Citation: I 135/01 07.11.2001 E. 4

4.- a) Nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" (vgl. Erw. 2b) ist vor der Prüfung der Rentenfrage die Möglichkeit einer Eingliederung zu prüfen. Im Folgenden ist also zu untersuchen, ob Eingliederungsmassnahmen in Frage kommen. Im Vordergrund stehen Massnahmen beruflicher Art. Medizinische Massnahmen stehen gemäss den Arztberichten nicht zur Diskussion. Bei den beruflichen Massnahmen geht es in erster Linie um eine Umschulung gemäss Art. 17 IVG, denn für die übrigen beruflichen Massnahmen fehlen entweder die Voraussetzungen (erstmalige berufliche Ausbildung bei Art. 16 IVG), oder sie erweisen sich angesichts der Schwere der Eingliederungsproblematik als ungenügend (Berufsberatung, Arbeitsvermittlung; Art. 15 bzw. Art. 18 IVG). Es ist deshalb zu prüfen, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Umschulung hat, wie er dies im Eventualstandpunkt beantragt. b) Die Ärzte empfehlen - in diesem Punkt übereinstimmend - die Durchführung einer Umschulung; nach Auffassung aller Ärzte kommt die bisherige Tätigkeit als Gärtner nicht mehr oder höchstens - so die Dres. med. A.________ und B.________ ohne Begründung - im Umfang einer Teilerwerbstätigkeit in Frage. Angesichts der belastungsabhängigen, vor allem in gebückter Haltung auftretenden Rückenbeschwerden ist tatsächlich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer eine allenfalls noch vorhandene Erwerbsfähigkeit nicht mehr in seinem angestammten Beruf verwerten kann. c) Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 26 % (vgl. Erw. 3b in fine) ist die von der Rechtsprechung verlangte Erheblichkeitsschwelle für die Durchführung einer Umschulung erreicht (AHI 2000 S. 62 Erw. 1 mit Hinweisen). d) Die Vorinstanz lehnte Massnahmen beruflicher Art mit der kurzen Begründung ab, der Beschwerdeführer zeige keine Motivation zur Aufnahme einer Berufstätigkeit. Damit fehle es an der für berufliche Massnahmen notwendigen Voraussetzung der Eingliederungsbereitschaft. Den Akten der IV-Stelle ist zu entnehmen, dass diese berufliche Massnahmen lediglich im Rahmen des ersten, am 4. Dezember 1996 gestellten Gesuches prüfte. Weil sich der Beschwerdeführer anlässlich des Erstgespräches vom 3. März 1997 "zur Zeit aus für uns unerklärlichen Gründen noch nicht motiviert" zeigte, wurde die Frage der beruflichen Massnahmen nicht weiterverfolgt. Obwohl gleichzeitig festgehalten wurde, der Beschwerdeführer könne sich vorstellen, in Zukunft wieder berufstätig zu sein, wurden Massnahmen beruflicher Art im Rahmen des zweiten vom Beschwerdeführer am 16. Juni 1998 gestellten Gesuches nicht mehr neu geprüft; dies, obgleich das vorstehend erwähnte Erstgespräch im Zeitpunkt der zweiten Ablehnung bereits zwei Jahre zurücklag. Im Entscheid der Vorinstanz wird zum Beweis der fehlenden Motivation auf die Berichte der Dres. med. A.________ und B.________ sowie M.________ verwiesen. Im erstgenannten Bericht vom 13. Mai 1998 wird tatsächlich von fehlender Motivation gesprochen, allerdings bezieht sich diese auf weitere Abklärungsmassnahmen im Rahmen des Klinikaufenthaltes. Im Fragebogen vom 17. Juli 1998 bejahen dieselben Ärzte die Frage nach der Indikation für berufliche Massnahmen. Dr. med. M.________ bejaht nicht nur im Formular "Arztbericht" vom 28. Dezember 1996 die Frage, ob berufliche Massnahmen angezeigt seien, er regt solche in seinem Schreiben vom 25. Februar 2001 ausdrücklich noch einmal an. Indem die Ärzte eine Umschulung empfehlen, scheinen sie immerhin davon auszugehen, dass eine entsprechende Motivation besteht oder zumindest geschaffen werden kann. Einzuräumen ist, dass aus ärztlicher Sicht der Erfolg einer Umschulung als unsicher erscheint. Anderseits ist darauf hinzuweisen, dass sich die IV-Stelle ihre Meinung zur Frage der Umschulung zu einem Zeitpunkt gebildet hat, in welchem die vorerwähnten medizinischen Berichte und insbesondere auch das Gutachten von Dr. med. S.