Citation: 1P.658/1999 13.01.2000 E. 4

4.- a) Der Beschwerdeführer rügt einerseits, das Obergericht habe bei seiner Beweiswürdigung nicht berücksichtigt, dass die Beschwerdegegnerin unglaubwürdig sei, weshalb auch ihre ihn belastenden Aussagen nicht glaubhaft seien. Dies werde vom Gutachten der Psychiatrischen Klinik Königsfelden vom 24. Juni 1996 bestätigt, welches ihr einen "etwas gestörten Realitätsbezug" bescheinige. Das Obergericht sei in Willkür verfallen, indem es allein auf das tendenziöse Gutachten Gerhard abgestellt und das zu einem gegenteiligen Schluss kommende Gutachten der Klinik Königsfelden unberücksichtigt gelassen habe. b) Im Kurzgutachten von Dr. Sachs der Klinik Königsfelden, das sich nach der ausdrücklichen Erklärung von Dr. Sachs nicht auf die Glaubwürdigkeit, sondern den Gesundheitszustand der Beschwerdegegnerin bezieht, wird dieser tatsächlich ein etwas gestörter Realitätsbezug bescheinigt. Dr. Ramseier, der leitende Arzt der Aufnahmeabteilung der Klinik Königsfelden, in welche die Beschwerdegegnerin am 6. April 1994 vom Bezirksarzt wegen latenter Suizidalität und Verwahrlosungsgefahr eingewiesen wurde, erklärt diese Formulierung damit, dass sie "immer wieder mit falschen Angaben versuchte, Vorteile, insbesondere Urlaube, zu erwirken. " Gutachter Sachs hält in seiner Beurteilung indessen unmissverständlich fest, dass es nicht zulässig sei, "daraus direkt psychiatrisch begründete Schlussfolgerungen auf den Wahrheitsgehalt ihrer Anschuldigungen gegenüber dem Stiefvater zu ziehen". Das Kurzgutachten Sachs ist somit - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - schon nach seiner eigenen Schlussfolgerung nicht geeignet, die Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin generell in Frage zu stellen. Das Obergericht begründet zudem einlässlich, weshalb es diese Qualifikation der Beschwerdegegnerin ohnehin für verfehlt hält: Diese wurde, nachdem ihre Vorwürfe gegen den Stiefvater publik wurden, von ihrer Mutter verstossen und im Anschluss daran von den Behörden offensichtlich gegen ihren Willen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht; dass sie in dieser Situation versuchte, sich durch Notlügen Urlaube zu verschaffen, ist für das Obergericht eine nachvollziehbare, normale Reaktion und bildet keinen Hinweis darauf, dass die Beschwerdegegnerin als generell lügenhaft und unglaubwürdig eingestuft werden müsste. Diese Auffassung ist ohne weiteres vertretbar. Das Obergericht ist daher keineswegs in Willkür verfallen, indem es das Kurzgutachten Sachs nicht als die Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin in Frage stellendes Beweismittel würdigte. c) Der Beschwerdeführer rügt sinngemäss, das Obergericht sei in Willkür verfallen, indem es auf das Gutachten Gerhard abgestellt habe, obwohl dieses einseitig zu seinen Lasten ausgefallen sei. So habe ihm der Gutachter sogar die Möglichkeit nehmen wollen, sich an der Hauptverhandlung zu verteidigen, und er habe sogar ausdrücklich erklärt, der Beschwerdegegnerin helfen zu wollen. Bei der vom Beschwerdeführer angegebenen Aktenstelle handelt es sich um den Begleitbrief von Dr. Gerhard zu seinem Gutachten. Darin erklärt er dem Untersuchungsrichter, dass er sich im Namen der Beschwerdegegnerin dafür einsetze, dass diese an einer allfälligen Hauptverhandlung nicht nochmals in den Zeugenstand treten müsse. Die Indizien gegen den Beschwerdeführer seien erdrückend und die Beschwerdegegnerin habe bereits genügend oft ausgesagt, sodass ihr eine neue belastende Aussage erspart werden solle. Mit diesem Schreiben setzte sich somit der Gutachter, nachdem er aufgrund seiner Untersuchung zum Schluss gekommen war, dass die Beschwerdegegnerin tatsächlich das Opfer eines Missbrauchs durch ihren Stiefvater geworden ist, dafür ein, ihr eine weitere, naturgemäss belastende Aussage an der gerichtlichen Hauptverhandlung zu ersparen. Dass der Gutachter seiner Explorandin zu diesem Zeitpunkt insoweit helfen wollte, beweist aber - zumal dem Opfer dieser Schutz bereits nach Art. 5 Abs. 4 und 5 OHG zukommt - keineswegs, dass er nicht unvoreingenommen an seine Aufgabe herangegangen sei und das Gutachten mit der notwendigen Objektivität verfasst habe. Der Beschwerdeführer setzt sich denn auch nicht näher mit dem Gutachten auseinander und bleibt jeden Nachweis dafür schuldig, dass der Gutachter bei der Erfüllung seines Auftrags parteilich zu seinen Lasten vorgegangen ist. Die Rüge ist daher, soweit sie überhaupt den Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügt, unbegründet.