Citation: 1P.529/2001 25.10.2001 E. 4

4.-Der Beschwerdeführer macht zu Recht geltend, es bestünden bei einer willkürfreien Beweiswürdigung offensichtlich schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an seiner Täterschaft, weshalb sein Schuldspruch den Grundsatz "in dubio pro reo" und damit seine verfassungsmässigen Rechte verletze. a) Gemäss den Feststellungen im angefochtenen Urteil war die Videoaufzeichnung am Montag bis um 10.00 Uhr in Betrieb. Die mögliche Tatzeit gibt das Obergericht mit bis um ca. 10.30 Uhr an. Es trifft daher offensichtlich nicht zu, dass die Videoaufzeichnung lückenlos ausschliesst, dass eine andere Person als der Geschäftsinhaber und der heutige Beschwerdeführer die Firma Y.________ innerhalb der Tatzeit betreten haben. Das Stockgeld wurde nach den Angaben des Geschäftsinhabers auch erst zwischen 10.30 und 11.00 Uhr nachgezählt, weshalb nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" zudem nicht zu Ungunsten des Beschuldigten von einer möglichen Tatzeit bis ca. 10.30 Uhr ausgegangen werden darf, sondern zu seinen Gunsten eine solche bis um 11.00 Uhr anzunehmen ist. b) Das Obergericht geht weiter davon aus, es sei kein offenes Fenster im ersten Stock des Geschäftes, über welches ein Ein- und Ausstieg eines Diebes möglich gewesen wäre, festgestellt worden. Auch dadurch ist eine Dritttäterschaft jedoch offensichtlich nicht mit genügender Sicherheit ausgeschlossen. Dies wäre nur der Fall, wenn der Geschäftsinhaber unmittelbar nach dem Ende der Videoaufzeichnung um 10.00 Uhr und damit bevor weitere Personen das Geschäft betreten konnten, kontrolliert hätte, ob alle diese Fenster verschlossen seien. Dass er und später die Polizei bloss nicht festgestellt haben, dass ein Fenster nicht verschlossen gewesen wäre, genügt nicht, da ohne eine entsprechende Kontrolle nicht ohne weiteres auffällt, ob ein Fenstergriff geschlossen ist oder nicht. Überdies ist nicht ausgeschlossen, dass eine Person nach 10.00 Uhr das Geschäft betrat und ein offen gelassenes Fenster im ersten Stock schloss, bevor der Geschäftsinhaber und die Polizei dies feststellen konnten. c) Die Videoaufzeichnung kann aus diesen Gründen nicht als unumstösslicher Beweis für die Schuld des Beschwerdeführers betrachtet werden, weil sie das eigentliche Tatgeschehen nicht erfasst und - entgegen der Annahme des Obergerichts - den relevanten Zeitraum nicht lückenlos abdeckt. Weiter ist ein Einstieg eines Dritten über ein Fenster im ersten Stock ebenfalls nicht mit genügender Sicherheit ausgeschlossen. Damit bestehen offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an der Täterschaft des Beschwerdeführers. Daran ändert nichts, dass ein Aussenstehender nicht als Täter in Frage kommen soll, zumal andere Angestellte und Familienmitglieder den gleichen Zugang zum Geschäft hatten wie der Beschwerdeführer. Das Gleiche gilt in Bezug darauf, ob der Beschwerdeführer sich mit seinem Verhalten, als er mit dem Videoprint konfrontiert wurde, verdächtig gemacht habe. Dass er im Wissen darum, dass er eines Diebstahls verdächtigt werde, zunächst spontan einräumte, er sei auf dem Videoprint zu sehen, spricht eher für sein gutes Gewissen, und es erscheint als verständlich, dass er, als er gewahr wurde, welche Bedeutung das Video gegen ihn als Beweismittel haben könnte, die berechtigten Zweifel - wie sie auch die anderen befragten Personen zu Recht äusserten - anmeldete, ob das Videoprint tatsächlich seine Person erkennen lasse. Auch dass er sich rund ein halbes Jahr nach dem Vorfall nicht mehr daran erinnerte, am fraglichen Wochenende im Geschäft gewesen zu sein, kann ihm, wie er zu Recht einwendet, nicht zum Vorwurf gemacht werden, denn als er nachträglich hatte rekonstruieren können, eine gekaufte und im Geschäft vergessene Computerdiskette geholt und das neue Programm an jenem Wochenende bei sich zu Hause installiert zu haben, bestritt er nicht weiter, die auf dem Videoprint und dem Video zu sehende Person zu sein. Ob es willkürlich ist, allein aufgrund der Aussagen des Geschäftsinhabers und ohne Belege über die behauptete genaue Buchführung über den Stand des Stockgeldes davon auszugehen, in der in Frage stehenden Tatzeit seien Fr. 700.-- entwendet worden, kann unter diesen Umständen offen bleiben.