Citation: 4A_32/2024 E. 5.5.3

5.5.3. Wie erwähnt ist vorliegend zweifelhaft, ob überhaupt davon ausgegangen werden kann, dass E.________ bzw. die Vermieterin das per Fax versandte Schreiben der Beschwerdegegner erhalten haben, zumal die Vorinstanz diesbezüglich eine unzulässige Vermutung hinsichtlich des Aktivitätenprotokolls des Faxgeräts eingeführt hat (vgl. hiervor E. 5.3.2). Der rechtzeitige Zugang des Faxes bei E.________ bzw. der Vermieterin ist aber eine notwendige Bedingung für die vorinstanzliche Eventualbegründung. Aber auch wenn man mit der Vorinstanz von einem rechtzeitigen Zugang des Faxes ausgehen möchte, trägt ihre Eventualbegründung nicht. Rechtsmissbrauch ist restriktiv anzunehmen (vgl. hiervor E. 5.5.2). Es gibt vorliegend keine Anhaltspunkte, dass den Beschwerdegegnern nicht bewusst war, dass die Kündigung nicht mittels Fax, sondern mittels per Post versandtem Schreiben zu erfolgen hatte. Ansonsten liesse sich denn auch nicht erklären, warum sie (verspätet) dennoch das Original des Kündigungsschreibens an E.________ bzw. die Vermieterin versandt haben. Nur weil die Vermieterin bzw. E.________ keine Zweifel betreffend die Authentizität der Unterschrift geäussert haben sollen, können die Beschwerdegegner nicht davon dispensiert sein, die gesetzlich vorgesehenen Formvorschriften innert der Kündigungsfrist einzuhalten. Hinzu kommt vorliegend, dass E.________ anlässlich des Telefongesprächs vom 29. März 2012 den Beschwerdegegnern (von diesen zugestanden) mitteilte, sein Faxgerät funktioniere manchmal nicht. Ob er gar mitteilte, sein Faxgerät funktioniere überhaupt nicht, ist nicht erstellt. Aber auch wenn er bloss mitgeteilt hat, sein Faxgerät funktioniere manchmal nicht, ist nicht ersichtlich und die Beschwerdegegner legen auch nicht hinreichend dar, weshalb sie ihm das Kündigungsschreiben dennoch per Fax zustellten. Allein aus dem Umstand, dass er den Beschwerdegegnern telefonisch seine Faxnummer mitteilte, durften diese jedenfalls nicht davon ausgehen, E.________ bzw. die Vermieterin akzeptiere oder wünsche gar eine Zustellung per Fax. Allein der Umstand, dass die Vermieterin auf die gesetzlich vorgesehene und auch vertraglich vereinbarte Formvorschrift für die Kündigung beharrt, begründet keine rechtsmissbräuchliche Berufung auf Formvorschriften. Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich zutreffend geltend, die Beschwerdegegner seien auch nicht "durch eine Schwierigkeit zur Rechtsausübung oder -durchsetzung betroffen." Falls die Beschwerdegegner erst im letzten Moment den definitiven Entschluss gefasst haben, das Mietverhältnis zu kündigen, hätten sie das eigenhändig unterzeichnete Kündigungsschreiben notfalls selbst oder durch einen Vertreter in den Herrschaftsbereich der Vermieterin bringen müssen, um frist- und formgerecht zu kündigen.