Citation: 1P.382/2006 06.07.2006 E. 4

Die Beschwerdeführerin wendet sich gegen die Annahme von Kollusionsgefahr. 4.1 Kollusion bedeutet insbesondere, dass sich der Angeschuldigte mit Zeugen, Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitangeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst, oder dass er Spuren und Beweismittel beseitigt. Die strafprozessuale Haft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Angeschuldigte die Freiheit dazu missbraucht, die wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhaltes zu vereiteln oder zu gefährden. Die theoretische Möglichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren könnte, genügt indessen nicht, um die Fortsetzung der Haft unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Anhaltspunkte für Kollusionsgefahr sprechen. Diese können sich nach der Rechtsprechung namentlich ergeben aus der Stellung und den Tatbeiträgen des Angeschuldigten im Rahmen des untersuchten Sachverhaltes oder aus den persönlichen Beziehungen zwischen ihm und den ihn belastenden Personen. Bei der Frage, ob im konkreten Fall eine massgebliche Beeinträchtigung des Strafverfahrens wegen Verdunkelung droht, ist auch der Art und Bedeutung der von Beeinflussung bedrohten Aussagen bzw. Beweismittel, der Schwere der untersuchten Straftaten sowie dem Stand des Verfahrens Rechnung zu tragen (BGE 132 I 21 E. 3.2 S. 23 f. mit Hinweisen). 4.2 Der Haftrichter bejahte Kollusionsgefahr, weil der Fall grundsätzlich in den Zuständigkeitsbereich des Geschworenengerichts falle, vor dem wegen des Unmittelbarkeitsprinzips der Zeuge erneut einvernommen werden müsse (vgl. § 232 ff. StPO/ZH). Auch indirekte oder Umfeld-Zeugen könnten Wesentliches zur Urteilsfindung beitragen, Kontaktnahmen zwischen der Beschwerdeführerin und sämtlichen Zeugen seien zu verhindern. Zudem stehe das am 8. Februar 2006 in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten noch aus. Gemäss Verfügung des Haftrichters vom 7. Dezember 2005 besteht Kollusionsgefahr bezüglich des Zeugen C.________, da dessen Aussagen wesentlich von jenen der Beschwerdeführerin abwichen, die beiden während längerer Zeit ein Verhältnis unterhalten hätten und sie ihn am Morgen des 5. September 2005 nach der Tat an seinem Wohnort aufgesucht habe. 4.3 Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschwerdeführerin eine vorsätzliche Tötung vor, die mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft wird (Art. 111 StGB). Im Falle einer Verurteilung droht der Beschwerdeführerin somit eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Für die Strafbarkeit bedeutsam ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin eine Tötung oder Verletzung ihres Ehemannes beabsichtigte. Dafür können die Aussagen von C.________ bedeutsam sein. Seine Aussagen finden sich in den Einvernahmeprotokollen vom 5. September 2005 (Frage 2) und vom 14. Dezember 2005 (Seite 6). Ihr Einwand vor Bundesgericht, seine Aussagen wichen nicht entscheidend von ihren eigenen ab, trifft nicht zu, da sie gegenüber der Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft die Aussagen von C.________ bestritten hat (Einvernahmeprotokolle vom 20. September 2005, Frage 109 f., und vom 10. November 2005, Seite 10). Die frühere Beziehung mit C.________, der Besuch am Morgen des 5. September 2005 und die Bedeutung seiner Aussage für die Beurteilung der Motivlage und Strafbarkeit der Beschwerdeführerin stellen konkrete Anhaltspunkte für die Befürchtung dar, die Beschwerdeführerin könnte angesichts der empfindlichen Strafdrohung in Freiheit auf ihn einwirken, um den Ausgang des Verfahrens zu beeinflussen. Der Haftrichter hat die Verfassung nicht verletzt, indem er hinsichtlich des Zeugen C.________ Kollusionsgefahr annahm. 4.4 Die Beschwerdeführerin macht einerseits geltend, die Aussagen des Zeugen C.________ seien widersprüchlich, andererseits habe sie ihm gegenüber keine Veranlassungen zu Kollusionshandlungen, da seine Aussagen nicht entscheidend von ihren eigenen Aussagen abwichen und da jenen im Hinblick auf die gerichtliche Beurteilung keine entscheidende Bedeutung zukomme. Die Beziehung zwischen der Beschwerdeführerin und dem Zeugen C.________ sei seit Mai 2005 beendet und sie seien sich - ausser am 5. September 2005 - nur einmal zufällig begegnet. Da sie nach der Haftentlassung zu ihren Eltern nach Bassersdorf ziehen werde, seien weitere Begegnungen mit C.________ in Zürich höchst unwahrscheinlich. Da er bereits zweimal als Zeuge ausführlich einvernommen worden sei und seine Aussagen bestätigt habe, sei eine Beeinflussung im Hinblick auf eine allfällige weitere Einvernahme vor Geschworenengericht nicht denkbar. In Bezug auf weitere, noch zu befragende Personen, sei keine Kollusionsgefahr ersichtlich. 4.5 Da die Kollusionsgefahr hinsichtlich des Zeugen C.________ ausreicht, kann offen bleiben, ob sie auch hinsichtlich weiterer Zeugen besteht und ob der weitere Haftgrund der Fluchtgefahr gegeben wäre.