Citation: 5A_624/2023 E. 6.3

6.3. Vor Kantonsgericht war allein die Abänderung der nachehelichen Unterhaltsbeiträge strittig (vgl. vorne E. 3 [auch zum Folgenden]). Das Kantonsgericht hat daher den Verhandlungsgrundsatz zur Anwendung gebracht (Art. 277 Abs. 1 und Art. 55 Abs. 1 ZPO). Auch die Beschwerdeführerin geht von der Anwendbarkeit dieses Grundsatzes aus. Der Klarheit halber ist dazu Folgendes festzuhalten: Im erstinstanzlichen Verfahren war nicht nur die Abänderung des nachehelichen Unterhalts strittig, sondern auch des Unterhalts an ein minderjähriges Kind. Mit Blick auf Art. 282 Abs. 2 ZPO (zu dessen Anwendbarkeit im Abänderungsverfahren vgl. STALDER/VAN DE GRAAF, in: Kurzkommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2021, N. 14 zu Art. 282 ZPO) fragt sich daher, ob nicht im Rechtsmittelverfahren die uneingeschränkte Untersuchungsmaxime nach Art. 296 Abs. 1 ZPO zur Anwendung gelangte, obgleich dieses allein die Unterhaltsbeiträge an den (ehemaligen) Ehegatten betraf (vgl. Urteil 5A_119/2021 vom 14. September 2021 E. 6.2; vgl. weiter BGE 148 III 270 E. 6.4 S. 290 [auch zum Folgenden]). Solches würde sich indes nur aufgrund der zwischen dem Kindesunterhalt und dem Unterhalt an den (ehemaligen) Ehegatten bestehenden Interdependenz rechtfertigen (vgl. auch AESCHLIMANN, in: FamKomm Scheidung, Band II, 4. Aufl. 2022, N. 43 zu Art. 282 ZPO; SPYCHER, in: Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band II, 2012, N. 31 zu Art. 282 ZPO; allgemein zu dieser Interdependenz vgl. BGE 147 III 301 E. 2.2). Vorliegend war im Berufungsverfahren der nacheheliche Unterhalt nach dem 18. August 2022 und damit allein in einem Zeitraum umstritten, in dem kein Unterhalt an ein minderjähriges Kind mehr in Frage stand, da der Sohn am 2. November 2021 volljährig geworden war. Zu einer Wechselwirkung zwischen dem Kindesunterhalt und dem Unterhalt an den ehemaligen Ehegatten konnte es daher nicht kommen und die Anwendung der uneingeschränkten Untersuchungsmaxime im Rechtsmittelverfahren rechtfertigte sich nicht. Das Kantonsgericht hat im Berufungsverfahren daher richtigerweise den Verhandlungsgrundsatz (Art. 277 Abs. 1 ZPO) zur Anwendung gebracht.