Citation: H 125/05 17.01.2006 E. 4

Wie die Vorinstanz verbindlich festgestellt hat (vgl. Erw. 2 hievor) und aufgrund der Akten erstellt ist, blieb die Beschwerdegegnerin die für 1994 bis 1997 geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge schuldig. Damit verstiess sie gegen die Beitragszahlungs- und -abrechnungspflicht und missachtete Vorschriften im Sinne von Art. 52 AHVG (Art. 14 AHVG und Art. 34 AHVV [in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2000 geltenden Fassung]). Diese Verletzung der Beitragsablieferungspflicht ist nicht nur widerrechtlich (vgl. BGE 118 V 195 Erw. 2a mit Hinweisen), sondern gereicht der Beschwerdegegnerin in einer Weise zum Verschulden (vgl. BGE 108 V 202 Erw. 3a), die sie für den infolge Beitragsverwirkung entstandenen Schaden haftbar werden lässt. Denn nach der Rechtsprechung beweist der Arbeitgeber, welcher - wie die Beschwerdegegnerin - seinen Arbeitnehmern die Beiträge vom Lohn abzieht, Kenntnis der gesetzlichen Vorschriften und handelt grobfahrlässig oder gar absichtlich, soweit er die entsprechenden Lohnbeiträge der Ausgleichskasse nicht überweist (ZAK 1987 S. 206 f.). Nicht zu entlasten vermag die Beschwerdegegnerin - entgegen der im angefochtenen Entscheid vertretenen Auffassung - ihre Unerfahrenheit in kaufmännischen Belangen, gilt doch im Bereich von Art. 52 AHVG ein objektivierter Verschuldensmassstab und darf von der Inhaberin eines Coiffeursalons erwartet werden, dass sie die elementarsten sozialversicherungsrechtlichen Arbeitgeberpflichten kennt (was sie - wie gesehen - mit dem Abzug der Arbeitnehmerbeiträge bewiesen hat) und sich mit der notwendigen Sorgfalt um deren Erfüllung kümmert (vgl. auch BGE 108 V 203 oben). Wie das BSV zu Recht geltend macht, geht es auch nicht an, aufgrund von Unklarheiten in der Anmeldung vom 8. Februar 1994 ein Mitverschulden der Ausgleichskasse anzunehmen und die Beschwerdegegnerin gestützt hierauf von ihrer Verantwortung als Arbeitgeberin zu befreien. Denn abgesehen davon, dass die Pflicht zur Beitragsabrechnung und -ablieferung von Gesetzes wegen - ohne Mitwirkung der Ausgleichskasse - entsteht, hat die Ausgleichskasse die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 23. Februar 1994 nochmals ausdrücklich und in hervorgehobener Schrift darauf hingewiesen, wie sie vorgehen müsse, falls sie (später) Arbeitnehmende beschäftige. Sodann hätte der Beschwerdegegnerin aufgrund der von ihr zu erwartenden Sorgfalt auffallen müssen, dass die an sie gerichteten Beitragsverfügungen lediglich ihre - als Selbstständigerwerbende geschuldeten - persönlichen Beiträge umfassten, was nicht nur aus der Bezeichnung der Verfügungen, sondern auch aus den daraus hervorgehenden Faktoren ohne weiteres erkennbar war. Da neben der Grobfahrlässigkeit auch die Haftungsvoraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem schuldhaften Verhalten und dem der Ausgleichskasse entstandenen Schaden zu bejahen ist, weil mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein Schaden entstanden wäre, wenn sich die Beschwerdegegnerin pflichtgemäss verhalten hätte (BGE 119 V 406 Erw. 4a mit Hinweisen; SVR 2005 AHV Nr. 18 S. 63 Erw. 5.4.2.3 [Urteil G. vom 2. Mai 2005, H 86/02]), ist nicht zu beanstanden, dass die Ausgleichskasse die Beschwerdegegnerin zur Leistung von Schadenersatz (im verfügten [vgl. aber Erw. 1 hievor] und in masslicher Hinsicht im Übrigen nicht bestrittenen Umfang) verpflichtet hat.