Citation: 6B_149/2017 E. 3.2

3.2. Die Vorinstanz stellt fest, der Beschwerdeführer habe seinen Sohn B.________ bestrafen wollen, weil er ihm nicht sofort gesagt habe, dass er ferngesehen habe. Er habe B.________ befohlen, sich im Wohnzimmer neben dem Sofa hinzuknien und die Hände in die Höhe zu strecken. Dann habe er ein Trottinett genommen und während wenigen Sekunden versucht, dessen Lenker herauszureissen. Als dies misslungen sei, habe der Beschwerdeführer mit dem Hinterrad des Trottinetts gegen den Hinterkopf von B.________ geschlagen. Ob er das Trottinett mit einer Hand oder mit beiden Händen gehalten habe, sei irrelevant. Tatsache sei, dass B.________ durch den Schlag einen Impressionsbruch mit einer Absenkung von 9 mm sowie ein zerebrales Kontusionsödem und kleine Parenchymblutungen erlitten habe. Wie die Verteidigung angesichts dieser gravierenden Verletzungen dazu komme, von einem mit leichter Schwungbewegung ausgeführten und dosierten Schlag zu sprechen, sei nicht nachvollziehbar. Ein wohldosierter Schlag widerspreche auch den Behauptungen des Beschwerdeführers, wonach er unbedacht und aus Wut gehandelt habe. Im Gutachten des IRM St. Gallen vom 21. Oktober 2014 sei denn auch festgehalten, dass von einem wuchtigen Schlag auszugehen sei. A.________ habe anlässlich der Videobefragung geschildert, das Trottinett sei kaputt gewesen. Dies spreche ebenfalls dafür, dass der Beschwerdeführer mit voller Wucht zugeschlagen habe (Urteil S. 29 f. E. 5.e). Die Vorinstanz erwägt, B.________ habe durch den Schlag des Beschwerdeführers einen Impressionsbruch (geformte Eindrückung des knöchernen Schädels) mit einer Absenkung von 9 mm und einer Breite von 24.5 mm sowie ein Kontusionsödem (Ansammlung von Gewebsflüssigkeit im Weichgewebe am Anprallort) mit kleinen Parenchymblutungen (Einblutungen im Hirngewebe) von 6x7 mm Durchmesser sowie eine deutliche Pelottierung (Einengung) des Sinus sagittalis superior (venöser Längsblutleiter zur Hirnoberfläche) erlitten. Gemäss Operationsbericht habe der eingedrückte Anteil ungefähr 5x5 cm gemessen. Die operative Aufrichtung des Impressionsbruchs habe sich schwierig gestaltet, so dass die Fragmente erst hätten entfernt und anschliessend eine Knochenverbindung mit Titanplättchen habe durchgeführt werden müssen. Das Gutachten des IRM St. Gallen führe sodann aus, die dokumentierten Verletzungen im Schädelinnern hätten ohne neurochirurgische Versorgung aller Wahrscheinlichkeit nach in den Zustand einer vital bedrohlichen Gesundheitsschädigung, die jederzeit auch hätte tödlich enden können, geführt. Daher sei das Schädel-Hirntrauma aus rechtsmedizinischer Sicht als potentiell lebensgefährlich zu bewerten. B.________ sei jedoch allzeit kreislaufstabil und bei vollem Bewusstsein gewesen. Eine akute Lebensgefahr infolge der Verletzung lasse sich nicht ableiten. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, aufgrund der Verletzung von B.________, die jederzeit zu einer lebensbedrohlichen oder tödlichen Hirnschädigung hätte führen können, sei dem Beschwerdeführer in objektiver Hinsicht - mangels Erfolgseintritts - eine versuchte eventualvorsätzliche Tötung vorzuwerfen. Das von der Verteidigung angeführte Urteil 6B_695/2011 vom 15. März 2012 sei nicht vergleichbar, da das Opfer in jenem Fall ein junger Erwachsener gewesen sei. Hier habe die Gewaltanwendung gegenüber einem Kind, das dem Beschwerdeführer schutz- und wehrlos ausgeliefert gewesen sei, statt gefunden. In subjektiver Hinsicht könne dem Beschwerdeführer kein direkter Tötungsvorsatz nachgewiesen werden. Indem er aber mit Wucht das Trottinett auf B.________s Kopf geschlagen habe und dabei angesichts der besonderen Art des Schlaginstruments das Risiko in keiner Weise habe kalkulieren oder dosieren können, habe sich ihm die Möglichkeit des Todeseintritts ernsthaft aufdrängen müssen. B.________ sei dem Beschwerdeführer wehrlos ausgeliefert gewesen und in jeder Hinsicht - physisch sowie psychisch - unterlegen. Er habe als Kind, das zudem noch kleinwüchsig sei, keine Abwehrchancen gehabt. Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers habe dieser den Schlag nicht zuverlässig dosieren können. Sein Einwand, wonach es sich bei der Tathandlung um eine leichte Schwungbewegung und einen dosierten Schlag gehandelt habe, überzeuge nicht. Das IRM St. Gallen sei in seinem Gutachten denn auch von einem wuchtigen Schlag ausgegangen. Aufgrund des Ausmasses der Verletzung sei deshalb von einem unkontrollierten, wuchtigen Schlag auszugehen. Das Material des verwendeten Trottinetts - Hartplastik - spiele im Übrigen keine Rolle. Entscheidend sei vielmehr die Art und Schwere der Verletzung. Die Tat sei ohne Vorwarnung und mit roher Gewalt erfolgt, und habe beinahe zum Tod des Opfers geführt. Dass B.________ keine tödlichen bzw. schweren Verletzungen davongetragen habe, sei nur dem Zufall zu verdanken. Dass für ihn laut Gutachten keine akute Lebensgefahr bestanden habe, schliesse die Annahme, der Beschwerdeführer habe den Tod billigend in Kauf genommen, nicht aus. Er habe nicht darauf vertrauen können, B.________ nicht tödlich zu verletzen. Das Handeln des Beschwerdeführers könne vernünftigerweise nur als Inkaufnahme der nahen Möglichkeit des Todes des Opfers interpretiert werden. Der Beschwerdeführer habe auch nicht darauf vertrauen dürfen, dass sich der vor ihm kniende B.________ jederzeit optimal und effizient den Kopf habe schützen können. Er könne aus seinem Nachtatverhalten ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Bevor der Beschwerdeführer nämlich A.________ gerufen habe, habe ihm B.________ mitgeteilt, dass er seine Hände nicht mehr spüre. Anstatt sich sofort um seinen verletzten Sohn zu kümmern, habe der Beschwerdeführer aber die vor ihm kniende A.________ angeschrien, sie mit der Hand geschlagen und aufs Sofa geworfen. Der Beschwerdeführer habe nicht in Rage gehandelt, sondern kontrolliert und überlegt das von den Kindern mehrfach beschriebene Züchtigungsritual vollzogen. Diese Schlussfolgerung werde von der psychiatrischen Gutachterin geteilt, die ausführe, dass es sich bei den einzelnen Handlungen des Beschwerdeführers um ein geordnetes Verhalten handle, in dem ein emotionaler Ausnahmezustand nicht deutlich werde. Insbesondere zeige sich kein Erschrecken über eine aus dem Ruder gelaufene impulsive Handlung. Vielmehr werde eine geplante Handlungssequenz ungeachtet des Zwischenfalls fortgesetzt und A.________ bestraft. Die erste Instanz bejahe daher zu Recht auch den subjektiven Tatbestand der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung (Urteil S. 34 ff. E. 5.g).