Citation: U 240/99 07.08.2001 E. 3

3.- a) In Bezug auf den Rentenanspruch ist zunächst streitig und zu prüfen, ob die von Prof. Dr. med. S.________ festgestellte deutliche Beeinträchtigung der Beweglichkeit der rechten Schulter bei der Invaliditätsbemessung zu berücksichtigen ist oder nicht. Nach Auffassung des kantonalen Gerichts handelt es sich um einen nicht (natürlich kausal) auf den Unfall vom 10. April 1991 zurückzuführenden Gesundheitsschaden, weshalb er unbeachtlich sei. Die Vorinstanz stützt sich dabei auf die gleich lautenden Beurteilungen des Kreisarztes Dr. med. J.________ sowie des Dr. med. P.________ vom Ärzteteam Unfallmedizin der SUVA, welcher die Einschränkung der Schulterbeweglichkeit als degenerativer Natur qualifiziert hat. Prof. Dr. med. S.________ führt in seinem Gutachten vom 4. Juni 1996 u.a. aus, der Versicherte habe beim Unfall vom 10. April 1991 eine Kontusion und zwar wahrscheinlich eine direkte Kontusion des Nervus ulnaris im Bereich des rechten Ellenbogens erlitten. Daraus habe sich ein Sulcus ulnaris-Syndrom entwickelt, das sich auch nach zweimaliger operativer Behandlung als hartnäckig und persistent erwiesen habe. Als Endzustand sei eine rein sensible, proximale Ulnarisparese mit Ausgangspunkt am Ellenbogen zurückgeblieben. Die darauf zurückzuführenden Schmerzen und Sensibilitätsstörungen strahlten sowohl zur lateralen Handkante und den Fingern IV und V als auch zum Oberarm und zur Schulter aus (S. 9 f.). Aufgrund dieser auf einer umfassenden Berücksichtigung der Vorakten, der geklagten Beschwerden sowie der objektiven Untersuchungsbefunde beruhenden Aussagen, welche auch von den Ärzten der SUVA nicht in Zweifel gezogen werden, lassen sich der unfallbedingte Gesundheitsschaden und die Beeinträchtigung der Schulterbeweglichkeit nicht klar voneinander trennen, und zwar schon rein anatomisch aufgrund des Verlaufes des Nervus ulnaris im Oberarm- und Schulterbereich nicht. Der unfallbedingte Gesundheitsschaden im Bereich des Ellenbogens erscheint somit durchaus geeignet, die Funktionen des Schultergelenkes zu beeinflussen. Davon geht auch Prof. Dr. med. S.________ aus, wenn er sagt, die Folgen der Kontusion des Nervus ulnaris beschränkten sich nicht auf die sensible Ulnarisparese, sondern es sei insgesamt eine erhebliche Funktionsbehinderung des ganzen rechten Armes entstanden. Dass die Ellenbogen-Verletzung in keinem Zusammenhang mit der resp. einer allfälligen (vorbestandenen) Periarthropathie an der Schulter steht, wie Dr. med. P.________ in seiner Stellungnahme vom 26. November 1996 schreibt, leuchtet ohne weiteres ein. Dies hindert indessen nicht die Feststellung, dass im Sinne eines neurologischen Zusammenhangs in Bezug auf die Beeinträchtigung im Bereich von Ellenbogen und Hand rechts sowie der Schulter rechts zwei sich überschneidende Krankheitsbilder vorliegen. Dieser Konnex ergibt sich daraus, dass gemäss Bericht des Dr. med. R.________ vom 15. November 1995 bei bestimmten Armbewegungen, insbesondere bei Armstreckung starke Schmerzen u.a. an der Beugeseite des ulnaren Vorderarmes auftreten, welche, wie dargelegt, zum Oberarm und zur Schulter ausstrahlen und zumindest auf diese Weise deren Beweglichkeit einschränken. Da Hinweise in den Akten fehlen, dass vor dem Unfall die Erwerbsfähigkeit wegen Affektionen im rechten Schulterbereich erheblich vermindert war, ist entgegen Vorinstanz und SUVA die Behinderung im Gebrauch dieses Körperteils bei der Invaliditätsbemessung selbst dann zu berücksichtigen, wenn sie auf einen unfallfremden (degenerativen) Vorzustand oder eine spätere Erkrankung zurückzuführen wäre (Art. 36 Abs. 2 zweiter Satz UVG). b) Für die Beurteilung der unfallbedingt noch in Betracht fallenden erwerblichen Tätigkeiten ist die Vorinstanz von der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Kreisarztes Dr. med. J.