Citation: I 413/02 31.01.2003 E. 4

Die Beschwerdegegnerin, welche mit der Vorinstanz als urteilsfähig zu betrachten ist, liess sich am 4. Januar 2000 zum zweiten Mal zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung anmelden, nachdem sich anlässlich einer Untersuchung am Universitätsspital Zürich vom 12. November 1999 verschiedene neuropsychologische Defizite (mnestische Defizite, Frontalhirndysfunktion, leichte sprachliche Auffälligkeiten) herausgestellt hatten. Wie die Vorinstanz an sich ebenfalls zutreffend erwägt, wurden die schon vorher feststellbaren Anzeichen (verminderte Konzentrationsfähigkeit, langsames Arbeitstempo, fehlende Förderbarkeit im intellektuellen Bereich) bis im Herbst 1999 stets und ausschliesslich auf das Augenleiden zurückgeführt. Die ausgeprägte Kurzsichtigkeit war auch Anlass für die erstmalige Anmeldung bei der Invalidenversicherung im Mai 1997 gewesen. Erst als sich die Beschwerdegegnerin zu Frau Dr. med. Q.________, in Behandlung begab, leitete diese eine neuropsychologische Abklärung in die Wege (vgl. Arztbericht vom 13. Januar 2000), anlässlich der die erwähnten Auffälligkeiten festgestellt und als weitere Ursache für die gesundheitlichen Beeinträchtigungen diagnostiziert wurden. Wieweit die Beschwerden der Versicherten auf ihr Augenleiden und/oder die neuropsychologischen Defizite zurückzuführen sind, braucht nicht weiter geprüft zu werden. Dem neuropsychologischen Bericht vom 12. November 1999 ist zu entnehmen, dass die Versicherte bei der Untersuchung verlangsamt mitarbeitete, wobei die Lernfähigkeit als knapp genügend erachtet wurde, jedoch verschiedene Defizite (verminderte Abrufleistung von auditiv-verbalem Material, eine Sprachstörung in Form semantischer Paraphasien, verminderte Leistungen in der visuell-figuralen Modalität) festgestellt wurden. Hinsichtlich der Frontalhirndysfunktion konstatierten die untersuchenden Fachleute eine verminderte Ideenproduktion nach verbalem und figuralem Kriterium sowie Schwierigkeiten beim Finden von abstrakten Konzepten und beim Unterdrücken visuell-verbaler Störreize. Sodann gelang es der Versicherten nicht, geometrische Figuren korrekt zu kopieren. Während die Spontansprache als unauffällig erschien, wurden eine leichte Dysorthographie sowie leichte Lese- und Rechenschwierigkeiten bemerkt. Agnostische oder apraktische Defizite fanden sich nicht. Diese neuropsychologischen Erkenntnisse liefern (zum ophtalmologischen Leiden hinzu) einen zusätzlichen Grund, der dafür mitursächlich gewesen sein dürfte, dass die Beschwerdegegnerin ihre langjährige Anstellung bei der Firma Tschümperlin schliesslich verlor, dies in Anbetracht der vom Betrieb angeführten teilweise ungenügenden Leistungen, die sich mit den neuropsychologischen Defiziten plausibel erklären lassen. Darin liegt indessen, entgegen der vorinstanzlichen Auffassung, keine objektive Nichterkennbarkeit des anspruchsbegründenden Sachverhalts. Entscheidend ist allein, dass die Auswirkungen der (zum Teil verborgenen) gesundheitlichen Schädigungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit und damit der anspruchsbegründende Sachverhalt allen Beteiligten schon vor der Untersuchung vom 12. November 1999 bekannt waren. Dass im Herbst 1999 hiefür eine zusätzliche, neue Ursache diagnostiziert wurde, ändert im Rahmen von Art. 48 Abs. 2 zweiter Satz IVG nichts.