Citation: 1C_147/2013 E. 3.3

3.3. Die Beschwerdeführer machen weiter geltend, einziger Grund für die Ausnahmebewilligung sei die Behauptung des Baugesuchstellers gewesen, dass er ansonsten 56 m² der ihm im Quartierplan zugewiesenen BGF (283 m²) nicht vollständig realisieren könne. Dessen Berechnung verkenne jedoch, dass Art. 14 QPV für das Nutzungsmass auf die im Quartierplan 1977 zugeteilten Bruttogeschossflächen verweise. Der nach wie vor gültige Quartierplanvertrag Seglias vom 3. April 1976 sehe in Art. 3.2 vor, dass der Nutzungsanspruch auf der Berechnung der Ausnützungsziffer gemäss Bauordnung 1970 der Gemeinde Sils beruhe. Damals sei insbesondere das Untergeschoss grundsätzlich zur BGF angerechnet worden (vgl. Art. 36 Ziff. 3 der Bauordnung 1975). Es sei daher willkürlich und verletze das Rechtsgleichheitsprinzip, dem Beschwerdegegner eine Überschreitung der Baulinie zu bewilligen, um ihm eine Überbauung mit einer nach der heutigen Bauordnung berechneten BGF zu gestatten, obwohl sich die allermeisten bestehenden Bauten strikt an die Quartierplanvorgaben hätten halten müssen. Dadurch würden die Gestaltungsprinzipien des Quartiergestaltungsplans gesprengt. Leidtragende wären in erster Linie die hinterliegenden Beschwerdeführer, deren Liegenschaften eine erhebliche Wertminderung erfahren würden. Verletzt sei überdies das Vertrauensprinzip: Die Beschwerdeführer hätten ihr Grundstück im Vertrauen auf die Verbindlichkeit der Quartierplanung Seglias erworben. Es erscheint jedoch widersprüchlich, wenn die Beschwerdeführer für die Berechnung der BGF auf das alte Recht abstellen wollen (d.h. die - gar nicht mehr auffindbare - Bauordnung 1970 bzw. die Bauordnung 1975), dagegen für die Berechnung der Gebäudehöhe das heute geltende Baurecht als massgeblich erachten. Art. 14 QPV verweist auf den revidierten Gestaltungsplan, der die zulässige BGF für jede Parzelle einzeln festgelegt. Anders als der Gestaltungsplan 1977, der noch einen ausdrücklichen Hinweis auf die nicht angerechnete Bruttogeschossfläche im ersten Untergeschoss gemäss Art. 39/3.e der Bauordnung der Gemeinde Sils enthielt, fehlt ein solcher Hinweis im neuen Gestaltungsplan. Die Berechnung der BGF ist auch in den Quartierplanvorschriften nicht geregelt. Unter diesen Umständen ist es jedenfalls nicht willkürlich, Art. 5 Abs. 2 QPV heranzuziehen, d.h. auf die jeweils geltenden allgemeinen Bauvorschriften abzustellen. Sofern dies dem Quartierplanvertrag Seglias vom 3. April 1976 widersprechen sollte, hätten die Beschwerdeführer Rechtsmittel gegen die Quartierplanrevision 2007 ergreifen müssen. Die Beschwerdeführer legen nicht dar, dass ihnen in diesem Zusammenhang verbindliche Zusicherungen erteilt worden seien. Auch eine Verletzung der Rechtsgleichheit ist nicht ersichtlich: Die grosszügigere Berechnungsweise der BGF nach heutigem Baurecht kommt den Eigentümern bestehender Bauten ebenfalls zugute, z.B. bei Ausbau-, Erweiterungs- oder Ersatzbauvorhaben. Eine andere Betrachtungsweise könnte sich allenfalls aufdrängen, wenn das Verwaltungsgericht im nächsten Rechtsgang zum Ergebnis kommen sollte, dass die Legende zum Gestaltungsplan 1977 noch anwendbar sei (vgl. dazu den Hinweis unten, E. 5).