Citation: 4A_474/2021 E. 4

Die Vorinstanz wies die Berufung der Beschwerdeführerin vollumfänglich ab. Sie begründete dies zusammengefasst wie folgt: Die Beschwerdeführerin mache geltend, ein Teil des eingeklagten Schadens sei ihr aufgrund der Rückforderung der IV-Renten entstanden. Die AHV-Kasse habe ihr jedoch die Rückforderung des Betrags von Fr. 31'327.45 erlassen, sodass in diesem Umfang kein Schaden vorliege, wie bereits die Erstinstanz richtig festgestellt habe. Im Weiteren klage die Beschwerdeführerin in einer alternativen Klagehäufung zwei unterschiedliche Schadensposten ein, nämlich eine entgangene halbe IV-Rente in der Gesamthöhe von Fr. 126'345.05 und eine entgangene volle IV-Rente in der Gesamthöhe von Fr. 284'017.55. Bezüglich der Vollrente kam die Vorinstanz in einer Hauptbegründung zum Schluss, die Beschwerdeführerin rüge nicht, inwiefern die Erstinstanz bei der Abweisung der Klage in Bezug auf die als Schaden geltend gemachte, entgangene IV-Vollrente den Sachverhalt unrichtig festgestellt oder Bundesrecht unrichtig angewandt habe. Sie komme damit ihrer Rügeobliegenheit nicht nach. In einer Eventualerwägung erwog die Vorinstanz zudem, dass die Beschwerdeführerin auch bei dem von ihr geltend gemachten pflichtgemässen Verhalten keine volle IV-Rente erhalten hätte. Im Weiteren sei nicht ausreichend dargelegt, dass die geltend gemachte Vertragsverletzung des Beschwerdegegners kausal für die entgangene volle IV-Rente gewesen sei. In Bezug auf den behaupteten Schaden für die entgangene halbe IV-Rente kam die Vorinstanz in einer Haupterwägung zum Ergebnis, aufgrund der Bestreitung durch den Beschwerdegegner sei es an der Beschwerdeführerin gewesen, substanziiert darzulegen, gestützt auf welche rechtserheblichen Tatsachen sie Aussichten auf eine halbe IV-Rente bis zum Erreichen des AHV-Alters habe. Dieser Substanziierungsobliegenheit sei die Beschwerdeführerin nicht nachgekommen. In einer Eventualbegründung erwog die Vorinstanz sodann, der Beschwerdeführerin sei der Nachweis nicht gelungen, dass ihr ein Schaden in Form einer entgangenen halben IV-Rente ab 1. September 2008 entstanden sei. Schliesslich stellten in Anbetracht der Umstände des vorliegenden Falls die entgangenen Zahlungen einer halben IV-Rente auch keinen ersatzfähigen Schaden im haftpflichtrechtlichen Sinne dar. Falls dennoch von einem ersatzfähigen Schaden ausgegangen würde, wäre spätestens für die Zeit nach Mai 2010 ein Schaden zu verneinen, da die Beschwerdeführerin aufgrund der vorhandenen Arbeitsfähigkeit zur Schadensminderung verpflichtet gewesen sei. Die Berufung der Beschwerdeführerin sei damit aufgrund dieser Erwägungen abzuweisen. Es erübrige sich daher, auf die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin einzugehen. Namentlich könne offengelassen werden, ob die Erstinstanz zulässigerweise eine Pflichtverletzung im Zusammenhang mit der Einreichung der Einsprache und dem nicht vorgenommenen Rückzug der Einsprache trotz der Ankündigung einer "reformatio in peius" verneint habe.