Citation: 6P.112/2004 17.11.2004 E. 5

5.1 Der Beschwerdeführer macht - gestützt auf das nicht rechtskräftig gewordene Urteil des Strafgerichtspräsidenten - geltend, anlässlich des Einbiegemanövers in die Kasernenstrasse habe er die ihm obliegenden Sorgfaltspflichten beachtet. Die Vorinstanz hält dazu fest, dass dem eigentlichen Einbiegemanöver des Beschwerdeführers für das spätere Unfallereignis keine unmittelbare Bedeutung zukomme. Ob der Beschwerdeführer durch sein Einbiegen auf die Kasernenstrasse das Vortrittsrecht der Beschwerdegegnerin verletzt hat, kann für die Beurteilung des Falles offen bleiben. Allerdings ist zu beachten, dass die vortrittsberechtigte Beschwerdegegnerin durch das Einbiegemanöver des Beschwerdeführers auf der gleichen Fahrspur seitlich zum Sattelschlepper zu fahren kam. Eine derartige Situation birgt die latente Gefahr in sich, dass bei einer allfälligen Verengung der Fahrspur der ungenügende seitliche Raum zur Kollision der beiden Verkehrsteilnehmer führen kann. Da der Beschwerdeführer durch seine Fahrweise die latente Gefahr schuf, war er gehalten, alles Mögliche vorzukehren, damit sich die Gefahr nicht verwirkliche. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, hätte der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin noch vor Beginn der Verengung hinter sich lassen oder rechtzeitig davor abbremsen und sie rechts am Sattelschlepper vorbei fahren lassen müssen. Der leichte Schwenker der Beschwerdegegnerin im Einmündungsbereich der Gitterlistrasse war für den Beschwerdeführer kein ausreichend verlässliches Anzeichen, sie würde ihn vorbeifahren lassen, und zwar nicht nur weil sie bereits bei der Verzweigung Kasernen-/Militärstrasse nicht auf ihr Vortrittsrecht verzichtet hatte, sondern auch weil sie im Einmündungsbereich der Gitterlistrasse weder mit Handzeichen ein Abbiegen nach rechts anzeigte noch ihre Fahrt merklich verlangsamte. Der ortskundige Beschwerdeführer hätte somit bei genügender Aufmerksamkeit erkennen können und müssen, dass er mit seiner "normalen" Weiterfahrt die Beschwerdegegnerin im Anschluss an die Einmündung der Gitterlistrasse mit seinem breiten Fahrzeug zu Fall bringen und verletzen werde. 5.2 Der Beschwerdeführer rügt, die Beschwerdegegnerin habe auf den Schwertransport zu wenig Rücksicht genommen und die von ihr selbst verschuldete Gefahrensituation nicht entschärft, obwohl es ihr leicht möglich gewesen wäre. Durch dieses in mehrfacher Hinsicht grob unvorsichtige Verhalten der Beschwerdegegnerin sei der adäquate Kausalzusammenhang unterbrochen. Der Hinweis des Beschwerdeführers auf BGE 89 IV 140 geht fehl. Denn in jenem Entscheid hatte der Fahrer eines langen Lastenzugs sein Einbiegemanöver erst begonnen, nachdem die überblickbare Strecke frei von anderen Verkehrsteilnehmern war. Der Beschwerdeführer hingegen bog von der Militärstrasse in die Kasernenstrasse ein, obwohl er die Beschwerdegegnerin von rechts und je ein Auto vor und hinter ihr herannahen sah und mit seinem Einbiegen hätte zuwarten können, bis alle drei an der Verzweigung vorbei gefahren waren. Die Beschwerdegegnerin hatte bis zum Ende der Verzweigung der Gitterlistrasse rechts neben dem Sattelschlepper genügend Platz (E. 2.1). Deshalb durfte sie ihre Fahrt fortsetzen, musste jedoch ihre Aufmerksamkeit auf ein mögliches Fehlverhalten des Beschwerdeführers richten, der den von ihr benötigten Raum jederzeit zumachen konnte. Gegen Ende der Verzweigung Gitterlistrasse liess sie es an der notwendigen Aufmerksamkeit fehlen, indem sie erst zu spät bemerkte, dass der Beschwerdeführer sein Fahrzeug immer näher an den rechten Strassenrand lenkte. Doch wiegt dieser Vorwurf nicht allzu schwer, zumal nicht sie, sondern der Beschwerdeführer die Parallelfahrt durch sein Einbiegemanöver verursacht hatte, und der Beschwerdegegnerin die Sicht auf die Verkehrsverhältnisse ausgangs der Verzweigung Gitterlistrasse durch den Sattelschlepper versperrt war. Dass das Verhalten der Beschwerdegegnerin den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der Sorgfaltspflichtverletzung des Beschwerdeführers und dem Unfallereignis unterbrochen haben soll, davon kann nach dem Gesagten keine Rede sein. 5.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz habe den Aspekt der eigenverantwortlichen Selbstgefährdung nicht als möglichen Rechtfertigungsgrund geprüft. Dabei geht er davon aus, die Beschwerdegegnerin habe es von Anfang an und bis unmittelbar vor dem Sturz ganz allein in der Hand gehabt, ob es zu einem Unfall kommen könne oder nicht (Beschwerdeschrift S. 9 f. Ziff. 2.3). Da schon diese Prämisse nicht zutrifft (siehe E. 5.1), erübrigen sich weitere Erörterungen. Dasselbe gilt hinsichtlich der Anrufung des Vertrauensgrundsatzes (Beschwerdeschrift S. 10 f. Ziff. 3). Wie bereits dargelegt (E. 5.1), hatte der Beschwerdeführer die gefahrenträchtige Parallelfahrt verursacht und war deshalb auch der Hauptverantwortliche dafür, dass sich die Gefahr nicht verwirkliche. 5.4 Die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung ist von Bundesrechts wegen nicht zu beanstanden. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist insoweit unbegründet.