Citation: 4A_474/2024 E. 5.2

5.2. Der Beschwerdeführer erblickt eine Verletzung des Verbots übermässiger Bindung (Art. 27 Abs. 2 ZGB) und damit des materiellen Ordre public darin, dass er gezwungen sei, sich der SAR-PAGE Methode zu unterwerfen, mit welcher ermittelt wird, ob eine Urinprobe eines Athleten als positiv oder negativ für rEPO zu bewerten ist. Er kritisiert diese Methode und bemängelt namentlich, dass das TAS, bestehend aus medizinischen Laien, aufgrund von Bildbetrachtung über derart gravierende Sanktionen wie ein vierjähriges Wettkampf- und Trainingsverbot entscheidet. Verschärfend komme hinzu, dass er im Fall eines positiven Befunds seine Unschuld beweisen müsse, was die WADA aber dadurch verunmögliche, dass sie den acht Experten ihrer EPO Working Group verbiete, einen Athleten zu unterstützen. Einem Athleten sei es daher unmöglich, Unterstützung durch einen Experten zu erhalten, der für die WADA akzeptabel sei. Dadurch werde ihm der Unschuldsbeweis durch eine Partei (hier die Beschwerdegegnerinnen) "vorsätzlich und systematisch vereitelt". All das komme einer schwerwiegenden Persönlichkeitsverletzung des Beschwerdeführers gleich. Der Vorwurf ist unbegründet. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung verstösst es nicht gegen den Ordre public und namentlich gegen die Persönlichkeitsrechte eines Athleten, dass ein Schiedsgericht, konkret das TAS, über die Verhängung weitreichender Sanktionen gegenüber einem Athleten entscheidet und dabei über einen grossen Beurteilungsspielraum verfügt (etwa Urteil 4A_318/2018 vom 4. März 2019 E. 4.5.2 und 4.5.4). Die Sanktionierung von Dopingverstössen setzt die Prüfung voraus, ob ein solcher Verstoss vorliegt, was wiederum die Interpretation der Proben bedingt. Das ist nicht unvereinbar mit dem Ordre public. Daran ändert nichts, dass das TAS bei der Beurteilung von rEPO-Proben auch Beweismittel in Form von Analysebildern der anwendbaren Testmethode bewerten muss. Sodann zeigt der Beschwerdeführer auch mit seinen Behauptungen zur angeblichen Verunmöglichung des Unschuldsbeweises keine Verletzung des Ordre public auf. Die namentlich im Dienst einer effizienten Dopingbekämpfung stehende disziplinarrechtliche Regel im Sport, wonach bei einem positiven Befund verbotener Substanzen ohne Weiteres Doping vermutet wird (sog. "strict-liability-Prinzip") und dem Sportler der Entlastungsnachweis offensteht, verstösst nicht gegen den Ordre public (BGE 134 III 193 E. 4.6.2.3; Urteil 4A_528/2022 vom 13. März 2023 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Die Behauptung, der Unschuldsbeweis werde ihm wegen der WADA EPO Working Group verunmöglicht, ist haltlos und durch das Schiedsverfahren widerlegt. Wie die Beschwerdegegnerin 2 zutreffend ausführt, hat der Beschwerdeführer zur umstrittenen Analyse der Urinprobe insgesamt neun Stellungnahmen von drei Experten eingereicht. Ohnehin geht er mit seinem (haltlosen) Vorwurf, der Unschuldsbeweis werde ihm durch eine Partei (die WADA) "vorsätzlich und systematisch vereitelt", am Thema vorbei, müsste er doch aufzeigen, dass das TAS und nicht eine Partei ihm im schiedsgerichtlichen Verfahren den Beweis verunmöglicht habe. Davon kann keine Rede sein. Die Folgefrage, ob dem Beschwerdeführer der Entlastungsbeweis gelungen ist, gehört zur Beweiswürdigung, die der bundesgerichtlichen Ordre public-Kontrolle nicht zugänglich ist (BGE 144 III 120 E. 5.1).