Citation: 9C_482/2024 E. 4.1

4.1. Die MWST-Branchen-Infos (MBI) der ESTV definieren die Praxis dieser Bundesbehörde. Es handelt sich - gleich wie bei einem Kreisschreiben (vgl. Urteil 9C_190/2023 vom 15. November 2023 E. 4.5) - um Verwaltungsweisungen, die sich an die mit dem Vollzug einer bestimmten öffentlichen Aufgabe betrauten (Verwaltungs-) Organe richten. Verwaltungsweisungen dienen einer einheitlichen und rechtsgleichen Auslegung und Anwendung der Gesetze und Verordnungen, statuieren also keine neuen Rechte und Pflichten für Private. Obschon Verwaltungsweisungen für die Gerichte nicht verbindlich sind, werden sie auch von diesen berücksichtigt, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Mit anderen Worten weichen die Gerichte nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, die die rechtlichen Vorgaben überzeugend konkretisieren (BGE 146 I 105 E. 4.1; 142 V 425 E. 7.2; 142 II 182 E. 2.3.2 und 2.3.3). Die Beschwerdeführerin stellt die Massgeblichkeit der Kriterien gemäss MBI 13 Ziff. 3.2 (vgl. oben E. 2.3) nicht infrage. Es besteht denn auch kein Grund, deren Eignung zur Konkretisierung des gesetzlichen Begriffs "elektronische Dienstleistung" anzuzweifeln. Die Kriterien sind daher zur Beantwortung der Frage heranzuziehen, ob die Wettange-bote der Beschwerdeführerin als elektronische Dienstleistung im Sinn von Art. 10 Abs. 2 lit. b MWSTG und Art. 10 Abs. 1 MWSTV zu qualifizieren sind.