Citation: 6P.31/2005 03.07.2005 E. 3

Die Beschwerdeführer machen eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und Willkür geltend. 3.1 Im Einzelnen rügen sie, das Kantonsgericht habe ihren Antrag auf Einholung eines Gutachtens über die Frage der auf Skipisten üblicherweise gefahrenen Geschwindigkeiten und der konkreten Geschwindigkeit des Unfallopfers im Zeitpunkt des Sturzes und Aufpralls mit dem B-Netz sowie über die Anforderungen an Sicherheitsmassnahmen im Zusammenhang mit Hindernissen auf Pisten in willkürlicher Weise abgewiesen. Der Schluss des Kantonsgerichts, auf der als mittelschwer markierten Skipiste Corviglia-Run werde nur mit mässigen Geschwindigkeiten gefahren, sei unhaltbar. Zu Unrecht nehme es im Weiteren an, das B-Netz sei ordnungsgemäss montiert gewesen. Denn nach dem biomechanischen Gutachten sei das Opfer durch das Netz ungenügend zurückgehalten worden und habe zwischen Netz und Boden ein 16 cm grosser Zwischenraum bestanden. Das Netz habe daher seinen Zweck offensichtlich nicht erfüllt. Schliesslich habe das Kantonsgericht willkürlich offen gelassen, ob das Unfallopfer bei seinem Überschlag über das Fangnetz mit seinem rechten Ski am Netz oder am Spannset des Fernsehpodests hängen geblieben sei. Bei korrekter Würdigung der Beweise hätte sich ergeben, dass der Körper des Knaben im Flug durch das Spannseilset zurückgehalten worden sei. Dieses sei überhaupt nicht gesichert gewesen. 3.2 Das Kantonsgericht nimmt gestützt auf das sicherheitstechnische Gutachten an, angesichts der konkreten Geländekonfiguration auf der fraglichen Piste hätten die Verantwortlichen mit mässigen Fahrgeschwindigkeiten von ca. 25-30 km/h rechnen dürfen. Dies umso mehr als der Kameraturm von weitem erkennbar war und die Piste genügend Raum bot, dem Hindernis auszuweichen. Zwar würden angesichts der technisch hochmodernen Ausrüstung und der gut präparierten Pisten auch im Breitensport zum Teil hohe Tempi gefahren, welche über diese mässigen Geschwindigkeiten hinausgingen. Die Sicherheitseinrichtungen auf der Piste müssten indes nicht so ausgestaltet sein, dass sie bei jeder nur erdenklichen Anprallgeschwindigkeit Schutz oder gar Verletzungsfreiheit böten. Es sei bei der Wahl und Ausgestaltung der Vorrichtungen von einem verantwortungsvollen Pistenbenutzer auszugehen, der seine Fahrgeschwindigkeit und Fahrweise gemäss der FIS-Regel 2 den konkreten Gelände- und Witterungsverhältnissen anpasse und den Sicherheitsabstand so wähle, dass er innerhalb der Sichtweite der vor ihm liegenden Strecke ausweichen könne. 3.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV umfasst u.a. das Recht des Betroffenen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden, wenn diese geeignet sind, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 126 I 15 E. 2a/aa; 124 I 49 E. 3a und 241 E. 2, je mit Hinweisen). Daraus folgt, dass der Richter rechtzeitig und formrichtig angebotene erhebliche Beweismittel abzunehmen hat (BGE 122 I 53 E. 4a, mit Hinweisen). Dies verwehrt es ihm indes nicht, einen Beweisantrag abzulehnen, wenn er in willkürfreier Würdigung der bereits abgenommenen Beweise zur Überzeugung gelangt, der rechtlich erhebliche Sachverhalt sei genügend abgeklärt, und er überdies in willkürfreier antizipierter Würdigung der zusätzlich beantragten Beweise zur Auffassung gelangen durfte, weitere Beweisvorkehren würden an der Würdigung der bereits abgenommenen Beweise voraussichtlich nichts mehr ändern (BGE 124 I 208 E. 4a; 122 II 464 E. 4a; 122 III 219 E. 3c; 122 V 157 E. 1d, je mit Hinweisen). Willkür im Sinne von Art. 9 BV liegt nach ständiger Rechtsprechung nur vor, wenn der angefochtene Entscheid auf einer schlechterdings unhaltbaren oder widersprüchlichen Beweiswürdigung beruht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Dass vom Sachrichter gezogene Schlüsse nicht mit der Darstellung des Beschwerdeführers übereinstimmen oder eine andere Würdigung vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt praxisgemäss für die Begründung von Willkür nicht (BGE 129 I 8 E. 2.1 und 173 E. 3.1; 127 I 54 E. 2b). 