Citation: 5A_177/2017 E. 3.1

3.1. Vor Bundesgericht ist nach wie vor die Wirksamkeit der von der Beschwerdeführerin am 15. November 2012 abgegebenen Rangrücktrittserklärung strittig. Soweit die Beschwerdeführerin geltend machen will, sie habe gar keine Rangrücktrittserklärung abgegeben, sondern sich einzig zur Abgabe einer solchen verpflichtet, kann ihr nicht gefolgt werden. Weder der Wortlaut noch der Zweck der Vereinbarung lassen eine solche Deutung zu (zum Wortlaut der Vereinbarung oben E. 2.1). Dies gilt im Übrigen auch für die Subordinationserklärung im "Transfer of Loan and Loan Agreement". Insbesondere ist nicht ersichtlich, dass die Rangrücktrittserklärung und die Übergabe der Schuldbriefe im Sinne einer Zug-um-Zug-Erfüllung (Art. 82 OR) zusammenhängen würden (dazu nochmals unten). Wenn in Ziff. 1 der Vereinbarung vom 15. November 2012 davon die Rede ist, dass Forderungen zurückgestellt "werden", handelt es sich nicht um den Ausdruck einer in der Zukunft zu erfüllenden Absicht, sondern um eine Passivkonstruktion, wobei die Vereinbarung die entsprechende Rangrücktrittserklärung bereits enthält. Es ist demnach davon auszugehen, dass die Erklärung vom 15. November 2012 nach dem Vertrauensprinzip ausgelegt einen Rangrücktritt beinhaltet. Dieser bezieht sich nach dem klaren Wortlaut auch auf den Konkurs. Zu ergänzen ist dabei die vom Obergericht nicht ausdrücklich übernommene Feststellung des Regionalgerichts, dass in der Rangrücktrittsvereinbarung vom 15. November 2012 auch die Berufung auf Sicherheiten ausgeschlossen worden ist: Gemäss Ziff. 5 der Vereinbarung ist für den Fall, dass für die vom Rangrücktritt erfassten Forderungen Sicherheiten bestellt wurden, für die Dauer des Rangrücktritts das Recht des Gläubigers ausgeschlossen worden, aus diesen Sicherheiten Befriedigung zu verlangen. Auch insoweit erweist sich das Beharren der Beschwerdeführerin auf einem Zug-um-Zug-Zusammenhang zwischen der Rangrücktrittserklärung und der Übergabe der Schuldbriefe als zwecklos. Vor Bundesgericht macht die Beschwerdeführerin nach wie vor Willensmängel geltend. Die Beschwerdeführerin behauptet zunächst, sie sei bei Abgabe der Rangrücktrittserklärung vom 15. November 2012 vom Sachwalter angelogen und getäuscht worden (Art. 28 OR), insbesondere im Hinblick darauf, dass die Rangrücktrittserklärung sich nicht nur auf das Nachlassverfahren, sondern auch auf den Konkurs erstrecke. Sie habe während der ganzen Nachlassstundung gehorchen müssen. Die Erstreckung auf das Konkursverfahren sei auch von der Sache her unnötig. Ihre Behauptungen zum Verhalten des Sachwalters finden im angefochtenen Urteil keine Grundlage. Eine genügende Sachverhaltsrüge fehlt (Art. 97 Abs. 1 BGG), soweit die Behauptungen nicht ohnehin neu und deshalb unzulässig sind (Art. 99 Abs. 1 BGG). Es bleibt deshalb dabei, dass die Rangrücktrittserklärung, wie vom Obergericht, einzig unter dem Aspekt des Erklärungsirrtums (Art. 24 Abs. 1 Ziff. 1 bis 3 OR) zu beurteilen ist. Das Obergericht hat zu diesem Zweck vor allem auf die Vorgeschichte der Rangrücktrittserklärung vom 15. November 2012 abgestellt. Es hat daraus abgeleitet, dass sich die Beschwerdeführerin bei der Unterzeichnung des Dokuments vom 15. November 2012 nicht geirrt haben könne. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass sie am 27. Mai 2008 ein "Transfer of Loan and Loan Agreement" unterzeichnet hat, das die von der Vorinstanz zitierte Subordinationsklausel enthielt. Sie greift die obergerichtlichen Sachverhaltsfeststellungen aber in anderen Punkten an. So macht sie geltend, dass sie weder genügend Englisch oder Deutsch könne, um die verschiedenen von ihr unterzeichneten Verträge oder Erklärungen zu verstehen. Dabei handelt es sich um unbelegte Behauptungen. Angesichts der Gewichtigkeit des von ihr eingegangenen Engagements (Übernahme der Aktienmehrheit