Citation: 2C_944/2020 E. 5.3

5.3. In tatsächlicher Hinsicht ist vorliegend unbestritten, dass die Beschwerdeführer ein intaktes Ehe- und Familienleben führen. In BGE 140 II 129 hat das Bundesgericht erwogen, der Wortlaut von Art. 50 AIG sei klar. Er setze voraus, dass die Familiengemeinschaft aufgelöst worden sei. Dasselbe ergebe sich aus der Bezeichnung des Artikels ("Auflösung der Familiengemeinschaft"; vgl. BGE 140 II 129 E. 3.3 und E. 3.7). Wie das Staatssekretariat für Migration in seiner Vernehmlassung zu Recht vorbringt, können nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Bestimmungen zur Auflösung der Familiengemeinschaft - mithin auch Art. 77 VZAE - nur zur Anwendung gelangen, wenn die Ehe (definitiv) gescheitert ist. Solches steht vorliegend indes nicht zur Diskussion. Die Situation der beschwerdeführenden Ehefrau und Kinder entspricht nicht derjenigen, welche dem Gesetzgeber vor Augen stand. Die Bestimmungen zur Auflösung der Familiengemeinschaft zielen nach dem gesetzgeberischen Willen darauf ab, die Ehegatten nach der Auflösung der Ehe zu schützen. Sie sollen sich nicht vor das Dilemma gestellt sehen, entweder in einer unzumutbaren ehelichen Gemeinschaft zu verbleiben oder allein in ein gesellschaftliches Umfeld zurückzukehren, wo sie wegen ihrer Trennung oder Scheidung möglicherweise geächtet werden (vgl. BGE 142 I 152 E. 6.2; 140 II 129 E. 3.5; 138 II 229 E. 3.1). Die Beschwerdeführer sehen sich indes nicht vor das Dilemma gestellt, in einer unzumutbaren Ehesituation zu verbleiben oder allein in ihre Heimat zurückzukehren. Sie können zusammen mit ihrem Ehemann und Vater, zu dem sie in die Schweiz gezogen sind und von dessen Aufenthaltsrecht sie ihr eigenes abgeleitet haben, in die gemeinsame Heimat zurückkehren und dort das Familienleben wie bisher weiterführen (vgl. BGE 140 II 129 E. 3.6). Die beschwerdeführende Ehefrau und die drei Kinder können sich nach dem Gesagten nicht erfolgreich auf Art. 77 Abs. 1 VZAE berufen.