Citation: 1B_100/2018 E. 3.4

3.4. Bei der Beurteilung der Rückfallprognose ist nach der Praxis des Bundesgerichtes insbesondere auf die Häufigkeit und Intensität der fraglichen Delikte abzustellen. Im Rahmen dieser Bewertung sind allfällige Aggravationstendenzen, wie eine zunehmende Eskalation respektive Gewaltintensität oder eine raschere Kadenz der Taten, zu berücksichtigen. Zu würdigen sind des Weiteren die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten bzw. verurteilten Person. Ab wann die Wahrscheinlichkeit einer Rückfallgefahr als rechtserheblich einzustufen ist, stellt eine Rechtsfrage dar, zu deren Beurteilung die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens nicht in jedem Fall notwendig ist. In der Regel erscheint die Gefährdung der Sicherheit anderer umso höher, je schwerer die drohende Tat wiegt. Betreffend die Anforderungen an die Rückfallgefahr gilt hingegen eine umgekehrte Proportionalität. Dies bedeutet, je schwerer die drohenden Taten sind und je höher die Gefährdung der Sicherheit anderer ist, desto geringere Anforderungen sind an die Rückfallgefahr zu stellen. Liegen die Tatschwere und die Sicherheitsrelevanz am oberen Ende der Skala, so ist die Messlatte zur Annahme einer rechtserheblichen Rückfallgefahr tiefer anzusetzen. Zugleich ist daran festzuhalten, dass der Haftgrund der Wiederholungsgefahr restriktiv zu handhaben ist. Hieraus folgt, dass eine negative, d.h. eine ungünstige Rückfallprognose zur Annahme von Wiederholungsgefahr notwendig, grundsätzlich aber auch ausreichend ist (BGE 143 IV 9 E. 2.8-2.10 u. E. 3.4 S. 16 ff. mit Hinweisen). Nach den oben erwähnten Vorstrafen wurde der Beschwerdeführer im Dezember 2015 mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Gossau wegen Pornografie verurteilt, weil er zwei Frauen unaufgefordert Nacktfotos von sich und Aufnahmen eines erigierten Penis übermittelte. Neben der laufenden Strafuntersuchung, in welcher der Beschwerdeführer die Vornahme der Tathandlungen eingestanden hat, liess sich der bald 30-jährige Beschwerdeführer somit innert fünf Jahren vier rechtskräftige Vorstrafen aufgrund von Delikten gegen die sexuelle Integrität zu Schulden kommen. Er wurde aber nicht nur mit einer beachtlichen Häufigkeit straffällig, sondern delinquierte auch trotz laufender Strafuntersuchung sowie während der Probezeit und liess sich von unbedingt ausgesprochenen Strafen ebenfalls nicht abschrecken. Insoweit der Beschwerdeführer vorbringt, die früheren Delikte seien von geringer Intensität und es fehle an einer Aggravationstendenz, ist darauf hinzuweisen, dass er bei seinen früheren Taten nur damit gedroht hatte, Nacktfotos ins Internet zu stellen, während er im laufenden Strafverfahren geständig ist, solche auf ein Pornoportal geladen zu haben. Der Beschwerdeführer ignorierte in der Folge nicht nur die inständigen Bitten der Geschädigten, die Bilder vom Netz zu nehmen, sondern teilte dieser auch noch mit, wie viele Nutzer sie schon nackt gesehen hätten. Dabei schienen ihn die Sorgen, welche er ihr dadurch verursachte, zu belustigen. Darüber hinaus nötigte er die Geschädigte dazu, ihm weitere Nacktaufnahmen zu senden. Unabhängig vom ein wenig über ein halbes Jahr später erfolgten Suizid der Geschädigten -dessen Umstände soweit ersichtlich noch weitgehend ungeklärt sind - zeugt dieses Vorgehen von einer nicht zu verharmlosenden Rücksichtslosigkeit. Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers führt die Vorinstanz aus, Partnerschaft und Arbeitstätigkeit seien keine Gewähr für zukünftiges Wohlverhalten des Beschwerdeführers, da beides ihn in der Vergangenheit nicht davon abgehalten habe, straffällig zu werden. Insbesondere hätten die dem laufenden Verfahren zugrunde liegenden Handlungen stattgefunden, als er soeben mit seiner jetzigen Freundin zusammen gekommen sei. Diese tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz stellt der Beschwerdeführer nicht ernsthaft in Frage. Damit erweist sich sein Vorbringen, diese habe alleine auf die Vorstrafen abgestellt und die aktuellen Lebensumstände des Beschwerdeführers ausser Acht gelassen, als nicht stichhaltig. Sodann sprechen die in den Chats geäusserten Gewaltfantasien in Bezug auf Kinder für die Gefahr einer Rückfälligkeit. Aufgrund dieser Umstände ist ernsthaft zu befürchten, dass der Beschwerdeführer bei seiner Haftentlassung in unmittelbarer Zukunft erneut schwere Delikte gegen die sexuelle Integrität von Kindern begehen würde. Demnach ist derzeit von einer ungünstigen Rückfallprognose auszugehen, ohne dass es für diese Beurteilung erforderlich wäre, eine Schnelleinschätzung wie die vom Beschwerdeführer beantragte einzuholen. Dass die Staatsanwaltschaft stattdessen beabsichtigt, ein psychiatrisches Gutachten zur Rückfallgefahr in Auftrag zu geben, ist nicht zu beanstanden. Durch ihren Verzicht auf eine Schnelleinschätzung durch die Fachstelle Forensic Assessment hat die Vorinstanz somit entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers keine unzulässige antizipierte Beweiswürdigung begangen.