Citation: 6B_221/2009 02.09.2009 E. 5

5.1 Die Vorinstanz hält fest, dass in der Umgebung des Wysswassers eine Vielzahl von Warntafeln angebracht ist, die in mehreren Sprachen vor der Todesgefahr bei anschwellendem Wasser warnen und woran die Familie A.________ vorbeigegangen war (angefochtenes Urteil S. 21). A.A.________ habe dazu glaubhaft ausgesagt, die Tafel bei der Abzweigung zum Bachbett erst nach dem Unfall wahrgenommen zu haben. Es könne ihm und seinen Angehörigen denn auch nicht unterstellt werden, wissentlich ein Risiko eingegangen zu sein. Ein allfälliges Mitverschulden durch Unachtsamkeit könnte hier ohnehin einzig den beiden Erwachsenen angelastet werden, den beiden minderjährigen Kindern wohl eher nicht. Im Strafrecht gebe es indessen keine Schuldkompensation, weshalb ein eventuell zivilrechtlich relevantes Mitverschulden im Strafrecht grundsätzlich unbeachtlich bleibe und die Angeklagten nicht entlaste. Es sei zwar richtig, dass von jeder einzelnen Person Eigenverantwortung verlangt werden dürfe. Wer aber eine ausserordentlich grosse Gefahr für Leib und Leben Dritter heraufbeschwöre - und dies hätten die Beschwerdeführer 2, 3 und 4 durch ihr Handeln und der Beschwerdeführer 1 durch seine Unterlassungen getan - und wie die Mitarbeiter der GKW aufgrund seiner Sachkompetenz die Gefahr weitaus besser kenne als potentiell gefährdete Dritte, dürfe nicht auf deren Eigenverantwortung vertrauen, wenn er wisse, dass die getroffene Massnahme - hier insbesondere das Aufstellen von Warntafeln - nicht die gewünschte Wirkung zeige und sich trotzdem immer wieder Personen an den Schildern vorbei ins Bachbett begäben. Das Verhalten der Familie A.________ sei unter diesem Gesichtspunkt keineswegs derart aussergewöhnlich gewesen, dass die Mitarbeiter der GKW schlechthin nicht damit hätten rechnen müssen und dass es das Vorgehen der Beschwerdeführer in den Hintergrund zu drängen vermöchte (angefochtenes Urteil S. 21 f.). In ihren Erwägungen zum Zivilpunkt hält die Vorinstanz fest, dass die Warntafel an der Stelle, an welcher die Familie A.________ das asphaltierte Strässchen verlassen habe, gut sichtbar angebracht und bildhaft und textlich leicht verständlich gestaltet sei. Die Aussage von A.A.________ Overdijk, dass sie beim Vorbeigehen die Warntafel nicht beachtet hätten, sei glaubhaft. Wie im Strassenverkehr entschuldige die Nichtbeachtung einer Warntafel jedoch nicht. Vielmehr hätte A.A.________ bei gehöriger Aufmerksamkeit die an sich von Weitem sichtbare Warntafel wahrnehmen und beachten müssen. Daher treffe ihn ein Mitverschulden, das nicht mehr leicht wiege (angefochtenes Urteil S. 29 f.). Die Vorinstanz hat aus diesen Gründen die Schadenersatzpflicht der Beschwerdeführer um 40 % reduziert und das Mitverschulden von A.A.________ auch bei der Bemessung der diesem zugesprochenen Genugtuung berücksichtigt (angefochtenes Urteil S. 30 ff.). 5.2 Die Beschwerdeführer machen im Wesentlichen unter Berufung auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Verkehrssicherungspflicht von Bergbahn- und Skiliftunternehmen geltend, dass im vorliegenden Fall die zahlreichen Warnschilder genügten. Es liege eine eigenverantwortliche Selbstgefährdung vor, weshalb sie vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freizusprechen seien. Die Beschwerdeführer beanstanden, dass sich die Vorinstanz mit der genannten Rechtsprechung nicht befasst und nicht begründet habe, weshalb die Warnschilder nicht ausreichten. 