Citation: U 515/06 09.08.2007 E. 4.1

4.1.1 Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zur Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schleudertraumas einerseits (BGE 117 V 359) und von psychischen Unfallfolgen andererseits (BGE 115 V 133) sowie zur Abgrenzung der beiden Fälle, wenn initial eine HWS-Distorsion oder vergleichbare Verletzung diagnostiziert wurde und die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen (vgl. dazu: BGE 119 V 335 E. 1 S. 337) zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103), richtig und vollständig wiedergegeben. Es wird darauf verwiesen. 4.1.2 Zwei Tage nach dem Unfall wurde im Spital I.________ noch eine deutlich schmerzhafte paravertebrale HWS-Muskulatur gefunden, wobei die HWS selbst frei beweglich war. Der Beschwerdeführer litt damals weder an Kopfschmerzen, noch an Nausea. Diese setzten erst einen Monat später ein (Bericht vom 12. November 2001). Bereits im Gesuch um Kostengutsprache für eine stationäre Rehabilitation in der Rheumaklinik Y.________ vom 5. Dezember 2001 wird vermerkt, der Patient brauche sicher eine zusätzliche psychologische Betreuung. Nach Austritt begab er sich dann auch in Behandlung des Fachpsychologen FSP für Psychotherapie und Psychoanalyse H.________. Diese diente der Unfallverarbeitung und war gegen eine progrediente Depression gerichtet. Damit waren die psychischen Unfallfolgen - neben den Beeinträchtigungen der Schulter auf Grund der AC-Luxation - schon sehr bald nach dem Ereignis dominant. Der behandelnde Psychologe H.________ diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsstörung. Diese gehört aber nicht zum typischen Beschwerdebild nach einer HWS-Distorsion, sondern ist eine eindeutig psychiatrische Diagnose. Dasselbe gilt für die im Gutachten des Zentrums W.________ erhobenen Befunde und Diagnosen. Soweit sie überhaupt zum typischen Beschwerdebild der genannten Verletzung gehören, treten sie im Vergleich zur psychischen Problematik ganz in den Hintergrund. Das kantonale Gericht hat bei der Prüfung der Adäquanz bei den einzelnen Kriterien demgemäss zu Recht nur die somatischen Unfallfolgen berücksichtigt (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140). 4.2 Uneinig ist man sich weiter bei der Qualifikation des Ereignisses vom 10. Oktober 2001. Während die Unfallversicherung und das kantonale Gericht von einem mittelschweren Unfall ausgehen, ist der Beschwerdeführer der Meinung, dieses müsse in die Gruppe der schweren Unfälle eingeteilt werden. Zumindest handle es sich um ein solches in der mittleren Gruppe an der Grenze zu den schweren Unfällen. Er stellt den Antrag, die Schwere des Unfalls sei durch ein unfallanalytisches Gutachten abzuklären. 4.2.1 Die Qualifikation eines Ereignisses als schwerer, mittelschwerer oder leichter Unfall stellt eine reine Rechtsfrage dar. Sie ist nicht durch einen Unfallanalytiker, sondern durch die rechtsanwendende Unfallversicherung oder gegebenenfalls das Sozialversicherungsgericht zu entscheiden. Eine Unfallanalyse kann höchstens bei der Beantwortung der Frage, ob ein Unfallmechanismus geeignet war, eine bestimmte somatische Verletzung nach sich zu ziehen, sinnvoll sein. Diese stellt sich hier aber gar nicht, nachdem unbestritten ist, dass die innert weniger Tage nach dem Unfall festgestellten Verletzungen auf diesen zurückzuführen sind. Eine Unfallanalyse im beantragten Sinne kann daher zu keinen weiteren Erkenntnissen führen. 