Citation: 1C_572/2022 E. 3.1.5

3.1.5. Die aktuell gültige Bauordnung der Stadt Zug samt Zonenplan wurde vom Grossen Gemeinderat am 7. April 2009 beschlossen und vom Regierungsrat am 22. Juni 2010 genehmigt. Mit diesem Zonenplan wurde für das Gebiet der Gartenstadt Zug eine Ortsbildschutzzone erlassen. Zusätzlich wurden - wie die Vorinstanz verbindlich festgestellt hat - in der Gartenstadt Einzelobjekte bzw. -gebäude unter Schutz gestellt bzw. inventarisiert; die vom vorliegenden Bauvorhaben und damit vom Abbruch betroffenen Gebäude gehören nicht zu den inventarisierten Bauten in der Gartenstadt Zug. Die Vorinstanz hielt dazu zutreffend fest, Massnahmen wie die Unterschutzstellung oder Inventarisierung von Einzelobjekten sowie der Erlass einer Ortsbildschutzzone seien typische Elemente zur Umsetzung des ISOS. Zudem habe die Stadt Zug das Gestaltungshandbuch Ortsbildschutzzone Gartenstadt Zug (nachfolgend: Gestaltungshandbuch Gartenstadt) erstellt, welches dazu beitrage, das attraktive Wohnquartier mit seinem typischen Ortsbild zu erhalten, weiterzuentwickeln und bestehende Defizite zu beheben. Das strittige Baugesuch datiert vom 19. Dezember 2018. Das Bauvorhaben erging somit lange vor Ablauf der für die Planbeständigkeit grundsätzlich einschlägigen 15 Jahre. Dass sich die tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse seit der Festsetzung des Nutzungsplans in einer Weise verändert hätten, die den Plan als nicht mehr rechtmässig erscheinen lassen würden, ist weder hinreichend dargetan noch ersichtlich. Nicht zu überzeugen vermag das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sich die rechtlichen Verhältnisse nachträglich erheblich geändert hätten, da die Bedeutung des ISOS und die Pflicht zu dessen Berücksichtigung für die Kantone und die Gemeinden erst mit BGE 135 II 209 aus dem Jahr 2009 und der diesen präzisierenden bundesgerichtlichen Rechtsprechung (u.a. Urteil 1C_276/2015 vom 29. April 2016) geklärt worden sei. Das Bundesgericht erachtet diese rechtliche Veränderung nicht als ausreichende nachträgliche Entwicklung für eine vorfrageweise Überprüfung der Nutzungsplanung auf die Vereinbarkeit mit dem Bundesinventar (vgl. Urteil 1C_643/2020 vom 7. Januar 2022 E. 3.6 und 3.10). Dasselbe gilt für die am 1. Juli 2010 in Kraft getretene, ausdrückliche Berücksichtigungspflicht in Art. 4a der altrechtlichen Verordnung vom 9. September 1981 über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (aVISOS; SR 451.12; heute: Art. 11 der gleichnamigen Verordnung vom 13. November 2019 [VISOS; SR 451.12]; vgl. Urteil 1C_643/2020 vom 7. Januar 2022 E. 3.6 und 3.10). Etwas anderes kann entgegen der Beschwerdeführerin auch nicht aus dem Urteil 1C_459/2020 vom 27. Oktober 2022 abgeleitet werden, in dem keine akzessorische Überprüfung der Nutzungsplanung in einem Baubewilligungsverfahren zur Diskussion stand, sondern die Nutzungsplanung selbst Verfahrensgegenstand bildete.