Citation: 9C_482/2024 E. 4.2.2

4.2.2. Zu beurteilen bleibt, inwieweit die Dienstleistung als solche selbst noch Elemente einer menschlichen Beteiligung aufweist, die über ein minimales Mass hinausgehen könnte. Die Beschwerdeführerin beruft sich in dieser Hinsicht vor allem auf den Kundenservice (oben E. 3.3 a.E.). Gemäss MBI 13 Ziff. 3.2.2.2 ist diese Frage mit Blick auf eine allfällige persönliche Interaktion zwischen Leistungserbringer und Leistungsempfänger sowie anhand des Grades der Individualisierung zu entscheiden. Individuell an die Wünsche des Kunden angepasste Leistungen (z.B. eine elektronisch übermittelte Datei mit der fachlichen Beurteilung eines Anwalts) sind danach keine elektronische Dienstleistung. Wenn ein Mensch (nicht ein Algorithmus) nicht nur in Einzelfällen, sondern generell auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Leistungsempfänger eingeht, ist die menschliche Beteiligung nicht bloss minimal. Nach der zitierten Leitlinie schliessen demnach Tätigkeiten wie Beraten, Bewerten, das Abgeben von individuellen Feedbacks und das Beantworten von Fragen die Qualifikation als elektronische Dienstleistung aus (MBI 13 Ziff. 3.2.2.2.2). Wenn hingegen mit menschlicher Intervention nicht auf individuelle Kundenwünsche reagiert wird, gilt sie regelmässig als minimal. So bleibt beispielsweise Online-Roulette auch dann eine elektronische Dienstleistung, wenn ein Croupier in Menschengestalt die Spiele live regelt; gleich verhält es sich bei Online-Kursen, bei denen der Teilnehmer nicht die Möglichkeit hat, während oder nach der Veranstaltung mit der Lehrkraft oder der Lehranstalt zu interagieren (MBI 13 Ziff. 3.2.2.2.1). In diesem Sinn ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass menschliche Intervention in Form von Supportleistungen wohl auf die massgebliche Leistungserbringung bezogen ist - ihre Durchführung begünstigt oder gar erst ermöglicht -, aber wiederum keinen Bestandteil dieser Leistung selbst darstellt. Diese Feststellung gilt sowohl für den technischen Support wie auch für die individuelle Unterstützung der Kunden bei der Anmeldung, der Wett-Teilnahme oder auch während des Sportereignisses. Obgleich Service und Support für das Leistungsangebot der Beschwerdeführerin unverzichtbar sind, haben sie im Verhältnis zur eigentlichen (elektronischen) Dienstleistung eine bloss zugeordnete Funktion ("rôle [...] purement accessoire"; BGE 139 II 346 E. 7.4.4); dies im Unterschied zu den in MBI 13 Ziff. 3.2.2.2.2 aufgezählten "menschlichen Tätigkeiten" (Beraten, Bewerten, Abgeben von individuellen Feedbacks, Beantworten von Fragen etc.), die mit der Kernleistung identisch sind. Die von der Beschwerdeführerin genannten Formen individueller Kundenunterstützung hindern die Qualifizierung der Onlinewetten als elektronische Dienstleistung somit nicht.