Citation: I 601/05 11.08.2006 E. 2

Die Vorinstanzen haben einen Anspruch auf Invalidenrente verneint, weil der erhobene Gesundheitsschaden es dem Versicherten erlaube, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. 2.1 Die Verfasser des von der Verwaltung eingeholten interdisziplinären Gutachtens des MZX vom 29. Juni 2004 kommen zum Schluss, der Versicherte leide an einem lumbovertebralen Schmerzsyndrom mit intermittierender Schmerzausstrahlung in das rechte Bein. Zudem liege eine Symptomausweitung mit chronifizierter parazervikaler Schmerzsymptomatik und der Verdacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor. Objektivierbar sei lediglich eine mediane Hernie der Bandscheibe L5/S1 ohne Nervenwurzelkontakt. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleibe eine leichte depressive Episode. Aufgrund der Befunde am Bewegungsapparat bestehe keine Arbeitsfähigkeit in Bezug auf körperliche Schwerarbeiten mehr. Hinsichtlich leichterer, rückenschonender Arbeiten sei der Versicherte indes grundsätzlich vollständig arbeitsfähig, wobei er - wegen der mittlerweile eingetretenen psychischen und physischen Dekonditionierung - vorübergehend nur für ein halbes Pensum einsetzbar sei. 2.2 Das kantonale Gericht erkannte, die gutachtlich vorübergehend um 50 Prozent reduzierte Arbeitsfähigkeit erkläre sich mit der Notwendigkeit von Unterstützungsmassnahmen zum Aufbau des Leistungsvermögens in leichten, rückenschonenden Tätigkeiten, das wegen psychischer und physischer Dekonditionierung eingeschränkt sei. Eine dergestalt ungünstige Verfassung stelle ein mit invaliditätsfremden Faktoren vergleichbares Element dar, welches nicht mit Leistungen der Invalidenversicherung zu kompensieren sei. Dementsprechend sei die Dekonditionierung bei der Einschätzung der Leistungsfähigkeit auszublenden. Sei somit von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in leichten Tätigkeiten auszugehen, mit welchen sich (unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10 Prozent) ein statistisch ermitteltes Invalideneinkommen von Fr. 52'493.- erzielen lasse, so ergebe sich im Vergleich mit einem Valideneinkommen von Fr. 51'872.- keine Einkommenseinbusse. 2.3 Die vorinstanzliche Auffassung, die physische und psychische Dekonditionierung könne im Zusammenhang mit der Frage nach dem massgebenden Grad an Arbeitsfähigkeit vernachlässigt werden, ist differenzierend zu würdigen: 2.3.1 Die Gutachter des MZX machen deutlich, dass die auf die zunehmende Dekonditionierung zurückgehende "Invalidisierung" eine sekundäre sei. Intensive Rehabilitationsanstrengungen seien angebracht, auch wenn deren Erfolgsprognose nicht zu optimistisch eingeschätzt werden dürfe. Nach entsprechender Motivierung solle eine längerdauernde Psychotherapie, allenfalls mit begleitender antidepressiver Medikation, versucht werden, bevor in einem weiteren Schritt eigentliche berufliche Massnahmen einzuleiten wären. Der Versicherte könne indes die innert Jahresfrist mögliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu einer vollumfänglichen nicht selber bewerkstelligen: "Er benötigt hierzu zunächst eine psychologische Führung zur Wiedereingliederung, ausserdem eine psychiatrische Behandlung, welche auch schmerzdistanzierend wirkt und schliesslich auch ein aktives körperliches Training, um der Dekonditionierung Einhalt zu gebieten. Begleitend hierzu benötigt er eine Berufsberatung und Stellenvermittlung bei einem verständnisvollen Arbeitgeber" (Gutachten vom 29. Juni 2004, S. 17). 2.3.2 Die tatsächliche Umsetzbarkeit des nach medizinisch-theoretischer Einschätzung an sich bestehenden funktionellen Leistungsvermögens bedingt nach zitierter ärztlicher Feststellung bestimmte Eingliederungsvorkehren. In einem solchen Fall ist danach zu fragen, ob die notwendigen Schritte der versicherten Person allein überantwortet werden können. Bejahendenfalls ist das beschriebene Vorgehen ohne weiteres statthaft. Wenn die versicherte Person das prinzipiell vorhandene erwerbliche Potential jedoch aus Gründen, die mit dem Gesundheitsschaden zusammenhängen, auch bei zumutbarer Willensanstrengung nicht in eigener Verantwortung realisieren kann, muss geprüft werden, ob es zur Aktivierung der grundsätzlich gegebenen Arbeitsfähigkeit noch der Durchführung von - der Invalidenversicherung obliegenden - Eingliederungsmassnahmen bedarf. Dabei sollen, etwa im Rahmen eines Arbeitstrainings, den Folgen des Gesundheitsschadens zugehörige, nicht aus eigenem Antrieb überwindbare Defizite in erwerbsrelevanten Fertigkeiten ausgeglichen oder etwa das krankheitsbedingt verlorene Vertrauen in die physische Belastbarkeit (im Umfang der objektiven Leistungsfähigkeit) wieder aufgebaut werden (vgl. Urteil P. vom 23. Mai 2006, I 2/06, Erw. 2.2). 2.3.3 Die gemäss dem erwähnten Präjudiz durch die Invalidenversicherung zu leistenden Vorkehrungen stellten nach dortiger ärztlicher Einschätzung eine unabdingbare Voraussetzung für die Verwertung des funktionellen Leistungsvermögens dar. Sie waren unmittelbar erwerbsorientiert. Hier benötigt der Beschwerdeführer hingegen in erster Linie eine medizinische Therapie, deren erfolgreiche Durchführung wiederum Voraussetzung für berufliche Massnahmen wie die ebenfalls gutachtlich angeregte Berufsberatung und Stellenvermittlung bildet. Die indizierten Therapien sind hier nicht spezifisch und unmittelbar auf die Eingliederung in das Erwerbsleben gerichtet, sondern entsprechen einer Behandlung des Leidens an sich, vor allem der psychogenen Anteile des Schmerzsyndroms und der vermutlich bewusstseinsfernen Symptomausweitung. Massnahmen dieser Art gehen gemäss Art. 12 IVG nicht zu Lasten der Invalidenversicherung, obgleich die Behandlung des Leidens an sich gewöhnlich auch einen günstigen Effekt auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ausübt. Entsprechen die aus medizinischer Sicht notwendigen "Überbrückungsmassnahmen" somit nicht Eingliederungsmassnahmen im Sinne der Art. 8 ff. IVG, sondern einer - in den Zuständigkeitsbereich der Krankenversicherung fallenden - Heilbehandlung, so durften Verwaltung und Vorinstanz im Zusammenhang mit dem anrechenbaren Invalideneinkommen von der Fiktion einer zumutbaren Verwertung der - vorerst noch - rein medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit ausgehen (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG). 2.4 Hinsichtlich der Eckdaten des Einkommensvergleichs wird auf die entsprechenden Abschnitte der kantonalgerichtlichen Begründung verwiesen. Mangels Invalidität im Rechtssinne steht dem Beschwerdeführer keine Invalidenrente zu.