Citation: U 101/00 26.07.2002 E. 2

2.- Materiell zu prüfen ist zunächst, ob die Zusprechung einer Invalidenrente von 15 % ab 1. November 1997 und deren Befristung bis 30. April 2000 zu Recht besteht. a) Die Beschwerdeführerin beruft sich auf die Rechtsprechung zur Bindungswirkung rechtskräftiger Invaliditätsschätzungen anderer Versicherungsträger (BGE 126 V 288 ff.) und macht geltend, die SUVA sei nicht berechtigt, von dem von der IV-Stelle festgestellten Invaliditätsgrad von 50 % abzugehen. Nach der genannten Rechtsprechung dürfen zumindest rechtskräftig abgeschlossene Invaliditätsschätzungen eines anderen Versicherers nicht unbeachtet bleiben. Vielmehr müssen sie als Indiz für eine zuverlässige Beurteilung gewertet und als solches in den Entscheidungsprozess erst später verfügender Versicherungsträger mit einbezogen werden. Wo die später verfügende Versicherung die Möglichkeit hat, den ihr ordnungsgemäss eröffneten Entscheid des andern Versicherers anzufechten (Art. 129 Abs. 1 UVV), und hievon Gebrauch macht, hat sie diesen grundsätzlich gegen sich gelten zu lassen. Zumindest hat sie sich die Vermutung der Richtigkeit der bereits vorhandenen Invaliditätsbemessung entgegenhalten zu lassen. Eine abweichende Invaliditätsbemessung kann in solchen Fällen nur noch ausnahmsweise in Frage kommen, wobei an die Begründung strenge Anforderungen zu stellen sind. Anlass für ein Abweichen von einer bereits rechtskräftigen Invaliditätsschätzung eines andern Versicherers können, nebst den von der Rechtsprechung bereits bisher anerkannten Gründen (BGE 119 V 471 Erw. 2b mit Hinweisen), äusserst knappe und ungenaue Abklärungen sowie kaum überzeugende oder nicht sachgerechte Schlussfolgerungen geben (BGE 126 V 294 Erw. 2d). Im vorliegenden Fall sind sowohl die Verfügung vom 7. November 1997 als auch der Einspracheentscheid der SUVA vom 8. Mai 1998 vor Erlass der IV-Verfügung vom 2. Oktober 1998 ergangen, sodass die Rechtsprechung zur Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung bei rechtskräftiger Verfügung des andern Versicherers nicht zur Anwendung gelangt. b) Anlässlich der erstmaligen Untersuchung vom 10. Mai 1996 stellte Kreisarzt Dr. med. A.________ fest, der Versicherten seien Tätigkeiten mit Kälteexposition sowie das Tragen von Lasten über 5 kg nicht zumutbar. Arbeiten mit ausgesprochener Feinmotorik vermöge sie nicht mehr zu verrichten; die rechte Hand könne noch für die Greiffunktion der Finger I und II und partiell zur Haltefunktion eingesetzt werden. Die Versicherte konnte daher die bisherige Tätigkeit an den Webmaschinen, welche mit Feinarbeiten und dem Tragen schwerer Gewichte verbunden war, nicht mehr ausüben und nahm anfangs 1997 beim gleichen Arbeitgeber eine Tätigkeit in der Packerei/Spedition auf, arbeitete in der Folge jedoch nur stundenweise. Bei der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 20. Juni 1997 erhob Dr. med. M.________ einen stationären Befund bei guten Stumpfverhältnissen. Zu den bestehenden Behinderungen führte er aus, ein Greifakt mit der rechten Hand sei nur im Spitzgriff zwischen Daumen und Zeigefinger möglich, wobei die Kraft etwas eingeschränkt sei. Grobgriffe könnten nicht mehr ausgeführt werden; der rechten Hand komme diesbezüglich nur eine Hilfsfunktion zu. Leistungsvermindernd wirkten sich auch längere Kälteexpositionen der Hand aus. Für leichtere Arbeiten innerhalb des genannten Rahmens bestehe keine zeitliche Limite. Am 23. Juli 1997 stellte Kreisarzt Dr. med. A.________ ergänzend fest, auf Grund der Zumutbarkeitsbeurteilung sei die Versicherte in der Lage, ihre Tätigkeit bei voller Präsenzzeit vollumfänglich auszuüben. Eine Abklärung am Arbeitsplatz durch den Aussendienst der SUVA vom 19. August 1997 ergab indessen, dass die Versicherte auch in der Tätigkeit als Packerin erheblich beeinträchtigt ist, indem sie verschiedene Arbeiten (Palettrahmen und Paletten heben, Wechsel der Plastikrollen an der Verpackungsmaschine, Verschliessen der Kartonschachteln mit Klebeband) nicht zu verrichten vermag, weshalb diese Tätigkeiten von andern Mitarbeiterinnen erledigt werden müssen. Bei weiteren Arbeiten, die sie grundsätzlich auszuüben vermag, ist sie behinderungsbedingt verlangsamt. Nach Auffassung des Arbeitgebers ist die Einschränkung in der Leistungsfähigkeit auf ca. 50 % zu schätzen. Die kreisärztliche Annahme, wonach sie als Packerin voll arbeitsfähig ist, findet damit keine Stütze. Die Feststellungen am Arbeitsplatz sprechen dafür, dass die Arbeitsfähigkeit in Übereinstimmung mit der Beurteilung durch die Rehaklinik X.