Citation: B 16/06 16.10.2006 E. 3

3.1 Nachdem die Berufsvorsorgeeinrichtung von der IV-Stelle nicht über das ihrer Verfügung vom 12. Oktober 2001 vorangehende Vorbescheidverfahren orientiert und in der Folge mit einer Verfügungskopie bedient worden ist, entfällt eine Bindungswirkung. Daran ändert der Umstand nichts, dass die Pensionskasse mit Schreiben vom 30. April 2002 nachträglich durch den damaligen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in den Besitz der IV-Rentenverfügung gelangt war (Urteil S. vom 5. Oktober 2005 [B 91/04]), weshalb im Folgenden frei zu prüfen ist, in welchem Zeitpunkt die Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität mit Zusprechung einer vollen Rente der Invalidenversicherung ab 1. Mai 2001 führte, eingetreten ist. 3.2 Entgegen der Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde lässt sich auch gestützt auf die reglementarischen Bestimmungen der Pensionskasse keine Bindung an den Entscheid der Organe der Invalidenversicherung begründen. Gemäss Art. 4.5.1 Abs. 2 des hier massgeblichen Reglements (Ausgabe Januar 1999) - welches nach dem Vertrauensprinzip, unter Berücksichtigung der Unklarheits- und Ungewöhnlichkeitsregeln, auszulegen ist (BGE 122 V 146 Erw. 4c mit Hinweisen; vgl. auch 130 V 81 Erw. 3.2.2 mit Hinweisen) - liegt Erwerbsunfähigkeit vor, wenn der Versicherte ganz oder teilweise ausserstande ist, seine bisherige berufliche Tätigkeit oder eine andere ihm nach seinen Kenntnissen und Fähigkeiten sowie mit Rücksicht auf seine bisherige berufliche Stellung zumutbare Tätigkeit auszuüben. Was die Feststellung der Invalidität betrifft, ist auf Art. 4.5.2 Abs. 1 des Reglements zu verweisen, wonach die Kasse auf Antrag des Versicherten oder der Firma über die Invalidität entscheidet (Satz 1). Grundlage des Entscheids ist in jedem Fall ein Gutachten des Vertrauensarztes der Kasse oder eine Verfügung der IV (Satz 2). Zum einen erfolgte, wie dem Schreiben der Pensionskasse vom 18. Juni 2002 zu entnehmen ist, eine medizinische Abklärung durch den Vertrauensarzt. Zum andern lässt sich aus dieser Bestimmung nicht ableiten, der Vorsorgeversicherer wolle sich reglementarisch bedingungslos an den IV-Entscheid binden. Ausgehend vom Wortlaut und unter Berücksichtigung der Auslegungsgrundsätze kann es vernünftigerweise nicht Wille des Reglementgebers sein, durch den Wortlaut von Art. 4.5.2 Abs. 2 - ungeachtet der materiellen Richtigkeit des Entscheides der Organe der Invalidenversicherung - auch dann eine Bindung an deren Entscheid zu bewirken, wenn sich die Pensionskasse am IV-Verfahren nicht hat beteiligen können. Diesfalls muss es der Vorsorgeeinrichtung vielmehr offen stehen, bei einem zumindest zweifelhaften Entscheid der IV-Stelle, (auch) für die Frage des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit selbstständige Feststellungen zu treffen.