Citation: 6B_921/2022 E. 4.2

4.2. Die Vorinstanz legt überzeugend dar, dass kein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt. Sie stellt fest, dass der 19-jährige Beschwerdeführer in Eritrea geboren wurde. Er sei vor zehn Jahren mit dem Vater, der Stiefmutter und seinen Geschwistern in die Schweiz gekommen. Er habe als anerkannter Flüchtling eine B-Bewilligung erhalten. Der Beschwerdeführer behaupte, zu Vater, Stiefmutter und Geschwistern regelmässigen Kontakt zu haben. Dies erscheine aber mehr als zweifelhaft, da er während der Haft von 190 Tagen nie Besuch erhalten habe. Dass der Beschwerdeführer angeblich aus Scham keinen Besuch gewollt habe, erscheine insbesondere angesichts seiner regelmässigen Konflikte und Gesetzesverstösse als nachgeschobene Schutzbehauptung. Der Beschwerdeführer spreche die Landessprache Tigrinya, die er angeblich nicht lesen und schreiben könne. Der Beschwerdeführer habe die Primarschule und Realschule in einer Aargauer Gemeinde besucht. Dann habe er eine Lehre als Maler angefangen, die er aber unterbrochen habe, weil er im Jugendheim Aarburg untergebracht werden musste. Dort habe er während eines Jahres eine Schreinerlehre gemacht, die er aber nicht abgeschlossen habe. In der Folge sei der Beschwerdeführer bis zur Volljährigkeit in der Notunterkunft der Stiftung Heilsarmee Schweiz untergebracht worden. Danach sei er im Motivationssemester in Aarau gewesen, bis es zu den beurteilten Straftaten gekommen sei. Der Beschwerdeführer sei ledig, kinderlos und sozialhilfeabhängig. Er habe Schulden von Fr. 500.-- bei der Swisscom. In der Freizeit spiele er gerne Fussball, in einem Verein sei er aber nicht aktiv. Die Vorinstanz zweifelt daran, ob der Beschwerdeführer überhaupt einen Freundeskreis in der Schweiz hat. Selbst wenn dem so wäre, verweist sie darauf, dass er diese Freundschaften mit technischen Hilfsmitteln und Ferienbesuchen pflegen könnte. Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass die relativ lange Aufenthaltsdauer allein nicht bewirkt, dass der Beschwerdeführer ein persönliches Interesse am Verbleib in der Schweiz hätte, welches die Annahme eines Härtefalls rechtfertigen würde. Ob ein Härtefall vorliegt, entscheidet sich nicht nach starren Jahresvorgaben (vgl. BGE 146 IV 105 E. 3.4.4; 144 IV 332 E. 3.3.2; Urteil 6B_1424/2019 vom 15. September 2020 E. 3.4.1; je mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer habe keine Lehre abgeschlossen, obwohl er die Schulen in der Schweiz habe besuchen können. Die Vorinstanz berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer wegen Gewalttätigkeiten ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater gehabt habe. Doch ihm seien wiederholt Chancen gegeben worden, die er nicht genutzt habe. Er scheine gar nicht gewillt zu sein, etwas daran zu ändern. Gemäss Vorinstanz ist der Beschwerdeführer von 2015 bis 2021 in den polizeilichen Registern mit über 30 Geschäften verzeichnet. Er sei ein gewalttätiger Intensivtäter und mehrfach vorbestraft wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Seit 2018 habe er mindestens einmal pro Jahr delinquiert. Auch wenn dies keine schwerwiegenden Taten seien, so zeigten sie doch deutlich, dass der Beschwerdeführer nicht gewillt sei, sich an die Rechtsordnung zu halten. Die Strafen hätten zu keinen Verhaltensänderungen geführt. Die Vorinstanz erkennt eine deutliche Steigerung der Delinquenz und stellt dem Beschwerdeführer eine eigentliche Schlechtprognose. Von einer gelungenen Integration kann nicht gesprochen werden. Es liegen keine besonders intensiven, über eine normale Integration hinausgehenden Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur vor. Der Beschwerdeführer ist jung sowie gesund und spricht die Landessprache Eritreas. Mit der dortigen Kultur und den Gepflogenheiten sei er vertraut. Seine Resozialisierungschancen erscheinen gemäss Vorinstanz in Eritrea mit zumutbaren Anstrengungen keineswegs schlechter, wenn nicht sogar besser als in der Schweiz. Die Vorinstanz hält fest, dass für den Beschwerdeführer kein reales Risiko einer unmenschlichen Behandlung und auch keine persönliche Gefährdungssituation besteht. Zumindest lege er dies nicht substanziiert dar. Die Vorinstanz lässt nicht ausser Acht, dass einige enge Familienangehörige des Beschwerdeführers in der Schweiz leben. Sie hält aber zutreffend fest, dass diese Personen nicht in den primär geschützten Familienkreis gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK fallen. Denn dieser umfasst grundsätzlich nur die Kernfamilie, das heisst die Gemeinschaft der Ehegatten und die gemeinsamen minderjährigen Kinder. Der Beschwerdeführer lebt mit seinen Familienangehörigen nicht in einem gemeinsamen Haushalt und macht keine besonderen, über ein normales Mass hinausgehende Beziehungen oder finanzielle Abhängigkeiten geltend. Die Vorinstanz gelangt am Ende der bereits bei der Frage des Härtefalls vorzunehmenden Interessenabwägung zum überzeugenden Schluss, dass ein erhebliches öffentliches Interesse an einer Wegweisung besteht, welches das private Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz deutlich überwiegt. Der Beschwerdeführer habe gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten nicht nur in das Vermögen, sondern auch in die persönliche Integrität eingegriffen, indem er Gewalt gegen den Privatkläger B.________ anwendete. Der Beschwerdeführer sei seit Jahren immer wieder straffällig geworden, wobei mit dem vorliegenden Raub eine deutliche Steigerung der Delinquenz feststellbar sei. Ihm sei eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen. Entsprechend hoch sei das öffentliche Interesse an einer Wegweisung zu veranschlagen. Dem steht gemäss Vorinstanz ein vergleichsweise geringes privates Interesse an einem Verbleib gegenüber. Daher schliesst die Vorinstanz folgerichtig, dass kein persönlicher Härtefall vorliegt.