Citation: 2C_218/2016 E. 3.2.2

3.2.2. Nach Art. 77 Abs. 4 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 142.201) liegt eine erfolgreiche Integration im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG vor, wenn die Ausländerin oder der Ausländer namentlich die rechtsstaatliche Ordnung und die Werte der Bundesverfassung respektiert (lit. a) und den Willen zur Teilnahme am Wirtschaftsleben und zum Erwerb der am Wohnort gesprochenen Landessprache bekundet (lit. b). Nach Art. 4 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die Integration von Ausländerinnen und Ausländern (VIntA; SR 142.205) zeigt sich der Beitrag der Ausländerinnen und Ausländer zu ihrer Integration namentlich in der Respektierung der rechtsstaatlichen Ordnung und der Werte der Bundesverfassung (lit. a), im Erlernen der am Wohnort gesprochenen Landessprache (lit. b), in der Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen in der Schweiz (lit. c) sowie im Willen zur Teilnahme am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (lit. d). Das Bundesgericht hat festgehalten, dass das Adverb "namentlich", welches sowohl in Art. 77 Abs. 4 VZAE wie auch in Art. 4 VintA verwendet wird, auf den nicht ausschliesslichen Charakter der in diesen Bestimmungen aufgezählten Kriterien hinweist (Urteile 2C_175/2015 vom 30. Oktober 2015 E. 2.2; 2C_749/2011 vom 20. Januar 2012 E. 3.2). Bei einer ausländischen Person, die in der Schweiz beruflich integriert ist und eine feste Anstellung hat, die finanziell unabhängig ist, sich korrekt verhält und die örtliche Sprache beherrscht, bedarf es ernsthafter besonderer Umstände, um eine erfolgreiche Integration zu verneinen (Urteile 2C_175/2015 vom 30. Oktober 2015 E. 2.3; 2C_749/2011 vom 20. Januar 2012 E. 3.3). Nicht erforderlich ist eine besonders qualifizierte berufliche Karriere (Urteil 2C_430/2011 vom 11. Oktober 2011 E. 4.2). Auch das Fehlen besonders enger sozialer Beziehungen schliesst für sich allein eine erfolgreiche Integration nicht aus, ebenso wenig das Fehlen von Vereinsmitgliedschaften (Urteil 2C_839/2010 vom 25. Februar 2011 E. 7.1.2). Geringfügige Strafen schliessen eine Integration nicht aus (Urteile 2C_65/2014 vom 27. Januar 2015 E. 3.2; 2C_749/2011 vom 20. Januar 2012 E. 4.3). Keine erfolgreiche Integration liegt aber vor, wenn eine Person kein Erwerbseinkommen erwirtschaften kann, welches ihren Konsum zu decken vermag, und sie während einer substantiellen Zeitdauer von Sozialleistungen abhängig war; jedenfalls wenn sich diese Situation nicht hinreichend verbessert (Urteile 2C_175/2015 vom 30. Oktober 2015 E. 2.3; 2C_298/2014 vom 12. Dezember 2014 E. 6.3 und 6.4.2 in fine). Ein Indiz gegen eine erfolgreiche Integration ist zudem der Umstand, dass das gesellschaftliche Leben einer ausländischen Person primär mit Angehörigen derselben Nationalität gepflegt wird (Urteile 2C_748/2014 vom 12. Januar 2015 E. 3.2; 2C_546/2010 vom 30. November 2010 E. 5.2.4). Bei der Auslegung des Rechtsbegriffs der erfolgreichen Integration kommt der Vorinstanz ein Beurteilungsspielraum zu, in welchen das Bundesgericht nur mit Zurückhaltung eingreift (Urteile 2C_151/2015 vom 10. Februar 2016 E. 3.2.1; 2C_748/2014 vom 12. Januar 2015 E. 3.2). 3.2.2.1. Gemäss der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung ist die Beschwerdeführerin erst seit dem 1. Juli 2012 erwerbstätig. Sie arbeitet im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms mit einem Arbeitspensum von 75% bei der Zentralwäscherei. Dabei erzielt sie ein monatliches Einkommen von rund Fr. 960.--. Ergänzend wird sie von der Wohnortgemeinde mit finanziellen Leistungen unterstützt. Diese dürften sich gemäss der Vorinstanz bei einem Verbleib der Beschwerdeführerin in der Schweiz massiv erhöhen, da sie eigenen Aussagen zufolge beabsichtige, nach einem für sie positiven ausländerrechtlichen Entscheid eine eigene Wohnung auf Kosten der Sozialhilfe zu beziehen und aus dem Haushalt ihres Sohnes auszuziehen; die Fürsorge habe ihr eine eigene Wohnung mit einer monatlichen Miete von bis zu Fr. 1'100.