Citation: U 149/02 11.11.2002 E. 5

5.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt weiter einen adäquaten Kausalzusammenhang voraus. Hat die versicherte Person ein Schleudertrauma der HWS, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten, muss beurteilt werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen (vgl. dazu: BGE 119 V 338 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b) zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung die in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze massgebend; andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b festgelegten Kriterien (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb; vgl. auch RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79). 5.2 Die Vorinstanz gelangte aufgrund einer eingehenden Würdigung der ärztlichen Berichte zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Einspracheentscheids die psychische Problematik über die somatischen Unfallfolgen dominierte. Dem ist beizupflichten. Bereits wenige Monate nach dem Unfall traten psychische Beschwerden in den Vordergrund. Die Neurologin Frau Dr. med. H.________ stellte bei der Untersuchung vom 6. Juli 1998 fest, dass gegenüber den somatischen Beschwerden mit Sicherheit eine posttraumatische Stressreaktion bzw. Anpassungsstörung dominieren. Eine posttraumatische Stresskrankheit (andauernde unfallfolgende psychische Schockreaktion) und eine depressive Entwicklung diagnostizierte auch die Psychiaterin Frau Dr. med. B.________ (Bericht vom 11. Mai 1999). Depressive Züge stellten sodann auch Dr. med. K.________ und Dr. med. M.________ fest (Berichte vom 13. April 1999 und 14. Februar 2000). Wie die Versicherte gegenüber Dr. med. M.________ angab, war sie ausschliesslich in psychologischer Therapie, wogegen die physischen Schmerzen nicht mehr weiter therapiert wurden. Dr. med. G.__________, bei dem sie sich derzeit offenbar wieder wegen der Schmerzproblematik in Behandlung befindet, stellte schon im Frühjahr 1998 fest, dass die Schulter- und HWS-Beschwerden im Gegensatz zum labilen psychischen Zustand keiner weiteren Behandlung bedürften. Wäre er nicht der Ansicht gewesen, dass die psychischen Beschwerden die somatischen Schmerzen gänzlich überlagerten, hätte er sich nicht darauf beschränkt, die Versicherte in psychiatrische Behandlung zu überweisen und auf eine Therapie der physischen Beeinträchtigungen verzichtet. Da somit die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen im Vergleich zur ausgeprägten psychischen Problematik völlig im Hintergrund stehen, ist die Beurteilung des für die Leistungspflicht der SUVA als Unfallversicherer vorausgesetzten adäquaten Kausalzusammenhangs unter dem Gesichtswinkel einer psychogenen Fehlentwicklung vorzunehmen (vgl. Erw. 5.1). 5.3 Zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist erforderlich, dass der Unfall objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit andern Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - folgende Einteilung vorgenommen wird: banale bzw. leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits, und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich. Bei leichten Unfällen, wie z.B. einem gewöhnlichen Anschlagen des Kopfes, kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und nachfolgenden Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Folgen in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, entsprechende Gesundheitsschäden zu bewirken. Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht auf Grund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folgen davon erscheinen, sind in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa). Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht wird. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, welche möglicherweise die nach einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung aufgetretenen Beschwerden mitbegünstigt haben könnten. 5.4 Nach der in RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 ff. enthaltenen Übersicht wurden in der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts als schwere Unfälle etwa qualifiziert: Eine Frontalkollision, bei welcher der Versicherte schwere Verletzungen erlitt und ein anderer Fahrzeuginsasse starb (nicht veröffentlichtes Urteil I. vom 15. Dezember 1994, U 145/94), der Zusammenstoss einer Autofahrerin mit einem Zug mit Verlust des Unterschenkels (nicht veröffentlichtes Urteil T. vom 13. Dezember 1994, U 141/94), ein Unfall auf der Autobahn mit schweren Verletzungen (nicht veröffentlichtes Urteil A. vom 11. Januar 1990, U 77/89) sowie der Fall eines Arbeiters, der von einem mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h vorbeifahrenden Lastwagen am Kopf getroffen und weggeschleudert wurde und dabei eine schwere Commotio cerebri erlitt (nicht veröffentlichtes Urteil F. vom 17. Oktober 1989, U 53/86). Im Lichte dieser Rechtsprechung kann der hier zur Diskussion stehende Unfall aufgrund des Hergangs und der erlittenen Verletzungen nicht als schwer qualifiziert werden. Das subjektive Empfinden der Beschwerdeführerin fällt dabei ausser Betracht, da nicht das Unfallerlebnis, sondern das objektivierte Unfallereignis massgebend ist (BGE 117 V 366 Erw. 6a). Aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs handelt es sich bei der Kollision vom 17. Oktober 1997, wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, um einen Unfall im mittleren Bereich. Dies ergibt sich einerseits aus der Kollisionsgeschwindigkeit, welche nach Angaben der Beschwerdeführerin etwa 30 bis 40 km/h betrug (vgl. Bericht der SUVA-Abklärungsperson vom 28. April 1999 sowie die diesbezüglichen Nachträge und Korrekturen der Versicherten, welche die Geschwindigkeitsangabe unberührt liessen). Anderseits ist auch aus den Fotografien vom Unfallhergang ersichtlich, dass bei den beteiligten Fahrzeugen zwar kein Bagatellschaden entstand, es aber auch an schweren Beschädigungen fehlt. Überdies ist zu beachten, dass der Mitfahrer der Versicherten beim Unfall keine Verletzungen erlitt und - obwohl er nicht angegurtet war - den Aufprall aus eigener Kraft abzufangen vermochte. Dass er sich dabei eine Zerrung am Bein zugezogen hat, wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebracht wird, lässt sich den Akten nicht entnehmen, vermöchte aber hinsichtlich der Einordnung des Unfallgeschehens ohnehin nichts zu ändern. Von weiteren Beweiserhebungen zum Unfallgeschehen ist abzusehen, da davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. Insbesondere könnte auch bei einer grösseren Aufprallgeschwindigkeit als 30 bis 40 km/h kein schwerer Unfall angenommen werden, zumal die Beschwerdeführerin unbestrittenerweise im Kollisionszeitpunkt mit weniger als 60 km/h unterwegs war und es dem Unfallgeschehen sowohl an einer besonderen Eindrücklichkeit als auch an besonders dramatischen Begleitumständen fehlt (vgl. Urteil P. vom 15. Dezember 2000, U 105/00). 5.5 Damit die Adäquanz des Kausalzusammenhangs bejaht werden könnte, wäre daher erforderlich, dass eines der unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder die massgebenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären. Wie die Vorinstanz festgehalten hat, trifft dies vorliegend nicht zu. Es kann auf die in allen Teilen zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden.