Citation: I 178/04 12.08.2004 E. 4

Zu beurteilen bleibt ferner die noch verbliebene Arbeitsfähigkeit im erwerblichen Bereich, welche Vorinstanz und Beschwerdegegnerin, namentlich gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 2. Dezember 2002, mit rund 50 % bzw. vier bis fünf Stunden täglich in der angestammten oder in einer anderen adaptierten Tätigkeit veranschlagten, wohingegen die Versicherte geltend macht, keiner Arbeit mehr nachgehen zu können. 4.1 Die medizinische Aktenlage zeigt diesbezüglich das folgende Bild: 4.1.1 Dr. med. L.________ gab in seinem Bericht vom 21. Februar 2002 an, dass die Beschwerdeführerin an einem chronischen Lumboradikulärsyndrom S1 links mit Schmerzsyndrom und einem sensomotorischen Ausfallsyndrom, einem Status nach Mikrodiskektomie L5/S1 1997, einer Erschöpfungsdepression sowie einem fraglichen Fibromyalgiesyndrom leide. Zu den Auswirkungen der gesundheitlichen Störungen auf die bisherige Tätigkeit befragt, führte der Arzt aus, dass die Beschäftigung als Ernährungsberaterin - ohne Zeitdruck - noch während ca. drei bis maximal vier Stunden am Tag bewältigt werden könne, wobei die Sitz- und Stehdauer erheblich eingeschränkt und eine häufig wechselnde Position erforderlich sei. 4.1.2 Im Bericht der Klinik X.________ vom 11. März 2002 wurde u.a. festgehalten, dass im Hinblick auf die lange Anamnese, die Verschlimmerung des Krankheitsbildes (Fibromyalgiesyndrom) seit Frühjahr 2000 und die aktuelle 100%ige Arbeitsunfähigkeit, die vorerst für sechs Monate auszusprechen sei, die Ausrichtung von IV-Leistungen sachentsprechend erscheine. 4.1.3 Gemäss Bericht der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie/Allergologie des Spitals Y.________ vom 9. August 2002 wurde - ohne zur aktuellen Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen - eine zumindest teilzeitige Wiederaufnahme der bisherigen Berufstätigkeit als grundsätzlich wünschenswert bezeichnet. Die Ärzte betonten, dass die psychodynamischen Faktoren im Auftreten, in der Weiterentwicklung und Persistenz der chronischen ausgeweiteten Schmerzsymptomatik sicher eine wesentliche Rolle spielten, insbesondere nehme das depressive Zustandsbild für das Ausmass der empfundenen Beschwerden eine zentrale Stellung ein. 4.1.4 Die Ärzte der Klinik für Allgemeine Innere Medizin des Spitals Y.________, in welcher die Versicherte vom 27. Juni bis 31. Juli 2002 hospitalisiert war, diagnostizierten eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine mittelschwere depressive Episode und gingen in ihrem Bericht vom 22. August 2002 von einer weiterhin 100 % betragenden Arbeitsunfähigkeit aus. Das Ziel der installierten therapeutischen Massnahmen bestehe darin, dass die Patientin schrittweise wieder in die Lage versetzt werde, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen. 4.1.5 Die Gutachter der MEDAS stellten in ihrer Expertise vom 2. Dezember 2002 fest, dass namentlich auf psychisch-geistiger Ebene lediglich leichte Einschränkungen im Sinne von verminderter Gedächtnisfunktion und chronischer Müdigkeit bestünden, welche "bezüglich Arbeitsfähigkeit vernachlässigbar" seien. Angesichts der Hauptdiagnose eines primären generalisierten Fibromyalgiesyndroms (bei damit einhergehenden, wechselnden depressiven Verstimmungen) bescheinigten sie der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit 1998. 4.1.6 Frau Dr. med. M.________ verzichtete in ihrem Bericht vom 20. März 2003 zwar auf eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, kritisierte indes die Schlussfolgerung im MEDAS-Gutachten, wonach keine krankheitswertige psychische Störung vorliege. Insbesondere hätte die psychiatrische Fachperson es unterlassen, da keine eigentliche psychische Erkrankung im Sinne der schweren endogenen Psychose ersichtlich sei, die doch erheblichen psychosomatischen und psychisch unterhaltenen Störungen bei einer Fibromyalgie wie auch deren Auswirkungen auf den Alltag zu bewerten. 4.1.7 Dem Bericht des Prof. Dr. med. D.________ vom 9. April 2003 ist sodann zu entnehmen, dass die Versicherte als zurzeit in ihrem Beruf nicht arbeitsfähig erachtet wurde. 4.1.8 Dr. med. W.