Citation: 6B_272/2023 E. 1.4.1

1.4.1. Aus dem verbindlich festgestellten Sachverhalt geht hervor, dass der Beschwerdegegner nach dem Signal "Ende der Autobahn" mit der Distanztafel "800 m" mit der zulässiger Höchstgeschwindigkeit insgesamt drei auf der linken Spur in Richtung Thusis fahrende Fahrzeuge rechts (auf der Richtung Flims führenden Spur) überholte, wobei er dazwischen jeweils wieder links einspurte. Der Beschwerdegegner vollzog seine Manöver mithin bei (wenn auch nicht exzessiver) so doch hoher Fahrgeschwindigkeit im Bereich einer weniger als 800 Meter langen Ausspurstrecke, wo - wie von der Beschwerdeführerin zu Recht hervorgehoben - vermehrt mit Spurwechseln zu rechnen ist. Diesbezüglich ist entgegen dem Beschwerdegegner keine unzulässige Ausdehnung des Anklagesachverhalts erkennbar. Im Falle des Ausscherens resp. Spurwechsels eines der überholten Fahrzeuge (oder anderer Verkehrsteilnehmer) hätte es dabei ohne Weiteres zu gefährlichen Bremsmanövern resp. einer Kollision kommen können. Dem Gesagten zufolge - und entgegen der Vorinstanz - schuf der Beschwerdegegner durch sein Verhalten eine erhöhte abstrakte Gefährdung und erfüllte somit den objektiven Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG. Daran vermögen bei diesen Gegebenheiten weder gute Strassen- und Sichtverhältnisse noch ein normales Verkehrsaufkommen bzw. ein ruhiger Verkehrsfluss etwas zu ändern. Unbehelflich ist auch, dass der Beschwerdegegner die erlaubte Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten habe. Ob er nach seinen Überholmanövern "in einem Zug" wieder auf die linke Spur zurückschwenkte, resp. ob sein Fahrzeug "plötzlich und unvermittelt" aufgetaucht sei, ist ebenfalls nicht von Belang. Schliesslich kann der Beschwerdegegner auch aus dem Umstand, dass sich die von ihm geschaffenen Gefährdungen nicht verwirklicht hätten, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Zu keinem anderen Schluss führt das vom Beschwerdegegner zitierte Urteil 1C_105/2022 vom 14. Februar 2023. Eine Bewertung und Ahndung von Rechtsüberholen auf der Autobahn als Ordnungswidrigkeit kommt nur ausnahmsweise in Betracht, wobei ein strenger Massstab anzuwenden ist (vgl. zum Ganzen BGE 149 II 96 E. 5.5; Urteil 1C_105/2022 vom 14. Februar 2023 E. 6.4). Eine solche Ausnahme liegt angesichts der vom Beschwerdegegner vorliegend geschaffenen Gefährdung (vgl. supra 1.4.1) nicht vor.