Citation: U 384/06 16.07.2007 E. 4.1

4.1.1 Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden wie folgt zu differenzieren: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS), eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die versicherte Person eine der soeben erwähnten Verletzungen erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze massgebend (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99; vgl. zur differenzierten Anwendung dieser Rechtsprechung in zeitlicher Hinsicht RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437); andernfalls kommen die in BGE 117 V 359 E. 6a S. 366 und 369 E. 4b S. 382 festgelegten Kriterien zum Zuge (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). 4.1.2 Bei einem Schleudertrauma der HWS handelt es sich aus medizinischer Sicht um einen Beschleunigungsmechanismus an der Halswirbelsäule ohne Kopfanprall mit der dazugehörigen Diagnose einer Distorsion der HWS resp. des Nackens (RKUV 1995 Nr. U 221 S. 112). Typisch für diese Art von Verletzung ist das gehäufte Auftreten von Beschwerden, wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, sowie Wesensveränderungen (BGE 119 V 335 E. 1 S. 338, 117 V 359 E. 4b S. 360). Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seiner Folgen müssen durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein. Distorsionen der Halswirbelsäule stellen eine dem Schleudertrauma der HWS äquivalente Verletzungsform dar (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; Urteil F. vom 26. November 2001 [U 409/00] E. 3). 4.2 Unmittelbar nach dem Unfall war vom Spital F.________ bei der Beschwerdeführerin eine HWS-Distorsion diagnostiziert worden. Diese Diagnose wurde in der Folge von Dr. J.________ am 3. Juni 2003, von Dr. N.________ am 29. August 2003, den Ärzten in der Rehaklinik G.________ am 12. Mai 2004, Dr. C.________ am 18. und 26. Mai 2004, Dres. H.________ und E.________ am 25. Februar 2005 und schliesslich auch den Dres. L.________ und D.________ am 23. Juni und 18. Juli 2005 bestätigt. Erst die Chirurgen am Medizinischen Zentrum O.________ erwähnten in ihrem am 9. Februar 2004 abgelieferten Gutachten ein psychisches Leiden, ohne dieses aber irgendwie zu spezifizieren. Bei einer solchen Konstellation kann aber kaum davon ausgegangen werden, die physischen Beeinträchtigungen hätten nur eine untergeordnete Rolle gespielt und seien damit ganz in den Hintergrund getreten. Vielmehr hat die in BGE 117 V 359 begründete Rechtsprechung zur Anwendung zu gelangen. Dabei wird auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367). 4.3 Der Unfall vom 26. April 2003 ist dem mittleren Bereich im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen zuzuordnen. Dies unabhängig davon, ob es sich um eine Auffahrkollision mit sehr geringer Geschwindigkeit, oder um ein Rückwärtsrollen beim Warten auf einen freien Parkplatz handelt. Damit müssen die rechtsprechungsgemässen weiteren Kriterien (vgl. BGE 117 V 359, E. 6b S. 368) in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz zu bejahen ist. Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles liegen nicht vor. Ebenso wenig erfüllt die HWS-Distorsion das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen (vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238 E. 5.2.3 mit Hinweisen [Urteil C. vom 15. März 2005, U 380/04]). Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, bestehen nicht. Dies gilt auch für das von den Gutachtern des Medizinischen Zentrums O.________ kritisierte Tragen eines Halskragens. Ebenso wenig kann von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen gesprochen werden. Hingegen leidet die Beschwerdeführerin an einer therapieresistenten Schmerzsymptomatik (Gutachten des ärztlichen Begutachtungsinstituts A.________ vom 20. Juli 2005, S. 15) im Sinne von Nacken- und Kopfschmerzen, einem langsam abnehmenden Tinnitus rechts, Gleichgewichtsstörungen sowie Doppelbildern. Damit ist das Kriterium von Dauerschmerzen erfüllt. In der angestammten Tätigkeit, welche die Beschwerdeführerin vor dem Unfall ausführte, arbeitete sie in der Montage von elektronischen Kleinbauteilen, was erhebliche Anforderungen an die Feinmotorik, die Sehkraft und an die Konzentrationsfähigkeit stellte. Sie musste in den Oberkörper und die Halswirbelsäule fixierter, sitzender Stellung ausgeführt werden. Der Gutachter des ärztlichen Begutachtungsinstituts A.________ schätzt die Arbeitsfähigkeit zwei Jahre nach dem Unfall auf 0 bis allerhöchstens 30%. In einer angepassten leichten wechselbelastenden Stelle wird diese dauernd auf 50% geschätzt. Damit liegt auch eine langandauernde Arbeitsunfähigkeit vor. Hingegen dauerte die ärztliche Behandlung nicht ungewöhnlich lange. Diese war spätestens mit Abschluss des stationären Aufenthaltes in G.________ und damit rund ein Jahr nach dem Ereignis beendet. Alle weiteren ärztlichen Bemühungen dienten einzig der Abklärung oder des Aufrechterhaltens des Status quo. Damit sind nur zwei der zu berücksichtigenden Zusatzkriterien erfüllt. Die Adäquanz der andauernden Beschwerden mit dem Unfall ist daher zu verneinen. 4.4 Nach dem Gesagten hat die Mobiliar mit dem vorinstanzlich bestätigten Einspracheentscheid vom 4. November 2004 ihre Leistungen mit Recht auf den 29. Februar 2004 eingestellt. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist deshalb abzuweisen.