Citation: 6B_931/2019 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz hält zur Wissenskomponente hinsichtlich der Geschwindigkeitsüberschreitung - teilweise unter Hinweis auf die erstinstanzlichen Ausführungen - fest, auch wenn davon auszugehen sei, dass im Audi S7 aufgrund der Fahrzeugbeschaffenheit und -ausstattung hohe Geschwindigkeiten kaum wahrnehmbar seien, hätte der Beschwerdeführer bei einer Geschwindigkeit von 143 km/h aufgrund der Schnelligkeit, mit der sich seine Umgebung bei der Fahrt verändere, erkennen müssen, dass er mit einer derart hohen Geschwindigkeit fahre, insbesondere weil es hier nicht um eine Überschreitung von 10 km/h oder 20 km/h, sondern um eine solche von 63 km/h gehe, was mehr als drei Viertel schneller als die zulässige Geschwindigkeit sei. Anzufügen sei, dass ein erfahrener Fahrzeuglenker regelmässig auf den Tachometer schaue und der Beschwerdeführer auch eingeräumt habe, dies regelmässig immer wieder zu tun. Auch deshalb hätte ihm klar sein müssen, wie schnell er unterwegs sei. Als erfahrener Lenker dieser Sportlimousine mit starker Beschleunigung müsse dem Beschwerdeführer denn auch bewusst sein, dass schon mit kurzem Druck aufs Gaspedal derart hohe Geschwindigkeiten erreicht würden. Der Beschwerdeführer weise eine Fahrpraxis von mehr als 35 Jahren auf, besitze das fragliche Fahrzeug seit zweieinhalb Jahren und fahre damit jährlich 30'000-40'000 Kilometer. Diese Umstände liessen den Schluss zu, dass der Beschwerdeführer angesichts der gefahrenen Geschwindigkeit von 143 km/h, d.h. 63 km/h über der zulässigen Geschwindigkeit, mindestens damit habe rechnen müssen, dass er viel zu schnell gefahren sei, insbesondere da ihm eigenen Angaben zufolge bewusst gewesen sei, dass er bezüglich Geschwindigkeitslimit von der Historie her nicht "schweizkonform" sei. Weiter habe der Beschwerdeführer erklärt, dass er damals rechtzeitig habe nach Zürich kommen wollen. Es sei daher insgesamt aufgrund der Umstände als erstellt zu betrachten, dass der Beschwerdeführer gewusst oder zumindest für möglich gehalten habe, dass er massiv zu schnell unterwegs gewesen sei, bzw. dass er mit seinem Fahrverhalten die Verkehrsregel, wonach er auf dem fraglichen Strassenabschnitt höchstens mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h fahren durfte, krass verletze (Urteil S. 10 f. E. 2.5.2; erstinstanzliches Urteil S. 13 ff.). Weiter führt die Vorinstanz aus, zur Wissenskomponente hinsichtlich der Schaffung eines hohen Unfallrisikos mit Schwerverletzten oder Todesopfern sei vorab hervorzuheben, dass eine Tempoüberschreitung von über 60 km/h bei einer Strecke, wo die Höchstgeschwindigkeit 80 km/h betrage, wie vorliegend, grundsätzlich ein hohes Risiko für schwere Unfälle schaffe. Diese Vermutung könne indessen beim Vorliegen ausserordentlicher Umstände widerlegt werden. Bei der vom Beschwerdeführer mit 143 km/h befahrenen Strecke handle es sich um eine nicht richtungsgetrennte Strasse. Die Fahrstreifengrenzen seien lediglich mit einer Leitlinie gekennzeichnet. Gemäss den bei den Akten liegenden Fotos befänden sich in Höhe der Radarmessung neben der Fahrbahn in Fahrtrichtung des Beschwerdeführers hohe Sträucherhecken und münde ein Feldweg in die Strasse. Die Strasse an dieser Streckenstelle weise auf der gegenüberliegenden Seite Felder und dahinter Waldrand auf. Die Fahrbahn sei nicht durch Zäune oder andere Schranken von der Umgebung abgetrennt. Diese Strassenverhältnisse würden das bei derart hohen Geschwindigkeiten bestehende Unfallrisiko eher erhöhen, was dem Beschwerdeführer, der die Strecke kenne, bewusst sein müsse. Es müsse davon ausgegangen werden, dass wenn unter diesen Umständen aus dem Feld oder dem Gebüsch bzw. der Hecke