Citation: 1C_204/2023 E. 3.5

3.5. Die Vorinstanz stützte sich auf den ihrer Ansicht nach klaren Wortlaut von Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach, wonach die vorgesehene Grenzabstandsprivilegierung auf Vorbauten von weniger als einem Drittel der Fassadenlänge beschränkt werde. Sie prüfte, ob der Wortlaut von Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach dem Sinn der Bestimmung und den ihr zugrunde liegenden Wertungen entspreche. Mit Abstandsvorschriften sollten gute wohnhygienische Verhältnisse geschaffen werden. Der Grenzabstand habe zudem eine "nachbarschützende" Funktion, indem er die Einflüsse von Bauten und ihrer Benutzung auf das Nachbargrundstück mindere. Vor diesem Hintergrund dürfte der Sinn von Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach darin liegen, dass nur (kleinere) Vorbauten, welche eine bestimmte Länge nicht überschreiten und als Folge davon die Nachbarliegenschaft optisch und von der Nutzung her nur in relativ geringem Umfang beeinträchtigten, abstandsprivilegiert sein sollen. Sobald jedoch eine Vorbaute ein bestimmtes Längenmass überschreiten und damit auch die Nachbarliegenschaft stärker tangieren würde, solle sie vollumfänglich den regulären, für die Hauptbaute geltenden Grenzabstand einhalten und falle eine Grenzabstandsprivilegierung ausser Betracht. Mithin wäre lediglich eine Vorbaute mit einer Länge von rund 2.8 m (ein Drittel von 8.38 m) im Sinn von Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach grenzabstandsprivilegiert und damit mit einer Grenzabstandsunterschreitung bewilligungsfähig. Der Umstand allein, dass die streitige Vorbaute von insgesamt 4.15 m Länge lediglich auf einer Länge von 1.4 m in den Grenzabstand rage und die übrige Länge von 2.85 m der Vorbaute den Grenzabstand nicht verletze, vermöge nichts an der fehlenden Grenzabstandsprivilegierung der geplanten Vorbaute und damit der fehlenden Bewilligungsfähigkeit zu ändern. Eine von dieser Auslegung von Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach abweichende Praxis habe die Gemeinde nicht belegt. Die von der Gemeinde vorgenommene und von der Vorinstanz bestätigte extensive Interpretation von Art. 17 Abs. 2 BauR Goldach erweise sich mit Blick auf den klaren Wortlaut der Bestimmung und deren Sinn als unzulässig. Ein solches Ergebnis würde ihrer Ansicht nach eine entsprechende Reglementsänderung bzw. eine Umsetzung von Art. 81 PBG/SG voraussetzen.