Citation: 5A_36/2022 E. 4.4.4

4.4.4. Aus der Bedeutung des Konkursinventars für den Ablauf des Konkursverfahrens folgt, dass bei der Beurteilung der Neuentdeckung von Vermögenswerten die Anhaltspunkte im Konkursinventar als Grundlage auch für den Kenntnisstand der Gläubiger nicht ausser Acht gelassen werden können. Ergeben sich aus dem Konkursinventar hinreichende Anhaltspunkte für den Bestand von Vermögenswerten, so kann ein Gläubiger sich nicht ohne Weiteres darauf berufen, diese Anhaltspunkte habe er erst nachträglich entdeckt. Es mag zutreffen, dass die Gläubiger sich bei einer frühen Einstellung des Konkurses nicht in demselben Masse wie bei der Durchführung in das Konkursverfahren involvieren können. Dennoch bezweckt Art. 230 Abs. 2 SchKG, dass die Gläubiger durch die Publikation angesprochen werden und eine Fortsetzung des Verfahrens bewirken können. Aus dem fehlenden Einbezug abzuleiten, den Gläubigern könne die fehlende Kenntnis von Anhaltspunkten auf solche Vermögenswerte im Inventar nicht entgegengehalten werden, hätte zur Folge, dass ein Gläubiger jederzeit die Wiedereröffnung des Konkurses verlangen könnte, ohne den Inhalt des Inventars glaubhaft mit dem Gegenteil zu entkräften oder sonst neue Erkenntnisse glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführerin weist zwar zu Recht darauf hin, dass keine strengen Anforderungen an die Neuentdeckung von Vermögenswerten zu stellen sind - einen voraussetzungslosen Anspruch auf Wiedereröffnung des Konkurses einzig gestützt auf den Wissensstand einer unbestimmten Mehrheit von Gläubigern bzw. den Behauptungen eines Gläubigers und entgegen den Anhaltspunkten im Konkursinventar lässt sich nicht mit Art. 230 Abs. 2 SchKG vereinbaren.