Citation: 6B_92/2009 18.06.2009 E. 3.4

3.4.1 Die Vorinstanz hat korrekt ausgeführt, dass der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass das nationale Lawinenbulletin wie auch der SLF-Regionalbeobachter die kritische Grenze oberhalb von rund 2'000 m.ü.M. angesetzt haben, nichts zu seinen Gunsten ableiten kann, räumt der Beschwerdeführer doch (in Übereinstimmung mit dem SLF-Regionalbeobachter) selber ein, dass die Höhe der Gefahrenzone keine exakte Grenze darstellt, sondern einen Bereich von +/- 200 Metern mitumfasst. Zudem legte das (präzisere) regionale Lawinenbulletin die kritische Schwelle erheblicher Lawinengefahr auf 1'800 m.ü.M. fest. Gemäss der Interpretationshilfe des SLF ist die Auslösung von Lawinen bei Stufe 3 bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich; diese sollten daher möglichst gemieden werden. Auch die vom Beschwerdeführer angerufene elementare Reduktionsmethode (vgl. hierzu ausführlich Werner Munter, 3 x 3 Lawinen: Risikomanagement im Wintersport, 4. Aufl. 2009, S. 120 ff.) führt, wie bereits die erste Instanz zutreffend begründet hat (erstinstanzliches Urteil S. 27 f.), nicht zu einer anderen Beurteilung. Angesichts der als erheblich eingestufen Lawinengefahr ist von einem Gefährdungspotential 8 auszugehen (siehe Munter, a.a.O., S. 123). Als Reduktionsfaktor findet einzig jener der "steilsten Hangpartie zwischen 35 und 39 Grad" Anwendung, so dass sich ein für die vertretbare Befahrung des Unfallhangs zu hohes Restrisiko von grösser als 1 ergibt (Munter, a.a.O., S. 126). Gemäss der auf der Reduktionsmethode basierenden "goldenen Regel" sind - soweit keine weiteren Reduktionsfaktoren verfügbar sind - Hanglagen von 35 Grad oder mehr zu meiden (Munter, a.a.O., S. 127). Zur erheblichen Lawinengefahr erschwerend hinzu kamen, wie im angefochtenen Urteil dargelegt, die Wetterbedingungen: Es zog Nebel auf, und die in der Wettervorhersage angekündigten Niederschläge setzten ein. Wie die Vorinstanz willkürfrei festgestellt hat, herrschte zum Zeitpunkt, als die Gruppe den Unfallhang erreichte, so dichter Nebel, dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich war, den Hang einzusehen und eine Beurteilung vor Ort vorzunehmen. Er konnte daher insbesondere auch seine Annahme, der Hang sei "ausgeblasen", nicht überprüfen. 3.4.2 Angesichts dieser Ausgangslage hat der Beschwerdeführer die ihm obliegenden Sorgfaltspflichten verletzt, indem er den Hang trotzdem befuhr, war für ihn aufgrund seiner individuellen Fähigkeiten doch die durch sein Verhalten bewirkte Gefährdung der Teilnehmenden erkennbar. Dass er keine weiteren konkreten Anzeichen für eine Lawinenauslösung (wie "Wumm-Geräusche" oder abgehende Schneebretter) wahrgenommen hatte, ändert hieran nichts Entscheidendes. Zumindest aber wäre vorliegend eine Einzelquerung des Hangs erforderlich gewesen. So geht auch Dr. B.________ in seinem Gutachten davon aus, dass die Entlastungsabstände eindeutig mehr als 10 Meter hätten betragen müssen. Des Weiteren hat der Gutachter des SLF im Rahmen seiner Einvernahme vor der ersten Instanz ausdrücklich die Meinung vertreten, dass es trotz des Nebels möglich gewesen wäre, den Unfallhang einzeln zu traversieren, indem die Teilnehmenden der Spur des Beschwerdeführers nachgefahren wären (erstinstanzliche Akten act. 22, S. 6). Selbst wenn jedoch der Argumentation des Beschwerdeführers gefolgt wird, wonach der dichte Nebel eine Einzelquerung des Hangs verunmöglicht hat, so hätte diesfalls konsequenterweise von der Traversierung des Hangs abgesehen werden müssen - statt diesen mit ungenügenden Entlastungsabständen und ohne nochmalige besondere Instruktion der Teilnehmenden trotzdem zu befahren. Insbesondere wäre eine Umgehung des Hangs, wie die kantonalen Instanzen willkürfrei festgestellt haben, ohne weiteres möglich gewesen, da die präparierte Skipiste sehr nahe war. Dass dabei Unannehmlichkeiten wie Verspätungen und mühselige Aufstiege zu Fuss hätten in Kauf genommen werden müssen, rechtfertigte die Eingehung des Risikos der Begehung des Hangs in keiner Weise (vgl. zum Ganzen auch das erstinstanzliche Urteil S. 30 f., auf welches die Vorinstanz in ihrer Begründung verweist). Des Weiteren hat der Sachverständige des SLF, Dr. B.________, in seinem Gutachten explizit festgestellt, dass die Lawine höchstwahrscheinlich durch die Opfer selbst ausgelöst worden ist, da die Schneedecke höchstwahrscheinlich der durch die vier Verschütteten verursachten Zusatzbelastung nicht standgehalten hat (SLF-Gutachten, S. 9). Damit wäre die Lawine bei einer Einzelquerung oder - falls eine solche angesichts des dichten Nebels tatsächlich nicht möglich gewesen sein sollte - erst recht bei einem Verzicht auf die Befahrung des Hangs mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ausgelöst und damit Y.________ nicht verschüttet worden. 3.4.3 Als weitere Sorgfaltswidrigkeit ist dem Beschwerdeführer anzulasten, dass er nach dem Lawinenniedergang keine sorgfältige Bestandesaufnahme durchgeführt und deshalb das Fehlen des verschütteten Y.________ erst rund eine Stunde später bemerkt hat. Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, hätte von einem lizenzierten "Ski-Hochtourenführer" erwartet werden müssen, dass er in einer solchen Situation "klaren Kopf" behält. Ob die Qualifikation des Beschwerdeführers jener eines diplomierten Bergführers in der Schweiz gleichzustellen ist, kann dabei offen gelassen werden. Offen bleiben kann letztlich ebenso, ob der Verschüttete noch lebend hätte geborgen werden können, wenn sein Fehlen sofort bemerkt und früher mit der Suche begonnen worden wäre. Nicht zweifelhaft sein kann nach dem Gesagten jedenfalls, dass das sorgfaltswidrige Verhalten des Beschwerdeführers als Ganzes, d.h. seine Traversierung des Unfallhangs ohne Einhaltung genügender Abstände und seine Unachtsamkeit bei der Bestandesaufnahme nach dem Niedergang der Lawine, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ursächlich war für den Tod von Y.________. Der Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung gemäss Art. 117 StGB verletzt daher kein Bundesrecht.