Citation: 5C.57/2000 13.04.2000 E. 3

3.- a) Im Berufungsverfahren hat das Bundesgericht seiner Entscheidung die Feststellungen der letzten kantonalen Instanz über tatsächliche Verhältnisse zugrunde zu legen, es sei denn, sie seien unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen oder würden auf einem offensichtlichen Versehen beruhen (Art. 63 Abs. 2 OG). Vorbehalten bleibt auf Grund von Art. 64 OG ausserdem die Ergänzung eines unvollständigen Sachverhalts. Für eine Kritik an der Beweiswürdigung des Sachrichters ist, soweit sich diese nicht nach Vorschriften des Bundesrechts richtet, die Berufung mithin nicht gegeben (dazu BGE 122 III 219 E. 3c S. 223; 119 II 84 E. 3 S. 85 mit Hinweisen). b) Der Beklagte rügt in verschiedener Hinsicht eine Verletzung von Art. 8 ZGB. aa) Dieser in erster Linie die Verteilung der Beweislast regelnden Bestimmung kommt die Bedeutung einer allgemeinen Beweisvorschrift zu. Als Korrelat zur Beweislast verleiht Art. 8 ZGB der belasteten Partei insbesondere einen bundesrechtlichen Anspruch auf Abnahme von Beweisen, die zum Nachweis einer rechtserheblichen Tatsache - nach Massgabe des kantonalen Prozessrechts frist- und formgerecht - anerboten worden sind (dazu BGE 122 III 219 E. 3c S. 223 mit Hinweisen). Der Beweisführungsanspruch ist namentlich dann verletzt, wenn der kantonale Richter Behauptungen einer Partei unbekümmert darum, dass sie von der Gegenpartei bestritten worden sind, als zutreffend erachtet oder über rechtserhebliche Tatsachen überhaupt nicht Beweis führen lässt (BGE 114 II 289 E. 2a S. 290 f. mit Hinweis). Eine Beschränkung der Beweisabnahme ist aus der Sicht des Bundesrechts nicht zu beanstanden, wenn der Richter schon nach den ersten Erhebungen von der Sachdarstellung einer Partei überzeugt ist und damit gegenteilige Behauptungen für widerlegt hält. Indem er davon absieht, weiteren Beweisanträgen stattzugeben, bringt er - im Sinne einer zulässigen vorweggenommenen Beweiswürdigung (BGE 115 II 440 E. 6b S. 450; 114 II 289 E. 2a S. 291 mit Hinweisen) - zum Ausdruck, dass er auf Grund der bereits erhobenen Beweise zur Überzeugung gelangt ist, die Abnahme weiterer Beweise vermöchte zum massgeblichen Beweisergebnis nichts mehr beizutragen. Die Frage der Beweislastverteilung ist dort gegenstandslos geworden, wo der Richter in Würdigung der tatsächlichen Gegebenheiten zur Überzeugung gelangt ist, eine Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder widerlegt (vgl. BGE 119 II 114 E. 4c S. 117 mit Hinweisen). Zu bemerken ist schliesslich, dass Art. 8 ZGB nicht bestimmt, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären ist und wie der Sachrichter das Ergebnis der Abklärungen zu würdigen hat (vgl. BGE 122 III 219 E. 3c S. 223 f. mit Hinweisen). bb) Die Feststellungen des Obergerichts zu den einzelnen Ursachen der Zerrüttung der Ehe der Parteien beruhen auf einer umfangreichen und eingehenden Beweiswürdigung. Die Frage der Beweislastverteilung ist damit gegenstandslos, und die Einwände des Beklagten, die Vorinstanz habe im Zusammenhang mit den Vorwürfen der sexuellen Vernachlässigung der Klägerin und der Vernachlässigung der Familie in seiner (spärlichen) Freizeit die Beweislastregeln verletzt, stossen daher ins Leere. Ebenso unbehelflich sind die Hinweise des Beklagten auf gewisse Beweismittel (schriftliche Erklärung der Klägerin