Citation: 6B_662/2009 29.10.2009 E. 4

4.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz sei willkürlich davon ausgegangen, dass eine Lebensgefahr bestanden habe. Dr. D.________ habe im Arztbericht vom 15. Juli 2005 lebensbedrohliche Verletzungen und eine Lebensgefahr durch das Würgen ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu habe das Institut für Rechtsmedizin Zürich (IRM) aufgrund der Akten eine potentielle Lebensbedrohung bejaht. Auf dieses Gutachten könne nicht abgestellt werden. Der Gutachter des IRM habe das Opfer nicht persönlich untersucht. Die Rötungen am Hals seien auf den Fotos nicht erkennbar. Zudem sei Dr. D.________ von einer Druckempfindlichkeit des Halses ausgegangen, während der Gutachter des IRM starke Schmerzen am Hals angenommen habe. Nicht überprüfbar seien die Symptome Schwindel, Brechreiz und Schluckbeschwerden. Diese seien eine unbelegte Parteibehauptung. Indem der Gutachter des IRM vollständig auf die Angaben des Opfers bzw. auf einen anderen Sachverhalt als Dr. D.________ abstelle, gehe er von falschen Voraussetzungen aus. 4.2 Die Vorinstanz erwägt, die Aussagen des Opfers seien glaubhaft und würden durch die Verletzungen untermauert. Auch der Beschwerdeführer habe eingeräumt, dass er das Opfer vielleicht fünf Minuten gewürgt habe. Entscheidend sei, dass er mit erheblicher Intensität und Dauer auf den Hals und Unterbauch des Opfers eingewirkt habe, sodass das IRM dies als potenziell bzw. konkret lebensgefährlich einstufte. Unerheblich sei, dass der Hausarzt nicht von einer unmittelbaren Lebensgefahr ausgehe. Dieser sei in Rechtsmedizin nicht spezialisiert und mache keine Aussage über das Ausmass der Gewalteinwirkung. Die Feststellungen des IRM und des Hausarztes seien deshalb nicht direkt widersprüchlich. Für die Annahme einer Lebensgefahr sei es nicht zwingend erforderlich, das Stauungsblutungen, Würgemale oder Hauteinblutungen vorlägen. Ob ein Sauerstoffmangel im Gehirn eingetreten sei, habe nicht abschliessend beurteilt werden können. Jedenfalls liege eine kräftige, länger dauernde Würgehandlung vor, die geeignet gewesen sei, einen reflektorischen Herzstillstand und einen Sauerstoffmangel im Gehirn zu bewirken. Es liege ausserhalb der Kontrolle des Täters, den Zeitpunkt zu bestimmen, wann diese Wirkung eintrete. Eine konkrete Lebensgefahr im Sinne von Art. 129 StGB sei zu bejahen. 4.3 Das Gutachten des IRM geht gestützt auf den am 3. Mai 2005 vom Hausarzt festgestellten äusserlich geschwollenen und geröteten Hals- und Kehlkopfbereich davon aus, dass eine stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Hals stattgefunden habe. Dies müsse infolge der selten eintreffenden Gefahr einer Reflexauslösung (Karotissinusreflex) als potentiell lebensgefährlich eingestuft werden. Die im Urin des Opfers festgestellten roten Blutkörperchen könnten Folge eines stumpfen Bauchtraumas oder einer Infektion sein. Ein länger anhaltender Druck auf den Unterbauch könne eine Behinderung der Atembewegungen und Verletzungen innerer Organe bewirken und sei zumindest als potentiell lebensgefährlich einzustufen. Die Schmerzen am Hals, der Schwindel, Brechreiz und Schluckbeschwerden sprächen aus rechtsmedizinischer Sicht für eine erhebliche stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Hals. Der ungewollte Urinabgang könne durch Sauerstoffmangel im Gehirn oder stumpfe Gewalteinwirkung auf den Bauch ausgelöst worden sein. 4.4 Der Hausarzt des Opfers, Dr. D.________, stellte im Arztbericht vom 15. Juli 2005 ergänzend zu seinem Bericht vom 3. Mai 2005 fest, er habe die Veränderungen am Hals und die blauen Flecken am Körper für nicht lebensbedrohlich gehalten. Auch der Schwindel, Brechreiz, die Schluckbeschwerden, der Urinabgang und die roten Blutkörperchen im Urin hätten ihn nicht unmittelbar auf eine Lebensgefahr schliessen lassen. 