Citation: 6B_452/2023 E. 3.7.2

3.7.2. Die Vorinstanz geht davon aus, der Beschwerdeführer habe gewusst bzw. für möglich gehalten, dass A.________ eine unschuldige Person umbringen würde, um ihn aus dem Gefängnis "herauszupressen", und er habe dies gewollt. Dieses Wollen der Tat genügt für die Annahme von Mittäterschaft nach ständiger Rechtsprechung nicht. Auch der Anstifter will die Tat, was ihn jedoch nicht zum Mittäter macht. Die Mittäterschaft erfordert vielmehr einen Tatbeitrag, der über die bloss psychisch-geistige Einflussnahme auf die Willensbildung des Täters hinausgeht (vgl. oben E. 3.4). Ein solcher Tatbeitrag liegt hier nicht vor. Der Beschwerdeführer macht insoweit zu Recht geltend, es habe keine eigentliche Planung der Tötung gegeben. A.________ gab vielmehr an, über das konkrete Tötungsdelikt sei nicht gesprochen worden (kant. Akten, HD/11/16 S. 31). A.________ entschied daher autonom, ob, wie und wo er die Drohung aus dem "Erpresserschreiben" umsetzte. Bezüglich des Tötungsdelikts fanden überdies keine Vorbereitungshandlungen statt. Eine Planung oder Vorbereitung des konkreten Tötungsdelikts ist im Übrigen auch nicht angeklagt. Auf den Anklagevorwurf, der Beschwerdeführer habe A.________ den Ratschlag erteilt, das Opfer mit einer Schusswaffe zu töten, stellt die Vorinstanz nicht ab (vgl. angefochtenes Urteil S. 30). Selbst das Einbringen der Idee der "Androhung einer Tötung", soweit darauf denn abzustellen ist (vgl. oben E. 2.3.2 und 3.7.1), ist kein mittäterschaftlicher Tatbeitrag, zumal die "Androhung" einer Tötung im Rahmen einer Nötigung (vgl. Art. 181 StGB) nicht mit einem Tötungsdelikt im Sinne von Art. 111 f. StGB gleichzusetzen ist. Gleiches gilt für ein allfälliges motivierendes Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber A.________, die Drohung auch umzusetzen und einen Menschen umzubringen, für den Fall dass er (der Beschwerdeführer) nicht aus dem Strafvollzug entlassen werden sollte. Darin liegt vielmehr ausschliesslich eine Einflussnahme auf die Willensbildung bzw. den Tatentschluss von A.________ und folglich eine blosse Anstiftungshandlung im Sinne von Art. 24 Abs. 1 StGB. Der mittäterschaftliche Tatbeitrag des Beschwerdeführers kann schliesslich auch nicht darin erblickt werden, dass dieser über eine blosse Anstiftung hinausgehenden psychischen Druck auf A.________ ausgeübt hätte, nachdem die Vorinstanz eine solche Drucksituation verneint. Die Vorinstanz stellt zudem explizit fest, A.________ habe nicht aus einer subjektiv empfundenen Bedrängnis heraus gehandelt und er sei auf seiner Flucht auch nicht in besonderer Sorge um Dritte gewesen, sondern er habe seine Angehörigen ab dem Moment der Flucht aus dem Gefängnis in Sicherheit gewähnt (angefochtenes Urteil S. 54). Ebenfalls nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz, soweit sie die Mittäterschaft damit begründet, der Beschwerdeführer und A.________ seien ein "eingeschworenes Duo" gewesen und es sei von einer "eigentlichen Symbiose" auszugehen (angefochtenes Urteil S. 46). Naheliegend ist, dass die Vorinstanz die erwähnte "Symbiose" aus der Freundschaft zwischen dem Beschwerdeführer und A.________ und dem von diesen gemeinsam verfassten "Erpresserschreiben" herleitet. Damit begründet die Vorinstanz die Mittäterschaft bezüglich des Tötungsdelikts vom 30. Juni 2016 letztlich mit dem mittäterschaftlichen Zusammenwirken der beiden bezüglich des "Erpresserschreibens", was nicht angeht, da es sich dabei um unterschiedliche Straftaten handelt (Nötigung bzw. Irreführung der Rechtspflege einerseits und Mord andererseits), die auch von ihrem Unrechtsgehalt her in keiner Weise vergleichbar sind. Die Vorinstanz sprach den Beschwerdeführer daher zu Unrecht des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB begangen in Mittäterschaft mit A.________ schuldig.