Citation: U 216/03 20.09.2004 E. 4

4.1 Der Beschwerdeführer weist eine Vielzahl von Leiden auf, für die sich trotz umfangreicher Untersuchungen ein organisches Substrat nicht hat finden lassen. Schon durch den Bericht der interdisziplinären Notfallstation des Spitals Y.________ vom 1. April 1998 ist ausgewiesen und im Übrigen auch von keiner Seite in Frage gestellt worden, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Unfalles vom 30. März 1998 eine Commotio cerebri sowie eine Distorsion der Halswirbelsäule erlitten hat. Daraus wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde abgeleitet, die verschiedenen nicht objektivierbaren Gesundheitsstörungen entsprächen einem Beschwerdebild, wie es nach Schleudertraumata der Halswirbelsäule und Schädel-Hirn-Traumata oder solchen Verletzungen äquivalenten Mechanismen häufig beobachtet und insofern als 'typisch' bezeichnet wird. 4.2 Der davon abweichend eingenommene Standpunkt von SUVA und Vorinstanz, wonach die durch die erhobenen Befunde objektiv nicht erklärbare Symptomatik auf eine psychische Fehlverarbeitung des Unfallereignisses vom 30. März 1998 zurückzuführen sei, kann sich auf die Beurteilung der Ärzte des ZMB stützen, wobei Anhaltspunkte für eine solche Erklärung auch schon in früheren medizinischen Berichten zu finden sind. So äusserte etwa Dr. med. F.________ vom Spital D.________, der aus neurologischer Sicht keine ernsthaften Folgen des Unfallereignisses vom 30. März 1998 erkennen konnte, am 8. März 1999 erstmals den Verdacht auf eine Somatisierungstendenz und die Spezialisten der Klinik in C.________ sprechen im Austrittsbericht vom 3. August 1999 von einer Anpassungsstörung in Form von somatoformen Tendenzen und einer wahrscheinlichen depressiven Entwicklung, welche ursächlich an der Chronifizierung der anfänglich durch den Unfall vom 3. März 1997 bedingten Weichteil-Traumatisierung teilnehmen; symptomatologisch liege indessen kein eigentliches postcommotionelles Syndrom vor, noch könne die heutige Symptomatik auf die damalige, nicht sicher auszuschliessende milde traumatische Hirnläsion zurückgeführt werden. Dass das kantonale Gericht mit der SUVA auf den Bericht des ZMB vom 13. März 2001 abstellte, ist angesichts der dort von anstaltsunabhängiger Stelle erfolgten umfassenden Erhebungen nicht zu beanstanden, woran auch die Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts ändern. Die Ärzte des ZMB haben ihre Ansicht nachvollziehbar dargelegt und ihre Schlussfolgerungen erscheinen plausibel. Entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers braucht eine begutachtende Stelle nicht ausführlich aufzuzeigen, weshalb sie allenfalls denkbare andere Erklärungsversuche verworfen hat. Es genügt, dass sie ihre eigene Auffassung begründet. Aus einer fehlenden Auseinandersetzung mit alternativ in Frage kommenden Thesen kann denn auch nicht geschlossen werden, solche seien zum Vornherein gar nicht in Betracht gezogen worden. 4.3 Vor diesem Hintergrund sind die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen das Gutachten des ZMB vom 13. März 2001 einerseits und die daraus vom kantonalen Gericht gewonnenen Erkenntnisse andererseits erhobenen Einwände - soweit sie nicht ohnehin an der einzig streitigen Frage nach der Unfallkausalität vorbeizielen - unbegründet. Dass die vorhandenen Symptome - theoretisch - auch als Folge eines leichten Hirntraumas (eine ossäre [Schädel-]Verletzung ist nicht aktenkundig dokumentiert) interpretiert werden könnten, mag allenfalls zutreffen, ändert aber nichts daran, dass die Ärzte des ZMB, auf deren Meinung nach dem Gesagten abgestellt werden darf, auf Grund ihrer umfassenden eigenen Untersuchungen nicht zu diesem Ergebnis gelangt sind. Ihre Erkenntnisse werden weder durch den Umstand, dass die Symptomatik für Dr. med. E.