Citation: 5A_230/2022 E. 2.1

2.1. Auf Begehren eines Elternteils, des Kindes oder von Amtes wegen regelt die Kindesschutzbehörde bzw. das Gericht die Zuteilung der elterlichen Sorge neu, wenn dies wegen wesentlicher Änderung der Verhältnisse zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist (Art. 298d Abs. 1 und 3 ZGB). Die Neuregelung des elterlichen Sorgerechts setzt folglich zum einen neue Tatsachen voraus. Zum anderen kommt eine Änderung des Sorgerechts in Betracht, sofern die Beibehaltung der geltenden Regelung das Wohl des Kindes ernsthaft zu gefährden droht. Eine Neuregelung setzt in diesem Sinn voraus, dass die Veränderung der Verhältnisse eine solche gebietet, weil die aktuelle Regelung dem Kind mehr schadet als der mit der Änderung verbundene Verlust an Kontinuität in der Erziehung und den Lebensumständen (Urteile 5A_982/2021 vom 15. August 2022 E. 3.1; 5A_742/2021 vom 8. April 2022 E. 3.1; 5A_800/2021 vom 25. Januar 2022 E. 5.1; 5A_239/2021 vom 29. November 2021 E. 3.4; 5A_951/2020 vom 17. Februar 2021 E. 4). Obwohl eine Umteilung der elterlichen Sorge von der (altrechtlichen) Alleinsorge zur gemeinsamen elterlichen Sorge, die nach der gesetzlichen Konzeption seit der Gesetzesrevision vom 1. Juli 2014 den Regelfall darstellt, nicht von zu strengen Beurteilungskriterien abhängig gemacht werden darf (Urteile 5A_951/2020 vom 17. Februar 2021 E. 4; 5A_30/2017 vom 30. Mai 2017 E. 4.2), hat der sich auf Art. 298d Abs. 1 ZGB berufende Elternteil die neuen Verhältnisse nachzuweisen, aufgrund derer die Erteilung der gemeinsamen bzw. die Aufhebung der alleinigen elterlichen Sorge zum Wohl des Kindes geboten ist (Urteil 5A_951/2020 vom 17. Februar 2021 E. 4).