Citation: I 766/05 22.11.2006 E. 2

2.1 In seinem Bericht vom 12. Dezember 2001 hält der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. A.________, fest, dass die Arbeitsfähigkeit der Versicherten durch eine Depression, ein chronisch rezidivierendes myofasziales Schmerzsyndrom der Kopf-Nacken-Schultergürtel-Arm-Partie und ein chronisch rezidivierendes Lumbovertebralsyndrom beeinträchtigt werde. Es bestehe eine um ca. 50 % reduzierte Arbeitsfähigkeit, wobei unbedingt auch die Meinung des behandelnden Facharztes, Dr. med. V.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, einzuholen sei. Von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % aus psychischen und somatischen Gründen ging er sodann in seiner im kantonalen Verfahren abgegebenen Stellungnahme vom 27. Juli 2005 aus. Der behandelnde Psychiater Dr. med. V.________ diagnostizierte eine depressive Entwicklung mit ausgeprägter Angstsymptomatik (ICD-10 F32.11), einen psychosomatischen Symptomenkomplex und Angstzustände bei einer Grundstörung. Er erachtete die bisherige Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in der Firma N.________ AG für der Beschwerdeführerin unzumutbar und hielt fest, dass sie eine ähnliche Tätigkeit an einem anderen Arbeitsplatz eventuell ausüben könnte. Unter günstigen Voraussetzungen sei ihr eine Arbeitstätigkeit von 8 -9 Stunden täglich zumutbar. Bei Depressionsfreiheit sei sie wieder voll arbeitsfähig (Bericht vom 28. Dezember 2001). Nach dem von der IV-Stelle im Rahmen des Einspracheverfahrens eingeholten Gutachten des Dr. med. I.________ vom 3. August 2004 bestehen bei der Beschwerdeführerin eine dekompensierte hysterisch-traumatische Infantil-Neurose mit/bei chronifizierter mittelgradiger Panikstörung ICD-10 F41.00 mit Übergängen in ein GAD F41.1 (DD Angst und depressive Störung gemischt F41.2 seit 1999), eine markante somatoform-autonome Funktionsstörung F45.33 (Hyperventilation), eine leichte Agoraphobie F40.01 und eine soziale Phobie F40.1, konversive Somatisierungsstörungen, resp. konversiv-psychogene Verstärkungen organischer Substrate F45.0, F44.7 und eine leichte Neurasthenie F48.0 bei Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitszüge (impulsiver Typus). Zur Arbeitsfähigkeit wird ausgeführt, dass der Versicherten die bisherige Tätigkeit unter derselben Vorgesetzten-Struktur nicht zumutbar sei, andere Tätigkeiten hingegen schon, wobei am Arbeitsplatz ein ruhiges, unaggressives, mitmenschlich-tragendes Klima herrschen müsse; vor allem männliche autoritäre, direktive oder sogar aggressive Vorgesetzte lösten Panikanfälle aus. Eine den Störungen angepasste Tätigkeit sei aktuell zu 60 % zumutbar, prognostisch besserbar, falls eine optimierte Psychotherapie und Psychopharmakotherapie gelinge. Die im kantonalen Verfahren um Stellungnahme gebetene Dr. med. M.________ führte aus, dass der Versicherten aus rheumatologischer Sicht Arbeiten in Zwangshaltung sowie Arbeiten, die das wiederholte Heben und Tragen von grossen Lasten mit sich brächten, nicht mehr zumutbar seien; für leichtere Tätigkeiten bestehe demgegenüber aus somatischer Sicht eine Einsatzfähigkeit von 70 bis 80 %. Die vom psychiatrischen Facharzt auf 60 % festgesetzte Arbeitsfähigkeit werde aus somatischer Sicht nicht zusätzlich beeinträchtigt (Stellungnahme vom 23. Juli 2005). 2.2 Im Wesentlichen gestützt auf das Gutachten des Dr. med. I.________ vom 3. August 2004 ging die Vorinstanz von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % aus. Dies ist - entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung - nicht zu beanstanden. Denn das Gutachten ist umfassend, beruht auf umfangreichen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben und leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Situation ein (BGE 125 V 352 Erw. 3a), weshalb ihm grundsätzlich volle Beweiskraft zukommt. Daran vermag nichts zu ändern, dass Dr. med. A.________ von einer leicht geringeren Arbeitsfähigkeit (50 %) ausging (Bericht vom 12. Dezember 2001, Stellungnahme vom 27. Juli 2005), ist doch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc). Von keinem höheren Arbeitsunfähigkeitsgrad gingen sodann Dr. med. M.________ in ihrer Stellungnahme vom 23. Juli 2005 und Dr. med. V.________ in seinem Bericht vom 28. Dezember 2001 aus. Ebenso wenig widersprach Dr. med. V.________ der Arbeitsfähigkeitsschätzung durch Dr. med. I.________ in seinen am 6. September 2004 verfassten "kritischen Anmerkungen" zum Gutachten vom 3. August 2004. Aus dem Umstand, dass er in seiner Stellungnahme vom 6. September 2004 andere Therapieformen als Dr. med. I.________ für angezeigt hielt, vermag die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Denn es ist nicht ersichtlich, inwiefern dies an der Richtigkeit der von Dr. med. I.________ abgegebenen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit etwas zu ändern vermöchte. Nicht stichhaltig ist sodann der von der Beschwerdeführerin im kantonalen Beschwerdeverfahren erstmals erhobene (und mithin in der eigens zum Gutachten verfassten Stellungnahme vom 6. September 2004 unerwähnt gebliebene) Einwand, wonach die Begutachtung durch Dr. med. I.________ nur sehr kurz gedauert habe, dies schon unter Berücksichtigung des Umfanges der Anamnese. Schliesslich trifft es auch nicht zu, dass Dr. med. I.________ seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (60 %) nicht begründet hätte, führte er doch aus, dass sich die funktionell-symptomatische Konzentrationsstörung (geistige Ebene), die Panikstörung mit Begleitsymptomatik (psychische Ebene), die Somatisierungsstörungen (körperliche Ebene) und die leichte Agora-Soziophobie (soziale Ebene) auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten und die Beschwerdeführerin auf ein gutes Arbeitsklima angewiesen sei, wobei den Störungen angepasste Tätigkeiten der Versicherten - ohne dass eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe - aktuell zu 60 % zumutbar seien. Entgegen den Vorbringen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde knüpfte Dr. med. I.________ diese Einschätzung denn auch nicht an die "erfolgreiche Eingliederung" mittels SRK-Kurs; vielmehr ging er von Tätigkeiten aus, wie sie die Beschwerdeführerin in der Firma N.________ AG verrichtet hatte. Es gehörte denn auch gar nicht zur Aufgabe des Arztes, sondern zu derjenigen der berufsberatenden Fachleute, zu sagen, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten auf Grund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kämen (BGE 107 V 20 Erw. 2b).