Citation: 5A_120/2024 E. 3.4.2

3.4.2. Ein Ausstandsgrund, hier das Verhalten des Behördenmitglieds anlässlich der Anhörung der Beteiligten (vgl. dazu BGE 140 I 326 E. 6.3; VON BÜREN, a.a.O., N. 28 zu Art. 9 VRPG/BE), kann sich auch aufgrund einer Gesamtwürdigung der Situation ergeben, so etwa bei ungewöhnlich häufigen Fehlleistungen der Verfahrensleitung. Selbst wenn das Ausstandsgesuch unverzüglich gestellt werden muss, ist es mit Blick auf die Gesamtsituation dabei nicht nötig, jedes problematische Verhalten umgehend zu rügen. Dadurch verwirkt zwar die Möglichkeit, das Gesuch allein mit diesem einen Ereignis zu begründen. Nicht ausgeschlossen wird aber, darauf zusammen mit neu hinzugekommenen Umständen zurückzukommen, sofern nicht missbräuchlich ein bloss vorgeschobener neuer Grund angerufen wird, der nicht ernstlich für die Begründung des Ausstands geeignet ist (Urteil 5A_85/2021 vom 26. März 2021 E. 3.2; vgl. weiter Urteile 5A_31/2024 vom 11. Juni 2024 E. 4.1; 5A_75/2021 vom 24. Juni 2021 E. 4.3). Mit Blick hierauf ist das Vorgehen des Beschwerdeführers nicht zu beanstanden: Von den der Tochter gegenüber gemachten Aussagen des Behördenmitglieds hat er erst mit Eröffnung des Entscheids der KESB Kenntnis erhalten (Protokoll der Anhörung vom 10. Juli 2023, unpag. Akten KESB, S. 8). Damit konnte er das Ausstandsgesuch - es bezieht sich auf das gesamte Verhalten der Verfahrensleiterin - (frühestens) in der Beschwerde ans Obergericht erheben. Unter diesen Umständen ist dieses rechtzeitig gestellt (vgl. BGE 139 III 466 E. 3.4; VON BÜREN, a.a.O., N. 56 zu Art. 9 VRPG/BE). Das Obergericht hat sich sodann zur Ausstandsproblematik geäussert, obgleich es letztlich offen gelassen hat, ob überhaupt ein (hinreichendes) Ausstandsgesuch vorliegt (vgl. E. 3.1 hiervor). Auch wenn der Beschwerdeführer sich vor der Vorinstanz daher hauptsächlich auf eine Verletzung von Art. 21 Abs. 1 VRPG/BE berufen hat (vgl. angefochtener Entscheid, E. 7.1 S. 5 f.), schadet ihm dies mit Blick auf Art. 75 BGG und den Grundsatz der materiellen Ausschöpfung des Instanzenzugs (vgl. BGE 146 III 203 E. 3.3.4; 143 III 290 E. 1.1) nicht.