Citation: 1P.278/2003 16.07.2003 E. 4

4.1 Der Beschwerdeführer beruft sich in erster Linie auf den Zeugen B.________, der klar ausgesagt habe, dass er, der Beschwerdeführer, zur fraglichen Zeit die tägliche Mitarbeiterbesprechung in Zürich geleitet habe. Der Zeuge habe auch ausgesagt, dass er mit allen Mitarbeitern das Wochenende vor dem 7. Januar 2002 zwei Arbeitstage in den Bergen verbracht habe, welche zur Vorbereitung auf die kommende Verkaufssaison gedient hätten. Der Zeuge habe sich somit an die Tage vor dem 7. Januar 2002 genauestens erinnert und es sei ihm daher zuzugestehen, sich an eine Verspätung des Beschwerdeführers zu der von diesem geleiteten Jahreseröffnungssitzung am 7. Januar 2002 um 10 Uhr in Zürich erinnern zu können. Das Urteil lasse eine Auseinandersetzung mit entlastenden Alternativmöglichkeiten vermissen. Die Zeugin besitze beispielsweise eine geringe Fahrpraxis und habe angegeben, den Beschwerdeführer schon vor dem 7. Januar 2002 gesehen zu haben. 4.2 Nach Auffassung des Obergerichtes vermögen die Aussagen des Zeugen nicht zu belegen, dass der Beschwerdeführer am 7. Januar 2002 zwischen 10.30 Uhr und 10.45 Uhr nicht am Tatort war: Vorliegend gehe es nicht um einen besonderen Termin, an den sich der Zeuge speziell zu erinnern vermöchte. Die Montagssitzungen, über deren Beginn sich der Beschwerdeführer (10.00 Uhr gemäss Berufung bzw. 10.15 gemäss Aussagen vor Obergericht) und der Zeuge (10.30 Uhr gemäss Protokoll) nicht einig seien, kehrten allwöchentlich wieder und stellten daher kein aussergewöhnliches Ereignis dar. Nachdem nicht einmal der genaue Beginn der Sitzung feststehe und der Zeuge nur in genereller Weise ausgesagt habe, der Angeklagte sei "immer" pünktlich gewesen, sich jedoch mit Bezug auf den 7. Januar 2002 nicht sicher gewesen sei, ob der Beschwerdeführer spätestens um 10.30 Uhr im Büro gewesen sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer zur fraglichen Zeit am Tatort gewesen sei. Hingegen hält das Obergericht die Angaben der Zeugin für glaubhaft und widerspruchsfrei. Die Zeugin habe vor dem Bezirksgericht im Wesentlichen ihre Darstellung des Vorfalls bestätigt, die sie bei der Einvernahme am 14. Januar 2002 abgegeben habe. Zwar habe sie die Farbe des BMW nunmehr als grau-braun bzw. dunkel bezeichnet, während sie bei der ersten Einvernahme von einem anthrazit farbigen Wagen gesprochen habe. Diese angeblichen Widersprüchlichkeiten erschienen als völlig untergeordnet und angesichts der Nähe der Farbtöne sowie der Zeitdifferenz von über einem halben Jahr zwischen den beiden Einvernahmen als verständlich. Die Zeugin habe den Angeklagten nicht gekannt. Ein Motiv für Falschbeschuldigung sei nicht ersichtlich, weshalb ausgeschlossen werden könne, dass sich die Zeugin von sachfremden Motiven habe leiten lassen. Die Erfahrung zeige im Übrigen, dass Verzeigungen von der Art der vorliegenden nicht leichtfertig vorgenommen würden, da der Anzeiger mit erheblichen Umtrieben zu rechnen habe. Die Zeugin habe klar geschildert, dass der PW mit dem Kontrollschild LÖ CR 55 so nahe an sie herangefahren sei, dass sie das Nummernschild und die Scheinwerfer nicht mehr habe erkennen können. Die Distanz habe sie auf "keine zwei Autolängen" geschätzt. Aufgrund dieser Aussagen sei - auch wenn den Angaben eine gewisse Schätzungsungenauigkeit anhafte - klar erstellt, dass der zum Fahrzeug der Zeugin aufschliessende PW keinen ausreichenden Abstand eingehalten habe. Die Tatsache, dass sich die Zeugin die abgelesene Nummer nicht notiert, sondern "im Kopf gespeichert" habe, vermöge nichts an ihrer Glaubwürdigkeit zu ändern. Es handle sich um ein offensichtlich einfaches Kennzeichen. Entgegen der Behauptung in der Berufungsschrift habe die Zeugin ausgesagt, das Fahrzeug des Angeschuldigten sei ihr einmal bei einer früheren Gelegenheit aufgefallen; davon, dass sie das Fahrzeug schon oft gesehen hätte, sei nicht die Rede gewesen. Auch wenn die Zeugin das Kennzeichen bereits vor dem Vorfall vom 7. Januar 2002 schon einmal gesehen und sich dieses Kennzeichen aufgrund der damals festgestellten aggressiven Fahrweise gemerkt habe, erscheine es sehr unwahrscheinlich, dass ihr erster Gedanke diesem Kennzeichen gegolten habe, wenn sie es nicht tatsächlich wiedererkannt hätte. Die von der Zeugin geschätzten Geschwindigkeiten seien zwar nicht einheitlich und dürften auch nicht zum Nennwert übernommen werden - in Bezug auf die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit sei denn auch ein Freispruch erfolgt. Sie änderten aber nichts an der Glaubwürdigkeit hinsichtlich des Überholmanövers. 4.3 Die Vorbringen des Beschwerdeführers stützen sich weitgehend auf die Aussagen des Zeugen B.________. Inwiefern das Obergericht dessen Aussagen jedoch rechtlich fehlerhaft gewürdigt haben soll, ist nicht ersichtlich und wurde auch nicht dargetan. Es ist nicht stossend, wenn das Obergericht den Angaben des Zeugen weniger Gewicht beigemessen hat als denjenigen der Zeugin, zumal der Zeuge mit Bezug auf den 7. Januar 2002 nicht genau sagen konnte, ob der Beschwerdeführer tatsächlich pünktlich zur montäglichen Sitzung erschienen war. Dagegen hat die Zeugin bei beiden Einvernahmen ein widerspruchsfreies Bild des Sachverhaltes gezeichnet und hatte - wie das Obergericht zu Recht in seinen Erwägungen berücksichtigt hat - offensichtlich kein Motiv für eine falsche Beschuldigung. Insgesamt erscheint die Beweiswürdigung des Obergerichtes schlüssig und überzeugend. Es hat die beiden Zeugenaussagen gegeneinander abgewogen und in verfassungsrechtlich nicht zu beanstandender Weise die Glaubwürdigkeit der Zeugin bejaht. Die Argumente des Beschwerdeführers vermögen keine ernsthaften Zweifel am von der Zeugin dargelegten Sachverhalt zu wecken.