Citation: 6B_360/2021 E. 1.2

1.2. Die Vorinstanz hält insbesondere fest, dass die Tochter kurz nach der Einreise in die Schweiz erste Probleme mit der Nahrungsaufnahme gezeigt und häufig erbrochen habe. Der Vater habe nicht akzeptiert, dass sie wenig und langsam gegessen habe, weil er befürchtet habe, dass sie sonst nicht schön, gross und stark werde. Um sie zu zwingen, mehr und schneller zu essen und zu trinken, habe er Ende November 2017 begonnen, der Tochter mit Schlägen zu drohen und sie auch geschlagen. Teilweise habe er ihr den Mund durch Druck auf die Wangen geöffnet und ihr Nahrung mit einem Löffel zugeführt. Wenn sie hierauf habe erbrechen müssen, habe er sie mit Händen und Fäusten sowie mit Gürtel und Elektrokabel geschlagen und in Arme und Beine gekniffen. Solche Übergriffe seien regelmässig, mindestens mehrmals wöchentlich erfolgt. Einmal habe er sie mit Füssen gegen den Kopf getreten. Ausserdem habe er seine Tochter regelmässig mit militärischem Drill aufgefordert, Turnübungen zu machen, und dies auch mit Androhung und unter Anwendung von Gewalt erzwungen. Die Tochter habe zahlreiche über den ganzen Körper verteilte Hauteinblutungen, -unterblutungen und -verletzungen, Quetschungen und Schwellungen im Gesicht erlitten. Am 7. Januar 2018 habe er sie mit einem Wallholz ins Gesicht geschlagen und ihr das Nasenbein gebrochen. Die Eltern hätten keinen Arzt konsultiert und vorgeschlagene Arzttermine nicht eingehalten, obschon die Tochter ab einem gewissen Zeitpunkt fast täglich oder sogar mehrmals täglich erbrochen habe. Die Tochter habe jeweils voller Angst auf den Vater gewartet. Die Beschwerdeführerin sei ihre einzige Bezugsperson gewesen und habe von den zahlreichen Misshandlungen durch den Vater gewusst und sich während dessen Übergriffen - ausser während eines Spitalaufenthaltes vom 6. bis zum 10. Januar 2018 - in der Wohnung befunden, ohne irgend etwas dagegen unternommen zu haben. Weiter erwägt die Vorinstanz, neben den als Folter zu bezeichnenden Misshandlungen der Tochter müssten auch deren körperliche Veränderungen aufgrund des wiederholten Erbrechens berücksichtigt werden. Dieses sei klar fremdverschuldet und habe zu Veränderungen respektive Verletzungen der Speiseröhre geführt. Die durch körperliche Züchtigungen erfolgten Verletzungen und die damit einhergehenden psychischen Folgen seien in ihrer Gesamtheit als schwere Körperverletzung zu würdigen. Schon weniger massive Misshandlungen könnten zu schweren psychischen Langzeitfolgen führen. Es müsse angenommen werden, dass die intensiven Misshandlungen bei einem siebenjährigen Kind zu Persönlichkeitsveränderungen und schweren Langzeitfolgen führen. Die Beschwerdeführerin habe denn auch bereits verhaltensverändernde Ängste der Tochter geschildert. Diese habe weder mit ihrer Mutter noch mit sonst jemandem darüber sprechen können und gegenüber Dritten über die Verletzungen gar lügen müssen, was künftige schwere psychische Folgen begünstigt haben dürfte. Das Kind habe in einem grossen inneren Konflikt gestanden, als es trotz der grausamen Behandlung nach aussen das Bild einer liebenswerten Familie habe abgeben müssen, den Vater und Peiniger angelächelt und umarmt habe und sich wohl in manchen Momenten bei den Eltern als einzige enge Bezugspersonen wohlgefühlt habe.