Citation: 6B_651/2008 02.12.2008 E. 2

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe bei der Beurteilung des Schreibens vom 6. April 2005 auch Bundesrecht verletzt. Sie habe zu Unrecht eine unmittelbare Gefahr angenommen und auch den Grundsatz der Subsidiarität missachtet. In tatsächlicher Hinsicht kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschwerdegegner auf jeden Fall von einer Gefahrenlage ausgehen durfte (angefochtener Entscheid S. 6 Ziff. 2.3.3 am Ende). Sie beurteilt das Schreiben an den Kantonsarzt als geeignetes und - weil die Gefahr von den behandelnden Ärzten nach Meinung des Beschwerdegegners zu wenig ernst genommen wurde - erforderliches Mittel, um die latent bestehende Eigen- und Fremdgefährdung der Beschwerdeführerin von neutraler Seite beurteilen zu lassen und damit auch abwenden zu können (a.a.O., S. 7 Ziff. 2.4.2). Diese Beurteilung steht im Einklang mit Bundesrecht. 2.1 Der Einwand der Beschwerdeführerin, die behandelnden Ärzte seien bereits über die angespannte familiäre Situation informiert gewesen, geht an der Sache vorbei. Denn es war ja der Beschwerdegegner, der sich in diversen Schreiben an die behandelnden Ärzte gewandt und auf die Eigen- und Fremdgefährdung der Beschwerdeführerin hingewiesen hatte. Nachdem diese keine besonderen Schutzmassnahmen trafen, durfte er weiterhin von einer drohenden Gefahrenlage ausgehen. Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei bereits in einer Klinik untergebracht gewesen, weshalb von ihr keine unmittelbare Gefahr ausgegangen sei. Damit widerspricht sie dem verbindlichen Sachverhalt, wonach der Aufenthalt nur teilstationär war (a.a.O., S. 7 unten). Bei den allgemeinen Erörterungen zur unmittelbaren Gefahr erwähnt die Beschwerdeführerin selbst, dass auch eine Dauergefahr darunter fallen könne. Wenn sie nun geltend macht, es habe keinerlei konkrete Anzeichen für eine bevorstehende Eskalation gegeben, verliert sie ihre eigenen Ausführungen aus den Augen. 2.2 Im Rahmen der Subsidiarität des Notstandeingriffs rügt die Beschwerdeführerin, der Beschwerdegegner hätte die Polizei oder die Tessiner Vormundschaftsbehörde einschalten können anstatt den Kantonsarzt. Dann wäre die Beschwerdeführerin nicht gleichzeitig Gefahr gelaufen, dass ihr die Praxisbewilligung vorsorglich entzogen würde. Nachdem der Beschwerdegegner die behandelnden Ärzte mehrmals vergeblich auf die Selbst- und Fremdgefährdung der Beschwerdeführerin aufmerksam gemacht hatte, durfte er sich an die den Ärzten übergeordnete Stelle, den Kantonsarzt, wenden. Insoweit hat er den "Dienstweg" eingehalten. Hätte er sich an die Polizei oder die zuständige Vormundschaftsbehörde gewandt, hätten diese ihrerseits zunächst einen Arzt beiziehen müssen, was die zu treffenden Massnahmen hinausgezögert hätte. Insoweit hat die Vorinstanz den Beizug des Kantonsarztes zu Recht als erforderliches Mittel beurteilt. Im Übrigen hätte der Kantonsarzt der Beschwerdeführerin die Praxisbewilligung auch vorsorglich entziehen können, wenn er von dritter Seite (Vormundschaftsbehörde/Polizei/einweisender Arzt) von einem fürsorgerischen Freiheitsentzug Kenntnis erhalten hätte.