Citation: 9C_314/2018 E. 4.2.1

4.2.1. Das kantonale Versicherungsgericht schloss aus den bei der Begutachtung gemachten Angaben der Beschwerdeführerin zu ihren Alltagsaktivitäten auf eine "aktive Lebensgestaltung" und erwog, dass das "durchaus ausgeprägte Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin im privaten Bereich" auf vorhandene Ressourcen hinweise. Dieser Schluss ist nicht nachvollziehbar. Die von der Versicherten geschilderten Alltagsaktivitäten erschöpfen sich weitgehend in Fernsehen, in Gesprächen mit dem Ehemann und im Lesen von Zeitschriften. Die Beschwerdeführerin gab weiter an, dass sie morgens lediglich ein Stück Brot frühstücke, damit sie ihre Medikamente einnehmen könne, ansonsten habe sie den ganzen Tag über überhaupt keinen Appetit. Erst abends habe sie Lust, etwas zu essen. Zweimal in der Woche koche sie eine warme Mahlzeit. Die Wohnung werde zusammen mit der gesamten Familie aufgeräumt und geputzt, wobei sie zusätzliche Unterstützung durch die Freundinnen der beiden Söhne erhalte. Zweimal in der Woche gehe sie für 15 bis 20 Minuten spazieren. Alle zwei Wochen treffe sie frühere Kolleginnen, die entweder zu ihr nach Hause kämen oder die sie selbst besuche. Der psychiatrische Gutachter stellte sodann fest, die Beschwerdeführerin sei auf einem sehr einfachen alltäglichen Aktivitätsniveau in der Lage, sich mit Unterstützung ihrer Familie zu versorgen, wobei eine deutliche Verschlechterung vorliege im Vergleich zum Aktivitätsniveau vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Zudem führte der Experte aus, es liege eine erhebliche Störung der Affektivität vor, die letztlich dazu führe, dass die Versicherte ihre persönlichkeitsgebundenen Ressourcen nicht so weit aktivieren könne, als dass hierdurch bislang eine Besserung erzielt worden wäre. Mit dieser Beurteilung setzte sich die Vorinstanz in keiner Weise auseinander, obschon sie das Gutachten "ohne Weiteres" als beweiskräftig erachtete.