Citation: 6B_1042/2021 E. 5.4.3

5.4.3. Wie die Vorinstanz für das Bundesgericht verbindlich festgestellt hat, drohte dem Beschwerdeführer - für den Fall der Ausweisung im Zeitpunkt des angefochtenes Urteils - im Iran aufgrund seiner regierungskritischen Aktivitäten und seines Kontakts zu Dissidenten politische Verfolgung, konkret "politische Inhaftierung" sowie unter Umständen gar Folter. Mit Blick auf die soeben erwähnte Rechtsprechung liess die Vorinstanz indes ausser Acht, dass sie den Beschwerdeführer am 6. Juli 2021 zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten unter Anrechnung von 1'209 Tagen bereits erstandenen Freiheitsentzugs verurteilte, womit der zu diesem Zeitpunkt ausstehende, ordentliche Strafrest noch ca. 16 Monate betrug. Anders als im Urteil 6B_38/2021 vom 14. Februar 2022, wo der von der Landesverweisung Betroffene, der sich ebenso auf den Schutz von Art. 25 Abs. 3 BV und Art. 3 EMRK berufen konnte, unter Abzug von 614 Tagen Untersuchungs- und Sicherheitshaft zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt worden war (weshalb das Bundesgericht davon ausging, dass die Gefahr einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung in Syrien zum damaligen Zeitpunkt nicht aktuell und konkret war; zum Ganzen: a.a.O. E. 5.5.6), kann im vorliegenden Fall für die Zeitspanne zwischen der allfälligen Ausfällung der Landesverweisung und deren Vollzug (vgl. Art. 66c Abs. 3 StGB) nicht von einer relativ bedeutenden Zeit gesprochen werden, während der die für den Beschwerdeführer massgeblichen Umstände sich ändern könnten. Mithin stellte die - damals aktuelle und unmittelbar zu erwartende - politische Lage im Iran, dessen Regime im Urteilszeitpunkt immerhin schon seit mehreren Jahrzehnten Bestand hatte, ein allfälliges Hindernis für die Anordnung (und den Vollzug) der Landesverweisung des Beschwerdeführers dar. Dasselbe gilt hinsichtlich seiner christlichen Glaubenszugehörigkeit, die seine Situation im Herkunftsland zusätzlich erschwerte (vgl. dazu das Urteil des EGMR M.A.M. gegen Schweiz vom 26. Juli 2022, Nr. 29836/20, § 61 ff. mit Verweis auf F.G. gegen Schweden, a.a.O., § 110 ff. einen Iraner betreffend, der zum Christentum konvertiert hatte). Bei dieser Ausgangslage hätte die Vorinstanz die (Gründe für die) Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers bei der Anordnung der Landesverweisung im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung zu berücksichtigen gehabt bzw. die Prüfung des Rückweisungsverbots nicht auf die Vollzugsbehörden abschieben dürfen. Wie sich aus den vorinstanzlichen Erwägungen ergibt, stand zum Urteilszeitpunkt einer Landesverweisung des Beschwerdeführers die Garantie von Art. 25 Abs. 3 BV und Art. 3 EMRK entgegen. Bereits aus diesem Grund hätte die Vorinstanz in ihrem Urteil auf die Anordnung der Landesverweisung verzichten müssen.