Citation: 5A_763/2018 E. 6.3.4

6.3.4. Schliesslich wenden die Klägerinnen ein, negative Tatsachen, nämlich die Nichterteilung einer Vollmacht oder die Nichtkommunikation mit Juwelier T.________, liessen sich nicht beweisen, weshalb in solchen Fällen der Gegenpartei der Beweis des positiven Gegenteils obliege. Das habe das Obergericht verkannt. Lehre und Rechtsprechung unterscheiden zwischen bestimmten und unbestimmten Negativa (vgl. BGE 100 Ia 12 E. 4a; Walter, a.a.O., N. 336 ff. zu Art. 8 ZGB, mit Hinweisen; JUNGO, a.a.O., N. 305 f. zu Art. 8 ZGB) : Bestimmte Negativa lassen sich durch den Beweis positiver Sachumstände so eng einkreisen, dass das Gericht auf ihr Fehlen mit dem erforderlichen Überzeugungsgrad schliessen kann. Diese Umstände nachzuweisen ist dem Behauptenden möglich und zumutbar. Als unbestimmte Negativa gelten Tatsachen, welche im Regelfall wegen der Vielzahl und Dichte darzulegender positiver Sachumstände nicht stringent zu beweisen sind, namentlich wenn sie zeitlich gedehnt oder in multipler Weise zu verwirklichen sind (z.B. dauerhaft fehlendes Interesse des Berechtigten an einer Dienstbarkeit [Art. 736 ZGB]). Selbst bei unbestimmten Negativa hat das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung - entgegen von in der Lehre teilweise vertretenen Auffassungen (vgl. dazu Walter, a.a.O., N. 342 zu Art. 8 ZGB, und die dort verwiesene Literatur) - nicht auf eine Umkehr der Beweislast erkannt. Es hat vielmehr aus dem Gebot des Handelns nach Treu und Glauben eine Mitwirkungspflicht des Prozessgegners abgeleitet (BGE 133 V 205 E. 5.5). Diesem Grundsatz zufolge darf das Gericht die unterlassene Mitwirkung des Letzteren als Indiz für den Nichtbestand der behaupteten Tatsache würdigen (BGE 102 III 165 E. II.2.c; JUNGO, a.a.O., N. 302 f. zu Art. 8 ZGB). Die von den Klägerinnen in diesem Zusammenhang angeführten Tatsachen sind bestimmte Negativa. Mit form- und fristgerecht gestellten Beweisanträgen wäre es ihnen möglich gewesen, die behaupteterweise fehlenden Tatsachen mittels positiver Sachumstände derart einzukreisen, dass die kantonalen Instanzen auf ihr Fehlen hätten schliessen müssen. Die Klägerinnen behaupten indes nicht und zeigen nicht auf, welche Beweisanträge sie form- und fristgerecht zur Frage der vom Erblasser erteilten (oder nicht erteilten) Vollmachten und/oder zur Frage, wer mit Juwelier T.________ kommuniziert hat oder nicht, gestellt haben. Damit kommen die Klägerinnen auch in dieser Hinsicht ihrer Begründungspflicht nicht nach.