Citation: 8C_439/2017 E. 5.6.4

5.6.4. Die im Urteil 8C_754/2015 offen gelassene Frage, ob das Merkmal "Alter" in der obligatorischen Unfallversicherung grundsätzlich überhaupt einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen könnte, oder ob die Einflüsse der Altersfaktoren auf die Erwerbsfähigkeit in diesem Versicherungsbereich allein im Rahmen einer Anwendung der Sonderregelung von Art. 28 Abs. 4 UVV Berücksichtigung finden, musste das Bundesgericht im Urteil 8C_307/2017 nicht beurteilen. Sie kann auch im vorliegenden Fall offen bleiben, da die Voraussetzungen für einen altersbedingten Abzug vom Tabellenlohn ohnehin nicht erfüllt sind. Ob das Merkmal "Alter" einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt, ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkreter Umstände des Einzelfalls zu prüfen (Urteile 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.2; 9C_334/2013 vom 24. Juli 2013 E. 3). Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wo sich ein fortgeschrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswirken muss. Hilfsarbeiten werden auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt (Urteile 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1; 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3). Der Beschwerdegegner ist ausgebildeter Maschinenmechaniker und weist eine langjährige Berufserfahrung als Klärwärter auf. Davon kann er auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt profitieren und somit den Anpassungs- und Angewöhnungsaufwand minimal halten. Zudem fehlen Hinweise, wonach er in seiner Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit beeinträchtigt wäre. Dies ist auch mit Blick auf die kürzere Aktivitätsdauer positiv zu werten. Was die weiteren von der Vorinstanz erwähnten, sich bei der Wiedereinstellung älterer Arbeitnehmer möglicherweise lohnwirksam auswirkenden Faktoren wie hohe Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber, längere gesundheitliche Absenzen, vorzeitige Pensionierung, längerer Ferienanspruch und längere Kündigungsfristen betrifft, mag es zwar zutreffen, dass Arbeitnehmer in fortgeschrittenem Alter nach einem gesundheitlich bedingten Stellenverlust deswegen Lohneinbussen in Kauf nehmen müssen (vgl. dazu GEERTSEN, a.a.O., S. 143 ff). Mangels zuverlässiger statistischer Grundlagen, welche die lohnwirksamen Nachteile des fortgeschrittenen Alters bei einem Stellenverlust aufzeigen, kann dies indessen nicht generell-abstrakt beurteilt werden. Mit Bezug auf den über gute berufliche Qualifikationen verfügenden Beschwerdegegner fehlen ausreichende Anhaltspunkte dafür, dass er auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufgrund seines Alters verglichen mit anderen Beschäftigen seiner Alterskategorie mit einem geringeren Lohn rechnen müsste. Dies wird insbesondere auch im angefochtenen Entscheid nicht näher dargetan. Ein Abzug vom Tabellenlohn wegen des Alters lässt sich daher nicht begründen.