zum Aufenthalt im ehelichen Schlafzimmer und ihr schriftliches Eingeständnis, ihm, dem Beklagten, vielfach mit Wut und Aggressivität begegnet zu sein), die das Obergericht nicht miteinbezogen habe, und die Vorbringen, es sei nicht erwiesen, dass er die Klägerin gering geschätzt habe, bzw. es sei im angefochtenen Entscheid unerwähnt geblieben, dass er mit ihr unzählige Auslandreisen unternommen habe: Angesichts der umfangreichen Beweiserhebungen und der eingehenden Würdigung der Beweise durch das Obergericht kann von einer Missachtung des Beweisführungsanspruchs des Art. 8 ZGB von vornherein nicht die Rede sein. Die Vorbringen des Beklagten sind unter den gegebenen Umständen unzulässige Kritik an der (vorweggenommenen) Beweiswürdigung durch die Vorinstanz. cc) Das Gleiche gilt weitgehend auch für das, was der Beklagte den obergerichtlichen Feststellungen zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen entgegenhält, d.h. für die Ausführungen zur Höhe der eingebrachten Barschaft und des Eigenguts, für die Bemerkung, dass gewisse (Salär-)Zahlungen erst nach dem massgeblichen Stichtag angefallen seien, wie auch für die Vorbringen, die Vorinstanz habe Urkunden betreffend seine Passiven ignoriert, die steuerbehördliche Anerkennung der angegebenen Schulden zu wenig stark gewichtet und Schuldzinsen auf Darlehen sowie Hypothekarzinsen zu Unrecht unberücksichtigt gelassen. Bezüglich der genannten Zinsen ist die Rüge zudem ohnehin nicht hinreichend substantiiert, legt doch der Beklagte nicht mit genauen Aktenhinweisen dar, dass er die entsprechenden Beweisanträge form- und fristgerecht gestellt habe (dazu BGE 119 II 353 E. 5c/aa S. 357 mit Hinweisen). Auch mit der Beanstandung, dass sein Steuerberater, V.________, nicht wie beantragt als Zeuge zu seiner Schuldensituation befragt worden sei, übt der Beklagte in unzulässiger Weise Kritik an einer vorweggenommenen Beweiswürdigung. Die Vorinstanz hat offensichtlich dafür gehalten, die Aussagen des Steuerberaters vermöchten den Behauptungen des Beklagten nicht mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, zumal sie diesem unter Hinweis auf unvollständige Vermögensdeklarationen nur eine beschränkte Steuerehrlichkeit attestierte. Wie für die Kritik willkürlicher Beweiswürdigung hätte zudem auch für die in diesem Zusammenhang vorgetragene Rüge der Missachtung des Anspruchs auf rechtliches Gehör staatsrechtliche Beschwerde erhoben werden müssen. c) Der Beklagte macht ferner geltend, verschiedene tatsächliche Feststellungen würden auf einem offensichtlichen Versehen beruhen. aa) Ein - durch das Bundesgericht zu berichtigendes - offensichtliches Versehen im Sinne von Art. 55 Abs. 1 lit. d und Art. 63 Abs. 2 OG liegt nach der Rechtsprechung nur dann vor, wenn die kantonale Instanz eine bestimmte Aktenstelle übersehen oder unrichtig, d.h. nicht in ihrer wahren Gestalt, insbesondere nicht mit ihrem wirklichen Wortlaut, wahrgenommen hat (BGE 109 II 159 E. 2b S. 162; 104 II 68 E. 3b S. 74 mit Hinweis; vgl. auch BGE 115 II 399 E. 2a S. 399 f. mit Hinweis). Betrifft das geltend gemachte Versehen nur einen Ausschnitt aus der Beweiswürdigung, z.B. ein einzelnes Indiz einer ganzen Kette oder eine von mehreren Zeugenaussagen, so hilft die Versehensrüge nicht weiter; in einem solchen Fall läuft die Rüge vielmehr auf eine unzulässige Kritik an der