Citation: I 65/02 13.09.2002 E. 4

4.1 Soweit die Vorinstanz ihren Entscheid, wonach keine psychisch bedingte Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit vorliegt, mit der Verbesserungsfähigkeit bzw. Behandelbarkeit der psychischen Beschwerden zu begründen scheint, hält dies vor Bundesrecht nicht stand. Nach der in BGE 127 V 294 ff. dargelegten Rechtsprechung schliesst die (prognostische) Behandel- bzw. Therapierbarkeit einer psychischen Störung weder deren Krankheitswert noch das Bestehen einer anspruchsbegründenden Invalidität aus. Die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente setzt einzig eine während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch andauernde Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40 % (Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG) sowie eine anschliessende rentenerhebliche Erwerbsunfähigkeit voraus (vgl. Art. 28 Abs. 1bis und 1ter IVG, Art. 27 Abs. 2 IVG oder Art. 5 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 28 Abs. 3 IVG und Art. 27 f. IVV). Entscheidend ist dabei die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern dem Versicherten trotz seines Leidens die - nach dem Grundsatz der Selbsteingliederung und der Schadenminderungspflicht verlangte - Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit auf dem ihm nach seinen Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozialpraktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE 127 V 297 Erw. 4b/cc und 4c mit Hinweisen). 4.2 Was die medizinische Aktenlage betrifft, gilt es festzustellen, dass mehrere Hinweise für eine psychogene Störung vorliegen. So stellt der SUVA-Kreisarzt Dr. med. K.________ in seinem Abschlussbericht vom 23. Mai 2000 eine "somatoforme Symptomausweitung mit psychogener Überlagerung bei Fehlverarbeitung des Unfalls" fest. Der Hausarzt Dr. med. H.________ weist im Bericht an die IV-Stelle vom 9. September 2000 darauf hin, dass sich durch die Untätigkeit und "Nutzlosigkeit" eine zunehmende depressive Verstimmung entwickelt habe, welche sich sehr ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirke. Wesentlich beeinflusst werde dieser Zustand zudem durch Partnerschaftsprobleme mit seiner seit Jahren invaliden Ehefrau. In der neuesten Stellungnahme vom 20. Januar 2001 bestätigt Dr. med. H.________ die Entwicklung einer ausgeprägten depressiven Verstimmung und Veränderung der Persönlichkeit. Zwar ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass trotz des längeren stationären Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Klinik X.________ im Austrittsbericht vom 23. Februar 2000 kein Hinweis auf psychische Störungen zu finden ist. Hingegen lässt dies - insbesondere bei der aufgezeigten medizinischen Ausgangslage - nicht ohne weiteres auf deren Nichtvorhandensein schliessen. So wurde einerseits nicht explizit danach gefragt; zudem bestand zu diesem Zeitpunkt noch Hoffnung, beim bisherigen Arbeitgeber eine angepasste Tätigkeit zu finden. Überdies sind die tatsächlichen Verhältnisse zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweisen) massgebend, und - wie der Beschwerdeführer zu Recht vorträgt - können ein schwieriger Heilungsverlauf sowie erfolglose Operationen zu psychischen Fehlentwicklungen führen. Die verwaltungsinternen Stellungnahmen der IV-Stellenärztin vermögen den Verzicht auf eine psychiatrische Begutachtung ebenfalls nicht zu rechtfertigen (zum Beweiswert eines Arztberichts vgl. BGE 122 V 160 Erw. 1c mit Hinweisen). Angesichts der bestehenden medizinischen Aktenlage kann nicht zuverlässig beurteilt werden, ob ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter psychischer Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Versicherten vorliegt. Insofern ist der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht unzureichend abgeklärt, weshalb die Sache zur dahingehenden Prüfung unter Einholung eines psychiatrischen Gutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen ist (vgl. zu den Anforderungen an eine psychiatrische Begutachtung AHI 2000 S. 152 f. Erw. 2c mit Hinweisen). Diese wird anschliessend über den Leistungsanspruch neu verfügen.