Citation: 6B_968/2021 E. 4.2

4.2. Art. 189 geht Art. 193 StGB (Ausnützung der Notlage) vor, da das sexuelle Selbstbestimmungsrecht durch die Nötigung stärker tangiert wird (MAIER, a.a.O., N. 83 zu Art. 189 StGB m.w.H.). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 145 III 324 E. 6.1; 142 II 49 E. 9.2; 137 II 266 E. 3.2; 136 I 229 E. 5.2). Die Rüge der Beschwerdeführerin erweist sich in diesem Punkt als begründet. Die Vorinstanz begründet mit keinem Wort, weshalb der Tatbestand der Ausnützung einer Notlage offensichtlich nicht erfüllt ist. Die Vorinstanz wird mithin für den Fall, dass sie im Hinblick auf die sexuelle Nötigung nach wie vor von einer die Verfahrenseinstellung rechtfertigenden klaren Rechtslage ausgehen sollte, zu prüfen und zu begründen haben, ob solches auch im Hinblick auf den Tatbestand der Ausnützung einer Notlage im Sinne von Art. 193 StGB gilt.