Citation: 6B_1002/2017 E. 2.6.4

2.6.4. Die Beschwerdeführerinnen kritisieren die vorinstanzliche Beurteilung der Glaubhaftigkeitsgutachten, diese seien sorgfältig, fundiert und ausführlich, als willkürlich. Soweit sie geltend machen, die Gutachterinnen hätten gewisse Punkte nicht berücksichtigt, ohne aufzuzeigen, weshalb diese für die Gutachtenserstellung relevant gewesen sein sollen, genügen ihre Vorbringen den qualifizierten Begründungsanforderungen nicht. So ist nicht ersichtlich, inwiefern ein angeblich sexuell übergriffiges oder exhibitionistisches Verhalten der Beschwerdegegner 2 und 3 Einfluss auf die Beurteilung der Aussagetüchtigkeit und der Aussageglaubhaftigkeit der Beschwerdeführerinnen haben soll. Ausserdem werden die entsprechenden Schilderungen der Mutter in den Gutachten erwähnt. Im Übrigen ist die Kritik unbegründet. Nach der Rechtsprechung ist es bei der Erstellung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens Aufgabe des Sachverständigen, auf Grundlage der mit wissenschaftlichen Methoden erhobenen und ausgewerteten Befunde und Anknüpfungstatsachen eine Wahrscheinlichkeitseinschätzung des Erlebnisbezugs einer Aussage abzugeben. Der hiezu notwendige diagnostische Prozess folgt der Leitfrage, ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der konkreten Umstände, der intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage die zu beurteilende Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund machen könnte (Urteile 6B_1413/2016 vom 26. September 2017 E. 2.6.2; 6B_1237/2015 vom 25. Februar 2016 E. 1.3.3; 6B_760/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.3). Diesen Vorgaben folgen die Gutachten. Die Gutachterinnen analysieren zunächst die Entwicklung und Persönlichkeit der jeweiligen Beschwerdeführerin und nehmen eine diagnostische Einordnung vor. Daraufhin legen sie die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussagen dar. Es folgen eine Motivanalyse, eine Analyse möglicher Suggestionseffekte und schliesslich eine Qualitätsanalyse der Aussagen. Die Gutachterinnen gelangen zusammengefasst zum Schluss, dass alle bis auf die Jüngste der Beschwerdeführerinnen in Bezug auf die strittigen Aussagen (knapp) aussagetüchtig seien. Vor dem Hintergrund der individuellen Voraussetzung und der gegebenen Umstände sowie unter Berücksichtigung der komplexen Beziehungsdynamik in der Familie und möglicher Fremdeinflüsse könnten die Beschwerdeführerinnen die spezifischen Aussagen auch gemacht haben, ohne dass sie auf einem realen Hintergrund basieren (kantonale Akten, act. Z4/40 S. 60 ff., act. Z4/41 S. 41 ff., act. Z4/42 S. 41 ff., act. Z4/43 S. 30 ff.). Entgegen der Kritik der Beschwerdeführerinnen legen die Gutachterinnen auch überzeugend und nachvollziehbar dar, weshalb sie zum Schluss gelangen, dass eine relevante suggestive Beeinflussung der Beschwerdeführerinnen nicht ausgeschlossen werden kann (kantonale Akten, act. Z4/40 S. 53 ff., act. Z4/41 S. 33 ff., act. Z4/42 S. 33 ff., act. Z4/43 S. 28 ff.). Es ist nicht zu beanstanden, wenn sie bezüglich der Aussage der Mutter "ihr müsst es mir sagen" annehmen, die Beschwerdeführerinnen hätten implizit den Befehlston in den Aussagen wahrgenommen. Hingegen ergibt sich aus den Gutachten nicht, dass die Gutachterinnen davon ausgehen, die Mutter habe ihre Töchter wiederholt im Befehlston auf das Thema sexuelle Übergriffe angesprochen. Insgesamt zeigen die Beschwerdeführerinnen mit ihren Vorbringen nicht auf, dass die Vorinstanz bei ihrer Würdigung der vier Glaubhaftigkeitsgutachten in Willkür verfällt.