Citation: 8C_342/2023 E. 5.7.3

5.7.3. Die Beschwerdeführerin weist zu Recht darauf hin, dass es sich bei Dr. med. D.________ nicht um einen Facharzt für Psychiatrie handelt. Zwar benötigen RAD-Ärzte nicht zwingend einen spezifischen Facharzttitel, wenn sie lediglich die vorhandenen Akten würdigen, ohne einen Untersuchungsbericht im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV zu erstellen (vgl. Urteil 9C_446/2022 vom 12. September 2023 E. 4.2.2 mit Hinweisen). Vorliegend beschränkte sich Dr. med. D.________ jedoch nicht darauf, das BEGAZ-Gutachten zu würdigen. Vielmehr nahm er eine eigenständige medizinische Beurteilung des psychischen Leidens vor, was eine spezifische fachärztliche Qualifikation voraussetzt (vgl. Urteil 9C_550/2020 vom 30. November 2020 E. 5.3), zumal seine Beurteilung die Grundlage für die Beurteilung des Leistungsanspruchs bildete. Gemäss seiner abschliessenden Stellungnahme vom 1. März 2021 besteht in angepasster Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von (mindestens) 50 %, während der psychiatrische Gutachter von einer Arbeitsfähigkeit von 40 % ausgeht. Wie Dr. med. D.________ selbst einräumt, ist die konkrete quantitative Schätzung der Arbeitsfähigkeit letztlich eine Ermessensfrage (vgl. Stellungnahme vom 6. November 2020; vgl. auch BGE 145 V 361 E. 4.1.2 mit Hinweisen und E. 4.3). Es ist daher - nicht zuletzt wegen der geringen Divergenz in der Beurteilung der Auswirkungen - nicht einzusehen, weshalb das Ermessen des RAD-Arztes an die Stelle desjenigen des fachärztlichen Gutachters treten soll, wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht. Dies gilt umso mehr, als Dr. med. D.________ (zu) stark dem Richtwert einer 40-50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei mittelgradigen depressiven Störungen verhaftet zu sein scheint. Zudem hat er sich - anders als der psychiatrische Gutachter - nicht näher mit den Ergebnissen des Belastbarkeitstrainings auseinandergesetzt. Auch sein Einwand, der Gutachter habe seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen mit Einschränkungen begründet, die bereits bei der Diagnosestellung berücksichtigt worden seien, verfängt nicht. Denn Dr. med. E.________ hat unter Hinweis auf die labile Persönlichkeitskonstellation der Beschwerdeführerin und den gesamten Krankheitsverlauf überzeugend dargelegt, weshalb im hier zu beurteilenden Fall vom erwähnten Richtwert abzuweichen ist (vgl. E. 5.5 hiervor). Insgesamt ergeben sich aus der Aktenbeurteilung des RAD keine konkreten Anhaltspunkte, die gegen die Zuverlässigkeit der gutachterlichen Einschätzung sprechen. Indem die Vorinstanz anstatt auf die schlüssig begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Gutachters auf diejenige des Allgemeinmediziners des RAD abgestellt hat, hat sie die Beweise willkürlich gewürdigt und die Regeln zum Beweiswert versicherungsinterner Berichte verletzt.