Citation: U 466/04 16.02.2006 E. 4

4.1 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als mittelschwer, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 [U 380/04] S. 237 Erw. 5.1.2 mit Hinweisen). Zu einer anderen Beurteilung besteht auch im vorliegenden Fall kein Anlass. Gemäss dem vom beteiligten Haftpflichtversicherer in Auftrag gegebenen technisch/medizinischen Gutachten des Ingenieurbüros P.________ und des Orthopädischen Forschungsinstitutes R.________/BRD vom 17. April 2001 kann die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung im verunfallten Fahrzeug zwischen 10 und 13 km/h eingegrenzt werden, was laut Experten nur wenig über der Harmlosigkeitsgrenze liegt. Damit der Verkehrsunfall vom 21. Mai 1999 als adäquate Ursache für die nach dem 1. Oktober 2003 persistierenden Beschwerden gelten kann, müssen daher von den für die Beurteilung massgebenden Kriterien eines in besonders ausgeprägter Weise oder mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). 4.2 Der Unfall vom 21. Mai 1999 ereignete sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen noch war er - objektiv betrachtet (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 [U 248/98]) - von besonderer Eindrücklichkeit. Er hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen besonderer Art zur Folge. Für dieses Kriterium genügt nicht, dass für ein Schleudertrauma der HWS typische Beschwerden bestehen. Es müssen besondere Umstände dazu kommen, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (Urteile C. vom 28. April 2005 [U 386/04], D. vom 4. September 2003 [U 371/02], T. vom 6. Februar 2002 [U 61/00] und D. vom 16. August 2001 [U 21/01]), wie beispielsweise eine beim Unfall eingenommene besondere Körperhaltung und die dadurch bewirkten Komplikationen (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 245 Erw. 3c). Solche Umstände sind hier nicht gegeben. Es liegt auch keine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typischen Symptome vor. Nicht erfüllt ist sodann das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung. Im Anschluss an den Unfall wurden physiotherapeutische Massnahmen und eine medikamentöse Behandlung durchgeführt (Berichte Dr. med. M.________ und Spital X.________ vom 14. und 25. Juni 1999). Anlässlich der Untersuchung vom 3. November 1999 erachtete Kreisarzt Dr. med. I.________ Physiotherapie zurzeit nicht als notwendig. Vom 14. Dezember 1999 bis 7. März 2000 wurden zur Schmerzbekämpfung Akupunktur und Lasertherapie angewendet (Bericht Frau Dr. med. T.________, Anästhesiologie FMH, vom 10. März 2000). Während des Aufenthaltes in der Klinik E.________ vom 12. April bis 17. Mai 2000 wurden physiotherapeutische Behandlungen sowie Massnahmen zur muskulären Lockerung und zur Verbesserung der Stabilisation und Beweglichkeit der HWS durchgeführt. Im Austrittsbericht vom 26. Juni 2000 wurde die Fortsetzung der physikalischen Therapie empfohlen. Am 20. Dezember 2000 berichtete der Hausarzt Dr. med. M.________, die Behandlung beschränke sich auf monatliche Kontrollen; es seien zurzeit keine weiteren therapeutischen Möglichkeiten ersichtlich. Der Rheumatologe Dr. med. A.________ führte im Zeitraum Februar bis Juni 2001 eine mehrmalige manualtherapeutische Mobilisation der HWS sowie eine Behandlung mit einem Lokalanästhetikum (Lidocain) durch und er ordnete erneut Physiotherapie an (Berichte vom 9. April und 16. Juli 2001). In der Folge beschränkten sich die medizinischen Massnahmen offenbar auf ärztliche Kontrollen und weitere Untersuchungen insbesondere hinsichtlich des geklagten Tinnitus. Eine entsprechende Behandlung wurde jedoch nicht durchgeführt. Im Bericht vom 24. April 2002 äusserte Dr. med. D.