Citation: 1P.454/2000 12.10.2000 E. 2

2.- a) Das Obergericht hat einen Anspruch auf amtliche Verteidigung sowohl nach § 9 der Strafprozessordnung des Kantons Solothurn vom 7. Juni 1970 (StPO/SO) als auch nach Art. 29 Abs. 3 BV verneint. Der Beschwerdeführer beanstandet die Anwendung des kantonalen Rechts nicht. Er macht einzig geltend, der angefochtene Entscheid verstosse gegen seinen direkt aus Art. 29 Abs. 3 BV und Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK fliessenden Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung. Demzufolge ist nur zu prüfen, ob die Verweigerung der amtlichen Verteidigung die angerufenen Verfassungsrechte verletzt. b) Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK gewährleistet die unentgeltliche Bestellung eines amtlichen Verteidigers, falls dies im Interesse der Rechtspflege erforderlich erscheint und der Angeschuldigte mittellos ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur unentgeltlichen Rechtspflege hat die bedürftige Partei aber auch schon gestützt auf Art. 29 Abs. 3 BV (früher Art. 4 aBV) einen allgemeinen grundrechtlichen Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung, wenn ihre Interessen in schwerwiegender Weise betroffen sind und der Fall in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, die den Beizug eines Rechtsvertreters erforderlich machen (BGE 120 Ia 43 E. 2a S. 44 f. mit Hinweisen). In der Praxis des Bundesgerichts zur unentgeltlichen Rechtspflege im Bereich des Strafverfahrens werden drei Fallgruppen unterschieden: Bei offensichtlichen Bagatelldelikten, wo nur eine Busse oder eine geringfügige Freiheitsstrafe in Frage kommt, besteht zum vornherein kein verfassungsmässiger Anspruch auf eine amtliche Verteidigung. Die zweite Gruppe umfasst die Straffälle von "relativer" Schwere, bei denen mit einer Freiheitsstrafe von einigen Wochen bis Monaten zu rechnen ist. Hier besteht ein Anspruch des bedürftigen Angeschuldigten auf Offizialverteidigung nur, sofern besondere Schwierigkeiten tatsächlicher oder rechtlicher Natur hinzukommen, denen der Angeschuldigte - auf sich alleine gestellt - nicht gewachsen wäre. Als besondere Schwierigkeiten fallen neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts auch in der Person des Betroffenen liegende Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Bei schweren Fällen schliesslich, welche die Rechtsposition des Angeschuldigten besonders stark tangieren, ist die unentgeltliche Rechtsverbeiständung grundsätzlich geboten. Ein schwerer Fall ist namentlich gegeben, wenn dem Angeschuldigten eine schwerwiegende freiheitsentziehende Massnahme oder eine Strafe droht, deren Dauer die Gewährung des bedingten Strafvollzuges ausschliesst. Ob ein schwerer oder ein nur "relativ" schwerer Fall im Sinne dieser Praxis vorliegt, bestimmt sich nicht aufgrund der blossen abstrakten Strafdrohung, sondern nach Massgabe der im Falle einer Verurteilung konkret zu erwartenden Strafe. Als bloss "relativ" schwerer Natur können daher auch Straffälle qualifiziert werden, bei denen der oberste gesetzliche Strafrahmen zwar eine Freiheitsstrafe von über 18 Monaten vorsieht, im konkreten Fall aber keine unbedingte Freiheitsstrafe zu erwarten ist (zum Ganzen: BGE 125 V 32 E. 4b S. 35; 122 I 49 E. 2c/bb mit zahlrei- chen Hinweisen, 275 E. 3a; 120 Ia 43 E. 2a und b; 115 Ia 103 E. 4 S. 105). Ob diese Minimalanforderungen verletzt sind, prüft das Bundesgericht in rechtlicher Hinsicht frei, in tatsächlicher hingegen unter dem Gesichtspunkt der Willkür (vgl. BGE 124 I 304 E. 2c mit Hinweisen).