Citation: 8C_719/2022 E. 4.1

4.1. Die Vorinstanz stellte zunächst fest, dass ein Hilfsbedarf in den alltäglichen Lebensverrichtungen bloss beim Essen gegeben sei. Sie verwarf daher einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung bei einer mittelschweren oder leichten Hilflosigkeit unter diesem Titel (Art. 37 Abs. 2 lit. a beziehungsweise Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV.). Auch bestehe kein Bedarf an dauernder persönlicher Überwachung (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV). Bezüglich der Anspruchsvoraussetzungen für eine Hilflosenentschädigung wegen erforderlicher ständiger und besonders aufwändiger Pflege nach Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV erwog das kantonale Gericht, bei den gesetzlich vorgesehenen Ansätzen laufe ein entsprechender (Mindest-) Aufwand von zwei Stunden täglich, wie in den Kreisschreiben des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung KSIH (gültig ab 1. Januar 2015) beziehungsweise über Hilflosigkeit KSH (gültig ab 1. Januar 2022) vorgesehen, auf einen Stundenlohn im einstelligen Frankenbereich hinaus. Stossenderweise könne die Entschädigung damit gleich hoch (beziehungsweise tief) ausfallen wie bei einer Einschränkung in zwei Lebensverrichtungen nach Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV. Müssten einem Versicherten beispielsweise eine Brotscheibe mit Butter beschmiert und ihm jeweils Socken und Schuhe an- und ausgezogen werden, bestehe Anspruch auf die gleiche Entschädigung bei einem Aufwand von insgesamt zehn Minuten pro Tag statt der erforderlichen zwei Stunden beim Pflegebedarf nach Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV. Damit würden pflegebedürftige hilflose Versicherte ungerechtfertigterweise diskriminiert. Unter ökonomischen Gesichtspunkten müsse, so das kantonale Gericht, ein Zeitaufwand von einer halben Stunde genügen für eine Anspruchsberechtigung nach Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV. Die im KSIH Rz. 8058 beziehungsweise im KSH Rz. 2065 ff. vorgesehenen Konkretisierungen von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV erwiesen sich als gesetzeswidrig. Gemäss Abklärungsbericht bestehe im vorliegenden Fall, so die Vorinstanz weiter, ein Pflegeaufwand von 88,5 Minuten. Gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztin nach einer Konsultation im Januar 2022 seien einige Korrekturen anzubringen. Im Ergebnis belief sich der zeitliche Pflegebedarf gemäss kantonalem Gericht auf insgesamt etwas mehr als 90 Minuten. Da damit ein Aufwand von weit mehr als einer halben Stunde, nach Auffassung der Vorinstanz der zeitliche Mindestbedarf für eine Hilflosenentschädigung im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV, gegeben war, erachtete sie die Voraussetzungen für die entsprechende Anspruchsberechtigung als erfüllt.