Citation: 8C_824/2023 E. A

Mit Verfügung vom 8. Juni 2004 sprach die IV-Stelle des Kantons St. Gallen (fortan: IV-Stelle oder Beschwerdeführerin) der 1970 geborenen A.________ ab 1. September 2002 eine ganze Invalidenrente (zuzüglich Zusatzrente für den Ehegatten sowie vier Kinderrenten) zu. Im Mai 2014 erhielt die IV-Stelle einen anonymen Hinweis, dass die Versicherte im Alltag "völlig normal funktioniere" und unter anderem als selbständige Versicherungsmaklerin tätig sei. In der Folge nahm sie Abklärungen vor und liess A.________ observieren. Am 3. Dezember 2014 erhob sie Strafklage bei der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen. Mit Verfügung vom 10. August 2015 stellte die IV-Stelle die laufenden Rentenzahlungen per sofort ein. Ein im Auftrag der Staatsanwaltschaft erstelltes psychiatrisches Gutachten vom 13. März 2018 attestierte A.________ eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10 F 43.23), die durch das 2015 eingeleitete Strafverfahren ausgelöst worden sei und aktuell "maximal eine 30 (-40) %ige Verminderung der Arbeitsfähigkeit" zur Folge habe. Für die Zeit vor der Rentenverfügung vom 8. Juni 2004 bis zur Eröffnung der Strafuntersuchung 2015 verneinte der Sachverständige hingegen einen Gesundheitsschaden bzw. eine Arbeitsunfähigkeit, indem er von einer gezielten Täuschung durch die Versicherte mit dem Ziel einer Berentung ausging. Gestützt auf das Gutachten hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. Juni 2018 ihre ursprüngliche Rentenverfügung vom 8. Juni 2004 auf und wies das Rentengesuch der A.________ im Rahmen einer umfassenden Neuprüfung ab. Am 20. Juli 2018 verfügte sie schliesslich die Rückerstattung von Fr. 664'540.-.