Citation: 8C_170/2021 E. 5.1.2

5.1.2. 5.1.2.1. Im BEGAZ-Gutachten vom 17. November 2016 wurde festgestellt, bei kombinierter Persönlichkeitsstörung mittelgradigen Ausmasses und moderat ausgebildeter anhaltender somatoformer Schmerzstörung bestehe in adaptierter Tätigkeit eine 30%ige erwerbsbezogene Leistungsminderung. Die Beschwerdeführerin sollte in wohlwollender Umgebung mit nicht allzu grossem Leistungsdruck in vorwiegend sitzender Stellung arbeiten können. Aus gleichen oder ähnlichen Diagnosen, verglichen mit dem Fall, der dem in der Beschwerde zitierten Urteil 8C_416/2020 vom 2. Dezember 2020 zugrunde liegt, lässt sich entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht schon auf eine Nichtverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit schliessen, da nicht der Befund an sich, sondern - neben Weiterem - der Schweregrad der Erkrankung relevant ist. Die Konstellationen sind aber vor allem auch deshalb nicht vergleichbar, weil sich die dort betroffene Versicherte als Betriebsökonomin mit der Schwierigkeit konfrontiert sah, eine Stelle mit höchsten intellektuellen Anforderungen bei um 50 % eingeschränkter Leistungsfähigkeit sowie Sozialunverträglichkeit in einem Teilzeitpensum zu finden. Es war deshalb absehbar, dass jene sich aufgrund der narzisstischen Anteile ihrer Persönlichkeit nicht auf Tätigkeiten einlassen würde, die sie als ihrem intellektuellen Niveau hätte unangepasst empfinden können. Deshalb verblieb ihr kein eigentlicher Fächer möglicher Tätigkeiten mehr (SVR 2021 IV Nr. 26 S. 80, 8C_416/2020 E. 6.2.3). Im Gegensatz dazu muss die Beschwerdeführerin keine komplette berufliche Degradierung hinnehmen. Es liegt zwar auf der Hand, dass eine Beschäftigung im Service nicht geeignet ist. Im Bereich der Hilfsarbeiten steht ihr aber auch unter Ausschluss von Teamarbeit und Kundenkontakt noch ein genügend grosser Bereich an zumutbaren Beschäftigungen zur Verfügung, die weder eine Ausbildung noch Erfahrung voraussetzen. Die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit lässt sich daher nicht in Zweifel ziehen (vgl. E. 5.1.1 hiervor). 5.1.2.2. Aus dem Abklärungsbericht der Genossenschaft D.________ vom 12. Dezember 2017 zur Potentialabklärung, durchgeführt vom 15. November bis 14. Dezember 2017 (Abbruch per 11. Dezember 2017), ergibt sich nichts anderes. Bereits die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang zutreffend darauf hingewiesen, dass die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen rechtsprechungsgemäss nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die medizinischen Fachpersonen und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten ist (Urteile 8C_370/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 3 und 9C_798/2018 vom 26. Juli 2019 E. 4.2.1). Dies hat umso mehr zu gelten, wenn der Experte - wie vorliegend auch - selbstlimitierendes Verhalten feststellt (Urteil 9C_646/2015 vom 19. Mai 2016 E. 4.4). So hat der psychiatrische Gutachter mehrfach darauf hingewiesen, dass sich das beobachtete Ausmass der Diskrepanzen/Inkonsistenzen bei der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung mittleren Grades nur zum Teil begründen lasse. Bezeichnenderweise äusserte die Beschwerdeführerin den Vorgesetzten der Genossenschaft D.________ gegenüber denn auch wiederholt, sie sei nur in dieser Abklärung, um zu zeigen, dass nichts funktioniere. Weder aus dem Fehlschlagen der Potentialabklärung noch aus der nicht vertieft begründeten abweichenden Ansicht der nicht auf Psychiatrie spezialisierten Hausärztin zur Arbeitsfähigkeit kann die Beschwerdeführerin somit etwas zu ihren Gunsten ableiten. Auch der Einwand, die "Frage nach der Zumutbarkeit" für den Arbeitgeber sei durch die Eingliederung zu klären, denn der RAD-Arzt habe angegeben, dies sei "nicht durch den RAD zu klären", ist offensichtlich nicht stichhaltig.