Citation: 1P.574/2006 08.02.2007 E. 4

4.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Aussagen der Geschädigten könnten nicht willkürfrei dahin interpretiert werden, dass sie den Täter vor oder während des gesamten Angriffs jemals gesehen habe. 4.2 Wie dargelegt, wurde die Geschädigte dreimal einvernommen. Die erste Einvernahme fand am Tattag, dem 18. Mai 1996, statt; die zweite drei Tage darauf am 21. Mai 1996. Die dritte Einvernahme fand rund eindreiviertel Jahre später statt, nämlich am 26. Januar 1998. Das Protokoll der Befragung vom Tattag (act. II/3/1) enthält folgende Passagen: Frage: "Samstag, 18. Mai 1996, ca. 20.10 Uhr, wurdest Du, Y.________, von Deinem Nachbar, X.________, in den Keller geschleppt. Was ist passiert?" Antwort: "Zuerst war ich zu Hause im WC. Dann ging ich raus. Auf Befragen: Ich wollte noch etwas spielen. Es waren noch Kinder draussen und mit denen wollte ich spielen. Ich war bei der Eingangstür, als ich den Nachbar sah. Der packte mich hinten am Pullover (rosarot) und zerrte mich in den Keller. Über eine Treppe zerrte er mich in den Veloabstand im Keller." (...) Frage: "Kennst Du diesen Mann?" Antwort: "Ja, ich kenne diesen Mann. Er wohnt im selben Haus. Aber ich weiss nicht, wie er heisst." Frage: "Hat sich dieser Mann schon einmal in ähnlicher Art und Weise Dir genähert?" Antwort: "Nein." Das Kassationsgericht befand in seinem Entscheid vom 20. Dezember 1999 (act. 85), das Protokoll dieser ersten Einvernahme sei mit Mängeln behaftet. Es enthalte keine detaillierten Aussagen der Geschädigten, sondern arg zusammenfassende eigene Formulierungen der einvernehmenden Beamtin. Das Protokoll sei zwar prozessual verwertbar, doch sei hinsichtlich der Beweiswürdigung nicht zu verkennen, dass seine Beweiskraft äusserst beschränkt sei. Das Protokoll der ersten Befragung der Geschädigten ist auf Hochdeutsch verfasst. Es enthält deshalb notwendig Übersetzungen der Antworten der Geschädigten und auch eine gewisse Zusammenfassung, zumal die Geschädigte damals erst sieben Jahre alt war und, da ihre Eltern aus Serbien stammen, beschränktere Ausdrucksmöglichkeiten hatte als ein gleichaltriges Kind mit Eltern deutscher Muttersprache. Dem ist bei der Würdigung der im Protokoll festgehaltenen Aussagen Rechnung zu tragen. Es geht jedoch nicht an, dem Einvernahmeprotokoll der ersten Befragung jeden Beweiswert abzusprechen. Das tut, wie sich aus den dargelegten Erwägungen ergibt, selbst das Kassationsgericht nicht. Bei den Aussagen der Geschädigten bei der ersten Einvernahme handelt es sich um ein Beweiselement neben anderen. Das Protokoll der Einvernahme vom 21. Mai 1996 (act. II/3/2) enthält folgende Passage: Frage: "Bisch allei gsi. Häsch Du spezielli Schuhe aagha? Oder was häsch aagha?" Antwort: "Rollschuhe." Frage: "Rollschuhe ja. Und wo bisch Du dänn usgstiege bim Lift?" Antwort: "Det abe." Frage: "Det wo d'Huusigangstüre isch. Wo mer chan use?" Antwort: "Hm (bejahend)." Frage: "Und wo isch dänn de Maa gstande, wo Dich dänn ghebt hät?" Antwort: "Er isch det bim Keller .. und nachhär isch er d'Stäge ufe cho." Frage: "Isch er dänn scho dune gsi?" Antwort: "Hm (bejahend)." "Bemerkung Mutter: Vom Keller her gekommen." - Bemerkung durch Schreibende an die Mutter: Ich wäre froh, wenn Y.________ mir antwortet, damit wir die Aussagen von Y.________ haben." Frage: "Also er isch det une gsi, wo mer die Türe mit de Kette fixiert händ? Isch das det une gsi?" Antwort: "Ja." Aus dieser Aussage ergibt, sich, dass die Geschädigte mitbekommen hat, wo der Angreifer gestanden ist und in welche Richtung er sich bewegt hat. Es ist wenig plausibel, dass sie dies alles einzig akustisch, nicht aber - zumindest teilweise - auch visuell wahrgenommen haben soll. Die Aussagen in dieser zweiten Einvernahme sind somit ebenfalls ein Indiz dafür, dass die Geschädigte den Beschwerdeführer erkannt hat. Die Aussagen in der zweiten Einvernahme sind auch in Beziehung zu setzen mit jenen in der ersten Einvernahme. Beide Aussagen zusammen, die kurz nacheinander und tatnah erfolgt sind, stellen ein erhebliches Indiz dar für die Annahme, dass die Geschädigte den Beschwerdeführer erkannt hat. Die dritte Einvernahme mit der Geschädigten fand am 26. Januar 1998 - also rund eindreiviertel Jahre nach der Tat - statt (act. 37). Das Obergericht bemerkt (S. 49/50) dazu, die Geschädigte habe sich bei dieser dritten Einvernahme nachweislich nicht mehr an alle - selbst