Citation: 2C_448/2022 E. 1.2

1.2. Die Beschwerdeführerinnen berufen sich bezüglich des Familiennachzugs auf Art. 44 AIG i.V.m. Art. 8 EMRK (Schutz des Familienlebens). Art. 44 AIG gewährt aufgrund seiner potestativen Formulierung ("ledigen Kindern unter 18 Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung kann eine Aufenthaltsbewilligung erteilt [...] werden") keinen Anspruch auf Familiennachzug. Allerdings können sich die nachzuziehenden Kinder im Falle einer engen und tatsächlich gelebten familiären Beziehung auf den Schutz des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK mit der in der Schweiz ansässigen Person berufen, wenn Letztere über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht (in der Schweiz) verfügt, was praxisgemäss der Fall ist, wenn diese Person das Schweizer Bürgerrecht besitzt, ihr die Niederlassungsbewilligung gewährt wurde oder sie über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht (BGE 146 I 185 E. 6.1 f.; 144 I 266 E. 3.3; 137 I 284 E. 1.2 f.; Urteil 2C_409/2018 vom 23. Januar 2019 E. 1.1 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 145 II 105). Die Mutter der Beschwerdeführerinnen verfügt gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG (zum anwendbaren Recht vgl. E. 2.2 unten) über eine Aufenthaltsbewilligung (nachehelicher Härtefall). Vorliegend bestehen aufgrund der konkreten Umstände (ausländerrechtliche Verwarnung und Androhung des Widerrufs bzw. der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung; vgl. Bst. A.c oben) erhebliche Zweifel, ob sie (die Mutter) über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht im Sinne der Rechtsprechung verfügt (vgl. Urteil 2C_360/2016 vom 31. Januar 2017 E. 5.1) und sich damit in vertretbarer Weise auf einen potenziellen Bewilligungsanspruch berufen kann. Die Frage kann jedoch vorliegend offen gelassen werden, da die Beschwerde in der Sache ohnehin abzuweisen sein wird (vgl. E. 4 ff. unten). Da die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (zumindest in Bezug auf die Beschwerdeführerin 2; Art. 42, Art. 82 lit. a, Art. 86 Abs. 1 lit. d und Abs. 2, Art. 89 Abs. 1, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 BGG) erfüllt sind, ist auf die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten in Bezug auf die Beschwerdeführerin 2 einzutreten (zur Beschwerdeführerin 1 vgl. E. 1.3 f. nachfolgend).