Citation: 6B_25/2017 E. 4.4

4.4. Die vorinstanzliche Verurteilung wegen gewerbsmässigen Betrugs zum Nachteil des Beschwerdegegners 2 verletzt kein Bundesrecht. Die Vorinstanz hält unter dem Titel der Arglist fest, dass der Beschwerdegegner 2 zwar aufgrund des Hofes, welchen er von den Eltern übernommen und geführt habe, mit der Verwaltung von Geldern in der Höhe von mehreren zehntausend Franken zu tun habe (zu denken sei insbesondere an die Direktzahlungen) und dass er unter diesen Umständen über Buchhaltungskenntnisse verfügen müsse. Es gelte auch zu bedenken, dass ihm die Beschwerdeführerin im Deliktszeitraum von 2011 bis 2014 keine gefälschten Urkunden vorgelegt habe, um ihre Geschichte von den angeblichen Investitionen in Mexiko zu untermauern. Ausserdem habe der Beschwerdegegner 2 kein Geld mehr auf das Konto der Beschwerdeführerin überwiesen (wie dies im bereits rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahren der Fall gewesen sei, WSG I). Er habe ihr sämtliches Geld in bar übergeben. Nicht zu vergessen seien ausserdem die zahlreichen Warnungen, die den Beschwerdegegner 2 aus seinem Umfeld erreicht hätten; er sei von seinen Brüdern, seiner Lebenspartnerin und von einer anderen Geschädigten, E.E.________, gewarnt worden und habe die Geldübergaben vor seiner gesamten Familie verstecken müssen. Dies alles habe ihn dennoch nicht davon abgehalten, der Beschwerdeführerin immer mehr Geld zu geben. Die Vorinstanz erwägt weiter zu Recht, dass aber von der konkreten Situation auszugehen ist, in welcher sich der Beschwerdegegner 2 befand. Er und die Beschwerdeführerin kannten sich zum Zeitpunkt der erneuten Geldübergaben bereits seit fast sieben Jahren. Zwischen ihnen bestand ein Vertrauensverhältnis. Die Beschwerdeführerin täuschte den Beschwerdegegner 2, indem sie unwahre Angaben über den Verwendungszweck des geliehenen Geldes machte. Ihre Angaben sind in doppelter Hinsicht als falsch zu qualifizieren; sie hatte einerseits das Geld aus dem ersten Verfahren WSG I nicht in Mexiko investiert, andererseits hatte sie auch nie beabsichtigt, das Geld aus dem zweiten Verfahren WSG II zu investieren, um das Geld aus dem ersten Verfahren wieder auszulösen. Sie täuschte ihn zudem über ihren Rückzahlungswillen und über ihre Rückzahlungsfähigkeit. Der Beschwerdegegner 2 war ein taugliches Objekt für diese Täuschung. Es war ihm nicht zumutbar, die Angaben der Beschwerdeführerin zu überprüfen. Ihm blieb in der aus seiner Sicht auswegslosen Situation nichts anderes übrig, als der Beschwerdeführerin immer mehr Geld zu geben; für ihn stand klar der Erhalt des elterlichen Bauernhofes im Vordergrund. Er sah die Zahlungen als einzige Möglichkeit, um das zuvor investierte Geld doch noch zurückzuerhalten, um den Hof retten zu können. Die ganze Existenz des Beschwerdegegners 2 hing nachweislich am seidenen Faden - vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass er einfach an die Beschwerdeführerin, an ihre Geschichte von den Investitionen in Mexiko und an das Versprechen, dass sie das gesamte Geld wieder würde erhältlich machen können, glauben musste. Die Vorinstanz weist weiter zutreffend darauf hin, angesichts dieser Situation relativiere sich auch die Tatsache, dass der Beschwerdegegner 2 eigentlich gewusst habe, wie mit Geld umzugehen sei; in dieser Situation sei es ihm offensichtlich nicht mehr möglich gewesen, seine Finanzen zu managen, er sei nicht mehr in der Lage gewesen, klar zu denken und verantwortungsvoll zu handeln. Dass er verzweifelt gewesen sei, dokumentiere auch der SMS-Verkehr zwischen ihm und der Beschwerdeführerin. Um die Hoffnung ihres Opfers auf eine Rückzahlung der gesamten Summe aufrecht zu erhalten, habe sie ihm immer wieder kleinere Beträge zurückbezahlt - offensichtlich mit Erfolg. Auch bei ihm habe die Beschwerdeführerin raffiniert kleine Gesten platziert, um den Beschwerdegegner 2 glauben zu lassen, sie meine es gut mit ihm; so habe sie ihm beispielsweise Hühnerfutter gekauft, als das Geld nicht einmal mehr dafür gereicht habe oder habe ihm Naturheilmittel vorbeigebracht, als sein Vater einen Zeckenbiss gehabt habe. Solche Gesten hätten dazu beigetragen, dass ihre Geschichten auf den Beschwerdegegner 2 noch glaubhafter gewirkt hätten. Ausserdem habe sie es damit geschafft, ihn glauben zu lassen, dass sie beide im selben Boot sitzen würden. Die Vorinstanz kommt zu Recht zum Schluss, dass die Opfermitverantwortung vorliegend nicht greift (Urteil S. 88 ff. E. 17.4).