________ vom 19. Dezember 1996 auf rund 50 % zu veranschlagen ist. Es fragt sich indessen, ob die Beschwerdeführerin mit dieser Tätigkeit als hinreichend eingegliedert gelten kann. Die Angaben des Arbeitgebers, wonach zahlreiche Arbeiten nicht, nur teilweise oder verlangsamt verrichtet werden können, decken sich mit den im Wesentlichen übereinstimmenden ärztlichen Ausführungen zu den bestehenden Behinderungen. Im Lichte dieser Feststellungen kann aber nicht angenommen werden, dass die verbleibende Arbeitsfähigkeit bei der Tätigkeit als Packerin zumutbarerweise voll ausgenützt wird. Es ist offensichtlich, dass diese hohe Ansprüche an die Funktionstüchtigkeit der Hände stellt, weil Gewichte zu tragen und teilweise Arbeiten zu verrichten sind, die besondere Anforderungen an die Greif- und Haltefunktion der Hände voraussetzt. Wie die SUVA mit den aufgelegten DAP-Arbeitsplatzprofilen hinreichend nachgewiesen hat, bestehen zahlreiche andere Tätigkeiten (Montage-, Kontroll- und Überwachungsarbeiten in Industriebetrieben), welche geringere Anforderungen an die Funktionstüchtigkeit der Hände (Beidhändigkeit, Feinmotorik) stellen und in welchen die Beschwerdeführerin nicht oder zumindest weniger beeinträchtigt wäre. Nach den SUVA-ärztlichen Beurteilungen wäre die Ausübung einer solchen geeigneten Tätigkeit ganztags und ohne wesentliche Einschränkungen zumutbar, sofern den behinderungsbedingten Einschränkungen (kein Tragen von Lasten über 5 kg, keine Kälteexposition, keine Arbeit mit besondern Anforderungen an die Feinmotorik und die Beidhändigkeit) Rechnung getragen wird. Zu einer andern Beurteilung besteht auch auf Grund des von der Beschwerdeführerin veranlassten Privatgutachtens von Dr. med. B.________ kein Anlass, zumal darin lediglich zur Arbeitsfähigkeit in der früheren Tätigkeit als Weberin und der gegenwärtigen Tätigkeit als Packerin sowie bei der Haushaltführung Stellung genommen wird. Im Übrigen stellt Dr. med. B.________ fest, die Versicherte sei wegen Stumpfbeschwerden, kausalgieformen Schmerzen und ausgeprägter Kälteintoleranz erheblich beeinträchtigt. Demgegenüber hat die Beschwerdeführerin wiederholt angegeben, sie könne trotz bestehender Beschwerden (insbesondere beim Zugreifen mit Spitzgriff) leichtere Arbeiten verrichten. Aus der auch von den Ärzten der SUVA festgestellten Kälteintoleranz ergibt sich keine zusätzliche Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit, weil genügend Arbeitsplätze offen stehen, wo solche Einwirkungen vermieden werden können. Es muss daher bei der Feststellung bleiben, dass die Verrichtung einer geeigneten leichteren Tätigkeit ohne wesentliche Einschränkungen ganztags zumutbar wäre. c) Die SUVA hat der Festsetzung des nach Art. 18 Abs. 2 UVG für die Invaliditätsbemessung massgebenden Invalideneinkommens Lohnangaben aus der DAP zugrunde gelegt, woraus ein Monatslohn zwischen Fr. 2800.- und Fr. 3400.- resultiert. Abgestellt hat sie auf den Mindestlohn von Fr. 2800.- (x 13) für Verpackungsarbeiten gemäss DAP Nr. 2010 und 2011, was einem Jahresverdienst von Fr. 36'400.- entspricht. Im Sinne einer Plausibilitätsprüfung hat die Vorinstanz das Invalideneinkommen mit den statistischen Werten der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 1996 (Tab. A 7 Ziff. 10 und 12; Monatseinkommen Fr. 3348.- bzw. Fr. 3707.-) verglichen und ist zum Schluss gelangt, dass selbst ohne Berücksichtigung der nominellen Lohnentwicklung die DAP-Angaben tiefer liegen, weshalb kein Anlass bestehe, hievon abzugehen. