Citation: 6B_1090/2009 20.05.2010 E. 1.5

1.5.1 Der Beschwerdeführer erwähnt zutreffend, worauf auch die Vorinstanz hinweist, dass sich das forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. G.________ vom 26. August 2009 von den beiden Nachträgen vom 3. und 15. September 2009 in ihrer Analyse über den Beschwerdeführer und den hieraus zu ziehenden Schlussfolgerungen wesentlich unterscheidet. Dr. G.________ stützt seine Meinungsänderung, die er im Nachtragsbericht vom 3. September 2009 festhielt, auf den gleichentags erfolgten Telefonanruf von A.________. Demnach spitze sich die Lage zu, der Beschwerdeführer beschuldige immer eindeutiger eine Mitbewohnerin, für den ganzen Drogensumpf, der sich im Haus befinde, verantwortlich zu sein. Ferner habe sich der Beschwerdeführer gemäss Mitteilung vom 2. September 2009 von Frau C.________, Abteilungsleiterin der Vollzugs- und Bewährungsdienste des Kantons Luzern, über Stimmen, d.h. akustische Halluzinationen, beklagt (Fasz. 8 act. 19 der Vorakten). Die Vorinstanz schliesst in Übereinstimmung mit Dr. G.________ aus diesem medizinischen Befund, dass sich der Beschwerdeführer in eine akut psychotische Not hineinsteigert, wie dies bereits Mitte Dezember 2007 der Fall gewesen sei. 1.5.2 Mit Schreiben vom 17. Dezember 2009 an den Rechtsanwalt des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerdebeilage 5) erläutert A.________ die Umstände und den Inhalt des Telefongesprächs vom 3. September 2009 mit Dr. G.________. Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. H.________, [in] I.________, habe sich am 20. August 2009 an den Verein V.________ gewandt und einen Fürsorgerischen Freiheitsentzug vorgeschlagen, nachdem der Kantonsarzt Nidwalden von einer potentiellen Gefährdung der Nachbarn des Beschwerdeführers gesprochen habe. Er (A.________) habe dies Dr. G.________ am 3. September 2009 telefonisch mitgeteilt und die Probleme des Beschwerdeführers, wie sie anschliessend im Bericht des Vereins V.________ vom 10. September 2009 zum Ausdruck gekommen seien, geschildert. Gleichzeitig habe er festgehalten, dass der Beschwerdeführer sehr kooperativ mit ihnen zusammenarbeite und sich von Gewalttätigkeiten distanziere. Der Bericht vom 10. September 2009 stimme immer noch mit ihrem aktuellen Eindruck überein. 1.5.3 Der Beschwerdeführer macht zu Recht geltend, dass der Inhalt eines einzelnen nicht verifizierten Telefonanrufs den Anforderungen zur Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens nicht genügt. Der Gutachter Dr. G.________ legt in seinem Nachtragsbericht vom 3. September 2009 selber offen, dass ihn lediglich die telefonische Mitteilung von A.________ zum entgegengesetzten Schluss kommen liess, wie er ihn im Gutachten vom 26. August 2009 noch gezogen hatte. Es ist nicht ersichtlich, dass er mit Blick auf seine neue Diagnosestellung den Beschwerdeführer persönlich befragt oder weitere Erkenntnisquellen beigezogen hätte. Zwar führte er am Vortag, dem 2. September 2009, eine Konsultation mit dem Beschwerdeführer durch. Hierzu erwähnte Dr. G.________ in seinem Nachtragsbericht vom 3. September 2009 lediglich, dass der Beschwerdeführer das "übliche, psychopathologisch relativ unauffällige Bild" zeigte. 1.5.4 Die formlose Befragung von Drittpersonen aus dem näheren oder weiteren Umfeld der beschuldigten Person, wie vorliegend das Telefongespräch mit A.________, stellt eine sogenannte Fremdanamnese dar. Fremdanamnesen ohne Berücksichtigung von Verfahrensrechten werden immer mehr in Frage gestellt (vgl. hierzu ANDREAS DONATSCH/NIKLAUS SCHMID, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Dezember 1997 § 115 N. 35; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6P.40/2001 vom 14. September 2001 E. 4.d.bb mit Hinweisen auf grundsätzliche Kritik an Fremdanamnesen). Vorgeschlagen wird etwa, dass belastende Aussagen Dritter nur ins Gutachten einfliessen dürfen, wenn eine justizförmige, d.h. förmliche, parteiöffentliche Befragung unter Wahrung der Parteirechte, stattgefunden hat (MATTHIAS BRUNNER, Psychiatrische Begutachtung - Aspekte der Verteidigung, in: Marianne Heer/Christian Schöbi [Hrsg.], Gericht und Expertise, Schriften der Stiftung für die Weiterbildung schweizerischer Richterinnen und Richter, SWR Bd. 6, 2005, S. 185 ff., S. 195). Weniger weitgehend wird auch vertreten, dass Befundtatsachen, die der Experte kraft seines Spezialwissens erhebt, verwertbar seien, während Zusatztatsachen, die auch die Staatsanwaltschaft oder das Gericht ermitteln könnten, erst nach einer justizförmigen Befragung beachtet werden dürften (hierzu DONATSCH/ SCHMID, a.a.O., § 115 N. 35). Als zulässig angesehen werden im Allgemeinen sogenannte informatorische Befragungen von kleineren sachdienlichen Auskünften durch eine sachverständige Person bei Auskunftspersonen (HANS LUDWIG SCHREIBER/HENNING ROSENAU, Der Sachverständige im Verfahren und in der Verhandlung, in: Klaus Foerster, Harald Dressing (Hrsg.), Psychiatrische Begutachtung, 5. Aufl., 2005, S. 153 ff., S. 162 f. Der Bericht von Dr. G.________ über die Zuspitzung der Situation fusst unzweifelhaft einzig auf den (telefonischen) Angaben von A.________ und stellt daher eine Fremdanamnese dar, die klarerweise über eine blosse informatorische Befragung von kleineren Auskünften hinausgeht. Soweit eine solche Fremdanamnese als zulässig erachtet wird, müssten verschiedene Formvorschriften beachtet werden, so die Orientierung der befragten Person über den Stellenwert und die Funktion des Gutachtens, der Hinweis, dass die Aussagen in das Gutachten einfliessen können sowie die Belehrung über das Aussage- und Zeugnisverweigerungsrecht. Die Einhaltung dieser Formvorschriften ist im Gutachten zu protokollieren, und es ist sicherzustellen, dass die fraglichen Aussagen detailliert dokumentiert werden (zur Dokumentationspflicht BRUNNER, a.a.O., S. 196; vgl. auch § 30 der Verordnung des Obergerichts des Kantons Luzern über psychiatrische und aussagepsychologische Gutachten im Strafverfahren vom 8. Januar 2002 [in der Fassung gemäss Änderung vom 19. Mai 2009; SRL 315]).