Citation: U 135/00 18.06.2003 E. 3

3.1 Die SUVA hielt im streitigen Einspracheentscheid fest, dass keine erheblichen organischen Unfallfolgen nachweisbar seien, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen könnten. Den als Rückfall gemeldeten Beschwerden liege eine psychische Problematik zu Grunde, die das Krankheitsbild beherrsche. Weil die Angstzustände mit Panikattacken erst über zwei Jahre nach den erlittenen Verkehrsunfällen aufgetreten seien, könnten sie nicht im Sinne eines natürlichen Kausalzusammenhangs auf die Unfallereignisse zurückgeführt werden. Es fehle mithin die Basis für eine Leistungspflicht der sozialen Unfallversicherung. 3.2 Auf Grund der Akten, insbesondere der angeführten medizinischen Berichte ergibt sich indessen, dass die Beschwerdeführerin bei beiden versicherten Autounfällen vom 29. Juni und 5. Juli 1992 u.a. Verletzungen im Nacken/Hals- sowie Schädelbereich (HWS-Distorsion mit Kopfanprall, Commotio cerebri) erlitten hat. Dies wird von den untersuchenden SUVA-Ärzten ebenfalls anerkannt (Kreisarztberichte von Dr. O.________ vom 23. Januar 1997 und Dr. K.________ vom 24. Juli 1997). Ferner ist im Hinblick auf die dargelegte medizinische Aktenlage erstellt, dass die Versicherte schon kurz nach den beiden Unfällen über Schwindelgefühle und Kopfschmerzen klagte. Diese Beeinträchtigungen, welche zum typischen Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der HWS (bzw. einem Schädel-Hirntrauma) gehören (BGE 119 V 338 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b, 382 Erw. 4b), sind denn auch Gegenstand der verschiedensten in der Folge eingeholten ärztlichen Stellungnahmen. Bei diesen Gegebenheiten geht es entgegen der Auffassung der SUVA nicht an, den natürlichen Kausalzusammenhang bereits unter Hinweis auf das Fehlen eines den genannten Beschwerden zu Grunde liegenden "objektivierbaren Substrates" (bei normalen CT- und MRI-Befunden) zu verneinen. Vielmehr ist bei - wie hier - gesicherter Diagnose einer Verletzung nach einem dem Schleudertrauma der HWS äquivalenten Mechanismus und Vorliegen der mit einer solchen Verletzung erfahrungsgemäss häufig einhergehenden Beschwerden die natürliche Kausalität rechtsprechungsgemäss als gegeben zu betrachten, sofern die medizinischen Grundlagen schlüssig sind. Letzteres trifft jedoch nicht zu, wenn ein erheblicher prämorbider Zustand vorliegt, welcher ebenfalls für die Beeinträchtigungen (allein)verantwortlich sein könnte, oder wenn von einer erheblichen nicht unfallkausalen psychogenen Beeinträchtigung auszugehen ist, die nunmehr für den protrahierten Verlauf einzig bestimmend ist (vgl. BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa, 117 V 360 Erw. 4b, RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80). Namentlich die zweite der beiden vorgenannten Alternativen lässt sich nach Lage der Akten nicht mit rechtsgenüglicher Zuverlässigkeit ausschliessen. Zwar sprechen sich sämtliche im Zusammenhang mit der Rückfallmeldung mit der Sache befassten SUVA-externen Mediziner dafür aus, das die geklagten Nacken-/Kopfschmerzen sowie die Schwindelbeschwerden (zumindest teilweise) natürlich kausale Folgen der erlittenen Unfallverletzungen darstellen (ärztliche Stellungnahmen von Dr. H.________ vom 15. Juli 1996, Dr. C.________ vom 13. Dezember 1996 und Dr. N.________ vom 22. März 2000). Anderseits darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass im zuletzt angeführten neurologischen Privatgutachten von Dr. N.________ festgehalten wird, es sei fraglich, ob sich die psychische Symptomatik auf die Panikstörungen beschränke; es müsse Gegenstand einer fachärztlichen psychiatrischen Abklärung sein, diese Panikstörungen "in ihrer Wertigkeit und ihrem Ursprung genauer zu klassifizieren, ferner eine allfällige psychische Komponente der übrigen Beschwerden zu klassifizieren (posttraumatische Anpassungsstörung?)". Überdies stellen verschiedene Ärzte eine psychische Problematik in den Vordergrund (so die medizinischen Berichte des Hausarztes Dr. C.________ vom 13. Dezember 1996, des Kreisarzt-Stellvertreters Dr. K.________ vom 24. Juli 1997 sowie von Dr. M.________ vom SUVA-Ärzteteam Unfallmedizin vom 28. Januar 1998). Unter diesen Umständen bilden die vorliegenden ärztlichen Beurteilungen keine hinreichende Grundlage für eine abschliessende Beantwortung der Frage nach der natürlichen Kausalität. Nachdem im angefochtenen Entscheid das psychische Beschwerdebild, über dessen Beschaffenheit nach der Aktenlage keine Klarheit besteht (und welches auch nie Gegenstand einer psychiatrischen Abklärung bildete), als von vornherein nicht adäquat kausale Unfallfolge qualifiziert wurde, ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie eine ergänzende, die physische wie insbesondere die psychische Gesundheit betreffende interdisziplinäre Begutachtung der Beschwerdeführerin anordne und gestützt darauf über die Leistungsberechtigung nach Februar 1993 neu befinde. 3.3 Anzumerken bleibt, dass erst nach dem Vorliegen des ergänzenden gerichtlichen Gutachtens (im Falle der Bejahung einer natürlichen Kausalität) beurteilt werden kann, ob die Adäquanz des Kausalzusammenhangs anhand der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) oder aber - in Abweichung von SUVA und Vorinstanz (letztere beruft sich auf BGE 123 V 99 Erw. 2a [vgl. Erw. 2 in fine hievor] - nach der Gerichtspraxis zu den Schleudertraumen der HWS (BGE 122 V 415, 117 V 359) bzw. den Schädel-Hirntraumen (BGE 117 V 369) zu prüfen ist, d.h. ohne Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten der unfallbezogenen Merkmale (BGE 117 V 367 Erw. 6a in fine).