Citation: U 114/01 24.10.2002 E. 2

Nach Auffassung der SUVA liegen keine Unfallfolgen mehr vor, die einen Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung begründen könnten. Demgegenüber macht die Beschwerdegegnerin geltend, die Unfallkausalität ihrer Konzentrations- und Gedächtnisstörungen müsse durch ein neuropsychologisches Gutachten abgeklärt werden. Zu prüfen ist, ob der medizinische Sachverhalt genügend abgeklärt ist und gegebenenfalls ob die im Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids (14. Oktober 1998; vgl. BGE 121 V 366 Erw. 1b, 116 V 248 Erw. 1a; RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101) bestehenden Beschwerden der Versicherten auf den Unfall vom 26. September 1994 zurückzuführen sind. 2.1 Vorliegend wurde die Versicherte dreimal neurologisch untersucht. Im Bericht vom 31. März 1995 diagnostizierte Dr. med. G.________ ein pseudoradikuläres zervikozephales und Schulterschmerzsyndrom links nach Schleudertrauma. Zudem stellte er einen Tinnitus fest und führte aus, Gedächtnis und Konzentrationsvermögen der Versicherten seien gut geblieben, sie benötige aber viel mehr Schlaf als vor dem Unfall. Zur Frage allfälliger neuropsychologischer Defizite und der Notwendigkeit einer neuropsychologischen Abklärung äussert er sich nicht. Dr. med. M.________, leitender Arzt Neurologie am Spital Y.________, kam in seinem Gutachten vom 28. April 2000 zum Schluss, aus neurologischer Sicht leide die Versicherte an Nackenhinterkopfweh bei Status nach Distorsionstrauma der HWS sowie an Konzentrationsstörungen. Letztere seien möglicherweise die Folge der Nackenhinterkopfschmerzen. Im Übrigen seien die Verhältnisse neurologisch unauffällig. Dass in den Akten zweimal der Begriff eines Hirnleistungsdefizits bzw. einer Hirnleistungsschwäche verwendet werde (Untersuchung durch den Augenarzt Dr. med. C.________ vom 24. Februar 1999; Schreiben Dr. med. A.________ an SUVA vom 8. März 1999), sei unzulässig, da Kopfschmerzen und Hirnleistungsdefizit zwei völlig verschiedene Kategorien seien und auch ein zervicozephales Syndrom nicht mit einer Hirnleistungsschwäche in Zusammenhang gebracht werden dürfe. Im Übrigen ergäben sich aus den Akten keine Hinweise auf eine Hirnleistungsschwäche. Gegenteils habe Dr. med. G.________ am 31. März 1995 festgehalten, Gedächtnis und Konzentrationsvermögen seien gut geblieben. Aus Sicht der Patientin stünden die Nacken- und Hinterkopfschmerzen im Vordergrund. Die Konzentrationsstörungen seien in ihrem Ausmass geringfügig, sodass er von einer neuropsychologischen Untersuchung Abstand genommen habe, zumal eine solche Fragen in Bezug auf den Schwindel und die Halswirbelsäule nicht beantworten könne. In dem von der Versicherten in Auftrag gegebenen neurologischen Gutachten von Dr. med. S.________ vom 28. Juni 2000 finden sich folgende Diagnosen: Status nach Heckauffahrkollision mit Distorsionstrauma der HWS mit persistierendem Zervikalsyndrom, zervikozephalem Syndrom, posttraumatischem cochlearem Tinnitus und Verdacht auf neuropsychologische Defizite. Im Gegensatz zum Augenarzt Dr. med. C.________ der in seinem Bericht vom 24. Februar 1999 ausführte, die vermehrt auftretenden Kopfwehattacken gingen einher mit Lichtscheu, was als unfallbedingtes leichtes Hirnleistungsdefizit anzusehen sei, gab die Versicherte gegenüber Dr. med. S.________ an, die Kopfschmerzen seien weder von Übelkeit, noch von Lichtscheu begleitet. Wie schon gegenüber Dr. med. M.________ erklärte die Versicherte auch gegenüber Dr. med. S.________, sie habe Probleme mit der Konzentration und dem Kurzzeitgedächtnis. Anders als Dr. med. G.________ - bei dem das Gedächtnis- und Konzentrationsvermögen ebenfalls thematisiert wurden - und Dr. med. M.________ erachtete Dr. med. S.________ angesichts dieser geklagten Defizite eine neuropsychologische Beurteilung als angezeigt. 2.2 Ob die vorliegend geklagten Konzentrations- und Gedächtnisdefizite tatsächlich mit dem am 26. September 1994 erlittenen Distorsionstrauma der HWS im natürlichen Kausalzusammenhang stehen und wie weit sie sich gegebenenfalls auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten ausgewirkt haben, lässt sich anhand der vorhandenen Akten nicht abschliessend beantworten. Hinsichtlich der möglichen Ursachen und der Intensität der geltend gemachten Beschwerden ergibt sich aufgrund der medizinischen Unterlagen vielmehr ein uneinheitliches Bild. Dr. med. M.