Citation: U 83/04 29.03.2005 E. 4

Das von der Vorinstanz eingeholte Gutachten erfüllt die nach der Rechtsprechung für den Beweiswert medizinischer Gutachten geltenden Anforderungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis) und vermag in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. Es steht zudem im Einklang mit den Beurteilungen in den Gutachten der Klinik Z.________ vom 2. August 1996 und des Spitals X.________ vom 18. September 2000. Die offen gebliebenen Fragen werden, soweit erforderlich, beantwortet. Dies betrifft insbesondere die Bedeutung der dermatologischen Erkrankung (Acrodermatitis), das Vorliegen einer Neuroborreliose bzw. einer Lyme-Arthritis sowie die Interpretation der serologischen Untersuchungsergebnisse, welche nach gutachterlicher Auffassung darauf schliessen lassen, dass eine Borreliose höchstens möglich, nicht aber überwiegend wahrscheinlich ist. Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde gestützt auf die Meinungsäusserungen des Dr. med. S.________ und des Dr. med. U.________ hiegegen vorgebracht wird, vermag zu keinem anderen Schluss zu führen. Selbst wenn entgegen den Ausführungen im Gutachten den histologischen Befunden keine wesentliche Bedeutung beizumessen wäre, steht fest, dass nach dem erstmaligen Auftreten entsprechender Symptome gegen Ende 1994 nie positive serologische Befunde festgestellt wurden, wie sie auch nach Meinung des Dr. med. S.________ für die Diagnose einer Acrodermatitis erforderlich sind (Norbert Satz, Klinik der Lyme-Borreliose, Bern 2. Aufl. 2002, S. 124). Das Vorliegen einer Acrodermatitis ist daher nicht als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten, zu welchem Schluss bereits PD Dr. med. K.________ im Gutachten vom 18. September 2000 gelangt war (Urteil vom 4. Oktober 2001, Erw 2b/cc). In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird des Weiteren geltend gemacht, der Gutachter gehe fälschlicherweise davon aus, im Liquor sei keine Pleozytose (Erhöhung der Zellzahl) festgestellt worden. Dieser Einwand ist zwar insofern begründet, als im Bericht des Institutes für Pathologie des Kantons Thurgau, vom 13. Dezember 1993 eine Pleozytose (Lymphozyten, Monozyten und Plasmazellen sowie einzelne Granulozyten, ohne maligne Tumorzellen) erwähnt wurden. Die Pleozytose war laut Untersuchungsbericht jedoch geringen Grades. Zudem ist sie für die Diagnose einer Borreliose unspezifisch (vgl. Satz, a.a.O., S. 181 f.). Bezüglich der serologischen Untersuchungsergebnisse lässt sich den medizinischen Akten und der vom Institut für Infektionskrankheiten des Spitals Y.________ erstellten Übersicht entnehmen, dass von insgesamt 24 in der Zeit zwischen Dezember 1993 und Juni 1995 sowie im August 2000 durchgeführten Untersuchungen 22 negativ waren. Negativ verlief auch eine Liquoruntersuchung vom 9. Dezember 1993. Positiv fielen lediglich zwei Immunoblot IgG-Untersuchungen vom 26. Januar 1994 aus, wobei Antikörper P100 sowie Flagellin festgestellt wurden. Wird berücksichtigt, dass serologische Tests - wie im Gutachten näher ausgeführt wird - mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sind, weshalb für eine die Diagnose stützende Serologie in der Regel zwei positive Tests, nämlich ein positiver Antikörpertiternachweis mittels ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay) und ein solcher mittels Western Blot vorausgesetzt werden (vgl. Satz, a.a.O., S. 79 f.), so lässt sich im vorliegenden Fall, wo lediglich der Western Blot einmal positiv, der ELISA aber stets negativ war, nicht auf eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Borreliose bzw. eines Post-Lyme-Syndroms schliessen. Dies um so weniger als die im Western Blot nachgewiesenen Antikörper (Flagellin) nach den Angaben des Gutachters nicht als sehr spezifisch gelten, weil sie auch bei andern Erkrankungen und selbst bei einem erheblichen Anteil an gesunden Personen nachgewiesen werden können. Nicht gefolgt werden kann dem Einwand des Dr. med. S.________, wonach die Beurteilung der Laborbefunde durch das Institut für Infektionskrankheiten falsch sei und amerikanischen Kriterien entspreche, die auf europäische Lyme-Erkrankungen nicht anwendbar seien. Die Beurteilung stützt sich auf Laboruntersuchungen in vier verschiedenen Instituten und es kann nicht davon ausgegangen werden, dass diese durchwegs oder auch nur überwiegend auf mangelhaften Kriterien beruhten. Im Übrigen hat Dr. med. S.________ eine Borreliose Stadium II diagnostiziert, in welchem Stadium die Labortests in den meisten Fällen (über 80 %) pathologisch sind (Satz, a.a.O., S. 70 u. 145). Was schliesslich den Umstand betrifft, dass im Anschluss an die durchgeführten Rocephin-Kuren nicht nur eine vorübergehende, sondern offenbar eine dauerhafte Besserung der Beschwerden eingetreten ist, so lässt sich dies wohl als Indiz für eine Borreliose anführen (Urteil vom 4. Oktober 2001, Erw. 2b/bb). Es lässt sich daraus indessen nicht schliessen, dass die weiter bestehenden oder neu aufgetretenen Beschwerden Folge einer durchgemachten Lyme-Krankheit sind. Fraglich ist nicht, ob die Beschwerdeführerin je an Borreliose erkrankt ist, sondern ob die nach Einstellung der Leistungen per 31. Mai 1997 weiter bestehenden Beschwerden Folge einer solchen Erkrankung sind. Diesbezüglich sind die Vorbringen der Beschwerdeführerin insgesamt aber nicht geeignet, die gutachterliche Schlussfolgerung, wonach die geklagten Beschwerden höchstens möglicherweise, nicht aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Symptome einer anhaltenden Lyme-Borreliose oder Neuroborreliose (bzw. eines Post-Lyme-Syndroms) sind, ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Es muss daher bei der Feststellung bleiben, dass die verfügte Einstellung der Leistungen zu Recht besteht.