Citation: 6B_23/2021 E. 3.5

3.5. Die Verhaftungen der fünf Mitbeschuldigten erfolgten laut den vorinstanzlichen Feststellungen zwischen dem 30. Juni 2011 und dem 22. Februar 2012 und damit rund neun Monate bis einen Monat vor der Festnahme des Beschwerdeführers, welche am 29. März 2012 stattfand (vgl. angefochtener Entscheid E. I.4 und I.7 ff. S. 11 f.). Zutreffend hält die Vorinstanz fest, dass dem Beschleunigungsgebot bezüglich der Mitbeschuldigten haftbedingt besondere Bedeutung beigemessen werden musste (vgl. Art. 5 Abs. 2 StPO; angefochtener Entscheid E. II.2.1.3 S. 20). Für den zuletzt verhafteten Beschwerdeführer gilt dies jedoch grundsätzlich gleichermassen. Das Verfahren gegen den Beschwerdeführer gestaltete sich indes wesentlich komplexer und aufwändiger als die gegen die Mitbeschuldigten geführten Verfahren. Im Unterschied zu den Mitbeschuldigten C.________, F.________ und B.________ war der Beschwerdeführer im Untersuchungsverfahren nie geständig; überdies wurde er nie bei einer Drogenübergabe beobachtet (angefochtener Entscheid E. II.2.1.3 S. 20). Zu beachten ist denn auch, dass die Untersuchung in Bezug auf den Beschwerdeführer auf eine Tatbeteiligung gerichtet war, die sich in ihrer Art und Weise wesentlich von jener der Mitbeschuldigten unterscheidet. Nach dem als erstellt geltenden Sachverhalt waren vier der fünf Mitbeschuldigten (C.________, D.________, E.________ und F.________) sog. Läufer, welche Drogen aus dem bandeninternen Vertriebsnetz entgegennahmen und gemäss Instruktion an die Endkonsumenten auslieferten (vgl. angefochtener Entscheid E. III.7 S. 54 f.). Der Beschwerdeführer soll demgegenüber mehr im Hintergrund tätig gewesen sein. Die von ihm innerhalb des Vertriebsnetzwerks ausgeübte Funktion wird als jene des "Logistikers" beschrieben, der im Auftrag und nach Weisung des in Albanien weilenden Bandenoberhaupts in der Schweiz die Läufer mit dem auszuliefernden Heroin versorgt und für diese logistische Tätigkeiten erledigt, beispielsweise Hilfs- und Kommunikationsmittel zur Verfügung gestellt habe. In dieser Stellung sei er dem risikobehafteten Geschäft "auf der Gasse" nicht ausgesetzt und den Läufern hierarchisch übergeordnet gewesen, ohne diesen gegenüber aber direkt weisungsbefugt gewesen zu sein (angefochtener Entscheid E. III.7 S. 54 f.; vgl. auch Anklageschrift, erstinstanzliche Akten pag. 004 ff.). Ein solches Verhalten ist naturgemäss schwerer zu erfassen und zu beweisen. Insbesondere angesichts dessen erscheint nachvollziehbar, dass laut der Vorinstanz eine rasche Aburteilung des Beschwerdeführers im Zeitpunkt des Abschlusses der gegen die Mitbeschuldigten geführten polizeilichen Ermittlungen noch nicht wie bei den Mitbeschuldigten absehbar war; der Beschwerdeführer stellt solches denn auch nicht in Abrede. Während die polizeilichen Ermittlungen gegen die Mitbeschuldigten mit Strafanzeigen vom 27. Januar 2012 (C.________), 26. Juni 2012 (D.________), 3. August 2012 (E.________ und F.________) sowie 12. November 2012 (B.________) abgeschlossen werden konnten, erging die gegen den Beschwerdeführer gerichtete Strafanzeige erst am 5. August 2014. Die Urteile gegen die Mitbeschuldigten datieren vom 6. September 2012 (C.________), 14. Mai 2013 (D.________), 9. Juli 2013 (F.________), 5. Dezember 2013 (E.