Citation: 5A_126/2023 E. 3.2.2

3.2.2. Die Beschwerdeführerin rügt vorab Willkür in der Beweiswürdigung. Das Obergericht ignoriere, mit welchen gerichtsnotorischen Schwierigkeiten die Umstellung auf die Arbeit im Home-Office während der ersten COVID-19-Pandemie verbunden gewesen sei. Davon seien insbesondere auch Anwälte und Gerichtspersonal betroffen gewesen, nicht nur in der Schweiz, sondern international und namentlich auch in der Ukraine. Die Beschwerdeführerin begnügt sich mit allgemeinen Hinweisen darauf, wie sich die COVID-19-Pandemie in der Arbeitswelt ausgewirkt habe. Auch vor Bundesgericht mag sie nicht erklären, inwiefern sich die pandemiebedingten Einschränkungen auf die Übersetzung des ukrainischen Entscheids und den Austausch zwischen den hiesigen und den ukrainischen Anwälten ausgewirkt haben sollen. Sie macht auch nicht geltend, dass sich die Vorinstanz bundesrechtswidrig über entsprechende Ausführungen in ihrer kantonalen Beschwerde hinwegsetze. Stattdessen behauptet sie einfach, dass es angesichts der Gerichtsnotorietät der fraglichen Einschränkungen willkürlich sei, von ihr "ex post" Erklärungen zu ihrer konkreten Situation zu verlangen. Allein damit vermag sie keine Verletzung von Art. 9 BV darzutun. Sodann hält die Beschwerdeführerin daran fest, dass es gegen das Verbot des überspitzten Formalismus (Art. 29 Abs. 1 BV) verstosse, ihr unter den gegebenen Umständen keine Abweichung von der zehntägigen Frist zuzugestehen. Sie macht namentlich geltend, dass die Frist für die Arresteinsprache im Zeitpunkt der Eingabe vom 15. Juni 2020 noch nicht abgelaufen sei, womit es an einem schutzwürdigen Interesse fehle, das ein Beharren auf den zehn Tagen rechtfertigen könnte. Unter diesem Blickwinkel erweckt der angefochtene Entscheid in der Tat Bedenken. Überspitzter Formalismus als besondere Form der Rechtsverweigerung liegt praxisgemäss unter anderem dann vor, wenn die Behörde formelle Vorschriften mit übertriebener Schärfe handhabt oder an Rechtsschriften überspannte Anforderungen stellt, ohne dass die prozessuale Formstrenge durch schutzwürdige Interessen gerechtfertigt wäre (s. zum Ganzen: BGE 135 I 6 E. 2.1; 134 II 244 E. 2.4.2; 125 I 166 E. 3a). Zwar vermochte die Beschwerdeführerin mit ihren Erklärungen, weshalb sie ihre Eingabe vom 15. Juni 2020 nicht schon eine Woche früher und damit binnen zehn Tagen seit Erhalt des ukrainischen Entscheids einreichen konnte, schon vor Obergericht nichts auszurichten. Daraus folgt entgegen dem angefochtenen Entscheid jedoch nicht, dass auch die Rüge des überspitzten Formalismus ins Leere läuft, das Bezirksgericht also unbesehen um schutzwürdige Interessen auf einer Frist von zehn Tagen bestehen durfte, um die Eingabe noch als unverzüglich im Sinne von Art. 229 Abs. 1 ZPO entgegenzunehmen. Dass im konkreten Fall aufgrund der "erst" am 15. Juni 2020 erfolgten Eingabe eine Verzögerung des Verfahrens zu befürchten war, ist dem angefochtenen Entscheid nicht zu entnehmen und auch nicht ersichtlich. Zu Recht weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass im Zeitpunkt der Eingabe noch nicht einmal die Arresteinsprachefrist (Art. 278 Abs. 1 SchKG) abgelaufen war. Diese Frist, die vom Betreibungsamt auf Ersuchen der Beschwerdegegnerin auf fünfzig Tage verlängert worden war, endete am 3. Juli 2020. An diesem Tag erfolgte auch die Arresteinsprache, mit der die Beschwerdegegnerin das entsprechende Verfahren überhaupt erst anhängig machte (s. Sachverhalt Bst. C und D). Als die Beschwerdeführerin die Noven am 15. Juni 2020 einreichte, existierte mithin noch gar kein hängiges Arresteinspracheverfahren, dem das Bezirksgericht diese Eingabe hätte zuordnen können. Warum es sich unbekümmert um diese Situation im Interesse der Verfahrensbeschleunigung trotzdem aufdrängte, am Grundsatz der zehntägigen Reaktionsfrist festzuhalten, ist nicht nachvollziehbar. Angesichts des noch nicht einmal hängigen Arresteinspracheverfahrens verkommt die vom Obergericht geduldete Formstrenge des Bezirksgerichts zu einem reinen Selbstzweck. Insofern verträgt sich der angefochtene Entscheid nicht mit dem in Art. 29 Abs. 1 BV garantierten Anspruch auf ein faires Verfahren. Wie auch die Beschwerdeführerin anerkennt, greift das Bundesgericht allerdings nur unter der Voraussetzung ein, dass die übertriebene Formstrenge auch für den Ausgang des Verfahrens relevant ist. Hier befasst sich die Vorinstanz (im Sinne einer Eventualbegründung) auch mit der Hypothese, dass die Skype-Korrespondenz zwischen D.________ und E.________ vom 1. März 2016, die laut der Beschwerdeführerin aufgrund des am 15. Juni 2020 eingereichten Entscheids der Anwaltsdisziplinarkommission von Kiew vom 8. April 2020 im Einspracheverfahren nicht hätte berücksichtigt werden dürfen, tatsächlich im Sinne von Art. 152 Abs. 2 ZPO rechtswidrig erlangt wurde. Sie kommt zum Schluss, dass der Eingriff in D.________s Privatsphäre, der im ukrainischen Zivilverfahren gegen F.________ und G.________ festgestellt wurde, nur von geringer Intensität sei und die Interessenabwägung angesichts der geltend gemachten Arrestforderung von Fr. 4'726'530.-- zuzüglich Zinsen seit 12. Februar 2012 und der arrestierten Vermögenswerte mit einer Sperrlimite von 6,6 Mio. Fr. zugunsten der Wahrheitsfindung ausfallen müsse. Dass im Falle der Berücksichtigung des Beschlusses der Anwaltsdisziplinarkommission (anstatt der fraglichen zivilrechtlichen Entscheide) keine derartige Interessenabwägung stattfinden dürfte, macht die Beschwerdeführerin nicht geltend, noch zeigt sie auf, inwiefern die Interessenabwägung diesfalls geradezu zwingend zu einem anderen Ergebnis führen müsste. Allein der pauschale Vorwurf, dass die Nichtberücksichtigung der Noveneingabe vom 15. Juni 2020 und des besagten Beschlusses der Anwaltsdisziplinarkommission ihr rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) verletze, bringt die Beschwerdeführerin nicht weiter. Bleibt aber ungewiss, inwiefern sich die allzu formalistische Nichtzulassung der Noveneingabe vom 15. Juni 2020 konkret auf das Ergebnis auswirkt, so hat die Beschwerdeführerin kein im Sinne von Art. 76 BGG schutzwürdiges Interesse daran, dass das Bundesgericht den angefochtenen Entscheid allein deswegen aufhebt. Denn das Verbot der (formellen) Rechtsverweigerung ist nicht Selbstzweck (Urteil 5A_735/2018 vom 15. Februar 2019 E. 3.3).