Citation: U 98/98 19.12.2000 E. 5

5.- Angesichts der nicht widerspruchsfreien Argumentation des kantonalen Gerichts muss die Frage nach der Unfallkausalität der von Dr. med. B.________ im Gutachten vom 15. August 1994 auf Hirnleistungsstörungen zurückzuführenden Symptomatik einer vertieften Prüfung unterzogen werden. a) In seiner neurologisch/neuropsychologischen Expertise vom 15. August 1994 hat Dr. med. B.________ im durchschnittlich ausgefallenen neuropsychologischen Testleistungsprofil Hinweise auf leichte bis mittelschwere Hirnleistungsstörungen erblickt; insbesondere die Störungen der Konzentrationsleistung und der Wortfindung sprächen für eine schwerpunktmässige Läsion frontobasal bzw. diencephal. Weiter hat Dr. med. B.________ die Ergebnisse der Untersuchungen mittels Elektroenzephalogramm (EEG) und der Single Photon Emission Computed Tomography (Spect) angeführt, wobei Letztere einen mit einem vorangegangenen Schleudertrauma kompatiblen Befund einer parieto-occipitalen Minderdurchblutung zeige. Aus diesen Erkenntnissen zusammen mit den anamnestischen Angaben hat er auf eine wesentliche Mitbeteiligung einer hirnorganischen Grundlage geschlossen. Auf Grund der Ausführungen des Dr. med. B.________ kann indessen noch nicht von Hirnleistungsstörungen im Sinne eines organisch nachgewiesenen Befundes ausgegangen werden. Schon die Tatsache, dass Dr. med. S.________ im Zeitpunkt seiner Untersuchung rund drei Jahre später keine entsprechenden Hirnleistungsstörungen mehr erkennen konnte, liesse sich mit einer solchen Annahme kaum vereinbaren. Dr. med. S.________ hat es denn auch als unwahrscheinlich bezeichnet, dass die früher festgestellten Hirnfunktionsstörungen auf einer strukturellen Hirnschädigung beruhten, und eher eine schmerz- und depressionsbedingte funktionelle Störung in Betracht gezogen. Bezüglich der mit dem Nachweis einer Organizität des beim Versicherten bestehenden Beschwerdebildes verbundenen Problematik ist auch darauf hinzuweisen, dass nach einem kürzlich ergangenen Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts die Spect-Untersuchung des Gehirns als nicht wissenschaftlich anerkannte Methode zur Beurteilung von Schleudertraumata im Rahmen der Prüfung der natürlichen Kausalität von Unfallfolgen kein geeignetes Beweismittel darstellt (nicht veröffentlichtes Urteil Z. vom 2. Juni 2000 [U 160/98]). Das Vorliegen eines gesicherten organischen Befundes kann unter diesen Umständen nicht als mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt gelten. b) Aber auch in Fällen ohne organisch nachweisbare Beschwerden nach einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder einem in seinen Auswirkungen vergleichbaren Mechanismus (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) wie etwa einer Distorsion der Halswirbelsäule kann eine Leistungspflicht des Unfallversicherers gegeben sein (vgl. BGE 117 V 363 ff. Erw. 5d). aa) Der Versicherte, bei welchem unmittelbar nach dem Verkehrsunfall vom 3. September 1986 ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert worden ist, litt - zumindest im massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheides vom 1. Februar 1995 noch (Erw. 2b) - an einem nach derartigen Verletzungen nicht selten auftretenden und insofern typischen Beschwerdebild, das die genannten Symptome wie Schwindel, Sehstörungen, rasche Ermüdbarkeit, Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Wortfindungsstörungen sowie Gemütsschwankungen beinhaltet. Für die Leistungspflicht des Unfallversicherers ist indessen auch in solchen Fällen vorausgesetzt, dass die geklagten Beschwerden medizinisch einer fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und diese Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfall steht. Blosse Klagen über diffuse Beschwerden genügen für den Nachweis der Unfallkausalität nicht (BGE 119 V 341 Erw. 2b/bb). bb) Beim Versicherten traten nach dem Verkehrsunfall vom 3. September 1986 Nacken- und Rückenbeschwerden auf, weshalb er sich am folgenden Tag ins Gemeindespital X.