Citation: 9C_293/2019 E. 4.3

4.3. Die Tatsache, dass eine versicherte Person während längerer Zeit arbeitsunwillig gewesen ist und aus diesem Grund auf die Aufnahme einer Arbeit verzichtet hat, genügt nicht, um ihr den Status als Erwerbstätige abzuerkennen und gleichzeitig davon abzusehen, sie als Nichterwerbstätige mit einem Aufgabenbereich zu qualifizieren, wie dies die Verwaltung betreffend den Beschwerdegegner getan hat. Das Vorgehen der IV-Stelle, für die Festlegung seines Status nur eine Erwerbstätigkeit von 10 % - ohne Aufgabenbereich - zugrunde zu legen, was einen Invaliditätsgrad von höchstens 10 % ergeben kann, läuft darauf hinaus, dem Beschwerdegegner die Versicherteneigenschaft in der Invalidenversicherung abzusprechen, weil er seit der Einreise in die Schweiz keiner geregelten Arbeit nachgegangen ist. Dafür fehlt jede gesetzliche Grundlage. Der Umstand, dass der Versicherte aus invaliditätsfremden Gründen nur eine geringe Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, kann nicht zur Folge haben, dass er von sämtlichen Leistungen der Invalidenversicherung ausgeschlossen ist, dürfte sich indessen auf die Höhe des hypothetischen Einkommens ohne Invalidität (Valideneinkommen) auswirken, wird für dieses doch auf das Einkommen abgestellt, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Denn bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Lohn anzuknüpfen, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgeführt worden wäre; Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30 mit Hinweisen).