________ laut Stellungnahme vom 13. September 2002 als "Hinweis auf eine mögliche hirnorganische Komponente im gesamten Beschwerdebild" gelten könne, noch durch die Bejahung der Unfallkausalität durch den Ophthalmologen Dr. med. S.________ vom 17. September 2003 ernsthaft in Frage gestellt (vgl. dazu auch nachstehende Erw. 5.1 und 5.2). Dasselbe gilt für die Äusserungen des als Hausarzt des Versicherten tätig gewordenen Internisten Dr. med. O.________ vom 24. Oktober 2002 und des Dr. med. V.________ vom kantonsärztlichen Dienst M.________ vom 31. Oktober 2001. Aus neurologischer Sicht konnte im Übrigen auch Dr. med. E.________ laut Bericht vom 22. Juni 2000 kein klar fassbares Korrelat der zunehmenden Beinschmerzen links finden, weshalb er sich ebenfalls die Frage nach einer übergeordneten somatoformen Störung stellte. Allein die von lic. phil. R.________ - in dessen Praxis der Beschwerdeführer seit Ende August 2000 in Behandlung steht - festgestellten und auf eine Hirnschädigung zurückgeführten Defizite schliesslich können nicht schon als unfallkausal gelten, nur weil der Neuropsychologe keine Hinweise auf am Heilverlauf beteiligte unfallfremde Faktoren findet. Dass die mit Hirnfunktionsstörungen erklärten leistungsmässigen Beeinträchtigungen angeblich vor dem versicherten Unfallereignis nicht oder nicht in gleichem Mass vorlagen, genügt für den Nachweis der Unfallkausalität nicht. Die Ausführungen des lic. phil. R.________ lassen ausser Acht, dass weder eine unfallbedingte Hirnschädigung noch ein dadurch bewirktes Leistungsdefizit als mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen gelten kann. Im Übrigen bleibt darauf hinzuweisen, dass es die Neuropsychologie nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts für sich allein nicht vermag, die Genese festgestellter Störungen abschliessend zu bestimmen (BGE 119 V 341). Der von lic. phil. R.________ als Nichtmediziner geäusserten und auch in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wieder aufgegriffenen Kritik an den fachärztlichen Meinungsäusserungen im ZMB-Gutachten vom 13. März 2001 wird mit dem vorinstanzlichen Hinweis auf die Notwendigkeit einer die Disziplinen übergreifenden, neutralen Beurteilung treffend begegnet. 4.4 Sind die geklagten gesundheitlichen Störungen nach dem Gesagten auf Grund des ZMB-Gutachtens vom 13. März 2001 zumindest in ihrer überwiegenden Mehrheit als psychischen Ursprungs zu qualifizieren, hat die Beurteilung der Adäquanz praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall (BGE 115 V 133) zu erfolgen und nicht an anhand der Kriterien, wie sie für Schleudertraumata der Halswirbelsäule entwickelt wurden (BGE 117 V 367 Erw. 6a). Daran ändert nichts, dass allenfalls auch zum so genannt typischen Beschwerdebild nach Schleudertraumata oder solchen äquivalenten Mechanismen gehörende Beeinträchtigungen teilweise gegeben sind, treten diese im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik vorliegend doch ganz in den Hintergrund (vgl. BGE 123 V 99 f. Erw. 2a und b, mit Hinweisen). Nicht zu beanstanden ist, dass SUVA und Vorinstanz dabei den am 30. März 1998 erlittenen Unfall als mittelschwer einstuften, ihn aber im Grenzbereich zu den leichten Fällen ansiedelten. In Anlehnung an die Rechtsprechung in BGE 115 V 138 ff. Erw. 6 f. verneinten sie in der Folge das Vorliegen der für die Bejahung der Adäquanz in besonders ausgeprägter oder gehäufter Weise erforderlichen Kriterien zu Recht. Es wird insoweit vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen, welchen seitens des Eidgenössischen Versicherungsgerichts nichts beizufügen ist.