Citation: U 186/06 29.10.2007 E. 5

5.1 Die Vorinstanz hat erwogen, da kein für ein Schleudertrauma typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vorliege, komme die so genannte Schleudertrauma-Praxis gemäss BGE 117 V 360 nicht zur Anwendung. Auch hätten die Nacken- und Rückenbeschwerden durch bildgebende Verfahren nicht objektiviert werden können. Den medizinischen Unterlagen könne indessen nicht entnommen werden, ob strukturelle Veränderungen bestünden, die durch andere als bildgebende Verfahren erklärt werden könnten. Da die Nackenbeschwerden vom Versicherten seit dem Unfall fortwährend beschrieben würden und deren Vorhandensein von den mit ihm befassten Ärzten anerkannt werde, wies sie die Sache an die SUVA zurück, damit diese zur Kausalität der Nackenbeschwerden ergänzende medizinische Abklärungen treffe und erneut über den Rentenanspruch und die Integritätsentschädigung befinde. 5.2 In ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde hält die SUVA der vorinstanzlich angeordneten Sachverhaltsergänzung entgegen, aufgrund der bisherigen Untersuchungsbefunde seien von zusätzlichen Abklärungsverfahren keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Zur Begründung verweist sie auf die Stellungnahme des SUVA-Arztes Dr. med. C.________ vom 21. April 2006. Darin legt der Neurologe dar, wie strukturelle Veränderungen nachgewiesen werden können. So erlaube es die Röntgendiagnostik, strukturelle Läsionen der knöchernen Halswirbelsäule auszuschliessen. Die CT-Diagnostik der HWS ermögliche eine verfeinerte Darstellung der knöchernen Verhältnisse und sei indiziert bei Verdacht auf strukturelle Veränderungen des kraniozervikalen und zervikothorakalen Übergangs sowie zur besseren Evaluation von im konventionellen Röntgenbild sichtbaren Verletzungsfolgen, unter anderem auch dann, wenn eine operative Behandlung zur Diskussion stehe. Die MRI-Diagnostik der HWS sei dagegen in der Lage, Bandscheiben- und Nervengewebe besser darzustellen. Die Indikation zu einer solchen Untersuchung bestehe bei Verdacht auf eine radikuläre oder medulläre Läsion, und somit der Läsion eines oder mehrerer zervikaler Nervenwurzeln oder des zervikalen Rückenmarks. Weiter führt Dr. med. C.________ aus, neben der bildgebenden Diagnostik kämen in der Neurologie auch elektrophysiologische Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Abklärungen mittels Elektromyographie, Elektroneurographie oder evozierter Potentiale seien ausschliesslich bei Verdacht auf eine radikuläre Läsion oder bei peripheren neurologischen Symptomen indiziert. Ein solches neurologisches Defizit könne sich bei strukturellen Veränderungen der HWS in Form sensibler oder motorischer Defizite an den oberen Extremitäten ausdrücken. Entsprechend den Untersuchungsbefunden hätten indessen beim Versicherten zu keinem Zeitpunkt sensomotorische Defizite vorgelegen. Nach Ansicht des SUVA-Arztes weisen die fortbestehenden Beschwerden sowie die bei den Akten liegenden Untersuchungsergebnisse nicht auf eine strukturelle Läsion hin, welche mit den zur Verfügung stehenden Methoden der apparativen Zusatzdiagnostik strukturell nachgewiesen werden können. 5.3 Den Ausführungen des Dr. med. C.________ ist vollumfänglich beizupflichten. Sie steht zudem in Übereinstimmung mit der von Bernhard Schuknecht (Neuroradiologische Beurteilung bildgebender Diagnostik nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma [HWS-Schleudertrauma], in: Siegel/Fischer [Hrsg.], Die neurologische Begutachtung, Zürich 2004, S. 212 ff.) vertretenen Auffassung bezüglich der Indikation ergänzender Diagnostik bei unzureichender Rückbildung der Symptomatik. Auch er empfiehlt eine MR-Untersuchung nur bei Verdacht auf radikuläre und spinal neurologische Ausfälle und auf Instabilität der Halswirbelsäule, was beim Versicherten aufgrund der bei den klinischen Untersuchungen erhobenen Symptomatik nicht der Fall ist. Nachdem dieser klinisch und, soweit aufgrund der dabei erhobenen Befunde erforderlich, auch apparativ umfassend abgeklärt wurde, ist davon auszugehen, dass von ergänzenden Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. Es wird denn auch von der Vorinstanz nicht näher präzisiert und ist auch sonst wie nicht ersichtlich, mit welchen "anderen als bildgebenden Verfahren" noch organische Unfallfolgen nachzuweisen wären. Nuklearmedizinische Verfahren sind ebenfalls nicht angezeigt, da sie für die Abklärung möglicher Verletzungen der HWS im Rahmen eines Schleudertraumas oder eines äquivalenten Unfallmechanismus ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen (vgl. Gerhard W. Görres, Nuklearmedizinische Untersuchungsmethoden für die Abklärung von Patienten mit einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule [Whiplash Injury], in: Siegel/ Fischer [Hrsg.], Die neurologische Begutachtung, Zürich 2004, S. 223 ff.; zur Verwertbarkeit der gestützt auf entsprechende Untersuchungsmethoden erhobenen Befunde vgl. RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316, U 160/98). Da im Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine klar ausgewiesenen organischen Unfallfolgen vorlagen, kann somit nicht ohne weiteres auf das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den geltend gemachten Beschwerden geschlossen werden (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen).