Citation: 4A_384/2023 E. 2.2.3

2.2.3. Vorliegend springt es - auch unter Berücksichtigung der Ausführungen in der Beschwerde - keineswegs ins Auge, dass entsprechende Umstände gegeben wären, unter denen auf einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil geschlossen werden kann. So erhob die Beschwerdeführerin vor dem Zivilgericht folgende Vorwürfe gegen ihren unentgeltlichen Rechtsvertreter: (1) Aufzwingen der Vereinbarung mit der Gegenpartei, (2) keine substanziellen Verhandlungen mit der Gegenpartei zur Erhöhung der Genugtuungssumme, (3) mangelhafte Prozessführung, (4) Prozessverzögerungen und (5) massiver Vertrauensverlust gegenüber dem Anwalt. Der Zivilgerichtspräsident erwog dazu, der von der Beschwerdeführerin erwähnte Vertrauensverlust möge ihrem subjektiven Empfinden entsprechen, lasse sich jedoch aus Sicht des Gerichts nicht konkretisieren. Bei objektiver Betrachtung könne keinesfalls gesagt werden, dass der Anwalt Jan Herrmann, der auf den einschlägigen Bereich medizinischer Sorgfaltspflichtverletzungen spezialisiert und Fachanwalt für Haftpflicht- und Versicherungsrecht sei, den Prozess mangelhaft geführt habe. Auch habe er den Prozess nicht verzögert. Unter den gegebenen Umständen sei es auch nicht zu beanstanden, wenn er der Beschwerdeführerin den vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich mit Nachdruck zur Annahme empfohlen haben sollte. Dass er ihr den Vergleich geradezu «aufgezwungen» habe, sei dagegen tatsachenwidrig. Dem Anwalt sei bei objektiver Betrachtung kein Fehlverhalten vorzuwerfen, insbesondere keines, das einen Wechsel des unentgeltlichen Rechtsvertreters rechtfertige. Die Vorinstanz kam zum Schluss, der Zivilgerichtspräsident habe zu Recht angenommen, dass die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft gemacht habe, dass das Vertrauensverhältnis zu ihrem unentgeltlichen Vertreter vollständig zerstört worden wäre und er ihre wesentlichen Interessen nicht mehr wahrnehmen könnte. Wenn der erst in der Beschwerde an das Appellationsgericht erhobene Vorwurf der mangelhaften Kommunikation zu berücksichtigen wäre, müsste dieser als wenig glaubhaft zurückgewiesen oder als nicht schwerwiegend genug taxiert werden, um einen vollständigen Vertrauensverlust und damit einen Wechsel des unentgeltlichen Rechtsvertreters zu begründen. Wäre der weitere Vorwurf des Vergleichsdrucks, der erst in der Beschwerde konkretisiert worden sei, zu berücksichtigen, wäre er als unberechtigt zurückzuweisen. Sodann müsste auch der Vorwurf von weiteren Fehlern in der Prozessführung, der erst in der Beschwerde etwas näher ausgeführt worden sei, als unbeheflich zurückgewiesen werden, wenn er zu berücksichtigen wäre. Aus den entsprechenden überzeugenden Erwägungen ist grundsätzlich zu schliessen, dass keine Gründe der in vorstehender Erwägung 2.2.2 genannten Art gegeben sind, nach denen angenommen werden könnte, dass der Beschwerdeführerin durch die Abweisung ihres Gesuchs um Wechsel des unentgeltlichen Rechtsvertreters ein nicht wieder gutzumachender Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG droht. Etwas anderes springt auch unter Berücksichtigung der Ausführungen, welche die Beschwerdeführerin diesen Entscheidgründen entgegen setzt, nicht offensichtlich in die Augen. So stellt sie den Ausführungen der Vorinstanz, ohne auf diese hinreichend einzugehen, im Wesentlichen bloss ihre eigene Sicht der Dinge gegenüber, indem sie dem Rechtsvertreter beispielsweise unsubstanziiert vorwirft, dass er ihr verschwiegen habe, wie schwierig es sei, ein "solches Verfahren" zu gewinnen, und dass er durch das Fehlen einer Strategie den Prozess verzögert habe. Insgesamt tut sie keine hinreichend konkretisierten und substanziierten Anhaltspunkte bzw. Umstände dar, aufgrund der offensichtlich würde, dass ihr ein nicht wieder gutzumachender Nachteil drohe, weil eine Interessenkollision des unentgeltlichen Rechtsvertreters vorläge, weil dieser offensichtlich unfähig zur Erfüllung seiner Aufgabe wäre, weil er seine Pflichten vernachlässigt oder seine Berufs- und Standespflichten grob verletzt hätte oder weil ein Vertrauensverlust in ihn wegen dessen interessenschädigenden Verhaltens als objektiv verständlich erscheinen würde.