Citation: I 703/04 14.04.2005 E. 2

Steht somit fest, dass für die Bemessung der Invalidität mit dem kantonalen Gericht auf die Schlussfolgerungen der mit dem rheumatologischen Teilgutachten vom 22. Januar 2003 koordinierten Expertise der Psychiatrischen Klinik Y.________ vom 22. August 2002 abzustellen ist, so bleibt zu prüfen, ob die Vorinstanz auch das Invalideneinkommen korrekt ermittelt hat. In diesem Zusammenhang ist die Frage des leidensbedingten Abzugs (BGE 126 V 75) klärungsbedürftig. 2.1 Gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte, die nicht mehr voll leistungsfähig sind, haben erfahrungsgemäss eine Reduktion des üblichen Lohnansatzes hinzunehmen. Neben leidensbedingten Faktoren können weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe zeitigen. Diesen Umständen gilt es mit einem Abzug am Tabellenlohn Rechnung zu tragen. Das Ziel, ausgehend von statistischen Daten ein Invalideneinkommen zu ermitteln, welches der im Einzelfall möglichen und zumutbaren erwerblichen Umsetzung der Restarbeitsfähigkeit am besten entspricht, darf aber nicht mit einem schematischen Abzug, sondern muss in Berücksichtigung der gesamten Umstände des Einzelfalles erfolgen. Dies in dem Masse, in welchem Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Versicherte wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale seine gesundheitlich bedingte Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der so zu ermittelnde Abzug vom statistischen Lohn erfolgt sowohl bei Versicherten, die vollzeitig eine ihrem Leiden angepasste Arbeit ausüben, als auch bei bloss teilzeitig einsetzbaren Personen. Er ist rechtsprechungsgemäss auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 78 ff. Erw. 5 mit Hinweisen, bestätigt in AHI 2002 S. 62). 2.2 Das kantonale Gericht erkannte, ein gesonderter Abzug rechtfertige sich nicht. Dazu ist festzustellen, dass die Annahme, "invaliditätsfremde Chronifizierungsfaktoren" seien bereits in die rheumatologische Zumutbarkeitsbeurteilung (Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer geeigneten leichten oder mittelschweren Tätigkeit) eingeflossen, im Wortlaut des Untergutachtens vom 22. Januar 2003 keine Stütze findet. Immerhin ist für eine schwere (rückenbelastende oder mit Zwangshaltung verbundene) Arbeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Demgegenüber wurden gewisse Nachteile auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 und 16 ATSG), die sich lohndämpfend auswirken könnten, mit der Zugrundelegung eines tiefen Invalideneinkommens effektiv bereits aufgefangen: Das kantonale Gericht hat das Invalideneinkommen in praxiskonformer Weise mit dem Valideneinkommen (hypothetischer Lohn ohne Gesundheitsschaden) "parallelisiert", welches auf dem früher erzielten, seinerseits deutlich unterdurchschnittlichen Gehalt basiert (vgl. BGE 129 V 225 Erw. 4.4; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 104 Erw. 5b; ZAK 1989 S. 458 Erw. 3b; Urteil S. vom 16. April 2002, I 640/00, Erw. 4a/aa). Gegen einen weiteren Abzug unter diesem Titel spricht auch, dass es sich um einen jungen Versicherten handelt, bei welchem der Ausländerstatus kaum einschlägig ins Gewicht fällt, da er über eine Niederlassungsbewilligung verfügt. Die leidensbedingten Umstände im engeren Sinne indes sind nicht zureichend berücksichtigt worden. Die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten, leichten oder mittelschweren Tätigkeit ist davon abhängig, dass ein ergonomisch gut eingerichteter Arbeitsplatz zur Verfügung steht, der "eine Wechselbelastung zwischen Stehen, Sitzen und Gehen" zulässt, und dass die Tätigkeit nicht mit repetitiver Tragbelastung von Gewichten über zehn Kilogramm verbunden ist (vorerwähntes Gutachten vom 22. August 2002/22. Januar 2003). Diese funktionellen Zumutbarkeitsvorgaben sind insgesamt so beschaffen, dass der Versicherte auch im ausgeglichenen Arbeitsmarkt beruflich nur dann Fuss zu fassen vermag, wenn ihn ein neuer Arbeitgeber zu einem unterdurchschnittlichen Lohn einstellen kann. 2.3 Der für alle einkommensrelevanten Umstände des Einzelfalls gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar, bei deren Überprüfung es nicht darum gehen kann, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle desjenigen von Verwaltung und Vorinstanz setzt. Bei der Überprüfung der Angemessenheit (Art. 132 lit. a OG) geht es wohl um die Frage, ob der Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Will das Sozialversicherungsgericht aber in das Verwaltungsermessen eingreifen, muss es sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 126 V 81 Erw. 6, 123 V 152 Erw. 2 mit Hinweisen). Das Gleiche gilt mit Bezug auf die bundesgerichtliche Überprüfung kantonaler Gerichtsentscheide. Die IV-Stelle hat im Einspracheentscheid einen Abzug von 10 % als angemessen bezeichnet. Diese Einschätzung erscheint in Anbetracht aller relevanten Umstände richtig. Es besteht kein Anlass, davon abzuweichen. Bei einem - unbestrittenen - Valideneinkommen von Fr. 42'900.- ist daher vom tabellarisch hergeleiteten, die zeitliche Einschränkung von 30 % sowie die invaliditätsfremden Gründe, welche zu einem unterdurchschnittlichen Valideneinkommen führten, bereits berücksichtigenden Gehalt von Fr. 30'030.- ein zusätzlicher Abzug von 10 % vorzunehmen. Daraus errechnet sich ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 27'027.-. Der sich aus dem Vergleich dieser Eckwerte ergebende Invaliditätsgrad von 37 % ist nicht rentenbegründend (Art. 28 Abs. 1 IVG).