Citation: 6B_93/2022 E. 1.3.8

1.3.8. Die Vorinstanz setzt unangefochten auf der Basis des früheren Rechts die Gesamtgeldstrafe auf das gesetzliche Maximum von 360 Tagessätzen fest, weil sie sich zu dieser ihrer Überzeugung nach "bei weitem nicht schuldangemessenen" Sanktion durch die bundesgerichtliche Rechtsprechung gezwungen sieht (oben E. 1.2.3). Es wird sich annehmen lassen, dass sie bei Abstellen auf die aktuelle Rechtslage kaum eine Gesamtgeldstrafe von 180 Tagesätzen verantwortet hätte. Diese strafzumessungsrechtliche Realität zeigt auf, dass die vorinstanzliche Gesamtstrafenbildung auf einer allzu abstrakten Lesart der einschlägigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Wahl der Strafart basiert. Diese Rechtsprechung derogiert nicht dem Fundamentalsatz des materiellen Strafrechts: Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu (Art. 47 Abs. 1 Satz 1 StGB). Stehen verschiedene Strafarten zur Wahl, bildet das Verschulden zwar nicht das entscheidende Kriterium, ist aber neben den anderen bestimmenden Kriterien adäquateinzuschätzen ("doit être appréciée"; BGE 147 IV 241 E. 3.2). Nur wenn sowohl eine Geldstrafe wie eine Freiheitsstrafe in Betracht kommen und beide Strafarten in äquivalenter Weise das Verschulden sanktionieren, ist generell dem Verhältnismässigkeitsprinzip folgend der Geldstrafe die Priorität einzuräumen. Systemimmanent impliziert das StGB, dass das Verschulden die Wahl der Strafart beeinflusst, weil die schwersten Straftaten prinzipiell durch die Freiheitsstrafe und nicht durch die Geldstrafe zu sanktionieren sind (BGE 147 IV 241 E. 3.2). Zu diesen schwerwiegenden Straftaten zählen grundsätzlich die sexuellen Handlungen mündiger Personen mit Kindern im Schutzalter (Art. 187 Ziff. 1 StGB). Der Unrechtsgehalt dieser verbotenen Handlungsweisen darf nicht bagatellisiert werden (vgl. auch Art. 123b BV i.V.m. Art. 101 Abs. 1 lit. e StGB und Art. 197 Abs. 5 StGB).