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, es sei gemäss Tabelle A7 der LSE vom Zentralwert für den gesamten privaten und öffentlichen Sektor von Fr. 3520.- im Monat auszugehen und es sei ein leidensbedingter Abzug von mindestens 25 % vorzunehmen, was zu einem Invalideneinkommen von Fr. 31'680.- führe. Ob vom Zentralwert für den gesamten privaten und öffentlichen Sektor auszugehen ist, kann offen bleiben, weil der Durchschnitt der von der Vorinstanz herangezogenen sektoriellen Lohnangaben (Fr. 40'176.- + Fr. 44'484.- : 2 = Fr. 42'330.-) mit dem von der Beschwerdeführerin als massgebend erachteten Gesamtwert von Fr. 42'240.- (Fr. 3520.- x 12) praktisch übereinstimmt. Wird der von ihr geltend gemachte Lohn von Fr. 42'240.- auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,9 Wochenstunden umgerechnet (BGE 126 V 81 Erw. 7a), so ergibt sich unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 0,6 % für Arbeitnehmerinnen im Jahre 1997 (Bundesamt für Statistik, Lohnentwicklung 1997, Tab. T2.2) ein Jahreseinkommen von Fr. 44'511.-. Zu einem Abzug von mindestens 25 % besteht entgegen den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kein Anlass. Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in BGE 126 V 75 ff. entschieden und seither wiederholt bestätigt hat, hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25 % festzusetzen ist (BGE 126 V 79 Erw. 5b). Im vorliegenden Fall sind die Voraussetzungen für einen sog. leidensbedingten Abzug erfüllt, weil zufolge des Gesundheitsschadens die Leistungsfähigkeit auch im Rahmen einer geeigneten leichteren Tätigkeit beeinträchtigt und deshalb möglicherweise ein geringerer Lohn zu erzielen ist. Dagegen sind die von der Rechtsprechung anerkannten weiteren Abzugsgründe nicht gegeben. Der Abzug ist daher auf höchstens 15 % festzusetzen, was zu einem Jahreseinkommen von Fr. 37'835.- führt. Es besteht daher auch im Lichte statistischer Lohnangaben kein Grund, von dem von der SUVA angenommenen Invalideneinkommen von Fr. 36'400.- abzugehen. Gemessen am Valideneinkommen, welches unbestrittenermassen auf Fr. 42'520.- festzusetzen ist, ergibt sich somit ein Invaliditätsgrad von knapp 15 %, wie ihn die SUVA dem Rentenentscheid zugrunde gelegt hat. d) Nach der Rechtsprechung kann die Rente abgestuft oder befristet werden, wenn bereits anlässlich der Rentenfestsetzung vorauszusehen ist, dass sich die Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Erwerbsfähigkeit zufolge Anpassung und Angewöhnung des Versicherten an die Unfallfolgen in absehbarer Zeit vermindern oder ausgleichen werden (BGE 109 V 24 Erw. 2b; RKUV 1987 Nr. U 18 S. 306; vgl. auch Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 369 f.). Praxisgemäss erfolgt die Befristung insbesondere bei Finger- und Handverletzungen, wo erfahrungsgemäss mit einer Anpassung und Angewöhnung an den Gesundheitsschaden und einem entsprechenden Rückgang der Invalidität gerechnet werden kann (vgl. Omlin, Dauerrenten - Zeitrenten - Terminierte Renten, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 134). Im vorliegenden Fall war auf Grund der Feststellungen der Rehaklinik X.________ vom 21. Februar 1997, wonach die Versicherte meist nur die linke Hand benutzte, zu schliessen, dass die Anpassung und Angewöhnung an die Unfallfolgen noch nicht abgeschlossen war. Auch in dem für die Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids (BGE 116 V 248 Erw. 1a) war die Annahme berechtigt, dass mit einer weiteren Anpassung und Angewöhnung an die Unfallfolgen (insbesondere durch Verlagerung von Tätigkeiten auf die linke Hand und vermehrten Einsatz der rechten Hand als Hilfshand) und einer entsprechenden Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erreichen war. Nicht zu prüfen ist, ob sich die mit der Rentenbefristung per 30. April 2000 verbundene Prognose einer rentenausschliessenden Erwerbsfähigkeit in der Zwischenzeit bewahrheitet hat. Wie die Vorinstanz zu Recht feststellt, bleibt es der Beschwerdeführerin unbenommen, eine Neuüberprüfung der Invalidität für die Zeit ab 1. Mai 2000 zu verlangen (vgl. RKUV 1993 Nr. U 173 S. 145).