Citation: 1C_52/2024 E. 2.2

2.2. Wenn die juristische Hilfe im Sinne von Art. 14 Abs. 1 OHG durch eine Drittperson erbracht wird, können die im Strafverfahren angefallenen Anwaltskosten entweder als Soforthilfe oder als längerfristige Hilfe geltend gemacht werden (Art. 13 OHG und Art. 5 OHV; BGE 149 II 246 E. 5). Dabei ist es nicht nötig, dass das Beitragsgesuch gestellt wird, bevor die Hilfe durch die externe Fachperson beansprucht wird; auch nachträglich gestellte Gesuche um Kostenübernahme sind zu bewilligen, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Unerheblich ist dabei, ob das Opfer Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege gehabt hätte oder nicht. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sollte sich ein Opfer jedoch grundsätzlich so früh wie möglich an die OHG-Beratungsstelle wenden, damit die Frage der Übernahme der Anwaltskosten soweit möglich im Voraus geregelt werden kann. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Opferhilfe die angefallenen Anwaltskosten a posteriori nicht umfassend übernimmt (BGE 149 II 246 E. 12.6). Ein Opfer, das ein OHG-Beitragsgesuch nachträglich stellt, darf aber nicht besser gestellt sein als ein Opfer, welchem im Strafverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zugesprochen wurde (BGE 131 II 121 E. 2.5.2). Die Anwaltskosten, die im Rahmen der längerfristigen Hilfe übernommen werden können, dürfen somit den Betrag nicht übersteigen, der dem Opfer im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege zugesprochen worden wäre. Für die Berechnung der längerfristigen Hilfe in Form von juristischer Hilfe kommt somit der Entschädigungstarif der unentgeltlichen Rechtspflege des betroffenen Kantons zum Tragen (BGE 133 II 361 E. 6.2; 131 II 121 E. 2.5.2). Unnötige oder überflüssige Aufwendungen können dabei nicht entschädigt werden, sondern nur jene Aufwendungen, die für die Opfervertretung unbedingt notwendig sind. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, Kosten zu übernehmen, die nicht in einem angemessenen Verhältnis zu den Ansprüchen stehen, die das Opfer geltend machen kann (BGE 133 II 361 E. 6.3; Urteil 1C_612/2015 vom 17. Mai 2016 E. 2.3; 1A.160/2001 vom 7. Februar 2002 E. 3.2).