vernehmlassung der Anwaltsprüfungskommission erscheint aber nicht dargetan (vgl. E. 1.5), dass die Prüfungsbehörde bei der Beurteilung der Leistungen des Beschwerdeführers den Rahmen des ihr zuzugestehenden (weiten) Spielraumes in verfassungswidriger Weise überschritten hätte. Immerhin waren bei den Prüfungen neben dem Vorsitzenden weitere drei Examinatoren dabei (vgl. § 2 PVO), was Gewähr für eine gewisse Ausgewogenheit der Leistungsbeurteilung bietet. Gemäss glaubhafter Darstellung in der Vernehmlassung der Anwaltsprüfungskommission waren sich die Experten über das beanstandete Ergebnis überdies einig: Der Entscheid über die Nichtabnahme der Prüfung in den beiden Fächern Zivil- und Strafprozessrecht erfolgte einstimmig auf Antrag des Referenten (der nicht identisch mit Dr. Y.________ war, vgl. S. 7 der Vernehmlassung). Dies bestreitet auch der Beschwerdeführer nicht, indem er selber den Vorsitzenden zitiert ("Wir sind alle klar der Ansicht, dass es für Sie nicht gereicht hat"). Die Ausführungen der Anwaltsprüfungskommission lassen darauf schliessen, dass die mündlichen Prüfungsleistungen des Beschwerdeführers korrekt oder jedenfalls in vertretbarer Weise bewertet wurden. Was der Beschwerdeführer diesbezüglich vorbringt, ist appellatorische Kritik, die nicht geeignet ist, den Vorwurf der Willkür zu begründen. 3.2.2 Weshalb eine gesonderte Bewertung von Strafrecht und Strafprozessrecht bzw. von Zivilprozessrecht und Anwaltsrecht eine willkürliche Anwendung der Prüfungsverordnung darstellen soll, ist nicht ersichtlich. § 11 PVO bestimmt bloss, dass sich die Prüfung u. a. auch auf die Gebiete des Straf- und Strafprozessrechts bzw. Zivilprozessrechts (einschliesslich des Anwaltsrechts) erstreckt. Eine gesonderte Bewertung wird dadurch nicht ausgeschlossen, zumal diese Bestimmung die Prüfungsgebiete umschreibt und nicht die einzelnen Fächer. Die Möglichkeit einer gesonderten Bewertung von Straf- und Strafprozessrecht, die im Übrigen durchaus sachgerecht erscheint, ergibt sich sogar ausdrücklich aus § 16 PVO, wonach Bewerber, die innert 5 Jahren vor der Anmeldung zur Anwaltsprüfung an einer schweizerischen Hochschule das juristische Doktor- oder Lizentiatsexamen mit der Note "sehr gut" bestanden haben, unter gewissen Voraussetzungen u.a. von der mündlichen Prüfung im Fach "materielles Strafrecht" befreit sind, mit anderen Worten also im Strafprozessrecht zur Prüfung antreten müssen. § 11 PVO schliesst sodann auch eine gesonderte Bewertung von Zivilprozess- und Anwaltsrecht nicht aus. Das Zivilprozessrecht hängt nicht unmittelbar mit dem Anwaltsrecht zusammen; eine Trennung der Bewertung beider Fächer erscheint jedenfalls nicht sachfremd. 3.2.3 Bezüglich der Möglichkeit einer "Kompensation" hat der Beschwerdeführer die üblicherweise verlangten Voraussetzungen klarerweise nicht erfüllt. Nach der Darstellung in der Vernehmlassung der Anwaltsprüfungskommission, an der zu zweifeln kein Anlass besteht, berechtigt nur eine mit gesamthaft "gut" oder noch besser qualifizierte schriftliche Prüfung zur Kompensation eines ungenügenden Faches in der ersten mündlichen Prüfung. Eine darunter liegende Qualifikation (also "genügend" oder "genügend bis gut") reicht nicht aus. Gleichermassen kann nur eine sehr gute oder gute mündliche Teilprüfung in einem Einzelfach zur Kompensation einer ungenügenden Teilprüfung in einem anderen Fach innerhalb der ersten mündlichen Prüfung herangezogen werden. Der Beschwerdeführer hatte seine schriftliche Arbeit mit dem Prädikat "genügend bis gut" abgeschlossen; für alle bestandenen mündlichen Fächer erhielt er die Bewertung "genügend" (vgl. S. 18 der Vernehmlassung). Insoweit bestand nach dem Gesagten kein Anspruch auf eine "Kompensation".