Citation: 4C.216/2003 20.10.2003 E. 2

2.1 Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht an die tatsächlichen Feststellungen der letzten kantonalen Instanz gebunden, wenn sie nicht offensichtlich auf Versehen beruhen, unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen (Art. 63 Abs. 2 OG) oder zu ergänzen sind. 2.2 Die Beklagte rügt, die Vorinstanz habe Art. 8 ZGB verletzt, indem sie Beweisanträge übergangen habe, welche in prozessual zulässiger Weise gestellt worden seien. 2.3 Art. 8 ZGB regelt zunächst die Verteilung der Beweislast. Das Bundesgericht leitet aus Art. 8 ZGB als Korrelat zur Beweislast insbesondere das Recht der beweisbelasteten Partei ab, zum ihr obliegenden Beweis zugelassen zu werden. Aus Art 8 ZGB ergibt sich sodann auch das Recht des Gegners der beweisbelasteten Partei zum Gegenbeweis (BGE 126 III 315 E. 4a S. 317, mit Hinweisen). Zu beachten ist aber, dass dieser bundesrechtliche Beweisführungsanspruch nur für rechtserhebliche Tatsachen besteht und voraussetzt, dass die beweisbelastete Partei im kantonalen Verfahren form- und fristgerechte Beweisanträge gestellt hat (BGE 122 III 219 E. 3c S. 223). 2.4 Im Einzelnen rügt die Beklagte, das Handelsgericht habe ihren Antrag auf Einvernahme von Herrn X.________ als Parteiverteter übergangen. Die Beklagte legt jedoch nicht dar, zu welchen rechtserheblichen Tatsachen X.________ habe befragt werden sollen und wann im kantonalen Verfahren ein entsprechender Beweisantrag gestellt worden ist. Demnach ist insoweit eine Verletzung des Beweisführungsanspruchs nicht erkennbar, bzw. nicht rechtsgenüglich begründet. 2.5 Weiter bringt die Beklagte vor, das Handelsgericht habe Art. 8 ZGB verletzt, weil es den Anträgen, verschiedene Zeugen einzuvernehmen, einen Augenschein durchzuführen und eine Expertise einzuholen nicht stattgegeben habe. Die Beklagte lässt dabei ausser Acht, dass das Handelsgericht diese erstmals anlässlich der Hauptverhandlung gestellten Anträge nach kantonalem Prozessrecht als verspätet qualifiziert hat, weshalb diesbezüglich eine Verletzung des bundesrechtlichen Beweisführungsanspruchs zu verneinen ist. 2.6 Alsdann rügt die Beklagte sinngemäss, das Handelsgericht habe bei der Berechnung des Schadens zu Folge vorzeitiger Kündigung des Werkvertrages in Bezug auf die Abzugsmethode Fehler gemacht. Die von ihm vorgenommene Schadensberechnung baue nicht auf Beweiserhebungen, sondern einfach auf Behauptungen der Klägerin. Diese Berechnung widerspreche daher der Beweislastverteilung von Art. 8 ZGB. Die Beklagte übersieht, dass das Handelsgericht davon ausging, die in Art. 184 Abs. 2 SIA-Norm 118 vorgesehene "Abzugsmethode" bedeute, dass der Bauherr bei einem vorzeitigen Vertragsrücktritt grundsätzlich den vereinbarten Werklohn zu bezahlen habe und vom Unternehmer ersparte Beträge nur abzuziehen seien, wenn sie vom Bauherrn nachgewiesen werden könnten. Weshalb dieses Verständnis bundesrechtswidrig sein soll, macht die Beklagte nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich. Das Handelsgericht hat daher zu Recht angenommen, die Beklagte habe grössere als von der Klägerin anerkannte Ersparnisse behaupten und beweisen müssen. Da die Beklagte nicht geltend macht, das Handelsgericht habe entsprechende von ihr gestellte Beweisanträge übergangen, ist eine Verletzung ihres Beweisführungsanspruchs bezüglich der Bestimmung der Schadenshöhe zu verneinen.