Citation: 5A_308/2007 23.11.2007 E. 2

Strittig ist zwischen den Parteien vorab der Umfang des Besuchsrechts. 2.1 Dessen Beginn am Samstag wurde vom erstinstanzlichen Richter bewusst offen gelassen bzw. der einvernehmlichen Regelung der Parteien überlassen. Der Ehemann wirft der Ehefrau vor, Nachhilfestunden und Musikunterricht absichtlich auf den Samstagmorgen zu verlegen, damit das Besuchsrecht erst ab dem Nachmittag ausgeübt werden könne. Das Obergericht hat den Beginn des Besuchsrechts auf Samstag 9 Uhr festgesetzt mit der Begründung, ansonsten würden längere Ausflüge am Samstag erschwert und Freizeitaktivitäten der Kinder hätten keinen Vorrang gegenüber dem Kontaktrecht. 2.2 Die Ehefrau macht geltend, es gehe nicht um Freizeitaktivitäten, sondern um Nachhilfeunterricht, der im Interesse der Kinder liege und von diesen auch so gewünscht werde. Sodann rügt sie, dass die Töchter entgegen ihrer Beweisofferte zur betreffenden Frage nicht angehört worden seien. 2.3 In einem jüngeren Grundsatzentscheid zu Art. 144 Abs. 2 ZGB hat das Bundesgericht festgehalten, dass die Kinder in den sie betreffenden Belangen ab dem vollendeten sechsten Altersjahr anzuhören sind (BGE 131 III 553). Das Bundesgericht hat dabei ausgeführt, dass zwar erst ab ungefähr elf bis dreizehn Jahren die sprachliche Differenzierungs- und Abstraktionsfähigkeit entwickelt sowie formallogische Denkoperationen möglich seien, der Richter sich aber auch durch die Anhörung jüngerer Kinder ein persönliches Bild machen könne und über ein zusätzliches Element bei der Sachverhaltsfeststellung und Entscheidfindung verfüge (E. 1.2.2 S. 556 f.). 2.4 Im Urteilszeitpunkt waren die Kinder zwölf und vierzehn Jahre alt. Sie gelten damit als "ältere Kinder", die zum strittigen Punkt des Besuchsrechts umfassend Ausführungen aus ihrer Sicht machen und dem urteilenden Gericht wichtige Anhaltspunkte für die Entscheidfindung liefern können. Im Übrigen hat die Ehefrau die Anhörung der Kinder in appellatorio ausdrücklich als Beweismittel angeboten. Vor diesem Hintergrund ist durch die unterlassene Anhörung Art. 144 ZGB verletzt. Das angefochtene Urteil ist diesbezüglich ohne Prüfung in der Sache selbst (Umfang und Modalitäten des Besuchsrechts) aufzuheben und die Sache zur Durchführung der Anhörung sowie zur neuen Entscheidung an das Obergericht zurückzuweisen.