Citation: 5C.108/2002 22.07.2002 E. 3

Die Klägerin rügt die unrichtige Anwendung von Art. 8 ZGB. Ihrer Ansicht nach habe sie das Restguthaben von Fr. 33'548.-- bewiesen, hingegen habe der Schuldner, der das Barvermögen des Erblassers betreut habe und ihr daher Rechenschaft schulde, den Nachweis der Rückzahlung dieses Betrages nicht erbracht. Sie weist in diesem Zusammenhang auf den kantonalen Schriftwechsel, die Akten und die Zeugenaussagen zur Frage hin, ob das Darlehen nun restlos zurückgezahlt worden sei. Damit kritisiert sie im Grund genommen bloss die Beweiswürdigung durch die Vorinstanz. Hierin liegt jedoch nie eine Verletzung von Art. 8 ZGB. Diese Bestimmung regelt nach der Rechtsprechung einerseits für den Bereich des Bundeszivilrechts die Beweislastverteilung und gibt anderseits der beweispflichtigen Partei einen bundesrechtlichen Anspruch darauf, zum Beweis zugelassen zu werden, sofern ihr Beweisantrag rechtserhebliche Tatsachen betrifft und nach Form und Inhalt den Vorschriften des kantonalen Prozessrechts entspricht. Die allgemeine Beweisvorschrift ist insbesondere verletzt, wenn der kantonale Richter Behauptungen einer Partei, ungeachtet darum, dass sie von der Gegenpartei bestritten worden sind, als richtig annimmt, oder taugliche und formgültig angebotene Beweise über rechtserhebliche Tatsachen überhaupt nicht abnimmt, obwohl er die Sachvorbringen dazu weder als erstellt noch als widerlegt erachtet. Gelangt der Richter hingegen in Würdigung von Beweisen zur Überzeugung eine Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislastverteilung gegenstandslos und liegt Beweiswürdigung vor, die bundesrechtlich nicht geregelt ist. Art. 8 ZGB schreibt nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären ist und wie das Ergebnis zu würdigen ist. Diese Bestimmung schliesst auch die antizipierte Beweiswürdigung nicht aus (BGE 122 III 219 E. 3c; 128 III 22 E. 2d).