Citation: I 951/05 08.06.2007 E. 4

4.1 Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die nunmehr auch von der Beschwerdeführerin als korrekt anerkannte Gewährung einer halben Invalidenrente ab 1. März 2001 bis im März 2003 unter Annahme einer aus medizinischer Sicht zumutbaren 50%igen Arbeitsunfähigkeit fehlerhaft wäre. Obschon auch diese Zeitspanne vom Streitgegenstand mit erfasst wird, besteht deshalb für das Gericht kein Anlass zu einer diesbezüglich eingehenderen Überprüfung. 4.2 Die ursprüngliche Rentenzusprache beruht im Wesentlichen auf einem Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) X.________ vom 16. Juni 2003, welchem eine internistische, eine rheumatologische und eine psychosomatische Abklärung zugrunde liegen. Diese Expertise bescheinigt der Beschwerdeführerin gesamthaft eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Als Ursache für die Beeinträchtigung des Leistungsvermögens nennt sie aus somatischer Sicht ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechts (ICD-10 M54.4) mit ausgeprägter muskulärer Dysbalance und Haltungsinsuffizienz bei Adipositas permagna sowie eine Osteomalazie. Weiter liegen unter anderem eine Risikokonstellation für Knochenstoffwechselstörung bei Nebenschilddrüsen-Überfunktion und ein Vitamin-D-Mangel mit sekundärer Knochendichteverminderung sowie eine diskrete Periarthropathia humeroscapularis tendinotica rechts vor. Das Leistungsvermögen wird indessen nicht primär durch diese Befunde beeinträchtigt, welche nach fachärztlicher Schätzung die Annahme einer Arbeitsfähigkeit von doch mindestens 70 % erlauben, sondern wird zur Hauptsache durch Beschwerden psychosomatischer Art geprägt. In dieser Hinsicht diagnostizieren die Ärzte der MEDAS eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Hinzu kommt eine depressive Episode, gegenwärtig mittleren Grades, ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.0). Unter Berücksichtigung sowohl der physischen wie auch der psychischen Faktoren wird die Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leicht bis gelegentlich mittelschwer belastenden Tätigkeit in rückenadaptierten Wechselpositionen aus gesamtmedizinischer Sicht auf 50 % veranschlagt. Konkret bezeichnet das psychosomatische Fachgutachten vom 17. März 2003 einen täglichen Einsatz von vier Stunden als zumutbar, was einer Arbeitsfähigkeit von 50 % entspreche. 4.3 Die dargelegten medizinischen Diagnosen, welche den ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen und damit der Invaliditätsbemessung zugrunde liegen, lassen erkennen, dass bei der Beschwerdeführerin von Anfang an die psychische Problematik im Vordergrund stand und dieser für die Rentenzusprache ausschlaggebendes Gewicht zukam. Dass der nach einer Frühgeburt schon wenige Wochen später eingetretene Tod des dritten Kindes zu zusätzlichen psychischen Reaktionen geführt hat, ist nachvollziehbar und wird von keiner Seite in Frage gestellt. Zu klären ist indessen, ob daraus gesamthaft auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geschlossen werden kann, welche eine Rentenrevision und damit die Zusprache einer abgestuften Rente (E. 3.1 hievor) rechtfertigt. 4.3.1 Zunächst ist festzuhalten, dass der Tod des frühgeborenen dritten Kindes am 20. März 2003 und damit erst nach der vom 17. bis und mit 19. März 2003 dauernden Abklärung in der MEDAS eingetreten ist. Den Gutachtern waren jedoch die Frühgeburt ebenso wie die Behinderung des Mädchens und die Ungewissheit hinsichtlich seiner Überlebensaussichten bekannt, sodass insofern doch schon wesentliche Aspekte des mit dem späteren Ableben des Kindes zusammenhängenden, auf die psychische Situation der Beschwerdeführerin einwirkenden Problemkreises Berücksichtigung finden konnten und in die ärztliche Beurteilung mit einflossen. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Einflüsse dieser Ereignisse auf die psychische Befindlichkeit bei der Schätzung der Restarbeitsfähigkeit im MEDAS-Gutachten vom 16. Juni 2003 nicht ausser acht gelassen wurden. 4.3.2 Ob sich bei der Beschwerdeführerin - wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht - nach dem Tod ihres Kindes eine zusätzlich invalidisierende Depression einstellte, muss angesichts des annähernd zwei Jahre später erstellten Austrittsberichtes der Klinik R.________ vom 10. Januar 2005, an dessen Beweiswert nicht zu zweifeln ist, ernsthaft in Frage gestellt werden. In der ausführlichen Stellungnahme dieser Klinik wird festgehalten, dass anfänglich zwar der Tod des eigenen Kindes stark im Vordergrund stand, mit massivstem Gedankenkreisen, zum Teil auch Vorwürfen, nichts von der Schwangerschaft gewusst zu haben ...; aktuell sei die Trauerreaktion indessen deutlich in den Hintergrund getreten. Dies zeigt, dass der Todesfall zwar zu depressiv gefärbten Stimmungslagen geführt haben mag, diese jedoch nicht in eine konstant anhaltende Depression mündeten, welcher nebst der ohnehin schon in invalidisierendem Ausmass angeschlagenen psychischen Verfassung die Bedeutung eines selbstständigen Krankheitsbildes beizumessen wäre. Die Fachärzte der Klinik R.