Citation: 5C.7/2001 20.07.2001 E. 4

4. Aufl. 1991, S. 75). Eine vom Verschulden der Beklagten unabhängige Frage ist, ob sie eine erhöhte Betriebsgefahr trifft (dazu E. 4 hiernach). c) Bei diesem Ergebnis hat das Obergericht dem Kläger bundesrechtskonform keine Genugtuung zugesprochen. Denn der Kläger kann eine solche nur verlangen, wenn die Beklagte ein Verschulden trifft (Art. 8 des Bundesgesetzes über die Haftpflicht der Eisenbahn- und Dampfschiffahrtsunternehmungen und der Schweizerischen Post vom 28. März 1905; EHG, SR 221. 112.742; Oftinger/Stark, a.a.O. S. 85 f.). Der Kläger macht geltend, das fast 100 Jahre alte Eisenbahnhaftpflichtrecht müsse im Lichte des schweizerischen Obligationenrechts verstanden werden; namentlich habe er unabhängig vom Verschulden der Beklagten Anspruch auf eine Genugtuung (vgl. Art. 47 und 49 OR). Dabei übersieht er, dass gemäss Bundesrecht eine Genugtuung nach Art. 8 EHG (als Spezialnorm) nur zugesprochen werden kann, wenn das Bahnunternehmen ein Verschulden trifft (Praxis 85/1996 Nr. 171 S. 631 E. 1 Abs. 1 a.E.). Soweit sich der Kläger auf P. Gauch beruft, verkennt er, dass dieser Autor Art. 8 EHG bezüglich des darin vorausgesetzten Verschuldens zwar kritisiert, aber wünscht, dass der Gesetzgeber das EHG insoweit möglichst bald korrigiert (Die Haftpflicht der Eisenbahnen - Haftung nach Eisenbahnhaftpflichtgesetz, in: recht 16/1998, S. 205 f. und 211).