Citation: 6P.153/2004 10.06.2005 E. 5

Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz hätte im Fall B.________ nicht eine Vergewaltigung gemäss Art. 190 StGB annehmen dürfen. Vielmehr liege eine Schändung im Sinne von Art. 191 StGB vor. Der Beschwerdeführer bringt diesen Einwand vor Bundesgericht erstmals vor (vgl. auch angefochtenes Urteil S. 5). Als nicht letztinstanzlich gilt ein Entscheid auch in Bezug auf Rechtsfragen, die nach dem kantonalen Prozessrecht von der letzten kantonalen Instanz mangels Geltendmachung nicht zu prüfen waren und deshalb offen geblieben sind. In solchen Fällen kann sich der Kassationshof mit der nicht behandelnden Rechtsfrage nicht mehr befassen. Durfte oder musste die letzte kantonale Instanz nach dem kantonalen Prozessrecht aber auch Rechtsfragen prüfen, die ihr nicht ausdrücklich unterbreitet worden waren, so können diese Rechtsfragen mit der Nichtigkeitsbeschwerde neu vorgetragen werden, auch wenn sie der Beschwerdeführer vor der kantonalen Instanz nicht aufgeworfen hat (BGE 122 IV 285 E. 1c). Die thurgauische Berufung ist ein vollkommenes Rechtsmittel und führt zur Überprüfung des angefoch-tenen Entscheides in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht einschliesslich des Ermessens. Dabei ist das Obergericht grundsätzlich nicht an die Berufungsanträge gebunden (Zweidler, a.a.O., § 199 N. 1und § 209 N. 17 und 18). Das Vorbringen ist daher zulässig. Der Beschwerdeführer begründet diese Rüge damit, dass die Widerstandsunfähigkeit der Beschwerdegegnerin zwar auf seinen Fusstritt zurückzuführen sei. Dieser Fusstritt sei aber nicht erfolgt, um sexuelle Handlungen vorzunehmen, sondern einzig in der Absicht, ihr Schmerzen zuzufügen, weil er durch ihre Abweisungen gekränkt worden sei (Beschwerde S. 12 und 13). Damit wendet sich der Beschwerdeführer in unzulässiger Weise gegen die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz (Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP). Die Vorinstanz führt nämlich bei der Beurteilung des subjektiven Tatbestands aus, es sei für den Beschwerdeführer offensichtlich gewesen, dass die Beschwerdegegnerin den Geschlechtsverkehr nicht wollte. Ziel der massiven Gewaltanwendung sei es gewesen, sie widerstandsunfähig zu machen, um anschliessend mit ihr den Geschlechtsverkehr vollziehen zu können (angefochtenes Urteil S. 38). Damit fällt eine Schändung ausser Betracht (vgl. Jörg Rehberg/Niklaus Schmid/Andreas Donatsch, Strafrecht III, 8. Auflage, Zürich 2003, S. 435; Philipp Maier, Strafgesetzbuch II, Basler Kommentar, Basel 2003, Art. 191 N 17). Auf die Beschwerde ist in diesem Punkt nicht weiter einzutreten.