Citation: 2C_680/2021 E. 1.5.3

1.5.3. Die freie Kognition erfasst auch das mit dem schweizerischen Recht harmonisierte Mehrwertsteuerrecht des Fürstentums Liechtenstein, was aus Art. 1 Abs. 3 MWST-Vertrag CH-FL 1994 hervorgeht. Das MWSTG/FL 2009 als Transformationsgesetz beruht auf dem Staatsvertrag von 1994 und kann vom Bundesgericht unter dem Aspekt von Art. 95 lit. a und b BGG geprüft werden. Bei der Überprüfung des harmonisierten liechtensteinischen Mehrwertsteuerrechts darf, soweit keine länderspezifischen Eigenheiten vorliegen, auf die entsprechende Praxis und Doktrin zur schweizerischen Mehrwertsteuer abgestellt werden (Art. 1 Abs. 3 ZGB; so schon Urteil 2A.709/2005 vom 28. August 2006 E. 1.4). Vorfrageweise kann aber auch weiteres, im Staatsvertrag nicht unmittelbar erwähntes Recht des Fürstentums Liechtenstein von Bedeutung sein. Zu denken ist insbesondere an das bereits erwähnte PGR/FL, namentlich auch unter dem Aspekt des Trusts, der in der Schweiz kein unmittelbares Gegenstück findet. Sofern es zur einwandfreien Auslegung und/oder Anwendung des MWSTG/FL 2009 erforderlich ist, darf das Bundesgericht auch das vorfrageweise heranzuziehende ausländische Recht mit freier Kognition prüfen (BGE 138 II 536 E. 5.4.1; 91 II 117 E. II.3; Urteile 4A_659/2020 vom 6. August 2021E. 3.2.2; 8C_846/2018 vom 28. März 2019 E. 4.2).