Citation: 6B_407/2022 E. 5

Die Vorinstanz erwägt, das mit dem Revisionsgesuch vorgelegte unfallanalytische Gutachten könne höchstens belegen, dass der Unfall bei einer Geschwindigkeit von 39 bis 43 km/h unvermeidbar gewesen sei. Die Sorgfaltspflicht der Beschwerdeführerin habe sich aber nicht darauf beschränkt, dem Fussgängerstreifen die gebotene Aufmerksamkeit zu widmen. Angesichts der Umstände hätte sie die Geschwindigkeit reduzieren und nötigenfalls sogar anhalten müssen. Die Aussage des Gutachtens, dass der Unfall unvermeidbar gewesen sei, stehe unter der Prämisse, dass die Beschwerdeführerin mit angemessener Geschwindigkeit gefahren sei. Die Vorinstanz hebt hervor, dass die Beschwerdeführerin ihre Geschwindigkeit in der polizeilichen Befragung auf 10 bis 30 km/h geschätzt habe. Angesichts der örtlichen Verhältnisse sei eine Geschwindigkeit von 39 km/h offenkundig zu hoch gewesen. Aus Sicht der Beschwerdeführerin grenze der Fussgängerstreifen nämlich rechts an das Trottoir unmittelbar beim Ausgang eines Einkaufszentrums. Der Fussgängerstreifen sei daher stark frequentiert. Zudem steuerten ihn die Fussgänger direkt vom Ausgang des Einkaufszentrums an. Der Weg vom Ausgang zum Fussgängerstreifen betrage nur wenige Meter. Die Sicht auf diesen Bereich werde in Fahrtrichtung der Beschwerdeführerin ausserdem durch rechtsseitige Parkfelder behindert. Bei diesen örtlichen Verhältnissen könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Fussgänger nur sehr kurze Zeit sichtbar sei, wenn er das Einkaufszentrum eiligen Schrittes verlasse und unvermittelt den Fussgängerstreifen betrete. Das Gutachten gehe sogar davon aus, dass die Beschwerdeführerin die Fussgängerin erst als Gefahr erkennen konnte, als diese bereits ein Bein über dem Fussgängerstreifen hatte. Ob dies zutrifft, lässt die Vorinstanz offen. Auf jeden Fall hätte von der ortskundigen Beschwerdeführerin erwartet werden dürfen, dass sie die Geschwindigkeit vor dem Fussgängerstreifen deutlich reduziert, unter Umständen sogar anhält, um sich zu vergewissern, dass kein Fussgänger die Fahrbahn betritt. Dies gelte umso mehr, da die Lichtverhältnisse zur Zeit des Unfalls schwierig waren. Das Gutachten halte fest, dass die Beschwerdeführerin wahrscheinlich Probleme mit der Adaption hatte, weil die Fahrbahn im Sonnenlicht und die Fussgängerin im Schatten gewesen sei. Gemäss Vorinstanz hätte die Beschwerdeführerin daher umso vorsichtiger sein müssen. Das Gutachten könne die Beschwerdeführerin deshalb strafrechtlich nicht entlasten. Mit der ermittelten Geschwindigkeit von 39 km/h oder mehr belege es im Gegenteil, dass die Beschwerdeführerin ihren Vorsichtspflichten nicht nachgekommen sei.