4.2.2 Gemäss Rapport der Kantonspolizei Zürich vom 14. Oktober 2001 hat der Beschwerdeführer zum Unfallgeschehen folgende Angaben gemacht: Er sei nachts mit einer Geschwindigkeit von 60 km/h nach einer markanten Rechtskurve nach einer Lenkbewegung nach links, weil überraschend ein Fuchs die Strasse überquerte, ins Schleudern geraten und habe in der Folge ein Brückengeländer durchbrochen. Der Versicherte stürzte ca. drei Meter in einen Bach. Er konnte den Wagen selbstständig verlassen und die Polizei avisieren. Ein sofort herbeigeeilter Ohrenzeuge traf den Verunfallten wieder auf der Strasse an. Er hatte bereits mit der Polizei telefoniert. Im Unfallaufnahmeprotokoll ist vermerkt, dass sich der Lenker nicht verletzt habe. Erst nach einer entsprechenden telefonischen Meldung zwei Tage nach dem Ereignis wurde eine "angeblich leichte Verletzung" rapportiert. 4.2.3 Auf Grund des Geschilderten fällt dabei entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers eine Zuordnung zu den schwereren Unfällen im mittleren Bereich bzw. im Grenzbereich zu den schweren Unfällen oder gar zu den schweren Unfällen klar ausser Betracht. Solche hat das Eidgenössische Versicherungsgericht etwa in folgenden Fällen angenommen (siehe die Übersicht in RKUV 2005 Nr. U 548 E. 3.2.2. S. 231 mit Hinweisen auf RKUV 1999 Nr. U 330 S. 122 ff. E. 4b/bb; vgl. ferner RKUV 1999 Nr. U 335 S. 208 f. E. 3b/aa und bb): - Reifenplatzer auf der Autobahn bei ca. 95 km/h mit anschliessendem Überschlagen des Fahrzeugs auf das Dach (in der Amtlichen Sammlung nicht veröffentlichte, hingegen in RKUV 2003 Nr. U 481 S. 204 publizierte E. 3.3.2 des Urteils BGE 129 V 323); - Überschlagen eines Fahrzeuges infolge Reifenplatzers mit Kontusionen an Thorax, Schultern und Halswirbelsäule der Versicherten (nicht veröffentlichtes Urteil G. vom 10. November 1992 [U 68/91]); - Herausschleudern eines Versicherten durch das Fenster eines Autos nach Frontalzusammenstoss, wobei er mit dem Bein bis zur Hüfte im umgestürzten Wagen eingeklemmt blieb und sich eine Gehirnerschütterung, eine Kopfverletzung, einen Mittelhandbruch und Verletzungen in der Leistengegend zuzog (nicht veröffentlichtes Urteil B. vom 8. April 1991 [U 47/90]); - Angriff zweier scharfer Wach- und Schutzhunde mit einer Widerristhöhe bis 72 cm und einem Gewicht bis 45 kg, welcher zu einer Rissquetschwunde, mehreren zum Teil klaffenden Fleischwunden, ausgedehnten Hämatomen sowie Schürfwunden führte (Urteil J. vom 16. Juli 2001 [U 146/01]); - ausser Kontrolle geratener Einsturz eines Garagengebäudes, wobei es durch die einstürzende Seitenwand des Gebäudes zu einer erheblichen Gewalteinwirkung auf den Versicherten kam mit verschiedenen Frakturen und anderen Verletzungen als Folge (Urteil P. vom 10. Juli 2000 [U 89/99]); - Sturz aus rund 6-8 Metern auf den mit Bauschutt und Erde bedeckten Boden mit Halswirbelbruch (Urteil M. vom 8. Februar 2000 [U 167/99]); - Sturz aus einer Höhe von etwa 7-8 Metern auf einen Humusboden (Urteil G. vom 8. Oktober 2004 [U 168/04]). Bereits diese wenigen Beispiele aus der Praxis lassen deutlich werden, dass sich eine Einordnung des Ereignisses vom 10. Oktober 2001 im Grenzbereich zu den schweren Unfällen nicht rechtfertigt, fehlt es doch an einer vergleichbaren (Gewalt-)Einwirkung auf den Körper. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs wäre daher zu bejahen, wenn die Kriterien gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 (mit der ihnen inhärenten Differenzierung zwischen physischen und psychischen Beschwerdekomponenten; BGE 117 V 359 E. 6a in fine S. 367) gehäuft gegeben wären oder eines der Kriterien in besonders ausgeprägter Weise vorliegen würde. Dafür finden sich vorliegend keine Anhaltspunkte, wobei auch diesbezüglich vollumfänglich auf die einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden kann. Es hat demnach beim kantonalen Gerichtsentscheid sein Bewenden.