Citation: 8C_342/2023 E. 5.3

5.3. Der psychiatrische Gutachter des BEGAZ, Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte der Beschwerdeführerin eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD 10 F33.1). Er verwies auf die schwierige Kindheit der Beschwerdeführerin (aufgewachsen bei der Grossmutter; im Alter von vier Jahren mit dem Tod ihrer Mutter konfrontiert; ab dem 12. Altersjahr lebte sie bei ihrem psychisch schwer kranken, suizidgefährdeten Vater; sexuelle Übergriffe durch den Onkel im Alter von 12 bis 18 Jahren) und auf einen schweren Verkehrsunfall im Jahr 2000, bei dem die Kollegin, die das Fahrzeug gelenkt hatte, ums Leben kam. Seither stehe sie mit Unterbrüchen in psychologischer und psychiatrischer Behandlung. Nach einem weiteren Autounfall im Jahr 2017 sei es zu einer Zustandsverschlechterung mit mehrmonatigem stationärem Aufenthalt in der Klinik F.________ wegen schwerer depressiver Episode gekommen. Es müsse beachtet werden, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren unter einer Belastung stehe. Es sei davon auszugehen, dass sie eine labile Persönlichkeitskonstellation aufweise, die sich durch die Kindheitssituation erklären lasse. Sie lebe mit einem körperlich und psychisch kranken Mann zusammen, der seit Jahren keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen könne. Sie habe daher ein ausreichend hohes Einkommen erwirtschaften und sich zudem um die Kinder kümmern müssen, wenn es ihrem Partner schlecht gegangen sei. Daher sei denkbar, dass sich die Beschwerdeführerin über Jahre hinweg zu stark beansprucht habe, bis sie schliesslich dekompensiert sei und stationär habe behandelt werden müssen. Dies erkläre auch den prolongierten Verlauf, da bereits eine jahrelange Vorgeschichte bestanden habe. Berufliche Massnahmen hätten sodann gezeigt, dass die Beschwerdeführerin stark vermindert belastbar sei und das geforderte Arbeitspensum von 50 % nicht habe erreichen können. Anlässlich der Exploration sei die Stimmung gedrückt gewesen. Die Beschwerdeführerin gebe einen Interessenrückgang und ein eingeschränktes Freudeempfinden mit Suizidgedanken ohne Suizidhandlungen an. Der Antrieb sei vermindert. Es sei von einer mittelschweren depressiven Störung auszugehen. Diese Einschätzung decke sich mit den Angaben in den Unterlagen. Es müsse angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin seit etwa 2000 wiederholt unter affektiven Schwankungen leide, weshalb eine rezidivierende depressive Störung anzunehmen sei, wobei der Verlauf vor 2018 nicht dokumentiert sei. Dr. med. E.________ hielt weiter fest, die Beschwerdeführerin sei in der Lage, Termine wahrzunehmen und sich an Regeln und Routinen zu halten. Sie sei auch fähig, Aufgaben zu strukturieren. Teilweise habe sie Mühe, sich umzustellen und anzupassen, doch gelinge ihr dies noch weitgehend. Sie könne auch die fachlichen Kompetenzen anwenden und sei in der Lage, sich ein Urteil zu bilden und Entscheide zu fällen. Die Durchhaltefähigkeit sei indessen stark reduziert. Dies hätten auch die bisherigen Erfahrungen gezeigt. Sie könne sich selbst behaupten, pflege auch Kontakte zu Dritten, wobei sie sich teilweise etwas zurückziehe, weswegen diesbezüglich eine leichte Einschränkung bestehe. Sie gehe eher wenigen Aktivitäten nach, versuche aber, sich im Haushalt zu betätigen. Die Selbstpflege sei vorhanden, ebenso die Verkehrs- und Wegefähigkeit. Die bisherigen Behandlungsmassnahmen erachtete der Gutachter als angemessen. Aufgrund der langen Vorgeschichte ging er von einem langwierigen Verlauf aus. Weitere Behandlungsmassnahmen könnten nicht vorgeschlagen werden. Weiter hielt Dr. med. E.________ fest, die Beschwerdeführerin versuche sich tagsüber zu aktivieren. Sie müsse aber Pausen einlegen. Teilweise habe sie die Tendenz, sich zu übernehmen und falle deshalb aus. Dies decke sich mit den zur Verfügung stehenden Unterlagen und den Untersuchungsbefunden. Es bestünden keine Hinweise auf Inkonsistenzen. Der Gutachter kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Spitex-Angestellte aufgrund der depressiven Störung überfordert sei. Sie könne nicht genügend selbstständig Verantwortung übernehmen und sei in der Flexibilität eingeschränkt. Seit dem stationären Aufenthalt im Mai 2018 sei die angestammte Tätigkeit nicht mehr möglich. Eine vorgegebene Tätigkeit ohne Verantwortung und Zeitdruck sei jedoch zumutbar. Aufgrund der depressiven Störung sei von einer verminderten Belastbarkeit auszugehen. Sie benötige dadurch Erholungszeiten. Die Erfahrung habe gezeigt, dass eine höchstens 40%ige Leistung bei einer adaptierten Tätigkeit möglich sei, weshalb von einer 60%igen Einschränkung auszugehen sei. Diese Beurteilung gelte seit Beginn der beruflichen Massnahme im Mai 2019.