Citation: 5A_852/2021 E. 2.3.2

2.3.2. Im Kontext des Rechtsmissbrauchs beanstanden die Kläger eine unzulässige Umkehr der Beweislast, indem das Obergericht ihnen vorgehalten habe, ihren Beweis schuldig geblieben zu sein. 2.3.2.1. Wer vor Gericht gegenüber einem Dritten einen Anspruch geltend macht, hat die für den Zuspruch der beantragten Rechtsfolge (Rechtsbegehren) relevanten Tatsachen, die nach dem objektiven Recht Voraussetzungen dafür sind, dass das beanspruchte subjektive Recht be- bzw. entsteht, zu behaupten (Art. 221 Abs. 1 Bst. d ZPO) und sogleich die Beweismittel zu bezeichnen, mit denen er die behaupteten Tatsachen zum Beweis verstellt (Art. 221 Abs. 1 Bst. e ZPO). Die Beweislastverteilung hängt davon ab, ob die materiell-rechtliche Norm als rechtsbegründend, rechtshindernd oder rechtsvernichtend zu qualifizieren ist. Derjenige, der ein Recht geltend macht, hat alle Tatsachen zu beweisen, die gemäss der angerufenen Norm sein subjektives Recht begründen, während derjenige, der sich auf eine rechtshindernde oder rechtsvernichtende Norm beruft, alle Tatsachen zu beweisen hat, die gemäss der angerufenen Norm das subjektive Recht an seiner Entstehung hindern oder zum Untergang bringen (Urteil 5A_323/2019 vom 24. April 2020 E. 3.3 mit Hinweisen). 2.3.2.2. Nachdem die Kläger im Berufungsstadium die Erkenntnis des Kantonsgerichts, wonach sie gestützt auf Art. 689 Abs. 1 oder Abs. 2 ZGB grundsätzlich verpflichtet seien, das Meteorwasser des Grundstücks der Beklagten abzunehmen, nicht wirksam angefochten hatten (s. E. 2.3.1 oben), geht es vorliegend ausschliesslich darum, ob die Beklagten vom Recht, Meteorwasser von ihrem, d.h. dem oberhalb liegenden Grundstück auf das unterhalb liegende Grundstück der Kläger abfliessen zu lassen, missbräuchlich Gebrauch machen. Das Verbot des Rechtsmissbrauchs im Sinn von Art. 2 Abs. 2 ZGB hat in der vorliegenden Fallkonstellation rechtsvernichtenden Charakter. Damit oblag es den Klägern, die sich auf Rechtsmissbrauch berufen, jene Tatsachen zu behaupten und zum Beweis zu verstellen, aus welchen die Missbräuchlichkeit der Rechtsausübung abgeleitet werden muss. Mithin durfte das Obergericht den Klägern vorhalten, sie seien den Beweis für den besonderen Nachteil schuldig geblieben, und sie die Folgen der Beweislosigkeit tragen lassen; von einer unzulässigen Umkehr der Beweislast kann keine Rede sein. Die Kläger führen zwar aus, dass die Ableitung des gesamten Meteorwassers der Terrasse der Beklagten im Vergleich zum Zustand vor der Änderung des Entwässerungssystems eine Zusatzbelastung darstelle, die nicht bewiesen werden müsse. Im Kontext des Rechtsmissbrauchs genügt es nicht, eine Zusatzbelastung geltend zu machen; von Rechtsmissbrauch kann nach Auffassung der kantonalen Instanzen (E. 2.1 und 2.2.2), welche die Kläger als solche nicht bestreiten, nur dann die Rede sein, wenn der Berechtigte von mehreren in etwa gleichwertigen Möglichkeiten, die ihm zur Ausübung eines Rechts offenstehen würden, ohne sachlichen Grund gerade diejenige wählt, die für einen anderen besondere Nachteile mit sich bringt (BGE 131 III 459 E. 5.3 mit Hinweis; Urteile 5A_878/2020 vom 2. Februar 2021 E. 6.2; 5C.186/2006 vom 21. November 2007 E. 4.1.2 mit Hinweis, in: FamPra.ch 2008 S. 456). Dass die Kläger den Beweis für jene Tatsachen erbracht hätten, aus welchen auf einen besonderen Nachteil, den sie zufolge der Ableitung des Meteorwassers auf das Dach ihres Gebäudes erleiden würden, geschlossen werden müsste, behaupten sie im bundesgerichtlichen Verfahren nicht. Damit vermögen die Kläger die Verneinung des Rechtsmissbrauchs nicht als bundesrechtswidrig auszuweisen.