Citation: 6S.186/2003 22.01.2004 E. 1

Die Beschwerdeführerin macht geltend, das angefochtene Urteil beruhe auf einer unzulässigen Vereinbarung zwischen Zivilparteien "im Sinne eines prozessualen Vergleichs". 1.1 Der zuständige richterliche Referent habe den angeklagten privaten Beschwerdegegnern mit Schreiben vom 31. Oktober 2002 "die Festsetzung eines Strafmasses" angeboten, "das den bedingten Strafvollzug noch zulässt" sowie die "Anordnung von Landesverweisungen mit bedingtem Vollzug". "Im Gegenzug" habe das Kantonsgericht gefordert, dass sich die Angeklagten mit dem Strafkläger über die Zivilforderung einigten, dass sie diese beglichen, dass der Strafkläger sein Desinteresse am Strafprozess erkläre, dass die Angeklagten ein "Geständnis" ablegten "hinsichtlich eines Tatbeitrages der den Grundtatbestand der Entführung und der Geiselnahme beziehungsweise der Gehilfenschaft zur Entführung erfüllt" und dass sie in den übrigen Streitpunkten das bezirksgerichtliche Urteil anerkannten. Am 11. November 2002 habe die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht mitgeteilt, dass sie "mit der vorgeschlagenen Art der Erledigung des Verfahrens nicht einverstanden" sei. Mit Schreiben vom 20. Dezember 2002 habe das Kantonsgericht den Verfahrensbeteiligten dennoch mitgeteilt, dass die vorgeschlagene Vereinbarung zustande komme, "zumal die Angeklagten und der Kläger alle an sie gestellten Bedingungen erfüllt hätten". Daher gedenke die Strafkammer die hängigen Berufungsverfahren "im Sinne des Vorschlages des Referenten zu entscheiden". Die unterzeichnete Vereinbarung sei der Beschwerdeführerin "zur Kenntnisnahme zugestellt" worden. Mit Schreiben vom 9. Januar 2003 an die Strafkammer habe die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen gemäss Berufungsantwort festgehalten und mitgeteilt, dass sie "das Vorgehen und das Ergebnis der ohne ihre Zustimmung durchgeführten so genannten Mediation" ablehne. Die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung habe sie nicht beantragt. Gemäss der getroffenen Prozessvereinbarung habe das Kantonsgericht die Angeklagten am 19. März 2003 "lediglich der Geiselnahme etc. schuldig gesprochen" und zu bedingten Gefängnisstrafen von 18, 16 bzw. sechs Monaten verurteilt. 1.2 Die Beschwerdeführerin rügt, es gebe für das Vorgehen des Kantonsgerichtes "weder im eidgenössischen noch im kantonalen Recht eine genügende Rechtsgrundlage". Die Beurteilung "von Taten von einer Schwere wie im vorliegenden Verfahren auf dem Wege eines zivilrechtlichen Vergleichs" sei als unzulässig zu bezeichnen. Es müsse vermutet werden, dass "nach dem erstinstanzlichen Urteil auf den Kläger eingewirkt" worden sei. "Die Hinterfragung solcher tatsächlicher Gegebenheiten" sei zu Unrecht unterblieben. Zwar liege "der Vergleich über die Zivilansprüche (...) durchaus in der Dispositionsfreiheit" der Zivilparteien. Durch die Vereinbarung der Angeklagten mit dem Opfer sei der staatliche Strafanspruch jedoch nicht weggefallen. Es gehe nicht an, dass sich die Zivilparteien "über die Anerkennung des Grundtatbestandes" einigten und die Angeklagten sich "vom Kantonsgericht für diesen Fall zusichern" liessen, "dass nur bedingte Strafen ausgesprochen" werden. Im "Ergebnis" habe das Kantonsgericht gegen eidgenössisches Recht verstossen, nämlich gegen Art. 41 Ziff. 1, Art. 63-64, Art. 68 Ziff. 1 und Art. 183-185 StGB. Im weiteren kritisiert die Beschwerdeführerin (namentlich auf Seiten 5-10 der Beschwerdeschrift) ausführlich die Beweiswürdigung des angefochtenen Entscheides. "Zur Untermauerung der einer Erledigung durch Vergleich dienenden Gründe" habe das Kantonsgericht die "Faktenlage anders interpretiert" als vor ihm das Bezirksgericht. Die Beweiswürdigung des Kantonsgerichtes sei "selektiv" und "einseitig". Die (nach Ansicht der Beschwerdeführerin) "pauschale und teilweise undifferenzierte Wertung" der Beweisergebnisse im angefochtenen Urteil sei "willkürlich, da sie wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht" lasse.