________) und 17. Dezember 2012 (B.________). Wie die Vorinstanz betont, machte die getrennte Verfahrensführung somit die rechtskräftige Aburteilung der Mitbeschuldigten knapp zwei Jahre (im Fall von C.________) bis acht Monate (im Fall von E.________) vor Abschluss - nur schon - der polizeilichen Ermittlungen gegen den Beschwerdeführer möglich (angefochtener Entscheid E. II.2.1.3 S. 20). Die Verletzung des Beschleunigungsgebots im Verfahren gegen den Beschwerdeführer bleibt hierfür ohne Bedeutung, erfolgten doch die diesbezüglich massgeblichen Verfahrensverzögerungen erst nach Ergehen der Strafanzeige gegen den Beschwerdeführer (zur Verletzung des Beschleunigungsgebots vgl. E. 4 unten). Eine klassische Konstellation wechselseitiger Belastungen bzw. Aussagen des Beschwerdeführers und der Mitbeschuldigten lag im Weiteren nicht vor. Den beigezogenen Aussagen der Mitbeschuldigten, insbesondere von C.________ und F.________, lassen sich zwar diverse Hinweise entnehmen, welche die Erkenntnisse aus der Überwachung des Fernmeldeverkehrs untermauern und/oder weiter verständlich machen (vgl. z.B. angefochtener Entscheid E. III.2.2 S. 25 ff., insbesondere E. III.2.9 S. 32 f.; E. III.4.4 ff. S. 45 ff., insbesondere E. III.4.8 S. 51). Wenn auch diese Aussagen den Beschwerdeführer insoweit belasten, so waren Umfang und Art der ihm zur Last gelegten Beteiligung gleichwohl nicht wechselseitig bestritten. Der Beschwerdeführer behauptet nicht und den vorinstanzlichen Ausführungen lässt sich nicht entnehmen, dass die Mitbeschuldigten die dem Beschwerdeführer vorgeworfene Rolle innerhalb der Bande konkret angelastet hätten. Zu erwähnen ist insbesondere, dass D.________ überhaupt keine den Beschwerdeführer belastenden Aussagen machte (angefochtener Entscheid E. III.3.1 S. 35) und C.________ zuletzt gar (zugunsten des Beschwerdeführers) aussagte, er habe das Heroin nur von einer blonden Frau und nie vom Beschwerdeführer erhalten (angefochtener Entscheid E. III.2.9 S. 34). B.________ räumte einzig ein, C.________ vom 18. bis 30. Juni 2011 (als der Beschwerdeführer auslandabwesend war) mit Heroin versorgt zu haben, nannte selber indes keine Namen und belastete den Beschwerdeführer nicht konkret (angefochtener Entscheid E. III.2.3 S. 29). Auf die Angaben von E.________ stellt die Vorinstanz ferner nicht ab (angefochtener Entscheid E. III.4.7 S. 51). Alles in allem war es vielmehr einzig der Beschwerdeführer, der die ihm vorgeworfene Rolle direkt einer konkreten Drittperson, nämlich B.________, zuschreiben wollte, nicht aber umgekehrt (angefochtener Entscheid E. III.2.8 f. S. 31 ff.). Eine besondere Gefahr, dass die dem Beschwerdeführer vorgeworfene Verantwortung zwischen ihm und den Mitbeschuldigten gegenseitig zugeschoben würde, musste die Vorinstanz demgemäss nicht erkennen. Davon abgesehen stützt die Vorinstanz ihre Beweiswürdigung ohnehin nicht primär auf die Aussagen der Mitbeschuldigten, sondern leitet das dem Beschwerdeführer zur Last gelegte Verhalten hauptsächlich aus den Ergebnissen der Überwachung des Fernmeldeverkehrs ab. Die Aussagen der Mitbeschuldigten zieht sie im Wesentlichen bestätigend herbei (angefochtener Entscheid E. II.2.2.2 S. 22; vgl. auch E. III.2.9 S. 32, E. III.3.8 S. 42, E. III.4.8 S. 51, E. III.5 f. S. 53 f.).