Citation: 5C.261/2006 13.03.2007 E. 4

Die Beklagte stellt in ihrer Berufung in verschiedener Hinsicht Rückweisungsanträge und legt ihren Ausführungen mehrere neue bzw. nicht festgestellte Sachverhaltselemente zugrunde. 4.1 Sie bringt im Einzelnen vor, der nacheheliche Unterhalt der "zweiten Phase" (ab Wegfall des Kinderunterhalts bis zur Pensionierung des Klägers) von Fr. 1'000.-- diene, soweit das angefochtene Urteil richtig verstanden werde, dem Aufbau einer eigenen Vorsorge. Es fehlten aber die hierfür erforderlichen Abklärungen. So stehe nicht fest, ab wann ihr eine Vollzeitstelle zuzumuten sei. Sodann sei davon auszugehen, dass der Kläger bei einer Bank wie der Bank Z.________ mit 60 Jahren pensioniert werde. Gehe man von dieser Annahme und weiter davon aus, dass sie ab dem Jahr 2010 eine Vollzeitstelle innehabe, so stünden ihr zum Ausbau der beruflichen Vorsorge nicht die vorinstanzlich angenommenen vierzehn, sondern bloss sechs Jahre zur Verfügung. Zur Klärung dieser Fragen dränge sich eine Rückweisung an die Vorinstanz auf. 4.2 Das Kantonsgericht hat erwogen, beide Kinder hätten das sechzehnte Altersjahr überschritten, weshalb von dieser Seite einer Ausdehnung auf ein Vollzeitpensum nichts entgegenstehe. Auch die Tatsache, dass die Parteien seit Oktober 1999 getrennt lebten, spreche für die Zumutbarkeit, das Arbeitspensum aufzustocken. Im erstinstanzlichen Verfahren habe die Beklagte ein ärztliches Zeugnis vorgelegt, welches ihr eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. Vor dem Kantonsgericht habe sie jedoch ausgeführt, sie arbeite inzwischen wieder zu 50 bis 60 Prozent und ihr Gesundheitszustand habe sich gebessert. Sodann seien keine ehebedingten gesundheitlichen Nachteile ersichtlich, weshalb die Erhöhung des Pensums auf eine Vollzeitstelle nach einer gewissen Übergangszeit zuzumuten sei. 4.3 Aus den Erwägungen des Kantonsgerichts gehen umfassend die Gründe hervor, weshalb es die Ausdehnung auf eine Vollzeitstelle als zumutbar erachtet hat. Sodann ist klar, dass das Kantonsgericht von einer relativ raschen Ausdehnung ausgegangen ist, lässt doch die Ausdrucksweise der "gewissen Übergangszeit" auf eine Umstellungszeit von einigen Monaten schliessen. Inwiefern ihr die Ausdehnung in sachlicher oder zeitlicher Hinsicht nicht zuzumuten wäre, legt die Beklagte in der Berufung nicht dar, weshalb diese insofern unsubstanziiert bleibt. Der blosse Hinweis, sie habe im kantonalen Verfahren immer behauptet, zu einer Ausdehnung der Arbeitstätigkeit nicht in der Lage zu sein, reicht jedenfalls schon deshalb nicht aus aufzuzeigen, welcher Bundesrechtssatz und inwiefern dieser verletzt worden ist (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG), weil die Begründung in der Berufungsschrift selbst enthalten sein muss und der blosse Verweis auf kantonale Akten ungenügend ist (BGE 116 II 92 E. 2 S. 93 f.; 126 III 198 E. 1d S. 201). Eine Rückweisung betreffend die Fragen der Arbeitsfähigkeit und des Zeitraumes für die Ausdehnung der Arbeitstätigkeit ist somit entbehrlich. Nichts für ihren Standpunkt, die Sache sei zur Vervollständigung des Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückzuweisen, kann die Beklagte sodann mit der Behauptung gewinnen, das Kantonsgericht habe nicht dargelegt, wie es auf den angenommenen erzielbaren Monatslohn von Fr. 3'626.-- gekommen sei, ist doch offensichtlich, dass es den unter Verweis auf die erstinstanzlichen Feststellungen genannten Ausgangsbetrag von Fr. 1'813.-- (Seite 8 oben) verdoppelt hat. Soweit die Beklagte sinngemäss vorbringen will, dieser Betrag sei zu hoch, wendet sie sich gegen die kantonalen Sachverhaltsfeststellungen, die im Berufungsverfahren verbindlich sind (Art. 63 Abs. 2 OG) und wenn schon mit staatsrechtlicher Beschwerde wegen willkürlicher Beweiswürdigung hätten angefochten werden müssen. Was das angebliche Pensionsalter des Klägers von 60 Jahren anbelangt, versucht die Beklagte, ihren Ausführungen ein neues Sachverhaltselement zugrunde zu legen, was unzulässig ist (Art. 55 Abs. 1 lit. c und Art. 63 Abs. 2 OG). Das Kantonsgericht hat keine dahingehenden Feststellungen getroffen und die Beklagte ist selbst davon ausgegangen, dass der Kläger nach der Scheidung noch während 15 Jahren arbeitstätig sein kann (Appellationsantwort, S. 7). 4.4 Die Beklagte macht sodann geltend, das Kantonsgericht gehe offensichtlich davon aus, dass sie mit einer Verlängerung der "ersten Stufe" besser gestellt werde und deshalb in der "zweiten Stufe" eine Reduktion auf Fr. 1'000.-- hinzunehmen habe; in Tat und Wahrheit fahre sie aber mit der zweitinstanzlichen Lösung schlechter. Abgesehen davon, dass mit einem blossen Urteilsvergleich keine Bundesrechtsverletzung darzutun ist, übergeht die Beklagte, dass das Kantonsgericht im Gegensatz zur ersten Instanz berücksichtigt hat, dass der Kläger angesichts der aktuellen Situation an beide Kinder Mündigenunterhalt wird leisten müssen (das eine Kind besucht das Gymnasium, das andere die Fachmaturitätsschule). Es hat deshalb den nachehelichen Unterhalt auf einer anderen Basis als die erste Instanz berechnet, und es wird im Folgenden zu prüfen sein, ob das kantonsgerichtliche Urteil als solches vor Bundesrecht standhält.