Citation: 6B_1115/2022 E. 3.3.2

3.3.2. Das "Stürmen" des Platzes vor dem Prime Tower und Vertreiben der sich dort aufhaltenden FC C.________-Fans durch die FC B.________-Anhänger erfüllt grundsätzlich die Merkmale eines Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB. Die Aktion ging einseitig von den FC B.________-Anhängern aus und erfolgte in feindseliger Absicht sowie unter Anwendung körperlicher Gewalt. Zutreffend ist, dass nach dem festgestellten Sachverhalt nicht sämtliche Angehörige der angegriffenen Gruppe bloss flohen, sondern einzelne von ihnen zurückkehrten und vereinzelt Gegenstände warfen (vgl. angefochtenes Urteil E. III.3.6 S. 13). Selbst unter der Annahme, das Verhalten jener Personen habe das Mass einer notwendigen Abwehrreaktion überschritten und sei als eigenes aktives Mitwirken am Geschehen zu erachten, ist der Vorinstanz jedoch keine unrichtige Rechtsanwendung vorzuwerfen. Zwar wandelt sich gemäss der Rechtsprechung bei einer solchen Gegenwehr das Geschehen von einem (einseitigen) Angriff zu einem (wechselseitigen) Raufhandel. Das kann im vorliegenden Fall allerdings nicht für das gesamte Tatgeschehen gelten, das aus einem Angriffshandeln der FC B.________-Anhänger besteht, dem zu einem überwiegenden Teil gerade keine aktive Gegenwehr seitens der angegriffenen Gruppe entgegengesetzt wurde. Die Anwendung der Tatbestände von Art. 133 und 134 StGB kann ineinandergreifen bzw. -übergehen, indem eine Phase des Tatgeschehens als Angriff und eine weitere als Raufhandel oder umgekehrt zu beurteilen ist (vgl. zu einer solchen Phaseneinteilung BGE 118 IV 227 unter Einschluss der nicht publizierten E. 3 ff.; so auch MAEDER, a.a.O., N. 18 zu Art. 134 StGB). Ob im zu beurteilenden Fall jene Teilsachverhalte, in denen eine zu einem Raufhandel führende aktive Gegenreaktion allenfalls zu verzeichnen ist, als eigenständige Phasen im genannten Sinne zu würdigen oder ob sie - übereinstimmend mit der Vorinstanz - als unbedeutende Nebenschauplätze ohne eigenständiges Gewicht zu erachten sind, kann offenbleiben. Denn dass der Beschwerdeführer an einem solchen Teilsachverhalt mit aktiver Gegenwehr seitens der angegriffenen Gruppe mitgewirkt hätte, ergibt sich weder aus der Anklageschrift noch aus dem vorinstanzlichen Urteil, sondern ihm wird allein zur Last gelegt, an einer von den FC B.________-Fans ausgegangenen einseitigen Attacke ohne entsprechende Gegenreaktion mitgewirkt zu haben. Eine solche einseitige Attacke ist, wie gesagt, in Bezug auf den Grossteil des Geschehens ausgewiesen und stellt insbesondere auch das Vorgehen gegen das vom Beschwerdeführer malträtierte Opfer dar, das zuerst von zwei anderen Personen aus der Gruppe des Beschwerdeführers traktiert worden war, bevor der Beschwerdeführer sich gegen dieses wandte, und das zu keiner Zeit Gegenwehr leistete.