5.3 Die Zurechnung des Erfolgs kann an der Selbstverantwortung des Opfers scheitern. Die eigenverantwortliche Selbstgefährdung ist straflos, und die Mitwirkung an der eigenverantwortlichen Selbstgefährdung ist es auch, solange der sich selbst Gefährdende das Risiko im selben Ausmass überblickt wie der Mitwirkende. Blosse Mitwirkung an fremder Selbstgefährdung liegt vor, wenn der Rechtsgutträger sich bewusst und frei verantwortlich einer bestimmten Gefahr für seine Rechtsgüter aussetzt und der andere diese Selbstgefährdung lediglich ermöglicht, veranlasst oder unterstützt. Die Straflosigkeit der Mitwirkung an fremder Selbstgefährdung findet ihre Grenze dort, wo der Veranlasser oder Förderer ein überlegenes Sachwissen in Bezug auf die in Frage stehende Gefahr hat oder erkennt, dass das Opfer die Tragweite seines Entschlusses nicht überblickt. In diesem Falle schafft er ein Risiko, das vom Willen des Opfers nicht mehr gedeckt und dessen Verwirklichung daher dem Mitwirkenden zuzurechnen ist (siehe zum Ganzen BGE 134 IV 149 E. 4.4, 193 E. 9.1; 131 IV 1 E. 3.3; 125 IV 198 E. 3a; Urteile 6P.89/2004 vom 1. Oktober 2004 E. 5; 6S.91/2007 vom 17. Januar 2008 E. 4.5, je mit Hinweisen). Auf eine Gefahr kann insbesondere durch Warnungen aufmerksam gemacht werden. Die Betreiber von Bergbahnen und Skiliften beispielsweise sind nach der Rechtsprechung verpflichtet, im Bereich, in dem eine von ihnen eingerichtete Piste in eine sog. wilde Piste übergeht, Warntafeln aufzustellen, um die Skifahrer an der Benützung der wilden Piste zu hindern. Die Warnung mittels Tafeln an den neuralgischen Stellen ist erforderlich und grundsätzlich ausreichend, doch sind unter Umständen, im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren, Absperrungen (Schnur mit Fähnchen, gekreuzte Stangen) geboten (siehe BGE 115 IV 189 E. 3; 117 IV 415 E. 5). Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt unterscheidet sich allerdings in verschiedener Hinsicht von den Fällen betreffend die Verkehrssicherungspflicht für Skipisten. Die Betreiber von Bergbahnen und Skiliften stehen jedenfalls insoweit in einer vertraglichen Beziehung mit den Skifahrern, als sie diese auf die von ihnen eingerichteten Skipisten befördern. Demgegenüber steht die Gommerkraftwerke AG in keinerlei vertraglichen Beziehung zu den Spaziergängern und Wanderern, die sich im Gelände des Fieschertals aufhalten. Andererseits wird die Gefahr, in welche sich die Spaziergänger und Wanderer begeben, wenn sie sich im Bachbett des Wysswassers aufhalten, von der Gommerkraftwerke AG durch die manuellen und die automatischen Spülungen selbst geschaffen. Demgegenüber wird die Gefahr, in welche sich ein Skifahrer beim Verlassen der präparierten Piste begibt, nicht von den Betreibern von Bergbahnen und Skiliften geschaffen. Dem Skifahrer wird durch dessen Beförderung auf die Piste lediglich allenfalls die Gelegenheit gegeben, sich durch das Verlassen der präparierten Piste in eine Gefahr zu begeben. Die Gefahr von plötzlich und stark anschwellenden Wassermassen in einem Bachbett unabhängig von der Wetterlage ist im Vergleich etwa zur Lawinengefahr ungewöhnlich, untypisch und nicht natürlich. In Anbetracht dieser Verschiedenheiten lässt sich die Auffassung, dass im vorliegenden Fall Warnschilder genügen, entgegen der Meinung der Beschwerdeführer jedenfalls nicht auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Verkehrssicherungspflicht für Skipisten stützen.