Citation: 5F_9/2022 E. 4.3

4.3. Mit Blick auf die beanstandeten Formulierungen fällt als verletzte Ausstandsvorschrift nur der Auffangtatbestand von Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG in Betracht. Danach haben Gerichtspersonen in den Ausstand zu treten, wenn sie aus anderen Gründen befangen sein könnten. Die Norm nennt exemplarisch besondere Freundschaft oder persönliche Feinschaft mit einer Partei oder ihrer Vertretung. Auch andere Einflüsse wie gesellschaftliche Sitten, Gewohnheiten, Werturteile, die öffentliche Meinung oder bestimmte politische Ereignisse können auf die Unabhängigkeit des richterlichen Urteils einwirken und die innere Freiheit von Gerichtspersonen beeinträchtigen (Verfügung 2C_466/2010 vom 25. Oktober 2010 E. 2.4.2 mit Hinweis). Die hier fraglichen Formulierungen vermögen objektiv betrachtet freilich keine ernsthaften Zweifel an der für einen korrekten und fairen Prozess notwendigen Offenheit der mitwirkenden Gerichtspersonen hervorzurufen. Die vom Gesuchsteller kritisierten Formulierungen finden sich in zahlreichen (öffentlich zugänglichen) bundesgerichtlichen Urteilen und entsprechen dem Sprachgebrauch, wie er in (deutschsprachigen) Urteilsbegründungen schweizerischer Gerichte üblich ist. Von einer unnötig herabsetzenden Wirkung kann keine Rede sein. Im Übrigen vermittelt die Garantie eines unabhängigen und unparteiischen Gerichts keinen Anspruch darauf, dass eine Urteilsbegründung des Bundesgerichts nach den Vorgaben einer einförmigen, standardisierten Sprache abgefasst ist. Im Gegenteil könnte eine allzu starke Orientierung an Textbausteinen und Standardformulierungen auch den Eindruck vermitteln, dass sich das Bundesgericht nicht hinreichend mit dem konkreten Fall befasst (s. Urteil 5F_23/2021 vom 12. Januar 2022 E. 3.3).