Citation: I 997/06 18.12.2007 E. 4

Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung vermag - wie bereits erwähnt - eine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit nur dann zu begründen, wenn auf Grund weiterer Faktoren (ausnahmsweise) auf Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines (Wieder-)Einstiegs in den Arbeitsprozess zu schliessen ist (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.2. S. 354). Dabei steht im vorliegenden Fall auf Grund der nach Lage der Akten zutreffenden und nicht bestrittenen Auffassung des kantonalen Gerichts einzig das Vorliegen einer psychischen Komorbidität von hinreichender Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer zur Diskussion. 4.1 Die Vorinstanz hat hiezu erwogen, gestützt auf die medizinischen Akten sei davon auszugehen, dass die somatoforme Schmerzstörung keine derartige Schwere aufweise, dass der Versicherten - unter Ausschluss der Einschränkungen zufolge psychosozialer und soziokultureller Belastungsfaktoren - die Verwertung ihrer Arbeitskraft nicht möglich wäre. Bezüglich der ebenfalls diagnostizierten Depression habe die behandelnde Psychiaterin gute Therapiefortschritte bestätigt. Das kantonale Gericht sah in den gegebenen Umständen konkrete Anzeichen dafür, dass sich die diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung der Versicherten bzw. deren depressive Komponente bei zumutbarer Willensanstrengung durch die laufende Behandlung positiv beeinflussen lasse und mithin keine langdauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken müsse. Da die Beschwerdeführerin somit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als invalidisierend depressiv zu betrachten sei, sei eine zur somatoformen Schmerzstörung hinzutretende psychische Komorbidität ohne weitere Beweismassnahmen zu verneinen. Damit könne offen bleiben, ob die Versicherte die Anforderungen des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens erfüllt habe. Die Beschwerdeführerin lässt einwenden, aus fachärztlicher Sicht würden sowohl eine somatoforme Schmerzstörung wie auch eine schwere Depression diagnostiziert und dokumentiert. Lediglich der Arzt der Beschwerdegegnerin negiere ohne entsprechende Fachkenntnisse eine erhebliche seelische Erkrankung. Bei dieser Sachlage wäre die Beschwerdegegnerin bzw. die Vorinstanz offensichtlich gehalten gewesen, weitere Beweisabnahmen wie mindestens die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens anzuordnen. Indem eine entsprechende Anordnung unterblieben sei, habe das kantonale Gericht den rechtserheblichen Sachverhalt offensichtlich unvollständig festgestellt und damit Bundesrecht verletzt. 4.2 Die Vorinstanz hat die wesentlichen medizinischen Aussagen aufgelistet, worauf verwiesen werden kann. Hervorzuheben ist, dass eine schwere Depression erstmals im Schlussbericht des Spitals T.________ vom 13. November 2003, wo die Versicherte ab 13. Oktober bis 1. November 2003 hospitalisiert war, diagnostiziert wurde. Der Hausarzt Dr. med. W.________, sprach im Arztbericht vom 2. Dezember 2003 von einer Depression und attestierte der Patientin unter Berücksichtigung der somatoformen Schmerzstörung, der diagnostizierten Chondrosen sowie der Depression eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 13. September 2002. Während im Bericht des Ambulatoriums der Ambulatorium P.________ vom 16. Dezember 2003 aufgrund der somatoformen Schmerzstörung, einer leichten depressiven Episode sowie eines Abhängigkeitssyndroms von Analgetika eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit 13. November 2003 attestiert wurde, umfasste die Diagnose des Spitals T.________ vom 13. Februar 2004 u.a. eine schwere Depression. Am 3. Juni 2004 forderte die IV-Stelle die Versicherte zu einer ärztlich kontrollierten Suchtentwöhnung, zu einer psychiatrischen Behandlung mit einem Antidepressivum sowie zu zweimonatigen Berichten der behandelnden Ärzte auf. Am 9. Juni 2004 diagnostizierte Dr. med. W.________ u.a. wiederum eine Depression, welche zusammen mit den andern Diagnosen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 13. September 2002 zur Folge habe. Er verneinte zudem das Vorliegen einer Sucht. Im Arztbericht vom 4. August 2004 erwähnte das Spital T.