Citation: 2C_650/2020 E. 5.6.4

5.6.4. Bei der Festsetzung der Höhe einer angemessenen (pauschalen) Entschädigung dürfen nicht nur die individuellen Interessen einer oder einzelner, weniger effizient organisierten Anbieterinnen berücksichtigt werden; vielmehr ist eine Gesamtwürdigung sämtlicher auf dem Spiel stehenden Interessen vorzunehmen. Ins Gewicht fallen dabei insbesondere die Interessen des Gemeinwesens, Überwachungsmassnahmen ausführen zu lassen bzw. das öffentliche Interesse an der Verfolgung von Straftaten. Wie das EJPD zu Recht ausführt, würde bei zu hoch angesetzten Entschädigungen die Gefahr der Behinderung der Strafverfolgung bestehen, so namentlich dann, wenn aus Kostengründen auf notwendige Beweiserhebungen verzichtet würde (vgl. auch HANSJAKOB, Überwachungsrecht, a.a.O., N. 1819 zu Art. 38 BÜPF). Zudem müssen die Anbieterinnen von Fernmeldediensten, wie bereits erwogen, jederzeit in der Lage sein, gemäss dem anwendbaren Recht die Auskünfte namentlich nach Art. 21 und 22 BÜPF zu erteilen und die von ihnen angebotenen Fernmeldedienste zu überwachen, wenn die Auskunftserteilung bzw. Überwachung standardisiert ist (Art. 32 Abs. 1 BÜPF und E. 3.1 hiervor). Somit sind die Anbieterinnen verpflichtet, wenn der Verdacht besteht, dass eine Straftat über das Internet begangen worden ist, dem Dienst alle Angaben zu liefern, welche die Identifikation der Täterschaft ermöglichen (vgl. Art. 22 Abs. 1 BÜPF; vgl. auch Urteil 2C_274/2018 vom 12. Mai 2020 E. 3.4 betr. Art. 15 Abs. 1 aBüPF). Durch die Standardisierung der Auskunftserteilung bzw. Überwachung wird für die Anbieterinnen berechenbar, dass sie dann, wenn sie alle technischen Vorschriften für standardisierte Massnahmen erfüllen, ihren gesetzlichen Pflichten vollumfänglich nachkommen können (HANSJAKOB, Überwachungsrecht, a.a.O., N. 1729 zu Art. 32 BÜPF). Zudem wurde bereits erwogen, dass es sich bei der Mitwirkung bei der Aufklärung von Straftaten ganz allgemein um eine Bürgerpflicht handelt. Vor diesem Hintergrund darf von den Anbieterinnen erwartet werden, dass sie die notwendigen technischen und organisatorischen Vorkehrungen treffen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Insbesondere haben sie ihr Geschäftsmodell so aufzustellen, dass sie in der Lage sind, ihre Mitwirkungspflichten zu erfüllen. Dabei erscheint als gerechtfertigt, dass auch sie im Rahmen der Nutzung der zur Verfügung gestellten Infrastruktur einen finanziellen Beitrag an die Kosten der Massnahmen leisten (vgl. auch JAGGI, a.a.O., S. 291). Schliesslich wurde bereits ausgeführt, dass es zulässig ist, den Begriff der "angemessenen Entschädigung" im Sinne einer "Mischrechnung" auszulegen. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass Leistungen weniger effizient arbeitender Anbieterinnen nicht kostendeckend entschädigt werden, währenddem - namentlich bei Betreiberinnen modernerer Einrichtungen - die Entschädigung höher als die tatsächlich entstandenen Kosten ausfällt (vgl. VPB 68 Nr. 100 Ziff. 2 und E. 5.4 hiervor).