Citation: 4P.185/2006 11.10.2006 E. B

Am 18. April 2005 reichte der Arbeitnehmer beim Arbeitsgericht der Stadt Bern gegen den Arbeitgeber eine arbeitsrechtliche Forderungsklage über ca. Fr. 4'000.-- ein. Mit Schreiben des Arbeitsgerichts vom 29. September 2005 wurden die Parteien auf den Donnerstag, 17. November 2005 zur Fortsetzungsverhandlung geladen, zudem wurde auf Weisung des Vorsitzenden verfügt, Herr D.________ werde als Zeuge vorgeladen; auf die Zeugin C.________ werde verzichtet, da in den Strafakten i.S. A.________/B.________ bereits Aussagen von ihr enthalten seien. Im späteren Verlauf des Verfahrens erhöhte der Kläger seine Forderung auf insgesamt Fr. 7'999.95, indem er zusätzlich eine Entschädigung wegen ungerechtfertigter fristloser Entlassung verlangte. An der Verhandlung vom 17. November 2005 verurteilte das Arbeitsgericht den Beklagten, dem Kläger Fr. 4'711.65 brutto zu bezahlen und wies im Übrigen die Klage ab. In der schriftlichen Urteilsbegründung vom 12. April 2006 gab das Arbeitsgericht an, nach Aussagen von C.________ vom 18. März 2005 in der Strafsache gegen den Beklagten habe sie dessen Angriff auf den Kläger nicht beobachtet. Für das Gericht mache es deshalb keinen Sinn, sie als Zeugin vorzuladen. Weiter führte das Arbeitsgericht dem Sinne nach aus, der Kläger bringe zum einen vor, er habe, nachdem er vom Beklagten geschlagen worden sei, bei diesem nicht mehr arbeiten wollen. Andererseits gebe er an, er habe nach dem Vorfall vom 13. März 2005 seine Arbeit angeboten und eine Kündigung verlangt. Der Beklagte mache geltend, der Kläger habe am 13. März 2005 gegenüber seinem Stellvertreter D.________ fristlos gekündigt. Das Gericht folge den Angaben des Beklagten und des Zeugen D.________ und gehe davon aus, der Kläger habe das Arbeitsverhältnis am 13. März 2005 fristlos gekündigt. Er sei dazu berechtigt gewesen, da es ihm nach dem heftigen tätlichen Angriff durch den Beklagten nicht mehr zuzumuten gewesen sei, das Arbeitsverhältnis weiterzuführen. Dies auch dann nicht, wenn er vorher C.________ als "Schlampe" beschimpft oder die Gefahr bestanden hätte, dass er sie anfassen würde, denn die Verletzung der körperlichen Integrität des Klägers sei im Vergleich dazu jedenfalls krass unverhältnismässig gewesen. Da der Kläger die fristlose Kündigung aus wichtigem Grund ausgesprochen habe, habe er Anrecht auf Schadenersatz. Gemäss Art. 337b Abs. 2 OR bestünde jedoch die Möglichkeit der Reduktion, wenn der Grund zur Auflösung nicht im alleinigen Verschulden einer Partei liege. Ein leichtes Mitverschulden des Klägers am Vorfall vom 13. März 2005 sei zu bejahen (belästigende Annäherung an C.________, verbale Ausrutscher, Abstreiten der Vorwürfe von C.________), weshalb der Schadenersatzanspruch um 6 % gekürzt werde. Gegen das Urteil des Arbeitsgerichts erhob der Beklagte Nichtigkeitsklage, welche das Obergericht des Kantons Bern (Appellationshof) am 15. Juni 2006 abwies.