Citation: 5A_374/2015 E. 3.4.2

3.4.2. Aus den mit der Streitverkündungsklage angestrebten Synergieeffekten, der Behandlung des Haupt- und des Streitverkündungsverfahrens in einem Gesamtverfahren und dem Abschluss beider in einem Gesamturteil folgt, dass sich die beiden Verfahren nicht klar voneinander trennen lassen. Daran ändert nichts, dass je gesonderte Prozessrechtsverhältnisse vorliegen. Verlangt die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 8a SchKG Einsicht in die Akten der Beschwerdegegnerin, um ihre Streitverkündungsklage zu begründen, so kann nicht ausgeschlossen werden, dass Erkenntnisse daraus in den Hauptprozess zwischen Beschwerdegegnerin und -führerin einfliessen bzw. von der Beschwerdeführerin zu ihrer Verteidigung im Prozess gegen die Beschwerdegegnerin verwendet werden. Damit besteht aber auch in dieser Konstellation die Gefahr einer unzulässigen Privilegierung der Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin (vgl. Urteil 5A_552/2014 vom 22. Mai 2015 E. 3.4.2). Eine beklagte Partei, die geltend macht, eine Streitverkündungsklage begründen zu wollen, könnte auf diese Weise die Verhältnisse der klagenden Konkursmasse ausforschen, während die Klägerin gegenüber der Beklagten auf die normalen zivilprozessualen Editionsrechte beschränkt bliebe. Aus diesem Grunde muss auch in der vorliegenden Konstellation die Einsicht gestützt auf Art. 8a SchKG verweigert werden. Wie es sich mit den Verweigerungsrechten der Beschwerdegegnerin gemäss Art. 160 ff. ZPO verhält, wenn die Beschwerdeführerin im Streitverkündungsprozess die Edition von Unterlagen bei der Beschwerdegegnerin verlangt, braucht an dieser Stelle nicht beurteilt zu werden. Desgleichen kann offen bleiben, wie das Einsichtsinteresse gemäss Art. 8a SchKG in einer Situation zu beurteilen wäre, in der ein unzulässiges Ungleichgewicht zwischen den Parteien ausgeschlossen werden kann. Zu denken ist etwa an den Fall, dass der Regressprozess erst nach rechtskräftigem Abschluss des Hauptprozesses geführt wird. Es braucht demgemäss auch nicht diskutiert zu werden, ob sich in einem solchen Fall diejenige Partei, die gestützt auf Art. 8a SchKG Einsicht nehmen will, auf die in BGE 93 III 4 E. 2 S. 8 ff. begründete Rechtsprechung stützen kann, wonach die Konkursakten zwecks Beweissammlung einsehen kann, wer unabhängig von seiner Gläubigerstellung im Konkurs zu Schaden gekommen ist und den Ausfall gegenüber einem Dritten einklagen will (zur Kritik an dieser Rechtsprechung Urteil 5A_552/2014 vom 22. Mai 2015 E. 3.4.1).