Citation: 8C_720/2007 03.09.2008 E. 7.1

7.1.1 Aufgrund des Polizeirapports vom 27. September 2002 ereignete sich der Unfall vom 26. September 2002 wie folgt: Der Versicherte wollte mit einem Pneubagger ein Grabenverbauelement aus einem Graben heben. Dazu hat er das Element an allen vier Ecken an angebrachten Vorrichtungen mit Metallseilen an der Baggerschaufel befestigt. Das Grabenverbauelement wog ca. 1 bis 1,5 Tonnen. Der Bagger konnte bis zu 3 Tonnen Gewicht heben. Da der Untergrund nass war, bildete sich, als der Versichere das Element entfernen wollte, ein Vakuum im Erdreich. Es wurde daher schwierig, das Element zu entfernen. Nach mehrmaligen Versuchen wurde der Bagger Richtung Element und Graben gezogen. Bevor der Versicherte das Gewicht lösen konnte, kippte der Bagger nach rechts in Richtung Graben. Der Versicherte konnte nach links aus der Kabine springen. 7.1.2 Zirka eine Stunde nach dem Unfall vom 26. September 2002 wurde der Versicherte im Kantonsspital R.________ ambulant behandelt, wo der Verdacht auf dorsale Rippenfraktur diagnostiziert und als Nebendiagnose eine Diskushernie Halswirbel 5/6 gestellt wurde. Weiter wurde dargelegt, nach dem Sturz vom Bagger sei der Versicherte nicht bewusstlos gewesen und es bestünden weder Schwindel noch Übelkeit. Der Versicherte klage über Schmerzen in der rechten Flanke und ein komisches Gefühl im rechten Fuss. Bekannt sei eine Diskushernie der Halswirbelsäule. Als Lokalstatus wurde Folgendes erhoben: Thorax: Kompressionsschmerz und Druckdolenz thorakal dorsal rechts unterer Bereich; im Becken kein Kompressionsschmerz; Extremitäten seien frei beweglich, es bestünden keine Schmerzen; das Abdomen sei weich, es bestehe keine Druckdolenz. Als Therapie wurde Analgesie und Kontrolle beim Hausarzt morgen empfohlen. 7.1.3 Die nachfolgenden Abklärungen ergaben, dass sich der Versicherte beim Unfall vom 26. September 2002 eine Fraktur der Rippen 9 bis 11 dorsal zugezogen hatte. Am 30. September 2002 nahm er die Arbeit mit Einschränkungen zu 50 % und ab 11. Februar 2003 zu 100 % wieder auf (vgl. E. 10.5 hienach). Im Bericht vom 7. Januar 2003 beschrieb der Hausarzt Dr. med. E.________, Allgemeine Medizin FMH, keine psychischen Auffälligkeiten beim Versicherten. Er habe die Arbeit auf eigenen Wunsch am 30. September 2002 zu 50 % wieder aufgenommen. Im Bericht vom 29. Januar 2003 diagnostizierte er den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsreaktion und legte weiter dar, die Rippenfrakturen seien konservativ behandelt worden. In der Folge habe der Versicherte auf eigenen Wunsch die Arbeit früh wieder zu 50 % aufgenommen, dies bei persistierend relativ starken Thoraxschmerzen. Danach habe sich der Verlauf durch die psychische Traumatisierung verkompliziert. Der Versicherte habe über zunehmende, ihm früher unbekannte Reizbarkeit und Ungeduld bei der Arbeit und Schlafstörungen berichtet. Er erwache nachts immer wieder aus Albträumen mit dem Thema "Was wäre passiert, wenn beim Unfall eine Drittperson Schaden genommen hätte-". Diese Thematik existiere bis heute und die Situation sei für ihn diesbezüglich quälend. 7.1.4 Der Psychiater Dr. med. T.________, bei dem der Versicherte seit Dezember 2003 bis 29. März 2004 eine psychotherapeutische Behandlung absolvierte, diagnostizierte im Bericht vom 13. Juli 2004 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4; vgl. auch E. 3 hievor) und führte weiter aus, beim Versicherten drehe sich alles um den Schmerz, der seit dem Sturz vom Bagger am 26. September 2002 bestehe. Die wiederkehrenden Angstträume, in denen er erlebe, wie Menschen vom fallenden Bagger erdrückt würden, die für ihn zu Beginn der Therapie ein Problem gewesen seien, seien laut seinen Aussagen im Jahre 2004, als die Schmerzen zugenommen hätten, nicht mehr vorhanden. Seines Erachtens (des Dr. med. T.