Citation: I 335/01 19.04.2002 E. 3

3.- Dies führt zur Frage, ob der Beschwerdegegner im Rahmen der ohne zusätzliche berufliche Umschulung noch zumutbaren Verdienstmöglichkeiten eine gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse von mindestens 20 % erleidet und somit die Erheblichkeitsschwelle bezüglich des Anspruchs auf Umschulung erreicht ist (vgl. AHI 2000 S. 27 Erw. 2b und S. 62, Erw. 1 hievor). a) Nach ärztlicher Einschätzung, von welcher abzuweichen kein Anlass besteht, liegt für die Arbeit als Betriebsassistent eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit vor, sofern die Tätigkeit überwiegend sitzend ausgeführt werden kann und keine schweren Lasten über 15 kg zu heben sind. Dies deckt sich mit der subjektiven Sicht des Versicherten bezüglich seiner ausgeübten Arbeit bei der Restauration D.________, wofür er sich auch nach dem Unfall voll arbeitsfähig hielt. Zudem bewarb er sich unter anderem weiterhin um Stellen als Betriebsassistent. Ab Februar 1996 hatte er eine solche als Betriebsleiter-Assistent beim Restaurant E.________ auch wieder inne, welche ihm nach einem Monat aber aus betriebswirtschaftlichen Gründen und nicht aufgrund seiner Lese-Rechtschreib-Schwäche, wieder gekündigt wurde. Seit 1. Mai 1996 arbeitete der Beschwerdegegner als Bürohilfe, mit Buchhaltungs- und Lohnabrechnungsaufgaben, bei der Firma F.________ für 2 bis 3 Stunden täglich. b) Bezüglich der quantitativen Erheblichkeitsschwelle ist von seinem im Jahr 1999 erzielten Verdienst als Betreuer in Ausbildung auszugehen, welcher bei einem 100 % Pensum Fr. 4932. 45 monatlich beträgt. Gemäss Angaben der Restauration D.________ hätte der Versicherte im Jahr 1996 Fr. 5114.- im Monat verdient. Angepasst an die Nominallohnentwicklung im Gastgewerbe bis zum Jahr 1999 (1997: 0,3 %; 1998: 0,7 %; 1999: 0,4 %; Die Volkswirtschaft 10/2001 S. 101 Tabelle B 10.2), resultiert ein Einkommen von Fr. 5185. 90 (Fr. 5114.- + Fr. 71.90). Demnach ist die quantitative Erheblichkeitsschwelle der invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse von 20 % nicht erreicht. c) Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ist in erster Linie auf die vorgängig miteinander verglichenen Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf (oder in einer dem Versicherten zumutbaren Tätigkeit) abzustellen. Dabei ist jedoch der Anspruch auf Umschulungsmassnahmen nicht im Sinne einer Momentaufnahme ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkommensvergleichs abhängig zu machen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzunehmenden Prognose, unter Berücksichtigung der gesamten Umstände, nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen (BGE 124 V 108, 110 V 102 Erw. 2). Dem Beschwerdegegner ist insoweit zuzustimmen, als die erwerblichen Möglichkeiten bei einer gelernten Tätigkeit besser einzustufen sind als bei einem angelernten Beruf. Vor dem Unfall arbeitete er jedoch nicht als Kellner oder Koch, sondern bei der Restauration D.________ - im Rahmen der Funktion eines Betriebsassistenten - als Begleitperson auf Extraschiffen und als Bürohilfe. In dieser (ungelernten) Funktion könnte er auch weiterhin tätig sein. Hinsichtlich des qualitativen Aspektes resultiert demnach in prognostischer Hinsicht, unter Einbezug der Tätigkeit als Betreuer im Behindertenbereich, wofür gemäss Vorbringen des Beschwerdeführers auch längerfristig keine spezielle Qualifikation verlangt wird, keine invaliditätsbedingte Schlechterstellung der erwerblichen Möglichkeiten. d) Gestützt darauf ist nicht ersichtlich, inwieweit berufliche Umschulungsmassnahmen hier eingliederungswirksam wären, mithin zu einer wesentlichen Verbesserung der Verdienstmöglichkeiten beizutragen oder vor Verlust der noch vorhandenen 100 %igen Erwerbsfähigkeit zu schützen vermöchten. Mit der beantragten Umschulung kann kein Eingliederungsziel im Sinne von Art. 17 AVIG erreicht werden, welches an eine invaliditätsbedingte Notwendigkeit im Sinne einer bestehenden oder unmittelbar drohenden Invalidität, gebunden ist. Der Versicherte ist als angemessen eingegliedert anzusehen, weshalb kein Anspruch auf die beantragten Umschulungsmassnahmen besteht.