Citation: 1C_204/2023 E. 3.3

3.3. Auch das St. Galler Verfassungsrecht schützt die Gemeindeautonomie. Nach Art. 89 Abs. 1 der Verfassung des Kantons St. Gallen vom 10. Juni 2001 (KV/SG; SR 131.225) sind die Gemeinden autonom, soweit das Gesetz ihre Entscheidungsfreiheit nicht einschränkt. Die St. Galler Gemeinden sind in weiten Bereichen der Raumplanung und des Bauwesens autonom (vgl. Urteil 1C_119/2023 vom 25. Juli 2023 E. 2.2). So sind die politischen Gemeinden befugt, im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen öffentlich-rechtliche Bauvorschriften zu erlassen (Art. 2 Abs. 1 BauG/SG). Sie legen den Grenzabstand von Gebäuden im Baureglement und gegebenenfalls in den Überbauungsplänen fest (Art. 56 Abs. 1 und 2 Satz 1 BauG/SG). Dies hat die Gemeinde Goldach mit dem Erlass ihres Baureglements, einschliesslich des Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach, der die hier streitige Grenzabstandsprivilegierung von Vorbauten regelt, getan. Es wird weder geltend gemacht noch ist ersichtlich, dass der Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach kompetenzwidrig erlassen wurde. Streitig ist demnach die Auslegung einer in den Anwendungsbereich der Gemeindeautonomie fallenden kommunalen Bestimmung.