Citation: 6P.124/2002 06.10.2003 E. 6

Gesamthaft gesehen beruht die Verurteilung der Beschwerdeführerin auf einer Reihe von Indizien, die das Obergericht insbesondere auf den Seiten 320 und 321 des angefochtenen Entscheids zusammengefasst hat. Zunächst hatte die Beschwerdeführerin ein Motiv, da eine Scheidung zu einer erheblichen Verschlechterung ihrer finanziellen Lage geführt hätte. Weiter sprach sie den Tatort und die Tatzeit mit den anderen Beteiligten ab und brachte ihren Ehemann entgegen dessen Gewohnheit dazu, sich zu nächtlicher Stunde mit ihr an den Tatort an der Aare zu begeben. Und schliesslich hob sie von einem Konto ihres Mannes 20'000 Franken ab und übergab diese an O.________. Die Beschwerdeführerin hatte im kantonalen Verfahren am 6. Mai 1998 zunächst geltend gemacht, ihr Mann sei durch ihr unbekannte Personen vermutlich wegen geschäftlicher Angelegenheiten erpresst worden (vgl. angefochtener Entscheid S. 146 - 148). Ab dem 3. Juni 1998 behauptete sie demgegenüber, sie sei von M.________, mit dem sie ein Verhältnis gehabt habe, und O.________ bedroht und erpresst worden und habe O.________ deswegen am 5. Mai 1998 100'000 Franken geben wollen und tatsächlich 20'000 Franken gegeben (vgl. angefochtener Entscheid S. 158 - 163, 296). An dieser Version hält die Beschwerdeführerin vor Bundesgericht fest (vgl. Beschwerde S. 40 - 46). Das Obergericht hat sich damit einlässlich befasst, worauf hier verwiesen werden kann (vgl. angefochtener Entscheid S. 296 - 306). Das Obergericht geht ausdrücklich von der Möglichkeit aus, dass M.________ die Beschwerdeführerin bedroht und unter Druck gesetzt haben könnte (angefochtener Entscheid S. 296). Es sei aber weder nachgewiesen noch plausibel, dass er sie mittels der Drohungen zur Zahlung von Geld habe veranlassen wollen oder veranlasst habe. Die Beweiswürdigung führe zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin nicht aus Angst vor M.________ und O.________ die 20'000 Franken bezahlt habe bzw. die 100'000 Franken habe zahlen wollen (angefochtener Entscheid S. 306). Mit dem Obergericht ist festzuhalten, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin in Bezug auf die angeblichen Drohungen merkwürdig vage sind (vgl. angefochtener Entscheid S. 298/299). Ihre immer wieder wechselnden, teilweise recht wirren Angaben sprechen nicht für deren Glaubhaftigkeit; denn wer zu Recht behauptet, bedroht oder erpresst worden zu sein, vermag diesen Sachverhalt klar und ohne Widersprüche zu schildern. Es ist denn auch nicht so recht ersichtlich, aus welchem Grund die Beschwerdeführerin in ihrer staatsrechtlichen Beschwerde auf ihre Version vom 6. Mai 1998 zurückkommt, wonach es ihr Ehemann gewesen sein soll, der bedroht worden sei (Beschwerde S. 19). Anzeichen dafür, dass eine solche Bedrohung ihres Ehemannes bestanden hätte, gibt es nicht (vgl. angefochtener Entscheid S. 267 - 272). Auffallend ist auch, dass die Beschwerdeführerin von der Bedrohung ihrem Ehemann nichts sagte, wohl aber ihren neuen Liebhaber ins Vertrauen zog und diesem überdies die nur schwer nachvollziehbare Lüge auftischte, sie habe ihren Ehemann informiert (angefochtener Entscheid S. 196, 294, 302). Weiter ist nicht recht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin ihre möglicherweise gefährdeten Kinder in der Tatzeit ohne weiteres alleine zu Hause liess (angefochtener Entscheid S. 305). In der Beschwerde wird dazu wenig überzeugend ausgeführt, die Kinder seien "logischerweise" allein zu Hause am besten geschützt gewesen und im Übrigen gehöre dies "im Rahmen eines normalen Familienlebens auch dazu" (Beschwerde S. 40). Mit derartigen abwegigen Ausführungen kann eine staatsrechtliche Beschwerde nicht begründet werden. Zudem stellt sich die Frage, weshalb die angeblich bedrohte Beschwerdeführerin mit ihrem Mann ausgerechnet spät abends am Ufer der Aare spazieren ging. Hätten sie oder ihr Mann mit einem Zusammentreffen mit Erpressern gerechnet und sich tatsächlich bedroht gefühlt, so hätten sie wohl einen weniger gefährlichen Ort zum Spazieren gewählt. In einem Punkt weist die Beschwerdeführerin allerdings zu Recht auf eine Ungereimtheit in den Aussagen von O.________ hin (Beschwerde S. 46). Dieser hatte vor der ersten Instanz auf die Frage, ob die Tat auch ausgeführt worden wäre, wenn die Beschwerdeführerin den ganzen Betrag - d.h. nicht nur 20'000 Franken - bezahlt hätte, geantwortet, "ich glaube nein" (KA act. 16967). Da diese Bemerkung im Kontext der übrigen Aussagen, die O.________ an der Verhandlung gemacht hatte (vgl. insbesondere KA act. 16939 - 16949), jedoch überhaupt keinen Sinn ergibt, handelt es sich dabei offensichtlich um ein Missverständnis. Es ist folglich nicht willkürlich, wenn das Obergericht nicht auf diese offensichtlich unrichtige Aussage abgestellt hat. Nachdem konkrete nachvollziehbare Hinweise dafür, dass die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Erpressungsgeschichte stimmen könnte, fehlen und demgegenüber eine Vielzahl von Indizien für eine Beteiligung der Beschwerdeführerin sprechen, ist das Obergericht mit seiner Schlussfolgerung nicht in Willkür verfallen. Auch hat es den Grundsatz in dubio pro reo nicht verletzt. Unterlässt es eine Angeschuldigte, angeblich entlastende Tatsachen umfassend, logisch stimmig und in einer Weise zu offenbaren, die eine Nachprüfung ermöglicht, und ändert sie überdies dauernd ihre Vorbringen, so begründet die bloss theoretische Möglichkeit entlastender Tatsachen jedenfalls dann keine hinreichenden Zweifel an ihrer Schuld, wenn genügend Indizien gegen die Version der Angeschuldigten sprechen.