Citation: 6S.192/2003 01.10.2003 E. 5.3

5.3.1 Soweit die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz sei ohne triftige Gründe von der verkehrstechnischen Unfallanalyse abgewichen, wendet sie sich gegen die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz. Auf ihre Beschwerde kann insofern nicht eingetreten werden (Art. 273 Abs. 1 lit. b und 77; vgl. 6P.72/2003 E. 7.3). 5.3.2 Der Gutachter geht zunächst von einer theoretischen Erkennbarkeitsdistanz aus. Diese bestimmt sich unter Berücksichtigung der Sichtbeschränkung durch die Strassenlage (Kurve) und durch die auf der Gegenfahrbahn vor der Bahnschranke wartenden Fahrzeuge, insbesondere Lastwagen. Die zum Unfallzeitpunkt herrschenden Sichtverhältnisse, d.h. die Einschränkung der Sicht durch die Witterungsverhältnisse und andere Faktoren, sind in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung. Die maximale theoretische gegenseitige Erkennbarkeitsdistanz im Unfallzeitpunkt beziffert der Gutachter bei der Betrachtung "Fahrrad noch auf Trottoir" auf 50 Meter und bei der Betrachtung "Fahrrad bereits auf Hauptstrasse auf 43 bis 48 Meter. Dabei erachtet er es als überwiegend wahrscheinlich, dass der Geschädigte erst im Bereich der Einmündung Schlosshalde vom Trottoir auf die Strasse gewechselt ist. Zusätzlich bezieht der Gutachter bei der Grenzbetrachtung "maximale Erkennbarkeit" in seine Überlegungen die konkreten Sichtverhältnisse mit ein, d.h. die durch die äusseren Licht- und Witterungseinflüsse (starker Regen, Dämmerungsübergang, Streulicht) bedingte konkrete Sichtweite. In Bezug auf diese Sichtweite legt sich der Gutachter entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht fest. Er zeigt im Sinne einer Entscheidgrundlage lediglich auf, wie sich die Verhältnisse bei einer Sichtweite von weniger als 35 Metern und bei einer solchen von mehr als 35 Metern darstellen. Dass sich der Gutachter hinsichtlich der konkreten Sichtweite nicht festlegen kann, leuchtet ohne weiteres ein, da zu einem späteren Zeitpunkt die zur Zeit des Unfalls herrschenden konkreten Verhältnisse nicht mehr genau eruierbar sind, so dass eine ziffernmässige genaue Bestimmung der Sichtweite nicht möglich ist. Von daher ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz unter Berufung auf die allgemeine Lebenserfahrung zum Schluss gelangt, auch bei schlechten Witterungsverhältnissen in der Dämmerung sei ein dunkel bekleideter Fahrradfahrer mit normal funktionierendem Vorderlicht über eine Distanz von mindestens 35 bis 40 Metern erkennbar. Was die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang einwendet, ist unbehelflich. So lässt sich entgegen ihrer Auffassung aus der mutmasslichen Endlage des Unfallopfers nichts für die konkrete Sichtweite ableiten. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin sagen über die herrschende Sichtdistanz, mithin darüber, wann sie den Geschädigten auf seinem Fahrrad hätte erblicken können, nichts aus, sondern beziehen sich allein auf die Frage, zu welchem Zeitpunkt sie jenen hätte erblicken müssen. Dabei geht sie fälschlicherweise davon aus, sie hätte unter den gegebenen Verhältnissen ihre Aufmerksamkeit nicht schon zu jenem Zeitpunkt auf den Geschädigten richten müssen, als dieser sich noch auf dem Trottoir bewegte (vgl. oben E. 3.2). Was sie weiter ausführt, richtet sich gegen die Beweiswürdigung der Vorinstanz, worauf im Verfahren der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde nicht eingetreten werden kann. Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt unbegründet, soweit auf sie eingetreten werden kann.