Citation: 6A.37/2002 21.08.2002 E. 2

2.1 Die kantonalen Behörden haben der ausgefällten Administrativmassnahme die so genannte "Aargauer Praxis" zu Grunde gelegt. Das Bundesgericht hat mehrfach festgehalten, dass standardisierte "Tarife" Bundesrecht verletzen, wenn sie zu schematisch angewendet und die Umstände des Einzelfalls nicht genügend berücksichtigt werden (Urteil 6A.20/2002 vom 7. Mai 2002; zur Publikation vorgesehener Entscheid 6A.3/2002 vom 10. April 2002; Urteil 6A.49/2001 vom 30. Oktober 2001; BGE 124 II 44 E. 1; 123 II 63 E. 3c). Die Vorinstanz überprüft den angefochtenen Entscheid der Aargauer Verwaltungsbehörden in analoger Anwendung der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Sie hält fest, da der Umstand des Fahrens in angetrunkenem Zustand und des Rückfalls innert 5 Jahren in der Mindestentzugsdauer von 12 Monaten bereits erfasst seien, dürften diese Momente weder beim Verschulden noch beim Leumund zusätzlich zu Ungunsten des Betroffenen berücksichtigt werden. Massnahmeerhöhend könne jedoch der Zeitpunkt des Rückfalls ins Gewicht fallen. Der Zeitpunkt müsse sowohl beim Verschulden als auch beim automobilistischen Leumund berücksichtigt werden (Urteil Verwaltungsgericht, S. 7 ff. Ziff. 3c). 2.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von Bundesrecht mit der Begründung, die Vorinstanz habe die Rückfälligkeit unter drei verschiedenen Titeln zu seinen Ungunsten berücksichtigt. Sie halte ihm die zeitliche Nähe der erneuten Verfehlung ein erstes Mal eingangs im Rahmen einer allgemeinen Beurteilung als stark massnahmeerhöhend vor. Ein weiteres Mal werde im Rahmen der Gewichtung des Verschuldens mehrfach verschuldenserhöhend auf die Rückfälligkeit hingewiesen. Schliesslich stelle sie den ersten Warnungsentzug bei der Prüfung der beruflichen Angewiesenheit nochmals in Rechnung (Beschwerde, S. 4 f. Ziff. 6-8). 2.3 Die Kritik des Beschwerdeführers trifft zu. Das Bundesgericht hat in den beiden den Kanton Aargau betreffenden Entscheiden 6A.3/2002 vom 10. April 2002 sowie 6A.20/2002 vom 7. Mai 2002 festgehalten, dass das zeitliche Moment des Rückfalls nur beim automobilistischen Leumund, nicht aber beim Verschulden berücksichtigt werden darf. Ebenso wenig darf der Rückfall bei der Beurteilung der beruflichen Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen (Art. 33 Abs. 2 VZV), negativ gewichtet werden (E. 3). An dieser Stelle genügt ein Hinweis auf die erwähnten Entscheide sowie die Vernehmlassung des ASTRA (act. 10; Art. 36a Abs. 3 OG). 2.4 Im Zusammenhang mit der Beurteilung des Verschuldens des Beschwerdeführers hält die Vorinstanz fest, erschwerend komme hinzu, dass der Beschwerdeführer nachts gefahren sei. Sein Argument, das Verkehrsaufkommen sei nachts deutlich geringer, vermöge nicht zu überzeugen (Urteil Verwaltungsgericht, S. 11 lit. bb). Der Beschwerdeführer wendet sich zu Recht gegen eine solche Beurteilung (Beschwerdeschrift S. 9 lit. ee). Die Vorinstanz führt zwar zutreffend den verschuldenserhöhenden Umstand der nächtlichen Fahrt an, weil die ungünstigen Sichtverhältnisse in der Nacht die abstrakte Verkehrsgefährdung entsprechend erhöhen. Diese Gefährdung ist indessen bei geringem Verkehrsaufkommen tiefer als bei durchschnittlichem, was nicht einfach als unbeachtlich bezeichnet werden darf. Im Übrigen ist die Behauptung des Beschwerdeführers, "die eingenommenen Medikamente fallen nicht in eine Medikamentengruppe (wie Psychopharmaka, Sedativa, Analgetika etc.), welche allein oder zusammen mit dem Konsum von Alkohol besondere Gefahren für die Fahrfähigkeit vermuten lassen" (Beschwerdeschrift S. 7 Ziff. 12), falsch. Beim Schmerzmittel "Ponstan" handelt es sich nämlich um ein typisches Analgetikum. Da zudem eine Erkältung die körperliche Verfassung des Beschwerdeführers beeinträchtigte, durfte die Vorinstanz sein Verhalten als besonders bedenklich bezeichnen.