Citation: 1P.318/2003 15.07.2003 E. 3

3. Der Beschwerdeführer rügt insbesondere, das Kantonsgericht habe die Beweise willkürlich gewürdigt und habe ihn schuldig gesprochen, obwohl ernsthafte, nicht zu unterdrückende Zweifel an seiner Schuld beständen. 3.1 Gemäss dem aus Art. 32 Abs. 1 BV und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK abgeleiteten Grundsatz "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist. Im vorliegenden Fall macht der Beschwerdeführer eine Verletzung der Beweiswürdigungsregel geltend: Als Beweiswürdigungsregel besagt der Grundsatz "in dubio pro reo", dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Maxime ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Das Bundesgericht legt sich bei der Überprüfung von Beweiswürdigungen im Strafprozess Zurückhaltung auf. Es greift mit anderen Worten nur ein, wenn der Sachrichter den Angeklagten verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des ganzen Beweisergebnisses offensichtlich erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel an dessen Schuld fortbestanden (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41; 124 IV 86 E. 2a S. 88; 120 Ia 31 E. 2c und d S. 37 f.). 3.2 Der Beschwerdeführer stellt zunächst in Abrede, am 20. Oktober 2001 um 16 Uhr überhaupt in St. Gallen gewesen zu sein. Er beruft sich auf seinen Schwager, der bestätige, von ca. 14 Uhr bis ca. 20 Uhr mit ihm zusammen gewesen zu sein. Der Zeuge habe ausgesagt, sie seien beide von Heiden nach Bendern gefahren, um Gemüse zu kaufen. Diese Aussage bestätige auch die Verkäuferin. Es liege eine Quittung im Recht, die einwandfrei belege, dass der Beschwerdeführer am besagten Ort 30 kg Kabis für Fr. 18.-- erworben habe. Es sei durchaus möglich, dass der Verkauf des Gemüses wesentlich vor 17 Uhr stattgefunden habe. Die gegenteilige Annahme des Kantonsgerichtes sei willkürlich, weil einfach ein zeitlicher Ablauf konstruiert werde, um doch noch einen Schuldspruch zu ermöglichen. Das Kantonsgericht hält dagegen, laut Zeugenaussage der Verkäuferin könne es durchaus möglich gewesen sein, dass der Gemüsekauf erst zwischen 17 Uhr und 17.30 Uhr stattgefunden habe. Es sei der drittletzte Verkauf an diesem Tag gewesen. Dies wisse sie mit Sicherheit, weil sie sich die Verkäufe stets notiere. Sie könne sich jedoch nicht an die genaue Zeit erinnern. Die Fahrzeit mit dem Auto von St. Gallen via Heiden nach Bendern betrage rund 60 Minuten. Wenn also der Verkauf erst nach 17 Uhr abgewickelt worden sei, sei es möglich, dass der Beschwerdeführer um 16 Uhr noch in St. Gallen gewesen sei. Der Gemüsekauf und die Beschimpfung schlössen sich nicht aus. Der Umstand, dass sich der Zeuge C.________ ahnungslos gegeben hatte, was den Streit zwischen dem Beschwerdeführer und dessen Schwiegertochter anbelangte, stimmte das Kantonsgericht misstrauisch. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seinem Schwager vom angespannten Verhältnis erzählt habe. Überdies seien Aussagen naher Verwandter und Freunde mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen. 3.3 Die Rekonstruktion des zeitlichen Ablaufs durch das Kantonsgericht ist keineswegs abwegig. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer gemäss Quittung am 20. Oktober 2001 in Bendern 30 kg Kabis gekauft hat, führt nicht zwingend zum Schluss, der Beschwerdeführer könne sich unmöglich um 16 Uhr in St. Gallen aufgehalten haben. Zudem hat das Kantonsgericht, wie nachfolgend zu zeigen ist, bei der Beweiswürdigung nicht einzig auf den zeitlichen Faktor abgestellt, sondern auch auf übereinstimmende Zeugenaussagen. Dass das Kantonsgericht davon ausgeht, der Beschwerdeführer könne trotz des Gemüsekaufs um 16 Uhr in St. Gallen gewesen sein, ist verfassungs- und konventionsrechtlich nicht zu beanstanden, zumal auch die Verkäuferin keine verbindlichen Angaben über den Zeitpunkt des Kaufs machen konnte.