Citation: 2C_891/2022 E. 6.5.2

6.5.2. Allerdings trifft zu, dass Verpflichtungserklärungen von Drittpersonen (oder entsprechende Unterhaltsvereinbarungen/-garantien) nicht die gleiche langfristige finanzielle Sicherheit wie beispielsweise staatliche Rentenleistungen gewährleisten. Es rechtfertigt sich deshalb grundsätzlich, wenn kantonale Behörden bei einer Verpflichtungserklärung oder Unterhaltsvereinbarung eine - massvolle - Kündigungsfrist voraussetzen, gegebenenfalls verbunden mit einer Meldepflicht der Drittperson für den Fall, dass diese ihre Zahlungen einstellt. Eine solche Kündigungsfrist gewährleistet, dass den Behörden ab dem Kündigungszeitpunkt ausreichend Zeit verbleibt, den Widerruf der Bewilligung im Hinblick auf den Zeitpunkt des effektiven Wegfalls der Mittel zu prüfen, vorzubereiten und gegebenenfalls zu verfügen, und damit - im Sinne des Zwecks von Art. 24 Abs. 1 Anhang I FZA - eine Belastung der Sozialwerke möglichst zu vermeiden. Gleichzeitig muss die Kündigungsfrist allerdings in dem Sinne verhältnismässig sein, als sie in Bezug auf die Aufenthaltsbegründung keine prohibitive Wirkung entfalten darf. Hinsichtlich der Dauer der Kündigungsfrist ist somit ein Ausgleich zu treffen zwischen dem Risiko, dass die begünstigte Person nach dem Wegfall der Unterhaltsmittel der öffentlichen Hand zur Last fällt, und dem Ziel des FZA, die Personenfreizügigkeit im Rahmen seines Anwendungsbereichs möglichst reibungslos zu gewährleisten.