Citation: 6B_729/2024 E. 2.7.3

2.7.3. Schliesslich verweist der Beschwerdeführer auf das Privatgutachten, welches er in Auftrag gab. Darin werde der Schluss gezogen, dass keine Sorgfaltspflicht (recte wohl: Sorgfaltspflichtverletzung) zu erkennen sei. Der Gerichtsgutachter habe auf eigene Faust und ohne über die erforderlichen Fachkenntnisse zu verfügen, eigene Tests mit irgendwelchen Metallclips und irgendwelchen Metallclip-Applikatoren durchgeführt und ihm darauf basierend unerhörte Vorwürfe gemacht. Auch diese Rüge ist unbegründet. Privatgutachten haben nicht den gleichen Stellenwert wie ein Gutachten, das von der Untersuchungsbehörde oder vom Gericht eingeholt wurde. Nach der konstanten Praxis des Bundesgerichts bilden Privatgutachten bloss Bestandteil der Parteivorbringen. Die Qualität von Beweismitteln haben sie nicht. Dies gilt auch, wenn das Privatgutachten durch eine erfahrene und etablierte Fachperson erstellt wird, die auch als Gerichtsgutachter beigezogen werden könnte. Es ist zweifelhaft, ob ein Privatgutachten die Überzeugungskraft eines gerichtlichen oder amtlichen Gutachtens zu erschüttern vermag. Immerhin kann es unter Umständen aber geeignet sein, Zweifel an der Schlüssigkeit eines Gerichtsgutachtens oder die Notwendigkeit eines zusätzlichen Gutachtens zu begründen. Wie bei jeder substanziiert vorgebrachten Einwendung ist das Gericht deshalb verpflichtet zu prüfen, ob das Privatgutachten die Schlussfolgerungen des behördlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (BGE 141 IV 369 E. 6.2, 305 E. 6.6.1; Urteile 6B_748/2016 vom 22. August 2016 E. 2.4.4; 6B_215/2013 vom 27. Januar 2014 E. 1.2; je mit Hinweisen). Die Vorinstanz setzt sich ausführlich mit dem Privatgutachten auseinander. Dabei legt sie überzeugend dar, weshalb es die Ausführungen des Gerichtsgutachters nicht entkräftet. Die Ausführungen im Privatgutachten überzeugten nämlich nicht. Der Gerichtsgutachter habe verschiedene Thesen des Privatgutachtens widerlegt. Insbesondere setzten sich die Privatgutachter nicht mit den ärztlichen Regeln bei einer Gallenblasen-Operation auseinander. Vielmehr bezeichneten sie die Operation einzig unter Hinweis auf den Operationsbericht als regelkonform. So hielten sie fest, sie könnten "in Anbetracht des Operationsprotokolls keine Sorgfaltspflichtverletzung" erkennen, da die Metallclips "als korrekt appliziert beschrieben" worden seien. Demgegenüber habe der Gerichtsgutachter minutiös und im Resultat überzeugend dargetan, dass der Operationsbericht wenig ausführlich sei und die Nachvollziehbarkeit der einzelnen Operationsschritte, wie sie gemäss Fachliteratur empfohlen würden, nicht erlaube. Zudem stehe die Feststellung, die Operation sei lege artis erfolgt, den schlüssig begründeten Erkenntnissen des Gerichtsgutachters diametral entgegen. Einmal mehr betont die Vorinstanz, dass bereits das IRM St. Gallen bei der Obduktion festgestellt habe, dass die Metallclips entgegen dem Operationsbericht nicht fachgerecht angebracht worden seien.