objektiv feststehenden und unbestrittenen - Details erinnern können, wie zum Beispiel an die Tatsache, dass der Täter sie geschlagen hatte. Dies - so das Obergericht weiter - sei angesichts des für ein Kind langen Zeitablaufs und der zwischenzeitlichen psychischen Verarbeitung des traumatischen Ereignisses nur natürlich. Dem ist beizupflichten. Die Aussagen der Geschädigten in der Einvernahme vom 26. Januar 1998 sind vor diesem Hintergrund mit Zurückhaltung zu würdigen. In der Einvernahme vom 26. Januar 1998 sagte die Geschädigte zweimal, sie habe den Angreifer, als er bei der zum Keller führenden Treppe gestanden sei, "gar nöd gseh" (S. 8 und 17). Diese Aussage braucht nicht zwingend dahin ausgelegt zu werden, dass die Geschädigte den Täter bis zum Würgen nicht gesehen und erkannt hat. Sie kann ebenso gut dahin ausgelegt werden, dass die Geschädigte den Täter anfänglich, als sie durch die Haustüre zum Spielplatz gehen wollte, gar nicht gesehen hat. Die Geschädigte wurde in der Einvernahme vom 26. Januar 1998 sodann zur Frage einer möglichen Bewusstlosigkeit befragt: Die massgebliche Passage im Protokoll lautet dabei wie folgt: Frage: "(...) Aber wo jetzt i dem Keller une gsi bisch, häsch dänn det une emal g'schlafe oder träumt?" (im Sinne einer Bewusstlosigkeit) Antwort: "Nei. Ich han träumt, dass ich ... ich han gmeint, dass ich das träume." Frage: "Ahm. Und wänn häsch dänn das gmeint?" Antwort: "Wänn er mich gwürgt hät." Frage: "Häsch Du dete dänn gseh gha, dass er das macht hät?" Antwort: "Ja." Frage: "Und isch dänn ussert dem Maa und dere Frau, wo verzellt häsch, isch suscht no öppert im Keller une gsi? Suscht no öppert gseh?" Antwort: "Nei, nur die Frau." 4.3 Diese Aussage kann man jedenfalls dahin auslegen, dass die Geschädigte damit den Beschwerdeführer als jene Person bezeichnen wollte, welche sie gewürgt hat; dies dann, wenn die Befragerin die Betonung bei der Frage "Häsch Du dete dänn gseh gha, dass er das macht hät?" auf das "er" legte. Das Kassationsgericht erwägt im angefochtene Entscheid (S. 16) dazu, der Beschwerdeführer lege in der Nichtigkeitsbeschwerde nicht dar, auf welche Aktenstelle sich die von ihm behauptete Betonung auf das Wort "das" stützen könne. Insbesondere mache er nicht geltend, dies ergebe sich aus der Videoaufzeichnung der Befragung. Damit gelinge der Nachweis einer willkürlichen Würdigung durch das Obergericht nicht. Dem ist zuzustimmen. Würdigt man die Aussagen der Geschädigten, so bestehen zumindest erhebliche Indizien dafür, dass sie den Beschwerdeführer bereits vor dem Würgen als Täter erkannt hat. Wenn letzteres die kantonalen Behörden angenommen haben, ist dies bei dieser Sachlage jedenfalls nicht willkürlich. Für die Annahme von Willkür genügt es nicht, wenn eine andere Lösung ebenfalls denkbar oder sogar vorzuziehen wäre. Willkür ist erst dann zu bejahen, wenn die Auffassung der Behörde offensichtlich unhaltbar ist (BGE 129 I 8 E. 2.1; 127 I 54 E. 2b mit Hinweisen). Dies ist hier nicht der Fall. Zu berücksichtigen ist auch, dass sich der Schuldspruch ja nicht einzig auf die Aussagen der Geschädigten stützt. Das Obergericht erwägt (S. 50 f.), der Täter habe die Geschädigte gemäss ihren konstanten Aussagen erst im Abteilvorraum zu würgen begonnen und er habe sie zuvor während des Hinabziehens über die Kellertreppe und des Schleppens durch den Kellergang bis hinein in den Vorraum nur hinten am Pullover gepackt bzw. mit den Händen an der Taille gezogen. Diesen Ausführungen kommt auch nach Auffassung des Kassationsgerichtes (angefochtener Entscheid S. 17) massgebende Bedeutung zu. Bestand aber jedenfalls in der Anfangsphase des Geschehens ein eher loser Körperkontakt zwischen der Geschädigten und dem Täter, ist die Annahme nicht schlechterdings unhaltbar, die Geschädigte habe die Möglichkeit gehabt, den Körper und den Kopf so weit zu drehen, dass sie den Angreifer habe erkennen können und dass sie ihn auch erkannt hat. Den Beschwerdeführer belasten ausserdem erheblich die Aussagen der Zeugin A.________, die den Beschwerdeführer nicht nur im Tatzeitpunkt mit der Geschädigten angetroffen hat, sondern auch angegeben hat, der Beschwerdeführer sei ihr nervös, mit rotem Kopf und zitternden Händen entgegengekommen. Im Weiteren legt das Obergericht willkürfrei dar, dass die Tatversion des Beschwerdeführers realitätsfern und unglaubhaft ist. Die Beschwerde erweist sich daher im vorliegenden Punkt als unbegründet.