Citation: 6B_985/2023 E. 2.2

2.2. Die Vorinstanz erwägt mit Bezug auf die Sorgfaltspflichtverletzung, bei beidseitiger Begrenzung der Piste durch Markierungsstangen kennzeichneten diese Markierungen den Pistenrand. Eine so markierte Piste sei somit seitlich begrenzt. Lediglich bei Pisten mit einer Mittelmarkierung ergebe sich die Piste gemäss den SKUS-Richtlinien aus der maschinellen Herrichtung und dem Geländeverlauf und könne durch Schneespuren der Skifahrer erweitert werden. Vorliegend sei die Piste Nr. xxx sowohl vor als auch nach der Unfallstelle durch Pistenmarkierungsstangen links und rechts begrenzt gewesen, wobei jeweils die nächste Pistenmarkierung für die Skifahrer sichtbar gewesen sei. Die durch Schneesportler verursachten Fahrspuren bzw. das Nebenweglein führten zu keiner Erweiterung der Skipiste; im Bereich der Unfallstelle habe denn auch Neuschnee gelegen. Der Unfallort liege 1.2 Meter vom Pistenrand entfernt. Die Vorinstanz hält im Sinne eines Zwischenfazits fest, die Unfallstelle habe sich somit nicht auf der (erweiterten) Skipiste, sondern im an den Pistenrand grenzenden Randbereich - und damit neben der Piste - befunden. Beim unmittelbaren Grenzbereich einer Piste handle es sich höchstens um ein eng begrenztes Gebiet von etwa einer Schwungbreite, rund zwei Meter, neben dem Pistenrand. Die Vorinstanz erwägt, Sinn und Zweck der Signalisation und Sicherung des Randbereichs bestehe nicht darin, den Skifahrern einen links und rechts um je zwei Meter verbreiteten Fahrstreifen zur Verfügung zu stellen, sondern darin, ihnen ein gefahrloses Abschwingen und Stehenbleiben am Pistenrand zu ermöglichen. Zudem sollten Pistenbenützer, die infolge eines Sturzes in der Nähe des Pistenrandes geringfügig über die Piste hinausgerieten, vor Gefahrenstellen geschützt werden, die nicht erkennbar oder selbst für verantwortungsbewusste Pistenbenützer schwer vermeidbar seien. Die Sicherung des unmittelbaren Grenzbereichs bezwecke gemäss Lehre und Rechtsprechung indes nicht den Schutz vor Pistenbenützern, die zu schnell fahren würden und dadurch unkontrolliert über den Pistenrand hinausgerieten. Diese hätten die Folgen eines solchen Risikoverhaltens selbst zu tragen. Demnach bestehe auch kein Schutz für Skifahrer die - wie die Verunfallte - bewusst ausserhalb der Piste fahren würden. In diesem Zusammenhang führt die Vorinstanz aus, die Anbringung der parallel zur Piste gesetzten schwarz-gelben Markierungsstangen mit den dazwischen gespannten Seilwimpeln entspreche dem vorgegebenen Sicherungszweck und erfülle die Anforderungen an eine ordnungsgemässe Signalisation und Sicherung der Gefahrenstelle. Eine weitergehende Absperrung oder Sicherung könnte nur verlangt werden, soweit auch bei vorsichtigem und den persönlichen Fähigkeiten angepasstem Fahrverhalten Unfallgefahr bestehe. Eine solche müsse in casu allerdings aufgrund der übersichtlichen und breiten Piste, der guten Sichtverhältnisse und der gut erkennbaren schwarz-gelben Markierungsstangen verneint werden. Der zwei Meter breite Randbereich sei dem Schutzzweck entsprechend gesichert worden. Der Beschwerdegegner 2 sei der ihm in seiner Funktion als Chef der Pistensicherheit obliegenden Verkehrssicherungspflicht nachgekommen und habe somit keine Sorgfaltspflichtverletzung begangen.