Citation: 6P.82/2000 22.01.2001 E. 26

26.- Der Beschwerdeführer rügt, im angefochtenen Urteil werde an keiner einzigen Stelle auf die entsprechenden belastenden Akten verwiesen. Dies sei gerade in einem derart komplexen Fall völlig unhaltbar und bilde eine offensichtliche Verweigerung des rechtlichen Gehörs: Würden die konkreten belastenden Akten nicht angegeben, könne auch die Rüge der Aktenwidrigkeit nicht im Detail und belegt vorgebracht werden. Dies sei vorliegendenfalls umso gravierender, als auch das Akkusationsprinzip gemäss Art. 98 StPO/GR verletzt worden sei. Letztlich wisse man daher gar nicht so recht, bezüglich welcher konkreter Delikte der Beschwerdeführer überhaupt angeklagt worden sei und aufgrund welcher belastender Beweise er verurteilt werde. Dazu komme, dass gemäss Art. 98 StPO/GR bereits bei der Anklageschrift die Erwähnung bloss einzelner Akten oder Dossiers unter jedem Anklagepunkt nicht genüge. Obwohl der Beschwerdeführer die korrekte Anwendung des Akkusationsprinzips gerügt habe, erfolge nun eine schwer wiegende Verurteilung ohne klare Hinweise auf die diesbezüglichen Beweismittel (Beschwerdeschrift S. 102 f. lit. G). In der Folge werden bereits vorher in der Beschwerdeschrift gerügte Sachverhalte wiederholt (S. 103 ff. lit. b) und schliesslich wird das Fehlen von Verweisen auf Aktenstellen im angefochtenen Entscheid als Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör beanstandet (S. 105 lit. c). Zunächst ist vorauszuschicken, dass gemäss Art. 98 StPO/GR in der Anklageschrift bei der Sachverhaltsdarstellung im Anschluss an jeden Anklagepunkt alle darauf Bezug nehmenden Akten mit ihren Nummern anzuführen sind (Padrutt, a.a.O., S. 262 N 8.5). Wenn der Beschwerdeführer nun versucht, über den Umweg des Anspruchs auf rechtliches Gehör die erwähnten Anforderungen an die Anklageschrift auf die Urteilsbegründung des Kantonsgerichts zu übertragen, geht sein Ansinnen fehl. In der Anklageschrift wird am Ende der Ziffer 1.1, in welcher unter anderem der Sachverhalt Auto-Leasing dargestellt ist, auch auf Dossier 3.1 als Aktenstelle verwiesen. Dort werden auf Seite 12 unter dem Titel "Unverhältnismässiger Aufwand" der Gesamtwert der geleasten Jaguar-Fahrzeuge mit Fr. 275'000.-- und die monatlichen Leasing-Raten mit Fr. 7'780.-- angegeben und dass zudem Unterhaltskosten anfallen würden. Im Ordner II, Register 15, worauf weiter verwiesen wird, finden sich in act. 46 - 75 die Leasingverträge und deren Abwicklung durch die Leasing AG (fiktiver Name), in act. 76 - 79 die als "ANAL9193. XLS" überschriebene Analyse und anschliessend eine Bilanz per 30. April 1993 mit Erfolgsrechnung und verschiedenen Konto-Auszügen (act. 80 - 116). In der Erfolgsrechnung werden für das Jahr 92/93 an Unterhalt Fahrzeuge Fr. 42'981. 40 aufgeführt und für Miete/Leasing Fahrzeuge Fr. 161'468. 70, während letzterer Posten im Vorjahr Fr. 96'252. 90 ausmachte (act. 90). Auf der Rückseite findet sich eine wertmässige Zusammenstellung der verschiedenen Fahrzeuge. Dass dem Beschwerdeführer die Akteneinsicht verweigert worden wäre, macht er selbst nicht geltend. Folglich hatte er bereits vor dem erstinstanzlichen Verfahren die Möglichkeit, insbesondere zur als "ANAL9193. XLS" überschriebenen Analyse, den Aufwandposten Unterhalt sowie Miete/Leasing von Fahrzeugen usw. Stellung zu nehmen. Wenn er dies unterliess, musste er damit rechnen, dass die kantonalen Gerichte gestützt auf diese Aktenstellen entscheiden würden. Inwiefern darin eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör liegen sollte, ist unerfindlich. Damit erweisen sich die Rügen (Beschwerdeschrift S. 102 ff. lit. G) als unbegründet und es erübrigt sich, in diesem Zusammenhang auf weitere Details einzugehen. Im Übrigen ist sein Einwand trölerisch, bereits im Geschäftsjahr 88/89 habe gemäss Bericht der Kontrollstelle der geschäftsmässige Aufwand für Fahrzeuge Fr. 160'000.-- betragen (a.a.O. S. 104; Ordner I, act. 478 lit. e). Bei diesem Betrag handelt es sich offensichtlich um eine Bewertung der Fahrzeuge, d.h. um einen Posten des Umlaufvermögens, der nichts über den Unterhalt der Fahrzeuge, d.h. den ausgewiesenen Aufwand aussagt.