Citation: 1P.5/2006 10.03.2006 E. A

Y.________ erstattete am 30. November 2004 gegen X.________ Strafanzeige wegen Tätlichkeit, Beschimpfung und Drohung. X.________ wurde am 29. Dezember 2004 auf der Bezirkswache zur Sache befragt. Gemäss Befragungsprotokoll machte er unter anderem folgende Aussage: Er habe Y.________ am 29. November 2004 per Zufall in seinen PW einsteigen sehen. Als er zum PW habe hingehen wollen, sei Y.________ zügig auf ihn zugefahren. Kurz vor seinen Beinen habe Y.________ angehalten. Er sei erschrocken und habe Y.________ gefragt, ob er ihn umbringen wolle. Daraufhin sei Y.________ losgefahren, und er habe nur noch auf die Motorhaube des PWs springen können. Er habe sich an den Scheibenwischern festgehalten und gedacht, Y.________ halte gleich wieder an. Dieser sei jedoch die Auffahrt hinaufgefahren und habe erst nach 60 bis 80 Metern angehalten. Darauf sei er von der Motorhaube hinunter gestiegen und zum Haus zurückgekehrt. Verletzungen habe er sich bei diesem Vorfall nicht zugezogen. Gestützt auf diese Aussage wurde Y.________ am 18. Januar 2005 auf der Bezirkswache zum Vorgefallenen befragt. Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass gegen ihn eine von Amtes wegen erhobene Strafanzeige wegen Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB) vorliegt. Y.________ bestritt die Sachverhaltsdarstellung von X.________. Auf Antrag des Untersuchungsrichters 5 des Untersuchungsrichteramtes I Berner Jura-Seeland und Zustimmung des Prokurators 3 der Staatsanwaltschaft I Berner Jura-Seeland vom 1. Juli 2005 wurde beschlossen, auf die gegen Y.________ gerichtete Strafanzeige wegen Gefährdung des Lebens nicht einzutreten. Als Begründung gab der Untersuchungsrichter an, dass für X.________ während der Fahrt auf der Motorhaube keine unmittelbare Lebensgefahr im Sinne von Art. 129 StGB bestanden habe. Y.________ sei im Schritttempo gefahren, und X.________ habe sich an den Scheibenwischern festhalten und somit nicht von der Motorhaube herunter rutschen können. Gegen den Nichteintretensbeschluss rekurrierte X.________ bei der Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern, welche das Rechtsmittel mit Beschluss vom 28. November 2005 abwies.