Citation: 7B_151/2022 E. 2.4

2.4. Die Vorinstanz unterteilt das Geschehen in drei Abschnitte - Messereinsatz, Würgen, Wurf auf die Fahrräder - und nimmt für jeden davon eine selbstständige Würdigung vor, bevor sie aufgrund der Gesamtumstände auf eine (einfache) eventualvorsätzliche Tötung schliesst. Entscheidend ist somit, ob der Beschwerdeführer angesichts des Gesamtgeschehens von der Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung wusste - was nicht bestritten ist - und ob er diese in Kauf genommen hat. Die Vorinstanz bejaht dies im Ergebnis zu Recht (zur Würdigung mehrerer unmittelbar aufeinanderfolgender Angriffe als Gesamtgeschehen siehe etwa Urteile 6B_1203/2021 vom 12. Januar 2022 E. 2.4; 6B_1146/2018 vom 8. November 2019 E. 4.3). Beginnend mit dem Messereinsatz erwägt sie, am Hals der Beschwerdegegnerin 2 hätten zwar keine Verletzungen bzw. Schürfungen festgestellt werden können. Es habe sich jedoch um ein relativ dynamisches Geschehen gehandelt, bei dem der Beschwerdeführer das Abwehrverhalten der Beschwerdegegnerin 2 nicht habe voraussehen und seine eigenen Bewegungen nur noch sehr begrenzt habe steuern können. Insbesondere habe neben der Intoxikation mit Kokain eine substanzielle Alkoholisierung vorgelegen (Blutalkoholkonzentration zum Tatzeitpunkt maximal 1.89 o/oo), weshalb laut forensisch-toxikologischem Gutachten vom 12. November 2019 von einer mindestens mittelgradig eingeschränkten Steuerungsfähigkeit auszugehen sei. Darüber hinaus habe er gemäss den Schilderungen der Beschwerdegegnerin 2 am Tatabend "unmenschlich" auf sie gewirkt; sie habe ihn zuvor noch nie in einem solchen Zustand gesehen, was "richtig Angst gemacht" habe; man sei nicht an ihn herangekommen und er sei voller Aggressionen gewesen. Der Beschwerdeführer selber habe beschrieben, in einem "Delirium" gewesen zu sein und explizit eingeräumt, aufgrund des Alkohols gar nicht das Feingefühl gehabt zu haben, eine Verletzung am Hals der Beschwerdegegnerin 2 zu verhindern. Vor diesem Hintergrund scheine es rein zufällig, dass er ihr "bloss" die stumpfe Seite des Messers an den Hals gehalten habe und dass weder er noch das Opfer abrupte Bewegungen gemacht hätten, die in der Halsregion zu fatalen, tödlichen Schnittverletzungen führten. Unbehelflich ist in diesem Zusammenhang der Einwand des Beschwerdeführers, für die Beschwerdegegnerin 2 habe gar nie eine Gefahr bestanden, da nur die stumpfe Seite des Messers ihren Hals berührte. Zum einen schreibt dies die Vorinstanz ohne in Willkür zu verfallen einzig dem Zufall zu, zum anderen hätte es offensichtlich nur einer einfachen, raschen Bewegung seinerseits bedurft, um das Messer zu drehen. Gegen die Annahme von Eventualvorsatz spricht in dieser Phase des Geschehens einzig der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin 2 dem Beschwerdeführer das Messer selber abnehmen konnte und gewisse Abwehrmöglichkeiten somit noch erhalten waren. Diesem Umstand kommt aber im Gesamtgeschehen, wie nachfolgend gezeigt wird, im Ergebnis nur untergeordnete Bedeutung zu. Da es auf die Gesamtumstände und nicht auf eine isolierte Würdigung der einzelnen Handlungen ankommt, kann der Beschwerdeführer auch aus dem angerufenen Urteil 6S.454/2004 vom 21. März 2006, in dem beim Halten einer Messerklinge am Hals ohne darauffolgende Verletzungen auf Gefährdung des Lebens erkannt wurde, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Offenbleiben kann sodann, ob die Vorinstanz im Zusammenhang mit dem Messereinsatz zu Recht eine unmittelbare Lebensgefahr annimmt. Denn diese Frage ist insofern unerheblich, als ein Versuch in einer früheren oder fortgeschritteneren Phase enden kann und die Annahme einer versuchten Tötung daher keine unmittelbare Lebensgefahr voraussetzt (vgl. Urteil 6B_536/2021 vom 2. November 2022 E. 2.5 mit Hinweis; ferner Urteil 6B_73/2015 vom 25. November 2015 E. 1.3.3). Der darauffolgende Griff an den Hals hat gemäss den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz ebenfalls keine objektiv feststellbaren Spuren oder Verletzungen bei der Beschwerdegegnerin 2 hinterlassen. Die Vorinstanz schreibt dazu, solche seien laut gutachterlicher Stellungnahme auch nicht zwingend zu erwarten. Die "erhebliche Intensität des Würgevorgangs" folgert sie stattdessen in einem ersten Schritt aus den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2: Das von dieser beschriebene Gefühl zu sterben ("Ich dachte jetzt ist fertig", "Ich habe dort in diesem Moment gedacht, jetzt ist es vorbei"), das empfundene Abdrücken der Luftzufuhr ("Ich weiss, dass es mir die Luft abgestellt hat") sowie die relativ lange nach dem Vorfall andauernden Schmerzen am Hals und beim Schlucken liessen auch ohne äusserlich feststellbare Anzeichen auf eine relevante Halskompression schliessen. Abgesehen davon habe der