Citation: 8C_352/2023 E. 4.3

4.3. Soweit das kantonale Gericht auch für die Zeit ab 15. Juni 2022 einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung verneinte, ist der Beschwerdeführerin insoweit Recht zu geben, als dies nicht unter Berufung auf Rechtsmissbrauch erfolgen kann. Die vertragliche Anpassung des Pensums an das faktisch Geleistete ist grundsätzlich nicht als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren, auch wenn sie zumindest teilweise durch die leistungsablehnende Verfügung vom 12. April 2022 motiviert war. Dies vermag jedoch am Ergebnis des vorinstanzlichen Urteils nichts zu ändern. Ob ab 15. Juni 2022 effektiv ein Teilzeitarbeitsverhältnis vorlag und ob eine solche Anpassung im Interesse einer oder beider Vertragsparteien gestanden hätte, braucht nicht näher geprüft zu werden. Gemäss der in E. 4.2 hiervor dargelegten Beweismaxime der "Aussagen der ersten Stunde" ist nämlich bei gegebener Aktenlage mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die bisherige Praxis weitergelebt wurde, wonach die Beschwerdeführerin eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit in einer Erhöhung des Pensums in ihrem bisherigen Arbeitsverhältnis umsetzte. Einerseits geht dies aus den bereits erwähnten Verlautbarungen der Beschwerdeführerin vom 28. März 2022 wie auch aus der Aktennotiz über ein Telefongespräch mit der Arbeitgeberin vom 5. April 2022 hervor. Andererseits entspricht es namentlich auch den Angaben der Beschwerdeführerin in der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung vom 3. November 2021, wo sie auf die Frage, in welchen Bereichen sie eine Stelle suche, antwortete, ihr Ziel sei es, in ihrem Beruf in der bestehenden Stelle das Pensum zu erhöhen. War aber die Beschwerdeführerin jeweils im Umfang der ihr ärztlicherseits attestierten Arbeitsfähigkeit bei der bisherigen Arbeitgeberin angestellt, stand sie der Arbeitsvermittlung gar nie zur Verfügung. Weder suchte sie als ganz oder teilweise Arbeitslose eine Beschäftigung im Ausmass ihrer Restarbeitsfähigkeit noch war sie bereit, eine neue Anstellung mit entsprechendem Pensum anzutreten und allenfalls ihre bisherige Teilzeitbeschäftigung aufzugeben. Bei dieser Ausgangslage kann die in E. 2.2 hiervor dargelegte Vermutung der Vermittlungsfähigkeit gemäss Art. 15 Abs. 2 Satz 1 AVIG in Bezug auf eine gesuchte Teilzeitanstellung nicht aufrecht erhalten werden (vgl. SVR 2020 ALV Nr. 2 S. 5, 8C_166/2018 E. 6.3). Auch für die Zeit nach dem 15. Juni 2022 sind mithin die Anspruchsvoraussetzungen für Arbeitslosenentschädigung nicht erfüllt.