Citation: 8C_103/2007 17.08.2007 E. 3

Streitig und zu prüfen ist, ob die vom Beschwerdeführer im Zeitpunkt der von der SUVA verfügten Einstellung der Leistungen per 1. September 2005 geklagten Beschwerden noch in einem rechtserheblichen Kausalzusammenhang mit dem versicherten Unfall standen. 3.1 Beim Unfall vom 4. Dezember 2004 handelte es sich um eine frontale Kollision mit einem entgegenkommenden, auf die Gegenfahrbahn geratenen Personenwagen. Dabei hat der Beschwerdeführer kein eigentliches Schleudertrauma (Peitschenhiebverletzung, Whiplash-injury), u.a. jedoch eine Distorsion der HWS erlitten. Fraglich ist, ob diese im Sinne der Rechtsprechung als schleudertraumaähnliche Verletzung der HWS zu qualifizieren ist. Diesbezüglich geht aus den Akten hervor, dass das typische Beschwerdebild nach solchen Verletzungen (BGE 117 V 359 E. 4b S. 360) im Anschluss an den Unfall höchstens teilweise vorhanden war. Im Bericht des Spitals X.________ vom 13. Dezember 2004 und dem Arztzeugnis UVG dieses Spitals vom 20. Dezember 2004 werden diskrete Beschwerden bei freier Beweglichkeit der HWS genannt. Röntgenologische und neurologische Untersuchungen ergaben unauffällige Befunde. Im "Erhebungsblatt für die Abklärung von HWS-Fällen" vom 4. Januar 2005 erwähnte der Versicherte neben Thorax- und Rückenbeschwerden auch Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen, wobei er angab, die Beschwerden seien unmittelbar nach dem Unfall aufgetreten. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 21. Januar 2005 waren die Beschwerden deutlich zurückgegangen; der Versicherte klagte indessen noch über einen Dauerschmerz im Bereich des Nackens und des Hinterhauptes rechts mit Ausstrahlungen bis in die Kreuzregion bei Ermüdung. Am 16. März 2005 gab er an, er leide an dauernden Rückenschmerzen, insbesondere im Nacken und im mittleren Rückenbereich, bei längerem Sitzen auch an der unteren Wirbelsäule, zudem an Kopfschmerzen, welche vom Nacken her bis in die Stirne ausstrahlten; sowohl die Kopf- als auch die Rückenschmerzen verstärkten sich bei körperlichen Anstrengungen. Ähnliche Angaben machte er während der stationären Abklärung und Behandlung in der Rehaklinik Z.________. Im Austrittsbericht dieser Klinik vom 3. Juni 2005 wird ausgeführt, bis auf eine subjektive Restschmerzsymptomatik im Nacken- und Hinterkopfbereich sowie thorako-lumbal seien keine direkten Unfallfolgen mehr feststellbar. Hinweise auf andere zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertraumen oder schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS gehörende Symptome lassen sich den Akten nicht entnehmen. Insgesamt ist daher fraglich, ob der Versicherte beim Unfall vom 4. Dezember 2004 eine schleudertraumaähnliche Verletzung der HWS erlitten hat. Wie es sich damit verhält, kann indessen offen bleiben, wie sich aus dem Folgenden ergibt. 3.2 Im Erhebungsblatt vom 4. Januar 2005 gab der Versicherte auch einen Kopfanprall an und stellte fest, die Nase habe geblutet; des Weiteren erwähnte er einen kurzen Bewusstseinsverlust. In der Beschwerde wird daraus auf eine mögliche hirnorganische Schädigung geschlossen und die Anordnung einer neuropsychologischen Untersuchung beantragt. Dazu besteht indessen kein Anlass. Abgesehen davon, dass im Personenwagen des Beschwerdeführers beim Zusammenstoss der Airbag ausgelöst wurde, womit der Kopfanprall gemildert wurde, wird in keinem der in den Akten enthaltenen Arztberichte eine Commotio cerebri auch nur in Betracht gezogen. Es wurden seitens der untersuchenden Ärzte denn auch keine Anzeichen für abklärungsbedürftige neuropsychologische Funktionsstörungen festgestellt. Ohne dass es weiterer Abklärungen bedürfte, ist das Vorliegen eines relevanten Schädel-Hirntraumas (BGE 117 V 369 ff.) daher zu verneinen. 