________ konnten denn auch eine durch die Missbildung und den frühen Tod der Tochter bewirkte Traumatisierung der Beschwerdeführerin lediglich im Sinne einer Vermutung erwähnen, bestätigten sie aber nicht ausdrücklich. 4.3.3 Vor diesem Hintergrund überzeugen die Darlegungen der Vorinstanz. Sie geht davon aus, dass sich schon die im Hinblick auf die ausgewiesene somatoforme Schmerzstörung im MEDAS-Gutachten vom 16. Juni 2003 attestierte 50 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit einzig mit der durch die Frühgeburt im Februar 2003 ausgelösten depressiven Episode - vorübergehenden Charakters - erklären lasse. Allein die im Gutachten der Klinik R.________ nunmehr angenommene Dauerhaftigkeit und Schwere der psychischen Problematik, welche durch den frühen Tod der Tochter mit geprägt ist, führt nicht zu einer gesamthaft höheren Beeinträchtigung des Leistungsvermögens. Nachdem alle für den psychischen Zustand ursächlichen Komponenten schon im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsschätzung durch die Ärzte der MEDAS Berücksichtigung fanden, ändert im Ergebnis der Umstand nichts, dass die unter anderem auch durch den Verlust des neugeborenen Kindes ausgelöste Depression zunächst noch als vorübergehend, nunmehr aber als dauerhaft qualifiziert wird. 4.3.4 Zu einer andern Betrachtungsweise führt auch der an sich zutreffende Hinweis in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht, nebst dem Hausarzt Dr. med. B.________ hätten der behandelnde Psychiater Dr. med. V.________, der Psychiatrische Dienst Q.________ und das Kantonsspital Y.________ eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Dass zahlreiche belastende psychosoziale und soziokulturelle, damit aber invaliditätsfremde Gesichtspunkte die Beurteilung durch Dr. med. B.________ mit beeinflussen, ist, entgegen der Argumentation in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, nicht von der Hand zu weisen. Abgesehen davon handelt es sich bei Dr. med. B.________ um den Hausarzt der Beschwerdeführerin, weshalb auf dessen Meinung nicht vorbehaltlos abgestellt werden kann, wenn, wie hier, ausgewiesene Fachstellen zu abweichenden Ergebnissen gelangen. Dasselbe gilt für den von der Beschwerdeführerin mit längeren Abständen regelmässig aufgesuchten Psychiater Dr. med. V.________, welcher in seiner Stellungnahme vom 21. Februar 2005 zwar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten bescheinigt, diese aber nur äusserst knapp begründet. Dass er zudem von einer bloss zur Zeit schweren und überdies einer rezidivierenden depressiven Episode spricht, lässt sogar Zweifel an der von der Klinik R.________ angenommenen Dauerhaftigkeit der auf den Verlust des Kindes zurückzuführenden psychischen Beeinträchtigung aufkommen. Die kaum begründeten Berichte des Psychiatrischen Dienstes Q.________ über eine am 17. Februar 2004 durchgeführte einmalige Untersuchung und des Kantonsspitals Y.________ vom 27. April 2004 und 19. Oktober 2005 sind ebenso wenig geeignet, die sich aus den ausführlichen Expertisen der MEDAS und der Klinik R.________ ergebenden Erkenntnisse in Frage zu stellen, wie das nachträglich eingereichte Attest des Kantonsspitals Y.________ vom 2. März 2007, auf dessen prozessuale Zulässigkeit daher nicht weiter einzugehen ist. 4.4 Liegt somit keine durch den Tod der frühgeborenen Tochter bewirkte Entwicklung vor, die Anlass zu einer Rentenrevision im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG geben könnte, bleibt zu prüfen, ob allenfalls der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wiederholt erwähnte Bluthochdruck eine solche begründen könnte. Nebst dem Hausarzt Dr. med. B.________ erwähnt etwa der Austrittsbericht des Kantonsspitals Y.________ vom 27. April 2004 eine - als essentiell bezeichnete - arterielle Hypertonie. In einem einer Auskunft des Kantonsspitals vom 26. Mai 2004 beigelegten, nicht datierten "Arztbericht für Erwachsene" wird eine therapieresistente arterielle Hypertonie indessen lediglich in der Rubrik "Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit" angeführt. Das ebenfalls beigelegte Beiblatt zu einem Arztbericht vom 12. März 2004 bezeichnet die Arbeit als Hausfrau ebenso wie eine leichte rückenschonende Tätigkeit beispielsweise in einer Textilwäscherei unter Vorbehalt allfälliger psychosomatisch bedingter, in der Klinik R.________ noch zu prüfender Einschränkungen als möglich. Ansonsten finden sich in den Akten keine Hinweise auf das Leistungsvermögen möglicherweise wesentlich beeinträchtigende Auswirkungen der Hypertonie. Jedenfalls war diese im Zeitpunkt der Arbeitsfähigkeitsschätzung in der Klinik R.________ bekannt, sodass davon ausgegangen werden kann, dass eine - wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde geltend gemacht - schon allein dadurch bewirkte Unzumutbarkeit ausserhäuslicher Arbeitstätigkeiten in deren Beurteilung vom 10. Januar 2005 festgehalten worden wäre. Es kann demnach zumindest für die Zeit bis zum Erlass des Einspracheentscheides vom 22. April 2005 auch in somatischer Hinsicht keine Veränderung des Gesundheitszustandes ausgemacht werden, welche im Sinne einer Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG eine Erhöhung der anerkanntermassen seit 1. März 2001 laufenden halben Rente begründen könnte.