Citation: 2C_620/2020 E. 9.2

9.2. In Bezug auf die Folgen der Beweislosigkeit einer Tatsache gilt im Steuerrecht - als Konkretisierung des allgemeinen Grundsatzes von Art. 8 ZGB - die sog. Normentheorie. Danach trägt die Steuerbehörde die objektive Beweislast für die steuerbegründenden und -erhöhenden Tatsachen, wogegen die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet ist (vgl. BGE 142 II 488 E. 3.8.2 S. 508; 140 II 248 E. 3.5 S. 252; Urteile 2C_941/2012 / 2C_942/2012 vom 9. November 2013 E. 2.2; 2C_104/ 2013 / 2C_105/2013 vom 27. September 2013 E. 2.4; je mit Hinweisen). Bliebe es bei der Feststellung, dass es am Nachweis fehlt, welche möglicherweise als gewinnstrebig zu qualifizierende Arbeit der Beschwerdeführer in der Steuerperiode 2012 verrichtete, wäre die vorliegend als steuermindernd zu qualifizierende Tatsache der Ausübung einer selbständigen Erwerbstätigkeit in der Steuerperiode 2012 beweislos geblieben. Würde es nämlich bereits an genügenden Hinweisen auf die Ausübung einer konkreten, möglicherweise gewinnstrebigen Tätigkeit fehlen, wäre - anders als in anders gelagerten Konstellationen, bei welchen eine konkrete Tätigkeit in Frage steht (vgl. Urteil 2C_495/2019 vom 19. Juni 2020 E. 2.2.5) - für die Verneinung einer selbständigen Erwerbstätigkeit namentlich nicht ausschlaggebend, ob die geltend gemachte Tätigkeit überwiegend von rein persönlichen Neigungen oder ausserbetrieblichen Motiven beherrscht wird. Auch liesse sich unter diesen Umständen - entgegen der Beschwerde - aus der Rechtsprechung, wonach im Einzelfall eine selbständige Erwerbstätigkeit auch dann vorliegen kann, wenn der Betreffende nicht nach aussen sichtbar am Wirtschaftsverkehr teilnimmt bzw. kein selbständiger Marktauftritt vorliegt und kein Unternehmen, Gewerbe oder Geschäft betrieben wird (vgl. Urteil 2C_271/2009 vom 17. September 2009 E. 2.2 mit Hinweisen), von vornherein nichts zugunsten der Beschwerdeführer ableiten. Gegebenenfalls hätte die Vorinstanz die geltend gemachten Kosten infolge Beweislosigkeit der selbständigen Erwerbstätigkeit entsprechend der Normentheorie in bundesrechtskonformer Weise statt als gemäss Art. 27 Abs. 1 und Art. 27 Abs. 2 lit. b DBG abziehbare geschäfts- oder berufsmässig begründete Kosten aus selbständiger Erwerbstätigkeit bzw. eingetretene und verbuchte Verlusten auf Geschäftsvermögen als nicht abziehbare Lebenshaltungskosten im Sinne von Art. 34 lit. a DBG qualifiziert.