Citation: U 381/06 14.08.2007 E. 3

3.1 Die Beschwerdeführerin beruft sich insbesondere auf das Gutachten der Klinik Z.________ vom 19. Dezember 2002, worin das typische multiple Beschwerdebild nach HWS-Distorsionen beschrieben und das Unfallereignis als Ursache des beurteilten Gesundheitszustandes anerkannt werde. Sie übersieht jedoch, dass in jenem Gutachten und insbesondere auch im psychiatrischen Teilgutachten von unvollständigen Angaben, die von der Beschwerdeführerin selbst gemacht wurden, ausgegangen wird. Ausser der Bemerkung, sie und die übrigen Familienangehörigen seien in der Lagerhaft während des Krieges in Bosnien korrekt behandelt worden, fehlen Hinweise für traumatische Erlebnisse. Zudem steht die Einstellung der Versicherungsleistungen per 1. Januar 2005 zur Diskussion. Die Kausalität im Zeitpunkt der Begutachtung in Z.________ ist daher irrelevant. Erst in den Berichten des Dr. med. G.________ (13. Juli 2004) und im psychiatrischen Teilgutachten im Rahmen des MAZ-Gutachtens der Dr. med. L.________ (25. November 2004) werden deutliche Hinweise auf traumatische Erlebnisse in der Jugend, insbesondere während des Krieges, offenbar. Die Diskrepanz passt zur Diagnose einer gemischten dissoziativen Störung, welche im MAZ-Gutachten gestellt wird. Kennzeichen einer dissoziativen Störung gemäss ICD-10 bestehen in teilweisem oder völligem Verlust der normalen Integration von Erinnerungen an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Sie werden als ursächlich psychogen angesehen, in enger zeitlicher Verbindung mit traumatisierenden Ereignissen, unlösbaren oder unerträglichen Konflikten oder gestörten Beziehungen. Die Symptome verkörpern häufig das Konzept der betroffenen Person, wie sich eine körperliche Krankheit manifestieren müsste. Körperliche Untersuchung und Befragungen geben keinen Hinweis auf eine bekannte somatische oder neurologische Krankheit. Die Symptome können sich in enger Beziehung zu psychischer Belastung entwickeln und erscheinen oft plötzlich (Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V [F], insbesondere F44: Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis/Weltgesundheitsorganisation, 3. Aufl., Bern 2004). Einzig die die Beschwerdeführerin behandelnde Dr. med. S.________ berichtet, dass kein psychiatrischer Befund vorliege. Dieser Befund wird hingegen nicht hinreichend begründet. 3.2 Die Erkenntnisse der Dr. med. S.________ können das in seiner Gesamtheit überzeugende MAZ-Gutachten vom 13. Januar 2005 nicht relativieren. Es entspricht in allen Punkten den rechtsprechungsgemäss an eine medizinische Begutachtung gestellten Kriterien (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352). Im Rahmen der Begutachtung konnten keine körperlichen Beschwerden festgestellt werden, die in Zusammenhang mit der HWS-Distorsion stehen würden. So beobachtete die begutachtende Psychiaterin, dass die Beweglichkeit im Bereiche der Halswirbelsäule und der Arme ungestört sei und sich keine Anhaltspunkte für Störungen des Gedächtnisses oder der Konzentration ergeben würden. Ähnliche Feststellungen ergaben sich bei der rheumatologischen Untersuchung. Dort hielt Dr. med. M.________ fest, die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden seien in ihrem Ausmass nicht glaubhaft und nicht konkordant zum beobachteten Verhalten während der Anamneseerhebung, während des Aus- und Ankleidens und dem Gang zur Untersuchung. Die gleichen Beobachtungen wurden auch von Dr. med. J.________, Spezialarzt für Innere Medizin FMH, gemacht. Dieser stellte fest, die Beschwerdeführerin sei während der gesamten Aufnahme der Anamnese, welche über eineinhalb Stunden gedauert habe, ohne ersichtlichen Leidensdruck auf dem Stuhl gesessen und habe die oberen Extremitäten und den Kopf symmetrisch und normal bewegt. Bei einem derartigen Auseinanderklaffen der objektiven Beobachtungen verschiedener Personen und der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin kann nicht mehr auf ein typisches Beschwerdebild, wie es bei einer HWS-Distorsion normalerweise gegeben ist, geschlossen werden. Vielmehr müssten dann auch die entsprechenden Beeinträchtigungen im Rahmen der verschiedenen Untersuchungen durch die explorierenden Personen feststellbar sein. Da dies nicht gegeben ist, ist zu schliessen, dass es sich bei den gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin im psychischen Bereich um eine selbstständige Gesundheitsschädigung handelt. Ein klar erfassbares Leidensbild, welches auf das am 6. Dezember 1998 erlittene HWS-Distorsionstrauma zurückgeführt werden könnte, ergibt sich nicht. Von einer durch zuverlässige ärztliche Angaben als Unfallfolge gesicherte medizinisch fassbare gesundheitliche Beeinträchtigung (BGE 119 V 340 f. E. 2b/aa und 2b/bb) kann nicht gesprochen werden (vgl. auch Urteil M. vom 8. Juni 2006, E. 5.5). 3.3 Die Gutachter des MAZ kommen aus medizinischer Sicht zur Überzeugung, der Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin stehe in keinem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem versicherten Unfall. Hingegen sehen sie diesen als Auslöser der psychiatrischen Symptomatik, weshalb der Konnex aus juristischer Sicht nicht negiert werden kann. Mit der Vorinstanz kann diese Frage aber letztlich offen gelassen werden, da es, - wie die nachstehenden Erwägungen zeigen - an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs fehlt.