Citation: 8C_744/2022 E. 4.5

4.5. Zwar stellt der Abklärungsbericht im Haushalt auch im Falle einer Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit ein geeignetes Beweismittel für die Bemessung der Hilflosigkeit der betroffenen Personen dar. Stimmen jedoch die Ergebnisse der Abklärung vor Ort nicht mit den ärztlichen Feststellungen der Behinderungen überein, so haben Letztere in der Regel mehr Gewicht als die im Haushalt durchgeführte Abklärung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1 mit Hinweisen; Urteil 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4). Die IV-Stelle wäre daher aufgrund der hier gegebenen Divergenzen zwischen den Beurteilungen der medizinischen Fachpersonen und dem Abklärungsbericht vom 9. Februar 2022 hinsichtlich der Auswirkungen der psychischen Störungen gehalten gewesen, Rückfragen bei den behandelnden Ärzten zu stellen oder zumindest eine psychiatrische Fachperson des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) in das Abklärungsverfahren einzubinden, wie dies im Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit (Rz. 8129 und 8133 KSIH, Stand: 1. Januar 2021) denn auch explizit vorgeschrieben ist. Dies gilt umso mehr, als sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im März 2022 offenbar noch weiter verschlechtert hat. Zwar hat die IV-Stelle den Bericht der Klinik D.________ vom 22. April 2022 im Rahmen des Vorbescheidverfahrens ihrer Abklärungsperson zur Stellungnahme vorgelegt. Diese sah darin aber offenbar keine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers, weshalb sie dazu riet, am bisherigen Entscheid festzuhalten. Diese Stellungnahme des Abklärungsdienstes der IV-Stelle vermag eine fachärztliche Einschätzung aber nicht zu ersetzen.