herkommend ein Tier (Hund, Katze oder auch kleinere Tiere) auf die Strasse gelaufen oder plötzlich ein anderes Hindernis aufgetreten wäre, es bei der hohen Geschwindigkeit, mit welcher der Beschwerdeführer unterwegs gewesen sei, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Unfall mit schweren Folgen, allenfalls für ihn selbst, gekommen wäre. Diese hohe Geschwindigkeit berge die Unmöglichkeit in sich, das grosse Risiko eines Unfalls im Falle eines Hindernisses oder eines Verlusts der Fahrzeugbeherrschung zu vermeiden. An diesen Erwägungen würden auch die grundsätzlich zutreffenden Vorbringen der Verteidigung nichts ändern, dass insbesondere der fragliche Streckenabschnitt gerade sei, die Witterungs- und Sichtverhältnisse gut gewesen seien und die Einmündung des Feldweges zum U.________ von der Fahrtrichtung des Beschwerdeführers her gut einsehbar gewesen sei und somit ein Traktor oder ein anderes Gefährt grundsätzlich gut sichtbar gewesen wäre. Dies spreche zwar in der Tat gegen ein extrem hohes Unfallrisiko wie es beispielsweise bei kurvigen Strassen oder solchen mit Strasseneinmündungen oder hoher Verkehrsdichte gegeben sei, was indessen lediglich bei der Strafzumessung zu berücksichtigen sei. Bei einer Geschwindigkeit von 143 km/h bestehe auch bei Strassenverhältnissen wie den vorliegenden ein hohes Risiko von schweren Unfällen. Jedenfalls seien hier keine ausserordentlichen Umstände im Sinne der Rechtsprechung gegeben, die gegen diese gesetzliche Vermutung sprechen würden, wie etwa, dass eine Beschränkung der Geschwindigkeit zu einem anderen Zweck als der Verkehrssicherheit angeordnet worden sei. Aufgrund der gegebenen bzw. geschaffenen Umstände habe der Eintritt einer konkreten Gefährdung daher insgesamt doch besonders nahe gelegen, so dass auch der Beschwerdeführer dieses Risiko zumindest ernsthaft für möglich gehalten haben müsse. Weiter sei davon auszugehen, dass er dieses hohe Unfallrisiko in Kauf genommen habe, was sich grundsätzlich schon daraus ergebe, dass er eine krasse Geschwindigkeitsüberschreitung und die hohe Unfallgefahr für möglich gehalten habe und dennoch derart schnell gefahren sei. Die Strecke sei ihm bekannt gewesen - also auch, dass die Fahrbahn nicht richtungsgetrennt sei und es Hecken sowie Wegeinmündungen gebe. Weiter habe er eingeräumt, dass "im Unterbewusstsein auch der Gedanke war, rechtzeitig nach Zürich (zur Verwaltungsratssitzung) zu kommen". Auch dies deute darauf hin, dass er bei seinem Ziel, rechtzeitig in Zürich zu sein, das hohe Unfallrisiko in Kauf genommen bzw. er sich aufgrund der massiv übersetzten Geschwindigkeit auf der ihm bekannten Strecke damit abgefunden habe, auch wenn er dieses Unfallrisiko nicht gewünscht habe. Hervorzuheben sei, dass die Inkaufnahme eines Risikos nicht mit der Inkaufnahme eines Unfalls mit dessen Folgen gleichgesetzt werden dürfe (Urteil S. 11 ff. E. 2.5.2). Die Vorinstanz erwägt, durch die Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit von 80 km/h um netto 63 km/h habe der Beschwerdeführer den objektiven Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c SVG erfüllt. Dabei habe er auch ein hohes Unfallrisiko mit Schwerverletzten oder Todesopfern zumindest ernsthaft für möglich gehalten und dieses in Kauf genommen. Er müsse sich eventualvorsätzliches Handeln vorwerfen lassen. Sodann würden keine besonderen, speziellen Umstände vorliegen, welche die gesetzliche Vermutung, dass ein Fahrzeuglenker bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung der vorliegenden Art regelmässig vorsätzlich handle, widerlegen könnten. Der Beschwerdeführer sei somit der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b und Abs. 3 VRV schuldig zu sprechen (Urteil S. 13 f. E. 3).