Citation: 8C_427/2015 E. 5.2.1

5.2.1. Fraglich ist vorerst, ob im Gutachten vom 24. Februar 2012 die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) so begründet ist, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Als "vorherrschende Beschwerde" verlangt wird "ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz" (Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], 9. Aufl. 2014, Ziff. F45.4 S. 233). Im Gegensatz zu anderen psychosomatischen, beispielsweise dissoziativen, Störungen, die nicht schon an sich einen Bezug zum Schweregrad aufweisen, setzt die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung per definitionem Beeinträchtigungen der Alltagsfunktionen voraus (BGE 141 V 281 E. 2.1.1 S. 286 mit zahlreichen Hinweisen). Im psychosomatischen Fachgutachten im Rahmen der Begutachtung durch die Abklärungsstelle B.________ nimmt die Begründung für die Diagnosestellung einen relativ kleinen Raum ein. Demnach würden die vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden gemäss dem rheumatologischen Gutachten als unspezifisch beurteilt. Sie liessen sich keinem objektivierbaren somatischen Korrelat zuordnen. Der Explorand zeige chronische lumbale Rückenschmerzen von krampfartigem Charakter mit hoher Schmerzintensität, geringer Schmerzmodulation, andauernder Beschäftigung mit dem Schmerz und geringem Ansprechen auf therapeutische Massnahmen. Die psychiatrischen Gutachter der Abklärungsstelle B.________ gelangten direkt von dieser Beschreibung zur Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Für das rechtsanwendende Gericht ist daher fraglich, ob die klassifikatorischen Vorgaben für die Diagnosestellung tatsächlich eingehalten wurden. Soweit hingegen die Aktenlage eine Prüfung der Indikatoren und damit einer massgebenden Arbeitsunfähigkeit trotzdem zulassen, kann auf die abschliessende Beantwortung dieser Frage verzichtet werden.