Citation: 6B_824/2022 E. 2.5

2.5. Dem Beschwerdeführer wurde weder der rechtsgültig zugestellte Strafbefehl vom 9. Juli 2019 noch zumindest dessen Dispositiv oder Rechtsmittelbelehrung übersetzt. In tatsächlicher Hinsicht ist zudem erstellt, dass der aus Eritrea stammende Beschwerdeführer am 22. Mai 2019 von der Polizei unter Beizug eines Dolmetschers befragt wurde, nachdem der Beschwerdeführer zuvor angab, eine Übersetzung zu benötigen. Sodann wurde in der Untersuchung mit ihm in tigrinischer Sprache kommuniziert. Auch für die nach der Einsprache vom 8. April 2019 durchgeführte staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 13. Juli 2021 wurde ein Dolmetscher beigezogen, welcher Tigrinya übersetzte. Die Vorinstanz erwartet gestützt auf die persönliche Abholung des Strafbefehls vom 9. Juli 2019 am richtigen Ort innert Frist, der Beschwerdeführer hätte den Strafbefehl selbst verstehen oder zumindest jemanden bei der Übersetzung um Hilfe bitten oder aber den Übersetzungsbedarf bei den Behörden anzeigen bzw. um Übersetzung ersuchen müssen. Zwar ist dem Beschwerdeführer - nebst der persönlichen Abholung des eingeschriebenen Strafbefehls vom 9. Juli 2019 am richtigen Ort innert Frist - ein gewisses Verständnis hinsichtlich behördlichem Vorgehen und Wissen um Fristen anzurechnen. Aufgrund seines Aufenthaltes in der Schweiz kam er mit diversen Schweizer Behörden in Berührung, erhielt er in diesem Zusammenhang auch Post und ging er namentlich insbesondere fristgerecht gegen die Verfügung des Staatssekretariat für Migration (SEM) vom 23. Mai 2018 an das Bundesverwaltungsgericht vor. Hingegen entbindet dies nicht grundsätzlich von einer Übersetzung eines Strafbefehls, umso mehr nicht bei eindeutig feststehendem und klar erkanntem Übersetzungsbedarf des Beschwerdeführers. Bereits am 10. Dezember 2018 und am 9. April 2019 ergingen gegen den Beschwerdeführer Strafbefehle. Aus den für das Bundesgericht verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz (vgl. Art. 105 Abs. 1 StGB) geht jedoch nicht hervor, ob ihm diese beiden Strafbefehle rechtsgültig zugestellt sowie eröffnet wurden, er dabei eine Rechtsvertretung oder anderweitige Hilfe hatte. Ein weiterer Strafbefehl wurde am 16. September 2019 gegen ihn erlassen. Erstellt ist, dass dieser ihm ausgehändigt wurde, er fristgerecht Einsprache dagegen erhob und - zumindest für die Einsprache und im Einspracheverfahren - anwaltlich vertreten war. Zudem betraf sowohl das Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Strafbefehl vom 9. Juli 2019 als auch jenes mit dem Strafbefehl vom 16. September 2019 Widerhandlungen gegen das AIG. Die Vorinstanz schliesst deshalb zu Recht, dass der Beschwerdeführer spätestens nach dem Strafbefehl vom 16. September 2019 wusste oder ihm entsprechendes Wissen aufgrund der Rechtsvertretung zuzurechnen ist, was ein Strafbefehl ist, die Staatsanwaltschaft solche erlässt und wie dagegen vorgegangen werden kann. Folglich wäre es dem Beschwerdeführer nicht nur in der Notunterkunft U.________, sondern auch bei der damaligen Rechtsvertretung möglich gewesen, sich über den persönlich von ihm bei der Post abgeholten, eingeschriebenen Strafbefehl vom 9. Juli 2019 sowie dessen Inhalt zu erkundigen und gegebenenfalls dagegen vorzugehen. Nach dem Gesagten wäre er dazu auch gehalten gewesen, was er hingegen unterliess. Der vorliegende Fall unterscheidet sich demnach von den Urteilen 6B_667/2017 und 6B_668/2017 vom 15. Dezember 2017. Die Vorinstanz schlussfolgert zutreffend ein Verhalten des Beschwerdeführers gegen Treu und Glauben. Ungeachtet dessen kommt er der ihm obliegenden Begründungspflicht in Bezug auf die Einsprache vom 8. April 2021 nicht nach (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG). Am 1. April 2020 sowie am 10. Februar 2021 ergingen zwei weitere Strafbefehle gegen den Beschwerdeführer. Im Zusammenhang mit Letzterem wandte er sich an die Rechtsvertreterin des vorliegenden Verfahrens. Er bringt vor, am 8. April 2021, nach erfolgter Akteneinsicht, durch ebendiese Rechtsvertreterin Einsprache gegen den Strafbefehl vom 9. Juli 2019 erhoben zu haben. Allerdings macht er keine Angaben dazu, wann er einerseits mit ebendieser Rechtsvertreterin in Kontakt trat und andererseits sie Kenntnis vom Strafbefehl vom 9. Juli 2019 erlangte. Weder dargetan noch ersichtlich ist sodann, dass ein Fristwiederherstellungsgesuch gestellt worden wäre. Zusammengefasst liegt keine Verletzung von Bundesrecht vor.