Citation: 5P.368/2004 10.12.2004 E. 3

Strittig ist in der Hauptsache das der Beschwerdeführerin anzurechnende (hypothetische) Einkommen. Die Beschwerdeführerin rügt, der Appellationshof habe die Kriterien gemäss Art. 125 ZGB, welche bei der Frage der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit auch im Eheschutzverfahren Anwendung fänden, in willkürlicher Weise gewichtet. Er habe einzig darauf abgestellt, dass sich die Beschwerdeführerin in nebenamtlichen Tätigkeiten engagiere und daraus auf die Möglichkeit der Ausdehnung der (bezahlten) Erwerbstätigkeit geschlossen. Dabei habe der Appellationshof das fortgeschrittene Alter der Beschwerdeführerin, ihren angeschlagenen Gesundheitszustand, die nur rudimentäre Berufsausbildung und die allgemeine Arbeitsmarktlage sowie die lange Ehedauer und die während der Ehe gelebte Rollenteilung nicht berücksichtigt. Diese Rüge erweist sich als unbegründet: Der Appellationshof hat keineswegs die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin einzig auf Grund ihrer nebenamtlichen Tätigkeiten beurteilt. Vielmehr hat er die Leistungsfähigkeit (auch) anhand der in Art. 125 ZGB erwähnten Kriterien geprüft: So hat er dem Alter, der Gesundheit und der (fehlenden) Ausbildung der Beschwerdeführerin ausdrücklich damit Rechnung getragen, als er ihr nur ein Arbeitspensum von 50 % angerechnet und die Höhe des Einkommens mit Fr. 1'733.-- pro Monat im unteren Einkommensbereich angesetzt hat. In Bezug auf die Ausbildung der Beschwerdeführerin ist zudem zu ergänzen, dass gemäss Feststellung im angefochtenen Entscheid diese zwar über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt, indessen dennoch während fast zehn Jahren zu 50 % im Pflegebereich erwerbstätig gewesen ist. Diesbezüglich hat der Appellationshof dafür gehalten, da sie damals zusätzlich noch erhebliche Kinderbetreuungsaufgaben wahrzunehmen hatte, müsse ihr heute - nachdem diese nun weggefallen seien - umso mehr zumutbar sein, einer ausserhäuslichen, bezahlten Teilzeitarbeit nachzugehen. Der Appellationshof ist weiter auch auf die Arbeitsmarktlage eingegangen und hat erwogen, der Pflegebereich wachse stetig und das Stellenangebot sei dementsprechend gross. Daraus wird ersichtlich, dass der Appellationshof eine Gesamtwürdigung der wesentlichen Faktoren vorgenommen hat; von einem einseitigen Abstellen auf einzelne Kriterien kann damit nicht die Rede sein. Namentlich kann unter Willkürgesichtspunkten nicht beanstandet werden, dass der Appellationshof nicht allein das Alter der Beschwerdeführerin als massgeblich erachtet hat. Bei der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach dem haushaltsführenden Ehegatten, der auf eine Erwerbstätigkeit verzichtet hat, die Wiederaufnahme einer solchen dann nicht mehr zuzumuten ist, wenn er im Zeitpunkt der Scheidung das 45. Altersjahr erreicht hat (BGE 114 II 9 E. 7b S. 11; 115 II 6 E. 5a S. 11), handelt es sich nicht um eine starre Regel. Im Einzelfall ist auf die konkreten Umstände abzustellen. Im vorliegenden Fall ist es haltbar, wenn der Appellationshof auf Grund der teilweisen Erwerbstätigkeit während der Ehe und der heutigen nebenamtlichen Tätigkeiten zum Schluss gelangt ist, dass es der Beschwerdeführerin - trotz ihres Alters und ihres angeschlagenen Gesundheitszustandes - zumutbar sei, einer Teilzeitarbeit nachzugehen. Die staatsrechtliche Beschwerde erweist sich als unbegründet.