Citation: 4F_15/2013 E. 3.3

3.3. Die Revision ist ein ausserordentliches Rechtsmittel und dient nicht einfach der Weiterführung des Verfahrens. Es obliegt den Prozessparteien, rechtzeitig und prozesskonform zur Klärung des Sachverhalts entsprechend ihrer Beweispflicht beizutragen. Dass es ihnen unmöglich war, Tatsachen und Beweismittel bereits im früheren Verfahren beizubringen, ist nur mit Zurückhaltung anzunehmen. Dies gilt ganz besonders, wenn im Revisionsverfahren mit angeblich neu entdeckten Beweismitteln bereits im Hauptverfahren aufgestellte Behauptungen belegt werden sollen, die vom Gericht aufgrund eines aufwändigen Beweisverfahrens als unzutreffend erachtet wurden. Entsprechend hat der Gesuchsteller im Revisionsgesuch darzutun, dass er die Beweismittel im früheren Verfahren trotz hinreichender Sorgfalt nicht beibringen konnte (BGE 127 V 353 E. 5b S. 358 mit Hinweisen; Urteile 4A_144/2010 vom 28. September 2010 E. 2.3; 4A_42/2008 vom 14. März 2008 E. 4.1, nicht publ. in BGE 134 III 286; 4P.102/2006 vom 29. August 2006 E. 2.1). Aus dem Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 1. Juni 2010 geht hervor, der Gesuchsteller habe mit seiner Appellation die Anordnung eines Obergutachtens beantragt, was der Gesuchsteller im Übrigen in seinem Revisionsgesuch selber vorbringt. Sein Antrag auf Einholung eines Obergutachtens wurde vom Gesuchsteller unter anderem damit begründet, die vom Gutachter der Y.________ erstellte Diagnose sei nicht vollständig, weil sich diese auf die somatoforme Schmerzstörung beschränke und zu den übrigen (von anderen Gutachtern gestellten) Diagnosen keine Stellung nehme. Sein Antrag wurde vom Obergericht jedoch abgewiesen; dieses führte aus, die vom Gesuchsteller vorgebrachten Gründe - wonach gestützt auf eine allfällige andere Diagnose auf eine reduzierte Arbeitsfähigkeit des Gesuchstellers zu schliessen wäre - seien für die Beurteilung der mit seiner Klage gestellten Forderungen (Genugtuung, Spesenentschädigung, Ersatz des vorläufigen sonstigen Schadens [Anwalts- und Gutachterkosten] und Haushaltschaden) nicht ausschlaggebend, da es dafür gar keiner Kenntnis der noch vorhandenen Restarbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit bedürfe. Daraus geht hervor, dass der Gesuchsteller bereits im Verfahren vor Obergericht, unter Berufung auf die Diagnosen von anderen Gutachtern, die Vollständigkeit und Richtigkeit der im Gutachten der Y.________ erstellten Diagnose bestritten hat. So führt der Gesuchsteller denn auch in seinem Revisionsgesuch aus, die Gutachter Dr. B.________ und Dr. C.________ hätten auf eine Persönlichkeitsstörung des Gesuchstellers hingewiesen, was die Gerichte jedoch nicht gewürdigt hätten. Es kann damit nicht gesagt werden, bei der im neuen Gutachten neu erstellten Diagnose, wonach der Gesuchsteller zusätzlich an einem posttraumatischen Stresssyndrom und an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung leide, handle es sich um eine neue Tatsache, die der Gesuchsteller erst nachträglich, nach dem zu revidierenden bundesgerichtlichen Urteil vom 21. Oktober 2010, erfahren hätte.