Citation: 9C_393/2017 E. 5.4.2

5.4.2. Keine versicherte Gesundheitsschädigung liegt dann vor, wenn die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2.1 S. 287). Hinweise darauf ergeben sich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Beschwerden und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken und/oder schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 141 V 281 E. 2.2.1 S. 287 mit Hinweisen). Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine Symptomausweitung und verwies u. a. auf die deutlich ausgeprägte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung. Der neurologische Experte führte aus, die Beschreibung der Beschwerden der Versicherten sei auffallend diffus. Er hält dafür, dass es ihm bei der Beschwerdeführerin nicht möglich sei, ein konsistentes neuropsychologisches Testprofil zu erheben. - Angesichts der genannten ärztlichen Angaben ist nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung die Feststellung der ABI-Gutachter, es bestehe eine gewisse Aggravation, zitierte und damit auch übernahm (Verfügung vom 28. Juli 2016). Das kantonale Gericht äusserte sich nicht zum Vorliegen einer Aggravation, es hielt lediglich fest, dass es die von der Beschwerdegegnerin durchgeführte Indikatorenprüfung, in deren Rahmen diese die Aggravation festgestellt hatte, als schlüssig erachtete. In einem früheren Gutachten verneinte die Neuropsychologin Dr. phil. C.________ eine Aggravation mit der Begründung, gerade die unterschiedlichen Testergebnisse mit zum Teil ausgesprochen guten Ergebnissen sprächen dagegen (Bericht vom 29. März 1999). Auch bei der Testung durch den Gutachter lic. phil. B.________ erzielte die Versicherte zum - allerdings kleinen - Teil sehr gute Ergebnisse (Kopfrechnen), was gegen ein durchgehend aggravierendes Verhalten spricht. Insofern gibt es zwar Hinweise auf Aggravation, es besteht aber keine Klarheit über das Vorliegen einer solchen und damit eines einer Invalidenrente von vornherein entgegenstehenden Ausschlussgrundes (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2 S. 288).