Citation: 6B_760/2015 E. 1.6

1.6. Die Anordnung einer Massnahme zur Suchtbehandlung setzt nach Art. 60 Abs. 1 StGB voraus, dass der Täter von Suchtstoffen oder in anderer Weise abhängig ist. Eine Abhängigkeit des Beschwerdeführers von Alkohol lässt sich indessen gemäss den Ausführungen des Gutachters auf der Grundlage der vorhandenen Daten nicht diagnostizieren. Diagnostiziert werden lediglich ein schädlicher Gebrauch von Alkohol unterhalb einer Abhängigkeitsstörung sowie eine Toleranzentwicklung. Die Vorinstanz ordnet gleichwohl in Bestätigung des erstinstanzlichen Entscheids gestützt auf das Gutachten neben der stationären Psychotherapie im Sinne von Art. 59 StGB eine stationäre alkoholspezifische Behandlung gemäss Art. 60 StGB an, welche nach dem Wortlaut der Bestimmung Abhängigkeit voraussetzt. Die Vorinstanz setzt sich mit der Frage der Abhängigkeit nicht im Einzelnen auseinander. Sie begründet nicht, weshalb sie Abhängigkeit im Sinne von Art. 60 StGB bejaht, obschon der Experte eine Abhängigkeit im psychiatrischen Sinne aufgrund der ihm verfügbaren Daten als nicht bewiesen erachtet. Fest stehen aufgrund des Gutachtens zurzeit einzig ein schändlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.1) und eine Alkoholtoleranz. Daraus allein ergibt sich aber noch keine Alkoholabhängigkeit gemäss Art. 60 StGB. Eine Alkoholabhängigkeit ist nach der Rechtsprechung gegeben, wenn der Betroffene regelmässig zu viel Alkohol konsumiert und diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu überwinden vermag (siehe BGE 126 II 185 E. 2a, 361 E. 3a zum altrechtlichen Begriff der Trunksucht im Sinne von Art. 14 Abs. 2 lit. c aSVG; MARIANNE HEER, Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, N. 26 zu Art. 60 StGB; S CHWARZENEGGER/HUG/JOSITSCH, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, 8. Aufl. 2007, S. 170). Zweifellos neigt der Beschwerdeführer schon seit langer Zeit zu regelmässigem und übermässigem Alkoholkonsum. Manches spricht dafür, dass er diese Neigung durch seinen Willen nicht zu überwinden vermag; dies steht zurzeit jedoch nicht fest. Auf der Grundlage der von der Vorinstanz festgestellten Tatsachen lässt sich eine Alkoholabhängigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 60 StGB nicht begründen. Die Beschwerde ist daher in diesem Punkt teilweise gutzuheissen und die Sache zur weiteren Abklärung der Alkoholabhängigkeit des Beschwerdeführers an die Vorinstanz zurückzuweisen.