Citation: 1C_66/2022 E. 3.3

3.3. Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz habe Art. 27 RPG verletzt, weil sie in unhaltbarer und damit willkürlicher Weise angenommen habe, die streitbetroffene Baubewilligung sei mit der Planungszone vereinbar. Zur Begründung bringen sie zusammengefasst vor, eine während der Geltung der Planungszone unzulässige Erschwerung der Planung liege bereits vor, wenn der Ermessensspielraum der Planungsbehörden eingeschränkt würde. Vorliegend solle die künftige Planung die Bauzonen der Gemeinde Vaz/Obervaz so reduzieren, dass sie den mutmasslichen Bedarf der nächsten 15 Jahre nicht übersteigen würden. Da nach den (kantonalen) Prognosen tendenziell von einem Rückgang der Bevölkerung der Gemeinde Vaz/Obervaz auszugehen sei, dürfte diese grundsätzlich keine Bauzonenreserven aufweisen. Zwar gestehe der KRIP-S jeder Gemeinde mit stagnierender oder abnehmenden Bevölkerung eine angemessene Baulandreserve zu, die für die Fraktion Valbella mit rund 500 Einwohnern höchstens fünf Bauplätze betragen dürfe. Mit der streitbetroffenen Baubewilligung würde einer dieser Bauplätze "vergeben", womit der Entscheidungsspielraum in Bezug auf die Auswahl der zulässigen Baulandreserven eingeschränkt werde. Dies werde dadurch bestätigt, dass der Gemeindevorstand für die Fraktion Valbella im KRL drei strategische Entwicklungsgebiete festgelegt habe, die besser erschlossen seien als die Bauparzelle und bereits mehr als fünf Bauplätze umfassten. Durch die Erteilung der Baubewilligung würde die weitere Überbauung der strategischen Entwicklungsgebiete zumindest teilweise verunmöglicht und damit das entsprechende Planungsermessen eingeschränkt. Da das übergeordnete Recht der Gemeinde Vaz/Obervaz nur eine sehr reduzierte Baulandreserve zugestehe, seien bezüglich des Ausschlusses der Rückzonung der Bauparzelle an die "konkretisierte Planungsabsicht" des Gemeindevorstands (hohe) Anforderungen zu stellen. Diese Anforderungen habe die Vorinstanz willkürlich tief angesetzt. Soweit sie auf vom Gemeindevorstand im August 2021 getroffene Entscheide hinsichtlich der Nutzungsplanung hinweise, lasse sie ausser Acht, dass diese Entscheide nicht öffentlich bekannt gegeben worden seien und ihnen daher jede Verbindlichkeit fehle. Auch das KRL könne nicht als "schon stark konkretisierte" Planung qualifiziert werden, weil es in Bezug auf mögliche Auszonungen weder für die Behörden noch für die Grundeigentümer verbindlich sei. So würden die Nutzungspläne vom Gemeinderat als kommunales Parlament beschlossen und vom Gemeindevorstand nur vorbereitet. Zudem bedürfe die Ortsplanung der Genehmigung der Kantonsregierung. Dass das am 14. Mai 2020 beschlossene KRL die Bauparzelle nicht als Gebiet mit Auszonungspotenzial ausweise, bedeute nicht, dass die Nichtauszonung von der Kantonsregierung genehmigt werde. Dies hänge davon ab, wieviel Baulandreserven die Ortsplanung für die Fraktion Valbella vorsehe. Dabei sei zu berücksichtigen, dass das KRL allgemein davon ausgehe, dass die Reduktion der Bauzone in der Regel an peripheren Lagen zu erfolgen habe, welche für die angestrebte Siedlungsentwicklung nicht von strategischer Bedeutung seien (S. 29). Gemäss diesen Grundsätzen komme der Bauparzelle Rückzonungspotenzial zu, da die im KRL in der Fraktion Valbella aufgezeigten strategischen Entwicklungsgebiete zentraler gelegen und besser erschlossen seien als die Bauparzelle. Diese liege am Rand des überbaubaren Gebiets, da entlang ihrer nordwestlichen und südwestlichen Grenze gemäss dem Generellen Gestaltungsplan ein Hochbauverbot gelte.Zudem sollten gemäss dem KRL insbesondere von einer Wintersportzone überlagertes Bauland zurückgezont werden, was für die Bauparzelle zutreffe. Das Bundesgericht habe (daher) die Bauparzelle im Urteil 1C_646/2018 als peripher gelegen bezeichnet.