Citation: I 233/06 27.02.2007 E. 6

6.1 In dem vom Versicherten mit seiner Ehefrau geführten Betrieb werden Bäckerei- und Konditorei-Produkte angeboten. Gemäss dem hausärztlichen Bericht vom 25. Oktober 2002 entfallen gesamthaft etwa zwei Drittel der Tätigkeit des Beschwerdeführers auf - allergierelevante - Bäckerarbeiten und ein Drittel auf Konditorarbeiten. Dabei sieht der Tagesablauf des Versicherten nach dessen Darstellung im Verwaltungsverfahren so aus, dass von 01.00 Uhr bis 04.00 Uhr Arbeiten mit starker Mehlstaubentwicklung anfallen (Abwiegen nach Rezepten; Herstellen, Aufarbeiten und Formen der Teige). Es folgt bis 5.30 Uhr das Ausbacken der Ware, wobei wenig Mehlstaub anfällt. Danach werden die Waren bereitgestellt und ausgeliefert, was nicht mit einer Mehlexposition verbunden ist. Von 7.30 Uhr bis 12.00 Uhr werden Konditorei-Produkte bei geringem Mehlstaubkontakt hergestellt, und nach der Mittagspause werden von 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr mit wenig Mehlstaub verbundene Vorbereitungsarbeiten für den nächsten Morgen sowie allgemeine Büroarbeiten vorgenommen. 6.2 Gemäss Stellungnahme des Dr. med. W.________ vom Juni 2005 beträgt die Restarbeitsfähigkeit des Versicherten als Bäcker bei konsequentem Tragen von Feinstaubmaske und Schutzhandschuhen 50 %, während in der Tätigkeit als Konditor und für Büroarbeiten keine gesundheitsbedingte Einschränkung besteht (E. 3 hievor). Die Aussage des Hausarztes zur Restarbeitsfähigkeit als Bäcker liesse sich masslich in zweierlei Richtungen interpretieren. Entweder ist gemeint, dass der Versicherte im Rahmen seiner gesamten Tätigkeit lediglich noch zu 50 % als Bäcker tätig sein kann. Diesfalls wären ihm als Bäcker nurmehr 50 % anstelle der bisher ausgeübten 66 2/3 % eines Vollpensums zuzumuten, bei nicht eingeschränkter Arbeitsfähigkeit in dem bislang 33 1/3 % betragenden Tätigkeitsanteil als Konditor. Oder aber der Hausarzt geht davon aus, dass der Versicherte lediglich noch 50 % der bislang einem Anteil von 66 2/3 % an der Gesamttätigkeit entsprechenden Bäckerarbeit verrichten kann. In diesem Falle beliefe sich, bei unveränderter Situation in Bezug auf die Konditortätigkeit, die Restarbeitsfähigkeit als Bäcker auf 33 1/3 % eines Vollpensums. Dass der Hausarzt in den vorangegangenen Berichten eine Arbeitsunfähigkeit von gesamthaft 66 2/3 % bestätigt hatte und dabei die Tätigkeit eines Bäcker allergiebedingt als im damaligen Zeitpunkt gänzlich unzumutbar bezeichnet hatte, spricht eher dafür, dass er bei der Stellungnahme vom Juni 2005 von der ersten der beiden genannten Verständnisvarianten ausgegangen ist. Ob dies zutrifft, muss hier aber aufgrund der folgenden Erwägungen nicht abschliessend beantwortet werden. 6.3 Die bisherige Tätigkeit könnte der Versicherte nach dem Gesagten ohne irgendwelche betrieblichen Umstellungen noch in einem Gesamtumfang von 83 1/3 % (1. Variante: 50 % als Bäcker und 33 1/3 % als Konditor) resp. 66 2/3 % (2. Variante: 33 1/3 % als Bäcker und 33 1/3 % als Konditor) ausüben. Dabei ist der Anteil Büroarbeiten, für welche keine gesundheitliche Einschränkung besteht, nicht separat ausgewiesen. Als betriebsorganisatorische Massnahme, mit welcher sich die erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Gesundheitsschädigung weiter reduzieren lassen, fällt in erster Linie der Einsatz von Halbfertigprodukten (Teiglingen) bei der Bäckerarbeit in Betracht. Die Mehlexposition wäre dadurch zweifellos deutlich geringer. Die Verwendung von Teiglingen hatte der Versicherte im Verwaltungsverfahren anfänglich selber angeregt. Da er hiefür eine Kühlanlage benötigen würde, hat ihm die IV-Stelle für deren Beschaffung gestützt auf Art. 18 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 7 IVV eine Kapitalhilfe in Form eines selbstamortisierenden Darlehens angeboten. Dieses Angebot lehnte der Beschwerdeführer in der Folge ab, und er hielt an seinem Rentenbegehren fest. Dabei kann aber ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die durch die Weizenmehlallergie bewirkte Erwerbseinbusse durch die Verwendung von Teiglingen unter Zuhilfenahme einer Kühlanlage noch weiter minimiert werden könnte und jedenfalls kein rentenbegründendes Ausmass mehr hätte. Dies gilt selbst dann, wenn die Verwendung von Teiglingen anstelle von selbst hergestellten Teigen allenfalls einen Teil der bisherigen Kundschaft zu den Bäckereiprodukten von Grossmärkten und Tankstellenshops hinführen sollte, wie dies der Versicherte unter Hinweis auf eine Stellungnahme des Schweizerischen Bäcker-Konditorenmeister-Verbandes vom 28. Februar 2006 geltend machen lässt. Zwar ist vorstellbar, dass sich eine solche Verlagerung ergibt und daraus ein Umsatz- und Verdienstrückgang resultiert. Dass dies zu einer Erwerbseinbusse in rentenrelevantem Ausmass beitragen oder gar die Existenz des Betriebs ernsthaft in Frage stellen könnte, ist aber nicht wahrscheinlich. 6.4 Aufgrund des Gesagten ist zuverlässig und ohne Notwendigkeit weiterer Sachverhaltsabklärungen zu folgern, dass die durch die Weizenmehlallergie begründete Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit im eigenen Betrieb schon mit den erwähnten, als zumutbar zu betrachtenden Massnahmen in einer Weise gesenkt werden kann, dass kein Rentenanspruch besteht. Damit kann offen bleiben, ob andernfalls zusätzliche betriebliche Umstellungen, wie der Ausbau des Konditorei- zu Lasten des Bäckereianteils, erwartet werden dürften. Ebenso erübrigen sich Weiterungen zur Frage der Zumutbarkeit eines Berufswechsels und zu dem von der Vorinstanz durchgeführten Einkommensvergleich. Was in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde weiter vorgetragen wird, rechtfertigt kein anderes Ergebnis. Dies gilt auch, soweit dem Wunsch des Versicherten Ausdruck gegeben wird, durch die mittels der anbegehrten Invalidenrente zu finanzierende Anstellung einer Hilfsperson den Betrieb für die verbleibenden Jahre bis zur Pensionierung in der bisherigen Weise weiterführen zu können. Die Konzeption der Invalidenversicherung beruht in wesentlicher Weise auf dem Grundsatz der Selbsteingliederung als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht. Das heisst, die invalide Person hat, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare vorzukehren, um die Folgen der Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a S. 28; AHI 2001 S. 277 E. 5a/aa; vgl. auch BGE 129 V 460 E. 4.2 S. 463, 123 V 230 E. 3c S. 233). Wird diesem Grundsatz hier Rechnung getragen, besteht keine rentenbegründende Invalidität.