Citation: 6P.57/2003 06.08.2003 E. 4

Im Übrigen ficht der Beschwerdeführer den Schuldspruch wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung einzig mit dem Argument an, es könne ihm keine Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Ob die weiteren Tatbestandsmerkmale erfüllt sind, braucht daher nicht geprüft zu werden (BGE 124 IV 53 E. 1). 4.1 Gemäss den verbindlichen Feststellungen des Obergerichts fand die Boxenstopp-Show zu festgelegten Zeiten in einem abgesperrten Korridor von ca. 90 m Länge und ca. 12 m Breite zwischen der Festhalle und dem Ausstellungszelt statt. Nach einem möglichst spektakulär beschleunigten Start (mit durchdrehenden Rädern) hielt der Fahrer nach ca. 30 m bei der supponierten Box an, wo dem Publikum ein Radwechsel und das Tanken (supponiert) demonstriert wurden. Darauf erfolgte wiederum ein Start der gleichen Art wie der erste, worauf das Fahrzeug nach ca. 50 Metern wieder angehalten wurde (Urteil E. II.1 S. 5). Am Ende der für die Show bestimmten Strecke stand - noch innerhalb der abgesperrten Zone - ein Imbisszelt. Der Beschwerdeführer war faktischer Organisator und Moderator der Show (Urteil E III.2 S. 24 unten). Er war bei der Geländewahl die bestimmende Person. Ihm oblag unter anderem auch die Verantwortung für das Sicherheitskonzept und dessen Kommunikation. Er hatte angeordnet, dass das Imbisszelt als Sicherheitszone zu gelten hatte (Urteil E. III.2d S. 27). Bei den Vorführungen zog er zur Gewährleistung der Sicherheit in der abgesperrten Zone und im Imbisszelt den von der W.________AG eingesetzten Sicherheitsbeamten Y.________ bei. Dieser hatte die Leute aus der Gefahrenzone zu weisen und dem Beschwerdeführer ein Zeichen zu geben, wenn diese von Leuten frei war. Am Unfalltag herrschte in der Ausstellung ein grösserer Publikumsandrang als an den Tagen zuvor (Urteil E. IV.4c S. 33 oben). Der Sicherheitsbeauftragte gab dem Beschwerdeführer das vereinbarte Zeichen, obwohl nicht alle Leute das Imbisszelt verlassen hatten. Darauf gab der Beschwerdeführer dem Ferrarifahrer den Start frei. Aus Demonstrationszwecken startete dieser mit durchdrehenden Hinterrädern und verlor dabei die Kontrolle über das Fahrzeug (Urteil E. III.3 S. 29). Der Wagen fuhr in das Imbisszelt und kam erst hinter dem Zelt zum Stillstand. Dabei wurden verschiedene Personen verletzt, die sich im Zelt und dahinter aufhielten (Urteil E. III.3 S. 30 oben, E. IV.4c S. 33). 4.2 Gestützt auf diesen Sachverhalt wirft das Obergericht dem Beschwerdeführer vor, die Anlage sei für die Durchführung eines so unkontrollierten und gefährlichen Manövers wie die Boxenstopps ungeeignet, namentlich angesichts der grösseren Zuschauerzahlen am Sonntag zu klein und ungenügend gesichert gewesen. Überdies habe der Beschwerdeführer sein Sicherheitskonzept ungenügend überwacht. Er hätte erkennen müssen, dass der Sicherheitsbeauftragte Y.________ nicht Herr der Lage war (Urteil E. IV.4c S. 33). Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, er habe die nötige Vorsicht walten lassen. Insbesondere habe er die Leute vor der Startfreigabe zum Verlassen des Zeltes aufgefordert. Diese seien der Aufforderung aus Leichtfertigkeit nicht gefolgt. Ausserdem habe er den Sicherheitsbeauftragten Y.________ angewiesen zu kontrollieren, ob das Zelt leer war, und ihm dann ein Zeichen zu geben. Y.________ habe ihm das Signal gegeben. Auf dieses Zeichen habe er sich verlassen und darauf den Start freigeben dürfen. Es könne ihm somit keine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit vorgeworfen werden (Beschwerde S. 10 und S. 13). 4.3 Fahrlässig begeht der Täter ein Verbrechen oder Vergehen, wenn die Tat darauf zurückzuführen ist, dass er die Folgen seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat (vgl. Art. 18 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung setzt somit voraus, dass der Täter die Unfallfolgen durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Wo besondere Normen ein spezifisches Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Fehlen solche, kann gegebenenfalls auf entsprechende Regeln privater oder halbprivater Vereinigungen abgestellt werden, sofern diese allgemein anerkannt sind. In anderen Fällen kann der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden (BGE 127 IV 62 E. 2d S. 64 f.; 126 IV 13 E. 7a/bb S. 16 f., je mit Hinweisen). Betreiber von gefährlichen technischen Anlagen sind grundsätzlich verpflichtet, durch geeignete Sicherheitsdispositive dafür Sorge zu tragen, dass mit dem Betrieb der Anlage verknüpfte spezifische Unfallgefahren möglichst vermieden werden können (vgl. BGE 126 IV 13 E. 7b/aa S. 18; 125 IV 9 E. 2a S. 12, je mit Hinweisen). Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und mithin für die Fahrlässigkeitshaftung ist die Vorhersehbarkeit der Rechtsgutverletzung. Für die Beurteilung der Vorhersehbarkeit gilt der Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten des Täters geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens eine Unfallfolge wie die eingetretene herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers bzw. eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursachen hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolges erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren - namentlich das Verhalten des Angeschuldigten - in den Hintergrund drängen (BGE 127 IV 62 E. 2d S. 65; 126 IV 13 E. 7a/bb S. 17, je mit Hinweisen). 4.4 Das Obergericht bezeichnet die Boxenstopps zu Recht als unkontrollierbare gefährliche Manöver. Als Organisator der Show war der Beschwerdeführer für die Sicherheit der Besucher in deren Umfeld verantwortlich. Er sah die Gefahr, dass der Rennwagen nicht innerhalb der vorgesehenen Strecke zum Halten kommen könnte, voraus. Er bestimmte deshalb einen so genannten Sturzraum, in welchen der Fahrer den Wagen notfalls hinein steuern sollte, um ihn abzubremsen. Im Imbisszelt am Ende der Fahrstrecke hielten sich zu gewöhnlichen Zeiten einerseits die Betreiber des Imbissstandes auf, welche Pizzas zubereiteten und diese zusammen mit Getränken verkauften, und andererseits die Ausstellungsbesucher, welche die Pizzas und Getränke dort kauften und auch konsumierten. Dadurch, dass er dem Imbisszelt die Funktion eines Prellbocks zuwies, gefährdete der Beschwerdeführer diese Personen. Daran ändert auch nichts, dass vorgesehen war, die Leute jeweils vor der Show aus dem Zelt weg zu weisen. Die Betreiber des Imbisszeltes wurden dadurch bei ihrer Arbeit und die Besucher beim Konsumieren unterbrochen. Es war also offensichtlich, dass das Verlassen des Zeltes für die Betroffenen - insbesondere für die dort Arbeitenden - mit Umtrieben verbunden sein würde (Urteil E. III.2b S. 27) und dass sie der Aufforderung nicht ohne weiteres nachkommen würden. Das Verhalten der Geschädigten, die das Zelt nicht verlassen haben, kann denn auch aus diesem Grund nicht als geradezu leichtfertig bezeichnet werden. Überdies hielten sich auch hinter dem Pizzazelt Leute auf. Es konnte nicht von Vornherein damit gerechnet werden, dass ein ausser Kontrolle geratenes Fahrzeug durch das Zusammenprallen mit dem Zelt sofort zum Stillstand kommen würde (Urteil E. IV.4c S. 33). Dennoch waren für den Platz hinter dem Zelt keine Sicherheitsmassnahmen, insbesondere auch keine Wegweisung, vorgesehen. Das Obergericht beurteilt unter diesen Umständen das Sicherheitskonzept des Beschwerdeführers - namentlich für einen Tag wie den Sonntag mit grossem Publikumsandrang - zu Recht als ungenügend. 4.5 Es war die Aufgabe des Sicherheitsbeauftragten Y.________, die Leute vor der Boxenstopp-Show aus dem abgesperrten Raum und dem Imbisszelt zu weisen. Er hatte dem Beschwerdeführer jeweils das Zeichen zu geben, wenn die Gefahrenzone von Personen frei war, damit dieser seinerseits dem Fahrer den Start freigeben konnte. Beim in Frage stehenden Start war die Durchsetzung der Anweisung durch den grösseren Publikumsandrang erschwert. Der Beschwerdeführer unterstützte deshalb den Sicherheitsbeauftragten mit dem Megaphon. Er war sich also der erhöhten Gefahr bewusst. Dass der Sicherheitsbeauftragte mit dem Zeichen nicht zuwartete, bis das Zelt leer war, erscheint unter diesen Umständen nicht als so aussergewöhnlich und schwerwiegend, dass der Beschwerdeführer schlechthin nicht damit rechnen musste, dass sich doch noch Personen in der Gefahrenzone aufhielten. 4.6 Durch das ungenügende Sicherheitskonzept hat der Beschwerdeführer seine Sorgfaltspflichten im Sinn von Art. 18 Abs. 3 StGB verletzt. Weder das Verhalten der Geschädigten noch jenes des Sicherheitsbeauftragten Y.________ und jenes des Fahrers Z.________ stellen Mitursachen dar, mit denen er schlechthin nicht hätte rechnen müssen. Der Schuldspruch wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung verstösst somit nicht gegen Bundesrecht. Dies zu überprüfen war aufgrund der tatsächlichen Feststellungen und der rechtlichen Würdigung des Obergerichts ohne weiteres möglich. Auch der Vorwurf der ungenügenden Begründung im Sinn von Art. 277 BStP erweist sich folglich (z.B. Beschwerde S. 5) als haltlos.