Citation: 4C.8/2005 11.04.2005 E. 2

2.1 Weiter bemängelt die Klägerin, die Vorinstanz hätte nicht auf die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 100 % abstellen dürfen, sondern sie hätte die Erwerbsfähigkeit konkret abklären müssen. 2.2 Bei der Berechnung des Schadenersatzes im Rahmen von Körperverletzungen ist auf die Differenz abzustellen zwischen dem, was der Verletzte nach dem Unfall noch verdienen kann und dem Verdienst, den der Verletzte ohne Unfall erzielen würde (BGE 129 III 135 E. 2.2 S. 141). Die Bestimmung der medizinisch-theoretischen Invalidität ist Tatfrage. Rechtsfragen dagegen sind der Begriff der Erwerbsfähigkeit und die Einschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Körperverletzung (BGE 100 II 298 E. 4a S. 304, 72 II 198 E. 3b S. 206). Nach schweizerischer Lehre und Rechtsprechung ist der Invaliditätsschaden konkret zu berechnen. Ausgehend vom abstrakten Invaliditätsgrad sind dessen Auswirkungen auf die Verminderung der Erwerbsfähigkeit oder die Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens zu bestimmen. Mit andern Worten ist nicht die medizinisch-theoretische Schätzung, sondern der tatsächliche Verdienstausfall massgebend (BGE 129 III 135 E. 2.2 S. 141 mit Hinweisen). Zu prüfen ist, welches Einkommen der Geschädigte mit der ihm aus medizinischer Sicht festgesetzten Arbeitsfähigkeit tatsächlich realisieren kann. 2.3 Nach dem Arztbericht vom 21. Januar 1998, auf den das Obergericht abstellt, ist die Klägerin zu 100 % arbeitsfähig, jedoch nur in Bezug auf leichte bis mittelschwer belastende, nicht monotone Arbeiten. Ob diese Einschränkung auf leichte bis mittelschwer belastende, nicht monotone Arbeiten in Vergleich zum Zustand vor dem Unfall eine Verschlechterung bedeutet, lässt sich dem angefochtenen Urteil nicht entnehmen. Bestand vor dem Unfall keine Einschränkung, ist trotz der diagnostizierten 100-prozentigen Arbeitsfähigkeit ein ersatzfähiger Schaden nicht von vornherein auszuschliessen. Diesfalls ist abzuklären, ob sich die Einschränkung auf das Erwerbsleben der geschädigten Person wirtschaftlich nachteilig auswirkt. Dies ist ohne weiteres zu bejahen, wenn die Geschädigte ihre bisherige Arbeit nicht mehr oder nicht im gleichen Umfang wie bisher ausführen kann. Ein Schaden ist aber auch dann zu bejahen, wenn sich die Verschlechterung zwar an der bisherigen Arbeitsstelle nicht negativ auswirken würde, wohl aber in Bezug auf Arbeitsstellen, welche nach der Ausbildung und dem bisherigen Berufsleben ebenfalls in das Betätigungsfeld der geschädigten Person fallen können. Insoweit wäre eine Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens gegeben (Art. 46 Abs. 1 OR). Bei einer durch den Unfall verursachten Einschränkung gegenüber dem Validenzustand ist ein Schaden nur dann zu verneinen, wenn Fähigkeiten betroffen sind, welche die geschädigte Person an ihrer Arbeitsstelle aber auch in ihrer gesamten beruflichen Karriere nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge nicht gebrauchen wird. 2.4 Nicht stichhaltig ist der Einwand der Beklagten, die Klägerin habe sich erstmals vor Bundesgericht und damit verspätet auf eine allfällige Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens berufen. Die Vorinstanz hat die notwendigen Feststellungen zur Beantwortung der Frage, ob überhaupt ein Schaden entstanden ist, nicht getroffen, da sie den Schadensbegriff verkannt hat. Die Rückweisung ist daher unabhängig von der Berücksichtigung der Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens unumgänglich. Gemäss den verbindlichen tatsächlichen Feststellungen des Obergerichts (angefochtenes Urteil S. 8) hat die Klägerin aber im kantonalen Verfahren verlangt, es sei "ein berufsberaterisches/berufsspezifisches Gutachten über die wirtschaftliche Nutzbarkeit der der Klägerin verbleibenden Restarbeitsfähigkeit mit Angaben über mögliche realisierbare Einkommen" anzuordnen, da der Arzt in seinem Bericht nur die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit festgestellt habe. Thematisierte die Klägerin die wirtschaftliche Nutzbarkeit der vom Arzt festgestellten Arbeitsfähigkeit, machte sie die Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens bereits vor Obergericht zum Streitgegenstand. Damit kann offen bleiben, ob die Behauptung, es liege eine volle Arbeitsunfähigkeit vor, nicht auch die Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens als Minus miterfasst. Der Einwand der Beklagten widerspricht den tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid und ist nicht zu hören. 2.5 Das Obergericht geht mit dem Arztbericht davon aus, dass die volle Arbeitsfähigkeit nur in Bezug auf bestimmte Tätigkeiten gegeben ist. Tatsächliche Feststellungen zum Vorzustand, welche erlauben würden, abzuschätzen, ob die Klägerin durch diese Einschränkungen im Vergleich zur Zeit vor dem Unfall in ihrem Erwerbsleben beeinträchtigt wird, fehlen. Die Berufung erweist sich in diesem Punkt als begründet, und die Sache ist zur Ergänzung der tatsächlichen Feststellungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 64 Abs. 1 OG). Das Obergericht wird Feststellungen zum Zustand der Klägerin vor dem Unfall treffen müssen und abzuklären haben, ob die Einschränkung auf leichte bis mittelschwer belastende, nicht monotone Arbeiten durch den Unfall verursacht wurde. Ist dies zu bejahen, hat das Obergericht zu prüfen, ob diese Einschränkung sich in Bezug auf die Arbeiten, welche die Klägerin vor dem Unfall verrichtete, nachteilig auswirkt. Zusätzlich ist zu untersuchen ob die Klägerin allenfalls in ihrem wirtschaftlichen Fortkommen beeinträchtigt ist. In Bezug auf den Haushaltsschaden erübrigen sich entsprechende Abklärungen. Das Obergericht hat betreffend die konkreten Auswirkungen der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit auf die Haushaltsführung festgehalten, die Klägerin habe nicht dargelegt, welche Arbeiten sie im Haushalt nicht verrichten könne. Das Obergericht hat diesbezüglich den Schadensbegriff nicht verkannt, sondern es ging mangels substanziierter anderer Behauptungen davon aus, die Klägerin könne mit der vom Gutachten festgestellten Arbeitsfähigkeit sämtliche Haushaltsarbeiten bewältigen.