Citation: 6B_1363/2019 E. 1.5.3

1.5.3. Der Beschwerdeführer behauptet auch nicht substanziiert, das Gutachten von Prof. Dr. H.________ vom 25. September 2014 inkl. ergänzende Stellungnahmen vom 5. November 2015 und 11. September 2018 leide an einem offensichtlichen Mangel. Der Beschwerdeführer trägt insbesondere nichts vor, das bei der Vorinstanz aus methodischer Sicht Zweifel an der Schlüssigkeit des Gutachtens hätte aufkommen lassen müssen oder dieses formell mangelhaft erscheinen lassen könnte. Für eine teilweise erhaltene Steuerungsfähigkeit sprechen gemäss Prof. Dr. H.________ - nebst dem Abwarten eines "günstigen" Moments für den Angriff - das Fluchtverhalten des Beschwerdeführers bei Eintreffen der Polizei, der lang hingestreckte Tatablauf mit mehrfachen Unterbrüchen der Aggressionshandlungen, der Umstand, dass der Beschwerdeführer auf die Ansprache des Tramführers zunächst relativ adäquat reagierte und die tatnahe Aussage des Beschwerdeführers gegenüber der Polizei, etwas übertrieben zu haben (oben E. 1.3.5). Die Zweitgutachterin Dr. G.________ widerspricht Prof. Dr. H.________ insofern, als ihrer Ansicht nach der Unterbruch der Aggressionshandlungen durch den Beschwerdeführer nach dem initialen Angriff und die weiteren mit Unterbrechungen während mehr als zwanzig Minuten erfolgten Angriffe auf den wehrlosen Beschwerdegegner 2 nicht zwingend auf eine teilweise erhaltene Steuerungsfähigkeit hindeuten (Gutachten Dr. G.________, S. 100; Ergänzungsgutachten Dr. G.________, S. 49 und 53). Auch Dr. G.________ geht in Berücksichtigung des operativen Handlungsablaufs indes von einer bloss erheblich verminderten Schuldfähigkeit aus. Zwar ist gemäss Dr. G.________ aus forensisch-psychiatrischer Sicht ausgehend von der hochgradigen Affektdynamik vor dem Hintergrund des wahnhaften Erlebens auch eine gänzliche Aufhebung der Steuerungsfähigkeit nicht ausgeschlossen. Ob auf die eine oder andere Hypothese abzustellen und demnach von einer bloss erheblich verminderten Schuldfähigkeit oder im Gegenteil von Schuldunfähigkeit auszugehen ist, betrifft gemäss Dr. G.________ jedoch nicht eine medizinische Frage, sondern eine juristisch-normative Entscheidung (oben E. 1.3.4). Zum gleichen Schluss gelangte bereits Prof. Dr. H.________ in seiner Stellungnahme vom 5. November 2015, in welcher er ebenfalls auf den normativen Beurteilungsspielraum des Gerichts verweist (oben E. 1.3.3). Letztlich decken sich die gutachterlichen Ausführungen von Dr. G.________ daher weitgehend mit denjenigen von Prof. Dr. H.________. Dr. G.________ geht grundsätzlich wie Prof. Dr. H.________ von einer bloss verminderten Schuldfähigkeit aus, auch wenn sie eine vollständige Schuldunfähigkeit nicht gänzlich ausschliesst.