3.3 Bereits im Bericht des Neurologen Dr. med. E.________ vom 1. März 2005 wurden deutliche Zeichen einer Chronifizierung der Beschwerden sowie eine Tendenz zur Symptomausweitung festgestellt. Im Hinblick auf die vom Versicherten angegebenen Symptome (Albträume, Flash-backs) wurde eine posttraumatische Belastungsstörung in Betracht gezogen und eine stationäre Abklärung in einer somatisch-psychosomatisch orientierten Klinik empfohlen. Das im Rahmen der stationären Abklärung und Behandlung in der Rehaklinik Z.________ erfolgte psychosomatische Konsilium durch Dr. med. K.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13. April 2005 führte zur Diagnose: "auffälliges, abnormes, ausgeprägtes Krankheitsverhalten mit Verdeutlichungstendenz; Eindruck einer starken Somatisierungstendenz (ICD-10 F45.1)". Im Vordergrund stehe ein hochauffälliges abnormes Krankheitsverhalten. Ein eigentliches depressives Syndrom lasse sich nicht abgrenzen oder identifizieren. Auch sei die Befundlage unzureichend, um das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung zu diagnostizieren. Das aktuelle Bild sei vor allem durch das abnorme Krankheitsverhalten und die Verdeutlichungstendenz geprägt. Ferner bestehe in ausgeprägtem Ausmass eine Selbstlimitierung (Bericht vom 14. April 2005). Den Akten ist des Weiteren zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer am 14. Dezember 2005 an die Fachstelle C._________ für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie gewendet hat, und auf deren Einweisung hin vom 30. November - 21. Dezember 2005 auf der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtbehandlung A.________ hospitalisiert war. Im Austrittsbericht der Klinik vom 21. Dezember 2005 wurden aus psychiatrischer Sicht die Hauptdiagnose einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen und Suizidalität (ICD-10 F32.3) und die Nebendiagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) gestellt. Die Nebendiagnose wurde nach einer weiteren stationären Behandlung vom 13. Februar - 10. März 2006 insofern relativiert, als lediglich noch der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung geäussert wurde. Das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung kann daher nicht als überwiegend wahrscheinlich betrachtet werden. Dagegen sprechen auch die diagnostischen Leitlinien der ICD-10. Danach soll eine solche Störung nur diagnostiziert werden, wenn sie innerhalb von sechs Monaten nach einem traumatisierenden Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere aufgetreten ist. Eine "wahrscheinliche" Diagnose kann allerdings auch dann gestellt werden, wenn der Abstand zwischen dem Ereignis und dem Beginn der Störung mehr als sechs Monate beträgt, sofern die klinischen Merkmale typisch sind und keine andere Diagnose (wie Angst- oder Zwangsstörung oder depressive Episode) gestellt werden kann (Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Richtlinien, 5. Aufl. S. 170). Im Lichte dieser Richtlinien und angesichts der als Hauptdiagnose festgestellten schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3) ist in der Tat fraglich, ob die von der Klinik A.________ anfänglich gestellte Nebendiagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung zutreffend war, was die nachträgliche Relativierung der Diagnose zu erklären vermag. Ungeachtet der Diagnose, welche keiner weiteren Abklärungen bedarf, lagen im Zeitpunkt der Leistungseinstellung indessen psychische Beeinträchtigungen vor, welche zumindest im Sinne einer Teilkausalität auf den Unfall zurückzuführen sind, was zur Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt (BGE 119 V 335 E. 1 S. 338 mit Hinweis).