einer sich offenbar bereits damals in finanziellen Schwierigkeiten befindenden AG und Übernahme von Darlehen in Millionenhöhe, Eintritt in den Verwaltungsrat, und dies alles - von ihrer Warte aus gesehen - im Ausland) erscheint es auch kaum glaubwürdig, dass sie Verträge unterzeichnet haben soll, die sie sprachlich oder juristisch (zumindest in wesentlichen Teilen) nicht verstanden hätte, und dass sie sich - wie von ihr geltend gemacht - vertrauensselig auf das verlassen habe, was ihr erklärt worden sei. Bei Unklarheiten oder sprachlichen Verständnisschwierigkeiten wäre es an ihr gelegen zu reagieren. Anders könnte es sich verhalten, wenn der Vorwurf der Täuschung begründet wäre, worauf aber - wie bereits gesagt - nicht einzugehen ist. Sollte sie den Inhalt der Verträge im Jahre 2008 tatsächlich nicht verstanden haben, danach aber dennoch während Jahren hohe Summen (Einlagen) in die B.________ AG investiert haben, wobei deren finanzielle Schwierigkeiten ein dauerndes Thema gewesen sein müssen, bloss um 2012 wieder eine angeblich nicht verstandene Rangrücktrittserklärung zu unterzeichnen, so verdient solches Verhalten - wie bereits das Obergericht erwogen hat - keinen Rechtsschutz (Art. 25 Abs. 1 OR). Es hätte genügend Zeit bestanden, um sich über den Inhalt der eingegangenen Verträge und die rechtliche Bedeutung eines Rangrücktritts zu informieren. Auch aus ihren übrigen Einwänden kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. An der Sache vorbei gehen ihre Einwände gegen Revisionsberichte und Jahresrechnungen. Dass diese nie genehmigt worden sein sollen und nach den Feststellungen des Regionalgerichts auch nicht klar sein soll, wer die darin erwähnten Rangrücktritte erklärt habe, ändert nichts daran, dass in diesen Unterlagen Rangrücktritte erwähnt sind und der Beschwerdeführerin als Verwaltungsratsmitglied die Bilanzen und Berichte bekannt sein mussten, d.h. dass sie sich über das Rechtsinstitut des Rangrücktritts hätte Rechenschaft geben und abklären müssen, ob die erwähnten Rangrücktritte sie betreffen, falls sie dies damals nicht gewusst haben sollte. Ausserdem macht sie - wie bereits angesprochen - geltend, dass im "Transfer of Loan and Loan Agreement" auch die Sicherungsübereignung von zwei Namenschuldbriefen im ersten Rang zur Sicherung des Darlehens vereinbart worden sei. Sofern sie damit geltend machen möchte, sie habe sich über die Tragweite der Subordinationserklärung geirrt, weil ihr gleichzeitig die Übergabe von im ersten Rang lastenden Sicherheiten versprochen worden sei, so ist dem entgegenzuhalten, dass sie sich über den Inhalt des Vertrags hätte informieren müssen. Sodann ist in der (massgeblichen) Rangrücktrittserklärung vom 15. November 2012 die Berufung auf Sicherheiten gerade ausgeschlossen worden. Wenn sie bei Unterzeichnung der Rangrücktrittserklärung vom 15. November 2012 tatsächlich der Meinung gewesen sein sollte, es stünde ihr aufgrund früherer Abmachungen eine grundpfandrechtliche Sicherung ihrer Darlehensforderung zu, die vom Rangrücktritt nicht erfasst sei, so ist nicht verständlich, weshalb sie dann keinen entsprechenden Vorbehalt in die Rangrücktrittserklärung aufgenommen hat. Wieso der Rangrücktritt schliesslich auf den Schuldbriefen oder im Grundbuch hätte angemerkt werden müssen, um gegenüber der Beschwerdeführerin wirksam zu sein, legt diese nicht nachvollziehbar dar. Dass sie sich nicht auf Art. 849 ZGB berufen kann, hat ihr bereits das Regionalgericht erläutert. Es bleibt demnach bei der obergerichtlichen Beurteilung, dass sich die Beschwerdeführerin bei der Unterzeichnung der Rangrücktrittserklärung vom 15. November 2012 nicht geirrt hat und die Berufung auf einen allfälligen Irrtum jedenfalls treuwidrig wäre. Es kann deshalb offenbleiben, ob die Beschwerdeführerin den angeblichen Irrtum rechtzeitig geltend gemacht hat.