Citation: 1C_490/2017 E. 8.4

8.4. Der Staatsrat stützte sich in der Sanierungsverfügung ausdrücklich auf den Kurzbericht BINA; insofern zählt dieser Bericht zu den offiziellen Projektunterlagen, auch wenn er im Auftrag der FMG erstellt wurde. Der darin zugrundegelegte Q347 stützt sich auf die Wegleitung des BAFU "Angemessene Restwassermengen - wie können sie besser berechnet werden" (2000), wonach der Q347 zwischen 1954 und 1957 im Bereich Inner Sentum 80 l/s betrug. Die Beschwerdeführerin verweist ihrerseits auf die Berechnungen im Konzessionsverfahren für die Argessa AG 2004-2007, wo von einem Q347 von "ungefähr 100 l/s" auf Höhe des Turtmannstausees ausgegangen wurde. Das BAFU hält in seiner Vernehmlassung ein Q347 in der Grössenordnung von 80 - 100 l/s für plausibel. Insofern kann die Annahme im Kurzbericht BINA jedenfalls nicht als offensichtlich unrichtig bezeichnet werden. Die im Kurzbericht BINA geprüfte Dotation von max. 50 l/s entspricht im Wesentlichen der im Sanierungsbericht 2006 vorgeschlagenen Massnahme. Weshalb eine wesentlich höhere Dotation von bis zu 100 l/s hätte geprüft werden müssen, wird von der Beschwerdeführerin nicht dargelegt und ist auch nicht offensichtlich: Im Sanierungsverfahren kann maximal eine Mindestrestwassermenge gemäss den Art. 31-33 GSchG erreicht werden (RIVA, Kommentar GSchG/WBG, N. 25 zu Art. 80 GSchG). Ein Q347 von 80 l/s ergäbe eine minimale Restwassermenge gem. Art. 31 Abs. 1 GSchG von 66 l/s; Erhöhungsgründe nach Abs. 2 sind nicht dargetan. Zwar ist der Beschwerdeführerin einzuräumen, dass sich der Kurzbericht BINA auf wenige Messungen über eine kurze Zeitperiode stützt. Die Beobachtungen zur Unpassierbarkeit der Schluchtstrecke für Fische und zur Gefahr des Einfrierens sind jedoch unabhängig von diesen Messungen und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten. Die Schlussfolgerungen des Kurzberichts BINA decken sich denn auch weitgehend mit denjenigen im Sanierungsbericht 2006, der ebenfalls von einer geringen Wirkung der Dotation ausging. Auch das BAFU kommt in seiner Vernehmlassung zum Ergebnis, die vom Staatsrat angeordnete Restwassersanierung sei nicht grundsätzlich zu beanstanden: Aus dem Sanierungsbericht für die Turtmänna resultiere, dass eine Restwasserdotation beim Turtmannstausee nur einen geringen Nutzen aufweisen würde. Diese Beurteilung sei nachvollziehbar und demzufolge auch der Entscheid, in der Turtmänna auf eine Restwasserdotation zu verzichten und lediglich ein künstliches Hochwasser für die Sanierung des Geschiebehaushalts anzuordnen. Das BAFU hält auch die Einschätzung des Staatsrats für nachvollziehbar, dass die im Val d'Anniviers angeordneten Dotationen im Quervergleich einen besseren ökologischen Nutzen aufwiesen. Dies wird von der Beschwerdeführerin nicht substanziiert bestritten.