Citation: 6B_1093/2021 E. 4.4.1

4.4.1. Die Vorinstanz hat zudem erkannt und damit berücksichtigt, dass mit der antihormonalem Therapie einher- bzw. der Medikation vorausgeht, dass sich der Beschwerdegegner auf einen neuen Erklärungsansatz für seine Taten und damit eine revidierte Deliktshypothese einlassen muss, was dessen Mitarbeit im Therapieprozess (u.a.) bezüglich der Frage des Triebdruckes (z.B. Masturbationsfrequenz, zeitlicher Umfang sexueller Phantasien im Alltag) bedingt (vgl. angefochtener Beschluss S. 48 [Ziff. 4.11] und S. 51 [Ziff. 5.4]). Damit nimmt sie Bezug auf die vom Sachverständigen Dr. med. B.________ zu den Problemkreisen therapeutische Artefakte/"richtige" Deliktshypothese und Psychotherapie/Schaffung von Transparenz gemachten Ausführungen und Vorbehalte. Sie bejaht, wenn auch nur implizit, auch eine (zumindest im Ansatz vorhandene) Bereitschaft des Beschwerdegegners, sich auf einen neuen Erklärungsansatz für seine Taten und damit eine die medikamentöse Behandlung begleitende Psychotherapie einzulassen. Dieser Schluss hält einer Willkürprüfung stand, auch wenn sich die Vorinstanz nur marginal mit den diesbezüglichen Vorbehalten des Gutachters auseinandersetzt. Konkret hat der Sachverständige Dr. med. B.________ anlässlich seiner Befragung im Grundsatz bestätigt, dass unter den fallbearbeitenden Gutachtern mittlerweile Einigkeit bestehe, dass für die vom Beschwerdegegner verübten Taten nicht in erster Linie dessen Persönlichkeitsmerkmale, sondern seine sexuelle Devianz ausschlaggebend war. Mithin hätten die pädophile und fetischistische Paraphilie zusätzlich stabil einen engen Bezug zur Delinquenzgenese bzw. seien als weiterer Co-Fakor bei der Delinquenzgenese zu benennen (vgl. Protokoll S. 31; Gutachten S. 97). Die bisherige Deliktshypothese habe indessen darin bestanden, dass der Beschwerdegegner nur unter Druck bzw. Stress oder Problemen dazu neige, Sexualdelikte zu begehen (Sexualdelinquenz als Copingstrategie bei psychosozialer Belastung und als Selbstwertstabilisierung durch Machtausübung und Dominanz, Fetisch könne sozialverträglich ausgelebt werden). Sinn und Zweck einer Therapie sei das Erarbeiten eines möglichst zutreffenden Erklärungsmodells mit dem Klienten, der dieses dann auch übernehme. Die bisherigen therapeutischen Bemühungen, einen erklärenden Ansatz für die Delinquenz des Beschwerdegegners zu finden, hätten denn auch zunehmend zu einer Übernahme dieser Theorien durch den Beschwerdegegner geführt, was normalerweise der Intention therapeutischer Interventionen entspreche. Aufgrund seiner spezifischen Persönlichkeitsmerkmale führe dies beim Beschwerdegegner zu zunehmenden "therapeutischen Artefakten", mithin dazu, dass er in diesem bisherigen Ansatz die einzige Erklärung als unumstösslich und folgerichtig nur allein bestimmend für sein Rückfallrisiko anerkenne. Alternativen würden nicht mehr in Betracht gezogen und mit nahezu überheblich wirkender Sicherheit von sich gewiesen. Deswegen und wegen der beim Beschwerdegegner vorhandenen Schwierigkeit, Sachverhalte transparent und nachvollziehbar darzustellen, sei denn auch die nachgängige Darstellung einer genauen Deliktshypothese schwierig (Gutachten S. 96; Protokoll S. 32).