Citation: 4A_452/2022 E. 7.6

7.6. Bei der Verrechnungsforderung "aus Beschädigung der Wandplatten im WC des 5. OG" geht der Vorwurf der Beschwerdeführerin dahin, dass die Beschwerdegegnerin beim Ausschneiden der Revisionsöffnungen entgegen den Empfehlungen der Bauleitung eine Trennscheibe statt eine Säge verwendet und die bereits verbauten Keramikplatten nicht abgedeckt habe. Dadurch hätten sich - so bemängelt die Beschwerdeführerin - Funken in die Keramikplatten eingebrannt. Die Beschwerdeführerin stellte vor Vorinstanz nicht in Abrede, dass das Werk als solches - der Ausschnitt der Revisionsöffnungen - mängelfrei erstellt wurde. Sie beklagte, dass ein nicht Gegenstand des Werkvertrags bildendes Objekt (die Keramikplatten) im Rahmen der vertraglichen Werkserstellung beschädigt worden sei. Das Handelsgericht beurteilte auch diese Verrechnungsforderung als unbegründet. Erstens habe die Beschwerdeführerin nicht substanziiert, welches WC im 5. OG und welche konkreten Platten betroffen seien. Zweitens habe sie diesbezüglich keine Mängelrüge erhoben. Der Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass man es hier nicht mit einem Werkmangel zu tun hat, sondern mit einem anlässlich der Arbeitsausführung entstandenen Begleitschaden, der grundsätzlich den allgemeinen Schadenersatzregeln (namentlich Art. 97 ff. OR) unterliegt (BGE 89 II 232 E. 5; GAUCH, a.a.O., Rz. 1858). Die Beschwerdeführerin leitet daraus ab, dass die Vorinstanz zu Unrecht eine Mängelrüge verlangt habe. Ob dies zutrifft, kann dahingestellt bleiben: Auch in Anwendung von allgemeinem Schadenersatzrecht ist der Schaden hinreichend zu behaupten und - im Bestreitungsfall - zu substanziieren. Nachdem die Beschwerdegegnerin die Beschädigung der Wandplatten bestritten hat, wäre die Beschwerdeführerin gehalten gewesen, ihre Vorbringen in Einzeltatsachen zergliedert, so umfassend und klar darzulegen, dass darüber Beweis hätte abgenommen oder dagegen der Gegenbeweis hätte angetreten werden können (Erwägung 5.4). Dem (Prozess-) Sachverhalt im angefochtenen Urteil lässt sich nicht entnehmen, dass sie dieser Obliegenheit nachgekommen wäre.