Citation: 5A_164/2023 E. 2.2.1

2.2.1. Dem zitierten Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Ehefrau wurde, wie im vorliegenden Fall, in einem Scheidungsverfahren zulasten ihres Ehemannes ein Prozesskostenvorschuss zugesprochen. Zuvor hatte sie um unentgeltliche Rechtspflege ersucht. Dieses Gesuch wurde aber mit Hinweis auf die Subsidiarität der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen. Der Prozesskostenvorschuss konnte in der Folge nicht erhältlich gemacht werden; aus dem eingeleiteten Betreibungsverfahren resultierte - nachdem der Ehemann die Schweiz verlassen hatte - einzig ein Verlustschein. Die Ehefrau stellte daher ein (neues) Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, beantragte diese aber bereits ab dem Zeitpunkt des ersten Gesuchs. Das Bundesgericht erwog zusammengefasst, es liege weder ein Fall einer echten Rückwirkung vor, noch habe die Ehefrau das Risiko des Ausfalls des Prozesskostenvorschusses zu tragen. Werde ihr in dieser Situation die unentgeltliche Prozessführung nicht auf den Zeitpunkt ihres ersten Gesuchs gewährt, werde sie schlechter gestellt als eine Person, deren Ehegatte von Anfang an nicht in der Lage ist, einen Prozesskostenvorschuss zu zahlen. Werde ein Armenrechtsgesuch eingereicht, so könne es aber keine Rolle spielen, ob eine provisio ad litem bereits zu diesem Zeitpunkt nicht in Betracht komme, in einem allfälligen späteren Prozess nicht zugesprochen werde oder sich in der Vollstreckung als uneinbringlich erweise. Immer gehe es um dieselbe Situation, nämlich darum, dass der eine Ehegatte dem anderen keinen Prozesskostenvorschuss leisten könne (Urteil 5A_843/2009 vom 23. Februar 2010 E. 4.3 in fine).