Citation: 5A_46/2021 E. 4.6.2

4.6.2. Die Vorinstanz verneinte im Ergebnis einen Verstoss gegen den materiellen Ordre public mitunter mit der Begründung, dass es an der Offensichtlichkeit eines Verstosses und insofern an Verhältnissen fehle, welche klarerweise auf die Unverträglichkeit der Anerkennung des Urteils vom 23. Februar 2016 mit den Grundprinzipien der schweizerischen Rechtsordnung schliessen lassen. Der Anspruch möge in seiner engen Ausgestaltung basierend auf blossen Wahrscheinlichkeiten der hiesigen Rechtsordnung zwar fremd sein, Grundprinzipien des Schweizer Rechts seien dadurch jedoch nicht offensichtlich verletzt. Die Vorinstanz kam hinsichtlich dem Charakter der Forderung zum Schluss, es handle sich nicht um eine Strafzahlung: Die Erwägungen der Cour d'Appel de Nancy können vernünftigerweise nicht anders verstanden werden, denn als Feststellung, der Beschwerdegegner habe im Umfang von 50 % der Kredite deshalb einen Schaden erlitten, weil die Beschwerdeführerin ihren Warnpflicht nicht nachgekommen sei und er deshalb nicht auf die Unterzeichnung der Kreditverträge verzichtet habe. Der Beschwerdegegner sei als Gläubiger im Sinne eines Schadenersatzes wirtschaftlich so gestellt worden, wie wenn er genügend gewarnt und damit in der Lage gewesen wäre, frei darüber zu entscheiden, ob er das mit der Kreditaufnahme verbundene Risiko eingehen wolle oder nicht. Auch die Formulierung bzw. die Systematik des Urteils der Cour d'Appel de Nancy würde nicht für eine Strafzahlung, sondern für eine, wenn auch der schweizerischen Rechtsordnung möglicherweise unbekannte, Schadenersatzforderung gestützt auf einer Prüfung der Gültigkeit der Kredit- und Pfandverträge und einer Verletzung der Warnpflichten. Was den Einwand der Konkurrenz des Anspruchs mit dem ebenfalls zugesprochenen negativen Vertragsinteresse betrifft, erwog die Vorinstanz, dass die Nichtigkeit auch nach schweizerischem Recht nicht ausschliesse, unter dem Titel des entgangenen Gewinns Schadenersatz zuzusprechen. Dies nicht als entgangenen Gewinn aus dem nichtigen Vertrag, sondern aus einem Vertrag, den der Geschädigte abgeschlossen hätte, wenn der nichtige Vertrag nicht zur Diskussion gestanden hätte.