________ gemäss Aktennotiz vom 19. September 1996 ausgegangen. Danach sind dem Versicherten sämtliche sehr leichten, manuellen Arbeiten, die keinen Krafteinsatz der rechten Hand verlangen und kein Heben von Gewichten von über 2 kg erfordern, zumutbar. In Frage kämen somit beispielsweise leichte Kontroll- oder Sortierarbeiten sowie die Überwachung und Bedienung von automatischen Maschinen. Abgesehen davon, dass nicht ersichtlich ist, auf welche medizinischen Unterlagen sich die kreisärztliche Zumutbarkeitsbeurteilung stützt, geht sie von der, wie dargelegt, unzutreffenden Annahme aus, die Einschränkung der Beweglichkeit der rechten Schulter habe unberücksichtigt zu bleiben. Auf die Einschätzung des Dr. med. J.________ kann sodann auch deshalb nicht abgestellt werden, weil sie den gemäss Dr. med. R.________ und Prof. Dr. med. S.________ ebenfalls durch die Ulnarisparese verursachten Beeinträchtigung der Beweglichkeit des Ellenbogens sowie der schmerzbedingten Behinderung im Gebrauch der rechten Hand zu wenig Rechnung trägt. Aufgrund der Beschwerden und Funktionsdefizite in der ganzen rechten oberen Extremität ist der Beschwerdeführer faktisch als Einhänder einzustufen, der seine rechte Hand bei der Arbeit - wenn überhaupt - nur noch in ganz untergeordnetem Masse als Hilfshand einsetzen kann. Es kann ihm daher nicht mehr zugemutet werden, bei einer manuellen Arbeit seinen rechten Arm und seine rechte Hand dauernd einzusetzen und damit Gewichte bis zu 2 kg zu heben. Überdies fallen häufigere Schreibarbeiten wegen der dabei auftretenden schmerzhaften Verkrampfungen ausser Betracht. Die im Einspracheentscheid vom 11. April 1996 genannten Verweisungstätigkeiten, u.a. Überwachungsarbeiten an automatischen und halbautomatischen Produktionseinheiten, Qualitätskontrolle, Arbeiten im Auskunftsdienst oder als Portier, können auch bei vorwiegendem Gebrauch der linken Hand ausgeführt werden und sind daher vom (unfall-) medizinischen Standpunkt aus grundsätzlich vollzeitlich zumutbar. Hingegen fällt die Tätigkeit als Transportdisponent ausser Betracht, nachdem der Beschwerdeführer die gemäss Unfallversicherer hiefür erforderliche Umschulung (zweijährige Handelsschulausbildung) nicht erfolgreich beendet hat. Bei den angeführten noch zumutbaren erwerblichen Tätigkeiten handelt es sich um solche, die auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus zu finden sind. Zudem werden in Industrie und Gewerbe Arbeiten, welche physische Kraft erfordern, in zunehmendem Mass durch Maschinen verrichtet, während den körperlich weniger belastenden Bedienungs- und Überwachungsfunktionen eine stetig wachsende Bedeutung zukommt (ZAK 1991 S. 321 Erw. 3b am Ende). c) aa) Für die rechnerische Bestimmung des Invalideneinkommens aufgrund der gesundheitlich noch zumutbaren erwerblichen Tätigkeiten hat die Vorinstanz statistische Durchschnittslöhne, und zwar die im Anhang der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 1996 (LSE 96) enthaltenen Tabellenlöhne herangezogen. Dies ist unter den gegebenen Umständen richtig. Der Beschwerdeführer unterzog sich nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses als Chauffeur Ende November 1992 Umschulungsmassnahmen der Invalidenversicherung. Daran anschliessend absolvierte er ein Arbeitstraining. Nach einer weniger als ein Jahr dauernden Tätigkeit an einem geschützten Arbeitsplatz wechselte er auf 1. August 1997 in den Service- und Reinigungsdienst einer Fotoautomaten betreibenden Firma. Dass es sich dabei um ein besonders stabiles Arbeitsverhältnis handelt und anzunehmen ist, dass er die ihm verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen der Arbeitsleistung entspricht, wird von keiner Seite geltend gemacht und ist nach Lage der Akten zu verneinen. Der mit dieser Tätigkeit erzielte Verdienst von Fr. 1300.