Citation: 6B_216/2017 E. 1.4.1

1.4.1. Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, die Vorinstanz habe die strukturelle Gewalt zu Unrecht bejaht. Zutreffend sei, dass der Beschwerdegegner aufgrund des Vater-Sohn-Verhältnisses in einer gewissen Abhängigkeit zu ihm gestanden sei. Das Vorliegen und Ausnützen eines vorbestehenden Abhängigkeitsverhältnisses genüge jedoch für die Erfüllung des Tatbestands der sexuellen Nötigung nicht. Er habe weder psychischen Druck erzeugt noch eine tatsituative Zwangssituation geschaffen. Der Beschwerdegegner habe sich den Druck selber auferlegt. Diese Argumentation dringt nicht durch. Die Vorinstanz gibt die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 189 Abs. 1 StGB zutreffend wieder und wendet diese richtig an. Vorliegend handelte es sich nicht um ein blosses Ausnützen des bestehenden Vater-Sohn-Verhältnisses. Vielmehr trug der Beschwerdeführer wesentlich dazu bei, dass sich der Beschwerdegegner in einer aus seiner Sicht ausweglosen Situation wiederfand und die Übergriffe über sich ergehen liess. Der Beschwerdeführer brachte die sexuellen Handlungen Schritt für Schritt in die Vater-Sohn-Beziehung ein. Die ersten Übergriffe fanden bereits sehr früh, d.h. als der Beschwerdegegner 8 Jahre alt war, im Ehebett statt. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den Beschwerdegegner systematisch an die Übergriffe gewöhnte. Dieser wiederum war seinem Vater aufgrund seines kindlichen Alters kognitiv unterlegen. Zudem lebte er mit dem Beschwerdeführer im selben Haushalt und war von diesem auch in sozialer Weise abhängig. Der Beschwerdegegner gab an, sich durch das Dulden der Übergriffe eine Besserung des Verhältnisses und Akzeptanz vom Vater erhofft zu haben. Vorliegend war das Verhältnis zum Vater aus Sicht des Beschwerdegegners besonders fragil. Die Angst vor dem Verlust der Zuneigung und der Wertschätzung des Vaters kann für ein Kind gravierend sein und einen grossen Druck auslösen. Je jünger das Opfer ist, desto geringer sind die Anforderungen an die Intensität des erforderlichen psychischen Drucks. Nebst der Angst vor dem Verlust der Zuneigung seines Vaters war der Beschwerdegegner zudem unter dem Eindruck, er müsse seinen Vater vor Aussenstehenden schützen, indem er niemandem von dessen sexuellen Neigungen erzähle. Wenn die Vorinstanz die Tatbestandsvariante des "Unter-psychischen-Druck-Setzens" bejaht, verletzt sie kein Bundesrecht.