Citation: I 435/01 10.02.2003 E. 3.2

3.2.1 Für den Zeitraum ab März 1998 stützen sich Verwaltung und Vorinstanz insbesondere auf einen Bericht der Rheumaklinik vom 23. Februar 1998. Darin wird festgehalten, die Ausübung der ursprünglichen Tätigkeit als Hilfsarbeiter auf dem Bau sei wegen eines lumbospondylogenen Syndroms nicht mehr möglich. Hingegen bestehe ab 1. März 1998 für leichte bis mittelschwere Arbeiten aus rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit. Demgegenüber beruft sich der Beschwerdeführer auf Dr. med. K.________, der lediglich für leichte Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 20 % attestiert. 3.2.2 Im Bericht der Rheumaklinik vom 23. Februar 1998 werden zum einen ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom und persistierende Schmerzen im Bereich des Sprunggelenkes links bei Status nach Arbeitsunfall mit medialer Malleolarfraktur links am 11. April 1996, Fehlhaltung, muskulärer Dysbalance sowie Verdacht auf Schmerzverarbeitungsstörung und zum andern ein allergisches Hautexanthem diagnostiziert, wobei die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einzig dem chronischen lumbospondylogenen Syndrom bei Fehlhaltung und muskulärer Insuffizienz zugeschrieben wird. Wie die Vorinstanz richtig erwogen hat, steht aufgrund des im den Beschwerdeführer betreffenden Unfallversicherungsverfahren ergangenen Urteils vom 21. November 2000, U 162/00, in welchem das Eidgenössische Versicherungsgericht dem SUVA-kreisärztlichen Abschlussbericht des Dr. med. Z.________ vom 13. Januar 1998 volle Beweiskraft zuerkannt hat, fest, dass die Arbeitsfähigkeit selbst im angestammten Beruf durch die 1996 erlittene Fussverletzung aus somatischer Sicht nicht mehr eingeschränkt ist. Das kantonale Gericht ist auch zutreffend davon ausgegangen, dass dem allergischen Hautexanthem hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit keine Bedeutung zukommt. Der vorinstanzlichen Begründung kann diesbezüglich beigefügt werden, dass auch Dr. med. Y.________ diesen Gesundheitsschaden zwar unter den Diagnosen, nicht aber bei der Begründung der Arbeitsunfähigkeit anführt (Bericht vom 16./31. August 1997) und dass auch Dr. med. K.________ wohl die Diagnose "Prurigo" stellt, aber weder unter dem gegenwärtigen Status noch unter dem Titel der Behandlung etwas sich auf eine Hauterkrankung Beziehendes erwähnt und die Arbeitsunfähigkeit mit der körperlichen Belastung begründet (Bericht vom 25. März 1999). Im Ergebnis hat das kantonale Gericht schliesslich auch der einzig im Bericht des Dr. med. K.________ vom 25. März 1999 diagnostizierten Periarthropathie der linken Schulter zu Recht keine selbstständige Bedeutung beigemessen, nachdem zum einen im gleichen Bericht eine Besserung des Gesundheitszustandes rapportiert und unter dem Titel des gegenwärtigen Status kein Schulterleiden vermerkt wird und zum andern der Versicherte selbst im ganzen Verfahrensverlauf nur die Folgen der Malleolarfraktur, die Rückenbeschwerden, psychische Probleme und ein allergisches Hautexanthem, nicht aber ein Schulterleiden erwähnt hat. In Bezug auf die Malleolarfraktur, das Hautexanthem und die Schulterbeschwerden erübrigen sich demnach weitere Erörterungen. Näher einzugehen ist dagegen auf das lumbospondylogene Syndrom sowie auf die Problematik der Schmerzverarbeitungsstörung und, im Zusammenhang damit, auf die Frage nach dem Vorliegen einer psychischen Krankheit. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat im Unfallversicherungsverfahren nicht schlechthin Hinweise auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert, sondern lediglich das Vorliegen von Anhaltspunkten für eine adäquat unfallkausale psychogene Fehlentwicklung verneint, wohingegen im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren auch krankheitsbedingte Einschränkungen psychogener Natur der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen sind (Art. 4 Abs. 1 IVG). 