-- zugesichert. Nachdem ihr Ehemann in den Strafvollzug versetzt worden war, hat die Beschwerdeführerin für sich und ihre damals noch minderjährige Tochter vom 1. Oktober 2003 bis zum 30. Juni 2006 Sozialhilfe im Betrag von rund Fr. 55'000.-- bezogen. Von Mai bis August 2007 wurden sie mit insgesamt rund Fr. 1'400.-- unterstützt, danach verzichtete sie auf Sozialhilfeleistungen, da sie sich offenbar nicht beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum habe anmelden wollen. Seit März 2011 bezieht sie erneut Fürsorgegelder, wobei die Unterstützungsleistungen nur noch der Deckung ihres persönlichen Grundbedarfs dienen und bis zum 11. November 2013 ca. Fr. 57'500.-- betrugen. Die Beschwerdeführerin hat demnach im Zeitraum vom 1. Oktober 2003 bis zum 11. November 2013 (mit Unterbrüchen) Sozialhilfeleistungen im Umfang von total rund Fr. 112'500.-- bezogen. 3.2.2.2. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, als alleinerziehende Mutter nicht früher Gelegenheit gehabt zu haben, sich wirtschaftlich zu integrieren und ihre Bereitschaft zur Teilnahme am Wirtschaftsleben für die gute Integration genügen müsse, ist ihr entgegen zu halten, dass die Vorinstanz diesen Umstand sehr wohl berücksichtigt hat. Sie hat in ihre Beurteilung miteinbezogen, dass die Beschwerdeführerin wegen der Straffälligkeit ihres Ehemanns die noch minderjährigen Kinder alleine zu betreuen hatte. Unter Bezugnahme auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Eigenversorgungskapazität des betreuenden Elternteils nach Scheidung einer lebensprägenden Ehe befand sie aber, der Beschwerdeführerin wäre es bereits zum Zeitpunkt ihrer zweiten Einreise in die Schweiz im August 2000 (vor der Inhaftierung des Ehemannes), als die jüngste Tochter bereits 10-jährig war, zumutbar gewesen, im Umfang von 50% einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Anzufügen bleibt, dass das Bundesgericht im Bereich des Ausländerrechts nicht die scheidungsrechtliche Praxis anwendet, sondern die sozialversicherungs- und sozialhilferechtliche Betrachtungsweise beizieht, wonach auch einer alleinerziehenden Person grundsätzlich bereits ab etwa dem 3. Altersjahr des Kindes zumindest eine teilweise Erwerbstätigkeit zugemutet wird (vgl. Urteile 2D_12/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.7.3; 2C_320/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 4.3.3; 2C_1228/2012 vom 20. Juni 2013 E. 5.4). Der Beschwerdeführerin wäre angesichts des Alters ihrer Kinder schon seit längerem zumindest eine Teilzeitbeschäftigung zumutbar gewesen. Sie hat sich jedoch selbst dann nicht ernsthaft um Aufnahme einer Arbeit bemüht, als das Migrationsamt sie im September 2006 aufgefordert hatte, alles daran zu setzen, eine Arbeit zu finden und ihren Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln zu bestreiten, andernfalls sie mit ausländerrechtlichen Konsequenzen bis hin zum Verlust der Aufenthaltsbewilligung zu rechnen habe. Die Argumentation, wegen der Erziehungspflichten nicht gearbeitet zu haben, überzeugt daher nicht. Es ist somit nicht ersichtlich, inwiefern sich die Beschwerdeführerin in absehbarer Zeit von der Sozialhilfeunterstützung wird lösen können. 3.2.2.3. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen keine weiteren Nachweise vor, die für eine gelungene Integration sprechen würden. Gemäss Vorinstanz ist nicht ersichtlich, wie gut sie die deutsche Sprache beherrscht. Anlässlich der Einvernahme durch die Ausländerbehörde habe jedenfalls die Tochter die Fragen vielfach übersetzen und teils auch selber beantworten müssen. Auch legt die Beschwerdeführerin nicht dar, inwiefern sie in die hiesige Gesellschaft sozial integriert sei und Beziehungen zu Personen - abgesehen von den hier lebenden Familienangehörigen - in der Schweiz pflege. Sie kann somit nicht als erfolgreich integriert im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG gelten.