Citation: 1P.464/2001 02.08.2001 E. 5

5.-Gegen die Beschwerdeführerin wird wegen mehrfacher Beteiligung an elf bewaffneten Raubüberfällen (in einem Fall mit Todesfolge) sowie wegen Begünstigung ermittelt. Zwar stellt die im Falle einer strafrechtlichen Verurteilung zu erwartende Freiheitsstrafe nur ein Indiz für eine allfällige Fluchtgefahr dar. Im vorliegenden Fall droht der Beschwerdeführerin im Falle einer Verurteilung wegen mehrfacher Teilnahme an Gewaltverbrechen jedoch eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Dabei fällt namentlich ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin bereits wegen Raubversuches vorbestraft ist. Die genannten Umstände sind als erheblicher Fluchtanreiz zu werten. a) Hinzu kommen noch weitere Indizien für eine wahrscheinliche Flucht nach erfolgter Haftentlassung. Die Beschwerdeführerin bestreitet grundsätzlich nicht, dass sie für Y.________ Fluchtvorbereitungen getroffen habe (Bereitstellung von Geld, Organisieren einer Kontakttelefonnummer zur Wiederaufnahme der Kommunikation nach erfolgter Flucht, Vereinbarung von Decknamen usw.). Nach eigenen Aussagen bei den polizeilichen Einvernahmen habe sie den Fluchtplan für ihren Freund ausgearbeitet. Wenn dies auch noch keine durch die Beschwerdeführerin bekundete eigene Fluchtabsicht belegen mag, zeigt es zumindest ihre Fähigkeit, eine Flucht zu planen. b) Ebensowenig bestreitet die Beschwerdeführerin, dass sie kokainsüchtig ist. Es muss ernsthaft befürchtet werden, dass die Beschwerdeführerin nach einer Haftentlassung wieder harte Drogen konsumieren könnte. Jedenfalls legt sie nicht dar, dass sie erfolgreich eine Drogenentziehungskur absolviert hätte. Dass eine unbehandelte Kokainsucht - besonders unter akutem Drogeneinfluss, aber auch als Folge von Entzugssymptomen - zu impulsiven Handlungen und Kontrollverlusten führen kann, muss als gerichtsnotorisch bezeichnet werden. Eine Tendenz zur "Herabsetzung des Widerstands gegenüber rechtswidrigen Handlungsweisen" unter Kokaineinfluss wird bei der Beschwerdeführerin denn auch vom psychiatrischen Experten konstatiert. Der Gutachter weist sodann darauf hin, dass "aus der jetzt" (in Untersuchungshaft) "bestehenden aktuellen Drogenabstinenz unter geschützten Bedingungen nicht schon vorschnell auf einen erfolgreichen Verlauf einer langfristigen Drogenbehandlung geschlossen werden" könne. Zur Frage der Fluchtgefahr nimmt das psychiatrische Gutachten vom 6. April 2001 wie folgt Stellung: "Die Fluchtgefahr ist durch die juristischen Instanzen zu bewerten. Wir möchten an dieser Stelle jedoch darauf hinweisen, dass einige der vorstehend geschilderten Merkmale in der Persönlichkeit von Frau X.________ - z.B. insbesondere die als stimulierend empfundene Identifizierung mit subkulturellen Identitätsbildern - den Fluchtgedanken attraktiv erscheinen lassen könnten. Nicht auszuschliessen wäre in diesem Zusammenhang auch, dass die durchaus noch fortbestehende Beziehung zum Mitangeschuldigten Herrn Y.________ und die damit einhergehende Beziehungsdynamik bei Frau X.________ zu Aktivitäten führen könnte, die sich nicht an den Grenzen der Legalität orientieren würden". c) Wenn der Haftrichter erwog, die Beschwerdeführerin verfüge in der Schweiz (ausser zu ihrem inhaftierten Freund, ihrer Mutter und drei der sieben Geschwister) kaum über besondere soziale Bindungen, ist darin keine Aktenwidrigkeit ersichtlich, zumal sich die betreffende Erwägung u.a. auf eigene Aussagen der Beschwerdeführerin stützt. Sie bestreitet auch nicht, dass sie seit Januar 1995 (also bereits fünf Jahre vor ihrer Verhaftung) keiner geregelten Arbeit mehr nachging und praktisch nur noch von den Einkünften aus Straftaten lebte, und dass sie (nicht zuletzt wegen ihrer Drogensucht) finanzielle Probleme bzw. Schulden hat. d) Schliesslich ist auch noch dem hier besonders hohen öffentlichen Interesse an der ungefährdeten Durchsetzung des staatlichen Strafanspruches Rechnung zu tragen. Nach den bisherigen Ermittlungen tötete der Hauptangeschuldigte Y.________ beim Raubüberfall vom 18. Februar 1997 den Ehemann einer Filialleiterin eines Geschäftes in Kloten mit Brust- und Armdurchschüssen und verletzte die Filialleiterin ebenfalls mit zwei Schüssen. Bei weiteren Raubüberfällen habe Y.________ erneut rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Am 8. August 1997 (Raubüberfall in Neuenburg) habe er das Opfer mit zwei Beindurchschüssen und einem Gesässeinschuss schwer verletzt, am 13. Juli 1998 (Raubüberfall in St. Gallen) mit Durchschüssen an beiden Beinen. Am 2. Februar 2000 habe er einen Polizeibeamten, der eine Personenkontrolle vornehmen wollte, mit einem Bauchdurchschuss schwer verletzt, auf einen weiteren Polizeibeamten habe er mit Tötungsvorsatz geschossen. Der Beschwerdeführerin wird Beteiligung an den (qualifizierten) Raubdelikten vorgeworfen. e) Bei Würdigung sämtlicher Umstände ergeben sich im jetzigen Verfahrensstadium ausreichend konkrete Anhaltspunkte für das Vorliegen von Fluchtgefahr. Dieser kann mit blossen Ersatzmassnahmen momentan nicht ausreichend begegnet werden. f) Bei dieser Sachlage braucht nicht geprüft zu werden, ob neben Fluchtgefahr auch noch der alternative besondere Haftgrund der Fortsetzungsgefahr (§ 58 Abs. 1 StPO/ZH) zu bejahen wäre.