Citation: 1P.456/2000 24.10.2000 E. 4

4.- a) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann der Strafrichter auf Beweisvorkehren, welche der Angeklagte zu seiner Entlastung beantragt, verzichten, wenn er, ohne in Willkür zu verfallen, zur Auffassung gelangen durfte, die Erhebung weiterer Beweismittel werde an der Würdigung der bereits abgenommenen Beweise voraussichtlich nichts mehr ändern (sogenannte "antizipierte Beweiswürdigung"; BGE 122 II 464 E. 4a; 119 Ib 492 E. 5b/bb S. 505 f.; 115 Ia 97 E. 5b, je mit Hinweisen; vgl. ausführlich das Urteil vom 31. Mai 1999 in gleicher Sache, E. 1c). Willkür liegt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts vor, wenn der angefochtene kantonale Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Eine materielle Rechtsverweigerung ist nicht schon dann gegeben, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erschiene, sondern nur dann, wenn das Ergebnis schlechterdings mit vernünftigen Gründen nicht zu vertreten ist (BGE 125 I 166 E. 2a; 125 II 10 E. 3a S. 15; 129 E. 5b, je mit Hinweisen). Der Grundsatz "in dubio pro reo" als Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 86 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2c S. 37). Bei der Beurteilung von Fragen der Beweiswürdigung beschränkt sich das Bundesgericht auf eine Willkürprüfung. Es kann demnach nur eingreifen, wenn der Sachrichter den Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des ganzen Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an dessen Schuld fortbestanden (BGE 124 IV 86 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2d S. 38). b) Es stellt sich vorliegend die Frage, ob das Appellationsgericht in Willkür verfiel, indem es den Umstand, dass V.________ die Überspielung allfällig vorhandener Videoaufnahmen nicht verhinderte und die Aufzeichnungen im Strafverfahren nicht aktenkundig machte, in Anbetracht der bestehenden Beweislage als nicht von derartigem Gewicht betrachtete, dass dies die Glaubwürdigkeit von V.________ in einem veränderten Licht erscheinen lassen und das Beweisergebnis ändern könnte. Es ist dabei zu Gunsten des Beschwerdeführers von der hypothetischen Möglichkeit auszugehen, dass der Bankkassier die routinemässige Überspielung ursprünglich bestehender Videoaufnahmen bewusst nicht verhindert und im Strafverfahren nicht aktenkundig gemacht hat, da das Appellationsgericht die entsprechenden Fragen offen gelassen hat. Mangels gegenteiliger Feststellungen des Appellationsgerichts über die Gründe für das heutige Fehlen von Videoaufzeichnungen, muss ferner davon ausgegangen werden, dass es V.________ allein in der Hand gehabt hätte, die Überspielung von vorhandenen Videoaufnahmen zu verhindern oder die Existenz solcher im Strafverfahren aktenkundig zu machen bzw. wenigstens zu erwähnen. Anders als der Beschwerdeführer antönt, bedurfte es hierzu keines Komplotts auf Seiten V.________s mit anderen Bankangestellten. c) Es ist dem Beschwerdeführer zwar darin beizupflichten, dass es nicht leicht verständlich wäre, wenn der Bankkassier eine vorhandene Videoaufzeichnung, mit der gegebenenfalls eine zweifelsfreie Identifikation des Geldbezügers hätte möglich sein können, im Strafverfahren verschwiegen und deren routinemässige Überspielung nicht verhindert hätte. Ebenfalls beizustimmen ist ihm darin, dass die Interessen des Bankkassiers bei der Aufklärung eines bestrittenen Geldbezuges nicht ohne weiteres mit denjenigen der Bank gleichgesetzt werden können. Während bei der Bank als solcher unbestrittenermassen ein erhebliches Interesse an der Klärung der wahren Vorgänge vorausgesetzt werden darf, ist beim Bankkassier immerhin ein Interesse daran denkbar, eine ihm allenfalls vorwerfbare Auszahlung an einen Unberechtigten zu verschleiern. Der Beschwerdeführer übergeht aber, dass das Appellationsgericht bei seiner antizipierten Beweiswürdigung wesentlich, wenn auch nicht ausschliesslich, auf die mangels Vorhandensein von Videoaufnahmen unverändert bestehende Beweislage abstellte, wie sie bereits seinem ersten Urteil vom 4. September 1998 zugrunde lag. Es hielt an der damaligen Würdigung, die das Bundesgericht im Rückweisungsurteil nicht beanstandet hatte, fest. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, weshalb es angesichts dieser Beweislage willkürlich sein soll, in antizipierter Beweiswürdigung die Frage nach der ursprünglichen Existenz von Aufzeichnungen und nach den Gründen, weshalb heute keine solchen bestehen, offen zu lassen. Es ist mithin zweifelhaft, ob die gegen die antizipierte Beweiswürdigung erhobenen Rügen rechtsgenügend begründet sind und darauf überhaupt eingetreten werden kann (E. 1 oben). Das kann allerdings offen bleiben, da sich die Rüge jedenfalls als unbegründet erweist. V.________ hatte bereits in der Personenbeschreibung bei der Polizei gemäss Signalementsbogen angegeben, der Geldbezüger habe als besonderes Merkmal "um Nase/Mund herum irgendeine Narbe oder eine kleine Vertiefung" gehabt, wie sie beim Beschwerdeführer tatsächlich vorhanden ist. Bei der Wahl-Konfrontationseinvernahme erkannte V.________ den Beschwerdeführer sodann zwischen mehreren Polizeibeamten wieder. Dies obwohl er - wie er aussagte - die kleine Narbe im Gesicht des Beschwerdeführers durch die Glasscheibe, welche ihn vom Beschwerdeführer und den Polizeibeamten trennte, nicht habe erkennen können. Es ist kaum erklärbar, wie diese Identifikationen dem Bankkassier möglich gewesen wären, wenn er den Beschwerdeführer nicht tatsächlich am Bankschalter erkannt und sich dessen Aussehen im Gedächtnis eingeprägt hätte. Das Bundesgericht hat schon im Urteil vom 31. Mai 1999 (E. 3) sämtliche gegen diesen Schluss erhobenen Einwände des Beschwerdeführers als unbegründet beurteilt, insbesondere auch denjenigen, dass sich der Bankkassier anderweitig Kenntnis vom Aussehen des Beschwerdeführers beschafft haben könnte. Es kann dazu im Weiteren auf die damaligen bundesgerichtlichen Ausführungen verwiesen werden. Bei dieser Beweislage durfte das Appellationsgericht ohne Willkür davon ausgehen, die Klärung der Fragen, ob ursprünglich eine Videoaufnahme vorhanden war und aus welchen Gründen allenfalls heute nicht mehr, könne keinen Einfluss auf das Beweisergebnis haben. Es durfte diese Frage folglich offen lassen und die diesbezüglichen Beweisanträge des Beschwerdeführers in antizipierter Beweiswürdigung abweisen. Die Rügen der Verletzung des Willkürverbots und somit auch der Unschuldsvermutung sowie des rechtlichen Gehörs erweisen sich damit als unbegründet, soweit angesichts der Begründungsanforderungen an eine staatsrechtliche Beschwerde überhaupt darauf eingetreten werden kann.