________) seien verdrängte Gefühle für mindestens einen Teil der Schmerzen verantwortlich, und zwar aus folgendem Grund: Der Versicherte habe auf niemanden und nichts eine Wut, obwohl er seit dem Baggersturz so stark leide, ja laut Hausarzt oft suizidal sei. Bei der von ihm angewandten Therapieform zeige sich regelmässig eine grosse Wut im Leben eines Patienten. Beim Beschwerdeführer stelle er aber fest, dass er diesem Gefühl (unbewusst) hartnäckig ausweiche, was auf eine psychische Komponente des körperlichen Schmerzes hinweise. Dabei sei seines (des Dr. med. T.________) Erachtens nach das Ereignis mit dem Bagger an sich nicht gravierend, sondern nur der Auslöser für die Somatisierung psychischer Beschwerden. Es sei jedoch klar, dass der Versicherte dies nicht bewusst verdränge; er selber glaube einfach, dass der Sturz mit dem Bagger für seine Schmerzen verantwortlich sei, d.h. er simuliere nicht. 7.2 Nach dem Gesagten wurden im Bericht des Kantonsspitals Winterthur, wo der Versicherte ca. eine Stunde nach dem Ereignis vom 26. September 2002 behandelt wurde, weder ein psychischer Schock noch andere psychische Auffälligkeiten noch typische Angst- und Schreckwirkungen (vgl. E. 6.1 hievor) beschrieben. Gleiches gilt für den Bericht des Hausarztes Dr. med. E.________ vom 7. Januar 2003. Dieser hat erst im Bericht vom 29. Januar 2003 den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsreaktion erwähnt. Der den Versicherten seit Dezember 2003 zunächst behandelnde Psychiater Dr. med. T.________ führte im Bericht vom 13. Juli 2004 aus, das Ereignis mit dem Bagger sei an sich nicht gravierend, sondern nur der Auslöser für die Somatisierung psychischer Beschwerden. Aufgrund dieser Berichte und der bereits vier Tage nach dem Ereignis vom 26. September 2002 erfolgten Wiederaufnahme der Arbeit durch den Versicherten als Polier auf einer Baustelle (vgl. E. 10.5 hienach) ist nicht von einem Schreckereignis mit den qualifizierten Merkmalen eines Unfalls auszugehen (vgl. E. 6.1 hievor). Allein aus der Angabe der Psychiaterin Frau Dr. med. A.________ vom 20. November 2006, es bestehe eine schwere posttraumatische Belastungsstörung seit September 2002 nach Arbeitsunfall (vgl. E. 3 hievor), kann ein Schreckereignis im Rechtssinne nicht bejaht werden, zumal sie den Versicherten erst seit November 2005 behandelt hatte. Diesbezüglich ist auch zu beachten, dass der Beschwerdeführer weder im Einspracheverfahren noch im vorinstanzlichen Verfahren von einem solchen Schreckereignis ausging, sondern einzig die Rechtsprechung für psychische Unfallfolgen nach BGE 115 V 133 ff. (vgl. E. 8 ff. hienach) angewandt wissen wollte. 7.3 Aber selbst wenn ein Schreckereignis im Rechtssinne vorläge, wäre die Adäquanz unter den gegebenen Umständen zu verneinen. Zwar ist dem Ereignis vom 26. September 2002 eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen (vgl. E. 7.1.1 hievor) und es ist auch nachvollziehbar, dass es vom Versicherten subjektiv als sehr bedrohlich empfunden wurde. Dennoch ist es nach der allgemeinen Lebenserfahrung - auch unter Berücksichtigung einer "weiten Bandbreite" von Versicherten (vgl. E. 6.1 hievor) - nicht geeignet, langjährige psychische Störungen mit vollständiger Erwerbsunfähigkeit auszulösen, zumal an den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und Schreckereignissen hohe Anforderungen gestellt werden (vgl. E. 6.3 hievor). Sämtliche Einwendungen des Versicherten können an diesem Ergebnis nichts ändern. Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann er insbesondere aus den erwähnten Urteilen RKUV 2002 Nr. U 468 S. 516 (betreffend wiederholte, teils lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen im Rahmen einer Berufskrankheit) und RKUV 2001 Nr. U 440 S. 350 (betreffend brutalen und unvorgesehenen Angriff auf eine Person). Gleiches gilt für den von ihm zitierten Beitrag von Regula Weiss in der Ärztezeitung 2000 S. 2666 ff.. 7.4 Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob das vor Bundesgericht erstmals erhobene Vorbringen des Versicherten, das Ereignis vom 26. September 2002 stelle ein Schreckereignis dar, auch im Rahmen der Kognition gemäss Art. 97 Abs. 2 bzw. Art. 105 Abs. 3 BGG (Geldleistungen der Militär- oder Unfallversicherung) als unzulässiges Novum im Sinne von Art. 99 Abs. 1 BGG zu gelten hat (vgl. auch Urteil 8C_254/2008 vom 5. Juni 2008, E. 4.2.2 mit Hinweis).