Citation: 6B_258/2018 E. 3.4.2

3.4.2. Die Lehre ist teilweise der Ansicht, bei mehreren gleichrangig berechtigten Personen (wie zum Beispiel Ehepartnern oder Mietern in einer Wohngemeinschaft), die keinen einheitlichen Willen teilen, sei Art. 186 StGB schon anwendbar, wenn eine dieser Personen dem Dritten den Zutritt verweigert (vgl. Dupuis et al. [Hrsg.], Code pénal, Petit commentaire, 2. Aufl. 2017, N. 23 zu Art. 186 StGB; Stratenwerth/Wohlers, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 3. Aufl. 2013, N. 6 zu Art. 186 StGB; Bernard Corboz, Les infractions en droit suisse, Vol. I, 3. Aufl. 2010, N. 30 zu Art. 186 StGB; Stratenwerth/Jenny/Bommer, Schweizerisches Strafrecht, Straftaten gegen Individualinteressen, 7. Aufl. 2010, § 6 N. 7; José Hurtado Pozo, Droit pénal, Partie spéciale, 2009, Rz. 2721). Ein anderer Teil der Lehre vertritt hingegen die Auffassung, der Wille einer einzelnen berechtigten Person reiche zur Zutrittsgewährung aus (Patrick Stoudmann, in: Commentaire romand, Code pénal II, 2017, N. 17 zu Art. 186 StGB; Delnon/Rüdy, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N. 29 zu Art. 186 StGB; Martin Schubarth, Kommentar zum schweizerischen Strafrecht, Besonderer Teil, 3. Band, 1984, N. 32 zu Art. 186 StGB). Es gibt für beide diese in der Lehre vertretenen Ansichten plausible Argumente. Darauf, dass eine berechtigte Person den Zutritt zu den geschützten Räumen allein verweigern kann, deutet der Wortlaut von Art. 186 StGB in allen drei Amtssprachen hin (vgl. Bernard Corboz, a.a.O.). Hingegen erscheint diese Ansicht, nach welcher es mit anderen Worten der Zustimmung oder zumindest des fehlenden Widerspruchs sämtlicher gleichrangig berechtigter Personen bedarf, angesichts des strafrechtlichen Legalitätsprinzips (Art. 1 StGB) nicht unproblematisch. So kann es für den Dritten, der einen geschützten Raum betritt oder darin verweilt, unzumutbar oder gar unmöglich sein, in Erfahrung zu bringen, ob alle berechtigten Personen damit einverstanden sind (vgl. Patrick Stoudmann, a.a.O., sowie bereits Martin Schubarth, a.a.O.). Mit C.D.________ war vorliegend lediglich eine berechtigte Person im geschützten Raum anwesend. In dieser Konstellation erübrigt sich eine Beantwortung der von der Lehre soweit ersichtlich nicht näher differenzierten Frage, ob der Dritte einen Hausfriedensbruch begehen kann, wenn mehrere Berechtigte anwesend sind und bloss eine von diesen Personen den Dritten gewähren lässt. Weshalb der Wille einer abwesenden demjenigen einer anwesenden, gleichrangig berechtigten Person vorgehen sollte, ist jedenfalls nicht nachvollziehbar. Der anwesende C.D.________ widersetzte sich offenkundig einem Zutritt der Polizei. Der Beschwerdegegner liess die Wohnung trotz der für das Bundesgericht verbindlich festgestellten Tatsachen (Art. 105 Abs. 1 BGG), insbesondere der von C.D.________ klar geäusserten Weigerung und fehlender strafprozessualer Anordnungen, Dringlichkeit als auch Verhältnismässigkeit stürmen. Die Ehefrau von C.D.________ war weder in der Wohnung anwesend, noch betrat sie diese zusammen mit den Mitgliedern der Sondereinheit. Indem die Vorinstanz den Beschwerdegegner vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs mit der Begründung, die abwesende Ehefrau von C.D.________ habe gewollt, dass sich die Polizei in die Wohnung begeben würde, frei spricht, verletzt sie Bundesrecht.