Beweiswürdigung hinaus (dazu BGE 109 II 159 E. 2b S. 162 f.; Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Zürich 1992, S. 138). Wo die beanstandete Feststellung auf den Entscheid keinen Einfluss gehabt hat, stösst die Versehensrüge ins Leere (vgl. BGE 101 Ib 220 E. 1 S. 222 mit Hinweisen). bb) Der Beklagte wirft dem Obergericht vorab insofern ein offensichtliches Versehen vor, als es übersehen habe, dass er schon vor Bezirksgericht, und nicht erst im Appellationsverfahren, geltend gemacht habe, das Nachschussdarlehen auf dem Stockwerkeigentum Q.________ habe der Finanzierung des Einfamilienhauses in X.________ gedient. Die Rüge steht im Zusammenhang mit der vorinstanzlichen Auffassung, der Argumentation des Beklagten stehe das Novenverbot (§ 321 Abs. 1 der Aargauer Zivilprozessordnung; ZPO) entgegen. Diese die Anwendung kantonalen Verfahrensrechts betreffende Frage kann durch das Bundesgericht im Berufungsverfahren nicht überprüft werden; sie hätte mit einer staatsrechtlichen Beschwerde (wegen Willkür) vorgetragen werden müssen (dazu Art. 43 Abs. 1 OG; BGE 109 II 452 E. 5d S. 460). Die Versehensrüge bezieht sich nach dem Gesagten auf einen Punkt, der den Berufungsentscheid von vornherein nicht zu beeinflussen vermag. Damit ist ihr die Grundlage entzogen, und es ist auf sie nicht einzutreten. cc) Eine zweite Versehensrüge - die unter Hinweis auf verschiedene ins Recht gelegte Schriftstücke vorgetragen wird - bezieht sich auf die Feststellung des Obergerichts, Darlehen in der geltend gemachten Grössenordnung von mehreren hunderttausend Franken würden nicht auf Grund mündlicher Vereinbarungen gewährt. Der Beklagte verschweigt, dass die Vorinstanz die behaupteten Darlehensschulden in Würdigung einer Indizienkette nicht anerkannt hat, und nicht etwa nur wegen fehlender schriftlicher Schuldverpflichtungen. Seine Rüge läuft mithin auf eine im Berufungsverfahren unzulässige Kritik an der obergerichtlichen Beweiswürdigung hinaus. Im Übrigen sind die vom Beklagten angerufenen Zahlungsaufforderungen nicht mit Darlehensverträgen gleichzusetzen und hat sich das Obergericht bloss in allgemeinem Sinn über die fehlenden bzw. - nach Angaben des Beklagten selbst - erst nachträglich erstellten Belege geäussert. Die Vorinstanz hat zudem nicht etwa festgestellt, es lägen überhaupt keine schriftlichen Vereinbarungen vor. dd) Auf einem offensichtlichen Versehen beruhen nach dem Beklagten schliesslich die obergerichtlichen Feststellungen zu einem Konto bei der Bank M.________ in Zürich, das nach dem Stichtag - für die Salärabwicklung - eröffnet worden sei. Der Beklagte bringt vor, der als am 18. November 1993 eingegangen vermerkte Betrag von Fr. 21'937. 34 sei bereits in dem (vom Obergericht festgehaltenen) Saldo des Postkontos enthalten. Am fraglichen Tag habe das Postcheckamt die Beträge von Fr. 19'068. 50 und Fr. 2'868. 84, d.h. insgesamt Fr. 21'937. 34, auf das erwähnte Bankkonto überwiesen. Nach dem angefochtenen Urteil bestanden zwei Postkonten und hatten die Saldi nur eine Woche vor den geltend gemachten Überweisungen Fr. 18'973. 05 bzw. Fr. 2'839. 39, d.h. insgesamt Fr. 21'812. 44, betragen. In Anbetracht dessen, dass Saldi und Überweisungen betragsmässig voneinander abweichen, kann von einem offensichtlichen Versehen im Sinne Art. 55 Abs. 1 lit. d und Art. 63 Abs. 2 OG nicht gesprochen werden.