________ unter Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Depression. Frau Dr. med. S.________, bei welcher die Versicherte am 6. September 2004 die von der IV-Stelle geforderte Therapie angefangen hatte, bestätigte im Bericht vom 29. November 2004 die Diagnose der somatoformen Schmerzstörung mit starken depressiven Komponenten. Am 31. Januar 2005 erwähnte die behandelnde Psychiaterin gute Fortschritte der Depressionstherapie. Im Zwischenbericht vom 4. April 2005 sodann legte Frau Dr. med. S.________ zunächst dar, dass eine eigentliche Suchtentwöhnung nicht nötig gewesen sei, da die Patientin niemals süchtig gewesen sei und ohne Schwierigkeit die einzigen opiathaltigen Schmerzmittel habe loswerden können. Sie bestätigte zudem die Durchführung einer psychiatrischen Behandlung mit einem Antidepressivum und führte aus, die Patientin habe in ihren Möglichkeiten sämtliche Valenzen ausgenützt. Im Bericht des RAD vom 13. Juni 2005 führte Dr. med. B.________ im Wesentlichen aus, es hätten bereits im Januar 2004 spezialärztlich gesicherte Diagnosen vorgelegen, gemäss welchen die somatoforme Schmerzstörung und die begleitende Depression Bedeutung für die Beurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit gehabt hätten und immer noch hätten. Der Gesundheitsschaden einer somatoformen Schmerzstörung sei jedoch behandelbar, vorausgesetzt, die Patientin wirke bei der Erfüllung der medizinischen Auflagen mit. Im Schreiben vom 16. November 2005 schliesslich führte auch Frau Dr. med. S.________ aus, eine somatoforme Schmerzstörung sei grundsätzlich behandelbar. Gleichzeitig bestätigte sie jedoch auch die Mitwirkung der Versicherten. 4.3 Zur entscheidenden Frage des Vorliegens einer psychischen Komorbidität von hinreichender Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer sowie zur Mitwirkung der Versicherten bei der Behandlung liegen somit sehr unterschiedliche Aussagen von Ärztinnen und Ärzten vor. Während die diesbezüglichen Diagnosen von schwerer Depression über Depression zu einer leichten depressiven Episode lauten, geht die u.a. deswegen attestierte Arbeitsunfähigkeit von 0% bis 100%. Ein psychiatrisches Gutachten liegt nicht vor, fachärztlicherseits lediglich ein Bericht des Ambulatoriums der Ambulatorium P.________ vom 8. Dezember 2003 sowie diverse Verlaufsberichte der behandelnden Psychiaterin Dr. med. S.________, wobei letzteren weder eine genaue Diagnose noch Aussagen zur Arbeitsfähigkeit entnommen werden können. Was die von der IV-Stelle angeordnete Mitwirkung anbelangt, wurde dort zunächst eine ärztlich kontrollierte Suchtentwöhnung verlangt, wohingegen sowohl Dr. med. W.________ wie auch Frau Dr. med. S.________ bestätigten, die Patientin sei nicht süchtig gewesen. Entgegen der Auffassung des RAD bejahte Frau Dr. med. S.________ zudem verschiedentlich die Mitwirkung der Patientin im Rahmen des ihr Möglichen. Zusammenfassend bestehen erhebliche, nicht überzeugend ausgeräumte Widersprüche und Ungereimtheiten in der medizinischen Aktenlage. Die vorhandenen Akten gestatten bei pflichtgemässer Beweiswürdigung nicht die zuverlässige Beurteilung, ob nebst der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ein psychischer Gesundheitsschaden vorliegt, welcher allenfalls im Sinne von BGE 130 V 352 als psychische Komorbidität zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung eine Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermöchte. Immerhin bestehen jedoch v.a. auf Grund der verschiedentlich diagnostizierten schweren Depression Anhaltspunkte dafür, dass die somatoforme Schmerzstörung ausnahmsweise invaliditätsbegründend sein könnte. Indem das kantonale Gericht in antizipierter Beweiswürdigung trotzdem einen zusätzlichen Abklärungsbedarf verneinte, hat es den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig und damit bundesrechtswidrig festgestellt. Die Sache wird daher an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit sie den psychischen Gesundheitszustand der Versicherten umfassend abkläre und anschliessend über den streitigen Leistungsanspruch neu befinde.