Citation: 5A_293/2024 E. 4.3

4.3. Das Obergericht erachtet sodann das Kindeswohl durch den weiterhin andauernden Kontaktabbruch zwischen Vater und Tochter als gefährdet, da diese Situation gerade bei jüngeren Kindern zu einer Chronifizierung führen könne. Dagegen sei nicht davon auszugehen, dass mit der Wiederaufnahme der Kontakte zum Vater eine Kindeswohlgefährdung verbunden sei. Das Kind sei heute älter und Verunsicherungen und Verhaltensweisen aufgrund von Überforderung und Ängsten seien nicht mehr präsent. Selbst wenn der Beschwerdegegner keine auf diese Thematik fokussierte Therapie besucht habe, sei daher anzunehmen, dass ihm der Umgang mit dem Kind besser gelingen werde. Der Umstand, dass er Termine früher nicht zuverlässig wahrgenommen habe, wirke sich schliesslich ebenfalls nicht auf das Wohl des Kindes aus. Mit anderen Worten erachtet das Obergericht die Neuregelung aufgrund der eingetretenen Änderungen der Verhältnisse aus Gründen des Kindeswohls als geboten. Dem hält die Beschwerdeführerin entgegen, es liege kein Fachbericht vor, der aus ärztlicher Sicht nachweise, dass der Kontaktabbruch zu einer Chronifizierung von Ängsten des Kindes führe. Damit verkennt sie den allgemein anerkannten Grundsatz, dass aufgrund des schicksalhaften Eltern-Kind-Verhältnisses die Beziehung von Kindern zu beiden Elternteilen wichtig ist und bei der Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spielen kann (BGE 131 III 209 E. 4; 130 III 585 E. 2.2.2). Entsprechend ist der Umgang eines Kindes mit einem Elternteil bei einer Verweigerung durch das Kind nur dort aus Gründen des Kindeswohls auszuschliessen, wo das urteilsfähige Kind den Umgang aufgrund seiner Erfahrungen mit dem persönlichen Verkehr kategorisch verweigert. Denn ein gegen den starken Widerstand erzwungener Besuchskontakt ist mit dem Zweck des Umgangsrechts im Allgemeinen ebenso unvereinbar wie mit dem Persönlichkeitsschutz des Kindes (BGE 126 III 219 E. 2b; Urteile 5A_500/2023 vom 31. Januar 2024 E. 4.1.2). Dass dies der Fall wäre, macht die Beschwerdeführerin nicht hinreichend geltend und ergibt sich auch nicht aus dem angefochtenen Urteil. Die Beschwerdeführerin gibt zwar an, die Tochter habe Angst vor dem Vater, wolle diesen nicht sehen und mit erneuten Besuchen bestehe "ein hohes, aktuelles Risiko einer Kindeswohlgefährdung". Damit ignoriert sie die Überlegungen des Obergerichts, die Tochter könne keinen konkreten Grund für die Ablehnung des Kontakts zum Vater benennen, sei noch zu jung, um einen entsprechenden Willen zu bilden, und sie werde noch sehr von den früheren Ereignissen beeinflusst, die erst zum Kontaktabbruch geführt hatten. Alles in allem vermag die Beschwerdeführerin daher nicht aufzuzeigen, dass das Kindeswohl einer Änderung der Besuchsregelung entgegenstehen würde. Mit gutem Grund nimmt das Obergericht im Übrigen an, dass der Entzug des Rechts auf persönlichen Verkehr ultima ratio bildet, daher nur zurückhaltend anzuordnen (Urteile 5A_1006/2021 vom 15. Dezember 2021 E. 4; 5A_670/2020 vom 2. September 2020 E. 3) und regelmässig zu überprüfen ist (SCHWENZER/COTTIER, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 7. Aufl. 2022, N. 16 zu Art. 274 ZGB).