________ hielt in seinem Bericht vom 13. November 2003 fest, dass die in den bisherigen Gutachten geschätzte Arbeitsfähigkeit als Ernährungsberaterin von ca. vier bis fünf Stunden pro Tag im Moment illusorisch sei. Nur unter optimalen Bedingungen könne ein Pensum in dieser Höhe durch die Versicherte erreicht werden. 4.1.9 Der gleiche Arzt führte am 1. April 2004 aus, dass sich die langfristige Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit verschlechtert habe und er sie zurzeit auf ca. zwei bis drei Stunden täglich einschätze. 4.2 Diese medizinischen Unterlagen gestatten - entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts - keine zuverlässige Beurteilung des noch verbliebenen erwerblichen Leistungsvermögens. Es ist insbesondere nicht nachvollziehbar, weshalb dem MEDAS-Gutachten vom 2. Dezember 2002, welches auf ärztlichen Erhebungen von Oktober 2002 beruht und damit einen medizinischen Zustand umschreibt, wie er sich über ein Jahr vor dem für die richterliche Beurteilung der Sachlage massgebenden Erlass des Einspracheentscheides (vom 3. November 2003; vgl. Erw. 1 hievor) dargestellt hat, ohne weiteres erhöhte Beweiskraft beizumessen ist, zumal es namentlich hinsichtlich der Arbeitsfähigkeitsschätzung von allen anderen Arztberichten abweicht. So ging Dr. med. L.________ am 21. Februar 2002 nicht von einem noch zumutbaren Pensum als Ernährungsberaterin von 50 % oder von vier bis fünf bzw. von 4,5 Stunden täglich - wie dem vorinstanzlichen Einkommensvergleich zu Grunde gelegt (vgl. kantonaler Entscheid, S. 14 oben) -, sondern von drei bis maximal vier Stunden pro Tag aus. Die Ärzte der Klinik X.________, der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie/Allergologie und der Klinik für Allgemeine Innere Medizin des Spitals Y.________ wie auch Prof. Dr. med. D.________ erachteten die Beschwerdeführerin in ihren Berichten vom 11. März, 9. und 22. August 2002 sowie 9. April 2003 sodann gar als zurzeit nicht arbeitsfähig, schlossen eine künftige Arbeitsaufnahme indessen nicht aus und bezeichneten eine solche grundsätzlich als wünschenswert. Frau Dr. med. M.________ äusserte sich in ihrem Bericht vom 20. März 2002 zwar nicht abschliessend zur Arbeitsfähigkeit, erklärte sich aber insbesondere mit den Schlussfolgerungen der psychiatrischen Teilbegutachtung durch die MEDAS nicht einverstanden, da dem einer diagnostizierten Fibromyalgie inhärenten psychosomatischen und psychischen Beschwerdebild und dessen Auswirkungen nicht genügend Rechnung getragen worden sei. Dr. med. W.________ schliesslich sprach am 13. November 2003 von einer "lähmenden reaktiven Depression" und hielt die von der MEDAS geschätzte Leistungsfähigkeit ebenfalls als zurzeit illusorisch bzw. nur unter optimalen Bedingungen, welche aktuell jedoch nicht gegeben seien, umsetzbar. Mit Bericht vom 1. April 2004 führte er - wenn auch nach dem relevanten Zeitpunkt des Einspracheentscheides - aus, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten in den letzten Monaten subjektiv und objektiv verschlechtert habe, indem sich die Fibromyalgiesymptome ausgeweitet hätten und die reaktive Depression trotz regelmässiger stützender Gespräche und antidepressiver medikamentöser Therapie progredient sei. Er ging von einem Leistungsvermögen als Ernährungsberaterin von ca. zwei bis drei Stunden täglich aus. Die ärztlichen Angaben sind nach dem Gesagten als widersprüchlich zu werten. Da kein Bericht die rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlagen in allen Teilen erfüllt (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis), ist die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie die notwendigen Aktenergänzungen vornimmt und hernach - auch über mögliche berufliche Eingliederungsmassnahmen - neu befindet. Die erforderlichen weiteren Abklärungen werden dabei primär in der Einholung eines Zusatzgutachtens bei der MEDAS bestehen, wobei die Ärzte sich insbesondere nochmals mit den psychischen Auswirkungen der diagnostizierten Fibromyalgie sowie den grundsätzlich divergierenden Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit näher zu befassen haben werden. Allenfalls wird, wie dies die Ärzte der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie/Allergologie des Spitals Y.________ in ihrem Bericht vom 9. August 2002 vorgeschlagen haben, auch eine neuropsychologische Untersuchung in Betracht zu ziehen sein.