Citation: U 96/03 07.07.2003 E. 4

Zu prüfen ist, ob der Gesundheitsschaden die natürlich und adäquat kausale Folge eines versicherten Unfallereignisses ist. 4.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers gemäss UVG (Art. 6 Abs. 1 UVG) setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 119 V 337 Erw. 1). 4.1.1 Gemäss Bericht des Schadeninspektors der NATIONAL vom 6. November 2001 (nachfolgend: Inspektorenbericht) beschrieb die Versicherte ihm gegenüber anlässlich einer Besprechung vom 26. Oktober 2001 das Ereignis von Mitte Februar 1998 wie folgt: "Versicherte spielte damals in der Juniorinnenabteilung des Handballclubs. Im Training habe ihr eine Trainingskollegin, welche als Abwehrspielerin übte, von hinten in den Wurfarm (rechts) gegriffen. Die Kollegin hätte ca. Mitte Unterarm eingegriffen. Es habe einen spürbaren Knacks im Schultergelenk gegeben und sie habe einen heftigen stichartigen Schmerz verspürt, der einige Tage angehalten hätte. Das ganze hätte sich angefühlt, wie wenn die Schulter aus- und wieder eingekugelt wäre. [...] Am 17.8.1998 erstmalige ärztliche Behandlung beim damaligen Hausarzt Dr. med. E.________. Da dieser damals an eine Überbeanspruchung der Schulter glaubte, wurde jene Behandlung von der KK bezahlt." Und zum weiteren Beschwerdeverlauf ist dem Inspektorenbericht zu entnehmen: "Wie schon erwähnt, gewöhnte sich die Versicherte eine gewisse Schonhaltung an, die es ihr erlaubte, im Alltag, aber auch im Handball weitgehend normal agieren zu können. Lediglich das Heben über Kopf von schweren Lasten sowie die normale Wurfhaltung wäre nicht mehr möglich gewesen ohne stichartige Beschwerden, die aber bald wieder vergingen. So habe sie die Saisons 98/99 und 99/00 durchgespielt in der Juniorinnenmannschaft. Von August bis November 2000 war sie im Ausland und von Dezember 2000 bis März 2001 habe sie bei der 2. Mannschaft von der Spielvereinigung Z.________ 1. Liga gespielt. Ab April 2001 besuchte sie dann das Training der 1. Mannschaft der Nationalliga A, der obersten Spielklasse mit teilweise Profispielerinnen in der Schweiz. Die Angaben der Versicherten erscheinen plausibel und glaubhaft." Im Rahmen des seit Frühjahr 2001 mit der Nationalliga-A-Mannschaft besuchten Handballtrainings, insbesondere bei intensiven Wurftrainings, wurde M.________ gemäss Inspektorenbericht darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht den ergonomisch idealen Bewegungsablauf einhalte. Um dem - beim empfohlenen Bewegungsablauf - verspürten Stichschmerz auszuweichen, habe sie sich angewöhnt, den Ball entweder mit dem Arm über den Kopf hinweg oder unterhalb der Horizontalen (eine Art Schlenzerschuss) abzuschiessen. Nach diesen Hinweisen aus dem Wurftraining habe sie sich zunächst in die Behandlung ihres neuen Hausarztes Dr. med. H.________ und sodann in diejenige des Dr. med. K.________ ins Spital Y.________ begeben. 4.1.2 Der von der Versicherten beschriebene Geschehensablauf, welcher zu den geklagten Schmerzen führte, entspricht einem im Handballsport erfahrungsgemäss häufig zu beobachtenden Regelverstoss, bei welchem ein Spieler zum Wurf ausholt und vor Abgabe des Balles durch plötzliches Eingreifen eines Gegenspielers von hinten in den Wurfarm der vorgesehene Bewegungsablauf programmwidrig abrupt unterbrochen wird, um dadurch den Angreifer am Abschuss des Balles zu hindern. Sportunfälle erfüllen infolge mechanischer Einwirkung eines äusseren Faktors auf den Körper (Sturz, Zusammenstoss etc.) in der Regel den Unfallbegriff; die Ungewöhnlichkeit eines Vorfalles kann nicht deshalb verneint werden, weil es sich dabei um einen in der betreffenden Sportart verbreiteten Regelverstoss handelt, für den die Spielregeln Sanktionen vorsehen, da mit einer solchen Sichtweise die Annahme eines Unfalles in vielen Fällen fast zwangsläufig ausser Betracht fiele (SVR 1999 UV Nr. 9 S. 28 f. Erw. 3c/dd mit Hinweis). 4.1.3 Obwohl M.________ sich nicht mehr an ein bestimmtes Datum zu erinnern vermochte, erkannte die Vorinstanz zutreffend, dass die Versicherte glaubhaft darlegte, im Februar 1998 anlässlich eines Handballtrainings sich eine Verletzung an der rechten Schulter zugezogen zu haben. Dies wird durch den medizinischen Befund des operierenden orthopädischen Chirurgen Dr. med. K.________ bestätigt, wonach dieser schon intraoperativ einen bis posterior erhaltenen Labrumrand "ohne Abnützung im posterioren Bereich, wie es bei Werferschultern häufig ist", fand (Operationsbericht vom 17. September 2001). Nachträglich entkräftete der Sportmediziner zudem ausdrücklich die abweichende Auffassung des Administrativexperten mit dem Hinweis darauf, dass er bei M.________ "einen basisnahen Abriss, wie er typischerweise bei Verletzungen auftritt", festgestellt habe, jedoch das vordere Labrum nicht ausgefranst gewesen sei, was gegebenenfalls auf "eine durch Abnützung oder Mikrotrauma bedingte Labrumläsion" hätte hindeuten können. Somit spricht auch dieses Indiz für das Vorliegen eines Unfalles (vgl. RKUV 1990 Nr. U 86 S. 51 Erw. 2 mit Hinweisen). Die Beurteilung des Dr. med. K.________ vom 26. August 2001 ist in Verbindung mit dem Operationsbericht vom 17. September 2001 - im Gegensatz zur Einschätzung des Dr. med. V.________ - in sich widerspruchsfrei, setzt sich nachvollziehbar und überzeugend mit der abweichenden Meinung des Administrativexperten auseinander und beruht auf eigenen Untersuchungen der Versicherten (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis), sodass hier ausschlaggebend darauf abzustellen ist. 4.1.4 Demnach steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die anlässlich der Operation vom 17. September 2001 behandelte und organisch nachgewiesene anteriore Labrumläsion an der rechten Schulter der Versicherten nach begründeter naturwissenschaftlich-medizinischer Auffassung eine Folge des Unfalles ist. 4.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen). Bei körperlichen Gesundheitsschäden spielt die Adäquanz als rechtliche Beschränkung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, weil die Unfallversicherung auch für seltenste, schwerwiegendste Komplikationen haftet, welche nach der unfallmedizinischen Erfahrung im Allgemeinen gerade nicht einzutreten pflegen (BGE 118 V 291 f. Erw. 3a mit Hinweis). 4.3 Ist folglich zusammenfassend der natürliche (Erw. 4.1.4 hievor) und adäquate (Erw. 4.2 hievor) Kausalzusammenhang zwischen dem Gesundheitsschaden und dem Unfall zu bejahen, hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass die NATIONAL hinsichtlich der rechtsseitigen Schulterbeschwerden der Versicherten die gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen hat.