________ führt hinsichtlich der Konzentrationsstörungen aus, diese seien "möglicherweise" auf das Nackenhinterkopfweh zurückzuführen, ohne diese Möglichkeit näher zu prüfen. Zu den Gedächtnisstörungen äussert er sich nicht, verwahrt sich jedoch gegen die Annahme eines Hirnleistungsdefizits, weil ein solches nichts mit Kopfschmerzen zu tun habe und anlässlich der Untersuchung durch Dr. med. G.________ festgestellt werden konnte, dass Gedächtnis und Konzentrationsvermögen gut geblieben seien. Demgegenüber äussert Dr. med. S.________ angesichts der geklagten Beschwerden den Verdacht auf neuropsychologische Defizite und rät zu einer neuropsychologischen Untersuchung, ohne dies näher zu begründen. Dr. med. F.________ vom Ärzteteam Unfallmedizin schliesslich qualifiziert die Kopfschmerzen mit Lichtscheu und Nebelsehen als Migraine ophtalmique (ärztliche Beurteilung vom 13. April 1999). Ob und inwiefern die unbestrittenerweise persistierenden Kopfschmerzen mit den Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten in Zusammenhang stehen, lässt sich den medizinischen Unterlagen nicht entnehmen. Jedenfalls spricht die Tatsache, dass anlässlich der Untersuchung durch Dr. med. G.________ diese Defizite nicht festgestellt werden konnten, nicht grundsätzlich gegen das Bestehen einer Hirnleistungsschwäche bzw. eines Hirnleistungsdefizits, kann doch ein solches auch erst nach einer gewissen Latenzzeit auftreten und wurde eine gewisse Unkonzentriertheit am Arbeitsplatz vom Vorgesetzten der Versicherten bereits Ende 1997 bemerkt (Erhebungsbericht der Abklärungsperson der Beschwerdeführerin vom 23. Dezember 1997). Nach der Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts zur Frage der Latenz reicht es zur Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs aus, wenn innert weniger Tage nach dem Unfall vorerst Nackenbeschwerden auftreten und weitere typische, zum Bild dieser Verletzung gehörende Beschwerden erst später diagnostiziert werden (Urteil E. vom 19. Dezember 2000, U 98/98). Ob die Konzentrationsstörungen tatsächlich nur geringfügig sind, wie dies Dr. med. M.________ in seinem Gutachten angibt, lässt sich anhand seiner Ausführungen und auch aufgrund der Akten nicht nachprüfen. Sodann sind auch die Schilderungen der Versicherten widersprüchlich. Gegenüber Dr. med. C.________ gab sie an, die Kopfschmerzen seien von Lichtscheu begleitet, weshalb dieser ein Hirnleistungsdefizit diagnostizierte. Bei Dr. med. S.________ dagegen erklärte sie, in Zusammenhang mit dem Kopfweh weder unter Übelkeit noch unter Lichtscheu zu leiden, was Dr. med. S.________ zur Diagnose eines Zervikalsyndroms und eines zervikozephalen Syndroms führte. Eine abschliessende Beurteilung der vorliegend relevanten Rechtsfragen ist demzufolge nicht möglich und das Eidgenössische Versicherungsgericht ist angesichts der widersprüchlichen neurologischen Einschätzung nicht in der Lage abzuschätzen, welche gutachterlichen Schlussfolgerungen zutreffen. Vor dem Hintergrund der gegensätzlichen Expertenmeinungen und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass drei beteiligte Ärzte neuropsychologische Defizite in Betracht zogen (Bericht Dr. med. C.________ vom 24. Februar 1999; Schreiben Dr. med. Saner vom 8. März 1999; Gutachten Dr. med. S.________ vom 28. Juni 2000) ist vorliegend kein Grund ersichtlich, die neuropsychologische Diagnostik nicht mit zu berücksichtigen. Dies umso mehr, als es nicht um die Abklärung von Schwindel und Beschwerden der Halswirbelsäule geht, für die Dr. med. M.________ zu Recht darauf verweist, dass von einer neuropsychologischen Begutachtung keine Erkenntnisse zu erwarten sind, sondern um die Beurteilung der Konzentrations- und Gedächtnisdefizite. Es wird daher an der SUVA liegen, an welche die Angelegenheit zurückzuweisen ist, entsprechende Abklärungen vorzunehmen. Je nachdem, welches Ergebnis diese zeitigen, wird sie über den 15. März 1998 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen haben.