Citation: 6B_968/2021 E. 3.5.1

3.5.1. Die altersbedingte Urteilsfähigkeit in Bezug auf sexuelle Handlungen ist relativ. Damit geht einerseits einher, dass sie bloss konkret und damit individuell bestimmbar ist; andererseits korrespondiert die Urteils (un) fähigkeit in Bezug auf sexuelle Handlungen nicht per se mit einer (allenfalls verzögerten) Persönlichkeitsentwicklung. Damit entzieht sich die Frage nach der altersbedingten Urteilsfähigkeit in Bezug auf sexuelle Handlungen einem Vergleich, wie er von der Vorinstanz angestellt worden ist. Da indes offensichtlich ist, dass die zu Beginn der analen Penetrationen rund neuneinhalb Jahre alte Beschwerdeführerin bezüglich dieser sexuellen Handlungen urteilsfähig war, sie diese mithin als Verletzung ihrer persönlichen Integrität wahrgenommen hat (vgl. oben Ziffer 2.5.3.1), ist die Vorinstanz im Ergebnis zu Recht zum Schluss gelangt, dass von der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens zur Frage ihrer Urteils- und/oder Widerstandsunfähigkeit abgesehen werden kann. Dies steht denn auch im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Zurückhaltung bezüglich altersbedingter Urteilsunfähigkeit (vgl. BGE 146 IV 153 E. 2.5.3; 120 IV 194 E. 2c und Urteil 6B_518/2020 vom 15. September 2021 E. 1.4).