Citation: 1C_66/2022 E. 3.4.2

3.4.2. Die Rückzonung der Bauparzelle könnte auch ausgeschlossen werden, wenn sie einen unverhältnismässigen Eingriff in die Eigentumsgarantie (Art. 36 BV) und die daraus abgeleitete Baufreiheit (vgl. BGE 145 I 156 E. 4.1 mit Hinweis) darstellen würde, da ihr überwiegende Interessen am Schutz des Vertrauens in die Planbeständigkeit entgegenstehen. Dabei ist zu beachten, dass die Verpflichtung, gemäss Art. 15 Abs. 2 RPG überdimensionierte Bauzonen zu reduzieren, ein erhebliches öffentliches Interesse begründet, das grundsätzlich geeignet ist, den Interessen an der Wahrung der Planbeständigkeit vorzugehen (Urteil 1C_530/2021 vom 23. August 2022 E. 5.4). Diese Interessen wiegen vorliegend nicht schwer, da die massgebende Nutzungsplanung aus dem Jahr 2001 im Zeitpunkt der Bewilligungserteilung im Jahr 2020 über 18 Jahre alt war, womit die in Art. 15 Abs. 1 RPG genannte Dauer von 15 Jahren bereits überschritten und daher mit einer Anpassung zu rechnen war (vgl. Urteil 1C_650/2020 vom 12. Juli 2022 E. 3.6.2, zur Publ. vorgesehen). Daran vermag entgegen der Meinung der Vorinstanz nichts zu ändern, dass der Gemeindevorstand am 21. Dezember 2017 eine vom Eigentümer der Bauparzelle verlangte Änderung des Quartierplans Costa da Valbella-Sot genehmigte, weil damals noch nicht absehbar war, welche Auswirkungen die am 1. Mai 2014 in Kraft getretene bundesrechtliche Verpflichtung zur Verringerung überdimensionierter Bauzonen auf die Bauparzelle haben wird, zumal diese Verpflichtung abstrakt gehalten ist und der zu ihrer Erfüllung angepasste KRIP-S erst am 20. März 2018 beschlossen wurde (vgl. Urteil 1C_530/2021 vom 23. August 2022 E. 6.2). Entsprechend wurde die Frage der Reduktion des Baugebiets aufgrund überdimensionierter Bauzonen im kommunalen Verfahren betreffend die Änderung des Quartierplans und auch im anschliessenden kantonalen Rechtsmittelverfahren nicht aufgeworfen. Bereits aus diesem Grund konnte der Genehmigung der Quartierplanänderung bezüglich dieser Frage keine präjudizierende Wirkung zukommen (vgl. Urteil 1C_646/2018 vom 13. Juni 2019 E. 4). Dies wird dadurch bestätigt, dass für den Erlass und die Abänderung des Zonenplans der Gemeinde Vaz/Obervaz der Gemeinderat als Gemeindeparlament und nicht der Gemeindevorstand als ausführende Behörde zuständig ist (vgl. Art. 22 Abs. 1 und 2 KRG/GR; Art. 37 Abs. 2 der Verfassung der Gemeinde Vaz/Obervaz vom 5. September 1982; Art. 18 und 47 der Geschäftsordnung der Gemeinde Vaz/Obervaz vom 12. Juli 1985). Der Gemeindevorstand ist daher nicht zuständig, über den weiteren Verbleib der Bauparzelle in einer Bauzone zu entscheiden, weshalb er diesbezüglich auch keine vertrauensbegründende Zusicherung abgeben konnte (vgl. Urteil 1C_287/2016 vom 5. Januar 2017 E. 3.5). Demnach musste der Beschwerdegegner trotz der genehmigten Quartierplanänderung mit einer Rückzonung der Bauparzelle rechnen, zumal sie dafür grundsätzlich geeignet ist (vgl. E. 3.4.1 hievor). Dass der abgeänderte Quartierplan bezüglich der Bauparzelle einen Detaillierungsgrad erreicht, der einer Baubewilligung gleichkäme, macht der Beschwerdegegner nicht geltend (vgl. Urteil 1C_530/2021 vom 23. August 2022 E. 5.7). Unter diesen Umständen vermag sein Interesse am Schutz des Vertrauens in die Planbeständigkeit das entgegenstehende öffentliche Interesse an der Wahrung der Planungsfreiheit der Gemeinde bei der Reduktion der Bauzonen nicht zu überwiegen, weshalb insoweit ein unverhältnismässiger Eingriff in die Baufreiheit zu verneinen ist.