Citation: 9C_330/2021 E. 4.2

4.2. Bezüglich der massgeblichen Indikatoren (vgl. die Übersicht in BGE 141 V 281 E 4.1.3) hat die Vorinstanz festgestellt, die vom Gutachter erhobenen Befunde seien insgesamt nicht besonders ausgeprägt. Der Antrieb sei leicht vermindert und die affektive Modulation zum depressiven Pol hin verschoben gewesen; Konzentrationsschwierigkeiten oder eine ausgeprägte Müdigkeit seien aber nicht erwähnt worden, der Appetit sei nicht beeinträchtigt und nächtliche Durchschlafstörungen beständen nur phasenweise. Dr. med. B.________ habe nicht von einem Interessenverlust, einer deutlichen psychomotorischen Hemmung, einer Agitiertheit oder einer Beeinträchtigung beim Fortsetzen der alltäglichen Aktivitäten berichtet. Er habe auch keinen verfestigten Verlauf beschrieben, und dem Versicherten sei es phasenweise auch besser gegangen. Der behandelnde Arzt habe zeitnah zur Begutachtung eine lediglich leichte depressive Episode diagnostiziert. Der Versicherte befinde sich zwar seit 2012 in psychiatrischer Behandlung. Die Medikation sei abgesehen von kurzen Phasen stets unverändert, und angesichts der Therapiefrequenz (monatliche Konsultationen) könne nicht von einer konsequenten Depressionsbehandlung gesprochen werden. Der Gutachter habe von einer eher supportiv orientierten Behandlung gesprochen und eine Intensivierung der Medikation sowie der Psychotherapie als sinnvoll erachtet. Eine Behandlungsresistenz sei damit nicht ausgewiesen, und das Scheitern der Eingliederung sei nicht auf den Gesundheitszustand zurückzuführen. Laut dem Experten lasse sich die massiv fluktuierende Leistungsfähigkeit bei den Eingliederungsmassnahmen nur teilweise durch die medizinische Symptomatik begründen, vielmehr hätten auch beeinflussbare motivationale Faktoren eine Rolle gespielt. Nebst den bereits bei der Depression berücksichtigten Somatisierungssymptomen resp. psychosomatischen Beschwerden sei keine Komorbidität erkannt worden. Weiter hat das kantonale Gericht festgestellt, Dr. med. B.________ habe eine unauffällige Persönlichkeitsentwicklung bestätigt und insbesondere eine Persönlichkeitsstörung verworfen. Die Sensitivität und emotionale Labilität sei direkte Folge der aktuell belastenden psychosozialen Situation (und als solche nicht zu berücksichtigen). Als Ressourcen habe der Experte die gute Ausbildung, das relativ junge Alter, die soziale Integration und die Leistungsbereitschaft des Versicherten genannt. Aus dessen Angaben zum Tagesablauf und zu den Freizeitaktivitäten ergebe sich, dass er sich sozial nicht zurückgezogen habe. Insbesondere unterhalte er rege Kontakte zu seiner Familie, zu seiner religiösen Glaubensgemeinschaft und zu Fussballmannschaftskollegen, und er besuche wöchentlich mehrmals Zusammenkünfte und Trainings, was ihm eine Tagesstruktur und Halt gebe. Mit Blick auf den Tagesablauf, die Freizeitgestaltung und die sonstige Alltagsbewältigung (wie z.B. die Unterstützung der Ehefrau bei Haushaltstätigkeiten) sei keine Einschränkung ersichtlich. Das gelte nicht nur für den Zeitpunkt der Begutachtung, sondern beispielsweise auch für die Zeit, als er in der kantonalen Verwaltung ein Arbeitstraining mit einer Arbeitsleistung im Umfang eines 70 %-Pensums absolviert und sich daneben aktiv um Stellen bemüht und seine Zeit für das Familienleben und für sportliche Aktivitäten genutzt habe. In Anbetracht der geringen psychotherapeutischen Behandlungsfrequenz, die der Gutachter als niederfrequent und eher supportiv bezeichnet habe, sei ein Leidensdruck nicht ausgewiesen. Auf einen solchen deuteten lediglich die Teilnahme an den Eingliederungsmassnahmen und die intensive Stellensuche. Indessen habe der Versicherte auch bei den Eingliederungsmassnahmen gezeigt, dass er eine höhere Arbeitsleistung, als vom Gutachter attestiert worden war, habe erbringen können, was auch der zuständige Job-Coach bestätigt habe. Die dabei vorgekommenen Einbrüche in der Leistungsfähigkeit seien psychosozialen Belastungen oder motivationalen Faktoren geschuldet gewesen.