Citation: 6B_454/2022 E. 5.3

5.3. Die Beurteilung, dass die Beschwerdeführerin mit Bezug auf den Angriff auf den Beschwerdegegner 2 eventualvorsätzlich gehandelt hat, ist ausführlich und nachvollziehbar begründet. Gestützt auf eine eingehende Auseinandersetzung mit den diversen im Recht liegenden Aussagen der Beteiligten und den ausgewerteten WhatsApp-Nachrichten stellt die Vorinstanz fest, es sei zumindest der Beschwerdeführerin und G.C.________ bereits im Vorfeld klar gewesen bzw. habe ihnen klar sein müssen, dass D.C.________ mit dem Beschwerdegegner 2 nicht nur reden würde, habe D.C.________ ihnen gegenüber doch mehrmals angetönt, dass er nicht nur reden werde und seine Familie ihn nicht anzeigen solle. Zudem sei erstellt, dass G.C.________ gewusst habe, dass D.C.________ am besagten 28. März 2015 mit Kollegen vorbeikommen werde; D.C.________ habe seine Schwester G.C.________ sogar gewarnt, dass er mit vielen Kollegen kommen werde. Spätestens im Zeitpunkt, als D.C.________ mit fünf Kollegen aufgetaucht sei, welche dem Aussehen nach zur rechtsextremen Szene zu gehören schienen, sei - neben der Beschwerdeführerin und G.C.________ - auch E.C.________ klar gewesen bzw. habe ihr klar sein müssen, dass am besagten 28. März 2015 mit dem Beschwerdegegner 2 nicht nur geredet werden würde; vielmehr habe ein Angriff auf den Beschwerdegegner 2 als wahrscheinlich geschienen. Obschon alle drei Beschuldigten einen Angriff befürchtet und sich sogar überlegt hätten, die Polizei zu informieren, hätten sie den Beschwerdegegner 2 zu einem Kaffee in die Wohnung der Beschwerdeführerin eingeladen und diesen über die Anwesenheit von D.C.________ und seiner fünf Kollegen belogen. Selbst nachdem zumindest die Beschwerdeführerin und E.C.________ bei D.C.________ und seinen Kollegen teilweise Maskierungen und Handschuhe wahrgenommen hätten, hätten sie den Beschwerdegegner 2 in die Wohnung eintreten lassen und habe die Beschwerdeführerin gar die Wohnungstüre hinter diesem abgeschlossen (angefochtener Entscheid E. IV.4.11). In der rechtlichen Würdigung rekapituliert die Vorinstanz, den Beschuldigen sei das vorhandene, von D.C.________ und seinen Kollegen ausgehende Gewaltpotential und die Möglichkeit eines Angriffs sehr wohl bewusst gewesen; sie hätten einen solchen gemäss eigenen Aussagen ja geradezu befürchtet. Dennoch hätten sie den Beschwerdegegner 2 in die Wohnung der Beschwerdeführerin eingeladen. Dies im Wissen darum, dass D.C.________ kommen werde, wenn er denn zu diesem Zeitpunkt nicht bereits da gewesen sei, was nicht zweifelsfrei erstellt werden könne. Es sei sodann auch D.C.________ gewesen, welcher gegenüber der Beschwerdeführerin und G.C.________ bereits vor dem 28. März 2015 geäussert habe, dass er mit dem Beschwerdegegner 2 nicht nur sprechen werde, gefragt habe, ob er ihm "auf die fresse hauen" solle, und darum gebeten habe, ihn nicht anzuzeigen. Auch seien (zumindest) der Beschwerdeführerin und G.C.________ D.C.________s Beziehungen zur rechtsextremen Szene und sein Hass auf den Beschwerdegegner 2 bekannt gewesen (angefochtener Entscheid E. V.2.1). Die Beschuldigten - so die Beurteilung der Vorinstanz - hätten folglich bei ihrem Handeln einen Angriff in Kauf genommen und dadurch zumindest eventualvorsätzlich gehandelt (angefochtener Entscheid E. V.2.2).