Citation: 8C_949/2008 04.05.2009 E. 4

Die Unfallversicherung hat für allfällige psychische Leiden nur bei Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammenhanges zum Unfall vom 22. Mai 2000 einzustehen. Es besteht Einigkeit, dass die Adäquanz gemäss der Praxis, welche zu den psychischen Unfallfolgen entwickelt wurde (BGE 115 V 133), zu prüfen ist. 4.1 Der Beschwerdeführer fuhr am Unfalltag mit einer geschätzten Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h stadtauswärts, als ein auf der Gegenspur fahrender Automobilist - in Missachtung des Vortrittsrechts der entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer - links abbog und dabei die Fahrbahn des Motorradfahrers kreuzte. Der Versicherte versuchte auszuweichen, stürzte aber und rutschte mit dem Motorrad in den Personenwagen. Dabei zog er sich eine Femurschaft-Querfraktur vom mittleren zum distalen Drittel rechts zu. Nicht gesichert ist, ob die (in Fehlstellung verheilte) Fraktur des lateralen Tibiaplateaus links ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen ist. Im Rahmen der Adäquanzbeurteilung nach BGE 115 V 133 hat eine Einteilung der Unfälle nach Massgabe ihrer Schwere stattzufinden. Diese erfolgt aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften. Zu prüfen ist im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers sind Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können, nicht massgebend. Derartigen dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnenden Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche sich die versicherte Person zuzieht, aber auch für - unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfende - äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall für andere Personen nach sich zieht (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Die Rechtsprechung hat Unfallereignisse, deren äusserer Ablauf mit dem vorliegenden verglichen werden kann, regelmässig als mittelschwer qualifiziert, ohne sie dem Grenzbereich zu den schweren Unfällen zuzuordnen (vgl. etwa Urteil [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 115/05 vom 14. September 2005, welches einen mittleren Unfall betraf: Der Versicherte fuhr mit seinem Motorrad auf der Busspur an einer stockenden Kolonne vorbei, als eine Autofahrerin plötzlich nach links auf die Busspur ausschwenkte, was zum Zusammenstoss mit dem von hinten nahenden Motorradfahrer führte). In den Urteilen [des Bundesgerichts] U 78/07 vom 17. März 2008 (bei starkem Regen überquerte ein aus einer Nebenstrasse kommender Personenwagen im Rahmen eines Linksabbiege-Manövers die Hauptstrasse und schnitt dem Motorradfahrer, welcher auf der Hauptstrasse entgegenkam, den Weg ab, worauf der Motorradfahrer trotz des eingeleiteten Bremsmanövers mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 60 bis 70 km/h frontal in den hinteren seitlichen Teil des Autos prallte), und [des Eidg. Versicherungsgerichts] U 88/01 vom 24. Dezember 2002 (der Lenker eines Lieferwagens übersah beim Überqueren der Strasse die mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/h auf der "Geradeausspur" herannahende Motorradfahrerin und rammte die linke Vorderseite des Motorrades, wodurch dieses umgestossen wurde, unter die Fahrzeugfront des Lieferwages geriet und samt Lenkerin rund 9,3 Meter weit in eine Nebenstrasse geschoben wurde) wurde ebenfalls ein mittelschwerer Unfall angenommen. Soweit der Beschwerdeführer behauptet, die Rechtsprechung habe Fälle, bei welchen ein Zweiradfahrer von einem Personenwagen erfasst und erheblich verletzt worden sei, regelmässig der Untergruppe der schweren Fälle innerhalb des mittleren Bereichs zugeordnet, kann ihm demgemäss nicht gefolgt werden. Daran ändert nichts, dass es sich beim an der Kollision beteiligten Personenwagen um einen Ford Maverick - gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers ein sogenanntes Sport Utility Vehicle mit einer rund doppelt so hohen Fahrzeug-Aggressivität wie ein gewöhnlicher Personenwagen - handelte, weil für die Einstufung des Unfalls der konkrete Ablauf der Geschehnisse, nicht das abstrakte Gefahrenpotential einer Situation massgebend ist. Die Adäquanz des natürlichen Kausalzusammenhanges ist dementsprechend zu bejahen, wenn ein einzelnes der praxisgemäss relevanten Kriterien (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140) in besonders ausgeprägter Weise vorliegt oder mehrere Kriterien erfüllt sind (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 141).