Citation: U 56/04 23.02.2005 E. 3.3.2

3.3.2.1 Die Diagnose eines HWS-Schleudertraumas, durch welches das hiefür typische Beschwerdebild hervorgerufen wurde, vermag für sich allein keine besondere Art oder Schwere der erlittenen Verletzung zu begründen (vgl. Urteil D. vom 16. August 2001 [U 21/01] Erw. 3d mit Hinweisen). Ob das Kriterium erfüllt ist, bedarf der Prüfung im Einzelfall. Bejaht hat die Rechtsprechung eine besondere Art oder Schwere der HWS-Distorsion etwa im Falle einer besonderen Körperhaltung zum Zeitpunkt der mechanischen Einwirkung und damit verbundenen Komplikationen (Drehung von Kopf und Oberkörper; RKUV 1998 Nr. U 297 S. 245 Erw. 3c; Urteile M. vom 7. August 2003 [U 346/02] Erw. 5.2, S. vom 5. September 2001 [U 323/00] Erw. 5b, M. vom 10. Februar 2000 [U 237/99] Erw. 3b) oder bei einer Häufung verschiedener, für das HWS-Schleudertrauma charakteristischer Beschwerden mit schwerwiegenden Auswirkungen (BGE 117 V 369 Erw. 7b; vgl. etwa Urteile K. vom 2. Dezember 2003 [U 33/03] Erw. 4.2.2, H. vom 28. Mai 2003 [U 12/03] Erw. 4.2.2, S. vom 8. April 2002 [U 357/01] Erw. 3c/ee, D. vom 16. August 2001 [U 21/01] Erw. 3 f., R. vom 17. Mai 2001 [U 434/00] Erw. 7c/cc, S. vom 8. September 2000 [U 307/99] Erw. 4c, B. vom 26. Januar 1999 [U 85/97] Erw. 3b). 3.3.2.2 Im Falle der Beschwerdeführerin wurde die Diagnose eines HWS-Schleudertraumas bereits anlässlich der Erstbehandlung am 18. Januar 2000 gestellt (Unfallmeldung UVG vom 20. Januar 2000; Arztzeugnis UVG vom 13. Juli 2000) und in den nachfolgenden Arztberichten durchwegs bestätigt; dies, nachdem bereits am Unfalltag Kopfschmerzen sowie Beschwerden im Nacken und Schultergürtel aufgetaucht waren und die Versicherte zudem am 16. Februar 2000 im Frageblatt der Berner Versicherungen zum Verkehrsunfall/Unfallhergang nebst Kopfschmerzen, eingeschränkter Beweglichkeit von Hals und Kopf auch Schwindel (im Bericht des Dr. med. S.________, Facharzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, vom 19. Juni 2000 bereits auf die Nacht nach dem Unfall datiert) - sowie ein "vermindertes Gefühl in den Fingern" angegeben hatte. Heute leidet die Beschwerdeführerin nach wie vor an anhaltenden, weitgehend therapieresistenten Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich und - vor allem bei körperlichen Anstrengungen - an starken Kopfschmerzen (bisweilen mit Ausstrahlung in den Rücken und leichten Schwindelgefühlen); ferner klagt sie über unruhigen Schlaf und Müdigkeit. Weitgehend abgeklungen sind dagegen eine vegetative Dysregulation und leichte neuropsychologische Funktionsstörungen. Der psychische Zustand hat sich nach depressiven Episoden mit Erschöpfungssymptomatik zwischenzeitlich ebenfalls normalisiert und ist nach übereinstimmender Einschätzung der Ärzte nunmehr unauffällig (Berichte des Dr. med. H.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Juni 2002 und des Dr. med. R.________, Facharzt FMH für Neurologie, vom 18. Juni 2002). Unmittelbar nach dem Unfall folgten drei Monate vollständige Arbeitsunfähigkeit, ab 3. April 2000 eine Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit zu 50 %, welches Pensum bis zur vorübergehend wiederum vollständigen Arbeitsunfähigkeit (März bis November 2001) nie erfolgreich hatte gesteigert werden können. Seit November 2001 besteht unbestritten eine theoretische Restarbeitsfähigkeit von 50 % bei optimal angepasster Tätigkeit mit geringer körperlicher Belastung und der Möglichkeit, die Körperhaltung häufig zu verändern; unter diesen restriktiven Bedingungen wäre aus medizinischer Sicht theoretisch auch ein Einsatz als technische Operationsassistentin (z.B. in einem chirurgischen Spezialgebiet wie Augenoperationen) zumutbar. 3.3.2.3 Angesichts der Häufung der für ein HWS-Schleudertrauma typischen - und nach der einleuchtend und überzeugend begründeten Einschätzung der Fachärzte nicht auf eine psychische Überlagerung nach dem Unfall oder einen Vorzustand zurückzuführenden - Beschwerden sowie mit Blick auf die damit verbundene, erhebliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit sind die Auswirkungen der erlittenen HWS-Distorsion als schwerwiegend einzustufen und das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen zu bejahen (vgl. Erw. 3.3.2.1). 3.4 Nach dem Gesagten sind jedenfalls drei der Adäquanzkriterien erfüllt. Im Lichte der Rechtsprechung (Urteil S. vom 13. Mai 2004 [U 346/03] Erw. 5.3; vgl. auch RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544) sind Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit (Erw. 3.3.1 und 3.3.2.2 hievor) dabei gar in besonderer Ausprägung gegeben. Vor diesem Hintergrund ist dem Unfall vom 17. Januar 2000 eine massgebende Bedeutung für die aktuelle Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zuzusprechen, ohne dass zusätzlich geprüft werden müsste, ob die Kriterien des schwierigen Heilungsverlaufs und der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung erfüllt sind. Denn dessen ungeachtet erfolgte die mit der fehlenden Unfallkausalität des Gesundheitsschadens begründete Einstellung sämtlicher Leistungen des Unfallversicherers per 31. Juli 2002 zu Unrecht.