Citation: I 963/06 06.11.2007 E. 5

Umstritten sind sodann auch die erwerblichen Auswirkungen. 5.1 Die Ermittlung eines hypothetischen Einkommens ist eine vom Bundesgericht nur in den genannten Schranken (E. 2) zu überprüfende Tatfrage, soweit sie auf konkreter Beweiswürdigung beruht, hingegen eine Rechtsfrage, soweit sich der Entscheid nach der allgemeinen Lebenserfahrung richtet, wie etwa der Frage, welche Bemessungsmethode anzuwenden ist oder ob Tabellenlöhne anwendbar sind (BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399). Die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig bzw. im Aufgabenbereich tätig wäre, ist als Beurteilung hypothetischer Geschehensabläufe eine Tatfrage, soweit sie auf Beweiswürdigung beruht, selbst wenn darin auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebenserfahrung berücksichtigt werden, hingegen eine Rechtsfrage, soweit sie ausschliesslich auf die allgemeine Lebenserfahrung gestützt ist (Urteil I 708/06 vom 23. November 2006). 5.2 Die Vorinstanz ging bezüglich des Valideneinkommens davon aus, die Beschwerdeführerin habe vor dem Unfall als Selbstständigerwerbende bei einem Pensum von rund 75 % gemäss individuellem Konto (IK) in den Jahren 1999 bis 2001 durchschnittlich Fr. 10'182.- verdient. Da ihr in der angestammten Tätigkeit nach wie vor ein Pensum von 70 % zumutbar sei, könne sie ohne weiteres ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen. Zudem hat sie erwogen, das Abstellen auf Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) bei der Ermittlung des Invalideneinkommens würde sich zu Ungunsten der Versicherten auswirken, da im Bereich persönliche Dienstleistungen für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) bei einer zu 70 % ausgeübten Tätigkeit für das Jahr 2002 ein deutlich höheres Einkommen von Fr. 28'679.- resultieren würde. 5.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das kantonale Gericht habe die persönlichen und beruflichen Faktoren bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Arbeitsunfähigkeit nicht berücksichtigt. Insbesondere habe es mit Blick auf das Valideneinkommen ausser Acht gelassen, dass sie bis zum Unfall das Arbeitspensum im eigenen Coiffeurgeschäft auf rund 80 % gesteigert habe mit der Absicht, dieses schliesslich auf 100 % zu erhöhen. Auch habe sie die Meisterprüfung absolvieren und eine Lernperson einstellen wollen und im Hinblick darauf regelmässig Weiterbildungskurse besucht. 5.4 Die vorinstanzliche Festlegung des hypothetischen Erwerbsanteils (75 %) kann weder als offensichtlich unrichtig noch als unvollständig betrachtet werden. Das kantonale Gericht stützte sich dabei auf die Angaben der Versicherten im Fragebogen der IV-Stelle vom 26./29. November 2002, gemäss welchen sie vor Eintritt der Behinderung durchschnittlich 32 Stunden pro Woche gearbeitet habe. Die Vorbringen der Versicherten bezüglich der beruflichen Weiterentwicklung sind demgegenüber wenig konkret und nicht substantiiert. Insbesondere liegen für die Dauer der sechsjährigen selbstständigen Tätigkeit oder die Zeit nach der im Jahre 2001 erfolgten Ehescheidung keinerlei Hinweise vor, die ihre erklärten Absichten zu erhärten vermöchten. Der Geschäftsabschluss 2001/2002, welchen die Versicherte als Beleg für ihre Weiterbildungen nennt, weist lediglich einen Betrag von Fr. 50.- für "Schulung/Kurs" aus. Nach dem Unfall reduzierte die Beschwerdeführerin ihre Tätigkeit als selbstständige Coiffeuse auf 20 % und gab diese schliesslich Ende Mai 2004 zufolge schlechten Geschäftsgangs vollständig auf. 5.5 Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige (Art. 27 IVV) ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Dabei wird, im Unterschied zur spezifischen Methode für Nichterwerbstätige, die Invalidität nicht unmittelbar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchem bemessen. Vielmehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise, eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1 S. 30, 104 V 135 E. 2c S. 137; AHI 1998 S. 119 und S. 251). 5.6 Es ist angesichts der konkreten Verhältnisse indessen nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz im Sinne eines Prozentvergleichs vorgegangen ist. Zwar wären grundsätzlich die einzelnen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin zu gewichten, doch kann in Anlehnung an den Prozentvergleich auch beim ausserordentlichen Bemessungsverfahren der Anspruch auf eine Invalidenrente verneint werden, ohne dass die einzelnen Bemessungsfaktoren möglichst exakt und konkret zu ermitteln sind, wenn sich nur unter unrealistischen Annahmen ein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergeben würde (Urteil I 22/07 vom 22. Juni 2007). Dies ist hier der Fall. Es ist unrealistisch anzunehmen, dass diejenigen Tätigkeiten, die der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar sind, einen so grossen Anteil an der gesamten Tätigkeit ausmachen könnten, dass sich insgesamt ein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergäbe. Das kantonale Gericht hat überdies nicht gänzlich auf einen Einkommensvergleich verzichtet. Vielmehr hat es richtig festgehalten, dass selbst bei Aufnahme einer Arbeit als unselbstständige Coiffeuse - was von den Ärzten als zumutbar erachtet wird - mit einer Leistungsfähigkeit von 70 % ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen wäre.