Citation: 5A_749/2016 E. 2

Dem angefochtenen Entscheid zufolge führt der Umstand, dass sich der Beschwerdegegner im erstinstanzlichen Verfahren nicht vernehmen liess, weder zu einer "Anerkennung sämtlicher klägerischer Ansprüche", noch entbindet er das Gericht davon, "das Recht von Amtes wegen anzuwenden". Die Vorinstanz verweist auf Art. 125 Abs. 1 ZGB, wonach ein Ehegatte dem anderen nur dann einen angemessenen Beitrag zu leisten hat, wenn diesem nicht zuzumuten ist, für den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufzukommen. Das Bezirksgericht sei gehalten gewesen, die Erfüllung dieser Voraussetzungen "in freier Würdigung der offerierten und abgenommenen Beweise zu überprüfen". Dem Einwand der Beschwerdeführerin, dass das Bezirksgericht ihren gebührenden Bedarf gar nicht festgestellt und die Unterhaltsbeiträge demzufolge falsch berechnet habe, hält die Vorinstanz Art. 277 Abs. 1 ZPO entgegen, wonach für den Streit um den nachehelichen Unterhalt der Verhandlungsgrundsatz gelte. Die Beschwerdeführerin habe mit keinem Wort dargelegt, wie sich die Lebensverhältnisse der Parteien während des Zusammenlebens zuletzt gestaltet hätten. Stattdessen habe sie gestützt auf ihre eigenen Angaben das während der Ehe erzielte Einkommen der Parteien den aktuellen Existenzminima gegenübergestellt und den daraus resultierenden Überschuss zu einem Drittel auf den Beschwerdegegner und zu zwei Dritteln auf sich aufgeteilt. Ihren Überschussanteil habe sie zu ihrem Existenzminimum addiert, davon ihr Einkommen abgezogen und die Differenz als Unterhaltsanspruch geltend gemacht. Indem sie ihre Berechnung auf die Existenzminima der Parteien nach Aufnahme des Getrenntlebens stützte, habe die Beschwerdeführerin nicht dargetan, wie sich ihre während des Zusammenlebens zuletzt gelebten Verhältnisse gestaltet haben. Das Obergericht folgert, dass die Beschwerdeführerin ihren Anspruch damit nicht rechtsgenügend substantiiert habe, womit ihr Vorbringen fehl gehe. Das Bezirksgericht sei im Rahmen der Verhandlungsmaxime nicht gehalten gewesen, den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären und die von den Parteien während der Ehe zuletzt gelebten Verhältnisse zu ermitteln. Schliesslich nimmt das Obergericht zur Kenntnis, dass die Beschwerdeführerin eine Berechnung des in der Ehe zuletzt gelebten Standards erstmals in der Berufung ins Recht geführt habe. Weshalb sie dies trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz hätte tun können, sei weder dargetan noch ersichtlich. Die Berechnung sei im Sinne von Art. 317 Abs. 1 ZPO verspätet und deshalb unbeachtlich. Schliesslich schützt das Obergericht auch die erstinstanzliche Erkenntnis, wonach der Beschwerdeführerin ausgehend von einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit ein hypothetisches monatliches Einkommen von Fr. 3'500.-- anzurechnen ist. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend ihre angeblich angeschlagene Gesundheit sind in den Augen der Vorinstanz neu und im Sinne von Art. 317 ZPO unzulässig; ausserdem stünden sie im Widerspruch zu ihren Aussagen anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung. Soweit die Beschwerdeführerin auf die Akten der Sozialhilfebehörde verweise, hätte es ihr freigestanden, "diese zu verurkunden". Auch wenn das Bezirksgericht diese Akten beigezogen hätte, wäre es nicht seine Sache gewesen, darin nach Belegen für die nicht einmal behauptete Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin zu forschen. Es bleibe deshalb dabei, dass die Beschwerdeführerin ihr Vorbringen nicht rechtsgenüglich substantiiert habe, so das Fazit des Obergerichts. Was die Höhe des anrechenbaren Einkommens angeht, kommt das Obergericht zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin im Berufungsverfahren nicht darlege, weshalb sie entgegen den erstinstanzlichen Feststellungen nur zur Erzielung eines Einkommens von Fr. 2'200.-- "in der Lage sein will". Wie das Bezirksgericht zutreffend ausgeführt habe, verfüge die Beschwerdeführerin über eine Ausbildung als Restaurationsangestellte sowie Maschinistin und habe aufgrund des Heimaufenthalts des Sohnes bis auf Weiteres keine Betreuungsaufgabe inne. Sie sei deshalb in der Lage, einer Vollzeiterwerbstätigkeit als Hilfskraft ohne Berufsausbildung im Reinigungs oder Gastronomiebereich oder in der Branche Lagerei nachzugehen und ein Einkommen von Fr. 3'500.-- zu erzielen.