Citation: 6B_632/2012 E. 3.8

3.8. In welchem Zustand sich die angegriffene Person befand, ist eine Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob dieser Zustand eine entschuldbare Aufregung oder Bestürzung im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB begründet (Urteil 6S.38/2007 vom 14. März 2007 E. 2). Die Vorinstanz beschreibt den Zustand des Beschwerdeführers 1 ausführlich und nimmt eine Gesamtwürdigung der wesentlichen Umstände vor. Sie begründet eingehend, weshalb er sich bereits mehrere Monate vor der Tat vor dem Beschwerdeführer 2 gefürchtet hat und seine Erregung umso grösser war, als dieser ihn im verlassenen Treppenhaus überraschte, er dort wegen der örtlichen Gegebenheiten nicht fliehen konnte und dem Angreifer schutzlos ausgeliefert war. Sie schliesst daraus allerdings zu Unrecht, dass der Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB entschuldbar war. Wer sich bereits seit Monaten wegen tätlicher Angriffe und mehrerer Drohungen, unter anderem auch mit dem Tode, vor dem Beschwerdeführer 2 gefürchtet (Angstzustände, Herzstörungen, Schwindel) und entsprechende Schutzvorkehren (das Haus nur zur Arbeit verlassen) getroffen hat, kann sich nicht erfolgreich auf entschuldbaren Notwehrexzess berufen. Seine Aufregung bzw. Bestürzung über die Begegnung im Treppenhaus mit dem Beschwerdeführer 2 war nicht allein oder zumindest nicht vorwiegend auf den rechtswidrigen Angriff zurückzuführen, sondern auf die bedrohliche Situation der vergangenen Monate. Ein entschuldbarer Notwehrexzess liegt nicht vor.