________ die Auffassung, das leichte tendomyotische Syndrom sollte mit geeigneter Physiotherapie beeinflussbar sein, wobei das Schwergewicht auf aktivierende Massnahmen im Heimprogramm gelegt werden sollte. Im Gutachten des ZMB vom 21. November 2002 schliesslich wurde als alleinige und wichtigste Massnahme eine psychotherapeutische Betreuung vorgeschlagen. Insgesamt zeichnet sich der Behandlungsverlauf dadurch aus, dass zwar während längerer Zeit immer wieder Massnahmen insbesondere physiotherapeutischer Art durchgeführt wurden, welche allerdings zu keiner wesentlichen Besserung der Beschwerden führten. Es handelte sich jedoch nicht um eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer (Urteile N. vom 14. März 2005 [U 82/04], P. vom 24. September 2003 [U 361/02] und S. vom 8. April 2002 [U 357/01]). Obschon sodann die psychische Behandlungsbedürftigkeit erst längere Zeit nach dem Unfall erkannt wurde, kann von einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, nicht gesprochen werden. Auch fehlen die Voraussetzungen für die Annahme eines schwierigen Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen. Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Umstände, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteile Z. vom 4. Mai 2004 [U 89/03], F. vom 25. Oktober 2002 [U 343/02] und B. vom 7. August 2002 [U 313/01]). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Vielmehr war es die psychische Symptomatik, welche zu einem protrahierten Heilungsverlauf führte. Ebenfalls nicht erfüllt ist das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 [U 56/00]). Nach dem Unfall war der Beschwerdegegner ab 14. Juni 1999 wieder zu 50 %, ab 27. September 1999 zu 75 % arbeitsfähig (Berichte Spital X.________ vom 25. Juni und 27. September 1999). Am 13. Dezember 1999 teilte die Firma die volle Wiederaufnahme der Arbeit mit. Im Schreiben vom 28. Februar 2000 an den Kreisarzt Dr. med. I.________ hielt der Versicherte fest, er schaffe es wegen der Beschwerden noch nicht, 100 % zu arbeiten. Im Austrittsbericht der Klinik E.________ vom 26. Juni 2000 wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab 22. Mai 2000 angegeben. Diese Einschätzung wurde in der Folge von verschiedenen Ärzten bestätigt, zuletzt durch Kreisarzt Dr. med. I.________ (Bericht vom 22. Januar 2001). Dr. med. A.________ erachtete den Versicherten aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht, Dr. med. G.________ aus ORL-Sicht grundsätzlich als voll arbeitsfähig (Bericht vom 16. Juli 2001 und interne Aktennotiz vom 10. September 2001). Anlässlich einer weiteren Untersuchung vom 15. Februar 2002 gelangte Kreisarzt Dr. med. V.________ zum Schluss, der Versicherte sei vorbehältlich der Ergebnisse einer vorgesehenen neurootologischen Kontrolle für alle Tätigkeiten (ohne Arbeiten auf Gerüsten und mit erhöhter Sturzgefahr) voll arbeitsfähig. Die in der Folge durchgeführten neurootologischen Abklärungen ergaben keine relevante zusätzliche Arbeitsunfähigkeit (vgl. Bericht Prof. Dr. med. K.________ vom 13. März 2003). Dr. med. D.________ bezeichnete eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne monotone Körperhaltungen aus neurologischer Sicht als vollschichtig zumutbar (Bericht vom 24. April 2002). Die Ärzte des ZMB schliesslich kamen zum Schluss, dass der Versicherte aus somatischer Sicht für alle Tätigkeiten ohne häufiges Kopfneigen und ohne Zwangshaltung der HWS voll arbeitsfähig sei (Gutachten vom 21. November 2002). Wird zusätzlich berücksichtigt, dass die Arbeitsfähigkeit schon bald nach dem Unfall vom 21. Mai 1999 zunehmend psychisch beeinträchtigt war, kann das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht als erfüllt gelten. Angesichts der bestehenden psychischen Überlagerung fehlt es schliesslich auch an der Voraussetzung der körperlichen Dauerschmerzen. Jedenfalls ist dieses Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Sind nach dem Gesagten von den massgebenden Beurteilungskriterien weder eines in besonders ausgeprägter Weise noch mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben, ist die Unfalladäquanz der nach dem 1. Oktober 2003 geklagten Beschwerden zu verneinen. Die SUVA stellte somit zu Recht ihre Leistungen mit diesem Zeitpunkt ein.