4.5 Nach Art. 129 StGB wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft, wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt. Objektiv ist eine konkrete Lebensgefahr erforderlich. Nach der Rechtsprechung ist eine unmittelbare Lebensgefahr anzunehmen, wenn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Verletzung des Lebens besteht. Diese liegt nicht erst vor, wenn die Wahrscheinlichkeit des Todes grösser ist als die Wahrscheinlichkeit seiner Vermeidung, sondern schon bei einer nahen Möglichkeit des Todeseintritts. Das Element der Unmittelbarkeit beinhaltet neben der ernsthaften Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung der Gefahr, dass die unvermittelte, akute Gefahr direkt dem Verhalten des Täters zuzuschreiben ist (BGE 121 IV 67 E. 2b S. 70 f.; 111 IV 51 E. 2 S. 54 f.; je mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat kürzlich die Verurteilung eines Täters wegen Gefährdung des Lebens nach Art. 129 StGB geschützt, in welchem dieser das Opfer mit einem Seil um den Hals mehrmals während bis zu sieben Sekunden strangulierte bzw. ihm während der gleichen Zeitdauer einen Plastiksack über den Kopf stülpte, bis es an Atemnot litt. Auch dort verneinte der Gutachter eine Lebensgefahr durch Atemnot, bejahte hingegen die Möglichkeit eines Reflextodes durch die Reizung des "Nervus caroticus" (Urteil 6B_445/2009 vom 6. Oktober 2009 E. 7). 4.6 Soweit der Beschwerdeführer in Bezug auf das Gutachten beanstandet, dieses gehe von falschen Sachverhaltsannahmen aus, gleichzeitig aber eigene, dem vorinstanzlichen Urteil widersprechende Behauptungen zum Sachverhalt vorbringt, ohne Willkür geltend zu machen, verfällt er in appellatorische Kritik (so etwa, er habe das Opfer nicht länger und heftig gewürgt, sondern ihm lediglich einen Schlag auf den Hals versetzt; das Opfer habe keinen Schwindel, Brechreiz, Schluckbeschwerden und keinen ungewollten Urinabgang gehabt; Behauptung, Dr. D.________ sei ein Spezialist bzw. habe ein Gutachten erstellt). 4.7 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist es nicht schlechterdings unhaltbar, dass das IRM von starken Halsschmerzen ausgeht. Das Opfer hat gegenüber Dr. D.________ am 3. Mai 2005 angegeben, es leide unter Hals- und Schluckschmerzen durch das Würgen am Hals. Sein Hausarzt stellte einen äusserlich geschwollenen, geröteten Hals sowie eine stark gerötete Rachenschleimhaut fest, welche durchaus schmerzhaft sein könne (Untersuchungsakten Band 1 Fasz. 1 act. 5). Der fragliche Vorfall fand am 29. April 2005 statt. Da bis zum Untersuch vier Tage verstrichen, das Opfer auch dann noch Halsschmerzen verspürte und äusserliche Anzeichen dafür bestanden, durften das IRM und die Vorinstanz, ohne in Willkür zu verfallen, von starken Halsschmerzen unmittelbar nach dem Vorfall ausgehen. 4.8 Der Gutachter des IRM ist im Gegensatz zum Hausarzt des Opfers spezialisiert, Fragen im Zusammenhang mit der Lebensgefahr zu beantworten. Der Hausarzt des Opfers hat die Lebensgefahr lediglich im Hinblick auf die bestehenden Beschwerden verneint. Er nimmt keinen Bezug auf das Ausmass der physischen Einwirkungen, welche notwendig sind, um die festgestellten Verletzungen zu bewirken, sondern erklärt, er wisse nicht, ob die Angaben des Opfers zum Tatablauf stimmten. Hingegen bezieht der Gutachter des IRM die vom Opfer angegebenen Handlungen des Beschwerdeführers und das Verletzungsbild in sein Gutachten ein. Dass der Gutachter des IRM das Opfer nicht persönlich untersucht hat, sondern auf die objektiven Befunde des Hausarztes abstellt, vermag das Gutachten nicht zu entkräften. Er ist aufgrund des fünfminütigen Würgens und die multiplen Beschwerden des Opfers nach dem Vorfall zu Recht von einer erheblichen Gewalteinwirkung auf den Hals ausgegangen. Soweit der Beschwerdeführer die Auffassung vertritt, es sei zur Bejahung einer Lebensgefahr zwingend notwendig, dass Stauungsblutungen in den Augen, oder Hauteinblutungen vorliegen, kann ihm nicht beigepflichtet werden. Zur Frage der Lebensgefahr ist vielmehr auf das sachkompetente Gutachten des IRM abzustellen, welches die Lebensgefahr auch ohne das Vorliegen der vom Beschwerdeführer aufgezählten Symptome für den konkreten Fall bejaht. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz unter Hinweis auf das Gutachten des IRM in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht von einer Lebensgefahr ausgeht.