Citation: U 73/00 21.02.2001 E. 2

2.- a) Für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS oder diesem äquivalenter Verletzung und einem für solche Verletzungen typischen Beschwerdebild, das nicht auf organisch (hinreichend) nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen ist, ist ebenso wie für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Unfallfolgen zunächst entscheidend, ob es sich ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf um einen banalen oder leichten Unfall einerseits, um einen schweren Unfall andererseits oder um einen dem dazwischenliegenden mittleren Bereich zuzuordnenden Unfall handelt. Während der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und derartigen Gesundheitsstörungen bei banalen und leichten Unfällen in der Regel ohne weiteres verneint werden kann, ist er bei schweren Unfällen in der Regel zu bejahen. Im mittleren Bereich sind weitere objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Wichtigste Kriterien bilden besonders dramatische Begleitumstände oder die besondere Eindrücklichkeit des Unfalls, die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden, eine ärztliche Fehlbehandlung, ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Dabei sind je nach Schwere des Unfalls unterschiedliche Anforderungen an die weiteren Beurteilungskriterien zu stellen (für psychische Unfallfolgen: BGE 115 V 138 Erw. 6; SVR 2000 UV Nr. 17 S. 56 Erw. 2b, 1999 UV Nr. 10 S. 31 Erw. 2; für Schleudertrauma-Folgen: BGE 117 V 366 Erw. 6; RKUV 1997 Nr. U 272 S. 173 Erw. 4). b) Bei psychogenen Unfallfolgen sind bei der Prüfung der Kriterien der Dauer der ärztlichen Behandlung, der Dauerbeschwerden, der Schwierigkeit des Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen sowie der Dauer und des Grades der Arbeitsunfähigkeit nur die physischen Aspekte zu berücksichtigen, wohingegen bei einem HWS-Schleudertrauma oder einer einem solchen äquivalenten Verletzung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird (für psychische Unfallfolgen und Schleudertrauma-Folgen: BGE 117 V 367 Erw. 6a; RKUV 1997 Nr. U 272 S. 174 Erw. 4a). In Fällen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, ist die Beurteilung praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall vorzunehmen (BGE 123 V 99 Erw. 2a; vgl. auch RKUV 1999 Nr. U 341 S. 409 und SVR 2000 UV Nr. 10 S. 35 Erw. 5).