Citation: 1B_627/2022 E. 4.8

4.8. Die Beschwerdeführerin wendet schliesslich noch ein, sie habe am 24. Oktober 2022, nach erfolgter Einsicht in die aufbereiteten triagierten Dateien, dem ZMG Geschäftsgeheimnisse gemeldet und beantragt, auch diesbezüglich noch - nachträglich - eine Triagierung durchzuführen. Es kann offen bleiben, ob es sich dabei um unzulässige Noven handelt bzw. ob es der Beschwerdeführerin oblegen hätte, solche Vorbringen vor Abschluss der sehr aufwändigen, mehrstufigen Triagierung einzureichen und nicht erst wenige Tage vor Erlass des angefochtenen Entsiegelungsentscheides. Selbst wenn sie diesbezüglich ihrer Substanziierungs- und Mitwirkungsobliegenheit rechtzeitig nachgekommen wäre, überwiegen die von ihr angedeuteten "Geschäftsgeheimnisse" jedenfalls das Strafverfolgungsinteresse nicht (vgl. Art. 264 Abs. 1 lit. b StPO) : Die Beschwerdeführerin bezeichnet als dem Geheimnisschutz unterliegend geschäftliche Vorgänge wie "Kauf- und Verkaufsaufträge", Diskussionen betreffend Preisbildung und Produktion oder Unterlagen zu Qualitätssicherung, Marktanalysen oder strategischen Analysen. Dem Privatgeheimnisschutz unterlägen solche Informationen sowohl über sie selbst als auch über die anderen Gesellschaften ihre Unternehmensgruppe. Ein öffentliches Interesse bzw. ein Interesse der Staatsanwaltschaft an der Entsiegelung sei diesbezüglich nicht erkennbar. Dieser Argumentation ist nicht zu folgen. Die von der Beschwerdeführerin genannten Informationen betreffen zwar Geschäftsvorgänge, die durchaus einer allgemeinen unternehmerischen Diskretion unterliegen. Hochsensible Geschäfts- oder Fabrikationsgeheimnisse im engeren Sinne, von denen die Strafbehörden - etwa zum Schutz des wirtschaftlichen Fortkommens der Beschwerdeführerin - zum Vornherein keine Kenntnis erhalten dürften, werden jedoch nicht dargetan. Hinzu kommt, dass es sich bei der Beschwerdeführerin zwar nicht um eine förmlich beschuldigte Person handelt; sie, ihre Organe und andere Gesellschaften ihrer Unternehmensgruppe sind jedoch in die zu untersuchenden Vorgänge stark involviert. Zudem bilden hier massive Vorwürfe von Wirtschaftskriminalität Gegenstand der Strafuntersuchung. Nach den Darlegungen der kantonalen Strafbehörden besteht gegen den Beschuldigten ein hinreichender Tatverdacht der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB). Dabei handelt es sich um ein mutmassliches Verbrechen, das mit Freiheitsstrafe von einem bis zu fünf Jahren bedroht ist. Auch Misswirtschaft stellt ein Verbrechen dar und wird (im Falle einer Verurteilung) mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 165 Ziff. 1 StGB). Der mutmassliche Deliktsbetrag betrage USD 70 Mio. An der Aufklärung der mutmasslichen Delikte besteht folglich ein erhebliches und überwiegendes öffentliches Interesse. Der Befürchtung der Beschwerdeführerin, die Privatklägerin könnte als Konkurrentin Einsicht in hochwertige Geschäftsgeheimnisse erhalten, kann nötigenfalls noch mit begründeten Anträgen auf Beschränkung der Akteneinsicht ausreichend und rechtzeitig Rechnung getragen werden (vgl. Art. 102 Abs. 1 Satz 2 StPO). Weder ein solches Begehren noch ein Akteneinsichtsgesuch der Privatklägerin bilden Gegenstand des angefochtenen Entscheides. Bei dieser Sachlage bilden auch die von der Beschwerdeführerin angerufenen privaten Geheimnisinteressen kein Entsiegelungshindernis (Art. 248 Abs. 1 i.V.m. Art. 264 Abs. 1 lit. b StPO).