Citation: U 10/98 14.11.2000 E. 3

3.- a) Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (Kummer, Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 125 V 195 Erw. 2, 121 V 47 Erw. 2a, 208 Erw. 6b mit Hinweis). Der Sozialversicherungsrichter hat - unter Vorbehalt der Mitwirkungspflichten der Parteien - den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Art. 132 in Verbindung mit Art. 105 Abs. 1 und Art. 113 in Verbindung mit Art. 95 OG; BGE 107 V 163 Erw. 3a) und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf der Richter bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. b) Kreisarzt Dr. L.________ befand (kreisärztliche Untersuchung vom 29. Juni 1995), dass insgesamt keine Folgen der initialen Weichteilkontusion mehr festzustellen seien, welche eine relevante Behinderung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der Funktion eines Betriebsleiters rechtfertigen würden. Um dem Versicherten den Einstieg zu erleichtern, legte der Kreisarzt die Arbeitsfähigkeit zunächst auf 50 % fest. Die Ärzte der Klinik X.________ wiesen andererseits im Bericht vom 18. Juli 1995 darauf hin, dass chirurgisch/orthopädisch gesehen eine Stabilisation C5/6 in Frage käme, was jedoch derzeit nicht indiziert sei. An der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit änderten sie gegenüber der Meinung des Kreisarztes nichts. Sie empfahlen jedoch eine Abklärung evtl. in Y.________ oder Z.________. Im Bericht vom 31. August 1995 schlossen sie die Unfallkausalität nicht sicher aus und empfahlen nochmals die stationäre Abklärung in Y.________. Ohne weitere Abklärungen zu treffen, erliess die SUVA Verfügung (28. Juli 1995) und Einspracheentscheid (22. November 1995). In einem Schreiben vom 14. Dezember 1995 an den Rechtsvertreter des Versicherten wiesen die Ärzte des X.________ wiederum darauf hin, dass immer noch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Zur Kausalitätsfrage hätten sie sich bisher nie geäussert. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Unfallereignis und der nachgewiesenen Diskushernie C5/C6 und C6/C7 könne nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Die aktuellen Beschwerden stünden sicher in direktem Zusammenhang mit dem Unfall. Die Frage der Unfallkausalität sollte aber durch ein unabhängiges Gutachten geklärt werden. Dr. F.________, der vom Beschwerdeführer mit einer Begutachtung beauftragt wurde, geht in seinem Bericht vom 5. Januar 1998 davon aus, dass der Unfall eine überwiegend wahrscheinliche Ursache der Gesundheitsstörung sei. Dass eine reaktive depressive Entwicklung eingetreten sei, sei geradezu klassisch für diesen Gesundheitsschaden. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass sich die medizinischen Befunde der beteiligten Fachärzte in wesentlichen Punkten widersprechen. Der für die Beurteilung der Kausalitätsfrage massgebende medizinische Sachverhalt ist damit ungenügend festgestellt. In solchen Fällen unterschiedlicher ärztlicher Meinungsäusserungen kann das Gericht nicht ohne Begründung teilweise von fachärztlichen Einschätzungen abweichen bzw. sich für die eine oder andere Beurteilung entscheiden. Die sich aus den ärztlichen Äusserungen ergebenden Widersprüche sind mittels weiterer Beweismassnahmen zu klären. Aufschluss über die Beeinträchtigungen körperlicher und geistiger Natur und deren Ursache kann bei der gegebenen medizinischen Aktenlage einzig eine umfassende Begutachtung durch eine neutrale Fachperson geben. Die Sache ist daher an die SUVA zurückzuweisen, damit sie diese ergänzenden Abklärungen vornehmen lässt.