Citation: 7B_913/2023 E. 4.3.2

4.3.2. Ob die "Anfrage" des Beschwerdegegners den Parteien in Form der Verfügung hätte zugestellt werden müssen, kann hier offenbleiben. Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, inwiefern gegebenenfalls ein besonders krasser Formfehler vorläge, der einer schweren Amtspflichtverletzung des Beschwerdegegners gleichkäme und sich einseitig zulasten der Beschwerdeführerin ausgewirkt hätte. Solches ist auch nicht offensichtlich, zumal die E-Mail (und das Antwortschreiben von B.________) ohne Weiteres zu den Akten genommen wurde. Wenn die Vorinstanz erwägt, aus der E-Mail des Beschwerdegegners ergäben sich keine Anhaltspunkte für eine Aufforderung zur Stellungnahme von B.________ in der Sache, ist dies nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin macht zwar geltend, der Beschwerdegegner hätte B.________ "gemäss Art. 177 StPO belehren müssen, da er von ihm eine strafprozessual nicht unwesentliche Auskunft hinsichtlich seines Aussageverhaltens erwartet" habe. Dass die "informelle Kontaktaufnahme" durch den Beschwerdegegner die Erhebung eines Beweismittels im Sinne von Art. 139 ff. StPO zum Gegenstand gehabt hätte, rügt die Beschwerdeführerin indes nicht in rechtsgenügender Weise und ist auch nicht offensichtlich. Zudem machte der Beschwerdegegner B.________ in der E-Mail explizit darauf aufmerksam, dass er die Aussageverweigerung nicht werde verhindern können, sollte B.________ - in der Hauptverhandlung - daran festhalten. Dagegen braucht unter Ausstandsgesichtspunkten nicht beurteilt zu werden, ob das Vorgehen des Beschwerdegegners insgesamt rechtskonform und zweckmässig war. Die Vorinstanz geht ferner überzeugend davon aus, der Beschwerdegegner habe gar nicht behauptet, dass B.________ nicht an seine abgegebene Desinteresseerklärung in Bezug auf seinen (fehlenden) Status als Privatkläger gebunden sei. Aus dem Kontext der betreffenden Stelle in der E-Mail ergebe sich vielmehr, dass er sich dabei auf die Erklärung betreffend Aussageverweigerung bezogen habe, an welche B.________ nicht gebunden sei. Dementsprechend stösst auch die Behauptung der Beschwerdeführerin, der Beschwerdegegner habe gegenüber B.________ "die unwahre Behauptung" aufgestellt, dieser sei an die abgegebenen Desinteresseerklärungen nicht gebunden, womit er gegen das Täuschungsverbot von Art. 140 Abs. 1 StPO verstossen habe, ins Leere. Die Beschwerdeführerin bringt überdies vor, B.________ sei "in Tat und Wahrheit schon sehr früh sehr wohl anwaltlich beraten" gewesen. Damit vermag sie die vorinstanzliche Feststellung, B.________ sei insbesondere zum Zeitpunkt der Kontaktnahme durch den Beschwerdegegner nicht (mehr) anwaltlich vertreten gewesen, nicht als willkürlich auszuweisen. Dass der Beschwerdegegner in Anbetracht dessen und des von ihm als ambivalent bezeichneten Verhaltens von B.________ diesen über "alle relevanten Umstände" habe in Kenntnis setzen wollen, ist nachvollziehbar. Inwiefern hierin eine Verletzung des Grundsatzes des "fair trial" bzw. der Waffengleichheit liegen könnte, ist jedenfalls nicht hinlänglich dargetan. Ebenso unbegründet ist die Behauptung der Beschwerdeführerin, die Befragung von Entlastungszeugen scheine den Beschwerdegegner "nicht zu interessieren", wenn sie erst nach der zeitlichen Planung und Besetzung der Gerichtssäle zur Stellung von Beweisanträgen eingeladen werde. Mit der Vorinstanz ist nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdegegner mit diesem Vorgehen offenbaren sollte, dass er sein Urteil bereits gefällt habe. Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich geltend macht, B.________ sei bereits in der Untersuchung über die ihn zustehenden Opferrechte informiert worden, weshalb das Vorgehen des Beschwerdegegners Art. 330 Abs. 3 StPO verletze, vermag sie damit keinen Anschein der Befangenheit zu belegen.