Citation: 9C_885/2008 08.04.2009 E. 6.4

6.4.1 Es ist wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Beeinträchtigung im Filmbereich tätig geblieben und entweder in seinem erlernten Beruf als Filmschauspieler oder in der angestrebten Tätigkeit als Filmregisseur erwerbstätig wäre. Die Vorinstanz trägt den Umständen des Einzelfalles daher zu wenig Rechnung, wenn sie den Validenlohn gestützt auf den in der LSE ausgewiesenen Zentralwert für Männer im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) festsetzt. 6.4.2 Soweit der Beschwerdeführer das Valideneinkommen gestützt auf den Tabellenlohn im Bereich Unterhaltung, Kultur, Sport, festgesetzt haben will, welcher gemäss LSE 2006 Tabelle TA 1 S. 25 (Ziff. 92) im Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) für Männer Fr. 6'016.- betrug, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Zwar soll bei der Invaliditätsbemessung grundsätzlich nicht auf (unverbindliche) Empfehlungen eines Berufsverbandes abgestellt werden, sondern es sind die (auf tatsächlich erzielten Gehältern beruhenden) Tabellenlöhne gemäss LSE heranzuziehen (Urteil I 708/06 vom 23. November 2006 E. 4.6). Indes gilt es mit Blick auf die konkreten Umstände zu beachten, dass in der Film- und Theaterbranche die Einkommen - von wenigen (prominenten) Ausnahmen abgesehen - in der Regel tief sind und (Film-) Schauspieler sowie andere Film- und Videoschaffende überwiegend nur projektbezogen angestellt werden (wobei die Anstellungsdauer sehr unterschiedlich ist, sich aber in der Regel auf wenige Monate beschränkt; vgl. zum Ganzen Aleksandra Kratki/Hans Läubli, Die Situation der Alters- und Invaliditätsvorsorge der Kunstschaffenden in der Schweiz, Bericht im Auftrag der Vereinigten Theaterschaffenden der Schweiz, Stand Mai 2000, Ziff. 3.4 Film und Video [Audiovision], abrufbar unter: www.theaterschaffende.ch; Website besucht am 30. März 2009). Die nur, aber immerhin, als Anhaltspunkt tauglichen, von den VTS im September 2007 verabschiedeten "Richtgagen und Richtlöhne im Freien Theater" (abrufbar ebenfalls unter www.theaterschaffende.ch), sehen beispielsweise bei einem durchschnittlichen Beschäftigungsgrad ein jährliches Brutto-Einkommen von Fr. 44'250.- (somit monatlich Fr. 3'687.50) vor; der durchschnittliche Lohn an schweizerischen Theatern mit Gesamtarbeitsverträgen wird vom Geschäftsleiter des Schweizerischen Bühnenkünstlerverbandes (SBKV) in der Zeitschrift Ensemble Theater Film Fernsehen Nr. 55 (Januar bis März 2007, S. 1 f.) auf Fr. 4'000.- bis Fr. 6'000.- beziffert, wobei die Durchschnittslöhne der "freischaffenden Szene", welche mit Abstand den grössten Anteil der Schweizer Kulturschaffenden ausmachten, lediglich ungefähr Fr. 3'000.- monatlich betrügen. Die Einkommen der Filmschaffenden dürften sich in ähnlicher Grössenordnung bewegen (vgl. Karin Vollrath, Verträge, Löhne, Arbeitsbedingungen, in: SSFV [Schweizer Syndikat Film und Video] Info 1/2008, S. 14). Auch wenn die auf brancheninternen Umfragen beruhenden oder lediglich Empfehlungen beinhaltenden Angaben - bereits mit Blick auf deren nicht nachprüfbare Repräsentativität - für die Ermittlung des Invaliditätsgrades zu wenig verlässlich sind, zeigen sie doch, dass die Erzielung eines Jahreseinkommens von Fr. 72'962.- für einen Filmschauspieler oder -regisseur unrealistisch ist und die in der LSE für den Bereich "Unterhaltung, Kultur, Sport" angeführten Durchschnittslöhne - auch mit Blick auf die Tatsache, dass die meisten Filmschaffenden in der Schweiz nicht unselbstständig, sondern freiberuflich tätig sind - den konkreten beruflichen Gegebenheiten der Filmschauspieler oder -regisseure nicht angemessen Rechnung tragen. 6.4.3 Eine Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung des durchschnittlichen Einkommens eines Filmschauspielers oder -regisseurs ist indes nicht angezeigt, weil im Kunst- und namentlich im Filmbereich wegen der besonderen Natur dieses Wirtschaftszweiges (stark schwankende, häufig unregelmässige Einkommen, die zudem stark von der Popularität der Person abhängen) Durchschnittslöhne, soweit überhaupt zuverlässig ermittelbar, für die Invaliditätsbemessung im konkreten Fall nicht hinreichend aussagekräftig sind. Dies gilt umso mehr, als Prognosen über den mutmasslichen Bekanntheitsgrad des Versicherten rein spekulativ wären. Unter den gegebenen Umständen sind die Einschränkungen des Beschwerdeführers im erwerblichen Bereich aufgrund eines Prozentvergleichs zu ermitteln und bei einer 50 %igen Einsatzfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit auf 50 % festzusetzen, zumal für beide hypothetischen Einkommen der Lohn massgebend ist, den der Versicherte entweder in der Filmbranche oder durch Hilfsarbeiten erzielen könnte. Damit lässt sich die Erwerbseinbusse anhand der in Prozenten angegebenen Arbeitsunfähigkeit festlegen (BGE 104 V 135 E. 2b S. 137 und 114 V 310 E. 3a S. 313). Die im angefochtenen Entscheid ab 1. Oktober 2006 zugesprochene halbe Rente ist daher im Ergebnis nicht zu beanstanden.