Citation: 6B_1424/2021 E. 5.5

5.5. Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz, indem er geltend macht, er habe nie von der Beschwerdegegnerin 2 persönlich gehört, dass sie keinen Kontakt mit ihm wünsche, und es sei nicht erstellt, dass er mit seinen Bemühungen eine Beziehung mit der Beschwerdegegnerin 2 habe erzwingen wollen, ohne jedoch Willkür in der vorinstanzlichen Würdigung aufzuzeigen bzw. zu rügen. Es kann offenbleiben, ob diesbezüglich auf die Beschwerde überhaupt eingetreten werden kann. Auch in Berücksichtigung der Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz verletzt der Schuldspruch wegen versuchter Nötigung Bundesrecht. In Würdigung aller Umstände hat das zwanghafte Nachstellen des Beschwerdeführers die für strafbares nötigendes Verhalten erforderliche Erheblichkeitsschwelle noch nicht erreicht. Wie dargelegt ist die Tatbestandsvariante der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit" in Art. 181 StGB restriktiv auszulegen. Das Zwangsmittel der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit" muss, um tatbestandsmässig zu sein, das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise eindeutig überschreiten, wie es für die im Gesetz ausdrücklich genannten Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile gilt. Es muss ihnen mithin eine den gesetzlich genannten Mitteln vergleichbare Zwangswirkung zukommen (vgl. E. 4.3.2). Die zahlreichen E-Mails und Briefe sowie die Geschenke und der Umstand, dass der Beschwerdeführer am Wohnort der Beschwerdegegnerin 2 erschien, stellten jedenfalls ab einem bestimmten Zeitpunkt zweifellos eine Belästigung für diese dar, jedoch entfalteten sie auch unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht eine derartige Zwangswirkung, die den im Gesetz ausdrücklich genannten Nötigungsmitteln der Anwendung von Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile gleichkommt. Gemäss den vorinstanzlichen Feststellungen habe der Beschwerdeführer im Jahr 2015 mehrfach versucht, mit der Beschwerdegegnerin 2 per E-Mail in Kontakt zu treten. Die wiederholten Kontaktaufnahmeversuche konnten durch ihr damaliges Management weitgehend blockiert werden. Dieses forderte den Beschwerdeführer am 27. September 2015 per E-Mail auf, weitere Schreiben zu unterlassen. Gemäss der Vorinstanz kontaktierte der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 am 29. Oktober 2017 erneut. Dass zwischenzeitlich weitere Kontaktaufnahmeversuche erfolgten, ergibt sich aus dem vorinstanzlichen Urteil nicht. Demnach scheint der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 während zwei Jahren nicht kontaktiert zu haben. Die sechs in der Anklageschrift konkret umschriebenen Handlungen erfolgten zwischen Ende Oktober 2017 und Ende September 2019, mithin verteilt über einen Zeitraum von fast zwei Jahren. Soweit die Vorinstanz spätestens mit der E-Mail des Beschwerdeführers vom 3. November 2017 die Schwelle zur strafbaren Nötigung überschritten sieht, kann offenbleiben, ob sie mit der Berücksichtigung dieser Mail, die in der Anklageschrift nicht erwähnt wird, den Anklagegrundsatz und Art. 350 Abs. 1 StPO verletzt (vgl. hierzu E. 3.3.1), zumal der Beschwerdeführer keine entsprechende Rüge erhebt. Jedenfalls kann auch in Berücksichtigung der Vorgeschichte, insbesondere angesichts der zeitlichen Begebenheiten und der Handlungen des Beschwerdeführers nicht gesagt werden, dass dessen Einwirkungsversuche spätestens zu diesem Zeitpunkt eine Intensität angenommen hätten, die dazu geführt habe, dass nunmehr jeder weitere Einzelakt geeignet war, den angestrebten Erfolg zu bewirken. Gleiches gilt für die weiteren fünf Handlungen des Beschwerdeführers. Zwar mögen die teilweise wirren Zuschriften und Geschenke die Beschwerdegegnerin 2 ab einem gewissen Zeitpunkt belästigt, wenn nicht sogar belastet haben. Allerdings stellt die Vorinstanz einzig bezüglich der E-Mail vom 3. November 2017 fest, dass diese einen drohenden Unterton gehabt habe; daraus ist zu schliessen, dass die übrigen Zuschriften keine Drohungen enthielten. Auch ist zu berücksichtigen, dass es sich bei der Beschwerdegegnerin 2 um eine Person handelt, die durch ihren Beruf in der Öffentlichkeit steht, weshalb ein Besuch ihrer Auftritte und Zuschriften sowie Geschenke von Fans nicht ungewöhnlich sein dürften, wenn auch nicht in dem Ausmass, wie im vorliegenden Fall. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die dargelegten Handlungen des Beschwerdeführers in Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und der gesamten Umstände noch nicht eine Intensität annahmen, welche die Handlungsfreiheit der Beschwerdegegnerin 2 erheblich einschränkten und das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise eindeutig überschritten. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als begründet und der Schuldspruch wegen versuchter Nötigung betreffend Dossier 25 ist aufzuheben. Mit dem Schuldspruch ist auch die Anordnung des darauf basierenden Kontakt- und Rayonverbots sowie der Bewährungshilfe aufzuheben (vgl. Urteil S. 61), da die Voraussetzungen von Art. 67b Abs. 1 StGB nicht erfüllt sind.