- gemäss Angaben in der vorinstanzlichen Replik kann daher nicht als Invalideneinkommen gelten (vgl. BGE 126 V 76 Erw. 3b/aa und bb am Anfang). Von der (selbstständigen) Ermittlung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens ist im Übrigen nicht etwa deshalb abzusehen, weil die IV-Stelle gemäss Mitteilung vom 19. September 1996 den Invaliditätsgrad auf 90 % festgesetzt hat. Diese Argumentation verkennt, dass die Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung für den Unfallversicherer u.a. dann nicht massgebend ist, wenn er auf einem Rechtsfehler oder einer nicht vertretbaren Ermessensausübung beruht (BGE 126 V 292 Erw. 2b, 119 V 471 f. Erw. 2b und 474 oben; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 402 S. 390). Im vorliegenden Fall hat die IV-Stelle ausweislich der Akten den Einkommensvergleich nicht auf der Grundlage einer fachärztlichen Einschätzung der aus medizinischer Sicht noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit vorgenommen. Vielmehr stellte sie auf die Angaben des Berufsberaters in seinem Schlussbericht vom 11. Juli 1996 ab, wonach aufgrund der Behinderung ein Einsatz in der freien Wirtschaft nicht mehr möglich sei. Dementsprechend setzte sie offensichtlich dem vom Beschwerdeführer damals an einem geschützten Arbeitsplatz erzielten Verdienst von Fr. 500.- bis Fr. 600.- monatlich dem Invalideneinkommen gleich. Diese Invaliditätsschätzung muss als rechtsfehlerhaft bezeichnet werden, weshalb sie keine Verbindlichkeit beanspruchen kann. bb) Konkret hat die Vorinstanz der Berechnung des Invalideneinkommens den durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn für drei bestimmte Tätigkeiten («Maschinen einrichten, bedienen, unterhalten», «Transport von Personen, Waren und Nachrichten», «Sichern, bewachen») von Männern mit Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) im privaten und öffentlichen Sektor (Bund) zu Grunde gelegt. Dies ergibt bei einer mittleren betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,9 Stunden ein monatliches Einkommen von Fr. 4977.- ([Fr. 4617.- + Fr. 4865.- + Fr. 4752.-]/3 x 41,9/40; LSE 96 S. 25 TA7/12, 31 und 32 sowie BGE 126 V 77 Erw. 3b/bb). Von diesem Betrag hat das kantonale Gericht einen Abzug von 25 % vorgenommen, da der Beschwerdeführer seinen rechten Arm schonen und somit im Vergleich mit einem voll einsatzfähigen Beschäftigten mit geringeren Einkünften rechnen müsse. Daraus resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 44'784.- (12 x [0,75 x Fr. 4977.-]). Von den Tätigkeiten «Maschinen einrichten, bedienen, unterhalten», «Transport von Personen, Waren und Nachrichten» sowie «Sichern, bewachen» können die ersten beiden aufgrund der, wie dargelegt, weit eingeschränkteren Arbeitsfähigkeit als vom kantonalen Gericht angenommen klarerweise nicht als Grundlage für die ziffernmässige Bestimmung des Invalideneinkommens dienen. Der Beschwerdeführer ist faktisch Einhänder, wobei die lädierte rechte Hand die dominante ist, die überdies bei der Arbeit nicht mehr als vollwertige Zudien- und Haltehand