Citation: 8C_67/2022 E. 3.3.2

3.3.2. Die Vergleichsverhandlungen der Beschwerdeführerin beruhen ausdrücklich auf der schon damals praxisgemäss anerkannten medizinischen Erfahrungstatsache, dass bei vorgeschädigten Wirbelsäulen ein Unfallereignis nur ausnahmsweise unter besonderen Voraussetzungen als eigentliche Ursache einer Diskushernie in Betracht fällt (Urteil U 107/04 vom 25. November 2004 E. 4.1). Offensichtlich unbegründet ist der Standpunkt der Beschwerdeführerin, wonach bereits bei Vergleichsabschluss bzw. Erlass der Verfügung vom 21. September 2005 (vgl. zur Bedeutung der in diesem Zeitpunkt herrschenden Rechtslage: BGE 138 V 147 E. 2.1 i.f. mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 8C_363/2021 vom 25. November 2021 E. 6.1) praxisgemäss kein Ermessensspielraum für Vergleichsverhandlungen bestanden habe. Und dies, weil angeblich schon damals nach der von der Rechtsprechung anerkannten medizinischen Erfahrungstatsache spätestens ein Jahr nach Aktivierung eines stummen Vorzustandes an der Wirbelsäule auf das Erreichen des Status quo sine hätte geschlossen werden müssen. Dass dies offensichtlich - jedenfalls für den damals massgebenden Zeitpunkt - nicht zutrifft, folgt bereits aus dem Urteil U 287/04 vom 17. März 2005 E. 8.1 (RKUV 2005 Nr. U 550 S. 242). Auch damals konnte sich das EVG dem von der - nota bene identischen - Beschwerdeführerin angeführten Verweis auf diese Erfahrungstatsache nicht anschliessen. Stattdessen bejahte es den natürlichen Kausalzusammenhang und damit die Fortdauer der Leistungspflicht der Beschwerdeführerin. Allein aus diesem - die Beschwerdeführerin betreffenden - Präjudiz erhellt, dass nur wenige Monate vor dem am 21. September 2005 verfügungsweise bestätigten Vergleichsabschluss auf der Grundlage der damaligen Rechtsprechung nicht nur Ermessensspielraum, sondern mit Blick auf das Prozessrisiko auch ein erhebliches Interesse seitens der Beschwerdeführerin daran bestand, über ihre allenfalls fortbestehende Leistungspflicht angesichts der unsicheren Rechtslage eine vergleichsweise Regelung zu suchen. Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin mit dem Vergleich eine abschliessende Vereinbarung über die strittigen Folgen von zwei versicherten Unfällen (Sachverhalt lit. A.a und A.b) anstrebte.