Citation: 6B_93/2022 E. 2.3.2

2.3.2. Der forensische Gerichtsgutachter erstattete ein Gutachten vom 3. Juli 2018, ein Ergänzungsgutachten vom 27. Mai 2019 und wurde von der Erst- und der Vorinstanz befragt. Nach dem Gutachten kann eine Persönlichkeitsstörung zwar nicht diagnostiziert werden, wohl aber liege eine unreife Persönlichkeitsakzentuierung gemäss ICD-10: Z73.1 vor. Diagnostisch sei die gelebte Ausrichtung des Beschwerdegegners als heterosexuelle Hebephilie gemäss ICD-10: F65.4 anzusprechen. Es handle sich um eine Untergruppe der sexuellen Devianzen, wobei sich die sexuelle Präferenz anders als bei der Pädophilie nicht auf vorpubertäre oder sich in der Pubertät befindliche Kinder beziehe, sondern auf Mädchen im Teenageralter. Beim Beschwerdegegner liege diese Präferenz bei einer unreifen Person vor, sodass eine Nachreifung vorstellbar sei und daher nicht unbedingt als (lebenslang) überdauernd präsentieren müsse. Dies werde sich im Verlauf zeigen. Hinsichtlich der Legalprognose weise er bedeutsame Risikofaktoren einer sexuellen Präferenzstörung (Hebephilie), eine Unreife in der Persönlichkeit und als belastende Tatmerkmale sexuelle Kontakte gleich mit mehreren jungen Mädchen im Schutzalter über einen Zeitraum von zwei Jahren auf. Daneben sei ein Mangel an Coping- und Selbstkontrollstrategien eruierbar. Ungünstig sei, dass er weiterhin deliktfördernde Meinungen vertrete wie die, dass 14-jährige Mädchen doch selbst entscheiden sollten, was sie täten. Ohne weitere Intervention sei von einem mittleren bis hohen Rückfallrisiko für die Anlassdelikte auszugehen. Für eine stationäre Therapie (Art. 59 StGB) oder eine Massnahme für junge Erwachsene (Art. 61 StGB) bestehe aus ärztlicher Sicht keine Indikation. Die psychische Problematik sollte und könne in einer längerfristigen ambulanten forensischen Psychotherapie bearbeitet werden (Urteil S. 69 f.). Nach dem Ergänzungsgutachten schien eine gewisse Nachreifung stattgefunden zu haben. Von einer stabil verbesserten Situation könne noch nicht gesprochen werden. Es ergebe sich eine etwas verbesserte Legalprognose mit einem durchschnittlichen Rückfallrisiko. Es müsse eine ambulante Massnahme bei einem forensisch ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden (Urteil S. 70). Vor der Erstinstanz bestätigte der Gutachter die Diagnosen. Heute wisse man noch nicht, wie sich der Beschwerdegegner entwickeln werde. Die Vorliebe für Mädchen im Teenageralter sei noch aktuell. Er verdränge und könne sich nicht an die Delikte erinnern. Die ganze sexuelle Problematik sei noch gar nicht bearbeitet worden. Es sei klar von einer schweren Störung auszugehen. Ihm fehle weiterhin die Einsicht (Urteil S. 70 f.). Vor der Vorinstanz führte der Gutachter aus, es frage sich, ob die Persönlichkeitsakzentuierung wohl schwerer sei als die frühere Diagnose, sie sei forensisch bedeutend und ausgeprägt. Nun gebe es Hinweise auf neue Taten im Kanton Bern (vgl. Urteil S. 77 f.), trotz der ambulanten Therapie und trotz Bewährungshilfe. Das seien Risikofaktoren. Es müsse nun von einem sehr hohen Rückfallrisiko ausgegangen werden. Dieses betrage weit über 50 Prozent. Eine ambulante Therapie mache keinen Sinn. Er müsse nun dringend eine stationäre Therapie empfehlen. Es zeige sich, dass der Beschwerdegegner kein Störungsbewusstsein habe, er weise die Hebephilie zurück. Die Therapie sei gescheitert (Urteil S. 71 f.; zu den Verlaufsberichten Urteil S. 72 ff.). Der Beschwerdegegner bestritt die neuen Vorhalte und berief sich im Übrigen auf sein Aussageverweigerungsrecht (Urteil S. 77). Die Vorinstanz hält dazu fest, er begebe sich in gefährliche Fahrwasser und dies während laufendem Strafverfahren. Der bedingte Strafvollzug könne nicht gewährt werden (Urteil S. 78).