Citation: 2A.744/2005 03.04.2006 E. 3

3.1 Zweck des so genannten Familiennachzugs ist es, das Leben in der Familiengemeinschaft zu ermöglichen. Nach der Rechtsprechung ist der nachträgliche Familiennachzug durch Eltern, die sich beide in der Schweiz niedergelassen haben und einen gemeinsamen ehelichen Haushalt führen, möglich, ohne dass besondere stichhaltige Gründe die verzögerte Geltendmachung des Nachzugsrechtes rechtfertigen müssen. Innerhalb der allgemeinen Schranken von Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG ist der Nachzug von gemeinsamen Kindern grundsätzlich jederzeit zulässig, vorbehalten bleibt einzig das Rechtsmissbrauchsverbot (BGE 129 II 11 E. 3.1.2 S. 14; 126 II 329 E. 3b S. 332). 3.2 Rechtsmissbrauch liegt insbesondere dann vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will (BGE 128 II 145 E. 2.2 S. 151 mit Hinweisen). Beim Nachzug von Kindern ist dies der Fall, wenn nicht die Herstellung der Familiengemeinschaft in der Schweiz beabsichtigt, sondern Art. 17 Abs. 2 ANAG zweckwidrig für die Beschaffung einer Niederlassungsbewilligung allein im Hinblick auf eine künftige selbständige Anwesenheit als Erwachsener und eine Erwerbsaufnahme in der Schweiz, d.h. zwecks Verschaffung besserer Zukunftsaussichten angerufen wird (vgl. BGE 126 II 329 E. 3b S. 333; Urteile 2A.31/2005 vom 26. Mai 2005, E. 3.1; 2A.455/2004 vom 13. Dezember 2004, E. 2.1 und 2.2 mit zahlreichen Hinweisen). Rechtsmissbrauch kann selbst dann angenommen werden, wenn das Leben in der Familiengemeinschaft allenfalls noch eine gewisse Rolle spielen könnte, jedoch als Motiv für die Gesuchseinreichung von verschwindend geringer Bedeutung ist (Urteile 2A.31/2005 vom 26. Mai 2005, E. 3.1; 2A.314/2001 vom 10. Dezember 2001, E. 3d; 2A.273/ 2000 vom 25. August 2000, E. 3c). Das gesetzgeberische Ziel von Art. 17 Abs. 2 ANAG, das familiäre Zusammenleben zu ermöglichen und rechtlich abzusichern, wird nicht erreicht, wenn der in der Schweiz niedergelassene Ausländer jahrelang von seinem Kind getrennt lebt und dieses erst kurz vor Vollendung des 18. Altersjahrs in die Schweiz holt. Etwas anderes kann nur gelten, wenn die Familiengemeinschaft in der Schweiz aus guten Gründen erst nach Jahren hergestellt wird; solche Gründe müssen sich aus den Umständen des Einzelfalles ergeben (vgl. BGE 129 II 249 E. 2.1 S. 253; 119 Ib 81 E. 3a S. 88). 3.3 Das Verwaltungsgericht stellte fest, das vorliegend streitige Familiennachzugsgesuch sei eingereicht worden, nachdem die Tochter C.________ gut neun Jahre von den Eltern getrennt gelebt habe und bereits in der Berufsausbildung bzw. in einer an die Volksschule anschliessenden berufsbezogenen Ausbildung gestanden sei. C.________ wohne gemäss eigener Darstellung des Beschwerdeführers seit September 2003 bei ihrem Vermieter in Bajina Basta. Es sei daher von einer jahrelangen Trennung der Eltern von ihrer Tochter auszugehen, obwohl die Möglichkeit bestanden hätte, als Familie gemeinsam hier in der Schweiz zu leben. Daraus zog das Verwaltungsgericht den Schluss, dass für das vorliegende Gesuch nicht die Zusammenführung der Familie in der Schweiz ausschlaggebend gewesen sei, sondern der "verständliche Wunsch des Beschwerdeführers, seine Tochter von den besseren wirtschaftlichen Verhältnissen in der Schweiz profitieren zu lassen" (S. 7 des angefochtenen Entscheides). 3.4 Dieser Schluss des Verwaltungsgerichts lässt sich nicht beanstanden: Auch wenn das Datum der Erteilung der Niederlassungsbewilligung an den Beschwerdeführer bzw. dessen Ehefrau aus den Akten nicht genau hervorgeht, so darf doch angenommen werden, dass dem Ehepaar die Möglichkeit des Nachzugs seiner Kinder rechtlich schon lange offen stand. Die Eheleute haben, weil sie über keine ausreichend grosse Wohnung verfügten (bzw. sich eine solche nicht leisten konnten oder wollten), die beiden Söhne in der Heimat zurückgelassen und ihre in der Schweiz geborene Tochter im Alter von sechseinhalb Jahren nach Serbien zurückgeschickt, wo sie heute lebt und eine Berufsausbildung begonnen hat. Damit haben die Eltern eine langjährige Trennung von den Kindern in Kauf genommen. Der nunmehr beantragte Nachzug der im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung bereits fast 16 Jahre alten Tochter dient, wie das Verwaltungsgericht in vertretbarer Würdigung des Sachverhaltes annehmen durfte, in erster Linie der Verschaffung besserer beruflicher Entwicklungsmöglichkeiten. Dies ist durch den Zweck von Art. 17 ANAG nicht mehr gedeckt und daher rechtsmissbräuchlich (vgl. E. 3.2). 3.5 Nichts an diesem Ergebnis ändert die vom Beschwerdeführer angerufene Garantie von Art. 8 Ziff. 1 EMRK (Schutz des Familienlebens), hätten doch die Vorinstanzen das Nachzugsgesuch für die Tochter hier mit derselben Begründung wie bei Art. 17 Abs. 2 ANAG ablehnen können (vgl. BGE 119 Ib 81 E. 4a S. 90).