Citation: 4C.366/2000 19.06.2001 E. 3

3.-a) In Bezug auf den direkten Schaden macht die Klägerin geltend, sie sei von den Beklagten über die finanziellen Verhältnisse der konkursiten Gesellschaft getäuscht und so veranlasst worden, diese weiter zu beliefern. Dadurch sei ihr ein Schaden entstanden. Das Obergericht ist der Ansicht, das Bestehen eines direkten Schadens könne von vornherein ausgeschlossen werden, denn das Guthaben der Klägerin gegenüber der konkursiten Gesellschaft habe am 17. März 1995 Fr. 1'118'277. 40, am 17. Juli 1995 Fr. 884'166. 30 und schliesslich im Konkurs Fr. 647'111.-- betragen. Die Ausstände der Beklagten hätten sich seit den fraglichen Zusicherungen also nicht vermehrt, sondern vermindert, so dass kein Schaden eingetreten sei. b) Soweit das Obergericht von Ausständen der Beklagten spricht, unterliegt es einem Versehen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG, geht es doch offensichtlich um die Forderungen der Klägerin gegenüber der Aktiengesellschaft. Auch davon abgesehen überzeugt die Argumentation des Obergerichts nicht. aa) Die Bestimmung des Schadens ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung grundsätzlich eine vom kantonalen Richter abschliessend zu beurteilende Tatfrage. Rechtsfrage und vom Bundesgericht im Berufungsverfahren zu prüfen ist einzig, ob der kantonale Richter den Rechtsbegriff des Schadens verkannt oder Rechtsgrundsätze der Schadensberechnung verletzt hat (BGE 120 II 296 E. 3b S. 298 mit Hinweisen). bb) Schaden ist die ungewollte Verminderung des Reinvermögens. Er kann in einer Verminderung der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder in entgangenem Gewinn bestehen und entspricht nach allgemeiner Auffassung der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 127 III 73 E. 4a S. 75 f. mit Hinweisen). Mithin ist die tatsächliche Entwicklung des Vermögens der hypothetischen ohne das schädigende Ereignis gegenüberzustellen. cc) Dass sich die Schuld der Aktiengesellschaft gegenüber der Klägerin im massgeblichen Zeitraum verringerte, bedeutet für diese zwar eine günstige Entwicklung. Wie sich ihr Vermögen ohne das schädigende Ereignis, das heisst ohne die behaupteten Falschauskünfte, gestaltet hätte, wird im angefochten Entscheid indessen nicht beschrieben. Fehlen aber Feststellungen zum hypothetischen Vermögensstand, ist dem Bundesgericht nicht möglich zu beurteilen, ob ein Schaden entstanden ist. Indem das Obergericht ausschliesslich die reale Vermögensentwicklung betrachtete, hat es den bundesrechtlichen Schadensbegriff verkannt. Daher ist die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts bezüglich des unmittelbaren Schadens an das Obergericht zurückzuweisen, wobei es allfällige Vorteile, welche der Klägerin durch die Fortführung der Geschäftsbeziehungen erwuchsen, in die Berechnung einzubeziehen haben wird. Die Feststellungen zum hypothetischen Vermögensstand der Klägerin werden unabhängig davon zu treffen sein, ob den Beklagten in Bezug auf die getroffenen Sanierungsmassnahmen ein Vorwurf gemacht werden kann. Der Anspruch auf Ersatz eines allfälligen unmittelbaren Schadens bestimmt sich nämlich unabhängig vom Bestehen eines mittelbaren Schadens. Der unmittelbare Schaden misst sich an der hypothetischen Vermögenslage der Klägerin bei richtiger Auskunft, der mittelbare an der Vermögenslage der Gesellschaft bei rechtzeitiger Benachrichtigung des Richters.