Citation: 1P.338/2000 23.10.2000 E. 4

4. Auflage, § 98.2 Rz. 7-14 S. 418 ff.; Niklaus Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, Bern 1994, Nr. 38.25 S. 540; a.M. Gérard Piquerez, Procédure pénale suisse, Zürich 2000, Rz. 3351; derselbe, L'interdiction de la reformatio in pejus en procédure civile et en procédure pénale, Mélanges Assista, Genf 1989, S. 499-517, insbes. 512; Franz Hasenböhler, zur Appellation im basellandschaftlichen Strafverfahren, BJM 1971 73). Die herrschende Meinung geht davon aus, dass ein rechtlicher Nachteil ohne konkrete, tatsächliche Auswirkung einen durchschnittlichen Straftäter kaum berühren und ihn jedenfalls nicht davon abhalten werde, ein Rechtsmittel einzulegen, wenn er sich davon eine Herabsetzung der Strafe oder einen andern konkreten Vorteil verspreche. Das Verschlechterungsverbot hindere den Richter daher nicht daran, die Straftat rechtlich korrekt zu qualifizieren. Die Zürcher Rechtsprechung war bis 1949 uneinheitlich und betrachtete z.T. - ohne nähere Begründung - auch die Abänderung des Schuldpunktes als unzulässige reformatio in peius (vgl. Nachweise in ZR 57/1958 Nr. 18). Im Entscheid vom 15. Januar 1949 setzte sich das Kassationsgericht erstmals mit der Tragweite des Verschlechterungsverbots auseinander und kam zum Ergebnis, § 399 StPO/ZH verbiete nur die schwerere Bestrafung, nicht auch die schwerere Bewertung der Straftat (ZR 48/1949 Nr. 200). Diese Auffassung wurde seither beibehalten (vgl. ZR 57/1958 Nr. 18 und 59/1960 Nr. 59). Auch die Kommentarliteratur zu § 399 StPO/ZH geht davon aus, dass sich das Verschlechterungsverbot auf Art und Höhe der Rechtsfolgen der Tat beschränkt (vgl. Niklaus Schmid, Strafprozessrecht,