Citation: 5A_13/2024 E. 4.3.6

4.3.6. Schliesslich beklagen sich die Beschwerdeführerinnen darüber, dass das zunehmende Alter und die damit einhergehenden Veränderungen im Leben der Beschwerdeführerin 2 als Abänderungsgrund generell ausgeschlossen würden, sollte der angefochtene Entscheid Bestand haben. Die Beschwerdeführerin 2 wäre dazu verurteilt, die im Jahre 2018 getroffene Regelung der KESB bis zu ihrer Volljährigkeit zu leben. Auch bei Übertritt in die Oberstufe müsste die Beschwerdeführerin 2 weiterhin an drei Wochenenden von Freitagnachmittag bis Montagmorgen weg von zu Hause; die Fahrten am Montag wären noch früher zu starten, da die Schule in der Oberstufe früher beginnt, und den altersgerechten Austausch mit Gleichaltrigen könne die Beschwerdeführerin 2 "ebenfalls vergessen". Für die Beschwerdeführerinnen mutiert Art. 298d Abs. 2 ZGB mit dem angefochtenen Entscheid zu einer Bestimmung, die erst dann in Betracht gezogen werden könne, wenn ein medizinischer Befund vorliegt, das Kind also bereits geschädigt wurde. Das Argument der Vorinstanz, dass das zunehmende Alter der Beschwerdeführerin 2 beim Entscheid der KESB bereits bekannt gewesen sei, würde jede Änderung ausschliessen. Die Dynamik der Entwicklung des Kindes, aber auch der Eltern, bleibe ungewiss; gerade dafür habe der Gesetzgeber Art. 298d ZGB geschaffen. Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerinnen schliesst die Vorinstanz weder das zunehmende Alter der Beschwerdeführerin 2 noch die damit einhergehenden Veränderungen a priori als Grund für eine Abänderung der geltenden Betreuungsregelung gestützt auf Art. 298d ZGB aus, und zwar auch nicht mit der Erklärung, dass die mit der fortschreitenden Kindesentwicklung verbundenen Veränderungen im Zeitpunkt, als die KESB am 9. Juli 2018 ihren Entscheid fällte, bekannt bzw. voraussehbar gewesen seien. Im genannten Zeitpunkt vorhersehbar waren laut dem angefochtenen Entscheid vielmehr die Belastungen, die sich aus der Betreuungsregelung der KESB und dem Pendeln zwischen V.________ (SG) und U.________ (ZH) seit Schulbeginn ergeben (s. vorne E. 4.2). In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die KESB je nachdem, ob die Distanz zwischen den Wohnsitzen der Eltern vierzig Kilometer überschreitet oder nicht, für die Zeit ab Eintritt der Beschwerdeführerin 2 in den Kindergarten ausdrücklich zwei verschiedene Regelungen erliess (s. Sachverhalt Bst. A.b). Weshalb das Kantonsgericht in Anbetracht dieser Differenzierung nicht zum Schluss kommen durfte, dass die mit der Betreuungsregelung verbundenen Beschwerlichkeiten bei Erlass des Entscheids der KESB (zumindest) vorhersehbar waren, zeigen die Beschwerdeführerinnen nicht auf und ist auch nicht ersichtlich, drängt sich angesichts der genannten Unterscheidung nach der Distanz zwischen den elterlichen Wohnsitzen doch geradezu der Schluss auf, dass die KESB die Herausforderungen, die mit ausgedehnten Betreuungswochenenden beim Beschwerdegegner ab Eintritt in den Kindergarten auf die Beschwerdeführerin 2 und ihre Eltern zukamen, auch tatsächlich vorhersah und berücksichtigte.