Citation: I 125/99 19.04.2000 E. 3

3.- Nach dem Gesagten bestehen entgegen gesetzte Aussagen sowohl bezüglich der invalidisierenden psychischen Störungen wie auch betreffend deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. So verneint Dr. med. V.________ im MEDAS-Gutachten einen psychischen Ge- sundheitsschaden mit Krankheitswert und attestiert eine volle Arbeitsfähigkeit. Die Gutachter des Spitals X.________ ziehen hingegen eine psychogene Ursache der Be- schwerden und deren Chronifizierung in Betracht. Der Pri- vatgutachter geht von einer psychischen Störung mit Krank- heitswert aus und veranschlagt die Arbeitsunfähigkeit mit 80 %. a) Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die ein- zelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Ver- waltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 40 BZP in Verbindung mit Art. 135 OG; Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG; Art. 85 Abs. 2 lit. c AHVG in Ver- bindung mit Art. 69 IVG; Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 229). Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Be- weise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Be- schwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialversiche- rungsrichter alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbe- sondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Be- weismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be- ruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit we- der die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 122 V 160 Erw. 1c mit Hinweisen). b) Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Um- stand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 Erw. 2a in fine). Daraus folgt indessen nicht, dass eine solche Ex- pertise den gleichen Rang besitzt wie ein vom Gericht oder - wie vorliegend - von einer IV-Stelle im Rahmen des Abklä- rungsverfahrens eingeholtes Gutachten. Es verpflichtet in- dessen - wie jede substanziiert vorgetragene Einwendung ge- gen ein solches Gutachten - den Richter, den von der Recht- sprechung aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend, zu prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder von der IV-Stelle förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (vgl. BGE 125 V 351). c) Im MEDAS-Gutachten wird beim Beschwerdeführer eine aggravierte somatoforme Schmerzstörung bei einer sozio- pathischen, reizbaren und querulatorischen Persönlichkeit diagnostiziert, ohne dass ein geistiger Gesundheitsschaden mit Krankheitswert und eine Einschränkung des Leistungs- vermögens vorliege. Diese Beurteilung wird einmal durch die Fachärzte des Spitals X.________, die psychogene Ursachen der Beschwerden in Betracht ziehen, in Frage gestellt. Erschüttert wird sie entscheidend vom Privatgutachter, der den diagnostizierten psychischen Beeinträchtigungen einen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Krankheitswert attestiert.