3.4 Das Kantonsgericht durfte ohne Verletzung des rechtlichen Gehörs von der Einholung eines weiteren Gutachtens zur Frage der üblicherweise auf Skipisten gefahrenen Geschwindigkeit absehen. Denn gestützt auf die erhobenen Beweise durfte es davon ausgehen, die für die Verkehrssicherheit verantwortlichen Personen hätten bei der Wahl und Ausgestaltung der Sicherheitsvorrichtungen im Bereich der Unfallstelle lediglich mit mässigen Geschwindigkeiten von 25 - 30 km/h rechnen müssen. Jedenfalls ist dieser Schluss nicht schlechterdings unhaltbar. Bei dieser Sachlage vermöchte ein Gutachten über die heutzutage generell auf Skipisten gefahrenen Geschwindigkeiten am Beweisergebnis nichts mehr zu ändern. Dasselbe gilt für die Frage der Anforderungen an die Sicherheitsmassnahmen bei allfällig höheren Fahrgeschwindigkeiten der Pistenbenützer. Schliesslich ist auch nicht zu beanstanden, dass das Kantonsgericht die Geschwindigkeit des Unfallopfers im Zeitpunkt des Sturzes und des Aufpralls auf dem B-Netz nicht weiter abgeklärt hat. Denn verlässliche Aussagen über die genaue Geschwindigkeit des Opfers im Zeitpunkt des Sturzes sind mangels konkreter Anhaltspunkte naturgemäss nicht möglich. Das Kantonsgericht durfte angesichts des Verletzungsbildes und gestützt auf die Äusserungen der Experten jedenfalls annehmen, dass der verunfallte Junge mit relativ hoher Geschwindigkeit auf das Netz geprallt ist. Sollte der Knabe indes, wie die Beschwerdeführer weiter geltend machen, wegen seines Sturzes und der längeren Rutschpartie beim Aufprall gar keine so hohe Geschwindigkeit mehr gehabt haben, wäre eine Sorgfaltspflichtverletzung erst recht nicht ersichtlich, da das montierte B-Netz nach sämtlichen Aussagen und Gutachten für das Auffangen mässiger Geschwindigkeiten ausreichte. Ohne Willkür durfte das Kantonsgericht schliesslich auch annehmen, das B-Netz sei ordnungsgemäss montiert gewesen. Zwar trifft zu, dass das Netz den Jungen nicht zurückgehalten hat, sondern er darüber hinweggeschleudert wurde. Doch lässt sich, wie das Kantonsgericht zutreffend feststellt, daraus nicht zwingend schliessen, es sei nicht richtig montiert gewesen. Sowohl das sicherheitstechnische Gutachten als auch der als Zeuge einvernommene Verantwortliche für den Vertrieb der Netze und Fachmann für Sicherheitsfragen bei verschiedenen FIS- und Weltcuprennen kamen zum Schluss, das Netz sei korrekt errichtet gewesen. Aus der biomechanischen Beurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik ergibt sich auch, dass der Verunfallte nicht unter dem Netz durchgerutscht ist, so dass sich ein allfälliger Abstand zwischen Netzunterkante und Schneeoberfläche nicht ausgewirkt hätte. Zuletzt ist auch nicht zu beanstanden, dass sich das Kantonsgericht nicht zur Frage der Sicherung des Spannseilsets geäussert hat. Denn soweit es ohne Willkür davon ausgehen durfte, dass das aufgespannte B-Netz den Sicherheitsanforderungen genügte, musste es zur Frage einer weiteren Sicherung des Gerüsts oder des Spannsets nicht Stellung nehmen. Insgesamt ergibt sich, dass das angefochtene Urteil mit sachlichen Gründen vertretbar ist. Die staatsrechtliche Beschwerde erweist sich daher als unbegründet.