Citation: 4A_419/2023 E. 2

Die Vorinstanz führte aus, zwischen den Parteien habe unbestrittenermassen ein mündlicher Auftrag nach Art. 394 ff. OR bestanden, dessen Inhalt die tiermedizinische Behandlung des Pferdes X.________, insbesondere dessen Verletzung am linken Vorderbein, gegen Entgelt gewesen sei. Im Rahmen dieses Auftrags habe Dr. med. vet. D.________ das Pferd am 4. März 2018 untersucht und behandelt, nicht aber geröntgt. Weiter sei unbestritten, dass das Pferd X.________ am 21. März 2018 eine dislozierte Radiusfraktur am linken Vorderbein erlitt und in der Folge euthanasiert werden musste. Strittig sei, ob die Beschwerdegegnerin aufgrund einer Sorgfaltspflichtverletzung von Dr. med. vet. D.________ aus diesem Auftrag schadenersatzpflichtig sei. Nach Art. 8 ZGB habe der Auftraggeber den Schaden, die Sorgfaltswidrigkeit und den Kausalzusammenhang zwischen Sorgfaltswidrigkeit und Schadenseintritt zu beweisen. Hinsichtlich der Sorgfaltspflichtverletzung lägen als Beweismittel insbesondere die Aussagen des Beschwerdeführers, von Dr. med. vet. D.________, C.________ und Dr. med. vet. E.________ sowie das tiermedizinische Gutachten von PD Dr. med. vet. F.________ vom 8. März 2021 samt der Beantwortung der Ergänzungsfragen vom 5. Juni 2021 und die Krankengeschichte des Pferdes X.________ ab dem 4. März 2018 im Recht. Die Vorinstanz erachtete es gestützt auf die Aussagen von Dr. med. vet. D.________ im Verbund mit den Aussagen des Beschwerdeführers und C.________ als erstellt, dass der Tierarzt D.________ am Unfalltag vom 4. März 2018 einen Verdacht auf eine Fissur hatte bzw. zumindest hätte haben müssen. Dies allein stelle jedoch keine Sorgfaltspflichtverletzung dar. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers könne Dr. med. vet. D.________ nicht vorgeworfen werden, dass er direkt nach dem Unfall am 4. März 2018 keine Röntgenuntersuchung durchführte. Eine solche wäre nicht zielführend gewesen, weil Fissuren kurz nach Eintritt einer Verletzung auf dem Röntgenbild mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht sichtbar gewesen wären. Dr. med. vet. D.________ habe am Unfalltag vom 4. März 2018 eine Fissur zwar in Betracht gezogen, sei aber von einer Quetschverletzung ausgegangen und habe deshalb ein zurückhaltendes Bewegungsregime angeordnet. Die Schonung bzw. Ruhigstellung entspreche der Empfehlung eines Grossteils der Autoren, weshalb dem Tierarzt in dieser Hinsicht keine Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden könne. Weiter sei nach den übereinstimmenden Aussagen von Dr. med. vet. D.________ und C.________ erstellt, dass das verletzte Vorderbein des Pferdes X.________ bereits nach kurzer Zeit, anfänglich noch unter Medikamenten, gut und schnell verheilt, aber das Bein noch etwas geschwollen gewesen sei, weshalb man mit dem Wiederaufbau noch etwas länger zugewartet habe. Nach zehn bis zwölf Tagen habe es keine Lahmheitsanzeichen mehr aufgewiesen. Der Tierarzt habe eine Fissur deshalb ausgeschlossen und insbesondere auf eine Röntgenuntersuchung verzichtet. Entgegen der Ansicht der Erstinstanz und des Gutachters sei jedoch keine anerkannte Regel der tiermedizinischen Wissenschaft bewiesen, wonach bei einer Schlagverletzung mit anfänglichem Fissurverdacht nach rund zehn Tagen eine Röntgenuntersuchung indiziert sei, wenn das Pferd keine Lahmheitszeichen mehr zeige. Weder der Gutachter noch der Beschwerdeführer hätten eine massgebliche Grundlage nennen können, die in einem solchen Fall eine Röntgenuntersuchung für angezeigt hält. Vielmehr habe Dr. med. vet. D.________ bei objektiver Betrachtung aufgrund der gesamten Umstände - insbesondere aufgrund der untypischen Präsentation der Verletzung am Unfalltag und des positiven sowie raschen Heilungsverlaufs - eine Fissur ausschliessen und von einer Röntgenuntersuchung absehen dürfen. Er habe damit in seinem pflichtgemässen Ermessen gehandelt. Folglich sei eine Sorgfaltspflichtverletzung seitens des Tierarztes nicht bewiesen. Gestützt auf die im Recht liegende Literatur habe das klinische Bild am 4. März 2018 überdies nicht für das Vorliegen einer Fissur gesprochen. Dr. med. vet. D.________ sei dabei zugutezuhalten, dass es sich bloss um eine kleine, wenig blutende Wunde und um eine untypische Stelle für eine Fissur oder Fraktur in einem Bereich des Vorderarms gehandelt habe, der mit einer Muskelschicht bedeckt sei, dass die Verletzung insbesondere in Bezug auf die Lahmheit schnell geheilt sei, dass das Pferd aufgrund der Schwellung länger ruhiggestellt worden sei und dass es der Springreiter C.________ behutsam aufgebaut habe. Da eine Sorgfaltspflichtverletzung nicht bewiesen sei, falle eine Schadenersatzpflicht der Beschwerdegegnerin ausser Betracht, weshalb deren weitere Voraussetzungen nicht geprüft würden. Zentral für die Abweisung der Klage ist mithin die Feststellung der Vorinstanz, es sei keine anerkannte Regel der tiermedizinischen Wissenschaft bewiesen, wonach bei einer Schlagverletzung mit anfänglichem Fissurverdacht nach rund zehn Tagen eine Röntgenuntersuchung durchzuführen sei, wenn das Pferd keine Lahmheitszeichen mehr zeigt. Dem Beschwerdeführer gelingt es nicht, diese Feststellung umzustossen: