Citation: 4C.103/2005 01.06.2005 E. B

Mit Klage vom 2. Oktober 2001 belangte die Klägerin den Beklagten auf Zahlung von Fr. 90'000.-- nebst Zins. Das Bezirksgericht Sargans schützte die Klage im Umfang von Fr. 14'000.--. Es hielt für erwiesen, dass der Kassier der Genossenschaft Y.________ am 23. November 2000, als der Beklagte wegen Krankheit abwesend war, im Büro der WAG "Z.________" ein ungeöffnetes Couvert vorfand, welches das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) der WAG Z.________ im Dezember 1999 zugesandt hatte und worin sich Beitragsgesuchsformulare befanden. Das Bezirksgericht hielt dem Beklagten deswegen vor, er habe seine Pflicht, für eine hinreichende Posteingangskontrolle zu sorgen, verletzt. Zur ordnungsgemässen Posterledigung hätte es gehört, die Gesuchsformulare unverzüglich an die bei der Klägerin für die Einreichung des Gesuchs zuständige Stelle weiterzuleiten. Hätte der Beklagte diese vertragliche Pflicht erfüllt, wäre nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung das Gesuch rechtzeitig gestellt und vom BSV bewilligt worden. Der Schaden sei daher in der Höhe des im Vorjahr gesprochenen Beitrags von Fr. 90'000.-- ausgewiesen und vom Beklagten natürlich und adäquat kausal verursacht worden, weshalb dieser nach Art. 321e OR ersatzpflichtig sei. Was den Grad des Verschuldens mit Bezug auf mangelhafte Posteingangs- und Erledigungskontrolle anbelangt, beurteilte das Bezirksgericht die Verfehlungen des Beklagten noch als leichte, an der Grenze zur groben stehende Fahrlässigkeit. Mit Blick auf die Mitverantwortung der Klägerin für die Fristversäumnis und auf das Einkommen des Beklagten erachtete das Bezirksgericht eine Ersatzpflicht in der Höhe von Fr. 14'000.--, entsprechend zwei Monatslöhnen, für angemessen.