Citation: 2C_216/2019 E. 7.4

7.4. Das Schlechterstellungsverbot gilt, anders als die Vorinstanz suggeriert (vgl. E. 3.4 und 4.3 des angefochtenen Urteils), nicht nur in Bezug auf die Einkommens- bzw. Gewinnbesteuerung, sondern auch für die Grundstückgewinnsteuer (vgl. E. 7.2 hiervor). Der Fonds B.________ wird zwar nicht anders behandelt als ein im Kanton Bern ansässiger Immobilienfonds steuerbefreiter Vorsorgeeinrichtungen mit Grundstücken in mehreren Kantonen (vgl. E. 4.5 des angefochtenen Urteils). Hingegen wird der Fonds B.________ im Vergleich zu einem Fonds, dessen Grundstücke ausschliesslich im Kanton Bern liegen, im Falle der Verweigerung des streitbetroffenen Verlustabzuges stärker belastet, da ein Fonds der letzteren Art Verluste aus seinen Grundstücksgeschäften in Abzug bringen kann (vgl. Art. 137 Abs. 2 und Art. 143 StG/BE). Darin liegt eine verpönte Schlechterstellung (vgl. BGE 140 I 114 E. 2.3 S. 117 ff.; E. 4 hiervor). Die Lage des Fonds B.________ ist aufgrund der Gewinnsteuerbefreiung vergleichbar mit derjenigen einer Immobiliengesellschaft, die in verschiedenen Kantonen Kapitalanlageliegenschaften hält und mit diesen Veräusserungsgewinne und -verluste, aber keine Erträge erzielt und am Hauptsitz keinen steuerbaren Gewinn erwirtschaftet. Bei einer solchen Gesellschaft ist davon ausgehen, dass aufgrund des Schlechterstellungsverbotes und des Leistungsfähigkeitsprinzips eine umfassende Möglichkeit der Verrechnung von Gesamtverlusten und Gewinnungskostenüberschüssen mit Veräusserungsgewinnen besteht. Denn nach der Praxis des Bundesgerichts können Gesamtverluste insbesondere mit Gewinnen aus der Veräusserung von Kapitalanlageliegenschaften verrechnet werden (vgl. BGE 132 I 220 E. 4 S. 224 ff.; MATTEOTTI, a.a.O., § 34 N. 27). Es ist nicht ersichtlich, weshalb eine steuerbefreite kollektive Kapitalanlage wie der Fonds B.________ in Bezug auf das Schlechterstellungsverbot bzw. die Verlustverrechnungsmöglichkeit im interkantonalen Verhältnis ungünstiger behandelt werden soll als eine Immobiliengesellschaft der genannten Art. Der Zweck der Gewinnsteuerbefreiung von Art. 83 Abs. 1 lit. n StG/BE bzw. Art. 23 Abs. 1 lit. i StHG würde bei kollektiven Kapitalanlagen wie dem Fonds B.________ (wenn überhaupt) für weitergehende Verlustverrechnungsmöglichkeiten als bei einer solchen Immobiliengesellschaft, jedenfalls aber nicht für eine restriktive Handhabung oder einen Ausschluss der Abziehbarkeit von ausserkantonalen Verlusten sprechen. In diesem Kontext fällt ins Gewicht, dass die neuere Praxis des Bundesgerichts zu den Ausscheidungsverlusten zugunsten der Steuerpflichtigen der besseren Verwirklichung des Leistungsfähigkeitsprinzips (vgl. Art. 127 Abs. 2 BV) im innerkantonalen Verhältnis dient (vgl. vorne E. 4). Dem Sinn und Zweck der Gewinnsteuerbefreiung von Art. 23 Abs. 1 lit. i StHG bzw. Art. 83 Abs. 1 lit. n StG/BE, aus sozialpolitischen Gründen zugunsten der steuerpflichtigen kollektiven Kapitalanlage (bzw. ihrer Anleger) vom Leistungsfähigkeitsprinzip abzuweichen, würde es zuwiderlaufen, wenn sich die kollektive Kapitalanlage im interkantonalen Verhältnis nicht wie andere Steuerpflichtige mit Ausscheidungsverlusten auf das Leistungsfähigkeitsprinzip berufen könnte. Nichts am hiervor gezogenen Schluss ändern können die Ausführungen im angefochtenen Urteil zum Grundsatz der Gesamtreingewinnbesteuerung bzw. dem Totalitätsprinzip: Zwar ist der Gewinn nach dem Totalitätsprinzip lückenlos zu erfassen, wenn er als Indikator für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dienen soll (vgl. BGE 133 I 206 E. 11.1 S. 230). Der Umstand, dass mit der Gewinnsteuerbefreiung im Sinne von Art. 23 Abs. 1 lit. i StHG bzw. Art. 83 Abs. 1 lit. n StG/BE vom Totalitätsprinzip abgewichen wird, heisst aber nicht, dass dem Leistungsfähigkeitsprinzip insoweit, als der Fonds B.________ steuerpflichtig bleibt, nicht Rechnung zu tragen wäre. Mit der Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass der Abzug der ausserkantonalen Ausscheidungsverluste vorliegend nicht generell verweigert werden kann.