Citation: 1C_522/2022 E. 6.4

6.4. Die kantonalen Instanzen verkennen, dass sich die grundsätzliche Mindestbreite des Gewässerraums ebenso wie die Ausnahmen (Erhöhung, Anpassung und Verzicht) aus Art. 41a GSchV und somit aus dem Bundesrecht ergeben. Da nach Abs. 2 dieser Bestimmung relevant ist, ob die Gerinnesohle mehr oder weniger als 2 m beträgt, reicht eine ungefähre Festlegung ("rund 2 m") für die korrekte Anwendung des Bundesrechts nicht aus. Zudem verlangt der Verzicht auf eine Festlegung des Gewässerraums bei eingedolten Gewässern in Anwendung von Art. 41a Abs. 5 lit. b GSchV nach einer konkreten, d.h. auf den Einzelfall bezogenen Interessenabwägung, die nicht mit einer generell-abstrakten Bestimmung wie § 127 Abs. 1 lit. c BauG vorweggenommen werden kann (s. zum Gesetzgebungsspielraum, der den Kantonen gestützt auf die bundesrechtliche Regelung des Gewässerraums verbleibt, JEANNETTE KEHRLI, Gewässerraum festlegen, Raum & Umwelt 4/2017, S. 13 ff.).