Citation: 6B_551/2021 E. 1.4

1.4. Was der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Beweiswürdigung vorbringt, begründet keine Willkür, soweit seine Beschwerde den Begründungsanforderungen genügt. Dies gilt zunächst für den Umstand, dass die Praktikantin des Kinderhauses, die den Vorfall angezeigt hat, ein vom Opfer abweichendes Rahmengeschehen geschildert hat. Die Praktikantin kennt die Vorwürfe nur indirekt aus den Offenbarungen des Opfers. Daher ist es haltbar, wenn die Vorinstanz die Handlungen des Beschwerdeführers aufgrund der mehrfachen konstanten Aussagen des Opfers auf dem Sofa ortet und hierzu nicht auf die Version der Praktikantin abstellt. Zwar erachtet die Vorinstanz die Schilderungen der Praktikantin als authentisch und geht davon aus, diese entsprächen den Aussagen des Opfers. Jene Würdigung stellt die Aussagen des Opfers indes nicht zwingend in Frage. Die von der Praktikantin gemachte Verknüpfung zwischen dem Vorfall, wonach das Opfer seine Eltern beim Sex überrascht habe, mit dem weiteren Vorfall, es sei Opfer eines sexuellen Übergriffs durch den Beschwerdeführer geworden, muss nicht den Aussagen des Opfers entspringen, sondern könnte auch auf ihren eigenen Folgerungen beruhen. Diese Frage kann offen bleiben, nachdem solche Handlungen nicht Teil der Anklage sind und das Opfer entsprechende Äusserungen gegenüber den Strafverfolgungsbehörden, aus welchem Grund auch immer, in Abrede gestellt hat. In Bezug auf die vom Beschwerdeführer erwähnte Unstimmigkeit, wonach das Opfer widersprüchlich ausgesagt haben soll (das Opfer habe wild zwischen beiden Versionen hin und her gewechselt), wer wessen Penis in den Mund genommen habe, finden sich keine Feststellungen im angefochtenen Urteil. Vielmehr ist die Vorinstanz von einer gleichbleibenden Schilderung des Opfers in Bezug auf das Kerngeschehen ausgegangen, wonach es den Penis des Beschwerdeführers in den Mund habe nehmen müssen, nachdem es die Frage des Beschwerdeführers, ob es dies tun wolle, verneint habe. Der Beschwerdeführer legt nicht hinreichend dar, weshalb es sich hierbei um eine willkürliche Unterlassung der Vorinstanz in ihrer Sachverhaltsfeststellung handeln sollte. Vielmehr präsentiert er in weitgehend freiem Plädoyer seine eigene Beweiswürdigung. Jedenfalls hält die vorinstanzliche Beweiswürdigung auch in diesem Punkt einer Willkürprüfung stand. Zwar hat das Opfer in seiner Erstbefragung auf die Frage nach dem Grund für seine Anwesenheit geäussert, der Beschwerdeführer habe den Penis des Opfers in den Mund genommen (act. 212, Vorakten). Diese Aussage ist indessen ohne Schilderung eines Handlungsablaufs erfolgt. In seinen darauf folgenden Aussagen hat das Opfer in freier Schilderung berichtet, es selbst habe den Penis des Vaters in den Mund nehmen müssen. Bei dieser Version ist es in allen weiteren Befragungen konsequent geblieben. Auch wenn das Opfer sich bei seiner Erstaussage wiederholt korrigiert haben mag, so hat die Vorinstanz ohne Willkür die von ihr festgehaltene Kernaussage des Opfers herauskristallisiert. Gleichzeitig hat das Opfer nämlich weitere Details zum erduldeten Oralverkehr, nämlich das von der Vorinstanz als Ejakulation gewertete "Urinieren" in seinen Mund, geäussert, welche die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Unklarheit entkräften. Die Nachfrage, ob der Beschwerdeführer den Penis des Opfers in den Mund genommen habe, hat das Opfer ausdrücklich verneint. Die Argumentation des Beschwerdeführers in Bezug auf die Ejakulation, eine solche sei nur bei vorgängiger Manipulation am Glied möglich, erweist sich als appellatorische Kritik. Betreffend das vom Beschwerdeführer geltend gemachte widersprüchliche Aussageverhalten des Opfers zum der Tat vorgelagerten Geschehen auf dem Sofa, namentlich zur Frage, wer gelesen und wer fern gesehen hat (ob der Beschwerdeführer fern gesehen hat und das Opfer ein Buch gelesen hat oder umgekehrt), liegt ebenfalls keine Willkür vor. Die Vorinstanz geht auch in diesem Punkt nicht auf die Aussagen des Opfers ein. Es ist jedoch nicht ersichtlich, inwieweit dies am für das Beweisergebnis bzw. an der im Kern als glaubhaft gewerteten Aussagen des Opfers etwas ändern sollte, wonach sich der Vorfall an einem Besuchstag in der Wohnung seiner Mutter auf dem Sofa zugetragen hat, während die Mutter gekocht hat und Vater und Sohn auf dem Sofa mit Fernsehen bzw. Lesen beschäftigt waren. Dass der Beschwerdeführer alleine mit dem Opfer auf dem Sofa war, während die Mutter gekocht hat, räumt die Mutter des Opfers ein (Urteil S. 6, 15), und auch der Beschwerdeführer hat ausgesagt, mit seinem Sohn auf dem Sofa gesessen zu haben (Urteil S. 19 f.). Nach