3.2.3 Im Bericht der Rheumaklinik vom 29. September 1997 wird eine funktionelle Überlagerung mit Symptomausweitung, Chronifizierung und Schmerzverarbeitungsstörung diagnostiziert. Unter dem Titel der Beurteilung wird angeführt, aufgrund der Anamnese und der eigenen Untersuchungsbefunde habe kein somatisches Korrelat für die invalidisierenden Beschwerden, welche im Rahmen eines therapieresistenten lumbospondylogenen Syndromes beurteilt würden, gefunden werden können. Hinweise für ein radikuläres Reiz- oder Ausfallssyndrom seien nicht gefunden worden; die klinische Untersuchung des linken Sprunggelenks habe eine maximal leichtgradige Einschränkung bei Dorsalextension sowie Pro-/Supination ohne Hinweise auf entzündliche Veränderungen oder eine massgebliche Dysfunktion ergeben. Das theatralische Auftreten mit ausgeprägtem Schonhinken links (ohne Nachweis von muskulären Atrophien oder einer Differenz der Fusssohlenbeschwielung bzw. Schuhsohlenabnützung), das schmerzbedingte Stöhnen bereits bei der Berührung des linken Fusses sowie bei der körperlichen Untersuchung, das teilweise Entgegenhalten bei der Prüfung der Gelenkbeweglichkeit und die positiven Waddell-Tests (für nichtorganische funktionelle Schmerzen) deuteten auf eine deutliche Symptomausweitung und zunehmende Schmerzverarbeitungsstörung hin, wobei ein Aggravationsanteil nicht auszuschliessen sei. Die psychosomatische Komponente stehe offensichtlich stark im Vordergrund. Als medikamentöse Unterstützung werde der Einsatz zentral wirksamer schmerzdistanzierender Antidepressiva empfohlen. In ihrem Bericht vom 23. Februar 1998 bestätigt die Rheumaklinik die Verdachtsdiagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung. Die als Zeichen einer nichtorganischen Schmerzursache geltenden Waddell-Zeichen seien positiv. Bei der gesamten Untersuchung finde sich eine demonstrative Schmerzangabe mit heftiger Reaktion bereits auf Berührung der Weichteile (vor allem linke untere Extremität). Klinisch bestehe ein Schonhinken links mit Pes adductus links, wobei die Schuhbesohlung seitengleich unauffällig sei. Bei wenig ausgeprägten organischen Befunden (muskuläre Insuffizienz, Fehlhaltung vertebral) müsse von einer Schmerzausweitung ausgegangen werden. Ein Hinweis auf ein allfälliges psychisches Leiden mit Krankheitswert findet sich im Bericht des früheren Hausarztes, Dr. med. Y.________, vom 16./31. August 1997. Dieser Spezialarzt für Allgemeinmedizin beantwortet die Frage der IV-Stelle, was genau die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe, mit "Massive Selbstlimitierung, Depression, soziale Situation". Unter dem Titel der Diagnose erwähnt Dr. med. Y.________ in psychiatrischer Hinsicht jedoch lediglich eine depressive Verstimmung. Es wird kein Hinweis auf eine bereits laufende oder geplante psychiatrische Behandlung gemacht. In allen anderen ärztlichen Beurteilungen finden sich keine Anhaltspunkte für das mögliche Bestehen einer psychischen Erkrankung. Dies gilt insbesondere für die erwähnten Berichte der Rheumaklinik. Es darf davon ausgegangen werden, dass auf Rheumatologie spezialisierten Ärzten, die oft mit psychosomatischen Beschwerdebildern konfrontiert sind und denen der Versicherte von Dr. med. Y.________ gerade wegen des unveränderten Verlaufs mit subjektiv starken Beschwerden und fehlendem Ansprechen auf alle Therapieversuche zugewiesen worden war, Anzeichen für eine psychische Krankheit aufgefallen wären. Aus dem Fehlen entsprechender Hinweise in den rheumatologischen Konsilien, insbesondere daraus, dass keine psychiatrische Behandlung und/oder Abklärung vorgeschlagen wird - der Einsatz zentral wirksamer Antidepressiva wird zur Schmerzdistanzierung empfohlen -, darf deshalb geschlossen werden, dass in der Rheumaklinik keine auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert hindeutenden Auffälligkeiten bemerkt wurden. Schliesslich weist gerade auch der neue Hausarzt, der Internist Dr. med. K.________, der die Arbeitsfähigkeit weitaus tiefer veranschlagt als die Rheumaklinik, in keiner Weise auf das mögliche Bestehen einer psychischen Krankheit hin, auch nicht verdachtsweise: Unter dem gegenwärtigen Status werden einzig den Rücken und die unteren Extremitäten betreffende Befunde erhoben; unter dem Titel der Behandlung werden Physiotherapie, Injektionen wegen Akutschmerzen und Analgetika aufgezählt; die Arbeitsunfähigkeit wird mit der körperlichen Belastung erklärt. Unter diesen Umständen besteht kein hinreichender Anlass zur Vornahme psychiatrischer Abklärungen zur Feststellung eines allfälligen die Arbeitsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigenden psychischen Leidens mit Krankheitswert (vgl. dazu BGE 102 V 165; AHI 2001 S. 228 Erw. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 Erw. 4c), z. B. einer von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbaren andauernden Depression im fachmedizinischen Sinne (vgl. BGE 127 V 299 Erw. 5a). 