________ begab, wo er während drei Tagen hospitalisiert blieb. Mehrere Wochen trug er in der Folge einen stabilen Halskragen. Bereits am 2. Oktober 1986 berichtete der Neurologe Dr. med. L.________ über leichte Kopfschmerzen und nach dem Unfall entstandene Schwindelzustände, welche er auf eine vertebro-basiläre Durchblutungsstörung zurückführte. Nach der Spitalentlassung stand der Versicherte auch nach Wiederaufnahme seiner früheren Erwerbstätigkeit in ständiger physiotherapeutischer Behandlung. Der auf Zuweisung des Dr. med. G.________ hin erstellte Bericht des Neurologen Dr. med. F.________ vom 1. November 1988 hält fest, dass es immer wieder zu Schwindelsensationen vor allem in rechter Seitenlage und mit Verstärkung beim Kopfdrehen nach rechts gekommen sei; wegen Verspannung und Bewegungseinschränkung gefolgt von Schwindelzuständen habe der Versicherte immer wieder physikalische Behandlung benötigt; besonders längeres Verharren des Kopfes in einer Stellung könne unsystematisiertes Schwindelgefühl auslösen. Auch Frau Dr. med. R.________ hat in ihren Attesten wiederholt Kopfschmerzen und Schwindelgefühle erwähnt. cc) Trotz dieser im Anschluss an den Verkehrsunfall vom 3. September 1986 beobachteten Entwicklung des Gesundheitszustandes kann die natürliche Kausalität eines der versicherten Unfallereignisse für die erwähnte Symptomatik nicht bejaht werden. Insbesondere steht dem entgegen, dass in den medizinischen Berichten erst ab 1991 mental kognitive Veränderungen dokumentiert sind. Wenn auch schon in früheren ärztlichen Stellungnahmen von zeitweise unbestimmten Schwindelerscheinungen und gelegentlich von Kopfschmerzen die Rede ist, standen als Ursache der gesundheitlich bedingten Arbeitsaussetzungen bis 1991 praktisch doch ausschliesslich die Nacken- und Schulterbeschwerden mit den diese begleitenden Myogelosen im Vordergrund, und die notwendige ärztliche Behandlung beschränkte sich im Wesentlichen auf physikalische Therapie. Obschon sich mit den ärztlicherseits erwähnten Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen einzelne der auch beim Beschwerdekomplex nach Schleudertraumata vorkommenden Störungen schon früher bemerkbar machten, ist das Gesamtbild der üblicherweise beobachteten Symptomatik erst nach einer erheblichen Zeitspanne von annähernd fünf Jahren nach dem Unfall vom 3. September 1986 aufgetreten. Angesichts dieses Umstandes verbietet sich die Annahme einer bloss länger dauernden Latenzzeit. Die neben dem von der SUVA als unfallkausal anerkannten Zervikalsyndrom und dessen unmittelbaren Auswirkungen bestehenden Leiden können deshalb nicht mehr als überwiegend wahrscheinlich mit dem Verkehrsunfall aus dem Jahre 1986 oder gar dem noch früheren Reitunfall aus dem Jahre 1980 in Zusammenhang stehend qualifiziert werden. Damit erübrigt sich eine Prüfung der Adäquanz der vom Versicherten geklagten Symptomatik. c) Was eine allfällige psychische Beeinträchtigung, namentlich die von Dr. med. B.________ in Betracht gezogene depressive Entwicklung als Grundlage der Beschwerden des Versicherten anbelangt, ist festzuhalten, dass sich für das Bestehen einer solchen aus den Akten keine hinreichenden Anhaltspunkte ergeben. Dr. med. S.________ sieht die psychische Belastung lediglich als eine mögliche Erklärung für die beobachtete Entwicklung des Gesundheitszustandes; Hinweise auf einen psychopathologischen Zustand lägen indessen - auch nach Meinung des Prof. Dr. med. V.________ von der psychiatrischen Universitätspoliklinik Y.________ - nicht vor. Auch im Bericht des lic. phil. D.________ vom 19. November 1997 wird eine depressive Komponente verneint. Es erübrigt sich deshalb, der Frage nach einer allfälligen Unfallkausalität eines psychisch bedingten Beschwerdekomplexes weiter nachzugehen. d) Die Leistungspflicht der SUVA beschränkt sich demnach auf die Folgen des Zervikalsyndroms und der auf den Unfall aus dem Jahre 1967 zurückzuführenden Kniebeschwerden.