Citation: 6B_637/2023 E. 1.2.2

1.2.2. Die Vorinstanz erachtet die Darstellung des Beschwerdeführers, wonach es sich um einen Unfall gehandelt habe, als unglaubhaft. Er habe sich bereits bei der Schilderung des Ablaufs in verschiedene Widersprüche verstrickt, namentlich, wann er das Magazin eingesetzt habe, sowie hinsichtlich des Ladevorgangs und der Entsicherung des Gewehrs. In diesem Zusammenhang habe er angegeben, er habe ein "Klick"-Geräusch hören wollen, was bei einem gesicherten Gewehr nicht möglich sei. Dies habe der Beschwerdeführer angesichts seiner Ausbildung und langen Erfahrung im Umgang mit dem Gewehr wissen müssen. Das Gewehr könne daher bei der Schussabgabe nicht gesichert gewesen sein. Gestützt auf seine Aussagen sei zudem erstellt, dass der Verschluss des Gewehrs zunächst hinten arretiert gewesen sei und sich noch keine Patrone im Lauf befunden habe, als er das Gewehr aus dem Schrank geholt habe. Die Patrone müsse daher am Tatabend über das eingesetzte Magazin in den Lauf gelangt sein. Dieser Ablauf entspreche denn auch der Vermutung des Beschwerdeführers, wobei er die Patrone aber unabsichtlich in den Lauf befördert haben wolle. Angesichts der Widersprüchlichkeit der weiteren Aussagen seien seine Entlastungsversuche aber als Schutzbehauptungen zu werten. Es sei davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer bewusst gewesen sei, dass im Magazin eine Patrone war und dass er Manipulationen vorgenommen habe, um das Gewehr zu laden und zu entsichern. Auch aus technischer bzw. militärischer Sicht vermöchten die gegenteiligen Aussagen des Beschwerdeführers nicht zu überzeugen resp. ihn nicht zu entlasten. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Patrone nach einem obligatorischen Schiessen unbeabsichtigt noch im Magazin befunden habe. Gleichwohl müsse diese dem Beschwerdeführer am Tatabend aufgefallen sein, zumal die Patronen im transparenten Magazin gut sichtbar seien und sich zuoberst im Magazin befänden. Daran änderten weder sein alkoholisierter Zustand noch die eintretende Dämmerung etwas. Es stehe fest, dass der Beschwerdeführer die Patrone spätestens beim Einführen des Magazins, wenn nicht bereits bei dessen Behändigung, gesehen haben müsse. Nicht zuletzt würden die jahrelange, regelmässige Handhabung des Sturmgewehrs und Verinnerlichung der Sicherheitsregeln verdeutlichen, dass dem Beschwerdeführer bewusst gewesen sein müsse, dass das Gewehr geladen war. Der Beschwerdeführer habe auch die Begründung für sein Verhalten mehrfach geändert, wobei seine Erklärungen nicht stichhaltig seien. Dies gelte etwa für die Behauptung, er habe die Waffe mit dem Gedanken der Abschreckung hervor geholt. Indes hätten die späteren Opfer die Waffe auf dem Balkon gar nicht sehen können, zumal der Beschwerdeführer nicht auf sich aufmerksam gemacht habe. Hätte er nur ein "Klick"-Geräusch hören wollen, sei das Einsetzen des Magazins zudem nicht nachvollziehbar. Wenn er, wie angegeben, durch sein Tun eine mentale Entlastung habe herbeiführen wollen, was nachvollziehbar sei, müsse zudem geschlossen werden, dass er auf die Lärmquelle gezielt habe. Dies habe er nicht bestritten. Auch die äusseren Umstände hätten ein Zielen zugelassen. Die Distanz zum Ziel habe rund 45 Meter betragen, dieses sei durch Strassenlampen beleuchtet und vom Balkon aus gut ersichtlich gewesen. Aufgrund seiner Aussagen sowie denjenigen der damaligen Freundin sei ferner erstellt, dass sich der Beschwerdeführer schon länger über den abendlichen Lärm aufgeregt und sich somit eine erhebliche Wut aufgestaut habe. Die Tat sei gleichwohl spontan im Sinne einer Kurzschlusshandlung erfolgt. Der Beschwerdeführer habe gehandelt, nachdem er bereits beruflich und in seiner Liebesbeziehung viel Stress erlebt und an jenem Abend viel Alkohol getrunken habe. In dieser Ausnahmesituation habe er die Waffe geholt, sie schussbereit gemacht und einen Schuss abgegeben. Er habe mit der Waffe auf Menschen gezielt und den Abzug betätigt.