Citation: I 232/04 10.01.2005 E. 6

Die montenegrinische Invalidenversicherungskommission und Ärzte haben eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (und Invalidität) der Versicherten ab 29. September 1989 angenommen, wobei sämtliche therapeutischen Massnahmen gescheitert seien (physikalische ambulante und stationäre Therapie; Psychotherapie mit Medikamentenabgabe; vgl. insbesondere Berichte des Dr. med. J.________ vom 20. Februar 2002 und des Dr. med. M.________ vom 29. Juli 2003). Gemäss Angaben des Dr. med. J.________ im Bericht vom 20. Februar 2002 verschlimmert sich die Krankheitssymptomatik. Keiner der Ärzte der IV-Stelle legt plausibel dar, weshalb die Einschätzung der montenegrinischen Mediziner unrichtig ist. Sie beschränken sich im Wesentlichen auf die Aussage, dass angesichts der Diagnosen und der dafür bestehenden, möglichen Therapien kein relevanter Gesundheitsschaden vorliege. Sodann führt Frau Dr. med. L.________ das psychische Leiden vor allem auf psychoökonomische Gründe zurück. Dem Bericht des Neuropsychiaters Dr. med. M.________ vom 29. Juli 2003 ist zu entnehmen, dass dieser Arzt die Depression im Rahmen der klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), der Weltgesundheitsorganisation (WHO; vgl. Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2000, S. 147 f.) beschrieb, wonach eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, vorliegen müsse (ICD-10 F33.3). Zwar bestand gemäss Dr. med. M.________ die psychotische Symptomatik im Wesentlichen in einem Verarmungswahn. Daraus kann indessen nicht zwingend geschlossen werden, dass das psychische Krankheitsbild von der drückenden Armut, worüber sich die Versicherte mehrere Male geäussert hat, massgeblich bestimmt wird. Wenn auch die schwierige ökonomische Lage neben den multiplen körperlichen Leiden als die psychische Krankheit auslösender und mitprägender Faktor angesehen wird, so heisst dies nicht, dass das klinische Beschwerdebild einzig in Beeinträchtigungen besteht, welche von belastenden psychosozialen Faktoren herrühren. Die Befunde des Dr. med. M.________ (in sich zurückgezogen; kommuniziert nur mit der Familie; ohne Willenskraft; Verlust von Appetit und Körpergewicht; Insomnie; Angstattacken gefolgt von vegetativen Störungen; Angst für Familie und ihre eigene Gesundheit) und die gestellte Diagnose sind zumindest Indizien für eine von depressiven Verstimmungszuständen und körperlicher Symptomatik unterscheidbare, seit längerer Zeit andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne, welche chronifiziert und therapieresistent sein und einen Schweregrad aufweisen könnten, der eine erhebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hat. Die Behandelbarkeit einer psychischen Störung sagt, für sich allein betrachtet, nichts über deren invalidisierenden Charakter aus (BGE 127 V 297 f. Erw. 4b/cc und 4c). Auf Grund der Akten kann nicht zuverlässig beurteilt werden, ob dem psychischen Leiden gegenüber der psychosozialen Belastungssituation eine selbstständige Bedeutung und (teil-)invalidisierende Krankheitswertigkeit zukommt. Nicht geklärt ist zudem, ob die depressive Symptomatik als reaktiv zu den körperlichen Beschwerden zu verstehen ist oder ob eine erhebliche Komorbidität vorliegt. Sodann kann auch die Frage nicht beantwortet werden, ob und inwiefern der Versicherten mit Blick auf vorhandene psychische Ressourcen die Haushaltführung und/oder eine ausserhäusliche Arbeitstätigkeit objektiv möglich und zumutbar wäre. Schliesslich ist hinsichtlich der körperlichen Leiden nicht klar, inwieweit sie sich im Einzelnen auf die Leistungsfähigkeit (in Haushalt und/oder Beruf) auswirken. Nach dem Gesagten ermöglichen die Stellungnahmen der verwaltungsinternen Ärzte zur Arbeitsfähigkeit in Haushalt und Beruf keine abschliessende Beurteilung. Damit erweisen sich weitere Abklärungen nicht nur zum Erwerbsstatus (vgl. Erw. 4), sondern auch hinsichtlich des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit als unumgänglich. Angesichts der Vielfalt der Beschwerden, der Komplexität des möglichen psychischen Gesundheitsschadens und der sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten kommt am ehesten eine interdisziplinäre Begutachtung durch eine Medizinische Abklärungsstelle in der Schweiz in Frage.