Citation: 9C_593/2023 E. 6.2

6.2. Die in E. 6.1.1-6.1.3 geschilderten, widersprüchlichen Äusserungen zeigen die Ambivalenz der Beschwerdegegnerin gegenüber beruflichen Massnahmen, indem sich ihre Einstellung zu entsprechenden Vorkehren immer wieder änderte. Es trifft zu, dass sie dabei wiederholt eine ablehnende Haltung einnahm, wobei sie angab, sich überhaupt keine Erwerbstätigkeit mehr vorstellen zu können. Allerdings scheint dafür im Wesentlichen ihre subjektive Krankheitsüberzeugung im Sinne von überhöhten gesundheitsbezogenen Bedenken verantwortlich zu sein. Dass die versicherte Person ihren Gesundheitszustand dergestalt abweichend von der ärztlichen Einschätzung auffasst, genügt indessen für sich alleine nicht, die subjektive Eingliederungsfähigkeit in Frage zu stellen (Urteil 9C_368/2012 vom 28. Dezember 2012 E. 3.2; vgl. auch ANDREAS BRUNNER/DORIS VOLLENWEIDER, in: Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020, N. 87 zu Art. 21 ATSG). Insbesondere nach einem langjährigen Rentenbezug (wie er auch hier vorliegt) muss es kein Zeichen vorwerfbarer Motivationsdefizite sein, wenn es der versicherten Person Mühe bereitet, sich von der Vorstellung, leistungseingeschränkt zu sein, zu lösen (vgl. dazu auch ANDREAS TRAUB, Mahn- und Bedenkzeitverfahren vor einer Rentenherabsetzung, SZS 2018 S. 448 ff., 450). Vielmehr kann eine solche Krankheitsüberzeugung ein subjektives Eingliederungshindernis darstellen, welchem gerade mit dem Angebot von beruflichen Massnahmen angemessen begegnet werden könnte (vgl. dazu Urteile 8C_93/2023 vom 5. Juli 2023 E. 3.2; 8C_682/2018 vom 21. Februar 2019 E. 7.1; 9C_469/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 7). Ein Wille zur Eingliederung kann der Beschwerdegegnerin nicht abgesprochen werden, denn sie zeigte sich immer wieder willens, eine Arbeit aufzunehmen (in welchem Sinne sie sich namentlich gegenüber dem internistischen und dem psychiatrischen SMAB-Gutachter äusserte), und ersuchte wiederholt explizit um entsprechende Unterstützung durch die IV-Stelle (so im zweiten, am 17. September 2021 unterzeichneten Fragebogen und im Rahmen der Begehren, welche sie im ersten und im dritten Vorbescheidverfahren sowie im vorinstanzlichen Prozess stellen liess). Mit anderen Worten ändert der Einbezug der weiteren, von der IV-Stelle als entscheidrelevant betrachteten Unterlagen nichts daran, dass nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, der Beschwerdegegnerin fehle der Eingliederungswille, was aber vorausgesetzt wäre für das von der IV-Stelle gewählte Vorgehen, die Rente ohne Durchführung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens einzustellen.