Citation: 4A_226/2019 E. 7.5.1

7.5.1. Die Beschwerdeführerin rügt, es hätte der Beschwerdegegnerin angesichts der kurzen Zeitspanne zwischen dem Erwerb des Fahrzeugs und der Erteilung des Auftrags zu dessen Weiterverkauf klar sein müssen, dass sie zumindest den von ihr bezahlten Kaufpreis von Fr. 65'000.-- wieder zurückerhalten wolle. Es lasse sich der gesamten Korrespondenz kein einziger Anhaltspunkt dafür entnehmen, dass sie mit einem tieferen Preis einverstanden gewesen wäre. Soweit sich die Beschwerdeführerin in ihrer Argumentation auf E-Mails bezieht, die erst nach dem erfolgten Weiterverkauf geschrieben worden sind, verkennt sie, dass nachträgliches Parteiverhalten bei der Auslegung nach dem Vertrauensprinzip nicht von Bedeutung sein kann (vgl. hiervor E. 7.1). Dies gilt auch betreffend die Aussage von D.________, E.________ habe betreffend einen Mindestverkaufspreis von Fr. 65'000.-- "einmal öppis dr gliche ta ", die sich - wie gezeigt (vgl. hiervor E. 7.3.3) - auf eine E-Mail bezieht, welche nach dem bereits erfolgten Weiterverkauf geschrieben worden ist. Auch der Umstand, dass D.________ die Beschwerdeführerin nicht sofort, sondern erst Monate später über den Verkauf informierte, bedeutet nicht, dass die Beschwerdegegnerin zum Zeitpunkt des Weiterverkaufs nicht hätte davon ausgehen dürfen, das Fahrzeug solle zum bestmöglichen Preis weiterverkauft werden. Zwar räumt auch die Vorinstanz ein, es sei für sie nicht recht ersichtlich, warum sich die Beschwerdeführerin nach einer dermassen kurzen Zeit mit einem Weiterverkaufspreis von Fr. 50'000.-- habe einverstanden erklären sollen. Sie verweist dann aber auf die E-Mail vom 29. April 2014, in der C.________ seitens der Beschwerdeführerin ausführte, die Situation habe sich "ein wenig verschärft ", und leitet daraus ab, es sei denkbar, dass D.________ anhand dieser Nachricht davon ausgegangen sei, die Beschwerdeführerin wolle den Wagen innert nützlicher Frist zum bestmöglichen Preis verkaufen. Soweit die Beschwerdeführerin erneut ausführt, aus der E-Mail-Korrespondenz ergebe sich ein Mindestverkaufspreis von Fr. 65'000.--, trifft dies nicht zu, es kann auf die vorherigen Ausführungen verwiesen werden (vgl. hiervor E. 7.3.2). Die Beschwerdeführerin zeigt insgesamt nicht auf, inwiefern für die Beschwerdegegnerin - entgegen der Vorinstanz - erkennbar gewesen wäre, dass die Beschwerdeführerin nicht unter einem Preis von Fr. 65'000.-- hätte verkaufen wollen. Sie setzt sich namentlich nicht mit der Aussage von C.________ in seiner E-Mail auseinander, wonach sich "die Situation ein wenig verschärft habe ". Entscheidend ist nicht, ob tatsächlich eine gewisse zeitliche Dringlichkeit bestand, sondern vielmehr, ob die Beschwerdegegnerin nach Treu und Glauben von einer gewissen Dringlichkeit hat ausgehen dürfen, was für einen Verkauf zum bestmöglichen Preis spricht. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur fehlenden zeitlichen Dringlichkeit gehen daher an der Sache vorbei. Es verletzt somit kein Bundesrecht, wenn die Vorinstanz insbesondere im Hinblick auf die E-Mail vom 29. April 2014 zum Ergebnis gelangt, die Beschwerdegegnerin habe davon ausgehen dürfen, die Beschwerdeführerin wäre mit einem Weiterverkauf zum bestmöglichen Preis einverstanden gewesen.