Citation: 6P.26/2003 30.10.2003 E. 2

Der Beschwerdeführer rügt, der Strafappellationshof habe willkürlich entschieden und die Unschuldsvermutung verletzt, indem er mehrere Beweisanträge, nämlich die Einvernahme zweier Zeugen sowie die Edition verschiedener Originale von Bankakten, abgewiesen habe (vgl. Beschwerde S. 8 - 11). Nach der Rechtsprechung hat der Angeschuldigte im Strafverfahren Anspruch darauf, Fragen an die Belastungszeugen zu stellen und die Ladung und Vernehmung von Entlastungszeugen unter denselben Bedingungen wie die der Belastungszeugen zu erwirken. Es kann jedoch mit der Natur eines fairen Verfahrens vereinbar sein, von einer solchen Befragung abzusehen, insbesondere wenn die Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind oder wenn sich der Richter aufgrund bereits abgenommener Beweise seine Überzeugung willkürfrei gebildet hat. Grundsätzlich reicht es aus, wenn der Beschuldigte im Laufe des gesamten Verfahrens einmal Gelegenheit hatte, Ergänzungsfragen zu stellen, sei es vor den Schranken des Gerichts oder im Verlaufe der Untersuchung. Nur unter besonderen Umständen kann es zur effektiven Wahrnehmung der Verteidigungsrechte notwendig sein, dass dem Beschuldigten vor Gericht Gelegenheit zu einer ergänzenden Befragung der belastenden Zeugen eingeräumt wird, obwohl er im Untersuchungsverfahren bereits mit diesen konfrontiert worden ist (BGE 124 I 274 E. 5b S. 284 f. mit Hinweisen). Der vom Beschwerdeführer vor dem Strafappellationshof als Zeuge angerufene F.________, seinerzeitiger ... der Kreditgenossenschaft Sensebezirk, war bereits 1992 im Rahmen einer von der Bank veranlassten vorsorglichen Beweisaufnahme sowie im vorliegenden Strafverfahren vom Untersuchungsrichter und vor dem Bezirksstrafgericht des Seebezirks als Zeuge einvernommen worden. Das Bezirksstrafgericht und der Strafappellationshof - dieser aufgrund der Akten - haben die vom Zeugen bei den verschiedenen Einvernahmen getätigten Aussagen als im Kern konstant und klar gewürdigt (angefochtener Entscheid S. 4). Nach der Rechtsprechung kann die obere Instanz auf Beweisergebnisse der unteren Instanz abstellen, sofern deren Würdigung überzeugend erscheint. Im Rechtsmittelverfahren braucht eine Zeugeneinvernahme also nicht unbedingt wiederholt zu werden (Mark E. Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. Aufl. 1999, N 477 mit Hinweis). Folglich stellt der Verzicht des Strafappellationshofes, den bereits einvernommenen Zeugen nochmals zu befragen, für sich allein weder Willkür noch eine Verletzung der Unschuldsvermutung dar. Ob das Abstellen auf den Zeugen willkürlich war, ist weiter unten zu prüfen (s. E. 3). Der Beschwerdeführer erachtet es als willkürlich, dass die Person bei der Kreditgenossenschaft Sensebezirk, die das Kürzel "..." trug, entgegen seinem Antrag nie ausfindig gemacht und befragt worden ist. Dabei geht es ihm einerseits um die Korrespondenzadresse des neu eröffneten Sparkontos und anderseits um die Stornierung der Festgeldanlage. Im ersten Punkt stellt er die gewagte Hypothese auf, ein Mitarbeiter der Bank könnte eine "Urkundenfälschung" begangen haben, indem er nachträglich die Korrespondenzadresse vom Vater auf den Sohn änderte. Er vermag jedoch keinen, geschweige denn einen einleuchtenden Grund für ein derartiges Fehlverhalten des Bankangestellten zu nennen. Zum zweiten Punkt räumt er selber ein, dass die als Zeuge benannte, unbekannte Person "womöglich" hätte Auskünfte geben können, ohne dass er zu sagen vermag, um welche Auskünfte es sich dabei hätte handeln können. Auf derartige appellatorische Kritik ist im vorliegenden Verfahren nicht einzutreten. "In die gleiche Richtung" zielte nach den Ausführungen des Beschwerdeführers sein Antrag auf Edition der Originale von zwei sich in Kopie bei den Akten befindenden Aktenstücken. In diesem Punkt genügt es, auf das im letzten Absatz Gesagte zu verweisen. Was schliesslich die Kreditakten des Hypothekardarlehens für den Kauf des Grundstückes in L.________ mit dem vorliegend zu beurteilenden Vorwurf der Veruntreuung zu tun haben könnten, ergibt sich aus der Beschwerde nicht. Folglich kann auch in diesem Punkt darauf nicht eingetreten werden.