3.2.4 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass es an einem die Arbeitsfähigkeit zusätzlich mindernden psychischen Leiden mit Krankheitswert fehlt. Insbesondere das aktenmässig ausgewiesene, von den untersuchenden Fachärzten festgestellte theatralische Verhalten mit aggravatorisch anmutenden Zügen spricht gegen eine Depression im fachlich psychiatrischen Sinne. Folglich ist die Schmerzverarbeitungsstörung, begleitet bisweilen von depressiven Verstimmungszuständen, nur soweit zu berücksichtigen, als sie im Symptomenkomplex des lumbospondylogenen Syndroms aufgeht, welches sich im Gegensatz zu den Schmerzen im Bereich der Knöchelfraktur am linken Fuss, bezüglich welcher in den Berichten der Rheumaklinik auf das Fehlen muskulärer Atrophien und einer Differenz in der Beschwielung sowie auf eine seitengleiche unauffällige Schuhbesohlung hingewiesen wird, in Form einer Fehlhaltung und muskulären Insuffizienz auch in objektiven Befunden äussert. Die Arbeitsunfähigkeit bestimmt sich demnach in Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Rheumaklinik und der Beurteilung der Vorinstanz einzig nach Massgabe der Beeinträchtigung durch das lumbospondylogene Syndrom. Dabei ist dem Bericht der Rheumaklinik vom 23. Februar 1998 in Verbindung mit jenem vom 29. September 1997 volle Beweiskraft zuzuerkennen; denn diese gutachtlichen Stellungnahmen sind für die nach dem Gesagten erheblichen Belange umfassend, beruhen diesbezüglich auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen auch die geklagten Beschwerden, sind in Kenntnis der Anamnese abgegeben worden, leuchten in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation ein und enthalten begründete Schlussfolgerungen (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3). Die Berichte des Dr. med. K.________ vermögen den Beweiswert der rheumatologischen Berichte nicht zu erschüttern: Erstens bezieht sich die Auskunft vom 20. Oktober 1999, wonach die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit bis 20 % beträgt, trotz ihres Wortlautes offensichtlich nicht auf eine leidensangepasste Tätigkeit. Dies geht zum einen daraus hervor, dass Dr. med. K.________ in seinem Bericht vom 25. März 1999, in welchem er eine Arbeitsfähigkeit von 20 % ab 5. November 1998 angab, erklärte, eine Tätigkeit als Bauhilfsarbeiter sei wegen der körperlichen Belastung nicht mehr möglich, aufgrund des Ausbildungsstandes, der Sprache usw. sei eine andere Tätigkeit (Aufsicht, Administration) nicht denkbar und eine "optimal angepasste Tätigkeit" könne aufgrund der Beschwerdevielfalt nicht gefunden werden. Es wird zum andern dadurch bestätigt, dass der gleiche Arzt dem Versicherten in Zeugnissen vom 5. November 1998 und vom 9. Dezember 1999 für den gleichen Zeitraum, nämlich ab 3. November 1997, eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten bescheinigt. Der Hausarzt erachtet somit eine 50%ige körperlich leichte Tätigkeit als zumutbar, scheint aber das Finden einer entsprechenden Stelle für unmöglich zu halten, wozu zu bemerken ist, dass in Industrie und Gewerbe Arbeiten, die physische Kraft erfordern, in zunehmendem Mass durch Maschinen verrichtet werden, während den körperlich weniger belastenden Bedienungs- und Überwachungsfunktionen eine stetig wachsende Bedeutung zukommt (SVR 1999 IV Nr. 6 S. 15 Erw. 2b/aa). Zweitens lassen die Stellungnahmen des Dr. med. K.________ jegliche Begründung dafür vermissen, warum er selbst bei leichten Arbeiten nur eine Teilarbeitsfähigkeit annimmt. Dies schmälert den Beweiswert seiner Angaben (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a). Drittens ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte und -ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc), was für die Angaben Dr. med. K.________s, der Beschwerdeführer sei nur zu 20 % oder 50 % arbeitsfähig, auf dem Hintergrund der medizinischen Aktenlage zutrifft. 3.2.5 Da die Beurteilung der Rheumaklinik weder durch die Stellungnahmen des Hausarztes entkräftet oder in Zweifel gezogen wird noch andere Indizien gegen deren Zuverlässigkeit ersichtlich sind, ist dem Bericht der Rheumaklinik vom 23. Februar 1998 voller Beweiswert beizumessen. Dem Versicherten ist, bei gebotener objektiver Betrachtungsweise (BGE 102 V 166 f.), eine Willensanstrengung zur Überwindung seiner Limitierungen und Verstimmungszustände zumutbar. Der Beschwerdeführer macht sodann keine zwischen der Begutachtung und dem für die Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügungen eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend. Auch den Akten lassen sich keine Hinweise auf eine wesentliche gesundheitliche Veränderung entnehmen. Demnach ist mit Verwaltung und Vorinstanz unter Verzicht auf weitere Beweisvorkehren auf den Bericht der Rheumaklinik abzustellen und davon auszugehen, dass seit dem 1. März 1998 für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit besteht.