Citation: I 568/06 22.11.2006 E. 4

4.1 Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin eine bis 31. Januar 2003 befristete ganze Invalidenrente für einen Invaliditätsgrad von 100% zugesprochen und mit Wirkung ab 1. Februar 2003 den Invaliditätsgrad auf 0% festgelegt. Zur Begründung hat sie im Einspracheentscheid vom 8. Juni 2005 im Wesentlichen ausgeführt, der Versicherten sei nach Abheilung der Folgen des ersten Unfalles vom 29. November 2000 gemäss Gutachten der Medas vom 17. August 2004 wieder eine vollzeitliche Arbeitsfähigkeit in einer ihrer Behinderung angepassten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin zumutbar gewesen. Davon sei auch die SUVA im "Rentenentscheid" vom 4. Februar 2003 ausgegangen. Abweichend vom psychiatrischen Teilgutachten der Medas, in welchem der Versicherten eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 40% attestiert worden sei, reichten die dort aufgeführten Diagnosen nicht aus, um die "geforderte Art und Schwere der psychischen Komorbidität zu begründen". Es sei daher davon auszugehen, dass kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden "von Krankheitswert" vorliege. Das kantonale Gericht hat diese Würdigung des medizinischen Sachverhaltes durch die IV-Stelle sowohl hinsichtlich der somatischen als auch der psychogenen Gesundheitsstörung geschützt und ergänzend im Wesentlichen festgehalten: Zwar spreche gegen die Befristung der Invalidenrente bis zum 31. Januar 2003, dass die SUVA auf ihre Rentenverfügung vom 4. Februar 2003 zurückgekommen sei, nachdem die Versicherte am 1. März 2003 erneut ihren rechten Arm gebrochen habe und ihr von der SUVA mit Verfügung vom 22. Juli 2005 ab 1. Mai 2005 eine Invalidenrente von 60% zugesprochen worden sei. Indessen sei die IV-Stelle zu Recht davon ausgegangen, dass bereits ab Februar 2003 nach Abschluss der den ersten Unfall betreffenden Heilbehandlung wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Der zweite Unfall vom 1. März 2003 habe diese Sachlage nur insofern verändert, als die Versicherte deswegen "bis etwa Ende April 2003" und während des Rehabilitationsaufenthaltes in der Klinik V.________ (23. Dezember 2003 - 10. Januar 2004) erneut vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Diese vorübergehende Arbeitsunfähigkeit habe aber keinen Anspruch auf Weiterausrichtung einer Invalidenrente der Invalidenversicherung begründet. 4.2 Vorinstanz und IV-Stelle haben damit einerseits den bundesrechtlich erheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt und anderseits den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig gewürdigt. 4.2.1 In rechtlicher Hinsicht ist davon auszugehen, dass die Befristung einer Invalidenrente in tatsächlicher Hinsicht vorab eine so erhebliche Änderung der gesundheitlichen oder erwerblichen Verhältnisse voraussetzt, welche die Aufhebung des Rentenanspruches auf dem Wege der Revision gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG begründet. In zeitlicher Hinsicht darf die Änderung der tatsächlichen Verhältnisse in der Invalidenversicherung erst von dem Zeitpunkt an berücksichtigt werden, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird (Art. 88a Abs. 1 Satz 1 IVV). Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 Satz 2 IVV). Bei Zusprechung einer befristeten Invalidenrente sind die revisionsrechtlich relevanten Vergleichszeitpunkte einerseits der Zeitpunkt des Rentenbeginns und anderseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 Satz 2 IVV festzusetzende Zeitpunkt der Rentenaufhebung. 4.2.2 Die Befristung der Invalidenrente auf den 31. Januar 2003 würde daher eine per 1. November 2002 eingetretene, so erhebliche Veränderung der gesundheitlichen oder erwerblichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin voraussetzen, dass daraus ab 1. Februar 2003 ein nicht mehr rentenbegründender Invaliditätsgrad von weniger als 40% resultieren würde. Vom Eintritt einer derartigen Sachverhaltsänderung im November 2002 kann aufgrund der Akten keine Rede sein. Zwar hat die SUVA die ärztliche Behandlung und Abklärung der Folgen des ersten Unfalles vom 29. November 2000 im Januar 2003 abgeschlossen und der Beschwerdeführerin mit der später widerrufenen Verfügung vom 4. Februar 2003 ab 1. Februar 2003 eine Invalidenrente von 12% zugesprochen. Die dieser Rentenverfügung zugrunde liegende Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat aber keineswegs drei Monate bis zum 30. April 2003 angedauert und daher auch keine Befristung der Rente der Invalidenversicherung bis zu diesem Datum begründen können. Vielmehr erlitt die Beschwerdeführerin bereits am 1. März 2003 erneut eine Radiusfraktur rechts und war ab diesem Zeitpunkt wieder vollständig arbeitsunfähig. Entscheidwesentlich ist daher die Frage, ob und ab welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführerin nach dem 1. März 2003 wieder eine Restarbeitsfähigkeit zugemutet werden konnte, welche bei Realisierung des entsprechenden Invalideneinkommens und unter Beachtung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 Satz 2 IVV eine Herabsetzung oder Aufhebung der seit dem 1. November 2001 laufenden ganzen Invalidenrente der Invalidenversicherung begründete.