einsetzbar ist. Die unter «Sichern, bewachen» fallenden Tätigkeiten bilden keine genügende Basis für die Ermittlung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. zu diesem Begriff BGE 110 V 276 Erw. 4b sowie Monnard, La notion de marché du travail équilibré de l'article 28, alinéa 2, LAI, Diss. Lausanne 1990, S. 59 f., 90 f. und 96 f.) erzielbaren Einkommens. cc) In der Regel ist für die Bestimmung des Invalideneinkommens aufgrund der A-Tabellen im Anhang der Schweizerischen Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik bei Versicherten, die nach Eintritt des Gesundheitsschadens lediglich noch leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle Arbeiten verrichten können, vom durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn («Total») für Männer oder Frauen bei einfachen und repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 4) auszugehen. Dabei sind in erster Linie die Lohnverhältnisse im privaten Sektor massgebend. Das grundsätzliche Abstellen auf den betreffenden Arbeitsmarkt rechtfertigt sich, weil der öffentliche Sektor lediglich den Bund umfasst. Es kommt dazu, dass die - durchaus unterschiedlichen - Lohnniveaus zwischen Privatwirtschaft und Bundesverwaltung im untersten Bereich der einfachen und repetitiven Tätigkeiten nicht erheblich voneinander abweichen (vgl. LSE 94 S. 15 ff., 96 S. 8 f. sowie 98 S. 13 ff.). Ausgangspunkt für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist somit die nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselte Tabelle mit den Lohnangaben für den privaten Sektor (LSE 96 S. 17 TA1). Der im Sinne des soeben Gesagten massgebende Tabellenlohn von Fr. 4294.- oder Fr. 4498.- nach Aufrechnung auf 41,9 Wochenstunden würde nun aber den Umständen des vorliegenden Falles nicht gerecht. Der Beschwerdeführer ist faktisch Einhänder. Die betroffene Hand ist die dominante rechte. Diese kann er nicht nur kräftemässig, sondern auch von der Motorik her lediglich in stark eingeschränktem Masse gebrauchen. Insbesondere führt zu häufiges Schreiben zu schmerzhaften Verkrampfungen der rechten Hand. Zu berücksichtigen ist sodann, dass es dem Versicherten trotz Einsatzwillen nicht gelungen ist, die Handelsschulausbildung erfolgreich zu beenden. Wenn auch nicht davon gesprochen werden kann, es bestünden realistischerweise keine Einsatzmöglichkeiten in der freien Wirtschaft, sind der Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit doch enge Grenzen gesetzt, indem praktisch alle produktionsnahen Tätigkeiten ausser Betracht fallen und zahlreiche dem Dienstleistungssektor zuzuordnende Beschäftigungen lediglich in stark eingeschränktem Umfang ausübbar sind. d) Aufgrund der vorstehenden Ausführungen ist somit vom durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn von Männern für einfache und repetitive Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich des privaten Sektors von Fr. 3882.- auszugehen. Wird dieser Betrag entsprechend der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,9 Stunden erhöht und von der so erhaltenen Summe vorab unter dem Titel leidensbedingte Einschränkung ein Abzug von 25 % vorgenommen (BGE 126 V 78 ff. Erw. 5a/aa-b/cc), ergibt sich ein Invalideneinkom- men von jährlich Fr. 36'597.- (12 x [0,75 x Fr. 3882.- x 41,9/40]). Daraus resultiert bei einem unbestrittenen Valideneinkommen von Fr. 60'500.- für 1996 eine unfallbedingte Erwerbseinbusse von Fr. 23'903.- oder ein Invaliditätsgrad von rund 40 % (Fr. 23'903.-/Fr. 60'500.- x 100 %). In diesem Umfang besteht ab 1. November 1996 Anspruch auf eine Invalidenrente.