Beschwerdeführer selbst bestätigt, die Beschwerdegegnerin 2 "schon fest" am Hals gepackt zu haben. Die Stärke des Würgegriffs werde letztlich auch anhand des Geschehensablaufs deutlich: Der Beschwerdeführer habe das Opfer am Hals aufgehoben und gegen die Fahrräder geworfen, was nur mit einem starken Würgegriff möglich sei. Da es bei einer derartigen Gewalteinwirkung nur wenig an zusätzlicher Kompression bedürfe, um den sofortigen Tod des Opfers zu bewirken, sei es einzig dem Zufall zu verdanken, dass die Beschwerdegegnerin 2 mit dem Leben davongekommen sei. Zum dritten Sachverhaltselement, dem Wurf auf die Fahrräder, führt die Vorinstanz aus, die Beschwerdegegnerin 2 sei wegen der dadurch verursachten Rückenschmerzen noch über ein Jahr nach dem Vorfall in Behandlung gewesen. Der Wurf wäre deshalb durchaus geeignet gewesen, lebensgefährliche Verletzungen zu verursachen. Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, als die Vorinstanz die Intensität des Würgegriffs nicht mit objektiven Befunden zu untermauern vermag und letztlich eine subjektive Wertung vornimmt, was insbesondere bezüglich der Bejahung einer unmittelbaren Lebensgefahr nicht unproblematisch ist (zur unmittelbaren Lebensgefahr bei Würgevorfällen siehe Urteil 6B_1258/2020 vom 12. November 2021 E. 1.4 mit Hinweisen). Auch vermag es nicht restlos zu überzeugen, wenn sie von den beim Sturz auf die Fahrräder erlittenen Rückenschmerzen auf die Möglichkeit lebensgefährlicher Verletzungen erkennt. Selbst die willkürliche Würdigung einzelner Indizien führt indes nicht zwingend zur Aufhebung des angefochtenen Urteils durch das Bundesgericht. Die Beschwerde ist nur gutzuheissen, wenn der Entscheid auch bei objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses offensichtlich unhaltbar und damit willkürlich ist (Urteile 6B_412/2022 vom 10. Oktober 2022 E. 2.3; 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.4., nicht publ. in: BGE 147 IV 176; je mit Hinweisen). Solches zeigt der Beschwerdeführer nicht auf. Es ist unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz in einer Gesamtbetrachtung der drei Sachverhaltselemente auf eine Inkaufnahme des Tötungserfolgs schliesst. Begründen lässt sich dies zunächst anhand des Ablaufs des Vorfalls: Als die Beschwerdegegnerin 2 dem Beschwerdeführer in der ersten Phase der Auseinandersetzung das Messer abnehmen konnte, brach er seine Aggressionshandlungen nicht etwa ab, sondern ging zu einem weiteren - von der Vorinstanz als "klassische Tötungshandlung" bezeichneten - Angriff durch Würgen über. Diesen beendete er dadurch, dass er die Beschwerdegegnerin 2 am Hals gepackt gewaltsam von sich wegwarf. Sein Vorhaben gab er in der Folge auch dann nicht auf, als ihr die Flucht gelang, sondern erst beim Eintreffen der Polizei, was die Vorinstanz zutreffend als Indiz für Eventualvorsatz wertet (vgl. Urteile 6B_915/2021 vom 26. Januar 2022 E. 3.5.3; 6B_924/2017 vom 14. März 2018 E. 1.4.3). Sie verfällt sodann nicht in Willkür, wenn sie davon ausgeht, der Beschwerdeführer habe den Messereinsatz und die Intensität des Würgegriffs aufgrund seiner Angetriebenheit und dem Drogen- und Alkoholeinfluss nicht mehr steuern, kontrollieren bzw. dosieren können. Hängt der Erfolgseintritt letztlich vom Zufall und nicht vom Einfluss des Täters ab, ist dies als starkes Indiz für seine Inkaufnahme zu werten (siehe E. 2.3.5 oben). Bei der Annahme von Eventualtötungsvorsatz sieht sich die Vorinstanz sodann zu Recht darin bestärkt, dass der Beschwerdeführer bereits in der Vergangenheit Todesdrohungen gegen die Beschwerdegegnerin 2 geäussert und diese am Tatabend explizit wiederholt hat (vgl. Urteile 6B_915/2021 vom 26. Januar 2022 E. 3.5.3; 6B_1177/2018 vom 9. Januar 2019 E. 1.6). Ferner sprechen nach dem Dafürhalten der Vorinstanz die vom Beschwerdeführer beschriebenen Beweggründe für einen Eventualtötungsvorsatz. So habe er die Trennung von der Beschwerdegegnerin 2, seinen Frust und seine Eifersucht nicht verarbeiten können und seine Wut, auch über seine starke Drogensucht und die generelle Abwärtsspirale, auf sie übertragen. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt - das Ziel seiner Aggression sei einzig der neue Partner seiner Ex-Freundin gewesen -, erschöpft sich in appellatorischer Kritik, mit der er vor Bundesgericht nicht zu hören ist. Da der Beschwerdeführer nach der willkürfreien Einschätzung der Vorinstanz nicht mehr auf ein Ausbleiben des Todeseintritts vertrauen konnte, sondern dies vielmehr dem Zufall überliess, brauchte die Vorinstanz trotz Bejahung einer unmittelbaren Lebensgefahr darüber hinaus keine nähere Abgrenzung zum Tatbestand der Gefährdung des Lebens vorzunehmen. Alles in allem ist mit der Vorinstanz von Eventualvorsatz auszugehen, womit der Schuldspruch wegen versuchter Tötung kein Bundesrecht verletzt.