Citation: 4P.209/2005 02.11.2005 E. 2.3

2.3. Die Beschwerdeführerin stellt nicht in Frage, dass nach Art. 246 ZPO UR die Zulässigkeit von Noven im kantonalen Berufungsverfahren davon abhängt, dass kumulativ deren Vorbringen im erstinstanzlichen Verfahren unmöglich war und dass sie in der Berufung rechtzeitig geltend gemacht werden. Das Obergericht hat - wie die Beschwerdeführerin selbst darlegt - die erste Voraussetzung nicht als gegeben erachtet, sondern angenommen, die Lohnausweise ihres früheren Arbeitgebers hätte sie schon im erstinstanzlichen Verfahren einreichen können. Der Beschwerdeführerin kann nicht gefolgt werden, wenn sie vorbringt, die Parteien hätten mit der Rechtsauffassung des Landgerichts nicht rechnen müssen. Der Handelsreisendenvertrag (Art. 347 ff. OR) ist ein besonderer Einzelarbeitsvertrag und im OR anschliessend an die allgemeinen Bestimmungen zum Einzelarbeitsvertrag (Art. 319-343 OR) normiert. Die Qualifikation des Landgerichts ist nicht nur aufgrund dieser systematischen Stellung der Regelung des Handelsreisendenvertrages im OR, sondern auch aufgrund der gesetzlichen Definition in Art. 347 OR derart naheliegend, dass jede - zumal fachkundig vertretene - Partei damit rechnen muss. Dass im konkreten Fall auch Tatsachen streitig waren, welche unabhängig von der Vertragsqualifikation erheblich sind, ändert nichts daran, dass sich die Qualifikation des in Frage stehenden "Aussendienstvertrags" als Handelsreisendenvertrag aufdrängt. Die Beschwerdeführerin musste mit dieser rechtlichen Qualifikation rechnen und hätte daher Anlass gehabt, sämtliche in dieser Hinsicht rechtserheblichen Tatsachen im erstinstanzlichen Verfahren vorzubringen. Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör nicht verweigert, wenn sie die Verspätung als nicht entschuldbar im Sinne von Art. 246 ZPO UR erachtete.