Citation: 7B_295/2023 E. 4.6.2

4.6.2. Die Gutachterin Dr. med. C.________ führte in ihrem Gutachten vom 8. April 2022 aus, aufgrund der Vorgeschichte, der Einstellungen und der Erwartungen des Beschwerdeführers könne man von einer therapeutischen Massnahme nach dem StGB derzeit nicht erwarten, die Rückfallwahrscheinlichkeit zu reduzieren. Im Explorationsgespräch habe sich der Beschwerdeführer zwar zu einer Massnahme nach Art. 63 StGB bereit erklärt. Sein Verhalten anlässlich der Exploration stehe zu dieser Äusserung aber in direktem Widerspruch. Insgesamt schätze die Gutachterin die momentane Bereitschaft des Beschwerdeführers, für das Gelingen der Therapie die nötige Verantwortung zu übernehmen, als sehr gering ein. Eine gegen den Willen des Beschwerdeführers angeordnete Behandlung, auch wenn es sich "nur" um eine ambulante Massnahme handle, habe zurzeit sehr wenig Aussicht auf Erfolg bzw. sei nicht aussichtsreich. Alternativen oder Ergänzungen, um die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen strafbaren Handlungen günstig zu beeinflussen, sehe die Gutachterin nicht. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 14. Februar 2023 führte die Gutachterin aus, eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme sehe sie kritischer als der Gutachter med. pract. B.________, der von einer basalen Therapiefähigkeit gesprochen habe. Sie sei immer dafür - wenn es aussichtsreich sei - eine Psychotherapie anzuordnen. Sie habe hier aber einen langen Behandlungsverlauf für ihr Gutachten analysiert und sie sei sich sehr deutlich bewusst geworden, dass sich beim Beschwerdeführer im Rahmen seiner Störung eine sehr ungünstige Dynamik ergeben habe. Dieser habe ein sehr hohes Autonomie- und Kontrollbedürfnis. Häufig gelinge es, eine Bereitschaft für eine Therapie zu schaffen und erlebbar zu machen, dass die betroffene Person auch von der Behandlung profitiere. Bei ihm [dem Beschwerdeführer] habe das aber nicht geklappt, sondern er habe weiterhin diese Beziehungsangebote in der Massnahme nur als Fremdbestimmung erlebt und es habe sich sofort ein Machtkampf entwickelt. Diese Dynamik kann man gemäss der Gutachterin gut in der ganzen Massnahmendokumentation nachvollziehen. Das habe dazu geführt, dass das psychische Funktionsniveau des Beschwerdeführers am Ende dieser Massnahme (Ende Dezember 2020) eigentlich schlechter gewesen sei als bei Beginn. Er habe sich zurückgezogen und seine Stimmung sei viel labiler gewesen als am Anfang. Es habe sich eigentlich alles negativ entwickelt. Daher sei sie [die Gutachterin] zum Schluss gekommen, dass jegliche angeordnete Behandlung sehr wenig Aussicht auf Erfolg hätte. Aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur müsse man damit rechnen, dass der Beschwerdeführer innerhalb kürzester Zeit auch diese als Fremdbestimmung erleben und dagegen arbeiten würde. Aus diesem Grund sehe sie eine Massnahme nach Art. 63 StGB nicht als aussichtsreich. Hingegen habe sie die Befürchtung, dass sich bei allem, was angeordnet würde, eine paranoid-querulatorische Entwicklung verstärken würde.