Citation: 5P.354/2000 09.11.2000 E. 2

2.- a) Der verfassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass eine Behörde die Vorbringen der vom Entscheid Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die grundsätzliche verfassungsrechtliche Pflicht, einen Entscheid zu begründen (BGE 124 II 146 E. 2a S. 149; 112 Ia 107 E. 2a S. 2b S. 109; 111 Ia 2 E. 4a S. 4; 107 Ia 246 E. 3a S. 248). Die Begründungspflicht ist indessen nicht bereits dadurch verletzt, dass sich die urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich die urteilende Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es genügt, wenn sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann (BGE 124 V 180 E. 1a S. 181; 121 I 54 E. 2c S. 57; 117 Ib 481 E. 6b bb S. 492; 112 Ia 107 E. 2b, mit Hinweisen). b) Die Auffassung der Beschwerdeführerin, wonach ausdrücklich zu begründen wäre, weshalb bestimmte Vorbringen unwesentlich sind, trifft demnach nicht zu und würde die Anforderungen an die Entscheidbegründung überspannen. Das Obergericht ist auf vier Seiten seines Entscheides auf die Zerrüttungsursachen eingegangen. Es hat zwar weitgehend die Ausführungen im Beschluss vom 11. September 1998 wiederholt, mit denen es damals bereits ausführlich begründet hatte, weshalb die Berufung im Scheidungspunkt aussichtslos sei. Dass die Begründung wörtlich die gleiche gewesen wäre, trifft in dieser absoluten Form indessen nicht zu. So wird im Urteil vom 23. Dezember 1999 zusätzlich darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin im Jahre 1991 aus Unzufriedenheit mit der finanziellen Situation die Ehe habe verlassen wollen, bezüglich des Abbruchs des Intimlebens im Mai 1992 wird auf einen weiteren sexuellen Kontakt an Weihnachten 1992 hingewiesen, und unter Bezugnahme auf die Befragung durch das Obergericht wird erwähnt, dass von der Beschwerdeführerin, wenn sie der Ehe tatsächlich noch Kredit gäbe, zu erwarten gewesen wäre, dass sie sich aktiv um den Beschwerdegegner gekümmert und nicht einfach "gewartet und gebetet" hätte. c) Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass das Obergericht nicht auf ihre Widerlegung verschiedener vom Beschwerdegegner behaupteter Zerrüttungsursachen eingegangen sei. Darin liegt aber keine Verletzung der Begründungspflicht. Das Obergericht musste in seinem Urteil darlegen, aus welchen Gründen es die Ehe als zerrüttet erachtet, auf welche tatsächlichen Feststellungen es sich dabei stützte und weshalb es diese als erwiesen erachtete. Damit war das Urteil hinreichend begründet. Es brauchte nicht zusätzlich noch dargelegt zu werden, welche tatsächlichen Behauptungen des Beschwerdegegners über die Zerrüttungsursachen unbewiesen geblieben sind oder im Beweisverfahren widerlegt wurden. Dass das Obergericht auf die Relativierung einzelner Vorkommnisse in den Rechtsschriften der Beschwerdeführerin nicht näher eingegangen ist, stellt ebenfalls keine Verletzung der verfassungsrechtlichen Begründungspflicht dar, zumal nicht verlangt ist, dass sich das Gericht mit jedem einzelnen Vorbringen ausführlich auseinander setzt. Dem Urteil des Obergerichts lässt sich ohne weiteres entnehmen, welche entscheidwesentlichen tatsächlichen Annahmen es getroffen hat und auf welche Akten und Aussagen es sich dabei stützte. Das ist hinreichend.