Citation: 4A_503/2023 E. A

Die A.________ GmbH (Versicherte; Beschwerdeführerin) war als Konzerngesellschaft vom 1. Januar 2017 an bis zum Vertragsablauf am 31. Dezember 2018 bei der B.________ SE (Versicherung; Beschwerdegegnerin) für die Anlage-, Betriebs- und Produkte-Haftpflichtrisiken ihrer geschäftlichen Tätigkeit weltweit versichert. Seit dem 1. Januar 2019 sind sämtliche Konzerngesellschaften bei einem anderen Anbieter versichert. A.a. Die Versicherte ist beklagte Partei in einem seit dem 14. Februar 2019 vor dem Federal Court of Australia rechtshängigen Class-Action-Verfahren, in dem verschiedene Ansprüche im Zusammenhang mit angeblichen Mängeln von der Klägerin hergestellter Fassadenverkleidungen bzw. "aluminium composite panels" ("ACP") geltend gemacht werden. A.b. Im australischen Bundesstaat New South Wales erliess die zuständige Behörde (Commissioner for Fair Traiding, Department of Finance, Services and Innovation) am 10. August 2018 (Inkrafttreten am 15. August 2018) den "Building Product Use Ban". Dieser verbot ACP, die mehr als 30 % Polyethylen als Kernmasse aufweisen, wozu auch die X.________-ACP der Beschwerdeführerin (fortan: "ACP") gehören. A.c. Die am 14. Februar 2019 am Federal Court of Australia gegen die Versicherte und deren australische Alleinvertriebspartnerin eingereichte Class Action wird von den Applicants geführt. Diese sind (Stockwerk-) Eigentümer eines vierstöckigen Gebäudes, das sich im Bundesstaat New South Wales befindet und an dem von der Versicherten hergestellte ACP verbaut wurden. Die australische Klägerschaft (Applicants und Group Members) stützt ihre eingeklagten Ansprüche unter anderem auf die Behauptung, dass die an ihrem Gebäude verbauten ACP die Qualitätsanforderungen und demzufolge die gesetzliche Qualitätsgarantie gemäss Australian Consumer Law nicht bzw. nie eingehalten hätten. A.d. Die australische Klägerschaft verlangt den Ersatz folgender Schadenspositionen: a) Kosten der Entfernung und Ersetzung der ACP; b) Zusätzlich oder alternativ zu a), wenn die ACP nicht entfernt und ersetzt werden müssen, die Kosten für die Durchführung anderer Massnahmen zur Behebung der Beeinträchtigung; c) Weitere und andere Kosten und / oder Verluste infolge der Anbringung von ACP einschliesslich der Erhöhungen der Versicherungsprämien, der Kosten für Gebäudesicherheitsgutachten; sowie der Kosten, die infolge der Durchführung der unter a) und / oder b) oben beschriebenen Massnahmen (je nach Anwendbarkeit) anfallen. Für jedes Group Member wird sodann explizit zusätzlich oder alternativ zu a) und / oder b) der Ersatz der durch die Anbringung von ACP verursachten Wertverminderung verlangt.