Citation: 5P.162/2000 20.07.2000 E. 6

6.- Für die güterrechtliche Auseinandersetzung sind vor allem die Gutschriften und Belastungen auf dem Kontokorrentkonto des Beschwerdeführers bzw. seines Hotelbetriebes entscheidend gewesen. Das Kantonsgericht hat diese anhand eines - offenbar von der Beschwerdegegnerin verfassten und dem Plädoyer beigelegten - Auszugs zurückverfolgt. Der Beschwerdeführer erhebt diesbezüglich verschiedene Rügen. Erneut muss darauf hingewiesen werden, dass im Rahmen der Berufung zu beantworten sein wird, welche Grundsätze für die Bewertung von Vermögensgegenständen (z.B. BGE 125 III 50 E. 2 S. 53), die Berechnung von Ersatzforderungen (z.B. BGE 125 III 1 E. 4 S. 3), die Zuordnung von Liegenschaften und die Aufteilung von auf Drittkredite entfallenden Mehr- oder Minderwerten (z.B. BGE 123 III 152 E. 6 S. 156) usw. gelten, währenddem Tatsachenfeststellungen betreffen der erfolgte Einsatz der Mittel (z.B. BGE 109 II 92 E. 2 S. 93), die durch Investitionen bewirkten Wertvermehrungen (z.B. BGE 96 II 305 E. 1a S. 308) oder die betragsmässige Höhe der einzelnen Vermögensmassen (z.B. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Dezember 1995, E. 4a, in: SJ 1996 S. 463). Unter diesem Blickwinkel zulässig ist die Rüge des Beschwerdeführers, das Kantonsgericht habe sich mit seinen Vorbringen insbesondere über die Verwendung der Mittel nicht auseinandergesetzt; seine Ausführungen würden im Urteil zwar teilweise wiedergegeben (E. 3a S. 18), doch werde in den Erwägungen darauf nicht näher eingegangen (E. 3b S. 19 ff.). Den verwiesenen Stellen im zu den Akten genommenen Plädoyer kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer sich ausführlich mit den güterrechtlichen Fragen befasst und seinen Standpunkt dargelegt hatte (S. 6 ff.). Indem das Kantonsgericht in seiner Urteilsbegründung darauf nicht erkennbar - nicht wenigstens auf die wesentlichen rechtlichen Einwände und tatsächlichen Behauptungen - eingegangen ist, hat es den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt (BGE 112 Ia 1 E. 3c S. 3 und 107 E. 2b S. 109; zuletzt: BGE 124 II 146 E. 2a S. 149 und BGE 124 V 180 E. 1a S. 181 mit Hinweisen). Eine Auseinandersetzung mit seinen Vorbringen ist insbesondere unterblieben, was die behaupteten Ersatzforderungen des Eigenguts gegen die Errungenschaft angeht. Dazu heisst es in der Zusammenfassung der Parteistandpunkte ohne weitere Präzisierung lediglich, der Errungenschaft "stünden weitere Ersatzforderungen des Eigengutes des Berufungsbeklagten (heute: Beschwerdeführers) gegenüber" (E. 3a S. 18 des angefochtenen Urteils), und es fällt auf, dass in der eigentlichen Auseinandersetzung Eigengut einfach ohne Abklärung von Betrag und Verwendungszweck verbraucht, Errungenschaft hingegen immer wieder zur Schuldentilgung usw. eingesetzt worden sein soll (z.B. E. 3b S. 21 des angefochtenen Urteils). Auf die Bestreitung der Lebenshaltungskosten und auf die vom Beschwerdeführer dazu entwickelte Theorie wird nicht erkennbar eingegangen (S. 10 Ziffern 2 und 3 der Plädoyernotizen). Eine sorgfältige Prüfung der Vorbringen und Einwände des Beschwerdeführers wäre umso angezeigter gewesen, als das Kantonsgericht die vom Bezirksgericht gewählte Saldomethode verworfen und die gesamte güterrechtliche Auseinandersetzung neu durchgeführt hat. Unter diesen Umständen und angesichts der Komplexität, die güterrechtlichen Auseinandersetzungen regelmässig eignet, mag sich fragen, ob selbst in zweiter Instanz nicht tunlicher Sachverhaltsfeststellung und rechtliche Erwägungen getrennt und zu Gunsten der Klarheit und eines besseren Verständnisses damit eine gewisse Schwerfälligkeit und Wiederholung in Kauf genommen würde, statt nach einer kurzen Einführung in den Sachverhalt die einzelnen Angriffs- und Verteidigungsmittel direkt anzuführen und gleich zu erledigen, was zwar die natürlichere Darstellung des Streitfalls liefert, aber auch grössere Anforderungen an den Verfasser der Urteilsbegründung stellt (vgl. noch Leuch, Die Zivilprozessordnung für den Kanton Bern, 3.A. Bern 1956, Nachdruck 1985, N. 3 zu Art. 204 ZPO, a.E.). Wenn eine Anhörung des Beschwerdeführers vor Erlass des Urteils als unerlässlich bejaht wird, versteht es sich von selbst, dass der Richter nicht nur Gelegenheit zur Äusserung zu geben hat, sondern verpflichtet ist, das Vorgebrachte zu prüfen (BGE 87 I 100 E. 7 S. 110, letzter Absatz). Unklar bleibt, ob und inwiefern das Kantonsgericht das Äusserungsrecht des Beschwerdeführers einschränken wollte, wenn es dessen Vorbringen (teilweise) wiedergegeben, dann aber angefügt hat: "Die Argumentationsweise des Berufungsbeklagten (heute: Beschwerdeführers) darf nicht darüber hinweg täuschen, dass er das vorinstanzliche Urteil nicht angefochten hat und dieses für ihn mithin verbindlich ist" (E. 3a S. 18 des angefochtenen Urteils). Sollte damit eine über das - von ihm nicht angefochtene - Dispositiv des bezirksgerichtlichen Urteils hinausgehende Verbindlichkeit gemeint sein, liefe die Auffassung unbestrittenen prozessrechtlichen Grundsätzen zuwider (zur Rechtskraft letztmals: BGE 123 III 16 E. 2a S. 18 mit Hinweis) und wäre deshalb willkürlich (zuletzt: BGE 125 I 166 E. 2a S. 168 mit Hinweis). Vom Verfahren her gewährleistet Art. 227 Abs. 1 ZPO/GR, wonach die Parteien in den ihnen zustehenden Vorträgen an der Berufungsverhandlung nicht auf das vor erster Instanz Vorgetragene beschränkt sind, dass der Berufungsbeklagte nebst der Widerlegung der Berufungsgründe auf zusätzliche oder andere Gründe hinweisen darf, die den angefochtenen Entscheid stützen und seiner Abänderung entgegenstehen, selbst wenn die Berufungsgründe gebilligt werden sollten (z.B. für die Berufungsantwort vor Bundesgericht: Poudret/Sandoz-Monod, COJ II, N. 3.3 zu Art. 59/61 OG, S. 491; Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Zürich 1992, N. 116 S. 157 bei Anm. 44; Münch, Berufung und zivilrechtliche Nichtigkeitsbeschwerde, in: Prozessieren vor Bundesgericht, 2.A. Basel 1998, N. 4.95).