Citation: 9C_144/2019 E. 2.3.3

2.3.3. Werden, wie von der Vorinstanz, Erwägungen aus einem strafrechtlichen Entscheid übernommen, ist den unterschiedlich hohen Anforderungen an den Beweis einer Tatsache besondere Beachtung zu schenken. Es muss insbesondere geprüft werden, ob vom Strafgericht ein bestimmter Sachverhalt effektiv erstellt werden konnte oder dieses tatbeständliche Umstände nach strafrechtlichen Massstäben als unbewiesen und zu Gunsten des Beschuldigten von deren fehlen ausging. Im vorliegend Fall liegt letztere Konstellation vor (E. 2.2 Abs. 2 hiervor). Das heisst, das Strafgericht erachtete es nicht als erwiesen, dass der Versicherte betreffend seinen Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit gegenüber der IV-Stelle unwahre Angaben gemacht hat. Daraus darf für die vorsorgliche Rentensistierung nicht ohne Weiteres geschlossen werden, der den Versicherten belastende Sachverhalt sei nicht glaubhaft. Das kantonale Gericht wäre deshalb gehalten gewesen in summarischer Prüfung der gesamten Akten zu entscheiden, ob die Voraussetzungen für eine Rentensistierung immer noch glaubhaft sind. Indem die Vorinstanz davon absah, hat sie offensichtlich ihre Prüfungsbefugnis nicht wahrgenommen und dem im vorliegenden Verfahren massgebenden Beweismass der Glaubhaftmachung nicht Rechnung getragen. Zudem beschränkte sich das kantonale Gericht darauf darzulegen, weshalb es für das Jahr 2013 davon ausging, der Beschwerdeführer könne nicht mehr, als von ihm damals angegeben, arbeiten und dieser habe keine unwahren Angaben gegenüber der IV-Stelle gemacht. Diese Begründung lässt aber ausser Acht, dass die Rentensistierung erst im April 2015 erfolgte und seit dann anhält. Es kann deshalb nicht allein die Situation im Jahr 2013 ausschlaggebend sein. Die IV-Stelle hat nach dem strafrechtlichen Entscheid weitere Abklärungen getätigt, gemäss welchen der Versicherte - mindestens seit März 2017 - in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sein soll (vgl. E. 2.2 hiervor). Weitere Erhebungen zur retrospektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sind noch ausstehend (vgl. etwa die Rückfrage der IV-Stelle an das ABI am 18. Juli 2018). Die ärztlichen Beurteilungen in Verbindung mit den polizeilichen Ermittlungen könnten daher noch mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zum Schluss führen, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten verbessert und dieser die Meldepflicht verletzt hat. Dies ist in diesem Verfahren, in welchem Glaubhaftigkeit genügt, hinreichend, um an der vorläufigen Rentensistierung festzuhalten. Der vorinstanzliche Entscheid ist offensichtlich bundesrechtswidrig mithin willkürlich, indem darin auf den strafrechtlichen Entscheid abstellt wird, der auf einer antizipierten Beweiswürdigung beruht und dem ein strenger Beweismassstab zugrunde liegt. Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist deshalb begründet.