Citation: 5A_401/2022 E. 5.1.1

5.1.1. Der Hausarzt habe ausgeführt, der beeinträchtigte Gesundheitszustand der Erblasserin habe ab 2006 die Anwesenheit einer Drittperson erfordert. Sie sei ab diesem Zeitpunkt nicht mehr sicher in der Lage gewesen, ihre Medikamente richtig einzunehmen. Ausserdem habe er die Darstellung der Beschwerdeführer nicht bestätigt, wonach die Erblasserin bis ins 2. Semester des Jahres 2009 bzw. bis im Frühling 2009 geistig gesund gewesen sei und dass die Erblasserin im Dezember 2009 und im April 2010 Schlaganfälle erlitten habe. Auch sei in den Unterlagen des Hausarztes kein Spitalaufenthalt im Jahr 2009 notiert. Vielmehr habe der Hausarzt die Demenzerkrankung betont, die Schritt für Schritt vorangeschritten sei. Während des 20-jährigen Arzt-Patienten-Verhältnisses hätten Konsultationen der Erblasserin beim Hausarzt in Abständen von einem bis drei Monaten stattgefunden. Der Hausarzt habe konstatiert, die Demenz sei im Jahr 2006 manifest geworden. Er habe sogleich angefügt, eine Demenz komme nicht von einem Tag auf den anderen. Für die Zeit ab 2006 habe der Hausarzt die inzwischen sichtbar (manifest) gewordene dementielle Entwicklung beschreiben können (Störungen im Kurzzeitgedächtnis, Verpassen von vielen Terminen). Bereits am 11. Mai 2006 habe der Hausarzt mit der Erblasserin den Umzug in ein Pflegeheim besprochen, da er den Eindruck gehabt habe, diese sei depressiv und isoliert. Am 22. Juni 2006 habe er in der Krankengeschichte den Eintrag gemacht "Traurig, über die Erbschleicherei der Nichten". Die Erblasserin habe ihm erzählt, die Nichten wollten sie bedrängen. Sie habe auch diverse körperliche Gebrechen gehabt. 2005 und im März 2006 habe sie jedes Auge einzeln operieren müssen, im März 2007, vielleicht schon vorher, habe sie Spitex gehabt. Im Dezember 2006 sei sie gestürzt und habe eine Unterschenkelfraktur erlitten. Sie sei hospitalisiert worden und habe anschliessend Übergangspflege im Altersheim benötigt. Immer wieder habe sie über Schwindel geklagt, weshalb sie auch nicht mehr Töffli habe fahren können. Wann sie damit aufgehört habe, wisse er nicht. 2008 habe die Erblasserin wegen eines Karpaltunnelsyndroms operiert werden müssen. Im Dezember 2008 habe der Hausarzt in der Krankengeschichte erneut notiert, die Erblasserin sei depressiv und isoliert, und habe mit ihr wieder besprochen, ob sie nicht in das Altersheim wolle. Die Erblasserin habe dezidiert abgelehnt. Am 6. Februar 2009 habe er einen Eintrag gemacht, die Erblasserin sei deprimiert und sie habe erzählt, sie sei bestohlen worden. Er habe dazu in Klammern ein Ausrufe- und ein Fragezeichen gesetzt, weil er nicht sicher gewesen sei, ob dies zutreffe. Der Hausarzt habe ausgeführt, die Erblasserin sei damals schon deutlich dement gewesen und habe Sachen durcheinander gebracht. Es komme ja häufig vor, dass Patienten paranoide Vorstellungen entwickelten, vor allem wenn sie isoliert seien.