Citation: 6B_407/2022 E. 3

Die Beschwerdeführerin stellte bei der Vorinstanz ein Revisionsgesuch und legte ein unfallanalytisches Gutachten vom 15. April 2020 vor. Es war von ihrer Haftpflichtversicherung erstellt worden und basiert auf der Auswertung von Videoaufzeichnungen, welche die Polizei von Überwachungskameras an der Unfallstelle sichergestellt hatte. Das Gutachten kommt zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin mit einer Geschwindigkeit von 39 bis 43 km/h auf den Fussgängerstreifen zugefahren sei. Bei der Kollision habe die Geschwindigkeit 38 bis 42 km/h betragen. Der Kollisionspunkt habe ungefähr 1,3 Meter vom Strassenrand entfernt gelegen. Für diese Distanz habe die Fussgängerin 1,1 bis 1,3 Sekunden benötigt. Deutlich als Gefahr erkennbar sei sie für die Beschwerdeführerin aber erst rund 0,5 Sekunden später gewesen, nachdem sie zumindest mit einem Bein über dem Fussgängerstreifen gewesen sei. Das Fahrzeug der Beschwerdeführerin sei 0,8 Sekunden vor der Kollision noch 8,7 bis 9,6 Meter vom späteren Kollisionspunkt entfernt gewesen. Der Anhalteweg bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h betrage bei einer Vollbremsung rund 17 Meter und bei einer üblichen Bremsung rund 30 Meter. Die Beschwerdeführerin habe deshalb keine Chance gehabt, die Kollision zu vermeiden. Das Gutachten hält weiter fest, dass die Kollision für die Fussgängerin vermeidbar gewesen wäre, wenn sie nach links geblickt und kurz abgewartet hätte.