Citation: 4C.287/2002 15.12.2003 E. 4

Der Beklagte macht sodann geltend, B.________ habe auch nach Verlust der ausdrücklichen Vertretungsbefugnis für die X.________ Anstalt aufgrund einer Anscheinsvollmacht rechtswirksame Weisungen zur Verwendung der hinterlegten Mittel erteilen dürfen. Eine (interne) Anscheinsvollmacht liegt vor, wenn einerseits der Vertretene keine Kenntnis hat, dass ein anderer sich als sein Vertreter ausgibt, er bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit das Vertreterhandeln aber hätte erkennen müssen, und anderseits der Vertreter das Verhalten des Vertretenen nach Treu und Glauben als Bevollmächtigung auffassen darf (Zäch, a.a.O., N 52 zu Art. 33 OR). In gleicher Weise wird der Vertretene gebunden, wenn der gutgläubige Dritte, dem gegenüber der Vertreter ohne Vollmacht handelt, bestimmte Äusserungen oder ein bestimmtes Verhalten des angeblich Vertretenen als Vollmachtskundgabe verstehen und deshalb darauf vertrauen darf (BGE 120 II 197 E. 2a). Dem angefochtenen Urteil sind keine tatsächlichen Feststellungen zu entnehmen, aufgrund derer B.________ im Zeitpunkt der hier zu beurteilenden Überweisungen in guten Treuen eine weiter dauernde Bevollmächtigung für sich hätte beanspruchen oder der Beklagte auf eine solche hätte schliessen dürfen, und die Hinweise in der Berufungsschrift reichen für die Annahme einer normativ zurechenbaren Vollmacht offensichtlich nicht aus. Dass B.________ wegen Veruntreuung verurteilt wurde, ändert daran nichts. Einerseits bindet die strafrechtliche Qualifikation eines konkreten Verhaltens das Zivilgericht nicht (vgl. Art. 53 OR; zur über den Wortlaut hinausreichenden Bedeutung der Norm Brehm, Berner Kommentar, N 22 ff. zu Art. 53 OR), und anderseits stellt sich so oder anders die Frage nach dem guten Glauben des Beklagten, auf welche zurückzukommen sein wird (E. 6 hiernach).