den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen lässt es sich sodann durch den nachträglichen polizeilichen Augenschein nicht klären, ob sich zum Tatzeitpunkt in der Wohnung ein Fernseher befunden und ob dieser funktioniert hatte (Urteil S. 24). Schliesslich ist die Würdigung der Vorinstanz zur Gegenwehr nicht schlechterdings unhaltbar, auch wenn der Beschwerdeführer zu Recht auf deren Widersprüchlichkeit hinweist. Das Opfer hat vor der sexuellen Handlung die Frage des Beschwerdeführers, ob es dessen Penis in den Mund nehmen wolle, klar verneint. In Bezug auf die übrige Gegenwehr während des Vorfalls erklärt die Vorinstanz die Unstimmigkeiten in den Aussagen des Opfers bzw. die verschiedenen Versionen (z.B. ob es laut "nein" gesagt, den Beschwerdeführer in den Penis oder die Hand gebissen habe) in vertretbarer Weise mit suggestiven Einflüssen, wonach das Opfer durch das entsprechende Nachfragen der Praktikantin Schuldgefühle entwickelt und daher von einer Gegenwehr berichtet habe. Dies ist haltbar, schwingt doch in der Frage an das kindliche Opfer, ob es sich gegen die Autorität seines Vaters nicht gewehrt habe, der Vorwurf mit, es hätte dies tun sollen. Dass eine andere Sicht der Dinge möglich wäre, macht diese vorinstanzliche Wertung nicht willkürlich. Soweit der Beschwerdeführer sich darauf beruft, das Opfer habe unterschiedliche bzw. nicht denkbare Positionen beim Übergriff beschrieben, und die Angaben seien deswegen unglaubhaft, ist seine Rüge unbegründet. Die Vorinstanz würdigt in diesem Zusammenhang die mit den Schilderungen des Opfers kongruente Gestik, welche die von diesem beschriebene Handlung, der Beschwerdeführer habe seinen Kopf zum Penis gezogen, unterstreicht und erachtet die mit der Gestik übereinstimmenden Aussagen des Opfers aus diesem Grund als glaubhaft. Den widersprüchlichen Angaben des Opfers, ob der Beschwerdeführer nun gestanden habe oder gesessen sei und wie weit sich dieses zurückgelehnt habe, misst sie unter diesen Umständen in vertretbarer Weise keine entscheidende Bedeutung zu. Als weiteres Indiz für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Opfers berücksichtigt die Vorinstanz nachvollziehbar die beim Beschwerdeführer aufgetretene Rötung der Wange, die auch bei den der einschlägigen Vorstrafe zugrundeliegenden sexuellen Handlungen mit Kindern festgestellt worden war. Dass die Vorinstanz von einem fehlenden Motiv des Opfers für eine Falschbelastung ausgeht, erweist sich anhand der angegebenen Begründung (vgl. Urteil S. 10 ff.) abermals als plausibel. Soweit der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz setze bei der Würdigung der Aussagen des kindlichen Opfers einen anderen Massstab an als bei der Würdigung der Aussagen der Mutter des Opfers und seiner eigenen Aussagen, ist seine Beschwerde unbegründet. Die Vorinstanz prüft die Widersprüche in den Aussagen aller befragten Personen eingehend. Da der Beschwerdeführer und die Mutter des Opfers den Wahrheitsgehalt der vom Opfer geschilderten sexuellen Missbrauchshandlungen in Abrede stellen, können ihre diesbezüglichen Bestreitungen keiner Würdigung unterzogen werden. Nicht stichhaltig ist sein Argument insbesondere, da in den Schilderungen aller drei am Tatort und Tattag unbestrittenermassen anwesenden Personen (Opfer, Mutter und Vater) gewisse Widersprüche zum Rahmengeschehen bestehen. Dies hindert die Vorinstanz nicht daran, die Aussagen des Opfers zum sexuellen Missbrauch, d.h. zum Kern der angeklagten Handlungen, in willkürfreier Beweiswürdigung insgesamt als glaubhaft zu bezeichnen, selbst wenn auch diese nebensächlichen Punkte mit Unklarheiten behaftet sind. Schliesslich bleibt unklar, was der Beschwerdeführer aus seinem Hinweis auf eine suggestive Befragungstechnik ableiten will. Jedenfalls macht er nicht geltend, die Aussagen des Opfers oder der weiteren Befragten seien unverwertbar. Dies ist auch nicht ersichtlich, nachdem das Opfer den sexuellen Missbrauch auf Nachfrage, was geschehen sei (act. 213: "Kannst du mir nochmals sagen, was vorgefallen ist"; act. 221: "Kannst du mir nochmals beschreiben, wie das alles abgelaufen ist, Schritt für Schritt"), frei erzählt hat. Auch wenn sich die in freiem Vortrag geschilderte eigene Beweiswürdigung des Beschwerdeführers vertreten liesse, begründet dies noch keine Willkür am vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt. Insoweit sind weitere Umstände, z.B. ob das Opfer beim Vorfall die Augen geschlossen hatte oder die kurze Dauer des Vorfalls, nicht von entscheidender Relevanz. Dasselbe gilt für die Dauer der behördlichen Ermittlungen, welche für die Qualität der Beweismittel und deren Würdigung ohne Bedeutung ist.