________ vom 18. November 1998 noch nicht vorlagen. Die IV-Stelle fällte ihren Entscheid also ohne Kenntnis der sich auf Grund der medizinischen Berichte ergebenden eigenartigen Diskrepanz zwischen subjektiver Befindlichkeit und objektiven Befunden, welche sich offenbar nicht psychiatrisch erklären lässt. Bei einer solchen besonderen Problematik bedarf die Frage der Umschulung einer vertieften Abklärung. Es trifft zu, dass Eingliederungsmassnahmen eine entsprechende Motivation der einzugliedernden Person verlangen. Ohne Eingliederungsbereitschaft ist eine Eingliederungsmassnahme ungeeignet (vgl. dazu Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 56 f.). Die Mitwirkung an Eingliederungsmassnahmen ist allerdings auch eine Form der jeder versicherten Person obliegenden Schadenminderungspflicht (Meyer-Blaser, Die Tragweite des Grundsatzes "Eingliederung vor Rente", in: Rechtsfragen der Eingliederung Behinderter, St. Gallen 2000, S. 13 f.). Die versicherte Person ist im Rahmen des Zumutbaren verpflichtet, sich Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen. Nach Art. 10 Abs. 2 IVG kann die Versicherung ihre Leistungen einstellen, wenn der Anspruchsberechtigte die Eingliederung erschwert oder verunmöglicht. Bevor eine solche Einstellung der Leistung erfolgt, muss die versicherte Person auf diese Folge hingewiesen werden. Art. 31 Abs. 1 IVG sieht vor, dass eine Rente vorübergehend oder dauernd verweigert oder entzogen werden kann, wenn sich eine versicherte Person einer angeordneten, zumutbaren Eingliederungsmassnahme, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit erwarten lässt, entzieht. Bevor diese Sanktion Platz greift, muss die versicherte Person "unter Ansetzung einer angemessenen Frist und unter Androhung der Säumnisfolgen zur Mitwirkung bei der Eingliederung" aufgefordert werden. Der in Art. 31 IVG vorgesehene Sanktionsmechanismus hat in analoger Weise auch vor Erlöschen eines anderen invalidenversicherungsrechtlichen Anspruches Platz zu greifen. Bevor ein Gesuch betreffend Umschulung abgelehnt wird, ist der Gesuchssteller - vorliegend der Beschwerdeführer - auf konkrete, zumutbare Umschulungsmöglichkeiten hinzuweisen und es ist ihm anzudrohen, dass das Gesuch abgelehnt wird, wenn er an der Umschulung nicht in zumutbarer Weise mitwirkt. Mit einem solchen Vorgehen wird sichergestellt, dass sich ein Gesuchssteller der sozialversicherungsrechtlichen Folgen der Verletzung der Mitwirkungspflicht bewusst wird. Auf diese Weise kann die Motivation zur Teilnahme an Eingliederungsmassnahmen, insbesondere einer Umschulung, von der Verwaltung in einem gewissen Masse herbeigeführt bzw. gefördert werden; zumindest ist ein entsprechender Versuch zu unternehmen. Es geht nicht an, auf Grund einer einmaligen Meinungsäusserung eines Versicherten, er fühle sich nicht arbeitsfähig, die Prüfung der Umschulung ergebnislos abzuschliessen. Gerade im vorliegenden Fall wäre es besonders angebracht gewesen, dem Beschwerdeführer konkrete Umschulungsmöglichkeiten aufzuzeigen und ihn zur Mitwirkung zu motivieren. Der Beschwerdeführer wird als arbeitswillig und grundsätzlich kooperationsbereit bezeichnet; die festgestellte Diskrepanz zwischen subjektiver Einschätzung des Leistungsvermögens und dem anscheinend gegebenen Leistungspotenzial bleibt auf Grund der ärztlichen Berichte ungeklärt. Bei dieser Ausgangslage müsste zumindest ein ernsthafter, konkreter Versuch zu einer Umschulung unternommen werden. Insgesamt erweist sich, dass die Möglichkeit der Umschulung zu wenig abgeklärt ist, eine aktuelle Beurteilung - auch auf Grund der zwischenzeitlich ergangenen ärztlichen Berichte - nicht erfolgte und schliesslich der Beschwerdeführer nicht in genügender Form auf seine Mitwirkungspflicht sowie die Folgen der Verletzung derselben hingewiesen worden ist. Die Sache ist deshalb an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese die Umschulung nach diesen Massgaben neu prüft und gegebenenfalls in die Wege leitet.