Citation: I 538/99 05.04.2000 E. 3

3.- a) Aufgrund der Akten erstellt und seitens der Parteien unbestritten ist, dass keine organisch erklärbaren Krankheiten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlie- gen. Bei den vom Versicherten geklagten Schmerzen und Ver- spannungszuständen handelt es sich nach den ärztlichen Wer- tungen um eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psy- chischen Gründen, deren Ursache indessen unterschiedlich beurteilt wird. Während die Fachärzte der Rehaklinik im psychosomatischen Konsilium vom 26. Juli 1996 - wie auch Kreisarzt Dr. med. K.________ im Bericht vom 9. Oktober 1996 - von einer "Konversionsneurose" auf dem Hintergrund einer deutlich hysterischen Psychodynamik nach zweimaliger Traumatisierung und Angst vor dem Verlust der Existenz- grundlage sprechen, sind gemäss Bericht der Klinik Y.________ vom 17. März 1998 durch gesicherte körperliche Störungen - Hundebiss, Commotio cerebri und Rückenkontusion - verursachte Symptome wegen des psychischen Zustandes aggraviert worden, worauf es zur Entwicklung eines histrio- nischen, die Aufmerksamkeit erweckenden Verhaltens und zu- sätzlicher Beschwerden nicht körperlichen Ursprungs gekom- men sei. Entscheidend ins Gewicht fällt dabei gemäss beiden Berichten das soziale Umfeld, verbunden mit der Angst vor dem Verlust der Existenzgrundlage. Gemäss den Ärzten des Spitals Z.________ wird mit der Diagnose einer "Konver- sionsneurose" der Symptomenkomplex hingegen nicht vollum- fänglich umfasst, da soziale Probleme wie drohende Aus- weisung und fehlendes Einkommen die Situation des Ver- sicherten zwar zusätzlich beeinträchtigten, jedoch nicht die Ursache der gesundheitlichen Problematik darstellten; es müsse vielmehr von einer posttraumatischen Belastungs- störung ausgegangen werden (Bericht vom 24. Dezember 1997). b) Weil Art. 4 Abs. 1 IVG nicht nach Art und Genese des Gesundheitsschadens fragt, welcher die Erwerbsunfähig- keit beeinträchtigt, braucht die Ursache der psychischen Beschwerden - entgegen der von Vorinstanz und Verwaltung vertretenen Auffassung - nicht beurteilt zu werden. Ent- sprechend der finalen Konzeption der Invalidenversicherung geht es nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts nicht an, dass ein pathologisches Ge- schehen, nur weil es (auch) soziokulturelle Ursachen hat, gleichsam in einen invaliditätsfremden Faktor umgedeutet wird. Solche sind zwar praxisgemäss bei der Beurteilung der Frage, wieso eine Person erwerbslos ist, zu berücksichti- gen; in Bezug auf die Ursache einer die Arbeits- und die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden Krankheit kommt ihnen sozialversicherungsrechtlich jedoch keine Bedeutung zu (Pra 1997 49 256 Erw. 4b). Während in der Unfallversiche- rung ein zweifacher Kausalzusammenhang zwischen dem ver- sicherten Risiko (Berufs- oder Nichtberufsunfall, unfall- ähnliche Körperschädigung, Berufskrankheit) und dem ein- getretenen Gesundheitsschaden einerseits sowie zwischen diesem und der Erwerbsunfähigkeit anderseits erforderlich ist, kommt in der Invalidenversicherung nur dem Kausal- zusammenhang zwischen Gesundheitsschaden und Erwerbsun- fähigkeit (Erwerbslosigkeit aus invaliditätsfremden Gründen vermag keinen Rentenanspruch zu begründen, vgl. BGE 107 V 21 Erw. 2c; ZAK 1991 S. 321 Erw. 3c, 1989 S. 313) Bedeutung zu (Bühler, Zur rechtlichen Bedeutung der invaliditäts- fremden Gründe der Erwerbsunfähigkeit für die Invaliditäts- bemessung, in: SZS 1993 S. 274; Meyer-Blaser, Kausalitäts- fragen aus dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts, in: SZS 1994 S. 84). Treten nach (eher unbedeutenden) Unfall- ereignissen psychische Auffälligkeiten auf, sind die Fakten mit Blick auf das Ganze zu gewichten, indem aufgrund von Arztberichten, Gutachten und erwerblichen Informationen festzustellen ist, ob das psychische Bild sich im Einzel- fall auf die Erwerbsfähigkeit langzeitig ungünstig auswirke und demnach ein geistiger Gesundheitsschaden von Krank- heitswert anzunehmen sei (Schneeberger, Die psychiatrische Beurteilung von IV-Rentenanwärtern, in: ZAK 1986 S. 263 ff.).